Ur. 389. nbonnementS'Btdlngungen: Aionnements, Preis pränumerando i Biertcljährl. SPll Mr, monatl. 1,10 Ml,. wöchentlich 2a Prfl. frei ins Haus. Einj,clne Nummer k Psg, Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post- slbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posi-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnemcnts nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, PorNigal, Numänien. Schweden und die Schweiz. 28. Zahrg. Crtäcint läglich außer Glontags. Verlinev Volksbltltt. Zcntralorgan der rozialdcmokratifchcn parte» Deutfchlande. DK InKrtlom-Gebflbf »ekllgt für die s-chsgespalt-ne Kolonel- -eile oder deren Raum 00 Psg., für volitilche und gewcrlschaftliche Vereins- und Verlammlungs-Anzeigen SO Psg. „«.leine Sn--ig-n". daS fettgedrurli- Wort 20 Psg. izulässig 2 settgednukle Worte), jedes weitere Wort lO Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- tcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Psg. Worte über löBuch- Naben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsl-n bis S Uhr nachmittags in der Expedilion �-gegeben werden Die Expedition tjl bis 7 Uhr abends geöffnet. lelegramm- Adresse! .SozialtUmoUrat Berli»". Redaktion: SSI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. I.g83. Sonntag, den 10. Dezember 1911. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1381. Statt lleberschuk neue Steuern! In der Reichstagssitzung vom 4. Dezember willfahrte bekanntlich der Reichsschatzsekrctär Mermuth den Wünschen der Schnapsblockparteien, doch eine Uebcrsicht über den Stand der Reichsfinanzen zu geben, der beweise, in welch glänzen- der finanzieller Lage sich dank der Reform des Schnapsblocks das Reich befinde. Die Herren hatten ja auch die vorzeitige Vorlegung eines Etats für 1912 verlangt, damit die Regierung schwarz auf weiß diese„brillante Situation" nachweise. Davon hat aber die Regierung nichts wissen wollen. Sicherlich aus weiser Vorsicht. Denn was gedruckt vorliegt, läßt sich gründlich nachprüfen, so daß man den Frisierkünsten der Regierung leicht auf die Spur gekommen wäre. Dafür hat aber der Reichsschatzsekretär mündlich eine Reihe von An- gaben gemachr. die völlig dem Ansinnen der Schnapsblock- Parteien entsprachen. Er hat es so dargestellt, als s chw ä m me das Reich jetzt förmlich im Geld. Nicht nur, daß keine Anleihen mehr gemacht würden, nein, auch in den Iahren 1919 und 1911 habe man sogar mit der Schulden- tilgung ernst gemacht, so daß gegenwärtig der Etat direkt Ueberschüsse ausm-ise. Nachdem jetzt das Stenogramm über die Ausfüh- rungen des Reichsschatzsekretärs vorliegt, sind wir in der Lage, uns näher mit seinen Darlegungen beschäftigen zu können. Zunächst mit dem, was er über den„Erfolg" der vom Schnapsblock bewilligten neuen Steuern ausgeführt hat. Herr Mermuth glaubte sich etwas Besonderes darauf zugute tun zu müssen, daß der erwartete Dauerertrag für die neuen Steuern, die im Maximum 417 Millionen hätten bringen sollen,(außer den 99 Millionen der Zuckersteuer, der Fahr- kartensteuer und der Martikularbciträge), im Jahre 1911 voraussichtlich bereits annähernd erreicht sei. Nach den amt- lichen Schätzungen werde er nur um 25 Millionen hinter dem zrnannien Höchstertrag zurückbleiben. Und zwar blieben die Erträge aus der Wechselstempelsteuer, der Talon- und Scheck- steuer, der Viersteuer, der Zündwgrensteuer, der Leuchtmittel- steuer und der Branntweinsteuer zusammen um 47 Millionen hinter dem erwarteten Dauerertrag zurück, dafür aber hätten die Steuern auf Kaffee. Tee und Tabak annähernd 22 Millionen mehr gebracht. Dies Ergebnis der Schnapsblocksteuer braucht aber schon deshalb keineswegs als etwas außerordentliches gepriesen zu werden, weil ja die Regierung damit rechnete, daß im Jahre 1911 bereits der Höchst er trag der Steuern annähernd erreicht sein würde. Wenn diese Hoffnung der Regierung sich erfüllt hat, so beweist das nur, das; die Stcuerbclastuiig tatsächlich in dem Maße eingetreten ist, wie sie dem Volke.von den Schnapsblockbrüdcrn seinerzeit zu- gedacht war. Das vermindert nicht das durch die sogenannte Reichsfinanzreform am Volke begangene Ver- brechen, sondern läßt es erst in seiner vollen Größe erkennen! Wobei noch besonders zu bemerken wäre, daß gerade die so- genannten Besitzsteuern nicht voll erreicht worden sind, daß dagegen die von der großen Masse der Besitz- losen aufzubringenden Steuern in voller Höhe auf den Schultern der arbeitenden Bevölkerung lasten! Und das ist gerade das Wichtige, während es recht überflüssig ist, gleich den Liberalen mit den Schnapsblockbrüdern darüber zu streiten, ob sich alle finanziellen Erwartungen des blau- schwarzen Blocks erfüllt haben. Besonders wichtig aber sind die Darlegungen, die der Reichsschatzsekretär an dem gleichen Tage in einer anderen Rede gemacht hat. Nämlich die Darstellung, als ob die D e f i z i t w i r t s ch a f t des Etats nunendlichradikal beseitigt sei, als ob bei dem Etat ein solcher U e b e r- s ch u ß herausspränge, daß nun ernstlich an die Verwinde- rung der enormen Schuldenlast gedacht werden könne. Herr Mermuth konnte sich ja in seinem Preisgesang auf den jetzt so überaus günstigen Stand unserer Finanzen gar nicht genug tun. Im Jahre 1919 sei ein„Ueberschuß" von 117,7 Millio- neu gemacht worden, und das Jahr 1911 werde dahinter nicht zurückbleiben. Rechne man die beiden Jahre 1919 und 1911 zusammen, so ergebe sich, daß in beiden Jahren die Schulden- tilgungsbeiträge, die in dem Etat standen, in vollem Maße zur w i r k l i ch e n, nicht aber nur zur scheinbaren Minderung der Reichsschuld verwendet worden seien. Aber auch das A n- leihesoll beider Jahre sei durch die Ueberfchüsse und die sonstigen Verbesserungen des Etats aus der Welt geschafft worden. Sehen wir zu, wie nach dieser Darstellung die Dinge in Wirklichkeit liegen. Im Jahre 1919 konnte der Etat nur dadurch ins Gleichgewicht gebracht werden, daß eine Anleihe von 171,8 Millionen vorgesehen worden war. Diese Anleihe hätte sich aber n 0 ch u m 33,4 Millionenerhöht, wenn nicht der in gleicher Höhe vorgesehene Betrag zur„Schulden- tilgung" nicht diesem Zwecke entzogen, sondern zur Verminderung des Anleihebedarfs verwendet worden wäre. Wären die 33,4 Millionen wirklich zur Schuldentilgung verwendet worden, so wäre also ein Anleihe- bedarf von 297,2 Millionen vorhanden gewesen. Nun sind nach den Darlegungen des Herrn Mermuth die Einnahmen im Jahre 1919 um 117 Millionen höher gewesen, als sie im Etat angesetzt worden waren. Ziehen wir diese 117 Millionen von den 297 Millionen Anleihe ab, so ergibt sich. daß noch ein Anleihebedarf von 99 Millionen« «übrig blieb. Diesem Anleihebedarf stand dann eine Schuldentilgung von 33,4 Millionen gegenüber, so daß das wirkliche Defizit noch 55 Millionen betrug. Im Jahre 1911 betrug der Anleihebedarf 98 Millionen. Er hätte aber 187 Millionen betragen, wenn nicht wiederum 89 Millionen sogenannter„Schuldentilgung" zur Verminde- rung des Anleihebedarfs in Ansatz gebracht worden wären. Da der Reichsschatzsekretär auch für das Jahr 1911 einen Ueberschuß an Einnahmen in der gleichen Höhe wie iin Vorjahre, also von 117 Millionen, erwartet, wären von den 187 Millionen 117 Millionen abzuziehen,'so daß noch ein wirk- sicher Anleihebedarf von 79 Millionen übrig bleibt. � Diesen 79 Millionen Anleihe stehen 89 Millionen Schuldentilgung gegenüber, so daß sich im Jahre 1911 ein U e b e r s ch u ß v 0 n zirka 29 Millionen ergibt. Ziehen wir von dem tatsächlich vorhandenen Anleihe- bedarf für 1919 in Höhe von 53 Millionen die 29 Millionen Ueberschuß des Jahres 1911 ab, so bleibt immer noch ein faktischer Anleihebcdarf für die beiden Jahre in Höhe von 35 Millionen, wobei aber die Kolonialanleihen nicht einmal mitgerechnet sind. Wir sehen also, daß die enthusiastische Schilderung des Herrn Mermuth, wonach wir bereits in reelle Schuldentilgung eingetreten sein sollen, mit den Tatsachen im krassesten Widerspruch steht. Fraglich bleibt zudem, ob die günstigen S ch ä tz u n- gen des Herrn Mermuth für 1911 sich tatsächlich er- füllen. Aber selbst wenn dem so wäre, so wird die schöne Uebcrschußwirtschaft dieses Jahres im nächsten Jahre bereits dadurch ihr Ende finden, daß ja dann die neuen Heeres- ausgaben zu decken sind, die uns die letzte Militärvorlage gebracht hat. Und nicht nur diese Ausgaben kommen in Betracht, sondern auch die gesteigerten Aufwendungen für unseren Luftmilitarismus, der uns ja bereits im Jahre 1912 nach Mitteilungen der bürgerlichen Presse 17 Millionen kosten wird. Und natürlich wird uns auch unsere glorreiche neue Kolonialerwerbung, das Kongo- sumpfland, ganz beträchtliche Mehrausgaben auf- erlegen! Vollends aber wird an die Stelle der„Gesundung unserer Reichsfinanzen" wiederum!aben, läßt jetzt auch das Zentrum den seinigen folgen. Er beginnt>nit einer Aufzählung der angeblichen Verdienste des Zentrums uiv die Finanzreform, die ReichSversicherungsordnung und die Privce.'deamtenversicheruag: „Nur dmrch unsere Mitwirkung konnte im Jahre 1999 die > dringend notioendige Finanzreform zustande kommen. Diese Reform hat in'm Reich die Möglichkeit gegeben, seine Wehr- haftigkeit zu Misse r und zu Lande zu festigen und dadurch in kritischer Zeit d«»i Friede» zu erhalten; sie hat die Finanzen des Reiches auf eine solide Grundlage gestellt und dadurch die Hebung der wirtschaftlichen Verhältnisse wirksam gefördert. Seitdem sind weitere wichtige Gesetze unter vNsertt enk» scheidenden Mitwirkung zustande gekommen. Das große Werk der Reichsversicherungsordnung ist durch unsere Hilfe glücklich vollendet und dadurch die alte Forderung des Zentrums nach Einführung der Witwen- und Waisenversiche- rung verwirklicht worden. Ebenso ist es, trotz großer Schwierig- leiten, gelungen, die Vorlage über die Privatbeamtenversicherung zu verabschieden." Dann preist das Zentrum seine großen Verdienste um Deutschlands Handel und Industrie an: „Der große wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands begann, als Fürst Bismarck sich von den Liberalen trennte und mit Unter- stützung des Zentrums eine neue, auf den wirksamen Schutz der nationalen Arbeit gerichtete Wirtschaftspolitik eröffnete. Der Zolltarif vom Jahre 1992 und die auf seiner Grund- läge abgeschlossenen Handelsverträge haben diesen Aufschwung mächtig gefördert; für die Landwirtschaft eine Steigerung der Produktion und Besserung aller Verhältnisse, für Handel und Industrie die Sicherung des heimischen Marktes und Erleichte- rung de? ausländischen Absatzes, für Handwerker und Arbeiter lohnende Beschäftigung ermöglicht. Die Wiederkehr einer liberalen Aera würde eine Erschütte- rung unseres jetzigen bewährten Wirtschaftssystems zur Folge haben." Nach dem Materiellen folgt das Geistige: etwas Kulturkampf- paukerei und die komische Versicherung� daß daS Zentrum die Partei der Toleranz sei, die immer für ein friedliches Zusammenleben der Konfessionen eingetreten sei: „Aber noch höhere Güter stehen in Frage; hie Vorherrschaft des Liberalismus in den siebziger Jahren hat uns den unseligen Kulturkampf gebracht, dessen Spuren heute noch nicht überwunden sind. Die Ziele einer neue» Herrschaft des Liberalismus verrät der täglich wiederholte Kampf- ruf, der die liberalen Parteien sammeln soll— K a m p f gegen Rom, Kampf gegen die katholische Kirche, Kampf gegen jede Betätigung christlicher Ueberzeugung..... Alle Maßnahmen zum Schutze des religiös-sittlichen Lebens werden unsere eifrige Mitwirkung finden, alle gegenteiligen Be- strebungen werden wir bekämpfen. Die geschichtliche EntWickelung Deutschlands hat zu einem Nebeneinanderbestehen großer christlicher Ge- meinschaften geführt. Das Wohl des Vaterlandes verlangt gebieterisch ein friedliches Zu- sammenleben der getrennten Konfessionen. Aufs tiefste beklagen wir die Erregung konfessioneller Leiden- schaften, wie solche in letzter Zeit hervortraten; wir lehnen unsererseits eine Verantwortung dafür ab." .. Gute Ochsen müssen schwarzbla« sein Die Konservativen werden langsam komisch. Der national- liberale Kandidat für Schlawe- Bütow- Rummelsburg, Herr Schmidthals, wurde von 39 Mitgliedern des Rindvieh- zuchtvereinS, dessen Obmann er ist, zum Austritt aus dem Verein aufgefordert, weil durch den Kampf des Schmidthals gegen die Rechte das gedeihliche Zusammenwirken für Rindvieh- zucht bedroht wirdl «eine erbichsstsstetisi'! Für jeden, der die Naturgeschichte unserer herrschenden Klassen und insonderheit unserer lieben Agrarier auch nur ein wenig kennt, war die Preßnotiz, daß die Regierung dem- nächst die Einführung einer neuen Erbschaftssteuer plane, sofort als Ente charakterisiert. Es war deshalb ganz über- flüssig, daß auch noch das offiziöse Depeschelihureau mit einem Dementi bemüht wurde. Daß unsere Junker von der Erbschaftssteuer nichts wissen wollen, hat ja noch vor weniger Tagen ihr Führer von Heydebrand ausdrücklich erklärt. In derselben Rede, jener berüchtigten Säbelrasselei. in der er unter einem Sturm von Heiterkeit die„Opferwilligkcit" des ostclbischcn Groß- grundbesitzcs betonte, erklärte er doch zugleich ausdrücklich, daß die Junker von einer Erbschaftsstener nichts wissen wollen. Sei' eallchleierte Zuimnftsitaat. Ja. cs ist heraus, jetzt gibt es kein Ableugnen und kein Ver- schleiern. wehr, nun weiß man ganz genau, wie es im Zukunft»- staat der Sozialdemokraten ausschaue» würde. Schön ist xs dort nicht. Alles geht schief. Menschen, die vorher arbeitsam, fleißig und fromm waren, werden unter dem verderblichen Einfluß der Sozialdemokraten unverträglich, Äaul und lüderlich, und so geht das ganze Gejneinwese» dein Abgpcund entgegen, und es gibt nur eine"Rettung, die reuige Rückkehr in die gesegneten Gefilde des Kapitalismus, auf denen jeder tückstige Arbeiter es auch zu etwas bringt, wo es Glend und Not nur! ei denen gibt, die zum Arbeiten zu jaul sind, oder die sich von den elenden Sozialdemokraten in verbrecherische Streits gegen ihre inilden Brotherren hetzen lassen. Und diese funkelnagelneue Erkenntnis verdanken wir einem würdigen Mann— dem Herrn Lebius; wirklich dem gelben Lebius! Allerdings, in der ihm nun schon einmal angeborenen Bescheidenheit nimmt er nicht de« ganzen Sluhm für sich in An- spruck?. Er hat mir eine Broschnre des Herrn Grahame s? ver- mutlich heißt der Mann Graljarn) aus dem Englischen übersetzt. aber er hat damit diese Quelle der Weisheit auch dem deutschen Publikum zugänglich gemacht"), um es dadurch vor den roten Verführunaskünsten zu bewahren, die gerade vor den Wahlen be- sonders gefährlich sind. Herr Graham hat nämlich eine hochinteressante Entdeckung gemacht, die sonst der öffentlichen Kenntnis vorenthalten geblieben wäre. Vor 15 Jahren hat ein Herr Lane, seines Zeichens Jour- nalist, eine Schar von„modern organisierten" Arbeitern von Au- stralien mich Südamerika geführt, um dort eine„sozialdemokratische" Niederlassung zu gründen, in der vollkommene Gütergemeinschaft und gleiche Berechtigung aller Mitglieder zum Genuß des Vor- ihandenen herrschen sollten. Und dieses„sozialdemokratische" Unter- nehmen scheiterte nach ganz kurzer Zeit, die Kolonie wurde nicht immer reicher, sondern immer ärmer, und erst als man reuig wieder zum Privateigentum zurückkehrte, da blühte auf einmal alles wieder auf, da wurden die, die im„Zukunftsstaat" faul waren, wieder fleißig, die Verarmten wurden wieder reich. Das ist nun allerdings eine interessante und lehrreiche Ge- schichte. Ob sie wahr ist, ist freilich weniger leicht zu entscheiden. Wie weit man sich auf die Wahrheitsliebe des Herrn Lebius ver- lassen kann, darüber sind die Ansichten geteilt, wie es mit der des Herrn Graham steht, ist völlig unbekannt. Aus die Ehrlich. keit beider Herren ober wirst bereits das Motto des ersten Ka« pitels helles Licht. Es heißt dort: „Wir machen uns um den Sozialismus verdient, wenn wir Haß und Verachtung den bestehenden Gesellschaftseinrichtungen entgegenbringen. Wir müssen Krieg führen gegen die herrschen- den Ideen von Staat, Gemeinde, Vaterland. Der Gottcsglaube ist der Eckstein unserer verrotteten Zivilisation. Er muß ver- nichtet werden. Die wahre Wurzel von Freiheit, Gleichheit und Kultur ist die Gottlosigkeit. Karl Marx. Es ist allerdings nickt gesagt, wo Karl Marx diesen schwülstigen Unsinn gesagt haben sollte, und die beiden Autoren würden wohl auch in einige Verlegenheit geraten, wenn sie die Stelle in Marx' Schriften augeben sollten, der jenes Zitat entlehnt sein soll; denn Der entschleierte ZstlunMaat. Spreetzerlas. Perlin. das ganze Zitat ist eine frech« Lüge. Marx hat das nie gesagt. Von der Gewissenhaftigkeit der Herren bietet eS auch eine kleine Probe, wenn es sS. 5 der Broschüre) heißt,„der Sozialis- mus habe in Paraguay bis vor kurzem geherrscht". Das soll jedenfalls eine Anspielung auf den„christlichen Staat" der Je- suiten in Paraguay sein, der, im Jahre 1619 begründet bis 1768 blühte, dann aber, also bereits vor mehr als 149 Jahren, mit Waffengewalt zertrümmert wurde. Gerade an diesen christlichen Musterstaat hätte Herr Lebius besser nicht erinnern sollen; denn er zeigt ebenso wie verschiedene- kommu- nistische Bauernkolonien in Nordamerika, die Niederlassungen der mäbrischen Brüder usw., daß die Gütergemeinschaft durchaus nicht zu Faulheit und Völlerei führen muß, wie Lebius behauptet. Daß aber eine tommunistische Kolonie inmitten der heutigen kapitalisti- schen Welt nicht lebensfähig ist, das brauchten die Herren Graham und Lebius nicht an dem in den weitesten Kreisen unbekannten Ver- such des ebenso unbekannten Herrn Lane zu beweisen. Herr Lebius war ja selbst einmal Sozialdemokrat. Hätte er damals die Gelegenheit benutzt, um etwas zu lernen, so wüßte er viel- leicht, daß gerade die sozialistische Literatur eine Reihe von Werken enthält, die das Scheitern solcher Versuche, die von berühmten Männern wie Owen und Cabet und mit dem ganzen Genie und Talent, der Willenskraft und unbez-veifelten Rechtlichkeit dieser Männer unternommen wurden, ausführlich schildern und auch die Gründe aufzeigen, wieso sie scheitern mußten. Wenn ein Mann die Absicht hätte, eine große Fabrik zu er- richten und sich zunächst, da ihm das nötige Kapital fehlt, ein Rad aus einer Maschine kaufte, um damit so lange zu„arbeiten", bis er auf diese Weise das ganze Kapital erworben hätte, würde ihn wohl jeder für einen vollkommene» Narren erklären. Nicht anders aber handelt der, der versucht, innerhalb der bestehenden Gesellschaftsordnung einen Zukvnftsstaat im kleinen aufzurichten. So wie in der großen Maschinerie jedes Rad nur im Zusmnmen- hang mit den andern, mit der ganzen Maschine, seine Bedeutung hat, seine Rolle spielen kann, allein genommen aber ein nutzloses Stück Eisen ist, so greift auch in der heutigen Wirtschaft alles in einander. Auch der Bauer bezieht heute eine Menge Dinge aus der Stadt, aus dem Ausland, auch er hängt so innig mit dem Ganzen der Weltwirtschaft zusammen, daß er sich nicht nach Gut- dünken von ihr losreißen kann. Die Baumwolle zu dem Hemd, das er trägt, kommt vielleicht aus Aegypten; die Wolle zu seinem Rock aus Australien, das Leder zu seinen Stiefeln aus Rußland. Wollte er versuchen, so wie seine Vorväter alles oder fast alles, Ivas er braucht, im eigenen Betrieb herzustellen und nur zu ver- brauchen, was er selbst herstellt, dann müßte er unVerhältnis- mäßig viel Zeit und Mühe auf alle diese Dinge aufwenden und wäre doch noch immer schlechter gekleidet, schlechter genährt und schlechter mit Werkzeugen ausgerüstet als seine Nachbarn. Der Kapitalismus hat eben aus der ganzen Welt eine ungeheure Werkstatt gemacht, in der alle zusammenarbeiten müssen, und es ist lächerlich sich einzubilden, man könne sich mitten in diesem rasenden Getriebe irgendwo in einen stillen Winkel setzen und dort soziale Experimente machen. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war das nicht so klar wie jetzt, die kapitalistisch- Arbeitsteilung noch nicht soweit gediehen wie heute, und deshalb konnten Männer wie Owen und Cabet glauben, es werde ihnen gelingen, sozialistische Kolonien zu begründen und zum Siege zu führen. Aber auch sie mußten bei diesem linternehmen scheitern. Seither haben die Arbeiter tind ihre Führer kinsohen gelernt, daß mqn mit der Schrotflinte Nicht von den Toben, sondern von den Ledenden sollten die Steuern aufgebracht werden. Und da unsere derzeitige Re- gierung ja ganz das Werkzeug unserer Junker und ihrer schwarzen Freunde ist, ist ihr auch nicht entfernt zuzutrauen, daß sie gegen den ausgesprochenen Willen dieser ihrer Aus- traggeber mit einer neuen Erbschaftssteuer kommen könnte. Es steht also fest, und die„Deutsche Tageszeitung" unter- streicht in einem Leitartikel dieses Faktum nochmals, daß keine neue Erbschaftssteuer oder auch Nachlaßstener kommen wird. Die von Herrn Heydebrand gepriesene„Opferwillig- keit" der Junker wird also nach wie vor darin bestehen, anderen Bcvölkerungsschichtcn die Taschen zu leeren! In erster Linie natürlich der arbeitenden Bevölkerung, die ia noch immer bei jeder neuen Steuervorlage am rücksichtslosesten ausgeplündert worden ist. Da das Thema der Erbschaftssteuer aber wieder ange« schnitten ist, ist es doch gut, noch einmal die parlamentarische Geschichte der Erbschaftssteuer zu rekapitulieren. Und da die Herren Freisinnigen ja gegenwärtig ebenfalls gegen die Junker wegen ihrer eigenartigen Opferwilligkeit zu Felde ziehen, sei doch daran erinnert, daß sich im Jahre 1906 auch die freisinnigen Abgeordneten Wiemer und Müller-Meiningen lebhaft gegen die Besteue- rung der Erbsckzaften von Kindern und Eltern ausgesprochen hatten! Ja. noch im Jahre 1908 wandte sich Herr Müller- Meiningen gegen die Besteuerung der Kinder und Ehegatten, weil cs sich dabei„um Eingriffe in das Familienleben zu einer Zeit handele, in der das Teuerste der Familie entrissen" sei. Kein Wunder, daß die Junker und Zentrumsmannen sich später diese heuchlerische Argumentation zu eigen gemacht haben! Daß auch die Nationalliberalen damals Bedenken gegen die Heranziehung der Kinder und Ehegatten zur Erbschaftssteuer hegten, sei nur im Vorübergehen er- wähnt. Das Erbschaftssteuergesetz vom Jahre 1906 schloß denn auch die Besteuerung der Erbschaften der Kinder und Ehegatten aus, wodurch drei Viertel aller Erbschaften steuer- frei blieben! Die Erbschaftssteuer war deshalb eine klägliche Fehlgeburt, die nur geringen Ertrag brachte. Vergebens hatten die Sozialdemokraten versucht, auch das Prinzip der Besteuerung des Nachlasses der Kinder und Ehegatten durch- zusetzen und dadurch einen Ertrag von 200 Millionen zu er- zielen, der dann die Besteuerung deZ M a s s e n k o n s u m s und die dadurch hervorgerufene Lebensmittelver- teuer ung gerade der ä r m st e n Schichten überflüssig gemacht hätte!_ Im Jahre 1909 griff dann die Regierung selbst auf die sozialdemokratischen Anregungen zurück. Inzwischen hatten sich auch Freisinnige und Nationalliberale eines Besseren be- sonnen. Es sollten also auch die K i n d e r und E h e g a t t e n zur Steuer herangezogen werden. Die Regierung wollte es für die Junker freilich außerordentlich schonend machen: die Steuer sollte erst bei einem Werte von mehr als 20 000 bis 30 000 M. beginnen und zwar mit 0.5 Prozent. Dann sollte sie bis zum Werte von einer Million Mark und mehr auf ganze 3 Prozent steigen. Außerdem sollten den Grundbesitzern noch insofern Zugeständnisse gewährt werden, daß der auf die Grundstücke entfallende Teil der Erbschaftssteuer in Ge- stalt von 20 Jahresraten bezahlt werden konnte. Trotzdem lehnten Zentrum und Konservative selbst diese schwächliche Erbschaftssteuer ab! Schon damals kamen die Junker mit dem läppischen Einwand, daß es unmoralisch se>, Stenern von Toten zu erheben, worauf der sozialdemo- kratische Abgeordnete Emmel treffend antwortete: Es viel rirhtiger, Stenern von einem Toten zu erhaben, als durch Berteucrung der Lebensmittel den Tod zahlreicher Kinder, kranker und armer Personen zu verursachen! Und wie die Nachlaßsteuer von dem schwarz-blauen Block zu Fall gebracht wurde, so auch die Erbanfallsteuer trotz ihrer überaus mäßigen Sätze. Die Herren Junker wollten even nicht auf die Elefantenjagd gehen kann, daß der Kapitalismus ein Ungeheuer ist, mit dem der Kampf aufgenommen werden, das völlig bcsicgt werden muß, damit daS mit ihm unlöslich ver- bundene Massenelend beseirigt tverden kann, das neben sich keine friedliche Entwicklung duldet.. m Herr Lebius hat darin recht, daß jeder Versuch, den Kapi- talismuS im kleinen und mit friedlichen Mitteln zu überwinden. fehlschlagen muß. Deshalb ist eben der politisch� Kampf um die Staatsmacht notwendig. Nur wenn das Proletariat diese er- obert hat. wenn eS die Verfügungsgewalt erringt über die ge. amte Produktion, dann kann es sein Streben verwirklichen, dann kann cs jenes Gemeinwesen ins Leben rufen, in dem der Grund» satz zur Tat wird:„Einer für alle und alle für einen." DaS hat auch die Sozialdemokratie schon längst eingesehen und deshalb alle solche Versuche eines dilettantischen SoziallsmuS. wie sie auch heute noch manchmal von wohlwollenden bürgerlichen Konfusionsräten wie Hertzka usw. ausposaunt und angepriesen werden, in entschiedenster Weise abgelehnt und verurteilt. Das ist Herrn Lebius jedenfalls auch nicht unbekannt; aber was ver- chlägt daS. wenn man den dummen Michel mit ein paar E»t» tcllungen und Lügen anschmieren kann? Darum wird Lane. der von sozialdemokratischen Grundsätzen jedenfalls keine Ahnung hatte, wenn er jenen tollen Versuch unternahm, frischweg zum überzeugten Sozialdemokraten gemacht, und alle Narreteien, die er und seine Anhänger in Südamerika getrieben haben sollen, werden den deutschen Sozialdemokraten in die Schuhe geschoben. Das Manöver ist so plump, daß man kaum annehmen sollte, daß es irgendeinen Erfolg haben könnte. Auch Herr Lebius hat das jedenfalls gefühlt, und deshalb wendet er sich an ein Publikum, bei dem allerdings die Hoffnung noch berechtigt sein mag, daß eö auch auf den faulsten Köder an- beißt. Als sprechendsten Beweis für die uneRrägliche Tyrannei, die in der sozialistischen Kolonie herrschte, führt Graham-Lebius an, daß dort,„bis die Gründungsschwierigkeiten vorüber sind und das Gemeinwesen ordnungsmäßig gegründet ist", die Mitglieder auf den Alkoholgenuß verzichtet hatten und Lane auch mit Strenge aus die Durchführung des Beschlusses safy In dem den Hinter- trcppenromanc» abgelauschten Stil des Herrn Lebius heißt eS auf Seite 14 seiner Schrift: „Es ist eine bezeichnende Eigentümlichkeit jedes stämmigen Engländers, daß er in Stunden der Trübsal Trost in einem Gläschen Whisky sucht. Aber selbst diesen Trost entzog Lane seinen Parteifreunden... unglückselige Genossen, die trotz des Laneschen Erlasses") da» benachbarte Eingeborenendorf be- suchten und sich in ihres Herzens Trübsal einen Ricsenrausch antranken, wurden bei ihrer Rückkehr von ihren weniger mutigen Genossen aufrichtig und herzlich beneidet, aber sie zche� sich die Ungnade ihres Herrn und MeisterL zu. Lane war so wuwnv. daß er den drei Schuldigen befahl, auf der Stelle die Kolonie �'Äe Kreise, für deren mitfühlende« Gemüt dieser fusel- begeisterte Appell bestimmt ist, mögen auch sonst sich von den lichtvollen Ausführungen des gelben Lebius über.z>»gen lassen; wer seine ftinf Sinne noch be stammen hat, wird wohl, leicht zu- verlässigere und reinere Quellen der Belehrung finden "") Wie Lebius selbst angibt, hatten alle Teilnehmer der Gesellschaft sich bei ihrem Beitritt statutenmäßig verpflichtet, dem Alkohol zg eptsagen, bis die Grundungsschwierwelten vorüber wären. das Steuerzas>!en lieber den Hroletarretn überlasten. Auch hatten sie. wie Professor Delbrück mutmasite, wahrschein- lich A n g st. daß durch Feststellung des Nachlasses zum Zwecke der Erbschaftssteuer manche agrarische Steuerhinterziehungen aufgedeckt werden könnten! Auch künftig wollen also die Junker nicht in ihren eigenen Geldbeutel greifen. Die Kosten für die von ihnen so eifrig propagierten vermehrten Flottenrüstungen sollen also wiederum aus den Knochen des Proletariats herausgeschlagen werden! Darum Achtung am 12. Januar! Der Krieg. Vor Tripolis. Tripolis. N. Dezember. Eine Abteilung Kavallerie, die über BirtobraZ hinaus eine Erkundung vornahm, traf auf«ine kleine Karawane, die von bewaffneten Arabern begleitet war; die Abteilung griffdieAraberan, verwundete mehrere und zerstreute die übrigen. Es wurde festgestellt, daß die Oase bis zum Kap Tagiura vollständig vom Feinde gesäubert ist. Scharmützel bei Derna. Torna, 9. Dezember.(Meldung der Agenzia Stefani.) Drei italienische Bataillone mit einer Gebirgsbatterie nahmen gestern in südwestlicher Richtung Rekognoszierungen bor. Sie trafen bald auf mehrere, von berittenen Offizieren angeführte Gruppen von Beduinen, die auf die Italiener feuerten, sich aber dann der Umzingelung durch die Flucht entzogen. Die italienischen Bataillone verfolgten sie über fünf Kilometer und zerstörten zwei Reihen der feindlichen Verschanzungen. Die Vor- lüfte der italienischen Erkundungstruppen betrugen zwei Tote. Es wurde festgestellt, daß sich die Türken und Araber noch weiter nach dem Süden zurückgezogen haben. Jn Benghafi stieß gestern nachmittag eine Kavallerie- Patrouille azuf einige Abteilungen Araber, von denen sie einige tötete und die anderen vertrieb. Die Patnouille hatte einen Leichtverwundeten. Die Lage ist unverändert. Ableugnung der Grausamkeiten. Konstantinopel, 9. Dezember. Das Kriegsministerium erhielt dom Kommandanten der tripvlitanischen Streitkräfte, Nesched- Beh, ein Telegramm, in dem die von italienischer Seite erhobene Anschuldigung, daß die Türken 21 italienische Soldaten lebend begraben und italienische Gefangene getötet hätten, entschieden zurückgewiesen wird. Feindseligkeiten gegen die Italiener in Tunis. Marseille, 9. Dezember.„Petit Marseillais" erfährt aus Tunis: Täglich fommt es zu Streitigkeiten zwischen tripvlitanischen Arbeitern und Italienern, so daß die Lage für die Europäer beunruhigend ist. Ein Ingenieur ist 24 Stunden widerrechtlich gesangen gehalten worden. In Ksar Mezonar haben 200 Zuaven und Polizeibeamte das Lager der tripolitanischen Arbeiter, in dem viele Gewehre. Revolver und Dolche gefunden wurden, umstellt, 235 Tripolitaner sind ins Ge- fängnis gebracht worden, alle anderen sollen an die Grenze zurück- gebracht werden. Die Kretafrage. Paris, 9. Dezember. Llus Kanea wird gemeldet, daß dort ein russischer Kreuzer eingetnoffen ist, um die Abreise der kretilschen Abgeordneten nach Griechenland zu ver- hindern. Kreuzer der anderen Schutzmächte werden das russische Schiff der Reihe nach ablösen. In der Stadt herrscht lebhaftes Treiben, jedoch völlige Ordnung. Die Dardauellenfrage. Konftantiuopel, 9. Dezember. Rußland ist weit davon ent- fernt. mit der ablehnenden Haltung der Türkei gegenüber seinem Verlangen, die Meerenge russischen Kriegsschiffen zu öffnen� sich genügen zu lassen. Unbeirrt um die ablehnende Stellungnahme der Pforte setzt Rußland soine Schritte in Konstanti« n o p e l f o r t. Ju diplomatischen Kreisen wird versichert, daß eine europäische Konferenz wegen der Revision der Meercngenfrage in Aussicht steht.