N-. 805. HtoDtKirents�eJlngnnsent KBonnftnenlJ> Preis ftfiitutneronbo! LierteliShrl. 830 SDIt, monutL L10 SDH� wöcheiulich 28 Ptz. frei tn» H-uS. Swjelne Siummer 8 Pfz. S-mmagS- nummer mit illustrierter KomuagS- Beilage.Die Neu» Weif lv Pfg. Post- tbonnemeni: �.'0 Mark pro 9Kti.it. (f inoe tragen tn die Post-ZeilunaK- Preisliste. Unter Kreuzband fir Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Lu-Iand S Marl pro Monat. Postobonnementi nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Kiunänien, Schweden und die Schweiz. VlittNN ttgstch toBtr moitw. 28. Jahrg. dl« TnkrflonS'Gebflbr »etrögl für die iechSgespallene Kolon» »eil« oder deren Raum w Psg. für politilch» und gewerkschaftliche LereinS» «rd BersarmniungS-Anz eigen 80 Pfg Sorte), iede« wette» Wort tO Pfg. Etellengefuche und«chlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weite» Wort 5 Pfg. Worte übe: 18 Buch- en zählen für zwei Worte. Inserate die nächste Siuriuner müssen big _i lldr nachmittag« in der Expedition »doegeben werden. Die ErP-dition ist diS 7 Uhr abend««ei' 5. Vevlinev Volltsl»lAkt. ZcntraXorgtm der rozialdemokratifchcn Partei Deutschlands. reiegranmt- Ad reff« �«iidiStllSittil Stkvr', k.cciakrlon: 8 LI. 68, landensrrnsse 69, Fernsprecher: Amt Moripplaq, Rr. ISijZ. Sonntag, den 51. Dezember 1011. Expedition: 8Ll. 68» I�indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Mortyplatz, Nr. IS84. Das neue Jahr setzt trefflich ein: Mit einem Wahlkampf, der uns grössere Erfolge verspricht als je einer zuvor. Wie immer er im einzeluen ausfallen mag, der 12. Januar ver- heißt eine wuchtige Demonstration des deutschen Proletariats zu werden, die sich würdig den machtvollsten seiner früheren Kraftproben an die Seite stellen wird, die aber weit bedeutungs- voller werden muß als jeder bisherige Wahlsieg durch die historische Situation, in der sie vollzogen wird. Seit einem Menschenaltcr war die Welt nicht so mit Explosivstoffen gefüllt, wie jetzt. Wir müssen in die Zeit der Anfänge unserer Partei vor einem halben Jahrhundert zurückgehen, um eine ähnlich wildbewegte Zeit zu finden; in das Jahrzehnt von 1860 bis 1870 als ein Stück des Vermächtnisses der Revolution des Jahres 1818 von ihren Erben ausgeführt wurde: freilich nicht von Proletariern und Kleinbürgern, sondern von Königen und Kaisern, aber doch von Parvenüs unter den Monarchen, die in Italien wie in Deutschland gar manchen Thron umstürzten, um ihr Ziel zu erreichen, und sich nicht scheuten, zu diesem Zwecke auch zu Revolutionären in Beziehungen zu treten, zu Garibaldi, Kossuth, Lassalle und anderen. In jenem Zeitalter schien keckem Wagemut nichts unerreichbar: Mit tausend Freischärlern eroberte 1860 Garibaldi das König- reich 3!eapel. Und 1862 bemerkte der preußische König Ätitlhelm zu Bismarck über seinen Konflikt mit dem Ab geordnetenhause:«Ich sehe ganz genau voraus, wie das alles enden fvird. Da vor dem Opernplatz, unter meineni Fenster. wird man Ihnen den Kopf abschlagen und etivas später mir. Man muß sich in die revolutionäre Bewegtheit und Unsicher heit jener Zeit versetzen, will man es begreifen, daß ein Realpolitiker wie Lassalle von der Präsidentschaft der deutschen Republik träumen konnte. Das waren die Tage, in denen die revolutionäre Zu verficht unserer Partei sich formte, die Erwartung, binnen kurzem werde die Bolksmasse die demokratische Republik und damit den Weg des allmählichen Fortschreitens zuni Sozialismus erobern. Tie zwei Jahrzehnte nach 1870 zeigten noch eine große Unsicherheit der herrschenden Klassen in Deutschland, wie das Sozialistengesetz bewies. Eine Zeitlang, um das Jahr 1880 herum, schien auch der russische Absolutis- muS vor seinem Zusammenbruch zu stehen, da hatte die Sozialdemokratie keine Ursache, ihre revolutionären Erwartungen abzuschwächen. Dann aber kamen Zeiten, tn denen diese Erwartungen alS törichte Illusionen abzusterben schienen. Und in der Tat muffen wir heute gestehen: jene Revolution, der wir in den Anfängen unserer Bewegung entgegensahen, sie ist für immer dahin— wenigstens in Westeuropa: die demokratische Revolution, das heißt die Revolution der Proletarier. Klein- bürger und Bauernunter der Führung oder wenigstens Duldung der industriellen Bourgeoisie und ihrer Wortführer auS der Jntelli genz. Gerade daS Erstarken und die zunehmende Selbständig- keit des Proletariat» machte diese Art Revolution unmöglich. trieb die Parteien de» großen und kleinen Besitze«, sich mit den bestehenden Staatdformen abzufinden, trotz der agrarischen. bureaukratischen. absolutistischen Schönheitsfehler, die diese aufwiesen. Eine Wiederkehr der alten, demokratischen Revolution ist bei unS unmöglich geworden, aber statt daraus zu schließen, nur noch eine proletarische Revolution sei möglich, die gegen wärtigen Regierungssysteme würden in Westeuropa fort' bestehen, bis das Proletariat stark genug fei. aus eigener Kraft die Regierung in die Hand zu nehmen, schloß gar mancher. eS sei nun mit jeder Art Revolution vorbei für immer. Und sie schien auch nicht mehr notwendig für da? Pro- letariat. Seit der Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhundert» brach eine lliera der Prosperität heran, in der die schlimmsten Mißstände des Kapitalismus etwas ab- geschwächt wurden. Wohl geriet die Sozialpolitik völlig inS Stocken, aber die Gewerkschaften entwickelten sich machtvoll, und die Hebung der Geldlöhne, die sie durchsetzten, war zunächst nicht von einem Steigen der Lebensmittelpreise begleitet, bedeutete also eine wirkliche Verbefferung der Lage wenigstens der organisierten Arbeiter. Sollten nicht auf diesem Wege die Proletarier schließlich dahin kommen, sich mit dem Kapitalismus zu versöhnen? Und sollte nicht die Aera der Revoluttonen für immer abgeschlossen sein? Die das glaubten, wurden unangenehm enttäuscht durch den Ausbruch der Revolution in Rußland, die 1905 dem russisch-japanischen Kriege folgte. Wohl wurde sie nieder- geschlagen, es zeigte sich, daß selbst in Rußland das Proletariat schon zu stark und daher eine demokratische Revolution im oben ausgeführten Sinne auch dort nicht mehr möglich sei. Zu einer rein proletarischen Revolution aber erwies sich das russische Proletariat noch als zu schwach. Dem Niedergang der russischen Revolution folgte jedoch nicht eine Aera allgemeiner Reaktion und Beruhigung. Nein, sie eröffnete vielmehr ein wahres Zeitalter der Revolutionen, in der Türkei und Persien, in Portugal und Mexiko. Jetzt hat China die Bahn der Revolution betteten, und Britisch- Indien zeigt große Lust, ihm zu folgen. Alle diese Revolutionen sind demokratische, nicht pro- letarische. Proletarier kämpfen in ihnen mit, denn allenthalben ist die Klassenlage des Proletariats eine so verzweifelte, daß es jede Umwälzung des Bestehenden als eine Besse- rung freudig begrüßt. Aber nicht die Proletarier, sondern besitzende Elemente geben den oben erwähnten Revoluttonen Ziel und Richtung. So erleben wir die sonderbare Er- scheinung, daß die revolutionärsten Länder zurzeit jene sind, deren Proletariat noch keine hervorragende polittsche Rolle spielt, indes die alten kapitalistischen Länder, in denen das Proletariat immer mehr zum Mittelpunkt der inneren Politik wird, von einer durchgreifenden Aenderung ihres Regierungs- systemS weiter entfernt zu fein scheinen als je. Sind aber die jüngsten Revolutionen nicht proletarisch, so sind sie doch in gewiffem Sinne antikapitälistisch. Wohl erinnern sie in ihren Zielen und Gedankenformen viel an die bürgerlichen Revolutionen Europas von 1642, 1789, 1843. Gleich jenen sind auch sie Produkte der kapita- listischen EntWickelung, aber das Kapital, das ihre alten sozialen und politischen Einrichtungen umwälzt, stammt nicht von ihnen selbst, es kommt zu ihnen als eine Macht des Auslandes, die das gesamte Volk, Besitzende wie Besitzlose, knechtet, und die dessen Beherrscher zu ihren Werkzeugen degradiert. So wird der Kampf gegen das Kapital Europas und Amerikas im Orient, wie auch jüngst in Mexiko zu einem Kampf gegen die eigene Regierung, und umgekehrt wieder der Kampf gegen die eigene Regierung zum Kanipf gegen die Kapitalisten Europas und Amerikas, gegen dieselben Kapita- listen, mit denen wir Sozialdemokraten im Kriege stehen. Die Revolutionen deS Orients, so wenig sie mit den proletarischen Klassenkämpfen Europas zusammenfallen, müssen auf diese zurückwirken. Eine Republik oder auch nur konstituttonelle Monarchie in China kann nicht Freihest und Wehrhaftigkeit deS Volke? entwickeln, ohne auf der einen Seite auf Sibirien und Rußland, auf der anderen Seite auf da» brittsche Indien zurückzuwirken, jenen Koloß, in dem sich die Herrschast der Engländer weit weniger noch durch ihre Armee als durch die religiösen Gegensätze seiner Bewohner behauptet, Gegensätze, die durch die nivellierende Kraft des Kapitalismus immer mehr überwunden werden. Die Revoluttonierung Indiens bedeutet aber auch die Revoluttonierung Englands. Indes noch gewalttger als durch ihre pollttschen, müssen die Revoluttonen unserer Tage durch ihre ökonomischen Ergebnisse den Sozialismus tn Europa fördern. So anttkapitalistisch die Revoluttonen in verschiedenen Ländern des Orients und sonfttgen agrarischen Gebieten auch sind, ihre Wirkung muß doch die sein, dem Kapitalismus dort stete Bahn zu schaffen, ihn dort noch rascher fortschreiten zu lassen, als bisher. ES ist ein nattonaler, einheimischer industrieller Kapitalismus, den sie entwickeln, im Gegensatz zum europäischen. Damit untergraben sie zusehends des letzteren Fähigkeit weiterer Ausdehnung, das heißt seine Lebensfähigkeit. Denn zum Unterschied von anderen Pro- bukttonswcisen ist die kapitalistische nur lebensfähig, so lange ie sich ausdehnt. Die Lage deS Proletariats ist unter ihr zwar immer elend, aber am wenigsten dann, wenn die Industrie rasch zu- nimmt. Wo deren Wachstum nur langsam vor sich geht oder gar stockt, da steigen die Mißstände deS Kapitalismus zu so erschreckender Höhe, daß er für die gesamte Maffe der Be- völkerung völlig unerstäglich wird, wie jede KrisiS beweist. DaS Wachsen deS kapitalistischen JndustrialiSmuS in China und Indien, die beide zusammen den 400 Millionen Menschen Europas 700 Millionen entgegenzusetzen vermögen, ngt die Ausdehnungsfähigkeit der europäischen Industrie immer mehr ein. Die Theorettker der Kapitalistenklaffe selbst haben früh- zeitig erkannt, daß die kapitalistische Industrie eineS Landes über ein gewisses Maß nur hinauswachsen kann, wenn es neben sich andere agrarische Länder vorfindet, die ihm seine überschüssigen Jndustrieprodutte abnehmen und ihm dafür Bodenprodukte liefem. So entstand tn England während der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Auffassung. daS wirtschaftliche Gedeihen werde dadurch gesichert, daß man England zur Werkstatt der Welt mache, die für den gesamten Erdball die Jndustrieprodutte liefere und von diesem dafür Nahrungsmittel und Rohstoffe empfange. Aber es stellte sich heraus, daß im Zeitalter deS Kapitalismus ein Land, das nicht eine starke selbständige Industrie besitzt und nur agrarisch wirtschaftet, stets vom industriellen Lande ausgebeutet und unterjocht wird. Die Völker Europas und die Nordamerikaner trachteten daher danach, eigene kapitalisttsche Industrien zu entwickeln. England hörte auf, die Werkstatt der Welt zu sein. Es mußte die industrielle Beherrschung der Welt mit Deutschland und den Vereinigten Staaten teilen, wobei auch Frankreich und Oesterreich und schließlich selbst Italien und Nußland eigene kapitalistische Industrien großzogen. Aber nach wie vor blieb die Ursache bestehen, daß der kapitalistische Jndustrialismus bei den einen, die agrarische Wirtschaft bei den anderen voraussetzt. Nach wie vor bc» durfte der industrielle Kapitalismus einer agrarischen Welt als Kundin und Lieferanttn von Lebensmitteln und Roh- Materialien. Da aber jetzt mehrere industrielle Staaten da waren, mußten sie die agrarische Welt unter sich teilen. Das erste Stadium des exportterenden kapitalisttschen Jndustrialismus bis in die siebziger Jahre deS vorigen Jahrhunderts, so lange Englands Jndustrieherrschast dauerte, hat unter dem Zeichen des Freihandels gestanden. DaS zweite, in dem wir unS noch befinden, steht unter oem deS Imperialismus, der Aufteilung der agrarischen Welt unter die Industriestaaten in der Form von Kolonien oder Einflußsphären. Aber nun naht das dritte Stadium, das der Jnbustria- lisierung der agrarischen Welt— das letzte Stadium beS Kapitalismus, unter dem er sich selbst unmöglich macht— wenn er eS erlebt. Denn die bloße Annäherung an dieses Stadium macht heute schon daS Leben immer mehr zu einer Hölle. Die wachsende Industrialisierung der agrarischen Welt macht sich unS zunächst bemerkbar in der zunehmenden Teuerung der Rohstoffe und Nahrungsmittel. DaS rührt nicht daher, daß der Menschen zu viel und der Bodenprodukte zu wenig werden, sondern daher, daß im Stadium des industriellen Kapitalismus der Monopolcharakter des BodcnS immer mehr zunimmt, die Macht der Grundbesitzer, die Preise der Bodenprodukte zu erhöhen, immer mehr wächst. Keine Kolonialpolitik kann das beseitigen, sondern nur die Ver- staatlichung des Grund und Bodens. Zu der Teuerung der Nahrung und Rohstoffe gesellt die Industrialisierung der agrarischen Well aber auch die wachsende Schwierigkeit für die Industrie Europas, Absatz zu finden. Die agrarische Welt befriedigt ihren industriellen Konsum immer mehr selbst. Ja, sie beginnt schon als Konkurrent der Jndustrienationen bei diesen selbst aufzuttcten. Selbst China beginnt schon Produtte seiner Eisenindustrie nach Amerika zu exportteren. Vergebens alle» Sweben der alten Industriestaaten, durch koloniale Erwerbungen sich Gebiete deS industriellen Absatzes und der Lieferung von Rohmaterialien zu reservieren. Man kann heute Kolonien nicht der kapitalisttschen Ausbeutung er- schließen ohne Eisenbahnen, die ausgedehnte, bisher isolierte Landstriche tn den Weltverkehr, damit aber auch in die revo- lutionierenden Wirkungen des Kapitalismus hineinziehen. Die koloniale eingeborene Bevölkerung wird immer rebellischer, ihre Niederhaltung immer kostspieliger und immer fraglicher. Die Voraussetzung der Kolonialpolitik ist die Erivartung, baß die Bewohner der Kolonien ewig Objette der Polittk bleiben. Sie fangen aber an. Subjette der Polittk zu sein, und zwar mitunter recht energische. Dabei ist die agrarische Welt bereit» fast vollständig unter die Jndustrienationen aufgeteilt— weitere große Erwerbungen für jede von ihnen sind nur noch möglich auf Kosten der anderen, daS heißt in einem Weltkrieg. Die Folge davon ein W e t t r ü st e n zu Land, und See, daS ein immer wahnsinnigeres Tempo annimmt und die durch die Teuerung ohnehin schon bedrängten Volksmassen durch wachsende Steuern noch ärger bedrückt. Nnd zugleich treiben Teuerung und Steuerdruck die industriellen Kapitalisten dazu, dem Streben der Proletarier nach Erhöhung ihrer Löhne immer hartnäckigeren Widerstand entgegenzusetzen. Immer schroffer werden die Gegensätze zwischen Kapitalisten und Proletariern, immer schroffer die Gegensätze zwischen den alten industriellen Staaten Europas und Amerikas einerseits und den agrarischen Gebieten Asiens, Amerikas, Afrikas anderseits; immer schroffer aber auch die Gegensätze zwischen den herrschenden Klaffen der alten Industriestaaten unter einander. Und dabei wachsen die Maffcn der kämpfenden Organisationen und Nationen und ihre Hilfsmittel des Kampfes aufs riesenhafteste an. Wieder wie in dem Jahrzehnt ihres Werdens steht die deutsche Sozialdemokratie mitten in einer Welt, die erfüllt isc von Explosivstoffen, die schwanger ist mit Kriegen und Revolutionen. Aber damals bestand das Problem nur in der Neugestaltung Deutschlands und Italiens— heute ist es die Neugestaltung des Erdballs, um die es sich handelt. „Die Zeit ist aus den Fugen! O unseliges Geschick, daß ich geboren ward, sie wieder einzurenken", stöhnt Hamlet. Das känipfende Proletariat der kapitalistischen Nationen ist aber kein Hamlet. Schon vor einem halben Jahrhundert, als es noch in seinen Anfängen stand, in seinem Fühlen und Denken noch völlig abhängig von den herrschenden Klaffen, als seine Or- ganisationcn noch nicht so vlele Tausende von Mitgliedern zählten, wie heute Millionen, schon damals galt es als kraft- Voller Kämpfer, der selbst den stärksten Machthabern jener Zeit Respekt einflößte. Wie viel schwächer sind die Macht- Haber von heute— ein Bethmann Hollweg gegenüber einem Bismarck— und wie viel stärker das Proletariat, seine Gewerkschaften, seine Partei I Es fühlt die Fähigkeit und Kraft in sich, die aus den Fugen gehende Welt aufs beste einzurenken in die Formen des Sozialismus, und sieht begierig dem Moment entgegen, der ihm die Gelegen- heit gibt, sich ganz dieser im besten Sinne des Wortes positiven Arbeit hinzugeben, im Interesse aller Müh- seligen und Beladenen, aller, die von ihrer Arbeit leben, der Kleinbürger, Kleinbauern, der sogenannten Kopfarbeiter ebenso gut tvie der Lohnarbeiter in Stadt und Land. Gewaltig ist die Zeit, in der wir diesmal den W ahlkamp kämpfen. Gewaltig die Aufgaben, die sie uns stellt. Da gilt es, jeden Nerv anzustrengen, um möglichst machtvoll aus dem Wahlkitmpf hervorzugehen. Je größer der Sieg, je mehr er unsere Macht bekundet, desto mehr neue Macht schafft er uns — und Macht müssen wir haben, soll in dem einsetzenden Ringen um die Neugestaltung der Welt dem Proletariat sein Recht werden. Karl Kantsky. Das Resultat der herannahenden Wahlen zum Deutschen Reichstag wird von dem Volke Englands mit dem höchsten Interesse erwartet. Die gespannten Beziehungen zwischen den Regierungen dieser beiden großen Nattonen und die Möglich- keit eines nicht fern im Hintergrunde drohenden Krieges bilden hepzGrund dieses Interesses. Warum diese gespannten Beziehungen entstanden sind oder weiter bestehen sollten, weiß niemand hier; auf allen Seiten, in allen Volksschichten und in jeder Partei besteht der fast einmütige Wunsch, daß jede Ursache zu Differenzen zwischen den beiden Regierungen so schnell wie möglich aus denl Wege geschafft werden sollte, damit ein gutes Ein- vernehmen an den beiden Küsten der Nordsee entstehe und Zw Keichttagttvzhl 1912. „Ss itt Zeit, mit dem, klinge? zu klirren!" Ein Wort an die Geister von Lu Märten. In den Niederlanden war dies Wort das Zeichen der Zecher, Händel anzufangen, um verhaßte Häuser zu plündern. So möchten wir diesen Worten fröhliche Lebenszecher wün- schen, denen das Stählerne und Erregende dieser Wortempfindung sich mitteile, daß es zu einer fröhlich-grimmigen Melodie würde. darauf die Herzen und Geister sich erkennen. I. Frauen! Es ist Zeit, mit dem Klinger zu klirren! Wo sind die Enkel Eurer lebendig begrabenen Geister! Wo sind die Töchter Eures Mutes für die Sache der Freiheit I Schleichen sie im Gewühl der Straßen-Damen, als die, die man nicht sieht? Nackern sie in Fabriken und Häuslichkeiten als tote Maschinen ohne Herzschlag? Genügte Euch das Gefühl der Macht, das Ihr Jahrtausende besessen, und das der König der Bettlerin abtritt? Zauberei und Spiel EureS Wesens, das die Statur Euch als Almosen gab. Wo die Macht der Frau beginnt, da lächeln die Männer; wo sie endet, weinen die Kinder. Eine Macht ist erprobt, et gilt eine neue; denn begreift doch endlich, daß Ihr die Zukunft in Euch tragt; die Euch die Gedankenlosigkeit so vergilt, wie die Kraft. Einen Rausch von Kraft, von Mütter- und Wurzeldasein laßt Euch vergelten. Träumet Ihr nie von einer anderen Macht, als die man Euch ließ? Solche, darin der Herzschlag von Teufeln und Engeln surrt. Macht! Dein Herz ein Schild. Dein Wort ein Weg. Köpfe abschlagen. Ranken hochbinden. Das Laster der gemeinen Geschicklichkeit dieser Zeit bekriegen. Und Steine fügen und tragen— mit der zähen Geduld, die Euer Wesen und Schicksal ist— Steine zum Funda- ment der neuen Zeit— daß sie jede neue Heiligkeit auf den wissen- den Muttergeist gründe. Was gab Euch das Jahrhundert, das Euch zu Tage rief, zu neuen Fronden und Pflichten; waS gab eS Euch mehr, als immer noch Fronden und Pflichten? Was schrieben die Schulmeister der Welt und die gelehrten Hausväterchen nicht alles zusammen, um Euer dringlich Fordern mit ihren spezifischen Gemütlichkeiten zu versöhnen. WaS lehrten sie Euch nicht leiser sprechen, da sie wußten, daß wenige es hören. Wie erstickten fi« unter ihrer blutarmen Sach- lichkeit und unter Wortgejchtvätz den glühenden Atem Eurer Kraft. Als unzcitlich bedenklich und unwürdig bekrächzten sie die Geburt Eures neuen Lebens. Wie ließen sie sich aufs Feilschen ein in Sälen und Pereinen um Blut und Zukunft Euer Leben. Wie wendeten und verwendeten sie die Gesetzestafeln der Pflicht, Euch zu führen und zu verführen. Seht Euch um! Dieser jämmer- alle Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen zwei verwandten Völkern, die so viel miteinander gemein haben, dahinschwinde. Dieses, ich wiederhole es, ist die„fast einmütige Empfin- dung" der Nation. Es besteht jedoch eine sehr kleine, aber sehr tätige und böswillige Minderheit, die zu glauben vorgibt und versucht andere glauben zu machen, daß die herrschende Klasse in Deutschland nur auf eine günstige Gelegenheit tvartei, England zu bekriegen, und daß das deutsche Volk als ganzes und besonders die handeltreibenden Klassen auch für einen derartigen Krieg sind. Wenn nun in den kommenden Wahlen die Regierung? Parteien ihre Position verbessern und einen Kräftezuwachs im Reichstage erhalten sollten, dann werden die bösartigen Wenigen zweifelsohne die deutschfeindliche Propaganda in diesen: Laude weiter treiben, sie würden neue Kraft schöpfen und ihre Macht, Unheil anzurichten, würde sich vermehren. Wenn aber andererseits die Parteien, von denen man weiß, daß sie gegen den Krieg sind und für ein herzliches Emvernehmcn mit England mehr als zuvor die Unterstützung der Wählerschaft finden und in vermehrter Zahl in den Reichstag zurückkehren, dann werden unsere Kriegshetzer hier zulande praktisch vernichtet sein. Wie die Dinge liegen, wird in diesem Lande allgemein zugegeben, daß die sozialdemokratische Partei Deutschlands mit ganzem Herzen auf der Seite des Friedens steht. Wenn daher die Sozialdemokraten wesentlich verstärkt aus dem Wahlkampf hervorgehen, so wird eS jedermann hier— ob deutschfeindlich oder deutschfreundlich— dies als einen un widerleglichen Beweis dafür anerkennen, daß das deutsche Volk den Frieden wünscht. Das ist der Grund, weshalb das Resultat der Wahl mit so großem Juteresse erwartet wird und weshalb Tausende, die selbst nicht Sozialisten sind, den Erfolg der sozialdemokratischen Partei am 12. Januar herbeisehnen. Ein großer sozialistischer Triumph würde nicht nur die Kriegsivolken von dem politischen Horizont hinwegfegen, s-mdern würde auch das Zustande» kommen eines Uebereinkommens zwischen Deutschland und Großbritannien in betreff der künftigen Flottenpolitik leicht machen, und so könnten die Steuerzahler in beiden Ländern von der erdrückenden Last, die ihnen der gegenwärtig be stehende Wettbewerb im Bauen von Dreadnoughts auferlegt. befreit werden. Doch abgesehen von dieser nationalen Seite hat die Arbeiterklaffe Großbritanniens, wie übrigens die der ganzen Welt, ein besonderes Interesse an dem Wahlerfolg der Sozial demokratte in Teutschland. Die sozialistische Bewegung Eng lands ist noch in ihrer Kindheit. Erst seit dem Jahre 1906 ist sie ein ernster Faktor in der Politik geworden. In Deutsch land ist es anders. Bei Euch ist der Sozialismus keine neue Theorie, die um Anerkennung ringt, sondern ein gut ge griindeies Prinzip, das um die Oberherrschaft kämpft. Ein durchgreifender Sieg der deutschen sozialdemokratischen Partei bei den Reichstagswahlen würde der Welt beweisen, daß der deutsche Arbeiter, anstatt sich dem Sozialismus a b z u wenden, wie unsere Gegner hier behaupten, sich immer mehr dem Sozialismus als seiner einzigen Hoffnung zu wendet. Das würde unsere Bewegung hier stärken und anfeuern, wie auch gleichfalls die schnell wachsende sozia listische Partei in den Vereinigten Staaten Amerikas und jedes Land in Europa, von den eisigen Küsten de Kaspischen Meeres bis zum Kdp Finisterre und von dem Nordkap bis zu den sonnigen Inseln Griechenlands würde von dem Widerhall eines sozialisttschen Triumphs in Deutsch land erbeben. Indem ich unseren deutschen Genossen unsere Neujahrs grüße übersende und sie der brüderlichen Gefühle versichere. die wir in diesem Lande gegen sie. die Pioniere und kämpfende Vorhut der proletarischen Bewegung der Welt, hegen, bin ich liche und grausame Instinkt jahrtausender Herrenschast forderte die Feurigsten und Fröhlichsten. Es ist Zeit, mit dem Klinger zu klirren. Sie sitzen in feister Sicherheit und lächeln Eurer Geduld. Wo ist Eure Ungeduld, Ihr Frauen, deren Mütter um der Ge- Wissensfreiheit willen gelitten und gestorben; denen der Henker die Brust zertrat! Wollt Ihr Euch abermals die Brust zertreten lassen um nichts, das Euch gelte? Im Eiapopeia der Ge- wohnheit, in der blöden Würde der Gesetzlichkeit. Es ist Zeit, mit dem Klinger zu klirren. Wo sind Eure Anklagen, Ihr Frauen? Meint Ihr, die Welt läse sie auf Eurem Antlitz? Wollt Ihr warten, daß sie eS tue? Bezeichnet die Stätten, die Euer Hab und Gut bergen. Früh linge und Sommer, Glut und Eigenheit Eures Seins I Was hat man mit den Frauen gemacht, deren Geist ein Häuptling, ein Führer, ein Wahrsager, ein Künstler ist? Wo ist die Gerechtigkeit. die sie nannte? Wo ist das Feld für solche Jagenden, für den Mut der schöpferischen Fehden? Solcher Mut ist erstickt in allen Betten der Gewohnheit: solche Kraft ist heimatlos und sich selbst eine Bürde. Hätte man ihn in seinem Blut mit Schwertern er- tickt oder mit dem Rasen einet großen Liebe— aber er ist mit dicken, plumpen, satten Gesinnungen und breiten Motten erwürgt. Was tut aller verwegene furchtlose Geist bei Euch, so er ein Weiberantlitz trägt? Nicht was er tut und kann, gilt Euch, son dern ob er Mann ist oder Frau, ebnet ihm. den Weg. Man weist Euch noch jederzeit«inen besonderen Nebenweg und schickt Euch Herolde vorcmS; Bezeichnungen Eurer Geschlechtsbetätigung— daß nur niemand durch Euch selbst und Euer Sein orientiert werde, sondern durch Borurteil. Und Ihr Frauen laßt es Euck gefallen. Nun tritt der Mut, der nicht Kinder ernähren, nicht Schlachten leiten, nicht Geister führen, ja nicht einmal die arm- eligen Weltgeschäfte des Fuchsverstandes leiten dürfte.— auf das einzige Feld, das ihm gelassen, weil Feigheit und sklavische Wollust dort seine Geißel sucht. Nun bleibt dem verwegenen Geist der Frau die Karriere der großen Courtisane. Auch läßt man ihm die ungeheure Möglichkeit, Kunststücke auf dem Theater zu machen und die Attraktion eines Profitunter- nehmens zu werden. Wo ist Eure Empörung. Ihr Frauen! Hat man Euch gesagt, daß Empörung nicht statthast sei. daß man starke, mächtige Ge- 'iihle mit Geschwätz zur Ruhe und zum Erfolg bringt. Sind Empörungen nicht Begeisterungen! Zeugen sie nicht vom Adelsblut der Menschengeister. Habt doch Mut zu Euren Empörungen trotz allen Schulmeistern und Füchsen und Gendar- men der Welt. ES ist Zeit, mit dem Klinger zu Mrren. Und was geschah doch mit dem Mut der Leiber und Herzen? Man schloß ihn an die Kette der Gewohnheit und Mühe. Man stellte ihn an und liebte ihn sehr bei Geschäften, die der nächste Augenblick vernichtet und erneuert. Unendlich geschätzt wird er, wie Lasttiere, die lange und zäh und billig arbeiten. Auch läßt man ihm die ungeheure Möglichkeit, rassenlose, langweilige, sreud- lose, kranke, gleichgültige Ehen und Kinder zu habea. wir bewußt, daß sie nicht? ungeschehen lassen werde«, um am 12. Januar einen großen Sieg für den Sozialismus zu erringen, und daß sie dadurch den Genossen in allen Länden: eine Botschaft des guten Muts und der Hoffnung und der blutbefleckten Welt eine Botschaft des Friedens zuschicken werden. Hoch die Deutsche Sozialdemokratie! Und dreimal hoch die internationale Solidarität unt Brüderlichkeit. I. Keir Hardie. Ihr lieben Freunde von der deutschen Sozialdemokratie! Die Wahlen vom 12. Januar 1912 haben für uns und für die Internationale nicht weniger Wert und Bedeutung als fiir das sozialistische Deutschland selbst. Sie werden ent- scheidend wirken. Sicherlich, so siegbringend sie sein mögen, so werden sie den Kampf der Arbeiterklasse gegen die Kapitalisumklasse und den Staat nicht einschränken und ab- schwächen— einen Kampf, der schon infolge der Tatsache. daß die Kräfte der Arbeiterklasse uni� die des Widerstandes der 5tapitalistcn und der Regierungen wachsen, immer größer und heftiger wird. Aber sie werden diesem Befreiungskampf der Arbeiterklasse eine neue Aera der Energie und der Sieges- gewißheit eröffnen. Trotz der lokalen und partiellen Erfolge und Fortschritte der letzten Jahre scheint es, daß die Kraft des Widerstandes und des Angriffs des nwchthabcnden Kapitalismus noch stärker zunimmt als unsere Organisatton. Im Kampf gegen ihn bleibt einzig nur noch das für seine Emanzipation und die Befreiung des Menschengeschlechts kämpfende Proletariat aufrecht— ebenso allein, wie es eben erst für den Frieden gekämpft hat. So kommt es. daß wir hier in Frankreich die Partei der sogenannten fortgeschrittenen Bourgeoisie, die Radikalen und ihre Regierung zu immer reaktionäreren Feinden des Proletariats werden und sich in eine nationalistische und koloniale Partei und Regierung verwandeln sehen. Ihre Wirtschaftspolitik im Innern ist wie in DSuischland die der Schutzzöllnerei und der Lebensmittelteuerung. Die Arbeiter- schutzgcsetze bleiben unbeachtet und statt sie zu verbeffern, schränkt man sie ein oder vernichtet sie durch ihre Hand- habung, während nnrn gleichzeitig die Gewerkschaften schickaniert und verfolgt. Das Gewerlschastsrecht, das Recht der Koalition ist hier wie überall immer mehr bedroht. Und mit Ausnahme der besonders qualifizierten Gewerbe sieht die ganze Masse der Arbeiterschaft ihren Reallohn vernichtet, kann sich immer weniger genügend ernähren und ihr Elend wird täglich schwerer. Nichts kan» sie aber besser auS ihrer nur allzulange dauernden chlaffheit cmporreißen, sie der sozialisttschen Aktton und Partei zuführen, als die Freude und das sichere Bewußt- sein, mit Euch und durch Euch am 12. Januar gesiegt zu habe::. Endlich haben wir. wie auch Ihr und wie das ganze Europa in diesem Jahre in der Gefahr geschwebt, in einen verbrecherischen, verabscheuenswürdtgen. brudermörderischen Krieg hineingeschleudert zu werden, zum einzigen Votteil der Spelulanten und Wegelagerer der Kolonialpolittk. die in der Vernichtung und im Ruin der Arbeitersorderungen ein neucS Leben für Macht und Glück des Kapitalismus zu finden hoffen. Armes geduldiges Volk der Frauen. Eurem Wesen. Geduld genannt, gab man einen nichtsnutzigen Platz und machte sie zum letzten Knecht aller Begierden., Wo ist Euer Hohn, Ihr Frauen? Wo Euer Geisterlachen—- daß der Feind spüre: Ihr seid noch dal Noch nickst gestorben in lebendigen Gräbern, eingeschlafen in der großem Müdigkeit eines endlosen FrontageS der Zeit. Es ist Zeit, mit dem Klinger zu klirren. Warum lacht Ihr nicht! Warum betet und betteN«ch vis- kutiert Ihr? Diskutieren die Arbeiter mit ihren Herren ttni» feilschen um Kompromisse? Fordern sie nicht! Handeln, lachen und schreiten! Wo ist Euer Hohn. Ihr Frauen? verlacht alle, die den Geist der Mcnschenmütter nicht erkennen und von den Vätern doch ein endloses Geschwätz machen. Deren Dichter nicht Frauengestalten. öndern Frauenrollen von Männern spielen lassen. Wünsche und Himmelreiche auS ihrem Munde redend, mit ihrem Körper malend, mit ihren Formen gestaltend. Verlacht und dichtet Eure Wotte elber. Einst gab eS Ama>jonenbeere. Sollte es nicht auch«»der« Waffen geben als die verrosteten der Gelehrten und modernde Bücher? Wo ist Euer Hohn. Ihr Frauen? Wo Euer Geisterlacheu, daß der Feind spür«, Ihr seid noch da, und es:st Zeit, mit dem Klinger zu klirren. Bleibet wach! DieS Land, dessen Sprache unser Ruf fpttcht— noch eine kleine Zeit— und ein wenig dürft« der Zeiger rücken, der die Geschicke seines Volkes anzeigt. Ein wenig dürfte das Antlitz der Dinge gewendet werden. Ilm dies wenig, um den Koloß, der die sozietäre ASenschheit auch nur eine» Reiches darstellt, ein kleines zu verändern, brauchte eS allezeit Blut und Mut und Herzen, die auf Schwertern tanzen. Die Wachen stehen vor den Wällen. Es gilt die Schlafenden zu rütteln, auch die Verzagten, die schweren Vögel mit den müden Flügeln. ES ist Zeit, mit den Flügeln zu schlagen und daS Herz de» ein- zelnen ein Gewissen zu nennen. Frauen, die Ihr noch ausge» 'chlossen seid von: Zahltag der Geschichte. Denen man verwehrt, ich zu zählen und die Zahl ihrer Willen zu zählen, bleibt dennoch nicht auf den Ruhesitzen der Seele, noch in der Dumpfheit der Lasten befangen. Zählt die andernl Zählt die Feindet Seid Helfershelfer der Freiheit und werdet nicht müde, die Hälfte ihres Banners für Euch zu fordern. Es ist Zeit, mit dem KNnaer zu llirrcn. Auf der Bühne des politischen Theaters dürfen noch immer nur Männer spielen. Nehmt diesen Witz dennoch nicht unsterblich. Seid� dem Schauspiel der Geschichte Eure» Landes allezeit nahe. wachsam hinter den Kulissen der Dinge und macht eS denen im Parterre wie auf der Valette vernehmlich, daß Ihr weder der- zichtet habt, noch nach Hause zurückgelehrt— wenn eS Zeit... Wo ist Euer Hohn, Ihr Frauen, wo Eure Empörung, wo der Trotz Eurer mütterlichen Ahnen, denen einst der Henker die Brust zertrat? Wo ist das Erbe Eurer großen geschichtlichen Geduld und Schicksale?= ES wttdep noch abvunal Zeityi vergeh««,«he es scheint demnach, daß hier wie in Deutschland im Kampf daS Gleichgewicht zugunsten des Kapitalismus und der Regierungen gestört sei. Darum könnt Ihr Euch vorstellen mit welch Heister Erwartung und Hoffnung wir Eurem Wahl sieg entgegensehen. Er wird den Kurs der Dinge verändern Wie Ihr in diesem Augenblick für die ganze Internationale kämpft, werdet Ihr für sie und für uns ebenso gesiegt haben wie für Euch selbst. Und dieser Steg inmitten der herrschenden politischen Anarchie und der wettstreitenden wirtschaftlichen und kolonialen Raubbegierden wird ein Werk öffentlicher Wohlfahrt sein In der Tat gibt es für die Drohung und Gefahr des Krieges höchstens eine Waffenruhe. Und niemals war das Wort unseres Freundes Kautskh in der„Neuen Zeit" vom 6. Oktober mehr wahr als heutzutage: Der Kampf gegen den Krieg wird nun unsere wichtigste Aufgabe. Es ist dieser Kampf, den Ihr in diesem Augenblick mit Eurem ganzen Feuer führt, in dieser Wahlschlacht, wo die ganze Sache des Sozialismus und des Proletariats im Spiel ist und wo Euch die Proletarier und Sozialisten aller Länder mit all ihren Wünschen und Hoffnungen be� gleiten. Für sie, für uns, für die Internationale mögt Ihr siegen wie wir es ersehnen. Euer Sieg wird über den Sieg des proletarischen und sozialistischen Deutschlands hinaus ein Sieg des internationalen sozialistischen Proletariats. ein Sieg des Weltfriedens und der Befreiung der Arbeiter klaffe sein. Empfanget, Ihr lieben Genoffen und Freunde von der deutschen Sozialdemokratie und vom„Vorwärts" meine brüderlichen und freundschaftlichen Grüste und die Versicherung meiner vollen Sympathie und sozialistischen Solidarität. Edouard Baillant- P a r i S. ••• Die Wahlen zum Deutschen Reichstage haben für uns italienisch e Sozialisten immer eine besondere Bedeutung, weil wir zu den jüngsten Gliedern der sozialistischen Internationale gehören und auf die Sozialdemokratie Deutschlands als au jene Bewegung blicken, die den ersten Anstoß gab zu dem großen Kampfe, den die Arbeiter aller Länder für soziale Gerechtigkeit und Gleichheit kämpfen. Es sind in der Tat kaum 50 Jahre, daß Italien seinen Platz in der Reihe der großen politischen Aggregate Europas eingenommen hat und das Ausbeutertum einer herrschenden Klasse im kapitalistischen Sinne zur Geltung kommt; kaum dreißig Jahre sind es, daß sich unter dem Schutze des mon archisch.katholischen Regimes, dem die Geschicke des Landes anvertraut sind, die Kapitalisten Einfluß genug gesichert haben um ihre Hand auf die Regierung zu legen, zunächst in Ge uieinsäiast mit den alten feudalen Cliquen, und dann unter ihrer Verdrängung aus der führenden Stellung im nationalen Leben. Daher hat die Partei erst seit etwa zwei Jahrzehnten sich entwickeln und erstarken können und eine Kraft im poli tischen und sozialen Leben Italiens werden. Solange während dieser Periode der sozialistischen Ent Wickelung die italienische Partei eine Politik des Kampfes gegen die herrschende Klasse und gegen ihre Institutionen führte. sah sie in normaler Weise ihre Kräfte wachsen, ihre Kampf tüchtigkeit sich mehren und vermochte es. den Interessen und Empsindungen des Proletariats eine täglich weitergehende Gel tung zu verschaffen. Seit sich aber seit ungefähr einem Jahr zehnt die sozialistische Parlamentsfraktion in den Bannkreis der verschiedenen liberalen Ministerien ziehen ließ, und aus Rücksicht auf ihre politische Stellung dem freien und kühnen Laufe des proletarischen Klassenkampfes Zügel anzulegen be Euch daS wird, noch abermal wird man Eure freien misthandelten Geister vergessen— dennoch, Ihr Frauen— schaut über die Geschichte, wie e» Eure Mütter in der BefreiungSgcschichte der Menschheit taten-> da cS Zeit, mit dem Klinger zu klirren.— ll. Männer! Die Ihr Zahl seid und Macht, in einer Berechenbarkeit wenigstens, dast ein jeder seinen Willen für das Geschick seines Blutes und seiner Zukunft in die Wagschole werfen kann,— fragt Euch ein jeder, ob Ihr diese Macht liebtet, oder ob Ihr ihr schuldig bliebet. Habet teil ein jeder am politischen Geschick seines Landes, seiner Klaffe, habe er teil nach seinem Herzen, das ihm diktiert. Aber habt teil. Zahl wäret Ihr allezeit— daß man Euch aber zählte, als arm und reich, hoch und gering, das ist Eures Erstaunens. Nachdenkens und Eures Stolzes wert. Wieviel mehr noch, dast man Euch als politische Willen zählte. Das Müssen Eures Daseins war längst berechenbar— Ihr setztet dem entgegen daS Wollen dieses Daseins und hiestet es zählen. Denn nicht von Gottes Gnaden ward Euch die Macht der Zahl; in langen mühseligen Kämpfen, deren Zorn und Gewalt tief in der Geschichte noch keuch- tet. wenn auch der nüchterne Mtag ihren Einsatz nicht mehr er innert— wurde sie Euch— vom Zorn. Entscheidet die Partei des heutigen Tages in Euch selbst den Weg, den Euch die Gebärde dieser Zeit zu weisen scheint. Im Namen der Freiheit, das ist im Namen alles lebendigen, weiter weisenden, weiter wollenden Lebens: es ist Zeit, mit dem Klinger zu flirren! Nicht feindliche Prinzipien hat die Sache der Freiheit und daS tätige Leben zu fürchten— und wären es feindliche Brüder—, nur den Schlaf, nur die Dumpfheit, nur die Gleichgültigkeit, nur die Ehrfurchtslosigkeit des einzelnen Gewiffens gegen seine Pflicht, gegen daS Geschick des Nächsten, gegen alle— hat sie zu fürchten. Darum ist esaupt- und Staatsaktionen heraus, von denen das Kabinett nolitti sei« Daseinsberechtigung abzuleiten vorgibt, und die die GnmVqze für alle Unterhandlungen niit der sozia- listischen F? vion abgegeben haben, indem man das Monopol als eine iottalistifchk Reform und die Wahlrechtserweitcrung als allgemeines Wahlrecht auszugeben für gut fand. Was Wunder, wenn die erwähnten Beschlüffe kraftlos und saftlos iud und deutlich erkennen lasten, daß Parteivorstand und Fraktion nur gegen ihren Willen in diesen Kampf hineiw gezogen wurden und ihn mehr aus Verzweiflung als aus .leberzeugung führen l Von wo haben wir angesichts dieser Situation und ihrer Vorstadien einen Ausweg, den Anstoß zu einer Lösung unserer mit uns führen, nennt sie in diesem Willen und gestaltet im Wettbau mit uns— ihre Welt. Wir sind nicht Himmel und Wolken, Philosophie und Lvrik. Wir sind Erde und Politik und Rechenmeistor. Unsere Ideale haben Beine gekriegt und wollen laufen lernen und laufen üben. Si« schweben nicht mehr in der Luft umher, ein„Ding an sich"; wir wollen sie auf die Erde ziehen und auf Füße stellen, ein„Ding zum Zweck". Darum reden wir Euch von Politik. Haben unsere Künstler Ideen gestaltet und Werke gehämmert. haben sie Schüiiheiten des Lebens aufgerichtet, bor denen Augen und Herzen gleichgültig sind? Ob sie ein dunkler Evdteil sähe oder die beleuchteten Gassen unserer Städte? Oder hatten die Künstler der Welt nicht den Ehrgeiz, den Menschen Liebe, Eni zücken. Kraft, ja ewige Lebensfreude und ewige Quellen zu ent decken? Darum sagen wir: die Zahlen, die zur Wahlurne schreiten, md eine herrliche und erstaunliche und vor allem notwendige Er cheinung. Denn sie erfüllen die Arbeit der großen Gestalter aller Zeiten Darum sagen wir: cS ist Zeit, mit dem Klinger zu klimn und nicht zu schlafen. Wir reden mit dem Herzen eines Tagelöhners; wir reden mit der unbestechlichen Liebe einer Frau; wir reden mit der Sprache des Künstlers, der Eure Zahl und alles Gestaltende in ihr begriff; der den Ehrgeiz hat. zur Zahl in Eurer Zahl. Der nicht fragt, ob das literarisch, oder merkwürdig, oder herkömmlich ist; der emp� and, dast es Zeit dazu. Und all sein Wort zu dieser Gestaltung, die sein Herz erschüttert, wie kein Werk seiner eigenen Seele es je erschüttern konnte, gilt der„trockenen" Politik. Gewinnet-ihr Farben ab wie er— oder zum wenigsten lebensvolle Nützlichkeiten; aber bedenkt: es ist Zeit, mit dem Klinger zu klirren. Darum ivendet sich dieses Wort an den Geist der Frauen— als an den Geist aller Geduld— darum an den Geist der Ar- beiter, als an den Geist aller Erhaltung; darum an den Geist der Künstler, als an den Geist aller Gestaltung und an-den Geist all dieser, als an den Geist der Kraft. Dem Geist der Kraft aber ist nicht nötig, Wege vorzuzeichnen: er weist sie unabänderlich, und ob er sie mit Groll betreten müßt«. Es gibt kein großes Herz in aller Geschichte, das dem feigen Macht« trieb einer Zeit wissentlich-diente und zugehörte. Nicht der Geist einer fremden Meinung— nur der schlafende ist unser Feind; nur der Unwissentliche, der im blinden Schreck die Brüder erschlägt. Es ist Zeit zum Singen und Wachen;«S ist Zeit, mit dem Klinger zu klirren. Wacht, denn Eure Zahl wird gezählt und nach dem Gewicht dieser Zahl verändert sich das Antlitz unserer Ge- 'chichte. Schart Euch, wohin Ihr müßt. Nur habt die Lust zum Klinger. Dast die Geister sich reinlich geschieden sehen. „Von Gottes Gnaden"—„Von Gottes Zorn"—•) so werden ihre Signale heißen; denn in dieser wunderlich-ironischen Devise werden sich die zwei feindlichen Prinzipien des Weltwillens, der auch unser Land umschließt, erkennen lassen. Das eine hat seinen •).Die wir von Gottes Zorne sind.. Freiligrath. Schwierigkeiten zu erwarte»? Hier liegt eben der Grund, der uns in einem so kritischen und schwierigen Moment unseres Parteilebens mit so tiefem und lebhaftem �nteresse auf die deutschen Reichstagswahlen sehen laßt, uns ltalie- nische Proletarier, die wir unsere Klaffe lehren wollen, die Waffen zu ihrer Befreiung zu schmieden und zn gebrauche»! Unsere Partei, die alle Mängel und Unsicherhelten oine» noch in seiner Bildung befindlichen Organismus an sich tragt, bedarf des Vorbildes einer gefestigten und prmzlplentreuen Organisation, die sich in langer Erfahrung und langem Kampfe erprobt hat. wie die Organisation der deutschen Partei. Sie bedarf ihrer, um den Versuchungen und Illusionen zu widerstehen, mit denen das bürgerliche Regime die von ihm gefurchtete Macht der Arbeiterklasse abzulenken und zu schwachen sucht. Es muß daher unser innigster Wunsch sein, daß das Ergebnis der bevorstehenden Wahlen zum Deutschen Reichstage den Sozialisten der ganzen Welt ein Beispiel liefern möge, daß nur unbeugsame Folgerichtigkeit und unen�egt treues Festhalten an den gemeinen Grundsätzen der sozialisnschcn Lehre das Proletariat auf ffene Höhe unbesiegbarer Macht führen kann, die heute in Deutschland den imperialistischen Leidenschaften der Bourgeoisie den Zügel anzulegen vermag und morgen imstande sein wird, das Regime des Kapitalismus und des Privateigentums über den Haufen zu werfen. Mailand, den 21. Dezember 1911. Costantiuo Lazzari. ••• Wir wissen im voraus, daß die Wahl vom 12. Januar für die deutsche Sozialdemokratie ein Sieg sein wird. ES bleibt nur die Frage, welches Ausmaß und welche Wirkungen dieser Sieg haben wird. Selbst wenn unsere deutschen Genossen nur die Zahl ihrer Wählerstimmen und ihrer Abgeordneten vermehren würden, ohne die blauschwarze Mehrheit zu vernichten, wäre es für die Internationale des Proletariats eine große Genugtuung und ein anspornendes Beispiel, die größte sozialistische Partei der Welt— unser aller Muster— mit stärkerer Kraft als je ihren einen Augenblick unterbrochenen Aufstieg wieder auf- nehmen zu sehen. Aber wir erhoffen mehr und besseres. Für die Aufrcchterhaltung des Friedens, die Hauptsorge der gegenwärtigen Stunde, wäre nichts von so großer Bedeutung wie ein Sieg der Sozialdemokratie, der genug, voll- ständig genug entscheidend wäre, um den blauschwarzcn Block in den Abgrund zu schleudern, den Bund der nationalisttschen Reaktion zu zersprengen, alle weiteren Mantfestattonen des Rüstungswahnsinns in Schach zu halten und zu bewirken, daß die Majorität im Reichstag künftig denjenigen gehöre, die wollen, daß nicht die Volksvertretung ein leerer Schein bleibe. Sicherlich, an dem Tage, wo in Deutschland und be« sonders in Preußen ebenso wie in England und Frankreich die tatsächliche Macht nicht mehr einer militärischen Aristokratie gehören wird, die in ihren Reden ebenso zügellos wie brutal in ihren Handlungen ist, sondern dem Volke selbst als dem einzigen wirklichen Souverän— an diesem Tage wird die soziale Revolutton noch nicht vollzogene Tatsache sein; wir werden darum noch nicht vom Kolonialismus, vom Jmpe- rialismus, von den Jntercssenkonflikten, die der Kapitalismus gebiert, befreit sein, aber wenigstens wird der Alpdruck eines allgemeinen Krieges zwischen den europäischen Mächten unsere Nächte nicht mehr stören und vielleicht werden die Beschlüsse zugunsten der Beschränkung der Rüstungen aufhören, ein schlechter Scherz zu sein. Dies ist der Grund, warum die Sozialisten der ganzen Welt in diesem Augenblick ihre Augen auf Deutschland ge- Zustand, sein Dasein zu erweisen nötig: denn es ist nicht mehr selbstverständlich— eS braucht die Notwehr. Die ander« hat erst einen zu erkämpfen. DaS Kämpfende beweist die Berechtigung seines Kampfes mit dem Denken aus Vernunft, Hunger, Hygiene und Gerechtsamkcit. DaS andere sieht sich in Schwierigkeiten veo- setzt, wenn es die Ungerechtigkeit aller ordentlichen und außer- ordentlichen Zustände als recht und vernünftig erweisen soll. So saugen seine Bekenner ihre Beweise aus den Fingern, aus der Religion, aus der Philosophie im besten Fall; einer Philosophie allerdings, die das Selbstgespräch eines Greifes geworden-, nicht ge- eignet für einen ftöhlichen Zweikampf der Geister. Rückt sie von ihrem warmen Ofen und hämmert ihr das HauSkäppchen wieder zum Helm, und sie wird eine Gesellin werden, die in jeder Lage wieder treu und kalt und unbestechlich zu denken weist; am gefähr» lichsten für ihre einstigen Hüter. Doch wer von ihrem Dasein als Stubengewachs nichts versteht und von mystischen Schauern und Gnaden noch weniger; wer in der schlechtgelobnten Hätz sel-bsteigner Arbeit lebt, der lernt allmählich das Räderwerk des Gesetzes von Kapital und Arbeit und Profit begreifen, und auch die allerärmstcn, die auch das nicht so schnell durchschauen, lernen mit der Zeit fühlen, dast es eine schändliche Sache wäre, uns ein Gottes- gnadentum, daS Einigen Kronen- aufs Haupt setzte und auf mystische Weise Güter und Land und Licht verteilte und vielen vergäße, Platz zu geben und eine warme Pudelmütze für den Winter. Und so gehen auch diese hin, ja, diese zu allererst und studieren da« Abc der Oekonomie und Geschichte und Verwaltungstechmk und Freiheit trotzalledem. und Vernunft im allgemeinen.