Kr.«85. RbtnnementS'Beilngvnmt CBcnnemf m«• Preis Ctänumetonie! Stcticljä�tl. 830 Mk, monail. 1,10 m, wöchenllich 2s Pfg, frei in4 HauS. Einzelne Kummer B Pfg. EoimlagZ. Hümmer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Best' io Pfg, Post. llbonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post, Zeitung». Breisliste. Unter Kreuzband für Deustchland und Oesterreich» Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Porlugal, nünien. Schweden und die Schwei», 2». Zohrg. Bk TnferlloM'SeMlv »etrSgi für die lechSgefpaUen« MlmtU »eile oder deren Raum tO Wg, für poliiilche und gewerllchafiliche PereinS- und Leriainmlungs.Anzeigen« Pfg. Kleine lZnreigen", das ieNgedrullie «ort 20 Pfg. izulilsig 2 feiigedruilie Worte). ledkS weitere Wort 10 Pig. Slellengenich» und kchlasslellenan. zeigen da» erste Wort 10 Pfg. jede» weitere Wort 5 Pfg.«orte über IBBuc,- Naben ziibien für zwei Worte. Jnferaie für die nächste Nummer Müllen di» B Uhr nachniiiiagS in der Expedition »»gegeben werden. Die Expedition ist di» 1 Uhr abends geöffnet. vlchttit am»»llLer Uno«. Verlinev Volksblatt. Zentralorgan der rozialdemokrati feben Partei Deutschlands. Telegramm■ Adreffei �txlaidtmtknt Btrlli". Redahtiont SM. öS» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplttq. Nr. IS8Z. Mittwoch, de» 6. Dezember tttU. Expedition: SM. öS, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Mortstplast. Nr. kelhmann; goppelichsvenkung. Wieder einmal hat der Deutsche Reichstag gezeigt, daß er in der Tugend der Bescheidenheit alle anderen Parlamente der Welt übertrifft. Er hat ganze drei Stunden in seiner letzten Sitzung der wichtigsten Frage der Reichspolitik gewidmet. die Deutschland nicht nur, sondern auch ganz Europa tief erregte, und dann schnitt er den Sozialdemokraten das Wort ab. Die Auseinandersetzungen im Deutschen Reichstag am 9. bis tl. November, die fünftägigen Debatten in der Budgetkommtssion und dann die Verhandlungen des englischen Parlaments, auf welche die ganze Welt mit Spannung blickte, hatten gerade Stoff genug geboten für eine gründliche Er- örterung. Sind doch noch viele Fragen aufzuklären, die das Ver- hältnts Deutschlands zu England berühren und für den Frieden der Welt von Bedeutung sind. Aber die Reichsboten der bürgerlichen Parteien waren mit dem Reisesack in der Hand erschienen und wollten keine Viertelstunde ihrer kostbaren Zeit aus diese wichtige Aufgabe verschwenden. Die Regierung war nämlich wieder so schlau gewesen, zu veranlassen, daß die Marokkodebatte auf die letzten Stunden vor dem geplanten Sessionsschluß verschoben würde und Herr Wahnschuffe. der Adjutant Bethmanns, hatte unter der Hand bei den bürger- lichen Parteien darauf hingewirkt, daß die Redner sich doch mit kurzen Erklärungen begnügen möchten. Bis auf die Sozialdemokraten kamen denn auch alle Parteien diesen Re- gierungswünschen nach. Zunächst erstattete Freiherr v. Hertling als Referent der Budgetkommtssion Bericht über deren Verhandlungen. In der Hauptsache kam sein Referat auf die Empfehlung des unter Zustimmung der Regierung von der Kommission ein- gebrachten Gesetzentwurfes hinaus, der für künftige Neuerwerbungen oder Abtretungen von Kolonialgebiet die Genehmigung des Reichstages vorschreibt. Der Zentrums- diplomat verschleierte dabei die Tatsache, daß anfänglich die Mehrheit der Kommission auf dem von der Sozialdemokratie zuerst vertretenen Standpunkt gestanden hatte, die vorgelegten Verträge bedürften der Genehmigung des Reichstages. Die Zentrumspartei war es, die durch ihren Umfall die Mehrheit in eine Minderheit verwandelt hatte und damit den eigenen Rechtsstandpunkt preisgab. Es ist aber notwendig, das hier zu betonen, um nicht die Darstellung des Herrn v. Hertling als richtig in die Welt hinausgehen zu lassen. Sobald der Zentrumsredner geendet hatte, ergriff der Reichskanzler das Wort. Ton und Inhalt seiner Rede hoben sich in bemerkenswerter Weise von seinen Darlegungen vom 9. und 10. November ab, und zwar nach zwei Richtungen hin. Er milderte erheblich den Gegensatz ab. in den er damals zu Herrn v. Heydebrand getreten war. Andererseits verschärfte sich seine Sprache gegen England, obgleich er sich natürlich bemühte, seine Aus- sührungen in Versicherungen des Wohlwollens und der Fried- ferttgkeit gegen England ausklingen zu lassen. Jemand, den Bethmanns Reden am 9. und 10. November unbekannt geblieben wären, würde aus seinen Ausführungen am ö. Dezember absolut nicht entnehmen können, welch starke Differenzen sich damals zwischen ihm und der Junkerpartci aitfgetan hatten. Um diesen Gegensatz in Vergessenheit zu bringen, grub der Kanzler diejenigen Sätze aus seiner Rede wieder aus. in denen er die patriotische Stimmung deS verflossenen Sommers als einen wertvollen Beweis opferbereiter Vaterlandsliebe gepriesen und erklärt hatte, daß sie ihm eine wertvolle Stütze gewesen sei. Er knüpfte jetzt daran noch den Wunsch, daß die in jener wohl- tätigen Stimmung betätigte Gesinnung sich dauernd in schwierigen politischen Lagen bewähren möge. Da diese hochgepriesene Stimmung zweifellos durch die vieldeutige Schweigetaktik der deutschen Regierung nach dem Panther- sprang künstlich erzeugt war. und da andererseits in den bramarbasierenden Worten Heydebrands nur die Enttäuschung der„wahren Patrioten" über die Nichterfüllung der erweckten Hoffnungen zutage getreten war. so verkapselte sich in diesen ganzen AuSsührungcn Bethmanns offenbar die Bemühung. sich mit Heydebrand und Konsorten wieder zu vertragen. Dieses Kanzlermanöver entspricht ja auch den Bedürfnissen des schwarzbiauen Blocks und seiner Handlanger im Regie- rungslager unmittelbar vor den unheildräuenden Wahlen, es kann aber nicht dazu beitragen, das Bild des Herrn v. Beth- mann mit dem Zuge hochgemuter Charatterstärke zu versehen. Um so mehr reckte der Kanzler sich aus gegen England. Er versicherte zwar, daß er sich nicht in retrospektive Betrachtungen ergehen wolle, da dabei nichts herauskomme. Aber diese Ent- haltsamkettseicklärung diente nur zur Einleitung für eine längere retrospektive Betrachtung, in der er das Verhalten der eng- tischen Regierung während des Verlaufs der ganzen Marokko- kriie Revue passieren ließ. Entkleidet inan seine Worte ihres diplomatischen Gewandes, so kamen sie auf die Betonung einer Anzahl Beschwerdepinikte der deutschen Regierung gegen England heraus. So meinte er. Lloyd George habe zu Unrecht die Besorgnis ausgesprochen, daß England Gefahr gelauien sei,„nicht mehr geachtet zu werden im Rate der Nationen." Wohl aber hätten England und Frankreich bei ihren Abmachungen über Nordafrika im Jahre 1904 talsämlich Deutschland nicht gebührend geachtet. Mit besonderem Nachdruck wie» der Kanzler dann auf die Enthüllungen des Kapitän Faber über mehr oder minder weitgehende Kriegsvorbereitungen Englands hin. Der Kanzler zog aus all dem die Schlußfolgerung, daß Deutschland un- beirrt tn ruhiger Stärke bei seiner bisherigen Politik, also wie erläuternd hinzugesetzt werden muß, auch bei dem bisherigen Mstungstempo beharren müsse. Es kam dem Kanzler offenbar nicht zum Bewußtsein, daß in diesem Nüstungstempo der tiefere Grund für die Erregbarkeit und den Argwohn der öffentlichen Meinung Englands gegenüber Deutschland zu suchen ist. Er betonte zum Schluß allerdings stark, daß wir aufrichtig Frieden und Freundschaft mit England wünschen; seine ganzen Auslastungen zeigen aber, daß er nicht geneigt ist. Wege einzuschlagen, die Frieden und Freundschaft mit England dauernd sichern würden. Recht bemerkenswert war das Verhalten der Parteien während dieser Kanzlerrede. Im allgemeinen wurde sie ruhig und aufmerksam, ohne irgendwelche pole- mische Unterbrechungen von irgendeiner Seite angehört. Beifall spendeten eigentlich nur die Nationallibera- l e n dem Kanzler bei denjenigen Stellen, in denen ein ge- steigertes Selbstgefühl gegenüber England zum Ausdruck kam. Die Konservativen, deren Gunst er zurückzugewinnen suchte, verhielten sich gegen seine Näherungsversuche völlig kühl. Trotzdem ist äußerlich der Friede zwischen dem leiten- dest Oberbureaukraten und der regierenden Junkcrpartei offenbar hergestellt. Wie die Junker aber den Zwist und dessen Schlichtung angesehen haben wollen, das kam in der Rede des Grafen W e st a r p deutlich zum Ausdruck. Der konservative Redner hatte seine gedankenarmen Ausführun- gen wörtlich zu Papier gebracht und trug sie halb ablesend vor. Das machte sie nicht gerade zu einem anregenden oder anmutigen Ohrenschmaus. Aber er betonte, daß er auf Grund eines einmütigen Beschlusses der Fraktion, deren volle Uebereinstimmung mit der Rede Hcydebrands vom 9. November erklären könne. Auch seine sonstigen Ausführungen ließen erkennen, daß er keineswegs gegen England von freundschaftlicherem Gefühle beseelt ist als Herr von Heydebrand. Genoste Bebel, der nunmehr zum Wort kam, stellte zunächst fest, daß in der schriftlich aufgesetzten Rede des Grafen Westarp Wendungen enthalten seien, die nur ver- ständlich wären, wenn der Kanzler ihm vorher Auf- schluß gegeben hätte über das, was er über gewisse Punkte sagen würde. Unser Redner war durchaus nicht zufrieden mit den Rechtfertigungsversuchen des Kanzlers wegen der Schweigsamkeit der Regierung nach dem Panthersprung. Die Anwesenheit des Kriegs- schiffes hätte Frankreich nicht nur. sondern auch England als eine permanente Drohung empfinden müssen. Durchaus zufrieden erklärte Bebel sich aber damit, daß in dem eigent- lichen Marokkovertrage Deutschland auf jeden Besitz in Marokko verzichtet und die offene Tür für Deutschland nicht nur. sondern für den Welthandel gesichert habe. Er hob hervor, daß eine Besitznahme von Stücken Marokkos für Deutschland nur eine schwere gefahrbringende Last gewesen sein würde, wie ja überhaupt die gesamten Kolonien, die Deutsch- land erworben habe, für die Befriedigung seiner Handels- bedürfnisse völlig überflüssig seien und sonst uns nur Un- gemach verursacht hätten. Bebel rügte aber auch die Rede von Lloyd George, die er für einen schweren Fehler erklärte. Er konnte sich für dieses Urteil auf eine ganze Reihe eng- lischer Politiker berufen, insbesondere aber auf unseren Ge- nassen Keir Hardie, der erklärt hatte, die Diplomaten und Staatsmänner hätten sich„wie Schulbuben" benommen. Im Zusammenhang damit kritisierte Bebel die d i p l 0 m a- tische Geheimnistuerei, die nur neuen Zündstoff vorbereite. Zum Glück seien die Völker überall zu der Not- wendigkeit erwacht, die Führung der öffentlichen Angelegen- heiten aus der Dunkelkammer der Diplomatie herauszu- bringen. Schließlich wies er darauf hin, daß die Wirtschafts- Politik Englands für Teutschland gegenwärtig günstiger sei, als die irgendeines anderen Großstaates. Würde nun durch aas deutsche Wettrüsten England zu weiteren eigenen Rüstungen angetrieben, so würde ihm die Aufbringung der Mittel dazu schließlich den Schutzzoll ausnötigen und dadurch allerdings Deutschland Schädigungen bereiten. Die Haupt- aufgäbe für uns sei deshalb eine Verständigung mit England über Beschränkung der Rüstungen. Gelinge vas nicht, so trieben wir dem Zusammenbruch zu. Unter den Rednern der übrigen Parteien war es gerade der nationalliberale Abgeordnete B a s s e r m a n n, der in seiner Rede eine weltpolitische Polemik gegen Bebel einflocht. Er warf ihm vor, daß er sich zu sehr in die Seelen der Gegner Deutschlands versenke, und bekannte sich selbst zu dem an- rüchigen Grundsatz Disraelis:„Recht oder Unrecht, mein Vaterland". Bassermann vermochte es nicht im geringsten einzusehen, daß auch der Marokkohandel Anklagematerial gegen die kapitalistische Gesellschaft liefere und begegnete sich mit dem Grafen Westarp in Scharfmachereien gegen England. Dem gerechtfertigten Wunsch der Sozialdemokraten, auf diese Bassermannschen Angriffe eine gepfefferte Antwort zu er- teilen, offenbar zum Trotz, schloffen die bürgerlichen Parteien die Debatte. Tann wurde noch rasch abgestimmt und nach den An- trägen des Zentrums in das Schutzgebietgesetz die Bestim- mung aufgenommen, daß künftighin koloniale Besitzverande- rungen der Genehmigung durch den Reichstag und Bundes» rat bedürfen. Der Reichstag des Hottentottenwahlfchwindels hatte damit sein Ende gefunden. ver Krieg. Die Verdoppelung der italienischen Streitkräfte in Tripolis hat feit Ende November ein offensives Vorgehen ermöglicht. Seit dem 26. November ist es den Italienern dank ihrer Uebermacht und überlegenen Bewaffnung gelungen, die Türken und Araber aus den bisherigen Stellungen zurückzudrängen. Wochenlang hat es die türkische Leitung fertig gebracht, die Italiener in einem kleinen Zirkel um Tripolis herum festzu» halten und durch Scharmützel zu ermüden. Jetzt ist sie offen- bar nach energischer Gegenwehr einem Massenangriff gewichen und hat sich in südöstlicher Richtung in das Gebirgsland zurück- gezogen. Dieser Rückzug braucht noch keine Niederlage zu sein, sondern kann aus taktischen Gründen erfolgt sein. Die Italiener feiern natürlich ihr Vordringen nach Ain» Z a r a als einen großen Sieg. Nichtig ist, daß ihre Ope- rationsbasis ungefähr l0 Kilometer weiter nach Süden vor- geschoben werden konnte. Die Besetzung von Ainzara bedeutet den Abschluß der ersten, für die Italiener wenig rühmlichen Epoche des tripoli- tanischen Raubzuges. Jetzt kommt voraussichtlich die Periode des Guerillakrieges, der sehr lange dauern kann. Die Schwierigkeiten, die die Italiener bei ihrem weiteren Vor- dringen ins Binnenland zu überwinden haben, sind von uns schon früher in ihren Einzelheiten geschildert worden. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß die jetzt auf afrikanischem Boden stehenden Truppen nicht ausreichen, den etappen- nläßigen Einmarsch in das wasserarme Fezzan durchzuführen. und daß dem italienischen Volke auch nach dem gestrigen „Siege" von Ainzara noch schwere Opfer an Blut und Gut zugemutet werden. Der italienische Borstoß auf Ainzara. Tripolis, 5. Dcgember. Meldung der Agenzia Stefani.) Gestern reihten die italienischen Truppen ihrem Siege vom 26. November einen neuen Sieg an, indem sie Ainzara, den Mittelpunkt de? Widerstandes der dort konzentrierten regulären türkischen Truppen. im Sturm einnahmen und acht Kanonen, Munition. Zelte, Borrnte, kurz alle« erbeuteten, was die Türken und mit ihnen Araber und Beduinen auf ihrer überstürzten Flucht in daS Innere deS Landes zurückließen. Der gestrige Tag war damit für Tripolitanien entscheidend, denn er macht Tripolis und die Oase stei, trennt die noch vorhandenen türlrichen Truppen vom Meere und von ihrer ZufuhrbafiS und schließt eine Kriegsperiode ab, an deren Stelle nunmehr ein einfacher(?!) Guerillakrieg tritt. Der Kampf begann gestern früh um 6 Uhr mit einer Beschießung der Oase östlich von Amruß und Fournaci durch die italienische Flotte- Die Avantgarde befand sich um S Uhr in Fühlung mit dem Feinde, der sich hinter den Dünen vor seiner Hauptstellung verborgen hielt. Gegen S Uhr war der italienische Bormarsch allgemein. Er wurde unterstützt durch die GebirgSbatterien, welche die Angriffskolonnen begleiteten, und durch die festen italienischen Stellungen. Nunmehr erfolgten von der Oase und rechts von Gar« garesch her zwei Angriffsversuche auf den italienischen rechten und äußersten linken Flügel seitens arabischer Haufen. Die Türken benutzten dies, um sich von ihrer ersten in eine zweite Verteidigungsstellung zurückzuziehen, aber nach zwei Stunden waren die Italiener schon über die stüheren feindlichen Stellungen vor» gedrungen, und der ersten Staffel der Division Pecori gelang eS, die Feinde aus ihren Schützengräben zu werfen. Um 8 Uhr nach» mittags nahmen die Italiener die letzten feindlichen Verteidigung?» werke von Ainzara ein. Die Division Pecori und die Brigade Rainaldi zogen in die verlaffenen Lager ein und verbrachten dort die Nacht. Die italienischen Verluste sind noch nicht genau fest« gestellt, aber sie betragen nicht mehr als etwa hundert Kampf« unfähig«. Die Verluste des Feindes belaufen sich nach einer Depesche des General» Pecori aus Ainzara auf mehiere hundert Tote und viele Verwundete. Kämpfe bei Benghafi. Rom, v. Dezember.(Meldung der.Agenzia Stefani'.) Bei Benghafi wurde während der Nacht eines der kleinen italienischen Fort« von einer feindlichen Abteilung angegriffen. Der Feind wurde jedoch mit erheblichen Verlusten zurückgewiesen, während auf italienischer Seite vier Mann getötet und vier verwundet wurden. Wie aus Tobruk gemeldet wird, ist dort der Torpedoboots» Zerstörer Bersaglieri mit zwei aufgebrachten türkischen Seglern angekommen. Die italienische Aktion im Roten Meere. Rom, 6. Dezember. Die.Agenzia Stefani' meldet au» Massaua: Der Kreuzer.Calabria' ist von seiner Kreuzfahrt auf dem Roten Meere hierher zurückgekehrt und berichtet folgende Einzelheiten: Am 86. November entdeckte der.Bolturno' zahl» reiche Fahrzeuge im Hafen von Mokka; er zerstörte fünf davon durch Gelchützseuer und ließ die übrigen durch eine LandungS» abteilung versenken. Die türkischen Truppen machten einen Angriff, wurden aber durch daS italienische Geschüyfeuer zurückgeworfen. Zehn Meilen nördlich davon zerstörte die .Volturno' sieben andere Schiffe und gab einige Schüsse auf feind»' liche Kavallerie ab. Unterdessen entdeckte die«Calabria" bei Scheit Said ein türkisches Lager und wurde von dort beschoffen. Da» Schiff brachte durch seine Artillerie das Feuer zum Schweifen und zerstörte da? Sager. Die„Talabrla* fuhr dann an der Insel Perlm vorbei und strich die Flagge zur Respektierung der neutralen Gewässer. Kaum war sie jedoch an der Spitze von Perim vorübergefahren, als das Fort das Feuer aus einigen Geschützen mittleren Kalibers er- öffnete. Die„Calabria" antwortete und zerstörte zwei Kanonen und einen Teil des Forts und des Lagers.—„Volturno" kehrte am 1. Dezember nach Mokka zurück und zerstörte oder beschädigte dort fünf- zehn weitere Schiffe.„Calabria" und„Volturno" untersuchten dann nochmals die ganze Küste, ohne auf Schiffe zu stoßen. Die italienische Flottenaktion macht jede weitere Bedrohung der gegenüberliegenden italienischen Kolonie unmöglich. Die italienischen Schiffe sind nicht beschädigt, die Mannschaften unverletzt. Die Dynaiiiitattentate lmsgarischer Bauden. Koilstautinopel, 5. Dezember. Eine amtliche, im Ministerium des Innern eingetroffene Depesche über das Bombenattentat in I st i p meldet: Gestern explodierte in Jstip, Wilajet Kossowo, eine von Bulgaren in der Moschee Tscharschidiami gelegte Bombe. Die Moschee flog in die Luft. Durch die Explosion ivurde unter der musemanischen Bevölkerung eine derartige Aufregung hervorgerufen, daß eS zu Tumulten kam, in deren Verlauf 12 Personen getötet und 20 verletzt wurden. Das Ministerium des Innern hat dringend Aufklärung darüber verlangt, welcher Nationalität die getöteten Personen an- gehören. Abends trat ein Ministerrat zusammen, der sich mit dem Dtznamitattentat befaßte. Nach dem Ministerrat teilte der Minister des Innern den Journalisten ein Communiqus mit, worin eS heißt, es sei außer Zweifel, daß dieser Anschlag und die beiden an einem so heiligen Tage wie dem Veiramsfeste verübten verbrecherischen Anschläge auf Postzüge darauf abzielten. unter der muselmanischen Bevölkerung Aufregung hervorzurufen und glauben zu machen, daß die öffentliche Ordnung gefährdet sei. Die Regierung habe jedoch alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, den Kaimakam UeSküb nach Jstip geschickt und die nötigen Weisungen gegeben. Die Urheber der verbrecherischen Anschläge würden ihren Zweck nicht erreichen. Die Dardanellenfrage. Konstantinopcl, 5. Dezember. Offiziell wird erklärt, die Version. daß die Dardanellen neutralisiert werden sollen, sei falsch. Italien würde dadurch volle Aktionsfreiheit bekommen und die Türkei ihrer natürlichsten Gegenwehr beraubt werden. Neutra» lität habe niemals existiert, und die Durchfahrt durch die Dardanellen hänge ausschließlich von der Erlaubnis des Sultans ab. Frankfurt a. M., 5. Dezember. Der„Frankfurter Zeitung' wird auS Konstantinopel gemeldet: Rußland hat nunmehr zu dem schon einige Zeit erwarteten Schritte ausgeholt und der Pforte eine Note überreicht, in der eS die Forderung auf freie Durchfahrt für die russische Schwarzmcersiotte durch die Meerenge des Bosporus und der Dardanellen erhebt und verlangt, daß den Kriegs- flotten der anderen Mächte der Zugang zu den Meerengen auch weiterhin verwehrt werde. Otstcmich und Italien. Wien, 4. Dezember. Im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses wurde heute die Verhandlung über das Budgetprovisorium fortgesetzt. Der Tiroler S ch r a f f l führte aus, das Borgehen bei der Sicherung der Reichs- grenzen in Tirol habe eine gewisse Unruhe hervorgerufen, weil dort ein förmlicher Zickzackkurs beinerkt werde, der geeignet sei, die Einwohner an der Grenze des Landes zu beunruhigen und zu schädigen. Das Land Tirol sei friedliebend und wünsche nichts weniger als Krieg mit dem Nachbar. Gerade darum müsse die militärische Sicherung der südlichen Grenze Oesterreichs in genau derselben Weise erfolgen, wie der Nachbar seine Grenze gegen Oesterreich sichere. Oester- reich liege jeder Gedanke eines Angriffs fern. Aber was gegenüber einein so friedliebenden Staate wie Oesterreich dem Nachbar unerläßlich scheine, müsse auch im Interesse des eigenen ReicbeS unerläßlich sein. Redner verwies auf die militärischen Maßnahmen an der italienischen Nordgrenze, während die Hälfte der österreichi« scheu Grenze jeder Grenzsicherung entbehre. Die öfter- reichische Grenze möge entweder durch FortS oder gute Verbindungen oder auf andere Weise militärisch gc- sichert werden._ Sie Revolution in Lhina. Waffenstillstand. London, 5. Dezember. AuS Peking wird den„TimeS' ge- meldet, die chinesische Regierung verkünde allen Bizekönigcn und Gouverneuren durch ei» Dekret im Amtsblatt, daß mit den Revolutionären ein dreitägiger Waffe»still st and verabredet worden sei. Die Aussichten zum Frieden find größere geworden. Juantschikai teilte telcgraphisch nach Hankau mit, daß er bereit sei, den Waffenstillstand auf 14 Tage zu verlängern. Diese Verlängerung gilt nicht nur für die Operationen in Hankau und Wntschang, sondern auch für alle anderen, Nanking mit einbegriffen. Die Negierung verpflichtet sich, keine neuen Truppen in diese Gebiete zu entsenden, bevor die geplante Konferenz zwischen Vertretern der Revolutionäre und der Negierung ihre Be- schlüffe gefaßt haben wird. Juantschikai hat bereits eine Truppen- abteilung, die per Bahn über Hankau und Tieutsin nach Nanking gehen sollte, zurückgehalten. Zur Beruhigung Tibets. Petersburg, 5. Dezember. Der gewesene Dalai Lama wird demnächst mit Einwilligung der chinesischen Negierung nach dem Tibet zurückkehren. Die chinesische Regierung hofft, dadurch eine Verbesserung der sich für sie immer kritischer gestallenden Lage herbeizuführen. Ein Boykott deutscher Kausteute i» Schanghai. Schanghai, 4. Dezember.(Meldung des Neuterschen Bureau?.) Deutschen Firmen ist heute eine anonyme Warnung zugegangen, die im Zusammenhang steht mit dem Vorschlage, die deutschen Kaufleute zu boykottieren, weil einige von ihnen die Kaiserlichen mit Munition unterstützt haben sollen. Die Angelegenheit ivird untersucht und mit dem Schuldigen wird kurzer Prozeß gemacht werden, gleichviel, ob er ein Fremder oder ein Chinese ist. lünßlnntU Raubzug. Schlag auf Schlag ist in den letzten Tagen in der anti- persischen Politik Rußlands erfolgt. Auf das erstb Ultimatum, dem Herr Neratow, der Verweser des russischen Ministeriums des Auswärtigen, unvorsichtigerwcise sein Aktionsprogramm gegen Persien vorausgeschickt hatte, ist ein noch zynischeres zweites Ultimatum gefolgt, und da auch dieses, wie nicht aitders zu erwarten nlltr, von der persischen Regierung ab- gelehnt Ivurde, sind die russischen Truppen bis nach Teheran vorgerückt. Der Augenblick für das Vordringen in Persien ist von der russischen Diplomatie sehr geschickt gewählt worden. �ie neuerliche Verschärfung der deutsch-englischcn Beziehungen hat die e n g l i s ch e Diplomatie in noch stärkerem Maße als früher zum Vasallen der russischen Politik in Vorderasien gemacht. Die Zustimmung der deutschen Diplomatie ist bereits im vorigen Jfchre in Potsdam erkauft Worden. Und hinsichtlich der Türkei, deren Vor- dringen im Urmiagebiet Rußland stets eifersüchtig verfolgte, braucht es sich jetzt, während des tiirkisch-italienischen Krieges, kein Kopfzerbrechen zu machen. Tie internationale Lage ist also dein russischen Raubzuge nach Persien günstig, und der russischen Regierung bietet sich die langersehnte Gelegenheit, den Spuren des Kosakenobersten Ljachow zu folgen und wieder die Herrschaft des Säbels und der Knute in Teheran zu etablieren. Nach dem Mißerfolg des Exschahs Mahomined Ali, dessen offenkundig von Nußland unterstützter Putsch- versuch einen bösen Eklat für die russische Regierung be- deutete, blieb dieser auch kein anderer Weg übrig, als einen Streit mit Persien vom Zaune zu brechen, denn die erfolg- reiche Reformarbeit in Teheran drohte die Früchte der lang- jährigen Wühlereien Rußlands und damit dessen Hoffnungen auf die persische Beute zu nichts zu machen. Es ist kaum anzunehmen, daß es schon jetzt zu einer offenen Teilung Persiens zwischen Rußland und England kommen wird. In den offiziellen russischen Kreisen fühlt man sich nicht vorbereitet, einen langwierigen, hartnäckigen Kamvf mit den persischen Nomadenstämmen aufzunehmen, und will vielleicht auch nicht die englische„Freundschaft" auf die Probe stellen, indem man den Puffer zwischen der russischen und eng- tischen Grenze zerstört. Und in England sehen sogar die regierungstreuen Blätter mit großer Besorgnis der Möglich- keit entgegen, daß Rußland der Grenznachbar Englands werden könnte. Aber wenn diese Möglichkeit auch nicht eintritt, so unterliegt es doch keinem Ziveifel, daß die russische Politik in Persien in ein neues, höchst gefährliches Stadium eingetreten ist, dessen Endergebnis die O k k u- pation Nord-Persiens sein wird. Rußland will um jeden Preis die dominierende Rolle in Persien wiedergewinnen, die es iinter Mahommed Ali gespielt hat, als der russische Botschafter v. Hartwig, der Kosakenoberst Ljachow und der Kommandeur des kaukasische» Militär- bezirkcs die Fäden der persischen Politik in den Händen hielten. Um dieses Ziel zu erreickien, soll nun vor allen Dingen der energische Reformator Persiens, der amerikanische Finanz- betrat Morgan S h u st e r, beseitigt und die persische Rc- gierung soweit gedemütigt werden, daß die Berufung von Ausländern in persische Dienste in erster Linie von dem Willen der russischen Regierung abhängt. Neben der starken russischen Truppenmacht, der finanziellen Vorherrschaft der russischen Banken, der Nebenregierung der russischen Kon- sulate bedeutet diese Einmischung die Vernichtung der letzten Ueberreste der Selbständigkeit und Integrität Persiens. deren ..Wahrung" sich England und Nußland in ihrem Abkommen von 1907 heuchleriicherweise zur Ausgabe gestellt haben. Dieses Abkommen hat übrigens— wie die„Nowoje Wremja" schreibt— bisher einen mehr theoretischen Charakter getragen, und soll nun von seiner„Lebensfähigkeit" Zeugnis ablegen, wenn es die jetzige„ernste Prüfung" übersteht. Ein Appell des persischen Parlaments. Teheran, 5. Dezember. Der M e t> s ch l i s hat das britische Parlament telegraphisch gebeten, ihm darin zur Seite zu stehen, daß eine Prüfung der russis che»Forderungen erfolg«. Ebenso sollen Telegramme an die Parlament« der anderen Länder, auch an die Duma, abgesandt werden. Die Frauen nehmen an den gegen, Rußland gerichteten an- dauernden Kundgebungen, tätigen Anteil. Alle Parteiunter- schiede im Mcdschlis verschwinden; er erhält Unterstützung aus Kreisen, von denen, man es nicht erwartete. Die Meldung von der Ermordung des Prinzen Firman Firma stellt sich als unwahr heraus. Offizielle Telegramme aus Jspahan besagen, daß sich der dortige russische Konsul mit seiner Wache wie ein Dil- taior benehme und das Völkerrecht mißachte. In Depeschen aus Ardebil wird die Haltung der russischen Truppen als die von Eroberern geschildert, obwohl der Krieg noch nicht er- klärt sei. Die Haltung Englands. London, 5. Dezember. Unterhaus. In Erwiderung auf eine Anfrage erklärte der Parlameuts-Antersekretär A c l a n d: Die britische Regierung hält au der Erklärung fest, welche durch die Vertreter Großbritanniens und Rußlands im September 1907 in Teheran abgegeben worden ist. und wir haben niemals etwas getan, noch werden wir je etwas tun, von ihr' abzuweichen. Die russische Regierung hat die k a t e g o r i sch ste n V e r s i ch e r u n- gen abgegeben, daß ihr Vorgeben einen rein provisorischen Charakter trägt, und daß sie nicht die Absicht hat, die Grund- sätze des englisch-- mssischeir Abkommens zu verletzen, politiscke(lederlledt. Berlin, den 5. Dezember 1911. Der innere Kampf im Zentrumslager. Zwischen der Kölner oder, wie sie auch genannt wird, der Köln-München-Gladbacher Richtung des Zentrums und der sogenannten Berliner Richtung, die die angeblich interkonfessionellen„ch r i st l i ch e n" G e- w e r k s ch a f t e n als der katholischen Lehre widerstreitende Organisationen betrachtet und sie deshalb durch katholische Fachvereine unter kirchlicher Autorität(das heißt kirchlicher Leitung und Aufsicht) ersetzen will, herrscht zurzeit Waffen- stillstand. Um den politischen Gegnern während des Wahl- kampfes nicht das Schanspiel einer inneren Zcrfleischung der beiden Parteirichtungen im katholischen Lager zu bieten, scheint man sich verständigt zu haben, die bisher skrupellos gegeneinander angewandten Waffen der Verleumdung, Ver- dächtignng, Fälschung und Lüge zurzeit nur gegen die poli- tischen Gegner, besonders die Sozialdemokratie, gebrauchen zu wollen— bis die Neichstagswahlen vorüber sind. Dann wird unzweifelhaft der Zweikampf auf Grund der hehren klerikalen Moral von neuem beginnen; denn allzu tief sind )ie Gegensätze zwischen dem„fanatischen, Welt- r e m d e n Osten" und dem„verseuchten W e st e n" geworden, als daß so schnell eine Versöhnung oder auch nur eine gewisse gegenseitige Duldung eintreten könnte; hatte !