Nr. 287. flbonnementS'ßedlngungeii! WBonnementä> Preis pränumerando i Biertcljährl. ZPO Mk., nionatl. l.lo Mü, wöchcnllich 2Ä Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nuinmcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Posi- Abonnement: I.Iii Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS- Preisliile. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungern 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonneuients nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 28. Jahrg. VI« snsttNonz-Stbllht •tftägt für die sechsgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum so Psg., für politische und gewerlschastliche BereiuS- und Perlammiungs-Anzcigen SV Psg. „Kletne Hnedgtn", das fettgedruckte Bort 20 Psg.(zulässig S settgcdruckle Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Etellenaeluche und Echlasstellcnan- zeigen daS erste Wort lO Psg., jedes «eitere Wort S Psg. Worte über 15 V»ch- staben zählen für zwei Worte. Inserate ' die nächste Nummer münen bis S I lllir nachmittags in der Expedition «bgegcben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Vichtl»« täglld) anScr montass. Devlinev Volksblntt. Zcntralorgan der rozialdcmokrati fehen Partei Deutfchlands. Telegramm• Rdrelfe: «SoüalÄcaicHrat Btrli«". Redaktton: 8CQ. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplau, Nr. 1983. Freitag, den 8. Dezember ItUI. j j Expedition: 8M. 68, Ltndcnatraeac 69« Fernsprecher: Amt Morittplatf, Nr. 1984. Wer trägt die loziaten Lasten? Die industriellen Scharfmacher— ultramontane und nationalliberale— lamentieren über die schwere Belastung der gewerblichen Gütererzeugung durch die Sozialpolitik. Sie verlangen mindestens ein Halt in dem weiteren Ausbau der Arbeiterverslcherung. Die schwarzen Arbeitersreunde der- suchen, die unter den Folgen der Wirtschaftspolitik der Ritter und Heiligen schwer leidenden Arbeiter mit der Vorführung großer Zahlen aus der Sozialversicherung über die em- pörende Lebensmittelwucherpolitik hinwegzu— trösten. Mit bombastischen Berechnungen will man die Arbeiter beeinflussen, sie als Wähler für die Kriegshetzer und Lebensmittelwucherer einsangen. Sehen wir einmal zu, welche Kosten die Arbeiterversiche- rung erfordert und— was wichtig ist— wer die Kosten dafür aufbringt! Wir benutzen die entsprechenden amtlichen An- gaben im Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich. Zu- erst die großen Prunkzahlen. Die Einnahmen der 3 Versicherungen für den Zeitraum 1885/1309 ergeben dieses Bild: Beiträge der Unternehmer M. 1 351 345 100 2 195 035 400 1 271 149 900 Einnahmen überhaupt M. 4 555 853 300 2 478 700 100 3 050 507 500 Krankenversicherung... Unfallversicherung.., Jnvalivitätsversicherung. Zusammen 48175Z04V0 10 685 060 900 Das sind gewiß stolze, imponierende Zahlen, wenn man sie nach ihrer absoluten Größe bewertet. Anders sieht es aus, wenn man sie kritisch würdigt. Was die Gesamteinnahmen anlangt, fo ist zunächst zu bemerken, daß darin 4 283 377 433 Mark direkte Arbeitcrbeiträge» serner 587 227 333 M. Reichs- zuschuß und an Zinseneinnahmen usw. 523 383 733 M. ent- halten sind. Da es sich um die Frage der Leistung der Unter- n e h m e r handelt, brauchen wir uns um die übrigen Ein- nahmen nicht weiter zu kümmern. In bezug aus die von den Unternehmern beigesteuerten 4 817 Millionen Mark sei hervorgehoben, daß die Summe im Laufe von 24 Jahren geleistet worden ist. Somit ergibt sich eine Jahresleistung von rund 233 Millionen Mark. Die Beiträge wurden zudem für eine ständig wachsende Zahl von Arbeitern geleistet: um- faßte doch die Unfallversicherung im Jahre 1939 bereits an- nähernd 24 Millionen Versicherte. Zur Illustration der Bedeutung der Unternehmerbeiträge sei weiter noch darauf hingewiesen, daß das Vermögen der von der preußischen Einkommensteuer erfaßten Zensiten in der Zeit von 1895— 1939 von 63 857 Millionen Mark auf 31 653 Millionen Mark zugenommen hat. Die Vermögens- zunähme, an der nur V/o Millionen Menschen beteiligt sind, macht demnach insgesamt 27 738 Millionen Mark oder pro Jahr 1985 Millionen Mark aus. Was wollen dagegen die 203 Millionen Mark besagen, die im Jahresdurchschnitt für die vielen Versicherten aufgewandt worden sind? Nur eine Bagatelle sind sie im Vergleich mit der riesenhaften Ein- kommensstcigerung und Einkonimenvermehrung nur weniger Menschen. Erzielten doch nach der Veranlagung für das letzte Jahr 3 893 Z e n f l t e n in der Gruppe derer mit einem Ein- kommen von über 133 333 M. zusammen das kleine Einkommen von 343 132 533 M. Der durchschnittliche Vermögenszuwachs aus den letzten 14 fahren, das(Jinforninen bor �pödjftbcftcucctcn in Preußen, sowie die nach dem Gesamtdurcksichnitt der Jahre 1885/1939 resultierende Leistung für alle von den 3 Ver sicherungszweigen umfaßten Arbeiter und Arbeiterinnen zu sammen, ergab folgendes Bild: Bermögenszuwachs für l'/z Millionen Zensiten. I 985 000 090 M. Einkommen. 3 893.. S4S 000 000. Soziale Lasten für alle Versickerten..... 200 000 000 Welche bescheidene Rolle spielen also die für die Arbeitcrversichcrung ausgewandten Summen! Das wird aber erst recht sinnfällig aus der folgenden Ausstellung. Sie enthält die Lelstungen der Unternehmer für das Jahr 1909. Zubl der Versicherten S»mme der Beiträge in 1000 M. 120 973 198 981 94 216 Leistung pro Arbeiler u. Jabr M. 9.02 8 37 6,10 Krankenversicherung. 13 404 298 Unfallversickerung.. 23 707 000 JnvolidiiäiSversicherung 15 444 300 Insgesamt leisteten die Unternehmer 414 171 333 M. an Beiträgen. Auf einen Arbeiter, der zu allen Versicherungen gehört, würde demnach eine Jahreslei st ung von 23,49 M. e n t f a l l e n! Rechnen wir für jeden der Arbeiter nur 253 Arbeitstage, anstatt 330, so kommt ans einen Arbeits- tag für alle 3 Versicherungen zusammen die Riesenlast von sage und schreibe 9,4 Pf.l Nimmt man aber an, daß jeder von der Versicherung Erfaßten im Jahresdurchschnitt nur 233 Arbeits- tage geleistet habe, dann entfällt auf jeden Arbeiter pro Tag für alle drei Versicherungen doch erst ein Betrag von 11,75 Pf. Daß das eine erhebliche Last für den Unternehmer wäre, daß dadurch die Etzistenzfähigkeit der Jndustne gefährdet werden könne, daß für eine solche Leistung die Arbeiter dem Unternehmer besonders dankbar sein müßten, so dank- um auf die Wahrnehmung ihres politischen Rechtes zu Nun sind wir aber immer noch von der Voraussetzung ausgegangen, daß die Beiträge der Unternehmer auch in Wirk- > lichkeit eine B e l a st u n g für sie bedeute. Aber auch das ist I falsch! Ebensowenig, wie die Aktionäre und andere Profit- fchlucker ihre Zinsen und Dividenden erarbeiten, ver- dienen sie die U n t e r n e h m e r b e i t r ä g e zur Arbeiter- Versicherung. Was die Unternehmer bezahlen, ist nur e i n Teil vorenthaltenen Lohnes. Die Beiträge ge- [ hören einfach zudenProduktionskosten, genau so wie ! die Ausgaben für Löhne. Rohmaterial, Steuern, Maschinen, , Gehälter usw. Sie werden bei den Kalkulationen mit ver- j anschlagt und erscheinen nachher wieder mit im Verkaufspreis. Daß es zulässig ist, die Beiträge der Unternehmer als Ge- schenk dieser an die Arbeiter anzusprechen, daß die Beiträge nicht im geringsten die Konkurrenzfähigkeit der Industrie lähmen, das hat sogar ein freikonservativer Abgeordneter (Schmidt-Altenburg) freimütig eingeräumt. Auf der am 24. November 1937 in Dresden abgehaltenen General- Versammlung des Deutschen Tabakvereins machte er nach dem offiziellen Bericht folgende Ausführungen: „Meine Herren, ich bin fest überzeugt, daß bei Ihnen allen zunächst, als diese soziale Gesetzgebung eingeführt wurde, und als zum erstenmal die großen Beiträge für' die Krankenversiche- rung und später vor allen Dingen für die Alters- und Jnvalidi- ' tätsversicherung gezahlt werden mußten, gar mancher gestöhnt hat. Heute aber werden diese Beträge, die alljährlich in gleicher Höhe wiederkommen, gebucht, sei es auf Unkostenkonto, sei es auf Löhnekonto: denn es ist ja ein Teil des Lohnes, und sie werden selbstverständlich mitkalkuliert und er- scheine Ii im Preise der Ware schließlich wieder, — bei schlechter Konjunktur vielleicht nicht ganz in vollem Maße, und wir leben ja jetzt in sehr ungünstiger Konjunktur für uns und hoffen, daß es bei günstiger Konjunktur wieder anders werden möge. Jedenfalls ist aber soviel sicher, daß man von einem besonderen Drücken dieser Belastung kaum reden kann, namentlich schon um deswillen, weil, wenn Sie die Summe, die für die soziale Gesetzgebung jetzt gezahlt wird, nicht als Prozent- teil des Lohnes ansehen, sondern sie mal umrechnen als Pro- zentteil Ihres Jahresumsatzes, schließlich nicht mehr als � Prozent des Jahresumsatzes herauskommt, und zur Kalkulation, zur Aufrechnung auf die bc- treffenden Fabrikate dreht es sich tatsächlich nur um 14 Prozent. Meine Herren, das ist eine so geringe Summe, daß es unbillig und Unrecht wäre, davon ein großes Geschrei zu machen und zu behaupten, daß wir nicht mehr zahlen könnten, wenn unseren Arbeitern in Zukunft erhöhte Vorteile durch weitere Versicherungseinrichtungeir zugewandt werden sollten. Meine Herren, so wie die Sache in unserer Industrie liegt, liegt sie ja bei weitem in den meisten Industrien in ganz Deutschland. Alle diejenigen Industrien, die aus- schließlich im Inland arbeiten, oder die wenigstens zum bei weitem größten Teile- im Inland arbeiten, können sich durch diese Beiträge zu der sozialen Gesetzgebung in keiner Weise belastet fühlen, denn diese Beiträge treffen genau proportional ihre ge- samte Konkurrenz; eS ist also kein einziger in irgendeiner Form bevorzugt. Zudem darf doch nicht vergessen werden, daß diejeni- gen Länder, mit denen wir im Weltmarkt in allererster Linie zu konkurrieren haben, d. h. England und Amerika, so erheblich höhere Arbeitslöhne bezahlen, daß durchaus nicht gefolgert werden kann, daß wir im Nachteil sind." So spricht ein konservativer Abgeordneterl Die ultramontanen„Volksfreunde" aber wollen den Arbeitern einreden, sie müßten wegen der sozialen„Geschenke" gern und willig den Lebensmittelivucher und die uns vom Schnapsblock bescherte Steuerbelastung ertragen. Ja, das Zentrum brachte es gar fertig, auf seinem letzten rheinischen Parteitage ein Referat gegen die Sozialpolitik erstatten zu lassen. Der Fabrikant Kerr, der auch in einer Broschüre gegen eine weitere„Belastung der Industrie" durch soziale Gesetze Stellung genommen, kramte als Referent die bekanntesten Scharsmacherargumente gegen die Arbeiterversicherung aus. Allerdings, Zentrumslcute können auch anders! Wenn es ihnen gerade in den Kram paßt, die ultramontane Fraktion aus parteipolitischen Gründen etwas Kritik für notwendig hält, dann können ihre Gefolgsleute die Dinge auch mal in ihrer Wirklichkeit zeigen. So bezeichnete die„Deutsche Holz- arbeiterzeitung", ein christliches Gewerkschaftsblatt, im Jahre 1908 die Arbeiterversicherung als ein Verlegenheitsprodukt, das wenig koste, dabei aber die Handhabe bieten sollte,„u ni jede freiheitliche Regung in der Arbeiter- schaft niederzuhalten. Zuckerbrot und Peitsche". Das Echristenblatt machte damals auch eine Be- rechnung auf über die Lasten und bemerkte dazu: „Alle» in allem, durch die von Unternehmerseite betriebenen Zahlenspielereien kann höchstens in denkfaulen Köpfen Eindruck gemacht werden. Denkende Arbeiter dagegen wögen das Für und Wider, das Wohin und Woher genau ab und kommen ganz sicher zu dem Schluß: das von einer Ueberlastung der deutschen Industrie durch die Kosten der sozialen Fürsorge nicht gesprochen werden kann." Jetzt, wo die ultramontan-konservative Wirtschaftspolitik das Volk in Not und Sorgen gestürzt, wo man verbrecherischer Weise zu einem Kriege hetzte, um des Volkes Empörung in Um den zentrllmisch-scharfmacherischen Schwindel aber noch nach der anderen Seite aufzudecken, geben wir die folgende Ausstellung über die Ergebnisse der Deutschen Aktiengescll- schaften nach den Angaben in den Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reichs. Es betrugen: Die Zahl Das dividenden« der Gesellschaften 1907/08.. 4578 1908/09.. 4579 1909/10.. 4607 Die Dividende in 1000 Marl in Prozent Gunsten der Kapitalisten zu verzichten, das kann nur pfäffische � Strömen ranchenden Blutes zu ersticken, da sollen die Wähler Demagogie und freche Rachsucht verlangen! 1 noch aus Dankbarkeit die„Peitsche" küssen- die sie züchtigt. berecktigte Kapilal in 1000 Mark 12 603 741 1 022 596 7,70 13 001 770 659 704 7,38 18 400 039 1 043 900 8,07*) Trotz der angeblich ruinösen sozialen Lasten nimmt das Aktienkapital kräftig zu, und nach einem kleinen Rückschlag aus Anlaß der Krise st eigen auch die Dividenden wieder. Für das laufende Jahr geht sie noch wieder über den letzten Satz hinaus. Ein Durchschnitt von 8 Proz. kann sicher als eine sehr respektable Verzinsung gelten. Aber die Profitmacher und ihre Dienstbeflissenen im ultra- montanen Lager bringen es fertig, die sozialen Lasten als eine Gefahr für die Rentabilität der Industrie erscheinen zu lassen. Es wird die allerhöchste Zeit, daß die Wähler der Schwindelsirma Zentrum und Scharfmacher das Handwerk gründlich legen._ Zur KelchKsgswshI. Liberales Wahlthcatcr. Mit bemerkenswertem Geräusch war im Wahlkreise Solingen der„liberale" Gewerksck/aftssekretär Anton Erkelenz als Reichstagskandidat der Fortschrittlichen Volks- parte! eingeführt worden. Da dieser interessante Arbeiterführer hinter den Kulissen schon einiges geleistet hatte— man erinnere sich seiner Vorschläge an die Hirsch-Dunckerschen. durch radikales Gebaren in allgemeinen Metallarbeiterversammlungen den Metallarbeiterverband in aussichtslose Streikt zu hetzen!—, so hielten die Solinger Fortschrittlcr ihn für den Kandidaten, den s i e gebrauchen konnten. Ihre Spekulation erwies sich indessen als total verfehlt. Herr Erkelenz wurde selbstverständlich von allen in Betracht kommenden Gc- Werkschaftsorganisationen in der nachdrücklichsten Weise ab- geschüttelt. Dann aber erwies sich der Herr Fortschrittler vor den Kulissen als ein so ungeschickter Künstler, daß die national- liberalen Fabrikanten ihren fortschrittlichen Kompromißfreunden rund heraus erklärten:„Mit diesem Kandidaten wollen wir uns nicht kompromittieren." Um nur eines zu erwähnen: In einer Versammlung wurde der Hirsch-Dunckersche Gewerkschaftssekretär von einem angetrunkenen Versammlungsbesucher durch Zwischen- rufe wiederholt unterbrochen. Das brachte ihn dermaßen außer Fassung, daß er vollkommen vergaß, was für eine Rolle er zu spielen habe als„Arbeiterfreund". Er stürmte vom Podium in den Saal, griff den armen Teufel, der auf die freundliche Ein- ladung zum Besuch der freisinnigen Versammlung hineingefallen war, beim Schlafittchen, schleifte ihn aus dem Saal und warf ihn vor die Tür. Anton Erkelenz, der vom Publikum ausgepfiffen war, wurde nun schleunigst von den Kompromißliberalen zurückgepfiffen und als„liberaler" Reich stagstandidat nach Gießen versetzt. Die Solinger Kompromißliberalcn haben sich nun eine neue Kraft engagiert, den Kölner Rechtsanwalt B i e s a n tz, von dem sie besseres erwarten, denn der soll, wie uns berichtet wird, schon zirka 10 Jahre lang wirklich als Schauspieler tätig gewesen sein. Wenn die Arbeiter im Solinger Kreise, angewidert von dem Komödienspiel der Kompromißliberalcn, den Vorstellungen des Herrn Biesantz fernbleiben, dann wird Herr Biesantz vor leeren Bänken seine Monologe sprechen müssen. Und wenn am Abend des 12. Januar der Vorhang gefallen sein wird, dann wird er sich sagen müssen, daß nach dem Spiel auf dem liberalen Wahltheater dem Mimen ebensowenig Kränze geflochten werden, wie nach dem Spiel auf den Brettern, die die Welt bedeuten sollen. Für den Liberalismus aller Spielarten ist die Solinger Wahl- komödie überaus charakteristisch. ' Zum Schaden noch den Spott! In einer Wahlversammlung zu Neuenfelde leistete sich Dr. Diederich Hahn. der Direktor des Bundes der Landwirte, nachdem er sich von seinem Kollegen Dr. Varcnhorst hatte über den grünen Klee loben lassen(Bericht der„Deutschen Tageszeitung" Nr. 020 vom 7. Dezember) folgende Verhöhnung der deutschen Arbeiter: .....Ebenso darf derjenige, der seine Zigarre raucht, der seinen Schnaps trinkt, ein wenig für das Reich mitraucken und ein wenig für das Reich mittrinken.(Große Heiterkeit und lebhafte Zustimmung.) Das dürfen auch unsere Arbeiter tun. Sie sollten einmal bedenken, was w i r heute an sozialen Lasten für sie aufbringen. In vier Jahren legen wir das für. sie auf die hohe Kante, was uns die Franzosen nach dem großen Kriege an Kriegskostenentschädigung zahlen mußten, nämlich 5 Milliarden Mark." � WaS aber legen die durch Zölle, Grenzsperre und Teuerung auSgewucherten Arbeiter den regierenden Junkern auf die Kante?! Werden die Unternchmerbeiträge zur Arbeiterversichcrung nicht •) Die scheinbaren Unrichtigkeiten der Prozentberechnunz er- klaren sich daraus, daß die jeweilige letzte Kapitalserhöhung nur für einen Jahrcsbruchteil an der Dividende partizipiert. aus der Kasse gezahlt, die die Arbeit füllt? 2&er bezahlt die ganze Herrlichkeit der Agrarier und das Jubelleben ihrer Söhne, wenn nicht die Mvssen des erwerbstätigen Volkes in Stadt und Land? lind dafür noch der freche Hohn! Jene Sätze des wackeren Tiederich sollten im ganzen Reiche angeschlagen werden! ZcntrumSwohlschwinbcl. In einem s�'r i5'6 Wahlagitation herausgegebenen Buch des Zentrumsredakteur»£ � f£0CU6 in Düren, das den Titet führt-„Der NeichstagÄr'°hlkampf 1311/12', wird auf«eite 170 eine Tabelle über die Höhe d." Waisenrenten auf Grund der Reichs- versichcrungsordnunA abgedru. � � helfet dort:«Nachfolgende Tabelle ist wohl geeignet, die Hctze gegen die Hinterbliebenen- Versicherung in daS recht- Licht zu /tellen." Räch der Tabelle sollen. ohne dafe Beiträge nach dem 1. Januar tQl? bezahlt sind, folgende Renten zur Auszahlung kommen: ein» Waise Lohnklasse I... M. II... 36.—. . III... 37.20, IV... 39.—„ V... 40,20« Kraufe schreibt dazu:„Gewiß ist diese zlvei Waisen 60,50«. 62.40„ 64,20. 66,- r 67.80„ Rente nicht üd-rmäfeig hoch." Das wird auch kein Mensch behaupten, aber trotzdem ist schon etwas Hinzuge— fügt; denn nach Artikel 69 deS Einführtings- gesetzcs sind in dem Fall, dafe nach dem f. Januar 1912 keine Beiträge entrichtet sind, die Renten in allen Klassen gleich. Ss wird für jede Waise 25 M. Reichszuschufe und für eine Waise '/so; für jede weitere Weise je'/u- des Grundbetrages der Lohn- klaffe I gegeben. Dieser Grundbetrag ist 60 M., folglich erhält eine Waise'/so. von 60 M.— 9 M.. dazu 25 M. Reichszuschufe. also insgesamt 34,00 M.. und jede weitere Waise 26,50 M.. also zwei Waisen 60,50 M.. oder, da die MonatSrente auf 5 Pf. abgerundet ivird, erhält eine Waise 34,20 M. und zwei Waisen erhalten 60,50 M. in allen Lohnklassen. All-S, was der Zentrumsmann den Versicherten der höheren Lohnklasse,, mehr in Aussicht stellt, wird nicht ausbezahlt._ ßeaKtioiräre(Herausforderung. Die drei konservativen Gruppen, in die im Reichstag die äußerste Reaktion sich gliedert, haben haute ihre Wahlauf- rufe erlassen. Der Aufruf der Konservativen ist ziemlich kurz. Die Herren sprechen nicht gerne mit dem verachteten Volke und nur mit Grimm fügen sie sich der Not, vor den verhaßten Wahlen über ihre Politik etwas zu sagen. Wie schön wäre es, wenn ihr heißester Wunsch schon erfüllt und das Reichs tagswahlrecht beseitigt wäre. Wieviel besser ist es doch für konservative Politiker unter dem geliebten Dreiklassenwahlrecht Preußens, wo Landrat und Gutsherr ini trauten Verein den Abgeordneten ernennen töirnen und der Wähler nichts zu sagen hat. Da man die konservative Feindschaft gegen das gleiche Wahlrecht kennt, muß immerhin ausdrüchlich hervorgehoben werden, daß der Wahlaufruf mit keinem Worte erklärt, daß die Ilonservativen am Reichstagswahlrecht festhalten wollen. Nicht daß wir irgendwelchen Wert auf solche Verstche- ' Viiitg gelegt hatten, aber ihr Fehlen ist doch b e z ö i ch- nend...« . Der konservative Aufruf beginnt mit einem schwachen Rechtfertigungsversuch des niederträchtigen Volksvcrrats, den die Konservativen bei der F i n a n z r e f o r m begangen haben. Drei Motive haben die Konservativen geleitet, als sie den Bülowblock sprengten und mit dem Zentrum die Finanzreform machten. Sie wollten erstens B ü low stürzen und damit eine Wahlreform in Preußen weiter hinauszögern. Sie wollten zweitens und vor allem sich ihre Schnapsrente erhalten, die Millionen der Liebesgabe für Svige Zeiten sichern, zur selben Zeit, wo sie den Armen all die spärlichen Genußmittel, ja selbst die Streichhölzer maßlos ver- teuerten! Wäre die Liebesgabe abgeschafft worden, so wäre nicht nur die Streichholz st euer völlig über- s t ü s s i g gewesen, es wäre auch ohne weiteres möglich ge- Wesen, die Zuckersteuer zu ermäßigen und die Grenze bei der Altersversicherung der Arbeiter von 70 auf 65 Jahre herabzusetzen. Aber die Schnapsgrafen be- standen auf ihren 46 Millionen, die unser Schnaps- boykott allerdings immer mehr vermindern wird, und deshalb müssen aus den Taschen der Aermsten jährlich durch die Streichholzsteuer 25 Millionen Mark herausgeholt, töunen die 5 Millionen Mark, die die Herabsetzung der Altersgrenze gekostet hätte, nicht aufgebracht werden, muß dor Zucker weiter unerschwinglich teuer bleiben. Das dritte Motiv der Konservativen war, die ErbschaftS- steuer zu vereiteln, weil diese Leute gewohnt sind, aus den Steuergeldern des Staates ssrotze Summen in die eigene Tasche zu leiten, aber wütend werden, wenn sie selbst für den Staat auch nur das geringste leisten sollen. Deswegen haben die Konservativen die Finanzreform gemacht. Und wenn sie das in ihrem Aufruf eine„ent- schlossene Tat" nennen, so wollen wir gerne glauben, daß die Konservativen zu solchen Schandtaten sich wieder ent- schließen würden, wenn ihnen das Volk am 12. Januar noch die Macht dazu läßt. Nur das eine ist richtig an dem konser- vativen Aufruf, daß„manche der bewilligten Steuer ii nicht einwandfrei" sind. Selbstverständlich ist, daß die Konservativen versichern, daß sie an der Schutzzollpolitik festhalten. Ueker die Teuerung verlieren sie kein Wort. Sie können ja auch den Wählern nicht gut sagen, daß sie durch künstliche Fabri- katioil von Teuerung die GewinnederGroßgrund- besitzer ungeheuer erhöht haben und in Zukunft durch ihren lückenlosen Zolltarif noch weiter erhöhen wollen. Zum Schluß des Aufrufs kommt dann die„nationale Wahlparole" der„wahren Patrioten". Die nationalen Jnter- essen sollen dem Auslande gegenüber tatkräftig vertreten und der koloniale Besitz weiter ausgebaut werden. Daher müsse die Wehrkraft zu Wasser und zu Lande stark und mächtig erhalten werden. Die Konservativen seien bereit, dafür die Notwendigen Opfer zu bringen. Das heißt aus dem konservativen in ehrliches Deutsch übersetzt: sie sind bereit, den Volkomasscn hunderte Millionen neuer indirekter Steuern aufzupacken. Daniit das aber ungestört vor sich gehen kann, muß natürlich die Sozialdemokratie niedergerungen werde«. Die Partei der Liebesgaben und des Steuerraubzugs fordert daher den entschlossenen Kampf gegen die Partei der Arbeit. Nene Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie. Vernichtung des KoaliiionSrechts durch ein Arbeitswilligenschutzgesetz, doS ist der heißeste Wunsch der Konservativen. So enthüllt der konservative Wahlaufruf die Volks- keind schuft dieser gefährlichsten, entschlossensten, vor keiner Gewalttat zurückscheuemden Gegner der Arbeiterklasse in vollkommener Weise. Die Konservativen sind wenigstens ausrichtig. Sie reden rndjis von neuen Rechten; sie wollen ihre Herrschaft und nichts als ihre Herrschaft. Daß die Groß- Grundbesitzer, daß die 3666 adligen Familien, die heute in Preußen und damit im Reiche herrschen, konservativ wählen werde», das ist verständlich. Aber ein feiger erbarm- l i ch e r Knecht ist, wer diesen Feinden und Verächtern des Volkes am 12. Januar seine Stimme gibt. * Die Reichspartei. Die Partei der Scharfmacher, die sich in Preußen Frei konservative, im Reiche Reichsparteiler nennen, das Grüppchen, das sich um die berüchtigten Herren von Zedlitz, Arendt, Gcrnip, von Liebert und Konsorten schart, setzt an die Spiltze seines Wahlaufrufes natürlich das„Eintreten für ein nach außen starkes Reich". Die Panzerplattenpatrioten wollen eben Geld in ihren Beutel tunk Um die Politik der Kriegshändel, bei denen ihr Weizen blüht, ngch Möglichkeit zu verschärfen, fordern sie dann nicht nur„Erschließung des Kolonialbesitze s", som dern auch„Schaffung von Siedlungsgebieten". Da es der� artiges in unseren jetzigen Kolonien nicht gibt, soll also Deutschland nach neuem Kolonialerwerb ausspähen, nach neuen internationalen Konflikten. Natürlich sind die Herren auch für den„Schutz der nationalen Arbeit", worunter sie die Hochschutzzölle für In- dustrie und Agrariertum verstehen, also Ausplünderung der Masse»! Und damit die Massen sich gegen solchen Schutz der nationalen Arbeit, will sagen des Geldsacks der Schlotbarone und Krautjunker, nicht zur Wehr setzen können,„begrüßen" die Herren Reichsparteiler es in ihrem Wahlaufruf, daß aus der ArbeitertMse heraus(!) auf nationaler(lies: gelber) oder christlicher Grundlage eine Gegen bewegung gegen die Sozialdemokratie(das heißt die freien Gewerkschaften) entstanden ist. die nach Kräften unterstützt werden soll. Dies den Gelben nicht nur. sondern aych den Christ. l i ch e n gespendete Lob ist schmerzlich, aber freilich wohl ver- dient. Dann kommt eine Philippika gegen die«sozialdemo- kratische Unterwühlung": „Soztald«moiratischer Terrorismus greift in das freie Selbstbestimmungsrecht der Arbeitgeber und Arbeiter ein. Es ist Pflicht des Reiches, hiergegen mit allem Nachdruck Schutzwehren zu errichten. Wir sind bereit, hierbei mitzuarbeiten." Also Ausnahme- und Knebelgesetze gegen das kämpfende Proletariat! Das Volk der Arbeit sieht, was diesmal auf dem Spie steht, wenn der Scharfmacherklüngel am 12. Januar nich zu Paaren getrieben wirdl Die Deutsche Reformpartei, diese antisemitisch aufgefärbte konservative Sektion, erschein gleichfalls mit ihrem Wunschzettel. Ihr Aufruf preist das „große Werk der Finanzreform" des Schnapsblocks, donnert gegen den Hansabund und legt sich für das„nationale Schutz Zollsystem" ins Zeug. Insofern deckt sich ihr Wahlprogramm ganz mit dem der Agrarier und freikonservativen Sckiarfmacher. Aber auch darin, daß der Vorstand der Deutschen Reform Partei gelobt,„fortzuarbeiteu an der Verstärkung unserer nationalen Rüstung". Also ein unumwundenes Bekenntnis zur indirekten Sdeuerausplünderung und Volksauswucherung und zum ufer losesten Wettrüsten! Fehlt nur noch die Aufreizung zu Knebelgesetzen wider den Umsturz. Aber das würden die Herren Reformparleiler gegebenenfalls auch machen, ohne daß es im Wahlaufruf steht „Jetzt gilt es!" setzt diese reaktionäre Spielart als Devise vor ihre» Wablausruf. In der Tat, jetzt gilt eS, der ganzen reaktionären volksfeindlichen Sippschaft die Quittung für begangene und geplante Missetaten auszustellen! ver Krieg. Nach den heute vorliegenden offiziösen Telegrammen aus Tripolis hat die Division Pecori Gerardi. die sich jetzt in Ainzara festgesetzt hat, die Fühlung mit dem Feinde verloren. Aus den wortreichen Meldungen läßt sich nur herauslesen, daß die Italiener einige verlassene Beduinenlager beschossen haben. Es ist anzunehmen, daß die türkische Leitung in den Bergen des Dschebel Tarhona und Dschebel ei Gelaa die tür kischen Truppen und die arabischen Irregulären sammeln wird, um dem Vordringen der Italiener entgegen zu treten. In- wieweit die Türken noch auf die Unterstützung der Araber rechnen können, läßt sich jetzt freilich nicht sagen, da hierüber noch keine zuverlässigen Nachrichten vorliegen. Jedenfalls werden aber die Italiener mit einer sehr starken Truppenmacht durch die Sanddünen, die die Oase von Tripolis von dem Gebirge trennen, in das Bergland ziehen und sich jeden Gebirgspaß erst erkämpfen müssen. Die Beschwerden und Verluste des Expeditionskorps werden erst jetzt recht groß werden. Vorläufig können die Italiener nicht an einen energischen Vorstoß in das Innere denken, da sie die nötigen Transporttiere noch nicht beisammen haben. Auch sind sie tn der Cyrenaika nicht über den engen Kreis der von ihnen be- setzten Küstenstädte herausgekommen. Ucber die Dardanellenfrage herrscht noch immer Unklarheit. Rußland hat seine Forderung aus freie Durchfahrt seiner Schwarzen Meerflotte ostenbar nicht in eine offizielle diplomatische Form gekleidet, es sucht aber unter der Hand die Erfüllung seines Wunsches zu erreichen. Der Besuch des russischen Ministers deS Aeußern Ssaranow in Paris wird mit der Dardanellenfrage in Zusammenhang gebracht. Vom mcizedonischea Baudenkrieg. Saloniki, 7. Dezember.