Mr. 394, Hbonnemenfs-Bedlnjuns«! WlLonnemems> Preis pränumerando! Licrtcljähil. 3�0 SW, monatL 1,10 Mi,, wöchenllich 2B Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nunmier ö Pfg, Sonntags» nummer mit Musliierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- kbonnement: 1,10 Marl pro Monat. «ingelragen in die Post-Zeitungs» Preisiisle. Unter Kreuzdand für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg Portugal. Rumänien, Echu-eden und die Schweiz. 38. Jahrg. VI« Tnfertlons'Gebfllir »«trägt für die sechsgelpaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg., für dolitilche und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 80 Pig, „Kleine Hnrtigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg(zulässig 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort>0 Pfg. 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Die Interpellation im Sächsischen Landtag über den „Schutz Arbeitswilliger" hat zum Greifen klar gezeigt, daß die bürgerlichen Parteien bis weit hinein in die freisinnige Wolkspartei auf Beseitigung des Koalitions- rechts durch Ausnahmegesetze gegen die Ar- beiterklasse sinnen, die selbst den Inhalt der infolge des krafwollen Kampfes der Arbeiterklasse verscharrten Zucht- Hausvorlage unseligen Angedenkens in den Schatten stellen würden. Und die Negierung ist mit diesen Entrechtungsplänen gegen die Arbeiterklasse einverstanden. Ja sie ist der Schritt- macher für die Verwirklichung der Scharfmacherpläne. Nicht von heute oder gestern, sondern seit geraumer Zeit. Die Er- fahrungen mit der Zuchthausvorlage haben die Reichsregie- rung veranlaßt, davon abzukommen, der Form nach Aus- nahmegesetze gegen das Koalitionsrecht vorzuschlagen. Statt dessen wünscht sie Vorschriften, die der Form nach keine Aus- nahmegesetze sein sollen, weil sie im a l l g e m e i n e n Straf- gesetzbuch Aufnahme finden, dem Inhalt nach aber noch weit schlimmere Knebelungen der Arbeiterklasse darstellen, als je zuvor vorzulegen gewagt wurde. Der Staatssekretär a. D. v. Posadowsky, der Vater des Zuchlhausgesetzes, hat sich seines Kindes nachträglich so ge- schämt, daß er selbst als Sammelwahlkondidat aller Reaktio- näre feierlich sein Kind verleugnete. Als ob es etwas ver- schlägt, ob Posadowsky der erste intellektuelle Urheber des Schandkindes war oder nur einer der Väter oder vielleicht auch nur sein Pate. Posadowsky hat aber klar zu erkennen gegeben, daß er eine gleiche Spottgeburt aus Dreck und Feuer gern zum Leben verhelfen möchte. Nur soll das Kind kein ausnahmercckstliches Kleid tragen, sondern in die Uniform des „gemeinen Strafrechts" gesteckt werden. Denselben Weg billigte der Reichskanzler Bülow und der jetzige Reichskanzler. Ausdrücklich für die Regelung der Materie bei der Revision des Strafgesetzbuchs sprach sich am 8. April 1911 der preußische Minister v. Dallwitz genau wie jetzt der sächsische Minister aus. Ter Weg der herrschenden 5tlassen in ihrem Kampf gegen die Arbeiterklasse geht ersichtlich nach zwei Richtungen. Gewalt wird schon jetzt gegen die Geltcndniachung des Koalitionsrechts der Arbeiter mobil gemacht: Polizei. Militär, Maschinengewehre und die Klassenjustiz sollen zugunsten der Unternehmer und zuungunsten der Arbeiterklasse wirken. NeueGew alt mittel.neueStrafge setze stehen in Aussicht. Alles natürlich nicht um das Koalitions- recht zu beseitigen. Beileibe nicht I Das alles geschah nur „zun, Sckiutze der Arbeitswilligen". Genau so. wie die Zucht- Hausvorlage„Gesetzentwurf zur Regelung des gewerblichen Arbeitsverhältnisses" sich betitelte und ein Schutzgesetz für die Arbeiter, kein Trutzgesetz gegen die Arbeiter sein sollte, Ten Gewaltmitteln zur Unterdrückung des Grundrechts der Arbeiter gesellt sich der listige Anschlag zu. die Ar- b e i t e r k l a s s e z u s p a l t e n. um die Arbeiter unterwürfig zu machen und in Unterwürfigkeit zu erhalten. Die„Gelben" und die„Nationalen" sollen durch Gesetz und Verwaltungs- maßnahmen zu gesetzlich berechtigten Vertretern der Arbeiter- klasse gemacht werden. Auch dies nicht offen, sondern unter dem Scheine„sozialer Reforinen". Wir erinnern nach dieser Richtung an den Antigewerkichaftsgesetzentwurf vom Jahre 1906, an den von Gcwerksckiaf'tsbeamten denaturierten Ar- beiterkammergesctzentwurf. an die in der Reichsversicherungs- ordnung getroffenen Organisationen und an die Ersetzung der Hilfskassen durch vom Belieben der Verwaltung abhängige Kassen... Zur Abwürgung des Koalitions rechts soll in erster Linie die Gewalt dienen. Das neue Strafgesetz- buch soll es ermöglichen. Arbeiter und Arbeitervertreter mir entehrenden Strafen zu belegen, die es wagen, für Hebung per Lage der Arbeiter, für höhere Kultur einzutreten. D i c Absichten der Schars macher und der Regie- rung sind bereits in das Stadium werk- tätig��orbereitung getreten. Ueber den Inhalt w jetzt vom sächsisck?en Minister unverhüllt angekündigten Erdcosselungsvorschristen gegen das Koalitionsrecht gibt der Vorcntwurf zum deutschen Strafgesetzbuch Auskunft. Unmittelbar nach den. Erscheinen dieses reaktio- nären Machwerks wiesen wir auf seine Ausnahmevor- schriften zur Beseitigung des Koalitions- rechts in mehreren Artikeln im November und Dezember >1909 hin. Die in freien Gewerkschaften organisierte Ar- beiterklasse hat nach einem vortrefflichen Referat des Genossen Tr Heinemann auf dem Gewerkschaftskongreß im Juni 1911 igen die verbrecherischen Anschläge auf das Menschenrech: r Arbeiter entschiedene Stellung genommen. Es ist an der Zeit, an die im Vorenlwurf zum Sttaf- Gesetzbuch enthaltenen Ausnahmevorschriften gegen die Arbeiter- -klaffe zu erinnern. Es seien die wesentlichsten der Vorschläge. die übrigens vollkommen mit den vom Zenttalverband der Industriellen seit Jahren aufgestellten Forderungen überein- stimmen, wiedergegeben. Zunächst fehlt im Vorcntwurf zum Strafgesetzbuch jeglicher Schutz des Koalitionsrechts gegen den Terrorismus setner Widersacher. Statt einer Sicherung des Koalitions- rechts eine Reihe schwerer Strafbestimmungen gegen die Ausübung des Koalitionsrechis. Anttäge auf Sicherung des Koalitionsrechts wurden insbesondere im Jahre 1899 von der sozialdemottatischen Fraktion im Reichstage gefordert. aber von allen bürgerlichen Parteien abgelehnt. Dasselbe Schicksal erlitten die sozialdemokratischen Anträge zur Sicherung des Koalttionsrechtes bei der Gestaltung des Reichsvereinsgesetzes. Und doch ist eine Sicherung dieses Rechts dringend erforderlich. Das Koalitionsrecht ist eins der elementarsten Grundrechte für die Arbeiterklasse, eine der „Grundlagen der bestehenden Gesellschaftsordnung", wie sich Gneist einmal ausdrückte. Es ist für Arbeiter unentbehrlich, wenn die Arbeiter nicht noch weit schlechter als Sklaven in ihrem Arbeitsverhältnis gestellt sein sollen. Der Vorentwurf zum Strafgesetzbuch macht keinencinzigen Vorschlag zum Schutz dieses Rechts, dafür desto mehr zu seiner Erdrosselung. Wie würden die herrschenden Klassen mit Recht über Unverstand oder Ungerechtigkeit des Gesetzgebers zetern, wenn das Sttafgesetz statt Schutz des Eigentums von Waren S t r a f v 0 r- schriften gegen Verhinderung der Fortnahme des Eigentums in Vorschlag brächte I Und doch ist die im Strafgesetzbuchentwurf gegenüber dem Koalittonsrecht an- gewendete Methode noch viel schlimmer und gemeingefährlicher. Denn die Ware Arbeitsfrast ist die national wert- vollste Ware. Um ihre Verkäufer nicht schlechter zu be- handeln als den Verkäufer irgend einer anderen Ware ist freiestes Koalitionsrecht völlig unentbehrlich. Durch das Koalitions- recht kommt der Arbeitnehmer erst in dieselbe Lage wie ein Eigentümer einer anderen Ware. Koalitions- b es ch r än k u n g e n gefährden überdies bei der Untrennbarkeit der Ware„Arbeitskraft" von der Person ihres Eigentümers die persönliche Freiheit des sozial abhängigen Arbeiters. Das Koalitionsrecht der Arbeiter ist ein Kampfmittel im Kampfe gegen ökonomische Hörigkeit der Arbeiterklasse. Und dennoch wird dasselbe nicht im Straf- gesetz geschützt, vielmehr seine Entwender. Ein Weg, genau so unsinnig, als ob man zum Schutz des Eigentums nicht den Dieb, sondern den Eigentümer, der sich sein Eigentum nicht rauben lassen will, mit Strafe belegt. Der Vorentwurf zum Strafgesetzbuch bedroht die An- kündigung und den Gebrauch des Koalitionsrechts mit hohen Geld-. Gefängnis- und Zuchthaus- strafen, niit Arbeitshaus und L a t t e n a r r e st. Das mag im einzelnen ein zweiter Artikel in Erinnerung rufen._ Zur ßeichslagsurnl)). Zur Wahlsituatiin in der Provinz Sachsen. ll. (Schluß des gestrigen Artikels.) Der Regierungsbezirk Erfurt umfaßt vier Wahlkreise— Nordhausen, Heiligen st ad t-W orbis, Mühlhausen- Langensalza und E r f u r t-Sch le u s i n g e n.— So wenig umfangreich dieser Regierungsbezirk an sich auch ist, sind doch die Kreise mit Ausnahme von Heiligenstadt-Worbis nicht ohne erheb- liches Interesse. Da kommt in erster Linie in Frage der Wahlkreis Nordhausen. Seit 1881 ist er freisinnig vertreten, seit dem Jahre 1893 durch Wiemer. Die sozialdemokratische Stimmengahl hat in diesem Kreise immer Schritt mit der freisinnigen Stimmenzahl gehalten, und immer gab ein Konservativer oder ein Nationalliberaler mit seinem Anhang den Ausschlag für den Freisinnigen. Die Wahlsituation erscheint diesmal wesentlich verändert, infolge einer starken Um- wälzung in der wirtschaftlichen Struktur des Kreises. Die Kali- industrie hat in den letzten Jahren einen ungeheuren Aufschwung genommen und eine große Zahl Arbeiter aus gut organisierten Bezirken herangezogen, die jetzt daS konservatwe oder freisinnige Stilleben erheblich stören werden. Dazu kommt, daß die Tabak- industrie mit ihren vielen Arbeitern durch die Steuerpolitik der letzten Jahre in starken Aufruhr geriet, der sich sicher auch bei der Wahl geltend machen wird. Die Agitation ist im vollen Gange. Der wiede« kandidierende Fortschrittlcr Wiemer legt es vun vorn- herein darauf an, die Stimmen der Nationalliberalen, die dort eigentlich konservativ sind, dadurch wieder zu erlangen, daß er der Rechten starke Zugeständnisie, insbesondere auf dem Gebiete des Rüstungswesens, macht. Die Aussichten für unseren Genossen Dr. Cohn-Berlin sind die denkbar besten. Der Wahlkreis Heiligenstadt-Worbis ist sicherer Zentrums. besitz und wurde bisher durch Strombeck vertreten. Der Kreis ist so beschaffen, daß er selbst mit dem alten Sttombeck dem Zentrum erhalten geblieben wäre. Aber man hat in Zentrumskreisen vor- sichtigerweise doch in dem Alter des bisherigen Abgeordneten einen Grund gesucht, ihn durch eine jüngere, agitatorisch wirksamere Kraft zu ersetzen. Es kandidiert an seiner Stelle der Pfarrer Poppe-Men gelrode. Die Sozialdemokratie kam nur mit einer Zählkandidatur in Frage, aber langsam bessern sich die poli- tischen Verhältniffe auch auf dem schwarzen Eichsfelde. Die Kali- industrie schiebt sich immer mehr vor und die Arbeiter der Tabak- industrie, die bisher immer Zentrum wählten, dürften durch die steigende Belastung auch mehr und mehr aufgeklärt werden. Im Wahlkreis Mühlhausen-Langensalza ist die Situation so, daß der Sieg des Sozialdemokraten vorausstchtlich von den Libe- raten abhängt. Der vorzugsweise ländliche Kreis hat einen starken konservativen Stamm, der den Konservativen wiederholt das Mandat gesichert hat. Der Kreis war aber auch öfter liberal ver- treten. Bei der letzten Wahl siegte mit sozialdemokratischer Hilfe der fortschrittliche Professor E i ck h 0 f f- Remscheid, der aber trotz seiner Zusicherung, Mühlhausen zu vertreten, in Remscheid an- nahm, nachdem es ihm dort mit Reichsverbandshilfe gelungen war, den Sozialdemokraten zu verdrängen. In der Nachwahl wurde im ersten Wahlgang der konservative Landwirb A r n st a d t gewählt. Jetzt kandidiert für die Fortschrittlcr Dr. Lewin. der Schwieger- söhn des alten Träger, für die Sozialdemokraten der Stadtver- ordnete Schäfer-Mühlhausen und für die Konservativen kandidiert Arnstadt wieder. Es erscheint zweifellos, daß die Sozialdemokratie vor den Freisinn rückt und damit mit dem Konservativen in die Stichwahl kommt. Bei der jetzigen politischen Situation und vielleicht auch unter dem Einfluß der Kandidatur Dr. Lctvin ist mehr als- sonst auf eine Unterstützung der Sozialdemokratie durch die Fortfchrittler in der Stichwahl zu rechnen und unser Sieg sonach nicht unwahrscheinlich. Die meiste Hoffnung haben die Sozialdemokraten auf den Sieg in Erfurt-Schleusingen. Seit dem Jahre 1883 steht die Sozial- demokratie mit ihrer Stimmenzahl an erster Stelle und die Stimmen haben stetig zugenommen, sodaß wir immer nur um wenige hundert Stimmen hinter der absoluten Mehrheit zurück- blieben. Freilich in der Stichwahl fanden sich dann alle bürgcr- lichen Parteien zusammen und haben einen Konservativen oder Nattonalliberalen in den Reichstag entsandt. Der Kreis war früher durch den bekannten Mittelstäwdler Jakobskötter vertreten, seit 1303 ist er durch den nationalliberalen Landgerichtsrat und zweiten Vorsitzenden des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie Hage- mann vertteten. Hagemann kandidiert wieder, von konservativer Seite ist Rechtsanwalt Ulrich-Berlin aufgestellt, gegen- beide ar- beitet unser Kandidat, Genosse Heinrich Schulz- Berlin mit großer Energie, um diesmal den Kreis im ersten Wahlgang zu holen. Seit der letzten Wahl haben die gewerkschaftlichen Organi- sationen in den Jndustrieorten des Kreises einen außerordentlich starken Aufschwung genommen. Auch die politischen Organisationen sind wesentlich gefestigter, die Parteipresse stark verbreitet. Das gibt die besten Aussichten, dazu kommt eine starke Mißstimmung in den ibürgerlichen Kreisen gegen Hageinann, der sich dieser Tage von einem Amtsblatt abrüffeln lassen mußte, weil er nicht wenig- stens jährlich einmal in den Orten des Kreises zur Berichterstattung über seine Tätigkeit erscheint. Der konservative Kandidat hat fast keine Bedeutung. Der Kampf wird allerdings trotzdem ein harter werden, wählten doch bei der letzten Wahl 91 Proz. der Wähler, Ein neuer klerikaler Wahlschwindel. In der„Neißer Zeitung" vom 12. Dezember 1911 finden wir folgende Leistung, die sicherlich während des Wahlkampfes auch die übrige Zentrumspresse bringen wird, da sie zweifellos schon verwendungsbereit unter dem in M.-Gladbach für den Wahlkampf hcrgcrichtelen Stoff lagert: „Begründung des Antrags 91 auf dem Parteitag der Sozial- dcmokraten zu Köln: „Es widerspricht gänzlich den Prinzipien der Sozialdcmo- kratie, die Mißstände der heutigen Gesellschaft innerhalb der heulige» Gesellschaft zu beseitigen."(Protokoll des Parteitages zu Köln.) Ihr wackeren Arbeiter, merket Euch das gut, die Sozialdemokratie denkt gar nicht daran, Eure Lage zu verbessern. Im Gegenteil geht ihr Bestreben dahin, Eure Lage immer mehr zu verschlechtern, denn nur dadurch glaubt sie, aus Euch sich gefügige Werkzeuge für ihre Zwecke machen zu können. Denkt an diese Volkssreundlichkcit der Roten und gebet ihnen die Antwort am 12. Januar 1912." Die schwarze Falschmünzerkunst hat hier. wieder ein Meisterstückchen vollbracht. An und für sich ist siche» li.h der Vor- wurf, die Sozialdemvkratie wolle die Lage der Arbmiee nicht ver- bessern, sondern verschlechtern, so blödsinnig, wie nur möglich. Daß die Klerikalen ihn ihren Leuten immer wieder vorsetzen dürfen. ist ein schlagendes Beispiel für die geistige Rückständigkeit der An- Hängerschaft des Zentrums. Doch lassen wir das Kapitel ruhen. Stellen wir nur die von den Schwarzen verdrehten Tatsachen wieder richtig auf die Beine. Den Kölner Parteitag beschäftigten u. a. die Anträge 30 und 31. Sie lauteten: . 90. Parteigenossen im 4. Der liner WahlkreiA und Genosse M Harm in Altona: Die Reichsta gKfraktion solle im Reichstag die Reichsregierung auffordern, ei ae Arbeitslosenstatistil auss nehmen zu lassen. � �.. W 91. Parteigenosse Harm in Alt ona: Die Reichstagsiraktion solle darauf hinwirken, dah 1. eine v-m Staate organisierte Ver sicherung gegen Arbeitslosigkeit cing eführt werde; 2. wolle der Parteilag der Äerstaallichung der für die Ernährung des Volkes hauptsächlich in Betracht kommende n Bodenerzeugnisse, insbe- sondere des Getreides, sowie des Ho ndels mit diesen seine Zn stimmung geben; 3. wolle der Parteitag auf Organisierung des Arbeitsnachweises, sei es durch den Staat oder durch die Ge nieinden, hinwirken, resp. hierzu Stell ung nehmen." Die Anträge wurden unterstützt und kamen zur Beratung. Der Berichterstatter über die parlamentarische Tätigkeit, Genosse Singer, sagte dazu: „Der Antrag 90 wird, wie ich glaube, die Billigung des Parteitags finden müssen, da[\an{. zweifellos eine Arbeits loscnstalistik, wenn sie überhaupt Bserj. haben und sichere Grund- lagen zur Beurteilung der tatsächlichen Verhältnisse liefern soll, nur von Organen ausgeführt werden'kann, denen alle Mittel zur Verfügung stehen, um eine richtige Aufnahme zu ermöglichen, Der Antrag 91 verlangt Versicherung flegcn Arbeitslosigkeit, Ver staatlichung der Bodenerzeugnisse und dr.s Getreidehandels, sowie Organisierung des Arbeitsnachweises. Der Antrag behandelt so verschiedene Materien von weittragcv!>! r Bedeutung, daß, ich meine Verwunderung darüber nicht zurück- halten kann, daß ein Parteigenosse glaubt daß solche Anträge so aus dem Handgelenk her aus auf dem Parteitag beraten und beschlossen werden können. Wer solche Anträge stellt, muß die Ver- pflichtung in sich fühlen, auch das Mq terial zur Begründung und Beurteilung derselben vorzulegen, wenn man nicht Be schlüsse ins Blaue hinein fassen, soll. ES ist absolut un möglich, inangels jedes Materials, übrw die Anträge auf dem Parteitage zu beschließen." Der Antrag 90 wurde nach dem Referat Sin gers ohne Debatte der Fraktion zur Erwägung überwiesen, dasselbe geschah mit dem dritten Teil de» Antrags LI. Ter Punkt 2 war jedoch derart, daß der Parteitag ihn nicht annehmen konnte. Nicht in der Begrüw dung des Antrags. sonderninderDebatteüberdenAn- trag sagte W. Heymann: „Es widerspricht gänzlich den Prinzipion der Sozialdemo kratie, die Mißstände der heutigen Gesellschaft innerhalb der heutigen Gesellschaft zu beseitigen. Die heutige Gesellschaft kann diese Uebelstände so wenig beseitigen. ohne sich selbst aufzugeben, als Münchhausen sich an seinem eigenen Zopf aus dem Sumpfe ziehen konnte." Bebel sagte zu dem Antrag, er bringe in seinem ersten Teil in anderer Form wieder einmal das berüchtigte„Recht auf Arbeit zum Ausdruck, da» aber im heutigen Staat nach seiner Ueberzeugung Unsinn sei. Dem Punkt 2 zustimmen, hieße i m heutigen Staat nichts»veiter. als den Agrariern den größten Gefallen erweisen. Den Punkt 3 könne man der Fraktion zur Erwägung überweisen, damit sie ihn in ihrem Entwurf zur Orge nisation der Arbeit in ArbeitSlammern und Arbeitsämtern wieder einbringe. Mit dieser Haltung war die Sozialdemokratie der Sozial- Politik jener Zeit schon weit voraus; welcher vernünftige Mensch wird ihr einen Vorwurf daraus machen, daß sie vor 17 Jahren sich noch nicht für eine staatliche Arbeitslosenversicherung festlegte, die noch lange Zeit nachher in allen bürgerlichen Kreisen als völlig aus- sichtslos galt und noch heute keinerlei Aussicht hat. verwirklicht zu werden. Die Zentvumspresse hat kürzlich jedes Zitat, das nicht voll- ständig sei, für Schwindel erklärt. Das ist nicht richtig. Auch ein Teil-Zitat kann die Ansicht eines Redners richtig wiedergeben. Aber das obige Zitat ist allerdings ein unverschämter Schwindel,— eine, wie deutlich aus der Mache hervorgeht, bewußte und gewollte Fälschung. Ein einzelner Satz wird au» einer Red« heraus- gegriffen und ihm eine Deutung gegeben, die nicht nur dem Sinn der Ausführungen des betreffenden Redners, sondern auch dem aller seiner Genossen direkt widerspricht. »• Das Blatt der Epigonen des StrauchrittertumS, die „Kreuzztg.". schreibt in ihrer Nummer 586: „Durch die linksliberale Presse geht als etwas ganz Bc- sondrns die Erzählung von einem Handwerksmeister in Schlesien, der einem konservativen Agitator in einer Versammlung drei sehr unavgcnehme Fragen, die nicht hätten beantwortet werden können, vorgelegt habe. Nämlich die folgenden: „1. Welches Interesse hat der kleine und mittlere bäuer- liche Besitzer an der Beibehaltung der von den Konservativen verteidigten Getreideeinfuhrscheine? 2. Welches Interesse haben vie bäuerlichen Besitzer an den Futtermittelzöllen? 3. Welches Interesse haben die bäuerlichen Besitzer an der Zu- Wendung von jährlich 4d Millionen Mark an die branntwein- brennenden Doniinialherren?" Unangenehm sollen diese Fragen sein? O nein! Sie sind nur dumm und nichts weiter als wiedergekäutes freisinniges Preßfutter. Die Gctreideeinfuhrscheine. die auf den Wunsch des GctreidchandelS in Ost- und Westpreußen und Pommern eingeführt und erst kürzlich noch von den Liberalen verteidigt worden sind, dienen zur Absatzerleichterung der dortigen Ge treideernte. Was die Futtermittelzölle anlangt, die eigentlich nur von Gerste und Mais� und zwar in geringer Höhe, erhoben werden, so haben die bäuerlichen Besitzer daran das gleiche Interesse wie die Gesamtheit der deutschen Landwirtschaft. DieLandwirtschafts- zolle müssen als ganzes betrachtet werden. ES handelt sich darum, die gesamte Produktion des landwirtschaft- lichen Gewerbes zu schützen. Dabei kann man nicht fragen, ob diesör oder jener Zollsatz diesem oder jenem Besitzer mehr nützt als dem anderen. In der Gesamtheit gleichen die Zölle die Vor- teile aus. an dem Schutzzoll haben also alle ländlichen Be- sitzer Interesse. Und die Zuwendung der„Liebesgabe an die Branntweinbrenner" geschieht gerade auf den Wunsch der s ü d- deutschen Kleinbrenner. Die„Domonialherren" haben nicht viel davon, sie haben sich auch schon wiederholt dagegen aus- gesprochen." Die Notiz ist wegen ihres Eingeständnisses, daß die kleinen bäuerlichen Besitzer von den Futtermittelzöllen keinen Äorteil haben, äußerst interessant. Wäre ein solcher Vorteil vorhanden, selbst»venn er noch so gering wäre, die„Kreuz- ''.eitung" würde sich sicherlich nicht scheuen, ihn zu nennen. Aber sie vermag keinen Vorteil für den Kleinbauern heraus- zufinden, und so hilft sie sich mit der faulen Ausrede, daß, wenn auch die Kleinbauern keinen Nutzen von den Futter- mittelzöllen hätten, ooch die„Gesamtheit der deutscheu Land- Wirtschaft" Vorteil daraus zöge. Das heißt, in ehrliches Deutsch übersetzt:„Zwar der kleine Bauer hat gar keinen Nutzen davon, wohl aber andere Landwirte!" Und welche Landwirte sind da»? Nun, die Rittergutsbesitzer und Groß- bauern, die mehr Futtermittel bauen, als sie in eigener Wirt- jchaft gebrauchen. Dainit diese beim Verkauf aus ihren Futtermitteln einen höheren Preis Heransichlagen können, wird den kleinen Bauern das Viehfutter ganz beträchtlich verteuert— das nennt mau dann, für die„Gesamtheit der' deutschen Landwirtschaft sorgen". Wie Herr v. Hcydcbrand durchgebracht werden soll. Der Landrot des Militscher Kreises, Regicrungsassessor b. Skopnik, veröffentlicht im Kreisblatt eine Liste der Wahlbezirke und Wahlvorsteher für die bevorstehende Reichstagswahl. Unter den 71 Wahlvorstehern befinden sich 17 Rittergutsbesitzer beziv. -Pächter, 5 Domänenpächter, 3 Gutsbesitzer bezw.-Pächter, 1 Teich- Verwalter, 1 Rentmeister. 