Ar. 30S. Rtönncmcnts-Bedlngunsfn: •TSoimemcntä- PrnZ pränumerando i vicrlcljährl. 3£0 MI, Mona!!. 1,10 MI, wöchenllich 2s Pfg. frei in? Haus. Einzelne Nummer ö Pfg, Sonnlays. nummer mil illuslricrler Sounlags. Beilage.Die Neue Well" 10 Psa, Poll. tibonnemcnl: 1,10 Marl pro Monat. Eingerragen in die Posl-Zeilungs- Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrig- iiuslond S Mar! pro Monat, BostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänen, arl, lbolland, Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. VI« iRferficnj'Grtttljf Beträgt für die lechSgespalte»- Kolonel- zeile oder deren Raum CO Plg„ für politische und gcwerlichaslliche Verein?- Und ZZersaminlungS.Ai, zeigen SO Pig, t Kleine anieigen", da? fettgedrull-e Sott 20 Pfft, fzulässig 2 settgedrurkte rZorle), jede? weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlasstcllcn.ln. zeigen da? erste Wort 10 Pfg. jede? weitere Wort ö Pfg, Worte über IZ Auch» stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nuiiuucr Mutten bis b Uhr nachmittag? in der Expedition »paegebcn werden. Die Expedition ul bis 7 Uhr abend? geöffnet. Ofittlnt Kzl!» uBer niontagt. Bevlinev VolksblÄtt» Zcntralorgan der rozialdemokratifcbcn Partei Deutfchlanda. relegramm-Udresse: .S»Uldch zu dem 3ie- sultat, daß. so sehr ich überzeugt bin. daß in der heutigen Gesell- schaft die Tätigkeit, die Notlay« des Nebenenenschen auSylckeuten, sonst ringsum bestehen bleibt, ich doch trotz aller meiner Bedenken mich mit der Vorlage befreunde. Ich wiederhole, ich habe große Bedenken gegen die Rechtsprechung, weil der Richter daS richtige Verständnis für daS lrvs Wucher ist, nicht hat. Aber trotz aller Bedenken erkläre ich, daß' ich hier, wo mir die'roheste und abfcheu- lichfte Form der Ausbeutung entgegentritt, zur Beseitigung dieser Form beitragen will. Ich halte daS Gesetz fiir ein solche?, daS den Aermeren vor dem Reichen so viel als möglich schützen soll und welches eine Rücksichtnahnit zu sein scheint auf die öffent- tiche Meinung, die wir in den vergangenen Jahren durch unsere Agitation, indem wir ja fortwährend auf daS Unrecht der AuS- beutung des notleidenden Menschen aufmerksam machten, hervor- gerufen haben. Ich werde also für daS Gesetz stimmrn." Dementsprechend stimmte Kahsrr und stimmten sämtliche so- zialdemokratischen Abgeordnete, Sie bei der Abstimmung zugegen waren, für das Wuchergesetz vsm Jahre 188V. Wie steht eS mit der Wuchergesetznsdelle»»» Jahre 1893? Die Stellung der sozialdemokratischen Fraktion zur Wucher- gesetznovelle von 1803 kennzeichneten im Plenum des Reichstags Frohme(Sten. Der. S. 655. 1842). Kunert(Sten. Ber. S. 20591 und Stadthagen(Sten. Ber. S. 1842, 1846. 1041. 1943, 2053. 2065, 2069), in der Kommission Frohme und Stadthagen. Sie erklärten, daß das Gesetz zur Bekämpfung de» Wucher» und der Ausbeutung in jeder Form durchaus nicht genüge und nicht genügen könne, die heutige Gesellschaftsordnung sei nicht imstande, den Wucher zu be- seitigen, da sie auf der Ausbeutung de» Menschen durch den Men- schen aufgebaut sei. Wenn aber auch der Wucher erst aufhören könne in dem Augenblick, wo die Ausbeutung durch VcrgefSll- fchaftung der Arbeitsmittel in sozialdemokratischem Sinne unmög- lich werde, s» könne doch«och innerhalb der heutigen GesellschaftS- ordnung viel mehr zur Beseitigung be» verderblichen, verwerflichen nnd verächtlichen Wucher» geschehen, als der Gesetzentwurf vor- schlage. E» sei möglich und erforderlich, auch den nicht gewohnhcitö- und gewerbsmäßigen Wucher, auch den ArbeitßvertragSwucher, wie er sich in der Ausbeutung de» Arbeiter» durch besonders niedrige Löhne, durch Koalitionsbeschränkungen usw. zeige, ferner den MietS-, den Agenten» und vermittler«, den Grund» und Boden-, den Pfandleih-, den Zoll- und Steuerwucher zu treffen und durch Richter, die aus dem Volk genommen und durch dasselbe gewählt seien, gegen die arbeitende Klasse gerichteten Wucher zu treffen. Die sozialdemokratischen Abgeordneten stellten nach dieser Richtung hin in der Kommission und im Plenum Anträge. Wiewohl die meisten derselben abgelehnt wurden, stimmten die Sozialdemo- krateu, Mann für Mann, grschlvssen für da« Gesetz, das wenigstens den Anfang dazu machte, den Wucher als etwas Unmoralisches zu kennzeichnen. Ueber die Stellung der Sozialdemokraten zu dieser Wucher» gesetznovelle äußerte sich recht charakteristisch der damalige Vorsitzende der Wuchergesetzkommisfion, nachmaliger Präsident deS Reichstages, der ZentrumSabgeordnete Freiherr v. Buol-Bercnberg (S. 1851 der Sten. Ber.) auf eine Aeußerung des Herrn v. Bar. Mitgliedes der freisinnigen Partei, die gegen das Gesetz eintrat: „Der Herr Borredner hat neu vorgebracht, daß wir un» zu hüten hätten, Gesetze zu machen, die»ine Verstärkung des sozia- listischrn Gedanken» seien und daß uns schon der Umstand stutzig machen müßte, daß die S»zi«lde»ikr»tea sich für diesen Gesetz» «ntwurf s» sehr in» Zeug werfen. Ich muß gestehen, daS schreckt mich nicht ab. Ich prüfe und entscheide objektiv...; indem wir den berechtigten Kern der Sozialdemokratie auS der Welt zu schassen suchen und ihre Forderungen, soweit sie berechtigt sind, befriedigen, stützen und fördern wir nicht, sondern bekämpfen wir den sozialistischen Gedanken am wirffamsten. Wenn der Herr Vorredner aber daran noch die Bemerkung geknüpft hat. man müßte noch einen Schritt weiter gehen und dem Antrag Stadt- Hägen beistimmen, dan der Wucher durch BvlkSgerichte abgeurteilt werde, so crTläre ich jetzt schon, daß ich auch ohne diese Bemerkung aus diesen Punkt zu kommen gedachte, und zwar zu- stimmend. Ich hätte gar nicht» dagegen, sondern im Gegenteil, ich würde eö sogar für zweckmäßig halten." Von llc-e Abstlmmungen tvaren zlver kfl? zlveiker Lesung namentlich, nämlich die Abstimmung über den Hauptparagraphe» dcS Gesetzes§ 302e und über Artikel 4. Die Abstimmung über §- 302- befindet sich Seite 1907 der stenographischen Berichte über die Sitzung vom 18. April 1593. Sämtliche sozialdemokratische Ab- geordnete stimmten mit ja. In der Abstimmung über Artikel 4 stimmten die Sozialdemokraten(mit den Nationalliberalen und den Frikonservativen Gamp und von Stumm) gegen Artikel 4. weil dessen Fassung unannehmbar war. DaS sahen die Antragsteller selbst ein. darauf wurde zwischen zweiter und dritter Lesung eine andere Fassung für Artikel 4 in einer freien, von allen Parteien besuchten Kommission vereinbart. Diese Fassung war von Stadt- Hagen vorgeschlagen. Sie wurde von den Abgeordneten v. Buol(Z.), Düsing(natl.), Gicse(k.), Hahn(k.), Rintelcn(Z.) und Singer (Soz.) al? Antrag auf Sir. 191 der amtlichen Drucksachen einge- bracht. Für diese zum Gesetz erhobene Fassung stimmten natür» lich auch die Sozialdemokraten. Ebenso stimmten sie bei der Schluß» abstimmung für das gesamte Wuchergesetz von 1893. Wann ist die jetzt wieder aufgewärmte Lüge über die Ab« stimmung der Sozialdemokraten zu den Wuchergesetzcn inS Leben gerufen? Im Jahre 1897 erschien sie in Nr. 74 der vom Pastor Hülle redigierten Flugblattfabrik und in dem„Politischen Handbuch für nationallibrrale Wähler" S. 538 und 551 unseres Wissens das erstemal. Sofort nagelte der„Vorwärts" die Lügen fest. Die Blätter der verschiedensten Parteirichtungen, auch die„National» zeitung", gaben darauf im Herbst 1897 z», daß die Sozialdemo- kratie stets gegen Wucher aufgetreten und für die beiden Wucher- gcfetze eingetreten ist. Nur der evangelische, vor kurzem verstorbene Pastor Engel vom„Reichsboten" verharrte in seinem Kampf mit der Wahrheit. Ter„Vorwärts" hängte diese„Unverfrorenheit zu lügen und zum Lügen aufzufordern" am 17. Oktober 1897 niedriger und führte die in Betracht kommenden Seiten der stenographischen Berichte an. Nunmehr gab auch der Pastor Engel sein Beharren in der Unwahrheit auf. Ter Hülle-Echwindcl kam auch im Reichstage zur Sprache. Dort erklärte der Staatssekretär Graf v. Posadoweky am 13. Dezem- bcr 1897(Seite 175, Spalte B, Zeile 19 bis 14 von unten): Nachdem ich eine Angab! Zitate aus den Hülleschcn Schriften in den Zeitungen gelesen habe, habe ich mir allerdings gesagt. baß einzelne Behauptungen darin sind, die ich für tatsächlich un- richtig halte, w-.e z. B. die Behauptung, die Sozialdemokratie habe den Wucher begünstigt. Da? ist eine Bchauptnng, die absolut nicht aufrecht zu erhalten ist. Tann verstummte unseres Wissens die Mär über die ablehnende Haltung der Sozialdemokratie zum Wuchergesetz. Sie tauchte 1903 in einigen Lügenflugblättern wieder auf. Der Sekretär dcS Ab» geordneten Freiherrn Hehl zu Herrnsheim verleitete diesen, am LS. Januar 1904(Seite 520 L der sten. Ber.) folgenden Blödsinn zu verzapfen: „Die Sozialdemokratie hat im Jahre 1891 sogar gegen daS Wuchergesetz gestimmt. TaS. meine Herren, ist mir daS aller» auffälligste. TaS versteht auch der sozialdemokratische Arbeiter nicht, warum die Sozialdemokratie gegen da? Wuchergesetz gestimmt hat." Ihm wurde unbarmherzig im Reichstage am 13. Februar 1904 (Stenographischer Bericht Seite 945— 950) und am 15. Februar (Stenographischer Bericht Seite 975 und 976)„an der Hand der Akten dargelegt, daß seine Behauptungen Wort für Wort, von Anfang bis zu Ende, das absolute, akienmätzig nackjweisbare Gegenteil der Wahrheit" waren. Die Zeitungen aller Richtungen mußten daS damals zugeben. Der Hottentottenblock im Jahre 1907 wärmte in einem in der Offizin des„Berliner LokalanzeigerS" gedruckten, wohl au» dem Bülow-Sammelsonds bezahlten Flugblatt, als dessen Verleger ein Herr Paul Köhler, Berlin L�V.ll, zeichnete, dennoch die alte Lügen» mar auf. Ter„Vorwärts" nagelte daS Schwindelblatt an. Der freche Schwindel verstummte. Zum Leben ist er wieder von dem führenden Organ der Zcntrumspartei, der„Germania", gerufen. Das geschah 1009, bald nachdem das Zentrum sich den Konservativen als Vasallen verschrieben hatte. Und jetzt gehen die edlen Schnapsbrüder, Zentrum wie Konservative, in mehreren Flugblättern mit der Lüge über die Stellung der Sozialdemokratie zu den Wuchergesetzen abermals hausieren. Ein englisches Sprich- wort sagt: Wenn er an einer Lüge ersiicken könnte, so müßte er jetzt erstickt sein. Der„nationale",„patriotische" Ordnungsbrei, dessen Haupttruppe jetzt daö Zentrum stellt, lebt von Lügen. Darum ist er an den Hunderten, von ihm in die Welt gesetzten, noch nicht erstickt. Und mit solchem Lügenpack muß sich die Sozialdemokratie immer von neuem herumschlagen. PolitLfcKe(leberllckr. Berlin, den 27. Dezember 1911. Ei» zutreffendes Urteil des Zentrums über die Kouservativen. | Die Konservativen sind Talmipatrioten, treten nur für die Interessen der Großen, gegen die Interessen des Kleinbauern, des Kleinhändlers und der Arbeiter ein. W-r den Konservativen Wahl» Hilfe leistet, bewirkt, daß das Geld des Volkes bald vollständig in die Tasche der Großgrundbesitzer und der Unternehmer gleitet— daS ist die zutreffende Ansicht deS Zentrums von ehemal». Seit zehn Jahren und heute freilich leeren Konservative und Zentrum!» leute gemeinschaftlich die Taschen des erwerbstätigen Volkes zugunsten der reichen Großgnlndbesitzer. Großunternehmer nnd Börsenleute und wenden sich gegen die schmälest Rechte des Mittelstandes nnd der Arbeiterklasse. Die Ansicht des Zentrum? über die Konservativen bleibt trotzdem zutreffend, ist heute nur auch auf daS Zentrum auszudehnen. Die ehemalige Anficht de» Zentrums über seinen konservativen Blockbruder ist mehrfach in Won und Schrift niedergelegt. Zitiert fei nachstehender PassuS auS einem Wablflugblatt vom Jahre 1898 zugunsten des damaligen Zentrumskandidaten Pfarrers Dr. Stephan im Kreise Niederbarnim. DoN heißt e! wörtlich: .Bei früheren Wahlen habt Ihr vielleicht aus Patriotismus konservativ gestimmt. Für da? ärmere Volk war dies ein Unglück, weil diese nur die Interessen der Vornehnieren vertreten und die Besserung der Loge des gewöhnlichen Manne? mit allem Nachdruck aufhalten. Wähler Niederbarnims, ein falscher Patriortömus! Und habt Ihr gesehen, was ein solcher Patriotismus einbringt? Wenn Ihr weiter in diefer Weise patriotisch seid, kommt nach und nach Euer Geld voll- ständig in die Taschen der Konservativen und Großunternehmer. Selten hat die konservative Partei ein Gesetz begünstigt, da? der zunehmenden Notlage deS Volkes, des Arbeiters, de» Kleinbauern, des Kleinhändlers ge- steuert hätte.' Sehr treffende Worte. Und mit diesen Ausbeutern der Wirt- schaftlichen Notlage und politischen Rechtlosigkeit des Volke? geht daS Zentrum als eifriger Helfershelfer Hand in Hand. Wer die Ausplünderung und Verheenmg Deutschlands durch die Ritter und Heiligen hemmen und beseitigen will, muß am 12. Januar sozial- demokratisch wählen. Tie Pläne unserer Kolonialfexe. Wir haben ja erst kürzlich dargelegt, daß der eingehandelte Fetzen„Neu-Kaincrun" nicht etwa eine endgültige Äbrundung unseres afrikanischen Kolonialbesitzes darstellen würde, sondern nur einen ersten Bissen, der den Appetit auf weitere ganz andere Erwerbungen erst recht rege machen werde. Die frei- konservative„Post" rückt denn auch bereits mit den wirk- lichen Plänen und Forderungen unserer Kolonialfexe heraus. Sie geht„aufs Ganze" und verlangt nichts weniger, als daß ganz Mittel-Afrika vom Atlantischen bis zum Indischen Ozean in ein einziges zusammenhängendes deutsches Kolonialgebiet verwandelt werde! Am liebsten wäre es ja dem Blatte, wenn Deutschland in Südamerika Ansiedelungslaud erwerben könnte. Das gehe aber nicht, solange„wir nicht den Willen und die Kraft haben, einen Weltkrieg mit den Nordamcrikanern zu führen". Auch Marokko sei„zunächst(!) als deutsches Ansicdelungs- land verloren". Also ganz gibt die brave„Post" auch Marokko noch nicht auf, ebensowenig wie ein Weltkrieg mit den Vereinigten Staaten ihr ganz außerhalb aller Möglich- keiten zu liegen scheint! Immerhin will ich das Blatt fürs erste dahin bescheiden. daß nur Portugiesisch- Angola. Portugiesisch- M o s a m b i q u e bis zum Sambesi und dann. zur Verbindung des deutschen Koloniallandes an der West- und der Ostküste, auch das belgische Kongogebiet von Deutschland annektiert werde! Die„Post" glaubt, daß Angola und Mosamblque ganz leicht zu haben seien. Durch den Delagoavertrag vom Jahre 1893 sei mit England bereits dahin ein Abkommen erzielt, daß bei einer Liquidation des portugiesischen Kolonialgebiets Deutsch- land Angola und die nördliche Hälfte von Mosambioue erhalte. England habe freilich Deutschland„betrogen" und den Portugiesen das nötige Geld geliehen, um seine zerrütteten Kolonien noch eine Zeitlang behaupten zu können. Durch den Sturz des portu- giesischen Königtums sei die Frage der Aufteilung der portugiesischen Kolonien jedoch wieder aktuell geworden. Man müsse eben„Herrn Grey und Asquith jetzt beim Wort nehmen unddieLiquidation des portugiesischen Kolonialgebietes verlangen". Man dürfe auch nicht länger warten, sondern„das Eisen schmieden, so lange es noch warm ist". Das deutsche Volk sehne sich„nach neuen Zielen und neuen Taten". Als solches Ziel aber er- scheine die Forderung:„Mittel-Afrika deutsch!" Sei dieses Ziel erreicht, so werde Deutschland einen afrikanischen Kolonial- besitz haben, der s e ch z e h n m a l so groß sei wie das Deutsche Reich! Daß die Ausgaben für unsere Kolonien, die jetzt schon jährlich— ohne eine-Schuldenverzinsung von hundert Millionen — 30 Millionen Mark jährlich ausmachen, dann ins Asch- graue anwachsen würden, kümmert natürlich die„Post" nicht. Ebenso schnuppe ist ihr, daß jedes derartige Kolonial- abcnteucr die Gefahr des Weltkrieges von neuem herauf be- schwören verde! Das deutsche Volk aber, das derartig über die wirklichen Pläne unserer Kolonialtreiber aufgeklärt ist. wird am 12. Januar dafür sorgen, daß die weltpolitische Narr- heit nicht in den Himmel wächst! Tie Opfer der Weltpolitik. Wir haben erst kürzlich dokumentarisch nachgewiesen, ivle klag- lich daS Deutsche Reich, daS jöhrlich weit tilier Milliarden Mark �fflr die Zwecke des Militarismus und der Weltpslitit ausgibt, für die Söhne de? Volke» sorgt, die auf den Schlachtfeldern ihre gesunden Glieder und ihre Gesundheit gelassen haben. Nicht ein- mal für die bedürftigen Veteranen aus dem deutsch-franzö- fischen Kriege haben die bürgerlichen Parteien ausreichende Mittel zur Unterstützung bewilligt; da ist es kein Wunder, daß auch die invaliden K o l o n i a l k r i e g e r auf die private Wohl- tätigkeit angewiesen sind. Folgendes.strengvertrauliche" Zirkular. das von dem eingetragenen Verein„Kolonialkriegcrdank" gegen- tvärtig versandt wird, gibt Aufschluß darüber, welcher Lohn derer jharrt, die in den Kolonialkriegen ihre Gesundheit eingebüßt haben: Ew. Hochwohlgcborcn beehrt sich der unterzeichnete Kolonialkriegerdank mit der Bitte, seine Bestrebungen fremidlichst unterstützen zu wollen. ' folgendes ganz ergebrnst zu unterbreiten: Der 5toloinalkrlcgerdank E. V. hat gemäß feiner Satzungen den Zweck, ehemalige Kolonialkriegcr und ihre Angehörigen zu unterstützen, insbesondere in Fällen der Not durch Geldspenden, . und in Krankheitsfällen, durch Gewährung ärztlicher Hilfe und Verabfolgung von Arzneien helfend cinzugrciien. Ter Verein ist am 1(5. Februar 1009 begründet und am 27. Dezember 1900 in das Vereinsregister beim Königlichen Amtsgericht Berlin- Schöncberg eingetragen worden. .Groß ist die Not unter den Kolon, alkriegern! Die Taten unserer tapferen Kolonialkrieger im verflofiencn Jahrzehnt sind dem deutschen Volke wohlbekannt und noch in frischem Gedächtnis. Viele der Tapferen haben ihr Leben gc- lassen und weit über den Meeren ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ehre ihrem Andenken!, Sehr groß ist aber die Zahl derer, die nach Beendigung der Feldzügc und des Dienstes in den Kolonien in die Heimat zurück- gekehrt sind und durch ungesundes Klima, durch Kriegs- strapazen und Krankheiten aller Art. schwere, oft dauernde Schäden an ihrer Gesundheit erlitten haben. Schwer, überaus schwer ist es, diesen b r a v e n L e u t e n in derHeimat Arbeit zu verschaffen! Und ist dies schließlich dock, gelungen, so find sie meist nicht in der Lage, den an sie gestellten Anforderungen zu entsprechen: Fiebrransälle haben den Körper geschwächt und die Erkrankung des Herzen?, die so häufig a!S Folgeerscheinung des längeren Aufenthaltes in den Tropen auftritt. macht ihnen den Wettbewerb mit den im HeimatSIande gebliebenen Ängcbörigen ihreS' ErwerbSirandes oft unmöglich. Wenn nun auch der Staat für die Krieger sorgt, so reicht doch in vielen Fällen die gesehmnssige Fürsorge nicht aus, weil die zur Verfügung stehenden Mittel beschränkt sind. Wir bossen. daß hier, wie in so vielen anderen Fällen, die private Wohltäligkcit einsetzt. Ter Kolonialkriegerdank hat seit den zirka drei Jahren seines Bestehens, soweit es seine geringen Mitrel gestatteten, bereits vielfach versucht, die große Not unter den Kolonial.'ricgcrn zu lindern. Aber die Zahl derer, die sich hilfesuchend an ihn wendet. wird naturgemäß von Jahr zu Jahr größer, und je älter die Krieger werden, desto reichlichere Mittel sind notwendig. Mußten doch ,m verflossenen Jahre über 150 Hilfesuchende abgewiesen werden, denen auch nicht die geringste Unterstützung gewährt werden konnte! In dem Zirkular wird weiter mitgeteilt, daß der Kronprinz dem Verein 13 500 M. überwiesen habe, der dem' Kaiser zu seinem 25 jährigen RegierungSjubiläum als Stiftung zur Unterstützung erwerbsunfähig gewordener Kolonialkriegcr überreicht werden solle. Wenn wirklich einige hunderttausend Mark zusammenkommen sollten, so wird daS doch nur ei» Tropfen auf einen heißen Stein fein, da unsere Weltpolitik fortlaufend die Gesundheit von Taufen- den vernichtet und erü recht ungeheure Opfer an VoliSgesundheit berschlingen MrE, Kenn erst die schönen ivelkpokitischen Pläne unserer Kolon i'alphanta st en zur Verwirk- lichung gelangen! Trotz des„Kolonialkriegerdanks" wird also der Dank für die Kolonialkrieger Rot und Hunger sein, ein Dank des Vaterlandes, den ja auch die KriegSvcteranen aus dem deutsch- französischen Krieg hinlänglich zu kosten bekommen haben l Ten, Verdienste seine Orden. Wilhelm II. hat Herrn v. Kiderlen-Waechter die»Brillanten zum Roten Adlerorden erster Klasse" verliehen. Das ist eine deut- liche Sanktionierung der Kongozipfelpolitik, ist doch auch Bethmaun schon ausgezeichnet worden, wenn auch nur mit einer Vase. Des Kronprinzen Kundgebung für den Heydcbrandschen„Wahl- Patriotismus" hat nicht den rechten Zeitpunkt erwischt. Darum ist aber für die Kriegspartei noch nicht aller Tage Abend ge- kommen. Das Volk>vird weiterhin für die Aufrechterhaltung des Friedens sorgen müssen.' Tic Sozialdemokratie als treibende Kraft der Sozialpolitik. Die Wahrheit dieses Satzes haben auch Gegner schon oft an- erkennen müssen. Ohne die Sozialdemokraten würde sich niemand um die Armen und Entrechteten kümmern. Ein an sich wenig bedeutender, aber immerhin bezeichnender Vorfall bestätigt dies aufs neue. Die Gcmeindcarbeiter in Regensburg, deren Lohnverhältnisse außerordentlich mißlich sind, hatten schon im Mai die Stadtver- waltung um eine Teuerungszulage gebeten, aber keine Beachtung gefunden. Nun ist vor einigen Wochen der erste Sozialdemokrat, Genosse Wunderlich, in das Gemeindckollegium eingerückt. Zu seinen ersten' Handlungen gehörte es, den übergangenen Antrag der städtischen Arbeiter wieder aufzunehmen, der nun allgemein Anklang fand. Die liberalen Redner erkannten an, daß die städti- schen Arbeiter sich in einer großen Notlage befinden, ein dem Jen- trum angehöriger Kassenarzt verteidigte die Teuerungszulage mit den erbärmlichen Wohnungsvcrhältnissen der Arbeiter, ein anderer Zentrumsmann sprach von einer„wohlstcgründeten Teuerungs- zulage". All diese Gründe bestehen natürlich nicht erst fest heute, und sie sind auch den bürgerlichen Vertretern nicht erst jetzt bekannt geworden: aber solange der sozialdemokratische Antreiber fehlte, hat kein Mensch einen Finger gerührt. Teutsch-japanischer Handelsvertrag. Nachdem der Reichstag dem vom Bundesrat mit Wirkung vom 17. Juli d. I. in Kraft gesetzten neuen deutsch-japanifchcn Handels- vertrag seine Zustimmung erteilt hat, sind zwischen dem Aus- wärtigcn Amt und der Berliner japanischen Botschaft heute Noten ausgetauscht worden, denen zufolge beide Regierungen von dem Recht, den Vertrag und das zugehörige Zollabkommen zum 31. De- zemder 1012 zu kündigen, keinen Gebrauch machen werden. Drei reichsläudische LandtagSmandate kassiert. Der zuständige erste Senat des OberlandeSgerichtS Colmar i. E. hat am Sonnabend, den 23. d. Mts., über fünf Wahleinsprüche verhandelt und dabei zwei Wahlen für gültig erklärt, in drei Fällen jedoch deren Einspruch stattgegeben und die in Frage kommenden Mandate zur Zweiten Kammer des elsaß« lothringischen Landtages für ungültig erklärt. Gegen die E»t- scheidung gibt es keine Berufung. Für gültig erklärt sind zwei Zentrumsmandate, die annullierten Mandate sind die der Ab- geordneten Alfred Wolf(liberal) für Sultz und W-.Wörth, Zimmer(lothringischer Block) für Diedenhofen-Grotz-Hettingen und Hessemann(Zentrum) für Bitsch-Rohrbach-Wolmimster. Der Liberale Alfred Wolf, ein Bruder des zweiten Vizepräsidenten der Zweiten Kammer und Vorsitzenden der liberal« demokratischen FraklionSgemeinschaft Georg Wolf, war erst bei der Nachwahl vom 20. Oktober gewählt worden und zwar nur mit einer Mehrheit von 12 Stimmen. Seine Wahl mußte für ungültig er- klärt werden, da nachgewiesen wurde, daß 11 Perjonen die Stimme abgegeben hatten, die nach dem reichsländischen LandtagSwahlgcsetz als wegen Diebstahls in den letzten fünf Jahren Bestraste nicht wahlberechtigt sind, sowie zwei Personen, die die Voraussetzungen der Wahlberechtigung in der Wohnsitzklausel nicht erfüllen, serner daß in einer Gemeinde(Keffenach) eine Wahlurne benutzt worden war, die den Boden in der Mitte hatte und zwei Einschnitte besaß, wodurch eS möglich gemacht wurde„ beim Umkehren der Urne in der einen Abteilung der Urne die Stimmen der Katholiken und in der anderen Abteilung die Stimmen der Protestanten zu sammeln und bei gesonderter Auf- Häufung zu kontrollieren. Daß etwas Derartiges wirklich geschah. konnte zwar nicht nachgewiesen werden und das Gericht bezeichnete den Vorgang als„belanglos", aber wohl nur deshalb, weil schon durch die nachgewiesene Unrichtigkeit der Wählerliste die Mehrheit von 12 Stimmen sich in eine Minderheit verwandelte. Ebenfalls formelle Verstöße sindck, die die Kassierung der Wahl des Lothringer» Zimmer im Gefolge hatten. Mehrfach waren die Wählerlisten nicht entsprechend den gesetzlichen Vorschriften ausgelegt worden, es waren nach Schluß der Auslegungsfrist auch ohne formellen Einspruch noch Namen hinzugesetzt oder gestrichen worden, in einem Falle hatten sich während der Wahlhandlung der Vorsitzende de« WahloorstandeS und sein Stellvertreter gleichzeitig aus dem Wahllokal entfernt usw. DaS Gericht entschied hier, daß zwar nicht jede Wahlvorschrift absolut bindend sei. ein so wichtiger Verstoß aber wie die gleichzeitige Entfernung zweier leitender Mit- glieder des Wahlvorstandes aus dem Wahllokal, oder wie die weiter nachgewiesene Richiverpflichlung eines Beisitzers im Wahllokal durch Erklärung an EideSstatt müsse zur Ungültigkeit der Stimmen führen. die an dem Orte de? Verstoßes auf den Mehrheitskandidaten ge- fallen sind. Der Abgeordnete Zimmer aber hatte nur eine Mehrheit von 151 Stimmen. Die Annullierung des Mandates de? Zentrumsabgeordneten H e s s e m a n n endlich im 60.(dem letzten) Sahlkrcise Bitsch-Rohr- bach-Wolmünster erfolgte wegen erwiesener unzulässiger Wahlbecinflussung durch die Geistlichkeit in einer ganzen Reihe von Orten. DaS Gericht sprach hier die Un- gültigkeit der Wahl auS, obgleich der gewählte Abgeordnete mit 3373 gegen 22öS Stimmen des Kandidaten vom Lothringer Block und 520 des sozialdemokratischen Gegenkandidaten erfolgt war, also mit einem Mehr von 530 Stimmen aus der Urne hervorging. Der Rechts- beistand dcZ Gewählten. Justizrat Dr. Klein in Colmar, hatte es als die Pflicht der Geistlichen bezeichnet, die großen Fragen der Be r- s i t l l i ch u n g des Menschen in der Politik zu prüfen und dement- sprechend die Wahlen zu bceiuflussen, da der gläubige Katholik nur das Lebensziel habe, Gott zu dienen, und da er demgemäß im Staat« ein Werk göttlicher Vorsehung erblicke. Demgegenüber stellte da» G erich t fest, daß die Geistlichen in einer großen Reihe vonGemeinden Mittel gebraucht hätten, die den Gesetzen der Sittlichkeit und Moral nicht entsprechen, die Geistlichen hätten vielfach weil über ihre seelsorgerlichen Befugnisse hinaus gehandelt, indem sie die Freiheit der Wahl beeinträchtigten. Di« Klerisei hat diese Lektion verdient. Ihr un- erhörte» Treiben bei diesen LandtagStvahlen dürfte der politischen Partei der Geistlichkeit, dem Zentrum, dem dieses Treibe» zu dem so stolz verkündeten Wahlerfolg verhalf, in den noch ausstehenden weiteren Wahleinspruchsverhandlungen noch ein paar Mandate kosten. Von den elf s o z i a l d e m o l r a i i s ch e n Mandaten ist keines mehr angefochten. 1 In ber Strafsache gegen I. Sen Ncdalicur Richarb Bark? Ttt Berlin. Adalbert st r. 20, geboren am 10. November 1882 in Ilmenau. Kreis Weimar. Dissident. 2. pp. wegen Preßbeleidigung hat die 1. Strafkammer des Königlichen Landgerichts l in Berlin am 3. Mai 1011 für Recht erkannt: Tie Angeklagten werden wegen öffentlicher Beleidigung und zwar Barth zu einem Monat Ge- fängnts pp. verurteilt. Den Eisenbahndirektions-Prasidenten nl Berlin und Breslau wird die Befugnis zugesprochen, die Verur- teilung der Angeklagten auf deren Kosten innerhalb vier Wochen nach Zustellung einer Ausfertigung des rechtskräftigen Urteils un »Vorwärts" an der nämlichen Stelle, wo die Veröfsentlichung des beleidigenden Artikels erfolgt ist, und in demselben Druck, sowie im „Weckruf" öffentlich bekanntzumachcn. Alle Exemplare des„Vor- wäets" und der„Eisenbahn", welche den beleidigenden Artikel enl- halten, sind insoweit unbrauchbar zu macheH ebenso die zu ihrer Herstellung bestimmten Platten und Formen. Die Kosten des Verfahrens fallen den Angeklagten zur Last.' Die Richtigkeit der auszugsweisen Abschrift der Urieilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urteils bescheinigt. Berlin, den 15. November 1011. L. S. gez. Siegcrt, LandgcrichtSsekretür. GerichtSschreiher des Königlichen Landgerichts I, Strafkammer I. PerHenö VerzweifUmcskampf. Es hat nichts gefruchtet— weder die Bereitwilligkeit der persischen Negierung, einen Teil der russischen Forderungen anzunehmen, noch der Appell des persischen Volkes an die europäischen„Kultur"staaten.-Die russische Regierung hat, nachdem sie scheinbar einen friedlicheren Ton anschlug, die Annahme aller ihrer Forderungen durchgesetzt, während die europäischen Mächte dem Vcrzweiflungskampf des persischen Volke? gleichgültig gegenüberstehen. Die Per» fische Regierung hat sich angesichts der heran- marschierenden russischen Truppen schließlich gezwungen gesehen, vor den russischen Räubern zu kapitulieren und darein zu willigen, daß der Reorganisator Persicns Morgan Shuster davongejagt, die Berusimg von ausländischen„Beiräten" unter russisch-engljsche Kontrolle gestellt und die Kosten des russischen Raubzuges �-von den Persern selbst bezahlt wurden. Und die nicht direkt interessierten europäischen Staaten Frankreich und Deutschland, die bisher an den persischen Angelegenheiten mit- zusprechen hatten, rührten nun keinen Finger: Frankreich— um sich für die„neutrale" Haltung Rußlands während des Marokko- konslikts erkenntlich zu zeigen, Deutschland— weil es sich seine „Kompensationen" für die Erdrosselung Persicns schon in Potsdam geholt hat. Nur die Türkei, die durch das Vordringen Nußlands in Nordpersien strategisch bedroht wird, erhob Protest gegen die Vergewaltigung Persiens; sie ver- mochte aber, ihren eigenen Kräften überlassen und durch den Krieg mit Italien gelähmt, gegen den russischen Uebcrsall nichts auszurichten. Die beiden Vertragsmächte, Rußland und England, stehen nun vor dem Beginn einer aktiveren Politik in Persien, deren Endziel die Aufteilung dieses Pufferstaates ist. Bisher hat England aus wohlerwogenen Gründen seiner asiatischen Politik dem russischen Draufgängertum ein Paroli zu bieten gewußt und sich als Verteidiger der„Integrität" und „Souveränität" Persiens ausgespielt. Nun sieht eS sich, in der Konsequenz seines Bündnisses mit Nußland trotz heftiger Proteste einflußreicher Kreise gezwungen, die wichtigsten Hemmungspunktc einer aggressiven Politik in Persien: die strate- gische Stellung Indiens und die Stimmung der mohammedani- schen Bevölkerung, einer allmählichen Revision zu unterziehen. Vorerst sucht eS aber seine schon stark geschädigten pcrsi- schen Handelsintercsscn soweit möglich in Sicherheit zu LMngen und die„Mängcfl" des englisch-russjschcn Verrragcs von 1907 zu korrigieren- Schon im Naveinber, bevor Rußland den Streit gegen Morgan Shuster vom Zaune brach, besetzte England nicht nur die wichtigsten Städte SüdpcrsicnS. Buschir und Schiras, sondern auch das in der russischen Einflußsphäre liegende Jspahan, daS als End- Punkt der„Bachtiarcnstraße" vom Persischen Golf nach dem Innern Persiens für den englischen Handel von entscheidender Bedeutung ist. Erst danach setzte das russisch-englischc Spiel in Persicu mit verteilten Rollen ein, das nun zur faktischen Vernichtung der letzten Ueberreste der persischen Selbständigkeit geführt hat. Schon haben die russische,! Kanonen in T ä b r i s gesprochen, und die Grausanlkcitcn der russischen Baschibozuks zeigen, daß die Zarenregicrung ans dem besten Wege ist, die italienischen Metzeleien in Tripolis in den Schatten zu setzen. Russische Brutalität und Heuchelei. Petersburg, 2-1. Dezember. Die»Nowoje Wremja" veröffentlicht ein Interview mit dem Chef der persischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, worin mitgeteilt wird, daß dieser an den Statthalter im Kaukasus den Befehl erteilt habe, möglichst viel Truppen nach TäbriS zu sende». ES handle sich um vereinzelte revolutionäre Ausbrüche in TäbriS, Rescht und Enseli. Deshalb beabsichtige Rußland keinen erneuten Drucks?!) In Teheran würden selbständig Maßnahmen zur strengen B c st r a f u n g der A u s r ü h r e r(?) an den genannten Orten getroffen werden. Der llmstand, daß die Regierung in Teheran nach TäbriS telegraphisch Befehl gegeben habe, die Feindseligkeiten einzustellen, sei ein neuer Lciveis dafür, daß sie nicht mit» schuldig sei. Teheran, 25. Dezember.