(Meldung des Wiener k. k. Korrespondenz- Bureau».) Sech» mohammedanische Landleute find auf der Straße drei Stunden von Saloniki entfernt von Bulgaren überfallen und niedergemacht worden. Obgleich die bulgarische Bevölkerung Mazedoniens die letzten Attentate des Revolutionskomitees aufs schärfste verurteilt, haben die Behörden auch für Saloniki die strengsten Mafenahmen ergriffen, um Repressalien zu verhindern. Alle Polizeistationen sind durch Gendarmerie und Militär verstärkt worden, alle wichtigen Anstalten und Gewerke werde» bewacht, das Passagiergepäck wird auf den Eisenbahnen polizeilich untersucht. allenthalben werden Reservisten daS zweiten Jahrganges zur Be« wachung der Bahnlinien herangezogen. Die Revolution In China. Verhandlungen. Schanghai, 6, Dezember.(Meldung des Reuterichen Bureaus.) Es sind alle Vorbereitungen getroffen für die Zusammenkunft, welche hier zwischen den Vertretern Juanschikais und den republikanischen Delegierten stattfinden soll, um über die Friedensbedingungen zu verhandeln. Peking, 6. Dezember.(Meldung des Reuterichen Bureaus.) Da die Führer der Kaiserlichen und der Aufständischen in H a n k a u bisher nickt imstande waren, zu einer endgültigen Entscheidung zu kommen, ist der Waffen st ill st and auf weitere drei Tage verlängert worden. Die Kaiserinwitwe hat ein Edikt erlassen, in dem sie erklärt, dafe der Regent infolge der Unzufrieden- heit und Unruhen im Lande auf die Regentschaft Verzicht geleistet hat. Das Edikt gibt ferner der Bereitwilligkeit des Thrones Aus- druck, dem Wunsche nach einer repräsentativen Regierung nach- zukommen. Die Revolutionäre und die Anleihen. New Aork, 7. Dezember. Der gegenwärtige Sekretär für auswärtige Angelegenheiten der revolutionären Regierung in Schanghai, Wutingfang, ehemaliger chinesischer Gesandter in Washington, teilte, wie der„New Jork Herald' berichtet, dem französischen Konsul und dem Vertreter der Bereinigten Staaten mit, dafe die gegenwärtige revolutionäre Regierung keinerlei Anleihen anerkennen würde. die in letzter Zeit von der Mandschuregierung mit aus- wärtigen Mächten abgeschlossen oder über die augenblicklich verhandelt wird, sofern das Geld zum Kampfe gegen die Re- volutionäre Verwendung findet. Er teilte ferner dem deutschen Konsul mit. dafe die revolutionäre Regierung absolut nichts von einem Boykott deutscher Waren wisse, er machte ihn jedoch auf die Gefahr aufmerksam, die darin bestehe, wenn Deutsch- land fortfahre, Munition und Waffen an die Mandschus zu ver- kaufen. In politiscde(leberllckt. Berlin, den 7. Dezember 1911. Der Zwist im klerikalen Zentrnmslager. der letzten Mittwochsnummer des„Vorwärts" ver- öffentlichten wir einen den„Südd. Monatsheften" auf den Redattionstisch geflogenen Brief des Generalsekretariats des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften an den Ver- leger der„Köln. Volksztg.". Herrn F. X. Bachem. Die Echtheit dieses Briefes ist, da der Verfasser sich nicht nur höchst despektierlich über den Bischof Korum von Trier äufecrt, sondern auch seine eigene Richtung zynisch als die der„schlaueren opportunistischen Kreise" im katholischen Läger bc- zeichnet, mehrfach als gefälscht betrachtet werden; doch kann über die Echtheit des veröffentlichten Briefes jetzt nicht mehr gestritten werden, da sich in der gestrigen Nummer der.Kölnischen Volksztg.", Herr A. Stegcrwald, der Generalsekretär der christlichen Gewerkschaften Deutschlands, selbst als Verfasser des schönen Briefes meldet und die Richtigkeit des Textes zugibt. Er erklärt in seiner Zuschrift an das Kölner Zentrumsblatt: Die.Frantfurter Zeilung', die»Kölnische Zeitung' usw. ent- nehmen dem Dezemberheft der»Süddeutschen Monatshefte' einen Brief, den ich vor drei Jahren(17. Oktober 1908) an Herrn Ver- leger F. X. Bachem schrieb. Mit der Veröffentlichung des Briefes sollen offensichtlich in der Hauptsache wahlpolitische Zwecke verfolgt werden. Der Brief, von dem ich je eine Kopie an einige absolut zuverlässige Per'onen geschickt hatte, ist, wie unzweifelhaft feststeht, nicht durch dieie der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Auf welchen dunklen Wegen er in die Redallion der»Süd- deutschen Monatshefte' gelangte, entzieht sich natürlich meiner Kenntnis. Aus keinen Fall konnte ich bei Absendung deS Briefes vermuten, dafe derselbe jemals in die Oeffentlichkeit gelangen werde. In dem Briefe wird das Ergebnis einer Konferenz mitgeteilt. die von Herrn F. X. Bachem vorbereitet war und zwischen Herrn Bischof Korum sowie den Herren Pfarrern Stein und Trcitz einer- seils und dem Herrn Abgeordnete» GieSbertS und mir anderseits in Trier stattfand. In der damaligen Situation war, infolge der kurz vorher stattgefundenen Züricher Konferenz und' auf Grund einer«eufeerung des Herrn Abgeordneten GieSbertS in einer Hagener Versammlung, wonach einzelne katholische Geistliche deS SaarrevierS im Beichiftuhl gegen die christlichen G-w-rlschafien gearbeitet hätten, der Streit zwischen christlichen Gewerkschaften und kaiholifchen Fachabteilungen an der Saar aus dem Höhe- Punkt setner Schärfe angelangt. Aus dieser Situation heraus ist der Inhalt des Briefes und das Er- gebnis der betrefsendenKonserenz zu beurteilen. Inzwischen ist der Gewerkschaftsstreit an der Saar erfreulicher- weise in ein viel ruhigeres Stadium getreten. Dafe man bei streng vertrauliche n Schreiben Form und Ausdruck nicht in dem Mafee abwägt, wie bei den für die Oeffentlichkeit bestinunten Aeufeerungen, dafe man nicht jedes Wort auf die Goldwage legt. braucht kaum besonders betont zu werden. Ebenso galt es bisher als eine Verletzung der elementarsten Pflicht des journalistischen AnsiandeS, vertrauliche Aeufeerungen in den politischen Kampf zu zerren. Eine solche Kampfmethode, allseitig angewandt oder gar alS einwandfrei hingestellt, müfete eine völlige V-rgiflung und Verwilderung des politischen und öffenilichen Lebens bewirken. Einzelne Wendungen in dem Schreiben sind nicht näher anS- geführt und daher vielleicht mifeverständlich; insbesondere was da von dem Gegensatz zwischen der„schlaueren opportu- nistischen' und der»doktrinären weltfremden Richtung' im deutschen Katholizismus gesagt ist. In den in Betracht kommenden Fragen sind nach meiner Ueberzeugung nicht nur taktische Verschiedenheiten, sondern auch tiefgehende prinzipielle Gegensätze vorhanden. In der Hauptsache finden sich in dem Brief lediglich die Streitpunkte innerhalb deS katholischen Lagers Deutschlands heraus- gearbeitet, die ohnedem allgemein bekannt find. Mehrere der in Frage stehenden Differenzpunkte werden heule in weiten katholischen Kreisen anders beurteilt, als es damals(vor drei Jahren) noch der Fall war. Damals herrschte über den Charakter der deutschen ZentrumSpartei noch viel größere Unllarheit. wie auch der Be- griff.Modernismus" noch ungellärt war und vielfach noch in anderem Sinne als heute gebraucht wurde. Köln, den 6. Dezember 1911. g Stegerwald. Der veröffentlichte Brief ist also richtig. Daß er aus der damaligen Situation heraus beurteilt werden muß und Herr Stegerwald sich offener ausgedrückt hat, als er getan haben würde, wenn er die spätere Veröffentlichung seines Schreibeu-o geahnt hätte— ist zweifellos richtig; aber gerade. weil Herr Stegerwald frisch von der Leber seine Meinung herunterredet, ist der Brief so interessant, denn er zeigt, daß die Führer der christlichen Gewerkschaften(und auch Herr F. Bachem, denn sonst würde Stegerwald sich nicht ihm gegenüber in diesem Ton äußern) Herrn Korum und seine gleichgesinnten Amtsbrüder als bornierte weltfremde Doktrinäre und Fanatiker betrachten, die in ihrer Eitelkeit ganz un- belehrbar sind. Zugleich aber beweist der Brief, daß Stegerwald die Legende von der Jnterkonfessionalität der christlichen Gewerk- fchaften und ihrer Unabhängigkeit vom hohen Klerus selbst nicht glnnbt. Stach seiner Ansicht sind auch die christlichen Gewerkschaften streng katholisch— der Unterschied ist nur, daß die Berliner Richtung das offene Bekenntnis zum Katholizismus Verlangt, während die„schlauere opportunistische" Kölner Richtung bewußt die Oeffentlichkeit täuscht und betrügt. Nationallibcraler Schwindel. In der„Magdeburgischen Zeitung" fordert Professor M e t g e r an leitender Stelle eine„Reform des Religions- Unterrichts". Der konfessionell-dogniatische Unterricht, der auf dem mittelalterlichen Satze: cujus regio, ejus religio(wessen die Herrschaft, dessen Religion hat zu gelten) beruhe, müsse beseitigt werden. Toleranz auf religiösem Gebiete müsse zum herrschenden Prinzip gemacht werden. ES ist ja begreiflich, daß die Herren Nationalliberalen sich während der Reichstagswahlkampagne gerne für die Vertreter des geistigen Fortschritts und der religiösen Toleranz aufzuspielen suchen. Leider läßt sich dadurch die Tatsache nicht himvegschwindeln, daß gerade die Herren Nationalliberalen seinerzeit den Ausschlag für die Konfessionalisiernng des Schulwesens, für die Unterdrückung der Simultauschulen gegeben haben. Wir erinnern nur daran. daß der am 13. Mai 1904 vom Abgeordnetenhause an- genommene konservativ-freikonservativ-n ationalliberale Kompromißantrag folgende Grundsätze der Regierung zur Pflicht machte: a) in der Regel sollen die Schüler einer Schule derselben Konfession angehören und von Leheern ihrer Kon- f e s s i o n unterrichte! werden; b) Ausnahmen sind nur aus besonderen Gründen, insbesondere aus nationalen Rücksichten... zulässig; c) erreiän die Zahl der schulvsticknige» Kinder einer lonfessionellen Minderheit eine angemessene Höbe, so hat diese Minderheit den Anspruch auf Einrichtung einer Schule ihrer Konfession. Die Frucht dieses Komproniißantrages war dann das Gesetz betr. die Unterhaltung der öffentlichen Volksschule vom st8. Juli 1906. Dies Schulgesetz war ein voller Sieg der Reaktion. Es legte die konfessionelle Volksschule als� Regel fest, während es die Simultanschule nur als Ausnahme zuließ. Gerade die Nntionallibernle» sind es also gewesen, die durch ihr Zusammengehen mit den Konservativen und Frei- konservativen der Reaktion die Kastanien aus dem Feuer holten. Wenn jetzt nationalliberale Zeitungen behaupten, Pon uationMiberaler Seite werde die Klerikalisierung und Kon- fessionalisierung der Volkschule bekämpft, und auf aus- sti ch t s l o s e nationalliberale Anträge verweisen, die die Sünden der Herren Nationalliberalen wieder gut machen sollen, so ist das nichts als durchsichtigste und verächtlichste Wahlmnche!_ Ter Flottenrummel. Aje Herren Dottenoffiziere a. D. sind munier an der Arbeit. ihre Meinung zu der zweifellos bevorstehenden Flotkenvorlage zu sogen. Das Jnteresiante dabei ist, dah jeder dieser Herren eine andere Stellung einnimmt— ein Beweis dafür, was auf die An sichten der Herren Fachmänner zu geben ist! In der»B o ssi sch en Ztg." leitartikelt Konteradmiral z. D. Stiege über.Flotten« und Friedensstrategie". Er meint, Deutschland solle auch künfng kein Wettrüsten mit England treiben. Das Wvrtchen „auck" ist gut? liegt die Tatsache doch klar vor aller Welt, daß ieit dem Jahre' 1000 Deutschland tatsächlich in ein Wettrüsten mit England eingetreten ist. Herr Stiege will nun zwar kein Wett- rüsten, aber er verlangt, daß unsere Flotte alS Defenfivflotte jederzeit gegen einen etwaigen llebcrsall gewappnet sei. Die überlegene Wirksamkeit der aufgespeicherten Kampskräfte müsse die fehlende Masse der Seestreitmittel Deutschlands ersetzen. Der Flottenstratege des freisinnigen Organ« will also ganz offenbar auf eine vermehrte Jndiensistcllung hinaus, die uns natürlich auch einen ganzen Posten Geld mehr koste» würde. Zudem äußert sich der freisinnige Flonciimann auch nur höchst vor- sichtig über etwaige Neubauten. Er will diese Frage„nicht anfrolle»", da sie ja„vorläufig zur Kompetenz des Reichsmarine» amtS" gehörte. Man gehl wohl nicht sohl, wenn man annimmt, dah diese Vorficht wesentlich auch durch Wahlrücksichten diktiert tft. Kommt die FloUenvorlage. so werden sie auch die Herren Frei- sinnniqen bewilligen! Gegen dir Flottenvcrcinsagitation wendet sich in einem Artikel der Berliner«Deutschen Nachrickilen" der Kapitän zur See a. D. L. P e r s i u S. Er bezeichnet die Pläne des FlollenvereinS gl« ufer- los, die Ansicht, mit Panzerlreuzern den englischen Handel schädigen zu können, als a b s u r d. „Aller Voraussicht nach steht mit der bedeutsamen Umwälzung im Kriegsschiffbau, die durch den Dlotore» betrieb in nächster Zeil bedingt wird, eine Aeischmelzung des Linien- schiffs»nd LinienschiffskreuzerS bevor. Ulio gerade bei diesem Typ ist ä u ß e r st bedachtsames B o r g e h e n geboren, sonst werden Millionen fortgeworsen... deunche JJlotie steht heute unbestritten an zweiter Stelle unter den großen Seemächien.... Auf lange Jahre hinaus sichert uns unser Gesetz den zivcitcn Platz. Warum sollen wir es abermals ermeiiern'{ Glaubt man mit einer Wablparcle derart operieren zu löniien? Zu einem auSnchlSloscn Wettrüsten mit England sollle sich unser Volk nicht verleiten lasic». Die Pläne des Flottenvereiiis find uferlos. Werden in dieiem Jahre die sechs Panzerkreuzer bewilligt, so ver- langt er im nächste» zehn neue Linienichsife als Ersatz für die yeinUete Kaiser- und WitielSdachkiasse. Diese Forderung wurde bereits von einem die Jnieresscn der Panzerplatten- fabrikanten vertretende» Berliner Blatt aufgestelli." Als Dritter melde» sich der Konteradmiral z. D. Kölau V. Hofe. Seine Darlegungen wenden sich schniirstrncks gegen eine Auffassung, wie sie der Kapitän zur See a. D. Persins ver- trin. Er fordert nämlich rücksichtsloses Wettrüsten. Im.roten' Tag schreibt er: DaS Resultat aller dieser Erfahrungen kann nur fein, daß es unsere Lebensaufgabe sein muß. unsere Kanipfmittel ohne jede Rücksicht auf andere und namentlich ans England, das überall gegen uns hetzt, so z» stärken, dah sie iiiiter allen Umstünden unsere friedliche Entwickelung verbürge». Nnd sollte England fiir jedes unserer neuen Panzerschiffe zwei oder mehr aus Stapel legen, so soll ihm das nicht verargt lein, bis zur Grenze, die ihm seine BemannuiigS- s ä h i g t e i t setzt." Was bei einem solchen Tohuwabohu widerstreitender fach- männischer Ansichten herauskommen wird, ist unschwer voran«- zusagen: Wir werden sowohl die Flottenvermchnn'.g erhalten, als �ich'die vermehrte Jndicnststcllimg: Die Ausgaben werden also in doppelter Beziehung eine enorme Steigerung erfahren! Jeder wirkliche Gegner des uferlosen Wettrüstens darf keinem Liberalen, auch nicht dem„entschiedensten", seine Stimme geben, sondern einzig der Sozialdemokratie, die jede Art von Mehrausgabe für den Moloch Marinismus verwirft! Ein Dementi des Hansabundes. Der Hansabund versendet an die liberale Preffe folgende Er- klärung: Aus der sozialdemokratischen magdeburgischen„Volksstimme" übernehmen die überagrarischen Blätter eine Nachricht, wonach von angeblich geheimen Plänen des Präsiventen des Hansabundes, Geheimen Justizrats Prof. Dr. Rießer gesprochen wird, die sich im Ziisamnienhange mit dem Hansabund auf eine neue politische Gründung nach den Wahlen beziehen sollen. Diese und die damit im Zusammenbange stehenden Aus- fiihrnngen des sozialdemokratischen Blattes sind aus der Lust ge- griffen. Demgegenüber sei festgestellt, daß der Hansabund nach seinen vom Präsidium und Direktorium am 4. Oktober 1809 einstimmig gefaßten Richtlinien eine wirtschaftliche Vereinigung ist. An diesem Grundsatz etwas zu ändern, liegt nicht der geringste An- laß vor. ' Das Dementi ist wertlos. Die Magdeburger«Volks- stimme" bemerkt dazu: „Wie leichtfertig solche„Erklärungen" abgegeben werden, geht aus der Tatsache hervor, daß in unserm Bericht über die Geheimsitzung der Hansabundsleute in Magdeburg ausdrücklich hervorgehoben wurde, daß Richer de- dont habe, es handle sich um eine neue wirtschaftliche Gründung, die in Kraft treten soll, sobald der Hansabund einige Mandate habe! Warum also„richtig'fftellen, was gar nicht bc- hauptet ist." Warrrm der Reichstag nur geschloffen wurde, darüber äußert sich die„Nordd. Allgem. Ztg." an der Spitze ihrer Freitagnnmmer dahin, daß der Grund für diese? im Einvernehmen mit dem Präsidenten des Reichsiages gewählte Vorgehen einfach darin liege, daß dem Präsidium Zeit zur Beglaubigung der vielen Beschlüsse des Reickstages und zur Abwickelung der sonstigen Reicks- tagsgesckäfle gelassen werden mußte. Der Erlaß einer kaiserlichen Verordnung über die Auflösung des Reichstages und den Zeitpunkt der Neuwahlen steht uilmittelbar bevor. Hcimarbeitselend im sächfische« Landtage. Am Mittwoch wurde im sächsischen Landtage über die sozial- demokratische Interpellation verhandelt, die die Regie- rung befragt, weshalb sie die von den Gewerkschaften geplante Heimarbeitsabteilung auf der Internationalen H y g i e n e a u S st e l l u n g vereitelt habe. Unsere Genossen im sächsischen Landtage beschränkten sich indes nicht auf diesen Punkt, sondern entrollten zugleich ein Bild vom Elend der Heimarbeiter in Sachsen. Sie veranstalteten zu diesem Zwecke auf dem bedeutend erloeiterten Tische des Hauses eine HeimarbeitSaus st ellung im Kleinen. Da lagen dicht nebeneinander Erzeugnisse der Spielwarenindustrie, von Näh- und Knüpfarbeiten. Weberei, künst« lichcn Blumen und Posamenten. An jedem Stück war ein Zettel befestigt, auf dem angegeben war, wieviel eine ganze Familie die Wocke über an dieser Arbeit verdiente. Auf diese Weise wurden Hungerlöhne von 9 und 19 M. für die Woche bei 1b- bis Illslündiger Arbeit von Man». Frau und Kindern festgestellt. Die Unzulänglichkeit der Behausungen war durch mehrere Photographien veranschaulicht. Dieser AnichauungsuMerricht über die Heimarbeit erreg!? das Interesse der Abgeordneten aller Parteien. Freilich war man auch fleißig bemüht, die Angaben über die Hungerlöhne an- zuzweiseln. Wegleugnen konnte man sie freilich nickt. Die Interpellation wurde vom Genossen Riem begründet, der die Verhandlungen über die HeimarbeilSauSstellung schilderte und dabei die einseitige Haltung der sächsischen Regierung scharf kritisierte. Der Min» st er des Innern Graf Vitzthum v. Eckstädt führte aus, die Regierung hätte die Heimarbeits- auSstellung keineswegs vereiteln wollen, doch habe sie verhüten müssen, daß unter dem Deckmantel der Objektivität in dieser Aus- stellung politische Agitation getrieben werde. Die Gewerkschaften hätten nur einseitig die Schattenseiten der Heimarbeit darstellen wollen, während die Regierung auch Berücksichtigung der Lichtseiten gefordert und zu diesem Zwecke die Einsetzung einer Aufnahmc-Jury vorgeschlagen habe. Diese hätte aber die Generaikommission der Gewerkschaften abgelehnt. Schließlich verstieg sich der Minister bei der Schilderung der sogenannten Lichtseiten der Heimarbeit dazu, von„Heimarbeitspoefle" zu reden. Wie es damit in Wirklichkeit aussieht, schilderte Genosse Held auf Grund eines umfassenden Maierials. Er entwarf ein düsteres, aber wahres Bild von den Zuständen in der HanSindustrie und belegie seine Angaben mit Beispielen und statistischen Angaben. Vergeblich mühten sich, eine große Anzahl bürgerlicher Redner ab, den Eindruck dieser Elendsschilderung abzuschwächen und die Angaben anzuzweifeln. Genosse Riem wies die einzelnen Angriffe noch wirkungsvoll zurück, worauf der lebhafte», oft stürmisch verlaufenen Debatte ein Schlußantrag ein Ende bereitete. Amtliche Wissenschaft. In dem Jniiihest von Hirths„Annalen für das Deutsche Reich" veröffentlichte Professor Wittschewsly einen Aussatz Iiber!„Die steuerliche Belastung im deutschen Volk", der mit sogenannter vorausseyungS- 'loser Wissenschafilickkeit den Beweis führte, daß die Steuerlasten des Reiche«(ohne Jndustriezölle und Frachturkundenstcmpel) von den uiibemittelten Volksschichten nur zu einem Drittel, zu zwei Dritteln aber von den bemittelten Volksschichten getragen würden. Nun stellt das„Berliner Tageblatt" eine genaue Ueberein- stimmung dieser„wisienichastlichen Untersuchung" mit einer der Budgettommission des Reichstages schon am 27. März. d. I. vor- gelegten Regierungsdruckiache fest, die sich„Berechnung über oie Steuerverteilung in Deutschland" nannte. Es gibt wohl nur zwei Möglichkeiten: entweder ist die„wisien- schaftliche Arbett" von der destellten, zu bestimmten politischen Zwecken verfaßten amtlichen„Berechnung" abgeschrieben, oder— Herr Wilischwesky hat auch die amtliche Berechnung gemocht, natür- lich im Austrage der Reichsregierung und gibt ihrem Inhalt dann noch da» unverdächtige Gewand einer wissenschastlichen. objektiven Untersuchung I Die Wissenschaft freilich hat längst festgestellt, daß nicht nur die indirekten, sondern durch lleberwälzimg auch die direkten Sreuern und Zölle zum größten Teil von den Besttzlosen aufgebracht werden müssen. Die perNlcke KHrc. Teheran, 6. Dezember. Aus Schiras, Jspahan, Kerman, Fars, Arabiftan, Luristan und Kurdistan sind Depeschen ein- getroffen, die beweisen, daß das Volk nachdrücklich einen Wider st and gegen das russische Vorgehen fordert. Ein Telegramm aus Täbris an den Medschlis sagt: Wenn Teheran nicht kämpfen will, wollen wir kämpfen. Ein Telögramm aus Lspahan meldet, daß der russische Konsul den Polizeichef aufgefordert habe, vor ihm zu erscheinen. Als der Polizeiches nicht Folge leistete, habe der 5ionsul ihn noch zweimal aufgefordert und ihm schließlich befohlen, in voller Uniform zu erscheinen, sonst würde er Gewalt gebrauchen. Eine neu ge�ildekeParker hat dem Kadtnetk oft- gezeigt, daß sie den Russen selbständig Widerstand leisten werde, wenn die Regierung nicht binnen vierundzwanzig Stunden auf diplomatischem Wege ein Aufhören des russischen Vormarsches, der russischen Landungen und der Einmischungen Rußlands in die inneren Angelegenheiten Persiens erreiche. S a r d a r A s s a d ist hier angekommen und hat den Bach- tiaren befohlen, Leben und Eigentum der Europäer unter allen Umständen zu achten._ Oertcrmcb. Eine Lektion für den Thronfolger. Wien, 7. Dezember.(Privattelegramm.) Aus der von uns schon kurz gemeldeten Interpellation unserer Genossen wegen der durch den T h r o n f o l g e r geförderten Kriegs- treibereien seien noch folgende Stellen wiedergegeben: „Zum erstenmal wurde offiziös zugestanden, daß in Oester- reich eine kleine, aber mächtige Partei besteht, die zu einer Politik rät, die geeignet wäre Spannungen, die leider zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn bestehen, z u verschärfen, den Dreibund zu sprengen und da- durch die Gefahr eines Krieges zwischen Oesterreich- Ungarn und Italien herbeizuführen. Die demonstrative Art, in der Erzherzog Franz Ferdinand sein Bedauern über die Entlassung Conrad v. Hötzendorfs der Oeffentlichkeit mit- geteilt hat, die Erklärung, daß er sich als Soldat der Entschei- dung des Kaisers füge, aber nur schweren Herzens füge, hat öffentlich bestätigt, was schon lange vermutet wurde: daß an der Spitze der Kricgspartei der Thronfolger selbst steht. DaS Ein- greifen des Thronfolgers in die österreichische Politik war schon lange bekannt. Es ist nicht unser Amt, die Rechte des Kaisers von Oesterreich gegen feine Eingriffe und gegen die Leute, welche den Thronwechsel nicht erwarten können, zu verteidigen, aber mit allem Nachdruck müssen wir feststellen, daß die Völker Oesterreichs an einem Kaiser reich- lich genug haben; von zwei Kaisern gleichzeitig bc- herrscht zu werden, hat man kein Bedürfnis. Leider ist die große Gefahr, die von der Thronfolgerpartei ausgeht, damit noch nickst beseitigt. Mutz durch die Demon- stration dcS Thronfolgers nicht in ganz Europa Beun- ruhigung erzeugt werden? Wir betrachten die Demon- stration des Thronfolgers als eine schwere Schädigung aller Na- tionen des Reiches. Unter diesen Umständen mutz die Frage aufgeworfen werden, ob die österreichische Regierung den Willen und die Kraft besitzt, allen Neigungen zu einer aggressiven Politik entgegenzutreten." Auf die Interpellation antwortete heute der Minister- Präsident S t ü r g k h mit ein paar patriotischen Verlegen- heitsphrasen, die nur höhnisches Gelächter hervorriefen. » Gegen Schluß der Sitzung protestierte Wg. Dr. Adler namens des Klubs der deutschen Sozialdemokratie aufS entschiedenste gegen die heutige Erklärung des Ministerpräsidenten, die eine diesem nicht zustehende Zensur des Inhaltes der sozial- demokratischen Interpellation darstelle, und sagte: Wenn der Ministerpräsident erklärt, es weiche von dem parlamentarischen Brauche ab. Mitglieder des Herrscherhauses in die Debatte zu ziehen, so antworten wir ihm, daß es von der Verfassung abweicht, wenn Personen, die eine Verantwortung nicht tragen, sich in die wichtigsten Staatsgeschäfte mengen. Redner verlangte dann Aufschlutz über die auswärtige Lage. franhrdeb. Die Marokkoverhandlungen. Paris, 7. Dezember. Wie aus Madrid gemeldet wird, herrscht dort bezüglich der französisch-spanifchen Verhandlungen eine optimistische Auf- f a s s u n g. Die Verhandlungen würden einen raschen Fort- gang nehmen. C a n a l e j a s habe erklärt, daß er die Cortes am 10. Januar einberufen wolle und daß er hoffe, der Kammer in einer ihrer ersten Sitzungen das französisch-spani- sche Abkommen vorlegen zu können. Ein Renegat des Sozialismus gestorben. Paris, 7. Dezember. Der Deputierte G6rault- Richard. Direktor des„Paris Journal", ist gestorben. Spanien. Ein KricgSgerichtsprozeß. Madrid, 7. Dezember. Heute früh begann vor dem Kriegs» gericht in Sueca bei Valencia ein Prozeß gegen 22 Personen, die angeklagt sind, am 18. Juli während der r e v o» lutionären Unruhen, die dem Generalstreik folgten, den Untersuchungsrichter, zwei Gerichtsschreiber und einen Gerichtsdiener in Sueca ermordet zu haben, Cnglanck. Die auswärtige Politik im Unterhau». London, 7. Dezember. Unterhaus. Der Premierminister Asquith kündigte an, daß die Debatte über die auswar- tige Politik am 14. d. M. wieder aufgenommen wer- den solle.