__ Die Revolution in China. Der Äampf bei Ranking. Ranking, 9. Dezember. Der kaiserliche General Tschang ist mit seinen Truppen von Nanking ent- flohen. � Die Revolutionäre versnchten,»hn auf feiner Flucht aufzuhalten, wurden aber etwa 1 Meilen nordwärts von der Tientsin— Pekinger Bahn aufgerieben. Noch weiter nördlich sprengten die Revolutionäre, wie von dort berichtet wird, die Brücken mit Dynamit in die Luft. Die Kaiserlichen haben hundert Aufständische gesangen genommen, die heute hingerichtet wurden. General Tschang ist mitz 3009 Mann im H s ü t s ch o u ein- getroffen. Es scheint, daß der W a ffen still stand nicht gehalten wird, weil es.Schwierigkeiten macht, alle Kämpfer davon zu benachrichtigen. Nach einer Meldung des„Daily Telegraph" aus Schang- Hai ist General T s cha n g in Hsütschou. nördlich von Schang- Hai ermordet worden. Die revolutionäre Delegiertenversammlung. Brüssel, 9. Dezember. Agence d'Extreme Orient meldet auS Schanghai, daß seit dem 24. November die ersten Dele- gierten der 14 Provinzen hier angekommen sind. Seit drei Tagen sind die Delegierten vollzählig versammelt. Zum Vor- sitzenden des Ausschusses wurde der frühere Handelsminister Tschangtschien gewählt. Das revolutionäre Pragramm sieht vor. daß die Amtsdauer der jeweiligen Regierung zwei Jahre dauert. Der jetzige erste Inhaber der Regierungsgewalt ist der frühere erste General Juantschikais Huan tsching. Das Hauptquartier der Nationalverteidigung ist in Wut schang. Der mit den Friedensverhandlungen beauftragte. auS den Delegierten der IS chinesischen und 3 Mandschuprovinzen bestehende Ausschuß ist nach Wutschang abgereist. Er besitzt die weitgehendsten Vollmachten. Wenn die Delegierten sich zugunsten der chinesischen Republik aussprechen sollten, so wird Juantschikai dem jungen Kaiser den Rat erteilen, abzu. danken. DerdeutscheKonsul dementiert daS Gerücht, daß deutsche Firmen den kaiserlichen Truppen Munition geliefert hätten. Be- kanntlich boykottieren die Chinesen bereits eine.Anzahl deutscher Firme». Politilcbe(leberllcdt. Berlin, den 9. Dezember 191 l. Zwischen zwei Stühle gesetzt. Herr Dr. Görck«. der Ivo? im Wahlkreis Brandenburg-Weft- have stand über dm Genossen Pn-z siegte, scheint ein Pechvogel zu sein. Mit dieler Mähe ssat er eS zuwege gebracht, den den Nationalliberalen in diesem Wahlkreis wieder aufgestellt zu werden und sich, indem er bald das nationalliberale, bald das koyservative Glaubensbekenntnis ableierte, die Gunst der Konservativen und Land- bündler zu sichern und nun ist, obgleich er so gern feine Rolle als nationalliberal- konservativ- landbündlerischer Kandidat fortgesetzt hätte, das schöne Spiel zu Ende. Die Konservattven stellen einen eigenen Kandidaten auf! Wie das kam, ist höchst amüsant. Der Borstand der nationalliberalen Partei i» der Provinz Brandenburg veröffentlichte vor kurzem einen Aufruf im Kreise Brandenburg, der mit den Worten begann: „Für die nattonalliberale Partei gilt es den Kampf gegen unsere alten Feinde, Zentrum und Sozialdemokratie, Kampf diesmal auch gegen den Bund der Landwirte und die ihm leider folgenden Konservativen, die dem Liberalismus jeden Einfluß auf die Geschicke unseres Staates ver- weigern." Herr Prof. Dr. Görcke wurde von KotzebueS Verzweiflung ge- packt, als er diesen Aufruf las. Solche Sprache verdarb ihm ja da» ganze politische Chamäleonspiel. So setzte er sich denn hin und verfaßte folgende öffentliche Erklärung: „An eine Reihe von Herren in der Provinz Brandenbürg ist ein Aufruf versandt worden, der mit folgenden Worten beginnt: .Für die nationalliberale Partei gilt eS den Kampf gegen unsere alten Feinden, Zentrum und Sozialdemokratie, Kampf diesmal auch gegen den Bund der Landwirte und die ihm leider folgenden Konservattven, die dem Liberalismus jeden Einfluß auf die Geschicke unsere« Staates verweigern usw. usw." Der Aufruf ist unterzeichnet: Der Vorstand der nationalliberalen Partei in der Provinz Brandenburg. Unter den Unterschriften ist auch mein Name ausgeführt. Ebenso wie anderen Herren hat auch mir der Aufruf vor seiner Vollendung nicht vorgelegen. Ebenso wie andere Herren— unter denen sich auch der NeichstagSabgeordnete für Sorau-Forst, Herr Kommerzienrat Bahn befindet— habe ich gegen die Verwendung meines Namen« ohne meine Zustimmung und ohne mein Vorwissen energisch protestiert. Ich halt« eS für nötig, hiermit dielen Protest zu wiederholen. Ja, erkläre, daß ich wie jene anderen Herren mit dem Alifruf nicht einverstanden bin und ihm auch meine Unterschrift bei rechtzeitiger Kenntnis nicht gegeben hätte: es wäre das ja bei der Lage der Dinge direkt widersinnig gewesen. Ich bitte demnach alle Empfänger oder sonstigen Leser des Aufrufs, meine Unterschrift, die ich nicht gegeben habe, auch als nicht gegeben, sonach als nicht vorhanden zu betrachten." Vielen Nationalliberalen des Kreise« ging diese schöne Cr- klärung gegen den Strich; den Konservativen dagegen genügte sie noch nicht, und sie forderten, Herr Dr. Görcke solle seine Unterschrist unter das nachstehende niedliche Schriftstück setzen: „Der nationalliberale Parteivorstand für die Provinz Branden- bürg hat in einem Aufruf folgendes erklärt:„Für die national- liberale Partei gilt es den Kampf gegen unsere alten Feinde, Zenttum und Sozialdemokratie, Kampf auch gegen den Bund der Landwirte und die ihm leider folgenden Konservativen, die dem Liberalismus jeden Einfluß auf die Geschicke unsere« Staates verweigern." Ich erkläre hiermit, daß ich die Zustimmung zur Verwendung meiner Unterschrift unter den Aufruf nicht erteilt habe. Mein Name steht demnach zu Unrecht unter dem Aufruf dcS Brandenburgifchcn nalionalliberalen Parteivorstandes. Ich erkläre hiermit weiter, und bin mit der Veröffentlichung dieser Erklärung einverstanden, daß ich mit dem5kampf gegen die Konservativen und den Bund der Land loirte nicht einverstanden bin und denFeind nur in der Sozialdemokratie sehe." Dieses Schriftstück zu unterzeichnen lehnte jedoch Herr Dr. Görcke ab, hätte er doch sich damit bei den Nationalliberalen, seinen bis« herigen Parteifreunden, vollends in die Nesseln gesetzt. Infolge- dessen erläßt jetzt der Vorsitzende des konservativen Vereins für Westhavelland-Stadt Brandenburg, v. Bredow- Landin, folgenden Aufruf: „Es erscheint miSgefchloffen. daß Konservative und Bundes- Mitglieder dem Professor Dr. Görcke hiernach noch ihre Stimme geben können. Der Unterzeichnete zieht hiermit seine für die Wahl des Professor Dr. Görcke abgegebene Unterschrift zurück und er- wartet das Gleiche von allen Gesinnungsgenossen. Die Ein- berufung einer VerttauenSmänner- Versammlung erscheint über- flüssig, da in der letzten Vertrauensmänner- Versammlung, in welcher auS taktischen; Gründen von der Aufstellung eines eigenen Kandidaten Abstand genommen wurde, von samt- lieben Vertrauensmännern dem von mehreren Seiten als konservativen Kandidaten in Vorschlag gebrachten General- leutnant z. D. v. Bredow-Stechow das allergrößte Ver- trauen ausgesprochen wurde. Herr v. Bredow-Stechow ist also der konservative Kandidat. Ich bitte alle Gesinnungs- genossen. Herrn v, Bredow- Stechow nicht nur ihre Stimme zu geben, sondern auch auf das eifrigste für seine Wahl zu wirken," Vorbei, vorbei! Herr Görcke hat keine Aussicht mehr, in den Reichstag einzuziehen und auf Reichskosten Smdienfahrten nach China oder nach unseren warmen afcilanischen Kolonien zu unter- nehmen. Die Konservative» wolle» keine Nachlaststeuer! In einer Besprechung des so rasch dementierten Steuer- Manövers schreibt die„Deutsche Tageszeitung", Nr. 624 vom 9. Dezember: „Obwohl die Erbschastssteuergerllchte durch die« Dementi bis auf weiteres erledigt sind, möchten wir doch noch ausdrücklich fest- stellen, daß die gesteni noch von verschiedenen Seiten in der Presse aufgestellte Behauptung, maßgebende konservative Kreise stünden dieser Steuer jetzt nicht mehr grundsätzlich ablehnend gegenüber, durchs us unzutreffend ist. Die Unrichngkeit dieser Behauptung geht schon daraus hervor, daß der Abgeordnete v. Hehdebrand die Frage des Abg. Dr. Wiemer, ob seine Freunde jetzt zur Annahme der direkten Erbschaftssteuer bereit seien, deutlich verneint hat." Na um so besser! Also selbst die neuen Rlesenkriegsschiffe soll nur das Volk bezahlen, die Junker wollen nicht einmal auf ein paar Prozente ihrer Erbschaften fürs Baterland ver- zichten. Michel, sieh dich vor! Kanzel und Beichtstuhl im Dienste der Zentrumspartei. Jeder Fall, der beweist, wie Kanzel und Beichtstuhl von den Zentrums kaplänen zugunsten der Zentrumspartei mißbraucht werden, ist dem Zentrum unangenehm. Kein Wunder, daß sie solche Fälle abstreiten oder abzuschwächen versuchen. Jiy Dezember-Heft der „Apologetischen Rundschau" versucht Mentrop solche Mohrenwäsche- Dem Pfarrer Schwemin, früheren Kreisvikar in Neurode m Schlesien, wurde vor Gericht nachgewiesen, daß er auf der Kanzel Agitation für das Zentrum getrieben habe, indem er gegen ein bürgerliches Blatt, die.Neuroder Nachrichten", einen syrnilichen Feldzug eröffnete, Die„Preußische Lehrerzeilung" vom 2. Dezember belegte diese Tatsache mit Stellen aus der Begründung des Urteils, durch welches der Redakteur der„Reuroder Nachrichten" wegen derber Ausdrücke, die er gegen den Pfarrer gebraucht hatte, bestraft wurde. Diese Stellen teilt die„Apol. Rundschau" selbstverständlich nicht mit. son» dern fie begnügt sich damit, darauf hinzuweisen, Pfarrer Schivemin habe unter seinem Eid bekundet, daß er jede Politik von der Kanzel ausgeschlossen habe. Da« ist selbstverständlich»ein«e»ei». dem,«M ZeuAumPffarrer mag immerhin der Meinung sein, daß er keine Politik auf der Kanzel treibe, sondern nur seine religiösen Pflichten erfülle, und doch wird sein Verhalten nichts anderes sein, als unverhüllteste Agitation für das Zenttum. In einer Anzahl anderer Fälle(vom ohrfeigenden Pastor in Reichenau, Ankündigung einer ZentnxmSversammlung durch Glocken- geläute in Rixheim im Elsaß usw.) muß die ,A. R." ebenfall« die Richtigkeit der Anschuldigungen zugeben, wenn sie diese auch abzu« schwächen versucht. Es hieße Waffer teelöffelweise inS Weltmeer tragen, wollte man alle Meldungen über den Mißbrauch der Kanzel und des Beichtstuhls durch Zentruinskapläne berichten; es genügt, darauf hinzuweisen, daß der Zentrumsabgeordnete GieSbertS 1908 feststellte, daß die .Fachabteilungsgeistlichen" an der Saar den christlichen GeWerk- schaftlern die Gnadenmittel verweigerten, weil sie nicht den Fach- abteilungen angehörten. Effert, Generalsekretär, und HüskeS, Sekretär de? christlichen Gewerkvereins der Bergarbeiter, bestätigten öffentlich diese Angabe. Dem Herrn Mentrop scheint auch wohl selbst klar z« sein, daß er den Mißbruch der Kanzel und deS Beichtstuhles nicht völlig ab« leugnen kann und deshalb sagt er, daß solche Fälle vorkamen und noch vorkommen. Sie werden auch in Zukunft keine Ausnahme sein. Zur Entschuldigung darf sich dann jeder Hetztaplan auf Mentrop berufen, der folgende Weisheit auskramt: „Wenn ein Geistlicher seine Pfarrangehörigen in der Predigt auffordert, ihr Wahlrecht auszuüben und eS so auszuüben, daß die Kirche»nd mithin auch der einzelne Katholik Nutzen davon habe, so ist das eine Tätigkeit, die der Seel- sorge nicht widerspricht. Freilich darf er keine parteipolitischen„Predigten" halten, indem er die Stellung- nabme einer Partei, hier also des Zentrums, in politischen Fragen, z. B. in der Steuergesetzgebung, verteidigt oder angreift, oder die wirtschaftlichen Vorteile deS Anschlusses eines Standes, etwa des Bauernstandes, ans Zentrum hervorhebt. Auch bandelt er unrecht, wenn er eure Kommunalverwallung oder Staatsregierung in der Predigt angreift. Solche Dinge gehören eben nicht auf die Kanzel, sie entweihen diese Stätte, die zur Berkündung göttlicher Wahrheiten und sittlicher Pflichten bestimmt ist. Und bei verständigen Zuhörern schaden sie der Partei mehr als sie ihr nützen, denn wer eine Verteidigungsrede politischer Entscheidungen des Zentrums im Golteshause hört, der muß sich' sagen, daß es schlimm steht um eine Partei. deren Politik mit religiösen Argumenten vertreten wird. Auch wenn da? Zentrum auf katholischem Boden steht,— wir wollen diese Streitfrage hier nicht erörtern,— dürfte der Prediger immer noch nicht über die qllgemein-prinzipieve Erörterung der Gewissenspflichten bei Ausübung des Wahlrechtes hinausgehen. Es ist natürlich, daß angesichts der allgemeinen Erregung zu Wohl- zeiten auch der Kanzelredner leicht das richtige Maß überschreiten kann und Entgleisungen auf die Dauer nicht ganz vermieden werden. Im allgemeinen aber zeigt der Klerus auf der Kanzel eine taktvolle Zurückhaltung und sind die gegnerischen Behauptungen zu allermeist erfunden._ Zur Frage des WahlnrlaubS für Beamte» Die„Neue Politische Korrespondenz" schreibt: „Von mehreren Blättern wird die Nachricht gebracht, daß dem Geheimen RegierungSrät Hüfener vom Kaiserlichen Patentamt, der sich um ein Reichstagsmandat bewirbt, der zur Vorbereitung seiner Wahl erforderliche Urlaub vom Staatssekretär deS Innern ver» weigert worden ist. Hierzu wird von unterrichteter Seite fol» gendes mitgeteilt: Herr Hüfener hatte einen Urlaub von 4 Wochen zur Borbereitung seiner Wahl nachgesucht. Dieser lange Urlaub ist, und zwar in Uebereinstimmung mit der ständig befolgten Uebung, abgelehnt worden. Dagegen hat der Staatssekretär des Innern die Chefs der ihm«achgeordneten Aemter ermächligt, Gesuchen von Be- amten(als Kandidaten für ein Reichstagsmandat auftretenden) kurzfristige Urlaube zur Vorbereitung ihrer Wahl, sofern dienst- liche Rücksichten nicht entgegenstehen, zu entsprechen. Mit dieser Regelung dürste allen beliebigen Anforderungen Genüge geleistet sein."— Von dieser Liberalität können nur die bürgerlichen und gemäßigten Parteien Nutzen ziehen, denn ew Beamter, der als Oppositioneller, von Sozialdemokraten gar nicht zu reden, aufträte, wäre schon geliefert. Rechtsgleichheit... Zur mecklenburgischen BerfassungSposf«. Der„Franks. Ztg." wird aus Rostock geschrieben: In den Kreisen der Landschaft, also dpr Bürgermeister im Land» tage wird, wie man erfährt, mit einer Ueberraschnng in der Berfassungsfrage gerechnet. Worauf sich diese Annahme stützt, ist zurzeit noch nicht ersichtlich. Ob man eine Verfassung oktroyieren wird oder etwa nach den Neuwahlen das Reich anrufen will, darüber gehen die Meinungen aus» «inander. Die letzte Entscheidung wird davon abhängen, ob der Großherzog sich zu einer Entlassung des Ministeriums v. Bassewitz-Langfeld-v. Pressentin entschließen wird. Nachdem heute der von der Regie» rung beantragte Zuschuß zu den Kosten de« LandeSregimentS durch die Standeserklärung der Landschaft abgelehnt worden ist, während die Ritterschaft zwecks Verschleppung der Verfassungsfrage ihn zu bewilligen bereit war. wird von oben her etwas unternommen werden müssen, wenn man dort nicht auch noch den letzten kümmerlichen Rest von Autorität verlieren will. Die finanziellen Verhältniffe drängen mit Gewalt zu einer Lösung der Verfassungsfrage. Vielleicht kommt sie durch das Strelitzer Ministerium, das auS kernigerem Holze ist und das entschlossen sein soll, sich unter Umständen von der Union zu trennen. Für einen solchen Schritt würde ihm der Beifall des ganzen mecklenburgischen Volkes bis auf die Ritter» schaft— gewiß sein._ franhrdeb. Bel-Amis Ende. In Saint-Raphael an der Rivicra ist In der Nacht VSk Dpnnerstag ein Mann gestorben, dessen merkwürdiger Lebenslauf und äußerlicher Aufstieg an den Helden des genialen Romani des Mau Passant erinnern, dessen innerlicher Verfall aber mit der Rück- ständigkeit der proletarischen Organisation Frankreichs in engem Zusammenhang ist. G e r a u l t. R i ch a r d gehörte zu den Leuten. die»eine schöne Zukunft hinter sich" haben. Ein armer Bauern. söhn kam er als ausgekernter Tapezierer«ach Paris,©ein frisches, in kecker Satire zugreifendes Talent, das er vorerst auf dem Gebiet des ländlichen Chansons kundgab, machte in den damals auf. kommenden literarischen Kabaretts Aufsehen. Bald wendete er sich dem politischen Gebiet zu und schrieb leidenschaftliche redolutio- näre, sozialistische Strophen. Lissa garay. der Historiker der Kommune, nahm den begabten jungen Menschen in die Redaktion der„Pataille". Vorübergehend war dieser dann Eisenbahner, wiederum Chansonnier— er verkaufte seine Lieder selbst in einem kleinen Laden, der ein beliebtes Rendezvous der revolutionären Literaten war— Redakteur an der wiedererstandenen„Bataille" und schließlich an der„Petite Republique". 1893 kandidierte er in Paris als revolutionärer Sozialist gegen ejnen..Possibilisten", fiel aber durch. Besonderes Aufsehen erregte die Anklage und Ver- urteilung, die er sich im folgenden Jahr als Herausgeber des Wochenblqtts �Chamhffd" Wege» iöeleidigung de« Präsident«» Tastwtr Perier zuzog. Fauris hielt als sein VerteOig« eine seiner ersten großen sozialistischen Reden. Gerault-Richard wurde zu einem Fahr Gefängnis verurteilt. Ein paar Monate darauf wählte ihn das 13. Pariser Arrondissemcnt zum Deputierten. Der Ministerpräsident Tupuh verweigerte seine Freilassung, doch brachte ihm der Rücktritt Casimir Periers und die nach dem Amts- antritt Felix Faures erlassene allgemeine Amnestie schon nach ein paar Wochen die Freiheit. Gerault-Richard wurde Chefredakteur der„Petite Republique" und entwickelte sich als solcher immer weiter nach rechts. Er war ein schneidiger Polemiker, in der witzi- gen, boshaften Glosse geradezu ein Meister, aber ihm fehlten die ersten Begriffe vom Wesen des Sozialismus, der sittliche Ernst und damit der Trieb, den Mängeln seines Wissens nachzuhelfen und die Zucht, die das verantwortungsvolle Wirken in einer großen Organisation bewirkt. So sank er rasch zum gewöhnlichen Erfolg- jäger herab, zum Regierungstrabanten und Reptilienfondsjour- nalisten, dessen Zynismus nur durch eine gutmütige Kamaraderie einen liebenswürdigen Zug behielt. Zur Zeit des schlimmen Partei- zwistes während der Dreyfuskrise hat er nicht wenig zur Vergiftung des Verhältnisses zwischen den gegensätzlichen Richtungen bei- getragen. Die Einigung machte er nicht mehr mit, denn er mochte die Krippe des Regierungs- und Korruptionsjournalismus nicht verlassen. Schon 19K2 hatte er sich für das in Paris verlorene Mandat einen Ersatz in Guadeloupe gesichert, wo er als„Sozialist" der Kandidat der Sklavenhalter war, die ihre schwarzen Arbeiter mit dem ausgefüllten Stimmzettel zur Urne trieben. Die politi- schen Kolonialabenteuer Gerault-Richards, seine Affären mit dem famosen Negerdeputierten Legitimus, der abwechselnd sein Freund und sein Todfeind war, schließlich seine durch den noch weniger von Skrupeln geplagten Herausgeber der„Petite Republique" während seiner Abwesenheit in der Wahlkampagne von 1306 be- sorgte Hinausbugsierung aus der„Petite Republique" bieten einen überreichen Stoff für politische Possen dar.— Seither gab Gerault- Richard verschiedene Blätter heraus, die von der Unterstützung der Regierung lebten, zum Schluß„Paris-Fournal". eine mit großem literarischen Geschmack geleitete Tageszeitung. Daneben oder besser hauptsächlich betrieb er allerhand mehr oder minder lautere kapi- talistische Geschäfte, die ihm die luxuriöse Lebenshaltung eines Schloßbesitzers ermöglichten. Er ist nur etwas über 50 Jahre alt geworden und sein Talent hat er lange überlebt. Fressende Krank- heit ließ ihn der ergatterten materiellen Glücksgüter nicht froh werden. Italien. Reaktion auf der ganzen Linie. Rom, 5. Dezember.(Eig. Ber.) In Italien gehören Majestäts- beleidigungsprozesse zu den allergrößten Seltenheiten. In normalen Perioden sehen die Richter ein, daß bei solchen Prozessen die «Majestät" immer eine klägliche Rolle spielt, so daß die wenigen Anzeigen sich meist während der Voruntersuchung im Sande ver- laufen. Heute ist das natürlich ganz anders. Vor dem Ge- schworenengericht von C o m o ist der bürgerliche Journalist Facchinetti zu 1l> Monaten Gefängnis verurteilt lvorden wegen eines heftigen Artikels, den er nach der Ausweisung des albanischen Agitators Jvaneff zur Zeit des albanischen Auf- standes veröffentlicht hatte. Durch den Artikel soll der König be- leidigt worden se.n. Wenn das so fort geht, wird man bald russische Zustände in Italien haben. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Cnglanck. Die Rede GreyS. London, S. Dezember. Der ParlamentSuntersekretSr des Au?« ... wältigen Amts Acland erklärte in einer Rede in Oldham, Sir Edward G r e y fei getadelt worden, weil es ihm angeblich Deutschland gegenüber an Wärme fehle. Grey sei ein Mann, der niemals mehr oder weniger sage als er meine, und habe keine leeren Worte gebraucht. Es sei zu hoffen, daß sie die Grundlage bilden würden für zukünftige Verbesse- Klingen der friedlichen Beziehungen. perftcn. Bewaffneter Widerstand in TäbriS. Täbris, 8. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphenagentur.) Die F i d a i haben damit begonnen, die Zitadelle von Täbris zu befestigen und Proviantvorräte anzusammeln. Der Endschumen behauptet, daß Depeschen aus Teheran besagen, der standhafteste Wider- stand von Täbris sei notwendig, um die Russen zu zwingen, ihre Forderungen herabzusetzen beziehungsweise völlig zuriick- zuziehen. Die Fidai sammeln unter der friedlichen Bevölke- rung Unterschriften für ein Telegramm, in dem der türki- s ch c Sultan um Entsendung von Truppen nach Täbris gebeten wird.— Ein russisches Detachement ist in H o i eingetroffen. foilZbticl. Das Schicksal der unschuldig verurteilten sozialdemokratischen Dumaabgeordneten. Bekanntlich hat die Duma des Staats- streiches es abgelehnt, für die Wiederaufnahme des Prozesses gegen unsere unschuldig verurteilten Genossen einzutreten. Neuerdings sind folgende Mitteilungen über das Schicksal der Genossen in die Oeffentlichkeit gedrungen. Anilin, Anissimow, Petrow, Scrow und Tschaschin befinden sich auf den Zwangs- arbeiten in Sibirien. Lomtatidse, Dschaparidse und Zere- telli war gestattet worden, die fünfjährige Zwangsarbeit in den Gefängnissen des europäischen Rußlands zu verbüßen, wobei ihnen die Strafdauer um die Hälfte vermehrt wurde. Der schwerkranke Lomtatidse ist gegenwärtig im Gefängnis zu Tiflis interniert, Dschaparidse starb schon vor drei Jahren während seines Transportes von Petersburg nach Nikolajew, und Zeretelli liegt im Gefängnis zu Nikolajew an der Lungenschwindsucht schwer krank darnieder. Acht Genossen, die ihre Strafe auf der Katorga bereits ver- büßt haben, sind, da sie aller bürgerlichen Rechte verlustig er- klärt sind, nach entfernten Orten Sibiriens deportiert worden. Sie leiden große Not, da sie keinerlei Arbeit und Erwerb finden können. In ähnlichen Verhältnissen befinden sich elf andere Genossen, die zur Ansiedelung in Sibirien verurteilt wurden. Im Petersburger Transportgefängnis befinden sich die Genossen Saltykow, Surabow und Shedelew, die erst später verhaftet worden sind. Der Genosse Machradse endlich ist im Gefängnis irrsinnig geworden und befindet sich in einer Irrenanstalt in der Nähe von Wilna. Hud Induftrie und HandeL Wie Kongo-Kolon ialgeschäfte gemacht werden. Bei den Debatten über das deutsch-französifche Kongoabkommen ist von unseren Kolonialschwärmern in dankenswerter Weise mehr als ein lehrreiches Schlaglicht auf den„Wert" unserer Kolonien überhaupt und speziell des neuen Kongogebietes geworfen worden. Diese Beurteilung, die wir uns als wertvolles Material für unsere Agitation wohl merken wollen, zeigt nicht nur die Konsequenzen für den Reichssäckel und die ihn füllende Arbeiterschaft. Sie erfährt Perantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw7: setzt auch noch eine bezeichnende Ergänzung durch Mitleilungen, wie die Gewinne der interessierten Kolonialkapitalisten zustande kommen. Die„Frankfurter Zeitung" veröffentlicht die Gewinnergebnisse uno finanziellen Verhältnisse der„Societe Forestiere Sangha- Oubanghui", einer Gesellschaft, der durch die Abtretung des Kongo- gebietes jetzt unter deutsche Oberhoheit gerät. Das Unternehmen ist durch Verschmelzung von 11 französischen Konzessionsgesellschaften in Aequatorialafrika entstanden. Um einen möglichst hohen Gewinn aufweisen zu können, dehnte man das erste Geschäftsjahr auf vier- zehn Monate aus. Die Bruttoeinnahmen betragen für diese Zeit rund 8,5 Millionen Frank. Ihnen stehen 1,7 Millionen Frank Aus- gaben gegenüber, so daß sich der Reingewinn für die 14 Monate auf mehr als 3,8 Millionen Frank beläuft. An den Staat werden nur 267 666 Frank Abgaben entrichtet. Die Rücklagen(Dis- Positionsfonds, Reserven usw.) betragen 1,5 Millionen Frank. Als Tantiemen werden 178 446 Frank verteilt und den Aktionären fließt neben einer öprozentigen Verzinsung des 12 Millionen betragenden Kapitals eine Dividende von 1.36 Mill. Frank zu, d. h. etwa II Proz. Die Gesellschaft handelt im wesentlichen mit Kautschuk und Elfenbein, und der Reingewinn ist natürlich nur durch„a u s g e s p r o ch e n e n Raubbau in den nächstliegenden Kautschukwäldern" möglich ge-- Wesen. Auch hat sich das Unternehmen um die in den Konzessions- bedingungen vorgeschriebenen Aufwendungen und Meliorationen ge- drückt. Daß schließlich auch die AusbeutungderSch Warzen schändlich war, ist selbstverständlich. Ein deutsches Finanz- konsortium unter Führung der Deutschen Bank suchte und sucht nun, die Aktien der Gesellschaft zu erwerben. Das Kongounter- nehmen war natürlich nicht abgeneigt, nach dem Ramschgewinn des ersten Jahres, der sich in dieser Höhe nicht wiederholen wird, schleu- nigst loszuschlagen, hat es aber vorgezogen, 56 666 Stück Aktien an eine französische Finanzgruppe zu einem Kurswert von 256 abzu- geben. Diese Finanzgruppe hat sich aber selbst nur einen Zwischen. gewinn von 15 Frank pro Aktie, also insgesamt 756 666 Frank ge- sichert und so die Aktiou an ein Syndikat, bestehend aus Pariser Banken und Bankfirmen, weitergegeben. Das Syndikat soll die Absicht haben, die Aktien mit einem weiteren erheblichen Aufschlag an das Publikum zu bringen, das natürlich die gesamten Kosten dieser Transaktionen zugunsten der Großfinanziers zu tragen haben wird. Die deutsche Finanz ist aber mit diesen Schritten sehr wenig zufrieden, da sie gar zu gern sich selbst an dem Geschäft beteiligt hätte, und erhebt daher drohend die Finger: die deutsche Regierung werde auf eine sachgemäße Behandlung der Kautschukausbeute dringen, sie werde ferner an die Pflicht der Meliorationen erinnern und auch die Arbeiterfrage würde sich unter dem Einfluß der deur- schen Regierung für die Folge voraussichtlich wesentlich anders ge- stalten— wie es so schön diplomatisch heißt.„Damit ist aber viel- leicht ein Teil der Grundlagen erschüttert, auf denen die Gesellschaft im letzten Jahre ihren hohen Reingewinn und ihre hohe Dividende aufbaute." Das Klagen wird den deutschen Kapitalisten nichts nutzen — die französische Hochfinanz freut sich bereits des Gewinnes tn der eigenen Tasche— und eS bleibt ihnen nichts, als vor dem An- kauf der Kolonial., werte" zu warnen,„denn mit Kolonialwertcn hat man in Deutschland schon recht schlechte Erfahrungen gemacht". Zollbelastung! Während die Lebensmittelwuckierer, um den Arbeiter zu blenden, die sozialen Lasten gern in großen Zahlen aufmarscklieren lassen, versuchen sie die Zollastcn recht gering erscheinen zu lassen, indem sie diese auf eine Tasse Kaffee, ein Glas Bier usw., okt dazu falsch umrechnen. Wie die Zölle in Wirklichkeit die Lebensmittel verteuern, erkennt man bei einer Vergleichung der Zollbeträge mit dem Werte der in Betracht kommenden Waren. Das geschiebt in der folgenden Tabelle. Sie enthält die Angaben nach der amtlichen Statistik über die Zollerträge bei der Einfuhr von Lebensmitteln im Jahre 1916: Wert der Waren Zollertrag Der Zoll beträgt in 1006 Mark vom Wert Proz, Bis zu 67 Proz. vom Werte der Waren machen die Zölle aus, In diesen Zahlen tritt die Brutalität der Verteuerungspolilik recht kraß in die Erscheinung._ Krupp A.-G. Der Abschluß der Krupp A,-G. in Essen ist eine neue Bestätigung für die günstige Lage am Eisen- und Siahlmarkt. Der Reingewinn ist um 7t/» Mill. auf 28� Mill, M, gestiegen. Der Vetricbsüber- schuß ergab für das letzte Jahr 43 264 961 M. gegen 35 911 821 M. im Vorjahre. Auffällig ist die Höhe der Abschreibungen, sie machen, einschließlich der Sonderriicklagen, 21>/z Mill. M, aus, 1 623 611 M. mehr als wie im Vorjahre. Indem auch noch über 4 Mill. M.— im Vorjahre nur 163 929 M.— auf neue Rechnung vorgetragen, dem Delkredekonto 2 Mill. M. überwiesen wurden, konnte man wieder aus den vorjährigen Dividendensatz von 16 Proz, zurück- kommen. Das Aktienkapital der Firma beträgt 186 Mill. M. In den letzten 5 Jahren sind 169 Mill. M, Reingewinne heraus- gewirtschaftet worden. Ein Bild von dem allgemeinen Aufstieg— bei den Erträgnissen— gibt die folgende ZÜsammenstcllung. In den beiden letzten Jahren ergaben die Reingewinne und Ab- schreibungen der aufgeführten Gesellschaften folgende Beträge in 1666 M.: Reingewinn Abschreibungen sbschrech.""zust 1363,10 1910/11 1909/10 1910/11 1909/10 1910/11 Harpener Bergbau. 7 174 8 253 8 132 9 044 15 366 17 297 Phönix..... 19 798 24 475 12 888 12 760 32 686 37 235 Rhein. Stahlwerke. 2 855 3 636 2 922 2 929 5 777 6 559 Hasper Eisen U.Stahl 1694 1293 911 991 2 665 2 284 Krupp..... 21 265 28 712 18 885 19 568 46 156 48 226 Sa. 52 186 55 363 43 738 45 232 95 934 1 1 1 595 Daß man trotz solcher Ergebnisse ausgerechnet aus dieser In- dustrie fortgesetzt gegen die Sozialpolitik und die Arbeiter hetzt, über die Gefährdung der Industrie durch zu hohe Belastung lamentiert, ist wahrlich ein starkes Stück._ Das Rüsten zum Kampf! Nach den Ausweisen über die Ergebnisse im November hat im Vergleich mit dem Vorjahre sowohl die Erzeugung von Roheisen als auch der Abstoß von �-Produkten des Stahlwerksverbandes wiederum zugenommen. Die Roheisenerzeugung stieg von 1 272 333 Tonnen auf 1313 896 Tonnen, der Versand von �.-Produkten von 426 356 Tonnen auf 499 069 Tonnen. In den ersten 11 Mo- naten dieses Jahres sind über 14 Millionen Tonnen Roheisen er- blasen worden gegen nicht ganz 1314 Millionen Tonnen im selben Zeitraum des Vorjahres. Bei dem Versand von Produkten A zeigt sich für die genannte Periode eine Zunahme von 4 789 066 Tonnen auf 5 335 009 Tonnen. Ueber den Versand der Produkte B liegt der Ausweis für die ersten 16 Monate vor; danach ergibt sich eine Geisamtsteigerung von 4 794 666 Tonnen auf 5 183 096 Tonne». An diesen Ziffern ist besonders bemerkenswert, daß der Abstoß von B-Produkten nun schon größer ist als der von Erzeugnissen A. Es ist das eine Folge der gesteigerten Konzentration und des forzierten Ausbaues der Weiterverarbeitungsanlagen der Gemischtwerke. Weiter kommt in der Versandzunahme die Ouotenjagd beim Stahl- Werksverband in die Erscheinung. Im Jahre 1968 betrug die Ge- samtbeteiligung 12 686 617 Tonnen, zurzeit 12 436 434 Tonnen. Nun liegen Anträge auf Mehrbeteiligungen vor, die 5 Mil- lionen Tonnen ausmachen. Ihre Gewährung würde die Be- teiligung auf über 17 Millionen Tonnen steigern, also noch erheblich über die Roheisenerzeugung hinaus, die doch höchstens 1514 Millionen Tonnen ausmachen wird. Die Mehrforderungeu sind natürlich sehr hoch geschraubt; jeder rechnet damit, daß ab- gehandelt wird. Dabei dürfte es zu heftigen Kämpfen unter den Großen im Reiche der Montanindustrie kommen. Die bedeutenden Abschreibungen und Rückstellungen bei den letzten Abschlüssen der Werke sind hauptsächlich im Hinblick auf die zu erwartenden Ouotenkämpfe vorgenommen worden. Der Vorgang wird vielleicht auch nicht ohne Einfluß auf den Weltmarkt bleiben. Die Weiter- veravbeiter von Rohmaterial und halbfertigen Erzeugnissen werden sich wohl einige Zeit billiger Preise erfreuen können. Huö der Frauenbewegung. Ruth Brs, bekannt durch ihr Wirken auf dem Gebiete des Mutterschutzes, ist am Donnerstag in Herischdorf in Schlesien plötzlich am Herz- schlag gestorben. Die Verstorbene war früher Volksschullehrerin in Breslau. Sie ist weiteren Kreisen dadurch bekannt geworden. daß sie im Namen der Menschlichkeit flammenden Protest gegen ein Urteil des Schwurgerichts Glatz erhob, welches die Magd Anna Werner in Glatz, die aus N o t und durch bureaukratische Maßnahmen zur Kindesmörderin wurde, zum Tode verurteilte. Ihrem eifrigen Wirken ist es zu danken, daß die Todesstrafe im Gnadenwege zu einer 16jährigen Zucht- haus st rase umgewandelt wurde. Die Bemühungen der Ver- storbenen führten denn auch noch dazu, daß ministerielleAn- Weisungen an die Behörden ergingen, die Ge- setze über den Unter st ützungswoh»sitz, denew die Magd Anna Werner zum Opfer fiel, loyaler zu handhaben. Obwohl Ruth Vre selbst nicht mit irdischen Mitteln gesegnet, hatte sie für die Armen und Enterbten immer lebhaftes Mitgefühl. Als ihr gelegentlich ihrer Bemühungen in der Angelegenheit der ver- urteilten Anna Werner von der Redaktion unseres Breslauer Bruderblattes, zu dessen gelegentlichen Mitarbeiterinnen sie ge» hörte, einige anerkennende Worte gesagt wurden und man ihr die Frage vorlegte, was nach der Entlassung mit der Anna Werner werden würde, da war Ruth Bre bereit, mit dieser so lange ihr kärgliches Brot zu teilem bis diese wieder auf eigenen Füßen stehen könnte. DaS ist ein ehrendes Zeugnis der Menschenliebe für die Verstorbene, die immer noch gehofft hatte, daß das Opfer der preußischen Bureaukratie und des toten Buchstabens unserer Ge» setze vollständig begnadigt würde. Das hat sie nicht mehr erleben können. Gegen die Reglementierung der Prostitution. Die Stadtverordnetenversammlung von Stockholm hat lfl ihrer letzten Sitzung mit 49 gegen 38 Stimmen beschlossen, an die Regierung das Ersuchen zu richten, den Polizeimeister von der ihm jetzt obliegenden Pflicht, für die„erforderliche Aufsicht über lieber» liche Frauenzimmer" und für ihre„Besichtigung durch hierzu an» gestellte Aerzte" zu sorgen, zu befreien. Ursprünglich lautete deu Antrag dahin, die zu diesem Zweck im Budget der Stadt aufge- führte Summe von rund 86 666 Kronen einfach zu streichen, weil man meinte, daß keine bestimmte gesetzliche Verpflichtung zur Be- willigung der Gelder vorhanden sei. Nachdem jedoch der Oberstatt» Halter auf eine königlich« Verordnung aus dem Jahre 1869 auf» merksam gemacht hatte, durch die die Pflicht des Polizeimeisters zur Ueberwachung der Prostitution festgelegt ist, hielt es die Mehr» heit für zweckmäßiger, sich mit dem erwähnten Ersuchen an die Regierung zu wenden. Uebrigens macht sich seit einigen Jahren in ganz Schweden eine immer stärker werdende Bewegung gegen die reglementierte Prostitution geltend, so daß die Zeit nicht mehr fern zu sein scheint, wo Schweden dem Beispiele Norwegens und Dänemarks folgt und allgemein mit dem alteingewurzelten Systeme bricht. DaS ist um so eher zu erwarten, als die letzten Reichstagswahten der Sozial- demokralie, die ja auch bei Bekämpfung jener Kulturwidrigkeit die treibende Kraft ist, einen viel stärkeren Einfluß als bisher gesichert haben._ Leseabende. Vierter Wahlkreis, 25. Abteilung. Morgen. Montag, den 11. De» zember, abends 8'/z Uhr. im Lokal Bergmann. Borhaaeuer Straße 26. Rcferentin: Genossin Hanna. Hetzte rfaehrichten, Spionageprozeß Schulz. Leipzig, 9. Dezember.(W. T. B.) In dem Spionageprozeß Schulz fanden heute abend in nichtöffentlicher Sitzung die Plai- doyers statt. Die Fortsetzung der Verhandlung wurde auf näck'sten Mittwoch vormittag angesetzt. Die Engländer auf Kreta. Paris, 9. Dezember.(W. T. B.) Aus Athen wird gemeldet: VenizeloS verlas eine Depesche aus Canea. wonach auf Kreta englische Matrosen zur Herstellung einer funkentelegraphi. schen Verbindung zwischen dem englischen Konsulat in Canea und dem in der Sudabai ankernden Schiffe ge» landet seien. Der serbische reaktionäre Staatsmann Christitsch gestorben. Belgrad, 9. Dez.(W. T. B.) Der frühere Ministerpräsident und Präsident des Staatsrats, Nikola Christitsch, ist heute im Alter von 93 Jahren gestorben. Erdbeben in der Neumark. Landsbcrg a. W., 9. Dezember. In der ganzen Neumar! wurde heute eine rrdbebeuartigc Bewegung wahrgenommen. Di« Erb- erschütterung war so stark, daß Gegenstände von den Wänden fielen. Die Grubenkatastrophe im Staate Tennessee. »tuoxville, 9. Dezember.(W. T. B.) DaS RettungSwerk auf dem Schacht, auf dem sich heute die Explosion ereignet hatte und in dem zweihundert Bergleute eingeschlossen sind, wurde bald durch hoch emporlodernde Flammen, die aus den Schachtöffnungen hervorschlugcn, verhindert. Scharen von Frauen und Kindern drängen, sich um die Schächte. Tie Hoffnung auf Rettung ist fast ganz geschwunden.