(Meldung deS Reutcrschcn BurcauS.) Im Einverständnis mit dem Kabinett hat der Regent den M e d s ch l i ö aufgelöst. Der Vizcgouvernenr von TäbriS berichtet, die Russen hätten kaltblütig eine Metzelei unter persischen Franc» und Kindern angerichtet. Nach seiner Schätzung sind i» den bisherigen Kämpfen bereits fünfhundert Perser gefallen. Petersburg, 20. Dezember. Bei den, Minister des Aeußern ist ein Telegramm eingelaufen, in dem der russische Generalkonsul in TäbriS gegen die Verleumdungen protestiert, die gegen die russischen Truppen ausgestreut wrfvden seien. Die russischen Truppen be- handelten die friedli-be Bevölkerung mit Schonung(?), trotzdem die Fidai die russischen verwundeten grausam behandelt und. die Toten geschändet hätten. Wen» in vereinzelten Fällen Unschuldige umS Leben gekommen seien, lo hätte sich da? nnr während der Be» schießung der dem russischen Lager benachbarten Häuser ereignen können, von denen au! die russische Truppenabteilung beschössen worden war. Die Kämpsc in TäbriS. Petersburg, 27. Dezember. Laut privaten Nachrichten haben die R u s s e n in den Kämpfen bei TäbriS 1 5 0 V e r» w u n d e t e gehabt. DaS Ministerium des Aeußern hat noch keine genauen Angaben über die Vcrlüstziffer, gibt aber zu� daß in An. bctracht der allgemeinen Lage die Verluste'bedeutend sein können. Dem kaukasischen Statthafter ist Befehl gegeben worden, eine Truppcnzahl abzukommandieren, die genügend ist. um icden Widerstand in lürzestcr Zeit zu brechen. Ucbcrfall auf einen englischen Konsul. Teheran, 27. Dezember.(Meldung der Petersburger Tele» grapheN'Agentllr.). In ver Nälse von Kascrun ist aus den mit einer großen Schutzivacffe indischer Reiter dsn Muschehr nach Schiras reisenden englischen Konsul Smard ein Ueberfall ausgeführt worden. Ter Schutzwache gelang es nach erbittertem Kampfe, sich nach Kaserun durchzuschlagen, der Konsul ist jedoch spurlos verschwunden, nur sein verwundetes Pferd wurde auf- gefunden. Die Verluste der Schutzwache sind nicht bekannt. London, 27. Dezember. Wie das Rcutcrsche Bureau meldet, bestätigen in London eingetroffene amtliche Telegramme die Nachricht von dem Ueberfall auf den britischen Konsul von Schiras, Konsul Smard. Die Verluste der Abteilung sind nicht genau be- kannt, doch glaubt mau, daß ein Sowar(indischer Kavallerist) getötet und drei verwundet wurden, während Konsul Smard ver- mißt wird. * Ocftemicb. Im Ticnste des Volkes. Unter dem dunklen Titel:„Sozialpolitik im Dienste der Partei" hat die Zentrale des österreichischen Schar fmachertums, die „Haupt stelle industrieller A r be i t ge b/e ro r g an i- sationen", ein merkwürdiges Buch erscheinen lassen: Die Initiativanträge der österreichischen Sozial- d e m o k r a t i e in der ersten Sitzungsperiode der 21. Session des Abgeordnetenhauses(Sommer 1S11). Es ist für die Mitglieder des Herrenhauses bestimmt und soll diese Fossilien der hohen Bureaukratie oder Jnteresscnvcrtreter vo» Großgrundbesitz oder Großkapital scharf machen gegen die ernste Sozialpolitik, die von unseren Genossen im Parlament betrieben wird. Es wird daher gesagt, diese Gesetzentwürfe„beabsichtigen, die Organisation der sozialdemokratischen Partei auf gesetzlichem Wege zu stärken, die derzeitige Gesellschaftsordnung zu erschüttern und eine Krise in der Volkswirtschaft herbeizuführen, um auf diesem Wege den Boden für die Erreichung der sozialdemokratischen Ideale zu ebnen". Viel auf einmal, genug, um die angstvollen Vertreter deS Profits und der„Autorität", die das Herrenhaus beherrschen, um die Fortdauer der bestehenden herrlichen Weltordnung zittern zu lassen und sie gegen die bescheidenen sozialpolitischen Verbesse- rungen, die unsere Genossen in Würdigung der bestehenden Macht- Verhältnisse fordern, einzunehmen. Wie vielseitig die positive Arbeit sozialdemokratischer Parla- mentarier ist, zeigt ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis des 256 Seiten starken Buches, das leider nicht zur öffentlichen Verbreitung bestimmt ist. Die zusammengestellten Anträge behandeln: Kürzung der Arbeitszeit— Arbeitsbuch(in Oesterreich noch für alle Ar- beiter vorgeschrieben)'— Kontraktbruch— Bergbaugesetze— Eisen. bahngesetze— Staatsbetriebe und Staatsbedienstete— Werkmeister und Jndustrieangestellte— Gewerbegerichte— Kartelle— Ar- beiterschuh: Heimarbeit, Kinderarbeit, Arbciterwohnungen, sani- täre Schutzvorrichtungen— Arbeiterversicherung— sonstige sozialpolitische und politische Anträge. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) foißlaucl. Wie man in Rußland die Immunität erlangt. Als die sozialdemokratische Fraktion vor einigen Tagen eine Interpellation über die Ermordung des radikalen Abgeordneten Dr. Karawajcw durch die Echtrusscn in der Duma einbrachte. bc° eilten sich die Mehrheitsparteien, die beantragte Dringlichkeit an- zunehmen, um die Interpellation nach kurzer Debatte glatt ablehnen zu können. Diese ungewöhnliche Eile ist begreiflich, wenn man den Gegenstand der Interpellation berücksichtigt. Aus den von unseren Genossen beigebrachten urkundlichen Beweisen ging -hervor, daß der Mord von dem Busenfreund des Zaren, Dr. Dubrowin, organisiert und von zwei Echtrussen Schaldo und Schekaneuko gegen einen Sold von 36 060 Rubel ausgeführt .wurde, und daß dabei die jetzigen echtrussischen Dumaabgeordneten ObraSzow und Gololobow ihre Hand mit im Spiele hatten. Die elementarste Pflicht der Duma wäre es nun ge- Wesen, die von den Sozialdemokraten vorgebrachten urkundlichen Beweise in der Kommission zu prüfen. Die Duma entzog sich aber dieser Pflicht, da die Prüfung der Dokumente unzweifelhaft Licht in diese blutige Affäre hineingebracht und die Busenfreunde des Zaren auf das schlimmste bloßgestellt hätte. Die Hehlerdicnste, die die Duma in dieser Angelegenheit geleistet hat, stehen auf einer noch niedrigeren Stufe wie die Hehlerdicnste der russischen Be- Hörden, die den Anstifter des Mordes an Prof. Herzenstein, Dr. Dubrowin, den finnischen Gerichten nicht ausgeliefert haben. Anläßlich dieser Debatte ist von unseren Genossen eine Tat- fache ans Licht gebracht worden, aus der hervorgeht, auf welche Weise allein die persönliche Unantastbarkcit in Rußland erkauft werden kann. Dubrowin hat in der Geheimsitzung in Jekaterinoslaw, wo der Mord an Dr. Karawajew beschlossen wurde, u. a. erklärt, der Zar habe den früheren Ministerpräsidenten Grafen Witte verhaften lassen wollen. Dies sei aber un- möglich gewesen, da Witte im Besitz zahlreicher Briefe des Zaren sei, die bei Mendelssohn in Berlin auf- bewahrt würden. Witte— so erklärte weiter der Busen- freund Nikolaus II.— habe gedroht, daß diese Briefe im Falle seiner Verhaftung oder seines Todes sofort veröffentlicht werden würden. Vergebens habe er. Dubrowin, bisher versucht, sich in den Besitz dieser Briefe zu setzen. Ihm ständen für diesen Zweck einige Millionen(!) zur Verfügung, und er habe bereits eine Reihe von Leuten zu diesem Zweck nach dem Ausland gesandt.— Auch ein Beitrag zu der mit Blut und Schmutz geschriebenen Geschichte der Regierung Nikolaus II. Cßrhci Der Berfassungskonflikt. Genosse Parvus schreibt uns aus Konstantinopel: Die Regierung will das Parlament auflösen. Das„Komite" ist der Urheber des Gedankens, Said Pascha will ihn durchführen. Der Großvezier erklärt, er müsse das Parlament auflösen, um Frieden schließen zu können. Das„Komite" wiederum, das seine parlamentarische Majorität verloren hat. fürchtet, daß schon in der nächsten Zeit ein Koalitionsministcrium gebildet werden könnte. Damit würde das«Komite" seinen Einfluß auf die Beamtenschaft verlieren. Das ist aber seine letzte Stütze. Außerdem braucht das „Komite" den Regierungsapparat, um bei den nächsten Wahlen eine Pression zu seinen Gunsten auszuüben. Darum will es das Parlament auflösen, um den Regierungsapparat wenigstens bis nach den nächsten Wahlen in den Händen zu behalten. Tie Auflösung des Parlaments würde unbedingt eine Ver- schärfung der Reaktion zur Folge haben. Die Vergewaltigung des Parlaments muß zu einer Vergewaltigung der öffentlichen Mei- nung führen, die mit steigender Erbitterung sich gegen das Komite und gegen die Regierung wendet. Man spricht von Einschränkun- gen der Presse. Vor allem wird daS Kriegsgericht lstrangulierungS- arbeit leisten. Das Vereins- und Versammlungsleben ist auch jetzt schon in Konstantinopel durch das Kriegsgericht fast unmöglich gemacht worden. Nun kann aber die Regierung nach der bestehenden Ver- sassung das Parlament gar nicht so leicht auflösen. Kommt es zu einem Konflikt zwischen der Regierung und dem Parlament, muß sich vielmehr die erstere zurückziehen. Kommt es dann aus dem gleichen Anlaß zu einem zweiten Konflikt, so kann auch dann die Regierung das Parlament noch nicht auflösen, sondern sie muß Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Perlin. Inseratenteil verantw.: dazu erst die Zustimmung deS Senats haben. Die Regierung Betlangt deshalb eine Aenderung des Artikels 35 der Verfassung, um dem Sultan freizustellen, nach Belieben die Kammer auszulösen. Wird aber das Komite in diesem Kamps gegen das Parlament und gegen das ganze Land sich auf die Armee stützen können? Durchaus nicht, denn die Armee befindet sich in voller politischer Zersetzung, die durch den Verfassungskonflikt erst recht gesteigert wird. Tie Macht des türkischen Staates nimmt im Quadrat der Entfernung von Konstantinopel ab. In Armenien reißen die kurdischen Feodalen immer mehr die Staatsgewalt an sich. In Mesopotamien gibt es überhaupt keine staatliche Autorität. Mit dem Im am Iah ja bat die Türkei einen Vertrag geschloffen, der ihre vollständige Kapitulation vor dem Rebellen bedeutet. Der Konflikt mit dem Parlament wird die Macht des Staates diesen Elementen gegenüber erst recht schwächen und ein für die Türkei ungünstiger Friede sie zur Revolte reizen. Es heißt freilich andererseits, die türkische Regierung werde von den Großmächten zu diesem Schritt gezwungen. Denn der Widerstand des türkischen Parlaments stehe den diplomatischen Ab- machungen im Wege, zu denen neben der Okkupation von Tripoli- tanien durch Italien, die Freigebung der Dardanellen an Rußland zu gehören scheint. Rußland und England sollen mit der Errichtung eines Protektorats gedroht haben. Ob dies sich verwirklichen läßt, ist ein Problem mit vielen Fragezeichen: viel wahrscheinlicher aber ist es, daß die Auflösung des Parlaments Zustände erzeugen würde, bei denen das Protektorat schließlich wird errichtet werden müssen. Die Opposition hat herausgefunden, daß die Auflösung des Parlaments der Regierung noch durchaus kein Recht gewähren würde, Frieden zu schließen, da dazu, nach der Verfassung, die Zustimmung deS Parlaments nötig ist, und daß diese Zustimmung insbesondere auch noch bei Gebietsabtretun- gen vorgesehen ist. Hfriha. Neue Kämpfe fp Marokko. Kämpfe der Spanier im Rifgebiek. Madrid, 26. Dezember. Wie ein amtliches Telegramm aus Melilla besagt, haben gestern bei Tagesanbruch fünf Kolonnen gleichzeitig die Rifleute angegriffen, die sich nach sehr heftigem Widerstande auf die andere Seite des Kertflusscs zurückziehen mutzten. Die Eingeborenen haben sehr große Verluste erlitten und ihre Toten, Waffen und Munition im Stich gelassen. Auf spanischer Seite wurden ein Major, drei Hauptleute und 43 Soldaten ver- wundet, 22 Mann getötet. Unruhen im französischen Okkupationsgebiet. Paris, 24. Dezember. Nach einer Blättermeldung aus Fes haben in der Gegend von Sefru neuerdings große Ansamm- lungen zweier aufständischen Stämme stattgefunden, welche von der Besatzung von Sesru und mehreren aus Fes ab- gesandten Reiter- und Futztruppentabors mit beträchtlichen Ver- lustxn in die Flucht geschlagen wurden. Die Militärbehörde be- schloß, die im Besitz der Juden von Mckines befindlichen Waffen- und Mumtionsvorräte genau zu überwachen, da man sie im Verdacht hat, Waffenschmuggel zu treiben. Paris, 27. Dezember. Nachrichten aus FeS zufolge herrscht unter den Stämmen in der Umgegend, die an dem letzten Aufstand beteiligt waren, von neuem eine starke Gärung. Major Bre- mond hat im Einbernehmen mit dem Sultan alle Maßnahmen getroffen, um eine Aufstandsbewegung zu verhindern« Ber Krieg. Ein türkischer Angriff auf Benghasi. Rom, 26. Dezember.(Meldung der Agenzia Stefani.) Nach einem aus Benghasi hier eingetroffenen Funkentelegramm be- gann der Feind gestern früh den Vormarsch auf Benghasi. Gegen 16 Uhr vormittags entwickelte sich die feindliche Schlachtlinie in einer Gesamtstärke von einigen tausend Mann mit Geschützen vor der östlichen Front der italienischen Stellungen. Das bewegte Meer machte ein Eingreifen der Schiffe unmöglich. Der Feind ging langsam in der Richtung auf Foiat und auf die italienischen Schanzen Nr. 4 und 3 vor. Als er sich ihnen auf zwei Kilometer genähert hatte� eröffneten die Italiener das Geschützfeuer und brachten den Angriff zum Stillstand. Ter Feind erlitt bedeutende Verluste und zog sich bei Sonnenuntergang zurück. Die Italiener hatten keine Verluste.(?) Türkische Repressalien. Konstantinopel, 25. Dezember. Wie hier versichert wird, hat die Regierung die Schließung der italienischen Banken und ähnlicher italienischer Unternehmen an- geordnet. Konstantinopel, 27. Dezember. Die Kammer hat ein Gesetz angenommen, wodurch fürWarenitalienischerHerkunft ein hundertprozentiger Zoll eingeführt wird. DaS Gesetz stellt eS der Regierung anheim, ausnahmsweise den elfprozentigen Zoll für italienischen Schwefel, der für den Weinbau unerläßlich ist, beizubehalten. Sie Kevoliition in China. Dag Streben nach einer erweiterten Verfassungskonferenz. Schanghai, 26. Dezember.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Friedenskonferenz richtete an den Thron daS Ersuchen, seine Zustimmung zum Zusammentritt einer aus mehr Mitgliedern bestehenden und mehr re- präfentativen Charakter tragenden Konferenz zu geben, die ermächtigt fein soll, über die RegierungS- form zu entscheide v. Wie es heißt, hat Auanschikai diese Botschaft dem Throne unterbreitet, aber ihre Ablehnung angeraten. Autonomie der Mongolei unter russischer Oberhoheit. Petersburg, 24. Dezember. Nach hier vorliegenden Privat- Meldungen ist ein Komitee, zu dem sechs Fürsten und ein Per- treter des Talai Lama gehören, mit der Verwaltung der Mongolei betraut worden. Die Bildung eines Ministeriums deS Innern, des Auswärtigen, des Krieges, der Finanzen und der Justiz ist in Aussicht genommen und die Bildung des Kabinetts im Gange. Für die Thronbesteigung des Eheptuns Dampa Hutuktu, des Ober- Haupts der buddhistischen Geistlichen, werden Vorbereitungen gc- troffen. Es herrscht volle Ordnung. Sun-Nat-Sen, der Leiter der chinesischen Revolution. Man schreibt uns: Sun-Fat-Sen ist jetzt fünfundvierzig Jahre alt. Er war einer der ersten der jüngeren chinesischen Generation, die sich bemüht, im Ausland Kultur und Volkswirtschaft zu lernen, um dem krank daniederliegenden Vierhundertmillionenreich durch Reform an allen Enden aufzuhelfen. Wer Sun-Aat-Sen während seines vieljährigen Aufenthalts in Paris sah, hätte hinter diesem bescheidenen und anspruchslosen Mann nicht den Führer der Vorrevolution vermutet, der mit festen und geschickten Händen zugleich alle Fäden zusammen. hielt, die sich von Paris, Berlin und London nach dem Himm- Irschen Reich spannten. Einfach, ohne Wichtigtuerei und vorsichtig im Gespräch, das war der Eindruck, den er ausübte. Sun-Dat-Sen begann seine Zh. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. Verlagsanstalt ttikekmüdliche Propagatika bckr eltvck zwanzig Jahren.?nfaklgO predigte er friedliche, gradweise vorschreitcnde Reform.� Da? Scheitern aller Reorganisationen infolge des jähen Widerstandes der Mandschudynastie und der Eunuchen- und Mandarinenmiß- Wirtschaft drängte ihm allmählich die Ueberzeugung auf, daß ohne einen gewaltsamen Umschwung keine wahre Reform zu erzielen sei. Derart warb aus dem Reformator der Revolutionär. Es fehlte ihm nicht an Anhang. Die Tausende von chinesischen junger, Leuten, die in Europa das suchten, was ihnen die Heimat ver- sagte, eine freie, liberale Erziehung, wurden rasch seine begeisterten Jünger. Nach China zurückgekehrt, nahmen sie dort die hohen Acmter und Posten ein, zu denen sie infolge ihrer privilegierten Abstammung berechtigt waren, ohne aber der Hand Sun-Iat-sens, des Verbannten, zu entgleiten. Sun-Dat-Scn war aber nicht nur die Heimkehr auf immer verboten, sondern die chinesische Regie« rung hatte in weisem Selbsterhaltungstrieb auf das Haupt dieses Mannes eine Belohnung ausgesetzt, die sich auf zwei Millionen Mark belies— ein durchaus respektabler Achtungsbeweis seitens der Mandschudynastie. Es fehlte denn auch nicht an den„Bravi", die sich Lohn und Dank durch die Ermordung Sun-Dat-SenS zu verdienen trachteten, und die Attentate auf ihn hörten nie auf. Als man Sun-Dat-Sen auf die ständig ihm drohende Lebensgefahr vor einem Jahre aufmerksam machte, sagte er zu seinem englischen Freund Barker:„Sie sollen mich töten. Meine Person war vor zehn, fünfzehn Jahren noch unentbehrlich für unsere Sache, jetzt ity dem anders. Es gibt schon viele Chinesen, die mich zu ersetzen vermögen." Daß es dieser Chinese mit seinen Studien ernst nahm, beweist schon seine Erlangung des Doktortitels, dann aber mehr noch sein im Jahre 1664 erschienenes Buch:„Die Lösung der chinesischen Frage." Hier machte er einerseits der Wirtschaft der Mandschu« dynastie den verurteilenden Prozeß, und anderseits entwickelt er in diesem bedeutenden Werk das ganze Programm der Revolution, wie es sich jetzt abspielt. Besonderes Interesse für den Europäer haben diejenigen Kapitel dieses Buches, die den Fremdenhaß deS Chinesen behandeln. Sun-Nat-Sen leugnet diese Xenophobie. Nach ihm ist der Fremdenhaß das künstlich erzeugte Produkt der Mandschudynastie. Das politische Programm Sun-Dat-SenS weist als Hauptpunkt die Errichtung einer Bundesrepublik auf demokratischster Basis auf. Gegenüber dem Einwand, daß eine solche Demokratie der Jahrtausende alten und starken Tradition des Himmlischen Reiches nicht entspreche, weist Dr. Sun-Dat-Sen darauf hin, daß gerade sein Programm die wirkliche Tradition befolge, wie sie durch den großen Konfutse niedergelegt worden sei. Erst die Fremdherrschaft habe die Günstlingswirtschaft, die Korruption, den Despotismus und eine tyrannische Bureaukratie gezeitigt, diese Krebsübel des gelben Kolosses. Der große Moralphilosoph und Politiker Konfutse sagt in der Tat ausdrücklich:„DaS Wich- tigst« im Staat ist das Volk; dann erst kommen die Götter. Am unwichtigsten ist aber der Herr- scher."_ LeCtztc ftadwichtcn* Massenvergiftungen von Obdachlosen. Berlin, 27. Dezember. Hierzu erhalten wir noch in späfer Nachtstunde folgende amtliche Meldung: Nach den Krank« heitserscheinungen und dem Ergebnis der Sektion einer unter den typischen Erscheinungen verstorbenen Person, handelt es sich bei den Erkrankungen im städtischen Obdach jedenfalls nicht um eine ansteckende Krankheit, sondern mit hoher Wahr- scheinlichkeit um eine Nahrungsmittelvergiftung. Tie Quelle der letzteren ist bisher nicht ermittelt worden: es ist aber mit Sicherheit anzunehmen, daß es sich um Nahrungsmittel handelt, die in das städtische Obdach eingeschleppt worden sind. Es sind bis jetzt 45 Krankheitsfälle gemeldet, wovon bisher 30 tödlich verlaufen sind. In den letzten Stunden haben die Er» krankungen an Zahl und Krästigkeit nachgelassen. Tie Sperre über das Obdach, das heißt das Verbot, das Obdach zu ver- lassen, ist jetzt aufgehoben worden. Türkische Siegesmeldung. � Konstantinopel, 27. Dezember.(W. T. B.) DaS Kriegsministerium veröffentlicht eine Depesche, wonach die Türken und Araber am 22. d. Mts. die italienischen Stellungen in T o b r u k ange- griffen hätten. Es sei ihnen gelungen, in die italienischen Ver- schanzungen einzudringen: der Kampf habe zwölf Stunden gedauert. Die Türken und Araber hätten ein Maschinengewehr und eine Anzahl Gewehre erbeutet. Sun-Aat-Sen Präsident der chinesischen Regierung. Schanghai, 27. Dezember.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Wutingfang und Tangschaoyi prüften heute den Vorschlag, die Eni- scheidung über die künftige Rcgierungsform einer besonderen Nationalversammlung zu unterbreiten. Mit der Ankunft Sun- Aat-Sens machte sich ein neuer bedeutungsvoller Faktor geltend. Man nimmt an, daß er morgen durch die Vertreter von achtzehn Provinzen einstimmig zum Präsidenten der provisorischen Regie, rung drr vereinigten Provinzen von China gewählt werden, dann ein Kabinett bilden und eine Proklamation erlassen wird, in der er unte« Ignorierung der Verhandlungen zwischen Wutingfang und Tangschaoyi den MandschuS und dem Hofe seine Bedingungen stellen wird. Eine Bauernrevolte in Galizien. Wien, 27. Dezember.(Meldung der P.-C.) AuS Czernowitz wird gemeldet: Gestern rückten über 860 Bauern deS Ortes Soboda gegen das Gut Jspas in der Nähe von Mznitz vor, nahmen daS Gut in Besitz, vertrieben die Herrschaft und Tagelöhner und richteten sich im Schlosse häuslich ein. An der Spitze der rebellierenden Bauern stand der Gemeindevorsteher. Alle Versuche, die Bauern zu veranlassen, daS Gut zu räumen, waren vergeblich. ES ist Militär requiriert worden, um die Bauern von dem Gut zu ver- treiben. Die Rettungsarbeit auf Zeche„Tcutoburgia*. Castrop, 27. Dezember. Obschon auf Zeche„Teutoburgia� während der Feiertage Tag und Nacht rastlos an der Bergung der vier noch durch die Schlagwetterexplosion eingestürzten Gesteins- masscn verschütteten Bergleute gearbeitet wurde, war die Bergung bisher nicht möglich. Von den sechs bei dem Unglück zu Tode ge- kommenen Leuten waren fünf verheiratet. Diese hinterlassen außer den trauernden Witwen zwanzig Waisen. » Essen, 27. Dezember. Auf Zeche„EngelSburg" Mrdey zwei Bergleute verschüttet; beide sind tot. verhängnisvoller WirtShauSstreit. St. Ingbert, 27. Dezember. Eine in einer Wirischast gastie» rende Tiroler Sängergescllschaft geriet mit Gästen, die das Konzert störten, in Streit. In dessen Verlauf gab der Glas» macher Weil acht Schüsse auf die Truppe ab, wodurch ein Mitglied getötet, ein zweites schwer, ein drittes leicht verletzt wurde. ßaiflSmgert Co.. Berlin S>V. Hierzu 4 Brflage« u. Untertzaltu«»«� Nr. 302. 28. IahrMg. 1. Skilagk des Jotitiärts" ftrlintt DxIKsdlM k>oli«tt»tag, 38.(ML Die Heimarbeit I» Frankreich. Von Hermann Fernau. Wie sehr das schmerzliche Problem der Heimarbeit auch bei unseren Nachbarn die Geister beschäftigt, wird uns durch eine soeben beendete Enquete bewiesen, die das französische Arbeits- niinisterium über die Lage der Waschearbeiterinnen angestellt hat und deren Resultate nunmehr in b Bänden komplett vorliegen. Wir ersehen auS dieser offiziellen Ermittelung, dah auch Frankreich zu den Ländern gehört, in denen die Heimarbeit ein Krebsschaden unserer modernen Industrie geblieben ist. WaS ist die Heimarbeit? Das ist nicht, wie manche Leute Itoch glauben, ein Nebenverdienst, den man stch an langen Winter- abenden verschafft, sondern es ist die aufreibende, die ganze Arbeits- kraft deS Individuums in Anspruch nehmende und schlecht bezahlte Arbeit, wozu der Unternehmer das Rohmaterial liefert und die der Heimarbeiter als sassonnierte Ware abliefert. Alle Unkosten für Werkzeuge, Zutaten, Beleuchtung, Heizung usw. gehen dabei zu Lasten der Heimarbeiter, die keinen festen Lohn erhalten, sondern pro Stück bezahlt werden. Etwaige Fehler in der Ausführung. Verlust oder Verschwendung des Materials bringt der Unternehmer in Abzug. In ihrer übergroßen Mehrzahl sind die Heimarbeiter Frauen und ihre Stellung im sozialen Erwerbsleben macht aus ihnen isoliert lebende, furchtsame Geschöpfe, die in beständiger Angst leben, von heut auf morgen ihren Erwerb zu verlieren, sich unter- einander die schädlichste Konkurrenz machen und von zahlreichen Zwischenhändlern, Zwischenunternehmern usw. um so leichter aus- gebeutet werden, als sie keinerlei individuelle oder kollektive Mittel zur Verteidigung ihrer Interessen besitzen. Ich kenne keinen künstlerisch geschriebenen, in seinen Gefühls- cffekten sorgsam berechneten Roman, der einen tieferen und trauri- geren Eindruck hinterläßt, der uns unmittelbarer zum Mitleiden ,nit diesen taufenden von Arbeiterinnen zwingt, als die Lektüre dieser mit Statistiken gefüllten fünf Bände des Arbeitsministers. Für jeden, der über ein normales Einkommen verfügt, bleibt die Existenz dieser Frauen in der Tat ein schier unlösbares Problem. Denn das inmitten unserer Zivilisation Tausende von fleißigen Menschen mit weniger als ein Frank am Tage leben müssen, wird gewiß vielen unglaublich erscheinen. Die Rundfrage des französischen ArbcitSministerS beschäftigt sich wie gesagt vorzugsweise mit der Wäschekonfektion und erstreckt sich über ganz Frankreich. Die private Wöschekonfektion, die früher nur in einigen französischen Industriezentren bekannt war, hat sich allmählich über fast alle Distrikte in Frankreich ausgebreitet und namentlich liefern heute die landwirtschaftlichen Gegenden eine enorme Armee von Heimarbeiterinnen, die sich ständig erneuert und vergrößert. Junge und alte, lcdige, verheiratete und ver- witwete Frauen sowie Kinder aller Altersklassen arbeiten sowohl direkt als auch durch Zwischenhändler aller Art für die großen Warenhäuser und für den Engros- und Exporthandel. Im ganzen ernährt die Heimarbeit in Frankreich etwa 1 200 OSO Menschen, wo- von rund 000 000 Frauen in der Wäschekonfektion beschäftigt sind. Ganz kleine Ortschaften der Distrikte Sologne. Anjou usw. machen den großen Industriestädten des Nordens Konkurrenz und dieser immer wachsende Wettbewerb der ländlichen Heimarbeiterinnen, die sich mit sehr wenig begnügen und sehr billig wohnen, drückt natur- gemäß die Löhne der Arbeiterinnen in Paris, Lyon, Roubaix usw. auf ein Minimum herab. Wie illusorisch muten unS nicht bei näherer Bekanntschaft mit diesen Verhältnissen jene gelehrt zusammengestellten Statistiken an, womit nianche Soziologen uns die ständige Aufwärtsbewegung der Arbeitslöhne beweisen. Leider haben unsere Statistiker bei ihren Berechnungen noch nie die Löhne der Heimarbeiterinnen in Betracht gezogen. Könnten sie sonst zu ihren so beliebten optimisti- schen Schlußfolgerungen kommen? Was in derTat verdient eine Heimarbeiterin? Die Fragebogen des Arbeitsministers(die man gewih nicht der Uebcrtreibung wird zeihen können) belehren uns, daß eine Wäsche- arbeiterin meistens nicht einmal(0 Centimes in der Stunde ver- dient. In den Departements Eher, Allier, Sarthe usw. schwankt der stündliche Arbeitslohn zwischen 5—6 Centimes, während er in Paris und anderen großen Städten auf 12—15 Centimes steigt. kleines Feuilleton. Theater. Theater in der Königgrätzer Straße:.Die fünf Frankfurter", Lustspiel von Karl Rößler. Die Episode auS der Regierungszeit der fünf Rothschildsöhne, die Rößler frei erfunden hat und seinen.Milieuzeichmuigen als Handlung unterlegt, möchte man von Shaw gestaltet sehen. Der hätte wohl olle seine paradoxen Lichter über die neue Finanzmacht und die alte bankrott gewordene Fürstenherrlichkeit spielen lassen und die Gegen- sätze(und die höhere Einheit) in witzigen Antithesen herausgearbeitet. Rößler begnügte sich init einem tainiemenverheißenden Lustspiel, in dem ein nach alten und neuen Börsen- und benachbarten Witzen ver- langendes Publikum sich amüsieren„nd an der immer noch beliebten Biedermeierei in Kostüm und Ausstattung erfreuen kann. Man schreibt 1822. Die fünf Gebrüder Rothschild, die so hübsch Europa unter sich verteilt haben, sind im Frankfurter Stammhause in der Judengasie versammelt, Triumphe auszukosten und neue Pläne zu erörtern. Das schlicht-behagliche Milieu wird in der Mutter Gudula verkörpert, der Vertreterin des Alten. In Solomon, den, Wiener Rothschild, ist der neue Typus lebendig, der weiß, daß Geld alles kann, und gerade aufs Ziel geht. Er hat eben der ganzen Familie die Baronisierung besorgt und will jetzt dem verschuldeten Herzog vom TaunuS neue Geldcrkbesorgen, falls er seine Tochter Charlotte heiratet, zum Ruhme der Dynastie Rothschild. Die anderen schwanken und zeigen Bedenken. Aber cS lockt sie doch bis auf den Jüngsten, Jacob, der in feine Nichte verliebt ist. Der zweite Akt entwickelt das herzogliche Milieu— im Operettenstil. Durchlaucht ist Welt- und Lebemann durch und durch. Am liebsten würde er das ganze Herzogtum verkaufen, um in Paris zu leben. Der Vorschlag SaloinonS verblüfft ihn kaum, und da er neue Millionen verspricht. geht er rasch darauf ein. Die große StaatSaktion soll im letzten Akt perfekt werden. Der Einspruch Gudula», die dem Herzog und sich eine starke Szene macht, nützt nichts. Aber an einem unver- muteten Hindernis zerschellt der schöne Plan. Charlotte spricht sich (grab im letzten Moment) mit Jacob aus und schlägt dann einfach den werbenden Herzog au». Der ist ganz zufrieden. Eine Million bot er in bar bereit« erhalten. Die allgemeine Rührung aber feiert Orgien, da sich die beiden Rothschilds kriegen. ' So überlistet Durchlaucht seinen Finanzjuden, und so erscheint die traditionelle Rothschildsche Familienpolink, untereinander zu heiraten, als Sieg des guten(bescheidenen!) Familiensinns und der klugen Energie eines Mädchens. Unter den Faktoren, die den Erfolg beschieden, ist neben den Witzen vor allem der von F. Götz entworfenen Ausstattung zu ge- denken. Die Darsteller suchten die verschiedenen Rothschilds zu chaxikterisieren, die noch am ehesten bei Solomon(H a r t a u> und Auselm(H e r z f e l d) möglich war. Als alte Mutter Gudula fand Fr. Maria Mayer die Töne schlichter Herzlichkeit. Das Publikum nahm die leichte Ware von der harmlos-luftigeu Seite und amüsierte sich nach Kräften.