Ztr. 2. RbenntmentS'Btdlngnngeii: BbonntmenlS- Preis pränumerando: Bierteljährl. S,Z0 Mk., monatl. 1.10 Mk.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' lt> Pia. Post- Abonnement: l,lt> Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-geitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland z Marl pro Monat. PoslabonnemcntS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. CfMctit tlatttt auEll Blontaw. Verlinev Volksblcltk� 29. Jahrg. vie Inleftionz-Ledvhi' beträgt für die fechSgespaltene Kolonel- zcilc oder deren Raum 60 Pfg,. für politische und gewerkschaftliche Bereins- und Versammluugs-Aiizeigen 30 Pia. „Kleine Hnzeigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erst» Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buch- siaben zähle» für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm> Adresse: „Sozlildtmokrat Rtrlla". Zentralorgan der fbzialdemokratifcben Partei Deutschlands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrassc 69. Kern spreche»: Amt Moritzplatz, Nr. lS83. Donnerstag, den 4. Januar 1912. Expedition: 8M. 68. Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. lUSt. Die Frauen und die IRelchstagswahien. Der heurige Reichstagswahlkampf bildet einen Höhepunkt in dem großen geschichtlichen Ringen der Klassen miteinander. Im Feuer des Wahlkampfes führt das klassenbewußte Prole- tariat Schlag auf Schlag gegen den Imperialismus mit seinem Um und auf, gegen die volksauswuchernde Zoll- und Steuer- Politik des Reiches und gegen die innerpolitische Reattion, die sich auf allen Gebieten breit macht. Die politisch geschulten Proletarierinnen, die Genossinnen. haben sich kühn in die ersten Schlachtreihen der Sozialdemo- kratie gestellt, um begeistert und opfennutig am Kampfe teilzu- nehmen. Sie erbringen durch diese Tatsache erneut den Be- weis ihrer politischen Mündigkeit und beweisen damit, daß politische Rechtlosigkeit durchaus nicht gleichbedeutend ist mit politischer Interessen- und Tatenlosigkeit. Im Gegenteil: die Proletarierinnen, die im täglichen Daseinskampf zum politischen Leben erweckt und zur politischen Tätigkeit geschult sind. empfinden in den politisch erregten Zeiten des Wahlkampfes um so tiefer und schmerzlicher das Schmachvolle und Em- pörende ihrer Politischen Rechtlosigkeit, und sie erachten es deshalb um so mehr als Pflicht, mit Energie und zäher Ausdauer am Wahlkampf teilzunehmen, wenn sie bei dem ent- scheidenden Akt der Wahl selbst auch als Rechtlose beiseite stehen müssen. Sie erfüllen diese politische Kampfespflicht um so lieber, weil die Wahlbewegung die beste Gelegenheit ist, ihrer poli- tischen Mündigkcitserklärung vorzuarbeiten, und die einzige Möglichkeit, durch Stärkung des legislativen Einflusses der Sozialdemokratie einen indirekten Einfluß auf die Gesetz- gebung auszuüben; daneben ist der Wahlkampf aber auch die beste Zeit und Gelegenheit, unsere Grundsätze und Anschauungen den politisch Gleichgültigen und Indifferenten nahe zu bringen, sie für unsere Ideen und für unseren Kampf S gewinnen und damit über den Wahlkampf hinaus die acht der Sozialdemokratie zu stärken. Wie sehr die Sozial- demokratie der zunehmenden Machtfülle bedarf, um im Interesse der minderbemittelten Bevölkerungsschichten und da- mit im Interesse der Proletarierinnen zu wirken, das zeigt ein Blick auf die politische Situation: Die Weltpolitik der Herrschenden bedeutet die Kriegsgefahr in Pernianenz. Wir wollen in diesem Zusammenhange heute gar nicht reden von den: Wüten der Kriegssurie in Tripolis, von der Revolution in China, von all dem Gären und Brodeln in den