(Siehe auch„Aus aller Welt".) Hierzu 7 Beilage». Th. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: PorwärtsBuchdr. u Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. it. 289. 28. Jefttgng. t Ktikze kü Jotnötlf Inliiut stlksdlR S««iit«5, 10. Znk«W(ML Die letzteo drei Ashlen In ßerlin. Berlin bildet wohl ein einheitliches Wirtschaftsgebiet, aber in seiner sozialen Struktur weist es doch ganz gewaltige Unterschiede auf. Das ganze Gebiet umfaßt die Glücklichsten und Unglücklichsten der gottgewollten Gesellschaftsordnung, die sozial Bevorzugtesten und die auf der untersten Stufe der sozialen Leiter Stehenden, die in Reichtum Schwelgenden und die Aermsten der Armen, schmarotzende Nichtstuer und darbende Werteschaffer, aber nicht in unterschiedsloser Mischung, sondern hübsch gesondert auf die verschiedenen Gegenden oerteilt. Das schließt natürlich nicht aus, daß jeder Kreis trotz seines ausgesprochenen sozialen Charakters einen mehr oder minder starken Stich aus anderen Schichten ent- hall. Der Grundcharakter und die Stärke des andern sozialen Einschlages kommt naturgemäß in den Wahlresultaten der verschiedenen Kreise zur Geltung. Darum hat Berlin ganz sichere sozialdemokratische Wahlkreise, und einige nur noch umstrittene, von denen bis dahin einer ja auch noch zum bürgerlichen Besitzstande gehört. Hoffentlich nicht lange mehr! Es interessiert sicher unsere Leser, die Stärke der Parteien und die Veränderung der Wahlresultate in den acht Kreisen näher kennen zu lernen. Erster Kreis. Im ersten Berliner Wahlkreise fiel die Zahl der Wahl- bereckjitigten von 18 837 im Jahre 1898 auf 17 5(15 im Jahre 1903 und auf 16 286 bei der letzten Wahl. Die abgegebenen Stimmen in der Hauptwahl machen 67,9, 73,7, 81,1 Proz. der Wahlberechtigten aus. Da die City Berlins sich immer mehr zu einem Nurgeschästsviertel entwickelt, geht hier die Zahl der Wähler stetig zurück. Daß hier, am Sitze der Staatsmacht und Repräsentation, der Großbanken, des weltumspannenden Handels der proletarische Einschlag nicht fehlt, zeigen die Wahl» resultate. worüber die nochfolgende Tabelle Aufschluß gibt. Die Sozialdemokratie bildet, wie die Zahlen beweisen, im ersten Wahlkreise sogar eine überraschend starke Macht, sie gebietet über eine anerkennenswert sichere, überzeugungstreue Gefolgschaft. Die Entvölkerung des ersten Kreises trifft vor- nehmlich die proletarische Bevölkerung. Ein Teil der Straßen mit den alten kleinen Wohnungen, in denen Konfektions- Heimarbeiter hausten, fielen zuerst dem Zuge der Zeit, große Geschäftspaläste zu errichten, zum Opfer. Und trotz dieser EntWickelung schnellte der Anteil der für die Sozialdemokratie kleines feuiUeton» Die Tüchtigkeit der«S-ldaten.«n leitender Stelle beschäftigt . der.Avcrnti" mit dem Einwand« der Nationalisten, daß die von en italienischen Soldaten an den Tag gelegt« Tüchtigkeit die beste Widerlegung der Sozialisten darstelle, die gegen den Krieg Stellung nehmen. Unser Parteiblatt meint, daß die von den Soldaten be- tätigte Tüchtigkeit vielleicht den Nationalisten Grund zur lieber- raschung sei. nicht aber den Sozialisten. Die Z Nationalisten sind gewöhnt, von oben herab auf den Proletarier zu sehen und wun- dern sich jetzt natürlich, wenn sie in ihm Fähigkeiten und Ausdauer und Mut entdecken. Wer aber das Leben des Proletariers kennt, der weiß, daß er von Haus aus tapfer und ausdauernd ist. Muß er doch täglich in den Fabriken, auf den Bauten und in den Berg- werken sein Leben zu Markte tragen. Jede Statistik der Berufs- Unfälle enthält lange Verlustlisten der täglichen Schlacht des Pro- letariats. Die italienische Bourgeoisie mag sich über den Wert der Soldaten wundern, weil sie sie nach ihrem eigenen Maßstabe beurteilt. W?? aber weiß, daß italienische Proletarier zu Tau- senden in der ganzen Welt Tunnel bauen und Sümpfe austrocknen, daß man sie überall ruft, wo zäher Widerstand gegen Mühsal und Nichtachtung der Gefahr nötig ist, den wundert es nicht, daß die- selben Proletarier in den Verschanzungen von Tripolis die gleichen Eigenschaften betätigen. Wer hat denn überhaupt, fährt der „Avanti" fort, den heutigen wirtschaftlichen Aufschwung Italiens kerbeigeführt. wenn nicht der italienische Auswanderer und die als Früchte seiner Arbeit dem Voterlande zugeflossenen Kapitalien? Der Proletarier hat seine Eroberung schon gemacht und hat dabei Mut und Hingabe und Disziplin in Ueberfülle gezeigt in seinem langen wirtschaftlichen Kriege, in der Heimat und in der Fremde, im Kamps gegen Unternehmer und gegen Streikbrecher. Zum Wählen waren freilich die Proletarier zu dumm, aber um tot zu schießen und sich totschießen zu lassen, dazu sind sie gut, da gibt ihnen der bürgerliche Journalist noch einen patriotischen Hymnus drein. Wenn heute, die Bourgeoisie die italienischen Soldaten ver- herrlicht, so tut sie es nur. weil die Energie des Proletariats dies-, mal nicht der Produktion, sondern der Zerstörung zugewendet wird. Für den egoistischen und ästhetischen Nichtstuer löst natürlich die Zerstörung ganz andere Bewunderung auS, als das friedliche und fruchtbare Werk der schaffenden Arbeit. HSklichkei» beim Guillotiviereo. Em interessanter Schrift- Wechsel aus der französischen Revolution wird soeben in den „FeuilleS d'Histoire" mitgeteilt: eine Beschwerde, die während der Herrschaft der Gouillotine in der Stadt Tours der Vorsitzende des dortigen Militärausschusses an die Gemeinderäte dieser Stadt wegen einiger unliebsamer Vorkommnisse richtet«, die sich bei meh- reren Enthauptungen ereignet hatten, sowie die Antwort, mit der der Scharfrichter die Vorwürfe zurückwies. Die Beschmerdeschrift hat folgenden Wortlaut: „Tours, den 16, Germinal de? Jahres II der einen und unteilbaren französischen Republik. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder der Tod. Der revolutionäre Militärausschuß mit dem vorläufigen Sitz in Tours. An die Bürger. Gemeinderäte der Gemeinde Tours. Bürger, der revolutionäre Militärausschuß glaubt Euch auf verschiedene Umstände aufmerksam machen zu müssen, die Eure ganze Auf- vierksamkeit verlangen. Der erste bezieht sich auf die Guillotine, die abgegebenen Stimmen von 28,5 Proz. auf 41,4 Proz. im Jahre 1903 hinauf. Selbst unter den Wogen des Hotten- tottenparoxismus im Jahre 1907 blieb die Stimmenzahl auf der Höhe. Der prozentuale Anteil sank zwar auf 38,3 Proz., das war aber lediglich eine Folge der stärkeren Wahlbeteili- gung der Partei der kolonialberauschten Nichtwählcr, die nebenbei das Vaterland gegen den drohenden Ultramontanis mus retten wollten. Dem Kolonialrausch folgte ein Kolonial katzenjammer, die freisinnig-konservative Gemeinschaft gebar die Zentrumsherrschaft und bescherte dem Volke die Reichs- finanzreform. Die Hottentottenwähler dürften kuriert sein Anderseits peitschen Hungersorgen und Steuerdruck das Volk in seinen tiefsten Tiefen auf. Unter diesen Umständen muß ein nochmaliger Sieg des Freisinns, der bisher schon immer nur auf konservativen und nationalliberalen Krücken das Mandat erobern konnte, verhindert werden. Ohne die demo- kratische Kandidatur würden wir den Kreis diesmal im ersten Wahlgang erobern können. Wenn unsere Genossen auf dem Posten sind, muß das aber auch so möglich sein. Zweiter Kreis. Der zweite Berliner Wahlkreis weist keine einheitliche Struktur auf. Er setzt sich aus Proletariervierteln und Bourgeoisdomänen zusammen, er ist einer der noch umstritte- neu Kreise. Immer noch nähren unsere Gegner die Hoffnung, ihn noch einmal der Sozialdemokratie durch irgendeinen Trick entreißen zu können. Sind das auch trügerische Hoffnungen, so bedarf es doch aller Anstrengung unserer Genossen, um den Kreis in Ehren zu behaupten. Nicht daß wir ihn verteidigen, sondern mit welcher Majorität wir ihn holen, das ist das Wichtigste. Daß gearbeitet werden muß, lehrt die folgende Uebersicht: 1 ÖQQ 1 1 007 Wahlberechtigte...... 76 727 81 245 82 973 Wähler, Hauptwahl.... 54 786 63 165 67 677 Wähler, Stichwahl.... 57 377—— Es erhielten Stimmen: Sozialdemokratie..... 26 269 34 995 35 286 -= Proz. der Wähler... 48,0 55.6 53,2 ----..Wahlberechtigten 34.2 43,1 42,5 in der Stichwahl..... 28 547—— --- Proz........ 50,0—— Freisinn........ 16 127 16 064 26 618 --- Proz........ 29,5 25,5 33,6 in der Stichwahl..... 28 562—— konservative Partei.... 11 359 10 603 3 852 Zentrum und die Polen.. 866 1 238 1 517 Im Jahre 1898 konnte der Freisinn sich des blamablen Erfolges rühmen, als Vertrauter der Konservativen mit 15 Stimmen Majorität das Mandat gerettet zu haben: restlos hatten sich auf ihn alle bürgerlichen Stimmen vereinigt. Das war der letzte Freisinnssieg im 2. Kreise. Die beiden nächsten Wahlen sicherten der Sozialdemokratie das Mandat bereits im ersten Ansturm. Allerdings, unsere Stimmenzahl machte die Majorität der Wahlberechtigten noch nicht aus. Im Jahre 1903 übten von den Wahlberechtigten 77,7 Proz., 1907 etwas mehr, nämlich 81,6 Proz. ihr Stimmrecht aus. Die auf unseren Kandidaten entfallene Stimmenzahl macht aber nur 43,0 resp. 42,5 Proz. der Wahlberechtigten aus. Bei der nächsten Wahl muß die für die Sozialdemokratie abgegebene Stimmenzahl über die Hälfte der Wahlberechtigten hinaus- steigen. Setzen sich unsere Genossen dieses Ziel, dann wird es auch erreicht werden I so schlecht unterhatten wird, daß die Hinrichtungen oft verfehlt werden, und besonders die letzte(eines gewissen Frapin), bei dem der Scharfrichter durch Abschneiden des Halses mit seinem Messer die Hinrichtung vollenden mußte. Der zweite bezieht sich auf die Art und Weise, in der der Scharfrichter die zum Tode Verurteilten bei ihrer Hinrichtung be- handelt; er nimmt ihnen ihr Hemd weg, läßt infolgedessen den Hals unbedeckt und läßt ihnen nur ein Kleid oder Gewand über den Schultern, was unschicklich ist. Endlich legt der Scharftichter sogleich nach der Hinrichtung die Gerichteten ganz nackt aufs Schaffott. statt ihnen ihre Kleider erst am Orte ihrer Bestattung wegzunehmen, was im höchsten Maße unschicklich ist. Der Ausschuß glaubt Euch über diese Umstände nicht in Un- kenntnis lassen zu sollen, damit Ihr als Inhaber der Polizeigewalt in dieser Stadt die Maßregeln ergreift, die geeignet sind, in Zu- kunft ähnliche Unschicklichkeiten hinanzuhalten. Gruß und Brüderlichkeit. Hardh für den Vorsitzenden. Als Antwort verfaßte der angeklagte Scharfrichter, Bürger Sanson, eine ausführliche Rechtfertigungsschrift, in der er alle gegen ihn erhobenen Äorwürfe als unbegründet nachzuweisen suchte. Den Fall Frapin läßt er in keiner Weise gelten, da der Kopf glatt vom Rumpfe geschnitten worden und nur im Fall mit dem Unter- kiefer in der Guillotine hängen geblieben sei. Die Entblößung des Nackens und Halses erklärt er als eine zarte Rücksichtnahme auf die zu Enthauptenden, da das Binden der Arme auf dem Rücken ohne Obergewand so leichter gehe und ein dickes Hemd auf dem Halse ohnedies den sofortigen Erfolg des Fallbeils in Frage stelle. Was den schlechten Zustand der Guillotine anbetreffe, so gehe ihn das zwar nichts an, da er von Amts wegen nur Scharfrichter und nicht auch Stellmacher oder Maschinist sein müsse. Er habe aber trotzdem vor jeder Hinrichtung das Instrument genau geprüft und sich von der sicheren Wirkung der Maschine überzeugt.„Es wider- strebt," so lauten die letzten Sätze dieser Rechtfertigung,„dem Zart- und Feingefühl des Schreibers, auf solche Einzel- heiten einzugehen, da aber jeder öffentliche Beamte über sein Perhalten Rechenschaft schuldig ist, so hat er sich nichts vorzuwerfen, die Beschuldigungen sind vielmehr böswillig von seinen Feinden erfunden und erdichtet. Mufik. Die Eröffnung der Kurfür st enoper bebeuiet ven ver- such, die durch Direktor Gregor? Weggang unterbrochene Tradition oer„Komischen Oper" fortzuführen. Ihr früherer Regisseur Maximilian M o r i s ist hier Direktor. Sein Haus wollt« nicht „volkstümlich" sein, nicht einmal auf die„Ränge" verzichten, wählte vielmehr die Stimmung von Berlin W. Aber Fortschritte im Theaterbau, wie namentlich die Jsoliertreppen, hat es sich klug zu eigen gemacht; und ist es nicht künstlerisch schön, so ist es doch, namentlich durch seine helle, architektonisdhe Ausstattung, leidlich. Die Akustik scheint gut, würde jedoch durch rauhere Flächen wohl noch besser geworden sein. Eröffnet wurde mit Nicokais„Lustigen Weibern von Windso r", unseren Lesern von der„Freien Volksbühne" her in Erinnerung. Die gesprochenen Stellen hat Otto Neitzel durch Rezitative ersetzt, die allerdings fast mehr als solche sind und zum Teil zu voll begleiteten Gesangsszenen anwachsen, den Stil des Ganzen jedoch gut treffen. Wir können eine derartige Ueberwindung altgewohnter Halbheiten nur gutheißen. Wie bei Gregor, so wir hier die Regie das beste. Bis ins Dritter Kreis. Der dritte Kreis verliert auch an Einwohnern und Wählern. Darauf gründet sich die Hoffnung deS pokittsch bankerotten Freisinns. Hat er doch soviel an Ansehen ver- loren, daß sogar die Antisemiten zu seinen Gunsten auf eine eigene Kandidatur verzichteten, und auch das Gros der Kon- servativen sich bei der letzten Wahl zu seinem Fähnlein schlug. Solche„Anerkennung" hat er verdient. Die Abstimmungs- resultate und die Veränderungen zeigt diese Tabelle: 1898 1903 1907 Wahlberechtigte...... 30 852 81 315 30 665 Wähler, Hauptwahl.... 23761 25313 26984 Es erhielten Stimmen: Sozialdemokratie..... 11411 15 124 14 259 -- Proz. der Wähler... 43.1 60,0 65,0 Proz. der Wahlberechtigten 36,9 43,3 46,5 in der Stichwahl..... 12 766—— — Proz........ 62,8—— Freisinn........ 8 031 6 804# 404 = Proz........ 33.9 23,1 86,8 in der Stichwahl..... 11 415—— = Proz........ 47,2—----- konservative Partei....— 8 678 1 666 Zentrum und Polen.... 424 665 676 Antisemiten....... 8 809—— Wie die Tabelle dartut, haben wir die Majorität der Wähler noch nicht gehabt. Unsere Genossen müssen höllisch auf dem Posten sein, um am 12. Januar erheblich über die Hälfte der Wahlberechtigten für den Kandidaten der Sozial- demokratie an die Wahlurne zu bringen. Vierter Kreis. Bei der Nachwahl im April dieses Jahres haben die Gegner darauf verzichtet, ernsthaft einen Wahlkampf auf- zunehmen. Solche Resignation wirkt natürlich nicht anfeuernd. Das Resultat dieser Wahl hat uns durchaus nicht befriedigt. Hier die Zusammenstellungen der letzten Wahlergebnisse: Nachwahl 1808 1908 1807 1910 Wahlberechtigte.... 96 924 116 361 184 082 180 687 Wähler. Hauptwahl... 62 162 89 728 100 151 78 307 Es erhielten Stimmen: Sozialdemokratie.... 46 298«876» 82 069«9«2 -- Proz. der Wähler.. 73,1 77,0 75,6»JS --- Proz. der Wahlberecht. 46,6 59,3 61.2 68,4 Freisinn....... 7 811 9 006 16 708— --- Proz....... 12,6 10,4 14,6— Konservative Partei...— 8661 6601— Zentrum und Polen... 1466 2 810 4 021 2666 Christlichsoziale Partei.. 7 278——---- Daß auch im vierten Kreise die Zahl der Einwohner und Wähler zurückgegangen ist, hat wohl allgemein überrasdjt Anscheinend hält diese Entwickelung noch etwas an. Das Terrain ist ziemlich bebaut, das wachsende Bedürfnis nach Geschäftsräumen usw. hat einen Teil der Einwohner ver- drängt. Im Januar 1912 muß die Scharte vom lO. April gründlich ausgewetzt werden; aus diesem Kreise müssen mindestens drei Viertel der Wahlberechtigten für die Sozial« demokratie stimmen.. Fünfter Kreis. Mit starken Gelüsten richten die Gegner ihre Aufmerk- samkeit auf den fünften Kreis. Ihn der Sozialdemokratie zu entreißen, wäre natürlich ein Erfolg, der weit über eine Mandatseroberung hinausginge. Zwar sind solche Aussichten kleinste ist für eine Durcharbeitung de» Gesamtwerke» von Musik, Mimik und Szenerie gesorgt; die Aussprache ist möglichst deutlich; doch das Künstliche, Zappelige ist von damals her geblieben. Da» Orchester, etwas vertieft sitzend, leistete unter Selmar Megro- Witz so Gutes, daß man sich wundern kann, warum die vielen Be» mühungen um Sorgfalt und Feinheit nicht durchgehend« zuv Geltung kommen. Die Sänger scheinen noch Bessere» leisten zu können, alS die?« mal der Fall war; insbesondere störten Befangenheit im Anfang und einiges Versagen am Schluß. Es sind meist jüngere, aber wohlgeschulte und schon geübte Künstler, mit eher kleinen als großen Stimmen, und merkwürdig viel Ausländer. Am„wagne- rifchsten" erschien Artur Paegna als Herr Reich, etwa? unnötig zaghaft erschien Jergej Waaj a g i n in der Tiefbatzroll« Falstaffs, und noch andere brachten manches Gute. Die drei Frauenrollen waren mit den sympathischen Sopranen Tania Oumiroff und Helene I e l l a sowie dem sehr vollklingenden Alt Elisabeth Zenker besetzt Bisher hielt sich in unserem ErfahrunySkreis auf die Dauer noch keine Privatoper. Gelmgt'S hier, fo wünschen wir nur, daß es nicht mittels eines Sieges bei sehr„westlichen" Publikum» über die gut sachlichen Absichten der Direktion geschehe. u. Notizen. — EineSchauspieler-Genossenschaft bkabfichligeN die hervorragendsten Mitglieder des LessingtheaterS zu bilden. Brahm legt die Leitung des Theaters am 1. Juli 1914 nieder. Um nun die von ihm geschaffenen künstlerischen Werte weiter zu erhalten, bleibt das Ensemble auch weiter vereinigt. ES wird eine Kunststätte schaften, die das durch Brahm für die Kunst Gewonnene sichert, erweitert uird ausbaut. Die finanzielle Grund- läge für das Unternehmen ist bereits vorhanden. Zum Leiter des Unternehmens ist aus der Mitte der Sozietäre Willy Grün« w a I d erwählt. Man kann die Künstler zu diesem Schritte nur beglückwünschen. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde spricht Dienstag Dr. H. Spethmann über: Meer und Küste von Rügen bis Alfen. Freitag Dr. H. Goldschmidt über: Versorgung der Bevölkerung mit frischen Seefischen, Beginn 8 Uhr. — Musikchronik. In der Kurfür st enoper ist die Erstaufführung von„Philemon und Baucis" von G« u n o d auf Montag verschoben.— In der Komischen Oper gelangen zu besonders ermäßigten Preisen am Montag„Der Trouba- d o u r", am Freitag„Der Freischütz" zur Aufführung. — Weihnack tSprogramme. Im Theater des Westens soll zu Weihnachten die Operette„Wiener Blut" von Strauß neu herausgebracht werden.— Das Friedrich- Wilhelmstädtifche Schauspielhaus plant(vom 25. De- zember an), ein englisches Ausstattungsstück„Napoleon und seine Frauen" in englischer Aufmachung(Rache für Rein- Hardt?) zu spielen.— Das Neue Theater hat den Vorder- kauf zu Weihnachten bereits eröffnet, im Theater des WestenS beginnt er am Dienstag. — Das Programm der Experimentierbühne. Die Neue Freie Bühne will diesen Winter dem dentsch-polni- schen Dichter P r z y b y s z e w s k i widmen, dessen„T o t e n t a n z der Liebe" in vier Matineen in den Kammerspielen aufgeführt werden soll. Ferner wird am 16. Dezember„Der 16. G e b u r t s. tag" von dem„bekannten Psychiater" HanS Schulze aufgeführt. (Werden etwa die Zuschauer als psychiatrische Objekte angesehen?) hoffnungslos, aber die Wahlresultake belehren unsere(3t Nossen, daß sie keine Anstrengung unterlassen dürfen, um den Kreis mit einer stolzeren Majorität zu behaupten. Die Ziot wendigkeit intensiver Arbeit illustrieren die nachfolgenden Wahlrcsultatc: 18SS 1903 1907 Wahlberechtigte..... 31435 33 825 34 520 Wähler. Hauptwahl.... 21 113 24 958 26 659 Wähler. Stichwahl.... 21 972—— Es erhielten Stimmen: Sozialdemokratie..... 10 025 14 568 15 029 = Proz. der Wähler... 47,7 58�6 56,6 ---- Proz, der Wahlberechtigten 31,8 43,0 43,5 in der Stichwahl..... 10399—— = Proz........ 49,9—— Freisinn........ 7 085 6 496 9 217 = Proz........ 33,7 26,2 34,7 in der Stichwahl..... 10 957—— — Proz........ 50,3—— Konservative Partei....—— 1 555 Zentrum und Polen.... 339 543 568 Antisemiten....... 3 286 3 210 160 Noch haben wir bei weitem nicht die Majorität der Wahl berechtigten als Wähler der Sozialdemokratie erobert. Erst 43,6 Proz. stimmten im Jahre 1907 für unseren Kandidaten; diesmal m i i s s e n ii b e r 69 Proz. für ihn heran geholt werden! Den 12. Januar 1912 zu einem Be- crdigungstag für alle gegnerischen Hoffnungen auf diesen Kreis zu gestalten, sei das Ziel unseres Kampfes. Sechster Kreis. Der sechste Kreis ist zwar eine stolze Hochburg der Sozial demokratie, aber die hier erzielten Stimmresultate befriedigen uns nicht. Die Sicherheit des Besitzes läßt die Liebe zuin Kampfe und zur Wahlbeteiligung leider etwas stark erkalten Diesmal muß jeder Wähler unter dem Eindruck des Bewuhb fcins stehen, daß jede Stimme gezählt wird und bei den Attentaten auf das Volkswohl als Gegengewicht in die Wag schale fällt. Bei der letzten Wahl beteiligten sich 71,6 Proz. der Wähler an der Abstimmung, 1993 gar nur 67,3 Proz. Das hat seinen Grund mit in der Tatsache, daß unsere Gegner in ihrer Hoffnungslosigkeit keine allzu großen An ftrengungen machen und ihre Anhänger nur teilweise auf die die Beine bringen. Es ist natürlich,� daß in den Kreisen, in denen die Gegner mit Hochdruck arbeiten, eine größere Wahl beteiligung erzielt werden muß. Trotzdem kann auch aus dem sechsten Kreise noch viel herausgeholt werden; das ersieht man aus den folgenden Wahlergebnissen 1898 Wahlberechtigte...... 142 296 Wähler, Hauptwahl.... 87 300 Es erhielten Stimmen: Sozialdemokratie..... 58 778 79 478 99 660 = Proz. der Wähler... 67.5 71,2 71,7 — Proz. der Wahlberechtigten 41.3 48,2 51,0 Freisinn........ 10 603 14146 21 139 --- Proz........ 12,2 12,6 15,2 Konservative Partei....— 14813 18 053 Zentrum und Polen.... 1748 3065 4049 Christlichsoziale Partei... 15554—— 1903 164 932 112 014 1907 194 941 139 491 Ueber 69 Proz. der Wahlberechtigten als Bekenner zur Sozialdemokratie brachte zum erstenmal die letzte Wahl. Daß mit Leichtigkeit 60 und mehr Prozent für uns herausgeholt lvcrden könnten, wird wohl niemand bestreiten. Und es muß .geschehen, schon um die Bedeutungslosigkeit des Freisinns schärfer zu illustrieren. Neben dem Freisinn vegetiert hier noch eine dünne Schicht des konservativen Nachläuferelemcnts, das sich aus Beamten, Gewerbetreibenden und Handwerkern zusammensetzt und das bei den bekannten Moabiter Krawallen die Herrschaft des Polizeisäbels sehr unangenehm fühlbar zu kosten bckominen hat. Dies dürfte ihm nun die Begeisterung für das konservative Polizeiregiment genommen haben. Nicder-Barnim. In diesem mit Landbevölkerung stark durchsetzten Riesen» Wahlkreise ist es uns schon bei der vorigen Wahl gelungen, die Stimmen von über 61 Proz. der Wahlberechtigten auf unseren Kandidaten zu vereinigen. Für einen Kreis mit einer solchen Struktur jedenfalls ein ganz schönes Resultat. Es darf uns jedoch nicht dazu verführen, auf Lorbeeren auszuruhen, im Gegenteil: Niederbarnim muß sich bei der nächsten Wahl als eine stolze Feste der Sozialdemokratie erweisen. Daß die Kon» servativen mit Freisinnshilfe gewaltige Anstrengungen machen, kann man aus dieser Aufstellung ersehen: Wahlberechtigte Es erhielten Stimmen: Sozialdemokratie...... = Proz. der Wähler.... ---Proz. der Wahlberechtigten Freisinn......... — Proz/ der Wähler.... Konservative Partei.... — Proz. der Wähler.... Zentrum und Polen..... Antisemiten........ Wir hoffen, daß diesmal dem Kandidaten der Schwarz- blauen von Heydebrand über Spahn bis Kopsch eine gründ- liche Niederlage bereitet wird. Teltow-Beeskow. Ein noch stärkerer ländlicher Charakter als dem Kreise Niederbarnim eignet dem Kreise Teltow-Beeskow. Berlin W., Millionenbauern und Landproletarier sind hier zu einer Wählermasse vereinigt. Und der KreiS hat sich zum aller- größten ausgewachsen, zählt er doch über 1,3 Millionen Einwohner. Hier die Tabelle mit den letzten Wahl- rcsultaten: Wähler, Hauptwahl.... „ Stickiwahl..... ES erhielten Stimmen: Sozialdemokratie..... --- Proz. der Wäbler... --- Proz. der Wahlberechtigten in der Stichwahl..... = Proz. der Wähler... Freisinn..-...... Konservatize Partei.... = Proz. der Wähler... in der Stichwahl..... = Proz. der Wähler... NationaUibcrale Partei.., Antisemiten....... Zentrum und Polen.... Wie die Aufstellung zeigt, ist dieser Kreis uns längst nicht so sicher wie der Nicderbarniincr. Zwar haben wir bei den letzten Wahlen das Mandat sofort In der Hauptwahl erobert, aber wie sich zeigt, blieben wir mit unseren Stimmen doch noch weit hinter der Majorität der Wahlberechtigten zurück. Eine Stichwahl muß unter allen Umständen vermieden wer- den. Es sind nun alle Kräfte anzuspamicn, weil durch eine demokratische Kandidatur die Situation für uns noch er- schwert worden ist. Auch Teltow-Beeskow muß diesmal in die Gruppe der bombensicheren roten Kreise eingereiht werden! Aahlbewegiing in Groß-ßeriin. Auf zur Wahlarbeit! Die nächsten Wochen sind Wochen harten Kampfes. Es gilt, weite Kreise des Volkes aufzurütteln und für die Sozial demokratie empfänglich zu machen. Der Wahlkampf ist der geeignetste Zeitpunkt, an Kreise heranzutreten, die sonst anderen politischen Aktionen indifferent und apathisch gegen überstehen. Diese Gelegenheit muß ausgenutzt werden. Das ist aber nur möglich, wenn unsere organisierten Genossen alle Hand anlegen. Arbeit gibt es reichlich. Da gibt es Flug blötter und Handzettel auszutragen, Adressen zu schreiben, Wähler aufzusuchen, bei der Wahl heranzuholen, kurz, es ist Arbeit in Hülle und Fülle vorhanden. Da ist es Ehrenpflicht der organisierten Genossen, mitzuhelfen, jeder an seiner Stelle und nach seiner Art. Bei der großen Zahl organisierter Ge nossen ist diese Agitationstätigkeit eine kleine Mühe, wenn sich die Genossen ihrer Pflicht bewußt sind. Es darf nicht sein, daß nur einer kleinen tapferen Zahl von Genossen die Arbeit überlassen wird. Ein Wettkampf sollte unter den Genossen entbrennen, die Wahlarbeit zu leisten. Geschieht das, so entfällt auf den einzelnen nur ein geringer Teil. Der Erfolg ist um so größer und die Genossen haben das Bewußt sein, an ihrem Teile zu dem Siege beigetragen zu haben. �* Wahlhilfe für die Liberalen ist für den 12. Januar, den Tag der ReichsiagSwahlen, dringend erforderlich— so mahnt der Vorstand deS zum zweiten Reichstagswahlkreis gehörenden Bezirksvereins Hasenheide in einer schriftlichen Mitteilung, die der Vorsitzende, Abgeordneter Kopsch. unterzeichnet hat. Interessant ist darin der folgende Satz: „Es ist wichtig, daß alle Parteimitglieder, die sich am 12. Januar von beruflicher Tätigkeit freimachen können, die Zugehörig- keit zu einem amtlichen Wahlvor st and ablehnen, dafür aber sich der Partei zur Verfügung stellen." Ja, so ändern sich die Zeiten I Früher galt es Liberalen als Ehrensache, sich danach zu drängen, daß sie in die Wahlvorstände hinein- genommen wurden. Diese Aemter durften möglichst keinem Ar- beiter überlassen werden, keinem der„verdammten Roten", die den Liberalen so unbequem waren. Heute aber mahnt offen ein Führer der Liberalen iseine Leute, sich von der Uebernahme solcher Aemter zu drücken. Sie haben begriffen, daß in ihrer immer mehr zu- sammengeschmolzenen Gefolgschaft jeder einzelne als Hilfskraft unentbehrlich ist. Unsere Genossen werden dafür zu sorgen haben, daß die Hoffnungen der Liberalen zu schänden werden. »» * Das liberale Bürgertum war am Freitag im zweiten Reichstagswahlkreis Berlins zu einer Versammlung eingeladen worden, die in dem mehr von Arbeitern bewohnten östlichen Teil des Kreises abgehalten wurde. Von Herrn M o m m s e n, dem Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei" für Berlin ll, sollten die liberalen Bürger sich erzählen lassen, was sie von den ReichsiagSwahlen dieS- mal zu erwarten hätten. Daß sie in Berlin II wenig oder nichts zu erwarten haben, wird ihm selber beim Anblick der Versammlung klar geworden sein. Viele waren es nicht, die sich da in dem Saal der Unionsbrauerei zusammengefunden hatten. Der Versamm- lungsleiter, Herr Uttech, bezeichnete diesen Mangel an Eifer als um so bedauerlicher, da an die Parteifreunde besondere Einladun- gen verschickt worden seien. Er tadelte die„Schlä f r i g k e i t des Bürgertums", versuchte sich aber mit der Hoffnung zu trösten, daß im weiteren Fortgang der Wahlbewegung»es nach und nach lawinenartig anwachsen werde". Zu dieser Stimmung paßte dann nicht übel die schläfrig-ein- chläfernde Vortragsweise des Herrn Mommsen. Er führte sich ein mit der Erklärung, absichtlich habe er in seinem bisherigen Wahlkreis(Danzig) auf eine sichere Kandidatur verzichtet, weil er kein Mandat wieder haben wollte. Zum Durchfallskandi- daten für Berlin II hat der Ahnungsvolle sich offenbar deshalb hergegeben, weil er hier auf Erfüllung feines Wunsches, kein Mandat mehr zu kriegen, rechnen darf. Es wird dafür gesorgt werden, daß seine Hoffnung ihn nicht betrogen haben soll. Herr Mommsen wiederholte die übliche Redensart der Liberalen, daß der Liberalismus„nicht das Interesse eines einzelnen Standes, andern das Wohl der Gesamtheit" fördern wolle. Sein ganzes Referat ließ aber erkennen, daß ihm das Wohl des Unter- nehmertums in Handel und Industrie daS wichtigste ist. Wie oll die«gerechtere Finanz- und Steuerpolitik" aussehen, nach der er rief? Der Sozialdemokratie machte er zum Vorwurf, daß sie immer fordere, den ganzen Geldbedarf des Reiches aus direkten Steuern zu decken. Die wollen sie natürlich aus den Reihen der Wohlhabenden herausholen, aber es sei eine Utopie, nur durch diese die Kosten aufbringen zu wollen. Ohne indirekte Steuern könne man nicht auskommen, nur müsse man durch sie auch die Wohl- habenden treffen. Daß die besitzende Klasse auch gegen eine sie wirksam treffende indirekte Steuer sich wehren und immer wieder durch Besteuerung des Massenverbrauchs und der notwendigsten Lebensbedürfnisse die Geldbeschaffung auf das arbeitende Volk abwälzen wird, überging Herr Mommsen. Ein paar Worte widmete er noch den „kulturellen Forderungen". Er verlangte„Freiheit in der Aus- bildung unserer Jugend" und brachte cS dann fertig, zu den Gegnern dieses Wunsches der Liberalen neben den Konservativen auch die Sozialdemokratie zu zählen. Um den dreisten Unsinn glaubhaft zu machen, höhnte er, der Sozialdemokratie werde die Jugend nicht genug in dem Glauben an den sozialistischen Zu- kunftSstaat erzogen. Mit solchen Mätzchen, deren der abgebrühteste Bezirksvereinsredner nachgerade sich schämen sollte, tritt ein Kairdi- dat der„Fortschrittlichen Volkspartei" vor die Wähler! Herrn MommsenS Appell an die Arbeiterklasse, ihren Haß gegen daS Kapital aufzugeben und wieder der Fahne des Liberalismus zu folgen, wird in der werktätigen Bevölkerung die gebührende Heiterkeit wecken. Da hatte Herr Uttech, der die Versammlung leitete, die Situation denn doch besser begriffen! Tie Besitzenden waren es, die er in seiner Schlußansprache aufrief, für die Liberalen zu stimmen. Besonders ermahnte er die Hausbesitzer, am Wahltag anzutreten bis auf den letzten Mann und für den Liberalismus ihre Pflicht zu tun. Einigen Gewinn versprach er sich übrigens auch davon, daß die Konserva- tivcn aus dir Wählerschaft von Berlin II jetzt sich anders als vor 'ünf Jahren verhalten würden. Damals seien sie, behauptete er. größtenteils dir Wahl ferngeblieben, so daß es zu keiner Stichwahl kam. MeSmal KerSe t9 anSerf sein, dies mal Kerbe Nie ßamalß zil Hause gebliebene Wählerschaft hoffentlich antreten— aber so mancher Wähler auS ihr werde nicht mehr konservativ wählen wollen. Das meinen auch wir— nur sollen die Liberalen sich nicht einbilden, daß die durch den Blockreichstag geprellten Wähler jetzt für den Durchfallskandidatcn des Liberalismus stimmen werden. ITeUcw-SeesKoty. Markgrafpieske. lieber die Bedeutung der bevorstehenden ReichsiagSwahlen sprach in einer gutbesuchlen öffentlichen Versammlung der Genosse Paul H i r s ch. Klar und scharf zeichnete er die politische Situation. DaS reaktionäre Verhalten des Reichstags, vom Bülowblock bis zum Bethmamifchen Schnapsblock, unterzog der Redner einer scharfen aber gereckten Kritik. Mit der Aufforderung, am 12. Januar nur den Kandidaten der Sozialdemokratie, Genoiien Fritz Z u b e i l zu wählen, schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Aus- führungen. In der Diskussion unterstrichen die Genoffen Graßnick und der Vorsitzende Genoffs Gustav Wilde die Darlegungen des Referenten. Unter den Klängen der vom Arbeiter- Musikverein gespielten Marseillaise schloß der Vorsitzende mit einenr dreimalige» Hoch auf die Sozialdemolralie die imposante Versammlung. Schmargendorf. In einer am Donnerstagabend abgehaltenen gut besuchten öffentlichen Versammlung rechnete Genosse Kluß in seinem Referat „Reichsiagsschluß— neue Hoffnungen" gründlich mit den bnrgcr» lichen Parteien ab. Er kennzeichnete in scharfen Umrissen die Raub- Politik des schwarzblauen Blocks. Referent beleuchtete dies an vcr- schiedenen Beispielen, er erinnerte an die Erbschaftssteuer, an die Finanzvorlage 1909 und an die Bereitwilligkeit der Freisinnigen, 190 Millionen Mark indirekter Steuern anzunehmen. Jetzt heißt eS, am 12. Januar 1912 die reaktionären Parteien vor das Forum des Gerichts zu laden und ihnen die heuchlerische Maske vom Gesicht zu reißen. Darum könnte jeder denkende und fühlende Mensch, nur der Sozialdemokratie, Genossen Z u b e i l. seine Stimme geben. Der Leiter der Versammlung, Genosse L e i d n e r, mahnte in einein Schlußwort noch zur fleißigen Mitarbeit, damit unser Kandidat mit übergroßer Majorität gewählt wird. j�ieclerbaniim. Borfigwalde. In überfüllter Versammlung sprach am Mittwochabend Genoffe Stadthagen in den„Feslsälen" zu seinen Wählern und den zahlreich erschienenen Frauen. Endlich sei der Reichstag geschloffen und der. Tag näher gerückt, wo dem schwarzblauen Block die am Volke begangenen Sünden heimgezahlt werden. Trotz aller Hetzereien und Machinalionen hätten eS die schuldbeladenen Vertreter der bürger- lichen Klasse zu keiner zugkräftigen Wahlparole gebracht. Wir aber könnten mit der allen Zuversicht in den Kampf ziehen: Alles mit und durch die Sozialdemokratie.