1 Rendant, 2 Landesälteste, 1 Landschafts- direktor, 4 inaktive Militärs, 1 Kameraldirektor, 1 Güterdirekior, 1 Administrator, 7 Wirtschaftsinspektorcn, 8 Revierförster und endlich 1 Förster. Herr v. Skopnik ist— offenbar um sich nicht'den Angriffen auszusetzen, die vielen seiner Kollegen nicht erspart ge- blieben sind— vorsichtig genug gewesen, die Wahllokale nicht selbst zu bestimmen, vielmehr überläßt er es den Herren Wahl- Vorstehern, sich nach geeigneten Räumlichkeiten umzusehen! Hsrarlsche Aahläemagogie. II. Die„Deutsche Tageszeitung" fährt fort, in einem zweiten Ar- tikel den Zitatenschatz des Reichsverbandes auszuschütten. Sie schickt dieser appetitlichen Blütenlese von entstellten und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten einen polemischen Erguß gegen den„Vorwärts" voraus, in dem sie ihren Losern erzählt, daß der „Vorwärts" über die verlogenen demagogischen Mätzchen des Bündletorgans„in B e st ü r z u n g geraten" sei. In Wirk- lichkeit ist es natürlich dem„Vorwärts" nur sehr angenehm, an der Hand des bündlerischen Schwindels die Unehrlichkeit und plumpe Demagogie der agrarischen Klopffechter zu entlarven. Mag also das Bündlerblatt getrost fortfahren, mit dem reichSverbänd- lerischen Kalbe zu pflügen. Können wir auch dem Oertelblatt nicht in demselben Tempo folgen, da die Widerlegung und Beleuchtung solchen Schwindels natürlich mehr Raum beansprucht, als die Schwindelzitate selbst, die übrigens bereits eine Länge von vier Spalten erreicht haben, so soll unseren noblen Gegnern doch nichts geschenkt werden! Besonderes Gewicht legt die„Deutsche Tageszeitung" darauf, die Religionsfeindlichkeit der Sozialdemokrgtie nachzuweisen. Außer einer Reihe ganz unkontrollierbarer Zitate wird auch eine Rede Bebels aus dem Jahre 1893 zitiert, in der es heißt: „Wir sind gegen alle Autoritäten, gegen die himmlischen wie gegen die irdischen, die sich uns gegen- überstellen, mit denen sie bisher die Massen am Leit- seil, geführt haben und noch zu führen ver- suchen." Schon diese? Zitat beweist ja, daß Babel sich gegen den Miß- brauch der Religion zu kapitalistischen AuSbeuterzwccken gewendet hat. Bebels genauere Stellung wurde von ihm selbst auf dem Parteitage in München im Jahre 1892 in folgender Weise präzisiert: „Jeder mag glauben, was er will; er kann als Sozial- demokrat katholischer Christ, er kann A t h e i st und M a t e r i a l i st sein, das geht innerhalb der Partei keinem Menschen etwas an.... Wir treten der Vevmengung der kirchlichen und staatlichen Gr- malt entgegen und verlangen die absolute Trennung der Gewalten.... Es soll mit diesem Programmpunkt in keiner Weise den religiösen Anschauungen einzelner zu nahe ge- treten werden, wir stehen im Gegenteil— das ist unseke heiligste Ueberzeugung— auf dem Standpunkte, daß wir in religiösen Glaubensfragen absolute Neutralität und nichts als Neutralität zu beachten haben." Und danach handelt selbstverständlich auch die Sozialdemo- kratie. Die Religion als solche, das private Glaubens- bekenntnis des einzelnen kümmert sie nicht, wobei natürlich jeder einzelne Genosse ebensogut wie der berühmteste Prcußcnkönig, Friedrich II., daS Recht hat, sich zum Atheisnius zu bekennen. Daß die Sozialdemokratie aber die Herrschafts- und Bevor- mundungsgeltiste der StaatSkirche bekämpft und den Mißbrauch der Religion zur Berdnmmuiig und Daniederhaltung der Massen brandmarkt, hat mit der Religion als solcher nicht das geringste zu tun! Daß aber die Kirche sich bis auf den heutigen Tag unter Preisgabe der wahrhaft religiösen Grundsätze mit den Herr- chenden Gewalten verbündet hat. das ist auch von zahlreichen Theologen selbst unumwunden zugegeben worden. So erklärte dckr Oberkonsistorialrat Frank-Danzig in einer Rede am ö. Sep tember 1900: „Mag die gegenwärtige Wirtschaftsordnung den höchsten An- forderungen entsprechen, christlich ist sie nicht, sondern sehr u n ch r i st l i ch, s e l b st s ü ch t i g und grausam. Aber daß die Wirtschaftsordnung, ivelch« die Sozialdemokraten erstreben, jenen christlichen Grundsätzen der Gleichheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit viel mehr entspricht, als die gegenwärtige kapi talistischr, das kann kein Unbefangener und Klar- blickender in Abrede st e l le n. Die Kirche hat niemals vollen»nd ganzen Ernst gemacht mit dem offenen Bekenntnis zu den sozialen Forderungen Jesu und der Apostel." Der Pfarrer P f a n n k u ch e- Osnabrück äußerte sich im November 1907 folgendermaßen: „Ich halte es wohl für möglich, daß ein Mitglied deS evangelischen Arbeitervereins einer freien Gewerkschaft und auch der sozialdemokratischen Partei angehöre. Es muß öffent- lich festgestellt werden, daß das Programm der sozialdemokrati- scheu Partei nicht das geringste enthält, daS einen guten Christen abhalten kann, der Partei beizutreten." Pfarrer Fischer sprach auf dem 23. Deutschen Protestanten- tag 1907: „Und man scheue sich schließlich auch nicht bor dem Worte Sozialdemokratie. In der Schweiz gibt es bereits sozialdemo- kratische Pfarrer. Weshalb soll denn nicht auch bei uns einmal ein Pfarrer diesen Weg gehen?" Pfarrer Cordes schrieb in einer 1908 erschienenen Schrift: „Wie'verhält sich grundsätzlich beides zu einander: Die Idee einer Arbeiterbewegung, die auf Besserung geht. und strebt nach dein Ziele des Sozialismus, eines brüderlichen Zusammenarbeitens der Menschen, und die Weltanschauung, die Religio», jenes innere Leben im Aufblick zu Gott? Ich meine, sie passen ausgezeichnet zusammen.... Es isl Gottes Wille, daß die Massen sich aufraffen und das Notwendige, das ihnen nicht von selbst zufällt, sich erringen im Kampfe der Organi- sation." Pfarrer Lamparter führte in einer Stuttgarter Versamm- lung im März 1909 auS: „Man wird nicht sagen können, daß. wenn das sozial- demokratische Programm sich verwirklichen würde, die Pflege religiösen Lebens und die Befriedigung der rcli- giösen Bedürfnisse nicht mehr möglich wäre.... Die sozialdemokratische Partei war die erste— das muß man ihr zugestehen, das ist ein Zeugnis der Geschichte und der W a h r h e i t—, die zielbewußt und tatkräftig für die Interessen der wirtschaftlich Schwachen eingetreten." Wir wollen es für heule bei diesen Ziiaicn aus dem Munde von G e i st l i ch e n bewenden lassen. Solche Erklärungen besitzen doch wohl größeres Gewicht als der reichsvcrbändlerische Tratsch des Junkerorgans, dessen christliches Glaubensbekenntnis sich mit jenem Bischofsworte deckt: Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben! Echt agrarische GeschichtSunkenntnis beweist auch die Berufung des Ocrtelorgans auf das Wort Wilhelm Liebknechts: „Seht Euch die Pariser Kommune an: das ist die Tik» tatur des Proletariats!" Das Bündlerolatt traut offenbar den Wählern zu, daß ihnen schon das Wort Kommune eine Gänsehaut verursachen wird. Ein bürgerlicher Schriftsteller freilich, der ein aus fleißigem Studium beruhendes Buch über die Kommune verfaßt hat, Karl Bleibtreu, urteilt über die Kommune: „Keine Regierung, sei sie reaktionär oder revolutionär, hat je die Schonung von Leben und Eigentum solange als irgend möglich bis zum äußersten getrieben, wie die verlästerte Kommune." ver Steuerrsud. Wenn die Regierung gemeint hat, durch die jüngste Ver» öffentlichling der Steuererträguisie in der„Nordd. Allg. Ztg." dem Schnapsblock einen Liebesdienst erwiesen zu haben, so ist sie wirklich nicht recht gescheit. Denn diese Zahlen geben gerade der Sozialdemokratie, der unermüdlichen Bekämpfen» des Rliilbsystems der indirekten Steuern» neues und wertvolles Agitatiousmaterial. Jlliistrieren sie doch nur aufs neue die egoistische Gemeinheit, aus der die Finauzreform geboren worden ist. Und gerade das, was die Regierung an den neuen volksfeindlichen Steuern so rühmt, daß sie nämlich so große Erträgnisse gebracht hätten, als vorausberechnet worden ist. beweist nur, soweit es zutrifft, daß eben die Niedertracht vollendet, der Raub zu einem großen Nmfaug bereits ge- lnngeii ist. Nach den Angaben der„Nordd. Allg. Ztg." haben sich die Erhöhungen der alten und die neu eingeführten indirekten Steuern folgendermaßen gestaltet: Dazu kommen noch 35 Millionen Mark Zucker st euer und 2t) Millionen Mark Fahrkarten st euer; um diese 55 Millionen Mark sollte die indirekte Steuerlast ermäßigt werden; der Schnapsblock lehnte aber die Er,- Mäßigung ab. Zu diesen 355 Millionen Mark, die vor allem die Besitz- losen belasten, kommen nun folgende Bcrkehrssteucrn, die eins Hemmung der Volkswirtschaft bedeuten und zum Teil gerade den von den Konservativen und dem Zentrum so sehr ge» liebten Mittelstaud einpfindlich treffen: friiber ... 16,4 Wechselstempel.. Zckiecksleiiipel... Wertpapiere... ÄrundsUicksabgaben 27.2 1011 18.1 3.1 «3.1 4l.7 Steigerung U 8,1 35.9 41,7 43,6 126,0 mag. Wie immer man nun diese Verkehrssteuern beurteilen sicher ist, daß ein Teil der Stevern im Preis ab» gewälzt wird, daß sie schädliche Nebenwirkungen haben— die blödsinnige Schecksteuer z. B. bringt nichts Nennenswertes ein. aber hemmt die Verbreitung Volkswirt- schaftlich vernünftiger Zahlungsgewohnheitcn— und daß sie die reichen Großgrundbesitzer zum größten Teil überhaupt nicht treffen. Als einzige Steuer, die"wenigstens in der Theorie alle Wohlhabenden heranzieht, kann in dm ganzen Steuer- sammelsurium des Schnapsblocks also eigentlich nur eine Steuererhöhung gelten: die der S ch a u in w e i n st e u e r; sie ist von 8.6 Millionen Mark auf 13,6 im Jahre 1911 gestiegen. �iese 5 Millionen sind die einzige wirkliche Belastung der Wohlhabciidcu. Diese fünf Millionen hat der Schnapsblock konzediert, um sich die jiilirliche Schuapsrcnte von 46 Millionen zu sichern und die 92 Millionen Erbschaftssteuern zu ersparen! Diese 5 Millionen sind das„Opfer", das die Konservativen und Klerikalen auf den Altar des Vaterlandes dargebracht haben. Diese 5 Mill. stehen gegenüber den 355 Mill. steuern auf die Bedarfsiiiittel der Aerinstcn iiud den 82,4 Millionen Mark, mit dem der wirtschaftliche Verkehr belastet worden ist! Das ist der»wahre Patriotismus" des Herrn p. Hoyde» brand!___ Die neue marinevorlage. In der„Täglichen Rundschau" wird wieder einmal von „unterrichteter Seite" der Regierung auseinandergesetzt, wie sie kolossale Mehrausgaben für die Flotte in den Etat ein» stellen könne, ohne eine neue Marinevorlage oder auch nur eine Ergäuzungsuovelle dem Reichstag vorzulegen. Es hau» delt sich dabei freilich nicht um einen neuen ingeniösen Einfall, sondern um das alte dummpfiffige Rezept des Flotten» Vereins. Im Flottengcsctz, so setzt der gelehrige Schüler des Großadmirals von Köster auseinander, fei der Sollbestaud der großen Kreuzer auf 26 Schiffe festgelegt worden. Daran solle nun auch nicht gerüttelt werden, sondern man solle nur dafür sorgen, daß die 26 Kreuzer in kürzerer Frist ge» baut würden. Lege man aber, entgegen dem bisherigen Flottenbauplan, zu dem Linienschiff und dem großen jireuzer, die nach dem jetzigen Bauplan von 1912 ab zu bauen sind, noch jährlich einen großen Kreuzer mehr auf Stapel, so verstoße das keineswegs geg?» die Absichtcu des Fiottengesehesl Es ist unglaublich, daß dieser Schwindel immer von neiieui aufgetischt werden kann. Der Witz ist doch gerade der. daß das Flottengesetz nur dann innegehalten werden wird. wenn es bei dem bisherigen Bauplan bleibt. Würde aber in den nächsten Jahren ein Schiff mehr gebaut, so bedeutete daS eben die Vermehr, ilig der Flotte und eine osfeiikundige Durch- brechnng des Flottengcsches. Kein vernünftiger Mensch int In- und Auslande wird sich darüber hinwegtäuschen lassen. England insbesoiidcrc wird— darüber hat es ja keinen Zweifel gelassen— dies Manöver als einen Bruch des Flotten- gesetzes betrachten und sofort init Gegenrüstungen ansivortc'i. Sind dann die 26 großen Kreuzer gebaut so wird da» Rüsten erst recht in noch beschlennigterem Tempo auch vtz» Deutschland fortgesetzt werden! Aber See Sachkundige der„Täglichen Rundschall" be- gnügt sich nicht mit dieser Mehrsorderung, die zirka Kl) Mil- lionen jährlich betragen würde. Er verlangt auch, dasi nkln endlich ernst gemacht werde mit der In d i e n st h a l t u n g der Reserveschlachtflotte. Auch diese vermehrte Indienststellung sei ja durch das Flottengeseh bereits ge- fordert, nur fei sie bisher nicht verwirklicht worden. Jetzt aber habe man in den Kaiser-Panzern und Wettins-Schiffen Linienschiffe genug, um auch die Reserveflotte„allmählich" in den Tienst zu stellen. Diese Jndieusthaltung der Reserveflotte würde natürlich gleichfalls enorme Aufwendungen verursachen. Durch den Geheimerlasi des Herrn von Tirpitz, den der „Vorwärts" seinerzeit veröffentlichte, wurde der Oeffent- lichkeit bekanntgegeben, daß der Reichstag im Jahre 1900 über die Kosten der im Flottengcsctz bestimmten Jndienst- Haltung in der unglaublichsten Weise getäuscht worden war! In dem Geheimerlaß wurde ja dargetan, daß diese Jndienst- haltungskostcn die vorausgesehenen Ausgaben für das Flottengesetz ganz kolossal erhöht haben würden. Und wenn man bis jetzt die Organisation der dienstbereiten Reserve- flotte noch nicht durchgeführt hat, so nur deshalb, weil ja ohnehin durch die ungeheuerliche Erhöhung der Baukosten die bei der Beratung des Flottengesetzes gegebenen Jahres- bedarfsberechnungen unglaublich überschritten worden sind. Ist doch der Flottenetat, der im Jahre 1911 nach diesen Be- rechnungen nur etwa 300 Millionen betragen sollte, inzwischen auf mehr als 450 Millionen angewachsen! Kämen nun die Kosten für einen großen Kreuzer und die Ausgaben für die verinehrte Jndiensthaltung hinzu, so würde sich der Flotteieetat sicherlich um jährlich mindestens 100 Millionen erhöhen! Dabei bemerkt noch die„Tägliche Rundschau" redaktionell. daß es sehr wohl möglich sei. daß die Regierung in ihren Forderungen noch beträchtlich über das hinausgehen werde, was ihr Gewährsmann von ihr erwartet See Krieg. Bom Kriegsschauplätze in Tripolis. Rom, 15. Dezember. Aus Tripolis. Ainzara. Tab- furo und H o m s liege» keine neuen Nachrichten vor. Tadjura wurde durch Telephon mit Tripolis verbunden. Kundschafter und Flieger bestätigen, daß das Gebiet nördlich von Azizie fast völlig vom Feinde geräumt ist. Ein Teil der Türken soll sich in Garian, ein Teil in Azizie befinden. Bei den Türken sollen s? I) noch etwa etwa tausend Araber von Dschebel und aus govio sowie einige Häuptlinge aus anderen Ortschaften, jedoch ohne Mannschaften sein. ES sind Anzeichen dafür vorbanden, daß Araber die Türken ver- lasten in der Absicht, sich den Italienern zu unterwerfen l??). AuS B e n g h a f i wird nichts Neues gemetdet. (Die Italiener sind mit ihren Spekulationen auf die freiwillige Unterwerfung der Araber bis jetzt stets hereingefallen, sie scheinen dadurch aber nicht klüger geworden zu sein, es fei denn, dah das Geschwätz der obigen offiziösen Meldung nur dazu bestimmt ist, das italienische Boll z» täuschen. D. Red.) Der Bormarsch ins Innere. Rom. 16. Dezember. In hiesigen militärischen Kreisen demen- tiert man die Nachricht, dah General C a n e v a beabsichtige, nun- mehr mit seinen Truppen in das gebirgige Gebiet von Tripolis bis nach Gbarian vorzudringen. Der Obi-rbefehlsbaber hat im Ein- Verständnis mit der Regierung beschlossen, alle Anstrengungen in der Cyrenaika zu machen, um den Besitz dieser Provinz ebenso zu behaupten wie Tripolitanien. (Wir haben schon mehrmals darauf hingewiesen, daß die Italiener nicht an einen energischen Borstoh in daö Innere denken können, so lange sie in der Cyrenaika nicht über den engen Kreis der von ihnen besetzten Küstenstädle Benghasi, Derna und Tabruk herausgekommen sind. Die linke Flanke der von Tripolis aus vor» geschobenen Truppen ist vorläufig noch von den türkischen und arabischen Streitlrästen, die noch in der Cyrenaika stehen, bedroht. General Caneva weist reckt gut, warum er sich nicht allzuweil von Kripolis entfernt. D. Lied.) Tuindnm-Geschvffe? Rom, 15. Dezember. Die.Agenzia Stesoni* teilt mit: Der türkische K r i e g s», i n i st e r veröffentlicht eine Depesche des Kommandanten der türkische» Truppen>n Benghasi, die besagt, dast die Italiener Dumdumgeschosse und andere Explosivgeschosse verwendeten, die dn'ck die internationalen Uebcrcinkommcn vorboien sind. Der Kommandant soll angekündigt haben, er werde italienische Mnnitionskisten mit Dnmdimigeichossni nach Konstanlinopcl senden. Diese durch den türlischen Minister veröffentlichte Nachricht entbehrt jeder Begründung. Es genügt dazu, aus die Tatsache hinzuweisen. dast bis jetzt keine Munitionskisle den Jialienern vom Feinde ge- nommen wurde, denn er wurde steiS geichlogen l a i an seiner Idee der Erhältung der Dynastie festhält. Singapore, 15. Dezember. Dr. D u n y a t s e n und Mr. H o m e r Lea sind in Penang aus dem Wege»ach China eingetroffen. Dr. Kauyalse» ist von einer starken Eskorte Chinesen umgeben, und es ist uniiiöglich, ihn zu sprechen. politifcde(leberlickt. Berlin, de» 15. Dezember 1911. Angola und das Dementi der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat. wie wir gestern mitteilten, die Enthüllungen der „Hnmanitö" über die hösisch- klerikale Verschwörung yegen die portugiesische Republik in höherem Auftrage dementieren müssen. Wir haben die Angaben unseres franzö- fischen Parteiblattcs mitgeteilt, um unsere Leser davon zu unterrichten. Wir können selbstverständlich nicht für die Richtigkeit jeder der in den.,Humamts"-Artikeln enthaltenen Einzelheiten unsere Hand ins Feuer legen, aber mit einem hochnäsigen Dementi des MinifterblattcS ist die Sache auch nicht abgetan. Es wäre doch wahrlich nicht das erstemal, daß Pfaffen, Unterröcke und Fürstenhöfe zugunsten einer wackelig ge- wordenen Dynastie eine kleine Verschwörung anzettelten. In den Artikeln der„Hmnaiüto" spielt auch Angola. die portugiesische Kolonie im Norden Deutsch-Südmestafrikas, eine Rolle. Tie Schilderung, die hier von diesem Stück afrikanischer Erde gegeben wird, ist entschieden zu rosig ge- färbt. Angola ist eine Tropenkolonie, die wie alle anderen, bestimmten kleinen Kapitalistengruppen Vorteile gewähren ivürde, deren Erhaltung und Verwaltung das Mutterland nur belasten würden. Dazu konnnt, daß das Land durch jähr- hundertelange portugiesische Mißwirtschaft— besonders hat hier der Sklavenhandel nach Amerika geblüht— herunter- gekoinmen ist. Die„Nordd. Allg. Ztg." bestreitet, daß Angoka bei den Marokkoverhandlungen zwischen Herrn Kiderlen-Waechter und dem Botschafter Cambon eine Rolle gespielt habe. Das mag zutreffen. Tatsache ist aber, daß in den Kreisen deutscher Kolonialinteressenten und Kolonialtreiber die Erwerbung Angolas stets als dringende Aufgabe hin- gestellt worden ist. Wir haben schön im Juli in unseren Artikeln über die Ovambofrage darauf hingewiesen, daß das„Reinmachen im Ovamboland" zu Konflikten mit Portugal führen ivürde. Solche Konflikte sind schon in diesem Sommer in dem nicht unmittelbar zum Ovamboland gehörenden C a p r t V i- Zipfel in Erscheinung getreten. Die Irrfahrt der Kolonne Frankenberg gab dazu den Anlaß. Die deutsch-portngie- fische Grenze ist in jenen Regionen sehr ungenau, so daß portugiesische Forts auf angeblich deutschem Gebiet angelegt wurden. So das Fort Libebe,(benannt nach dem Häuptling des dort hausenden Andarastammes) dessen Einziehung nach der„Norddeuischen Allgemeinen Zeitung" von der portugie- fischen Regierung verlangt worden ist. Die ganze Angola-Affäre hat insofern Bedeutung, als dtirch sie die Aufmerksamkeit lvieder ans die Vorgänge im Norden dieser südwestafrikanischen Kolonie gelenkt wird. Dei Verdacht liegt sehr nahe, daß uns nach den Wahlen mancherlei unliebsame Uebcrraschungen vom Kuene und vom Okawango beschert werden. Eine ofstzielle Aufklärung über die Irrfahrt des Bezirks- kommiffars von Frankenberg ist unseres Wissens nicht gegeben worden. Ebensowenig weiß man, ob die ganze zur Auf- suchung Frankenbergs entsandte Kolonne der Schutztruppe (2 Kompagnien berittene Infanterie, 1 Maschinengewchr-Zug. 4 Geschütze und ein Verkehrszug) wieder aus dem Norden zuriickgezogen wurde. Dagegen ist bei der Bahnstation Otavi ein umfangreiches militärisches Depot für Lebcnsniittel u. dgl. angelegt worden. Außerdem deuten andere Maßnahmen in Siidwestafrika daraufhin, daß über kurz oder lang ein Ovaiiibo- feldzug zu erwarten ist. Und da die Ovambostämme teils auf deutschem, teils aus portugiesischem Gebiet Hausen, muß auch aus Kouslitte mit Portugal gerechnet werden. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß die South West Africa Eonipauy ungefähr im Mai dieses Jahres ihre Anteile an den Otaviminen losschlug, einmal weil sie über die Abbnufähigkeii der Otaviminen auf Grund von Gutachten englischer Sach- verständiger, die man in Deutschland verheimlicht hat, sehr pessimistisch dachte, dann aber auch, weil sie mit kommenden kriegerischen Verwickelungen rechnete. Die Irrfahrt Franken- bergs hängt nicht direkt mit der Ovambofrage zusammen— aber sie ist eine Teilerscheinung von Vorgängen, die im Norden unserer Südwestafrikanischen Kolonie zu ernsten Ver- Wickelungen zu führen scheinen. Das deutsche Volk wird voraussichtlich im kommenden Jahre eine nette Anzahl von Millionen nicht allein im neu- erworbenen Kongogebiete, sondern auch im Ovamboland und am Okawango verpulvern müssen! Das jüngste päpstliche Motuproprio und die preustische Regierung. Das Wolffschc Telegraphcnbureau veröffentlicht folgende offiziöse Erklärung: Noch Veröffentlichung des Motuproprio„quem ts vis diligentia" vom 9. Okiober d I. durch die sota apostolicas sedis vom 10. November d. I war der königlich preußische Gesandte beim päpstlichen Sluhl angewiesen ivorden. bei der Kurie festzuslellen, ob der Geltungsbereich des pävsi- lichen Erlasses sich auch auf Deui'chland eriirecken sollte. Der Knrdiualstonissekrctär ho« Herrn V. Mühlberg nunmehr erklärt, daß die Prinzipien des kanonischen Rechts, die Monsignore Heiner in seinem bekannten Artikel über das Motuproprio„quantavis diligentia" und die Derogation des Privilegium kori durch GewobubeilSrecht entiv-ekell hat. den kanonische» Lehren konsorm sind, und daß deshalb das Motuproprio„quantavis diligentia" Deutschland nicht berührt. Nack dein Anerkenntnis der Kurie, datz daS Motuproprio für Deutschland keine Geltung hat, besteht für die Staats» regier» II g kein Anlaß mehr, die Angelegenheit weiter zu verfolgen._ Nochmals die billigen Kartoffeln. Heber höchst merkwürdige Erlebnisse, die Erfurter Eisen- b a h n b e a in t c und E i i e» b a h n a r b e i t e r mit der dortigen Veririrliungsbehörde bei Abschlug von Kartoffellieferungen ge- wacht haben, wird uns folgendes>aus Erfurt berichtet: Ju der zweiten Hälfte des September wurden, wie es heißt, auf Veranlassung des Eisenbahnministers Listen in Umlauf ge'ctzt zur Einzeichnung von Kartofselbestcllungen. Die Kar- tosfeln. gute Ware, sollten fiir etwa 3,35 M. pro Zentner frei Keller geliefert werden, t0— S5 Proz. des Betrages wurden bei der Bestellung erhoben; viele Besteller entrichteten aber auch höhere Beträge. Nach langer Verzögerung kamen die Kartoffeln endlich aus der Danziger Gegend an. Sie waren zum großen Teil nicht zu genießen. Die Besteller bezeichneten sie direkt als V i e h- i u t t e r. als sie sich aber beschwerten, erhielten sie zur Antwort. sie müßten sich e i n e n Dämpfe r kaufen und die' Kartoffeln dämpfen, dann würden sie gut! Eine gewiß recht eigenartige Zu- gäbe zu„billigen" Kartoffeln.! Als trotzdem in vielen Fällen die Z u r ü ck n a h m e der schlechten Kartoffeln verlangt wurde geschah das wohl, aber zugleich erschien auch ein„Dämpfer" auf den sich steigernden Unmut in Gestalt einer Bekanntinachung des Erfurter Eiscnbahnprnsideuten folgenden Inhalts: Es sei nicht gestattet, die B e st e l l u n g e n z u r ü ck z u zl e h e n, die Bestellungen müßten unter allen Umständen aufrecht- erhalten werden, Geld gäbe es nicht zurück. Wenn Frost eintrete, könne auch nicht weiter geliefert werden. Und an die„Vertrauensmänner und B o r st ä n d e" erschien ein anderes Rundschreiben, wonach Beschwerden und Rück- trittsge suche von der Lieferuugsbeteiligung zu rück zu- geben seien. Das geschah denn mich, zumal es nicht an dem zarten Wink fehlte, dah die Ausrechterhaltung der Beschwerde«einen schlechten Eindruck" bei der Eisenbahndirektion mache. Wie mitgeteilt wird, 'ollen jetzt sogar noch eine Anzahl Lieferungen ausstehen. Die Iber die ganze Affäre höchst erbitterten Eisenbahner möchten aber auch wissen, was mit dem erzielten Ueherschuß ge- ch i e h t. Die mit 3.35 M. gelieferten Kartoffeln sollen nämlich zum Preise von nur 1,8t) bis 2 M. angekauft worden sein, und da beträchtliche Mengen in Frage kommen, müßte also ölich der Ueberschuß ziemlich erheblich sein. Die Wirkung des Schnapsbohkotts. Die Handelskammer zu Wesel äußert sich in ihrem letzten Geschäftsbericht zum Branntwein st euergesetz und Schnapsboykott folgendermaßen: Der Geschäftsgang in der Branntweinindustrie war matt und ging der Verbrauch infolge der durch das erwähnte Brannt- wcinsteuergesetz bedingten Preiserhöhungen auf fertige Liköre ujw. derart zurück, daß er höchstens 30—70 Proz. normaler Jahre erreichte, ohne daß die allgemeinen Unkosten hätten gemindert werden können. Dazu kam noch der B r a n n t w e i n b o h k o t t der Sozialdemokratie, toelche sich besonders beim Absatz im Kohlenrevier bemerkbar machte. Zu all diesen Verhältnissen trat noch die Erfahrung, daß das Gastwirtsgewerbe keineswegs in der Lage ist, die ihm auferlegten Lasten zu tragen und infolgedessen Zahlungseinstellungen, in bisher unbekannter Häufigkeit erfolgen. Den Schaden haben in erster Linie die Likörfabrikanten, da die Brauereien in den meisten Fällen durch Hypotheken oder andere Sicherheiten gedeckt sind!_ frankreick». Kriegsgerichtsbarbarei. Paris, 15. Dezember. Das Kriegsgericht von Le ManS perurteilte fünf Soldaten, die kürzlich eine Meuterei im Militärgefängnis angezettelt hatten, zu Gefängnis» strafen von vier bis zehn Jahren. Mehrere der An» geklagten bekannten sich offen als Anarchisten und Anti» m i l i t a r i st e n. Italien. Wieder ein Journalist ausgewiesen. Rom, 13. Dezember.