ver- fchiedenen Ländern der Alten und der Neuen Welt, von all dem politischen Zündstoff, der angehäuft ist, soweit der Kapi- talismus seine Fangarme erstreckt, und der durch den kleinsten Funken zur furchtbaren Feuersäule eines Weltkrieges entzündet werden kann; wir wollen nur daran erinnern, daß wir in Deutschland monatelang durch den Marokkokonflikt hart an den Abgrund eines Krieges gedrängt wurden, und daß das Marokkoabkommen die Keime neuer kolonialer Konflikte in sich birgt. Die Proletarierinnen aber denken mit Grauen an die Möglichkeit eines Krieges, mit seinen Hekatomben an Menschen- opfern, mit seinen riesenhaften wirtschafilichen Verwüstungen, mit der schier unübersehbaren Fülle von Qual und Not für die Massen des Volkes. Sie haben bereits„Opfer unerhört" gebracht bei den bisherigen Kolonialkriegen. Denn Proletarier- söhne sind es zumeist, deren Gebeine in den Sandwüsten Süd- westasrikas bleichen oder in den Sümpfen Chinas modern. Proletariersöhne, die mit ihrem Herzblut die neueroberten oder „gepachteten" Kolonien düngen mußten. Die Proletarierin weiß aber auch, daß die Weltpolitik und die durch sie bedingten fortgesetzten Rüstungen zu Wasser und Lande erhöhten Steuerdruck und vermehrte Lasten für die Habenichtse bedeuten, während diese Politik für die Be- sitzenden eine lustig sprudelnde Quelle erhöhten Profites und verstärkter Macht ist. Sie weiß deshalb, daß ihr Klassen- interesse es erheischt, um so nachdrücklicher die Friedensliebe des internationalen Proletariats zu betonen und kräftigst zu protestieren gegen das wahnsinnige Wettrüsten, zumal an- gesichts de? Tatsache, daß die Herrschenden die lebhafteste Propaganda für eine neue Flottenvortage machen und als „gute Patrioten" kräftig gegen England hetzen. Der unerhörte Zoll- und Steuerwucher des Reiches, aus dessen Erträgnissen der unersättliche Militarismus gespeist wird, zwingt die Proletarierin, mit ihren blutigen Zinsgroschen eine Politik zu stützen, der ihr heftigster Kampf gilt. Diesem Zoll- und Steuerraub ist es geschuldet, daß die Lebensmittel- teuerung zur ständigen Einrichtung geworden ist. daß die Unterernährung immer weitere Kreise ergreift und die Not »immer aus den Hütten der Armen weicht, oaß Prostitution und Verbrechen, diese Hyänen des kapitalistischen Schlachtfeldes, Opfer um Opfer verschlingen. Der hochentwickelte Kapitalis- mus, dem die skizzierte Weltpolitik der Herrschenden entspringt, er hat auch auf allen übrigen Gebieten die sozialen Gegensätze auf die Spitze getrieben, was in der unverhüllten inneren Reaktion zum klarsten Ausdruck kommt. Während zum Beispiel ein gesichertes Koalitionsrecht nie zuvor eine solche soziale Lebensnotwendigkeit für die Arbeiter- klaffe und besonders für die arbeitenden Frauen war, in- szenieren die Scharfmacher dagegen die unglaublichste Hetze. In Preußen, in Sachsen, in Hamburg und in Bayern: überall der gleiche Schrei nach einem„Schutz der Arbeitswilligen", in Wirklichkeit nach einer Entrechtung der Ausgebeuteten. Und wie weit die Regierungen dem Verlangen der Ausbeuter ent- gegen zu kommen gedenken, das beweist nicht nur der Vor- entivurf zum Strafgesetzbuch, das beweist auch die Erklärung der sächsischen Regierung, daß sie ihren Bundesratsbevoll- mächtigten im Sinne der Scharfmacher instruieren werde. Dabei kann man die ganze Ungeheuerlichkeit dieser Erklärung, wie der scharfmacherischen Hetze erst voll ermessen, wenn man sich erinnert, in welcher Weise bisher Polizei und Justiz vor- gingen gegen„Streiksünder"; wenn man sich erinnert, wie das Militär ebenso bereit gehalten ward gegen Streikende (siehe Mansfeld) wie