5».«OT HbtMKWfntS'BeflnfOTtfBs IDonnnnmiS• ¥ioä piänunirtanbo: «ierleliüvrl 3�0 SRI., mm, all 1,10 Sil, butomtlidl L» Pfg, frei in» Hau». Sinzeln« Nunm,er 5 Pfg, SonnlagS- nunimn mil Mustrierler SmmlagS- Beilage.Die»eue Well" 10 Pfg, Post- ilbonnrmenl: 1,10 Marl pro Monat. Einoelragcn in die Post- Zeiluna»- Preisliste. Unter Kreuzband wr Deulschlan» und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das ädrige Ausland 3 Marl pr» Kanal Postabonnemen» nehmen an; Belgien, DdnrniarL Holland, Ziaiien Luxemburg, Portugal, nien. Schweden und die Schwei», viseivi a�i»»«11»l ZS. Jahrg. Die Tnferflons'SebflDr McAgt wr die lechsgeipaliene Kolonel- »eil» oder deren Baum 00 Plg.. für Polin Ich» und gewerllchastliche Per einSund«eriamnilungS-wizeigen 30 Pfg. „kleine Snreigen", das fellgedruclie Wort 20 Pfg, UuMstg 2 fellgedruckle Woriel, ledes weitere Wort 10 Pfg. Etellengeiuche und Schlafsiellenan- «eigen da« erste Wort>0 Pig, fedeS weitere Wort k Pfg, Worte über Ik> Buch- paden züdien für jwet WoNe, Jnferale für die nüchfie Nummer Müllen bis t Ufer nachniiitag« in der Erpedition Idgegeden werden Die SrpediNon ist diS � Uhr abends geöffnet, Verlinev Volksblnlk. Zentrzlorqun der rozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. relegromm• Adresse: Jtexutacinskru BtrUa". Redaktion: 8öQ. 68, Llndenetrasse 69. Arrnfprecheri Au» Moriupla», Nr. IttbtZ. Mittwoch, de« �0. Dezember Expedition: SM. 68, �.indenstrasse 69, Fernsprecher: Au» Mortstplaq, Str. tiltsT. RkichslGWiihin! Nur lllllif fmi TM liM die Sichelt Euch diich GlilichlNif« das bei' Keich;hau!halt5etat kür 1912. In ihren beiden letzten Nummern veröffentlicht die „Nordd. Allgem, Zeitung" Mitteilungen und eine sunininrische Uebersicht über den Reichshaushaltsetat für l912 Die Mitteilungen, namentlich soweit sie den Stand der R e i ch s s cd u l d betreffen, sind so verworren gehalten, daß sich kein Mensch ein klares Bild zu machen vermag. Eine Uebersicht über die vorgenommene Schuldentilgung und ein Vergleich der Schuldentilgung mit den ihm gegenüberstehenden neuen Anleihe bedarf wird sich erst dann anstellen lassen, wenn der Etat selbst vorliegt. Bei oberflächlichem Lesen der Angaben der„Norddeutschen Allgem, Ztg." könnte der Uneingeweihte den Eindruck erhalten. als sei tatsächlich eine absolute Verminderung der Reichs schuld eingetreten. Daß das jedoch nicht der Fall ist, sondern daß einstweilen noch der Anleihebedarf die Schuldentilgung erheblich überwiegt, ergibt sich aus einer genaueren Betrachtung der Etats von 1910. 191 l und 1912. Daß auch im Jahre 1912 kein Ueberschuß. sondern auch ein Anleihebedarf vorhanden ist. beweist ja die in der Mittwocksiiummer des offiziösen Organs gegebene Ueber ficht über den Etat. Danach ist noch der Betrag von 43 758 372 Mark— durch Anleihe aufzubringen. Das heißt, diese Anleihe von rund 44 Millionen wird nur dann ausreichen, wenn die zur Schuldentilgung be- stimmten 87 Millionen nicht diesem Zwecke zugeführt, sondern zur Deckung der Ausgaben des außer- ordentlichen Etats verwendet werden, in denen keine Posten für Schuldentilgung enthalten sind. Werden aber die 87 Millionen faktisch zur Schuldentilgung verwandt. so erhöht sich der Anl ei he bedarf um diesen gleichen Betrag, also auf 131 Millionen. Den 87 Millionen Schuldentilgung würden dann also 87 Millionen Mark neuer Schulden gegenüberstehen, so daß Schuldentilgung und vermehrte Anleihe sich gegenseitig aufheben. Das einzig Greifbare und Faktische bleibt also im neuen Etat für 1912 ein Anleihebedarf von rund 44 Bkillionenl Mit der samosen„Schuldentilgung" in den beiden vor- hergehenden Jahien hat es ja genau die gleiche Bewandtnis. Im Etat siir 1910 war eine Anleihe von l72 Millionen vor- gesehen. Diese Anleihe hätte sich aber noch um 35,4 Millionen erhöht, wenn nicht der in gleicher Höhe vorgesehene Betrag zur Schuldentilgung zur Verminderung des An leihebedarfs verivendet wurde. Haben also die 35,4 Millionen faktisch zur Schuldentilgung gedient. so betrug der Anleihebedarf 207 Millionen. Ziehen wir nun von diesen 207 Millionen die 117 Millionen ab, die nach den bekannten Erklärungen des Neichsschatzsekretärs Wermnth im Jahre 1910 mehr eingegangen sind, so bleibt ein Anleihebedaif von 90 Millionen, oder aber, wenn wir davon noch die 35 Millionen Schuldentilgung abrechnen, ein reines Defizit, ein faktischer Anleihebedars Von 55 Millionen. Auch im Jahre 1911 soll sich die Mehrein nähme auf 117 Millionen belaufen haben. Der Anleihebedars aber betrug>n diesem Jahre 97 Millionen, so daß ein Ueberschuß von 20 Millionen herauskam. Die 89 Millionen„Schulden- tilgung", die für das Jahr 1911 vorgesehen� waren, lassen wir der Einfachheit halber ganz aus dem Spiele, weil ja für den Fall der Verivendung dieser Summe zur Schulden- tilgung sich der Anleihebedars aus den gleichen Gründen wie im Jahre 1910 um 89 Millionen vermehrt hat. Schuldentilgung und vermehrte Anleihe hoben sich also gegenseitig auf. können deshalb also ganz außer Berechnung bleiben, Rehmen wir aber das Ergebnis der beiden Jahre 1910 und>911 zusammen, so ergibt sich danach ein reines Defizit, ein wirklicher Anleihebedarf Von 35 Millionen. Von einer wirklichen Verminderung der Schuldenlast kann also gar keine Rede sein. Die Auszählung der Schulden- tilgung ohne gleichzeitige Gegenüberstellung des erhöhten Anleihebedarfs ist nichts als eine plumpe Taschen- s p i r l e r e i. die nur aus die Täuschung des ahnungslosen Publikums berechnet sein kann. Daß unsere Reichsfinanzen noch keineswegs„ge- sundet" sind, deweist ja die Tatsache, daß auch im Etat für 1912 noch ein Anleihebedars von 43 Millionen vorhanden ist, trovdem die Neichseinnahnien in dem neuen Etat sehr hoch veranschlagt worden sind. Rechnet der Etat für 1912 doch mit einer Mehreinnahme von 140 Millionen gegenüber dem Etat, für 1911. Dieser Mehrertrag setzt sich hauptsächlich zusammen aus rund 47 MiLivuen bei der Reichs- �post- und Telegraphenverwaltung. 10 Millionen bei der Reichs- eisenbahnverwaltung, 79 Millionen aus Zöllen. Steuern und Gebühren, 3'/, Millionen aus den Matrikularbeiträgen und einer Reihe geringerer Posten. Es ist also höchst Wahlschein- lich, daß diesmal die wirtlichen Einnahmen den Vor- anschlag nicht über st eigen werdenl Wahrscheinlich aber wird sich das finanzielle Bild noch wesentlich ungünstiger gestalten, wenn erst die neuen AuS- gaben für Heer und Marine in Erscheinung treten werden. Denn allem Anschein nach sind diese Mehrausgaben, wie sie aus der geforderten Neuverstärkung unseres Heeres und den von den Flottensexen so stürmisch verlangten neuen Flottenrüstungen sich ergeben werden, nicht in dem Etatentwurs enthalten. Zwar belaufen sich die Ausgaben für das Heer auf rund 768 Millionen, das heißt zirka 41 Mil- lionen mehr als imJahre19l1. allein diese Steigerung dürfte lediglich die Mehrausgabe enthalten, die aus der bereits bewilligten Heeresvorlage und höchstenfalls noch den vermehrten Ansprüchen an den L u f t m i l i t a- r i s m u s resultieren. Die Ausgaben für die Marine hin- gegen belaufen sich auf rund 458 Millionen, also ebensoviel als wie im Jahre 1911. Die Kosten der neuen Flotten- vorläge werden also noch den Ausgaben des neuen Etats hinzuzurechnen sein. Dann aber wird der Anleihebedarf aas weil über I0V Millionen steige» I Erleidet also die wirt- schaftliche Konjunktur auch nur die geringste Erschütte- rung, die. wie ja die kaum erst überwundenen mageren Jahre bewiesen haben, sofort ein gewaltiges Minus an Reichs- einnahmen nach sich ziehen würde, so wird das Defizit mit einem Schlage wieder nw Hunderte von Millionen anschwellen I Die Gefahr neuer Steuern, einer neuen Ausplünderung der Besitzlosen, ist also in drohendste Nähe gerückt! Eine Steigerung haben auch die Ausgaben für die Schutzgebiete erfahren. Die Reichszuschüsse für die Schutz- gebiete belaufen sich im Jahre 1912 auf 28 596 406 M.. das sind 2 860 655 M. mehr als 1911. Außerdem wird sich die Sch.utzgebietsschuld im Jahre 1912 voraussichtlich auf 171'/, Millionen belaufen. Für diese Schuld, an deren Tilgung durch die Schutzgebiete selbst natürlich gar nicht zu denken ist. ist aber das Deutsche Reich haftbar, so daß diese Schuldenlast zur Reichsschuld noch hinzu addiert werden muß 1_ Opfer unerhört! Die schwarzblaueu Blockbrüder wollen durch verbrecherische Kriegshetzerei Wahlgeschäfte machen. Vor aller Welt schleuderte der Reichskanzler den Hetzern solche Beschuldigung ins Gesicht! Trotzdem hetzen die Brotwucherer, die Ritter. Heiligen und Panzerplatteniiiteresseiiten skrupellos weiter. Sie wollen einen Ktieg mit allen seinen Guts- und Bluisopfern. Was Kriege losten, das illustrieren folgende Angaben: Mark Die Ausgaben für den preußisch-österreichischen Krieg im Jahre 1866 beliefen sich auf.. Der deutsch-sranzösische Krieg kostete ins- gesamt rund........... Der russisch-japanische Krieg kostete die Japaner „ w„„ Siuffcn Der Donau- Monarchie kostete allein die Mobilisierung im Winter 1908/09 etwa Der glorreiche deutsche Feldzug gegen die Eingeborenen in unserem südasiikanischen Schutzgebiet im Winter 1903/04 ersoiderte Italiens Raubzug nach Tripolis kostete in den ersten 5 Wochen pro Tag fast 2 Millionen Lire, man schätzt die Gesamtkosten, wenn der Krieg ein Jahr dauert, aus.... Der Burrnkrieg kostete die Engländer für jeden unterworfenen Buren üllllvo M., im ganzen............ Weit mehr würde ein Krieg zwischen Deutsch- land und einem anderen europäischen Lande kosten. Nach der Berechnung des Generals der Infanterie z. D. v. Blume müßte Deutschland für einen einjährigen Krieg aufwenden............ Pro Kops der Einwohner Deutschlands 92 M, pro f ü n f k ö p f i g e Familie.. Diese Kosten ergeben sich ohne die von der der Bevölkerung zu leistende Natural- Verpflegung. Andere Mili'tärschriftsteller schätzen die Kosten emcs zukünftigen Krieges noch höher, auf 20 Millionen Mark pro Tag oder für einen Krieg mit Ijähriger Dauer auf 7 000 000 000— 8 000 000 000 I 324 000 000 10 000 000 000 3 120 000 000 5 600 000 000 500 000 000 400 000 000 1 600 000 000 3 000 000 000 6 000 000 000 460 Unbekümmert um solche Opfer, unbekümmert um die Massenvernichtung von Menschen betreiben die Brotwucher- Parteien die Kriegshetzereien weiter. Wähler, gebt ihnen dafür am 12. Januar die Antwort! Zw Reichstagswal)!. Reichsvcrbandspleite. Unserem Chemnitzer Parteiblatt, der„ V 0 l k s st i m m e ist folgender Bettelbrief des Liebertschen Reichsverbandcs gegen die Sozialdemokratie auf den Redaktionslisch geflogen: Reichsverband gegen die Sozialdemokratie. Haupistelle. Fernsprecher Amt 6, Nr. 2893. Berlin SW. 11, 15. Dez. 1911. Dessauer Straße 30. An die Herren Mitglieder und Spender des RcichSverbandes gegen die Sozialdemokratie. In unserem Rundschreiben vom November haben wir uns erlaubt, unsere Herren Mitglieder und Spender zur Sammlung für den Wahlschatz de? ReichSverbonde» für die nächsten Reichstagswahlen aufzu» fordern. ES ist darin gebeten worden, eine besondere Geldsamm- lung zu veranstalten und die Sammelliste sowie den Erlrag der Sammlung an die Hauptstelle des Reichsverbandcs. Beilin L�V. 11, Desiauer Str. 30. bis späleslens den 2. Dezember absenden zu wollen. Da wir bisher von Ew. Hochwohlgeboren diese Liste noch nicht zurückerhallen haben, erlauben wir uns hier- durch noch einmal, an diese Angelegenheit ergebenst zu er- inner». Die überaus hohen Anforderungen, die bei den be- vorstehenden Reichstagswahlen an den Reichsverband gestellt werden, nötigen uns, die Opferwilligkeit unserer Herren Mit- glieder und Spender in Anspruch zu nehmen. Wir hoffen deshalb zuverstchilich. daß auch Sie uns die Sammelliste und den bewilliglen Beirag möglichst bald überweisen, da der Wahlkampi schon in aller Schärfe eingesetzt hat. Indem wir bitten, für Ihre talkräftige Unterstützung der vaterländischen Sache des Reichsverbandes unseren herzlichsten Duul entgegennehmen zu wollen, zeichnen wir Mit vorzüglicher Hochachtung sehr ergebenst Der Vorstand des ReichSverbonde» gegen die Sozialdemollatie. Dr. Bovenschen. v. Liebert, Generalleutnant z. D., M. d. R. Der Brief bestätigt, was uns kürzlich von einem mit der Finanzlage des Liebertschen Reichsverbandes Vertrauten mit- geteilt wurde, daß der Verband die von ihm für die Reichs- tagswahl gesammelten Mittel bereits nahezu auf- gebraucht hat und neue Beträge nur spärlich einlaufen, da einerseits die Geldspenden, die früher größtenteils in die unkontrollierbare Kasse des Reichsverbandes flössen, jetzt meist dem Wahlfonds der Konservativen und Scharfmacher, d. h. des Zentralverbandes deutscher Industrieller oder auch der Kasse des Hansabundes zugeführt werden. Für die schönen Zwecke des ehrsamen Reichsverbandes bleibt wenig übrig. Nur „die Einfältigen vom Geiste" steuern noch; die etwas Ge- scheiteren sind nach und nach zu der Ueberzeugung gekommen, daß die alberne Ägitations- und Beschinipfungsmethode des Liebertschen Rächerkorps wenig Wirkungskraft besitzt und im Grunde nur den Zweck hat. einigen politischen Gernegroßen ein gewisses Relies zu geben. Um Geld aufzutreiben, ist bereits die Leitung des Vater- ländischen Verbandes der Liebertniänner aus einen recht schlauen Trick verfallen. Sie sendet an die Gutsbesitzer und größeren Landwirte Zuschriften hinaus, in denen sie diesen in beweg- lichcn, überschwenglichen Worten die große Gefahr schildert, die ihnen durch die sozialdemokratische Landagitation, beson- ders durch den Verband der Land-, Wald- und Weinbergs- arbeiter. droht, um dann schließlich als bestes Gegenmittel gegen die„ungeheure Gefahr" und die herannahende „ K a t a st r 0 p h e" die Einsendung von möglichst hohen Geldbeiträgen an den A. Schaaffhausen schen Bankverein, Berlin W. 8, Französische Str. 53/54, zu empfehlen. So heißt es z. B. in der kuriosen Jeremiade, die gegen die Behauptung deS Landbündlerführers recht seltsam absticht, die Sozialdemokratie hätte bisher vergeblich versucht, aus dem platten Lande festen Fuß zu fassen: Wenn man aber bedenkt, daß die Landarbeiter, die zum größten Teil im Hause ihres Arbeitgebers wohnen und dort be- köstigt werden, schwieriger zu organisieren find, als Industrie- arbeiter. die an das Heim des Brotherrn überhaupt nicht gefeffelt sind, dann muß man leider zu der Ueberzeugung kommen, daß auch auf dem Lande die Sozialdemokratie sich einzunisten be- ginnt. Sie wird langsam, aker unablässig bor- wärtS schreiten, wenn eS nicht gelingt, rechtzeitig Vorbeugungsma ßregeln zu treffen. Die Sozialdemo- kratie wird ihre Äustrenc, u»lq-n von Jahr zu Jo hr verdoppeln, weil eS für fie eine Lebensfrage»st. die Landarbeiter mit revolutionärem Geiste zu erfüllen. Mit den Jndustriearbeitern allein lanndie Revolution keine Schlachten schlagen. Erst wenn auch die untersten Schichten der Landbevölkerung re- volutioniert sind, steht der Erreichung der politischen Macht durch die Sozialdemokratie nichts mehr im Wege. Bogel-Strauhpolitik treiben ist durchaus nicht am Platze. Der Landwirtschaft droht eine ungeheure Gefahr. Wartet man erst ab. bis der sozialdemo- kratische Landarbeiterverband grost und stark geworden ist, dann ist eS zu spät. Ein Landorbeiterstreik würde für viele landwirt- schaftliche Betriebe eine Katasttophe. für die ganze deutsche Volkswirtschaft eine nicht zu unterschätzende nationale Gefahr bedeuten.... Jeder Landwirt ist daher der natürliche Gegner der Volks- verwü st enden Sozialdemokratie, er muh aber auch offen und opferwillig(drese Opferwilligkeit ist die Hauptsache. Die Red. des ,Vorw.") in die Reihe der Streiter gegen die Sozial« dcmokratie eintreten. Dcnnit schützt er am besten seine Heimstätte und seine Scholle, damit fördert er am besten die Interessen der ganzen Landwirtschast, die doch nach Wilhelm Roscher die Wurzel am Bolksbaum ist. Der sozialdemokratischen Agitationsparole „Aufs Land I" muh eine andere Parole entgegengestellt werden: Aufklärungsarbeit unter den kleinen Besitzern, unter den Land« arbeitern, unter den wirtschaftlich schwächeren Schichten der länd« lichcn Bevölkerung, Aufklärungsarbeit über die landwirtschaftS- feindliche Sozialdemokratie l An der Bekämpfung der Umsturzpartei wirkt unablässig in Wort und Schrift der„NeichSverband gegen die Sozialdemokratie", den wir Ihrer besonderen Beachtung und Förderung empfehlen... Wollen Sie sick bitte der beifolgenden Beitritts- erklärung bedienen, diese ausgefüllt an uns zurücksenden und den gütigst gezeichneten Beitrag oder die Spende durch anliegende Postanweisung unserem Bankhanse, dem A. Schaaffhausen Bank» Verein, Berlin W. 8, Französische Str. 58/54, überweisen. „Sozialdemokratische Schiebungen." Die gesanrte reaktionäre Presse, voran die nationalliberale, ent- rüstet sich über einen angeblichen Wählerschub, der von den sozial- demokratischen Lrganisalioneu Leipzig» und Dresden» vorgenommen werde, um durch scheinbaren Umzug von Arbeiterwählern aus den sozialdemokratischen Hochburgen der Landkreise daS Stimmen» verhällnis in den Städten zu unseren Gunsten zu ver- schieben. Einen Beweis dafür, dah sich solche Vorgänge wirklich abspielen, liefern die reaktionären Blätter nicht. In- desien setzen wir den Fall, dah eS so gemach» würde: wer köinrre darin bei der niederträchtigen Ungleichheit der Rcichslagswohlkteise, die geradezu eine Konfiskation des Wahlrechts der grohcn Jndustriebezirke darstellen, eS anders, denn als eine gerechte Korrektur dieses Unrechts ansehen, wenn wirklich auf diese Weise vorgegangen würde? Gerode die Rationalliberalen, die in Baden mit uns die Einführung de« ProportionalwahlrechlS für das ganze Land fordern und beschlossen haben, die in Bayern seit � �Jahpen den Proporz fordern, mühten einverstanden sein, dah die Wähler freiwillig die Ungleichheit der Wahlkreise zu korrigieren trachten, da der Reichstag seine in der Verkaflung vorgeschriebene Aufgabe der Reueinieilung der Wahlkreise so schmählich vernachlässigi hat. Mögen die Parteien, die das städtische Bürgertum vertreten, dafür sorgen. dah der Agrarier in Deulsch-Krone nicht daS zwonzigfache Wahlrecht habe wie der Wähler in Groh-Berlin. mögen fie dafür eintreten. dah die Stimme des Leipziger städtischen Wähler» nicht ein viel- facheS der Geltung der Stimme seines Nachbarn im nächsten Vorort habe— dann dürfen fie sich allenfalls über Wäblerschiebungen(die, wie gesagt, nicht bewiesen find) entrüsten. Früher nicht. ».' Saalpolizrl. Der Antrag deS sozialdemotratischen Wahlkomitee« de« Wahl- kreise« Saardrücken ans Uebertofiung de» städtischen Saalbaue» zweck« Abhaltung einer Wählerversammlung, fand in einer Sonderfitzung der Stadtverordneten eine Dreiviertelmehrheit. Da der Vorfitzende de« Stadt« verordnetenkollegiumS, Oberbürgermeister Mangold, diesen Befwluh bereits zum zweitenmal beanstandete, wird sich nunmehr der Bezirks- anSschuh zu Trier mit der Frage seiner RechtSglllligkeit zu befafien haben.— DaS ist so prenhisch-dentsche Selbstverwaltung! Die Ge- mcindevcrtretnng wählt einen Oderbürgermeister, der dann ihie Obrigkeit ist und den sie nicht einmal zur Rechenschaft ziehen kann- Nebenbei illustriert der Vorfall wieder unsere Rechtsgleichheit. Die Arbeiter bringen die Kosten de» Stadlsaalbaues auf— aber nur ihre Feinde sollen sich darin versammeln dürfen. fisch nicht invalide! Die ungeheuerliche Auslegung des Begriff««invalide� im Sinne des JnvakidenversicherungSgeseyeS zuungunsten der Arbeiterklaffe hat eine» Notschrei einer Gemeinde gezeitigt. In der.Ostdeutschen Rundschau"(Bromberg) ist folgende« Eingesandt des Ortsverbaiide« Brz»,»gaj erschienen: Soziale Gesetzgebung und ihre Anwendung. Brzozogaj, lt. Dezember. Ein interessanter Fall über dir Auslegung de» Juvalidenver- sicherungsgesetze« spielte sich in der letzten Zeit hier ab I Unier dem 20. Juli 1909 wird der Slljährigen Arbeiterin Anna Springer au« Brzozogaj von der LandesversicherungSanstali Posen eine I n v a I i d c n r e n te v o n 10,70 M monatlich zu- gebilligt, weil sie an starker chronischer Gelenk gicht mit Verfteifling der Handgelenke, mähigem Allgemeinbefinden, beginnender Herzschwache und Blutarmut litt. Eine Nachuntersuchung derselben durch den zuständigen Kreisarzt Dr. Haack-Gueien am St. August llltv ergab, dah in dem Zustande der Rentenempsängerin iiisofern eine Beficrung eingetreten war, dah sich daS Allgemeinbefinden gehoben hat, Blutarmut nickt besteht und die Herzschwäche nur gering ist. Die Erwerbsfähigkeit der Rentcnempfängerin soll deshalb 40 Prozent betragen, die Rente wurde ihr daher mit Ablauf de» Oktobers 1910 entzogen. Die starke chronische Gelenkgicht mit Versteifung der Hand- gclenke ist geblieben, die Herzschwäche ist noch— wenn auch gering— vorhanden l Die Blutarmut soll nickt mehr bestehen! Hier inüssen wir ja unseren Laienverstand dem Arzturteil nnlerordnen, obwobl eS un« schwerfällt, daS zu begreifen, wodurch die Blutarmut beseitigt sein soll! Das arme Weien ist obendrein noch magenkrank, sie hat ihren Lebensnnterhalt in der Houplsoch« von ihrer Invalidenrente von 10,70 M. monatlich bestritten, wie fie e» damit möglich gemocht b-it, die Blutarmut zu beseitigen, d. h. blulstärkende und-mehrende Mittel anzuwenden,»st un» unfahlickl Nun ist es aber wohl auch einem.Nichtmedizinmann" be- greiflich und verständlich, dah ein Mensch mit chronischer Gicht, mit versteiften Handgelenken, d. h. mit verkrüppelten Händen nicht arbeiten und nock viel weniger sich etwas verdienen kann. Zum Arbeilen auf dem Lande benötigt man aber zunächst gesunde, kräftige Händel Trotzdem und alledem wird die Rentenempsängerin 40 Proz. erwerbsfähig befunden und die Invalidenrente fällt weg l Nach unlerem bescheidenen Laienverstande ist die Springer nicht 60. sondern 100 Proz. erwerbsunfähig. Die Berufung gegen diesen Be'chrid war erfolglos. Das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung lieh die Springer von einem zweiten Arzt untersuchen, der das Gutachten seines Kollege» bestätigte. Eine Revision bei dem ReichSversicherungSamt in Berlin, der nachstehende Srztbefcheinigung beigefügt wurde, von einem alten criahrenen Arzt, der die Kranke seit Jahren behandelt und ihren Körperzustond genau kennt, blieb unberückfichligt. Diese Arztbescheinigung lautet: .Die 33 Jabre alte Anna Springer aus Brzozogaj leidet infolge von chronischem Rheumatismus an Steifheit der Armgelenke und an einer s o hochgradigen Verkrümmung der Hand» und Fingergelenke, dah sie als gänzlich erwerbs- unfähig anzusehen ist Gnesen, den 2. März 1911. kgez) SanitätSrot Dr. Wolf/ In Anbetracht des wirklich bedauernswerten Wesen« fragen wir staunend: War da« der Sinn der Sozialgesetzgebung, dah ein so durch und durch kranles, hilfloses Wesen anscheinend aus Sparsamkeitsrücksichten hinaus aus die Strohe gestohen wird und sich seinen kärglichen Lebensunterhalt durck Almosenbettelei verschaffen muh? Was nützt uns das Schiedsgericht für Arbcirerversicherung, da« ReichSversicherungSamt. wenn daS Urteil des Kreisarztes alles beherrscht und grundlegend für die Entscheidung in diesen Fragen ist? Dann ist es dock richtiger, man fängt hier an zu sparen, löst die ArbeitersckiedSgerichle und daS Reichsversichernngsamt auk und gibt den Kreisärzten die Be- fugniffe zur Rechtsprechung in dieier Angelegenheit I Jedenfalls würde diese Anwendung de« Spanystem« einträglicher sein, alS wenn solch armen, kranken und hilslosen Wesen die kärgliche In- validenrente entzogen wird. Wir bitten die Oeffenilichkeit. sich dieses Falle? anzunehmen und dem armen Weibe zu seinem Recht zu verhelfen, da die ge- setzlich anzuwendenden Mittel erschöpft sind. Der OrtSarmrnveriand Brzozogaj. Als.invalide' gilt im Sinne des Gesetzes nur. wer infolge von Krankheit. Gebrechen oder Alters weniger als 33'/, Prozent desien verdienen könnte, wenn er Arbeit hätte, was lörper- lick und geistig gesunde Personen derselben Art und ähnlicher AuS- bildung in derselben Gegend durch Arbeil zu verdienen pflegen. E« sollle nach der Novelle von 1899 auf seine Ausbildung und seinen bisherigen Beruf Rücksicht genommen werden. AlS diese Vorschrift etwas sozial Anwendung fand, stieg die Zahl der Jnvalidenrentner im Jahr 1900 aus 125 717, im Jahr 1901 aus 130 482, im Jahr 1902 auf 142 789, im Jahr 1903 aus 152 882. Da» erschien dem ReichSamt deS Innern zu viel. ES lieh Kommissionen inS Land. die nachprüfen sollten, ob denn einer der Rentner durch die.hohe" Rente nicht etwas erwerbsfähiger geworden sei. Und siehe. eS fanden sich Aerzle, die so tüchtig sind, dah sie ErwerbSsähigkeit da entdeckten. wo fie nicht vorliegt. Darauf wurden Renten masienhafi entzogen. Die Zahl der bewilligten Renten fiel im Jahre 1904 auf 140 092. im Jadre 1905 aus 122 868, im Jahre IVOS aus 1109691 Die neue ärztliche Entdeckung einer vorhandenen Erwerbsfähigkett in Fällen, wo sie nicht vorliegt, macht Schule. Zehntauienden Erwerbs- unfähigen werden jährlich Renten entzogen, oder abgelehnt, ihnen Renten zu bewilligen. Zu diesen armen Opfern gehört auch die Arbeiterin au» Bizozogaj. Welche Arbeit soll denn da» an den Händen verlrüppelte, bililole Mädchen noch verrichten können? Etwa für die Bcreiiungskommiiston Botendienste verrichten? Die Sozialdemokratie hat auch bei der Beratung der Reichs- Versicherungsordnung verlangt. Invalidität anzunehmen, wenn der Betieffende weniger als die Hälfte in feinem bisherigen Beruf verdienen kö»nle. Abgelehnt wurde der Antrag von den bürger- lichen Parteien, wiewohl sie in dem Privatangestelllengesetz eine ähn- liche Vorschrift gutbtehen. Der Armenverband Brzozosaj bittet,«dem armen Weib zu seinem Recht zu verbelfen'. Do gibt e« nur»inen Weg: Am 12� Januar einen fozialdemokrtischen Stimmzettel abgeben. Erst wenn die Dozialdemolratie ausschlaggebend wird, wird diese Verhöhnung der invaliden Arbeiter und Arbeiterinnen sowie der Arbeiterliasie beseitig» werden können. politische(leberfickt. Berlin, den 19. Dezember 1911. Ein neuer Silvesterbrief? Die„Deutsche TageSzeikung" ist mit der Regierung unzu- frieden, da diese noch ver Meinung deS Bündlerblattes