(Eig. Ber.) Ein russischer Journalist, der als Korrespondent dcS„Reich" von Petersburg und der „RuSkaja Myll" in Rom lebte, ist aus Italien ausgewiesen worden, weil seine Korrespondenz nicht nach dem Geschmack der Regierung war. Der Ausgewiesene ist ein politischer Flüchtling, gehört also zu denen, denen ein Asyl zu bieten Italien bisher für Ehrensache galt. Man denke an die große Agitation, die so erfolgreich gegen die geplante Ausweisung von Michael Götz vor einigen Jahren durchgeführt wurde. Damals empfand auch der liberale Teil der Bourgeoisie die Ausweisung als eine Schmach— heute protestiert außer den Sozialisten kein Mensch gegen die Landesverweisung des aus seinem Baterlande vertriebenen Ruffen. Cnglanck. Erklärnngen Grehs über Deutschlnnd und die persische Frage. London, 14. Dezember. Im weiteren Verlauf der Unter- Hausdebatte über auswärtige Politik ergriff Sir Edward G r e y das Wort und wandte sich zunächst gegen die Forde- rung, die Aktenstücke über Marokko zu veröffentlichen. Das wären vergangene Ereignisse: es gelte aber einen neuen Anfang zu machen. Dann fuhr der Minister fort: Sir Henry Norman sprach von der großen Entmutigung, die sowohl hier wie in Deutschland von Leuten empfunden würde, die wohlwollend gesinnt seien und gute Beziehungen zwischen den beiden Läinern wünschten. Ich möckzte alles tun. was ich lann, um mit dieser Entmutigung ein Ende zu machen. Sir Henry sagte, daß die Stimmung in Deutschland augenblicklich keine gute sei. ES mag fein, daß wir etwas warten müssen, bis die Atmosphäre besser geworden ist. Denken Sie andererseits daran, daß die M a r o k k o f r a g e a u s dem Wege geräumt ist. Das hat auch der deutsche Reichskanzler in seiner ersten Rede gesagt. Wenn ich irgend etwas von dem, lpas ich neulich sagte, wiederholen soll, dann möchte ich erklären, daß die Marokkosrage, wenn sie bei» gelegt ist künftig den Weg der Diplomatie ebnen sollte. Wenn Frankreich und Deutschland die Marokkofrage für sich allein bei- legen, so werden wir nur zu gern Vorteil aus jedem Ebnen dieses Weges ziehen. Das kann ich bestimmt sagen, was ich bereits in meiner Red« erklärt habe, und was auch der Premierminister zum Ausdruck g. bracht hat: Was für Schwierigkeiten auch auftreten mögen, Eifersucht auf Deutschlands Expansion i st nicht unser Bew egg rund u n o wird es niemals sein. Dann sprach der Minister über P e r s i e n: Sir Edward Giey gab einen erschöpfenden Bericht über die während der jetzigen Krisis zwischen der englischen und der russischen Regierung ausgetauschten Mukeilungen und erklärte, er halte e» nicht für unmöglich, die Schwierigkeit der Entsckädi» g u n g s f o r d e r u n g e n zu ü b e Ir w i n d e n. trenn die übrigen cusiischeii Forderungen im Prinzip erfüllt würden, und wenn die russische Regierung sicher wäre, daß es eine persische Regierung gebe, welche die besonderen Interessen Rußlands und Englands in jenen Teilen Persiens nicht mißachten würde, die beide Länder speziell interessierten. Wenn die KrisiS Persiens beendet sei, müsse Englands Politik in Persien die eineS Wieder- aufbaues sein. Greh wies im Anschluß auf verschiodene Rc- formen hin, die ftir bessere Verhältnisse in Persien notwendig erschienen, unter ihnen auf Erleicksterungen zur Erlangung einer Anleihe unier angemessenen Bedingunzen. Er betonte, wie wichtig 's sei. daß Rußland und England auf der Grundlage des Abkommens zusammen arbeiteten. Die Aufrechlerhaltung des Abkommens allein würde eine friedliche und regelmäßige Ent- Wicklung Persiens ermöglichen. Die englische Regierung hxbe bei der russischen keine attveichende Aufsaffung über die nach der KrisiS zu befolgende Politik gefunden. Rußland. Der Kampf der sozialdemokratischen Dumafraktion. Die Telegramme haben bereits kurz gemeldet, daß eS in der Dumasitzung vom 6. Dezember, infolge des Versuchs der Sozialdemokraten, das Justizverbrechen gegen die sozial» demokratische Fraktion der zweiten Duma wieder zur De- batte zu stellen, zu stürmischen Szenen gekommen ist, während welcher 4 Sozialdemokraten und 1 Rechter aus der Sitzung ausgeschlossen wurden. Der nun vorliegende steno- graphische Bericht entrollt ein Bild, das in der Parlaments« geschichte aller Länder seinesgleichen nicht hat. Man muß die Unerschrockenheit und de» Mut unserer Genossen bewundern. die gegenüber den skrupellosen infamen Gegnern, die sich wie eine Horde wilder Tiere gebärdeten. unter einem auf der Höhe dieser Mehrheit stehenden Präsidium, ihren Kampf um Recht und Wahrheit konsequent fortgeführt haben. Zur De» batte standen in dieser Sitzung die bekannten Interpellationen über das Attentat gegen Stolypin und die Verbrechen der „Ochrana". Als Genosse G e g e t s ch k o r i das Wort ergriff, schleuderte ihm der Freund des Jannschauers, der Echtrusse P u r i s ch k e w i t s ch ein so unflätiges Schimpfwort ins Ge- ficht, daß das Präsidium es hernach aus dem Stenogramm entfernen lassen mußte. Der den Vorsitz führende Oktobrist Kapnstili, eine servile, hysterische Jammergestalt, begnügte sich Hill einer sanflen Rüge an 8ie Adresse des Pogromisten. Aber die volle Schale seines Zornes schüttete er über den Sozial- demokraten aus, als dieser sich erkühnte, die zur Debatte stehende Frage der Provokation durch das Verbrechen zu illu- strieren, das die Petersburger„Ochrana" vor der Auflösung der zweiten Duma an der sozialdemokratischen Fraktion ver- übt hatte. Gegetschkori sprach:„Wir sind nicht so naiv, um auf das Mitgefühl der Dumamehrheit für unsere lebendig begrabenen Genossen zu rechnen. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Mehrheit der dritten Duma noch dieser Tage durch Anwendung der gröbsten Gewalt die öffentliche Erörterung unserer Interpellation zu vereiteln gesucht hat. Wir wollen nur noch ein übriges Mal durch diese grelle Tatsache zeigen, welche konstitutionelle Schlange die Finanzbourgeoisie in Ge- stalt der Regierung, der Feldgerichte und der Hinrichtungen, in Gestalt der Regierungsspitzel, der Provokateure und In- quisitoren an ihrem Busen wärmt." Als nun der Redner zum Staatsstreich vom 16. Juni 1907, der Frucht der Re- gierungsprovokation, überging, brach ein Lärm und Gebrüll im Zentrum und auf der Rechten los, daß man sich in ein Irrenhaus versetzt glaubte. Diese Obstruktion der Regie- rungsparteien bekämpfte der Vorsitzende dadurch, daß er— dem Sozialdemokraten das Wort entzog. Fast drei Stun- den lang wogte der Kampf der kleinen sozialdemokratischen Fraktion, die von der gesamten Opposition unterstützt wurde, gegen die Mehrheit, die ihr mit allen Mitteln der Gewalt den Mund verstopfen wollte. Das Ergebnis war. daß von unseren Genossen nacheinander ausgeschlossen wurden: Gegetschkori für 1 Sitzung. Tschscheidse für 7 Sitzungen, Sacharow für 5 Sitzungen, Kusnetzow für 15 Sitzungen! Unser Parteiblatt„Swcsda" schreibt hierzu:„Wahr- scheinlich werden am nächsten Mittwoch die übrigen Sozial- demokraten ausgeschlossen werden— ihre Zahl ist ja nicht allzu groß—, und das Leben in der Duma wird wieder in ein ruhiges Fahrwasser gelangen. Die Interpellation da- gegen wird ebenso in der Kommission begraben werden, wie, die sie angeht, auf der Katorga begraben sind."... Die offiziöse„N o w o j e W r e m j a" aber schreibt zähne- knirschend:„Es ist Herrn Gegetschkori in der Tat gelungen, die Reichsduma zu zwingen, zur Erörterung der Jnter- pcllation betreffend die Mitglieder der zweiten Duma über- zugehen." � Die ohnmächtige Wut, die aus diesen Worten spricht, zeigt deutlich, wie empfindlich die Regierung sich durch das tapfere Vorgehen unserer Genossen getroffen fühlt. Amerika. Staatliche Lebensversicherung im Staate Wisconsin. In einigen Monaten wird, gemäß einem Beschlusie der dies- jährigen Staats lcgislatur, eine staatliche Lebensversicherung unter Leitung eines besonderen Versichcrungskommissars eingeführt werden. Die Verwahrung der Gelder übernimmt der Staatsschatz- meister. Alle städtischen und Bezirksverwaltungen werden Anmel- düngen und Prämien entgegennehmen. Das System beruht auf Gegenseitigkeit. Der Staat trägt nur die Verwalwngskosten. Die BlaroShovcrhandlungcn. Die Rede des französischen Ministers des Aeußern ent- hält als wesentlich neues Moment nur die Angabe über die ursprünglichen Fordetungen Deutschlands. Die deutsche Re- "-"ifterung verlangte als Kompensation die Abtretung des G a- b u n und des Stückes von Französisch-Kongo, das von der Küste bis zum Sangha reicht, also des größten Teiles des französischen Aequatorialafrika. Die Größe dieser Forderung läßt es erklärlich erscheinen, daß sowohl die französischen als auch die englischen Staatsmänner auf die Idee verfallen konnten, Deutschland sei es mit der Kompensationssorderung nicht ganz ernst. Es rechne mit einem Scheitern der Ver- Handlungen und verberge seine weiteren Absichten im Dunkeln. Heute weiß man ja. daß das nicht der Fall war und daß dieser ungerechte Verdacht nur entstehen konnte, weil die deutsche Diplomatie die Methoden des Pferdehandels nur in ihren zurückgebliebensten Formen beherrscht, wie sie etwa auf dem Balkan üblich sein mögen. Die deutsche Regierung hat höchst unnötig die ganze Welt in Kriegsaufregung versetzt und weder die„Geste von Agadir", noch die„Periode des Schweigens" ist von irgendwelchem Nutzen gewesen. Aus den gestrigen Kammerverhandlungen wollen wir noch folgendes nachtragen: Minister De Selves kam zum Schluß seiner Rede auf die Verhandlungen mit Spanien zu sprechen und sagte: „Unsere Politik wird sein, Spanien zu sagen:„Wir haben unS in Marokko mit Opfern eine neue Lage geschaffen, ihr werdet an dem, was wir erworben haben, teilnehmen, nehmt auch an d e n Opfern teik, in die wir gewilligt haben." Es wäre tadelns- wert, wenn wir unsere Beziehungen zu Spanien anders als in freundschaftlichem Geiste auffassen würden.(Lebhafter Beifall.) Weiter gab der Minister seiner Freude darüber Ausdruck, daß das deutsch-frangösische Abkommen die auswärtige Politik von der Marokkosrage befreit habe, die eine beständige Ouelle von Konflikten gewesen sei. Da? sei ein nicht gering zu veranschlagender Vorteil in einem Augenblick, wo die äußere Lage besondere Aufmerksamkeit erfordere. De Selves schloß: Frankreich mutz in der Lage sein, an den auswärtigen Er- eigniffen in friedlichem Geiste teilzunehmen, und jetzt ist der Augenblick da, wo wir die Wohltaten unserer Freundschaften und unseres Bündnisses würdigen können. Indem wir sie noch enger gestalten, wenn es möglich ist, wünschen wir unsere Aufgabe zu erfüllen.(Lebhafter Beifall.) Tann sprach Kolonialminister L e b r u n: er machte An- gaben über die Ausdehnung des an Deutschland abgetretenen Kongogebietes: dieses bestehe aus 50 000 Quadratkilometer fumpfigemBoden.66 OOO Quadratkilometer Urwald und 100 000 bis 120 000 Quadratkilometer anbaufähigem Lande. Dann kam Ja u res zum Wort. Jaures forderte genaue Angaben über die Art. m der die französisch-spanischen Verhandlungen geführt werden sollen. Die Regierung möge sagen, daß, was auch geschehen möge, Spanien für Frankreich der große Freund bleiben werde.(Beifall auf der äußersten Linken, Zurufe.) �_ Nachdem JaureS Bedenken über die Opportunität des An- träges de Mun geäußert hatte, bestieg Ministerpräsident Caillaux die Tribüne und führte aus: Die Verhandlungen mit Spanien gründen sich auf das Abkommen von 1öv4. Frankreich beabsichtigt mit Spanien in dem Gefühl vollster Freunds chakt u n d größter Herzlichkeit zu verhandeln. Es beabsichngt, die Würde Spaniens zu wahren, bei allem Eintreten für die Jnter- essen Frankreichs.(Lebhafter Beifall.) Die Fortsetzung der Verhandlung. Eine Rede BaillantS. Paris, Ib. Dezember.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Die Deputiertenkammer nahm heute die Verhandlung über da» deutsch-französische Abkommen wieder auf. Baillant(geeinigter 'Berantw. Siedakteur: Albert Nachs, Berlin. Inseratenteil verantlv.i Sozialist) erklärte das Abkommen bedeute das Ende des Albbrucks eines Krieges. Die Sozialisten waren i m m e r G e g n e r kolo- nialer Abenteuer. Sie begrüßen aber den deutsch-fvanzösi- schen Marokkovertrag als einen Schritt zur allgemeinen Verständi- gung mit Deutschland und zu einer Dreieinigkeit von England, Deutschland und Frankreich. Frankreich müsse das Binde- glied zwischen England und Deutschland sein. Des weiteren protestierte Baillant gegen die kriegerischen Reden, die im letzten Sommer von gewissen Mitgliedern der Re- girung gehalten worden seien. Er tadelte Delcasse wegen der Rede, die er bei der Flottenschau in Toulon gehalten habe. Baillant stellte ferner fest, daß Deutsch- l a n d in der marokkanischen Frage eine sich gleichbleibende Politik getrieben habe, während die französische Politik wider- spruchsvoll gewesen sei und ein doppeltes Gesicht gezeigt habe. Redner verlas sodann Erklärungen von Rouvier, Leon Bourgois nnd Pichon, um festzustellen, daß die Haltung der französischen Regierung den Erklärungen ihrer Leiter nicht entsprochen habe. Das Schweigen der Regierungen während der Krise war ein grober Fehler, da es die nationalistischen Treibereien in Frankreich und Deutschland begünstigte. Er machte auf den Widerspruch aufmerksam, der zwischen der von der Kammer angenommenen Tagesordnung und der in Marokko befolgten Politik bestehe und empfahl eine vollständige Jnternationalisierung Marokkos. Genosse Baillant protestierte dagegen, daß das Protektorat über Marokko zur kapitalistischen Ausbeutung und militaristischen Unterdrückung benutzt werde. Er schloß mit einem Ausblick auf den völkerver- sühnenden Sozialismus. Der Deputierte F e r r h, Mitglied der radikalen Linken, gab seinem Zweifel daran Ausdruck, ob das Abkommen Marokko von allen politischen und wirtschaftlichen Dienstbarkeiten, mit denen es belastet gewesen sei, befreit habe. Fcrry schloß seine Rede damit, daß das Abkommen nicht alle Gefahr einer Komplikation für die Zukunft ver- schwinden lasse. Gegenwärtig sei das beste Mittel, um dem Frieden zu dienen, sich für jede Eventualität bereitzuhalten. Der Deputierte Delehaye, Mitglied der Rechten, griff den Ministerpräsidenten Caillaux an. weil er zuviel Entgegen- kommen gegenüber Deutschland gezeigt habe. Delahahe sagte weiter: Ohne den Funken in das Pulverfaß zu schleudern, hätte man auf die Entsendung eines Schiffes mit der Entsendung eines anderen Schiffes antworten können. Wir hätten dann einerseits eine weniger herrische, andererseits eine weniger unterwürfige Haltung beobachtet. Das Haus schenkt dem Redner wenig Aufmerksamkeit, der zu wiederholten Malen gegen die Privatunterhaltungen der Deputierten protestiert. Delahaye führte weiter aus, daß allen europäischen Zwistigkciten in Marokko Tür und Tor geöffnet bleibe, und betonte den Wert der abgetretenen Gebiete am Kongo. Für Spanien stände die Tür zu einem großen Reiche offen. Als der Rodner Caillaux und Rouvier als Finanz- und Geldleute hinstellt, ertönt auf der Linken der Zwischenruf: Respektieren Sie die Toten. Da die Privat- gespräche die Stimme des Redners zeitweise übertönten, verließ Delahaye die Tribüne mit der Bemerkung, er werde seine Rede morgen fortsetzen.(Bewegung.) Millerand, der nunmehr daK Wort ergriff, sagte, eine Idee werde seine Worte leiten; die Haltung des Landes bei den jüngsten Ereignissen. Das Land hat, so führte er aus, im Verlauf der Spannung in diesem Sommer einmütig eine Haltung bewahrt, die für seine Vertreter eine Lehre und ein Beispiel sein sollte. Wir schulden eS ihm, mit der größten Kalt- blüiigkeit zu diskutieren, ohne uns zu irgendeiner Erregung fort- reißen zu lassen und ohne auf andere Stimmen zu hören, als die der nationalen Ehre und der Interessen des Landes.(Beifall.) Das Ausland muß wissen, daß es in Frankreich gegenübe: Fragen der auswärtigen Politik weder in der Kammer noch im Lande Parteien gibt.(Beifall.) Millerand erklärt sodann, daß er entschieden für die Annahme des Abkommens sei, und sagt: Frankreich erhält das Protektorat über Marokko unter Bedin- gungen, die wir prüfen werden. Ist das Protektorat zu teuer be- zahlt worden? Hat man es vorschnell gekauft? Man kann darüber streiten, aber niemand würde zu behaupten wagen, daß dieses Pro- tektorat in unserer Lage nicht eine Notwendigkeit sei und der Tradition unserer Politik entspreche. Die Politik der Republik kennt wohl die Größe und Folgerichtigkeit ihrer Ziele.(Beifall auf der Linken.) Niemand könnte behaupten, daß wir. nachdem wir dieses Protektorat erhalten haben, es wieder aufgeben könnten, um zu versuchen, es morgen wieder zu erlangen.(Beifall.) Unser Entschluß, das Abkommen anzunehmen, muß uns dazu führen. keine Unklarheit fortbestehen zu lassen, damit die Regierung morgen stark genug ist, um aus diesem diplomatischen Instrument den größtmöglichsten Nutzen zu ziehen.(Beisall.) Die Abtretung eines Teiles des Kongo ist für uns eine grausame Losrcißung und ein empfindlicher Verlust. Man hat Befürchtungen über die Absichten Deutschlands gehegt. Wozu diese beiden Zipfel? sagte man. Der Minister des Aeutzeren hat uns darüber be- ruhigt. Was die Zukunft �des belgischen Kongos betrifft, so war es unbegreiflich daß man über dieses Gebiet verfügen konnte, ohne Belgien zu befragen. Die Achtung vor dem Recht der Neutralen mutz ein Hauptgrundsatz unserer Politik bleiben.(Leb- hafter Beifall.) Wir bemessen die Verpflichtungen, die wir gegen- über den anderen Mächten haben, nicht nach der Größe ihrer mili- tärischcn Macht.(Lebhafter Beifall.) Unsere belgischen Freunde wissen das sehr wohl. Nach dem großen Opfer, das wir im Kongo gebracht haben, können wir Deutschland in keiner Form eine weitere Entschädigung zugestehen. Deutschland kann nicht außer dem Kongovertrag noch obendrein in Marokko Privilegien verlangen.(Beifall.) Durch den Vertrag wird in Marokko die wirtschaftliche Gleichberechtigung eingeführt. Die deutschen Staatsangehörigen werden dieselben Rechte genießen, wie die aller anderen Nationen, nicht weniger und nicht mehr.(Beifall.) Millerand fuhr fort: Es wäre eine schlechte Vorbereitung des Landes für furchtbare Möglichkeiten, wenn man es mit Hirn- gespinstcn hinhalten wollte. Wir dürfen diejenigen, die in schweren Stunden an unserer Seite gestanden haben, nicht enttäuschen. Wir müssen unseren Freundschaften und unserem Bündnis, die gegen niemand eine Spitie haben, treu bleiben. Frankreich werde diesen Vertrag halten mit dem sorglichen Bemühen, alle Konsliktsmöglich- ketten zu vermeiden, aber mit dem Entschluß, aus dem Vertrage alle eingegebenen und nützlichen Konsequenzen zu ziehen.(Anhalten- der Beifall.) Die Beratung wird morgen fortgesetzt. Eue der Partei. Achtung, Walilmatcrial! Es ist unbedingt erforderlich, daß die Zentralleitung der Partei über den Gang der gegnerischen und der varteigenössi- schen Wahlagitation ständig auf dem Laufenden erhalten bleibt. Der Parteivorstand bittet deshalb, daß von allen Flugblättern, die seitens unserer Genossen oder seitens der Gegner zur Verbreitung gelangen, unverzüglich min- bestens zwei Exemplare an Wilhelm Pfann- k u ch. Berlin K�V. 68, L i n d e n st r. 3, gesandt werden. Auch währertd der Anstrengungen des Wahlkampfcs dürfen die Funktionäre der Partei diese kleine Mühe unter keinen Umständen scheuen. Drr Tisziplinbruch in Göppingen. In einer Parteiversammlung wurde am Mittwoch- abend in Göppingen mit dem Disziplinbruch einzelner Per- fönen bei den Gemeindcratswahlen abgerechnet. Bekanntlich wurde Zh. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Büchdr.u Veriagsanstält bei der Wahl ver Versuch gemacht, einen offiziellen Parieckanbi- baten zu stürzen und einen von der Parici als Ersatzkandidaten bestimmten aufs Rathaus zu bringen. Offizielle Stimmzettel der Partei wurden benutzt, 2 Namen gestrichen und dafür den beiden anderen je 3 Stimmen unter Benutzung eines Vervielfältigungs- apparates zugeteilt. Der Kopf des Stimmzettels blieb stckhen, so daß der Anschein evweckt werden konnte, als sei die Aenderung von Partei wegen erfolgt. Dieser Fälschung trat die Göppinger Partei- leitung sofort mit einem Flugblatt entgegen und erzielte damit das Resultat, daß die große Mehrzahl der Wähler sich von diesem Desziplinbruch fernhielt und dem ungefälschten Zettel zum Siege verhalf. In der Diskussion gab die Versammlung ihrer Empörung über dies heimtückische und parteizersplitternde Gebaren Ausdruck. Schließlich wurde folgende Resolution gegen wenige Stimmen- enthaltungen angenommen: „Die Versammlung nimmt mit Bedauern Kenntnis von dem taktlosen, den Parteigrundsätzen direkt zuwiderlaufende» Ver- halten einiger Parteimitglieder, anläßlich der Gemeinderatswahl. Ist es schon an sich bedauerlich, daß von Parteigenossen an dem von der Gcsamtpartei beschlossenen Wahlvorschlag Aende- rungen vorgenommen werden, so muß die Herausgabe und Ver- breitung eines gefälschten Wahlzettels als eines überzeugten Sozialdemokraten unwürdig bezeichnet werden...., Die Versammlung protestiert gegen das disziplinwrdrige und unparteigenössische Verhalten der an den Quertreibereien beteiligten Parteimitglieder aufs entschiedenste und erklärt die- selben für unwürdig, der Partei noch länger anzugehören. Die Versammlung beauftragt den Ausschutz, die Namen aller derjenigen, die den Disziplinbruch proklamiert oder propagiert haben, unverzüglich festzustellen und gegen dieselben gemäß §§ 23— 26 unseres Parteistatuts vorzugehen.". Diese Paragraphen beziehen sich aus Ausschluß aus der Parte:, Ausschluß von Vertrauensämtern und Rügen gegen Parteimit- glieder. Damit hat die Mitgliedschaft gesprochen, und Aufgabe der weiteren Instanzen ist es, diejenigen Mittel anzuwenden, welche weiteren Disziplinbrüchen vorzubeugen geeignet sind und die Em- heitlichkeit in der Parleiaktion für die Zukunft gewährleisten. Aus Stuttgart hörte man dagegen bis jetzt noch nichts von einer Abrechnung mit den Disziplinbrechern. Parteiliteratur. Die Marottokrise vor dem Reichstage. Verlag Buch Hand- lung Vorwärts Berlin. In dieser Broschüre wird einleitend die Gefahr des Jmperia- lismus, wie sie sich besonders im letzten Marokkokonflikt offenbart hat. in knapper und doch überaus klarer und gründlicher Weise geschildert. Daran schließen sich nach dem stenographischen Bericht die Marokkodebatten im Reichstage vom S.. 10. und 11. November, deren Wert vor allem in der Kritik der sozialdemo- kratischen Redner, dann aber auch in der Rede Bethmann Hollwegs gegen Hcydebrand liegt. Die englische Gefahr und daS deutsche Bilk. Von Eduard B e r n st e i n. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin. Preis 30 Pf. In Deutschland ist der Glaube an die„englische Gefahr' selb st zu einer Gesa h-r geworden, und zwar zu einer sehr ern st en Gefahr. Genosse Bernstein will dieser Gefahr entgegentreten und behandelt zu diesem Zweck gründlich das Ver- hältnis zwischen Deutschland und England. Seine Schrift hat folgenden Inhalt: 1. Die Gefahr. 2. Wie England und Deutschland früher stanven. 3. Die ersten Konflikte in der Kolonialpolitik. 4. Die Verschärfung des Gegensatzes. 5. Die sogenannte Ein- kreisung Deutschlands. ö. Friedliches Zwischenspiel. 7. Ter Marokkohandel und die englische Regierung. 3. Hetzmanöver. 9. DaS Interesse des englischen Volkes und das Interesse des deut- schen Volkes. 10. Eine Warnung. Die Scharfmacher des Industriegebiets— die Todfeinde der aufstrebenden Arbeiterschaft. Von G. L i m b e r tz. Verlag Sozial- demokratisches Bureau für Rheinland-Wcstfalen. Prinzipielles zum Wahlkampf. Von Ernst Heilmann. Verlag der Volksstimme, Landgraf u. Co., Chemnitz. Preis 20 Pf._ Eine Stndentenversammlung fand Mittwoch abend in Karls- ruhe statt. Genosse Ed. Bernstein sprach über das Thema: „Die Akademiker und der Sozialismus". Einberufen war die Ver- sammlung vom sozialdemokratischen Wahlvcreinsvorstand. Der Besuch war recht gut, allerdings hätten die Polhtechnikcr besser vertreten sein dürfen. Eine interessante Diskussion reihte sich an den lebhaft applaudierten Vortrag.— Eine andere Akademikerversammlung, in der gleichfalls Genosse B e r n st e i n referierte, fand in D a r m st a d t statt. Eine neue deutsch-englische Friedenskundgebung. Die eng- tische Arbeiterpartei plant, wie WolffS Telegraphenbureau meldet, einen neuen Besuch in Deutschland, um damit eine Friedenskundgebung zu veranstalten. Das Mitglied des Unterhauses Arthur Henderson ist von der Partei beauftragt worden, Erkundigungen einzuziehen, ob der Besuch in der nächsten Pfingstwoche oder zu einem späteren Zeitpunkt angenehm ist. letzte Nachricfttcm Ferdinand Bonn verhastet. Bekanntlich findet morgen früh in München der Be- leidigungsprozeß Herrn von Possarts gegen Ferdi- nand Bonn, der übrigens jetzt Widerklage erhoben hat, statt. Heute abend wurde nun den Besuchern des F r i e- d r i ch- W i l h e l m st ä d t i s ch e n Schauspielhauses eine eigenartige Ueberraschung zuteil. Als Bonn, gegen den bekanntlich der Vorfiihrungsbefehl schwebt, das Theater be- trat, uni den Sherlock Holmes zu spielen, wurde er in Gegen- wart seines Verteidigers, des Rechtsanwalts Puppe, vom Kriminalkommissar Klinkhammer verhaftet und unter verstärkter Bedeckung nach München transportiert. Vergewaltigung in der russischen Duma. Petersburg, Ib. Dezember.