—*• Mufik. Kurfürstenoper:»Der Schmnck der Madonna*. dreiaktige Oper von Ermanno Wolf-Ferrari. Der durch- Die wenigen, die mehr als 20 Centimes verdienen, dürfen sich für Privilegierte halten..Man muß eine gute Arbeiterin sein," sagt eine Hemdenmacherin in Rouen,.um 1.25 Frank am Tag zu verdienen, und dabei darf man nur einige Stunden in der Nacht schlafen." Diese Arbeiterin hat in der Hochsaison in einer Woche 127 Hemden anfertigen können, aber diese Arbeit hat ihr, alle Spesen abgerechnet, nicht mehr als 10 Frank eingebracht.— Ein Unternehmer im Departement Eher beklagt die Geringfügigkeit der Löhne und erklärt:.Selbst wenn eine gute Arbeiterin all die Zeit arbeitet, die ihr ihre Haushaltung laßt, so kann sie nicht mehr als 50 bis 60 Centimes am Tage verdienen." Wenn man für Frankreich den Durchschnittsjahresverdienst einer dieser Arbeiterinnen sucht und ihn mit 300 Frank veranschlagt, so liegt in dieser Ziffer ein gewisser Optimismus, der durch die Details der angestellten Rundfrage stark gedämpft wird. Denn diese Rund- frage besagt in der Tat, daß manche Frauen nur 100 Frank und sogar noch weniger im Jahr verdienen; in einigen Gegenden, wo die Heimarbeit erst zu den„Errungenschaften" der Neuzeit gehört, schwank der Verdienst zwischen 100— 200 Frank. Für Paris selbst sind Witwen mit'170— 330 Frank angegeben. Die Fragebogen, die sich nach den näheren Umständen erkundigen, er- zählen uns beispielsweise, daß eine Frau, die ihre Mutter zu ernähren hat, 310 Frank verdient, eine unverheiratete 37jährige Frau, die zeitweise bis 19 Stunden am Tag arbeiten mutz, 340 Frank; zwei Frauen, Mutter und Tochter, zusammen 300 Frank und so fort. Wenn es sich, wie gesagt, hier nicht um eine offizielle Enquete handelte, von der man eher erwarten kann, daß sie be- schönigt statt zu verschlimmern, dann könnte man glauben, diese fünf gewichtigen Bände mit ihren bedrückenden Details seien das Werk eines schlechten Spaßvogels, der seinen Zeitgenossen gruseln machen wolle. Und dabei arbeiten diese Unglücklichen, um einen so kläglichen Verdienst zu erreichen, durchschnittlich 12 Stunden am Tag. Gerin- aere als zehnstündige Arbeitszeiten kommen eigentlich nur während der toten Saison vor, die in dieser Branche etwa zwei Monate im Jahre dauert. Dagegen sind 15, 16, ja sogar 10 Stunden in der Hochsaison keine Seltenheit. Wie diese Frauen außerdem noch ihren Haushalt besorgen, ihre Kinder pflegen können, wie und ob sie überhaupt Zeit für ihre Gesundheitspflege oder für ihre Erholung finden, das alles sind beängstigende Geheimnisse, die uns die Enquete des Arbeitsministers nicht enthüllt. ES ist unter diesen Umständen nur allzu verständlich, dah unS die Fragebogen beklagenswerte Details über die Gesundheit der Heimarbeiterinnen berichten. Mehr als ein Drittel beklagt sich über Krankheiten aller Art. Und dabei kann man annehmen, daß die Fragebogen lügen, insofern viele zu stolz oder zu un- wissend sein mögen, über diesen heiklen Punkt Aufschluß zu geben, ganz abgesehen von den vielen, die da instinktiv fürchten, ihre Arbeit zu verlieren, wenn sie sich beklagen.— Wie sehr die Tuber- kulose und andere ansteckende Krankheiten in diesen Milieus gras- sieren, wie außerordentlich gefährlich infolgedessen die Produkte der Heimarbeit für den Konsumenten werden können, darauf hat man gerade in der neuesten Zeit von so vielen und matzgebenden Seiten her hingewiesen, daß man sich füglich wundern darf, warum das große Publikum nicht schon längst versucht hat, die Erzeugnisse der Heimarbeit zu boykottieren. Auf der Heimarbeitausstellung in Brüssel 1010 hat man beispielsweise Photographien von drei- und vierjährigen, masern- und scharlachkranken Kindern gezeigt, die im Bett sitzend, mit Bonbonemhüllen beschäftigt sind. Es ist also fast eine grausame Ironie, wenn daS Publikum glaubt, die Papier- cinhüllung(die in 0 von 10 Fällen Heimarbeit ist) verbürge die Sauberkeit dieser Näschereien.— Sprechen wir nicht von der mora- tischen Gesundheit der Heimarbeiterinnen. Es ist nur allzu klar, daß die Frau, die trotz angestrengtester Arbeit nicht einmal ein Frank ani Tage verdient, mit Leichtigkeit den Versuihungen der Straße erliegt, sofern sie allein steht und leidlich hübsch ist. Warum aber, so wird mancher Leser fragen, i st die Heimarbeit in den Kulturländern noch so ver- breitet? Die Antwort darauf ist bald gefunden: Wenn sich die Heimarbeit namentlich in den letzten Jahren so enorm ausgebreitet hat, dann vor allen Dingen deshalb, weil sie sich bis jetzt gänzlich jener gesetzgeberischen Schutzmahregeln entzieht, die für die Fabrik- arbeit von Jahr, zu Jahr schärfer werden. Der Fabrikant oder schlagende Erfolg, den die Erstaufführung erzielte, scheint dem Werk eine lange Dauer auf dem Repertoire zu verheißen; aber auch ab- gesehen davon sind das Werk und seine Vorführung einer genaueren Betrachtung wert. Der Griff in daS„neapolitanische Volksleben", den wir jetzt zu sehen und zu hören bekommen, ist allein schon eine Stütze deS Erfolges. Eine eigentümliche Verbindung im Volke steht dabei voran. Denen, die sich nicht? daraus machen, Leben und Gut zu zerstören, dünkt es unmöglich, einer Madonnenstatue ihren Schmuck zu rauben. Das vermag nicht einmal der Häuptling der Camorra: Raiaele, der Maliella bezaubert. DaS vermag nur der warmherzige Schmied Gemiaro, der inbrünstig die Madonna verehrt und die teuflische Maliella liebt, der um ihrer willen den Madonnen- schmuck raubt, und den als einen völlig Verfluchten auch die Tot- fchläger nicht anrühren., Die HcrauSarbeitung dieses Gq>ensatzeS ist daS Beste am Text- buch. Im übrigen ist es trotz alle» Anscheines von Poesie und trotz seiner Gewähr emeS Erfolges doch nur eine Mordskomödie, mit einer Fülle von epischen und lyrischen Schilderungen. Der Hauptsache nach stammt eS vom Komponisten selbst. Lang, ehe die sogenannte„veristische" Oper deS neuen Italiens um 1800 durchdrang, hatte ihre Art zu wirken begonnen. So durch A. Ponchielli mit leiner„Giconda" von 1876, dw schon viel von dem„Schmuck" vorwegnimmt. So durch BizetS„Carmen" von 1875, die dann mit Späterem zusammen nicht übel unter dem TypuS der„tragischen Operette" zusammengefaßt wurde. Wols-Ferrari besitzt nicht BizetS charakteristische Melodiensülle, steht aber hoch über italienischem Spektakel. Als Vermittler zwischen deutscher und italienischer Musik ein Unikum, hat er die deutsche und auch französische Tradition zur Vervollkommnng dessen verwendet, was man heute italienische Oper nennen kann. Man muß ihn des- wegen noch keinen„Eklektiker" nennen. Baut er auch keine neue Straße, so steht er doch fest auf einer Höhe. Niemals wird er trivial, jedenfalls nie mehr, als die dramatische Gelegenheit es ver- langt. Er scheut vor keinen Diffonanzen, freien Uebergängen, schnellen Abwechselungen zurück. Eindringliche Hauptmotive ziehen sich durch'S Ganze hindurch und wachsen uugefucht zu behaglichen lyrischen Breiten an. Breit, manchmal bis zum Er- müden, ist der Komponist überhaupt; doch sein gut und echt mclo- diöser Zug versöhnt damit. Auch der Steigerungen ist er Meister; für ihren Gipfel fehlt'S nicht an geschickter Charakteristik sowie an Lieblichem und Rührendem, wie zum Beispiel bei der Hingabe MorriellaS an den ungeliebten Schniuckräuber zu Ende des zweiten Aktes. Die überzeugende Größe der musikalifchen Sprache fehlt dann allerdings. Das Ganze hat viel Vernunft und Schönheit in den großen Linien seine» Zusammenhanges, eine sichere Ueberlegenheit über die Verführungen zu Künstelei und Effekt, eine, glaubwürdige Geschicklichkeit, da« durch mannigfaltige Sonderinstrumente ergänzte Orchester zu behandeln. Mit der Ausstattung und Aufführung deS Werkes, das aussieht als fei es eigens im Sinne der Gregor- und MoriS-Ueberlieferung hergerichtet, hat sich die Kurfürstenoper geradezu ein historisches Verdienst erworben, obwohl manches in ihrem eigenen Sinne noch reicher und genauer sein konnte. Die schwierige Rolle der wider- lichen Mariella wurde von der uns neuen Ida Salden in Spiel und Sang mit bester Charakteristik durchgeführt. Paula Weber fiel in der Rolle der Mutter GennaroS durch eine vollklingende Alt- stimme auf. Die beiden Liebhaber waren von zwei Sängern gut Händler, der seine Waren draußen anfertigen läßt, kann straflos unsere gesamte soziale Gesetzgebung ignorieren. Wird die Fabrik- arbeiterin beispielsweise in Frankreich durch ein Gesetz beschützt, das eine Maximalarbeitszeit von 10 Stunden vorschreibt, so wird dieses Gesetz für die Heimarbeiterin, die auf eigene Rechnung und allein arbeitet, natürlich illusorisch. Außerdem kommen für den Heimarbeitgeber auch alle lästigen Gesetze über die Hygiene und Sicherheit seiner Fabriklokalitäten in Fortfall; er spart nicht nur die Miete für große Fabrikräume, sondern auch alle Beiträge für Unfall- und Krankheitsversicherungen usw.— Ein Pariser Fabrikant erklärt, daß er vorzieht, seine Arbeit aus dem Hause zu geben, „weil er dergestalt die Unkosten für Miete spart, keinerlei Ueber- wachung auszuüben hat und weil ihm bei der Festsetzung der Selbstkostenpreise alle Ueberraschungen erspart bleiben". Ein anderer sagt:„Mit der Atelierarbeit weiß man nir. ob man mit Gewinn oder Verlust arbeitet und muß die Inventur abwarten; mit der Heimarbeit dagegen sind es immer die Arbeiter, die ein etwaiges Risiko tragen."„Bei der Heimarbeit ist man viel beruhigter", erklärt ein dritter,„denn mit ihr vermeidet man jede Streikgefahr und außerdem ist sie viel moralischer(?)". Aus allen diesen Gründen erklärt eS sich, daß die Unternehmer, die Zwischen» Unternehmer und Händler die Heimarbeit überall da bevorzugen, wo sie überhaupt möglich ist. Ja, eine ganze Anzahl von ehe- maligen Wäfchcfabrikanten haben sich mit Hilfe der Heimarbeit in einfache Händler umgewandelt, die nur noch draußen arbeiten lassen. Verringerung der Löhne, der Mieten und der allgemeinen Unkosten, größere Sicherheit des Betriebes, an Stelle etwaiger Koalition die vollständigste Hilflosigkeit, Isoliertheit und gegen- fettige Lohnkonkurrenz der Arbeiterinnen usw., dies alles sind bestechende Vorteile für den Fabrikanten resp. schier unüberwind- liche Hindernisse für Beseitigung des Uebels.— Allerdings gibt es auf der anderen Seite zahlreiche Unternehmer, die die Heim- arbeit eingeschränkt wissen möchten, weil die Fabrikarbeit in ihrer Branche zugleich für sie und für ihre Arbeiter produktiver und besser ist.— Daß sich die etwas vorväterliche Produltionsweise der Heimarbeit vor den Fortschritten der Technik und des Maschinis- mus von selbst verlieren werde, ist zwar eine häufig geäußerte Ansicht, die sich aber leider durch die neuesten Erhebungen des französischen Arbeitsamtes nicht nur nicht bestätgt, sondern geradezu widersprochen findet. Die zahlreichen und traurigen Uebelstände der Heimarbeit existieren nicht nur etwa in Frankreich, sondern in der ganz gleichen Weise in allen Kulturländern; ihre Beseitigung ist heute eine internationale Frage geworden, an deren Lösung alle Par- teien mitarbeiten sollten. Bereits im Jahre 1003 lud ein Ber- liner Arbeiterkongreß die deutsche Regierung ein, die Initiative zu internationalen Kongressen„zwecks Beseitigung der antihhgienischen Heimarbeit" zu ergreifen. Leider hat sich die deutsche Regierung nicht in diesem Sinne betätigt und erst im Jahre 1010 berief Belgien einen internationalen Kon- greß zur Besprechung dieser Frage ein; neun Länder(Deutsch- land, Oesterreich, Dänemark, die Vereinigten Staaten, Frankreich, Holland, Italien, Rußland und Belgien) haben an diesem Kongresse teilgenommen und über die verschiedenen Möglichkeiten zur Be» seitigung der Heimarbeit beraten. Zunächst könnte die Privatinitiative eingreifen. Die Kon- sumenten müßten so lange und so eindringlich auf die Gefahren der Heimarbciterzcugnisse hingewiesen werden, dah sie diese all- mählich boykottieren rcsp. von den Fabrikanten und Ladeninhabern Rechenschaft über die Herkunft der Waren verlangen.— Von den Unternehmern selbst ist wenig zu erwarten; sie könnten freilich auf dem Wege der Verständigung einen Minimallohn festsetzen, aber ebenso leicht könnte diese Verständigung auch dazu führen, die heutigen tzungerlöhne noch mehr zu drücken. Ein Pariser Unter» nchmer versuchte im letzten Jahre eine Verständigung aller Kon- fektionSfabrikanten dahingehend zu erzielen, daß er einen täglichen Minimallohn von 1 Frank für das Land, 1,50 Frank für Städte mit weniger als 100 000 Einwohnern und 2 Frank für Paris fest- setzen wollte. Sein Vorschlag blieb ganz unbeachtet.— Auf der andern Seite haben fast alle Arbeiterkongresse den Heimarbeitern zur Bildung von Gewerkschaften geraten. Einige Versuche in diesem Sinne sind zwar gemacht worden, sind aber bis jetzt fehlgeschlagen. So sind die in Rouen und Saint Omer gebildeten Gewerkschaften dargestellt, die wir in der Kurfürstenoper schon kennen gelernt: dem Bariton Z a w i l o w s k f und dem— wieder etwas typischen— Tenor Kurt F r e d e r i ch. Dircngt Selmar Mehrowitz und sein Orchester alles Lobes Werl I UebrigenS bewährt sich der Jnnenbau der neuen Oper bei öfterem Besuch ästhetisch und technisch doch nicht so gut, wie es anfangs schien. Die Ornamentik wird bald öde. Und als eS uns eine Slunde vor Anfang gerade noch möglich war, einen teueren Logensitz zu erkämpfen, hatten wir wieder einmal einen„sehr guten", d. h. sehr schlechten" Siy— einen vom„Rangsystem", der nur ent» weder für GesellschaftSlcute oder für Akrobaten paßt.«2. Humor und Satire. Zwischen HerrmannS-Schlacht und Weihcnacht. Die Witwe Hermann möchte Geld bezieh'«, Und sie verklagt den Fiskus von Berun. Wie»» sorgt denn Vater Herrmnnn nicht für Brot? Nein— ein Beamter JagowS schlug ihn tot! ES war in Moabit vor Jahr und Tag, Die HerrmannS-Schlacht heißt'S, wo er unterlag. Und weil er doch bloß ein Prolete war, Erwog man auch die Sühne nur in bar: Hier, Witwe, haben Sie ein Pflaster drauf, Dann aber Schluß— Sie halten uns nur auf l Jedoch: was tut dies Weib? Es hält sich stramm Und will und will gleich eine Rente Hamm! Und läuft für HerrmannS Kinder zun» Gericht. Der Fiskus aber spricht: Mich fangt Ihr nicht i Und immer, wenn die Witwe kommt und klagt, Wird— leider, leider!— der Termin vertagr. Nun, zwischen HerrmannS-Schlacht und Weihenacht. Wird dieses Spiel zum fünftenmal vollbracht. Die Witwe denkt und hofft: ein christlich Fest— Vielleicht daß er stch diesmal rühren läßt! Umsonst, umsonst— er hält die Rente fest-» Weil sich— der Täter nicht ermitteln läßt. Die Witwe spricht: Ihr Kinder, seid nur still— Vielleicht im nächsten Jahr— wie Gott eS will I Uebt fleißig, daß ihr euch ein Christkind— malt, Bis der uns VaternS Leiche doch bezahlt! (Peter Scher im„SimplicissimuZ'.) » Notizen. — Die Ausstellung der Sezession ist um einige Tage verlängert worden. Der Schluß findet am Dienstag, den 2. Januar, nachmittags 5 Uhr, statt. —„DaS Mirakel" von Voll möller mit der Musik Humperdincks, das seit langem vorbereitete und als neue» Weltwunder gepriesene RiesenausstattungSstück, ging im L o n d o n e e Ausstellungspalast„Olympia" in Szene. Reinhardts JnfzeufvZMg machte besonders im ersten Akt großen Eindruck. Wasch?» und AousektwiiZarkeiterinnen schnell wieder an Geldmangel gestorben. Wer wollte auckz von den Armen, die nicht ein- nial l Frank am Tage verdienen, noch Gewcrkschastsbeiträg« er- lieben? Die Kooperationen, die da und dort von den Heimarbeitern gebildet wurden ziveckö gemeinsamen Einkaufs von Materialien, Beseitigung der Zlmschenunternebmer itfin. leiden an denselben Mängeln. In Paris haben sich allerdings einige dieser Genossen- schaften erhalten können, aber es sind mehr mildtätige und ton- fessionelle Institute, die von der Nächstenliebe einiger wohlhabender Persönlichkeiten abhängen. Lobend zu erloähnc» wäre hier, daß beispielsweise die �Handschuhiuachergelverkschastcn in Deutschland und in Schweden stark genug gewesen sind, den Fabrikanten die Heimarbeit in ihrem Gewerbe unmöglich zu machen. Eine durchgreifende Besserung wird hier wahrscheinlich erst mit Hilfe eineÄ möglichst international durchgeführten Gesetzes zu erzielen sein. Zahllose Arbeiterkongresse haben die Regierungen aufgefordert, die Heimarbeit einfach zu verbieten. Aber weder der Kongreß in Brüffel noch der französische Arbciisminister haben diese Lösung befürwortet, da sie aus mancherlei Gründen un° durchführbar erscheint. Eine viel wirksamere Maßregel wäre die Festsetzung eines M i n i m a l l o h n e s, und über diesen Punkt find sich fast alle Parteien, einbegriffen die Unternehmer, einig. Ein derartiges Gesetz existiert bereits in A u st r a l i e n seit 15 Jahren und seit I!)IV in England.— Auch in Deutschland sind bekanntlich im Reichstage mehrfach von sozialdemokrc- tischer Seite Forderungen gestellt worden, der Geloerbeordiuing eine derartige Bestimmung zuzunigen. aber die Regierung und die bürgerlichen Parteien haben jedesmal erklärt, die Idee eines Minimallohnes in der Industrie sei nicht vcrwirklichbor, da man die freie Konkurrenz nicht unterbinden könne.— In Oesterreich steht noch immer«in Regierungsprojekt aus dem Jahre 1907 zur Beratung, das für die Heimarbeiter Lohnbücher resp. eine Lohn- kontrolle vorsieht. Auch in Frankreich ist die Regelung dieser Frage noch immer nicht über die Einbringung einiger Gesetzentwürfe hinaus- gekommen. Ein Projekt des Abgeordneten de Mun sieht die Schaf- fung gemischter Komitees vor, die in jeder Region und Profession einen Minimallohn festsetzen und diese Sähe dann den Arbeits- ämtern zur Kontrolle vorlegen sollen. Ein' Gesetz vom 17. Juli 1908 sieht zwar die Schaffung solcher Kontrollstellen vor, bis heute sind aber noch keine gebildet worden. Das Problem bleibt also auch für Frankreich noch ungelöst. Man darf aber annehmen, dast jetzt, nachdem die langjährige Untersuchung des Arbeitsministers mit der Veröffentlichung von 5 Bänden Materials beendet ist, die Regierung endlich selbst ein Gesetz einbringen und durchdrücken wird, das� wenigstens die bedauerlichsten Uebelständ« beseitigt. Denn darüber ist sich alle Welt einig: Die Heimarbeit mit ihre» Hunger- löhnen und den sich daraus ergebenden sozialen Uebeln ist«ine Schande für die zivilisierte Menschheit. Es ist loahr, daß die Gesetzgebung nicht alles tun kann und daß eine durchgreifende Besserung wohl erst dann möglich sein wird, wenn die Arbeiterinneu selbst zu einer klareren Erkenntnis ihrer Menschenwürde ge- kommen sein werden. Aber von den Regierungen unserer Kultur- staaten darf man verlangen, daß sie wenigstens mit einigen Schutz- maßregeln die Basis für eine erste Besserung der Dinge schaffen. Es bedarf hier gewiß nur eines Anstoßes: Einmal aus dem schreiendsten Elend herausgehoben, werden die Heimarbeiterirnien selbst den Mut und die Energie finden, sich zu koalieren und Schritt um Schritt eine menschenwürdigere Existenz zu erringen dessen die Verjährung gehemmt ist, wird in der Verjährungsfrist nicht eingerechnet. Die Verjährung wird dadurch unterbrochen, daß der Schuldner dem Gläubiger gegenüber den Anspruch auf Abschlags- zahlung. Zinszahlung, Sicherheitsleistung oder in anderer Weise anerkennt oder falls Schuldner eine Abzahlung leistet. Die bloße Zusendung einer Rechnung oder sonstigen Mahnung unterbricht die Verjährung im allgemeinen nicht. Die Verjährung wird ferner dadurch unterbrochen, daß der Gläubiger gegen den Schuldner beim Gericht Klage erhebt oder den Erlaß eines Zahlungsbefehls beantragt. Nach Ablauf der Unterbrechung rechnet die Frist von neuem Die Forderung eines Schneiders z. B. für einen im Jahre 1909 gslicserten Anzug würde Ausgang 1911 verjährt sein. Anerkennt der. Schuldner aber die Forderung im Jahre l91l, so verjährt sie erst Ausgang 1913._ Hus der parteL Die tschechoslaki'.sche Partei und die dentscheu RcichStagSwahleu. Wir erhielten folgendes. Telegramm: „Ter heute(24. Dezember), in Prag tagende Partei- tag der tschechoslalvischen sozialdemokra- beauftragte daS Präsidium, der tischen Arbeiterpartei Ihnen in den» bevorstehenden W a h l k a m p f e den besten Erfolg zu wünschen. Ihren Kamps gegen die Regierung und die niit ihr verbündete reaktionäre Bourgeoisie wird daS tschechische sozialdeniokratische Proletariat mit seinen Sympathien verfolgen; es hofft auf freudige Sicgesnachricht." Wm verjährt eine Forderung? Die Rechtssicherheit, insbesondere der Verkehr verlangt, daß nicht in beliebig langer Zeit frühere Tatsachen zum Gegenstand rechtlicher Ansprüche gemacht werden. Der Zeitverlauf verdunkelt die Rechtslage. Die Rechtsordnung fetzt Verjährungsfristen, jedoch nicht für alle Rechtsverhältnisse. Ausgeschlossen von der Ver» jährung sind insbesondere Ansprüche oui einem samilienrechtlichen Verhältnis, auf Aufhebung einer Gemeinschaft, auf Berichtigung des Gnindlnchs, au? eingetragenen Rechten(ZinSansprüche verjähren aler> und Ai. spräche, die auf dem nachbarlichen ver hältniS beruHtl?. Die SerjährunzSfrist ist für die verschiedenartigen Forderungen eine verschiedene. Nur für ausgeklagte Forderungen beträgt die Verjährungsfrist 30 Jahre, ausgenommen bei Alimenten- und ZinSforderungen. Diese Ansprüche sind verjährt, sosern sie länger als vier Jahre zurückliegen, selbst dann, wcim sie ausgeklagt sind. Auch die regelmäßige LerjährungSsrist, z. B. für DarlehnS- fordeningen, beträgt 30 Jahre. Die Frist rechnet vom Tage der Entstehung ab. Em am 1. April 1912 fälliges Darlehn verjährt also mit Ablauf deS 31. März 1942. Anders ivird die VcrjährungS- frist da berechnet, wo kürzere Verjährungsfristen eingeführt find. DaS trifft auf fast alle Forderungen zu. die im werk- täglichen Leben entstehen. Für diese, einer zwei- und vier- jährigen Verjährungsfrist unterliegenden Ansprüche wird die Frist vom Sblaus des JahreS ab gerechnet, i» dem die Forderung entstanden ist. Zum Beispiel verjährt«ine Forderung auf Lohn- zahlung aus einem Arbeitsverhältnis in zwei Jahren. Ist die Lohnforderung 1907 fällig gewesen, so verjährt sie mit Ablauf deS 81. Dezember 1909. Einer vierjährigen Verjährung unterliegen insbesondere die Forderungen der Kaufleute. Fabrikanten, Handwerker für Lieferung von Waren oder für Ausführung von Arbeiten, wenn die Leistung für den Gewerbebetrieb deS Schuldners er- folgt ist, ferner für die Ansprüche auf Rückstand von Zinsen, von M i e t S- und Pachtzinsen, auf Rückstände von Renten. AuSzugSleistungen. Besoldungen, Wartegcldern. Ruhegehältern. Unterhaltungsbeiträgen und allen anderen wiederkehrenden Leistungen. Auch der Anspruch der Gemeinden und Landarmen- verbände auf Ersiottung von Armenunterstütznngen. gleichviel ob der Anspruch an die Unterstützten oder an ersatzpflichtige Verwandte. verjährt nach reichsgerichtlicher Entscheidung ebenfalls in vier Jahren. In zwei Jahren verjähren insbesondere die Ansprüche der Kaufleute. Fabrikanten. Handwerker und Kunstgewerbe- treibenden silr Warenlieferungen oder Ausführung von Arbeiten, ferner die Forderungen der Eisenbahnunter- nehmungen, Frochtstihrleute. Schiffer, Lohnkutscher und Boten, der Gastwirte und solcher Personen, die Speisen und Getränke ge- wcrbZmäßig verabreichen, diejenigen, die Lotterielose vertreiben. derjenigen, die im Privatdienst stehen, wegen des Gehalts, Lohnes oder anderer Dienstbezüge, der gewerblichen Arbeiter, G e« seilen, Gehilfen. Lehrlinge, Fabrikarbeiter, Tagelöhner und Handarbeiter wegen deS Lohnes und anderer an Stelle oder als Teil des Lohnes vereinbarten Leistungen, mit Einschluß der Auslagen, sowie der Arbeitgeber wegen der cuif solche Ansprüche gewährten Vorschüsse, der Lehrherren und Lehrmeister wegen des Lehrgeldes und anderer im Lehr- vertrag vereinbarter Leistungen sowie wegen der für die Lehrlinge bestrittenen Auslagen, der öffentlichen und privaten Unterrichts-, ErziehungS-, Verpfleg- und Heilanstalten, der Lehrer. Aerzte, Heb« ornmeu, NechkSonwälte, Notare. Gerichtsvollzieher, Zeugen und Sach- verständigen. Die Verjährung wird gehemmt, wenn die Zahlung ge- stundet worden ist«»der wenn der Schuldner aus einem anderen «runde vorübergehend zur Verweigernng der Zahlung berechtigt ist oder wenn der Gläubiger an der Rechtsverfolgung verhindert ist. Verhinderung an der RechtSverfolgung liegt nicht vor. wenn die Adresse des Schuldners unbekannt ist. Der Zeitraum, während jEine ErlnnerungSfricr an sozialistciigesetzliche Zeiten. Die Frankfurter Parteigenossen gedachten am zweiten WeihnachtSftiertag« in einer würdigen und imposanten Gedöchtnisseier der Opfer preußisch-deutscher Polizeibrutalität: der Genossen, die vor LS Jahren am Weihnachtsfeste von Frankfurt a. M. ausgewiesen wurden. Eine Reihe dieser allen Genossen hat ausgekämpft, die noch Lebende» wurden vom Sozialdemokratische» Verein zu dem EriiinernngStage eingeladen. Und zehn dieser Vor kämpf« haben der Einladung gerne Folge geleistet. Die Genossen Emil F l e i s ch m a n n- Frankfurt a. M„ Joh. H e d d e r i ch- Kassel. Friedrich H e u ß- Langen, Joseph H u b e r- Ludwigshafen a. Rh., G. Lutz- Frankfurt a. M.. M. M ü n z e r- Bürgel, Joh. R a p p- EeilSheim, Anton Schneider- Frankfurt a. M., Ed. Steinbrenner- Berlin, Otto Weber-Däruigheim. Auch einige Frauen der Ausgewiesenen, die tapfer alles Leid und Not trugen, daS über deren Familien hereinbrach, nahmen an der Feier teil, so die Frau deS verstorbene» Genossen P r i nz. Eingeleitet wurde die Feier durch den Vortrag eines von dein Gen. PreSzaug eigens hierfür verfaßten stiinmuiigZvollcn Prologs. Tann gaben aus den Reihen der Ehrengäste die Geilosseu H u b e r und Fleisch- in a n n Schilderungen der damaligen Käiiipse, der rigorosen Polizei lichen Verfolgungen, denen sie ausgesetzt und deren Kiöiimig die AuSweiiiing am Weihnachtsfeste bildete. Sie sprachen zum Schlüsse als höchsten Wniisch der SuSgelviesenen die Hoffnung au», daß die Sozialdemokratie in Franlfurt a. M. am 12. Januar aus eigener Kraft siegen möge. Und die ungesähr zwei- tausend Genoisiniiin und Genoffen. die diese AuSsühruiigen mit stürmischem Beifall aufnahmen, gelobte» damit, alles daran zu setzen, auf daß am 12. Januar die Fahne der Fortschrittlichen Volkspartei sich vor unseren Veteraiien neigt: alS schönste Ehrung der mutvollen Kämpfer.— Genosse Hermann Wendel sprach für die jüngere Generation da« Gelöbnis au«, im Sinn« und Geiste der Alten weiter zu länipfen. Er zog Vergleiche zwischen damals und heute. Vor 25 Jahren war die Partei noch kleiu, heute ist sse stark und mächtig: nach Hunderttausenden zählen ihre Mitglieder und nach Millionen ihre Wähler. Heute könnten es die SlaaiSinächte nicht mehr wagen, unsere Anhänger zu Weihnachten in Wind und Wetter hinaus zu jagen. Genosse Dr. O u a r ck erinnerte in seiner Ansprache daran, daß gerade auch 25 Jahr« verflossen find, seit er ans dem Justizdieiist gejagt wurde, weil er zu freiheitlich gedacht hat.— Ein Ehorgesang schloß wirkungsvoll die Veranstaltung, deren Teilnehmer vom kampfeSfreudigen Geiste durchdrungen. Sozialdemokratische Erfolge in voSnieu und Herzegowina, ff Die Sozialdemokratie der Balkanläuder hat wieder einen schönen Erfolg zu verzeichnen. Die Partei und die Gewerkschaften in BoSnien und Herzegowina haben in Sarajewo aus eigenen Mitteln ein groye« geräumige« Gebäude gekauft und iiir ein V o l k s h a u s eingerichtet, in dem olle Partei- und Gewerkschafts- Institutionen zusammengelegt werden. Die großen BersammlungS- säle, die jetzt den Organisationen zur Verfügung stehen, werden ihre Tätigkeit sehr erleichtern. Vom 1. Januar 1913 erscheint das Parteiblatt, G l a S Slobode', das bisher zweimal wöchentlich erschienen ist, drei- m a l wöchentlich. DaS Blatt erfreut sich protzer Sympathie bei der Arbeiterschaft und eines großen volitiscbeii Ansehens, da es der ein- zige unerschrockene Gegner der absolutistischen Regierung ist. Die unzähligen Beschlagnahmen, die Strafen und die Verbannungen der Redakteure haben dem Parteiblatte wie der Partei bloß mehr Abonnenten und Mitglieder und größeren Einfluß auf die Volks- masien gebrachr. Obwohl die Regierung sich ernstlich vorgenommen hat, die Ar- beiterbewegung mit Gewalt zu unterdrücken oder ihrem Vorwärts- dringen wenigstens Halt zu gebieten, feierten am Sonntag, den 17. Dezember, die Arbeiter Sarajewos die Eröffnung ihres Volks- Hauses mit dem Gelöbnis, die Kämpfe weiter zu führen. Gegen die Teuerung. Amsterdam, 24. Dezember.(Eig. Der.) Auf Initiative der holländischen S. D. P.(der neuen Parte:) hat sich bor kurzem ein..Nationales Komitee gegen die Teuerung" gebildet, bestehend aus S. D. P., Nationales Arbeiter-Sekretariat lN. A. S.) und dem Sozialistenbund. Die S. D. A. P.