Ur. 299. nb«nncmen(S'Bed?näUiWfis IlionnenicntS• Prkis primmierando s KicrtcrjäfjrL 3�0£01!, Mona». 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, SonulagS- numincr mit illustrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- ilbonnemcul: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die PojI-Zeiwngs» Preislisie. Unter tlreuzbank für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehnien an: Belgien, Dänemnrl, Holland. Italien Lurcmburg, Portugal, iliuinimien, Schweden und die Schweiz. 28. Jahrg. Crtttigt täglich außer rnontaat Derlinev Volksblatt. Zentralorgan der rozialdemokratifchcn parte» Deutfcblands. Die InlertlonS'GebObr tetrügt für die sechsgespaltene Noloues» geile oder deren Raum 00 Pfg, für politilche und gewerkschaftliche Vereins- und Vcrsannnlungs-Anzcigen 30 Pfg. „kleine Anreizen", das fettgedrurkie Wort 20 Big,(zulässig 2 settgcdruilte Worte), jedes weitere Worl 10 Pfg. 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Es ist daher nur eine folgerichtige Entwicke- lung, daß die Theorie des Scharfmachertums, die Herr Tille auf dieser Vulgärökonomie aufbaut(siehe den Artikel„Die Theorie des Scharfinachertums" in der gestrigen Nummer), eine Klopffechtern schlimmster Art ist. Denn einmal muß Herr Tille vieles mehr beweisen, als die Bastiat. Schulze- Delitzsch usw., und zweitens haben sich seit den Zeiten Lassallcs die Tatsachen gemehrt, die den kapitalistischen Schönfärbern das Handwerk erschweren. Die Verteidigung der kapita- listischen Ordnung ist schwieriger geworden, und wenn nun gar noch ein System verteidigt werden soll, das die Schäden dieser Ordnung gewaltig steigern würde, so brauchen uns die Verrenkungen an der Logik, zu denen der Verteidiger greift, nicht zu wundern. Herr Tille hat, wie der oben erwähnte Artikel zeigte, den Unteruehmerprofit aus dem llnternehmerrisiko„gerechtfertigt". Er zog sich darauf zurück, weil er nicht leugnen konnte, daß nicht wenige Unternehmer— und gerade Groß- unternehmer, die ihm besonders am Herzen liegen— die Leistung ihrer Betriebe und Unternehmungen völlig an An- gestellte abgegeben haben, so daß der Versuch, den Unteruehmerprofit als das Produkt der geistigen Arbeit des Unter- nchmers hinzustellen, nicht angängig tvar. Aber um des besseren Eindrucks willen und um die Minderwertigkeit der Arbeiter im Vergleich zum Unternehmer zu lwweisen, braucht Tille den Unternehmer als den Leiter der Produktion, als den Träger einer gigantischen geistigen Arbeitsleistung. Und unbckiimmert um sein eigenes Zugeständnis, daß diese Funktio- neu des öfteren von Nichtuutcrnchmern, von Angestellten ausgeübt werden, präsentiert er uns, wo es ihm für seine Zwecke gerade paßt, den(Grotz-)Unternchmer als den genialen geisti- gen Arbeiter, dem der Profit als das Ergebnis seiner Leistung von Gott und Rechts wegen zukommt. Gegenüber dieser immensen geistigen Arbeitsleistung des Unternehmertums verschwindet die der Arbeiter vollständig, so vollständig, daß Tille allen Ernstes die Behauptung ausstellt,„die Handarbeit" könne ohne den Unternehmer überhaupt keinen Wert schaffen. „... Im Erwerbsleben ist der Unternehmerwille allein die Thnamis(die Kraft), welche zur Werterzeugung imstande ist..." heißt es wörtlich auf Seite 138 des 1. Bandes(Die gewerbliche Ertragswirtschaft) des Tillcschen Werkes. Ter Beweis für diese die Tatsachen geradezu auf den Kopf stellende „Werttheorie" ist nach Herrn Tille äußerst einfach. Ohne den Willen des Unternehniers entsteht keine Unternehmung. In der Unternehmung aber werden Werte erzeugt, er�o können ohne den Willen des Unternehmers keine Werte erzeugt werden, ergo hat sein Wille allein wertbildcnde Kraft, ohne ihn vermögen die„Handkräfte", wie Tille die Arbeiter nennt, keine Werte zu erzeugen. Man kann diesen fainosen Beweis auch umdrehen, indem mau sagt, ohne„Handkräfte" können in der Unternehmung keine Werte geschaffen werden, folglich sind die„Handkräfte" die alleinigen Werteerzeuger. Woniit freilich nichts bewiesen, sondern lediglich demonstriert ist, daß die Beweisführung Tilles nichts beweist. Ter Herr Generalsekretär hat noch mehr solcher famosen Beweise. Die Nebensächlichkeit der„Handkraft" im Vergleich zur Unternehmerarbeit im Bergbau demonstriert er z. B. folgendermaßen:„Im Bergbau steigt zwar sicherlich die Zahl der Handkraftträger iiber die der crtragswirtschaftlich Geistes- tätige» empor, aber bei ihr bedeutet wie beim Verkehr die Versenkung ungeheurer Mengen von Kapital und Naturkraft die Hauptsache und dic'Handkrast sinkt an Bedeutung unter die Naturkraft. Nicht überall, wo die Handkrast ein Loch in den Boden gräbt, finden sich verwertbare Erdbcstandteile. Das Ausfinden ausbeutbarer Lager, die Versenkung von Bar- kapital zu ihrer Hebung, die Schaffung der technischen Mittel zu ihrer Erreichung und die Versenkung von Naturkraft in ihr Anslichtbringcn bleibt vielmehr das wesentliche. Die BergmannStätigkeit ist demgegenüber nur ein unbeträchtlicher Faktor."(Band I, Seite' 101.) Hier setzt Herr Tille die geistige Arbeit der Ingenieure, Techniker. Betriebsführcr, Steiger usw. frischweg den Unternehmern aufs Konto, den Aktionären, die die Zeche zumeist ihr ganzes Leben laug nicht zu sehen bekommen, aber den Prosit einstecken. Aus dieie Weise, indem er alles, was nicht von den„Hand- frästen" geleistet wird, einfach als Leistung der Unternehmer ausgibt, steigert Tille die Großen unter ihnen zu Genies, zu Uebermenscheu, deren Fähigkeiten„nicht nur auf einer Stufe mit der Anlage des großen Feldhcrrn, Dichters, Philosophen und Erfinders, sondern au praktischer Bedeutung für die Menschheit weit über diesen" stehen.(Band I. Seite 36.) Aber schon der gewöhnliche Durchschnittsunternehmer ist durch eine tiefe Kluft vom Arbeiter geschieden. Denn der Arbeiter repräsentiert die unterste Stufe wirtschaftlicher Unfähigkeit.! Der Beweis ist wieder ein echter Tille. Er arguinentiert näm-! lich: Hätten die Arbeiter wirtschaftliche Fähigkeiten, so würden! fie eben nicht unselbständige Arbeiter bleiben, sondern selbst- händige Unternehmer werden. Kapitalmonopol läßt Tille '»cht als Hindernis gelten. Denn wer wirtschaftliche Fähig- kciteu hat, der spart sich ein Kapital. Bringt er das Ersparen des Kapitals nicht fertig, so ist nicht etwa der niedrige Lohn daran schuld, den er bezieht, sondern lediglich seine Wirtschaft- liche Unfähigkeit. Man sieht, in der Gesellschaftsordnung, wie sie Tille malt, ist alles aufs beste geregelt. Jeder hat die wirtschaftliche Stellung, die er verdient. Es ist auch eine Ordnung, in der es Besitzlose so gut wie gar nicht gibt, in der jedermann Kapitalist ist. Demi Tille läßt auch die abge- standensten Weisheiten nationalökonomischer Kinderfibeln nicht umkommen.„Kapitalbesitzer," so versichert Tille(Band 1. Seite 67),„ist jeder, der irgendwas sein Eigen nennt, was er nicht unmittelbar zur Befriedigung seiner Bedürfnisse braucht, ein Haus, ein Stück Land, eine Kuh. einen Hundert- markscheiu, einen Anzug zum Wechseln, ein Bild, ein Schmuck- stück". Nun werden die Arbeiter wohl einsehen, wie un- sinnig es von ihnen ist, den Kapitalismus zu bekämpfen. Sind sie doch selbst Kapitalisten— wenn sie dem Herrn General- sekretär glauben wollen. Tille trägt sein Heldengedicht vom Unternehmer unter beständigem schmerzlichen Stöhnen darüber vor, daß der So- zialismus den Unternehmer nur als Drohne und Ausbeuter betrachte, seine immense geistige Arbeit, seine genialen Leistungen unterschlage, leugne, nur die Handarbeit, die rohe MuSteltätigkeit gelten lasse. Das ist nun freilich unwahr. Der Sozialismus bestreitet gar nicht die geistige Arbeit der- jcingen Unternehmer, die wirklich die Leiter ihrer Betriebe sind. Er bestreitet nur, daß der Effekt dieser Arbeit der Unternehmerprofit ist und beweist das an den zahlreichen An- gestellten, die solche leitende Tätigkeit als Vertreter von Unternehmern ausüben und dafür stets nur einen Bruchteil dessen erhalten, was der Unternehmer einsteckt, bezw. lvas das Unternehmen abwirft. Im übrigen mögen die Unter- nehiner, die die Leiter ihrer Unternehmen sind, die genialen und hart arbeitenden Leute sein, als die Tille sie hinstellt— gegen den Sozialismus ist damit nichts bewiesen. Denn wenn es hellte auf Gehalt gestellte Geschäftsführer und Betriebs- leitcr gibt, die die Aufgaben des Unternehmers bewältigen, weshalb sollten sie nicht in der sozialistischen Gesellschaft dazu fähig sein,>po ihnen übcrdem der Kampf mit der Kon- kilikrcmz erspart bleibt l Acußetst bezeichnend für diesen Theoretiker des Schars- machertums ist die Tatsache, daß er die neuere wirtschaftliche Entwickelung, die sich in den letzten Jahrzehnten vollzog, fast völlig ignoriert. Von der Rolle der Kartelle, der Trusts, von der Fuilktion, die das Finanzkapital in der Produktion ausübt, vom stetig wachiendeu Einfluß der Bauken aus die Industrie erfährt der Leser des Tilleschcu Buches so gut wie gar nichts. Kartelle und Trusts werden knapp erwähnt als besondere Formen der Unternehmung, wie die Akticngcscll- schaft: von ihrer Bedeutung für das wirtschaftliche Leben der Gegenwart ist nicht die Rede. Wer seine ganze Kenntnis unseres Wirtschaftslebens aus Tilles Buch schöpfen würde, der müßte zu der Vorstellung kommen, daß nicht die Aktien- gcsellschaft und das Kartell bezw. der Trust die vorherrschen- den Formen der großen Industrie sind, sondern die vereinzelte, von einem oder inehreren Unternehmern betriebene Unter- nehmung..Herr Tille ist eben so abhängig von der Vulgär- ökonomie des Manchestertums, daß er auch nur mit ihrem Wirtschaftsbild zu operieren vermag. Zudem passen zu seiner Lehre vom genialen Unternehmer nicht so recht die modernen Institutionen, die die Initiative und das Risiko des Unter- nchmers beschränken. Also ignoriert er sie gewissenhast. Geradezu ein Musterbeispiel für die Skrupcllosigkeiß mit der Tille bei Bedarf zwei verschiedene, einander gegenseitig ausschließende Darstellungen von derselben Sache gibt, sind die Ausführungen, die er über die Krise macht. Von einer Bc- Handlung oder gar Erklärung dieser für die kapitalistische Ordnung ctwas�kompromittierlichen Erscheinung ist freilich nicht die Rede. Sie wird nur gelegentlich kurz erwähnt, wenn Tille sie z. B. nötig hat, um das Unternehmerrisiko recht kraß zu malen. Da spricht Tille einmal vom Wechsel der Kon- junktur, von Ausschwungs- und Niedergangszeit. Und wo er zeigen will, daß die„Handkräfte" ihren Lebensunterhalt nicht gewinnen können, wenn ihnen der Unternehmer nicht Arbeitsgelegenheit schafft, da erinnert er daran, daß in der „Niedergangszeit, wenn die Unternehmungen nicht voll bc- schäftigt sind, die Beschäftignngsmöglichkeit für Taufende und Hunderttausende entfallt und die Feiernden entstehen,„deren Arbeitslosigkeit unabhängig von ihrem Willen ist". Ans der nächsten Seite aber empfiehlt Tille alsMittel gegen dieArbcits- losigkeit die Stärkung des Unternehmertums, damit es die Arbeitsgelegenheit vermehren könne. Er kann und darf als Scharsniachcranwalt nicht zugeben, daß die Arbeitslosigkeit und die Krise ein organisches Gebrechen der kapitalistischen Ordnung sind und so schreckt er nicht davor zurück, sich selbst ins Gesicht zu schlagen und zu tun, als habe er vergessen, was er knapp vorher selbst gesagt. Denn Ut einmal der Wechsel der Konjunktur zugegeben, so ergibt sich daraus logisch, daß alle Stärkung der Unternehmer, alle Vermehrung und Ver- größerung der Betriebe nichts daran ändern können, daß in Zeiten des Niedergangs weniger Bedarf nach Arbeitern als zur Zeit des Aufschwungs ist, und also Arbeitslosigkeit ein- treten muß. Uebrigens bringt Tille es an anderer Stelle auch wieder fertig, alle Arbeitslosigkeit als Folge der Tätig- keit der bösen Gewerkschaften hinzustellen, die die Unternehmer zwingen, stets eine Reservearmee bereitzuhalten. Ter gc- duldige Leser, so nimmt Herr Tille offenbar an, wird über die Widersprüche schon hinweglesen. Diese Proben mögen genügen, um die Wissenschaft des .Herrn Tille zu charakterisieren. Es ist die skrupelloseste Klops- sechterei, die jemals der Welt geboten wurde. An sich nicht wert, daß sich ernsthafte Leute mit ihr befassen, hat sie doch ihre Bedeutung als ein eklatanter Beweis.der verzweifelten Unmöglichkeit, der Scharfmacherci eine wissenschastlichc Stütze zu geben. Diese Theorie des Scharfmachertums ist ein geistiger Bankerott. Aber in voller Lebenskraft besteht die Praxis der Scharfmacher und ihre Forderungen und was sich darüber aus Tilles Buch ergibt, das ist nicht minder wichtig, als der Nachweis ihres Bankbruchs auf dem Gebiet der Theorie._ llgrsriiche A-chlliigen. 1. Im Verlag der„Deutschen TageZzcitnng" ist ein Büchlein er- schienen:„ N ii st z e n g zur R e i ch§ t a g s w a h 1." Auf 103 Seiten leistet es das, was man billigerweise an Entstellungen, Verdrehungen, Erfindlingen und an— Verschweigen verlangen kann. Schon im Vorwort auf der ersten Seite findet sich eine grobe, dicke Lüge:„das Buch ist nicht im Dienste einer politischen Partei ge- schrieben", und doch wird tatsächlich auf jeder Seite, in jeder Zeile die konservative Partei und der Biuid der Landwirte über die Matzen gelobt. Selbst das der agrartschcn Reaktion eng ver- bündete Zentrum wird als—«icht immer„ganz zuverlässig" getadelt; uneingeschränktes Lob erhält nur die Partei der Rechten. Gleich demagogisch wie das Vorwort ist der Inhalt, der ans kurzen nach Stichwortcn alphabetisch geordneten Artikeln besteht. Aber nur politische ABC-Schützen werden die demagogischen Künste nicht durchschauen. Liebesgaben sind nach dem Rüstzeug„nichts weiter als eine vom Staate zu viel erhobene und deswegen wieder zu- rückgezahlte Steuer". Weshalb erhebt der Staat denn uicht von vornherein die niedrigere„richtigere" Steuer? Weshalb nimmt er verschieden hohe Abgaben. 105 M. für das Kontingent, 125 M. für allen nicht kontingentierten Branntwein? Auf diese bei jedem geistig gesunden Leser selbstverständlich austretenden Fragen gibt das„Nüst- zeug" keine Antwort. Sie könnte nur lauten: damit den Schnaps- b r e n n e r n, die an der Branntweinerzeugimg mit niedrigeren Abgaben interessiert sind, ein jährlicher Extraprofit von 4b Millionen Mark gewährleistet wird! Damit der Branntwein ans Kosten der Konsumenten verteuert wird! Denn der Preis des Branntweins mit der höheren Abgabe bestimmt den Preis des BranutweinS überhaupt. Aber das Büchlein bekommt es nicht nur fertig, von einer zuviel erhobenen und zurückgezahlten Steuer zu lügen, eS behauptet weiter dreist, es handele sich bei der LiebcS- gäbe„gar nicht um eine Gabe" an die Agrarier,„sondern viel- mehr um einen Zuschlag" zur Steuer l Weshalb treten denn die Agrarier nicht für eine gleiche Höhe der Steuer ein, damit allen Söbnapsbrennern nicht zu viel abgenommen und nur einzelnen ein Teil zurückgezahlt wird; weshalb gehören sie gerade zu den Befür« wortern der ihnen einen Extraprofit sichernden Trennung in der Abgabeuhöhe? Und hat nicht das Wort Liebesgabe— das der Rüstzeugler ein„unsinniges Gerede" nennt— ein Konservativer selbst in seiner ersten Freude über die damals neue Ausbeutungsmethode erfunden? Infame Heuchelei ist weiter die Behauptung,„die Liebesgabe liege nicht sowohl im Interesse der Grotzbrcnner, als vielmehr in dem der kleinen landwirtschaftlichen Brennereien des Südens und Westens". Gerade die großen Brenner profitieren am meisten durch sie, und der Anteil einiger weniger von ihnen, darunter g e- für st ete H ä up te r. übertreffen mit ihrem Kontingent das von Taujenden kleinerer Brenner zusammen! In dcni jetzigen Wahlkampf gehen die Agrarier mit ihrem angeblichen Kampf gegen den GroßkapitalismuS krebsen. So wendet sich das„Rüstzeug" gegen die Karlelle- Syndikate und Trusts, Ivcil sie Mittel seien, die„Tyrannei des MammonS" vorzubereiten und zu befestigen. Im selben Atemzug muh das„Rüstzeug" aber einschränken, Kartelle könnten auch nötig und nützlich sein, um die SpirituSzcntrale vor dem eigenen Verdamninngsurteil gegen PrciSvcrabrednngcn zu schützen! Gerade die Schnapszcntrale ist fast schärfer noch als sonst industrielle Kartelle gegen die Konsumenten und außerhalb der Zentrale stehende Pro- diizcntcn vorgegangen, und noch in letzter Zeit sind einige Austen» seiter mit Hilfe des von der Schnapszentrale diktierten Branntwein- gcsetzeS zum Anschluß gezwungen worden. Die agrarischen Grostkapitalisten unterscheiden sich in nichts vorteilhaft von ihren industriellen Brüdern. Nur noch verlogener sind sie, als die Schlotjunker, die offen freien Raum für ihre Macht-- und Erpresser- Politik fordern. Eitel Spiegelfechterei ist es weiter, daß die SpiritnSzentrale sich dadurch ein Verdienst erworben habe,„daß sie für den Klein- Handel die BcrlanfSpreisc festgesetzt und dadurch eine Verteuerung durch den Kleinhandel hintangchalten hat". Der ganze Vorteil der Kleinhandelspreise zeigt sich allein den SchnapSbrcnnern, die nicht nur die Brnnntweinpreiso hoch trieben, sondern auch noch sich ganz allein unter möglichstem Ausschluß dcS Kleinhandels den Profit sicherten._ Lohn- und listesttteigeiMgen! Der Troß der Profitpolitiker arbeitet in der Wahl- agitation mit sensationell aufgeputzten Zahlen über Lohn- erhöhungen und Preissteigerungen. Die Bündler suchen die flcincn Srtitcm und SaubniBcitcr zu bluffen mit der Sc hauptuug, die Löhne der B e r g a r b e i t c r seien in 25 Jahren um 85 Proz. gestiegen, die Preise der landwirtschaftlichen Produkte aber uur um 12— 38 Proz. Wie sich die Verhält- uisse tatsächlich entwickelt haben, illustriert die folgende Zusammenstellung. Wir stellen die Löhne der am höchsten entlohnten Bergarbeiter, die der Hauer im Oberbergamts bezirk Dortmund und die amtlichen PreiSnolieruugen nach dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich in Vergleich. Hier die Resultate: Durchschnitt Steigerung 1308/1900 1907/1909 i» Proz. M. il'i. Tagelohu nach dein Jahres- durchschnitt..... 4,85 5,72 17,9 Roggen... pro Tonne 143,9 185.4 28,8 Weizen..... 164,2 217,1 32,2 Ochsen II.. pro D.-Z. 116,1 139,1 19,8 Schweine II.„„ 105,0 119,9 14,1 Kälber II..„„ 126,9 104,7 29,8 Hanuuel II..„„ 110,2 143,8 30,4 Roggeninchl 0/1„„ 19,6 23,8 21,9 Weizenmehl 00„„ 23,2 29,1 25,4 Also nur die Preise für Schweine sind etwas weniger gc- stiegen als wie der Lohn, sonst ergibt sich für die aufgesührten wichtigste» Nahrungsmittel eine die Lohnerhöhung weit hinter sich lassende Verteuerung. Da gleichzeitig auch die Wohnungsmieten und Steuern höher geworden sind, haben sich in der angegebenen Periode die Aussichten für die Arbeiter zweifellos wesentlich verschlechtert. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dag sich für die allermeisten Arbeiter die Löhne noch weniger gehoben haben als für die Bergarbeiter.._ fit das deutsche Volk unterernährt? Die Wissenschaft fordert für den erwachsenen gesunden Menschen. der täglich 9—10 Stunden körperliche Arbeit leistet, eine Eiweiß- zufuhr von 100 Gramm pro Tag, und zwar soll davon etwas iibcr ein Drittel Fleischeiweiß sein. Die Phlisiologen Nnbner und v. Boit halten einen täglichen Fleischkonsmn von 170 Gramm, das kaiserliche Gesundheitsamt einen solche» von 150 Gramm für notwendig. Ver- standen wird darunter mageres Rindfleisch niit einem Eiweißgehnlt von 26,5 Proz. Der JahreSbcdarf an Fleisch stellte sich demnach für einen normalen Menschen ans 62 bezw. 55 Kilogramm. Wird dieser Betrag in Deutschland tv irklich erreicht, und vor allem, gilt er für die breite Masse des BolkcS? In den lchten Jahren müsien wir in Deutschland ein Sinken des Fleischkonsums feststellen. So ist bei unS, nach Henriette Fürth, der Fleischverbrauch von 49 und 50 Kilogramm pro Kopf in den Jahren 1905—1907(ohne Berücksichtigung der Hansschlachtnng) ans 40,41 Kilogramm 1908, 40,20 Kilogramm 1909 und 39,78 Kilo- granun 1910 zurückgegangen. I» England dagegen, dessen Bevölkc- rung man nicht durch eine agrarische Schutzzollpolitik die wichtigsten Lebensmittel verteuert, entfällt 1910 ein Fleischverbrauch von 66 Kilo- gramm pro Kopf und Jahr(und zwar Rindfleisch 55 Pfund, Schweinefleisch 27 Pfund, Hammelfleisch 30 Pfund), wozu noch der enornie Fischvcrbrauch von 140 Pfund kommt. Dabei ist zu be- achten, daß in England das hochwertige Rindfleisch überwiegt, während bei uns diese Stelle vom Schlveinefleisch eingenommen wird, dessen Nährivert bedeutend geringer ist. Nun muß man aber annehmen, daß der wirkliche Fleischverbrauch bei der arbeitenden Bevölkerung sehr viel niedriger ist. Auch hierfür finden wir in der Statistik Anhalts- punkte. Vom Reiche wie auch von verschiedenen Gewerkschaften sind Wirtschaftsrechnungen von Arbeiterfamilien veröffentlicht worden. In der vom Deutschen Metallarbeiterverband bearbeiteten Erhebung, die 320 HaushaltungSrcchnungen von Metallarbeitern aus dem Jahre 1907— also noch vor der letzten Teuerungspcriode, die eine Steigerung der Lebensmittel um etwa 20 Proz. brachte— umfaßt, kommen auf den Kopf der betreffenden Familie im Jahre 25,108 Kilogramm Fleisch. Nach der amtlichen Erhebung auf den Kopf der Arbeiterfamilie sogar nur 21,2 Kilogramm. I» einer Erhebung, die vom Gciverkschasiökartell zu Frankfurt a. M. veranstaltet wurde und sich aus 19 Haushaltungen erstreckte, kommt in einem Falle ein FleischjahrcSvcrbrauch von 58,5 Kilogramm auf eine 8köpfige Fa- nnlie, das heißt pro Kopf und Jahr sauf den Erwachsenen berechnet) 11,7 Kilogranim, während es nach der Ernährungslehre 62 Kilogramm sein sollten. Und wohl gemerkt handelt es sich hier noch immer um besser bezahlte gelernte Arbeiter. Aber da auch alle anderen Lebensmittel in Deutschland, dank der agrarischen Wuchcrzölle, enorm gestiegen sind, und zwar viel mehr wie im Auslaiide, zum Beispiel England— wo in London ini Oktober dieses Jahres das Kilogramm Roggenbrot im Kleinhandel 15 Pf.(nach unserem Gelde umgerechnet), in Berlin 29 Pf., und daö Kilogramm Weizenbrot 19 Pf.(London), in Berlin 40 Pf. kostete — so mußte sich die Lebeusbaltuiig der großen Masse der Bc- völkerung noch verschlechtern. Doch wie ist das zahlenmäßige Per- hältnis? Stellt man für eine vierköpfige Arbeiterfamilie auf der Grundlage der Speiserolle eines Seesoldaten eine Be- rcchnung des Kostenaufwandes nur für Lebensmittel auf, so macht das in Mark: für die Woche fürs Jahr 1900... 20,44 1062.88 1905... 21,98 1142,96 1907... 22,63 1176,76 1910... 27,14 1411,28 Nach der Reichsstatistik beträgt in einer solchen Arbeiterfamilie die Ausgabe für Lebensmittel 52 Proz. der Gesamtausgaben: rechnen wir dafür auch nur einen Anteil von 50 Proz., so erhalten wir eine Summe, die wohl kaum je ein Arbeiter verdient! Henriette Fürth berechnet die Summe, die heute eine vierköpfige Arbeiterfamilie zur Befriedigung des a l l e r» o t w e n d i g st e n zur Verfügung haben muß, (300 Arbeitstage angenommen) pro Arbeitstag auf 5,55 M., pro Woche auf 33,30 M., das Jahr also 1664,50 M., und für eine sechs- löpfige Familie ein Einkommen auf den Arbeitstag von 7,40 M., die Woche von 44,40 M., das Jahr von 2219 M. E S ist das ein Einkommen, das von der großen Masse der Arbeiter, aber auch der kleinen Beaniten bei weitem nicht erreicht wird. Da müssen dann die AuS- gaben für Nahrung und Wohnung noch mehr herabgesetzt werden, zum Schaden der Volksgesundheit! Die hohen Wohnungsmietcn belasten die städtische Bevölkerung noch besonders und drücken die Ausgaben für Ernährungszwecke noch mehr herab. Was sind nun die Folgen jener barbarischen Politik? I. Eine außerordentlich h o h c K i n d e r st e r b l i ch- kcit, in der Deutschland in der Kultur wclt voran- geht. Von je 1900 Knaben und Mädchen starben nach Fr. v. Fricks vor Beendigung des ersten Lebensjahres in England 161,0 Knaben und 131,1 Mädchen, in Deutschland aber 252,7 Knaben und 2l7,4 Mädchen(Sachsen gar 303,1 Knaben und 258,1 Mädchen). Um ein ganzes Jahrzehnt(25 Proz.) übertrifft nach Prof. Karl Oldenberg das lebensmittelzollfreie Dänemark die deutsche Lebenserwartung. Der eben geborene Knabe hat in Schweden 1891—1900.... 50,9 Lebensjahre zu warten Neu-Siidwales 1891—1900... 49,6,„, England und Wales..... 44,1„„„ DemscheS Rekch 1891—1900.. 40,6„. Sachsen 1890, 1895, 1900... 37.6„„„ Ein ungeheurer, kau m berechenbarer Schaden erwächst jährlich dem deutschen Volke in dem zu frühen Hinsterben seiner Jugend! II. Die Geburtenziffer des deutschen Volkes fällt rapide, Ivos wohl sicher der durch die schlechten Wirtschaft- lichen Verhältnisse ciiorm gesteigerten Erwerbstätigkeit der Frauen(und der besonders der Ehefrauen) zuzuschreiben ist, die einer Schloangcrschaft nicht günstig sind. Die zurzeit noch vor- handene Bevölkermigszimahme verdanken wir nur einer durch bessere hygienische Verhältnisse bedingten, nach oben gerückten Stcrb- lichkeitSziffer, die aber sehr bald ihre natürliche Grenze finden wird. Und dann wird die Zeit kommen, wo Deutschland nicht mehr znkunftsfroh auftreten kann, wo der B e v ö l k c r u n g s si i l l st a n d mit seinen argen Schäden für die Arbeiterklasse, für die Volkswirtschaft unS packen wird, wo u n S andere Völker kulturell und wirtschaftlich über- f l ü g e l ii werden. Wohl ist der Geburtenrückgang eine All- geiiieilierschcinmig migezügeltcr kapilalistischer.Kultur", aber ein allgemein hoher Wohlstand und eine billige Lebenshaltung der Arbeiterklasse wirkt ihm entgegen. Diesem Selbstmord des deutschen Volkes muß durch eine vernünftige Wirtschafts- und Sozialpolitik Einhalt getan werden! Darum kann es am 12. Januar für alle wahren Patrioten nur eine Losung geben: Nieder mit der bisherigen vaterlaiidsfeiiidlichen schwarzblaueii Negieruiigvpolitik und ein Eintreten für den Kandidaten der Sozialdemokratie!_ Zur kelchstagsivahl. Konservative Walflmachc. Nachstehende„vertrauliche Anweisungen" an die konservativen Vertrauensmänner und Redner hat ein günstiger Wind der Bres- lauer„VolkSwacht" auf den Schreibtisch geweht. Sie scheinen ans der Feder des konservativen Generalsekretärs K u n tz e zu stammen und stellen ziemlich das Ordinärste und Roheste dar, was bisher an Täuschung der Wähler in Deutschland verübt worden ist. Es heißt in der Anweisung über.Organisation und Ver- sammlungstcchnik" über Konservative Versammlungen. In unserer konservativen Versammlungstechnik muß der kauf- männische Geist mehr einziehen, der kaufmännische Geist, der ans daS Publikum Rücksicht nimmt, an das er sich wendet, vulgär aus- gedrückt, man muß mit der Wurst nach der Speckseite werfen und Reklame machen. Die Ankündigung der Versammlung darf nicht klein gchalien sein. Dafür gibt es kein Stück Papier, daS groß genug ist. Nehmen Sie das größte Format, das Sie am Orte auftreiben können. Auf die paar Groschen kommt es wirklich nicht an. Schreiben Sie auch nicht bloß: Oeffentliche Versammlung, dann den Redner und dann vielleicht:„Die Konservativen und die ReichStagSwahl" oder etwa? ähnliches, einen so nichtssagenden Titel, der wirklich keine Wcrbekraft hat. Wir müssen uns daran gewöhnen. die Vorträge schlagwortartig zu bezeichnen, daß schon durch den un- gewöhnlichen Ausdruck die Aufmerksamkeit darauf gelenkt wird. Solche ziigkrästigen Themata sind:„Die Totengräber des deutschen Mittelstandes",«Wie Völker sterben"(Das Thema des Herrn Kuntze) usw. Wie nun die Leute zur Versammlung bringen? Annoncen in den Zeitungen genügen nicht. Schon Wochen vorher muß man durch einen kleinen Artikel in der Presse dafür Stimmung machen. etwa in der Weise, daß man bringt: In der nächsten Zeit werden die Wähler einen hervorragenden Redner der Konservativen zu hören bekommen, der ans dem Gebiete der MitlelstandSfragen ganz besonders beschlagen ist. Dann muß nach ungefähr vier oder fünf Tagen wieder eine Milteilling kommen, daß in der Stadt eine außcrordent- liche Sliminung schon für diesen Vortrag vorhanden ist, daß wahr- scheinlich der Saal zu klein sein wird, daß man schon Borsorge treffe, einen größeren Saal in Aussicht zu nehmen. Auf diese Weise imiß für einen Vortrag Stiiiimiing gemacht werden, so daß alle Wclt denkt: WaS wird da los sein! Der größte Fehler bisher war, die gegnerischen Versammlungen nicht zu besuchen. Dadurch baden wir der Sozialdemokratie ermög- licht, die Arbeiter und alle kleinen Leute unS abwendig zu machen. Wir mußten ja die Millionen von Arbeitern verlieren, denn wer ist denn aus konservativen Kreisen i»S Volk, unter die Arbeiter ge- gangen, um sie aufzuklären? Niemand! Wenn wir als Partei nicht zugrunde gehen wollen, müssen wir auch in Zukunft wieder ins Volk hinciusleigen, weil wir eine Volkspartei sind. Wir dürfen daher die sozialdemokratischen Versamiillmigen nicht unbeachtet lassen. Natürlich muß man da mäßig sprechen(!) und alle provozierenden Gedanken vermeiden.... In der gegnerischen Versammlung müssen immer zwölf bis fünfzehn handfeste Leute sein, die vorher instruier: worden sind, die genau im Saale ver- teilt sitzen und für den eigenen Redner und gegen den fremden Redner in der Versammlung Stiin- in u n g mache n. Die Presse, auch die, die sich konservativ nennt, hat bisher immer selbst liberale Scheinerfolge als große Dinge gebracht und von unseren bedeutenden Erfolgen mitunter gar nichts. Berichte von uns sind nicht einmal aufgenommen worden. In der Be- ziehung muß auf die Presse in den einzelnen Wahlkreisen eingewirkt werden. Für die Ortspresse ist eS gut, wenn wir ihr selbst den Bericht anfertigen und übergeben: sonst kommeil nebensächliche Dinge in die Presse und nicht die Pointen, auf die es unS gerade ankommt. Viel- leicht ist es gut, schon vorher einen Bericht über den Vor- trag zu Papier zu bringen und dem llkedakteur gleich zu übergeben. Dann ist auch der Bericht gleich am anderen Tage in der Zeitung. Das wirkt verblüffend. Mit den Redakteuren muß die OrtSleitimg sich in liebenswürdiger Weife in Verbindung setzen, damit alles gut in die Zeitungen kommt. Die gegnerische Presse in den Wahlkreisen muß scharf überwacht werden, da sonst Entstellungen durch die ganze liberale Presse gehen. Kommen häufige Entstellungen auf der Gegenseite vor. muß man sie in einem Flugblatte zusanniienfassen unter der Uebcrschrisr:„15 liberale Un- wahrhesieu", und dann: 1., 2.. 