(W. T. B.) Außer Purischkewitsch wurden auch der Sozialdemokrat To m i l o w für vier und der Sozialdemokrat V o i l o ch n i k o w für 15 Sitzungen wegen ihrer Angriffe auf die Armee ausgeschlossen. Griechenfahrt kretischer Abgeordneten verhindert. Athen, 15. Dezember.(W. T. B.) Die Abendblätter melden, daß sich 25 kretische Abgeordnet« m Kanea eingeschifft hätten, um sich nach dem Piräus zu begeben; eine Abteilung französi- scher Matrosen sei aber an Bord des Dampfers gegangen, um die Abreise zu verhindern.__ Verhafteter Postdesraudant Dessau. 15. Dezember.(H. B.) Ter kürzlich hier mit 4000 M. geflüchtete Postgehilfe Niemann vom Postamt Wulfen/Anhalt ist in Tavos verhaftet worden. Fünffacher Mord. Paris, 15. Dezember.(H.B.) Bei C lerm o nt» F e r ra nd erschoß ein Wilderer namens Gourmier vier Zeugen, welche gegen ihn ausgesagt hatten und verletzte einen fünften tödlich. Der Mörder ist flüchtig�___. PaulSingerKCo.,BsrlinL>V. Hierzu 4 Beilagen u.llnterhaltungSdt. Hr. 294. 28. Jahrgang. IJfiliip Ks Jotniirlo" Sftlintt lollislilutf. Die Konipiraflonen der portugiesischen Emigranten. Paris, 15. Dezember.(Privattelegramm d.„Vorwärts".) Tie heutige„Humanite" veröffentlicht, in der Fortfetzung ihrer Enthüllungen über die Treibereien gegen die portugie- fische Republik, eine Fülle von Details über die von den portn- giesischen Royalisten im Ausland, vor allem in Frankreich be- triebenen Vorbereitungen einer gewaltsamen Restauration.— Nach dem Fall des Königtums sammelte sich eine Zahl von Anhängern und besonders Parasiten der Monarchie in Paris, wo sie mit der Jungmannschaft des französischen Legitimismus, den randallustigen„carnelots du roy" in Verbindung traten. Im Quartier Latin wurden Konventikel abgehalten, auch wurde Manuel selbst erwartet. Die geplante große Ver- sammlung, in der außer Homen Christo und anderen Portu- giesen auch französische Royalisten sprechen sollten und der die Anwesenheit des Exkönigs besonderen Glanz verliehen hätte, unterblieb aber, da die Veranstalter Wind davon bekommen hatten, daß sich die revolukionären„jungen Garden" für sie interessierten. Statt ihrer fanden im letzten Oktober heim- liche Versammlungen im Hotel Regina und im Grand Hotel statt. Einer dieser Versammlungen im Hotel Regina präsi- dierte Dom Alphons, der Bruder des getöteten Königs Tom Carlos und Onkel Manuels. Unter den teilnehmenden Verschwörern befanden sich A y r e s d'O r n e l l a s. der dem Ministerium Franco angehört hatte, der ehemalige pro- gressistische Minister AzeredoCoutinho.der ehemalige Marineminister Terra Vianna und der reiche Lisfaboner Monarchist Sepulreda. Das Resultat dieser VerHand- lungen war der Beschluß, die— schon im dritten Artikel der „Humanitd" erwähnte— Fünfzigmillionen- a n l e i h e zu betreiben. Die Verhandlungen, die mit dem Bankhaus Dreyfus gepflogen wurden, scheiterten indes. Ein Zeugnis für diese Umtriebe ist ein von der „Humanitd" im Faksimile wiedergegebenes Telegramm, das portugiesische Monarchisten Ende Sep- tcinber auf dem Po st amtin Charing Croß(London) an den Exkönig in Woodnorten aufgaben und das merkwürdigerweise den Weg in die Redaktion der„Humanitd" faiii. Es besagt:„Telegraphiert Terra Vianna Paris wo- möglich abschließen, anderensalls zurückzuziehen." Schließlich würdigt die„Humanitö" noch die Tätigkeit eines royalistischen Emissärs, eines Oe st erreichers, den sie mit den Anfangsbuchstaben M. B. bezeichnet und der mit seinem vollen Namen Max Buchbinder heißt. Buch- binder hat als Fremdenlegionär den Chinafeldzug mi:- gemacht, war dann bei radikalen französischen Blättern tätig und lebt jetzt in Paris. Er hat sich seinerzeit auch in die g e- einigte sozialistische Partei einschreiben lassen. Am 29. Oktober wurde er an der spanischen Grenze gesehen und ging dann nach Portugal, um den aufständischen Roya- listen Geld zu bringen. Augenblicklich ist er wieder in Paris. Er soll bei der bevorstehenden neuen Unternehmung den Hauptmann C o u c e i r o begleiten. Offiziell bezeichnet er sich als„Kriegskorrespondent" eines— brasilianischen Blattes. terrorismus der Arbeitgeber. Da die Reaktionäre und Scharfmacher aller Grade gegenwärtig wieder mächtig zum Sturm gegen das Koalitionsrecht blasen, er- scheint eS nicht unangebracht, einmal auf die Methoden hinzuweisen, die diese Schreier über den angeblichen Terrorismus der Sozial- deinokratie in ihrem Kampfe wider die organisierte Arbeiterschaft selbst anwenden. Von den Mitteln, die hier angewendet und den Wegen, die dabei eingeschlagen werden, geben unter anderem die Geheimstatuten der Arbeitgeberverbände Auskunft. Sie richten sich fast durchweg gegen das Gesetz und kündigen Erpresiungen an, ohne daß sich ein Staatsanwalt darum kümmert. Wir er- «nnern an das Geheimschreiben des Verbandes der Textil- industriellen, das wir vor 12 Jahren veröffentlichten. In gleicher Weise hat der Verband der Arbeitgeber der sächsischen Textil- industrie eine Satzung zusammengebaut. Die ausdrücklich als vertraulich bezeichneten jüngeren Satzungen dieses Verbandes hat ein freundlicher Wind der „Leipziger Volkszeitung" zugetragen. Sie fangen mit dem Eiapopeia von dem„gedeihlichen Zusammenwirken von Arbeit- gebern und Arbeitern" an, das der Verband sich als Zweck gesetzt habe. Was darunter zu verstehen ist, sagt deutlich§ 1, in dem es heißt, daß sich das geheime Vorgehen der Unternehmer erstrecken soll auf: 1. Nichtaufnahme von Arbeitern, welche unberechtigt die Arbeit eingestellt haben oder über welche von der Hauptversammlung einer Verbandsgruppe die Sperre verhängt worden ist. 2. Ablehnung von Forderungen der Arbeiter einzelner Be- triebe, die Arbeitszeit einseitig unter die jetzt bei der betreffenden Gruppe(Branche) übliche herabzusetzen. 3. Ablehnung von Forderungen, welche die in den Betrieben nötige Disziplin und die Bestimmung über Aufnahme und Eni- lassung der Arbeiter den Arbeitgebern unmöglich machen oder er- schweren würden. 4. Schutz und Unterstützung Arbeitswilliger. b. Gewährung von Unterstützungen an Mitglieder für durch unberechtigte Arbeitseinstellungen erwachsende Verluste nach Maß- gäbe der Verbandsbestimmungen. 6. Einrichtung und Ausdehnung von Arbeitsnachweise» der Arbeitgeber. Es wird weiter beabsichtigt: 7. Die Streikklausel nach Möglichkeit durchzuführen. Um dieses hehre Ziel, die Erringung der unbeschränkten Unter- nehmerh�rrschaft, zu erreichen, müssen die Scharfmacher natürlich die übrigen, und namentlich die kleinen Unternehmer, fest an der Kandare haben. Deshalb bestimmen die Satzungen über die Mit- gliedschaft, daß jedes Verbandsmitglied als Garantie für die Ein- Haltung der statutarischen Bestimmungen und der Verbandsbeschlüsse einen sogenannten Ehrenschein oder— was den Machern jedenfalls noch angenehmer ist— einen Sichtwechsel ohne Datum in Höhe von 10 M. für jeden beschäftigten Arbeiter hinterlegt; das Datum des Wechsels auszufüllen ist der Vorstand berechtigt, sobald ein Mitglied nicht Order pariert. Dabei hat nach Z 4 jedes Mitglied sich„den Beschlüssen der Haupwersammlung widerspruchslos zu unterwerfen", und bei seinem Ausscheiden aus dem Verbände hat er keinerlei Anspruch auf das Verbandsvermögen. Weiter aber müssen sich die Mitglieder jeder Selbstständigkeit gegenüber ihren Arbeitern begeben; der„Herr im Hause" wird der Scharfmacher- verband. 8 8 der Satzungen bestimmt dies in allen Einzelheiten und sagt zum Schluß: „Ein in Arbeiterschwierigkeiten verwickeltes Mitglied ist berechtigt, an den betreffenden Verhandlungen des Vorstandes und des Streikausschusses teilzunehmen. Die Beschlußfassung findet in seiner Abwesenheit statt." � Im Falle von Arbeitsstreitigkeiten setzt der Vorstand einen sogenannten Streikausschuß(§ 9) ein, der nun das Regiment im Hause des Unternehmers antritt. Weigert sich dann ein also seiner Würde als„Herr im Hause" entsetztes Verbandsmitglied, den An- ordnungen des Vorstandes bezw. des Streikausschusses Folge zu leisten,„so verzichtet es dam-it auf den Schutz des Verbandes und die eventuell zu gewährende Unterstützung". Außerdem aber kann auch der Ausschluß aus dem Verbände eingeleitet werden. Auf die„eventuell zu gewährende Unterstützung" haben die Mitglieder keinen Rechtsanspruch, vielmehr entscheidet über die Gewährung der Vorstand„nach billigem Ermessen" und nach den„vorhandenen Mitteln". Diesen nur in ihren allerwesentlichsten Teilen wiedergegebenen Satzungen schließen sich würdig sogenannte Verhaltungsvorschriften für die Mitglieder an. Vor allem wird der schon tote«Herr im kleines feuilleton. Wie die Kinder über den Krieg denken. Im März 1909, als der Krieg zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien beinahe unvermeidlich schien, wurde in einigen österreichischen und ungarischen Schulen eine Enguete über den Krieg veranstaltet. Ohne auf ihre Ergebnisse, die jetzt in längeren Ausführungen von der„Zeitschrist für Philo- sophie und Pädagogik" wiedergegeben werden, im einzelnen� ein- zuaehen, seien hier einige Aeußerungen der kleinsten der befragten Schüler— Jungen von 10 bis 12 Jahren— mitgeteilt. In ihrer Naivität liegt mitunter eine beißende Schärfe. Auf die Frage: was ist der Krieg? liefen folgende Antworten ein:„Eine Art Schlägerei";„wenn die Menschen gemordet werden; „große Rauferei zweier Länder";„ein großes Blutbad";„wenn zwei Könige aufeinander böse werden";„Raufen mit Säbel und Kanone�; „Schießerei";„eine sehr unnütze� Sache; eine lange Tragödie; „brüderlicher Streit":„Revolution". Auf die weitere Frage: Warum ist der Krieg gut? wurde ge- antwortet:„gut ist der Krieg, wenn wir ihn nicht verlierep";„gut für den, der keine Kugel in den Leib bekommt";„der Krieg ist gut, ivenn jene gewinnen, denen man Böses zugefügt hat";„weil man ordentlich dreinschlagen(puffen) kann. Ueber die Nachteile des Krieges urteilen die kleinen Politiker:�„das Land wird wegge- nommen";„viel Geld wird ausgegeben; ,/daS Haus wird bom« bardiert";„nur wenige haben Lust, in den Krieg zu ziehe,,";„eS gibt Leute, die für ihr Leben fürchten!»her Krieg ist ein Hin- morden unserer Mitmenschen";„meine Bruder wurden sterben". Wer wird nicht zugeben, daß in manchen dieser Aeußerungen der Kleinen viel mehr Weisheit steckt, als in den patriotischen Per- herrlichungen des Krieges, wie sie besonders im verslossenen/ Som- wer massenweise unternommen und verbreitet wurden. Di» Würger von Ssaratow. Rußland ist das Land der Sekten; ihre Zahl ist Legion, wenngleich die Regierung von joher den Abfall von der Staatskirche mit eiserner Strenge herfolgt hat. Viele russische Sekten zeichnen sich durch bestialische Zugellofigke»t aus, Mährend ander« die Askese bis zur Selbstverstümmelung und Selbst- cntleibung treiben. Dieser Tage kam man in Ssaratow einer neuen Sekte auf die Spur, die schon seit fünfzehn Jahren bestehen soll. Die Mitglieder der Sekte dürfen zur Wahrung ihres Seelen. heilS nicht älter als sechzig Johre werden. Leute, d,e dieses.llter -Machen, werden von ihren Glaubensgenossen erwürgt, und zwar i» Bethairse. während die Anwesenden Psalmen singen und Gebete �.Vor einigen Monaten verschwand in einem Vororte SsarawloS er Hausbesitzer Kabantin. Seine Angehörigen sagten, er habe««ne Akgerfahrt in ein fernes Waldklostcr unternommen doch wurde »ch Verschwinden des Alten von den Rachbarn viel besprochen, und �feßlich wurde auch die Polizei aufmerksam, die in Erfahrung ichU, daß der Sohn des verschwundenen Kobankin der»Ober- kfter" der Würger sei. Die Polizei drang nachts in das Kaban- 'che HauS ein und man fand unter dem Bette des jungen �Ka In, ein kunstvoll maskierte Falltür, die in einen untenrdischen Gang führte, der sich schließlich zu einem großen Raum erweiterte. Der Raum ist mit uralten Heiligenbildern. Kirchengeräten und Gebetbüchern reich ausgestattet. Das ist der Versammlungsort der Würger. Nach hartnäckigem Leugnen gestand endlich Kabankin, daß sein Vater nicht mehr am Leben sei und daß man ihn im Pferdestall begraben habe. Man fand an der bezeichneten Stelle den Leichnam des Alten, der aber so stark-verwest war, daß die Todesursache nicht mehr festgestellt werden konnte. Auf die Frage, woran der Alte gestorben, gaben seine Angehörigen ausweichende Antworten, sie wiederholten immer, er sei nach Gottes Ratschluß aus dem Leben geschieden. Auf weitere Spuren ist die Polizei bisher nicht gestoßen; sie konnte nur feststellen, daß nachts das Kabankinsche Haus von zahlreichen Männern und Frauen besucht wurde und daß in den letzten vier Jahren in einigen Familien der Stadt mehrere alte Leute spurlos verschwunden sind. Abziehbilder von Originalgemälden. AuS München wird be- richtet: Ein Kunstanstaltsdirektor und«in Ingenieur haben ein neues Verfahren erfunden, nach dem von Farbendrucken jeder Art au» löslichem Untergrunde ein Mittelding zwischen Oelgemälde und Farbendruck hergestellt werden kann. Das Bild wird mit einer präparierten Schicht überzogen und der alte Untergrund entfernt, woraus die jetzt das Bild tragende Schicht durch geeignete Pressun- gen auf Leinwand oder einen anderen Untergrund in der Art der Abziehbilder aufgezogen wird. Das so entstandene neue Bild sieht angeblich infolge der Hcrauspressung der Leinwand dem handge- malten Original viel ähnlicher als der bisherige glatte Farbendruck. Die Erfinder haben auf ihr Verfahren, dem sie die Bezeichnung „Artochromie" gaben, bereits Patente genommen und eine Aktien- gesellschaft gegründet. Der Knoten im Taschentuch. Wenn man eine Sache nicht ver- gessen will, macht man sich einen Knoten in» Taschentuch. Die wenigsten jedoch wissen, daß dieser Knoten seine Geschichte hat. Der Knoten ist der Vorlaufer der Schrift gewesen; bei fast alle» Natur. Völkern dient er als Zählungs- und Abrechnungsmittel. Die JnkaS in Peru haben sogar eine höchst sinnreiche Knotenschrift entwickelt. Von der Farbe, der Beschaffenheit und Anzahl der Knoten, der Reihenfolge der Fäden, ihren Verfchlingungen und ihrer Eni- fernung von der Hauptschnur hängt der Sinn ab. Etwas AehnlicheS ist der mit Venusmuscheln und Tonperlen verzierte Wampum- gürtel der nordamerikanischen Indianer, der als Dokument über Bündnis- und Friedensschlüsse dient, und daS Tabu der Südsee» insulaner. Um BegrSbniSplätze und Kultstätten vor unbefugtem Betreten zu schützen, umhegte man fi« mit einem Faden, in den man unter bestimmten Zeremonien Knoten und Fetische ein- knüpfte. Damit war die Stätte„tabu", d. h. unverletzlich geworden. Es ist eben etwas Geheimnisvolles um den Knoten, den nur der Kundige lösen kann; kein Wunder, daß man in ihm bald einen Zauberknoten erblickte. Die Medizinmänner der Lappen und Finnen können angeblich durch einen Zauberknoten oder durch „Nestelknüpfen" den Wind hervorzaubern oder den Sturm be- ruhigen. Zu besonderer Bedeutung ist der gordisch« Knoten ge» Hause" noch einmal totgeschlagen, ein Beweis dafür, welch großes Gewicht die Scharfmacher auf die unbedingte Herrschaft des ja wieder von ihnen beherrschten Verbandes legen. Die Verhaltungs- Vorschriften bestimmen darüber noch im einzelnen unter anderem: „Ohne eingeholte Zustimmung des Verbandes bezw. des Streikausschusses sind keine wie immer geartete Zugeständnisse an die Streikenden zu machen. Sämtliche Verbandsmitglieder sind verpflichtet, die während eines Streiks von dem Vorsitzenden bezw. Strcikausschusse ge- troffenen Anordnungen, soweit sie diesen angehen, zu befolgen, besonders wenn es sich um Nichtaufnahme ausständiger oder aus- gesperrter Arbeiter handelt. Niemals ist mit betriebsfremden Arbeiterführern zu ver- handeln. Die Bcrmittelung der Behörden, der Gewerbeschiedsgerichte» der Gewerbeinspektorcn, ist mit dem Hinweis darauf abzulehnen» daß dieses Aufgabe des Verbandes sei. Alle Mitteilungen über den Streik an die Konkurrenz, die Arbeitsnachweise, die Zeitungen sowie etwa nötige öffentliche Berichtigungen sind dem Vorstand zu überlassen. Der Vorstand muß durch diese Mitteilung(über die Art der Beendigung der Streitigkeit) in der Lage sein, etwaigen Erfolgsberichten der gegnerischen Blätter in der befreundeten Presse bestimmt entgegentreten zu können." Dann fordern die Verhaltungsvorschriften noch, daß ein mit „seinen" Arbeitern in Streitigkeiten geratener Unternehmer sofort eine Liste der ausständigen Arbeiter an den Vorstand einzusenden hat, damit sofort die trockene Guillotine der schwarzen Liste prompt arbeiten kann. Das Statut dieses Jndustriellenverbandes— und die Satzungen der übrigen Verbände sind nicht anders— offenbart die Herrschast der Jndustriebarone im Lager der koalierten Ausbeuter. Die kleinen Unternehmer sind in den Händen der großen, was sich auch noch in dem Abstimmungsmodus dieses Verbandes ausdrückt, der den Großindustriellen bis zu seckH Stimmen zuteilt. Die In- dustriellenverbände sind eben nichts weiter als Instrumente der Industriekapitäne, die mit ihrer Hilfe einmal die Arbeiter nieder- zwingen möchten, dann aber auch ihre kleineren Konkurrenten im Zaume halten wollen, wenn es denen unter anderem einfallen sollte, Forderungen der Arbeiter zu bewilligen, was entweder auf etwas vorhandene sozialpolitische Einsicht oder zumeist auf die sehr berechtigte Besorgnis zurückzuführen ist, daß eine längere Still- legung ihrer nicht besonders kapitalstarken Betriebe der ganzen Unternehmerherrlichkeit ein vorzeitiges Ende machen könnte. Das Eintreiben von Ehrenscheinen und Sichtwechseln für den oben angegebenen Zweck ist nach der Judikatur des Reichsgerichts Erpressung, das Ausstellenlassen Erpressungsversuch. Nach der Judikatur des Reichsgerichts, das heißt nach der gegen Arbeiter geübten Rechtsprechung. Das zu Erpressungen durch solche Statuten organisierte Unternehmertum hält sich für straffrei und bleibt straffrei, weil es im Besitz der politischen Macht ist und die Ansichten der Anklagebehörde, die Arbeitgeber für straflos hält, weil die Ansicht des preußischen Justizministers a. D. Schönstedt für Deutschland gilt. Nach dieser beherrscht bekanntlich das Terenzsche Spottwort auf eine parteiische Justiz als Rechtsgrund- satz das deutsche Recht:„Wenn zwei dasselbe tun, so ist eS nicht dasselbe." Gegen den Terrorismus der Arbeitgeber und gegen Klassen- justiz gilt es, am 12. Januar Stellung zu nehmen.,, ,, Soziales. Die Volkszählung vom 1. Dezember 1910. DaS Kaiserliche Statistische Amt hat dioser Tage die enbglll- tigen Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 veröffent- licht. Die Zählung hat demnach für das Deutsche Reich eine orts- anwesende Bevölkerung von 64 925 993 Einwohnern ergeben, dar- unter 32 040 166 oder 40,35 Proz. männlichen und 32 885 827 oder 50,65 Proz. weiblichen Geschlechts. Wird diese Bevölkerung in Be- ziehung gesetzt zu dem Flächeninhalt des Reiches, der nach den neuesten Ermittelungen ausschließlich der großen Wasserflächen (Haffe, Bodden) 540 857,62 Quadratkilometer beträgt, so ergibt sich auf den Quadratkilometer durchschnittlich 120,04 Personen. Auf langt, den der phrygische König Gorbius so kunstvoll aus dem Bast des Kornelbaums knüpfte, daß als Preis für die Lösung ein« Welt- Herrschaft winkte! Alexander, der Mann der Tat, hat ihn auf seinem Perserzuge mit dem Schwerte zerhauen. Naturgemäß hat sich noch lange mit dem Knoten die Vor« stellung von etwas Geheimnisvollem, schwer Lösbarem verbunden. Im Mittelalter war es Brauch, daß die Zeugen außer ihrer Unterschrift noch einen Knoten in einen Riemen, der der Urkunde ange- heftet war, knüpften. Daher stammt für die Zeugen der Name nodatores(Knotenknüpfer). Sagt man doch noch jetzt: einen Ver- trag festmachen. Auch Rätselfragen nannte man Knoten. Goethe sagte einmal:„Da sitzt der Knoten!" Ueberhaupt war früher das Wort Knoten viel gebräuchlicher als heutzutage. Manche Reste haben sich allerdings noch erhalten. Notizen. Theaterchronik. Im Kgl. Schauspiel Hause ist ick» folge von Erkrankungen die Aufführung von Hebbels N i b e l u n- gen verschoben worden. Der erste Abend findet Sonntag und der zweite Donnerstag statt. — Ein neues Drama Hauptmann».„Gabriel Schillin gSFluch t". gelangt im Januarheft der„Neuen Rund» schau" vollständig zum Abdruck. � Ein Meyerbeer-Denkmal ist nach Ansicht einiger Leute so ziemlich daS wichtigste, was uns in Berlin fehlt. Sie haben deshalb ein Komitee gebildet, Unterschriften gesammelt und einen Aufruf erlassen. Um weiteren Komitees, denen gerade kein Denkmalswürdiger einfällt, behilflich zu sein, hat sich in unserer Redaktion ein Ausschutz gebildet, der gern Namen und Vorschläge zur Verfügung stellt. — Das Schauspielhaus der Wiener Freieck Volksbühne. Die Mitgliederzahl der Wiener Freien Volks- bühne ist in den letzten Jahren so stark angewachsen, daß schon seit längerer Zeit an die Erbauung eines besonderen, den Zwecken der Volksbühne dienenden Theaters gedacht werden konnte. Die Vor- arbeiten sind nunmehr so weit fortgeschritten, daß mit dem Bau im kommenden Frühjahr begonnen wird und die Eröffnung des neuen Hauses bereits im Herbst 1912 erfolgen kann. Das Haus wird nach den Plänen der Architekten Oscar Kaufmann und Eugen von Felgel erbaut. In dem neuen Theater wird das moderne Drama, das Wiener Stück sowie die klassische Dichtung gepflegt werden.— _ Mahler-Stiftung. Ein Kreis von Musikern und Freunden dcS verstorbenen Komponisten Mahler hat eine Stiftung in» Leben gerufen, die talentvollen, mittellosen Musikern zur Unterstützung und zur Förderung ihre» Schaffens dienen soll. Als Sammelstelle in Deutschland dient das Konzertbureau Gutmann, Berlin-München. — Varus, VaruS, wo bist Du abgeblieben? Zum 191. Male wird verkündet, daß jetzt der Ort im Begriff ist, sich auffinden zu lassen, wo der selige Varus von den Germanen— die mit den Preußen nicht ohne weiteres zu verwechseln sind— geschlagen wurde. Diesmal soll die Schlachfftätte nicht im Tepto» burger Wald, sondern irgendwo bei Dortmund liegen jeden Einwohner des Deutschen Reiches kommen demnach 8330 Quadratmeter oder 0,833 Hektar, eine ganz hübsche Fläche, wenn sie nicht bloß eine theoretische Größe wäre. Seit der vorhergehen- den Zählung vom 1. Dezember tOOS hat sich die Bevölkerung um 4 284 504 Einwohner, d. h. um 7,07 Proz. vermehrt. Die absolute Zunahme ist die größte, die in den öjährigen Zählungsperioden seither beobachtet wurde. Dagegen ist der Prozentsatz von 7,07 in den beiden vorhergehenden Jahrfünften übertroffen worden. Das Anwachsen der Bevölkerung seit Bestehen des'Reiches fand noch den 9 seither veranstalteten Volkszählungen in folgender liche Bevölkerungsvermehrung durch den Ueberfchuß der Geburten über die Sterbefälle, sondern es kommt auch das Verhältnis der Zu- und Abwandernden in Frage. Natürlich spielt das letzt- genannte Moment gegenüber dem erstgenannten eine sehr unter- geordnete Rolle. In dem Gesamtzeitraum von 1871 bis 1910 ver« lor das Reich durch Wanderungen sUeberschuß der Auswandernden über die Einwandernden) 2 472 327 Personen. Der Schluß, daß ohne diese Abwanderungen die Bevölkerung heute um so viel Per- fönen größer wäre, ist natürlich nicht zulässig. Im letzten Jahr- fünft verlor das Reich durch Wanderungen 159 904 Personen. Die stärkste Bevölkerungszunahme von allen Bundesstaaten und Provinzen hatte die Provinz Brandenburg zu verzeichnen, wo sich die Bevölkerung in diesen 5 Jahren um 560 760 oder um 29,2 Proz. vermehrte. Es kommt in dieser Ziffer die starke Zu- Wanderung aus dem Stadtkreis Berlin, der in der Gesamtstatistik der Provinz Brandenburg nicht mit enthalten ist, zum Ausdruck. Berlin hatte infolgedessen nur ein« Zunahme von 31 109 oder 3,03 Prozent. Eine noch geringere Zunahme in dem letzten Jahrfünft hatte nur noch das Herzogtum Anhalt mit 1,88 Proz. Besonders hohe Zunahmen weisen ferner noch Hamburg mit 29,5. Bremen mit 25,6, Provinz Westfalen mit 26,2 und das Rheinland mit 20,2 Prozent auf. Wie aus den eingangs mitgeteilten Ziffern hervorgeht, hatten wir in Deutschland bei der letzten Zählung einen Frauenüberschuß von 845 661 Personen oder von 2,6 Proz. gegenüber der männlichen Bevölkerung. Dieser Ueberfchuß beruht bekanntlich nicht darauf, daß mehr Mädchen als Knaben geboren worden— tatsächlich ist bei der Geburt sogar ein Knabenüberschuß von 6 Proz. vor- handen—, sondern auf der größeren Sterblichkeit und der stär- keren Abwanderung des männlichen Geschlechts. Doch hat sich dieser Frauenüberschuß seit der Zählung von 1885, wo er 4,5 Proz. betrug, ständig verringert. Es ist dies vor allem eine Folge davon, daß die Sterblichkeit des männlichen Geschlechts in der letzten Zeit i» höherem Maße abgenommen hat als die des weiblichen. Bus der frauenbewe�ung. Was schenken wir unseren Kindern? Die Geschäfte haben sich für den Weihnachtsverkauf gerüstet. Die Schaufenster sind mit tausenderlei Dingen, worunter die Spielsachen für Kinder sicherlich nicht den kleinsten Raum ein- nehmen, gefüllt. Die Kleinen, die vorüberkommen, drücken sich die Naschen platt an den Scheiben und starren verzückt in die wunder- same Märchenwelt. Doch ist es leichter ausgewählt als gekauft. 