(die alte Partei) und das R. V. V.. die GewetkschaftSzentrale der modern organisierten Arbeiter, haben bisher rhr« Mitwirkung versagt: letztere ohne besondarn Grund dafür anzugeben, elftere, weil noch Meinung deL Parteivorstandes durch das Auftreten der sozial- demokratischen Fraktionen in den verschiedenen Gemeinderälen. durch daS Abhalten einer einzelnen Demonstration, sowie durch die hin und wieder vpn Unternehmern zugestandenen zeitlichen Lohn- zuschlagen schon alles gegen die Teuerung geschehen sei. was habe getan werden können. Trotzdem konstituierte sich in einer Per- sammlung, die heute im Saale des„IGeelvinck" unter der Leitung des Vorsitzenden der S. D. P.. Genossen Wynkoop, stattfand, das Komitee definitiv. Dem Aufrufe, der„an alle auf dem Stand- Punkte Klassenkampfes stehende Organisationen" gerichtet war, hatten außer den drei das vorläufige Komitee bildenden Landes- organisationeti noch 15 teils dem N. A. S. angehörend«, teils»och gänzlich isoliert stehende,„unabhängig" organisierte Gewerkschaften und die dem N. V. B. angeschlosicnen Brauer Folge gegeben, die eine Gesamtzahl von etwas mehr als 15 000 Arbeiter vertraten. In der Diskussion wurde allgemein das Fernbleiben der S. D. A. P. und des N. B. V. bedauert und der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß die Absage beider LandeSorganisatwncn nur eine vorläufige sei und daß. mit Rücksicht auf ein ungebrochenes, einheitliches Auftreten des gesamten holländischen Proletariat» und in Erwägung de» wegen der in Holland im allgemeinen so niedrigen AxbeitSlöhne doppelt schwer gpf den Axbutexv lgstxndeo Tkuerungs- drucke», deren dcmnächstiger Anschluß an daS Komitee nach noch« maliger reiflicher Ilcbcrlcgung doch noch erfolgen Möge. Man meinte, daß von feiten der Arbeiterschaft noch durchaus nicht �in genügender Weise gegen die Teuerung aufgetreten sei. Ganz be- sonders bemerkenswert war au diesen Verhandluntzen auch das gerade von den an erster Stelle„unabhängig" Organisierten aus- nahmslos und wiederholt Ausdruck findende dringende Verlangen nach Einheit de? holländischen Proletariats und daß die gegenseitige Fühlung, die die gegenwärtige Gelegenheit biete, zur dauernden Einheit führen möge, schließlich einigte man sich nach wenigen Acnderungen und mit allgemeinen Stimmen auf die vom vorläufige»! Komitee vorgeschlagene Resolution, welche folgendes als Grundlage der Komiieetätigkeit fest. legt: Gründung von örtlichen Agitationstömitees, Verbreitung einer Stbrist in 100 000 Exemplaren, Abhaltung von Versamm- lungen und einem großen Landesmeeting, eventuell von Straßen» demonstvationen; auch können Adressen betreffs der Teuerung an Regierung, die Kommunen und Genieinderäte gerichtet lverden. Als allgemeine Forderungen stellt die Resolution auf: a) Ab- schaffung aller Sorten von Steuern auf Lebensmittel; b) Lohn- erhöhung für alle Arbeiter im Dienste von Reick. Gemeinde oder andern öfsentlicken Körverschaiten; e) ferner, daß alle von diesen auszugebenden Submissionen einen höheren Lohn als den bestehen» den bedingen sollen; ck' Festsetzung der Marimumpreise durch die Gemeinde für die notwendigsten Lebensmittel, da die Teuerung keine Fol«« des Mangels an Lebensmitteln sei, sondern der Speku- lation; schließlick sollen die Gewerkschaften dazu angespornt werden, baldmöalichst Maßregeln zu Aktionen für Lohnerhöhung zu nehmen. Die Aktion selbst soll im April oder soviel später endigen, als die allgemeine Versammlung der angeschlossenen Verbände beschließen wird._ poUzeUidu«, Oencfttlichcs ufw. Eine Justizblamage. ' DaS Reichsgericht hat das gegen da?„D o ch u m e r B o I k S b l a t t" ergangene Urteil wegen Abdruck des Zola- schen Romans„Arbeit" aufgehoben und an die Vor- instanz zurückgewiesen. Ter ReichSanwalt hatte selbst Aufhebung des Urteils beantragt.__ lMseuvergistiiiigei» von Obdachlosen am Slelhnachtsabend. Eine erschütternde Kunde kommt aus dem städtischen Asyl fllt Obdachlose in der Fröbelstraße. An dieser Stätte de« Elends, die von den Aermsten der Aimen zum Nächtigen aufgesucht wird, find am Abend deS zweilen Feiertages zahlreiche Alylisten an schweren VergifluiigSerscheiiiiingtii erlrankt und bercilS 20 Personen gestorben. Ueber das aussehenerregeiide Vorkommnis lirgcn die ver- fchiedensten Meldungen vor. Wir geben folgende wieder: Der Besuch war am DienStogabend besonders stark— etwa 2400 Per- sonen mögen anwesend gewesen sein. Bei mehr alS zwanzig Asylisten, die in den NachmiltogSstimden daS Obdach aufgesucht hatten, traten uun im Laufe deS Abends und der Nacht in vcr- schiedencn Sälen starke VergistuiigZerschciiiungen ein, die nach dein vorläufigen ärzrlichen Befund aus den Genuß von verdorbenen Fischen zurückzufiihreu sind. Mau beeilt« sich, die Erkrankten sofort »ach den Kraiikenhäuserii am FriedrichShaiu und in Moabit zu bringen, einige starben ober noch im Asyl, andere auf dem Transport oder bald nach der Einlieferung inS Krankenhaus. Die Ursachen der Vergiftung. Die Erkrankungen sind in drei Sälen des Obdaches in der Zeit von 6— 10 Uhr abend» zum größten Teil eingetreten. Die ärztliche Untersuchung sowie die Aussogen der Erkrankten ergaben, daß die VergiflungSerlcheimmgen nach dem Genus, verdordener Yts»««ut». traten. In der Nähe der Fröbelstraße halten sich oft fliegende. Händler mit giöucherwaren und LebcnSinitteln auf, da die Obdach- losen im Asyl nur Brot und Suppe bekomnirn. Da ober am zweiten Feiertage der Stroßenhondel untersagt ist, so müssen sich die Asylisten die Ware aus andere Weise beschafft haben. Einer der Ber- torbencn soll eine kleine Kiste mit Fischen besessen und den Inhalt dann weiterverkauft haben. Eine andere Aussage geht dahin, daß sich die Leute in und um der Zcntralmarkthalle Lebensmittel und verdorbene Fische aufgelesen und gegessen haben. ES ist ein schon lange bestehender Brauch, daß arme Frauen nnd Männer sich an der Gontardstraße und in der Halle Fischt und anderes Weggeworfene zusammensuchen, um sich kümmerlich zu erhalten. Die Asylisten sind vielfach Leute, deren uitterernährter Körper den Angriffe» einer solchen Erkrankung keinen Widerstand entgegensetzen kann. So hat denn auch daS Fischgift mit rasender Schnelligkeit gewirkt. � Die Liste der Toten. t. Eduard Reinicke. geb. 26. 9. 1872 in PeierSLurtz, Arbeiter. 2. Emil Haase, geb. 26. S. 1866 in Stettin. 8. Reander Ritter, geb. 20. 2. 1871 in Brinnltz, Schneider. 4. Georg Buche, geb. 23. 4. 1856 in Küsttin. 5. Paul Gerschwiy. Arbeiter. 6. Hermann Knifla. geb. 17. 8. 1884 in Jnsterburg, Arbeiter. 7. Hermann Deuner, Arbeiter, geb. 22. 12. 1867. 8. Josef Weiß. geb. 12. 8. 1861. Schlosser. 9. Max Vogt. geb. 13. 6. 1876 in verlin. Arbeiter. 10. Paul Noll, geb. 5. 2. 1863 in Reudamm. Arbeiter. 11. Friedrich Nehk. geb. 9. 2. 1862 in Lippehne. 12. Hermann Kühnel. geb. 20. 10. 1873 in Lissa. 18. Friedrich Manthei, geb. 1871 in Bärwalde, Arbeiter. 14. Friedrich Schelle, geb. 22. 2. 1877 in Sichberg, Arbeiter. 15. Goedle, geb. 28. 10. 1881 in Groß-Wanzleben. 16. Heinrich Kowick. geb. 12. 9. 1869. 17. Wilhelm Leukwinat. 18. Adolf Schmidt, geb. 10. 1. 1820, Arbeiter. 19. Bruno Krause, geb. 10. 4. 1886 zu Nathow, Arbeiter. 20. Richard Becker, geb. 23. 2. 1880 zu Breslau. Dreher. Erkrankt sind: Paul Leufchncr. Arbeiter, geb. 3. 5. 1882; Richard Müller, Kupferschmied, geb. 23. 9. ig7z. Leopold EoS- nowsky, Arbeiter, geb. 11. 7. 1878. Diese drei liegen im Kranken- hau« Am Friedrichshain. Emil Lange, geboren 18. Oktober 1880 in LebuS; Wilhelm Blume; Max Teufchner; Wilhelm Fritsch; Franz Großmann; Karl Werner; Ernst Ratzlauer; Adolf Weber; Christian Hahn; Paul Kirsch; Karl Weudin; Otto Schmidt; Karl Schulz«, geboren 1872 in Gardelegcn; Julius Grüger, geboren 1850 in Neiße. Weitere drei Personen find noch gestern abend im Asyl an Ver- giftungSerscheimingen e r k r a n k t und wurden nach dem Kraulen- haus am Friedrichshain gebracht. Tie Zahl ist somit aus 41 g«» stiege». Die Snnittclnnzen der vcrliner Kriminalpolizei nach der Herkunft der verdorbenen Bücklinge haben zu einem be- stimmten Resultat noch nicht geführt. Die Annahme, daß sie von einem Händler au» der Danziger Straße herrühren, hat noch kein« Bestätigung gefunden. Ein Tei5 der vorröte des Händlers ist zum Zweck der Untersuchung durch daS NohningSmittekamt beschlagnahmt worden. Auch die Behauptung, daß die Fisch« von.fliegenden� Händlern herrühren, die mit ihren Wagen i» h« Nähe deS Obdack-- losenofylS Aufstellung nehmen, ist noch nicht nachgewiesen. ES bleibt die Annahme übrig, dab die verdorbenen Fische anZ der Zentral« Markthalle herrühren. Hier hat sie einer der dort Helfersdienste der- richtenden Arbeitslosen wahrscheinlich geschenkt erhalten, und zwar. wie anzunehmen ist, schon am WeihnachtSheiligabend. Erst Dienstag bat dieser Mann, der mit den Verhältnissen und Gewohnheiten des Asyls vertraut war. wohl das Asyl aufgesucht und die Bücklinge dort verkauft. In einer weiteren Meldung heistt eS: Worauf die Vergiftungs- crscheinungen und die Todesfälle zurückzuführen sind, konnte bisher mit Sicherheit noch nicht festgestellt werden. Nach den vorläufig noch unverbindlichen Angaben des LnstaltSarzteS Dr. Lumme scheinen Fischvergiftungen vorzuliegen. Die bisher befragten Personen gehen in ihren Aussagen sehr weit auseinander. Der eine behauptet. Fische in der Danziger Straße gekauft zu haben; der andere sagt, er habe aus der Markthalle geräucherten Dorsch mitgebracht. Ein dritter behauptet, nach dem Genutz von Kuchen erkrankt zu sein. UnS wird schließlich noch mitgeteilt, daß sich im Laufe deZ gestrigen Tages noch eine Anzahl Personen als erkrankt gemeldet haben, die am Dienstagabend im Asyl waren. Das Asyl ist auf Veranlassung der StaaSanwaltschaft bis zum Abschluß der Unter- suchung vorläufig geschlossen worden. Weder Asylistcn noch Beamte durften daS Asyl verlassen. Die Anstaltsleitung beschränkte sich dar- auf, die von den Obdachlosen benutzten Räume zu desinfizieren. Ausdrücklich fei bemerkt, daß die Asyliften bei dem Besuch deS nächt- lichen Obdach» nur Suppe und Brot erhalten. » Von den bekannt gewordenen Einzelheiten sei noch folgende» erwähnt: Mehrere Erkrankte sprachen davon, daß fi« verdorbene Fische in dem Lokal von Isaak gekauft hätten. Der Schankwirt versichert wiederholt, und auch Zeugen bestätigen, daß er in seinem Lokal einen Handel nicht duldete. Er ließ niemals zu, daß jemand mit einem Handelskorbe oder dergleichen unter seinen Gästen umherging. Es ist aber nicht auSgeschlosien, datz diese Gäste. wenn sie dicht gedrängt in den Räumen umhersatzen, unter- einander mit allerhand Lebensmitteln heimlich Geschäfte machten, oder auch sie in Erwartung von Gegenseitigkeit austauschten. Von wem sie in dem Jsaakschen Lokale gekauft haben, vermochten die Erkrankten, die noch vernommen werden konnten, nicht zu sagen. Der Verlauf der einzelnen Erkrankungen und Todesfälle ist jetzt noch genauer festgestellt. Die Leute erkrankten in Zwischenräumen von 10 bis 16 Minuten. ES begann immer mit Schwindel- o n f ä l l e n. Dann sprangen die Kranken plötzlich auf und bekamen Erbrechen und Krämpfe. Zwischen dem Beginn der Erkrankungen und dem Eintritt de» Tode» liegen nur 1'/, bis 3 Stunde«. DaS Gift hat also sehr stark gewirkt, ein Beweis für den hohen Grad der Verwesung der Nahrungsmittel, die eS enthielten. Um bei weiteren Erkrankungen sofort alle Matznahmen treffen zu können, wurden gestern vormittag alle Ashlisten, 2100 an der Zahl, die das städtische Obdach noch nicht verlassen hatten, zurück� behalten. Im Laufe deS gestrigen TageS zeigten sich bei noch mehreren Personen BergiftungSerscheinungen, so datz jetzt zusammen 38 Obdachlose im Asyl erkrankt sind. Von den gestern nachmittag Erkrankten starben zwei noch in der Anstalt, die anderen wurden sofort nach dem Krankenhaus am Friedrichehain gebracht. Die Mehrzahl der nachträglich krank ge- wordenen Asyliften gebe» ebenfalls an, von einem anderen Obdach- losen Bücklinge gekauft und gegeffen zu haben, andere dagegen sagen. datz sie überhaupt keine Nahrung zu sich genommen haben. Wie weit diese Erkrankungen mit der Fischvergiftung im Zu samvienhang stehen, kann erst die Obduktion der Gestorbenen ergeben. Aus Verlangen der Staatsanwaltschaft wurde eine der Leichen schon gestern abend nm 6>/, lthr von den Aerzten Geheimrat Strohmann und Medizinalrat Dr. Hoffmann obduziert. Die Ansicht der leiten- den Serzte in» Institut für Infektionskrankheiten geht dahin, datz es sich nicht um irgend eine Infektionskrankheit, sondern um«ine typische Vergiftung handelt. Dennoch wurden die weit- g-hendsten Vorkehrungen, um ein eventuelles Umsichgreifen der jiraiikbcit zu verhindern, getroffen. Alle Aerzte der Anstalt sowie die Wärter bewegen sich ständig unter den«sylisten, um diesen bei dem Austreten von Krankheitssymptomen gleich behilflich zu sein. Der als einer der ersten erkranfte Müller war gestern uachmittog wieder soweit hergestellt, datz er vernommen werden konnte. Er gibt an, datz er bald nach dem Genntz der Bücklinge �in U n- Wohlsein verspürt habe, vorerst aber noch keinen Brechreiz gehabt habe. Er sah dann, wie sich andere in seinem Gchlafsaal übergaben. Darauf habe er die Finger in den HalS gesteckt und ebenfalls gebrochen. Der Rest der genosienen Nahrung wurde ihm dann gleich im Krankenhause am Friedrichshain ausgepumpt, ehe die Vergiftung eine tödlich« Wirkung hatte. Jetzt befindet sich Müller auf dem Wege der Befferung und dürfte mit dem Leben davonkominen. Er gibt weiter an, datz er die Fische von einem Händler gekaust habe, von dein er nur wlffe, datz ei mit dem Cor uamen Max heiße. Seine Beschreibung deS Händler» stimmt mit den Angaben der übrigen Erkrankten überein. Danach ist eS unzweifelhaft. daß der verstorbene Voigt der Verkäufer der in Ver »vcsung übergegangenen Bücklinge gewesen ist. Die Leiche Voigts wurde gestern im Schauhause photographiert und wird die Photo- graphie den Leuten vorgelegt werden. Auch außerhalb des Obdachs sind einige Erkrankungen zu verzeichnen, die wahrscheinlich denselben Ursprung haben. Zwei von ihnen wurden im Süden der Stadt be- wußilos auf der Straße aufgefunden und nach den» Krankenhaus am Urban geschafft. J,, später Rachmittagsstunde fanden Schutzleute des 101. und IIB. Reviers noch zwei Leute auf der Straße, die bereits gestorben waren. Offenbar handelt es sich auch hier um Obdachlose, die an Fischvergiftung gestorben sind. In der F r ü b e l st r a ß e stehen zahlreiche Asyliften, die Ein- laß begehren, der ihnen jedoch noch verweigert wird, weil erst auf Veranlassung deS Staatsanwalts Dr. G»ltjahr die Obduktion der Leichen abgewartet werden muß. Erst wenn diese stattgefunden hat und bestimint festgestellt worden»st, daß keine ansteckende Krmikheit vorliegt, werden neue Asyliften aufgenommen werden. Tie Obduktion der Leiche eines Gestorbenen. Tie Aepzie, Geheimer Redizinalrat Tr. Straßmann und Medizinalrat Dr. Hoffmann. öffneten gestern abend um 8 Uhr die Leiche eines an VergiftungSerscheinungcn erkrankten und bald darauf gestorbenen Mannes. Tie Obduktion hat ergeben, daß aller Wahrscheinlichkeit nach Fischvergiftung vorliegt. Ter zu der L-bduktion hinzugezogene Profcffor Lenz vom Institut für Infektionskrankheiten fand bei einer bakteriologischen Unter- suchung keine Anhaltspunkte, die darauf schließen lassen, daß eine Infektionskrankheit vorliegt, ebenso fand er keine Spuren von Ehemikalien, so daß auch keine Bleivergiftung den Tod' herbei- geführt hat. Professor Lenz roar von der TanitäiSpolize» besonders beauftragt worden, um alle Gerüchte, daß es sich dennoch um eine ansteckende Krankheit handelt, abweisen zu können, bezw. um sicher 01 gehen, daß diese* tatsächlich eicht der Fall ist. Das städtische Obdach ist für E i n t r i s t b e g c h i e n d e g e- öffnet, doch ist eS keinem der Insassen gestattet, dieses vorerst zu verlassen. Nachdem die bakteriologische Untersuchung des Profcffor Lenz ergeben hat, daß bestimmt keine ansteckend« Krank- heit vorliegt, dürfte das Asyl heute früh wieder wie gewöhnlich geöffnet und die Obdachlosen entlassen werden. Von den Asylisten, die die Anstalt noch im Laufe des gestrigen Tages aufsuchten, wie auch einige, die diese noch nicht verlassen haben, sind in den Abendstunden noch einige krank geworden und nach dem Friedrichs- Hain gebrackst worden. Erkrankt sind jetzt insgesamt 4K Personen. Von den zahlreichen Patienten, die im 5trankenhaus am Friedrichs- Hain liegen, dürfte eine große Anzahl die Nacht nicht mehr überleben, so daß.sich die Zahl der Toten noch bedeutend erhöhen wird., Soziales. veber die Geschlechtskrankheiten der Arbeiter. Die Prostitution»st die große Kloake, deren Giftstoffe alle Teile deS Gesellschaftskörpers durchdringen. Die Sittenkontrolle hat daran nichts zu ändern vermocht, sie hat vielmehr noch großen Schaden gestiftet, dadurch daß sie den Gedanken von der Ungefähr lichkeit de? Geschlechtsverkehrs und der Entbehrlichkeit aller Vor ficht aufkommen ließ. Der Anteil der gewerbsmäßigen Prostitution an der Verbreitung der Geschlechtskrankheiten in der Gesamt- bevölkerung ist mehrfach durch Statistik festgelegt worden: ungefähr drei Viertel aller unverheirateten, venerisch erkrankten Männer verdanken ihr Leiden jener Einrichtung. Auch weiß man, daß in den höheren Kreisen die„Mmtressen" dieselbe Rolle spielen wie im Mittelstand die Straßendirnen. Dagegen ist nur selten danach geforscht worden, wie oft die Prostitution als Infektionsquelle für den Arbeiter in Betracht kommt. Zwei Wiener Aerzte, Oppenheim und Neugebauer. Kassenärzte des Verbandes der Genossenschaft- Krankenkasse uirb der allgemeinen Arbeiterkrankenkasse zu Wien, haben diese Frage zu lösen versucht, indem sie die Angaben von 1107 Kranken verwerteten. Danach erwerben sich die Arbeiter»n mindestens 66 Proz. der Fälle daS Geschlechtsleiden von der Pro- stitution. DaS Gesamtergebnis der Statistik, wie es in der„Zeitschrift für Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten" veröffentlicht ist, lautet in der Hauptsache folgendermaßen: Unter 1107 Fällen erfolgt die Ansteckung durch eine Prostituierte K12mal, Dienst- mädchen 168mal, Arbeiterin 122mal.„Verhältnis" 01 mal, Ehe (angeblich) 60n»al, Zufallsbekanntschaft 37mal. Die großen Zahlen der Rubrik.Arbeiterin" und.Dienstmädchen" beweisen AStürlich nicht, datz die Geschlechtskrankheiten einen erheblichen Teil in diesen Ständen ergriffen haben. Denn die kranken Individuen bilden unter den vielen Zehntausenden doch nur einen ganz kleinen Prozent satz, und dann befinden sich darunter stets Elemente, die ihrem ganzen Gebaren nach sich durch nichts von Prostituierten unter scheiden und in der Tat früher oder später in die Hände der Sitten- Polizei geraten.— Wieviel Arbeiter überhaupt geschlechtskrank sind. »st nicht leicht festzustellen, weil sie sich auf viele verschiedene Kassen verteilen. Prof. Blaschko hat vor einigen Jahren ausgerechnet, daß gegen S Proz. von den zum großen Teil unverheirateten Mitgliedern der freien Hilfskassen wegen einer Geschlechtskrankheit in ärztlicher Behandlung standen; neuerdings hat der Wiener Chefarzt Schiff eine viel kleinere Zahl gefunden, nur 2,6 Proz. Allerdings sind in seine Statistik viel mehr verheiratete Männer einbezogen, die der Ansteckung wenig ausgesetzt sind und daher da? Gesamtresultat günstig beeinflussen. Jedenfalls herrscht Einigkeit darüber, datz die ErkronkungSziffer in den letzten Jahren nicht abgenommen hat. sondern sich stetig vergrößert. Es gilt darum, mehr als bisher über die Quellen der Ansteckung und die Mittel zu ihrer Verhütung llufklärung zu verbreiten. Nur so wird es gelingen, der Seuche Einhalt zu gebieten und viele Proletarier mit ihren Familien vor Krankheit und Unglück zu bewahren. �cr Einfluß der Durchliiftbarkeit der Wohnungen auf die Gesundheit der Bewohner� DaS Aussehen der neuen großstädtischen Straßen ist ein an- dcres geworden gegen vor 30 bis 40 Jahren, aber in ht>gienischcr Hinsicht haben auch sie noch oft Mängel. Zwar erfreuen jetzt das Auge schöne Fassaden mit Balkons und Loggien vielfach mit reizendem Blumenschmuck beim Betreten neuerer Straßen, z. B. der Neuen Cbristftratze und der Kaiserin-Augusta-Allee»n Char- lottenburg und ähnlicher Straßen in Schöneberg. Wilmersdorf und anderen Gemeinden von Groß-Bcrlin. Auch die Hofseiten zeigen gewöhnlich mit ihren zwei««itenflügeln kein unschönes Bild. Aber die Wohnungen dieser Seitenflügel leiden meist an dem großen llcbelstande, daß sie nicht d u r ch l ü f t b a r sind. Viele Menschen achten nicht aus diesen Umstand; welchen Einfluß aber diese Nicbtdurchlüftbarkeit der Wohnungen auf die Gesund- hcitS- und Sterblich keitsvcrhältnisse der Bewohner ausübt, bat Dr. Darr in sorgiältigen Untersuchungen dargelegt, die er im Auf- trage des Local-Govcrncmcnt-Board durchgeführt hat-(Wyman and soi»s, London, Felter, Lane.) Um vergleichend« Zahlen zu finden über die Sterblichkeit zwischen Häusern, die so gebaut sind, daß ein direkter Durchzug der Luft stattfinden kann und Häusern, bei deren Bauart das nicht möglich ist, die mit ihren Rückseiten an einander gebaut sind(back to back) erstreckte D. seine Unter- suchungcn aus 13 Jndustricstättcn in Uorkshire. Er wählte nur Häuser, die auf gesundem Grund und Boden standen und ein« sonst einwandfreie Bauart zeigten und andere Verschiedenheiten an Ursachen der Sterblichkeit nicht zeigten. Um alle Zufälligkeiten möglichst auszuschalten, wurden die SterblichkeitSverhältnisfe der zur.Untersuchung kommenden Häuser für die zehn Jahre von 1808 bis 1007 aufgenommen in hauptsächlich von Industriearbeitern bewohnten Gegenden. Tie zur Untersuchung kommenden Häuser Ivaren also von Personen»nit ziemlich gleichen Einkommen be- wohnt. Zwar stellte sich die Durchschnittsmiete in den durchlüft- baren Häusern um etwa 1 M. pro Woche höher, so daß wohl die wirtschaftliche Lage der Bewohner dieser Häuser im ganzen etwas besser sein mag, als die der Bewohner der nicht durchlüstbaren Wohnungen. Doch ist dieser Unterschied zu gering, um die Ergeb- nisse wesentlich beeinflussen zu können. Auf Grund des auf diese Weise vorsichtig gewählten Materials hat sich ergeben, daß die Sterblichkeit in den nichldurchlüftbaren Wand- an Wandhäusern um IS Proz. höher ist als in den durchlüftbaren. Der Unterschied steigt jelbst bifi_ auf 20 Proz., wenn die Wand- an Wandhauser in lang fortlaufenden Straßcnzügen stehen, die nicht durch Neben- slraßcn durchbrochen werden. Tagegen stellt sich die Bauart solcher Häuser»>» Blocks von vier aneinanderstoßenden Häusern günstiger, denn bei dieser Bauart ist immer noch eine gewisse seitliche Durch- lüftung»nöglich. � Hier sind die SterblichscitSverhältnisse ziemlich dieselben wie bei den geradezu durchlüstbaren Häusern. Die Ulrtcrsuchungei. wurden auch auf die auftretenden Krank- heiten und aus das Alter der Betroffenen erstreckt. ES zeigte sich dabei, datz bei allen Krankbeitci' der Almungmgane und be» denen der Säuglinge die Sterblichkeit in solchen nichtdurchlüft- baren Häusern um 40 Proz. höher ist, dagegen nur um 10 Proz. bei Infektionskrankheiten und um 5 bis 6 Proz. bei Magenkrank- heiten. Bei der Berglcichung nach Altersstufen zeigte es sich, daß in den Wobnungen ohne Durchlüftung gerade Kinder untcr 16 Jahren besonders gefährdet sind, dann wieder das Alter über 06 Jahre. Diese Feststellungen sind Veranlassung gewesen, daß in England durch eine Borschrift des HauL- und Etädtcbaugesetzcs von 1009 für die Zukunft die Einrichtung von Wohnungen nach diesem als gesundheitsschädlich erkannten Wand- a»» Wandtypus verboten ist. In Trntschkand ist wohl durch die Statistik festgestellt, daß die Ärüeüerqüarlwke mtl ihfe'ft meist hoheRn MiciSkascr'ben,»tjrft geschlossenen Bautveise, ihren engen Höfen und ihren hohen, un- durchlüstbaren Seiten- und. Hinterhäusern allgeinein eine weseni- lich höhere Sterblichkeit haben, als die Stadtbezirke, in denen hauptsächlich die wohlhabende Bevölkerung wohnt. Aber solche Spezialuntersuchungen, wie die des Dr. Darr über den Einfluß- der Undurchlüftbarkeit der Wohnungen auf die Sterblichkeit sind unseres Wissens bei uns noch nicht durchgeführt worden, und unsere Bauordnungen enthalten nach dieser Richtung hin keine oder nur wenige Beschränkungen. Die durch die englischen Unter- suchungen festgestellte wesentliche Erhöhung der Sterblichkeit durch solche undurchlüftbare Wohnungen sollten doch unseren Baubehör- den Veranlassung geben, ihr Augenmerk nicht nur auf die Schön- heit und Harmonie der Fassaden, sondern mehr als bisher auf die Gesundheit und damit auch auf die Durchlüftbarkcit der Wol»- nungen zu richten._______* Genchtö- Zeitung Allerlei und Zuhälter. Einsehr vielseitiger Mann scheint der Hundehändder und Pianinostimmer Paul L a s k e zu sein, der sich unter der An« klage der Zuhälterei vor dem Ctrosrichter zu verantworten hatte. Der Angeklagte, welcher abwechselnd als Hundehändler, Pianinostlmmer und Kellner tätig ist, ist ein sehr viel« seitigeS Talent, da sich in der Verhandiung herausstillte, datz er auch noch Mitglied eincS GrabgesangvereinS war, dessen Mitglieder durch Vermittelung der Beerdigungsinstitute und der Küster der einzelnen Kirche» an den Gräbern gegen Bezahlung Choräle sangen. Es schien aber auch mit diesem Verein nicht sehr weil her zu sein, denn eS ergab sich vor Gericht, datz der Vorsitzende dieses Verein? ein wegen Zuhälterei und anderer Straftaten mehrfach vorbestrafter Mensch ist. Neben der Ausübung dieser vier anstrengenden Berufstätigkeiten trieb der An» geklagte auch noch das Gewerbe eines Zuhälter», in dem er von einer jugendlichen Aibeiterin, die er selbst erst dein Laster in die Arme geführt hatte, täglich Beträge von ö— 10 M. erhielt.— Vor Gericht war der Angeklagte geständig. Der Staatsanwalt beantragte zwei Jahre Gefängnis und Ueberweisung an das Arbeitshaus. Das Gericht erkannte nur auf neun Monate Gefängnis. Bauernfänger. In drei Sprachen mutzte eine Verhandlung geführt werden, welche die 7. Strafkammer des Landgerichts l beschäftigte. Wegen Betruges hatte sich der Händler Pietro da Ro» zu der« antworten. Als Zeuge trat ein aus Russtsch-Polen stammender Ar» beiter Jablonski auf. Die Verhandlung gestaltete sich zu einer sehr schwierigen, da der Angeklagte, welcher Italiener ist. angeblich der deutschen Sprache nicht»nächtig war. Da auch der Zeuge Jablonski nur polnisch sprach, so ergaben sich alle mögliche» Schwierigkeiten. Als Dolmetscher waren der AmtSgerichtSsekretär v. Pruschak für die polnische Sprache und der Kaufmann Stelter für die italienische Sprache hinzugezogen. Die Aussagen des Zeugen und des An- geklagten mutzten aus dem polnischen in das italienische bezw. um« gekehrt übertragen und dann schlietzlich noch in die deutsche Sprache übersetzt werden. In der Sache selbst handelte e» sich um einen alten Bauern» f S n g e r t r i ck. dem der Zeuge Jablonski zum Opfer gefallen war. Dieser war eben im Begriff nach Hamburg und von dort nach A»nerika zu fahren, als er aus dem Lehrter Bahnhof« von dem An- geklagten Do Ros angesprochen wurde, der ihm erklärte, datz er ebenfalls nach Amerika fahren wollte. Die schnell geschlossene Freundschaft wurde in einer Schankwirtschaft.begossen", wo sich noch ein dritter Mann z» ihnen gesellte, der.zufällig" auch nach Amerika fahren wollte. Als dieser sich entfernen wollte, verlangte der AngeNagte von ihm das Portemonnaie zu Pfände, damit er auch bestimmt»viederkomnie. Der unbekannt gebliebene Dritte gab auch ohne weiteres seine scheinbar wohlgespickte Geldbörse heraus, die er dann, al» er nach einiger Zeit wiederkam, zurück erhielt. Nachdem die beiden Gauner in dieser Weise den Beweis geführt hatten, datz Jablonski es niit grundehrlichen Leuten zu tun habe, verlangten sie auch von ihin das Portemonnaies zum Pfände, als er sich entfernen wollt«. Er gab e» ihnen. Als er zurückkam, waren die beiden„ehr« lichen" Leute mit der Börse, die über 000 M. enthielt, verschwunden. Der Angeklagte tourde am nächsten Tage verhaftet. In seinem Be-' sitze wurden zirka 800 M. vorgefunden. Da er die Täterschaft be« stritt, konnte dem Betrogene» das Geld vor der Beendigung des Strafverfahrens nicht zurückgegeben werden. Hierdurch geriet Jablonski in eine sehr üble Situation, da er ohne einen Pfennig Geld in Berlin festsah und seine Amerikafahrt aufschieben mutzte Nach einer längeren sehr umständlichen Beweisaufnahme wurde der Aiigeklagte. der schlietzlich noch ein Geständnis ablegte und plötzlich sehr gut deutsch sprechen konnte, zudreiJahrenGefängnis verurteilt. )Ziis Indurtric und Randd» Ei« Riesen Fleischtrost. Nach einer Meldung der.New Uork Time»' aus Washingron haben sich amerikanische und kanadische Kapitalisten vereinigt, um in Brasilien ein grotzeS Rindfleisch. Produktiousuuternehmen für die Ausfuhr nach Europa zu gründen; sie sollen sich bereits S Millionen AcreS Weideland gesichert haben. Die diesjährige Zuckcrernte der Bereinigten Staaten wird von Sachverständigen anf 1 826 000 Tonnen geschätzt. Damit würde der Rekord des Jahre» 1010 übcrtrossen werden. Andere Sachverständige rechnen sogar unt einem Erlrage von 1 876 000 Tonnen. Hus der frauenbewegung. Urteile über Frauenarbeit. Eine Umfrage bei den Leitern eimger Betriebe, in denen Frauen in grötzercr Anzahl als Angestellte und Arbeiterinnen be« schäftigt werden, hat das„Berliner Tageblatt" über folgende Punkte veranstaltet: Kann die weibliche Arbeitslraft den Vergleich mit der männliche.» Arbeitskraft aushalten? Besieht zwischen männlicher und weiblicher Arbeitskraft ein genau präzisieren» der Unterschied? Worin liegen die Vorzüge der Frauenarbeit? AufwelchenGebietenhatdic Frau sich besonders bewährt? Bon den Antworten, die darauf einliefen, wollen wir einige in gedrängter Form wiedergeben, denn sie sind in mehr als einer Hinsicht interessant; vor allem räumen sie mit der immer wieder gedankenlos dahingeplapperten Anficht von der geistigen und intellektuellen Minderwertigkeit der Frau gckindlich auf. Ist das Urteil, der Befragten in manchen Punkten auch schief und wider« spruchSvoll, so beweist eS aber doch, was einsichtige Köpfe, allen voran unser alter Vorkämpfer für Frauenrechie, Augu st Bebel. schon längst vertreten haben, nämlich, daß die•Frau unter gleichen Bedingungen und bei gleicher Ausbildung dasselbe zu leisten im« stände ist, wie der Mann. Nur in physischer Hinsicht und im-»» Antreiben bleibt sie teilweise hinter diesem Kurück. Oberpostrat B o r b e ck, Obcrpostdirektor für de»! Bezirk Groß» Berlin schreibt: Die Frauen hätten sich»n der ihnen zugewiesenen Tätigkeit als brauchbar und ausdauernd erwiesen. Sie zeichneten sich beim Fernsprechdienst, sowie an der Schreibmaschine unj> cm der RechenMschine vor den Männern au?. Eine trcittie Sutbehnung der Frauenarbeit im Postbetneb sei anzunehmen.-» Die Firma G e r s o n. wo die Frauenarbeit eine große Rolle spielt. ««widert: Sie selbst habe mehrere bedeutende Abteilungen, die von Damen selbständig geleitet werden und deren Leitung sich sehr bewährt habe. Auch in der Hutbranche werde eine riesige Zähl von Damen beschäftigt, sowohl im Einkauf als auch im V e r- kauf. Für die duftigen leichteren Kleider fei die Frauenarbeit gang unentbehrlich. An Intelligenz könnten nach ihren Er- fahrungen die Frauen den Männern gleich erachtet werden.— Der Vorsitzende des Vereins der Textildetaillisten Berlin? konstatiert, daß sür eige gange Reihe von Arbeiten die Frau sich besser eigne als der Mann.