>och die von Korum und Kopp aufgepäppelte und begünstigte Berliner Richtung vor einigen Jahren den deutschen Episkopat und die römische Kurie dermaßen gegen die christlichen Ge- werkschaften aufgebracht, daß die Zentrumsfraktion, um den Sturm zu besckpvichtigen, den Abgeordneten Gröber zur Fuldaer BischofSkonfercnz entsenden mußte, und darauf im Oktober 1998 der Kardinal Fischer in Begleitung von Herrn F. Bachem, 5eM Verleger 5e?„Köln. Volkszlg.�, Aach Nont fuhr, um dort eine vorläufige Duldung der christlichen Gc- werkschaften durchzusetzen. Wie schroff damals die Gegensätze geworden waren, zeigt ein vom 17. Oktober 1998 datierter Brief des Generalsekretariats des Gesamt- Verbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands an den damals in Rom weilenden Herrn F. Bachem. In diesem von der„Franks. Ztg."(Nr. 337, Morgenblatt) wiedergebenen, in den nächsten Tagen in den „Süddeutschen Monatsheften" erscheinenden Brief heißt es nämlich: „Die gestrige Konferenz mit Herrn Bischof Korum hat zu keinem Ergebnis geführt. Die Situation ha: sich allerdings seit Ihrer Konferenz wieder etwas verschoben, und zwar reimen wir uns den Zusammenhang, aus Grund von Aeutzerungen in Trier und Saarbrücken, wie folgt zusammen: Sie waren Dienstag, den 8. Oktober, in Trier. Mittwoch, den 7., und Donnerstag, den 8. Oktober, erschienen in der Dr. Krückemeyerschen Zeitung die bekannten Artikel, in welchen am Schluffe zu Prote st Versammlungen gegen Gies- berts aufgefordert wurde. Unsere Ueberzeugung ist. daß die Artikel von Trier aus inspiriert wurden. Damit glaubte man, Verwirrung unter unseren Mitgliedern an- stiften zu können, die bei der gegenwärtigen BeitragSreorgaui- sation den Gewerkverein christlicher Bergarbeiter außerordent- lich schwer getroffen hätte. Wir veranstalteten vom 10. bis 15. Oktober im Saarrevier 51 Versammlungen mit 12 000 bis 15 000 Besuchern. Damit wurde das Gegenteil des„Berliner" Anschlages erreicht und unsere Position bedeutend befestigt. Offenbar hat diese Aktion Herrn Bischof Korum schwer geärgert, denn in der Besprechung, die 3� Stunden dauerte, zeigte er sich weniger entgegenkommend als Ihnen gegenüber. Die Ab- sprechung der Katholizität in bezug auf die Gewerkschaften billigte Herr Korum auch uns gegenüber nicht; dagegen sagte er nichts davon, daß die Kanzel nicht zur Anti-Ge Werkschaftsagitation gebraucht werden dürfe. Die Herren Pfarrer Stein und Treitz, die schon lange vor der angesetzten Zeit mit großen Mappen da waren, müssen Korum schwer bearbeitet haben: Kurz, Herr Bischof Korum sagte: Solange Herr Redakteur M eurer(„Saarpost") und Hüskes im Saarrevie: sind, gibt es keinen Frieden. Im übrigen ist uns im Verlaufe der Aussprache erst richtig klar geworden, welch gewaltiger Gegensatz zwischen den schlaueren opportunistischen Kreisen— um das angefeindete Wort Modernismus nicht zu gebrauchen— und der doktrinären, weltfremden Richtung im deutschen Katholizismus besteht. Herr Korum ist in einer un- bcschreiblichen Weise erbost, daß die von ihm vertretene Richtung in Deutschland als Schwärmerei behandelt wird und nirgends durchdringt. Er ärgert sich, daß auf den Katholikentagen die „Berliner" Resolutionen meist unter den Tisch fallen, andere aber erst völlig umgeändert zur Annahme gelangen. Gegen die „Köln. Volkszeitung" sagte er unter anderem:„Wäre ich, anstatt Bischof von Trier, noch Professor in Straßburg, so würde ich einen rücksichtslosen Kampf gegen die„Köln. VolkSzeitung" führen. Wenn ich das Geld hätte, würde ich längst eine eigene Zeitung gegen die„Köln. Volkszeitung" gegründet haben. Es war eine Anmaßung ohnegleichen, daß auf der letzten Fuldaer Bischofs- konferenz Herr Gröber den Bischöfen einen Bortrag hielt, was sie zu tun und zu lassen hätten. Ich mußte meine ganzen Tugenden zusammennehmen, um ruhig zuhören zu können. Für die Gladbacher Richtung existiert das Fuldacr Pastorale von 1900 gar nicht. Ebenso, wie im Mittelalter die Kirche das Zunftwesen beherrschte, müssen auch heute die katholischen Grundsätze wieder maßgebend werden." Als wir ihm die harten Wirtschaftstatsachen auseinander- setzten, darauf hinwiesen, daß die größten Industrieländer (Vereinigte Staaten von Amerika, England und Deutschland» nur einen kleinen Teil, und zwar noch keine 20 Proz., katholische Bevölkerung aufwiesen, die ganze Großindustrie fast ausschließ- lich von Protestanten geleitet würde, den gewaltigen Einfluß des Protestantismus aus daS Staatslebcn erwähnten, darauf hinwiesen, daß die antiklerikalen Strömungen, die von Frank- reich auch auf Süddeutschland überspringen, auch im deutschen Wirtschaftsleben in die Erscheinung treten, daß weiten Unter- nehmerkreiscn alles Christliche verhaßt sei, daß viele Untcrnchmcc lieber mit Sozialdemokraten als mit Christlichen verhandeln, die seitherige und zweifellos künftige Entwickelung des Tarif- Wesens hervorhoben usw. usw., antwortete er kurz, das sei eben unsere Ueberzeugung, er habe eine andere:„Suchet zuerst das Reich Gottes und das andere wird Euch gegeben werden!" Auch seien Staat und Unternehmer stark genug, die Sozialdemokraten zurückzuwerfen. Kurz: wir bemerkten, daß Herr Bischof Korum viel wütender ist auf„Köln. Volks- zeitung". Volksverein. Prof. Hitze als auf die christlichen Gewerkschaften. Ihre gute Absicht erkennen wir gerne an; hätten wir indes Herrn Bischof Korum so gut gekannt wie heute. hätten wir uns überlegt, ob wir hingehen sollten. Denn mit geistlichen Herren, die mit solchem Fanatismus die Weft in ein von unserer Anschauung abgrundtief verschiedenes System hinrin- zwäugcn zu können glauben, ist eine ehrliche Verständigung und ein halbwegs brauchbarer modus vivendi einfach unmöglich. Zum Schluffe schlug Herr Korum zwar etwas friedlichere Töne an und meinte, vielleicht ließe sich später, wenn der Kampf in ein ruhigeres Stadium eingetreten sei, ein besseres Neben- einander erzielen. Wir bemerkten aber, wie selbst sachliche Notizen der„Kölnischen Volkszeitung" gegen das von Herrn Korum vertretene Stsirem von ihm als hämische Bekämpfung angesehen werden. Den Katholiken Deutschlands um den Polksverein. die„Kölnische Volks- zeitung" usw. wird also einstweilen kaum etwas anderes übrig bleiben, als Fanatiker eben möglichst linkS liegen zu lassen. Ich habe Ihnen ausführlich geschrieben, weil bei Ihrer An- Wesenheit in Rom Ihnen diese Orientierung nicht unerwünscht sein dürfte. Uebcr-die Verhältnisse im Saarrevier und den Dr. Krückemeyerschen Brief können wir vielleicht reden, wenn Sie von Rom zurückgekehrt sind." Der Brief zeigt nicht nur, wie skrupellos sich trotz ihrer vielgepriesenen katholischen Ethik die Berliner und die Köln-r Richtung bekämpfen, sondern er widerlegt auch aufs schönste die kuriose Legende von der Jnterkonfessionalität des Zcn- trunis und der christlichen Gewerkschaften. Die Polizei und die utiuisteriellcu Verfügungen. Die konservative„Schlesische Zeitung' schreibt:„Der prenßiscke Minister des Innern hat bereits im September die Behörden darauf hingiwiesm, daß die Heranziehung an sich unzutreffender GeflchtS« punkte und die Verwendung von ScheingrNnden, wie sie bei An- trägen auf Genehmigung von Versammlungen unter freiem Himmel und von öffentlichen Aufzügen mehrfach ersichtlich wurden, nicht gebilligt werden können. In einem weiteren Erlasse vom Anfang November hat der Minister den Behörden die genaue Beachtung derjenigen Vorschriften de? NeichsvereinSgesctzeS nachdrücklichst zur besonderen Pflicht gemacht, bei deren Auwendung erfahrnngSgemätz häufiger Mißgriffe vorgekommen sind, so bei den Bestimmungen über Eiurcichung von Vorstandsmitglieder-Vcrzeichnisien. Erteilung von Bescheinigungen über Anmeldung von Versammlungen, Eni- sendung von Beauftragten in öffentliche Versammlungen. Genehmigung von öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel und öffentlichen Auszügen u. a. m. Endlich hat sich der Minister auch darüber ausgesprochen, inwieweit die Polizeistunde auf das Bersammlungs- recht beschränkend einwirke, und es hierbei als selbstverständlich be- zeichnet, daß eine schikanöse Handhabung der Polizeistunde und eine aus politischen Gründen ungleichmäßige Behandlung der hieraus bezüglichen Anträge nicht eintreten dürfe, von den amtlichen Befug- nissen zur Durchführung der Polizeistunde vielmehr nur dann Gebrauch zu machen sei, wenn dies zur Erreichung der Zivccke des § 365 des Reichsstrafgesetzbuchö(Verhinderung der Völlerei, der Trunksucht usw.) erforderlich werde." Trotz Dieser ministeriellen Hinweise und Anordnungen kommen fast täglich Klagen über die polizeiliche Handhabung des Vereins- gesetzes in Preußen. Und noch vor einigen Wochen mußte sich der Reichstag Mit den polizeilichen Maßnahmen, die nicht dem Vereins- gesetz entsprachen, befassen. Kommen denn die Ministerialverfügungen den unteren Polizeiorganen nicht zur Kenntnis? Bündlerisch-sozialdemokratische Verbrüderung. Unter dieser Ueberschrift brachte am Sonnabend der.Hamb. Korrespondent" in seinem politischen Teil eine Notiz, die zurzeit die Runde durch die deutsche bürgerliche Presse macht. In derselben heißt es: .Der Kandidat der bürgerlichen Parteien, Postsekretär Klein, hielt in dem lübschen Dorfe Curau eine Wählerversammlung ab, die einen recht interessanten Verlauf nahm. Die Versammlung bestand zur Hälfte aus Sozialdemokraten, zur anderen Hälfte aus Bündlern. In der Debatte ergriffen zunächst die ersteren Wort, um den liberalen Kandidaten zu bekämpfen. Weit anders kam es aber, als der Ber- trauenSmann des Bundes de>c Landwirte, Röper aus Curau, das Rednerpull betrat. Er gab sofort die Parole ouS: Auf zum Kampf gegen links, gegen den Liberalismus, und richtete an feine GesinnungS- genossen die Aufforderung, lieber den sozialdemokratischen Kandidaten Schwartz zu wählen, als den Liberalen Klein..Lieber lauter Schwartz' und Bebels im Reichstage als Naumanns und Kleins", rief er. und weiter:„Der muß ein Schuft sein, der für Klein stimmt." Klein konnte die sozialdemokratisch- agrarische Verbrüderung nicht verhindern. Röper brachte am Schluß der Versammlung ein Hoch auf das deutsche Vaterland aus, nahm dann den sozialdemokratischen Redner beim Arm, zog ihn an die Tonbank, um das Bündnis durch einen Trunk zu besiegeln." Soweit die Verbrüderungsnotiz, die selbstverständlich nur zur Irreführung der öffentlichen Meinung bestimmt ist, obwohl sie einige richtige Talsachen enthält. Zunächst sei fest« gestellt, daß die Liberalen wie im Jahre 1007 so auch bei der jetzigen Wahl die Landbündler zum Eintreten für ibren Kandidaten zu bewegen versuchten. Die Land- bündlcr lehnten jedoch dieses Bündnis ab. stellten jedoch dem Lide- ralen Stichwahlhilfe in Aussicht. Dann zog der von den RecdtS- und Linksliberalcn aufgestellte Kandidat Klein auf die Dörfer, um dort Stimmen für sich zu ergattern. In den Versammlungen schimpfte der Mann ausschließlich auf die Sozialdemokraten, aller» dings ohne Eindruck zu innchen, denn von unseren Genossen wurde ih>n mit wünschenswerter Deutlichkeit geantwortet. In Curau wurde dieses Geschimpfe auf die Sozialdemokratie selbst den Bauernbündlcrn zu dumm, rind so erklärte dem, deren Führer Röper. daß die Sozialdemokratie sowohl wie die Liberalen die Gegner der Agrarier seien. Die Sozialdemokraten wüßten wenigstens was sie wollen, was man von Liberalen nicht sagen könne. Des- halb sei eS richtiger, wenn die Bündler, die doch nur einen Zähl- kandidaten aufgestellt hätten, lieber gleich für Schwartz stin,men Würden. Borher hatte sich unser Genosie Stelling als Diskussionsredner scharf gegen die Liberalen und gegen die agrarische Politik ouS- gesprochen. Nach Schluß der Versammlung tranken dann allerdings unsere Genossen und auch der Führer der Bündler ein Glaö Bier am Schenktisch. Wie man daraus aber eine„bündlerisch-sozial- demokratische Verbrüderung" oder gar ein.Bündnis" konstruieren kann, ist uns unverständlich. Sicher ist nur eins, daß die hanseatischen Liberalen den Verstand darüber verloren haben, daß ihr LiebeSwerben um die Gunst der Landbündler bei diesen lein Gehör gefunden hat. Unbequeme Tatsachen. Gegen Feststellungen, die freilich den herrschenden Klassen und ihrem Organ, der Regierung, höchst unangenehm sind, wendete sich in einer Sitzung der Ortsgruppe Berlin des Tcutsch-cvangelischen F raucnbundes der Geheime Oberrcgicrungsrat Jahn, Vortragender Rat im Rcichsschatzamt. Dieser Herr verbrei- tete sick, über die Ziffern des Rcichsetats und machte den schwäch- lichcn Versuch, die von sozialdemokratischer Seite aus diesen so beredten Zisfern gezogenen Schlußfolgerungen zu entkräften. Die Sozialdemokratie bat ja wiederholt darauf hingewiesen, hiß 19 Zwanzigstel der wirklichen Einnahmen des Reiches für militaristische und weltpolitische Zwecke ausgegeben würden. An diesen Tatsachen selbst konnte auch der Schönfärber aus dem Reichs- fchatzaint nichts ändern. Er gab zu. daß die Aettoeinnahmen des Reiches 1779 Millionen betrügen, wovon 1454 Millionen auf Heer, Marine und Kolonien entfallen. Rechnet man dazu noch die 189 Millionen Schuldenverzinsung— was unbedingt geschehen muß, da unsere Schulden ja fast ausschließlich für militärische Zwecke kontrahiert worden sind—, so ergibt sich, daß zirka 1799 Millionen für unseren Militarismus verausgabt werden! Auch gegen die Nc t t o berechnung selbst konnte der Herr Ober- regierungsrat selbstverständlich nichts einwenden, da ja nur sie ein Bild von den wirklichen Einnahmen und Ausgaben des Reiches gibt, während die Bruttobercchrning, die z. B. die Einnahmen aus den Staatsbetrieben sowohl unter Einnahmen und Ausgaben er- scheinen läßt, ja nur dazu angetan ist, daS wirkliche Bild der Finanzen zu verschleiern. Dennoch warf der Herr Geheime OberregierungSrat der Sozialdemokratie.grobe Irreführungen und Entstellungen!" vor. Denn die Sozialdemokratie verschweige völlig, daß außer dem Reich auch noch die Bundesstaaten existierten, und daß gerade in diesen BundeSflaaten die Befriedigung der sogenannten Kulturauf- gaben zugewiesen sei. Diese Behauptung ist freilich nichts als eine grobe Irreführung und Entstellung des Geheimen OberregierungSratS selbst. Denn die Sozialdemokratie hat bei ihrer Kritik auch die Existenz der Bundesstaaten und ihrer Aufgaben selbstverständlich nicht unberück- ficht itzt gelassen. Aber in den Bundesstaaten liegt es eben leider auch so, daß dort die Kulturaufgaven schmählichst Not leiden, daß für eine vernünftige Volksschule, für eine vernünftige Wissenschaftspflege, für anständige Bezahlung der Staats« rb ei ter und Unterbeamten, für hygienische und sanitäre Maßnahmen usw. kein Geld übrig ist! Und außerdem sollte doch auch das Reich nicht nur den Militarismus mästen, sondern auch s o z i a I p o l i- tische Aufgaben lösen! Dafür aber ist gerade wegen der Riesen- ausgaben und der nie zu stillenden Unersättlichkeit des Moloch Militarismus und Marinismus leider nie das nötige Geld vor- handen! Insofern also ist die sozialdemokratische Kritik an dein Reiche, das nichts ist als eine Mastanstalt für den Militarismus, vollauf berechtigt. Wenn dann aber der Herr aus dem Reichsschatzamt auch aller- Hand Unrichtigkeiten über die wesentlich gestiegene Lebenshaltung auch der arbeitenden Klassen vorbrachte und sich zum Beweis dafür auf das Wachstum der Sparkasseneinlagen berief, so ge- brauchte dieser Herr auch wieder nur den alten unehrlichen Trick. die Sparkasseneinlagen einfach als Besitz der arbeitenden Klassen auszugeben, während wir bereits wiederholt schlagend nach- gewiesen haben, daß auch das Vermögen, das in Sparkassen nieder- gelegt ist, zum weitaus grö'ßten Teil den Besitz der besser- s i t u i e r t e n Klassen darstellt. Doch darauf sowie auf das ganz unverhältnismäßige Wachs- tum des Einkommens und des Vermögens der K a p i t a l i st e n- k l a s s e werden wir in den nächsten Wochen noch des näheren zurückzukommen haben. Geheime Pläne des.Hansabuudes. Gelegentlich einer Versammlung, die der Präsident deS Hansa- bundcs, Dr. R i e ß e r, für den„nationalen" Kandidaten K o- belt in Magdeburg, den Freisinnige, Nationalliberale, Kon- servative und Zentrum unterstützen, abhielt, fand eine vertrau- l i ch e Besprechung unter dem Vorsitz des L indtagsabgeordneten Gruson statt, zu der nur durchaus zuverlässige Leute eingeladen worden waren. Trotzdem hat die Magdeburger„Volksstimme" über die Sitzung einen Bericht erhalten. Als den Zweck der Sitzung gab der Vorsitzende Gruson an, daß man vor der öffentlichen Ver- sammlung erst eine Aussprache über etwaige st rittige Punkte haben möchte; es sei sonst möglich, daß in der Versa mm- lung Fragen gestellt würden, die unnötig seien, wenn man sich vorher ausspreche. Dann sprach Richer, der es darauf an- legte, etwaiges Mißtrauen gegen den Hansabund zu zerstören, und— Geld für den Hansabund locker zu machen. Dabei plauderte Herr Rießer folgendes aus: „Bei den 229 Kandidaten, die der Hansabund bei der bevor. stehenden Reichstagswahl aufgestellt habe, hasse er, auch eine große Anzahl Mandate zu bekomme». Wenn er diese erst habe, werde man mit einer eigenen Gründung in irgendeiner Form vorgehen. Darüber dürfe man aber um des Himmels willen noch nichts in die Oeffentlichkeit kommen lassen, denn die �kleinste Indiskretion könnte den Plan gefährden." Diese„Enthüllung" hatte nicht den geringsten Erfolg. Man sagte Herrn Rießer, daß man für ihn kein Geld habe, sondern es selbst dringend in Magdeburg benötige. Dem Plan des Hansa- bundes, hinter dem man die Gründung einer neuen Partei witterte, wurde widersprochen. Rietzcrs Versicherung, daß es sich n u r u m eine wirtschaftliche Bildung handle, vermochte keinen Stimmungsumschwung herbeizuführen. Welcher Art die beabsichtigte„eigene Gründung deS Hansabundes" sein soll, wurde nicht näher angegeben; aber cS muß wohl dabei Bauernfang beabsichtigt sein, denn Rießer bat noch zum zweiten, dritten und vierten Male dringend um Geheimhaltung seiner Mitteilungen. Enttäuschte Veteranen. Am 11. Juni fand im Großh« rzogtum Sachsen-Weimar ein allgemeiner Kornblumentag statt. Diese Sammlung sollte für die Kriegsveteranen bestimmt sein. Von der sozialdemokratischen Presse wurde damals darauf hingewiesen, daß jedenfalls nur die dem Kriegervereinsbunde angeschlossenen Veteranen der Unterstützung teilhaftig werden. Das leugnete die bürgerliche Presse ab. Jetzt stellt sich aber heraus, daß die Partcipresse damals recht hatte, denn der bürgerlichen Presse wird jetzt berichtet: „Der Großh. Sachsische Krieger- und Militärvereinsbund hat auf an ihn ergangene Gesuche um Unterstützung aus den beim Kornblumentag am 11. Juni d. I. zur Unterstützung der Ftriegsvetcranen gesammelten Gelder geantwortet, daß von den zur Verteilung kommenden Zinsen in erster Linie die Veteranen bezw. deren Witwen, welche Mitglieder des Bundes und bedürftig sind, unterstützt werden. Sollten dann noch Mittel verfügbar sein, so können auch andere, dem Bunde nicht ungehörige, be- dürftige Veteranen bedacht werden. Den Untcrstützilngsgesuchen ist der Militärpatz und mich eine obrigkeitliche Bescheinigung über Bedürftigkeit und Würdigkeit beizulegen." Die enttäuschten Veteranen sind sehr ungehalten, weil vorher betont worden ist. daß alle bedürstigen Veteranen gleichmäßig ohne Rücksicht auf ihre Mitgliedschaft beim Großh. Sächsischen Militärvereinsbunde unterstützt werden sollten. Die Kornblumen- spende dient in erster Linie zur Stärkung der Bundeskasse, die man als Lockmittel braucht zur Werbung neuer Mitglieder. Oesterreich gegen die Schiffahrtsabgaben. In der gestrigen Sitzung deS Jndustrierats erklärte der österreichische H a n b e l s m i n i st e r unter Zustimmung der Versammlung zur Frage der deutschen S ch i f f a h r t s- abgaben, daß es der unerschütterliche Entschluß der derzeitigen Regierung sei. in dieser Frage an der ab- lehnenden H a l t u ii g der früheren Regierungen sestzu- halten._ Aufrechte Bauern. Der(alt-) bayerische, zumeist aus katholischen Landwirten bestehende Banernbund— nicht zu verwechseln mit dein national- liberalen, in Franken verbreiteten deutschen Bauernbuud— hat jetzt Stellung zu den Landlagswahte» genommen. Der bisherige bauernbüudlerische Abgeordnete Eisenberger hat in stark besuchten Versammlungen die Parole ausgegeben, eö gelte, unter allen Umständen die Majorität des Zentrums zu brechen. Eisenberger verurteilte die Gewaltpolitik de» Zentrums und sprach sich für unbedingte Gleichberechtigung aus. Es dürfen keinem Mann daraus Nachteile erstehen, daß er sich offen zur Sozialdetnokratie bekenne. Sonst könne, was heute dem Süddeutschen Eisenbahnerverband ge- schehe, morgen dem Banernbund widerfahren. Eisenbergers Auösiihrungen fanden bei den Bauern stürmische Zustimmung. franfcmeb. Die Marokkoverhandlungen. Paris, S. Dezember. Ueber die bevorstehenden französisch- spanischen Verhandlungen schreibt der „Ministerpräsident Canalcjas habe in der Eisenbahnftcssstole Lösung ins Auge gefaßt, einen schmalen G cb i et S st re i fe n der spanischen Zone an die französische Regierung abzutreten, um ihr den Bau der Eisenbahn von Larrasch nach Tanger zu ermöglichen. Wenn das nur einigermaßen richtig sei, dann würde damit einer derwiZtigstev Punkte deS fran- zösifch-spanischen ZiöisteS geregelt sein. Andererselk» hätten ver gegenwärtig mit der Leitung der politischen Angelegenheiten deS Ministeriums des Aeußern betraute Botschafter Louis und der Bot- schaster in Madrid. Geoffray. eine Formel gefunden, durch die das künftige französische Protektorat mit dem Regime der spanischen Zone in Einklang gebracht werden könne. Man gebe sich in Paris auch der Hoffnung hin, daß Spanien einsehen werde, wie notwendig es sei, zwischen seiner und der französischen Zone eine natürliche aus Flüssen und Gebirgsketten bestehende Grenze festzustellen, da eine künstliche Grenze eine Quelle beständigen Zwistes bilden würde. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wollen mehrere radikale Deputierte, darunter der frühere Minister Pelletan, da- gegen Einspruch erheben, daß die Kammer nur das Kongo- abkommen genehmigen soll. Pelletan beabsichtigt, darauf hinzu- weisen, daß dem Parlament im Jahre 1881 der Vertrag von Bardo über das tunesische Protektorat zur Ratifizierung vorgelegt worden sei._ Vom LustmllitarismnS. Pari?, 5. Dezember. Nach dem von der Kammer kürzlich be- willigten Kredit wird die französische Armee im kommenden Jahre 2 3 4 Flugzeuge zur Vcrsügung haben. Lelglen. Kongogreucl. Brüssel, S. Dezember. In der Kammer gab heute der Kolonial- minister Erklärungen zu den Anschuldigungen, welche Genosse Vandervelde gegen die im Kongo tätigen Missionen richtete. Vandervelde hatte Material beigebracht, wonach Missionare Eingeborenenkinder gewaltsam auf den Missionen zurückgehalten, sich ferner schwerer Züchtigungen von Eingeborenen schuldig gemacht haben. Des tveiteren warf Vandervelde dem Minister vor, idas gegen einen Missionar eingeleitete gerichtliche Verfahren nieder- geschlagen zu haben. Ein weiterer Missionar hatte einen Ein- geborenen niedergeschossen, war vom Gericht wegen Tropenkollers freigesprochen worden, später aber auf seinen Posten wieder zurückgelehrt. Die Gerichtsbehörden hatten sich den Behauptungen Vanderveldes zufolge wiederholt über u n» berufene Eingriffe der Missionen in gerichtliche An- gelegenheiten beschwert. Kolonialminister Rcnkin antwortete auf alle diese Anklagen nur s e h r k u r z. Er begnügte sich, darauf hinzuwevsen. daß er inzwischen daS Brennen von Alkohol im Kongo verboten habe. Das Verfahren gegen mehrere Beschuldigte habe er auf Grund von Anordnungen maßgebender Stellen e i n st e l l e n lassen, da sich die Anklagen vielfach auf unvollständige Dokumente stützten. Die Erklärungen des Ministers wurden von den Sozia- listen und Liberalen wiederholt mit Hohnrufcn und Ge- l ä ch t e r aufgenommen. Cnglanck. Spionitis. London, 5. Dezember. Das Rcutersche Bureau meldet aus Ports mouth, daß dort heute früh ein deutscher O f f i» zier unter dem Verdacht der Spionage festgenommen wurde. Es soll sich um einen Hauptmann namens Heinrich Grosse handeln, der beschuldigt wird, in Cowcs Spionage getrieben zu haben. Er wurde heute dem Polizeigericht vorgeführt. Der Staatsanwalt sagte, das Verfahren sei auf Grund des Gesetzes ülwr den Verrat von Dienstgeheimnissen vom Jahre 1911 ein- geleitet worden. Der Angeklagte sei ein im Dienst befindlicher oder pensionierter Kapitän der deutschen Handels- marine und habe sich in PortSmouth mehrere Wochen auf- gehalten. Ter Angeklagte habe versucht, herauszufinden, wie- viel Kohlen in den Marinedepois von PortSmouth lagerten und auf wieviel Tonnen sich die gesamten Kohle»Vorräte im Hafen beliefen, ebenso wieviel Tonnen Kohlen sich in den ver- schiedenen Häfen im Besitz von Kausleuten befänden. Der An- geklagte suchte auch zu erfahren, wie stark die Kasernen be- legt seien. Tarauf wurde die Verhandlung auf eine Woche vertagt und der Angeklagte in die Untersuchungshaft zurückgeführt. Das Gericht lehnte einen Antrag auf Haftentlassung gegen Bürgschaft ab. OrKei. Die neue Partei. Ein parlamentarisches Ereignis ist die Bildung der Partei der liberalen Verständigung, d. h. der Zusammenschluß der verschiedenen oppositionellen Gruppen zu einer gemeinsamen Partei unter dem Namen„E i n t r a ch t u n d F r e i h e i t". Diese parlamentarische Kombination zeigt, daß man auf allen Seiten den Zeitpunkt für geeignet hält, um einen allgemeinen Sturm auf die parlamentarischen Positionen deS„Komitees" zu wagem Das Programm dieser liberalen Vereinigung legt das Schwer- gewicht auf die D e z c n t r a l i s a t i o n. Das ist der Trumpf, den sie gegen die Partei„Union und Fortschritt" ausspielt. Im übrigen ist ihr Liberalismus ebenso verschwommen wie ihre Demokratie. Ein wichtiger Nebcnumftand der neuen Parteigruppierung ist die Spaltung innerhalb des Offiziercorps, die, da Oberst Sadyk Beh mit an die Spitze der liberalen, Vereinigung tritt, nunmehr zur vollendeten Tatsache wird. Daß Oberst Sadyk Bey einen bedeutenden Teil der unteren und mittleren Offiziers- chargen hinter sich hat, ist allgemein bekannt. Das Offizierkorps zerfällt also jetzt politisch in zwei Teile: den einen Teil, der dem „Komitee" treu bleibt, den andern, der in Opposition zu diesem tritt. Um diese Tatsache richtig einzuschätzen, mutz mal» sich vergcgen- wältigen, daß die Türkei seit der Revolte vom 13. April de facto unter Militärdiktatur steht. Da? Offizierkorps betrachtete sich als Netter der Konstitution.