'Schwer ist es für viele, viele Eltern, die ihre Kinder beglücken möchten und doch mit jedem Groschen rechnen müssen. Die Frage, was Arbeitereltern bei ihren beschränkten Mitteln ihren Lieblingen auf den Weihnachtstisch legen sollen, ist des reiflichen Ueberlegens wert, denn es heißt, mit dem Wenigen haushalten und die Groschen nutzbringend antoenden, um nicht das sauerverdiente Geld in brüchigen Tand und wertlosen, ungeeigneten Krimskrams zu stecken. Es gilt, praktische Gegenstände auszusuchen, die dem Alter und Verständnis des Kindes angepaßt sind und ihnen neben Freude und Unterhaltung auch geistige Anregung bieten. ES kann nicht darauf ankommen, jeder kindlichen Bitte Gehör zu schenken, wo es nicht ratsam ist. Kinder besitzen eine lebhafte Phantasie und lassen sich leicht durch äußer« Einwirkung blenden. Um so eher folgt die Enttäuschung und die Freude ist vorbei. Bei einigermaßen geschicktem Verhalten dürfte es nicht schwer fallen, Kinder von törichten Wünschen abzubringen. Spiel- fachen sollen nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck sein; sie sollen das Kind zum Denken anregen, seine Fähigkeiten und Neigungen erkennen lassen. Stilles Beobachten der Kinder beim Spiel bietet den Eltern manchen guten Wink für die spätere Erziehung. Deshalb ist Sorgfalt bei der Auswahl von Spielsachen am Platze. Werkzeuge, Bau. und Tuschkästen, Wagen, Garten- und Küchengeräte, Puppen und Puppenstuhen, Näh-, Stick, und Häkelzeug, Bälle, Kegel, Geduldspiele sind nur einige der nützlichen Tinge, die Kindern zum Borteil gereichen. Zu empfehlen sind gute Bilder- und Märchenbücher, Reise- und sonstige Erzäh- lungen. Doch beileibe nicht die ersten besten! Denn hier gibts viel Spreu unter dem Weizen, und besonders auf diesem Gebiete kann nicht wieder gutzumachendes Unheil angerichtet werden. Es sei hier auf die Jugendschriften- Ausstellung auf- merksam gemacht, die alljährlich vor Weihnachten im Berliner Ge- werkschaftshause arrangiert wird. Daselbst werden die Eltern beim Einkauf mit Rat und Sachkenntnis unterstützt und finden für Kinder jeglichen Alters angepaßte Schriften zu mäßigen Preisen. EinS aber können wir den Proletariereltern nicht dringend genug ans Herz legen: Kauft keine Säbel, Flinten, Uniformen! Pflanzt nicht schon die öde Militärschwärmerei in die zarte, empfängliche Kindesseele! Wer es tut, versündigt sich an seinem Klassen interesse, an der Kultur und Menschlichkeit. Jugendein- drücke wirken nachhaltig aufs spätere Leben ein. Viele Proletariereltern und besonders Mütter denken leider noch immer nicht daran, daß das Wesen des Molochs Militarismus die letzte, verzweifelte Zuversicht der giftgeblähten Reaktion und der grimmigste Feind des aufsteigenden kämpfenden Volkes ist. 'Deshalb rufen wir ihnen zu: Hinaus aus dem Proletarierheim mit dem Mordwerkzeug! Denkt an die blutige Schmach von Mans- feld! Denkt an die Maschinengewehre, die ihre verderbenspeienden Schlünde auf Eure hungernden Brüder und Schwestern richteten. Söhne der Mansfelder Bergleute waren es, die nach dem Aus- sperrungSgebiet gesandt wurden, auf daß sie im geeigneten Moment auf Vater. Mutter und Geschivister schießen sollten! Und wird nicht bei allen Arbeiterdemonstrationen, bei allen Volksversamm- lungen das Militär mit scharfer Munition ausgerüstet und bereit- gestellt?! Speit nicht die patriotische und gottesfürchtig« Presse Gift und Galle, weil in Moabit nicht Militär verwendet wurde. um das Volk niederzumetzeln? Und lesen nicht viele unserer Klassen- genossen noch heute diese Blätter? Hinaus mit ihnen, hinaus mit dem Mordspielzeug, hinaus mit der bunten Uniform und all den Kinkerlitzchen, hingus mit allem aus dem Arbeiterheim, was die Reaktion stärkt! Eine Kundgebung für die Ehcreform. Im österreichischen Abgeordnetenhause trat«: her Spezialdebatte über iaS Pudgetprovisorium der Abgeordnete Mali! für eine Reform sses Eherechts ein, die kakholischen Ge- schiedenen eine Wiederverheiratung ermöglichen soll. Einige auf der Tribüne befindliche Frauen veranstalteten nach der Rede des Abgeordneten eine Kundgebung für die Ehereform, in- dem sie Agitationszettel in den Saal warfen. Die Frauen wurden von der Tribüne entfernt und darauf die Sitzung vertagt, Sericbts-�eitung. Wegen Beleidigung eines Scharfmachers freigesprochen. DaS Landgericht Hof verhandelte gegen den Redakteur der „Deutschen Holzarbeiterzeitung", M. Kaiser-Berlin, wegen Beleidigung des Dampfsägewerkbesitzers Dürbeck in Weißenstadt, dem in einem Artikel des genannten Gewerkschaftsorgans vorgeworfen worden war. daß er seinen Arbeitern das Koalitionsrecht raube, sie willkürlich behandle, Maßregelung auf Maßregelung folgen lasse; ferner wurde die lange Arbeitszeit, die schlechte Bezahlung ustv. scharf gegeißelt und erklärt, daß D. rücksichtslos mit Leben und Gesundheit seiner Arbeiter umspringe, sie einschüchtere und daß es notwendig sei, seiner Brutalität und Ausbeutung ein Ziel zu setzen. Das Schöffengericht Kirchenlamitz hatte bereits auf Frei- sprechung erkannt, worauf der Kläger Berufung zum Landgericht Hof einlegte. Dies hat ihn nunmehr abfahren lassen. Es erneuerte die für den Kläger sehr unangenehme Urteilsbegründung des Schöffengerichts und führte sie noch weiter aus. Darin heißt es. daß der Betrieb des Dürbeck eine moralische und physische Gefahr für die Arbeiter darstelle. Das Gericht erklärte die 9 Anklage- punkte für völlig erwiesen und billigte dem Beklagten auch den Schutz des§ 193 des Strafgesetzbuches zu. Ein verständiges Urteil! Haftpflicht der Allgemeinen Berliner OmnibuS- Aktiengesellschaft. Am 22. Januar 1998 fuhr der Kutscher K. der Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft an einer Kreuzung der Je- rusalemer Straße und der Zimmerstraße in Berlin in schneller Fahrt auf die Haltestelle zu. Dabei überfuhr er den Kläger, der eben von der Straßenbahn abgestiegen war und auf den Bürger- steig gehen wollte. Als der Kläger Ansprüche auf Zahlung von Schadenersatz erhob, führte die Beklagte zu ihrer Entschuldigung an, daß sie den Kutscher K. vom Stallmann zum Kutscher befördert habe, nachdem er die vorschriftsmäßige Fahrprüfung bestanden und sich stets als zuverlässig bewiesen hatte. Sie habe stets 35 Kon- trolleure im Dienst, sowie einige Oberkontrolleure. Diese Kon- trolleure hätten nicht nur den Fahrkartenverkehr zu prüfen, sondern auch darauf zu achten, ob die einzelnen Kutscher vorschriftsmäßig fahren, bei schwierigen Fällen die genügende Geistesgegenwart be- wahren und sich auch anderweitig sachgemäß verhalten. Bon den Bestrafungen des K. habe sie nichts erfahren. Das Landgericht Berlin hat den Entlastungsbeweis für er- bracht angesehen und die Klage abgewiesen. Dagegen hat das Kammergericht zu Berlin die Beklagte verurteilt. In den Ent- scheidungsgründen des Kammergerichts heißt es: ES mag sein, daß der Kutscher K. die Befähigung besessen hat. ein Fuhrwerk lenken zu können und daß in dieser Beziehung nichts vorlag, was die Beklagte abhalten konnte, ihn vom Stallmann zum Kutscher zu befördern. Als Fuhrwerkslenker in den verkehrsreichen Straßen von Berlin muß er aber auch die Geistesgegenwart und moralische Befähigung besitzen, um mit ernstem Willen die Gefährdung des Publikums zu vermeiden. Ob jemand diese Eigenschaften besitzt, kann die Fahrprüfung nicht mit Sicherheit ergeben. Deshalb hat der Fuhrunternehmer die Berpflichtung, eine Kontrolle seiner An- gestellten hinreichend vorzunehmen. Im vorliegenden Falle steht fest, daß der Kutscher K. schon im November 1L93 wogen fahr- lässiger Transportgefährdung mit einer Geldstrafe von 10 M. bestraft worden ist, im Jahre 1905 hat er vorschriftswidrig eine gesperrte Strasse befahre», dann ist er wieder im Jahre 1907 be- straft worden, weil er entgegen der Straßenordnung nicht rechts gefahren war. Auch dort hat ein Zusammenstoß mit einem Ge- chäftswagen stattgefunden. Wenn K. auch keinen Schaden dabei angerichtet hat, so hat er durch dieses Verhalten doch hinreichend die Mißachtung vor der öffentlichen Ordnung gezeigt. Einen solchen Kutscher durfte die Beklagte nicht weiter verwenden. Wenn sie von den Verfehlungen ihres Angestellten nichts erfahren hat, so hat ihre Kontrolle jedenfalls versagt. Die Führung deZ Entlastungsbeweises ist demnach der Beklagten nicht gelungen. Sie hat deshalb für den Schaden des Klägers aufzukommen. In der gegen dieses Urteil eingelegten Revision machte die Beklagte geltend, daß sie auf der Polizei auch keine Auskunft über die Bestrafung de? K. hätte erhalten können und daß sie nicht einen Kutscher schon dann entlassen könne, wenn ihr bekannt werde, daß er links anstatt rechts gefahren ist. Das Reichsgericht hat am Donnerstag die Ausführungen des Vorderrichters für zutreffend angesehen und die Revision zurückgewiesen. Unterschlagungen im GSrlitzer Bahnhos. Ter Oberbahnassistert Gustav Heinze vom Görlitzer Bahnhof stand gestern wegen fortgesetzter Unterschlagung amtlicher Gelder vor dem Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz des Land- gertchtsdirektors Dr. Neuenfeldt. Er ist beschuldigt, in den Jahren 1907— 1911 nach und nach 14 090 M. unterschlagen zu haben, wo- von zirka 7000 M. ungedeckt geblieben sind. Er war seit 1904 auf dem Görlitzer Bahnhof in der Fahrkartenverkaufsstelle angestellt, hatte die Ausgabe der Fahrkarten unter sich, die Bücher zu führen. die Kassenbestände an sich zu nehmen, die Bücher abzuschließen usw. Er ist der ihm zur Last gelegten Unterschlagungen im allgemeinen geständig. Nach seiner Darstellung ist er durch Krankheit in seiner Familie und den Tod seiner Tochter in eine gewisse Noklage ge- Kimmen und dadurch auf die schiefe Ebene gedrängt worden. Nach- dem er zum ersten Male sich amtliche Gelder angeeignet hatte, folgten nach und nach die übrigen Straftaten. Doch verstand er es. bei Revisionen sich der Entdeckung zu entziehen, indem er ein Loch aufmachte, um ein anderes wieder zuzudecken. Er gibt auch zu, etwas leichtfertig gelebt und in Bierlokalen Summen ausge- geben zu haben, die das ihm zur Verfügung stehende Taschengeld überschritten. So ist er dazu gekommen, fort und fort amtliche Gelder sich anzueignen, die schließlich eine Summe von 14 000 M. ausmachten. Davon hat der Angeklagte etwa 7000 M. aus 'päteren Unterschlagungen wieder gedeckt. Es bestand ursprünglich zer Verdacht, daß er in Verbindung mit der Fahrkartenverläuferin Michaelis stand, die unmittelbar vor seiner Verhaftung wegen be- gangener Unterschlagungen flüchtig geworden war und dann Selbst- mord beging. Der Verdacht war daraus entstanden, weil Heinze dieser Michaelis vor ihrer Flucht eine Summe von 100 M. ge- liehen hatte; es hat sich jedoch ergeben, daß beide in keiner ver- brecherischen Beziehung zueinander gestanden haben.— Der Angeklagte behauptete, daß er auch häufig ein Manko in der Kasse gehabt habe und auch hierdurch mehr und mehr zu seinen Straf- taten gekommen sei. Nach mehrstündiger Verhandlung beantragte Staatsanwalt Dr. Fuchs gegen den Oberbahnassistenten Gustav Heinze die Ver- sagung mildernder Umstände, während Rechtsanwalt Dr. Posener bat, den Angeklagten, der sich sonst dienstlich einwandsftei geführt habe, nicht durch Versagung mildernder Umstände in das Zuchthaus zu bringen. Die Geschworenen billigten dem Angeklagten auch mildernde Umstände zu. Der Staatsanwalt beantragte drei Jahre und sechs Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf zwei Jahre und neun Monate Gefängnis unter Anrechnung von 6 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft, sowie Verlust der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf 5 Jahre. T«r Kuhmist vor dem Reichsgericht. Das ist nicht ganz wörtlich zu verstehen, aber tatsächlich spielte heute ein Quantum Kuhmist vor dem Reichsgericht eine wesentliche Rolle. Das Landgericht Magdrbnr» hat am 2. Oktober den Stein- brucharbeiter Wilhelm Rogge wegen Rückfallsdiebstochls zu der Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er von dem Acker des Landwirts B. in Gommern eine Menge frischen Kuhmistes im Werte von 1 M. weggenommen und auf seinen eigenen Acker gefahren haben soll. Auf die Revision des Ange- klagten hob das Reichsgericht am Donnerstag daS Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Der Angeklagte hatte die Tat bestritten und sich erboten, zu beweisen, daß sein Wagen, mit dem er an dem B.schen Acker vorüberfuhr, bereits so mit Mist gefüllt war, daß unmöglich die dem B. gestohlene Menge noch darauf hätte Platz finden können. Eine Entscheidung über den Antrag ist nicht erfolgt, und um das Versehen wieder gutzn- machen, hat das Gericht im Urteil das Beweisthema als wahr unterstellt. Wäre dies dem Angeklagten in der Verhandlung mitgeteilt worden, so hätte er offenbar zu seiner Verteidigung noch verschiedenes anführen können. Es lag also«ine unzulässige Beschränkung der Verteidigung vor. Daß für solchen Dreck als Mindeststrafe auch jetzt noch drei Monate Gefängnis erkannt werden müssen, verschulden die Kon- servativen und Antisemiten, die es bekanntlich vereitelten, den Teil der Strafgesetzbuchnovelle Gesetz werden zu lassen, der für solche Fälle Geldstrafe oder Gefängnisstrafe bis herunter zu einem Tage zuließ._ Versammlungen. Vom Reichstagswahlkamps werden nunmehr alle Berufs- schichten erfaßt. Für die Hotelangestellten, die infolge der ausgedehnten Arbeitszeit in ihrem Berufe an den Versamni- lungen, die zu der üblichen Stunde beginnen, nicht teilnehmen können, fand in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag eine be- sondere öffentliche Versammlung statt, in der Genosse D ü w e l l, der Kandidat für den 1. Berliner Reichstagswahlkreis, über die Bedeutung der kommenden Reichs tagswahlen für die Hotel- angestellten referierte. Er schilderte die traurige Lage der Hotel- angestellten, die bei überaus langen Arbeitszeiten fronden müssen und deren Arbeitsleistungen nicht mit Lohn vom Arbeitgeber, sondern mit Trinkgeldern von den Gästen abgegolten werden. Während für alle anderen Arbeiterschichten durch die Gesetzgebung Schutz- Vorschriften erlassen worden sind, sind die Hotelangestellten noch vollständig dem kapitalistischen Ausbeutertum ausgeliefert. Für sie gelten nicht einmal die Vorschriften über die Minimalruhezeit und die Ruhetage, ja. selbst die Jugendlichen unter ihnen sind noch der schrankenlosen Ausbeutung ausgeliefert. Eingehend erörterte der Redner, wie die Vertreter der Sozialdemokratie im Reichstage bemüht gewesen sind, geregelte Verhältnisse für die Hotelangestellten zu schaffen; doch ihre Anträge sind samt und sonders von den bürgerlichen Parteien abgelehnt worden, wobei sich insbesondere das Zentrum, das sich so gern eine Volkspartei nennt, hervorgetan hat. Wenn die Hotelangestellten nicht die PariaS unter den ge- werblichen Arbeitern bleiben wollen, so müssen sie dafür eintreten. daß am 12. Januar die Kandidaten der Sozialdemokratie gewählt werden; sie müssen den sozialdemokratischen Stimmzettel als In- strument zur Befteiung von der Herrschaft des Ausbeutertums benutzen. Lebhafter, langanhaltender Beifall wurde dem Redner zuteil. In der Diskussion wurde von den Rednern zur Einsichtnahme in die Wählerliste aufgefordert. Jeder Hotelangestellte muß seine Eintragung in die Wählerlifte bewirken und sich dos Wahlrecht sichern, zumal es im 1. Berliner ReichstagStvahlkreis auf jede Stimme ankommen wird. Auch einige Erläuterungen über die Wahlberechtigung wurden den Versammelten gegeben. Eine Reihe anderer Redner gingen ausführlicher auf einige Details in ihrem Berufe ein, kurzweg, es zeigte sich, daß unter den Hotelangeftellten nur eine Meinung herrscht und sie von dem Willen beseelt sind, in jeder Weise dafür zu sorgen, daß am 12. Januar nur die Kau- didaten der Sozialdemokratie gewählt werden. Die im Deutschen Bauarbelterverband organisierten Fahr« stuhlarbeiter nahmen am Sonntag den Bericht von einer Ende November veranstalteten Bautcnkontrolle entgegen. Meier gab denselben. Es wurden ermittelt 150 Bauten, auf welchen das Material durch von 42 Unternehmern gestellte Fahrstühle befördert wurde mit zusammen 833 dabei beschäftigten Arbeitern. Von den vorhandenen Systemen ist das der Kastenstühle vorherrschend. Vorgefunden wurden solche auf 137, Lowetsstühlc auf 13 Bauten. Der Antrieb dieser Fahrstühle erfolgte in 117 Fällen durch Explosions- motoren. in 11 durch elektrische Motoren und in 21 durch Dampf- Maschinen. Für einen fehlten die Angaben. Bei 54 Stühlen waren zur Bedienung des Antriebes Maschinisten angestellt. Bei den übrigen erfolgte die Bedienung durch die Fahrstnhlarbeiter selbst. Die Entlohnung der Maschinisten erfolgt teils durch die Fahrstuhlunternehmer, teils durch die Kolonnen. Auch die Entschädigung für das Ausstellen der Stühle erfolgt verschieden» artig: in einigen Fällen stellt hie F'rnw den Stuhl aus, in den meisten die Arbeiter. Sie erhalten dafür entweder eine Pauschal- summe, oder eine Entschädigung für jede aufgesetzte Etage, oder die Entschädigung ist in den Preisen, welche für das beförderte Material lSteine) gezahlt werden, enthalten. Diese Preise selbst sind erheblichen Schwankungen unterworfen und in den letzten Jahren rapide herabgesunken. Bon den 833 an den Fahrstühlen beschäftigten Arbeitern waren zur Zeit der Kontrolle 523 organi- siert, davon 457 im Deutschen Bauarbeiterverband. Von den Maschinisten gehörten 42 einer Organisation an.— In der Dis- kussion über den Bericht konstatierte man zunächst ein erfreuliches Anwachsen der Organisation, verhehlte sich aber nicht, daß noch sehr viel in der Beziehung getan werden muß. um die durch die Kontrolle ermittelten Mißstände aus der Welt zu schaffen. In erster Linie komme hierbei in Frage die Anstellung von Maschi- nisten. Dann eine einheitliche Regelung der'Entschädigung für das Ausstellen der Stühle und der Preise für das Befördern des Materials. Ferner muß unter allen Umständen eine cinheit- licke Abrechnungsmethodc eingeführt werden, so daß nicht, wie es jetzt häusijj geschiebt, die Abrechnung durch das Telephon(!) gemacht wird.— Di« Wahl einer Lohnkomm, sston. welche die Vor- bereitungcn für entsprechende Maßnahmen treffen soll, wurde biS -nach den Reichstagswahlen vertagt. Die Anwesenden wurden ermahnt, gegen weitere Verschlechte- rungen der Arbeitsbedingungen ganz energisch Front zu machen und alle Mißstände der Organisationslcitung zu melden. Zum Schluß richtete Kollege E. Lehmann, Vertreter des ZweigvereinS- Vorstandes, begeisternde Worte an die»ahlreich Bermmmelten, im zetzt entbrannten Wablkamvfe ihre volle Schuldigkrt zu tun und rastlos nach der Richtung hin zu agitieren, daß am Tage der Wahl, am 12. Januar, nur Stimmzettel abgegeben werden, welche Namen von sozialdemokratischen Kandidaten aufweisen. Tins aller Melt. prunk uncl Hungersnot. Mit verschwenderischer Pracht und kolossalem Geldaufwand hat daS englische Königspaar bei Delhi in Indien sein Krönungslagcr abgehalten. Es galt, dem indischen Volke zu imponieren und die herrschende Klasse Englands reibt sich vergnügt die Hände übe» den gelungenen Ausfall der Zeremonie, die den Indien, ihre gänzliche Nichtigkeit beweisen sollte. Arn Tage nach der Proklamation kamen, so berichten die englischen Blätter, die Leute zu Tausenden, ,»n den leeren goldenen Thronen des�KaiserS und der Kaiserin von Jjtbicii ihre Ehrfurcht zu beweisen. Sie verbeugte» sich tief vor is»U Sesseln der göttlichen Herr icher, küßten die Mart««*' stufen oder wälzten sich vor de», Götzenbilde wie die Wür>» Staube. Und nun die Kehrseite der Medaille. Genosse H y n d m a n, der als einer der besten Kenner d«r eff lischen Herrschast in Indien gilt, schreibt darüber in eine« Briefe. der in der„Times" erschienen ist, Es mutz vorausgeschickt werden,' datz der Kaiser in seiner Proklamation ganze 300 000 Pfd. Sterling (6 000000 M.) für die Vollserziehung in Indien versprochen hat. Hyndman schreibt:„Ich bemerke, datz die von dem König« Kaiser zu Delhi proklamierte Politik fast allgemein günstige Auf» nähme gefunden hat. Sie haben mir nun schon seit mehr als einer ganzen Generation gestattet, die Schattenseiten unserer Herrschaft in Indien darzuiun. Sie werden es mir daher viel- leicht auch erlauben, darauf hinzuweisen, datz nur eine jämmerliche Summe von etwa 300 000 Pfund Sterling für die Erziehung von 224 000000 Menschen neben den elenden Beträgen, die bis jetzt für diesen Zweck ausgeworfen wurden, bestimmt ist, obwohl wenigstens 1200 000 L st rl.(24 Millionen Mark) für diesen prunkhastcn Durbar(Festlager) der Fürsten und Beamten ausgegeben worden ist und obwohl die Kosten der Errichtung neuer öffentlicher Gebäude in der Hauptstadt Delhi auf 4000 000 Lstrl. (80 000 000 Mark) und mehr geschätzt werden. In diesem selben Jahre ist fast die Hälfte Indiens nur wie durch ein Wundereiner schrecklichen Hungersnot entronnen und augenblicklich beschäftigt man sich mit dem entsetzlichen Elend, das in weiten Teilen des Landes herrscht. Zudem wird in diesem selben Jahre das arme Indien dem reichen England wenigstens 30 000 000 Lstrl.(600 Millionen Mark) bezahlen, ohne eine kommerzielle Gegenleistung dafür zu erhalten. Und Hindostan soll entzückt sein!" Verschollene Schiffe. Bon den Emdener Heringsloggern sind drei, die die schweren Stürme in derNordsee durchgemachthaben, bis heute noch nicht zurückgekehrt. Wie die„Emdener Zeitung" be- richtet, ist die Unruhe über das Schicksal der Schiffe im Wachsen. ES bandelt sich um den Logger„Jacob" der Neptun-Fischerei mit 13 Mann Besatzung, die ausschlietzlich aus Holländern besteht, l den Logger„Braunschweig" der Emdener Heringsfischerei. 14 Mann Besatzung, und den Logger„Derfflinger" der Heringsfischerei „Grotzer Grotzfürst" mit 13 Mann Besatzung. Die Befürch- tung, datz die drei Schiffe während der schweren Stürme unter- gegangen sind, liegt um„so näher, als daS erste Schiff den hiesigen Hafen am 18., das zweite am 29. und das dritte am 27. Oktober verlassen hat._ Eine ganze Familie ermordet. Ein furchtbares FamilienÄrama wurde in einem kleinen Dorfe bei Albany, der Hauptstadt des Staates New Jork, ent- deckt. Ein Milchmann fand gestern morgen im Kuhstalle unter der Streu versteckt die verstümmeltenLeichen von Frau Mar- mer, einer Witwe, und ihrer beiden Töchter im Alter von 20 und 17 Jahren, und im Pferdestalle verborgen den Lcichynm des 28jährigen Sohnes Artur. Die Erregung in der Bevölkerung ist eine sehr grotze, da es der Polizei unmöglich war. die ZKörder einer ganzen Reihe von Verbrechen, die in den letzten Monaten begangen wurden, zu entdecken. Die Polizei glaubt, datz der Mörder in diesem Falle ein Italiener ist, der bei der Familie bedienstet war und seit vorgestern verschwunden ist. Fernfahrt des Siemens-Schuckert-Luftfchiffes. Der in Biesdorf.bei Berlin stationierte Siemens-Schuckert- Lenkballon ist am Freiiag morgen zu einer Fahrt nach Gotha aufgestiegen. Nachdem es Wittenberge. Bitterfeld, Halle, Merseburg, Weitzenfels, Naumburg uud Weimar passiert hatte, ist das Luftschiff um 3 Uhr 40 Minuten in Gotha glatt gelandet und in die Luftschiffhalle gebracht worden. Kleine Noti�n. Explofio» in einer Ziindwarciifabrik. Eine schwere Pulverexpkosion, deren Ursache noch nichr aufgeklärt werden konnte, ereignete sich gestern abend in der Rhcinisch-westsälischen Sicherheits-Ziindschnur-Fabrik in Krefeld-Linn. Ein Teil der grotzen Fabrik stand sofort in Flammen. Die Zahl der verletzten Arbeiter ist erfreulicherweise geringer, als ursprünglich angenommen wurde. Die Verletzungen sind meist nicht gefährlich. Nur ein Arbeiter wurde schwer verletzt aus dem brennenden Gebäude gerettet. Lawinensturz. Fünf bei dein Bau einer Talsperre am Sept-Eaux-Berg in den französischen Alpen beschäftigte Ar- beiter wurden von einer Lawine verschüttet. Drei wurden getötet, zwei konnten sich retten. Schwerer Unfall in der französischen JÖlarinc. Während eines Sturmes ist im Hafen von B r e st eine Segelbark des Schul- schiffs Borda mit drei Matrosen untergegangen. Die drei Mann fanden den Tod in den Wellen. Bi'Ufharten der Redaktion. Sie lutlftltfle Cpttchstunde findet Linden st raste SS, vorn vier rrevsten — Fahrstuhl—, woihcntöglich von iV, bis 7Mi Uhr abends, Sonnabends, von tl-j bis 6 Uhr abends statt. Jeder sllr den Brirflaftcn bestimmten Anfrage ist ew Buchstabe und eine Zahl als Mrrlzeiche» betzusstgen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfrage», denen keine Abonnementsgnittnng beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Frage» trage man in der Sprechstunde vor. H. W. 85. 