— Die mit großem Beifall auf- genommenen Ausführungen fanden keinen Widerspruch. Unter ollgemeiner Heiterkeit verlas der Versammlungsleiter zwei kriegerische Artikel aus dem„Wittenauer Amtsblatt". Der hiesige Gesangverein erhöhte die ausgezeichnete Stimmung der Versammlung noch durch den Vortrag zweier Arbeiterlieder. Hus der Partei. Für den Wahlkampf. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erscheint zu den be« vorstehenden ReichsiagSwahlen eine Serie von sechs illu» strierten Wahlpv st karten. Sie führen in origineller Zeichnung die Sünden des schwarzblauen RcichStagSblockeS vor Augen und eignen sich vorzüglich zur Unterstützung unserer Wahlagitation.— Für die Wiederverkäufer erfolgt die Ausgabe am Montag nachmittag._ In Sachsen machen wir es s». Eine ganz eigenartige Ungültigkeitserklärung einer Gemeinde. Vertreterwahl hat sich die sächsische Amtshauptmannschaft Auer» bach geleistet. Am 19. November d. I. fanden in Nebesgrün bei Auerbach die Gemeinderatstvahlen statt, bei der unsere Genossen einen glatten Sieg errangen. Von 227 Wahlberechtigten übten 90 ihr Wahlrecht aus; auf unsere Kandidaten, eine» An» sässigen und einen Nichtansässigen, entfielen davon 81 und 77 Stirn. inen. Mit den beiden schon früher gewählten Sozialdemokraten würden demnach vier Genossen im Gemeinderate sitzen— wenn nicht die hohe Amtshauptmannschaft der Sozialdemokratie den Sieg streitig machen möchte. Sie hat die Wahl für ungültig erklärt, weil ihr die Wahlbeteiligung nicht genügend stark erscheint. Dabei haben rund 40 Proz. aller Wahlbeteiligten ihr Wahlrecht ausgeübt. Charakteristisch ist es übrigens, daß bei den diesjährigen Gemeinde. wählen im Bezirk derselben Amtshauptmannschaft in mehreren Orten Wahlen zustande kamen mit noch nicht 20 Proz. der Stimmberechtigten, ohne daß die Wahlen für ungültig erklärt wurden. DaS ist der Behörde wohl nur entgangen, denn man kann doch nicht annehmen, daß die übrigen Wahlen deSivegcn nicht kassiert wurden, weil nur bürgerliche Kandidaten in Frage kommen.___ Mitarbeit von Genossen an der bürgerlichen Presse. Die Züricher Arbeiterunion hat. verursacht durch die der Bewegung nachteilige Betätigung einer von den Parteimitgliedern Enderli Vater und Sohn geleiteten, für die gesamte Presse tätigen Lokalkorrespondenz, die namentlich gelegentlich des Maurerstrcits und der NationalratSwahlen viel Anstoß bei den Genossen erregt hat. dem in Frage stehciiden Gen. Dr. Enderli jr. eine scharfe Rüge erteilt und zugleich für die Zukunft folgende Grundsätze auf. gestellt, die auch dem nächsten Parteitag unterbreitet werden sollen: Die Mitarbeit an der bürgerlichen Presse ist den Partei- genossen untersagt, soweit sie interne Augelcgcnhcitcn. ......J. V w.viw..-.....~,v*Vwi 4m UUgvillvliiVlIf namentlich auch bei der Besetzung von VertraucnSstcllen Nach- achtung zu verschaffen. Genossen, die sich darüber hlMi. a.. Velours- und Köpsr-Barchent... I.v/D Bluse«ui Satin-B«reh«nt mit Krawatte 2.05 Blusenhemd«u* xe»ir»>n«i>, d»id- o woU.n.n und vollenen Stoffen...... 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Während in den Anfängen der gewerkschaftlichen Organisationen diese zunächst auf beruflicher Grundlage aus- gebaut wurden, um sie dem Unternehmertum gegenüber aktionsfähig zu machen, macht heute der Zusammenschluß der Unternehmer ganzer Jnduftriegruppen und Gewerbe und ihr einheitliches Handeln den Arbeitern gegenüber auch den Zu- sammenschluß der in diesen Betrieben beschäftigten Arbeiter in einheitliche Organisationen immer mehr zur Notwendig- keit. Dieser Notwendigkeit haben die Verbände der Maurer und Bauhilfsarbeiter vor nunmehr bald einem Jahre durch ihre Verschmelzung Rechnung getragen. Und schon heute kann man sagen, daß weder die Maurer noch die Bauhilfs- orbeiter die Verschmelzung zu bereuen brauchen, sondern daß sie beiden Berufsgruppen im wahrsten Sinne des Wortes zum Segen gereichte. Eine riesige Zunahme der Mitgliederzahl— allein im ersten Halbjahr wurden 57 000 neue Mitglieder gewonnen, so daß die Mitgliederzahl von rund 242 000 auf rund 299 000 stieg— war die Folge der von beiden Gruppen gemeinsam betriebenen Agidationsvrbeit. Hinzu kommt die fast mühelose Durchführung einer großen Zahl von erfolg- reichen Lohnbewegungen, was allerdings zum Teil mit auf den siegreichen Ausgang des vorjährigen Großkampfes zurück- zuführen ist. Immerhin spielte dabei, besonders für die Bau- Hilfsarbeiter, auch die Größe und Macht der hinter den Ar- beitern stehenden Organisafton eine sehr gewichtige Rolle. Schon am 1. Januar 1911 schloß sich der Zentral» verband der Isolierer Deutschlands dem eben er- standenen Deutschen Bauarbeiterverbande an. Und auch die Isolierer brauchen diesen Schritt nicht zu bereuen. Sie haben in der Riesenorganisation der Bauarbeiter mit ihren Millionenkassen einen Rückhalt gefunden, den ihnen ihre frühere kleine Organisation zu bieten niemals in der Lage gewesen wäre. Das haben die Isolierer und die Steinholz- leger schon bei den in diesem Sommer geführten Lohn- bewegungen erfahren, indem sie in fast allen Fällen in kurzer Zeit sehr schöne Erfolge erzielten. Das ist ja auch ganz natürlich: denn während es eine Unternchmergruppe, wie die Jsolierfirmen, einem kleinen Verbändchen gegenüber ruhig auf eine Machtprobe ankommen lassen kann, ist eine solche Machtprobe dem Bauarbeiterverbande gegenüber von vorn- herein völlig aussichtslos, so daß die Unternehmer mit der Bewilligung der bescheidenen Forderungen der Isolierer immer am besten fahren. Auch die Achtung vor den Isolierern und ihrer Organisation ist seit dem Anschluß an den Bau- arbeiterverband erheblich gestiegen und dementsprechend ist auch die Behandlung der Isolierer besser geworden, was auf einer kürzlich abgehaltenen Jsoliererkonferenz von mehreren Delegierten ausdrücklich konstatiert wurde. Der Anschluß an den Deutschen Bauarbeiterverband hat also für die Isolierer gute Früchte getragen. Im Laufe des Jahres schlössen sich dann noch mehrere kleine Lokalorganisationen dem Bauarbeiterverbande an. So der Verein der Fliesenleger in Leipzig, der Verein der Maurerarbeitsleute in Hamburg und der Verband der Staaker Groß-Berlins. Daß auch diese Lokalorganisationen, deren Mitglieder früher entweder alle oder zum Teil den Zentralverbänden schon an- »gehört hatten, den Weg in die Einheitsorganisation fanden, ist wohl ein Beweis dafür, daß man auf den Bauarbeiter? verband allgemein große Hoffnungen setzt. Von größter Bedeutung wird für die baugewerbliche Arbeitersckjast die Angliederung des Zentralverbandes der Stukkateure an den Deutschen Bauarbeiterverband sein, die nach dem Resultat der kürzlich vorgenommenen Ur- abstiinmung am 1. Januar 1912 vor sich gehen wird. Diese An- gliederung des etwa 10 500 Mitglieder zählenden Verbandes ift um so wichtiger und notwendiger, weil die Arbeiten der Maurer beziehungsweise Putzer und Stukkateure in den ver- schiedensten Orten so ineinandergreifen, daß sie sowohl von den Putzern wie von den Stukkateuren ausgeführt werden. Aus diesem Verhältnis heraus haben sich bis jetzt zwischen den Angehörigen der beiden Berufe häusig Differenzen er- geben, die nur sehr schwer zu schlichten waren, und die wohl zu vermeiden sind, wenn die beiden Gruppen in Zukunft die Lohn- und Arbeitsbedingungen in ihren einheitlichen Sektio- ucn gemeinschaftlich regeln. Außer diesen mehr arbeits- und organisationstechnischen Gründen drängte aber auch der Zusammenschluß der Unternehmerorganisationen und rhr Zusammengehen bei den Arbeitskämpfen zur Schaffung der Einheitsorganisation: denn schon im Jahre 1910 nahmen die Stuckunternehmer in Süd- und Slldwestdeuftchland wie in Rheinland-Westfalen gleichzeitig mit der Aussperrung der übrigen Bauarbeiter auch eine Aussperrung der Stukkateure vor. Und man darf es als sicher annehmen, daß das gemein- same Vorgehen der Unternehmer bei zukünftigen Kämpfen ein noch planmäßigeres und engeres sein wrrd, so daß also die Vorarbeiten der Arbeiter doch gemeinschaftlich geführt werden müssen. Daß alle diese Arbeiten leichter sind und daß auch die Kämpfe gegen ein einheitlich vorgehendes Unternehmer- tum leichter und erfolgreicher geführt werden können, wenn die Arbeiter in einer Organisation vereinigt sind, ist für die Arbeiter mit ein Grund zum Zusammenschluß. Von den anderen Organisationen, die für den Zusammen- schluß mit dem Vauarbeiterverband noch in Frage kommen könnten, hat sich kürzlich noch der Verbandsbeirat des Ver- bandes der Steinsetzer. Pflasterer und ver- wandten Berufsgenossen mit der Verschmelzungsfrage befaßt. Für diesen Verband ist indes die Verschmelzung noch nicht dringend, weil vorläufig weder die Mitglieder der beiden Organisationen bei der Arbeit noch die Organisaftonen selbst bei ihren Kämpfen in solchem Maße aufeinander angewiesen sind, daß der Zusammenschluß unbedingt erfolgen miißte. Daher beschloß der Verbandsbeirat des Verbandes, die Ver- schmelzungsfrage vorläufig noch zurückzustellen und für den «Ausbau und die Stärkung der Organisation zu sorgen.— Den Anschluß an den Bauarbeiterverband abgelehnt hat im Lause dieses Jahres der V e r b a n d d e r D a ch d e ck e r. und der Verband der Zimmerer hat sich als Organisation m,t der Schaffung einer Einheitsorganisation für die gesamten bau- gewerblichen Arbeiter noch nie beschäftigt. Somit dürfte der Zusammenschluß der baugewerblichen Arbeiterschaft nach der Angliederung des Stukkateurver- bandes an den Bauarbeiterverband vorläufig im großen und ganzen sein Ende erreicht haben. Hoffen wir, daß es dem! Bauarbeiterverband gelingen möge, die Interessen seiner Mit- glieder auch in Zukunft so wahrzunehmen, wie er dies im ersten Jahre seines Bestehens konnte. verlin un«l Bmgegenck, Streik in der Berliner Damenkonfektion. Gestern früh ist von den Fabrikanten folgende Nachricht ein- gegangen, die diese noch vor Zustellung an den Empfänger, bereits dem„Berliner Tageblatt" und dem»Lokalanzeiger" zur Ver- öffentlichung übergeben hatten. „Auf Ihr gefl. Schreiben vom b. dieses Monats erwidern wir ergebenst, daß wir uns auf Ersuchen einer großen Anzahl von Meistern der Schneiderinuung und des Vereins Berliner Schneidermeister bereit erklärt haben, eine Kommission der Mei- ster zu empfangen und mit ihr zu verhandeln. Wenn Ihnen nunmehr die Innung und der Verein diesen Brief zur Erledi- gung übergeben und Sie zu ihren Mandataren bestellt haben, so wird damit natürlich der Inhalt unseres Schreibens vom 4. dieses Monats gegenstandslos, da es von uns abgeschickt wurde auf ausdrückliches Ersuchen und in der Annahme, daß die Meister selbst den Wunsch zu einer Besprechung hätten. Des ferneren geben Sie in Ihrem Schreiben vom 5. dieses Monat? den In- lmlt unseres Briefes vom 4. d.M. insofern nicht richtig wieder, als Sie schreiben, daß wir bereit sind, jeden gangbaren Weg zu gehen, sowie weitere Vorschläge zu unterbreiten, während wir geschrieben haben, daß wir bereit sind,„jeden gangbaren Weg zu besprechen, um eine noch weitere Bindung der in Aussicht ge- nommenen Lohnerhöhungen vorzunehmen." Obgleich wir diese Bereitwilligkeit, die wir auch auf die eventuelle Festsetzung unter- ster Lohngrenzcn ausgedehnt haben, auftecht erhalten und unser gegebenes Wort selbstverständlich in jedem Falle einlösen werden, können wir doch nicht unterlassen zu bemerken, daß wir sie in unscrm Briefe für den Fall einer direkten Aussprache mit den Meistern erklärt haben und daß wir uns deshalb über die Form der Präzifierung weiterer Vorschläge erst schlüssig werden müfien — was Sie verstehen werden, wenn wir Sie daran erinnern, daß Sie alle unsere bisherigen weitgehenden Vorschläge nicht nur abgelehnt, sondern sie auch nicht einmal der Erörterung für wert gehalten haben. Da zudem die Ereignisse der letzten Tage klar gezeigt haben— o bschon es auch vorher nicht zweifelhaft war—, daß eine große Anzahl von arbeitswilligen Meistern und Arbei- terinnen vorhanden ist. die Sie nicht vertreten, so müssen wir die Entscheidung über die weiteren Verhandlungen unserem weiteren Ausschuh überlassen." Hierauf ist dem Verband der Fabrikanten folgende Antwort erteilt worden: Unter höfl. Bezugnahme auf Ihr gefl. Schreiben vom 8. d. M., in dem Sie besonderes Gewicht darauf legen, daß wir Ihre Briefe vom 4. d. M. nicht richtig wiedergegeben hätten, be- züglich des Worte?„gehen" und„besprechen", bemerken wir zu- nächst, daß wir der Annahme waren, daß Sie bereit seien, bei dieser Gelegenheit gemachte Vorschläge nicht nur zu besprechen, sondern auch zu vereinbaren. Soweit Sie uns den Vorwurf machen, daß wir Ihre Vor- schlüge einer Erörterung nicht für wert gehalten hätten, weisen wir darauf hin, daß wir dieselben eingehend in unserer Kam- Mission besprochen haben und wir mit Rücksicht auf die zu geringe prozentuale Zulage und die bestimmte Erklärung, daß hieran nichts mehr zu ändern sei, weitere Verhandlungen für zwecklos ansahen. Hiernach kann also nicht gesagt werden, daß wir die übrigen Vorschläge, die uns ebenfalls ungenügend erschienen, nicht erörtert hätten, sondern die Höhe der Zulage war für unS entscheidend. Der Umstand, daß un» Ihre Schreiben vom 4. er. zur Er- ledigung überwiesen wurden, beruht darauf, daß die vereinigten Korporationen eine gemeinsame Kommission gebildet haben, die diese Geschäfte erledigt. ES ist daher lediglich von unseren Freunden der Weg beschritten worden, der für unsere Organi- sationen gegeben ist. Soweit Sie im letzten Absatz Ihres Schreibens auf die Er- eignisse der letzten Tage hinweisen, bemerken wir. daß eS unS nicht unbekannt ist, daß arbeitswillige Meister vorhanden sind. Wir wissen aber, daß diese Herren sich auch in Gegensatz setzen zu den von Ihnen verlangten Voraussetzungen für die Gewäh- rung einer Lohnzulage, tzse haben bei den wiederholten Ver- Handlungen unS erklärt, daß Sie besonderes Gewicht darauf legen, daß d«n Heimarbeiterinnen ihr Anteil an der Lohnzulage gewährt werden soll. In den Vorschlägen, die wir Ihnen unter« breitet haben, ist dieser Ansicht Rechnung getragen und sind wir auch jetzt noch der Meinung, daß die Lohnfrage unter allen Um- ständen so ausgestaltet werden muß, daß auch die Heimarbeite- rinnen den Meistern gegenüber sowohl als der Meister den Fa- brikanten gegenüber eine klare Rechtslage vor sich haben. Jene Meister, welche zurzeit arbeiten und mit uns nicht einig gehen, wehren sich gerade dagegen, daß die Heimarbeiterinnen dem Meister gegenüber in ein klares Rechtsverhältnis kommen und somit eine Sicherheit dafür, daß sie eine Lohnerhöhung erhalten, nicht gegeben ist. Dieser Unterschied zwischen unserer Ansicht und der der arbeitswilligen Meister ist nicht eine Folge der Dauer des Streiks, sondern bestand schon vor der Annahme des Tarifs durch die Meisterversammlung. Auch finden sich auf Seite der arbeitswilligen Meister eine Anzahl selbständiger Firmen mit größeren Betrieben, die Haupt» sächlich für sich und nur zum Teil vorübergehend für EngroS- firmen arbeiten; außerdem auch solche, die M i t g l i e d e r d e r Konvention sind. Es liegt auf der Hand, daß. wenn von unserer Seite aus ein klares Verhältnis bezüglich der Löhne der Heimarbeiterinnen und der Meister angestrebt wird, die Ansichten dieser Herren, die ja wesentlich andere Interessen vertreten, nicht berücksichtigt werden können. Unter Berücksichtigung dieses Um- standeS und ferner der Tatsache, daß diese Herren sich lediglich aus den erwähnten Gründen gegen uns wenden, mutz bezweifelt werden, daß sie die Absicht haben, die Heimarbeiterinnen zu ihren Rechten kommen zu lassen, wogegen wir bereits klar zu erkennen gegeben haben, daß dies unsere Absicht ist. Aus diesem Grunde gestehen wir Ihnen gern zu, daß wir die Vertretung für diese Kreise nicht übernommen haben und auch nicht übernehmen werden., Ihrer weiteren Ruckautzerung sehen wir gern entgegen und zeichnen..... hochachtungsvoll usw. Daß eine nicht geringe Anzahl der Konfektionäre mit der Hol- tung ihres Verbandes nicht einverstanden ist, beweist folgender Ar- tikcl der„Deutschen Konfektion", eines Fachorgans. daS in den Unternehmerkreiscn ebenso verbreitet ist wie der„Confectionair": „Die Organisation der Arbeitnehmer hat sich widerstand». fähiger erwiesen, als man anfangs glaubte; wenn auch ein großer Teil der Arbeiterinnen keiner Organisation angehört, so sorgen doch die meist sozialdemokratischen Männer. Väter. Brüder mit Nachdruck dafür, daß ihre Angehörigen keine Streikarbeit ver- richten. Infolgedessen können die arbeitenden Zwischenmeister, deren Zahl nur gering ist. sehr schwer geeignete Arbeitskräfte auftreiben und die Fabrikanten sind einstweilen völlig lahm- gelegt. Einzelne Firmen versuchen zwar ihre Frühjahrskollek- tiouen fertiMlstellen, ober wenn ihnen dies auch gelingt, so dürfen diese provisorischen Kollektionen doch kaum den Beifall der Kundseimsr ernten. Es finden täglich Verhandlungen zwischen der Streikleitung und dem FabrikantenauSschuß statt, jedoch konnte bis jetzt eine Einigungsbasi» nicht erzielt werden. Wir möchten an die Fa- brikanten die Mahnung richten, den Bogen nicht zu überspannen und berechtigten Ansprüchen der Zwischenmeister die Anerken» nung nicht versagen. Nach den Erfahrungen von IKW kann man es den Arbeitnehmern kaum verdenken, wenn sie auf Fest- legung eines Minimallohntarifs, der den Lohndrückereien ein Ende bereitet, bestehen. Daß die Aufstellung eines solchen mit Schwierigkeiten verknüpft ist, kann nicht geleugnet werden, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, und ein fester Lohntarif böte nicht nur den Arbeitern Garantie, sondern käme der gesamten Branche zugute, da er die Kalkulationsbasis bedeutend verein, fachen und manche Mißstände beseitigen würde. Da der Fabrikai.tenverband jetzt im Prinzip bereit ist, eine untere Lohngrenze festzusetzen, so dürfte wohl schließlich doch die Einigung auf Grund eines Lohntarifes zustande kommen. Wie wir hören, ist es mit der Einigkeit unter den Fabrikanten nicht allzuweit her. Dauert der Streik noch längere Zeit, so werden voraussichtlich einzelne Firmen direkt mit den Arbeitnehmern in Verbindung treten. Ob der Verband dies auf Grund des dahinzielenden Beschlusses der am vorigen Sonnabend stattgehabten Generalversammlung verhin- dern kann, erscheint uns zum mindesten fraglich." Achtunz, Fleischersefellenl Die Differenzen bei dem Fleischer« meistrr Wiese, Mühlenstr. 45, sind noch nicht beigelegt. Hertz Wiese weigert sich nach wie vor, den Tarif anzuerkennen. _ Die VerbandsleitiMG Neue Tarifverhandlunge» finden am 18. Dezember im Papierhause zu Berlin zwischen den Buchbruckunternehmern und den Buchdruckereihilfsarbeitern statt. Bekanntlich hatten die Buchdruckereihilfsarbeiter alle Versuche der Unternehmer, ihre Lag« zu verschlechtern, zurückgewiesen. Deutrebca Reich. Die Erfurter Konfektionsarbeitcr zum Berliner Streik» Wiederholt Stellung«ahmen die Erfurter Konfektionsarbeiter zu dem Sohnkampfe in der Berliner Konfektionsindustrie. Erst! kürzlich hielten die Zwischemneister eine Versammlung ab, in der sie ihre Sympathie mit den im Streik befindlichen Berliner Kollegen zum Ausdruck brachten; auch sie erklärten sich für Einführung eines Minimalprei». und Lohntarifes. Die Erfurter Meister ver» sprachen, keinerlei Streikarvcit für die Berliner Firmen zu über- nehmen. Am Donnerstag fand nun eine Versammlung der KonfektionS- arbeit« und-Arbeiterinnen statt, die gemeinsam von dem Verband dn Schneider und Schneiderinnen, dem Gewerkverein der Heim- arHei terinnen und dem Verein Erfurter Konfektionsschneider ein- berufen worden war. Auch diese sehr stark besuchte Versammlung bekundete nach einem Referate deS Genossen Kunze aus Berlin ihre Sympathie mit den Streikenden; außerdem hielt die Ver- sammlung ein« derbe Abrechnung mit dem Ausbeutertum in der Erfurter Konfektionsindustrie. Die Stimmung unter den Erfurter Konsektionsarbeitern ist den Ausständigen sehr günstig. Erfurt ist hekanntlich ein Hauptort für die Konfektionsindustrie. Achtunz, Schuhmachirl Der Streik bei der Firma Hugo Bartsch in Hirfchberg(Riesengebirge) dauert unverändert fort. Von den Streikenden ist in den vier Wochen niemand Streik. brecher geworden. Aus anderen Berufen haben sich leider eine AiizaHl Streikbrecher gefunden, die aber, wenn die Firma weiter hartnäckig bleibt, dieselbe in die Pleite fabrizieren werden. Der Steppmeistcr, eine Stütze der Firma, der seine Frau als Arbeits- willige beschäftigte, ist von Bartsch plötzlich entlassen worden, nach. dem ihm die Firma für von ungeübten Arbeiterinnen gemachten Schaden verantwortlich machen wollte. Also auch ein Opfer des Streiks! Wer weiß, wer folgtl Zuzug ist von Hirfchberg weiter fernzuhalten. Geübte Arbeitskräfte darf die Firma nicht be« kommen. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands, Gau S. Schlesien und Posen. Der 8 193 St.-G.-B. und die Gewerkschaftsprefie. Der Redakteur der„Allg. Deutschen Gärtnerzeitung" war jüngst vor dem Schöffengericht Berlin angeklagt, weil er Mißstände in einer Gladbach« Gärtnerei kritisiert hatte. Die Darstellung erwies sich zum Teil als Uebertreibung. DaS Gericht versagte dem zur Wahrnehmung der Interessen der Gärtner bestellten Redakteur den Schutz deS K 103 des Strafgesetzbuches mit folgender Bc- aründung:„Der von dem Angeklagten beanspruchte Schutz des § 193 des Strafgesetzbuches darf nicht gewährt werden. Der verant- wortliche Redakteur kann sich nur dann auf den Schutz des§ 103 berufen, wenn der betreffende Artikel zur Wahrung eigener Int«. essen geschrieben ist, die�den Redakteur personlich nahe angehen. Eine solche persönliche nähere Beziehung des Angeklagten zu dem wahrgenommenen Interesse der Gärtnergehilfen kann jedoch in seiner Eigenschaft als Redakteur des Organs deS Allgemeinen Deutschen Gartnervereins allein nicht gefunden werden."— Die Berufungsinstanz kam nicht mehr in die Lage, diese für die Ge- werkschaftSprefse ja recht hoffnungsvolle Urteilsbegründung nach» zuprüfen, da ein Vergleich geschlossen wurde. ES ist eine unmög» liche RechtSauffassung, daß die Gewerkschaftspresse nicht in Wahr- nehmung berechtigter Interessen handle, wenn sie Mißstände i» Betrieben ihres Berufes bespricht. kuslanck. Lehrerstreik in Budapest. Der Landesverband der Lehrerschaft Ungarn» beschloß fts eine» Generalversammlung, in den Streik zu treten, fall» biß dahin die Wünsche der Lehrer nicht erfüllt werden� Die Streikbewegung der drittschen Bergarbeiter. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Arbeiter und Unternehmer der mittelenglischen Distrikte, die am 8. Dezember in London stattfanden und von denen man eine friedliche Lösung der Minimallohnfrage erwartete, sind ergebnislos verlaufen. Auf der vorhergehenden Ärnferenz erklärten, wie erinnerlich sein wird, die Unternehmer dieser Reviere, daß sie das Prinzip des Minimal- lohnes anerkennen und die Forderungen der Arbeiter ihren Auf» traggebern unterbreiten würden. Diese versöhnliche Haltung der mittelenglischen Kohlenbefitzer. die etwa ein Drittel der Berg« arbeiterschaft in Großbritannien beschäftigen, bestimmte die Kon. ferenz der Bergarbeiterföderation am 15. November, die VerHand. lungen mit den Unternehmern einstweilen fortzusetzen und erst am 20. Dezember endgültig über die Anordnung des Generalstreiks zu entscheiden. Die Konferenz zwischen den Vertretern der mittelenglischen Reviere ist zwar auf den 18. Dezember vertagt worden; es ver. lautet jedoch, daß die Aussichten, ein Abkommen zu erzielen, sehr gering sind. Auch die Konferenz, die nächste Woche in London zwischen den Vertretern all« britischen Bergarbeiter und Kohlen- befitzer stattfinden wird, wird kaum zu einem Vertrag über den Minimallohn kommen. Dazu ist die Kampfstimmung unter den Arbeitern und Unternehmern in Nordengland und Südwalcs schon zu stark. Die bürgerliche Presse Englands, der die letzte nationale Konferenz der Bergarbeiterföderation die Hoffnung eingab, der Kampf werde vermieden werden, ist heute sehr pessimistisch. De« Umschwung in der Stimmung ist in erster Linie dem Umstand zu« zuschreiben, daß sich die gehoffte Einigung der Parteien in Mitte!« england, von der man sich viel versprach, nicht zu verwirklichen scheint. AN IMS.lK o IMtM Welz Z-SkilK-MMl »» WM vwfa CUM«M nua m kWd«. DM— if■■ H* iM, 4— te«7—« K w vfai« Mite— Im Pt—m m-hiM—. MF» Fante bat bte Jadar Oa—rtk, v— S�k—UanMiabar talbirt gahttilrte racn« Gardaro b« BN kaofta.-VW ? L Preis; ES 2BM? IL Preis: ES SB1 1 Jr!Il.PreIs:ES� Ea|«Htakr Abtoftmig für«arnnfcrtlgang. A. Ringel, tl OuntMtsSr. St ow� Theater und Vergnügungen »», nachmittags Z Uhr. FeueS Schausptelhau». 1. vtteiwng (Gruppe 1—4): Heber unser» Arast, n. Teil. Thalia-Theater. 8.1%. Sit. fOruppe 36—39): Der Zigarettenkaften. Hcrrnscld- Theater. 10., 11., 12. UM. (Gtutlpe 44,45, 52,53): 2 X 2= 5. Residenz-Tbeater. 12., 13. Abt.(Gruppe 49, 54— 56): Die arme Löwin. Lessing- Theater. 2. Abt(Gruppe 5—8): Wenn der junge Wetn bwht. Meatag. 11. D e,«« d» r, abend» 8 Uhr: Ateue» Schauspielhaus. 14.(I.Uimb-) Abteilung: Agne» Bernauer. «eue Freie Volksbühne. S« n n t a g, 10. Dezember, nachmittag» 21, Uhr: Deutsche» Theater: Judith. Kammerspielhau»: Lanzelot. Nachmittag» S Uhr» Neue« Volt»» Theater r Da»»er» mächtnis. Schiller-Theater 0.: Da» Urbiib de» Tartüfs. Schiller- Theater Charlottenbur,: Maria Swart. Metropol-Theater: RH Dethet. Trianon-Theater: ffrancillon Neue» Operetten» Theater: Der Gras von Luxemburg. Theater in der Königgrützm Strahl: Ein Fallissement. Kleines Theater. Angel«.— Erster «lasse. Abend» 8 Uhr: »eue» Volkz-Theater: Geographie und Liebe. Montag, Mittwoch, treitag: Leidenschaft. Dienstag, wnnerstag, Sonnabend: Geo- graphie und Liebe. Theater der Hochschule w Charlotten. bürg: Sonntag 3 Uhr: De« Pastor» Riete. Sonnabend 8',, Uhr: In Behandlung.__ Sehiller-Thealer O.IS: Sonntag, nachm. 3 Uhr: Das(Jrblld dea TartOff. Sonntag, abend» 8 Uhr: Zaptenatrelch. Montag, abends 8 Uhr: »tan Oarlaa. Dienstag, abend» 8 Uhr: Zum erstenmal: Die Wildente. Sehiller-Thealer"Ä"" Sonntag, nachm. 3 Uhr: Harta Htaart. Sonntag, abends 8 Uhr: ülaskerade. Montag, abend» 8 Uhr: Radam« Hans>G6ae. Dienstag, abends 8 Uhr. Kadame Hana-Gbrne. Berliner Theater. Abend« 8 Uhr: Die Ahnengalerie« Abends 8 Uhr: Zpislöreisli einsr Kaiserin. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: DaS Mädel von Montmartre. Erevette: Fritxi JlaHaarjr. Sonnt. 3',, Uhr: Der iidele Baoer. Neues König). Opern-Theater, Sonntag, 10. Dezember. 31,, Uhr: Gastspiel R. Christian»: fauot t.Toll. Abonnements-Vorstellung. t'l, Uhr: Ein Sommernachtstraum. Abonnements-Vorstellung. Theater des Westens. Nachm. 3V, Uhr: Die Dame in Rot. 8 Uhr: Fatlnltsa. Residenz-Theater. Di-rttlon Richard Alexander. Heute 8 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Schwant in 3 Akt. v. Keroul u. Barr». Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-Baecker». Morgen und solgende Tage: Sin Walzer von Ehopi«. Frlr-IrletttVIIttt-Imotadt. Holiaanpiolkaa». «Uhr: Sherlock Holms Gastspiel Ferdlnaad»«qq. Luisen-Theater. Sonnt. 3 Uhr: Dir Mach:»er Liebe 8 Uhr- Wir tanzen durch« Bede». Montag Premiere: Dranmnl»». lOSEfTHEAIEl | Groge Franfturter Str. 132. Nachmittag» 3 Uhr: Rotkäppchen. Abend» 8 Uhr: Die gröftte Liebe. Montag.: Die größte Liebe. Urania. WiHeeBchaftliehe. Thaator. 8 ükr: Heran— m» Ortler. Montag 8 Uiir; Tea Heran.am Ortler. Dm Programm 4m Börmnl- TOrtr&ga im 1. Qnartal 1M1 ist erschien«: und koste nl ob erhSlt- lieh. GARTEN ssfr*8 go pt. Kinder unter 10 Jahren die Hälft«. Ab Mlchmttiag» 4 Uhr: Milltfirkonzert Täglich nachm. 4 Uhr: GroBes Militär- Konzirt Donnerstag»: Jeh. StraaB. PassajE-Pampim. Achl Wochen Feuorfressern Tlglieh an aehon! Lebmd Die wlldea E.aana. Karawan* ondanMioehoi Schrei-, Heul- an» Feuer-Fakire in einem beaondere a Tilgebauten Dorla. Ohne Extra-Entree. 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Vorher: Sclunerzlose Behandlung. 1«14. 8 Uhr.«crverkau, 11-2 Uhr. lilieiter-WaiM.JlellaiiirIreDfllr Heute, Banntag, ia«ob SeeMsn-Sllan, Sophieaetr tt: Bunter Abend. Mlrkische LangoobaltsbiMer ia»arbtgea Ori0aa«aa(aetan an« Urbeaprichtigc Meisterbilder nach deutach Uirehon mit yonrägea, Doklamaticmon u. Muaik ▼. Oskar Nolle, 1. Toil'■ Aua der Eiszeit der Mark. Bin goologioeb or Am fing nach den Rftderadorlor Kalkoorgoa nad«or uekanaarkitchen Endmorkna.— Klostor Ohorio und •eine maJorisoh« Umgebung. IM II. Toil: Märkische LandaobniS»p>««i>. Vitabog, Som- mor, Herbst und Winter. III Teil; Volkstümliche Mkretea UeMMMw tet Baaitotionon. Nachdem; Geaelllgoa Holnamifaaatm». Tai Einlaß 6 Uhr EintriM 25 PI inlaog 7 Ohl. s Midgets Town ia«M Heaanitraantea rem Cmntmmm EanoBttkas tob 1 Uhr naohmittog* bis 11 Uhr abeoda Die Stadt der Liliputaner 5 große Zirkns-Vorstennogea 5 große VarictÄ-VorstclIungca Kbotoo 1 M inkhariT* VarioO« Kindor Bad MibtAr«lo HMfso Aoaatag, 19. 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Dezember: Der Ernst des Lebens. Schauspiel in drei Akten von Jul. Schaumberger. korslellungen nachm. Z�/.Uhr und abo».7'/,llhr. Um 3'/, Ubr zahlen Kinder unter 10 Jahren aus alle» Sitzplätzen halbe Pretse. (Galerie»olle Pretse.) SP ZIU fißrnmfll-Sg «llf niflfritigra Aullsch in bkidell Korflrllllvgttt: Die peeleiiiiliie D� — ohne Kürzung— u«b die Metische»« Affen wMax und Msrttz". In beide» vorstrllaagoN: Mepaaaa-Telaea. Heeter«k Qelette. Borfilheen a Retten d. bestbeesstert. Schul», Freiheit»« a Sprlugpierde Austreten sämtlicher Slawn» rntl neuen Sitzen und Späh«. ja brtbea Sorstellnagea ch reichbalttges Srogramn, gleich Boigt-Theater. Schmternan« vadstraj)« 00. Q e n t, Sanataa den l«. Dezember, aachratttag» 0 Uhr: Ehrliche Arbeite Abend» 7 Uhr: llrtt{«Ab Ifttirrto, �ngüläie» SensaNonsdrama tu sechs Bilden» von Stegh 33. Lutz. Kasten rriftnnng M Uhr. lönlßSiadi-Kasln«. Ucke Heizmarkt, u. Alexanderstrohe Vom 1. 0H 14. 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlag»anftalt Paul Singer wifo, Berlin SW. Dr. 289. 28. Zahrglmg. ßtilMt des Jorairts"|nlinn lolbblntt. Smttf. W. Sfjmtd BtL Auslegung der VSHIerlliten für die lieu- waülen zum Keichstsge in Berlin. Der Magistrat gibt bekannt: Nack den Bestimmungen des Herrn Minister? de? Innern sollen die Wählerlisten für die Neuwählen zum Reichstage vom 14. Dezember 1911 ab gemäß§ 8 d«? Wahlgesetzes vom 31. Mai 18W zu jedermanns Ein- sich: öffentlich ausgelegt werden. Unter Hinweis auf die§Z 2 und 3 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870/28. April 1903 bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Reichstagswählerlisten für die sechs Wahlkreise Berlins, sowie für die nach der Wahlkreiseinteilung von 1870 zum Wahlkreise Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg bezw. Nieder- barnim iFriedrichsberg-Lichtenberg» gehörigen, in der Stadtge- meinde Berlin gelegenen Wahlbezirke acht Tage lang, und zwar vom Donnerstag, den lt., bis einschließlich Donnerstag, den 21. De- zember d. I., an den Wochentagen von nadsmittags 3 bis abends 8 Uhr, am Sonntage von vormittags 19 bis nachmittags 3 Uhr in den Turnhallen der nachstehend bezeichneten Schulen für die bei jeder Auslegestelle näher angegebenen Stadt- und Wahlbezirke ausliegen werden: Stadtbezirke 1— 20 s Wahlbezirke 1— 18) und vom Stadtbez. 144 die Häuser Kl. Kurstr. 9, Niederwallstr. 24 und 25, Spittelmarkt 14 und 14a(SS.*®. 0), 51./130. Gemeindeschule, Niederwallstr. 6/7. Von Stadtbez. 3 ist Alexanderstr. 18 dem 257. Wahlbez. zu- geteilt, dessen Liste in der Turnhalle der 5. Hilfsschule, Blumen- straße 77, ausliegt. Von Stadtbez. 5 gehören Kl. Präsidcntenstr. 6 u. 7 und Neue Promenade 9 u. 10 zum ZLahlbez. 462, dessen Liste in der Turn- Halle der 8./63. Gemeindeschule, Gipsstr. 2Ze, ausliegt. Stadtbezirke 21— 30 und 60— 53(Wahlbezirke 19— 32 und 70 bis 74), 27744. Gemeindeschule, Wilhclmstr. 117. Stadtbezirke LI— 42 Wahlbezirke 33—60), 107. Gemeindeschule, Genthincr Str. 4. Es gehören zum 833. Wahlbez., dessen Liste in der Turnhalle der 31. Gemeindeschule, Illt Moabit 23, ausliegt, von Stadtbez. 33 der Tiergarten, von Stadtbez. �34: Stadtlmhnbogen ,438— 506, Schleuseninsel, Tiergartenufcr tScüweizerhaus) und der südwest- liche Teil des Tiergartens, begrenzt im Norden von der Charlotten- burger Chaussee einschließlich dieser und im Osten von der Hos- jägerallee ausschließlich letzterer, von Stadtbez. 35: Gartenufer. Hardenbcrgstr. 29a— e, Kürfürstendamm 9, Zoologischer Garten, Lützowufer 39, Sfadtbahnbogen 507—530, Hippodrom und Wasser- werke im Tiergarten. Stadtbezirke 43—49(Wahlbezirke 51— 69), 92. Gcmeindeschule, Winterfeldtstr. 16. Stadtbezirke 64— 63(Wahlbezirke 75—93), 108./116. Gemeindeschule, Hagelbergcr Sir. 34. Stadtbezirke 64-�— 68(Wahlbezirke Y4— 108) und von fbL die Häuser Friesenstr. 16 und Jütcrbvger Str. 1—3(W.-B. 1041, 1337 149. Gemeindeschule, Bergmannstr. 28/29. Stadtbezirke 69—76.4(Wahlbezirke 109—125), 28./217. Ge- meindeschulc, WilmSstr. 10. Von Stadtbez. 75B sind die Häuser Friesenstr. 16 und Jüter- boger Str. 1—3 dem 104. Wahlbez. zugeteilt, dessen Liste in der Turnhalle der 133./149. Gemeindeschule, Bergmannstr. 28/29, aus- liegt. ; Stadtbezirke 76B— 78C(Wahlbezirke 126—138), 83793. Gemeindeschule, Diefsenbachstr. 60/61. Stadtbevrle 79— 81 und 86— 93(Wahlbezirke 139— 142 und f 149— 161),#0768. Gemeindeschule, Reichenberger Str. 44/45. Von Stadtbez. 81 gehören Oranienstr. 31— 41 und 166— 175 zum Wahlbez. 150 und von Stadtbez. 87 gehören Britzer Str. 25, Kottbuser Str. 12 u. 13 zum SLahlbez. 153. Die Listen der beiden Wahlbezirke liegen hier aus. Stadtbezirke 82— 85 und 94— 100(Wahlbezirke 148— 148 und 162— 172), 20. Gcmeindeschule, Waldemarstr. 77. Stadtbezirke 101—106(Wahlbezirke 173— 184), 1147122. Gemeindeschule, Äöpenickcr Str. 2. Stadtbezirke 107,4—109(Wahlbezirke 185—196), 177./191. Ge- mcindgschule. Görlitzer Str. 51. Stadtbezirke 110—113?.(Wahlbezirke 197—208). 