3. usw., links die Unwahrheiten und rechts: so ist es gtwesen. DaS wirkt dann draußen bei den Wählern. Der Vorsitzende muß eS dann so einrichten, daß die Redner immer abwechselnd folgen, daß immer auf einen gegnerischen Redner ein eigener Redner eingeschoben wird. Für die Redner selbst rate ich. sich immer einen möglichst guten Abgang zu verschaffen. Sind viele Gegner vorhanden, so schließe man mit ciiiem ollgemein versöhnende» Satze(!), indem man vielleicht die iiationaleii Gefühle anregt, damit auch diejenigen znni Beifall angeregt werden, die sonst vielleicht den Beifall unter- lassen hätten, damit so zum Schluß noch ein allgemeiner Schwung in die Versaininlinig kommt.... In Hotels und Lokalen auf dem Lande, in denen die Guts- besitzer verkehren und unter Notständen auch eine recht beträchilichc Zeche macheu, liegt nichts weiter aus als das«Berliner Tageblatt". Die Herren sollten doch ein einziges Mal mit dem Dirke ein de?« minftiges Wort sprechen, damit neben!dcm„Berliner Tageblatt" mindestens ein Blatt unserer Richtung ausgelegt wird. Für die Arbeiter auf den Gütern sollte das„Berliner Blatt" abonniert werden. Auch Kaüender sollten an die Arbeiter verteilt werden, gerade jetzt vor den Wahlen. Den lesen die Arbeiter abends. D e Handwerker auf dem Lande sagen: wir sind konservativ, aber die Herren geben uns keine Aufträge, die Herren lassen sich ihre Sachen aus Berlin kommen... Die Störungen in den Versammlungen machen es zur Not- wcndigkcit, daß überall, wo wir die Ocffentlichkcnit zulassen, wir für ein Dutzend handfester Leute als Ordner sorgen, die durch eine weiße Binde kenntlich sind. Ter Vorsitzende hat am Anfang der Versammlung dann luudzugebcn: Durch Vorgänge mancherlei Art im bleiche sind wir veranlaßt lvorden. etwas vorsichtig zi� sein für den Fall, daß wir gestört werden sollten. Ich habe mir daS Hausrecht schriftlich Iwi, Wirt übertragen lassen für die ganze Nacht— das Beste ist immer gleich bis zum frühen Morgen—, ich habe das Hausrecht gleichzeitig allen durch weiße Binden kennt- lich gemachten Ordnern übertragen: jeder, der einer Anweisung dieser Ordner nicht nachkommt, macht sich des Hausfriedensbruches schuldig und wird so und so bestraft. Dann hat der Ordner es i» der Gewalt, jeden, der brüllt, sofort festzustellen und hinaus- zuschmeißen. Und lvenn zwei, drei Schreier hinausgeflogen sind, tritt die Ruhe dann schon ein. «• • Endlich gefunden! Im sächsischen Wahlkreis Stollberg-Schnccberg, in dem Ge- nosse S ch ö p f l i n wieder kandidiert, war es den bürgerlichen Par- teien trotz aller Bemühungen bisher nicht möglich gewesen, einen Kandidaten aufzutreiben. Nun haben sich die Nationalliberalen des 21. sächsischen Wahlkreises dazu bereit erklärt, den bürgerlichen Parteien im erstgenannten Kreise einen Kandidaten zur Verfügung zu stellen in der Person des evangelischen Arbcitcrsekrctärs Fleischer- Annaberg. »» » Ein landrätlichcr Wink mit dem Zaunpfahl! Der Königliche Landrat dcS Kreises O c l s in Schlesien erläßt in der letzten Nummer des amtlichen Kreisblaties folgende Bekanntmachung: „Ich erwarte, daß alle mir direkt oder indirekt unterstellten besoldeten Beamten, soweit sie im wahlfähigen Alter stehen, sich davon überzeugen, ob sie in die seit gestern ausliegcnden Wählerlisten eingetragen sind, und daß sie gegebenenfalls im Wege des Einspruchs, der bis zum 21. d. Mts. angebracht sein muß, ihre Eintragung bewirken. E s bedarf keiner besonderen Hervorhebung, daß die Aus- Übung des Wahlrechts am 12. künstigen Monats die Erfüllung einer Ehrenpflicht für jeden Reichs-, Staats- oder Kommunalbeamten bc- deute t." Noch deutlicher kann ja der Königliche Landrat nicht werden! poUrtfebe CTeberlicbt Berlin, den 21. Dezember 1911. Der Kampf des Bundes der Landwirte für den Schutz der„nationalen" Arbeit. Vor dem Berliner Gewerbegericht wurde gestern ein Prozeß verhandelt, der, obgleich eS sich um eine einfache Lohnklage handelte, das höchste Interesse beansprucht, denn nicht nur wurde dort den Bund der Landwirte als Lohndrücker entlarvt. sondern zu gleicher Zeit recht anschaulich an einem praktischen Bei» spiel nachgewiesen, waS dieser„vaterländische" Bund unter dem „Schutz der nationalen Arbeit" versteht. Sechs Arbeiterinnen, die auf Anruf der Firma Döring u Hüning, Graphische Kunstanstolt. Friedrichstr. 16, vom paritätischen Arbeitsnachweis vermittelt und in einem Parterreranm des gc- nannten Hauses einen halben Tag beschäftigt worden sind, klagten gegen die genannte Firma, weil sie nach einigen Stunden ohne weitere? fristlos entlassen wurden, auf eine 14tägige Lohnentschädi- gung. Anstatt der beklagten Firma erschien ein Herr Ott. der seinen Wohnsitz und sein Hauptgeschäft in Würzburg haben will, und er- klärte, daß nicht die beklagte Firma, sondern er der Arbeitgeber der Klägerinnen gewesen sei und deshalb die Firma Döring u. Hüning zu Unrecht verklagt worden fei. Die Beklagte wäre nur Auftrag- nehmerin von ihm. Die Klägerinnen richteten daraufhin ihre Klage gegen diesen Herrn, der nun den Einwand de� örtlichen Unzuständigkeit erhob, ein Einwand, der vom Gericht jedoch als völlig unbegründet zurückgewiesen wurde. Bei der Verhandlung zur Sache machte der Beklagte geltend, daß ein Unberufener die Klägerinnen vom Arbeitsnachweis gefordert habe. Bei der Beweisaufnahme entpuppte sich dieser Unberufene als ein beim Beklagten beschäftigter Hausdiener, dessen Aufgabe eS war, die vom Bunde der Landwirte herausgegebenen bekannten illustrierten Postkarten nebst den dazu gehörigen Be» gleitschrciben kuvertiercn und postfertig machen zu lassen. Dieser Hausdiener hatte, da der Betrieb dcS Herrn Ott hier unbekannt ist, beim Arbeitsnachweis die Adresse der Firma Döring u. Hüning angegeben, die von der Bestellung nichts wußte und die Arbeiterinnen bei ihrer Meldung an den Betrieb des Herrn Ott verwies. Der Beklagte machte nun geltend, daß' er den Hausdiener wohl ermächtigt habe, Leute einzustellen, wenn solche benötigt wurden, aber daß er ihm ausdrücklich untersagt habe, den Arbeitsnachweis zu benutzen. Ein anderer Aufpasser und zwar jener, der die Klägerinnen wieder entlassen hat, gab dazu al» Grund für die Entlassung die Uiiznfriedeiihcit der Arbeiterinnen mit den ihnen gewährten Löhnen an. Da die Klägerinnen für ihre halbtägige Arbeitsleistung nur 1,50 M. erhalten haben und der Beklagte sich auf die tarifliche Kündigungsfrist nicht beziehen kann, da er weder den Tarif an- erkannt, noch nach ihm entlohnt hat, wurde der Beklagte verurteilt, an jede der Klägerinnen eine Utägige Lohnentschädigung von 36 M. zu zahlen. Soweit bietet der Bericht kaum ein besonderes Interesse, höchst interessant ist aber, daß die illustrierte» Wahlrechtspostkarten, die der Bund der Landwirte in riesigen Massen(60 Stück für 3 Mark) in alle Wclt hinauSsendct, der Billigkeit wegen. wie sich ans der Verhandlung vor dem Gewerbegericht ergab, im Auslände gedruckt worden sind, und zwar, wie cS heißt, in Amerika — demselben Amerika, über dessen Geschäftssinn, Gewinnsucht und rohen Materialismus die Bündlerprefse, voran die„Deutsche TageS- zcitung". nicht genug zu räsonnieren weiß. Obwohl der Bund der Landwirte in seiiicn Wahlpnblikatioucn den Schutz der sog.„nalio- nalen" Arbeit verheißt und zu diesem Zweck e i n c n l ü ck e n l o se n Z o l l- und Grenzschutz fordert, läßt er seine WahlagitationSpostlarten im Auslände herstellen«■» entzieht also der deutsch'/ Industrie und der deutschen Arbeiterschaft die Arbeit. Dc-Zhalb ist auch vorsorglicherweise weder der Hersteller noch der HerlunftSort auf den Karten angegeben worden. Die Karten sind in großen Bogen nach Deutschland eingeführt und bei der Firma Julius Sitten seid. Buchdruckerei, zurechtgeschnittcn worden. Die Arbeiterinnen dieser Firma sollten diese Karten auch kuverticren und postfertig machen; da aber die Firma Sittenfeld bei dem ihr gebotenen Preise nicht den Tarifprcis zahlen konnte, weigerten sich die Arbeiterinnen, die Arbeiten auszuführen. Infolge dessen ging die Arbeit an Herrn Wilhelm Ott, wie eS scheint, einen Agenten de-Z Bundes der Landwirte, der nun die Arbeit unter Tarif ausführen läßt. Wie sich daraus ergibt, verlangt zwar der Bund der Landwirte für die landwirtschaftlichen Produkte möglichst hohe Preise— sie können nach seiner Ansicht gar nicht hoch genug werden � dagegen verwehrt er rundweg den Arbeitern einen einiger- maßen anständigen Arbeitslohn und läßt sein Wahl- agitationSmatcrial der Billigkeit wegen im Auslande her- stellen. Der Arbeiter soll für Fleisch, Brot und Geniüsc die höchsten Preise zahlen, verlangt er aber einen halbwegs angemessenen Lohn, dann verweigert man ihm diesen und pfeift auf die schöne Phrase von der.nationalen"' Arbeit! Und doch besitzt derselbe Bund der Landwirte, der auf diese Weise sein Wohlwollen für die deutschen Arbeiter und die deutsche Industrie betätigt, die Unverfrorenheit, auf der illustrierten Wahlagitations- karte Nr. 8 an die Arbeiter folgende Mahnung zu richten: «Also wählet solche Volksvertreter, die den Arbeiter« gute Löhne gönnen, aber auch die Notivendigkeit einer auskömmlich wirtschaftenden Landwirtschaft anerkennen." Hoffentlich befolgen die Arbeiter diesen Rat— und wählen in keinem Fall einen Konservativen und Landbündler, selbst wenn er daS Blaue vom Himmel hcrnnlerschwindelt. »Auch die Hamburger Scharfmacher fordern ein Zuchthausgcsctz. In der Mittwochsitzung der Hamburger Bürgerschaft wurde von 71 Angehörigen der drei alten Fraktionen, dem Wahlrechtsraub- block, ein Antrag zur Verhandlung in einer der nächsten Sitzungen gestellt, dahingehend: der Hamburger Senat möge im Bundesrat auf eine Unter st ützung der von der sächsischen Regierung gestellten Anträge, betref- send den größeren Schutz der Arbeitswilligen, hinwirken. Die Sozialdemokraten begrüßten die Verlesung dcS Antrages mit lebhaften Zurufen und sagten, daß gerade diese Leistung des Wahlrechtsraubblocks für den jetzigen Rcichstagswahlkampf noch gefehlt hat. Einen solchen Antrag stellen diese bürgerlichen Blockhelden zu einer Zeit, wo die Hamburger Gerichte fast täglich durch harte Ur- teile gegen Arbeiter, die sich am Holzarbeiterstreik beteiligt haben, die Schärfe der bestehenden Gesetze den Streitenden fühlbar machen! In der Bürgerschaft selbst wird es bei Beratung des Antrages ein Tänzchen geben, an dem die Scharfmacher keine Freude haben dürften. Uebrigens hat das unbesonnene Vorgehen der Arbeiter- feinde das Gute, daß noch genügend Zeit vorhanden ist, den neuen Anschlag gegen das Koalitionsrecht abzuwehren, und daß die Ar« bcitermassen auch dort, wo noch Indifferenz herrscht, die Gefahr erkennen, die ihnen von einem reaktionären Reichstag droht. Denn -je nach dem Ausfall der Wahlen wird die Regierung mit einem Zucht Hausgesetz kommen oder nicht. Stnatssckrctär Tr. Solf. •t'cr Kaiser hat den seitherigen Gouverneur von Samoa, Dr. Solf, zum Staatssekretär des Rcichs-Kolonialamtes ernannt. Außerdem soll demnächst in den meisten Gouverncurstcllen ein Personenlvechsel vorgenommen werden. Di.e Ernennung des Dr. Solf wird in den Kreisen der Licbert und Arendt, die redlich be- müht gewesen sind, seine Tätigkeit als Gouverneur in möglichst lchlcchtcm Lichte erscheinen zu lassen, recht gemischte Gefühle aus- lösen._ Die Kampfesweise des Zentrums. Das Zentrum überschüttet zur Wahl das Land mit einer Flut von Agitationsschriften, die sich zum weitaus größeren Teil gegen die Sozialdemokratie richten. Unverstand, Bosheit und Schmähsucht überbieten einander in der Wahlliteratur der Partei von„Wahrheit, Recht und Freiheit", und allerlei Lügen, hundertmal als solche von uns nachgewiesen, kehren zum hundertsten Male wieder. Wie das Zentrum immer volksfeindlicher in seiner Politik und unehrlicher in seiner Gesinnung, so ist eS auch immer gemeiner in seiner Kampfeswcise geworden. Das Vorbild und die Mahnungen seiner früheren Führer, anständig auch dem Gegner gegenüber zu sein, haben nicht gefruchtet. Im Jahre 1877 schrieb der damalige Kaplan Hitze in seinem Buche über die soziale Frage: „Ter Sozialismus repräsentiert ein Shstcm, s o k o n s c- qucilt und großartig, daß wir es wohl begreifen, wenn große Denker und edle Männer sich für ihn b e- g c i st c r», und eS ziemt daher einem ernsten Manne recht wenig, ohne weiteres über ihn abzusprechen. Ihn aber l ä ch c r- l i ch zu finden, das kann nur die Blindheit und V e r- legcnhcit eines liberalen Bourgeois fertigbringen." Hitze hat damals die Nöte des Zentrums der erstarkenden So- zioldcmokratie gegenüber nicht voraussehen können: er ahnte nicht, daß einst ein M.-Gladbach entstehen und von hier aus jene Kampfes- weise sich über die ultramontanen Gefilde ausbreiten würde, deren damals Herr Hitze nur einen liberalen Bourgeois für fähig hielt. Tie Kapläne, die heute im Dienste des Zentrums tätig sind, die Arbeitersckrctäre und Gewerkschaftsführer, die, mit M.-Gladbacher Geist gesättigt, als Zcntrumsagitatorcn das Land durchschwärmcn, lassen alle„Blindheit und Verlegenheit", die je ein liberaler Bourgeois bewiesen hat, weit hinter sich zurück. Auch die„Kölnische V o l k s z e i t u n g" hatte einst bcfferc Zeiten, wo sie es wagte, den Sozialistcntötern ihrer Partei, die ihre Stärke im Schimpfen suchten, auf die Gebote des Anstandcs hinzu- weisen. Im Juni 1893 schrieb das rheinische ZcntrumSblatt: „Wir versprachen uns nur bescheidene Erfolge von der Art, wie der Kampf gegen die Sozialdemokratie meist geführt wird. Zeitungsartikel und Vorträge ohne Zahl und Ende, in denen die Führer der Sozialdemokratie auf das schärfste angegriffen werden oder mit vielen Zi- taten die Verwerflichkeit der sozialdemokratischen Lehren nach- gewiesen wird, nützen im Grunde recht wenig. Zumal wenn sie, wie es leider nur zu häufig der Fall, sich arg e Blößen und den Sozialdemokraten Gelegenheit geben, den Spieß umzudrehen, schaden sie oft mehr als sie nützen." Heute, wo sich die Kampfcsweise der Zcntrumsagitatorcn um das Vielfache verschlimmert hat, denkt auch die„Kölnische Volts- zeitung" nicht mehr daran, die Helfer in geistlichem und weltlichem Gewände zu besseren Sitten zu crmahnen. Tic M.-Gladbacherci hat die Oberhand! Und niemand im Zentrum hört mehr auf die Worte, die ein christlichsozialcr Vorkämpfer, der Kölner Kaplan Oberdörffcr, in den vOer Jahren an seine Partei- und Glaubensgenossen gerichtet hat. IM»vies er in der von'hin heraus- gegebenen„Kölner Korrespondenz" auf die Nofteendigkeit hin, s i ch mit den Grundsätzen der Sozialdemokratie der- traut zu machen, wenn man sie bekämpfen wolle.„A m b e st e n— so schrieb er— hält man s i ch an dem offi- ziellen Programm der Sozialdemokratie. So ist es gerecht und so erspart man sich Verlegenheiten und Widersprüche." Und 1892 knüpft er an eine von ihm vorgenommene ausführliche Kritik des sozialdemokratischen Programms folgende Mahnung: „Mit Schimpfereien über die gottlose Sozial- d e m o k r a t i e, deren politische Bestrebungen man dabei leider allzu oft nicht kennt; mit faden Spöttereien über den Z uk u n f t s sta at, ohne zu ahnen, wie nahe wir einem gänz- lichen Umsturz der bestehenden Verhältnisse sind; mit Vcr- teidigungsredcn der gottgewollten Ordnung, die oft verraten, daß man nicht weiß, was gottgewollte Ordnung ist und wie weit sich die heutige Ordnung von der gottgewollten entfernt hat— mit alledem läßt sich der Sozialismus nicht be- kämpfen und aus der Welt schaffen; damit läßt sich auch die noch christliche arbeitende Welt nicht von der Sozialdemokratie abhalten." Die Worte blieben in den Wind gesprochen. Damals begann der Katholische Volksverein seine Tätigkeit, die christlichen Gewerk- schaften entstanden, das katholische Arbcitervereinswcsen geriet unter die M.-Gladbacher Leitung, und die ultramontane Kampfes- weise nahm damit immer schäbigere Formen an. 1899 wandte sich Oberdörffer noch einmal mit der Mahnung zum Anstand an seine Partei- und Glaubensgenossen: „Wiederholt haben wir betont, man möge kein unsin- niges Schimpfen und Lästern aufkommen lassen; damit würde man keinen Sozialdemokraten bekehren und keinen Arbeiter von der Sozialdemokratie fernhalten; im Gegenteil, man ent- fremde sich die Arbeiterwclt nur noch mehr und mache sich selber verächtlich. Heute glauben wir noch entschiedener davor warnen zu müssen... Man möge doch nicht immer Worte einzelner als Grundsätze der Partei hin- stellen. Man halte sich mehr an die>o irklich offi- ziell ausgesprochenen Grundsätze der Parte i." Seitdem sind derartige Mahnungen nicht mehr gehört worden. Die Leute im Zentrum, die anständig dachten, haben die Erfolg. losigkeit ihrer Mahnungen erkannt und den Dingen, an denen nun doch einmal nichts zu ändern war, ihren Lauf gelassen. So ist es denn wie in der Politik, so in der Kampfcsart des Zentrums immer mehr bergab gegangen und die Partei für„Wahrheit, Recht und Freiheit" ist heute die in ihren Taten volksfeindlichste und in ihrer Kampfeswcise schäbigste Partei. Keine konfessionelle Partei. In der 79 000 Einwohner zählenden Industriestadt Buer in Westfalen sollte die Wahl des Ersten Bürgermeisters vorgenommen werden. Wie üblich, wurde eine Kommission gewählt, die die Vor» arbeiten zu erledigen hatte. Wie diese Kommission, die sich in der Mehrheit aus ZenlrumSleuten zusammensetzt, gewirkt hat, darüber meldet daS dortige Zentrumsblatt, die„Buersche Zeitung": „Wie wir vernehmen, sind nach einer sorgfältigen Sichtung der 02 eingelaufenen Meldungen, wobei die nichtkatholi- scheu Bewerber grrindsätzlich ausgeschieden wurden, vier Kandidaten ausgewählt, welche der Stadtver- ordnetenvenairn, ilung als die engere Wahl der Kommission für die definitive Wahl i» Vorschlag gebracht werden sollen." Der Vorgang beweist aufs neue, wie wenig Gewicht den Be- hauptungen beizumessen ist, das Zentrum sei keine konfessionelle Partei. Das interessanteste an der Sache ist aber, daß die Liberalen bei der letzten Stadtverordnetcnwahl das Zentrum, dem bei der Stichwahl das Schicksal drohte, sänitliche Sitze der dritten Abteilung an die Sozialdemokratie zu verlieren, unterstützt und zum Siege verholfen haben._ Prozentpatriotismuö! Angesichts der skrupellosen Hetze der Panzerplatlenblätter scheint eS angezeigt, auf einen, den Prozentpatriotismus grell beleuchtenden Vorgang erneut hinzuweisen. In der Budgetkommissto» des Neilbö- tages wurde im März 1903 festgestellt, daß das Reich für eine Lieferung Kanonen, für die es erst 44 Millionen Mark zahlen mußte, für die Folge nur noch 24 Millionen Mark bezahlt. Für Känoiicn- röhre, für die eS früher 8999 M. zahlen mußte, zahlt es jetzt 1 809 M. Für ein Geschoß, daS früher 30 resp. 12,50 M. kostete, zahlt es jetzt 20 resp. 5 M.; für Achsen früher 150 M., jetzt 70 M. Der Verband der Grobblechwalzwerke in Essen setzte fest, daß bei Bestellungen für die Marine auf jede Tonne 30 M. Aufschlag genommen werden müsse. Diejenige Firma aber, die die Bestellung erhielt, mußte dann auf eine Lieferung von 410 Tonnen 12 309 M. an die übrigen unbeteiligten Firmen bezahlen. Die Preisermäßigung hatten Krupp und Stumm nicht frei- willig zugestanden. Eine voraufgegangene Enthüllung über ihre eigenartige Vaterlandsliebe war die Veranlasserin der Preis- Nachlässe. Es war nämlich festgestellt worden, daß die beiden Panzeiplattenpatrioten dem Reiche gelieferte Plaltcn mit 2320 M pro Tonne berechneten, dieselben Platten lieferte eine amerikanische Firma an Amerika für nur 1920 M. und dabei hatte diese Firma an Krupp und Stumm noch pro Tonne 102 M. an Patent- entschädigung zu entrichten. Unsere Patrioten ließen sich vom teuren Vaterlande 550 M. pro Tonne— fast 30 Proz,— mehr bezahlen als wie die amerikanische Firma erhielt. Solche Geschästchcn erklären den Rüstungseifer der Kriegsmateriallieferauten. Knltnraufgabcn leiden nicht! Ter Regierungsbezirk Posen hat nicht weniger als 23 über- füllte Sch.u lg em e i n de». In diesen werden 3597 Kinder von 23 Lehrern unterrichtet. Auf den e i u z c l n c n Lehrer entfallen im Durchschnitt 128 Schüler. Es gibt aber Klaffen, wo ein einziger Lehrer 229, 175, 108, 153, 120, 138 und 135 Schulkinder zu unterrichten bat. Die niedrigste Schülerzahl beträgt in einer Klasse 87. Wenn man im Durch- schnitt auf jede Klasse 00 Schüler rechnet, so fehlen in den 23 Schul, geineindcn nicht weniger als 33 Lehrer. Was soll bei so überfüllten Klassen den Kindern an Wissen beigebracht werden? Für die G e r m a n i s i e r u n g in der Provinz Posen werden die Millionen nur so zum Fenster hinausgeworfen, für wirkliche Kul- wraufgaben hat der Staat aber nichts übrig. Die Förderung des Schulunterrichts liegt aber auch mit im Interesse iwr Junker. Antiimperialistische Tcmonstration im Hamburger Parlament. Der Hamburger Senat hatte bei der Bürgerschaft die Bewillig gung von 10 000 M. für ein Denkmal des schon ganz vergessenen Ehina-Weltmarschalls Waldcrsee in Hannover beantragt, den Hamburg nach dem glorreichen Boxcrfeldzug zum Ehrenbürger gleich Bismarck und Moltke ernannt hatte. Ohne Debatte wurde der Antrag gegen nur fünf Stimmen abgelehnt. So vergeht weltpolitische Begeisterung und es bleibt nur der Katzenjamuicr. Aber man erinnert sich dabei, wie damals Hundertc Millionen ohne Befragung des Reichc-tages verpulvert wurden und wie die Volks- fremde Rcichspolitik Deutschland blamierte. Der neueste NcichSverbandsschwindel. der jetzt bei den Wahlen herausgesucht worden ist.!. liegt r>uf dem Gebiete der Statistit, Man berichtet uns aus Halte a. S. darüber; Der Hallesche Generalsekretär Michaelis vom Reichsver» bände gegen die Sozialdemokratie hat im Kreise Calbc-Aschcrslebcn in einer Rede über statistische Aufnahmen der Sozialdemokratie behauptet:„Wie eine solche Statistik zusammenkommt, zeigt die Stadt Halle, wo man, um die Zahl der Arbeitslosen festzustellen, alle Kranken, alle Durchreisende», die öffentlichen Dirnen und ihre Zuhälter mitgezählt hatte, um zu einer ganz falschen Zahl zu kommen." Dieser Schwindel, der das erstemal gelegentlich der letzten Ar- beitslosenzählung im Januar 1909 auftauchte, ist damals von öffentlichen Körperschaften und Behörden widerlegt worden. Die städtischen Kollegien hatten dem Gewerkschastskartell zur Arbeits- losenzählung 300 M. bewilligt und das Zählmaterial erhielt das statistische Amt. Der Schwindel wurde damals dadurch im Keime erstickt, daß der Direktor Wolfs vom Statistischen Amt öffentlich erklären ließ: Das Erhcbungsmaterial ist und würde zu keinen anderen als statistischen Zwecken verwendet. Auch Oberbürger- mcister Dr. Rive erklärte auf eine Interpellation unserer Genossen im Stadtverordnetenkollegium: E s sei unrecht, den Zäh- lern den Vorwurf zu machen, sie hätten falschge- zählt. Wie die Presse zu dem falschen Material gekommen ist, wisse er nicht.—. Jetzt, nach ziemlich drei Jahren, geht der Schwindel von neuem los._ Die perfifcbe Krife. Teheran, 21. Dezember. Das Kabinett, von dem man allgemein annimmt, daß es für ein?! a ch g e b e n gegen- über den russischen Forderungen ist, hat im Parlament einen großen Sieg über seine Gegner davongetragen. Die Sitzung des M e d s ch l i s währte von 8 Uhr abends bis Mitternacht. Endlich wurde der Vorschlag Vosukh ed Dowlehs, eine Kom- Mission von fünf Deputierten zu wählen, die sich mit dem russischen Ultimatum befassen soll, mit 89 gegen 19 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen angenommen. Es scheint wenig zweifelhaft zu sein, daß die persische Regierung jetzt die russische Forderung, den Gencralschatzmeister Shuster zu entlassen, erfüllen wird, wenn sich nicht die öffentliche Meinung als zu stark erweist. Kampf mit den Rnffen. Teheran, 21. Dezember. sMcldung dcS Rcuterfchen BureauS.) Eine Depesche ans Täbris meldet einen ernste« Kampf zwischen Anhängern der Konstitution und russischen Truppen. Neber diese Vorgänge meldet die Petersburger Telegraphen- Agentur: Heute wurde hier ein Angriff auf russische Schützen verübt, die mit der Reparatur eines Fernsprechers br« fchäftigt waren. Zwei Angreifer wurden dabei getötet. Da» russische Konsulat hat Patrouillen in die Stadt entsandt und den Vorfall den lokalen Behörden mitgeteilt. franbreid». Die Altersversicherung. Paris, 21. Dezember. Die Kammer hat die Artikel eines Finanzgesctzcs angeuomnien, welches das Arbeiter- Pensionsgesetz abändert, nament....i dahin, daß die Altcrspension bereits vom 69. Lebens- jähre an bezogen und die Staatszulage von 75 auf 199 Frank erhöht wird. Spanien. Ein wenig Schamgefühl. Madrid, 21. Dezember. Eanalejas wird dem Könige die P|- gnadigung des zu 9 Jahren Gefängnis verurteilten Zeichners Sa- g r i ft a vorschlagen. Dieser wurde bekanntlich wegen einer sali- rischcn Zeichnung anläßlich des Ferrerprozesses zu dieser hohen Strafe verürtcilt. Die c n g l i s che n Künstler hatten zugunsten Sagristas vor kurzem'eiste Petition an die Regierung gc- richtet.- Snglanck. Eine liberale Niederlage. London, 21. Dezember. Die durch die Ernennung des libe» r a l c n Deputierten Anderson zum Sollicitor-General im nörd- lichen Teile der Grafschaft Ahr erforderlich gewordene Neuwahl zum Unterhaus endete mit dem Siege des U n i o n i st c n Camp- bell, dem Anderson mit einer Minderheit von 271 Stimmen unterlag. Rußland. Wiedereinführung der Folterungen in Riga. Die Greuel des Rigaer„Museums", einer polizeilichen Folter- kommer, wo zahlreiche politische Gefangene getötet oder zu Krüppeln geschlagen wurden, sind vor einigen Jahren der ganzen Welt be- kannt geworden. Auch in der Duma wurden diese grauenhaften Zustände aufgedeckt, und die Regierung versprach daraufhin, den Folterungen Einhalt zu gebieten und den Oberhenjker GreguS, der sich durch seine bestialisch« Grausamkeit hervortat, zu vcrab- schieden. Seitdem wurden in der Tat die Folterungen seltener vorgenommen.— vollkommen haben sie nach unserer Kenntnis nicht aufgehört— aber in der letzten Zeit, mit dem Wiederaufleben der Massenbewegung, ist der Henker Greguch jetzt Chef der Geheim- Polizei, wieder in A k t i o n, getreten. Wie unserem Parteiblatt „Prawda" aus Riga geschrieben wird, ist eine Reihe von Arbeitern, die unter dem Verdacht der Ermordung eines Streikbrechers vcr- haftet wurden, von. GreguS den f ü r ch t c r l i ch st e n Folterungen ausgesetzt worden. Genau wie in den Jahren 1906 bis 1907 wurden die ohnmächtigen Gefolterten wieder ins Bewußtsein zurückgerufen und dann wieder gefoltert. Die Aussagen, die auf diese Weise erpreßt worden sind,, dienen nun als Anklagc- matcrial gegen die unglücklichen Gefangenen. Als wichtigstes Be- lastungsmaterial gegen sie dienen die.Angaben, die sie über ver- borgenc Waffen und illegale Schriften gemacht haben. In einem Falle fuhr Grcgus mit dein' halb bewußtlosen Gefangeiren nach einer Wohnung, wo nach seinen. Angaben eine Kiste mit Revolvern und Patronen„entdeckt" wurde.„Es war— schreibt der Bricf- schrcibcr— ein grauenhafter Anblick, wie der Gefangene, der sich vor Schwäche kaum, auf den Füßen halten konnte, von zwei Schutz- lcutcn gestützt, mit fast unhörbarer Stimme dem Inhaber der Woh- nung anwies, die verborgenen Waffen aus dem Versteck zu holen." Soweit es sich bei diesen„Waffenfuuden" nicht um Provo- kationcii gehandelt hat, werden es wohl nur. Waffen sein, die seit dein Revolutionsjahre versteckt gehalten werden. Auf Grund dieser Funde und der durch Folterungen erpreßten Selbstbezichtigungcn, die natürlich nicht wahr zu sein brauchen, werden nun eine ganze Anzahl von Arbeitern dem Galgen und der Katorga ausgeliefert werden» ?Znienba. Ein Botschaft des Präsidenten Taft. Washington, 21. Dezember. In einer neuen Botschaft an den Kongreß weist Präsident Taft auf die Notwendigkeit hin, für die a m c r i k a n i s ch c n Schiffe, die durch den P a n a m a- kaua.l fahrest,. Vor KugsSsätze cüizuführen. In einem anderen Teil derselben Botschaft befürwortet der Präsident erneut die Vor- Wäge des Senators AldriA für eine W ü h r u n g s r e f o r«h die dem Kongreh fn kurzer Zeit in Form eines BerWS vorgelegt tberien soll. Der hervorstechendste Possuö dieses Teiles der Botschaft ist folgender:„Ich hege die Zuversicht, daß alle Banken im Lande auf der Grundlage vollständiger Gleichheit der Betätigungsmöglich- keit errichtet sein werden, und daß die Gesetzgebung sorgfältig und vollständig die Eigenheit und Unabhängigkeit jeder Bank soweit schützt, daß jede etwaige Absicht, die dem Gclde und den Banken zur Verfügung stehende Macht zusammcnzuschließeNt vereitelt werden wird," Der Krieg. Tas Gefecht bei BirtobraS. Tripolis, 21. Dezember.