1. Die Kcmelnde, die bisher Unterstützung geleistet hat, ist dazu fernerhin verpachtet. Es kann jedoch die Rückkehr verlangt werden. 2. u. 3. Diese Fragen lassen sich aus Grund der bisherigen Angaben nicht beantworten. Kommen Sie in die Sprechstunde.— E. G. 69. Ber- jährung ist nur dann eingetreten, wenn die Gläubiger im Konkursversahrcn nicht angemeldet haben bczw. deren Forderungen nicht festgestellt sind.— S. St. Rur soweit, als der Lohnbetrag 28,82 M. wöchentlich übersteigt.— P. äl. 31. Ja.— R. St. 77. 1. Nicht erreichbar. 2. Nein. 3. Einige 100 M. 4. Unverständlich. 5. Ja, falls Sie Kläger sind, andernfalls nein. — K. H. II. 1. Mderruslich genehmigt. Kosten 10 Ps. 2. Nein.— Kredit an jedermann nach dessen Verhältnissen. Damen-Beklsidiing Herren-Bekleidung Kinder- Bekleidung iPelzwaren auf Abzahlung zu decken. Kaufhans Universum Linkstr. 2 am Potsdamer Platz. ranz Pfeifer Inhaber Oskar Kessler Berlin 0. 112, Frankfurter Allee 139. Eisenwaren-Handlung= Reichhaltiges Lager In Haus- und Küchengeräten Werkzeugen Q Bauartikeln und Gartengeräten □ □ □ Solinger Stahlwaren. □ □ □ A.E.Deike, Uhrmacher u. Juwelier Berlin SW., Oranienstraße 99, empfiehlt«ein reich assortierte» Lager in Uhren. Juwelen, tiold-, Silber- und AlWnldewaren. Spezialität: Goldene Damen-Remontoir- Uhren mit Kette und Etnl 5ei Vorweisung dies. Inserats S Pro®. Kasaa-Seonto. für Kausfrauen! Achtung! Großer Teuerungszuschuß! 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In einer Erklärung der Fabrikanten wird in den Abend- Leitungen vom Donnerstag mitgeteilt, daß der Ausschuß der Fwbri- kanten entschloffen sei: a) trotz des völligen Unterliegens der Streikenden die von ihm bereits vor Beginn des Streiks gemachten Anerbietungen auf Erhöhung der Löhne und Schaffung von Garantien zur Sicherung dieser Erhöhungen sowie auf Einführung unterster Lohngrenzen aufrechtzuerhalten und durchzuführen. b Als legitime Vertretung erkenne er den gelben Meister- verband an und werde die Verhandlung mit diesem fortführen unter der Voraussetzung, daß c) die Heimarbeiterinnen an den Lohnerhöhungen und an deren Sicherung in der gleichen Weise beteiligt werden, wie dies in den Abmachungen zwischen den Fabrikanten und den Meistern erfolgen soll. An diesen Verhandlungen teilzunehmen stellt der Ausschutz den Meistervereinigungen anheim. Am Schlüsse erklären die Fabrikanten, datz die Streikleitung ebenso frivol, wie sie den Streik begonnen, auch vor einer materi- »llen Schädigung der Meister und Arbeiterinnen nicht zurückschrecke. Hierzu erklären die Unterzeichneten folgendes: 1. Die Behauptung der Fabrikanten unter a). soweit sie die Einführung unterster Lohngrenzen betrifft, ist unwahr. Dies- bezügliche Angebote haben die Fabrikanten erst später am Ende der zweiten Streitwoche gemacht. Als wir unsere Bereitwillig- keit, hierüber zu verhandeln, aussprachen, wichen die Fabri- kanten dem aus und beriefen sich auf ihren gelben Verband. Später stellten sie den Meistern anheim, in Abwesenheit der Arbeitervertreter gemeinschaftlich mit den Gelben über ihre neuen Vorschläge zu verhandeln. Das konnten die Meister nicht, wollten sie nicht treulos gegenüber der Arbeiterschaft handeln. 2. Wenn die Fabrikanten den gelben Verband als legitime Vertretung anerkennen, so fehlt nur noch, datz auch die an- ständigen Meister und die Arbeiterinnen dies tun. Alsdann ist alles in Ordnung. 3. Gegenüber den Beteuerungen unter c) stellen wir die Tatsache fest, datz die Fabrikanten und die gelben Meister die Vertreter der Arbeiter und Arbeiterinnen zu den Verhandlungen nicht hinzuzuziehen beabsichtigten. Schon in den Vorschlägen der Fabritanten für die Bildung einer paritätischen Kommission ivar die Gruppe der Heimarbeiterinnen, die im Verband der Schneider und Schneiderinnen vereinigt sind, von einer Ver- tretung vollkommen ausgeschloffen. Wenn der AuSschutz der Fabrikanten am Schlüsse seiner Er- klärung davon redet, datz der Streik frivol heraufbeschworen sei und die Streikleitung ebenso frivol vor einer materiellen Schädi- gung der Meister und Heimarbeiterinnen nicht zurückschrecke, so machen wir auf die Tatsache aufmerksam, datz die Streikenden ihren Vertretern am Mittwoch in einer Versammlung von mehr als 3000 Personen e i n st i m m i g i h r Vertrauen aus- sprachen. ES ist bisher in der Gewerkschaftsbewegung wohl zum ersten Male vorgekommen, datz eine derart stark besuchte Versammlung auf Anraten der Führer einstimmig den Streit abbricht, ohne den geringsten Widerspruch wegen der Ergebnislosigkeit zum Ausdruck zu bringen. Das hat seine Ursache darin, datz die Streikenden sich des Jahres ISSS noch erinnern. Damals sind den Fabrikanten ihre Verdächtigungen gegenüber der Streikleitung gelungen. Heute ist das nicht mehr möglich. s- Nicht eine Arbeiterin wird den Fabrikanten glauben, datz sie mit der Ablehnung der Angebote der Fabrikanten den geringsten materiellen Schaden hat. Diese Leute entsinnen sich noch des »Vorteils", den sie im Jahre 1800 hatten. Wir können und wollen die Fabrikanten an Verhandlungen mit den Gelben nicht hindern. Unsere Mitglieder werden sich gemätz ihrem Beschlutz an deren Vereinbarung nicht kehren. Nach wie vor lehnen wir alle Angebote der Fabrikanten als vollkommen ungenügend ab. Emil Drews. Fr. Kunze. Frl. M. B ehm. Achtung, Friseurgehilfen! Beigelegt sind die Differenzen bei Fuchs. Lichtenberg. Kreuzigerstr. H. Schramm. Drontheimer- st ratze b. Die Sperre ist damit aufgehoben. Am Sonntag, den 24. und 31. d. M.. dauert die Arbeitszeit nur bis 2 Uhr mittags. Am zweiten Feiertag findet vormittag? 10 Uhr die Kontrolle Linienstratze 73 statt. Samtliche Mitglieder haben sich zu melden. damit festgestellt werden kann, datz sie nicht arbeien. Der Vorstand. Achtung, Fleischergesellenk Die Fleischermeister P. Wonne» berge r. Rixdors, Weisestrahe 24. und B. Riedel. Hermann- stratze 40. haben den Tarifvertrag anerkannt. Die Gesellen und Verkäuferinnen der Fleischzentrale Geb. Kasmirski(vormals Hilbrich), Hermannstratze 210. haben einen Tarifvertrag eingereicht, die Firma zögert denselben anzuerkennen. Es ist nicht ausge- schloffen, datz es hier zu ernsteren Differenzen kommen kann. Ferner weigert sich der Fleischermeister I o ch m a n n, Ziethenstr. 41, den Tarif anzuerkennen. Derselbe will lieber sein Geschäft schlietzen. als den Gesellen ihr Recht zu gewähren.» Wir ersuchen die Kollegen, bei den beiden Firmen keine Arbeit anzunehmen. Zentralverband der Fleischer. Steinarbeiter, Bauarbeiter'. Am Bau Picea d illy, Pots- damer Platz, wo die Marmorarbeiter der Firma Saalburger sich einmütig weigerten, in den gesundheitsschädlichen Räumen(diese werden durch eine grotze Anzahl riesiger Kotsöfen ausgetrocknet) zu arbeiten, bis die AuStrocknung der in Betracht kommenden Räume erfolgt ist, zeigt sich leider auch das Gegenstück solidarischen Handelns. Die Firma Czarnikow u. Co.. Kunststeinfabrik in Waidmannslust, hat die steinmetzmätzige Bearbeitung einiger Treppenhäuser der von unserem Verbände wegen ihres die Kunst. steinindustrie schwer schädigenden Wirkens gesperrten Zwischenfirma Jüngers u. Schill? übergeben. Hervorzuheben ist, datz die Firma Ezarnikow selbst über einen Stamm tüchtiger Steinmetzen verfügt und im Bedarfsfälle soviel erhält, als sie zur Ausführung der Arbeiten in eigener Regie bedarf. Wenn es die Firma Czarnikow trotzdem vorzieht, ihre Arbeiten an Zwischennnternehmer zu ver- geben, so kann unseres Eraibtens der Grund hierfür nur in der billigeren Herstelliing der Arbeiten durch die Zwischenfirma liegen. Die billigere Hsrstellnng der Arbeiten kann jedoch nur auf Kosten der Arbeiter und die Güte der Ausführung erfolgen, weshalb es nicht nur im Interesse der Arbeiter, sondern in dem der ganzen Kunststcinindustrie liegt, wenn Verschlechterungen abgewehrt wer- den. Leider haben sich in diesem Abwchrkampfc Leute gefunden, die ihren eigenen momentanen Vorteil über den der Gesamtheit steen, indem sie den bedrängten Zwischenmeistcrn zu Hilfe eilten. Zu den bereits bekannten Arbeitswilligen haben sich die Stein- wehen Kräuslein und Willi Görs gesellt. Wir ersuchen die Kollegen und Bauarbeiter aller Berufe für die Fernhaltung weiteren Zu- zugeS Sorge zu tragen. Zeatralvrrband der Steinarhciter, HrtSverwaltung Perfid { Deutfcbcs Reick«. Die erste Konferenz der Lackierer, die am 11. und 12. d. M. in Leipzig tagte, war von 32 Delegierten, 2 Vertretern des Ver- bandsvorstandes und 7 Vezirksleitern besucht. Ueber die Berufs- Verhältnisse im Lackierergewerbe referierte Sekretär Heirich-tzam- bürg unter Benutzung der soeben fertiggestellten, von ihm be- arbeiteten Statistik. Im Anschlutz daran referiert Meyer München über:„Organisation und Agitation". Beide Referenten schilderten eingehend die gewaltige EntWickelung des Verkehrswesens, der Maschinenindustrie und der Hausartikelfabrikation, die daS Lackierergewerbe von früher völlig umgewandelt habe. Von einem eigentlichen Berufe sei keine Rede mehr. Eine weitgehendste Ar- beitsteilung, ein raffiniertes Akkordsystem, die Heranziehung zahl- reicher Frauen und Ungelernter schassen ganz neue Produktions- Methoden. Die Maschine spiele zwar bis jetzt keine grotze Rolle, doch sei auch hierin noch eine weitere EntWickelung zu erwarten. Redner schildert die Entlohnungsverhältniffe und dann den Ar- bciterschutz im Gewerbe. Die sehr gesundheitsschädlichen Arbeiten mit giftigen Materialien, zu denen neuerdings noch die gefähr- lichen Terpentim und Firnitzersatzstoffe kommen, machen einen weitgehenden Gesundheitsschutz nötig. Besonders für die meist mit den schädlichsten Arbeiten beschäftigten Frauen bestehen die größten Geundheitsgefahren. Geklagt wurde über die Zersplitterung der Lackierer in den verschiedensten Verbänden, wozu dann noch die gegnerischen Organisationen kommen. Das erschwere eine energische Interessenvertretung oft recht empfindlich. In der Debatte wurden die Referate wesentlich erweitert. Da wurden krasse Beispiele von der schikanösesten Ausnutzung der Arbeiter angeführt. Besonders die Waggon- und die Automobil- industrie wurden als am meisten von grotzkapitalistischen Aus- wüchsen durchsetzt bezeichnet. Auch über krasse Mitzstände in hygie- nischer Beziehung wurden Klagen auf Klagen gehäuft. Allgemein wurde ein« engere Verbindung der Lackierer untereinander, die Sammlung und der Austausch aller Materialien und Erhebungen und energisches Einschreiten gegen Uebertretung des bestehenden A-beiterschui)es und vorkommende Lohndrückereien verlangt. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution fand Annahme. Ein Antrag Hannover forderte eine besondere Zentralkom- Mission mit dem Sitze in Berlin, die Statistiken veranstalten, Akkordpreise der einzelnen Betriebe sammeln und Untersuchungen über Verwendung giftiger Materialien herbeiführen solle. Dieser Antrag wurde abgelehnt, es sollen jedoch die Bezirksleiter fort- laufend alles Material sammeln, untereinander austauschen und entsprechend dem Antrage Hannover verwerten. Em Antrag Leipzig, nach dem die zu den Generalversamm- lungen des Verbandes gewählten Lackierer einen Tag früher zu einer Konferenz zusammenkommen sollen, wurde dem Vorstand überwiesen. Nach den zweitägigen Verhandlungen schloß der Verbands» Vorsitzende Tobler die Konferenz unter Hinweis auf deren äutzerst sachlichen und ersprießlichen Verlauf. Das vorgebrachte reichhaltige Material über die komplizierten Verhältnisse in den Lackierer- betrieben werde die Arbeiten für die bessere Organisierung der Lackierer befruchten und Mittel und Weg« zur Hebung und kul- turellen Besserstellung der Lackierer schaffen. Achtung! Schlächter und Darmarbeiter Z In der Darmhandlung von Hermann Schreiber-Lübeck haben sämtliche 20 Beschäftigte die Arbeit wegen Matzregelung des Vertrauensmanns niedergelegt. Weil der Vertrauensmann auf Einhaltung des mit der Firma ab- geschlossenen Tarifs achtete, wurde er entlassen.— Wir ersuchen dringend, allen Zuzug von Schlächtern, Darmarbeitern und ebenso Hilfsarbeitern von Lübeck überhaupt fernzuhalten. Husland. Wenn die Dänen streiken» sotten Deutsche kommen! In der Gegend von Köge auf Seeland will man demnächst eine Genossenschafts-Zuckerfabrik anlegen, durch die. ähnlich wie es bei den Meiereien. Schlächtereien und anderen Genossenschafts- unternehmen der dänischen Bauern der Fall ist, den Produzenten des Rohmaterials ein der Rentabilität des Unternehmens entsprechender Gewinn gesichert wird. Das Unternehmen stellt sich auherhalb des Trusts der Zuckerfabrikanten, der die Zuckerpreise namentlich im Laufe des letzten Sommers ungeheuerlich in die Höhe getrieben hat, und insofern liegt es im Interesse der ge- samten Bevölkerung Dänemarks, daß eine solche ringfreie Fabrik zustande kommt. Aber die dänischen Banken stecken mit den Zucker- fabrikanten unter einer Decke und wollen, wie das sckzon einmal in diesem Jahre bei der Gründung einer anderen Zuckerfabrik der Fall war, das Unternehmen, das einige Millionen Kapital erfordert. nicht finanzieren. Man hat sich deswegen, und zwar mit Erfolg, nach Deutschland gewandt, jedoch wird das Geld nur unter der Bedingung gegeben, daß deutsche Firmen bei der Lieferung von Material zur Errichtung der Fabrik und von Maschinen in be- stimmtem Umfange berücksichtigt werden. Autzerdem aber hat man von deutscher Seite, wie„Socialdemokraten" mitteilt, die Bedin» gung gestellt, datz, wenn die dänischen Arbeiter streiken sollten, sie durch deutsche ersetzt werden sollen! Die Herren Kapitalisten haben dabei offenbar nicht bedacht, daß die Arbeiterorganisationen doch auch in Deutschland soweit entwickelt sind, daß deutsche Arbeiter sich nicht mehr wie Vieh verladen lassen, um irgendwo in der Welt nach dem Wunsche des Unternehmertums Streikbrecher zu spielen! Nrtistenstreik. Die Pariser Artisten haben den Entschluß gefaßt, für Weih- nachten einen A u s st a n d zu proklamieren. Sollten auch nicht sämtliche Varietekünstler sich dem Streikrufe anschliehen, so wird ' doch der Ausstand proklamiert werden, da auch die Maschinisten ! und Elektriker der Varietes sich mit den Artisten solidakisch erklärt haben. Man wird also damit zu rechnen haben müssen, datz Paris während der Wcihnachtstage ohne die beliebten Varietes sein wird._' Die Bewegung der englischen Postbeamten. Der für die Weihnachtszeit angekündigte Generalstreik der Postbeamten wird nicht stot!�>nden. da der Premierminister den Beschlutz des Postministers über den Haufen geworfen hat. Die von den Postbeamten geforderte Untersuchungskvmmission, die sich mit der durch die Teuerung nötig gewordenen Gehaltsausbesserung der Beamten befassen soll, wird nun gleich beim Beginn der neuen Parlamentssession eingesetzt werden. Die Beschlüsse der am 10. Dezember in Birmingham tagenden nationalen Konferenz der Postangestellten, auf der etwa 80 000 organisierte Arbeiter, die sechs verschiedenen Gewerkschaften angehören, vertreten waren, waren daher sehr friedfertiger Natur. In den Flrischwarenfnbriken von Stockholm ist ein Kampf um die Durchführung von Tarifverträgen ausgebrochen. Den Arbeitern wurden hier nach dem allgemeinen Massenstreik von 1009 persönliche Arbeitsverträge aufgcAwungen, und die Löhne sind w niedrig bemessen, datz es den Arbeitern nicht mehr möglich ist. damit aus- zukommen. Dem Verlangen nach Lohnerhöhung und Abschluß eines Tarifvertrags wird jedoch von der Organisation der Fabri- kanten der stärkst« Widerstand entgegengesetzt, und namentlich ist es der Direktor Olm von der Schlächterciaktiengesellschast Narr- malm, der dabei den Oberscharftnacher spielt. Ueber die Waren dieser Firma hat die Arbeiterschaft jetzt den Boykott verhängt. Uebrigens haben bereits 10 Firmen bewilligt, so datz es wohl auch gelingen wird, die übrigen zur Anerkennung des Tarifvertrags zu zwingen. Jugendbewegung. Wie die Proletarierjugend„staatsbürgerlich" erzogen werden soll. Sollten noch Zweifel darüber bestehen, datz die mit so großem Pomp angekündigte„staatsbürgerliche Erziehung" eigens zum Zwecke der Bekämpfung der Sozialdemokratie erfundenes Mittel ist, so braucht man nur einen flüchtigen Blick in die pädagogische Zeitschrift„VergangenheitundGegenwart"(B. G. Ten- bers Verlag) zu Wersen. Was da aus der Schule frischweg ge- plaudert wird, läßt alle derartigen Zweifel im Nu verschwinden. Im letzten Hefte dieser Zeitschrift unternimmt ein Herr A. Arens einen Versuch, das Programm der staatsbürgerlichen Erziehung durch die Fortbildungsschule zu entwerfen. Was seinen GeisteSergutz erwähnenswert macht, ist außer dem Umstand, datz hier um eine„staatsbürgerliche" Einwirkung auf die reifere P r o l e- tarier-Jugend die Rede ist. auch die lobenswerte Offenherzig- keit, mit der er die Zwecke und Wege solcher Einwirkung vor aller Welt Augen offenbart. Nach einem beinahe 4 Seiten langen Gekeife auf die „A r b e i t e r- I u g e n d" kommt der brave Schulmann zu dem erbaulichen Schluß, datz die Sozialdemokratie sich mit der Zersetzung ihrer Jugend selbst das Grab gräbt, denn wenn diese Jugend, in dieser Weise aufgezogen, einmal zur Herrschaft gelangt, dann be- wahrheitet sich der Dichterspruch:„DaS Gute räumt den Platz dem Bösen und alle Laster walten frei". Nun will aber der Herr Arens auf dieses für ihn so angenehme Ende nicht warten. Im Interesse aller heiligsten Güter soll die staatsbürgerliche Erziehung jbas Rettungswerk übernehmen und er rückt mit einem langen päda- gogischen Programm heraus. Das Kennzeichnende daran ist, datz Herr ArenS sich der Un- Möglichkeit wohl bewußt ist, der proletarischen Jugend in der bis- her üblichen plumpen, hurrapatriotischen Weise beizukommen. Das ganze Arsenal der modernsten pädagogischen Mittel soll zu diesem edlen Zwecke herhalten. Den Schülern soll„die Einsicht in die geschichtlichen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse des Deut- schen Reiches, wie sie sind und geworden sind", vermittelt werden. Aber nicht mit Hilfe des Geschichtsunterrichts, an dem sie in der Volksschule anscheinend gerade genug gehabt haben. Sondern es sind„in der sogenannten Berufskunde geschichtliche Betrachtungen anzustellen, die von der Gegenwart und den Verhältnissen, in die die Schüler durch ihre berufliche Arbeit mitten hineingestellt sind, ausgehen und rückwärtsschauend die Entwickelung überblicken". Es soll weiter„im Fortbildungsschüler die Ueberzeugung von dem Nutzen und Wert unserer staatlichen Verhältnisse für ihn selbst und die Gesamtheit begründet werden. Auch hier ist das berufliche Leben des Schülers, das den Anhaltspunkt und das Material dazu liefern soll. Staatsgesetze. Schulpflicht, Wehrpflicht— alle diese Materien sind ohne Stimmungsmache unter möglichster Berück- sichtigung der individuellen Anlagen zü behandeln. Wir wollen auf die mitunter köstlichen Einzelheiten dieses LehrplaneS, wo die Verherrlichung des Militarismus, der Monarchie ukw. nicht fehlt, nicht weiter eingehen, denn man merkt schon, wohin der Hase läuft. Die moderne indwidualisikrende Pädagogik, mit der man in der Volksschule Schindluder treibt, soll hier in der Fortbildungsschule, da es nicht anders zieht, das Verblödungswerk an der Arbeiter- jugend vollbringen! Wir nageln ohne sonderliche Entrüstung diese pädagogische Wendung fest. An der Macht der Verhältnisse werden auch diese Künste zerschellen. Sollte jedoch uns im Wahltampfe irgend ein schöngeistiger Liberaler mit dem Märchen von einer„neutralen" Fortbildungsschule kommen, dann wollen wir ihm die Lektüre der Ausführungen des Herrn ArenS— der beiläufig gesagt, et« vrak« tischer Schulmann ist— angelegentlichst empfehlen» Hud Industrie und Handel* Die Preisschraube. Die Preissteigerung habe ihre Sckärse verloren: so behaupten die Beauftragten der LebenSminelwucherer. WaS von solchen Bc- ruhigungspillen zu halten ist. illustrieren recht anschaulich die Preis« seststellungen, der vom Kgl. Slat. LandeSamt herausgegebenen Korrespondenz. Der ermitielte Durchschnitt der Preise in bOpreußi« schen Städten ergibt folgende Resultate: Preise im Großhandel November 1910 1911 Steigerung Roggen.. 1000 Kg M. 140,0 178,2 21,55 Weizen..... 192,6 199,8 8.79 Braugerste.,, 171,4 203,0 18,43 Futtergerste..» 137,9 174,6 26,60 Hafer..... 157.0 188,0 19,75 Erbien.... 285,9 S5l.2 23,19 Speisebohnen.„ ,, 324,8 898,2 22.69 Linien...„. 293,9 469,3 59,71 Kartoffeln.„„ 59.4 78,1 81,48 Preise im Kleinhandel Erbsen.... 1 kg Pf. 37.8 43,9 17.69 Sveisebohnen. 40.3 48,1 19.85 Linsen..... 42,7 68,2 86.80 Butter.... 266,0 802,2 17,80 Milch.... 19,9 21,6 10,05 Kartoffeln... l r. 7,6 9,9 80,26 Nur bei einem vollgerüttelten Maße agrarischer Ungenierthcit kann man angesichts solcher Preisentwickelung, die Keulenschläge auf den Magen der Armen bedeutet, lächelnden Mundes behaupten, es existiere keine Teuerung mehr, sie habe ihre Schärfe verloren. Eine kaum glaubliche Mißachtung der Arbeiter mutz man übrigens auch darin erblicken, daß die politische und gewerkschaftliche ultra- montane Presse keck und kühn behauptet, die Wirtschaftspolitik, der ' wir solche Preisgestaltung verdanken, sei ein verdienstvolles Werk. Das stinimt nämlich dann, wenn man hinzufügt: für die Junker l und Großgrundbesitzer._ eingegangene Orud?rcbnften. Zllexnuder Castell, Bemaids Versuchung, Roman. Umichlagzeichuung und Eiuband von Assons Aoclfle. Mchestel 5.50 M., in Leinen 7 M, in Lcder 10 M.— Selm« L»grrlöf. LUjccronaS Heimat. Roman. Geheftet 4 M„ gebunden 5,50 M,, in Halbfranz 7 M. Verlag von Albert Langen, München. Hilgers Wegweiser für die RcichstagSwahl ISIS. Von Dr. Arthur Blaustein und Hermann Hllger. Preis SO Pj. H. HillgerS Verlag. Berlin-Leipzig □□□ □□□ ODO □□□ Sonnabend, 16. Dczbr. 1911. Nnfang 3 Uhr. Schiller.(khnrlottcuburg. Prinz Friedrich von Homburg. Rose. Goldhärchcns Himmelsahrt. � Slnsang 3'/. Uhr. Berliner. Ein Fallissement. NcueS Schauspielhaus. Aschen- brödel. Friedr.- Wilh. Schauspielhaus. Des armen Kindes Weihnachtssest. Anfang 4 Uhr. Urania. Taubonstrahe 48/49. Geheimnisse der belebten Natur. Westen. Max und Moritz. Neues VoltSthcater. DaS Zauber- glöckchcn. Thalia. Sncewittchen. Belle-Ulliance. Dornröschen. Luisen. Wie Klein-Else daS Christ- lind suchen ging. Walhalla. Der kleine Däumling. Ansang 7'/, Uhr. St. Opernhaus. Fidelis. St. Schauspielhaus. Goldfisch». Deutsches. Turandot. Haverland. Spezialitäten. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Schnmanu. Gala> Vor- ftellung. Ansang 8 Ubr. Urania. Taubeusiraste 48/49. Von Meran zum Ortler. Kanilnerspiele. Nathan der Welse. Kurfürstenoper. Philcmon und Baucis. Berliner. Die Ahnengalerie. Lcssing. Gudrun. »oinischc Oper. La Traviata. Neues Ta>nnil>ieli>aus. Hans Sonnenstößers Höllcnsahrt. Neues. Das Mädel von Moni- inartre. Westen. Fatinitza. Residenz. Ein Walzer von Chopin. Neues Operette». Di» moderne Eva. Kleines. LottchenS Geburtstag. Gentz und Fanny Eitzler. Hocken- jos. Schiller O. Wilhelm Dell. Schlue--Gbarlotteuburg. ES lebe das Leben. Friedr.- Wilh. Schauspielhaus. Sherlock Holincs. ttöniggrützer Strafte. Spielerelen einer Kaiserin. Rose. Faust. »Netrur.>>>. Die Nacht von verlin. Lustspielhaus. Die VergnügungS- reise. Triauou. Mein Baby. Thalia. Polnische Wirtschaft. Luise». Baronesse Claire. Gasiuo. Ter Kamps ums Dasein. «»»No. Spezialitätcu. Baiiagr. Spezialitäten. Herrufeld. Schmerzlose Behandlung. ,1 Das Kind der Firma. Wintergarten. Spezialitäten. ReichSliaitcu. Stettiner Sänger. Köuigstadt-Kafiuo. Spezialitäten. Anfang 8'/, Uhr. Folios«aprice. Mandelblüth's Pollerabcnd. Walhalla. Teusel, das hat einge- schlagen I Noark. Eine Judensamili». Ansang 8>/, Uhr. Neues Bolkstheatcr. Geographie und Liebe. Belle-Sllliauce. Zapfenstreich. Intimes. Der Braiidstijler. »• Sternwarte, Jnvalidcnstr. 57—62. Kaiser-Panorama. II. Reiie in Bosnien und Herzegowina. Die sonnige Pjalz a. Ah. ScIiiller-TiiealerO.IS" er --------- Theater Sonnabend, abends 8 Uhr: �VilUvIn» Dell. Sonntag, nachm. 3 Uhr: ldtiä Urbild dcM Tartüff. Sonntag, abends 8 Uhr: Die IVildcntc. Montag, abends 8 Uhr: Kfönlg Heinrich Schiiler-Tbeaier"Sr Sonnabend, nachm. 3'/, Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: lebe dag Leben. Sonnlag, nachm. 3 Uhr: lllaria Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: Hadame Saiis-tüene. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Die Ahnengalerie. Abends 8 Uhr: 8pielksöiön einer Keiserin. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Das Mädel von Montmartre. Creveite: 4'rlt?.l ülussury. Sonnt. 3'/. Uhr: Der fidele Bauer. Theater des Westens. 8 Uhr: Fatinitza. Mittwoch und Sonnabend nachm. i'l, Uhr: Max und Morift. Sonnt. 