— Die Firma Jandorf hält die Frau, soweit der Verkauf in Betracht kommt, für alle Branchen prädestiniert, sie zeige die gleiche Intelligenz wie der Mann. Im Kontor sei sie kleißig, sehr gewissenhaft und korrekt. Auch arbeite sie ruhiger, bescheidener und zeige mehr Interesse sürS Geschäft. Die Firma beschäftigt auch Frauen als Einkäufe- rinnen, sie seien als solche eminent tüchtig und eS sei zweifelhaft, ob ein Mann die Position ebensogut ausfüllen würde. Die Frau werde ihren Platz neben dem Manne behaupten, der Kon- kurrenzkampf zwischen den beiden sich aber steigern.— Der In- Haber des Seidenhauses Michels stellt der Tätigkeit der dort be- schästigten Frauen alles in allem ein günstiges Zeugnis aus. Für kleinere Detailarbeiten bringe die Frau mehr Geduld auf und führe sie exakter aus. Beim Verkauf eigne sie sich weitaus besser olS der Mann». Für Stenographie, Schreibmaschine und Korrespondenz fei die Frau unentbehrlich. Die Frau stelle auf die Dauer nicht so hohe Ansprüche in materieller Hinsicht(l). In der Seidenbranche käme die Geldfrage nicht so sehr in Betracht, weil da hohe Löhn« gezahlt würden. Doch für viele Betriebe iei die Frauenarbeit schon wegen der niedrigen Löhne uacntbehr- tich. Er selbst wäre, alles in allem, mit den angestellten Frauen zufrieden und werde sie eher vermehren als vermindern. Bei der Firma Manoli haben die Frauen, nach Aox.oben deS Inhabers, sich v o r z ü g l i ch bewährt. Sie brächten zur Arbeit mehr Geduld, Sauberkeit und Akkuratesse mit.»Für die Löhne, die in diesen Betrieben gezahlt werden, bekäme man auch keinen «jungen Mann." Die Zigarettenarbeiterinnen stammten meistens aus dem Auslande, besonders aus Rußland, der Türlei und Galizien. Die Frau denke nicht so intensiv an thren Beruf wie der Mann, der nur an den Verdienst denke. während die Frau hundert Kleinigkeiten im Kopfe habe. Doch sei sie ruhiger, verläßlicher und geschickter. Auch verschwiegener, man brauche bei ihr nie eine Konkurrenzklausel feitzu'etzen.— Die Firma Müller u. Sußmann bemerkt, daß sie in ihrem Betriebe keinen Unterschied zwischen Männer- und Frauenarbeit mache. Sie seien einander gleichwertig. An Fähigkeiten ständen die Frauen den Männern nicht nach und die Aufklärung, die ihnen seitens der sozialdemokratischen V?r- bände resp. Organisationen geworden sei, habe lie den sozialdemokratischen männlichen Arbeitern gleichgestellt, sowohl in ihren«nsprüchen, v» avch to ihre» fast fernMicksen Pttfaffen gegenüber ihrem Arbeitgeber. In leidender Stellung und auch im Kontor habe sich die Frau bewährt.— Die Wäschefirma Ge. brüder Simon spricht sich sehr lobend über die Täiigkeit der Frau in Kontor und Arbeitsstub« aus, doch eigne sie sich zum Disponieren und Korrespondieren weniger als der Mann. Einer ihrer kleinen Fehler sei die Schwatzhaftigkeit und das»sich schlecht" machen. Beim Lohn dürfe nicht daS Geschlecht entscheiden, wie es leider meist der Fall sei, sondern N'r die Leistung.— Sarotti, Bellealliancestratze, schreibt: Ter Untcr- schied zwischen der Frauen- und Männevarbeit bestehe'n ihvm Betrieb darin» daß die leichteren Arbeiten den Frauen übertragen werden. Hierfür eigneten sich die Frauen besonders, weil sie mehr Fingerfertigkeit, Gelenkigkeit, Geschicklichkeit und Schuld hätten. Im Kontor sei die Frau dem Manne gleichwertig, ja, man könne sich ein gut geleitetes Kontor ohne Frauen gar nicht mehr denken.— Der Personalchef einer Berliner Großbank äußert sich hinsichtlich der Frauenarbeit im Bankwesen: Sie hätten als einzige Bank Deutschlands Damen in größerer Anzahl einge- stellt, allerdings nur in untergeordneter Stellung, wo keinerlei Vorbildung erfordert wird. Doch gerade in diesen Stellungen seien nach seiner Erfahrung die Frauen besser zu verwenden als die Männer, weil ihnen, seltene Ausnahmen abgerechnet, die den Männern eigene Lust, vorwärts zu kommen, fehle. Sie betrachten ihre Dienstzeit als Uebergang zur Ehe. Die Bank habe nicht die Absicht, die höheren Stellen mit Frauen zu besetzen. Auf ihrem Arbeitsgebiet teils gleichwertig, teils sogar besser einzuschätzen, als die Männer, da sie ruhiger, geduldiger und zufriedener Die Antworten aus Unternehmermund, die Urteile nnd An- sichten aus diesen Kreisen bieten auch dem, der sich mit diesen Fragen täglich befaßt. Bemerkenswertes genug. Uebereinstimmend in all diesen Aeußerungen wird betont: Frauenarbeit we-de im allgemeinen geringer bewertet, die Frauen seien bedürfnisloser, geduldiger, an der Kasse zuverlässiger, si: betrachten die Arbeit im Geschäft nur als Durchgangsstation. Die Frau ist mehr Krank- heften unterworfen als der Mann. Sehr wertvoll ist die Feststellung einer Firma, die Aufklärung der modernen Organisationen Hobe es bewirkt, daß die Arbeite- rinnen für gleiche Leistung auch gleichen Lohn verlangen. Ein ehrenvolleres Lob kann eine Kampforganisation gar nicht erhalten. als die Feststellung, sie habe ihre Mitglieder dazu erzogen, für ihre volle Leistung auch volle Bezahlung zu heischen. Die Gewerkschaften werden jedoch mit diesem Teilerfolg nicht zufrieden sein, sondern weiter schreiten auf dem Wege der Besserstellung ihrer Mitglieder ohne Unterschied des Geschlechts, seien. Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der ArieiterNaffe. Heute, Donners» tag. den 28. Dezember, nachmittags 6 Uhr, in»Kellers Neue Philharmonie", Köpenicker Str. 96,97: Weihnachtsfeier mit Kindern. Für Gesang ist da» deutsche strauMtierzett Qt> Wonnen, ein Kasperle-Theater, Spiel und Tanz soll die Kinoer erfteuen. Erwachsene Mitglieder zahlen 10 Pf» Gäste 20 Pf.» Kinder haben steien Eintritt. Leseabende. Schönederg. Morgen, Freitag, den 29. Dezember, in allen Bezirken: Extra-Leseabend. Zahlreiches Erscheinen aller Mitglieder erwünscht._ Bnefhartcn der Redahtfon« 1. ES kommt der von der OftSkrankenkasse fessgtsteMe, au» me>~ ©. er. 2. dem Kassenftatnt ersichtliche durchschnittliche Arbeitsverdienst'in Betracht. 2. Sie setzen sich am zweckmäßigsten mit Ihrer Organisation oder mit dem Arbeiters etretariat in Verbindung.— Weidenweg. Falls Ihre Behaup» tungen beweisbar sind, liegt Scheidungsgrund vor. Lei dem geringsügigen Einkommen nicht zahlungspflichtig.— G. H. 51. L Ja. 24 Pf. 2. Ja. G. W. l'i. 1. Ersuchen Sie das Amtsgericht um«ine vollstreckbare Ur- teilSauSsertigung. Aus Grund derselben Vollstreckung zulässig. 2. Frage» Sie beim TranSportarbeiter-Verband. Engeluser 15, an.— F. H. 31. 1. Gerichtsstand Oft der Tat oder Bohniitz deS Täters. Ist die Beleidi- gung in emcm nach Berlin adressierten Bftes enthalten, daS Berliner Geftcht. 2. Am Wohnsitz. 3. Rein, wenn Schuldtitel vorhanden und Zwangsvollstreckung fruchtlos war. 4. Ja, StaatSanivaltschast, in besten Bezirk der Täter wohnt. P. R. 199. Nur der Erfteher kann zu dem gesetzlich zunächst zulässige» KündigungSterniw kündigen. Dem Mieter steht dies Recht nicht zu.— — P. Sch. 39. Ja.— K.«. 1. In der Zache selbst läßt sich nichts mehr wn. Rückgabe des EchftststückS können«ie verlangen.— 1. A. 7. Der Anspruch ist verfallen.— Huwe, PaulSdoruer Str. Nach Ablauf deS Jahres sind Sie hastbar bezw. zur Beifichcrung oerpflichtet.— A. 89. 1. und 2. Borausgesctzt, daß tatsächlich Gütergemeinschaft besteht, haben die Kinder des einen Teils nach dessen Ableben Anspruch aus die Hälsle. 3. und 4. Am zweckmäßigsten ist ein gcmeinschajtlicheS Testament der Eheleute,— Sch.» Mariendorf. Ja, falls tatsächlich ein Jrftiim der Kirchengemeinde vorliegt. Die Wiiwe soll sich den Tifts vorlegen lassen.— M. H. Ja, soser» Unteftuchung durch den Kreisarzt erfolgt ist.— Nr. 1912?». T. 1. Nein. Anmeldung bei der Gewcrbedcputation. 2. Je nach Einkommen. 3. Pausch» gebühr 180 M. Andernfalls Grundgebühr I M., pro Gespräch 5 Pf. Zuschlag. Mindeftzuschlag 20 M., alles pro Jahr.— R. B. 3. Wir halten ein neues MietSverhällniS für vorliegend, für das die gesetzliche KündtgungStftst, nach Ihrer Schilderung zum Schlüsse jedes OuaftalS bis längstens am dritten Tage deS OuaftalS, zulässig ist.— W. R. 84. 1. Nein. 2. Recht, weiselhast.— X. Ja. — A. W. 24. Vierteljährlich.— P. Z. 77. Geschäftliche Unter. nehmungcn empfehlen wir nicht.— W. R. 39. Berlin dl., Bernauer Straße 69.— P. H. 37. Fürsorge für Alkoholfrage Charits NerveuMnit Montag und Donnerstag 5—7 Uhr.— Benno Richter. Ja.— M. N. 75. DaS von Ihnen vorgezogene Gedicht ist im Buchhandel nicht zu haben.— H. 2t. 68. 1903 am 1. Oktober aus eigenem uiedergelegt. Ersatzwahl: Stückle», Sozialdemokrat.— W. 79. Nein. Marktp reffe von Berli» am 23. Dezember 1911. nach Ermittelung deS König!. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinbandei), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00—50.00. Sveisebohne» weiße. 40.00-60.00. Linsen 40'00-80,00. Kartoffeln 8.00—11,00. 1 Kilo. grornrn Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.40. Rindfleisch, Bauchfletsch 1,20 iS 1,80. Schweinefleisch 1,20— 1,80. Kalbfleisch 1,60—2.40. Hammelfleisch 1,30—2.20. Butter 2.60—3,20. 60 Stück Eier 3.80—6,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2.40. Aale 1.20—2,80. Zander 1.40—3.60. Hechte 1.20 bi» 2,60. Bariche 1.00—2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Streßte 2,40—24.00. Gertrud Löff Bruno Dahrns Verlobte Weilmachten 1911 Berlin NO. Verlobte: Martha Schmidt Emil Fischer Strasburg I. E. Rixdorf. 25. Dezember 1911. r€€€€€€« Unserem Genossen, den Ä Restaurateur Julius Mt nebst Frau g zur heutigen Silberhochzeit die« besten Glückwünsche. 2214b« Die Gäste der A.E.-G.,% Hennigsdorf.& & to Unserem Genossen u. Genossin v/ Paul Horsdorf iük! Cattin zu ihrer Silber- Hochzeit am 27. Dezember 1911 die besten Glückwünsche. Die Genossen des>2 Bezirks des Wahlvereins Scböneberg. <9 w «> «> vi/ 9, 0/ A Zweiter Wahlkreis 2 Wliche plilnmlammliitip heute Donnerstag, den 28. Dezember, abends 8� Uhr, in den Kreuzberg-Festsälen, Kreuzbergstr. 48, morgen Freitag, den 29. Dezember, abends 8� Uhr. • in der Anhaltischen Ressource, Möckernstr. 114. Tagesordnung in beiden Versammlungen: Die Peichstagswalsl und wen mälflen wir? Referenten: Du»»! I3icl»l»OI*ll, Richard Fisch©F. Freie Aussprache. 212/14 Der Vorstand. i v 0/ Vi/ 9/ ?. snvesteNPunseh Punsch Royal....... von Rum, Arrak, Glühwein.. Sherry u. Schlummer-Punsch- Anany, Burgunder-Punsch » Flasche 2"" und J'® M. a Flasche 250 und|35 M. a Flasche 3"® und M. a Flasche 4"" und 2"" M. Bosvlen-Soacl, Uowlcn-Exlrakte, Tlschirelne empfiehlt und versendet in bekannt ausgezeichneter Qualität Georg Andree, Benin c..Mv str. Ii H.& P. Uder, Tabak.CiroOhandluTiir und Tabaklabrik. 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Hochachtungsvoll Richard Heinrich. SKNGER: REDMER: mam ErKältlicä\ in allen fSpotKeken\ir\d Drogerien. Preis Mkl~ scKühen. Sie von HUSTEN HEISERKEIT KATARRH Verantwortlicher Redakteur: Albert Wach». Berlin. Aür d» Jnjeratenteft veranw.: Ttz. Glocke. Berim. Druck u. Verlag: Porwart» Buchdruckerei u. PerlagSanstaft Paul Singer u.«äo.» BerUu ÄItl. 8t. 302. 28. ZakMvz. 3. Keilllge!>tö„AMlirls" Atrülltk Alillislllllü. 2« SexvevKfcKaftlicKes. i ötürtnird�c Meidnackten. London, 23. Dezember 1911.(®tg. Der.) DaS an Kämpfen in Großbritannien überaus reiche Jahr nimmt ein stürmisches Ende, das noch schwerere Kämpfe für die Zukunft prophezeit. Ein mit großer Erbitterung geführter Streik in Dundee, eine Aussperrung von 160 000 Arbeitern in Lancashire und der an- gekündigte Generalstreik der Bergarbeiter: das ist das Weihnachts- geschenk, mit dem die britische Arbeiterschaft fürlieb nehmen muß. In Dundee streiken die Dockarbeiter und die Fuhrleute Die Dockarbeiter verlangen eine Erhöhung ihres Stundenlohns. Von 6 auf 6 Pence und die Fuhrleute fordern einen Mindest- lohn von 23 Schilling die Woche. Aebnlich wie in Liverpool im Sommer verloren die städtischen Behörden gleich zu Anfang des Kampfes den Kopf. Sie imponierten fremde Polizisten und schrieen nach dem Militär, obwohl ihnen die Streikleitung nachdrücklich ver- sicherte, daß fie für die Aufrechlerhaltung der Ruhe und Ordnung sorgen würde und könnte. Seitdem ist es täglich zu Straßen- unruhen gekommen, bei denen eine Reihe alter Leute und Kinder von den Totschlägern der Polizisten verletzt worden sind. Noch aufreizender als die brutale Handlungsweise der Polizisten wirkt die'Anwesenheit von 300 Soldaten von dem Regiment, das den ominösen Namen«Schwarze Wache" trägt. Bis gestern waren 30 000 Menschen durch den Streik arbeitslos gemacht worden und heute haben die Jutefabriken ihre Arbeiter nach Hause geschickt, da ste kein Rohmaterial und keine Kohle mehr haben. Der Streik hat jetzt 60 000 Arbeiter in Mitleidenschaft gezogen. Auf beiden Seiten herrscht große Erbitterung, so daß auf eine nahe Beendigung des Kampfes nicht zu rechnen ist. Die Dockarbeiter drohen mit einem allgemeinen Transportarbeiterstreik. Die Entsendung der Truppen nach Dundee hat besonders im Norden unter der Arbeiterschaft große Erregung hervorgerufen, die die R:gierung unmittelbar zu spüren be�pmmen hat. Bei der am 22. Dezember stattgefundenen Nackiwahl in Gevan bei Glasgow enthielten sich mindestens 1000 Arbeiter- Wähler der Stimme, so daß die Mehrheit des Regierungskandidaten von 2040 auf 986 sank. Am Tage vor der Wahl hatte die lokale Arbeiterpartei die Wahlparole ausgegeben Stimmt gegen den Kandidaten der Regierung, die Soldaten nach Dundee geschickt hat. Wäre der Auftuf etwas früher veröffentlicht worden, so hätten die Liberalen diesen sicheren liberalen Wahlkreis wahrscheinlich ver- loren. Die Aussperrung der Weber in Nord- und Nordost-Lancashiere wird am 27. Dezember ihren Anfang nehmen, wenn nicht die Arbeiter bis dahin in zwei Fabriken, wo gestreikt wird, die Arbeit wieder aufnehmen. Bon den 160 000 von der Aussperrung be- troffenen Arbeitnehmern sind zwei Drittel Frauen. Der Streit dreht sich um die Frage der Unorganisierten, mit denen die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht arbeiten wollen. In jedem der zwei bestreikten Betriebe handelt eS sich um zwei Personen, die der Gewerkschaft, der sie ihre günstigen Arbeitsbedingungen verdanken, nicht beitreten wollen. Die Frage der Unorganisierten ist jedoch in ganz Lancashire akut und die Arbeiter meffen ihr die höchste prinzipielle Bedeutung bei. Nichts beeinträchtigt die Disziplin in der Gewcrk- schaff und die Eintracht in der Fabrik so sehr als die Anwesenheit einer Handvoll Unorganisierter in einem Betriebe.„Diese Leute", „ so sagte mir neulich ein Gewerkschaftsbeamter.«sind keine anständigen Arbeiter; sie gehören meist zu der Sorte Leute, I die des Sonntags in der Kirche anstatt der Münze einen Hosenknopf in den Klingelbeutel werfen." Diese Schmarotzer werden natürlich in der kapitalistischen Presse Englands als kühne Kämpfer für die persönliche Freiheit hingestellt und den Gewerkschaften wird in , derselben Presse der Vorwurf gemacht, fie hätten einen frivolen Streik provoziert. Die Prinzipienfrage hat die Gemüter sehr erhitzt, so daß eine Vermeidung der Aussperrung kaum möglich scheint. Die Folgen der Aussperrung werden sich bald in der ganzen Textil- iildustrie LancashireS bemerlbar machen; die Spinnereien und Färbereien werden den Betrieb einstellen müffen, da der Absatz oder die Materialbeschaffung stocken wird. Die finsterste Wolke am wirtschaftlichen Himmel ist der drohende Generalstreik der Bergarbeiter. Die englische Bourgeoisie wiegt fich noch in der Hoffuung, daß der Streik nicht stattfinden wird und zitiert da? Sprüchlein: Kommt Zeit, kommt Rat. Woher der Rat kommen soll, wird jedoch nicht gesagt. Die Bergarbeiter bestehen energisch auf den Minimallohn und ebenso energisch Line Sozlalpfycifologle der Arbeiter? Adolf Levenstein, Die Arbeiterfrage. Mit besonderer Berücksichtigung der sozialpsychologischcn Seite des modernen Groß- betriebes und der psycho-phpsischen Einwirkungen auf die Arbeiter. 406 Seiten. Verlag Ernst Reinhardt, München 1912. Geb. 7,60 M. Das Wort..Sozialpsychologie" gehört zu den Modeworten unserer Zeit. Aber wie jede Modesache einem gesellschaftlichen Be- dürfni» entspricht, so auch die«Soziatpsychologie". S ch m o l l e r lvar einer der ersten, der psychologische Faktoren als neben den so- ziolen in gleich primärer Ursächlichkeit wirkende immer da ein- führte, wo er der zwingenden Notwendigkeit rein ökonomischer Bt- dingtheit lim umfassenden Sinne Marxens gebraucht) entgehen wollte. Die Mehrzahl der vulgären Sozialistentöter und Marx- tritiker operiert mit psychologischen Worten, um auf die Stumpfheit Äer Masse loszuschlagen und die psychologische Unmöglichkeit ökono- misch und historisch fundierter EntwickelungSreihen zu behaupten. Und je häufiger dies Wort gebraucht wird, um so sicherer kann man davon überzeugt sein, daß es den Mangel wirklicher Beweisgründe verdeck» n soll. Man frage nur. was denn unter Sozial- Psychologie verstanden werden solle; Stammeln und Schweigen werden die Antwort sein. Die hochtönenden Lobpreisungen der neuen Methoden und des neuen Wissenszweiges können das Nickt, und Falschwissen nicht verbergen. Wo eben die Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein. Wenn aber wirklich Ansätze zu einer Sozialpsychologie gemacht werden. scheinen sie sich charakteristischer Weise zu einem neuen Kaliula- tionsmittel zur Ausbeutung der Arbeiter auszuwachscn. Die Unter- suchungen von Max Weber und Marie Bernays(im Archiv für Sozialwissenschast und Sozialpolitik) sowie die des Vereins für Sozialpolitik l.Auslese und Anpassung der Arbeiterschaft") haben an neuen und brauchbaren Erkenntnissen bisher wenigstens nur Weg« zur besseren Auswahl der Arbeiter im JnUress« des Unternehmers gewiesen. Und die aufblühende Wissenschaft gewerblicher Kalkulation wird auf Grund der ge- nannten Arbeiten nun nicht mehr mit den sachlichen Produktlons- Mitteln allein kalkulieren, sondern auch mit der nach Graden unter. schcidbaren Arbeitskraft des Proletariers. Neben diesem entwicklungsfähigen und aussichtsreichen �weig wuchert aber in tropischer Blüte die vulgäre Sozialpshckx>log,e. Es gibt da immer wieder Leute, die ihre völlige Ignoranz oder, was. noch schlimmer, ihren Dilettantismus in sozialwissenzchaft. � ftchen u'n d psychologischen Fragen beweisen wollen. Zu ihnen � ,< cS Adolf Levenstein. Levenstein ist bekannt durch d.ett) haben die Unternehmer die Forderung abgewiesen. Daß ein lahmer Vergleich wie im Falle der Eisenbahner zustande kommt, ist nicht wahrscheinlich. Die Bergarbeiter sind außerordentlich stark organisiert und haben eine reiche Kriegskasse. Auch kann man gegen fie mit Polizisten und Soldaten nicht viel ausrichten und die Bourgeois- söhnchen, die die Gesellschaft retten wollen, werden sich hüten, in die Gruben zu steigen. Zu alledem kommt, daß einige der tatkräftigsten Bergarbeiterführer jetzt im Vorstand der Bergarbeiterföderation sitzen. Wir stehen in Großbritannien an der Grenzscheide zweier Epochen. Von Tag zu Tag wird es klarer, daß die Kämpfe des Sommers nur ein Vorspiel waren. Der Druck des Kapitalismus auf der einen und die Lehren des Sozialismus auf der anderen Seite haben eine Situation geschaffen, die die Möglichkeit großer Um- wälznngen in sich birgt. Lange ist es den klugen bürgerlichen Politikern gelungen, die Bildung einermächtigen sozialdemokratischen Partei in England zu hintertreiben; aber sie haben nicht verhindern können, daß die Gedanken des Sozialismus in mehr oder minder klarer Form die Gemüter der britischen Arbeiter erfaßten. Es wäre nicht schwer, zu beweisen, daß in den oben angeführten Fällen das treibende Element in der sozialistischen Bewegung zu suchen ist. Und diese neuen Gedanken lassen sich ebenso wenig durch Schlauheit als durch Ausnahmegesetze auS der Welt schaffen. Lange mag die Bourgeoisie die Arbeiterschaft am Gängelband führen, aber es kommt doch schließlich die Zeit, wo sich die Gegensätze nicht mehr vertuschen lassen. Diese Zeit scheint in England gekommen oder doch nahe zu sein. Die wirtschaftliche Aufwühlung, die wir jetzt beobachten können, ist ihr Vorbote. Die holden Klänge der Weihnachtsglocken übertönt das Gelöie dcS Klassenkampfes, doS uns daran mahnt, daß nicht Friede auf Erden, sondern Krieg auf Erden die Losung ist, so lange der Kapitalismus die Völker bedrückt. • Ein Telsgramm meldet: Rochdale, 27. Dezember. Heute morgen wurde hier in den Baumwollspinnereien durch Anschlag die Aussperrung bekanntgegeben. In verschiedenen Fällen ist auf den Anschlägen an- gegeben, daß sowohl die Spinnerei- wie die Webereiabteilungen von heute abend bis auf weiteres geschlossen sein werde». In Black- b u r n ist ebenfalls die Aussperrung in allen Baumwollspinnereien durch Anschlag bekanntgegeben worden. Es wird angenommen, daß die Aussperrung nur von kurzer Dauer sein wird, da die Ursache der Aussperrung und die schweren Folgen in keinem Verhältnis zu- einander stehen._ Berlin und Nmgegend. Zerstörte gelbe Hoffnungen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der A. E. G., Werke Brunnen- straße, Ackcrstraße und der dazugehörigen Nebenwerke, beschäftigten sich in 6 Betriebsversammlungen mit der in diesem Betrieb ge- planten gelben Gründung. Cohen und I o h a n s c n referierten. Sie schilderten den zahlreich Erschienenen die Pläne und Ab- sichten, die die Direktion der A. E. G. mit dieser gelben Grün- dung verfolgt. Wie überall, so sollte auch bei dieser gelben Gründung nach außen hin der Anschein erweckt werde», als ob die Anregung zu dieser Gründung aus Arbeiterkreiscn komme. Doch wenn man auch sonst nicht immer sofort bei Beginn feststellen kann, daß dies nur eine Täuschung der Oeffentlichkeit ist, so konnte in diesem Fall doch sofort bei der Geburt festgestellt werden, wer der cigent- liche Vater dieses Kindes ist. Am 7. Dezember d. I. lief bei der Direktion der A. E. G. eine Petition ein, in der die Direktion ersucht wurde, ihre Zustimmung dazu zu geben, daß in dem A. E. G.°Betrieb ein Unterstützungsverein errichtet würde, um ein besseres Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herbei- zuführen. Daß mit dieser Petition eine Komödie aufgeführt wurde, erhellt schon daraus, daß dieselbe mit Schreibmaschine geschrieben war. Für gewöhnlich sind ja Arbeiter mit ihrer wenig umfang- reichen Korrespondenz noch nicht genötigt, eine Schreibmaschine zu halten. Aber es kommt noch das Merkwürdigste hinzu, daß es eine Schreibmaschine von der Art gewesen sein muß, wie sie i n den Bureaus der A. E. G. in Gebrauch ist. Weiter ist noch folgendes zu verzeichnen: Die Petition, die angeblich erst am 7. abgeschickt wurde, konnte auch sicher nicht vor dem 7. in den Händen der Direktion sein. Demgegenüber steht fest, daß die Direktion, wahrscheinlich in Vorausahnung dessen, was kommt, be- reits am 5. Dezember für den angeblich aus Arbeiterkreisen ge- wünschten Wcrkvcrein Mitglieder zu werben versuchte. Die oben gesckilderten Dinge zeigen schon allein, wie die Sachlage ist. Aber die Referenten wußten noch weit mehr zu berichten. Die Referenten von ihm 1909 veranstaltete Arbeiter-Dilettanten-KunstauLstellung und als Herausaeber einer Reihe von Arbeiter-Memoiren,-Ge- dichten usw. Wir wollen nicht leugnen, daß die Sammlung und Herausgabe an sich verdienstlich war; obgleich in allen Unter- nchmungen die Unfähigkeit Levensteins spürbar wurde. Typisches und Wertvolles von dem Zufälligen und Nichtigen zu trennen. Selbst notwendige Einleitungen fehlen, um auf die Sonderheiten und Bedingungen des Ausgewählten hinzuweisen. So findet sich in einem der Bücher das Geschreibsel erneS offenbar an AlterS- blödsinn leidenden Greifes ganz ungeniert neben andern Selbst biographien als typisches Produkt von Proletariern. Immer hin bot das Material dort Neues und Brauchbares, und so gingen wir wenigstens mit der gleichen Erwartung an die Lektüre der „Arbeiterfrage". Levenstein stellte sich die Aufgabe,.ein Fundament für die Beantwortung der Fragen zu schaffen: ») Was für Menschen prägt die moderne Großindustrie unter dem Drucke privatwirtschaftlicher Oekonomie? d) Welche Kräfte bilden das Gegengewicht einer etwaigen pfy- chifchen und physischen Entartung?" Das«Fundament" bildet die Beantwortung eines Erhebung?- formularS, das an insgesamt 8000 organisierte Arbeiter(Berg> arbeite? auS dem Ruhrgebiet. Saarzebiet und Schlesien; Textil. arbeiter aus Berlin und Forst; Metallarbeiter aus Berlin. So- lingen und Oberstem) gesandt wurde. Von den Formularen gingen 5040 bei Levenstein wieder ein. DaS Formular ent hielt außer den Fragen Nach Name, Alter, Beruf, Familien. stand, Kinderzahl, Wochenverdienst, Arbeitzeit. Lohnform noch solche nach subjektiven Erfahrungen und Anschauungen. Die Fragenstellungen waren aber so läppisch und so wenig eindeutig, daß Arbeiter selbst dagegen protestierten. Was sollen solche Fragen wie: 10. Wieviel Stunden würden Sie gern arbeiten? 11. Was würden Sie tun, wenn Sie täglich genügend Zeit für sich hätten? 14. Was würden Sie sich für Dinge anschaffen, wenn Sie das nötige Geld hätten?(Nach dem Muster des Kinderspiels: Ich schenk' Dir'nen Taler: was kaufft Du Dir dafür?) In vielen wird mit einem„oder" nach Dingen gefragt,- die sich gar nicht ausschließen: 13. Macht Ihnen Ihre Arbeit Vergnügen, oder haben Sie kein Interesse daran? Was für einen Sinn hat es weiter, zu fragen: 18. Denken Sie bei Ihrer Arbeit— und an was denken Sie— oder ist es Ihnen überhaupt unmöglich, dabei zu denken? 25. Gehen Sie oft in den Wald? Was denken Sie, wenn Sie auf � dein Waldboden liegen, ringsherum tiefe Einsamkeit? Geradezu; beleidigend wirken: 19. Finden Sie Ihr Vergnügen mehr in der Familie oder im Wirtshaus? 26. Welche Hoffnungen und Wünsche' haben Sie? 1 gaben bekannt, daß seitens der Generaldirektion an sämtliche Einzelwerke bereits im Oktober Anweisungen er- gangen waren zur Gründung von gelben Werkver- einen, und daß jedem Wcrkvcrein ein Gründungsfonds von 5000 M. zugewiesen werden soll. In diesem Anschreiben an die Direktion der einzelnen Werke ist auch mitgeteilt, wie sich eventl. die Sache machen lasse, nämlich, indem man Arbeiter- ausschußmitglieder und Vertrauensleute ent- läßt, in der Erwartung, daß daran sich ein Streik anschließt. Dann sollte die Wiedercinstellung vom Beitritt zu diesem Werkverein abhängig gemacht werden! Damals, im Oktober,' wurde die beabsichtigte Gründung durch die Ereignisse infolge des Formerstreiks vereitelt. Jetzt nun, bei der verflossenen Aussperrung, fiel es allgemein auf, daß in samt- lichen A. E. G.-Werken Arbeiterausschußmitglieder nicht mit ausgesperrt worden waren. Was der Zweck dieser Uebung sein sollte, ließen die Herren Direktoren in den einzelnen Werken sehr bald erkennen. Bei einer Verhandlung, die sich in einem Werk notwendig machte wegen Streikarbeit, sagte der betreffende Di- rektor: In dem Verhalten des Metallarbeiterverbandes läge doch eigentlich gar keine Logik. Es müßten doch die 40 Proz. heraus- gezogen werden. Auch sonst fielen einige Bemerkungen seitens dieses Herrn, die deutlich erkennen ließen, daß man Arbeiteraus- schußmitglieder usw., also die Vertrauensleute der Ar- beiter, nur deshalb nicht ausgesperrt hat, weil man erwartete, diese würden den Ausgesperrten ohne weiteres folgen, und dann könnte man bei Aufhebung der Aussperrung etwa in der Weise verfahren, daß die Ausgesperrten auf ihre Plätze zurückkehren, die- jenigen aber, die freiwillig ihre Plätze verlassen hatten, nicht zurückkommen durften. Auch dieser Plan scheiterte. Denn schließ- lich übt die Arbeiterschaft die Anwendung der Taktik je nach Lage der Verhältnisse, nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis, und diesen Faktor hatten die Herren der Direktion der A. E. G. wohl nicht mit in Rechnung gestellt. Da blieb nun nichts weiter übrig, als in der Form vorzugehen, wie es durch die Petition geschehen ist. Man mußte doch die Anweisung von der Generaldirektion am Friedrich-Karl-Ufer befolgen. Die weiteren Maßnahmen der Direktion nach Eingang der Petition sind aber auch so ungeschickt, daß man das ganze Wesen der Sache ohne weiteres erkennen kann. Ein Herr Nord, sehr häufig der Vertrauensmann der Direktion der A. E. G. Ackerstratzc, bekam die Erledigung der Vereinsgründung überwiesen. Der Herr berief eine Versammlung der A. E. G. Ackerstraße nach dem Kriegcrvercinshaus. Chausseestraße, und zwar zum 15. Dezember. Daß für diese Versammlung gerade der Hochzeitssaal des Krieger- Vereinshauses genommen wurde, hat unter der Arbeiterschaft ganz besondere Heiterkeit ausgelöst. Anwesend waren einige ältere Kollegen aus den Lägern, einige Betriebsunterbeamte und eine Anzahl Arbeiterinnen, genau gezählt insgesamt 35 Per- s o n e n. Daß Herr R o r d, der Vertraute der A. E. A. Ackerstratze, der Einberufer der Versammlung war, gab er selbst zu, indem er sich als solcher bekannte und auch als solcher von seinem„HauS- recht" Gebrauch machte. Die Vereinsgründung ging dann auch vor sich, und damit war zunächst einmal die Anweisung der General- direktion erledigt. Die in den vom Metallarbeiterverband einberufenen Betriebs- Versammlungen anwesenden Arbeiter und Arbeiterinnen erklärten ausdrücklich, und gaben auch durch ihre Ausführungen ohne weiteres zu erkennen, daß sie sich durch die Täuschungsmanöver, die man bei Gründung des gelben Vereins versucht hatte, nicht hinterS Licht führen lassen und sehr wohl merken, daß diese Werkvereine durchaus nicht den Interessen der Arbeiter und Arbeiterinnen, son- der» im Gegenteil ausschließlich den Interessen der Firma dienen. Wahrscheinlich beabsichtigte man mit der Gründung der gelben Vereine und dem Versprechen, daß die Mitglieder der gelben Ver- eine bei kommenden Aussperrungen nicht mit ausgesperrt werden sollen, zu verhüten, daß bei der jetzt beendeten Aussperrung sich die gleichen Wirkungen zeigen, wie bei früheren Aussperrungen auch, nämlich weitere Ausdehnung der Arbeiterorganisation. In einer Versammlung erschien auch Herr Minier vom Christlichen Metallarbeiterverband und sorgte zur Genüge dafür, daß neben dem Ernst, auch der Humor zu seinem Recht kam. Alles in allem war der Verlauf sämtlicher Versammlungen ein ausgezeichneter und können die freigewerkschaftlichen Organisa- tionen mit der ungewollten Agitation, die die Direktion der A. E. G. ihnen geleistet hat, durchaus zufrieden sein. Maßregelungen bei der Großen Berliner Straßenbahn« gesettschaft. Seit der Lohnbewegung der Angestellten der Großen Berliner Straßenbahn im Sommer d. I., die mit einem Erfolge für die An- gestellten endete, wodurch die Gesellschaft jährlich 1 400 000 Marl mehr an Gehältern zahlen mußte, war die Direktion mit Hilfe ihrer Zwischenträger schon seit Monaten bestrebt, Uneinigkeit in die Reihen Die klassenbewußte Arbeiterschaft muß eS sich e r n st l i ch verbitten, daß sie in solcher ver- letzenden Weise gleich kleinen Kindern ausge- fragt und behandelt wird. Die„Bergische Arbeiterstimme" (Solingen) hatte nur zu recht, als sie am 20. Mai 1910 sich gegen solches Unterfangen verwahrte:..Solche Wichtigmacher, die in den Arbeitern lediglich Objekte für ihre Schrullen und Marotten sehen und sie nur benutzen, um sich mit irgendeiner sensationellen Ver- schrobenheit einen Namen zu machen, sollte die Partei in Berlin sich vom Halse halten", und es ist im höchsten Grade zu bedauern, daß trotz der Aufnahme dieses Warnungsartikels in andere Parteiblätter über 5000 Arbeiter sich zur Beantwortung hergegeben haben. Wenn uns Levenstein erzählt, er hätte auch 100 Fragebogen in veränderter, also wohl weniger be- leidigender Form,„an 100 sogenannte Intellektuelle abgegeben". und nur 17 natürlich unauSgesüllte Bogen zurückerhalten,„davon zwölf mit dem Hinweis, daß hier wohl eine Art Psychose(Geistes- gestörtheit) seitens des Fragestellers vorliegen" müsse, so ist uns diese Antwort recht verständlich. Wie nun aber die Antworten auf diese schief, mehrdeutig und zusammhanglos gestellten Fragen„bearbeitet" worden sind, spottet jeder Beurteilung. Man wird den Eindruck nicht los, daß Leven- stein seine tvissenschaftliche Unfähigkeit vollends erweisen wolle. Zunächst bekommt er eS fertig, auf Grund der natürlich nicht von jedem einzelnen Befragten vollständig ausgefüllten Formulare „vier große Einschnitte, letztlich allerdings ganz nach fubjektiver Ueberzeugung, aber auf Basis peinlichster Untersuchungen." zu machen,„um die geistige Struktur der eingegangenen Erhebung?