gegen die preußischen Wahlrechts- demonstrantenl Unsere Frauen haben den Ausspruch nicht vergessen, daß der Soldat auf Befehl auf Vater und Mutter schießen müsse. Dieses Wort ist ihnen eingebrannt in Hirn und Herz. Mit Entsetzen denken sie an die Möglichkeit, daß es Tatsache werden könnte: daß ihr Sohn, den sie unter Schmerzen und Gefahr ihres Lebens geboren, den sie unter Sorgen und Ent- behrungen erzogen, dessenwegen sie so oft mit schmerzenden Gliedern und perlender Stirn bei der Arbeit standen, kommandiert werden könnte, die Waffe ans die Brust zu richten die ihn genährt, auf den Arm der ihn getragen, auf das Herz, das in nieversagender Mutterliebe für ihn schlägt'und voll flammenden Zornes richtet sich ihr Kampf gegen das furchtbare Zwillingspaar: Kapitalismus und Militarismus.— Parallel mit der Hetze gegen das Koalitionsrecht geht der Widerstand der Besitzenden gegen den Arbeiterschutz und die Arbeiterversicherung, gegen alles, was geeignet ist, ein ivenig Sonne in das Dunkel des Proletarierlebens zu bringen und die Arbeiterklasse materiell und geistig zu heben. Ist der Arbeiter- und Kinderschub nicht zu hintertreiben, so wird alles versucht, aus seinen Bestinimungcn„weiße Salbe" zu machen. Was kümmert es auch jene, die auf den Höhen des Lebens, in der Sonne Ivandeln,»vieviel junges, warnies Menschenleben in den Niederungen des Lebens von dem Karren kapitalistischer Ausbeutung vernichtet wird, was kümmert es sie. daß der Blutstrom aus zermalmten Pro- letaricrleibern schwillt, ivcnn nur gleichzeitig der Goldstrom steigt, der ihre feuersicheren Kassenschränke füllt. Im Gegenteil: Wäre es anders, so ivürde der Riese Proletar ja uni so schneller zu voller Kraftentfaltung kommen, würde er als reisiger Held um so leichter seine historische Aufgabe erfüllen: das Werk der Erlösung vollbringen und die Bahn frei machen, die in das sonnige Land des Sozialismus führt. Darum der Kampf der Besitzenden gegen die Sozialrefonn, darum die Weigerung des Mutter- und Säuglingsschutzes, der Witiven- und Waisenfürsorge, darum der Widerstand gegen die Demokratisierung unseres Staatslcbens, gegen die Ausgestaltung unserer Ver- fassung, gegen alles, ivas Fortschritt und Freiheit heißt: es gilt eben, ihre Herrschaft gleichzeitig mit der kapitalistischen Ordnung der Dinge zu stützen und zu befestigen. Weil die Dinge so liegen, richtet sich unser Wahlkampf nicht nur gegen die bürgerlichen Parteien, als gegen unsere politischen Gegner, unser Kampf richtet sich vielmehr gegen sie als die Repräsentanten des Kapitalismus. Was Wunder, daß da unsere Genossinnen nicht tatenlos beiseite stehen wollen, daß sie viel- mehr mit begeisterter Hingabe am Kampfe teilnehmen und damit den großen Tag der Abrechnung vorbereiten helfen. Sie können nicht tvählen, tvohl aber Wähler werben I Sie können mehr als das: Sic können sich stolz und mutvoll zur Sozialdemo- kratie bekennen, sie können unserer herrlichen, alles über- ragenden sozialistischen Weltanschauung demonstrativ Ausdruck geben und damit bekunden, daß keineswegs die Schar der sozialdemokratischen Wähler allein das Heer der Klassen- kämpfer ausmacht, daß zu dieser Armee auch die Frauen gehören. Die für heute anberaumten Frauenversammlungen Groß- Berlins geben den Frauen Berlins Gelegenheit, zu bekunden, daß sie gewillt sind, ihr Bestes einzusetzen, damit nicht nur der Wahltag, sondern der ganze Wahlkampf sich gestalte zu einem glänzenden Bekenntnis der proletarischen Männer und Franen zum Sozialismus. Mögen sie diese Gelegenheit nutzen. Louise Zieh. Rom und die Zentrumsparte). Die in unserer gestrigen