3'/. Uhr: Tie Dame i» Rot. Resideuz-Theater. Direllion Richard Alexander. Heute 8 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akt. v. Keroul u. Barre. Kür die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-Baeckcrs. Morgen und solgende Tage: Ein Walz-r von Chopin. Urania, Wissenschaftliches Theater. Nachm. 4 Uhr: Geheimnisse der belebten Xatnr. 8 Uhr: Ton SIcran zum Ortlcr. fielle-Alliance-Tlieater Nachm. 4 Uhr: Dornröschen. Abends 8'/, Uhr: Narrcnspiel. In Vorder.'(Premiere 22. Dez.): Die schöne Kokotte. Luisen-Theatcr. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Wie Klein-Else das Ehristkind suchen ging. 8 Uhr: Baronesse Elaire. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Macht der Liebe. Abends 8 Uhr: gu Dunkel gehüllt. Grotze Franksurler Str. 132. Nachm. 4 Uhr: Gold- Härchens Himmelsahrt. Abends 8 Uhr: DM- Faust 1. Teil. Sonntag 3 Uhr: Das verzauberte Schlaft. 8 Uhr: Faust. Abends ab 8 Uhr. Ei» sensationeller Erfolg der groften Attraktionen mit Harry Waiden in s. Vaudeville: Ter Brctllkönig. Metropol-Tlieater. Die MI von Berlin! Grohe Jahrcsrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gesetzt von, Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Morgen nachm. 3 Uhr: bl!L Helyett. MMI» Nocb nie dagewesener Lachetlelg! Das Kind der Firma und Zcbnmtlosö Behandlung, Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Voranzeige! Billetts für die Weihnachtsfeiertage sowie sür die SilvestcrfcstvorstcUuug sind schon jetzt zu haben an der Theaterkasse, bei A. Wertheim und im Jnoaiidendank. Passage-Tlieater. Das große Festprogramm. Der Triumpli der Schönheit! Lebende Kunstwerke Ciaire Waldoff Der tapfere Herr Ängstlich Burlesk-Sketch mit Georg Kaiser u. W. Goldmann in den Hauptrollen und IL Variete-Sensationen. Acht Wochen-— Feuesfressern Täglich zu sehen! Lebend l>ie wilden Essauas Karawane sudanesischer Schrei-, Heul- und Feuer• Fakire in einem besonders aufgebauten Dorfe. Ohne Kxtra-Entree. Noacks Theater. Direltiou: ködert Olli. Berlin N., Brunnenstraft» 16. Gräfte Extra-Borstelluug: Die Jndettfamilie oder: Ehrist u. Jude unter dem Weihnachtsbaum. Weihnachtskomödie in 5 Akten. Ansang 8'/. Uhr._ Reiehshallen-Tliealer. Gastspiel Robert 8tcldl. Weihnachls Programm. Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. I Sonnabend, den 16. Dezember 1911 im„Qewerkschaftshaus", Engelufer No. 15 Enoch Arden Dichtung von Alfred Tennyson. Musik v. Rieh. Strauß. Rezitation: Emil Walkotte Am Flügel: Bernhard Nitsche Kinematographische Bilder zur Handlung Eintrittspreis: Im Vorverkauf bei Herrn Paul Horsch, Engelufer 15, 5äO Pf., an der Abendkasse 30 Pf. Beginn präzise O Uhr.— Der Flügel ist von der Firma IBACH freundlichst zur Verfügung gestellt. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Rteh» Baby. Sonntag nachm. 3 Uhr: Francillon. Voigt-Theater. Geiundbrunnen Badstrafte 58. Morgen Sonntag, den 17. Dezember. Keine Nachmittags-Vorst. Abends 3 Uhr: Eillt Jiidtiifiiiiiitie. Orig.-Charakterbild i. 4 Abt. v. Mirani Kasseueröffnung vorm 10 Uhr. 7anz bis 4 Uhr früh. ffikoter Direktion: Willy Cremer. Heilte Premiere � allen 5 Eiabllssements: Alexanderplata □ Unter den Linden Q Wedding Korltzplata □ Hanenbclde. Aus dem reichhaltigen Programm besonders erwähnenswert: Alexander-Platz Kunstfilm-Lustspiel aus dem Berliner Leben in 3 Akten von Bolten-Baekers. In dieser mit echt bcrllneHschem Wlta für den Kunstfilm geschriebenen Komödie sind alle lustigen Effekte zu tollem Wirbel losgebunden. Das Drunter und Drüber j der verwegenen Handlung findet in der fosselloscn Grazie und der bezwingenden Komik, wie sie hier durch das Lichtbild dos Union-Theaters die bekanntesten Berllnop KühnenkOnstlcr bieten, eine übermütige und dabei vollendet künstlerische Wiedergabe. Zirkns Bäsch| Heute, abends T'/i Übe: Gr. Gala-Vorstcllang. Gastspiel die letzte Attrak- 1 tion aus Karl Hagonbecks| Tierpark Stellingen Die nenschen-AfTen Utax nuil.Tloritz. Herr Georg Burkhardt-Feotlil, Schulreiter. Hector u. Lolette, Equilibriston. Norman-Telma! Herr Ernst Schumann, Freiheitsdressuren. Frl. Anna Stcnnis. Schulreiterin. Um 9'/« Uhr zum 66. Male; Origin.- Aus- stattungs- stück des Kirbna Bosch Sorgen Sonntag: S grobe Gala-Vorstellungen 2 Zirkns M A. Scliumann i Sonnabend, IG. Dezbr., 7'/» Uhr: Soiree ETIgh-Liife Erstes Auftreten des phäno- | menalen Automobilkünstlers Ksrino Die größte Attraktion der Gegenwart!— Außerdem das große neue Gala-Programm u. 1000 Jahre j auf dem Meeresgrund Große Feerie in 6 Bildern nach Motiven aus 1001 Nacht. l Konntag. 17. Dexember: | 3 grolle Vorstellungen. i S'/i Uhr nachm. u. abends 7'/: In beiden Vorstellungen | ungekürzte Aufführung der gr. Feerie 1000 Jahre a d Meeresgrund. | Nachmittags 1 Kind unter 10 Jahr. frei auf allen Sitzplätzen. Am ttahnbaf JEis- Arena. Von 10 Uhr an geöffnet. OatT" lVachmittaga:"Wg JföUtär- Konzert Um S'/i Uhr: Das Weihnachtsmärchen Schneewittchen BV Abends"WB Das prachtvolle Eisballett: Alpenzauber Die kleine Charlotte Apachentänze— Pushballspiel. Bis 6 Uhr und von lO*/, Uhr an halbe Preise. Restaurant ersten Ranges. Polles Capriee. Täglich 8'/. 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Vit tv $ vi/ «v vi/ f vi/ vi/ vi/ V «SSSSSS� V Unserm Sangesbruder I Karl Bohne| � nebil Braut Harla Kuhnt'ö » zum heutigen Hochzeitsseste � Sj die besten Glückwünsche. S? Mannerchor der Freidenker. � 0/ vi/ • «/ vi/ ü/ % «SiKKA-KKK� Unserm Parteigenossen Karl liosinke nebst Lattin zur heutigen Silbertiocbreit die heraiichsten Glückwünsche von den Genossen der Zahlstella E des 14 Bezirks des Rizdorter Walilvereins. �ssssssssesssssss�' | Todes-Anzeigen SozialiemokratiseUlfalilvereiD Kreis Nieileriiarnim Bezirk Rummelsburg. Am Donnerstag, den ls.d.MtS., verschied nach langem schweren Leiden unser Genosse, der Restaurateur m Emil Lemberg Ludwig-Lehmann-Str. 5(Bez. 14). Ehre seinem Andenken! �Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. Dezember, nach' mittag 3 Uhr, von der Halle des Rummelsburger Gemeinde-Fried- hoses, Lückstraße, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 8/16 Die Bezirksleitung. Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale tiroO-Berlln. Xachruf. Durch den Tod ist unS unser Kollege V/ilbelm Ortert vom NöhrenMem entrissen worden. 32/3 Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung hat bereit» am Mittwoch, den 13. d. M., nach. mittags von der Leichenhalle de» AuserstehungS- Kirchhose» in Neißensee stattgesnnden. Tie DrrSverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todettanxelse. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall- drucker (ieorg Engelhardt am 13. d. Mt». an Blinddarm- leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 16. Dezember in i. S. statt. 153/3 Je Ortsverwaltnng. vsumiuucm Chemni�i. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands.! Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 4. Den Berussgenofien zur Nach- richt, daß unser langjähriges Mitglied psul am 8. d. MlS. an den Folgen eines Berussunsalles verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. Dezember, nach- mittag» 2 Ulir, von der Leichen- Halle des Krankenhauses Fiied- richsbain aus nach dem Fiiedhol Vilbelmsberg, Hohen» Schön- hausen statt. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Am Mittwoch, den 13. Dezem- der starb nach'angeni, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater. söhn und Bruder ftul Neuleib. Um stilleS Beileid bittet im Namen der Hinterbliebenen Wwe. Luise Neuleib nebst Kindern, Treptow. vaumschulenstraße 87. Die Beerdigung findet am Sonntag. den 17. Dezember. nachwitlags 3 Uhr, von der oeichendalle de» Gemeinde-Fried. ~ife». Neue Krugalle«, au» statt. MM der Brauerei- und und verwandter Berufsgenossen. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 13. Dezember der Kollege, Hilssarbester Wilhelm Buchwald (Berliner Kindl-Brauerei) nach schwerer Krankheit ver- starben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung ersolgt heute nachmittags 3'/, Uhr von der Leichenhalle des Jakobi-Kirchhoscs in Rixdorj, Hcrmannstr. 99—105, aus. Rege Beteiligung erwartet 48/2 Der Vorstand. ZeutralverhaBd der Glaser. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern die traurige Mitteilung, daß unser Kollege �tax Glaschke am Montag infolge Unglücke sallcS plötzlich gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. d. Mts., nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des Pankower Kirchhoses III, Schönholz, aus statt. 72/6 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die vrtsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn und Bruder Max Glaschke am Sonntag, den 10. d. M., töd- lich verunglückt ist. Di« Beerdigung findet am Sonntag, den 17. d. M.. nach- mittag» 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Pankower Friedhose» in Schönholz au» statt. Um stille Teilnahme bittet II. Glaschke und Familie. Tankiagung. Für die vielen herzlichen Be- weise inniger Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Manne», des Gastwirts Paul Tdhulao sagen wir allen Verwandten. Freunden, Kollegen, Gästen und Bekannten deS teuren Eni- Ichlasenen unseren innigsten Dank. Witwe Slaric Schulze nebst Kindern. _ Pank ttra ß e 72. Am Donnerstag früh verstarb plötzlich am Herzschlag unser Kapellmeister Konstantin Schulze (genannt Paukenschulze) im 50. Lebensjahre. 2046b Ehre seinem Andenken! Beerdigung findet am Montag- nachmittag 3 Uhr von der Leichen- halle de» Gnaden- Kirchhose» in der BarsuSstraße aus statt. Hermann Schicncmaunu. Gäste Prinzen str. 6. Allen Freunden und Bekannten die traunge Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Schwiegersohn, der Schrislsetzer Erwin Löbe nach langen, schweren Leiden am Donnerstag, den 14. d. Ml»., abends 10 Uhr, saust entschlasen ist. Die» zeigt tiesbcttübt mit der Bitte um stille Teilnahme an Eliibetli l.tfbe geb. Schöning Die Beerdigung findet Montag. >0. Dezember, vormsttag» /,ll Uhr, von der Leichen h>lle »>>' Kreuz- Kirchhofs in Maitendors au» statt. 2054b ,,,?m l3', �eses Monat» ver- ichied nach kur-em. aber schwerem L-.den meine l.ebe Frau, unsere liebe vochwester, Schwägerin und Tante Zgzzh Klara Schulze geb. Sommer im vollendeten 39. Lebensjahre. Die» zeigt in«esfter Betrüb- nis an Otto Schulze. Mechaniker. Berlin, den 14. Dezember Igir Brüsseler Str. 39. Die Beerdigung findet am Montag, de» 18. Dezember. nachmiitagS 3 Uhr, von der Leicheiidalle des Zentral- Fneo. hoseS. Friedrichsjelde, au» statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Be- erdigung unsere» lieben Verstorbenen iaaen wir allen unseren innigsten Tank. 2013b Wwe. 4. Prignitz und Söhne. Für die vielen Äeiveise herzlicher Teilnahme und zablieichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, unseres guten VaterS sagen wir allen Verwandten und Bekannten sowie den Vereinen unseren innigsten Dank. Uiwe Hirstland nebst Sohn und Tochter. Deulscbsr Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lager- arbeiter der A. E.-G. DslisrliLelleDlsehler am 13. d. Mts. im Alter von 30 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Montag, den 18. d. MtS., nachmittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Elisabeth-KirchhoseS, Prinzenallee, aus statt. 59/1 Die Bezirksvcrwaltung. Ab heute befindet sich vorläufig die Kontrollstelle für Grost-Lichter- felde bei 2ill. Verlängerte Wil- helmftr. 33a am Kranoldplatz, bis die nächste BezirkSversammlung ander» beschließt. Auch werden hier die Beiträge kassiert. 193/9 Die Verbaudsleitnng. Wahtverdn CStarlottenburg. Sonntag, den 17. d. Mts., mittags IS Uhr. im Volkshause. Rostnenstrasje 3: Oeffentliche Volksversammlung Tagesordnung: 1. Vortrag des bisherigen Reichstagsabgeordneten 251/10 Büclmer:..Bürger Charlotteuburgs, seid auf der Hut 2. Freie Aussprache._ Genossinnen und Genosse« k Agitiert für einen Maffeubesuch."TOa Der Elnhernfer. f/J Gemeinsame Orts-KMllMlO für Dt.-Wilmersdorf und Umgegend. Wir zeigen hierdurch ergebenst an, daß unsere Bureaus vom lö. De- zember d. I an nur noch von S bis 1 Uhr geöffnet find. 283/11 Oer Verntnnd. '«I direkt aus der Fabrik Man spart Geld beim Bezug von Pel�waren = Nur diese Woche= Sesond. Angeiiot m Colliers, Pelzhüten Serien in 5 Preislagen: 3, 6, 8, 12, 15 Mark. Pelzmßizen I u> 2 IM. Arbeitsnachweis: Amt Norken, Nr. 1239. rervaltuiptelle Berlin CharitHftrafte 8. Kauptbureau; Hol in. Amt Norden. Nr. 1987 Achtung! Schloffer! Achtung! Sonntag, den 17. Dezember, vormittags 10 Uhr, im großen Saal der Brauerei Friedrichshain, Am FriedrichShain lli/23: Srancken- Vertammlung der Schloiler Berlins u. Ilmgegend. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Tarijlündigung. 2. Diskussion. .Vlltelle Zahlreicher Besuch wird erwartet. Die Vrrtrnurvsmännrr-Kollftren; der Schlosser findet früh 8'js Uhr im Nebeiisnole fiatt. Achtung! Emerdslch! Wrölillt!)«chwng! Wegen der Feiertage finden die Auszahlungen der Krankenunter- stützungen wie folgt statt:_ :ür den 22.. 23., 24. Dezdr. am Freitag, LS. Dezember, 25-, L«. Dezember am htonnaheaU, SS. Oezhr. Am Itittwoch, 27. Dezember(3. Feiertag) bleibt das 1*� Bureau von I Uhr ab geschlOHncn. Für den 29.. 30. Dezbr. wird am Freitag, SS. Oezhr. gezahlt. . 31. Dezbr., 1» 2 Jan. am Sionnahenck, SS. Oezhr. Am Oienntag, den». Januar, bleibt das Burea» n-egen Quartalsschluß den ganzen Dag gesehionnea und werden die Kollegen bölllichst-rsuchi. dt» zum Tonnabend. den 30. Dezember. ihre Unterstützung abzuheben. Ausgeschlossen davon find dtejentgen, welche sich in Krankenhöusern oder Heilstätten befinden und ihr» Unter- slützimg erst nach Beendigung der Krankheit abheben. 153/2 Die Ortsverwaltimg. Keparatnrcn Kürschnermeistor nodernlnlcrnng| Leipziger Str. 13(Fahrstuhl) Slorgcn Sonntag von 1—6 Uhr nachm. gcUlfnet. - Kein Ladengeschäft.■ \0 Eisenwarenbandlung Artur Weigel Frankfurter Allee 155 --------- Haus- und Küchengeräte.------------ Schlitten. 1 5 proz.«abatt| Schlittschuhe. Cigarren-Händler» bequemsten Einkauf zu billigste» Preisen bietet da» größte und reichbaltigst ausgestattete* Tabak-, Clgarren- and Cigaretten-Engroslager Carl Röcker, Kerlin 0. 27, Grüner Weg 119.— Vernsprcchcr VII, 3861. Weihnachts-�räsent�aekungen in rcichhaltignter AuKwahi._ In Clgarren halte nur er-stllasstge, gut gelagerte, verkaussreise Ware h zu Original-Fabrikpreisen vorrätig. x TtMAM lilohrenslrassv 37»(a»hv ierusalsmee Strasse) Sroese frankfurter Sir. 115(nahe Andreasstr.) Maine Seez'alilä en» den Weil-mciilstisch nitl I_ SS laut nebeDstobeod- Abbllduntr 1 fk AA Pluscnmantel-ss«; 48.00 bervorrag. scbSne Modelle 1. 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Birnen rot«s» wei«........ so» 66» MelangefrQchte........... 90» Obst Amerikaner Aepfel»m 30» Gattein pu Apfelsinen Bntwnd 28, 38» Zitronen............. Bnuaad 25, 35» Schalmandeln.............. 70» Traubenrosinen............»-"-> 65»- Mandarinen.................. 95 pt. Ananas................ rw 55, 75» Bratgänse......... � 58, 63 Feltgänse........... 63, 68 Kassler.............. �63» Suppenhühner I.25, 2.oo Hasen gestreift 2.50, 3.50 Rehblätter........... I.45, I.95 — Frisches Fleisch Schmorfleisch SOp.. Fehlrippe........ p� 75p-. Querrippe..�..p� 70? SChinken-w Oaman Pf» na 65p-. Schweinekoteletts....Pt°nd75pu Bauch.................. Pfand 65p.. Kamm oder Schuft.... 70 älsbelne__________ p�a 38? Hammelkeule<» s«»»»»«- 70? vlcke Rippe... 65- Dünnung........... mna 65 Rückenfett»d 50 Liesen Pfd.60pf Backartikel Weizenmehl 000— s»«.- 90» Kaiser Auszug Mehl 5 pmaa 1,00 Victoria Auszug Mehl 5 pm»a 1,10 Rosmen?rn»»n.................. Pfand 53» Suitana Rosinen..M.ptud75v65ri Corinten....................... ptu>d 45 pt Mandeln•»»»»>« 65» Medoc St. Estepfae—»�1.20 Oberhardter— 75» Obermoseier............... ruach« 95» Biebeisheimer............. 1.10 Kognak-Verschnitt»1.20, 1.45 Rum-VerschnlttFiaacbc1,20, 1.45 Sortimente Liköre ms»*. Sgttn, Vanllls, Kaku ita....... Flaashd wv» Frisches Fleisch, Obst von der Zmendnng ausgeschlossen. Wurstwaren Cervelat 0. Salamiwurst pmna 1,20 Schinkenwurst.............. nme 1,20 Thflring.Knoblauchwurst»n°a1.25 Teewurst................«»d 1.10 ff. Leberwurst—— pwna 95» Landleberwurst----- pr-»a 70» RotWUrSt....................... Pfand 78» Zwiebeileber- od. Rotwurst 48» Gänsebrust..............»>»<11,45 Kolonialwaren Kaffee....... pm-a 1.28, 1.40 Kakao.......... pw-a 65, 95» Haushaltschokolade.-...pmnd 68» Victoria-Erfasen------- Pftma 21» Erbson Pfnsa Pf» Erbsen omn»)...»»...........»»»<1 23» Bohnen(»elne)...�,........... Pfnnd 22» Linsen pnua 20, 25, 30» Reis............ Pfnna 19, 23, 28» Gries...................• Pfand Fiscbkonserven Sardinen In Gel...... B°-- 38,48» Sardinen in Oerj>Boa«,ea.2o-u stock 95 pt Appetit-Sild....Bö«« 28,38,48» Bismarck- o. Bratberinge do.« 42» Delikatess-HeringeBM..50, 85» Sardellen..........«.t PfBaa-Bow 63» Mixed-Pickles.................. qu. 45» Comichons...................... a;« 45??. Senfgurken..................... si*45» Zuckergurken i Spittelmarkt Belle-Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm ......................._s b..................««45». V Qllt@ Auf Wunsch bei Einkäufen die Von dieser Vergünstigung sind Lebensmittel und wenige Artikel ausgenommen Unsere Geschäfte sind bis 9 Uhr abends geöffnet o* o«9 'Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für den Inseratenteil oerantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag. Vorwärts Buchdruckere, u. Verlagsanstalt Paul Singer Berlin LW. Slf.294. 28. Zahrgans. 3. Ifihuf des Jutniütffj" Kniim vcksdlM. Zauuabeud. tk. DtZtluber Fiir die Wsgespmteii Talmkorkittr DkUtslhlWdS gingen bei der G e w c r k s ch a f t s l o m ni i s s i o n für Berlin und Umgegend femer ein: Zentralvereiu der Bildhauer, Ortsverwaltung Berlin, 100,—. Teller» fammlung.der 3 Veriammlungcn der Bildhauer 33,23. Verband der Bureauangeslcllten, � Ortsgruppe Groh-Bcrlin, aus Listen 193,30. Kollegen C. M., B erlasse, 30,—. Hilssarbeiter und Arbeiterinnen der Norddeutschen Buchdruckcrei 10,—. Tischlerei Lade, Rixdors 13,—. Abteilung Richter bei Israel 12,—. Hutsabril®. 31. Schilling 11,—. Presserei bei Sürst u. Co. 8,—. Zither- und Mandolinenverein„Edelwcig" 10,—. Verband der Kürschner aus solgende Listen: Mützcnsabriken F. Schwarz 1173 3.—. Smarich 1177 4,50. F. Grischkal 1190 7,75. Pclzwareusabrikcn Schars 1212 8,40. Perlcberg 1219 7,—. Neuhäuser 1222 2,05. V. Wauheimer 1228 30,75. Michelet 122810,40. I. Landsberger 122013.83. Hcrplch Söbne 1233 19,90. Behrendt 1251 17,—. Mützcnsabnk G. A. Hossmaun 12,55 10,53. Pelzsabril Karl Satboch 1281 1 9,.50. Bureaulistc 1232 10,25. Mützcnsabriken S. Gärtner u.Co. 1235 15.30. Fricdland 3372 4,35. Pclzwarenfabril F. Singer 3377 19,40. Mützensabrikcn Kahlbow 3380 8.20. G. A. Hoffmann 3382 5,70. S. Gärtner u. Co. 3385 15,05. Pelzwarcnsabrikcn Mayer u. Co. 3389 14,05. Gcrson (Grünbaum) 3392 9.35. Mützensabrilen A. Winter 3397 10,05. G. A. Hossmaun 3402 8,85. G. A. Hossmaun 3403 11,30. G. A. Hofsmann 3404 6,—. A. Groihchenn 3408 14,75. Summa 313,35. Versammlung der Kttchcnmöbelmaier 11,55. Haas, New Jork 2,75. Liste 34 Moldenhauer u. Mctzdors 3,50. Modellfabrik Borrmann u. Körting 9,70. Liste 29 Graveure bei Thiele u. Co. 7,20. Mi'sahrer der Konsumgenossenschast 7,—. Kranken- unterstützungsoerein sämtlicher Berufe, Bezirk 2, 10.—. Polierecei Slüm- berg 8,—. Bäcker der Köusumgciiossenschasl B. u. U., 3. u. 4. Rate, zu« sammcn 35,—. Tischlerei„Union" 10,—. Liste 2905 Musenmbau durch Neu- mann 12.55 Liste 2907 durch Neumann 12,10. Tischlerei Weidncr 13,—. Tischlerei Schultz und Hintsche 10,45. Möbelfabrik IckcS u. Co. 4,40. Kanimsabrik Streich Nachs. 7,—. Unterkommission Spandau aus folgende Listen 3001 4,40. 3002 8,10. 3004 14,75. 3011 14,—. 3018 14,10. 3025 4,40. 3023 4.—. 3027 2,80. 3028 3,95. 3029 8,50. 3012 3,80. 3013 2,50. 3014 5,10. 3015 7,80. 3013 3,50. Summa 101,50. H. Weyen u. Co. 28 23,05. Tischlerei Weftcnnaun u. Hacker 1327 15,20. Verband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin. 2. Rale 500,—. Tischlerei Heinz Lauter u. Co. 10,—. Firma Wicnecke, Pankow 30,—. Verband der Sattler u. Porteseuiller, Orts- Verwaltung Berlin aus Listen 55,—. Berliner Karosseriesabrik 20,—. 33. Ab- teilunz durch Wicloch 4,—. Firma C Klicm 32 20,15. Verband der Fleischer, Zahlstelle Berlin a Konto aui Liften 330,—. 1828 5,80. Tiichlcrei Gülle 5,25. Luxusmöbelfabrik Lochmann 3,—. Schnciderelaenosseuschast.Hossnung" 27,80. Ratzschneider von Herpich Söhne 10,—.-Schneider von Wendt u. Redlich 30,—. Fördcr3,—. Truntzu. Votz 15,—. Stock u. Co. 20,—. Bloch u Co. 10,—. Verband der Glaser aus 2 Listen 5,55. Verband der Sattler und Porteseuiller, Orts- Verwaltung Berlin, Veranügungstomitee 50,—. Organisierte des K. d. W. 4.—. Angestellte des Bäcker- und Konditorenvcrbandes, OrtSoerwaltung Berlin 18,—. Gesangverein„Gesundbrunner Harmonie" 20,—. 1824 An- leftelllc des Holzarbeiterverbandcs, Ortsverw altung Berlin 18,—. Tischlerei lnrau Nachs. 5,—. Firma Kurl Olto Nachs. 10,05. Möbelsabrik„Ostend" 20,—. Arbeiter Radsabrervercin„Vorwärts", Eichwalde 3,—. Organisierte Bäcker und Konditoren bei Schlncger u, Co. 9,25. Verband der Gemeinde- orbeiter, 3. Rate, aus solgende Listen: Gasanstalt Danzigcr Straße 502 8,80. 504 1,70. 507 4,55. Gasanstalt Gitichincr Straße 784 9.75. Gas- onsla» Tegel 371 7.95. Rvhrensustcm 509 5,10. 308 7.—. Ocstenlliche Bc- leuchlung 508 12,75. Revierinspektioneu 51? 3,50. 518 12,70. 533 5.20. 686 7,60. 600 5,30. 613 5,70. 327 8,—. 681 9,80. 692 11,40. 778 2,35. 779 4,90. Kanalisation 764 4 65. Bauverwaltung 523 4,85. Wafserwert Berlin 525 2,30. 608 8,10. Wasserwerk Lichtenberg 538 6,45. Englische Gasanstalten 706 7,90 726 2,70. 766 12,80. 768 8,20. 771 13,50. 786 2,—. 787 1,50. 788 4,15. 829 4,80. Straßenreinigung 515 6,75. 528 8,55. 629 3,05. 595 2,55 773 8,30. 776 4,80. 777 8,—. 817 6,95. 830 3,50. 868 8,—, Schlacht- und Viehhof 563 1,70. Irrenanstalt Herzbcrge 539 1,50, 841 2l,65, 848 0,90. 849 1,50. Irrenanstalt Dalldorf 851 9,05. Irrenanstalt Wuhlgartcii 842 26,55. 850 18,45. Badeanslallcn 520 3,25. % 521 3,—. 541 2,75. Desinfektion 792 4,90. Blindenanstalt 824 4,25. Marktballen 823 5,30. Chausseearbeiter 832 2,50, Char- lottcnburg 652 7,80. Lichtenbl-rg 549 2,75. Reinickcndors 655 2.70. Rixdors 793 0,25. 794 6,65. 796 3,55. 803 7,45. Steglitz 733 4,55. Wasserwerks- VC» G. 809 3,40. Summa 417,75. 1 Verband der Fabrikarbeiter, Verwaltung Berlin ans solgende Listen: 905 � Gummiwerk Bergemaim, Wilhelmsruh 8,25. 907 Schcriug Ch. F., Abt. Photo 19.35. Ton- u. Stciuzellgwcrke Charloltcnb. 908 7,65, 909 5,20. Norddeutsche Gummisabrik 912 9,45, 913 10,20. 914/18 Anilinfabrik Treptow 27,45. 918 Anilinsnbrik Rumnielsburg 8,—. 920 Motard u. Co., Paulstern 15,85. 921 Gummis. Frankel u. Runge, Spandau 12.72. 922 D. Franke Söbne, Spandau 14,40. 923 Ehem. F. Griesheim, Spandau 23,30. 924 Motard u. Co., Sternfeld 13,10. 925/27 Kaüelw. O.-sch. Isolatoren 46,35. 928/29 Kabclw. O.-Sch Gummi 51,35. 933 Grünbaum u. Thomas, Char- lottenb. 11,05. 934 Bera- Rekord, Presser 43,40. 935 Kunststein Borch. mann u. Co. 12,65. 936 Kunststein Rotzberg u. Co. 12,10, 937 Papiersabr, Liiidncr u. Paalzow 11,5(1 938 Knopssabrik Röhll 23,70. 942 Breitkreutz 4,70. 943 Kunststein Czar»ikow, Waidmannsluft 9,85. 944 Von den letzten Kolleginnen und Kollegen der Gummisabrik A. E.-G., Schlegclstr. 8,60. 945 Margarinefabrik Berotina 11,40, 946 Grünbaum u, Thomas, Schinke- stratze 15,70, 947 Magncsiulverk Weitzensee 15,35. 948 Jsolatorenwerk Pankow 9,60. 949 Ouarzlchm.elze Pankow 3,20. 950 Pappens. Wigankow 9,25. 1471 M. W. Müller 9,—. 1472 Wels 4,20. 1474 Chcm. Fabr. Raspe, Weitzensee 8,75. 1475 A. G. Pappenjabrit, Charl. 8,05. 1476 F. Lothert 4,40. 1477 Deutsche Wringcrw. 4,70. 1480 Schubert, Köpenick 10,15. Ges.-Sa. 529,50 Verein der Casäangestelltcn ans solgende Listen: 2101 Nagler 12,15. 2102 Continental 9,60, Palast 4,65. 2103 Neue Philharmonie 3,—, gesammelt bei Schröter 12,80. 2104 Goethe 3,50. 2105 Colofseum 6,80. 2106 Kerkau 2,50. 2107 Schön 3,—, Cass Kerkau 8,80. 2108 Imperial 6,50. 2109 Skandinavia I 14,—. 2110 AdmiralSpalast 5.60. 2111 Rosen 3,05. 2112 Reichsballen 7,—. 2113 Minerva 14,65. 2114 Astoria 4,35. 2115 Abazzia 6,80. 2116' Alexander-Passage 6,—. 2117 Union-Cbarlottenburg 6,85. 2118 Witlelsbach 8.45. 2119 Romanisches 13,30. 2120 Kaiserkrone 3,—. 2121 Fürstenhos 27,95. 2122 Herm.umplatz 3,25. 2123 Josty 4,75. 2124 Kerkau 5,25. 2125 Kursürstendamm 7,90. 2126 Nordwest-Hotel 6,10. 2127 Blücher 4,75. 2128 Excelsior 14,75, 2129 Figaro 6,35. 2130 Befiel 6,30. 2131 Bureauliste der CaseangestrUten 26,90. 2132 Keck-Passage 10,25. --'- 2134 Reichs 3,20. 