„Die Armee" trat zwar formell von der Politik zurück, in Wirklichkeit aber gebürdete sich das Offizicrkorps als der eigentliche Herr im Hause bzw. als die oberste politische Autorität. Dieses Offizicrkorps. mit dem ihm eingefleischten auto- ritärcn Prinzip war die eigentliche Stütze der jakobinistischen Taktik des„Komitees". Solange sich nun das Komitee auf die Armee 'tützen konnte, war es Herr der Situation. ES ignorierte einfach die Opposition, zwang sie zum Schweigen, wobei es sich des Kriegs- gcrichts und, durch dieses gedeckt, auch anderer Pressionsnrittcl be- diente. Allmählich wurde die Sache anders, und jetzt ist der Bruch vollzogen: das Osfizicrkorps lernte selbst. Opposition zu machen, es ist gespalten, kann nicht mehr als einheitliche Macht auftreten. Wie sehr sich der türkische Parlamentarismus von der mili» täuschen Autorität freigemacht hat. das zeigte sich dieser Tage sehr drastisch bei der Einbringung deS Budgets durch den Finanzministcr. Der Finanzminister verlangte, daß vom Militärbudget 1 Million türkische Pfund gestrichen werden. MahmudSchefketPascha willigte aber nur in die Streichung von 199 999 Pfund ein. Ein weiterer Konflikt zwischen beiden bezieht sich auf die Art der Ab- rcchniing deS Militärbudgets. Nunmehr trug der Finanzministcr den Konflikt vor das Parlament, bestand mit aller Entfchicdeichcit auf seinen Forderungen, und erzielte einen tosenden Beifall durch diese Erklärungen. Noch vor einigen Monaten genügte das Austreten von Mahmud Schefket Pascha im Parlament, um jede beliebige Summe hewilliat bcsommen» Gewerhrcbaftliches. Der Kampf in der Berliner JMetalUnduftrie, Die Einigungsverhandlungen zwischen den streitenden Parteien haben gestern vormittag um 10 Uhr im Borsighause, Chausseestraße, begonnen und wurden bis zum späten Abend fortgesetzt. Diesmal handelt es sich nicht allein um den Formerstreik, sondern auch um die seit den letzten VerHand- lungen vorgenommene Aussperrung, die aber den Unter- nehmern selbst schon sehr unbequem geworden ist. Wie eS heißt, sollen die kleinen und mittleren Firmen im Verbände Berliner Metallindustrieller ihre großen Verbandskollegen heftig gedrängt haben, eine Beendigung der bestehenden Konflikte herbeizuführen.— DaS Resultat der Beratungen der Ver- Handlungskommission wird einer Versammlung der streikenden Former und Gießereiarbeiter, die für heute einberufen ist, zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Der Streik in der Damenkonfektion. In drei vom Schneiderverband einberufenen, außer- ordentlich zahlreich besuchten Versammlungen, die im großen Saale der Bockbrauerei. Chausseestraße, in den Andreassälen und in Rixdorf bei Hoppe stattfanden, berichteten gestern nach- mittag die Organisattonsvertteter Knoop. Kunze und Frau Reimann über die gescheiterten Verhandlungen mit den Konfektionären. Es wurde zunächst mitgeteilt, daß die Arbeiterschaft der Damenkonfektion in Breslau am Montag in einer überfüllten Versammlung durch eine einstimmig an- genommene Resolution der Berliner Kollegenschaft ihre Solidarität kundgegeben hat. DieS verdient umsomehr Beachtung, als es sich in der Mehrheit um Arbeiterinnen und Arbeiter handelt, die bisher den Weg zur Organisatton nicht gefunden hatten, und daß sie nun zum Solidaritätsbewußtsein erwachi sind, ist zu einem guten Teil den Berliner Konfekttonären zu verdanken. Bei diesen bestand nämlich tatsächlich die Ab- ficht, eine allgemeine Aussperrung in der deutschen Damenkonfekton zu veranstalten. Mit diesem Plan sind sie nicht durchgedrungen, haben aber damit in anderen Städten eine Erregung unter den Arbeitnehmern hervorgerufen, die nun in Sympathie- und SolidarttätS- erklärungen zum Ausdruck kommt.— WaS die Redner über die Verhandlungen selbst und das Angebot der Konfekttonäre ausführten, ließ von neuem erkennen, daß auch in der jetzigen Lage des Kampfes volle Einmütigkeit zwischen dem Schneider- verband und der Meisterorganisatton besteht. Die Redner sagten unter anderem: Erst leugneten die Konfekttonäre. daß von„üblichen" Löhnen in der Damenkonfektion die Rede sein könne, jetzt wollen sie auf die„üblichen" Löhne Zuschläge ge- währen, weigern sich aber, die üblichen Löhne tariflich fest- zulegen. Die gebotenen Zuschläge selbst sind so gering, daß, selbst wenn sie sichergestellt werden könnten, von einem Votteil keine Rede sein könnte. Wollten die Kommissionsvettreter den Versammlungen die Borschläge empfehlen und der Arbeiterschaft einzureden suchen, sie hätte damit etwas erreicht, so wäre das ein Betrug und die Arbeiterschaft würde ihre Vettreter aus- lachen. Die Unternehmer zeigen sich immer wieder so besorgt um die Lage der Heimarbeitettnnen; aber das gehött nur zu ihrem ständigen Bestteben. die beiden großen Gruppen der Streikenden auseinanderzutreiben. Die Zwischenmeister haben sich ja bereits mit den Heimarbeitettnnen geeinigt über das, Was sie zahlen wollen, und, ist es den Unternehmern ernst mit ihrer Sorge um das Los der Heimarbeiterinnen, so brauchen sie sich nur mit den Zwischenmetstern zu einigen.— Wie wettlos die Garantten sind, die die Konfekttonäre für die Durchführung ihrer Lohnerhöhungen bieten, zeigt sich auch in ihren Vorschlägen zur Zusammensetzung der Ueber- wachungskommission. Die soll aus drei Meistern und einer Heimarbeitettn bestehen, und nur praktisch in der Branche tätige Personen will man zulassen; aber andererseits soll ein „unparteiischer" Vorsitzender, also doch ein nicht in der Branche tätiger Mann, die Entscheidung in Händen haben, welche Löhne „üblich" sind. Organisattonsvertteter. die durch jahrelange Uebung sich besonderes Geschick im Verhandeln erworben haben und unabhängig vom Unternehmertum dastehen, sollen auf jeden Fall ausgeschaltet werden. Ueberhaupt muß es an sich schon als ungehörige Anmaßung bezeichnet werden, der anderen Partei vorschreiben zu wollen, was für Leute sie zur Verttetung ihrer Interessen wählen soll. Es ist ebenso. als wenn man von Arbeitnchmerseite den Konfektionären zu- muten wollte, sie dürften keine Kommerzienräte, die Wohl Geschäftsinhaber sind, sich'aber um die praktische Arbeit nur noch sehr wenig bekümmern, zu ihren Vertretern wählen. Dergleichen Vorschriften zu machen, liegt den Arbeitnehmern natürlich gänzlich fern. Im Laufe des Montags und Dienstags hat sich wieder eine ganze Anzahl von Konfektionären gemeldet, die bereit sind, den Tarif abzuschließen, ein neuer Beweis dafür, daß man in ihren Kreisen die tarifliche Regelung also doch für möglich und unter den obwaltenden Umständen für notwendig erachtet. Inzwischen hat sich aber auch wiederum der Ver- band der Fabrikanten, zwar diesmal nicht an den Arbeitgeberverband für das Damenschneidergewerbe, Wohl aber an die Vorstände der Innung und des Meistervereins, die in enger Verbindung mit dem Meisterverband stehen, ge- wandt und erneute Verhandlungen vorge- schlagen, bei denen die ganze Lohnfrage zur Sprache kommen, und festgestellt werden soll.welcheLLHnein den niedrig st en Genres gezahlt werden. Man kommt also der Forderung des Tarifs schon ein gut Stück weiter entgegen, möchte aber offen- bar nicht mehr mit den bisherigen Kommissionsvertretern verhandeln. Wenn die Unternehmer in so kurzer Frist immer mit neuen Vorschlägen kommen, werden sie auch unserem Ziele immer näherrücken und der Kamps braucht nicht mehr lange zu dauern. Erst haben sie den Montag abgewartet, in der Hofsnung, die Bewegung würde abflauen: darin sahen sie sich getäuscht. Die Streikenden harrten geschlossen aus, und werden ausharren bis das Ziel erreicht ist.— Die Einmütig. feit und der unerschütterlich? Wille, den Kampf mit aller Energie fortzusetzen, trat auch in der Diskussion hervor sowie darin, daß die Versammlung sich einstimmig mit der von den Meistern angenommenen, gestern im „Vorwärts" veröffentlichten Resolution einverstanden erklärte. In der Bockbrauerei, Chousseestraße. reichte übrigens der große Saal bei weitem nicht aus und es mußten dort zwei Versammlungen nacheinander abgehalten werden, um den Massen der Arbeiterinnen und Arbeiter der Branche Gelegenheit zu geben, den Bericht zu hören und ihre Mei- nung über die Lage zu sagen.— Auf das oben erwähnte Ersuchen des Unternehmer- Verbandes um erneute Verhandlungen, haben die Vertreter verantw. Nedakt.: Nicherd Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.e der Meister erwidert, daß sie wohl bereit feien, zu verhandeln. dies aber für sich selbst und allein nicht tun könnten, sondern nur gemeinsam mit den anderen an der Bewegung beteiligten Organisationen. Sie hätten deshalb das Schreiben ihren Arbeitnehmern zur weiteren Erklärung überwiesen. Wie wir erfahren, hat sich die Kommission des Schneider- Verbandes ebenfalls zu erneuten Verhandlungen bereit erklärt und dies dem Fabrikantenverband mitgeteilt.— Jedenfalls werden die Unternehmer sich nun bequemen müssen, wieder mit denselben Vertretern wie bisher zu verhandeln, und da sie in der Sache selbst ja auf dem Wege des Entgegen- kommens sind, wird das Zustandebringen der neuen Ver- Handlungen wohl nicht an dieser Nebenfrage scheitern.— Aufsehen erregt hat der Zwischenmeister und Hausbesitzer P e tz o l d in Rixdorf. Hasenheide 92. Er hatte durch Zeitungsannonce Bügler gesucht, und da kamen dann auch Konsektionsarbeiterinnen in größerer Anzahl zu ihm. um zu sehen, ob der Mann nicht auch Mamsells brauchte. Der aber rief, wie uns berichtet wird, die Polizei und ließ, offenbar ohne jeden Grund, drei Arbeiterinnen zur Wache bringen, die er wegen Hausfriedensbruch verklagen will, obwohl sie sich in keiner Weise geweigert hatten, sein Haus zu verlassen, als sie sahen, daß es mit der Arbeit bei ihm nichts ist. Der Mann wird jedenfalls mit seiner Klage kein Glück haben. *** Gestern abend beschäftigte sich auch eine vom Verein „Frauenwohl und Frauenstimmrecht" einberufene öffentliche Versammlung in den„Armiuhallen" mit dem Streit. Auf der Tagesordnung stand„Heimarbeitsschutz und Konfektionsstreik" und als Referenten sprachen der Reichstagsabgeordncte Robert Schmidt und dann Fräulein L ü d e r s. Der erste Redner schilderte eingehend die Schäden der Heimarbeit sowie die geringen Fortschritte und großen Mängel des nun vom Reichstag be- ichlossenen Hausarbeitsgesetzes. Des weiteren erörterte der R.dner die Frage der tariflichen Lohnregelung in der Damenkoni ektion und wies nach, wie unzutreffend das Gerede der Unternehmer von der„technischen Unmöglichkeit" des Tarife? ist. Haben doch auch die Unternehmer in anderen Berufen, wo jetzt seit langen Iahren Tarifverträge durchgeführt sind, früher für die betreffenden Berufe ebenso hartnäckig dasselbe behauptet, wie z. B. die Unternehmer im Baugewerbe unter Berufung auf die große Verschiedenheit der Bauten. Lohntarife für ganz unmöglich erklärten, ebenso die Unter- nehmer in der Holzindustrie und in so vielen Industrien, wo man eS nun immer wieder erlebt, daß, wenn die Arbeiter einmal eine Zeitlang ohne Tarif arbeiten möchten, die Arbeitgeber sogar einen Kampf nicht scheuen, um einen neuen Tarif zu erlangen. Der Redner erinnerte namentlich an die Möbelindustrie mit ihrem außerordentlichen Reichtum in Art und Form des Produkts, die kein Hindernis der tariflichen Regelung der Löhne bilden. Durch das HauSarbeitsgesetz konnte für die Regelung der Lohnfrage nichts erreicht werden, da die betreffenden Anträge abgelehnt wurden. Durch die eigene Kraft der Organisation muh die Regelung ge- schaffen werden, und in diesem Kampf für den Tarif verdient eS nun die Arbeiterschaft der Damenkonfektion, mit aller Energie unterstützt zu werden.— Im selben Sinne äußerte sich über den Streik auch Fräulein Lüders, die besonders die Entwicklung und die gegenwärtige Lage des Kampfes schilderte.— Die Versammlung schloß mrt der Annahme erner Resolution, in der die Anwesenden sich verpflichten, die Streikenden in jeder Weise zu unterstützen, und Bedauern darüber ausgesprochen wird, daß das Hausarbeitsgesetz keine Lohnregelung bietet. Dw Canffrage der Buchdruck cmbilfsarbeiter. Der Tarif für die im Buchdruckgewerbe beschäftigten HilfS- arbeiter und-Arbeiterinnen läuft am 31. Dezember ab. Der Tattf besteht aus einem für ganz Deutschland geltenden Teil, den sogenannten Allgemeinen Bestimmungen, und aus öttlichen Tanfen, welche die Lohnhöhe festsetzen und von den örtlichen Organisation?- instanzen vereinbart werden, nachdem die Allgemeinen Bestimmun. gen durch zentrale Verhandlungen festgelegt sind. Die Beratung der Allgemeinen Bestimmungen hat kürzlich in Leipzig statt- gefunden. Ueber den Verlauf derselben berichtete Moritz am Sonntag in einer Versammlung der Berliner Buchdruckerei-Hilfs- arbeiter und-Arbeiterinnen. Er führte unter anderem auS: Während die Arbeiter keine Forderungen auf matettelle Verbesie- rungen gestellt hatten, sondern sich mit einer Festlegung der bereits bestehenden Verhältniffe begnügen wollten, hatten die Peinzipale eine umfangreiche Vorlage eingereicht, die in verschiedenen Punkten wesentliche Verschlechterungen der bestehenden Ar- beitSverhältnisie forderte. Die Anträge kamen nur zum Teil zur Beratung, denn die Verhandlungen scheiterten schon an der Frage der Arbeitszeit. Die Unternehmer verlangten zunächst, daß die Hilfsarbeiter täglich eine halbe Stunde länger ar- beiten als die Buchdrucker. AIS die Arbeiter das ent- schieden ablehnten, erklärten sich die Unternehmer wohl bereit, die wöchentliche Arbeitszeit auf S4, schließlich auch auf 53 Stunden festzusetzen, jedoch unter der Bedingung, daß die Tarifbcstimmung gestrichen werde, welche besagt, daß g ü n st i ge r e, als die im Tarif angegebenen Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden dürfen. Eine Aushebung dieser Bestimmung würde für einen großen Teil der Arbeiter und Arbeiterinnen eine Verschlechterung hinsichtlich der Arbeitszeit in sichere Aussicht gestellt haben. Aus diesem Grunde konnten die Arbeitervertreter der Streichung der betreffenden Bestimmung <§14 deS Tarifs) unter keinen Umständen zustimmen. Darauf er- klärten die Prinzipale die Verhandlungen als gescheitert.— WaS wird nun geschehen? Wird am 1. Januar eine tattflose Zeit ein- treten? Wir glauben, sagte der Redner, daß das letzte Wort in der Tariffrage noch nicht gesprochen ist. Jedenfalls wird das Tarifamt der Buchdrucker vermittelnd eingreifen. Sollte es zu neuen Ver- Handlungen kommen, dann werden die Unternehmer wohl nicht wieder solche Anträge stellen, die für uns unannehmbar sind, denn unser festes Zusammenhalten muß sie belehrt haben, daß sie mit den lediglich ihren Interessen dienenden Forderungen nicht durch- kommen. Doch verlaflen können wir uns nicht auf eine Lösung der Tariffrage in diesem Sinne. Deshalb müssen wir für alle Fälle unsere Vorbereitungen tresfen. Wir werden den Berliner Prin- zipalen unsere Tarifvorlage einsenden und fragen, ob sie in örtliche Verhandlungen mit unS eintreten wollen. Lehnen sie das ab, dann werden wir den einzelnen Firmen unsere Forderungen unter- breiten und alles versuchen, um mit ihnen vom 1. Januar ab in ein neues TarifverhältmS zu kommen. Inzwischen ist es Pflicht der Kollegen, die Organisation zu stärken und für alle Fälle gerüstet zu sein. Die Ausführungen deS Referenten fanden ungeteilten Beifall. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welche sagt: »Die von 2000 Personen besuchte Versammlung nimmt Kennt- niS von den Verhandlungen über die allgemeinen Bestimmungen. Die Versammelten sind empört über die Zumutung der Prin- zipale, die ohnehin schon sehr schlechten Arbeitsverhältnisse der Hilfsarbeiterschaft noch mehr zu verschlechtern, sie hoffen aber. daß eS dem Einfluß der einsichtigeren Prinzipale gelingen werde. trotzdem einen Tarifvertrag mit der Hilfsarbeiterschast zustande zu bringen, um den Frieden im Gewerbe für die nächste Zeit zu sichern. Die Versammelten sprechen ihren Vertretern bei den Leipziger Verhandlungen ihre volle Anerkennung für ihr korrektes Verhalten aus und erwarten, daß dieselben auch fernerhin jeder Verschlechterung ihre Zustimmung versagen. Die Versammelten zih.Glscke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.lt Verlagsanstalt erklären,»en Kampffan»»!« fekler«eise gn stärken ob» tu«n- bettacht der nun eingetretenen Situation für die Ablieferung der beschlossenen Extrabciträge mit aller Energie Sorge zu ttagen." Auch in München beschäftigte sich eine Versammlung i« Frau- ziSkanerkeller mit der gleichen Materie. Dort berichtete Gauleiter Albert S ch m i d über das Scheitern der Verhandlungen. Er streifte alle Vcrschlechterungsanträge der Unternehmer und kam zu dem Schlüsse, daß es bei so reaktionären Anschauungen der Unternehmer im Buchdruckgewerbe jedenfalls im Interesse der Gesamtarbeiter- schaft gelegen hätte, die Verhandlungen abzubrechen. Genosse Werthmann sprach in gleichem Sinne für die in Frage kommen- den Transportarbeiter usw. Die Ausführungen der beiden Redner wurden mit Begeisterung aufgenommen und folgender Resolution einmütig zugestimmt: „Die heute tagende demonstrativ besuchte Versammlung der unter den Tarif für das Buchdruckereihilfspersonal fallenden Ar- beiter und Arbeiterinnen nimmt Kenntnis von dem Scheitern des Tarifs bei Beratung der allgemeinen Bestimmungen in Leipzig und begrüßt die die Arbeiterinteressen wahrende Stellung- nähme der Vertreter des Hilfsarbeiterverbandes. Gegenüber den ungeheuerlichen Verfchlechterungsanträgen der Unternehmer des Buchdruckgewerbes, die nur Verpflichtungen ohne jede Rechte den Hilfsarbeitern und-Arbeiterinnen aufbürden wollten, war an eine Fortsetzung und Erweiterung des Tarifverhältnisses nicht mehr zu denken. Trotz des Scheiterns des Tarises in Leipzig beauftragt die heutige Versammlung die leitenden Personen der bei dem Münchener Tarif in Betracht kommenden Verbände, un- gesäumt die Forderungen der Arbeiter und Arbeiterinnen bei dem Verein Münchener Buchdruckereibesitzer einzureichen und bei der bereits im gegenseitigen Einverständnis festgesetzten Verband- lung zu versuchen, den gewerblichen Frieden für das Buchdruck- gewerbe in München auch für die Zukunft aufrecht zu erhalten. Wie schon in der Versammlung vom 9. Augusi versprechen auch heute die Anwesenden, allen in der nächsten Zeit seitens der Ver- waltungen der Organisationen ergehenden Anordnungen strikte nachzukommen, und sollten auch in München die Verhandlungen scheitern, dann in dem der Arbeiterschaft aufgedrängten Kampfe unentwegt zu ihrem Verbände zu stehen." Ein Drosch ke n fü hrerstrcit. Königsberg i. Pr., 5. Dezember.(Privattekegramm deS„Vorwärts".) Heute früh haben die Taxameterkutscher und Chauffeure der hiesigen Fuhrgeschäfte ihre Tätigkeit eingestellt. um gegen die harten Polizeivorschriftcn, die in letzter Zeit verfügt wurden, zu protestieren. Beteiligt an dieker Maßnahme sind die drei größten Königsberger Brttiebe: Königsberger Fuhrgesellschaft, Königsberger Droschkenbesitzer- verein, die Königsberger Antomobildroschken-Betriebsgesellschast sowie die größere Anzahl der kleinen Fuhrwerksbesitzcr. Hetzte l�achricbtcn. Aus der französischen Deputiertenkammer. Paris, 5. Dezember. D a m o u r begründete in der heutigen Sitzung der Kammer einen Antrag, der die Regierung auffordert, die Veröffentlichung eines GelbbncheS über die franzSsssch-dentsche« Verhandlungen zu beschleunigen. Das Abkommen müsse mit mög- lichst geringer Verzögerung in der Kammer besprochen werden. Dazu sei es nötig, daß die Kammer alles Material zur Beurtei- lung des marokkanisches Teiles des Abkommens besitze. I a u r e S und Charles Venoist unterstützten den« Antrag. Der Minister deS Aeußeren de SelveS erklärte, er befände sich mit Da- mour in Uebereinstimmung über die Dringlichkeit der Velprechung dcS Abkommens. Er sei bereit, alle erforderlichen Aufklärungen zu geben, aber die Veröffentlichung eines GelbbucheS erfordere lange Zeit und man könne davon die Besprechung des Abkommens nicht abhängig machen. Ministerpräsident C a i l l a u x sprach in dem gleichen Sinne und erklärte, Gründe der auswärtigen Politik sowie die damit eng verbundene Würde der Kammer(?) widersetzten sich einer Veröffentlichung, die übrigens keine Regierung verweigett habe. Caillaux stellte hierauf die Vertrauensfrage über den Antrag Damour. Der Antrag wurde mit 342 gegen 110 Sti»- men abgelehnt. Gegen die Politik Caillaux. Pari«, 5. Dezember.(W. T. B.) Der Botschafter Geoffray ist heute abend nach Madrid abgereist und die Marokkover- Handlungen mit der spanischen Regierung werden sofort nach seiner Ankunft beginnen. Die„Liberi 6" greift den Mi- nisterpräsidenten Caillaux heftig an, weil er für die Berstiin- digung mit Spanien allzu große Opfer bringe und durch die über- eilte Entsendung Geossrays nach Madrid die öffentliche Meinung und das Parlament vor eine vollendete Tatsache stellen wolle.— Auch das„Journal des TebatS" kritisiert in überaus scharfer Weise die äußere Politik Caillaux, die den Gegnern der Entente cordiale in die Hände gearbeitet, die Spanier bei den Verhandlun- gen mit Deutschland zur Seite geschoben und dadurch deren Miß- trauen wachgerufen habe, was sich bei den bevorstehenden Verhandlungen schwer rächen werde. Die Kammer möge das M i» n i st e r i u m darüber zur Rechenschaft ziehen, allerdings erst nach der Abstimmung über das deutsch-französische Abkommen, daS leider nicht mehr verbessert werden könne. Die Botschaft an den Kongreß. Washington, 5. Dezember. Die jährliche Botschaft des Präsidenten Taft wurde heute dem Kongreß übermittelt. Sie handelt nur von der Truflfrage und gibt bekannt, daß noch einige andere Boischaslen über wichtige Gegenstände folgen werden. Räch- dem er auf die Entscheidungen bezüglich der Standard Oil Eompanu und des Tabaktrusis hingewiesen, erklärt Taft, nur in den letzten paar Jabren sei die schwere Hand des Gesetzes auf die großen ungesetzlichen Ringe gelegt worden. Die Gerichte hätten bisher gezögert. Uebertreter ins Gefängnis zu schicken, da jedoch daS Vergehen besser erkannt sei, so würden die Gerichte auch zur Ver- hängung von Gefängnisstrafen kommen. Es sei nicht beabsichtigt, die Anhäufung großer Kapitalien zum Zweck der Herab- setzung der Produktionskosten und der Preise zu verhindern; das Antitrustgesetz richte sich nur gegen die Vereinigung von K a» pital zum Zweck der Unterdrückung der Konkurrenz und der Aufrichtung von Monopolen. Taft ist für ein ErgänznngSgrsetz, welche» die unlauteren Konkurrenz Methoden darlegt und rügt. Er empfiehlt er» neut, ein allgemeines Gesetz, welches die freiwillige Bildung von Korporationen zum Zwecke des Handel? zwischen den einzelueu Staaten sowie mit dem Ausland regelt. Er schlägt vor. die Einrich- tung eines VundeSbureaus oder einer Kommission im Handelsomt, dem in zweifelhaften Fällen die Firmen, die Vereinbarungen be- absichtigen. ihre Pläne unterbreiten sollen, und das die endgültige Ueberwachung über die Ausgabe von Aktien und Bonds ausüben solle. Diesem Bureau könnte sehr wohl die Verpflichtung auserlegt werden, die Gerichtshöfe bei der Auflösung respektive der Wieder» aufrichtung von Trust» innerhalb der bur.desgcsetzlichen Grenzen zu unterstützen. ßaül Singer ä: Co., Berlin LlV. Hierzu 3 Beilggcn u.Untcrhaltungsbl -1 inj,«|ir 1. Jriliff Ks Jutmärts" ßerincr ÄlKsdl»». Mwsch, ß. DkMw WfL Reichst� tll. eit«B| vom Dienstag, den».Dezember, vormittags 10 Uhr. 9m V«nd«en Regelung aller Lohn- und Arbeitsverhält- sf«. Daher begrüßen wir ganz besonders den grundsätzlichen deS Gesetzes. Allerdings werden viele Angestellte an der Last r Versicherung schwer zu tragen haben. Aber sie werden sich um so leichter ihrer Gewerkschaft anschließen, um diesen Aus- ' durch erhöhten Lohn auszugleichen. Auch viele kleine Unter- »er werden durch die neuen Lasten schwer bedrückt werden, nd das Großkopital die Lasten wird tragen können. Das von der ungerechten Verteilung der Lasten, die Mehrheit beschlossen hat. So steht Ihre Mittelstands- freundlichkeit auSl Im Kampfe um alle Verbesserungen werden die Augestellten die gesamte Arbeiterschaft auf ihrer CTeiie haben. Wem verdanken denn die Angestellten überhaupt jetzige Gesetz? Nur weil für die Arbeiterschaft eine Reichs- "ermig besieht, hat die Regierung sie jetzt auch den Privat- Rieims fcmllcton. Cchrcckcnsbilder ans Tripolis. Christian Houel schildert im Pariser„Journal" entsetzliche Szenen, die er in Tripolis mit- "heu hat.„Länger als einen Monat", schreibt er,„lastet nun ripolis das Joch der italienischen Herrschaft. Man müßte Bhl eine Bilanz der Toten aufstellen tonnen, aber man hat nicht getan. Man schätzte die muselmanische Bevölkerung ipolis vor der Croberung auf 40 000 Seelen; zehntausend vielleicht noch viel mehr wird man jetzt hiervon abziehen lnlW j£ ie Leichenwagen, die täglich durch die Straßen fahren, otcn und die Sterbenden auszunehmen, sind»och immer ist starben täglich vierhundert Personen. Man hat diese kerblickkeit der Eingeborenen auf Rechnung der Cholera »Wirklichkeit aber sind die meisten vor Hunger gestorben. et Teil der Bevölkerung von Tripolis lebte früher im sin; von dort wurde sie verjagt und flüchtete sich nun in Jtil und die Straßen der Stadt. Da sie jetzt ohne festen �vhne 5ilzidu!ig, ohne Brot und— was das schlimmste ist Wasser waren, mußten die Bewohner der Stadt durch 'oder Erschöpfung zugrunde gehen. Die italienischen Be- jrtteii wohl ein Krankenhaus für etwa hundert Kranke et.' aber es erwies sich bald als zu eng. Als die Hunde von.Konstanlinopel auf eine einsame Insel verbannt und dort dein Hungertode preisgegeben wurden, erhob sich in ganz Europa ein Sturm der Entrüstung; um die Tausende von Einwohnern des Palmenhains von Tripolis aber, die einer nach dem anderen vor Hunger vercndeien, kümmerte sich kein Mensch. Ich begleitete kürzlich einen der düstere» Wagen des Todes seinen Fahrten. In der Straße, in der sich die französische jki'schafl befindet, liegen unter den Arkaden der Laden- Hs hundert menschliche Gestalten in schmierigen Lumpen; ' von ihnen ein pestilenzialvscher Gestank aus. Aus einem ..Lvmpen taucht ein Kinderkopf empor. Gesicht und Körper jjflbgemagcri, daß sie Grauen erregen. Die Kleine bemüht ' n fleischlosen Arm hochguheben; sie fleht um einen Bissen in sie stirbt vor Hunger. Neben ihr kauert unter einer Ugcn Matte eine alte Frau; sie bewegt sich noch ein wenig, aber man merkt, daß das Ende nahe ist. Ter Wagen hält auf der Straße vor den Gruppen; ein Araber betastet die Körper. Der dort regt sich nicht mehr, man wirft ihn auf den Magen. Tann entdeckt man eine junge Frau, die von drei kleinen Kindern umgeben ist. Sie ist noch nicht tot, aber so gut wie tot. Wie eine Feder wirft Jitefcjlrabcr sie auf die drei Leichen, die auf dem Wagen liegen. ''""Gin paar Augenblicke später liegen auf den ersten drei Toten andere Leichen; an der Straßenecke legt man noch eine dazu. ist der Wagen voll; er jagt zu einem im Herzen der Stadt "nen Fuduk(Hof), wo die Lebenden absteigen und die Toten ergeworfen werden. Solche Arbeit, wie die hier geschilderte, ten seit einem Monat täglich zehn Wagen." e operierte Tuberkulose. Aus Philadelphia wird berichtet: acnivart von Mitgliedern des jetzt in Philadelphia tagenden tsses der Chirurgen Amerikas hat Dr. Robert le Conte eine inerrcgende Operation ausgeführt, die einen kühnen Versuch angestellten gewähren müssen. Der kkinktig von den Angestellten und I Arbeitern gemeinsam zu führende Kamps muß zn einem guten Ende j führen. Die Sozialdemokratie hat die Reichsverficherung für die Privatangestellten seit Jahrzehnten gefordert. Das werden die Angestellten nicht vergesien haben und auch daran denken, daß dieses Gesetz mir den bevorstehenden Wahlen seine Erledi- gung verdankt. Wir werden für das Gesetz stimmen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Generaldebatte. Eine große Reihe von Para- graphen werden ohne oder nach kurzer Debatte erledigt. Angenommen werden eine Reihe Kompromitzanträge, darunter ein Ankrag, wonach auch Frauen als Beisitzer der Renlenausschüsse gewählt werden dürfen; nicht aber als Mitglieder der Schiedsgerichte. Weiter wird ein Antrag Schultz(Rp.) angenommen, der entgegen den Kam- missionsbeschlüssen den Termin für die Rechtsfähigkeit von Ersatz- lassen und Verträgen mit Lebensversicherungsgesellschaften statt des lö. Oktober 1911 auf den heutigen S. Dezember ISHI festsetzt. Im übrigen wird das Gesetz unverändert angenommen. Die Gesamtabstimmung ergibt die einstimmige Annahme.(Bravo I) Hierauf tritt eine Pause bis I'/i Uhr ein. Schluß 12»/« Uhr. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wird dl« Besprechung der Marokko- und Kongo-Abkonimen fortgesetzt in Verbindung mit dem Antrag H e r t l t n g Frankreich aber stand— Sir Edward Gretz hat das mitgeteilt — während des ganzen Verlaufes der Verhandlungen in intimem Meinungsaustausch mit England und erbat bei allen Fragen, die englische Jnteresien berühren konnten, Englands Rat. Es ist bei dieser Sachlage schwer verständlich, wie England seine Interessen bedroht sehen konnte. Sie konnten ja, da wir mit Frank- reich verhandelten, nicht ohne Frankreichs Wissen gefährdet werden. Der englische Minister des Auswärtigen hat von der Periode des Schweigens vom 4. bis 21. Juli gesprochen. Nun, dieses Schweigen war ein schweig,' sodann als Historiker und Parteischriftsteller. Weniger bekannt war schon, daß Bios auch als Dichter aufgetreten ist. Am 2. Dezember wurde auf der Bühne des„Stuttgarter Schauspiel- Hauses" sein fünfaktiger„König Lustik" aufgeführt, der die Erleb- nisse des Königs Jerome von Westfalen, des Atrappenkönigs von Napoleons Gnaden, zum Gegenstand hat. Eine„historische Komödie" hat Bios zu schreiben beabsichtigt und von diesem Gesichtspunkt aus wird man sein Werk zu beur- teilen haben. Blas bietet in seinem Stück dem Theatervublikum eine fesselnde und anregende Unterhaltung. Er beschränkt sich nicht auf die dramatische Gestaltung geschichtlicher Begebenheiten, sondern liefert auf dem historischen Hintergrund eine satirische Kritik dieser Spielart des Gottesgnadentums und seiner Begleiterscheinungen. Nicht als ein ernsthaftes Schauspiel, sondern als eine Komödie, ja als Burleske soll man das Werk auffassen. Burlesk wirkt nicht nur dieser Schattenkönig Jerome selbst, auch seine Maitreffe mit dem durch sie herangezogenen Hofgeschmeiß, das bis zum Höhepunkt ausgebildete Spionageshstem der königlichen Polizei, das bürgerliche und adelige Strebertum, das vor einer Prostituierung seiner Töchter nicht zurückschreckt, um bei Hofe sein Glück zu machen, und was sonst alles in dieser Abenteurer- und Schmarotzeratmosphäre herumwirbelt. Vielleicht hat der Verfasser bei der Schilderung dieses Milieus hie und da etwas zu stark aufgetragen. Faßt man das Ganze aber als eine tolle, wirbelnde Komödie auf, mit der unzweifelhaften Absicht, durch Uebertreibungen auch satirisch zn wirken, so wird man der Bedeutung des Werkes gerecht werden können. Die Aufführung ließ erkennen, daß mancher Ccharakterzug, den der Verfasser eingefügt hat, um Verständnis für die Vergangenheit zu erwecken, damit wir aus ihr Lehren für die Gegenwart ent» nehmen, nicht immer zugleich auch bühnenwirksam ist. DaS Pile blikum folgte mit großem Interesse,» Notkzen. »»Musikchroni!. Im Theater de» Seß«»» wird Suppös„ F a t in i tz a' in Abänderung des Spielplans auch Frei« tag und Sonnabend gegeben. — Vorträge. Ein Lichtbildervortrag»Durch die Mar! zum Niesengebirge" findet Mittwoch im Berliner Klubhaus, Ohmstr. 2, durch Redaklcur Kitzler statt. Anfang S8/« Uhr. Eintritt 00 Pf.— In der D e u t s ch e n N a t u r w i s s e n sch a f t l. G e- s e l l s ch a f t spricht am 8. Dezember, abends S1/« Uhr. im Rathaus (Eingang Jüdenslraße), Zimmer 109, Dr. W.Block über„Die Opli'k im menschlichen Auge und in der Photographie". Gäste will- kommen. — Theaterchronik. Das Spiel von»Jedermann� wird Freitag im Zirkus Schumann unter Leitung von Max Reinhardt wiederholt.—_ Die Buchausgabe des von Hofmannsthal erneuerten Spieles ist bei S. Fischer erschienen.(Preis 1 M.) — Ein deutsches Sinfoniehans beabsichtigen süd- deutsche Künstler und Schriftsteller ins Leben zu rufen. Es soll zur Ehrung Beethovens dienen und bedeutende Siiifoiiie- und Chorwerks in gaftspielmäßiger Aufführung bieten. Man hofft damit zur Reform des»vielfach veräußerlichten und geschäftsmäßigen Konzert« Wesens" beizutragen. ktiderseitigeS.(Lebhaftes Hört! hört! und Bewegung.) CRnzig und allein am 12. Juli halte der hiesige englische Botschafter dem Herrn Staatssekretär gegenüber von der Möglichkeit einer Berhand- lung über Marokko'zu dreien gesprochen, zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien, und hat daran die Bemerkung geknüpft. dah das von England peinlich empfunden werden würde. Dem H«rrn Botschafter ist noch an demselben Tage als amtliche Aeuhe- rung der deutfchen Regierung erwidert worden, datz eine solche Ab- ficht niemals bestanden habe.(Hört I hört I) Trotz ihrer negativen Form hatte diese Erwiderung den sehr positiven Inhalt, dag eine etwaige Besorgnis Englands grundlos war, als beabsich- tigten wir ein- Teilung Marokkos mit Spanien und Frankreich. Ebenso wenig ist unser Botschafter in London in die Gelegenheit gekommen, auf eine Anfrage der englischen Regierung Auskunft zu erteilen. Sir Edward G r e y führte in seiner Rede aus. dag er bei seiner Unterhaltung mit dem Grafen Metternich, am 4. Juli die Entsendung des.Panther" nach Agadir als neue Situation bezeichnet habe, und dag die englische Regierung wegen einer künftig die englischen Interessen direkt berührenden EntWickelung beunruhigt fei. Wir konnten in dieser Aeußerung eine zu beantwortende Frage nicht erblicken. Was auf sie zu erwidern gewesen wäre, hat Graf Metternich an demselben Tage von sich aus gesagt. In seinem Bericht vom 4. Juli heißt es:.Ich erwiderte dem Minister, dag nach meiner Auffassung die kaiserliche Regierung keineswegs den Wunsch habe, England von einer Neugestaltung der Dinge auSzuschliegen oder von einer etwaigen Wahrnehmung der englischen Interessen in Marokko abzuhalten". Selbst wenn diese Erwiderung nicht genügend erschienen wäre, hätte bis zum 21. Juli, bis zum Tage der nächsten Unterredung zwischen Sir Edward G r e y und dem Grafen Metternich und der Rede des englischen Schatzkanzlers durch eine Rückfrage bei uns leicht eine weitere Aufklärung gegeben werden können. Ich bin weit davon entfernt, Beschwerde darüber zu führen, dag dieser Weg nicht gegangen worden ist. Für die Wahl der Wege ist nur das Interesse des eigenen Landes, hier also das englische Interesse bestimmend. Ich kann aber an den W i r I u n g e n, wie sie sich hier darstellen, nicht vorübergehen und da mug ich allerdings sagen, daß die tatsächlich eingetretene Spannung und die Verschärfung der Situation nach meiner Ueber- zeugung hätte vermieden werden können, wenn unseren Erklärungen vom 1. Juli größeres Vertrauen geschenkt worden und wenn die Periode des Schweigens nicht von englischer Seite durch eine öffentliche Kundgebung eines hervorragenden Mitgliedes des englischen Kabinetts unterbrochen worden wäre.(Vielfaches Sehr wahr I) Ich will nach dem guten Beispiel der englischen Minister nicht in Rekriminationen verfallen; denn sie nützen für die Zukunft nichts. Darum will ich auch nicht auf die Wirkung der eben erwähnten Kundgebung in der öffentlichen Meinung Deutschlands zurückgreifen. Ich habe über diese Stimmung vor drei Wochen selbst gesprochen, und sie hat in Reden aus Ihrer Mitte noch leidenschaftlicheren Aus� druck gefunden, in Reden, die— darin kann ich Sir Edward G r e y nicht folgen— nicht in Parallele gestellt werden können mit den tatsächlichen Angaben eines englischen Abgeordneten über Kriegs- Vorbereitung in England.(Stürmisches HörtI hörtl rechts, Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Der englische Herr Minister wird der Stimmung, die weite Kreise unseres Volkes beherrscht, nicht dieselbe Berechtigung zuerkennen können, wie es bei uns geschieht, aber er wird sie angesichts der öffentlichen Erklärung� der englischen Regierung doch zum' mindesten verständlich finden. sSehr gut!) Daran möchte ich noch eine iveitere Bemerkung knüpfen, weil sie, wie mir scheint, für die Gestaltung der zukünftigen Verhältnisse nicht ohne Bedeutung ist. Sir Edward Grey hat gesagt, der Schatzkanzler Lloyd George habe mit seiner Rede ohne Provo- kation feststellen wollen, daß, wo englische Jntereffen berührt würden, England nicht behandelt werden dürfe, als ob eS nicht mitzähle; käme der Tag. wo das nicht mehr klar ausgesprochen werden könne, dann würd« England aufgehört haben, als Groß- macht zu»xistieren. Meine Herren, ich nehme das gleiche Recht für Deutschland in Anspruch.(Lebhafter anhaltender Beifall.) Wenn ich aber in die Vergangenheit zurückblicke, so finde ich. daß die marokkanischen Wirren um deswillen entstanden find, well dieses Recht Deutschland nicht immer eingeräumt werden sollte. (Lebhaftes Sehr richtig I) Das Jahr 1904, in dem England und Frankreich über Marokko disponierten, ohne Rücksicht auf das Interesse, das Deutschland(Sehr richtig I rechts) an der Lösung des MarokloproblemZ hatte, war da? protcm pseudos(der erste Irrtum). Wir gingen erst nach AlgeciraS, dann nach Agadir. Das heißt,'die Notwendigkeit, unsere wirtschaftlichen Interessen selbst zu wahren und der Welt zu zeigen. daß »vir fest entschlossen seien, uns nicht bei- seite schieben zu lassen(Hört I hört I und Bravo I); wenn als schließliche Folge hiervon angebliche oder wirkliche Kriegsbereit- schaft in England entstanden war— was von beiden zutrifft, kann ich nicht enticheiden— und weiter ein hochgespannter Erregungs- zustand, den der englische Minister politischen AlkoholiLmuS genannt hat. so können wir das nur mit Bedauern registrieren. Aber wir lehnen die Verantwortung dafür ab.(Lebhaftes Sehr richtig I) Ebenso wie wir es ablehnen mußten, uns von einer Bahn abdrängen zu lassen, die uns die Wahrung der deutschen Interessen und der deutschen Würde vorgeschlagen hatte.(Bravo I) Jener Erregungszustand hat zun, Spielen mit dem KriegSgedanken geführt. Wer nüchtern blickt, der muß aber doch von deutscher Seite aus folgendes erkennen: worüber verhandelten wir bei dieser Frage? Ueber die Einräumung größerer politischer Rechte an Frankreich— daS stand mit den englisch-französischen Abmachungen von 1904 nicht im Widerspruch: über die erhöhte Sicherung unserer wirtslhaftlichen Interessen in Marokko, nicht nur unserer Interessen, nein, aller Mächte, auch der englischen, nach dem Prinzip der offenen Tür. die das Grundprinzip englischer Staats- und Rechts- auffassung gewesen ist; über koloniale Kompensationen in Afrika, und Minister Grey hat ausdrücklich erklärt, England denke nicht daran, uns in den Weg zu treten, wenn wir fried- liche Vereinbarungen mit anderen Mächten betreffend Afrika treffen wollen.... Unsere Verhandlungen mit Frankreick sind auch in den schwie- rigsten Momenten von beiden Seiten mit dem unveränderlich doku- menlierteir Willen geführt worden, zu einer friedlichen Verständigung zu gelangen. Auch das war in England nicht unbekannt, denn Sir Edward Grey hat erklärt, ihm sei der Abbruch der VerHand- lungcn niemals wahrscheinlich gewesen. Und endlich: wir haben, wie ich das am 9. Noveniber ausführlich nachgewiesen habe, das Ziel erreicht, das wir uns von Ansang an gesteckt hatten. Dieses Zu'l berührte keine englischen Interesse» direkt und enthälr also in sich eine Widerlegung der englischen Besorgnisse.(Sehr richtig!) Der beste Beweis dafür liegt darin, daß uns England amtlich seine Befriedigung über den Abschluß seiner Verhandlungen gesprochen hat.(Hört! hört!) Und trotzdem und trotz alledem hat sich ein Zustand eniivickelt, der englischen Augen einen Krieg gegen uns, d. h. einen Weltkrieg nahe- ruckte. Wenn sich alle Lager so heiß laufen, so mußte die Maschine einen argen Defekt haben. Die englischen Minister haben übereinstimmend den Wunsch nach besseren Beziehungen mit unS ausgesprochen, und ich schließe mich diesem Wunsche, der auch von den übrigen Rednern im englische» Parlamente geteilt worden ist, durchaus an. Aber ich finde, daß dieser Wunsch in den letzten Jahren auf beiden Seiten schon vielfach und auch von dieser Stelle aus geäußert worden ist.(Sehr richtig) und doch mußten wir erleben, was wir erlebt haben! Man hat in England meine Bemerkung aufgegriffen, daß durch die Erledigung der Marokkofrage in dieser Beziehung auch in unseren Beziehungen in England reiner Tisch gemacht worden sei. Der Engländer spricht von State, von einer abgewischten Schiefertafel. Auf dieser Tafel ist in der jüngsten Vergangenheit mit hartem Griffel ge-. schrieben worden und der Schiefer hat Schrammen da« vongetragen. Soll die Tafel mit klarer Schrift bedeckt werden, dann darf eS nicht Mißtrauen sein, das den Griffel führt.(Sehr richtig!) Mit Recht sieht der englische Minister des Auswärtigen hinter der wachsenden Stärke Deuts-blandS keine aggressiven Pläne, und ich begrüße es, daß in Uebereinstimmung mit ihm der englische Premierminister jeden Gedanken an Neid oder Mißgunst gegen unsere aufstrebende Nation von sich weist. Auch wir, meine Herren, wünschen (mit starker Betonung) aufrichtig Frieden und Freundschaft mit England. Aber mit diesem Wunsche wird die tatsächliche Entwickelung guter Beziehungen zwischen unseren Ländern nur insoweit Schritt halten. als die englische Regierung bereit ist, das Bedürfnis nach solchen Beziehungen auch in ihrer Politik in positiver Weise zum Ausdruck zu bringen.(Lebhaftes Bravo I rechts.) Mit der Vorwärtsentwickelung Deutschlands müssen auch die anderen Nationen rechnen(Sehr wahr!) Sie läßt sich nicht niederdrücken. In welchem Geiste sich diese Entwickelung vollzieht, dafür geben die letzten 49 Jahre deutscher Geschichte den Beweis. Wir werden in demselben Geiste fortarbeiten können, wenn wir uns stark halten, denn auch darin stimme ich Sir Edward G r e y zu: die Stärke Deutschlands ist für sich selber eine Garantie, daß kein anderer Staat mit uns Streit suchen wird.(Sehr richtig!) Lassen Sie mich zum Schluß an ein Wort erinnern, da? ich neulich ausgesprochen habe. Ich sagte, der Grundton der leidenschait- lichen Stimmung, die in weiten Kreisen herrscht, ist der Wille Deutschlands, sich mit seinen Kräften und mit allem, was eS ver- mag, in der Welt durchzusetzen. Und ich fuhr fort: Das war die gute, die große Erscheinung, die wir erlebt haben und die mich gestützt hat, anib wenn sie sich in Worten gegen mich wandte. Jetzt gilt es, diese Stimmung frei zu machen und ihren Grundakkord fest- zuhalten. Wir sind durch eine schwere und ernste, durch eine be- drohliche Zeil hindurchgegangen; daS hat das Volk richtig gefühlt. Möge es jetzt auch klar erkennen, was es sich selbst schuldig ist: das ist weder niedergeschlagener, noch herausfordernder Hochmut(Sehr richtig! linls), sondern: freier Blick, kaltes Blut, ruhige Kraft, feste Einigkeit in großen, nationalen Fragen.(Lebhafter Beifall.) Abg. Gras Westarp(k.): An unserer staatsrechtlichen Auffaffung über die Slellungnahme des Reichstages zu dem Akaroklo-Abkommen hat sich durch die Kommiisionsverhandlungen nichts geändert. Ein Teil meiner Freunde hat Bedenken gegenüber dem von der Kommission vorgeschlagenen Gesetzentwurf über die Erwerbung und Veräußerung von Kolonialland. Jedoch wird trotz dieser Bedenken die Mehrheit unserer Fraktion dem Kommissionsanlrage zustimmen in der Ueberzeugung, daß es sich hier nicht um eine prinzipielle Abänderung der Fundamente unserer Verfassung, sondern um einen sinngemäßen Ausbau derselben handelt. Keine Veranlassung haben wir, irgendwie den Standpunkt zu ändern, den wir bezüglich der Beurteilung der beiden Verträge eingenommen haben und den Herr v. Heydebrand in unserem Namen vertreten hat. Einstimmig halten wir an diesem Standpunkt fest.(Lebhafte Zustimmung rechts.) DaS Ergebnis der Marokkoverhandlungen ist unftaglich end- gültige Ausschließung der Beteiligung Deun'chlands. Jedenfalls be- deutet das nunmehr festgestellle Proteklorat Frankreichs einen bedeutenden MachtzuwachZ Frankreichs, während die Unabhängigkeit des Sultans von Marokko ein erheblich günstigerer Umsiand war. Die Rückwirkung unserer Haltung auf nnser Gesnmtverhättnis zum Islam mutz abgewartet werden. Der Wert der Wirtschaft- lichen Garantien, der einzigen, die wir erreicht haben, hängt von der Vertragstreue Frankreichs ab. Jnbezug auf den Kongo hätten wir gewünscht, daß mehr erreicht wäre, können aber nicht behaupten, daß tatsächlich mehr hätte errcicht werden können. Jedenfalls erkennen wir die Tatkraft und den Eifer unserer Unterhändler an. Nun zum Verhalten Englands. Wir erkennen jetzt mit voller Klarheit, daß England während des ganzen Verlaufs der Teilungs- aktion den Ausschluß Deutschlands von diesem Geschäft als Ziel seiner Politik verfolgt hat. Wo es sich um Frankreich und Spanien handelte, kam das britische Interesse nicht in Frage; handelt es sich aber um Deutschland, so ist sofort das britische Interesse berührt.(Lebhaftes Hört! hört! rechts.) Zu Unrcckt vergleicht Sir Edward Grey die Rede des englischen Kapitäns F a b e r mit den Reden der deutschen Parlamentarier; aber er fühlt nicht, daß der englische Redner Tatsachen enthüllt hat (Sehr richtig! rechlS) und zu den tatsächlichen Behauptungen, die er aufgestellt hat, gehört, daß die englische Regierung Ende August und im September alle Maßnahmen getroffen hatte, um sofort angrisfsbereit zu sein. Was die Rede von Lloyd George vom 21. Juli betrifft, so sieht nach den Erklärungen Sir Edward G r e y s nunmehr fest, daß diese Rede von den Ministern Asquith, Grey und George ansdrück- lich beschlossen worden ist. Ueber die Wirkung dieser Rede haben sich aber diese drei Herren vollständig im Irrtum befunden. Das deutsche Volk, alle Parteien, die gesamte öffentliche Meinung und auch die englische und französische Presse vom Juli und August so- wie mancher englische Abgeordnete könnten als Zeugen dafür an- geführt werden, daß über die Wirkung der Rede ein Zweifel nicht bestanden hat.(Sehr richtig l rechts.) Wir sind durchaus der Ueber- zeugung, daß der Reichskanzler nachgewiesen hat, daß das Miß- trauen der englischen Regierung vollkommen unbegründet war. Es hat sich auch ergeben, daß die deutsche Regierung Englands Auftreten energisch zurückgewiesen hat. DaS hat am 9. November bereits der Abg. v. H e y d e- b r a n d getan, obwohl der Reichskanzler damals der Oeffentlichkeit noch nicht in vollem Umfange Aufschluß gegeben hatte. Aber eS er- schien uns als ein Mangel und eine Lücke, daß auf die öffentliche Provokation Englands nicht alsbald eine öffentliche Antwort erfolgt ist.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Dadurch wäre die Be- unruhigung unserer öffentlichen Meinung wesentlich vermindert worden und es wäre vor allem kein Schaden entstanden für unser Ansehen im Auslande.(Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum.) Das deutsche Ansehen im Auslände muß nach unserer Äuffassung darunter leiden, wenn das Ausland glaubt, Deutschland müsse sich solchen Provokationen widerspruchslos beugen.(Beifall rechts.) Aus dieser Erwägung haben die Redner aller bürgerlichen Parteien es am 9. und 19. November für erforderlich gehalten, von der Tribüne des Reichstags aus England eine Antwort zu geben.(Zustimmung rechts.) Diese Erwägungen erwuchsen aus der gesamten Haltung und aus dem Programm der konservativen Partei, deren vornehmste Pflicht es ist, mit Entschlossenheit für eine kraftvolle aus- wärtige Politik, für die Wahrung der deutsche» Interessen im Auslände einzutreten.(Lebhafter Beifall rechts.) Wir sind der Meinung, daß wir damit die Interessen des Deutschen Reiches nicht geschädigt, sondern gefördert haben, und damit halten wir das Gesagte in jeder Beziehung aufrecht.(Beifall rechts.) Was ercsibt sich nun für die Zukunft? Friedensbeteuerungen und frelindschaftliche Erklärungen mancher Art haben wir in letzter Zeit jenseits des Kanals gehört. Alle diese Worte von englischer Seile können aber für unser ferneres staatsrechtliches Verhältnis zu England kaum von auS'chlaggebender Bedeutung fein. Wenn Sir Edward Grey ausgeführt hat, Deutschland müsse sich wegen des Maßes seiner Rüstungen eine besondere Vorficht auf- erlegen, um nicht in den Verdacht agressiver Tendenzen zu kommen, so mutet das nach den Encheinungeu des letzten Sommers eigenartig an.(Sehr richtig! rechts.) Die Meinung, daß England unserer Enlwickelnng Schwierigkeiten zu machen beabsichtigt hat, ist nun einmal im deutschen Volke tief eingewurzelt. Worte allein, so gut gemeint sie sein mögen, genügen da nicht mehr. Auch das bessere gegenseitige Verständnis des Volkscharakters wird zu ihrer Beseitigung kaum beitragen können. Erst wenn der Fall eintreten sollte, daß England unserer Betätigung in der Welt nicht mehr hindernd in den Weg tritt. Ivenn diese Fälle sich wiederholen und wenn sie zum Grundsatz englischer Politik werden, erst dann werden wir erwägen, ob wir»nsere Auffaffung über daS Verhältnis (Sehr richtig Z Präsidenten zu habe einfach üch ich weiß, enheiten Er- von einem lange Rede inem parla- ig I links.) die Worte ja keinen n diesem e Teile en auf iedenim zu Snakand redidteren unb oB wir hieraus praktische Folgerungen ziehen können.(Lebhafter Beifäll rechts.) (Der Abg. Graf Westarp hat seiye Rede wörtlich vor- Als ich sah, wie der VorrednerltimRede ablaS, glaubte ich, daß er zu denjenigen PersönlichWUlDDWrt, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und aus diesem Grunde das Vorrecht genießen, ihre Rede ablesen zu dürfen.(Heiterkeit und Sehr gut! links, Unruhe und Zurufe rechts.) Wollen Si: das etwa bestreiten? Präsident Graf Schwerin-Löwitz: Das Ablesen von Reden zu rügen, ist Sache des Präsidenten.(Sehr richtig I rechts und im Zentrum.) Ich habe auch nicht beobachtet, daß der Vorredner seine ganze Rede abgelesen hat. Im übrigen ist es bei Verhandlungen über auswärtige Angelegenheiten üblich, daß auch längere Ausführungen vorher schriftlich niedergelegt werdtn. Daher halte ich keine Veranlassung eiuzus rechts und im Zentrum.) Abg. Bebel: Ich habe nicht beabsichtigt, das Verhall rügen, auch nicht, das de? Vorredners zu eine Tatsache festgestellt.(Sehr richtig s daß bei Verhandlungen über auSwärligS klärungen schriftlich niedergelegt werden. Manne, der sonst der deutschen Sprache mächtig vollständig abgelesen wird, habe kchi mentarischen Leben noch nicht erlebt. DaS berechtigt uns vielleicht z» der Vermutuß� des Vorredners so genau wie möglich abgewogeil".? Irrtum und keinen Zweifel aufkommen zu Gesichtspunkt aus war es besonders interessant, dieser vorher zu Papier gebrachten Rede schon Sty Ausführnngen des Reichskanzlers von heute. Unc�.............. bringt mich zu der Vermutung, daß der Vorredner vielleicht vorher ein Privotissimum bei dem Herrn Reichskanzler über das gehabt hat, was er sagen würde.(Heiterkeit links. Unruhe rechts.) Der Reichskanzler hat' ausgeführt, die spärlichen Jnfor- mationen über die Verhandlungen mit Frankreich seien keineswegs auS bureaukratischer Geheimnistuerei erfolgt. Aber die Regierimg habe einen schweren Stand gehabt und habe schweigen müjjeu, selbst auf die Gefahr hin, daß dadurch die Erregung in Deutschland noch größer würde. Nun haben wir ja 4»- zwischen auch die englischen Erklärungen ge das, was vorgekommen sein soll. Die englische >o eicht in vielen Punkten von der Dar st ellni die uns der ReicbSkanzler und der Staatssekretär gegeben-, Zunächst muß konstatiert werden, daß eine Aufregung nichiH England und Frankreich vorhanden war, sondern. Deutschland, als nämlich die Nachricht von der Landü .Panther" in Agadir bekannt wurde.(Sehr richtig I links.) Vorgang hat die öffentliche Meinung Deutschlands, ja mmräi sagen, Europas, aufs höchste erregt. Ueberall entstand die Frage: was hat das zu bedeuten, was soll das heißen?»Daß England und Frankreich an diese!» Vorgang interessiert darüber darf man sich doch wirklich nicht wundern. Als am 3. Dezember vorigen Jahres ei» französisches Krieph, schiff den Hafen von Agadir anlief, da nahm schon eine Woche ss c.b k der Abg. B a s s e r m a n n in diesem Hanse Gelegenheit, den Sta sckretär zu fragen, was dieses Anlaufen eines französischen Kr schiffes in Agadir bedeute. Bereits am 12. Dezember, also 8 später, gab der Staatssekretär de§ Auswärtigen die Erklärung' daß auf eine Anfrage bei der französischen Regierung eine durchaus höfliche und durchaus zuvorkommende Antwort erfolgt sei, des. hallS, daß das französische Kriegsscküff in den nach der Algccick alte geschlossenen Hafen von Agadir nur eingelaufen sei bei! Verfolgung eines Schmugglers und daß es nach! lcdigung seiner Ausgabe den Hasen wieder verlassen hä� Wie können Sie sich angesichts dieses Vorkommnisses darüber wuni daß die Entsendung des„Panther" nach Agadir bei Frankreichs England eine Beunruhigung ausgelöst hat. Von einer Rechtfertigung des„Panthrr"spn»lgS wegen angeblicher Gefährdung von Deutschen in der Nähe von Afl hatte man vorher und nachher nie etwas gehört. Um so begleifl das lebhafte Befremden Englands, das schon wegen des Ver mit Frankreich auS dem Jahre 1994 an Marokko interessiert is! uu? dessen Handels! ntereffen in Marokko viel größer sind, als die Haud�ü« interessen Deutscvlands. In einer solchen Situation hatte Ei lau d das natürliche und selbstverständliche Interesse, genauen 1 schluß über das zu verlangen, was geplant wurde. Dcutfck hätte es umgekehrt ebenso gemacht, und kein Mensch hälte� daraus einen Vorwurf machen dürfen. Welche Erregung „Panther"sprung in Teutschland hervorrief, daran braucht ja nur kurz erinnert zu werden. Große Parteien waren der Meinung cS handele sich darum, in Marokko festen Fuß zu fassen, man glaubte, im Auswärtigen Amt sei nian entschlossen, selbst mit Gewalt an Marokko festzuhalten. DaS hat man ja allerdings nun nicht beabsichtigt, und so kam selbst die n a t i o n a l l i b e r a l e zu der Ueberzeugung, daß man den„Panther" nicht nach� hätte zu schicken brauchen, wenn man weiter nichts im AugV! als das, was schließlich erreicht ist.™ Nun sagte der Reichskanzler, wir hätten nicht offen sage was wir bezweckten. Dieses Schweigen, Herr Reichskanzlei� aber notwendigerweise den Glauben erwecken und hat den l erweckt, daß eS sich um weit größereDinge geh« hat, als um die. die schließlich herausgekommen sind richtig I links.) Bei dieser Gelegenheit will ich übrigens' daß eS lein anderer als Fürst Bismarck war, der IL maligen Chef des Generalstabes gesagt hat. könne ruhig nach Marokko gehen, Deutschland würde nicht! haben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ei» Aeußerung befindet sich in den Memoiren des Fürsten. lohe. Bismarck war eben der Meinung: je mehr suwl in Afrika festlegt, je mehr Opfer cS dafür bringt, destr für uns, desto geringer ist für Frankreich i li chkeit, sich in Europa einzumischen. Diesq hat er in bezng auf Marokko, auf Tunis und Tonking ver diese Politik ist im Grunde auch die Politik der folgenden deuischen Reichskanzler und Staatssekretäre des Auswärtigen gewesen. In all' den Verhandlungen, die im Laufe der Jahrzehnte gepflogen wurden, hat eS sich stets darum gehandelt, das Recht der offenen Tür recht fest zu machen und absolut zu sichern. Hätte man gedacht, mehr erlangen zu wollen, dann war das Abko 1909 ein Widersinn.(Sehr richtig! bei den Soziald Dann mußte das Abkommen von 1909 gar nicht genehmig das daraus hinausging, daß Deutschland erklärte: Wir Marokko keine politischen Interessen, wir haben nur wir Interessen. Daneben geben wir aber zu, daß Frankreich auch politisch interessiert ist. Die Redner--ller bürgerlichen? waren damals mit dem Abkommen einverstanden, das aW. fertigt, was Frankreich in Marokko bis auf den Zug nach Fez'getan hät. Auch das Protektorat lag geivissermaßen in dem Abkommen von 1909 darin, und insofern verstehe ich es in der Tat nicht, inan jetzt auf einmal sagen kann, von französischer oder von..� lischer Seite sei uns das bitterste Unrecht geschehen. Die Anwesenheit des„Panther" in Agadir sollte wir � eS ganz aufrichtig sagen— eine permanente Drohung sein.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der„Pa war nach Agadir geschickt, um Frankreich zu sagen: Nim m'| in acht, wenn Du unserem Begehren all zu sehr eittgegew wirst Du sehen, was Du zu erwarten hast. DaS hat man i lich nicht sagen können und nicht sagen dürfen. DaS ist das Geheimnis, daS der Herr Reichskanzlsr jetzt durch seine tu*;, mm sei genötigt gewesen, man eigetltlich erstrebt> W verdecken sagen, was. zu dag das Kongoabkommen' nicht zustan'--nen wäre.I die Llluoes�nS?�.�...Panthers Wenn w! nicht offen das zu und gewollt hat. Ich gebe allerdings höcbst wahrscheinlich wenn man die Gründe über .....— lr..