(Meldung der Agenzia Stefan!.) Ueber den Kampf bei B i r t o b r a s am Ist. Dezember sind folgende Einzelheiten zu berichten: Oberst Fara, der von dem Kom- Mandanten der ersten Division, General Pccori Giraldi, beaustragt worden war, den Feind, der die Oase von Birtobras besetzt hatte, zu überraschen, brach früh morgens um 3 Uhr von A i n z a r a mit zwei Bataillonen Bcrfaglicri. einem Bataillon Grenadiere. einer Abteilung Gebirgsgeschütze sowie einer Schwadron Kavallerie auf und gelangte gegen WA Uhr in die Nähe der Oase. Nast einem kurzen, vorbereitenden Artilleriefcucr ließ Oberst Fara die Grenadiere zum Angriff nach Osten vorgehen. Während die Grenadiere schnell und entschlossen die kleinen Mauern, Hecken und Dünen der Umgebung der Oase angriffen, sahen sie sich Plötz- lich vor den befestigten Stellungen des Feindes� der auf die italienischen Truppen ein lebhaftes, anhalten- des Feuer eröffnete. Währenddes führten Dctachcments der regulären türkischen Infanterie, begleitet und gedeckt von einer Eskadron Kavallerie, ein Manöver aus, um die Italiener auf der rechten Seite abzuschließen. Der Feind wurde auf eine Stärke von mindestens über 300v Mann geschätzt, von denen ein Drittel reguläre türkische Saldaten waren. Ter Feind machte einerseits wiederholte Angriffe auf die Italiener, wobei er sich den schnell aufgeworfenen Gräben bis auf bstst Meter näherte. Aber alle Angriffe wurden mit schweren Verlusten des Feindes zurückgeschlagen, der sich unter dem Feuer der italienischen Artillerie und der Fußtruppen zurückzog. Nach Einbruch der Nacht blieben die italienischen Truppen in den Verschanzungen immer kampfbereit. Die Türken unternahmen noch während der Nacht mehrere Angriffe, einen Ist Uhr 30 Minuten, einen anderen 12 Uhr 4ö Minuten und einen dritten kurze Zeit darauf. Alle drei wurden zurückgeschlagen. Gegen 4 Uhr früh konstatierte Oberst Fara, daß der Feind seine Stellungen in der Oase verlassen und sich zurückgezogen hatte. Nachdem die italieni« schen Truppen ihre Gefallenen bei Tagesanbruch an Ort und Stelle beerdigt und die Verwundeten nach Ainzara auf den Weg gebracht hatten, begann die Kolonne ihren Rückzug, der ungestört verlief. Die Truppen langten gestern abend 10� Uhr gemeinsam mit den zu ihrer Verstärkung ausgerückten Abteilungen in Ainzara an. Der Verlust der Italiener betrug sechs Tote; zwei Offi- ziere und 78 Mann wurden verwundet, fast alle leicht. Die Verluste der Feinde, die ziffernmäßig nicht geschätzt worden sind, werden allgemein für sehr beträchtlich gehalten; sie sind zurückzuführen auf ihren entschiedenen Widerstand vnd auf die Kühnheit ihrer Angriffe. Von Krieg, Reaktion und anderen Plagen. Rom, den 19. Dezember.(Eig. Bcr.) Im„Messaggero" ruft der Abgeordnete De Felice die Intervention Europas an, um im Namen der Menschlichkeit den Krieg zu beendigen. Er meint, daß es Pflicht aller Kulturstaaten wäre, sich zugunsten des Friedensschlusses zu verwenden. Dieser verzweifelte und ernst gemeinte Aufruf eines der Menschen, der mit größter Begeisterung für den heutigen Krieg eingetreten ist. zeigt in geradezu tragischer Weise, wie sehr die Dinge dem Willen der Menschen über den Kopf wachsen. Tas menschliche Gefühl lehnt sich auf gegen das sinnlose Hinschlachten, aber der objektive Zlvang des Krieges erlaubt kein Einhalten. Nach privaten Nachrichten aas H o m s soll dort die Lage der italienischen Truppen durchaus nicht günstig sein. In Italien selbst läßt sich alles danach an. als ob der Krieg noch Monate dauern sollte.(Wir haben stets darauf hingewiesen, daß der bevorstehende Guerillakrieg nicht Monate, sondern Jahre dauern wird, lind die Ereignisse werden uns recht geben. D. Red. d.„V.".) Durch verschiedene Maßnahmen wird der Truppen- bestand immer mehr erhöht. So sind 1143 Reserveoffiziere einberufen worden, weiter fast alle zur Disposition gestellten .Hauptlcute des stehenden Heeres. Die Aushebung der Jahrgänge 1892 und 1893 wird um je ein Jahr verfrüht werden, was also bedeutet� daß man im Laufe des nächsten Jahres 100 000 Mann Rekruten mehr zur Verfügung haben wird als in normalen Jahren; dieser neue 5tontingent er- möglicht die Entsendung der bereits geschulten Truppen nach dem Kriegsschauplätze. Vielgestaltig ist die Reaktion, die als ein untrennbarer Schatten den Krieg begleitet. Die sogenannte Justiz legt ihre Faust wuchtig auf alle, die der heutigen Strömung Widerstand leisten. An allen Ecken und Enden werden Anarchisten verhaftet, und in F c r r a r a ist der Syndikalist Michele Bianchi wegen Beleidigung des Heeres zu zehn Monaten Gefängnis und 850 Lire Buße verurteilt worden. Ter Staatsanivalt hatte 20 Monate be- antragt, lind dabei waren es nicht Berufsrichter, sondern Gc- echworcnc, die dieses Schandurteil fällten? Allerdings fehlt der Reaktion auch ihre lächerliche Seite nicht. Sie hat sich unter anderem in dem Anlümmeln derer spezialisiert, die sich beim Spiel der Nationalhymne in den Theatern nicht er- heben. In Mailand hat es am 17. d. M. dem Musikbericht- crstattcr des„Avanti", Genossen Albini, geblüht, bei der Auf- fiihrung der Gluckschen„Armida" aus dem Opernhause der „Scala" hinausgeworfen zu werden. Wie man sieht, ist auch das beste Publikum zu persönlichen Leistungen fürs Vaterland bereit: zu Dutzenden über einen einzelnen herfallen, der den Mut seiner lleberzeugung hat, das ist eine Heldentat, der d'Annunzio eine «igen? Lümmclode widmen sollte! Durch Informationen von Zurückgekehrten erfahren wir, daß unter der Besatzung von Tripolis Geschlechts- krankheitcn und namentlich Syphilis in er- schreckendem Maße um sich greifen. Die Prostitution dieser Stadt ist natürlich, wie die aller nordafrikanischen Hasenstädte, in hohem Grade syphilitisch durchseucht. Von sanitären Maßregeln gegen diese Verhältnisse war bei den Türken nicht die Rede. ES liegt auf der Hand, daß die Zahl der Prostituierten in keinem Verhältnis zu ihrer jetzigen Inanspruchnahme steht. Und so läßt man die Soldaten ruhig, als ob man keinerlei Verantwortlichkeit für sie hätte, in ihr Unheil hineinlaufen! Man müßte zu den rosenwässerigen Schwärmern und Fasel- köpfen gehören, wenn man diese Sache einfach damit abtäte, daß man sagte:„Ja, warum sind die Soldaten so unsittlich und setzen sich der Gefahr aus!" Es liegt in der Natur der Sache, daß man nicht 40 000 junge Leute auf einem kleinen Raum konzentrieren Lerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: kann, sie einem Leven von periodischer vebenmflrengltng nn5 periodischem Müßiggang auszusetzen, ohne in geschlechtlicher Be- ziehung die Folgen zu zeitigen, die unter diesen Verhältnissen überall in der ganzen Welt gezeitigt werden. Dazu kommt die bekannte psychologische Tatsache, die sich sogar auf den tragischen Trümmern von M e s s i n a durchsetzte, daß ein Leben in be- ständiger Gefahr, wo einem aus jeder Wegkante der Tod entgegen- grinst, die Urtiefcn des geschlechtlichen Trieblebens ausrülteln und niächlig werden läßt. So schleppt der Krieg seine traurige Gefolgschaft hinter sich Herr: Roheit, Seuche und den Sieg der Dunkelmänner. Und dafür düngen Ströme proletarischen Blutes den fremden Boden. Ein Gefecht bei Derna. Terna, 15. Dezember.(Meldung der Agenzia Stefani. In- sc Ige schlechten Wetters verspätet eingetroffenes Funkcntelegramm.) Heute früh wurde ein Bataillon Alpenjäger mit Maschinengewehren, das sich auf der Hochebene vor der Stadt zum schuy der rings um den Ort ausgeführten Befestigung-'n befand, plötzlich mit lebhaftem Gewehrfcuer angegriffen. Unterstützt von zwei Sektionen Gebirgsartillerie, die Hinaufgeschick! waren. erwiderte das Bataillon das feindliche Feuer, das sich nach und nach abschwächte und um 10 Uhr 30 Minuten vollständig aufhörte. Nachdem die Arbeiten wieder aufgenommen waren, fand um 1 Uhr ein neuer, mit größerer Kraft ausgeführter Angriff auf die italienischen Truppen statt, an dem sich von feiten des Feindes ungefähr 2000 Mann beteiligten. Um den Angriff abzuschlagen, wurden die Alpenjäger auch durch die mit Befestigungsarbeiten beschäftigten Soldaten sowie durch fünf Kompagnien, die von der Stadt herangezogen waren, ferner durch eine weitere Sektion Gebirgsartillerie und zwei Sektionen Feldartillerie verstärkt. Da der stampf sich in die Länge zog, machte der italienische rechte Ftügel einen entschlossenen Gegenangriff, durch den der Feind ge- zwungln wurde, sich zurückzuziehen. Als sieben andere Kom- xagnien zur Verstärkung auf der Hochfläche ankamen, hatte der F»ind sich bereits außer Schußweite zurückgezogen. Die italicm- schen Truppen hatten drei Tote und 24 Verwundete, darunter einen leichtverwundeten Offizier. Die Verluste des Feindes waren beträchtlich und übertrafen die italienischen Zweifel- loS um das Dreifache. Die Kevoiulio» in China. Die Antwort der Revolutionäre an die Mächte. Schanghai, 20. Dezember.(Meldung des Reuterfchen Bureaus.) Auf die Vorstellungen, die heute früh Vertreter mehrerer Mächte in unverbindlicher Form den Friedens- Unterhändlern Wutingfang und Tangschaoyi gemacht haben, versprach Wutingfang in seiner Antwort, er werde sein mög- lichsteS tun. um die Wünsche der Vertreter der Mächte zu erfüllen- ES müsse indessen bedacht werden, daß die Chinesen für ihre Frei» heit. ihre Bürgerreckite und eine gerechte Regierung kämpfen und ein in aller Hast zustande gebrachte Friede ernste Folgen haben könnte. Wenn eine neue Revolution ausbräche, so würde sie schlimmer sein, als die gegenwärtige. Deshalb sei es dringend nötig, einen Frieden auf unbedingt fester Grundlage zu schließen. Ens der Partei. Totcnliste der Partei. Ein alter Parteiveteran Genosse August Colditz in Krim- m i t s ch a u ist am Mittwoch früh nach kurzem Krankenlager im Alter von 78 Jahren verstorben. Der Verstorbene war bereits zu LassalleS Zeiten Mitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und hat sich somit vor, während und nach dem Sozialistengesetz große Verdienste um die Parteibewegimg in Krimmitschau erworben. Genosse Colditz gehörte auch vor der Einführung des Dreiklassen- Wahlrechts der Zweiten Kammer de» sächsischen Landtages als sozial- demokratischer Vertreter an._ Eine Haussuchung wurde am Mittwoch in den Räumen unserer Parteidruckerci in Görlitz vorgenommen. Drei Kriminalbeamte suchten nach dein Ntanuskript eines Artikels, der in dem von unserer Partei vcr- breiteten VolkSkolender gestanden hat. Ein Gendarm fühlt sich durch den Inhalt des Artikels beleidigt. Gefunden wurde natür- lich nichts, denn das Manuskript zu dem Kalender, den der vcr- storbene Parteisekretär Stolpe zusammengestellt hat, war längst vernichtet._ poli-eiliebeo, OmebtHtbeo ufw. Die angeblichen Mißstände in den„sozialdemokratischen" OrtSkran kentaffe«. DaS bekannte Buch des Reichsverbändlers Dr. Möller über die„Mißstände in den sozialdemokratischen Krankenkassen" war wieder einmal Gegenstand einer Gerichtsverhandlung. In drei Artikeln hatte sich die„ S ch l e S>o i g- Holsteinische BolkS-Zeitung" in Kiel mit dem Inhalt dieses Buches befaßt. Die Nr. 302 vom vorigen Jahre enthielt einen Artikel, der die Behauptung in dem Möllerfchen Bnche, ein Genosse habe als Angestellter der Schläckiter-Krankcnkasie in Berlin Veruntreuungen begangen, auf da« richtige Maß zurückführte. In Nr. 305 vom vorigen Jahre wurde eine Erklärung des Gesamt- vorsiandes der Ortskrankenkasse in Neumüniter abgedruckt, in der die in dem Möllerfchen Bnche anfgeftcllten Behauptungen über Miß- stände in dieser Kasse widerlegt und als Verleumdungen bezeichnet wurden. Die„BolkS-Zeitung" hatte darau einige kritische Bemerkungen über da» Möllcrjche Machwerk geknüpft. Der dritte Artikel war in Nr. 2 von diesem Jahre enthalten. ES wurde darin nackigewiesen, daß die Mißstände, die in der Ortskrankenkasse in Renstadt a. H. bestehen sollten, gar nicht existieren. Die in dem Möllerfchen Buche aufgestellten Behauptungen wurden als„Luge", „reichsverbändlcrischcr Schivindel" usw. und daS ganze Machivcrk als eine Sudclbroschüre bezeichnet. Durch diese Ausdrücke fühlte sich nun Möller beleidigt und strengte Privatllage gegen die Genossen Henschel und Sakmi rda als verantwortliche Redakteure an. Bor dein Schöffengericht erboten sich die Beschuldigten, den SBahrhcit-SbcwciS dafür zu führen, daß die i n dem Möllerfchen Buch auf- g c st e l l t c n B e h a u p t u n g c ii nicht den T a t s a ch e n c n t- sprechen, sie benannten dafür eine Anzahl Zeugen. Diele Be- weiSanträge wurden aber abgelehnt. Ter Vertreter des Privat- klägers, RechtSaiitvalt Goldschmidt II in München, bemühte sich nach Kräften, dem Gericht klar zu machen, wie sehr die Ehre de» Peivat- klägers ramponiert sei und daß sie nur durch eine recht hohe Geld- strafe oder eine empfindliche Gefängnisstrafe wiederhergestellt werden könne. Mehr wie einmal betonte er. daß daS Möllersche Werk eine reine wissenschaftliche Arbeit sei, der jede Tendenz fernliege. Das Gericht tat ihm auch den Gefallen und verurteilte Genossen Sakmirda, der zwei Nummern gezeichnet hatte, zu 300 Mark; Genossen Henschel. der eine Rum», er zeichnete, zu 200 Mark Geld st rase. Außerdem wurde dem Privatkläger Publikationsbefugnis in der„Schleöwig-Holsteinischcn VolkS-Jeilung", der„Deutschen Krankenkasieii-Zeitung" mid den .Münchener Neuesten Nachrichten" zugesprochen. Einen interessanten Beitrag zu dem Thema„Behandlung sozialdemokratischer Redakteure in Gesang- nifsen" lieferte diese Verhandlung ebenfalls. Genosse Henschel, xh?Gl»cke, Berlin. Druck u. Perlag: VorwärtsPuchdr. C PerlagSanstalt der gegenwärtig eine längere Gefängnisstrafe im gentrakgestngni« zu Neumünster verbüßt, beantragte die Verhandlung auszusetzen, weil ihm keine Gelegenheit gegeben wurde, sich auf seine Verteidi« gung vorzubereiten. Ihm wurden im Gefängnis die von seinen Kollegen übersandten ZeitungSausschnilte über ähnliche Prozesse an anderen Orten und sogar auch der unter Anklage stehende Artikel vom Gefängnisvorsteher nicht ausgeliefert. Urlaub zur Wahrnehmung des Termins erhielt er auch nicht, sondern er wurde vorgeführt. Anfangs war vom Gericht fein persönliches Er- scheinen angeordnet, dann hat man das widerrufen mit dem Be« merken, er chatte ja einen Anwalt. Soziales. Wie ein liberaler KohlenfSrst Landarbeiter lohnen and bedrohen läßt. Herr v. F r i e d l ä n d c r- F u l d ist Pächter deS gräflich Redernsches Ritterguts bei Sänke. Die Verwaltung ist dem durch seine Versannulungssprcngversuche bekanntgewordenen Forstverwalter Finsterwalder anvertraut. Als Lohn erhalten die Arbeiter freie Wohnung im Forstarbeiterhause in Sänke, die Benutzung eines Stücks Gartenlands und eines Wiesen- flecks. So lange der Pächter dem Arbeiter Sand zum Kartoffelbau gewährt, hat er den Dung auf das Herr- schaftliche Sand zu bringen. Ter Arbeiter ist verpflichtet, jederzeit von der Forstverwaltung bestimmte Arbeit zu einem Sohnsatz von 23 Pfennigen pro Stunde zu verrichten. Auch die Frau und die zum Haushalt des Arbeiters gehörigen erwachsenen weiblichen Per- s o n e n haben ans Verlangen ländliche Arbeiten und zwar zu einem Stundenlohn von 13 Pf. auszuführen. Auf Verlangen haben sie auch— zu demselben Sohn— die landtvirtschaftlichcn Arbeiten der Forst- b e a m t e n zu verrichten oder Stellvertreter zu stellen. llnbedingte Gehorsamspflicht ist dem Arbeiter bei sofortiger EntlassungSandrohnng vorgeschrieben. Der Vertrag des frei- sinnigen Millionärs untersagt auch„Beteiligung an Handlungen, tv e l ch e d i e s o z i a l d c m o k r a t i s ch e Sache fördern" bei Strafe der Dienstentlassung und so- fortiger Wohnungsräumung. Ist auch diese Vorschrift ungültig. weil sie in gröblicher Weise Vorschriften des bürgerlichen Gesetz- bnches und die guten Sitten verletzt, so ist sie doch für die Geringschätzung außerordentlich bezeichnend, die der Arbeit- aebcr gegenüber dem Menschcnrccht und der Menschenwürde des Arbeiters hat. Solcke Verträge werden mit den Arbeitern formular- mäßig abgeschlossen. Die Ermächtigung zum Abschlitsse solcher Verträge scheint der Rittergutsbesitzer v. Friedlandcr'Fuld allgemein dem Forstverwalter Finsterwalder übertragen zu haben_ Betriebsunfall! Ter Brauer Sch. ans Wcißensee erlitt am 2. Mai 1911 ciren Unfall. Am genannten Tage, abends gegen 7 Uhr, befand sich«ch. auf dem Wege von der Arbeitsstelle nach Hause. Lichtcndergcr Straße Ecke Sedanstraße in Wcißensee hatte sich ein schwer re- ladcner Wagen der Atticngcsellschaft für chemische Produkte vor- mals Sckeidcmandel festgefahren, der trotz aller Bemühungen de» Kutschers und seines Mitfahrers nicht von der Stelle kam. Wie immer bei solchen Gelegenheiten bildete sich'.in Auflauf. Sch. trat hinzu. Da ertönte die Aufforderung on die den Wagen Um- stehenden:„Kommt, wir wollen mal anfassen." Sch. kaui dieser Aufforderung nach und schob an der rechten«eil« des Wc.rcn.s. Die P'crde zogen an,«ch. rutscytc aus, kam derart unglücklich zu Fall, daß das Hinterrad des sckwerbsladcnw Wagens ihm über den linken?lrm ging. Der Arm wurde dermaßen gequetscht, daß er amputiert werden mußte. Ter Verunglückte erhob nun bei der Be- ruisgcnossenschaft der chemischen Industrie, zu der der Betrieb Schcidcmandcl gehört, Anspruch auf Gewährung einer Rente. Dieser Anspruch wurde von der Genossenschaft mit folgender Be- gründung abgelehnt:. „Der Antragsteller hat der Unfall bei Ausübung einer Tätigkeit erlitten, zu welcher er einen Auftrag von der A.-Ä. für chemische Produkte vormals Schcidcinandcl nicht erhalten hat. Er stand deshalb nicht in einem versicherungspflichtigen Verhältnis zur die»- scitigen Bcrussgcnosscn schalt und liegt somit ein für uns nicht zu entschädigender Unfall vor." Hiergegen mirdc beim Schiedsgericht für Arbcitcrverncherung für den Rcgicrungöbczirk Pctsdain Berufung eingelegt und geltend gemacht, daß das Eingreifen des Sch., um de Wagen wieder flott- zumachen, durchms im Bctriebsinteresse der Firma Schcidcmandel gelegen war, daß aber auch in der Aufforderung an die llnistchcn- den zur Hilfeleistung ein Auftrag vorgelegen hat. Sch. war, als er dieser Aufforderung nachkam, wenn auch nur vorübergehend, in Veschäftigunft der Firma getreten, gehörte mithin zu den versichr- rungepflichtigcn Personen. Das Schiedsgericht vernahm eine Reihe von Personen als Zeugen, die de:? Sachverhalt bestätigten— Auf Grund dieser Aussagen, erklärte sich dann vor dem Schiedsgericht der Vertreter der Berufsgcnossenschast bereit, den Unfall als Bc. tricbSunfall anzuerkennen. Sch erhält eine 70vrozcntigc Rente. Hätte die Berufögenosscnschafb die Feststellungen gemacht, die das Schiedsgericht vornahm, wäre die Klage nicht notwendig ge- worden. letzte Nacbriefttcn. Sozialdemokratischer Gcrichtsvorsitzender. LudwigShasen, 21. Dezember. Der Stadtrat von Frankenthal halte vor einiger Zeit den Sozialdemokraten Ackermann zum stellvertretenden Vorsitzenden deS Kaufmannsgerichts gewählt. Tic Regierung der Pfalz hat jetzt diese Wahl bestätigt. Vom italienisch-türkischen Krieg. Konstantinopel, 21. Dezember.(W. T. B.) Amtlichen Mel- Hunzen zufolge hat ein italienischer Kreuzer das Wachthau» auf der Insel Safer an der Küste von Uemen beschossen. Ferner hat ein italienischer Kreuzer im Roten Meer das von dem Roten Halbmond gecharterte türkische Schiff„Kaisscrisch" aufgebracht.__ Nnwcitcr in Belgien. Antwerpen, 21. Dezember.(B. H.) Durch den Sturm sind im Hafen zwei Leichterer von ihren Ankern gerissen worden und mußten auf Grund gesetzt werden, um nicht andere Fahrzeuge zn gefährden. Der aus Valencia kommende deutsche Dampfer „Prosper" lief auf ein verankertes Signal. Tie Schiffsschraube wurd« beschädigt, so daß die„Prosper" in den Hafen geschleppt werden mußte. Auch verschiedene andere Fahrzeuge erlitten lln. fälle. Tic eiiglische Barke„Janic", nach Antwerpen unter« wcgs. ist auf Grund gelaufen und''cfiadet sich in kritischer Lage. Brüssel, 21. Dezember.(W. T.-B.) Seit gestern herrscht in ganz Belgien starker Sturm, begleitet von heftigen Niederschlägen. Ueberall werden Einstürze von Ncnbnutcn gem-eldet. In Gent ist eine im Bau begriffene Halle der künftigen Weltausstellung eingestürzt. Viele O st c n d« r Fischer» bartcn werden vermißt. In Wäreghem tötete cm ein» stürzender Fabrikschornstem einen Arbeiter, mehrere andere wurden verletzt.'_ Jaul S inget itJo., Berlin SW. Hierzu 3 Vestggxg u.NntrrhaltungShh" it. m»»«HW 1 BfilMf des.Amilrts" Bttlinn PMIoft. 33.(90. Bhadcmikerperiamrolungen. BeBtt Einladung der Parteiorganisationen von Bübingen, Veidelberg und Freiburg i. B. hielt Gen. Dr. Max Adler aus Wien in diesen Städten am 13., 14. und 15. d. Mts. Akademikerversammlungen ab, in denen er unter dem Thema �Wissenschaft und Politik" das Wesen des Wissenschaft- lichen Sozialismus und seine Kulturbedeutung darlegte. Die Ver- sammlungen waren überall sehr gut besucht, geradezu imposant in Heidelberg, wo den großen Saal der Stadthalle über 5 Personen bis auf das letzte Plätzchen füllten und wo auch zahlreiche Pro- sefforen erschienen waren. Gen. Max Adler begrüßte zunächst die Tatsache dieser NIa- demikerversammlungen» die auch in anderen Städten, wie Darm- stadt, Karlsruhe und Straßburg durch Gen. Bernstein abgehalten wurden, als einen Ansang, der hoffentlich nicht ohne Fortsetzung bleiben und die Akademiker aus ihrer bischerigen Teilnahmslosigkeit herausreißen werde. Zum Thema übergehend, erörterte der Vor- tragende zunächst den bisherigen Begriff der Politik, der sowohl bei Politikern als auch bei Vertretern der Wissenschaft als gänzlich unvereinbar mit Wissenschaft gilt, da er nichts anderes bedeute, als rücksichtslose Vertretung von Sonderinteressem Eine solche An- schauung mußte sich ganz notwendig aus dem Klassencharakter der Gesellschaft ergeben und konnte nicht als falsch erkannt werden, so- lange es noch keinen Standpunkt gab, der die Möglichkeit der Ueber- Windung dieses Klassencharakters der Gesellschaft eröffnete. Als Ideal war freilich ein solcher«tandpunkt schon längst von den größten Geistern aller Zeiten eingenommen worden. Und noch vor hundert Jahren hat Fichte die deutsche Nation gemahnt, endlich aus dem Stande eines unfreien geschichtlichen Lebens herausgu- gehen und ein neues Zeitalter einer bewußten, also freien Staats- gestaltung anzuheben. Dies aus einem bloßen Ideal zu einer realen Möglichkeit umzugestalten, konnte aber erst verwirklicht wer- den, nachdem die erreichte Höhe der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung auch eine wissenschaftliche Erkenntnis von dem Wesen und den gefetzmäßigen Entwicklungstendengen der Klassen in der Gesellschaft möglich machte. Dieser gewaltige Fortschritt des Er- kennenS, der neben die Naturwissenschaft nun eine Sozialwissen- schaft setzte, knüpft sich geschichtlich an das Hervortreten des Pro- letariates als Klasse in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahr- Hunderts� gedanklich aber an die Bemühung eines Forschergeistes, diese große historische Erscheinung theoretisch zu begreifen, an die Lebensarbeit von K a r l M a r x. Es ist seine ökonomische Ge- schichtstheorie, welche in Wahrheit eine Entwicklungstheorie der menschlichen Gesellschaft genannt werden kann, die das Fundament des modernen Sozialismus geworden ist. In großen, aber überaus eindrucksvollen, weil logisch festgefügten Zügen erörterte nun der Vortragende die Theorie des historischen Materialismus, wobei er besonders einschärfte, daß die so häufige Bcrkcnnung dieser Theorie als einer angeblich die Menschen vergewaltigenden, sie gleichsam fatalistisch zwingenden Kausalmacht für immer vermieden werde, wenn man sich erst klar geworden ist, daß der Grundbegriff der materialistischen Geschichtsauffassung, nicht der der ökonomischen Verhältnisse, sondern des vergesellschafteten Menschen ish so daß die ökonomischen Verhältnisse nichts anderes sind als die Formen dieser Vergesellschaftung. Von da auS erscheinen dann die Pro- duktionsverhältnisse sofort zugleich als menschliche Ver» Hältnisse und die Klassengruppicrung als notwendige Differenzie- rung der Gesellschaft. Der Kampf entgegenstehender Interessen- gruppen ist unausweichlich, und deshalb ist der Klassenkampf nicht etwa bloß zufällig oder aus Schlechtigkeit der Menschen entsprin-- gend, sondern die bisherige Daseinsweise der Ge- s e l l s ch a f t. Im Klassenkampf muß sich aber die Gesellschaft stets erweitern und verstärken, weil der Klassengegensatz ja gerade darin besteht, daß die jeweils erreichte Höhe der wirtschaftlichen Entwicklung einen größeren sozialen Kreis beftiedigen könnte, als in Wirklichkeit geschieht. Tie vom gesellschaftlichen Nutzen der Pro- kleines feuilleton. Nene Gcschwnlstforschunge». Seit längerer Zeit beschäftigt sich tie medizinische Forschung mit dem Problem, für die bösartigen Geschwülste, den Krebs und das Sarkom, andere als operative Heil- Methoden zu finden. In den Dienst dieser Forschung ist schon seit langem das Tierexperiment gestellt worden, und es ist gelungen namentlich bei Mäusen, Geschwulsterkrankungen hervorzurufen, die von Professor Ehrlich als mit Krebs und Sarkom identisch be- trachtet werden. Wahrend eine Reihe von Forschern die Ansicht vertritt, daß auch diese Krankheiten Infektionskrankheiten seien, also durch kleinste Lebewesen erzeugt werden, und daher zu Heil- vcrsuchcn auf dem Wege der i-erumtherapie zu gelangen suchten, scbien anderen die Entdeckung-chemischer Mittel mehr Aussicht auf Erfolg zu bieten. Am Mittwock» hielt nun Professor Wasser- mann einen Vortrag in der Medizinischen Gesellschaft, in dem er über die Heilung solcher Geschwulstbildungcn bei'Mäusen be- richten konnte. Diese Geschwülste sind im Körper neugebildete und sich außerordentlick rasch vermehrende Zellen. Cs galt nun. ein chemisches Mittel zu finden, das zwar die Gesckm-ulstzellcii. aber nicht die normalen Körverzellen angreift und zerstört. Wasser- mann fand in einer Verbindung des Selen mit dem Farbstoff Eosin ein solches Mittel. Bereits nach der dritten Einspritzung in die Blutbahn begann sich die Geschwulst zu erweichen, nach der vierten trat eine Aufsaugung ein und durch weitere Einspritzungen wurde eine völlige Heilung der Versuchstiere erzielt. Wassermann ver- wies selbst ausdrücklich darauf, daß die Wirkung des Mittels bisher nur beim Tierversuch zutage getreten ist, aber noch in keiner Weise an geschwulstkranken Menschen erwiesen sei. In der Tat zeigen gerade auch neuere Erfahrungen, daß bestimmte chemische Mittel, die sich im Tierexperiment bewährt haben, beim Menschen manchmal versagen. So wird auch erst die weitere Forschung zeigen, ob in der Tat diese Experimente zu einem Fortschritt in der Hei- lung der bösartigen Geschwülste bei dem Menschen führen. Unerwünschte Echtheit. Mit knapper Not sind eine Anzahl Kopenhayener Schauspieler und Schauspielerinnen bei einer kine- matographii'cken Aufnahme einem furchtbaren Tode entgangen. Die Kinemaiographengesellschaft hatte die ftiinstler engagiert, um eine möglichst furchtbare Scküsfbruchskatastrophc aufzunehmen und zur Erbauung der Kientoppgäste wollte man einen Film gewinnen. der natürlich möglichst naturgetreu und möglichst atembcklemmend das Scheitern eines Schiffes und die Rettung der Schiffbrüchigen darstellen sollte. Doch der schöne Plan scheiterte, vzxil es der Natur geftel, ihre Macht über menschliches Spiel zu zeigen: aus der Dar- ftellung sollte furchtbare Wirklichkeit werden. Die Gesellschaft hatte in Lemvig einen Dampfer gemietet, man kreuzte bereits einige Stunden lang auf dem Meere, wobei man Aufnahmen vom Leben an Bord machte. Man n>ar noch eifrig damit beschäftigt, allerlei komifche kleine Zwischenfälle aus dem Schiffslcben darzustellen und auf den Film zu bannen, als die Elemente die Zeit für gekommen hielten, den Künstlern einen kleinen Vorgeschmack von der Wirk- lichkcit eines Schiffbruches zu geben. Ein Orkan brach aus, dem der kleine Dampfer nicht gewachsen war; zehn Stunden lang trieben !duktivkrSfte ausgeschlossene, d. h. die unterdrückt« und daher auf- strebend« Klasse muß als« jederzeit gleichzeitig als Vertreterin von Vernunft, Recht und Moral erscheinen, da alles dies nur ebenso- viele ideale Ausdrücke für die erkannte