2135 Kronen 27.45. Volta 5,—. der Casöangcstellten 51,75. Lokalkafie der Casö- Mafchinensetzer im„Vorwärts" 15,—. Bezirk 9 Arbetter-Schwimmklnb„Neptun", Weißensee 20,— Arbeiter Oer Firma Klaus. Rixdors 11,—. Küchenmöbelsabrik Seugling 3.05. Buchdruckerei F. A. Günther u. Sohn 13,75. Dreher u. Gürtler bei Hart- mann 10,—. Finna L. Figner, 2. Rate 7,50. 22 durch Maferkops 15,60. Deutscher TranSporiarbeiterverband, Bezirk Groß-Berlin, auf Listen ge- sainmelt: 1277 18,85. Fahrpersonal der Großen Berliner Straßenbahn: 1309 21,25. 1311 1,25. 1313 5,20. Geschästsdiencr der Textilbranche 1316 25,05. 1318 9,35. 1333 6,75. 1337 3,80. Geschästsdiencr von Israel, Spandaucr Straße 1341 4,95. 1347 6,30. Rollkutscher und Bodenarbeiter Bartz u. Co.. Mühlenstraße, 1366 16,85. Rollkutscher und Bodenarbeiter Montag u Schäfer 1369 l0.75. Spediteurvereiii Lausitzcr Straße 1371 5,—. Fahrpersonal Schultheiß, Abt. II Lichtersetder Straße 1378 16,50. 1379 4,—. § ahrpersonal UnionS- Brauerei 1385 3,40 1390 9,25. Vorwärts, uchdruckerei-Expediiion 1413 6.80. 1419 4,90. 1420 6,70. Erweiterte BezirkSIciter.Sitzung vom 8. Dezember 1422 68,—. Fahrer der Konsum- Genossenschasl Lichtenberg 1423 3,—. Krasttuniverein„Südost", gegründet 1894, Mitgb d, A.-A.-B., 1424 10,—. Leitergerüftbauer, Restbetrag, 1425 2,10. Uebersch, v. d. Depesche Kadur, Bez, 480 VI Kr. 2,—. Summa 272,—. In Summa 3955,25 M. Bisher sind veröffentlicht 13893,06 M. Dazu kommen 3965,25 M. In Summa 17 853,31 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, find an A. Körsten, 80. 10. Engelufer 15 I. zu senden. Alle Sammlungen sind sofort aus unserem Bureau. Engelufer 15 I, Zimmer 23, in den Wochen» tagen vormittags von 9— l2�/z Uhr und nachmittags von 4— 7Vs Uhr oder in den Bureaus ihrer Gewerkschaft abzuliefern. Die Listen 1567 und 939 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Der Ausschuß der Gcwerkschaftskommisfion für Berlin und Umgegend. Versammlungen. 2133 Engliiches 22,—. Vom 9. Stiftungsfest angestellten 100,—. RummclSburg 13,15. Deutscher Tabakarbeiterverblaud. In der Mitgliederbcrsantm- lung der Zahlstelle Berlin, die am Donnerstagabend im „Nosenthaler Hof", Nosenthaler Straße, stattfand, hielt Max Kiesel einen Vortrag über„Zeitsrageu", in dem er neben vor- schiedenen großen Streiks und Aussperrungen der letzten Zeit be- sonders den Kampf der Tabakarbeiter in Westfalen besprach und nach einer kurzen Beleuchtung der Tagespolitik die Tabakarbcitcr aufforderte, Volksmänner bei der nächsten Wahl in den Reichstag zu senden, die den Interessen des arbeitenden Volkes Rechnung tragen.(Beifall.) Alwin Schulze referierte dann über den„Stand der Be- wcgung am Orte". Er legte die Schwierigkeiten einer Tabak- arbeiterbewegung in Berlin dar, wo sich so viele verstecken können, die mit ihren Arbeitsbedingungen das Licht scheuen. Während der Bewegung in den letzten SVs Monaten haben sich häufig neue Ge- sichtspunkte ergeben, die zu berüiksichtigen waren. Man konnte Verhältnisse aufdecken, die mancher nicht für möglich gehalten hätte. So entdeckte man Betriebe, wo nur 5 M. Rollcnlohn gezahlt wur- den, was einen Wochenlohn von 15 M. bedeutet. Der Agitation unter den Tabakarbeitern begegneten die Fabrikanten, indem sie einen festen Ring bildeten, aber es gelang, den Ring zu sprengen. nachdem mit Juhl und anderen Firmen eine Einigung zustande kam. Viele kleine Firmen haben schließlich nachgegeben und Zu- geständniffe gemacht; auch große Firmen, ivie Kaphun, traten den Rückzug an und bewilligten Lohnerhöhungen, weigerten sich aber, mit der Organisation Abmachungen zu treffen. Kaphun will seine Produktion jetzt nach Graüdenz verlegen, wo er auf billigere Arbeitskräfte hofft, aber er wird auch dort den Verband bereit finden, für die Tabakarbeiter einzutreten und den Kampf mit ihm aufzunehmen. Es sind bis jetzt in Berlin etwa 299 Bewilligungen des Tarifs eingelaufen, und in vielen Betrieben ist eine Verbcssc- rung der bisherigen Bedingungen eingetreten. Von der größten Wichtigkeit ist natürlich, daß die Tabakarbeiter selbst die Bc- strebüngen des Verbandes fördern und ihren Anschluß nicht vcr- säumen. Die Ortsberwaltung des Perbandes legte den Versammelten die folgenden Anträge vor: 1. Allen arbeitslosen dollberechtigten Mitgliedern, die seit 4 Wochen regelmäßig sich beim Arbeitsnachweis gemeldet haben, ist eine Weihnachtsunterftützung von 19 M. auszuzahlen. 2. In Hinsicht auf die 9 Wochen andauernde Aussperrung unserer westfälischen Kollegen, ferner in Hinsicht auf den Auf- ruf zu Spenden zum Weihnachtsfest für die Ausgesperrten, bewilligt die Versammlung einen Betrag von 1999 M. aus der Lokalkasse für dieselben. 3. Die Vermittelung der Arbeit vom hiesigen Verbands- Nachweis geschieht in Zukunft nach den Prinzipien des Tarifs und der Einigung, wie dieselben in den Listen der Veröffent- lichungcn in den Sonntagsnummern des„Vorwärts" zu er- kennen sind. Diese Anträge wurden ohne Diskussion einstimmig oder gegen wenige Stimmen angenommen. Die Versammlung beschäftigte sich dann mit den Handlungen des Zigarrensortierers F r ö b e l, der als Arbeitswilliger Dienste geleistet hatte. Sein Ausschluß aus dem Verbände erhielt die Bestätigung durch Beschluß der Versammelten. 4 iffiv ........r. r r...................... ir-r.T««..,.r........ 11________»r Z Schlafröcke| Morgen-Joppen| f | Mollige Stoffe. Hübrche Fassons. Schöne Besäße, i Schönstes Weihnachts- Geschenk | 40, 30, 24, 21, 18, 15, 125Ü| 27, 24, 21. 18, 15. 12, 1050 j[ AI Herren- Unterhemd. und-Hosen, csmißcbie 1 SO Wolle............ 1 Sirickwesten l» riei. 050 \\ färben u. Fassons.•. ron �rÄa vVvy Kragen-Schoner oc färb. u. weiss 1 50 1.25.✓3 Opeiations-Mäntel la EOisasser Köper, vorn oder hinten kniipfbar....... Luftschiffer- Anz. I» Uoleaklo, besten« erprobt Kellnei-Jacken t#- 12°° entrager m Gummi und rr» d............... 1 50 05 DU Pt. 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Vor fünf Jahren war der Durchschnitt 715 M., in 1910 aber stellte er sich auf 739 M.. wobei jedoch zu beachten ist, daß die Höhe dieser Durchschnitte zu einem erheblichen Teile durch die Mieten det Gcschästslokale bedingt wird. In demselben Jahrfünft stieg der Ertrag pro Grund st ück im Durchschnitt von 15 571 M. auf 10 755 M. pro Jahr, doch können solche Durchschnittszahlen kein klares Bild geben, weil auf sie auch die fortschreitende Zusammenlegung kleiner Grundstücke zu großen ihren Einfluß ausübt. Der gesamte Nutz- ertrag aller benutzten Grundstücke, der in 1900 erst 435 Millionen Mark betrug, stellte sich in 1910 auf nahezu 480 Millionen Mark. Erst seit drei Jahren liegen Schätzungen des gemeinen Wertes der Grundstücke vor: er wurde für ganz Berlin in 1903 auf 8503 Millionen Mark, in 1910 auf 8372 Mi l l. Mark geschätzt. In dem laufenden Jahr 1911 dürfte die neunte Milliarde voll geworden und überschritten worden sein. Die Ausstellung empfehlenswerter Jugendschriften im Gewerkschaftshaus ist nur noch heute und morgen— Sonn- tag— geöffnet. Auskunft wird von den in der Ausstellung anwesenden Damen vom Verein Berliner Frauen und Mädchen gern erteilt._ Die Nord— Sübbah». Der Berliner Magistrat teilt mit:„In den Movgenblättern verschiedener Tageszeitungen vom 15. Dezember wird ein« Mit- tcilung über die Nordsüdbahn gebracht, welche nicht den Tatsachen entspricht und geeignet ist, in weiten Kreisen der Bevölkerung neue Beunruhigung über das Schicksal dieses Bahnunternehmens hervorzurufen. Wie der Magistrat durch mündliche Nachfrage im Ministerium der öffentlichen Arbeiten und im Polizeipräsidium erfahren hat, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten die seitens der Stadtgemeinde gegen eine nochmalige Aenderung einzelner tvichtiger Teile des Entwurfes, pornehmlich der Verschiebung des Bahnhofes Friedrichstratze, vorgebrachten Gründe anerkannt und, abgesehen von einer Aenderung der Einführung der Gleise des Betriebsbahnhofes in den Bahnhof Seestraße und von gering» füAigen Ergänzungen an einigen anderen Bahnhöfen, die zu er- füllen keine Schwierigkeiten machen wird, dem Entwürfe zu- gestimmt, so daß nunmehr wohl mit Sicherheit auf einen raschen und günstigen Fortgang des Genehmigungsverfahrens seitens der Aufsichtsbehörde gerechnet werden darf. Im übrigen hält der Minister nach der durch allerhöchsten Erlaß vom 19. Oktober 1903 erteilten königlichen Genehmigung der Bahnanlage einen erneuten Antrag auf Erteilung derselben nicht für erforderlich." Wir hatten von der oben angezogenen Meldung keine Notiz genommen, weil uns die Tendenz derselben vollkommen klar war. Soweit uns bekannt, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten dem Projekt bisher keine erheblichen Schwierigkeiten m den Weg gelegt. Einem Verkehrstechniker im Eisenbahnministerium war es vorbehalten geblieben, eine ganze Reihe Einwände gegen das städtische Projekt zu machen. Der Minister hatte sich diesen Ein- wänden nicht angeschlossen, aber dieselben durch den Polizeipräsi- deuten der Stadt Berlin zur Aeußerung zugehen lassen. Die Einwände konnten oljne weiteres als haltlos festgestellt werden. Der Erfolg war aber doch eine erhebliche Zeitvergeudung. Hoffent- lich wird das Projekt nunmehr einen schnelleren Fortgang nehmen. Die Ueberfüllung der Berliner Hoch- und Untergrundbahn und die Aufsichtsbehörden. Infolge von zahlreichen Beschwerden über die Ueberfüllung der Berliner Hoch- und Untergrundbahn in den Hauptverkehrszeiten hat sich die Aufsichtsbehörde veranlaßt gesehen, diese Beschwerden zu prüfen und gegebenenfalls Abhilfe zu schaffen. Es wird darüber geklagt, daß die Berliner Hoch- und Untergrund- bahn, namentlich jetzt zur Weihnachtszeit derartig überfüllt sei, daß -im Falle eines Unglücks für das Leben der Fahrgäste die größte Gefahr bestehe. In den Beschwerden wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Hauptschuld an der Ueberfüllung den Beamten zufalle, die die Fahrgäste förmlich in die Wagen einpferchen. So ist es keine Seltenheit, daß ein Halbwagen, der 18 Sitzplätze hat. noch mit 30 anderen Personen besetzt wird. Infolge dieser Ueber- füllung wird das Ein- und Aussteigen dauernd behindert. Es sollen Erwägungen darüber stattfinden, in welcher Weise diesen Mißständen entgegengetreten werden kann. Eine Verlängerung der Züge und eine dichtere Zugfolge ist in den Hauptverkehrszeiten mit Rücksicht auf das Gleisdreieck nicht durchzuführen. Es soll darauf hingewirkt werden, den Umbau des Gleisdreiecks schon im nächsten Frühjahr vorzunehmen. Es ist auch vorgeschlagen worden, bei starkem Verkehr eine Bahnsperre vorzunehmen, doch läßt sich auch eine solche Mahnahme kaum durchführen. Daß Mißstände bestehen und daß zu ihrer Beseitigung etwas geschehen müsse, wird von der Aussichtsbehörde nicht bestritten, es wird sogar darauf hingewiesen, daß recht bald Abhilfe geschaffen werden müsse, weil die Zustände nach der Fertigstellung der Wilmersdorfer Unker- grundbahn und der Fortführung der Schönebcrger Untergrundbahn noch verschlechtert werden. Zur Stadtwerdungsfrage von Steglitz erfahren wir, daß die Angelegenheit kurz vor dem Abschlüsse steht und dem Landtage eine diesbetreffende Vorlage unterbreitet werden wird auf der Grund- läge, daß Steglitz im Kreise Teltow zunächst verbleibt. Wahrschein- lich wird auch die Landgemeinde Friedenau in absehbarer Zeit Stadtrechte erwerben. Eine Eingemeindung von Friedenau nach Steglitz ist nicht beabsichtigt. Die Eiscnbahnstationeu Zehlenborf führen von heute ab neue Bezeichnungen. Die Station„Iehlendorf-Wannseebahn" heißt„Zehlendorf(Mitte)", die Station„Beerenstraße" in Zehlen- darf„Zchlendorf-West". Postalisch bleibt für Zehlcndorf die Bc- Zeichnung„Zehlendorf(Wannseebahn)" bestehen. DaS Siemens-Schuckert-Luftschiff ist gestern früh 8 Uhr 27 Minuten von der Ballonhalle in Biesdorf aus zu einer Fern- fahrt nach Gotha aufgestiegen. Taschendiebe treiben besonders auf Weihnachtsmärkten, in Warenhäusern oder an anderen Stellen, an denen in der jetzigen Zeit besonderes Gedränge herrscht, ihr Unwesen. Vorsicht ist also sehr am Platze. AuS der Selbstmordchronik. In einem Anfalle von Geistes- gestörtheit hat sich in der vorvergangenen. Nacht der 42 Jahre alte Postschaffner Friedrich Nixdorf aus der Potsdamer Str. 82d das Leben genommen. Er hatte sich in der Küche erhängt.— Stellungs- losigkcit und Nahrungssorgc» haben den 19 Jahre alten Koch Hein- rich Hummel zu einem Selbstmordversuch veranlaßt. Hummel, der schon längere Zeit keine Stellung mehr hatte, wohnte seit 14 Tagen in einen, möblierten Zimmer in der Katzbachstraße. Er klagte wiederholt, daß er weder Geld noch Arbeit habe und mit Nahrungs- sorgen kämpfe. Nachdem ihm seine Mutter aus Kiel vor einigen Tagen 7 M. geschickt hatte, kaufte er sich einen Revolver. Donners- tagabend vertrieb er sich in seiner Wohnung mit zwei Freunden die Zeit mit Kartenspielen. Bald nachdem die Freunde weg- gegangen tvaren, hörte seine Wirtin einen Schuß fallen. Sie ließ die verschlossene Tür ihres Mieters vom Hausverwalter öffnen und fand den jungen Mann auf dem Fußboden in seinem Blute liege». Er hatte sich eine Kugel in den Mund geschossen. Ter Schwerverletzte wurde nach dem Elisabethkrankenhaus gebracht. Auf einem Zettel hatte er hinterlassen, daß er freiwillig aus dem Leben scheiden wolle, weil er eS satt habe. Er bat auch seine Mutter zu benachrichtigen.— Alter und Krankheit haben den Maurer Johann Matthcö aus der Prinz-Eugenstr. 9 in den Tod getrieben. Der 71 Jahre alte, seit fünf Jahren verwitwete Man», der mit seinem verheirateten Sohne zusammcnwohnte, litt an Atemnot. Bis vor acht Tagen hat er noch gearbeitet. Dann mußte er aufhören. Als er vorgestern allein zu Hause war, erhängte er sich. Bei der Rückkehr seiner Schwiegertochter lvar er schon tot.— Mit Leuchtgas vergiftet hat sich die 31 Jahre alte Lehrerfrau Margarethe Schlee, die seit acht Tagen von ihrem Manne getrennt in der Friedeberger Str. 10 wohnte. Selbstmord eines jungen Mädchen? wegen Arbeitslosigkeit. Ein aufregender Vorfall spielte sich Donnerstagabend gegen?L10 Uhr in der Nähe der Möckernbrücke ab. Dort bielt sich längere Zeit hindurch ein junges Mädchen auf, deren auffälliges und ausgeregtes Gebaren den Passanten auffiel. Als eine Dame auf die Unbekannte zuschritt, um sie zu fragen, was ihr fehle, schwang sich das Mädchen plötzlich über das Geländer des Landwehrkanals und stürzte köpf- über in die Fluten. Obwohl Augenzeugen des Vorfalls sofort Rettungsversuche unternahmen, gelang es doch erst nach längeren Bemühungen die Lebensmüde, die sofort in den Fluten verschwunden war, aus dem Wasser zu ziehen. Die von herbeigerufenen Sama- ritern der Feuerwehr und von der Unfallstation am Tempelhofer Ufer unternommenen Wiederbelebungsversuche blieben leider trotz anderthalbstündiger Bemühungen erfolglos. In der Toten wurde die 19jährige Näherin Clara Breuer auS der Hornstrahe 10 fest- gestellt, die seit einigen Wochen ohne Stellung war. Als das junge Mädchen Donnerstag früh sich aus der elterlichen Wohnung ent- fernte, äußerte es. daß es sich das Leben nehmen werde, wenn es keine Beschäftigung finde. Die Angehörigen nahmen diese Drohung jedoch nicht ernst. Nachdem die B. den aanzcn Tag über sich vergeblich um Arbeit bemüht hatte, führte sie abends in ver- zweifelter Stimmung ihren Vorsatz aus. Ein Handtaschenräuber ist Donnerstagabend gegen 7 Uhr auf dem Wilhelmsplatz aufgetreten. Einer Dame aus Friedenau ent- riß er unversehens die schwarzlederne Tasche, die 15 M. bares Geld, ein Taschentuch und mehrere Schlüssel enthielt. Der Räuber entkam. Die Beraubte sah noch, daß es ein junger Mensch war, der einen langen Paletot trug. Ein Einbrecher von einem Gendarm erschossen. In der letzten Nacht machten sich Einbrecher in einer nur von dem Portier be- wohnten Villa Pringsheim in Wannsce in Abwesenheit des Por- tiers daran, in der Mlla zu stehlen. Der heimkehrende Portier bemerkte in einem Zimmer Lichtschein und holte polizeiliche Hilfe herbei. Der Beamte suchte das Grundstück mit einer Scheinwerfer. laterne ab und traf in einem Zimmer zwei Einbrecher an der Arbeit. Auf seine Aufforderung...Hände hoch!" erwiderten diese mit Revolverschüssen, die aber sämtlich ihr Ziel verfehlten. Darauf gab der Beamte Feuer Und traf einen der Eijrfrrecher so schwer, daß derselbe starb. Der andere wurde festgenommen. Klingelfahrer suchten in der Dennewitzstraße 29 die Arbeiter- Witwe Pieske heim. Die Frau erwirbt ihren Lebensunterhalt durch Reinemachearbeit, ihre beiden Töchter sind Verkäuferinnen. So steht ihre Wohnung den größten Teil des Tages ohne Aussicht. Ein Klingelfahrer benutzte diese Gelegenheit, brach ein und stahl ein Sparkassenbuch über 900 M. und für einige hundert Mark Schmuck- fachen und Wäsche. DaS gestohlene Berliner Sparkassenbuch trägt die Nr. 1 020 102. Des Einbruchs verdächtig ist ein schlanker Mensch von etwa 30 Jahren, der einen schwarzen Schnurrbart hat und einen hellen, gelblichen, weichen Filzhut trug. � Nationalistische Ausschreitungen. Uns wird geschrieben:„Be- schämend waren die Orgien der Brutalität und Unvernunft, die der blöde Nationalismus in einer am 10. Dezember in der Neuen Philharmonie in der Köpcnicker Straße von den sogenannten Nationalpolen veranstalteten Versammlung feierte. Einige pol- nische Genossinnen und Genossen verbreiteten kleine Flugblätter, die zu Versammlungen einladen, in denen die Polen über ihre Klassenlag«. über die Solidarität der Arbeit, gegen das aus- beutende internationale Kapital aufgeklärt werden sollen. Kaum hatten die großpolnischen Macher davon erfahren, als sie. vom Podium aus, zu Brutalitäten und Gemeinheiten aufforderten. Der Erfolg waren unbeschreiblich widerliche Szenen. Unsere Ge- nossinnen wurden von ihren Landsleuten in der unflätigsten Weise beschimpft und bedroht, schwer, ja fast lebensgefährlich, mißhandelt, auf Kommando vom Vorstandstische wurden die Flugblätter zer- rissen, bespien und dann den Genossinnen ins Gesicht geschleudert, ja hineingeschlagen. Die empörenden Vorgänge, der Ausfluß des blödesten Nationalfanatismus und einer bedauernswerten Un- wissenheit lassen sich hier schon aus Schicklichkeitsgründen nicht alle und einzeln schildern. Aber sie bilden für die sozialdemokratischen Polen einen Ansporn, in gesteigertem Matze bei ihren Landslcuten die Weckung des Solidaritätsgefühles, die Erkenntnis ihrer Klassenlage zu fördern. Diesem Zwecke dient auch eine für Sonn- tag. den 17. Dezember, nachmittags 2 Uhr, nach dein Lokale, früher Keller, in der Koppenstraße einberufene Versammlung. Proletariers Lieb und Leid. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag dieser Woche brachte ein Genosse seine Frau zur Ent- bindung ins Krankenhaus Charlottenburg. Kirchstraße. Am Don- nerstag früh hätte er— wie selbstverständlich— gern gewußt, ob und wie die Entbindung bor sich gegangen sei usw., und begab sich deshalb ins Bureau des Krankenhauses, wo er darum bat, seine Frau doch für einen Augenblick besuchen zu dürfen. Befremdlicher- tveise ward ihm hier der Bescheid, daß die Besuchszeit nur Mitt- wachs und Sonntags von 3—4 Uhr sei, wolle er trotzdem seine Frau besuchen, so könne auf eine besondere Vergünstigung hin dies erst um'A12 Uhr geschehen. Auf seine Einwendung, daß er um diese Zeit unmöglich kommen könne, da er täglich auswärts zur Arbeit müsse und erst sehr spät zurückkomme, entgegnete ihm einer der Bureauherren, dann müsse er eben warten bis zur nächsten offiziellen Besuchszeit, den» der Oberarzt Dr. Keller habe alle Besuche unter der Zeit, gleichviel unter welchen Umständen, strikte verboten.— Da alle Vorstellungen und Bitten nichts nutzten, so zog der Mann unverrichteter Dinge wieder seines Weges. Die Gefühle desselben kann sich der Leser selbst ausmalen. Soweit uns bekannt, ist es in allen Krankenhäusern üblich, in solchen Fällen ohne weiteres Angehörige zuzulassen. Warum im Charlottenburger Krankenhause das anders gehandhabt wird, dar- über wird die Verwaltung sich äußern müssen. Einen Märchennachmittag für die Schulkinder des Ostens und Nordostens Berlins veranstalttet die Literarische Vereinigung des Berliner Lehrervereins Sonnabend, den 10. d. M. im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee 11/13. Das reichhaltige Programm umfaßt eine Märchenvorlesung mit farbigen Lichtbildern(nach Vor- lagen in Schulz' Kiinstler-Bilderbücheru). dazu Dcklamatiou, Ge- sang, Klavier- und Violinvorträgc, und zum Schluß noch eine unentgeltliche Verlosung guter Bücher. Das alles für einen Eintritts- preis von 10 Pf. für Kinder und 20 Pf. für Erwachsene(Eltern). Die Veranstaltung stellt einen Versuch aus dem Gebiete der Jugend- pflege dar; den Schulkindern soll an Stelle der minderwertigen und häufig verrohend wirkenden Vorführungen in Kiucmatographen» thcatern und ähnlichen„Kunststätten" bessere und gesündere Unter- Haltung geboten werden. Sollte der Versuch gelingen, so sollen ähnliche Lichtbildervorträge für die Jugend in anderen Stadt- gegenden folgen. Vorort- JVaebnebten. Lichtenberg. Aus den Kreise» der städtischen Arbeiter wird u»Z geschrieben: „Ein besonders gesetzeskundiger Herr scheint der Bezirksvorsteher Strogali zu sein. Anläßlich der Abgabe von Kartoffeln durch die Stadtgemeinde sind die Bezirksvorstehcr damit betraut, Berechti- gungsscheine auszustellen. Herr Strogali verweigert z. B. den städtischen Arbeitern rundweg die Scheine. Nach seiner Ausfassung habe» es die städtischen Arbeiter nicht notwendig, Kartoffeln zu ermäßigten Preisen zu beziehen. In andere» Fällen erkundigt er sich peinlich nach den Familienverhältnissen. Einer Frau gegen- über, die ihm mitteilte, daß sie 7 Kinder habe, hielt er es für notwendig, noch besondere Erkundigungen einzuziehen. Dem Faß den Boden schlägt es aber aus, wenn er Arbeitern, die um Be- rechtigungSscheine einkominen, erklärt, daß sie damit ihres Wahlrechts verlustig gehen. Tatsächlich hat er damit erreicht, daß auf Grund dieser Aeußerung Arbeiter lieber auf die Kartoffeln verzichteten. Sehr zu Unrecht. Denn selbstverständlich hat die Kartoffclabnahme keinen Verl» st des Wahl- rechts zur Folge. Es wäre dringend wünschenswert, wenn dem Herrn Str. von berufener Seite auS erklärt würde, daß in Zu« kunft derartige unsinnige Beeinflussungen unterbleiben." Treptotv-Baumschulenweg. Die Wählerlisten liegen aus im RathauS, Neue Krugall»« 1— D, Zimmer 50. Am Sonntag, den 17. Dezember, in der Zeit von 8 bis 10 Uhr vormittags und 12 bis L Uhr nachmittags. Von Montag, den 18. bis Donnerstag, den 21. d. M.. in den Bureau- stunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Außerdeu» von 0 bis 8 Uhr nachmittags.. Diejenigen Personen, welche nicht selbst einsehen können» wenden sich an die mit Plakaten belegten Geschäfte. Adlershof. Die Ersatzwahl für den Genossen Horlitz findet am Mittwoch, den 20. Dezember, nachmittags von 5 bis 8 Uhr, im Lokal des Herrn Lehmgrübner, BiSmarckstr. 00, statt. Kandidat der sozial- demokratischen Partei ist Genosse Wilhelm Zabel, Bismarck» straße 11. Am Sonntag, den 17. Dezember, nachmittags 2 Uhr, findet im Lokale des Herrn Bayer, Bismarckstr. 10. eine große öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt, in der Genosse Wilhelm Zabel über:„Die Sozialdemokratie im Ge- meindcparlament" sprechen wird.— Montag, den 18. Dezember, Kuvertverbreitung an die Gemeindetvähler der dritten Abteilung Keiner fehle bei dieser Arbeit. Friedrichshagen. Die Jugendschriften- und Wandschmuckausstellung ist morgen Sonntag von vormittags 10 Uhr bis abends 3 Uhr geöffnet. Sie befindet sich im kleinen Saale des Restaurant Eiskeller, Friedrich- straße 90/97. Königs-Wusterhausen. In der Mitgliederversammlung deS Wahlvereins gab der zweite Vorsitzende Genosse Krause zunächst einen ausführlichen Bericht von der letzten Krciskouferenz. Bei den vorgenommenen Ersatz- Wahlen wurde Genosse Gutzeit als Kassierer und Genosse Lorenz als Revisor gewählt. Zum Schluß entspann sich noch eine lebhafte Diskussion über die bevorstehende Rcichstagswahl, in der sämtliche Redner betonten, ihre ganze Kraft einzusetzen, um die Wahl zu einem SiegeStage der Sozialdemokratie zu machen. Spandau. Besonderer Umstände halber ist eS dem BildungSauSschuß in diesem Jahre nicht möglich, die bisher übliche Bücherausstellung stattfinden zu las�. Die Partei- llnd Gewerkschaftsgenossen werden deshalb ge» beten, die WeihnachtSeinkäufe an Klassikern, Literatur für die reifere Jugend und Jugendschriften in unserer Parteibuchhaiiidlung „Vorwärts", Breitestr. 04, vorzunehmen. KreireltgtSs» chenietnde. Sonntag, den 17. Dezember, vonnittagS 9 Uhr, Pappeiallee 1 5—17, Und Rixdorf, Jdenlpasiage: Freireltgtöi« Vorlesung.— Vormittags ll Uhr, Kleine Fiantjurter Straße 6: Bortrag von Herrn M. H. Bacge:„Gibt es eine Seele'.— Damen und Herren al« Gürte sehr willkommen. Vliglmetne Kranten- und Tterbekasie der Mctallardeiter lEinzeschiiebenc HIlsSkasse 29, Hainburg). 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