— Wie das Reutcrsche Bureau erfährt, werden die per» fische Frage und die Z u cker k o n v e n t i o n die hauptsäch» lichen Gegenstande der Debatte bilden. Annahme der Verstcherungsbill. London, 6. Dezember. Unterhaus. Die dritte Lesung der Versicherung sbill wurde heute mit 324 gegen 21 Stimmen angenommen. Ein Amendement, welches das Prinzip der nationalen Versicherung billigte, aber er- klärte, die Vorlage sollte in der nächsten Session noch weitergeprüft werden, war mit 320 gegen 223 Stimmen abgelehnt worden. foißlanck. Eine stürmische Sitzung. Petersburg, 9. Dezember. Die heutige Abendsttzung der Rcichsduma verlief stürmisch. Der sozialdemokratisch« Deputierte Gegetschkori nützte die Besprechung der Jnterpella- tion über die Ermordung S t o l y p i n s dazu aus, die Ursachen der Auflösung derzweiten Duma zu erörtern. Die Mit- glieder der Rechten lärmten, um die Rede zu verhindern. Der Präsident mutzte schließlich die Sitzung abbrechen. Nach Wieder- aufnähme der Sitzung weigerte sich Gegetschkori. dem der Präsident daS Wort entzog, die Tribüne zu verlassen, weshalb die Sitzung abermals unterbrochen werden mutzte. Bei der Wieder- cröffnung dauerte der Lärm fort, ivofür drei Sozialdemo- k r a t e n für fünf bis zu fünfzehn Sitzungen ausgeschlossen wurden. Auherdem wurde Gegetschkori und ein Mitglied der Rechten von der heutigen Sitzung ausgeschlossen. Unter Lärm endete die Sitzung um Mitternacht GewerferchaftUchee. Berlin und dtngegend* Die former und 6ießereiarbeitei» fanden sich, nachdem ihr Streik nach einer Dauer von neun Wochen beendigt war. gestern in ihren StreiNokalen ein. um sich berufsgruppenweise einschreiben zu lassen behufs der Wiederaufnahme der Arbeit am Freitag, den 8. Dezember. Vorerst wird nur ein Teil der Arbeiterschaft die Arbeit auf- nehmen, bis die Verhältnisse in den einzelnen Betrieben wieder in alter Weise geordnet sind. Auch die Dreher. Fräser und andere Metallarbeiter, die Sympathiestreiks zugunsten der Former begonnen haben, müssen sich bereit halten, heute Freitag die Arbeit wieder aufzunehmen. Nach den Abmachungen in der Verhandlungskommission ist zu erwarten, daß bei der Wiedereinstellung aller Arbeiter in durchaus loyaler Weise verfahren wird. Zumutungen, den gelben Werkvereinen beizutreten oder Bedingungen ähnlicher Art dürfen nicht gestellt werden.— Die Ausgesperrten werden, der Vereinbarung gemäß, ohne Kürzung ihrer bis- hertgen Rechte vom Montag ab wieder eingestellt. Nne Branche des Deutschen Holzarbeiterverbandes, die Modell- und Fabriktischler und Modell- d r e ch s l e r, hatte zum Mittwochabend eine Versammlung der Vertrauensmänner einberufen und als Tagesordnung angesetzt:„Die Aussperrung in der Metallindustrie." Die Ver- trauensmänner hatten sich zahlreich eingefunden, um über Mittel und Wege zu beraten, auch ihrerseits zu helfen, die Maßregel der Unternehmer in der Metallindustrie wirkungs- los zu machen. Zu ihrer Ueberrascbung hörten sie, daß einige Stunden vorher der Streik der Former aufgehoben wurde und die Aussperrung als erledigt anzusehen ist. Für die Versammelten blieb die Tagesordnung daher nur zur allgemeinen Besprechung bestehen, mit Rückblicken aus die ver- flössen? Bewegung und mit Mahnungen, aus mancher ge- wonnenen Erfahrung gute Lehren zu ziehen. Der Streik in der Damenkonfektion. Wenn die Konfektionäre sich wirklich eingebildet hatten, sie könnten mit einer Versammlung arbeitswilliger Meister und ähn- lichen Machenschaften einen Keil in die Bewegung treiben, so mutzten sie gestern eine bittere Enttäuschung erleben. Aus der geplanten Protestversammlung gegen den Streik wurde ein gewaltiger Massenprotest der streikenden Meister gegen die Arbeitswilligen und gegen diejenigen unter ihnen, die hinter dem Rücken der Organisationen mit den Konfektionären gemeinsame Sache machen. Die Versammlung in den„Armin- hallen" kam überhaupt nicht zustande. An Besuchern fehlte es allerdings nicht; die Meister waren in so grotzen Massen ge- kommen daß es den Einberufern und Veranstaltern der Ver- sammlung viel zu viele waren. Das brachte auch der Schneider- meister Treufeld zum Ausdruck, als er sich bemühte, die Ver- sammlung zu eröffnen, und er tat es in Worten, die allgemeine Erregung und Entrüstung hervorriefen und hervorrufen mutzten. Er behauptete nämlich, daß ein großer Teil der Versammelten sich auf eine ganz gemeine Art von„Betrug" Zutritt verschafft hätten, denn so viele Einlatzkarten wären gar nicht ausgegeben "�"worden. Da erhob sich ein gewaltiger Protest. Es wurde ge- rufen: Wir haben Karten, wir sind geladen I Ein kleiner Teil u-,ergriff Partei für die Einberufer. und wenn diese Leute auch die lautesten waren, so wurde es doch bald klar, datz es nur wenige waren, die Mehrheit aber aus st r e i k e n d e n Meistern bestand. Da es den Einberufern nicht gelingen wollte, Ruhe zu schaffen, stieg der Vorsitzende des Verbandes der streikenden Meister. Herr Drews. auf einen Stuhl, wurde von der Mehrheit mit Hochrufen begrüßt, und es gelang ihm auch, sich soweit Gehör zu verschaffen, daß es klar wurde, datz die Versammlung den Vertretern der Streikenden die Leitung übertragen wollte. Nachdem diese dann auf der Bühne Platz genommen hatten, ließ Herr Drews beim Saalinhaber anfragen, ob er nun dem Arbeitgeberverbande für das Damenfchneidergewerbe den Saal für eine Stunde überlassen wollte. Darauf kam jedoch die Aufforderung des Saalinhabers, den Saal innerhalb 1l> Minuten zu räumen. Herr Drews lud nun die Anwesenden ein, sich nach der„Neuen Philharmonie" zu einer Mitgliederversammlung des Verbandes zu begeben. Das Verhalten des Saalinhabers der„Arminhallen" hat in den Kreisen der streikenden Meister eine gewisse Erbitterung her- vorgerufen. Er soll behauptet haben, datz er sie und die Arbeiter- schaft überhaupt nicht mehr brauche und dergleichen mehr. Wie uns jedoch andererseits mitgeteilt wird, soll hier ein Mitzverständ« nis vorliegen, da der Wirt, als er vom„Arbeitgeberverband" hörte und las, nicht wußte, mit wem er es zu tun hatte. Von anderer Seite wird wieder behauptet, datz die Einberufer nicht auf den Saal verzichten wollten, und der Inhaber sich somit recht- lich gebunden fühlte, ihn für sie freizumachen. Die streikenden Meister zogen in grotzen Scharen nach der „Neuen Philharmonie", und auf dem Wege wurden auf den vor- überfahrenden Vorsitzenden Drews Hochrufe ausgebracht. In- zwischen fanden sich im Saale der„Arminhallen" wiederum einige arbeitswillige Meister und Werkstättenmhaber ein. ES konnten wohl ungefähr 100 Mann sein, unter ihnen auch eine Anzahl Konfektionäre und wohl auch einige streikende oder indifferente Meister. Der Herr Kaliski. der eigentlich referieren sollte. war, offenbar in großer Bestürzung und Betrübnis über das Miß- lingen der ersten Versammlung von der Bildsläche verschwunden. Statt seiner nahm nun ein anderer— soweit uns bekannt ist, war es Herr F e l d m a n n aus Rixdorf— das Wort und führte aus: Bei der Bewegung im Jahre 1S96 seien die Herren Kauf- leute so außerordentlich liebenswürdig gewesen, datz sie 33Mi Proz. Lohnerhöhung bewilligten. Diesmal stehe es aber weit schlimmer. daß die Meister vom Arbeitgeberverband sich mit den Arbeit- nehmern koaliert und mit ihnen gemeinsam einen Tarif auf- stellten, in dem die Löhne der Meister und die ihrer Arbeitnehmer aufgeführt seien. Da könnten dann die Heimarbeiterinnen kon- trollieren, was der Meister für das Stück kriegt, und das werde den Meistern grotzen Schaden bringen. Darum solle man einen Verband gründen, einen gelben, wie ihn ja auch die Arbeiter in der Metallindustrie hätten, aber man könne ja lieber nicht Gelbe, sondern Arbeitswillige sagen. Es müsse ein einge- schriebener Verein sein, damit er auch mit den Herren Fabri- kanten verhandeln könne, aber Man wolle nicht in die Futztapfen des alten Verbandes treten und keinen Tarif ausarbeiten.— ES trat ein anderer Meister auf. der mit Herrn Feldmann nicht ganz einverstanden war und sagte, er habe schon oftmals Tag und Nacht gearbeitet, um die Muster fertigzustellen, und der Kon- fektionär habe dann auch gute Geschäfte abgeschlossen und viel Be- stcllungen gekriegt, aber als die Saison da war, sei ihm, der doch die Muster machte, die Arbeit entzogen worden, weil andere die Sache um 1b Groschen billiger lieferten. Dieser Zustand müsse beseitigt werden,.und das fei es, was die streiken- den Meister vom Verband wollten.— Nachdem man so noch eine Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.i Weile hin und hergeredet hatte, wurde das Kind aus der Taufe gehoben und erhielt den stolzen Namen„Verband der selbständigen. Damenschneidermeister Grotz-Berlins". Es wurde zur Einzeich- nung in eine Liste aufgefordert und es fanden sich dann auch Leute, die ihr Bekenntnis zur Arbeitswilligkeit unterschriftlich festlegten. Ein nicht geringer Teil der Versammelten hatte es jedoch borge- zogen, vorher den Saal zu verlassen.— Um die Machenschaften zu kennzeichnen, die zu dieser gelben Vereinsgründung führten, sei noch mitgeteilt, datz unter den Namen, die sich auf dem einladenden Zirkular finden, mehrere von streikenden Meistern sind, und datz man die betreffenden Per- sonen gar nicht gefragt hat, ob sie ihre Namen zu dem Ding hergeben wollten oder nicht. « Die Mitgliederversammlung der'streikenden Meister, die von den Arminhallen gekommen waren, füllte den grotzen Saal der„Neuen Philharmonie" samt den Galerien bis auf den letzten Stehplatz. Der Vorsitzende sah sich diesmal veran- laßt, nicht die Konfektionäre, sondern einige Kriminal- b e a m t e. die sich eingeschlichen hatten, wiederholt und unter Berufung auf sein Hausrecht zum Verlassen des Saales aufzu- fordern, und erst dann gelang es, die ungebetenen Gäste loSzu- werden. Nach den vorhergegangenen Ereignissen war die Ver- sammlung in einer ausgezeichneten Kampfesstimmung, und Herr Drews sowie die übrigen Streikleiter der Meister wurden mit stürmischem Beifall begrüßt. Drews schilderte die Lage und die Bedeutung der so unwillkürlich zustande gekommenen Demon- stration. Eine Einladung zu neuen Verhandlungen mit den Fa- brikanten ist noch nicht eingegangen. Die Herren haben offenbar gehofft, hinter dem Rücken der matzgebenden Organisationen etwas erreichen zu können. Aber sie werden nun wohl einsehen, datz nicht Herr Kaliski, sondern der Verband die Meister vertritt. Der Kampf wird nun mit um so größerer Energie fortgesetzt.— Nachdem sich noch mehrere Diskussionsredner geäutzert, wobei auch ein Herr Völkerling zu Wort kam, der sich als„sogenannter Streikbrecher" vorstellte, wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung der Meister der Damen- und Kinder- konfektion spricht ihr Bedauern darüber aus. datz es einzelne Kollegen, ohne von irgend jemand einen Auftrag zu haben, unternehmen, über den Kopf jeder Korporation hinweg mit de» Fabrikanten zu verhandeln. Sie erklärt sich mit den Matznahmen deS Verbandsvorstandes sowie den einberufenen Komm isstonen vollständig ein- Veranden und erwartet, daß der Verband Deutscher Damen- und Mädchenmäntel-Fabrikanten auf Grund ihrer, der Berliner Damenmäntel-Schneiderinnung, sowie dem Verein Berliner Schneidermeister für Damenkonfektion gemachten neuen Bor. schlügen weiter verhandeln und einen Termin hierzu schnellstens festsetzen wird." In der Kommandantenstratze war die Schutzmannschast außer- ordentlich stark vertreten, und in einem Hofe gegenüber den ..Arminhallen" waren an die 20 Mann oder mehr versteckt. Auch in der Köpenicker Straße, bei der„Neuen Philharmonie", hatte die Polizeibehörde außerordentliche Matznahmen getroffen, als schwebte Berlin in der Gefahr einer Damenschneidermeister- Revolution. Achtung, Tapezierer! Da die Firma Rudolph Hertz og nacv vorausgegangenen Verhandlungen den Tarif anerkannt hat, wird Hiernni die Sperre über die Firma ausgehoben. Ebenso find die Sperren über die Firmen D o m e y e r und Sattel hiermit er- ledigt. Die Verbands lcitung. Deutfedes Reich. Berggewerbegerichtswahlen im Ruhrrevier. Glänzender Tieg des BergarbeiterverbandeS. Am 6. Dezember fanden im Ruhrrevier die Wahlen der Bei- sitzer zum Berggewerbegericht für den Oberbergamtsbezirk statt. Früher waren die Orte und Gemeinden des Ruhrreviers in Wahlbezirke eingeteilt. Nach der Neueinteilung sind die Wohlbezirke nach Zechen gebildet. Diese Neueinleilung ist vorgenommen worden. ohne die Bergarbeiter oder deren Beisitzer zu Rare zu ziehen. Man merkt eS der neuen Wahlbezirkseinteilung an, datz die Grubenherren ihre regelnde Hand dabei im Spiele gehabt haben. Diese Wahlbezirkseinteilung noch Zechen ist für die Unternehmer äußerst günstig. Zunächst wurde dadurch erreicht, daß alle Vorarbeiten, die der Bergardciterverband schon getroffen halte, über den Haufen geworfen wurden. Dann, waS für die Zechenherren das wichtigste war. wurden jetzt die Wahlen aus den Zechenbureaus vorgenommen. Konnte doch dadurch ihr sattsam be- kannter Terrorismus viel größere Wirkungen erzielen, als wenn die Wahlen in öffentlichen Lokalitäten vorgenommen werden. Auw daß »ach dieser Neueinleilung die Wahlberechtigung und Wählbarkeit an die Arbeitsstelle gebunden ist, ist sehr vorteilhast für die Unter- nehmer. Kann doch so in Einschüchterung der Wähler und der Kandidaten viel mehr geleistet werden. alS wenn die Wählbarkeit und Wahlberechtigung an den Wohnort gebunden ist. Und in Ein- schüchlerungen und TerroriSmuS ist Großes gelelstet worden. Aus der Zeche„Lothringen" bei Bochum wurde dem Kandidaten deS Bergarbeiierverbandcs schon am Tage vor der Wahl erklärt, er solle am IS. Dezember seine Arbeit kündigen, oder seine Kandidatur niederlegen, dann könne er bleiben. Zu Stimmzetteln wurde Papier benutzt in Stärke wie Postkartenkarton. Der Betriebsführer war Wahl- Vorsteher. Diese Wahl erinnert an die Reichstagswadlen in den 80er Jahren mit den Papp deckelstimmzetteln.— Auf der Zeche„HerkuleS" bei Esten waren die Gelben ihrer Farbe getreu geblieben und hallen zu Stimmzetteln gelbes Papier genommen. Auf anderen Zechen wieder wurden die Stimmzettelverleiler deS Verbandes vom Zecdenplatz ge- wiesen, während alle anderen aus dem Zechenplay bleiben dursten. Wo bekannt wurde, datz die Wahl aus den Zechenbureaus vor- genommen werden sollte, hat der Bergarbciterverband sofort Be- ichwerde beim Oberbergamt geführt. Darauf hat das Oberbergamt geantwortet: „Die Befürchtung einer Beeinflussung der Wähler durch die Zechenverwaltungen bei den Berggewerbegerichtswahlen«rscheint nicht begründet." Bis gestern abend lagen nach einem dem„Vorwärts" zu- gegangenen Privattelegramm von 193 Zechen die Zahlen vor. Danach erhielten Stimmen: Verband 6l S86. Christliche 34 080, Polen 13 125, reine Zechenkandidaten 7984. Hirsche 1174. DaS Kaiididalenverhälrnis stellt sich wie folgt: Verband 132, Christ- liche 32. Polen 27, Zechen 8. Hirsche 0. Das Resultat der Wahl war also für den Bergarvetterverband ein glänzendes I_ Behörd en und Unternchmer im Kampfe gegen die Gewerkschaften. Das traute Verhältnis zwischen Behörden und Unternehmer- tum im Kampfe gegen die Arbeiterschaft offenbart sich wieder ein- mal in einem Rundschreiben, das die Mitglieder des Buchhändler- Hilfsverbandes zu Leipzig an ihre Markthelfer abzuschicken bereit. gelegt hatten für den Fall, daß am Dienstagabend die Buchhand. lungsmarkthelfer die Arbeit niederlegten. Das ist nun freilich nicht geschehen, aber darum bleibt das nunmehr im Schrein ruhende Rundschreiben doch ein Dokument von bleibendem Werte. Es lautet: „Ich mache Sie darauf aufmerksam, datz im Falle eines Streikes jeder Arbeitswillige unter polizeilichem Schutz steht, für den hinreichend gesorgt ist. Sollten Sie auf der Straße von irgend jemandem belästigt werden, so sind Sie berechtigt, sich eine solche Belästigung unbe- ThlGlöcke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Äuchdr.>4 VerlagSanstalt dingt zu verbitten. Hört die Belästigung trotzdem nicht auf, so gehen Sie ruhig bis zum nächsten Schutzmann, die zahlreich auf den Straßen verteilt stehen werden, und ver- anlassen diesen, denjenigen, der Sie belästigt hat, zu arretieren. Außerdem habe ich einen besonderen juristischen Beirat enga- giert, der auf meine Kosten die Interessen meiner arbeitswilligen Angestellten bei Gericht vertreten wird. Der betreffende Herr wird jeden meiner Angestellten täglich im Geschäft befragen, ob Belästigungen stattgefunden haben und den Tatbestand kurz zur weiteren Verfolgung protokollarisch fe st legen. Ich hoffe auf diese Weise allen meinen arbeitswilligen Angestellten den denkbar größten rechtlichen Schutz gegen Angriffe von Streikenden oder Streikposten verschafft zu haben. Ich bin serner bereit, auf Wunsch meine arbeitswilligen verheirateten Angestellten morgens durch Droschken abholen und abends durch Droschken nach ihren Wohnungen bringen zu lassen, die unverheirateten an geeigneter Stelle einzuyuartieren. Ein Streik ist zurzeit, nachdem das Schiedsgericht zugunsten der Arbeitgeber entschieden hat, ein glatter Tarifbruch. Lassen Sie sich also nicht durch den Terrorismus unvernünftiger Elemente. die an Hab und Gut nichts zu verlieren haben, zu Rechts- bruch und Treulosigkeit gegen Ihre Firma verleiten!", Aus der Form des Rundschreibens geht klipp und klar hervor, datz die Buchhandlungsinhaber sich vorher mit der Polizei verständigt haben müssen, sonst könnten sie doch schwerlich oie so unbedingte Zusicherung geben, datz die Schutzleute zahlreich ans den Straßen verteilt stehen würden. Von weiterem Interesse ist natürlich auch die Methode der Feststellung von angeblichen Streik- vergehen. Bei der gegenwärtigen TerrorismuShetze gegen die Ge- werkschaften ist es natürlich sehr nett, wenn die Unternehmer zeigen, mit welchen Mitteln s i e zu arbeiten gewillt sind. 1Ziisl»nd. Englische Pinkertons. London, 4. Dezember 1911.(Eig. Ber.) Die Organisation der freiwilligen- Polizei oder der nationalen Konstabler, wie man sie jetzt getauft hat, die bei wirtschaftlichen Kämpfen den Kapitalisten als bewaffnete Streitbrechergarde dienen sollen, wird emsig weiterbetrieben. Die Regierung hat es abgelehnt, den Leuten, die sich anmaßen, bei Streiks die Polizei zu spielen-, das Handwerk zu legen,. In den höheren Gesellschafts- kreisen bringt man dem Unternehmen viel Interesse entgegen. Damen sammeln Gelder zur Ausrüstung der Rowdies, und wer nicht geneigt ist, auf streikende Arbeiter mit dem Totschläger ein- zuhauen oder eine Zeitlang selbst Arbeiter zu spielen, kann sich für die geringe Summe von 44 Schilling einen Substitut kaufem Und wer nach dem Titel„Spezialschutzpatron" der Truppe trachtet, kann ihn erstehen, indem er 250 Pfd. Sterl. zur Ausrüstung einer Kom- pagnie von 120 Mann hergibt. In Arbeiterkreisen denkt man ernstlich daran, Verteidigungs- matzregeln gegen diese gewalttätige Streikbrecherorganisation zu treffen. Die Eisenbahnerorganisation in Bradford nahm vor einigen Tagen in geheimer Sitzung eine Resolution an. in der die Organisation der freiwilligen Polizei als eine Bedrohung der bür- gerlichen Freiheiten bezeichnet und die Schaffung einer Gegen- Organisation befürwortet wurde. Die Resolution forderte zur Gründung einer Gewerkschastsliga zum Schutze der Person auf, deren Zweck sein soll, auserwählte Gewerkschafter zu trainieren und auszurüsten, die den Rowdies der Kapitalisten erfolgreich ent- gegentreten können. Manche Leute in England, die sich Sozialisten nennen, lehnen das Wort Klassenkampf oder gar die Idee des Klassenkampfes ab. Die kommenden Kämpfe dürften sie von der Wirklichkeit des Klassenkampfes in recht sinnfälliger Weise über» zeugen._ Hetzte JSf ach richten. Erfolgreiche Streikbewegung. Königsberg i. Pr., 7. Dezember. lPrivattelegramm des „Vorwärts".) Der Streik der Taxamcterkutscher und Chauffeure, der Dienstag früh beschlossen wurde, ist heute abend zugunsten der Ausständigen beendet worden. Gegen das Vorgehen Rußlands in Persie«. Paris, 7. Dezember.„Siecle" veröffentlicht eine au? Kol- kutta vom 7. Dezember datierte Depesche, in welcher der Prä- sident des„Vereins zur Verteidigung PersienS" im Ramen von 50 000 in Indien wohnhaften Persern in scharfer Weise gegen das Vorgehen Rußlands in Persien Einspruch erhebt und den Beistand der Großmächte zum Schutze der Integrität und der Verfassung Persiens anruft. Die Debatte über die Kongofrage beendet. Brüssel, 7. Dezember.(W. T. B.) Die Deputierten- kämme r beendete heute die Debatte über die Kongofrage und nahm den Antrag der Liberalen und Sozialisten an. der bestimmt, daß über den Antrag auf Einsetzung einer Unter- suchungskommission verhandelt wird. Die Kammer lehnt« das Tadelsvotum für den Kolonialmini st er ab, nahm dagegen eine Tagesordnung Woeste an, die die Anklagen gegen die Kolonialverwaltung zurückweist, aber den Wunsch nach Reformen ausspricht. Die Botschaft über die auswärtigen Beziehungen. � Washington, 7. Dezember. Die Botschaft des Präsidenten Taft an den Kongreß, welche die auswärtigen Beziehungen behandelt, gibt zunächst einen historischen Rückblick über da? ver» gangene Jahr und macht sodann wichtige Vorschläge für die Aus- dehnung der kommerziellen Interessen der Vereinigten Staatem Nachdem er die fortschreitende Entwicklung des Prinzips internationaler Schiedsgericht« be° rührt hat. weist Taft aus den bisher unerreicht hohen Stand der amerikanischen Ausfuhr im vergangenen Jahre hin. Der gesamte auswärtige diplomatisch« Dienst werde unter besonderer Rücksicht auf die Anforderungen der Handelsinteressen des Landes organi- siert. Taft weist sodann auf die dringende Notwendigkeit eines biegsamen Zolltarifs hin, um die Bereinigten Staaten in den Stand zu setzen, eine Politik des Gebens und Nehmens zum Vorteile ihres Handels zu versolgem Der Doppeltarif von 1900 sei- von Vorteil gewesen. Es sei wünschenswert, datz der Minimaltarif eine Freiliste einschließe, damit er eine angemessene Bedeu- tung für die Länder habe, die nur Artikel der Freiliste impor- tierten. Taft schlägt frner besondere Maßregeln zur Förderung der Geschäftsentwicklung der amerikanischen Banken im Ausland« und zur Entwicklung der amerikanischen Handelsflotte vor. Taft teilte ferner mit, datz in Petersburg Besprechungen begonnen hätten bezüglich der Patzfrage. Es seien Verhandlungen im Gange, um eine klarere Auslegung des Vertrages von 1332 zu er- zielen. Ich glaube, fügt der Präsident hinzu, das Rußland sich ernst. lich mit dem Vertrag beschäftigt und datz ein hinlänglicher Fort- schritt erzielt worden ist. um die Fortsetzung der Konferenzen zu gewährleisten, in der Hoffnung, datz diese jede Berechtigung einer Beschwerde über Vertragsverletzungen aus dem Wege räumen werden._ Ein Edikt über das Zopfabschneiden in China. Peking. 7. Dezember.(W. T. B.) Heute ist ein Edikt er- lassen worden, durch daS das Abschneiden der Zöpfe gestattet wird. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. UnterhaltungSbl, nt 287. 28. zchgM i Ktilllge des LöMlilts" Kerlilttt UollisdlM. lttiw. 8� t'em Reservefonds der Spurfasse zunächst auf 20 Jahre als unverzinsliches Darlehen der Anstalt zugeführt werdein Stadtv. Ladewig sN. L.) begrützt die Vorlage mit Genugtuung. Auch Stadtv. Galland(A. L.) freut sich, daß dieses patriarchalische Institut den dringendsten Anforderungen der Jetztzeit entsprechend umgestaltet weren soll. Stadtv. Koblenzer(Soz.): Auch wir sind erfreut, daß diese Ein- richtung endlich ein etwas modernes Aussehen erhalten soll. Wir haben uns ja schon vor mehr als 10 Jahren für diese Reform ein- gelegt und sehen jetzt endlich unsere Auffassung zum Durchbruch ge- langen. Hierauf wird die Vorlage einstimmig angenommen. Von den Stadtvv. Mommsen, Cassel und Rosenow ist mit Un- terstützung der bürgerlichen Fraktionen der Antrag gestellt, dem Magistrat zu ersuchen, zu Ehren des Andenkens des Dichters .Heinrich v. Kleist dem Park am Alten Botanischen Garten den Namen„Hcinrich-v.-Kleist-Park" beizulegen. Stadtv. Galland: Wir können von dem Antrage nur sagen: „Spät kommt ihr, doch ihr kommt!" und hoffen, daß der Magistrat nun auch zustimmen wird. Der Antrag wird angenommen. Im Anschluß an den Beschluß der Versammlung vom 9. No- vember, wodurch der Magistrat um die Gewährung einer angeinesseneu Teuerungszulage für diejenigen städtischen Angestellten und Arbeiter ersucht wurde, die ohne Gefährdung ihres Unterhalts für sich und ihre Familie mit ihrem Einkommen bei den bestehenden Teuerungsverhältnisien nicht auskommen können, will der Magistrat nunmehr eine solche Zulage, und zwar in Form einer einmaligen Beihilfe gewähren. Diese soll 40 M. betragen und allen städtischen Angestellten und Arbeitern zukommen, die verheiratet sind und nicht über 2000 M. jährliches Diensteinkommcn haben, auch mindestens drei Monate im städtischen Dienst stehen. Erforderlich sind bei zirka 12 500 Empfängern 500 000 M. Ein Rechtsanspruch auf die Bei- Hilfe soll nicht gegeben sein. Die Beihilfen sollen tunlichst noch vor Weihnachten angewiesen werden. Vom Stadtv. Dr. Nathan(Fr. Fr.) ist beantragt, auch ver- w i t w e t e Personen mit einem oder mehreren Kindern einzu- beziehen. Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Die Vorlage ist pünktlich eingelaufen. Binnen 4 Wochen sollte der Magistrat eine Vorlage macl>en, so haben wir am 9. 