1007102. Ge- mctnde schule. Eingang Reichenberger Str. 67/70 u. Forster Str. 15. Stadtbezirke 114— 129(Wahwezirke 299— 229), 47. Gemeindeschule, Stallschreiberstr. 54. Stadtbezirke 130— 144(Wahlbezirke 230—251), 62. Gemeindeschule, Schmidstr. 38. Bon Stadtbezirk 144 sind die Häuser Kl. Kurstr. 9. Niederwall- stratzc 24 u. 25. Spittelmarkt 14 u. 14o dem 9. Wahlbez. zugeteilt, dessen Liste in der Turnhalle der 517130. Gemeindeschule, Nieder- Wallstraße 6/7, ausliegt. Stadtbezirke 145—153(Wahlbezirk- 252—268) und von Stadt- bezirk 3 Alexanderstr. 18(W.-B. 257), 5. Hilfsschule, Blumenstr. 77. Stadtbezirke 154— 163(Wahlbezirke 269— 285), 23. Gemeindeschule, Strausberger Str. 9. Stadtbezirke 164—168(Wahlbezirke 286—303), 1387158. Ge- meindeschule, Mühlenstr. 50. Stadtbezirke 169—176(Wahlbezirke 304— 819), 80. Gemeindeschule, Rüdersdorfer Str. 4/5. Stadtbezirke 177�—178(7(Wahlbezirke 320—838), 87788. Gemeindeschule, Bromberger Str. 13/14. Stadtbezirke 179.4—181,4(Wahlbezirke 839—85«), 8./203. Gemeindeschule, Petersburger Str. 4. Stadtbezirke 1818—1811(Wahlbezirke 357—873), 247./252. De. meindeschule, Rigaer Str. 81/82. Von Stadtbez. 1818 gehören zum Wahlbez. 404 HauSburg- stratze 31 und Thaerstr. 29— 35, sowie Landsberger Allee— südliche Seite von Hausburgstraße bis Ringbahn(59— 75), und zum Wahlbezirk 405 Ebertystp. 26 und Thaerstr. 36; die Listen dieser beiden Wahlbezirke liegen in der Turnhalle der 234./253. Gemeindeschule, Straßmannstr. 6, aus. Stadtbezirke 182— 188 und 195— 201(Wahlbezirke 374— 885 und 441— 451), 6. Gemeindeschule, Georgenkirchstr. 11. Von Stadtbez. 183 gehört Landwehrstr. 1 zum Wahlbez. 445 (Stadtbez. 197). Stadtbezirke 1898 und 189C, 1898. 190C und E und Teile von 1818(siehe Vermerk 1818)(Wahlbezirke 388— 392, 395— 396, 404— 406 und 409— 411), 234./253. Gemeindeschule, Straßmannstraße 6. Stadtbezirke 189A, 1898—1908, 1908», 190F(Wahlbezirke 386 und 387, 397— 403, 407—408, 412—413), 104./159. G-merndeschule. Ölivaer Str. 19. Der Stadtbezirk 191 erscheint teilweise in den Stadtbezirken 190A und 190V. Stadtbezirke 189V. 192, 193C, 193V. 193(1 und 193kl(SSahl bezirke 393—394, 414, 420—424 und 431-434), 2287279. Gemeindeschule, Esmarchstr. 18. Stadtbez. 192 erscheint teilweise in den Wahlbezirken 414 und 432. Stadtbezirke 193A und 8, 1938 und 8, 194A— C(Wahlbezirke 415— 419, 425— 430, 435— 140), 204./213. Gemeindeschule, Christ- burger Str. 14. Stadtbezirke 202— 215(Wahlbezirke 452— 472) und von Stadtbezirk 5 Kl. Präsidentenstr. 6 u. 7 und Neue Promenade 9 u. 19 (W.-B 462), 8763. Gcmeindeschule, Gipsstr. 23a. Stadtbezirke 218- 226 und 237— 239(Wahlbezirk« 477— 490 und 509—513), 1107174. Gemeindeschule, Schönhauser Allee I662. Stadtbezirre 227— 236(Wahlbezirke 491— 508), 25. Gemeinde schule, Ruppiner Str. 48. Stadtbezirke 240— 245(Wahlbezirke 514— 532), 162./197. Gemeindeschule, Danziger Str. 23. Stadtbezirke 246A— 8 und 246V— 2478(Wahlbezirke 533 bis 536 und 539—550), 74779. Gcmeindeschule, Pappelallee 30/31. Stadtbezirke ä46C, 248A, 248 O, 250A— 8(Wahlbezirke 537 bis 538, 651—552, 558 und 573— 584), 249./261. Gemeindeschule, Greifenhagcner Str. 73/82. Stadtbezirke 2488— C und 249A— 8(Wahlbezirke 553— 556 und 550—572), 303. Gemeindeschule, Schönhauser Alle« 108. Stadtbezirke 251—2548(Wahlbezirke 585—602), 1327142. Ge- meindeschule, Demminer Str. 27. Stadtbezirke 255— 259 und 267— 239(Wahlbezirk« 603— 613 und 629—633), 13 /67. Gemeindeschule, Elisabethkirchstr. 19/20. Stadtbezirke 260—266(Wahlbezirke 614—628), 2417250. Gemeindeschule. Wattstr. 16. Stadtbezirke 272—278(Wahlbezirke 630-653), 1117186, Gemeindeschule, Pflugstr. 12. Stadtbezirke 216—217, 270— 271. 270—283 und 285(Wahl. bezirke 473—476, 634—638, 654—661, 689), 267179. Gemeinde- schule, Albrechtstr. 20. Von Stadtbez. 282 gehören Aleranderufer, Friedrich-Karlufrr 1—6, Jnvalidenstr. 80— 88 zum Wahlbezirk 669. Die Liste liegt hier ebenfalls aus. Bon Stadtbezirk 283 gehören Kursürstenplatz, Zeltenallee zum Wahlbezirk 833, dessen Liste in der Turnhalle der 31. Gemeinde- schule, Alt Moabit 23, ausliegt. Stadtbezirke 284A— 2L4C, 286—2888(Wahlbezirke 662—668, 670—680 und 883) und Teile von Stadtbez, 33, 34, 35 und 28c (W.-B. 833 siehe auch Stadtbez. 21—30 und 216—217), 31. Ge- meindeschule. Alt Moabit 23. Auch von Stadtbez. 284A gehören Bellevueufer, Schloß und Park Bellevue zum Wahlbez. 833, dessen Liste ebenfalls hier aus- liegt. Stadtbezirke 289— 291A und 291C— 292A und 292 C, 294A und 2048(Wahlbezirke 681—690, 694—696, 700—701, 710—713), 82790. Gemeindeschule, Turmstr. 75. Stadtbezirke 2918. 2928, 293A— D, 295-297(Wahlbezirke 691—693, 697—699, 702—709, 714—719), 206./212. Gemeindeschule, Siemensstr. 20. Stadtbezirke 298 A— 804(Wahlbezirke 780—789), 1607188. Ge- meindeschule, Stephan str. 8. Stadtbezirke 305— 308C(Wahlbezirke 740—768), 188. Ge- meindeschule, Eingang Müllerstr. 158 und Willdenowstr. 14/15. Stadtbezirke 308V— 309 und 3108— v(Wahlbez, rke 754—761 und 764—769), 537300. Gemeindeschule, Eingang Lütticher Str. 37/39 und Osteader Str. 39/40. Stadtbezirke 310A. 311A— 812(«ahlbezirke 762—798 und 770 di? 779), 86./141. Gcmeindeschule, Müllerstr. 48. Stadtbezirke 314A— 316(Wahlbezirke 782— 796), 78. Gemeindeschule, Antonstr. 36/41. Stadtbezirke 317— 320C(Wahlbezirke 796—808), 244./L45. Gemeindeschule, Pankstr. 20/22. Stadtbezirke 321— 324(Wahlbezirke 809— 821), 7L./97. Chri- stianiastratze 4/6. Stadtbezirke 313, 325A— 326V(Wahlbezirke 780—781 und 822 bis 832), 2247229. Gemeindeschule, Christianiastr. 36/89. Wir machen hierbei darauf aufmerksam, daß die Wählerlisten nach dem Wohnungsstande des ersten Drittels de? November 1911 aufgestellt find. Wer die Listen für unrichtig oder unvollständig hält, kann die» binnen acht Tagen nach dem Beginn ihrer Auslegung, also bis spätestens am 21. Dezember d. Js., bei uns schriftlich oder in den vorbezeichneten Auslegestellen bei unseren dott anwesenden Beam- ten zu Protokoll erklären, muß aber die Beweismittel für seine Behauptungen, soweit diese nicht auf allgemeiner Kennwis beruhen, beibringen. Zur Begründung der beantragten Nachtragung in die Wähler- liste ist— abgesehen von sonst etwa erforderlichen Urkunden- entweder der Mietkontrakt, die letzte Steuerquittung oder die poli zeilich bescheinigte Anmeldung für die zur Eintragung angegebene Wohnung vorzulegen,_ Versammlungen. Maschinisten und Heizer. Am Sonntag fand in den.Armin- hallen"«ine öffentliche Versammlung statt, in welcher Arbeiter- sclretär Hermann Müller über das Thema sprach: Die wir!- schaftlichc Lage der Arbeiter und die bevorstehenden Reichstag-. Wahlen. Nach einer allgemeinen Einleitung ging der Redner auf die vorwiegend gewerkschaftlichen Fragen wie Koalitionsrecht, Ar- beitcrschutz usw. ein. Weiter streifte Redner das Vereins- und Versammlungsrecht, die Reichsversicherungsordnung, um dann auf die Teuerung, ihre Ursachen und Folgen einzugehen. AuS all dem Angeführten, erklärt der Referent, ergebe sich, daß bei der kommen- den Reichstagswahl Männer in das Reichsparlament geschickt werden mühten, die auf die Verbesserung der Loge der arbeiten- den Massen hinzuwirken und zu verhindern hätten, daß das, was -die Gewerkschaften unter schweren Kämpfen errungen haben, nicht wieder von den Volksauswucherern abgenommen werde. Bisher habe nur die Sozialdemokratie unverrückbar das Ziel verfolgt, die Interessen des arbeitenden Volkes wirksam und nachdrücklich gegis; die Raubgier der reaktionären Parteien zu vertreten und zu vee.- teidigcn.— Nach dem Vortrage, der mit großem Beifall aufgenommen wurde, ging der Vorsitzende Schwittau noch speziell ans die Verhältnisse des Maschinisten- und Heizerpersonals ein. An dasselbe sei schwerer heranzukommen, wie an andere Berufs- gruppen. Der Zutritt zu den Maschinen- und Kesselräumen sei streng untersagt, die Arbeitszeit des Personals sehr lang und wenn die betreffenden Arbeiter von ihrem anstrengenden Dienst nach Haus« kämen, könnten sie vor Ermüdung und Abspannung kauni noch sich eingehend mit politischen und wirtschaftlichen Tagesfragen beschäftigen. Auch soll nach dem Entwurf über das Koalitionsreck! den Maschinisten und Heizern der Gaswerke das Recht der Koali tiün geraubt werden. Daraus möchten die Kollegen die Konsc- quenzen ziehen und wenn der Ruf ap sie ergehe, Folge leisten. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher. Der Mitglieder- Versammlung der Filiale Berlin, die am Donnerstagabend bei Dräsel, Neue Friedrichstrahe, stattfand, lag die Abrechnung für da;. 3. Quartal 1911 vor. Danach betrugen die Einnahmen der Haupt- lasse 36 124,85 M., der Filiale 123 920,14 M.(einschließlich eines Kassenbestandes von 109 877,99 M. vom 2. Quartal). Die Ausgaben der Hauptkassc betrugen 36 268,35 M., der Filiale 10 755,21 M. Einer Gesamteinnahme von 160 044,99 M. steht die Gesamten gab? von 47 018,56 M. gegenüber, somit verbleibt ein Bestand von 113 926,43 M. am Schlüsse des 3. Quartals. Aus der Hauptkaiie wurden unter anderem gezahlt: siir Streiks 312,80 M., für Krankenunterstützung 3 308.80 M., für Reiseunterstützung 23,20 M., für Sterbegelder 640 M., für Gemaßregeltenunterstützung 82 M., für Rechtsschutz 24,85 M. Die Versammlung beschäftigte sich nach Erledigung des Kassenberichts mit internen VerbandSangelegeii- heilen(Ausschluß eines Mitgliedes). RalKrliiili n D Extra-Preise°° & Ä k3 Jj, A. m J| JL w vJ' Montag bis Sonnabend(11.— 16. Dezember) Ball- und Gesellschaftsschuhe zu außerordentlich vorteilhaften Preisen Tanz-Schnhe Lack, Dort, Atlas im. Chevreau etc in modernen Formen, mit eleg-antem, hohem Absatz, auch Pumps, mit breiter Krawattenschleiie etc. - I Serie 1 J • V_> Serie 2 6") Ball- n. 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Comenius-Säle, Memeler Str. 67. Drachenburg, Vor dem Schlesischen Tor. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Ressource, Manteuffelstr. 95. Union-Säle, Greifswalder Str. 222. Königssäle, Neue Königstr. 26. Puhlmanns Theater, Schönhauser Allee 147. Obiglos Festsäle, Schwedter Str. 23/24. Borussia-Säle, Ackerstr. 6/7. 53. U. Kreis: Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. „ E. Daase, Brunnenstr. 154. „ Frankes Festsäle, Badstr. 19. „ Voigt Theater, Badstr. 58. Cranz Festsäle, Kösliner Str. 8. Phanls-Säle, Müllerstr. 142(Z Versammlungen). Berliner Bockbrauerei, Abteilung l!, Chaussee Str. 64. „ Stadt-Theater, Alt-Moabit 47/49. „ Arminius-Hallen, Bremer Str. 70/71. vernau: Franz Salzmann, Basdorfer Straße. Birken werder: Gesellschaftshaus, Feuerstak, Hauptstraße. Bermsdorl': Restaurant Forsthaus.s Kanlsdorf: Hamanns Gesellschaftshaus. Ldchtenberg: P. Schwarz, Möllendorsstraße. „ Steuer, Frankfurter Chaussee 123. Zten-Idekienberg: Bürger(fr. Bube), Prinzen-Allee 30. Nleder-Stalrönkansen: Liedemit, Am Kirchplatz. Bber-�eitäneH�eide: Wilhelminenhof. Oranienburg: Waldhaus Sandhausen. Weißensee: Tzschentfchler, Langhansstr. 106. Berlin, Petersburger Viertel: Germania-Brauerei, Frankfurter Allee 53. Tagesordnung: IliMieiicke Referenten die Genossen: Barth, Bartsch, Braun, Brückner, Brühl, Büchner, Bübier, Carl, Clajus, Cohen, Däumig, Dittmer, Orunsel, Dupont, Düweii, Eberl, Richard Fischer, Theodor Fischer, Glocke, Handke, Hartmann, Jaeek, Kufer, Langhammer, Ledebour, Lehmann, Link, Mobs, Müller(Arbeitersekretär). Müller(Parteivorstand). Pfannkuch, Sassenbacb, Georg Schmidt, Schubert, Stadtbagen, Tarnov, Tburov, ücko, Unger, Hans Veber, Vermnth, Nücke, Vuschick. Allt AchäiM dn Partei, alle Genossen und Genoslinnen find zum Erscheinen verpflichtet. Bie Wahlkomitees. ttr Verwaltung Berlin. Stellmacher. Donnerstag, den 14. Dezember 1911, abends 8'/, Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Strub« 11/12: Branchen»Versammlung 93/18' Tagesordnung: 1. Bericht von der Branchenronserenz der Stellmacher Deutsch. landS. 3. Branchenangelegenheiten. Vergolder. Di« Kollegen werden dringend ersucht, die Werrstattsragezetlel und die Hyg.'ne-Slatistikbogen umgehend nach dem Bureau des Verbandes, Engewfer 1», Zimmer S, einzujendm. Mitoch, den 27. Dezembtr(3. Meihttachtchieriltg): Weihnachts-Vergnügen in„Mörners Pestsälen", Koppensfraße 29. Billetts a 50 Pf, sind in sämtlichen Zahlstellen sowie Im Bureau, Engel. Ufer 15, im Zigarrengeschäst von E ch w e in t e, Schönlewstr. 31 und im Restaurant von W. Welz er, Koppenstr. 62, zu haben._ Mer-V Zahlstelle Charlottenburg. ZentraiverbandderHausangestellten Sonntag, den 10. Dezember, in den»Corona-Festsälen-, 801/10 Kommandantenstr. 72: Versammlung. Bortrag von Herrn Nedakieur Paul John:»Das Weihnachtsfest und die Hausangestellten.« Nachdem: Smötliihes Deisltmmenskm nnd ssimz. WZ".""."? Sonntag, den 10. Dezember, vormittags 9'/, Uhr, im Holtshaus, Rosinenstr. 3(gr. Saal): Außerirdentlichc Gknernlnttsaninilnng. Tagesordnung: Der erneute Beschluß des HauptvorstandeS, die Auflösung unserer Zahlstelle zum 1. Januar. ES ist Pflicht jedes Kollegen in Anbetracht dieser wichtigen TageS« ordnung zu erscheinen. Es sind Vertreter deS Haupt- und GauvorstandeS geladen, versäume niemand sein Mitgliedsbuch mttzubringen, da nur Mitglieder unserer Zahlstelle Zutritt haben, 93/14« vle Ort« verwnltnng. Ortsgruppe QroB- Berlin Bureau und Stellennachweis: Linienstraße 8.— Amt Königstadt, Nr. 505. Geöffnet von 9 bis 5 Uhr. Achtttwg. Fabrikangestellte! Morgen Montag, den II. Dezember, abends 8'/, Uhr: Branchen- Versammlung im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12(weiffcr Saal). Tagesordnung: 1..Die Kewerkschaftsbeioegnug uüter besonderer Berück- fichtigung des Bundes der kaufmännischen Angestellten.« Rcscrcnt Kollege l!.el,mnnn. 2. Diskussion. 3. Die Aussperrung in der Metallindustrie. 4. Berbandsaugelegeuheite». 45/19 gnT" Kollegen I Erscheint alle. Besonders notwendig ist eS, die «nvrganisierlen Kollegen in die Bersammlu«- mithiibrinzen. w II Am Montag, den II. Dezember 1911. abends 81/, Uhr. im groste» Saal deS Gewerkschaftshauses, Engelufer IS z Oeff entliehe Versammlung aller iu der Hut«, Putz- und Filzwarenbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: I. Vortrag deS Verb and« Vorsitzenden Kollegen A. Metschke-Hamburg über»Teuerung und Gemerlschastcn. 2. DiSlussion. Ehrenpflicht jeder in der Branche bcschästigtcn Person ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. 76/8 Der Einberufer. Mu MIckel. ttr I n Montag, de» 11. Dezember, abends 8'/, Uhr, in den Musiker- sälen. Kaiser-Wilhelm-Strafte 18«: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Eröffnung durch die Verbandsvorsitzende Frau Marie Stritt- Dresden. nie Fonlnp der Fragen an den neuen ReUslag. Res.: Frau Camilla Jellinek-Heidelber, Frau Marie LischuowSka. Frau Dony Breitscheid. Ansprachen von Vertreterinnen der dem Verband angeschloffene» Landes» vereine. Diskussion. Schlußwort: Frau Mtuna Cauer. 801/11 An««»»«: Bewilligte Bäckerei. Achtnnc! Teile dem verehrten PubNtum und der Nachbarschaft mit. daß ich untengcnaniitc Bäckerei läuslich übernommen und zugleich die Forde- rungen des Bäcker» und KonditorenvcrbandeS anerkannt habe. ES wird mein Bestreben sein, dem Publikum in jeder Weise entgegenzukommen und gute Ware zu licsen», Achtungsvoll Bronn Ochmann. Hochmeistrrstr. S9. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 10. Dezember, abends GVa Uhr, im GcwcrkschaftShaust, (grober Saal), vngeluser 15: Geffenttiche Persammlnng für Männer und Frnnen. Tagesordnung: Die Frauen und die Reichstagswahlen. Ressleiitm: Genojsi» Nach der Versammlung: GtstlilgtS KtlsailtMkNj'tiN. — Entree inklusive Garderobe 8» Pfennig.— Tanz frei»- Zu zahlreichem Besuch ladet ein 2U/g» Der Einbcrnfcr. Verband der Sattler u. Portefeuiller Ortsverwaltung Berlin. Donnerstag, den 14. Dezember, abends 8'l, lthr. in de» Arminballc». Koinmaildantenstr. ädi/SS: Auszerordentliche General- Versanimlung. Tagesordnung: 1.»Tie Gewerkschaften und die bevorstehenden Reichstags. Wahlen." Rescrcut: Kollege Ernst Schulze. 2. Distussion. 3. Antrag der Verwaltung auf Gewährung einer W-ihnachtSnnterstuNnng au die arbeitslose» Kollege». 4. Niisschlustantrag gegen das Mil- giied Heinrich Schulz. 5. Verschiedenes� - Atitgliedsbuch legitimiert.——— Zahlreichen Besuch dieser Versammlung erwartet 1SS/10 Die OrtSverwaltung. KonpnsH ton MersW (E. G. m. b. H.) Bilanz tür das Geschältsjabr vcni!. Juli 1316 bis zum SO. JqoI 191). Aktiva._ Passiva. M. M. Waren-Konto: Warenbestand... 32 419,30 Ausstehend« Korde« rungen..... 1963,47 41 382,77 Indentar-Konto... Guthaben-Konto.. GroketnkausS-Welellsch. 2 409,35 Arbeit.-Baugenosscnsch. .ParadicS".. 76,— Wechselkasscu-Konto— Geschäftsanteil. Konto d. K.-V. K. — 20 330,— 2 485,35 460,— ttautionkhinterlegungS- Konto..... HauS-Konto.... Scheck-Konto d. Kredit- Vereins Köpenick. Kassa-Konto.... Bankabtell. d. G.-E.-G. Minderverdienst... .1000.-» 3 015,- 170 978,66 176,88 546,91 201,18 5 650,10 Summa Schaasshaus.Banl-Ver. 141,18 Sparmarken-Konto. 219,— HauSanteil-Konto.. 8 555,— DarleheiiS-Konto.. 450,— Hypotheken-Konto 107 000,— Licserantcn-Konto.. 2 848,30 G eschästsanleil-Konto 44 393,26 Prebkohlen-Konto.. 386,60 Sparkassen-Konto.. 51 264,73 Neseroefonds-Konto. 3 651,90 KautionS-Konto.. 3 360,35 Kreditvcrein Köpenick 3 000,— Spar-Konto.... 21 006,53 Summa 246 276,85 246 276,85 Mitglieder-Bewegung. SIm 30. Juni 1910 waren vorhanden............ 2017 Neu eingetreten.................... 465 Summa 2482 freiwillig ausgetreten zum 1. Juli 1911........ 228 Durch Tod................... 5 Nach§ 4, Abs. 3 ad d ausgeschlossen......... 123 356 Am 30. Juni 1911 waren Mitglieder vorhanden....... 2126 Zunahm« 109 DaS GeschäftSguthaben betrug am 1. Juli 1910..... 35 626,37 M. am 1. Juli 1911................ 44 393,26„ Zunahme 8 766,89 M. Die Haftlumme betrug am 1. Juli 1910........ 60 540,— M. und am 1. Juli 1911............... 63 780— ,. Johl Gerhard. Der Vorstand. Wilhelm Kohl. Zunahme 3 240,— M. 108/4 Max iacobsen. Glas- Christbaumschmuck. V«rl«nl>« auch dieses Jahr nur auserlesenst», Pracht- vollst« Sorttment« In hochmodernen dieejährtge» «euhciten in unübertroffener feinster Ausslibrung, Sortiment>. Inhalt S20 Stück, als echt verfllberle, farbenprächiige Vrillaniresler«, Frücht«, Aepsel, Birnen, Aprikose», Psirsichc, Srdbeere». ff, bemalie «kugeln Uli» öier, Portemonnaies, Windmühle mit Flügeln, Wethnachiomann,(Sold- und Sllderstsche, Panoramalng., trastanie», als- u.»annenzapsen, viele m, glihernd, Stlberdrahtu.SeWcnchcniile leonisch Ldcrsponn, Lnstballono, Oliven mit Silberguirlanden, läu«.«»locken, Lhra,«lückspilz«, farbcnpr, Silber. alanzverlcn:«ugel mir schweb, Taube, sowie wR-gen. bogensarben ungemein fcffelnd I----~' ....... wirk. 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Schwache Bautätigkeit und Stille auf dem Grundstücksmarkf. — Planmäßige Preistreiberei.— Bauunternehmer und Hypothekengläubiger in den Fängen der Banken.— Die agrarische Wirtschaftspolitik als Ursache verminderten Wohnungsbegehrs.— Anarchie im Zementgewerbe.— Zollattentatsgelüste. In der Generalversammlung der Berliner Maschinenbau- A.-G. vormals Schwartzkopff wurde darüber geklagt, daß auf die von der Gesellschaft ausgebotenen Grundstücke nicht ein einziges Angebot eingegangen sei. Der Vorsitzende bemerkte dazu, daß es auf dem Grundstücksmarkt infolge der veränderten Gesetzgebung an Leben und Unternehmungslust mangele. Unbestreitbar ist es schon seit drei Jahren im Terraingeschäft ziemlich stille gewesen, wie ja auch die Bautätigkeit im allgemeinen sehr zu wünschen übrig ließ. Im laufenden Jahr war sie etwas lebhafter, wenn auch in Berlin weniger als wie in manchen Provinzstädten und aus dem Lande. Aus den Terrainmarkt scheint man in der letzten Zeit wieder ein günstigeres Prognostilon zu stellen. Die Kurse der verschiedenen Gesellschaften bewegen sich im allgemeinen in aus- steigender Richtung. Die folgende Ausstellung orientiert darüber: Kurs am "20. Oktbr. 6. Dezbr. A.-G. für Bauausführungen...... 104,75 111,25 Allgemeine Boden-A.-G......... 117,50 115,— Allgemeine Häuserbau-A.«G....... 70,— 65,50 Bauland Seestratze-Nordpark...... 108,50 109,— Berliner Terrain- und Baugesellschaft... 76,25 62,50 Beton« und Monierbau........ 169,75 177,25 Dresdener Baugesellschaft....... 131,50 135,90 Habermann u. Guckes........ 145,90 152,50 Handelsgesellschaft für Grundbesitz.... 176,50 177,50 Hannoversche Bau-A.«G......... 50,50 52,— Lichtenberger Terrain......... 56,— 57,50 Magdeburger Bau- und Kreditbank.... 81,60 82,— Terraingesellschafl Müllerstratze..... 100 20 100,60 Neue Boden-A-G........... 138,50 147,50 Neu-Grunewald-A.-G......... 1600,— 1710,— Neu-Westend-A.-G,, Berlin....... 173,— 176,— Terrain«A,-G. Niederschönhausen..... 91,50 96,— Nordparl-Terrain-A.......... 1900,— 1900,— Schoneberg.Friedenauer Terrain«A,-G.... 130,10 131,— Teltow-Kanal-Terrain-Gesellschast..... 49,— 53,50 Tempelhofer Feld-A-G......... 120,— 123,60 Terrain Berlin-Südwest........ 132,30 131,25 Datz in Berlin die Lebhaftigkeit des Besitzwechsels nachläßt, erklärt sich einmal aus der fast restlos vollzogenen Bebauung und der rapiden Preissteigerung. Im Oktober d. I. find in Berlin nur 74 Grundstücke in anderen Besitz übergegangen gegen 163 im Oktober 1910. Dabei handelt es sich um 27 resp. 72 bebaute Grund- stücke, deren Kaufpreise 9 resp. 19� Millionen Mark ausmachten. Demnach stieg der Durchschnittspreis von rund 270 000 M. aus 333 333 M. Daß die Wertzuwachssteuer während einer UebergangSzeit etwas lähmend wirkt, ist wohl unbestritten. Die Stille im Bau- und Terraingeschäft verursachten im allgemeinen und speziell in Berlin vorwjegend aber doch noch ganz andere Faktoren. In ganz erheblichem Ilmfange haben die Banken das Terraingeschäft an sich gerissen. Daraus erwuchsen preissteigernde Folgen. Bei der Uebernahme der Terrains � in den Besitz der zu dem Zwecke ge- gründeten Aktiengesellschaften wurden sie mit Gründergewinnen ganz erheblich belastet. Die Terraingesellschaften haben die Grund- stücke infolgedessen mit sehr hohen Preisen zu Buche stehen, und bei der Veräußerung sollen auch noch Gewinne herausspringen,| Die oft nur rein formalen Eigentumsübertragungen, die lediglich den Zweck haben, Zwischengewinne abzustoßen, haben die Grund- stückspreise ganz allgemein in die Höhe getrieben. Die privaten Besitzer schlössen sich den Preissteigerungen natürlich gern an, Schreckt nun schon die Grundstücksverteuerung vielfach die Baulust ab, so kam durch die Herrschaft des Bankkapitals noch ein anderer hemmender Faktor hinzu. Die Banken usurpieren in steigendem Maße das Hypothekengeschäft. Die Folge davon war auch eine Verteuerung der Hypotheken. So wurde der Häuserbau doppelt erschwert und verteuert. Diese Verhältnisse, in Verbindung mit einer Verquickung von Terrainhandel und Hypothekengeschäft, brachte den alten soliden Bauunternehmer immer mehr in die Abhängigkeit von den Banken, machte ihn zum Eintreiber von Zinsen für das von jenen vermittelte Kapital. Der Privatmann bekommt Hypotheken oft nur unter der Bedingung, gleichzeitig eine oder gar mehrere Baustellen zu übernehmen, die oft in der Be- bauung kaum erschlossenen Orten liegen. Beißt er in den sauren Apfel, muß er natürlich als Baupionier wiederum die Hilfe der Bank in Anspruch nehmen: sie gibt die Baugclder— selbstverständlich unter den schwersten Bedingungen. Das Einsetzen der Bautätigkeit benutzt die Bank— oder die Tcrraingesellschaft, die von ihr vorgeschoben wird—, dann wieder dazu, die Preise der anderen Terrains in die Höhe zu schrauben. Bei dieser Praxis müssen die selbständigen Bauunternehmer, die sich als Fachleute emporgearbeitet haben, einer nach dem andern über die Klinge springen; sie werden Hörige der Hypothekengläubiger. Das Re- sultat dieser Entwicklung ist ein starkes Abschwächen der Unter- nehmungslust. Die Wohnungsmieten sint> zwar enorm gestiegen, aber viele nominelle Hausbesitzer spinnen trotzdem kein« Seide, weil die hohen Grundstückspreise, die verteuerten Baukosten und Hypothekenlasten zu viel von den Einnahmen verschlingen. Wie die übrige Warenproduktion, hat das Kapital auch den Häuser, und Wohnungsbau in seine Tributpflicht gezwungen. Handwerker, Bauunternehmer usw. machen in ihrer Kurzsichtigkeit ein paar Pfennige Lohnerhöhung, die vielleicht kaum die einge- tretene Verteuerung der Lebenshaltung ausgleicht und die bei der Verzinsung des Anlagekapitals nur eine geringe Rolle spielt, ver- antwortlich für die fortgesetzten Mietpreissteigerungen, sie merken nicht, daß in Wahrheit der Teufel Kapital sie und die Konsumenten beim Schöpfe hat. Noch ein anderer Umstand wirkt lähmend auf die Bautätigkeit und damit auf das Terraingeschäft: die allgemeine Teuerung als Ausfluß agrarischer Wirtschaftspolitik. Seit der Wirksamkeit der neuen Handelsverträge mit den erhöhten Zöllen und den Steuern, die die Reichsfinanzreform uns bescherte, nimmt die Ausgabe für die Ernährung«inen erheblich größeren Teil in Anspruch. Je kleiner das Einkommen, desto größer die relative Mehrbelastung und die absolute Verkleinerung des Teiles, der für die Befriedi- gung de? Wohnungsbedürfnisses zur Verfügung bleibt. Besonders der kleine Mann, der Arbeiter, der Handwerker, Kleingewerbe- treibende, Beamte usw., muß wohl oder übel mit einer kleineren Wohnung sich begnügen. Das verlangsamt trotz des Bevölkerungs- Zuwachses die Nachfrag« nach Wohnungen; es fehlt an stärkerer An- regung für«ine flotte Bautätigkeit. So macht der Segen der blau- schwarzen Wirtschaftspolitik auch nach dieser Richtung sich be- merkbar. In recht interessanter Weise beleuchten die Verhältnisse in der Zementindustrie die Anarchie in der kapitalistischen Wirtschafts- weise. Kartellierungen und Preisvereinbarungen trieben die Ze- mentpreise in die Höhe, so datz die Werke glänzende Gewinne er- brachten. Diese reizten zu Neuanlagen. Die ProduktionSmogUch- leiten gerieten in einen immer größeren Gegensatz zu den Schatz- gelegenheiten. Angelockt von den günstigen Preisen in Deutschland verschärfte eine Auslandskonkurrenz hier die Situation. Die Ver- bände und Preisabmachungen wurden von den divergierenden In- teressen gesprengt, von dem Bestreben, Preisrückgänge zu vermeiden oder aufzuhalten, wieder zusammengefügt. So kommt die Zement- industrie seit fast zwei Jahrzehnten aus den.Verbandskämpfen mch- heraus. Und immer größer wird die Konkurrenz.� Obwohl der Verbrauch von Zement ganz gewaltig gestiegen ist,� können die ge- schaffenen Produftionsmöglichkeiten kaum zur Hälft« ausgenutzt werden. Die Konkurrenz verschärst eine technische Umwälzung m der Fabrikation, die die älteren Werke fast wertlos macht, deren Rentabilität Syndikate und Verbände aber doch sichern wollen. Ein Hauptabsatzmarkt ist natürlich Berlin. Hier hat man nun nach langen Kämpfen ein neues Syndikat zurechtgezimmert, das kaum ins Leben getreten, in seiner Existenz schon wieder bedroht ist. Thyssen sen. will auf dem ehemals seinem Sohne gehörenden Ritter- gut Rüdersdorf, wo schon eine Kalksandstein- und Mörtelfabrik be- trieben wird, eine große Zementfabrik errichten. Auch noch andere Montan- und Hüttenindustriellen ziehen in der letzten Zeit die Zementproduktion in den Kreis ihrer Tätigkeit, was die reinen Zementwerke sicher sehr unangenehm empfinden.— Das Rhein.- Westf. Zementsyndikat dürfte demnächst der Auflösung verfallen. Einige der Gründer bauten nach der Kontingentierung und Ver- teilung des Gesamtabsatzes neu« Fabriken und machten als Out- sider„ihrem" Syndikat Konkurrenz. In letzter Zeit kauften sie, analog den Borgängen bei dem bekannten Zechenlegen im Ruhr- revier, Beteiligungen alter Werke auf und übernahmen sie auf ihre dem Syndikat angeschlossenen Anlagen. Aus diesen Grün- den betreiben die anderen Mitglieder die vorzeitige Auflösung des Syndikates. Jedenfalls herrscht in der Zemenstn-dustrie eine Anarchie, wie sie kaum noch in einem anderen Gewerbe anzutresten sein wird. Die geschilderten Vorgänge haben nun zu dem Vorschlage geführt, die Zemcntindustrie solle in Anlehnung an die sogenannte schwere Industrie einen hohen Schutzzoll erstreben. Welche Absichten man dabei verfolgt, liegt auf der Hand. Durch die Ausschließung der Möglichkeit ausländischer Konkurrenz will man für den Inlands- markt ein Monopol ergattern, das eine Preisgestaltung erlaubt, bei der auch die rückständigen Werke, selbst bei geringer Produktion noch existieren können. Die Zementindustrie angelt nach einem Prcismonopol, um die Konsumenten gründlich schröpfen zu können. Das wäre die Folge der weit über den Bedarf hinausgewachsenen Produktionsmöglichkeit und einer auf Grund gewaltiger technischer Fortschritte möglicken Preisherabsetzung. Mit der Verwirklichung der Zollwünsche würden sich die Zementfabriken übrigens auch ins eigene Fleisch schneiden. Sie sind mehr auf die Ausfuhr angewiesen als wie das Ausland auf die Ausftihr von Zement nach Deutschland. Die Ein- und Ausftihr von Zement gestaltete sich nämlich in den ersten 10 Monaten der beiden letzten Jahre folgendermaßen: 1910 1911 Ausfuhr in Doppelzentner... 6 056 907 6 989 774 Einfuhr in Doppelzentner... 2 124 051 2186 158 Ausfuhrüberschuß... 3 932 856 4 803 616 Die Ausfuhr überwiegt die Einfuhr und sie bewegt sich dazu in aufsteigender Richtung. Der Zoll würde zu einem zwei- schneidigen Schwert, denn das interessierte Ausland würde sicherlich als Antwort auf die Ausschließung seiner Konkurrenz vom Deutschen Markte auch der Deutschen Ausfuhr Schranken er- richten. Jedenfalls haben die Zementkonsumenten Ursache, sich den gekennzeichneten Zoll, und Monopolwünschen zu widersetzen. No 11 Schlafröcke WeiA<,Velonn*ofl«"l O CA farbig* TudibevSt*......... M. Aä-JU No. 12 Schlafröcke 91 Schöne Besfitic............. M. A• No- 13 Morgen- Joppen vN 1 9 loumtoCL Reicher Besafe....... 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Dezember, nach- i mittags l'/f Uhr, von der Halle I des städtischen Friedhofes in I Friedrichsseide aus statt. lZeulZelret' koksrbelter-Verdsnll! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Qooi'N Rillher Gerichtstr. 16 im Alter von 48 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute I Sonntag, den 10. Dezember, nach- j mittags 2 Uhr, von der Halle i deS DankeS-FriedhoseZ, Reinickcn- 1 dors-West, Blantestraste, aus statt. Um rege Betelligung wird er-) sucht._______ Am 7. Dezember starb unser Kollege, der Tischler Lctaand Geist RummelSburg.Grünberger Str. 14, im Alter von 32 Jahren. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 10. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Nummelsburger Gemeinde- Friedhoses, Liickstrasje, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 93/19 Die Drtsverwaltung. Kreis(iiederbarniin Bezirk Rummelsburg. Am Donnerstag, den 7. d.Mts., i verstarb unser Mitglied, der Tischler j Eduard Geist Grünbergcr Str. 14(Bezirk 22) im 32. Lebensjahr. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet heute! Sonntag, den 10. Dezember, nach.! mittag 3 Uhr, von der Halle des I RummelSburger Gemeinde-Fried- hoses, Lückstraste, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 8/15 Die Beeirkeleilung. Sozialdemokratischer WahiverelD! Zelllendorf(Wannseebahn). De» Partei- und Gewerkschasts- genossen zur Nachricht, dast unser ältestes Mitglied, der Schristsetzer Oskar l�ickter an? 6. Dezember in der Heil- anstatt Teupitz nach jahrelanger. schwerer Krankheit im Alter von 45 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am! Montag, den 11. Dezember, nach-" mittags 2'/. Uhr. in Teupitz stat'. 204/9 Der Borstand. Verband der Gemeinde- u.! Staatsarbeiter. Filiale«roll Berlin. Unser Mitglied, der Kollege August Gnatw von der Städtischen Strahen- rctnigung(28.'Abteilung) ist oer- starben., Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 11. Dezember, nach- mitlags 3 Uhr, von der Leichen- balle deS Zentral-FriedhoseS in Friedrichsfelde aus statt. 32/2 Die OrtSverwaltung. | Typographla. Die Beerdigung unseres Kollegen j Otto Schumann I findet am Montag früh 9 Ufir- 1 aus dem Hcilig-Kreuz-Kirchhos in i I Mariendors statt. 62/15 1 Zahlreiche Beteiligung erwartet! Her Vorntand. Todesanzelee. Allen Freunden, Bekannten und Genossen die traurige Nachricht,� daß meine liebe Frau !RauKne Beyer am 7. d. Mts. nach langem schweren Leiden gestorben ist. Jnllns Beyer, 10602 Reinickendorf. Die Beerdigung findet am Montag, den 11. Dezember, nach- mittags'/z2 Uhr, vom St. Hed- wigs-Mrchhos in Reinickendorf- West, Berliner Straße 26—28. auS statt. Am 7. Dezember verstarb nach i I nur kurzem Krankenlager im k 1 53. Lebensjahre unser lieber j j Kollege, der Schristsetzer Otto Schumann. Der Verstorbene, welcher mich I längere Zeit als Vertrauensmann suugierte, erfreute sich der Liebe und Achtung unsererseits in liöchstem Maße. Ein freundliches Andenken bewahren ihm | Die Kollegen der Mordd. Bnch- druckerci u. Verlagsanstalt. Die Beerdigung findet am I Montag, den 11. Dezember, früh 9 Uhr, auf dem Heilig- Kreuz- Kirchhos, Mariendors, Eisenacherl straße, statt. 1357b Sozialdemokratischer Wahlvereio des 6. Herl. Relehstags-Wahlkfelses. Am 7. Dezember verstarb unser Genosse Karl Koppen Schliemannftr. 7. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am| j Montag, den 11. Dezember, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- I halle des Gethsemane-Kirchboses I Im Nieder-Schonhausen- Nordend | aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Verhallt! der Brauerei- md und verwandter I Berufsgenossen.{ Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, I !daß unser Mitglied, der Flaschen- I kellerarbeiter Karl Koppen (Schultheiß II) am 7. Dezember er. an den Folgen eines BllltsturzeS ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 11. Dezember, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gethiemane-Kirchhoses j in Nordend aus statt. Rege Beteiligung erwartet 48/1 Der Vorstand. Zentra!