Notwendigkeit der Beseiti- ■ gung tatsächlicher Schranken, in- der Organisation der Gesellschaft sind. Nun ist in der kapitalistischen Gesellschaft die Klassenspaltung so weit gediehen, daß das Proletariat als unterste Schicht dieser Gesellschaft sich wie Marx bereits im Kommunistischen Manifest schrieb, nicht erheben kann» ohne die ganze Klassenschichtung nmzu- stürzen, und gleichzeitig ist die technische und wirtschaftliche Eni- Wicklung so weit gelangt, daß, wie Engels schon vor einem Menschen- alter sagen konnte, die Möglichkeit der auÄkömmlichen Existenz für alle zwar zum ersten Male da ist,.aber sie ist da". Daraus folgt ein wunderbarer Mechanismus der im Klassenkampfe zutage treten- den sozialen Gesetzmäßigkeit. Das Proletariat muß aus Klasseninteresse die Klassenspaltung über- winden; es ist sein Sonderintcresse, welches dahin geht, daß es aufhöre, Proletariat zu sein, was aber nur in einer nicht mehr klassenmäßigen, sondern bewußt solidarischen Gesellschaft möglich wird. Diese theoretische Erkenntnis von der geschichtlichen Bestim- mung des Proletariats als eines Kausalfaktors zum not- wendigen Umgestaltungsprozeh der bürgerlichen Ge- sellschaft, macht das theoretische Wesen des modernen Sozialis- mns aus. Und die Verbreitung dieser Erkenntnis im Proletariat macht feine politische Kampfftellung als Sozialdemokratie aus. Nun erscheint Politik als Einheit von Wissenschaft und Praxis, indem sie gar nichts anderes mehr ist, als bewußte Voll- ziehung erkannter geschichtlicher Notwendigkeit. Man sieht also, daß von diesem Standpunkte aus Politik etwas viel Größeres ist, als im herkömmlichen Sinne, und daß es da? Wesen der Sozial- demokratie gar nicht erschöpft, wenn man sie nur als eine politische Partei unter anderen politischen Parteien betrachtet. Der Vortragende erörtert nun die gewaltige außerpolitische Tätigkeit der Partei in Gewerkschaften und Genossenschaften, in Arbeiterbildnngs- und Unterrichtsbestrebungen und den auf die Volkshygiene gerichteten Bemühungen, in der Vermittlung von künstlerischer und literarischer Bildung. ES ist derart eine allge- meine und vielseitige Kulturinteressiertheit, die schon innerhalb der heutigen Gesellschaft einen großartigen Aufftieg des Volkes zur Kultur bewerkstelligt hat und sogar die wirksamste Schützcrin der bürgerlichen Kultur geworden ist. Wenn man demgegenüber nun sieht, wie innerhalb der kapi- talistischen Gesellschaft alle Kulturanforderungen sehr bald an die Schranke privaten Profitstrebens oder staatlicher Unzulänglichkeit stoßen» und wie die geistigen Berufe selbst in immer größere ökono- mische Abhängigkeit vom Kapital geraten» muß man erkennen, daß nicht nur ideale Forderungen, sondern diegeistigenLebens- interessen der Intellektuellen selbst sie zum Sozialis- mus führen müssen. Und besonders die Studentenv die durch Be- rufsinteressen noch nicht gehemmt werden, müßten hier der Stimme des Ideals um so mehr folgen, als sie zugleich die Stimme der Wissenschaft ist. Mit einem mächtigen, die Hörer sichtlich stark ergreifenden Appell, sich endlich der beschämenden Teilnahmslosigkeit zu ent- reißen und bewußten Anschluß an die größte Kultnrbewegung ihres Volkes zu nehmen, schloß Gen. Adler unter stürmischem Beifalls- getrampel seine Ausführungen. Ueberall folgte dem Vortrag«ine angeregte Diskussion, die freilich jedesmal verschiedenen Charakter hatte. In Tübingen, ver- suchte Professor Götz»n einer fast einstündigen Gegenrede, die von den gewöhnlichsten nationallibcralen Schlagworten gegen den Sozialismus wimmelte, den Eindruck der Rede Adlers abzu- schwächen. Er erreichte aber das Gegenteil, indem der Vortragende in überaus temperamentvoller Weise und wiederholt vom Beifall der Versammlung unterbrochen» den Herrn Professor abführte. In Heidelberg suchte Professor Alfred Weber in geistvoller und vornehmer Weise einige Differenzpunkte gegen den Vortragenden die enffetzten Schauspieler auf ihrem Schiffe als ein Spiel des Windes und der Wogen auf den tobenden Fluten. Schließlich rannte das Schiff in der Nähe der Küste auf einen Fels, und ein sicherer Tod schien alle zu erwarten. Zum Glück gelang es einem Fischerboote aus Lemvig, au den gestrandeten Dampfer heranzu- lornrncn und Besatzung und Schauspieler zu retten. Der Mann mit dem halben Gehirn. Bor einigen Monaten wurde durch einen Unglücksfall in Schweden während des Dienstes ein Soldat in den Kopf geschossen. Er verlor dabei einen Teil des Gehirns, ober wunderbarerweise gelang es der Kunst der Aerzte, den Mann trotzdem am Leben zu erhalten. Amerikanische Blätter hatten den seltsamen Fall aufgegriffen und die wunderlichsten Schilderungen entworfen. Da hieß es, der Rekonvaleszent könne zwar eine Fliege aber kein Pferd sehen, höre ein Flüstern doch keinen Kanonenschuß, habe die Hälfte seines Namens vergessen, spräche anstatt schwedisch englisch und was dergleichen sensationelle Entstellungen mehr sind. Tie wirtlichen Einzelheiten dieses un- gewöhnlichen Falles aber sind an sich in der Tat so interessant, daß sie amerikanischer Uebertreibungskunst nicht bedürfen. Nach dem Schusse blieb der junge Mann 14 Tage lang bewußtlos; als er dann zu sich lam, hatte er das Erinnerungsvermögen vollkommen verloren und wußte nicht einmal mehr seinen eigenen Namen. Ganz allmählich aber begannen Erinnerungen wiederzukehren. dabei ist besonders interessant, daß er sich zuerst fernliegender Kindheitserinnerungen bewußt wurde. Mit der Zeit erweiterte dann das Erinnerungsvermögen seinen Kreis, und jetzt ist er glück- lieh so weit, daß er sich seiner ganzen Vergangenheit erinnert bis zu dem Augenblicke, da der unglückliche Schuß ihn traf. Das All- gcmeinbefinden des Rekonvaleszenten ist gut. Seine Sinnesnerven sind zerstört und seine Sehkraft hat gelitten. Er ist z. B. nicht im- stände, einen seitwärts oder neben ihm stehende» Gegenstand zu sehen. Er nimmt nur wahr, was gerade vor seinem Auge liegt und muß daher den Kopf immer in gerader Richtung zu dem Gegenstande bringen, der wahrgenommen werden soll. Die Schreib- und Lesefähigkeit ist zum Teil verloren gegangen, er vermag Buch- stoben nicht mehr zu kombinieren. Es ist aber keine Aussicht, daß diese Mängel je wieder schwinden, so daß er nie mehr eine Tätig- keit ergreifen kann, bei der Lesen oder Schreiben erforderlich ist. Theater. Lessing»Theater(Ausführung de? künstlerische'» Theaters):, DerScheiterbaufen" von AugustSlrind- b e r g. Strindberg zieht in dem Stücke, einem seiner neueren Werke, mit vielleicht noÄ wilderem Grimm als früher wider die Tücke ent- arteter. boshaft bornierter Weiber zu Felde. Die Witwe Elise hat, wie man nebenher erfährt, ihren Seligen zu Tode gequält. Indes das. Hauptverfahren richtet sich gegen sie als Mutter. die da» Leksn ihrer Kinder systematisch vergiftete. Er iann sich j», Zusaniin-nwoge» kleiner und großer Schenßlichkeiwbeweise nicht genug ni»s'- Di« Empörung dcS Anklägers läßt es nicht zu einer psychologisch überzeugenden Gestaltung kommen. In fliegender Hitze mit in«utMtz»idirelt schrulleuhaflen Einfällen versetzt, sind die Szenen aufs P<�U<»!tfelD0rfen. Statt einer Handlung ein buntes Durch- einandMV�W»rwünschungen. denen der Theaterkoup eines haar- sträuvendeinftaiiilie"�"----- c-r-x mllienselbstmordS folgt. hervorzuheben, betonte aber unter demonstrativem Beifall der Ver» sammlung sein prinzipielles Einverständnis mit dem Vortragenden» da eS ein Skandal sei, wenn an den deutschen, Ilniverfitäten noch immer die Beschäftigung mit dem Sozialismus als nicht vereinbar mit der Stellung eines akademischen Bürgers gilt. Hier sprach auch ein Student, der die Burschen zum Studium des Sozialismus her- ausrief. In Freiburg erschien keiner der Professoren. Dagegen be» teiligten sich hier Studenten sehr lebhaft an der Debatte. Ueberall werden diese Versammlungen, manch fruchttragendes Saatkorn ausgestreut haben und manche gerade in den sich gebildet nennenden Schichten über die Sozialdemokratie bestehenden Miß- Verständnisse und Vorurteile gründlich zerstört Habens DerZufamroenbrachdiKsKranttenftafleii' Ke)(i)$9«rband$tcl)Wlndel$. vor einigen Wochen ging eine Schauernachricht durch die Reichsverbandspresse. daß die Vorstandsmitglieder und der Rendant der Erfurter Gemeinsamen Ortskrankenkasse einen.nationalen" Kasscnangestellten, den Assistenten Ruhig, aus dem Dienst entlassen hätten» weil er Mitglied des Reichsverbandes sei. Der Mann wurde nach dem Muster der Dr. Mugdanschen Erzählungen als ein be- dauernswertes Opfer des sozialdemokratischen Parteiterrorism-ns hingestellt. Jetzt hat diese neueste Terrorismusaffäre einen solchen Abschluß gefunden, daß ihren Urhebern angst und bange werden dürfte. Ruhig verlangte nämlich seine Wiedereinstellung. Das Erfurter Schiedsgericht hatte sich mit der Angelegenheit zu befassen. Das Ergebnis der Verhandlung war eine schwere Blamage des Reichsverbändlers Ruhig und der.Terrorism.us"phantasten. Die Behauptungen über den angeblichen Terrorismus des Kassenvor» standes brachen schon darum in sich zusammen» weil die dem Vor- stände angehörenden Arbeitgeber es ablehnten, der sozialdemokra- tischen Partei zugezählt zu werden, aber sonst mit der Entlassung Nuhigs völlig einverstanden waren. Zunächst wurde festgestellt, daß Ruhig durch ein jahrelanges unkollegiales Verhalten gegen die anderen Bureauangestellten sich mit diesen überworfen hat. Durch verleumderische Denunziationen suchte er den Rendanten Gold- ammer und andere Angestellte bei der Auffichtsbchörde und zuletzt sogar bei der Staatsanwaltschaft anzuschwärzen» Im Dezember 1910 schrieb er an den Oberbürgermeister Dr. Schmidt einen Brief, in dem er unier anderem behauptete, er werde von dem Rendanten und andern Angestellten so schikaniert, daß er schon zum Revolver gegriffen habe. Er habe sich schon an den Reichsverband in Berlin gewandt, doch da er von dort rasche Hilfe nicht erwarten könne, so bitte er den Oberbürgermeister um Schutz. Daß die Anschuldi- gungcn auf Schwindel beruhten» hat Ruhig in einer Vorstands» sitzung, in der er wegen des Briefes zur Rede gestellt wurde, selbst zugegeben. Ferner beging Ruhig einen schweren Vertrauensbruch, indem er einen Brief, der an die Geschästsleitung der Kasse gcrichiet war, öffnete und den Inhalt abschrieb, weil er für ihn von Jnter- esse war. Dann hat er weiblichen Kasscnmitglicdcrn durch Pflicht- widrige Manipulationen besondere Vorteile verschafft. Den, wcib- lichen Kassenmitgliedern, widmete Ruhig überhaupt besondere Auf- merksamlcit. Einer Frau gegenüber erlaubte er sich zotige Redens- arten. Eine andere Frau suchte er dadurch seinen Wünschen gefügig zu machen, daß er ihr einen Tag mehr Krankengeld auszahlen ließ, als ihr zustand. Dann stellte er im Geschäftsraum der Kasse- und später auf der Straße unsittliche Anträge, die von der Frau empört zurückgewiesen wurden. Um diesen Fall richtig würdigen zu können, muß man berücksichtigeitz daß Ruhig mit seinen unflätigen Anträgen eine kranke Frau belästigte. Diese Patientin war so entrüstet über die ihr angetane Beleidigung, daß sie sich ferner weigerte, das Kassenlokal zu betreten. Ihr Vater mußte das Krankengeld fiir sie holen. Diese Feststellungen wurden durch eidliche Zeugenaussagen bestätigt. Bemerkenswert ist noch, daß vor der Zeugenvernehmung Elises Sündenregister wird durch die Reden einer Hausmagd eröffnet. Dann kommt der kranke Sohn, der alles bestätigt. Ihre Tochter hat die ehrenwerte Dame einem schuftigen Mitgiftjäger ver- kuppelt. Das Mädchen, blind verliebt in den brutalen Kerl, ist eifcr- süchtig auf die eigene Mutter, die darüber freudige Genugtuung empfindet. Zur gerechten Strafe trumpft der galante Schwieger- söhn, als sich herausstellt, daß kein Vermögen vorhanden. gegen die Alle mit Tierbändigermanieren auf. Der Sohn, der immer zu dem Vater hielt, und die der Mutter ort- verwandte Tochter, finden sich in ihrem Schmerz zusammen. Ein hinterlassener Brief des Toren— eine Zusammenstellung aller Gemeinheiten ElisenS— bekräftigt ihren Bund. Der Schwieger- söhn wird aus dem Hause gejagt; die von bösem Gewissen und Gcspcnsterfurcht gehetzte Frau muß zitternd das LerdammungS» urteil über sich ergehen lassen. Einen Augenblick scheint sich in dem jungen Menschen etwas wie Mitleid mit der Unglückseligen zu regen. Trägt isie die Schuld, die ganze Schuld? Sie konnte wohl nicht anders sein. Elise wirst sich an seine Brust und wiederholt die Worte wie einen Freispruch. Dann aber ist sie wiederum die gleiche, die sie immer war, die freche Lügnerin. Ein Feuerschein flammt aus dem Flur ins Zimmer. In Wahnsinnsangst stürzt sich die Mutter aus dem Fenster. So mußte e-Z kommen, sagt der Sohn, es war die einzige Möglichkeit. Er selber bat das Feuer angelegt. Es soll die Schuldige und ihre verpfuschte Brut zugleich vernichten. Die Schwester billigt das Programm. Sie halten sich umschlungen und reden— jeeben— reden, bis sie vom Ranch erstickt zu Boden sinken. Rosa B e r t e ii s Elise, diese schreckhafte, immer fröstelnde Alte mit der harten Stimme, der starren Miene, den großen, in Momenten der Erregung hysterisch funkelnden Augen war eine meisterliche Leistung. Ueberraschend echt gelang Helene R i t s ch e r die unheimliche, zurückgedämmte Leidenschaftlichkeit der Tochter. Auch die Rollen des Sohnes und Schwiegersohnes hatten an den Herren L o o s und Abel ausgezeichnete Vertreter. Indes da» Stück ließ völlig kalt. dt. Notizen. — DaS Lüsissiielhau», ba? itlsolK ve? VernrWIuflh Zickels frei wurde, geht vom 2. Januar an in die B o I t c n- B a e ck c r s G. m. b. H. über. Da der Namcngcber gleichfalls ein Geschäft in französischen Schwankübersetzungcn(Genre Residenz- thcatcr) unterhält, gibt er die Versicherung ab, daß er im Lust- spielhaus bei der deutschen Hausmarke verbleiben will.(Scylla und Eharybdis.) — W c d c k i n d S D r a m a„O a h a", eine sehr gelegentliche Satire auf die..Siinplicissimus"-Redaktion, machte in- einer Privat- nufführung des Münchcner Neuen Vcvcins keinen besonderen Eindruck. er den FlugprejK süx fcit Miltlckra-Mttli»«wa». dt» Museum.,..'. � �'. Est Mit mifiitlichen Anirägsw bclästiglcw Frau eine Kartenlegerin erschien, die sie zu beeinflussen versuchte, zugunsten Ruhigs aus- zusagenv da sie andernfalls Gefahr laufe, meineidig zu werden und auch �cn«armen Mann" unglücklich mache. Das Gericht kam zu der Ucberzcuguug, daß die Entlassung Ruhigs berechtigt sei, und wies seine Klage ab. Begründend hob der Vorsitzende. Rrgierungsrat v. Strauß und Torney, hervor, daß das ganze Verhalten NuhigS keine Gewähr für ein gedeihliches Zu sammenarbciteu mit den ander» Aeamten biete. Die Briefaffäre und das unsittliche Verhalten liege wohl Jahre zurück, doch der Vor stand konnte nicht früher einschreiten, weil er erst jetzt Kenntnis von den Vorfällen erhielt. Es hicszr ja Treu und Glauben auf den Kop stellen, wen» man einen solchen pflichtvergessenen Menschen noch weiter in einer Krankenkasse tütig sein lasse. * Der Vorfall zeigt von neuem, weS Geistes Kinder die Leute find, die nach Behauptung der MugdanS, Graf v. Westarp. Becker und de» NcichsverbandeS von Sozialdemokraten«terrorisiert" werden. StsötvewMen-verlamwliiiig. |(3 7. Sitzung b o m Donnerstag, den 21. Dezember 1911, n a ch m i t t a g S ö U h r.) Vorsteher Michclet eröffnet die Sitzung nachmittags 6% Uhr. Ter Saal ist nur schwach besetzt. In die gemischte Deputation, die auf Grund de» seinerzeit angenommenen Änirags ÄronS(Soz.) über Mittel und Wege be raten soll, den städtischen Grundbesitz in Treptow der Bebauung zu erschließen, ohne daß der Stadtgemcinde der Wertzuwachs ent- geht, sind auch die Sladtvv. Dr. Arons, Heimann, Leid ewt- saudt worden. Ter Antrag der Sozialdemokraten(Dr. AronS und Genossen) wegen Verausgabung amtlicher Wahlkarten an sämtliche eingeschriebene Reichstagswähler bei den bevor- stehenden Berliner R e i ch s t a g S w a h l e n ist von dem nieder- gesetzte» Ausschusse abgelehnt worden. Der Referent, Stadtv. Lös er(Ä. L.) rekapituliert die Gründe der ablehnenden Mehrheit: unverhältnisnräßige Kosten(27 000 M.) gegenüber fragwürdigem Nutzen, zumal die Wahlbeteiligung auch ohne solche amtliche Karten bereits bis zu KS Proz. der Wahl- ibcrechtigte» betragen habe. Ttadtb. Monlmsen(Fr. Fr.) ist prinzipiell ein Freund der Slusgabc von Wablkarten und tamr sich dem Ausschußantrage nicht ohne weiteres anschließen. Gerade in Berlin sei es gut und not- wendig, die Reichsta.gsir>äbler mit einer Legitimation zu versehen. Rißbräuche des Wahl rechts würden beim Vorhandensein von solchen Karten schwerer zu begehen und leichter zu fassen sein. Redner bittet, den Antrag Acous �inzuuehmen. Stadtv. Psanukuch tSog-t: Z#l> kann zunächst meiner Freude über diese Zustimmung zu unscrm Antrag Ausdruck geben. In der Kommission hat der Magistrcrtsiomnnssar erklärt, daß technische .Hindernisse nicht im Wege ständen; dieses Bedenken des .Kollegen Mommscn wäre dam'ck ausgeräumt. Hoffentlich wird der RagistratSverircter seine Erklärung lstuie wiederholen. Tie 27 000 M. können nicht ausschlaggebend sein und sind es auch für den Magistrat nickit gewesen; für Angelegenheiten, die die Allge moinheit lange nicht so sehr angligen. hat uian hier viel größere Summen gefordert und bewilligt Was Charlottenburg machen kann, sollte doch auch Berlin können. München ist bereits früher vorgegangen, ebenso Königsberg. Daß 30 000— 40 000 Karten als unbestellbar zurückkommen können, ist eine Schätzung, die jeder bestimmten Unterlage entbehrt. 85 Proz. Wahl beteiliguug ist keineswegs das Maximum des Erreichbaren: wir halben Kreise, auch solche mit überwiegend ländlicher Bevölkerung. wo die Beteiligung über 00, ja 9b Prcrj. betragen hat. Stadtrat Düring: Zu meinem Bedauern kann ich die im AuS. (ch'.itz abgegebene Erklärung nicht in vollem Umfange wiederholen. Seit der AuSschußsitzuiig ist immerhin«in Zeitraum von etwa zel&n Tagen vergangen; die für die Sache noch in Betracht kommende Zeit wird durch ungewöhnlich viel Feiertage unterbrochen Die bestimmte Zusage, daß der Vorschlag ausführbar sein wird, kann ich heute nichr abgeben; der Magistrat wiiH aber die Frage prüfen. wenn die Versammlung zu einem posititoen Votum kommt. Ich möchte daran erinnern, daß diesmal in dieselbe Zeit neben den vielen Feiertagen auch»ljch der Umzugstermin fällt. Stadtv. Jacsbi(A. L.): Wir haben unsererseits beschlossen, den Antrag Arons abzulehnen und dem Ausschuß zuzu- stimmen. Stadtv. Cassel(A. L.): Nach dem eben Gehörten erscheint ein Vorgehen im Sinne deS Antrages Arons bedenklich. Der Ma. aistrat hat keine Vorbereitungen getroffen; Feiertage und Umzug schieben sich störend dazwischen. Die Verhältnisse in der Großstadt lassen sich mit denen auf dem Lande nicht vergleichen. Geschieht die Versendung nicht zuverlässig, so könnte geradezu ein Nachteil aus der Maßnahme entstehen. Stadtv. Mommsen: Wir stimmen für den Antrag, in der Annahme, daß er technisch ausführbar ist; ergibt sich für den Ma> gistrat die technische Unausführbarkcit, so wird niemand ihm daraus einen Vorwurf machen. Bei jeder Wahl, auch wenn die Zeit kürzer ist alö jetzt, wird bei den Gemeindebehörden genügend Zeit sein, um die Karten auszufertigen, zu kollationieren und zu ver- schicken. Stadtv. Nvsensw: Die Feiertage mögen ja einige Unbequem. lichkcit machen: der Umzugstermtn kommt weniger in Betracht. denn im Januar wird nicht viel gezogen. Gerade für die Zukunft sollte der Magistrat unter allen Umständen von vornherein Bor- sorge treffen. Stadtv. Pfannkuch: Tic Bedenken wegen drS Umzugs am 1. Januar halte auch ich für hinfällig, denn der Umzug an diesem Termin kann sich nicht entfernt mit demjenigen am 1. April oder 1. Oktober an Umfang messen. Die verbleibende Zeit ist auch diesmal trotz der Feiertage durchaus hinreichend. Unser Antrag wird sehr rechtzeitig wiederkommen, selbst wenn er dies- mal abgelehnt werden sollte. Stadtv. Cassel: Es ist nicht zu übersehen, ob nicht wirklich die größte Verwirrung entsteht, wenn die Sache jetzt noch in Angriff genommen wird. Wir haben es mit 090— 1000 verschiedenen Wahllokalen und mit 500 000 Karten zu tun. Damit schließt die Besprechung. Der Antrag des Ausschusses wird abgelehnt und der Antrag ArouS mit geringer Mehrheit für augeuoinmcn erklärt. Die Petition des Vereins der Magistratshilfsdicner, Akten- wagcnbcglciter, Pförtner und Fahrstuhlführcr wegen Aufbesserung ihrer Diäten, Einführung einer Skala und Erhöhung ihrer Endbezüge von 1K20 auf 1800 M. wird nach dem Antrage des PetitionsauSschusseS dem Magistrat für die nächste allgemeine Gehaltsregelung zur Er. w ä g u n g überwiesen. Von zwei bürgerlichen Fraktionen, der Alten Linken und der Freien Fraktion, ist folgender Antrag Körte-Cassel-Mommsen am 20. November eingebracht worden: „den Magistrat um Beratung in gemischter Deputation darüber zu ersuchen, welche Organisation und Stellung der Bau- lcitung der Rord-Süd-Bahn gegeben werden muh, um die im Interesse der Stadt und ihrer Bürgerschaft dringend gebotene schnellste und sicherste Ausführung des hochbedeutsamen, technisch ungemein schwierigen Unternehmens»ach Möglichkeit zu sichern und dabei die fortlaufendm und einmaligen Bezüge der mit seiner Durchführung Betrauten mitzuberaten." Stadtv. Körte(Fr. Fr.): Der Antrag soll ein Voium der Vcr- »ammlung über die Bedeutung des Unternehmens nnd die enormen ZKNicr i g ke i t e n seiner Durchführung extrahieren- Bestimmte Tircltivcn für die Organisation gcEcw tvir nicht,?a? so? essen auch der gemeinsamen Beratung mit dem Magistrat vorbehalten bleiben. Mit dem empsohlenen Vorgehen folgen wir nur dem Beispiele, das bei ähnlichen großen städlischen Unternehmen, Kanalisation usw., gegeben worden ist. Ten Mitarbeitern des Magistrats muß un- bedingt größte Bewegungsfreiheit gegeben und garantiert werden. Stadtv. Cassel billigt das Ziel des Antrags durchaus und bittet um seine Annahme. Der Oberbürgermeister spricht über di» Tendenz des A n- träges seine große Befriedigung aus, bittet aber um seine Ablehnung. Das Projekt sei jetzt im großen und ganzen genehmigt; der vorgeschlagene Weg scheine gerade ein schnelles und tatkräftiges Vorgehen der Verwaltung auszuschließen. Der Ma- gistrat habe die Bauleitung einem besonders geeigneten Bau- beamtcn zu übertragen die Absicht. Deshalb sei nicht die Aus- führung in eigener lliegie ins Auge gefaßt, die Bauausführung solle vielmehr in mehreren Losen vergeben und von der Verwaltung nur die erforderliche Kontrolle geübt werden.(Zustimmung und Widerspruch.) Eine gemischte Deputation wie die hier vorge- fchlagcne würde mehr hindern als fördern, auch nicht den Bor- ichlägen der Städteordnuny entsprechen. Der Magistrat müsse die Verantwortung doch tragen und werde sie tragen. Stadtv. Oiosenow spricht sich aus ähnlichen Erwägungen gegen den Antrag aus. Stadtv. Körte: Unser Antrag ist u. a. der Wahrnehmung ent- sprungen, daß die Vorarbeit für das Projekt so unendlich viel Zeit erfordert hat. Trotz der Gegnerschaft deS Lberbürgermeisters bitte ich doch, unseren Antrag anzunehmen. Oberbürgermeister Kirschner: Die Verzögerung ist durch Um- stände eingetreten, auf die unsere Bauverwaltung gar keinen Ein- fluß gehabt hat. Da kam die Trasse durch die Charlottenstraße, da kamen die Entschädigungsansprüche der„Großen"-in Betracht; alle diese Hindernisse sind jetzt beseitigt. Der Antrag hat die gute Absicht, den Bau zu fördern; er hat aber die entgegengesetzte Wirkung. Stadtv. Cassel: Nicht einer der Antragsteller verbandet mit dem Antrag die Absicht, den Bau auch nur einen Augenblick zu ver- zögern. Der Oberbürgermeister sieht offenbar in dem Antrage eine Art Mißtrauensvotum; solches liegt uns absolut fern. Der Oberbürgermeister: Tatsächlich werden wird durch den Antrag in unserem Vorgehen'behindert. Seit Wochen haben wir Sie um die Bewilligung der Mittel gebeten, um den Erwähnten an die Spitze der Bauleitung zu stellen; Sie haben die B e w i l l i- gung noch immer nicht ausgesprochen, sondern die Sache vertagt. Stadtv. Heimann(Soz.): Wir hatten am Dienstag in der Fraktion beschlossen, dem Antrage unsere Zustimmung zu gelben, aber nur unter der AorauKsetzung, daß die volle Oberleitung des Unternehmens bei dem Stadtbaurat verbleibt und ebenso die volle Verantwortung für dasselbe. Nach den Ausführungen, die wir jetzt wiederholt von dem Oberbürgermeister gehört haben, sind wir zu der Auffassung gekommen, daß wir besser tun. gegen den Antrag zu stimmen.(Beifall.) Nachdem wir genauer orientiert sind, müssen wir glauben, daß der Antrag Körte entweder viel zu spät oder zu f r u h kommt. Unsere B a u v e r w a l t u n g ist an den fortdauernden Verzögerungen des Unternehmens absolut ohne Schuld: wir köniien im Gegenteil dem Baurat nur unsere Be- wunderung aussprechen, daß er allen diesen Kontroversen gegenüber immer mit neuen Projekten und Gegenentwürfen gekommen ist. mit einer Schnelligkeit und Schlagfertigkeit, die wir gar nicht hoch genug anschlagen können.(Beifall.) Stadtv. Mommscn: Wir zweifeln eben daran, ob unsere Tief- bauverwaltung neben ihren umfassenden laufenden Aufgaben noch ein so außerordentliches Unternehmen selbständig in die Hand nehmen kann. Der Antrag Körte bleibt in der Minderheit.(Heiterkeit und andauernde Unruhe.) Dem Ersuchen t«r Versammlung um eine baldigste Vorlage wegen Errichtung von Licht- und Luftbäder» auf freiliegendem städtischen Gelände will der Magistrat nicht entsprechen, weil bei unsachgemäßer Anwendung Gefahren für Leben und Gesundheit der Betreffenden entstehen rönne», und weil die hohen Kosten die Benutzung nur den bemittelten Kreisen er- lauben würden. Anträge von Vereinen auf Ueberlassung geeigneten Geländes sollen von Fall zu Fall wohlwollend geprüft werden. Stadtv. Barth(A. L.i bedauert diese ihm unverständliche Steh lungnahme des Magistrats. Stadtv. Dr. Wcyl(Saz.): Auch wir nehmen von dem Magi- stratsbeschluß mit lebhaftem Bedauern Kenntnis. Der bezügliche Beschluß ist seinerzeit von der Deputation und von der Versammlung e i n n. ü t i g gefaßt worden. Ganz entschieden müssen wir uns gegen die gesucht schiefe und unglückselige Argumen- tierung des Magistratsstandpunktes wenden. Wenn wir ihr bei- träten, würden wir uns geradezu lächerlich machen. Ihr Verfasser hat von der Sache nicht die Spur einer Ahnung. Die Lustbäder sind ein Vorbeiiguiigsmittel, welches die Widerstandsfähigkeit de? gesunden Menschen stärkt. Es handelt sich um ein A b h ä r t u n g S. mittel. Es handelt sich nicht um Heilmittel für Kranke, sonder» um eine Art hygienischen Sports. Da ift es unerhört, wenn der Magistrat ärztliche Aufsicht oder ärztliche Verordnung für notwendig erklärt. Die vorgeschlagenen Luftbäder sind in mehr als(50 Städten eine längst vorhandene Einrichtung. zum Teil in städtischer Regie, zum Teil in privaten Händen; nirgends hat man einen Arzt als Aufsicht für notwendig erklärt. Es ist ein unbestreitbares Verdienst des früheren Polizeipräsidenten v. Stubcnrauch, das Freibad am Wannsce, aller Moralfexerei zum Trotz geschaffen zu haben. Auch hier nimmt man Bäder und legt sich nachher in die Sonne, ohne daß bisher ein Arzt zur Beaufsichtigung von tci Polizei oder von irgend einer Instanz gefordert worden wäre. Der Magistrat beruft sich auf medizinische Sachver- t ä n d i g e. Es sind auch zwei angefragt worden, aber entweder verstehen die Herren nichts von der Sache, oder die Fragestellung war eine falsche, indem man sie nach ihrer Stellung zu„Sonnen- bädern" fragte. Der Hydrotherapeut Gehcimrat B r i e g e r ist zu- dem auf dem Gebiete der Lufttherapie nicht zuständig. Warum hat ich der Magistrat nicht an solche Persönlichkeiten gewandt, die auf diesem Geebiet etwas geleistet haben, so Professor Z u n tz? Was die angeblich hohen Kosten anbetrifft, so hat München schon eit vielen Jahren ein solches Luftbad, wo der Eintrittspreis nur 10 Pf. beträgt und dach Unterhaltung, Verzinsung und Tilgung deckt; solche Bäder sind also ohne nennenswerte Kosten zu unterhalten. Wenn der Magistrat auf der ärztlichen Kontrolle besteht, wird er doch auch nur solchen privaten Vereinen, die ärzt- liche Kontrollo ausüben, städtisches Gelände zur Verfügung stelle». Wir beantrage», sckwn aus Rücksichten der Selbstachtung, unser» rüheren Beschluß dem Magistrat zur nochmaligen Prü- ' u n g hinüberzugeben. Stadtrat Bcuzky: Luftbäder sind nie von Sonnenbädern zu trennen.(Widerspruch und Zurufe.5 ES sprechen hier nicht bloß hygienische, sondern auch Sittlichkeitsgründe mit. Wir bitten Sie, von der Magistratsentscheidung Kenntnis zu nehmen. Stadtv. Solmib(Fr. Fr.): Meine Freunde sind für di« Kennt. nisnahmc, ohne sich aber der Begründung des Magistrats anschließen zu können. Luftbäder habe ich jahrelang genommen, und ie sind mir sehr gut bekommen. Stadtv. Sanitätsrat Herzberg(A. L.) hält die Luftbäder für kein Allheilmittel und die Kosten dafür für viel zu hoch. Stadtv. Prof. Lazarus(Fr. Fr.) setzt ausführlich oz-öeinander, daß Luftbäder bei weitem stärker wirken als W 0 iki>r h ä d e r; beides seien aber keine„heroischen" Mittel. A p«i«hz,Füqje man keinem Menschen ohne ärztliche Anordnung ein Lssltbqst�gestatteii. (Zustimmung und Widerspruch.) Stadtv. Tw. Ritter(Fr. Fr.) konstatiert,&»{}<; Jjjzw, Fraktion bis auf 1—2 Mitglieder den Standpunkt des MMwjHflbleüt. Stadtv. Dr. Weyl: Die Einwände der HerrwftHJkzea Herz- ssekg Mb Lazarus kakm schon ekn Sake ssnrückweff««.