11. beschlossen; und heute, mit einer Pünktlichkeit, die wir sonst beim Magistrat nicht gewohnt sind(Unruhe), wird sie uns zur Beschlußfassung vorgelegt. Hoffentlich wird der Magistrat in Zukunft bei ähnlichen Vorlagen ein bißchen A u to- mobiltempo einschlagen. Der Magistrat will die Beihilfe auf 40 M. bemessen. Sie können eS uns nicht übel nehmen, wenn wir diese Summe in Vergleich stellen zu den 60 M., die 1905 in ähn- sicher Situation von den städtischen Behörden gegeben wurden. Da- mals war die Teuerimg nicht entfernt so schwer wie heute, und der Wert des Geldes ist seitdem weiter gesunken. Aber abgesehen davoil muß eine Reihe anderer Fragen aufgeworfen werden. Aus dem Wortlaut der Vorlage ist nicht klar zu ersehen, ob auch solche Per- soncn darunter fallen, die verheiratet gewesen sind, also Ge- schicdene und Verwitwete, die Kinder zu versorgen haben. Wie soll es ferner mit den B a d e m c i st e r n gehalten wer- den, die im Sommer tätig sind, am 1. Ottober entlqjsen werden und vielleicht erst am 15. Oktober als Schulheizer oder dergl. angestellt werden? Hier sollte das Vakuum von 14 Tagen bei der Entscheidung über das Dreimonatminimum nicht in Betracht kommen. Auch das Hilfspersonal in Krankenhäusern fällt vielleicht nicht ohne weiteres unter die„Beamten und Be- diensteten"; und soll ferner das Kalender- oder das Etatsjahr zugrunde gelegt werden? Es sollte hier überall weitherzig bei der Auslegung verfahren werden. Eine besonders„warme" Lanze möchte ich für diejenigen unverheirateten Arbeiter einlegen, die für Vater, Mutter, ältere oder jüngere Geschwister zu sorgen haben. Häufig ist gerade für diese Armen eine solche Verpflichtung, die sie edelmütig aus sich nehmen, der Grund, daß sie sich nicht verheiraten; man Ivürde gegen sie eine Härte begehen, wenn man sie ausMösse. Alle die- jenigen, die einen eigene» Hausstand haben, die für Angehörige mit zu sorgen haben, sollten die Teuerungszulage erhalten. Schmie- rigkeiten sind ja gewiß vorhanden, diese Art Ledige ausfindig zu machen; aber wenn die Betreffenden mit Vorlegung ihrer Beweismittel sich melden— der„Verband der städtischen Angestellten und Arbeiter" würde dem Magistrat gern dabei zur Seite stehen— ließe sich diese Schwierigkeit doch leicht überwinden. Bei den Teuerungszulagen kann es aber nicht sein Bewenden haben; tritt nachher im Haushalt des Unterstützten ein Manko ein, so drängt sich um so mehr die Notwendigkeit einer Lohnerhöhung auf. Wir bringen keine Anträge ein, um die Erledigung der Vor- löge nicht aufzuhalten, empfehlen aber unsere Anregungen dem Wohlwollen des Magistrats. Stadtrat Lcdermann: NamenS des Magistrats erkläre ich, daß auch Verwitwete mit Kindern unter die Vorlage fallen sollen. Was diejenigen L c d i g e n betrifft, die einen besonderen Hausstano oder besondere Pflichten gegen Angehörige haben, so mutz immer wieder darauf hingewiesen werden, daß es unmöglich ist, in einer Stadt wie Berlin solches durchzuführen, wenn die Sache schnell gemacht werden soll; auch ist es allzuleicht möglich, daß solche Ver- pflichtungen auch zu Unrecht geltend gemacht werden. ES sind zur- zeit bei den Lehrern Hausstände künstlich konstruiert worden, um das höhere Wohnungsgcld zu bekommen. Die zahl- reichen Einzelfälle, die angeführt worden sind, werden Sie in einer Ausführungsanweisung, die bereits ausgearbeitet ist, bcfric- digend berücksichtigt finden. Stadtv. Dr. Nathan zieht nach der Erklärung des Stadtrats seinen Antrag zurück. Stadtv. Einwaldt(A. L.) stimmt den Magistratsvorschlägen zu und plädiert für sofortige Annahme. Stadtv. Dr. Wehl: Die Bedenken des Stadtrats dagegen, auch die Lcdigen in der angegebenen Beschränkung zu unterstützen, kann ich nicht teilen. Daß früher solche Unterstützungsfälle fingiert worden sind, gebe ich zu; be: einer so großen Zahl städtischer Angestellter kann es auch Betrüger geben. Aber des- wegen soll man doch nicht die anständigen nnd ehrlichen Elemente leiden lassen. Der„Verband der städtischen Arbeiter" hat durch seine Vertrauensmänner Einblick in die Verhältnisse und kann da- für bürgen, daß hier Betrug und Schwindel ausgeschlossen sind. Will der Magistrat loyal und weitherzig verfahren, dann muß er auch den Ledigen, die nachweisen, daß sie Angehörige zu unterstützen haben, die Beihilfe gewähren. Stadtv. Rosenow: Nach den Darlegungen vom Magistratstische haben wir jetzt keinen Anlaß mehr, besondere Wünsche zu unter- stützen. Der Magistratsborschlag gelangt einstimmig zur An- nähme. Damit ist auch die Petition der in den Ruhestand gctre- tencn städtischen Beamten erledigt. Nach einer weiteren Magistratsvorlage sollen nachträglich 14 530 M. bewilligt werden� die der Transport und die innere Ein- richtung von 2 Döckerschen Baracken gekostet hat. Diese beiden Baracken hat der Magistrat angesichts der Zunahme der Scharlach- und Diphtherie-Epidcmie vom Zentral- komitee des Preußischen Landesvcreins vom„Roten Kreuz" gc- liehen und sofort beim Rudolf-Birchow-Krankcnhausc aufstellen lassen. Stadtv. Dr. Wehl: Gegen die Errichtung der beiden Baracken ist natürlich nichts einzuwenden. Wie steht es denn aber mit der endlichen Errichtung des so notwendigen zweiten Kinderkrankenhauses? Nach den Angaben unserer Zentralmeldestclle sind im Quartal April-Juni 1911 wegen Platzmangels in den Krankenhäusern an Kindern abgewiesen worden 205; im Quartal Juli-September allein von der Zentralmeldcstelle 532! Diese Zahl macht doch unser Herz zusammenkrampfen. Nun herrscht zurzeit eine starke Diph- therie- und Scharlachepidcmie. Die Schuldcputation hat dankens- wcrterweise ein Merkblatt herausgegeben, worin möglichsic Absonderung der erkrankten Kinder dringend angeraten wird. Diese Absonderung ist selbst, in geräumigen Wohnungen nur sehr schwer durchführbar, geschweige denn in den Löchern, den sogenanu- ten Wohnungen, in denen viele Arbeiter mit ihrer Familie Hausen müssen. Da bleibt doch oft nichts übrig, als die Ucbrrführung in ein Krankenhaus. Diphtherie und Scharlach machen auch vor den Häusern der Wohlhabenden nicht halt. Wo sollen nun die Kinder Aufnahme finden, wenn ihnen die- Krankenhäuser versperrt sind � Denn diese beiden Baracken können doch nur Wenigen Unterschlupf geben. Die KrankenhauSdcputation hat schon im Mai bei den Kran- StAÄtveroräneten-vekistnmliivg. j 36. Sitzungbom Donnerstag, den 7. Dezember 1911, nachmittags5Uhr. Vorsteher Michelct eröffnet die Sitzung nach 5'A Uhr und veranlaßt zunächst die Einführung der beiden für die verstorbenen Stadtvv. Morggraff und Lemp neugewähltcn Mitglieder Tischler und Bürgerdeputierter W o l d e r s k y(Soz.) und Justizrat tz a h n (A. L.), die darauf auf die Städteordnung verpflichtet werden. Zur Kenntn's der Versammlung bringt der Vorsteher dann eine Eingab» der Grundbesitzer an der Bödikerstrasic, welche gegen die Charalterisierung, die der Stadtv. Zucht ihrer Petition bezüg- lich der Errichtung des Jugendhauses in voriger Sitzung hat zuteil werden lassen, Protest erheben und einen nachträglichen Ordnungsruf verlangen. Der Vorsteher beschränkt sich auf die Feststellung, daß jedem Stadtverordneten die freie Mei- nungsäußerung verbürgt ist. Mit dem Verkauf, Kauf und Austausch von städtischen Lände- reicn in den Gemarkungen Buch und Blankenburg zum Zwecke der Herstellung besonderer Borortgleise der Berlin-Stetti- ner Bahn hat sich der eingesetzte Ausschuß unter der Voraussetzung einverstanden erklärt, daß in der Gemarkung Buch das Mitbe- Nutzungsrecht für die Stadtgemeinde Berlin und ihre Rechtsnach- folger auf den von der Eisenbahnverwaltung neben dem 2 Meter breiten Zugangsweg anzulegenden Weg dauernd gesichert wird. Ohne Debatte tritt die Versammlung diesem Vorschlage bei. Den Erwerb des Grundstücks Dorckstraße 10/11 für 1 650 000 Mark hat der eingesetzte Ausschuß einstimmig zur Genehmigung empfohlen. Das Grundstück soll freigelegt werden, damit im Zuge der Lankwitzstraße nach der Uorckstraße eine Parallel st raße mit der Belle-Alliancestraße zur Entlastung der letzteren geschaffen werden kann. Die Anlegung der neuen Straße soll er- folgen, sobald die Dragonerfaferne frei wird. Auch hier stimmt die Versammlung ohne Diskussion zu. Zum Bau eines BerpflegungShaufes(Hospitals) für solche Obdachlose. welche infolge körperlicher Schwäche oder leichter Erkrankung— an Rheumatismus, Unterernährung usw.— nicht einer Kranken» hauspslcge, sondern nur einer zeitweisen Fürsorge bedürfen, wer- den 235 000 M. gefordert. Die Anstalt soll die städtischen Kranken- Häuser entlasten. Der Bau soll auf dem zum Baublock des städtischen Obdachs gehörigen, noch unbebauten Grundstück Ecke D i e st e r w c g- und Stargarder Straße errichtet werden. Von den Stadtvv. Stapf iA. L.). Dr. Jsaac(N. L.) und Dr. Lazarus(Fr. Fr.) wird Ausschußberalung beantragt. Stadtrat Jacobv sagt für die Ausschußberatung alle noch etwa erforderlichen Auskünfte zu. In den Jahren 1909/10 hätten 1159, 1910/11 1197 Leichterkrankte den Krankenhäusern überwiesen wer- den müssen. Stadtv. Zucht(Soz.): Wir hätten es lieber gesehen, wenn die Vorlage ohne Ausschußberatung zur Annahme gekom- men wäre. Schon seit Jahren schwebt die Angelegenheit. Im vorigen Jahre wurde uns ein Projekt mit SO Betten vorgelegt; in der Deputationsberatung wurde gefordert, es für 120 Betten ein- zurichten. Jetzt endlich kommt eine Vorlage an die Versammlung; vorläufig bietet sie zur Unterbringung der Betreffenden genügend Platz. Eigentümlich ist es doch, daß in der vorigen Sitzung die Herren das„J u g e n d h a u s" mit ganzen 40 Plätzen für völlig ausreichend erklärten, während heute dieselben Herren Ausschuß- beratung wünschen, weil ihnen die 90 Plätze hier noch nicht auszu- reichen scheinen. Ich bitte jedenfalls um tunlichste Beschleu- n i g u n g. Die Vorlage wird einem Ausschuß überwiesen. Den gänzlich veralteten. 1626 ins Leben gerufenen Gefinde-BelohnungS- und NntrrftützungSfondS" hat der Magistrat angesichts des starken Rückganges der Einnahmen (auS der 5.Silbergrosck)enabgabe der Dienstboten bei Dienstantritt oder Stellenwechsel) endlich zu reformieren sich entschlossen. Die Anstalt soll als selbständige juristische Person erhalten bleiben, die Zweckbestimmung auf weibliche Dienstboten beschränkt, die Bei- trägspflicht und die Vorschrift über die Einnahmeverteilung aus- gcljofccn, die Aufnahme in das„Hospital"— auch der Name soll ewe Aendcrung erfahren— erleichtert werden. Die Anstalt wird dann in Zukunft eine reine W o h l t ä t i gke i tsan sta l t dar- stellen. Zur Gewährung des zurzeit erforderlichen jährlichen Zu- fchusseS von 19 000 M. soll ein Kapitalbetrag von 500 000 M. aus kleines fcuillcton „Tante Eulalia." Das ist nicht etwa der Titel eine? hinter- lasicnen Werkes von Wilhelm Buich, sondern Eulalia lebt wirklich und ist sogar die Tonte eine» leibhastigen Königs. Don Alfons von Spanien ist ihr Neffe. Ginge es nach Busch, wäre die Tante die strenge Hüterin altehrwurdiger Sine und der Neffe ein ungezogener, zu respektlosen Strerchen ausgelegler Schlingel. In der Wirklich- keit ist die Sacke umgekehrt. Eulalia tippt keck am heiligen Haus- geriimpcl und der Reffe droht mit dem Bakel. Eulalias Verbrechen ,st min nicht gar so schlimm Wir wissen nicht, ob diese Jnfantin von Spanien einem Marquis von Posa begegnet ist, aber in ihrem Buch„Au Iii de la Via"(Im Lauf des Lebens), daS sie soeben in Paris herausgegeben hat. legt ste für eine Person, die dem Weihrauch- und pariümgeschwängcrten Milieu der spanischen Dynastie entstammt, einen bemerlenswert fcMgeschrittenen iliberaliSmuS an den Tag. Sicher find darin keine werlvollen neuen Gedanken, aber immerhin ist es schon löblich, daß die Dame ernste Lektüre treibt und über ihr Verhältnis zur modernen Welt nachdenkt. Erfreulich auch, daß sie nicht, wie crndercjhrer SrandeSgenosstnnen, ihre Emanzipation durch Auskramen ihrer«exualaffären und sonstigen KlatickeS demonstrieren will. Ein Kapitel des Buches behandelt auch den Sozialismus, von dem sie freilich keinen klaren Begriff hat. Vor allem mit dem Klassenkampf weiß sie nichts anzufangen. Aber schließlich ist eS schon ganz respektabel, wenn eine Prinzessin soviel toziale» Jd-aliSmus erworben hat. um zu schreiben:„Es müßte so weit kommen, daß niemand genug reich wäre, um jemand zu kaufen und zu knechten, und niemand zu arm. daß er gezwungen wäre, sich zu verkaufen. Dazwischen findet man wiederum erzdumme Stellen. aber alle diese Ketzereien wären vielleicht noch nicht so schlimm acwesen. kälte die Verfasserin nicht rnick an dem Gebäude der„christ- jichcn Familie" gerüttelt, bei dem die bigotte Königin-Mutter streng die Wackt hält. Eulalia spricht sich nämlich, von persönlichen Erfahrungen belehrt, entichiedcn für die Ehescheidung und für das Reckn ver Wiederverehelichuug aus. Auch diese Dinge sind nun schv» seit langem und oft besser gesagt worden, aber in der -rat no» von keiner Infantil, von Spanien. Darum fühlte sich der junge Mensch, der vorläufig»och König von Spanten ist. berufen, diele Schmach von seinem erlauchleii Hause abzuwehren. s-ttte sicü Cttß �Familienoberhaupt" in Positur und sprack der In- fantm telegraphiich den.Wunsch" au-Z. daß die Publtkation des Buches verschoben werde, bis er seine Autorisation gegeben habe. Worauf die Jnfantin ganz vernünftig erwiderte, daß sie erstaunt sei, daß der König über ein Buch urteilen wolle. daS er nicht kenne, und daß sie im übrigen angesichts dieser Zumutung den Verkehr mit lhm 0bbt5fa« Komische ist nun. daß sich dieser Familienzank zu einer Staatsoffäre ausgewachsen hat. die die Diplomaten in Atem hall «nd den Ministerrat in Madrid beschäftigt. Es gibt auch viele Leute, die aufgeregt diskutieren, ob der schreiblustigen Prinzessin der ?jnfantinnentitel angeboren oder ob er konfiszierbar fei. GcMz be- anders erbaulich aber ist die Totsache, daß der Minister, der als Handlanger dient, der famose Herr C a n a l e j a s ist, dein die liberale Presse aller Länder als die fleischgewordene Gedankenfreiheit ver- himmelt hat. DaS Theater alS Zeitung. Im Wettstreit um Sensationen ist die Direktion des Pariser Athenöe-TheaterS auf die Idee gekommen, die neuesten Begebenheiten in einer Art dramatisch zer- legier Zeitung auf dem Theater vorzuführen. Die Szene stellt einen Redaltionsiaal dar. Der Redaktionsselretär sitzt an einem Tisch, eine Ma'chinenschreiberin tippt. Hinter einem großen amerikanischen Schreibtisch sieht man einen Redakteur hocken. Der Schreibtisch aber ist in Wirklichkeit ein Klavier, der Redakteur der musikalische Begleiter der verschiedenen Resionredakteure, die nach einander eintreten und die Aktualitäten in Chansonsorm zum Besten geben. Dazwischen gibt eS allerhand Ulke, die dem Ganzen etwas dramatische Bewegung verleihen sollen. DaS Programm dieser gespielten Zeitung wird jede Woche erneuert werden, so daß diese schließlich doch nur ein Wochenblatt ist, was den Herren Autoren erlaubt, ihren Witz, soweit sie einen solchen haben, nicht allzu sehr abhetzen zu müssen und so ist die ganze Geschichte einfach eine Kombinatlon des auf den Pariser Theatern seit langem heimischen und eigentlich recht er- schöpften„Revucil"-GenreS mit der AklualitätSferie des KieutoppS. Natürlich muß sich die„gespielte Zeitung" auS Rücksicht aus das Publikum an die liebliche Gattung der„unparteiischen" Journale anschließen. Aber am Ende wird auch die szenische Widerspiegelung des bürgerlichen Zeltungsbetriebes zu einem lohnenden Geschäft werden, wenn die Meister ihres Stils neben der witzigen Rede das weise Verschweigen zur Gellung bringen. Im Reiche der Lepra. Etwa sechs Kilometer von Taschkent kommt man an eine hohe Mauer, über deren EingangStor die In- sckwift steht: Kirctilan Machan— d. h. das Dorf der Aussätzigen. Die Menschen, die hier leben, sind ausgeschieden aus der übrigen Welt: acht Hektar sind hier die Welt für die Unglücklichen, die dem Tode geweiht sind, acht Hektar eines blühenden, duftigen, schattigen Gartens. Bis zur Erde beugen sich die Aeste der Obstbäume unter der Last schwellender Früchte. Ueberall wachsen die prächtigsten Blumen; die Terrasse von dem Haufe ist von blütenbedeckten, Rosen- hecken umgeben. Und umringt von allem Glanz einer verschwende- rischen Natur leben hier die Aussätzigen. Da bereiten einige Männer daS Mittagessen, die Frauen nähen; dort spielen drei Kinder, zwei von ihnen sind Kinder von Aussätzigen, das dritte gehört dem Wächter, einem gesunden Menschen. Noch sind die jugendlichen Körper verschont geblieben, aber sie tmgen den Keim der Krankheit in sich und müssen ihr früher oder später zum Opfer fallen. An einem Wassergraben sitzen zwei Kranke— Bilder des gräßlichsten Elends. DaS Geficht des einen ist mit Krusten und Schorf bedeckt, daS eine Auge ist beinahe vollständig ausgeeitert, die Nase ist eingefallen, die Oberlippe weggefressen, die Sprache nur noch ein heiseres Flüstern. Noch schrecklicher sieht der andere aus— die Feder sträubt sich, ihn zu schildern. Auf einem Bett unter einem Fliegentuch liegt der älteste Kranke; beinahe dreißig Jahre siecht er dahin, ein lebendiges Skelett. Die Frauen leben in einer besonderen Abteilung. Die jüngste ist etwa fünfzehn, die älteste vierzig Jahre. Die meisten haben sich hier mit Aussätzigen verheiratet; zwei gebaren Kinder, die anderen blieben kinderlos. Wer von den Männern arbeitsfähig ist, bcschäf- tigt sich mit Gartenbau; was dadurch erzielt wird, dient natürlich nun zum Gebrauch der Kranken. Die Aussätzigen, eine Kolonie von etwa fünfzig Personen, leben von Wohltätigkeitsfpcnden. Täglich wird aus der Stadt Fleisch herbeigeschafft, ein halbes Pfund für jeden. In demselben Hause mit den Kranken zusammen wohnt in einem besonderen Zimmer der Polizist, ein Sorte. Er verkehrt gang unbesorgt mit den Kranken und ißt sogar mit ihnen gemein- schaftlich. Auf die Frage, ob er die Ansteckung nicht fürchte, ant- wovtete er:„Wenn Gott nicht will, so wirst Du nicht krank." Sein Vorgänger lebte ununterbrochen zwölf Jahre fang unter den Aus- sätzigen und kam gesund von dort zurück. Täglich besucht ein Fetdfcher die Kolonie, die unter Oberaufsicht des Stadtargtes ftebt. Noch vor fünfzehn Jahren durften die Aussätzigen betteln, nicht in der Stadt, aber auf der Landstraße. Der Kranke zog dort um sich einen Kreis, den er nicht überschritt. In diese Kolonie kommen nur Kranke, deren Leiden schon weit vorgeschritten ist. In dem Ambu- latorium des Taschkentcr Hospitals werden die leichteren Kranken behandelt, die jahrelang unbehindert leben; man muß daher er- staunt sein, daß die Seuche nicht einen viel größeven Ilmfang an- nimmt._ Notizen. ---Herr Bode glaubt nicht mehr an seine Flora. So behauptet wenigstens ein„vornehmer Russe", der mit Herrn G r e t or in Paris in Differenzen geraten ist. Dieser... Grctor hat in der Floraaffäre eine höchst merkwürdige Rolle gespielt und auch in unserer Redaktion damals- eine Vorstellung gegeben. Nach diesem russischen Gewährsmann ljat er Herrn Bode die Flora an- gedreht(wofür ja der Umstand sprechen würde, daß«n 60 000 M. Schmu dabei gemacht haben soll). Billig ist diese internationale Größe, die früher mit„echten" RembrandtS handelte, jedenfalls nicht; sie verlangt 200 000 M. Schadenersatz wegen Verletzung ihrer Ehre. — Der billige Wagner. Lohen gr in und Tristan, die beiden Werke Richard Wagners, die mit Tannhauser die am weitesten ins Volt gedrungenen Werke des Meisters sind, tvcrden soeben von den Originalverlegern zu erheblich verbilligten Preisen angekündigt. Der Klavierauszug zu 2 Händen, dem der vollstan» dige Tert untergelegt ist, kostet jetzt 2 M., der Klavierauszug mir Text kostet 3 M., die vollständige Orchesterpartitur in Taschenformat kostet 12. M. — Leibis Atelier, das er lange Jahre mit seinem Freund Sperl in Kutterling bei Aibling(Obcrbayern) bewohnte. wird als Ergänzung der von der Stadt Köln angekauften Saurm- lung von Bildern Leibis in die Heimat des Meisters übergeführt werden.— Leibi hat bekanntlich von der Heimat, die ihn zu Leb- zeiten schlecht genug behandelte, nichts wissen Mellen. kcichäusern Tegen Set KiMeabKeisunge» angefragt, mid sämtliche Vorstände haben die dringende Notwendigkeit eines zweiten Kinder- krankenhauses scharf betont. Die Deputation hat darauf vor weni- gen Wochen nochmals ihrerseits dem Magistrat die schleunigste Er- richtung eines solchen, und zwar möglichst im Osten, als tn einer kinderreichen Gegend empfohlen. Echo» in der Anleihe von 1904 standen l'A Millionen für die Errichtung eines zweiten, Kinder- krankenhauses: das Geld ist aber für andere Zwecke in Anspruch genommen worden, und in der neuen Anleihe steht nichts davon. Stadtrat Selberg: Der Beschlust von 1904 war ein Akt der Fürsorge für die Zukunft. Die Summe ist aber zum Ausbau des titadialshstems XI verwendet worden. Seitdem hat die Stadt in mancher Beziehung für die Kinder Fürsorge getroffen: die Kinder- station zu R u m m e l s b u r g, die der Waisenverwaltung, um die uns die ganze Welt beneidet, in der K ü r af f i e r str a ste; das Kaiser, und Kaiferin-Friedrich-Krankenhaus ist ausgebaut und hat »7 Betten mehr als vorher; ebenso sind Kinder in groster Anzahl im Virchow-Krankenhause untergebracht. In Charlottenburg sind Krankenhäuser entstanden, die Kinder aufnehmen. Das Kinder- krankenhaus, das 300 Betten enthalten sollte, ist notwendig aber für einen großen Teil davon ist inzwischen doch Platz geschaffen worden. Die Abweisungszahlen geben kein klares Bild, weil dar- unter auch die sind, welche heute abgewiesen sind, aber morgen auf. genommen werden. Der Magistrat steht auf demselben Standpunkt wie die Deputation. Ich werde mich bemühen, die Sache in die Wege zu leiten. Stadtv. Sachs(A. L.): ES wäre besser, wenn die Kinder auf die bestehenden Krankenhäuser verteilt werden, da- mit man nicht ein Kind, das im Westen erkrankt, nach dem Osten schleppen muß; das must gehen. Die Zahlen des Dr. Wehl ängstigen mich nicht. Das Krankenhaus, für Säuglinge ist etwas anderes; diese Anregung ist ernster Beachtung wert. Stadtv. Dr. Wehl: Nachdem der Vorredner hier öffentlich er- klärt hat, er sei durch meine Zahlen nicht beängstigt, bedauere ich, dervorheben zu müssen, daß er die Sache mehr vom Standpunkt einer gesättigten Existenz ansieht.(Unruhe.) Auch der Magistrat hält ein Kinderkrankenhaus für notwendig, und nur Herr Sachs allein hat in der Deputation dagegen votiert. Die Aufstellung von noch mehr Kinderbetten in den Krankenhäusern ist nach den Er» klärungen sämtlicher Direktoren untunlich. Meine Zahlen stammen von der Amts stelle und dürften sich doch auf eine genaue Personalaufnahme gründen. Den chronischen Notstand» daß schwerkranke Kinder auch in epidemiefreien Zeiten abgewiesen werden, habe ich nochmals betonen müssen und wollen, und in dieser Beziehung bin ich mit der Erklärung des Magistratskommissars zufrieden. Die Vorlage wird genehmigt. Schluß der öffentlichen Sitzung 7 Uhr. Hus der Partei. Gemeindewahlerfollge in Bayern. In K e m p t e n im Algäu eroberten unsere Genossen bei der (ürmeinderatswahl zwei Mandate. Die Stimmenzahl der Sozialdemokraten stieg von 900 auf 3026.— Die Gemeinderats- mahl in Kaufbeuren brachte unseren Genossen einen Sitz im Rathause, in dem die Sozialdemokratie bisher nicht der- lrete» war. Die zweite Wahlliste in Stuttgart. Von der bürgerlichen Presse war berichtet worden, daß zur Gemeindewahl in Stuttgart von sozialdemokratischer Seite zwei Listen aufgestellt worden seien. Der offiziellen Partei« liste hätten die Revisionisten eine Liste gegenübergestellt, aus der sich ein Teil anderer Rainen befänden. Wir stellten schon fest, dost die auf der zweiten Liste genannten Genossen, die sich auf der offiziellen Parteiliste nicht befinden, erklären, dast ihnen von der gauzeu Sache gar nicht? bekannt sei. Nun kommt Licht in das Dunkel, Die Parteileitung de» Eozialdemokra« tischen Vereins Stuttgart hat festgestellt, dast der im „Schwäbischen Merkur" veröffentlichte zweite.Sozialdemokratische iZahlvorschlag" vom Buchdrucker Joh. Jos. Häfele und zwei jüngeren Kollegen in einer dortigen Druckerei ohne Wissen der auf dem Vorschlag genannten Genossen zusammengestellt worden ist angeblich, um Westmeyer und Konsorten sowie den.Schwöb. Merkur� zu düpieren. Das Begleitschreiben an die.Göppinger Voll-zeitung" trügt eine gefälschte Unterschrift, ob auch das Begleit« schreiben an den„Schwäbischen Merkur", ist nicht festgestellt worden. Die drei Buchdrucker gehören der Parteiorganisation nicht an. ES solle» nur vier EgeiNplare deS Wahlvorschlags hergestellt worden sein. Die Stuttgarter Parteileitung ersucht die Genossen, jeden Versuch, sie zur Aftaabe eines anderen Wahlvorschlags als den von der Parteiversammwng beschlossenen zu veranlassen und dadurch die Geschlossenheit und Disziplin der Parteigenossenschaft im Wahl« kämpf zu lockern, energisch zurückzuweisen und der Parteileitung so- fort Mitteilung von solchen parteischädigenden Quertreibereien zu machen._ Eine Warnung. Der SozialdewokratischeVereinFrankfurt a.M. Schon längere Zeit versucht ein gewisser I. König in Gewerk- schafts- und Parteikreiscsi Unterstützung zu erhalten. Er gibt an. dost er in Paris verunglückt sei. der Prozest wegen Entschädigung zwar noch schwebe, aber sehr aussichtsvoll stehe. Er befinde sich nur momentan ohne Mittel. Durch Aufzählung seiner Verdienste um die Arbeiterbeivegung versucht er, von den Genossen Geldmittel zu er- halte». König ist im Besitz eine« Empfehlungsschreibens in deutscher und französischer Sprache, das, wie nachstehendes Schreiben besagt. erschwindelt ist. Vom Arbeitersekretariat Saarbrücken wird uns nHmlich geschrieben: Bezugnehmend auf meinen Bnef vom 16. November 1911 teile ich Ihnen böfl. mit. dast ich durch die Vermittelung der ge- iverkschaftlichen Landeszentrale in Paris seitens des französischen Bauarbeiterverbandes Nachricht erhielt, dast König nur irrtümlicher- weise in den Besitz eines Empfehlungsschreibens deS Sekretärs der Maurersektton in Paris, Genossen Bachet. gelangen konnte. König ist in Pari» als ein Individuum bekannt, welches nur auf Kosten der Organisationen lebt und dieselben ausbeutet. König ist ungefähr b0 Jahre alt. von schlanker Statur und hat duukelrotes Haar._______ Mm der frauenbewegung, Die„Zeitschrift für Frauenstimmrecht" nimmt ihren großen Mund manchmal ein wenig reichlich voll. Weniger dann, wenn eS sich darum handelt, festzustellen, daß ihre Anhängerinnen ihr oberstes Prinzip, die Erringung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für Mann und Frau, schmählich über Bord geworfen haben, als wenn sie den Splitter im Auge des Nächsten entdeckt zu haben glaubt. Dann schlägt sie derartig tolpatschig ins Wasser, daß ihr die trüben Aeuglein überlaufen, und sie meint triumphierend, die ganze Welt sei blind geworden. So ging e? ihr auch in ihrer Nummer vom 1. Dezember, die dem „Äorwäris" eins auswischen— wollte. Bekanntlich brachten die amerikanischen, Zeitungen zuerst die irrtümliche Mitteilung, daß daS Frauenwahlrecht in Kalifornien ein Fiasko erlitten. In Form des Bedauerns konstatierte das auch dev älteste und kräftigste deutsche Vertreter deS Krauen- ftimmrechts, der„Vorwärts", und zwar in seiner Nummer vom 27, Oktober nach Einblick in die vorerwähnten amerikanischen Blätter. Schon 24 Stunden später, konnte der„Vorwärts" seinen Lesern und Leserinnen gesperrt gedruckt die kalifornische Sieges- boischaft mitteilen und klärte den Sachverhalt auf. Wenn die Redaktion der„Zeitschrift Frauenstimmrecht" nicht durch den eigenen Schlag ins Wasser total verblendet gewesen wäre, hätte sie die Nachricht des„Vorwärts" votn 23. Oktober schwerlich übersehen können. Außerdem aber sollte doch eigentlich gerade einer Redaktton, die sich mit Wahlrechtsfragen beschäftigt, bekannt sein, wie oft bü Abstimmungen, an denen ein großer Landbezirk beteiligt ist, zunächst falsche Berichte eingehen, und wie schwer und schwankend und zeitraubend die Feststellung des richtigen Wahl- ergebnisses ist. Und gerade der„Vorwärts" war es, der damals die Ausktärung brachte, daß die erst« Falschmeldung dadurch zu- stände gekonunen ivar, weil zunächst die Resultate der Abstimmung aus den großen Städten vorlagen, die ungünstig für das Frauen- stimmrecht waren, daß dann aber die später eingehenden Nachrichten vom flachen Lande die große freudige Ueberraschung brachten, daß die Fraucnstimmrechtsidec gesiegt habe. Das ist ein Vorkommnis, das— wie gesagt— bei Abstimmungen in Wahlbezirken mit starker Landbevölkerung sich unendlich oft wiederholt. Es findet seine Er- ilärung in der Schwierigkeit, mit welcher in solchen Landstrichen die Uebermittelung der Abstimmungsresultate verbunden ist. Die Redaktion dev„Zeitschrift für Frauenstimmrecht", die doch der Ver- breiwng des Stimmrechts in weitere Kreise dienen will, braucht anscheinend solche Dinge nicht zu wissen. Soziales. Mißwirtschaft in der Koblenzer Ortskrankenkasse. In diesen Tagen ist ein Prozeß zu Ende gegangen, der sich eines Lebensalters von 2Vä Jähren erfreute und der von dem Rendanten Werker der Coblenzer Ortskranlenkasse gegen diese geführt wurde. Der Prozeß endete in letzter Instanz zugunsten Werkers. Die Vorgeschichte des Prozesses ist für die Art, wie die Christen in twn Krankenkassen, in denen sie die Macht haben, wirtschaften, außerordentlich bezeichnend. Der Rendant Werker war bei der Coblenzer Ortskrankenkasse lebenslänglich angestellt. Sein Vertrag schrieb ihm ausdrücklich vor,„jegliche Wahlagitation zu unterlassen". Nachdem Werker zur Zufriedenheit der Coblenzer Kassemnitglieder seinen Posten fast 10 Jahre versehen hatte, fand der christliche Vorstand mit der ihm eigenen Scharssinnigkeit eines Tages heraus, daß der Werker doch Wahlagitation treibe. Man war natürlich sofort mit christlichem Eifer hinter dem Verbrecher her, machte ihm hochnotpeinlich den Prozeß und entließ ihn kurzerhand. Werker war kein Mann, der sich die Behandlung gefallen ließ, er strengte gegen die Kasse den Prozeh an und gewann in allen Instanzen. Auch das Reichsgericht in Leipzig schloß sich den Ur- teilen der Vorinstanzen an, trotzdem die Herren Vorstandömit- glieder Radermacher und Schüler die Coblenzer Kasse in Leipzig in allerhöchsteigener Person vertreten hatten. Der Prozeß kostete den Coblenzer Kassenmitgliedern zwischen S000 und 6000 M. Zu dieser Summe kommt noch das Gehalt für Werker für die letzten 2% Jahre. Außerdem muß W. wieder eingestellt werden. Die Ent- rüstung in den Kreisen der Versicherten ist in Coblenz um so größer, als der Vorstand den Prozeß angestrengt hat, ohne vorher die Mitglieder zu befragen. Das wird die„«chwarzen Krankenkassen« Praktiker" natürlich nicht abhalten, in Zukunft ein wachsames Auge auf die sozialdemokratisch geleiteten Krankenkassen zu haben. S er icMs-Leitung. Der Fall Herrmann. jene bei den Moabiter Vorgängen durch bis jetzt unbekannte Polizeibeamte verübte grundlose Niedermetzelung eines ruhigen,, an keiner Ausschreitung beteiligt gewesenen Mannes. ist immer noch nicht erledigt. Die Personen in Uniform, welche den bedauernswerten Arbeiter Herrmann nieder- säbelten, sind trotz angeblich eingehender Bemühungen der Staatsanwaltschaft immer noch nicht entdeckt. Weil die Mühlen der Staatsanwaltschaft in diesem Falle so unbegreif- lich langsam mahlen, darum kann die Witwe des widerrechtlich Getöteten nicht zu ihrem Recht, einet Rente für sich und ihre Kinder kommen. Bekanntlich hat Frau Herrmann, vertreten durch den Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, beim Landgericht I eine Zivilklage eingereicht, um in erster Linie den Polizeifiskus, und falls die Klage gegen diesen keinen Erfolg haben sollte, die Stadt Berlin zur Zahlung einer Rente zu veranlassen. Mehrere Termine haben in dieser Angelegenheit bereits stattgefunden. Der letzte war am 5. August. Damals beschloß die Zivilkammer, das Ver- fahren bis zum 1. Dezember auszusetzen, in der Erwartung, bis dahin werde das Ermittelungsverfahren beendet sein, welches die Staatsanwaltschaft unter dem Druck der im Moabiter Prozeß festgestellten Tatsachen eingeleitet hatte, um den oder die unbekannten Mörder Herrmanns ausfindig zu machen. Gestern fand wieder ein Termin vor der Zivilkammer statt. Wieder bekamen wir vom Richtertische zu hören, daß die Ermittelungen der Staatsanwaltschaft immer noch nicht abgeschlossen sind. Das Urteil vom Moabiter Strafprozeß genügt dem Zivilgericht nicht, um daraus festzustellen, ob es Herrmann war, der von Polizeibeamten erschlagen worden ist. In dem Strafkammer- urteil ist zwar vom Niederschlagen eines Mannes auf menschenleerer Straße die Rede, aber der Name des Mannes ist nicht angegeben.