- Kranken- nud Sterbekasse der Zimmerer. (E. H. Nr. 2 Hamburg.) Filiale Berlin III. Am Freitag, den 8. d. MtS., verstarb an den Folgen eines Unfalles unser Mitglied Paul Kiatte Mllncheberger Str. 20. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung wird noch be- I kannt gegeben. z 253/11 Der Vorstand. Sage allen Bekannten sowie dem zweiten Wahlverein, Bezirk 130/134, meinen besten Dank für die herzliche Teilnahme an der Beerdigung meines lieben Mannes. VVltwe Berta Bttller, 10842 Bärwald str. 51._ Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Großmutter, Mutter und Schwiegermutter sagen wir allen Beteiligten, insbesondere dem Skat- klub„Freundschast-, dem Sparverein „Ehrlich- und dem Nauchklub„Am- balema- unseren tiesgesühlten Dank. WlHielni Frlebel. Anna und Karl Benner. Tanksagnng. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung unserer lieben Tochter sagen wir allen Freun- den und Bekannten unseren herz- iichsten Dank. Gnstav Gärtner und Frau. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Verwandten und Bekannten uieinen herzliaisten Dank. 1361b Fanl I-nrenz S k a l i h e r Straf? c 5. geeeeee«**9»9999Ssa Unserem Genossen 10672 � Johann Ortner vi/ und seiner lieben Fran 0/ zu der am 11. Dezember statt- y/ 5/ sindenden Silberhochzeit die die herzlichsten Glückwünsche. Die Botenfrauen der„Vorwärts"- � Spedition K. Anders. Moabit, p «EEEELEev»»»iZAAKZKA Cti'-S «T Unserem Parteigenossen vi/ Hermann Eckerl$ zum 65. Geburtstage die herz- � Iichsten Glückwünsche.>1/ Die Genossen v. 112. Bez., II.Kr.(/> arillanteii als Spezialitäl austergewöhul. billig illlax Brlna«r, jlorarialemv»- kjltralir 4Ä. Der Nuf der Firma fgegr.1S63) bürgt für strengste Reellität. Rmge.mass.Gld., tlkr.m. I Bi ll.v. 9M.an Ohrringe,...2.„18.. Brosche,.,„1..20.. Hrr.-Nadl.,., ,1,„13,„ usw. bis zum feinsten Genre.* IWestmanhsfraBeraaflaziDi Extra- Abteilung II. Gesch.: BerlinW., Mohren- 1 StraBe37a(2. Haus von der, Jerusalemer StraUe). I II. Gesch.; Berlin NO., Große; Frankfurt, Str. 115(2. Haus! von der Andreasstraße). j 1 Sehrgr. Ausw. fert. Kleider, I [Hüte, Handschuhe, Schleier 1 letc. v. einfachsten bis zum| | hochclegant.Genrez.äollerst j niedrigen Proisen. Sonder-Abteilnng: Slaliaiifcrtigiung in 10 bis 12 Stunden. 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Mts. an Nierenleiden gestorben ist Iffihrc seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den II. Dezember, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- 1 Halle des NazaretH-Kirch Hoses tn der Seestraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 152/15 Die Lrtsvermaltung. Die Beerdigung des Kollegen August Lattmann findet nicht ans dem Lankwitze: i Gemeinde-Friedhos, sondern aus> dem der Luther-Gemeinde iul Lankwitz, heute nachmittags 3 Uhr I statt. Tie OrtSverwaltung. 900„ 7„ ,, 15. 900 5„„ lo.SO 935„ 7„ ,. 16.50 985„ 5„„ 17. 900 7„„ 19.50 900->„ 20.— 985 7„ 2 t. 50 985 5„ 22.- 935 ,» 4„„ 22 50 935„ 5„„ 27.o0 985" 5".. 33.00 14 Kar. 585„ 5—7„ v. 7.50-16.— „ 8„ 333„ 5—7„ V. 4.50—8.50 „ Cham. od. Düble 5— 7„ v. 0.50—3.— Silberne Tranringe, 800 gestempelt, am Tag« der silbemen Hochzeit zu tragen, Stck. 1.50. Namen und Datum punktieren gratis. Namen u. Datum gravieren per Stück 0.25. Versand nach außerhalb gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung des Betrages. 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Bitte, diese Liste aufMbewahren! Groß-Berlin, Liste derjecheii FMKmIeii, die de« FestMs der IMtimdciltt nn@ro|-$nliii bewilligt, sowie derjenigen Fabrikanten, die sich mit ihren Arbeitern im Einverständnis mit der Organisation geeinigt haben. Parteigenosse«, Arbeiter, Interessente«, Kancher! Wer die Tabakarbeiter in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen gewillt ist, beziehe feine Waren von nachstehenden Zigarrensabrikanten. ttsdt SolMaHiät! Ost««. 'Otto Schirmer, Frankfurter«See 7. 'Wilh. Klein, Am Obcrbaum 1. 'Richard Schulze, Friedrichsfelder Straße 23. M. Hanneman». Breslau er Str. V. R. Fricke, Langestr. 2S, IV. 'Paul ilSotichke. AndreaSftr. 1«. »Hermann David, Weidenweg Z. Helene Kolberg, Memeler Str. 34. »Paul Peterfon, Weidcnwcg 83. Hermann Kafclow, Fricdenstr. 74. �ranz Kriigcr, Pofcner Str. LS. »Joh. Heiden, Weidenweg LS. 'tarnst Boß, Boigtstr. 6. 'Gnftav Brösel, Fruchtstr. 83. v'tax Lerche, Tilfiier Str. 44. 'August Körlin, Rigaer Str. 46. E. Dornow, Weidenweg 8. Immanuel Harzmann, Stralauer Allee 3l d II. »Johann Liebich, Memeler Str. 7. Otto Koglin, Schreinerstr. SS. Anton Fröhlich, Langestr. SS. Fr. Marie Schubert, Romwtener Straße 30. »N. Spcukoch. Tilfiter Str. 90. Robert Zisowski. Tilsiter Str. 7S. Rudolf Pohl» KopernikuSstr. 3 I. Adolf Löschke. KI AndreaSftr. S. "Wilh. Gase, MarluSstr. 27. »Friedrich Kiirschucr, Fruchtstr. S1. »GrUings, Wrüner Weg SS. Südosten. Adolf Tomann, Lausitzer Str. 7. 'August Lefdvre, Adalbcristr. 18. 'PH. Bachr, Naunynstr. 24. (sunl Gabler, Cuvrystr. 48. 'Louis Fischer, Wiener Str. b?d. 'Gustav Zillich, Farster Str. 8. 'Robert Kessler. Marwnnenstr. 37. 'Jean Brunn, Wraugelstr. IS. »Frist LobbeS, Adalbertstr. S8. »Wilhelm Frtebel, Forster«tr. 39. »Wilh. Stübncr, Eiienbahnstr. 33. 'Robert Kämmler, Reichenbergcr Straße 1b7. »Paul Reichelt, Wrangelstr. 62. 'Adolf Künste, Grünauer Str. 4. 'Robert Franke, Britzer Str. 20. Beruh. Müller. Re>chenbergerstr.14l 'August Bogel, Adnüralslr. 23. Süden. 'Wilh.«oeruer, Ritterstr. t«. 'August Zech, Gitschiner Str. S3. 'Gustav Schmidt, Gräsestr. S8. 'Gustav Lochmann, Walscrtorstr.43. Südwesten. Wtoe. Lütke, Möckernslraße. Nordwesten. »Richard Kiepert, Zwinglistr. 29. Otto Borntesscl, Waldflr. 39, III. 'Wilhelm Bundschuh. Birkenstr. 48. 'Robert Kern, Stromstr. 2S. Richard Schoppan, Wiclesstr. 4S, I. »H. Hagedorn, Emdener Str. 47. 'Böfenberg, Rostocker Str. 21. 'Herm. Zimmermann, Ouitzow» Itraßc l0S. 'Paul Muller, Beuyelstr. 28. Julius Label. Benfselstr.«2. Norden. »Wilh. Blanck, Ackerstr. 1l». 'I. Stabreh, GIcimstr. 19. Rudolf Runge, Jnvalidenstr. 20. 'Emil Hersorth. Riigenei Str. 7, Eingang Pntbuser Straße. 'Frau Luise Ruft, Soidiner Str.«8. 'Wachömuth, Frcicnmald er Str. 9. 'August Bausdorf, SoldtnerStr. 14 im Laden. 'Deglotv, Hochstr. La. 'Paul Mazauke, Pankstr. L4. 'Hermann Kornestki, WollinerSi. 23 Heinrich.KcnipcrS» Fehrbclliner Straße 57. 'R. Lindeman», Rhewsbcrg. Str. 37. 'Frist Sperber. Ruppiner Str. 44. 'B. 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'Eduard Möhl, Schönholzer Str. 11. 'H. Herberg, Gleimslr. 65. 'Karl Habrrsaath, Graunstr. 40. 'Gustav Hennig, Kolonlestr. 129. 'W. Pollwist, Schliemannstr. 47. 'A. Kaerger. Prenzlauer Allee 1L9. »Paul Knelfel, Ackerstr. 131. 'Karl SchlösscrS Rachf., Gericht- straßc 2. Jakob Götting.Liebenwalder Str. 5. *®. Stahlberg, Dunckerstr. 12. Paul Noack, Schönhauser Allee 56. 'Ernkt Schulz, Bcrnauer Str. 2. 'Willy Serre. SwinemllndcrStr.SS. 'Gustav Henzc, Stetlincr Str. 61. Otto Brau». Ruppiner Str. 14. 'Rod. Geuzkolv, Lortzingstr. 24. 'W. Batzrr, Ramlerstr. 12. Präger, Rupviner Str. 25 I. Fricdr. Berlin. Ackerstr. 130. 'Pflug, Reinlckendorser Str. 71. E. Hildebrandt, Rügener Str. 26. 'H. Jliughans, Reinlckendorser Straße 106. 'H. ZIehm, Bernauer Str. 48. 'Semniler, Brunnenftr. 103/104. 'Schnhman», Boyenstr. 13. 'Zölluer, Stettiner Str. 20. Nordosten. Marie Klost, Palisadenstr. 101 pt. B. Loewindorff, Weinstr. 6 II. W. Elkenbrrcht. Höchstestr. 7 III. Otto Vetter. Höchstestr. 32. 'Jos. Krobisch, Büschingstr. 20. 'Ät ax P o lest. FriedrichSbergcr Sir. 10 'Jakob Reul, Bainimstr. 42. 'Karl Müller. Rykeslr. 38. 'A. Dierbach, WinSstr. 25. 'Th. Bernhöft. GreisswalderSt.Lo?. 'Gustav Pinner, Tre-Zckowstr. 36. Georg Burger, Trcsckowstr. 38. 'Heinrich Olle, Metzcr Str. 22. 'Elisabeth Wolter, Marienburger Straße 32. »Gustav Richter, Landsberger Allee Nr 145. 'Gustav Wittenberg, Barnimstr. 15. »M. MoewuS, Weinstr. 29. »Hugo Wache, Koppcnstr. 46. »Äng. Kley, Friedrichsberger Str. 19. Bernhard Blanzwir«, Woiden- berger Str. 12, II. Zentrum. U. Ehaim, Mnlackstr. 11, L 'Otto Probst, Linienstr. 25. Vororte. Karl Jancke, AdlerShof, Friedenstr.lS. 'Rudolf Otto, AdlerShof, Scdan- straßc 29. Otto Benkert, AdlerShof, Bismarck- flraße 58a Albert Schumacher, Lichtenberg, Wartrubergstr. 68. 'Frist Ehlert, Britz, Rndower Str. 5. 'H. Drompa, Lichtenberg, Scharn- iveberstr. 44. »Paul Harting. Lichtenberg, Rum- melsburger Str. 18. 'Rudolf Kaiser, Lichtenberg, Möllendorssstr. 15/17. 'Joh. Bobrotvski, ZiummelSburg, Crossener Str. 17. 'Oskar Maferkopsf, Boxhagcn, Weser slr. 35. 'Friedrich Schüste, Rixdors, WIß- mannstr. 22/23. 'Wilhelm Schulze, Rixdors, Stein« metzstr. 110. Gustav Becker, Rixdors, Jnnstr. 29. 'Alb. Schuster, Rixdors, Fuldasir. 15. I. Gans, Rixdors, Fricdelstr. 3 IN. 'F. Ehlert, Rixdors, Hennannstr. 226 'Gustav Carl, Rixdors, Prinz- Handjery-Str. 59. »Wilhelm Kiew,«llmerSdorf, Uhlandflr. 128. 'Paul Witt. Steglitz. Diippelstr. 5. 'Rob.Stübner.Steglitz.Schioßstr. tlb M. Lehman», Rcinickendors- Ost, Thunerstr. 5. 'Wilh. Pieper, Spandau, Metzer Straße 12. »Fran Ella NlooS.SPandau, Falken- Hagener Str. 18. »Otto Wilkc, Spandau, Birkenstr. 4. »Wilh. Klemmer, Spandau, Schön- waldcr Str. 82. Max Nölte,Spandau,Schulzcnstr.14. 'Rod. Durst, Spandau, PichelS- dorscr Str. 28. Otto Kloose, Spandau, Fcidstr. 5. 'Wllh. Klei», Tegel. BerlinerStr. 84 Eduard Krüger, Tegel, Berliner Straße 39 pt. Richard MilinS, Pankow, Berliner Straße 90. »Alb. Ja nike, Pankow, Mühlenstr. 38. 'Jacobi,Wc>bcnIee,BerIinerAl!ee17g Rod. Werner, Weißens«, Sedan- straßc 19 l »Hugo Jürgas. Weißens», HewerZ- dorser Str. 55. »Max Zirkel, Rixdost, gdeal- pasiage 6. Frist Morist, FriedrichShagen, Wilhclmstr. 59. •H. Herzog, Lichtenberg, Blumen- thalstrvße 9. 'Nischewojf, Lichtenberg, Gürtelstr. 12 'Neuhoff. Rcinickendors»VI., Eich- bornstr. 54. 'Beständig, Rcinickendors-V., Eich- bornstr. 94. 'Adelt, Reinickendorf- F.. Kopen- Hagener Str. 1. -Arnold Hamacher, Köpnicker Str. 155/156, H. Krestner. Marianneniiatz 15, St. Rendschmidt, Kastanien-Allee 103 1. Knnkel. Mansteinstr. 14 I,»Hetnr. Beyer, Elbinger Str. 13,»Schachmann. WinSstr. 12, H Knrnicker. Neue Königftr. 17. Max Otto, Templiner Ctr. 12 pari., Laser. Landsberger Str. 91, Puttlist. Schliemannstr. 28 l. Paul Juhl, Bcrlin.Pankow. Roma» Roske, Chonner Str. 5, Göstrr. Melanchtonstr. 13, I. Blanzwir», Lolbrinacr Sir. 66/67 II, Cypra, Carmen-Sulva-Slr. 2. Behrend. Wcißcusce. Guitav-Adols-Slr. 17. Rethwisch. Wolliner Str. 42 II, Gorcstka, Chnstinenstr. 34. Max Jacoby, vlrelitzer«tr. 52 Part. ' AhrenS. Köpenicker Str. 165. Virchow, Kraulstr. 26a. Schulz, Libauer Str. 13. Außerdem sämtliche BerkanfSstelle» der Groheinkanssgescllschaft Hamburg.— Alle mit einem» versehenen Firmen haben Ladengeschäfte. i Aehtniig, Raucher! Kauft nur in solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: Ov>* Venii'sukSHSMSNn. Alwin Schnee, Große Hamburger Straße 18/19, befindet. Obigen Tariffirmen znr Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11—12 Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, dasz ivir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts' veröffentlichten Namen, Tarife mit unserem Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie, sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese grünen vilfts*6 l>0n entnehmen können. Dt? DertfltlttlwMrtlM. A. Schulze, Große Hamburger Str. 18/1». de, G.-E.-G. Hamborg '(▼•rmalH TabnUwrbeltep-Genonsenschaft) empfehlen zum Wrihnachtsfeste tn bekannter Güte und i« allen Preislagen folgende Gefchäfle: Franzstr. 7. O. Sveck. Gloganer Str. Iv. W. glmmennann ttnt«». KopernikuSstr. 11. Petersburger Str. S. Romtntcner Str. 18, Gast. Liebecke Thaerstr. IS. CbsrlottcnbarU. Canerstr. 29, P. Leichold. Korden. Chorin er Ztr. 53, Ad. Bordasch. Fehmarnstr. 8. HeniitgsdorferStr.lv, Paul Horn. Koriörer Str. 8. Wilh. Bredow. »uglerftr. 45, G. Radcmacher. »opeuhageuer Str. 2. LychenrrStr. l23,Hcnn.Holzhattcr Malplaquctstr. 14, Franz Buhl. Swinemündcr Str. 8». Bcteranenftr.«, Herm. Fischer. Slordonten. Lippehne» Str. 15. Max Hersorth. Nangarder Str. 39. ChmuewSki. ?i«>rdrr'e»ten. Bruffelftr. 37. Tb. Piau. Roiiocker Str. 49. 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Warenmankos ist die Hastung des Lagerhalters im allgemeinen davon abhängig, daß der Prinzipal ein Verschulden des Angestellten nachweisen kann. Die Rechtslage, insbesondere die Beweislast, ändert sich nicht, wenn Kaution hinterlegt ist. Denn Anspruch auf Zahlung für Manko erhebt der Ge- schäftsinhaber auch in diesem Falle, und wer einen Anspruch er- hebt, hat die Existenz seiner tatsächlichen Grundlagen zu beweisen. Leider nehmen aber einige Gerichte irrtümlich an, in solchem Falle habe der Angestellte, der seine Kaution einklagt, nachzuweisen, daß von dem ihm unterstellten Lager unrechtmäßigerweise Waren ent- fernt seien. Es wird also ein fast unmöglicher Beweis dem sein Geld zurückverlangenden Kläger auferlegt. Die zweite Kammer des hiesigen Kaufmannsgericht befolgt diese durchaus falsche, den An- gestellten nachteilige Praxis. In ihrer letzten Sitzung entschied sie in dies-m Sinne. Die Filialistin B. hatte von der Seifenfirma Gamball eine Filiale übernommen und 300 M. Kaution hinterlegt. Nach kurzer Tätigkeit sollte sie 263 M. Warenmanko gehabt haben,«so daß sie von ihrer Kaution nur 37 M. wiedersah. Die Klägerin beteuert in der Verhandlung, daß ihr das Manko ganz unerklärlich ist. Eine Aufnahmeinventur sei gemacht worden, aber eS sei ihr aufgefallen, daß der Geschäftsführer zur Lageraufnahme eine Person hinzuzog, deren Redlichkeit er selber in Zweifel zog. Der Geschäftsführer erklärte das dahin, das betreffende Fräulein hatte gar nichts mit der Inventur zu tun; es sollte nur dabeisitzen, um Augenzeugin der Zlufnahme zu sein. Da die Klägerin bestimmte Angaben in bezug auf einen even- tuellen Diebstahl nicht machen konnte, so erfolgte ihre Abweisung. Wer eine Filiale übernimmt, hieß es in den Gründen, und Kaution leistet, der muß auch für ein Manko auflommen. Wenn die Filialistin nicht nachweisen kann, daß andere Personen vom Lager etwas genommen haben, so haftet sie mit der Kaution, die ja gerade für derartige Eventualfälle gestellt wird. Die Begründung ist durchaus abwegig. Die Filialistin klagt lediglich ihre Kaution ein: sie hat nur zu beweisen, daß sie sie gestellt hat. Wendet dev Geschäftsinhaber ein, ein Manko sei vorhanden, so hat er zu beweisen, daß solches vorliege' und daß es auf Verschulden d«S KautionSstellers beruht. Die Beweislast um- drehen, heißt, die KautionSsteller schlechter als andere wegen Mankos Belangte stellen. Die etwaige Umkehr der BeweiSlast im Vertrag verstößt gegen die guten Sitten, weil sie eine Ausnutzung der wirtschaftlich schlechter Dastehenden bedeutet. Hoffentlich geht das Kaufmannsgericht bald zu der richtigen Praxis über, wie sie fast ausnahmslos von den ordentlichen Gerichten geübt und auch vom Reichsgericht bestätigt ist. (Siehe auch B. Beilage.) I form ein wenig aufriß. Das Vergehen des Angeklagten sei außer- .»rdentlich geringfügig und leicht. Er sei durch das rigorose Vor- 'gehesi des Beamten, der ihn in die Zelle sperrte und fesselte, ge- wissermaßen schon bestraft. Es sei auch zu berücksichtigen, daß der Angeklagte sich gekränkt fühlen mußte und erregt wurde, weil die Beamten seine Studentenkarte nicht als genügende Legitimation gelten lassen wollten. Aus diesen Gründen sei eine milde Strafe am Platze. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von fünf Mark verurteilt._ Jnseratenschwindel. Siebzehn Angeklagte beschäftigten gestern die 10. Straflammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Splett- stößer in einer bis zum Abend dauernden Sitzung. Es handelte sich um umfangreiche Betrügereien, die die Angeklagten in ihrer Eigen- schaft als Jnseratenaquisiteure, Kaufleute, Reisende usw. durch Auf- gäbe fingierter Aufträge unter Einziehung größerer Provisionen und durch allerlei schlaue Kunstgriffe begangen haben sollen. Nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme kam jedoch das Gericht nur zur Bestrafung des Hauptangeklagten, des Reisenden August von Mroczek-Gliwinski. Dieser wurde zu 1 Jahr 6 Monaten Gefäng- nis verurteilt, die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Die Spitzengarnitur der Prinzessin. Ein Prozeß der Baronin Brinke» gegen die Herzogin Marie von Koburg-Gotha bildete die Ursache zu einem Strafverfahren wider den Schriftsteller Dr. Julius Wernsdorf in Jena, der vom Landgericht Weimar am 28. Juli wegen übler Nachrede zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt, von der Anklage der versuchten Erpressung aber freigesprochen worden ist. Im Winter 1907/08 erteilte die Herzogin Marie von Koburg-Gotha der Baronin Blinken den Auftrag, ihr eine Spitzengarnitur zu besorgen; über den Preis derselben wurde nichts vereinbart. Als die Baronin B. in Erledigung des Auftrags eine hochfeine Garnitur besorgt hatte und für diese den respektablen Preis von 33 090 M. verlangte, ver- weigerte die Herzogin die Abnahme. Die Folge davon war, bah die Baronin einen Prozeß auf Abnahme anstrengte. Obwohl das Oberlandesgericht Jena am 11. Juli 1910 einen Vergleich vor- schlug, daß die Herzogin die Garnitur für 1BOOO M., den Taxwert der Sachverständigen, abnehmen sollte, weigerte sich die Baronin, auf diesen Vergleich einzugehen. Hinterher schloß sie aber doch bei dem Rechtsvertreter der Herzogin einen Vergleich, der aber einen großen Nachteil für die Baronin bedeuten sollte. Der Angeklagte nun, der hiervon Kenntnis erhalten hatte, nahm sich der Sache der Baronin an, um dieser zu ihrem Gelde zu verhelfen. Er schrieb zu diesem Zweck an den Rechtsanwalt der Herzogin einen Brief, in dem er den geschlossenen Vergleich als eine unehrenhafte Hand- lung des Rechtsanwalts bezeichnete und schwere Angriffe gegen die Justiz wegen„Verlogenheit und„Rechtsbeugung" erhob. Auf Grund dieses Schreibens ist er u. a.— ein anderes Verfahren schwebt noch— wegen übler Nachrede zu obiger Strafe verurteilt worden. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Revision einge legt. Das Reichsgericht verwarf diese am Freitag,„ (Siehe auch 1, Beilage.) ßmcbtö- Zeitung« Schwurgericht. Am Schwurgericht des Landgerichts l beginnt am Monkag eine auf 14 Tage angesetzte neu« Tagung. Unter den zur Verhandlung kommenden Anklagen nimmt die am 15. zur Verhandlung stehende gegen den Oberbnhnassistcnten Gustav Heinze wegen Verbrechens im Amte größeres Interesse in Anspruch. Der Angeklagte, der 44 Jahre alt und verheiratet ist, war mit der Fahrkartenvertäuferin Michaelis im Fahrkartenverkauf auf dem Görlitzer Bahnhof be- schäftigt. Die Michaelis wurde flüchtig, nachdem während ihres kurzen Urlaubs festgestellt worden war, daß sie etwa 7000 M. amt- licher Gelder unterschlagen hatte. Sie entleibte sich einige Tage später in Thale a. Harz, wo ihre Leiche gefunden wurde und ent- zog sich dadurch der Bestrafung. Fast gleichzeitig mit der Michaelis verschwand auch Heinze, der aber bald festgenommen wurde. Er hat insgesamt 14 375 M. unterschlagen, diese Summ« aber in Höhe von 7304 M. wieder gedeckt, indem er das Geld aus späteren Unter. schlagungen hierzu benutzte, teilweise hat er die Unterschlagungen durch falsche Buchungen verdeckt. Der Angeklagte ist geständig, be- streitet aber, im Einverständnis mit der Michaelis gehandelt zu haben. Am 18. und 19. wird sich der Bureauafsistent Otto Lüdicke vor den Geschworenen zu verantworten haben, der seit Jahren in dem Steuerburcau des Berliner Magistrats beschäftigt war. insbesondere mit den Rückzahlungen zu hoch erhobener Umsatzsteuern zu tun hatte und nach einem raffiniert ausgcdachten Plane durch geschickte Fälschungen und allerlei Bucksschiebungen es verstanden hat, Unter- schlagungen in sehr bedeutender Höhe zu begehen. Studenten auf der Polizeiwache. Zwei Studenten, die gemeinschaftlich mit mehreren anderen in Charlottenburg auf der Straße nächtlicherweile gelärmt hatten und von einem Schutzmann nach der Wache gebracht wurden, sollen sich daselbst des Widerstandes gegen Beamte schuldig gemacht haben. Einer der beiden Studenten ist bereits von der Anklage des Wider- standeS vor einigen Wochen freigesprochen worden. Gegen den anderen, namens Kerzendorf, der in erster Instanz ebenfalls des Widerstandes nicht schuldig befunden worden ist, wurde gestern m der Berufungsinstanz verhandelt. Hier ergab sich folgendes: Die Studenten widersprachen ihrer Sistierung, weil sie sich durch«hre Studentenkarten, die allgemein als ausreichende Legitimation den Behörden gegenüber gelten, genügend legitimiert glaubten. Trotz- dem mußten sie dem Schutzmann zur Wache folgen. Denn dieser wollte von den Sistierten auch ihre auf den Karten nicht angegebene Wohnung wissen, wiewohl diese die Polizei jederzeit vom Sekre- tariat der Universität hätte erfahren können. Die Sistierung war also lediglich ein Ausfluß der Bequemlichkeit der betreffenden Be- amten. Auf der Wache kam es wegen der Meinungsverschiedenheit hinsichtlich der Legitimation zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen den Beamten und den Studenten. Bei dieser Gelegenheit — so gibt der Angeklagte Kerzendorf an— habe ihn der Schutz- mann Wunsch mehrmals kräftig auf eine Bank gestoßen, ihn dann in eine Zelle gestoßen, mit Füßen getreten, am Halse gewürgt und schließlich an Hände» und Füßen gefesselt. Während dieses Auf- trittS habe er, der Angeklagte, allerdings Lärm gemacht, damit seine draußen befindlichen Kollegen hören sollten, oaß er mißhandelt werde. Nach seiner Freilassung habe er sich nach der Sanitätswache begeben. Da sei festgestellt worden, daß er Würgeinale am Halse, und Verletzungen am Arm hatte, eine Folge der ihm auf der Po-| lizeiwache widerfahrenen Mißhandlungen. Er und seine Kollegen seien von den Beamten auf der Polizeiwache„Schweine" und| „Lausejungen" geschimpft worden.„Euch werden wir kriegen, wir sind schon mit ganz anderen Leuten fertig geworden" hätten die Beamten gesagt... Der als Zeuge vernommene Schutzmann Wunsch sagte, er sei l bei der Personalienfeststellung eines anderen durch den Angeklagten gehindert worden, er, der Angeklagte, habe sich trotz Aufforderung nicht entfernt, der Zeuge habe ihn deshalb auf die Bank„gesetzt. Weil der Angeklagte ihm Widerstand leistete, habe er ihn ,n die Zelle gesperrt und gefesselt, aber nicht getreten. Das Gericht hielt für festgestellt, daß der Schutzmann Wunich in rechtmäßiger Ausübung des Amtes den Angeklagten auf die Bank niedergedrückt habe. Der Angeklagte habe dadurch Widerstand geleistet, daß er den Beamten an die Schulter faßte und dessen Uni- Versammlungen. Eine Abrechnung mit den Berliner Warenhäuser«. In einer Versammlung des Hilfsarbeiterpersonals referierte der Bezirksleiter über:„Der deutsche Transportarbeiterverband und feine Gegner." In der Diskussion über den beifällig aufge- nommenen Vortrag wurden die Verhältnisse in den Warenhäusern beleuchtet. Kleemaun gab einen Ueberblick über die Betriebe der Firma W. W e r t h e i m. Die Verhältnisse haben sich hier durch- weg gegen früher verschlechtert. Während bei der Gründung der Firma Verheiratete mit 125 Mk. monatlichem Gehalt etnaestellt wurden, erhalten sie jetzt nur 115 bis 120 Mk. In einzelnen Fällen werden sogar an Verheiratete nur 110 Mk. gezahlt. Unverheiratete erhalten bis zu 23 Jahren 80 bis 100 Mk., über 23 Jahre 105 Mk. monatlich. Auch die Arbeitszeit wurde verlängert. Während früher Sonnabends um 8 Uhr geschlossen wurde, wird jetzt Sonnabends immer erst um>49 Uhr geschlossen teilweise auch noch später. Ueberstunden werden demenesprechend auch erst von 9 Uhr ab be- zahlt. An Schaffner werden überhaupt keine Ueberstunden befahlt, obgleich sie meist immer erst sehr spät zurückkommen. Das Mittag- essen für Angestellte ist auch verteuert worden. Im Anfang mußten 50 Pf. dafür bezahlt werden. In diesem Jahre wurde der Preis zunächst auf 55 und dann auf 60 Pf. erhöht. In letzter Zeit scheint die Firma auch mit der Maßregelung organisierter Arbeiter be- ginnen zu wollen. Im Passagc-Kaufhaus sind jetzt 9 organisierte Arbeiter entlassen worden mit der Begründung, es herrsche Arbeits- mangel. An den Arbeitsmangel jetzt, kurz vor Weihnachten, glaubt keiner der Angestellten. Pollmeier schilderte die Verhältnisse bei Jandorf und Tietz. ES sei zwar UsuS, daß man Firmen, mit denen man im Vertragsverhältnis stehe, mit der öffentlichen Kritik verschone, aber die Firma Jandorf hat bei den wiederholten Verhandlungen wohl alles mögliche versprochen, aber das AufsichtSpersonal der einzelnen Betriebe richtet sich nicht nach diesen Versprechungen.— Als 1908 der Achtuhrladenfchluß obligatorisch eingeführt wurde, hofften auch die Kollegen bei Jandorf, daß dadurch eine Arbeitszeitverkürzung eintreten würde. Im vergangenen Jahre wurde dann bei VerHand- langen mit der Geschäftsleitung die Arbeitszeit so geregelt, daß dieselbe möglichst spätestens um 8?� Uhr beendet sein muß. Trotz- dem wurden aber die Hausdiener bis 9 Uhr und weit darüber hin- aus beschäftigt. Allerdings nicht immer in den Betrieben selbst, aber sie müssen beim Nachhausegehen häufig Pakete zum Bestellen mitnehmen, waS in den meisten Fällen längere Zeit in Anspruch nimmt. Die Behandlung und Schikanicrung durch einzelne Vorgesetzte hat ebenfalls häufig zu Klagen Anlaß gegeben. Hm schneidigsten gebärdet sich der Herr Inspektor Schal lert vom Kottbuser- dämm. Dieser Herr ist auch einer der eifrigsten Agitatoren für den gelben Verein. Bei der Firma Tietz sind die Arbeitsverhältnisse wohl die schlechtesten in der Warenhausbranche. Die gesetzlich festgelegte Mindestruhezeit von 11 Stunden täglich wird von der Firma nicht beachtet. Eine Ibstündige Arbeitszeit ist hier an der Tagesordnung. Die Arbeitszeit der Schaffner dauert meistens bis in die sinkende Nacht. Auch Sonntags hat man um 6 Uhr nachmittags noch Autos unterwegs angetroffen. Die Organisation wird in diesem Hause nicht geduldet. Die Angestellten sollten aber erkennen, daß nur durch eine straffe Organisation die Verhältnisse gebessert, werden können. In anderen Städten ist es auch möglich gewesen, mit der Firma Tietz Tarifverträge abzuschließen, eben weil tzort die An- gestellten gut organisiert waren. Mit einigen anderen Firmen beschäftigte sich Fröhlich. Er teilte mit, daß auch die Firma Rudolph Hertzog jetzt anschei- nend versucht, den lästigen Transportarbeiterverband aus ihrem Be- triebe zu entfernen. Sie hat nach scharfmacherischer Art mit der Maßregelung eines Kollegen begonnen, der für den Verband tätig war. Auch über das lange Austragen von Paketen, wurde in letzter Zeit viel geklagt. Geklagt wird auch über die Firma Hahn am Alexanderplatz. Bei einer ausgedehnten, langen Arbeitszeit zahlt die Firma nach Abzug der Kranken- und Jnvalidenbeiträge den fürstlichen Lohn von 21,16 M. wöchentlich. Ein Inspektor, unter- stützt durch ein gut eingerichtetes Spitzelsyftcm, wacht mit Argus- äugen, daß keiner der Angestellten sich der Berufsorganisation an- schließt.— Der bei der Firma Grünfeld. Leipziger Straße, neueingestellte Inspektor, unter dessen Schneidigkeit die im Hause tätigen Diener sehr zu leiden hatten, wird seine Lebensstellung in diesem Hause aufgeben.— Wiesele schilderte die Verhältnisse bei der Firma A. Wert« heim. Die Löhne sind auch hier ziemlich niedrig. Sic schwanken zwischen 90 bis 115 M. bei Unverheirateten und 120 bis 125 M- monatlich bei Verheirateten. Zulagen werden nur an einzelne nach Gunst gewährt. Ueberstunden werden bis 8 Uhr 40 Min. nicht be- zahlt, wird länger gearbeitet, so werden von'A9 Uhr, an Tagen, wo länger geöffnet ist, von 9 Uhr an Ueberstunden bezahlt. Schaff- ner erhalten auch hier keine Ueberstunden bezahlt, obgleich sis täglich länger arbeiten müssen, oft bis in die sinkende Nacht. Der Urlaub ist durchschnittlich um 3 Tage gekürzt worden. Auch die Lebensmittel für ihre Angestellten hat die Firma verteuert. Ein Teller Suppe kostete für diese früher 10 Pf., jetzt 15 Pf. DaS Mittagessen kostet mit Bier 75 Pf. Außerdem büßen dieimgeu. die im Hause essen, 54 Stunde ihrer Tischzeit ein, so daß in Wirk- lichkeit das Essen mindestens 1 M. kostet. Die sanitären Verhält- nisse lassen viel zu wünschen übrig. Vor allen Dingen gibt die DienerÄoilette im Keller Anlaß zu Klagen. Diese Toilette wird ziemlich stark benutzt, da auch die gesamten Lieferanten und Kutscher sie frequentieren müssen. Trotzdem existiert hier keina Spur von Ventilation. Ein Fenster, das nach dem Hof geht, ist oben mit einem Gitter abgedeckt. Dieses Gitter ist fast ständig mit allen möglichen Sachen vollgestellt. Auch die Ärbeitsräume im Keller, in denen sich die Stadtexpedition und die Packerei der Sammelstelle befindet, sind polizeiwidrig. Bei Revisionen werden diese Räume denn auch immer für Lagerräume ausgegeben. Um die Betriebskrankenkasse nicht allzusehr zu belasten, muß sich jeden bei der Einstellung einer ärztlichen Untersuchung unterziehen. So- bald der Arzt irgendwelche Bedenken hat, wird der Betreffende nicht eingestellt. Um den Profit noch zu erhöhen, werden jetzt junge Burschen als Schaffner mit einem Wochenlohn von 16,50 bis 17 M. eingestellt.— Die Organisation wird selbstverständlich in diesem Hause nicht geduldet. Dieselbe ist trotz alledem doch schon so stark im Hause, daß die Firma sie trotz aller Verfolgungen nicht mehr aus ihren Betrieben entfernen kann. Die Versammelten nahmen einstimmig eine Resolution an, nach der sie in dem deutschen Transportarbeiter-Verband diejenige Organisation erblicken, welche mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln die wirtschaftliche sowie geistige Hebung der in den Kauf- und Warenhäusern beschäftigten Kollegen anstrebt.— Am Schlüsse der Versammlung wurde bekannt gegeben, daß die Firma W. Wert- heim für ihre Angestellten ein Vergnügen veranstaltet, welches am 10. Februar in den Kammersälen, Teltower Straß«, statt-- finden soll. Diele Säle sind für die Arbeiterschaft gesperrt, des-- wegen müssen alle Karten zu diesem Vergnügen zurückgewiesen und auch die Mitarbeiter darauf aufmerksam gemacht werden!. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter �Filiale Gross« Berlin) hielt am Donnerstag im großen Saal des Gcwerkschafts- Hauses eine außerordentliche Generalversamm- lung ab.—„Die Gemeindearbeiter und die ReichstagSwahlen", lautete der erste Punkt der Tagesordnung. Der Parteisekretär Otto Braun hatte das Referat. Dem letzten Reichstag, der jetzt nach unrühmlicher Tätigkeit seiner Mehrheit ein sang- und klang- loses Ende erreicht habe, widmete er einen wirkungsvollen Nachruf. Dabei gedachte er auch eingehend der Tätigkeit der Liberalen, speziell der Freisinnigen Volkspartei. Ueber deren oppositionellen Redensarten dürfe man nicht vergessen, daß erst die Liberalen den schwarzblauen Block zur Mehrheit verholfen hätten. In einer Reih« von Wahlkreisen hätten sie seinerzeit zugunsten der Konservativen den Ausschlag gegeben, um dann auch eine ganze Weile mit Junkern und Funkergenossen zu gehm Sie hätten auch gar zu gern das Geschäft der Aufhalsung von 400 Millionen Steuern auf die Schul« tcrn der Schwachen mitgemacht, wenn mit 100 Millionen die B:« sitzenden bedacht worden wären. Erst als das nicht eintrat, hätten sich die liberalen Herren wieder auf ihre„Gesinnung" besonnen. Daran müsse man sich erinnern, wenn sie in Berlin so sehr auf ihre oppositionelle Haltung gegenüber dem schwarzblauen Block pochten. An einer Reihe von Beispielen zeigte Redner, daß sie noch öfter als ihren Parteinamen ihre Gesinnung geändert hätten, so wie ihr ganzes Verhalten sich stets nach Zweckmäßigkeitsfragen richte und nicht nach Grundsätzen. Mit Recht hätten ihnen die Konservativen entgegengehalten, warum sie nicht, wie für den Landtag, für die Kommunen das ReichstagSwahlrecht forderten. Da erklärten die Freisinnigen: Ja, das sei ganz etwas anderes? Für sie sei es„ganz etwas anderes" überall da. wo sie wirklichen Einfluß hätten. Gerade die Versammelten, die Gemeindearbeiter, wüßten, wie es mit den Taten der Freisinnigen stehe. In den Parlamenten träten sie für die Aufrechlerhaltung deS KoalitionS- rechts ein. Aber sie scheuten sich nicht, in Kommunalbctrieben diejenigen Arbeiter, die wirkungsvoll und mit Nachdruck von ihrem Koalitionsrecht Gebrauch machten, in schlimmster Weise zu drangsalieren. Das geschehe ja nicht so offen und brutal, aber von hinten herum. Wie gerade mit Bezug auf die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse von Kommunal- arbeitern die Worte und Taten der Freisinnigen in Widerspruch getreten seien, zeigte Redner an einem eklatanten Beispiel auS Königsberg i. Pr., wo er als Stadtverordneter gewirkt hat. Aus all den Kämpfen, die im verflossenen Sieichstag geführt worden wären, ergebe sich, daß lediglich auf die Sozialdemokraten Verlaß sei. Wer der nimmermüden RüstungS- und ausbeuterischen Hungerpoliti? von Grund aus begegnen wolle, wer für eine Siche- rung der freien Entfaltung des deutschen Volkes sei, der müsse für die Sozialdemokratie bei den Wahlen eintreten. Es gelte zu zeigen, daß die„Niedergerittenen" von 1907 fest im Sattel säßen und lustig vorwärtSreitcn könnten.(Stürmischer Beifall.) ES folgte eine kurze Diskussion im Sinne des Referats. Der Vorsitzende W u tz k i begründete dann den Antrag de« Verwaltung auf Anstellung eines weiteren Bureaubeamten. Dies» rechtfertigt' sich im Hinblick auf die Mehrarbeit, die erwachsen ist aus dem Steigen der Mitgliederzahl seit Ende 1906, seit welcher Zeit eine Vermehrung der Zahl der Angestellten nicht erfolgt ist. Damals waren es 4909 Mitglieder und am Ende des Jahres 1911 werden es zweifellos 8500 sein.