- offen angegeben hätte. Das ällerdInns'wl-9 deiner Meinung kein Malheur gewesen. Auch die Redner au� den Mrgerlichen Parteien sind alle der Ansicht, dag der Slongozip� eint s�hr zweifelhafte Errungenschaft ist. die Den' �iund schweres Geld und grosze Opfer kosten wird. Ich gehel-'llnr nSch weiter: Ich sage sogar: aupt keine einzige Kolonie hätten, auch dann wäre Deutschland noch lange nicht übel daran. /AZiderspruch bei den Nationallibcralen.) Wir haben mit Frankreich einen Handelsumsatz von 1033 Millionen, mit England von 1868 Millionen, mit beiden Staaten also von rund 2900 Millionen Mark. Für unsere Kolonien haben wir feit 25 Jahren 1500 Millionen Mark ausgegeben, der Reichszuichng beträgt in diesem Jahre 33 Millionen und der ganze Handel, den wir schließlich nach diesen ungeheuren Opfern in den Kolonien erzielt haben, veläuftsich auf rund 98 Millionen, davon entfallen auf Afrika etwa 84 Millionen. ben, ab, die er am 9. November machte. Damals erklärte er, iw'cher Mede Lloyd Georges, würde Deutschland nicht ein« wva l genannt, heute hat er ganz anders gesprochen. Sei dem '? es wolle, jedenfalls war die Rede gegen Deutschland til n z t und sollte eine Art Drohung gegen Deutschland sein. . a wie die Entsendung des„Panther" eine Drohung gegen ä'titreich war. F�bler si,,d also hüben wie drüben gcniacht .wrlfei. Mit Genugtuung ist zu konstatieren, daß dies Austreten des englischen Ministers Lloyd George im englischen Parlament die schärfste Kritik erfahren hat. Steden, wie sie der Führer der Konservativen und wie sie meine Parteigenossen Macdonald, H a r d i e gehalten haben, hätten schärfer auch im Deutschen tag nicht gehalten werden können.(Sehr richtig! bei den a.demokraten.) VMan hat direkt gesagt, der Minister hätte sich wie ein Schulbub» benommen» hat er Wohl oder übel über sich ergehen lassen müffen. lebe war in der Tat geeignet, auch diejenigen bei uns topf- �zu machen, die sonst für ein freundschaftliches Einveruehinen mgland sind. Nach meiner Meinung muß ein solches Ein- tien auch heute noch angestrebt werden. teaf Westarp hat gesagt, daß England schon seit Jahren »wterigkeiten zu machen beabsichtigt habe". Das ist doch eine jewundene Erklärung, daß man sich fragt, was eigentlich verstanden werden soll. England hat bis heute vi» allen großen Nationen in der Welt unserem Handel und Berkehr die allergeringsten Schwierigkeiten gemacht.(Sehr richtig! links.) An dem Tage freilich, wo England gezwungen sein wird, zum Schutzzoll überzugehen, wird der deutsche Handel giwalligen Schaden erleiden(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraien) und der Tag wird kommen, wenn die Flotten- riinungeit sich in der gefährlichen Weise st eigern, - ja der Fall zu sein scheint. Dann wird die Frage, ob Frei- Inbel oder Schutzzoll für England sehr rasch akut werden(Sehr �j! bei den Sozialdcin.) und warum? Die englische Bourgeoisie �Mristokratie ist in bezug auf direkte Stcuerleistung an der „; angekommen, wo sie nicht mehr gern mehr zahlen wollen, und um tritt natürlich die Versuchung an sie heran, wenn die Staats- liMLt für Floricnrüstungen usw. weiter so enorm steigen, dann die Einnahm en aus Schutzzöllen zu benutzen, um Hunderte von Millionen dem englischen Staatssäckel zuzuführen, die er bisher nicht gehabt hat.(Sehr richtig I bei den Sozialdemo- ftaten.) Das ist der natürliche Lauf der Dinge und ich habe bei allen sceundschasllicheii Versicherungen der Redner in diesen Debatten doch von leiner Seite gehört, daß inan etwa an eine Verständigung über ti» Rüstungen mit England denken will. So lange das nicht fcflchieht, sondern die Dinge sich so weiter entwickeln, wird das Ende zweiselloS ein großes Zerwürfnis mit England und eine schlicßliche Katastrophe i(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Man spricht ja jetzt �ungeniert vom.Feinde England". Bisher war Frankreich der jetzt ist es England. Man spricht überall davon: Mit England abgereckmet werden.(Hört! hört! bei den Sozkaldeniokraten.) ans dieser Stimmung heraus eine friedliche Entwickelung der tu der Zukunft möglich sein wird, halte icb für ausgeschlossen. hfe bei den Sozialdemokraten.) Ja, wir sind es ja nicht, die nischeiden haben. Wären wir es, dann stünden die Dinge nders. Jedenfalls baben die Völker aus der Vergangenheit dieses Pommers zweierlei gelernt. Sie haben vor allem gelernt, daß die opialpolitik eine äußerst gefährliche Politik ist, daß sie immer ilReibungS flächen schafft, daß das Dräugen des Großkapitals DaH DÄuSdebmmg des internationalen Marktes zu Zusamnieiistößen Mit anderen Mächten führt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) Urs schließlich der Krieg die notwendige Folge i st. Die imperialistische Politik, wie sie in Marolko. wie sie jetzt in Tripolis und Pcrsie» betrieben wird, zeigt uns deutlich, wohin wir in Europa im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts steuern. In den nächsten Tagen wird eS wieder in allen christlichen Kirchen heißen: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede aus Erden»nd� den Menschen ein Wohlgefallen. Dabei wird überall gerüstet, werde» überall die Waffen geschärst, neue Kriegs- tschiffe gebaut, kurz, es arbeiten die sogenannten christlichen Völker mit Unterstütznng der christlichen Kirche immer mehr daran, um»eue Flotten und Armeen auö dem Boden zu stampfen, was schließlich eine» Zusammenbruch der sogenannten Kulturnarionen zur Folge haben muß.(Sehr r'chtig! bei den Sozialdeniokraien.) Die Gefahren der R a u b p o l i l i k. wie wir sie jetzt in Tripolis ad P e r t i e n sehen, können nicht schlimmer gedacht werden. Und Bs geschieht mit einer Kaltblütigkeit, als sei das ganz selbstver- »ndlich, als sei daran nichts zu ändern. -Die zweite Folgerung ist dann, daß die alte Form der ichlo matte abgewirtschaftet bat, , Die bisherige Geheimnistuerei lassen sich die Völker nicht mehr gefallen. pahr! bei den Sozialdeniokratc».) Es war vielleicht die er- dsi« Errungenschaft dieser Ereignisse, daß in der Presse auch aerlichen Parteien verlangt wurde, die Völler müßten wissen, was mit ihnen geschieht, sie find bei der ganzen Sache im höchsten Grade interessiert. Ihr Wohl und Wehe sieht dabei auf dem Spiele, und da geht eS nicht an, daß einigen wenigen Leuten, die nicht einmal VertrauenSlente sind, ihre ganze Existenz anvertraut wird, damit sie hinter verschlosienen Türen machen, was ihnen beliebt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dieselbe Empfindung hat man in Frankreich, in England, und sie dehnt sich immer weiter aus. Auch die sogenannten Gcheimverträge haben schließlich keinen Sinn mehr. Da baben vor Jahren Frank- reich und Spanien und England mit Frankreich Geheimverträge ab- geschlossen, und jetzt ist man doch genötigt gewesen, diese Geheim- n i s> e preiszugeben. Und wenn man es genauer ansieht, stellt sich heraus, daß die Geheimhaltung gar nicht der Mühe wert war. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Auf jeden Fall sind die Nationen lebhaft daran interessiert, daß nicht hinter ihrem Rücken über ihre Existenzen entschieden wird. Dazu kommt, daß der Ab- schluß solcher Geheimverträge ja nie lange geheim bleibt! nur den Inhalt erfährt man nickt. Die Folge ist denn, daß alle nicht- beteiligten Mächte mit Mißtrauen erfüllt werden. Bei solchem Zu- stand kann natürlich eine ruhige Entwickelung, ein gegenseitiges Ber- trauen der Kulturnationen nicht entstehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So wird immer neuer Zündstoff unter die Völker geworfen, eS werden neue Katastrophen vorbereitet. Eine weitere Errungenschaft der Marokko-Affäre ist, daß inter nationale Verträge in Zukunft nicht mehr ohne unsere Zu- stimmung abgeschlossen werden können. Man hat auch in den bürgerlichen Parteien, mit Ausnahme der äußersten Rechten, allmählich eingesehen, daß in dem früheren Zustand eine Aenderung eintreten muß, daß das Parlament als Vertreter der Gesamtheit des Volles rechtzeitig unterrichtet werden und Gelegen- beit haben muß. sein Ja und Amen zu solchen Verträgen zu sagen. Nur wenn überall mit offenen Karten gespielt wird, dann ollein kann Ruhe und Frieden aufrecht erhalten werden. Die G e- heimnistuerci ist immer ein Zeichen von schlechtem Gewissen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Also in allen diesen Beziehungen muß eine Aenderung von Grund auf eintreten, wenn wir überhaupt in Europa zu freundschaftlichen Ver- hältnissen unter den verschiedenen Kulturnationen kommen wollen. Zunächst ist dazu freilich wenig Hoffnung. Jeder erklärt zwar, er sei gern bereit, dem andern entgegenzukommen, aber jeder macht so viel Vorbedingungen, daß an ihrer Erfüllung gar nicht zu denken ist. Ick mochte daher dringend bitten, daß der Reichstag unseren Anträgen, soweit sie nicht durch die Verhandlungen und durch den Antrag der Budgetlommission erledigt sind, zustimmt und namentlich auch fordert, daß uns ein Weißbuch vorgelegt wird, das alle Depeschen und Mlenstücke der Verhandlungen mit Frankreich enthält. Wir müffen ja leider be- fürchten, daß alle unsere Wünsche und Forderungen bei Ihnen auf Widerstand stoßen und erst recht bei der Regierung. Aber wenn einmal das Verhängnis seinen Lauf nehmen soll, nun gut, wir wenigstens haben ehrlich dazu beigetragen, einen Zustand der Dinge herbeizuführen, wie er Kulturnationen und Kultur- menschen würdig ist.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemo- kraien.) Abg. Bassermann(natl.): Herr Bebel befolgt bei seinen Reden über die auSivärtige Politik immer die Methode, sich zu sehr in die Seele unserer Gegner zu versenken.(Sehr richtig I bei den National- liberalen.) Er sucht, um seine Anklagerede gegen die im- perialistische Politik, der nach seiner Auffassung Deutschland verfallen ist, zu halten, seine Argumente im Lager der Gegner. Diese falsche Methode sollte die Sozialdemokratie aufgeben. Wir müssen alle diese Dinge ausschließlicb vom deutschen Standpunkt ans beiirteilen.(Bravo! bei den Natl.) Wir sehen, wie die Weltausteilung sich immer weiter vollzieht, da müssen wir die Augen auf und unser Schwert scharf halten. Das kann keiner von uns ändern, daran ist auch der Großkapitalismus nicht schuld.(Wider- spruch bei den Sozialdemokraten.) Eben weil wir jeden Tag vor Katastrophen st ehe» können, muß jedes Boll aus Selbsterhaltungstrieb sich das Heer und die Flotte schaffen, die seinen nationalen Interessen entspricht. Von der Idee, daß jede internationale Streitfrage vor dem Haager Schiedsgericht zum Ans- trag gebracht werden soll, ist heute keine Rede mehr.— Die Reformbcdürftigkcit der Diplomatie gebe ich Herrn Bebel zu; darüber wird im nächsten Reichstag noch zu reden sein.— DaS Abkommen von 1909 war gewiß ein Entgegenkominen gegenüber Frankreich, aber es war von der testen Erwartimg diktiert, daß nun ein wirtschaftliches Zusammenarbeiten mit Frankreich in Marokko erreicht werde. Das war aber nicht der Fall, im Gegenteit deutsche Unternehmungen wurden schikaniert und niit dem Marsch nach Fez wurde dann die AlgeciraSakte zerrisien. Die Folge war dann die Entsendung des„Panther".(Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Ob das Mittel klug war und ob nicht ein weniger starkes Mittel viel wirksamer ge- Wesen wäre, ist eine andere Frage.(Sehr richtig I links.)— Als erfreuliches" Ergebnis dieser ganzen Debatten begrüßen wir, daß in Zukunft Kolonialland nur im Wege der Reick-gesetzgebung erworben und veräußert werden kann. Wir stellen mit Befriedigung fest das große Interesse des Volkes an der auswärtigen Politik. Die Mitwirkung der Volksvertretung wird zweifellos ein Moment der Stärkung für die Position der Regierung bei zukünftigen Verhandlungen fein. Wir haben ja heute von dem Herrn Reichskanzler gehört, daß die Rücksicht ans die Zustimmung der französischen Kammer eine Waffe für die sranzösffchen Unterhändler war. Roch ein Wort zur Einmischung Englands in unsere Verbandlimgen mit Frankreich. Wir erkennen gern an, daß unsere Regierung diese Einmischung versucht hat energisch zurück- zuweisen. Eine Entspannung der internationalen Lage ist infolge de» Marokloabkommens nicht eingetreten. Wenn man glaubte, die Folge dieses Abkommens würde eine allgemciire Volksver« brüderung sein, so war das eine große Illusion. Das zeigte die Rede GreyS, die sehr schroff den bisherigen Standpunkt festhält. Wir können nicht frei von Sorgen in die Zukunft blicken, um so mehr, als immer neue Probleme der internationalen Politik austauchen. Was wir wünschen.� ist eine deutsche auswärtige Politil, wobl vorbereitet, ohne Jmprovisalionen(Sehr richtig! links), ziel- bewußt, eiiergück, die sich in jedem Augenblick bewußt ist der ge- walligen Machtmittel, die wir besitzen und für die tinser Volk gern auch große Opfer bringt. Ich bin der letzte, der raten würde, Konflikte zu suchen. Wir wollen aber da, wo sie uns anfgedrnngcn werden, den Konflikten auch nicht ausweichen. Wir wünschen nicht, daß irgend eine Nation eine inter- nationale Vorherrschaft erlangt. Eine solche zielbewußte deutsche Politik wird am besten das deutsche Ansehen und die deutsche Ehre wahren, sie ist aber auch am besten geeignet, uns den Welt- frieden zu erhalten.(Sebr richtig I links.) Bei einer solchen kraftbollen, zielbewußten Politik kann die Regierung sicher sein, daS ganze Volk hinter sich zu haben.(Lebhaftes Bravo I bei den Naiionollibernlen.)» Abg. Schräder(Vp., ans der Tribüne fast unverständlich): Die drobende Geste von Agadir war zweifellos nicht nötig; jetzt sollte man aber nicht retrospektive Betrachtungen anstellen, sondern bestrebt sein, in Zukunft Mißverständnisse zu vermeiden. Wir wollen England nicht angreifen, verlangen aber auch, daß Eng- land sich nicht in unsere Interessen einmiicht. Nur eine Politik des Rechts wird auf die Dauer bestehen könne».(Beifall links.) Abg. Fürst Hatzfcldt(Np): Es ist leicht, ein Kriegsschiff in einen fremden Hafen zu schicken, schwerer, sich ans der Affäre mit Anstand herauszuziehen. DaS hoben wir ja nun schließ- lich erreicht. Was die Geheimnistuerei anlangt, so niuß doch darauf verwiesen werden, daß das Voll wissen wollte, wohin die Reise geht, zumal anderwärts der Schleier bereits gelichtet war. Zu dem Mißtrauen England« gegen rntl haben wir keine«erankaffung §efleben, denn wir haben noch nie Englands Wege gekreuzt. Der »fünft sehen wir mit Ruhe entgegen. Aber unser Pulver wolle» wir trotzdem trocken halten.(Beifall rechts.) Abg. Lottmann(Wirtsch. Bg.) verliest eine Erklärung: Meine Freunde werden stets an der Seite der Regierung stehen, wenn sie englische Ueberfallsgelüste zurückweist. Die letzten Ereignisse weisen uns darauf hin. daß wir ein starkes Heer und eine starke Flotte brauchen. Ein Reich, ein Kaiser, ein Volk. (Brado! bei den Antisemiten.) Abg. Frhr. v. Hcrtling(Z.): Die Rede Sir GrehS war für uns eine Enttäuschung. Sie ging um den springenden Punkt herum. Wir wenden uns dagegen, daß England uns Hindernisse in den Weg legt. Gestützt auf unsere innere Kraft werden wir der Zukunft entgegensehen. ' wird angenommen. Der Antrag Frhr. die Stimmen eines Teils der Rechten A l b r e ch t wird gegen die Stimmen Die übrigen Anträge sind erledigt Ein Schlußantrag v. H e r t l i n g wird gegen angenommen. Der Antrag' der Linken abgelehnt. oder werden zurückgezogen. Das Marokkoabkommen wird zur Kenntnis genommen. Präsident Graf Schwcrin-Löwitz: Damit sind wir am Ende unserer Tagesordnung angelangt und, wie ich wohl annehmen darf, nicht nur am Ende unserer gegenwärtigen Tagung, sondern auch unserer ganzen Legislaturperiode. Ich beabsichtige nicht, Ihnen eine detaillierte Uebersicht über die umfangreichen Arbeiten zu geben, die der Reichstag auf dem Gebiete der inneren und äußeren Politik, in wirtschafllicher und namentlich auch in sozialer Hinsicht geleistet hat. Sie wissen das alle ohnehin. Ich möchte nur dem Wunsche Ausdruck geben, daß diese große gesetzgeberische Arbeit trotz allerMängel, die jedem Menschenwerk anhaften, unserem geliebten deutschen Volke zum Segen gereichen möchten.(Bravo!) Abg. Lasscrmaim(natl.) dankt namens des Hauses dem Präsi- deuten für seine gereckte und wohlwollende Gesichäftsführung.(Beifall.) Präsident Graf Schwcrin-Löwitz dankt allen ReichStagsbeamten für ibre treue Mitarbeit.(Bravo I) Reichskanzler v. Bethmann Hollweg verliest darauf die kaiserliche Schließungsurkunde und erklärt im Anschluß daran im Namen der Verbündeten Regierungen und kraft dieses kaiserlichen Auftrages den Reichstag für geschloffen. Präsident Graf Schwerin-Läwitz bringt das Kaiserhoch aus (Die Sozialdemokraten haben vorher den Saal verlassen.) und schließt die Sitzung. Schluß 4'/a Uhr._ Schweizerischer fozlaldernoliratlfcher Parteitag. Ölten, 2. Dezember. Die Frage der Partcireorganisation. die seit einem Jahre die Parteigenossen im ganzen Lande beschäftigt, hat eine außerordentlich große Zahl von Delegierten, worunter auch eine Anzahl weiblicher, zum diesjährigen Parteitag auf die Beine gebracht. Der Partei- Präsident, Genosse Nationalrat Näher-Biel. eröffnete die Sitzung um gl/z Uhr mit einer kurzen Ansprache, in der er verschiedene geschäst- liche Mitteilungen machte. Das Bureau wurde bestellt aus den Genossen Rimathee-Zürich, Generalsekretär des Lokomotidpersonals, als erster und Greulich als zweiter Präsident, Windler-Zürich und Joneli-Dasel als Schrift- führer. Im Namen der sozialdemokratischen Partei in Ölten begrüßte Genosse Lattmann, Generalsekretär des Verbandes deS ZugSpcrsonal« Vereins, den Parteitag. Ans Antrag der Arbeiterunion Zürich fand eine Protest- resolution gegen den italienischen Raubzug in Tripolis ohne Debatte ein st immige Annahme. Die Parteirechnung für die Zeit vom 16» November 1910 biS 22. November 1911 zeigt eine Gesamteinnahme vvn 9219 Fr. und einen Vermögensbestand von 4924 Fr., der PreßprozeßfondS beträgt 635 Fr., der MililärfondS 4519 Fr. Dem Kassierer wurde eine Entschädigung von 150 Fr., der Geschäftsleitung von 200 Fr. bewilligt. Den parlamentarischen Bericht der National« ratsfraktion erstattete Genosse Greulich, oder besser gesagt, nicht, denn er forderte einfach die Delegierten auf. über deren Tätig- teit zu diskutieren, Anfragen zu stellen usw. Dagegen teilte er mit. daß sich die neue sozialdemokratische Nationalratsfraktion mit 16 Mann(einschließlich des Genossen Ständerat Scherrer) bereits konstituiert und Greulich als Präsidenten, Grimm als Berichterstatter für den nächsten Parteitag bestimmt hat. Die Fraktion hat be- schlössen, sich als selbständige Fraktion beim Bureau des National- rates anzumelden und in demselben eine Vertretung zu verlangen. Die Konstitution unserer Genossen als selbständige Fraktion bedeutet den Bruch der bisherigen Gemeinschaft mit den fünf Demokraten. Nun kommt das wichtigste Geschäft deö Parteitages. die arteiorganisation. Genosse P f l ü g e r möchte die ganze Behandlung der Frage vereiteln, indem er den Antrag stellt, sie zurückzustellen, bis � Ausländerfrage gelöst ist. Diese starke Zumutung wird in i Abstimmung mit große Mehrheit abgelehnt. Und nun referierte Genosse Dr. S t» d e r- Winterlhur über die Re- organisation der Partei als Präsident der vom vorjährigen Parteitag bestellten Kommission. In der ReorganrsationSfrage handelt eS sich in der Hauptsache um die Neuregelung des Verhältnisses der Partei zum G r ü t l i v e r e i n. der die eine Hälfte der Partei bildet, mit seinen 10 000 Mitgliedern gegenüber den zirka 15 000 anders organlsierten Genossen in der Minderheit ist. Heute ist aber das Veibällnis so. daß der Grütliverein die Herrschaft in der Partei ausübt, indem z. B. da die Partei bezw. ihre Geschäftsleitung den Sitz haben muß, wo fein Zentralkomitee domiziliert ist. Bon dessen sieben Mitgliedern gehören fünf der Geschäftslcilung der Partei an. daS ganze Komitee aber dem Parteivorstand an. Sodann ist sein Organ, der G r ü t l i a n e r", das Zentralorgan der Partei der manchmal versagt und jetzt wieder die ganze Reorganisation der Partei bekämpft, da der Grütliverein seine Vorzugsstellung in der Partei nicht aufgeben will. In dieser Beziehung soll einige? ge- ändert, die Partei demokratisiert werden. Sodann soll der heutige Mitgliedsbeitrag von 20 Cts. pro Jahr auf 60 Cts. erhöht werden. In seinem Referat berichtete Dr. Studer über die Arbeiten der Kommission, die drei Entwürfe ausarbeitete, nachdem die ersten beiden auf den Widerstand des GrütlivercinS gestoßen. Aber auch der stark veränderte'dritte Entwurf fand Ablehnung, da die Grüllianer eben an ihrer gegenwärtigen privilegierten Stellung un- nachgiebig für alle Ewigkeit festhalten wollen. Genosse Studer betont schließlich den Vormarsch der Sozial- demokratie, die heute frank und frei überall ihre Fahne entfaltet und keine Verschleierung nötig hat, wie gerade die jüngsten Rationalrats- Wahlen gezeigt haben. Ebenso tritt er ein für die Gleichberechtigung der ausländischen mit den schweizerischen Genossen in der schweize- rischcn Sozialdemolratie. Die oppositionelle Stellung der Grütlianer vertrat Genosse W i r z. Redakteur des„Grütlianer". Die Onintessenz seiner Ausführungen läßt sich kurz in die Worte zusammenfassen, daß alles beim alten bleiben soll. Die Ansländerfrage soll durch gesetzliche Erleichterung der Einbürgerung gelöst werden. DaS Vorhandensein eines Chau- vinismus im Grütliverein gegen die ausländischen Genossen bestrerter er nicht. Die Finanzfrage kann ohne weitere Reorganisation er- ledigt werden. Schließlich beantragt er Nichteintreten auf die ganze Neorganisalionsfrage und Zurückweisung des Problems an den Vorort Zürich. In der NachmittagSsitzung wird zunächst mitgeteilt, daß 425 Delegierte anwesend find. In der nach einer langen und lebhaften Diskussion um 7 Uhr erfolgenden Abstimmung wird mit 217 gegen 163 Stimmen grund- sätzlich die Reorganisation der Partei auf der Grundlage des letzte» KommisstonsentwnrfeZ unter dem stürmischen Beifall der Mehrheit beschlossen. vlttn, 8. vezemKer. Die VormittagSsihuny begann mit der Spczialberatung der Statuten. Wir bcschrante» uns mii der Berichterstattung auf das Wesmtlichstc.?ils Parteigenosse wird jede Person betrachtet, die sich zu den Grundsätzen des Programms der sozialdcmokm- tischen Partei der Schweiz bekennt und sich durch das Parteimit» gliedsbuch über die regelmäßigen Geldbeiträge ausweisen kann. Der Parteigenosse hat einer der im, Statut genannten lokalen sozial- demokratischen Parteiorganisationen als Mitglied anzugehören. Einer nichlsozialdemokrabische» politischen Organisation darf kein .Parteigenosse angehören. Die Stellung der ausländischen Genossen im Rahmen der Parteiorganisation gab abermals viel zu reden Die ausländischen Genossen selbst forderten völlige Gleichbercchti- gung. Was dann beschlossen wurde, bedeutet die unveränderte Beibehaltung des gegenwärtigen' Zustandes, der. abgesehen von den reaktionären Bestimmungen des Statuts des Grütlivereins gegen- über den Ausländern, keine Unterscheidung der Parteigenossen kennt, un? es nur an den ausländischen Genossen liegt, von ihrem Recht Gebrauch zu machen. Am Schlüsse der Diskussion gab Genosse Pflüger als Zentral- Präsident des Grütlivereins, die Erklärung ab, daß der Grütliverein mit dem neuen Parteistatut einverstanden ist. Hierauf stimmte der Parteitag durch Erheben von den Sitzen einuiütig unter dem lebhaften Beifall auf allen Seiten dem neuen Parteistatut zu. In die Geschäftsleitung der Partei wurden die Genossen Dr. Studer-Wiüterthur als Präsident, Greulich, Sigg, Gschwend, Platten und Frau Haubensack gewählt. In einer Resolution wird das entschiedene Eintreten der Partei für die Kranken- und Unfallversicherung auf die Volksabstimmung hin erklärt und in einer weitern Resolution protestiert gegen die Ablehnung der geforderten vorübergehenden Herabsetzung einer Reihe von Zollansätzen durch den Bundesrat, welche Herabsetzung im Zolltarifgesetz aus- drücklich vorgesehen ist. Es wird nun Sache der neuen sozial- demokratischen Nationalsraktion sein, die Angelegenheit weiter zu verfolgen. Damit war die verfügbare Zeit des Parteitages erschöpft und mußte aus die Behandlung der übrigen Geschäfte:„Kommunale Maßnahmen gegen die Teurung", die Jugendorganisation und«das Frauenstimmrccht verzichtet werden. Jliis der Partei. Kommnnalwahlsiege. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Wittenberge wurden am Sonntag vier Genossen mit 657 bis 063 Stimmen auf secbs Jahre und ein Genosse mit 664 Stimmen auf vier Jahre gewählt. Auf die bürgerlichen Kandidaten entfielen 146 bis 609 bezw. 316 Stimmen._ von de» amerikanischen Gemeindewahle». DaSWahIergebni» inSt. Louis sMissouri), der vierten Stadt der Union mit etwa 800 000 Einwohnern bedeutet einen glänzenden Erfolg für die Partei. Sie überflügelte mit 16 006 stim- men die Demokraten, die 14 606 erhielten und steht nicht mehr weit hinter den siegreich gebliebenen Republikanern(19 336) zurück. Bon den 28 Bezirke» stehen wir nun in 8 an erster, in 6 an zweiter Stelle. Zwei, in denen namentlich Brauereiarbeiter wohnen, ergaben sogar eine absolute Mehrheit. Nur mit Aufbietung aller Mittel ge- lang eS den Republikanern, die wie die Demokralen etwa ein Drittel ihrer letzten Stimmenzahl verloren haben, noch einmal den ersten Platz zu behaupten. Während früher die höchste Zahl unserer Stimmen 6000 war, stieg fie auf rund 8000 im Herbst 1910— 12000 im Frühjahr 1911— und jetzt 16 000. Es geht mit Macht vorwärts._ Personalien der Parteipresse. In die Redaktion des Karlsruher„BolkSfreund' ist Genosse Hermann Winter aus Hemsbach, zuletzt in Heidelberg, als Redakteur eingetreten. Genosse Winter zeichnet verantwortlich die Rubriken: Aus der Stadt, Aus dem Lande, Feuilleton, UnterhaltungSblatt, Kommunales, Genossenschaftliches und Soziale Rundschau. poliretticbe». Ocrlchtllche« ukw. Polizei, Justiz und Reichsvereinsgesetz. In W e st h o f e n im Kreise Dortmund-Hörde war eine Filiale deS sozialdemokratischen Kreisvereins errichtet worden. Als die Filialleitung einem völlig ungesetzlichen Verlangen der Polizei- Verwaltung nach Einreichung der Statuten und der Borstandsmit- glieder nicht nachkam, erhielten die Genossen gar noch Straf- Mandate von 16 Mark. Die„Dortmunder Arbeiter- zeitung" kritisierte das Vorgehen der Polizei in einem Artikel: „Es geht nichts über den Scharfsinn und die GcsetzeskenntniS der Polizeiverwaltung." Es wurde ausgesprochen. daß die Polizei von Westhofen anscheinend den§ 3 des BereinSgesetzeS nicht kapiert habe und ftch bei irgend einer Gemeindeverwaltung über die Bestim- mungen des Gesetzes orientieren möge. Die Polizei sah nun wohl ein. daß ihr Vorgehen unberechtigt war, die Strafmandate wurden zurückgezogen. Indessen fühlte sich Amtmann v. Daniels durch die überaus milde Kritik nun noch beleidigt und stellte Strafantrog. Der Staatsanwalt beantragte wegen schwerer Beleidigung 100 M. Geldstrafe. Urteil des Gerichts: 6 0 M. Geldstrafe. Eine zweite Sache, die am gleichen Tage gegen den Redakteur der„Arbeiterzeitung" verhandelt wurde, betraf ebenfalls das Reichs- Vereinsgesetz. Die italienischen Mitglieder deS BanarbeiterverbandeS Vollren beim Wirt Schulte-Derne in Habingborft eine Muglieder- Versammlung abhalten. Der Wirt hielt es für nötig, die« dem Polizeilommissor Möller mitzuteilen und zu fragen, ob die Ver- sammlung stattfinden dürfe! Ter Polizeikommissar Verneintel ES wurde nun in der„Arbeiterzeitung" gewünscht, daß der Amtmann den Kommissar mit den Bestimmungen des BereinSgesetzeS näher be« kannt machen möchte. DaS war auch wieder eineKwik in mildester Form. Nichtsdestoweniger erfolgte auch hier wiedrr Strafverfolgung und Strafantrog aus 100 M. Geldstrafe. Urteil 50 M. Wenn die Bürger in Preußeii-Deutschland durch die Unkenntnis der Polizei in ihren Rechten schwer benachteiligt werden, dann müssen sie doch hübsch schweigen, lvenn sie nicht obendrein noch empfindlich bestrast werden«vollen. Die Polizei handelt natürlich immer im guten Glauben, und der Redakteur handelt � immer böswillig. Von Wahrung berechtigter Interessen will in solchen Fällen unsere Justiz nichts wlssen. �__ Ein mehr als merkwürdiges. Urteil fällte am Sonnabend das Schöffengericht Königshütte— aller- dingS in Oberschlesien— gegen den früheren Verantwortlichen der Breslauer„Bolkswachi", Genossen R a b o l d. Jin Mai d. I. brachte die„VolkSwocht" eine Notiz mit der Ueberichrift: „Kein Musterbetrieb", die sich mit den Lohn- und ArbeitSverhält- niste» bei der S ä g e w e r l S s i r in a S t e r n b e�r g in Königsbütte beschäftigte. Darin«vor gesagt, daß die Firma Stcrnberg niedrige Löhne zahle, daß die Schutzvorrichtungen viel zu wünschen übrig lassen, daß die Arbeiter durch den Werkineister angetrieben werden und auch schon geschlagen worden sind. Zum Schluß«vurde dem Gewerbeinspektor der Rat erteilt, sich den Betrieb der F«rma Sternberg einmal etivaS näher anzusehen. Die Finna Stcrnberg stellte Strafantrog. In der Verhandlung wurde durch mehrere Zeugen eidlich festgestellt, daß die von der„Volkewacht" gerügten Zustände zum weitaus überwiegenden Teil tatsächlich vorhanden«varen. Und trotz- dem erkannte das Gericht aiif 300 M. Geldstrafe und 100 M. Buße. Die Buße hielt das Gericht für gerechtfertigt, obwohl die klagende Finna nicht««achiveiien konnte, daß sie durch den Artikel überhaupt einen Pfennig Schaden erlitten hat. Die Höhe der Geld- strafe tritt besonders kraß in Erscheiiiiiiig.