— Und die Wandlung deS Begriffes Zahl! Satzaufhebende» Geschehen! Die verachtete Masse, die Zahl wird zum Hebel der Zukunft. Die Zahlen reden: sie rufen in vielerlei Sprachen und Gesten, aber im Chor dieser Sprachen tönt die Einzigkeit eines neuen Weltrhythmus. Mit ihnen unterbauen wir die neue Zeit mit Zahlen, nicht mit wesenlosen Idealen. Beweisen wir, dast Sonnenötigist. beweisenwireSmitdendürre st en ZahlenderStatistik; aber beweisen wir eS. M i t i hnen, denen das Konto des Todes überschrieben wurde für die große Forderung deS LebenS!— Mit den Zahlen, die allzeit bereit find, zu wagen und zu gewinnen. Und so begreift Euch als Zahlen, Ihr Männer, Frauen und Künstler, alle, die Ihr nur um den Lohn einer Mühe, eincS wissenden Menschen arbeitet, denkt und gestaltet. Kommt zu Zahlen! Die die Feinde der Freiheit nur mit Zittern lesen können— daß im feindlichen Streite auf beiden Seiten keiner fehle, daß es Klang und Brausen im nebellosen Feld bedeute und dann zum Kampf der Zahlen, die jeder ein Wille,»n den Gewissenskampf, um die Burgen der Knechtschaft zu plündern. Wenn unsere Ahnväter in Schlachten zogen, standen ihre Sänger auf den Hügeln, die Barden, die die Lieder des Denkens und Mutes sangm. »Es ist Zeit, sit drm Klinger zu flirren" richtet haben. Die Schlacht, die dort geschlagen wirb— eines Die WirNichkeit hat fich dann bekanntlich ganz ander» ange- Schlacht gegen den Krieg, eine Schlacht gegen de» Milita rismus— ist die ihre Der Sieg, den unsere deutschen Genossen erringen werden wird der des ganzen Proletariats sein. Emil Bandervelde»Brüssel. Dz; fahr 1911 in ftalltD. Rom, Ende Dezember 1911. Das Jubiläumsjahr ist für Italien zum Kriegs j a h r e� geworden. Durch eine bittere Ironie der Geschichte hat die italienische Regierung gerade die Halbjahrhundertfeier der poli- tischen Einigung des Landes.zu einem Angriff auf den sich zer- sehenden Si�utskörper des«ntomanischen Reiches benutzt. Heute fehlt noch die rechte Perspektive, um die geschichtliche Bedeutung der jüngsten Gleichgewichtstörung im Mittelmeer in ihren Voraus setzuiigen und Folgen abzuschätzen:' tvas die internationale Diplo matte erzwungen, was die italienische Regierung in Selbstverblen dung und Leichtsinn auf eigene Faust gewagt, das ist zurzeit noch nicht zu entscheiden. Und zu entscheiden ist noch nicht an dieser bitterernsten Jahreswende, wo der einmal entfesselte Krieg Halt machen werde, welche Begierden anderer Mächte er entflammen, wie tief er das europäische Gleichgewicht stören kann. Umschattet von der Wolke großer Unsicherheit zieht das neue Jahr für Italien und für Europa herauf. Was hat das alte dem Lande, was dem italienischen Proletariat gebracht? Wohl überschattet der Krieg mit seinem Ungewiß und seinem Schrecken heute alles, aber es lohnt doch, den Blick zurückzu- wenden und sich zu fragen, unter welch äußeren Ereignissen Italien auf den heutigen Weg gedrängt wurde, dessen Ausgang man nicht absehen kann. Gebracht hat das Jahr der Arbeiterschaft einen ungeheuren Haufen von Versprechungen, die Versprechungen blieben und schwere Drohungen, die Wirklichkeit geworden sind: wie aber haben die herrschenden Klassen, wie hat die Regierung alles ge wendet und vorbereitet, um dem Proletariat die große Last auf. erlegen zu können, unter dessen Druck gebeugt es die Schwelle deS Neuen Jahres überschreitet? Das Jahr 1911 war friedlich heraufgezogen, schien weder viel zu versprechen, noch viel zu drohen. Ein Jubiläumsjahr sollte es werden, und aus dem Vatikan war von Anfang an die Ver- wünschung dessen gekommen, der noch immer anachronistisch An- spruch auf die weltliche Herrschaft in Rom erhebt. Wer hatte wohl geahnt, daß dasselbe Jahr, das so recht geschaffen schien, die Gegen- sätze zwischen dem modernen Gedanken und dem klerikalen Dunkel» männertum in scharfes Licht zu setzen, zu Ende gehen würde mit einer allgemeinen Verbrüderung von Pfaffentum und Rationalismus, mit einem gemeinsamen Jubel für das tripolitanische Abenteuer? Der Papst und die Seinen haben gewiß redlich alles Unheil auf Italien herabzubeten versucht: Teuerung, Seuche und Krieg sind auch gekommen, aber als der Krieg da war. da erschien er auf einmal dem Vatikan als ein Herr- liches Unternehmen, das seine Kardinäle und Bischöfe segneten, um so heißer und inniger, als ja unter der den Klerikalen verhaßten Trikolore auch klerikales Geld auf Eroberungen auszog. Und doch war zu Anfang des Jahres jedes gut nationale Ge müt in Italien antiklerikalen Geistes voll gewesen: Italien wollte gemeinsam mit seiner staatlichen Einigung seine Befreiung von dem mittelalterlichen Joch der Dogmen feiern. Luzzatti war Minister, und alles schwamm in Milch und Honig. Es schien, als ob man sich mit Phrasen mästen könnte, es war alles Wohlstand, Frieden und den Menschen ein Wohlgefallen! Da brachte Giolitti im März das so dekorative und salbungsvolle Kabinett Luzzatti zu Fall, und man wird nicht irregehen, wenn man in der damaligen absurden parlamentarischen Situation schon die ersten Vorboten der Kräfte in Wirksamkeit vermutet, die den Anschlag auf Tripolitanien an- gezettelt und durchgeführt haben. Die Ministerkrise war tatsächlich vom Zaun gebrochen worden und die Situation so verfahren, daß sowohl eine Orientierung nach rechts als eine solch« nach links denkbar war. Wie kam es nun, daß in dieser Lage und mit einer gleichzeitig reaktionären und unzuverlässigen Kammer die ent fcheidendste Wendung nach links gewagt wurde, von der die italw uische Parlamentsgeschichte weiß, nämlich die Aufforderung an die Sozialisten, mit drei der ihren in daS Ka b i n e t t z u treten? Aber Bissolati lehnte ab, angeblich aus kleinlichen und äußerlichen Gründen, tatsächlich aber wohl, weil er fühlte, daß sich die Massen, die er vertreten wollte, völlig von ihm abwandten. Trotzdem gewann Giolitti die Unterstützung der sozialistischen Par- lamentsfraktion, indem er eine Wahlreform verhieß und bann auch wirklich vorlegte, durch die die Zahl der Wahlberechtigten von rund SV* Millionen auf 7 Millionen erhöht werden sollte. Und das Persprechen dieser Reform ist so ziemlich das einzige, was das vergangene Jahr dem Proletariat gebracht hat. Es blieb Ver- sprechen und hat als solches Wunder gewirkt, indem es unsere Par- lamentsfraktion an den Karren des Ministeriums fesselte. Mit dieser Wahlreform hat Giolitti einen außerordentlich glücklichen Griff getan. Er war ja viele Jahre an der Regierung und hätte sie also längst verwirklichen können, wenn sie ihm wirklich am Herzen gelegen hätte. Daß er sie aber als eine Fahne kühnsten Fortschrittes gerade an dem Vorabend der tripolitanischen Expe- dition aufgehißt hat, das war eine Meistertat parlamentarischer Schlauheit. Vor vielen anderen Reformen hat sie das voraus, daß sich ihr Larvenstadium als Versprechen fast ins Unbegrenzte aus- dehnen kann. Mag der Krieg jetzt bringen, was er will: finanziellen Ruin, Militärforderungen, die alles verschlingen, die Wahlreform bleibt weiter als Versprechen lebensfähig, denn sie kostet ja nichts. Und wenn dann endlich die Stunde gekommen sein wird, in der der Schmetterling aus der Larve ausschlüpfen soll, und man dann etwa gewahren sollte, daß das Tierchen bei dem Eishauch der Re» aktion erfroren ist, dann braucht man ja auch das Versprechen nicht mehr, dann hat ja die Reaktion die Oberhand, und man bedarf der Massen nicht weiter, die so lange Zeit durch ein Versprechen kirre gemacht und genarrt worden sind. Noch ehe es die Wahlrechtserweiterung vor die Kammer brachte, erlebte das Kabinett mit seinem Gesetzentwurf über das Versiehe- rungsmonopol eine Niederlage, die Giolitti mit Dreistigkeit und Geschick zu einem Siege des Ministeriums zu stempeln wußte. Als danach die Kammer in den Ferien war, schien der Moment gekommen,.den Vorhang von den diplomatischen Verhandlungen und den militärischen Vorbereitungen fallen und den t r i p o l i t a- nischen Anschlag in seiner verblüffenden Wirklichkeit hervor- treten zu lassen. Ein Geschwader wurde nach Tripolis gesandt, ein Expeditionskorps mobilisiert, ein neuer Jahrgang unter die Waffen gerufen und der Türkei das berühmte Ultimatum gestellt. Das alles ging so schnell, kam so unerwartet, daß etwas wie Lähmung die öffentliche Meinung befiel und man sich zu glauben weigerte, was schon mit Händen zu greifen war. Die Presse heizte die nationale Begeisterung bis auf Hochdruck und schrie ihren Lesern so viel von der Ehre und Größe des Vater- landes und den Pflichten der Kultur, von der Erbschaft des römischen Weltreiches und von großen wirtschaftlichen Vorteilen in die Ohren, daß viele den hohen Worten glaubten und um so lieber glaubten. als der Krieg ja kaum mehr sein sollte als eine unblutige Macht- demonftration. als ein Waffenspaziergang ohne allzu ernste Folgen. So ging es nach Tripolis unter dem Jubel derer, die die öffent- liche Meinung machen. Wohl protestierte das italienisch« Proletariat durch den Ge- neralstreik vom SS. und S7. September, aber diese Protestkundgebung konnte keinen anderen Wert haben als den, scharf die Verantwort- lichkeit der arbeitenden Klassen von der der Bourgeoisie zu scheiden, die in einem Rausch von Siegesgewißheit der Expedition zujubelte und von ihr um geringen Preis politische und wirtschaftliche Vor- teile erwartet. lassen, als sich das die Herren am grünen Tisch und in den Redasi tionsstuben ausgeheckt hatten. Der Krieg hat schwere, sehr schwere Opfer gekostet und kostet ihrer noch heute. Der Krieg ist ernst geworden, ein echter und rechter Kolonialkrieg mit all den notwendig ihm innewohnenden Greueln, die man so wenig ver- hüten kann, als man dem Steine das Fallen verwehrt, nachdem er des Stützpunktes beraubt wurde. Im Zeichen dieses Bildes geht daS Jahr zu End«. Wa» eS sonst gebracht hat, ist zusammengeschrumpft und nichtig geworden vor dem heutigen Geschehen. Was sind die Jubiläumsaus- stellungen von Rom und Turin, von denen die erste durch die Choleraangst zu einem großen finanziellen Mißerfolg wurde, was ist die Einweihung des Viktor-Emanuel-Denkmals. was das Gesetz, das im Februar den Eisenbahnern 24 Millionen jähr- liche Gehaltsaufbesserung bewilligte? Wohl haben die Arbiter auch im vergangenen Jahre dem Kapitalismus Kämpfe geliefert man denke an den Riesenstreik der Eisenwerke von Elba und P i o m b i n o, der 130 Tage dauerte, an den siegreichen Streik der Mailänder Gasarbeiter, an den Ausstand der Landarbeiter- schaft der gesamten Provinz F e r r a r a, an den noch jetzt währen- den Streik der Gasarbeiter—, wer mag aber heute dieser Kämpfe gedenken, wo Zehntausende von Proletariern in einem anderen, größeren Kampfe stehen, der für sie einzig und allein die Folge haben kann, den Kapitalismus zu stärken und die Reaktion ans Ruder zu bringen? Wer mag der Aufstände des Elends und der Unwissenheit gedenken, die in Verbicaro, in Gioja del Calle und in Massafra zu blutigen Exzessen und zur Ver- brennung des Choleralazaretts führten? Mit dem Kriege ist die Reaktion heraufgezogen und hat so dreist und kühn den Kopf erhoben, wie sie dies in Italien feit den blutigen Maitagen von Mailand nie mehr getan. Seit Wochen verhaftet man in Italien wie noch nie zuvor. Zu Dutzenden sind die an dem Streik von Elba beteiligten Gewerkschaftsführer nach der Niederlage von Elba wegen Aufreizung zur Gewalttat ins Gefängnis gesteckt wurden. Berufsrichter und Geschworene häufen ein Schandurteil auf das andere. Der Beamtenschaft will man das Recht der eigenen politischen Ueberzeugung streitig machen und schreit förmlich nach Leuten mit feiler Gesinnung. DaS ist die Reaktion, wenn es je eine gab. Und man wird mit ihrer Fortdauer rechnen müssen, wenn auch längst der Krieg zu Ende ist, denn der Militarismus muß künftig- hin in weit höherem Maße auf die Ressourcen deS Landes Beschlag legen. Von zwölf wird man auf dreizehn und vielleicht auf vier- zehn Armeekorps steigen, wird für Tripolis neue Festungen, für die 1500 Kilometer neuer Küste neue Panzerschiffe bauen müssen. Glaubt man im Ernst, daß die Kammer, die all diese Lasten be- willigt, eine Mehrheit von Wahlrechtsverfechtern einschließen wird? Glaubt man im Ernst, daß die Nationalisten, die heut« im Bunde mit den Klerikalen dem politischen Leben den Stempel aufdrücken, das Staatsruder, das sie sich zu ergreifen rüsten, im Sinne deS Fortschritts und demokratischer Reform lenken würden, selbst wenn nicht der Krieg mit den finanziellen Ressourcen den größten Teil der sozialen Reformaussichten vernichtet hätte? Die sozialistische Partei sieht fich heute in Italien jener einen reaktionären Masse gegenüber, an deren Existenz bisher die Reformisten nicht glauben wollten, und sie tritt ihr ent- gegen mit einer Einigkeit, die man lange Jahre nicht gekannt hatte. Nicht nur hat der Parteitag bei seiner Tagung in Modena den Uebergang der Fraktion zur Opposition beschlossen: die gesteigerte Kampftüchtigkeit, die auS den Worten spricht, ist zur lebendigen Tat- fache geworden. Und der Ernst des Augenblicks, der scharf und grell den unaustilgbaren JnteressenantagonismuS zwischen herrschender und beherrschter Klasse hervortreten läßt, hat unsere Partei wieder zu einer gemeinsam schaffenden und fühlenden Einheit zusammen- gefügt. Wieder ist der„Avanti" der Bannerträger des italie- nischen Sozialismus, was er während vieler Jahre nicht war. Wieder hat die Reaktion ihren Gegenpart, den revolutionären Geist, erstarken lassen und kcrmpffroh gemacht. Und so wird auch aus der blutigen Saat des heutigen Krieges manches aufgehen, was die Freunde des Krieges nicht gewollt und nicht erwartet haben. Jene Tausende von Proletariern, die heute für eine Sache kämpfen, die nicht ihre Sache ist und nicht Sache der Kultur, die werden und müssen aus Nordafrika mehr mitbringen als Wunden, Krankheiten und Kriegsgeschichten. Die Tat und die Wirklichkeit sind bessere Lehrer als alle Worte. In ihrem Licht haben die Soldaten gesehen, daß sie es sind, die die Last des Unternehmens tragen und seine lebendige und treibende Kraft dar- stellen. Wenn der Frieden zurückkehrt, wenn sich die Bergwerke, Fabriken und Baustatten füllen, um jeden Proletarier seinem harten Tageskampfe wiederzugeben, dann wird auch sein Auge ge- schärft sein, und er wird aus seiner Stellung vor dem Feinde auch '«ine Stellung in der Produktion als das begreifen lernen, was sie ist: als die Grundtatsache des gesellschaftlichen Daseins. Der Krieg dient Klassenzwecken und schärft eben deshalb das Klassenbewußtsein des Proletariats. Und seine Lehre wird unver- loren sein. Er hat Schätze gehoben, die viele im italienischen Prole- tariat nicht vermuteten. Heut hebt das Bürgertum diesen und seine Tüchtigkeit zu den Sternen, morgen wird es vergessen haben, daß im physischen, intellektuellen und moralischen Werte des Proletariats die Gewähr der sozialen Revolution liegt und mit der Gewähr ihre historische Berechtigung. Wenn also das Jahr 1911 für das italienische Proletariat finster zu Ende geht und das neue trübe heraufzieht, so leuchtet doch m der Ferne die Verheißung, daß aus dem heutigen Uebel unserer Sache Gutes kommen wird: geschärftes Klassenbewußffein und kampftüchtige Einigkeit. Da; Hahr IR1 In Großbritannien. London, 27. Dezember 1911. Das Jahr 1911 bildet für Großbritannien einen Zeitabschnitt voll aufregender Ereignisse. Zuerst der Kampf der liberalen Re- gierung gegen die Lords, dann die drohende Kriegsgefahr und chließlich die Arbeiterrevolte, deren Ende noch niemand vor- aussehen kann. Das bedeutsamste Ereignis war ohne Zweifel die plötzliche und unerwartete Kriegserklärung deS englischen Prole- tariats an seine Ausbeuter. Mitten im Triumph der Liberalen, alz Herr Asquith seinen Trumpf, den König, ausgespielt hatte, als der König erklärt hatte, daß er es als seine Pflicht ansehe, dem Rate einer Minister zu folgen, fiel der Schlag, der wie durch ein Zauber- wort die gan�e politische Situation umgestaltete und Furcht und Entsetzen in den Reihen der Bourgeoisie hervorrief. Ueber die Ursache der Bewegung war man sich nicht lang« im unklaren. ES waren Lohnforderungen, die die Arbeiter stellten, und diese Forderungen mußten selbst von den verstocktesten Gegnern der Arbeiterklasse als völlig berechtigt anerkannt werden. Seit 1ö Jahren war der Geldlohn stationär geblieben oder gesunken, und der Reallohn war ganz allgemein gesunken. Während die besitzen- den Klassen Reichtümer auf Reichtümer häuften, hatte die englische Arbeiterklasse nicht nur keinen Anteil an dem gewaltig vermehrten Produkt deS Nationalfleißes, sondern konnte auch nicht einmal die chon gewonnene wirtschaftliche Position behaupten. Wie ein Lauf- euer verbreitete sich die Bewegung von einer Stadt zur anderen. und erfaßte einen Zweig der Transportindustrie nach dem anderen. indem sie viele andere Arbeiterkategorien, namentlich die Frauen, mitriß. So unerwartet die Streiks ausbrachen, so unerwartet war der Erfolg der nur schwach organisierten Arbeiter. Die gute Konjunktur war den Arbeitern günstig. Die Reeder hatten große Gewinne gemacht und wollten noch mehr einheimsen. Sie waren daher nicht gelaunt, den Befehlen ihres Zentralverbandes zu ge. horchen, und bewilligten die Forderungen der Arbeiter. Das wirkte aufmunternd auf die Arbeiterschaft und trug auch nicht wenig zur tCu£ CXlVCttCts**«1««.j vi.*.** vvk.»tb-i|*. uiuw ituy uuu� uiu�i cwtmy gut, u/tcuc.«»* Rkrantw. Redakteur: Ulbert Wach», Berlin. Inseratenteil verastw.: Th. Glocke, Bekllin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. a Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Cerfrrritung syndikalistischer Ideen Bei. Alle» schien zu klappen: der Streik der Transportarbeiter hatte überall Erfolg; man brauchte nur die Probe auf da? ganze Land und alle Industrien auszudehnen, um im Handumdrehen ein Arbeiterparadies zu schaffen. Daß die Generalstreiksideen anfeuernd auf die ganze Bewegung wirkten, darüber kann kein Zweifel bestehen. Aber nicht minder wahr kst, daß sie große Verwirrung in den schon vor- her nicht allzu klaren Köpfen angerichtet haben. Die englischen Arbeiter, die zuvor in allgemeiner Indifferenz und Lauheit dahin- lebten, wandten sich nun dem anderen Extrem zu, ein Werdegang, den man auch anderswo schon häufig beobachtet hat. Kaum hatte sich die Bourgeoisie von ihrem ersten Schrecken er- holt und schon machten die Hafenarbeiter und Seeleute Miene, all- gemein befriedigt wieder zur Arbeit zurückzukehren, als der Kampf der Eisenbahner ausbrach. In diesem Streik konnte man nicht auf die Nachgiebigkeit der Unternehmer rechnen. Die englischen Eisenbahnen sind überkapitalisierte und wirtschaftlich unvorteilhaft angelegte Unternehmungen, auf deren Dividende eine gute Kon- junktur nur geringen Einfluß ausübt. Die Eisenbahndirektoren wehrten sich mit Händen und Füßen gegen die Anerkennung der Gewerkschaften, von der man höhere Löhne erhoffte. Der panische Schrecken, der die besitzenden Klassen Großbritannien? ergriff, äußerte sich drastisch in den Maßnahmen der Regierung. DaS Parlament, das sich am Tage des Ausbruchs des Streiks vertagen wollte, verschob die Vertagung; die Regierung stellte den Eisen- bahngesellschaften die ganze bewaffnet« Macht des Landes zur Ver- fügung; an allen Orten wurden Spezialkonstabler angeworben und mit Gummiknüppeln bewaffnet. Mehrere Personen wurden er- schössen. Man hätte glauben können, man stände vor einer gewalt- samen Revolution. Nur zwei Tage dauerte der Streik, dann nahmen die Eisenbahner die Arbeit wieder auf, nachdem die Re- gierung eine Untersuchungskommiffion versprochen hatte. Der Be. richt der Kommission hat die Arbeiter nicht befriedigt. Zwar haben sich die Beamten der Eisenbahnerorganisationen mit den Eisenbahndirektoren über die Auslegung der Kommissionsvorschläge geeinigt, aber eS ist noch viel zu früh, von einer Beendigung des Kampfes zu reden. Gegen Anfang Dezember schien die Gefahr eines zweiten un- mittelbar bevorstehenden Generalstreiks der Eisenbahner beseitigt zu sein, und die englische Bourgeoisie atmete erleichtert auf. Aber diese Periode der Erleichterung war nur von kurzer Dauer. Die Streiks der Transportarbeiter waren nur der Auftakt zu der noch kommenden Melodie. Von Tag zu Tag wurde es klarer, daß ein Riesenkampf zwischen den vereinigten Kohlenbesitzern Groß- britanniens und der mächtigsten Bergarbeiterföderation bevorsteht. ZHerst wollte man nicht recht daran glauben, daß es den Bergarbeitern mit ihrer Forderung eines garantierten auskömmlichen Minimallohnes ernst fei. Der Minimollohn im Bergbau war bis- her nur eine akademische Frage, deren Lösung in weiter Ferne zu liegen schien, und nun kamen die Bergarbeiter und wollten die Theorie in die Praxis umsetzen. Um diese? plötzliche Auftauchen der Minimallohnfrage zu verstehen, muß man mindestens bis zum Beschluß der Bergarbeiterföderation zurückgreifen, die Frage der abnormen Arbeitsplätze auf nationaler Grundlage zu lösen. Seit längerer Zeit herrscht in vielen Revieren und namentlich in Süd- waleS«in erbitterter Streit mit den Unternehmern über die aus- kömmliche Entlohnung der Arbeiter, die an sogenannten abnormen Arbeitsplätzen arbeiten, wo sie mit dem besten Willen nicht die Kohlenmenge fördern können, die ihnen einen der Arbeit ange- messenen Lohn sichert. Eine nationale Konferenz im September zwischen den Vertretern der Arbeiter und Unternehmer führte zu keinem Ergebnis. Die Hauptschwierigkeit war, festzustellen, was unter einem abnormen Arbeitsplatz zu verstehen sei. Nach dem Fehlschlagen dieser Konferenz rückten die Bergarbeiter klipp und klar mit ihrer Auslegung der Frage heraus. Ein Arbeiter, der sich den ganzen Tag abrackert, soll, ob er ein« entsprechende Kohlen. menge liefern kann oder nicht, einen auskömmlichen Lohn, den Minimallohn, verdienen. Die vorwärtsstrebenden Elemente in der Bergarbeiterföderatwn gewannen in der Gärung, die unter den britischen Arbeitern herrschte, bald die Oberhand. In der Generalversammlung zu Southport machte man die Föderation auS einer rein defensiven Organisation zu einer aggressiven Organi. sation. DaS Deck wurde.gefechtsbereit" gemacht, wie man sich ausdrückte. Erklären sich jetzt die Bergarbeiter in der kommenden Urabstimmung für den Generalstreik, was allgemein erwartet wird, so wird Großbritannien einen wirtschaftlichen Kampf erleben, der das Land bis zu den Grundfesten erschüttern muß. Die Zeit ist noch nicht gekommen, um von den aufrüttelnden Ereignissen deS letzten Jahres allgemeine Schlüsse auf die bevor- stehende Entwicklung der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiter. bewegung Großbritanniens zu ziehen. Man hat es in Groß- britonnien keineswegs mit einer rein syndikalistischen Bewegung zu tun. Mit den syndikalistischen Ideen ist eine gute Portion echt englischen hartschädeligen PraktikertumS gemischt. In ihrem dunklen Drang nach der Organisation, die den großen Coup aus- führen soll, werden die Goneralstreikler der Zentralisation der Ge- werffchaften Vorschub leisten. Tatsächlich werden schon überall ganz unabhängig von dem Allgemeinen Gewerkschaftsverband eifrig Ver- suche gemacht, die zersplitterten gewerkschaftlichen Kräfte zu sammeln. Fördernd für diese Zentralisierung wirkt auch die in den letzten Monaten mächtig einsetzende Konzentration kapitalistischer Unternehmungen. Innerhalb einiger Wochen sind nicht weniger als drei Riesenunternehmungen durch Zusammenlegung kleinerer Be- triebe zustandegelommen: die größte Schiffahrtsgesellschaft der Welt, die einige der wichtigsten Handelswege, beherrschen wird; die Ver- einigung der Loirdoner Untergrundbahnen mit der Londoner Omni- buSgesellschast. die den Londonern die Fahrpreise diktieren wird; und eine Zusammenlegung von Zementfabriken. Auch die antipolitischen Tendenzen, die in der englischen Ar- beiterbewegung an Boden gewonnen haben, werden fich nicht lange halten können. Bei der ersten Berührung mit der Wirklichkeit brach die antipolitische Theorie in Liverpool zusammen. So erbittert waren die Arbeiter Liverpools im November über die Haltung der Stadtväter während des Streiks, daß sie schnurstracks allen Lehren Tom Manns entgegen ein« Reihe Arbeitervertreter mit fliegenden roten Fahnen ins städtische Parlament entsandten, um mir Leuten Abrechnung zu halten, die die Polizei und das Militär auf die Liverpooler Bürger gehetzt. Die Geringschätzung der politischen Aktion entspringt direkt dem noch andauernden Rausch der Streik- erfolge..Hier haben wir 6 Schilling die Woche mehr durch eine kurze Arbeitseinstellung errungen; was hat uns die politische Aktion dagegen geliefert?" sagt sich der Dockarbetter. Er wird bald erfahren, daß eS auch in der Welt de? Generalstreiks nicht alle Tags Sonntag ist. Immerhin ist die herrschende Massenstimmung für die Ausbreitung sozialistischer Ideen und die Kräftigung der sozialisti- schcn Organisationen viel vorteilhafter als die bis vor kurzem anzu» treffende Lauheit und Indifferenz. Augenblicklich sind die Augen aller englischen Genossen auf die deutsche Partei gerichtet, deren Kampf sie mit nicht geringerer Spannung und Begeisterung ver- folgen als die deutschen Genossen selbst. Ein großer Sieg der- deutschen Sozialdemokratie wird dem englischen Sozialismus einen Ansporn geben, dessen Folgen von unberechenbarer Bedeutung sein werden. Hierzu 6 Beilage». »m-»,«5» 1. ßfiltir drs Jwltts" ßttlinti BolteHitt. Zum Einzüge des Wahljahres. -l wichtigere Erklärung. Infolge der Witterungs- Verhältnisse sind� die Futter stofse(Hackfrüchte, Heu, Klee, Lupinen und andere) mißr.aten. Die Landwirte, die Vieh halten, können aber infolge des hohen Einfuhrzolles keine Futterstoffe(insbesondere Mais und Futtergerfte) vom Ausland einführen. Sie müssen des- halb stüher als sonst Gerste, Hafer und selbst Roggen an ihr Vieh verfuttern. Daher stehen die Preise für Hafer um 4S bis 48 Mark, für Gerste um 45 bis. o0 Mark und für Roggen um rund 80 Mark höher als im Vorjahr, das eine geringere Getreideernte hatte! So- bald die Einfuhrzölle auf Fuhtermittrl fielen, wurden auch die Preise für Fleisch und Brot sinken l Da; Glend der Gifenbaltnarbeitcr. Unter dem mehr oder minder offenen Beifall der biirger- lichen Parteien hat die preußisch-hesstsche Eiseftbahnverwaltung ihre Betriebe zu„Musterbetrieben eigener Art ausgestaltet. Sie leistet in schäbiger Entlohnung ihrer Arbeiter Hervor- ragendes. Von den in ihren Betrieben beschäftigten 226 440 Arbeitern(darunter 3469 weibliche) waren im Jahre 1909 (nach den amtlichen Berichten,„Reichsarbeitsblatt", IX. Jahrgang, Nr. 11) als: Betriebsarbeiter... 77 197, Durchschnittslohn 8,28 M. pro Tag Werkstättenhandwerker 89 318,, von 3,2S�,7vM.p.Tag*) BahnunterbaltungS« arbciter...... 78 927,» 2,78 M. pro Tag*) 0 800 Arbeitstage gerechnet.) Für den lebensnotwendigen Verbrauch an NahrungS- mittel:, muß für den erwachsenen Arbeiter pro Tag und Kopf 76 Pf. gerechnet werden. Das macht eine Ausgabe nur für ErnährungSzwecke für die mittlere 4köpfige Familie(-- 3 Erwachsenen) p r o T a g 8,28 M., im Jahre also 832,20 M. I Der preußische Staat zahlt weit über einem Drittel seiner Eisenbahnarbeiter nur einen(Sesam tjahre»lohn von 823,00 M. Es reicht also nicht einmal zur Beschaffung der bloßen Nahrungsmittel auS l Wovon soll der Eisenbahnarbeiter Miete zahlen?— Wovon soll er für sich und die Seinen Kleidung anschaffen?— Wovon soll er seine sonstigen Bedürfnisse befriedigen?— Doch nicht genug an dieser elenden Entlohnung. at die E i s e n b a h n V e r w a l t u n g die in ihren Betrieben errschenden langen Arbeitszeiten noch länger ausgedehnt. Besonders für die ohnehin sehr schlecht ge- stellten Bahnunterhaltungsarbeiter wurde die Arbeitszeit noch mehr verlängert. 47,7 Proz. der Betriebsarbeiter haben eine reine Arbeitszett von über 10—11 Stunden: 11.8 Proz. von über 11—12 Stunden. ' 88,6 Proz. der Bahnunterhaltungsarbeiter haben eine Arbeits- zeit zwischen 9 und 10 Stunden. Nur die Werkstättenarbeiter haben jetzt in der Mehrzahl eine neunstündige Arbeitszeit. Endlose Arbeitszeit— bei gefahrvollem Betrieb, wenige Ruhetage(von den Betriebsarbeitern haben S/j nur zwei Ruhetage im Monat) und ein miserabler Lohn, bei dem Frau und Kinder mit zuverdienen müssen, um nicht zu verhungern, erwartet die Mehrzahl der beschäftigten Arbeiter in diesen staatlichen„Muster- betrieb e n". Doch damit ist die preußische Eisenbahnverwaltung noch nicht zufrieden. Damit die Hungernden nicht etwa wider den Stachel lökcn, nimmt man ihnen auch noch das Koalitions- recht, unter dem Beifall des Zentrums; dem selbst die perfide Gesmnungsschnüffelei und brutale Maßregelung aller unbequemer Elemente seitens der doch gerade nicht zart- besaiteten Eisenbahnbehörden noch nicht weit genug geht. (Parteitag der bayerischen Zentrumspartei, München 1911.) Auf das fortwährende Drängen des Zentrums mußte die bayerische Staatsbahnverwaltung gegen den SüddeutschenEifenbahnerverbandvorgehen. Daß die Konservativen und die Antisemiten mit dem forschen Vorgehen der preußischen Eisenbahnverwaltung gegen die Organisationen der Eisenbahner ein- verstanden sind, nimmt nicht weiter wunder. Die Dinge, die sich vor einiger Zeit in und nach der bekannten„Neue Welt"- Versammlung abspielten, werden den Eisenbahn- arbeitern gezeigt haben, daß sie ihre Interessen am besten>v ahrnehmen, wenn sie am 12. Januar einem Kandidaten der Sozialdemokratie ihre Stimme geben._ Zentrum, Zolltarif und der neue Kelchstag. Der neue Reichstag wird sich mit der Umgestaltung des Wucherzolltarifes von 1902 zu befassen haben! Die Handelsver- träge mit Belgien, Bulgarren, Griechenland, Italien, Oesterreich- llngarv, Rumänien, Ruß- l a n d, der Schweiz und Serbien laufen während der Herr- schaftsdauer des jetzt zu wählenden Reichstages ab. Ter deutsche SpezialHandel mit den ebengenannten Ländern betrug 1902 3773,4 Millionen Mark, 1908 war der Gesamtwert dieses Handels bereits auf 4910,8 Millionen Mark gestiegen und betrug 1910— ohne Edelmetalle— 5688,6 Millionen Mark. DaS ist über die Hälfte unseres«uro- päischen Handels überhaupt und rund ein Drittel des gesamten deutschen Welthandels? Diese. Handelsverträge wurden 1904 auf Grund des Wucher- zolltarifeS geschlossen. Sie müssen 1917, resp. schon 1915 erneuert werden unter Durchprüfung des Wucherzolltarifes von 1902. Die Agrarier und ihre Blätter machen jetzt schon bekannt, daß sie mit einer gründlichen weiteren Erhöhung drS Schutzzolltarifes rechnen, ja, sie arbeiten planmäßig darauf hin! Die Regierung soll jetzt schon an den Vorarbeiten zu dieser neuen Grundlage für die kommenden Handelsverträge arbeiten. Die„Kölnische Volkszeitung", das führende ZcntrumSorgan, schrieb erst am 22. Dezember in einem langen Leitartikel auS- ührlich über die Notwendigkeit, sichere Hoch schutzzöllner zu wählen! Sogar die Rationalliberalen find dem schwarzen Zentrum nicht mehr zuverlässig genug!! Das zeigt recht deutlich: der schwarz-blaue Block der Hochschutzzöllner ist jetzt schon perfekt! Das Zentrum ist heute für den schärfsten Brotwucher, für die härtest« Erschwerung der deutschen Warenausfuhr, für jede Begünstigung der wclthandelspolitischen Gegensätze!. ES war nicht immer so. Am 13. Dezember 1873 äußerte der Zentrumsführer v. S ch o r le m e r- A l ft im preußischen Abgeordnetenhausc sich also: „Ich bin der erste gewesen, der bei einer Besprechung von Mitgliedern des Deutschen landwirtschaftlichen Vereins sich ent- schieden gegen Getreidezölle ausgesprochen hat.... Ich war der erste, der erklärte: Rein, ich wünsche keine Ge- treidezölle, weil ich der Bevölkerung das Brot nicht verteuern will." Als 1893 durch Handelsverträge der Getreidezoll von 50 M. auf 35 M. pro Tonne(1000 Kilogramm) herabgesetzt wurde, und die Agrarier darüber schrien, als sollten fte ermordet werden, er- klärte der ZentrumSftihrex Reichensperger, daß eine dauernde Auf- rechterhaltung des 50 Mart-ZvllcS unmöglich sei! Am 16. März 1894 sagte der Zentrumsabgeordnetr Dr. Lieder im Deutschen Reichstage: „Ich stehe als lebendiges Zeugnis hier, um nunmehr offen auszusprechen, daß ich bei der letzten Zollerhöhung von 1387 für die 50 Mark-Getreidezölle nur darum gestimmt habe, weil mir der damalige Vorsitzende der Fraktion versichert und durchaus glaubhaft gemacht hat, dies sei der Anfang des Einlenkens aus der autonomen in die Ver- tragspolitik." Im Jahre 1902 gab der Zentrumsführer Bachem offen zu, daß der Zolltarif für daS Zentrum Spreng» Pulver werden könne. Trotzdem machte das Zentrum den BolkSverrat von 1902 mit, allerdings mit Unterstützung des Eugen Richterschen Flügel» vom Freisinn. DaS Zentrum ist gewillt, kommende Zollerhöhungen mit den Konservativen zusammen durchzusetzen. Arbeiter, schützt Euch, wählt Sozialdemokraten! Zur Keichttagswahl. Noblesse obllge! Der Larürat Singelmann in G l o g a u hat die konservative Wahlvorbereitung schon durch manchen originellen Zug bereichert. Jetzt wird bekannt, daß er für den Wahlkreis Schönau den dort ansässigen konservativen Reichstags kandidaten, RegierungS» affessor V. Jordan zum Wahlvorsteher ernannt hat. Die Familie des Kandidaten scheint große Eignung für dieses Amt zu besitzen, denn im Dorfe Großobich ist der Vater deS Herrn v. Jordan, in Grammschütz sein Onkel zum Wahlvorsteher ernannt worden. Herr v. Jordan Vater hat als Wahllokal sein eigenes Amtsvor- steherzimmer bestimmt, trotzdem Gasthöfe vorhanden sind. Auch sonst sind in den Dörfern des Glogauer Kreises in großem Umfange private Räumlichkeiten der Wahlvorsteher als Wahllokale bestimmt worden. Die Wähler werden hoffentlich die Ehre zu würdigen wissen, daß sie im Schlosse de»„gnädige» Herrn" ihren Stimmzettel abgeben dürfen. Na. und sie werden doch auch nicht etwa die verwaitdtschafllicheii Gefühle der Wahlvorsteher verletzen wollen, indem sie für den fortschrittlichen Professor v. Liszt oder gar für den Sozialdemokraten stimmen! Es ist doch etwas Schönes um den konservativen Familiensinn, der es bekanntlich auch»ich duldet, daß die Funker Erbau fallsteuer zahlen, wenn sie von ihrem Bater Güter erben, die Millionen wert sinb und zu Leren Wertsteigerung das Volk noch durch Zölle und Liebesgaben beitragen muß. « Junkerbohkott. In einer Versammlung in G n o j a u im Wahlkreise Elbing- Marienburg hat den„Elb. N. N." zufolge der konservative Besitzer Hannemann erklärt: „Wir haben noch eine gewaltige Waffe in der HanL gegen diejenigen, die uns nicht folgen oder die Kandidatur des Herrn v. Oldenburg nicht unterstützen wollen, und das ist der Boykott!"Ich für meine Person werde diesen Boykott ver- hängen über diejenigen Kaufleute und Handwerker, die Herrn v. Oldenburg nicht wählen wollen." Die Konservativen entrüsten sich aufs höchste, wenn enttechtete und gequälte Arbeiter, um die gegen sie geführten Schläge ab- zuwehren, zum Boykott greifen; aber sie genieren sich nicht im geringsten, den Boykott gegen jene anzuwenden, die nicht einfach ihre politische Neberzeugung ablegen und auf Kommando für die junkerlichen Wahlkandidaten stimmen. Wählerverschiebung en msese. Wie die„Rhein.-Wesif. Ztg." mitteilt, hat das Zentrum 3500 sichere Wähler aus dem schwarzen Kreise Saarlouis in den minder schwarzen KreiS Saarbrücken abkommandiert, um Bassermann im ersten Wahlgange zu werfen. Dabei aber hat jüngst die„Köln. Volkszeitung" das Abkommandieren von Wählern von einem in den anderen Wahlkreis als einen an die Grenze deS Unzulässigen strci- senden Wahlkniff gekennzeichnet. Wie's trefft! PoUtifebe Qcbcrftcbt Berlin, den 30. Dezember 1911. Gegen den„Modernismus" der �köln. Volkszeitung". Die Gegensätze im Zentrumslager prallen immer heftiger auf- einander. Vorläufig hält zwar die bevorstehende ReichStagSwahl die kämpfenden christlichen Brüder noch davon zurück, sich öffentlich wie zwei wütende Bulldoggen anzufallen, aber nach der Wahl ist mit Sicherheit auf ein niedliches Kampfschauspiek zu rechnen. Wie die „Rhein.-Westf. Ztg." schon im November zu berichten wußte, haben die„Ganzkatholischen", die OsterdienStagSleute, beschlossen, nach den Wahlen zwei Broschüren über Frühwirth, Fischer und Kopp heraus- zugeben, eine Tageszeitung in Berlin und eins Wochenzeitung in Köln zu gründen, und außerdem eine Zeitungskorrespondenz für die den OsterdienstagSgedankeü zugänglichen ZenttumSzeitungen, wie „Westfälischen Merkur",„Trierische Landeszeitung",„St. Johann- Saarbrücker Volkszeitung",„Oberschlesische BolkSzettung" usw. zu verbreiten., Diese angekündigte Zeitungskorrespondenz, die„Tölner Eorrespondenz zur Vertretung katholischer Prinzipien im öffentlichen Leben", hat inzwischen bereits in Köln ihre schöne Arbeit begonnen, und, wie«» heißt, soll ihr geistiger Leiter kein anderer sein als der durch Kardüiül Fischer aus Köln vertriebene Herausgeber der früher dort erschienenen Mit- teilungen der Zentral-Auskunftsstelle für die katholisch« Presse und der Apologetischen Rundschau, Dr. Kaufmann, der jetzt in Frankfurt seine Unternehmen weiter betreibt. Schon greift diese neugegründete Zentrumskorrespondenz, obgleich erst die dritte Nummer erschienen ist, die sogenannte„Kölnische Richtung", besonders die Bachemsche ..Köln. Volksztg.", recht derbe an. So schreibt sie in der letzten Nummer: Worum brefit sich der ZentrumSsircit? Diese Frage, die dem- nächst die Frankfurter Genchte beschäftigen dürfte, stellt« sich vor drei Monaten dre vom Windchorstbund unter eifriger Mitarbeit des Herrn JuliuS Bachem herausgegebene Wochenschrist„Das Zentrum"(Nr. 1 vom 7. Oktober 1911). DaS Blatt beantwortet die Frag« mit der einfachen Behauptung: eSexistiereüber- Haupt kein Zentrumsftreit! Es gibt nun aber gewisse Leute, welche der„Ansicht" sind, die Zentrumsorgauisalion als solche stehe im prinzipiellen Einklang mit den Grundsätzen der katholischen Weltanschauung, ähnlich wie andere Parteien ihre Politik eingestandenermaßen im Einklang mit den Grundsätzen irgend einer anderen Weltanschauung machen. Die Vertreter dieser„Ansicht", zu der sich natürlich die erdrückend« Mehrheit der Zenttumsanhänger bekennt, nennt man Osterkonferenz. Es ist dies bloß ein Sammelname zur _ Bezeichnung einer Idee. Die Osterkonferenz selbst tagte bekannt- ' lich am Lsterdienstag des Jahre» 1909 in der Kölner Bürger- gesellschast; sie hat sich, wie jede Konferenz, nach Schluß ihrer Be- sprechuiigen ausgelöst. Die„Ansicht" der Osterkonferenz wird von der Richtung Bachem mit aller Schärfe bekämpft. Die Richtung Bachem nämlich sagt im Gegensatz zur Osterkonferenz: das Zentrum als Organisation brauche prinzipiell n i cht im Einklang mit den katholischen Grundsätzen zu bleiben.