bisher allzu wemg getan hat. um bei der bevorstehenden ReichStagSwahl der„nationalen Politik" deS fchwarz-blauen Blocks zum Siege zu verhelfen. Zwar hat die Regierung eine großartige Besierung der Finanzlage de» Deutschen Reichs und ein« höchst segensreiche Wirkung der letzten Finanzreform entdeckt: zwar arbeiten die Land- röte mit aller Kraft im Dienste der Konservativen und treiben die schönste Wahlgeometrie, indem sie Miniatur-Wahlbezirke kon» struieren— aber alles das genügt den großen Anforderungen der Geistesriesen des Bundes der Landwirte nicht. Sie verlangen größere Taten. Hat 1906 Fürst von Bülow einen so schönen Silvesterbries verfaßt, warum sollte Herr von Bethmann Hollweg nicht die gleichen Pfade wandeln und auch so ein Ding fabrizieren — so einen recht patriotisch«», völkischen Silvesteraufrus, in welchem die Sozialdemokratie des VawrlandSverratS geziehen, die patrio- tische Opferwilligkeit der Konservativen, die sich bei der Erbschaft«. steuer so glänzend bewähtzt hat. in allen Tonarten gepriesen und die Beamten unter Aufgebot der schönsten Phrasen an ihren„Diensteid" erinnert werden. Der unter der bekannten Kognakmarke• �• schreibende Chef. redaktcur der„Deutschen Tageszeitung" richtet deshalb in der Heu. tigen Abendnummer folgenden dringenden Appell an den Kanzler: „Aber auch wir bedauern die kühle Zurückhaltung der Re- Gerung vor dem jetzigen Wahlkampfe. Diese Zurückhaltung mag za korrekt sein; aber e« gibt eine gewisse Ueberkor- rektheit, die von einem führenden und seiner Verantwortung bewußten StaatSmanne ver- mieden werden muh. Die Regierung darf unmittelbar in die ParieikSmpfe nicht eingreifen. Sie darf sich nicht auf den Boden einer Partei stellen, und etwa von diesem Boden aus die anderen bekämpfen. Wohl aber hat sie nicht nur da« Recht. sondern auch die Pflicht, auch in dem Wahlkampse dafür zu sorgen, daß die von ihr für richtig gehaltene und vertretene Politik w o- möglich auch j n dem neu zu wählenden Reichstage eine Mehrheit habe. Zunächst wird zedc Regierung darüber Klarheit schaffen müssen, daß die Unterstützung der Sozialdemokratie, und zwar die unmittelbare und mittelbare, mit dem StaatSgedan. ken unvereinbar ist. ES ist in letzter Zeit, weniger in Preußen als in manchen süddeutschen Staaten, darin viel ge- sündigt worden, daß man vor der Sozialdemokratie Verbeugungen machte, daß man sie als gleichberechtigte Partei behandelte, daß man sie als eine„großartige Bewegung zur Befreiung de« vierten Standes" feierte, usw. Alle diese Aeußerungen werden auch im jetzigen Wahlkampfe von der Sozialdemokratie für ihre Zwecke ausgenützt. In wie vielen Flugblättern haben wir die bekannte Aeußerung des Minister« Freiherrn v. Bodman lesen müssen! Demgegenüber Kare eS doch dringend noktb endig, daß die Reichsregierung irgendwie bekundete, wie sie die sozialdem akratische Gefahr beurteilt. Zum mindesten müßten die Beamten nicht nur an ihre Wahlpflicht gemahnt, sondern darauf hingewiesen werden, daß die u n- mittelbare oder mittelbare Förderung der Sozialdemokratie mit dem Diensteid unVerein- b a r i st. In einzelstaatlichen Landtagen ist daS geschehen. Das genügt aber nicht. Hier ein offenes festes Wort zu sagen, ist Pflicht der Regierung." Vielleicht erbarmt sich Bethmann Hollweg deS JammerS und schreibt noch einen schönen Silvesterbrief. Was die indirekten Steuern bringen. Nach den neuesten amtlichen Verösientlickungen hat die Tabak- steuer 1910 12,5 Millionen Mark, der TobakgewichlSzoll 68,6 Millionen Mark, der Wertzollzuichlag 42,0 Millionen Mark(gegen 29 Millionen Mark im Jahre 1909) ergeben. Die Einnahmen an Saizzoll und Salzsteuer beliefen sich 1910 auf 61,5 Millionen Mark gegen 59.2 Millionen Mark im Vorjahre, die an Zuckersteuer auf 173,26 Millionen Mark gegen 158.4 Millionen Mark im Borjahre. Diese wenigen Beispiele zeigen wieder, wie die Mafien deS konsumierenden Volkes die Träger des Reichsbaushalts und der ganzen Herrlichkeit deS Reiches sind. Es kamen demnach auf jeden Kopf der Bevölkerung im Jahre 1910 ollein 3 M. Znckersteuer und l M. Solzsteuer. Eine aus fünf Köpfen bestehende Familie halte also im vorigen Jahre nur an Salz- und Zuckersteuer ungefähr 20 M. zu zahlen._ Defizit in Oldenburg. Trotz reichlicher Kaileiiüberschüsse und der Heranziehung von 500 000 M. aus dem.SpaNopf der Eisenbahnen' schließt der olden« burgische Etat für 1912 mit einer Unterbilanz von 755 000 M., bei einem Gesamtetat von 12 Millionen Marl ab. Dabei hat Olden« bürg 1912 an das Reick 390 000 M. Matrikularbeilräge oder auf den Kops der Bevölkerung 80 Pf. z» zahlen, gegen nur 40 Pf. vor wenigen Jahren noch. So.bessert" die schwarz-blaue Finanzpolitik die Wirt- schaftSlage der Tinzeistaaten I Ter Landtagsabgeordnete Gronowski und die ftfeuer- bestattung. Der Dortmunder ZentruinSsührer und Landtagsabgeordnete Gronowski weiß alles und redet über alles. In einer Dollmunder Stadlverordnelensitzung stellte er die Behauptnng aus, die Zahl d« Leichenverbrennungen gehe stark zurück. Daraus anttvorlete öffent- lich der Vorsigende des FeueibrstatiungsvereinS in Dortmund, Rechtsanwalt May Er erklärte, die Behauptungen GronowSkiS ständen .in schroffem Widerspruch zu den Tatsachen':.In dem letzten Jahr- zebnt sind in den deutschen Krematorien eingeäschert worden: 1901: 692. 1902: 861, 1903: 1074, 1905: 1381, 1906: 2054, 1907; 2977. 1008: 4050. 1909: 4779, 1910; 6054. Im Jahre 1911 wurden bis zum 31. Oktober 6199 Perionen gegen 4939 in der eni'preckenden Zeit des Vorjahres eingeäschert, so daß bis Ende 1911 ibre Zahl über 7200 betragen wird. So. Herr Gronowski — fügte May hmzu— sieht der starke Rückgang der Feuer- bestattung aus." Gronowski mußte daraufhin feine Unwisienheit eingestehen. Er glaubte aber doch noch odenauj bleiben zu können, denn in der klerikalen.Tremonia" stellt er folgende Rechnung auf: .Im Jahre 1909 starben in Deutichland insgesamt 1 154 296 Menschen. Hiervon ließen sich gemäß Ihrer Stallst ik nur 4779, also nicht einmal ein halbe« Prozent, verbrennen. So. � Herr RechlSarinialr. siebt da» Verlangen deS deutschen Volke« au«, sich verbrennen zu tasien." Gronowski wurde darauf noch weiter abgebürstet. Rechtsanwalt May schrieb: .Ist Ihnen nicht zum Bewußtsein gekommen, daß diese Gegen« llberstellung ein Mißbrauch der Siaiiftik ist? In mehr alS einem Dutzend deutscher Bundesstaaten, insbesondere in den beiden größten Staaten Preußen und Bayern, war die Fenerbestaltuiig im Jahre 1909 unzulässig. Wenn sich ein Angehöriger dieser Sraoien emäichern lasten wollte, io ver»» sachte er seinen Hinterbliebenen außerordcniliche Müde und noch mehr Unkosten, die insbesondere durch den Eisen- bahmranSporr nach einem benachbarren BundeSsiaai dedingt wurden. Daher tonnten sich nur wenige Wohlhabende den LuxnS einer Einäscherung gestalten. Hinzu kommt aber noch ein«: Wie Ihnen bekannt, verbietet die katholische Kirche die Ein» äscherung auf» slrenqste. Durch Veriagung der Sterbe» sakramente und des kirchlichen Begräbnisses zwingi sie viele unserer tatbolischen Freunde— zum Dorimunder FenerbestatinngS» verein gehört eine ganze Anzahl Katholiken—, von ihrer Elii» äicherung obznsehen. so daß auch in den Landesteilen, in denen die Fenerbeiiaitung zugelasien ist, die Zahl der verstorbenen Katholiken außer Betracht bleiben muß Eine allgemeine Ver- gleichnng der Erd- und Feuerbestattung in ganz Deutschland ist daber nicht angängig und muß mii Roiwendigkeit ein ichieseS Bild ergeben. Ein richtige» Bild tonn man nur da ge« wiilnen. Ivo sich die Feuerbestattung seit längerer Zeit un» gehemmt entwickeln konnte. Em Beispiel wirkt überzeugend; In Gotba, da« sich seit 1873 eine« KremalorimnS erfreuen darf, starben im Jabre 1909 378 Erwachsene. Von diesen sind nicht weniger als 203, also mehr alS die Hälfte, eingeäschert worden. Diese Zahlen berechtigen mich, Ihnen die Schlußworte Ihres Briefe« zurückzugeben: .So, Herr Gronowski. sieht das Verlangen deS deutschen Volkes au«, sick verbrennen z» lassen." Der nach M.-Gladbacher Art geschulte Gronowski hat nach dieser Abfuhr die Sprache verloren. Er wußte nicht« mehr zu er- widern._ Nachspiel einer SoldatentragSdie. Der Sohn des Hamburger Schlächtermeisters Buffian ifiar iw Jahre 1907 zu der 8. Schwadron de« vierten Garde-Ulanen-Regi- ments eingezogen worden. Am Abend des 20. September 1909 ging er nüchtern und. wie es heißt, in guter Stimmung zu Bett. Nacht» vernahmen einige Stubcnkameraden einen dumpfen Auf- schlag auf den Fußboden und ein kurzes, schwaches Stöhnen. Am nächsten Morgen wurde B. tot aufgefunden. Er war aus dem oberen Bett aus die Erde gefallen. Die Untersuchung der Leiche ergab keinen sicheren Anhalt für die Todesursache. Festgestellt wurde nur. daß im oberen Rückenmark eine Blutung stattgefunden hatte. Man nimmt an. daß durch den Ausschlag eine Verletzung des GanglienfystemS erfolgt und somit der Tod eingetreten ist. Der Körper deS Toten wies zahlreiche blaue Flecke und Striemen auf. Die eingeleilete Untersuchung lieferte aber kein Material, das darauf hätte hindeuten können, daß dritten Personen eine Schuld an dem plötzlichen Tode beizumessen sei. Das Verfahren wurde daher eingestellt. Der Vater des Verstorbenen war anderer Ansicht. Nach seiner Meinung war der Tod auf schlechte BeHand- lung seines Sohnes zurückzuleiien. Er stellte Briese des Toten zur Verfügung, in denen dieser ein ergreifendes Bild seines Jammcrlebens zeichnet. Er habe dauernd unter furchtbaren Dienst- erschwerungen und schweren Mißhandlungen zu leiden. Daraufhin wurde da« Verfahren wieder aufgenommen. ES verdichtete sich zu einer Anklage gegen den Unteroffizier der Reserve Hugo Geiling vom Landwehrbezirk ll Homburg. Er war damals Gefreiter und stellvertretender Stubenältester deS vestorbenen B. In der Ver- Handlung vor dem Kriegsgericht der 17. Division in Hamburg wirft die Anklage ihm vor, als stellvertretender Stubenältester in allermindestens 20 Fällen dem B. mit der Faust ins Gesicht ge- schlagen, in mindestens 10 Fällen den Toten, der oft nur mit dem Hemd bekleidet war, mit der Klopfpeitsche verprügelt, ihm weiter mit einem Deckengurt Hiebe über den Hinterkopf verabreicht zu haben. Zuweilen soll er dem B. die Schuppenketten übermäßig fest über Las Kinn aeNammerk, auch ihn LeS Nachts aus dem Bett haben aufstehen uno seine Sachen vorzeigen lassen. Auch dabei soll es Hiebe mit der Klopspeitsche geregnet haben. Endlich habe B. in mindestens Ist Fällen 3 bis 4 Tage länger Stubendienst machen müssen. Der Angeklagte gibt die ihm zur Last gelegten Mißhandlungen im allgemeinen zu und bestreitet oftmals nur deren Umfang. Der Angeklagte räumt auch ein, daß er B. mit einem Rohrstock ge- schlagen habe; der ganze dritte Jahrgang habe einen solchen Stock besessen. Auch habe er. der Angeklagte, den Verstorbenen vor den Bauch und gegen die Schienbeine getreten. Die Verlängerung des Stubendienstes sei in den meisten Fällen von dem Unteroffizier Fischer angeordnet worden. Zu der Verhandlung waren nur die Eltern des Toten als Zeugen erschienen. Sämtliche übrigen Zeu- gen waren kommissarisch vernommen worden. Das Gericht glaubte, auf die persönliche Vernehmung sämtlicher Zeugen, deren Wohn- sitze sich über ganz Deutschland verteilen, nicht verzichten zu können, und ordnete deren Ladung an. Außerdem sollen die Berittführer, die Unteroffiziere Sandt, Hering und Fischer, sowie der Wacht- meister und Rittmeister der 3. Schwadron geladen worden. Durch die unmittelbare Zeugenvernehmung soll festgestellt werden, in welchen Fällen der Angeklagte als Vorgesetzter die Mißhandlungen begangen hat. Er behauptet nämlich, die Mehrzahl der Mißhand- lungen habe er als Kamerad verübt. Deswegen kann er, da der Tote einen Strafantrag nicht gestellt hat, nicht mehr verfolgt werden. Bemerkenswert war noch das Ergebnis der Verhand- lung, daß der Tote geistig minderwertig gewesen sei. Es ist unbegreiflich, wie man einen so bedauernswerten Menschen solchen Höllenqualen unterwerfen konnte, ohne im Laufe von mehr als 2 Jahren seinen Zustand zu erkennen. Die Verhandlung wird dann auf unbestimmte Zeit vertagt. Kasernenkultur! Die Mißhandlungen der Rekruien durch die im dritten Dienst- lahr siebenden.alten Leute" nehmen kein Ende. Die meisten dieser Roheiten werden gar nicht bekannt, weil sie entweder gar nicht ge> meldet oder disziplinarisch.gesühnt" werden. Auch beim Huiarew Regiment Rr. 18 in Großenhain scheinen derartige Mißhandlungen oft vorgekommen zu sein, denn vor kurzem drohte ein im zweiten Iah, gang stehender Soldat den Dreijährigen, daß sich das Bläitcben mal wenden werde. Diese.Dreistigkeit" des Husaren Lohse brachte die.allen Leute" in helle Wut und es wurde beschlossen, L. am Abend in der Stube.zur Rede zu stellen". Schon vorher wurde dem Soldaten gesagt, daß er am nächsten Tage ins Lazarett wandern könne I Die im dritten Diensljahre stehenden Husaren Mahn, Neef, Haide, Siebenhüner und Wohlfahrt gingen auch tatsächlich in Lohses Stube und fielen dort über ihren Kameraden her, ihn un menschlich mit den Fäusten bearbeitend; die Schläge, von denen jeder zirka 10— IS austeilte, trafen haupiäctilich Rücken und Hinterkopf. Auch als der Mißhandelte ichon an, Boden lag, schlugen dieie Rohlinge noch auf ihr Ovfer ein Einer bediente sich dabei eines Riemens und ein anderer gab F.u ß t r i t l e. Die Hiebe klatschten nur so; der Mißhandelte blutete stark und hatte 14 Tage long Schmerzen. Das Dresdener Kriegsgericht ließ eine unverständliche Milde walten:«s verurteilte zwei der Rohlinge zu j e« i n e r W o ch e, die übrigen drei zu je fünf Tage» GefängniSll ES berücksichiigre zugunsten der Angeklagten, daß sie gereizt waren(11) und der Miß handelte nur unerheblich(1 1) verletzt worden sei I Der Husar ESpich von, selben Regiment erhielt vier Wochen Gefängnis, weil er einen Soldaten derart geschlagen hatte, daß dieser vier Wochen im Lazarett und dienstunfähig war. l)ie peHttcKe Krife. Teheran, 19. Dezember. Man hegt hier ernste Besorgnisse wegen eines niöglichen Zusammen st oßes zwischen Ruß l o n d und der Türkei. Die Pforte wurde verständigt, daß russische Truppen einen Vorstoß gegen Schot gemacht haben. Man erwartet, daß die russischen Truppen bei K a S w i n am Tonnerstag gegen Teheran aufbrechen werden. Die Truppen des früheren Schahs sind ebenfalls im Vormarsch gegen Teheran begriffen und befinden sich nur noch wenige Tagemärsche von der Hauptstadt entfernt. Die Frauen von Teheran haben den Mliiisterpräsidcnten wissen lassen, daß sie bereit sind, ihre Juwelen zn verkaufen, um die nationale Sache zu verleidigen. Sie fügten hinzu, daß sie auf die Männer schießen iverden, wenn diese sich weigerten, sich zu schlagen. S h u st e r telegraphierte an den Führer der Mullah. daß er nach Möglichkeit veranlassen werde, dem Sturm auf die Staatsbank Einhalt z» tun. Rußland. Echtrusscu als Mörder. Petersburg, 13. Dezember. Die Sozialdemokraten brachten in der Duma eine Interpellation ein beti effend die Ermordung des Duinamitgliedes Karawaew. Die Jnter- pellation beschuldigt mehrere Mitglieder der gegen iv artigen Duma, an der Ermordung be- teiligt gewesen zu sein. Nach einem Hinweis deL Regierungsvertreters. daß der Prozeß über den vor drcl fahren geschehenen Mord endgültig abgeschlossen worden fei, führten einige Mitglieder der Rechten aus, die Interpellation entbehre jeder tatsächlichen Unterlage. Die Jilterpellation wurde daraufhin abgelehnt. Sei' Krieg. Abtretung von tripolitanischcn, Gebiet a« Aegypten. Paris» IV. Drzember..Eclair' berichtet auS Rom: An kompetenter Stelle wird bestätigt, daß die Türkei da» Gebiet von Solum an die ägyptische Regierung abgetreten hat. und diese sofort Truppen zur Besetzung dieses Gebietes entsenden wird. Die Besetzung ist de», italienischen KabniettS' chcf zur Kenntnis gebracht worden. Die Nachricht wird in Italien wahrscheinlich einen Ausbruch lebhafter Eni- tüstung gegen England heivorruten, da sich die englische Regierung hinter der ägyptischen befindet. DaS Gebiet von Solum Umfaßt 300 Kilometer der Küste von Cyrenaita. In gewifien italienischen Kreisen heißt eS, diese» Abkommen sei bereit« in einein Geheimverirag zwischen England und Italien vorgesehen worden. Sie ßevoliilion in China. Die Friedensverhandlungen in Schanghai. Schanghel, 19 Dezember. Die gestern abgehaltene erste Sitzung der Fnedenskoiiferenz dauerte 4'/z Standen und beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Proteste der Revolutionäre ivegen des Bruches de« Waffenstillstandes durch die Kaiserlichen. Im allgemeinen war der Ton des ersten BerhandlungStageS sehr freundlich gehalten. Der Vertreter der Regierung. Tang Ghao D i, gab dem Wunsche Ausdruck, er werde den revolutionären Forde- rungen beistimmen, wenn fi« von einer militärischen Besetzung der Mandschurei in gntunfl Abstand nähmen. Diesen Vorschlag hielt er zunächst aufrecht, mußte schließlich aber doch dem Drängen der Revolutionäre nachgeben und willigte in die Srsüllung sämtlicher Forderungen der Revolutionäre ein. Er sandte sofort ein Telegramm an Juanschikai. in dem er diesem mitteilte, daß die Feindseligkeiten. seien und baß ferner die Offiziere, die des Bruches de» Waffenstillstandes schuldig befunden werden, bestraft werden müssen. Er machte dann schließlich den Revolutionären den Vorschlag, eine neue Konferenz einzuberufen, wenn von Juanschikai zusriedenstellende Ber- sicherungen eingetroffen seien. Dieser wurde jedoch von den Revo- lntionären abgelehnt. Viel bemerkt wird, daß daS BeglaubigungS- schreiben Tang Shao Di im Nomen JuanichikaiS und nicht sin Namen der kaisecliche» Regierung überreicht wurde. Der allgemeine Eindruck ist der, daß. wenn die gestrige Haltung des RegierungS- Vertreters die Meinung der kaiserlichen Partei ist. so wird ein Arrangement auf revolutionärer BafiS möglich fein. Sie lilaroMuverhanSIiingen. Die Debatte in der französischen Sammer. PariS, lg. Dezember. Kammer. Die Besprechung des deutsch- französischen AblommenS wird wieder aufgenonimen. Charles B e n o i st bezeichnet das Abkommen als mittelmäßig— aber es sei so. wie es eben sein konnte. Sein größter Fehler sei. daß es keinen Abschluß bringe. Charles Bei, oist verlas dann eine Mitteilung Leon di CastilloS über die Beharrlichkeit, mit der Delcasfü darauf bestanden habe, mit Spanien und England zu verbandeln. Ferner wies er daraus hin. daß der.Jmparcial" vom 10. Mai 1904 einen Brief Silvelas vom Jahre 1902 veröffenilichie, worin dieser erklärte, er habe keinen Berlrag unterzeichnet, weil er England nicht übergeben wollte JanräS: Also hat man überMarokko unterUeber- gehung Englands und dann unter Uebergehnng Deutschlands verfügt! Charles Benoift fuhr dann fort, der Fehler fei gewesen, daß man Frankleich seit dem Jahre 1904 gebunden habe. Man könne gar nicht genug die begangenen Fehler bedauern: Im Jahre 1902 der Vertrag mit Spanien hinter dem Rücken Englands; im Jahre 1904 der Vertrag mit England hinter dem Rücken Deutsch- landS; im Jahre kvOb das hartnäckige Stillschweigen gegenüber Deutschland. Diese Fehler bezahlt man heute mit französischem Territorium. Sodann sprach JaurdS über das ungeheure Mißverhältnis zwischen dem niarotkanische» Traum und den er- zielten Ergebnissen. Wenn die Anreger der Marokkopolink hätten voraussehen können, daß diese Politik dreimal daran war, einen Krieg zu entfesseln, und daß Frankreich einen Teil deS Kongo für das halb iiiternalionate Proteklorai über Marokko werde be zahle» müssen, noch dazu verlürzt um das Stück am Miitelläudiichen Meer, daß man ferner Italien in Tripolis neben den Italienern Tunesiens sich einrichten lassen werde. und Spanien am Muluja neben den Spaniern O r a n s. daß man in die marokkanische Erde die Wurzel der wirtschafilichen Macht Deutschlands icnlen werde, dann, glaube er, hätte sich ihr Eifer etwa» abgekühlt. Die marokkanische Bank sei ein wirklicher curopäiicher Rat. Da« Abkommen werde einer deutschen Kolonie gestatten, sich in Morolko einzurichten und die dortigen Bergwerke auszubeuten. Wenn zwischen Froiikreich und Spanien Juierpretalionsschwierigkeiien entstehen sollten, dann würde man sich des Fehler» bewußt werden, der begangen wurde als man mir der AlgeciraSakte das einzige AuSdrucksmittel der inlernaiioiialeii Meinung fälschte. Italien suche Tripolis zu ver- schlingen. Rußland gehe an die Teilung PersienS, Oesterreich mache, wenn man den Blättern Glauben schenke, seine Zustimmung von der Ziilasiuiig c>i'er Anleihe in Frankreich abhängig. Minister des Aenßern de S e l v e S: Der österreichische Bot- schafrer hat ioeben aus eigenem Antriebe einen Zniammenhang zwischen der Frage einer Anleihe und der Zustimmung femeS Lande« in Abrede gestellt. Jaurös: DaS ist kein formelles Dementi der Zeitung» mitteiluiioen. Minisierpräsident Caillanx: Spielen Sie nicht mit Worten. Niemal» ist von einer finanziellen Leisrniig die Rede gewesen.(Beitall.) Innres: Do« if, ebenso uiizweideulig, wie e« im Widerspruch zu der Erliäriing deS Minister« de Selveö steht. Minisler deS Aenßere» de SelveS: Ich wiederhole: Der österreichische Bolschnsier bat mir erklärt, daß die beiden Frage» »iemals»liteinander vermeugt worden sind und daß die Zusliinmung Oesleireich« vorbchaliloS ist. D e l a h a y e: Und die finanziellen Besprechungen mit Deutschland? Pourguerd de Boisserin: Ofine daß ein Verrat be- gangen wird, werden die deutschen Werte niemals an der Pariser Börse zugelassen werden. JaureS: Der französischen Diplomatie fehlte es an Klugheit und Bescheidenheit. Nichts war besser als die Wiedervcrsöhming Frankreichs mit Italien und mit England. Aber es war un- geschickt, daß mar» die Empfindlichkeit Deutschlands in dieser Be- ziehung geweckt hat. Deutschland hat das Mißgeschick gehabt, immer eine Großmacht zu sein, die zu spät gekommen ist. Die deutsche � i p I o m a t i e ist nicht von Vorwürfen freizusprechen, sie hat manchmal ein brüskes Verhalten an den Tag gelegt. aber sie hat die Mäßigung gewahrt, auf die eS ankommt.(Beifall auf der äußersten Linken, leohafter Widerspruch aus zahireichrn Bänken.) « Paris, 19. Dezember.(Privattelegramm de»„Vor- wärtS".) Genosses J au res redete zlvei Stunden unter steigen- der Unruhe deS Hauses. Als er sagte. daS Abkommen entspringe nicht den Machtverhältnissen, sondern der Idee des Rechts, erhob sich auf der Rechten eine minntenlange Sturmszene. Später erhielt Ja u r ä S einen O rd n u n g S r u f. als er vor der Verletzung der Loyalität warnte, demonstrierte die Mehrheit mit Rufen und Pultdeckeln, worauf JaureS sagte, solche patrio« tischen Demonstrationen charakterisieren immer die Parteien, die Frankreich inö Verderben stürzten. Jetzt entstand ein furcht- barer Tumult; während die Sozialisten applaudierten, strömte die radikale Linke aus den Bänken, um den Saal zu Verlassem Sie bleibt aber auf halbem Wege stehen und kehrt in den Saal zurück, worauf JaureS vor dem ruhigeren Haufe gegen die Geheimverträge sprach, die Frankreich dahin brachten, Ver» letzungen des internationalen Rechts in Bosnien, Tripolis und Persien zu gestatten. Die Sitzung wurde um M7 Uhr abgebrochen. Jauräs wird morgen weitersprcchcn. In der belgischen Kammer. Brüssel, 19. Dezember. In der heuligen Sitzung der Kammer schnitt der Abgeordnete Frank(lib.) die Marokkofrage an und verlangte, die Regierung möge dem Parlament alle Doku- m e n l e uuterbreiien. Der M i n i st e r de» Leußern D a v i g n o n erklärte darauf, Belgien werde dem deutsch- franzöiiichen Abkommen beitreten, wen» die andern Länder ihre Znstimnniiig gegeben hätten. Artikel 16, betreffend den d e l g n ch e n K» n g o. sei der belgischen Regierung nicht vor- her miigeteilt worden; er ändere auch nichts an der internationalen Lage Belgiens; daS Parkaufsrecht aus de» Kongo könnte nicht zediert werde». AniieklionSgeliiit« auf den Kongo beständen nirgends, da« hätten di« diplomatischen Vertreter Deutschlands und Frankreichs ausdrücklich bestätigt._ Hus der Partei. Die Gcmeindercitswahlen in Württemberg. Noch sind die Gemeindcratswahlen in Württemberg nicht be- endet; sie dauern fort bis zum Schluß dieses MonalS. Aber Ichon im Hinblick auf die aus der ersten Monatshälfte vor- liegenden Ergebnisse läßt sich im allgemeinen ein starkes Fort- breiten der Sozialdemokratie fest st eilen, baS sich bis jetzt in 70 Orten etwa 110 sozialdemokratische Ge- meinderäte gewählt. Gewiß ist jetzt schon, daß mehr als 60 Sitze neu erobert worden sind. Em auffallender Zn der diesjährigen Wahlen ist die überaus starke Wahlbeteili- g u n g, die ihren Grund hat im Vordringen der Sozialdemotracie. In den Städten, in denen die Sozialdemokratie Aussicht auf Erfolge hat, wird jetzt eine Wahlbeteiligung von 90 Proz. und darüber er- zielt, während vor 10 Jahren mehr als 60 Proz. noch zu den Seltenheiten gehörten. Auch die Proporzwahl, die in Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern Anwendung findet, steigert die Wahl- bcterligung, da die Stimmenbäiiiung die persönlichen Anhänger der einzelnen Kandidaten zum Aufbringen einer möglichst großen Zahl von Wählern anreizt. Da die auf diese Weite für den einzelnen Kandidaten gewoimenen Stimmen dem Wahlzettel seiner Partei zugute kommen, erreichten die bürgerlichen Parteien in manchen Fällen eine größere Stimmenzahl als sie erwartet hatten. Neben dem Stuttgarter Ergebnis, das die bedauerlichen tiefgehenden Gegensätze in der Stuttgarter Parteibewegung offen hervortreten ließ, sind von den bisher vorliegenden die folgenden Neiullale besonder« bemerkenS« wert: Je vier Parteigenossen wurden gewählt in Münster bei Cann« statt und in Birkenfeld bei Pforzheim. Durch drei neueroberte Sitze erreichten unsere Parteigenossen im Gemeinderat von Hadelfingen bei Caimstalt die Mehrheit. Der Eßltnger Reingewinn von drei Mandaten wurde schon berichtet. Anch in Heibronn wurde untere Rathausverlrelung um drei Mann verstärkt, so daß dort unter zwanzig Mitgliedern acht Sozialdemokraten_ sind. In Schwenninge» wurden drei Genosien wiedergewählt, auch in