— Nachdem einer der Revisoren für den Antrag eingetreten war, wurde er gegen 2 Stimmen an« genommen. Der Vorstand hat die Stelle auszuschreiben. Man er» ledigte noch einige Verbandsangelegenheiten. Zentralverband der Handlungsgehilfen und- gehilfinnen Deutschlands, Bezirk Groß-Berlin. In den am Donnerstag und Freitag in den verschiedensten Stadtteilen Berlins sowie in den Vororten abgehaltenen Versammlungen wurde nach eingehender Debatte folgende Resolution unter großem Beifall der Versam» ineltcn angenommen: „Die Versammlung des Zentralverbandes der HandlungS- gehilfen und-gehilfinnen Deutschlands wendet sich gegen die Be- strebungen, die darauf hinauslaufen, durch Gründung neuer Ver- eine die HandlungSgehilfenbewegung weiter zu zersplittern. JnS- besondere betrachtet es die Versammlung als eine Schädigung der Gehilfeninteressen, daß durch die vom Bund der technisch- industriellen Beamten erfolgte Gründung des Bundes der kauf- männischen Angestellten neuer Zwist unter die kaufmännischen Angestellten getragen worden ist. Die Versammelten verurteilen diese neue organisatorische Absplitterung um so mehr, als diese nicht etwa auS den Kreisen der Handlungsgehilfen selbst hervor» gegangen, sondern vom Bund der technisch-industriellen Beamten künstlich verursacht worden ist. Des weiteren verurteilt die Versammlung das Verhalten der Demokratischen Vereinigung. Diese läßt es zu. daß führende Mitglieder Gcwerkschaftszersplitterung betreiben und begünstigt dieselbe durch ihr offizielles Organ„Das freie Volk". Daran können auch die Perössentlichungen der Demokratischen Pereioi« fiiTfi, daß sk an»er au» parteipolitischen Gründen beabsichtigten rennung von Angestellten und Arbeitern nicht mitschuldig sei, nicht» ändern. Die Versammlung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sowohl die Handlungsgehilfen al» auch die technischen Angestellten sich nicht verleiten lassen, diesen Treibereien Vorschub zu leisten." Ilrvetter» Siperant»- Plereinignng Grog- Berlin. Vruvpe Zentrum FreilegS 8s/, Uhr, Nesiauranl Tröbel, Blentenielde-Str 10. — Gruppe Moabit. Freitags 8'/, Uhr, Restaurant Frosch,»otzkowSky. straße 36.— Gruppe R i x d o r>. Dienstags 8 Uhr, Restaurant Kuhlmey, Steinnietzstr. 84. Allgemeine Familiensterbekasfe. Heut« Sonntag soll 9—• Uhr Ackerstr. 133 bei W ernicke: Zahl- und Ausnahmetag. QClochen-Spielplan der Berliner Cbeater. Kbntgl. Opernhaus. Sonntag: Di» Meisterftug« oon AOrnierg. Nlnfang 7 Uhr.) Rontag: Sinfonielonzert. Dienstag: Der Rosenkavatier. Rmwoch: Der Prophet Donnerstag: Die Entführung an» de« Serail. Freitag: Der Rosenkavalier Sonnabend: Fidelio Sonntag: Der Rosen- kavalier. Montag: Sinsoniekonzert(Ansang 7»/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der Bettler von Syrakus. Montag: Die Geschwister. Rod. GutSkard. Der zerbrochene Krug Dienstag: Dt« Welt, in der man sich langweilt. Mittwoch: Die Rabenfteinerin. Donnerstag: Der Schlagbaum. Freitag: Dr. Klaus Sonnabend: Der gehörnte siegsried Sonntag: ftrietnhiidS Rache. Montag: Die Ge- schwtfter. Rod GrriSkard Der zerbrochene Krug(Ansang 7'/, Uhr.) Neues königt. Operniheater. Sonntagnachmittag 3st, Uhr: Faust, 1. Teil. Abends: Ein SommernachtStraum(Anfang 8'/, Uhr.) Montag und Dienstag: Geschlossen. Mittwoch: Dr. KlauS. Donnerstag bis Sonn» abend: Geschlossen Sonntag: Der Troubadour. Montag: Der ein- gebildete Kranke.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Turandol.(Anfang Tj, Uhr.) Montag: Faust, 2. Teil.(Ansang 6'/, Uhr.) Dienstag: Turandot Mittwoch: Penthesilea Donnerstag: Turandot Freitag: Ostiziere.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Turandot. Sonntag: Offiziere. Montag: Faust, l. Teil. «ammerspiele. Sonntag: Die Kassette. Montag: Friibbng« Erwachen. Dienstag: GygeS und sein Ring Mittwoch: Nathan der Weise. DonnerS- tag: Die Kassette Freitag: Frühling» Erwachen Sonnabend: Rathan der Weise. Sonnlag: Sumurün Montag: Die Kastette(Ansang 8 Uhr.) Lessing.Tdeatrr. Sonntag: Gudrun. Montag: Glaube und Heimat. Dtendtag bis Donnerstag: Gudrun. Freitag: DaS weit« Land. Sonn- abend und Sonntag: Gudrun. Montag: Glaube und Heimat.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag: Ein Fallissement. Abend«: Die Ahnengalerie Montag: Bummelstudenlen. Dienstag bi« Freitag: Die Ahnengalene Sonnabendnachmittag: Ein Fallissement. Abend» und Sonniaa: Die vhnengalerte Montag: Bummelstudenten.(Ans. 8 Uhr.) Restdenz-Theater. Bis aus weiteres täglich: Ein Walzer von Chopin. (Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Wafienschmieb. Abends: Die RegtmentStochter. Montag: Der Troubadour. Dienstag: La Travtata. Mittwoch: Die RegtmentStochter. Donnerstag: Rigoletto.. Freitag: Der Freischütz. Sonnabend und Sonntag: Der Barbier von Sevilla. Montag: Die RegimenlStochter.(Ansang 8 Uhr.) Kurfürsten-Oper. Sonntag: Die lustigen Weiber oon Wwdsor. Montag: Philemon und Baucls. DtenSIag: Die lustigen Weiber von Windsor. Mittwoch: Philemon und BauctS. Donnerstag und Frestagj Die lustigen Weiber von Windsor. Sonnabend: Philemon und BauctS. Sonn- tag: Die lustigen Weiber von Windsor.(Ansang 3 Uhr.) Montag: Un- bestimmt. Neue» Schauspielhaus. Sonntag: Hans SonnenstötzerS Höllen« fahrt. Montag: Agnes Bernaucr. Dienstag: Alt-Hetd-lberg. Mittwoch- nachmittag: Aschenbrödel. Abend» und Donnerstag: HanS EonnenstösierS Höllensahrt. Freitag: Agnes Lernauer. Sonnabendnachmittag: Aschenbrödel. Abends: HanS SonnenstösicrS Höllenjahrtt Sonntag und Montag: Agnes Lernauer.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Soniilagnachmittag 3 Uhr: Angele, l. Klaffe. Allabendlich: Gentz und Fanny Elffler. HockenjoS. LottchenS Geburtstag. (Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Der fidele Bauer. Allabendlich: Das Mädel von Montmartre.(Ansang 8 Uhr.) Schiller> Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Urbild de» Tartüff. Abends: Zapsenstreich. Montag: Don EartoS. Dienstag und Mittwoch: Die Wildente. Donnerstag: Don Carlos. Freitag: Die Wild- IT ente. Sonnabend: Wilhelm Test. Senntng: Die»Meute. Ronlag: König Heinrich.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater ikharlottenbnrg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Maskerade. Montag und Dienstag: Madame SanS-Gsne. Mittwoch und Donnerstag: Maskerade. Freilag: Madame SanS-Gßn«. Sonnabendnachmittag: Prinz Friedrich»an Homburg. Abend»: ES lebe da» Leben. Sonntag: Madame EunS-Gsne. Montag: Maskerade(Aiisang 8 Ubr.) Friedrich- Wilhelmstädttsche» Schanspielhau». Eonntagnach- mittag 3'/, Uhr: DaS Käthchen von Heiltronn. Abend» bi» Mittwoch: Sherlock HolmeS. DonnerSiag bis Montag: Sherlock Holme»(Ans. 8 Uhr.) Theater in der«öniggrützer Straffe. Sonnlagnachmittag 3Ubr: Ein Fallissement. Allabendlich: Svielereien einer Kaiserin.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 31/, Uhr: Die Dame in Rot. Abends bis Dienstag: Fatinitza Mtttwochnachmitlag: Max und Moritz. Abends bis Freitag: Fatinitza. Sonnabendnachmittag: Max und Moritz. Abend» bis Montag: Fattnitza.(Ansang 8 Uhr.) Thatia-Thearer. Sonntag. Montag, Dienstag: Polnische Wirtschaft. Mtttwochnachmitlag: Rotläpschen. Abends, Donnerstag, Freitag: Polnische Birtschasl. Sonnabendnachmittag: Schneewittchen. Abends, Sonntag, Montag: Polnische Wirtschast,(Ansang 8 Uhr,) Luftspieldau». Sonnlagnawi-nttag 3 Uhr: Renatffan«. All« abendlich: Di« Vergnügungsreise.(Ansang 8 Uhr.) Renes Operetten-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Allabendlich: Die moderne Eva.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Francillon. Täglich: Mein Baby.(Ansang 8 Uhr.) Lnisen-Thcater. Sonniaanachmitia» 3 Uhr: Die Macht der Liebe Abends: Wir tanzen durchs Lebe». Wontag: Traumulu». Dienstag:. Baroneff« Claire Mittwoch: Ausgewiesen Donnerstag: Baronesse Claire, ' ettag: In Dunkel gehüllt. Sonnabend: Baroneffe Claire. Sonnlag: Dunkel gehüllt. Montag: Wir tanzen durchs Leben.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Tbcarer. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Rotkäppchen. Abends und Montag: Die grötzte Liebe. Dienstag: Kasernenlust. Mittwoch: Die gröffte Liebe. DonnerSiag: Die Barbaren. Freitag: Die größte Liebe. Sonnabend bis Montag: Faust, t Ansang 8 Uhr!) Bello-Alliaurr-Theater. Sonntagnachmittag 31/, Uhr: Othello. Abends. Nanenspiel(Ansang 8 Uhr.) Montag: Minna von Barnhelm. Dienstag: Narrenspiei. Mittwoch nachmittag: Aschenbrödel. Abends: Rarrensptel. DonerStag: Othello. Freilagnachmtttag: Aschenbrödel. AbendS: Narrenspiel. Sonnabendnachmittag: Dornröschen. AbendS: Zapsenstreich. Sonnlag: Die Räuber.(Ans. 8 Uhr.) Montag: Zapsenstreich.(Ans. 8'/, Uhr.) Reneö BolkStheater.(Neue Freie Bollsbühne.) Sonntagnachmittag: Da» Vermächtnis. Abend»: Geographie und Liebe. Montag: Leiden- schast. DicnSlag: Geographie und Liebe. Rtttwochnachmittag: Das Zauber, glückchen AbendS: Letdenschast. Donnerstag: Geographie und Liebe. Freitag: Leidenschaft. Sonnabend: Geographie und Liebe. Sonntag: Leidenschast.(Anfang 8 Uhr.)■. Casino-Tdeater. Sonntagnachmittag 31/, Uhr: Dle Tochter de» SträslmgS. AbendS lägtich: Der Kamps umS Dasein.(Ansang 8 Uhr.) Meiropot- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Miß Helyett. Allabenlich: Die Nacht von Berlin.(Ansang 8 Uhr.) Folies Gaprice. Allabendlich: MandelblüthS Polterabend. Waffen- Übung. Losgelassen.(Ansang 8'/t Uhr.) Herrnfeld Theater. Taglich: DaS Kind»er Firma. Schmerzlose»e- Handlung.(Ansang 8 Uhr.) Apollo-Tdeater. Eonntagnachmtttag 3*1, Uhr: Tpeziatittten. Täglich: Spezialitäten(Anfang 8 Uhr.) ZirtuS Busch. Sonntagnachmittag 9*1, Uhr: Groß» Borstellung Täglich: Gala-Borstellung.(Ansang Vi, Uhr.) Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3st, Uhr: Groß« Bor- stellung. Täglich:«ala-vorstellung.(Ansang 7'/, Uhr.) Carl-Haverland-Thealer. Täglich: Spezialttaten(Ansang 7'), Uhr.) JntimeS Theater. Täglich: Der Brandstitter.(Ansang 8'/, Uhr.) Walhalla. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Prinz und Betllerin All- abendlich: Teusel, da» hat eingeschlagen!(Ansang 8'/, Uhr.) Pafia ge. Tbeaier. Täglich: Spezialitäien.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Reichshallcu-Theater. Täglich: Sletttner Sänger.(Ansang 8 Shr, Sonntags 7 Uhr.) Urania- Theater, Taubenstr. 48/43. Sonntag und Montag: Bon Meran zum Ortler. Dienstag: Durch Java. Slam und Johore. Mitt- woch i Ueber BererbungSgeletze. Donnerstag bis Sonntag: Bon Meran zum Ortler.(Ansang 3 Uhr.) Montag: Unbestimmt. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Kaiser-Panorama. 2. Reffe in Bosnien und Herzegowina. Die sonnige Psaiz am Rhein. Königftadt-Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Outttnnz. Für den Berew.«rbeiter�ngendhet»-»tu««» bot be» Unterzeichneten ein: S,20 vom Bezirk 6ßlb des VI. Kreise«. 10,— von den Arbeitern der Firma Tengelmann. 4,35 von den Kollegen der National- Registrier- Kaffengesellschast, 8,— Kranzüberschutz von den Arbeitern der Turbmensabrik A, E, D.. Huttenstraße. 5.— Ueberschuß einer Kranzsvendc von den Arbeitern der Firma Frister u, Roßmann. 15.— oon den Arbeitern der Firma Birchow. 8,— vom Bezirk 752 des VI. Wahlkreises, 4.60 vom Bezirk 649 des VI. WablkreiseS(Kranzüberschuß). 7.— aus der Sechserkasse der organisierten Arbeiter der Firma Johannes Haus, Blumenstraße 32. 5,50 von den Arbeitern der Maschtnensabrik Schenk u. Hetzde. 2.50 gc- sammelt aus der-Geburistagsseier der.Tante Anna'(durch Siaßsurt). 1,30 Schneider, Hausdiener. 55,—»Thiio'sche Chöre" vom Jugendkonzert in der Neuen Welt(durch Paul Kupfer). K. Rosenseld, An der spandauer Brücke 1». ßridfftaften der Redaktion. »te lariotsche«vre««»»»» st»»««laSeape»»« Bf, ftn Stt» — lyatzrftayl—,»»qrvtjtglia,•»«H H» 714 llSr«StnM, AraaaScak«, »OB 414»is« Uhr-send»«ott. Zeder f*t den Brieffefttn besttnlnlten«nfi««« ist ein vnäiftabe and eine Zahl al« Oerlzetlyen»eiznfSgen. Briefliche Ann-xrt wird nicht ctteilt. Anfragen, denen leine AbonnementSgnitmng beigefügt tft, werden nicht»c-ntwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. M. 91. 77. 1. Die Steuer ist nur filr die Zell bi» Ende Dezember dieses Jahre» begründet, affo tn Höhe von 3,15 M. Reklamiere» Sie wegen des Mehrbetrages. 2. Die Frau kann zur Hälfte sür die Zeit bi» ein- schließlich Dezember 1912 veranlagi werden.— M. N. IV. Machen Sie am zweckmäßigsten eine Eingabe an daS Polizeipräsidium.— R. W. 100. Falls sie das Schriftstück unterschrieben haben, sind Sie zahlungspflichtig, andernfalls nicht.— T. 50. Ihnen steht nur daS Kündigungsrccht zu; weitere Rechte habe« weder Sie noch Ihre Frau.— R. L. 15. Sie können noch beim KaufmannSgerichi klagen. Das Zeugnis darf sich nur aus die gewünschten Punkte erstrecken.— K. 5. Unseres ErachtenS: Nein.— Max Jordan. Ja.— K. W. LS. Wenden Sie sich an das Bczirkskommando. K. R. LI. Ja.- A. G. 14. 1. Ja. 2. und 3. Bor Zahlung besteht kein RückforderungSrecht.— Gmil 110. 1. Zuvor muß die Sbe geschloffen sew. 2. AusgcbotSsrist beträgt zwei Wochen.— F.«. 400. t Die Skala liegt uns nicht vor. 2. Eijenbahndircktton Berlin, Schöneberger User 1— 4. 3. Klage. 4. Nein.— M. M. L7« 1. Bei Wahrnehmung de» vor- geschriebenen publizierten Termin« lostenlo«, sonst nicht. 2. Net».— R.B. 100. 1. Ja. 2. Nein.- P. SO. 1. Ja. 2. Kostenlos.- G.«. 17. Sie find für den wirklich entnandenen Schaden ersatzpflichttg. Für die Kosten de» Paneel- und Fußbodenanftrichs dürsten sie nicht ersatzpflichtig sein. O. W. 0. l. Ja 2. Er sowohl wt« Sie könne» den ausgefallenen Betra» von dem jetzigen Besitzer bezw. dessen Erben fordern. 3. Neue Kündigung nicht erforderlich. Die Hypoibekcnsorderung kann jederzeit nach dem 19. De- zember auSgeNagt und aus Grund deS Urteils kann die Zwangs- Versteigerung beantragt werden.— O. R. 3. 1. Nur mit Zustimmung sämtlicher Miterben. 2. Beerdigungskosten sowie BersäumniSkoften werden oon der Nachlaßmaffe vorweg gekürzt. 3. Nein.— F. G. 10. 1. Ja. 2. Einen Monai nach Zustellung des Urteil». 3. Wenn da» Kind in Berlin geboren ist und in Berlin erzogen wird, Mindestsatz 25 M. 4. Nein. — Fahrschein 3300. Die Mutter ja, sosern Sie deren vollen oder über- wiegenden Unkerhall bestritten haben.— R. M. 3. Unverständlich. Kommen Sie in die Sprechstunde.— A. H. IL. 1. Sie find zur Nach- zahiung oerpflichtet. 2. Pfändung zuläsfig: Landtags- und Gemeindewahl- recht wird beeinträchtigt.— P. 100. Die Halbschwester ein Sechstel, die Kinder der beiden Bollschwestcrn zusammen suns Sechstel.— A. P. 333. Die vorzeitige Kündigung wirkt zu dem vertraglich zunächst zulässigen Kündigungstermin, hier also zum l. April. Die Bcstchttgung der Wohnung brauchen Sie erst vom 29. Dezember ab zu geitatten.— I.«. 43. 1. Nur dann, wenn die geschwängerte Frau verwitwet oder geschieden ist, oder, falls fie verheiratet ist, der Ehemann mit Erfolg die Ehelichkeii des Kindes anficht. 2. Erst nach rechlSkrästiger Scheidung der Ehe. — A. B. 1. Ja. soweit die Lohnforderung l25 M, monatlich oder 28,85 M, wöchentlich übersteigt.—«.«7. Wenn im Termin Bersänmnis- urleil wegen der Kosten ergangen ist. läßt fich dagegen nichts tun.— 1. Herbert. Sie sind zahlungspflichtig, haben aber u E. einen ErstatiungS- anspruch an den Vermieter.— H. I., Zellestraffe. Sie haben auch sür den Fall des Konkurses Anspruch aus die gesetzliche bezw. vertragliche Kündigungsfrist. Die etwaige Lohnforderung ist als bevorrechtigt zu de» Konkursatten des Amtsgerichts anzumelden.— Markthalle II St. 479. Nein.— K 25. 1. New. 2. Ja, wenn ste Einwendungen oder Widerklage erheben will. 3. Geschlechtlicher Berkehr. 4. Ja. 5. Ein Tag, sechs Monate. Bewegung am Zeitsrage , am Cri Oeutsclier Taliakarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. WonnerSkag, den 14. Dezember, abend» 0 Uhr. Mitglieder-Versammlung im�-Rosenthaler Hof«, Siosenthaler Straffe 41/1S. Tagesordnung: 188/12* gen". Referent: Max Kiesel. 2.»Der Stand der Orte". Rcseeent: Alwin Schulze. 3 Verschiedenes. jk�jT" Das Erscheinen aller ist Pflicht G-G Ztzie OrtsverwaitiEiig. Allgemeine Qrts-Krankettkasse für Rixdorf. Gemäß S 67 des Kaffenstatilis machen wir hierdurch iekamll, daß die beiden bisherigen Vorstandsmiiglieder 1. der Brauer Herr Jakob Nrnmeter, 2. der Schneidcnneister Her: Franz PoftnSkt» wegen Verlustes der Wählbarkeit seit dem 17. November 1211 au« dem Kaffcnvorstande ausgeschieden sind. An Stelle der Genannten sind die Herren Plältereibefltzer Eugen Kndsch als Arbettgeber, Maschinenmeister Gustav Porath als Arbeilnehmer, durch die Generalvcrsamm.ung in den Vorstand gewählt worden. Rtxdors, den 8. Dezember 1911 ■Icr KnsHenvorstanO. _ gez. Schulte, Vorsiiender gez Walter, Schristsührer. 283/10 sind ohne Frage alle Hautun- reiniakeitcn und HaulaubschtSge. wie Mitefler. Blürchen. Finnen, Röte bei Sefichli je. Daher gebrauchen Sie nur die allein echt» StgckenpferMeenMei-Selfe m Beipann» Ci, todtbeol, i Stück SO Pf. Lerne» macht der Cr««in..D«a»,'(Llltenmllch-Cre«m) rote und spröde Haut In einet Nacht weiß und saminetweich. 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Wir machen nochmals auf die morgen, Man- tag, abends Uhr in den„Prachtsälen des Westens", Spichern- siratze 3, stattfindende Volksversammlung aufmerksam. Genosse Hugo Heimann-Berlin spricht über:„Bürgertum und Sozialdemo- kratie". Um zahlreichen Besuch bittet Der Einberufer. Dritter Wahlkreis. Heute, Sonntag, abends Uhr, findet im Gewerkschaftshaus(grotzer Saal) eine Versammlung für Männer und Krauen statt. Di« Genossin Friedländer wird über: ..Die Frauen und die Reichstagswahl" sprechen. Nach der Ver- sammlung gemütliches Beisammensein. Vierter Wahlkreis. Am Sonnabend, den 18. Dezember, findet ein Theaterabend' statt. Zur Ausführung gelangt:„Tie Weber" von G. Hauptmann. Billett SO Pf. Anfang pünktlich 8� Uhr. Die Saaltüren bleiben während der Borstellung geschlossen. Kinder haben keinen Zutritt. Billetts werden nur soviel ausgegeben, als Plätze sind. Der Vorstand. Fünfter Kreiö. Das Wahlbureau befindet sich ab Montag, den 11. Dezember, Linienstraße 199a I. Es ist werk- täglich von 9—8 Uhr geöffnet. Fernsprecher: Amt Norden 4632. Nebenanschluß. Das Wahlkomitee. Schönebvrg. Dienstag, den 12. d. M.. abends 7>/2 Uhr: Flug- blattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Die Genossen und Genossinnen wollen rechtzeitig und vollzählig erscheinen. Der Vorstand. Friedenau. Die Flugblattverbreitung findet am heutigen Sonntag nicht statt. Der Vorstand. Zehlendorf(Wannseebachn). Mittwoch, den 13. d. M.: gemein- fchaftlicher Zahlabend bei Benno Mickley, Potsdamer Strasse. Der Borstand. Gr. Lichterfelde. Die Flugblatwerbreitung findet für unseren Ort Dienstag, den 12. Dezember, abends 7 Uhr, von den bekannten Lokalen aus statt. Der Vorstand. Lankwitz. Mittwoch, den 13. Dezember, abends 3 Uhr, im Restaurant Prahatzka, Viktoriastrahe: gemeinsamer Zahl- abend.— Freitag össentlich« Wählerversammlung. Der Vorstand. Mariendorf. Montag, abends pünktlich 7 Uhr: Flugblatwer- breitung von den bekannten Bezirkslokalen auS. Der Vorstand. Friedrichshagrn. Mittwoch, den 13. Dezember, abends 8V6 Uhr. bei Lerche, Friedrichstr. 112: autzerordentliche Mitgliederversammlung. Dieselbe wird sich mit den bevorstehenden Reichstagswahlen beschäftigen; desgleichen wird die Neueinteilung der Bezirke für Friedrichshagen bekanntgegeben. Die Einzelzahlabende fallen am Mittwoch, den 13. Dezember, aus, die Beiträge werden vor der Versammlung kassiert. In Anbetracht der Wichtigkeit der Versammlung ist es Pflicht eines jeden Mit- gliedes, in dieser zu erscheinen. Am Donnerstag, den 14. Dezember, abends 814 Uhr, findet im Restaurant Eiskeller. Friedrichstr. S6/g7, eine öffent- liche Wählerversammlung statt. Tagesordnung:„Auf zur Reichstagswahl!" Referent ist der Kandidat des Kreises, Gen. Stadthagen. Da diese Versammlung schon seit einiger Zeit festgesetzt war, findet für Friedrichshagen am Dienstag, den 12. Dezember, keine Versammlung statt. Die Bezirksleitung. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf. Heute, nachmittag b Uhr, im Rest. Waldschlötzchen(Jnh. Trill), Zeuthen. Seestratze: öffent- liche Wählerversammlung; Referent Genosse K I ü h- Rix- dors. Genossen, agitiert für zahlreichen Befuch dieser Versamm- iung. Biesdorf. Dienstag, den 12. d. M., abends 8% Uhr: Zahl- abend bei Gustav Berlin. Marzahner Strasse 24. Da die näheren Informationen zur Reichstagswahl gegeben werden, ist vollzähliges Erscheinen notwendig. Die Bezirkslertung. Bohnsdorf, Schulzendorf. Eichwalde, Kiekebusch, Miersdorf und Waltersdorf. Heute nachmittag 2 Uhr findet aus dem Grundstück des Genossen Weber in Waltersdors eine öffentliche Wählerversammlung statt. Stadtverordneter Franz Thurow-Rixdors wird einen Vor- trag über die Bedeutung der bevorstehenden Reichstagswahl halten. Nach dem Vortrag freie Diskussion. Jeder Genosse ist verpflichtet. für guten Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Pankow. Heut«, 8 Uhr: Flugblattverbreitung von den be- kannten Stellen aus. Der Zahlabend sinket nicht gemeinschaftlich, sondern in den bekannten Lokalen statt. Spandau. Heute, Sonntag, früh 8 Uhr, findet für Spandau in allen Bezirkslokalen eine Extra-Zufammenkunfi der Genossen statt.— Zwecks Einsichtnahme in die Wählerlisten zur Reichstagswahl wird am Dienstag, den 12. Dezember, abends 7 Uhr. von allen Bezirkslokaten aus eine Flugblatlverbreitung vor- genommen. Wir richten an die Genossen das Ersuchen, zu beiden Veranstaltungen vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. VerUner Nachncbtcn. Zwergenspuk. Seit Wochen baut man in der Rieseninetropole an der Spree eine Zwergenstadt. Die Extreme berühren sich. Bei- nahe ein volles Hundert zu kurz geratener Menschen sind aus allen Zonen zusammengesucht worden, um die sich ewig langweilenden, ewig neusüchtigen Großstädter zu amüsieren. Liliput, wie es im Märchen leibt und lebt, soll sich vor unseren staunenden Augen wie ein Weltwunder austun. Tausend» von„Gullivers" werden hinzuströmen und sich überzeuge*, daß auch die kleinsten Menschen der Erde aus großem Fuße zu leben verstehen. Ihr eigenes Rathaus haben sie. ihre Brote, an denen sich eben nur Heinzelmännchen sattessen Polizei und Feuerwehr. Der Zwergenbäckermeister backt können, ganz wie im Gastlande des Brotwuchers. und wer im Rasier- und Frisiersalon der Zwergenstadt bedrent sein will, muß sich aus den Boden setzen oder den winzigen Figaro auf einen Stuhl steigen lassen. Der kleinste, eleganteste Ballschuh unserer Stadtschönen ist gegen die niedlichen Dinger, die Hans Sachs aus dem Zwergenlande fabriziert, ein Spreekayn. Der Schneidermeister von Liliput näht mit Zwirn so fein wie Sammersäden. Wie eine Puppenstube mutet die Zimmereinrichtung an, die sich das unverwüstliche, in jeder Großstadt aufs neue Hochzeit machende Zwergenbraut. paar herstellen läßt. Ein Miniaturzirkus mit Liliputpferden und Dreikäsehochclown«, einen ganzen halben Zentner schwere Ringkämpfer, ein Varietö mit tänzelnden, piepsenden Zwerasoubretten und Nippfignrenkomikern, ein Kaffeehaus init Bedienung von zarter Patschhand— nichts wird fehlen, uni den kunstgerechten Abklatsch des sagenhasten Ländchens Liliput vorzuzaubern. Alles ist auf Westentaschenfotmat zu- geschnitten. Nur der koschere Mammon, den die unter» nehmungslustige kleine Gesellschaft einzuheimsen hofft, kann nicht groß genug sein. !Gelt— warum baut man den Zwergenrummel, statt in Eastans Panoptikum, nicht in der Wilhelmstraße auf? Der dortige Höchstkommandierende, Nichtszusagenhabende im Philosophenreisemäntelchen würde einen vortrefflichen, mo- dornen Gulliver abgeben, und der graubärtige„Ober" von Liliput, der übrigens vor den Spreeathener Kommunal- kollegen absolut keinen Riesenrespekt hat, könnte sich vielleicht glücklich schätzen, des Deutschen Reicht langmächtige Größe zum Ehrenbürger zu ernennen. Auch auf dem politischen Welt- theater gibt es Zwerge, selbst wenn sie lang sind wie drei Ellen. Wer weiß, ob man dann nicht die Liliputaner als Erzeugnisse des„Entenschnabels", unserer neuesten reichs- herrlichen Acquisition, dem lieben, geduldigen Michel aufs Präsentierbrett stellen könnte! Das Größenverhältnis stimmt so ungefähr. Oder braucht Liliput nicht einen Krieg? Da oben in Ostelbien thront so ein politischer Riese auf Zwerg- deinen, dem das selbstaufgesetzte Krönlein gar bedenklich auf dem Wasserkopf wackelt. Hier bei Meister Castan ist vielleicht noch ein Umtauschgeschäft zu machen. Wohl bekomms Eurer Zwergenmajestät! Wenn Sie im Zwergentheater den langen Eindringling in Jhro Oberhoheit angemaßte Rechte fesseln, wie einst die Liliputaner den kühnen Gulliver an seinen Haaren gefesselt haben— bitte sehr! Spaß muß sein. Und aus Spaß wird Ernst. Auf dem Reichsbrettl, wo die hohe Schule der Politik geritten wird, ist Eurer Zwitter- und Flittermajestät Rolle ausgespielt. Oder ist dem graubärtigen Liliputbeherrscher im Ratsgewande ein Polizeimeister ge- fällig? Wir wüßten einen, der sich für den Posten brillant eignet, schon längst fortgewunschen wird von seiner zweigen- haften Tätigkeit unter Riesen. Die Post in Groß-Berlin an Weihnachten«nd Neujahr. Für den Postdienst an Weihnachten und Neujahr hat die Kaiserliche Oberpostdirektion Berlin folgende besondere An- Ordnungen getroffen. Am Sonntag, den 17. Dezember können Pakete bei allen Postanstalten des Bezirks, die an den Sonn- tagen für gewöhnlich Pakete annehmen, von 8 bis 2 Uhr aufgeliefert werden. Die Paketannahmeschalter sind am Sonntag, den 24., sämtlich von 8 bis 2 Uhr, die Paketaus- gabescbalter ebenso wie am 25. wie an Werktagen geöffnet. Am Sonntag, den 31. Dezember, ist der Schalterdienst bei den Hauptpostanstalten für den Brief- und Geldannahme- verkehr auf die Zeit von 8 bis 1 Uhr ausgedehnt. Postwert- zeichen werden während des ganzen Tages verkauft. Die Zweigpostanstalten sind am 31. innerhalb der für die Werk- tage festgesetzten Dienststunden für den Postwertzeichenverkauf geöffnet. Eine einmalige Geldbestellung findet am 24., 23., 31. Dezember und am Neujahrstage statt. Eine Bestellung von Paketen erfolgt nicht nur an den beiden Weihnachtsfeier- tagen, sondern auch am Sonntag, den 17., 24. und 31. De- zember. In Berlin und Chorlottenburg findet eine Paket- bestellung ausnahmsweise auch am Sonntag, den 19. De- zember. statt. Sie ruht dagegen am Neujahrstage. Die Einnahmen der städtischen Straßenbahnen im November 1211 betrugen 162 340 05 M. gegen 136 308,05 M. im November 1210, das ist eine Tageseinnahme von 5664.67 M. gegen 4543,60 M. im November 1210. Es wurden insgesamt 1844 513 Personen gegen 1 508 151 Personen im Vorjahr« befördert. Die Anzahl der im November gefahrenen Wagenkilometer tMotorwagen und An- Hängewagen) ist von 250 767 des Vorjahres auf 336 262 gestiegen. Die Einnahme für daS Wagenkilometer beträgt 50,54 Pf. gegen 54,36 Pf. im Vorjahre. verwandte gesucht. Der Magistrat teilt mit: Seit dem 17. August wird in der Irrenanstalt Herzberge ein« unverehelichte Berta Schröder(Näherin oder Arbeiterin), am 1. Januar 1872 in Berlin geboren, verpflegt. Vor ihrer Aufnahme in die Irren- anstatt hatte sich die Schröder längere Zeit in dem ZufluchSheim in der Johanniterstr. 4 aufgehalten. Da die Schröder nicht ver- nehmungSfähig ist, ist es der Armendirektion bisher nicht gelungen, Verwandte der Geisteskranken zu ermitteln. Vielleicht gelingt es auf diesem Wege. Verwandte oder Be- kannte der Schröder auf dieselbe aufmerksam zu machen. Mit- teilungen werden an die Armendirektion zu den Aktenzeichen 12272 Abteilung 48 erbeten. Bei Diphtherie-Erkrankungen find die Armenärzte nach den Vorschriften befugt, bei unbemittelten Kranken die Heilserum-Be- Handlung eintreten zu lassen. Dies ist auch in zahlreichen Fällen geschehen. Es find auch häufig schon prophylaktische Einspritzungen bei den Familienmitgliedern des Erkrankten von Armenärzten und in den städtischen Krankenanstalten vorgenommen worden. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Diphtheriefälle in letzter Zeit sollen die Armenärzte ermächtigt werden, bei Erkrankungen Unbemittel- ter an Diphtherie entweder selbst Schutzimpfungen der Üb-igen Familienmitglieder(wenigstens der Kinder) vorzunehmen oder die Betreffenden dem zunächst gelegenen städtischen Krankenhause zur Ausführung der Einspritzung zu überweisen. Roch Mitteilung deS Statistischen Amtes der Stadt Berlia sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 26. November bis einschliesslich 2. Dezember 795 Lebendgeborene. 406 Ehe- schliessungen. 35 Totgeborene. 506 Sterbe fälle, darunter 128 Sterbe- fälle der Kinder im Alter bi» zu einem Jahre zur Anmeldung ge- kommen. BecufSvarmundschaft. In seiner letzten Sitzung faßte der Mo- giftrat in einer Angelegenheit Beschluß, die seit langem daS Jnter- esse weiter Kreise beschäftigt. ES wurde nämlich dem Antrage der städtischen Waisendeputation entsprechend beschlossen, vom 1. April 19>2 ab für alle in Berlin geborenen unehelichen Kinder den Gc- richten Beamte als Vormünder zur Verfügung zu stellen. Gleich- zeitig wurde beschlossen, die Vormundschaft— von Abweichungen in Einzelfällen abgesehen— bis zum vollendeten 6. Lebensjahre fortzusetzen. Die praktische Ausführung dieser Sammelvormund- sckast ist in der Weise gedacht, daß im Anschluß an die bestehenden 7 Säuglingsfürsorgestellen der Stadt Berlin den unehelichen Kin- dern weitestgehende ärztliche Fürsorge und pflegerische Aufsicht in ihren Behausungen zuteil werden soll. Daneben wird es Aufgabe der als Vormünder zu verpflichtenden Beamten sein, für eine Sickerstellung der Untcrhaltsansprüche dieser Kinder zu sorgen, welcher Aufgabe sie leichter gerecht zu werden vermögen, als der im Verkehr mit den Gerichten und sonstigen Behörden meist wenig erfahrene Einzelvormund. Keineswegs geht aber die Absicht dahin, die Einzewormundschaft für uneheliche Kinoer in Zukunft gänzlich auszuschalten. Die Sammelvormundschaft soll nur dort eintreten. wo kein besonder? geeigneter Einzelvormund zu ermitteln ist. Im übrigen soll es eine Hauptaufgabe des neu zu errichtenden Vor- munoschaftsamtes sein, in regelmässig abzuhaltenden Sprech- stunden jedem Einzclvormund eine etwa gewünschte Belehrung oder Auskunft zu erteilen. Es ist zu hoffen, daß die Stadtver- prdnetenversaminlung bald den Beschlüssen des Magistrats beitritt, damit diese Einrichtung tatsächlich am 1. April 191S in Kraft treten kann. DaS Grammopho» hat sich in weiten Kreise» eingebürgert. Sine umfangreiche Industrie ist mit der Herstellung der Sprechmaschine beschäftigt und zahlreiche Händler habe» sich dem Bertriebe de« Grammophons gewidmet. Alles Mögliche und Unmögliche wird auf die Platten gebrockt: Reden, Konzerte, Gesänge, Gutes und ScklechteS. Auch Freiheitslieder, wie Marseillaise, Ein Sohn deS Volkes ertönen aus dem Trichter. Neuerdings hat sick ein spekulativer Unternehmer daran gemacht, einen Arbeiter-Wahl- marick und ein grosses Arbeiterlieder-Tongemälde mit Chorquartett und Sologesang aus die Platten zu bringen. DaS Grammophon ist noch entwickelungsfähig. Bikileicht kommt ein anderer Unlernehmer noch dahin. Wahlreden auf die Platten zu bringen. Die Aufnahme der Scharfmacherreden eines Heydebrand, Westarp und anderer Reaktionäre wäre recht geeignet hierzu. Das Ergebnis der Blumentage in der Provinz Brandenburg ist ein recht mageres. Die Gesamteinnahme beziffert sich auf 128 660 M., von der ein Drittel mit 42 886 M. an das Komilee abgeführt wurde. während zwei Drittel den Städten und Ortschaften selbst verblieben. Die obige Summe erhöht sich durch den Verkauf von Postkarten, Geschenken. Bankzinsen u. a. auf 46 436 M. Die Kosten für Blumen, Sammelbüchsen, Postkarten, Plakate usw. belaufen sick inSgei'aml nur auf 16 999,80 M., so daß sich für das Komitee ein Ueberschuss von 30 436 M. ergibt. Hiervon haben erhalten: der Verband des Vater» ländischen Frauenvereins der Provinz Brandenburg rund 7600 M., das Auguste Viktoria-Haus in Reuhos 4000 M., die Brandenburgische Frauenhilfe 3600 M., der Kirchliche Fürsorge«, Erziehungs» und Retlungshaus-Verband 7600 M., und der Militär-Hilfsverein deS 3. Armeekorps ebenfalls 7600 M. Ob die getroffene Verteilung dem Sinne der Spender entspricht, muß stark bezweifelt werden. Die Raubanfälle im Tiergarten nehmen wieder bedenklich zu. Am Donnerstag entriß ein junger Bursche einem Mädchen in der Zellenallee eine schwarzlederne Handlasche. Nachträglich wird be- kaunt, daß zu derselben Zeit in der Rüsternallee ebenfalls ein Haud- taichenraub verübt wurde. Auch hier war der Räuber«in etwa 17 Jahre alter Bursche. Die mit Nickel beschlagene lederne Hand- tasche, die er einer Dame entriß, enthielt u. a. ein weisse» Tasckcn- tuch mit dem Zeiche» G. T., einen grauen Kindersweaten, einen Ring mit zwei Schlüsseln, einen Hälelhalen und eine Rolle Ecntz- Häkelgarn. Der Trick der Adoptionsschwindler. Zu dieser Notiz ersucht uns Herr Stattnik um folgende Berichtigung: Endesunterzeichneter hat mit dem ganzen Adoptionswesen absolut nichts zu tun gehabt und habe ich mit dem p. Radeck nur als Lands- mann verkehrt und bin lck nur in dem Verdacht gewesen, dass ich mit demselben unter einer Decke gesteckt hätte, daher meine Verhaf- lung. Nach Aufklärung der Angelegenheit vor dem Herrn Unter- suckungörichler jedoch, wurde ich sofort gestern Freitag, den 8. De- zember, aus der Hast entlassen. Ein Leichenfund auf dem Tempelhofer Felde beschäftigke in der Nacht zum Sonnabend die Kriminalpolizei. An der Mauer des Steuerhäuschens fand dort nachts ein junger Mann eine Frau, die regungslos dasaß. Bei näherer Besichtigung erkannte er, daß sie tot war. Die Revierpolizei, der er von seinem Funde Mitteilung machte, rief das Polizeipräsidium in Berlin an und da man an- fänglich ein Verbrechen vermutete, wurde die Mordkommission alarmiert, die alsbald erschien. Die sofort angestellten Ermittc- lungen über die Persönlichkeit der Toten ergaben zunächst, daß es sich um eine Frau Mählicke handelt. Im Laufe des gestrigen Tages wurde jedoch festgestellt, daß es sich um eine Frau W. handelt, deren Mann sich in einem Siechenhaus befindet. Spuren irgendwelcher Verletzungen wurden an der Leiche nicht vorgefunden, so dass mit Bestimmtheit anzunehmen ist, dass die Frau eines natürlichen Todes gestorben und kein Verbrechen vorliegt. Der Revolver spielte bei einigen Verhaftungen wieder einmal eine Rolle. Sonnabend früh gegen 4 Uhr wollten Diebe der Schuh- und Stieselfabrik von Wenzel u. Sicker, Mohrenstraße 25, eindn Besuch abstatten. Sie waren vom Hof des Grundstücks Nr. 26 über eine Mauer geklettert und hatten sich durch eine Hintertür Zutvjtt zu den Geschäftsräumen der Schuhfabrik verschafft. Als sie damit beschäftigt waren, den Geldschrank zu öffnen, wurden sie von einem Rechtsanwalt, der im selben Hause wohnt, bemerkt, der die Polizei alarmierte, die sofort in einer Stärke von über ein Dutzend Beamten erschien und das Haus umstellten. Die ungebetenen Be- sucher flüchteten nun auf den Boden des Hauses und suchten über die Dächer zu entkommen. Die Polizei benachrichtigte zu allein Ueberftuß auch noch die Feuerwache in der Mauerstrasse, die mit einer mechanischen Leiter anrückte. Den Schutzleuten gelang eS inzwischen, alle vier Diebe zu ermitteln und zu verhaften. Bei der Verhaftung wurden von beiden Seiten mehrere Schüsse abgegeben, die jedoch niemanden verletzten. Von einem Kriminalbeamten niedergeschossen wurde der wegen eines Fahrraddiebstahls und Hinterziehung seiner Militärpflicht von der Kriminalpolizei gesuchte LI Jahre alte Stenotypist Max Porschau. Die Polizei hatte in Erfahrung ge- bracht, daß sich P. in dem Hause Henningsdorfer Straße 1 im Keller aufhalte. Gestern vormittag besetzten einige Schutzleute die Hauseingänge, während der Kriminalwachtmeister Przettzack in den Keller ging, um den Gesuchten festzunehmen. Bei der Verhaftung kam es zwischen beiden zu einem Handgemenge, in dessen Verlaus der Kriminalwachtmeister den Revolver zog und P. zwei Schüsse beibrachte. Einer traf ihn am rechten Oberschenkel, der andere streifte ihn an der Stirn. Mit einem Krankenwagen brachte man ihn sodann als Polizeigefangener nach dem VirchowkrankeuhauS. Schaufenstereiubrccher suchten gestern morgen gegen 6% Uhr daS Goldwarengeschäft von Sedlatzek in der Potsdamer Strasse 139 heim. An der Front dieses Geschäftes befindet sich nur ein grosses Schausenster, das Gold- imd Silbersachen sowie wert- volle Diamanten enthielt. Darauf hatten es Diebe abgesehen, die jedoch bei ihrer„Arbeit" überrascht wurden und die Flucht er- greifen mußten. Ein Müllkutscher hatte von einem gegenüber- liegenden Hause das Treiben der Burschen, die äusserst geschickt operierten, gesehen und sofort einen Schutzmann darauf aufmerl- sam gemacht. Diesem gelang es noch, einen der Burschen zu er- greifen, während der andere entkommen konnte. In den Taschen des Verhasteten fand man golden« Uhren und mit Brillanten besetzte Ringe im Werte von ungefähr 7000 M. Ein schwerer Straßenbahnzusammenstoß erfolgte gestern abend TU Uhr infolge falscher Weichenstellung in der Reuen König- st r a ss e in der Nähe des Georgenkirchplatzes. Bei der Kollision wurden drei Fahrgäste und ein Schaffner verletzt. Der Verlags- buchhändler Otto Wüst aus der Winsstr. 