— Rechtsanwalt Schumacher, der im Zivilprozeß den Polizeifiskus vertritt, b e st r i t t, daß der Getötete, von dem im Strafkammerurteil die Rede ist, Herrmann gewesen sei. Auch im gestrigen Termin beantragte Rechtsanwalt Schumacher wieder die Aussetzung des Ver- fahrens, bis die Staatsanwaltschaft ihre Ermittelungen gegen „Unbekannt" abgeschlossen habe. Die Staatsanwaltschaft wolle ja das Ermittelungsverfahren möglichst beschleunigen. Der Vertreter des Fiskus berief sich auf das Zeugnis der Pastoren Dietrich und Wille von der Reformationskirche sowie einer Frau Dunkel, welche bekunden sollen, daß in den Moabiter Tagen an der fraglichen Stelle mehrere Ver- wundungen von Straßenpassanten vorgekommen seien, also nicht feststehe, daß der im StraskammerurteU erwähnte Nieder- geschlagene Herrmann gewesen sein müsse. Rechtsanwalt Nosenfeld berief sich, wie schon früher, auf das Zeugnis der auch im Moabiter Prozeß aufgetretenen Eheleute Jordan. Doch könne das Gericht schon heute aus Grund der Straskammerakten zu einem Urteil kommen. Was darin angegeben sei über einen Mann, der ohne Veranlassung in menschenleerer Straße von Polizei- beamten niedergeschlagen wurde, beziehe sich tatsächlich auf Herrmann, denn kein anderer von den im Strafprozeß er- örterten Fällen sei so verlaufen wie der Fall Herrmann. Daß es sich nur um diesen handele, werde erforderlichen Falles Landgerichtsdirektor Lieber und die übrigett Mitglieder der dritten Strafkammer bezeugen. Auf den Abschluß des Er- mittelungsverfahrens gegen„Unbekannt" könne man nicht länger warten. Der Polizeipräsident habe doch sehr wenig getan, um die Täter zu ermitteln, und wenn er wolle, könne das Ermittelungsverfahren noch Jahrzehnte hingezogen werden. Länger als ein Jahr sei es her, als Herrmann er- schlagen und seine Familie des Ernährers beraubt wurde. Die Witwe befinde sich in einer Notlage, die sie auf Grund der Zivilprozeßordnung berechtige, eine Beschleunigung ihres Klageverfahrens zu verlangen. Eine nochmalige Hinaus- schiebung dieses Prozesses würde mit einer Rechtsver« Weigerung gegenüber der Klägerin gleichbedeutend sein. Wenn die Staatsanwaltschaft versichere, sie wolle das Er- mittelungsverfahren möglichst beschleunigen, so sei darauf nichts zu geben, denn das sei schon von Anfangs an gesagt worden und doch sei noch nicht abzusehen, wann die Ermitte- lungen zu Ende kämen. Damit war die Verhandlung wieder einmal_ beendet. Einen Beschluß hat das Gericht in der gestrigen Sitzung nicht verkündet. "«' Das Verfahren im Fall Herrmann beleuchtet blitzhell die preußisch-deutschen Justizzustände noch greller,, als das seit Jahren unerledigt gegen den Fürsten Eulenburg schwebende Meineidsverfahren. Der alte Arbeiter Herrmann geht am 27. September 1310 auf die menschenleere Straße, uin seinen Sohn, der von der Schule kommen sollte, vor etwaigen Schäden zu bewahren. Er, der niemand etwas zu Leide getan, wird von zwei uniformierten Beamten mit Säbelhieben trak- tiert, niedergeschlagen und so malträtiert, daß er an den Folgen der polizeilichen Brutalitäten wenige Tage später im Krankenhause verstarb. Und bis heute kann die Polizei und, Staatsanwaltschaft die schuldigen Polizisten nicht ermitteln. hat sie noch nicht unter Anklage gestellt! Ja, dem Zivil- gericht, vor dem die arme Witwe ihr Recht sucht, wird in den Arm gefallen. Ihm werden, dem Gesetz widersprechend, die Akten nicht ausgehändigt. Das zeigt, wie abgrundtief ent- fernt von Gerechtigkeit das Verhalten von Polizei und Staats- anwaltschaft ist, wenn es sich um Rechte eines Arbeiters, seiner Witwe und Kinder handelt. Die Reichsregierung hatte den„Panther" nach Agadir entsendet, um Leben und Eigentum von 5 Deutschen zu schützen. Wann wird sie ein Armeekorps aufbieten, um die Staatsanwaltschaft und Polizei zur Herausgabe der Akten, die preußischen Anklagebehörden zur Anklageerhebung gegen die am Tode Herrmanns Schuldigen zu zwingen und von dem Polizeipräsidium und seinem Präsidenten das Geld ein- zutreiben, auf das Herrmanns Witwe und Kinder seit länger als einem Jahre Anspruch haben? Ein ungetreuer Kasseubeamter. Unregelmäßigkeiten bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin, die zum Teil durch ungenügende Kontrolle ermöglicht tvor- den sind, führten gestern den Rendanten Richard Weiße unter der Anklage der Unterschlagung vor das Schöffengericht Berlin-Mitte. Der Angeklagte, der seit mehreren Jahren bei der genannten Orts- krankenkasse tätig ist, war früher Vorstandsmitglied und ist später Renpcmt geworden. AIS solcher hatte er die Gelder der Mitglieder in Empfang zu nehmen, die die Selbswersicherer in dem Kassen- räum der Ortskrankenkasse abzuliefern haben. Zur Kontrolle der Kasse diente stüher eigentlich nur die Hebeliste, die ausschließlich nur dem Kontrollbeamten unterstehen sollte, an die aber, wie die Verhandlung ergab, auch der Angeklagte zur Entlastung des Kon- irollbeamteu wiederholt herankam. Einige besondere Fälle er- regten nun den Verdacht, daß der Angeklagt« Gelder, die er in Empfang genommen, nicht in das Kassabuch eintrug, sondern für sich behielt und den Vorgang durch entsprechende Eintragungen in die Hebeliste zu verdunkeln wußte. Durch die Tätigkeit des vom Magistrat beauftragten Revisors, MagistratSsetretärS Quander, und eingehende Nachprüfungen deS Kassenvorstande» konnten 1011 Fälle festgestellt werden, bei denen solche Unregelmäßigkeiten vor- gekommen sind. Diese Fälle liegen biS zum Jahre 1909 zurück und umfassen Summen im Gesamtbetrage von 3500 M., die der» Angeklagte unterschlagen haben soll. Der Schreibsachverständig« Rcchnungsrat Drogolin hat festgestellt, daß in der Hebeliste zahl« reiche Eintragungen von der Hand des Angeklagten herrührten. Der Angeklagte bestritt entschiebeo, irgendwelche strafbare Hand« lungen vorgenommen zu haben; nach seiner Behauptung sei er an Tagen, wo sich manchmal Hunderte von Personen an den Kassen- schalter herandrängten, unglaublich überlastet gewesen, außerdem habe in der ganzen Verwaltung eine derartige Unordnung gc» herrscht, daß ihm keinerlei Schuld an den Unstimmigkeiten in der Kasse zugemessen werden könne. Der Kontrollbeamte sei oft erst ganz verspätet zum Dienst gekommen, er habe diesen auch verschic- deutlich entlasten müssen, kurz, es habe eine ziemliche Unordnung geherrscht. Er habe keinerlei Gelder veruntreut; daS PluS. welches sich hin und wieder in seiner Kasse ergab, habe er dazu verwendet, das Manko, welches sich mehrfach zeigte, zu decken.— Der AmtS- anwalt vermochte auf Grund der Beweisaufnahme dieser Dar- stellung nicht zu folgen, er hielt die Unterschlagungen für festgc- stellt und beantragte 6 Monate Gefängnis.— Das Gericht kam zur Verurteilung des Angeklagten. Wie der Borsitzende in der Bc- gründung des Urteils hervorhob, ist durch die Beweisaufnahme un- zweifelhaft erwiesen, daß die Kontrollverhältnifle nicht solche waren» wie man sie bei solchem Institut wünschen und verlangen muß. und daß der Angeklagte Befugnisse ausgeübt hat, die er nicht aus- üben durfte, wenn nicht jede Kontrolle illusorisch werden sollte. Die einzige Kontrolle bestand in der Hebeliste und es mußte dem Angeklagten unmöglich gemacht werden, an die Hebeliste heranzu- kommen. In Wirklichkeit war aber das Gegenteil der Fall und der Kontrolleur brachte dem Angeklagten zu großes Vertrauen ent- gegen. Zuzugeben ist, daß der Angeklagte außerordentlich viel zu tun hatte, er erhielt aber vierteljährliche Mankogelder in Höhe von 45 M. und es spricht gegen ihn, daß er nicht ein einziges Mal von dem Vorhandensein eines PluS in der Kasse Anzeige gemacht hat. Erschwerend für den Angeklagten fällt inS Gewicht, daß er sich eines fortgesetzten groben Vertrauensbruches schuldig gemacht hat und eS sich um ein gemeinnütziges Institut handelt, wo viele kleine Leute ihre Spargroschen abgeben. Andererseits hat das Gericht erwogen, daß für den Angeklagten eine außerordentlich große Ver- führung vorlag und man ihm seine Verfehlungen sehr leicht ge- macht hat. Der Vorstand hätte unbedingt verhindern müssen, daß der Angeklagte sich auch die Befugnisse des Kontrolleurs anmaßte und sich an die Hebeliste heranmachte. Das Urteil lautete auf 4 Monate Gefängnis._ Der zweite Prozeß wegen der Futterdiebstähle auf dem Zentral- Biebhof, bei welchen eS sich nach der Behauptung der Anklage um Futter- mittel im Werte von zirka 60 000 M. handeln soll, beschäftigte gestern unter Borsitz des Landfierichtsrats BrieSkorn die 10. Strafkammer des Landgerichts l. Wegen fortgesetzten Diesstahls waren die Obertreiber Paul Heinrich und Otto Heinrich angeklagt, wäh- rend sich die Treiber Otto Lichtenstein, Konrad Glück und Hermann Heinrich wegen Beihilfe zu verantworten hatten. Die Angeklagten wurden beschuldigt, der Stadt Berlin gehörige Futtermittelreste die ordnungsmäßig hätten abgeliefert werden müssen, für sich bo- halten und in ihrem Interesse verwendet zu haben.— Da die Strafkammer vorher eine sehr umfangreiche Strafsache zu verhau- dein hatte, die sich wider Erwarten bis in die späten Nachmittags- stunden hinzog, beschloß das Gericht, die Sache wegen ArbeitSüber- Häufung abzusetzen und auf unbestimmte Zeit zu vertragen. Das Gericht beschloß, die Angeklagten gegen Stellung einer Kaution von je 3699 M. aus der Haft zu entlassen. Heilmittel und Polizeiagente». Vor dem Schöffengericht Charlottenburg(20. Abteilung) hatte sich der Inhaber der Firma Dr. Michaelis u. Comp., Herr Ditte, wegen Uebertretung des§ 1 der Verordnung von 1901 zu verant- Worten, noch der Heil- und Arzneimittel nur in dm Apotheken feil- gehalten werde» dürfe» Der NngeNagte. der verschledine Präparate hur Stärkung der Nerven usw. herstellt und dieselben an die Grossisten absetzt, hatte, — ivas nach Angabe des Angeklagten bei allen derartigen Ge- schäften gang und gäbe sein soll,— seine Fabrikate, soweit sie in den Apotheken nicht erhältlich sind, auch einzeln verkauft. Hierbei war er nun in eine von der Polizei gestellte Falle geraten. Eine Polizeiagentin. Frau Koch, war bei dem Angeklagten erschienen und hatte von ihm persönlich ein Paket mit IVO Tabletten Inhalt getauft. Diese Tatsache hob der Angeklagte besonders hervor. Die genannte Frau Koch sei eine Beauftragte der Polizei, die die Ware an die Polizei abliefer« und ihre Auslagen wieder zurück- erstattet erhalte.„Selbstverständlich", rief der Vorsitzende jovial dazwischen:„ist die Frau Koch eine Polizeiagentin, was ist denn da weiter dabei?" Und als Herr Ditte hierauf erwiderte, dost dann die Polizei doch geradezu künstlich Gesetzesübertretungen konstruiere, meinte der Vorsitzende ttoHmakS:„Sekbsiv erständlich Hai die Pokizei Agenten. Sie brauchen ihnen ja nichts zu v erkaufen s" Der Ange- klagte bestritt, im Sinne der Anklage sich schuldig gemacht zu haben. Dr. Jeserich und andere Autoritäten hätten dos Präparat gutacht- lich als Nährmittel bezeichnet. Das Gericht folgte aber dem Antrage des AmtZanwalts und beließ es bei der schon im Strafbefehl festgelegten Strafe von 20 Mark oder 4 Tage Haft. Es käme bei der Beurteilung des Prä- parats nicht darauf an. ob dasselbe wirksam sei, sondern ob es unter den Begriff Arzneimittel falle. Das letztere gehe aber aus der Reklameankündigung und aus den daraufbezüglichen Zettungs- inkeraten deutlich hervor. Schokolade sei an sich ja auch kein Heil- mittel, wenn sie aber z. B. für Hühneraugen angepriesen werde, erhalt« Schokolade auch den Charakter eines Heilmittels. BHiffetltat dir � P.?. S. Unzulässig. Zunächst muh der Sigentämer unier einer Frist zur Einlösung aufgefordert werden unter der Androhung, das? nach fruchtlosem Ablauf der Frist Versteigerung erfolgt. Berstreicht die Frist erfolglos, so können Sie die Versteigerung durch einen Gerichtsvollzieher veranlassen. Von dem Versteigerungstermin ist der Schuldner in Kenntnis zu setzen. Zwischen der Aufforderung und dem Termin muh mindestens eine Monatsfrist liegen.— P. G». 34. Die Entscheidung würde von Sachverständigengutachten abhängig sein. Der in, Prozeh unterliegend« Teil trägt die verhältnismäßig erheblichen Kosten.— Fl. R. 1911. 1. Ehefrau und Eltern des Berstorbeneu, bez. Geschwister. 2. Antrag an daS Nachlaßgericht.— C. L. 139. j. u. 3. Die Polizeibehörde hat bajf Aussichtsrecht. 2. Das erscheint nicht notwendig.— Handel 1911. So- weit ersichtlich, ist das Urteil rechtskräftig. Wegen eines Vergleichs setzen Sie sich mit dem Gläubiger tn Verbindung.— W. T. 8. Rein. .H tseeeeeet»«�sssss�. W Unserer lieben Mutter, Schwiegermutter und Logis y' wirtin. Frau Martha Bethge widmen wir zu ihrem so. Geburtstage ein dreifach donnerndes Hoch. tSSZb Etarnlianl. Fritz. Bruno. Minna «> % %. Todes-Anzeigen| SozialdemokraüscberWaiilvereiD fitr den 2. ßerl. Reielistags-Walreis. Bezirk 96 neu 81. Am Donnerstag, 30. November, verstarb durch Unfall unser Genosie, der Mafchinift 212/6 Franz KahBert Katzlerstr. 13 im 54. Lebensjahre. (Ehrt seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. Dezember. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS St. Matthias. Kirchhofes. Marienhöhe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Sozialdemokrat. Mereifl Rixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Maurer (iustav Lcbreiber Lewestraße 5», verstorben ist. Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgm Sonnabend, den 9. Dezember. nachmittags L Uhr. von der Lcicheiihnlle des Rirdorfer Ge- '----- 1, Mariendorfer memde-Ariedhofe», Weg, anS statt. Um rege Beteiligung ersucht vei' Vor»tem«l. Am DtenStag verschied nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber, guter Mann, unser guter Dater. Bruder. Schwager. Onkel und Schwiegersohn, der Maurer Gustav Schreiber im noch nicht vollendeten 40 Lebens- jähre. DieS zeigen allen Freunden und Kollegen im Namen der Hwter« bltebenen tiefbetrübt an .azutaScMreÜ»«»' gtfi HSpfner nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag 2 Uhr von der Lkicheiihalle des Rixdorser Gemeinde« FriedhojeS. Marien- dorfer Weg, aus statt. SozialdemokratisehJaiilfereiii Bezirk Rammelsbnrc- Am Mittwoch, den S. Dezember, verstarb unser Mitglied, der Stell. wacher WiHielm Ldimidt Grtinderger Straße 4 (Bezirk 18). Ehre seine« Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 9. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Rummelsburger Gemeinde-FriedhoseS, Lückstraße. aus statt. 8/14 Die Bezirksleitung Oeuischer Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kolleg«, der Stell- mach« Wilhelm Schmidt Rummelsburg. Krünbergerstr. 4, toi Alter von 32 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 9. Dezember, nachmittags S UHr, von der Halle des Rummelsburger Gemeinde- Friedhofes au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 93/16 Ol« Oiitvorwaltung. Köpenick. SoziaidemokratMahlfereiii Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse. Gastwirt krta Dörnbrack verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. Dezember, nach- nachmittags 3 Uhr, vom Trauer- hause. Müggelheimer Str. 36, aus statt. 204/8 Die Genossen und Genossinnen werden ersucht, sich zahlreich daran zu beteiligen. Her Vorstand. Gesangverein„Mdnnerciior" Köpenick. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Sangesbruder, der Restaurateur prit? Dörnbrack am Dienstag{ruh 3'/« Uhr verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause. Müggelheimer Str. 3«, auZ statt. Nij. Die Sanges brüder Der- lammein sich um 2 Uhr beim SangeSbrtlder A. T a u ch e r t. 62/14 vor Vorntand. Todesanzeige. Am 6. Dezember verstarb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder und Sohn, der Schankwirt Gustav kassow. Im Namen der Hinterbliebenen: i9g/8 llls Bassow. Die Beerdigung findet am 10. Dezember, nachmittags 3 Uhr. von der Leichendalle des Zions- Kirchboses in Nordend au» statt. Hierdurch die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Kellner Panl Lindwig am 6. Dezrinher verstorbell ist. DieS zeigt ttesbetrübt an Witwe Elisabeth Ludwig, geb. Regener. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 9. Dezember, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Kirchhofes in Staaken aus statt. Leerdigungsverelo Serllllerllmmerlellte. Am 5. Dezember 1912 verstarb im Krankenhaus« am Urban der Zimmerer Vllhelm Unbebaaen tot Alter von 78 Jahren. Ehre seinem Andenken! � Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 9. d. M. nach- »nttag» 1'/, Uhr, von der Leichen- balle des Thomas- Kirchhofes, Rirdors, Hermannslraße, aus statt. Um rege Beteiligung bittet Der Po 1921b torftand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß uns» Kollege, der Haus. diener E:mst Fröhlich am 6. d. Mt». im Atter von 32 Jahren verstorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. d. Mt»., nach» miltags 3 Uhr. von der Leichen- halle des Thomas-Kirchhofes. Xixdors, Hetmannftraße. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 58/16 Die Bezlrkevenvattinig. ■BeenafiHUUlWillUUieMeeneenraeeeenmeniraM Schluß nächsten Sonntaa Für Weihnachts» Bescherungen > 11......... Ausnahme-Preise für Tausende von Knaben- u. Jünglingssachen ■ n» fickb ii � ii Manchester-Anzüge J Loden-Pelerinen für Knaben 70-90>150 100-110*00 o. Mädchen lang T!M. lang vlM. 1' i«U»' Knaben-Hosen«» Reiten, ftJr 5—6 Jahre.,,,. M. tM n. 65 Pf, Schfller-Hosen«Mr haltber, tllr 8—14 Jahre.». durchweg H. 2 00 Manchester-Hosen«hr dauerhaft, ftlr 5—8 Jahre,.,,, M. 230 Jünglings-Hosen viele Muster, Schrittlänge 68—74 om... M. 3W BlaueCheviot-AnZÜge hochgesdü, k. 5-8 lohz», durdiweg M. 290 Kammgarn-Anzüge Ww a- braun, für 3—8 Jahre, durchweg M. 65® Knoben-Pyjacks blau, Bermel mit Sticherel. für 5—8 Jahre, M. 428 Norfolk- Anzöge Budokm u Manchester, f. 5-» Jahre, durdiweg M. 650 Russenkittel- Anzüge Kammgarn u-Chevlol, übliche OröSen, H. 7W Jackett- Anzüge viele Stoffarten, kür 9—14 Jahre... 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Lür den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. verlssdanstalt Paul Singer üTZö.. Berlin L'VV7 Nr. 387. 38. Iahrgaag. 2. Ötilnjt»es Jotiüätls" fittliiin Bolliülilatt. Freitag. 8. Dezember!9tt. Die D. Atlkgierteilversammlang der Mhaeu- Gtlioffeilslhast. Berlin, den 7. Dezember 1911. Karl Bog l. der Haupiankläger Nissens. der den von iljm herbeigeführten Nissenprozessen zu einem eigentümlichen Ausgang der- hilft, indem er vor Gericht nicht erscheint, und der gestern auf der Tribüne saß. hat heute den Delegierten seine Anklagen in einem vor dem Eingang verteilten Flugblatt noch einmal unterbreitet. Man macht sich ollgemein auf einen heitzen Tag gefaßt, doch scheint immer mehr die Meinung durchzudringen, daß man um der Gegner willen nicht einen Präsidenten sollen lassen kann, der sich wie Nissen im Kampfe für die Genossenschast bloßgestellt und zum Opfer gebracht hat, gegen den bislang immer noch unbewiesene Behauptungen vorliegen, die recht an den Haaren herbeigezogen scheinen, und unter dem die Genossenschaft einen überraschenden Aufschwung genommen hat. Sie ist von 6 0 00 auf 1 4 000 Mit. g l i e d er angewachsen, ihre Einnahmen sind, trotzdem der Bühnenverein alle srüheren Vergünstigungen aufgehoben hat, von Jahr zu Jahr gestiegen, das unter seiner Präsidentschaft gegründete Rechtsschutzbureau hat für die Schauspieler großen Nutzen gestiftet, und ebenso befriedigt kann die Genossenschaft auf die Tätigkeit des vor einem Jahre gegründeten Frauenkomitees blicken. Das sind Dinge,-die von den in Gruppen zusammenstehenden Delegierten lebhaft erörtert weiden. Inzwischen ist Karl Vogt im Saale erschienen, worauf ein Ber- liner Delegierter erregt gegen das Vogtsche Flugblatt protestiert. Vizepräsident Paul: Ich möchte dazu bemerken, daß Herr Vogt sich aufhalten mag, wo er will, und tun mag, was er will; er geht uns absolut nichts an.(Lebhafter Beifall.) Desider Z a d o r- Dresden plädiert dafür, unter allen Um- ständen die Wahlen noch heute vorzunehmen, da viele Delegierte schon heute abreisen müßten, was Präsident Nissen nach Mög- lichkeit zu unterstützen verspricht. R i ck e l t wendet sich dagegen, da Rücksichten auf Delegierte, die, wie v. U l I m a n n- Magdeburg, schon am Mittag abreisen, die Verhandlungen in unzulässiger Weise hemmen würden. Es entwickelt sich eine lebhafte Geschäftsordnungsdebatte, in der Rickelt und Zador ziemlich heftig aneinander geraten.(Rufe: Schluß! Schluß!) Von der Fraktion„Winds", dem konservativen Flügel, wird die sofortige Vornahme der Vorstandswahlen zur Pensionsanstalt verlangt(die zugleich für die Genossenschaft gelten), um fest- zustellen, ob die Besoldung des Präsidenten beantragt wird oder nicht. Präsident Nissen verliest daraufhin den Beschluß des Zentralausschusses, der gegen die Stimme Kienschers-Karlsruhe gefaßt wurde und für den Präsidenten eine Dienstaufwandsentschädigung verlangt, um den Inhaber dieses Amte? für alle Zeiten un- abhängig zu machen. Der Antrag gelangt später zur Verhandlung. Die Präsenzliste ergibt die Anwesenheit von 6415 Stimmen. Als der Präsident die im vorigen Jahre zurückgestellten An- träge zunächst zur Verlesung bringen will, wird von der Opposition außerordentlich erregt dagegen protestiert. Man merkt, daß die Opposition um jeden Preis die Präsidentenwahl so früh wie möglich vornehmen lassen will; sie verspricht sich offenbar von einem früheren Termin mehr Chameu. Nur mühsam vermag der Vize- Präsident Paul die erregten Gemüter mit dem Hinweis zu be- schwtchtigcn, daß mehr als zuvor die Äugen der Oeffentlichteit auf die Verhandlungen gerichtet sind. Die Versammlung gibt dem Wunsch« Nissens nach und Rechtsanwalt Dr. Seelig-Mannheim. der Syndikus des Chor- fängerverbandeS, referiert nunmehr über die Kartellierung von 60 000 Bühnenkünstlern, die am 28. Oktober zwischen der Bühnengcnossenschaft, dem Bühnenverein, den Musikerverbänden und dem Chorsängerverband unter Führung der Genossenschaft, vorbehaltlich der Genehmigung der Delegiertenversammlunaen, beschlossen worden ist. Redner ver- spricht der Genossenschast durch die Kartellverbände so viel An- regungen, so viel Arbeit zu geben, daß ihr keine Zeit mehr bleiben soll, sich selb st zu zerfleischen!(Tosender Beifall.) Die Hauptaufgabe aber mutz und wird sein die Lösung der Fragen, die Mischen der Genossenschaft und dem Bühnenverein schweben. So- lange aber der Bühncnverein die Bühnengenossenschaft nicht alS völlig gleichberechtigt anerkennt, so lange darf der Bühnenverein uns nicht als die richtige Vertretung der Theaterleiter gelten. Und gesteht der Bühnenverein diese Gleichberechtigung nicht gutwillig zu, dann Kampf bis aufs M e s s e r. bis sie erkämpft ist. In diesem Kampfe haben Sie das Kartell ganz auf Ihrer Seite. Um des lieben Friedens willen Kotau zu machen, wäre Ihrer unwürdig!(Stürmischer Bei- fall auf der einen Seite, ungeheurer Widerspruch und Schlußrufe von feiten der Opposition. Der furchtbare Lärm läßt nur einzelne Worte verstehen: Unerhört! Abtreten! Wir sind keine Ar- /beiter! Sie haben das Lokal verwechselt! Das ist Stimmungsmache!) Minutenlang vermag die Glocke des Prä- sidentcn nicht durchzudringen. Dr. Seelig gibt es achselzuckend auf, weiterzureden und tritt unter stürmischen BeifallÄundgebungen von feiten seiner Freunde ab. Andauernde Ruse um Ruhe rufen immer wieder neuen Lärm hervor. Mehrere Minuten lang sieht es aus, als ob an ein Weiter- verhandeln nicht mehr zu denken wäre. Die Delegierten verlassen die Plätze und schreien aufeinander ein, und man hat in diesem Augenblick den Eindruck, als ob die Sache Nissens durch die allzu temperamentvolle Rede Dr. SeeligS merklich gefährdet sei. Erst als Nissen nach langen vergeblichen Versuchen mit seiner Stimme durchdringt und verspricht, daß Dr. Seelig den Konflikt mit dem Bühnenverein nicht mehr berühren werde, darf dieser seine Rede zu Ende führen. Er führt an. daß das Kartell keine Streikorganisation sei, da das für Bünenkünftler mit ihren längeren Verträgen eine Unmöglichkeit sei. Nur mit gesetzlichen Mitteln wolle das Kartell für die Forderungen der angeschlossenen Verbände eintreten. DaS Ziel aber muß sein ein anständiger, billiger, in sozialer Be- ziehung gerechter Normalvertrag. Der Redner kommt „och einmal auf diejenigen seiner Aeußcrungen zurück, die den Tumult vorher entfesselt hatten und erklärt, keine Einmischuna und keine Stimmungsmache beabsichtigt zu haben. Er habe nur im Sinne der Genossenschaft gesprochen.