— Worum dreht sich also der Zentrumsstreit? Er dreht sich einzig und allem um folgend« Frage: Steht dos Zentrum als Organisatian in Frage», welche mit der Religion zusammenhängen, prinzipiell im Einklang mit den katholischen Grundsäycn? Auf dies« Kernsrage kommt alles an! Sie kann nur mit „Ja" oder„Nein" beantwortet werden. Lautet die Antwort„ja", dann hat die verlästerte und„sagenumwobene"(„Berk. Tgbl."i Osterkonferenz recht. Lautet sie„nein", dann ist die logische und unerbittliche Konsequenz, daß das Zentrum auch einmal im Widerspruch gegen katholisch« Grundsätze, mit denen es ja prin- zipiell nichts zu tun hätte, operieren könnt«, und dann begreift man nicht, wie die Partei seit 40 Jahren stets im Einklang mit jenen Grundsätzen bleiben konnte und stets das war, Ivos die Osterkonferenz und die große Mehrheit der ZentrumSwächter sich unter ihr vorstellen. Der Verfasser des Artikels in der Wochenschrift„DaS Zentrum" sagt, eS existiere kein ZenttumSstreit. Wozu denn seit Jahren der Lärm, die Keulenhiebe, die Lieblosigkeit, die Verbitterung. die überall durchzitternde AngÜ vor Zwistigkeiten, die wiederholte Beratung deS Landesausschusses der Partei über die Streitfrage usw.? Nach der ReichStagSwahl soll die Herausgabe einer großen Tageszeitung folgen, als deren Erscheinungsort Berlin auSersehcn ist. Der„Rhein.-Westf. Ztg." ist ein geheimes Rundschreiben der OsterdienStagSleute, d. h. der„Richtung LerNn" in die Hände ge- 'allen, indem eS heißt: Durch die bekannten Bestrebungen der sogenannten Öfter» konfrrenz und der schlesischen katholiscben Aktion, sowie die daran sich anschließenden ZeitungSpolemik, hat sich in weiten Kreisen derjenigen deutschen Katholiken und Zentrumsanhänger, die sich mit der Tendenz und dem Terror der Bachcmschrn Richtung nicht einverstanden erklären können, daS Bedürfnis nach einer unabhängigen Z e n t r u m s z e i t u n g. die auf dem Boden katholischer Grundsätze steht, eingestellt. Um diesen Wün- schen entgegenzukommen� bildete sich im Lauft der letzten Monate ein auS fuhrenden Persönlichkeiten der oben erwähnten Bewegnn- gen zusammengesetztes Komitee, daS nach wiederholten eingehen- den Beratungen beschlossen hat, nach den ReichStagswahlen ein besonderes„Organ zur Vertretung katholischer Grundsätze aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens" cischcincn zu lassen. Die Tendenz der neuen Zettung soll nun im einzelnen bestehen: t. In dem sachlichen, aber unerschrockenen Kampfe für daS alte Windthonffche Zentrum gegen die sogenannte Kölner Richtung, die bekanntlich bestrebt ist, daS spe- zisisch. katholische Moment aus unserem Kulturleben und be- sonders«US unseren Organisationen kunlichst auSzuschatten; 2. In der vornehmen, aber energischen Abwehr des persönlichen Äerleumdcns und Entstellungsfeldzuges, der von der„Kölnischen Volkszeitung" und ihren Ablegern systematisch gegen alle Anders- denkenden geführt wird, und 3. in der Sammlung aller derjenigen Kräfte, die gegen die Bachemsche Verwässerungs- beftrebungen einmal ein offenes, freies ka- tholisches Wort reden wollen. Nun heistt es, die zu- loartende Stellung aufzugeben und zur Tat überzugchen. Das Ergebnis der Erscchwahlen in Jmmenstadt, Düsseldorf, Konstanz hat gezeigt, daß cs die höchste Zeit zum Eingreifen ist. und leider steht auch zu befürchten, datz die nahenden Reichstags- w ahlen das in noch höhe rem Mahe dartun werden. Deshalb müssen wir sofort nach diesen Wahlen mit einer von einsichtig beeinflußten Instanzen unabhängigen und furchtlosen Zeitung zur Stelle sein, welche zum wirtlichen Wohle der Partei und der katholischen Sache das ungetrübte Fazit der Wahlergebnisse zieht und diejenigen Leute, welche auch dann noch nicht wissen, tvvs aus dem Spiele steht, aufklärt und aufrüttelt. Um während der Wahlen Preßfehden zu vermeiden, die durch Uebcreifer auf der andern Seite dem Zentrum schaden könnten, sind diese Mitteilungen, die nur brieflich und nur an sorgfältig ausgewählte Adressen versandt wenden, stveng geheim zu halten. Das Rundschreiben bildet ein interessantes Gegenstück zu dem bekannten Stegerwaldschen Brief. Beide Schriftstücke beweisen aufs schönste die hohe sittliche Wirkung der gepriesenen latholisch-kirch- lichen Ethik auf die Zentrmnsführerschast. „Streikt Euch«ach der Decke". Diesen schönen Rat etteilt die freikonservative„Post', das Von den Panzerplattenpatrioten ausgehaltene Organ, den Beamten, die sich über die Teuerung beschweren und als Ausgleich für den Lebensmittelwucher eine Teuerungszulage fordern. Das Organ der millionenschweren Schlotbarone leistet sich folgende B e r« spottung der Beamten: „Die Gewährung der Teuerungszulagen an die Beamten d«S Reiches wird unter diesen Umständen wohl zurückgestellt werden müssen. Die Beamten geben sich ja unter den jetzigen Umständen in dieser Hinsicht auch keinen großen Hoffnungen hin. Trotzdem erscheint es nubl unangebracht darauf hinzuweisen, daß gerade die Beamten im jetzigen Augenblick Gelegenheit haben, ihre nationale Gesinnung zu zeigen. Am ferneren Wohle des Reiches sind sie die Nächstbeteiligten. Kommt das Reich vorwärts, so ist es nicht zuletzt ihr eigener Vorteil, geht es mit ihm bergab, dann ist es ihr Schaden, lieber die Teuerung können die Beamten ohne besondere staatliche Hilfe hinwegkommen, darüber besteht kein Zweifel. ES muß, wie im Reiche, in jeder Familie gespart werden. Die herrschende V e r- s ch w e n d u n g, die in weilen VolkSlreisen eingerissen ist. führt de» schlagendsten Beweis dafür, daß gespart werden kann. ES wird vom Beamten nicht verlangt, daß er sich jenen Brahminen zum Vorbild nehme, der da predigte:„Wende Dich ab von der Welt, es ist nichts." Aber das altbewährte Sprichwort:„Strecke Dich nach der Decke' muß wieder mehr zur Geltung gebracht werden." Wie ein Unterbeamter oder auch ein mittlerer Be« amter in dieser Zeit der Teuerung sich„nach der Decke strecken" soll, das sollten ihm die Hintermänner der, Po st" er st einmal vormachenl Aber diese Panzerplattenpalrioten der« raten ja selbst sofort, daß die Beamten sich nach der Decke strecken sollen, damit der Prozentpatriotismus um so besser Geschäfte machen kann: sie lehnen die Forderung nach Teuerungszulage für die Beamten deshalb ab, weil„aus den weitesten Kreisen der nationalgesinnten Bevölkerung an die RcichSregierung die Forderung' ergehe,„die Marine in schnellerem Tempo auszubauen und zu der» größer»". Die Beamten sollen sich also einschränken und darben, damit Panzerplatten» und Kanonenlteferanten wieder Millionen und Abermillionen verdienen können!_ Das Wachstum der NiesenvennSge«.D Wie ungeheuerlich die Zunahme mancher Riefenvermögen ist, dafür liefern folgende Beispiele den Beweis, die dem bekannten„Jahrbuch der Millionäre" dcZ Regierungsrats Martin entnommen sind: Fürst Henckel von DonnerSmarck auf Ncudcck hatte ein Vermögen von Einkommen von 1897... 65 Millionen Mark t Millionen Mark 1899... 85.. S.. 1902... 96„. S. 1905... 120... 8.„ 1908... 177.„ l?. Herzog von Ujcst, Fürst Hohenlohe-Oehttngen-Slawerchitz. hatte ein Vermögen von Einkommen von 1895... 45 Millionen Mark 2,7 Millionen Mark 1899... 54., 3. 1902... 59. 5. 1905... 100„. 7 1908... 151. 7 Hans Ulrich Graf v. Schaffgotsch-Koppitz hatte ein Vermögen von 1896... 2! Millionen Mark 1899... 48 1902... 59 1905... 64 1908... 7? Einkommen von •/4 Millionen Mark 2— 3,, 4-5 5— 6„„ 4-5 Franz Hubert Graf Tielc-Winckler-Moschen hatte ein Vermögen von 1896... 18 Millionen Mark 1899... 80 1902... 31 1905... 47 1908... 74 Einkommen von V- Millionen Mark 2-3 2-3 3-5 In ein oder zwei Jahrzehnten sind also diese fabelhaften Vermögen entstanden. In diesen wenigen Jahren wuchsen die Vermögen um kl), um l00, ja um HO Millionen Mark l Nur der entwickelte Kapitalismus vermag in so kurzer Frist solch ungeheuere Veruiögensanhäufungen zu Wege bringen. zwingt er doch die Massen des elend cuttohiUen arbeitenden Volkes in den Dienst der Kapitalmagnaten! Ter kritische Herr Erzberger. Da jetzt die Wahlen vor der Tür stehen, läßt Herr Erz- berger zur eigenen Ehre und zu Nutz und Frommen der Zenlrumspartei wieder einmal sein kritisches Licht leuchten. Er beklagt sich sehr lebhast über die Erhöhung des Reich szuschusses, der für unsere Kolonien zu l e i st e n ist. Beispielsweise nennt er den großen Zuschuß für Südwestafrika„Unsinn und Verschwendung". Durch eine erheblüfy: Verminderung der Schutztruppe könnten da ganz bedeutende Ersparnisse gemacht werden. Es ist höchst eigentümlich, daß Herr Erzberger auf kolonialpolitischein Gebiete nun auf einmal wieder Erspar- nifse machen will, während er sich doch vor kurzem für die Neuerwerbung eines tüchtigen Stücke» K o n g o s o s e h r begeistert hat! Die Kongoerwerbung mit dem, was ihr folgen wird, wird aber dem deutschen Volke das Dutzendfache dessen koslen, waZ ffi Südivesfafrika nach Herrn Erzbergers Vorschlägen gespart werden könnte. Das ganze kritische Gerede des Herrn Erzberger ist also nur ein schäbiges Deckmäntelchen für die k o I o n i a l p o l i- tische Geldverschleuderung, für die auch das Zen- trum und nicht zuletzt Herr Erzberger in pereoua vollste Verantwortung tragen!_ Ei» würdeloses Verhalten zeigt das Zerrtrum im Wahlkreise Dortmund-Hörde. Es wirft sich den Nationalliberalen, die den bekannten Scharfmacher Leidig aufgestellt haben, geradezu an den Hals. Die ultramontane „Tremonia" erklärt unausgesetzt, daß es vor allen Dingen darauf ankonune, die Sozialdemokratie zur Strecke zu bringen und ivillig stellt das Blatt dem nationalliberalen Kandidaten die Zen- trumssttmmen im Falle einer Stichwahl zur Verfügung. In jeder nationalliberalen Wählerversammlung erscheint ein Zentrums- redner, der die Bereitwilligkeit seiner Gesinnungsgenossen erklärt, Mann für SWann in der Stichwahl für den Nationalliberalen ein- zutreten. Am Mittwoch gab in einer nationalliberalen Wählcrver- sammlung ein Redakteur der„Tremonia" sogar dem Wunsche Ausdruck, daß nicht der Zentrumsmann, son- dern der Nationalliberale in die Stichwahl kommen möge, weil nur das Zentrum in der Lage sei, seine ganze Mannschaft gegen die Sozialdemokratie aufzubieten, was bei den Nationalliberalen nicht der Fall sei. Die Hauptsache sei, daß die Sozialdemokratie in Dortmund-Hörde niedergerungen würde und diesem Ziele müßten alle parteipolitischen Rücksichten unter- geordnet werden! In dieser Versammlung wurde Dr. Leidig, der nationalliberale Kandidat, auch darüber befragt, wie er zur Aufhebung des Jesuitengesetzes stehe. Herr Leidig erwiderte:„Ich bin Nationalliberalev und meine Partei steht auf dem Standpunkt, daß da« Jesuitengesetz nicht auf- gehoben werden soll." Herr Leidig machte in seiner Rede dem Zentrum den Vorwurf mangelnden Deutschseins— schadet alles nichts: das Zentrum hängt dem Manne am Halse— trotzdem und alledem. Die katholischen Arbeiter werden aufgerufen zum Kampfe um den Glauben und die Freiheit der Kirche; der Kultur- kämpf wird an die Wand gemalt mit seiner Verfolgung der Orden und religiösen Genossenschaften— aber im selben Atem werden die katholischen Arbeiter bereitgestellt, um einen nattonalliberalen Scharfmacher zu wählen, der seine Scharfmachereien nicht nur auf sozialpolitischem, sondern auch auf religiösem Gebiete ausübt: Aber was bedeutet die Religion den Zentrumsleuten, wen« es das Partei- interesse gilt._ Strafaufschub und Verjährung. Durch einen Erlaß des preußischen Justizministers wird die gnadenweise Bewilligung der Unterbrechung von Freiheitsstrafen, sowie die Stundung oder Teilzahlung gerichtlich erkannter Geld- strafen geregelt. Die Unterbrechung von Freiheitsstrafen wird größtenteils von der Bewilligung der Staatsanwaltschaft abhängig gemacht, soll jedoch nur in besonderen Ausnahmefällen zugelassen werden. Innerhalb dieser Grenze sollen Vergünstigungen in der Hauptsache dazu benutzt werden, die häuslichen, wirtschaftlichen und bürgerlichen Verhältnisse der Verurteilten beim Strafvollzüge zu be- rücksichligen. und, soweit angängig, zu schonen. Insbesondere soll bei Geldstrafen durch angemessene Zahlungsbedingungen die Dollstreckung von Ersatz-FreiheitSstrafcn möglichst vermieden werden. Ein weiterer Erlaß legt den Staatsanwaltschaften nahe, nicht schematisch Handlungen zu setzen, durch die die Verjährung von Ver- letzungen deS Strafgesetzes unterbrochen wird. Unter Berücksichti- gung der Einzelfälle sollen unnötige Härten vermieden werden. kuvlanck. Die Hungersnot. Die verbrecherische Großmannssucht deS Imperialismus, der unbekümmert um das stinkende Elend im eigenen Haufe immer neue auswärtige Machterweiterung sucht, findet ihren geradezu „idealen" Ausdruck in der Politik der russischen Regierung. Kein Tag vergeht, ohne daß von russischen Anschlägen auf P e r s i e n, die Mongolei usw., von Dardanellenvorschlägen und allerhand Umtrieben bei den Balkanvölkern berichtet wird. Und derweil stehen 20 Millionen der eigenen Staatsangehörigen vor dem nackten Hungertode! N. Wi TschaikowSky, der gerade aus dem Hungergcbiet in Ostrußland zurückgekehrt ist, gibt darüber in den„Daily News" furchtbare Tatsachen. We der Ministerpräsident in der Duma zugab, ist die Ernte in acht Ostprovinzen völlig, in zwölf anderen teilweise mißraten. Der Ausfall beträgt 63 Proz. der Normalernte, d. h. 12 Millionen Zentner. 10J4 Millionen Menschen. 52 Proz. der Einwohner dieser Gebiete, wurden im November von den örtlichen Behörden als „staatshilfebedürftig" bezeichnet: alle, die nur über eine Kuh und ein Pferd ohne sonstige Hilfsquellen verfügten. Nach Angabe des Ministerpräsidenten waren freilich„nur" 8.2 Millionen in un- mittelbarer Gefahr, welche Zahl den Berechnungen der Regierung zugrunde gelegt ist. Aber auch von den übrigen mehr als elf Millionen ist nach TschaikowSky mit dem Fortschreiten des Winters der Eintritt in die Hungerlinie anzunehmen. Man muß bedenken, daß erst vor 5 Jahren dieselben Gebiete eine Hungersnot durch- zumachen hatten, wobei alle Ersparnisse und alles Vieh draufgingen und eine Verschuldung durch staatlich« Vorschüsse entstand, durch deren Abtragung die Ueberschüsse der letzten Jahre aufgezehrt wurden. So sehen dies« verelendeten Millionen jetzt tatsächlich ohne irgend- welche Hilfsmittel dem Hungertod inS Auge. Heu und Futter- kväuter find ebenso mißraten wie das Getreide. Vieh und Hausrat ist zu Schandpreisen, unter einem Fünftel de? Wertes, verkauft. Run müssen die Bauern die Hungerqualen mit Eicheln, Kleie, u r z e l n und Baumrinde stillen. Die gewöhnlichen Hunger- krankheiten. Skorbut und khehuS. folgten natürlich. Bis Schnee fiel, sammelten Frauen und Kinder die Eicheln, die mit den Schalen zu„Eichelbrot" verbacken wurden. Krankheit und Blutungen waren die Folge." Lehrer, Aerzte, Geistliche entsenden verzweifelte Hilferufe. Ein Priester erzählt, wie die ganzen Gemeinden kamen und ver- zweifelnd um die letzte O e l u n g baten, um dann zu sterben. Gemeinden verkaufen ihren ganzen Grundbesitz jedem, der ihn haben will.„Der Ruin eine» Ackerbaustaates kann nicht weitergehen. Schon nennt man die Hungersnot„unser wirtschaftliches Tsushima" (Vernichtung der russischen Flotte im japanischen Kriege)." Diesem Elend gegenüber denkt die Regierung nur an Auf- rechterhaltung ihrer Autorität und Fernhaltung unliebsamer Be- strebungen. Sie nimmt ein Monopol der Fürsorge in Anspruch. Alle Personen oder Vereine, die fortschrittlicher Gesinnung verdächtig sind, werden eifersüchtig ausgeschlossen. In 4800 Bezirken wurden öffentlichen Arbeiten unter Leitung pensionierter Offiziere oder anderer Beamten vorgenommen, aber nur ein Sechstel der Notleidenden erhielt etwas und nur 3—4 Rubel(AM— SVj. M.) pro Mann. Sämereien wurden für 9 Millionen Mark angeschafft. Aber Dreiviertel kam zu spät. Erst im Dezember wurde Anweisung zu direkter Unterstützung mit Hisse des Roten Kreuzes gegeben. Aber den freiwilligen Unternehmungen der Alten Freien Volkswirtschaftlichen Gefellschaften und per«stirogoff-Aerzte-Ver- elnsgung, die seit kaiigem mit Erfolg Suppenküchen siekrekben und sich allgemeinen Vertrauens erfreuen, werden alle möglichen Schwierigkeiten gemacht. Sie dürfen Geld sammeln, müssen es aber dem amtlichen Roten Kreuz übergeben. Wie viel davon mag dann bis zu den Hungernden durchsickern? Man weiß noch, wie im Kriege Großfür st Sergius die Gelder des unter seinem „Protektorat" stehenden Roten Kreuzes gestohlen hat.— Wenn heute Vernunft unter den Diplomaten herrschte, würden die höher zivilisierten Länder, wie Deutschland, England usw. dieses unselige Land unter Verwaltung nehmen und das arme Volt zuerst von seiner schlimmsten Pest, der eigenen Regierung, befreien. Heute aber sind sie noch stolz darauf, mit dieser Blume Pflicht- vergessenen Verbrechertums zusammenzuwirken und den nicht„christ- lichen" Völkern die„Segnungen der Zivilisation" in Form von Kosakenknuten und Plünderungen zu übermitteln, perften. Die Situation in TäbriS. London, 29. Dezember. Ein Telegramm deS Reuterschcn Bureaus aus Täbris schildert mit großer Ausführlichkeit den Ursprung und die EntWickelung der Unruhen in TäbriS, die in der Nacht vom 20. Dezember mit einem Zusammenstoß zwischen einer russischen Patrouille und persischen Fidais begannen. In dem Telegramm heißt es:. Der Ausbruch der Feindseligkeiten war für alle eine vollständige Ueberraschung, auch für die Russen, deren Stellungen im Lager von Bagitschemal und im russischen Konsulat zeitweilig gefährdet waren, da alle Verbindung zwischen dem Lager und dem Konsulat für mehrere Tage vollständig abgeschnitten war. Nach dem Eintreffen von Verstärkungen und nach der Beschießung der Zitadelle und verschiedener anderer Teile der Stadt vertrieben indessen die Russen die Fidais aus der Zitadelle und hißten dort die russische Flagge. Die Beschießung richtete nur wenig Schaden an, nahm ober den Persern den Mut, die Feindseligkeiten fort- zusetzen. Hinsichtlich des Ursprungs der Feindseligkeiten, sagt das Telegramm weiter, glaubt man, daß die Russen die Absicht gehabt haben, die Fidais zu entwaffnen, indem sie nur geringen oder gar keinen Widerstand erwarteten. Tie Verluste auf beiden Seiten sind unbekannt, aber es wird angenommen, daß sich die russischen Verluste zwischen hundert und zweihundert bewegen, während von Eingeborenen, die sich am Kampfe nicht beteilligten, nicht viele um- gekommen sind. Auch die Berichte über die Grausamkeiten der Truppen auf beiden Seiten sind unbegründet. Zwei der Hauvt- führer der Fidais haben sich bei Basmindsch, fünfzehn Meilen öst- lich von TäbriS. dem Anführer der dortigen Aufständischen, Schudscha cd Dauleh, ergeben und leisten jetzt auf dessen Befehl den russischen Truppen bei der Entwaffnung der Fidais sowie bei der Nachforschung nach Waffen und Munition Beistand. Wie ferner berichtet wurde, wird Schudscha cd Daulah unter russischem Schutz als Generalgouverneur von Asscrbeidschan in die Stadt einziehen. Die Fidais sind nunmehr tatsächlich alle aus der Stadt verschwunden und die russische Okkupation ist voll- ständig. Die Banken und europäischen Häuser werden ihre Ge- schäfte morgen wieder aufnehmen,. Teheran, 29. Dezember.(Meldung de? Reuterschcn BureauS.), In Täb r i s befinden sich jetzt gegen 4000 Mann russischer Truppen._ Rnssische Grausamkeiten. Wien, 80. Dezember. Von einem Gewährsmann, der über die persischen Ereignisse gut unterrichtet ist, wird der„N e u e n Freien Presse" folgendes mitgeteilt: Nach Meldungen aus T ä b r r S verfahren dort die russischen Truppen in ungemein grausamer Weise. Sie dringen in die Be- hausungen ein und machen durch Säbelhiebe und Flinten- schüsse Männer, Frauen und Kinder nieder. In der Bevölkerung herrscht unbeschreiblicher Jammer. Cüvktl Demission deö Ministers Said Pasch«. Paris, 30. Dezember. Wie die Agence Havas auS Kon- stantinopel meldet, erklärte der Großwcsir Said Pascha in der Kammer, daß er dem Sultan unverzüglich dle Demission des Kabinett» unterbreiten werde. ver Krieg. DaS Jahr 1911 geht zu Ende und Jiakien ist mit seinen: Raubzuge nach Tripolis nicht viel weiter gekommen als zu Beginn der Korsarenfahrt vor drei Monatan. Was über die politischen und sozialen Folgen des Krieges für Italien zu sagen ist, finden unsere Leser an anderer Stelle dieser Nummer. aber auch die militärische Bilanz der Italiener ist am Jahres- schluß höchst traurig. Wie oft hat das Sprachrohr der Re- gierung, die„Agenzia Stefani". Nachrichten von glänzenden Siegen in die Welt gesandt, wie oft sollten nach derselben Quelle die Türken von ihren arabischen Hilfsttuppen verlassen worden sein, wie oft sollen Araberscheiks ckien Italienern ihre Unterwerfimg angeboten haben. Und wenn man alle die an- fieblich getöteten und verwundeten Türkem oder Araber zu» ammenzählen wollte, die die„Agenzia Stefiani" tm Laufe der Zeit als Opfer italienischer Tapferkeit angegeben hat. so würde eine Zahl herauskommen, die die der ganz«: Einwohnerschaft von Tripolitanien weit übertrifft. Mit den Kanonen und Maschinengewehren, die die Italiener den Türken abgenommen haben wollen, könnte man eine ganze Armee ausrüsten. Daß die über Konstantinopel kommenden Kriegsnachrichten ebenfalls stark zugunsten der Türken übertreiben, ist selbst- verständlich. Aus dem Wust von übertriebenen und verlogenen Mcl» düngen läßt sich aber doch mit Sicherheit entttehmen, daß der Widerstand der türkischen Truppen und der arabischen Irregulären noch lange nicht gebrochen ist, im Gegenteil in den letzten Tagen an Energie gewonnen hat. Die Italiener haben jetzt ein Expeditionskorps von über hunderttausend Mann auf afrikanischem Boden. Die Verpflegung dieser Truppen ist höchst kostspielig, denn alles, zum Teil sogar Trinkwasser muß auf dem Seewege herangeführt werden, da daS Land rein gar nichts liefert. Die Kosten des Krieges über- treffen also weit alle bisherigen Schätzungen, und das italienische Volk wird schwer an den Folgen dieses imperia- listischen Abenteuers zu tragen haben. Bei einem Vordringen ins Innere des Landes mit Hilfe von Kamelen. Eisen- bahnen usw. werden die Kosten aber noch gewaltta in die Höhe schnellen. Gekämpft wird in Tripolitanien auf zwei Kriegs- s ch a u p l ä tz e n. in Tripolis und dessen Hintcrlandc selbst und in der Kyreilaika. Die Jtaliencr sitzen aber in beiden Gebieten noch an der Küste fest und werden unausgesetzt von der überaus rührigen Heeresleitung der Türken beunruhigt. Einen kleinen Erfolg errangen die Italiener auf dein cigeut- lichen trivolitanischen Kriegsschauplätze, wo sie vor einigen Wochen die türkische ZernierungSlinie durchbrechen und einen ungefähr 20 Kilometer südlich von der Stadt Tripolis gelegenen Punkt Ainzara besetzen konnten. Dieser kleine Erfolg wurde von den Italienern als großer, entscheidender Sieg in die Welt hinausposaunt, in Wirklichkeit war diese kleine Position in der Front der italienischen Stellung mit großen Opfern erkaust, bedurste zu ihrer Sicherung starker Truppen- abteilungen und wird jetzt noch täglich von türkischen und arabischen Streifkorps beunruhigt. Weit ungünstiger ist die Lage der Italiener in der Kyrenaika. Hier sind sie tatsächlich in die am Anfang besetzten Hafenplätze fest- gebannt und noch keinen Schritt weiter gekommen. In Derna, Benghast und T o b r o u k wurden sie in den letzten Tagen von den Türken, die zum Teil bis in die Be- festigungen eindrangen, hart angegriffen und konnten sich der gutgeführten und tapfer kämpfenden Gegner nur mit Hilfe der Schiffsgeschütze erwehren. Ein Vordringen in das Innere liegt hier noch in weitem Felde, damit ist aber auch ein Vor- gehen im Hinterlande von Tripolis erschwert, da die türkischen Streitkräfte in der Kyrenaika ständig die linke Flanke der italienischen Expeditionskolonne bedrohen würden. Von den Absichten der Italiener, eine Flottrnaktion im Aegäffchen Meere zu unternehmen und die Dardanellen zu blockieren, hört man in der letzten Zeit nicht mehr viel. Die Gefahr internationaler Verwickelungen wäre auch zu groß. Leider hört man auch nichts mehr von Friedensabsichten. Der kostspielige, blutige Kolonialkrieg mit all' seinen Grau- samkeiten auf beiden Seiten wird also auch noch im Jahre 1912 andauern, ja eS werden vielleicht noch Jahre vergehen, ehe die italienische Säbelherrschaft über ganz Tripolitanien ausgedehnt ist._ Sie Revolution in China. Der Republik entgegen. London, SO. Dezember. Uebei die Wahl D r. Sunhatf ens zum Präsidenten der Republik China, die mit 17 gegen 1 Stimme erfolgte, schreibt der Korrespondent de»„Daily Telegraph" au» Schanghai, daß die Aussichten für eine B«r- ständigund gut sind. Die Wahl Sunhatsen» ist vorläufig nur sine provisorische und muß erst durch die noch einzu» berufende Nationalversammlung bestätigt werden. Schwierigkeit macht hier nur die Wahl des OrteS. Während die Kaiserlichen Schanghai bevorzugen, schlagen die Rebellen Nanking vor. Dr. Sunhatsen hat sich mit zahlreichen Offizieren nach Nan- king begeben. Sunhatsen erklärte, er werde die Präsidentschaft annehmen, wenn die Nationalversammlung sich für ihn ausspreche. Truppen der Rebellen stimmen sämtlich für Sunhatsen. Das Ein- treff» Sunhatsen» in Schanghai hatte die Lage kritischer gestaltet. Die«�tnesischen Intellektuellen verlangten die sofortige Errichtung der Kqmblik, während die Gemäßigten die Abdankung der Dynastie abwarten wollten. Schanghai, 2S. Dezember. sMeldung de? Reuterschen BureauS.) Die Friedenskonferenz hat sich heute darüber geeinigt, daß während der Tagung der Nationalversammlung, die über die zukünftige Regierungsform für China bestimmen soll und deren Entscheidung für die kaiserliche Regierung verbindlich sein wird, keine Anleihe im Auslände aufgenommen werden dürfe. Die kaiserlichen Truppen sollen sich auf eine Entfernung von siebzehn Meilen von den Stellungen zurückziehen, die sie jetzt in bestimmten Zentral-Provinzen einnehmen, während die re- publikanischen Truppen weder vorrücken noch neue Stellungen ein- nehmen dürfen. Die Stimmung im Auslände. New Nork, 30. Dezember. Hier ist man hinsichtlich der neuen Republik China mit Sunhatsen al» Präsident sehr pessimistisch gesinnt, vor allem, weil es dem neuen Regime an Geldmitteln fehlt, die auch Sunhatsen kaum herbeizuschaffen in der Lage sein dürfte. Amerika erklärt, daß es da? neue Regime nicht früher anerkennen werde, als bis es den Beweis der Stabilität geliefert habe. Man befürchtet, daß sich die Gegensätze zwischen den feindlichen Parteien in China nur noch weiter verschärfen und neue schwere Kämpfe herbeiführen werden. Die amerikanischen Konsuln und Vertreter in China haben Neu- anweisungen hinsichtlich des Schutzes der amerikanischen Staats- ungehörigen erhalten. Aus Tokio wird gemeldet, daß auch die japanische iffent- liche Meinung hinsichtlich der Zukunft der Republik China mit Pessimismus angefüllt ist. Man glaubt, daß es außerordentlich schwer sein werde, die Ordnung wieder herzustellen. Dem„Daily Telegraph" wird au» Schanghai gemeldet, daß man hier den Ausbruch bedeutend größerer Schwierigkeiten als bisher befürchte durch die Auftollong der mongolischen Frage, die durch da» Vorgehen Rußland» in der Mongolei herbeigeführt worden. Di« Russen haben die mongolische Grenze bereits an zwei Punkten überschritten. In New York ist man über das Vorgehen der Russen in der Mongolei und in Persien sehr unzufrieden und erklärt, daß das Gebahren Rußlands mit den amerikanischen Interessen nicht zu vereinbaren sei. Man glaubt hier, daß zwischen Rußland und Japan ein Abkommen bestehe über die Abgrenzung der Einfluß- sphären dieser Heiden Nationen in der Mongolei. Hua der Partei. Ein Protest gegen die Henkerjusti, be» Zaren. Man schreibt un» vom Lv. Dezember aus Pari»: Vor einigen Tagen hat daS Internationale Sozialistisch« Bureau einen Protest gegen die Einkerkerung der sozialistischen Fraktion der zweiten Duma veröffentlicht. Gestern abend fand in Pari» das erste öffentliche Protestmeeting statt. Die zahlreichen Gruppen der in Paris lebenden russischen Revolutionäre gingen gemeinsam bei der Organisierung des Meetings vor: alle„inneren" Fehden, durch die die russischen Revolutionäre heute leider in so viele Gruppen und Grüppchen gespalten werden, wurden für einen Augenblick eingestellt. Und da ein großer Teil der hervorragendsten Führer der russischen revolutionären Bewegung in Pari» wohnt. so könnt, man gestern abend die Berufensten gegen die zaristische Ichmach protestieren hören. Etwa LOOV Russen und Russinnen ivaren anwesend. Den Vorsitz führten der frühere sozialdemo- kratische Dumaabgeordneter B e l j u s s o w, der Vorsitzende der sozialrevolutionären Partei Roubanowitsch und Genosse Grumbach. Zuerst ehrte man das Andenken jener Abgeordneten, die infolge der Behandlung w den russischen Gefängnissen ge- storben find. AI» erster Redner gab Genosse Dan einen kurzen Ueberblick über den Prozeß gegen die Dumaabgeordneten. Alexe. jin»ki, der zur Gruppe gehörte, wie» an der Hand von Doku- menten nach, daß der ganze Streich von der Ochrana vorbereitet >var. Es sprachen für die Russen u. a. noch zwei frühere Duma- abgeordnete, ferner Lounotchermh, Roubanowitsch, Rappoport, der einen Brief von Plechanow vorlaS, und mehrere Vertreter der pol- Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für den nischen Parteien, be» jüdischen Bunde». Im Auftrag der sozia- listischen Seineföderation Frankreich» ergriff der Deputiert« La» vaud da» Wort. Emil Fort sprach im Namen der sranzö- fischen Kammerfraktion. Jean Longuet schloß fich t« Namen der„Humanttö" dem Protest am Fadra Riba»von der spa- nischen Sozialdemokratie zog einen Vergleich zwischen den Ver- Hältnissen in Rußland und Spanien. Grumbach erinnerte an die Sozialistenverfolgungen in Deutschland und an die tausend Jahre Gefängnis, die in den letzten zwanzig Jahren in Deutschland über die Führer der Gewerkschaften und der Partei verhängt wurden. Die deutsch« Partei Hab« alle Hindernisse überwinden können, weil fie eine einige Partei bilde: da» müßte auch in Ruh- land kommen. Zum Schluß sprach Genosse T r o tz k h. Alle Redner fanden begeisterten Beifall. In der einstimmig angenommenen Resolution wird die Forderung aufgestellt, daß die Revision des Prozesse» mit allen Mitteln betrieben werden soll. Die Polizei benahm sich beim Ausgang der Versammlung so auffällig brutal, daß man die Empfindung haben mußte, fie wolle einen Zwischenfall provozieren. Ihr Benehmen war um so auffälliger, al» fie sich in der letzten Zeit bei ähnlichen Demon- strationen in einer begrüßenswerten Weife znrückhielt. Roch ein ungeheuerNcheS Urteil der Zarrnjustiz gegen polnische Sozialisten. Au» Warschau wird gemeldet: Soeben ist hier unter großer Spannung ein Monstre» prozeß gegen 67 Mitglieder der Polnischen Sozialisten. Partei zu End« geführt worden. Was hinter den Türen des verschlossenen Gerichtshofes fich äbsprelte, erfuhr nur ein ganz beschränkter Kreis, während die große Oeffentlichkeit einige ganz äußerliche Nachrichten zu hören bekam: daß z. B. der Staats- anwalt ein« siebenstündige Anklagerede gehalten,»aß die Plädoyer» der Verteidiger zwei Tage gedauert haben usw. Auch hinter ver- schlossenen Türen nahmen die Verhandlungen zehn Tage in An- spruch; wären sie aber offen gewesen, so hätten sie sich sicherlich über viele Wochen ausgedehnt. Handelte eZ sich doch zum großen Teil um lange zurückliegende Handlungen, die teilweise noch aus der fieberhaften Revolutionszeit datieren, aus jener Zeit, zu der die polnische Sozialistenpartei in Russisch-Polen eine machtvolle Rolle gespielt hat. Die Richter haben sich chre Arbeit nicht sonder- lich erschwert und zuletzt ein unheimliche» Urteil gefällt: Zehn Angeklagt« wurden freigesprochen, von den übrigen V7 aber erhielten 25„einfache Deportation" zudiktiert, während zwei» unddreißig Personen zur K a t o r g a verurteilt wurden. Die Strafen verteilten sich folgendermaßen: vier Angeklagte erhielten 20, bezw. 17, bezw. 15, bezw. 11 Jahre, 8 bekamen je 12 Jahre, 4 je 10, 3 je 8, 8 je 6, 2 je 5, 5 je 4 und 8 je 2% Jahre. Insgesamt wurden also in einem einzigen Prozeh außer den Deportationsstrafen zweihundertneununosiebzig Jahr« Katorga zu- gesprochen._ „Der Eiagemanerte." Pari», 29. Dezember.(®ig. 99er.) Diesen Beinamen de» un- bezwingbaren Revolunonär» B l a n q u i darf Guüave H e r v ö als ehrenvoller Erbe in Anspruch nehmen. Seit 6 Jahren hat er kaum für ein paar Monate die Kerker der Republik verlassen, volle 13 Monate ist e» jetzt her, daß er freien Fuße» die Straßen durch- schritt, an denen Kasernen-, Gerichts- und Kerkertore die drei Wahl- worte des Bürgerstaat» dreifach verbürgen, und man kann sicher sein, daß der Staatsanwalt eine neue Anklage fertig haben wird, lange bevor die noch nicht abgewickelte Kette der Gesängnismonate zu Ende sein wild. Freilich ist eZ kein am Leib zermürbter, am Geist ermatteter Dulder, den die Bourgeoisjustiz in ihren Krallen festhält. Es ist, al» ob der prachtvolle Schwung seines Fuhlens, das sprühende Feuer seines Esprit« auch den Körper vor den Folgen des trüben GefangnislebenS schützte. Woche für Woche fliegen die Manuskripte des„sans patrie" durch die vergitterten Fenster nach der Redaktion der„Guerre Sociale", voll leidenschaftlichen Anklagen gegen die Ausbeuter und ihren Staat, mit feurigen Kampfrufen und— bitter wahren Mahnungen an die revolutionären Mitkämpfer. Sicherlich, nicht immer mag der in der wissenschaftlichen Kritik de» Sozialismus Geschulte dem idealistischen Draufgänger folgen, wenngleich die Distanz seiner Zelle vom verwirrenden Milieu der Tageskämpfe und-Leidenschaften seinen Blick für die entscheidenden Mächte der gesellschaftlichen Entwickelnng merkwürdig geschärft bat, aber die Begeisterung, die unzähmbare steudige Entschlossenheit, fich mit seiner ganzen Perlon für seine Ideen einzusetzen, die makellose Redlichkeit seines Charakters, die dem Gegner gegenüber trotz aller Unnach- giebigkeit und trotz allem aufrechten Haß sich al» Ritterlichkeit kund- gibt, müssen auch jedem ehrenhaften Widersacher Sympathie ab- nötigen. ES war darum ein glücklicher Gedanke der Redakteure der „Guerre Soziale", zum Neujahr ohne Wissen Hervös einen öffent- lichen Appell der freien Geister Frankreichs z» feinen Gunsten vorzubereiten. Die letzte Nummer des BlatteS verewigt auf fünf Seiten Kundgebungen von Schriftstellern, Künstlern, Juristen. Politikern und Gewerkschaftlern. Nicht alle sprechen die gleiche Sprache: bald klingt die politische, bald die ethische Seite stärker an und die Künstler sprechen zumeist nur durch da« gezeichnete Symbol, aber alle vereinigen fich zu einem mächtigen Prolest gegen die Schmach, daß ein zivilisierter Staat einen Mann einzig darum, weil er seine Ideen ausspricht, dauernd im Gefängnis festhält. An der Spitze der langen Reihe der Zuschriften steht die von A n a t o l e France:„Hervö ist eingekerkert, weil er seine Gedanken ausgesprochen hat, und wir halten uns für ein freies Volk! Aber kann die legale Verfolgung, die an ihm ausgeübt wird, etwas anderes bewirken als die Größe feines Charakters zu zeigen? Ihr bewilligt seinen Ideen ein unvergleichliche» Privileg: er duldet für sie. Wir haben niemal» für d« unseren geduldet, und da» ist unsere Inferiorität.— Da wir weise und gerecht worden find, lernen wir doch selbst da» anzuhören, wa» un» mißfällt und strafen wir niemand dafür, daß er gewagt hat, zu sprechen, wie sein Gewissen ihm befahl." Ja uro» nennt die Gefangen- schaft Hervös„eine der traurigsten Gewalttaten unserer Epoche", Octave M i r b e a u drückt seine Bewunderung für HervöS Charakter au» und seinen„täglich wachsenden tiefen Ekel vor der ungeheuerlichen Ungerechtigkeit, deren Opfer er geworden ist". Im Zuge der Manifestanten finden wir politische Gegner wie Henri R o ch e f o r t und den bürgerlichen Pazifisten Fröderic P a r s y. Diese gehören freilich der alten Generation an. für die die Politik noch nicht ein Betrieb für große und kleine Profile war. Werden die radikalen Tagesherrscher dem Rufe zum Anstand gegen den politischen Gegner und zum Respekt vor der Freiheit des Gedankens folgeleisten? Die Frage, die die„Guerre Sociale" der Bourgeoisrepublik vorlegt, ist ein Prüfftein für ihre politische Moral und für ihre Kultur überhaupt. Buq der Frauenbewegung. NenjahrSbetrachtunge«. Mit Erbitterung und Empörung schauen die Frauen auf das zu Ende gehende Jahr zurück. Mit Erbitterung wegen der enttäuschten Hoffnungen und Erwartungen, mit Em- pörung, weil reaftionärer Konservatismus und Arbeiterhaß die Ursache der Enttäuschungen ist. Die ganze Entwicklung macht die Frauen immer mehr zu einem Träger aller gesell- schaftlichen Verpflichtungen. Ja. der arbeitenden Frau legt der Staat mit seinen gesetzgeberischen Artionen und der Kapitalismus mit seiner ausbeutenden Tendenz teilweise mehr Pflichten und Lasten auf, als den: Manne. Riesenhast schwillt die Zahl der in Fabriken und ähnlichen Anlagen be- Lnseraienteilvergntw.: Th. Glocke. Berlin. Drucku-Berlag. Vorwärt» schLfttgtm grauen und Mädchen an. Immer«ehr muß die Proletarierin für den Unterhalt der Familie niiit erwerben. Doppelt und dreifach leiden die Proletarierinmm unter der Wucht der Lebensmittelverteuerung, unter der prbeiterfeind- lichen und antisozialen Gesetzgebung. Grauenerregend, er- schreckend hoch sind die Lasten, die man dem Volke aufgebürdet hat. Und obgleich die weibliche Arbeitskraft schlechter entlohnt wird als die männliche, muß sie doch die volle Last der in- direkten Steuern tragen. Das ist ganz offenbar eine be- sondere Benachteiligung der erwerbstätigen Krau. Wie aber steht es mit den Rechten der Frauen? Poli- tisch ist sie rechtlos. Und das Jahr 1911 war wiederholt Zeuge, wie die durchaus berechtigten Forderuagen der Frauen auf Zubilligung des Wahlrechts von den bürgerlichen Parteien mit Hohn und Spott zurückgewiesen wurden. Außer der Sozialdemokratie trat keine Partei für die volle Gleichberechtigung des Weibes ein. Es soll nach wie vor das doppelt mißhandelte Objekt der.Gesetzgebung sein. Und wie steht es mit den sozialpolitischen Forderungen der Frauen? Hat man der wachsenden industriellen Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft Rechnung getrogen? Nein! Nicht einmal eine obligatorische Hebammenhilfe, keine ausreichende Schwangerschaftsunterstützung, die Spottgeburt einer Witwen-, Invaliden- und Waisenversicherung I Das ist alles. Das aktive und passive Wahlrecht zu den Verwaltungsorganen der Arbeiterversicherung verweigerte man den Frauen, die ja auch in der Gemeinde an allem Mitraten— aber nicht vom Steuerzahlen— ausgeschlossen sind. Kurzum: die Frauen werden auf allen Gebieten als unmündige Personen behandelt, soweit Rechte in Betracht kommen. DaS ist eine unerbittliche, nackte, aufreizende Tatsache. DaS ist die Bilanz. die die Frauen und besonders die Proletarierinnen am Schlüsse des Jahres 1911 ziehen können. Aber die, die sich als unbeschränkte Herren der Schöpfung behaupten, die Verächter der Frauenrechte, rufen im Wahl- kämpfe die Hilfe der von ihnen sonst als unmündig behcut- delten Frauen an, wenn es sich um Erlangung von Mandaten handelt. Den Frauen, die diesen politischen Rattenfängern folgen, wird das neue Jahr wieder bittere Enttäuschungen bringen. Im eigenen Interesse der Frauen liegt e». energffche Arbeit zu leisten, um eine große Zahl von Mandaten für die sozialdemokratische Partei zu erlangen, die Gleichberechtigung für Mann und Weib fordert. Von nicht zu unter- schätzender Bedeutung ist auch die Zahl der Stimmen, die für die Sozialdemokratie abgegeben werden als Gradmesser der Empörung, die die Massen beseelt. AuS der Empörung wächst der Wille und die Kraft zum Sturze der hartnäckigen Feinde der Gleichberechttgung der Fram Drum auf in den Wahlkampf Ihr Frauen! Durch Kampf zum Sieg im neuen Jahr! Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage. letzte ffocbrichtcm Das Massensterben der Obdachlosen. Sonnabend abend wurden sämtliche Obdachlosen bei der Aufnahme auf ihren Gesundheitszustand von den Aerzten untersucht und dabei mehr als 20 zurückgestellt, die Symptome von Krankheit zeigten. Da die Serum-Therapie fast in allen Fällen versagt hat, wurde den meisten der zurückbehaltenen Personen der Magen aus- gepumpt und dann wurden sie mit Morphium behandelt. Infolge dieser Maßnahmen ist die Zahl der Erkrankten, oft nur Verdächtigen, wiederum gestiegen. Sie be- trägt nun über 160, davon sind 65 gestorben und einige als geheilt entlassen. DaS geheimnisvolle Dun- kel über die Ursache der Erkrankungen ist noch nicht g e l ö st. An Fisch- und Fleischvergiftung glauben die beteiligten Aerztr nicht mehr; besonder? settdem die Erkrankten den Ge- nuß von Alkohol zugeben und den von Fischen usw. b e- st r e i t e n. Bei einer der am Sonnabend im Obdach erkrankten Per- sonen haben die Aerzte mit anscheinend bestem Erfolg den Magen sofort ausgepumpt. Der Mageninhalt soll untersucht werden. Vielleicht kommt auf oiese Weise schneller Licht in die Sache. Unter den Obdachlosen ist eine förmliche Panik ausgebrochen. Viele meiden jetzt d i e„P a l m e" in der Fröbelstraße und suchen die„Wiesenburg" in der Wiesenstraße auf, andere verlassen Berlin, um in den Vororten ein Unter- kommen zu suchen Wieder andere glauben durck» Alkohol der Erkrankung vorzubeugen und trinken noch mehr als sonst, dadurch vielleicht erst recht der Erkrankung Vorschub leistend. Wie amtlich gemeldet wird, waren bi» Sonnabend 11 Uhr der Polizei insgesamt 141 unter VergiftnngSerscheinungen Erkrankte gemeldet, davon sind 70 gestorben. Man glaubt, daß»« fich wobl in den ersten Fällen um Vergiftung durch verdorben« Fische, doch in zahlreichen anderen Fällen um andere Ursachen handelt. Daraui- hin wurde allen Asylisten dringend empfohlen, Schnap» au» einer bestimmten Destille wegzugießen. Demission deS türkischen Kabinett». Konstantinopel, 30. Dezember.(W. T. B.) DaS Kabinett gab seine Demission, weil die Deputiertenkammer beschlußunfähig war, nachdem sich die Mitglieder der Opposition aus dem Saal entfernt hatten, nm eine Debatte über Artikel 3S der Verfassung ,«»er- hindern. Die vergbaukonzefsionen in der französische» Kammer. Pari», 80. Dezember.(58. T B.) Bei der Debatte über da? Finanzgesetz richtete Baillant an den Minister die Anfrage, ob er die Bcrgbaukanzess.onen vor der Annabme deS Gesetzes, welche« das Bergbaugesetz von 1810 abändert, bewilligen werde. Der Minister antwortete: es liegen zahlreiche Gesuche um Konzessionen vor; ich werde sie aber nur dann bewilligen, wenn ich mich davon habe über- zeugen lassen, daß der Staat an dem Gewin» teilhabe» wird. Fünfhundert Arbeiter durch Fabrikbrand arbeitslo». Pari», 30. Dezember.(Meldung der„P.-C.") In einer Fabrik für mechanische Werkzeuge in Lille brach heute morgen ein großer Brand aus. der die ganzen Gebäude bis auf die Grundmauern ver- nichtete. Durch dieses Brandunglück sind 500 Arbeiter brotlos ge- worden. Der Schaden beträgt 1 600 000 Frank. Luch Or uck e t ei u. lkiTogionitaiF Paul Singer u. 0eTliFsw7 Kr. M. 28. ZslzrMg. ZöNkg. 