politischen Notiz„Neuer Gestank aus dem Zentrumslager" erwähnten weiteren Enthüllungen der«Südd. Monatshefte" über das Treiben der Zentrumspresse und des höheren katholischen Klerus sind heute erschienen. Außer dem gestern bereits ver- öffentlichten Brief eines Redakteurs der„Germania" über die Mitarbeit des Kardinals Kopp an den anti-kölnischen Polemiken der„Germania", interessieren vornehmlich die von den„Südd. Monatsheften" publizierten Geheimberichte des römischen Spezialkorrespondenten der„Köln. Volksztg." über das Verhältnis der römischen Kurie zur Politik der Zentrumsführer. Bekanntlich versichert regelmäßig die „Köln. Volksztg.", wenn ein Angriff gegen das Zentrum in eineni dem Vatikan nahestehenden katholischen italienischen oder französischen Blatt erscheint, daß der betreffende Angriff nichts zu bedeuten hätte, da die römische Kurie nichts mit ihm zu tun habe und ihn nicht billige. Aus den Berichten des eigenen Korrespondenten der„Köln. Volksztg." geht deutlich hervor, daß die„Köln. Volksztg." seit Jahren diese Behauptungen wider besseres Wisseii gufgestellt, also ihre Leser systematisch beschwindelt hat; denn durch die Geheim- berichte ihres römischen Korrespondenten ist sie genau über die Ansichten und Treibereien der römischen Kurie unter- richtet worden und wußte demnach ganz sicher, wie man im Vatikan über die verlogene Politik des Zentrums dachte. So heißt es z. B. in einem geheimen Bericht des Spezialkorrespondenten der„Köln. Volksztg." aus dem Jahre 1909: „So weit die edle und ehrliche„Uniia cattolica". Man könnte über diese lächerlichen Rabulistereien des Denunzianten- blattes zur Tagesordnung übergehen, wenn man nicht zu genau wüßte, daß das Florentiner Organ die Herze nsmcinung sehr maßgebender kirchlicher Kreise wider- spiegelt, woran nicht zu zweifeln ist. Man braucht z. B. nur den Leitartikel des heutigen„Osservatore Romano" zu lesen, um deutlich zu merken, wie der Wind weht. Diesen Artikel möchte ich allen Ernstes Ihrer Aufmerksamkeit empfehlen. Er spricht ganz naiv die letzten politischen Grund- gedanken der heutigen Kurie aus: keinerlei selb- ständige politische Betätigung der Katholiken, sondern befinnüngs- loses Sichzurvcrfügungstellcn, je nachdem von Fall zu Fall die kirchliche Autorität kommandiert! Dafür kann man allerdings weder ein politisch unabhängiges, nichtkon- fessionelles Zentrum, noch interkonfcssio- nelle Gewerkschaften gebrauchen. Deshalb kann man auch kurialen Versicherungen gegenüber, gewisse Kundgebungen, wie z. B. der Brief an Medolayo-Albani, bezögen sich nicht direkt aus deutsche Verhältnisse, nicht vor- sichtig genug sein. Da Sie über die bezügliche Zuschrift des Sekretariats der christlichen Gewerkschaften ein Gutachten von Herrn Romanus(wohl Prälat Heiner) eingefordert haben, so möchte ich diesem nicht vorgreifen. Nur das eine will ich be- merken, daß nach meiner begründeten Ueberzeugung die Aeuße- rung des Papstes(an Graf Medolayo) letzten Endes nach den Intentionen Pius' X. sowohl wie seiner Ratgeber von prinzi- pieller und allgemeiner Tragiocitc ist und sein soll, wenn mau das auch nicht so offen aussprechen mag. Die Unterschei- dung, es handle sich bei dem päpstlichen Schrei- ben überhaupt nicht um Ge w e r k scha f t S f r ag e n, ist von geringem praktischem Werte, da die Union« Oconomica-Locisle(die italienische katholische Ar- beiterorganisation) sowohl die Funktionen der reinen Arbeiter- vereine, als auch die der Berufsorganisationen erfüllen soll. Reine Gelverlschaften christlichen Charakters gibt es in Italien nicht, und wenn sie entständen, würde die kirchliche