(Lebhafter anhaltender Bei- Winds verlangt zu protokollieren, daß die rechte Seite ge- schwiegen habe. Unter betäubendem Beifall fordert darauf Rickclt die Protokollierung des begeisterten Beifalls von feiten der Linken.(Erneuter Beifall.) Winds protestiert weiter gegen die Vergeudung von Zeit und Geld durch solche Reden. Die Rechte wird hier fortwährend, wenn sie dem Präsidium opponiert, als Knechte des Bühnenvereins hingestellt. Das ist eine Beleidigung. die wir auss schärfste zurückweisen! Rickelt: Es war sehr verständig vom Lokalausschuß, die Ver- sammlung nach dem Zoologischen Garten zu verlegen. (Die Rechte springt spontan auf und Rickelts Worte gehen in einem ohrenbetäubenden Lärm unter, der sich immer wieder erneut. Der Präsident rügt den Ausdruck, dem Nickelt eine harmlose Auslegung aibt.) Man sollte zunächst einmal jeden Redner zu Worte kommen lassen und ihn nicht niederbrüllen, wie eS hier mit Dr. Seelig ge- schehen. Der Rechten die Opposition zu verübeln, fällt der anderen Seite gar nicht ein; aber man sollte dann doch Anregungen und Bedenken/ wie sie von Dr. Seelig zur Sprache gebracht worden sind, objektiv gegenüberstehen können. Vielen Delegierten waren Dr. Seeligs Worte sehr willkommen! Die Debatte über den Zwischenfall Dr. Seelig dauert noch eine Zeitlang an, wobei eine Reihe von Delegierten gegen die Redens- art von der„rechten" und der„linken" Seite protestiert. Bolz-Feigel(Direktor der Pensionsanstalt des Oester- reichischen Bühnenvereins): Sie haben Dr. Seelig nicht ausreden lassen. Darum will ich verfuchen, Ihnen an einem Beispiel zu zeigen, wie wertvoll das Kartell, der Zusammenschluß gleichartiger Berufsorganisationen ist. In Oesterreich beschlossen Direktoren- verband und Bühnenverein die Gründung einer Theaterzentral- kommission, wobei der Direktorenverband den Deutschen Bühnen- verein mit einbeziehen wollte. Da haben die österreichischen Schau- spieler protesttert und erklärt, daß sie eher wieder austreten würden, als einen Direktorenverein zulassen, der ihre deutsche Bruderorga- nisation nicht als gleichberechtigt anerkennen will! Das Kartell wird ein Segen für beide Teile sein. Winter vom Königl. Schauspielhaus Berlin polemisiert gegen das Kartell. Derartige sozialistische Experimente mögen für Maurer und Zimmerleute passen, aber nicht für Schauspieler! (Widerspruch.) Präsident Nissen: Sie können nicht mehr gegen das Kartell sprechen. Es ist aus der vorigen Delegiertenversammlung bereits genehmigt worden! Winds begrüßt den Abschluß des Kartells, glaubt aber doch, daß die Oesterreicher den meisten Vorteil davon haben werden. Nachdem Dr. Seelig noch einmal Zweck und Ziele des Kartells in längerer Rede auseinandergesetzt hat, die diesmal ruhig ange- hört wird, teilt der Präsident Nissen mit, daß er, unbeschadet der Genossenschaftswahlen, bereits zum Kartellpräsidenten für 1912 ernannt sei. Es folgt zunächst der Bericht über die Jahresarbeit der Zehnerkommission. I e ß n e r- Hamburg referierte über den zu bildenden E h r e n r a t, der in allen Fragen, welche die StandeSehre der Genossenschaftsmitglieder betreffen, zu urteilen haben wird. Das Urteil soll nur aus formalen Gründen anfechtbar sein. Der Ehrenrat soll uns helfen, Verräter in unseren Reihen selberzurichten. mit denen wollen wir nicht mehr vor ein preußisches Gericht gehen. Die Besten aus unseren Reihen sollen reinen Herzens und unbefangenen Gemüts und sollen nicht nur über die Angeschuldigten, sie sollen auch über die Kläger urteilen, und das gewährleistet ein gerechtes Urteil. Erich Ziege l-Berlin spricht gegen den> Ehrenrat, der nur Denunzianten züchten würde. Vizepräsident Paul und Otto- Hamburg treten wie Jeßner sür den Ehrenrat ein. während Kienscherf- Karlsruhe klarere Bestimmungen wünscht. Otto tritt in diesem Zusammenhange für eine gründliche Umarbeitung der unmodern gewordenen Statuten ein. Rickelt: Auch ich bin durchaus für einen Ehrenrat, der uns Gelegenheit geben würde, Beschuldigungen gegen Kollegen in den Kreisen der Genossenschafter zu prüfen. Es gibt Fälle, in denen man nicht immer vor Gericht gehen kann. Man denke nur an die Behauptung des Sozialdemokraten Tölke vor Jahren, Bebel bezöge ein JahreSgehalt von 600 Talern vom König von Han- „Over. Der Anwalt Bebels lehnte es ab, den Prozeß zu führen, weil der König doch nicht vor Gericht erscheinen und alle Welt dann gesagt haben würde: Aha, der Bebel hat das Geld also doch gekriegt! So kann es uns auch gehen, wenn irgendein Pamphletist, der nach nerostratischer Berühmtheit lechzt, gegen uns angeht.(Lautes Bravo!) Bolz- Feigel empfiehlt ebenfall» die Bildung eines Ehren« rates. Eine weibliche Delegierte befürwortet ihn im Interesse der Schauspielerinnen. In seiner Replik zieht Erich Ziegel gegenüber der historischen Reminiszenz, die Rickelt vorgebracht hat, den Fall des Oberst Gädke ein, der als hochanständiger Mann dennoch von seinen Kameraden infamiert wurde. Wir sind für den Ehrenrat nicht nur reif, sondern schon darüber hinaus. Jeder Ehrenrat ist ein« veraltete Institution. Der Antrag wird ange« n o m m e n. Als Ehrenratsbeisitzer werden Laurence, Trianontheater, Basser- mann, Deutsches Theater, Forchhammer-Frankfurt a. M., Frau Ilm, Winds-Leipzig, als Stellvertreter Oskar Fuchs. Jeßner, Frau Rubner, Kromer-Mannheim und Gemünd-EIberfeld gewählt. Dann endlich, in schon vorgerückter Nachmittagsstunde, kommt der Antrag 4 des Dresdener Hostheaters zur Behandlung. Er lautet: „Die Delegiertenversammlung wolle beschließen: die provi- sorische Besoldung des Präsidenten nicht zu erneuern, sondern wieder einen im Ehrenamt wirkenden Präsidenten zu wählen." Präsident Nissen legt für die Dauer dieser Verhandlungen den Vorsitz nieder, den Vizepräsident Paul übernimmt. Desidor Zador begründet den Antrag. Wir wollen die Person Nissens aus der Debatte lassen. Wir erkennen die Arbeitstätigkeit des Präsidenten durchaus an, aber wir wollen keine Aemter- hascherei bei uns großziehen und den Präsidentenposten wieder zu einem Ehrenamt machen!— Der nächste Redner Nickelt verzichtet für den Augenblick auf das Wort. Er will offenbar erst die Gründe der Gegner kennen lernen. Laurence-Berlin schildert die außerordentliche Arbeits- leistung, die auf einem heutigen Präsidenten ruht. Zwei Herren kann man nicht dienen. Den Mann, der an unserer Spitze steht, frei und unabhängig zu machen, damit er für unS arbeiten kann, muß unsere nächste Aufgabe sein! Tun wir das und wir haben etwas Großes getan!(Stürmischer Jubel bei den Delegierten, der sich auf den Tribünen fortpflanzt und wiederholt.) Winds pro- testiert erregt gegen die Beteiligung der Galerie an den Kund- gebungen. Die Galerie hat kein Recht dazu; in keinem Parlament ist das Sitte.(Von mehreren Seiten ertönen laute Rufe:„Krön- prinzl") Der Vizepräsident bittet die Tvibünenbesuchcr, Kund- gebungen zu unterlassen und bringt den Antrag 5. der einen f e st- besoldeten Präsidenten mit einer Amtsdauer von drei Jahren wünscht, zur Verlesung. Der Antrag 6. der sich mit dem des Hamburger Schauspielhauses deckt und einen besoldeten Generaldirektor fordert, wird mit diesem zusammen ver- handelt werden. Der Antrag 7(Willi Loehr-Berlin). der einen un- besoldeten Präsidenten wünscht, verlangt, daß kein Präsident vor- geschlagen wird, gegen dessen Persönlichkeit schwere Anschuldigungen vorliegen. Gegen die summarische Behandlung dieser auseinander- gehenden Anträge wendet sich Rickelt. indem er vorschlägt, sich erst darüber zu einigen, ob ein besoldeter oder ein unbesoldeter Präfi- dent oder ein besoldeter Generaldirektor mit einem Ehrcnpräsi- denten über sich gewünscht wird. Es tritt eine Pause ein. in der die Delegierten über die einzu- schlagende Taktik beraten. Vorher wird die Resolution des Jen- tralausschusses noch einmal verlesen, die die Besoldung des Präsi. denten empfiehlt. � Nach einer langen und erregten Debatte kommt man zur Ab- stimmung. Der Antrag Dresden wird mit 116 gegen 59 Stimmen unter anhaltendem Händeklatschen und Hochrufen abgelehnt. Ter Antrag 5(Schleswig-WiSmar), der einen festbesoldeten Präsidenten vorsieht, der von drei zu drei Jahren neu zu wählen wäre, würde eine Statutenänderung notwendig machen, für die eine Zweidrittelmajorität notwendig ist. Der Antrag erhält 114 Stimmen dafür, 74 Stimmen dagegen. Er wäre somit als ab- gelehnt zu betrachten, wenn die Statutenänderung in der Tat lung zu entscheiden ljaben. Die Sitzung wird um 7% Uhr per« tagt. Tills Induftrie und Dandel. Der Saatenstand in Preußen. Nach der Statistischen Korrespondenz ist der Saatenstand in Preußen Anfang Dezember 1911, wenn 2 gut, 3 mittel, 4 gering bedeutet: Weizen 2,6, Spelz 2,1, Roggen 2,5, Raps und Rübsen 2,8, junger Klee 3,9. In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz heißt est Während die Witterung in der Saatzeit viel zu trocken war. trat seit Oktober überall Regen ein, der den jungen Saaten von großem Nutzen gewesen ist. Obgleich die Niederschläge in manchen Gegenden ziemlich veichlich gewesen sind, haben sie den Grund- Wasserstand doch nicht zu heben vermocht. In den Brunnen und Teichen fehlt es auch hier noch immer a n W a s s e r. Da im übrigen die Witterung, abgesohen von einigen stürmischen Tagen, vorherrschend mild war und die Befeuchtung für die Winter. bestellung gerade ausreichte, konnte diese überall erledigt und die Pslugarbeit für die Frühjahrsbestellung ziemlich weit gefördert werden. Von den schädlichen Tieren sind es hauptsächlich die Mäuse, die sich wieder, nachdem sie im Laufe des Sommers durch Gift dezimiert waren, swrik vermehrt haben. Andere Schäd- linge werden selten genannt. Allerdings sollen auch die Krähen hier und da erheblich geschadet haben. Infolge der fangen Trocken- vereinzelt überhaupt nicht aufgegangen, während " interWeizen und-Roggen nach den Niederschlägen und der überwiegend günstigen Witterung im Berichtsmonate er» freuliche Fortschritte machten; ebenso der Winter- spelz. Die Felder der Getreidefriüchte sind jetzt zumeist voll be- standen und gehen, namentlich der Roggen, kräftig entwickelt und gut bestockt in den Winter. Früh aufgelaufene Roggensaaten stehen mitunter so üppig, daß bei starkem Schneesall ohne vorauf- gegangenen Frost ihre Auswintevung zu befürchten ist. Man be- avstchtigt deshalb, sie entweder zu schröpfen oder, wo es angängig ist. sie abweiden zu lassen. Der j u n g e K l e e hat sich auf einigen Feldern zwar wieder gezeigt, konnte sich jedoch im großen und ganzen wenig mehr bessern. Hiermit ist die diesjährige Berichterstattung über den Saaten- stand beendet; die nächstjährige beginnt Anfang April, Bus aller Melt. Furchtbare Folge» der Raffenhetze. Die Spannung zwischen Weißen und Negern hat in den nord- amerikanischen Bereinigten Staaten eine Höhe erreicht, daß fast täglich brutalste Ausschreitungen gegenüber den Farbigen zu ver- zeichnen sind. Wenn irgendwo Verbrechen begangen werden: der Nigger ist der vermeintliche Schuldige und die„kochende Volksseele" beruhigt sich erst, wenn an einem Angehörigen der schwarzen Rasse ein feiger Lynchmord begangen ist. Ja selbst die bloße Anwesenheit der Schwarzen erscheint in manchen Orten den Weißen schon als ein todeswürdiges Verbrechen. So kommt aus Memphis die Meldung, daß in der Nähe von Clifton zwei Neger und eine Negerin von der weißen Bevölkerung ermordet worden sind, weil sie dem Verlangen der Einwohner, sich au« der Gegend, wo sie sich angefiedelt hatten, zu entfernen, nicht nachgekommen sind. Die weißen Herren der Schöpfung hatten die drei mehrere Male aufgefordert, sich davon zu machen, weil sie ein Zusammenwohnen mit Farbigen nicht dulden wollten. Unsere amerikanischen Genossen haben noch ein gewaltiges Stück Kulturarbeit zu leisten, bis der infamen Rassenverhetzung ein Ende bereitet wird._ 45 Jahre unschuldig im Kerker. Ein schwerer Irrtum der italienischen Justiz ist dieser Tage durch das Geständnis eines auf dem Todtenbette liegenden Polizeibeamten korrigiert worden. In der Nähe von Rom wurde im Jahre 1866 ein junges Mädchen ermordet aufgefunden. Der Verdacht der Täterschaft lenkte sich auf einen jungen Verehrer der Ermordeten namens G i u st i. ES wurde ihm der Prozeß gemacht und Giusti trotz aller Unschnldsbeleuerungen zu lebenslang- lichem Kerker verurteilt. Welche furchtbaren Folterqualen mag der Unglückliche die ganzen Jahre hindurch ausgeholten haben, denn er war wirklich unschuldig. Am Dienstag hat der richtige Mörder, ein Karabinier, vor seinem Tode seine Schuld bekannt. Er hatte das Mädchen, in das er verliebt war, aus Eifersucht ermordet. Nach dem Geständnis wurde die sofortige Freilassung de» Un- schuldigen angeordnet._ Kleine Rotizen. Antomobilung ück. Ein Automobil mit vier Insassen geriet gestern vormittag auf der Fahrt von Zwickau nach Leipzig beim Ausweichen mit dem Hinterrad in einen Graben und prallte gegen ein H a u S. Frau Richter aus Zwickau war auf der Stelle tot, Frau Kratz aus Wiesbaden erlitt einen schweren Schädelbruch, während der Besitzer des Autos, Apel, schwere innere Verletzungen davontrug. Seine Gattin blieb unverletzt. Tunnelcinsturz. AuS unbekannter Ursache ist bei Dortmund ein Teil des von der Zeche„Tremonia" ausgehenden Tunnels, der von der Deulsch-Luxemburgischen Gesellschaft zum unterirdischen Kohlentrai, Sport angelegt wird, eingestürzt. Von der im Tunnel befindlichen Arbeiterkolonne konnten sich alle retten bi» auf zwei Mann. Die beiden Verschütteten konnten leider nur als Leichen geborgen werden. Ein deutsches Kriegsschiff festgerannt. DaS Linienschiff„Kaiser Wilhelm IL", Stammichiff der Reservedivision, ist Mittwochnach- mittag im dichten Nebel auf Breitgrund vor der Flens- burger Föhrde fest gekommen. Eine Gefahr fürsdas Schiff bestehtabernicht. Die Kreuzer„Undine" und„Danzig" sind zur Stelle.— Wie imS ein Telegramm noch meldet, ist das Schiff gestern spät abend wieder flott geworden. Typhusepideniie in Spanien. In der Stadt und Provinz Gijon grassiert in erschreckendem Maße der Typhus. Es sollen bereit? 2000 Menschen erkrankt sein. Durchschnittlich sterben an der Seuche täglich 25 bis 30 Menschen. Wltterungöübersicht vom 7. Dezember 1011. Stationen Ii Ii Swtnemde. t amburg erlin FranksaM München Wien 767 76t 766 766 76S l| S? SO SO S SO O 770 SO Wetter 3 wollig LRebel 3 bedeckt 3Dunst tNebel 3N-bel WE tiZ »II i« WS 0 3 0 3 —3 0 Stationen 2 c Sh Haparanda Petersburg Scilla Aberdcen Paris 773 S 77�S 7SSNNW 743® 7bgS Setter Schnee Schnee 7|balb bd 4 Regen Ädedcckt 1« HS —3 —4 s 5 6 Wetterprognose für Freitag, den 8. Dezember ISIl. Zimächft etwas wärmer, vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen und lüdlühen Winden! später auftlarend und etwa» kälter. . M Größte Puppen- Spezial-Fabrik Berlins P. R. ZIEROW Berlin N., Schönhauser Allee 179. Größtes Lager von Kngslgelenkpuppen, Oharakterbabys, Balgen, Köpfen, Perücken, sämtl. Puppenartikeln. Fabrikmarke ges. gesch. Keparatnren und alle Ersatzteile. _ Enyro«. nag- Etngclverkanf.-WWI ili 35 WWW Verkauf nur Im Eabrlkgebaude! M Sie sparen öeld!wsr i Ah � Engrospreisen? 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Sonntag, nachm. 3 Uhr: Daria Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: Baskerade. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Da» Mädei von Montmartre. Crevette: 1'rltr.i Bassar�. Sonnt. 3llt Uhr: Dtr ifdele Bzuer. Neue« königl. Opern-Theater. Sonntag, Ift Dezember. 3»/. Uhr: Gastspiel R. Christian»« ssauei i. Teil. AbonnemeniS-Vorftellung, 3'/, Uhr: Ein Sommernachtstraum. AbonnemeniS-Vorftellung. Theater des Westens. 8 Uhr: Fatlnltaa. Sonntag nachm. 8'/« Uhr: Die Dame in Rot. Millwoch und Sonnabend nachm. i Uhr: Max und Morih. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Heule 3 Uhr: Gin Walzer von Chopin. Schwank in 3 AN, v Käroui u, Barrä, Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bviien-BaeckerS, Morgen und folgende Tage t _ Ein Walzer von«hopin�_ Friedrich- WII hei instkdt. Schauspielhaus. s'i, mr- Shttiock Holmes. mit Ecrdiaaud Uonn. Belle-Iiiiance-Theater S1/, Uhr: Narrenspiel. Morgen 4 Uhr: Dornröschen. 81/, Ubr: Rarrcniplel. Luisen-Theater. 8 Uhr: Die Macht der Lied«. Sonnabend nachm, 4 Uhr: Wie Kletu-Else da» Christkind suchen ging.___ IQSEsTHEATE Grotze Frankiurte« Str, 13�. , Abend« 8 Uhr: LiJ Der HMendkfltzer. U Sonnabend 4 Uhr: Da» verzauberte Schlaft. S Uhr: Die grvftte Liebe. Sonntag 3 Uhr: Rotkäppchen. 8 Uhr: Die gröftte Liebe. Trianon-Theater. Täglich«chends 8 Uhr: Aleli» Sonntag nachm. 9 Uhr, franolllDH. Urania. WlBeenaohaftüche» Theater. 8 Uhr: Vom Meran zum Ortler Alice Schalek: Ein Streifzug durch China, Tonking und Macao. Passage-Theater. Das große Festprogramm. Der Triumph der Schönheil! Lebende Kunstwerke Ciaire Waldofl Der tapfere Herr Ängstlich Burlesk-Sketoh mit Georg Kaiser u. W. Goldmann in den HuuptroUen und 18 VarieU-Sensalionew. Acht Wochen-»"-- Feuerfressern TägUob zu sehen! Lebend Die wilden Essanas Karawane audaneaiecher Schrei-, Heul- und Feuer• Fakir« in einem besonders aulgebauten Dorfe. Ohne Fxtra-Entree. Kreuzberg-Festsäle SW., Kreuzbergstr. 48. Jeden Fieiiag i JCottmanns Sänger. nn\. 8 Uhr. Entree 20 Pf. 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Bis 6 Uhr und von lO*/, Uhr an halbe Preise Restaurant ersten Ranges. m im — Di« Hauptstadt im Lande der Liliputaner.— In sämtlichen Räumen von Castans Panoptikum Grofie Zirkus- und Varietd-Vorstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr morgens jbis 10 Uhr abends. ■ Eintritt l Mark.— [Zirkus»4 B A. Schnniann Freitag, 8. Dezember, ab. 8 Uhr: 1 2. Aufführung des Deutschen Theaters-: HM- Jedermann."Mkl | Erneuert von Hugo v. Hof- mannsthiU. Regie; Max Reinhardt | Sonnabend, 8. Oezember, 7'/, Uhr; SolrBc Hlgh-Life 1 mit auserwähltem Galaprogr. ] Auftreten sämtlicher neuen I Attraktionen. Aufführung der großen Eeerie in 6 Bildern IQOO Jahre I auf dem Meeresgrund nach Motiven aus 1001 Nacht. Sonntag, 10. Denomber: i i große Voratellnngen. 3'/, Uhr nachm. u. abends 7ll,. Sowohl abends als wie auch nachmittags nngokUrnte Aufführung der großen Eeorie 1000 Jabre a, d. Meeresgrund. Nachmittags hat jeder Besucher 1 Kind unter 10 Jahren frei auf allen Plätzen, außer Galerie. I Jedes weitere Kind halb. 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Bäsch in 6 Bildern. dressuren ua Um 91/, Uhr zum 5 lM Boigt-Theater. cheiundbrmincu vadstratzc S8. Freitag, den S. Dezember 1911: Prmz vlid Kttilttin. Enaliiche» Sensationsdrama in sech» Bildern von Siegsr. B. Lutz, «alienerössnung 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Volks-Clieatcr. Rtxdors. Hermannstr. LO. Sonnlag, 10. Dezember: Sherlock Holme». Deiecktiolomädte in vier Akten von A. Sachse. Montag. 11. Dezember: Der Ernst de» Lebens. Schauipiel In drei Alten von Jul Schaumberger. Noacks Theater. Direktion: stoben DIU. Berlin N-. Srunncn'tratze 18. Zum letztenmal: Berlin, wie es welnl nnd IM Volisstüd mit(Belang von Kaiisch. Musik von Conradr Ansang 8'/, Utzr. Bon» usw. gültig. Vaslno-Tkoaton Lolbrinaer Str. Z7. Täglich 8 Uhr Novität! Novität 1 Da» SensaftonS.Luftsptch Der Kampf nms Dasein! Sonntag 3>/, Uhr- Dt»»achter de» Sträfling»._ Reiehstiallen-Theater. ffler Sto. Sastlple. Steidl. Ansang 8 Uhr. Sonntags T Uhr. 6. Wahlkreis« Sonntag, den 10. Dezember, abends O'/z Uhr: öchenMe pMdie Versammlung �na Frauen in Puhlmanns Theater, Schönhauser Allee 117. Vortrag des Landtagöabg. Nelorlcd Ltröbel: „Union schwarz-blauer Flagge." Räch der Versammlung:(ZeMÜtUcKeL keiSUMMeNSeln UNl! TatlZ. 233/14*_ Der Einberufer: Paul Dobrohlaw, Schliemannstr. 3g. RIXDORF Achtung! Neichstagswähler! Achtung! Heute Freitag, abends Uhr: Zmei öffentliche Wähler-Versammlungen. 12. Kommunal-Wahlbezirk bei Wolf,«irchhofftrafte 41. Reserent: Genosse Kuri�e. IS. Kommunal'Wahlbezirk bei Hoppe, Hermannftroge 4g. Referent: Stadtverordneter Wermntd. Tagesordnung: i. Die Belastung des Volkes durch die Steuern und Zölle. 2. Freie DiSlussion. 3. Verschiedenes. 237/7 In Anbetracht der überaus wichtigen Tagesordnung wird Massenbesuch erwartet. Dritter �Mkreis. Sinntag, den 10. Dezember, abends 6>/<, Uhr, im Gewerkschaftshause, lgroher Saal), Engeluser 15: Geffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: Die Frauen und die Reichstagswahlen. Referentin: Genossin Frledländer, Räch da Versammlung: KkstUigtS Ktlsllmmtnstin. Eutree inklusive Garderobe Sv Pfennig. Tanz frei.— Dan Bozlaldcmokrattgche Wahlkomitoe. 214/9 Zu zahlreichem Besuch ladet ein D«? Elnberafcp. Wer lUeirVeM. Verwaltung Berlin. Heute, Freitag, abends 8V° Uhr, in Bewertschastshause, Engelufer 14/15, Saal 4(Arbeitslosensaal/: Sitzung der Ortsverwaltung. Maschinenarbeiter. Sonntag, den 10. Dezember er., vormittags 11 Uhr, iu den„-Andrea«- Feststtlen",«ndreasstr. 21: GroOe öffentliche Versammlung aller in tllchlerekn, l|«Izbcarbei<«ngsfabrihen, Sibncidentäblcn und auf Ifolzplätzen bekbäft. Ulatcbincnarbeiter, Schneide- mülkr und Ihilfsarbtlltr. Tagesordnung: „Wie verbessern wir unsere Lage?" Diotusfivn. Vergolder. Die Kollegen werden dringend ersuch», die Werkstatiftagezettel und und die Hygiene-Statistitbogen umgehend nach dem Bureau des Verbandes, Engeluser 14. Zimmer 3. einzusenden. Klavierardeiter. Mittwoch, den L7. Dezember, nachmittags 0 Uhr, im vewerlrMehuftnIiun» sgroßer Saal u. NebrnsSle): Kroßes Weihnaehisvergnügen. Die Ausgabe der Billetts beginnt am Sonnabend, den g. Dezember. abend« von 7'/z Uhr an im BrrtrhrSlokal von Bieberstein, Adalbert« strahe 69. Die Vertrauensleute der einzelnen Betrieb« werden ersucht, sich recht. zeitig mit Billetts zu versehen. 93/17 Achtung! Lehrlinge u.jugendlicheArbeiter der Holzindustrie! Sonntagnachmiitag von Uhr abends ist der Arbeitslosensaal im Gewerkschastebaus«, Engeluser 14/15, al» Lesesaal siir die Lehrlinge und jugendlichen Arbester geössnet- Sämtliche Bücher nnd Zeitschristen der Jugendbibiiothet liegen zur freien Benutzung auS- Auch stehen den Besuchern UnterhaltungSlpiele zur Versügung. Die WerkstattverttauensmSanrr«erden gebeten, die Lehrlinge auf de« Besuch des Lesesaale« aufmerksam zu mache»._ Orts-Krankenkaffe Weitzensee. Bekanntmachung. Gemäss ß KS der Rassensatzung werden hiermit die nach stehenden Aenderungen in der Zusammensetzung des KassenoorstandeS bekannt ge- geben: Neugewählt ist in der General- Versammlung am 28- November er- an Stelle des durch Ablauf der Amts- dauer am 31. Dezember er- aus» scheidenden Herrn Hermann Kittler der Metallarbeiter Karl Diener, hier, Göthestr. 15(als Arbeit- nehmerj. Wiedergewählt sind die bisherigen Vorstandsmitglieder Herren Giieiav Peukert(Arbeitgeber) und Heinrich Brodkorb(Arbeitnehmer). Die AmtSdauer der G ewählten be- ginnt am I.Januar 1912 und endet am 31- Dezember 1914- Weisseniee, den 4. Dezember 1911 Oer Vorstand. 233/7 JA-: Fuhrmann, Vm sitzender- Arlieitep-Ilailfalirer BuDd Soliilarität. Ortsgruppe Berlin, Touren zum Sonntag, den 10. Dezember 2- Abt-: 2 Uhr: Gross-Lichterfelde. (Richter, Chausseestrasse/- 3- und ö- Abt.: Besichtigung des Verkehrs- und BaumuscumS- 3- Abt-- Tresspuntt 2 Uhr Lausttzer Platz 12. S- Abt-: Tresspuntt 1 Uhr Invaliden: stiage 51-(Ohne Rad.) Nachdem ö Uhr: Obiglo- 4- Abt.:!>/, Ubr: Hirschgarten- und Henngstour)- S Uhr: AdlerShos(Döll- Kartoss«l> 5. Abt.: stein)- 7- Abt.: "Ä, (Ichiltzenhaus) 9. Abt.: l'/s Uhr: Tour wird am Statt bekannt gemacht- 13/10 Starts an dm bekannten StcUen- 2 Uhr: Franz--Buchholz 2 Uhr: Schmargendorf )Vathan Aland 128 Stalther Str. 129. Die lchSnsten ierpen-Winler-Palelols n. Ulster und Anzüge Uü�cn erstklalsige, ans Selbe gearbeitete Garderobe, von 4672O Kavalieren gotracen, last neu. für jede Figur passend- sveziell Bauch an züge sind i» grosserAuSwahlstets zu staunend W billigen Pieijen zu haben- >Iatkan Wand ■ 12!) Stalitzer Str. 12!) Hochbal/nstationKottbiiserTor- bitte im eigenen Interesse sut Hnusnummer ru achtsn- >»««,,»,,»«»»»»»»eeeM»«»«»»»MOeM,«e,,»„»««MUHeee»»e»M«»«««ee«!>O»»eeie«,e»»»»»»ee»«e»ee I 1£clncu)cbcr Köllnischer Fischmarkt 4-5-6 Gesellschaftsspiele in allen Preislagen. K Schach. Domino. Dame, Poch- a. Kegelsptele«sw. i Rödern. Spnjltrßöckt und Tnhnitpftiftn aller Art. — geine Wiener Meerschanm- und Bernsteln-Spitsen. J Schun«rt& Wirft, ■ I ! innungs-Krankenkasse der Dach-, Schiefer- und Ziegeidecker zu Berlin. Die am 30. November er. bekannt gegebene Wahlversammlung findet nicht am 13. Dezember er..' sondern am Dienstag, den 19. Dezember 1911. abends 8 Uhr. bei Wall. sehlttker. Adatdcrtftr. LI. tmtl I»er Vorstand. 283/8 Gustav Höh darf, Borsitzender- Ossetterc in nur fnicher, schöner Ware: Binr ein Preis t w Gänse 0,65 8—16 Pfund schwer. 177/8» Rnr allererste Qualität Gansernrnpfk, hnibe Ganse. Seile Suppenhühner, jg- Brathühner. WvUver, 5V. Mr>ann,n,ir. 54. DUtllUOtMM gegenüber der Breite Strasse Für jede Korperfortn passende Herren-Anzüge Ulster° Paletots von 21.— M. bis 75.— M. Weihnachts- Geschenke Morgenjoppen, Schlafröcke von 8.50 bis 45.— M. Beinkleider, Fantasie- Westen vob4.— Wsl 8.— M. Lodenjoppen, Pelerinen von 8.50 bis 28.— M. Knaben- und Jüngl- Kleidung nur in eigenen Werkstätten hergestellt, ist besonders preiswert und unübertroffen in Sitz und solider Verarbeitung 3 5 Sonntag, den 10. Dezember, geöffnet von 8-10 Uhr und von 12-8 Uhfi IH** Arbeftsnachweis: Soj L_ übe Amt Norden, Nr. 1239. Iferwaltiingsstelle Berlin Charitebstraste 3. Hauptbureau: Hol tH Amt Norden, Nr. 1987. Sonntag, den 10. Dezember 1911, vormittags 19 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. Ä7c: Versammliing der Bauanschläger. 33 Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten- 4. Verschiedenes.— Milgliedsbuch legitimiert. Zahlreicher Besuch wird ermattet. 158/12 Die Branchenversmnmlung der Dreher findet für Monat Dezember nicht statt. vi« OKaverwaitmie. Her Ito Dfio Nuhls Das proletarische KiÄ Verlag Albert Langen Munchch Gehestet 3 M., gebunden 4,39 M. Zu beziehen durch alle Buch- Handlungen oder direlt vom Berlag A-lh«i>t I-aajEva, München- U. Zahlstelle Charlottenburg. Sonntag, den 10. Dezember, vormittags DVj Uhr, im«volkshaus, Rosinenstr. 3(gr. Saal): Außmrdcullilhk Gtucrulllcrsiimluug. Tagesordnung: Der eniente Beschlnfi des HanptvorstandeS, die AuflSsung «userer Zahlstelle zum 1. Januar. jar" ES Ist Pflicht jedes Kollegen in Anbettacht dieser wichtigen Tage». ordnung zu erscheinen. Es sind Vertreter dcS Haupt- und Gauvorstandes geladen, versäume niemand sein Mitgliedsbuch nntzubrinßeu. da nur Mitglieder unserer Zahlstelle Zuttitt haben. 93/14* Pia Ortaverwal tue. Yolkshaus Charlottenburg Roviuenutr. 3.* Angenehmer Aufenthalt für Familien. Guter Mittagetisch mit Bier 70 Pfg 4 Kegelbahnen. Seitl von 0,50 an, Peraianer imit. von 6,50 an, für«leg. Hainen- Paletot«. Tuchlager Kech 4 Seeland a. m. b.H., CirMW. 20-21, Wollene mw Blusenstoffe � öS. Ein Post Eameiliaar-; Stoff-Stiefel QC . Kinder, GrSss. 27-35 � V Pf. Ein Posten � mgr Herren-Schals Sa Pf. Ein Post Sleppdeeken für Kinderbett. ca. 60/125 cm J 25 Zisarren x Grau Valoriostck 60. Seerose Vo'stnck 65 p. 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T0 Dessertmesser. 