31. DkZtN'-btt 1911 Das IßaficnfkrbcD der SbäsHIoien hat noch nicht sein Ende erreicht. Unausgesetzt werden neue Erkrankungen und neue Todesfälle von Obdachlosen gemeldet. Auch der Zustand der im Krankenhause seit Beginn der Ein- lieferungen in Behandlung befmdliche/a Personen ist so be- sorgniserregend, daß mit dem Abladen zahlreicher Patienten gerechnet wird. Während man bis Frostag abend um 8 Uhr III Erkrankungen mit 53 TodesfWen zählte, wuchs die Ziffer im Laufe der Nacht und des gestrigen Vornstttags auf 132 und 63, also um 21 neuerkranSie und 10 verstorbene Personen. Da bereits als erwiesen gilt, dast die Ursache nicht allein im Genuß verdorbener Bücklinge liegt, sv erscheinen die Massen- erkrankungen immer rätselhafter. Die Namen der Opfer, die J�eitag und Sonnabend der Wirkung des Giftes erlagen, sirch: der Schlosser August Schulz, der Tapezierer Wilhelm Schwach(31 Jahre alt), ein gewisser ch/ökrt?y.ebel(43 Jahr�, ein gewisser Gustav Lehmann � e'n gewis�r Wilhelm Weinberg(3s Jahre), ein gewisser W'.lhelqi Bi>oach(65 Jahre), ein Zimmermann Adolf Feuk�, ein gewi�r Gottlieb Zuchel, ein gewisser Wilhelm Rundmann(23. Jahre), ein gewisser Busse, ein gewisser Oskar Linke(4c> �'�re) und ein gewisser Otto Reif(31 Jahre). Obduziert Wurden gesteh vier Mann, die nicht im Asyl, sondern auf der Straße erkrankt sind und dort aufgefunden wurden: Der vi Jahre alte Schlosser Julius Gröger aus Neiße, der in der Madaystraßc erkrankte und im Krankenhaus am Urban starb, der 48 Jahre alte Arbeiter Hermann Ehrenpreis aus Groß- Ziethen, der in der„Wiesenburg" erkrantte und aus dem Wege nach dem Virchow- Krankenhause starb, der 32 Jahre alte Arbeiter August Rathey, den ein Schutzmann in der Georgcnkirchstraße auffand und nach dem Gewahr- fam des Polizeipräsidiums brachte, und der 48 Jahre alte Lumpenhändler Gottlieb Mecklenburg aus Szagatten, der in dem Volkskafec- und Speisehaus in der Vrückenstraße erkrankte und starb. Eine bedenkliche Nachricht kommt aus der Hausvogtei. Auch im StadtvogtcigkfängniS sind gestern Vorrnittag drei Männer erkrankt. Der Feilenhauer Oskar Jenszsch aus Oschatz, ein Mann von 41 Jahren, und die 30 und 41 Jahre alten Arbeiter Karl Rakowski mis Heiligenwald und Mathias Barontzak aus Karge. Jenszsch ist bereits gestorben. Seine Leiche liegt noch im Gefängnis. Die beiden anderen wurden nach dem Krankenhaiise in Moabit gebracht. TaS Ergebnis der Obduktion von vier Bsrstdrbenen war Wieder, wie in allen Fällen vorher und auch bei allen ganz gleich. Es zeigten sich überall genau dieselben Erscheinungen, im ganzen wie im einzelnen, auch bei Ehrenpreis, von dem es hieß, daß er vermutlich an epileptischen Krämpfen ge- starben sei. Bemerkenswert ist. daß Mecklenburg, der in dem Volkskaffee- und SpeisehanS starb, erklärt hatte, keine Mick- linge oder andere Räucherfische gegessen zu haben. Den gestrigen Obduktionen wohnten auch Vertreter des Reichs- gefundbeitsamtes bei. Auch dieser Behörde werden jetzt ein- zelne Teile vom Mageninhalt und von den Leichen zur ge- naueren Untersuchung übergeben. Gesondert behandelt wird alles, was von Mecklenburg zurüSbehalten wurde, mit Mick- ficht auf seine Behauptung, daß er keine Räucherfische ge- Nossen habe. Die Ursache« deö McssensterbenS der Obdachlose« sind auch bis heute noch nicht cinwandssrci festgestellt. In weiten Kreisen der Bevölkerung will niemand so recht an die Vergiftung durch den Genuß von Bücklingen glauben. Diese Zweifel verstärken sich mit jedem Tage, da immer neue Erkrankungen und Todesfälle gemeldet werden. Grund zu diesen Zweifeln liegt in der hohen Zahl der Erkrankten und Gestorbenen, von denen in einer Reihe Fällen feststeht, daß sie Scbaltjakre. Die meislen wissen bei einem solchen nur daS eine, daß eS statt 865 Tage deren eine» mehr zählt, nämlich 366 und daß dieser„ein- geschaltete" Tag dem kürzesten Monate, dem Februar, zugute kommt, der nun 23 Tage hat. Fragt man aber nun weiter, welcher von diesen Tagen der sogenannte„Schalttag" sei. so hört man sicher in 33 von 100 Fällen eben den 29. Februar nennen, während es in Wahrheit der 24. ist. Welch« Schwierigkeiten aber zu überwinden waren, ehe unter Papst Gregor XI II. im Jahre 1682 diese Kalender- Verbesserung zustande kam, ist wohl nur Fachleuten und Gelehrten bekannt. ES dürste daher nicht zwecklos sein, einen orientierenden Blick auf die Entwicklung des KalendcrwesenS zu werfen. Ein Jahr stellt bekanntlich den Zeitraum dar, in dem die Erde ihren Lauf um die Sonne einmal vollendet. Hierzu braucht sie genau 385 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. Das ist das söge- nannte Sonnenjahr, auch tropisches Jahr genannt. Daneben unterscheidet man da» sogenannte Mondjahr, nach dem in der alten Well und noch heute im Morgenlande vielfach gerechnet wird. Dieses bezeichnet den Zeitraum, innerhalb dessen der Mond zwölf- mal seine Phasen wechselt und ist um fast 11 Tage kürzer(etwa Löö Tage). Das Sonnenjahr umfaßt also rund 36514 Tage. Da nun bei Feststellung des Kalenders unmöglich mit Vi Tage gerechnet werden kann, und man sich aus 365 Tage festlegte, so mußten sich im Lause der Zeit Differenzen zwischen der Zeit- berechnung und dem Umlauf der Ende um die Sonne(Revolution), d. h. also zwischen dem eingeführten und dem wirklichen Jahre ergeben, die immer größer und unhaltbarer wurden, und es; stellte sich die Notwendigkeit eines Ausgleiches heraus. Dies tat zuerst Julius Cäsar mit Unterstüyung des alexandrinischen Astronomen Sosigenes. indem er die mittlere Tauer eines Jahres aus 365,>4 Tage festsetzle und zugleich bestimmte, daß immer auf drei..gemeine" Jahre von 685 Tagen ein sogenanntes„Sckmitjahr" von 366 Tagen zu folgen Hobe und der Sl. Februar als„Schalttag" gelte» sollte. Dieser sogenannte..julianische" Kalender erhielt sich »m Römerreiche und ging dann in die christliche Kirche über, u» der er bis auf diesen Tag noch in den dem sogenannten orthodoxen Glauben zugetanen Ländern l Rußland, Griechenland usw.) ge- bräuchlich ist(„alter Stil"). Aber die julianische Kalenderreform ist eine Halbheit: sie berücksichtigte den Ueberschutz von 6 Stunden heS Erdumlaufes um die Sonne, nicht aber, daß dieser statt 6 nur 5 Stunden, 48 Minuten, 46 Sekunden beträgt. Daher sind 123 Tage dieses Kalenders ungefähr um 1 Tag zu groß oder, astronomisch geredet, die Differenz Mischen dieser Berechnung und der wahren Umlaufszeit der Erde um die Sonne beträgt in 129 Jahren wieder etwa 1 Tag. So Nizäa(325) das nun dru notwendigen Ausgleich g. dienst des Papstes Gregor XllI(1572—1586). Da nämlich seit. TäsarS Zeiten ungesähr 13jjial 129 Jcchre vergangen waren, so hafte 1 keine Räucherwaren genossen haben. Die bisherigen Veröffentlichungen haben nach keiner Richtung hin Klarheit gebracht darüber, ob auch die im Obdach ausgegebenen Nahrungs- mittel wie überhaupt alle Einrichttlngen einer strengen Unter- suchung unterzogen worden sind und welche Ergebnisse diese Untersuchung gezeitigt hat. Die Oeffentlichkcit hat ein Recht, zu verlangen, daß alle Mittel angewendet werden, um die Ursachen der Katastrophe zu ennitteln. Wir sagen das nicht, um irgend welche Verdächtigungen aus- zusprechen, aber es ist in der Tat aufgefallen, daß bei den Untersuchungen mit keiner Silbe von dem Ergebnis der Untersuchung der Lebensmittelbestände der Anstalt selber die Rede war. Mit der fortgesetzten Beteuerung, in der Anstalt sei alles in bester Ordnung gewesen, werden die Zweifel nicht beseitigt vielmehr bestärkt. Schließlich haben die Fleisch- Vergiftungen im Virchow-Krankenhause doch auch bewiesen, daß das in den Anstalten verwendete Material durchaus nicht so einwandsfrei ist, wie das immer hingestellt wird. Es handelt sich durchaus nicht darum, der städtischen Verwaltung eins auszuwischen, sondern um in der Bevölkerung die Aufklärung zu schaffen, die sie zu verlangen hat. Auf eine andere Spur weist die Zuschrift eines Mannes hin, die uns durch den Genossen Adolf Hoffmann über- mittelt wird. Der Schreiber berichtet, daß er als Bau- klempner im Jahre 1909 auf dem Gebäude des Asyls und des Siechenhauses Tachreparatureu ausgeführt habe. Gegen über dem Siechenhausc befand sich eine bekannte Tonneu- und Fäfferlagerei. Der Brieffchreiber hat mit Kollegen gesehen, wie ein Kutscher ein Faß Heringe auf dem Straßendamm entleerte; es war das sicher keine einwandfreie Ware, sonst wäre mit ihr nicht so umgegangen worden. Es dauerte nur kurze Zeit, so kamen die Leute, die für Obdachlose gehalten wurden und lasen die Heringe auf. In den Fässern befanden sich auch Reste von Pökelfleisch, die gleichfalls den Obdachlosen. zugänglich waren. Wie uns Genosse Hoffmann mitteilt, soll sich diese alte Tonnenhandlung seit einem Jahre in der Moabiter Gegend befinden. Hungrige folgen solchen Abfällen wie die Raben. Genosse Hoffmann bittet um Mitteilung, Ivo solche Ablagerungsstätten von verdorbenen Nahrungsmitteln sich befinden. Es müsse auch diese Spur verfolgt werden, um alle Möglichkeiten zu erschöpfen. Von anderer Seite wird geschrieben: „Die Erkrankungen im Städtischen Obdach in der Fröbelstraste werden jetzt nicht mehr aus den Genuß von Bücklingen zurückgesühc.t, weil feststeht, daß eine ganze Anzahl der erkrankten und lafitn Obdachlosen in den letzien Tagen keine Bücklinge genosien haben. Die Ursache muß also anderwärts gesucht werden. Die beteiligten Aerzte glauben, oatz die Obdachlosen sich die Erkrankungen außer- halb des Obdachs zugezogen haben. Ueber die Ursachen ist man sich aber immer noch unklar. Die einen glauben, daß e» sich vielleicht um verdorbene» Fusel handelt, die andern, daß auch Wurstgist in Frage kommen könnte. Die Untersuchung wird jetzt auch n«ch dieser Richtung hin geführt. Es sind bereits an verschiedenen Stellen Wurstwaren, Schnaps usw. beschlagnahmt worden. Bielleicht wird dadurch Aufklärung geschafft und der Herd der Ec« krankungen verstopft. Bemerkenswert ist aber noch, daß in den Berliner Wärmehallen drei anscheinend leichte Fälle von Erkrankungen vorgekommen find. In dein ersten Falle stellte sich Erbrechen ein und in den beiden anderen Fällen wurden die beiden IKerionen in ein Krm, kenhaus befördert. Die Zahl der Erkrankungen hat heute im Laufe de« TageS abermals zugenommen. Die Zahl ist auf 125 gestiegen und die Zahl der Todesfälle auf 60 bezw. 63, wenn man die Todesfälle, die sich außerhalb der Krankenhäuser zugetragen haben, hinzuzählt. Noch auffallender wie die Zunahme der Erkrankungen im städtischen Obdach, ist der Uinftaird, daß das Aiyl in der Wiesenstraße von der Seuche verschont worden ist, daß vielmehr der Ge- sundheitszustmid in der„Wiesenburg" der allerbeste ist, obgleich dort käglrch 500 Obdachlose ausgeuonrmen werden und Pertonen verkehren, die im Obdach in der Fröbclstraße genächtigt haben. Der Andrang hat in der„Wiesenburg" mfolge der Erkranluiigen in der „Palme" ganz erheblich zugenommen, so daß dort täglich mehrere hundert Männer zurückgewiesen werden müssen. sich das Frühlingsäquinottium um 13 Tage auf den 15. März ver- schoben. Um es gemäß den Bestimmungen des Konzils von Nizäa auf den 24. März zu bringen, ließ man im Jahre 1532 10 Tage ausfallen, und eine päpstliche Bulle vom 24. Februar 1582 verord- nete, daß auf den 4. Oktober dieses Jahres sogleich der 15. folgen sollte. So ergibt sich die interessartte Tatsache, daß die Tage vom 5. bis 14. Ottober 1582 nicht existierlen(d. h. als Datum). Als Jckhreslänge wurden 365 Tage. 5 Stunden, 49 Minuten, 16 Se- künden angenommen und ferner bestimmt, daß zwar im allge- meinen, wie bisher, jedes Jahr, dessen Zahl durch 4 teilbar ist, ein Schaltjcchr von 366 Tagen sein solle, daß aber von den Schlußsahren der Jahrhunderte(1600, 1700 usw.) nur diejenigen Schaltjahre sein sollten, die mit 400 teilbar sind. So erklärt es sich, daß z. B. das Jahr 1900. das eigentlich ein Schaltjahr hätte sein müssen, ein „gemeines" Jahr war; dasselbe galt von den Jahren 1700 und 1800, während das Jahr 1600 em Schaltjahr war und das Jahr 2000 ein solches fein wird. Freilich hebt dieser sogenannte gregorianische oder„verbesserte" Kalender noch nicht alle Schwierigkeiten. Denn 400 wirkliche (tropische) Sonnenjahr« ergeben 146 096 Tag«, 23 Stunden, 25 Stunden, 7 Minuten, 400 gregorianische Jahre aber 146097 Tage, sind also um 2 Stunden, 53 Minuten zu groß. L a l a n d e schlug deshalb vor, all« 3000 Jahre noch einen Schalttag einzufügen, während ein anderer Gelehrter, H e i S, dies vom Jähre 3200 ab nllc 3200 Jahre tun wollte. Das hat indes noch gute Weile, und vorläufig erfüllt der gregorianische Kalender auf lange Zeit hinaus seinen Zweck. Uobrigens brach sich, und zwar aus konfessionellen Gründen, diese bedeutungsvolle Kalenderrcsorm nur sehr iangsam Bahn. Zur festgesetzten Zeit<15. Oktober 1582) wurde sie nur in Italien, Spanien und Portugal eingeführt; später lin demselben Jahre) folgten Frankreich, Lothringen und Belgien. DaS katholische Teutschland und die Schweiz schlössen sich 1583. Polen 1586, Ungarn 1587 an. Ueber 100 Jahre vergingen, ehe sich das p r o t e st a n- tische Deutschland zur Annahme des„verbesserten" Kalenders— man vermied den Namen des Papstes— entschloß(1689), und um auch hier gesinnungstüchtig zu erscheinen, wählte man zur Ein- führung Lnttiers Todestag, indem man auf diesen(18. Februar 1700) sogleich den 5. März solaen ließ. Noch später folgten Eng- land(1752) und Schweden(1753). Neuerdings werden auch in den orthodoxen Ländern, vor allem in Rußland, immer mehr Stimmen laut, die den Anschluß an den gregorianischen Kalender fordern. Denn die Difscrcnz zwischen diesem und dem julianischen, die zurzeit 13 Tage beträgt und naturgemäß immer größer wird. Hai namentlich für die GeschästSrelt schwere Unzuträglichketten, ja. Schadignngen im Gefolge, die sich steigern, je mckhr sich jene Länder der weftenropäischsn Kultur erschließen. Der 1. Januar und seine Konkurrenten. Dem 1. Januar, der von Julius Cästrr an die Spitze gestellt wurde, hat mancher andere Tag diese Ehre streitig machen wollen. Sein erster Rivale!var der 1. März, der vor Eäfars Bestimmung in Rom als NeujahrStag ge- Vahidewegllvg in Groß-Mti. Im ersten Berliner Reichstagswahlkreis fand am Freitag eine öffentliche Wählerversammlung bei Loewo in der Holzgartenstraße statt, in welcher Genosse B it b l i tz referierte. Nachdem er kurz die Ursachen der Reichstagsauslösung im Dezember 1906 und die für die Partei so ungünstig awsgesallenen Hottentottenwahlen behandelt hatte, ließ er die gesctzgcker/schen Arbeiten des soeben verflossenen Reichstags Revue passieren und führte somit den Anwesenden vor Augen, wie gering die VoiAeile und wie überaus nachteilig für die große Masse des Volles d« Beschlüsse des letzten Reichstags gewesen sind. An der Hand eines reichhaltigen Zahlenmaterials kennzeichnete er die durch die volksfei/tidlichen Beschlüsse geschaffene wirffchaftliche Lage. Er forderte die Anwesenden auf, dafür zu sargen, daß auch für den ersten Berliner Wahlkreis ein sozialdemokratischer Ver- treter in den Reichstag entsandt wird. Die Ausführungen wurden beifällsg aufgenommen. Die Diskussion, an der sich Gegner nicht beteiligten, bewerte sich somit völlig! im Sinne des Referats. Um Vi II Uhr erschien der Kandidat des Kreises, der Genosse Düwell, der eben aus einer im Tiergartenviertel stattgefundenen Versammlung eintraf. Er nahm sofort das Wort und machte die Versammelten mit den Bestrebungen und Zielen der Sozialdemo» kratie näher bÄannt. Auch seine Ausführungen fanden ungeteilten Beifall. Der Vorsitzende Genosse Lucht schloß die Versammlung mit einem Appell an die Anwesenden, und insbesondere an die Frauen, in der kurzen Spanne Zeit bis zu den � Wahlen ihre Pflicht zu tun, damit amz 12. Januar der sozialdemokratische Kandidat, Genosse Düwell, au» der Wahlurne als Sieger hervorgeht. 9 Zweit/r Wahlkreis. Die ReichstagSwahl, und wen wählen wirh Ueber di/ses Thema sprach am Freitag der Kandidat des Kreises, Gonosse Richard F i s ch er, zu einer öffentlichen Wählerversamm- lang ki der Anhaltischen Ressource, Möckernstraße. Der Redner gab im kräftigen Zügen ein Bild von der politischen Lage, wie sie sich feit den Hottentottenwahlcn von 1907 entwickelt hat. Damals sollte eine liberale Aera beginnen, aber das Resultat ist, daß die Reaktion jetzt offener rhr Spiel treibt, und sich sicherer im Sattel fühlt als je zuvor. Nun rufen die Liberalen wieder: Bürger heraus zum Kampf gegen den schwarz-blauen Block! Wäre es ihnen ernst mit diesem Kampf, sie könnten keine besseren Kampfgenossen finden als'uns Sozialdemokraten. Aber gegen die Sozialdemokratie wollen sie, eben auch den Kampf führen.— Der Redner wies an einer lctngen Reihe von Tatsachen nach, daß, wo es sich um die Demolra- (k.sierung des Staatswesens und um die Interessen der großen Massen des Volkes handelt, auf die Freisinnigen ganz und gar kein Verlaß fft. Prinzipiell und ibrem Programm nach spielten sie sich als strikte Gegner der indirekten Steuern auf, als es aber zum Klappen kam, waren sie gleicki bereit, bei 100 Millionen Mark sogenannter Bcfitzsteuern 400 Millionen Mark Steuern zur Be- lastung der breiten Vollsmassen zu bewilligen, und in der Tabak» steuerkommission des Reichstags war es Herr M o m m s e n, der jetzige Fortschrittskandidat des zweiten Kreises, der sogar Vorschläge zu indirekten Steuern machte. Die Freisinnigen werfen uns nun perfide Kampfesweise vor, weil in unserm letzten Flugblatt irr» tümlich behauptet war, sie hätten in zweiter Lesung für den Kaffee- und Teezoll gestimmt, was allerdings nicht den Tatsachen entspricht. Aber haben sie ein Recht, dieses Irrtums wegen uns Perfidie vorzuwerfen? War es doch ein FreisinnSabgeordnter» Herr Hormann-Bremen, der nicht nur für den Kaffee�' iina Teezöll war, sondern auch noch vorschlug, die Surrogate zu versteuern, also die Zichorienbrühe der Aermsten, was selbst der Regierung; zu weit ging. Und Herr M o m m s e n war es, der sich gegen die Erbanfallsteuer des Staates wandte, als sei sie ein ganz verwerf» licher Eingriff in das Privattecht.— Die Freisinnigen verkünden in ihren Flugblättern, daß es prinzipielle Gegensätze sind, die sie von uns trennen, und sie stellen die Behauptung auf, daß die Gefahr eines Rückschlags und einer inneren Krise um so größer werde, je mehr die Zahl der sozialdemokratischen Mandate anwachse. Aber der Kampf gegen das Junkertum, den auch sie zu führen vorgeben, ist ja gerade, wenn er ernst genommen wird, die innere Krise. Wenn Heydebrand v. d. Läse erklärt: Wir müssen durch das rote Meer hindurch, so sagen wir: Mir müssen durch die innere Krise hindurch! Der Wolf der Reaktion läßt sich nicht am Seidenband führen; er muß totgeschlagen werden, will man sich nicht von ihm fressen lassen. Wollen sich die Freisinnigen fressen lassen, möge eS ihnen wohlbekommen. Dann behaupten sie, daß wir nur Klassenpolitik trieben, sie aber die Gesamtheit gölten hatte. Zu ihm kehrten die Christen, die von dem mit wüsten Gebogen und wildem Mummenschanz gefeierten Januar-Neujahrs- fest der heidnischen Römer nichts wissen mochten, schon im 5. Jahr- hundert zurück. Den 1. März als Jahresanfang feierte z. B. die Republik Venedig bis zu ihrem Untergange, aber daß gerade dieser Neujahrstag viel Anklang gefunden hätte, kann man doch nicht sagen. Weit beliebter war in dieser Hinsicht jedenfalls der 25, März. Diesen Tag. an dem man das Fest Maria Verkündigung feierte, ließen namentlich die Italiener— einer kirchlichen Verordnung gemäß— gern als des Jahres ersten Tag gelten. Wer sich an diesen Neujahrstag hielt, der rechnete nach„Marienjahren", und dies tat man im Mittelalter in Deutschland auch in den Diözesen Trier und Köln. UebrigenS hat man auch in England bis zum Jahre 1752 dem 25. März die Würde des Neujahrstages gegeben. Außer dem„Marienjahr" gab es aber auch noch ein sogenanntes „Osterjahr". Wer die Zeit nach diesem einteilte, für den begann das Jahr mit der Vesper des Karsonnabends. in der die Osterkerze geweiht wurde. Viele deutsche, namentlich auch viele französische Städte rechneten nach„Osterjahren". In Italien aber wurde eS gar einmal Made, das neue Jahr mit dem 1. September zu be. ginnen. Dieser Brauch war von Byzanz eingeführt worden, Ivo die Christen diesem Datum den Platz am Jahresanfang zugewiesen hatten. Der Tag aber, der gerade in deutschen Landen dem 1. Ja- nuar die gefährl'chste Konkurrenz machte, das lvar vor allen Dingen der 25. Dezember, das Weihnachlsfest. Da schon die alten Ger- manen die Wintersonnenwendnacht als Jahresanfang gefeiert hatten, lag ihren Nachkommen die Vorliebe für gerade diesen Zeit- Punkt nahe. Besonders lebhaft verttat auch Luther die Meinung, daß Christt Geburtsfest und Jahresanfang zusammenfallen müßten. Der 1. Januar kam schließlich im 16. Jahrhundert zur Herrschnft, als Europas Vissker nach und nach den Gregorianischen Kalender annahmen, bis auf die Russen. Einmal in neuerer Zeit ist der I. Januar wieder für eine Weile„entthront" worden. Man stürzte ihn in Frankreich zur Zeit der großen Revolution, indem man am 5. Oktober!793 den neuen Kalender einführte, demzufolge das republikanische Jahr mit der Herlsst-Tag. und Nachtgleiche, also dem 22. September, begann. Im Jahre 1805 bereits gab aber Napoleon dem 1. Januar die frühere Bedeutung wieder. Tripolitanische Arbeiter. DaS Genueser„Lavoro" bringt einen Artikel über die Arbeiterverhältnisse in Tripolis. Die dortigen Arbeiter find nach Art der mittelalterlichen Gilden organisiert und jode einzelne Berufsklasse scheidet sich noch nach Raffe, Religion und Stadtviertel. Die Hafenarbeiter sind Araber und zeichnen sich durch eine ungeheure Muskelkraft und eine geradezu unglaubliche Sicherheit der Bewegungen aus. Die Juden üben andersartige Berufe aus. Außer Kaufleute sind sie herumziehende Händler, Stiefelputzer und Fremdenführer, im Nebenamt betätigen sich einige von ihnen auch als Kuppler. Das Gros der Arbeiterschaft wird aber durch Sudanesen gebildet. Diese sind die hauptsächlichen Feld- arbciter. Tie intelligentesten von ihnen verwertet man für häus» liche Dienste. Wogen ibrer großen Treue genießen sie das Ver» des Volkes berkreken. Tatsächlich aber liegt die Sache so, daß ihr« Politik eine Klassenpolitik der Besitzenden ist und naturgemäß auch sein muß, während wir in allen Fragen die Interessen der Arbeiter- kckaft und der kleinen Leute in jeder Hinsicht wahrnehmen, die Interessen aller derer, die unter dem Mammonismus und Absolu- tismuS zu leiden haben. Die ganze Geschichte der Sozialdemokra.tie liegt da wie ein offenes Buch und beweist diese Behauptung. Darum muß sich jeder, der unter den gegenwärtigen Zuständen leidet, dar- über klar sein, daß er nur der Sozialdemokratie seine Stimme geben kann.— Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine Diskussion nicht, da sich trotz Aufforderung kein Gegner zum Wort meldete. Zum Schluß forderte der Vorsitzende Genosse Schröder zu eifrigster Tätigkeit für die Kandidatur des Genoffen Fischer auf. » Im dritten Wahlkreis fanden am Freitag abend zwei öffentliche Wählerversammlungen statt. In den„Rittersälen", Ritterstraße, wo der Stadtverordnete D u p o n t referierte, war die Versammlung recht gut besucht. Hier hielt der Kandidat des Kreises, Wilhelm P f a n n k u ch, zuerst eine Ansprache, ist der er mit scharfer Kritik dem Freisinn als alten Blockbruder der Reaktion zu Leibe rückte und an Hehdebrands bekannte Stichwahlparole der neuesten Zeit erinnerte. Wem solche Anerbieten von den Konservativen gemacht werden dürfen, der verdiene das größte Mißtrauen. Die Sozial- demokratie müsse und könne der eigenen Kraft vertrauen und alles aufbieten, um den 12. Januar zu einem Ruhmestag der Partei zu machen. fGroßer Beifall.) Der Referent Paul Dupont gedachte einleitend der Opfer im Asyl der Obdachlosen und stellte ihr Elend in Vergleich mit dem Glanz und Reichtum der Besitzenden; er sprach dann von den Bestrebungen der Sozialdemokratie, ein solches Elend unmöglich zu machen, von ihrer hohen Kulturmission zum Besten des Volks- ganzen, und er forderte zu ihrer Unterstützung auf. ES gehe eine mächtige Bewegung durch die Volksmassen, die zu den schönsten Hoffnungen berechtige; die Partei mache Fortschritte auf dem Lande, sogar in Gegenden, wo die größten Schwierigkeiten zu über- winden sind. Man sollte sich aber nicht in Sicherheit wiegen und die Erwartungen allzu hoch spannen, denn der Sieg könne nur durch die größten Anstrengungen erreicht werden und jeder müsse sein Teil dazu beitragen.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion kam die im„Vorwärts" schon kritifierte Versammlung der Liberalen vom Donnerstag abend zur Sprache und es wurde gewünscht, daß die Parteigenossen solchen VersaMm- lungen fernbleiben oder sich beim Besuch sehr reserviert verhalten und ihren Gleichmut bei Provokationen nicht verlieren.— Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit einigen Hinweisen auf die Notwendigkeit eifriger Agitation im Kreise. Im„Dresdner Kasino" referierte Parteisekretär E b e r t, der mit großen Strichen die Sünden der Mehrheitsparteien kenn- zeichnete, und eine umfassende Schilderung gab von dem, was der Reichstag geleistet hat und was er hätte leisten können und müssen, wenn die Wähler von 1907 sich nicht hätten düpieren lassen und einen Stimmzettel abgegeben hätten für diejenige Partei, die stets die Interessen des Volkes wirksam und nachdrücklich vertreten hat. Bezüglich der Sozialpolitik erklärte der Redner: So unfruchtbar wie dieser verflossene Reichstag sei noch keiner gewesen. Und die Wähler von 1907 hätten in den 5 Jahren soviel Lasten aufgepackt erhalten, daß sie wohl diesmal von ihrem Stimmrecht einen zweck- mäßigeren Gebrauch machen würden. Speziell das Verhalten der Liberalen bei den verschiedenen Fragen im Reichstag gab dem Redner Gelegenheit, den heutigen Liberalismus gebührend zu charak- terisieren. Wo es gegolten habe, die Rechte der breiten Massen wahrzunehmen, sei es gegen das persönliche Regiment, sei es gegen das wahnsinnige militärische Wettrüsten, gegen die wüste Kriegs- Hetze, gegen die ungeheuren Lasten in Steuern und Abgaben— überall war es unsere Partei, die unerschütterlich und unverrückbar ihrem ganzen Programm und ihrer Ueberzeugung gemäß den tradi- tionellen Weg eingehalten hat und somit mit Fug und Recht sich als die einzige, ehrliche Verfechterin der Volksinteressen bezeichnen könne. Zum Schlüsse geißelte der Redner die jüngsten Anschläge auf das Koalitionsrecht und ließ seinen Vortrag in einem zünden- den Mahnruf ausklingen. Wer wolle, daß die weitere Entrechtung des Volkes verhindert und das Volk von neuen weiteren Lasten be- wahrt bleibe, mutz am 12. Januar seine Stimme unserm alten sturmerprobten Genossen P f a n n k u ch geben, so daß er mit über- wältigender Majorität gewählt in den Reichstag einzieht.(Großer Beifall.) Eine Diskussion fand nicht statt. Nun nahm Genosse P f a n n k u ch, der Kandidat vom dritten Berliner Reichstagswahlkreis, das Wort zu einer kurzen Ansprache. Der Freisinn habe den Herrn Rechtsanwalt Rosbach als Kandidaten nominiert und wolle den dritten Kreis wieder erobern. Wir brauchten uns nicht auf Prophezeiungen einzulassen, aber er, Redner, trauen ihrer Herren und sollen besonders als Kinderwärter eine große Anhänglichkeit an den Tag legen. Hohes Ansehen unter der Arbeiterschaft genießt die Gilde der Weber. Wie im alten Florenz in den Werkstätten der Weber Künstler und Gelehrte zusammen- kamen, um über die Tagesereignisse zu reden, so geschieht dies auch heute in Tripolis. Während die Zahl der Bäcker gering ist, da die meisten Frauen das Brot täglich selbst im Hause backen, sind die Müller sehr zahlreich, und sie sind vorwiegend Sudanesen. Wie die Müller leben auch die Schneider vorwiegend in einer besonde- ren Straße. Sie arbeiten vor der Tür ihres kleinen Ladens. Die Schneider, die europäische Kleider anfertigen, wohnen in einer anderen Straße als jene, die die Kleider der Eingeborenen liefern. Während Bäcker und Müller schlecht und die Schneider nur mittel- mäßig bezahlt werden, gehören die Silber- und Filigranarbeitcr zur Aristokratie der Arbeiterschaft. Sie selbst verkaufen die Arbeit, die sie herstellen. Im ganzen ist das Handwerk die vorwiegende ProduktionSform, aber neben ihm gibt es schon heute ein eigent- liches Proletariat, wie das der Hafenarbeiter und derer, die die Textilpflanze Nordafrikas, den Spalto, in mit mechanischer Kraft betriebenen Werkstätten verarbeiten. Notizen. — Zeitschriftenschau. Das Januarheft der„Neuen Rundschau"(S. Fischers Verlag) bringt ein bisher unveröffent- lichtes fünfaktiges Drama von Gerhart Hauptmann: „Gabriel Schillings Fluch t", ein Stück aus dem modernen Leben, das den Konflikt und die Tragödie eines Künstlers schildert. der vom Schicksal zermürbt wird. Hauptmann beschränkt sich auf diese Buchveröffentlichung und denkt eventuell nur einmal an eine intime Aufführung. Das Werk stammt aus dem Jahre 1905. — Ein neues„jiddisches" Theater in London. Aus London wird berichtet: Der Bau des„jiddischen" Volkstheaters in Eommercial Road, dem Mittelpunkt des jüdischen Viertels, ist nahezu vollendet. Die Kosten des Gebäudes hetragen mehrere tausend Pfund, die in Einpfundnoten von den armen Juden Lon- dons zuiammengcbracht wurden. Man erwartet, daß das jüdische Drama im eigenen Hause ebenso blühen wird, wie es in New Zork der Fall ist. Wie der jüdische Dramatiker Asch ankündigt, ist es ihm gelungen, Reinhardt für das Theater zu interessieren. — Das Museum des Pferdes. Man könnte unser Jahrhundert das der Museen nennen, denn überall werden solche Institute eröffnet, in denen das Vergangene oder das Vergehende sorgsam registriert und im Abbild aufgestellt, der Nachwelt bewahrt wird. So hat man denn in Frankreich den Plan gefaßt, dem Pferde ein Museum zu widmen, denn kühne Propheten wollen ja auch diesem uralten Kulturfreunde der Menschheit in unserem Zeitalter der Automobile und Maschinen den Untergang voraussagen. Als Ort ist das alte Schloß von Samur ausersehen. Mit der Geschichte des Pferdes soll zugleich die Geschichte jener Instrumente dargestellt werden, die zu seiner Zähmung, seiner Ausnutzung und seinem Schmuck verwendet wurden. Dem Wagen und seiner Entwickelung soll eine besondere Abteilung gewidmet werden. habe das feste Vertrauen, daß die Genossen an der Tradition der deutschen Sozialdemokratie festhalten und dafür sorgen werden, daß der 12. Januar für unsere Partei sich zu einem Ehrentag gestalte. Ein freisinniges Flugblatt glossierte der Redner unter ständiger Heiterkeit der Versammlung. Auf eine Stelle des Flug- hlatts eingehend, das vom Mittelstand handelt, erklärt der Redner: Wenn der Mittelstand und das Kleinbürgertum ihre Interessen begriffen haben, dann müssen sie Schulter an Schulter mit uns kämpfen, denn das eine sei sicher: Wenn die deutsche Arbeiter- klasse keinen ausreichenden Verdienst, keine entsprechenden Löhne erhält, dann sei es aus mit dem Mittelstand. Die Verteuerung der Lebensmittel und Gebrauchsartikel laste schwer auf Arbeiter und Mittelstand. Hat der Arbeiter anständigen Verdienst, dann kann auch der kleine Handelsstand leben. Strich für Strich kenn- zeichnet Redner die Praktiken des Freisinns an älteren und neueren Beispielen. Wollen die Wähler noch weitere Lasten tragen, dann sollen sie den Freisinn wählen, wenn nicht, dann muß die Front sich gegen den Freisinn richten und demselben am 12. Januar eine Niederlage bereiten, die ihm da? Wieberkommen verleidet.(Leb- bafte Zustimmung und großer Beifall.) Mit einem Hoch auf unsere Partei schloß die Versammlung. Eine ungewöhnlich stark besuchte Wähkerbersammlung für den fünften Kreis tagte am Freitag im großen Saale der Brauerei Friedrichshain. Der Referent, Genosse Eduard Bernstein, ließ die Handlungen der Mehrheitsparteien im verflossenen Reichstage Revue passieren und zeigte, wie sie bei den verschiedensten Gelegen- heiten dem Volke die Rechte geschmälert und neue Lasten auf- gebürdet haben. Es muß unter allen Umständen verhindert wer- den, daß diese Mehrheit wieder in den Reichstag kommt. Der Redner kennzeichnete die Stellung der bürgerlichen Parteien zu den schwebenden politischen Fragen und zeigte, daß sie alle bereit sind, für die stets wachsenden Kriegsrüstungen in Heer und Flotte zu stimmen und das Volk dadurch aufs neue zu belasten. Weiter zeigte der Redner, welche Gefahr in den ungeheuren Rüstungen der Mächte besteht. Diese Rüstungen müssen einmal zu einem Kriege führen, obgleich 99 Proz. der Bevölkerung aller Kultur- Nationen das. dringendste Interesse am Frieden haben. Die gewissen- losen Kriegshetzer wollen uns glauben machen, daß England der Feind Deutschlands sei. England, das einer der größten Abnehmer für den deutschen Warenerport und das einzige Land ist, welches unsere Waren zollfrei hereinläßt, während alle anderen für den deutschen Außenhandel in Frage kommenden europäischen Länder, darunter unser Erbfreund Rußland und unser Verbündeter Oester- reich, sich mit Zollwällen umgeben haben. In der ganzen Welt blickt man jetzt mit Spannung auf die deutschen Reichstagswahlen. Deutschland ist gegenwärtig das unbeliebteste Land, weil es ein beunruhigendes Element in der Weltpolitik bildet. Wenn auch der schwarzblaue Block durch eine Vermehrung der liberalen Mandate aufgehoben werden sollte, so dürfen wir daran keine Illusionen knüpfen. Die Liberalen haben ja da? Bündnis mit den Konserva. tiven gegen� ihren Willen aufgeben müssen. Aber eine Hoffnung haben die Freunde des Friedens auf gute Beziehungen zwischen den Nationen. Diese Hoffnung stützt sich auf die deutsche Arbeiter- klasse, denn sie ist ein Hort des Friedens. Wir wollen diese Hofs- nung bestätigen. Reichen wir über alle Hetzereien hinweg dein englischen Volke die Bruderhand.(Lebhafter Beifall.) Wir wollen keinen Krieg, keine Hetzerei. Rüsten wir uns zu der großen Ab- rechnung mit den Feinden des Friedens und den Feinden des Volkes. Legen wir unsere Stimmen für die Sozialdemokratie in die Wage, um gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu kämpfen und zu pro- testieren gegen die Verhetzung der Völker. Wir werden nicht ruhen, bis wir das Ideal aller edel denkenden Menschen verwirklicht haben: den großen Völkerbund, die Völkerrepublik.(Stürmischer Beifall.) Dem Vortrage folgte ehte Diskussion, in der ein Mitglied der demokratischen Vereinigung gegen die Freisinnigen entschieden Stel- lung nahm und betonte, daß seine Parteifreunde in allen Kreisen, wo sie keinen eigenen Kandidaten aufgestellt haben, für die S o z i a l- demokratie stimmen werden.�— Zwei andere Redner sprachen im wesentlichen im Sinne der Ausführungen des Referenten.— Der Vorsitzende Friedländer schloß die Versammlung, indem er die Anwesenden zur regen Beteiligung am Wahlknmpf auf- forderte und betonte, es komme nicht nur darauf an, daß unser Kandidat Robert Schmidt siegt, sondern daß er mit einer so großen Mehrheit siegt, die es den Freisinnigen, die sich schon zetzt nicht mehr ernsthaft am Wahlkampf beteiligen, verleidet, in Zukunft selbst mit einem R e t t i g noch den Kampf zu markieren. Wilmersdorfer Rassen-AutisemitismuS. Auf recht sinnige Manier sucht das Sprachrohr der WilmerS- dorfer Konservativen, die„W i l m e r s d o r f e r Zeitung", in der gegenwärtigen Zeit der Reichstagswahlen für die Einigung der bürgerlichen Elemente Propaganda zu machen. Seit zwei Tagen sind der„amtlichen Zeitung für Bekanntmachungen der städtischen Behörden usw." Flugblätter beigelegt, die der„Hammer-Ver- lag Th. Fritsch" in Leipzig herausgegeben hat. In diesen hübschen Beigaben zu dem konservativen Blatt feiert der unverfälschte Anti- semitismus der achtziger Jahre seine fröhliche Auferstehung. Auf welchen Ton die hier zum Wort kommende Rassenverhetzung gestimmt ist, zeigt die folgende gegen die Juden gerichtete Stelle aus einem der Flugblätter:„Hat sich doch dieser arbeitsscheue Nomade sogar zum Führer der ehrlichen Arbeiter auf- geworfen, um sie irre zu leiten und sie leichter für seine eigen- nützigen Zwecke zu mißbrauchen. Er reizt sie auf gegen ihr eigenes Volk und Vaterland und gegen die übrigen rechtschaffenen produktiven Stände. Er hetzt sie in Streiks, A u f st ü n d e und Krawalle hinein, bloß um durch solche öffentliche Beunruhi- gungen die Börsenkurse zu seinen Gunsten zu beeinflussen und Fürsten und Regierungen einzuschüchtern." Weiter wird dem Juden nachgesagt,„er stiehlt wie ein Zigeuner und lacht Dich aus, wenn Du Hintsr ihm herschimpfst", auch heißt es, der Jude wolle das Volk durch innere» Unfrieden wehrlos machen, er sei der schlimmste Freiheitsräuber und Volksunterdrücker, der geborene T e r r o r i st. Zum Schluß werden die„deutschen Brüder" aufgefordert, einig zu sein, „um diese Fremdherrschaft abzuschütteln". Ein zweites Flugblatt, das der vom 30. Dezember datierten Nummer d?S Wilmersdorfer Lokalblattes beigefügt war, ist mit einer An- zahl Zitate gegen die Juden geschmückt und verschmäht um des menschenfreundlichen Zweckes willen selbst nicht, mit angeblichen Aussprüchen von Marx und Lassalle aufzuwarten. Auch dieses Flugblatt schließt mit dem Appell an die„deutschen Brüder", unser Volk„von einer„fürchterlichen Schmach befreien zu helfen." Es ist nicht zum geringen Teil gerade der sozialdemokra. tischen Aufklärung zu danken, daß in Deutschland keine Möglichkeit für P r o g r o m e besteht und die Propaganda des Nassenantisemitismus nur Heiterke,itserfolge auslöst. Aus diesem Grunde mögen auch die jüdischen Mitglieder der großen„unpolitischen" Stadtverordnetenfraktion, deren Interessen die„Wilmersdorfer Zeitung" im wesentlichen vertritt, sich durch die anheimelnde Beigabe zu ihrem Leib, und Magenblatt nicht sonderlich aus der Fassung bringen lassen. Schöneberg. In zwei öffentlichen VollSversamm- lungen, die am Donnerstag in den Neuen RathauSiälen und in Oeffs Festsälen stattfanden, sprachen die Genossen Artur Stadt- Hagen und R. K ü t e r über den Volksverrat der bürgerlichen Parteien, die statt Rechte dem Volke neue indirekte Steuern gegeben und in die Gefahren eines Krieges hineiuhetzen wollten. Da beab- sichtigt wird, neue Heeresvorlagen zu bringen und das Koalitions- recht zu verschlechtern, so muß alles eingesetzt werden, um eine gründliche Abrechnung am Wahltage mit den bürgerlichen Elementen zu halten. Diese Versammlungen waren auch insofern von großer Bedeutung, als der größte Teil der Besucher zum ersten Male der- artigen Veranstaltungen beiwohnte und ganz besonders die Frauen mit lebhaftem Interesse den Ausführungen der Referenten folgten und reichen Beifall zollten. Am Schlüsse der Versammlung wurde auf die am Donners- tag. den 4. Januar, in der Schloßbrauerei und ini L i n d e n p a r k stattfindenden Volksversammlungen hin- gewiesen und zum zahlreichen Besuch aufgefordert. WilmerSborsi-Halcnsee. Am Freitag fand im Viktoria-Garten, Wilhelnisaue, ein« überfüllte Versammlung statt. Das Referat hatte der seitherige Abgeordnete des Kreises, Genosse Z u b e i l, übernommen. In treffenden Ausführungen schilderte er den Ver- rat des Reichstages an dem Volke und machte darauf aufmerksam, daß jetzt ebenso wie 1907 der patriotische Rummel in Szene gesetzt wird. In scharfen Worten kritisierte der Redner dann die Haltung der Demokratischen VerSinißung. In der Diskussion mÄdete sich niemand zum Wort. Zum Anfang und am Schluß der Versamm- lung brachte der Gesangverein Männerchor Wilmersdorf einige Kampflieder wirkungsvoll zum Vortrag. (3ev>erkscbaft!icdeg. „frehviUige" Beitrag an die Kaffe der Baufcbarfm�er. Bom rheinisch-westfälischen Bezirk Ardeitgeberbunde» für das Baugewerbe wird zurzeit folgendes dkteressante Zirkular verbreitet: „Zur gefälligen Beachtungl Um für die Folge Streiks und Aussperrungen int Baugewerbe nach Möglichkeit zu vermeiden, ist die S ch a ffust� eines Wehrschatzes in dem deutschen Arbeitgeb u n.d für dqs Baugewerbe beschlossen. Da nun die Arbeitgeber des BaugetverbeS nicht allein, sondern auch die Baumaterialcnhändler und Lieferanten großes Interesse an dem Frieden im Baugewerbe haben, so kann den Arbeitgebern des Baugewerbes nicht zugemutet werden, neben den erheblichen Beiträgen hierfür allein daS Geld für den Wehrschatz auszubringen. Es ist daher vereinbart, daß die Bau- Materialienhändler und Lieferanten zur An- sammlung des Wehrschatzes beitragen, indem sie vom 1. Januar nächsten Jahres ab ein Zehntel Prozent des Rechnungsbetrages in Form einer Marke, die bei der Geschäftsstelle Essen, Kasterstraße 86. zu haben sst, und jedesmal auf die Rechnung zu kleben ist, als Rabatt gewähren. Unsere Mitglieder wollen Waren nur von den Lieferanten beziehen, die in der oben er- wähnten Weise die allgemeine Sache des Baugewerbes unterstützen." Für die Lieferanten heißt es da einfach:»Bogel, friß oder stirb!" Dieselbe Gesellschaft aber, die ihre Kassen auf solche bedenklich nahe an Erpressung grenzende Weise füllt, wird nicht müde, über den angeblichen Tcrrorismus der Arbeiter zu schreien und gegen diese Zuchthausgesetze zu ver- langen. Die Bauarbeiter aller Berufe werden aus dem Zirkular des Scharfmacherverbandes sicher einen neuen Antrieb entnehmen, auch ihre Organisation so stark und schlagkräftig zu machen wie nur möglich._ Berlin und Qmzegend. Die Sonntagsruhe der Bäcker. Der Vorsitzende des gelben Bundes der Bäcker, Wisch» növski, versendet an die Presse einen Artikel, welcher sich auf die Ausführungen bezieht, die wir in Nr. 295 de?„Vorwärts (jegen die irreführende Reklame des gelben Bundes mit seiner «onntagsruhe machten. Wie jene Presseäußerungen, die unS zu unseren Ausführungen vcranlaßte, so sucht auch der jetzt von WischnövSki verjaicdte Artikel die Oeffentlichkcit irrezuführen, indem er sich bemüht, den Anschein zu erwecken, als ob der Backer- verband gegen die gesetzliche Einführung eines wöchentlichen Ruhe- tages, oder doch einer Sonntagsruhe sei, während der gelbe Bund für die Verwirklichung dieser Forderung eintrete. Den Bäcker- verband als den Feind eines vom gelben Bunde vertretenen sozialen Fortschritts hinzustellen, das ist der Zweck des Schreibens des Herrn WischnövSki. Um diesen Zweck zu erreichen, drückt er sich geschickt um den Kernpunkt der Frage herum, nörgelt aber desto mehr an belanglosen Nebensächlichkeüen. Wir lassen diese einst- weilen außer acht und stellen zunächst die Hauptsache fest. Der Bäckcrverband kämpft seit Jahren für die Gewährung eines 36 st ü n d i g e n Ruhetages in jeder Woche, wodurch die übliche 7schichtige Arbeitswoche der Bäcker in eine öschichtige umgewandelt werden würde. Der gelbe Bund hat diese For- oerung von jeher bekämpft und bekämpft sie heute noch. Als die Bäckermeister in verschiedenen Großstädten sich genötigt sahen, die Forderung des Verbandes anzuerkennen, da kam ihnen der gelbe Bund zu Hilfe, indem er seinerseits die Forderung der 22 ständigen Sonntagsruhe aufstellte und deren Einführung durch Polizeiverordnung propagierte. DaS war ein Manöver nicht im Interesse der Gesellen, sondern zugunsten der Meister. Sagte doch. WischnövSki, als er die Bundcsforderung auf dem Jnnungsverbandstage 1911 begründete: Es müsse etwas geschaffen werden, denn sonst werde die Regierung mit eisernem Besen Ordnung schaffen.