Heidenheim, Böckingen bei Heilbronn und mehreren kleineren Orten fielen uns je drei Sitze zu; je zwei Sitze eroberten wir u. a. in Böblingen. Holl, Metzingen. Göppingen, Ulm. Zuffenhausen, Teil- fingen und Tuttlingen. Von den Städten, in die schwer einzudringen mar. in denen wir aber jetzt teil« den ersten Verireter erkämpften, teils unsere ichwache Verlrening um je einen Genossen verstärkten, möge» genannt sein: Ludwigsbung. Tübingen, Oberndorf. Gmünd, Ravensburg(im schwarzen Oberlmrd), Kirchheim, Ebingen, Bietig« heim, Aalen, Neuenburg und Backnang. Man beachte, daß bei den würllembergischen Gemeinderatswahlen vollständig gleiches Wahlrecht gilt, daß aver der Wähler das Bürgerrecht besitzen muß. das der Zugecogene erst im vierten Jalire der ununterbrochenen Lrls- ansässigleit gegen eine Gebühr von 2 M. erwerben kann. Eine WahlrechtSaktion in Wien. In Wien find im nächsten Jahre GemeinderatSwahlen und eS wird sich dabei vielleicht da« Fiasko der Christlichsozialen auf ihrem eigensten HerrschaflSgebiet wiederholen. Um dem vorzubeugen, habe» einige Schwarze jüngst einen Proporzautrag gestelll, der aber an dem Schaiidwahlrcchi selbst nichts ändern will. Nun haben unsere Genosien im Wiener Gemeinderat einen prinzipiellen Wahl- rechiSaiilrag gestellt, der das allgemeine, gleiche Wahlrecht mit solchen Wahlbezirken fordert, daß je vier Berlreter auf 60 000 Einwohner kommen. Durch den Proporz soll allen Schichten und Parteien ge» rechte Berlrelung gesichert werden. Auch für die Bezirks» verrrctungeii wird dieies Wahlrecht entsprechend gefordert. DaS beutige Wiener Gemeindcivahlrecht ist beispiellos. ES gibt vier Wahlkörper. In die drei oberen kommen alle, die mehr als 20 Kronen Einkommensteuer zahlen(entsprechend eiiiem Einkommen von 2000 Kroneil). in den vierten alle Wähler der eriren drei Wahlkörper und— das Volk: nämlich alle Gemeinde- Mitglieder mit geringerer oder ohne direkte Steuerleistung, die ja in Oesterreich erst bei 1200 Kronen Einkommen beginnt' dieses„Volk" muß jedoch die dreijährige Ansässigkeit in Wien haben. Und nun haben die drei Bourgeoiswahlkörper anderthalbhundert Gemeinderäte, der vierte aber nur zwanzig! Und so hat die Sozialdemokratie, die in Wien die stärkste Partei ist, im ganzen Gemeinderat sieben Vertretet. n über da» ganze Land erstreckt. Vereinzelt sind allerdings auch Eni- in allen Teilen des Reiches feilen» der Kaiserlichen einzustellen! täuschungen und direkte Mißerfolge zu verzeichnen. Im ganzen sind Soziales. Praktische Kurse über die neue NeichSversicheruug werden zu Beginn des nächsten JahreS bei der» Berliner TchiedS- gerichteu für Arbeiterversicherung, die nach dem Inkrafttreten der Reichsversicherungsordnung als preußisches Oberversicherung Samt fungieren werden, in erweitertem Maße als bisher stattfinden. Während bisher an diesen Kursen nur Mediziner und BerwaltungS- beamte teilnahmen, sollen künftig auch weiter« Interessenten, wie Juristen, Theologen und Techniker, zu diesen Kursen zugelassen werden. ES ist beobachtet worden, daß gerode diese Kreis« auch heute noch nicht genügend imstande sind, denjenigen, die auS der staatlichen Versicherung Rechtsansprüche herleiten wollen, mit fach» gemäßem Rat zur Seite zu stehen. Zurzeit erstreckt sich die Tätig- keit der Berliner Schiedsgerichte für Arbeiterversicherung aus die Rechtsprechung, die sich aus Streitigkeiten zwischen Renten. bewerben, und Versicherungsträgern auf Grund behaupteter gemin. derter Erwerbsunfähigkeit oder Invalidität ergeben. Nach dem In- krafttreten der Reichsversichcrungsordnung werden sich die Ober- Versicherungsämter auch mit der Entscheidung von Streitigkeiten, die auf der Kranken- und Hinterbliebenenversicherung fußen, zu be» fassen Hadem Die praktischen Kurse sollen zunächst auS vier kurzen theoretischen Vorlesungen von je einer Stunde Dauer bestehen, wobei Verletzte, deren Fall besonderes ärztliches oder juristisches Interesse erregt, zur Vorstellung gelangen. DaS Hauptgewicht wird aus die Praxis, auf die Teilnahme der Hörer an den öffentlichen Gerichtssitzungen gelegt. Ferner ist noch beabsichtigt, im Anschluß an die Kurse eine Reihe größerer Betriebe zu besichtigen, um den Teilnehmern Gelegenheit zu geben, den Arbeiter bei der Arbeit sehen und kennen zu lernen. Die Teilnahme an den Kursen steht jedem Interessenten frei, die Kurse finden in Charlottenburg, Berliner Straße 11, statte Schadenersatzklagen gegen Thyssen. Durch eine im Bereich der Thyssenschen Wasser» leitung ausgebrocliene Typhusepidemie, die in den Ge» meinden der Emscherniederung massenhaft Opfer gefordert hat, sind eine Anzahl Kommunen enorme Kosten für Barackenbau und dergleichen entstanden. Die be- teiligten Gemeinden werden nun gegen die Firma Thyssen klagbar vorgehen._ Mißwirtschaft in einer„christlichen" Krankenkasse. In der Altenessener Ortskrankenkasse„herrscht" da» Zentrum unumschränkt. Sowohl die Vertreter der Unternehmer als die der Arbeiter sind waschechte Zentruinsleute. Die Unternehmervertreter wählten, nun in der kürzlich stattgehabten Generalversammlung in den Vorstand einen Avothekenbcsrtzer Walther au» Altenessen, der schon lange mit der Kasse in Geschäftsverbindung steht, die er natürlich aufrechterhält. Ist es nun schon ein sehr bedenklicher Zu» stand, daß ein Lieferant einer öffentlichen Institution zugleich sein eigener Austraggeber ist— bei den Kommunen ist daS bekanntlich durch Gesetz ausgeschlossen—. so wird diese Tatsache noch bezeich- nender dadurch, daß der Apothekenbesitzer 1910 sich bereit erklären mußte, der Kasse 1600 M. Schadenersatz zu zahlen und zugleich eine Erklärung abzugeben, in der er bekennt, wiederholt statt der verord- neten Originalpräparate wesentlich billigere Ersatzmittel verbraucht zu haben, statt destillierten Wassers Leitungswasser verwendet, statt Olivenöls billigeres Sesamöl vermischt zu haben usw.. natürlich alles unter Anrechnung der höheren Preise. Als diese Geschichte ruchbar wurde, traten Apothekerverein und Apothekerkammer für den Mann ein. Ein Strasberfahren endete mit Freisprechung. Und diesen Herren wählen jetzt die„Christen" als geeignetes Vorstandsmitglied der von ihm über den Löffel barbierten Krankenkasse. Man begreift, daß die ZenbrumSmannen solche Zu. stände mit dem Geschrei über die.sozialdemokratische Mißwirt» schast' in den Krankenkassen verhüllen müfiem GewcrkfcbaftUcbeo. Berlin und Qmgegend« HrbcCtsfchtuß am Cage der Reichstagswabl in den Berliner Ringbrauereien. Auf Antrag des Verbandes der Brauerei- und Mühlenarbeiter 'lOrtsverwaltung Berlin) und des Kartells der in den Brauereien Berlins und Umgegend vertretenen Handwerker- und Transport- arbeiterorganisationen hat der Vorstand des Vereins der Braue- reien Berlins und Umgegend beschlossen,..den Vereinsmitgliedern zu empfehlen, am Tage der Reichstagswahl(12. Januar 1812) das Gros der in den Vereinsbrauereien tätigen Arbeitnehmer von 7— 3 Uhr bei normaler Frühstückspause und einer halbstündigen Mittagspause zu beschästigen, und denjenigen Arbeitnehmern, deren dauernde Anwesenheit im Betriebe während der Wahlzeit unerlätz- lich ist, Gelegenheit zu geben, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen". Indem wir vorstehendes zur Kenntnis unserer Vertrauens- männer und Mitglieder bringen, ersuchen wir alle Kollegen, und speziell die Kollegen vom Fahrpersonal, dahin zu wirken, daß sie am Tage der Reichstagswahl spätestens um 3 Uhr nachmittags den Betrieb verlassen und unbehindert ihr Wahlrecht ausüben können. Der gleiche Antrag ist allen übrigen Brauereien Berlins und der Umgegend zugegangen; das Resultat wird unseren Kollegen nach Eingang der Antworten der Brauereien mitgeteilt werden. Ebenso wird nach Eingang sämtlicher Antworten der Brauereien unseren Mitgliedern zur Kenntnis gebracht, welche dem Verein der Braue- reien Berlins und der Umgegend nicht angehörenden Brauereien die Teuerungszulage bewilligt haben. Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter, Ortsverwaltuug Berlin. I. A.: Ludwig Hodapp. Kartell der in den Brauereien Berlins und der Umgegend vertretenen Handwerker- und Transportarbeitrrorganisationen. I. A.: A. Werner. ck>ie Tarifbewegung in der Stapel-Herrenkonfektion. Obwohl es nach den Vorgängen der letzten Wochen und der Gründung einer besonderen Organisation der Zwischenmeister in der Stapelkonfektion kaum noch möglich schien, auf friedlichem Wege zum Abschluß eines Tarisvertrages für die bei ihnen beschäftigtM Arbeiter und Arbeiterinnen zu gelangen, ist es am Donnerstag voriger Woche auf Wunsch der Zwischenmeister doch von neuem zu Verhandlungen zwischen den Kommissionen beider Parteien gekommen. Ueber das Ergebnis berichtete Krienke am Montag in einer zahlreich besuchten Versammlung der Arbeiter und Arbeite- rinnen der Stapelkonfektion, die in den„Königssälen" stattfand. Die wichtigste Forderung, über die Uneinigkeit zwischen den Par- teien bestand, war die der Abschaffung der Pensumarbeit. Es ist nun allerdings auch bei den neuen Verhandlungen nicht gelungen, diese Forderungen zur Anerkennung zu bringen, jedoch haben die Meister sich bereit erklärt, bestimmte Garantien gegen eine über- mätzige Ausdehnung des Arbeitspensums tariflich festzulegen. Wenn in einer Werkstätte die Auffassung besteht, datz das verlangte Pensum zu hoch ist und nicht in der zehnstündigen Arbeitszeit er- ledigt werden kann, soll zunächst durch Verhandlungen mit dem Meister, wenn nötig unter Teilnahme der Organisationsvertreter, versucht werden, eine Einigung zustande zu bringen. Gelingt dies .Nicht, so tritt die im Tarif vorgesehene Schlichtungskommisiion in Tätigkeit und demgemäß hat als oberste Instanz das Tarisamt über das Pensum zu entscheiden. Das Pensum mutz so bemesien T?ln, datz es innerhalb der zehnstündigen Arbeitszeit erledigt werden kann. Diese Bestimmungen sollen für die Werkstätten gelten, wo die Pensumarbeit besteht, wo dies nicht der Fall ist, darf sie nicht eingeführt werden. Im übrigen sollen die Schlichtungsinstanzen im Janurar 1313 darüber entscheiden, ob die Pensumarbeit über- Haupt noch weiter bestehen bleiben soll. Ferner erklärten die Ver- treter der Meister sich bereit, im Tarif festzulegen, datz die Arbeits. zeit an den Sonnabenden und am Tage vor Feiertagen um 5 Uhr endet, wie es schon jetzt meist der Brauch ist. Der Lohn ist bis Schluß der Arbeitszeit auszuzahlen, und wenn das nicht geschieht. ist jede angefangene Stunde voll zu zahlen. Die Arbeitszeit beginnt morgens 7 Uhr und dauert mit l!& Stunden Pause im übrigen bis QMi Uhr. Hinsichtlich der geforderten Gleichstellung und Er- höhung der tariflichen Löhne der Bügler und Stepper machten di� Meister das Zugeständnis, sie für die Betriebe, wo mehr als fünf Personen beschäftigt sind, gleichmäßig auf 42 M. festzusetzen, jedoch nicht für die kleineren Betriebe. Die Zugeständnisse der Meister bieten somit nicht das, was die letzte Versammlung der Arbeit- nehmer für dringend notwendig erachtete, und deshalb konnte die Kommission bei den Verhandlungen eine bindende Erklärung nicht abgeben. Der Redner betonte jedoch, datz wenn nun auch nicht alles erreicht sei. was die Arbeiter als recht und billig verlangten, der Tarif doch so große Vorteile biete, datz man vielleicht über die Mängel hinwegsehen könnte. Schließlich bemertte der Redner noch, datz seine Aeuherung in der vorigen Versammlung, Herr Heinrich Joseph habe in der Zwischenmeisterversammlung die Forderungen der Gesellen frivol oder unverschämt genannt, inso- fern aus einem Irrtum beruhe, als es nicht Herr Joseph, sondern ein anderer Zwischenmeister war, der diese Aeutzerung fallen ließ. In der sehr regen Debatte, die bis spät in die Nacht dauerte, sprachen sich die meisten Redner dahin aus. datz die Zugeständnisse der Meister, namentlich soweit die Forderung auf Abschaffung der Pensumarbeit in Frage kommt, unzureichend seien, und daß viel- leicht eine allgemeine Arbeitsniederlegung notwendig werde, um zu geregelten und erträglichen Arbeitsverhältnissen zu gelangen. Andererseits wurde jedoch hervorgehoben, datz der Tarif immerhin einen sehr anerkennenswerten Fortschritt gegenüber den bestehenden Verhältnissen mit der 11-, 12-, ja Illstündigen Arbeitszeit bedeute, und datz es wesentlich an den Arbeitern selbst liege, durch festes Zusammenhalten in der Organisation dafür zu sorgen, datz auf Grundlage des Tarifs eine befriedigende Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Stapelkonfeltion erreicht, und auch die Pensumarbeit endgültig abgeschafft wird. An der Versammlung nahmen auch die Kommissionsvertreter der Zwischcnmeister teil und griffen ebenfalls in die Debatte ein. Es wurde schlietzlich folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung erklärt sich mit dem Verhalten ihrer Kommission einverstanden, und sie erklärt ferner, datz sie nach wie vor in der Abschaffung des Pensums die beste Gewähr für eine Gesundung der Arbeitsverhältnisse in der Stapclkonfektion erblickt. Die Versammelten stehen aus dem Standpunkt, datz auch die nunmehrigen Vorschläge nicht allen Ansprüchen genügen, die Arbeiter und Arbeiterinnen zu stellen berechtigt sind, und beauftragen die Kommission, alles daranzusetzen, um die Möglich- keit einer gerechten Regelung herbeiführen zu können. Um aber die Kommission in wirksamer Weise zu unterstützen, erklären die Versammelten sich bereit, alles aufzubieten, um die Ogani- sation so zu stärken, datz die berechtigten Forderungen verwirk. licht werden können." Parteigenossen. Raucher! Beachtet die Veröffentlichungen im „Vorwärts". Fragt beim Einkauf von Zigarren nach den grünen Plakaten, unterschrieben Alwin Schulze! Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Achtung, Fleischcrgrseven! Wegen Matzregelung der beiden organisierten Kollegen ist der Betrieb des Flcischermeisters K, P i e w e g. Stcttiner Straße 23. für unsere Mitglieder gesperrt. — Ferner teilen wir mit. datz Herr K a s m i r S k i den Tarif ehren- wörtlich anerkannt hat.— Die Fleischermeister H e m p e in Rixdorf. Hermannstr. S7, und I o ch m a n n in Rixdorf, Ziethenstr. 41. haben den Tarif nicht anerkannt. Die beiden Herren beabsichtigen, die Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Firmen, die den Tarif anerkannt, zu zwingen, die Unterschrift wieder zurückzuziehen. Um dies zu erreichen, wollen sie das Fleisch eine Zeitlang S— 10 Pf. billiger verkaufen, um so den Tarisstnnen die Kunden zu entziehen. Es bleibt abzuwarten, ob die Kunden auf diesen Trick eingehen werden. Der Plan der Herren beweist, daß sie in der Lage sind, den Gesellen zeitentsprechende Lohn- und Arbeitsbedingungen zu geben, und datz das Gerede von den hohen Gesellenlöhne nur zur Irreführung des Publikums benutzt wird. ' Zentralverband der Fleischer. Die selbständigen Friseure von Nowawes beschlossen aus Antrag der Gehilsen, am zweiten Weihnachtsseiertag die Geschäfte ge- schlössen zu halten. Um Unterstützung dieser Maßnahme seitens der organisierten Arbeiter wird gebeten. OeuvIcKes Reich. Achtung, Schiffszimmerer! In Havelberg haben die Schifsszimmerer den Tarif zum 31, Dezember d. I. gekündigt, jedoch keine Lohnforderung gestellt. Jetzt kommen die Unternehmer und legen den Arbeitern ein Schriftstück vor. nach dem sie sich verpflichten sollen, das ganze Jahr 1912 für den allen Lohnsatz von 4! Pf. pro Stunde weiter zu arbeiten. Dieses Schriftstück sollten sämtliche auf den Havelberger Werften bcschästigten Schissszim- merer und Hilfsarbeiter unterschreiben. Wer nicht unterschreibt, der ist zum 1. Januar 1912 gekündigt. Die Arbeiter haben die Unterschrift einstimmig abgelehnt. Wenn die Unternehmer sich nicht eines Besseren besinnen, dann ruht nach dem 1. Januar die Arbeit aus den Werften in Havelberg. Lasse sich nun kein Schiffs- zimmerer oder Hilfsarbeiter durch Versprechungen der Meister ver- leiten, dort in Arbeit zu treten, ehe die Sache als geregelt bekannt gegeben wird. Der Zuzug ist schon jetzt streng fernzuhalten nach tzavelberg. Ein Kampf um den Arbeitsnachweis im Baugewerbe zu Nordenham wird mit zäher Ausdauer weitergeführt. Die Unternehmer versuchen, aus Deutschland Arbeits- kräfte(Maurer und Arbeiter) nach dort zu bekommen. In Hannover ist im Arbeilsnachweisbureau der Unter nehmer ein Plakat aus- gehängt, wonach Maurer nach Nordenham bei zehnstündiger Arbeits- zeit gesucht werden. Am Orte selbst sind arbeitslose Maurer und Arbeiter genug vorhanden. Die Unternehmer bringen jeden, der ohne Arbeitsnachweis Arbeit gefunden hat. durch die schwarze Liste wieder aus der Arbeit. Der Sekretär der Unternehmer gab in der Sitzung des Bezirksschiedsgerichts zu, einen Maureimeister brieflich aufgefordert zu haben, eine» Gesellen wieder zu entlassen. Das geschah auch, obgleich im Tarlfverlrag der Z 10 Abiatz 2 lauter: „Die Einstellung und Entlassung steht im freien Ermessen des ein- z e I» e n Arbeitgebers". Obgleich in diesem Falle der Unternehmer von seiner Organisation gezwungen wurde, den Maurer wieder zu entlasten, fällte das Beza ksschiedsgericht mit drei gegen zwei Stimmen den Beschluß: „Die Entlassung des Maurers.... durch den Maurer- meister.... ist um deswillen lein Verstoß gegen den Tarif- vertrag, weil es sich hierbei um eine Maßregeliing zur Erkänipfung des Arbeitsnachweises Nordenham durch die Ardeitgeber bandelt und der Arbeitsnachweis anßeihalb des Tarifvertrages steht. ES handelte sich nicht darum, G... aus jeder Stellung zu bringen, ihm war beim Passieren des Arbeitsnachweises auch die Arbeil bei seinem alten Meister wieder in Aussichi gestellt." Aus Grund dieses Spruches nahinen die Unteinehiner das Recht in Anspruch, jeden, der ohne ihren Arbeitsnachweis Arbeil gefunden hat, wieder aus der Arbeit zu treiben. Hieraus ergibt sich aber das Recht für die Arbeiter, jeden der durch den Nachivcis der Unter- nebmer in Nordenham in Arbeit tritt, wieder aus der Arbeit heraus- zuholen. Für das VertragSgebiei Nordenham sind sänitliche Arbeits- nachweise Deutschlands gesperrt. Die Bauarbeiter werden gewarnt, sich durch Arbeitsnachweise etwa in Hannover, Berlin, Bremerhaven und andere nach Nordenham locken zu lassen. Die Arbeitsniederlegung der„Biktoria"-Angestellten in H a m- bürg ist, wie uns vom Verband der Bureauangeslellten mitgeteilt wird, noch nicht erfolgt, da ihre Kündigungsfrist erst am 31. De- zember abläuft. Der Kampf in Hamburg wrrd vom Verband der Bureauangestellten geführt. Die Mälzereiarbeiter in drei Malzfabriken von Köln und Um- gebung haben einen guten Erfolg erzielt. Die Betriebsleitungen mutzten erst durch die Arbeitsniederlegung zu Verhandlungen mit dem Brauereiarbeiterverband geneigt gemacht werden. Im Lohn erfolgt eine Aufbesserung von 2,50 M. pro Woche während der Tarifdauer, und wird jetzt sämtliche Sonn- und Feiertagsarbeit, die früher im Wochenlohn gerechnet wurde, mit 70 Pf. pro Stunde bezahlt. Durchgehende Nachtschichten werden mit 2 M, pro Woche extra bezahlt. Die Arbeitszeit wurde um eine halbe Stunde täglich verkürzt, ein Urlaub ohne Lohnabzug von drei bis sieben Tagen eingeführt und andere Verbesserungen mehr. Kuolsrnd. Die Bergarbeiterbcwegung in Grossbritannien. London, den 15. Dezember lSll. Aus Cardiff wird ge- meldet, daß die Verhandlungen zwischen den Unternehmern Groß- britanniens und der BergarbeilersöSeralion abgevrochen worden sind Vor einer Woche hieß es. daß der Gesainiverband der Kohtenbesitzer des Landes mit den Vertretern der Bergarbeiter am 18. d. M, in London eine Konferenz anberaumt hätten. Der Sekretär der Berg- arbeiterföderaiion, Thomas A s h t o n. ist inzwischen von der Unter- nehmerorgonisalion offiziell benachrichtigt worden, daß die Konferenz keinen Zweck habe und datz die Streiisrage lMinimaltoh») in lokalen Konferenzen verhandelt werden müsse. Zu diesem Beschlutz kamen die Unternehmer in einer am 12 Dezember in London ab- gehaltenen Sitzung. Angesichts dieser Absage wird den Berg- arbeitern nichts anderes übrig bleiben, als die Abstimmung über den Generalstreik vorzunehmen, wie sie ans der letzten Gcneralversanim- lung der Beignrbeiterföderolion zu Souihpori beschlossen worden ist; den» die Verbandlungen in den einzelne» Distrikten sind außer in einem fleinen Revier resuliatlos verlaufen. Mit dieser Frage wird sich die Konserenz der Föderation, die am 20, Dezember in London zu- sammentritl, zu befassen habe». Für die allgemeine Lage ist es sehr bezeichnend, daß selbst die konservativen Elemente in der britischen Bergarbeiterbewegnng augenblicklich keinen anderen AuSweg sehen als den Generalstreik. /�US Industrie unä kianclel. Zusammenschluß— Preiserhöhung. Kürzlich sind verich'edcne Zusamnienschlüsse in der Zement- inonstrie erfolgt. Die Folge davon machte sich bei einer Verdiiignng von 4 Mill Doppelzentner Zement von ieiten der E»eiibahndirelrion Stetriu reckt deutlich bemerkbar. Früher konkurrierte» mitteldenlsche, Stettiner, Berliner und schlesiiche Werke. Jetzt hatten nur drei Ttettiner Firmen angeboten und zwar alle zu iveientlich erhöhten Preisen. Die Erhöhungen schwanken zwischen 3 bis 4 Marl und machen zirka 20 Proz. aus. Das Steige» der Bodenpreise. In den letzten Tagen sind wieder zwei bemerkenswerte Besitz- Veränderungen in der City von Berlin perfekt geworden. Dos im Jahre 1872 zum Preise von 700 000 M. in den Besitz der Möbel- fabiik Gebr. Tbonet. Berlin-Wien, übergegangene Grundstück Leipziger Slraße 69 hat nun Herr Ernst Steide! zum Preise von 1 9 6 0 0 0 0 Mark erworben. Ter Borbesitzer hat deinnoch 1250000 Mark „verdient", weil ohne sein Zutun der Nutzwert des Grundstücks ge- stiegen ist. Der jetzt gezahlte Preis ergibt pro Rute 60 000 Mark. Angeblich um auf dem Terrain ent neues großes Hotel zu er- richten, will ein Konsortium ein insgesamt>39 Ouadralrnlen großes Terrain, bestehend aus fünf an der Friedrichstraße von der Ecke Taubenstraße bis zur Ecke Jägerstraße sich hinziehenden Grundstücken Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstals zu einem Durchschnittspreise von 65 000 Mark pro Ouadratrute n» werben. Der ganz« Komplex würde demnach über 9 Millionen Marl kosten. Rechnet man mit einer Verzinsung von nur 4 Proz., so hätte das spätere Hotel allein pro Jahr 36! 400 Mark an Grundrente aufzubringen. Den Kellnern und sonstigen Angestellten Lohn zu zahlen, dazu reicht es nach der Behauptung der Besitzer nicht, aber jeden Tag lOOO Mark Grundrente abzustoßen, denen gar keine Leistungen gegenübernehen, hält man im Staate der gottgewollten Ordnung für selbstverständlich. Wer an diesen Verhältnissen rüttelt, wer die Ausbeutung der Arbeitskraft bekämpfea und abschassen will, ist ein Erzfeind der— Ausbeuter. Hus der frauenbewegung. Die Genossinnen in Oesterreich. Drei Frauenkonferenzen, die dem Ausbau der Organisation galten, haben seit der Reichskonfercnz in verschiedenen Distrikten Oesterreichs getagt. Im Norden und im Süden arbeiten die Genossen an dem Ausbau der Organisation. So hat in Klagen- f u r t am 26. November die erst e Frauenlandeskonferenz für Kärnten getagt. Die Parteiorganisation hat die Tagung ein- berufen und unterstützt das Gedeihen der Frauenorganisation außerordentlich. Kärnten! Man kennt es als das Land der Seen, an welchen in den Sommermonaten die Städter Erholung suchen, datz aber dort auch eine Frauenorganisation gedeihen könnte, hat man lange für ausgeschlossen geHallen. Ein Jahr aber ist vergangen, seit zum erstenmal versucht wurde, die Frauen für die Sozialdemokratie zu gewinnen, und schon heute gibt es 76 0 po- litisch organisierte Genossinnen, trotzdem es keine industrielle Frauenarbeit in Kärnten gibt, mit Ausnahme der Tabakarbeiterinnen in Klagenfurt. Nach dem südlichen industriearmen Kärnten tagte das hoch- industrielle nördliche Reichenberg. Don waren im Juni 1910 470 Frauen politisch organisiert. Heute sind es über zwölfhundert. Die Zahl der Orte, wo den Lokalorganisalionen eine Frauensektion angehört, hat sich verdoppelt. Die Genossinnen haben auch zu dem Jnnsbrucker Parte itagsbeschlutz Stellung genommen, einen Wahl- f o n d s einzuführen. Die Reichcnberger Genossinnen haben be- schlössen, falls t»er Kreis die Einhebung des Wohlfonds be- schließt, ebenfalls die Beiträge zu erhöhen, um zum Wahlfonds bei- zutragen. Am 8. Dezember hat die Landeslonferenz der Ge- nossinnen für Steiermark stattgefunden. Seit nicht ganz einem Jahr ist die Zahl der politisch organisierten Frauen von 500 auf über 2000 gestiegen. Auch hier handelt es sich um ein Land, das verhältnismäßig wenig industrielle Frauenarbeit hat. Nur eine Tabak, und eine Papierfabrik beschäftigen Frauen in grötzerer Zahl. Die den. Organisationen angehörenden Genossinnen sind meist Berg- und Hüttenorbeltcrfrauen und Heimarbeiterinnen. Dennoch diese ganz gewaltige Entwickelung. Auch hier haben die Genossinnen die Erhöhung der Beiträge beschlossen, um den Wahlsondsbeitrag einheben zu können. Auch eine Dienstboten- organisation soll gegründet werden. Wenn die Beitragserhöhungen alle durchgeführt sein werden, werden nach und nach alle politisch organisierten Frauen 4 0 Heller monatlich bezahlen. Alle neu gegründeten Organi- sationen heben jetzt schon diesen Beitrag ein, während die schon länger bestehenden 30 bis 36 Heller bezahlen. Die Partei- und Gewerkschaftssekretäre sowie die Abgeordneten haben allen diesen Konferenzen beigewohnt und damit gezeigt, daß sie der Frauen- bewegung Bedeutung beilegern Leseabende. Bohnsdorf und Nmgegend. Donnerstag, den 21, Dezember, abends 8st, Uhr, Villa Kahl: Vortrag des Genossen Weißensee über:»Der letzte Reichstag und der bevorstehende Wahlkanipf." Versammlungen. Die Wahlagitation unter den gastwirtschaftliche« Angestellten von Groh-Verlin nimmt ihren Fortgang. Am Montagmorgen fand in den„Germaniasestsälen" eine Versammlung für Cafe- angestellte statt, die sich eines guten Besuches erfreute. Dienstagnachmittag wurde eine weitere ollgemeine Versammlung in den„Jndustrieseslsälen" in der Beuthstraße abgehalten. Diese war allerdings nur mätzig besucht. Die Nähe der Festtage macht sich bereits bemerkbar. In beiden Versammlungen referierte der Kandidat des 1. Berliner Reichstagswahlkreises, Genosse D ü w e l l. Der Referent verstand es ausgezeichnet, den Anwesenden klarzu- machen, wie sie als G a st w i r t s g e h i l f e n wie als Staats- bürger das größte Interesse haben an einer Erstarkung der sozialdemokratischen Fraktion im zukünftigen Reichs- tage. Der Arbeiterschuh im Gastwirtsgewerbe sei noch so gering, er müsse weiter ausgebaut werden. Als Konsumenten baben sie ein hohes Interesse daran, datz eine vernünftige Wirt- schastspolitik getrieben, datz die Rechte des Volkes erweitert werden. An den mit reichem Beifall ausgenommenen Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion im Sinne des Referats.