«veil die Notiz in krasser Weise gegen die Form verstoßen hat, der WahrheitSbeiveis als ziem- lich geglückt betrachtet werden muß und Rabold zur Zeit der Per- öffeutlichring der Notiz noch gänzlich unbestraft war.— Wird dreieS Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den > Urteil von der höheren Instanz bestätigt, da«, eröffnet stch ffti Ht Unternehmer die SuSfichr, wenn«in Arbeiterblatt sich schlecht be- Handelt«! Arbeiter annimmt, dafür noch eine Geldbuße durch die Richter zugesprochen zu erhalten. Bus Industrie und Kandel. Erdrosselung der Neinen Existenzen und Plünderung der Konsumenten. Der Berliner Kohlenhandel hat in den letzten Jahren seine Struktur sehr verändert. Früher beherrschte der Händler den Markt. Die Konkurrenz unter den Gruben gab ihin«ine Beive- gungsfreiheit, die zu seinem Gunsten ausschlug. Die Sachlage änderte sich mit dem Zusammenschluß der Gruben auf der Basis der Preisvereinbarung. Immerhin blieb noch eine Konkurrenz, da nicht alle Gruben der Vereinbarung beitraten. Diese Situation nutzten natürlich die Großhändler nach Möglichkeit aus. Das gab den maßgebenden Niederlausitzer Gruben Veranlassung, die Or- ganisation des Großhandels unter ihrer Kontrolle in die Hand zu nehmen. Das gelang auch; in den meisten Grotzhandelsfirmen erlangten die Gruben matzgebenden Einfluß. In dem vor einigen Jahren gegründeten Verband Berliner Kohlenhändler müssen alle Firmen, die von den vereinigten Gruben Kohlen beziehen wollen, organisiert sein. Dieser Verband umgrenzt, in Verbindung mit den Gruben, nicht nur die Bezugsbedingungen für den Groß- Handel, sondern auch für den Kleinhandel und er schreibt diesem dazu ganz genau die Verkaufspreise vor, stipulierte Strafen für Uebertretung der festgelegten Bedingungen usw. Die Strafen be« stehen in Geldbußen oder in dem Ausschluß von dem Bezüge von Konventionskohlen, was gleichbedeutend ist mit der Lahmlegung des betreffenden Betriebes. Kleinhändler erhalten von den Gruben direkt keine Kohlen. Damit die Großhändler eine bessere Kontrolle ausüben, den ganzen Handel dirigieren können, haben sie auch für die Kleinhändler eine Organisation geschaffen. Man lockte die Kleinhändler mit schönen und süßen Versprechungen in die Netze der Großen. Die„Solidarität der Interessen" mutzte herhalten, man schimpfte auf die GewerbefreiHeit und auf Konsumvereine, erweckte den Anschein, als ob die mit den Gruben Hand in Hand arbeitenden Großhändler die liebevollsten Freunde der Kleinhändler seien, mit denen sie zusammenarbeiten wollen zur Hebung des Geschäftes. Dabei spielte das Schlagwort von der ..Regulierung der Preise" eine Hauptrolle. Man machte die Händler mit dem Jnaussichtstellen höherer VerkausSpixkse ordent- lich lüstern und sah sie auf den Leim hüpfen. Wir haben im „Vorlvärts" damals wiederholt darauf hingewiesen, daß der Händler Freude sich bald in Leid verwandeln würde, denn die ganze Mache der Großhändler und Gruben laufe nur darauf hinaus, die Kleinhändler vollständig unter ihre Dittatur zu 6c- kommen, sie zu Kulis des Kapitals zu machen. Einige der Klein» Händler sahen auch das Verhängnis voraus, der große Strom aber drängte in das Bett der Konvention— deren Leitung eigentlich in den Händen der Großhändler liegt. Zuerst ging die Sache auch ganz famos nach den Wünschen der Kleinhändler. Die Preise wurden heraufgesetzt und sie bekamen einen Happen mit. Bei den nächsten„Regulierungen" gestaltete die Sache sich immer auSge- sprochener, so daß die Gruben und Großhändler den Löwenanteil und die Kleinhändler kleine Bröckchen, schließlich gar nichts«nchr bekamen— als neue Vorschriften und Bedingungen. Bei dieser Entwicklung gedeihen Gruben und Großhändler aus das präch- tigste. Die Lausitzer Braunkohlen-Gruben gehören nun zu den lukrativsten Industrien Deutschlands. Sie zahlen Glanzdivi- denden! Die Jlse-Bergbau A.°G. z. B., die bis 1897 zivischen 0 bis 754 Proz., dann bis 1903 zweimal 9 und dreimal 10 Proz., in den nächsten Jahren bis 1908 12, 14, 16, 18, 20 und 22 Proz. verteilte, schüttete in den beiden letzten Jahren gar schon 24 Proz. Dividende aus. Während so das Kapital sich mästete, hatten die Konsumenten über stets steigende Preise zu klagen, wofür der Unmut natürlich auf den Kleinhändler sich ablud, der in immer größere Abhängig- keit geraten war und eigentlich nur noch als Angestellter der Gruben und Großhändler den Kohlenvertrieb zu besorgen hatte. Teilweise bestand die Verteuerung in einer Oualitätsver- schlechterung. Alle Gruben liefern jetzt die eingeführten besseren Marken. Nun soll noch eine sogenannte Ausgleichmarke eingeführt werden, die der Händler den Konsumenten einfach anstelle bestimmt geforderter Sorten zu liefern hat. Gegen die Kleinhändler, die nicht artig sind, gehen die Großhändler mit aller Schärfe vor, Strafen regnet es hageldicht; wer nicht pariert, lvird gesperrt! In einer am vergangenen Freitag abgehaltenen Versaminlung von Kohlenhändlern kain der Unmut über den Terrorismus des Kohlen- kapitols recht scharf zum Ausdruck. Hier wurde u. a. auch be- hauptet, daß die Konvention wohl die Kleinhändler wegen der Preisunterbietung rücksichtslos bestrafe und verfolge, den Groß- Händlern aber, die mit Preisunterbietungen den Kleinhändlern die Kundschaft abzujagen suchten, lediglich sanfte Beriveise erteile. Nun«vill man sich der Gewaltherrschaft des Kohlenkapitals ent- ziehen und die Konvention wieder sprengen. Im Kohlenhandel zeigt sich dieselbe Entlvickelung wie in den meisten anderen Gewerben und Industrie». Das Kapital«nacht sich den Handel dienstbar, unterdrückt die selbständigen Existenzen, degradiert die Händler zw seinen Kulis, die helfen«nüssen, die Preise in die Hohe zu treiben, den Prosit der Nichtstuer zu stei- gern. Ob sich das Kapital des Grund und Bodens, der Boden- schätze, der Gütererzeugung oder der Güterverteilung bemächtigt, überall dieselbe Geschichte: Ausbeutung der Arbeitskraft und der Konsumenten ist Zweck und Ziel seiner Betätigung! Wie Aktienaesellschafteu gemolken werde«. Die Aktiengesellschaft hat den industriellen Kapitalisten von der Funktion des industriellen Unternehmers systematisch befreit. AuS dem Fetischismus des Geldes ist die Anbetung der Aktiengesell- schaft geworden. Damit ist auch die Möglichkeit entstanden, die heute noch unter althergebrachten Gesichtspunkten als widersinnig betrachtet wird, was sie gar nicht mehr ist— daß Kapitalisten zugleich Leiter und Gegner ihres industriellen Unternehmens werden können. Der Vorstand und AufsichtSrat der Concordia, chemische Fabrik zu Leopoldshall, welche die Herstellung von Cälorkalium betreibt, kaufte im November 1910 vom anhaltischen Fiskus acht Kalifelder. Die so erworbenen Kuxe der zwei Kali- geiverkschafteii Anhalt und Jlberstadt wurden pro Stück «nit je 600 Mk. bezahlt. Nachdem die von dem Konsortium ge- kauften Unternehmungen mit hochverzinslichen, dem Ausbau der Werke dienenden Anleihen bepackt worden waren, gingen sie an die Concordia über. Beschlossen wurde dies von dein Borstand und dem Aufsichtsrat, der die Kalifelder vom anhaltinischen Fiskus erworben hatte. Verkauft wurden je 751 Kuxe der beiden Kali- gewerkschasten mit 1000 resp. 1300 Mk.! Das Verwaltungskon- sortium hat auf diese Art an seiner eigenen Gesellschaft durch die Eskomptierung in Zukunft vielleicht einmal möglicher Gewinne «vährend eines halben Jahres 826000 Mark verdient! Die Last der im voraus zu Kapital gemachten ZukunstSauSsichten dieser Kaliwerke mutz die Concordia tragen. Den finanzkapitalistischen Geivinn haben Vorstand und Aufsichtsrat der Gesellschaft jetzt für sich eingesteckt!___, Bus der Frauenbewegung. Neumalthusianismus. Der Deutsche Bund für Mutterschutz hatte zu einem Vortrags- avend im Klindworth-Scharwenkaiaal geladen. Bier Referenten waren zur Stelle, und es wurde das große Bekenntnis zum Neumalthusianismus, will sagen, die Zustimmung zur bewußten Regelung der Geburten, zum Ausdrck gebracht. Einleitend legte Dr. Helene Stöcker dar, daß der Zusammenhang von Mutterschutz und Geburtenregelung anerkannt werden müsse, daß die drohende Gesetzesänderung betreffs des Verbotes der Schutzmittel die Frage akut mmfre. um so mehr, als doch§ 218 die Unterbrechung der tet verches- ur Enthalt-» deutschen «� Zeugung mehr sei eburten- n, und r Frau Arzt it und Sein s gipset., ja vchwangerschaf?»etfflcte. 9k UM* rateten Frau stehe im schreienden Mders; sanfteit verurteilten vielen kräftigen jirngen Beamtinnen, die nicht heiraten dürften, und vor respektive außer der Ehe verworfen wür?" dann erst die unmäßige Zeugung zu beanstor zahl dürfe nicht länger dem blinden Zufall ül Staat und Gesellschaft müssen so weit kc-mmen/. die Regelung der Geburten zugeständen. Der Dr. Drysdale. der das zweite Referat über„Vol Wellmacht" sprechen wollte, war am Kommen vV Referat gelangte durch Dr. Stabel zur Verles.ung.. der Darlegung, bewiesen an Hand vieler im Saal ausgehängt.� Diagramme, daß Geburten und Sterblichkeit sich micht regeln. Nack Malthus würde die Bevölkerung schneller bor such gehen, als Ernährungsmöglichkeiten wüchsen. Ter Neukommvnde müsse weder sterben oder die Sterblicheeitszifser müsse mit.der Gebur ziffer übereinstimmen. Die Nahrungsmittelproduktion könne st wechseln. Einklang müsse zwischen beiden herrschen. Enttm müsse man die Produktionsmittel steigern oder die Geburtenz einschränken. Es stehe fest, daß der Rückgang der Geburten Sterblichkeit vermindere, diese Lehre müsse ins Volk dringen,, sie sei unbestritten wahr. Die natürliche Sterblichkeitsziffer ungefähr 10 Proz. aus, während wir in Deutschland 17 Proz. In Frankreich harmoniere die Sterblichkeit�ahl mit der Gebi zahl, wie die Volkszählungen bewiesen, dieses Land gehe� alft zurück. Japans Sterblichkeit stieg mit der Zunahme sein« burten, weil die Ernährungsverhältnisse dadurch schlechter wu Daher sei der Neumalthusianismus nicht allein gerechtfertigt, son- der» er sei die größte Errungenschaft. Er müsse weise� geleite! werden. Seine wissenschaftliche Grundlage sei autoritativ«r gewiesen. Der dritte Referent Dr. Rohleder besprach tiom mr nischcn Standpunkt aus den Neumalthusianismus. Für den sei es oberste Pflicht, dem Patienten zu helfen, sein Leben retten, zu verlängern. Wenn der Arzt die Fruchtbarkeit a«�s w zinischen Gründen für angebracht halte, müsse er sie b�?' dürfen. Das sei nicht unsittlich Unsittlich sei der Arzt, wc nicht helfe. Der geschlechtliche Verkehr habe nicht in der" fache die Zeugung zum Zweck. Die Schutzmittel dürften nt boten werden. Bei vielen Krankheiten seien sie notwendig. das Gesetz käme, würde die praktische Ausübung des Neumcck nismus unmöglich, und der Arzt könne die Mittel nicht ent! Bei Tuberkulösen. Alkoholikern und bei Armen müsse der � der Schutzmittel erlaubt sein. Dr. Rohleder sprach sich geschlechtliche Abstinenz aus. Und erst gar bei den geschl. Krankheiten könnten nur Idioten den Gebrauch von Schv verbieten wollen, der Mensch sei doch nicht nur ein geisti der» auch ein körperliches Wesen. Der letzte Reserw» Dr. Ruttgers-Haag. Er behauptete, daß die Erde ni Nahrung hervorbringe, und deshalb müsse die Geburtenzahl schränkt werden. Der Arzt müsse sorgen, daß jede? me» Wesen«nöglichst kräftig und tüchtig werde. Man müsse d-� kum aufklären, sein Verantwortlickfleitsgefühl wecken. D selbst wären die Berufensten. Die Neumalthusianer sei« praktischen Rassenhygicniker. Er wies auf die Weißmannsch: Le_ über die Verschlechterung des Keimplasmas hin. auf Darwins Auz lese, und auf die Züchtung der Tiere. Die bewußte Beschränku-r der Geburten, der Zeugung, sei Pflicht. Es sei verkehrt zu' der Stärkere werde sich durchsetzen, das sei Brutalität. E bewußt gezeugte Mensch, so schloß der Referent, werde die Evolution bringen. Sias- Christbaumscfiintiifl SJcriniS« auch dieses 3a5r nur«uätrlrftuftc, pr vollst« Sorlimcntr in hschnu!) erneu dtesj-hi »Neuheiten«N unübertroffener fctns.er AuSsüh Oor.'inu»« Inhalt S20 Stück, als rcht versi farbenprarbtige«rucautreslei»«, Frücht«, e Wimen,«lpritosen, Psirüche, Srdbeeren, ff. t Kugeln und»ier,»vartemoimnieS, WindmäHN sslügeln, Weihnachtämaiin,» und Stlbrrs' »Nanoranu-tug., Kastanien, ttii- u. Tannen., a rteie m. glitzrrüs. Silberdrahtu-SeideuchentLe!eö übersponn. üustballona, Olireu mit Silberguirlanh liiut. Glocken, vhrc, Glückkpilz«, fardeapr. Silder» j alanzverteit; Kugel mit irdweb. Taube, sowie in Regen- dogenfarven ungeinein seffeind wirk. 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Sozialcd« LevölkerungSrückgang. In Franlreich übersteigt die Sterblichkeit nach der eben aus- gegebenen Statistik den Geburtenüberschuh. Während des ersten Halbjahres lölt zählte die Republik nur 38(3 000 Geburten bei 404 300 Todesfällen. Ohne Zuwanderung hätte sich in diesen b Monaten die Volkszahl Frankreichs um mehr als 18 000 der- ringert. Noch im vorigen Jahre brachte der gleiche Zeitraum einen Ueberschuh von 21 000. Doch ändern solche Schwankungen natürlich nichts an der Tatsache, daß die französische Geburten- Häufigkeit, mit ettva Millionen im Jahre, den Punkt erreicht hat, unter den auch die Zahl der Todesfälle nicht leicht mehr sinken kann. Frankreich ist ein Land der erwachsenen Leute; es zählt unter, seinen 40 Millionen Einwohnern kaum 0 Millionen Kinder und verliert durch die Säuglingssterblichkeit nur ettva 100 000 Leben jährlich. Seine Sterblichkeitsquote dürfte, im Gegensatz zu Ländern mit rasch wachsender Bevölkerung, bei etwa 1,8 Proz. jährlich seine untere Grenze erreicht haben. Noch um 1880 wurden jährlich etwa 1 100 000 Kinder geboren; um 1890 nur noch 900 000; seit 1900 kaum 800 000; 1909: 770 000. Auch in Deutschland kündigt sich der Stillstand an. Um 1878 zählte Deutschland auf das Tausend seiner Bevölkerung nicht weniger als 41 Lebendgeburten; heute sind eS 30. In den Städten mit mehr als 18 000 Einwohnern ging allein zwischen 1900 und 1910 die Zahl von 33,3 auf 20,8 zurück, näherte sich also stark schon dem französischen Durchschnitt(19— 20, dagegen Ruhland: 47). Die ReickKhauptstadt hat es von etwa 48 Geburten(aufs Tausend) in den 70 iger Jahren auf 20 gebracht. Auch der Rückgang der Sterblichkeit, der biz zur Jahrhundertwende mit dem Geburten- rückgang Schritt hielt, ihn sogar überholte, verlangsamt sich� Infolgedessen sank der Ueberschuh, der in der Zählungsperiode 1898 bis 1900 noch 7,8 Proz. betrug, im folgenden Jahrfünft auf 7,0, im letzten auf 7 Proz. Absolut genommen, ist die Zahl der Todes- fälle schon seit 30, die Geburtenzahl seit ungefähr 12 Jahren auf � der gleichen Höhe stehen geblieben. Auch der Bevölkerungszuwachs ist in den letzten Jahren nicht grötzer geworden, zeigt vielmehr die deutliche Tendenz, sich in Zukunft zu verringern. Für Deutschland fällt ungünstig die«norm hohe Säuglings- sterblichkeit ins Gewicht. Diese beträgt im Durchschnitt 17 auf 100 Lebendgeborenen; in einigen Teilen ist sie noch höher, erreicht z. B. durchschnittlich über LI Proz. in Bayern und steigt hier in einigen Bezirken auf mehr als 30 Proz. Die enorme Säuglings- sterblichkeit in Deutschland ist in erster Reihe mit auf die künst- liehe Höhe der notwendigsten Lebensmittel zurückzuführen. In Frankreich sterben nach dem Statistischen Jahrbuch durchschnittlich 14,3 Säugling« von 100 Lebendgeborenen, in Italien 14,8, m Dänemark 12,3, in England 10,9, in der Schweiz 10, in Irland 0,2, in den Niederlanden 9.9, in Schweden 8,8, in Norwegen 7 von hundert Lebendgeborenen. Unzureichende Ernährung und schlechte Wohnungsverhältnisse sind nicht die alleinigen, aber wesent- lichen Gründe für die Vermehrung der Säuglingssterblichkeit und für die Verminderung der Geburtenhäufigkeit in Deutschland. Teuerung und Landflucht! Nun muß sogar die Feldarbeiterzentrale, diese hyperaara- rische Institution die verheerenden Folgen der Teuerung ton- statieren. Die bedürfnislosen ausländischen Landarbeiter ergreifen die Flucht aus Deutschlands gesegneten Fluren. Die Zentrale berichtet im„Reichsarbeitsblatt"— Heft 11, November 1911— über die Bewegung der ausländischen Arbeiter im Oktober unter anderem: . Während in normalen Jahren der Abzug in vollem Umfange erst im November einzusetzen pflegt, dürften in diesem Jahre bereits 80 Proz. der ausländischen Arbeiter die Grenze passiert hab.m. Die Beobachtung, von der bereits im Vormonat berichtet werden mußte, daß die rückwandernden Arbeiter nur schwer zu bewegen waren, an andern Arbeitsstellen noch Arbeit anzunehmen, wurde im Berichtsmonat im verstärkten Maße beobachtet....." Als Ursache deS„Abzuges der Arbeiter und fast völligen Fehlens eines Zuzuges ausländischer Arbeiter" glaubt die Zentrale in vermehrter Arbeitsgelegenheit in Oesterreich-Ungarn und in Rußland, besonders auch in der auflebenden Textilindustrie in Russisch-Polen gefunden zu haben. Die Arbeitsgelegenheit allein erklärte die Landflucht nicht, wenn sie nicht auch gegenüber dem Dorado bei den preußischen Junkern den Vorzug verdient«. Etwas verschämt bemerkt die Zentrale dann hinterher:„Auch mag die in Deutschland gegenwärtig herrschende Teuerung nicht ohne Einfluß geblieben sein."— Jedenfalls ist die Teuerung die Hauptursache der Landflucht, darauf lassen die Berichte fast aller ArbeitSnach. weise schließen. Nicht nur die Ausländer flüchten, auch der ein- heimischen Landproletarier hat sich ein verstärkter Zug in die Stadt bemächtigt. Aus Berlin und den Vororten, aus dem Rheinlande, aus Mitteldeutschland. Bayern. Baden, Württemberg, von überall wird über einen außergewöhnlichen Andrang von Dienstboten be- richtet, die vom Land« hereinströmen. Daraus rst zu entnehmen, daß die Teuerung, den Großgrundbesitzern als„ausgleichende Ge- rechtigkeit" so hochwillkommen, die Proletaristerung der übrigen Existenzen auf dem Lande grünWich fördert. Das ist unser be» währtes Wirtschaftssystem!___ 6cricbt9- Zeitung, Bruhn aI8 Kläger. Als Bruhn, der Verleger der„Wahrheit", km Herbst vorigen Jahres nach langer Gerichtsverhandlung von der Anklag« der Er- Pressung freigesprochen wurde, kritisierte die Presse fast aller Par- teien insbesondere das vor Gericht entrollte und auch sonst bekannte in der„Wahrheit" zutage getretene Treiben. Das gab Herrn Bruhn Veranlassung, gegen mehr als 30 Redakteure der verschiedensten Zeitungen Privotklage zu erheben. Sechs dieser Klagen wurden gestern vor dem Schöffengericht Berliu-Mitte verhandelt. Der Reigen wurde eröffnet durch eine Verhandlung gegen den vom Rechtsanwalt Wolfgang Heine vertretenen Redakteur Drechfter unseres ParteiblatteS„Reußische Tribüne". Da die. Anklage nicht nur wegen formaler Beleidigung, sondern auch weg«n übler Nach- rede erhoben ist, so beantragte Rechtsanwalt Heine einen umfang- reichen Wahrheitsbeweis. Staatsanwalt Leisering solle als Zeuge bekunden, daß er. wie in dem unter Anklage stehenden Artikel ge- sagt werde, im Bruhnprozeß zu der Uebcrzeirgung gekommen sei. daß Bruhn zwar ein Lump sei, auS juristischen Gründen aber frei- gesprochen werden müsse. Weiter verwies Rechtsanwalt Heine dar- auf. daß in dem Erpressungsprozeß gegen Bruhn nur die Sach- verständigen gehört worden seien, die zugunsten BruhnS sagten, die Art, wie die Inserate der„Wahrheit" erworben und wie sein ganzes Zeitungsgeschäft betrieben werde, hätte sich gerade noch in den Grenzen dessen gehalten, was man als anständig bezeichnen könne. Der Verteidiger beantragte, in diesem Beleidigungsprozeß den ge- richtlichen Sachverständigen für da» Zeitungswesen und den Chef» redakteur Bollrath zu laden,»velche bekunden werden, daß da», was im Prozeß gegen Dahsel und Bruhn festgestellt worden ist, von allen anständigen Schriftstellern unv Zeitungsunternehmern jeder Partetrichtung angesehen wird als das Schimpflichste, was ein« Zeitung tun könne: Das Publikum sei durch Artikel der.LLahr- heil" eingeschüchtert worden, damit das Blatt Inserate bekomme. Ferner solle bewiesen werden, daß Bruhn bei seinem Zeitung»- unternehmen mit Erpressern in Verbindung gestanden habe, und daß die Inserate in der„Wahrheit" nicht der Reklame wegen auf- gegeben seien, sondern die Inserenten wollten sich dadurch vor An- griffen seitens der„Wahrheit" schützen. Schließlich solle noch be- wiesen werden, daß der Passus des Artikels:„Es stinkt in der Küche der öffentlichen Meinung. Die Angeklagten werden freigesprochen, Gerichtsdiener, öffnen Sie die Fenster" unter den vorliegenden Um- ständen für den Angeklagten nicht beleidigend, sondern ein durch- aus sachgemäßes und zutreffendes Urteil sei. Dies« Beweisanträge riefen eine sehr lange Auseinandersetzung zwischen Rechtsanwalt Heine und Rechtsanwalt Bredereck, dem Verteidiger Bruhns, sowie diesem selbst hervor. Der Kläger meinte, er scheue die Beweiserhebung nicht, er habe aber nicht Lust, sich ihr auszusetzen, denn alles, wa» hier bewiesen werden solle, sei in dem Prozeß, der mit seiner Freisprechung endete, widerlegt worden. Der Kläger beantragte die Ablehnung der Beweisanträge. Rechtsanwalt Heine erwiderte: Wenn auch Bruhn frei- gesprochen sei, so habe doch dieses Urteil in der öffentlichen Mei- nung nicht nur Widerspruch sondern Entrüstung hervorgerufen. Alle anständigen Leute hatten die Hände über dem Kopf zusammen- geschlagen, weil man die„Wahrheit" mit anständigen Blättern auf eine Stufe gestellt habe. Schon lange vor dem Dahselprozcß sei das erpresserische Treiben der„Wahrheit" in der Oeffentlichkeit all- gemein bekannt gewesen. Wenn ich— sagte Rechtsanwalt Heine— einen Haß gegen die angeblich von der„Wahrheit" vertretene poli- tische Richtung hätte, dann würde ich nichts mehr wünschen, als das Bestehen der„Wahrheit", die das Volksleben vergiftet und dadurch die angeblich von ihr vertretene nationale Richtung am meisten schädigt. DaS Gericht lehnte alle Beweisanträge a». Rechtsanwalt Brcdereck und sein Klient beantragten nach.län- geren Ausführungen eine empfindliche Bestrafung de» Angeklagten. Rechtsanwalt Heine führte unter anderem aus: Da da» Gericht die Beweisanträge abgelehnt habe ohne zu sagen, auß welchen Gründen, nehme er an. da» Gericht werde nach dem Grundsatz: „Im Zweifel zugunsten deS Angeklagten" annehmen, daß alles wahr sei, was er, der Verteidiger, unter Beweis stellen wollte. Er sei nach wie vor der Meinung, daß daS Urteil, welches der Artikel über den Fall Bruhn abgebe, durchaus berechtigt sei. Selbst kon- servative Blätter hätten Herrn Bruhn angegriffen. Wenn er jetzt mehr als 30 Zeitungen verklagt habe, so wolle Bruhn wohl nur sein ReichStagSmandai retten. Bruhn sei nicht beleidigt, der Angeklagte müsse freigesprochen werden. Da» Gericht setzte die Urteilsverkündung bis nächsten Diens- tag aus. Eine zweite Klage des Herrn Bruhn richtete sich gegen den Re- dakteur Baron von der„Brandenburger Zeitung", die einen Artikel fast desselben Inhalt» wie der vorher behandelte, gebracht hatte. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht verteidigte hier. Der Verteidiger berief sich darauf, daß Bruhns eigen« Parteigenossen: der„Anti- semitische Bund, die Deutsche Resvrmpartei jede Gemeinschaft mit ihm abgebrochen haben, und daß antisemitische Blätter ihn auS Anlaß der in seinem Prozeß festgestellten Tatsachen in schärfster Weise angegriffen hätten. Alle auf Reinlichkeit haltenden Personen jeder politischen Richtung halten es für eine AnftandSpflicht, jede Berührung mit Bruhn zu meiden. Der Verteidiger beantragte. außer dem gerichtlichen Sachverständigen Grosser und dem Chef- redakteur Vollrath auch den Chefredakteur der.Kreuzzeitung" als Sachverständigen darüber zu hören, daß die„Wahrheit" nach ihren Artikeln nicht anders als ein Revolverblatt betrachtet werden könne. Auch darüber sollten die Sachverständigen gehört werden, daß es bei keinem anständigen Blatte üblich sei, sich, wie«» die„Wahrheit" getan habe, einen Spezialisten zur Bearbeitung intimster Familien- angelegenheiten zu Skandolariikeln zu halten. Bruhn und sein Verteidiger ersuchten auch hier u-m Ablehnung der Beweisanträge und behaupteten, es sei ja alles nicht wahr, was durch die Anträge bewiesen werden solle. Rechtsanwalt Liebknecht beantragte auch die Vernehmung deS ReichStagsabgeordneten von Heydebrand, der befunden soll«, daß Bruhn im Reichstage von den Angehörigen fast aller Parteien als ein Mann betrachtet werde, der keinen politischen Cha- rakter habe, der aber die Politik ausnutze in seinem persönlichen materiellen Interesse, daß er Geschäftsantisemit im wahren Sinne des Worte» sei. Wenn Bruhn im Reichstag spreche, entferne sich alles, was Beine habe. Auch die Presse nehm« von seinen Reden keine Notiz. Bruhn bezeichnete sein« Boykottierung im Reichstage al» sozial- demokratische Mache. Die Sozialdemokraten seien seine erbittertsten Gegner. DaS könne man auch hier, vor Gericht, sehen. Während er von jüdischen Rechtsanwälten als politischer Gegner geachtet werde, gingen die sozialdemokratischen Anwälte Heine und Liebknecht mit fanatischem Haß gegen ihn vor. Rechtsanwalt Liebknecht: Nicht mit Haß, sondern mit Berach- tung. Bruhn: So, na, ich verachte Sie auch, Herr Rechtsanwalt Liebknecht. Das Gericht lehnte auch hier sämtliche Beweisanträge ab, denn sie seien weder für die Straftat, noch für daS Strafmaß von Bedeutung. Soweit die unter Beweis gestellten Tatsachen wesentlich sein sollten, würden sie als wahr unterstellt. Nachdem Rechtsanwalt Brcdrrcck für eine empfindliche Br- strafung, Rechtsanwalt Liebknecht dagegen für Freisprechung des Angeklagten plädiert hatte, vertagte das Gericht die UrteilSverkün- dung ebenfalls bis zum nächsten Dienstag. Die gleichfalls angeklagten Redakteure der„Post" und de? „Neuen Görlitzer Anzeiger" verglichen sich mit Bruhn und ver- sicherten ihm, sie hätten ihn nicht beleidigen und ihm keinen mora- lifchen Vorwurf machen wollen.— Der Airwalt des Redakteurs der „Allgemeinen Zeitung" in Chemnitz lehnte einen derartigen Vergleich ab. Auch diese Zeitung sieht dem Urteil am Dienstag ent- gegen.__ Bom Studio zum Hochstapler. Nachdem er rin Vermögen in Sans und Brau? verjubelt hatte, ist der 22jährige Student John Hue, der sich gestern vor dem Straf- richter zu verantworten chatte, zu-m Hochstapler geworden. Aus dem Strafgefängnis in Karlsruhe wurde H. gestern der 10. Straf- kammcr des Landgerichts I vorgeführt, welche unter Vorsitz des Landgerichtsrats Brieskorn gegen ihn eine Anklage wegen Betruges zu verhandeln hatte. Der Angeklagte, welcher eine sehr ereignis- reiche Vergangenheit hinter sich hat, ist der Sohn eines englischen ArzteS Dr. William Hu«, der sich im Jahre 1888 in München auf» hielt und dort die Bekanntschaft der Mutter des Angeklagten machte. Der Angeklagte wurde in einem vornehmen Pensionat untergebracht, besuchte das Gymnasium und sollte schließlich Medizin studieren. Er erhielt von seinem Bater als junger Student ein„Taschengeld" von 800 M. pro Monat, mit dem er aber nicht nur nicht reichte, sondern auch noch Schulden machte, die dann von dem sehr vermögenden Vater bezahlt wurden. Da seine Hauptbesck)äftigung in dem Geldausgeben bestand und er die Vor- lesung ständig schwänzte, war er bald gezwungen, umzusatteln. Seine Absicht, Jurisprudenz zu studieren, wurde jedoch durch den Tod seines Vaters vereitelt, der ihm ein Vermögen von zirka 25 000 Pfund Sterling hinterließ. Der gerade 21 Jahre alt gc- wordene junge Mensch begann nun ein tolles Leben. Er heiratete. Für die Hochzeitsfeier gab er die Kleinigkeit von 18 000 M. aus. Seiner aus guter Familie stammenden Frau schenkte er an einem Tage für 30 000 M. Schmucksachen; die Hochzeitsreise verschlaii" ebenfalls 30 000 M. Unterwegs bestellte er nebenbei auch noch für 18 000 M. Wein. Nach der Rückkehr des wirklich„jungen" Paare-, mietete der Angeklagte in Leipzig eine Wohnung für 4000 M. Miete und bestellte für 80 000 M. Möbel, die auch geliefert und bezahlt wurden. Die Folgen dieses unsinnigen Geldvevschleuder». war, daß der Angeklagte in kurzer Zeit vis-a-vis de rien stand. da er das Kunststück fertig gebracht hatte, in nicht ganz drei Monaten 200 000 M. auszugeben. Mit dem kläglichen Rest von einigen hundert Mark in der Tasche unternahm der Angeklagte dann eine Reise nach dem Schwarzwald, wo er sich in verschiedene:! Hotels als„Baron de Rothschild nebst Frau und Domestiken" in das Fremdenbuch eintrug. Die Hotelrechnung beglich er in einem Falle mit einem Scheck auf eine Londoner Bank, auf den ihm dc Hotelier noch 601 M. herauSzahlcn mußte. Dieser Scheck wurde, ebenso wie die übrigen, von der Londoner„Country-Bank" niä eingelöst, da der Angeklagte längst auf dem Trockenen saß. Dc angebliche Baron de Rothschild wurde bald darauf entlarvt un von der Strafkammer in Karlsruhe zu 7 Monaten und 3 Wochl!