— Also die Furcht, es könne durch Ge- setz oder Verordnung der vom Verband« geforderte Ruhetag ein- geführt werden, war es. was den gelben Bund vcranlaßte, die völlig unzulängliche Forderung der 22stündigen Sonntagsruhe aufzustellen, gegen die sich der erwähnte Jnmmgstag übrigens ebenso entschieden erklärte, wie gegen den 36stündigen Ruhetag der Verbandssorderung. Es ist richtig, daß sich der Verband gegen die Forderung deZ Bundes nach Einführung der 22stündigen Sonntagsruhe wendet. Das betont WischnövSki in allen- seinen Publikationen; aber er verschweigt mit Bedacht die ihm wohlbekannten Gründe des Ver- bandes.— Dem Verbände ist es nämlich durch seine Lohnkämpfe gelungen, den teils allwöchentlich, teils alle zwei oder drei Wochen zu geivährcnden 36stündigcn Ruhetag in erheblichem Umfange zur Anerkennung zu bringen. Dieser Ruhetag besteht in Hamburg fast ohne Ausnabmc, in Berlin für zwei Drittel aller Bäcker- gesellen, in Frankfurt a. M. sowie in den Brotfabriken der meisten großen Städte. Außeroem haben sämtliche Bäckereien in den Re- gieruiigsbezirken Münster und Düsseldorf auf Grund einer Landes- polizciverordnung einen Ruhetag, welcher der Forderung des Ver- bandes zwar nicht ganz entspricht, aber doch weit hinausgeht Über die Forderung des gelben Bundes.— WischnövSki behauptet, die Forderung des Verbandes sei für höchstens 10 000 Gesellen durch. geführt. Ter Verband aber kann nachweisen, daß mindestens 15 000, wahrscheinlich sogar 20 000 Gesellen den ein ihm geforderten Ruhetag haben. Diese Errungenschaft würde mit einem Schlage beseitigt werden, wenn durch Verordnung die 2 2 stündige Sonntagsruhe eingeführt werden sollte! Wischnövski behauptet, der 3estündige Ruhetag sei auS tech- nischcn Gründen undurchfiihrbar. Die Tatsache, daß dieser Ruhe- tag in dem erwähnten Umfange bereits besteht, beweist, daß Wisch-' növskiS Behauptung nicht zutrifft.— Aber, für die Mehrheit der Bäckergesellen, die jetzt noch gar keinen Ruhetag habe», ivürde doch die 22stündige Sonntagsruhe ein Fortschritt sein, sagt Wisch« növski.— Das trifft durchaus nicht zu. Hier verschweigt Wisch. növski wieder einen sehr wesentlichen Umstand, der bei der letzten Lohnbewegung der Berliner Bäcker ohne Widerspruch feslqcstcllt worden ist. Nach Einführung der Sonntagsruhe würden nämlich hie Bäckermeister am Montagvormittag eine neue Ar- b ettS sch i cht einführen, unb da die bestehende Bälkereiver- rrdnung eine Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit mit Vor- und Nebenarbeiten bis zu 1ö Stunden ermöglicht, so würden die Meister einen Weg finden, um die Arbeitszeit am Sonnabend und Montag über 12 Stunden auszudehnen ohne gegen die Verord- nung zu verstosten. Die Sonntagsruhe würde also die wöchentliche Arbeitszeit nicht verkürzen, und da für die fortfallende Sonntagnachtarbeit eine Montagvormittag- schicht eingelegt werden soll, so würde es also bei der sieben schichtigen Arbeitswoche bleiben. Das ist der springende Punkt, der durch keine gelbe Sophistik aus der Well geschafft werden kann, und das ist der Grund, weshalb der Bäckervcrband mit vollem Recht von der 22stündigen Sonntagsruhe, wie sie der gelbe Bund propagiert, nichts wissen will, sondern nach wie vor bestrebt ist, seine Forderung eines 36stün0igen Ruhetages zu weiterer Anerkennung zu bringen und schliestlich auch die gesetz- liche Festlegung desselben zu erlangen. Damit haben wir alle wesentlichen Einwendungen, die Wisch. növski gegen unseren Artikel in Nr. 295 macht, widerlegt. Das wird ihn aber rycht hindern, bei der nächsten Gelegenheit mit seinen um die Hauptsache sorgfältig herumgehenden Redensarten aufs neue hervorzutreten. Welcher Art diese sind, dafür sei hier noch ein Beispiel angeführt. „Wäre es den gelben Drahtziehern, die mit diesem Backverbot den wöchentlichen Ruhetag verraten wollen, ernstlich um die Er- leichterung des Arbeitsverhältnisses zu tun, so würden sie ein sol- ches Backberbot für eine volle Arbeitsschicht, d. h. von Sonntag- morgen bis Montagabend und dann für das ganze Reich verlangen."— So schrieben wir in Nr. 295 und Wischnövski jubelt:„Hier hat sich der„Vorwärts", ob bsvuht oder unbowustt, festgefahren, denn der Bund verlangt das Backvcrbot für das ganze Deutsche Reich." Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Hier hat sich Wischnövski festgefahren, indem er, seiner Gewohnheit gemätz, sich um den Kernpunkt oes angeführten Satzes herumzu- schlängeln suchte. Was von dein Bunde verlangt wird, damit man an die Ehrlichkeit seiner Absicht glauben könne, ist die Forderung eines Backverbotes für die Zeit von Sonntagmorgen bis Montag abend für das ganze Reich. Der Bund fordert allerdings für das ganze Reich ein Backverbot, aber nur für die Zeit von «onntagmorgen bis Montag m o rg e n, so datz am Montag- vormittag die Arbeit wieder beginnen kann, der sich dann nach kurzer Pause die am Montagabend beginnende regelmäßige Schicht anschliesten würde. Eine solche Sonntagsruhe würde doch nur eine Verschiebung, aber keine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit und keine Erleichterung für die Arbeiter bedeuten. Diese Forderung wird also vom Verbände mit Recht als ein Sturmlauf gegen den bereits für etwa 29 009 Bäckergesellen bestehenden SGstünbigen Ruhetag bezeichnet. Achtung, Klavierarbeiter! Die Firma Bechstein sucht gegenwärtig P ia n o zusammensetzer in den Zeitungen. Nach. dem es mihlungen ist, für die streikenden Flügclzusammensetzer Ersatz heranzuziehen, hofft die Firma auf diesem Wege direkt oder indirekt Leute zu finden, die sich als Flügelzusammensetzer an- lernen lassen. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Plätze der Pianozusammens etzer besetzt sind.— Jeder Zuzug zum Bechsteinschen Betriebe, gleichviel welcher Spezialbranche, ist streng fernzuhalten. Die Branchenleiwng der Klavierarbeiter. Zur Zigarrenarbeiterbewegung in Groh-Berli«. Der Bewegung der Zigarrenarbeiter haben bis jetzt die meisten Berliner Firmen nachgegeben, große wie kleine. Der Erfolg ist kein überwältigender. Angesichts der Lage der Dinge und der fast akut gewordenen Krise in der Branche könnte man fürs erste zu- frieden sein. Zu hoffen und zu erwarten ist aber, daß bei Kan- tinen, Händlern, Gastwirten immer und immer wieder nach dem grünen, Alwin Schulze unterschriebenen Plakat, gefragt wird. Parteigenossen, Raucher! Beachtet die im.Vorwärts" veröffent- lichten Firmen, die den Tarif bewilligten. Deutscher Tabakarbeiterverband, Zahlstelle Berlin. Zur Abwehrbewegung in der Mützenbranche. Wie schlecht es um die Position der Firma G. A. Hoff- mann bestellt ist, bewies der„Weihnachtsbrief", den sie einem Teil ihrer Arbeiter zustellte, um dieselben zu Arbeitswilligen- diensten zu bewegen. Da dieser Brief kemen Erfolg hatte, machte die Firma mit einem Flugblatt, daß sie fast sämtlichen Ausstän- digen per Post zustellte, einen erneuten Versuch, dieselbn durch die Drohung, daß ihre Plätze bedroht seien, während der Neujahrs- tage wankelmütig zu machen. Die Ausständigen waren in ihrer gestern abgehaltenen Versammlung nicht wenig erstaunt, wie die Firma von einem„frivol heraufbeschlvorencn Streik" schreiben konnte und beschlossen einstimmig, daß der Ausschuß unter Zu- zichung von Vertretern der Lrtsverwaltung um eine Unterredung bei Herrn Hoffmann nachsuche, damit dieser für die im Flugblatt enthaltenen Behauptungen den Beweis der Wahrheit antrete. Als der Ausschuß telephonijch darum bei Herrn Hoffmann anfragte. lehnte der Herr eine Unterredung ab. Er fand sich also nicht dazu bereit, nunmehr seinen Arbeitern gegenüber die Beleidigungen zu vertreten.— Herrn Hoffmann veranlaßt« nicht das humane „Wohlwollen" für seine Arbeiter, wieder zu einem Flugblatt Zu- flucht zu nehmen, sondern die Tatsache, daß die Branche vor der Saison steht und Herr Hoffmann sehr gut sieht, wie seine Kon- kurrcnz die Differenzen zu ihrem Vorteil geschickt auszunutzen weiß. Alle Mützen-Engrosgeschäfte lassen jetzt die Reisenden mit den fertigen Mustern auf die Tour gehen, während seine Reisenden zu Hause bleiben müssen, so daß ihm das Geschäft verloren geht. Die Berliner Schriftzeichner und Ausschneider der Grabplatten» brauche, welche alle dem Zentralverband der Glasarbeiter und-ar- bciterinnen Deutschlands angeschlossen sind, haben ihren seit dem 24. März 1999 gültigen Tarif mit dem 31. Dezember d. I. bei den berliner Firmen gekündigt. Da der alte Tarif bis zum 1. März 1912 seine Gültigkeit behält, so appellieren wir an Ange- hörigx anderer Berufe, die des SchristzeichnenS kundig sind, als Schrifthauer, Schildermaler, Graveure, Lithographen und Zeichner, sich nicht als Notnagel gebrauchen zu lassen. Auch fordern wir die Vertrauensleute der Glasschleiferei auf, in welchen abgepaßte Scheiben angefertigt werden, hauptsächlich die Ausschneiderinnen, auf die Bewegung aufmerksam zu machen. Wir ersuchen ferner, auf eventuelle Annoncen im„Diamant",„Keramischer Anzeiger", sowie Fach- und Tageszeitungen, welche von Arbeitgeberseite ein- gerückt werden, nicht zu reagieren, sondern sich bei Arbeitsangeboten aus Berlin an den Kollegen Albert Friedrich, Britz b. Berlin, Chausseestr. 97 v. II! r., zu wenden, welcher Auskunft zu geben gern bereit ist. Wir bitten die Arbeiterpresse, davon Notiz zu nehmen, da es leicht möglich ist, daß sich die Bewegung auf andere Städte Deutschlands ausdehnt. Zentralverband der Glasarbeiter. Deutsches Reich, Achtung, Maler und Lackierer! In der Waggonfabrik zu Görlitz stehen die Lackierer wegen enormer Lohnabzüge im Streik. Auch sonst sind die Löhne und Arbeitsverhältnisse in diesem Betriebe äußerst mistliche. Da von der Firmä mit allen Mitteln nach Arbeitswilligen gesucht wird, ist vor Zuzug streng zu warnen. Die Lohnbewegungen im Schneidergewerbe. Der Verband der Schneider und Schneiderinnen steht vor einer großen Anzahl von Lohnbewegungen. In nicht weniger als 29 Orten, darunter 7 Großstädte, sind die Taristerträge der Herren- maßbrauche gekündigt, und zwar aus den 1. März 1912. Im ganzen kommen bei diesen Lohnbewegungen 15 317 Arbeitnehmer in Bc- tracht und Berlin ist daran beteiligt mit 5191, Hamburg mit 2763. München mit 1464. Ob die Bewegungen friedlich verlaufen werden, scheint vorläufig noch recht zweifelhaft. Der Ardeitgeberver- band für das Schneidcrgewerbe Deutschlands, der in München seinen Sitz hat. rüstet offenbar zu gemeinsamem Vorgehen auf der ganzen Linie. Er hat bereits am 17. Dezember in Halle eine Art Lohnbewegungskonferenz abgehalten, die, wie berichtet wurde, ein- stimmig Beschlüsse faßte— was für Beschlüsse, daS ist vorläufig Geheimnis. In Berlin steht die Sache so, daß am 14. Dezember eine ge- meinsame Sitzung mit den Vertretern der Arbeitgeber stattfand, in der sie den Vertretern der Arbeitnehmer ihre Wünsche zu dem neuen Tarif mitteilten. Sie wünschen danach, daß Doppeltarife eingeführt werden, so daß in ein und demselben Geschäft nach zweierlei Tarifklassen gearbeitet werden kann, und weiter wollen pe die bestehenden Wochenlöhne durch Stundenlöhne ersetzt wissen, und bei den Arbeiten, wo jetzt der nach der Arbeitsleistung be- messene Nachtstnndenlohn Geltung hat, wollen sie nur noch den eigentlichen Stundenlohn zahlen. Derartige Bestimmungen wür- den natürlich eine Verschlechterung der bestehenden Tarifverhält- nisse bedeuten, während die Arbeitnebmer mit Rücksicht auf die steigende Teuerung selbstverständlich Aufbesserung verlangen. Eine Sitzung ihrer Vertrauensleute, die am Freitag stattfand, hat dann auch die Kommission und Ortsverwaltung einstimmig aufgefordert. die Wünsche der Arbeitgeber abzulehnen. Es bestehen also hier in Berlin schon ziemlich starke Gegensätze zwischen den beiden Parteien, und da die schon erwähnte LohnbetvegungSkonferenz in Halle offenbar auch dazu dienen sollte, die Arbeitgeber im ganzen Reiche scharf zu machen, sind die Aussichten für eine friedliche Ab- Wickelung der Lohnbewegungen sehr gering. Achtung, Hütten, und WalzwcrkSarbeiter! In der Düsseldorfer Röhrenindustrie(nathlose Abteilung), welche kürzlich der Berg- werkSaktiengesellschast Gelsenkirchen angeschlossen wurde, sind wegen fortwährender Akkordabzüge Differenzen ausgebrochen, welche auch zur Arbeitsniederlegung geführt haben. Die Firma sucht nun in allen möglichen Orten„tüchtige Arbeiter", die den Streikenden in den Rücken fallen sollen. Wir ersuchen deshalb, den Zuzug streng fernzuhalten.' Deutscher Mctallarbeiterverbaub. Verwaltung Düsseldorf. Immer wieder UnternchmerterrorismuS! Ein geradezu unerhörter Fall von UnternehmerterroriSmuS wird aus Würzen i. S. berichtet: An dem nun schon Monate andauernden Kampfe im Steindruck- gewerbe sind nicht nur die Angehörigen des Steindruckerverbandes, sondern auch viele hunderte des Stein- und Buchdruckereihilfsarbeiter- verbandes und zirka 159 Personen des Buchbinderverbandes beteiligt. Die Buchbinder haben mit den Forderungen der Steindrucker selbstverständlich nichts zu tun; sie wurden vielmehr nur arbeitslos, weil eS infolge der Steindruckerbewegung an Arbeit für sie mangelte. So wurden auch in Würzen i. S. einige Arbeiterinnen der Buch- binderciabteilung eine? größeren an der Steindruckcrbewegung be- teiligten Betriebe? arbeitslos. Tie Arbeiterinnen fanden in einer Teppichfabrik Arbeit. Als sie aber andern Tags ihre Stellung antreten wollten, erhielten sie einen Tag Lohn ausbezahlt und dursten gar nicht erst anfangen zu arbeiten. So erging eS ihnen auch noch in einer Reihe anderer Betriebe. Also nicht nur, daß streikende Arbeiter durch schwarze Listen existenzlos gemacht werden, die Würzen« Unternehmer geben selbst ganz Unbeteiligten Stockprügel auf den Magen. Leute, die infolge der Bewegung einer anderen Berufsgruppe arbeitslos, vom Unternehmer selbst infolge Arbeitsmangel entlassen worden sind, werden anscheinend auf Veranlassung dieses selben Unternehmers auch in anderen Berufen abgewiesen, obwohl Arbeit für sie vorhanden war. Wenn da» nicht TerroriSmuS in höchster Potenz ist, dann gibt eS überhaupt keinen. Aber hier wird sicherlich nicht die Staatsgewalt im öffentlichen Interesse einschreiten. Arbeitswillige Textilarbeiter werden gesucht. Seit 17 Wochen sind 250 Arbeiterinnen der Jutespinnerei in Bremen im Streik und 1799 Arbeiter und Arbeiterinnen in der Jutespinnerei und Weberei in Bremen ausgesperrt. Die Forde- rungen der Arbeiter waren: Einführung der achtägigcn Lohn- zahlung lbishcr war 14tägige Lohnzahlung) und Lohnerhöhung von 19— 15 Proz. Alle Verhandlungsversuche haben bisher zu keiner Einigung geführt. Die Firma will Arbeitern, die 1,95 M. und weniger pro Tag Lohn haben, nur 5 Pf. pro Tag zulegen. Für die Weberei sind Lohnzugcständnisse überhaupt noch nicht gemacht. Die Firma versucht nun, fremde Arbeiterinnen heranzuziehen, wie aus folgendem Brief, der uns heute zuging, hervorgeht. Jutespinnerei und Weberei Bremen in Bremen. Bremen, den 17. Dezember 1911. Arbeitsstelle Nachweis für Textilarbeiter. Trautenau(Böhmen.) Wir suchen eine größere Anzahl(39— 50) junge M ä d- che n im Alter von 14—16 Jahren, welche gewandt sind und die die für die Textilindustrie erforderliche Fingerfertigkeit besitzen, Eintritt sobald als möglich. Wenn Sie uns geeignete junge Mädchen verschaffen, dann würden wir bereit sein, Ihnen außer dem üblichen Satz von 5 M. pro Kops eine Extravergütung von 5 M. pro Kopf zu gewähren. Die Mädchen erhalten bei zehn- stündiger Arbeitszeit einen Anfangslohn von 1,65 M. pro Tag, wozu eine Pünktlichkcitsprämie von 59 Pf. pro Woche kommt. Wenn die jungen Mädchen bei uns das Spinnen erlernt haben, dann können sie 2% bis 3�4 M. pro Arbeitstag von 19 Stunden verdienen. Hochachtungsvoll Jutespinnerei und Weberei Bremen Haasemann. Also 19 M.„pro Kopf" einer Arbeiterin aus Böhmen soll der Vermittler erhalten. Würde man den streikenden Arbeiterinnen 19 Pf. pro Tag zulegen, so wäre eine Einigung schon bor 17 Wochen möglich gewesen. Daß die Löhne in Bremen schlecht sein müssen, beweist schon, daß man den Mädchen, die als Arbeits- willige kommen sollen, nur 1,65 M. pro Tag bietet. Tie Arbeite- rinnen und Arbeiter werden ersucht, ihren streikenden Mitarbeitern in Bremen nicht in den Rücken zu fallen, sondern Bremen unter allen Umständen zu meiden. ZZuslaiick. Ein Sieg der Mailänder Gasarbeiter. Rom, den 28. Dezember 1911.(Eig. Ber.) Wie erinner- lich, sind im Juni dieses Jahres die Mailänder Gasarbeiter in den Ausstand getreten, weil 99 ihrer Kollegen unberechtigierweise von der Gesellschaft entlassen worden waren. Der Streik wurde dadurch beigelegt, daß die Sache einem Schiedsgericht überwiesen wurde. Diese? hat nun seinen Spruch dahin abgegeben, daß die Entlassun- gen gerechtfertigt waren, datz aber die Gesellschaft jedem der Eni- lassenen 459 Lire, im ganzen also 44 559 Lire als Entschädigung, auf Grund des herrschenden Tarifvertrages, zu zahlen habe. Die Spesen des Schiedsgerichts belaufen sich auf 7499 Lire, die ganz der Gesellschaft zur Last liegen bis auf 299 Lire, die die beiden Arbeiter, die das Schiedsgericht angerufen haben, zahlen müssen. Tie Arbeiterschaft hat den Schiedsspruch natürlich angenommen aber gleichzeitig erklärt, daß sie in der Folge ihre Kämpfe nicht durch Schiedsgerichte, sondern durch direkte Aktion austragen würde. Die Gewerkschaft hat der„Union des Gaz" mitgeteilt, datz sie künftig- hin daS Schiedsgericht nicht mehr als zuständige Instanz bei Diffe- rcnzen mit den Unternehmern anerkennen werde. Die Aussperrung in Laneashire. London, 29. Dezember 1911. lEig. Ber.) Die Erivartung, daß die Aussperrung der Weber iy Nord- und Nordojt-Lancashirc vermieden werden oder doch nur von sehr kurzer Tauer sei» würde, hat sich nicht erfüllr. Mit Ausnahme einiger dem Unternehmerverband nicht angeschlossenen Fabriken, die erst in einigen Tagen schließen werden, ruhen alle Betriebe und eS besteht keine Aussicht, daß der Kampf bald enden dird. Unb dieselben Unternehmer, die so loyal die Parole ihres Verbandes befolgen, geben vor, nicht verstehen zu können, wie die Arbeiter mit derselben Treue zu ihrem eigenen Verbände stehen können. Tie Zahl der Ausgesperrten wird augenblicklich auf 159 999 ge- schätzt. Seit Mittwoch stehen hunderttausende Webstühle still und von Sonnabend ab werden gemäß dem Beschluß der Spinnerei- besitzer Millionen Spindeln nur die Hälfte der gewöhnlich produ- zierten Menge Garn produzieren. Die Mehrzahl der ausgesperrten Arbeitnehmer sind Frauen und Mädchen. Sie bilden etwa zwei Drittel der Arbeiterschaft, in manchen Orten jedoch weit mehr. So sind in Accrington, wo der Streik ausbrach, der angeblich zu der Aussperrung Anlaß gab, über 89 Proz. der Ausgesperrten Frauen und Mädchen. ES ist also in der Hauptsache eine Aussperrung von Arbeiterinnen. In der Baumtvollindustrie Lancashires saugen die Mädchen sehr jung mit der Arbeit an. Ehe sie noch die Schule verlassen, im Alter von 12 Jahren, fangen sie als sogenannte„bslk-timer!"(Halbbeschäftigte) bei einem Wochenlohn von 2'/-! bis 3 SchillingeXtl»rolt........ Mtr. Blusenflanelle r«li*«WoUe. lM5ll-u.*nlttelfarb. Mtr. T ß Vt.. I.IO BlUSenStOffe deurvent, r«ti»o WsU«. rrtxx».?r«x» S.ZS.. Mtr. lal� Popeline modern* Farben, ca. 103 cm breit. Mtr. 1,33 Reinwoll. Kleiderstoffe d—«tert. ca.»o cm br.. j Französ. reinwoll. Krepps CR* no cm br Mtr. 1.85 Reinwoll. einfarb. 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Dejttnber 1911. | anderer Berufsgruppen, die zusammen etwa eine halbe Million 1 Angehörige mustern mögen. Im allgemeinen ist ein Kongreß der American Federation of Labor eine ziemlich langweilige Sache. Um große Ideen wird da nicht gerungen; neue Fragen tauchen nur jubiläumsselten auf. Die Debatten werden nicht vom frischen Geist oder einem Streben nach hohen Idealen getragen, dies schon aus dem einfachen Grunde nicht, weil der Trade-Unionismus nichts davon hat. Tagesordnung und Diskussion bewegen sich in den von altersgrauen Formeln eingehcg- ten Pfad, und die Versuche, den trade-unionistischen Wagen aus dem Treibsand der Harmonieduselei heraus auf trockenen Boden zu setzen und vorwärts zu schieben, werden erstickt von der geistigen Rückständigkeit oder der Indifferenz der delegierten Beamten, wenn sie nicht gleich von allem Anfang an durch die Einhaltsbefehle des „Leadcrs" unterdrückt worden sein sollten. Nur wenn sich sozia- listische Delegierte zu einem Meinungsstreit anschicken, verfliegt die Gleichgültigkeit und Ruhe des Unionstempels. Die letzten drei oder vier Jahre haben unsere Genossen wenig oder gar nicht versucht, grundsätzliche Fragen der Wirtschafts- oder Gewerkschaftspolitik anzuschneiden, sei es, weil sie sich von einer stillen Kleinarbeit mehr versprachen, als von den heißen Wort- gefechten mit den ersten Förderationsbeamten, oder sei es, weil wenig oder gar keine Aussicht vorhanden war, daß die Elemente, die auf den Kongressen erscheinen, ohne Vorurteil neue Vorschläge und andere Ansichten prüften. Diesmal bekamen die sozialistischen Dele. gierten ohne ihr Zutun eine Gelegenheit, mit den Trade-Unionisten alten Schlages die Klingen zu kreuzen. Tie Vertreter der Kohlengräbcr, der weitaus stärksten der amerikanischen Gewerkschaften, hatten von ihrer letzten Delegierten- Versammlung den Auftrag erhalten, zu beantragen, die American Federation of Labor habe sich nicht mehr an der Civic Federation zu beteiligen. Die Kohlengräber hatten für sich schon diese Forderung zum Beschlutz erhoben und ihrem früheren Präsidenten, John Mitchell, die Alternative gestellt, entweder aus der Civic Federation auszuscheiden oder auf die Mit- gliedschaft im Bergarbeiterverband zu verzichten. Mitchell tat nolens Valens das elftere und ging dadurch seines mit 25 000 Mark JahreS- gehalt bezahlten Postens in dieser Körperschaft verlustig. Das Verlangen, auszutreten aus dem„größten Beschwindelungsinstitut der Welt", aus dem Verein von blutigen Ausbeutern,„Wohltätern der Menschheit" und einigen wohlmeinenden Allerweltsverbesserern, der von schlauen Großkapitalisten zum rationelleren Vollzuge der Ucbertölpel.uNg und Ausbeutung der Arbeiter gegründet wurde, müßte für Gewerkschaftsleute nichts als eine platte Selbftverständ- lichkeit und ein unbedingtes Korrelat der proletarischen Würde sein. Aber für die Proletarierwürde scheinen die„größten Arbeiter» führer der ganzen Welt" einen eigenen Maßstab zu haben. Wie hoch oder niedrig sie sie nun auch einschätzen, jedenfalls bewerten sie sie geringer als das„Privilegium", mit Milliardären und In- dustriemagnaten dinieren zu dürfen, und von den dabei geschwatzten Sätzen über die Interessengemeinschaft zwischen Kapital und Ar» beit scheinen sie mehr für die Arbeiter zu erwarten, als von klassen» bewußten, selbständigen Lohnkämpfen. Der Zorn über den Versuch der Bergarbeiter, auch die anderen Beamten der American Federation of Labor von den Fleischtöpfen der Civic Federation fernzuhalten, entlud sich— auf die Sozia- listen. G o m p e r S benutzte die Verteidigung der Civic Federation zu einem herben Angriff auf die sozialistische Partei: Was wir auch tun. nichts gefällt der sozialistischen Partei, es sei denn, wir gehen mit Sack und Pack zu ihr über. Sic wird nur sö lange ruhig bleiben, als wir uns ihr unterwerfen. Sollten sie Mit dieser Resolution(der Bergarbeiter) Erfolg haben, so werden sie etwas anderes vorlegen.... Ihre Idee ist, daß dt« ganze Natio-n in das Stadium der Massen- armut zu bringen ist, damit sie bann durch einen Kladderadatsch zu ihrer eigenen Gefells ch a f t kommt und so von der Gesellschaft Besitz ergreifen kann. Wenn die Theorie der Sozialisten richtig ist, dann ist die Arbeit der American Federation of Labor Zeitvergeudung und sollte auf- gegeben werden. Mitchell, der absolut nicht einsehen will, daß die LS 000 M. Jahresgehalt von der Civic Federation nicht gegeben wurden, um die Sache der Arbeiter zu fördern, sondern für das, was er als Arbeiterführer für die Interessen der Unternehmerklasse tut, sprach mit agresswer Bitterkeit über den Beschluß der Bergarbeiter, wo- durch er um seine fette Pfründe gebracht wurde. DaS Web und Ach des Mitchell werden schließlich auch seine Gegner begreiken. Sein Pech ist lvahrhaftig des Mitleids wert. AlS er vor drei Jahren allen Bitten und Betteln und Geschenken der gutmütigen Bergarbeiter trotzend, seinen Posten als Präsident der Organisation aufgab, um in die Dienste der Feinde der Arbeiter zu treten, konnte er noch nicht ahnen, daß die Kohlengräbcr die Wölfe im Schafspelz so bald erkennen würden. Jetzt sitzt er zwischen zwei Stühlen. Die Unternehmer haben jetzt kein Jntcr- esse mehr an ihm, iveil er auf die Ausgebeuteten keinen Einfluß mehr hat, und bei den Arbeitern kann er sich nicht sehen lassen, ohne gewärtigen zu müssen, daß ihm vorgeworfen wird, er habe seinen Ruf als Arbeiterführer bei der Civic Federation für 25 000 Silber- linge versetzt. Nach einer eintägigen und recht stürmischen Debatte, an der sich die sozialistischen Delegierten zugunsten der Resolution der Bergleute beteiligten, wurde da? Verlangen des Bergarbeiter- kongresscs mit 11840 gegen 4559 Stimmen sauf je hundert Mit- glteder entfällt ciue Stimmet abgelehnt. So werden denn Gompers und noch vierzehn andere Gewerkschaftsführer sich auch weiterhin mit den Vertretern dcS AuSbeutertums in der Civic Federation zusammenfinden. Wie lange noch? Nach der Stimmung zu ur- teilen, die jetzt in der amerikanischen Arbeiterschaft existiert, ist eS sehr leicht möglich, daß die 4559 Stimmen, die sich für die Re- solution erhoben, in der allernächsten Zeit zur Majorität anwachsen, und dann wird auch endlich der entehrenden Farce, die jetzt die trade-unionistischen Führer auf Kosten der Arbeiter spielen, das wohlverdiente Ende bereitet werden. Die Tatsache allein, daß prak- tisch die ganze kapitalistische Presse die Verwerfung der Resolution preist, zeigt mehr als lange Reden, welcher Schaden der Arbeiter- klassc aus der Vereinigung von Gewerkschaftern und Kapitalisten in der Civic Federation guillt. Eine auch»ur oberflächliche Betrachtung der Verhandlungen des Kongresses und des wunderbaren Aufschwungs der sozialistischen Bewegung in Amerika während der letzten Jahre muß auch die pessimistischsten unserer Freunde zu der Ansicht bringen, daß der Sozialismus im Lande der Trusts vor großen Erfolgen steht und daß sich die Verfechter der Interessengemeinschaft zwischen Kapital und Arbeit auf die Rolle des betrübten Lohgerbers vorzubereiten haben. vek 51. Kongreß der amerlhanlichen Gcwcrhichaften. Alljährlich, im Monat November, finden sich die Vertreter der Gewerkschaften, die der American Federation of Labor angeschlossen sind, zur Regelung ihrer gemeinsamen Angelegenheiten zusammen. Solche Tagungen kommen und gehen, von einem Interesse für sie in den unteren Regionen des amerikanischen Trade-Unionismus Ivenig zu spüren. Jedenfalls sind sie unendlich weniger der Gegen- stand der Aufmerksamkeit und der Diskussion, als die Kongresse der deutschen Gewerkschaften. Nicht daß diese Teilnahmslosigkeit des amerikanischen Gewerkschafters das Produkt seines Jndifferentis- mus sei. Gewiß steht er gewerkschaftlichen Fragen mit größerer Gleichgültigkeit gegenüber als sein sozialistischer Gewerkschafts- kollege, aber so groß ist sie denn doch nicht, als daß er freiwillig, un- gezwungen, an ihnen vorbeigehen würoe. Seine Teilnahmslosig- kcit wird in der Hauptsache von anderen Faktoren bestimmt. Zu- erst fehlt eine agitatorisch wirksame und in die Arbeiterkreise dringende GewerkschaitSpresse, die daS Verständnis für die Ge- werkschaftSfragen weckt; dann ist der Trade-Unionismus, besonders seine Versammlungen und Kongresse, von einem Haufen von zünftlerischcn Formeln und geschäftSordnungsmätzigen Gepflogen- beiten umgeben, die dem modern denkenden Arbeiter die Lust zum Mitarbeiten verderben können: So ist es platterdings unmöglich zu sagen, was neben den sattsam bekannten Routinegeschäften noch von der Delegiertenversammlung behandelt werden wird. Welche Fragen zur Erledigung gelange», ob Anträge gestellt worden sind, erfährt die Allgemeinheit der Mitglieder vorher nicht, und kann natürlich dazu auch keine Stellung nehmen. Und die paar Ver- Handlungsgegenstände, die vor dem Kongreß weiterbin bekannt werden mögen, wie die Jurisdiktionsstreite, sind auch nicht ge- eignet, Verständnis für die Bedeutung solcher Tagungen zu wecken oder Begeisterung für die trade-unionistische Bewegung auszu- lösen, sintemalen es den nicht mit zünftlerischen Scheuklappen ver- scheuen Gewerkschafter vollständig gleichgültig sein kann, ob dieser oder jener Berufsgruppe ein Stück Arbeit oder eine Manipulation mit einem Arbeitsststück„rechtmäßig zuerkannt" wird. Neben diesen Unzulänglichleiten steht als größte die geringe Werbekraft de» trade-unlonistifchen Gedankens. Der Trade- UnionismuS ist alt geworden; er ist, wie feine Wortführer zu ver- künden nicht müde werden, konservativ; er will nichts von„fozia- listischen Utopien" und„Regenbogen-Theorien" wissen: er glaubt die„soziale Gerechtigkeit" und ähnliche Satzungen seines Pro- gramms durch friedliche Verständigung oder durch ein freundliches Abkommen mit dem Kapitalisten schaffen zu können. Daß mit dieser Art praktischer Arbeit weder die freudige Mitarbeit de» weiterblickenden Teils des Proletariat» zu gewinnen, noch viel Seide auf die proletarische Spule zu bringen ist, bedarf auch für den keines Beweises, der das letzte Jahrzehnt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung nicht näher verfolgt hat. Dies wollen frei- lich die Leute, die die Arbeiterhaufen durch den trade-unionistischen Irrgarten führen, nicht wahr haben. Die Verfechter der Interessen. gemcinschaft zwischen Kapital und Arbeit, vor allem Gompers, der Präsident der American Federation of Labor, glauben vielerorts Beweise für die Richtigkeit ihrer Grundanschauung vom gewcrk- schaftllchen Kampf zu sehen und halten diese derart werbekräftig, daß sie selbst von den europäischen(freien) Gewerkschaften akzcp- tiert werde. In seinem Bericht, den GomperS dem diesjährigen Kongreß in Atlanta vorlegte, sagte er: Die Geschichte der Bewegung der Arbeiter» klaff e in Europa ist die letzten Jahre eine Ge- schichte des ZurückkommenS von Wolke nkuckucks- heim- Utopien und der Annäherung an die Poli. t ik unserer Förderation.(Und kurz vorher heißt es gegen die Sozialisten:) Unsere große Förderatwn hat sich gleich- mäßig geweigert, ihre Ueberzeugung auszugeben und zur Unter- stützung einer der zahlreichen, die Gesellschaft rettenden oder zerstörenden Schemas zu eilen, die von Jahrzehnt zu Jahrzhnt in diesem Lande ausgetaucht sind.... Aber während unsere Fördcration in dieser Hinsicht konservativ geblieben ist, hat fie stet» ihren Blick allen den politischen und ökonomischen Resormcn zugewendet, die direkt oder indirekt für die Arbeiterklasse von Vorteil sein konnten. Sie hat ihr Geburstrccht niemals für ein Linsengericht dahingegeben. Sie hat ihre anerkannte Politik mit der Ueberzeugung verfolgt, daß. wenn die kleineren und un- mittelbaren Forderungen der Arbeiter heute von der Gesellschaft, wie sie ist, nicht erlangt werden können, so würde es bloße Träumerei sein, Irrlichter(Will-Ollhe Wisp) zu preisen, einer neuen Gesellschaft aus Regenbogenmaterial— einem Gesellschaftssystem nachzugehen, über daS die Träumer selbst nie einig gewesen stnd. Den Sozialismus Träumerei oder Jrrlichtcrei nennen, die sozialisiische Gesellschaft eine Gesellschaft aus Rcgenbogenmaterial oarstellen, ist man von Gompers gewöhnt. Es kann auch voll- ständig gleichgültig sein, wie sich im Hirn deS„Grcat Old Man" diese Dinge abspiegeln. Viel wichtiger wäre cS zu wissen, wie die Masse der Trade-Unionisten über die Sache denkt. Hierüber wird glücklicherweise schon nächstes Jahr Klarheit geschaffen werden, denn die Dclegiertenversammlung hat beschlossen, die Wahlen der Be- amten der Förderation durch eine allgemeine Urabstimmung vor. zunehmen. Es wird sich dann zeigen, wieviel Von den Mitgliedern in Gomper» den Vertreter ihrer Anschauungen erblicken. Diese Neuerung dürfte einige Aendcrungcn in der Zusammcnsebung der Leitung der American Federation of Labor bringen, denn daß eine tiefgreifende Wandlung in der Stimmung der Mitgliedschaft vor sich B zangen ist, zeigt der Durchfall dcS alten Präsidenten dcS Ma- «nenbaucrverbandes und der Kohlcngräberförderation. Auch in organisatorischer Hinsicht zeigt sich ein, wenn auch minimaler Umschwung zum Besseren. Die Zersplitterung der Kräfte in 115 Zeniralvcrbände und einer noch viel größeren Zahl von lokalen Gcwerksöbaften wird durch Zusammenschluß in In- dustricverbändc, oder richtiger: durch Verbindung der Berufe einer Industrie in Kartellen zu beseitigen versucht. Derartige Kartelle — Trabes Departements— existieren zurzeit für die Metall- und Bauindustrie, für das Transportgewerbe und die Mincnindustrie. Freilich bleiben diese Gründungen wcit hinter den Forderungen der Trustzeit zurück und können in keiner Hinsicht mit den straff organisierten Untcrnehmerverbänden verglichen werden. Jede der dem Kartell angeschlossenen Organisationen bebält ihr« Autonomie bei. Sie kommen nur zur Regelung der gemeinsamen Angelegen- Helten, wie Festsetzung nicht gegensätzlicher Satzongen und Arbeit?- Verträge und dergleichen, zusammen. So wenig nun diese Kartelle den gewerkschaftlich» Zentralisten befriedigen können, so dürfen sie als Anfang, als daS Mittel zur Anbabnung der Verschmelzung von Berufsgruvpcn einer Industrie begrüßt werden. Der Mitgliederbenitand der American Föderation of Labor be- trägt nun 1756 735. Damit ist die(vorher höchste) Mitglicderzabl von 1904 l1076 200i um 80 000 überschritten. Im Berichtsjahr ist ein Zuwachs von 117 000 Mitgliedern zu verzeichnen, die sich auf 03 Verbände verteilen. Die Steigerung der Mitglicdcrzahl der GewerkschaftSzcntrale(American Föderation of Labor) ist nur bis zu einem gewissen Teil auf Neuwerbungen zurückzuführen, denn unter dem Zuwachs befinden sich auch die 51000 Mitglieder deS Verbandes der sozialistischen Erzgräber, der nun endlich der Zen- trale beigetreten ist. Daß mit der Mitglicderzahl der American Federation of Labor nicht die numerische Stärke der amerikanischen � � Gewerkschaftsbewegung dargctan ist, ist bekannt. Außerhalb ihr kaufmännische Ausbildung und fei als technische Hilfsleistung zu stehen neben der etwas syndikalistisch sich gehabenden Organisation' bewerten.— Das Liausmannögenckt sah dagegen die Führung einer der Industriearbeiter der Welt noch die sechs mehr oder weniger Kartothek als eine kaufmännische Tätigkeit an und bestätigte dein konservativen Gewerkschaften der Eisenbahner und eine Anzahl l klagenden Angestellten seine HandlungSgehilfcncigenschaft. l Soziales. Ter Kartothckar alS kaufmännischer Angestellter. Die wegen der Zuständigkeit deS Gerichts wichtige Frage, ob der Führer einer Kartothek alS HandluNgsgebilse zu erachten sei, bejahte daS KaufmannSgericht in cinein vor der 1. Kammer zur Entscheidung gekommenen RcchtSfall. Der Kläger hatte ausschließ- lich eine Buchführung auf Karten in Ordnung zu halten. Während er sich selbst für einen Handlunnsgebilfen hielt, stritt ihm der Prinzipal diese Eigenschaft ab. Die Führung der Kartothek sei eine rein schematische Arbeit, daS Zuschreiben und Abstreichen der einzelnen Posten nach den gegebenen Vorlagen erfordere keine j Von der Fortbildungsschulpflicht. Das Ortsstatut, betreffend die gewerbliche Fortbildungsschule in Luckau, sollte der Gärtnereibefitzer N. dadurch übertreten haben, daß er feinen Lehrlina nicht zum Fortbildungsschulunterricht an- gemelder und ihn nicht zum Besuch der Lehrstunden angehalten habe. Der Angeklagte machte geltend, der Gärtnerlehrling fei kein gewerblicher Arbeiter, sondern als in der Landwirtschaft tätig an. zusehen. Das Schöffengericht in Luckau sprach den Angeklagten auch frei, die Strafkammer in Kottbus verurteilte ihn aber zu einer Geldstrafe. Sie ging davon aus, daß die eigentliche Gärtnerei allerdings der Landwirtschaft zuzurechnen sei, daß aber die söge- nannte Handelsgärtnerei als gewerblicher Betrieb anzusehen sei. Hier bestehe nun der Hauptbetrieb darin, daß Angeklagter Pflanzen aufkaufe, um sie wieder zu verkaufen, teils nach Vornähme einer gewissen Verarbeitung, zum Beispiel in Kränzen. Allerdings ziehe er auch Pflanzen. Das sei aber nicht der Hauptbetrieb. Es komme nun auch darauf an, in welchem Teil des Betriebes der Lehrling hauptsächlich beschäftigt werde. Das sei beim Angeklagten der näher bezeichnete, der als gewerblicher anzusehen sei, da er als Handclsgärtnerei sich charakterisiere. Somit hätte der Lehrling zur Fortbildungsschule angemeldet und zu ihrem Besuche angehalten werden müssen. DaS Kammergericht verwarf dieser Tage die gegen dieses Urteil eingelegte Revisto«, indem es ausführte, daß der Standpunkt der Strafkammer vom Kammergericht geteilt werde. Ein Schiedsgericht, das nicht zusammenkommt. Eine zur Vorsicht bei Festsetzung der Normen über Schieds. geeichte mahnende Entscheidung über die Schlichtung gewerblicher Streitigkeiten durch Schiedsgerichte im Sinne des Z 0 Abs. 2 des GewcrbegerichtsgesetzeS fällte als Berufungsinstanz daS Landgericht in Crefeld. In Crefeld ist zwischen den vereinigten Stukkateur- und Ver- putzmeistern und den Zentralverbänden der Stukkateure, Gipser und dein christlichen Bauarbeiterverband, Zahlstellen Crefeld, vom September 1910 ab ein Tarifvertrag geschlossen, der bestimmt, daß Streitigkeiten aus demselben durch eine Schlichtungskonimissioii er- ledigt werden. Dieselbe besteht aus 4 Arbeitgebern und je 2 Arbeit- nehnicrn des freien und des christlichen Verbandes. Kommt bei der Schlichtung von Streitigkeiten die Kommission nicht zu einer Einigung, so ernennen die Parteien einen unparteiischen Vor- sitzenoen, welcber weder Arbeitgeber oder Angestellter eine? be- teiligten Arbeitgebers, noch Arbeitnehmer sein darf. Diese Schlich- tungskommission entscheidet dann als Schiedsgericht, und zwar end» ie Stunden'whne von 54 Pf. für VerPutzer und 60 Pf. für Stukkateure wareM von der Erfüllung einer Minimalleistung ab- hängig gemacht.-Mleich zu Anfang des Vertrages entstanden Streitigkeiten übet die Frage, ob einigen Gehilfen, die teils Ver» putz-, teils Stuckarbeit gemacht hatten, der höhere Lohn der Stukka» teure zustehe, oder ob sie nur als Verputzgehilfen zu entlohnen seien. Die SchlichiungSkommission kam zu keiner Einigung und nun schlug die Arbeitgeberorganisation einen städtischen Baumeister alS unparteiischen Vorsitzenden vor, der aber von den Arbeitnehmer- organisationcn abgelehnt wurde. Die Arbeitnehmer ersuchten den Vorsitzenden deS Gewerbegerichts und später einen Architekten um die IkeberNabme des Vorsitzes, aber beide lehnten ab. ß!i Als im Ma.rA 1911 immer noch kein Vorsihender gefunden war, klagten die Arbeiter am Gcwerbegcricht. Dieses ernärte siÄlür unzuständig und führte u. a. alS Gründe Nn: „Der von den Parteien vorgelegte SchiedSvertarg entspricht den Anforderungen des K 6 Abs. 2 der Gcwerbegesetzgebung in allen Punkten.— Den Vorsitzenden haben nach diesem SchiedS- vertrage die Parteien zu ernennen, den von der Beklagten Vor- geschlagenen haben die Kläger abgelehnt und trotz Aufforderung seitens der Beklagten ihrerseits keinen anderen benannt. Dazu sind sie aber nach dem Schiedsverträge verpflichtet; erst wenn auch der von ihnen vorgeschlagene Vorsitzende seitens der Be- klagten abgelehnt würde, wäre zu prüfen, ob die Kläger die Ernennung des Vorsitzenden im Wege des ss 1029 der Zivil» Prozeßordnung erzwingen können, oder ob§ 1029 der Zivilprozeßordnung auf den Fall gemeinschaftlicher Ernennung cincS ObmanneS keine Anwendung findet." Das Urteil wurde mit der Berufung angefochten. Begründend wurde ausgeführt, daß ein Schiedsgericht im Sinne des§ 6 Abs. 2 des GewcrbcgerichtSgesctzeS nur dann das Gewcrbegericht ausschalten könne, wenn es ständig mit einem Vorsitzenden besetzt sei. Durch die Schlichtungskommission, die ohne Vorsitzenden tagt, könnten rechtsgültige und vollstreckbare Entscheide nickt getroffen werden, selbst wenn sie einstimmig eine Entscheidung erlassen habe, da sie den Anforderungen deS Abs. 2 nicht entspricht. Dem ob- siegenden Teil ständen in diesem Falle keine Zwangsmittel zur Seite, um den Schuldner im Wege der Zwangsvollstreckung zur Begleichung der Schuld anzuhalten. Des ferneren wurde gerügt, daß seitens des christlichen Bau- arbciterverbandes ein Beamter in daS Schiedsgericht delegiert sei, der nicht Arbeiter im Sinne des ß 3 des GewcrbcaertchtsgesetzcS, sondern Privaibeamter ist, auf den der siebente Titel der Gewerbe- ordnung keine Anwendung findet. ES mangele also auch an der richtigen Besetzung des Schiedsgerichts. Da die Organisationen die Vorschläge und die Anerkennung deS Vorsitzenden zu vollziehen hätten, liege cs gar nicht in der Macht der Kläger, eine Beschleunigung herbeizuführen. ES sei kein Ver- schulden der Kläger, wenn die um Ucbcrnahme deS Vorsitzes an- gegangenen Herren dieses Amt ablehnen. DaS Schiedsgericht müsse abrr zu der Zeit schon ordnungsmäßig zusammengesctzt sein, in der der Streitfall zu entscheiden ist. Sonst werde der Vorteil der Gc- werbegcrichte, der in der schnellen Erledigung der Streitfälle liege, völlig in Frage gestellt. Das Landgericht verwarf die Verufnng. Es erachtete das Schiedsgericht als den Bestimmungen des§ 6 Abs. 2 dcS Gcwerbe- gerichtsgcsetzcs entsprechend. Unerheblich wäre cs, daß der Vor» sitzende erst bestimmt werden müsse. Ebenso unerheblich sei die nicht richtige Zusammensetzung desselben. Die Kläger hatten dartun müssen, daß sie Schritte unternommen haben, die richtige Zu- sammensetzung herbeizuführen. Die hier in Frage kommende Streitigkeit ist der Art, daß entschieden werden soll, ob die Kläger Stukkateurgehilfen im Sinne des Tarifvertrages sind oder nicht. Zu erörtern wäre nur noch die Frage, ob bei Ablehnung des von den Arbeitgebern vorgeschlagenen Vorsitzenden durch die Arbeiter das Schiedsgericht als nicht zustandegckommen anzusehen ist, da die Bestimmungen der Zivilprozeßordnung über die Ernennung von Schiedsrichtern durch das Gericht für den Fall keine An- Wendung sindet, daß der Schiedsrichter von beiden Teilen zu er- nennen ist. Jedenfalls hat aber in diesem Falle zum mindesten die andere Partei, die den Vorsitzenden abgelehnt hat, hier also die Kläger, zunächst Schritte zu tun, um einen geeigneten Vorsitzenden ihrerseits zu benennen, ehe von einem Nicht�ustandekommen dc-Z Schiedsgerichts die Rede sein kann und ehe die Zuständigkeit des ordentlichen Gerichts gegeben ist. Diese Entscheidung entspricht dem Gesetz. Die Gewerkschaften werden gut tun, bei Abschluß von Tartsver- trägen dieses Zwitterding von Schlichtungskommission und Schicds- gericht zu vermeiden. Vielleicht empfiehlt rs sich, entweder Schlich- tungskommission ohne Vorsitzenden, so daß der Kläger jederzeit das(öewcrbegcricht anrufen kann, oder nur Schiedsgerichte cni- sprechend den Bestimmungen des§ 6 Abs. 2 der GewcrbcgerichtS- ordnung, die für die Tarisdaucr in Funktion bleiben und>öa durch Wahl eines Stellvertreters des Vorsitzenden die richtige Besetzung jederzeit gewährleistet ist. Brtefftarten der Redafttfon. Sich. 16. 