33 erlitt mehrere Bauch- quetschungen, der Kaufmann Jakob G o l d st e i n auS der Lip- pehnerstr. 34 eine Wunde über dem rechten Auge, der Kaufmann Berthold Cohn aus der Lippehncrstr. 6 eine Quetschwunde am Kopf und der Schaffner Hermann eine Stirnwunde. Die vier Verunglückten erhielten auf der Unfallstation in der Keibelstrasse die erste Hilfe und konnten dann ihre Wohnungen aufsuchen. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich gestern vormittag 111h Uhr in den Werken der A. E.-G. m der Ackerstrasse. Dort kam aus der Eichstation der 31 Jahre alte Arbeiter Albert Kamens aus der Bergstraße der Starkstromleitung zu nahe und wurde auf d-.r Stelle getötet. Der Verunglückte war verheiratet und hinterläßt eine Frau mit zwei kleinen Kindern. Arbeiter» Bilduugsschule. Heute abend 7 Uhr im Schullokal, Grenadierstr. 87: Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Inda Rubln über:„Gerbart Hauptmann und das deutsche Drama". Mitgliedsbuch legitimiert. Angehörige der Mit- glleder haben gutritt gegen Zahlung von 20 Pf. Ausstellung und Verkauf von Glas-Christbaumschmuck(Erzeug- nisse der organisierten Heimarbeiter des. Meininger Oberlandes) ftnFen Cfln feufe Tonnkag an Ttft TewerkschaftShaü». Engclufer. und Lortzingstraße 4(Restaurant Schmalowskh) statt. Wer den Thüringer Heimarbeitern, den Aermsten der Armen, etwas zukommen lassen will, decke seinen Bedarf an Christbaumschmuck an genannten Stellen. Im Theater Falles Caprice kamen am Freitag bei der neuen Biogram,»Premiere die Lacher wieder einmal auf ihre Kosten. vtleich mit drei Novitäten wartete diesmal die rührige Direktion auf. „Mandelblüths Polterabend" von Max E r n st und , W a f f e n ü b u n g", SchwanZ von G l i n g e r und T a u s s i g bicllen sich erfolgreich in jenem Genre, das seit Jahren von Folies Caprice gepflegt wird. Ist auch die Komik der Situationen und die Pointierung des Bortrages oft überstark an den Haaren herbei- gezogen, der Zweck wird nicht verfehlt: das Publikum amüsiert sich. Dazu gab es diesmal noch eine Posse mit Gesang«Los- gelassen", zu der Max Reichardt den Text und Walter Kollo die Musik geschrieben. Hier fanden verschiedene Mitglieder des Linienstrahentheaterensembles rechte Gelegenheit, mit ihrem Können zu brillieren? die gesc„glichen Darbietungen der Damen Schlösser und Urban wurden denn auch reich applaudiert. In ollen drei Stücken konnten ihre mimische Eigenart besonder« ent- falten die Herren Beckmann. Hartley, Behrisch und Horowitz? das Publikum gab seiner Anerkennung mehrmals bei offener Szene Ausdruck. Das Kafinotheater hatte am Freitag seinen Programmwechsel. Diesmal hatte die rührige Direktion ein Lustspiel mit dem Titel: .Der Kamps um« Dasein" gewählt, für doS nicht weniger als drei Perlouen als Verfasser zeichnen. Im Mittelpunkt de» etwas rührseligen Stückes steht ein Landpsarrer, der sich durch liberale An- schauungen mit der orthodoxen Lehre in Widerspruch gesetzt hat und deshalb aus dem Amte gejagt wird. Er findet eine Stelle in einem BerlagSgeschäft, in dem er nun seine Befriedigung findet. Als er aus dem Amte scheiden muh, wird ihm dies besonders der- bittert, daß ihn seine Gattin verläht, die an den von ihrem Bater ererbten orthodoxen Anschauungen festhält. Für die Wiedervereinigung beider bemühen sich Freunde und Bekannte des Hauses; sie erfolgt aiich, weil die Frau ihre Anfichten geändert hat. Schluß: In den Armen liegen sich beide... Herr Direktor Berg gab»inen gan, annehmbaren Pastor ab, während Herr Zimmermann einen alten, aber noch recht lebenS- lustigen Küster darstellte. Erwähnt sei besonders Fräulein Hoffmann, die»bre Rolle als Pfarrersköchin einfach köstlich spielte. Der Aufführung ging ein bunter Teil voraus, der sich sehen lasien kann. Arbeiter-Eamariterkolonae Groß-Berlin. Heute. Sonntag, Ab- tcilung Rixdorf: Besichtigung des Pathologischen Instituts, Eingang Alexanderufer.— Montag, den 11., 1. Abt. bei Dräsel, Neue Friedrichstr. 35, Vortrag über Verletzungen des Unterleibe» und die anzuwendend« Hilfeleistung.(Herr Dr. Spever.)— Donnerstag. den 14., Lehrabend in Schöneberg, Lorbergstr. V. Gäste willkommen._ Vorort- JSacbricbteih Lichtenberg. Eine neue Großstadt. Wie wir in der gestrigen Nummer bereit» mitteilten, wurde in der am Freitagabend 11 Uhr ab- gehaltenen Stadtverordnetensitzung, nachdem vorher in einer ge- meinschaftlichen Sitzung der Gemeindekörperschaften von Rummels- bürg und den städtischen Behörden von Lichtenberg eine vertrauliche Borbesprechung stattgefunden hatte, dem endgültigen Ein- gemeindungSvertrag mit Rummelsburg in namentlicher Ab- stimmung mit 35 gegen 11 Stimmen zugestimmt. Gleich bei Be- ginn der Sitzung zog der Rechtsanwalt Krüpsgantz gegen die Bor- läge zu Felde. Zunächst versuchte der Redner, den bürgerlichen Herren nachzuweisen, daß lediglich sie die Leidtragenden wären '' und die Arbeiterschaft, oder, wie sich der Herr so schön ausdrückte, , iftie Herren der 3. Abteilung, die Lachenden. Als er jedoch be- merkte, daß dieses Argument bei der Mehrheit der Bürgerlichen nicht verfangen wollte, kam er mit schärferem Geschütz vorgefahren. Die Tatsache, daß der Stadtverordnetenvorsteher und Direktor der FriedrichSberger Bank, Herr Plonz, samt deffen zahlreichen Freunden im Stadtparlament für die Eingemeindung waren. glaubte Herr Krüpsgantz darauf zurückzuführen, daß die Bank an dem Wüldischpark-Unternehmen in Boxhagen-Rummelsburg außer- ordentlich stark beteiligt und infolgedessen an der Eingemeindung sehr interessiert sei. Diese Beschuldigung suchte Herr Plonz in längeren Ausführungen zu entkräften. Auch ein anderer Gegner der Vorlage, Herr Danneberg, konnte nicht umhin, in seinem Un- niut über den Umfall seiner bürgerlichen Freunde das charakte- ristische Urteil über dieselben zu fällen sie hätten sich im Beisein des Regierungspräsidenten nicht getraut, ihre Gründe vorzubringen und zu widersprechen.— Um 12 Uhr nachts wurde alsdann dem Auseinandersetzungsvertrage wegen Ausscheidens der Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg aus dem Kreise Niederbarnim zugestimmt. Der Vertrag sieht eine Abfindungssumme von 1 456 645 M. vor, welche Lichtenberg an den Kreis zu zahlen hat. Die grundlegenden und wichtigsten Paragraphen des Eingemeindungsvertrages sind dem Sinne nach folgende: Bis zur Neubildung der Stadt- verordnetenversammlung hat die bisherige Stadtverordneten- Versammlung von Lichtenberg in Gemeinschaft mit der bisherigen Gemeindevertretung von Rummelsburg die Funktionen derselben wahrzunehmen. Der Lichtenberger Magistrat wird um vier u n- besoldete Stadträte aus Rummelsburg vermehrt. Die bisher in Rummelsburg bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen dürfen nicht verschlechtert werden. Die Klassenfrequenz der Rummelsburger Schulen darf auch in Zukunft die Durchschnitts- ziffer von 47 nicht übersteigen.(Hierbei sei bemerkt, daß zurzeit die Rummelsburger Schulverhältnisse weitaus bessere sind wie die von Lichtenberg.) In Boxhagen-Rummelsburg werden die Real- steuern 8 Jahre, vom Tage der Vereinigung beider Ge- meinden ab gerechnet, in derjenigen Höhe erhoben, in welcher sie im Jahre 1911 nach dem Etat zur Erledigung kommen. Die Umsatz- steuer für bebaute Grundstücke wird ebenfalls auf 8 weitere Jahre in der Höhe von 1H Proz. erhoben. Die Einkommensteuer soll in Zukunft in gleicher Höhe wie in Lichtenberg erhoben werden. Rixdorf. Ein geheimnisvoller Vorgang beschäftigt die hiesige Kriminalpolizei. Seit Donnerslagabend wird die 17 Jahre alte Arbeiterin Charlotte Kottwitz aus der Steinmetzsir. 77 vermißt. Das Mädcken, oaS in einer Papierfabrik in Lichtenberg beschäftigt war, ist am Donnerstag«n der Nähe des Maybachufers gesehen worden. In der Nacht zum Freitag fand man dort ihren Mantel, ihren Hut und sonoerbarerweise auch ihr Hemd, außerdem ihre Frühstückslasche. Die Vermißte ist 1.65 Meter groß, hat blaue Augen und blondes Haar, ein friicheS, ovales Gesicht und trug einen grünen Faltenrock .mit schwarzem Gürtel, hohe Schnürstiefel, weiße Ohrringe mit blauen Steinen und einen Fingerring mit einem Opal. Steglitz. Ein Stückchen Krähwinkel beseitigte endlich die letzte G e- meindevertretersitzung. In unserem Dorf mit seinen 76 066 Einwohnern ist es nämlich unmöglich, nach 16 Uhr abends ein Telephongcspräch zu führen. Die Reichspostverwaltung verhielt sich hisher allen Eingaben von Behörden und Privaten gegenüber 'un Einführung des Nacht- Telephondien st es ablehnend» weil die Rentabilität bezweifelt wurde. Mit der ein- einstimmigen NnnaWe Fe» Anträge» auf Leistung ein« GÄrSsifke in Höhe von 2655 M. wird im neuen Jahre der viel empfundene und beklagte Mißstand der„Telephonruhe" beseitigt sein.— Der hiesige Gemeindebeamten-Verein hat eine Kranken- und Unterstützungskasse für seine Mitglieder gegründet. Das kann man gutheißen. Nicht gutheißen kann man aber das Bestreben, die erforderlichen Mittel von der Allgemeinheit auf- bringen zu lassen. Darauf scheinen aber die Beamten, die immerhin auskömmliche Gehälter beziehen, von vornherein aus- gegangen zu sein, denn sonst wäre ein Jahresbeitrag von 12 M. oder 23 Pf. wöchentlich unmöglich gewesen. Gegen diese Schnorrerei bei den Steuerzahlern wandte sich Genosse Hamburg, der sich dadurch den Zorn des MieteroertreterS Korthaus zuzog. Die bürger- liche Mehrheit bewilligte den armen Bittstellern jährlich 1666 M. Geteilter waren schon die Meinungen bei einem Antrag auf Be- willigung von 1866 M. zur Errichtung einer Eisbahn für die Volks- schüler im westlichen Ortsteil. Da wurde von einem Vertreter auf den Grunewaldsee hingewiesen, der so bequem mit unserer Grunewaldbahn zu erreichen sei. Als ob damit den Kindern armer Eltern geholfen wäre. Erst nach längerer Diskussion gelang es, einen Antrag zur Annahme zu bringen, der es dem Gemeinde- vorstand anheimgibt, eine Eisbahn anzulegen. Hoffentlich wird die Ausführung nicht bis zum Sommer verschoben! Eine Anfrage unseres Genosten Hamburg, ob das Gerücht, der bisherige Spielplatz an der Rückertstraße solle als Laubenland an Ge- meindebeamte verpachtet werden, auf Wahrheit beruhe, blieb unbeantwortet. Leider begnügte sich der Frager damit, anstatt dem Bürgermeister energisch auf die Bude zu rücken. Das Schweigen des Bürgermeisters ist, gelinde ausgedrückt, eine Un- Höflichkeit, läßt aber auch gleichzeitig vermuten, daß das Gerücht auf Wahrheit beruht. Dagegen muß energisch Front gemacht werden, da der ganze westliche Ortsteil keinen Spielplatz weiter aufweisen kann. Mit einem Kostenaufwand von zirka 566 666 M. soll das gesamte Gemeindegebiet elektrisch be- leuchtet werden. Einstweilen wurden 15 666 M. zur Anlage einer Probebeleuchtung bewilligt, um die Wirkung der Seiten- und Mittebeleuchtung durch Metallfadenlampen zu studieren. Bei Fest- stellung des Haushaltsplanes für die neugegründete Gemeinde- s p a r k a s s e wurde mitgeteilt, daß die EntWickelung des Unter- nehmens eine gute ist. Eine lange Debatte entstand noch über die schweren Unglücksfälle, die in letzter Zeit durch die elektrische Straßenbahn herbeigeführt worden sind. Freunde und Gegner der Scitenanlage der Schienen ritten ihr Steckenpferd, nebenbei auch das überschnelle Fahren der Elektrischen verurteilend. Wie der Bürgermeister mitteilte, ist die Direktion der Straßenbahn bemüht diesem Uebel zu steuern. Auf eine An- frage wegen der Stadtwerdung konnte der Bürgermeister nur antworten, daß die Angelegenheit„schwebe"; auf eine weitere Anfrage von unserer Seite, wie eS mit dem Kartoffelverkauf stehe, konnte er nicht antworten, weil er nicht informiert sei. Gemeindeverordneter Gaedeke teilte mit, daß noch ein klewer Vorrat vorhanden sei, weitere Ankäufe aber nicht gemacht würden. Groß-Lichterfelde. Bei der am Freitag vorgenommenen Wahl der Arbeitnehmer- Beisitzer zum Gewerbegericht erhielt die Liste der freien Ge- werlschaften sämtliche Stimmen. Von 269 ein» geschriebenen Wählern stimmten 234. Von den 84 Arbellgebern übten 13 ihr Stimmrecht bei der Wahl der Arbeitgeberbeisitzer aus. Friedrichshagen. Der Bildungsansschuß veranstaltet am heutigen Sonntag, den 16. Dezember, nachmmags 2 Uhr, im Restaurant.Eiskeller", Friedrich- straße 96/97, eine kinematographische Vorstellung für Kinder und Erwachsene. Zur Darstellung gelangen verschiedene Weihnachtsmärchen u. a. m. Eintrittskarten für Kinder 16 Pf., für Erwachsene 26 Ps. in den Bezirkslokalen zu haben.— Im An- schluß daran findet im keinen Saal eine Jugendschriften- und Wandschmuck-AuSstellung statt. Die Ausstellung ist für jedermann kostenlos geöffnet am Sonntag, den t6. Dezember, bis abends 8 Uhr und am Sonntag, den 17. Dezember, von vor- mittags 16 Uhr bis abends 8 Uhr. Weihensee. Aus der Gemeindevertretung. Der Antrag unserer Genossen, den Wählern eine amtliche Benachrichtigung zugehen zu lassen, wurde nach kurzer Diskussion mit 14 Stimmen angenommen. Zu Gewerbegerichtsvorsitzenden wurden Beigeordneter Dr. Klamroth, Gemeindeassessor Knothe und Rechtsanwalt Cramer gewählt. Die bisherigen Stellvertreter Könitz und Looftnann wurden nicht wieder- gewählt. Seit drei Jahren schuldet der Gemeindehausbauverein, eine geistliche Einrichtung, der Gemeinde zirka 9666 M. Steuer», die bisher uneintreibbar waren. Endlich hat sich der Verein ent- schloffen, seine Schuld zu begleichen. Er will deshalb eine Hypothek von 16 666 M. aufnehmen, die der Geldgeber aber nur an erster Stelle eintragen lassen will. Die Gemeinde soll deshalb mit seiner im Jahre 1968 geleisteten Hypothek in Höhe von 55 666 M. an zweiter Stelle rücken. Die Vertretung stimmte in ihrer Mehrheit diesem Manöver zu, um so die Steuern zu retten. Genosse Frentz stete dieses Gebaren ins rechte Licht und forderte den Gemeinde- vorstand auf, in Zukunft auch mit den ärmeren Steuerzahlern soviel Nachsicht zu üben. Gemeindevertreter Könitz, als Vorsitzender des christlichen Vereins, hatte während dieser Verhandlung den Saal verlassen und einen seiner Getreuen, den Gemcindevertreter Teichert, beauftragt, zu retten, was noch zu retten war, indem noch eine weitere Stundung ausgesprochen werden sollte, jedoch vergeblich. Das Erntefest in Birkholz ist durch den Brand des Kuhstalles ver- hindert worden, jetzt sollen die Arbeiter und Arbeiterinnen mit einer Geldentschädigung abgefunden werden. Die Frage des Wiederaufbaues des abgebrannten Kuhstalles rief eine lange DiS- kussion hervor. Eine Anzahl Redner gaben ihre landwirtschaftlichen Fachkenntnisse zum besten, wobei sie sich zum Teil so widersprachen, daß die vorgelegten durchdachten Projekte vom Baurat Bühring und dem Administrator Stolzenburg dennoch angenommen wurden. Der Bau erfordert mit den von der Versicherung abgeschätzten Schaden einen Mehraufwand von 53 666 M. Die Versicherungen erstatten zurück für den Kuhstall 21 762 M., für die Molkerei 15 846 M. und für Inventar und Futtermittel 22 655 M. Einer Reihe Bebauungspläne für den alten Ortsteil wurde zugestimmt, nachdem einige Interessenten eS sich nicht verkneifen konnten, ihre Wünsche in den Vordergrund zu stellen; sie wurden vertröstet, die gesetzmäßige Auslegung der Pläne abzuwarten und dann ihre Ein- sprüche vorzubringen. Der Regulierung des Dammes und der Bürgersteige der Lehderstratze zwischen der Roelcke- und der Gustav- Adolf-Straße wurde zugestimmt. Die Lustbarkeitssteuersrdnung wird durch die Gemeindeverwal- tung namentlich in der letzten Zeit in geradezu krasser Werse geHand« habt. Unsere Genosten in der Gemeindevertretung haben bereits Anträge auf Abänderung derselben gestellt und eS scheint auch der Wille vorhanden zu sein, einige Härten auS der Ordnung auszumerzen; eine gänzliche Beseitigung der Ordnung wird jedoch„ich! gelingen. Man rechnet bei der Balancierung des Etats mit der Einnahme gewisser Smnmcn aus dieser Steuer, die aber ganz bedeutend zusammenschrumpfe» muß, weil die Trabcrbahn nicht mehr beran- gezogen werden darf. Nach einer neuen Entscheidung dient bekannt- lich auch der Trabersporl zur Hebnng der Landespferdezucht. Nun gehören die LandeSpferdezüchter zu den Edelsten der Nation, die ihren Patriolismus überall bekunden, jedoch mit Ausschluß des SteuerzahlenS. ES scheint. alS ob der Ausfall'.dieser Gelder Anlaß gegeben hät, die Bestimmungen der Steuer- ordnimg mtt ganz besonderer Schärfe ,» handhaben, vi« Beschwerden der einzelnen Vereine häufen sich immer mehr und die maßgebenden Vertretungen der Arbeitervereine sind sich darüber einig geworden, im Orte Veranstaltungen, die der Lust- barkcitssteuer unterliegen, nicht mehr stattfinden zu lassen, wenn eine Aenderui'g nicht eintreten sollte. Dem Genieindevorstand ist dieser Beschlutz übermittelt. Die in diesem Jahre stattgefundenen Kunstabende des Wahlvercins, des Metallarbeiterverbandes, des Gesangvereins, die bei allen Organisationen ganz bedeutende Zu« scbüsse erfordern, find mit 56 bis 86 M. Steuern veranschlagt, während andererseits Veranstaltungen, denen man den Mantel der Wohltätigkeit anhängt, frei ansgehen. Von der Steuer befreit find wissenschaftliche Veranstaltungen, hierzu rechnet die Verwaltung die künstlerischen Errungenschaften nicht, weil in der Stcuerordnung nur die Wissenschaft und nicht die Kunst erwähnt ist.» Die hiesigen Gewerbetreibenden wollen an die Gemeindebehörde petitionieren, am Weihnachtsheiligabend die Verkaufszeit bis 7 Uhr abends zu verlängern, während jetzt bereits der Schluß auf 4 Uhr festgesetzt ist. Nachdem in Berlin die Verkaufszeit bis 6 Uhr währt, rechnet die hiesige Geschäftswelt damit, daß etwaige Vergeßlichkeiten von in Berlin Kaufenden noch im Orte nachgeholt werden können. Sache der hiesigen Arbeiterschaft ist eS, die Gewerbetreibenden in ihrem Vorhaben nicht zu uuterstügen. Sorge jeder dafür, daß er seine Einkäufe bis um 4 Uhr erledigt hat, damit die vor dem Fest schon genügend geplagten Angestellten am Heiligabend ihre wohl- verdiente Ruhe erhalten. Die hiesigen Gewerbetreibenden scheinen zu vergessen, daß ihr Kundenkreis sich in der Hauptsache aus Ar- oeitern rekrutiert, die denn doch solche rückständigen An» schauungen nicht unterstützen werden. Eine Ausstellung empfehlenswerter«n» wohlfeiler Jugend« schriften wird am heutigen Tage im Lokale des Genosten Peukert, Berliner Allee 251, eröffnet. Die Besichtigung kann bis Weihnachten zu jeder Tageszeit und in den Abendstunden erfolgen. Der Jugend schriftenauss chuß des Weißenseer LehrervereinS erscheint in diesem Jahre, soweit unS bekannt ist, zum ersten Male mit einem Verzeichnis empfehlenswerter Jugendschristen aus dem Plan. Neben manchem Guten und Nützlichen, was das 798 Nummern starke Ver- zeichnis enthält, ist aber auch die Literatur nicht vergessen, die dazu bestimmt ist, die Jugend im hurrapatriotischen Sinne zu beeinflussen. Proletarische Eltern seien deshalb auf die vom hiesigen Bildungsausschuß beim Genossen Peukert arrangierte Ausstellung hingewiesen. y Alt-Glienicke. Ein großer Dachstuhlbrand zerstörte in der gestrigen Nacht den größten Teil vom Dachstuhl des Hauses Frietrichstr. 56 und be- schästigte die Freiwilligen Feuerwehren von Alt-Glienicke und den umliegenden Ortschaften mehrere Stunden. Die Brandursache steht noch nicht fest.> Rowawes. AuS der Gemeindevertretung. Für da? neu zu errichtende KaufmannSgericht wurden als Vorsitzender Bürgermeister Winkel« mann und als dessen Stellvertreter Schöffe Obst gewählt. Beide bekleiden die gleichen Aemter auch am hiesigen Gewerbcgericht.— Für Umpflasterung eines Teiles der Dorkstraße(vor dem Real« gymnasium) sowie eines Teiles der Auguststraße(vor der Gemeinde« schule II) mit Kupferschlackensteinen wurden 4666 bezw. 6666 M. bewilligt. Mit der in der Sitzung am 18. Oktober gleichzeitig vor- geschlagenen Umpflasterung der Priesterstraße von der Linden- bis zur Bäckerstraße hat sich die Finanzkommisson besonders eingehend beschäftigt; sie ist zu dem Resultat gekommen, daß sich, mit Rücksicht auf die geplante Regulierung dieser Straße, der Ausbau der Teil- strecke mit doppelseitigem Damm, ähnlich wie in der Lindenstraße, empfehlen würde. Der Bürgermeister bemerkte hierzu, daß cS sich vorläufig nur um eine eingehende Besprechung de-, Kommissions- Vorschlages handeln könne. Eine endgültige Beschlußfassung, der unbedingt eine nochmalige Kommissionsberatung vorausgehen müsse,- werde vielleicht in der nächsten Sitzung möglich sein. Dem vom G.-V. Ouappe geäußerten Wunsch auf geheime Beratung trat der Bürgermeister mit dem Bemerken entgegen, daß bei der Wtchtigleir der Frage die Oeffentlichkeit nicht ausgeschlossen werden dürfe. Die Gemeinde resp. die Anwohner der Straße hätten das Recht, Klarheit darüber zu fordern, was hier beabsichtigt sei. Genosse N e u m a n n sprach sich gleichfalls für öffentliche Beratung au» und wünschte, daß den Anwohnern Gelegenheit gegeben werde, zu dem Projekt Stellung nehmen zu können. An Hand einiger Skizzen erläuterte sodann der Bürgermeister die zwei in Frage kommenden Projekte. Die erste Skizze zeigt die Pricsterstraße, die von der Bäckerstraße ab eine Breite von 34,56 Meter hat, mit zwei je 6 Meter breiten, ein Mittelstück von 12,56 Meter einschließenden Fahrdämmen sowie mit zwei je 5 Meter breiten Bürgersteigen. Die zweite Skizze dagegen sieht einen Fahrdamm von 9 Meter Breite mit beiderseitigem, je 11,75 Meter breitem Vürgersteig bor. Nach ausreichender Aussprache, in der die Vorzüge des Projekts mit doppelseitigem Fahrdamm allgemein anerkannt wurden, er» folgte die Zurückverweisung der Vorlage an die Kommission.— Der nächste Punkt betraf die Veräußerung von Wicsengclände. Die Gemeindevertretung hatte am 6. April 1916 dem Gastwirt Rosen- berger aus Potsdam die käufliche Ucberlassung eines Trcnnstückcs der an der Ecke Kaiser-Wifl/clin-Straße und dem Wege nach Kolonie „Daheim" geglegencn sog. Küster- und Schulwicse, die in den nächsten Tagen gänzlich in das Eigentum der Gemeinde übergehen wird, zum Preise von 2,56 M. pro Ouadratmetcr durch Beschluß zugesagt! Da infolge des neuen Bebauungsplanes geänderte Ver» Hältnisse eingetreten sind, so stellte Rosenberger einen neuen Antrag um käufliche Ueberlassung von zirka 11 266 Ouadratmetcr Bauland der bezeichneten Wiese und bot nun mit Rücksicht auf den gesteigerten Wert als Kaufpreis 3,56 M. pro Ouadratmetcr an. Die Vertretung willigte nach längerer Diskussion in den Verkauf ein, jedoch mit der Acnderung, daß pro Quadratmeter 4 M. entrichtet werden, Barzahlung erfolgt, und der geplante Bau eines größeren Ver- gnügungsetablissements innerhalb der nächsten drei Jahre erfolgt. Genosse Neumann erklärte hierbei, daß er und seine Freunde prinzipiell gegen jede Veräußerung von Gemeindebesitz seien, in diesem Falle jedoch, wo es sich um Wiescngclände handele, aus- nahmsweise dafür stimmen.— Für Erweiterungsbauten auf dem Grundstück der Höheren Mädchenschule in der Lindenstraße sollen 05 606 M. aus Anleihefonds, ausschließlich des Grundcrwcrbs, bereit- gestellt werden. Außer der Erweiterung der Schule durch Ausbau der Räume im Erdgeschoß und dem Erwerb von etwa 439 Quadrat- meter Hinterland, das der Fabrikbesitzer Levy zum Selbstkosten« preis abgeben will, ist auch der Bau einer Turnhalle auf dem Grundstück geplant.— Für den Ausbau des Foctbildungsschnl- gebäudes, dessen Räumlichkeiten unzureichend geworden sind, sollen in den nächsten Etat etwa 11 669 M. eingestellt werden. Genosse Neumonn betonte, daß er das Fortbildungsschulgcbäude auch nach der Erweiterung nur als Provisorium betrachten könne, um so mehr, als doch mit dem Schulzwang auch für die im Handel be- schäftigten Jugendlichen männlichen und weiblichen Geschlechts in absehbarer Zeit gerechnet werden müsse. Die Vertretung beschloß. dem mangelnden Raumbcdürfnis durch Schaffung von Neben- und weiteren Unterrichtsräumen mit Zentralheizung durch Verwendung vorhandener Wohnräume, des im Erdgeschoß befindlichen Turn- saales sowie durch bauliche Veränderungen im ersten Stockwerk abzuhelfen.— Durch die Mitverwendung des im Fortbildungs» schulhause befindlichen Turnsaales für Fortbildungsschulzwecke ist der Neubau einer Turnhalle zum unabwendbaren Bedürfnis ge- worden. Auf Vorschlag der Baukommission soll daher eine solche aus dem Schulgrundstück in der Scharnhorslftraße errichtet werden. Für diesen Zweck sollen gleichfalls 35666 M. aus Anleihcmittcln bereitgestellt werden. Spandau. Der hiesige Verein der Saalbesitzer scheint seinen Beschluß aufrecht« zuerhalten, die Säle keiner politischen Partei während des Wahlkampfes zur Verfügung zu stellen, bevor nicht die Militärverwaltung ihren L-schluß.die ESIe. in denen eine fozialdemokratiiche Versammlung ad- gehalten wird, für MilitSrpersonen zu verbieten, aufhebt. viSher haben so gut wie die Sozialdemokraten auch die Fortschrittler und Konservativen nach Pichelsdorf wandern müssen, wo die dortige Brauerei ihren Saal zur Verfügung stellt. Zweckmäßiger wäre es allerdings gewesen, wenn die Saalbesitzer beschlossen hätten, ihre Säle jeder politischen Partei zur Verfügung zu stellen. Die Sozialdemokraten würden schon dafür sorgen, daß in allen Sälen Versammlungen abgehalten werden. Die Militärverwaltung hätte doch nicht alle Saalwirte boykottteren können. Wo sollten denn sonst die KaisergeburtStagsfeiern abgehalten werden? Die Sozialdemokraten wissen sich aber auch ohnedem zu helfen. Unter freiem Himmel ist noch viel Platz zur Abhaltung von Versamm- lungen. lieber die praktischen Arbeiten der bevorstehenden Reichstagswahl beriet die außerordentliche Generalversammlung des sozialdemokra- tischen Wahlvereins am Mittwoch im Borchardtschen Lokal in der Seeburger Straße. Die Versammlung war verhältnismäßig gut besucht. Der Vorsitzende Genosse Sctor erläuterte in längeren AuS- fiihrungen die mit dem Kreisvorstand vereinbarte praktische Wahl- arbeit und verliest die dazu erlassenen Bestimmungen. An diese Ausführungen schloß sich eine längere anregende Diskusston, in der die verschiedensten Borschläge gemacht wurden. Es werden 86 Ge- nosten zur Führung der Wahsarbeiten in den 28 Bezirken gebraucht. Auf die Aufforderung des Vorsitzenden haben sich diese 86 Genossen bald freiwillig gemeldet. Sodann wurden in das Zentral-Wahl- komitee die Genoffen Köppen und Trompler gewählt. Am Freitag sindel bei Peczelis, Pichelsdorfer Straße, eine Korporesitzung statt, zu der auch die Führer der Wahlbezirke eingeladen wurden. Mit einer Aufforderung des Vorsitzenden zur kräftigen Mitarbeit im Wahlkampfe und mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die Versammlung geschloffen. Z«r Selbsthilfe gegen die teuren Lebensmittel find die Arbeiter der hiesigen Staatswerkstätten geschritten. Sie laffen.durch ihre Arbeiterausschüffe mit Zustimmung der Direttionen größere Einkäufe an Erbsen, Bohnen, Kartoffeln, Kaffee, Brot, Fleisch usw. machen und geben die Waren zu Einkaufspreisen nach Abrechnung der Unkosten an die Arbeiter ab. Die Spandauer Geschäftsleute sind darüber natürlich nicht erfreut! Diese Geschäftsleute werden nach und nach auch«vohk zv In Ueveezeugmg(rannen, daß Ihnen Me MittelstandSretter absolut nicht helfen werden, sondern bloß dazu da sind, den Konservativen und Junkern Waffer auf die Mühlen liefern und daß eS nur die Sozialdemokratie ist, welch« als einzige und schärfste Gegnerin der heutigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung Verhältniffefanstrebt, die cS jedem möglich machen, eine auskömmliche Existenz zu erringen. Zu dieser Einsicht sollten auch die Arbeiter der Staatswerkstütten kommen, denn die jetzige Selbsthilfe ist doch nur eine vorübergehende Hilfe. Es gilt daher die Macht der Junker, der LebenSmittelverteuerer zu brechen und dazu bietet die Reichstags- Wahl im Januar die beste Gelegenheit. »ttterangVübeestche»«»». XS11. Jugendveraustaltunge«. Lankwitz. Die Arbeiterjugend besucht heute. Sonnlag, den 16. Dezem ber, das Schiller-Theater Charlottenburg, gegeben wird; Maria Stuart. Treffpunkt: Bahnhoj Lankwitz 2 Uhr. Fahrgeld 20 Ps. Billetts sind bereits vergriffen. Freie Jugendorganisation Steglitz- Friedenau. Sonntag, den 10. Dezember: Besichtigung des Märkischen MuseumS, Berlin. Treffpunkt: Friedenau. Kaiscreiche, um V,lZ Uhr. Fahrgeld 20 Pf.— Außerdem jeden Donnerstag von 8 Ilbr an und jeden Sonntag von 4 Uhr an: Spiel- und UnterbaltungSabend bei L. Clement, Steglitz, Düppelstr. 7. Für Spiel Material ist gesorgt. Kein Trinkzwang. Wir bitten die hiesige Arbeiter schaft, dafür Sorge zu tragen, daß ihre Söhne und Töchter die Beran- staltungen besuchen._ Eingegsangene DruchFcbrlften. Brand der Leidenschaften. Schauspiel von I. Kosor. 107 S. Rubinverlag M. u. W. Köhler, München. Marktpreise von Berlin am 8. Dezember ISlI, nach Ermittelung de« Köntgl. PollzeiprästdiumS. Markthallenpreise.(Kleinhandel), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 86.00— 50,00. Speisebohnen weiße, 40,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 7,00—10,00. 1 Kilo- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,80—6,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,00—2,40. Aale 1.20—2,80. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,20 bis 2,60. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 2,40-24,00. «tationen S£ 1- £= an Swinemde. tamburg erlin Franks.a.M München Wien i« 786 SSO 782ONO 755iSD 753® 75833 756SD »etter Nebel Dunst bedeckt Regen Nebel 2 Nebel t! 1 2 2 2 — 0 6 65 Haparanda 766 NNW Petersburg 772 Scillh 752 Aberdee» 741 Paris>781 SD A SO S» eV äiK i3» Wfo -O Wetterprognose für Sonntag, de» 10. Dezember 1011. zeitweise heiter, am Tage ziemlich mild, aber veränderlich«tt geringen Niederschlägen und mäßigen südlichen Winden. BerlinerWettertareau. WafferstandS.Skachrtchte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgetellt vom Berliner Detterbureau. vafferfland M e M« t. TUM P r e g e l, Jnftervurg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Kroffen , Frankiurt Warthe, SSrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elb«, Lettmerttz , Dresden , varbp . Magdeburg vafferfland Saal«. Srochlitz Hao«l, Spandau 1 , Rathenow') Spr«», Svremberg') , BeeStow v e I« r, Münden , Mwdcn Rhein, Maximilians , Kaub . Köln Neckar, Heilbrom» Main, Werthettn Mosel, Trier >) bedeutet Wuchs.— Fall.— 1 llnlerveael.—»> EiSstand.— Oberhalb der Brücke EiSstand.— GrundetStreiben.—*) Gründels. Verkäufe. Hernialinplati 6 BiandleihhauS. Allerbilligste EtnkausSquelle zum WeihnachtSseste. Jetzt täglicher Waren-Massenverkaus Rtefenauswahl PeizstolaS. Pelzgarnituren. Winter- Paletots. Wintcruliter. gackettanzüge. ittebrockanzüge. Hcrrenbolen. Bur- schensachen. Allerbilligster Betten- verlaus. Brautbetten. Bettflücke. Ber- oiielungSbett. SluSlleuerwäsche. Reich» baltige TevpichauSwabl. lÄardmcn. auSwahI. PortterenauSwahl. Dlüich- tnchdecken. Steppdecken. Wand- i'.bren. Wandbilder. Schmucksachen. Laichenuvren. 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