— Nach den Feiertagen sollen weitere Bezirks- und Branchenversammlungen abgehalten werden. I*ctzU Nacbricbtcn. Das englisch-türkische Techtelmechtel. London, 19. Dezember. Wi« das Reutersche Bureau erfährt, bedeute die Besetzung von S o I u m keine neue Entwicklung. Die Türkei sei schon lange vor dem Jahre 1904 unterrichtet worden. daß die ägyptische Grenze Solum einbegreife und dies sei auch Italien mitgeteilt worden. Die jetzige Bewegung ägyptischer Truppen habe ihren Grund nur in der kürzlichen Entschließung der ägyptischen Behörden, einen Grenzposten bei Solum innerhalb der eigenen Grenzen zu errichten. LirbcStragödie. Leipzig, 19. Dezember.(W. T. B.) In einem hiesigen Hotel haben sich heute nachmittag der 23jährige Kaufmann Mietet und das 20jährigc Fräulein Emma Wvrm, beide aus Berlin, er- schössen. Als Grund des Doppelselbstmordes wird Liebeskummer angenommen. Arbciterrisiko. Nizza. 19. Dezember.(H. B.) Auf der Eisenbahnlinie von Nizza nach C o n i, die sich augenblicklich im Bau befindet, stürzte heute infolge der vorzeitigen Explosion einer Dynamit- bombe ein Teil deS Tunnels zusammen. Drei Arbeiter wurden durch die Gesteinsmassen getötet und zahlreiche verletzt. Ausstand englischer Fuhrleute. New-Castle, 19. Dezember. Die Anhäufung von Gütern auf den OuaiS und den verschiedenen Güterbahnhöfen infolge des Ausstandes der Fuhrleute in New-Castle und Gateshead ist sehr groß. und. falls es nicht bald zu einer Verständigung kommt, wird dieS sehr ernste Folgen haben. Die Forderungen der Arbeiter sind von mehreren Firmen bewilligt worden. Der Vertreter der Amalgameted union of Labour hat die Arbeiter angewiesen, in allen diesen Fällen sofort zur Arbeit zurückzukehren. Paul Singer\ So., Berlin SW, Hierzu 3 Beilagen o.UntrrhaltuugsbU Sit. 297. 28. Iahkgmg. L ßtilajt ks Jdtniärtü" Jftlintr RkKsdlM Mmch, 20. JtjmliK IM Die NshI in Cos Angeles und der ProzeB lilc IJamara. New Sork, 6. Dezember 1911. So ist es denn dem vereinigten bürgerlichen Ordnungs» brei von Los Angeles. Kalifornien, durch die Anwendung eines niedrigen Kniffs noch einmal gelungen, sich in der städti- schon Verwaltung zu behaupten. Nach den bis heute abend vorliegenden Depeschen unterlag der sozialistische MayorS» (Bürgermeister-IKandidat Ivb Harriman bei der gestrigen Wahl mit 45 000 gegen 75 000 Stimmen, welche auf den bürgerlichen Sammelkandidaten, den bisherigen Mayor Alexander, fielen. Frohlockend verkündet die gesamte bürgerliche Presse das Wahlresultat als eine Niederlage der Sozialisten. Sind die Demokraten und Republikaner mit dem Ausgang zufrieden, wir Sozialdemokraten können es erst recht sein, wenn sich auch unsere Hoffnung, die gewaltig ausblühende. 350 000 Ein» wohner zählende Stadt schon Heuer zu erobern nicht er- füllt hat. Bei den im Oktober dieses Lahres abgehaltenen Primär- Wahlen, bei denen es sich darum handelte, welche zwei Bürger- Meisterkandidaten in die engere Wahl gelangen, wurden für den Genossen Harriman 20 185, für Alexander 16 799 und für einen anderen bürgerlichen Bewerber 8191 Stimmen ge- zählt- Allenthalben erregte die riesige Zunahme der sozia- listischen Stimmen, deren ein Jahr vorher nur rund 3000 ab- gegeben worden waren, das größte Aufsehen. Nachdem Kali- fornien im Oktober 1911 den Angehörigen des weiblichen Geschlechts das Wahlrecht verliehen hatte, stieg die Zahl der eingetragenen Wähler von 75 000 im Oktober auf 185 000 im Dezember. Nicht nur Frauen, auch Zehntausende von Männern ließen sich in den letzten Wochen in die Wählerlisten eintragen, um an der Hauptwahl teilzunehmen. Mit jedem Tag schien die Wahl Harrimans unzweisel- hafter zu werden. Noch vor acht Tagen galten die Aussichten Alexanders als trostlos. Da kam am letzten Freitag, vier Tage vor der Wahl, das Geständnis der Brüder Mc Namara. Mit der Nachricht davon trug der Telegraph die Ankün- bigung vom bevorstehenden Sieg Alexanders durch das Land. John I. Mc Namara, Sekretär des Verbandes der Brückenbauer und Eisenkonstruktionsarbeiter, der letzten Frei- tag gestand, daß auf seine Veranlassung die Llewellyn-Elsen- werke bei Los Angeles am 24. Dezember 1910 teilweise in die Luft gesprengt wurden, erhielt gestern, also am Wahltage. 15 Jahre Zuchthaus, während sein Bruder, der Schriftsetzer James B. Mc Namara, der sich zu der Urheberschaft der am 1. Oktober letzten Jahres im Gebäude der„Los Angeles Times" ersolgten Explosion und damit zum 21 fachen Morde bekannte, zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt wurde. Das Leben wurde ihnen geschenkt, um ihn und seinen Bruder kurz vor der Wahl zu einem Geständnis zu bewegen und ein Mittel zur Hintertreibung eines sozialistischen SiegeS zu er- langen. Der Srnosie Harriman war einer der Verteidiger der Brüder Mc Namara; aber schon seit Wochen hatte er an der Verteidigung keinen aktiven Anteil mehr, da er sich ganz der Agitation widmete. Mochten auch die anderen Verteidiger der Angeklagten in den letzten vierzehn Tagen wissen, daß ihre Klienten der ihnen zur Last gelegten Verbrechen schuldig sind: Harriman wurde von seinen Kollegen über den Sach. verhalt zugegebener Maßen nicht aufgeklärt, obwohl der Pro- zeß in Los Angeles geführt wurde. Aber gesetzt einmal, Harriman hätte um die Taten der Mc Namaras gewußt, so kleines feuiUeron. Die Lokomstive als Spielzeug. Heber Spielzeug veröffentlicht Paul Mablberg in der Miindbener Wochenschrift.März' einen g«. dankenreichen Aufsatz. Mahlberg geht von der Beobachtung au«. daß da« Kmd an der mechanisch betriebenen Lokomotive erst rechte Freude findet, wenn die Feder kaput ist. und meint, wie eine Loko- motive für Kinder beschaffen sein müßte, könnte man au« der Art ersehen, wie sie selber.3"g" spielen. Eine Lokomotive in voller. freier Fahrt scheint in Kinderaugen eindruckslo» zu sein, wie ja auch wir für die Ueberichnelligkeit der Turbine mit ein paar tausend Umdrehungen kein Auge haben. Schon au« rein optischen Gründen kann wohl ein Kinderauge eine kaum gesehen entschwundene Lokomotive nicht fafien. Di« Lokomotive hat die Funktion, schwere Lasten zu ziehen. Da« kommt am besten zum Ausdruck in dem schwierigen, langsamen, keuchenden Anfahren nach der Ruhe. Nun hat da« Kind offenbar eine Ahnung von dieser Funktion, denn e» erUärt die Zeit ihre« stärksten Ausdruck« in dem Dauer- zustand. Selbst wenn e« eine Blitzlokomotive ist, geht e« langsam. Schritt vor Schritt, den Zug der ein- «ebtldelen Lost im Körper ausdrückend und wirklich einen Wider« land durch da« Abschleißen der Schuhsohlen aus dem Boden hervor- rufend. Dabei unter rbytdmischem lsch. tsch und kurbelnden Be- wegungen mtt den im Ellbogen geknickten Armen. Da» ist da» auf- fallendste, denn e« beweist den Blick für da« Gelenk der Lokomotive. die Stange von Rad zu Rad.— Also wird in dem Spielzeug der Ausdruck des Lastenziehenden als Funktion, äußerlich auch da» Ge« lenkige der sichtbaren Kraftonwrndung und hörbar ihr prustende» Sichluftmachen sein müffen. Die Naivität des Kinde« verlangt gerade da» letztere. Kinder und Böller in den Kinderschuhen wollen jede Kraftanstrengung herau« hören, und die Ausübung der Wirkung gilt der Ursache gleich. Nimm eine Feder, hebe fie auf und ächze dabei, und da« Kind glaubt an ihre Schwere. Demokrit unterscheide« schon zwei Formen der Erkenntnis: die .dumme', rein auf sinnliche EmpfindungSgualitäten gestellte, und die.echte' BerstandeSerkenntniS Man darf nicht vergesien. daß sich da» Kind erst au« jener zu dieser, durch Sammeln finnlicher Er- fabrungen zur Abstraktion entwickeln will. Daß e» an finnlich wahr« nedmbare Dinge noch keine ErkennmiSbegrtffe. wie.schwer',, lieben»- würdig',.gefährlich', oder Schätzungsbegriffe, wie.leuer',.selten' knüpft. Daraui muß beim Spielzeug geachtet werden. Ein Rvdin-Mufeum. da« die Werke diese» Meister» vereinigt. soll in Pari» errichtet werden. Den Anlaß dazu gibt der Um- stand, daß Rodin au» seinem großen Atelier, in dem seinerzeit der Kirche abgenommenen Hotel Biron, demnächst gleich den anderen Mietern ausziehen muh. Eine Reihe betanuter Persönlichkeiten. wie An-'ole Franc«. Mirbeau. Clemenceau u. a. haben sich für den Plan ausgesprochen, und der.Matin' hat ihn mit großem Tamtam für sein« Kulturmission erklärt. Da aber auch die entgegengesetzte Lösung möglich ist. nämlich die Verteilung der Rodinschen Wette aus die bisher zumeist mit Schund.geschmückten' Pariser Anlagen, so ist auch dem Konkurrenten des.Matin', dem»Journal, Ge» kegenheit zu einem nicht minder begeisterten Appell an daS Kultur- gewiss en der Gegenwart geboten. hätte er durch die Wahrnehmung der Interessen seiner Klienten lediglich seine Pflicht als Verteidiger erfüllt. Nichtsdestoweniger wurde die Schuld der Mc Namara von republikanischen und demokratischen Politikern von Los Angeles in den letzten Tagen vor der Wahl zu einer ge- hässigen und unerhörten Hetze gegen Harriman ausgenutzt. Gewerbsmäßige Beutepolitiker. Fabrikanten und Kauf. leute hatten den öffentlichen Ankläger, den Distriktsanwalt Frederick, bearbeitet, daß dieser den Angeklagten Milde ver- sprach, wenn sie sich k u r z vor der Wahl zu einem Ge. ständnis bequemten. Der Trick gelang und erfüllte seinen Zweck. Nur Sozialisten stimmten für Harriman: die diesem als einem der Verteidiger der Mc Namara zugesagte und bei der Primärwahl im Oktober auch geleistete Hilfe der nicht sozialistischen Gewerkschafter blieb aus. Daraus erwuchs der eine Vorteil, daß die gestrige Wahl Aufschluß über die Stärke der Sozialisten«n Los Angeles gab. Aber immerhin, Harri- man wurde geschlagen; und darin liegt die einzige politische Bedeutung des Prozesses gegen die Mc Namaras. Diese den Sozialisten an die Rockschöße zu hängen, hat noch nie- mand versucht. Beide Mc Namaras sind gut katholisch, trugen bei ihrer Verhaftung Heiligenbilder auf der Brust, sind Iren, in Fenier-Tradihonen ausgewachsen und insofern zu terroristischer Verschwörung disponiert. John I. Mc Na- mara war allezeit eifriger Demokrat. Allerdmgs haben sich die Sozialisten, und vielleicht mit größerer Energie als die Reingewerkschafter, der Brüder Mc Namara angenommen und an der Aufbringung der für die Verteidigung erforderlichen Summen mitgewirkt. Läßt sich daraus unseren Genossen ein Vorwurf machen? Mit nichten I Ohne finanziellen Beistand wären die Mc NamaraS von vornherein so gut wie wehrlos gewesen. Hat der Ange- klagte unter allen Umständen ein Recht auf angemessene Ver- teidigjjng, muß er bis zum Nachweise seiner Schuld als un- schuldig betrachtet werden so lagen im speziellen Falle, ganz abgesehen von den Unschuldsbeteuerungen der Brüder Mc Na- mara und der von deren Bekannten gehegten Ueberzeugung von der Schuldlosigkeit der Angeklagten, zahlreiche IHver- wiegende Momente vor, welche zum Mißtrauen gegen das Vorgehen der Distriktsanwaltschast Los Angeles geradezu herausforderten. Ohne Einhaltung deS gesetzlichen AuslieferungSver- fahrens, unter Verletzung deS den Angeschuldigten ver- fassungsmäßig gewährleisteten RechtS wurde John I. Mc Na- mara auf Veranlassung und unter Mitwirkung des Hilfs- DistriktsanwaltS Ford von LoS Angeles und des Privat- detektivs Burns in verbrecherischer Weise aus dem Staate Indiana nach dem Staate Kalifornien transportiert, nachdem er in Indianapolis verhaftet worden war. Selbst der Bundes- senator Borah, welcher seinerzeit die Anklagen gegen die aus Colorado nach Idaho entführten Genossen Moyer, Haywood und Pettibone vertrat, mußte im Bundesparlament die Un- gesetzlichkeit des Transports John I. Mc Namaras zugeben. Und auch nach dem Geständnis der Mc Namaras erklärte der Distriktsanwalt von Indianapolis, der Detektiv Burns und sein Mitangeklagter würden wegen Menschenraubs, begangen an John I. Mc Namara prozessiert und nach dem Zuchthaus geschickt. Wozu, mußte man sich fragen, die Begehung des Verbrechens, wenn sich die Auslieferung des Angeklagten auf Grund eines ernsthasten Belastungsmaterials auf dem gesetz- lichen Wege erreichen ließ? John I. Mc Namara wurde wegen der Explosion im „Ti«nes"-Gebäude zu Los Angeles und wegen 21 fachen Mor- des in Anklagezustand versetzt und verhaftet, obwohl er nur einige Tage vor der VerÜbung der Untat im Hotel Edyertvn zu Rochester. Nsv Aork, wohnte und in der kurzen Zwtschen- zeit gar nicht nach Los Angeles gelangen konnte. Am Abend Wieso wird«an satt? Man wird geneigt sein, diese Frage dabin zu beantworten, daß da« Gesübl der Sättigung von der An« füllung des Magen» mit Speisen herrührt. Doch man kann da»- lelbe Gefühl— wenn auch vorübergehend— hervorrufen, wenn man dem Magen Dinge, die keine Nährkraft haben, etwa die be- rühmte Suppe mit Kieselsteinen, schlucken läßt. ES mifft also ein rein physikalischer Zusammenhang zwischen Mageninhalt und Magen- schlauch bestehen, der da« SäitiaungSgefühl auslöst. Versuche, die über diese Frage von Prof. Neisset und Dr. Bräuning vorgenommen und in der Münch..Mediz. Wochenschrift' veröffentlicht wurden, er- gaben sehr intereffante Resultate. E» zeigte sich ein Unterschied in den Stoffmengen. die zum Eintritt de» EättigungSgefühlS nötig waren, je nach der Konsistenz der Nahrung. Wurde Kartoffelbrei ge- reicht, so trat Sättigung ein. wenn 2S0 Kubikzentimeter verzehn waren. bei Zuführung von Wasser aber wurden NX) Kubikzentimeter erfordert. Die Ursach« davon ist, wie man au» Röntgenaufnahmen weiß, daß das Waffet schneller den tiefften Punkt deS Magens erreicht. Dem Kartoffelbrei stellt sich der Druck de» Magen» entgegen, der die Nahrung nur langsam— etwa in drei Minuten— nach unten vor» dringen läßt. Je stärker diese Magenzusammenziebung. die so- genannte.Peristole', ist, um so schneller tritt daS Sättigungsgefühl ein. Diese Peristole wird ausgelöst durch den Schluckakt. Daraus folgt, daß. wenn man bei der Ernährung den Schluckatt umgeht. die Penstole gar nicht und da» SälttgunaSgefühl erst später ein- tritt Die Vermutung Prof. Neiffer« bestättgte sich. Denn die Personen, die mit Schlundsonde ihr« Nahrung erhielten, gaben erst viel später an. sott zu sein. Bon diesen physiologischen Boraängen zu krankhaften Erscheinungen ist nur ein Schritt. Erhöht sich durch irgend einen Umstand der Druck, dem der Magen ausgesetzt ist, so wird sich vorzeitig das SätligungSgefühl einstellen, viel früher, als die für die Erhaltung des Körpers not- wendtge Nahrungsmenge in ihn gelangt ist. Such die« vermochten die Unteriucher experimentell zu belegen. Sie erhöhten den Druck im Magen duriß äußere» Schnüren und daS SätligungSgefühl stellte sich sehr bald em. So magern zahlreiche Personen besonder» weib- lichen Geschlecht» starl ab, weil da» zu frühe Eintreten der Sättigung «ine genügende Nahrungsaufnahme verhindert. Wurde da» Tragen schnürender Kleidung, besonder« de» Korsett», verboten, so trat häufig eine Besierung ein. Erhöhte ein« innere Ursache den Druck im Innern de« Magen», so tonnte man«in« Besserung erzielen, indem man die Kranken die Nahrung im Liegen nehmen ließ. Die Firtschritte de» Fernsprecher». Eine Statistik au» den fünf Ländetn. die sich der weitesten Verbreitung de» Telephon» er- freuen, veranschaulicht mit zisfernmäßiger Deutlichkeit, welch enorm« Fortschritte da» Fernsprechwesen in den letzten 2k> Jahren gemacht hat. An erster Stelle stehen die Bereinigt«« Staaten, die im vergangenen Jahre 6 WO 000 Fernsprechslellen aufwiesen, die lisch Milliarden Gespräche vermittelten, während im Jahr« 1890 deren nur OdOOOO gezählt wurden. In derselben Periode stieg die Zahl der Apparate in� Deutschland von 47 000 auf 870 000 mit lsch Milliarden Gesprächen, und England kam von 20 000 auf 600 000 Apparate, war aber gesprächiger, da diese 1800 Millionen Gespräche vermittelten. Di« klein« Schweiz steht mit einer Ver- mehrung von 20 000 auf 170 000 an vierter Stelle. Ihre Gespräche � bezifferten sich im vergangenen Jahre auf 310 000. E» folgt endlich> Frankreich. daS vor 10 Jahren 16 000 Apparate und 1010 197 000' vor Weihnachten letzten Jahres, da die LIewellyn-Eisenwerke in die Luft flogen, befand er sich nach dem unverdächtigen Zeugnis des republikanischen Legislaturmitglieds Kecly in Indianapolis, Tausende von Meilen von Los Angeles ent- fernt. Von der VerÜbung, nickt nur von der Anstiftung dieses Verbrechens durch Mc Namara war anfangs die Rede. Zudem war von Anfang an klar, daß das Gebäude der Los Angeles„Times" durch eine Gasexplosion zerstört wurde. Erst seit letzten Freitag weiß man infolge des Geständnisses James B. Mc Namaras, daß durch die Explosion einer Dynamitpatrone Gas entzündet wurde. Auffallen mußte es auch, daß der Verleger der Los Angeles„Times" im voraus eine Reservedruckerei eingerichtet hatte und sein Blatt ohne Störung weiter erscheinen lassen konnte. Das gibt noch heute zu denken, zumal da Mc Manigle. der geständige Mit- schuldige der Mc Namaras schon lange vorher gegen ein Tageshonorar von sieben Dollars im Dienste des Detektivs Burns stand und die?iolle des Lockspitzels gespielt zu haben scheint. So oft von feiten oder auf Betreiben der Unternehmer Anklagen wie die gegen die Mc Namaras erhobenen gegen hervorragend tätige Gewerkschafter laut werden, liegt allgemein Veranlassung zu dem Verdachte vor. daß es sich um eine Verschwörung handelt, um in den Verhafteten die or- ganisierte Arbeiterschaft zu treffen. Bände ließen sich in dieser Hinsicht auf Grund gerichtlicher Akten über das ver- werfliche Treiben der Großkapitalisten und der Unternehmer- verbände schreiben. Die bekannte Affäre Moyer, Haynwood, Pettibone ist noch in aller Gedächtnis.>- Erst am 13. Oktober dieses Jahres, um einen Fall aus der jüngsten Vergangenheit anzuführen, setzte der Richter Peare in Middletown. Connec- ticut, vier Arbeiter auf freien Fuß und nannte die aufge- baute Anklage ein Fabrikat der Privatdetektive. Die vier Leute waren beschuldlgt, im August bei Maremas einen Zug der New Haven-Bahn böswillig zum Entgleisen gebracht und einen Mord verübt zu haben. Die Bahnverwaltung hatte zur Zeit der Verübung des angeblichen Derbrechens Diffe- renzen mit einem Teile ihrer Arbeiter. Burns selbst mußte erst kürzlich zugeben, daß man De- tektiven das schlimmste zutrauen müsse: er hat damit sich selbst ein treffendes Leumundszeugnis ausgestellt. Je länger der am 11. Oktober dieses Jahres begonnene Prozeß dauerte, um so mehr mußte sich angesichts der Art der Verhandlungsleitung durch den Richter Bordwell die Ueberzeugung befestigen, daß die Angeklagten ohne Rücksicht auf ihre Schuld oder Nichtschuld an den Galgen gebracht werden sollen. Kein Wunder, daß, wie die übrige gesamte Arbeiterschaft und ein erheblicher Teil des Bürgertums auch die Sozialisten den Unschuldsverteuerungen der Brüder Mc Namara Glaube«» schenkte. Daß er sich tatkräftig für die Verteidigung eineS politischen Gegners, dem er vergewaltigt glaubte, ins Zeug legte, stellt dem amerikanischen Sozialismus ein gutes Zeug- nis aus. JamöS B. Mc Namara bestreitet auch jetzt, nach feiner Verurteilung, da er nichts mehr zu befürchten hat. die Absicht zu morden. Er habe, erklärt er. nur den als Gewerkschafts- Hasser berüchtigten Zeitungsverleger Otis schädigen uiid' zur Einnahme einer anderen Haltung veranlasien wollen. Un- glücklicherweise sei die Explosion zu früh erfolgt und habe den Tod von 21 Personen verursacht. Sonderbar mutet die sittliche Empörung an. welche die ganze bürgerliche Presse über das gewiß verabscheuungs- würdige Treiben der Mc Namaras aufbringt. Fast bei jedem großen Streik werden bewaffnete Scabs auf die Ausständigen losgelassen: staatliche Konstablerhorden wurden zur Nieder» werfung feiernder Arbeiter organisiert. Beinahe bei allen Apparate besaß, die 265% Millionen Gespräche vermittelten. WaS da» Verhältnis der Telephonstellen zu der Zahl der Einwohner an- betrifft, so kommen auf 1000 Köpfe in den Vereinigten Staaten 82, in der Schweiz 31, in Deutschland 14, in England 13% und in Frankreich S Stellen._ Notizen. — Hugo Lubliner ist am DienSwg in Berlin im Alter von 65 Jahren gestorben. Er war schon halb vergessen, wenn auch kürzlich erst ein neue» Lustspiel von ihm im königlichen Schauspiol- hause herausgebracht wurde. In den siebziger und achtziger Jahren war Lubliner, der erst nach seinen größeren Erfolgen vom Kaufmann zum Bühnenslvriftsteller überging, neben Lindau, Blumenthal und Moser der typische Bettreter de» deutschen Lustspiels. Von den Fran- zosen war die saubere Technik des Konversationsstücks übernommen, da» L. mit deutschem Gemüt, bescheidenem Witz und jüdischer Sentimentalität erfüllte. Der Schritt vom schlichten bürgerlichen UnterhaltungSstück zum sozialen Drama, den L. mit dem Arbeiter» drama.Der kommende Tag' unternahm, führte nicht zum Ziel. -- Der Sänger Burrian, der der Dresdener königlichen Oper kontraktbrüchig geworden war lal» Don Juan auf Reisen), wurde in der Berufung zu 30000 M. Konventialstrafe verurteilt. (Hoffentlich darf er die wenigstens in Dresden absingen.) — Niemand nahm Sergernis... Die Nackttänzerin v t l l a n y. die von der Münchener Polizei neulich ihrem natürlichen Berufe entrissen wurde, ist jetzt außer Verfolgung gesetzt worden. Unter den 2700 Personen, die ihrem angeblich unsittlichen Einfluß unterlegen waren, hatte niemand Aergernis genommen. — Da« Observatorium auf Teneriffa, da» bisher nur zur Ausführung von erdphhsikalischen Studien und Luft- beobachtungen dient«, wird seine Messungen jetzt auch auf die Erd- beben-Erscheinungen ausdehnen. — Ueber die Abschaffung der Briefmarlen be- richtet Georg Schmied! in den„Dokumenten de» Fortschritts'. Nach einer Berechnung eines Statistikers beträgt der Verbrauch an Brief- marken aus der ganzen Welt jährlich etwa 40 Milliarden Stück. Jede» dieser Wettzeichen«rforoert von dem Airgenblicke der Her- stellung bis zu feiner Entwettung 5 Minuten. DaS sind 400 Millionen Arbeitstage bei ochlstündiger Arbeitszeit. DaS Jahr zu 300 Arbeitslagen gerechnet, ist ein Heer von I 300 000 Menschen zur Bewältigung dieser Arbeit nötig. Die bayerische Regierung hat nun seit Februar 1910 die Barfrankierung statt der Briefmarken bei gleichattigen Moffensendungen: Katalogen, PreiSverzeichniffen, Zeitungen u. a. eingeführt. Die Sendungen, die gezählt oder ge- wogen werden, erhalten statt der Marke einen Franko st empel. — Einen Wettbewerb für Arbeitermöbrl erläßt die Berliner Kommission für vorbildliche Arbeiter- Wohnungen gemeinsam mit dem Verband deutscher Kun st gewerbezeichner. Der Wettbewerb, zu dem nur Mit- glieder deS Verbände« zugelaffen sind, gilt für je eine Wohnung von einem Zimmer und Küche und von zwei Zimmern und Küche. Die Preise für die ganze Einrichtung darf 550 und 800 M. nicht über- schreiten. Für die Küche werden möglichst neue Typen angestrebt. Alle Entwürfe werden im Berliner GewerkschafiShauS ausgestellt. Alle« Nähere durch den Lsrband Berlin SO. 19, Wusterhausen« Straß» 12. großen Lohnkampfen werden von dem Kapital und seinen Soldknechten Morde an den � Ausständigen, gar pft auch an Unbeteiligten verübt, ohne daß die Bluttaten eine Sühne finden, ohne daß Demokraten und Republikaner ein Wort darüber verlieren. An den Millionen, mit denen Heroen- stiftungen, Bibliotheken und �riedenspaläste errichtet werden. klebt das Blut der Arbeiterschlächterei von Homestead: aber gegen den betreffenden Multimillionär wird kein Wort des Borwurfs erhoben. Die Geschichte der Standard Oil Co., des Zuckertrusts und anderer Riesenunternehmungen erzählt auf jedem Blatte von Verbrechen der schwersten Art. Gewiß, die Mc Namaras sind Unholde. Aber sie hau delten wenigstens nicht ans persönlicher GNvinnsucht. Ihr Motiv war Fanatismus, verwerflich zwar, aber unter den obwaltenden Umständen begreiflich. Die Mc Namaras woll- ten die wirtschaftliche Lage der Brückenbauer bessern. Dazu reicht die gewerkschaftliche Organisation allein nicht aus. Was auf der einen Seite errungen wird, geht auf der anderen Seite dutzendfach wieder verloren. Im Dienste des Unternehmertums verbieten die Gerichte den Gewerkschaften die Anwendung der Waffen der Organi fation. Vom rein gewerkschaftlichen Standpunkte aus sind die Aussichten der werktätigen Bevölkerung trostlos. So griffen die Mc Namaras. zwei Fanatiker, zu terroristischen Mitteln. Vor der Betretung dieses niemals zu einem dauern den Ziele führenden Abwegs behütet am besten die gleich zeitige politische und gewerkschaftliche Wahrnehmung der beiterinteressen. Wie die rapide Zunahme der sozialistischen Stimmen in Los Angeles, wie die sich seit anderthalb Jahren häufenden sozialistischen Erfolge und Siege dartun. befindet sich die amerikanische Arbeiterschaft auf dem rechten Pfade. So wird sie gefeit gegen die Versuchung, zur terroristischen Selbsthilfe zu greifen..____ Die Tarifverträge im Deutschen Reiche im Jahre 1910. II. Die L-hnregelung in den TarifvertrSgen. Der Darstellung der tariflichen Lohnhöhe hat eine Fest stellung der Lohn formen vorauszugehen. Danach enthielten 3718 von den 37S6 Tarifgemeinschaften des Jahres 1S10 nähere Bestimmungen über die Lohnform, und zwar war in 1228(33 Proz.) Tarifen für 11012 Betriebe und 92 748 Personen nur Zeit- lohn vereinbart, in 259(6,3 Proz.) Tarifen für 769 Betriebe und 18 688 Personen nur Stücklohn und in 2249(69,2 Proz.) für 61145 Betriebe und 622 963 Personen Zeit, und Stücklohn nebeneinander. 