Bv- Hörde sofort die glatte katholische Firma ver- langen." Ferner heißt es in einem Geheimbericht desselben Korrespondenten vom 24. Mai 1910: „Wie zu erwarten war, hat die Erwiderung des Herrn Dr. Eardauns(Redakteur der„Kölnischen Volkszeitung") auf den Artikel der„Correspondance de Romol' über I„e modernismc en litteraturc in der„Correspondance" abermals ein miß- tönendes Echo gefunden— und zwar zunächst in nidjr all- gemsuierem Sinn durch eine Zuschrift aus Teutschland und dann in einer detaillierten Polemik der Redaktion. Auf beide Aus- lassungeu möchte ich Ihre, bczlv. des Herrn Dr. Eardauns Auf- merksamkeit lenken. Denn sie sind charakteristisch sowohl für die Grundausfassung der betreffenden Kreise, als auch für die Art ihrer Taktik und Polemik. Bon einer Fortsetzung dieser Unter- Haltung zwischen der„Kölnischen Volkszeitung" und der„Cor- respondance" verspreche ich mir absolut keinen Nutzen. Diese Leute, mit denen wir es da zu tun haben, sind viel zu„ziel- bewußt", als daß die überzeugendsten Darlegungen einen Ein- druck auf sie machen könnten. Wenn von Teutschland aus auf ihre Insinuationen reagiert wird, so hat das den Effekt, das Mißtrauen der leitenden Stellen in verstärktem Maß auf uns zu lenken und vor allem den bewußten Modernistenschnüfflcrn und Ketzcrriechcrn erneute Gelegenheit für ihre Denunziationen zu bieten... „Sie wissen auch, daß wir nicht nur keine Freunde haben. sondern daß im Gegenteil einflußreiche Faktoren direkt gegen � die«Kölnische Bolkszeitung" eifrig tätig sind. We« wir z. B. im gegenwärtigen Falle mit der„Correfpdndance de Rome" offen den Mund auftun würden, so wären wir alsbald im Vatikan unmöglich. Und dort müssen wir uns doch den Zutritt offen erhalten. Freilich, wenn NM» mir zusicherte, mich unter allen Umständen zu halten, wollte ich mich schon nicht scheuen, die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Da es aber keinen Zweck hat, sich nutzlos in die Schanze zu schlagen, so ist es jedenfalls Keffer, wenn unabhängigere und respektablere Leute von draußen der Katze die Schelle umbinden. Besser wird eS sicher nicht, bis man den hiesigen Macht habern einmal rücksichtslos klar gemacht hat, was für die Kurie in Deutsch- land auf dem Spiele steht, wenn es im bewußten Stile weitergeht. Aber wer ist dafür— robust genug!?" Und diese klerikalen Sippschaften, die in der widerlichsten Weise gegeneinander Hetzen und intrigieren, mit Verleum- dung, Lug und Trug, machen Anspruch darauf, die Unsitt- tichkeit der heutigen Welt kurieren zu können und die höchste Moral zu vertreten?_ Kapitallttilches teilen! Daß«s dem Arbeiter sehr gut gehe, daß er keiue Ursache habe. unzufrieden yn sein, daß er aus Dankbarkeit für die gefüllte Kompottschüffe? bürgerlich wählen müsse, da? zu beweisen, ist der Ordnungspreffe heißes Bestreben. Allerdings, eS gibt gefüllte Kompottfchüffeln,— aber bei den Arbeitern nicht! Es gibt auch riesenhafte Einkommen, aber die Arbeiter müssen sich mit be- scheidenem Aerdieuslff begnügen. Wie ungleich geteilt wird, der- anschaulicht die folgeirde Aufftellung. Sie registriert nach den wirk- lich gezahlten Löhnen der Unfallberufsgenossenschaften die Durchschnittseinkommen der Arbeiter. Wir haben dabei nicht die Zahl der durchschnittlich beschäftigten Arbeiter eingestellt, sondern pro 300 geleistete Arbeitstage einen sogen. Vollarbeiter. Die so ermittelten Tagessätze entsprechen daher genau dem tatsächlich erzielte» Durchschnittseinkommen. Damit sie recht hoch erscheinen, wählten wir zu unserem Vergleich die im H o ch k o n j u n ktu rj a h r 1907 verdienten Löhne. Den Arbeitereinkommen anschließend lassen wir die„Löhne" einiger bekannter Personen folgert. Welche Zahl von Lohnarbeitern dafür einzusetzen ist. sei der Phantasie der Leser überlasten. Hier die Tabelle, die dies reizende oder— aufreizende Teilen demonstriert: Zahl der Einkommen Bollarbeiter pro Jahr M. pro Tag Pf. Alle BerufSgenoffenschaften.. 