- formulare zu kennzeichnen"! Und zwar hat er„festgestellt", daß 5.9 Proz. der„intellektuellen", 9,9 Proz. der„kontemplativen", 20,1 Proz. der„verbildeten"(!) und 64,1 Proz. der„Massen- schicht"(l!) angehören. Jeder Mann, der wissenschaftlich ernst ge- nommen werden will, gibt die Methoden„peinlicher Untersuchungen" an. Levenstein spart sich das alles. Er bringt fertige Zahlen und damit basta! Nicht einmal der Versuch einer ausführlichen Charak- teristik der vier Schichten wird gemacht.„Die Klassifizierung der Maffenfchicht mit ausgeprägten Kollektiveigenschaften bot keine be- sonderen Schwierigkeiten". Sie wird gebildet von der„Kategorie Menschen, die allen L e b e n sä u ße r u n g e n ganz apathisch gegenübersteht, die man ebensogut in einen Käfig stecken und regelmäßig füttern könnte". Und zu derartigen Roheiten haben organisierte Arbeiter ihre Hand geboten! Auf knapp einer Seite ist die Ein- teilung aller Schichten„begründet" und fortan erscheint in dem Text ieder Arbeiter tatsächlich mit der Nummer 1. 2, 3 oder 4. WaS werden die Formularausfüller dazu sagen, wenn sie ihre Ant- >. der Sngestellten hwewzutragen. Schon längere Zeit hat„Die Strahenbahn", das Organ der Gelben, gehässige Artikel gegen die freie gewerkschaftliSe Organisation losgelassen: sie bat die Direktion formlich, doch ein Machtwort zn sprechen. Dieses Bitten ihrer„Lieb- linge* hat die Direktion endlich erfüllt und zum l. Noliember d/J. vier Angestellte und zum Feste des Friedens sieben Angestellte, die fünf bis siebzehn Jahre im Dienste der Gesellschaft zur' vollen Zu- friedenheit tälig waren, ohne Angabe von Gründen bei sofortiger Dienstenthebung gekündigt. Dienstliche Vergehen liegen nicht vor: ti handelt sich um direkte Maßregelungen. Neue Gärung in der Tamenkoufektion. Wie es scheint, soll-S in der Berliner Damenkonfektion wirklich Nicht zur Ruhe kommen, denn wie uns aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, hat der Verband der Damcnmäntelfabrikanten seinen Mitgliedern einen Bertrag zugesandt, welcher von diesen den bei rhnen beschäftigten Meistern am vergangenen Sonnabend zur Unter- schrift vorgelegt wurde. Der Verband der selbständigen Schneider- meister erblickt jedoch in diesem Vertrage eine große Schädi- g u ng seiner Berufskollegen sowie seiner eigenen Jnter- eisen und hat deshalb zun, Donnerstagabend nach dem Restaurant „All-Berlin". Blumenstr. 10, zur Aufklärung eine große Mit- gliederversammlung einberufen. «,',cr �mo Bcchstcin tätige Pianostimmcr Hermann Pret, Rixdorf. Reuterstr. 30 wohnhaft, sollte nach einer Notiz, die wir am Sonnabend den 23. d. MtS. brachten, im Nebenamt Tanzmeister in Nrßles Festsalen, Dennewitzstr. 13. sein. Der Inhaber des genannten �.okals legt Wert darauf, daß wir unseren Leiern mitteilen, Pret sei dort nicht mehr Tanzmeister. Wir kommen diesem Wunsche nach. Deutftbes Reich. ■ Hrtke Erfahrungen im Ruhrrevier haben mehrere hundert tschechische Bergleute machen müssen, die sich von Agenten der au den— Schutz der nationalen Arbeit bedachten Grubenunternchmer hatten anwerben lassen. Sie kehrten jetzt, aller Mittet entblößt, zurück nach dem nordwestböhmischen Braunlohlciirevicr. Husland. In der Schadcnscrsatzklage gegen den Schwedischen Typograplicnvcrband, die von 23 Buchdruckereibesitzern und Zeitungsverlegern Stockholms infolge des allgemeinen Masieustrciks von 1909 erhoben war, hat jetzt endlich, am 23. Dezember, das Svca Hofgcricht als Bernfmigs- Instanz sciii� Urteil gefällt. Der Verband ist, wie in erster Instanz. auch vom Hofgericht freigesprochen von der Schadens- ersatzp flicht, jedoch mit einer etwas anderen Begründung, die für die RechtSauffassnng im TarifvertragSwesen von Bedeutung ist. Nachdem das NathauSgericht seinerzeit erklärt Halle, daß die Tarifverträge keine rechtlich bindende Krasr hätten, ist daS Hofgericht zu der Anffassuiig gekommen, daß sie doch rechilicli bindend seien, allerdings mir für die vertragschließenden Organi- fationen lind deren Mitglieder. DaS fieisprecheude Urteil dieser Instanz wird lediglich damit begründet, daß aus dem Wortlaut deS Tarifvertrages nicht klar hervorgeht, ob das für die Tarifdauer fest- gesetzte Streikverbots sich aus alle Arbeitsnicderleguilgeii oder nur auf solche bezieht, die mit Tarifstrciligkeitcu zusammcuhäiigcti. Der in Frage kommende Paragraph lautet nämlich; „Während der Geltungsdauer der Tarife dürfen Aussperrung. Boykott, Sperre oder Streik, offen oder maskiert, nicht angeordnet werden, sondern eS sind Streitigkeiten durch daS Tarifamt oder die Tarifredaktion zu elitscbetdcn." Um irgendwelche Streitigkeiten zwischen den Buchdruckeni und ihren Arbeitgebern handelte eS sich bei der Arbeitseinstellung von 1909 bekanntlich nicht, sondern lediglich darum, durch die Still- leguug der Druckcrcibctriebe die übrige Arbeilcrschast Schwedens M ihrem allgemeinen Kampfe gegen das Unternehmertum tatkräftig zu unterslützeii. Gemäß seiner prinzipiellen Auffassung von der Rvchtskraft der Tarifverträge hat daS Svca Hofgericht am selben Tage den Fach- verein der Maschinisten und Heizer zu 11 854,23 Äronen Schaden- ersatz verurteilt. I» dem Tarifvertrag, um den es sich hier handelt, lautet das Streikverbot: „Bei �Stockholms Dampsbootaktieugcsellschaft dürfen Boykott, Sperre. Streik oder Aussperrung, sei es offen oder maskiert, U» t e r keinen U m st ä n d e n vorkommen." Als letzte Instanz wird sich min wohl noch da? höchste Gericht mit den beiden Prozessen zu befassen haben. Darüber kann jedoch »och geraume Zeit vergehen, so daß man vorläufig die Auffassung des Svea Hofgerichts ab maßgebend für die Beurteilung der Rechts- läge im Tarisverlragöwesen Schwedens ansehen muß. Ei» Mustkcrstreik ist am ersten WeihnachtSseiertag unvermutet in verschiedenen kleinen Konzerl- und Mnsikhallen der Pariser Vorstädte ausgebrochen. Ter Ausstand ist darauf zurückzufahren, daß die Leiter der Varieblheater die Kontrakte der Musiker nicht ciitgehalteu haben. In verschiedenen VergniigungSlokalen beschränkte sich die Musikbegleitmig auf ein Piano; andeie erstatteten den Bc- siichern daS Eintrittsgeld zurück. ES fanden keinerlei Zwischen- fälle statt. warten so mit einer Schulnummer in dem Levenffeinschen Buch abgedruckt ivicderfinden! Daß Levenstein über wissenschaftliche Prinzipien chiuingSlos sich hinwegsetzt, ergibt sich weiter daraus, daß er die Antworten statistisch zusammenfasseii will. Der Unterschied zwischen einer Enquete und einer Statistik ist ihm noch nicht aiifgegangen. So müssen wir ihn auf die einleitenden Kapitel von Georg v. Mahrs„Statistik und Gesellschaftölehrc" Bd. 1 nachdrücklich hinweisen, damit er sich wenigstelis künftighin die einfachsten Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit aneigne. Auf die Frage 20: Was drückt Sie mehr, der geringe Lohn oder daß Sie vom Arbeit. geber so abhängig sind, so wenig Aussichten haben, im Leben weiter zu kommen, Ihren Kindern gar nichts bieten zu können? antwortet ein Proletarier: Mich drückt nichts. Die Arbeitgeber können mir den Buckel runterrutschen. In welche der Tabellen ist nun diese Antwort eingereiht worden? In a) die Abhängigkeit empfanden in erster Linie drückend, in b) die Abhängigkeit empfanden nicht in erster Linie als drückend, oder gar in c) es verhielten sich gleich- gültig?! Die Beispiele für den Unfug der Tabcllierung von Reflexionen zu Zahlensummen, ließen sich beliebig häufen. Die Ant- Worten z. B. auf die Frage: Wieviel Stunden würden Tic gern arbeiten? werden ganz ernsthaft zu einer Tabelle verwandt, in der 'dann Arbeiter mit dem Wunsch nach 8-, 9-, 10- und 11 stündigcr Arbeitszeit erscheinen! Es hieße Levenstein zu viel Ehre antun, wollte man eine ein- gehende Analyse seiner„Arbeit" liefern. Den Hauptteil bilden wörtliche Auszüge aus den Antworten. Nur zu jedem der Ab- schnitte findet sich eine ganz kurze eigene Einleitung. Scheinbar ist Herr Levenstein sehr fortschrittlich-radikal und protestiert nicht einmal offen gegen die Idee des KlaffenkampfeS. Daß er aber nicht auf dem Boden des wissenschaftlichen Sozialismus steht, son- dern in irgendwelchen Ideologien wurzelt, versteht sich am Rande. Wenn man Herrn Lcvenstciu in«ine der von ihm erfundenen „Schichten" einreihen wollte, könnten wir ihm nur Nr. 3 zugestehen. Wohl zitiert Levenstein gelegentlich Marx; aber wie gut— ob überhaupt?— er ihn gelesen und verstanden, mag folgender Passus zeigen:„Marx widmet in feinem Buche„Das Kapital" dem Mo- schinenwesen einige Aufmcrksamloit(!) und folgert, daß alle bis- her gemachten Erfindungen die Anstrengung der Menschen nicht ' verminderst sondern durch den Preis der Waren herabgesetzt haben(?), daß" usw. lS. 44>. An anderer Stelle entdeckt er: „Der Marrismus ging den Weg des Christentums. Auch das Christentum hatte den Aermstcn gepredigt: Duldet, duldet, duldet ... dennoch ist Euer der Sieg. Gott gibt ihn Euch. Genau so figarx, nviö in otchcrm Jargon/ Duldest imlifst dvldct,., dennoch Ter amerikanische Arbeiterbund von 1881 bis 1VI1. Die Leitung der„Ameriean Federation of Labor" hat soeben eine kurze Statistik über ihren Mitgliederbestand seit 1881— der Zeit ihrer Begründung— bis zur Gegenwart herausgegeben. Wir entnehmen daraus, daß vom GründuugSjahre bis zum Jahre 1893 die Mitgliederzunahme nur eine sehr mäßige ge- Wesen ist; die Zahl der Mitglieder stieg in dieser Zeil von 50 000 auf rund 275 000. In den nächsten sedbs Jahren war die Steigerung fast noch geringer: im Jahre 1899 betrug die Mit- gliederzahl noch nicht ganz 350 000. Sehnlich, wie bei deutschen Gewerkschaften, setzt auch bei dem amerikanischen Arbeiterbunde ein riesenhaftes Wachstum mit dem Jahre 1900 ein. In diesem Jahre wurden die 500 000 überstiege», 1901 wurden 750 000 ge- zählt. 1902 wurde die erste Million überschritten. 1903 sind es schon l'/s Millionen und 1904 schloß ab mit 1 67ö 200 Mitgliedern. Jetzt trat ein Rückgang ein; die Mitgliederzahl sank in den nächsten zwei Jahren vuf!>/, Million bezw. 1 450 000. In de» nächsten Jahren geht eS auf uns ab und erst im Jahre 1910 wird die Istst Million wieder um 62 000 überschritten. Im Jahre 1911 zählt zum ersten Male die„Western Federation of MinerS" mit 500 000 Mitgliedern mit. Zurzeit sind die 1 750 000 wieder überschritten. Tie Leftung deS Bundes spricht die Hoffnung aus, daß in wenigen Jahren die zweite Million erreicht sein werde. Der Umstand, daß die Western Bergleute, eine auS- gesprochen sozialistische Vereinigmig, zur Federaiio» gestoßen sind, sowie auch einige andere Anzeichen berechtigen zu der Hoffnung, daß auch der Geist in diesem große» Arbeiterbuiide bald ein anderer werde._ Hus aller Melt. Der Derrgott als öQahlhclfer. Die Religion ist in Gefahr! war schon immer eines der be- lieblesten Schlagwörter der Schwarzen im Wahlkampie. Und so sucht dcwn auch bei dieser Wahl das Zentrum den Herrgott im Himmel zwischen, sich und die Wähler zu stellen, um ihnen die Augen zu blenden über die volksverröterische. WirtschastSpolitik, die da? Zentrum im verflossenen Reichstage getrieben hat. In echt christlicher Verleugnung des achten Gebotes arbeiten die Heiligen im Wahlkampse mit den schofelsten, Mitteln, um Me frommen Schafe von der sozialdemokratischen Aufklärung fernzuhalten. So wurde von Zentrumsscite gelegentlich einer sozialdemokratischen Versammlung, die am letzten Sonntag in der bayerischen Ortschaft W e m d i n g stattfand, ein Flugblatt folgenden Inhalts auSge- geben: Wir erklären Gott be» Krieg! So ftevelt der Sozialist Schall. Wir wollen die Religion au? der Schule herauZ haben! So der Sozialdcmokratenführer Singer. Wir anerkennen keinen Herrn im Himmel und keinen auf Erben! So Bebel. Niemand ist beS NamenS eines Sozialisten würdig, als der, welcher der Ausbreitung der GotteSlengining mit allem Eifer seine Anstren- gungen widmet. So erklärt der sozialdemokratische Führer Licbknechk. Mit Gott sind wir fertig! So höhnt der gefeierte Sozialist Engels. DaS sind die Grundsätze der Sozialdemokratie! Nach ihnen handelt sie, wo sie die Macht in Händen hat. Frankreich ist hiefür ein trauriges Beispiel! Die Sendlinge dieser Leute kommen seht nach Wemding! Und Wemdinger sind c?, so sagt man, die sie gcrufcn haben! Ist daS möglich? Kann da? wahr sein? Draußen, inmitten eurer Felder, steht die Wallfahrtskirche und ruft weit hinaus ins Land:„Hier ist eine Stadt der Mutter Gottes!" Und ihr Wemdinger wolltet Leute anhören, deren Anführer vcrkün- digen:„Wir erklären, Gott ben, Krieg!" Tut doch eurer Wallfahrt die Schande nicht an! Tausende und Abertausende von Wallfahrern ziehen alljährlich nach Wemding! Wemding gilt ihnen als Ort des Gebetes! AIS Oi»t, wo sie Gott suchen! Und die Wemdinger sollen in die Versammlung jener Partei gehen, deren Grundsatz eS ist: Mit Gott sind wir fertig! Rein! lt. ad abermals Rein! Soll man die Wallfahrer draußen im Lande warnen müssen» ihr Geld nicht mehr nach Wemdingzu tragen? Traurig genug, daß die Partei der Gottekleugnung, des Priester- Hasses und der Volksverhetzung in Wemding für einige Mark einen Saal bekommen konnte! Noch viel trauriger aber, wenn im katholischen Wemding Bürger und Einwohner in diesen Saal gingen! Laßt die hingehen» die„Gott den Krieg erklären" wollen. Laßt die hingehen, die„mit Gott fertig." sind! Selbst aber bleibt weg! Auch Neugierige und Mitläufer stärken bloß die rcligionSfeindliche Sache! ist Euer der Siog. Da? dialektische Entwicklungsgesetz gibt ibn Euch."(S. 325.) Marx' Lebre ein anderer„Jargon" des christ- lichen Dulder-Evangeliums, ist wirklich göttlich. Die unfreiwillige Komik des dem Proletariat einige Aufmerksamkeit schenkenden Schriftstellers Levenstein enthebt un? einer, eingehcndcreit, Würdi- gung seiner sozialwissenschaftlichen Leistungen. Doch kurz zu den psycheloaischen Kenntnissen! Mehr als Hell- pach scheint er nicht einmal dem Namen»ach zu kennen. Kein Hinweis bei der„Erörterung" des Ermüdungsproblems über Kraepelins Arbeiten, die durch Webers und BernahS' Unter- suchungen jetzt auch für den Soziologen so handlich und direkt für ihn zugeschnitten vorliegen. Nicht die leiseste Andeutung, über die auch sozial wichtigen Differenzierungen des vieldeutigen Bc- griffcs„Ermüdung". Keine durch Sachkenntnis getrübte Erörte» rung der zahlreichen Probleme über die Einwirkung der Proletarier- cxistenz auf seine Psyche. Tie ganze moderne crperimentelle Psy- chologie ist Levenstein sichtlich ein Buch mit sieben Siegeln. Aber was braucht man für die Sozialpsychologie auch psycliologische Er- keilt, tnisse. Worte, ein Stammeln mit darauf folgenden--- und....(die L. so sehr liebt) genügen. Weshalb wir uns überhaupt mit dem„Buch" solange beschäfti- gen? Aus einzelnen Antworten geht deutlich hervor, daß sie mit dem Herzblut der Absender geschrieben worden sind. Neben all der Betätigung in den Organisationen lebt in einzelnen noch das subjektive Bedürfnis, sich mitzuteilen. Einzelne Fragen wurden so zum Anlaß, nur lose damit zusammenhängende Wünsche, Er- fahrungen, Urteile auszusprechen. Bei einigen steckt nur Eitel- keit, Souderlingssinn dahinter. Bei anderen ist eS der Wunsch, persönliche Fühlung zu gewinnen. Daher entbehren einzelne Ant- warten nicht eines gewissen Reizes durch ein derbe? Wort, ein charakteristisches Bild, eine treffende Pointe. Die Freude an der Niederschrift, das Interesse an dem vom einzelnen Proletarier damals noch nicht zu übersehenden„Resultat" mag die Absendung der Bogen motivieren. Aber neues über die Psyche der einzelnen Individuen oder äiber die geistige Struktur der Arbeiterklasse ist nicht zutage gefördert worden. Dazu war die Materialgewinnung zu roh. die Bearbeitung zu verfehlt. So bleibt dem Leser, der müh. sam die 400 Seiten durchackert, neben dem Zorn über die nicht subjektiv gewollte, aber tatsächliche Verachtung unserer Klasse der Unwille, daß so viel ehrliches Wollen und so viel echte Gedanken von Arbeitern unnütz verpufft werden sind im Interesse eines sen. sationSbcdürftigen„Wissenschaftlers". Die Lektüre der„Arbeiter- frage" wird jeden Arbeiter sofort über die wissenschaftliche Qualität und. die ciaewtlicben Absichten dieses Buchmachers auf- klären..Ernst Li vst Bleibt weg? Eure Ehre als Katholiken verlangt es und die Ehre unserer Stadt? Es braucht nicht gesogt zu werden, daß dieses Flugblatt, dessen sich selbst steine Verfasser schämten, denn sie wagten weder ihren Namen, noch den des Druckers darunter zu setzen, gar leinen Eindruck machte. Die Wemdinger sind nicht mehr bc- scssen. Sie lachten ob der faustdicken Lügen, kümmerten, sich nicht um die jämmerlichen Warnungen, die der OrtSpfarrer von der Kanzel noch außerdem an sie richtete, und besuchten die Vcr- samMlung.'_ Ter Tod im Jrrenhause. Ein schivereS Unglück hat sich am Mittwoch in der Irren» ansialt zu Macerata(Italien) zugetragen. Durch einen starken Sturm wurden in dem Garten der Anstalt mehrere Pfähle mit H o ch sp a y n u n g s l e i t u n g e n umge- warfen. Drei Irre berührten die Leitungen und wurden durch den Strom auf der Stelle getötet. Bald da- nach eilten zwei andere Kranke herbei und kamerr auf die gleiche Weise ums Leben. Der Direktor der Anstalt, der alle fünf Kranke an der Erde liegen sah, glaubte, sie wären in einer Prügelei begriffen, eilte hinzu, um sie� zu trennen. Er wurde ebenfalls durch den Strom getötet. Außerdem haben zwei Krankenwärter schwere Brandwunden davongetragen. Schreckenstat eines Ehederlassenen. Eine schwere Bluttat verübte in Fulda am Weihnachtsabend der von seiner Ehefrau getrennt lebende Schuhmacher Kirch ler. Mit einem Revolver bewaffnet drang er in die Wohnung seiner Frau ein und gab mehrere Schüsse ab, von denen der erste sie zu Besuch ivcilende Schwester seiner Ehefrau� Frau Herz, lötete. Frau K i r ch l e r wurde durch mehrere Schüsse s ch w e r v erwundet und der von einein WeibnachtSeinkauf in � die Wohnnng heinikehrende Lumpenhändler Z i e g l e r durch einen Schuß in den Müntz niedergestreckt. Beide Verwundelen wurden in das Krankenhaus gebracht. Kirchlcr begab sich nach der Blut- tat in seine Wohuuug, wo er später im Bett verhaftet wurde._ Verschmähte Liebe. lieber eine entsetzliche Bluttat liegen Meldungen aus der unga» rischen Garnisonstadt Tulcea vor. In der Wohnung der siebzehn- jährigen Varieleiängeri» Chiarina G i a c o m o erschien der Kavallerie« leulnant B o d wa r e S c u l und stellte sie zur Rede, weil sie ihm in euiei» Schreiben ihre Absicht kundgab, die Beziehungen zu ihm zu löstn. ES kam zwischen beiden z» einer heftigen Aussprache. Während deS Wortwechsels zog der Offizier ein F l ä s ch ch e n mit Vitriol auS der Tasche und schüttete den Inhalt seiner Geliebten ins Gesicht. Die Sängerin trug schwere Verletzungen davon und wurde später in ein KrankenhanZ gebracht. Der Offizier ergriff die Flucht, verkolgt von HauSbclvohnern, die auf die Hilferufe des Mädchens herbeigeeilt waren. BoduareScul feuerte auf feine Verfolger mehrere Schüsse auS einem Re« v o l v e r ab, die ein förmliches Blutbad anrichteten. E i n Polizist und zwei Passanten wurden getötet und mebrere iveilere Personen nicht mierheblich verletzt. Der Attentäter richtete schließlich die Waffe gegen sich selbst,� indem er sich eine Bevolverkugel in die rechte Schläfe jagte. Er stürzte zusammen und war auf der Stelle tot. Ein todbringendes Versehen. Eilten Irrtum mußten in der belgischen Kohlengrube O u a r c g n o n bei Möns mehrere Bergleute mit ihrem Leben büßen. Nach vollbrachtem Tagewerk wollten vier Ar- beiler wieder an die Erdoberfläche fahren, stiegen aber ver- schentlich in einen falschen Förderkorb. Statt auf- ivarts zu fahren, wurden sie mit dem Fahrstuhl in die Tiefe befördert, wo das Wasser etwa 40 Meter hoch st a n d. D r c i A r b c i t e r s i n d e lit r u n k c n, der vierte konnte noch lebend aber schwer verletzt geborgen werden. Blutige Tycihnachten. Messer und Revolver haben während der Festtage verschledent- lich große? Unheil angerichtet. Am ersten WeihnachtZtage schoß in Oberroden nach einem Streit ein Arbeiter einen Kollegen nieder. Herbeieilende Leute übten derart Lynch- j u st i z an dem Mörder, daß an seinem Aufkommen ge- zweifelt wird.— Beide sind Familienväter.— In E s s e n wurde am zweiten WeihnachtStage ein Arbeiter ans der Straße von einem 16 jährigen Burschen e r st o ch e n.— In der Nachbargemeinde EsienS, in Stoppenberg, wurde im Streit« ein Soldat des 39. Infanterieregiments in Düsseldorf durch Messer- si i ch e tödlich verletzt.— Am Mittwochmorgen gab in einem Gasthofe am Frciburger Bahnhofe in Dresden ein Fremder zwei Rcvolvcrschnsse auf Pen P o r t i e r ab. Als dieser die Polizei herbeiholte, verbarrikadierte sich der Fremde in seinem Zimmer und drohte jeden zu erschießen, der ihm zu nahe käme. Tie Schutzleute schlugen die Tür deS Zimmers ein, worauf der Fremde etwa 20 Schüsse abfeuerte und einen Schutzmann leicht verletzte. Tie Beamten er- widerten das Feuer und verletzten den Fremden an den Schenkeln und an einer Hand, so daß er in ein Krauken- hauS gebracht werden mußte. ES handelt sich anscheinend um einen Geistesgestörten namenS Anton Groß, der am 23. d. M. ans Amerika zugereist ist. Nach seinen Papierett ist er Lester- reichcr._ Kleine Notizen. Giftiger Punsch. Am Sonntag sind in Leipzig vier Personen, ein Kaufmann K e h r und drei polnische Arbeiter, nach dem Genuß einer Puüschbowle erkrankt und bald darauf ge» st o r b e n. Boin Räderwerk zermalmt. Der Sohn des MühlrnbcsitzerS Steinte zu N e tz t h a l lProvinz Posen) kam vor den Augen der Ellern und Brüder am Heiligabenv dem Räderwerk zu nahe, wurde mit den Kleidern erfaßt und zwischen zwei großen Rädern völlig zermalmt. Dopvelrauvinord. In der Nacht zum Sonntag wurde das Gast- lvirtSehepaar Ulrich in S ü d e r w i f ch bei Cuxhaven ermordet und beraubt. Ein am Sonntag vormittag am Gasthause vornbcrfahrciidcr Milchmann sah den siebzigjährigen Gastwirt im Schaulraum tot an der Erde liegen. Bei der Durchsuchung deS HmiseS fand mau auch die Frau im Schlafzimmer. Beide sind mit Beilhieben er- schlagen worden. Als Täter wurde ein Knecht Meißner ans Frankfurt a. O. verhaftet. Meißner hat bereits ein um« fassendes Geständnis abgelegt. In den Flammen umgekommen. Am Wcibnachtsheiligabend brannte die Waldmiihle bei K e t s ch d o rf in Schlesien nieder, wobei ein siebzehnjähriges D i e n st m ä d ch e n den Tod in den Flammen fand.— In Hirschberg fand am Heiligabend bei der Erplosion einer Petroleumlampe die SOjährige Frau Erle» b a s ch den Tod durch Verbrenne».— Bei dem Brande eine» Wohn- hanseS in Kappel, einem Dorfe St. GallenS, sind am zivcitc» Feiertage fünf Personen, darunter vier Kinder, verbrannt. Der Vater der Kinder erlitt schwere Verletzungen. Gasvergiftung. Am Mittwochmorgen wurden die beiden z ehn» und z Iv ö l f j ä h r i g e n Söhne des Geldschrantfabrilanten H o n b e n in Duisburg tot in ihren Bctteu aufgefunden. Di« Todesursache ist Gasvergiftung. c Abznhiunasneschäfie 3 Berliner Credit-Haus ffsy Kommandantenstr. 67."Wik f Alkoholfrelg egtrlnke*� Franz Abraham Bamt Me»iina-u.R5mertrank-K«ll. K<, Sehlegelst. 9, Fernsp. III 7727 r�.rh rielter-u. Liraonad.-Fabrlk USlllü, Thaersfr. 44. T. A.7, S176. Sditttze, E., Wettmr. k 7. 11 175. Bcite»»Ikedol- fr(i<$ 6ttrJ«k. Berlin 0,jgabolB.4 Arbeiter-Beklatduna) < a J�T?i?täKstr�7 JT«IT UfiitVi Bcrsin»r>Hl.06 Hamburger Ladeo, Ch*rl.,Wti;«t.63 J.Kastner�Ä BotcrLeden�Schöneb�Ha«� Bäckereien, Konditor. $i-$i Erscheint 2 mal wöchentlich. | BezugsqueBBegi�es�zeeclimSs[ Untanstohends Geschäfts tmafehlen sich holHir.Uäufo-i Kuranstalt M. Schulz Elsasserstr. 71 Ungjähr. I. Assistent d. ehemals weltberühmt. Jakobi-Heilanstali BW" PflauzeDheilTcrfahren"WQ Atteste von Geheilten. c Blottner's Großbäckerei Geschäfte 1b Berlin, Ctiarlottenbum, Sohftnebero. Wilmersdorf. 1 _ ilershofer ßtckrrei, I. z�fwiraL M«» Backer, Ramlfrstr, 36. 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ZeMbtt IflIL Ila$lkf(ruDg$verfal)ren und polkelllche ßefugniffe. Der Zahnarzt Dr. Goldenberg, ein LluSländer, dar im 5)uli 1911 in Berlin inhaftiert worden. Auf Veranlassung der Berliner Volizeibehörde wurde das Stahlfach einer Bank, in dem G. u. a. Papiere liegen hatte, gesperrt. Bevor aber die Sperre erfolgte, batte bereits Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn, der Sachwalter Golden- bergs, mit ordnungsmäßiger Böllmacht dem Stahlfach die Papiere rntnommen. Goldenberg und sein Anwalt wollten mit Hilfe der Papiere nachweisen, dag G. osmanischer Staatsangehöriger und nicht russischer Staatsangehöriger sei, also nicht nach Rußland aus- geliefert werden könne, wie beabsichtigt war.(Goldenberg wurde später wieder freigelassen.) Nachdem nun Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn die Papiere aus dem Stahlfach in Händen hatte, erschien im Auftrage des Diri- genten der Kriminalpolizei bei ihm ein Kriminalkommissar und verlangte Herausgabe der Papiere, indem er u. a. sich auf§ 19 II 17 deS Allgemeinen Landrechts berief. Rechtsänwalt Dr. Cohn verweigerte die Herausgabe und be- schwerte sich über die Verfügung, welche die Beschlagnahme angeord- ntzt hatte, beim Oberpräsidenten. Er ging davon aus, daß eS sich um eine im Verwaltungsstreit anfechtbare polizeiliche Verfügung handele.» Der Oberpräsident verwarf die Beschwerde mit folgender De- gründung: Goldenberg sei am 27. Juli mit Genehmigung deS Herrn Ministers des Innern zur Sicherung seiner Auslieferung nach Rußland von dem Polizeipräsidcnien in Polizeigewahrsam genommen worden. Die Auslieferung habe erfolgen sollen, weil dem Goldenberg durch das Geständnis anderer zu Last gelegt wor- den sei, ihnen in Rußland gefälschte Zeugnisse der zahnärztlichen Studienabteilung in Smolensk verschafft und übergeben zu haben, wonach sie drei Jahre zahnärztlicher Studien absolviert und die vorgeschriebene Prüfung bestanden hätten, eine Straftat, die sich nach deutschem Strafrecht als strafbare Teilnahme einer Urkunden- fälschung darstellen würde. Das fragliche Stahlfach habe nun nach Angaben des Anwalts und der Frau G. außer Schmucksachen der Frau noch Papiere, Urkunden und Zeugnisse enthalten. Hiernach habe die Möglichkeit bestanden, daß sich darin auch Papiere be- fänden, welche entweder als Beweisstücke für die dem Goldenberg zur Last gelegte Straftat dienen oder aus anderen Gesichtspunkten für die Frage der Anwendbarkeit des preußisch-russischen Ausliefe- rungsvertrages vom 13. Januar 1885 van Bedeutung sein könnten. Die Aufgabe der Polizeibehörde, die Verwertung dieser Beweis- stücke zu sichern, ergebe sich, da die Bestimmungen der Strafprozeß- Ordnung für ein im Auslande begangenes, im Jnlande nicht vcr- folgbares Vergehen nicht in Betracht kämen, aus den allgemeinen, im K 19 II n des Allgemeinen Landrechts umschriebenen Rufgaben der Polizei. Insbesondere diene die Sicherung des Nachweises der Urkundenfälschung nicht nur der ordnungsmäßigen Durchführung des, einen Bestandteil der öffentlichen Ordnung bildenden Aus- lieferungsvertrages, sondern auch sicherheitspolizeilichen Gesichts- punkten, da es im sicherheitspolizeilichen Interesse geboten erscheine, einep dieses Vergehens schuldigen Ausländer im Jnlande nicht weiter zu dulden. Hiernach müsse sowohl die polizeiliche Sperrung des Stahlfaches als die Abforderung der kurz vorher mit Vollmacht G.S daraus entnmumenen Papiere für gerechtfertigt erklärt werden. Rechtsanwalt Dr. Cohn focht den Bescheid des Oberpräsidenten mit der Klage an. In dieser wurde gegenüber Aeutzerungen des PolizeiprSftdenten betont, daß er lediglich zu einem rechtmäßigen Zwecke, nämlich um die«ttvmanische Staatsangehörigkeit®J nach. zuweisen und so seine Auslieferung nacb Rußland zu verhindern, mit Vollmacht des Mannes die Papiere dem Stahlfach entnommen habe. Weder unter dem Gesichtspunkte der Auslieferung und noch viel weniger unter dem einer künftigen Ausweisung habe die poli- zeiliche Verfügung dem Kläger zumuten dürfen, den rechtmäßigen und zu einöm bestimmten legalen Zwecke erlangten Besitz aufzu- geben. Dazu macht die Klage eingehende rechtliche Ausführungen. Die Sache beschäftigte am Freitag das Oberverwaltungsgericht zum zweiten Male, lieber die erste Verhandlung, in der Rechts- anwalt Dr. Karl Liebknecht den Kläger vertrat, haben wir berichtet. ES war ein neuer Termin anberaumt worden, um dem Minister des Innern Gelegenheit zu geben, sich durch einen Kommissar zu den Rechtsfragen zu äußern. Im Auftrage deS Ministers deS Innern erschien gestern einer seiner vortragenden OberregierungSräte, Herr Dr. Lentz. Dr. Oskar Cohn war selber erschienen, außerdem sein Vertreter Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht. Rechtsanwalt in der Polizei_..... besondere um sich w Besitz von Papieren von Ausländern zu setzen, dann müsse die Polizei mindestens sich darauf beschränken, in die RechtSsphare desjenigen einzugreifen, gegen den sich die polizeilichen Matznahmen richteten. Rechtsanwalt Cohn habe die Papiere infolge eines VollmachtSvertrageS im Besitz gehaht. Die Polizei hatte keine Befugnis, in die RechtSsphare deS Rechtsanwalts Dr. Cohn einzu- greifen. Im Sinne der Klage legt der Anwalt eingehend dar, daß in keiner Richtung, wie man auch die Sache rechtlich ansehe, sich das polizeiliche vorgehen gegen Dr. Cohn rechtfertigen ließe. Rechtsanwalt Dr. Cohn verwies darauf, daß der Kriminal- kommissar, der zu ihm gekommen fei, nicht mal genau habe an- geben können, was er wolle. Er habe nur allgemein gesagt, er wolle, waS aus dem Bankfach herausgenommen worden se,. Das ei viel zu unbestimmt, und nach der Judikatur hätten unbestimmte erfügungen schon wegen ihrer Unbestimmtheit keinen Rechts- bestand. Der Kommissar beß Ministers, Geh. OberregiernngSrat Dr. Lentz, suchte vor allem darzutun, daß hier überhaupt keine, im Ver- waltungSstreit anfechtbare polizeiliche Verfügung vorliege. Die .Abforderung' der Papiere, wie der Oberprasident den Vorgang mit Recht nenne, sei ein Ausfluß der Notwendigkeit, in dem schwe- benden AuSlieferungSverfahren sich der Papiere zu bemächtigen, welche wenigstens indirekt in Cohns Besitz gewesen seien und welche geeignet erschienen, als Beweismittel zu dienen bei der Stras- Verfolgung deS verdächtigen Herrn Goldenberg in seinem Heimat- lande. ES sei ein Grundsatz deS AnslicfcrungsrechtS, daß der Staat, der ausliefern wollte, sich bemühe, die Beweismittel zu er- halten, welche im Auslande zur Verfolgung dienen sollten. Es sei anerkannten Recht, daß die Bestimmungen der Strafprozeßordnung für das Auslieferungsverfahren nicht in Betracht kämen. Das AuslieferungSverfahrcn sei e>n reiner verwalwngSakt von Regie- rung zu Regierung. Und was nun da» Vorgehen des Kriminal- kommissars Fritsche angehe, so sei dieser zum Kläger gegangen, nachdem er auf der Bank erfahren hatte, die Papiere seien bei Cohn. Auf dessen Weigerung habe der Kommissar nichts weiter unter- nommenen. Hin« nachträgliche Ratifizierung seines Verhaltens seitens seiner tfergesetzten Behörde sei nicht erfolgr. Eine kriminal- polizeiliche Verfügung könne darin nicht gefunden werden.