1999 waren die entsprechenden Verhältnisziffern 47,4 Proz.. 16.8 Proz. und 35,8 Proz., 1998 dagegen 47,7, 4,6 und 47,7 Proz. Das Ergebnis ist ein erheblicher Rückgang des reinen Zeitlohnes, der hauptsächlich auf die allerdings mehr formale Zu- lassung der gemischten Lohnform im Baugewerbe zurückzuführen ist. In letzterem war der reine Zeitlohn seither ani stärksten ver- breitet gewesen. Im Berichtsjahre dagegen ist das Baugewerbe in dieser Beziehung hinter die Nahrungsmittelindustrie zurück- getreten. Der reine Stücklohn findet sich am meisten in den Bc» tleidungsgewerben. Eine Bestimmung, wonach bei Stücklohn ein gewisses Lohnminimum garantiert wird, enthielten 768 Tarife für 39 964 Betriebe und 166 512 Arbeiter. Sie findet sich in 132 von 153 Stücklohntarifen der Textilgewerbe, in 127 von 233 Stück- lohntarifen der Metall- und Maschinenindustrie, in 115 von 333 SMIohntarifen der Holzgewerbe, in 398 von 979 Stücklohntarisen der Baugewerbe, dagegen nur in 4 von 221 Stücklohntarifen der Bekleidungsgewerbe. Eine Zunahme derartiger Garantieabmachun- gen ist gegenüber den Vorjahren unverkennbar. Die Höhe der Lohnfostsetzungen wird gesondert für die mann- lichen Arbeiter nach Stundenlohnsätzen und nach Wochenlohnsätzen, Knie für die Arbeiterinnen nach Stunden-, sowie Wochenlohnsätzen rgestellt, und zwar immer getrennt für die gelernten und un- gelernten Arbeiter. Hierzu sei bemerkt, daß bei Tarifen, in denen für gelernte bezw. für' ungelernte Arbeiter gleichzeitig mehrers Lohnsätze nebeneinander vereinbart wurden, stets nur dle niedrig- sten Lohnsätze berücksichtigt wurden, wogegen bei Tarifen, in denen ein steigender Loh» für die spätere Tarifdauer voraus- bestimmt wurde, stets dieser höchste Lohn, der während der Dauer des Tarifs erreicht wird. Stundenlohnsätze waren 1919 in 2298 Tarrfen für gelernte und in 793 Tarifen für ungelernte Arbeiter vereinbart. Danach war ein Vertragslohn von mehr als 45 Pf. pro Stunde für 76,7 Proz. der gelernten und 47,9 Proz. der ungelernten Ar- beiter vorgesehen. 1999 waren die entsprechenden Verhältnis- zahlen 59,9 und 23.4 Proz. Zwischen 36 bis 45 Pf. bewegten sich die Stundenlohnsätze von 21.1 Proz. der gelernten und 39,1 Proz. der ungelernten Arbeiter(1999: 38,1 und 41,7 Proz.). Unter 36 Pf. standen die Lohnvereinbarungen für 2,2 Proz. der gelernten und 13,9 Proz. der ungelernten Arbeiter(1999: 11,9 und 34,9 Prozent). Aehnlich gestaltet sich das Bild hinsichtlich der Wochenlohn. festsetzungen. Solche waren für gelernte Arbeiter in 833. für ungelernte in 583 Tarifen vorgesehen. Ueber 25 M. pro Woche erhob sich der tariflich« Mindestlohn für 71,1 Proz. der gelernten und 41,3 Proz. der ungelernten Ar- beiter(1999: 54,6 Prag, und 36,9 Proz.). Auch hier haben die höheren Lohnklassen ganz erheblich an Raum gewonnen, was ja angesichts der starken Verteuerung aller Lebenshaltungskosten«ine Notwendigkeit war. Seit 1993 zeigt die Entwtckelung der Lohnfestsetzungen daS folgende Bild: ES waren Stundenlohnfätze vereinbart: 1993(meist Baugewerbe): über 45 Pf. in 38,9 Proz.; zwischen 35 bis 45 Pf. in 33,7 Proz. und bis zu 35 Pf. in 28.3 Proz. der Tarife. 1995(nur Baugewerbe): über 45 Pf. in 38,6 Proz.; 36 bis 45 Pf. in 49.2 Proz. und bis zu 35 Pf. in 21.2 Proz. der Tarife. 1996: über 45 Pf. für 37.4 Proz.; von 36 bis 45 Pf. für 31.9 Proz. und bis zu 35 Pf. 39.7 Proz. der Arbeiter. 1997: über 45 Pf. für 45,3 Proz.; von 36 bis 45 Pf. für 39.3 Prozent und bis zu 35 Pf. 14,4 Proz. der Arbeiter. 1998: über 45 Pf. für 42.1 Proz. der gelernten und 23.5 Proz. der ungelernten Arbeiter; von 36 bis 45 Pf. für 32,2 Proz. der gelernten und 29,5 Proz. der ungelernten Arbeiter und bis zu 35 Pf. für 25.7 Proz. der gelernten und 47,9 Proz. der un- gelernten Arbeiter. 1999: über 45 Pf. für 59.9 Proz. der gelernten und 23,4 Proza der ungelernten Arbeiter; zwischen 36 bis 45 Pf. für 38,1 Proz. der gelernten und 41,7 Proz. der ungelernten und bis zu 35 Pf. 11,6 Proz. der gelernten und 34,9 Proz. der ungelernten Arbeiter. 1919: über 45 Pf. für 76.7 Proz. der gelernten und 47,9 Proz. ider ungelernten Arbeiter; zwischen 36 bis 45 Pf. kür 21,1 Proz. der gelernten und 39.1 Proz. der ungelernten Arbeiter und bis zu 35 Pf. für 2.2 Proz. der gelernten und 13 Proz. der ungelernten Arbeiter. Hinsichtlich der Wochenlöhne kann«me solche Darstellung erst ab 1997 gegeben werden, da die früheren Angaben nicht vergleich. bar sind. Es wurden Wochenlohnsätze vereinbart: 1997: über 35 M. für 4,2 Proz. der Arbeiter; über 25 bis 35 M. für 86,97 Proz. und bis zu 25 M. für 59,1 Proz. der Arbeiter. 1998: über 35 M. für 8,3 Proz. der gelernten und 0.S Proz. im ungelernten Arbeiter; über 25 bis 35 M. für 29.2 Pro» der gelernten und 9,3 Proz. der ungelernten Arbeiter un? bis zu 25 M. für 67,5 Proz. der gelernten und 89,4 Proz. der ungelernten Arbeiter. 1999: über 35 M. für 8,1 Proz. der gelernten und 9,9 Proz. der ungelernten Arbeiter; über 25 bis 35 M. für 46,5 Proz. der gelernten und 36,9 Proz. der ungelernten Arbeiter und b:S zu 25 M. für 45,4 Proz. der gelernten und 63.1 Proz. der ungelernten Arbeiter. 1919 dagegen über 35 M. für 11,9 Proz. der gelernten und 9,4 Proz. der ungelernten Arbeiter; über 25 bis 35 M. bis 69,1 Prozent der gelernten und 49.9 Proz. der ungelernten Arbeiter und bis zu 25 M. für 28,9 Proz. der gelernten und 58,7 Proz. der ungelernten Arbeiter. In dem Zurücktreten der niedrigsten und in dem Anwachsen der höheren Lohnklassen zeigt sich ganz deutlich der gewerkschaft liche Einfluß aus die Lohnregelung. Stunden- und Wochenlohnsestsetzungen für weibliche Arbeiter enthielten 494 Tarife. Hiernach hatten einen Stundenlohn von mehr als 39 Pf. 6,2 Proz. der gelernten und 14,3 Proz. der ungelernten Arbeite rinnen(1999: 42,4 Proz. bezw. 1,1 Proz.), einen solchen von 21— 39 Pf. 78,6 Proz. der gelernten und 69 Proz. der ungelernten Arbeiterinnen(1999: 33,1 Proz. bezw. 48,3 Proz.) und einen solchen bis zu 29 Pf. 15,2 Proz. der gelernten und 25,7 Proz. der ungelernten Arbeiterinnen(1999: 68,8 bezw. 51 Proz.). Auch hier weift die niederste Lohnklasse einen Rückgang auf, freilich auch die höchste. Es ist indes hierbei zu berücksichtigen, daß die kleineren statistischen Zahlen der Arbeiterinnen viel, mehr von Zufälligkeiten beeinflußt werden, als die Zahlen der männlichen Arbeiter. Soweit Wochenlöhne für Arbeiterinnen vereinbart sind, be trugen sie über 15 M. für 59.7 Proz. der gelernten und 27,9 Proz. der ungelernten Arbeiterinnen(1999: 56.7 bezw. 1,3 Proz.); zwischen 19— 15 M. standen sie für 33 Proz. der gelernten und 44,7 Prozent der ungelernten Arbeiterinnen(1999: 21,6 Proz. bezw. 79.3 Proz.) und bis zu 19 M. für 11,3 Proz. der gelernten und 27,4 Prozent der ungelernten Arbeiterinnen(1999: 44 bezw. 27,9 Proz.). Di« Schlüsse sind im wesentlichen die gleichen wie hinsichtlich der Stundenlohnziffern der Arbeiterinnen. Neben den Stunden- bezw. Wochenlöhnen regeln die Tarif Verträge vielfach die Lohnzuschläge für Ueberstunden-, Nacht. und Sonntagsarbeit sowie für besonders schwierige, ungesunde oder schmutzige Arbeiten. Lohnzuschläge für männliche Arbeiter wurden 1919 in 2589 Tarisen vereinbart. Für Ueberstundenarbei� wurden Lohnzulagen pro Stunde bis 29 Pf. in 1498, über 29 Pf. In 49 Ta- rifen vereinbart. Prozentuale Bemessungen(in Prozent des Stundenlohnes) fanden sich bis 19 Proz. in 48 Tarifen, über 19 bis 29 Proz. in 191 Tarifen, über 29 bis 39 Proz. in 889 Tarifen und über 39 Proz. in einem Tarif. Für SonntagSarbeit waren Lohnzuschläge in Pfenni gen pro Stund« vereinbart: bis 29 Pf. in 834 Tarifen, über 29 bis 39 Pf. in 169 Tarifen, über 39 bis 49 Pf. in 35 Tarifen, über 49 bis 59 Pf. in 22 Tarifen und über 59 Pf. in 29 Tarifen. In Lohnprozenten berechnet fanden sich solche bis 19 Proz. in 9 Ta- rifen, über 19 bis 29 Proz. in 32 Tarifen, über 29 bis 59 Proz in 819 Tarifen und über 59 Proz. in 299 Tarifen. Für Nachtarbeit gab es Lohnzuschläge pro Stunde bis 29 Pf. in 897 Tarifen, über 29 bis 39 Pf. in 179 Tarifen, über 39 bis 49 Pf. in 28 Tarifen, über 49 bis 59 Pf. in 27 Tarifen und über 59 Pf. in 22 Tarifen. Nach Lohnprozenten bemessen hatten bis 19 Proz. 11 Tarife, über 19 bis 29 Proz. 18 Tarife, über 29 bis 59 Proz. 848 Tarife und über 59 Proz. 63 Tarife. Für sonstig« besondere Arbeiten endlich waren Lohnzulagen vorgesehen: bis 29 Pf. in 785 Tarifen, über 29 Pf. in 25 Tarifen und bis 19 Proz. in 8 Tarifen, über 19 bis 29 Proz. in 7 Tarifen, über 29 bis 59 Proz. in 75 Tarifen und über 59 Pro- zent in 18 Tarifen. Die Lohnzuschläge für Arbeiterinnen find verhält. nismähig selten und für die Statistik von minderer Be- deutung. Zum ersten Male im Berichtsjahr bringt die amtliche Statistik auch einen Vergleich zwischen dem Stand der orts- üblichpn Tagelöhne für erwachsene männliche Arbeiter Dezember 1919) und dem der tariflichen Mindest löhne ür erwachsene männlich« Arbeiter. Die Nachweisungen der ami ichen Statistik hierüber umfassen tabellarisch 96 Seiten. Die ami- lichen Nachweisungen erstrecken sich auf 87 Branchengruppen. Der allgemeine Eindruck ist zunächst der, daß die ortsüblicher) Tagelöhne fast durchweg ganz erheblich hinter der Entwtckelung der Lohnverhältnisse zurückgeblieben sind und vielfach nicht entfernt mehr den Verhältnissen des Arbeitsmarktes wie auch den gesteiger- ten Lebenshaltungskosten entsprechen. So beträgt z. B. in Preußen der Stundenlohn eines Maurers 17,1 Proz.(Stadtkreis Gelsen kirchen), bis 35,3 Proz.(Kreis Heydekrug) des ortsüblichen Tage lohneS der betreffenden Kreise, also bei einer zehnstündigen Ar- beitSdauer der Tagelohn 171 bis 353 Prozent des ortsüblichen TagelohneS. In Bayern finden wir Unterschiede für den Zehn- stundentag von 169 Proz.(Bamberg) bis zu 269 Proz.(Kulmbach). In Sachsen verdient ein Maurer in Plauen 177 Proz, in Leipzig 299 Proz., in Württemberg 169 Proz.(Stuttgart) und 173 Proz (Freudenstadt), in Hamburg 259 Proz.. in Lübeck 293 Proz., in Bremen 216 bis 222 Proz. des ortsüblichen TagelohneS. Freilich gibt es auch Fälle, in denen die tariflichen Mindeftlohnfätze sich nicht wesentlich über den ortsüblichen Tagelohn eines gewöhnlichen erwachsenen Arbeiters erheben oder selbst dahinter zurückbleiben. ES sind auch nicht immer bloß die ungelernten Arbeiter, auf welche daS zutrifft, sondern mehrfach sind es gerade gelernte Arbeiter- gruppen, deren Lohnverhältnisse so sehr zurückblieben, daß selbst ein ungelernter Arbeiter im gleichen Bezwk weit mehr verdlent. Auch diese Uebersicht gewinnt wesentlich an Wert, wenn sie sich erst über die gesamten Tarifverträge erstreckt und ihre Ergebnisse dann mit denen früherer Jahre verglichen werden können. In wenigen Jahren wird dies möglich fein; aber schon heute ist mit dieser Zu- sammenstellung ein schätzenswerter Anfang zu einer Lohnstatistik gemacht, die suh freilich auf die vertragliche Regelung der Lohn- sätze beschränkt. Emwickelung. Wir Erde schreiten und Kunde von Hunger« verzeichnen, der aber keine Revolten habe», Die lDerliner Parteigenossen im RelchztagsmahIIiampf. Im Kampfe um de» erste» Berliner ReichStagSwahlkreiS. Zu einer ebenso imposanten wie stürmischen Kundgebung gestaltete sich eine von ven Genossen deS t. Berliner ReichStagSwohltreiles ein- berufene öffentliche Wäbleiverfamiiiluiig. die am DienSiagabend bei Dräfel. Neue Friedrichstraßc, staltfand. Schon lauge vor Beginn der Versammlung war der Saal bis auf den letzten Play besetzt, und an der Türe, sowie aus der Galerie, ja selbst aus der Tribüne standen noch viele Besucher in drangvoller Enge. Bald mußre der Saal ab« gesperrt werden, obgleich man die Tische entfernt hatte. Auch die Polizei war erschienen und der Herr Offizier erkundigte sich schon auf der Straße bei seinen Untergebenen vorsorglich, ob da» Lokal noch einen zweiten Ausgang habe. Unter allgemeiner Spannung nahm dann Genossin Dr Rosa Luxemburg, mit tosendem Jubel von der Ver- jammlung begrüßt, daS Wort: Rcdnerin zeichnet ein knapp umrifieneS Bild von der äugen» blicklichen internationalen politischen Sitnation. Die Kanonenichüsse seien die Vegleilinusik auf' unserem Marsche in den Volkelamvf. Rednerin geht ein aus die Hungerkrawalle in England, Oesterreich und anderen Ländern, die Zeichen seien, die wir ihrer ganze» Be- deutung nach würdigen müßten, womit sie allerdings nicht lagen wolle, daß der Hunger im Volle eine �eue Erscheinung sei, vielmehr sei eS nur die Folge unserer kapitalistiiche» Wirtschafisweisc, in der naturnolwendig Krise mit Aufschwung wechselte. Neu sei aber, was wir in diesem Jahre erlebt hätten, wo keine Krisis zu ver- zeichnen wäre, im Segenteil, daS Unternehmertum glänzende Ge- ' fchäfte gemacht habe. Es zeige fich, daß heute noch nicht einmal mehr eine Krise notwendig sei zur Herbeiführung einer Hungersnot. ES zeige sich aber weiter daraus, wohin der Kapitalismus mit un- erbittlicher Logik führe. Rednerin weist auf den Kampf in det Metall- Industrie hin, wo zirka 79 999 Menschen nur aus einem Racheakt heraus brotlos gemacht werden sollten. Auf den ersten Blick handle eS sich hierbei ja wohl nur um eine Gruppe, aber das letzte Jahr habe schon drei solche Erschütterungen in der Metallindustrie gebracht. Wenn es auch zum Frieden gekommen sei, so wäre es Torheit, zu glauben, wir blieben in Zukunft davon verschont: Nein, wie ein Damoklesschwert hänge die Aussperrung über der Arbeiterschaft. Hier handle es sich nicht mehr um wenige Pfennige Lohnerhöhung oder eine Viertelslimde Arbeitszeitverkürzung, hier gehe es umS Prinzip. Die Scharfmacher glaubten, durch solche Aussperrung die Gewerkschastskassen zu leere», und die Gewerkschaften selbst erdrosseln zu können. Sie täuschten fich aber: Die Kraft und die Macht der Gewerkschaften lägen nicht in deren Kassen, sondern in der Opter- sreudigleit und Solidarität ihrer Mitglieder.(Tosende Zustimmung.) Alle Machinationen der Herren würden darum an der Arbeiter- bewegung zerschellen wie Glas am Granit. Aber mit der Talsache selbst müsse gerechnet werden, daß das, was heute hier geschehe, morgen dort geschehen kann, wenn nicht die Angriffe mit voller Wucht und breiter Brust abgewiesen würden. Die Zeit deS Friedens und der partiellen Kämpfe sei vorbei, sowohl auf politischem wie auch auf wirtschafitichem Gebiete. Und nun noch etwas, was scheinbar ein eiiltegeues Gebiet streife, aber durchaus verwandt sei mit den gestreiften Punkten: Die Nachrichten aus China von dem siegreichen Vordringen der Revolution. China und Re- volution I Es genügt, um von einer Weltwende zu sprechen l In China proklamiere man die Republik; wir aber leben in Deutsch- land unter einem chinesischen Mandarinentum. Wenn daS viel» tausendjährige chinesische Reich den modernen Stürmen nicht mehr standhalten könne, dann sollte das kleine Misthäuflein der deutschen Reaktion dem Fortschritt trotzen können?(Minutenlanger, tosender Beifall.) Wohl stellten auf dem ersten Blick die aufgeführten Er« scheinungen verschiedene Gebiete dar: wer aber tiefer blicke, sehe, daß sie sich alle vereinigten zu einem geschlosienen Ringe, fortscheitender sozialer Gesinnung und MW MW sähen daS Hungcrgespenst über die vernähmen aus anderen Ländern die revollen. Bei uns seien ja nun keine zu würde sich irren, der meinte, daß, weil wir bei unS auch keine Not vorhanden wäre. Ebenso wenig käme der Polizei das Berdienst für die Ordnung zu. Wenn alles geordnet gehe, so sei eS nur der Aufklärung und der Erziehung der Sozial- demokratie zu verdanken, die nicht durch chaotische Aufstände, sondern durch bewußten, planmäßigen Kampf die Not des Volkes bessern wolle. Mit beredten Worten wendet sich die Rednerin an die Frauen, schildert ihre Lage, ihre Rechtlosigkeit, sowie auch ihre Pflichten und Aufgabe». Jede Frau aus dem Volke heute, die eS fertig brrnge, die Familie über Wasser zu halten und ihre Kinder anständig zu erziehen, könne jeden Finanzminister in die Tasche stecken und erbringe schon hiermit das Reifezeugnis für die Wahl- und Stimmberechtigung. Mit vernichtender Schärfe geht Rcdnerin mit dem Imperialismus ins Gericht, dessen Folgen sie sowohl von der rein politischen als auch von der Handels- und wirlschaftspoliiischen Seite beleuchtet. Sie zeigt, daß die Sozialdemokratie einzig und allein konsequent und unverrückbar und ihren Grundsätzen gerreu gegen diese Art der Raubpotitik den Kampf geführt habe und auch weiter führen werde. Solange unsere Patrioten»och N/z Millionen fremde ausländische Arbeiter planmäßig nach Deuiichland einführten, hätte» die deutschen Arbeiter keine Ursache, noch Afrika auszuwandern. Das überließen fie ihren Ratgebern mit Naumann an der Spitze, der als Seelensorger mitgehen könne und auch dem Fräulein Lisch« n e w s k a, damit auch das schöne Geschlecht oertreten sei.(Stürmische Heiterkeit.) Zum Schlüsse erklärt die Rednerin: Was der Jmpena- lismuS tue, fei nichlS.anderes als Vorarbeit für uns. In diesem Bewußtsein gingen wir dem 12. Januar entgegen. Nicht wie bei dem Bürgertum sei bei uns die Jagd nach Mandaten die Haupt- fache, sondern viel wichtiger seien die Stimmen und auch diese hüllen wir zu wägen nicht nach Zahl, sondern nach geistigem Gehalt. Nicht Mitläufer, sondern entschlossene. iberzeugte und opferbereite Männer und Frauen, die in guten und bösen Zeiten zu unS hielten, brauchten wir. Wir gingen schlimmen Zeiten, vielleicht sogar Ausnahmegesetzen entgegen. Trotzdem keine Furcht: je schärfer die Brise, um so lustiger webe die rote Flagge! Wir. die zwölf Jahre unter einem Ausnahmegesetz geblutet hätten, brauchten uns nicht zu fürchten! Aber die zu uns kamen, müßten gefaßt sein, daß vielleicht mehr Opfer von ihnen verlangt würden als die Abgabe eine« Stimmzettels. Wenn wir in diesem Geist binauSziehe» in den Kampf, dann könnten wir ausrufen, wie eS so chön im Liede beißt: Mit uns das Volk, mit uns der Sieg! (Brausender, minutenlanger Beifall.) Täter o w verließt ein Begrüßung, Melegrannn auS Beelitz von den dortigen Genoilen, was er als gutes Omen für den Sieg be» zeichnet. Es»ei schön, daß diejenigen, die nicht aktiv teilnehmen können am Kampfe, doch im Gelste bei uns sind.(Händeklatschen.) Als erster Redner tritt Kaufmann Horn auf. der ausführt: Die Gegner des Kandidaten Düwell wendeten fich besonder» an die Privoiangestellten. Man müsse diese Gegner deshalb prüfen, wie ie zu de» Forderungen der Aiigeitellten sich stellten. Sowohl Herr Thomas als wie Herr K o e m p f hätten nicht für, sondern gegen die Angestellten und Handlnngsgehitfen gearbeitet. Redner weist aus den Raub der Selbslverwattung in de» Krankenkasien hin. Die Parteien der Herren Thomas und K a e m p hätte» die Reichs- inanzresorm ebenso wie den Raub der Selbstverwaltung mitgemacht. Thomas lei aufgestellt, weil er in der Handlungsgehilfen» bewegung stehe und deshalb den Handlungsgedilsen schmackhaft ge» macht werden solle. Thomas sei ein Jünger des Herrn Schock, der in allen Frage» und Forderunge» der Handlungsgehtlfenichaft glattweg versagt habe. Die Privalangestellten müßten sich wundern. wie man ihnen einen Manii wie Herrn K a e m p f als Nandidale» emp» fehlen könne. Gäbe es doch keinen schärferen Gegensatz, als die An» gestellten einerseits und die Kreise, die Herr K a e m p s vertrete, andererseits. Das Reichsgesetz gebe den Gemeinden die Möglichkeit, die Sonntagsruhe ganz oder teilweise einzuführen. Berlin jedoch, wo der Freisinn herrsche, widerse�e sich_deni berechtigte» Verlange» der Handlungsgehilfen auf v ö l l, g e SoniitagSruhe. Redner erimiert an die Rolle des Herr» K a e m v s als Vorsitzender des Handelsrages, dessen Generallekrelär Seußerimgen getan habe, die sich gegen alle -orderungen der HandlmigSgebilken ii»d Privalangestellten richieten. Nicht aus Dummheit oder Bosheit, loiidern aus wiriichaft- tlchem und gesellichastlichein Zwange heran«, müsse Herr K a« in p f egliche Sozialpoliiit sür die Augestellten bekänipsen. Wohl seien nach dem HandelSlag alle HaiidlniigSgehilsen und Angestellie» gegen den- selben unier Protest aufgelreien. Aber da« GedachiiiiS sei manch», al elwo« schwach bei den Wählern, daruni müsse man an jene Vor- gänge erinnern. Gädke wolle man wählen, weil man annedine, daß er die Farderung der Angestellten gm vertrete» werde. Die Sozialdemokratie abei habe die Interesse» der Angcstelllen jabrzehnle- lang einzig und allein vertrete». Die Sozialdcniolratie könne wohl die Plivatangestküten entbehre», die Privalangestellten aber nicht die Sozialdemakralie.(Gioßer Beitall.) Ein Hell Bornes stellt sich als freier liberaler Mann vor, der keiner Partei angehöre. Er wolle nicht kür einende- l i m m t e n Kandidaten eintreien, aber er werde sich freuen, wenn die Sazialdemokratie im Reichstag praktische Politik treiben werde. Herr Elzner, Demokrat: Tie Demokraten seien ebenfalls gegen Junker und Militarismus. Sollte Gädke nicht durchkommen, dann würden sie Mann für Mann für Düwell eintreten.(Großer Beifall.) Zu tuinultliarischcii Szenen führte da» provokatorische Auf- trete» eines Herrn Z i in m e r m a n n: Er sei nattonolliberal. Die NatioiiaUiberaleu beständen nicht au« lauter Schlot- baronen. Er freue sich, daß an der Spitze deS Dentschcn Reiches das pflichtbewußte Hohenzolleratum stehe. Allerdings sei es ein g r o h e r politischer Fehler gewesen, dah der preußische König in der Zeit der Teuerung dreieinhalb Millionen Zulage verlangt hat. Wenn Deutschland so schlecht sei, warum gehe denn Frau Dr. Luxemburg nicht hinaus. Ihre An- Wesenheit zeige, dag ein Einwanderungsgesetz dringend not- wendig sei. sstllrm. Unterbrechung, gr. Lärm.) Die Nationalliberalen würden in Zukunft den Grundsatz vertreten: Reichtum verpflichte I Boflermann werde dafür sorgen.(Dröhnendes Hohngelächier.) Die Engländer haßten uns, weil wir intelligent seien, sie werden uns eines Tages vernichten, verschlucken, eines Morgens werde unsere Flotte vernichtet sein.(Stürmische Heüerkeit.j Der Militarismus sei eine Versicherungsprämie. Frau Luxemburg habe noch keine Kugel pfeifen hören.(Großer Tumult.) Sie habe die Veteranen von 1870 beschimpft.(Ungeheurer Lärm.) Er wünsche und hoffe, daß wieder ein Kanzler komme, der sage: Große Fragen werden durch Blut und Eisen gelöst.(Vielhunderlstimnrige Pfuirufe und große Erregung, die sich erst legt, als Frau Luxemburg ein paar beschwichtigende Worie an die Versammlung richlet und erklärt, daß wir für das Auftreten solcher Gegner nur dankbar sein könnten.) Der Lärm setzte aber sofort wieder ein, als der Redner ausführt, die große Mehrheit der Menschheit werde immer Herdenvieh bleiben. Der Kandidat D ü w e l l ging mit diesem Herrn gründlich ins Gericht, und kennzeichnete den Charakter und die Taten der sllattonal- liberalen in trefflicher Weise. Mit einem begeistert aufgenommenen wuchtigen Appell an die Wähler, am 12. Januar für die Sozial- demokratie einzutreten, schloß der Redner. Rosa Luxemburg, gegen ihren Wunsch von der Bersamm- lung gedrängt, nahm noch einmal das Wort. Mit sarkastischem Spott führte fie den famosen Gegner unter losender Zustimmung der An- wesende» gründlich ab, und dankte den Gegnern für das Auftreten solcher Prachtexemplare. Wer am 12. Januar den Kandidaten Düwell wähle, der handle als wahrer Vertreter der Kultur und Menschheit. Ein begeistertes Hoch schloß die Versammlung. » Im zweiten Wahlkreise fand eine öffentliche Wählerbersamm- lung in Nißles Festsälen, DennSwitzstraße, statt, die sehr stark be- sucht war. Dr. Moses refer-ierte über die bevorstehende Reichs- tagswahl, die er als einen Kampf zwischen zwei Weltanschauungen schilderte. Es gelte der herrschender« Klaffe zu zeigen, daß das ar- bettende Volk mündig geworden ist und daß man seinen Willen respektieren muß. Mit scharfen Worten geißelte der Redner den politischen JndisferentiSmuS in großen Schachten des Bürgertums, des deutschen Spießbürgertums, unserer weltbekannten Philister. An immer neuen Bildern und Beispielen zeigte er, welche Zustände im deutschen Vaterlande bestehen und welchen Kamps die Sozial- demokratie unermüdlich und unablässig dagegen führt.— Der Vor- trag, der beinahe zwei Stunden währte, fand die größte Aufmerk. samkeit der Anwesenden und wurde häufig von Zeichen der Zusttm- mung unterbrochen. Stürmischer Beifall belohnte den Redner, als er zum Schluß den internationalen, ringsum die Bruderhand rei- chenden Sozialismus feierte und zum flammenden Haß gegen alles, was schlecht und heuchlerisch ist, aufrief. Zur Diskussion meldete sich nur ein Redner, der auf die Anstrengungen der Gegner im zweiten Kreise hinwies und davor warnte, sich zu sehr in Sicherheit zu wiegen. Dieser Warnung schloß sich auch der Vorsitzende an, der auf ein im zweiten Kreise verbreitetes Flugblatt aufmerksam machte, mit dem eine Art Bauernfang betrieben werde, indem darin der freisinnige Kandidat Mommsen als„der bisherige und bewährte Vertreter des Kreises" bezeichnet wird. Man sollte er» warten, daß jedermann weiß, daß der bisherige und bewährte Ver- treter des Kreise» unser Genosse Richard Fischer ist.