«kn 9mfU ba d wird in der Ziegel in einem sonnenlosen R«»« gu nommen. Die Zusammenstellung„Luft- und Lichtbad" kan» z« Irrtümern führen; richtiger spräche man nur von„Luftbad". Wenn die Herren jetzt nichts von Luftbädern wissen wollen, s» ist das sehr zu ihrem Schaden. Der Antrag Wehl wird abgelehnt; die Versammlung mmmt von der MagistratSmitteilung Kenntnis. Die Vorlage wegen Errichtung von Bauten und von zwei Feldbahitanlaget» auf den städtischen Gütern im Etatsjahr 1012 wird nach kurzer Debatte angenommen. Die vorgelegten speziellen Entwürfe zum Neubau von Gemcindcdoppelschulea in der Zechliner Straße und in der Zellestr. 12/18 werden genehmigt.» Der Magistrat beabsichtigt, am 1. April 1012 in Berlin das Institut der General-(Sammel-) Vormundschaft für die unehelichen Kinder einzuführen, und zwar soll das Recht, für diese einen Vormund vorzuschlagen, auf die Waisen» d e p u t a t i o n übertragen werden. Die Generalvormundschaft soll in der Regel bis zum vollendeten sechsten Lebensjahre durchgeführt werden. Gleichzeitig wird die Einstellung eines Betrages von 100 000 M. zur Deckung der entstehenden Kosten in den Etat für 1012 beantragt. Stadw. Solmitz charakterisiert die Vorlage als eine solche, die einem längst aufgetretenen Bedürfnis entgegenkomme. In Berlin würden jährlich durchschnittlich 9000 uneheliche Kinder geboren. Bei der Revision des Strafgesetzbuches sollte darauf Bedacht ge- nommen werden, die Geioissenlosigkeit des unehe- lichen Vaters auch kriminell zu fassen. Die Vorlage sollte glatt angenommen werden.(Beifall.) Stadtv. Ladewig(N. L.) begrüßt ebenfalls die Absicht der Ma» gistratSvorlage.(Die weiteren Ausführungen deS Redners werden mehrfach von Heiterkeit der Versammlung, in der sich wachsende Unruhe bemerkbar macht, unterbrochen.) Stadtv. Bruns(Soz.): Angesichts der Stimmung, in welcher sich die Versammlung befindet, hat es ohnehin keinen Zweck, längere Ausführungen zu machen. Auch wir nehmen die Vorlage ohne Ausschußbcratung a», da ihre Begründung sehr zwcckenlsprechcnd und klar ist. Bedenken hatten wir zuerst dagegen, ob, was hier vorgeschlagen wird, dem Bedürfnis auch entspncht; wir haben aber dieses Bedenken zurückgestellt, weil wir abwarten wollen, wie die Einrichtung sich einleben wird. Das Bedauern müssen wir aus- sprechen, idatz wir auch auf diesem Gebiete erst anderen Kom» munen nachhinken; freilich sind daran diesmal die beson» deren Verhältnisse Berlins schuld. Stadtv. Rosenow empfiehlt den„Verband für weibliche Vor- mundschaft" der Beachtung des Mogistrats. Er begrüßt die Vor» läge mit großer Freude, denn nun werde der unwnrdige Zustand. daß Vormünder manchmal jahrelang ihre Mündel nicht gesehen hätten, ein Ende nehmen. Stadtrat Düring: Die vom Stadtv. Solmitz aufgeworfene Frage, ob die in der Vorlage den Vormündern als Pflicht auf. erlegt« Raterteilung auch ehelichen Kindern zugute kommen soll, kann ich, obwohl sie Gegenstand besonderer Erörterung in der Waisendeputation nicht gewesen ist, bejahen. Als Dezernent danke ich der Versammlung für die großzügige und weitherzige Auf» fassung, die sie bekundet hat. Hoffentlich wird das große Werk auch in unserer Stadt all den Segen entfalten, i>en es anderswo entfaltet hat.(Beifall.) Nachdem noch Stadtv. Jacob« die Zustimmung der vltm Lin- kcn zur Annahme der Vorlage ohne Ausschußberatung erklärt hat, wird demgemäß unter lebhaftem Beifall der Versammlung be, schloffen. Der neuen Fluchtlinienfestsetzung für die Ostseite der Joachimsthaler Straße nördlich der Hardenberg» straße und der Weichbildänderung daselbst wird zugestimmt und daraus gegen 9 Uhr die letzte Sitzung der Versammlung in diesem Jahre geschlossen. Eue Induftne und Handel Salzgewinnung und Salzbcstcucrung. Im deutschen Zollgebiete wurden im Rechnungsjahr 1010 an Steinsalz 1290 827 Tonnen(1000: 1 295 170 Tonnen) und Ott Siedesalz 675 163 Tonnen(1909: 028 393 Tonnen) gewonnen. Die Einfuhr ausländischen Salzes in das Steuer. gebiet betrug 10 306 Tonnen(1909: 0373 Tonnen); sie besteht wie früher meist in««lglischein Salze: 6409 Tonrren(1900: 5513 Ton- ncn), doch kommen größere Mengen auch aus den Niederlanden: 1770 Tonnen(1909: 1657 Tonnen) und aus Portugal: 1684 Ton- nen(1900: 2303 Tonnen). Das ausgeführte Salz ist zum größten Teil Steinsalz: 341 057 Tonnen(1909: 320 658 Tonnen), wovon nach Belgien 60 460 Tonnen, nach den Niederlanden 42 315 Tonnen, nach Oester- reich-Ungarn 01117 Tonnen, nach Rußland 20 004 Tonnen, nach Schweden 20 241 Tonnen und nach Brttisch-Jndien 64 455 Tonnen abgesetzt worden sind. Von dem ausgeführten Siedesalze: 66 769 Tonnen(1009: 61 003 Tonnen) sind 12 890 Tonnen nach Dänemark und 18 882� Tonnen nach Schtvcdci« ausgeführt worden. Die Aus- fuhr von Salz ist nach der Handelsstatistik geringer, weil die über- wachungSpflichtigen Abraumsalze mit über 60 v. H. Kochsalzgehalt in dieser mit den anderen Abraumsalzen(unter der statistischen Nr. 280b) zur Nachweisung gelangen. An SP ei s e sa lz gelangten o20 803 Tonnen(1909; 500 220 Tonnen) oder 8,0(1909: 7,8) Kilogramm auf den Kopf der Be- völkerung zum Verbrauche. Zu landwirtschaftlichen und gewecb- lichen Zwecken wurden 1098 807 Tonnen gegen 1094 532 Tonnen iin Jahre 1900 steuerfrei verabfolgt. Hiervon haben Soda-, Glau- bersalz- und Chlorkaliumfabriken 505 611 Tonnen, chemische und Farbenfabriken 216 803 Tonnen. Häutehändler usw. 54 222 Tonnen und Metallwarenfabriken 34 686 Tonnen bezogen. Das zu land- wirtschaftlichen Zwecken steuerfrei abgelassene Salz betrug 212 004 Tonnen. Die Einnahmen an Salzzoll und Salzsteuer be» liefen sich im Rechnungsjahre 1010 auf 61530 093 M. acaett 59 213 498 M. im Vorjahre._ Teure Hülsenfrüchte. Seit Mai 1011 sind die Preise für die wichtigsten Hülsenfrüchte st ä n d i g gestiegen. In den Hcrbstinonaten eriolgre diese Ver- teuerung in einem ganz besonders scharfen Tempo. Angesichts der großen Knappheit an frischem Gemüse verdient diese Erscheinung besondere Beachtung. Für 50 preußische Martlorle stellte sich der Durchschnittspreis der wichtigste» Hülsenfrüchte für 1000 Kilogramm in Mark berechnet iu dcu Moualen Juni bis Novembel 1911 wie folgt: 1011 Juni Juli Anglist Septbr. Oktbr. Nobbr. Erbsen, gelbe 282,1 283,0 208.4 330,0 844,7 351,2 Speisebohnen, weiße.. 313,2 822.4 380.5 376.5 883 2 398 2 Linsen... 278.2 281.5 845,4 426.2 445.6 460.3 Die schärfste Steige« ung bat de,»nach der Monat September ge» bracht. Po«, Juni auf August sind die Preise um 09,1 M. für Erbsen, 30.0 M. für Spcisebohiie» und um 191,1 M. für Linsen ge» stiege». Im November 1010 kosteten durchschnittlich 1000 Kilogramm gelbe Erbsen 285,0 M., weiße Speisebohueu 324.8 M. und Linien 293.0 M. Die Kleinhaudelspreise weisen entsprechende Steigerungen auf. An den genamitei, Marktorteu kostete nämlich 1 Kilogramm Erbsen, Bohne» und Linsen in de» Monaten Oktober und November 1011, verglichen mit dein Botjahre, durchschnittlich in Pfennigen: MIO Oktober November Erbsen, gelbe... 37,4 37,3 Speisebohnen, Weiße 40,9 40.3 Linsen..... 43,1 42,7 1911 Oktober November 42,2 43,9 47,9 48,1 60,1 58,2 Während im Vorjahre die Preise von Oktober auf November noch etwas zurückgingen, ergibt sich Heuer eine Sreigerung um 0.2 bis 2,1 Pf. pro Kilogramm. Die Spannung gegen das Borjahr betrug Ende November 1911 für Erbsen 0,6, für Bohnen 7.8 und jür Linsen lö,6 Pf. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Gerichts-Deining. Nebercchtigte Ueberwachung einer Gewerkschaft. Die Ortsverwaltung der Verwaltungsstelle Halle a. S. deS Deutschen Metallarbeiterverbandes hatte zum 3. und 6. Oktober 1910 außerordentliche Mitgliederversammlungen einberufen. Die Polizeiverwaltung sandte Beamte zur Ueberwachung der Versamm- lungen. Der Vorsitzende Gräbel erhob deswegen Beschwerde und machte geltend, die Versammlungen hätten nicht dem Ueber- wachungsrecht der Polizei unterlegen, weil es Vereinsversammlungcn gewesen seien. Aber auch öffentliche Versammlungen in geschlossenen Räumen unterlägen nur der Ueberwachung, wenn sie zur Erörte- rung politischer Angelegenheiten dienten, was hier nicht der Fall gewesen sei. Der RegicrnngSpräsident und Iber Oberpräsident verwarfen aber die Beschwerde. Der Oberpräsident ging davon aus, daß die Zahlstelle nicht als geschlossener Verein angesehen werden könne. Schon die große Mitgliederzahl von 4000 und die Ausdehnung über Halle und die Bororte widerspreche dem. Unter diesen Um- ständen fehlten die wechselseitigen Beziehungen, die eine der Vor- aussetzungen einer geschlossenen Gesellschaft seien. Somit habe gemäß§ 13 des Vereinsgesetzes, der sich auf die 88 6, 0, 7, 8, 9 und 12 beziehe, die Polizei Abgesandte schicken dürfen, da Gräbel selber sage, daß es sich um eine Versammlung handele, wie sie§ 6 Abs. 3 erwähne, nämlich um eine Versammlung zur Erörterung von Vcr- abredungen und Vereinigungen zum Behufe der Erlangung gün- stigcr Lohn- und Arbeitsbedingungen. Auch solche öffentlichen Ver- sammlungen unterlägen dem Ucberwachungsrccht.(Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Sachen Ristau.) Aber auch die Bc- fürchtung der Polizei, die Erörterungen könnten aufs politische Ge- biet hinübergehen, würde die Ueberwachung rechtfertigen.- Gegen diesen Bescheid klagte der Beschwerdeführer, Bevollmäch- tigter Gröbel, vertreten durch Rechtsanwalt Wolfgang Heine. Unter anderem wurde zu der Hauptfrage, ob Mitgliederversammlungen der Gewcrkschaftszahlstelle als öffentliche angesehen werden könnten, geltend gemacht: Da? Oberverwaltungsgericht habe den 4000 bis 6000 Mitglieder zählenden sozialdemokratischen Wahlvcrein Magde- bürg für einen geschlossenen Personenkreis erachtet und seine Mit, gliederversammlunxcn als geschlossene angesehen. Bei der Zahl- stelle hier sei nun eine noch größere Geschlossenheit vorhanden. In- sofern nämlich, als die Beiträge viel höhere seien, und auch die Rechte der Mitglieder höhere, da allerlei Unterstützungseinrich- tungen damit verbunden wären. Der geschlossene Eharaktcc trete also noch stärker hervor. Beide Versammlungen seien als nicht- öffentliche anzusehen, denn die in der ersten Verhandlung vom Gericht beschlossene und jetzt erfolgte Beweisaufnahme habe ergeben, daß durch eine Kontrolle NichtMitglieder vom Besuch dieser Vcr- sammlung am 3. und 6. Oktober 1910 ausgeschlossen worden seien. Im übrigen handele es sich um Versammlungen, die der Erörterung der Schritte dienten, welche gegen eine angedrohte Aussperrung zu ergreifen seien, also um eine Versammlung im Sinne des 8 6 Abs. 3 des Vereinsgesetzes. Wenn nach dem erwähnten Urteil m Sachen Ristau auch solche Versammlungen, falls sie öffentlich seien, dem Ueberwachungsrecht unterfallen sollten, so sei das Urteil un- richtig. Das Gesetz habe solche Versammlungen nicht der Ueber- wachung unterwerfen wollen. Der Anwalt legte das näher dar. Das Obcrverwaltungsgericht hob am 19. Dezember den Bescheid des Oberpräsidenten auf und sehte dir Verfügung der Polizeiver- waltnng, durch welche die Ueberwachung angeordnet worden war, allher Kraft. Es erachtete die Verwaltungsstelle Halle des Metall- arbeiterverbandes, obwohl sie mehr als 4000 Mitglieder hat und sich außer über Halle auf 40 um Halle liegende Vororte erstreckt. für einen geschlossenen Verein, dessen auf die MUglipdee beschränkte Versammlung keine öffentlichen seien. Bei beiden Versammlungen sei auch kontrolliert worden, um Nichtmitglicdcrn den Zutritt zu wehren. Die Ucberwachungsanordnung sei deshalb ungerechtfertigt. Im übrigen sei aber zu bemerken, daß der Senat dabei bleibe, daß Versammlungen gemäß 8 6 Abs. 3, wenn sie öffentlich seien, dem Ueberwachungsrecht unterlägen. Zum Begriff der Erörterung politischer Angelegenheiten. Der Deutsche Metallarbeitervcrband(Zahlstelle Finsterwalde) hielt am 1. Ottober 1910 in Naundorf eine Versammlung ab, in welcher Pawlowitsch einen Vortrag hielt über„Leben und Leiden im Strafgefängnis und Zuchthaus", der aus ztoei Teilen bestehen sollte. Erörtert wurde der erste Teil:„Die Auswüchse im Straf- recht".— Der Gelbgiesier Karl Just als Veranstalter wurde wegen Ilebcrtretung des Vercinsgesetzcs angeklagt, weil er eine öffentliche Versammlung zur Erörterung politischer Angelegenheiten vcran- staltet habe, ohne sie bei der Polizei anzumelden oder in einem der von der Behörde bestimmten Blätter anzuzeigen. Nachdem das Kammergericht sich bereits einmal mit der Sache beschäftigt hatte, verurteilte das Landgericht Cottbus den Angeklagten zum zweiton Male zu einer Geldstrafe. Es nahm als unstreitig an, daß die Versammlung eine öffentliche gewesen sei. Sic sei aber auch, wurde dann weiter ausgeführt, als solche zur Erörterung politv scher Angelegenheiten anzusehen. Der Vortrag habe auf die Män- gel im Strafrecht hingewiesen und ferner darauf hingedeutet, daß infolge dieser Mängel das Strafrecht abgeändert werden müsse. Nun sei gerichtsnotorisch, daß der Metallavbeiterverband sozialdemokratischen Tendenzen huldige. Die Sozialdemokratie bezwecke nun eine UnUvälzung der Gesetze und der Verfassung. Sie versuche auch durch öffentliche Kundgebungen direkt auf die staatlichen Funktionen einzuwirken. Ihren Zwecken dienten auch öffentliche Versammlungen der Vereine. Wenn also ein solcher Verein in einer öffentlichen Versammlung Erörterungen über Mängel im Strafrecht und über die Notwendigkeit ihrer Ab- änderung anstelle, so beabsichtige er dadurch direkt die staatlichen Funktionen, die Gesetzgebung, zu beeinflussen und auf diesem Wege eine Aenderung des Strafrechts durchzusetzen. Ein Vortrag aber, der einen solchen Zweck verfolge, sei als politisch im Sinne des Vereinsgesetzes anzusehen.— Wenn der Angeklagte den Redner in der unstreitig öffentlichen Versammlung diesen Vortrag halten lieh,-dann habe er eben eine öffentliche Versammlung zur Er- örterung politischer Angelegenheiten veranstaltet. Auch gegen dieses Urteil wurde Revision beim Kammergericht eingelegt. Rechtsanwalt Dr. Heincmann vertrat vor dem Kammer- gericht den Angeklagten und machte geltend, daß u. a. der Begriff der politischen Angelegenheit verkannt sei. Dazu habe das Kam- mergericht in dem Zwtschenurteil gesagt: Daß Mängel der Gesetz- gebung mit dem Ziele einer Gesetzesänderung erörtert würden, genüge noch lange nicht, um die Versammlung zu einer politischen zu machen. Dieses Ziel erstrebten durch das gleiche Mittel der Deutsche Juristentag, die Tagungen der internationalen krimi- nalistischen Vereinigung und ähnliche Veranstaltungen, die bloß um dieses Zieles und dieses Mittels wegen noch niemand für poli- tische Veranstaltungen erklärt habe. Daß theoretische Erörterun- gen praktische Zwecke erstrebten, die nur durch eine Gesetzesände- rung verwirklicht werden könnten, mache allein noch nicht die Vcr- sammlung, in der die Erörterung stattfinde, zu einer politischen. Notwendige Voraussetzung für den Begriff„politische Angelegen- hcit" sei vielmehr immer die direkte Absicht, unter Beeinflussung der staatlichen Funktionen vorzugehen und gerade auf diesem Wege das gesteckte Ziel zu erreichen.— Diesen Grundlinien des kammer- gcrichüichen Urteils sei das Landgericht in der jetzt angefochtenen Entscheidung nicht gerecht geworden. Das Landgericht �iehe allerlei Schlüsse, die. mit dem Inhalt des Vortrages gar nichts zu tun hätten, während es doch gerade darauf ankomme. Es verkenne auch ganz den Begriff der Gerichtsnotorität. Ganz verfehlt sei es auch, wenn das Landgericht auf einen politischen Vortrag schließe, weil Pawlowitsch darauf„hingedeutet" habe, daß das Slrasrccht abgeändert werden müsse. Damit werde insbesondere verletzt der Satz im Urteil des Kammergerichts, daß nicht die letzten Ziele der Erörterung entschieden. Nach dem, Ivas das Landgericht ausfiihre, habe der Vortrag nicht mal theoretisch einen einzigen bestimmten gesetzgeberischen Vorschlag gemacht. Von einem politischen Vor- trage im Sinne der oben wiedergegebenen Ausführungen des Kammergerichts könne selbst nach dem, was das Landgericht tat- sächliches sage, keine Rede sein. Das Kammergericht gab dann auch dem Antrage des Anwalts statt und hob auch dies lehte Urteil des Landgerichts auf. Die Sache wurde zu anderweiter Entscheidung an das Landgericht in Guben verwiesen. Zur Begründung wurde ausgeführt: In bezug auf die Frage der„Erörterung politischer Angelegenheiten" sei das Landgericht in der Tat nicht weiter gekommen, wie in dem ersten, bereits vom Kammergericht aufgehobenen Urteil. Es sei der Straf- kammcr nicht gelungen, auf Grund der tatsächlichen Erörterungen die Tatumstände wirklich nachzuweisen, aus denen gefolgert werden könne, daß wirklich eine Erörterung politischer Angelegenheiten stattgefunden Hab«. Eine Erörterung des fraglichen Themas könne auch aus wissenschaftlichen Gründen erfolgen. Daß die Erörterun- gen gerade stattgefunden hätten zu dem Zwecke und in der direkte» Absicht, unter Beeinflussung der staatlichen Funktionen gerade auf diesem Wege das gesteckte Ziel zu erreichen, habe die Strafkammer nicht dargctan. Es empfehle sich, die Sache an ein anderes Gericht zurück zu verweisen, und zlvar an das Landgericht in Guben. «Der Weg nach Zion". In dem literarischen Prozeß gegen den VerlagSbuchhaudter Axel Juncker wurde gestern bor der 4. Strafkammer des Land- gerichtS III das Urteil verkündet. Landgerichtsdircktor Hesse führte unter anderem auS: Der Gerichtshof hasse zn prüfen, ob das Münzersche Buch„Der Weg nach Zion" so wie es vorliegt, auS sich heraus geeignet ist, das Scham- und Siltlichkeitsgefübl in ge- schlechtlicher Beziehung zu verletzen. Das Gericht ist an sich nicht der Ansicht, daß die Frage, ob das Buch künstlerischen Wert hat, nicht in Betracht komme. Es handelt sich bei dem Buch nicht um ein pornographisches Produkt; durch die Anhäufung der Schilde- rungcn der sexuellen Vorgänge werde die Lüsternheit des LeserS nicht aufgestachelt, die betreffenden Stellen des Buches seien dazu auch nicht geeignet. Dagegen sei das Moment der Ekelerreguug und damit auch eine Verletzung des Schamgefühls nach Ansicht des Gerichts durch zahlreiche Stellen in dem Buche gegeben. Es ist nicht zu verkennen, daß auck» die Erregung von Furcht, Schrecken und Ekel ein künstlerisches Mittel sein und als solches verwendet werden kann; die dramatische Kunst kann dieses Mittel manchmal nicht entbehren. Aber das Gericht ist nach eingehender Prüfung zu der Ansicht gekommen, daß der Angeklagte über die Grenzen deS Zulässigen hinausgegangen ist. Die Schilderung der zum Teil schauderhaften Begebnisse überschreitet das Maß des Erlaub- ten. Das Gefühl des Ekels wird auch durch die unverkennbare Tendenz des Verfassers, die verrotteten Verhältnisse in möglichst klare» Farben zu schiider», um abschreckend zu wirke:« �icht ausge- schaltet. Es ist zu berücksichtigen, daß nicht bloß e:n beliebig low- siruierter Normalmensch in Betracht kommt, es sich vielmehr um einen Roman handelt, der sich an einen größeren Leserkreis richtet, insbesondere auch an die Frauen wendet. Der Verfasser hat da» Buch„seiner Schwester Adele" gewidmet. Die Fülle der erwähnten Begebnisse und die Form, in der sie geschildert werden, sind der- artig, daß das Gefühl des Ekels selbst bei demje'-igen nicht aus- gemerzt wird, der die Tendenz des Verfassers nicht verkennt. Was die Strafbarkcit des Angeklagten als Verleger des Buches betrifft-, so mußte dieser aus Mangel der subjektiven Ueberführung frei- gesprochen werden. Dagegen hat das Gericht auf Einziehung aller vorfindlichen Exemplare des Buches, sowie Unbrauchbarmachung der Platten erkannt und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auferlegt._ Interessante Kriminalprozesse von kulturhistorischer Bedeutung. 6. Band. Verfasser: Hugo Friedländer, Gerichts- berichterstatter. Verlag von Hermann Barsdorf in Berlin. In diesem fünften Band behandelt der Verfasser zuerst das Kapitel der H c i r a t s s ch Iv i u d l e r. Die zwei gefährlichsten Heiratsschwindler, die dem Verfasser in der langen Zeit seiner Tä- tigkeit als Gcrichtöberichterstatter vorgekommen sind, waren der junge, schneidige Engländer Henri Tourville, der seine etwa um 25 Jahre ältere Gattin, die den mittellosen Tourville zum Uni- versalerben ihres unermeßlichen Vermögens eingesetzt hatte, auf der Hochzeitsreise von der äußersten Spitze des Stilsser Jochs in die Tiefe gestürzt hatte, und der praktische Arzt Dr. Braunstein- München, her augenscheinlich seine sehr vermögende Frau nur hei- ratete, um sie aus der Hochzeitsreise, zwecks Erlangung des großen Vermögens aus der Welt zu schaffen. Im zweiten Kapitel werden dem Leser in den sogenannten Ru hst r a tproz e s s en die Spielleidenschaften vorgeführt. denen in einer deutschen Residenzstadt in den„ersten" Gesellschafts- kreisen in einer Weise gefrönt wurde, daß einige Herren Spiel- schulden halber sich das Leben nahmen, andere nach Amerika aus- ivanderten. In dritter Reihe behandelt der Verfasser eine Anzahl Justizirrtümer. Im Mittelpunkt stehen die Prozesse wider die Stiftsoberin von Heusler vor dem Schwurgericht in München. Be- kanntlich wurde die Stiftsoberin im März 1903 wegen Beibrin- gung von Gift zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt und, nachdem sie die Hälfte der Strafe verbüßt, im Wiederaufnahmeverfahren frei- gesprochen. In der vierten Episode wird das Duell geschildert, bei dem Landrat von Bennigsen(Sohn des Oberpräsidenten und langjährigen Führers der nationalliberalen Partei Rudolf von Bennigsen) erschossen wurde. Alsdann wird der Totschlag eines 60 Jahre alten Schriftsetzers im Dorfe Siegers bei Könitz, nebst dem deshalb vor dem Schwurgericht zu Koni? im Januar 1904 geführten Prozeß behandelt. Dieses Vorkommnis liefert den Beweis, welche furchtbaren Verbrechen der Glaubens- fanatiSmus noch im 20. Jahrhundert in Deutschland zutage für, der» kann. Das letzte Kapitel behandelt den bekannten Vorgang der falschen Hofdame und ihres Verkleidungstriebes, bezw. die deshalb in Potsdam stattgefundcnen Prozesse. Der Verfasser führt eine Reihe interessanter Gcschlechtsmetamorphosen an, die er in seiner beruflichen Tätigkeit erlebt hat. Erpresser. Die Strafkammer in Frankenthal(Pfalz) verurteilte den Bankangestellten Friedrich Wilhelm Wehland wegen Erpressung begangen am Bankdirektor Ferdinand Hcintz, zu 4 Jahren Ge- fängnis und 5 Jahren Ehrverlust. Hcintz, mit dem Weyland in unerlaubten Beziehungen gestanden haben soll, hatte sich wegen Er- Pressungen, die Weyland an ihm verübt hatte, vergiftet. CHngcAaugene Druchfchriften. anstatt des Deulschen Holza>bc!tcrncrbandes Berlin'v 2. H. Esders& Dyckhoff GertraydtensiraS!® 8-9 B' an eSea* Pe-i™-» an dea* Fetrö-Xirchea Herren« und Knaben= Kleidunsr «am*:»..—-4 � r. Maß fertig und nach Maß. Fassende Weihnaehtsgeschenhe; ;; Anzüge:: Schlafröcke Paletots flausjoppen EiuzpJne Hosen and Westen. 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Pfd. 1.05 Holsteiner... 1.15 Eisbeine(Dickbein).... 45 pl Rehblätter..... stück 1.60-2.00 Hirschfleisch...... Pfd. 55 pl Magerer Speck...... 78 pl Spiegel- und Schuppenkarpfen(lebende)...... � 78, 85 \VsrenhaiJ5 Wilhelm Stein Chausseestrasse 70-71 BERLIN R Chausseestrasse 70-71 1,299. 28.I.JW 2. Keilllge des„DorlBris" Knliller WlksblM. 22 � � GewcrhfcbaftUcbcs. Der ad)tc internationale Gewcrhlcbaftöbericht. Seit Dem Jahre 1904 gibt der internationale Sekretär der gewerkschaftlichen Landcszentralen seinen Bericht über die Entlvickelnng der Organisationett in verschiedenen Ländern heraus. Nur langsam konnte dies schwierige Unterfangen zu einiger Vollständigkeit gedeihen, und auf der vom 10. bis 12. August 1911 in Budapest abgehaltenen siebenten internationalen Konferenz der Vertreter der ge- tverkschastlichen Landeszcntralen wurde zum erstenmal ein ge- tu isser Erfolg äußerlich zum Ausdruck gebracht, als der Beschluß zustande kain, daß der internationale Bericht vor Schluß des auf das Berichtsjahr folgenden Jahres erscheinen soll, ohne Rück- ficht darauf, ob die Berichte aller Landeszentralen zur Stelle sind. Es fehlen in der am 29. Noveniber d. I. abgeschlossenen Zusammenstellung denn auch die Einzelberichte aus Belgien, Bulgarien, Rumänien und den Bereinigten Staaten, die, wie erinnerlich, in dem erst im Frühling dieses Jahres erschienenen Bericht für das Jahr 1909 noch mit enthalten sind. Aber auch aus den Ländern, die jetzt für das Jahr 1910 berichtet haben, vermißt man wichtige Einzelheiten, so namentlich die erforderlichen Mitteilungen über das Kassenwesen. Es ist ja nicht angenehin, daß einem beträchtlichen Teil der inter- nationalen Arbeiterschaft erst das Alphabet der gewerkschaft- lichcn Organisationstätigkcit beigebracht werden muß, und so mag es denn den geschulten deutschen Gewerkschaften seltsam klingen, wenn der internationale Sekretär diesmal folgende Selbstverständlichkeiten noch besonders verkündet: „Manche LondeZzciitrale»nag dem Zahlenmaterial keine wesent- liche Bedeutimg beilegen. Die Erfahrung in den Ländern, in welchen der Statistik große Bedeutung beigemessen wird, hat ober gelehrt, daß die stattstiichen Arbeiten dieje Bedeutung verdienen. Sie haben die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter darüber belehrt, waS ist, und ihnen gezeigt, wo einzusetzen ist. Fehlendes zu schaffen, Mangelhaftes zu bessern. Es ist kein Zufall, daß die Gewerkschaften in den Ländern, in welchen die Gewerkschasts- statistik gexslegt. die größere innere Stetigkeit ausweisen. Es sind eben die Lehren der Statistik, welche bei der Arbeiterschaft die erforderliche Erkenntnisreife herbeigeführt haben." Gehen wir auf die im Bericht für das Jahr 1910 ge- gebencn Zahlen im einzelneu ein, so ist folgendes hervorzu- heben: Im Bericht für 1909 war angegeben, daß in den Ländern, für welche Zahlen veröffentlicht worden sind, ins- gesamt 9 845 249 Gewerkschaftsmitglieder vorhanden waren, gegenüber 9 908 157 im Jahre 1908. Wenn für die Länder, von denen Berichte für 1910 nicht vorliegen, die Zahlen des Vorjahres eingestellt werden, so ergibt sich eine Gesamt- zahl von 10 089 430 Gewerkschaftsmitgliedern im Jahre 1910. Von diesen entfallen auf(die Zahlen in Klamniern sind die für das Jahr 1909): Deutschland 2 638144(2 447 578). England 2347 461(2 406746), Vereinigte Staaten 1710433(1710 493), Frank- reich 977350(977350), Italien 783358(783538), Oe st erreich 451 230(455 401), Niederlande 143 850 (145000), Belgien 138 928(138928), Dänemark 123 864(121 295), Schweden 121 810(148 649). Schweiz 93 797(1 12 613), Ungarn 86 778(85 266), Norwegen 47 453(44 223), Spanien 40 984(40 984), Finnland 24 928(24 928). Bulgarien 18753(18753), Serbien 7418(4462), Kroatien 6805(4361), Bosnien-Her- z e g o Iv i n a 6269(4470). Für Australien sind ebenfalls nach den Angaben des Vorjahres 239293, desgleichen für Argentinien 22 457 Mitglieder berechnet. Die dem Internationalen Sekretariat an- geschlossenen Mitglieder der Landeszcntralen rangieren in folgender Reihe: Deutschland 2017 298, Vereinigte Staaten 1710 433, England 710 499, Oesterreich 400 565, Frankreich 400000, Italien 359 383, Belgien 102 511, Dänemark 101 563, Ungarn 86 478, Schweden 85 176, Schweiz 63 863, Norwegen 46 397, Niederlande 44 120, Spanien 40984, Finnland 15 514, Rumänien 8515, Serbien 7418, Bosnien 6086, Kroatien 5108. Die Angaben über Einnahmen und Ausgaben der Gewerkschaften sind, wie schon erwähnt worden, sehr un- vollständig, sie erstrecken sich nur auf 14 Länder mit 5 315 402 Mitgliedern; es fehlen Angaben für 5 Länder mit rund 4 500 000 Viitgliedcrn. Es lvurden in England, den Nieder- landen, Dänemark, � Schweden. Norwegen, Deutschland, Oesterreich, Bosnien, Kroatien, Ungarn, Serbien, der Schweiz und Italien insgesamt 148 635 057 M. vereinnahmt und 140 010 680 M. verausgabt. Der Vermögensbestand dieser Länder betrug am Schlüsse des Jahres 1910 zusammen 187 991 935 M. Für Unter st ützungen wurden 69 694 503 Mark verausgabt, für Streiks und Aussperrungen 27 862 400 M. Unter den Unterstützungen steht die bei Arbeitslosigkeit mit 29 416312 M. an erster Stelle; dann folgt die Kranke n u n t e r st ü tz n n g mit 21 229 155 Mark, die I n v a l i d e n u n t e r st ü tz n n g mit 8 671 314 M., die Reise n n t e r st ü tz u n g mit 4 186 499 M., Sterbe g eld mit 3 734 427 M. und s o n st i g c Unterstützung mit 2456 796 M. Steht Deutschland hinsichtlich des Pflichtbewußtseins der gewerkschaftlich organisierten Mitglieder auch so ziemlich, an erster Stelle, so doch durchaus nicht, soweit das soziale Pflicht gefühl der Unternehmer in Betracht kommt. Wie sehr nach dieser Richtung hin sich die Gewerkschaften noch Respekt zu verschaffen haben, möge der Umstand zeigen, daß in Deutschland für Ausstände 21 992 774 M. verausgabt werden mußten, in England hingegen nur 3 161 816 M. Die unverhältnismäßig hohe Ausgabe in Deutschland ist ans die Aussperrungen der Bauarbeiter, Werftarbeiter und Holzarbeiter zurückzuführen. Ist nun auch noch außerordentlich viel zu arbeiten, bis in den hauptsächlichen Kulturländern der Erde das Organisations- Wesen den Arbeitern in Fleisch und Blut übergegangen ist, so darf andererseits nicht der beträchtliche Fortschritt verkannt werden, der innerhalb weniger Jähre gemacht wurde. Im Jahre 1904 waren dem Internationalen Sekretariat erst 12 Landeszentralen mit 2 333 261 Mitgliedern angeschlossen, im Jahre 1910 hingegen 19 Zentralen mit 6212 406 Mit- gliedern.