— Ebenso wenig sei eine ortspolizeiliche Verfügung anzunehmen, die mit dem Rechtsmittel deS§ 127 des LandeSverwaltungsgesetzeS zustehenden Befugnisse erlassen werden konnte. Hier sei zu ver- neinen, daß es sich um eine solche Verfügung handele. Das sei nicht möglich gewesen. Denn es sei ein Akt der Polizeibehörde, welcher, lediglich die Durchführung des AuslieferungSverfahrenS zum Ziele hatte, also eines Verfahrens, das der Zuständigkeit der Ortspolizeibehörde unter allen Umständen entzogen sei. Soweit bei dem Regicrungsakt deS Auslieferungsvcrfahrens Organe des Staates betraut sind, könnten diese Aktionen keine polizeilichen Verfügungen darstellen, die gemäß Z 127 des LandesverwaltungS- gesetzes angefochten werden könnten.— Lediglich die Anrufung der vorgesetzten Dienstbehörde im Aufsichtswcge sei statthaft. Tie Klage selbst wäre unzulässig. Rechtsanwalt Liebknecht nimmt nochmals zur Sache das Wort, um die Ausführungen deS Kommissars des Ministers zu entkräften: Der Kommissar habe auf das Wort„Abforderung" von Papieren soviel Gewicht gelegt. Das Worte bedeute aber doch nur. daß etwas gefordert werde, ein Dulden oder ein Handeln. Das sej aber> gerade dasjenige, was den Charakter einer polizeilichen Verfugung ausmache. WaS die Deduktionen des Kommißars angehe, daß bei Aktionen unterer Organe in Auslmferungssachen die Annahme einer »rtSpolizeilichen Verfügung überhaupt ausgeschlossen sei, so sei zu erwidern: Gewiß, das Auslieferuirgsverfahren sei in bczug auf me Schlußentschcidung den höheren Instanzen vorbehalten. Daraus aber, daß dies der Fall sei, könne doch nicht unterstellt werden, daß niemals eine Maßregel unterer Organe einen ortspolizeilichen Charakter tragen könne, die etwa abziele auf ein künftiges Aus- lieferungsverfahren. Das würde ja dem ganzen Svstcm unserer Polizei- und Regierungsverhältnisse widersprechen.— Weiter unterfalle das Auslieferungsverfahren nicht den Bestimmungen der Strafprozeßordnung. Wenn nun nach Meinung des Minister? als absolut einzig zulässige Maßregel die Aufsichtsbeschwerde verbleiben solle, um sich gegen Aktionen unterer Organe in Auslieferungs- fachen zu wehren, so würde bei dem ungeheuer wichtigen und für den einzelnen für seine ganze Existenz entscheidenden Ausliefe- rungsberfahren jede gesetzliche Garantie fehlen. Eine absolute Willkür der Polizei wäre dann gegeben. Denn die AufsichtS- beschwerde werde hier, wo die höhere Behörde sowieso die eigentliche Entscheidung treffe, ohne weiteres versagen. Die Auftichtsbeschwerde falle in diesen Auslieferungssachen gleichsam in sich zusammen. ES sei auch hier das Vorgehen deS Kommissars nicht nur mit Rücksicht auf ein Auslieferungsverfahren, sondern auch aus sicher- heitspolizeilichen Gründen zu rechtfertigen versucht worden. So mit Bezugnahme auf eine eventuell im Ordnungs- und Sicher- heitsinteresse vorzunehmende Ausweisung. Mindestens müsse an» genommen werden, daß die Verfügung auf Herausgabe der Papiere sicherheitspolizeiliche Gründe mit umfaßte, also Gründe, aus denen die Ortspolizeibehörde auf Grund eigenen Rechts handeln könne, so daß es sich mindestens u. a. gleichzeitig auch um einen Akt aus ortspolizeilichen Befugnissen handelte. Somit fei das VerwaltungS- streitverfahren im Gegensatz zur Annahme des Ministers und seines Kommissars gegeben. Dann aber müsse das Oberverwal- tungsgericht die Verfügung auflieben, da jenes Verlangen an Dr. Oskar Cohn, der als bevollmächtigter Anwalt die Papiere hatte, nach den in der Klage gemachten Ausführungen ungerechtfertigt sei. Nach längerer Beratung verkündete das Gericht: DaS Ober. Verwaltungsgericht kam noch zu keiner Entscheidung. ES setzte diese aus, und wird das Urteil durch schriftliche Zustellung an die Parteien verkünden. Qigtt Jnwnfue-msmkauf Msnaljme-Preise srntös Räumung unserer Juventur-fle stände! 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Sonntag(Silvester), abends 8 Uhr: Zum erstenmal: vor Wieg zur H8!le. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Die Zlhuengalerie. Abends K Uhr: Ne Ntof Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Die kleine Freundin. Louisen Eritni Massary. Sonnt, nachm. 3 Uhr und Montag nachm. 3',. Uhr: Das Mädel von Montmartre. Crevette: Eritni Haanary. Residenz-Theater. Abends 8 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Morgen und folgende Tage: Ein Walzer von Ehopin. Sountaa. 31. Dez.(Siloeslerabend) 7 Uhr: Eil, Walzer von Ehopin. Sonntag. 31. Dez.(Siwesternach- mittag) 3 Ubr: Vollsoorstell.: Nach dem OPernbeÄ. In der Sil- vefternacht. Ter iclige Oktave. Theater des Westens. 8 Uhr: Fatinitxa. Mittwoch u. Sonnab 4 Uhr: Max und Blorill. Sonntag zum erstenmal: Wiener Blut. Ans. 7 Uhr._. � Sonnt, nachm. 3 und Moni, nachm. 3tt. Uhr: Fatiniva Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Tie Macht der Liebe. Freitag 8 Uhr: Wir tanzen durchs Lebe«. OSE-THEATE Große Franksurler Srr. 132. Abend» 8 Uhr: Fanit.(1. Teil.) 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Dia Vorführung dieser einzigartigen kinematographischen Aufnahme deo Welt-Champion- Boxkampfes Johnson- Jeff ries wurde durch die Berliner Zensurbehörde verboten. Die Direktion der Union-Theater erhob Widerk erwirkte durch Beschluß des Oberverwaltungsge: Aufhebung dieses Zensurverbotes. Die VorfUarun, Sensationsfilms ist also endgülti. freigegeben. WShrend der Weihnachts- ferion vom 17. Dez. bis inH 7. Januar: Tolkstage. Jedermann ein Kind frei. Jede« Kind erhält ein Geschenk. Bei den Peuerfrcssern. Lebend! Lebend! Die wilden Easauas Karawane sudanesischer Heul- und Feuor-Fakiro in ihrem Originaldorfe. Ohne Extra-Entree. Reiehshallen-Theater. StettiDerSänger Saftspiel Robert Steidl. Sonntag, 31. Dez.: Große Silvester- Llk-Molree mit TanzkrSnrchm H*"1 m' Berliner"« 888 umor-flMnrtett , ög.TreDerlli RutanitsaUnlO Für de» Inhalt der Inserate »drrniml»« vi« Skedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Todes-Anzeigen SozialileiDokratiseliEr?ere!D für den 12. Bert. ReieMa�MMsJ (Bezirk 26.) Am 25. Dezember verstarb| | unser Genosse, der Gastwirt Karl Krüger Zimmerstr. 22._, Ehre seinem Andenken! B 1 Die Beerdigung findet am I Freitag, den 29. Dezember, nach- I mittags 3'/, Uhr, von der Halle deS FerusalemS-KtrchhosS in Rix- jl| borf, tzermannstratze, auS statt.» Um reg« Beteiligung ersucht R! 2l2/15 Ter Borftand. Sozialöenüikrat. ffahlyerelö für den 4. Bert. ReiebstagsvaiM. ttöpenicker Viertel. (Bezirk 295 I.) Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Gastwirt l/, Uhr, von der Leichenhalle de» Marien- dorser FriedhoscS aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 141/15 Der Vorstand. ZnziätöemMÄMnbH ♦Dr den 4. fierl. Reiehslags-Wahlkreii (Landsberger Viertel Bez 404 II.) st/a«I>i'Bk. Den Mitgliedern zur Nachricht, bah unser Genosse, der Kutscher Simon Schmittner CvIHenIuSftrabe 11 gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung sand am Miti- wach, den 27. Dezember, nach. mitlag» 3 Uhr, aus dem Fried- dose der PiuS- Gemeinde in WtlhelmSberg statt. 201/2 Der Vorstand. wdand dtf Blieb- OBd Steindpuckerei-ifsarbeiter q.| UrbeiterimieD Dsiitaeblaüds. OrtsvcpwaUung Berlin. Am 25. Dezember starb nach| langem, schwerem Leiden unser i Kolleg« Vi!!! Mieleboek im Aller von 25 Jahren an der Prolelariertrantheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 29. Dezember, nach- miliags VI, Uhr, aus dem Phi- iiPpuS- Apostel-Zbirchhos, Müller-, Eck« Eeeslrahe, stall. 23/15 die Ortsverwallung. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale Groß-Bcrlln. Nachruf. Durch den Tod ist un« unser Kollege Max Schleusener von der Sektion Revier-Jnspektio- nen(30. Reo.) entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Di« Bestattung fand am MItt- woch, den 27. Dezember, nach- miltaaS 3'/, Uhr, aus dem Kirch- hos oer PhilippuS-Apostel-Ge- meinde tu der Müllerstratze 44/45 swlt. 32/4 Die QrtSverwaltnng. SozirtdemoirratistherWatilYerelri im S. Berliner Kreis. Am 24. d. MtS. verstarb unser Mitglied Karl Winter GrelsSwalder Str. 228(1. Abt.). Die Beerdigung findet Donner»- tag. den 28. d. M.. nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle de» Fried- böse» der Freireligiösen Gemeinde. Pappelallee, au» statt. 259/9 Um zahlreiche Beteiligung ersuch! Der Vorstand. Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale Groll-Berlin. Nachruf. Durch den Tod ist un« unser Kollege Otto Ldiulz von der Sektion RevierinsptNIone» (4. Revier) entrissen worden. Vir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Di« Beerdigung fand amMltt- woch. de» 27. Dezember, nachmittag» 8 Uhr, am dem Dom- Kirchhos in der Mllllersrr. 72/73 statt. 32/5 Die OrtSverwaltung. SoilaldemolrraiiscfiErWalilYerelii des 6, Bert Relctistags-ffalittrElses. Nachruf. Am 24. Dezember verstarb unser Genosse, der Sirbeiter Vax Sebleusener, Sllltsterdamer Str. 3. Ehre feinem Andenken! Dt» Beerdigung hat am 27. Dezember aus dein.städtischen Friedhos Müllerstratze, Ecke See- stratze, staltgesunden. 260/6 Der Vorotund. Zentral-Kraaken- uod Sterbe- taldeutscbeiiffagetter Berlin 17. Nachruf. Am Sonntag, de» 24. Dezember, verstarb plötzlich unser langjährige» Mitglied, der Gastwirt Wilhelm John Reichenberger Str. 119. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung hat am Witt- woch, den 27. Dezember, statt- gesunden. 253/3 Die OrtSverwaltung. Allen Freunden, Bekannten und Benvandlen die traurige Noch- richt, daß unser lieber Vater, Schwieger- und Großvater, der Tischler 2220b Julius Neumann| Hochslratze 33 nach kurzem, schwerem Kranken- lager am 24. Dezember ver- storben ist. 01« trauernden Mnterdllebenen. Die Beerdigung findet am Freitag, den 29. Dezember, nach- miliag» 2 Uhr, von der Leichen- halle de» städtischen Frledhose» in Friedrichsselde auS statt. SczialdeüokratiscbJaiiifereiii Köpenick. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 23. Dezember unter Ge- nosse 201/11 Oustav Gelbrecht plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! ver Vorwtand. Danksagung. Für die reg« Teilnahme und über- aus groß« Kranzspende bei der Be- erdigung meine» lieben Manne« Bawtav Klmon sage allen Beteiligten, fiiSbesondere dem Sängerchor.Sedding' meinen innigsten Dank. 2199b Frau Jolle Simon. f Hiermit die traurig- Nachricht. dag unier ältester, herzensguter Sobn und Bruder, Enkel und Neste Max Maynbardl am 23. d. MtS. im Alter von >9 Jahren o» Herzschwäche infolge von Diphtherie im Virchow- Krankendause gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 29. d. Ml»., nach- mittag» 3'/, Uhr, von der Halle des slödtiicheii Zentral-Friedhojes in Friedrichsselde auS statt. Um still« Teilnahme bitten Tie trauernden Eltern Eduard ida/nbard» nvdst Fr«u und Bruder Willi. Berlin, Culmflr. 26, 2209b Oeotscber Metallarbeiter-Verband: Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Dm Kollegen zur Nachricht.! batz unser Milglieb, der tzeljer> Otto Schmöcker am 23. d. M. an Blutoergiswng| gestorben ist. Ehre setuem Andenken! 153/11' Ole OrUverwaltung Am ersten WeihnachtLseiertag, abend» 9>/, Uhr, verschied sanst nach langem, mit Geduld er? tragenem Leiden unser innigst- geliebter Sohn, Bruder und Reste Paul yertun im Alter von 19 Jadren. Die» zeigen schmerzersüllt an Familie Bruno Vertun. Die veerdigimg findet morgen Freitag, den 29. Dezember, nach. mittags 2'/, Uhr, von der Leichen. Halle des St. PiuS-Ktrchhose« in WUHelmSberg aus statt. ZEntralrErbaiid der Scbmiede Deutscblands(Zablsteile Berlin) h'aelirnf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 22. Dezember 1911 unser Kollege Frit? Marquardt 1 im Wer von 32 Jahren nach I | längerer Krankheit verstorben ist. j Ehre seinem Andenken! Tie VrtSverwaltung. 1 Am 26. Dezember verstarb unser Kollege 220Sb Wilhelm Hoffmann Mariendorser Stratze 16. Ehre seinem Andenken k Ble Koliceren der Firma Göre& Kallutann. Die Beerdigung findet am 30. d. Mt»., nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen FriedhoscS in Friedrichsselde aus statt. Dodenaaielgre. Am 26. d. M. verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder, Schwager, Schmie- gersohn und Ontel, Meister Onicl, der Seil- Karl Reppmann im Slltcr von 42 Jahren. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet statt am Freitag, den 23. Dezember 1311, nachmittag» ll£ Uhr, von der Leichenhalle deS Rixdorser Ge- meinde-FriebhojeS, Mariendorser «e Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben, unvergetzlichen Manne» Ferdinand Greschke sag« ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Bauarbcitcr-Ver- band und SektionSoorstano sowie dem SSugerbund meinen herzlichsten Dank. 12762 Wwe. Johanna GreschkeÄg. Danksagung. Heimaekehrt von dem Grabe meiner lieben Frau, unserer unvergetzlichen Mutter Ida PeterSOU 6* Freier, drängt«S mich, allen denen, welche in so reichem Matze Teilnahme über den un« betroffenen schmerzlichen Verlust bekundet haben, hier- mir unseren tiejevipsundeuen Donk auszusprechen. Im Namen der Hinterbliebenen Otto Petersen, Danksagung. Allen Verwandten und Bekannten sowie dem sozialdemokratischen Wahl- verein(Bez. 7>, dem Pflanzerverein Kolonie Mittelweg sagen wir hiermit für die Beteiligung bei der Beerdigung metner lieben Frau, unserer guten Multer unseren herzlichsten Dank. id. Gntsche und Söhne. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben grau 2207b Ida Bönnfeldt sage ich allen verwandten, Freunden und Bekannten, vor allen de» Kollegen der Firma Eonrad, sowie dem Männerchor Lorhagen-Nummel«- bürg und den. Genossen und Ge- nossinen vom 24. Bezirk RummeiS- burgS meine» herzlichjleu Dank. sieuirich itönnfflbt. ti alkoholarm t» ärztlich empfohlen e-flefhardt Bramel- Bi& �Mark« ""cl mit fa». ßfeuemhlfc� ji /MsKQw Kil—-'"* FlascHe IO Pf. :: Diätetisches:: Gesundheitsbier Üetefän HSdflicB Silvester-Pensche mit AnanaS«, Erdbeer-,-Himbcer-, Orangen-, Vanille«, Zitronen-Aroma; Glüh-, Kaiser-, Nektar-, Royal-, Schlummer-, Schwedisch-, öviktoria-Punsch i Burgunder', Sheiwh-Gcschmack dercilet man selbst aus Noa'S Original- Extrakten. ! Delikater Gesdirnndc f Herrliches Aroma o Preis pro Flasche üloa's orixinai-Sxtrakt 73 30 N,, 1 Mark. 1 Flasche Original-Extrakt ergibt mit Wein- geist, Zucker und Wasser 2 Liter Punsch- Extrakt, 1 Teil Punsch-Extrakt mit 2 Teilen heitzem Wasser den sertigen Punsch. I Flasche NJoa's Örlfliial-Extfakt ergibt 6 Liter Punsch. lax loa, Berlin. Elsasser Str. 5 (vom RosenthaierT»r rtohte Seile, 3. Haus.) — Nletfer-SchSnhausen, Treskowstr. 6.— Für Silvester! Für den Familienkreis.. 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Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsvenvaltunz Berlin des Deutschen liolzarbeitcrverbandes. Aclitniig! Lilhograptien u. Steindrucker. Wegen Streik und AuS» sperrungru sind folgende Schutz» vervaudssirinen gesperrt: Albrecht u. Meister. Slberle u. Co., selmar Bayer, Bernhardt u. Co., Böhme, Fricdberg, W. Hagelberg, P. Hagelbcrg, HoUcrbaum n. Schmidt, Heyniann u. Schmidt, Littauer u. Bohsen. Liebig, Löwcnstcin, W. Peck, PharuS-Perlag. Senich,«da, Schäler u Scheibe. M. Schlesinger, Schwerdt» leger u. Co., Wcvlandt/Th. Wendisch. Folgende Privntlithographicu und Lohndriickereicii: Hugo Wolf, Aug. Salbach. Zoeke u. Mittmeyer, Räubert u. Griebe� Dübelt u. Kcrften, Goltz. Verband der Elthographen und Gtelndrneher. Filiale E a. IU. 297/14 Vkrantvortlicher Redakteur! Albert Wachs. Berlin. Zur den Lnseratenteil vtrantw.:TH.Wl«ck�Berltu. Druck u. Berlag: Lorwärt» Buchdruckerc, u. Kh clagSanttaU Paul Singer u.Eo., Bertttl��, Hr. 302. 28. Zahrgavz. tilUt des Lmilck" Knlim WIKsdlM Donverstag, 28. Dnmdtr 190. Partei- Hngelegcnbclten» Frauenversammlungen i Wohnviertel mit geringen Strcchenunkosten und zusammengelegten Freiräumen schaffen. Das alles kann gewiß nicht von heute auf �-morgen fertig werden z aber schön spürt man doch wenigstens lollenthalben Ansätze. Mustergültige Anfänge solcher Art eritrebto finden am 4. Januar in Berlin und einer Reihe Vororten � ausgeschrieben hatte, und der" soeben erledigt wurde. statt. Die Genossen werden gebeten, für recht guten Besuch dieser Agitationsversammlungen Propaganda zu machen. Zweiter Wahlkreis. Heute Donnerstag, den 28. Dezember, abends S'/a Uhr. findet in den Kreuzberg-Festsälen, Kreu�bergstr. 48. eine öffentliche Wahlversammlung statt. Referent Emil Eichhorn. Morgen Freitag, den 29. Dezember, abends h'/z Uhr, findet in der Anhalter Ressource. Möckernstr. 114, eine öffentliche Wähler- Versammlung statt. Referent Richard Fischer. Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. Heute Donnerstag, abends 7 Uhr, findet für die Bezirke 236- 244, 253—262, 265-267, 274 und 275 eine Flugblattverbreitung statt zu den morgen abend in den.Ritiersälen', Rillerstraße 75. und im»Dresdener Kasino", Dresdener Straße 96, stattfindenden Versammlungen. Vierter Wahlkreis. Am Freitag, den 29. Dezember, abends 7 Uhr, findet eine Flugblattverbreitung statt. Wir ersuchen die Genofien, alle zur Stelle zu sein. Der Vorstand. Tchöaeberg. Heute Donnerstag, den 28. d. M.. abends S'/z Uhr. finden in den»Neuen RatbauSlälen", Meininger Str. 8, und in Oeffs Festsälen, Hauptstr. 5/6, Volksversammlungen statt. Die Genoffen A. Stadthagen und R. K ü t e r referieren über: »BolkSverrat, Kriegshetze und Abrechnung!" Wir ersuchen, für diese Versammlungen zu agitieren und vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Freitag, den 29. d. MtS., abends 8'/, Uhr, bei Erpel, Berliner Str. 129: Wichtige Mitgliederversammlung. Der Vorstand. Ober-Schineweide. Am Sonntag, den 31. Dezember, von morgen» 8 Uhr ab: Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Die Bezirksleitung. Beruau. Sonnabend, den 30. Dezember, im Saale des Herrn Salzmann, Basdorser Straße: Ocffentliche Wählerversammlung. Tagesordnung: Die Reichstagswahlen und die bürgerlichen Parteien. Referent: der Kandidat des Kreises Artur Stadthagen. Lerlimr Nacbrichtcn. An unsere Nbounellten! Durch eine unvermutete Störung in der Stereotypie unseres Betriebes besteht die Möglichkeit, daß der.Vorwärts" heute und morgen etwas später in die Hände der Leser gelangt. Wir bitten die event. spätere Zustellung entschuldigen zu wollen. WeihuachtSbilanz. Mit einem nassen und einem trockenen Auge schaute Petrus auf den Groß-Berliner Weihnachtsfesttrubel herab. Die Wetterunken, die uns den Freudenkelch verekeln wollten, haben daS Gras wieder nicht richtig wachsen gehört. Es gab wenigstens am Tage keinen Dauerregen, aber auch keinen an- heimelnden Weihnachtsschnee, keinen steifen Frost. Die nächt- lichen Niederschläge, die das Straßenpflaster mäßig näßten. waren erträglich. Die Sonnenstrahlen, die für kurze Augen- blicke durchbrachen, hätten ruhig etwas neugieriger sein dürfen. Also»grüne Weihnacht" auf der ganzen Linie und ein Lüftchen, das trotz der zur Schau getragenen funkclnagel- neuen Pelzgarnituren schon Frühlingssehnen weckte. Tie narrende Natur hatte einen neuen Seiten- sprung riskiert. Ohne die kritischen Puppenstudien der Mädelö aus der Straße und die Soldatenspielereien der männ- lichen Jugend sah er betnahe österlich aus. DaS ging leider der Sportswelt gewaltig gegen den Weihnachtsstrich. Schlitt- schuhe. Rodelschlitten und hunderterlei andere hübsche Sport- artikel haben einstweilen noch ihren Beruf verfehlt. Schade darum! Es ist doch eine ganz andere Stimmung, wenn die weißen Flocken lustig tanzen oder aus spiegelblanker Eisfläche Zehntausende die nach den vorweihnachtlichen Anstrengungen doppelt erquickende Erholung finden. Die Bodennässe gab auch für anderen Sport im Freien wenig Gelegenheit. Selbst auS dem Weihnachtsspaziergaug wurde nicht allzu viel. So feierte man desto harinonischer in der Familie, in den Theatern, Restaurants und vor allem in den Vereinen. Ueberhaupt konnte ja diesmal durch die Kalenderlage das Fest vom Proletariat etwas reichlicher als sonst„genossen" werden. Zum schmerzlichen Be- dauern aller MwerbSmäßigen Leuteschinder waren die kargen FeiertagssluMn verlängert. Am Heiligabend standen alle Fabrikräder still. Nur die Nimmersatte bürgerliche Ladenwelt hatte es durchgesetzt, ihre Angestellten weidlich auszusaugen. Trotz der behördlichen Kontrolle, die nicht überall die Augen haben konnte, wurde in recht vielen offenen Läden noch nach 6 Uhr abends gehandelt. Man konnte dabei die Beobachtung machen, daß ein gewiffes Publikum wieder alles biS auf die letzten Stunden verschob und auf die An- gestellten keinerlei Rücksicht nahm. Immerhin gestattete die mäßige soziale Abschlagszahlung durch Beschränkung der Verkaufszeit doch ein Teilchen mehr«Friede und Freude auf Erden". Was nicht hindert, daß der Erdensriede unter der herrschenden Kapitaiistenordnung eine Chimäre ist und die wahre Proletarierfreude— erst noch kommen soll. Rixdorfir Bebauungspläne.(Ausgestellt im Rirdorfer Rat hauS.) Unser Kunstreserent schreibt uns:„Rixdorf pflegt eine innerhalb der kapitalistischen Bodenwirtschaft vorbildliche Taktik: die Stadt kauft größere Teile unbebauten, zuweilen auch schon bebauten Landes an, um in eigener Regie die Bebauung vorzu- nehmen. Es soll damit erzwungen werden, daß die schlimmen Früchte der Gründerjahre, eme jedes Maß übersteigende Tichtig- lest der Bebauung und die dadurch bedingte graue Wüstenei ganzer Viertel, langsam verschwinde. Man sprengt die Scheuß� lichkeiten eines unverständigen RaubbaaenS durch die Einbettung mustergültiger Inseln. Man schafft den Steinwüsten eine durch. grünte Nachbarschaft und hilft so dem Blinden, den alten und den »euen Städtebau unterscheiden lernen. Man will ferner nach Möglichkeit alle? noch vorhandene Grünland erhalten; dazu ge- lbören die Berliner Gemeindetirchhöfe, mit denen Rixdorf reichlich durchsetzt ist. Man will, daß all dies Grünland wenigsten» so un. gefahr zusammenhängende Jnnengürtel bilde; man will auch um die Stadt herum d»n Grüngürtel wahren, von der Hasenheide über'daS Te:npelhofer gelb bis zur KönigSheido. Zur Verwirk- lichung solcher Absichten geht man mit den alten, von trockenen Gcometern aufgestellten Bebauungsplänen gar nicht gluiipfllch um. Man beseitigt oie allzugroße» Blocks, man sucht nach»iög- iichieit die sogenannten Handtücher(schmale, langgezogene, von Luerstraße zu Querstraße' lausende Grundstücke) zu zerschneiden. Ulli ein Uebermaß an Ouergebäuden zu verhüten. Man mochte fidtrhaupt die Hofbebaming möglichst einschränken, möchte billige fauch der Wettbewerb, den Rixdorf für zwei neuerworbene Areale Die Aufgabe war sehr klar und barg relativ wenig Schwierig- leiten. In unmittelbarer Nähe jener für das alte Rixdorf typi- schen llebervölkerungsquartiere sollten ruhige Wohnviertel(Drei- bis Vier- auch Zweizimmerwohnungenj ohne Ouergebäude dis- poniert werden. Die vorhandenen umgrenzenden Friedhöf« waren für alle Zukunft als Freifläche zu erhalten; in den eigentlichen Baugebieten mutzten genügend Platzanlagen oder Grünstreifen ausgespart bleiben. Im übrigen war den Bewerbern völlige Frei- heit gelassen; sie konnten niedrig oder hoch bauen, durften Kasernen oder Einfamilienhäuser vorschlagen. Bei dem einen Teil war eine Verkehrsstraße, die in ihren Anfängen schon an- gebaut ist, zu berücksichtigen, bei dem zweiten eine für den Ver- kehr sehr nützliche, die beiden Begrenzungssttaßen verbindende Diagonale; doch blieben auch hier den Konkurrenten Aenderungs- Vorschläge überlaffeu. Ueberblickt man die eingegangenen Eni- würfe, so findet man wiederum bestätigt, was uns einige der letz- ten Wettbewerbe um Lösungen für Aufgaben des Städtebaues schon bmviesen: das Verständnis für das Wesentliche dieser sozialen Architektonisierung nimmt zu. Auch diesmal ist der größte Teil der vorgelegten Arbeiten eine Erfüllung der modernen Wohnungs- Hygiene und all jener Grundsätze, die den Schäden des Zusammen- ballenS in den Großstädten möglichste Linderung bringen. Der Tendenz nach wollen(abgesehen von einigen zurückgebliebenen Reißbrettschematikern) alle: strenge Regelung des Verkehrs, Sich«- ruiig der Wohnviertel und Plätze, Zusammenlegung des Grün. landes und dessen Einrichtung für den Spaziergang und das Spiel, Zuschneidung der Baublöcke auf Randbebauung(meist nach den Vorschlägen von Cberstadt). Innerhalb dieses Niveaus hat nun die Jury einigen Lösungen besondere Ehrung zugesprochen. Und man muß sagen: mit Recht. Der erste Preis, den die Architekten Matthieu Bardenheuer und Heinz Becherer besamen, lobt eine Arbeit, die durch ein Minimum von Veränderungen des Gegebenen, durch sehr wenig Erdarbeiten, nicht nur das Zweckmäßige, auch eine gefällige Zusammenfassung und Raumbildung erreicht. Der vorhandene Baumbestand(ben einige der Bewerber sehr töricht rasieren) blieb gewahrt und wurde systematisch ausgebaut; ein größerer Platz wurde so disponiert, daß der Verkehr nicht darübet sondern rechtwinklig von zwei Seiten vorbeigeleitet wurde, während die verbleibenden Fronten zwar auch umfahrbar sind, aber doch der eigentlichen Zirkulation entrückt bleiben. Ein öffentliches Gebäude, daS vorzusehen war, bekam durch die Vorlagerung einer gegliederten Freifläche die notwendige Würde. Die Niveauunterschiede des l&rrains, die teilweis« nicht unerheblich sind, wurden geschickt be- nutzt, um den das Stadtbild bereichernden Kontrast zwischen hoher und niedriger Bauweise zu verstärken. Für di« einzelnen Straßen wurde Gesimsgleichheit und eine hintere Baufluchtlinie gefordert; die meisten Häuser werden bei geringer Tiefe zwei gleichartige Parallelfronten aufweisen und durch solche Form des gestreckten Rechteckes dem WohnungSgrundritz bedeutende Vorteile bringen Wenn nun auch die einzelnen Vorschläge in ihrer Ganzheit noch der Durcharbeitung bedürfen, so erweist diese Arbeit doch eine glückliche Begabung der beiden Architekten. Daneben aber ver« dienen auch die Lösungen zweiten und dritten Preises, Alexander Former und Bernoulli. Walter Köppen und Dr. Keller, unfern Respekt.% Mit Recht darf man erwarten, daß der Rixdorfer Stadtbau- meister Kiehe den Anregungen dieses Wettbewerbes ein trefflicher Erfüller sein wird. Er hat sich noch immer als ein sehr ver- ständiger, warm empfindender, ja begeisterter Organisator der großstadtischen Bauaufgaben erwiesen. Seine Planungen für den Körnerpork und die neue Badeanstalt, seine Absichten für die Neu- aufteUung der gegen Britz sich erstreckenden Ortsteile lassen unS hoffen, daß Rixdorf ein städtebauliches Vorbild für Eroß-Bcrlin werden wird!_ Die LäuglingSfarsvrge der Stadt Berlin soll, wie wir bereits meldeten, vom April 1912 ab erweitert werden durch eine von Beamten der Waisenvevwaltung zu übernehmende Sammelvormundschaft für uneheliche Kinder. Bon dieser Einrichtung wird erwartet, daß sie auch zu einer lebhafteren Inanspruchnahme der SäuglingSfürsorgestcllen führen wird, die oie Stadt unterhält. Zwischen Sammelvormundschaft und Säug lingsfürsoracstellen soll eine enge Beziehung dadurch geschaffen werden, daß die Recherchedamen der Sauglingsfürsorgestcllen von vornherein auch die für die Sammelvormundjchaft erforderlichen Recherchen machen, und daß die Sammelvormünder ihre Mündel sogleich den Säuglingsfürsorgestellen zuweisen. In der Tat hat bei den Säuglingsfürsorgestellen Berlins die Zahl der ihnen zugeführten unehelichen Kinder sich bisher auf einer sehr viel geringeren Höhe gehalten, als nach der Zahl der unehelichen Geburten und im Hinblick aus die besondere Schutzbedürftigkeit der Unehelichen angenommen werden durfte. Auch im Etatsjahr 191V(1. April 1910 bis 81. März 1911), aus dem jetzt der Jahresbericht über die Säuglingsfürsorgestellen be- kanntgegcben wird, ist hierin keine Wendung zum Besseren ein- getreten. Während die Geburtenmeldungen aus Berlin für den genannten Zeitraum 9073 uneheliche Ledendyeborene nachwiesen. wurden nur 2205 uneheliche Säuglinge zu den Fürsorgestellen ge- bracht.