7 869 421 1069 298 Schlesische Eisen- u. Stahl»B.«G. 111431 980 263 Papierverarbeitungs-B.-G... 131 360 883 242 Bayerische Holzindustrie-B.-G.. 45 533 876 240 Schmiede-B.-G....... 118 807 844 231 Leinen-B.-G........ 58880 795 213 Nordd. Tertilin dustrie-B.» G... 130 911 793 217 Fleischerei-B.-G....... 127 318 662 182 Tabak-B.-G........ 165 337 602 165 Schlesische Tcxtil-B.-G.... 61 189 583 159 Frau Berta Krupp-Bohlen, Fabrikbcsitzerin...... Fürst He nckell-Donners- in a r ck. Großgrnndbesitzer. Graf Tiele-Winckler, Groß- grundbesitzer und Grubenherr 6 000 000 I 645 855 61189 schlesische Weber und 57 519 thüringische Bauarbeiter zusammen haben mir etwas mehr Einkommen, wie die fünf Aus erwählten des Glückes! Das heißt, wenn die 93 439 das ganze Jahr hindurch arbeiten, was bei den Fünfen keine Boraus- fetzung ist! Wie eine Familie von vielleicht 4 oder 5 Köpfen bei einem Einkommen von 159 Pf. oder seien es auch 293 Pf. pro Tag lebt, das kann man sich leicht ausmalen. Die Beköstigung eines Zucht- Häuslers kostet mehr, als pro Kopf einer Proletarierfamilie auf- gewendet werden kann! Wer am 12. Januar bürgerlich wählt, erklärt sich für de» Fortbestand dieser„Ordnung" und Teilerci! stieß, die Sozialdemokratie solle bedenken, daß sie durch ihre Obstruktion gegen die Wucherzölle„das allgemeine Wahlrecht in Gefahr bringe." Auf dem nationalliberalen Jugendtag Sep tember 190 6 in Hannover erklärte Gebhardt- Lübeck: „er könne sich mit einem Staatsstreich weit eher befreunden, als mit der politischen Gleichberechtigung der Arbeiter auch bei den Landtagswahlen." Bau- Köln meinte:„Das gleiche Wahlrecht ist das allerplinnpeste und höchstens für Hottentotte» und Papuas geeignet." Die Nationalliberalen sind heute Kulis für die scharf- macherische Großindustrie, wirklich nattonalliberale Männer wie vor etlichen Jahrzehnten sind in dieser Partei überhaupt nicht mehr!_ 1912. poUtifcbc ClcberfEcbt Berlin, den 3. Janr Amtliche Wahlverhinderung. In welch unglaublicher Weise von den untergeordneten Behörden vorgegangen wird, um die Wähler an der AuS- Übung ihres Wahlrechtes zu hindern, beweist auch das Ber- fahren,'das der Magistrat der Stadt Göritz an der Oder tt» Wahlkreise Ost- und West-Sternberg beliebt. Besagter Magistrat ordnet nämlich in einer Bekanntmachung an, daß 18 000 000 4 951 510 12000 000 5 287 671 nationalliberale und gleichet Aahlrechl. Ein wirklich allgemeines, gleiches, ge- Heimes und direktes Reichstagswahlrecht ist die einzige Sicherung vorwärtsschreitender Entwickelung Deutschlands. Wie stellen sich dazu die National- liberalen? In einem Aufruf deS geschästsführenden Ausschusses der nationalliberalen Partei beißt es unter anderem: „Bon den jetzt bevorstehenden Wahlen wird eS abhängen, ob wir sreisinnige Einrickttungen aus den neuen Provinzen herüber- nehmen oder sie dur-b die Reste deS altpreußischen Feudalismus und BureankratiSmus uns entfremden weiden.... Die Zukunft des Bundesstaates muß nach allen Seiten gesichert fei». dazu ist aber auch erforderlich, daß Deut ichland von Preußen die inneren Reformen, welche den übrigen Staaten zum Muster dienen, erwarten könne.... Das befchrünkte Klaffeiiwahlfystcm hat sich überlebt und der nächste Landtag wird zu prüfen haben, unter was für Voraussetzungen der Uedergang