- Gefängnis verurteilt, die er zurzeit verbüßt.—$ur Anklage stan jetzt noch ein Fall, in welchem der Angeklagte in einem hiesigen Hotel, in dem er sehr nobel aufgetreten tvar, einen über einen größeren Betrag lautenden Scheck auf die Londoner Bank gegeben hatte, der dann nicht eingelöst wurde.— Das Gericht erkannte auf eine Zusotzstrafe von 3 Monaten Gefängnis. Arbcitswilligcnschutz. Der im Gerichtsbericht der Dienstagnummer unter der Ilebcr- schrift„Arbeitswilligenfchutz" erwähnte Arbeitswillige Faber ist mit dem Pücklerstr. 33 wohnhaften Tischler Richard Faber nicht identisch. Dem Ersuchen, des oben Genannten dies mitzuteilen, kommen wir hiermit nach._ Plakatpolizcivcrordnung und Gastwirt. Plakate, die zu einer Streikversammlung bei Goldschmidt in der Badstraße zu Berlin einluden, hatte der Gastwirt Miklolveit, wo sich daS Streikbureau befand, in seinem Lokal an seinem Schau- fenster angebracht sowie an einem Pfosten des Einganges zu seinem Lokal. Dadurch sollte er die Plakatverordnung des Berliner Po- lizeipräsidenten vom 20. Januar 1880 übertreten haben, welche im § 1 bestimmt:„Oeffentttche Anzeigen dürfen auf öffentliche» Straßen und Plätzen nur an den zu diesem Zwecke bestimmteic Vorrichtungen(Anschlagsäulen, Tafeln) angebracht werden." DaS Landgericht al» Berufungsinstanz verurteilte den Angeklagten, in» dem es davon ausging, daß beide Plakate, auch daS innen am Schaufenster befestigte, als auf der Straße angebracht anzusehen Seien. DaS Landgericht erachtet« auch für nicht anwendbar die Zestimmung der Verordnung, welche als Ausnahme zuläßt, A&i kündigungen von Hausbesitzern und Mietern an den ihnen ae» hörigen oder gemieteten Räumen, soweit die Ankündigungen lcdig. lich das Interesse der Besitzer beziehungsweise Mieter betreffen. Allerdings hätten die Streikenden im Lokal des Angeklagten ihr Hauptquartier gehabt, das Interesse des Wirts an dem Aushang sei aber nur ein minderes gewesen, denn in erster Linie habe die Anzeige dem Interesse der Streikenden dienen sollen. DaS Kammergcricht hob das Urteil auf und verwies die Sache an die Borinstanz insoweit zurück, als das Plakat am Eingangs- Pfosten in Betracht kommt. Hinsichtlich des innen am Schaufenster angebrachten Plakats erachtete da» Kammergericht den Angeklagten gleich straffrei. ES führt« hierzu auS: Die Verordnung selber sei rechtsgültig, da sie auf Grund deS � 6b deS Polizeiverwaltungsgesetzes zum Schutze der Ordnung, Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf öffentlichen Straßen erlassen sei. Es müsse aber an- genommen werden, daß das innen am Schaufenster angebrachte Plakat nicht als auf der öffentlichen Straße angesehen werden könne. Hierauf könne die Polizeiverordnung darum nicht angc- wandt werden. Nicht genügend festgestellt sei, wie es sich mit dem Plakat am Pfosten zur EingangStür verhalte. In der Beziehung müsse deS- halb die Sache nochmal die Borinstanz beschäftigen. Hastung für Diebstähle aus der Baubude. Für die Hastpflicht des Arbeitgebers für Diebstähle, die sich in der Baubude zum Schaden des Arbeiters ereignen, hat siel, da- Gewerbeg«richt München in einer bemerkenswerten Enlscheidung ausgesprochen. In dem der Beurteilung unterlegenen RechtsiaU waren dem die Klage erhebenden Bauarbeiter seine Garderobcnstückc zur Nachtzeit auS der Bauhütte gestohlen lvordcn. Die Baufirma verweigerte Ersatzleistung mit der Begründung, sie habe durch Gc- stellung eine« Wächters ausreichend für Sicherung der Arbeiter- garderobe Sorge getragen. Daß trotz der ständigen Bcivachung der Diebstahl passiert sei, sei zwar bedauerlich, könne ihr aber nicht zur Last gelegt werden. Em ständiger Verschluß der Bauhütte sei nicht angängig gewesen, weil seinerzeit Aufbewahrungsraum und Warteraum noch nicht getrennt waren und letzterer Raum an 190 Arbeiter benutzen mußten. Da» Grwerbegericht verurteilte die Beklagte zum Ersatz deS dem Kläger entstandenen Schadens. Die Beklagte habe durch ihr eigenes Verhalten nachträglich anerkannt, daß die ftühere Ver- Wahrung der Arbeitskleider in dem allgemeinen AufbewahrungS- räum ohne besonderen Verschluß ungenügend sei. Hätte sie von Anfang an, wie sie dies für ihre eigenen Utensilien tat, auch für die Kleider der Arbeiter einen besonderen Raum zur Verfügung gestellt, so wäre dem Wächter eine genaue Kontrolle aller der- jenigen möglich gewesen, die außerhalb der normalen Zeit ihre Kleider wechselten. In dieser ungenügenden Einrichtung ist ein schuldhafte» Verhalten der Beklagten zu erblicken, das sie für den Schaden haftbar macht._ WaslerstandS.Rachrtchte» der LandeSaiistalt sllr Gewässerkunde, mltgetellt vom Berliner Wetlerbittca». vaflerttlmd T» a I«. 0ia(8R% Havel, HtmnOou'} , Ratbenowft S(> 1 1•, Svremderg') , veeSto« Weser, Münden , vtinden Rhein, MaximüianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Mai», Weriheim M ojel. Tri« —') Unterpegel.•) EiSstand. am 4. IL orn 54 84 18 81 102 174 322 130 153 60 teil S. 12. orn1) +4 -8 —14 —3 —2 — 6 —21 + 10 Todes-Anzeigen SozialileiQQMetiJaiiiTerafi! des t. Herl ReieästftpiiiiHes. Den MtlzNcdern zur Rachrtchl, dal> unser Mitglied, die Senosfin Krau Antonie Ltiller am Rontag plötzlich verstorben ist. Ehre ihrem Andenken l Dle Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittag» 3 Uhr. von der Leichendalle bei de» Fried. ose» der Freireligiösen Gemeinde. iUppel-Slllee, aus statt. 208/13 Um rege Beteiligung ersucht Der VonstJtnd Deutscher Iranspertarbeiter- Verband, Buirkseerwaltung Grot-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. dah unser Kollege, der Stallmann Wiltielm Schulz am 3, Dezember st» Atter von S3 Jahren verstorben ist. SS/K Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sfindei am Mittwoch, den«. Dezember, noch- mittag» Z Uhr, von der Leichen- alle de» Tabor-Gemeinde-Fried. ose» in Lhren»selde au» statt. Die BezirkSverwaltnng. Deutscher Matallarhelter-Verhand Verwsltungsstsllo Berlin. TodessncelgeB. Den Kollegen anr Nachricht, daß unser Mitglied, der Fräser Ott« Dnllat am 2. Dezember an Kopsrose ge- storben ist. 152/11 Die Beerdigung findet am Mttwoch, den v. Dezember. nachmittag» 3 Uhr, von der Leichenhalle de» Johannis-Kirch- Hose» in Plötzensee au» statt. Den Kollegen und Kolleginnen serner zur Nachricht, datz unser Mitglied, die Arbeiterin IUI» Ulosolf am*. Dezember an Herzleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. Dezember, nachmittag» 4 Uhr. von der Leichen- halle de» Auserstehungs-Kirchhofe», ffielfeenfeet Weg. au» statt. Ehre ihrem»«denken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortöverwaltung. i Dsutscher Ishshsrhetter-Vsrhanl Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß die Kollegin �ai-ie Thauer (Zigarettenarbeiterin) am Sonnabend, den 2. Dezember, im Gethsemane- Kronlenhause im blühenden Alter von 23 Jahren verschieden ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den K. Dezember, nachmittag» 3 Uhr, von der Halle des Gethiemane-KirchhoseS, Nord- end, aus statt. 188/11 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Nach kurzem, schwerem Leiden entschlies sonst mein lieber, guter Mann, unser lreusorgender Vater, der Maurer �nton Kurzmann. Die» zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme im Namen der trauernden Hinterbliebenen an Wwe. Harle Knrzmann. Die Beerdigung findet am Freitag, l*/, Uhr, von der Leichen- halle de» Moabiter Krankenhauses und um 3'/, Uhr von der Kapelle de» Gethsemane- Kirchhofes in Nordend-Nieder-Schönhausen au» statt. 1904b Turnverein„Fichte" Nachruf. Am Sonnabend, den 2. Dezbr., verstarb nach langen, schweren Leiden unser Turngenosse Villi Oertner Mitglied der 16. Lehrl-Abt. Wir verlieren in ihm einen aus- richtigen Freund und lieben Turn- genossen, der seit Gründung der Abteilung Mitglied gewesen ist. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. 301/3 Der Borstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Sohne» und Bruders friedlich Mi I.shM sagen wir allen Freunden und Be- kannten sowie dem Verband der Bureauangestellten und den Kollegen der Rechtsanwälte Thurm und Wirth unsern besten Dank. Theodor Haberer «ebft Frau und Lob«. Extra- Abteilung I Gesch.; Berlin W.. Mohren Straße37a(2 Haus von dar Jerusalemer StraBa). II Gesch.; Berlin NO., Grete Frankfuri Str. 11 5(2. Haus »»» der AndreasstraBa). Sehrer Anaw.fert. Kleider, HOIe, Handschuhe, Schleier etc. v einfachsten bia zum hechelegant Genre xsallerut niedrigen Preisen Sonder-Abteihmg: HaBan Fertigung in 10 bis 13 Stunden. I Brillanteti al» Spezialität anftergewöhnl. bt>ig ZIa» Brlnner, Jernsalenaer StraSe 42. Der Rus de, Firma (gegr. 1863) bürgt für strengste Reellität. Ringe,mafs.Gld.,14kr.m.tBrll.v. 9M.an Ohrringe,,. ,2.. 18. Brosche,... 1.. 20. Hrr.-Nadl.,...1..13, usw. bis zum feinste««eure. kteeh- Stoff», angewebten Futter, I Herren« und Damen-Mfter. 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Tagesordnung: de» Kollegen Karl Wücke über:.Die Bedeutung der ewerkschasten". 2. Diskussion. 8. Branchen- 1. Vortrag ReiibStagswahlen für die angelegenheste»._ Donnerstag, den 7. Dezember, abendS ll'/t Uhr, in Julius MeyerS Festsäle«, Orantenstr. 103: Allgemeine Uersammlung W-der Kino-Operateure Groß-Kerlins.-W» Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. DiSkusfion. 3. Verband»« und Branchenangelegen- hellen. 4. VerschiedWe». Kollegen I_ In Anbetracht her wichtigen Tagesordnung und in An« betracht der jüngsten Vorgänge innerhalb unserer Branche sollte e» sich jeder Kollege zur Pflicht machen, in der oben angesetzten Versammlung zu ericheinen. _ Die Ort« Verwaltung. l-B. M (E. tz. Nr. 2, Hamburg.) OerUiche Verwaltung Berlin. Donnerstag, den 7. Dezember» abend» 8'/, Uhr: im Gewertschaftshans, Engelufer IS, Saal 1. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Wie denken die Mitglieder über die fernere Gestaltung der Kasse. 253/ 10� Der Toratand. I. A.: Richard Schröder, Tilsiter Str. 7. Filiale GroB-Berlln. DonnerStag, den 7. Dezember 1911, abend» 8'/, Uhr. im.Gewerkschaftshaus-(gr. Saal), Engcluser 15: Anßnnrdtuttliht Gencrnllicrsiiimnliing. Tagesordnung: 1. Bortrag de» Parteisekretär» Dtto II rann über: Die Gemeindearbeiter und die Reichstagswahl. 2. Anstellung eines neuen Bureaubeamten. 3. Verbandsangelegenheiten Zutritt nur gegen Vorzeigung de? Mitgliedsbuches.- 32/1___ Die Ortaverwaltnng. Deutscher Sauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Achtnng! SSOllerCr! Afhtnng! Donnerstag, den 7. Dezember 1911, abends 81/, Vhr, bct Wllke, ScbaatlamstraBe 39: Versammlung Tagezordnung: Die Sperre bei den Firmen Rheinhold u. Co. und der Aussperrungsbeschius; des Zeutralverbandes der Jsolierstrmen Teutschlands. nie Sektionsieiiung. NB Wir ersuchen alle Bauarbeiter, die auf demselben Bau beschästig Isolierer und Helfer aus die Versammlung hinzuweisen. lt. 0. frahtisches Weihnachtsgeschenk finden Sie an meiner D3ll6I*WSSCh6 einen(weiß) für Vater und Sohn, Schwager und Brnder. Jeder trügt die Wtisohe mit Vorliebe.— 1 Vorhemd 1 ATA Lei Abnahme von zwei 1 Paar ülansclietten 1■€ 1% 1 1 Garnituren 1 Paar hoch- 1 Kragcu( CJ.tlU elegante Doppel- Man- (weiB oder bnnt)'' sohettenknöpie gratl«. fersandbans lllberj,».Si«,""/«. Dritter Reichstagswahlkreis. Mittwoch, de« 6, Dezember, abends 8� Uhr: in den„Armiuhallen", Kommandantenstraße 58/59. „vie LMoung des' KeichttagZivahIßamM." Referent: Stadtverordneter JL*i2l.ll.llJ£Il.Cll.e Freie Aussprache. Zahlreiches Erscheinen der Wähler erwartet 2i«,s«_ Der Einberufer: Angnst Pohl, Raunynstraß, M. mxlloKr Boblung I Neichstagswähler! Bchlung! Heute, Mitttwoch, abends Uhr: jlcht öffentliche Wähler-Versammlungen. 1., Ä. u. B. Bezirk I 6, Bezirk 1 7. Bezirk in den Hohenstaufen> Title«. im bei Kottduier Dam« 7«. Keldschlöstche«, Tlsenste. 73.«stttig. Trkstr«h»». Nesereut: Stadwerordn.«roger. s Referent: Stadtv. Polleaake. j Reserenl; Stadtverordneter DeU«?. 11» Bezirk (Botst,»irchbofftraste 41. Reserent: Etadw. Thnrow. 13. Bezirk bet Selsch.»«esebe-rstr. 48/49. Reserent: Genosse Klar. 15. u. 17. Bezirk bei Petrie. Knesebeckstr. IIS. Reserent: Genosse 141 HO, 21» Bezirk bei Hoppe. Hermannstr. 49. Reserent: Genosse Stadtverordneter Emil Kletb. 23. Bezirk im Korlsgaree«, Karlsnarfeustv.S/lG Referent: Stadt». Voarad. Tagesordnung: t Die Belastung des Volkes durch die Steuern und Zölle. 2. Frei« DiSkusfion. 3. Verschiedene». In Anbetracht der überaus wichtig« Tagesordnung wird Massenbesuch erwartet. 237/5 Das»oaslaldemokratische tzVahlkeasltee. Verband der Klaler, Lackierer, Anstreicher Male Serlin. asm. Kernsprecher Amt IV Nr. 4787. Melchiorstraße 28, Part. Donnerstag, den 7. Dezember, abends 8'/, Uhr, in Dräsels Festsäle», Neue Friedrichstr. 35: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1. Abrechnung vom dritten Quartal 1911. 2. Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert.———— 130/9* Die Oetsverwaltnug. NB. Die für die Sektion der Lackierer zum Donnerstag, den 7. d. 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Dabei gerieten die Pferde in den Chausseegraben und der Wagen legte sich auf die Seite. Lehmann wollte absteigen, um vermutlich die Tiere am Zügel weiterzuführen. Dabei betrat er beim Absteigen das Vorderrad, wodurch der Wagen auf der schon in der Schwebe befindlichen Seite noch mehr belastet wurde und umstürzte, den Kutscher unter sich begrabend. Besinnungs- und hilflos blieb L. unter dem Gefährt liegen, und erst morgens um 7 Uhr fanden ihn Waldarbeiter leblos vor. Ein sofort herbei- geholter Arzt konnte nur feststellen, daß die schwere Last den Brust- lasten des Merfahrers eingedrückt habe und daß er Stunden hin- durch entsetzliche Qualen gelitten haben müsse. Die Leiche wurde nach Berlin geschafft. Der Druckfehlerteufel hat in der gestrigen Notiz über die Verhaftung der„Unternehmer" der Dianawerke einen bösen Streich gespielt. Er hat das Wort„polizeioffiziös" in parteioffiziös um- gefälscht. Weil diese Fälschung allzu grob ist, müssen wir den Druckfehlerkobold zurechttveisen. Im Wintergarten gelangte am Montag da« Dezember- Programm zur Aufführung. Im Gegensatz zu früher enthält das neue Programm nicht allzuviel Neues und besonders Bemerkens- werte". Handstandkünstler, Exzentriker, die allerlei Allotria treiben und Springer sind allzureichlich im Programm vertreten: auch den uns von früher her bekannte Mimiker und Charakierdarstcller Amann ist ins neue Programm übernommen. Beifall sindcn iatttur wieder die wundervollen plastischen Darstellungen der Angel??. die im Wintergarten auch nicht mehr unbekannt sind. DaS gleiche gilt von Schichtts Marionettentheater, dessen Puppen mit einer Eleganz auf der Marionettenbühne erscheinen, als ob ste lebende Menschen wären. Neu waren die Tauchkünste Bert SwanS und der Ringkampf mit einem Alligator im Wasser. Swan» bleibt un- gewöhnlich lange Zeit unter Wasser, wo er ißt und trinkt und mit dem Munde Geldstücke vom Boden des WasserbassinS aufhebt. Der französischen Sängerin Bremouval fehlt es an manchem, mit ihrem Gesang ist es nicht zum besten bestellt. DaS Passagetbeater bringt in seinem Dezemberprvgramm wieder eine ganze Reihe zugkräftiger Scklager. Hier und da hat man vom November Nummern übernommen, die dem Publikum besonders gefielen, so z. B. die beliebten und vielbelachlen Vorträge Claire Waldoffs; auch Paul R o ch a l l h ist den Be- suchern der Baliner VarietäS mit seinen drolligen ventriloquisti- sckien Leistungen kein Unbekannter. Von den Programmnovitäten fesselten besonders die graziösen und schmiegsamen Tänze der Rumäneniruppe DumiireSko und Dutresko; eine volkstümliche Kunst wurde hier von wirksamen Darstellern in einer anerkennenswerten Vollendung vorgeführt. Großartig waren mich Brothers BurchardS als Reckturner. Wahre Wunder der Tierdressur führte Kapitän FrobuS mit feinen vier Seelöwen vor, die sich als geschickte Jongleure und spaßige Musikanten zeigten. Allgemeines Lacken erregte schließlich der burleske Akt „Der tapfere Herr A eng st lich". in welchem besonders Werner Gold mann in einer virtuos durchgeführten Land- streicherrolle brillierte. Wer sind die Toten und Verunglückten? Erschossen und er- tränkt hat sich in der vergangenen Nacht ein Mann, dessen Per- sönlichkeii noch nicht feststeht. Auf dem Geländer der Moabiter Brücke stehend schoß er sich gegen 12 Uhr eine Revolverkuyel in den Mund, so daß er rücklings in die Spree fallen mutzte. Leute, die den Vorfall sahen, machten sich gleich an die Rettung. Einem Straßenreinigcr gelang es auch, den Mann mit dem RetiungS- kahn aus dem Wasser wieder herauszuholen; er war aber schon tot. In den Taschen des Selbstmörders fand man Papiere auf den Namen eines 33 Fahre alten Kellners Friedrich Jeschke. Wo der aber gewohnt bat, weiß man noch nicht.— Hilflos aufgefunden wurde ebenfalls gegen Mitternacht vor dem Hause Jüdenstr. 22 ein ungefähr 60 Jahre alier Mann, der sckwn auf dem Wege zur Hilfswache starb. Der Verstorbene hat anscheinend dem Arbeiter- stände angehört. Er ist 1,70 Meter groß, hat graumeliertes Haar. etwas Glatze, einen starken Schnurrbart und eine große Nase und trug einen schwarzen Chcviotanzug, eine braune Weste und einen schwarzen, steifen Hui.— Von einem Straßenbahnwagen an- gefahren wurde Montagmiiiag am Königsior eine bisher un- bekannt geblieben« Frau. Sie stürzte so heftig mit dem Kopf mif die Straße auf, daß sie einen Schädelbruch erlitt und nach dem Krankenhaus Am Friedrichhain gebracht werden mußte. Hier liegt sie schwer darnieder. Die Unbekannte war mit einem sck, Warzen Rock, einer blauen Bluse, einer schwarzen, wollenen Wxste, und ebensolcher Schürze und Kopftuch bekleidet— Erkannt ist jetzt die Frau, die an der Ecke der Bürknerstraße und des KottbuserdammeS von einer Kraftdroschke überfahren worden ist. Es ist eine Witwe Luise Pieper, die aus Friedrichsfelde stammt und bei einer Familie in Johannisthal auf Besuch war. Arbeiter-Bildnugsschule Berlin. Die Mitglieder wollen beachten, daß nach Beendigung der Kurse die Bibliothek jeden Donnerstag von 8— 9 Uhr geöffnet ist. Ein ausgedehnter Dachsiuhlbrand kam in der letzten Nacht aus noch nicht ermittelter Ursache in der Malmöer Straße 3 an der Dänenstratze, im sogenannten„Nordischen Viertel", zum Ausbruch. Die zahlreichen Mieter waren in der größten Aufregung. Mächtige Flammen loderten aus dem Dachgeschoß empor. Die Wehr konnte es nicht verhindern, daß der Dachstuhl des Vorderhauses total und der vom Seitenflügel in halber Ausdehnung mit dem Inhalt an Brennmaterialien usw. i«rt>eir Bodenverjchlägea niederbrannte. Nach dem Jndustriehof Bellealliance, VelleaMance- straße 92, Ecke Gneiseiiaustrabe, wurde die Feuerwehr am Dienstag- abend alamiert. Es brannte dort im 2. Stock über der Maschinen- fabrik von König w Bauer die Apparaten- und Maschinenfabrik von Fr. Büchner. Beim Abwaschen und Reinigen von Apparaten hatte sich Benzin entzündet. Durch eine Stichflamme hatte die Arbeiterin Anna W i n z e r k i e iv i c z Brandwunden im Gesicht und an den Händen erlitten. Sie wurde sofort nach den» Krankenhause am Urban gebracht und dort verbunden. Die Flammen hatten an dem Benzin reiche Nahrung gefunden und die Einrichtung. Fußboden usw. erfatzt. Die Arbeiter und Arbeiterinnen hatten sich in Sicherheit ge- bracht, es gelang schließlich, den Brand aus das 2. Stockwerk zn beschränken. Gefunden wurde bei der Theatervorstellung des vierten Kreises in MörnerS Festsälen am 25. November eine Brosche mit Bildnis. Abzuholen ist dieselbe im Bureau deS Wahlvereins, Stralaucr Platz 1/2. Berlorcn wurde bei der Borstellung am 2. Dezember ein Medaillon mit Photographie: abzugeben Stralauer Platz 1/2. Zerstörung von Gräbern durch wilde Kaninchen. Uns wird geschriebene Auf dein städtischen Zentralfriedhofe in FriedrichSfelde ist die Kaninchenplage zu einem recht bedenklichen Mißstände geworden. Alle bisher angewendeten VerlreibungSmittel baben wenig oder nichts genützt, denn von den benachbarten Tres- kowschen Feldern sowie von dem nur durch einen Graben getrenn- tcn umfangreichen Gelände der Irrenanstalt Herzberge koimnt ständig frischer Zuzug. Nur wenn die Verwaltungen aller drei Komplexe vereint und gleichseitig einen Kleinkrieg gegen die Schäd- linge eröffnen, läßt sich die Plage für längere Dauer auf ein Min- dcstmaß beschränken. Die Fricdhofsinspektion beordert gelegentlich einen Spezialisten mit einem Frettchen, auch wird in den kurzen Stunden, in denen der Friedhof bcsuchsfrei ist, mit der Flinte ge- jagt, was alles nicht durchgreifend hilft, obwohl an manchem Tage sechs und mehr Karnickel zur Strecke gebracht werdem Mau sollte hier berufs- oder passioiismäßigen Frettchenjägern in gewissen, durch die Friedhofspietäd gebotenen Grengen mehr freien Lauf lasse», dann würde wahrscheinlich gründlich aufgeräumt werden können. Wie festgestcllti ist, gehen die wilden Kaninchen bis auf den Sargdeckel und vermutlich noch weiter, wenn das Holz der leichtgefügten Freisärge zusammengebrochen ist. Ueberhaupt sind es besonders die niedrigen Massenhügel, auf-tvelche es die Ein- driugliuge abgesehen haben. Man bemerkt hier oben auf den Hügeln breite und tiefe Gänge, was das Empfinden der beteiligten Angehörigen außerordentlich verletzen muß. Es kann kein ange- nchmeS Gefühl sein, wenn mau vor solchem Grabe sich vorstellt, daß sich auf dem Sargdeckel eine Kaninchenfamilie niedergelassen bat. In einem speziellen Falle ist die FriedhofSverwaltuug um schleunige Abhilfe ersucht worden. Am Sonntag war noch genau der alle Zustand vorhanden. An Särgen oder Leichen direkt machen sich die wilden Kaninchen wohl nicht zu schaffen, wenigstens hat man davon hier noch nichts bemerkt. Immerhin sollten schon zur Schonung der Gefühle des FricdhofpublikumS energischere Maßregeln getroffen werden. Sind doch im Sommer nicht einmal die frischen Blumen auf den niedrigen Hügeln, den Freistellen� vor den gefräßigen Tieren sicher. Vorort- Nachncbtcfl* Schöneberg. A»S der Stadtverordnetenversammlung. Die Gruppe der sogenannten Unpolitischen, die sich in ihrer Mehrheit aus Hausbesitzern zusammensetzt, hatte beantragt, daß besondere Hilfskräfte eingestellt werden sollen zur Entfernung des auf Fußsteigen lagernden Hundeschmutzes. H e p n e r(wild) weist darauf hin, daß in � dem Viertel, in dem das steuerkrästigc Publikum wohne, die meisten Hunde vorhanden seien, und gerade im Berliner Ortstcil viel Hundeschmutz auf den Fußsteigen liege. Pflicht der Stadtverwaltung sei es, durch Einstellen besonderer Hilfskräfte auf mehr Sauberkeit zu halten. Auch Herr W e t e- k a m p(Lib.) beklagte sich über die Hundeplage. Gegen Hunde- bcsitzer, die es ruhig mit ansehen, wie die Fußsteige beschmutzt und die Waren in den Länden von den Hunden beschnüffelt würden. müsse rücksichtslos vorgegangen werden. Stadtrat Bergmann meinte, es sei eine Observanz, daß die Hausbesitzer für Reinigung der Bürgersteigc Sorge zu tragen hätten. Der Antrag wurde dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen.— Hierauf gab der Referent Zobel(Lib.) den Bericht des Etatsausschusses über den sozialdemokratischen Antrag betreffs Einführung von un- entgeltlichen Lehr- und Lernmitteln in den Volksschulen. Schon jetzt erhielten bedürftige Kinder auf Antrag die Mittel gratis und es sei kein Kind zurückgewiesen. Durch Einführung der achtklassigen Schule müßten neue Lern- mittel eingeführt werden. Ferner lägen dringendere Bedürfnisse, wie Erbauung einer Badeanstalt und Schaffung von Spielplätzen, vor. Uebrigens erhielten die Kinder bereits die teuren Atlanten als ihr Eigentum; weiter dürfe die Unentgeltlichkeit nicht gehen. Genosse K ü t e r verwies darauf, daß die Forderung der un- entgeltlichen Lehrmittel eine demokratische sei; von den Liberalen sei dieselbe auch stets vertreten worden, solange dieselben noch nickst so stark waren. Durch ihre sonderbare Haltung setzten sich die Liberalen mit ihrem Programm in Widerspruch, Uebrigens seien die Lehrmittel, die den bedürftigen Kindern verabfolgt werden, auch danach. Der Redner legte ein Buch vor, in dem die Blätter lose, teilweise zerrissen und beschmutzt sind. Ein solches Buch sei keineswegs geeignet, den Ordnungs- und Reinlichkeitssinn m Kinde zu wecken. Wenn die Teilnahme am Unterricht ein Zlvang sei, so müßten auch die Lehrmittel geliefert werden. Nach der amt- lichen Aufstellung müsse eine Arbeiterfamilie mindestens bis 20 M. für Lehrmittel aufbringen; das könne nur unter den größten Entbehrungen geschehen.— Schulrat K o b betonte, daß allen Kindern, bei denen die Bedürftigkeit festgestellt worden sei und ein Antrag auf Lieferung unentgeltlicher Lehrmittel vorgelegen habe, solche bewilligt worden seien; zerrissene Bücher würden nicht ver- ausgabt.— Zobel(Lib.) meinte, daß das fragliche Lesebuch „zerlesen" sei; so würden die Kinder mit dem städtischen Eigentuni allgemein umgehen; schon darum müßte der Antrag abgelehiir werden.— Kü ter stellte fest, daß das Buch einem Kinde über- geben worden sei, das im Oktober d. I. eingeschult wurde, mithin könne von einem Zerlesen gar keine Rede sein.— Der Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Tie Deputation für Notstandsarbeiten wird ausgelöst und die Behandlung der Fragen der Arbeitslosenfürsorge der Verwaltung des städtischen Arbeitsnachweises übertragen; die Verwaltung er- hält die Benennung„Deputation für das Städtische Arbeitsamt". Wie im Vorjahre sollen auch in diesem Jahre Speisemarken verabfolgt werden. Die Ordnung war vom 19. Februar bis 31. März in Kraft. Es wurden von 67 Bewerbern nur 1b unterstützt. Dafür war ein Kostenaufwand von 88,29 M. erforderlich. Die neue Ordnung enthält zwei Aende- rungen. Es sollen einmal statt der bisher gewährten 69 Pf. nun- mehr 1 M. gewährt werden. Die Erfahrung hat gezeigt, daß 69 Pf. nicht ausreichen für eine kinderreiche Familie, daher haben viele darauf verzichtet. Tie zweite Aenderung besteht darin, daß eine Sonderung der Speisemarkenempfänger in„arbeitsscheue" und„fleißige" Elemente herbeigeführt wird. B'sHer war die Unterstützung nur an die Voraussetzung des einjährigen Wohn- sitzes in Schöncbcrg geknüpft. Die sozialdemokratische Fraktion beantragte, den I 3 Abs. 1 zu streichen. Der Absatz besagt: „Tie Unterstützung ivird nur gewährt, wenn die Arbeits. lostgkcit unverschuldet entstanden ist. Sie wird nicht gewährt, wenn die Arbeitslosigkeit durch Ausstände, Aussperrungen oder deren Folgen verursacht ist, oder wenn in dem Gewerbe, dem der Unterstützungsberechtigte angehört, nachträglich der Fall des Aus- standes oder der Aussperrung eintritt. Die Unterstützung wird nur für die Tage gewährt, an denen der Unterstützte die Kontrollvorschriften dieser Ordnung erfüllt." Genosse Kü ter hält diesen Passus für eine Härte.— Oder» bürgermeister Dominikus erklärte, es sei ein Novum, in einen wirtschaftlichen Kampf einzugreifen und zugunsten der einen Partei etwas zu tun. Redner ersuchte, den Antrag abzulehnen.— die Herren Bamberg und Gottschalk suchten in echter Scharf- machermanier unter Hinweis auf den gegenwärtigen Kampf in der Metallindustrie den sich gegen Streikende wendenden Passus zu rechtfertigen, ein Beginnen, das unfern Redner nochmals ver- anlaßie, sich in aller Schärfe gegen diese sowie gegen den Oberbürgcr- anlaßte, sich in aller Schärfe gegen diese sowie gegen Oberbürger- meister zu wenden. Der Antrag unserer Genossen wurde von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt und somit die neue Ordnung an- genommen. Ein weiterer Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der um die Zustellung von Legitimationskarten bei der Reichstagswahl an die Reichstagswähler ersucht, wurde angenommen, nach- dem festgestellt war, daß sich die Kosten bei 45 999 Wählern un- gcfähr auf 2599 M. belaufen würden. Nunmehr erstattete Stadtv. Starke Bericht über die Zahlung einer Teuerungszulage an die städtischen Arbeiter und Au- gestellten. Der Redner betonte, daß zur Regelung dieser An- gelcgenheit eine Deputation eingesetzt sei. Eine Petition der städtischen Arbeiter sei damit ebenfalls erledigt; dagegen sei die Petition des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter wegen ihres ungehörigen Tones als zur Verhandlung nicht geeignet zurückgewiesen worden. Derartige Petitionen könnten nicht bc- achtet werden.