95 pf Fischbestecke � 300 verantwortlich«»eftalteus Aichssk»atli Bsiltn. 0ät den Snferatcnttil betont».: Th.«lscke, Dcrlis. Druck u-Berlag: Vorwärt» KgchbruScrei«. verlagSanstalt Laus�tnger u.to* OttlmiTfc Nr. 287. 28. IahrMg. 3. Wiiiic Ks Jotmätls" jittliiicr MsdlM Freitag. 8. Dezelttber lSU. Sie Kerliner Parteigenoifen im keichstagswahlkampf. Eine öffentliche Mihlerverfammlung. die stark besucht war, Fitten die Genossen des dritten Wahlkreises vm Mittwoch nack den Armmhallen berufen� Genosse Pfan'xluch. der Kandidat des Kreties. ging m seinem Vortrage' vor der Marokkoaffäre und der durch sie verursachten Kriegsgefa�oueu� wenn jene Leute, welche ein persönliches Interesse an und Kriegsrüstungen haben, das Heft in�Hanoen Den Leuten das Handwerk zu legen, ist unsere Uu Das deutsche Proletariat hat dafür zu sorgen, ratz an �e[ie tzxx absolutistischen Zustände demokratische Einrich- in Teutschland Platz greifen. Alles, was dem entgegen- „.cht, mutz hinweggeräumt werden. Auf einen großen und schweren Wahlkampf müssen wir uns gefatzt machen. Wenn der Freisinn die Parole ausgibt: Kampf auch gegen die Sozialdemokratie, so zeigt er, daß er nicht fähig ist, zu begreifen, was die politische Si- tuation fordert und dah er von der Bildfläche verschinnden muh. Die wenigen Liberalen, welche heut noch ehrlich glauben, sie könn- ten den Liberalismus wieder beleben, sind Führer, hinter denen keine Truppen stehen. Sie können deshalb ihre Absicht nicht durch- führen. Eine Besserung der Verhältnisse ist nur zu ertvarten, wenn eS der Sozialdemokratie gelingt, einen dominierenden Ein» fluh zu gewinnen. Dah das geschieht, dafür haben wir bei den Wahlen zu sorgen, auch müssen wir die Gelegenheit wahrnehmen. unsere Organisation auszubreiten und zu stärken. Die rege Diskussion, welche dem mit lebhaftem Beifall aufge- nommenen Vortrage folgte, zeugte von der Kampfeslust der Ge- Nossen. Auch an die Frauen erging der Ruf. so weit es an ihnen liegt, mitzuarbeiten am Siege der Sozialdemokratie, der— das dürfe nicht verkannt werden— im dritten Wahlkreise nicht ohne Schwierigkeit zu erringen sein werde. Wenn aber die Partei- genossen mit Ilmsicht und Energie arbeiten, dann werde ihnen der Sieg gewiß sein. Partei- Angelegen Kelten. Zur Lokalliste! Bon Mariendorf ll'.-L. wird uns mitgeteilt, dah am Sonnabend» den v. Dezember, wie alljährlich die erste Gemeindeschule ihren Elternabend im Lokale von Jos. Grahl. Chausseestrohe 305. Veranstalter. Da das Lokal für die orgamnerte Arbeiterschaft gesperrt ist und unsere Schuldebörde trotz Einspruchs unierer Gemeindever« treter, welche beantragten, die Feier in der Aula zu veranstalten, aber trotzdem daraus beharrt, ist es Pflicht eines jeden Parteigenossen. da? Lokal zu meiden. Ilm den Parteigenossen und deren Kindern, die infolge dieser Verbällnisse an der Feier nicht teilnehmen können, Ersatz zu bieten, findet am selben Abend im Lokal von Jul. Preuh. Kurfllrsten» strohe 44. eine vom BildungSausichuh des Wahlvereins arrangrerte ähnliche Veranstaltung statt. Das reichhaltige und künstlerische Programm dürste den Eltern sowie den Kindern einen genuhreichen Abend verschaffen. Wir bitten die Lokallist« genau zu beachten. _ Die Lokalkommtsfion. Schöucberg. Die Genossen de« 1., 2. und 8. Bezirk» treffen sich Sonntag, den 10. d. M., früh 8 Uhr. im Lokal von Milde, Nolleudorfstr- 16 zur wichtigen Ftugblattverbreirung. Der Vorstand. Broß-Lichterfelde. Heute abend 8'/« Uhr: Oeffenlliche Wähler- veriammlurrg im.Kaiierhos'. Kranoldplatz 2 sOsten). Tagesordnung: .Tie bevorstehende ReichStagswahl.' Referent: Dr. Jul. Moses» Berlin. Zwischen 6 und 8 Uhr abends findet im hiesigen Rathaus. Schillersirahe. die G e w e r b e g e ri ch tS w a h l statt. Es ist Pflicht der Genossen, daran teilzunehmen. Das Resultat wird im .Karierhos" bclannt gegeben. Der Vorstand. Sonntag, den 10. d. MtS.. nachmittag« S Uhr. findet im Lokal des Herrn Hintze in Grohbeeren eine öfferuliche Wähler- versariimlung statt. Tagesordnung:»Die Bedeutung der bevor- stehenden Rerchsiagswahl." Referent: Schriftsteller Genosse Julius Kaliski. Die Wähler von Grog-, Klem- und Neu-Bceren sowie Osdorf. Hemersdvrs, Frederrkenhof und Umgegend sind hierzu freund- lichst eingeladen. Der Emberuier. Zossen. Am Sonntag früh 8 Uhr treffen sich alle Genoffen bei Aurzner zur Klugblattverbreuung. Der Vorstand. Rudow. Am Sonntag, den m Dezember, nachmitag» 4 Uhr: Versammlung des Wablvereins Rudow im Lokale de? Herrn Rolle. Köpenicker Str. 86-». ragesordnum,: Die bevorstebeirde ReichSiagS- wohl. Referent: G. S ch e n k- Schöncberg. Freie Diskussion.— Zu dieser Versammlung sind alle Genossen eingeladen. Johannisthal. Sonntag, den 10. Dezember, vormittags 3 Uhr: Wichtige Haiidjettelverbreilrrng für den ersten, zweiten und sürrften Bezirk vom Genossen Gobin. Roonstr�ll, und für den dritten und vierten Bezirk vom Genossen Luban iSlchbierhalle). Parkstr. ü aus. Montag, den 11.. abeudS 8 Uhr: Oeffemliche Versammlung. Referent: Genosse Fritz Z u b e i l. Der Vorstand. ltinigs-Wusterhauscn, Wildau uu» Deutsch-Wusterhauseu. Sonn« tag, den 10. Dezember, nachmittags 3 Uhr. ftir oben genannte Orte in Wildau beim Genossen Otto Schumann: Wahlvereiris-Versamm- läng. Tagesordnung: f. Bericht von der KrelSkunfcrenz. 2. Ersatz- wähl eines Kassierers und Revisors. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. >lt-L«nd?dcrz. Sonntag, den 10. Tezember. nachmittag« 4 Uhr. findet in Radebrück im Lokal von Adolf KalmS eine Wähler-Ber- ammiung statt. Referent: Genosse Otto John. Mohlsdorf lOftbahn). Am Sonntag, den 10. d. MtS., abends 0 Uhr. im Lokale des Herrn Dräger,„Seioekrug', Mahlsdorf-Süd, Köpenicker Allee: BalkSver'ammlung. Tagesordnung:.Die kam- Menden Reichslagswahlen. die Sozialdemokralie und lhre Gegner". Referent: Genosse F. Käming. 2. Diskussion. Ferner findet am Sonntag, den 10. d- Mt«., morgen« Uhr, eine Flugblativerbreitung statt. Treffpunkte: für MahlSdors-Süd bei Mader, Köpenicker Allee. Ecke WinNersiratze: für Mahlsdorf-Nord in Dräger? Restaurant. Bahnhofstrgtze. Die Parteigenossen und Ge- noisinnen werden ersuch», sich„ich, nur vollzählig an der Flugblatt- Verbreitung zu beteiligen, sondern auch für Massenbesuch der Ber- sammlung Sorge zu tragen. Die Bezrrkslettung. KaulSdorf. Der am Dienstag, den IS. Dezember, stattfindenden öffenttrchen Versammlung wegen findet der Zablabend schon hente Freitag, den 8. Tezember. abend« 8'/, Uhr. bei Bobey statt. Es rft die unbedingt« Psi>ch> eine« jeden Genossen, zu diesem Zahlabend, der sich mit der Verteilung der Arbeiten zu den ReickSlagSwahlen beschäftigen wird, zu erscheinen. Die Bezirksleitung. Zernsdorf. Sonntag, den 10. Dezember, nachmittags S Uhr. jm Lotale von I. Knorr: Oeffeniiiche Wählerversammlung Tage«. Ordnung: Die Bedeutung der bevorstehenden ReichsiagSwahlen. Referent:«. Störm er- Berlin. � �.. Sonntag früh wollen fich hje Parteigenossen an der Flugblatt« tz«treitung rege beteiligen. Der Vorstand. Schenkendorf. Am Sonntag, den 10. Dezember, findet eine Flugbtattverbreitung statt, wozu die Genossen morgens 7'/z Uhr zahlreich erscheinen wollen. ' Für Motzen bei Meinicke um 8 Uhr morgen». Stoakeu. Morgen Sonnabend, 0. Dezember, abends 8'/, Uhr: Wohlvereinsversammlung. Tagesordnung: Die praktischen Arbeilen zur Reichstagswahl. Der Vorstand. Bvxhagen-Rummelsdurg. Sonntag früh 6 Uhr von den be- kanmen Siellen aus: Flugblativerbreiiung. Die Bezirksleitung. Lichtenrade und Umgegend. Am Sonnabend, den 9. Dezember, abends S'/a Uhr: Autzerordentlicher Zahlabend in den bekannten Lokalen. Ferner findet am Mittwoch, den 13. Dezember, eine öffentliche Versammtiiilg im Wirtshause Lichlenrade, abends 8 Uhr, statt. Referent: Genosse Z u b e i l.— Die Genossen wollen für regen Be- such dieser Veriammlung agitieren. Tegel. Morgen Sonnabend, den 9. Dezember, abends 8 Uhr, veranstaltet der Bezirkswahlverein in TrappS Festiälen, Bohnhofftr. 1, euren Lichtbildervortrag mir vem Thema.Eine Reife durch Island" und Erläuterungen von Jürgen Brand, Schriflsteller. Noch dem Lichlbildervorlrog: Tanztränzchen. Entrce a Person 25 Pf., Jugend- liche unter 18 Jahren ly Pf. Herren, die am Tanz teilnehme», zahlen 50 Pf. nach. Reg« Beteiligung erwartet _ Die Bezirksleitung. Berliner JSadmebten. Ans der Stadtverordnetenversammlung. Die sozialdemokratische Fraktion bekam gestern bereits einen Teil des Zuwachses, den die Stadtverordnetenivahlen im November ihr gebracht haben. Eingeführt wurde der neugeivähite Stadtverordnete Genosse W o l d e r s k y, der schon jetzt in sein Amt eintritt, weil er als Ersatz für den verstorbenen Stadtverordneten Biarggraff gewählt ist unk dessen noch nicht abgelaufenes Mandat sofort zu übernehmer. hat. Die Mandate der vier anderen Parteigenossen, die bei den Ergänzungswahlen im November neugewählt wurden. beginnen erst im Januar.— Das Projekt eines für Kranke des Obdachs be- fttmmten Verpflegungshauses, das neben den, Ob- dach errichtet werden soll, wurde erst noch einem Ausschuß überwiesen. Genosse Zucht mahnte, die dringend nötige Ausführung dieses Planes möglichst zu beschleunigen. Mit der Umgestaltung des sogenannten Gesinde- Belohnungs- und Unter st ützungsfonds geht ein alter Wunsch der sozialdemokratischen Fraktion in Erfüllung. Genosse Koblenzer erinnerte daran, daß die Beseitigung der Zwangsbeiträge, die man bisher den Dienstmädchen abgenommen hat. ohne ihnen als Gegenleistung ein An- recht auf Unterstützung zu gewähren, wiederholt von der Fraktton beantragt worden ist. Dem Magistratsantrag, unter Beseitigung dieser Beiträge das Gesindehospttal als Wohltätigkeitsanstalt weiter bestehen zu lassen, wurde gestern allseitig zugestimmt. Ueber die Teuerungsbeihilfe für Beamte und Arbeiter der Stadtgemeinde ist der Magistrat schneller zu einem Entschluß gelangt, als man es sonst bei ihm gewöhnt ist. Die Vorlage, die er hierüber den Stadtverordneten gemacht hatte, wurde angenommen. Allzuviel gibt es nicht: zu mehr als 40 M a r k pro Person hat der Magisttat sich nicht auf- schwingen wollen. Genosse Wey! trug noch eine Reihe Wünsche vor, um Klarheit darüber herbeizuführen, wie weit der 5kreis der zu berücksichtigenden Personen ge- zogen werden soll. Er sprach die Hoffnung aus, daß der Magistrat als Arbeitgeber die Pflicht der Huinanität emp- finden und vom nächsten Jahre ab eine dauernde Lohn- z u l a g e gewähren werde. Die Antwort des Magistrats- Vertreters Stadtrat Ledermann klang nicht sehr er- muttgend. Eine Unterstützung auch für Unverheiratete, die noch Ellern oder Geschwister zu ernähren haben, erscheint dem Magistrat bedenklich. Wie im Magistrat über die dauernde Loh'nzulage gedacht wird. darüber schwieg sein Redner sich ans. Eine Debatte über die Notwendigkeit eines neuen Kinder- krankenhau ses knüpfte sich an die Magistratsvorlage über die Errichtung zweier Krankenbaracken beim Virchow- Krankenhaus, die infolge der Diphtherie- und Scharlach- e p i d e m i e erforderlich geworden ist. Genosse Wehl wies darauf hin, daß in den letzten Monaten und Wochen die Un- zulänalichkeit der öffentlichen Kinderkrankeupstege sich aufs neue sehr fühlbar gemacht hat. Er rügte, daß der seit Jahren geplante Lau eines zweiten Kinderkrankenhauses immer wieder verschleppt worden ist. Stadtrat S e t b e r g behauptete keck, inzivischen sei aus diesem Gebiet durch andere Einrichtungen hinreichend Vorsorge gettoffen worden. Die zwei Notbaracken wurden bewilligt, nun kann wieder noch eine Zeitlang fort- gewurstelt werden._ Weihnachtsapostel. Mit Beginn der Weihnachtszeit schlägt die bürgerliche Nächstenliebe doppelte und dreifache Saltomortales. Die- selben Leute, die nicht an der Riviera oder sonstwo im ewig sonnigen Süden dem nordischen Winter mit Arnheims Hilfe aus dem Wege gehen und aus Langeweile sich in Mensäjcn- beglückung trainieren wollen, entdecken mit einem Male ihr tieffühlendes Herz für die Not des Proletariats. Dazu ge- sellen sich tausend andere, die den Wohltätigkeitsbettel form- lich gesästiftsmäßig betreiben und reiche Leute an der lieben Eitelkeit packen, an der Selbstsucht, auf weihnachtlicher Geber- liste recht fett mit dem Nanien zu protzen und zu prunken. Allen voran die kirchlichen Weihnachtsapostel. Dutzende von Pastoren, die gleich nach dem Totenfest in bürgerlichen Blättern Wcihncichtsbitten loslassen mit dem Refrain: Die Toten sind tot. gedenket der Lebenden! Man muß zugestehen, daß alljährlich für diesen einen Zweck, der im Zeitraum weniger Stunden seiner Erfüllung entgegengehen soll, eine ansehnliche Tätigkeit entfaltet wird. Die gesaninietten Suinmen gehen zweifellos in die Zehn- tausende. Aber gegenüber der Volksnot, die nicht schwinden will, nur immer größer wird und am stärksten unter der Ober- fläche des Lebens wuchert, bedeuten selbst Zehntausende, die aus allen möglichen Taschen gebersreudl� oder gequält zu-- saminenflicßen, Tropfen ans den heißen Vtein. Die bürger liche Gesellschaft hat ivahrlich keine Ursache, so furchtbar stolz zu sein auf ihre weihnachtlichen Almosen. Und wenn man die mancherlei gesinnungsehrlichen Weihnachtsapostel, die aus innerem Zwang für andere betteln gehen, erzählen hört, wie sie von den im Vollen Sitzenden bei ihrem Liebesgang be- handelt werdtzn, wieviel Spott und Hohn h�rumspritzt. ehe ein paar Mark, die keine Zinsen tragen, losgemacht werden— dann überkommt den wahren Menschenfreund das Gefühl tiefer Beschämung und des Ekels. Gewiß, viele dieser Weihnachtsgeber mögen mit freudigem Herzen bei der Sache sein. Es gibt noch Wohlhabende, die immer und immer wieder ins Portemonnaie greifen, ohne lange Worte zu machen. An taufenden anderer Spenden klebt das Gift des Gesellschaftszwanges und der Geschäftshuberei, der Selbst- gefälligkeit und des Protzentums. Ganz zu schweigen von dem Gelds, das nach alter Erfahrung gewissen Weihnachts- aposteln, die ihre Wohltätigkeitsangel mehr als raffiniert zu werfen verstehen, zwischen den eigenen Fingern hängen bleibt oder in andere unrechte Hände gerät. Verträgt sich eigentlich der innere und äußere Wert dieses Aufwandes an Zeit und Mühe und Selbstbeweihräuche- rung mit dem ernsten Festgedanken? Es hört sich so hübsch an. wenn man sagt, an diesem einen Tage solle alle Welt in eitel Freude und Wonne schwimmen. Glaubt man wirklich, daß jemand vor Glück strahlt, wenn er einmal im Jahre ein Quentchen Glück greifbar in seiner Nähe fühlh? Nein, wie ein Loskaufen stehts aus. wie ein winziges, halb erzwungenes Schuldopfer der Gesellschaft an den sonst rücksichtslos Unter- jochten. Zertretenen, deren„Glück" man wie den Weihnacht- lichen Hampelmenn an der Strippe tanzen läßt. Ob Wohl gar viele dieser Geber sich in das Seelenempsinden der„Beglück- ten" hineindenken können? Sie würden bald finden, daß neben der dürstigen Gewißheit, nicht ganz abseits zu stehen am sogenannten„Feste der Liebe", mit Allgewalt ein über- mächtige» Gefühl der Bitterkeit sich einschleicht, das Gefühl, daß der Wobltätigkeitssport der modernen Weihnachtsapostel un'-sseund!- weiter nichts ist, als ein mit Schaumgold über- .»u:»«« Bekenntnis gesellsckiaftlicher Schuld und Heuchelei. Wei.» die Lichter erloschen sind am geborgten Tannenbaum, nakt das allerunterste Proletariat in sein Nichts zurück, ist es armer wie zuvor, weil es das Glück sah und nimmer fest- halten konnte. Wer weiß, wie bald schon die Apostel deS Volkes das beglückende Licht der Freiheit bringen! Der Allgemeine Wegweiser, auch so eine Scherlsche Gründung wie die famose MassenverblödungS-Bibliothek balbieligen Angedenkens, sucht sich jetzt mit aller Gewalt in die Arbeiterfamilien zu drängen. Er ist ein» von jenen bürgerlichen Blättern, die scheinbar billig, in Wirklichkeit außerordentlich teuer sind und dafür herzlich wenig bieten. Monatlich 15 Pb bei wöchentlich einmaliger steter Zilstellimg, daneben allerlei Kinkerlitzchen in Foim von Preisansgaben und anderen Geldköderungen— daS lockt. Wer ein kleines Rechenexempel anstellt. wird finden, dah gut redigierte Tageszeitungen weit billiger sind. Dabei ist Papier und Druck sehr mangelhaft, zwei Drittel des Inhalts sind mit Inseraten gefüllt, der redaktionelle Teil bringt das denkbar ödeste Geseire, wie man eS in jedem stoffarmen Piovinzial-Käseblatt lesen kann. Für.besonderen Rat", der zur Veröffentlichung geeignet ist, wird den Einsendern«in Preis von 300 M. versprochen. Es scheint so, alS ob diese 300 M. tatsächlich in jeder Woche an.be« sondere" Auserwählie gezahlt werden. Manche Leute machen sich darüber freilich ihre eigenen Gedanken. Immerhin kann Papa Scherl sich diese Ausgabe ruhig leisten, denn die mit seiner dünnen Kost zufriedenen Abonnenten bringen eS zehnfach wieder ein. Der Verdienst ist um so größer, als Hunderte von.unabhängigen" Frauen, die sich einen Nebenerwerb schaffen wollen, als Aboiinentensanimlerinnen kür eine Spotlprovision auf den Beinen sind. Neulich wurde eine Preisausgabe gestellt, was ein Kassenbote zu tun hat, der auf dem Poftamle in eigenartiger Form beraubt werden soll. Die Diebeszunft kann sich bei Scherl bedanken, daß er ihr einen neuen Weg zum Verbrechen gezeigt hat Daher der Name.Wegweiser" l In Arbeiterfamilien darf diese» Blatt nicht» zu suchen haben. Städtischer Seefischverkauf. Die Bestände der Mittwoch und gestern zum Verkauf getaugten Seefische san jedem Tage lL5 Zentner) sind in kaum einer Stunde geräumt worden. Die Verwaltung wird sich daher veranlaßt sehen, zu den nächsten Verkaufslagen bedeutend größere Mengen von Seefischen heranschaffen zu lassen. Die Verkaufszeit am Heiligabend ist, wie gemeldet, bis abend» 6 Uhr verlängert worden. Wenn es emeS Beweises bedurft hätte, daß die Behörden den Wimschen der llmernehmer allzu«pillsährig sind, so bietet ihn die außerordentlich lehrreiche Geschickte der Per- kaufSzeit an diesem Tage. Ursprünglich sollte daS Offenhalten der Läden am Heiligabend, der in diesem Jahre auf den Sonnlag fällt. von 8 bis 10 und von 12 bis 8 Uhr geslottct sein. Damit waren die Ladeninhaber nicht zufrieden. Der Polizeipräsident wich zurück und verlängerte bis 4 Uhr. Doch die selbstäiidigen Kaufleute waren noch nicht befriedigt und entfalteten eine laute Agitation für eine weitere Ausdehnung der Ausnahmebestimmung. Dem trat der Zentralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfimieu in einer öffentlichen Prolestversammlung am 14. November entgegen. Eme entsprechende Neiolution wurde von den zahlreichen Besuchern einstimmig angenommen„nd dem Polizei- piäsidcnten sowie dem Handelsminister eingereicht. Außerdem ver- trat der Verband in einer Anzahl Eingaben den Standpunkt der Angestellten. Unter dem 23. November erhielt der Zentralverband der Handlungsgehilsen«ine Antwort des Polizeipräsidenten, in der es heißt: Die Berkausszetten an den drei letzten Sonntagen vor Weihnachten seien in Abwägung der Interessen der Geschäftsinhaber und der Aiigcstelllon festgeietzt und von einer Berücksichtigung weiterer Wünsche müsse abgesehen werden.■— Der Polizeipräsidcut wollte also den Wünschen der Angestellten nicht Rechnung tragen, aber auch den Geschäftsinhabern nicht noch weiter entgegentommen. Doch derselbe Herr von Jagow. dem keine übergeordnete Stelle in den Arm fällt, wenn er die Arbeiterschaft nieder- säbeln läßt oder wenn er die Berliner Polizei dem Gelächter der ganzen Welt aussetzt. mußte sich hier von oben zugunsten deS Handelskapitals rektifizieren lassen. Die Minister des Innen», de« UilterrichlS und für Handel haben die Verkaufszeit am Heiligabend von 8—10 Uhr und 12—6 Uhr fest- gefetzt, wie das.Berliner Tageblatt" berichtet, auf Betreiben der Handelskammer. Da« Unternehmertum triumphiert und fordert die Detaillisten zu geschlossener Organisation auf. Mögen die Handels- angestellten die Rutzanwendung ziehen. Unsere Leser können ihr Teil dazu beitragen, der Oeffentlichkeit zu beweisen, daß die Verkaufszeit am Heiligabend überflüssig ist, indem sie ihre Einkäufe nicht am letzten Tage vornehmen und die Anstrengung deS Personals nicht noch vermehren helfen. Die Aufdeckung deS VdoptumsfchwindelS, dem die Kriminalpolizei feit l1/» Jahren mit besonderen Maßregeln zu Leibe geht, offenbart immer neue Trick», mit denen die Bureauinhaber ihre Opfer und die Behörden zu täuschen versuchten. So hatten der 24 Jahre alte Kaufmann Rudolf Radeck und der 29 Jahre alte Kellner Franz Stattnick, die jetzt festgenommen wurden, ihr eigene» System der Auskunfterteiluiig. Die AdoprionSschwindler haben eS. wie wir schon öfter berichteten, lediglich daraus abgesehen, den Leuten, die sich um Kinder bewerben,.Auskunftgebühreu" abzulocken. Diese stecken sie in die Tasche, ohne daran zu denke». Auskünfte einzuziehen. Um nun sowohl den Bewerbern, al» auch der Polizei gegenüber jederzeit nachweisen zu können, daß fie fich tvirNich auch erkundigten, fanden Radeck und Statimck einen Weg, der diesen Bedürfnissen scheinbar genügte und zugleich ihre Ein- künfte nicht erheblich schmälerte. Sie sandten die Fragebogen, die ihnen die Bewerber ausstellen mußten, an ein Auskunftsbureau, daZ mit ihnen Hand in Hand ging. Dieses Bureau entnahm den Bogen das, was es brauchte, schrieb es aber um und ergänzte eS so, daß die Auskunft in ihrem ganzen Ergebnis ungünstig lautete. Jetzt konnten die Schwindler sich immer darauf berufen, daß sie auf Grund einer ungünstigen Auskunft die Uebergabe eines Kindes abgelehnt hätten und daß sie wirklich Geld für Auskünfte ausgegeben haben. Daß sie aber trotzdem gut verdienten, verschwiegen sie. Jede„Aus- kunft" kostete ihnen nur 1 M., sie nahmen aber als„Gebühr" 6,50 M., so daß sie nach Abzug von Porto usw. immer noch 5 M. übrig behielten. Eine Zeitlang kamen die Gauner hiermit durch. Dann ober siel eS der Kriminalpolizei auf, daß ihr AuskunftSbureau überaa, sogar in den entferntesten Winkeln des Deutschen Reiches über Personen und Verhältnisse so gut Bescheid wußte, obwohl es nicht einen einzigen Vertreter,„Rechercheur" oder sonstigen An- gestellten beschäftigte. Eine Durchsicht der beschlagnahmten Bücker zeigte, wie eS gemacht wurde. Auch nach einer anderen Richtung suchten Radeck und Stattnick, die hier in der Landsberger Allee 57 und in der Ohlauer Straße zu Breslau Betriebe eingerichtet hatten. sich den Behörden gegenüber zu decken. Sie besuchten uneheliche Mütter und redeten ihnen solange vor. daß das Kind ihnen doch nur eine Last sei. bis sie sich bereit erklärten, es abzugeben. So konnten sie jederzeit behaupten, daß sie ihnen Kinder zur Verfügung stellten. Auch die Abfindungssumme war da, wenigstens auf dem Papier. Die Schwindler rechneten aus. wieviel Alimente der natür- liche Vater noch zu zahlen hatte. Diese Summe priesen sie als Er- ziehungsbeitrag usw. an. Danach aber, ob der Vater auch den Willen und die Mittel hatte, seinen Verpflichtungen nachzukommen, fragten sie nicht. Das Treiben der Telegraphendrahtmarder nimmt immer mehr überhand. In der gestrigen Nacht haben sich dreiste Diebe auf der Strecke zwischen Birkenwerder und Bergfelde ein tolles Stück ge- leistet. Man wunderte sich, daß am Tage absolut keine Verbindung zu bekommen war. und als ein Beamter die Strecke kontrollierte, sah er zu seiner Ueberraichung, daß aber auch sämtliche Drähte ab- geschnitten und gestohlen worden waren. Nicht eine einzige Leitung hatten die frechen Diebe geschont. Auf die Ermittelung der Täter hat die Postverwaltung eine hohe Belohnung ausgesetzt. Auf tragische Weise hat die Witwe Franziska Sprotte. Thausiee- straße 29, den Tod gesunden. Frau Sp. war mit ihrer erwachsenen Tochter nach Groß-Lichterfelde gefahren, um in dem dortigen Kreis- krantenhaus eine Patientin, eine nahe Verwandte, zu besuchen. Am Bett der Kranken wurde Frau Sp. plötzlich von einem Schlaganfall heimgesucht und vor den Augen der Tochter brach die Aermste tot zusammen. Selbst von den Tote» will die katholische Kirche noch Steuern haben. Uns wird eine Veranlagung zur Kirchensteuer vorgelegt, die die! katholische Kiichengemeinde an einen Arbeiter Rudolph adressiert hat, der seil einem Jahre in Friedrichsfelde begraben liegt. Wie aus der Kirchenaustrittsbescheinigung hervorgeht, war übrigens auch der Verstorbene seit einigen Jahren auS der Landeskirche ausgeschieden und gar nicht kirchensteuerpflichtig. Gläubigerversammlung im Konkurs Paasch. Vor dem Amts- gericht Berlin-Mitte fand gestern vormittag die erste Gläubiger- Versammlung im Konkurse des vor einiger Zeit verstorbenen Ban- kiers Hermann Paasch statt. Nach Feststellung der Forderungen, die zum großen Teil von Verwandten gestellt werden, gab der Kon- kursverwalter Kroll den Bericht über die Geschäftstätigkeit Paaschs und den StatuS. Hermann Paasch hatte das von seinem Onkel 1837 gegründete Bankgeschäft bis zum Jahre 1901 mit dem Bankier Diez zusammen geführt. Letzterer trennte sich dann, weil er den Konkurs des Hauses vor Augen sab, der einzig und allein durch die blinde Spekulationswut Paasches verschuldet war. Schon �MMls betrug die Unterbilanz 22? 400 M. Bei der Eröfsnungs- vilanz des neuen Bankgeschäftes fanden sich auf der Aktivseile 2sPB00 M. Hypotheken und 194 360.M., eine Abrechnung für Her- mann Paasch. Auf der Passivseite tauchten plötzlich 387 710 M. als Forderungen für drei Verwandte auf. Diese Summen waren auf der Abschlußbilanz der Firma Diez und Paasch nicht zu finden, Paasch bat sie also vermutlich jahrelang über ein Privatkonto ge- führt. Die Unterbilanz von 227 400 M. konnte niemals getilgt werden, da die Geschäfte des Bankhauses infolge der Konkurrenz mit den Großbanken sehr schlecht gingen und nur geringe Ueber- schüsse abwarfen. Nach den Bilanzen von 1902 bis 1910 hat Her- uiann Paasch per Saldo 79 577 M. Gewinn und 328 926 M. Ent- nähme gehabt. Rechnet man hierzu die vorhandene Unterbilanz von 227 400 M.. so ergibt sich ein Defizit von 446 843 M. Außer- dem bezog Paasch als Mitglied des Aufsichtsrats der Schultheiß- Brauerei Dividenden, die in den Jahren 1902 bis 1910 145 600 M. ausmachten. Diese Beträge hat der Bankier zum Teil gar nicht, zum Teil auf das„Streichkonto" gebucht. Ueber die Geschäfts- führung des Verstorbenen teilte der Konkursverwalter mit, daß Paasch in seinen Bureaus unumschränkt geherrscht und keinem An- gestellten Einblick in die Depots gewährt habe. Gewöhnlich er- schien Paasch morgens um f48 Uhr, noch hevor einer seiner Ange- stellten zugegen war. und vernichtete diejenigen eingelaufenen Briefe, die seinem Personal Ursache zum Vvrdacht hätten geben können. Der Status ist folgender: Die Aktivmasse beträgt 564 607 Mark, davon besitzt die Königliche Lotteriedirektion eine bevorrech- tigte Forderung in Höhe von 46 480 M. Die Buchgläubiger stehen mit 491 600 M., die Dcpotgläubiger mit 786 000 M. zu Buch, so daß also die Verbindlichkeilen 1 236 000 M. betragen. Nach Abzug der bevorrechtigten Forderungen der Konkurskosten der Steuern und laufenden Verbindlicksteiten verbleiben etwa 460 000 M.. so daß beim Konkurs eine Quote von 35—40 Proz. zu«rloarten ist. Es wurde schließlich von der ziemlich stark besuchten Gläubigerver- sammlung ein Gläubigerausschuß gewählt, der auS fünf Herren besteht. Auf der Maschine erschlagen wurde in der vergangenen Nacht der Lokomot'vtührer Eisenach auS Frankfurt a. O.. der vorüber- gehend Heizerdienste leistete und den Schnellzug 8 10 auf der Fahrt von Breslau na» Berlin begleitete. Auf der Strecke zwischen Fang- schleuse und Erkner lehnte sich Eisenach im Dunkel der Nach» mit dem Oberkörper auS der Maschine heraus, ohne darauf zu achten, daß aus der entgegengesetzten Richtung ein Güterzug herankam. Plötzlich erhielt er gegen Kopf und Brust einen so heftigen Schlag, daß er zurücktaumelte, hiiifiel und regungslos liegen blieb Zu seinem Schrecken erkannte der Lokomotivführer, daß der Unglückliche aus der Stelle getötet war. Er»ahm die Leiche aus dem Zuge mit nach Berlin, wo sie vom Bahnhof aus nach dem Schauhauie gebracht wurde. Ob Eiienach von der Maschine des Güterzuge» oder von irgend einem aus der Ladung hervorragenden Gegenstande getrosten Wurde, läßt sich noch nickt sagen. Ein„Gentlemeneinbrecher". der nach einer langen Irrfahrt nach Berlin zurückgekehrt war, wurde gestern von der Kriminal- Polizei in seiner früheren Stammkneipe in der oberen Friedrichstadt ermittelt und festgenommen. Es ist ein 36 Jahre alter Reisender Otto Pätz, der früher der berüchtigten„Kolonne Kirsch" angehörte. Pätz, der nur in Zylinder und Lackstiefeln ausging, ausschließlich auf Seide gearbeitete Ueberzicher und Beinkleider mit den schönsten Bügelfalten trug, wurde im Oktober 1909 bei einem Einbruch in der Oranienburger Straße überrascht. Er hatte zwar schon 2000 Mark in der Tasche, entkam auch damit, mußte aber nicht nur sein Einbruchswerkzeug, sondern auch seine kostbaren Manschetten, die er während der„Arbeit" abgelegt hatte, zurücklassen. Als Mann, der auf Sauberkeit hielt, hatte Pätz schon seit langer Zeit seine Wäscherin, die jedes Stück von ihm rannte und auch mit einem besonderen Zeichen, P. und einer Zahl, versehen hatte. Mit Hilfe dieses Zeichens gelang es, die Wäscherin und dann auch leicht deki Wsentümer der voy dem Einbrecher zurückgelassenen Manschetten » zu ennikieln. Pätz mschtvand aber aus Berlin und kehrte kürzlich zurück. Ei» Straßenbahnuilfall. bei welchem ein Schutzmann erhebliche Verletzungen erlitt, ereignete sich am Mittwochnachmittag gegen 5 Uhr an der Potsdamer Brücke. Dort wollte der Schutzmann Stoltz, Pallasstr. 