1. und 2. New.— Preußischer Kommiß. TS liegt Ver. jählung vor.— W. K. 78. Ja— U. R. 1. Falls Klage erhoben ist, m. 2. Nach Antrag.— P. P. 68. Sie kbnnen zunächst durch einen Rechtsanwalt Klage aus Wiederberstellung der ehelichen Gemeinschaft er- heben.—®. B. 10. In der Regel nem.— A. ff. 2S. 1. und 2. Ver- zichtSerllärungen der KindeSmutter sind rechtSunwirtsam. 3. Vergleich mit dem Vormund unter Zustimmung deS VormundschaflSgerichtS zweckmäßig. — Tch. A. 146. Ja Fragen Sie am zweckmäßigsten noch vorher beim Amtsgericht an.— ff. R. Rr. 60. Soweit Ihr Arbeitsverdienst in Frage kommt, besteht ewe dahingehende Verpflichtung nicht.— G. W. 100. 1. Sie find dazu vervflichtet. 2. Wenden Sie sich an Ihren Anwalt bez. das Gericht.— S. T. 22. Nur dann, wenn im Mietsvertrag vorgesehen, was die Regel ist.- W. I. 1000. 1. und 2. Ja 3. Nein.— I. 1. Ja. — O. H. 155. 1. Möglich. 2. Der Rückkehr bez. Gestellung vor dem Konsulat. 3. Trsatzkommisston. 4. Ewige Wochen. S. Aermgsügig.— 300 Emma. Nein, da der Anspruch verjährt ist.— Stargard, Pom. 1. Wenn der MietSzwS nach Monaten bemessen ist. muß der Vermieter spätestens am IS. eines jeden Monats im Besitz der Kündigung sein; diese wirkt zum Ende desselben MonatS. 2. Dezembar.— W. E. 10� New. — O. Harz. Im Einverständnis mit der KindeSmutter, ja. Die Neber» gäbe deS Geldes genügt.— K. K. 7. Beschweren Sie sich bei dem Präsidenten deS Landgerichts.—(S. H. 27. Existiert nicht.— H. Ich. M. 70. 1. Zivilklage bei dem für den Wohnsitz deS TaterS zuständigen Amtsgericht. 2. Ja, falls und soweit der Lohnanspruch 28,85 M. wöchentlich übersteigt.— B. 10. 1. Die Hülste deS gesetzlichen Erbteils. 2. bis 4. Der Pflichtteil kann noch v5rlangt werden. lallS sie nicht länger als sechs Wochen vom TestamentSinhalt Kenntnis haben. Verkauf nicht.— 933. 8. 1000. Ja—(f. F. 98. Nur dann, wenn den Arzt ein Verschulden trifft. Ob dieS der Fall, ist auS Ihrer Darstellung nicht ersichtlich. Inventur-AusverKauf zu wesentlich herabgesetzten Preisen Ausverkauft werden Ausverkauft werden Ausverkauft werden Ausverkauft werden Ausverkauft werden Ausverkauft werden Ausverkauft werden Ausverkauft werden Ausverkauft werden Ausverkauft werden Ausverkauft werden Ausverkauft werden oo an oo an Herren- Paletots b«Utte« and Oi gemusterten Stoffen von\J Herren- Ulster Moderne jestreifte � � and karierte Stoife......... von X%J Herren-Hosen ChewSot und O50 Kammgarnarten, neueste Streifen ron an Herren- Joppen Loden and glatte*700 Stoffe, warm gefüttert....... ron/ an Gehrockanzuge in Kammgarn 9 /"oo and Tachkammgarn von»J U � Pelzjoppen Imprägnierter Loden. Cqq bezug................. von X«X>n T ennis- Anzüge wr Strand- u. 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Und Hanke wird sieh aoeh tarner bestreben, □er Kundschaft Immer das Beste zu geben, Man weiu ja auch, dau e;n Brei ich backe Vom feinsten Kehle, mit gutem Geschmacke; Und wer sie nur einmal tat»ersuchen uer kauft nur»ob nanka Backware und Kuchen; □mm bringet Hanka der Kundschaft dar. Den Wuason:.Ein glückliches neues lahrl" bringen sich zum neuen Jahr in Erioneruag.' Dieselben Uetera des grösste, im Geschmack vorzflglicbste Roggenbrot welches seit Jahren heim Publikum allgemein beliebt uqd anerkannt worden ist Es sollte daner kerne Hansirau versäumen, ihren Bedarf an Brot nur in Hanke's Brotbäckereien C. StltcSdionbantcTSir. 30.10 . Prenzlauer Str. 43 hi. Invaliden ftv. 156 . WeinbergSwea 7 . Blnflamcr 6tr. 28 . Swinemünder Etr. IIS . vi n II er Irr. I««a . Retnickendorier Str.>iä . Eivönwaider Str. 14 trüber Talldorier Str. . Sitirrrrtrr. I u . Liebenwaldrr Ltr. 44 , Reiniaendor'er Str. 50 . Pntbnfrr Str."21 , Prinzen-Aller 1« , Stctttnrr Err. 7 , ivellermanntir. 84 . Fretenwalder Str. L8 8. Pantkrr. 87 , t»xerzt»rstr. 3 m . Watthr. 21 , Artrrftr, 85 , Neue Ho ibfir. 6 , Wie'enkrr. 7 , Haaenaner Etr. 1 , Cboriner Etr. 65 , Elbltewannstr. 30 , Erarnarder Etr. IS . Pavvel.AUe»«« , Elolvttdie Etr. 4t . tSrannftr. 32 , Putbulrr E»r. 4« . Ewinemünder Etr. 74 . Kortarrr E»r. Kl» »Eotdinrr Etr. 70 . Eibwedenftr. l la . Bielentdaler Etr. 5 N. Iltre-bter Str. 15 , Cnbenarber Str. 4 . Sennitr. öl . Rtnitfr». 44 .(s bantteeur. 03 . Boyenstr. 42 SO. Neue tföntgftr. 82 , LandSberarr Allee tE3 , AUenttetner»tr. 11 , OandSberaer Etr. 1-2 ,<»r. ltzrantturier Str. 38 , Palitadenstr. 2 . Tilkiter Str. 00 ,.storndorier Etr. 2 , wiariendnraer Str. 7 , Tborne» Str.»2 , Tresckawstr. 32 «. Boxbagener Str. 33 «. vöwettr.« , Peirroburaer Plae 6 , Witbelm-siolze-Str« 4 . Tbaerirr. 23 , Kodibannrtr. 20 . Stranmannktr. 2 , Malternttr. 11 , ffrtedenttr. 40. Singang Sriedrt-bSbrraer Str. SO. Köventcker Str. 23 . Zalckenftetnktr. 8 8. 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Die herzlichste Gratu- � ,i/ lotion zum Neuen Jahre xl? allen leinen werten Gäste», ü/ W Freunden und Parteigenossen K Xckolk«act�cK ZZ � laksdee von Hoppes festsilen � Xp Hermannslp 49. y vi/ KB. Durch ein Mißverstand- 0/ vB niS ist mein aroger Taal zum vB vB Sonnabend, d 20 Januar, frei sl/ JK geword Derselbe ist zu äußerst � ''jL kulunt Beding, zu vergeh.£ Allen Arcunden n(Scnoffen wünscht eln Fröhlichrs Akujahr! Ucixann Bcaat» 225lb Jeiulalemer Ltr 66. Die besten Glückwünsche zum 2288b Neuen Jahr allen werten Gästen und Bekannten Gustav Post u. Frau. ein Allen Freunden u Genossen wünscht Fröhliches Nrnjahr! �Vllkelm Mchvvaeer 22b26 Jcrulatemer Str. 63/64. Prosit Keujahr! t meinen Genossen, Freunden und Bekannten• Hermann Schatze, »Zu« Hackepeter- in Treptow, � Graehstr. 49. Me nen werten Kunden, Bekannten und Genossen wünichi ein gesundes, jrödlicheS Xene«,.1»ii r! Ernst Wanckc, Hultnacher. Mitglied und Lirseranl der Konsum- genossenschasl Berlin. Weidenweg 20, nahe der Tiisiier Str. yt&eGGeeet» i Prosit Neujahr!% Emil WalUoftc gj JjJ JlarRm cte TValkotte. � y> Steglitz, Fichtestr. 10.(// Üie herzlichst. QHkkwünsche zum Neuen Jahre bringt seinen Bereinen. Gölten HermannOeOech>>»>G0>Oe O Alien mein Kunoen Sic besten • Wünsche zum Neuen Jahr. T J. Tonipoi'ov, nkl, Schn-idermeifter. eindenstr III ««»»«»«»«»««»»»««o» frohes yicnjahr! wünscht allen Bekannten, Freunden und Gönnern J. Mrliütz. Inhaber d.Berolina- Feslsäle", Schönhauser Alice 28. Meinen Parteigenossen, Freunden Wts p[ujal|r! August Krause, Yl llen ihren werten Bereinen. Gästen, �4 Freunden und Bekannten wünschen ein riöbllchea Neues Jahr! Gebr. lilklitz „Arminhallen" KommandantentlraBe 58 59. Allen Gästen, Freunden und! Gönn ein wünsche ich ein Allen meinen Gästen und Freundin ein donnerndes prosit Neujahr! Leanovnxm ßoscionr i prrzna- cislom eörows�o ckosis�o roku. Edmund Tfb'elvhta, Gastwirt, 22556 Britz, Bürgerftr. 4. �Eill frohes, Neues Iahr� wünscht allen Vereinen und Gewerkschaften tz W. Kak,| J Rest. Zum Sichbusch, Treptow, � I Neue Krug-Allee 62. Prosil Heujahr! wünscht allen Freunden und Be- kannten 2258b EoMriel! Schäfer Restaurant zum Wasserturm Falkenderg bei Grünau. 1 Ludwig HofnianiiT| gl iim Treptower Park 51 K M(Ecke Karpfentpich-StraBe), ß> J wünscht seinen lieben Kästen, fe Freunden und Bekannten ein t fröhli�es Neues Jahr! j cvtjciiten werten Gästen wünsche ein frohes, gesundes 22356 Neues Iichr! Karl Pietzner, Ichlcfischeftr. 46. I Meiner werten Kundschaft wünsche i ein frohes, Neues Jahr! rruzl Miersch, Schlächtermeister, Koloniestrahe 38. Ein fröhliches und grinudes Neues Jahr wünlchl allen leinen werten Gästen und Bekannten ReMiUIl August Hernctien, 2253 Nosnzstr. 5. Allen meinen Freunden, Be- J kannten und Genossen wünsche ' ein gesundes sröhlicheS neues Jahr! Kkiuhold Schirmer, > Wörlhci Str. l5. p 4.1PW wwww wo w w J Allen Parteigenossen, Freunden und Bekannten wünsch! ein 224 lb frohes Neues Jahr! Georg Sand, s' Meiner werten 5tundschafl M wünsche ich ein Z tröliliolies Neues lakr. F W Fritz Neumann, Bäckermeister, I � Reinickendorf(Ost) Sommerstratze 52. Meinen werten Gästen und Be- kannlen sowie den Sangcsbrüdern ein fröhliches Neujahr! Luzia? Orhan,«-stwirt. Weidcnweg, Ecke Möglinerslraße. «sss-ssssu» tfp es \U Meiner werten Kundschast üt <1/ wünsche ich ein W | frohes Neues Jahr.| � Hann ilosMcnfelder � Schlächlcimstr., Reinickcndors o. tz»(Ost), Sommerstr. 48.«p Meinen Parteigenossen und Gäslcn «'» s r o h e S Zksues Sahr! fernst Fischer, _ Heidelberger Str. 81. at&eeeee** ° Jritz Schmidt I Rillerstr. 47 A wünscht werten Gästen, P .y Freunden und Bekannten � «in S f I »MMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMK Irofies Um Jahr! ssss Im Ilihrtsilirchsti meinen werten Gästen>md Könnern die drsttn Mckwünsche! �uxust Nonnenberx, _ Treptow. per lifhf(Dnhrl Erusi jaus Treptow, wünschl seinen lieben Gästen, \ Freunden und Bekannten ein! ftohrs Nrurs Jahr! fröhliches Prosi! Neujahr!■ frohes 9!eujahr Hoffmann, r�u'ch� Garten. wünscht allen Freunden u. Bekannten Familie Hauinchild, Biumschulcaweg, Kieshoizstr. 190. Allen unseren lieben Gälten, Freunden und Bekannten zum» Jahreswechsel die 2308b 6 herzlichsten Glückwünsche.| Oswald Wermuth und Fraus j Schönhauser Allee 118a, Ecke Kopenhagener Strohe 1.* == Bötzow- Ausschank.—> Allen lieben Bekannten und Gästen wünscht ein recht gesundes und vergnügtes Neujahr und sröhlicheS Wiedersehen Karl Wanzlicks?raßlitsäle am Treptower park suudeS g park. J * Picheis MBen llUen Bekannten und Gästen,» sowie Vereinen und Gelelllchastcn p wünscht ein recht frohes und gesundes Neujahr und fröhliches' Wiedersehen i£ev„(jg freund [ich es P prosit Xenjahr! Alb. Nloerner, Konzert- und Festsäle, Koppen.tr. ,» Blumengarten, ober-sschöneweid«. AviC* Sonnabend, 6. Januar, Beginn des bayrischen Hilh>. Bockbierfesles. Tüffllch drei Kapellen. PrAmiierun/�cn, Tanzabende. Trau ml and. Ein fröhliches Neujahrsfest wünscht allen Schülerinnen und Schülern, sowie deren Eltern Tanzlehrer Richard Heinrich und Frau. 1 Von Voigts Rrampenburgl' Berlinerl sende allen Freunden, Gönnern und werten Gästen einen srohcn NeujahrS- grub 5». verbünden mit dem Wunsche: Aus Wiedersehen: Hochachtungsvoll Robert Voigt, früher Berlin..RItter»Hle". Fernlprecher: Amt Köpenick Nr. 227. �Ilen werten Patienten, Freunden und Bekannten ein frohes Neues Jahr! Iffax Witte, Zahnkfinstler Muskauerstr. 16, Ecke nantenflelBtr. Ein fröhliches Wahljahr wünsche allen meinen werten Gönnern, Parteigenossen und Freunden Oskar WoIIntach, HSndereintgutislspulvcrfbrk. 22906 Berlin O. 37, Kl. AndreaSftrahe 13. Beste Glückwünsche zum neuen Jahre sende hicrmil allen meinen Kästen Erany I npnor Schankwirt, Frankfurter Allee 74 rran� Loepcr,(frül)er«chüppke). w. { Meli freppernau2 l Meinen werten Gästen, Vereinen u Gewerkschaften A ▼ die beute» iilUckn Unoche r. u in b'eacn Jahre! v � Saal tu Festlichkeiten und Versammlungen wird gprn vergeben. � Meinen verehrten Abnehmern wünsche ich ein glückliches „Neues Jahr" Max Pieritz, Likörfabrik, Zum Silvester empfiehlt N. 4. Schröderstr. 13. Punsch, Rum etc. Wein-Großhandlung und Likör-Fabrik Jgnatz Sello. In meinen Filialen Einzelverkauf zn Engrospreisen.• DV Acl.trn Sie hlttr gennn auf meine Firma. Meinen werten Kunden und Ge- Nossen die besten Glückwünsche zum Neuen Jahr. 23106 Wilhelm Golle, Jmmanuc lkirch straß e 34. Allen Vereinen und Bekannten ein Fröhlilhks Neues Jahr! Frau? Drogge, Beylers ßesellsctiaftshaus am Treptower Park 20. Meinen Parteigenossen, Gewerk- schastSkollegen, Freunden u. Belaimlen ei» frohes JlteuesJahv! Richard Dahinter, Gastwirt. 13662 Frankfurter Allee 20/21. Heute: Gr. Silvester- Ball. Ein srotill Neues Jahr wünscht allen seinen Gästen und Bekannten Oswald Kimmel, Grätzstr. 28. Füi das Neue Jahr wünsche ich meinen Kunden viel Glück| — imd mir viele, neue, zahlungS- ! sähige Abnehmer I Zigarrtu-Koslowski. Prinzen-Allee SS. Allen meinen werten Kunden gratu- liere herzlichst zum Xenea Jahre t Kaufhaus Paul Falkensfein X. 05, Hochftädterstrafte 1, 13392 Ecke Liebeinvalderstratze. Prosit Jfeujahrl allen meinen Gästen, Freunden und Bekannten l Jobsnnvs Koch, Rixdorf- Treptow, ElaenxtraBe 85—80. Allen Freunden. Belannlen � s und Parteigenossen ein ftöhlillieg Nrujahr! V. Eelsmaan, 2098» Rillerstr l. Meinen werten Gästen sowie allen Freunden und Bekannten wünsche ich ein 13642 fröhliches Neujahr! Karl Kalwee, Grüner Weg 114. "Meinen werten Gästen und Ge- nossen die besten Glficlcwünsche zum Neuen Jahre! Karl Gründe! und Frau, Schirmers Nachfolger, Beataarant„Zum Wohle", Wörther Str. 15. 2309b Ali Profit Utiiiobt! wünsch! allen Genossen und Bekannten, serner danke ich allen meinen werten Kunden sür das bewieseneWobiwollen. Gaittav Janentzky, Bäckerei, Rixdorf. Warthcstr. 15. 8cliinelkss8 familienlieiin zur Künstierkiause BalpIaquetatnaUe 7 wünichi allen werten Gästen, Freunden und Bekannien ein recht frohes Neues Jahr! Meiner wcrlc» Kundschaft und Nachbarschaft die herzlichsten Grütze zum 13672 Neue» Jahr! Oskar>Vemg _ Nazarethkirchitr. 40. Profil llciijflbt! wüniche hierdurch meiner werten Kundschast sowie allen weiten Ge- nossen. 13602 Zixaretten-Fadrllc Inschallah. Franz Waretzki, _ llsedomftraste 7._ HOSO«O«OO0 Ein glticklicbes Neues Jahr allen Berewen und Gewerkschaften. Karl kud�vig, Treptow. Die herzlichsten Glückwünsche zum Neuen Jahr sendet allen seinen Kunden und Se, kannten 2295b Arnold Wieake, Mineialwasser- und altobolsreie Geträukesabrik, Memclcr Slrutze 4. Herzlichen Glückwunsch nun Neujahr Wünscht 22936 Ludwig Kleeblatt, Görlltzer Ufer 36. Weitester Gastwirt Süd-Ost. Meiner werten Kundschaft zum Neuen Jahre herzlichen Glückwunsch Jose! Laserich, Adlerataot. GlüSttcheS Reusahr wünscht allen verehrten Kunden ArndtscheS Zahn- inftitut, Dresdener Str. 105. 257/16 Meiner werten Kundschast zur bös» lichen Nachricht, datz ich aus viel- seifigen Wunsch von Ansang Januar an auch in der Eadisti'. 37a, Sof parterre, vormittags von 10'/, Iis 12 Uhr zu sprechen bin. BobeHt Exnepf Masseur, Hühneraugenoperateur, Hocnmeltitcrtitraße 10, BadstraBe 87a. Nach mehrmonatlicher Vertretung habe ich die Praxis des Zahnarztes Herrn Dr. Georg Maschke, Ri» dorf, übernommen und mich hier- selbst niedergelassen. 258/2« Carl Goldschmidt, ÄV Rixdorf. Bergftraste 159. 9—1, 3— 7, Sonntags 9—12 I. _ Fernsprecher: Ri. 9186. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, JÄ 10— 2. 5—7. Sonntags 10—12 2—4' Dr. med. Schaper, Berlin. 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WIM ks JatiDürts" JJtrliiift MbMtlt. Sonntag, 3t. Dezevchn 19tt. Das Aittlchaftsjahi' 1911. Im Vergleich zu seinen Vorgängern ragt das Jahr 1911 durch eine Fülle wichtiger wirtschaftspolitischer Ereignisse hervor I Zu einem erheblichen Teile waren sie internationaler Natur. Sie traten als Ausfluß kapitalistischer Expansionspolitik in Erscheinung. Deutschland wurde dadurch zwar nicht in«inen Krieg gestürzt, aber die bekannte Marokkoaffäre mit all ihren Begleiterscheinungen und Folgewirkungen lieh Wochen», ja monatelang die Entscheidung über Krieg und frieden»n Europa an dem Zwirnsfaden eines MinisterworieS hangen. Wäre«S zu einem Zusammenstoß« gekommen, Unsummen von Menschenleben und Menschenglück, von wirtschaftlichen Werten und Errungenschaften jahrzehnte» langer Kulturarbeit hätte die entfeffelt« KriegSfurie vernichtet. Und das alles, weil«ine Gruppe Großindustrieller die Hand nach den Bodenschätzen eines fremden Lande? ausstreckte. Diese Tatsache drängt dem Proletariat mit Gewalt die Frage auf, ob die kapitalistische Profitgier noch weiterhin setne Kulturarbeit schädigen und gefährden soll? Ganz ohne Schaden für die Gütererzeugung ist übrigens die doppelte Spannung zwi» schen Frankreich und Deutschland sowie die weit gefährlicher« zwischen England und Deutschland nicht vorübergegangen. Neben der durch die Unsicherheit der Lage bedingten Zurückhaltung der Unternehmungslust hemmten die Warenproduktion die aus der kriegZschwangeren Atmosphäre hervorgewachsenen Schwierigkeiten des Geldmarktes. Ausländische Kapitalien wurden in bedeuten» dem Niaße dem deutschen Markte entzogen. Die dadurch erzeugte Versteifung veranlaßte die Repräsentation der Großbanken zu einer Intervention bei der Regierung. Die daraufhin«/'gegebene bestimmte Erklärung, daß die Befürchtung, der Frisde sei ge- fährdet, der Grundlage entbehre, mag diel zu einer Beruhigung auch in diplomatischen Kreisen be'ge tragen haben. Di« bereits verursachten Schäden konnten allcrdliig» nicht wieder gut gemacht werden. Die Spannung auf dem Gelomarkt« behauptete sich auch weiter. Dazu trug allerdings am End« des JahreS eine sehr leb- Haft« gewerblich« Tätigkeit bei. Die Lage am Geldmarkt« veranschaulicht die Veränderung de» Diskontsätze? der ReichSbank. Am 16. Februar 1969 ermäßigte die ReichSbank den Satz von 4 auf 314 Proz., um ihn am 26. September wieder auf 4 Proz. zu er- höhen. Die folgend« weitere Erhöhung auf V Proz. blieb bt» zum LI. Januar 1910 in Wirksamkeit; der dann gültige Satz von 414 Prozent wurde am 4. Februar durch den 4proz. Diskont abgelöst, dessen Herrschaft bi« zum Lg. September währte. Vom 26. September 1910 bis 6. Februar 1911 betrug der Wechselzinsfuß wieder 5 Proz. Später als im Vorjahre trat die Ermäßigung auf 414 Proz. ein, und wiederum 8 Tage später als damals folgte die weitere Ermäßigung auf 4 Proz., der jedoch, schneller als im Jahre 1910, nämlich schon am 19. September, wieder der Satz von b Proz. folgte. JeoenfallS ist aber auch noch eine weitere Verteuerung des Leihgeldes zu erwarten. Für das deutsche Wirtschaftsleben von untergeordneter Be» deutunjj blieb bisher die Revolution in China. Aber e» ist heute noch nicht abzusehen, welch« Folgen der Kampf um neue Rechts» und Gesellschaftsformen im fernen Osten gegen die überlebt« Herrschaft noch haben kann. Der italienisch-türkische Krieg, ein« Nachfrucht der Marokkoaffäre, beeinflußt anscheinend in nach- teiliger Weise die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den kriegfiihrenden Ländern, womit nicht gesagt sein soll, daß der Krieg nicht auch noch im Schöße der Zukunft schioere europäische Konflikte ausreifen läßt. Di« bedeutsamste wirtschaftliche Erscheinung in Deutschland selbst war und ist für die breite Mass« der werftätigen Vevölke» rung die schmerzhafte, di« Ernährung in gefährlichster Weise er- schwerend« Verteuerung der gesamten Lebenshaltung. Als daS Resultat unseres bewährten Wirtschaftssystem» erlangte die verhängnisvoll« Teuerung durch die Schutzzoll- und indirekte Steuerpolitik ihre seste Grundlage. Die Börsenspekulation, deren Machenschaften in der abnormen Witterung und in ungün- stigen Ernteschätzungen ein willkommenes Argument fanden, vcr- schärften die nach oben gehend« Preisbewegung. Der Deutsche Landwirtschaftsrat darf sich rühmen, den Preistreibereien erfolg- reiche Dienste geleistet zu haben. Nachdem ein« Reihe von Schätzungen di« Befürchtung einer kleinen Ernte in Deutschland immer mehr befestigt hatte, stellt« sich schließlich heraus, daß uns die Körnerernten einen guten Ertrag liefern würden. Wie sich später zeigen wird, garantiert daS dem deutschen Konsumenten kein billiges Getreide. Mit Hilf» unseres famosen Einfuhrschein- systemS bringen di« Exporteure deutsches Getreide zu billigen Preisen in daS Ausland, lassen sich dazu eine Ausfuhrprämie zahlen und treiben im Inland« die Preise hinauf. Stellt man die Ernte von 1911 mit den Resultaten der Vorjahre zusammen, dann ergibt sich diese Uebersicht: 1908 1909 1910 1911 in Millionen Tonnen Weizen..... 8,76 8,75 8.86 4.06 Roggen.... 10,73 11,84 10,51 10,86 Gerste..... 8,06 8,49 2,90 8,15 tafer..... 7,69 9,12 7,00 7,70 artofieln.... 46,84 46,70 43,46 81,87 Der Ertrag der Weizenernte ist in diesem Jahre in deutsch- lifnd so groß, wi« wir ihn bisher noch nicht gekannt haben. Bei Roggen bleibt allerding» der Ertrag hinter der bisher erzielten Rekordernte de» Jahres 1909 um ungefähr«ine 14 Million Tonnen zurück. Er ist aber immerhin al» sehr reichlich zu bezeichnen und namentlich in Hinficht auf die höhere Ausbeute größer als der heimische Bedarf. Die Ernte des übrigen Getreide» ergibt zwar keine Rekord- zahlen, aber sie ist doch ganz akzeptabel. Weniger befriedigt der Ertrag der Haferernte. Beträchtlich ist der Ausfall bei Kartoffeln. Die wirkliche Ernte scheint etwas günstiger zu sein, als wie die Statistik ausweist. AuS einigen Gegenden wird über ganz erheb- liche Erträge berichtet. Insgesamt rechtfertigte die Ernte, mit Ausnahm« der Kartoffeln, eine Senkung des Preisniveaus, aber da» Gegenteil ist zu konstatieren. Ihren zahlenmäßigen Ausdruck findet die Teuerung in der nachfolgenden Zusammenstellung der Preise wichtiger Lebensmittel. ES notierte in Mark für die gleichen Warensorten — Getreide und Kartoffeln pro Tonne, die übrigen Waren pro Doppelzentner— Gersi« sFutter) Breslau, Raffinade Magdeburg. Kaffe. Reis und Tabak Bremen, sonst alles Berlin: Roygen Weizen Hafer MaiS Kartoffeln Gerste Ochsen Schweine Kälber Roggenmehl 21,60 Weizenmehl 24,50 Butler II Raffinade Rüböl Kaffee Reis Rohtabak 163,64 170,33 168,40 124,87 40,83 128,00 157,00 118,00 174,50 220,04 86,83 66,96 71,00 21,86 65,00 Januar Juni Dez. Jan. Juni Nov. 1907 1910 1010 1910 1911 1011 1011 167,04 144,70 152,88 149,62 170,57 182,01 227,06 100,71 211,54 291,63 207,04 203,30 164,78 146,87 153,13 150,10 167,16 180,90 121,50 111,00 113,88 101,75 108,00 180,00 45,00 45,00 40,69 45,00 56,67 70,00 187,60 128,50 131,14 128,50 138,50 154,50 181,25 146,75 144,95 146,50 154,75 168,00 130,88 125,75 129,04 117,50 107,63 117,00 189,63— 187,93 188,60 176,63 197,67 20,90 17,95 19,20 19,60 22,25 21,60 30,25 27,00 27,06 28,75 27,25 27,00 240,24 216,77 233,14 220,16 209,88 270,40 — 50,75 47,86 88,00 40,95 66,60 56,78 58,60 66,98 59,00 61,50 66,80 80,60 76,60 89,00 120,50 121,00 168,50 21,00 22,00 21,02 23,00 28,50 27,26 78,00 90,00 84,83 90,00 90,00 90,00 en sei hier noch, daß wir im Jahre 1906/07 von en normalen Notstand hinausgehenden Fleischteuerun� heimgesucht worden waren. Im ersten Quartal 1904 und 1905 kosteten Ochsen der in der Tabelle eingesetzten Qualität nur 131 M., 1906 schon 187 M. und 1907 151,40 M. Jetzt haben wir den damaltgen Hochstand, der nach PodbielSki nur eine vorübergehende Erscheinung sein sollte, gar noch überschritten. Wenn auch bei den Getreide- und Fleischpreisen beträchtliche Schwankungen in die Erscheinung treten, so läßt sich doch die allgemein steigende Tendenz nicht verkennen. Die dicSiährige Teuerung zeichnet sich dadurch aus, daß sie fast restlos alle wichtigen Lebensmittel erfaßt hat und mit einer bemerkenswerten Milderung nicht gerechnet werden kann. Da» Anziehen der Preise ist vorwiegend eine Wirkung der erhöhten Steuern und Zölle, für oeren Erhaltung, wenn nicht gar Steigerung, die bürgerlichen Majoritätsparteien energisch eintreten. Die unerfreuliche agrarische Gabe hätte sich noch viel unan- genehmer bemerkbar gemacht, wäre sie in ihrer Wirkung nicht durch eine im Laufe des Jahres immer besser werdende industrielle Konjunktur abgeschwächt worden. Nach einer Reihe von Jahren mit verhältnismäßig schwacher Warenproduktion setzte nun im In und Ausland« wieder flottere Tätigkeit ein. Die Zahl der Be schäftigten hat wesentlich zugenommen. Ein Urteil darüber erlaubt me Krankenkassenstatistif. Bei den an daS Reichsarbeitsblatt berich tenden Krankenkassen, mit ungefähr zwei Fünfteln aller Kranken versicherten, stieg die Zahl der Mitglieder von 4 807 279 am 1. De zember 1910 auf 5 074 980 am 1. Dezember d. I. Ob die Ein stellung von Arbeitskräften und die Warenproduktion noch eine Steigerung erfährt und wie lange die bessere Konjunktur«nhält, läßt sich bei oer Ungeklärtheit der Verhältnisse, der Unsicherheit des FriedenSzustandeZ und der kapitalistischen ProduftionSanarchie schwer beurteilen. Nach dem normalen Verlauf der Dinge könnte in dem Grad der Erzeugung wohl noch ein« Steigerung eintreten. Die Errungenschaften auf dem Gebiete der Elektrizität, deren viel- gestaltige Verwendung als Kraft- und Lichtquelle sowie in der ge- samten ProduktionStechnik, bedingt eine Aenderung des Arbeits- Prozesses in manchen Werkstätten sowie Umgestaltungen der Betriebs- anlagen, ferner gewaltige Um- und Neubauten sür Transport- und Beleuchtungswesen als ökonomische Notwendigkeil. Die Verbesserung und Erweiterung de» ProduktionSapparatcS macht jetzt schon einen erheblichen Teil der forcierten Erzeugung au». Damit aber er- wächst naturgemäß auch die Ursache zu einer neuen verschärften Krise. Die zunehmende. Warenherstellung kommt am deutlichsten in den Einnahmen der Eisenbahnen, der Kohlenförderung, dem Ausstoß der fcochöfen, dem Versande des StahlwerkSverbandeS und in den LußenhandelSziffern zum AuS- druck. Die Einnahmen der Eisenbahnen in den ersten 11 Monaten de? JahreS 1911 stellen sich auf 2705 Millionen Mark, 130 Millionen Mark mehr, als die gleiche Zeit de» Vorjahre» erbrachte. Auf den Güterverkehr entfallen von der Gesamteinnahme 1864 Millionen Mark oder im laufenden Jahre 141 Millionen Mark--- 8,18 Proz mehr. Die ProduktionSsteigerung im Montangewerbe prägt sich in den nachfolgenden Ziffern auS, die jedesmal für die Zeit Januar bis November der genannten Jahre gelten. ES ergab in 1000 Tonnen die: 1910 139 279 62 704 21455 13 486 1911 147 309 67 081 23 026 14 154 Kohlenförderung.. KokSerzeugung... Braunkohlengcwinnung Roheiienherftellung DaS gleiche Bild de» Aufschwunges zeigt der Versand des StahlwerkSverbandeS. In der angegebenen Zeit stieg der Abstoß von Produkten A von 4,789 Millionen Tonnen auf 5,355 Millionen Tonnen, der von Produtten S von 4,794 Millionen Tonnen auf 6,183 Millionen Tonnen. Hierbei muß allerdings hervorgehoben werden, daß ein erheblicher Teil auf die Ausfuhr entfällt, also im Jnlande nicht zur Verarbeitung gelangte. Der Export von Roh- luppen z. B. stieg von 4,343 Millionen Doppelzentner auf 5,761 Millionen Doppelzentner, die Menge der ausgeführten Brenn- stoffe hob sich von 272 Millionen Doppelzentner auf 312 Millionen Doppelzentner. In ihrem Gesamtresultat läßt die Außenhandels. statistik die günstige EntWickelung deutlich erkennen. Der Menge und dem Werte nach ergeben sich folgende Ziffern: Einfuhr«»«fuhr 1910 1911 1910 1911 Waren in Millionen Doppelzentner 681 625 486 536 ,.. Mark... 8400 8901 6918 7426 DaS Jahr 1911 brachte weiter eine weitgreifende Konzentra- tionsbewegung in der Industrie. Auf allen Gebieten der gewerb- lichen Güiercrzcugung machte sich das Bestreben geltend, durch Be- triebserwciterungen und Fusionen leistungsfähigere und kapital- kräftigere Betriebe exstchen zu lassen. In der Textilindustrie, in der chemischen Industrie, im Brauereibetriebe, in der Spiritus- industrie, im Verkehrs- und Handelsgewerbe, im Zementgewerbe, in den BeherbergungSunternehmen, besonder» aber im Montan- gewerbe machte der Zug inS Große sich bemerkbar. Hier ist die Konzentrationsbewegung begleitet von heftigen Kämpfen um die Gestaltung der großen Ver- bände, des KohlensyndikatS und StaHwerkSwerbandeS. Und diese Kämpfe sind wiederum der Ausfluß deS nach Alleisiherrschaft strebenden Großkapitals, daS sich im Montangewerbe, unterstützt von dem Schutzzolle auf Roheisen und Halbzeug, die Diktatur über die gesamte Industrie anzueignen anschickt. Hier bollziehen sich bedeutungsvolle soziale Umwälzungen. Man sieht allmählich einr. Konstellation herauswachsen, die dem in den Großbanken zusammen-- fließenden Kapital eine die Staatsgewalt und die Warenproduktiorc beherrschende wirtschaftliche und soziale Macht sichert. Sehr charak-� teristisch ist die Rolle, die die Regierung dabei spielt. Immer offenkundiger fungiert sie als Hausknecht de? Großkapitals. Noch ist in aller Erinnerung der Versuch deS verflossenen Handelsministers Möller, durch Ankauf der Aktien der„Hibernia" Einflufl auf die Politik des Kohlensyndikats zu gewinnen. Der Versuch mißlang! Ein flotter Ausbau der Staatsgruben sollte dann ein Gegengewicht gegen die Preisdiktatur des Kohlensyndikats liefcrit. Die Regierung versagte jedoch als Beschützer der Konsumenten; sie vaßte sich der Preispolitik deS Syndikates ganz nett an. Nun i't oiesem in den letzten Jahren durch andere Außenseiter, die sich weigern, die Bevorzugung der den Gcmischtwerken angeschlossenew Hüttenzechen mitzumachen, ein böser Konkurrent erstanden. Auchi bei den reinen, dem Syndikat angeschlossenen Zechen macht sich eine große Mißstimmung bemerkbar. Diese hosst man durch in Aussichtstellen höherer Preise zu beseitigen. Dabei soll der FiskuS helfen, in der Hauptsache, indem seine Konkurrenz gänzlich aus- geschaltet wird. Zu oiesem Behuse verhandelt das Syndikat mit der Regierung über den Anschluß der fiskalischen Zechen. Vielleicht ist die Entscheidung schon nach den Wünschen des Syndikat? gefallen� während diese Zeilen geschrieben werden. Dabei wären aber die-. Intentionen deS Landtages bei der Förderung des fiskalischen KohlenbaucS vollständig illusorisch gemacht. Man darf daher wohl die Erwartung aussprechen, daß die Landtagsboten den Vertrag ganz entschieden ablehnen werden. Allerdings besteht die Gefahr, daß Agrarier, Nationalliberale und das Zentrum den Pakt auf Kosten der Konsumenten mitmachen, um auf diese Weise das Zu- sammcngehen der drei genannten Parteigruppen in der Reichs« Politik zu fördern. So erwachsen dem Volke auS der schwarzblauen Brüderschaft immer mehr und immer schwerere Schädi- gungen. Für das Unternehmertum setzte sich die Stelgerung der indu» striellen Belebung bereits in eine Erhöhung der Gewinne um. Soweit bis Ende Oktober die Bilanzen im„Reichsanzeiger" ver- Preisschwankungen am Baumwollmarkte gelitten hat und des Bau- gewerbes, das an dem Aufschwünge noch weniger beteiligt war, konnten alle Gewerbe erhöhte Dividenden abstoßen. Wie steht e» aber mit den Arbeitsverhältnissen? Mit den besseren Erträgen ist die Geneigtheit der Unter» nehmer, die Arbeiter an dein Aufstieg teilnehmen zu lassen, durch- aus nicht gewachsen I Im Gegenteil! Meistens mußten sogar die als Ausgleich der verteuerten Lebenshaltung erforderlichen Lohn- erhöhungen erkämpft werden. Die Kohlenbarone lehnten die For» derungen der Bergarbeiter in der schroffsten Weise abl Sie waren ganz rücksichtslos, weil sie wußten, daß der christliche Gewerkvereini durch Quertreibereien eine Lohnbewegung uumöglieb machen werde. Die„Köln. Ztg." verriet, daß politische Motiv« der Ultra- montanen für solches Tun bestimmend waren. Eine vom Zentrum inszenierte Hetze veranlaßte die Eisenbahnverwaltungen zu einem gegen Gesetz und Rechte verstoßenoen Vorgehen, das die Organi- snlion der Eisenbahner vernichten sollt«. Die Konfektionäre in Berlin verweigerten die Anerkennung eines Tarife? für die jäm- merlich entlohnten Heimarbeiterinnen. Vergebens versuchten die Tabakarbeiter eine den veränderten Lebensbedingungen ent- sprechende Lohnerhöhung auf gütlichem Wege zu erlangen. Da» Kapital in der chemischen Industrie rettete wieder seinen Ruhm als schärfster Vertreter des Scharfmachertums: Lohnforderungen wies es brüsk zurück! Und noch in einer Reihe anderer Gewerbe waren die Arbeiter gezwungen, den Kampf gegen daS Kapital auf- zunehme». Durch Aussperrungen die Arbeiter zu zwingen, sich mit einer Verschlechterung der Lebenshaltung abzufinden, war daS Ziel der Metallindustriellen und Elektrizitätsfirmcn. Erst in Sachsen und Thüringen, dann kürzlich noch in Berlin. Obwohl die Fabriken mit Aufträgen überhäuft waren, die Arbeit drängte, profitable Preise erzielt wurden, sperrte man viele tausend« Arbeiter auS, um bescheiden« Forderungen kleiner Gruppen von Arbeitern ab- zuwehren. Die Arbeiter sollten bedingungslos sich der Kapitals- diktatur fügen. Dieser Wille ist anscheinend mit der industriellen AufwärtSentwickelung, mit den Gewinnsteigerungen getvachsen. Gehässiger denn je hetzt daS Kapital gegen die Arbeiterschaft. Gieriger denn he verlangt cS nach Ausnahmegesetzen gegen die Gewerkschaften, um sie kampfunfähig zu machen. Dieser Tatsache kann sich kein Arbeiter verschließen! Ihnen darf daher der Kon- junkturaufschwung und die Aussicht auf vielleicht noch längere» An- halten der günstigen Verhältnisse am ArbeitSmartt keinen Anlaß geben, in tatenlosem Abwarten der Entwickeluno der Dinge zuzu- schauen, von der Güte de» Kapital» einen Anteil von den Profit» steigerungen zu erwarten. Niemals war ein Vorbereiten auf AuS- einandersetzungen mit dem Unternehmertum und zur Abwehr der Attentate auf daS Koalitionsrecht dringender erforderlich als ge- rade jetzt. Die Arbeiter müssen intensiv gewerkschaftlich rüsten und durch politische Betätigung den Ansturm deS Scharfmacher- tumö schützende Schranken setzen! O. I nventur s Ausverkauf vom 2. vis 15. Januar. Restbestände der Wintersaison. Herren-Anzüge, Ulster, Paletots, Beinkleider, Joppen, Westen»w."WU iVL Schulmeister, Berlin SO. 26« Dresdener Straße 4, Hochbahnstation Kotftcser Tor. Vfcs* C □□□ Thealer und Vergnügungen (Siehe Wochen-Spielplau.) Freie Boltsbühne» Sonntag, 31. Dezetnver, nachmittags 3 Uhr. ReueZ Schauspielhaus, i. Abteilung (Eruppe 14—18): Ueber unsere Kraft, II. Teil. Herrnseld'Theater. 13. Wt.(Gruppe 38— 67): 3X2= 5. Lesfing-Theater. 5. Abt.(Gruppe 13—22): Wenn der junge Wein blüht. Thalia-Theatcr. lO./ll. Abt.(Gruppe 44— 48): Die Thunibachcrm. Montag, 1. Januar: nachmittags 3 Uhr: Herrnseld-Thenler. 8./9. Abt.(Gruppe 37-39): 2X2-5. Neues Schauspielhaus. 7. Abt.(Gruppe SO— 31): Ueber unsere Krast. II. T. Thalia-Theater. t./2. Abt.(Gruppe 1—5): Die Thurnbacherui. Residenz-Theater. 2./3. Abt.(Gruppe 6 u. 11): Die arme Löwin. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, 31. Dezemb er 1311 und Montag, 1. Januar 1312, nachmittags 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Judith. Kammcrspielhaus: Lanzclot. Nachmittags 3 Uhr: Schiller-Thcater 0.: Das Urbild des T-rtüff. Schiller-Thcat. Charlottenb. Maria Stuart. Melropol-Thcater: Miß Helhet. Triaumi-Theater: ftrancillon. Neues Operetten- Theater: Der Gras von Luxemburg. Theater in der Königgrätzer Straße: Ein Fallissement. Klejncs Theater. Angele.— Erster Klasse. Hochschule in Charl. Des Pastors Rieke. Neues Volks- Theater(31./12.): DaS Vermächtnis. —(l./l.): Geographie und Liebe. Abends 8 Uhr: Neues Volks- Theater. Sonntag: Leidenschast. Montag: Der Strom. Abends 8'/, Uhr: Neues Volks- Theater. Dienstag, Mittwoch: Leidenschaft. Donners- tag, Freitag: Geographie und Liebe. � Sonnabend: I» Vchandlung. Hochschule in Charlottenburg: Sonn- abend: Des Pasturs Rieke._ Schiller-TlieaterO.lS: Sonntag(Silvester) nachm. 3 Uhr: Urbild des Tartiiff. Abends 8 Uhr zum erstenmal: l>er Kilonieterfresser. Montag, nachm. 3 Uhr: Das Urbild des Tarttiff. Montag, abends 8 Uhr: Der Kilometerfresser. Dienstag, abends 8 Uhr: Kttalg lletnrich Urania. WiflsenBchaftliches Theater. Sonntag 4 Uhr: Lebende Tierbilder von nah u. fern 8 Uhr; Aas dem Leben des Meeres. Montag 4 Uhr: Lebende Tierbilder von nah». fern. 8 Uhr: Ans dem Leben des Meeres. Shenstag 4 Uhr: In den Dolomiten. 8 Uhr: Aas dem Leben des Meeres. Das Programm der Hörsaalvorträge im 1. Quartal 1912 ist erschienen und kostenlos erhältlich. Sehiller-Tlreater Chabrl!?"en Sonntag(Silvester), ngchm. 3 Uhr Daria �tnart. Sonntag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: 0er Weg rur HSIIe. Montag, nachm. 3 Uhr: Daria Stuart. Montag, abends 8 Uhr: Der Weg inr Dulle. Dienstag, abends 8 Uhr: Daskerade. Neues kgl. Opern-Theater(Kroll). Sonntag, 31. Dez., nachm. 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Abends 7 Uhr: Der Doppelmensch(öenrh Bender). Montag, 1. Januar 1312, abends 8 Uhr: Der Doppelmensch(Henry Bender). berliner Tüester. 7 Uhr: Krolle Hosinen. Momag 8 Uhr: Gr. Hoslnen. Dienst. 8 Uhr: Gr. Rosinen 71/, Uhr: Die 5 Frankfnrter. Montag 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Dienstag 8 Uhr: Die 5 Frankfnrter. Nenes Theater. Abends 7 Uhr: Tie kleine Freundin. Louison Fritzl Dassary. Sonnt, nachm. 3 Uhr und Montag nachm. S'/t Uhr: Das Mädel von Montmartre. Montag ab. 8 Uhr: Die kleine Freundin. Idester äes Westens. Sonntag zum erstenmal: Wiener Blut. Aus. 7 Uhr. Mittwoch u. Sonnab. 4 Uhr: Max und Moriii. Son»t. nachm. 3 und Moni, nachm. 3'/. Uhr: Fatinltza. Montag 8 Uhr: Wiener Blut. Refidenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Sonntag, 3t. Dez.(Siloesternach- mittag) 3 Uhr: Voltsv erstell.: Nach dem Opernball. In der Sil- vefternacht. Ter selige Oktave. Abends 7 Uhr: Ei« Walzer von Chopin. Morgen und folgende Tage: Ein Walzer von Chopin. BelleTSlllance-Theater. Heule nachm. 3'/, Uhr: Zapfemtreich. Abends 8 Uhr: Die feböne Kokotte. Montag nachm. 31/, Uhr: Der gkaub her Sabinerinnen. Abends 8 Uhr: Die schöne Kokotte. DienSiag abends 8'ft Uhr: Die ichöne Kokotte. eute, am Silvester, und morgen, am Neu- s!ST..50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Halste. An beiden Tagen nachm. 4—10 Uhr: WM-�ooiert. Wochent. ab 4 Uhr: Militär-Konzert. Donnerstags:.lob. StronO. Luisen-Theater. Sonntag u. Montag abends 8 Uhr: Wir tanzen durchs Leben. Sonntag 3 Uhr: Die Grille. Reujahrstag 3 Uhr: Romeo und Julia._ IOSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Nachm. 4 Uhr: Faust.(1. Teil.) AbeudS 8 Uhr: Zum ersten Male: Der Kampf gegen den Kuh. Montag 3 Ubr: Michael KohL haad. Abends 8 Ubr und Dims- tag: Der.Kampf gegen den Kuh Wahrend der Weihnaohts- [fprien vom 17. Dez. bis inkl. 7. Januar: Volkstage. Jedermann ein Kind frei. Jedes Kind erhilt ein Geschenk. Bei den Feuerfresseru. Lebend! Lebend! Die wilden Essauas Karawane sudanesischer | Heul- und Feuer-Fakire in ihrem Originaldorle. Ohne Extra-Entree. Passage-Theater. Berlins größte Silvesterfeier „Berlin macht mobil." Montag: kremiere. it Vorstellungen: Kaohm, 3— 7 ü. kleine Preise, nb. 8— 11 U. Mirjam Korwitz in ihrem Sensaüons-Dramolet „Die Falle" The Boston-Girls Lina Loos Mite. Maroussfa Iii 10 neue ItiraktioDeii! Dritter Wahlkreis. i, Sonntag, im Gewerkaotaafts große Siloesterfeier unter Mitwirkung des Humoristen Herrn Robert Döring und der Anästentruppe The III G alles. Daran teilnehmende Herren In beiden Sälen I OlliEu zahlen 30 Pfennige nach. Entree inkL Garderobe ÄO Pf. Anfang 7 Uhr. Zahlreichen Besuch erwartet 214/11* Der Vorstand. Zum Ausschneiden! Wochen-Spielplan tf nlhcvnPCtDlIlinnon veranstaltet von der Genossenschaft lOl&SlOrSicllUligvll Deutsch. Bühnen- Angehöriger. tSSSf~ Eintrittspreise; 50 Pf., 1 M., 1,50 M. Koerners Jestsäle, Koppenstrai�o Hontag, 1. Januar 1912: Donnerstag, 1. Januar: Das Glück im Winket, tfinna von ßarnhelra. Schauspiel in 3 Akten Lustspiel in 5 Aufzügen von Hermann Sudermann. von ö. B. Lessing. Theater JMt-ßerlin, Biumen»traße ,0 Montag, 1. Januar; Donnerstag, 1. Januar: Flachsmann als Erzieher. Kabale und Liebe. Komödie in 3 Akt. v. Otto Emst. Tranersp. in 5 Anfz. von Schiller. Donnerstag, 4. Janaar: Sophien-Säle> Flaetaiin als Erzieher. Sophienstraße 18 1 Komödie in 3 Akt. von Otto Emst Kohenstanfensäle{ Oer Raub der Saferim. Kottbuser Damm 76) Schwank in 4 Akt. von Sehönthan. Freitag, 5. Januar frachtsäle des Ostens j Oer Raab der Sabimen. Frankfurter Allee 151/152' Schwank in 4 Akt. von Sohönth 151/152 Beginn sämtl Vorst. 8'/. abends. Sohönthan. — KasseneVognung 7 Uhr abends. Ulidgets Town Hauptstadt von Liliput mit ihren 7 O Bewohnern Friedriehstraße 165, In den Räumen von Castans Panoptikum. Geöffn. von 2 Uhr nachm. bis 10 Uhr abends. Entree Inbegriffen Verleib- und heitere Unlerhaltungt-Vorstellungen. 1 Mark. Zirkus Extra-Entrco. Zirkus Extra-En tr�6. Heute: HeriiDS größte Siiyesterleier mit Bali der drei für diese Nacht vereinigten Etablissements Fassage-Theater Bier-Cabaret Linden-Cabaret iMps§ U Gültig für alle Darbietungen. Beginn 9 Uhr, Einlaß ab 8 Uhr. Trianon-Theater. Anfang 71/, Uhr: Das kleine Caf�. MordsGaudl! ber-Bayern irr* Palasl Potsdomerstp. 78, Uhr abe morgen» Silvester in Oberbayern 12 Uhr Monstertusch von 6 Kapellen. Festrede des fidelen Kamberger. ipy Rle§engrandl."HW Schneefall in der Neujahrsnacht— der Jodler auf der Alm! Der Alpensteg! Zwei Tanzplätze, auf der Tenne und im Saab Rodelbahn— Teufelsrad usw. im Festschmuok. Eintritt M. 1,—. Tische bestellen! Tageskasse 10— 2 Uhr. Morgen von 4 Uhr nachm. bis 5 Uhr morgens Große Neujahrs-Feier. 2 Riesenplätze � � � 6 Original-Kapellen Jodler und Schuhplattler. Voller Betrieb.— Rodelbahn— Teufelsrad usw.— Eintritt 50 Pf. �WWW» Konzert jCaf£„Roland"! 181 Brnnnenstraße 181 -g Gr. Silvester- und Nenjahrsfeier 2 Kapellen 2 Die ganze Nacht geöffnet! Fidele Stimmung Heute Silvesterabend Ansang 7'/, Uhr 8 Uhr: Harry Waiden M Der BrettMutg. > Qermama- Tracht- Säle X., Chausseestraße 110. Karl Dichter. N., Chausscestraße 110. Heute Sonntag(Silvester): Paul Wantljtys lustige Sünger. AuSerwählteZ Programm. Ansang 5'/, Uhr. Im weißen Saate von 5 Uhr ab: Dali. Von 10 Uhr ab in säuttL Sälen: Großer Mllvcatcrbiil) verbunden mit Gratis. Punsch« und Psannkuchen-Polonäse."DU Morgen Neujahr 1912: Gr. Extra-Soiree der Paul MantheyS luftigen Sänger. iMF" Großes Reujahrs-Progromm.-MW Ansang 6ll, Uhr. Eintritt ab Pf. Anschließend: Famillenkrlnjehen. Im weißen Eaale von 5 Uhr ab: Grosser NeujahrS-Ball. Sonntag, den 31. Dez.(Silvester), Montag, d. 1. Jan.(Neujahrstag) an beiden Feiertagen: de 2 groke Galavorstellungen nachm. Z'/,Uhr und abds.7st,Uhr. Nachm. 3l/i Uhr zahlen Kmder unter 10 Jahren auf allen Sitzplätzen halbe Preise. (Galerie volle Preise.) Jn� sämtliche» Borstellungen: Wiederanftreten-Mlll » Menschenaffe»-Mß Max u. Moritz."VBiS "In sämtlichen Vorstellungen: ohne Kürzung. P In voller Aufführung Sonntag, de» 3t. Dez.: Hector u. Loletta. Norman. Delma. In sämtlichen Vorstellungen: Vorführen u. Reiten d. bestdressiert. Schul-, Freiheits- u. Springpferde, sämtl. Clowns mit neuen Entrees. Montag, den 1. Januar: Debüt! Taft! Jlluiionsaft. Verschwinden leb. Menschen i.sreier Manege vor den Augen desPublif. (Bisher nie gezeigt!) Debüt! Debüt I Sandi-Siwell. Truppe. TEroffThÄ, Heute 3>/, Uhr: Gr. Silvtster-Porstestvng. Iiis Nacht von Berlin! '1,12 Uhr nachts: Silvester-Kabarett. Humoristische Jahresrevue. Alles näher« siehe Anschlagsäulen. Nachm. 3 Uhr: Miß Nstyett. Morgen Mqntag, 1. Januar 1912, nachm. 3 Uhr: Miß Helystt; AbeudS 8 Uhr: Die Kacht von Berlin. boxen unter kolossalem Andrang des Publikums in den Union-Theatern M i. LMn unedle Prämie von 1 Million Dollar. Dieser einzig dastehend« wird nur in den Union-Theatern vorgeführt, war von der Berliner Zensurbehörde verboten und ist jetzt durch Beschluß des Oberverwaltungsgerichta freigegeben. Noacks Theater. Direftion: Rodert Dill. Lcrlin H., Bruniienllraße 18. «rohe Silvcfterseier. Um 7'/, Uhr: Rentier Mudicke als Bersuchsfarnickel. Schwank Morgen: Rentier Mudiike. Köv!g8lsltt-ils8ivo. Ecke Holznmr tt- u. Alcranderstraße Bom 1. bis IK. Jan. 1912 D. fonfurrenzlojc Spezialitäten» 'Urogramm und aus vielleitizen Wunsch noch einige Tage: (joldene Iräurne. Soimtirf mit Ges. in 2 Bildern. I Zirkus A. Hclminanii Sonntag, 31 Dezember 1911, und Dontag 1. Januar 1912: 2 FestTorsteHungen 2 3'/, Uhr nachm. m abda. T'jjühr Zu allen Nachndttags- Vorst hat jed Erwachsene ein eig. Kino unter 10 Jahren frei auf allen Sitzplätzen. Jed. weitere Kind halben Preis. In allen Vorstellungen reichhaltiges Programm und ungekürzte Aufführung: lOOO Jahre Jauf dem Meeresgrund Gr. Feerie in 5 Bildern nach Motiven ans 1001 Nacht Casino-Theater Lotkringer Str. 37. Ansaug 8 Uhr Der arötzte Dbeaterersolg 1 Täglich ausoerfaujL Der Kampf ums Daftiv. Attuell! Dem heutigen Leben entnommen. Allabendltch tosend« Beisoll l Sonntag u. Montag nachm. 