„Berücksichtigt man", so heißt es in dem vor- liegenden Bericht,„daß in den einzelnen Ländem der Stand der Entwickelung der Organisation nnd die Tendenz und die Taktik der Gcivcrkschaftcn eine äußerst verschiedene ist, so kann man von einem großen Fortschritt auf internationalem Gebiet in verhältnismäßig kurzer Zeit sprechen." Die' deutsche Arbeiterschaft aber kann stolz darauf sein, daß sie zu diesem ! Fortschritt in erster Reihe beigetragen hat und auch hier in kden meisten Stücken für die übrigen Länder vorbildlich ge- ' worden ist._ Berlin und Umgegend. Sin die organisierte Arbeiterschaft Grosi-Berlins I Die in den Kinematographen-Theatern beschäftigten Angestellten sind gezwungen, das ganze Jahr hindurch Tag für Tag, auch Sonn- und Feiertagen, sich den Theaterbesitzern zur Verfügung zu stellen. Nur zwei Tage im Jahr bilden hierin eine Ausnahme, es sind dies der Karfreitag und Bnßtag; in den wenigsten Fällen kommt noch der Heiligabend hinzu. Da nun dieses Jahr der 24. Dezember auf einen Sonntag fällt, ist aus diesem Grunde mit einem Theaterschluß gar nicht zu rechnen. Nun besteht unter den Angestellten der sehnlichste und wohl auch berechtigte Wunsch, den 24. Dezember für sich frei zu bekommen, um den Abend im Kreise ihrer Familien zu verbringen. Da bereits in einem hiesigen Verein der Theaterbesitzer die Heilig- abendfrage erörtert wurde und. weil ein Teil von ihnen an vorangegangenen Jahren angeblich an diescin Tage besonders gute Geschäfte gemacht haben wollte, trat eine Einigung ein, am 24. Dezember ihre Geschäfte offen zu halten. Um nun den An- gestellten dennoch zu dem für sie so sehnlichst erwünschten freien Abend zu verhelfen, appellieren dieselben an die organisierte Arbeiterschaft Berlins, am 24. Dezember die Kine- matographen-Theater nicht zu besuchen, damit die Theatcrbesitzer sich veranlaßt fühlen, wegen schlechten oder keines Be- suches ihre Geschäfte zu schließen. Ter Ausschuß der Gewerkschaftskommisfion Berlins und Umgegend. Der geschäftsführende Ausschuß »es ZcntralvorstandeS sozialdemokratischer Wahlvereiue. Die Brauereien und die Sonn- und Feiertagsruhe. Am 6. Dezember teilte der Verein der Brauereien Berlins und Unigegeud dem Verband der Brauerei- und Mühlenarbeitcr(Zahl- stelle Berlins kurz und bündig mit, daß er beschlossen hätte, am Sonntag, den 24. Dezember d. I., bis 4 Uhr nachmittags ausfahren zu lassen. Für den Dienstag(zweier Feiertag) war die Zeit des Ausfahrens bis 2 Uhr nachmittags fest- gesetzt, während, wie es in einer Nachschrift des Schreibens heißt, für das Ausfahren am Neujahrstage ein Beschluß dem- nächst erfolgen werde. Der Arbeiterverband erhob gegen diese Verfügung sofort Ein- spruch mit der Mollvierung, der gefaßte Beschluß verstieße gegen den Tarifvertrag. Außerdem sei es ganz unnötig, daß am Sonntag, den 24. Dezember, überhaupt Bier ausgesahren werde. Er ersuche darum, die Verfügung entsprechend ändern zu wollen. Als Antwort lief folgendes Schreiben ein: Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend. Verlin, den 15. Dezember 1911. An den Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter und verwandter Berufsgenossen, Ortsverwaltung Berlin Berlin C. 54, Mulackstr. 10. Auf Ihr Schreiben vom 8. d. Mts. haben wir folgendes zu erwidern: Der in der Sitzung des Vorstandes des unterzeichneten Vereins vom 1. d. Mts. gefaßte Beschluß stellt nichts anderes dar, als die Inanspruchnahme eines dem Vorstande des Vereins zustehenden tariflichen Rechtes. Wie Sie dem klaren Wortlaut deS Artikel B fj 8 Satz 2 des Tarifverträges vom 12. Mai 1910 gegenüber behaupten können, daß der Beschluß gegen den Tarifvertrag-Verstöße, ist m unerfindlich. Ihre weitere Behauptung, die Ausfuhr von Bier am Sonntag, den 24. Dezember d. I.,„fei durchaus unnötig", müffen wir gleichfalls zurückweisen. Für jeden mit den Bierverkausöverhältnissen Berlins einigermaßen Vertrauten muß es klar sein, daß durch die Aufeinanderfolge von drei Feiertagen die Ausfuhr von Bier am Sonntag, den 24. Dezember d. I., nötig ist. Wir erachten daher den Inhalt Ihre? Schreibens vom 8. d. M. sachlich sowohl wie im Hinblick auf die gewählte Form als unangebracht, zumal zu dem Vorstands- beschlutz vom 1. Dezember d. I. ganz außergewöhnliche, nur alle 7 Jahre wiederkehrende Kalenderverhältnisse den An- laß gegeben haben. Hochachtungsvoll Der Syndikus gez. Dr. Hermann Müller. Und Im Anschluß hieran teilte der Unterzeichnete noch in einem weiteren Schreiben mit, daß der Verein der Brauereien ferner be- schlössen habe, das Bierfahren auch am Sonntag, den 31. Dezem- ber d. IS., bis 2 U h r nachmittags zu gestatten. Die Brauereiarbeiter sind nun auch jetzt noch der Meinung, daß es unnötig sei, am Sonntag, den 24. Dezember Bier ausfahren zu lassen. Sie sind Iveiter der Meinung, daß der gefaßte Beschluß nur ein E n t g e g e n k o ni n, e n für die Schultheiß- Brauerei sei, die den Beschluß ja auch sofort durch Aushang zur Kenntnis ihres FahrpersoualS gebracht hat. Sie sind auch der Meinung daß Fahrer und Mitfahrer, die am Sonntag, den 24. Dezember nichts zu fahren haben. trotzdem am Sonntag hinausgeschickt werden nnd sei es auch nur, um leere Flaschen zu holen. Der Verband betrachtet dies als unzulässig und wird in. diesem Falle seine Maßnahmen treffen. Die Organisations- leitung, die ja selbst aus dem Brnnereiberuf hervorgegangen ist ruid auch praktische Erfahrung besitzt, hat auch nachträglich erklärt, an ihrer oben wiedergegebenen Ansicht nichts ändern zu können. Bei dieser Gelegenheit hätte übrigens der Verein der Brauereien Berlins und Umgegend beweisen können, inwieweit eS ihm ernst ist, die bei den Tarisverhandlungen gegebenen Versprechungen über„Be- schränkung des SonntagS-Bierausfahrens" einzulösen. Tie noblen Konfektionäre. Der„Eonfeetionair", das Fachblatt der Damenmäntelfabrikanten schreibt in Nr. 51 vom 2t. Dezember wörtlich: „Eine Streikliste der Damen in äntelbranche ist herumgegangen. Aber die Liste geht diesmal nicht von den Streikenden, sond-rn von den von dem Streik bedrohten Firmen aus. Diese haben sick, entschlossen, in Anbetracht des während des Streikes den arbcitslvilligen Zivischenmeistern und Heimarbeitern gewährten Schutzes, dem Polizeipräsidium für seine Beamten eine besondere Spende zu überweisen, die voraussichtlich für den Fonds zur Errichtung eines Schutzmanns-ErholungsheimS bestimmt werden wird. Dix Zeichnungen, an denen sich bisher fast alle interessierte Firmen beteiligt haben, haben bis jetzt die Summe von 1190 Mark ergeben." Da zirka 300 Firmen in Frage kommen und fast alle sich bereits beteiligt haben, so dürften eventuell noch 10—15 M. hinzukommen. Immerhin sieht man. daß die Vertreter dieser Wellbranche mit zirka 239— 309 Millionen Umsatz Gemüt haben. Ten armen Schutzleuten, die man aus Anlaß des Streiks in der Domennläntelkonfeklion ganz unnütz um ihre freie Zeit brachte, ist dadurch im weitesten Umfange geholfen, denn die Zinsen dieses Kapitals reichen ja wohl eben aus, um jedem Beteiligten zu Weihnachten ein bis zwei Schrippen zu spenden. An das Raucherpnblikum! Gedenkt bei Euren Weihnachtseinkäufen der� Bewegung der Zigarrenarbeiter I Kauft nur bei Firmen und Geschäftsleuten, die den Bestrebungen der Zigarrenarbeiter Verständnis entgegengebracht haben. Fragt nach den grünen Plakaten l Der Vertrauensmann der Tabakarveiter. Oeuttchee Reich. Neue Tarifbewegung in der Holzindustrie. Mitte Februar nächsten Jahres laufen eine Anzahl der im Jahre 1999 zwischen dem Holzarbeiterverband und dem Nrbeitgeberschutz- verband für das deutsche Holzgewerbe abgeschlossenen Verträge ab. Da die Verträge durchweg vierteljährliche Kündigung vorsahen, siiid Mitte November die Verträge von Brieg, Kassel, Eilenburg, Frank« fnrt a. M., Heidelberg. Karlsruhe, Lauban, Ludwigsbafen, Manu- heim, Neustadt a. d. Orla, Nordhausen, Nürnberg. Pforzheim und Schönlanke gekündigt worden. Beteiligt sind an dieser Bewegung in den benannten Orten nmd 9599 Arbeiter. Die Verhandlungen zur Aufstellung neuer Verträge sind zwischen den Parteien bereits aufgenommen, doch ist zurzeit noch nicht zu sagen, wie der Verlauf sein wird. Für die Holzarbeiter kommt es nach den Be- schlüssen ihres letzten Verbandstages darauf an, vierjährige Verträge zu schaffen, die natürlich den Teuerungsverhältnissen entsprechende Lohnaufbesserungen und den Verhältnissen in der Holz- industrie enisprechende Arbeitszeitverkürzungen bringen müffen. Das TarifvertragSwesen in der Holzindustrie ist auf der Grund« läge des örtlichen Vertrages aufgebaut. Die Verhandlungen finden an den einzelnen Orten nach einheitlich aufgestellten Richtlinien statt. Für de» Fall, daß sich diese Verhandlungen zerschlagen oder nicht in allen Punkten eine Einigung erzielt wird, ist eine zentrale Schiedskommission vorgesehen, der von beiden Parteien je drei Personen angehören und der die Aufgabe zufällt, in den Fällen, in denen eine Einigung bei den örtlichen Verhandlungen nicht erzielt wird, einen Schiedsspruch zu fällen und dadurch den Streit zu erledigen. Auch ist dieser Kommission die Aufgabe zugewiesen, die Vertragsdaner festzusetzen und eine Regelung der Arbeitszeiten für die in Frage kommenden Orte herbeizuführen. Kann die diesmalige Tarifbeivegung sich an Umfang mit den vorjährigen auch nickt messen, so ist sie doch bedeutend genug, um die Kräfte aller Holz- arbeiter anzuspannen. Es gilt für den Fall gerüstet zu sein, daß die Verhandlungen sich zerschlagen. Die Verhandlungen haben über- Haupt nur Aussicht auf Erfolg, wenn den Unternehmern von vorn- herein begreiflich gemacht wird, daß die Masse der Holzarbeiter hinter den Forderungen steht. Die Kräftigung des Verbandes ist deshalb eine dringende Pflicht aller Holzarbeiter. Zur Tabakarbeiteraussperrung. In der Absicht, unter den Ausgesperrten Verwirrung herbor« zurufen und sie der Unterstützung der deutschen Arbeiter zu berauben, wird das Gerücht ausgesprengt, daß in vielen Orten die AuS- gesperrten zur Arbeit zurückgekehrt seien. Diesen Gerückten gegen» über sei festgestellt, daß die Ausgesperrten an keinem Orte in die Betriebe gelaufen sind und noch gerade so geschlossen und einmütig im Ausstande stehen wie am ersten Tage. Die Haltung der Aus- gesperrten in den mehr als 129 Ortschaften des westfälischen In- dustriegebiets und in Bremen, Hamburg und Umgebung ist eine innsterhafte. Die eingeleiteten partiellen Verhandlungen haben bis jetzt noch zu keinem brauchbaren Resultat für die Arbeiter geführt. Die Aussperrung dauert fort. Vor Zuzug von Zigarrensortierern und Zigarrenmnchern nach den AuSsperrungsgebieien und vor An- nähme von Arbeit für die von der Aussperrung betroffenen Zigarren» sirmen in anderen Gebieten wird dringend gewarnt. Ist das kein TerrorismuS? In der Gegend von Schwandorf in der schwarzen Oberpfakz hat sich eine starke Industrie entwickelt; namentlich ist bedeutend die Tonwarenfabrikation. Unter den Arbeitern macht sich seit einiger Zeit eine starke Abkehr von den früher allein dominierenden christ» lichen Gewerkschaften bemerkbar, was natürlich die schwarzen Draht- zieher in die größte Beunruhigung versetzt hat. Die altbewährten Scvreckmitlel muß' u wieder in Anwendung kommen. Die Arbeiter haben sich einst zum größten Teil für den katholischen Arbeiterverein gewinnen lassen, der eine echte Zentrumsgründung ist, aber als Lockmittel eine Kraulen- nnd Sterbe- lasse hat. Dieser Verein hat sich nun als Zutreiber für die christ- lichen Gewerkschaften aufgetan und eS unternommen, die freie Gewerkschaft»iederzuterrorisieren. Nachdem man die Statuten dahin geändert halte, daß alle Mitglieder, die einer freien GeWerk» schaft angehören, ans dem Verein ausgeschlossen werden, wurde ihnen eine Erklärung vorgelegt, durch die sie unterschriftlich bestätigen sollten, daß dies auf sie nicht zutreffe. Wer sich weigert zu unterschreiben, wird ausgeschlossen und verliert dadurch alle seine Rechte an die Kranken- und Sterbekaffe, die er durch viel» jährige Veitragsleistnng erworben Hot. auch wenn nicht nachgewiesen ist, daß er einer freien Gewerkschaft angehört. Dies lvird dann einfach„angenommen". Die endlich aufgeklärten Arbeiter würden gerne den Ausschluß ans dem Katholischen Arbeiterverein hinnehmen, wenn damit nicht der Verlust ihrer Rechte verbunden wäre. Die Christlichen schreien fortgesetzt über den angeblichen TerroriSnmS der„Freien", wo sie aber in der Mehrheit stnd, üben sie selbst den schlimmsten TerroriSmuS aus._ Kampfvorbereitungen der Unternehmer im Steinsctzgewerbe. Der Arbeitgeber-ReichSverband für das SteinsetzgewerBt, d« im letzten Jahre ganz erhebliche Fortschritte gemacht hat, will unter keinen Umständen in der Bekämpfung der Arbeiter hinter seinem großen Bruder im Vangewerbe zurückbleiben. So hat auch er die Parole herausgegeben, für alle Tarifverträge das Datum de» 31. Dezember 1914 oder 31. März 1915 als Ablanftermin fest» zusetzen. Von allen Seiten werden deshalb, soweit es irgend an- geht, die laufenden Tarifverträge von den Unternehmern gekündigt eine Ersdjeimnig, die im Steinsetzgewerbe neu ist. Es ist auch mit Bestimmtheit darauf zu rechnen, daß schon baS Frühjahr 1912 ernste Kämpfe bringt; denn die Unternehmer« organisation befolgt offenbar die Taktik— da? haben die Kämpfe des verflossenen Jahres gelehrt— die Organisation der Arbeiter in jedem Falle, der sich bietet, schon bor dem Jahre 1915 in lang- wierige und opfervolle Kämpfe zu verwickeln, um sie so z» schwächen. Die Unternehmer hoffen gewiß, auf diese Weise die Entscheidungs» Ichlacht im Jahre 1915 dann uin so leichter schlagen zu können. Bis jetzt hat die Taktik der Unternehmer allerdings nur den Erfolg ge» habt, die Organisation der Arbeiter zu kräftigen. Dabei hätten gerade die Unternehmer im Steinsetzgewerbe alle Ursache, großen Kämpfen aus dem Wege zu gehen. Die Unter- nehmer rechnen bei ihren Kämpfen stets mit der Hilfe der auftrag» gebenden Behörden. Bisher hat sie diese Rechnung auch nicht betrogen; es ist ihnen der erbetene Aufschllb fast stets gewährt worden. Aber der Pferdefuß kam sehr bald zum Borschein. Die Behörden, die die Widerstandskraft der Arbeiterorganisation nicht in Rechmnig gestellt hatten, kamen durch die lang» andauernden Kämpfe sietS in Verlegenheit, und um solchen für die Zukunft vorzubeugen, haben sie dann an sehr vielen Stellen eigene Kolonnen eingestellt, um immer in der Lage zu sein, die dringendsten Straßenarbeiten unabhängig von den Kämpfen im Steiusetzgewerbe herstellen lassen zu können. Sie haben die Unternehmer vielfach selbst den Ast abgesägt, auf de»» sie saßen. Sollten sie also wirklich ihre„großen" Pläne für das Jahr 1915 verwirklichen, so kann sich das Schauspiel des Absägens dann viel» leicht in großem Maßstäbe wiederholen. Die Arbeiter haben dabei nichts zu verlieren._ Bustand. Die Lage in der britischen Bergwerksindnstrie. London. 13. Dezember 1911.(Eig. Der.) Heute, zwei Tage vor der Konferenz der Bergarbeiterfödcration Großbritanniens scheint der Generalstreil unvermeidlich zu sein. Die weiteren Berhandlungen mit den Unternehmern haben zu keinem Resultate geführt und die Sitzung, die heute das mittel- englische Einigungsanrt in London abhält, wird die Frage des Minimallobns auch kaum ihrer Lösung naher bringen. Denn in fast allen Distrikten und Grafschaften, die diesem Einigung»- amt angeschlossen sind, Haben die Unternehmer die Forderungen der Arbeiter rundweg abgelehnt. Dasselbe trifft auf Schottland, North- mnberland,� Durham und SüdwaleS zu. In SüdwalcS, wo die Scharfmacher am Ruder find, haben die Unternehmer erklärt, den Minimallohn.unter keinen Umständen" zuzugestehen. Die füdwalt fischen Kohlenbesitzer sind wohl die treibende Kraft in dem Wider stand der Unternehmer gegen die Forderungen der Arbeiter. Es heißt auch, daß sie es waren, die auf der ersten nationalen Konferenz zivischen den Vertretern der Bergarbeiter und Unternehmer Groß- britannienS eine Einigung in betreff der»abnormen Stellen" der» hinderten. Der 100 000 Mann starke schottische Bergarbeiterverband hat seinen Kongreßdelegiertcn den Auftrag gegeben, für den General« streik zu stimmen, und zwar für den Generalstreik am 1. März des nächsten JahreS. Der Generalstreik könnte frühestens am 1. Februar ausbrechen, wenn alle Verbände die Kündigungsfrist einhielten. Auf der letzten Konferenz der Bergarbeiterföderation stimmten die Schotten gegen eine sofort vorzunehmende Abstimmung über den Generalstreik und gaben den Ausschlag. Auf der Konferenz, die hier am 20. De- zcmber stattfinden wird, wird die Gcneralstreikresolution sicher eine Mehrheit bekommen. Telegramme melden: London. 21. Dezember. DaS Ergebnis der nationalen Kon- ferenz der Grubenarbeiter ist bis jetzt noch nicht bekannt. Die Sitzung gestaltete sich sehr stürmisch. Die Bezirke Mittelenglands sind Gegner des Streiks, während die schottischen Grubenarbeiter, sowie diejenigen von Northumberland, Wales und Durham Anhänger des sofortigen Streiks sind- London, 21. Dezember. Auf der heutigen Tagung des Bergarbeiterverbandes wurde beschlossen, eine Abstimmung über eine allgemeine Arbeitseinstellung wegen der Forderung eines Mindest- lohneS für alle Arbeiter unter Tage, auch die jugendlichen, statt- finden z» lassen. Die Abstimmung soll am 10. Jauuar nächsten Jahres beginnen._ Hus der frauenbewegiingr Wer zerstört die Familie? In der bürgerlichen Gesellschaft gilt die Familie als eine heilige Institution. Ihr Bestand soll nicht angetastet werden und die Zerstörung der Familie gilt als Frevel. In Zeiten der Wahl- bewegung und auch gegenwärtig wieder geht man mit den albernsten abgedroschenen Phrasen hausieren, die Sozialdemokratie will die Familie zerstören. DaS Fundament der bürgerlichen Gesellschaft der raffgierige Kapitalismus, ist jedoch unausgesetzt am Werke, die Familie zu zerstören. Tausende von Männern und Frauen des Proletariats stehen Tag für Tag fern von ihren Kindern an den Maschinen und in giftgeschwängerten Fabrikgebäuden» meist können sie nicht einmal die kargen Feierstunden, die ihnen die Ausbeutung deS Kapitalismus läßt, gemeinsam mit ihrer Familie verleben. Leidet das Familien- leben schon durch diese tägliche Trennung, den Mangel an Zeit und Ruhe, so wird es weiter aufgelöst durch die Saisonarbeit vieler Betriebe. ES gibt ganze Dörfer, ja ganze Gegenden, wo die Arbeiter im Sommer nicht zu Hause sind. Sobald der Schnee schmilzt, verlaffen die Männer da? Heimatsdorf und wandern in die Fremde nach Arbeit und Brot. Erst im Herbst kehren sie wieder zu ihrer Familie abgespannt und ausgebeutet zurück. Doch nicht nur der Vater wird, der Not gehorchend, auS dem Kreis der Familie geführt, auch halbwüchsige Kinder, die den Schutz und die Liebe der Familie so notwendig brauchen könnten, müssen auswandern, um ihr Brot zu verdienen. In Tirol werden all- jährlich hunderte Kinder über die Grenze nach Schwaben entführt, wo sie bei den Bauern Dienst nehmen müffen. Dasselbe finden wir auch bei uns in Deutschland, in dem gepriesenen Lande der Humanität. AuS einem einzigen Ort, Rügenwalde, wurden im letzten Sommer nicht weniger als 62 Kinder zu den Bauern vermietet, wofür sie 20—24 Mark Lohn für eine Dienstzeit vom 1. Mai bis Ende September erhielten. An diesen wenigen Beispielen sehen wir schon, wie die Arbeiter- familie heute auseinander gerissen wird, wie sie die Not zwingt sich zu trennen, damit sie ihren Lebensunterhalt gewinnen kann. Bei wenigen Vorgängen aber zeigt sich die Heuchelei der bürgerlichen Gesellschaft so deutlich, wie in den Fragen, die die Familie berühren. Auf der einen Seite wird gepredigt, die Familie darf nicht angetastet werden, denn sie ist die s i t t l i ch e Grund- läge deS Staates, auf der anderen Seite aber läßt man es ruhig geschehen, daß Tausende von Familien wieder und immer wieder von einander getrennt werden, daß Tausende von Kindern den Eltern und Tausende von Männern ihren Frauen entrissen werden. Die Familie zerstört die kapitalistische esellschaftSordnung und nicht der Sozialismus. Das Fraueustimmrecht in Großbritannien. AuS London schreibt man uns,: Mit dem Schluß der parlamentarischen- Session hat eine rege Agitation für das Frauenfttmmrecht in Großbritannien eingesetzt, an der sich auch die I. L. P. eifrig beteiligt. Die führende Rolle in dieser Agitation haben die beiden Minister Lloyd George und Sir Edward Greh übernommen. DaS Ministerium ist sich jedoch bekanntlich in dieser Frage nicht einig. ES ist auch mög- lich, daß sich Herr Asguith an die Spitze derer stellen wird, die die Einführung des Frauenstimmrechts bekämpfen. Einer aus Gegnern des Frauenst.immrechts bestehenden Deputation versprach er vor einigen Tagen, er wolle es sich überlegen, ob er in öffcnt- lichen Reden gegen das Fraueustimmrecht auftreten werde. Dieser Deputation eröffnete er auch, daß eine beträchtliche Mehrheit seiner Kollegen im Kabinett Anhänger des Frauenstimmrechts seien. Ter Feldzug zugunsten des Frauenstimmrcchts wurde letzten Samstag von Lloyd George und Sir Edward Grey in der Horticultural Hall in London eröffnet. Sie Edward Grey hielt eine vorzügliche Rede für dasFrauensti mmrecht. Dieser Mi- nister nimmt in innerpolitischen Fragen häufig den radikalen Standpunkt ein, und konservative Blätter behaupten sogar, daß er trotz seiner imperialistischen Ansichten der radikalsten einer unter den Liberalen sei. Wie dem auch sein mag, seine Verteidigung des Frauenstimmrechts konnte von jedem Demokraten unterschrieben werden. Seine grundsätzliche Stellung kam in folgendem Satze seiner Rede zum Ausdruck:„Solange die Frauen keine Stimme haben, können sie über Demokratie so lange reden wie sie wollen, sie können über die Regierung durch das Volk und für das Volk reden, aber die Vertretung des Volkes ist hoffnungslos unvoll- ständig." Ihm folgte der Schatzkanzler in einer charakteristisch lebhaften und optimistischen Rede. Ein Passus der Rede verdient besonderer Erwähnung. Ter Schatzkanzler sprach von den Unglückspropheten, die von der Einführung des FrauensttmmrechtS den Ruin des Landes befürchteten. So oft man das Wahlrecht in England er- weitert habe, sei eine Katastrophe prophezeit worden. Er habe sich vor kurzem damit amüsiert, die Debatten- zu lesen� die während der Beratung der Reformbill des Jahres 1832 gehalten- wurden. Da habe es einen Herrn mit dem passenden Namen C r o k e r(auf deutsch etwa: Krächzer) gegeben, der sich zu folgender Pro- phezeiung hinreißen ließ:»Aber wird das alles sein? Mit Nichten! Der Pöbel wird es immer schlimmer treiben, da er keinen- anderen Führer hat als seine Leidenschaften, denn Sie werden jeden Grund- sah in ihm ausgerottet haben, durch den die Menschheit geleitet wird. Die Anarchie mit all ihren Schrecken und all ihrem Elend wird kommen, das Verlangen nach Aenderung wird sich ständig vermehren, solange noch Nahrung bleibt, von der es zehren kann, und es wird sich zuletzt wie ein wildcS Tier niederlegen, wenn es ruhig und satt damit zufrieden- ist, alle� was eS erreichen- konnte, verschlungen zu haben." Es ist unnötig, hinzuzufügen, daß die versammelten Frauen über diese Weisheit des verstorbenen Herrn.Krächzers" in lautes Gelächter ausbrachen._ Bersammlnngcn— Veranstaltnnge«. Verein für Frauen und Mädck-cn der Arbeiterklaffe. Donnerstag, den 28. Dezember, nachmittags 0 llhr, in„Kellers Neue Phil- Harmonie", Köpcnicker Str. 90/97, Weihnachtsfeier mit Kindern. Für Gesang ist das deutsche Frauentcrzett gewonnen, ein Kasperle-Thcater und Spiel und Tanz soll die Kinder erfreuen. Erwachsene Mitglieder zahlen 10 Pf., Gäste 20 Pf., Kinder haben freien Eintritt. Zentralverband der Hausangestellten. Dienstag, den 26. Dezember, (2. Weihnachtsfeicrtag), im»Deutschen Hof", Luckauer Str. 16 (großer Saal), Weihnachtsfeier, unter Mitwirkung von Hildegard Stolle(Gesang), Margarete Koppel-Pechy (Tänze im Krinolinenkleid), Robert Koppel(Rezitation und Gesang), Rudolf Tobias(am Klavier), Wilhelm Pieck (Festrede.— Saalöfsnung 5 Vi llhr, Anfang 6 Uhr.— Da das Fest einen genußreichen Abend verspricht, wird die Arbeiter- schaft ersucht, alle Hausangestellte darauf aufmerksam zu machen und auch selbst daran teilzunehmen. Todes-Anzeigen Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitgl-cd, der Lackierer .Artur Qrimm am 20. Dezember gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, de» 23. Dezember. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Fried- doseS in R-xdors, Alariendorser Weg, aus statt. Ferner starb unser Mitglied. der Monteur 153i0 Fritz Masche am 17. b. M. Die Beerdigung findet am I Freitag, den 22. Dezember, nach- mittags Ist. Uhr, von der Leichen- halle des Zcntral-FrtcdhoscS in I FriedrichSseldc aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Drtsverwaltnng. Zentral-Kranken- nnil Sterke- kasseyentsehenWaneniiaiier Berlin X. Am 19. Dezember verstarb unser Mitglied vuslsv Vtade. Ehre seinem Andenken! � Die Beerdigung findet heute Freitag, den 22. Dezember, vor- mittags 10'/, Uhr, von der Halle der FrlcdenS-Gemeinde, Nordend. auS statt. LI 3!)b Um rege Beteiligung ersucht _ Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau KIbit Schulze sage ich allen Verwandten, Bekannten nnd Kolleginnen sowie dem Zentral- UnterstühungSvcrein der Schmiede meinen besten Dank. Der trauernde Gatte. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten Batcr» Boeldicke sagen wir allen Verwandten und Bekannten unseren herzlichsten Dank. Frau Witwe öoel-Iiclts 2138b und Kinder. Nelter-Malirer- fiuntl Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren. 1. Abt.: Am 23., 6 Uhr: Anhalter Ressource. 2. Abt.: Am 2K.. 2 Uhr: WilmerS- dorj(GescllschastshquS). 3. Abt./ 2lm 26., 1 Uhr: Baum- schulcnwcg. Am 27.: Tour wird am Start bekanntgegeben. i. Abt.: Am 23.. 1'/, Uhr: Wil- merSdors(Viktoriagarteil). Am 26., l'/a Uhr: FricdrichShagen(Gescll- schastshaus). Am 27.. VI, Uhr: Johannisthal(Biehlcr). 3. Abt.: Am 26.. 2 Uhr: Johannis- thal(Schulz).- 13/13 6. Abt.: Am 26.. Ist, Uhr: Glienicke sNordbahn), Altermann. Am 27., 2 Uhr: Schönholz(Kaslanienwäldchcn). DeulLdtcr Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unser Kollege, der Stockarbcitör Faul �Vittstock Elbinger Str. 9, im Alter von 48 Jahren gestorben Ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freilag, den 22. Dezember, noch- mittags 3 Uhr, von der Halle des Bartholomäus-Kirchhofs in Weißensec, Falkenberger Straße, aus stall. Um rege Bcteiligimg ersucht 94/11 Die OrtsverwaUung. a Für|| kWeihnaehten� Siloester II P empfohlen wir<' pbeade Spiegel- und iSehuppenharpfenil 80-100 Pf. j; Daipfliselierei-liesellselialt i; „Nordsee";! Stadtbatinliof Börse;! Sisharpfen 65" i Arbeitsnachweis: Hos I. Amt Norden, Nr. 1239. Verwaltiingsstelle Berlin Chariteiftrahe 3. Hauptbureau: Hof III. Amt Norden. Nr. 1987 Der Feiertage wegen bleibt daS Bureau an folgenden Tagen gc- schlössen: Montag, den Sa. Dezember, den ganzen Tag. Dienstag, den 26. Dezember, den ganzen Tag. Mittwoch, den 27. Dezember, nachmittags. Montag, den t. Januar, den ganzen Tag. 133/8 nie Ortsverwaltnng. und verwandter Berufsgenossen Zahlstelle Berlin. Geschäftsstelle: 0. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher: Amt Norden, 4518 Ermrbslchn-UkteljMlW, welche am Montag, den 23. und Dienstag, den 26. Dezember 1311, fällig Ist, wird am Sonnabend, den 23. d.M., und die am Montag, den I.Januar lSIZ, sällige Unterstützung bereits am Sonnabend, den 30. Dezember d. I., ausgezahlt. 48/4_ IMc OrtsvciMvaltung;. Achtnn ßl Bewilligte Bäckerei. A<-ht"ng: Die Differenzen zwischen dem Verband der Bäcker und Konditoren und dem unterzeichneten Meister sind nunmehr geregelt. Herr Skibbe verspricht, nunmehr den Tarif aus das genaueste einhalte» zu wollen. 41/19 Somit gilt diese Bäckerei wieder als bewilligt. Ter Bertraneusmann der Bäcker. Nangarder Str. Konsuntgenosseusehaft von idlershof �5"� (c. H. m. b. H.). Die Genossenschast ist durch Beschluß der' Generalversammlung vom 26. November 191 t ausgelöst Zu Liquidatoren wurden bestellt die Herren: Wilhelm Kohl, AdlerShos. B-Smarrkstr. tl: Kart JagN'-w, AdlerShos, Kronprinzensir. 