— Stadtv. Sa l i n g e r(Lib.) vertritt denselben Standpunkt.— Genosse Küter meinte, es scheine Usance zu werden, daß, wenn Arbeiter oder Unterbeamte ihre Wünsche aus- sprechen, dann immer ein ungehöriger Ton herausgefunden werde. Die städtischen Arbeiter hätten fortwährend gebeten, leider ohne Erfolg; nun, da energisch gefordert werde, falle es den Herren aus die Nerven. Schon längst hätten die Wünsche erfüllt sein können. Die Beschlüsse der Deputation ständen anscheinend in weiter Ferne. Hierauf folgte eine geheime Sitzung. Wilmersdorf-Halensee. Von den städtischen Volksbüchereien. Bei der Etatsberatung zu Beginn dieses Jahres hatten unsere Genossen betont, daß die Volksbibliotheken nur dann ihren Zweck erfüllten, wenn sie dem Publikum mehr als bisher zugänglich gemacht würden; und deshalb beantragten sie, die Bibliotheken täglich geöffnet zu halten und nach dem Muster der Nachbargemeinden Beamtinnen mit der Bücherausgabe zu betrauen. Diese Au- regung hat beim Magistrat nicht den gewünschten Erfolg ge- habt, denn eine jetzt an die Stadwerordnetenversammlung gerichtete Mitteilung weist darauf hin, daß eine von den vier am Orte befindlichen Volksbibliotheken außer am Sonnabend immer des Wochentags geöffnet ist, und daß die Anstellung von Be- amtinnen sich erübrige, weil die jetzigen Leiter der Bibliotheken sich durchaus bewährt hätten. Daß die im Nebenamt funktionierenden Bibliotheksangestellten ihre Pflicht nicht täten, hat natürlich kein Mensch behauptet. Es kam darauf an, die Volksbüchereien der Bevölkerung wertvoller zu machen und das Interesse für sie zli heben, und das kann kaum geschehen, wenn nach dem Willen des Magistrats und der Wohlsahrtsdeputation mit dem alten Brauch nicht gebrochen wird. Um kleinen Leuten Gelegenheit zur Aufbewahrung von Spar- kassenbüchern und ähnlichen Wertdokumenten zu bieten, hat die städtische Sparkasse Schrankfächer eingerichtet, zu denen die Interessenten gegen eine Jahresmiete von 3 M. einen Schlüssel erhalten. Neuerdings hat man nun größere Fächer hergestellt, die der Magistrat je nach dem verlangten Rauminhalt für 6, 8, 12 und 1b M. angeben wollte. Hiermit war aber die Stadt- verordnetenversammlung nicht einverstanden. Schon im Finanz- ausschutz sprach man die Befürchtung aus. daß die Stadt durch die Uebernahme größerer Depositen den Bänke n eine unangemessene Konkurrenz bereite, und demzufolge sollten die Sätze für die Größen 3 bis 5 der Schrankfächer auf 12, 18 und 25 M. hinauf- gesetzt werden. Aber auch im Plenum erhob sich ein ausgedehnter Streit über den Wert oder Unwert einer derartigen Sicherung des Privateigentums. Schließlich kam man dahin überein, daß nur für Ausbewahrung kleinerer und mittlerer Besitztümer städtische Schrankfächer abgelassen werden sollen. Demzufolge be- ließ es die Stadtverordnetenversammlung, soiveit die mittleren Schrankfächer in Betracht kommen, bei den vom Magistrat vor- geschlagenen Mietsätzen; große Schrankfächer sollen aber überhaupt nicht eingerichtet werden Steglitz. In einer sehr gut bcsiichlcil Mitgliederversammlung deS Wahl- vereinS sprach der Genosse Haberlaud über die Steuer- und Zollpolitik des Reichstags. Das Thema fand, da ja besonders diese Fragen im bevorstehenden Wablkampf eine große Rolle spielen, die volle Aufmerksamkeit der Versammlung. lieber die KreiSkonferenz berichtete Genosse Alfermann. Der nächste Zahlabend wird sich vor allem mit der Wabltechnik bei der Reichs- lagSwahl beschäftigen. Es ist deshalb Pflicht aller Genossen, den Zahlabend zu besuchen und für die Wahlarbeit sich zur Verfügung zu stellen. Da die Stadtwerduug von Steglitz bevorsteht, wurde der Vorstand beauitragt, der nächsten Versaiumluiig geeignete Genossen als Kandidaten zu unterbreiten. In den Bildungsausichuß wurde für den ausscheidenden Genossen Däumig Genosse Hänisch gewählt. Am Schluß der Versammlung wurde noch aus den Besuch des Museums für Naturkunde hingewiesen, der am 17. Dezember statt- findet. Britz. Ucbcr Maßnahmen zur Linderung der Teuerung beriet die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung. Der Vorsitzende verlas zunächst einen vom Genossen Schliebitz unterzeichneten Antrag, der die Absendung einer Petition an die Reichsregieniug zwecks Aufhebung der Grenzzölle fordert. Ferner solle der Einkauf und der Vertrieb von Nahrungsmitteln zu billigen Preisen von der Gemeinde in die Hand genommen werden. Genosse Kitzing wies in seiner Be- gründung auf die bereits getroffenen Borkchrungen der Nachbar- gemeinden hin. Die Nahrungsmittclversorguug durch die Gemeinde müsse eine allgemeine und dauernde werden. Mit dem bescheidenen An- fang sei in dieser Zeit derNot zu beginnen. In derDiskussion vertrat Herr Ziebarlh die Ansicht, daß der� Staat zunächst eiuzugreiseu habe und nicht die Gemeinden. Der Schöffe Herr Grau verwies i» Bezug auf den erste» Teil der Petition darauf, daß eine solche Eingabe au die Regierung bereits von Berlin und den großen Nachbargeincindeu gemacht sei. Zur praktischen Ausführung des zioeite» Teiles der Petition beantragte er die Wahl einer Kommiision, welcher ein Kredit bis zu 3999 M. zur Verfügung gestellt werden möge. Herr Tiedl befürchtete, daß die Vorteile einer solchen Nolstandsaktion nicht den Armen, sonder» eher dem Mittelstand zu gute kommen würden. Im übrigen möge die Ursache der heutigen Not nicht allein durch die teueren Lebeusniiltel, sondern vor allem durch die alles Maß über- steigenden Ansprüche auf Kleidung und andere Lebensbedürfnisse zurückzuführen sein. Um günstig flir die Gesamtheit einzukaufen, müsse der Warenbezug in große» Massen erfolgen. Das könne sich eine Gemeinde wie Britz jedoch schwer leisten. Mit dem Borschlog, 3999 M. für Anschaffung von billigen Lebensmitteln zu bewilligen. erklärte sich Redner einverstande». Genosse Eberhard verwies noch auf Adlershof, wo der Verkauf von einzelnen Händlern geleitet werde. Der Vorsitzende erklärte sich mit dem Vorschlag des Herrn Grau, 3999 M. zu bewilligen, einverstanden. Er eriuchte, die Finanz- kommission durch die Vertreter der dritten Klasse zu erweitern. Herr Tiedt beioute noch, wenn die Aermsteii der Armen ein Interesse ani billigen Einkauf haben, so sollen sie sich doch an den Konsumverein anschließen, welcher sich den Verkauf billiger Nahrungsmittel als Ziel gesetzt habe. Auf Antrag des Vorsitzenden wird der Antrag unserer Geuossen, sich in einer Petition an die Staatsregierung zu wenden, gegen 4 Stimmen abgelehnt, dagegen der zweite Teil des Antrages, Naßnahmen zwecks Lindernng der augenblicklichen Teuerung der Levensmittel in der Kommission zu berate» und zur Diirchfllhrung einen Kredit von 3990 M. zu bewilligen, angenommen. Ein Antrag der Trinkballengesellschaft Beroliua, in der Germania-Promeuade sowie Karlstraße je eine Trinkhalle gegen dieselben Bedingungen, wie sie die Nachbarorte auch fordern, aufzustellen, wurde au- genommen. Unter Verschiedenem ersuchte Genosse Schliebitz, zur kommende» Reichstagswahl auch in Britz au die Wähler amtliche Legitimationskarlcn zu senden, um die Wahlgeschäfte zu erleichtern, desgleichen zur Durchführung der erweiterten Sonntagsruhe vom 1. Januar 1912 auch für Britz ein Ortsstatut herauszugeben. Kalkberge- Rüdersdorf. Ein WohnhauSbrand. Im benachbarten Schulzenhöhe geriet Montag früh in der Straße Am Kanal das Eckmannfche Wohnhaus in Brand. Der Dachsluhl wurde gänzlich ein Raub der Flammen. Auch das zweite Stockwerk ist erheblich beschädigt worden. Menschen sind bei dem Brande glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Das fragliche Gebäude ist erst im Vorjahre erbaut worden. Petershagen bei Fredersdorf. Lebhafte Klagen werden über den Zustand der Landstraße laut, welche die beiden nebeneinanderliegenden Dörfer Petershagen und Fredersdorf verbindet. Der etwa 199 Schritt lange Teil von der Mitte des Dorfes Petershagen bis zur Fließbrücke gleicht einem Jauchegrabcn, der nur bei mouatelanger Dürre für Fußgänger zu passieren ist. Wer zum Amtsbureau. Standesamt oder zu den Sprechstunden der Aerzte usw. will, muß von Petershagen aus diesen Weg passieren; auch bei Stattfinden einer in einem der beiden Dörfer anberaumten Versammlung ist hier ein lebhafter Verkehr. Seit Jahrzehnten ist zur Verbesserung dieser Straße fast nichts ge- scheben, weil ebenso lange die beiden Gemeinden die zweifelhafte Hoffnung haben, daß die Straße eine Krcischaussee werden soll. Die Fließbrücke ist so baufällig, daß schon wieder- holt einzelne morsche Teile zusammengebrochen sind. Die in nebelhafter Ferne schwebende Fata Morgans der Kreis» chaujsee ist auch hier der Grund, warum die Brücke immer nur wieder notdürftig zusammengeflickt wurde. In der Dunkelheit, Beleuchluug gibt es natürlich in dieser fast in der Mitte des DorfeS belegenen Wildnis nicht, ist die Benutzung des Weges geradezu lebensgefährlich. Und doch gehört so blutwenig dazu, um diesen Schandfleck der Gcincinde zn beseitigen. Ein paar Fuhren Koksschlacke und das Ver- bot an die Anlieger, ihre Abwässer auf diesen Weg zu leiten, würden genügen um den Weg wenigste»» so lauge gangbar zu erhalten bis die erhoffte Kreischaufsee zur Wirklichkeit wird. Bernau. In der Stadtverordnetenversammlung wurde einem DringlichkeitS- antrage der KraukeuhauSdeputation betreffend die Bewilligung von 1299 M. für Anschaffung von Justriimenlen sowie 1690 M. zur An- schaffuug von Betten, Wäsche usw. zugestimmt. Alsvaim wählte die Versammlung eine Deputation, die mit den Vorarbeiten der Kanali- sation beginnen soll. Die Magistratsvorlage betreffend die Bc- iprechung über Versorgung der Stadt mit elektrischer Energie für Licht und Kraftzwecke wurde, weil der Vertrag nrit der hiesigen Gasanstalt dabei mit diskutiert werden müßte, in die nichtöffentliche Sitzung verlegt. Mit besagter Anstalt ist seinerzeit ein Vertrag bis 1923 geschlossen, welcher der Anstalt das Recht deS Einspruchs ein- räumt, sofern durch andere Kraft oder Licht an die Konsumenten abgegeben werden sollte. Auch die Stadl hat demnach kein Recht, selbst derartige Betriebe zu errichten.— Der Sladtverordueie Richter fragte bei der Tenmingskommission an, ob eS zuträfe, daß der Verkauf von Kartoffeln zentnerweise erfolgt sei und zwar ohne Ansehen der Person. Die TeucruiigSkommission erklärte, daß sie hier keine Kartoffeln zu billigen P-eisen habe bekommen können und daher mit auswärtige» Verkäufern Abschlüsse habe machen müssen. Um den Fuhrlohn fiir Abfahren von der Bahn zu sparen, der Waggon auch zu einer bestimmten Zeit geleert sein mußte, habe jeder, der kam, nach seinem Wunsch Kartoffeln erhalten. Es bälteu sich auch eine Anzahl Leute mit Handwagen eingefunden, und daher sei der Verkauf flott von statten gegangen. Die Kartoffeln seien zum Preise von 3,29 M. pro Zentner abgegeben worden. Die weiteren Bestellungen, welche die Kommission erhalten wird, gedenlt sie in Kellereien zu lagern, um so einem jeden, der geringere Mengen entnehmen will, diese während des WiulerS verabfolgen zu können. Damit war der Interpellant zufriedengestellt, der wohl mehr ein Interesse daran zu haben schien, als Stadtverordneter der zweiten Abteilung für die hiesigen Kartoffelverkäufer(Ackerbürger) eine Lanze zu brechen, als für die ärmere Bevölkerung Sorge zu tragen. Nowawe?. Der Kartoffelvcrkauf der Gemeinde ist nicht, wie vielfach an- genommen wird, bereits wieder eingestellt, sondern findet vorläufig auch weiterhin statt. Die Gemeinde hat in den Kellerräumen des Schulgebändes i» der Scharnhorststraße einen größeren Vorrat au guten, roten Eßkartoffeln angesammelt, die nun dort wöchentlich DienStogS von 3 bis 4 Uhr nachmittags in kleinen Posten zum Selbslkoslenpreise zum Berkauf gelangen. Der Konsuiuvercin beschloß in seiner Generalversammlung, das Geschäftsjahr, das bisher den Zeitraum vom I. Oktober bis 39. September umfaßte, in die Zeit vom 1. August bis 31. Juli zu verlegen, um beim Jahresabschluß, der sich infolge der zu- nehmenden Mitgliederzahl immer sckiwieriger gestallet, mehr Zeil zu gewinnen. Die Auszahlung der Rückvergütung ioll jedoch wie bisher einige Wochen vor Weihnachten erfolgen. Ferner erteilte die Generalversammlung den von der Verwaltung ausgearbeiteten neuen Anstellungsbedingungen, die für die An- gestellten eine annehmbare Aufbesiernng bedeuten, ihre Zustimmung. Infolge der großen Arbeitslast, die durch Errichtung der Verkaufs- stellen in Micvendorf und Wannsei noch eine erhebliche Steigerung ersubr, sali sich die Verwaltung veranlaßt, den Genossen Sabrowsli als Kassierer fest anzustellen. Die Generalversammlung wählte ihn zum zweiten Vorstandsmitglied. Bei längerer Dauer der Aus- sperrung in der Metallindustrie sollen die davon betroffenen Mit- glieder ans Vorschlag der Verwaltung eventuell durch unentgeltliche Brollieferung unterstützt werden. Huö aller Melt. Kardinal und Kaufinann. Wie ein bürgerliches mäbri'chcs Blatt berichtet, hat der jetzt zum Kardinal erwählte Fürslcrzbischof Dr. Bauer in O l in ü tz nicht nur BerstäudniS für die Würde seines Amtes, sondern ihm ist auch ein guter Sinn für seinen pekuniären Borteil eigen. Um finanziell vorteilhaft abzuschneiden, hat der Erzbischof das Holz seiner Güter in Liebau, Mürau und Zwittau einem Ausländer verkauft und dadurch sämtliche Säge- werke in dem Gebiet sowie die Bautätigkeit zum Stillstand gebracht. Hunderte Arbeiters« niilien werden brotlos.— Ein Glück, daß diesen wenigstens der Hiinmelstrost bleibt, den der geschäflskimdige Kircheiifürst sicher in jedem wünschenS- werten Maße zu spenden bereit sein wird. Man sieht nun auch. daß die peinlich hartherzige Geschäftstüchtigkeit, die man dem Bor- gänger auf dem Olmützer Bischofsstuhl, Dr. Cohn, zum Vorwurf gemacht hat. nicht an dessen jüdische Abkunft gebunden war. Das Religionsgefchäft und das Geschäft ohne weiteres vertragen sich bei allen Rassen gleich vortrefflich.__ Handel mit Menschcnknochen. Vor dem Strafgericht von S i e n a hat dieser Tage ein Prozeß gegeit zwei Diener des anatomischen Instituts von Siena und gegen den Universitätsprefessor Stanislaus Bianchi, Ordinarius für menschliche Anatomie an der dortigen Universität, begonnen. Die Angeklagten sind beschuldigt, zum Zweck unberechtigten Vor- teil« menschliche Leichen und Leichenteile der Beerdigung entzogen zu haben. Die Sache wurde seinerzeit von Professor Biondi, dem Direktor der chirurgischen Universitätsklinik, dem italienischen Unterrichtsminister angezeigt. Die daraufhin angestellte Erhebung kam zu dem Schluß, daß Professor Bianchi einen ausgedehnten Handel mit Men schenk nochen gebilligt hatte, er sollte aber keinen persönlichen Vorteil daraus gezogen haben. Die lokale Presse lieh aber den Fall nicht ruhen, bis schließlich der Unterrichtsminister Credaro selbst im Dezember vorigen Jahres Strafantrag stellte. Es heißt, daß Kisten bis zum Gewicht von einem Doppelzentner an einen Professor der Wiener Universität gesandt worden seien! Mehrere Angehörige der Toten, deren Knochen verschachert worden sind, treten als Privattläger im Prozesse auf._ Ein nettes Kleeblatt. Gegen die bulgarischen Mini st er Genabbiew, S a w o w und G r e d b e w war vor einiger Zeit eine Untersuchung eingeleitet worden, weil die drei Minister in einer Betrugs» affäre arg bloßgestellt wurden. Die mit der Untersuchung Se- traute Kommission hat nunmehr ihre Arbeiten beendigt. Die Er- nnttelungen haben die volle Schuld, der Minister er- geben. Das betrügerische Kleeblatt wird sich nunmehr wegen Be- truges und Unterschlagung von Staatsgeldern vor Gericht zu ver» antworten haben._ Kleine Notizen. Folgenschwerer Einsturz. Bei den Arbeiten zur Abtragung der Festungswälle am Tragheimer Tor in Königsberg wurden Dienstag icüh durch eine zusammenbrechende Erdwand vier Arbeiter verschüttet. Einer ist tot, zwei sind schwer und einer leiibt verletzt. Ein Priester als Mörder verurteilt. Die Geschworenen A v e l l i n o haben den Priester Vincenzo D i a fe r i o, seine Schwägerin, in die er verliebt war, ermordet hat, 17>/z Jahren Zuchthaus verurteilt. Dem Verurteilten, nicht geständig war, aber durch die Aussogen des Opfers und durch eigene Briefe, wie durch solche seines Schwiegervaters, als über- führt gelten konnte, wurden mildernde Umstände zugebilligt, aber die von einem Teil der Sachverständigen beantragte Annahme ver- minderter Zurechnungsfähigkeil verweigert. von der zu der Ei» programmwidriger Brand. In D e l h i ist da? große Zelt, in welchem der englische König die indischen Fürsten bei seiner An- kunft empfangen sollte, durch eine Feuersbrunst voll st än big zerstört worden. Das Zelt ist unersetzlich wegen der Pracht seiner Dekorationen. DieS ist innerhalb kurzer Zeit die zweite Feuersbrunst in dem Krönungslager. Die Vernichtung des Zeltes wird das ganze Programm der Krönungs- feierlichkeiten beeinflussen. Lese- und Diskutierklub„Paul Singer". Heute Mittwoch, akends 3 Uhr, im Lokale von Karl Beck, Samariterstrage 17: Sitzung mit Vortrag. Gäste willkommen. Lese- und Diskutierklub„Süd- Ost". Heute Mittwoch, abends 8'/, Uhr, bel Neidhardt, Görlitzer Straße 58: Sitzung mit Vortrag. Gäste willkommen._ Eingegangene vrucklwriften. „Kommunale Praxis". Wochenschrist für Kommunalpolitik und Gemeindesozialismus. Die Hefte 4 ginnt mit Ende des KalenderiahrcS, io Streitende. Hempei. 1. Bis einschließlich tlaniation innerhalb 4. Wochen nach Znttcll' Vollendung des 14. LebenSjabreS.— A. 44. 1> vom Valer auszustellenden schristlichc» P.rozosivollinacht. Der Klage muß eine schristtiche Aufforderung an den Gläubiger zur Freigabe, unter Glaub- hastmachuug der Eigentumsanspriiche, vorausgehen. 2. Den Gläubiger. 3. Bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk die Pfändung erfolgt ist. 4. Schriftlich oder beim Anusgericht zu Protokoll.— B. 43. i. Ja. 2. Münze.— M. H. 30. Die Witrpe zur Hälfte, der Vater zu einem, die Geschwister zum andern Viertel. Die HmishaUiiugsgegenstände ver- bleiben der Witwe in vollem Umfange.— B. D. iiO. 1. Solveit ersichtlich, Anspruch an die landwirtschaslliche Berufs genoffenschasi auf Hintcr- blicbcnenrente. 2. Beim BormundjchqislSgericht lanu die Bestellung eines PstegerS beantragt werden zum Zwecke der Vermögciisoerivaltung.— Marktpreise von Perlt» am 4. Tezeinlicr 1911, nach Ei Mittelung des Königl. Polizeipräsidiums. M aw k t h a 1 l e n p r e> s e.(Kleinbandel), 100 Kiioaramm Erbten, gelbe, zrpm Kochen 36.00—50.00. Speisedobncn weiße, 40.00- 60,00. Linien 40,00- 80,00,.Klartoffeln 7,00—10,00. I Kilo» gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40, Aiindfleisch, Bauchsteisch 1,20 BU 1,70. Schweinefleisch 1.20— IM. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30-2.20. Butter 2.60—3,20.'60 Stück Eier 3,80-6.10. 1 Kilogrami» Karpscu l, 00-2,40. Aale 1.20- 2,80. Zander 1.40— 3,60. Hechte 1,20 bis 2,60. Bariche 1,00-2,00. Schlvie 1,40—3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 2,40-24.00.__ WitterungSüberKcht vom 5. Dezember 1911. Stationen SS t: e is aü Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wie» 767 764 767 764 766 767 A 5 e 2 if SO SO S SO SW SSO Wetter t*m c- 4'I §<=> bedeckt Regen bedeckt liNebel 2ibcdeckt INebel Stationen Haparanda Peiersburg Scilly Aberdeen Paris Wetterprognose für Mittivoch, den K. Dezember 1911. Ein wenig wärmer bei zi-mlich frischen südlichen Winden und änderlicher Bewölkung; geringeKStiedcrschlüge. Berliner Wetterburean ver« nun ODO □□□ Theater und Vergnügungen Mittwoch, 6, Dezember IStl. Ansang 3 Uhr. SteneS PottStheater. DaS Zauber» glöckchen. Schiller- Eharlottenbnrg. Prinz Friedrich von Homburg. Ansang 3fl, Uhr. Seues Schauspielbaus. DeS Meeres und der Liebe Wellen. Ansang 4 Uhr. Westen.?Rax und Moritz. Thalia. Iloikäppchen. Belle- Alliance. Aschenbrödel. Ansang 7-,, Uhr. tz. OpernbanS. Ca,v. rn sticans, Bajazzi st. Schauspielhaus. Der Bettler von Syrakus. Teurichcs. Turandot. ßaverlaiid. Spezialitäten. Zirkus Busch. Gaia-Porstcllung. Zirkus Schuinann. Gala- Vor- ftellung. Anlang 8 Ubr. Urania. Taubrustraike 4S/4V. Von Meran zum Ortler. Im Hörsaal: Baumstr. Phoenix: Gasmaschinen. stammerspiele. Die Kaffette. Berliner. Die Ahnengalerie. Zessiug. Glaube und Heimat. stouiische Oper. Der Troubadour. Benes LMaiiipielbaus. Agnes Bernauer. Neues. DaS Mädel von Mont- martre. Westen. Fattnitza. Residenz. Ein Walzer von Chopin. Renes Overetlen. Die moderne Eva. Kleines. Loitchens Geburtstag. Gentz und Fanny Elßler. Hocken» jos. Schiller<». Egmont. Sm»tr i-ar- orten vurg. Madame Sans Gäne Friede.- Wilh. SchaniPtelbauS. Der Kausmann von Venedig. Königgrnlier Straße. Spielereien einer Kaiserin. Rose. Die Barbaren. •}}ietr«<.' Die Nacht von Berlin. Lustspirlhauö. Die VergnügungS- reise. Trianon. Mein Baby. Tbalia. Polnische Wirischast. Luisen. Wir tanzen durchs Leben. ilasino. Der selige Hollschinsty. »tpollo. Sveziaiiläten. Baüape. Sveziaiiläten Herrnseid. Schmerzlose Behandlung. Das Kind vor Firma. Wintergarten. Spestalitäten. R> ittis i. neu Slettiner Sänger. Köuigstadt-Kofiiio. Spezialitäten. Ansang ä'l, Ubr tsolieS v-nprirr. Kobi Krach. Nr. 14. Walballa. Teufel, das hat einge- schlagen! Roact. Berlin, wie eS weint und lacht. Voigt. Prinz und Bettlerin. Ansang 8'/, Uhr. Neues Kgl. Operutheater. Se- Ichlossen. Neues Bolkstheater. Leidenschaft Belle-Alltanee. Narreniplel. Intimes. Der Brandstifter. » �» Sternwarte. Jiivaiidenstr. 57— 62. Kaiser-Panorama. Besteigung der Zugspitze. II. Wanderung auf Sclilller-TlieaierO.|;X,r; Mittwoch, abends 8 Uhr: Uirmont. Donnerstag, abend» 8 Uhr: Don Carlos. Freitag, abends 8 Uhr: Maskerade. Friedrich- Wilhelnuitftdt. Schaosplelliuna. Heute 8 Uhr: Der Kaufmann vou Nenedig. Luisen-Theater. 8 Uhr: Wir tanzen durchs Leben. Donnerstag: Baronesse Claire. Unsere Abonnenten haben die be- kannte Ermäßigung�_ Urania. WissenBchaftlichee Theater. 8 Uhr; Von Meran zum Ortler. Hörsaal 8 Uhr, Baumstr. Phoenix: Casinascli inen. Belle-Aiilance-Theater 4 Uhr: Aschenbrödel. 6'/, Uhr: Karrcnspiel. Donnerstag S'/jllijc: Die Räuber Schlller-Tlieater ChVÜ5r* Mittwoch, nachm. 3'/, Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Illadame Satm-ttüne. Donnerstag, abend» 8 Uhr: Uadanie.Snns-Oöno. Freitag, abend« 8 Uhr: Wilhelm Teil. OSE-THEATE! Große Krantiurte, SN 132. (Zu der heutigen Vorstellung sind sämtliche Billetts bereits vergriffen.) Die Barbaren. Donnerstag: Die größte Liebe. (Der Lumpenpastor.) Freitag: Der Hüttenbefitzer. berliner"Hieater. Abends 8 Uhr: Die Ahnengalerie. Abends 8 Uhr: Spielereien einer Kaiserin. Nenes Theater. Abends 8 Uhr: Das Mädel von Montmartre. Creveite: Frltxi Jlassary. Sonnt. 3'/, Ubr: Der tidele Bauer. Theater des Westens. 8 Uhr: FatinUsea. Morgen 8 Uhr: Di» Dante in Rot. Mittwoch und Sonnabend nachm. 4 Uhr: Max und Morist. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Heute 8 Uhr: Ein Walzer von Chopin. schwank in 3 Akt. v. Köroul u. Barrö. Morgen und folgende Tage: triu Walzer iio» Ghopi». Donnerstag, 7. Dezember, ein- maligc Aufführung: Kümmere Dich um Amelie. IHIetropol-Tlieater. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Jui. Freund. Musik von B..Holländer. ftn Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Abends 8 Uhr: Zicacs Proeramm. 9 Uhr: Barry Waiden mit feinem Ensemble In Brettikönig, Vaudeville in 2 Akten von G. Okon- kowsky und A. Neidihardt. Text von R. Schanzer. Musik v. W. Kollo. Lasins-Tkvalse Lothringer Str, 37. Täglich 8 Uhr Nur noch bis Donnerstag, 7. Dezbr.: Der ftlige Hollschinsiry. Freitag, 8. Dezember Premic cnabend Der Kampf nms Naleiu. Sonntag 3>/, Uhr: Die Tochter deS Sträflings.__ Passage-Theater. Das große Festprogramm. Der Triumph der Schönheit! Lebende Kunstwerke Clalre Waldofi Der tapfere Herr Ängstlich Burlesk-Sketch mit Oeorg Kaiser u. W. Ooldmann in den Hauptrollen und IL Varieti-Sensatlonen. mit Anton und Oonat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: Sctimerzlose Behandlung. Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: VIvliK«al»�. Sonniag nachm. 3 Uhr: franellion, | ZirktiH« A. Schninaaa n {Mittwoch, 6. Dezember, 71/, Uhr: Besonders bervorznheben: Neu! Afra! Kr. n. Mlle. Corradint ffroBer Dreaaurakt | Elefanten, Zebras, Pferde and Hunde. Wen! Wen I 1 Geschwister Weise genannt: Die Biedermeier mit ihren hier noch nie gesehenen konkurrenzlosen Originnl-Trioka. 1 5 Affen am fliegenden Trapez. oVfUhr: Die Schlager der Saison 1000 Jahre I auf dem Meeresgrund Große Peerie in 5 Bildern 1 nach Motiven ans 1001 Nacht. AdUfclsradaä AmBabnlKrffiCicmlriiiliiasftc� Eis-Arena. Von 10 Uhr an geöffnet. OCT* Xaohmlttas«:"Mtzz Wär- Konzert. Um 5'/, Uhr: Das Weihnachtsmärchen Schneewittchen Abondt« BWS Das prachtvolle Bisbullelt: Alpenzauber Die kleine Charlotte Apachentänze— Pushballspiel. Bis 6 Uhr und von 10'/« Uhr an halbe Preise. Restaurant ersten Ranges. Acht Wochen»°>«»» Feusrfressern Täglich sn sehen! Lebend Die wilden EiiRana« Karawane sudanesischer Schrei-, Heul- und Feuer• Fakire in einem besonders aufgebauten Dorfe. Ohne Extra-Entree. Zirkus jlnscli] Mittwoch, 6. Dezember, 7'/. Uhr: Neu! Non I Norman Telma am Billard. Der Hann ohne Knochen. Nen! Ncn! Hektor nnd T-oIettc. Herr Ernst Schumann, Preiheits- dressuren. Frl. Anna Stennis, Schulreiterin. Drei Schwestern Blumenteid, Beitküustlerinnen. Um 9'/.j Ulir zum 55. Male; Origin.- Aus- stattungs- stück des Klrbni. Baach in 5 Bildern. HIB Chtt e�J Voigt-Theater. Geilmdbrunnen Badstraße öS. Mittwoch, den S. Dezember ISll: Nrinz und Kettlerin. Englisches Senfattonsdrama in sechs Bildern von Siegfr. V. Lutz. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8>/, Uhr. kolies cspnee. Zum vorletzteiimal: Nr. 14. Kobi Krach. Freitag, den 8. Dezember 1911: Premiere. Volks-Mater. Rixdorf. Hermannstr. Li). Sonntag, 10. Dezember: Lherloet LiolmeS. Dctcktwkomödie in vier Akten von A. Sachse. Montag. 11. Dezember: Der Ernst deS Leben». Schaulpiel in drei Akten von Jul, Schaumberger. Kfinlgsiadl-Kasino. Eckc Hoizinarkt. u. A exandersttaße vom 1. bis 1«. Dezember: „fsmilie Miiüer" großes Volksstück in zwei Bildern und das reichhaltige MF" Spezialitäten-Programm. Relehshallen-Tlieater. ip. Gastspiel Robert Steidl. Anfang 8 Uhr, SonnlagS 7 Uhr. N., Chausseestr. 110. Carl Richter, d Jede» Mittwoch: d Paul l Mantheys j> lustige» ______ Sänger.» Änsang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. J Nachdem Freltanx. — VorzugSkarlcn gelten.—| Mmnen Donnerstag: ft Mr.Mili'ar.Strei.tic-n,ert.» Anschließend: FemllienkrSnzchen b obne Stochtckblung. '» MI Wt W» W» 4.1� WC>UI»>IWMi>UkM MD MV IM SUlSork-vorllll. BerllnerEJIK-Trlo lahnstr.74.i-«• ffitt Den Anhalt der Jnieritt- dveriiimml die Redaktion drin Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. V jyjfy« •Fabriken Ä. GoÄsard?re»ssStmgM m'""' QgQr�ündgt 1839.«»«—■' Me russe h priser. soßt de Kowno. q'C>&g�30(�-a'a'D-t>cKW? II �1 Prawdziwa Vabaka do|j§ j! j nä"�wanlt.Kownoer' j�l t>0'a»ooo<3H3*Q�>(>cH>«>c>a«'a tAaitm/ /iev JfkMA/A CfCdL �dc- JLi/üi saJ UMiili u AjMrt* 0 �1. 1/tfuAic�i Dr. Simmei Spezial-Arzt für Haut- uHd Harnleiden. Prinzeostr. 41, ÄÄ 10-2. 6—7. Sonntags 10—12- 2—*. Otto NW Das proletarische Wd Verlag Albert Langm Münchs» Gehestet Z M., gebunden 4.50 M- Zu bezieben durch alle Buch» haxdwngen oder direli vom Verlag Müncheu-It. Zehn Prozent Rabatt Vorwärts. leiern. Teppiche, Plüfchteppichr, mit Farbensehler, fabelhast billig, w allen «rötzen vorrättg, 8.60, S.86, 11.60, »3.60, 16.76, 18.60, 21.60, 26.76. :Z8.v0. 33 btS 300 Mark.®. Weihen. 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Cs� Beriin S\j£ Zeuge» gesucht I Diejenigen Per. sonen, die am Sonnabend nacht 12 Uhi gesehen haben, wie ich un» schuldigerwetse w der Berlwerstrahe an der Anzengnibet fttahe arretiert worden bin, bitte ich. die Adresse min zukommen zu lassen. W. Ehrlich, Rixdors. Kaiser-Frtedrichsttahe 170. Verloren Kettenbrosche. Brillanten, Rubin, Saphir, gegen Belodnimg abzugeben. Wiese, Alte Jakob- sttahe 69. 1697S Vermietungen, j Wohnungen. Schöne Vorderwobnung, Stube und 5tüche, 24 Mark, wegen beson-- derer Umstände sosorl oder l. Januar zu vermieten Willdenowsttahe 24. � Ausschneiden. Nie wiederkehrende Gelegenheit! Sosorl herrliches Zim-- mer, Küche, renoviert, nur t6,— mo-> natlich, Rixdors, Kopsstrah« 16. Gute Fahrgelegenheit. 1854b* �rheitsmarkt. J Stellenangebote. Redegewandte Leute als Abonnen» tensammle, bei gutem Verdienst ver» langt W. Voh, Bultmannstrahe 16. 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