(Der Bericht sagt irrtümlich 205 Uneheliche, gemeint ist aber wohl 2205.) Im Etatsjahr 1909 waren den Säuglings- fürsorgestellen 2220 Uneheliche zugeführt worden, obwohl damals die Zahl der unehelichen Lebendgeborenen geringer als in 1910 war. DaS Etatsjahr 1910 hat den SäuglingSfürsorgestcllen eine noch beträchtlichere Minderung der Aufnahmen ehelicher Kinder gebracht. In 1909 waren 11 274 Eheliche aufgenommen worden, in 1910 wurden nur 10 886 aufgenommen. Infolgedessen blieb diesmal die Gesamtzahl der Aufnahmen mit nur noch 13 091 um 403 untv der Gesamtzahl aus dem vorhergehenden Jahr, die noch 13 494 betragen hatte. AlS schon in 1909 eine Minderung beobachtet worden war, erklärte der Jahresbericht das aus einer Abnahme der Arbeitslosigkeit, ohne zugleich auch den Rückgang der ehelichen Geburten zu beachten. Der Bericht für 1910 hebt wieder den»günstigen Arbeitsmarkt" hervor, nennt aber jetzt daneben noch den„ständigen Rückgang der Geburten- ziffer". Die Gesamtzahl der in die Obhut der Säuglingsfür- sorgestellen genommenen Kinder verglichen mit der Gesamtzahl der Lebendgeburten stellte sich in 1910 auf nur rund 30 Prozent wie in 1909. Auch in einem anderen Punkt ist es diesmal zu keinem Fortschritt gekommen. Die immer wiederholte Mahnung an die Eltern, ihre'Säugflinge möglichst bald nach der Geburt in die Fürsorgestcllen zu bringen, um sich dort bei den Aerzten unent- geltlichen Rat über Kinderpflege zu holen, hat leider keine weitere Mehrung der Fr-ü hausnahmen bewirkt. In 1910 gelangten nur 6195 Säuglinge schon im ersten LebenSmonat in die Obhut der Fürsorgestellen, nicht mehr alS 47»/», Proz. aller Aufgenom- menen. während im Vorjahr 48»/»» Proz. aller Aufgenommenen im ersten Lebensmonat' standen. Beachtung verdient ferner, daß auch die B r u st k i n d e r diesmal an der Gesamtzahl der Aufnahmen geringer als im Borjahr beteiligt waren. Im Vorjahr waren 4705 Flaschenkinder und 8780 Brustkinder aufgenommen worden, in 1910 aber wurden 4723 Flaschenkinder und 8368 Brustkinder ausgenommen, so daß der Anteil der Brustkinder von 65»/»° Proz. aus 63°/», Proz. herunterging. Wenn den in*1010 gezählten Aufnahmen(13 091) der aus dem Vorjahr 1909 verbliebene Bestand(3642) zugezählt wird, so waren während des Jahres 1910 in der Obhut der Fürsorgestellen im ganzen 16 733 Säuglinge, wovon allerdings 3793 nicht länger als eine Woche in ihr blieben. Die Gesamtzahl der Konsul» t a t i o n e n belief sich diesmal auf 152 706, das ergibt durch- schnittlich 9 Konsultationen pro Säugling, nicht mehr als im Vor- jähr. Die Recherchcdamen machten zu weiterer Raterteilung 37 924 Hausbesuche, das sind pro Säugling 2 bis 3 Besuche, wie im Vorjahr. Gemehrt hat sich der Gesamtbetrag der Still» Prämien, die für Brustkinder den Müttern gezahlt wurden, von 167 518 M. in 1909 auf 177 667 M. in 1910. Dagegen hat sich gemindert die zu mäßigem Preis oder unentgeltlich, gelieferte Ge- samtmenge der Kindermilch von 231 464 Liter auf 209 182 Liter, der Buttermilch von 5295 Liter auf 4863 Liter. Auch die von den eigenen Milchlüchen gelieferten Tagesportionen trink- fertiger Nahrung zu durchschnittlich je 6 Flaschen haben sich ver- mindert, von 36 313 aus 33 429. Der Bericht sagt leider nicht. wieviel Müter diesmal an den Stillprämien beteiligt waren, so daß man nicht wissen kann, wie hoch diesmal die Stillprämie im Durchschnitt war. Diese Prämie wird nämlich keineswegs sür sämtliche Brustkinder gezahlt, die den Säuglingsfürsorgestellcn zugeführt weroen. Im Vorjahr, wo 8430 stillende Mütter an den Prämien beteiligt waren, gab es durchschnittlich nur 19,85 M. Das ist der Unterstützungsbetrag nicht etwa pro Woche, sondern für die ganze Unterstützungsdauer; pro Woche stellt er sich auf nur 1,50 bis 2 M. Der Bericht ist diesmal überhaupt dürftiger als in früheren Jahren. Wir vermissen in ihm manches, was als Material zur Beurteilung der Tätigkeit und Leistungsfähigkeit der Säuglings- fürsorgestellen nicht zu entbehren ist. Zu billigen ist freilich, daß die Angaben über die Sterblichkeit der in Obhut der Für- sorgestellen befindlichen Säuglinge endlich weggelassen sind. Dia früheren Berichte hatten da ganz unsichere Zahlen in recht kritif- loser Weise zugunsten der Säuglingsfürsorgestellen auszunutzen versucht. Daß die Säuglingssterblichkeit durch die Fürsorge- stellen herabgemindert worden ist, kann als sicher angenommen werden. Aber ein zahlenmäßiger Nachweis ist nicht zu führen, und übrigens dürfte der heiße Sommer 1911 mit seiner wieder erschreckend hohen Säuglingssterblichkeit manchem Optimisten zu denken gegeben haben. Unter asten Umständen ist zu bedauern, daß das Jahr 1910 den Fürsorgestellen keinen weiteren Fortschritt ge- bracht hat. Nach Einrichtung der Sammelvormundschaft darf man. wie schon gesagt, sür 1912 eine sehr viel stärkere Inanspruchnahme der Säuglingsfürsorgestellen erwarten. Sie wird aber nur möglich sein, wenn die Säu gl i n gs f ü rso rg e stell en vermehrt werden._ Brandpanik in einem Kinematographentheater. Eine furchtbare Panik entstand am 2. Weihnachtsfeiertag abend gegen 7 Uhr bei einem kleinen Filmbrand in einem Kinc- matographentheater in der Frankfurter Allee 153 im Osten Berlins. In dem Gedränge, das sich in dem Zuschauerraum des Theaters entwickelte, wurden zwei Kinder im Alter von sechs und zehn Jahren erdrückt, während sieben weitere Kinder im Alter von sieben bis fünfzehn Jahren und eine ältere Frau mehr oder weniger verletzt wurden. Tot sind: der sechsjährige Sohn Paul des Arbeiters B e n i ck e aus der Wühlischstraße 57 in Rummelsburg und die zehn Jahre alte Tochter Margaret« des Fabrikarbeiters Mahan aus der Petersburger Straße 5. Beide Kinder hatten den Erstickung!?- tod erlitten; äußere Verletzungen waren nicht festzustellen. Der Erstickungstod war durch Quetschungen des ganzen Körpers herbei- geführt worden. Die Leichen wurden einstweilen nach der Unfall- station in der Warschauer Straße geschasft. In derselben Unfall- station wurden außerdem vier Kinder verbunden, die bei der Panik zu schaden gekommen waren. Es sind: der sieben Jahre alte Sohn Erwin des Eisenbahnschafsners G e r I a ch aus der Warschauer Straße 84(Kopfquetschungen. Nasenbluten), die zehn Jahre alio Tochter Frieda des Arbeiters G o ttscha l k aus der Liebigsttoßc 28 (rechte Oberschenkelverletzung), der zwölf Jahre alte Sohn Rudolf des Arbeiters K ö p k e aus der Liebigstraße 47(GesichtSverletzungcn) und die fünfzehn Jahre alte Tochter Anna des Fuhrmanns Hoff- mann auS der Möllendorfsttraße 82 zu Lichtenberg(schwerer Rervenchoc). Diese vier Verletzten konnten nach der Behandlung auf der Unfallstation in die Wohnungen ihrer Eltern entlassen werden. Außerdem wurden bei der Panik noch drei andere Kinder und eine ältere Frau verletzt, die in der Wohnung eines in der Nähe wohnenden Arztes behandelt wurden. Es waren dies die vierjährig« Tochter Johanna des Arbeiters Werner aus der Proskauer Straße 29(Quetschungen), die fünfjährige Schwester dieses Mädchens, Elise Werner(innere Verletzungen), die sechsjährige Tochter Gertrud des Gemüsehändlers K u l i s ch aus der Frankfurter Allee 64(Quetschungen) und die 48 Jahre alte Frau deS Metallschleifers G r u n o w aus der Liebigstraße 9(schwere innere Verletzungen). Das Befinden der Frau war so bedenklich. daß sie nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht werden mußte. Das jftnemetographentheater, in dem das Unglück geschah, gehört dem Kaufmann Templiner. Es war dicht besetzt, zumeist von Kindern, als mitten in der Vorstellung plötzlich der Feuer ruf erscholl. Obgleich es sich nur um einen ganz geringfügigen Film- brand in dem Vorführungsraum handelte, drängte doch alles in wilder Flucht nach den Ausgängen. Das Theaterpersonal mar diesem Sturm nicht gewachsen, und swkam eS, daß zahlreiche Kinder rücksichtslos zusammengepreßt wurden. Einzelne Männer und Frauen warfen die kleinen Kinder einfach über die Köpfe der anderen Personen hinweg ins Freie, um sie aus der FeucrSgefahr zu retten. Straßcnpassanten griffen sofort hilfreich ein und alar- mierten die Feuerwehr, die schon nach wenigen Minuten zur Stelle war. Die Feuerwehrmannschaften bemühten sich hauptsächlich um die Verunglückten, da das Feuer bereits erlöscht war. Das Theater wurde von der Polizei sofort geschlossen und der Operateur des Theaters verhaftet, da er fahrlässig gehandelt haben soll. Er wird beschuldigt, angetrunken gewesen zu sein und die nötige Vorsicht außer acht gelassen zu haben. Unseres ErachtenS hätte aber auch dann, wenn den Operateur wirklich ein Teil der Schuld treffen sollte, die Katastrophe noch nicht eintreten brauchen. Leider verlieren viele Personen zu leicht den Kopf. w»nn irgendwo unvorhergesehene Umstände eintreten, durch die eine augenblickliche Gefahr herbeigeführt wird, und eS entsteht ein furchtbares Gedränge und Geschiebe, nur um sich selber zuerst in Sicherheit zu bringen. Wie es heißt, sollen in dem oben genannten Kinotheater zwei Notausgänge vorhanden gewesen sein, die ober nicht benutzt worden sein sollen. Da entsteht die Frage, ob diese Ausgänge auch geöffnet worden sind oder leicht und bequem von jedem geöffnet werden konnten. Was nützen schließlich Notausgänge, wenn sie nur dem Buchstaben nach vorhanden find, aber im Ernstfalle so verschlossen sind, daß sie praktisch gar nicht in Betracht kommen. Wie wir hören, will die Polizei sofort erneute Revisionen der Kinotheatcr vornehmen. Das sollte gar nicht notwendig sein, denn mau muß verlangen, daß auch bisher schon die nötige Sorgfalt sür Leib und Leben der Kinobesucher von der Polizei geübt worden ist. Erneute Revisionen würden nur beweisen, daß man den Brunnen erst zudeckt, nachdem das Kind hineingefallen ist. Uebrigens soll am Abend zuvor das hier in Frage kommende Kinotheater polizeilich revidiert worden sein, Eelbstmord eines KriminalwachtmeistcrZ. AuS bisher unbe- kannten Gründen sprang am ersten Feiertag nachmittag am Schle fischen Busch der 55 jährige Kriminalwachtmeister Hermann Schulz aus der Oderberger Straße 38 von der Freiarchenbrücke in den so genannten Flutgraben und ertrank. Alle Rettungsversuche waren vergeblich, da Schulz nicht nach dem Rettungsring, der ihm zuge warfen wurde, griff. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden — In der Kaserne des 2. Garderegiments in der Friedrichstrahe beging am Morgen des 2. Weihnachtsfeiertages der Grenadier Karl Thurner einen Selbsttnordversuch, indem er sich von einer Treppe abstürzte. Er wurde schwerverletzt mit einem Krankenwagen nach dem Garnisonlazarett geschafft. Wie verlautet, hat Thurner die Tat aus Furcht vor Strafe verübt. Eine aufregende Szene verursachte gestern morgen ein Selbst n.örder auf dem Bahnhof Alexanderplatz. Als um 9.06 Uhr von der Iannowitzbrücke her ein Stadlbahnzug einlief, sahen die Fahrgäste, die in großer Zahl auf dem Bahnsteig warteten, wie sich ein Mann plötzlich kurz vor dem Zuge auf die Schienen warf. Während einige vor Schreck laut aufschrieen, hielt der Lokomotivführer, der das Be ginnen des Mannes gleich sah, den Zug so bald als möglich an Der Lebensmüde war aber schon überfahren worden und tot. Der Kopf war ihm zerschmettert, beide Füße waren ihm abgefahren Die Leiche wurde, nachdem der Zug zurückgefahren war, geborgen, beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Nach Papieren, die man bei ihm fand, ist der Selbstmörder ein Mann von 49 bis 45 Jahren namens Fritz Ketzberg aus Hannover. Zu recht unerfreulichen Szenen kam es in der Nacht zum 1. Feiertage bei einem Brande in der Malplaquetstr. 14. Dort war in Abwesenheit des Geschäftsinhabers in dem Kolonialwaren geschäft von Herzog Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr wurde alarmiert, um den Brand zu löschen. Während der Löscharbeiten sammelten sich vor dem Hause viele Menschen an, unter denen einige besonders aufgelegte Leute die Mannschaften schikaniert haben sollen, so daß die Feuerwehrleute an den Arbeiten ge bindert worden seien. Es wird behauptet, daß die Feuerwehr lcute beschimpft und die Schläuche zertreten worden sein sollen; ein Mann soll sogar einen Bernhardiner auf die Feuerwehrmann. schasten gehetzt haben. Die herbeigeholte Polizei habe dem Unfug erst ein Ende gemacht und drei Personen sistiert. Aus den mit. geteilten Nachrichten geht der Borgang nicht klar hervor. Sind die Mannschaften aber behelligt, worden, wie das geschildert wird, so wäre das Verhalten des Publikums nur zu verurteilen. Es heißt, daß Janhagel in Tätigkeit gewesen sei. Beim Weihnachtsfest der Arbeitcr-Samariter-Koloime wurde ein Pincenez gefunden. Abzuholen beim Vorsitzenden der Kolonne Paul Krause, Rixdorf, Hermannstr. 61, Bäckerei. Polnische Wählerversammlung. Die polnischen Genosten der P. P. S. Betlin-Rixdorf machen darauf aufmerksam, daß sie am Sonntag, den S1. Dezember, bei Borgmann, Andreasstr. 21, eine polnische Wählerversammlung ab- halten._ Verloren wurde am I. Feiertag im großen Saale de? Gewerk- schastshauses ein Taschenmesser in einem Etui, das den Namen Karlsbad trug. Gefunden wurden ein paar weiße Damenhandschuhe. Beides ist abzugeben resp. abzuholen Naunynstr. 30 bei Pohl. Berlore» wurde bei der Matinee am zweiten WeihnachtS- fciettag in MoernerS Festsälen(an der Garderobe), ein Porte- inonnaie mit 80 Mark. Abzugeben im Bureau deS Wahlvereins Stralauer Platz 1/2 II. Zeugen gesucht. Diejenigen Personen, die gesehen haben, wie an, 20. Dezember, abends gegen 7 Uhr. ein Mann vor dem Hause Grüner Weg 76 von. der Straßenbahn Linie 92 überfahren und schwer verletzt wurde, werden gebeten, thre Ldreste bei Czenkusch, LU»dorf. Weisestt. 24, abzugeben. Vorort- I>kacl)rick)ten. Tie in der heutige« Nummer enthalteueu Berichte aus Köpenick. Mariendorf. Neuenhagen und 5! o w a w e s haben in der Nummer vom 24. Dezember aus technischen Gründen leider keine Aufnahme mehr gefunden. Ta jedoch die in den Vertretungen gefaßten Beschlüsse für die Bewohner der betreffenden Orte von Interesse sind, bringen wir dieselben heute zur Kenntnis unserer Leser. Ziixdork. Den Bau eine» eigenen SparkassengebSudeS auf dem der Stadt gehörigen Grundstück an der Ecke Berliner und Münchener Straße beschloß der Magistrat in seiner letzten Sitzung. Das Grundstück soll durch Anlage einer darüber führenden Privaistraße aufgeteilt imd die Restgrundstücke zu beiden Seiten zum Verkauf gestellt werden. Eine sonderbare Auffassung von den ärztlichen Pflichten scheint Herr Dr. Kaufmann. Kotlbuser Damm 40 tHermaniiplatz) wohnhaft, zu haben Wie uns mitgeteilt wird, wurde Herr Dr. K. am der- gangcnen Sonntag etwa 9 Uhr abends gebeten, sofort zu einem Kranken zu kommen. Auf seine Frage, seit wann dre Krankhert be- stehe sei ihm geantwortet worden: Seit heut vormittag.• Mit dem Bemerken:.Dann hätte der Arzt vormittag« geholt werden können', habe Herr Dr. K. die Tür zugeworfen, ohne eine Erklärung darüber abzuwarten oder zu verlangen, ob sich der Zustand des Kranken nicht inzwischen so verschlinuneri hatte, daß ärztliche Hilfe dringend nötig war. Auf diesen recht nahe liegenden Gedanlen scheint Herr Dr. Kaufmann nicht gekommen zu sein, sonst hätte er unmöglich seine Hilfe versagen können. Jürgen Brand, der bekannte Jugendschriftsteller, hält heute abend im großen Saale von Bartsch. Hermannstr. 49. einen Lichtbilder- Vortrag über.Eine Reise nach Island'. Der Jugend- ausschuß der Arbeiterschaft Rixdorfs hat gut daran getan, den Mann, der», seinen Büchern so ausgezeichnet Herz und Gemüt der Jugend zu packen weiß, auch einmal zur Rixdorfer Arbeiterjugend sprechen zu lassen. Man kann nur wünschen, daß Jürgen Brand eine recht zahlreiche Zuhörerschaft findet. Der Eintrittspreis ist äußerst gering; die Karle lostet für Jugendliche bis zu 18 Jahren 15 Pf., für Erwachsene 30 Pf. Ein Verbrechen ist gestern morgen in der Friedelstr. Sa verübt worden Dort wurde die 29jShrige Prostituierte Luzre Liepke. Hermannstr. 23 wohnhaft, von dem Schneider Karl Schultz- überfallen und durch Revolverschüste schwer verletzt. Sch. hatte die L. aus der Strafe angesprochen und sie später mit nach seiner m der Friedel« stroße Sa belegenen Wohnung genommen. Gestern morgen, als die beiden aufwachten, gerieten sie in Streit. Als sich die L. zum Fort- gehen wandte, zog Sch. plötzlich einen sechsläufigen Revolver hervor und feuerte einen Schuß auf die L. ab. Daö Geschoß drang der Bedrohten in die rechte Schulter ein. Erschrocken floh das Mädchen ans dem Zimmer. Sie konnte aber nicht entrinnen, da die Korridor- lür verschlossen war. Sch. eilte ihr nach und feuerte noch drei Kugeln auf die Wehrlose ab. Auf die Hilferufe der Ueberfallenen eilten Nachbarsleute hinzu, doch hatte bei deren Erscheinen der Attentäter bereits die Flucht ergriffen. Die Verletzungen, die die L. erlitten hat. find schwer, doch nicht lebensgefährlich. Wilmersdorf. Die Wilmcrsdorser Feuerwehr hatte in den letzten Tagen einen Dachstuhlbrand in der Holsteiner Str. 44a, einen Ladenbrand an der Ecke von WilhelmSaue und der Uhlandstraße, einen Wohnungsbrand in der Weimarschenstt. 13. einen Bade- und Mädcdenstubcnbrand m der Pfalzburger Str. 63 und einen Dachstuhlbrand in der Uhlandfir. alarmiett. 161 zu löschen. Am HerKgadend wurde fie viermal Charlottenburg. Mehr Höflichkeit im dienstlichen Berkehr. Unter dieser Spitz marke geht uns aus den Reihen der Bureauhilfskräfte beim hiesigen Magisttat folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Man müßte eigentlich annehmen, daß in Diensttäumem wo Be- amte und weibliche wie männliche Hilfskräfte beschäftigt werden, die nötigen Höflichkeitsformen stets gewahrt würden. Dem ist aber nicht so. Gar manchmal schlagen die dem Bureauvorsteher unter- stellten Beamten lMilitäranwärter) einen Ton an, der unwillkürlich an das Kasernenleben und den Exerzierplatz erinnert. Eine solche schrofte Behandlung im dienstlichen Verkehr kann jedenfalls nicht dazu beittagen, das Vertrauen und das Ansehen der betreftenden Beamten, die sich in solchem Tone gefallen, zu starkem Ueber be- gangene kleine Fehler— die Hilfskräfte sagen, daß sie meist in ihrer Angst gemacht werden— wird da in seltsamer Form und in barschem Ton lange geredet. Die Bureauhilfskräste haben nicht den Mut und vermeiden es� von dieser ungeheuerlichen Behandlung ihrem Bureauvorstehcr Kenntnis zu geben, weil sie befürchten�, entlassen zu werden. So hat denn eine arme Witwe, die für sich und ihr Kind zu sorgen hat, es vorgezogen, den Dienst zu der- lassen, weil sie die Behandlung und de»» schroffen Ton nicht mehr zu erttagen vermochte. Hier tut Abhilfe dringend not. Es ist nicht anzunehmen, daß die Beamten, die sich solche Ueber- griffe erlauben, zu ihrem Auftreten autorisiert sind. Auch wäre es einer Stadtgemeinde wie Charlottenburg, die sich allgemein eines guten Rufes erfreut, absolut unwürdig, wenn die Unter- beamten ihre Tätigkeit unter dem Zwange des militärischen Drills verüben müßten. Der Einsender obiger Zeilen glaubt, daß. wenn dieselben zur Kenntnis der Verwaltung kommen, letztere Veran- lassung nehmen wird, dem vorhandenen Uebelstand abzuhelfen. Steglitz-Dahlem. Nachdem das Statut der für die Ortschaften Steglitz und Dahlem zu errichtenden Ortskrankenkasse mit dem Sitze in Steglitz die Genehmigung des Bezirksausschusses gefunden hat, sind von dem Kommissar der Aufsichtsbehörde die Wahlen der Vertreter der Kassenmitglieder(Arbeitnehmer) zur Generalversammlung auf Montag, den 8. Januar, nachmittags von 5— 9 Uhr, im großen SitzungSsaale des Rathauses festgesetzt. Zu wählen sind 126 Ver treter. Wir ersuchen die Verttauensleute der in beiden Orten liegenden Betriebe, soweit dieselben Kassenmitglieder beschäftigen, die genaue Adresse mit Altersangabe der als Delegierte vorgc schlagenen Personen an den Bezirksleiter ihrer Organisation oder, wo ein solcher nicht existiert, an den Vorsitzenden der Gewerkschafts Unterkommission, den Genossen R. Hagen, Friedenau, Kaiser- allee 115, einzusenden. Wählbar sind alle männlichen und weib- lichen Kassenmitglieder, welche das 21. Lebensjahr vollendet haben. Da die Zeit bis zur Wahl nur sehr kurz ist, bitten wtt um schleunige Erledigung der Angelegenheit. GewerkschastS-Unterkommission Steglitz-Friedenau. Mariendorf. Der Kartoffel- und Seefischverkauf hat in der letzten Zeit außer- ordentlich nachgelassen. Ganz besonders ist e» der Seefischverkauf, dessen Zurückgehen wohl in ähnlichen Ursachen wie in anderen Kommunen Groß-Berlins zu finden sein dürste. Indessen ist der Rückgang des Kartoffelverkaufs nicht zu erklären, da die von der Ge- meinde angekaufte Kartoffel in der Qualität wirklich gut ist und außerdem bedeutend billiger ist wie dieselben bei den Händlern ab- gegeben werden. Während hier 10 Piund Kartoffeln 35 Pf. kosten, ictcägt der Preis bei den Händlern 40—50 Pf. ES erscheint beinahe die Annahme berechtigt, daß viele Leute zlauben, der Kartoffelverkauf der Gemeinde sei eine An Armen- hilse. DaS ist jedoch ein Irrtum. Der Berkauf voll- iiieht fich hier ebenso wie bei jedem x beliebigen Händler, der Klenwerkauf von 10 bi« 50 Pfund ist nur eingesühN, um auch den.Unbemittelten in den Genuß billiger KaNoffel zu setzen. Eine noch viel geringere Neigung besteht gegenüber den von der Ge- meinde zum Verkauf gebotenen Kohlrüben. Hier beträgt der Preis- unterschied bei ebenfalls guter Qualität über 100 Proz. Die von der Gemeinde für 10 Ps. abgegebenen Kohlrüben kosten bei Gemüse- Händlern 20— 30 Ps. Der Verkauf ist nur bis nach Neujahr ein- estellt worden, wahrscheinlich beginnt er wieder am 3. Januar wie isher in der Gemeindeschule. FriedenSsttaße. ES sei zu hoffen, daß dann eine größere Nachfrage platzgreijen wird, umsomehr, weil jeden- alls für diese Produkte die Preise steigen werden. Köpenick. Der letzten Stadtverordnetenfitzung lag ein Antrag betreffend Errichtung einer Schulzahnklinik zur Beschlußfassung vor. Nach demselben sollen die Kinder der Gemeindeschulen und der Klein- kinderbewahranstalt gegen Zahlung von jährlich l M. zahnärztlich untersucht und auch behandelt werden. Zu diesem Zweck soll ein Zahnarzt gegen ein Gehalt von 2400 M. fest angestellt werden. Von unseren Genossen wurde hierzu noch beantragt, die Behandlung völlig unentgeltlich auszuführen und die noch nicht schulpflichtigen Kinder auch zur Behandlung zuzulassen. Weiter wurde nock mit- geteilt, daß für die erste(Hinrichtung von einem hiesigen Bürger 800 M. zur Verfügung gestellt sind. Nachdem allseitig anerkannt »vor, daß etwas geschehen müsse, wurde der Antrag und der Zusatz- anttag unserer Genossen, daß die noch nicht schulpflichtigen Kinder auch zur Behandlung zugelassen werden, angenommen, und dem Etatsausschuß überwiesen.— Dem Antrag des Magistrats, der Treptower Sternwarte jährlich 50 M. Zuschuß zu zahlen, wurde ohne Debatte zugestimmt. Als Gegenleistung wird zugesichert, daß wenn 200 Schüler gleichzeitig die Steriwxirte besuchen, der Ein- trittspreiS pro Person für Gemcindeschüler auf 10 Pf. und für Schüler der höheren Schulen auf 15 Pf. ermäßigt wird. Der Antrag unserer Genossen, jedem Reichstagswähler eine amtliche Wahlkarte zuzustellen, wurde nach kurzer Debatte angenommen. An Unkosten werden hierdurch etwa 350 M. entstehen. Aus dtm vom Bürgermeister Dr. Langerhans erstatteten Berwaltungs- bericht ist zu entnehmen, daß die Erträge aus den städtischen Wer- ken in erfteulichem Wachsen begriffen sind. Es konnten vom Elek- trizitätswerk 91000 M. und vom Gaswerk 67 000 M. Ueberschuß der Stadtkasse überwiesen werdeu. Weiter konnten die Gebühren ür die Kanalisation als auch der Zuschlag zur Einkommensteuer etwas ermäßigt werden. Hingegen sind die Ausgaben für Armen- zwecke und für das Krankenhaus gestiegen. Im nächsten Jahre ollen bei den allgemeinen. Wahlen die Stadtverordneten um sechs vermehrt, auch soll eine Gcwerbedeputation und ein eigenes Reichs. versicherungsamt eingerichtet werden. Zum Etat' für l9l2/13 regten unsere Genossen den Bau einer Warmbadeanstalt an. weiter mühte auch die Straßenreinigung und Straßensprengung, ebenso auch die Müllabfuhr in städtische Regie übernommen werden. Not- wendig sei auch, im Rathaus eine Rechtsauskunftsstelle einzurichten. Die Errichtung von Waldschulen und Brausebädern in den Schulen 'ei gleichfalls dringend notwendig. Hierauf wurde der� Etat sowie Der Anttag unserer Genossen, allen städtischen Angestellten und Arbeitern, welche unter 1500 M. Einkommen beziehen, eine Teuerungszulage zu gewähren, dem Etatsausschuß überwiesen. Zum Schluß wurde noch dem Antrag der Eleklr zitätSkommission, zur Anschaffung einer neuen Turbine von 1700 Kilowatt Leistung und zur Verlegung von elektrischen Leitungen innerhalb Friedrichs- inagens 230 000 M. zu bewilligen, zugestimmt. Desgleichen dem Antrag der Firma Treller u. Co., wegen Ausstellung von drei Tele- phonzellen. und zwar je eine in der Altstadt, der Kietz und der Cöllnischen Vorstadt. Neuenhagen(Ostbahn). In der letzten Gemeiudevertteterfitzung wurde der sozial- demokratische Antrag, zur ReichStagSwahl und zur Gemeinde» Vertreterwahl amtliche Wahlkarten zu versenden, für die kommenden Wahlen abgelehnt, für die nächstfolgenden Wahlen dagegen die Ver« scndung in Aussicht gestellt.— Die Anstellung eines Schularztes wurde vom Schulvorstand abgelehnt, dagegen wurde dem Rettor die Vollmacht erteilt, ihm krank erscheinende Kinder auf Kosten der Gemeinde dem Arzt zu überweisen. Anck die Ausstellung eines Attestes zum Besuch der Schule nach überstandener ansteckender Krank« heit hat auf Anttag beim Gemeindevorsteher unentgeltlich ku erfolgen. Zur Linderung der Lebensmittelteuerung empfahl die Annen» kommission gemäß dem Antrage des Genossen Köseling, die Unter« stützungs- und Pflegegelder der OrtLormen um 20 Proz. zu erhöhen und durchweg 5 M. Weihnachtsgratifikation extra zu bewilligen; die Unterstützungssätze gelten ab 1. November bis März. Weitere Maßnahmen, Kartoffel- und Seefischvcrkauf wurden mit Rück- ficht auf die hiesigen Händler, trotz� Gegenwehr unserer Genossen abgelehnt. Der Erhöhung des Stundenlohnes der Ge- meindearbeiter um 3 Pf. wurde bereits in voriger Sitzung zuge« stimmt.— Der Abschluß eines Bettrages mit der Alt-LandSberger Kleinbahn wegen Kabelunterführung im Zuge der verlängerten Bahnhosstraße wurde santtioniett.— Auf Antrag der freiwilligen Feuerwehr wurden derselben 200 M. zur Auszahlung von Brand« und Uebungsgeldern, wie Herr Bürger befürwortete, bewilligt.--- Die ReichStagSwahl findet im Schulhause statt. Herzfelde. In der letzten Gcmeindeverttctcrsitzung gedachte zunächst der Borsitzende Jgler in warmen Worten des in voriger Woche ver- storbeuen Geineindevertreters Theodor Schley, der dem Dorfparlament mehr denn 30 Jahre angehörte.— Die Frage des Abschlusses eines Vertrages mit der Märkischen Elektrizitätswerk-Aktiengesellschaft wurde einer Kommission überwiesen, in die auch Genosse Stoff gewählt wurde.— Der hiesigen freilvilligen Feuer- loehr wurde ein einmaliger Zuschuß bewilligt.— Eine längere und lebhafte Debatte rief die Anstellung fünf weiterer Lehrkräfte für die hiesige Vollsschule zum 1. April 1912 hervor. Be- schlössen wurde, die Volksschule nach Fertigstellung des neuen Schul» gebäudes nicht, wie ursprünglich beabfichtigt, in eine 7stufige, sondern in eine 6stufige umzuwandeln. Demgemäß sollen zum 1. April n. I. nur ein geprüfter Rektor und zwei Lehrer oder Lehrerinnen angestellt werden. Diesen Beschlutz suchte man im Hinblick auf die zurzeit un- günstigen Finanzverhältnisse der Gemeinde zu rechtfettigen. Selbst wenn die Finanzen so ungünstig wären, hätte man es bei den früheren Beschlüssen belassen sollen. Die Volksschule wird so wie so schon stiefmütterlich genug behandelt. Gegebenenfalls wären wohl noch andere Positionen im Etat oder dergl. zu finden, an denen Ab- striche vorgenommen werden könnten. NowaweS. Aus der Gemeindevertretung. Als Armenpflegerin für den 13. Armenbezirk wurde auf Vorschlag des Schössen Steiner Frau Mattern. Ahornstr. 3, gewählt.— Auf Antrag der Anwohner der Heinestraße, die durch Errichtung mehrstöckiger Gebäude eine Stö- rung des Landhauscharakters der Gegend befürchten, beschloß die Gemeindevertretung die Versetzung der Heinestraße und des an- schließenden Baublocks des Beamten-HeinistättenvereinS in die Bauklasse E. Der genannte Verein will auf dem von der Forst- Verwaltung erworbenen Gelände für seine Mitglieder Einfamilien» Häuser errichten.— Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf Ge- ländeerwerb zur Erweiterung deS Müllabladeplatzes an der Gar- tcnsttatze und der Kläranlagen. Der Gemcindevertreter Häberer hat der Gemeinde zwei Angebote gemacht. DaS erst- betrifft ein auS Ackerland und Wiesen bestehendes, 87 505 Quadratmeter großes Terrain, das sich bis zum Husarendamm ausdehnt und pro Qua» dratmeter 70 Pf. kosten soll, so daß die Kaussuuime 61 253,50 M. bettagen würde. Das zweite Terrain, das über die Ruth« hinaus- geht und 68 078 Quadratmeter groß ist, soll gleichfalls pro Qua- dratmeter 70 Pf. kosten; die Gesamtsumme hierfür würde sich also auf 47 654,60 M. belaufen. Während sich die Gemeinde verpflich- ten müßte, das erste Terrain sofort zu kaufen, und zwar in der Weise, daß sie erstmalig 1253,50 M. und dann fortlaufend jede» Jahr 10000 M. zahlt, so daß sie mit der letzten Rate im Jahr» 1917 Besitzerin deS ganzen Terrains wird, fordert der Besitzer für das zweite Angebot nur eine Annahmeerklärung, um das Terrain der Gemeinde zu sichern. Diese hätte es in der Hand, das Terrain jederzeit anzukaufen, müßte sich aber verpflichten, dasselbe vom Jahre 1918 ab durch jährliche Ratenzahlungen von 10 000 M. etappenweise zu erwerben, so daß mit der letzten Rate im Jahre 1922 das ganze Gelände in den Besitz der Gemeinde übergehen würde. Nach eingehender Aussprache, in welcher der geforderte Preis allgemein als mäßig bezeichnet wurde, akzeptierte die Ge- meindevertretung beide Angebote zu den geforderten Bedingungen. TaS neue Gemeindcwappen, das durch eine sinnvolle Kombi» Nation der von den beiden vereinigten Gemeinden Nowawes und Neuendorf bisher geführten Wappen gesckxrffen wurde und einen unter einer knorrigen Eich« stehenden Wanderer mit Hirtenstab darstellt, ist vom Ministerium nicht genehmigt werden, und zwar mit der Begründung, daß dem von der früheren Gemeinde Neuen- dorf vom Jahre 1856 abgeführte Wappen keine historische Bedeu- tung beigemessen werden kann. Diese Tatsache scheint den lokal- patriotischen Vereinen des Neuen dorfcr OrtSteilS recht schmerzlich zu sein, denn sie haben den Entschluß gefaßt, in einer gemeinsamen Petition an das Ministerium die Bitte zu richten,- dem eingereichten Entwurf die Genehmigung zu erteilen und somit auch das alte Ncuendorfcr Wappen anzuerkennen. «ttterongSübersicht vom 27. Dezember 1911. «tatlonen LS» l2' II LZ!§§ Setter 749$53 ' Gedeckt Swinemde. � MW Ü>aml>urg 769910 1 3 bedeckt Berlin ffoO,® 1 bedeckt ifianks a M.l758$0| g'roollia München 752 30 6 Regen Wien!7S4$till Rcbcl a II fa( hS> 2 3 1 8 6 1 etattonen L>aporandn Petersburg Sciity Aberdeen Paris «»".»"vrognoie tut xonntrstag, orn«s. Tezemder 1911. gunäiift ein wenig täller, zcttweiie beiter mit mätzigen südwesUichen Winden; spater neue Erwärmung. Trüb ng und geringe Riedesschläge. B- rliner Oetterbureau. Verantwortliche? Red--�'-'"" Albert Wach?. Berlin. Für den Jnlerat-nt-il verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag. Vorwärt» Buchdruckeret u. VerlagSanstalt Paul Singer u. To, Berlin S\V»