20; Wilhelm Zabel.«Mershof. Bismarck- straße 11.— Sämtliche Zuschristen sind zu richten an Herrn Liquidator Wilhelm Kohl, AdlerShos, Bismarck- straße Ii. t08/lS' FordeningSberechtlgte werden auf- gefordert, ihre vermeintlichen Ansprüche bei den Liquidatoren anzumelden. AdlerShos, den 19. Dezember 1911 Die Liquidatoren: Wilhelm Kohl. Karl Jsgnow. Wilhelm Zabel. jVatban MancS 139 Stalihcr Str. 139. Die schönsten nerren-Wlnter-Paletots nölsterl und Anzüge ,0,�.','-° crstkla'siqe, aus Seide gearbciteic Garderobe, von 46721- Kavalieren getragen, säst neu, für jede Figur paffend. fvczicll Bailchanznge sind in großer Auswahl ilcis z n staunend billigen Preisen z-i dabc». >Vaiic! 139 Skaliher 2tr. 139. Hochbahnstation KvttblisrrTer. Bitte im eigenen Interesse aut Hausnummer zu achten. I U I Jcscheck- Ensemble. vorzügliches Programm. 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Tcichert Rostocker Str. 19, Lange Rostocker Str. 25, Schäfer Rostocker Str. 42, Herbst Rostocker Str. 48, Gierts Rigacr Str. 91, Schmidt Revalerstr. 13, Bruunert RüderSdorscr Str. 28, Schneider Neichcnbcrger Str. 51, Weniger Reichenberger Str. 88, DrewS Reichenbergcr Str. 199, Kapel Reichenberger Str. 155, Fischer Reichenberger Slr. 162, Btell Saarbrücker Str. 6, Gebauer Sickingenftr. 7, Arlt Sickingcnstr. 79, Schneider Salzwedetcr Str. 15, Berger Sparritr. 13, Ochl Sparrstr. 23, Ballah Swincmündcr Str. 7, Reuschei Swtneinllnder Str. 84, Säger Sonnenburger Str. 4, Grundmann Seelower Str. 11, Mehl Sokdincr Str. 19, Gras Sotdincr Str. 17. Müller Soldiner Str. 76, Zacharias Sotdincr Str. 112, Vieth Simon Dachstr. 8, Kclm Simon Dachstr. 27, Keim Simeonstr. 28, Rohde Sprengclslr. 16, Patzig Schulstr. 29 Weinert «schöiiholzcr Str. 12, Nengebauer Schönhauser Allee 59a, Flügel Schivclbeincr Str. 4t, Saalmann Schwelbeiner Str. 45, Steinhoff Schliemannstr. 29, Telschow Schlicinanuslr. 33, Dzuba Schliemannstr. 45, Fleischer Schönleinstr. 28, Ebel Schönleinstr. 29, Wcigt Stallschreiberslr. 12 a,«ochs Stallschrcibcrstr. 59, Rinke Stargarder Str. l4, Ktastly Stargarder Str. 18, Krei Stargarder Str. 53, Scholz Strcliher Str. 8, Kalmowsti Stolpische Slr. 37, Langer Stralfunder Str. 51. Grund Steltiner Str. 23, Otte Stransbcrger Str. 26, Rittcnbach Strastmannstr. 27, Weit Torcllslr. 4, Thiele Thaerstr. 52, Nicdcrmeter Togoilr. 74, Baarsch Torsstr. 29, Kläre TrcSkvwstr. 12. 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Rüdiger Baumschulenstr. 95, HallaS Baumschulenstr. 100, Boges Etsenstr. 37, Hecht Eljcustr. 110, Kulessa Grätzstr. 66, Krüger Kiesholzstr. 183, Adomak. Tegel- BorslgwaldOi Bahnhosslr. 16, Knebel Brunowstr. 49, Eicke Eg-Istr. 12, Barth Rcuschstr. 53, Sttaud» Schubert ktr. 32, Heising Scharsenbergstr. 32, Strecke». WeiBenseo. Gräblerstr. 45, Schock Gustav-Adols-Str. 24, Kohu Friedrichstr. 41, Schleicher Charlottenburger Str. 95, SiNlso» Langbansstt. 16. Gcscr Rölckeslr. 135, Olschock Strasburg Str. 19, Kauf Strasburg Str. 99, Simo» Stteuslr. 4, Junke Uckermarlstr. 19, Simon. Folsdam, Nowawca. Alte Luisenstr. 13, Weihner Alte Luisenstr. 43, Wesenberg Priesterstr. 3l. Wolter. Wilhelmstr. 59, Wernich. sichtbar angebrachte Kontrollkarte, Uletkt Solidarität! 801/18_______________________________ Verband der Z�riseurgehilfen Deutschlands, �weigverein Berlin und der Vororte. Der Vorstand. '�"Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Jnseraienteil verantw.: Td. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Luchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW, 5t. 299. 28. ZahtMz. 3.{itilnjf kä Dmörls" Jttlintt JJollisUfltt.«•>»<«<■ partci- Hncfelcgcnbeitcn. Erster Wa!>!?rcis. Heute, Freitag, abends 8l/a Uhr; Erofee Wäblerversammlung im Ca?ä Gärtner, Holsteiner Ufer 27/28. Ge- nosse Artur Stadrhagen spricht über:.Auf zur Reichstagswahl I' Tritter Wahlkreis. Montag, den 25. Dezember(erster Weih nachtsfeieriag) findet im Gewerkschaftshaus, Engelufer 16, ein Kunst abend statt. Billetts a 60 Pf. sind bei den BezirkSsührern zu haben.' Eharlottenburg. Wir machen nochmals auf die heutige Ver- fammlung bei Schulz, Kaiser-Friedrich-Strafee 24, aufmerksam. Genosse Fritz Z u b e i l hat das Referat übernommen. Anfang Uhr. Der Vorstand. Steglitz. Am Mittwoch, den 27. Dezember(3. Feiertag), findet im.Birkenwäldchen' eine Weihnachtsfeier statt, bestehend in Kinderszenen, Märchenvorführungen(Lichtbilder), Kinderreigen, Ver- losung für Kinder und nachfolgendem geselligen Beisammensein. Beginn der Feier um 6 Uhr. Kinder haben freien Eintritt, Er- wachsen« zahlen 10 Pf. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Ober-SchSneweide. Der Bezirk Ober-Schöneweide des Kreis- Wahlvereins veranstaltet am ersten WeihnachlSfeiertag, abends 8 Uhr, im Restaurant Wilhelminenhof eine Theatervorstellung:.CHarleyS Tante'. Es wird um regen Zuspruch ersucht. Eichwalde. Sonnabend, den 23. Dezember, abends 7 Uhr: Flugblaitverbreitung von Wittes.Waldschlößchen' aus. �_ Der BezirkSführer. Berliner IHacbricbten. Die Stadtverordneten tvollten ihre gestrige Sitzung die letzte im alten Jahr sein lassen, darum arbeiteten sie hintereinander die ziemlich inhaltreiche Tagesordnung auf, die ihnen vorgelegt worden war. Ueber den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, den Magistrat zu erfucksen, amtliche Wahl- karten auch für die Reichstagswahlen zu ver- senden, berichtete der Ausschuß. Sein Beschluß, der Stadt- verordnetenversammlung die Ablehnung zu empfehlen, wurde scharf bekämpft von unserem Genossen P f a n n k u ch, der noch einmal die Notwendigkeit und Ausführbarkeit der ge- forderten Maßregel nachwies. Aus den Reihen der Frei- sinnigen trat Stadtverordneter M o m m s e n für Annahme des Antrages ein, über dessen Ausführbarkeit ja der Ma- gistrat zu entscheiden haben werde. Stadtrat Düring be- hauptete, daß esjetztschonzuspät sei. die nötigen Vor- Bereitungen zu treffen. Die anderen Redner des Freisinns griffen dann diesen Einwand auf und suchten mit ihm ihre grundsätzlich ablehnende Haltung zu bemänteln. Bei der Ab- stimmung wurde mit knapper Mehrheit der Antrag des Aus- schusses abgelehnt, so daß der Antrag unserer Ge- nassen angenommen war. Die Gegner protestierten, ober auch die Gegenprobe, die ihnen bewilligt wurde, brachte kein anderes Ergebnis. Trösten werden sie sich mit der Hoff- nung, daß der„nicht vorbereitete" Magistrat die Ausführung verweigern werde. Ueber den Bau der Untergrundbahn Nord- Süd. dessen endlicher B�inn angeblich nahe bevorsteht, wurde gestern noch einmal debattiert. Ein Antrag der Freisinnigen forderte für die Bauleitung eine besondere Organisation, die den Stadtverordneten einen Einfluß auf die Bauausführung sichern sollte. Gegen diesen im letzten Augenblick aufgetauchten Plan wandte sich mit großer Entschiedenheit und merklicher Gereiztheit der Oberbürgermeister K i r s ch n e r. der dreimal hierzu das Wort ergriff. Er befürchtete neue Verzögerung und be- anspruchte im übrigen für den Magistrat grundsätzlich das Recht, allein die Verantwortung für die Bauausführung auf sich zu nehmen. Auch die sozialdemokratische Fraktion erklärte sich gegen den Antrag. Genosse H e i m a n n. der ihren Standpunkt kurz darlegte, sprach lebhaftes Bedauern darüber aus. daß der Bau leider nicht in eigener Regie der Stadt ausgeführt werden soll. Der Antrag wurde schließlich abgelehnt. Im weiteren Verlauf der Sitzung kam es zu einer aus- gedehnten Eröterung über die Licht- und Luftbäder. Der Magistrat will sich nicht entschließen, solche einzurichten. Sein Redner. Stadtrat Venzky. ließ gestern merken, daß er wohl selber noch nicht hinreichend darüber unterrichtet ist, was Licht- und Luftbäder sind. Interessant war, daß er sogar die„sittlichen" Bedenken streifte. Ein Antrag der sozial- demokratischen Fraktion, der den Magistrat in bestimmtester Form aufforderte, Einrichtungen dieser Art zu schaffen, wurde vom Genossen W e y l ausführlich begründet. Die Debatte endete leider mit Ablehnung. Von weittragender Bedeutung ist der Beschluß, eine Sammelvormundschaft über die vom 1. April 1312 ab geborenen unehehlichen Kinder ein- zuführen. Die Vorlage des Magistrats wurde nach kurzer Debatte angenommen, ohne daß erst Ausschußberatung für nötig gehalten wurde. Für die sozialdemokratische Frak- tion sprach hierzu Genosse Bruns. Er hob hervor, daß die Stadt Berlin auch aus diesem Gebiete wieder erst anderen Gemeinden nachhinkt._ Anstaltsgeschenke. Zu keiner anderen Jahreszeit wird mehr geschnorrt als in den vier Wochen vor Weihnachten. Es wimmelt bei uns von„Tartüfss", die unter dem Deckmantel des Edelmenschen- tunis sich in ein möglichst warmes Nest setzen. Die zähe LeistilngSsähigkeit dieser aalglatten Lebenstalente wird mr- gends mehr gefürchtet als in der Geschäftswelt. ES hat einer besonderen allgemeinen Abwehr bedurft, um die übertriebene, systematische Weihnachtsbettelei sich einigermaßen vom Leibe zu halten. Die Unverfrorensten hält das nicht ab. mit er- staunlicher Hartleibigkeit weiter zu schnorren. Nicht bloß auf Geld, auch auf die Warenbestände ist es abgesehen. Mehr oder minder gemeinnützige Institute, die große Vermögen aufgespeichert haben, verschmähen es nicht, diesen gangbaren Weg zu beschreiten. So kommt es. daß in zahlreichen An- stalten bei den Weihnachtsbescherungen wieder auftaucht, was die Geschäftsleute sich abzwacken lassen, um bloß die Ouäl- geister loszuwerden. Mit wenigen Ausnahmen ist es freilich „Bruch", eine Sonderausstellung von Ladenhütern, meist Un» verkäufliches und Fehlerhaftes, das zum Schenkungszweck zurechtgeflickt wird. Die guten, brauchbaren Sachen, die der Geschäftsmann hingibt, verkrümeln sich unterwegs. Oeffent- liche und andere Anstalten unter behördlicher Leitung oder Aufsicht müssen in dieser Beziehung natürlich zurückhaltender sein. Hier gibt es wohl überall„Weihnachtsfonds", deren Höhe sich gewöhnlich nach den Ersparnissen richtet. Erspar- nisse... wovon? Verhältnismäßig selten ist in den An- staltsetat ein bestimmter Betrag für die Weihnachtsbescherung eingestellt. Er muß also erst künstlich geschaffen werden, wenck nicht eine bestimmte Stiftung für diesen Zweck einige Mittel enthält. Und vielfach sind es die Anstaltsinfassen selbst, die aus ihrer Hände Arbeit die„Ersparnisse" auf- fammeln, sich sonach höchsteigenhändig befchenken. In den Berliner Krankenhäusern gibt es seit Jahr und Tag ein paar Strümpfe. Auch wer schon halb die Reise ins Jenseits ange- treten hat, wird auf die Socken gebracht. Extravaganter sind die städtischen Irrenanstalten. Hier bringen ja die arbeit«. fähigen Patienten dem Anstaltssäckel alljährlich viele Tausende ein. Indes läßt sich anerkennen, daß die Verwaltungen auch weitgehenden Wunschzetteln möglichst Rechnung tragen. Geschenke im Werte von dreißig Mark und mehr sind keine Seltenheit. Weniger schön ist es. wenn der all- mächtige Oberpfleger die Runde bei den Bettlägerigen macht und sie wie am einstigen Mühlendaniin in einen niit Rosen- straßenkram gefüllten Sack greifen läßt. Würdig geht es in den Waisenhäusern zu. wo die kleinen Elternlosen in der Regel schon von Hanse aus nicht vertvöhnt sind. Im Berliner Nachtasyl hat die Schenkerei, die auch danach war. seit einigen Jahren ganz aufgehört, und nur noch im Familienobdach wird verhältnismäßig angemessen beschert. Könnens auch brauchen, die hier auf gut Wetter warten und sich einen eigenen Weih- nachtsbaum unter freiem Himmel schmücken müßten. Reich gedeckt ist gewöhnlich der Weihnachtstisch solcher Anstalten. die unter Protektorat stehen. Wie manch einer drängt sich danach, hier seine Freigebigkeit vor den Augen der hohen Protektorin leuchten zu lassen. Man kann sa nicht wissen, wieviele Zinsen dieses Wohltun trägt. Bloß der„Racker von Staat" ist ziemlich knauserig. Ob chm der Tannenbaum, den er in der Anstaltskirche seinen Gefangenen wie eine Fata Morgana vor die Nase setzt, nicht zu teuer wird? Talmiglanzl Den Denkenden, der feine Zeit versteht, überläuft ein eisigkaltes Gefühl bei diesem Sammelsurium von Menschen liebe. Heute werden sie in gemessener Entfernung vor ein Phantom Glück gestellt, die Enterbten des Glücks, morgen wieder in den Abgrund gestoßen. Wie läßt doch der Dichter seinen scheinheiligen Heuchlertypus in die Welt gellen?„Alle sind sie Tartüffsl Alle— ob in schwarzen Gewändern, ob vor Heiligen kniend, vor schönen Weibern oder vor ihrem Egoismus."_ Kündigung von MietSverträge». Vermeidung doppelter MietSzahlnng. ES gibt gesetzliche und vertragltche Kiindigungsfristen. Die gesetzlichen Kiindigungsfristen gelten in all den Fällen, in denen keine andere Kiindiguiigsfrist vereinbart ist. Bei Miels- Verträgen, in denen es z. B. heifet:„Der MietSzin» beträgt pro Jahr 860 M.. zahlbar in monatlichen Raten van 30 M.', kann, wenn nichts anderes vereinbart ist, die Kündigung zum Schluß jedes Kalender Vierteljahres erfolgen-, die Kündigung niufe spätestens tfm dritten Werktage dieses Vierteljahres dem VeriragSgegner zugehen. Heifet eS jedoch z. B. in dem Miels- vertrage:.Der MielSzinS beträgt pro Monat 30 M.', so ist die Kündigung für den Schluß jedes Kalendermonats zulässig! die Kündigungserklärung mufe spätestens am 16. des Monat« dem anderen Vertragsteil zugehen. Häufig ist im MietSverträge gesagt:.Wird das VertragSver- hältntS nickt 3 Monate und 3 Tage vor seinem Ablaus gekündigt, so gilt der Vertrag als aus 1 Jahr— oder'/, Jahr— verlängert.' Auch hier mufe der kündigende Teil dafür Sorge tragen, daß der BertragSgegner mindestens 3 Monate und 3 volle Tage vor Ablauf de« Vertrage» die Kündigungserklärung erhält. Also bei Verträgen mit einer solchen Kündigungsklausel, die zum 1. April endigen sollen, mufe die Kündigung dem Vertragsgegner bereits am 28. Dezember zugehen: es wird in solchen Fällen— da gering- fügige Verzögerungen der Poslbehörde dem Absender zur Last fallen— am zweckmäßigsten, die Kündigung bereits am 27. De- zember zur Post gegeben. Während des Laufes der vertraglichen oder gesetzlichen Kündigungsfrist mufe der Mieter zu den im Vertrage bezeichneten, anderenfalls zu den ortSüblichenTageS- zerten die Räume Mierslust igen zum Zwecke der Be- sichtigung zur Verfügung halten. AIS ortsübliche Zeit gelten die Tagesstunden von 10 bis S Uhr an Werktagen, von 10 bis 2 Uhr an Sonntagen. Bei Todessällen des Mieter» haben dessen Erben, in Fällen, in denen das Grundstück versteigert wird, hat der Erstehet da» Recht, ohne Rücksicht auf die vertragliche KündigungS- zeit, das Mieisverhälmis zu dem gesetzlich— siehe oben— zunächst zulässigen Kündigungstermin aufzukündigen. Verstreicht dieser Termin, ohne daß von dem Recht Gebrauch gemacht worden ist, so gilt für die Folge die vertragliche Kündigungsfrist. Erdeben z. B. tn Fällen der Abtretung der Miete, der Pfändung derselben oder der Anordnung der Zwangsverwaltung mehrere Personen Anspruch aus die Miete, so kann der Mieler. um fich nicht derGefahr der Doppelzahlung auszusetzen. den MietzinS bei der amtlichen Hinterlegungsstelle, das ist für Berlin und die nächsten Vororte die Kasse der königl. Ministerial-, Militär- und Baukommission, Jnvalidenstr. 62, hinterlegen. Die Interessenten sind von der erfolgten Hinterlegung in Kenntnis zu fetzen. Nächtliche Stürme und Ueberfchwemmungen. Ein selten häß- licheS Weihnachtswetter hat sich in der verflosienen Nacht eingestellt. Schon in den Abendstunden setzte ein starker Regen ein, der nach Mitternacht zeitweise solche Güsse aufwies, dafe es an mehreren Stellen zu Ueberfchwemmungen kam. In der Uorckstrafee drangen die Wassermengen über die Bürgersteige hinweg und machten die letzteren sowie den Fahrdamm unpassierbar. Der Strafeeulbahn- verkehr hatte unter den Ueberflutungen nicht unerheblich zu leiden. Auch im Innern der Stadt kam es vielfach zu Ueberschwemmungem In der Jnvalidenstrafee drangen die Wassermaffen über die Bür- gersteige hinweg in Kellerräume.— Der heftige Sturm, von dem die Regenschauer begleitet waren, hat ebenfalls Schäden angerichtet. Auf den Weihnachtsmärkten am Bellealliancepiatz sowie am Arkona- platz wurden einige Verkaufsbuden durch den Orkan umgeworfen und demoliert. Von den Häufern wurden Dachziegel losgerissen und aus die Slrafee geschleudert. Auch Schilder wurden herunter- gerissen. Ferner ha! der Sturm wieder ziemlich erbeblichen Wind- bruch in den Parkanlagen und in den Forsten der Umgebung her- beigeführt. Die Deputation für die städtische» Fach- und Fortbildungsschulen hat beschlossen, vom 1. April 1012 ab die sogciiamiten ungelernten Arbeiter(Lausburschen, Kontorburschcn. Arbe'ISburscken usw.) nicht mehr wie bisher nach ihrer jeweiligen Arbeitsstelle, sondern nach ihrer Wohnung einzuschulen. Die zurzeit bereit» eingeschulten Lehrlinge und ungelernten Arbeiter werden von dieser Maßregel nicht betroffen, fi« bleiben nach wie vor bei der Schule, in deren Bezirk ihre gegenwärtige Arbeitsstelle liegt. Eme Umschulung innerhalb des Schulhalbjabres findet in keinem Falle mehr statt, ausgenommen, wenn ein Schüler in einen anderen Berus übertritt. Diese �.'lenderung wurde notwendig, weil ein Teil der Arbeitsburschen im Semester oft vier- bi« fünfmal ihre Arbeits- stelle wechselte und auch eventuell ebenso oft umgeschult werden mußte. Nach Durchführung der Maßregel wird sich der Unterricht in den Arbeiterklassen ebenso fruchtbringend gestalten, wie dieS in den LehrliiigSklasscn bereits der Fall ist. Hauswirtschaftlicher Unterricht in der Gemeindeschul«.> Aus dem Rathause wird berichtet: In der letzten Sitzung der städtischen Schuldeputation wurde unter anderem die Frage erörtert, ob der fakultative Hauswirtfchaftsunterricht für a l l e Kinder der 1. Klasse vom Jahre 1913 ab eingeführt werden soll. Bisher hat der Verein„Für das Wohl der schulentlassenen Jugend" mit städtischen Unterstützungen diefm Unterricht in 21 Schulküchen erteilt. Die Deputation be- schloß, diesen Unterricht vom 1. April 1913 ab an allen Ge- meindeschulen einzurichten. Bis zu dem Termin werden sämtliche Schulen mit entsprechenden Küchen ausgestattet werden. Diese Maßregel ist nur zu begrüßen. Neues bringt sie nicht, denn in anderen Städten, beispielsweise in unserer Nachbarstadt Charlottenburg, besteht in den Gemeindeschulcn diese Einrichtung bereits, nur mit dem Unterschiede, daß alle die Kinder, die das letzte Jahr die Schule besuchen, daran teilnehmen müssen. Das wäre auch in Berlin sehr nötig. Ter Kochunterricht muß in den Lehrplan aufgenommen werden, muß also im Gegensatz zu der Absicht der Schuldeputation obligatorisch fein und zwar nicht nur für die Kinder der ersten Klaffe. Die Berliner Schulverwaltung sollte sich die Charlottenburger Einrichtungen zum Vorbild nehmen. Die vom Berkehr fast abgeschnittene Gegend des Berliner Nordens zwischen Stettiner und Nordbahn, eine der swönsten um Berlin, soll nun endlich bessere Verkehrsverhältnisse erhalten. Die erst nach EberSwaldo geplante Gürlelbabn von Oranienburg soll nach Bernau gelegt werden Diese neue Linienfiihrung wird für die Gegend, bc- sonders aber für Oranienburg und Bernau, sowie für die Ortschaften an der Reinickendorf— Liebenwalde—Grofe-Schönebecker Bahn von der gröfeten Bedeutung sein. Sie sind jetzt arg vernachlässtgt und daher in derEntwickelung Himer vielen anderen zurückgeblieben. Dre Kleinbahn nach Liebenwalde'mit ihren hohen Tarifen, wenigen Personenzügen kann al« modernes Verkehrsmittel für die Dauer kaum in Frage kommen. Würde man die Berkehrsverhälwisie auch nur einigcnnafeen bessern. dann würde die Entwickelung ganz bedeutend vorwärtsschreiten und den vielen tausend Erholung suchenden Berlinern nahe, bequeme und prächtige Erholungsstätten an den Seen und in den Wäldern um Wandlitz geschaffen werden. Besonders für die arbeitende Bc- völkerung wäre es eine grofee Errungenschaft, wenn ste billig und bequem nach dem Liepnitz kommen könnte. Jetzt ist eS umständlich, teuer und zeitraubend. Die Wirkung billiger Tarife usw. kann man am besten an der Nordbahn studieren. Sie ist jetzt viergleisig und trotzdem plant man den Bau einer Schnellbahn vom Wedding nach Frohnau, um den Verkehr zu bc- wältigen. Die Bewohner wünswen deshalb die Verstaatlichung der Reinickendorf-Liebenwalder Bahn und den Bau einer Verbindungs- bahn Oranienburg-Bernau. damit die arg vernachlässigte Gegend»m Norden endlich für den Verkehr erschlossen wird. Ei» Opfer des SturmeS ist der 69 Jahre alte Bahnarbeiter Hermann Oehl aus der Memeier Straße 79 geworden. Als er auf dem Bahnsteig de» Wriezener Bahnhofes stand, warf ein heftiger Windstoß ihn so unglücklich um, daß er aus die Schienen fiel, gerade in dem Augenblick, als ein Zug nach Wriezen' auslief. Der Ver- unglückle geriet unter den Zug und wurde«m Kopse so schwer ver- letzt, dafe er aus der Stelle unter den Händen eines Bahnarzte«, der gleich gerufen wurde, verschied. Die Leiche wurde einstweilen im Dienstgebäude geborgen und später nach dem Schauhause gebracht. Oehl hinterläfet eine Frau und drei erwachsene Kinder. Rülselhafte Explosion. Unter der Brücke am Mühlendamm, dicht am Gebäude deS städtischen NahrungSmiNel-UntersurdungSamtS, er» folgte Mulwochnacht im Wasser eine heftige Explosion mit zwei starken Erschütterungen. Dabei schoß ein mächtiger, etwa vier Meter höher Feuerstrahl aus dem Wasser empor, und die ganze Gegend wurde aus kurze Zeit in eine dichte Rauchwolke gehüllt. Man rief die Feuerwehr herbei, die auch sofort anrückte und eine sorgfältige, bisher noch ergebnislos verlaufene Untersuchung anstellte. Waffendicbe suchten gestern früh daS Geschäft von KleszezewSki in der Friednchstr. 66 beim. Der Geschäftsmann wohnt feit 14 Tagen in einen, anderen Hause, während er früher binler dem Laden zu schlafen pflegte. Diese Gelegenheit und daS stürmische regnerische Werter, bei dem die Slrafeen menschenleer waren, benutzten gestern in der siebenten Morgenstunde Einbrecher zu einem Beulezuge. In die Ladenscheiben schlugen sie mit einem harten Gegenstand ein 20mal 40 Zentimeter großes Loch, durch das sie dann für 2000 M. Revolver und Browningpistolen, alles wertvolle Waffen, herailSnahmr». Der Bestohlene ist versichert. Ein weiblicher KaiitlonS- und SdopttonSschwindler, der den männlichen nicht ohne Erfolg Konkurrenz machte, wurde von der hiesigen Kriminalpolizei festgenommen. Eine 83 Jahre alte Frau Berta Semmler aus der Pettenloferstraße, die schon wiederholt wegen allerhand Schwindeleien bestrast wurde, benutzte sogar ihren Autenthalt im Gefängnis, um neue Streiche vorzubereiten. So machte sie sich bei Verbüßung ihrer letzten Strafe' an eine Mit- gefangene heran, von der sie erfahren hatte, dafe fie Geld besaß. Nach ihrer Entlasiung besuchte ste diese Frau, die schon vor ihr in Freiheit gesetzt worden war, und teilte ihr mit, dafe sie lohnende Beschäftigung für ste habe. Sie habe ein Garderobe zu vermieten. könne sie aber nur an jemand geben, der imstande sei, 200 M. Bürg- schaft zu stelle». Die Frau, die ihrer früheren Mitgefangenen volle» Berttauen schenkte, ging darauf ein und war ihr Geld loS. Nach diesem ersten neuen Erfolge suchte die Gaunerin eme Dame auf. von der sie gehört hatte, dafe sie sich um Beschäftigung bewerbe und schwindelte ihr vor, dafe fie in HeringSdorf eine Pension besitze und für diese eine HauSdame suche. Diese Stellung bot fie ihr an, und da ste alle Verhältnisie im rosigsten Lichte schilderte, so griff die Dame gleich zu, stellte sofort die Bürgschaft und fuhr nach Herings- dorf hinaus, um sich ihren künftigen Wirkungskreis einmal anzu- sehen. Sehr enttäuscht kehrte ste bald zurück, nachdem fie vergeblich nach der Penston gesucht hatte. Zu Hause fand fie eine zweite unau- genehme Uebcrraschung:Z(die einstweilen zurückgelassenen Sachen hatte die Gaunerin unterdessen gründlich durchsucht. Au» dem aus- ?ebrochenen Reifekorb hatte sie aufeerj anderen Sachen auch ein Spar- afienbuch über 800 Mark mitgenommen. Die Bestohlene machte sofort Anzeige, die Diebin war ihr aber zuvorgekommen und hatte da» Geld bereits abgehoben. Mit dieser Beute fuhr die Schwindlerin nach anderen Badeorten weiter. In Zinnowitz lernte sie ein Ehepaar kennen, das gern ein Kind gehabt hätte. Sie spiegelte ihm vor, dafe sie einS zu vergeben habe. Sie nannte ein Dienstmädchen in Berlin, dafe ein Kind verschenken wolle, zeigte auch Briefe und da« Bild de« Kindes, nahm dem hocherfreuten Paar eine Gebühr ab und verschwand. Als die Leute in Berlin das angegebene Mädchen in seiner Wohnung aufsuchten, ergab sich, dafe dieses niemals Mutter gewesen ist. Diese und andere Unzeigen veranlafeten die Kriminal- Polizei, die Gaunerin aufzuspüren, und gestern gelang cS ihr, sie in ihrer alten Bekannten zu ermitteln und festzunehmeo. TcfchSstsembrecher ftarem auch in den letzlen. Nächten wieder eifrig an der Arbeit. In das Pu�geschäst �von Cillh Krieg in der Blumenstraße 1 drangen sie mittels Nachschlüssels ein und stahlen außer verschiedenen Stolas, Muffen, Röcken und Federn ein Fahr- rad im Werte von 130 M. Dies trug die Fabrikmarke„Borau". Insgesamt stahlen die Diebe Waren für über 1000 M.— Aus dem Laden des Schneidermeisters Hugo Sonnabend in der Alexanderstratze 30, in den sie ebenfalls mittels Nachschlüssels ge- langt waren, schleppten sie für über SOO M. Hosen- und Kleider- sioffe heraus. Sie verwüsteten sodann noch den Laden und ent- iamen unbemerkt. Zwei weitere Geschäftseinbrüche wurden in vergangener Nacht in der N e a n d e r st ra ß e verübt. In das Herrenartikelgeschäft von Paul Nathansohn im Hause Nr. 8 ließen sich die Diebe ein- schließen, dann öffneten sie eine Tür mit einem Nachschlüssel, aus einer anderen schnitten sie die Füllung heraus. So gelangten sie in den Laden, stahlen hier für über 1000 M. Wäsche oller Art und cutkamen mit der Beute unbemerkt. Im Hause Nr. 9 öffneten die Diebe mit einem Nachschlüssel den Schaukasten des Herrenartikel- gcschäfts von Hermann Müller und räumten aus diesem die dort ausgestellten Oberhemden, Kragen und Krawatten. Auch dort hat man die Einbrecher nicht gesehen. Für 1000 M. Straussenfcdcrn erbeuteten Warenschjwindler, die cS darauf abgesehen zu haben scheinen,, die Weihnachtszeit auszu- nutzen. Es handelt sich um zwei junge Männer und ein Mädchen, die Hand in Hand arbeiten. Einer der Männer mietete in der Steglitzer Straße ein möbliertes Zimmer auf einige Tage, bezahlte für 3 Tage, erzählte, daß er gcfchäftlch in Berlin zu dun habe und später das Zimmer wahrscheinlich für längere Zeit mieten werde. Dann ging er gleich weg und kam erst am anderen, Tage wieder. Diesmal brachte er den zweiten jungen Mann und das Mädchen mit. Unterdessen hatte er in einer Straußfederngroßhandlung in der Potsdamer Straße für 1000 M. Federn ausgesucht und zur endgültigen Auswahl nach seiner Wohnung bestellt. Als ein Lehr- mädchen mit der Ware kam, schickte die Bande es unter dem Vor- geben, daß die Auswahl noch nicht groß genug sei, noch einmal zu- rück. Gleich darauf gingen alle drei mit der Beute weg und ließen . sich nicht wieder sehen. Vorsichtiger war das Laufmädchen einer Pelzwarenhandlung eine Stunde vorher gewesen. Es sollte eben- falls noch mehr Pelze holen, behielt aber die mitgebrachten und bewahrte so ihr Geschäft vor Schaden. Die Bande wird, ohne Zweifel auch an anderen Stellen mit ihrem 5fniff noch arbeiten. Der bei dem Brande des Zigarrrngeschäfts von Rothe in der Gervinusstr. 