(Bei- fall.) Mit Hochrufen auf unsere Partei schloß die Versammlung. Celtow-Bwehow. Die Rixdorfer Genoffen hatten am Montag«ine Wählerver. sammlung nach der„Neuen Welt" einberufen. Der Andrang war so stark, daß bei weitem nicht alle Besucher in dem VersammlungS- saal— eS war nicht der große— Platz sandetu Die Polizei, die in einer auffallend starken Zahl zur Stelle war, sperrte das Lokal ab. Allerdings etwas voreilig Hätte sie dem Versammlungsleiter von ihrer Absicht Kenntnis gegeben, dann wäre durch engeres Zu» sammenrücken immerhin noch für einen Teil der ausgesperrten Be. suche? Raum geschafjen worden. Aber dies« selbstverständliche Rück- ficht nahm die Polizei nicht. Sie besetzte daS Gartentor und ließ niemanden mehr hinein. Hunderte standen vor dem geschlossenen Tor» wurden aber bald von der Polizei veranlaßt, sich zu entfernen. ES war eure imposante Versammlung, die den Saal und die Galerien füllte. Mit regem Interesse folgten die Anwesenden dem Vortrage des Genossen Fritz Ebert. Er gab ein anschauliches Bild von den gegenwärtigen politischen Verhältnissen. Im Hinblick auf die Marotkoaffäre zeigte der Referent, wie die kapitalistische Profitsucht daS Reich in koloniale Abenteuer gestürzt und die Ge- fahr eines Weltkrieges heraufbeschworen hat. wie das Volk durch die Zoll, und Steuerpolitik bedrückt wird und dadurch unter den gegen- wältigen Teuerungsverhältnissen zu leiden hat und daß noch Schlimmeres in dieser Hinsich« zu erwarten ist,. wenn wieder eine reaktionär« Mehrheit in den neuen Reichstag einzieht. Dann wird man sich nicht begnügen mit einer weiteren wirtschaftlichen AuS- Plünderung der VolkSmassen. man wird auch wichtige Volksrechte, besonder» da» Koalitionsrecht, unterbinden, so daß die Arbeiter- schaft schutzlos den Ausbeutungsgelüsten des Unternehmertums vreiSaegeben ist. Von den bürgerlichen Parteien mit Einschluß der Freisinnigen hat hie arbeitende Bevölkerung nicht? zu erwarten. Darum muß jede?) der die Interessen der breiten Volksmasse ge- fördert sehen will, für die Wahl sozialdemokratischer Vertreter ein- treten, für die Partei, deren erhabenes Endziel eS ist, eine Gesell- schaftSordnung zu errichten, wo eS keine Ausbeutung und Unter. drückung mehr gibt.— Die Ausführungen, des Referenten, fanden lebhaften Beifall. Charlottenburg. In einer gut besuchten ösfentlichen Per» sammlung im VolkshauS sprach am Sonntag Genosse Büchner. Der Referent erweckte mit seinen von beißendem SarkaSmuS ge- würzten Ausführungen den lebhaftesten Beifall. Trotz mehrfacher Aufforderung meldete sich kein Gegner zum Wort. Genosse Bade schloß die imposante Versammlung mit einem begeisterten Appell an die Charlottenburger Arbeiterschaft, alles daran zu setzen, um den Genossen Fritz Zubeil schon im ersten Wahlgange mit einer imposanten Mehrheit durchzubringen. Allgemein fallt es aus, daß auch jetzt noch unsere ösfentlichen Versammlungen polizeilich bewach« werden. Ist eS der hochwohllöblichen Polizei noch nicht bekannt, daß wir uns in der Wahlbewegung befinden? Teltow. Hier sprach in einer sehr- gut besuchten Versammlung der LandtagSabgeordnete Paul Hirsch über die kommenden ReichStagswahlen. Redner unterzog die Sünden der bürgerlichen Parteien einer vernichtenden Kritik und kennzeichnete gebührend die Hetzereien de» Reichsverbandes und der Kreisblätter. Zum Schlug ermahnte der Referent die Anwesenden, am 12. Januar ihre Pflicht zu tun. Nach dem mit reichem Beisoll aufgenommenen Referat verbreiteten sich die Stadtverordneten Franke und Röder über die unleidlichen Verhältnisse im Wsigen Stadtporlament. Die Ver- sammlung wunde mit einem begeisterten dreifachen Hoch geschlossen. Alt-Glienicke. In einer össentlichen Wählerversammlung für t>en OrtSteil Fallenberg rechnete Genosse Alex P a g e l S- Rixdors mit den bürgerlichen Parteien gründlich ab. Redner betonte, daß diesmal im Kreise Teltow-Be-Skow sich ein harter Kampf ent- spinnen werde, da bis jetzt 7 Kandidaten verschiedener Richtungen aufgestellt seien. Pflicht eines jeden Genossen sei es. sich an den Wahlarbeiten zu beteiligen, um so unscrm alten Genossen Fritz Zubeil zum Siege zu verHelsen. Das Referat wurde von den Besuchern mit großem Beifall aufgenommen. Die Versammlung wurde durch Gesangvorträge de» Glienicker Arbeiter�tesangverein» «öffnet und geschlosse» JSicderbammi. Rahnsdorf. Eine Wählerversammlung im Waldschlößchen hörte am Sonnlag ein Referat des Genossen Küter- Karlshorst über die bevorstehenden Wahlen. Mit einem Apell an die Versammelten, ihre Summen am 12. Januar dem Kandidaten der Sozialdemokratie zu geben, fand die Versammlung ihren Schluß. Malchow. Eine von über 200 Personen besuchte Wählerver- sainnflung, in der Genosse S t a d t h a g e n sich den Wählern als Reichstagskandidat vorstellte, fand hier am Sonntag nachm ittag swtt.„Teuerung, Kriegshetze und ReichStagSwahl" lautete das Thema des zirka zweistündigen Referates. Starker Beifall lohnte den Redner für seine vortrefflichen Ausführungen. Gegner mel- beten sich trotz wiederholter Aufforderung nicht zum Wort. Der „Männerchor Weißensee" trug durch seine Mitwirkung wesentlich zu dem imposanten Verlauf der Versammlung bei. PeterShagen. Ueber die bevorstehende ReichStagSwahl rese- werte in öffentlicher Versammlung im Lokal zum Forsthaus am Sonntag Genosse Adolf Domnik. Redner schilderte in seinem libstündigen, mit Beifall aufgenommenen Referat die Taten des schwarz-blauen Blocks und unterzog dieselben einer herben, aber gerechten Kritik. Genosse Höselbarth ermahnte zum Schluß die Wähler zum Eintritt in den Wahlverein sowie zum Abonnement aus den„Vorwärts". Der Gesangverein SangeSIust brachte vor und am Schluß der Versammlung je ein stimmungsvolles Lied zum Vortrag. Grvß-SchSnebeck(Bezirk Lichtenberg). Um der Wählerschaft von Groß-Schönebeck zu zeigen, wie die Sozialdemokratie in der am Sonntag, den 10. Dezember, stottyefundenen konservativen Ver- sammlung verleumdet worden war, hatten die Lichtenberger Ge- nossen am Sonntag eine öffentliche Wählerversammlung unter freiem Himmel einberufen, die trotz des starken Nebels von weit über 200 Personen, darunter auffallend vielen Frauen, besucht war. Der Referent, Arbeitersekretar Genosse Jahn-Berlin, der über das Thema:„Konservative und fveiionservative Partei und Landbevölkerung" sprach, zerpflückt« unter lebhafter Zustimmung der Versammlung die Argumente der vereinigten konservativen Parteien, mit denen sie sich als Freunde des Kleinbauern und Ar- beiters girieren. Er wies nach, wie gerade die Konservativen immer durch die Tat bewiesen haben, daß sie die ärgsten Feinde des kleinen Mannes seien und endete mit der mit Beifall auf- genommenen Aufforderung, am Wahltag« jenen Herren die wohl- verdiente Abfuhr zuteil werden zu lassen und ihr« Stimmen dem Kandidaten der Sozialdemokratie, dem Genossen Stadthagen, zu geben.— Mit der Ausforderung, die Wählerliste einzusehen und den 12. Januar zu einem SiegeStage für die Sozialdemo- krati« zu gestalten, schloß der Einberufer mit einem brausend auf- genommenen Hoch auf die Soziasdemokratie die Versammlung.— Herr Schriftsteller Feder- Berlin, der angestellte Sozialistentöter des Kreises Niederbarnim, war rechtzeitig von dem Einberufer brieflich geladen, zog es aber vor, an einem anderen Orte über „Sozialdemokratie und Mittelstand" zu reden, so daß wir um diesen Genuß leider kamen. Liebenthal(Bezirk Lichtenberg). Seit Jahren war eS uns nicht möglich, hier ein Versammlungslokal oder-Grundstück zu be- kommen. Doch auch hier gelang es uns, am letzten Sonntag eine öffentliche Wählerversammlung unter freiem Himmel abzuhalten, in welcher Arbeiterseckretär Genosse L e h m a n n» Berlin über „ReichStagSwahl und politische Lage" referierte. Trotzdem wegen der weiten Entfernung von der Bahnstation die Versamuflung erst später stattfinden konnte, als ursprünglich angesetzt, hielten die Er- schiencnen— wohl an hundert— trotz der naßkalten Witterung auS und unterstrichen die Ausführungen des Referenten durch wiederholten Beifall. Nach einigen anfeuernden Worten schloß der Leiter mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie, in welches die Ver- sammlung kräftig einfiel. Lanke(Bezirk Bernau). In einer von zirka 200 Personen besuchten Wählerversammlung sprach Genosse Emil U n g e r über „Die Teuerung und die ReichStagswahlen". Der Vortrag wurde mit reichem Beifall aufgenommen. In der Diskussion führte der Vorsitzenibe u. a. einige krasse Fälle über schlechte Behandlung der hiesigen Arbeiter an. Nach einer Aufforderung desselben, sich der gewerkschaftlichen sowie politischen Organisation anzuschließen, meldeten ein« groß« Anzahl Besucher ihre Mitgliedschaft bei dem Land- und Forstarbeiterverband sowie dem Wahlverein an. Di« vortreffliche Stimmung in der Versammlung gibt die Gewähr, daß auch hier am 12. Januar für unseren Kandidaten Artur Stadthagen eine imposant« Stimmenzahl abgegeben wird. Schöneiche. In einer, auch von Frauen gut besuchten Ver- sammlung sprach am Sonntag in Rahnsdorfer Mühle Genosse Richard Küter über die bevorstehende ReichStagSwahl. Der große Beifall, den die Anwesenden dem Referenten zollten, läßt auf einen guten Ausfall der Wahl schließen� Mit einem Hoch auf die Sozial- demcllratte wurde die Versammlung geschlossen. Hus aller vllelt. Schwerer Eisenbahnunfall in Belgien. Auf der nahe der deutschen Grenze gelegenen belgischen Bahn» station W« l l e n r a e d hat(ich am Montagabend ein schwerer Be» ttiebsunfall ereignet. Ein von der Station Welkenraed nach Ver vier« bestimmter Personenzug hatte gerade den Bahnhof ver- lassen, al« ihm infolge falscher Weichen st ellung eine einzelne Lokomotive in die Flanke fuhr. Mehrere Personen» wagen wurden durch den Zusammenprall vollständig eingedrückt. Au« dem Innen, der Wagen tönten den zur Hilfeleistung Herbei- eilenden herzzerreißende Schmerzensschreie entgegen. Zwölf Passagiere wurden in mehr oder weniger schwer ver» l e tz t e m Z u st a n d e au» den Wogentrümmern hervorgeholt. ' Zu dem bereits gestern gemeldeten Eisenbahnunglück bei Odessa im nordamerikanischen Staate Minnesota, dem 12 Tote und 10 Schwerverletzte zum Opfer fielen, wird noch berichtet. daß das Unglück auf die Schuld des Streckenwärters zurückzuführen ist. Der Schnellzug, der sogenannte Seidenzug, weil er hauptsächlich von den Inhabern großer Seidenfabriken benutzt wird, wurde in zwei Teilen abgelassen, da er übersiillt war. Der erste Teil de» Zuges wurde kurz vor der Station Odessa aufgehalten, da daS Gleis durch einen Güterzug gesperrt war. Der Streckenwärter hatte eS unterlassen, die Signale auf„besetzt" zu stellen und ließ den zweiten Teil des„SeidenzugeS", der nur fünf Minuten später ankam, mit unverminderter Ge- schwindigkeit auf den er st en ausfahren. Die beide» letzten Wagen des ersten Teile» de» Zuges wurden vollständig zerstört.-_ Eine christliche Grabrede. Die„Bergarbeiterzeitung" berichtet aus Kachlowitz in Ober- ichlesien über die Beerdigung de» langjährigen Vertrauensmannes Franz F o g i n S k i. FoginSN war Unsallinviflide und muß« unter harte,» Mühen fich iem Leben lang lein Stück Brot verdienen und schon im blühenden Alter von gl Jahren aus dem Lebe» scheiden. Als Vertrauensmann hat er gegen seine schwarzen Gegner einen harten Stand gehabt. Die Liebe und Achtung, die er sich aber er- rungen hatte, zeigte fich bei seiner Beerdigung, an der eine große Anzahl Arbeiter teilnahm. Die Beerdigungsfeierlichkeit hatte einen ruhigen Verlauf, bis aus die Grabrede, die der Kaplan Grellich hielt. Er sagte:„Suchet zuerst da» Königreich GolteS und seine Gerechtigkeit. Ihr seid heute hier außerordentlich zahlreich erschienen. Ich weiß nicht, ob um den Toten zu ehren, oder auS Neugierde. Ich will hier diesen Toten nicht richten, denn er fiel nur al» Opfer von raubtierischen Wölfen, der sozial- demokratischen«gitatore«. die im,«n« Geschäftsinteresse arbeiten.... Was haben diese falschen Propheten ihm jetzt gegeben oder geholfen? Nichts I Sie raubten ihm die Ruhe seiner Seele und den heiligen Glauben." Für einen Durchschnittspsarrer eine ganz nette Leistung. Der Tod im Kaliwerk. Ein schwerer Betriebsunfall wird aus dem Kaliwerke H ü p st e d t bei Heiligenstadt(Eichsfeld) gemeldet. Sieben Maurer, die auf einem Gerüst beschäftigt waren, sind mit dem Gerüst in die Tiefe gestürzt. Von den Ver- unglückten wurden drei getötet und einer lebens-- gefährlich verletzt. Die übrigen drei Arbeiter kamen mit leichteren Verletzungen davon. Kleine Notizen. Ei» LirbeSdrama. In Altona hat der S0jährige Maler Dunkel auS Effersiicht seine Geliebte, eine Frau Nilolaisen, mit der er zusammenlebte, erschossen. Bald daraus verübte Dunkel Selbstmord. Der Feldwebel als Lebemann. Der Vizefeldwebel Eisenhut vom Mannheimer Grenodierregiment wurde wegen verschiedener Unregelmäßigkeiten verhaftet. Eisenhut hatte recht vornehme Allüren, er lebte über seine Verhältnisse hinaus und machte wiederholt Spritztouren nach Paris, durch die er Verdacht erregte. Blutiger Kampf mit Wilddieben. In dem Waldrevier eines Wiener Großindustriellen beiSchlotzFreiland fand ein schwerer Kamps zwischen einem Revierjäger und sechs Wild- d i e b e n statt. Dabei wurde der Revierjäger schwer ver» w u n d e t, einer der Wilderer getötet und ein zweiter tödlich verletzt. Die übrigen vier entflohen, konnten aber bereits ver- Haftel werden. Soldaten als Raubmörder verurteilt. Ein französisches Kriegs- gericht in L e Ma nS verurteilte gestern zwei Soldaten, die vor einiger Zeit eine alte Frau ermordet und beraubt hatten, zum Tode. Acht Personen ertrunken. Wie ein Telegramm aus Montreal meldet, kenterte während eines Sturmes an der kanadischen Küste ein mit acht Personen besetztes Boot. Alle Insassen des BooleS sind ertrunken. Der„verführte" Schutzmann als Zuchthäusler unter Polizei- aufsicht. Die Auricher Strafkammer verurteilte den früheren Wilhelmshavener Schutzmann Jae nicke, der von dem geflüchteten Schatzmann und Spion Glauß verführt, sich an dessen Verbrechen beteiligt hatte, wegen vierfachen schweren Einbruchs- diebstahls zu 3'/z Jahren Zuchthaus und ö Jahren Ehrverlust sowie Stellung unter Polizeiaussichr. 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Die Beerbt gutig findet am Donnerstag, nachmittag» 3 Uhr. von bei Letchrnhaile der Chriftu«. flbemebibe. Lichienraber ChonAee. au» statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Ortsverwaitung. SoMljemlilcsZliMe!' VMmio 4»» K. Seri. kLjedZlsss-VMni«. Todesanzeige. flm 15. Dezember»erstarb irajet®enofle, der Schlaffer Paul Handte Stephanstr. 11. Whre feinem Mnbentenl Die Leerbigung findet am Donnerstag, den 21. Dezember, nachmittag» 2 Uhr, von der Leichenhalle de» Gemeinbesrieb- hole» in Friedrichsselbe au» statt. Um rege BeteiUgnng ersucht Der Vorstand. MWM-SMSSSSS««»» VSlltZLÜ« �lstZÜssdsitsk-Vssdgoij Voe»»ttong»et«Ils Saellm VadenaaMelUva. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglieb. der Ziseleur LmU Beek am>&. Dezember an Nerven. leiden gestorben ist. 153/7 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. Dezember. nachmittag» 3 Uhr. von der Leichenhalle de» ChrlstuS-Sirch. Hose» in Marienbors, Lichterrradet Shauffee, au» statt. Kerner starb nnser Mvgfied, der Schlaffer Paul ttancltc am 15. d N. infolge eine« lln. lalle». Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. Dezember. nachmittag» SUHr,«on bei Leichen» halle de» stäbltschen Kriedhose» w Kried eich»selbe au« statt. Ehre ihrem Andenken 1 Reg« Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltnng. ZiMMSkratisckVaMMi tlo» 1«A«MlMMniW. Ilm>3. Dezember verstarb unser Semoffe, der GiaSardetter Linst Xödlor Irtstfiraz« 41. feinem Andenton i Beerdigung findet am ttn� den 31. Dezember. nochmUlagt S'L Uhr. ans dem städtischen Anebhos, Mfillerstrahe. Ecke Seestratze. statt. SSit/l Um rege Beieiltgun» ersucht v«, WurmUunI Di' Zeutratrertaiid der BSttdter, VeinkHer nd Hillsarbeiler vestsrtlM (Filiale Berlin). Todesanzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dah unter Mitglied Heinrieb Bartx am«ouwg. IS Dezember,»Ad. »ch am Herztchiag oeritorbe» ist. Adre seinem Andenken! Di, vret diguna findet am DonuerSta,. den 21. Dezember. nachmittags 3 Uhr, von der Leichendalle de» allen St. Michael« Kirch Hose» in Nixbors, Hermann« firaste 191/95, au* stall. 30/7 Der Vorstand. allen Bekannte n und Str* wandten die traurig« Nachricht. dah unser lieber Vater, Schwteger. und Srotzvater, der Putzer priedl-ick�sttkes am 14. d. Ml«, im TL Beben». jähre piStzlich verstorben ist 01« traoornho» Witerbflebaean, Die Beerdigung findet tzenie. nachmittag« 3»/, Uhr. von der Lcichenballe de» U-nen Nazareth. Kirchbase» in der KSgelstraße an» statt._ 1182C SDZtaldeiookntlscIierVililienit]) de» S. Herl.«eMW-RMrekK. Em 14. Dezember verstarb unser Denoffe, der Putzer Prledricli Matthes Prwz-Eugen-Str. S. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch. den 20. Dezember. nachmittag« 2'/, llhr. von der Lridienballe de» neuen Nazoretb- Kirchhose«, New itevdors« vest Kögeljlraste, au» statt. Um rege Beteiligung ersuch« 260/2 Der Tomtand. Deutseber Bauarbeiter-Verband Sektion der Pntnor. Cm 14. d. Ml», verschieb plbtz. llch unser alte» brave» Shren- rnttgiied priectrietMattkes im soft vollendeten TL Beben». jähre. Ehre(einem Andenken l Die Beerdigung findet heute Mttwoch. de« 20. Dezember. nachmittag» 31/, llhr, aus dem neuen Nazareth-Kirchhos w Siei. nickendors-West, Kögelstrahe, statt. Kr war im Kamps und Frieden an unserer Seite. Qbldch da» Singen bei Nichtanwesenheit eine» amtierenden Psarrer» verboten ist, ersuchen wir die Mitglieder trotz alledem um recht rege Be. teuignng 140/10 vi» Irttieda Vomaltung. Denlseber Hotiarbeiler-Verdand Den Mitgitedern zur Nachricht. datz unser Kollege, der Ztschler pjekarci Speer Markus ftr. 25 im Aster»an«3 Jahren ae» starben ist «kdre seinem BA�enken k Die Beerdigung finde» am Mittwoch, den 20. Dezember a, nachmttlag» B1/, llhr. von ber Halle de» MarkuS-Kirchhose« w MlhelmSberg au» statt. 94/9 Die Qrtsderwaltnng. Deutscher Transportarbeiter-VertiaRii. Bezirk, rerwaltung GroS-Berlla. D«n Mtigliedern zur Nachricht. datz unser Kollege, der Portier Max Köppe am 18. Dezember im Eller von 30 Kahren verstorben ist 69/2 Ehre seinem Andenken; Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. Dezember. nachmittags i'/, llhr, von der Leichenballe de» Cus ersteh ungS- Kirchhose», Böeitzenseer»eg, an» statt Die vezirkSverwaltnog. SMldeWknlisrt.?MfM!l!i Im Rieder-Baim Bonlrb Stralaa. Den Den offen znr Nachricht. datz unsere Senosfin kmn Gnndlaeb o erstorben ist Ehre ihrem Andenken l Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. Dezember, *' 2 Uhr,»on der Leichenhauk an« statt. Um rege vetriliguug ersuch« 280/5 Dir Bezirks letinng, Verband der freien 6ast- nnd Schankwirte Deutschlands. ZahKtell, Strstaa- ftnuMlrkorg. Den Mitglieder, zm Nachricht, datz die Arm» unsere« Kollegen Sh. Gundwch KüTor* Quadlach mn...n»» Mm M ?FURZIGr»MMHUM» M».» osstoede» ist Die Beerdigung find«« he nie Mittwoch. den» Dezember. nachmittag» 2 llhr,»on der Halle he» ktriuäuer Fnedhosek Vit« Stralau, au» statt. Um rege Beteiligung ersuch« 81/18 01» OrUnrwahme. Allen Freunden and Bekannte, d»«»'■—'- aa— 4.- a a.»- ÜVC 9CacS/t iu|L, P8f Ptc Beerdigung meine»- fiede»»nninl Louis Spieiber; heute, Mittwoch, den 2st, nach- mittag«?/. Uhr, von der Seichen- Halle des HeitodS-Kirchh-s-» an» stattfindet. Die Imnernt Sana fiplaldoeg geb. Danksagung. Fbr die vielen Beweise Teilnahme und die zahireU spenden bei der Beerdigung meine» unvergeßlichen Mannet Emil Lern ber; sag« ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem sozialdemokratischen Sahiverew Nrnn« melSburg und dem chelangverew .Männerchor Boxhage»« Nummei»« bürg» tllr den erbebend« Gelang so« wie mewen Gast« mein« ans- richtigsten Dank. 2115b Ol««raoorndM HtotorbiMoneo Fra» Loisa Lemberg und»w der. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« Heben unvergeßlichen Manne» Ferdinand nttller sage ich alle» Verwandte», Freunden u. Bekannten, sowie den Vertretern de» 4. Mahl- kreise« und dem Verband der Schnei- der und Schneiderinnen Lettin I meinen herzlichsten Dank. Die tief trauernde Gattin Hedwig Mllller. Extra- Abtellnna 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohre»- 1 8traSeS7a(2. Haas»ob dsrl Jerutaiemer StraBe). | II. Geich.; Berlla N0n Grata I Fraokiurt. Str. IIS(2. Hau, j von der AndreasttraSe). 1 | äehrrr. Aiuw. fert. Kleider, I J HDta, Kandtehuha, Sohleier I »etc.» eint ach, ien bit iam| | hochelegant 6 eore*. äußerst j niedrigen Preieen. So nder-ä bteilonf: Hafianfertlcnnc in 10 bis 12 Stunden. Vom H. Amottwat aar Ptluaekom tlt tarnt, mo4ara. Uta rudar- ktkrnAo Otlataa- kait Darak kkaraat tOaaUtaa Akttklaa» ila Uk ta dar Lata, alttama PaUaackam an uilltaa Praltaa amd lattaru kalaa- tau Badlngaatam ob- loreben. Klatan- Aoavakl Kradit' Hooi Riekard Kram- keck, FtanUarlat Attea 1*4,1. s« Weihnachten«mxewe metn Kaus- a Küchkllgrrätt- geschäft. Sämtliche elette. Bedarfs« artikel, Taschenlampen, Elektri» fier-vipparate von 1.5,0 on, Dampf» Maschinen. 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Roh»«*„rgsttt tblaSl DetauW IHSl/18 OrUvomanang.|1'■ Cetarttivptttichet Redatteur: AlHer« wschfi» Botltn. züt den znierutentettoeraalw.l TH..?.!«w,«v. 6encbt9- Zeitung Der ProzeH gegen den vnreauassistenten Otto LLdicke nahm in der gestrigen Verhandlung dadurch eine überraschende Wen- dung. daß der Angeklagte aus Zureden seiner Verteidiger ein G e- st ä n d n i S ablegt. Der Angeklagte hatte bald nach seiner Vcrbaf- tung ein Geständnis abgelegte, das er aber in den späteren Ver- nehmungen und auch jetzt vor Gericht widerrief. ES wurde deshalb der gerichtliche Schreibsachverständige, RechnungSrat Drogolin, noch nachttäglich mit der Prüfung der in Frage kommenden gefälschten Ur- künden betraut. Diese Untersuchung ergab die völlige Ueberein- stimm ung mit der Handschrift des Angeklagten, worauf dieser ein umfassendes Geständnis ablegte. In der weiteren Beweisaufnahme wurden noch mehrere ehe- malige SmtSkollegen des Angeklagten vernommen, die über ihre Wahr- nehmungen bezüglich des Wesens des Angeklagten Angaben machten. Durch die Aussagen mehrerer Zeugen wurde festgestellt, daß in dem Geschäftsbetriebe des Magistrats tatsächlich grobe Unregel- Mäßigkeiten vorgekommen find. ES wurde unter anderem fest- gestellt, daß der Angeklagte mitunter wochenlang dem Bettiede ferngeblieben war, ohne daß seine Vorgesetzten hiervon etwas erfuhren. Ferner blieb er mit seinem Arbeitspensum wo-denlang zurück und be- zahlte dann andere Kollegen dafür, daß diese die wichtigen Rückstände aufarbeiteten.— An die Geschworenen wurden nach Schluß der Beweisaufnahme nicht weniger wie 47 Schuldfragen gerichtet.— StaatSanwaltschaflSrat Bönning trat für Bejahung der Schuld- fragen in vollem Umfange der Anklage ein. während Rechtsanwalt Dt. Schwindt darauf hinwies, daß die Sttaftaien des Angeklagten dadurch in einem erheblich milderen Lichte erscheinen, daß diese durch die völlig mangelnde Kontrolle und die große Sorglosigkeit, die in den Berliner Magistratsbureaus zu herrschen scheine, förmlich unterstützt worden seien. ES sei zu wünscden. daß durch die Er- gebnifie diese» Prozesse» die maßgebenden Stellen de» Magistrats Vorsorge tteffen, daß derartige Unregelmäßigkeiten, durch die der Etadtiäckel ebenso wie die Steuerzahler selbst geschädigt würgen, in Zukunft nicht mehr passieren können. Die Geschworenen bejahten die Schuldfragen wegen Betrüge« und schwerer und ein- facher Urkundenfälschung unter Zubilligung mildernder Umstände. Der Staatsanwalt beanttagte eine Gefängnis- strafe von vier Jahren. Da« Urteil lautete auf vier Jahre Gefängnis unter Anrechnung von sechs Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Auch wurden dem Angeklagten die Ehrenrechte auf fünf Jahre abgesprochen._ Ein beträzerischer Polizeibeamter, der sich durch einen recht raffinierten Streich in den Besitz einer größeren Summe gesetzt hatte, mußte sich gestern vor dem Straf- richtet verantworten. Aus der Untersuchungshaft wurde der Polizei« diätar Paul W e s e k o w S k y vorgeführt, um sich wegen Betruges, Unterschlagung und Urkundenfälschung im Amte zu verantworten.— » Der Angeklagte war, nachdem er als Zeugfeldwedel vom Militär abgegangen war. 13 Jahre im Kaiserl. Statistischen Amt als Hilfsarbeiter tätig gewesen. Als er hier ausschied, wurde er von dem Polizeipräsidium in Rixdorf als Bureaudiätar an- gestellt und bezog als solcher zuletzt Ibv M. Gehalt. Da er in einer weit über seine Verhältnifie hinausgehenden Weife lebte, geriet er bald in Schulden und um diese wieder wettzumachen, kam er auf die Idee, sein Glück auf dem grünen Raien zu versuchen. Die Folge war. daß er immer noch mebr in Schulden geriet. Er kam schließ« lich auf den Gedanken, sich mit einem Schlage eine größere Summe Geldes zu beschaffen und erreichte dies auch stuf eine recht raffinierte Art und Weife. Er erließ, unter Fälschung des NamenS des stell« vertretenden Polizeipräsidenten an die sämtlichen Polizeireviere in Rixdorf eine Verfügung, in der die Reviervorstände an- gewiesen wurden, von sämtlichen Gastwirten in Rixdorf die Gebühr von 1.50 Mark zu erheben, welche angeblich für die in den Polizeiakten befindliche Nebenurkunde der Schankionzeisions- Urkunde als Stempelgebühr zu entrichten sei. Zugleich enthielt diese Verfügung die Anweisung, diele Gebühr an den Bureaudiätar Weselowsly abzuliefern.— Die Rixdorfer Schutzleute entwickelten nun eine fieberhaste Tätigkeit, um die geforderten Gebühren einzutreiben. die dann auch in Höbe von 1833 M. an den Angeklagten abgeliefert wurden. Die ganze Sache kam zur Entdeckung, als sich mehrere Gast» wirke, die von ihrem Vereinssyndikus über die Unzulässigkeit dieser Gebübrenforderung belehrt worden waren, beschwerdeführend an den Polizeipräsidenten selbst wandten. Die erste Beschwerdeschrift fing der Angeklagte selbst ab und beantwortete sie unter Fälschung des Namen» des Stellvertreters, Regierungsasieffor Keßler. Durch einen Zufall kam der Schwindel dann einige Tage später zur Kenntnis der Behörde. Nachdem der Angeklagte verhaftet worden war. stellte eS sich heraus, daß er auch noch andere umfang« reiche Schwindeleien begangen hatte, um sich das Geld zu verschaffen. Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf da? raffinierte Vorgeben de« Angeklagten dem Antrage deS Staatsanwalts gemäß auf 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung von S Wochen der erlittenen Untersuchungshaft._ „Der Weg nach Zion.