3»/, Uhr: Die Dochter des Sträflings. HKBKN Heute von 8 Uhr abends biß 4 Uhr früh Große»WS Silvester- Vorstellung. ' Programm i errnteld-Schlagcr: Das Kind der Firma. Scbmerzlose Bekandlnng. Orig. Klabrias- Partie, Fest-Prolog von Hug« Pollsk. Fanfsron-Neujahrs-Gruß. Um 2 Uhr nachts: Hochortgin elles Silvester-Kabarett unter Mitwirfung der beliebtesten Kabarettisten u. dcS gelamten Schau« lPlet-Personaw d. Herrnfeld-Theater». Theat«fasse von 11—2 und ab 6 Uhr obendZ geöfsnet. Ein Riesen-Lachprogramm orig. Art. Die grßßtea tie keiehsdkllell-Ideslei'. Heute: 81Ivc«t»r- Ulk-Molr«o der StettinerSäng Letzt. Gasts er Letzt. Gastspiel Hobcrt Steldel. Räch b. Soiree Tanzkrinzoh. Ans. 7'/, Uhr. Ballmnstk: b�ef�rcheft�hJ��gribart�Sgt� Bmgt-Theater. Gesundbrunnen©abstrafe« 68. Heute Sonntag, de» 31. Dezemb«, nachmittags 3 Uhr: Die Haubenlerche. Abend» 8 Uhr: Die Dame von Ostende. Nach d« Vorst.: Gr. Silveeterfelar. Kasseneröffnung 10 Uhr. Ansang 3 Uhr und 8 Uhr. Moatag. de» 1- Ja«»« 191« t Nachm. 3 Uhr: Franviillchc. Abend» 7 Uhr: Prinz n. Bettlerin. Kasseneröffa. 10 Uhr. Ans. 3 u. 7 Uhr. Di«»Stas- de» S. Jan»« t' Eine tolle Nacht. Komödie in 4 Ausz. von R. KnetseL Kaffenerössnung 7 Uhr, Ans. 8'/. Uhr. Kabrtrett und Theater. Jeden Montag(Ansang 81/, Uhr): ftttke's ßesellseha(tshans Driftstratze 63. Nachdem: Freltan». Nißles Fest-Säle DennewitzstraBe 13. Sonntag, den 81. Dezemb«: Gr. Silvester-Ball. Am ReujahrStag: Großer Ball.- 2269b f. MBle. Für de« Inhal« der Znsera »dcrnimm: die Redattto»' Vubltk»» gegennde» verantwormug. BIQihnep- Saal. Morgen am Neujahrstag: Konzert iier-Mesters. Hott'itCUrYon Strauß. Solist: H. Winter(Orgel). Anfang Y'�TJhr. Kntree 76 Pf £ls- Arena. Hente, Sonntag, mittags von 12—4 Uhr; Korso bei liitisik. Diner M. 3,— oder M. 5,- einschL Eintrittspreis. Nachmittags«'/, Uhr' Sctineewittchen. Halbe Preise. Die Eis- Arena ist von 8 bis 8 Uhr geschlossen. JMM Abends: Große Ii s mit BALL auf dem Parkett and aal dem Eise. Einmalige Aufführung einer prüchtig aasgestatteten Silvester-Ferie unter hlitwirkong des gesamten Kunstlaufpersonals. Die kleine Charlotte in einer •enaatlonellen BTorität. i i aal den Eise von Herren G nnd Damen ans dem G Publikum ausgeführt. Vorher das erlolgr. Ballett Alpenzauber. Knnstla.fprodakHonen nnd Lustige Intermezzi Nach 12 Uhr: BALL. 2 Orchester n ElnUdabofer" Eintrittspreise: Logenplatz 15 M. I. Rang 10 M. Parterre u. II. Rang-Balkoa 0 M. II. Rang 5 M. Im Parterre und II. Rang Speisen j» ia carte. Folies Caprice. Täglich abend» 8 Uhr: Waffcnübttttg. MaudelhluthS Poticrabcnd. Losgelassen. MI» te I» Ii»1 t R, IZ W- M- SenSix vir. Martin und Paul gendlz Oranlen.tr. o8. Lachen, nichts, wie Lachen! lysium Sa.hdberger Allee 40—41. Monlaz, den I. Januar: Xenjalirn-ltall. Damen-Freitanz. Anlang 5 tlftr._ Entree frei. F 0£ J c � 1 P Somwbotb imb Sonn« -------- lag im gebruar s r e L Arinlnknllen, Kouunandsnten- tr-tzeS?/R. Kmt MpL 10155,» Sonntag. U, Januar, 7'/, Uhr, Gewerkachaftshaus, Engelufer 15; K Bunter Abend � Leitung; Margarete Walkotto. Mitwirkende: König! Hofsehaospieler Hermann Vallentln, Rezitation.— Dr. Slber, Geige.— Dr. Heinz Caspary, Lieder bot Laute- Margarete Walkotte.— Erwin Feustel am Flüge! Entree 50 Pf. 269/6* Abendkasse ÖO Pt Vorverkauf bei Herrn Horsch, Engelufer 15. .............. 1 I Brauerei Friedrichshain am KOnlgntor. Größte Silvesterfeier Berlins. Schönste und größte Festdekoration. üüü!: Auf der Alm! Drei bayerische Kapellen. Weiaiier! uaä Ldrenxruder. Tanzleitung; Hm Heinrich. I« tfliuteubuftcnben Schliersee— Ueber» raschutigea. lyaudq unb Hetz— LiedeSrab. Humoristisches Schneetreiben. 8i!ve5terglüek8ge5edknke für ösz Kene 3abr. Entree auf allen Plätzen 60 Pf. Morgen Neujahr: Wiid*9oll«|,0bl8Mi Neue Welt. Arnold Scholz. Hasenheide 108-114, Sonntag, den 31. Dezember 1911 ». im Riesen- Festsaal:;> Großer Silvester«Ball. Gratis=Punsch und Pfannkuchen. Anfang 4 Uhr, Entree 50 Pf. ■ontng, den 1. Janunr 1013 (Neujahr)! >> Im Riesen■ Festsaal;. Großer Ball. Anfang 4 Uhr. Anfang 4 Uhr. Im nenen Saale: Bummelstudenten. i' Anfang 8 Uhr. iarKaraie Entree 50 Pf. � v arkgraien-Säle OG»SH0O«O»S»OHAAO»S999�� 3-1, Markgrafen-Daram 34. . An der Sfrafauct Allee. Jeden Sonntag: GcoBec Ball. Im Restaurant täglich musikalische Unterhaltung. Borzügliche Küche, ft.Blere».Weine, Billard». Kegelbahn XTEambra r-Tbeaterstraste 15. Großer Ball Wallner-Tbeaterftraste 15. Jeden Sonntag; Grostes Orchester. Ansang Sonntags 5 Uhr. A. Zuiueitat. Heute u.lolgendeTage HEATER dAWEDDIHS/ HuUojU f6Z/l83 6cKe Jcuerjtr ' am Wcadjstjpuu* Johnson-Burns. Nut Szenen ans dem Ring. Zur AnfklUrniig! Da. Union-Theater erlaubt sich in seiner vollständig unangebrachten«Warnung" Entoteliungen der Tatsachen unseres Boxerfilnu. Wir können nicht umhin, alle Interessenten darauf aufmerksam bu machen, daß der von uns vorgeführte Boxkampf um die Weltmeisterschaft zwischen dem Neger Jack Johnson und Büros nur Szenen aus dem Ring zeigt, ohne das uninteressante Beiwerk, wie in dem Jim Joffries Boxer- fllm. Ueber 1 Jahr hat es gedauert, bis uns dieses Bild von der Zensurbehörde freigegeben wurde. Wir kttnnen es rnliig dem Urteil nnaerar Bc- ancher UberlAtutcn, welcher von den beiden Püms der packendere und interessantere ist.. tJu Tnut.r ist sa wr.iobMi mit d.r btadtbthn(Station W.ddiogplsts/ Ürsftomnibas: 2,<, JA nnd JB. StraUenbabo a. 5, 8, 23, 2t, 90. Ä. » 32 St t". ß" und Städtisch. 5. Excelsior- Lichtspielhaus Rixdorf SÄlVil Passage Vom 30. Dezember bis 5. Januar einschl. Treue Liebe. Der Bandit. Modernes Drama. Detektiv-Roman. ass Humoristisclie Schlager '.»MWWWWMMMMW, USW. USW. i Concordia-Pestsäle! SSSS389i Andreasstr. 04 Inh.: M.Wendtu. A. Schütze Andreasstr. 64 Sonntag, den 81. Dezember 19X1: Oroß© Silvester- Feier. Ulk-Soiree der beliebten Hoffmanns Sänger Direktor: Fr. Fanthcr, und Großes liiilitär'Streich'IKonzert: ausgeführt von der Kapelle des sCönigin-Eüsabeth- Garde- Grenadier-Regiments. Leitung: Obermusikmeister v. Brinkmann. Anfang des Konzerts 6 Uhr. Anfang der Vorstellung 7 Uhr. Um 12 Uhr: BegrUBang des neuen Jahres. > Pnnsch-PolontUe. Präsent- Yerteilnng. Großer Ball. Tlscbbeatcllnngcn werden im Kontor entgegengenommen. Daselbst sind auch Vorverkaufsbillette zu haben. Am 1. Januar(\euiubr).. | Militär-Konzert. Hoffmanns Sänger.! - BALL.- Qebr. Schwarzer Arnhold Adler Uohtenberg, Frankfurter Chanssee 5, Bonntag, den 31 Dezember 1911: Hr. Silvester-Ball mH Ueber- rasehungen. i.J Januar: Hr. Neiijalirs-Ball. jeden Mittwoch: Leipziger Sänger aamgizssigaisiiiiKmüti WWWWWWWWWWWWWWWWUJWWWWWWWWWWWWWWWWPPWVWWW. iSrnst ßf-of• Hhor.�rhKnou/elrla CetelAtaia C4i*oRanKakn Ranlin CoUKMnuinUm' Stat: Ober-Schöneweide, Sadowa, StraSenbahn Berlin— SchSnewelda. ai.DesÄr; Silvesterfeier mit Feslpolonäse. 1 janoar: Hr. Neu] alirs-Ball. M»99099f•••M999i9M9M—»t»- Httflleh. i sind anerhannt gut.- »,••.; S MMWWMWWWWWWMM»»»»»»W«W»»»W»»»»»»»» Das den gesetzlichen Vorschriften entsprechend eingebraute BORUSSIA-MALZBIER ist nahrhaft und appetitanregend und darum fürFrauen u. Reconvalescenten von Aerzten vielfach empfohlen. Borussia-bier ia Qualität, gelbes Etiquett, ist für jeden Haushalt das geeignetste FAMILIEN-GETRÄNK da es alkoholarm und erfrischend im Geschmack ist. Ueberau orh&ItUob. ■w« Eohenstsufen-Säle Kottbuser Damm 76. Silvester und Reujahrstng! WG- 2 grotze ltlf.«olreen-MsZ der beliebten LL32b UjklpzJgQr i4iinger. Anfang 7 Uhr. Nachdem Tanz. Silvesterball m. Punschsiolonäse zc. RurglheAler-ÜM. uuS Voeteäla fScliönhansor rcaiaäie, All«« 1Ä9 Säle für Hochzeiten u. Vereinsvergnügen. djjooheleg. Kegol- " Mc bahnen. Rudolf llerz. Gardinen :e. te. AuberaetoöHnlich allnstige Kausgelegenheit sllr Sardinen, Portleren. Tecken, Teppiche, Länserstosfe it.:e. bietet die Birma Gardinenhaus Bernhard Schwartz Wattstr. 13, Untergrundb. Spiitelmarkt Auiwahl: dem einlachllen bll zum elegantesten. Mit solider Onalität sind dl« denkbar niedrigsten Preis« perbunden. Xi o S Zu den Beidisiasfewalücn 1912 f 1.4___ T\-.' J___ /L J__ � H O 39� i JSS U'. I UJJ-.l UK tili WJUUUIlg ucr pohlUthfnPdrteien in DcuBch- wnd seil 1871 uiücrrichjcl«in wül.kaun sich für 10 Pl{ die Rcidulafewahlposfltarte / C3 %-e i 2 fm ■Jt* to S i ;= J-f «. tr. X' S= Haupmrlrtle: mallen j Wahlkreisen .•nklM....... I Ju Gustav Rrcüschmcr� Slutltfett ? ►- o 2 S- a i -8P te" * B ►o r* O a 6. Granmanns März Thcatcrbühue. ZVaUNsZUSt?. 27. 3«egelbahuen. 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S». »Gustav Schmidt, Gräsestr. SS. '«nstav Lochman«, Waffertorstr.49. Her«. Schulz, Schönleinstr. 23. Südwesten. Wwe. Lücke, Möckernftraße. Nordweste«. »Richard Kiepert, Zwwglistr.». Otto Bornkessel. Waldftr. 39. III. »Wilhelm Bundschuh, Birkenstr. 48. »Robert Kern, Stromftr. 25.» Richard Schoppan, Wiclefstr. 43,1. 'H. Hagedorn, Emden« Ett. 47. 'Bösenderg, Rostock« Str. 21. "immermanu, Quitzowstr. 105. «nl Müller, Bcufielftr. 28. JulinS Löbel,»eufselstr. 32. Norden. »Wilh. vlauck. Ackerstr. 11». »J. Stabrey, Sleimstr. 10. Rudolf Runge, Jnvalidenstr. 2». 'Emil Herforth. Rügen« Str. 7, ""' Stta' Eingang Putbus« Straße. 'Frau Luise Ruft, Soldin« Stt. 38. 'Wachsmuth, Freienwald« Stt. 9. »Anguft BauSdorf, SoldwerStt. 14 'Deglow, Hochftt. 2a. 'Paul Mazanke, Pankstr. 24. 'Hermann Kornetzki, WollinerSt. 23 Kempers. Fehrbelliner Stt. 57. *21. Lindemann, RheinSberg. Stt. 37. 'Fritz Sperber. Rnppin« Stt. 44 'B. Moritz, Bernauer Stt. 18. Liebrecht, Weißenburg« Stt. 83. »JuliuS Ricke, Saarbrück« Str. 7. »Wilh. Klei«, Müllerstr. 184 »Paul Opitz, Lhnarstr. 2. 'B. Robrah«, Greif enhagen«SK.13. »Engelhardt, Schönhaus« Alle« SO». Hellmann. Schönhans« Alle« 40» II. »Frau Krause, Biesenthal« Stt. 9. »OStar Klose, ReinickenborserStr.SS. H. Bongardt. Gleimstt. 40. F. Zimmermann, Tresckowftr. 1». 'Sriedemann, Stargard« Ek. 74 »Franz Fritz, Triststt. 4 Panl Raa. Malplaguetstt. 24 I. 'Wilhelm Nnss, Antonstt. 2. 'W. Göppuer, Maxftt. 13». August Schirmer, Jnvalidenstr. 1 'E. Gobie«, Fretenwald« Stt. 22. 'LoniS Hoffmann, Gaudhftr. S. 'Robert Eckert. Kolberg« Stt. IS. 'Robert«rewe, Wiesenstr. 19. »P.«oriwoda, Stolpische Stt. 44 'Aschenbrenner, Schliemannstr. 4. 'Ad. Kramer, Schwedt« Stt.I8/lö. »Friedrich Schulz, Wiesenstr. 30». tzllbert Haöpel, im Humboldthatn. »August Beutel. Bt-senthaI«Sk.24. »Eduard Möhl.SchönholzerStt.11. H. Herberg, Gleimstt. »Karl Habersaath, Graun str. 40. »Gustav Hennig, Kolonieftt. 129. »W. Pollwitz, Schliemannstr. 47. »A. Kaerger. Prenzlauer Allee 139. 'Paul Kneifel. Ackersk. 131. 'SchlösterS Rachf.. Gerichtstr. 2. Jakob Götting.Liebenwald« Stt. S. »G. Ttahlberg. Dunckerftr. 12. Paul Roack, Schönhauser Allee 53. 'Ernst Schulz, Bernauer Stt. 2. »Willy Serre. Swinemünder Stt. SS. 'Gustav Henze, EtettM« Stt. 31. Ott« Braun, Ruppiner Stt. 14 »Rod. Geuzkow, Lortzingstr. 24. »W. Balzer, Ramlerstt. 12. Präger, Ruppwer Stt. 26 I. Friedr. Berlin. Ackerstt. 130. 'Pflug, Reinickcudorser Stt. 71. E. Hilbebrandt, Rügen« Stt. »H. Junghans, Restnckendors« 'H Slraße 103. Zieh«, Bernau« Stt. 48. »Semmler, Brunnen str. 103/1"4. »Schnhmann, vohenstt. 18. »Zöllner, Stettiner Stt. 20. »Weidner, Hochstr. 48. »Hübner, Rügen« Stt. 18. »Fröhlich, Reinickendorfer Stt. 87. Marie Tulla, Gleimstt. SS. Nordosten. Mari««loh, Palisadenstr. 1«»t. B. Loewinborsf, Wewstr. 3 II. W. Eckenbrecht. Höchstestt. 7 m. Otto Better, Höchstestt. 32. »Jos. Krobtsch. Büschingftr. 20. »Max Polest, Friedrichsberger Str. 10 'Jakob Reul, Barnimftt. 42. »Karl Müller, Rhkestt. 38. »A. Dierbach, Wirts str 25. »Xh. Bernhöft, GreIsswalderSt.207. »Gnstav Pinuer, Tresckowstt. 33. Georg Bürger, Tresckowstt. 38. 'Heinrich Olle. Metzer Stt. 22. »Wolter. Marienburg« Stt. 32. »Richter, Landsberger Allee 145. 'Gustav Wittenberg. Barnimstt.lS. »M. MoewnS, Weinstt. 29. »Hugo Wache, Koppenstt. 43. »Äug. Kley, Friedrichsb«g« Stt. 19. Blanzwirn, WoldenbergttStt.1211. Zentrum. A.«Hai«, Mulackstt. 11, t »Otto Probst, Linien str. 25. Vorort». Karl Jancke, Adlershos, Friebenstr.lS. »Rudolf Otto, Adlershos, Sedan- ftraße 29. Benkert, AdlerShos, BiSmarckftt. S8». Albert Schumacher, Lichtenberg, Wartenbcrgftr. 38. »Frit, Ehlert, Britz. Rudow« Stt. 5. ♦H. Drompa, Lichtenberg, Scharn- web«str. 44. »Harting, Lichtenberg, Rummels- bürg« Stt. 18. »Kaiser. Lichtenberg, Möllendorss- stratze 15/17. 'Joh. Bobrvwski, RummelSburg, Crossen« Stt. 17. 'Maserkopff, Boxbagen, Desnstt.SS. »Schütze, Ri�dors, Wißmannstr. 22/23. 'Schulze. Rixdorf, Sleimuetzstt. 110. Gustav Becker, Rixdors, Jnnftr. 29. 'Alb. Schuster, Rixdors, Fuidaslr.lS. I. GanS, Rixdors, Fricdeistr. 3 III. »F. EhIerk.Rixhorf, H«mmmftr.22S »Gustav Earl, Rrxdors, Prinz« Handjery-Stt. 59. »Bortmanu, Rixdors, Smser Stt. 90. 'Klein, Wilmersd»�. Uhlandstr. 128. 'Paul Witt. Steglitz, Düppelstt. 5. »Rob.Stübner.Steglitz.Schloßstt.llS Lehmann, Remickendorj-Oft.Thuner- straße 5. 'Pieper, Spandau, Metz« Stt. 12. »Frau Ella ivkoos, Spandau, Falle«- Hagen« Stt. 18. »Otto Wilke, Spandau, virlenstr. 4 »Wilh. Klemmer, Spandau, Schön« wald« Stt. 82. Max Nölte,Spandau,SchuIzenflr.14 »Durst, Spandau, Pichelsdorf« Stt.23 Otto Kloose, Spandau, Feld str. 5. »Wilh. Klein, Tegel. Berliner Stt. 84 Krüger, Tegel, B«iin« Stt. 39 pt. MiiruS, Pankow, Berliner Stt. 90. »Alb. Janike, Panlow/Mühlenstt. 38. »Hudosch, Pankow, Kaisn-Friedrich- Sttatze 74. 'Jacodi, Weißens«, BttllnerAllee!79 Werner, Weißensee, Sedanstt. 19 I. »Hugo Jürgas. Weißens«, Hemers- dorser Stt. 55. »Zirkel, Rixdors, Jdealpafiage». Morttz, Friedrschshagen, WUHelm- sttaße 59. »H. Herzog, Lichtenb«g, Blumen- thalstraße 9. »Ntschewoss, Lichtenberg. Gürtelstr. 12 'Neuhoff, Reinickendorf- Vf., Eich- bornftr. 54. »Beständig, Reinickendorf-Vl., Eich- bornstt. 94. 'Adelt, Reinickendorf- O., Kopenhagen« Stt. 1. 'Arnold Hamacher, Käpnick« Stt. 155/153, H.«retzner,«ariaunenvlatz 15. St. Rendschmidt. Kastanien-Allee 103 I, Kunkel, Mansteinstr. 14 I,'Heinr. Beyer. Swing« Stt. 13.'Schachmann. Winsstr. 12, H. Kurnicker, Neue Königftt. 17. Max Otto, Templiner Stt. 12 Part., Laser, Landsberger Stt. 91. Puttlitz. Schliemannstr. 28 I. Panl Juhl, Bcrlin-Panlow,»Roman Roske. Chorin««tt. 5, Gotzrr, Melarrchtonftt. 13, I. Blanzwirn, Lothring« Str. 33/37 II,»Cypra, Carmen-Shli'".—.......- »Ahrens, Köpenick« � � Ansterdem st Baneher! Kauft nur in solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: lten Vertpaiensmann. Alwin Schulze, Große Hamburger Straße 18/19, befindet. Obigen Tariffirmen zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11— 12 Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im.vorwärts» veröffentlichte« Namen, Tarife mit unserem Verband abgeschloffen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie, sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese grüne« Plakate von hier entnehmen können. Der DertraUeNSMatttt. A. Schulze, Große Hamburger Str. 18/19. Inventur>Verkauf 1912 Vom InventursVerkauf 1912 Z. bis 14. Januar inkl.- Auch in diesem Jahre stellen wir in der obengenannten kurzen Zeit größere Posten zu ganz vorteilhaften niedrigen Preisen zum Verkauf. Aus unseren sich stets erneuernden, großen Vorräten bleiben kleinere Bestände übrig, welche, obwohl in tadellosem Zustande, sehr billig; verkauft werden sollen. Speziell kommen zum Verkauf: Farbige Sakko-»ml Rock-Anzüge Ulster und Paletots für Frühjahr und Winter Beinkleider, Westen, Joppen, Gehpelze Jünglings-Anzüge mit langen und kurzen Beinkleidern Knaben- und Jünglings-Sport-Anzüge Knaben- und Jünglings-Paletots A ffTlIfTA gani be80ndere Oe'egentie(tskitrfe. I�aUodl speziell in bcoseren Qualitäten Anfang v?» 2. Januar, Ende 14. Januar Peei a Cloppeibdrg Berlin C., öertraudfenstr. 25, 26, 27 jöusNtwortkich« Sisdaktsuu vlb»rt Wach», löerlia. gür d« v»rantto.i Up 4xB= iasstoB _ Bock-Bier,.. � � Sonnabend, Berg-Brauerei 20. Dezember. Weißensee, Berliner Allee 211/215. Telephori Nu. 2. Plüsch- a Samtmäntel au Llndwar Valrat, srlmt Velosn dm S»pd und tot» ugllaotiUB Seal, aof»olden« Sorg» ooor Dojnut, g«f0»4»it~---- gumlort, 120 blo 140 i 36 45 58 69 75 95-190 Jackettkleider «u kNtu»ngltulw Nagpu 0. gutnlttu prima blmm KammgmrB-Ohevlot 19» 27 33 42 49 M. Französische Kleider »u Jgutrelftem und»l» Urbigem reinwollenem PoptUne. Beste Zataten und Verarbeitung. Reick mit Samt besetzt oder bestickt 19» 27 33 42 M. 1200 Kostfimröcke »na prias achw. SaUntuoh. au ragaasehtu aup. Stollen, oder reinwollenem Kammgmr«- Oberlot, achwan, bin» oder gestrmtft. Alle Weiten ond Lkngu 5 7" 9 13" 18 24 M. Tanzstunden-, Ball.«. Gesellschaftskleider efOttart mit Poaamantan' ond Pranm lug rettende Ana walasar VoUa, WoUE tn rnllu____ .tlat. Saida, TOU »tonen 6 15 19» 24 27 33 M. • Enorm bllUg Wollene, seidene und Tüllblusen 2» 37ä 5M 7» 9 11 Matinee s und Morgenröcke 27S 3" 6re 12 p Aletot„Pnrla" Prima Velonn du Nord Qua an! 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Im Jahre 1905 gehörten der Kommission 34184, 1903 42 491, 1907 55 840, 1908 67 412, 1909 73 361, 1910 68 989, 1911 76 974 Mitglieder an. � Man ersieht daraus, daß der durch d,- Krise verursachte Mit. gliederausfall von 1910 mehr als überwunden ist. Der Bericht beklagt es, daß eine Reih- von gewerkschaftlichen Organisa. tionen, die dieselben Tendenzen erstreben wie die der Gewerkschafts. kommission angeschlossenen Gruppen, noch immer außerhalb der Kommission stehen. Andere— lokale— Gewerkschaften wieder weigern sich, ihrer Föderation oder dem Zentralverband beizutreten, wodurch es ihnen unmöglich gemacht ist, der Ge- werischaftskommission beizutreten. Dieser Geist des P a r t i k u- l a r i s m u s wurde denn auch in der Debatte als einer der Haupt« schäden der belgischen GewerffchaftSbewegung gekennzeichnet.— Andererseits wurde hervorgehoben, daß die christlichen Ge« werkschaften, die in ihren Statistiken 71 000 Mitglieder an- führen, nur durch allerlei Machinationen zu dieser Ziffernhöhe, gelangen, indem'sie z. B. tausende Arbeiter,� die nur simplen Unterstützungsvereinen angehören oder landwirtschaftliche Arbeiter, die das ganze Jahr in Frankreich arbeiten und nur etliche Wochen in Belgien sind, als Mitglieder führen. Ter Gewerkschaftssekrctär Bergmans bemerkte dem Kongreß, daß die Kommission gut 90 000 Mitglieder aufzuweisen hätte, wenn die Organisationen zur Zeit gezahlt hätten. UeberdieS aibt es Organisationen, die über- baupt für ihr- Mitglieder an die Kommission nicht« einzahlen. Wären alle diese Mängel nicht, könnte die Kommission einen Stano von 100 000 Mitgliedern aufweisen, die tatsäcklich auf dem Boden des Klassenkampfes stehen. Man bedenke, daß allein tausende Bergarbeiter in der Statistik der Kommission nicht geführt werden können. Immerhin zeigen die Ziffern der Kommission auch unter den mißlichen heutigen Verhältnissen Fortschritte. So übertraf die Zahl der Beiträge zahlenden Mitglieder der Kommission von 1911 die von 1910 um 12 366 Personen. unter den angeschlossenen Gruppen veranstaltete Refe- über die Erhöhung der KommissionSbei« Das rendum... träge von 10 auf 16 Centimes pro Mitglied und Jahr t folgendes Resultat: von 68 984 organisierten Mitgliedern Der Gruppen, die zum Referendum herangezogen wurden, stimmten 62186 Mitglieder, also die erdrückende Majorität für die Er- h ö h u n g.— Die Gründung eine» Sekretariat» für die Or. ganisation der Frauen betreffend, erklärt der Bericht, daß er den Moment nicht für geeignet hält, den ihm vom Vorstand des Generalrates zugegangenen Vorschlag zu verwirklichen, vor- erst weil es der Kommission an den nötigen Mitteln gebricht, dann aber auch, weil es nach ihrer Ansicht Aufgabe der Föderationen, Zentralen und Fachverbänden ist, sich mit der Organisierung der verschiedenen industriellen Arbpitergruppen zu beschäftigen. Die im Bericht verzeichnete Delegierung eines KommissionS- Mitgliedes in das„Kolonialkomitee" zur Kontrolie- rung und Ueberwachung der belgischen Arbeiter» auSwanderung nach dem Katanga(Kongo) rief auf dem Kongreß mehrfache Kritik hervor. Der Zweck der� Arbeiter- bewegung, wurde gesagt, sei nicht, die kapitalistische Ko. Ionisation zu unterstützen. Es wurde auch eine dementsprechendc Resolution eingebracht, dahingehend, die Delegierung zurückzuziehen. Der Vertreter der Kommission im Kolonialkomitee erklärte, daß er nur zu Zwecken der Information delegiert worden sei.— Aus dem Bericht des Kassierers ist hervorzuheben, daß die Einnahmen der Kommission 9867 Francs, die Ausgaben 8351 Francs betrugen. Den größten Teil der Kongreßberatungen nahm die Debatte über den gewerblichen Unterricht der Lehrlinge in Anspruch. Zwei Tendenzen standen in Diskussion: Tag- oder Abendunterricht. Gegen die Abendschulen sprach sich unter an» derem besonders Sekretär Vandersmissen aus. Man sei für die Verkürzung der Arbeitszeit für die Erwachsenen und man will den armen geplagten Lehrlingen noch den Arbeitstag ver- längern I Mit dem Abendunterricht würde man den Bestrebungen der Jugendbewegung entgegenarbeiten, die die Lehrlinge des Abends in die Gewerkschaften zu bringen trachtet, um sie dort mit dem Geist der Auftlärung und der Solidarität zu durch- tränken. Welche Schäden die Organisierung der Schule für den Lehrlingsunterricht durch das Syndikat mit sich brächte, zeigt Vandersmissen an dem Beispiel Westflan- derns, wo die starken christlichen Syndikate den Unterricht und die Lehrlinge ganz in ihre Hand bekämen. Die langwierige Debatte endete mit der Annahme einer Reso- lutton, worin der Kongreß den Wunsch ausspricht, daß die Gewerk- schaftsorganisationen an dem von den öffentlichen Gewalten materiell gesicherten gewerblichen Unterricht teilnehmen. Di« Vertreter der Arbeiterschaft werden aufgefordert, ihre Zustimmung zu den Sub- ventionen des gewerblichen Unterrichts von der paritätischen Zu- lassung von Gewerkschaftsvertretern in die Verwaltung»- oider Auf- sichtskommissionen der Gewerbeschulen abhängig zu machen. Zu- gleich wurde ein neungliedrigeS AuffichtSkomitee konstituiert, da» im Einvernehmen mit dem GewerkschoftSsekretär ein möglich� voll- ständiges Material über die Lehrlingsfrage und den gewerblichen Unterricht zur Vorlage an den nächsten Kongreß sammern soll. Ueber die Frage der freien Sonnabendnachmittage nahm der Kongreß eine Resolution an, die die Gewerkschaften auf- fordert, sofern sie einen normalen Arbeitstag haben, außerhalb der Bewegung für die Verkürzung des Arbeitstages die Schließung der Werkstätten am Sonnabendmittag und die Lohnzahlung am Frei- tag zu betreiben. Die Gewerkschaftskommission wird aufgeforoert, eine Anregung in diesem Sinne bei allen Gewerkschaften anzuregen. Ueber die Gesetzgebung betreffend den kollektiven Arbeitsvertrag, das E i n i g u n g« v e r fahr en und Schiedsgericht lagen Berichte der Genossen GriS und D e Ran vor. Sie wandten sich insbesondere gegen den vom obersten Arbeitsrat ausgearbeiteten Entwurfs eines Kollektivvertrag», der eine Verurteilung der Gewerkschaften zu einem Schadenersatz bis zu 25 Frcs. pro Mitglied für die Nichtausführung der im Kollektiv- vertrag eingegangenen Verpflichtungen vorsieht. Die Resolution kennzeichnet dieses Projekt al» einen Attentatsversuch gegen die Ar- beiterklasse und fordert die parlamentarischen Vertreter der Ar- beiterpartei auf, sich seiner Annahm« mit aller Kraft und allen Mitteln zu widersetzen. Ein Zusatzantrag, der da» Studium de» G«n««alst««tk» zu diesem Zweck empfahl, wurde abgelehnt. Die Frage des EinigrmgsverfahrsnS, des Schiedsgerichte» und der Reform des obersten Arbeitsrates konnte infolge der vorgerückten Zeit nicht mehr behandelt werden und wurde einem außerordent- lichen Kongreß überwiesen, der in drei Monaten tagen soll. Marktpreise von Berlin am L9. Dezember l»I1. nach»rmitteluna des König!. Polizeipräsidiums. Marklhallenpreis».(Klewhiindel). 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 86,00—50,00. Speisebobnen weiße, 40,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kariosseln 8,00—11,00. 1 Kilo- yrcunm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Ztindfleisch, Rauchfleisch 1,20 Bis 1,80. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch -oo o oo Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,80-6,40. t Kilogramm 1,30—2,20. Karpfen 1,20—9,40. Aale 2,60. Barsche 1,00—2,00. Krcble 2,40—24,00 1,20-2,80. Zander 1,40—3,60. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—: Hechte 1,20 bis ■1,40. 60 Stück Sensationelle Saison■ Ausverkauf unsere« gesamten Lagers, da wir entschlossen sind, keine Winterware In die neue Saison mit hlnQberzunehmen. Wir haben daher einen derartig niedrigen Preis auf unsere Ware gesetzf, dass 81« schon herkommen müssen, um sich davon zu überzeugen, dass nur moderne Ware in guten Qualitäten, bester Verarbeitung und tadellosem Sitz zum Verkauf gelangt Aus d«r FOHe der Angebote, die das Her* einer jeden Dame rascher schlagen lassen werden, erwähnen wir: Dienstag, den 2. Januar 1912 beginnt der PLÖSCH- MÄNTEL In Phantaslestoff • ngllachar Art In Samt •ehr elegant I In Velour du Nord prima Qualltfit Sonst Jetzt 181.50 •ohwarz Kaktmo la Qualität BACKFISCH. PALETOTS Flaueohartlg mit Blau Cheviot Samt-Qarnltur Mit farbiger Klappe KINDER- MÄNTEL I« bla« Cheviot „Gelegenheit* engl. Art. 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Kösliner Str. 8, Kreis 3: Pharus-Säle, Müllerstr. 142, „, Berliner Bockbrauerei, Chausseestr. 64, „„ Brauerei Patzenhofer, Turmstr. 23—26. Teltim-Leesko�v. Charlotienburg: Volkshaus, Rosinenstr. 8, Königs- Wusterhausen: Altes Schützenhaus, Kixdor]: Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49, „ Wittenburgs Festsäle(Rixdorfer Theater), Bergstraße, Lteglits: Birkenwäldchen, Schützenstraße, Treptow: Sport-Restaurant, Clsenstr. 113— 116, äaumsehulemoeg: Speers Festsäle, Baumschulenstr. 78, Wilmersdorf: Kurfürstenpark, Kumtrstendamm 119, Zehleudorf: Mieck, Karlstr. 12. Referenten: Genossen Sarth-„Vorwärts", vtto Iraun. vtto Zuehuer, Lrnsi Saumig. yerirud Lavid. ZKariha Äsmmuiug. Anna Siebe,?aul Supont, Agnes Tahrenwaid, Marie yreifeuherg, btto Kaudhe, Gertrud Kanna, faul Kirseh, Martha Koppe, Wiihsimiue Kahler, Berta Sungwitz, Anna Matsehhe, Kugo �Oetzsch, K* Silbersteiu, Otto Siltier, Georg Ucho, Klara Wegl, Trida Wulff, Mathilde Wurm, Luise Ziels. Tagesordnung: Die Trauen und die Keiehstagswahl. Freie Aussprache. WFt Ehrenpflicht aller Frauen— aber auch der Männer— ist es, in diesen Versammlungen zu erscheinen! I I I I I■ I■ I. I, I......■■«''■■■ I.■■. I■ I.'" Trauen Berlins und der Vororte! Beweist durch Massenbesuch der Versammlungen, ein wie reges Interesse Ihr am politischen Leben habt. Agitiert unter Euren Mitschwestern für den Versammlungsbesuch und straft so die Leute Lügen, die da behaupten, die Frau wäre in different, stände dem politischen Kampfe gleichgültig gegenüber. Der Giuberufer. Eugen Ernst, Liesenstr. 16. Sechster Wahlkreis. Schönebers:. Montag, den 1. Januar 1912, abends 6V2 Uhr: � � Sr® Donnerstag, den 4 Januar ItU», abends S Uhr: Zwei Volks- Versammlungen Schloßbranerei, ijallptstr. M und Lindenpark, Saupikr. 13. Der Kampf«m die Rechte des Volkes. Referenten: Stadtvv. Kloth und Koblenzer. Oeffentlicl)? politische Versammlung für Männer nnd Franen"WD in Obiglos Festsälen, Schwedter Str. Vortrag de» Genossen rrit-'rnr»««-„Vom ailen ins neue Jahr!" ———— Räch der Versammlung i Gemütliches Beisammensein nnd Tanz.——> 260/10* Der Ewberufer: Wilhelm Baumann, RHetnZberger Str. 67. I Polen! Achtung! Achtung Sonntag, den 81. Dezember, nachmittags Ä Nhr, im Lokal Von Borg mann, Andreasstraste Hl; Öeffentliche poWsche Wähler-Versanunlung. Tagesordnung: 1. Die Stellung de» polnische« Volte» zur SteichStagSivahl. Referent: I. BiutSztiewiez- ttattovitz. 2. Freie Diskussion. ES ist Pflicht eines jeden Pole», in der Versammlung zu erscheinen. 201/10»__ Die«qitlitionskommissiou der P- V- Z. Berlin-Rixdorf. Freie DiSknsfion. Pflicht eiueS jeden Genosse» ist eS, für diese Versammlungen zu agitieren und fie z« besuche«. Nieinand dar! fehlen."UW D» Vorstand. ieiäsn, eiirlioii- tiola, Seddiion n. iZuvoiliilb.— Konsultation frei! Blutuntorsuch., Fäden im Haru, eto. 1 1 Tellmahlaiiff g/entattot!! üp UnmDunpÄtCo(lionz SPezLab-) Uf. aOIDcVcr �elearioh.t».,»!» ».d.Hoohb. Spr. 9-2,4-8, Sonnt,! 1-12. Achtung! ReichstagswäUer Rixdorfs Dienstag, den Ä. Jannar abends 8 Uhr: Achtung! Viös Wh VcIIlKgsSSininIlinW bei �Strii, Knesebeckstratze IIA. IRcppS, Hermannstratze 48/49. 237/1? Hohenstaiifensäle, Kottbnfer Damm 76. Passage-Festsäle, Bergstrahe 151/153. Tagesordnung: .. Sürgertum und Sozialdemokratie im Keiehstagsmabtkampfe. ——— 2. Diskusfion.—— Referenten: Landtagsabgeordneter Paul Hlrseh und die Redakteure Harth, Dänutig und Weber. r Freie Aussprache. WV Gegner sind eingeladen.'HL Zahlreichen Besuch erwartet Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Verwaltnnzr Berlin. HUT Einsetzer."WS Die Arbeitsvermittelung erfolgt vom ii. Januar ab im paritätischen Arbeitsnachweis von 10 bis 12 Uhr vormittags._ flir VtrtrcutnsmünnkrvtrslMlnlullgtu ftr dik Ktmht u»d Krancheu ftlleu wegen her Unhlhtwegmlg für die Reichstags- wählen im Januar ans.—— Sämtliche Bureaus bleiben am 12. Januar 1912 geschlossen. 94/16 Die OrtaTenvaltung. Jeder wähle den durch eome Güte nnerrejeht dastehenden Kapitän- Kautabak | Ueneral-Vertrieb: Carl Rttckcr, Berlin 0 27, Grüner Wag 119. | Todes-Anzeigen j lipfiitthprcr Welhnnn! Statt besonderer Meldung Verwandten, Freunden und Be- kannten zur Nachricht, daß unser lieber Sohn und Bruder Otto Biederstem im Alter von 21 Jahren am 23, Dezevtber, ftllh S'i, Uhr, nach schwcrenLeidensanst entschlafen ist, DieS zeigen tiefbctrübt an /lugust Siebsesteln und Frau nebst Kindern Adalbertstr. SS. Graetzstr. 11. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 1. Januar, nach- mittags S'l, Uhr, von der Leichen- Halle des MichaellirchhoseS, Rix- dorf, Hermannstr,>31/95, auS statt. Soziataokrat. WaHverein für den l Berl. Reieiistagsvatilkreis. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genofl« Otto Biebersteill Adalbertstr, bS gestorben ist. Ehre seinem Andeuten: Die Beerdigung findet am Montag, den 1. Januar, nach- mittags 3>/, Uhr, von der Leichen- Halle des Michael» Kirchhofes in Rixdorf, Hermannstraße 131— 135, aus statt. 214/15 Ter Vorstand. mittag» 1'/ViIke!m Bartwich , s Bezirk Südost) z am 27. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! , Die Beerdigung findet am «Dienstag, be» 2. Januar 1312, ! nachmittags 2'/. Uhr, von der I Leichenhalle des Zentral-Fried- j Hofes in Friedrichsfelde auS statt. Um rege Deleiiigung ersucht 141/16 Ter Vorstand. I Am 29. Dezember, abends, ent- jchlies saust nach kurzem Kranken- Inger wein lieber Mann, unser gdiebter und jürsorglicher Baier, der Fabrikant Im 69. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Albertlne Katb nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, den 1. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS Freiresigiöten Fried- Haies, Pappelallee 15—17, auS statt. 22686 Nach kurzem, schwerem Leiden verstarb ganz unerwartet am 23. d. MtS. unser hochgeschätzter Arbeitgeber, der Tischlermeister i�uxust Kattt. Ehre seine« Andenke«: 22766 F. Ricbisch. E Köhler. Am Freitag, den 28. Dezember, verschieb nach schwerem Leiden meine inniggeliebte Frau, Mutter und Tochter, unsere Fra» Berta Schramm geb. Arndt im Alter von 23 Jahren. Dtefi zeigt tiesbetrübt an I« Rainen der trauernde« Hinterbliebenen: Hermann Rchramm, Baumschuienweg, vaumschulenslraße 65o. Die Beerdigung findet am Montag, den 1. Januax, nach- miltagS 3 Uhr, vom Treptower Kemeinde-Friedhos, Neu« Krug- Allee 32, aus statt, 13688 Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein guter Mann, unser guter Bater, Schwieger- und Großvater, der Klavierarbeiter 2272b Gustav Bierbach nach kurzem, schwerem.Kranken- lager am 28. Dezember sanft entschlafen ist. Im Namen der Hinterbliebenen Witwe Auguste Blerbaoh. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2. Januar, nach- mittags 1'/, Uhr, von der Leichen- halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde auS statt. Am 27. Dezember er. entschlies nach kurzem, schwerem Kranken- lager meine inniggeliebte Frau, untere gute Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Taute und Schwester Arie Schönfeld geb. Kttrner ttn 60. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten ?3ul Lckönfelli nebst Kindern, Hohenlohestr. 18. Die Beerdigung findet Diens tag, den 2. Januar 1312, nach- mittags 2 Uhr, von der Hülle des ZcntralsriedhoseS in Friedr.chS- selde aus statt. T«d«»anzelge. Hiermit die traurige Nachricht, rdn>z meine liebe Frau und gute I Muucr Meta Beelitz jr,cb. ScUrnk am 30. d. SB., i vormittags 4 lllit, im Alter von 133 Ksk.e» tiach lmzcn Leiden ! vei-storbrii iit. Die Beerdigung { finhd am DicnStag, den 2. Ja- nmu 1912. nachmittags 31/, Uhr, | von der Tegeler Leichenhalle aus statt. Um stille Teilnahme bittet | der trauernde Gatte L320b Fritz Beelitz und Kinder. Verband der 8cbne!der, Schneiderinnen u. Wäsche- Arbeiter Deutschlands. Filiale Berlin UL Den Miigtiedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Näherin ft-an Ida Menzel Firma van Lack, Schmitz A Eltschlg im 31. Lebensjahre verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. Dezember, nach- mittags'/»ö Uhr, von der Halle des St. Georgen-Friedhost, Lands- bergcr Allee, ans statt 252/16 Dia Ortsverwaltung. Danksagung. ißt die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Be- crdigung meines lieben MauneS Pichard Schnitze sage ich allen Verwandten und ve- kannten, sowie sämtfichen Rollkutschern und Arbeitern der Firma Bartz u. To., der Direktton und dem TranSpori- arbcitcrverband meinen besten Dan! Witwp Schnitze nebst Kindern. und Danksagung. Für die Herzliche Teilnahme für die reichen Kranzsoenden bei der Beerdigung meines lieben Gatten und unseres guten Vaterö Prieclrick Büttner spreche ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank auS. 223lb Witwe Büttner nebst Kindern, Für die große Beteiligung bei der Beerdigung meiner Frau R. Stumpp tage allen TeUnebmern, besonders der Baugenossenschaft Ideal meinen herzlichen DauL Rixdorf, den 23. Dezember 1311. (Z. Stumpp. DauksagAug. Für die vielen Beweise herzlicher Teuuahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben, unvergeßlichen Frau und treu- sorgenden Mutter tielene�ulsnä sagen wir allen Beteiligten sowie den Genossen des 4. Wahlkreises unseren herzlichsten Dan! 13L1L In tiefer Betrübnis Franz Ruland xK. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme sowie die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters «arK Gärtner agen wir allen Bekannten, insbesondere dem Personal der Firma Lewy u. Strich, dem sozialdemokratischen Wahl« verein Berlin 5 und dessen Bezirk 445, dem Gesangverein»Berliner Männer- chor' unfern herzlichsten Dank. Frau Barke«Urtner, nebst Kindern» Gemeinsame Orts-KmlttilkiO für Howawea und Umgegend. Am Montag, den 15. Januar 1912, abends 8 Uhr, findet im Lokale von Schmidt, Wilhelmstraße 41, eint anSeropdentLGeiieralversaüiliiög statt, zu welcher die Delegierten hier- mit ergedenst eingeladen werden. Um 8 Uhr findet in getrennter Sitzmtg die Wahl von 1 Arbeitgeber und 3 Arbeitnehmer» zum Vor- stände statt. 883/15 Um 8'/, Uhr» Gemeinsame Versammlung. Tagesordnung: Geschäftliche Mitteilungen. Anträge zu dieser Generalversamm lung müssen 10 Tage vor derselben bei dem Vorsitzenden eingereicht werden.(Z 51 des Statuts.) NowaweS, dm 31. Dezember 1311. K. Wilk, W, Kerstan, Tchristsührer. Vorsitzender. Extra- Abteilung st. Besch.: Berlin W.. Mahren- 1 Stra6s37a(2. Haus von der) Jerusalemer Straße). | II. Gesch.: Berlin NO., Großel Frankfurt. Str. 1 1 6(2- Haus| von der Andraasstraße). [Selygr.Ausw.fert. Kleider,| | Hüte, liandschuhe, Schleier etc. v. einfachsten die zum | hochelegant.Genrez,aaßerat niedrigen Preieen. Sonder- Abteilung: naßaafertlgang in 10 bis 12 Stunden. Gegründet 1964 waren. Engros— Ezperl. S. Schlesinger, Haue KBnigstr. 81 Ordonnanzhaua. Kein I nden! II. Etage. Eteelverkwl wie alljäbdich zu billigst. Preisen Pelz-Slolas Multen Chick garnierte Danienpelzliiite , federleicht. Reparaturen sauber und billig. Sonntag goSdnet. Bitte genau auf Hausnummer 81 zu achtem Turnverein Mitgl. be» Arbeiter- Gegründet am 6. Aug. 1890. „Ficlite" Turner« Bunde». GeschästSstelle: Koppen str. 24. Freitag, den S. Januar ISIS: EröffMg dkl 6. KalikmdlkilWg in der Turnhalle der L8K./298. Gemeindeschult, Scherenbergstraße, Ecke Carmen-Sylva-Straße. Turnzeiten: Dienstags«. Freitags abends 8— 10 Uhr Einschreibegeld 85 Ps. Monatlicher Beitrag 70 Ps. tnkl. der monatlich erscheinenden Schrift„Die freie Turnerin' sowie des Mitteilungsblatts des Verein?. Mitglieder, tvehche am ersten Abend beitreten fchreibegeld befreit. sind vom Ein- 268/6 Die in der Konkursmasse Ottv Qorballllg Berlin, vorhandmen: vollständigen Herren-, Speise-, Schlafzimmer und Salonetnrichtnngen sowie Garderoben- schränke, Büfetts, Vertikos, Waschtoiletten, Bettstellen, Stühle, Spiegel, Standuhren usw. sollen im ganze« verkaust werden. Zur Besichtigung find die Verkaufsräume, Landsberger Str. 82, am Donnerstag, den 4., und Freitag, den 5. Januar 1913, von 3— 12 und 3—6 Uhr geäjjuet, woselbst Taxverzdchnisse und Verkaufs' bedingungen auZliegen. Gebole mit einer Sicherheit von 1000 M. sind 61» Tonnadend, den 6. Januar, abend» 6 Uhr, im Bureau de» Unterzeichneten abzugebm. Berlin ßO. 16, Schmidstr. 8, den 1. Januar 1912. Paul Kroll, Konkursverwalter. Bellfedem BERUNS und • Plaooh« 3°® und I0' M. a Flasoh. 4°° und 2" M. Bowlen-Boael, Bowlen-Extrakte, Tlachwelne empfiehlt and versendet in bekannt anegeneiohneter Qualität Georg Andree�ericjMStn] Moderne Wartnwafferbereitttug. „Hier sind Wohnungen mit Warmwosserverlorgung und jeglichem Romsort der Neuzeit eingerichtet zu ver- mieten", so und ähnlich laute» sast immer die großen Plakate an unseren modernen Mielshäusern. Daß daS Porhanduiiebi eüier Warmwasierversorguvg stetS uoch besonders Hervorgehoben wird, ist der beste Beweis da- für, daß Vermieler und Mieter großen Wert daraus legen, sie in ihrer Wohnung zu besitzen. Bei dem riesigen Angebot an Wohnungen ist e« nun kein Wunder, daß die Mehrzahl der Mieter sich die Vorteile und An- iiehmlichlelleii einer modernen Wohnung zu Nutze macht und zum Schaden der Hausbesitzer in den älteren Ktadtteilen lieber in dir weiter entlegenen Vororle ii hi. Wie gesagl, den Schaden allein tragen die Hans- esitzer der älteren Häuser, die sich ostmell« nicht dazu entschließen können, die notwendigsten Neuerungen wie i B.«ine Warmwasserversorgungs-Anlage in ihre Häuwr einzubauen. Bei den maßen Zentralen mit jlolS geseuerleu Warmwaise: Anlagen ist dieleS Wider- streben vollkommen zu verstehrn, Venn die HauSwirte, die eine derarttge tzlnlage in ihrem Hanse st: Beilieb haben, wissen ein Lied von den vielen llnannehmtich- reiten und hohen Kosten, die ihnen durch eine solche Anlage beschert werden, zu singen. Bei Zentrulanlaaen mit RokSseuerlmg steigt der Wasserverbrauch mS Uuenneßtiche und jomft auch der kotSoerbrauch, wenn i das Wasser hinreichend erwärmt werden soll. Ferner kommen die Kosten sür die Bedienung der Anlage durch den Portier hinzu sowie der tägliche Holzverbrauch zum Anzünden der Kesselseuerung und anderes mehr, fo- daß der HauSwirl oftmals durch den verhättnis- mqßig geringen Mietsausschlag nicht einmal aus seme Kosten kommt. Alle diese Nachteile lassen sich nun für jeden Haus- besitzer leicht vermeiden, wenn er moderne Gasapparate sür die Warmwasserbereitung in die Wohnungen seiner ui. Mit Hilfe eines direkt an die Wasser- itung angeschlessetjen GaSapparate», in dem das nd des Du Wasser während man z. B. eine große Wohnung mit heißem Wasser versorgen. Es lassen sich an einen derartigen Apparat eine beliebige Anzahl Zapfstellen in verschiedenen Zinmiern anschließen. Man braucht bei diesen Apparaten nur den Zapfhahn zu öftnen, und das beiße Wasser ist da. Eni solcher StroinaMomat arbeitet jolgendermaßen: Bei der Inbetriebsetzung wird der HauptgaShahn am Apparat sowie der Zundflammenhahn geöfsnet und die lleine Zündflamme angegeckt. Damit ist der Automat betriebsfertig. Wird nun au irgend einer Stelle der Wohnung dem Leitungssystem Wasser entnonnuen, so össnet da? den Apparat diilchströmende Wasser das GaSveittil und das Gas entzündet sich langsi ohne jedes Geräusch an der stets brennenden flamme. Sowie imn der Zapsbahn wkeder geschiosfen wird, schließt sich auch selbsttälig durch Federdruck das Gasventil. Eine Ueberhitzuna des Wassers und somit ein Schmelze» der Apparate kann nicht eintreten, da der Apparat mit ewem außerordentlich empfindlich arbeitenden Temperawtregler versehen ist. Dieser Temperalurregter kann sür jede gewünschte Tempe- ralur, bis zu 80 Grad C eingestellt werden. Da dies« Apparate außerordentlich große Heizstächen de- '"en, so nützen jie den Heizwert de» Gaies bis zu u °/» und darüber au»i e» dauert daher auch nur wenige Sekunden, bi« da» Wasser heiß an der geöff- neUn Zapfstelle heraus fließt. Derartige Automaten werden in verschiedenen Größen angefertigt. Der sür eine Wohnung mit 3 Warmwasser- Zapfstellen aus- reichende hat eine Leistung von ea 15 Liter Wasser von 35 Grad 0 pro Minute. Irgendwelche Gesahr liegt bei' dem Betrieb eines solchen Heißwasser-Automaten nicht vor, da daS dem Hauptbrenner entströmende Gas sich immer an der Zündflamme entzündet. Verlöschen lanu dies« nicht, da sie hoch in den Apparat eingebaut ist, so daß Zuglust sie nicht auszublasen vermag. Heißwasser» Slrom-Autpmaten können überall in jede Wohnung mit Leichtigkeit eingebaut werden. Sie werden einfach an einer besonderen Gasleitung hoch obm an der Wand ausgehängt und mit einem gut ziehenden Schomsteiii zur Abführung der verbrennungs- gase durch ein Lfetirohr und inlt der Kaltwafferlcilung verbunden. Für die Warmwasserleitung kommen ver- hältnisuiäßig schwache Rohre in Anweneung. Bei den meisten Anlagen genüge» Rohre von 13 bis höchstens 13 Millimeter Weit«. Diese Rohre werden oben an der bis zu den einzelnen Zapjstellen enllang geführt. rhandene Wannen- Mischbatterien von Lohlendade- ösen, ebenso Spülttschgarniturm, die an eine Herd- * schlänge angeschlossen sin», lassen sich.' leicht und ohne jede Schwierigfeit für den Belrlep Hilles Helßwafier- Strom-Autonialen umarbeiten. Die monatlichen Betriebskosten«m. die der Meter Wasserversorgung äußerst gering. Errechnung und• fahrung haben ergeben, daß bei einem täglichen» Warm- Wasserverbrauch von 200 Liter von 50'Grad 0(grnüacnd sür ein Bad von 200 Liter und 5 Sinter für den Nücheu- gebrauch) der Gasverbrauch monatlich 6—6,50 Ma.ik beträgt. Wie auS dem vorstehenden zu crieden,, fahren Mieter und HauSwirt bei einer solchen Gasairiage gul da Kiner übervortelll werden kann, weder der eine' noch der andere. Der Meter zahlt nicht mehr Gas' alS er zur Erwärmung de» von ihm oerbrauchten Wasser» nötig gehabt hat. und dem Hauswirt bleibt der hohe Wasser- und Koksverbrauch und der sonstige Aerger den eine groß« Zentralanlage immer mit sich bringt' erspart."' Wer Interesse sür ein» solche Warmwasser. Ver- sorgungS-Anlage hat, wende sich zweck« genauerer Aus- knust an einen tüchtigen Jnslallateur oder an die Ver- tricbs.tibtcilung der Gasgesellschast Berlin 8., Gitschincr Straße 13. Te/eph.