6 swwer verletzw Otto Rothe ist im Krankenhaus Westend an den erlittenen Verletzungen gestorben. Nach dem Warenhause von W. Wertheim, Potsdamer Straße 10— 13, würde heute abend gegen � Uhr die Berliner Feuerwehr alarmiert. Dort zerschlug im Materialkeller der Hausdiener Claffer einen Ballon Schwefelsäure. Er hatte die Absicht, hiermit Feuer anzulegen. Als ein Glück muß es betrachtet werden, daß die Schandtat sofort bemerkt wurde und somit größeres Unglück tki dem regen Weihnachtsverkehr verhütet wurde. Die Polizei erschien am Tatort und nahm den Täter fest. Die Fegevwehr beseitigte die Gefahr, ohne daß das Publikum beunruhigt wurde, oder der Geschäftsverkehr irgendeine Unterbrechung erlitt. Vorort- J�Äcbndrten. Charlottenburg. Die Stadtverordneten hatten am Mittwoch in gemeinsamer Sitzung mit dem Magistrat die Wahl von acht Provinzial- landtagsabgeordneten vorzunehmen. Da vorher zwischen den Fraktionen und dem Magistrat ein Einverständnis erzielt war, konnten die Wahlen in einem Wahlgang �njslzsiv., WwaM wurden Oberbürgermeister Sckustehrus, Bürgermeister Mat- ting, Stadtrat Dr. I a f f ä, Kämmerer Schal tz und die Stadtv. Kaufmann slib.), Dr. H u b a t f ch(un�l,), O. t t o(lib.). Da, B o rcha r d t OSoz.). Mit dem Genossen Dr. Börchardt zieht der erste Sozialdemokrat in den Brandenburger Provinziallan�tag ein. Die Stadtverordnetenversammlung, die letzte in diesem Jahre, hatte eine reichhaltige Tagesordnung zu erledigen; es galt, mit allen Vorlagen und Anträgen, soweit sie spruchreif waren, aufzuräumen. Beinahe einstimmig ersuchte die Versammlung den Magistrat, die Wähler durch eine besonders Benachrichtigung auf die bevorstehende Reichstagswahl hinzuweisen. Ob der Ma- gistrat dem Antrag beitreten wird, erscheint freilich zweifelhaft. Stadtrat Seydel gab nämlich die Erklärung ab, daß der Magi- sirat sich bereits mit der Frage beschäftigt, aber beschlossen habe, von der Versendung von Einladungen abzusehen. Die von dem Magistratsvertreter angeführten Gründe wurden von den Stadt- ! erordneten Mosgau, Will(Soz.), Bollmann und Dr. v. Liszt als nicht stichhaltig widerlegt; insbesondere wiesen alle Redner darauf hin, daß die Kosten, die der Magistrat auf 0600 M. schätzt, keine Rolle spielen dürfen. Ein weiterer, von der liberalen Fraktion eingebrachter Dring- lichkeitsantrag betras die Teuerungszulagen. Durch diesen Antrag wird der Magistrat ersucht, der Versammlung schleunigst eine Vor- läge zu unterbreiten, durch welche in Anbetracht der Teuerung vieler Lebensmittel den Beamten, Angestellten und Arbeitern der Stadt, soweit sie ein Einkommen von nicht mehr als 2000 M. jähr- lich beziehen, eine einmalige Beihilfe gewährt wind. In der Begründung wies Stadtv. Meyer ilib) auf die von anderen Gemeinden Groß-Berlins getroffenen Maßnahmen und auf die Teuerung der Preise für alle Nahrungsmittel hin, die außer von den cxtremagrarischen Kreisen von niemanden geleugnet werde. Bürgermeister Mat ting sprach sich gegen den Antrag aus, ein- mal, weil nach der Statistik des Magistrats die Teuerung nur ge- ring sei, und zweitens, aus finanziellen Gründen. Die Verwirk- lichung des Antrages würde 270 000 M. erfordern. Außerdem zahlt der Magistrat seit dem 1. Dezember an die bisher am schlech- testen bezahlte» Arbeiter bereits höhere Löhne, er habe den Stun- dcnlohn auf 12 Pf. für ungelernte Arbeiter erhöht, so daß der Tagelohn bei 9 Stunden 4.05 M. ausmache. Stadtv. Hirsch wies darauf hin, daß er in der Deputation zur Beratung von Maßnahmen gegen die Lebens- mittclteuerung selbst in Verbindung mit Herrn Stadtv. Meyer einen Antrag in gleicher Richtung gestellt. Daraus gehe hervor, daß seine Freunde mit dem Antrage grundsätzlich einver- standen seien. Redner bedauerte das ungewöhnlich langsame Ar- beiten der Deputationen in Charlottenburg. Bei den Beschlüssen der Teuerungskommission werde, das stehe schon jetzt fest, nichts herauskommen. Die Zahlen des Herrn Bürgermeisters Matting hielten nur bei oberflächlicher Prüfung stand. Die agra- rischen Kreise würden sich fteucn, wenn sie hören, daß ein Magi- stratsvertreter von Charlottenburg gleich ihnen die Teuerung leug- ncte.(Lebhaftes Sehr richtig!) Die amtliche Statistik zeige deutlich, wie gewaltig die Teuerung sei; auch jede Hausfrau sei ' imstande, dem Magistrat den Beweis für die Teuerung zu er- ' bringen. Erfreulich sei es, daß sich bei den Arbeitern der Magi- strat zu einer Lohnerhöhung entschlossen und nicht mit Teuerungs- zülagen begnügt habe, tleberall um Charlottenburg herum wür- den solche Zulagen gezahlt; zu Weihnachten den Angestellten eine solche zu zahlen, sei ja nicht mehr möglich. Dann inöge es aber wenigstens recht bald geschehen. Er bitte dringend, dafür zu sor- gen. daß Charlotkcnburg nicht hinter den anderen Kommunen zurückbleibe.— Nachdem von anderer Seite die Teuerungszulagen grundsätzlich bekämpft und statt dessen Gehaltserhöhungen befürwortet worden, gab Bürgermeister Matting Auskunft über die bisherigen Beschlüsse der� Teuerungsdeputation. Hiernach wird der Magistrat mit der Gesellschaft für Einrichtung von Volks- -Kaffee- und-Spcisehallen wegen Errichtung einer solchen Anstalt im Zentrum der Stadt in Verbindung treten und nach Abschluß der Verhandlungen eine entspreckende Vorlag« der Stadtverord- nckenversammkung zugehen lassen.— Der Antrag wurde sodann mit großer Mehrheit angenommen. Zu lebhaften Auseinandersetzungen führte die Mitteilung des Vorstandes der Versammlung betr. Kontrolle über die Aus- führung der Beschlüsse der Stadlverordneten- Versammlung. Der Vorstand hat den Magistrat unter an- derem gefragt, ob und wann er eine bereits vor drei Monaten ein- gereichte Interpellation des Stadtv. B o l l m a n n beantworten wolle, die das Bierverbot der Beamten in den Diensträumen be- trifft. Der Magistrat hat erwidert, daß es sich hierbei um eine von dem Oberbürgermeister in seiner Eigenschaft als Magistrats- dirigent erlassene Anordnung handle, über die der Versammlung ein Kontrollrecht nicht zusteht. Durch diese Antwort beantragte der Vorstand die Anfrage für erledigt zu erklären. Hiergegen wandt» sich Genosse Hirsch, der es als unzulässig bezeichnete, icf dieser Weise Interpellationen aus der Welt zu schaffen. Wenn er auch sachlich mit dem Interpellanten nicht übereinstimme, so wolle er doch, daß das Jnterpellationsrecht der Stadtverordneten hochgehal- ten werde. Ganz abgesehen von der Nichtachtung, die darin liegt, daß der Magistrat nach drei Monaten erst noch einmal angefragt werden muß, ob er eine Jnterpelltion beantworten wolle, müsse die Jnnehaltung der Bestimmungen der Geschäftsordnung verlangt werden. Er beantrage deshalb, die Angelegenheit in richtiger Form auf die Tagesordnung einer Sitzung zu setzen und dann nach den Bestimmungen der Geschäftsordnung zu erledigen. Diesen Aus- fiihrungen schlössen sich Redner aller Fraktionen an, während Ober- bürgermeister Schustehrus für den Magistrat das Recht in Anspruch nahm, selbst zu entscheiden, in welcher Form er eine An- frage beantworten wolle. Schließlich gelangte der Antrag Hirsch einstimmig zur Annahme. Im iUörigen erledigte die Versammlung noch eine große Reihe von Vorlagen, die aber kein allgemeines Interesse böanspruchcn, sowie eine Anzahl von Petitionen, die sich auf die Regulierung des Charlottenburger Ufers, auf die durch die Gasanstalt I hervorge- rufenen Rauch- und Rußbelästigungen, auf die Festsetzung eines Bebauungsplanes für Neu-Westcnd beziehen und sämtlich nach den Anträgen des Petitionsausschusscs erledigt wurden. Die erste Sitzung im nächsten Jahre, in der die neu- und wiedergewählten Stadtverordneten eingeführt werden, findet am Mittwoch, den 10. Januar, statt. Rixdorf. Wegen plötzlicher Erkrankung einiger Schauspieler gelangt am 2. Weihnachtsfeiertage nicht„Meyers", sondern„Das fünfte Rad" zur Aufführung. Die verkaufteni Billetts haben hierfür Gültigkeit. Programme werden am Saaleingang gratis verabfolgt. Für die Theaterbesucher bedeutet dieser Wechsel keinen Nachteil. Die Hand- lung des Stückes„Das fünfte Rad" spielt in Rixdorf. Inhalt und Darstellung des Stückes geben Gewähr, daß die Zuschauer voll und ganz auf ihre Rechnung kommen. Wir weisen noch darauf hin, daß die Bücherausstellung in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 49—20, nur noch bis Sonnabend, täglich Von 4 Uhr ab geöffnet ist. Diejenigen Parteigenosse� welche die Ausstellung noch nicht besucht haben, mögen die Veröfsenllichung im„Vorwärts" vom 13. d. Mts. lesen- Eine Besichtigung ist in jedermanns Interesse zu empfehlen. Der Bildungsausschuß. Die Feuerwache in der Erkstraße soll zu einer Automobil' Wache hergerichtet werden Dort soll ein Automobil-Lvschzug- bestehend aus einer Gasspritze mit Mannschaftswagen, einer Danipf- spritze und einer Automobil-Drehleiter untergebracht werden, wo- durch die Feuersicherheit von Rixdorf eine wesentliche Erhöhung er- fährt. Die Turmleiler wird von der„N. W in Ober-Schöne- weide geliefert und soll Anfang de» nächsten Jahres in Dienst gestellt werden. Stieder-Schöneweide. Eine WeilvlachtSseier veranstaltet der Turnverein„Oberspree' (M. d. A.-T-B) am ersten WeihnachlssKertagr,' abends 7 U&r, im Restaurant Hasselwerder. Die Feier besteht in Konzert, humoristischen Vorträgen, turnerischen Aufführungen und Thealer. Freunde und Gönner der freien Tmiisache sind hiermit freundlichst eingeladen. Billetts sind bei den Mitgliedern für 30 Pf. zu haben. Pankow. Dir durch de» LildungSauSschuß im Gewerkschaftshause aus- gestellten Bücher und Schriften sind sämtlich durch die Spedition, Mühlenstr. 30, zu beziehen. Dort befinden sich auch zum sofortigen Ankauf und zur Besichtigung eine große Auswahl guter Kinder- und Jugendschriften, sowie Bilder zur Schmückung des Arbeiterbeims. In der Ferienzeit wolle man die Kinder darauf hinweisen, daß sich iin Orte Ausgabestellen für Jugendschriften befinden»nd zwar: Mühlenstr. 30 in der Spedition, Brehmesir. 60 im Zigarrenschäft und Kaiser-Friedrickistr. 66, II Eingang parterre, bei Walter. Die Ausgabe dieser Jugendschriften, Märchen, Erzählungen u>w. erfolgt unter den bekannten Bedingmigen, das Lesen ist vollständig kostenlos. Die Mitglieder des Wahlvereins wollen die zur Verfügung stehende Freizeit dazu benützen, die Bibliothek des Wahlvereiiis. Mühlenstr. 30, recht oft in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig sei mitgeteilt, daß die Gemeindebibliothek, die sich im Rathause befindet, gute sozialistische Lektüre aufweist, die seinerzeit aus Antrag der Ge- meindevertreter dritter Klasse angeschafft wurde. Neinickendorf-Ost. Eine Märchenvorlesung veranstaltet der BildungSauKschuß der Partei am Weihnachtsheiligabend(Sonntag, den 24. Dezember), niachmittags 2 Uhr, in den„Hubertussäleu", Provinzstraße 77— 79, unter Mitwirkung der Künstlerin Fräulein Maria Holgers. Die durchaus populär-künstlerische Veranstaltung ßollte alle Partei- genossen und Genossinnen veranlassen, ihren. Kindern die Teilnahme zu ermöglichen, um so mehr als der Eintrittspreis auf nur 19 Pf., also so niedrig wie möglich bemessen ist. Billetts sind noch bei den Bczirksführern und am Tage der Veranstaltung an der Kasse zu haben. Liibars-Waidmannslust. Zu der letzte» Gcmeindevertretcrsitzung hatten sich wieder zahl- reiche Gemeindeangehörige als Zuhörer eingefunden, stand doch die Entscheidung darüber, ob für oder gegen die Erweiterung der Dr. Leonhardschen Anstalt aus die Tagesordnung. Die beiden Orts- vereine sowie der Grundbesitzerverein hatten um Ablehnung petitioniert. Die Kommiision. welche gewählt war. um das Beickiwerdematerial zu prüfen, konnte aber auf Gntnd desselben der Gemeindevertretung die Ablehnung nicht empfehlen. Beschlossen wurde gegen 3 Stimmen die Erweiterung abzulehnen. Der Gemeindevorsteher teilte mit, daß die Kommission, welche den Seefisch- und Kartoffel- einkaus vorzubereiten halte, mil HermSdorf gemeinschaftlich gelagt und beschlossen hat, den Einkauf von Seefische» nickt zu befürworte», dagegen aber zu empfehlen, Gelder für den Kartoffeleiulaiss zu bewilligen. Dem Antrage des Gemeindevorstehers, hierzu 700 Marl bereit zu stellen, wurde zugestimmt. Genosse Luscher sprach noch den Wunsch aus, daß nunmehr die Sache schneller von statten gehen möge, als wie bisher, da sonst die ganze Aktion durch Witterungs- Umschlag in Frage gestellt werden köimte. lieber das sonderbare Verfahren, wie mitunter Anträge unserer Genossen bebondelt werden, konnte man in dieser Sitzung Studien machen. Der erste Antrag will denjenigen Gemeindeaiigehörigen, welche am 1. Jamiar 1912 noch nicht ein Jahr in dem Geineiiidebezirk Lübars wohnen, auf Grund der ZZ 41 und 42 der Laiidgemeindeordiiung das Gemeinde- recht verleihen. Der zweite will die Zahl der Gemeiildeverordiietc» vom 1. April 1912 ab auf zwölf erhöht wissen. Der dritte wünscht neue Fluchtlinienfestsetziliig für die Paiallelstraße, da dieselbe iu der jetzigen Breite für die Zukuuft dem Berkehr nicht genügt. Diese drei Anträge wurden 10 Tage vor der Sitzung eingereicht, kamen aber trotzdem nicht mit auf die Tagesordnung. Nun glaubten unsere Genossen, der Herr Gemeindevorsteher würde unter „Geschäftliches" mitteilen, was er mit diesen Anträgen zu tun gedenkt, darin hatten sie sich aber gründlich getäuscht. Gen. Kestm mußte erst nach dem Schicksal der Anträge fragen, um als Dntwor zu erhalten, daß die Anträge erst geprüft würden und dann auf die Tagesordnung kämen. Es ist charakleristisch, daß man den Gemeinde- verordneten sechs Stunden vor der Sitzung eine Rachtragstages- orduuiig ins Haus schickt, welche noch dazu einen Antrag enthält, der einigen Grundbesitzern Vorteile verschafft und wozu die Gemeinde- Vertretung Gelder bewilligen soll. Aber die Anträge unserer Ge- Nossen, welche zehn Tage früher eingesandt sind und die für die Allgemeinheit von Interesse sind, setzt man nicht auf die Tages- ordmmg._ Versammlungen. Genossin Rosa Luxemburg ersucht uns um Aufnahme folgender Zuschrift: „Zu dem Bericht über meine Versammlung im ersten Wahlkreis möchte ich die folgende kurze Bemerkung nachtragen: Völlig uner- wähnt ist in dem sonst so sorgfältigen Bericht ein Passiis meiner Rede geblieben, wo ich, auf die Frage unseres Verhaltens im Kriegs» falle eingehend, entgegen den Aeußerungen unserer Fraktion im Reichstag erklärte, kein ernster Politiker könne zwar im voraus ver- sichern, die Sozialdemokratie würde im Kriegsfall einen Massenstreik machen, genau so wenig könne aber erklärt werden, wir würden in diesem Falle keinen Massenstreik machen. Im Gegenteil sei eS zu hoffen und zu wünschen, daß früher oder später Kriegsgelüste sowohl in Deutschland wie in Frankreich einem entschlossenen Nein der Volksmaffen begegnen. Ich weiß wohl, daß nicht jede Rede im ZcmmgSbericht berücksichtigt werden kann und kümmere mich sonst wenig um Berichte. Ich glaube jedoch, daß eine Erwähnung in diesem Falle notwendig ist, 1. weil gegen- würtig die imperialistische Gefahr, also auch alles, was sich auf die Friedcnsaktion des Proletariats bezieht, im Vordergrund der Agitaiion steht, und 2. weil der betreffende Passus meiner Rede von einer so demonstrativen, minutenlangen Beifallskuildgebung der große» Versammlung begleitet war, daß es klar war: auch die Ver- saniniluiig hielt die Betonung der uncrichiuterlichen Friedensabsichten der Sozialdemokratie für den wichtigsten Teil des Referats. _ R. Luxemburg. 1 Hus aller Alelt. Nnubanfall auf offener Ttraffe. Mit ungewöhnlicher Dreistigkeit haben vier Räuber in Pari? einen Ueberfall auf einen Kassenboten des Bankhauses Societe.Ge- nerale durchgeführt. Als der Kassenbote gestern vormittag den Montmartre passierte, wurde er von vier Leuten überfallen, durch Revolverschüsse verwundet und seiner Tasche beraubt. Die Räuber flüchteten in einem Auto» mobil, das auf sie gewartet hatte, und trieben die sie verfolgende Menge mit Revolverschüssen zurück. Die Tasche soll 20 000 Francs in Banknoten und für 100000 Franc» Wertpapiere enthalten haben. Der Freisinn unter dem Hammer. In Löwenberg, zum Wahlkreise des Fortschrittlers K o p s ch gehörend, bestand seit langen Jahren ein demokratischer Klub, der die Bilder verschiedener freisimiiger Größen sein eigen nannte. Wegen deS Hin- und Herschwankens der Liberalen kam eS auch im Klub zu Differenzen, die mit der Auflösung desselben endeten. Ucber das Klubinventar, d. h. die Bilder, lam keine Einigung zustande. ES wurde beschlossen, sie zur öffentlichen Versteigerung a u S z u b i e t e n. Gesagt, getan. Inserate in den Lokalblätterir kündigten an, daß die Bilder der freisinnigen Größen im„Schwarzen Adler" unter den Hammer kommen sollen, lieber die Preis«, die dabei erzielt wurden, gibt folgende Notiz im Löwenberger.Bürger» und Hausfreund" Auskunft: Versteigerung. Bei der heut Montag stattgesimdenen öffent» lichen Versteigerung von Bildern freisinniger Abgeordneter seitens des Bürgervereins wurden folgende Preise abgegeben: V i r ch o w(ein größere» Brustbild) 4,20 M., Eugen Richter 1,20 SR., Friedländer 60 Pf., I u li u» K o p s ch 2,60 M. Das AnsangSgebot für letzteres war doppelt und betrug 5 Pf. Ganze 6 Pfennige waren also für Kopsch das AnsangSgebot. Sicher von Leuten abgegeben, die ihn genau kennen. Und da» m seinem eigenen Wahlkreise. Armer Kopsch I Schwerer Sturm im Kanal. Ein heftiger Sturm wütet seit zwei Tagen im Kanal Die Dampfcrvcrbiildungen zwischen der englischen und französischen Küste sind vollständig unterbrochen oder erleiden erhebliche Ber» spätungen. Zahlreiche Schiffe mußten zum Schutze englische Häfen a»Iausen. Man verzeichnet bereits schwere SchisfSun fälle. In der Nähe von F o l k e st o n e sind drei Fischerboote an den Strand geworfen worden, es gelang die Mannschaft zu retten. Die telegraphischen Verbindungen mit Frankreich sind voll» st ä n d i g u n t e r b r o ch e n, so daß in der vergangenen Nacht keine Telegramme zwischen Frankreich und England ausgetauscht werden konnten. Kleine Notizen. Ein Werk Leonard» da Vincis? Wie ein Telegramm au» Madrid meldet, hat die Frau eineS spanischen Deputierten ein Elfeiibeii'kruzifix, das ihre Mutter vor 26 Jahren für fünfzig Pesetas erworben hatte und das sich nun als ein Werk Leonardo da Vincis herausstellte, an einen amerikanischen Millionär für 626000 Pesetas verkauft. Ein Deutscher in Petersburg überfallen. Der sächsische Staat?» angehörige Gustav Ritsch er. Mitbesitzer eine» Petersburger Haiidclsgeichäfts, wurde bei einem Raubüberfall auf sein Kontor lebensgefährlich verwundet. ClngeFsngene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit« Ist soeben das 12. Heft des 30. Jahrganges erschieucn. Aus dem Inhalt deS Heftes beben wir hervor: Noch lange "'cht genug!— Die Strasrechtswlssenfchast gegen die Arbcitcrllassc. Von Sicgscied Weinberg.— Die Biehzucht in den landivirtfchastlichcn Evoiz. und Klcinbewiebcn. Von Jakob Piletzly.— Zur Statistik der NcichstagS- wählen. Von g. Feuilleton der Neuen Zeit Nr. 43: Pariser Museen. Von John SchikowSki. Der Klasienkampi ans der Bühne. Bon Julie Romm. Die„Neue Zeit" eilcheiiit wöchentlich einmal und ist durch alle Buch» Handlungen, Postaiistallcii und Kolporteure zum Preise von 3,25 Nl. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 2ö Pf. Marktpreise von Berlin am 20. Dezember 1911, nach Ermittelung de-; König!. PolizeipiöiidiimiS. Marktballenpreise.(Kleinhandel), 100.Kilogramm Erbten, gelbe, zum Koche» 30,00— 50,00. Speisebobnen weihe, 40.00- 00,00. Linien 40,00- 80,00. Kartoffeln 8,00—11,00. 1 Kilo. gramni Rindffciich, von der Keule 1.60— 2,40. Rindfleisch, Banchsteilch 1,20 bis 1,80. Lchivciiicileilch 1,20— 1,80. Kathfleffch 1,50—2,10. Hammelfleisch 1,30-2,20. Butter 2.60- 3,20. 60 Stück Eier 3,80—6.10. 1 Kilogramm Kaipsen 1,20-2.10. Aale ILO— 2,80. Zander 1.10—3,60. Hechte 1,20 bis 2,60 Barsche 1.00—2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0.80—1,40. 60 Stück Krebse 2,10-24,00.___ BSetterprognofe für Freitag, den 92.-Dezember 1911. Ein wenig kubier, zeilweiie auskl irrend, vorwiegend trübe mit Nieder» schlügen und jkrnüch starken jüdwejllicheu Winden. Lcrliuer Setterburea». Theater und Vergnügungen 000 Freitag, 22. Dezember 1911. Anfang l'l, Uhr. K. Opernhaus. Der Rofenlavaiier. K. Schauspielhaus. Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Neues. Die kleine Freundin. Deutsches. Turandot. -vaverland. Spezialitäten. .'Zirkus Busch. Gala-Vorfiellung. Zirkus Schumann. Gala- Bor- stellliiig. Ansang 8 Ubr. Urania. Daube, iftrahe 18119. Von Meran zum Ortler. Kammerspiele. Nathan der Weise. Kurfurslenoper. Geschlossen. Berliner. Die Ahnengalerie. Lesfiiig. Das weile Land. Noiniietie Oper. Nigolctto. .Vrue« Slbanivieltlaus. Gcschlossm Westen. Fatinitza. Ltcfidenz. Ein Walzer von Chopin. -.lienes Overetlen. Geschlossen. Kleines. LottchenS Geburtstag. Gentz und Fanny Eltzler. Erste Klasse. Hoaenjos. Schiller v. Don Carlos. SrUiNrk- lkvarlottendurg. Ma- dame San Gene. Fricdr.- Wilh. Schauspielhaus. Bonaparte und seine Frauen. Königgrilher Strafte. Geschlossen. Siose. Faust I. Teil. •Wierru. 0 Die Nacht von Berlin. Lustspielhaus. Die VergnligungS- rcise. Trianon. Geschlossen. Thalia. Polnische Wirtschast. Luisen. Geschwssen. tkasino. Der Kamps umS Dasein. Slt>oUo. Svezialiläten. Niaiiage. Svezialiläten. Herrn selb. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Firma. Vtrichs, allen. Stcttiner Sänger. Königstadt-Kastno. Spezialitäten. Wiiltcrgarren. Spezialitäten. Anfang H'lt Uhr. Nolles vupricr. iviandelblüth'S Polterabend. Walhalla. Teufel, daS hat ewgel schlagenl Noack. Geschlossen. LInsaiig 8lla Uhr. Neues Bolkotheater. Leidenschaft. Belle-Zllliance. Die schöne Kokotte. Intimes. Der Brandflister. Sternwarte, Jnoalidcnstr. 57—62. tiatser-Panorama. II. Reise in Bosnien und Herzegowina. Die sonnige Pjalz a. Rh. Schiller- Theater OÄ« Freitag, abends 8 Uhr: Don Carlos. Sonnabend, abends 8 Uhr: Daskerailc. Sonntag: Gcschlosse«. Schllier-Thealer Freitag, abend? 8 Uhr: DaUaine Sans tZdn«. Sonnabend, abends 8 Uhr: DI« Wildente. Sonntag: Gcschlosse»»._ Berliner Theater. AbendS 8 Uhr: Die Üthnengalerie. TdMiiillefWgMek'Me heute geschlossen. Neues Theater. 7>/, Ubr zum erstenmal: Tie kleine Frcnndin. Louison Frltzi Masaary. Theater des Westens. 8 Ubr: l'atlnitza. Sonnabend und Mittwoch nachm. 4 Uhr: Max und Moritz._ Residenz-Theater. Dircktion Richard Alexander. Heute 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Monlag u. Dienstag(l. u. 2. Weih. nachtSselertag) nachm. 3 Uhr: Die Dame von Maxim. Abends 8 Uhr: _ Giu Walzer von Chopin. Belle-älllsnce-Theater AbcndS d'/z Uhr zum erstenmal! Die schöne Kokotte. Burlesker Schwank in Z Akten. Lnisen-Theatcr. Freitag wegen Probe geschloffen. Sonnabend nachm. 4 und abends 8 Uhr: Wie Klcin-Clse das Christkind suche» ging. |OSE=THEATE Große Frankfurt e, Str. 13" AbendS 8 Uhr: kraust(!. Teil). Sonnabend 4 Uhr: Eiskönig und Goldpriuzeftchcii. 8 Uhr: Jaust. Tlrsnia. V�issönseliÄktliokss Ipsadör. 8 Ulrr: Von Heran zum Order. Abends ab 8 Uhr. Die grofte» Spezialitäten. 9 Uhr: Harry Waiden im Brettlkönig. HSHPM Noch nie dagewesener Lachersolg: Das Kind der Firma. Hierzu: Schmerzlose Behandlung. An allen 3 Weihnachtsabenden W- Phö Kind der Firma und: Schmerzlose Behandlung. Tonntag, den 31. Dezember er.: Z5 Große Silveffer- � � ZiorSellnng � von 8 Uhr abends bis 4 Uhr früh. Ricsen-Lachprogramm orig. Art: Ha» llinö See firme. SclimerrloiS Sestsnlilung. Orig. Klabrias- Partie. Fest-Prolog Fanfaren-GruS. 2 Ubr früh: Silvester- Kabarett. 2�1 ff 4,44» für sämll Vorstellun- schon zu haben. toggs-Möl. Das große Festprogramm. Der Triompli der Soliönheil! Lebende Kunstwerke Ciaire Waldoff Der tapfere Herr Ängstlich Burlesk-Sketch mit Georg Kaiser n. W. Qoldmann in den Hauptrollen und 13 Varictb-Sensatlonen. Während der Woihnaohts- ferien vom 17. Dez. bis inkl. 7. Januar: Volkstage. Jedermann ein Kind frei. Jedes Kind erhält ein Geschenk. Bei den Feuerfressern. Leiicm!! Lebend k Die wilden EaMauas Karawane sudanesischer Heul- und Feuer-Fakire in ihrem Originaldorfo. Ohne Dxtra-Entrce. Dolks-Cheater. Rixdorf, Hermanilstr. 20. Montag. 25. Dezember: Wohltäter der Menschheit. SchauspieJ in 3 Allen von Felix Philippi. DienSlag. 26. Dez.: 20 00« Mark Belohnung. Gelangsposse in vier Akten von L. Treptow. Mittwoch, 27. Dezember: Herthas Hochzeit. Lustspiel in 4 Akte» von Max Benistcin. Triauon-Theater. Heute: Geschlossen. Sonnabend 8 Uhr zum erstenmal: Da» h leine Cafe. Adfm&ybpak&t Am Betabotf rtkrtk&Üfessc: Melropol-Tlieater. Die M von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Mufik von B. Holländer. Fn Szene geseht vom Dir. N. Schulh. «nsang 8 Uhr. Rauchen gestatlet. K�is-Vroi»». Von 19 Uhr an geöffnet. »Sg Xaclinilttnps:' V'j KEilitär- Konzert. Um S'/j Uhr: Das Weihnachtsmärchen Schneewittchen. Abend»"tzBÄS Das prachtvolle Eisballctt: Alpenzauber Dlekleine Charlotte Apachentänze— Pushballspiel. Bis 6 Uhr und von ilP/, Uhr an halbe Preise. Restaurant ersten Ranges. Zweiter Wahlkreis» Montag, den 25. Dezember 1911(1. Weibnachtsfeiertag): �5 �5 Linter-fest inKliemsFestsäle n,||{in de» Viktoria=Br a uerei, Hasenheide 12—13: I Lützow-Straßo 111—112: Konzert ausf�ihrt Berliner Sinfonie-Orchester»Ä Volkssänger- Gesellschaft j Konzert-Sänger Herr Gerhardy.| Paul Bauer. 212/12 Ij�oh dem Konzort: GfOßei* Ball. Herren zahlen 50 Ff. nach. Anfang 6 Uhr. Eintritt 30 Pf. Garderobe 10 Pf. Der Vorstand. G G Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner fleiehstags-Wahlhreis. Montag, den 25. Dezember(I.Weiimactitsfeiertag), in denPtiarussaienJDIIerstr. 142 W eiliiiaclfttisfeler unter gefl. Mitwirkung des Kabarett-Hnscmbles Panl Flieener vom Linden- Kabarett und der KonzertkapcIIe Brnno Zlanxer. Nach der Feier: Großer Ball.== Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pfennig nach. ErMfoung 5 Ubr. Anfang 6 Ubr. EinlaOkarte 40 Pfennig. Garderobe 10 Pf. Da» Komitee. Montag, den 25. Dezember(1, Weihnachtsfeiertag) im Moabiter Gesellschaftshaus WiclefstraOe 24(großer Saal) Kabarett- Abend ausgeführt von den „BerBivtep Rangen"(Dir. R. Fliegner) Nach der Vorstellung: Tanz.===== Daran teilnehmende Herren zahlen 50 Pfennig nach. ErOffnnng O Uhr. Anfan« 7 üh*. Hänchen während der Vorstellung nicht gestattet. Einlaßkarte 40 Pf. Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. I Zirkus ü A. Sdminaim Freitag, 22. Dezember, 7'/, Uhr: Reichhaltiges Programm und Marino PhSnomenaler Automohilakt. Ein Auto kommtin schneUstcm Tempo in die Manege gefahren. Marino stemmt selbiges mit zwei Händen hoch. Die Motoren arbeiten mit voller Kruft. Gewicht 1550 Pfd. Marino läßt sich von einem Auto mit 6 Personen ohne Beihilfe überfahren. Jeder kann selbst sein Auto bringen u. Marino überfahren. 9'/. Uhr: Die große Feerie in 5 Bildern» 1000 Jahre auf dem Meeresgrund Sonntag, 24. Dezember, nachmittags 81/, Ubr, nnr eine Nachmittags-Vorst. Ulidgets Town Hauptstadt von Liliput mit Ihren TO Bewohnern FrledrlchstraBe 165, in den Räumen von Castans Panoptikum. Geöffn. von 2 Uhr nachm. bis 10 Uhr abends. Entree Inbegriffen Variete- und heitere Unterhaltungs-Vorstclluneen. I Mark. Zirkus Eitra-Entree. Zirkus Extra-Entree. MordsGaudl) ber-Bayern irr* Sporf-Palasl Potsdamepstr, 7ß. Heute Anfang 8 Uhr abend*. Eintritt 60 Pf. Tanz— Rodelbahn— Tcnfel.rad usw. Drei Musikkapellen— Kambergers berühmte Orlginal-Oherländler-Truppe. Reiclishallen-Theater. Vest-Soiree der SletünerSänger zum Besten einer Weihnachts- bescherung Hilfsbedürftiger. Der volle Ertrag, ohne Abzug welcher Koste» kommt dem wohltätigen Zweck zu gute! Anfang 8 Uhr. irgend Boigt-Theater. Gesundbrunnen Badstrafte 58, Freitag. Sommbend und Sonntag: UCE' Gcschlosse». �9*3 Montag, 25. Dezember(1. Feiertag) � 3 Nhr: Judenfamilie. 8 Uhr: Haubenlerche. Dienstag, 26, Dezember(2. Feieriag) 3 Uhr: Eine tolle Nacht. 7 Uhr: Goldonkcl. Mittwoch. 27. Dezember(3. Feiertag) 8 Uhr: Franenliebe. Üäsinö�Theäitep Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Novität k Novität! Da-5 Sensatlons-LustsPiel Der Kampf ums Dasein! tagen 8>/, Sträflings. An beiden Feiertagen 8'/. Uhr: Die Tochter deS Strä�" Königstadt-Kasino. Ecke Holzmarkt, u. Alexanderstraße Vom 16. Dez. bis 1. Januar. Tägl.'1,8 Uhr: Das erstklassige Spezialitätcn-Progr. u. das gr. Volksstück in 2 Bildern Goldene Träume. Folies Caprice. Täglich e>/4 Uhr: Maudtldiüths polterllbtnd. Losgelassen. Maffenllbung. Pirkas Ma�vl»! Heul«, abends 7'/, Uhr: Humoristischer Gaia-Ahend. Die berühmten Menschenaffen Iflax nnd Jlovit». Komiker Oelbosq mit«i kom dressierten Elefant Baby. Herr Ernst Schumann, Neu dressuren. Normann• Telma. Heotor und Loletta. Um 9'/« Uhr zum 73. Male; Origin.' Ausstattungsstück des Zlrbum Bumch in 5 Bildern Sonntag, 21. Dezember: Geschlossen. Montag, 25., Dienstag, 26. und Mittwoch, 27. Dezember: Je 8 gr. Vorstellungen S'/i Uhr nachm. u. abends 7'/., BerlineryiK-Tno aixdorl-Berlin. W Lalmstr.74.i- u ... s Düektion: Willy Cremei. Heute letzter Tag. Morgen II Das prächtige Weihnachts- Programm. Noacks Theater. Direktion: Robert Dill. Berlin N.. Bruniicustraße 16. Heute: Geschloffen. An allen drei Feiertagen i Große Festvorstellung. Berliner amorfluflrteR Gg. Ireaer hfi Gg. Ireaer �([Sastaiiieullecio SARMSANI bringt große Trupps von Tripolitanern und Türken von Indianern und Cowboys von Japanern und Chinesen 4 Schulreiter und 4 Schulreiterinnen die 20 besten Clrcusreiter n. Reilkünstlerinnen der Welt 15 erstklassige Clowns und Auguste Ein Ungarncorps Ein Bersaglierlcorps M den etfteu«nee! «e»ft6Ie groBe Posten gt btaiwitti Maß.Pa etol« und mfier, log. Monui«garo«rove. Für jed« Figur(auch f*tb«a Dies« Sachin sind teils in siinsten Werkftälten tauch aus Si" �....W»------. iedi ,u»olginden'"" Herr.'Paletots 8.U0, 12.4)0, 16.00, 18.00k starlstiN Herrn) paslend" auf Lager. früderer«nlchastunaSprit» dl» iZv! M. eid«) gearbiittt. Serren-Ulster ackett-Anzttge i.(Oonil 10.-12- 16- 20— M. jc 9.-12- 14— 19— M. jc Verleihung von»leg. Fr»» »up». Ooiedütt! Gr. Frankfurter Str. 116," d- Rock-Anzüge 12- 16— 20— 22—«. jc Gehrock-Anzüge 16— 19— 22— 25— M. jc. Herren-Hofen 2— 3— bis 6.— u.«SesellschafrS-SinzLsi», drea.st� IL GetohUti Gkasiilttlr. 89, in. üesohsit: Jägerstf. 11. Eisenwarenhandlnng Artur Waigel Frnnkflirf�r AIIpa 1�� Ecfee BUederbarnlm-Str. liailKluncr Alice lOO Vl».a-»i8 der ProsUauer StraBe. ----------- Haus- und Küchengeräte.- Schlitten. 5 Prog. 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