4 wohnhaft, kurz vor einem herannahenden Motor- wagen der Linie 87 über das Gleis laufen. Da jedoch aus ent- gegengesetzter Richtung ein Straßenbahnzug herannahte, trat der Schutzmann, um nicht überfahren zu werden, auf das rechte Gleis zurück. Dabei bemerkte der Beamte nicht, daß der aus Richtung Schöneberg kommende Straßenbahnwagen sich unmittelbar vor ihm befand, er wurde vom Vorderperron umgestoßen und blieb zwischen Motor- und Anhängewagen liegen. Stoltz erlitt eine starte Fleisch- wunde am Kopfe, Hautabschürfungen am Schienbein sowie Brust- und Rückenquetschmigen. Der Beamte erhielt aus der nächsten Unfallstation die erste Hilfe und wurde dann nach seiner Wohnung in der Pallasstraße geschafft. Aus der Selbstmordchronik. Aus LiebeSgram hat am gestrigen DonnerStagnachmiltag die 20jZhrige Choristin Margarete Lesier, Nollendorfplatz 6, die an einem im Westen gelegenen Thealer an- gestellt war, ihrem Leben ein Ende gemacht. Das junge, sehr schöne Mädchen hatte eine tiefe Zuneigung zu einem Schauspieler gesaßt, die jedoch nicht erwidert wurde. Aus Gram hierüber jagte eS sich auS einem Browning eine Kugel durch den Kops. Am Mittwochabend erschoß sich der 20jährige Bankbeamte Paul Pinthus, der bei seinem Onkel, einem Rechtsanwalt in der Grüne- waldstraße 46, wohnte. Der Grund zu der Tat ist nicht bekannt. Plötzlicher Todesfall. Der Bureaubeamte Wilhelm Leppert, Kurfürstenstr. 26 wohnhaft, befand sich am Mittwochabend gegen 8 Uhr in einem Straßenbahnwagen der Linie 74, um nach Hause zu fahren. Als der Wagen die Leipzigerstraße, Ecke Charlottenstraße, passierte, stürzte L. plötzlich von seinem Sitz und verfiel in heftige Krämpfe. Ein Schutzmann brachte den Schiverleidenden nach der Unfallstation in der Kronenstratze. Leider konnte ihm Hilfe nicht mehr gebracht werden, da L. bald darauf infolge Herzschlages ver- starb. Auf der Treptow-Stcrnwarte wird Direktor Dr. Arckenbold am Sonntag, den 10. Dezember, nachmittags um 5 Uhr. einen Vortrag halten über:„Vom Erdinnern bis zu den Weltfernen" und am Montag, den 11. Dezember, abends 7 Uhr, über:„Unsere Erde als Planet". Beide Vorträge sind gemeinverständlich und mit zahlreichen Licht- und Drehbildern ausgestattet. Mit dem großen Fernrohr werden an den Abenden abwechselnd mit dem Mond der Saturn und Mars, der sich von der Erde immer weiter entfernt, beobachtet. Kleinere Fernrohre stehen zur Beobachtung beliebiger Objekte allen Besuchern der Treptow-Stcrnwarte kostenlos zur Verfügung. Das Polizeipräsidium erläßt folgende Warnung: Das von der Firma The M. A. Winter u. Co. in Washington in den Handel ge- brachte Heilmittel„Natürlicher Gesundheitshersteller" wird von der genannten Firma neuerdings auch unter der Bezeichnung„Nalther Tabletten" vertrieben. Das Mittel war durch Bundesratsheschlutz am 27. Juni 1907 in das Verzeichnis der Geheimmittelliste auf- genommen worden. Da die Zusammensetzung der Tabletten die- selbe geblieben, dürfen sie auch unier dem neuen Namen auf Grund der Polizeiverordnung vom 14. November 1907 nur in Apotheken auf ärztliche Verordnung abgegeben und nicht öffentlich angepriesen werden. Vor dem Bezüge dieses Mittels, das im günstigsten Falle nur ein unschädliches Abführmittel für sehr hohen Preis darstellt, welches keineswegs das leisten kann, was die Firma verspricht, habe ich bereits zweimal öffentlich gewarnt. MidgrtS Townö nennt sich ein Unternehmen, das sich in CastanS Panoptikum aufgetan hat. Es handelt fich um eine Zwergenstadt, die sich hier ausgelan hat mit zahlreichen Häuschen und Villen, mit CasöS. Bars, Varietö«, Zirkus. In diesem winzigen Gemeinwesen mit einem noch winzigeren Bürgermeister an der Spitze findet man alles, was zu einer Gemeinschaft gehört. Alle Gewerbe sind in MidgrlS Town vertreten: Bäcker, scklächter, Schuhmacher, Schneider, Friseure. Tischler u. a. Auch Polizei und Feuerwehr iehlt nicht Wie auS einem Märcken muten uns die kleinen Menschlein an. Auf den Brettern deS Barietös ergötzen sie die Zuhörer durch ihre hübschen Vorträge und im Zirkus zeigen sie sich als geivandte Reiler der hohe» Sckule. Viel Spaß bereitete ein solcher Liliputaner in einer Athletcnnummer, und zwei andere in ibren Rollen als Clowns. Die ganzen Räumlichkeiten deS Castankchen Panoptikum» werden von der Zwergenstadt in Anspruch genommen. Die alten längst verstaubten Wachsfiguren sind auf den Boden gewandert und der ehemalige Kaisersaal ist m eine Manege verwandelt worden. vshlluimpf in den Vororten. Celtow-ßecekow, Köpenick. Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich die am Dienstag im Sladtlheater lagende Vvllsverlainmlung. in welcher der Genosse Fritz Z u b e i l über:„Die Tätigkeil des letzten Reichstages, die bürgetlicken Parteien und die nächste» Reickstagswahlen" sprach. Ueber 2000 Personen, Frauen und Männer, füllten die großen Räumlichkeiten des StadtihcaterS. Lange vor Beginn, war die Versammlung überfüllt. Brausendes Händeklatschen und Hochrufe erschollen als Genosse Zubeil durch den Saal schritt. In zirka drei- stündiger Rede streifte der Sieferent alle großen politische» und wirtschaftlichen Fragen und Ereignisse der letzten Jahre. Ansangend bei den denkwürdigen Hottenlotieiiwahlen des Jahres l907 schilderte er die reakiionäre Täiigkeit des letzten Reichstages und legte dar, daß alle bürgerlichen Parteien sich gleich bleiben, sobald eS gilt für fich und gegen die werktätige Bevölkerung etiva? zu»nieritehmen. AuSkühr- lich ging der Redner auf die Steuerpolilik, de» Militarismus und auf das unerträgliche persönliche Regiment in Deutschland ein. Mi» Humor keiinzeichnele er ferner das krankhafte Bemühe» deS Reichskanzlers eine für die Regiermig zugkräftige Wahlparole zu finden. Nach gründlicher Abreckming mit allen bürgerliche» Parteien kritisierte der Redner beionders das Vorgehe» der Demokrariiche» Bereinigung. Da die- ielbe nach eigenen Angaben nur die Deinokrotie propagiert, durften sie in unserem Kreüe keine» eigenen Kandidaten ausstellen, denn gerade im Kreiie Teltow sei durch die Tätigkeit der Sozialdemo» kratie die Deinokiatisierniig im weiiestcn Maße zum Durchbruch ge- laiigl. Wenn die Demokraten desienungeachtet einen eigenen Kan- didaten aufgestellt haben, so könne ihnen der Vorwurf nicht erspart werden, dadurch nur der Sozialdemokratie Knüppel zwischen die Füße geworfen zu haben. Daher sei schäi sster Kampf auch nach dieser Seile notwendig. Gänzlich falsch ist es. wenn hiesige bürger- licke Zeitungen ihn. Redner, sagen lasse», der Wahlkreis sei ihm sicher sogar ohne Stichwahl: richtig ist. daß er ausführte, die Demokraten wülden nicht in die Stichwahl gelangen. Der Redner schloß seine oft von Beifallsstürmen unterbrochenen AiiSsührungen mit dem altbewährten Kamps» und Wahlruf: Vorwärts I vorwärts durch Kampf zum Sieg. Nachdem der Vorsitzende, Genosse W o i k, noch die Anwesenden ermahnt halte, den gegnerischen Versammlungen kernzubleiben, da dort dur» beschränkte Redezeit ein ausführliches Deballieren meistens unmöglich ist. wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Tempelhof. Hier tagte bereits die zweit- gnt besuchte Delksversammkunz im WilbelmSgarten. Das Referat über„Die Sünden des schwarz-blauen Blocks" hielt Genosse Mermuth, dessc» Ausführungen von den Versammelten mit lebhaftem Beifall entgegengenommen wurden. Am Schluß der Versannnlung richtete noch Genosse Ewald an die Versammelten das Ersuchen, Gegner, die sich jetzt wieder bei den Wählern in empfehlende Erinnerung bringen werden, mit Entschieden- hest abzuweisen. Grünaa. veder die pofitib« Arbeit deS verflossenen Reichstages sprach am Dienstagabend in einer hier tagenden öffentlichen gut besuchten Ver- sammlung Genosse Weber. Die vom Redner an der vom Block- reichstag betriebenen volksfeindlichen Politik geübte Kritik wurde von den Versammelten mit großem Interesse verfolgt und mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Am Schlüsse richtete noch Ge- nosse Nitzner an die Versammelten die Aufforderung, die Organ»- sation auszubauen und für eine möglichst weite Verbreitung der sozialdemokratischen Presse Sorge zu tragen. Halbe(Kreis Teltow). Trotz der rauhen Witteruug hielten die hiesigen Genossen a:n Sonntag eine öffemlidje Versammlung unter freiem Himmel ab. Das Referat über„T-t? Bedeutung der bevorstehenden Reichstags- wählen" hatte Genosse£* u s ch i ck. Berlin übernommen, der in großen Zügen die Finanz- uBd Steuerpolitik sowie die steigenden Militär- und maritimen Rüftuffgen des alten Reichstages keim- zeichnete. Die stark besuchte VeriantBllung hielt, obwohl der kalte Wind über den Veriammlungsplatz fe�te. bis zuletzt aus. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Versanttnelten auf. die Zeit bis zum 12. Januar noch zu intensiver Agitation ffit unseren Kandidaten Fritz Zubeil auszunutzen. fftederbanrim. Erkner. Mit einer sehr gut desuchten Versammlung, die am Dienstag in DegebrodtS Gesellschaftsbaus tagte, wurde der hiesige Wahltampf eingeleitet. Das Referat über„Die Sünden des allen Reichstages" hielt Genosse Domnick- Reinickendorf. Die Versammlung zollte den Ausführungen des Redners, der am Schluß zu größter Kraft- emstrengung für die am 12. Januar stattfindende Wahl aufforderte, lebhaften Beifall. Diskussion fand nickt statt. Am Schluß meldete sich eine größere Anzahl Bersammlungsbesucher zum Eintritt in ikcn Wahlverein. Mit begeisterten Hochrufen auf die Sozialdemokratie ging die Versammlung auseinander. Aa die organisierte Arbeiterschaft deS Kreise? Potsdam-Tpandau-Osthavelland. Parteigenosien l Der Wahlkamps in unserem Kreise ist bereits heftig entbrannt; die Konservativen wie der Freisinn arbeiten mit Hochdruck, um noch einmal den„KaiserkreiS" für die bürgerlichen Parteien zu retten. Hierbei werden natürlich wieder die niederträchtigsten Verleumdungen gegen unsere Partei angewendet. Nickis ist den Konservativen und Freisinnigen schlecht genug, die Sozial- demokratie anzugreifen und herabzuwürdigen. In ihren Ver- sammlungen wird die Arbeiterschaft mit den gemeinsten Ver- lcumdungen traktiert, eine Verteidigung unserer Partei gegen diese niedere, da» politische Leben vergiftende Kampfesweise aber von den Gegnern dadurch verhindert, daß uiisere Redner in den konservativen Versammlungen das Wort überhaupt nicht erhalten. Der Freisinn gewährt eine Redezeit von 20 Minuten, m welche sich die an- wesenden Diskussionsredner zu teilen haben. Diese niedere KampfeSart unserer Gegner verpflichtet daher jeden ehrlich denkenden Arbeiter, die Versammlungen dieser Parteien zu meiden. Darum, Parteigenossen, fordern wir Euch auf. die versamn:- lungen der Konservativen und deS Freisinns für die Zukunft nicht mehr zu besuchen. Mit Parteigruß Der Kreisvorstand. I. A.: Emil Schubert. Vorort- JNacbrichtem Eharlottenburg. Die Charlottenburger Stadtverordnetcnsammlung stimmte in ihrer Sitzung vom Mittwoch zunächst der Annahme der Adelheid-Liepmann- Stiftung zu und ermächtigte den Magistrat, die königl. Genehmigung zur Annahme derselben nachzusuchen. Die von dem Sladtv. Liep- mann mit 20 000 M. begründete Stiftung soll den Zweck haben, be« sonders begabten Knaben und jungen Männern aus der unbemittelten Charlottenburger Bevölkerung«ine Beihilfe zu ihrer Ausbildung zu gewähren. Genosse Vogel danfte dem Stifter und sprach den Wunsch au«, da» Statut dahin zu erweitern, daß auch jungen Mädchen Lei- Hilfen gewährt werden können. Eine längere Debatte knüpfte sich an eine soztaldemo« kratische Interpellation, die den Magistrat um Auskunft darüber ersucht, auf wesien Veranlasiung den städtischen Parkarbeitern vom 15. Juni d. I. ab ihr Anspruch auf Gewährung von Dienst- kleidung entzogen werden sollte. Im Gegensatz zu dem Bürger- meister Matting, der die Maßnahme mit dem Hinweis darauf verteidigte, daß den Parkarbeitern nach der Natur ihrer Tätigkeit eine Dienstkleidung nickt zukomme, nahm fich Genosie Bilk aufs wärmste der Interessen der Parkarbeiter an. die ausdrücklich darum gebeten hätten, daß ihnen die Dienstkleidung gelassen werde. In demselben Sinne sprachen sich auch die Redner der anderen Fraktionen. die Stadtvv. B o l l m a n n und Sladthagen, aus. Trotzdem wird der Magistrat allem Anschein nach von seinem„wohlüberlegten" Beschluß nicht abgehen. Auch die in letzter Zeit recht zahlreich er- folgten Entlassungen von Parkarbeitern brachte Genosse Will zur Sprache, ohne daß indessen die Vertreter des Magistrats eine Besse« rung in Aussicht ftellten. Weiter genehmigte die Versammlung die Vorlage über den Kostenanschlag kür alle Baulichkeiten de« ersten Ab'chnittS für die Tuberkiiloienanstalt in Beetz-Sommerfeld, nachdem sie bereits früher dem Borcntwurf zum Bau einer Anstalt zur Behandlung von Tuberkulösen auf dem Woldgelände bei Beetz-Sommerfeld und der Errichtung von zwei Krankenpavillon» zugestimmt hatte. Bei der Prüfung der Gültigk-it der letzten Stadtverordnetenwahlen zeigte ftch völlige Ueberein» stimmung. Ein Mandat im ersten Bezirk der zweiten Wähler- abtcilung wurde für ungültig erklärt, weil die erforderliche Anzahl von Hausbesitzern nicht erreicht war, alle anderen Mandate, darunter f a m tlich« sozialdemokratischen. erklärte die Versammlung einmütig für gültig. Unsere Fraktion wird also in der Stärke von zwölf Mann ins Siadtpallament einziehen. Außerdem verfügen wir noch über zwei weitere Mandate, da die Genossen Hirsch und Baad« doppelt gewählt sind. Für sie müsien im dritten und sechsten Bezirk Neu- wählen stailfinden. Die beiden Bezirke gehören zum sicheren Besitz- stand der Sozialdemokratie; leider müssen die neu zu Wählenden Hausbesitzer sein, aber auch diese Klippe werden wir überwinden. Eine weitere Interpellation von Stadtverordnelen au» dem Osten CharlottenburgS, die sich auf die Uebelstände beim Bau der Untergrundbahn in der Tauentzienstraße bezog, erledigte fich ohne eine Beiprechung durch eine entgegenkommende Erklärung des MagistratSvertreterS. Aus den Kreisen der Vertreter der Hausbesitzer war ferner folgende Interpellation eingegangen: Ist der Magistrat gewillt, auf die bereit« Anfang d. I. er» gangene Anregung Wilmersdorfs wegen Errichtung eine« gemeinschaftlichen PfandbiiefamlS kür die westlichen Vororte im Interesse de« dringend einer Förderung bedürfenden RealkrcdilS der HauS- besiyer nnnmehr mtt tunlichster Beschleunigung einzugehen und, falls nicht, die dagegen sprechenden Gründe darzulegen. Nach längerer Begründung durch den Stodw. Liepmann er- Närte der Kämmerer Stadtrat S ch o l tz. daß der Magistrat vor etwa 8 Tagen sein Einverständnis kund getan habe, gemeiniam mit Wilmersdorf über die Frage der Errichtung eines Pfandbriefamtes zu beraten. Ohne AuSschußberatung lehnte die Versammlung einmütig eine PiagistratKyhrlage betr. die Errichtung einer unterirdischen Bedürfnis- anstatt am KurfSrstendamm, Ecke FoachimSthaler Siraste, ab. weil ikr die Kosten von SO 000 M. dafür zu hoch erschienen. Genosse Gebert, der sich gleichfalls gegen die Vorlage aussprach, brachte dabei eine Reihe von Mißsländen zur Sprache und forderte besonders die Errichtung von Bedürfnisanstalten für Frauen. Für das in Charlottenburg nach Inkrafttreten der Reichsver» sicherungsordnung einzurichtende VersicherungSamt beantragte der Magistrat die Schaffung einer neuen Beamtenstelle. Es handelt sich um einen Magiftratsassesior, der zweiter stellvertretender Vor- sitzender des Amtes werden sollte. Die Versammlung stimmte ohne Debatte zu. Endlich genehmigte die Versammlung noch den Pachtvertrog über Benutzung des L i e tz e n s e e s als Eisbahn. Es werden auf dem Lietzensee zwei Abteilungen eingerichtet, von denen die eine für 10 Pf. benutzt werden kann; Kinder zahlen sogar nur 8 Pf. Die Magistratsvorlage entspricht im wesentlichen einem früheren Antrage der sozialdemokratischen Fraktion. � An dem Vertrage selbst wurden einige geringfügige Aenderungen vorgenommen, die Genosse W i e l k als Berichterstatter beantragte. DaS Großfeuer am Kaiserdamm, über daS wir bereits in der gestrigen Stummer berichteten, beschäftigte die Charlottenburger Feuer- wehr bis in die vierte Morgenstunde deS gestrigen Tages. DaS Feuer war im Fahrstuhl deS Vorderhauses entstanden und hatte sich bei Ankunft deS ersten LöschzugeS schon bis zum Dachgeschoß aus- gebreitet, da der Fahrstuhl wie ein Schornstein wirkte. Leider war der Fahrstuhl entgegen der baupolizeilichen Bestimmung oben nicht feuersicher abgeschlossen, und so konnten sich die Flammen sofort auf den Dachstuhl ausdehnen. Als der erste Löschzug der Feuerwehr eintraf, brannte der ganz« Fahrstuhlschacht li-bterloh und auch der Dachstuhl deS Vorderhauses stand teilweise schon.in Flammen. Mit unheimlicher Schnelligkeit erfaßte daS Feuer dann den gesamten Dachstuhl. Der Lvichangriff der Feuerwehr gestaltete sich anfangs dadurch schwierig, daß eine Treppe des Vorderhauses nicht bis zum Dachgeschost durchging. Infolgedessen mußten die Löschmannschaften von den Treppen der Seitenflügel au» vordringen. Trotz unauS- gesetzten WassergebenS konnte nicht verhindert werden, daß das Feuer auch die Dachstühle der beiden Seitenflügel teilweise zerstörte. Außerdem brannte die Decke nach dem vierten Stock durch, wo sich die Wohnung kjm Sohn de» Professors Bega» befindet. Herr Begas war nicht anwesend und dürste erheblichen Schaden erleiden, da zahlreiche alte KunstgegenstSnde und werlvolle Bilder teils durch Feuer, teil» durch Wasser vernichtet worden sind. Bei den Löscharbeiten zog sich ein Feuerwehrmann Verletzungen an den Händen zu. AuS dem Fenster deS ersten Stockes gestürzt hat sich am Donners« tagnachmittag in der Uhlandstr. 71 ein junger Mann. Der Lebens- müde blieb bewußtlos auf dem Hof liegen. Ein Rettungswagen der Feuerwehr schaffte den Schwerverletzten nach dem Krankenhause. Eine Zweigstelle neben seine» in der Berliner Straße 137 be« stehenden Volksküche hat der vaterländische Frauenverein, Zweig- verein Charlotlenbung, in dem Hause Neue Christstraße 5 ein- gerichtet. Ä» beiden Stellen wird schmackhaftes. preiswertes Mittagessen täglich von 11—1'/, Uhr verabreicht. Besonders fei darauf hingewiesen, dast auch ein Verkauf über die Straße statt- findet, so döst gerade Familien auf bequeme, billige Weise zu einem guten Mittageffen kommen. Der Preis einer Portion(% Liter) ohne Fleisch beträgt 18 Pf., mit Fleisch 25 Pf.; Kaffee kostet 5 Pf., Kakao 10 Pf.. Milch 10 Pf. und Gebäck 8 Pf. Ei» schwerer Straßenbahannfall ereignete nachmittag vor dem Hause Bismarckstraße 65 Dort betrat die Witwe Marie Adam, deren Wohnung bisher noch nicht festgestellt werden konnte, da» Glei» vor einem herannahenden Wagen der Linie 62, wurde umgerissen und kam unter dem Vorder- Perron zu liegen. Da« Gefährt wurde mit Hilf? von Passanten an- sich am Mittwoch- in Charlottenburg. gehoben und die Verunglückte besreii. Frau Lk. wurde nach dem Krankenhause Westend gebracht, wo der Arzt eine Gehirnerschütterung sowie Fleischwunden am Rücken und am Kopf feststellte. Lichtenberg. Stadwerordnetenwahl. Am Montag haben die Wähler der zweiten Abteilung im v. und i. Bezirk in der Stichwahl über drei Mandate zu entscheiden. In beiden Bezirken ist die Sozialdemokratie beteiligt. Die Situation ist recht eigenartig, aber darum für uns nicht ungünstig. Im 3. Bezirk stehen unsere Genoffen Abraham und M i r u S zur Stichwahl mit den Kandidaiere der Gruppe, welche die Her«« Rott und Frensche durch Entziehung deS Mandats in der denkbar schroffsten Weise degradiert hat. Wie erbittert man auf der anderen Seile darüber war, bestätigte zur Genüge die Tatsache, daß man, um wenigstens den Rott noch zu retten, für diesen am nächsten Tage in der ersten Wählerabteilung ein Mandat ftei machte. Für den Herrn Frensche konnte man keinen Platz mehr schaffen. Daß nun aber die Freunde dieser Herren zum Wahltisch rennen, um deren Gegner zum Siege zu verhelfen, könnte man nur annehmen, wenn man der An- sicht wäre, die Wähler seien die reinen Hampelmänner. Im 4. Bezirk wieder, wo nur noch«in Mandat zu besetzen ist, steht unser Kandidat, Genoffe MiruS, dem Vertrauensmann jener Gruppe gegen über, die dem Stadtv. Lewonig den stärksten Tort antat, den man einem im öffentlichen Leben stehenden Mann antun kann, ihn näm« lich seines Mandaies für unwürdig zu erklären. Die Freunde de» Herrn Lewonig sind in diesem Bezirk unterlegen. Werden sie nun die öffentliche Herabsetzung ihres Freunde» unterstreichen, indem sie den Mann seiner Gegenpartei aktiv oder durch Passivität das Mandat sichern? Das kann man nicht annehmen I Ganz abgesehen davon, daß ihre Bestrebungen von der Sozialdemokratie immer am energischsten vertreten worden sind, sie daher schon aus wohl erwogenem Interesse für den Genoffen MiruS eintreten müßten, der- pflichten sie dazu auch moralische Gründe. Für unsere Genoffen muß e» natürlich erst recht Ehrenpflicht sein, an der Wahl teilzunehmen, um diesmal der Sozialdemokratie die ersten Siege in de/ zweiten Abteilung zu verschuffen. Rixvors. TaS zweite Volks-Sinfoniekonzert, veranstaltet von der Stadt Rixdorf mit dem Blüthner-Orchester, findet am heutigen Freitag, abends S'/s Uhr, in dtr Neuen Welt, Hasenheide 108/114, statt. Ein erleienes�PrograMm mit hervorragenden Künstlern garantiert den Besuchern einen genußreichen Abend. BillettS sind in den tfiit Plakaten versehenen Geschäften sowie abend» an der Kaff« zu haben. Feuer in der Rixdorfer DeSinsettionSanfialt. Gestern nachmittag wurde die Rixdorfer Feuerwehr nach der städtischen DeSinfeklions- anstalt in der C a n n e r S t r a ß e 42 46 gerufen. Dort war ver- niutlich infolge Ueberheizen» die Dachkonstruktion deS etwa zehn Meter hohen Anstaltsgcbäude« in Brand geraten. Der Brandherd lag in unmittelbarer Nähe de« Schornsteins. Die Feuerwehr griff mrt einer Schlauchleitung ein und erstickte die Flammen innerhalb einer halben Stunde. Die Dachkonstruklion ist nur zu einem kleinen Teil zerstört, so daß der Schaden nicht erheblich ist. DaS auf demselben Grundstück befindliche Waisenhaus der Stadt Rixdorf war durch den Brand in keiner Weise gefährdet. Weihensee. Bei der Wahl der wurden für die Kandidaten abgegeben. Die Zahl der abgegebenen Stimmen wäre noch viel größer gewesen, wenn die einzelnen Wahlbureau» etwa? schneller gearbeitet hätten. Infolge diese« Umstände» übten viele Arbeiter lbr Wahlrecht nicht au». Die im Februar d. I. stattgefundenen Wahlen der Arbeitnehmer zum KaufmannSgericht sind vom Bezirksausschuß für ungültig erklärr. Die neuen Wahlen sind noch nicht festgesetzt. An der Arbeiterschaft wird eS liegen, die vom Zentralverband der Handlungsgehtlsen abgestellten Kandidaten mit größerer Stimmenzahl zum Siege zu verhelfen. Köpenick. Die diesjährige IugcndschktstnlauSMung findet ftwm Sonntag. den 10., bis Sonnabend, den 16. Dezember, im Seltenzimmer des Mütter werden gebeten die Ausstellung zu besuchen. Eingegangene Vruckfck nisten. von der»Neue« Zeit« dem Inhalt Fr. Arbeitnehmerieiptzer zum Gewerbegericht m deS GewerkschaflSkartell» 1286 Stimmen ist weben da» 10.©est de» 30. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt de» Heste» heben wir hervor! Paul und Laura Lasarque. Bon Fr. Mebrtng.— Aus der Vorgeschichte der Marxschen Ockonomie. Von Rudolf Htlserdina.— Schutzzoll und Teuerung. Von Kail KauSkh.— Kleinstaaterei. Von Bruno Bieliah.— Liberale StichwahldiSziplin Bon Jean Martin(Mülhausen i. E.)- Literarische Rundschau: Robert Grimm, Demokratie und Sozialismus. Von G. Eckstein. »Aus Dag und Tiefe« nennt Ludwig Lessen einen neuen Gedichtband, der soeben im Verlage derBuchhandlungVor- w ä r I S Paul Singer G. m. b.©., Berlin SW. 68(Preis 1,50 M.), erschienen ist. Wieoer sind es Bilder aus dem Arbeitericben. begeisternde Kampfruse, visionäre Zeichnungen voll von einem frohen ZukunstSglaube!,. die unS der Dichter gibt. Auch die seingetöhten Natursttmmungen fehlen nicht, die in knappen Sirichen Landschastsbiloer von intimem Reft hervorzaubern. Da» Balladenartige überwiegt jedoch in dem vorliegend.�. tSedichtbändchen. LebenSschickialt aus der.Ticse" werden gezeichnet, wie sie der Alltag zu Dutzenden bringt. Der Umschlag bringt ein« Reproduktie.n »ach einer packenden Zeichnung von K ä t e K o l I w i tz. 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Bleie 0,80—1,40, 60. Stück Krebse 2,40-24,00........,; WaWrrtta»>»-t»a�lr«i«,»e» 12 äff erstand M- m- l. Tilsit P r r g e l, Jnfterbiirg Deichsel, Tdoru Oder. Ratibor , Kroffen , Franffurt D a r l h e. Sckrrmw , LandSberg Netz«.' vordamm Elb«. Leilmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg --- Ö+ ieotuMi Such*,- Salt. eiStreihen., vafferNan» Baal», Srochlttz © a 0« l, Soandau K , Rathenow') Spre». Svremlierg») , HeeStow v e I» r, Mündem . Minden Hit in, Maximil«rnSau , Kaub . Köln Neckar,©olbruim Mai«, Wertheim. M-Irl. Trier ft llmerpegei.») Ei» stand, ft Grund- -wr Unsere diesjährige Weihnnchlsreklams! WWW WWW mm 5 Tage! Um tmeren 50ssr«hm> BUTTER. Ersatz .•"'"4P .4.• Uehsto Aaszalohauso Bs* Brssche Jnt Ryglsns- Aiisst> llung Dresden 1811. ms* MILKA--WU M? TtfM-MtrgariB» 'n neeh Walteren Kreisen elnzofOhren, verabfolgen wir an feige ntfen• Tagend Pcnnerstafi. 7.. Freitag. 8.« Sonnaacnd. 9.. Somiiaa. 10« und Hontafi. lt. Dgeember t9ll 1 Pfd. 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