zum allgemeinen Wahlrecht zu be- reiten ist." Unter dem„allgemeinen" Wahlrecht verstand man 1867— denn aus diesem Jahre stammt der nationalliberale Aufruf— natürlich das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht. Für dieses sind die Nationalliberalcn vor vier Jahrzehnten eingetreten. Heute pfeifts bei ihnen aus einem anderen Loch. Die„N a t i o n a l z e i t u n g" schrieb am 19. Mai 1 895: „DaS allgemeine Stimmrecht verwildert, sich selbst über- lassen, mehr und mehr. Es muß der verhängnisvolle Lauf des allgemeinen Wahlrecht« aufgehalten und der zerstärenden und zerfetzenden Gewalt desselben eine feste Regierung gegenübergestellt werden." Der nattonalliberale Abgeordnete Semler schlug am 28. November 1896 in einer Hamburger Riesenversammlnng eine Resolution an den Reichskanzler vor zwecks „Beschränkung des Wahlrechts— sei es durch Erhöhung der Altersgrenze, durch die Forderung längerer Seßhaftigkeit oder sonstwie." Im Jahre 1897 erschien„Ein neuer Reichstag" von dem nationalliberalen Dr. Unhold, darin heißt es unter anderein: das jetzige Wahlrecht ist. das Gegenteil von einer ge- rechten, brauchbaren und würdigen BolkSver- t r e t u n g..." „Wer bildet überall die Mehrzahl? Um eS kurz zu sagen: Die Jüngsten, die Dümmsten und die Aermsten." Die Zeiten, da der nattonalliberale Bennigsen den konservativen Wahlrechtsfeinden drohend zurief:„Die Ver- faffung mit d e in Reichstags Wahlrecht und das Deutsche Kaisertum sind an einem Tage geboren, wer an dem einen rüttelt, gefährdet das andere," sind längst vorüber. Der brave Bassermann war es. der 1902, bei der Beratung des Wucherzolltarises die bedeutsame Drohung aus- tzOßHtzHOHEHOHGHßH««» pit Mgereil und die Fetten. Von der 39 145 535 Köpfe zählenden Bevölkerung Preußens waren für 1910 8 199 181 Zensiten mit 16 768 154 Angehörigen oder 42,8 Proz. der Bevölkerung steuerfrei, weil ihr Einkommen weniger als 999 M. betrug. Außerdem wären wegen großer Kmderzahl und besonderer wirtschaftlicher Berhältnisse 606 216 Zensiten freigestellt, die ein Einkommen von über 900 M. hatten. Diese Zensiten gehören zum allergrößten Teile zu den Gruppen mit einem Einkommen bis zu 1599 M. Sie und ihre Angehörigen machen 8,6 Proz. der Bevölkerung auS. Weiter gehören zu den Steuerpflichtigen der Einkommensgruppen bis zu 1599 M. 3 937 110 Zensiten, auf die nach dem Durchschnitt 14 173 596— 36 Proz. der Bevölkerung entfallen. Diese Gruppen zusammen, die man zu den Erwerbstätigen mit weniger als 1500 M. rechnen kann, machen mit ihren Angehörigen 87,5 Proz. der Gesamtbevölkeruog aus. Sieben Achtel der Gesamtbevölkernug gehören also zum Proletariat! Demgegenüber gab es in Preußen nach der amtlichen Statistik vom Jahre 1910 80393 Zensiten, die pro Kopf ein Jahres einkommen von zirka 7595 M. besaßen. Ferner 89 546 Zensiten, die pro Kopf ein Jahreseinkommen von zirka 15 590 M. hatten. Weiter 18 535 Zensiten mit einem Jahreseinkommen von fast 59999 M. pro Kopf. Endlich 3393 Zensiten mit einem Jahreseinkommen von rund 244009 M. pro Kopf! Die 111974 Zensiten in Preußen mit den höchsten Einkommen erzielten 3 259 996 759 Mark Emkomme», während da? Gesamteinkommen der 2 752 497 Zensiten mit 900—1200 M. nur 2 558 Millionen Mark betrug. Die Zahl der mehrfache» Millionäre, also derer, die mehr als 100 000 M. Jahreseinkommen besaßen, betrug: 1892 1905 1910 1659 2859 3893 Die Zahl der Multimillionäre mit einem JahreS- einkommen von mehr als einer Million Mark wuchs in Preußen von 31 im Jahre 1892 auf 57 im Jahre 1905 und auf 143 im Jahre 1911! Jeder Wähler sollte auch diese Zahlen überdenken! I«»SSSSASSAISsSZSSAZVEHßEitzHeHHHHHHHOHG«. die