* In der Verhandlung gegen den Verlagsbuchhändler Axel Junker wegen Verbreitung des Münzerschen RomanS.Der Weg nach Zion", über die wir schon in der Sonntagnummer des.Vorwärts" berichtet, wurde gestern die Verlesung der von der Anklagebehörde beanstandeten Stellen beendet und die Sach- verständigen vernommen. Prof. Dr. D e s s o i r von der Berliner Universität ließ sich u. a. dahin aus: Es sei klar, daß es sich bei dem Buch n i cb t um ein Produkt der Schmutzliteratur handle. Das Buch sei kein Meisterwerk der Kunst, von dem man sogen dürfte, daß es nur von einem blinden Anklageeiser verkannt wird, aber die Frage, ob die Absicht de» Verfasiers eine unzüchtige ist und ob dieser daraus ausgehl, sinnlich erregend zu wirken, müsse verneint werden. Der Verfasser trachte nicht danach, die Sinnlichkeit zu verherrlichen, sondern die Verkommenheit zu schildern. AIS Motto könnte eine Stelle aus dem Roman dienen, die lautet:»Sumpf, Sumpf! Das stinkt alle» nach Fäulnis und Verderbnis, dabei muß man zugrunde geben!" Das Buch sei im Sinne des Autors unzweifelhaft auf das Moralische gerichtet und nicht auf das Unmoralische, und die tatsäch« liche Wirkung deS Buches sei nicht die, daß dadurch die niederen Instinkte erregt werden. ES sei in der Handschrift eines Künstlers geschrieben. auch die bedenklichsten Stellen würden dadurch aus der Sphäre verletzender Gemeinheil herausgehoben. daß das, wa« geschildert wird, unzweifelhaft von einem Dichter gesagt werde. Bei der Frage der Verletzung des Schamgefühl». müsse gesogt werden, daß das Schamgefühl des Leserkreises, der bei diesem Buch überhaupt in Betracht komme, nicht so sehr empfindlich ist. Der Künstler habe das Reckt, auch den Verfall von sittlichen Kräften zu schildern und der Normalmensch werde wissen, was künst- lerische Qualität ist. Wenn man das Buch gelesen habe, so habe man selbst da» Gefühl, als ob man aus einem wüsten Traume erwache, man stehe nicht unter dem Eindruck des verletzten Schamgefühls, sondern des Grauens und Mitleids. In dem Buch stecke viel Romantik, das ganze sei schließlich ein Symbol, der starken Symbolik, die in dem Buche herrsche, werde eine kraffe Realistik gegenübergestellt, doch haste dem Buche die Eigenschaft deS Unzüchtigen nicht an; die etwa so zu deutenden Stellen würden durch die künstlerische Symbolik und Romantik des ganzen verdeckt. Aebnlich äußerten sich der Schriftsteller Julius Hart und der Redakteur Fritz Engel. Staatsanwalt Dr. Jordan meinte, es komme nicht darauf an, ob das Buch künstlerisch oder nicht künstlerisch ist, ob es eine moralische Tendenz hat oder nicht, auch nicht darauf, ob es die Sinn- lichkeit erregen will; eS genüge vollständig, wenn daS Buch auf das Scham- und Sittlichkeitsgefühl verletzend wirkt. Es handle sich hier nicht bloß um einzelne unzüchtige Stellen, sondern um zahlreiche Stellen, die durch Inhalt und Form verletzend wirken. Er beantragte schließlich 100 M. Geldstrafe eventuell zehn Tage Gefängnis und Unbrauchbarmachung der noch vorhandenen Exemplare und Platten. Die weitere Verhandlung wurde unterbrochen, da ein Beisitzer, Landgerichtsrat Z i e h m am Fieber erlrankt war und der Verband- lung nicht mehr folgen konnte. Diese wird am Donnerstag 9 Uhr, fortgesetzt werden._ Marttvreite von Berlin«« 18. Dezember 1911. nach Ermittelung de§ Königl. VolizeipräfidiumS. SPiartlhallenpreise.(Kleinhandel), 100 Kilogramm Erbien, gelbe, zum Kochen SS.00— 50.00. Svetsebobnen weiße, 40,00— 60,00. Linien 40,00—80,00. Kartotseln 8,00— 11.00. 1 Kilogramm Rindfleisch, oon der Keule 1,60— 2,40. Rindfleisch, Sauchfleilch l,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1.80. Kalbfleilch 1,50—2.40. Hammelfleisch 1,30— 250. Buller 2,60—3,20. 60 Stück gier 3,80—0,40. 1«Mogramm Karpfen 1,00—2,40. Aale 150—2,80. Zander 1,40—3,60. Hechte 1,20 bis 2,60. Barsche 1,00—2,00. Schlete 1,40—350. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 2,40—24,00. Bnefftatten der Redafetfon. SU iaettlilcht eoeectitunde lwdkt SlnkenttMc M, vor» Met Xrtwua — y a» r ft a» l—, woclieatüglta,»IM 4lk dt» 7>-, tUe«brno», Craniibnib», von 4td bis 6 UUr abend» ftatt 3ebei für be« Ptlfftoften bcfttmnun nnfraae iß ein Buchlcabe anb eine gabt at» Merttetcben beliaffise«. Crteflian Nnrwart wirb nicht erteilt, ttniragen, denen keine AbannemenisantttnnO bet«cfft(t ift, werben nicht beantwortet. EUtge Kragen trage man in der ercrechßnn»« ur. H. I. 38. Wenden Sie sich bitte prrlinllch»der lchriftllch an den Platzvertreter der Kommission Bübring, Berlin st., Kolonie str. i IT.— Franz KSnigsberg. Versuchen Sie ti mit einer Anfrage an M« Zentral- stelle für private Fürsotge, Berlin, Unter den Linden 16. Montag, Dien»« tag und Freilag von 41/,— 7 Uhr.— S. 8®. Vereine der angesragten Art finden Sie im Adreßbuch, II. Teil Patteigcnöistlche find an« nicht dekonnl.— B.®8..Film-Zcctimg", Berlin, Leipziger Straße 1151116.— I. St. Berlin O., Blankenscldesiraße 10.— R. 45. Leider nicht l — O. B. 1000. Durch Vermittelung irgend einer Kunslhandlung._ P. W. 74. Wir haben keine der angesraaten Geldstücke zur Hand.— Glücksbude. 1307 in der.Rene» Welt".- Schön» verg, Adolf 21. 1. Der Mann hat aus Grund setne« aesetz- lichen Nießbrauch» und VerwolttmgSrechl» einen Anwruch aus Rückgabe der Sachen, sali» die Frau obne gesetzlichen Grund getrennt lebt. 2. Der Ordnungsruf ist ein DiSzlplinannlttel de» Präsidenten. 1 8000 M. für die Session. 4. Einen tüchtigen Arzt jrngen.— F. B. 7®. S Proz. pro Jahr.— Fr. S. 100. Wollen Sie gesalllgst bei der Gäterkasse de» Anhalter Bahnhof» ansragen.— Hildegard. Ein Mittwoch.— P. H. 37. Wiederholen Sie bitte Ihr« Frage.— 89. 8. 13. Nicht quacksalbern, sondern einen Arzt fingen. Die Ursachen können»erschieden sein.— O. S. 8®. l. u. 2. Im Brieftasten jetztt dazu der Raum Fordern Sie von der Bnchbandwng Vorwirt«, Ltndeaftraß»»3. die einschlägigen billigen Broschüren.— S. 100. Lulher-Meudel-Sttstung, Paulow. Gesuch« an den Gemewdevorfland. »»«»««» Ki»»nt»tal>iiuag ät SranciM Int. Hygfone- Ausst. Ilung Dretden 1911. Goiden« Medaille Anlässlich der EtnfGhning unserer„Milka Exquisit*, fehlster Butterersatz, TafeU rnarganne, sind uns so viel schmeichelhafte Anerkennung«» Aber die vorzaglich« Qualität derselben zugegangen, dass wir uns veranlasst sehen, an dieser Stdfe dem geehrten Berliner Publikum unseren Dank auszusprechen. Da die Nachfrage unsere höchsten Erwartungen ganz bedeutend Obcrtraf, war es uns nicht immer möglich, die einzelnen Verkaufsstellen rechtzeitig mit neuer Ware rn versehen, so dass wohl hier und da das Publikum bei Nachfrage etwas warten musste, was wir zu entschuldigen bitten, jedenfalls freuen wir uns, mit unserer„Milka Exquisit" den Geschmack des Berliner Publikums richtig getroffen zu haben. Eine Verbraucherin unserer Milka Exquisit schreibt uns soeben einen Brid� welchen wir im Wortlaut folgen lassen: An die Milka-Nährmittel-Fabrik G. m. b. H., Pratau a. E. Da Ihre Milka Exquisit ein vorzüglicher Ersatz für die teure Nah»« butter ist und sie auch wirklich gut schmeckt, möchten wir an dieser Steile unserer Anerkennung Ausdruck verleihen. Hoffend, dass es ihnen Freude macht, werd' ich es in Reimen folgen lassen: Endlich gibt et Voliero&ta Für die Butter der Nstnr, Doob da» oohönste ist dabei, Sie kost* neunzig Pfennig nur; Prdbei war"» hie lieb» Not, Ging*» auw Früh- nadAbendbrot. Beta' noch immer memea Gatten Miene, Wenn er»praob:„Das ia doob wieder Marganne". Denn tohon bei dem ersten Biß Merkte er es gana gewiß. Und er sagte zu mir.'„Bitte. Streich' mir diese nicht aui meine Sobmtte." Oaraal ging er wutentbrannt In daa nächste Bcstaurant, Und 10b gingmit meinem Jammer Batlos in die Speisekammer. Butter»oll ich kaufen kür Ein» fflstng, Sonst bekomm' teh wan'gar Kostgeld künftig Also sprach der böse Mann, Ais et sp&tei wieder kam; Uiesea gebt auf kernen Fall, leb versuch' es nooli einmal! Da sah ich denn in diesen'lagen Aul der Straße Ihre„Milka**- Wagen. Kaufte 1 Pfand Milka SxqwisA, Dachte sagend, waa wohl beut geschieht; Staunend sah iob dann am Abeod, Wia mein Mann nob drrna erlabend Mm 4m MMka exquisit am»»ei— Schnitt«, Und es lalgt die sweita— dnUa. Als er dann gesättigt war, Dobt der Sobiemmer ote eogac: „So. das war am Hoabgenal", Sagte er sodann ttun Soblul. Dieses wolltf ich mieh beeile» Ihnen gerne mitou teilen. ges. Heleae Ö-, BsrlUu Wir glaubten der Dame nicht besser danken zu können, als indem wir ihr hübsches Gedicht hier zum Abdruck bringen. Hochachtend Hilka- Nährmittel-Fabrik G. m. b. H. „Milka Exquisit" Ist ein hervorragend feiner Butterersatz(Tafel-MargaHnei; wird täglich frisch mit Zusatz von slitser Sahne hergestellt Man verlange ausdrQcklieh„Milka Exquisit" mit der Schutzmarke, Zu haben In den Kolonialwaren- und MehlgeschStten. MILKÄI Q>esämtl.Yerkaufsstellen sind durch neben-[jümjnu siehende Schilder u. Plakate gekennzeichnet IkM-Slarqsa ♦♦ 2. Wahlkreis. Morgen Donnerstag, den»1. Dezember, abends 8'/, Uhr: Öffentliche M ichlerversammlnng »bei Gltestng, Wassertorstr.«8» TageS o�rdnungi t Tie Reichstagswahl und die Parteien. KiedAkl! klsedvr. > 2. Freie Aussprache. 2l2/l0___________ Der Torstand. Cliarlottenhurg'. Am Freitag, de« 22. Dezember, abends 8'/, Uhr, bei Schulz,«aiser-Friedrich-Str. 24: Oeffentliclie Versainiiiliungo Tagesordnung: 1. Vortrag des bisherigen Wgeordneten Fr!«. Xuheil: Tks 5?Olfc§ Rftf echtlltttO, ------------------ 2. Freie An S spräche.■ MT Venosstnnen und Genossen I«gittert für«wen Massenbesuch dieser Bersammlung."TN Der Elnbcrnfer. Arbeiter, Handwerker deS Wahlkreises Ruppin- Templin! Oeffentliche Versammlung in Berlin am Mittwoch, de» SQ. Dezember, abendS 8'/, Uhr, im Lokal von Wilhelm Wernicke, Ackerstratz« 123. Tagesordnung: die Bauarbeiter zu tun? Refc-rent: RetchStagSkandtdat Die bevorstehende Reichstagswahl und waS haben ......"" tag! für Rupptn-Templin. Stadtv. Emil Boeske-Mxdorf. Alle Arbeiter und Handwerker de» Kreise» Ruppin-Tcmpltn, dt» w Berlin arbeiten, werden ersucht, zu dieser Versammlung zu erscheinen. _ Der«tnderufer. flnnadmeitellen für„Kleine Anzeigen" Berlin C. 81. Habnikch,«uguststr. 50,«wgang Joachim strabt. W. 0). Schmidt. Kirchbachitr. 14. O. St. Hnckrlbusch. velersburger Platz 4.«Suliav Vogel, Koppen» ftr-d««». St.«Sengels. Gr. granlsurier Str. IZO. SO. V. ,'iucht. Immanueiktrchltr. 12. I. Reut. Barnimftr. 42. bi. W. Baumann. RbewSberger Str. S7. F. Trapp. Etetttner Str. 10. Kar« ivtars, Greiscnhagcncr Str. 27 I. Hönisch. Nazareidkirchslr. 49. H. Bogel. Lorzingstr. 87. A. Dietz. Jnvalidenttr. 124 L. Techand. Rubevlazslr. 24. ZITV. Karl 8l»der«. Salzwedeleritr. 8. Lawerenz. GotzkowStyftr. 22. S'HV. H.«Serner. Gnetienaustr 72. Daeh». Hagelberger Str. 27. S. St. Frln, Pruijenslr. ZI. F. Gutschmidt. Koiibuier Damm 8. KV. Gaul Böbm, Lausitzer Platz l4«il> P. Harsch. Sngewser 15. AdlernKok. Karl Schwarzlose. Hoffmannttr. 9. ItnuniBchuleDTiea. H. Hornig. V�.iieitthalerstr. 18, l. Ikui'«ltrnnl«ie. Paul Kienast. Ztäuschstr. 10. <4>nr>«ttet>>>» rg. Gustav Scharnbrrg. Zeienbetmer Str. 1. FHedHekftltnaen. Gruft Wertmaum, Köpenick er Str. 18. (Oranna. Franz Klrin, griebrtchltr. 10. d<»ti,,n»i«tknl. Pieltrte, Kaiser-Wilbelm-Platz 0. 14«rl»>>«>,-»> t. Richard Köter, Rödelslr. 9, II. Kbpenleh. flrotil«Siftier. Kirtzerilr. 8, Lade». Liiriitfnbt-ra. Ctto Settel. 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Verlagsanstalt Paul Singer«.»o, Berlin SW. Z!r.?97. 28. Zahrgavß. Z. Stiliijf Ks Armrls" ßttlintr Öolltötlatt. Wtwsih. 20 ZeMer tOlt partci- Hngelegenbeiten. für 1 1 Zweiter Wahlkreis. Heute, Mittwoch, findet vaS Wassertorviertel eine Handzettelverbreitung statt. DonnerStag, den 21. Dezember, abends 8>/z Uhr. Versammlung bei Gliesing, Wassertorstr. 68. Referent: Richard Fischer. Am Donnerstag, den 21. Dezember, findet eine Flugblattverbreitung für den ganzen Kreis statt. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich recht zahl» reich zu beteiligen. Mittwoch, den SO., abend« 7 Uhr, treffen den Bezirkslokalen zur Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Bohnsdorf. Am zweiten weihnachtSfetertag veranstaltet der Aahlverein eine Weihnachtsbescherung. fich Friedenau. Am die Venoffen in Berliner Nachrichten. Winter» Anfang meldet der Kalender: aber draußen im Land ist es fast, als wollte der Frühling sein Nahen verkünden. Ueberall an den Frühblühern drängen schwellend und glänzend braune Knospen. DaS Astwerk steht kahl, aber ein violetter Schim- mer bringt Farbe und Leben in ihr starres Rutengewirr, an das die goldbraunen Nebel der Mittagsstunden schwere. dunkelsilbrige Tropsen gehängt haben. Die Meisen flattern und die Spatzen lärmen, fliegen in zwitschernden Wolken auf, zerteilen sich, jagen einander: ganz als ob der Frühling vor der Tür stände... In der Stadt sind ja die Jahreszeiten nicht allzu der» schieden voneinander. Aber draußen, ein paar Kilometer hinter den letzten Schloten, schaut es jetzt noch wunderlicher aus. Der große, graue Strom wälzt seine schweren Wasser. Braunes Röhricht rauscht an seinen Ufern und allerlei Töne klingen in diesem Rauschen mit. Nur selten sichtet daS Auge der Krähen schweren, tiefen Winterflug. Unter dem welken Laube geht ein Rascheln und Scharren. Und andere Laute glucksen und schwingen darein. DaS Leben hat sich noch lange nicht zur Ruhe gelegt. Frost und Schnee, seine beiden Ketten- schmiede, sind bisher ausgeblieben... Aber anders sieht die Landschaft doch au? als im Herbst oder im Frühjahr. Der Ueberschuß an Feuchtigkeit fehlt ihr. Der Horizont läßt die Konturen nicht zerfließen, macht die Farben nicht weicher: wohl mildern die Nebel die Kontraste, aber ihr gedämpftes Licht verwischt dennoch nicht ganz die Linien. Alles ist auf einen mattgrünen Ton gestimmt, über dem ein braunroter Hauch verzittert. Nur der Fluß selbst spannt breit und grau seine gewaltige Fläche. Und auch der mit weißen Wolken leicht getupfte Himmel ist von jenem verwaschenen Blau, daz in großen Flächen gesehen, einen wässrig-grauen Ton annimmt. Am kargen Mittagslicht stehen die alten Kiefernstämme der Uferwälder da. wie rostige Eisenpfeiler. Ahre Nadel- krönen haben etivaS unsagbar Dünnes und Dürftiges. Man sieht es, daß der Frost noch nicht, durch diese Wälder gegangen ,st. aber doch schon das Frösteln. Ueber daS Ufergestrüpp schweift der Blick den Strom hinauf und hinunter. Und aus beiden Seiten recken sich Türme und Schlote empor. An einem matten Goldbraun heben sich ihre Konturen aus den Nebeln des Dezembertages. Ernst und ragend schauen sie über Wälder und Wasser, die vergebens des Winters harren. der in diesen Tagen kalendermäßig seinen Anfang nehmen 'oll..._ v«i der Auslegung der Wählerliste ln der Eemeindelibule Greifeiihancner Siratze benimm» sich einer der in der Mitte de« langen Tische« sitzenden Magistratsbeamten recht eigentümlich. Sobald der Beamte neben Um den Steuerzettel oder die sonstige Legitimation abgenommen ha«, frag« jener Herr, der die Listen nachzuschlagen hat, regelmätzig:.Wie beißt er?" Sollte nicht auch bei dieser Gelegenheit etwa« mehr Höilichkeit angebroch« lein? Es ist doch eine Kleinigkeit, zu lagen:.Wi, ist der Name?' oder.Wie heißt der Wähler 1' Oder glaubt der betreffend« Herr, daß er fich Arbeitern gegenüber, die ja vorwiegend die Wählerliste einsehen, solche Kommißsprache erlauben darf? Bei Einsichtnahme in die Wählerlist« im Gchulgebäude Schön- hauler Allee 108 fragte ein Beamter«inen Wähler«ach dem Alter. weil er ihn in der Liste mchl fand. Aul die Antwort, daß der Wähler da» 26. Lebensjahr zurückgelegt habe, erwidert« der Herr: .Dann sind Li« so noch nicht wahlberechtigt. Doch erst mit 27 Jahren.' Er wurde aus leinen Irrtum aufmerksam gemacht. auch andere Herren, die mit ihm znsommensoßen. taten da« gleich«. woraus beim nochmaligen Nachsehen der Name de» Wähler« in der Liste gesunden wurde. In einigen Fällen haben Beamte«» abgelehnt. Einsprüche an» zunehmen und nach der Postftraße verwiesen, obwohl der Magistrat in seiner amtlichen Bekanntmachung ausdrücklich darauf hingewiesen hat. daß Einsprüche au» an Ort und Stelle angebracht werden können. In wieder anderen Fällen sind Einsprüche deshalb nicht entgegengenommen worden, weit den Beamten da« vorgedruckle Sinipruchssormular unserer Partei nicht behagte. E« wäre notwendig, mit dem ListenauSleguiigSgelchäft Beamte zu betrauen, die die elementarsten Krnntniffe de» AeichSlagswahlrecht« besitzen. Dem Magistrat muß ferner gelagt werden, daß er für die B«. kannigobe der«uslegungsfrist sehr wenig getan hat. Er hat sich daraus beschränkt, in dem der breiten Oeffentlichkeil wenig bekannten .Gemeindtblatt' und im Inseratenteil einiger Zeitungen einmal den Au«leguiigSlermin bekannt zu geben, wie da? vor vielen Jahrzehnten Mode war. Mi« vollem Siecht weist schon die.Volk«- Zeitung' darauf hin. daß«« Vflich, de« Magistrat» sei. Schritt, zu tun. um die groß« Oeffeutlichleit zu unterrichten. Da« hätte sich durch Säulenanichläge erreichen laffe«. Aber bei unlerem Magistrat mahlen die Mühlen sehr langsam, eh« man fich zu noch so kleinen Reuerungen entschließt. Die stark« vm-ehriing«et ainewatesraphenthrater in«roß. Berlin Hot an den zuständigen Stellen zu Erwägungen gefllhrt, ob die Errichtung solcher Theater nicht der KonzessionSpflicht unter- warfen werden und dir Errichtung von der BcdürfiiiSfrage ab- hängig gemacht werden solle. Die Baupolizei wird in Zukunft bei der Errichtung solcher Theater erhöhte Ansorderungen stellen, da die Bauart vieler Kinolheater zu Bedenken Anlaß gibt. Mit de« van der Kirchhofsbahn Wannsee— Stahnsdorf ist vor einige» Wochen begonnen worden. T« wird zurzeit nach Lichtung der Waldtcile. durch die dir Bahn führt, an dem Unterbau der Bahn gearbeitet, die zum Teil sehr tief gelegt werden muß. um die Potsdamer Slammbahn unterfahren zu können. Die Bahn, die «ine Verbindung mit dem Zentralfriedhof herstellen soll, wird ün Herbst 1312 fertiggestellt sein. Kaffceverfälschungcu. Mit Verfälschungen de« Kaffee», die in neuerer Zeit vielfach wahrgenommen sind, beschäftigt sich ein Rund- erlaß de« Minister« des Innern, in welchem u. a. ausgeführt wird: .Häufiger werden gerönele Samen von Hülfenfrüchlen. die den Kaffeebohnen in der Groß», im Aussehen u.id in der Fov.» ähnlich sind, dem gebrannten, ungemahlenen Kaffee zugesetzt. Solche Mischungen dürfen keinesfalls unter der Bezeichnung.Kaffee" in den Verkehr gebracht werden. Die Leguminosensamen stellen ein dem Kaffee fremdartiges Naturerzeugnis dar. das diesem zwar äußerst ähnlich, dessen Zusammensetzung und Beschaffenheit dagegen von derjenigen der Kaffeebohnen durchaus verschieden ist. Bor allem sind die Leguminosensamen frei von dem in den Kaffeebohnen ent- haltenen Koffein, auf welches besonders die anregenden physiologischen Wirkungen beim Genüsse de? Kaffeegetränk« zurückzutübren sind, so daß schon au« diesem Grunde die Beimischung unter den Begriff der LebenSmittelverfälschung fällt. Andere Verfälschungen deS Kaffees erfolgen beim Handel mit Kaffee in gemahlenem Zustande. Insbesondere wird darüber geklagt, daß Kaffee-Eriotzstoffe oder Gemische dieser mit gemahlenem Bohnenkaffee unter täuschenden Phantasiebezeichnungen als Kaffee» Mischungen oder mit einer ganz unzureichenden Deklaration ihrer Beschaffenheit und Zusammensetzung in den Verkehr gebracht werden. So wurden in letzter Zeit in sogenannten Bruchkaffeemischungen bi» zu 30 Proz. Surrogate festgestellt, und zwar vorwiegend Zichorie, Eicheln. Roggen, Rüben, Feigen und Mai». Einige Proben ent» hielten neben verschiedenen Su-rogaten auch noch bi« zu lv Proz. Steine, die in der Farbe den Surrogaten gliche» und infolgedessen nicht ohne weitere« wahrnehmbar waren. Die mit der Kontrolle des Nabrungsmittelverkehrs betrauten Stellen, insbesondere die Nabrungsmittcluntersuchungsäniler, sind angewiesen worden, den Kasseeversälschungen erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden." Der Byzantinismus regt sich wieder. Weil dem Kronprinzen der vierte Sohn geboren wurde, überschlägt sich die patriotische Presse..DaS ganze Volk nimmt Anteil an dem freudigen Ereignis," beißt t» im.Lokal-Anzeiger". Andere Blätter Höchen in ähnlicher Weise den Kaiser an, Behörden fabrizieren Glückwunschdepeichen. Di« Berliner Bevölkerung wurde von dem Familimreiym» durch Ausziehen der Standarten und Fahnen auf den öffentlichen Cr- bäuden. durch Glockenläuten der Domkirche und durch Abieuern von 72 Kanonenschüssen auf dem Königsplay in Kenntnis gesetzt. Die Schuljugend bekam einen freien Tag. Der Kaiser Mahl, im Zeiche» der Selbstverwaltung, daß der Unterricht in den Schulen von Groß- Berlin und Potsdam auszufallen hat. Adolf Glasbrenner hat dem Prinzenkult folgende« bekannte Gr- dicht gewidmet: Der Hokpoet bei der Geburt eine« Prinzen, Heil un«! Heute morgen gegen dreiviertel auf Elfen. Heil uns! Einem längst gefühlten Bedürfni« abzuhelfen. ieil unsl Ist dem Volke ein Prinz geboren, Zu Glück und Segen erkoren I Heil uns! Eine Kanone verkündet'S durch ganze Land: Ein Prinz ist geboren von Zicke-Zacke-Zuckerb«» Heil uns! Heil uns! Seine Durchlaucht geruhten bereit» zu schreien, Heil unS l Und der Natur höchstihr erste« Opfer zu weihen. Heil un«! Söchslsie sind bereits zum Major ernannt nd«ragen da» breite Würdenband! Heil un» I Sie haben höchstselbst an der Brust schon gesogen Und bleiben dem Reiche in Gnaden gewogen l Heil un»! Heil un«I Seine Durchlaucht lassen in diesen Tagen, Heil un»! In böchslibren Apattement« herum Sich tragen, Heil uns! Bald wird der höchste Lutschbeutel genommen. Und bald werden höchstste auch Zähne bekommen, Heil un«! Mit Freuden wollen wir neue Abgaben geben, Erbäli un« der Höchste höchsisie am Leben! Heil un«! Heil un«! Heil un«! Die Teuerungszulage für die städtischen Angestellten«nd Ar belter, welche von den städtischen Körperschaften beschlossen worden ist. toinmi in diesen Tagen zur Suszadlung. Hierzu wird un« aus den Kreil«» der städnichen Arbeiter geschrieben: Der Magistrat hat sich sogenannte.Grundsätze" zurechtgemacht, dir Ungerechtigkeiten ärgster Art mit sich bringen und daher belle Empörung unter den Arbeitern hervorgerufen haben. Schon in dem Beschluß selbst sst ja die Su«schalluiig der ledigen Arbeiter ganz unbegründet: denn sie, die zumeist in Schlafstellen bei fremden Leuten wobnen, leiden ebenfalls unter der Teuerung Ganz sinnlo« ist e«, wenn.nur der- heiratete Personen", denen Verwitwete und Geschiedene gleich ge- achtet werden sollen, die Teuerungszulage von 40 M. erhalten. gleichviel, ob sie Kinder habrn oder nicht, während Ledige, welche alte Eltern oder jüngere Geschwister miiernähren. nicht« bekommen. Ausgeschlossen von der Zulage sind ferner alle solche Personen, welche Naiuralverpfleaung oder Deputat beziehen. In dieser Bestimmung er« strahlt die Weisheu der Berliner Ratsherren ganz besonder«.belle". Demnach müssen die verbeirateten Pfleger in den Kranken- und Irren- unstallen der Stadt, welche man nicht au« dem Kost- und Logis- verhälini« entlassen hat und mit einein Barlohn von monatlich 4V. 50 bi« 100 Mark abipeist, auf die Beihilfe verzichten. Und gerade hier wird die Zulage iebr nötig gebraucht; denn Frau und Kinder dieser Pfleger müssen Hungeekünstler sein, wenn st» von den genannte» Löhnen existieren wollen. Dasselbe gilt für die mit Deputat entlohulen Rieselfeldarbeiter. Mit einem Barlohn von sage und schreibe pro Tag t.20 M. im Winter und>.80 M. im Sommer und einer Naturalle>st»»g im Wem von 300 M pro Jahr erreicht ein solcher Deputant noch nicht einmal einen JahreSgesamtlohn von 300 M.: Magistratu» dält trotzdem bei solchem Janimerlohn die Zulage sür überflüssig. Ebenso ist e« mit den Gut«- arbeiterinnen, welche pro Tag 80 Pf. bezw. l.20 M. varlohn und pro Jahr 200 M. Naturallohn erhallen. Eine Witwe unter ihnen, die etliche hungrige Mäuler zu stopfen ha«, ist nach dem unersorschlichen Ratschluß der sladlberlinischen Sozialpolitiker der Teuerungszulage nicht wip�ig. Die Ding» klingen unglaublich, sind aber leider wahr. Ein Schildbürgerstückchen ohnegleichen ist die Methode. welche man für die Feststellung der Jahreslöhn« zusammen- gedoktert hat. E« wird da nicht etwa der tatsächliche Jahre«- verdienst zugrunde gelegt, sondern«in ganz Schlauer im Rathaus« hat folgeiide« miSgesponnen: Ermittelt wird der Verdienst einschließlich Ueberstunden usw. s!) au» dem Vierteljahr vom ld. Scp- tember bis 15. Dezember, der dann mit 4 multipliner« wird— und fertig ist der Jabreelohn. Dabei ha« sich nun ergeben, daß Arbeiter. die zwar sonst einen sehr niedrigen Stundenloh» haben, im letzten Vierteljahr stark zu Ueberstunden oder Sonntagsdienst herangezogen wurden und in demselben etwas mehr als 500 M. verdienten. Durch die schematische Multiplikation werden ihnen 2000 M. Lohn herauSgerecknet, obwohl sie tatsächlich dieses� Jahreseinkommen nickt entfernt erreichen. Nichtsdestoweniger enthält man ihnen die Teuerungszulage vor! Dadurch tritt z. B. da» Kuriosum zutage, daß Arbeiter, welche 38 Pf. Stundenlohn haben, aber im letzten Viertel- £ihr Ueberstunden schinden mußten(wie eS beim Straßenbau am lexanderplotz der Fall war), die Zulage nickt erhallen, tvährend anderen Arbeitern mit regelmäßigem und weit höherem Stunden- lohn diese ausgezahlt wird. Auch in den Gasrevieren wird so ver» fahren. Ein starkes Stück von Ungerechtigkeit in auch die Bestimmung, daß den Beamten mrt weniger als 2000 M. Einkommen die Rebenbezüge nickt angerechnet werden, anderer« seit» aber den Arbeitern die Ueberzeitarbeit auf Heller und Pfennig in Aniatz gebrockt wird. Wie ersichtlich, ist daS Ganze wieder einmal echt berlinische Sozialpolitik, und wird es Ausgabe der betroffenen Arbeiter sein, sich energisch gegen die gekennzeichneten unhaltbaren Dinge zu wehren. Der Verband der Gemeindearberter hat denn auch— wie wir hören— die nötigen Schritte dazu ein» geleitet. Da» Märkisch» Musen« der Stadt verlin bleibt am Sonntag, den 24. Dezember, am ersten WeihnachtSseiertage und am Neujahrs- tage geschlossen. Am zweiten Weibnachtsfeiertage und am Sonntag, den 31. Dezember, ist es von 3— S Uhr geöffnet. Der städtisch« Seefischverkauf findet mit Rücksicht auf die Weih- nachlszeit bi« zum Jahresschluß nicht mehr statt. Der vorschriftsmäßige Nohrstock. Gegen einen Lehrer der 280. Knaben-Gemeindeschule (Frankfurter Allee), der mit seinen Schülern nicht ohne Prügel fertig zu werden vermag, halte der Vater eine« von diese», Lehrer ge- vrügelten Jungen die Schuldepuiaratio» angerufen. Er