-Anschl. Amt Mpl. 67, und»erlange kostenlos die kleine Broschüre über:»Zeiitrpie Wurm- Wasserversorgung-. Zu besichtigen sind derartige Anlage» m sämtliche» Berkaussstellen der Gasanstalt. f- U u VORANZEIGE. 't- Der stete Mobcnwedwel in �er Herren- rmb Knaben-KlelÖtmg macht es zur Notwenblgkeff, die Warenlaser der letzten Saison möglichst schnell zu räumen. Zu diesem Zweck findet ein Inventur-Verkauf vom Plenstag, Öen 2«, bis SonnabenÖ, Öen 20. Januar statt, der das gesamte fertige Lager umfaßt Die ganz bedeutende Preisermässigung ersehen Sie aus der am Mittwoch erscheinenden Annonce an dieser Stelle. n: gegenüber der Breite Strasse. teineweber MMilMIM gegenüber der Breite Strasse. ne- Emil efims Neujahrs- Größe oa. 165/235 cm 200/300 cm 250/350 cm 300/400 em Diese Mk. Bisher 2680(3750) 3860(56°°) 56°°(83°°) 7650(10750) ganz auBer- gewöhnliche Offerte gilt Jedocfi nur für die Reklame- Verkaufswoche. Teppich-Spezlalhaas Lw«- Emil efeire Berlin S. Selll882nnr Oranienstr. 158. Habe nirgends Filialen! O O Sremen-Kannooerscbe £ebensversiehernngsbank A.C. 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Die zur Berechnung der Dividenden verwendeten Grundlagen find vom Kaiserlichen AufflchtSamt für Privat» Versicherung genehmigt und dürfen ohne defien Zustimmung nicht abgeändert werden; fie find so vorsichtig gewählt, daß vorauSfichtlich ein« Dividende von 25 0lo - das find 13 öoehenbeiträge- dauernd wird gezahlt werden können. Bei« Ablauf der Verfichermeg entfällt auf jede gezahlt« Jahresprämie eine Dividende. Ihervorraaend liberale Dcrficherungs- Bedingungen. Bekannt durch Ihre Heilerfolge bei k Herz-nerven-fliefenleiden/ ArterienverksOeaig� iSchlaflos)gKeit/AsthnHi//»\usketwnerve)v \schme»zen /ffsuenlelden/SüxiicheiuJläiKJen/� �ErfiranKunjordBirofhwchseb*»«» Blühen �Jn ittkr ftailtwanm o ßrocMIr. Kmt.nfr� ruihan trben Berfinttwtnd- u/ 2.50 JI. pr. Bd.(von 6 Bd. enfw&rts) 10 Bd. kenkaeaen e'inge Für Krankenkassenmitgliedet gegen In mehr als 200 deutschen 1 Postpaket. t Spezialprcise führt. MÄmÄW Zahn-Praxis! Carl Rudolph ]l. Praxis; Elsasser Str. 17! IS. 2. Prax.; Oranienstr.«. S. 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Die Wagen verkehren bei folgenden Linien von den Endpuiiften bis zu den beigefügten Zeiten: 3 Weddingplatz über Moabit 3.50! über Alexanderplatz 3.5l•, 6 Gotzkowskifftraße 4.20, Spittelmarkt 5.17; 7 öiixdorf 1.53, Moabit 3.05; 12E Benffel- ltraße 4.12, Görlitzer Bahnhof 5.11; 14 Moabit 2.29, Marheineke- olotz 8.29; 23 Geiundbriiniien 1.55, Schöncberg 2.67; 25 Tegel 3.00, Eharlotterfftraße 4.00; 26 Britz 2.18, Seestraße 3,8t; 32 Reiincken» >orf 1.45. Cvarlottenstraße 2.30; 33 PappelalleeZ 1.51. Leibniz- straße 2.48; 85 Reinickendorf ö.tS, Kreuzberg 6.28; 36 Schön- holz 1.00, Kreuzberg 2. 16; 37 Bergniannftraße 4 46, Demminer stroße 5 37; 38 Gesundbrunnen 5,56, Kreuzberg 5.08; 40 Eisenacher Straße 2.81, Swiiiemiinder Straße 3.38; 48 Seestraße 12.41, Kreuzberg 2.00; 45 Pankow 2 4L. Haienheide 3.44; 47 Nordend 2.57. Rixdorf 4.26; 48 Rixdorf 4,04, Schönbaiiser Alle 5.23; 5t Präger Platz 2.5l. Schönhauser Allee 8.l9; 54 Ringbahnhof 4.02. Saviguy- platz 5.05; 55 Britz 4.51, Danziger Straße 3.48, Behren- üraße 5.39; 57 Nordend 2.03, Emser Platz 2.80; 00 Weißen« 'ee 2.43 Wartburgvlatz 8,50; 01 Danziger Straße 4.24, Wariburg- platz 8.22; 02 Weißenlee 8.12, Dönhoffplatz 3.67; 66 Rixdorf 4.03, Viehhof 2.67; 68 Hnbertusstraße 3.25, Seestraß« 8.26; 60 Friedrichsfelde und Friedenau 4.48; 71 Lichtenberg 8 07. Wart- burgplay 4.18; 76 Rummelsburg 2.38, Leipziger Platz 3.!S; 81 Cbarlottenburg 4.89, Viehhof 4,41; 82 Schlensche» Tor 1.38, Zoologischer Garten 2 25; 83 Treptow 2.40, Behrenstrahe 3,32; Z7 Treptow 4.55. Friedenau 3.ll; 86 Rixdorf 2.07, Zoologischer Karlen 8.05; Ol Görlitzer Bahnhof 2 23, Halensee 2.37; 86 Hasenteide 2.36, Friedrichstraße 8.02; 90E Mariendorf 8.20, Behrenstraße 4.05; 68 Görlitzer Bahnhof 2 37, Charlotleiiburg 2.60; III Swine- »iünder Strafe« 2.09, Eisenacher Straße 8.09; A Linkstraße'4.48, Hnlensee 4.10; B Linkstraße 2.16, Schmargendorf 2,50; D Sieglitz 1.65, Zoologischer Gatten 2.10; E Steglitz 8.55, Lmkstraße 4 35; F Sieglitz 2.35, Zoologischer Garten 3.05; dl Charlottenburg 3.50, Kiipfergroben 4 30: menvorsteheriii gewählt.— Und trotzdem lügen gewisse Gegner lustig weiter, die Sozialdemokratie leiste keine veaktische Arbeit und das Weib wäre zu solchen Semtem nicht be- fähigt 1 Straßenreiniger«TS PferdetranSporteure. UnS wird mitgeteilt, daß dj� Direktion des Zirkus Sarrasani, der dieser Tage auf dem Exerzierplatz an der Bernauer Straße sein Domizil ausschlagen wird, sich an die Direktion der städtischen Straßenreiniguiig gewandt habe niit dem Ersuchen, Straßenreiniger zum Transportieren der Pferde zu stellen. Die Direktion der Straßenreinigung hat die Aufforderung an die einzelnen Reviere weitergegeben. ES ist infolgedessen be- karmt gegeben worden, daß Leute, die dienstfrei sind, sich zu diesem Zwecke melden sollen. Verlangt wurden 100 Mann. ES ist unbegreiflich, dah die Direktion der Strahenreinigung das an sie gestellte Ansinnen nicht kurzerhand abgelehnt hat. Sie hätte das umso eher tun miisien, als eine städtische Verwaltung sich nicht dazu hergeben darf, den arbeitslosen Bllrgern, die genug vor« Händen sind, die Arbeit wegzunehmen. Uebrigens ist die dienstfreie Zeit dazu da, daß die Angestellten ihre Ruhe haben sollen. DaS sollte die Leitung eines Zweiges der städtischen Verwaltung wissen. AuS dem Fenster ihrer im vierten Stock des Hauses Hidden- seer Strasse 1 belegenen Wohnung gestürzt hat sich am Sonnabend- abend die Ehefrau des Photographcn Bandoly. Der auf den Hof hinaus erfolgte Sturz war so heftig, dah der Tod der Frau sofort eintrat. Krankheit des Ehemannes soll die Frau zu der Tat ver- anlasst haben. Zu den Reuerungen im Stadt- und Vorortverkehr, die mit dem t. Januar in Kraft treten, gehört auch die versuchsweise Ein- führung von besonderen Abteilen für Reisende mit Hunden. In allen Stadt-, Ring- und Vorortzügen, bei denen zurzeit zwei Raucherabteile zu diesem Zwecke vorgesehen sind, soll nämlich versuchsweise ausserdem noch ein drittes und zwar ein Nicht» rauch« rabtcil für Reisende mit Hunden eingerichtet werden. Hierzu ist in der Regel das der zweiten Klasse unmittelbar benach- barte Nichtraucherabteil dritter Klasse zu verwenden; bei den Wagenzügen, weiche die zweite Klasse nicht führen, soll das dritte Hundeabteil sich möglichst in der Mitte des Zuges befinden. Diese neue Einrichtung soll das ganze Jahr hindurch versucht, und wenn sie sich bewährt, beibehalten werden. Bei dieser Gelegenheit sei nochmals daran erinnert, dah vom 1. Januar ab die Z u s a tz k a r t e n zur Weiterfahrt über das Ziel hinaus möglichst schon auf der Antrittsstation der Reise gelöst werden müssen, da sonst für die ohne gültige Fahrkarte zurück« gelegte Strecke ausser dem tarifmässigen Preise noch ein Zuschlag (2. Klasse 15 Pf., 3. Klasse 10 Pf.) zu entrichten ist. Die Zuschlag- karten sind, ausser am Schalter, auch aus dem Bahnsteig erhältlich. Die Versteigerungen verderblicher Güter, die der Eisenbahn- Verwaltung nicht abgenommen worden sind, sollen künftig im Eisen- bahn fundbureau allmonatlich und zwar gleich zu Ansang der Auktion, am Montag der ersten vollen Woche des Monats, ver- steigert werden. Um den Absendern und Empfängern Gelegenheit zu geben, den Verkaufsterminen beiwohnen zu können, sollen beide rechtzeitig benachrichtigt werden. Besonders wertvolle Gegenstände muss das Fundbureau vor dem Berkauf durch den bestellten Taxator abschätzen lassen. Die Verkehrsämter haben die Verkaufsnach- weise auf die Angemessenheit der einzelnen Erlöse genau zu prüfen. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich in der Nacht zum Sonnabend in der Schönhauser Allee. Dort hatte gegen 12 Uhr der in der Greifenhagener Strasse 7 wohnende Schneidermeister Lange mit seiner Frau und seinem Sohn einen Strassenbahnwagen der Linie 45 verlassen. Als die drei Personen im Begriff waren, nach dem Bürgersteig hinüberzugehen, wurde der 5 jährige Willi Lange von einem Privcrtautomobil der Firma Garbath umge- stossen und überfahren. Der Knabe, der einen Schädelbruch erlitt, erhielt auf der Unfallstation in der Gaudystratze einen Notverband und wurde von dort nach dem Rudolf Virchow-KrankenhauS ge» bracht. Selbstmord eiueS Hausbesitzers. Durch einen Schuh in die Brust hat der 39 Jahre alte Hausbesitzer und Kaufmann Albert Rath, Willibald-AIexisstr. 3, seinem Dasein ein Ende bereitet. R. entfernte sich vorgestern von seinen Angehörigen unter dem Vor- geben, einen geschäftlichen Gang zu verrichten. Seitdem war er verschwunden. Gestern morgen wurde im Forst bei Grünau die Leiche eines Selbstmörders gefunden, in dem man den Vermissten ermittelte. Die Rechte des Toten hielt noch krampfhaft den Re- "bolver umschlungen. R. hatte sich durch einen Schutz in die Brust getötet. In einem Anfall von Schwermut hat der früher so lebens- ' lustige Mann Hand an sich gelegt. Durch einen Revolverschuh in den Mund getötet. Aus Furcht vor der Verhaftung hat sich gestern vormittag die 26 Jahre alte Marie Grand. Bastianstratze 2, das Leben genommen. Die G. , wurde beschuldigt, einige Stücke Wäsche entwendet zu haben und sie befürchtete, man werde sie deswegen verhaften und schwer de- strafen. Um dem zu entgehen, fässte sie den Entschluß, aus dem Leben zu scheiden. Gestern vornnttag wurden die NachbarSleute des jungen Mädchens durch«inen Nevolverschuh aufgeschreckt und als sie ins Zimmer der G. eindrangen, fanden sie diese in einer Blutlache als Leiche auf. Neben der Toten lag ein sechsläufiger Revolver. Durch einen Schutz in den Mund hatte sich die Lebens- müde getötet. Nahrungssorgen und ein unheilbares Fußleiden haben den 46 Jahre alten Hausierer und Händler Joachim Karpinski aus der Friedrichsfelder Strasse 5 in den Tod getrieben. In der letzten Zeit verdiente der Mann, der mit Salzstangen u. dergl. handelte, sehr wenig und er klagte Hausgenossen oft. datz er Hunger leiden müsse. KarpinSki hat sich mit einer Schnur an einem Haken an der Decke erhängt. Wegen eines FabrikbranbeS wurde der 13. Löschzug nach der Chausseestr. 7 alarmiert, wo dann auch noch die Züge 14 und 21 eintrafen. ES gelang die Flammen auf das Fabrikgebäude zu be- schränken. Gleichzeitig hatte die Wehr in der Königstr. 57 zu tun, wo ein Weihnachtsbaum iu Brand geraten war. Etwas später ging in der Neanderstr. 3 ein Weihnachtsbaum in Flammen auf. In der Gotzlerstr. 23 und Kopcrnikusstr. 175 mutzten zwei Kellerbrände gelöscht werden. „In freien Stunden". Zur Erlangung einer neuen Umschlag?- zeichnung sowie einer Titel, und Schlussvignette für die Zeitschrist „In freien Stunden" hat der Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H. ein Preisausschreiben veranstaltet, an dun sich bedeutende Künstler beteiligten. Das Preisgericht, dem die Herren Professor Max Liebermann und Professor Max Slevogt angehörten, sprach den ersten Preis im Betrage von 500 M. der Künstlerin Frau Ilse Schütze-Schur zu. Schon die am 1. Januar zur Ausgabe gelangende Nummer (Nr. 1) des neuen Jahrganges präsentiert sich in dem neuen Ge» wände. Als Hanptroman gelangt der bedeutende soziale Roman „Gerwinal" bon Emile Zola zum Abdruck. Alle näheren Angaben über die Wochenschrift„In freien Stunden", die unsere Partei zur Bekämpfung der Schundliteratur gegründet hat, finden die Leser in dem der heutigen Nummer unserer Zeitung beigefügten Prospekt. Hygienisch-ghmnastische vcbungSkurse. Mit Genehmigung der Deputatton für das Städtische Turn, und Badewesen in Berlin werden vom 6. Januar 1912 ab jeden Sonnabend von 5— 6 Uhr in der städtischen Turnhalle Kleinbeerenstr. 2 für Personen, welche an den Folgen mangelnder Bewegung leiden, sowie für solche mit leich- tcren Herz- und Stoffwechselstörungen heilghmnastische Uebungen ausgeführt werden. Dieselben werden von einem städtischen Turn- wart geleitet. Die Uebeicden stehen unter der Beaufsichtigung eines Arztes. Zur Bestreitung der Unkosten werden vierteljährlich 3 Mark erhoben. Vorherige Meldungen an Dr. Engel, SW. Fried- richstrasse 42. Arbeite r»SamariterI«lvime Gcoß-Bcrlin. In der folgenden Woche sinden Lehrabende stall: Mittwoch, den 3. Januar, Abt. Rixdorf, Erkstr. 3, und Donnerstag, den 4. Januar, Abt. Lichtenberg. Schorn- ineberstr. 60. Thema:.Bewußtlosigkeiten, künstliche Atmung." Der Zutritt zu diesen Vorträgen mit praktischen Uebungen ist für Gäste frei. � Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Benutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werk- täglich don 5M— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von »—1 pnd 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 541 Zenungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung au». Luisentheater. Am 2. Januar findet die Premiere der neuen Posse„Berlin O." statt. Verloren wurde am 1. Feiertag abend gegen 12 Uhr in der Camphausener Strasse eine Handtasche mit Geldinhalt. Um Ab» gäbe wird gebeten an Löwe, Gräfestratze 35. Zeugen gesucht. Personen, die am 20. Oktober gegen 7 Uhr abends auf dem Vorderperron eines Wagens der Linie 54 E den Wortwechsel zwischen einer Dame und einem Arbeiter gehört haben, werden um Angabe ihrer Adresse an H. Winz, Get- semanestrasse 6, gebeten._ Vorort- JVacbricbtem Rixdorf. Wegen versuchten Totschlags hat die Kriminalpolizei den Schneidermeister Karl Schulze aus der Friedelstr. 3a dem Unter- suchungsrichter vorgeführt. Schulze hat, wie berichtet, die Prosti- tuicrte Lucie Liebke durch einen Revolverschuss erheblich verletzt und auch gewürgt. Er bestreftet beides und sagte, da? Mädchen, das er vom Hermannplatz in seine Wohnung mitnahm, habe morgen? in seine Tasche gefaßt, um noch mehr Geld herauszuholen, als er ftei- willig gegeben habe. Darüber sei es zum Streit gekommen. Die Liebke habe jetzt seinen auf dem Tische liegenden Revolver ergriffen und auf ihn geschossen, ohne zu treffen. Er habe sofort die Flucht ergriffen und wisse nicht, was später noch geschehen sei. DaS Mädchen müsse sich selbst geschossen haben. Dem widerspricht aber der Befund. Die Kugel ist dem Mädchen von hinten in die Schulter eingedrungen. Den Revolver mit vier Patronen fand man noch bei ihm. Der Verhaftete hatte sich bis zu seiner Festnahme zwei Tage in Parkanlagen herumgetrieben und in seiner Laube genachtet. Schönederg. Ein schwerer Straßenbahnunfall hat sich am Freitagabend gegen 9 Uhr an der Ecke der Motz- und Eisenacherftrasse zugetragen. Dort wollte der in der Kalckreuthstr. 8 wohnende Rentier Gustav Jeremias unmittelbar vor einem herannahenden Straßenbahn- wagen der Linie 50 das Gleis überschreiten, wurde jedoch von dem Bahnwagen erfaßt und umgestoßen. I. erlitt mehrere schwere Ver, letzungen am Kopf und mußte, nachdem ihm auf der Unfallstation in der Vorbergftraße die erste Hilfe zuteil geworden war, nach dem Schöneberger Krankenhause gebracht werden. Wilmersdorf-Halensee. Die Stadtverordneten-Bersammlung wird bereit? am Mitt- woch dieser Woche, abends 6 Uhr, in der Aula der Viktoria-Luisen- schule in der Uhlandstrasse, zu ihrer ersten Sitzung im neuen Jahie zusammentreten. Ausser den geschäftSordnungsmässigen Wahlen steht die in das Geb:et der Wohnungsftage hineinspielende Ma- gistratsvorlage über das Verfahren beim Abschluß von Straßen- regulierungsverträgen auf der Tagesordnung; ferner wird über ein« Magistratsvorlage betreffend den Abschluß eines Vertrages mit der Gesellschaft für elektrische Unternehmungcn über die Lieferung der elektrischen Energie für die W i l m e r j- dorfer Untergrundbahn verhandelt werden. Steglitz. Der Nachttrlephonbienst wird heute am 81. Dezember in Steglitz endlich eingerichtet. Der Nachtdienst erstreckt sich auf den Ortsverkehr, den Nachbarortsverkehr mit Berlin, Charlottenburg, Gross-Lichterfelde, Lichtenberg, Ober-Schöneweide, Pankow, Reinickendorf, Rixdorf, Weissensee und Wilmersdorf, sowie aus den Fernverkehr mit den zum TageSverkehr eiit Steglitz zugelassenen Orten, an denen Nachtdienst besteht. Km Orts- und Nachbarortsverkehr wird von dem Inhaber der Sprech- stelle für jede Nachtverbindung eine Gebühr von 20 Pf. erhoben. Als Nachtzeit gelten die Stunden von 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens, im Fernverkehr von 9 Uhr abends bis 8 Uhr morgens. Friedenau. Zum drittenmal vertagt wurde in der letzten Sitzung der Ee- meindevertretung die Beratung des Ortsstatuts über die Sonn- tagsruhe im Handelsgewerbe. Erst soll Steglitz Beschluß fassen, damit ja kein anderer den Friedenauer Gemeindevätern in bezag auf sozialpolitische Rückständigkeit den Rang ablaufe. Ein Vw- fahren, das Gen. Richter bereits in der Sitzung am 7. Dezemter als feige Spiegelfechterei kennzeichnete. Di« Einsetzung eines Aus- schusses zur Prüfung der Besoldungsverhältnisse der Lehrer, Be- amten und sonstigen Angestellten, die vom Gemeindevorstand beaw tragt wurde, fand mit einer knappen Majorität Annahme, nach- dem dieselbe von unserem Gen. Huhn und dem Bürgerlichen v. Wrochem befürwortet worden war. Die Raumverhältnisse in der Gemeindekasse haben sich durch die fortwährende Vermehrung des Personals als völlig unzureichend erwiesen. Schon in der vorigen Sitzung wies der Bürgermeister darauf hin, daß dieser Zustand ohne eine Störung der Gesundheit der m Frage kommenden Be- amten nickt auftechterhalten werden könne und beantragte, eine weitere Wohnung hinzuzumieten und dem jetzigen Wohnung?» inhaber 300 M. Abfindung zu gewähren. Dieser Antrag wurde da- mals abgelehnt. In der letzten Sitzung wiederholte der Gemeinde- vorstand seinen Antrag. Der Bürgermeister betonte, datz der Gi- meindevorstand jede Verantwortung für diese Zustände ablehnen müsse. Trotzdem fanden sich noch einige Herren, die auch diesmal dagegen stimmten mit der Begründung, daß es ja bald Frühling werde und die Beamten dann die Fenstern öffnen könnten. Eine hitzige GeschäftSordnungSdebatte zeitigte ein Antrag Gerken. du eine Petition des HauS. und GrundbefitzervereinS, die Rathaus- ftage betreffend, in der nächsten Sitzung noch einmal behandelt wissen wollte. Es war ergötzlich mit anzusehen, wie wenig die Herrschaften, die bereits alle jahrzehntelang als Gemeindevertreter fungieren, in ihrer eigenen Geschäftsordnung Bescheid wusstea. Ein Beschlutz wurde trotz der endlosen Debatte nicht gefaßt. Treptow-Baumschulcnwcg. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern, Sonnabcndmittag, kurz bor 12 Uhr, bei dem Erweiterungsbau der Eisenbahnübersührung in der Elscnstrasse. Als einer der Träger auf die Pfeiler nieder- gelassen werden sollte, schwankte derselbe und drückte den am Ende stehenden Arbeiter Fritz Zache aus der Siegftiedstrasse in Rixdorf an die Eisenbahnbrücke. Hierbei wurden dem Zache Brustkasten und Rippen gequetscht. Die nach einigen Minuten an der Unglücks- stelle eintreffenden Aerzte ordneten die sofortige Ueberführung nach dem Kreiskrankenhause an. Die Ehefrau des Verunglückten, der erst den 2. Tag arbeitete, brachte mit ihrem Töchterchen ihrem Manne gerade das Mittagessen, als der Verletzte auf der Bahre in den Krankentransportwagen getragen wurde. Gerichts-Deining. Ein Morbprozeß, der auf Grund eines an sich geringfügigen Formfehlers noch ein- mal verhandelt werden muss, wird am 16. und 17. Januar k. I. das Schwurgericht des Landgerichts II beschäftigen. Wie seiner. zeit mitgeteilt, hatte sich der 19jährige frühere Eisenbahnanwärter Walter Ewig aus Schönebetg am 5. Oktober d. I. vor dem Schwur- gericht des Landgerichts ll unter der Anklage de» Mordes, be- gangen an seiner Geliebten, der Näherin Ida Birkner. zu ver- antworten. Der Angeklagte, welcher erst ein offenes Geständnis abgelegt hatte, bestritt in der Verhandlung plötzlich jede Schuld und behauptete, die B. habe sich selbst erstochen. Er fand mit dieser Angabe bei den Geschworenen jedoch keinen Glauben und wurde wegen Totschlages unter Zubilligung mildernder Umstände zu der höchstzulässigen Strafe von 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Bei der Bejahung der Schuldfragen durch die Geschworenen wurde bei einer dem Angeklagten ungünstigen Schuldfrage in dem Pro- tokoll nicht angeaeben, in welchen! Stimmenverhältnis die Be- antwortung erfolgt sei. Dieser an sich ganz gleichgültige Fehler wurde vom Gericht seinerzeit übersehen, so datz auf die von Rechts- anwalt Dr. Puppe eingelegte Revision das Reichsgericht das erste Urteil aufhob und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurückverwies, so daß der ganze Prozeß mit allen Einzelheiten nochmals aufgerollt werden mutz. Der Angeklagte war früher Eisenbahnanwärter. Zuletzt ver- schaffte er sich den Unterhalt durch den Handel mit Postkarten. Der getöteten Birkner gegenüber hatte er sich als Reserveoffizier ausgegeben und behauptet, daß er ein Vermögen von 80 000 M. habe und von seinen Zinsen lebe. Dieser Schwindel kam bald heraus, so daß die Eltern des jungen Mädchens ihm die Tür wiesen. Als die B. dann, um dem Angeklagten, der sie weiter ver« folgte, zu entgehen, eine Stellung in Pommern annehmen wollte, wurde sie von dem Angeklagten überredet, hier zu bleiben. Am 18. August d. I. bewilligte die B. dem Angeklagten noch ein letztes Rendezvous, wobei sie mit den Worten wegging, datz sie jetzt end« gültig mit ihm Schluß machen wolle. Gegen 10 Uhr abends hörte der in der Moltkestraße in Gross-Lichterfelde wohnhaste Zeuge Schulz auf der Strasse einen durchdringenden Schrei. Als er zum Fenster hinaussah, sah er den Angeklagten, der die B. in den Armen hielt. Diese rief noch:„Walter, Du hast mich gestochen!" um dann leblos zu Boden zu sinken. Auf eine Frage eines hinzu- kommenden Mannes, ob er einen Arzt holen solle, äusserte der Angeklagte:„Lassen Sie man, das hat doch keinen Zweck, die stirbt doch gleich. Das ist übrigens Privatsache; es ist meine Braut, ich habe sie gestochen!" Die weiteren Feststellungen ergaben, daß die Tat mit dem Messer eines sogenannten Reisebestecks verübt war. Den Polizeibeamten gegenüber gab der Angeklagte die Tat zu, während er später mit der eigenartigen Behauptung hervor- kam, die B. habe sich selbst getötet. Zu der neuen Verhandlung find zahlreiche Zeugen geladen, so daß zwei Sitzungstage in Aussicht genommen worden sind, um diese etwas mysteriöse Mordtat genügend aufzuklären. Ein Prozeß gegen einen falschen Sozialiste«. Vor einigen 15 Jahren spielte in der italienischen Partei ein gewisser Domanico eine nicht unbedeutende Rolle. Er war Mit- erbeiter verschiedener Parteiblätter und Herausgeber der von Saverio Merlino geleiteten Zeitschrift„Critica del Socia- lismo". Verschiedene Umstände veranlassten dann die italicni- schen Genossen, dem Dominica Mißtrauen entgegenzubringen, so vor allem die Tatsache, daß er oft zu gewagten Demonstrationen aufstachelte und sich dann selbst nicht sehen lieh, und daß er ein- mal, nachdem er verhaftet worden war, in Freiheit gesetzt wurde, trotzdem er in Besitz' verbotener Waffen gesunden woroen war. Schliesslich wurde ein Parteischiedsgericht ernannt und Domanico aus der Partei ausgeschlossen. Er ging nach Amerika und, blieb so gut wie verschollen, bis er unlängst einen Band über die Ge- schichte der Internationale veröffentlichte. Daraufhin schrieb unser Florentiner Parteiblatt, die„Defesa", daß Dominica vor Jahren als Parteispion entlarvt worden sei. Der so Beschuldigte strengte die Verleumdungsklage an, und diese wird zur Zeit vor einem Florentiner Gericht verhandelt. Das Ergebnis dieser Verhandlungen, bei denen die Genossen Bissolati, Cassola und andere als Zeugen auftreten, ist nun derart- daß man sich wirtlich ftagen muß, ob Domanico wahnsinnig war, als er den Strafantrag stellte. Ein hoher Polizeibeamter hat unter seinen Eid ausgesagt, daß Domanico 506 Lire monatlich aus dem Reptilienfonds des Ministeriums des Jnner« bezog und dafür allwöchentlich Berichte über die Parteiverhältniffe liefert. Es ging weiter aus den Aussagen hervor, daß während einer Per- Handlung des Parteivorstandes, in der Beschuldigungen gegen Domanico laut wurden, Andrea Costa aufgesprungen ist und dem falschen Genossen zugerufen hat:„Kauf Dir einen Revolver und schieß Dich tot; anderes hast Du nicht mehr zu tun." Die ÄuS- sage Cassolas. der lange Jahre hindurch erster politischer Re- dakteur des„Avanti" war, zeigte auch, daß Domanico nicht nur das Ministerium zu informieren pflegte, sondern der Partei auch direkt Fallen legte und sich als Lockspitzel versuchte. So hat der Wicht in Rom einen geheimen Verein von Verschwörern gebildet, dessen Statut von ihm selbst entworfen tvUr.' In diesem Statut standen die unglaublichsten Dinge, und Domanico sichte an den Drucker des„Avanti" die Zumutung, da? Zeug heimlich abzudrucken. AIS der Drucker ablehnte, bot er ihm Geld. Ter Prozess, über dessen Ausgang wir berichten werden, wird in der gesamten italienischen Presse mit größtem Interesse verfolgt. Merkwürdig und charakteristisch ist eS, daß der Syndikalist Arturo Labriola als Rechtsvertreter DomanieoS austritt, indem er die von dieftm gegen seine„Beleidiger" erhobene Zivilklage vertritt. CQochen-Bpfclplan der BerUncr Cheater. Könlgl. Opernhaus. Sonntag: Der Postillon von Lonjnmean. (Ansang 7 Uhr.) Montag: Theätre pars. Iphigenie in Aulls.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: Madama Buttcrfly. Mittwoch: Der Stosenlavalier. Donnerstag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Fidelio. Sonnabend: Die Hugenotten. Sonntag: Der Rosenkavalicr. Montag: Mignon. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der Schlagbaum.(Ans. 7 Uhr.) Montag: Die glückliche Sand. Dienstag: Der gehörnte Sieisricd. Sieg- sriedS Tod. Mittwoch: Kricmhlld« Rache. Donnerstag: Die gluckliche Hand. Freitag: Wallensteins Tod. Sonnabend: Der Bettler von Syrakus. Sonntag: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Der Bettler von Syrakus. (Ansang 7',. Uhr.) Neues könlgl. Operntheater. SonntagnachmiitagZ'/.Uhr: Mmiavon Barnhelm. Abends und Montag: Doppelmensch, lAnsang 7 Uhr.) Dicns» tag: Don Juan. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Romeo und Julia. Freitag: Die Jüdin von Toledo. Sonnabena: Geschlossen. Sonntag: Der Doppclmensch. Montag: Don Juan. Deutsches Theater. Sonntag: Tmandot.(Anfang 7 Uhr.) Montag: Pcnthcsilca. Dienstag: Turandot. Mittwoch: Ossissere. Donnerstag: Penthcsilea. Freitag: Ossizicre. Sonnabend und Sonntag: Turandot. Montag: Ossizicre. Kammerspiele. Sonntag: Die Kassette.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Sumurün. Dienstag: Nathan der Weise. Mittwoch: Frühlings Erwache». Donnerstag: Nathan der Weife. Freitag: Sumurün. Sonnabend: Der Arzt am Scheidewege. Sonnlag: Nathan der Weise.(Anlang 7 Uhr.) Montag: Sumurün. Lessing-Dheatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Rvsenmsntvg. Sldcnd»: Der Biberpelz.(Ansang 8 Uhr.) Riontag und Dienstag: Gudrun. Mitt« woch: Klaube und Heimat. Donnerstag und Freitag: Gudrun. Sonn- abend und Sonntag: DaS Tänzchen.(Ansang 7'/, Uhr.) Montag: Gudrun. (Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Buwmclstudenten. WendS: Große Rosinen.(Ansang 7 Uhr.) Montagnachmittag 3 Uhr: BummelftudcMcn. Slbends bis Montag: Große Rosinen.(Ans. 8 Uhr.) Neues Zchanspielhau«. Sonntag bis DomicrStag: Hciligcnwald. Freitag: Agnes Bernauer. Sonnabend und Sonntag: Hciligenwald. Montag: Agnes Bcrnaucr.(Ansang s Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. AbendS: Der Barbler von Sevilla.(Anfang VU Uhr.) Montagnachmittag 3 Uhr; Rigoletto. Abends: La Traviata. Dienstag: Der Wassenschmied. Mitt- woch: Der Barbier von Sevilla Donnerstag: La Traviata. Freitag: Der Troubadour. Sonnabend: Fra Diavolo. Sonntag: Rigoletto. Montag: Unbestimmt. Kurfürsten< Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Abends: Der Schmuck der Madonna.(Ansang 71;, Uhr.) Montagnachmittag 3 Uhr: DaS goldene Kreuz. AbendS bis Wontag: Der Schmuck der Madonna.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag und Montagnachmittag 3 Uhr: Angele. l. Klaffe. Allabendlich: Gcntz und Fanny EIßler. Hockcnjos. LoUchcnS Geburtstag.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7�/, Uhr.) Neues Theater. Sonntag, und Montagnachmittag 3'/. Uhr: TaS Mädel von Montmartre. Allabendlich: Die kleine Freundin.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Schiller-Theatcr«. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Das Urbild des Tartüff. Abends: Der Kilometersresser. Dienstag: König Heinrich. Mittwoch: Madame SanS Gene. Donnerstag: Der Kilometer- freffer. Freitag: ES lebe da§ Leben. Sonnabend: König Heinrich. Sonn- tag: Der Kllömetersicffer. Montag: König Heinrich.(Anfang 8 Uhr.) Schillcr-Tdeater Cdarlottcnburg. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Der Weg zur Hölle. Dienstag: Maske- radc. Mittwoch und Donnerstag: Der Weg zur Hölle. Freitag: Die Wild- cnte. Sonnabend: Maskerade. Sonntag: Ter Weg zur Hölle. Ronlag: MaScrade.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- WilhelmstädtischeS ZchauspielhauS. Sonntag: Bona« parte und seine Frauen.(Anfang 7 Uhr.) Montagnachmittag 3 Uhr und allabendlich: Bonaparte und seine Frauen.(An/ang 8 Uhr.) Residenz-THeater. SonntagnachmMag 3 Uhr: Nach dem Opernbalk. In der SUvesternacht. Der selige Octave. Abends bis aus weiteres täglich: Ein Walzer von Chopin.(Ansang 7 Uhr, wochentags 8 Uhr.) Theater in der Königgrüher Strafte. Sonntag, und Montag- nachmittag 3 Uhr: Ein Fallissement. AbcndS bis Sonntag: Die füns Franksurter. Montag: Spielereien einer Kaiserin.(Ansang t Sonntags VI, Uhr, wochentags 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3 und Montagnachmittag Vi, Uhr: Fatinitza. Allabendlich: Wiener Blut.(Ansang: Sonntag» 7 Uhr, wochentags 8 Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Polnische Wirtschast.(Ansang 8 Uhr.) Lustspieldaus. Sonntagnachmittag 3 und abends 8 Uhr: Die Per- gnüguitgsreisc. Montagnachmittag 3 Uhr: Das Leutnantsmündel. Abends: Die Vergnügungsreise. Dienstag bis Montag: DaS große Geheimnis. (Ansang 8 Uhr.) Neues Qperetten-Theater. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Allabendlich t Die moderne Eva.(Ansang: Sonntags 7, wochentags 8 Uhr.) Trianon-Theater. Sonntag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Fran- cillon. Allabendlich: Das Ilcine Safe.(Ansang: Sonntags 7'/», wochentags 8 Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Grille. Abends: Wir tanzen durchs Leben. Montagnachmittag 3 Uhr: Romeo und Julia. Abends: Wir tanzen durchs Leben. Dienstag: Berlin 0. Mittwoch: Wir tanzen durchs Leben. Donnerstag: In Dunkel gehüllt. Freitag: Berlin O. Sonnabend: Die Grille. Sonntag: Die Macht der Liebe. Montag: In Dunkel gehüllt.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Tdeater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Faust, 1. Teil. Abends: Der Kamps gegen den Kuß. Montagnachmittag 3 Uhr: Michael Kohlhaas. Abends und Dienstag: Der Kamps gegen den Kuß. Mittwoch: Faust, I. Teil. Donnerstag: Der Kamps gegen den Kuß. Freitag: Heimat. Sonnabend: Der Kamps gegen den Kug. Sonntag und Montag: Heimat. (Ansang 8 Uhr.) Belle-Allinnce-Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Zapfenstreich. Abends: Die schöne Kokotte. Montagnachmtttag 3H, Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Abends bis Montag: Die schöne Kokotte.(Ansang 8H, Uhr, Sonntag und Montag: 8 Uhr.) Neues Aolksiheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag: Das Vermächtnis. Abends: Leidenschaft. Montagnachmittag: Geographie und Liebe. Abends: Der Strom. Dienstag und Mittwoch: Leidenschast. Donnerstag und Freitag: Geographie und Liebe. Sonnabend: In Be- Handlung. Sonntag: Leidenschäst.(Ansang 8 Uhr.) Casino-Theater. Sonntag- und Montagnachmittag 3>/, Uhr: Die Tochter deS SträslmgS. Abends täglich: Der Kamps ums Dasein.(Ansang 8 Uhr.) Mctropol-Theater. Allabendlich: Die Nacht von Berlin.(Ansang « Uhr.) Folios Gaprice. Allabendlich: MandelblüthS Polterabend. Waffen- Übung. Losgelaffen.(Ansang 8H, Uhr.) Herrnfeld- Theater. Täglich: DaS Kind der Firma. Schmerzlose Behandlung.(Anfang 3 Uhr.) Apollo- Tbraker. Sonntag- und Montagnachmittag 3H, Uhr und abends täglich: Spezialttäten.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla. Sonntag- und Montagnachmittag 3h, Uhr: Prinz und Bettlerin. Allabendlich: Teufel, das hat emgeschlagenl(Ansang 8h, Uhr.) ZirkuS Busch. Sonntag und Montagnachmittag 3h, Uhr: Große Borslellung. Täglich: Gala-Vorstellung.(Ansang 7H, Uhr) Zirkus Schumaun. Sonntag- und Montagnachmittag 3h, Uhr: Große Vorstellung. Allabendlich: Kala-Borstellung.(Ansang 7h, Uhr.) Zirkus Sarrasani. Ab Donnerstag: Große Vorstellung.(Ansang 8 Uhr.) Paffage- Theater. Täglich: Spezialitäten. An den Feiertagen zwei Vorstellungen.(Ansang 3 Uhr und 8 Uhr.) Reichshalle»-Theater. Täglich: Stettiner Sänger.(Slnsang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Urania- Theater. Taudenftr. S8/4S. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und fern. Allabendlich: Aus dem Leben des Meeres.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—82. Käuigstadi. Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Äaiser-Panorama. 2. Reise in Bosnien und Herzegowina, Die sonnige Pfalz am Rhein._ Hus aller Welt. Hub der Finsternis. Bei aHetv passenden und unpassenden Gelegenheiten wird in die Welt hinausposaunt, welch intelligentes Volk das deutsche sei. Und wie Wersen sich die Herren Professoren in die Brust, wenn sie bei Festesfeiern darauf hinweisen, daß wir ein Volk der Denker und Dichter seien. Dabei begegnet man allerorts noch der k r a s s e st e n Unwissenheit, dem unsinnig st en Aberglauben. Und besonders die ländliche Bevölkerung ist dank der Junkerherrschast und der pfäsfischen Unduldsamkeit leider oft noch in einem Zustande der kindlichsten Glaubens- Vorstellungen. Gar nicht weit von der«Zentrale der Intelligenz' findet man noch alteingewurzelten Aberglauben, der an die Vor- stellungen deS dunkelsten Mittelalters erinnert. Ein Freund unseres Blattes übermittelt uns aus der Neumark einen sogenannten .Himmelsbrief', der dort in verschiedenen Orten durch handschriftliche Vervielsältigung weite Verbreitung findet. Den Genutz des in sehr schwülstiger und überschwänglicher Sprache ge- haltenen Gebets selbst können wir unfern Lesern schenken, sie werden wohl genug haben, wenn sie die Vorrede dazu lesen, die Wort- lich folgendermatzen lautet: Die Hilfe Gottes durch das Gebet zum heiligen Kreuze. Dieses kräftige Gebet, für alle Menschen heilsames Gebet zum heiligen Kreuze Christi wurde im Jahre 1805 auf dem Grabe unseres Herrn Jesu gefunden. Als Kaiser Karl zu Felde zog, erhielt er es zum Geschenk vom Pap st und schickte es nach der S t a d t M a n u h e l k?) in Frankreich, wo es aus einen, Schilde mit goldenen Buchstaben aufgedruckt und zu lesen ist. Wer dieses Gebet täglich betet oder beten hört, oder bei sich trägt, oder vor 5 Wochen unser und ebensoviel wie Maria zu Ehre des bittern Leidens und Sterbens unsers Herrn und Heilandes Jesu Christt betet, der wird in keinem Waller ertrinken und in keinem Feuer ver- brennen, und von keinem Gifte Ungemach haben. Wenn eine Frau in K i n d e s n ö t e n ist und dieses Gebet betet oder beten hört, wird sie sogleich entbunden und eine fröhliche Mutter sein; auch das junge Kind, wenn man ihm dieses Gebet in die rechte Seite legt, wird von vielem Ungemach gleich befreit sein. Wer dieses Gebet bei sich trögt, wird von keiner fallenden Krankheit geplagt sein. Seht ihr einen Menschen auf der Stratze fallen und legt ihm dies Gebet in die rechte Seite, so wird er sich der Genesung ersteuen. Wer dieses Gebet von Haus zu HouS trägt, der wird von Gott gesegnet. Wer aber damit spottet, der wird von Gott geflucht. DaS Haus, worin sich dieses Gebet befindet, das wird von keinem Blitz und Donner Schaden leiden. Wer dieses Gebet täglich betet oder beten hört, der wird drei Tage vor seinem Ende sehen, nämlich das ist mein Sterbetag. So lange derartiger blühender Unsinn von den Leuten als bare Münze genommen und geglaubt wird, haben Ritter und Heilige noch gute Tage. Und dstrch Verschlechterung der Schulen und Fern- Haltung aller niodernen und freiheitlichen Ideen sucht das edle Brüderpaar seine Herrschaft zu verlängern. Erst der G e i st d e s Sozialismus wird dieser geistigen Finsternis ein Ende bereiten. Die tatkräftige Arbeit unserer Genossen bürgt dafür, datz der Tag der Erweckung zu neuem Leben nicht mehr allzu fern ist. Eisenbahnunglück in Westfalen. Durch falsche Weichenstelluivg hat sich am Sonnabend früh, kurz nach 4 Uhr, auf dem GüterbahnhofWanneein schwerer Betriebsunfall ereignest Ein von Recklinghausen kommender Güter- zug fuhr, auf ein mit Wagen besetztes Gleis. Durch den Aufprall auf die stehenden Wagen entgleiste die Zuglokomotibe und mehrere Wagen, Dabei wurde der Rangierer K o l a s s e getötet und der Rangierer Olimerschwerverletz t. ** » Ein anderes schweres Eisenbahnunglück trug sich auf der Sta- tion Said Charles der türkischen Eisenbahn zu. Kurz vor Ab- gang eines Zuges explodierte aus unbekannter Ursaöhe ein Lokomotivkessel. Der Führerstand wurde 15 Meter weit förtgeschleudert. Der Lokomotivführer wurde sofort getötet, wsthrend der Heizer schwere Verwundungen davontrug. Auch ein Beamter des Gepäckwagens wurde schwer verwundet. Von Briganten entführt. Rom, 23. Dezember 1911.(Eig. Bei.) In U m b r i e n, einer Landschaft, die in dem Rufe steht, vor- zügliche Sicherheitsverhältnisse zu bieten, ist am 27. Dezember die Frau eines reichen GrohgrundbesitzerS, Gräfin Cahen, von Briganten entführt worden. Das Merkwürdige an der Sache ist, datz etwa vor Jahresfrist der Mann der Gräfin in dem- selben Walde, der in der Provinz Orvieto liegt und sein Eigentum ist. von Uebeltätern gestellt und gefangen genommen wurde, ob- wohl er sich in seinem Automobil befand. Damals versuchten die Briganten. die den Grafen stundenlang gefangen hielten-, einen Erpressungsversuch für 69 999 Lire. Da der Graf wenig Geld bei sich hatte, mutzte er den Chauffeur um weiteres nach Hause schicken, konnte aber im ganzen nur 1759 Lire abliefern» da die Briganten Geld in Form von Wechseln mit der grötzten Entschiedenheit ab- lehnten. Er wurde dann freigelassen, nachdem er- hatte versprechen müssest, am nachstekt m rnigegeBen« Stekke 60 000 Site«fefffflu zulegen. DaS tat er natürlich nicht, sondern zeigte den Fall der Polizei an, die einige verdächtige Individuen verhaften ließ. Trotz dieser üblen Erfahrung behielt die Gräfin die Angewohnhet bei, täglich lange, einsame Spaziergänge zu machen. Und so wurde sie in dem der Familie gehörigen Walde von einem unbekannten Individuum überfallen, brutal mitzhandelt und dann in eine der unterirdischen Höhlen verschleppt, deren diese Gegend so viele zählt. Als gegen Abend die Dame nicht nach Hause gekommen war, be- mächtigte sich der Familie die allergrötzte Unruhe. Die ganze Be- völkerung des Tales von Chiana würde alarmiert und begann die Absuchung des Waldes mit Fackeln und Laternen. Gegen 11 Uhr nachts wurde die Gräfin, gefesselt und durch die Mitzhandlungen oberflächlich verletzt, von einem Schuhmacher in der Höhle aufge- funden. Der Brigant selbst, der ihr gesagt hatte, datz er im vorigen Jahre sich unter denen befand, die den Grafeg.CgZen überfallen heften, hatte sich aus dem Staube gemacht. /•*- Kleine Notizen. Doppelselbstmord. Der Infanterist Nicke! vom 69. In- fanterieregiment hat sich Freitag nacht in Deutsch-Ehlau ge- meinsam mitt einer Prostituierten in deren Wohnung ver- giftet. Die Beweggründe sind nicht bekannt. Ucberfall auf einen Briefträger. In der Nähe des Bahnhofs Aubigne bei Le Mans wurde der Briefträger F r e l y von einem Räuber überfallen und durch zwei Gewehrschüsse ver- wund et. Frelh konnte noch rechtzeitig in das in der Nähe ge- legene Postamt flüchten, Der Angreifer, der bisher noch nicht er- mittelt ist, scheint gemutzt zu haben, datz der Briefträger in seiner Tasche zahlreiche Wertbriefe bei sich trug. Die Furcht vor dem Elend. Das Ehepaar Giraud im Alter von 73 resp. 67 Jahren beging mit seinem 45jährigen Sohn in Lyon Selbstmord, weil es in Konkurs geraten war und die Möbel gerichtlich verkauft werden sollten. Das Ehepaar erschotz sich, während der Sohn seinem Leben durch Erhängen ein Ende bereitete. Tragödie in einem Armenhaus. In Castelfranco in der Provinz Bologna hat sich im Armenhause eine furchtbare Szene zwischen zwei Armenhäuslern zugetragen. Weg�n eines seit langem währenden Hasses hat sich der 82jährige alte Romagnoli auf einen etwas jüngeren Gefährten geworfen und ihn durch Er- w ü r g e n g e t ö t e t. Dann hat sich der Totschläger ganz ruhig und gemütlich w i ed e r i n s B ett gel egt. Er wurde verhaftet. � WitternngSüberficht vom 30. Dezember 1911._ Etattonen Ii if Swinemde. Samburg erlin Franks.a.M München Wien K£ 5 767 766 767 767 769 767 NNW NW O NW SW Wetter 2 wolkig 3 bedeckt i bedeckt 3'NebeI 3bed-ckt Lbedcckt »K wie Stationen Haparanda Petersburg scillh Aberdeen Paris «§ S~ KI NO tili SW 764 754 764 756 768 SW Wetter wolkenl «chnee 4 Dunst 3better 2 dedeckt tssi »» f". Sf -13 •5 10 7 6 Wetterprognose für Sountag, de« 31. Dezember 1911. Ein wenig wärmer, vorwiegend nebelig oder wolkig mit geringen Niederschlägen und mäßigen westlichen Winden Berliner Wetterbureau. Waflerftands-Nachrichte« der LandeZanstalt für Gewässerkunde, mitgetellt vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand M e m e I. Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Nattbor » Krossen , Franlsurt Warthe, Schrimm „ Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Berby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') . Rathenow') Spree, Spremberg , Beeskow Weser, Münde» , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Helwron» Main, Wertheim Mosel, Trier am 29.12 cur 124 60 38 78 80 287 324 488 326 484 195 202 seit K •44 +4 0 +1 —6 +26 +3 +11 +11 —33 T"� ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.•) Unterpegel.•) Eisstand. Jedes Wort 10 Pfennig. Das lettgedruckte Won 20 Pfg.(zulisslo 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen s Pfg.; das erste Won(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr alt IS Buchttahen zählen doppelt. Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN IOr die nlchtte Nummer werden In den Annahme- stellen IDr Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Undenstrasse 09, bis 5 Uhr angenommen. Zehn Z>rozeut Rabatt Vorwärts, leiern. Verkante. Tevpiche f(seblerbafte) in allen Größen, fast für die Halste des Wenes Teppichlager Brünn. Hacke-che, Markt 4. Babnbot Börse.(Leier de» »Vorwärts' erkalten 5 Prozent Rabatt.) 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