teilt u»J jetzt den Bescheid mit, den die Gchuldeputation ihm hat zukommen lasten und gibt un« auch Kennlni« von dem Arztattest, da« er seiner Beschwerde beigefügt haite. Die Meinung des BaterS. daß die Angelegenheit von Interesse auch für andere Eltern sei. erscheint unS zutreffend. Leider kennen wir nicht den Wort- laut keiner Beschwerde, weil er keine Abschrift von ibr zurück- behalten hat. ES ist aber aus dem diesmal etwas ausführlichen Bescheid der Schuld-puiation mit hinreichender Denrlichkei» zu ersehen, um wa» e« sich handelt. Genügen wird e«, daß wir ledig- lich die Schriftstücke wiedergeben. Der Arzt, der den jetzt Ujährigen Jungen nach der Ab- strofung untersucht halte, bescheinigte in seinem Attest das folgende Ergebrn«: .Der objektive Befund ergibt bei dem Knaben eine große Menge längerer und kürzerer Striemen auf dem Rücken besonders, am Gesäß und sogar eine Verletzung hinter dem linken Ohr. Ich bemerke, daß es sich in diesem Falle überdies»och um einen an starker Nervosität leidenden Knaben handelt." Als der Vater die Sacke weiter verfolgte, bemühte der Lebrer sich, ihn zu beschwichtigen. Er kam ihm zu diesem Zweck sogar in dle Wobnung, und al« die Visite nickt den gewünschten Erfolg hatte, wurde später noch durck eine Mittelsperson um Rücknahme der Beschwerde ersucht. Der Vater hielt d>e Beschwerde ausreckt und wurde schließlich von der Schuldeputation durch folgende Aulwort überrascht: .Die von dem zuständigen Sckullnspcftor geführte Unter- snchnng Ihrer Beschwerde vom 24. Oktober l3>1 über den Lehrer Herrn Elzemann hat so gende« ergeben: Ihr Sohn ist nicht wegen der freilich ledr hoben Fedleizahl seine» Diktat« gezüchtigt, son« dem weil er von seinem Nackbar abgeschrieben haue. Daß die Züchtigung derber ausgefallen ist, als sie ursprünglich beabsicktigt war, liegt allein an dem jeder Sckulzucht Hohn sprechenden Wider- stand, den der Knabe dem ersten Hieb entgegensetzte. Er ivurde aus den Rücken geschlagen, weil der Lehrer so Vorsicht, g war, den frühereu Bruch zu berücksichtigeu; sonst wäre daS Geiaß gewählt worden. Er Hai nach dem eiiistimmigrn Zengni« des Lehrer« und der Klasse mir vier Hiebe mit einem niäßig dicken und vorschriftsmäßigen Rohrstock erhalten: die größere Zahl der Striemen erklärt sich daraus, daß jeder Hieb aus beiden Leiten de« Rücken« in Er- scheinung getreten ist. Die Verletzung hinter dem Ohr lowie den blauen Fleck ani Gesäß hat er sich selbst bei seinem Widerstand durch Stoßen an der Bank, über die er sich warf, zugezogen; dabei kann mich seine Hose zerrissen sein. Von Nervosität de« Knaben ist der Schule nickt« bekannt geworden, auch hat der Sckularzt niemals«ine eventuell erforderliche Züchtigung uittersagt. Auch ist Ihre Behauplimg ganz umutreffmd, der Lehrer habe den Kindern verboten, zu Hause über ihnen zuteil gewordene Züchtigungen zu reden. Daß die Züchiigung Ihres Sodne« für ihn keine gesund- heilschSdlichcn Folgen gehabt bat. vielmehr eine ersprießliche er» zieherische Wiikung ausübte, geht auch au« dem sehr artigen, aber durchaus heiteren und unbefangenen Wesen hervor, da« er am Tage danach, am Sonnabend, in der Sckule zeigte. Wir sehen deshalb keine Veranlassung, gegen den Lehrer disziplinarische Maß» nahmen zu veranlassen. Hirsekorn." Die Antwort ist, wie gesagt, diesmal etwa« ausführlicher, als SchuldeputationSbefcheide ionst zu fein pflegen. Zu wünschen wäre allerdings noch, daß die Schuldeputalion dem Baier auch mitgeteilt bälle, worin»der jeder Sckulzucht Hohn sprechende Widerstand" bestand. Maiicher Lehrer hält«S schon für Widerstand, wenn der Zögling, den er prügeln will, seinen Körper dem .vorlchiiftSniäßigeii Robrstock" nickt willig geniig darbietet. Auch darüber bälle die Schuldeputation sich äußern sollen, wieso infolge de« Widerstaude«.die Züchtigung derber ausgefallen" ist. Soll au« diesen Worten herausaele'en werden, daß der Lehrer, um auck den Widerstand noch zu bestrafen, mebr Prügel ausgeteilt Hobe, ol» er anfänglich beabsichtigt hatte? Denn zu der.derber auSgelallenen Züchtigung" wird ja die Schuldeputation nicht die Verletzung hinter dem Obr und den blauen Fleck am Gefäß zählen, die noch ihrem Bescheid gar nickt dem Stock de« Lehrer», sondern dem Widerstande des Jungen zuzu- schreiben find. Auffallen muß schließlich noch, daß von einer Nervosität de« Knaben, dir der Arzt— nicht der Schularzt, sondern ein Privatarzt in seinem Attest ausdrücklich hervorhebt und sogar al« stark bezeichnet,.der Schule nicht« bekannt ge- worden' ist. Ueber diese Angabe de« SchuldepniationS» belchetde« haben wir unS noch mehr gewundert, nachdem wir durch persönlich« Unterredung mit dem Jungen einen Eiuvnick gewonnen haben, der un« da« Urleil de» Arzte« vollauf zu bestätigen schien. Der Gegensatz zwischen der sebr bestimmt vorgetragenen Ansicht des Privatarztes und den Beobachtungen der Lehrer und gewiß auch des Schulärzte«, die keine Nei vositäl bemerkten, ist so sonderbar, daß man annehmen möchte, die Schuldeputalion habe daraufhin den Knaben so- son durch den Schularzt speziell bezüglich der behaupteten Nervosiint untersuchen lassen. Untersucht wurde er in der Tat von dein Schularzt, nackdem der voter sein, Besckwerde abgeschickt hatte, und der Arzt sagte dem Jungen, von den Schlägen sei ja sckon nicht« mehr zu sehen. Da« war etwa 14 Tage nach jener Abstralung. Aber van einer Untersuchung auch wegen Nervosität sagt die Schul- deputotion lein Wort, und sie weiß von der Mitwirkung eine« Schulärzte« nur zu berichten, daß dieser.niemals eine eventuell erforderliche Züchtigung untersagt" habe. Hierzu teilt die Mutter un« mit. daß der Knabe, al« er vor jetzt 7'/, Jahren eingeschult worden war und damals einem Schularzt vorgestellt wurde, von ihm sofort als nervö» bezeichnet worden sei. Auch habe jener Schularzt ihr geraten, da» Kind nicht zuschlagen. Nach alledem muß die Antwort der Schuldeputation, trotz ihrem Wortreichtum, von den Eltern des Knaben alt durchaus unbefnedigend empfunden werden. Auf den Gang solcher Untersuchungen und auf die Erteilung der Bescheide haben, wie belannt, die sozialdemokratischen Stadtverordneten keinerlei Einfluh, weil fie von der Mitarbeit in der Schutdepulalion ausgeschlossen werden. Zu den beiden Bluttaten am ComeniuSplatz wird mitgeteilt: Die Leiche des erstochenen Otto Söldner aus der Fmowstrahe wurde gestern nachmittag von dem Gerichisarzt Dr. Strauch obdutierl. Der Kutscher Wilhelm Kube. der beschuldigt wird,»hm den Todesstich versetzt zu haben, wurde aus dem llntersuchungs gefängnis an die Leiche geführt. Er behauptet nach wie vor, das; er in der Notwehr gehandelt habe. Dem stehen Aussagen von Zeugen gegenüber, die hörten, daß Kube in der Schaiilwirtschast in der der Streit begann, sagte, jetzt laß ihn nur kommen ich werde es ihm besorgen und sahen, datz er dabei sei» großes Schtächtermesser aufklappte und in den Rock ärmel schob, lieber die Herkunft des Messers sagt Kube, er habe früher bei Scblächlern gearbeitet und besitze das Messer noch von dieser Zeit. Söldner ist nach dem Ergebnis der gerichisärztlichen Untersuchung an innerer Verblutung gestorben. Kube hat den Stich mit ungeheurer Wucht geführt. Die etwa lö bis 20 Zentimeter lange Klinge drang lief in die linke Brust ein und durchschnitt die Hauptschlagader. Obwohl sie nur 2 Zentimeter breit ist. verursachte sie infolge der heftigen Bewegungen eine k» Zentimeter breite Wunde. In die Brusthöhle ergossen sich 3 Liter Blut.— Wegen des Totschlags an dem Elektrolechniker Fritz Masche aus der KopernikuS> slraße war auch der Schankwirt Libera vom Comeniusplay 6 vorläufig festgenoinmen worden. Er wurde beschuldigt, den Gegnern des Erstochenen in seinem Lokal Messer gereicht zu haben. Die Ev Mittelungen ergaben jedoch, daß das leeres Gerede war. Der Mann wurde deshalb wieder auf freien Fuß gesetzt Der Stich ist mit einem Taschenmesser geführt worden. Wer gestochen hat, steht immer noch nicht fest. Das Meiser ist vor dem Hause Memeler Str. 6l weggeworfen worden. Am Sonntagmorgen lag es nicht mehr da. Der Finder, der es aufgehoben hat. hat es bisher noch nicht abgeliefert. Er wird dringend ersucht, es der Kriminalpolizei oder der Revierpolizei zu übergeben. Es muß stark mit Blut besudelt gewesen sein. Das Messer gehört, wie ermittelt wurde, einem gewissen Rikoljewski. Dieser gab eS während des Streites dem Arbeiter Bar'chak, der gleich an Ort und Stelle verhaftet wurde. Dieser bestreitet, ge stachen zu haben, und behauprel. daß er da» Messer einem gewissen Potkowski, der wegen Schlägerei und Widerstandes gegen die Staatsgewalt wiederholt bestraft ist. weitergegeben habe. Dieser gibt zu, das Messer erhalten zu haben, sagt aber, daß das erst ge> Wesen sei. nachdem Masche schon gestochen worden war. Nicht er habe also den Stich geführt, sondern Barschak. Weggeworfen hat Potkowski das Mester. Es haben sich Zeugen gemeldet, die gesehen haben, daß Potkowski das Messer schon erhielt, bevor noch der Stich erfolgt war. Weil noch nicht alles hinreichend geklär» ist. so sind einstweilen noch beide. Barschak und Potkowski in Haft behalten worden._ Aus dem Heim eines GotteSdienerS. In Berlin gibt es— was Unfrommen wenig bekannt sein dürfte— im Kiicheiiweien noch das Ami eines Piopstes. Kürzlich ist zum Propst zu St. Nikolai der Generotsuperinlendeni Händler ernannt worden, der als Nachfolger des bisherigen Propstes Wirk- lichen OberkanfistorialrotS Faber an desicn Stelle treten soll. Die Aniiswohnung deS Propstes befindet sich in der Propslsiraße in dem der Stadt Berlin gehörenden P r o p st e i g e b ä u d e. das von der Stadl.in baulichen Würden zu halten' ist. Nach dem Ausscheiden des bisherigen Propstes, der die Räume 13 Jahre hindurch bewodui hat, soll die ganze Wohuung instand gesetzt werden, und bei dieser Gelegenheit will der Magistrat m dem vor einem halben Jahrhundeirt neu > erbauten Hause zugleich mehrere- Aenderungen und Verbesserungen ausführen lasien. Das Gebäude, sagt der Magistrot in seinem den Stadtverordneten vorgelegten Antrag,.entspricht in vieler Hinsicht 'nickt de» Aiisorderungen, welcke heuizutage an eine verartige Dkcilst. Wohnung sowohl in bezug aus die Wohnlichkei, und die Bequem� lichkeit der Geiamtlage als auch seitens der Baupolizei gestellt werden". Als beionderS fühlbarer Mangel wird eS bezeichnet, daß die Küche nebst Speisekanimer und das Badezimmer des PiopsleS sowie die Wohnung deö PoriierS»» Keller liegen, daß die Porlierwohnung leinen Eingang von der Durchfahrt osts hat und �doß in den meisten Räiiuien Gosbeleuchiung fehlt. In dem Erläuierungsberichi. der dem Magistraisanirag beigegeben ist. wird unter anderem gesagt: „Weiterhin erscheint es dringend erwünscht, neben der Küche einen Speiseauszug vom Erdgeschoß nach dem ersten Stock einzurichten." Offenbar fürchtet man. daß dem doch- würdigen Herrn Propst die Suppe kalt werden könnte, wenn sie ihn, ans der Rücke, die auS dem Keller ins Erdgeschoß verlegt werden soll, nack seiner im ersten Stock gelegenen Wohnung hinauf- getragen würde. Eigenartig berührt folgende Stelle deS Er- läuteiungSberichleS:.Endlich ist seit jeher darüber geklagt worden. daß die Portierloge nur durch ein hochgelegenes Fenster mit der Durchfahrt verbunden ist, so daß der Portier, um unbefugte und aufdringliche Personen und Bettler zurückzuweisen. erst einen großen Umweg um daS Treppenhaus niachen muß. ebc er an den E ugaiig gelangt ES wird demnach beantragt, daß die Portierlog? durch eine Tür mit Treppe direkt mit der Dmchfabri verbunden wird." Wer hat daS als. Uebelstand empfunden und darüber geklagt? Hat der Poriier des bisherigen Propstes auch Bettler zurückgewiesen? Oder erwartet man. daß der Portier des neuen Propstes solche zurückiveisen wild?' Der neue Propst sollte Einspruch dagegen erheben. daß die baulicke Verbesserung des PiopsteigebäudeS zum Teil begründet wird mit der Notwendigkeit, dem Portier eine schleunige Zurückiveisung auch der Beiller zu ermöglichen. Im Heim eines GotteSdienerS wird, denken wir uns. kein Bettler sich darauf gefaßt machen, daß er.zurückgewiesen werden könnte. Jeder Gollesdiener kennt ja das Bibelwort von dem Hungrigen. den er sättigen soll, und wird gewiß seinen Portier dem- entsprechend instruieren._ Die Bcrkehrsdeputation beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit dem ElaiseNiwurk iür die städtische Siraß»bahn für das Eiais jähr 1912. Es dürfte für weitere Kreise von Jineresse sein, daß der Verk-'hr aus den Nordlinie» lehr zugenommen Hai. so daß die Be- sck'ffu»g von 15 neuen Änbäugewagen erforderlich geworden ist. Jnfotgedesie» muß auch eine vierie Wagenhalle aus dem städtischen Siraßenbabiidepoi in der Ku'prodeflrone angelegt werden Die Bei- kebrSdeviitalion Hai ferner im Prinzip den Bau der»ädnicheu£ßd- lime» Hermannplatz-Döuhofsplay. Grobgörichei'slraße— Bebrenslraße und Kreuzberg— Behienslratze beichlosien. Außerdem log der Depu- tation ein Äiurag des GiundbesiyervereinS Frankfuricr Torbezirk wegen Eniiernung der Schwebebahu-Piobeilrecke vor Es wurde be- schlössen, den Antrag abzulehnen, da die Verbandlungen mit der Ä. E.-G ivegen der Schnellbahn Gesundbrunnen— Rixdorf noch nicht er- ledig' sind. Einen schaurige» Fund machte die PiörwerSfrau des Hau>es Antonslraste 30 Als sie aus dem Boden eine Ecke aussegle, um sie für sich jelbst l» Gebrauch zu nehmen stieß sie aut ein dicke«, iiaik vericknürles Paker Sie öffuere eS und>anp darin eine Kindesleiche. die schon so stark uerwest ivar. daß selbst das Geicklechi nichi mehr festgestellt werden lonuie Sie war eingewickeli in eure grüne Tiich- deck,. zwei Säcke, ei» Handtuch und zwei»ni Blut beilKelle Hemden Nur so hatte die»och nichi erniirlelle Muller eS erreicht, daß die Berweiung leinen üblen Geruch verbreitete. Den Tod im Wasser suchte und fand eine unbekannte Frau, die in der Nackt zu gestern gegen 12 Uhr vom Wickmger Uier vor dem Haute Nr 8 in die Spree sprang. Sie ging iotori unter und kam bisher nicht wieder zum Vorschein. Zeugen deS Vorsalles tonnten mn sehen, daß die Unbekannte einen dunklen Rock, ein helles Jackett und einen dunklen Hut trug. Näher können fl« fie nicht be- schreiben. Bei der Weihnachtsfeier de? vierten Wahlkreises am Sonntag. den l7. d. Mis., im Gewerkschaftsbaus ist eine Brieftasche gefunden worden. Abzuholen im Bureau des WablvereinS, Siralauer Platz 1/2. Vorort- JNacb liebten* Schöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Der Vorsteher teilte zunäckst mit, daß der Magistrat der hohen Kosten wegen eS abgelehnt habe, jedem ReichStagSwähler eine Legitimationskarte zu übersenden. Die sozialdemokratische Fratlion halte folgende Julerpellarion eingebracht: 1. Der Magistrat wird ersucht, Suskunst zu erteilen, wieviel schutpsiichlige Kinder an Diphtherie und Scharlach erkrankt und gestorben, ferner wie viel Schulen infolge der Epidemie geschlossen sind. 2. Welche durchgreifende Maßnahmen gedenst der Magistrat zur erfolgreichen Bekämpfung der Krankheit zu unternehmen? 3. Eine Aerzleloiiimission einzusetzen, um den Herd der Epidemie, deren Verfolg und Beseitigung nach Möglichkeit festzw stellen und wirksam entgegen zu treten. Genosse Hofs mann wies bei der vorliegenden hoben Frequenz der Vallsschulklasien gleich auf die Gefahren hin. die für die All, gemeinheii entstehen müssen. Siadtschulral Kob verwies darauf, daß die Schüler nach Möglichkeit die Schule ihres Wohnbezirks be sucken sollen. Dadurch wiesen oft einzelne Schulen einen stärkeren Besuch auf. Die fliegenden Klassen sollten möglichst beseitigt werden. Stadtrat Rabnow beantwortete die Interpellation dabin, daß allerdings eine ausgedehme Epidemie an Diphtderie und Scharlach gewesen sei, jetzt sei dieselbe aber in der Abnahme begriffen. In der Woche vom 27. November bis 2. Dezember seien sechs Todes- fälle zu verzeichnen gewesen, vom 3. bis 9. Dezeinber jedoch nur zwei. Auch im Kraukeuhause, wo für derartige Fälle 129 Betten zur Verfügung stehen, hätten die Aufuahmegesuche bedeutend nach- gelasien. Die behandelnden Aerzle sowie die Eltern müßten jeden Fall sofort der Polizei mitteilen. Um die Epidemie einzudämmen. Ie> Heilserum beschafft und an Aerzte abgegeben worden. Die Eltern sollten, sobald ein Kind über Halsschmerzen klagt, sofort einen Arzt oder das Kiankeiihaus aufsuchen. Ansang November find in der 10. GemeindeichUle. Feurigslraße, am Hals 50 Kinder und 23 Familie, augehörige erkrankt, dagegen seien über 50 Ei krankungen nicht gemeldet worden. Bis jetzt sind die 10., 11., 15., 7. und 1. Gememdeichute bis zum 3. Januar nächsten FabreS geschlosien. Während dieser Zeil werden diese Schulen alle gründlich desnifizien. Genosse K ü t e r betonte bei derarugen Erkrankungen sei besonders zu beachten, daß die Erkrankten und deren Angehörigen mit Ge- linden möglichst wenig zuiammenkommen. Ganz besondere Bor- ichiitlen seien für die Valkslüchen zu erlaffen, wo täglich mehrere HundeB Kinder geipeist werden. Sanikätsial Friedman» kliert und ausgeführt. Da man seine Wiederwahl nicht hintertreiben lonnle. obwohl ein Teil der liberalen Fraktionen alles daran setzte. den Mann zu stürben, so wird jetzt versucht, denselben künstlerisch tot zu machen: alle öffent- licken Bauien tollen ausgeschrieben werden. Dieies Experiment wird tausende Mark verschlingen' Die Stadlverordneten L a>' i e n llid.) und Zobel llib.) treten für Ausschreibung ein. während Bürger- meiiier Blankenstein sowie untere Genoffen Molkenbubr und Bernstein auf den praktischen Unwert einer derartigen AuS- ichreibung hurwreien.— Sradlbaurat E g e t i n g eriuckie dringend. von einer Ausschreibung Abstand zu nehmen, da berests alles fertig vorliege. Aück in archilekioinscher Beziehung hätten Künstler sich anerlennend ausgesprochen. G o l i h e i n e r iL>b. Frkt.) erklärte, da er die fortwährende eye. die von der Liberalen amlen wie den Baural Egeling draktion gegen einen lückligen Be, betrieben werde, nicht mebr länger mlt ansehen körrne� seinen A u S l r i t aus der Liberalen Fraktion. Die geistigen Führer der Liberalen, die Herren Meyer und Zobel versricklen. den Eindruck, den diese Worte hervorriefen, zu verwischen, hallen aber keinen Erfolg damit. Nachdem GenoNe Küter gleichsalls eine Ausschreibung, die'mindesien» an 15 000 M. erfordert als nicht für notweudig bezeichiiel halle, wurde die Ausschreibung mit 25 gegen 17 Summen beschlossen. Rur du Liberalen stimmten dafür. In einer Dringlichkeitsvorlage hatte der Magistrat beantragt, den jlädliichen Beamun und ionstigen ständige» Bediensteten, in, soweil fie einen eigenen Hausfland baden und noch dem gegen» wärligen Stande einen Jabresverdienst bis zu 2000 M. einschließlich beziebe», eine einmalige Teuerungszulage von 40 M. zu bewilligen. Die Anlage ist noch vor Weihnachten in einer Rate auSzuzadlen. lliisere Genosse» bearnraglen, jedem die Teueruugsznlage zu gewähren, der ein Elnkoimiien bis zu 2 5 00 M. emschlteßlich bezieht. Die Liberalen lehnten diesen Antrag ab. Ferner wollte der Magistrat nur den männlichen Beamten die Zulage gewähren, dies wurde einsiimnirg abgelehnt. Bei der Neuregelung der A> beiterlödne beantragten unsere Geriosien. den Wochenlohn ans 25.50 M. zu erhöben und iür Soniiiagsarbeil für die ersten 3Su»iden 100 Proz., für die darüber liegende Uederarbeit 50 Proz zu gewahren. Genvsie Küter zeigte. daß den slädliichen Arbeitern die Neriregelung gerade 40 Pseunrg Lohiierböhung pro Woche gebracht hätte. Die Liberalen lehnten die Verbesieruiigsaiilräge ab. Fü, Arbeiter uird unlere Beamten haben iowohl die angebsiche liberale Verwoltung sowie deren liberale Mehrhell nicht viel übng. Mögen sich die Arbeiter endlich einmal Merten, wer ihre Freiin Se sind. Eiiistlminig beschlosien wurde breraus, dafür einzutreten, daß die angedrodie Räuniung der an Künstler vermieteten Ateliers, wenn überhaupt. früheslenS im Saiiimer 1912 erfolgt Eine am Freilag. den 22. d. Mls., aveudS g Uhi ltaitfiiidende Sladtveroi dneten- veriammliiiig soll sich mit der Wahl der Proviiizinllaiidtags. abgeordneten und der Einsührung der Kinemalographeusleuer be- lchäsltgen. Eine Weihnachtsfeier deS Arbeiter-TurnvereinS findet am ersten Feiertag m den.Spickernsäle»'ags vo» 7 bis 10 Uhr abends: Sonntags von 10 Uhr vormittags vis 10 Uhr abend». Lefe.»nv DiSkutterklud.Süd. Oft". H'ute Miwoch. abends S'/, Uhr. bei Rewhardl. Görlitzer Strafe 6b: Sitzung. Gäste willkommen. SSitterungsüderfich« vom IS. Dezember 1911. «tattonen Swinemde. idamdurg Berlin .Iranks a M. München Wt-N Z2 SZ 763S 7«||SC 764j5 765; Still 770 50 771i5€ Setter 2 wolkig S Dunst L heiler ItHebcl t, Heuer lliUedel t!' s" 1? fr- 3: «tattonen 3 t 2 — 1 —4 — 1 Hapaian-a Petersburg Scillo «berdeen Pari» « S £ 2 s€ u ■" 758|538 765 550 752; 5 5« 745i5 761|S Setter 2bedeckt 1 Schnee 5; heiler hdedeckt 3Rcgen tl fr-o -0 — 1 10 8 10 Wetterprognose für Mittwoch, den so. Dezember 1911. Ein wenig wäimer, vorb rrtchend wolkig mU leichten Regenlällcn und ziemlich lebhaften südlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wailerftands-Nachrlchtrn der Landesanstalt für Gewässerkunde, miigcteüt vom verllner Wetterbureau. Wasserstand N e m e 1. T-lstt P r e g e 1, FnNerburg Weichsel. Tdorn Oder. Ralibor , Krossen , Franl'utt a r l h e, Schrimm , Landsberg Netze,?oi dämm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bcrby » Magdeburg >1+ bedeutet Wuchs,— Fall. halb der Brücke Eisstand. Wasserstand S°ale. Grochlltz Havel. Sr>»ndau1 » Katbenow') SVree. Svremberg') _- Beeskow Weser, M-mdcn o,.• �"iden «Hein. Maximilians au » Kaub » Neckar. Heilbronn Main. Wen heim Mosel. Trier *) Unterpegel•) EiSstand. 0 V5«. Für Kattsfrauen! Achtung! Großer Teuerungszuschuß! Achtung! „IdeaUBrot4' garantiert reines, verfeinertes Roggenbrot, vorzüglich im Geschmack und leicht verdaulich, kostet von heute ab AM" nur 45 Pf."MQ das übliche groftc Brot. Zu haben in Delikaten-, Kolonialwaren- und Milchgeschäften, wo nicht, wende man sich direkt an die Ideal-Brot-Fabrik in Pankow, Mflhlenstr. 17 oder Blnzstr. 8. 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J»l>v>rs. Du Biaudilifler. '.' Sternwarle, Jnvalidensw. 57—62. chalie» Ta»o>au.a. U. Ret e in Busiiun uub Helzegowma. Die sonnige P,uiz a. o>h. i- i|--- Schiller- rheaierO.Äu ivitttwoch. adenvs 8 Uhr: König Heinrich. Donnerstag, abend» b Uhr: Zopi und Schwert. Freitag, abends 8 Uhr: Bon Carlo«. Schlller-Theaier ChvS#D Srü'irod), abend« 8 Uhx. nnukerude. DonnerSIng abend« 8 Uhr: Die VVildente. Freitag, abend« 8 Ubr: Badamc Sans-Göne. OSE=THEATE iftrogc Frankliine, sn 132. Nachm. 4 Ubr: Gold. Härchens Himmelfahrt. Abend» 8 Uhr: Faust. L Teil. D«werbtag: Tie gröstfe Liebe. I Berliner Theater. AbendS 8 Uhr: Die Ahnengalerie. Abends 8 ilhr: Bplglsreisli eines Kgisekln. Neues Theater. AbendS 8 Ubr: Tos Mädel von Montmartre. Crevette: Frlt»! Haanary. Theater des Westens. 8 Uhr: Fatlnitxa. Mittwoch und Sonnabend nachm. 4 Uhr: Max und Morih._ Residenz-Theater. Dfrettton Richard Alexander. Heute 8 Ubr: Ein Walzer von Chopin. Montag u. Dienstag<1. u. 2. Selb- nachtssrterfagl nachm. 3 Uhr: Tie Tame von Maxim. AbendS 8 Uhr: Ein Walzer von Chopi». Lelle-Alllsnee-TIseslei' Heule 4 Uhr: Dornröschen. AbendS 8>/, Ubr: Zapfenstreich. Fleiiag, 22. Dez. zum erstenmal: Tie schöne Kokotte. Lnisen-Theater. Abend« S Ubr: Wir tunp durchs Lebrn. Metropol-Theater. Die Naclit von Berlin! Große JahreSreone in 7 Bildern von Inf. Freund. Musik von B Holländer. Fn Szene gelchl vom Dir R. Schultz. Anfang 8 Rauchen g-ftaNet. Abend« ab 8 Uhr. Tie Stoffen SveziaUtälen. 9 Uhr: Harry Waiden im Brettlkönig. MMW Hocli nie dagewesener Laeberlolg! Das Kind der Firma und 8ekiiiesilo8g BkiiznUIung. Ans. 8 Uhr.©ovo erlauf 11—2 Uhr Boranzeige 1 Billetts für die zveihuachtsfetertage sowie sör die StlvefterfcftvorfteUung sind schon jetz, zu haben an der Tdenlertasie, bei A. Werthctm und im Jnoalidendant. Osseno Theesen Loldringkl Str. 37. Täglich 8 Uhr Novität! Novität! Das SenIatfonS-Lusispief Der Kamps nms Dasein! An beiden Feiertagen 3'/, Uhr: Die Dochter des Sträfling«. Noacks Theater. Direktion: Robert Olli. Berlin N., Brunnen'lratze 16. Heute: Geschloffen. Sn allen drei Feiertagen: Große Fcstvorstellung. SozIatcUmobratlfebcr Mablverein des dritten BcrU Reichstags-Qlahlkreircs Montag, den 25. Dezember(ersten Weihnachtsfeiertag), im Gewerkschaftshause, Engelufer 15; •• •• KunstsAbend •• •• Mitwirkende: .�onzert von Mitgliedern des Berliner Sinfonie•Orchesters (Kapellmeister: Herr Mazlmilian Flacher). Gesang: Frau Klara Urban(Mezzosopran) x Herr Otto Kowalski(Bariton). Rezitation: Herr Max Laurence. Herren, die daran teilnehmen, n s zahlen 50 Pf. nach u s Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. 214/12* Rege Beteiligung erwartet Der Toratand. Nach dem Konzert: TflflZ» SS ▲ AA mm ■■ XXX Anfang 7 llhr X Entree SO Pf. X Programm am Elnzanz grarf» XXX 3 Urania. Wiseanachaftliches Theater. 8 Uhr: Von Meran zum Orüer. Hörsaal 8 Uhr. Bsumstr. Phoenix: Elektrische Kraftübertragang. Königstadt-Kasino. Ecke Holzmarkt- u. A exanderftraße Vom Iß. Dez. biS 1, Januar. lägt'1,8 Uhr: Das erstklassige Spezialitäten-Progr. u. daSgr. Volfsflück tu 2 Bildern Goldene Träume. Folios Caprice. Täglich 8'/, Uhr: Mandttbluths Mtiabtlld. Losgelassen. Mafkenlibung. Am ßofanbcd tocdrtdiiilciMc Eis-Arena. Von 10 Uhr an geöffnet. Siaclimlttagn: DdlUtär- Konzert. Dm 5'/. Uhr; Das Weihnacntsrafirchen Schneewittchen AM» Abend».-MW Das praohtvoUe EislmUettJ: Alpeozauber Die kleine Charlotte Apachentänze— Puehballsplel. Bis 6 Uhr und von lO1/, Uhr an halbe Preiee Restaurant ersten Ranges. — MPM~ Morgen Donnerstag» Zu Gunsten der städtischen Waisen in Verbindung mildemWethneohU- märeben Schneewittchen. Five o'clock tea im I. Rang dop Elv-Arena. Eintrittspreis M. 3,—(für Kinder M. 2,—) inkl. Kaffee, Tee oder Schokolade oin» schließlich Gebäck. Jflldg/ets Tonn Hauptstadt von Lilipnt mit Ihren 70 Bewohnern FrledrlchstraBe 165, In den Räumen von Lasten, Panoptikum. 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