Wahlhandlung für die Stadt Göritz vorlllittags 9 Uhr be- ginnen und uachmittagS 2 Uhr ihr Ende finde» soll! Die Anberaumung einer solchen Wahlzeit für eine Stadt mit 2200 Einwohnern ist denn doch geradezu eine Ungeheuerlich- kett. Sie würde namentlich den proletarischen Wähler- schichten eine direkte Wahlverhindernng bedeuten. Das Bor- gehen ist umso schlimmer, als auch der Gutsbezirk Göritz mit der Stadt Göritz zusammen einen Wahlbezirk bildet. Selbstverständlich ist an der zuständigen Stelle sofort B e- s ch w e r d e gegen die mehr als eigentümliche Verfügung des Göritzer Magistrats eingelegt worden. Wir zweifeln auch gar nicht daran, daß den Herren mit der nötigen Energie klar gemacht werden wird, daß es denn doch nicht angeht, den Arbeitern das Wahlrecht einfach durch eine Verfügung zu verkünimern, die im besten Falle auf eine sträfliche Bequemlichkeit zurückzuführen ist. Es ist aber überaus charak- teristisch, daß überhaupt derartige Versuche unternommen werden, die als nichts anderes als eine amtliche Wahlver- Hinderung charakterisiert werden können! Zu unserer gestrigen Notiz aus dem Wahlkreise SchwiebuS- Züllichau-Krosfen„Amtliche Wahlmache" sei noch nachgetragen. daß in den 69 Wahlbezirken(nicht 99, wie es irtümlich hieß) als Wahlvorsteher fungieren 34Ritterguts- und Guts- b e s i tz e r und 26 Gemeindevorsteher. Der Rest wird aus P a st o r e n und Lehrern gebildet. Wenn trotz alledem die Stimmenabgabe anders ausfällt, als man es erwartet. so tragen daran die amtlichen Organe wahr- hastig nicht die Schuld!_ Was ist Bethmanns Trompete wert? Endlich hat sich Bethmann Hollweglein aufgerafft und auf seiner Kanzlerposaune die Fanfare zum Sturm gegen die Sozialdemokratie geblasen. Mit der»Blüte des Reichs" begann sie und beendigt wurde sie mit der Aufforderung, anzutreten, zum„endgllltigen Niederwerfen der Sozialdemokratie". Wir halten die deutsche Regierung für so vernünftig, daß sie selbst nicht an die eigene Begeisterung glaubt— wie die Triarier Wilhelms II. über die Aeußerungen der regierungsoffiziöscn Gazette denken, sagte im August 1911 die„Post" rund und nett: „Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat oft das Recht und die Pflicht, dte Unwahrheit zu sagen. Jeder Politiker weiß, daß sie davon, besonders in der ernsten Zeit, einen recht ausgiebige» Gebrauch gemacht hat." Warum soll die„Norddeutsche Allgemeine" gerade jetzt„in ernster Zeit" plötzlich anders geworden sein, da immer noch der»alte lang bewährle" Kanzler Artikel schreibt? Die deutsche Regierung glaubt ebenso wenig an die Vernichtung der bösen Sozialdemokratie, wie die rechtsstehenden Parteien; in umgekehrtem Sinne deS Dichterwortes ist für beide die Begeisterung nur eine Heringsware, mit der sie sich den kommenden Kater etwas leichter machen wollen._ Das kommende Hunger-Frühjahr. Biederholt ist die Befürchtung laut geworden, daß die starken Viehverkäufe(die übrigen» die Preise nicht sonderlich gedrückt haben) infolge der Dürre zu einem starken Fleischmangel im Frühjahr führen könnten. Nun hat der preußische Landwirtschaftsminister au die LandwirlschastSkammern eine Verfügung erlaffen, in der eS heißt, daß trotz des für die jetzige Jahreszeit außergewöhnlichen Tief- standes der Preise für Schweine ein lehr bedeutender Auftrieb von Schlachtschtveinen festgestellt sei. Diese Erscheinung und die Beob- ochtung, daß dabei ein erheblicher Anteil an leichten und unreifen Schweinen zum Berkaus gelangt, deute darauf hin, daß die Schweine- Haltung in verschiedenen Gegenden in einer starken Abnahme be» griffen sei. Es müsse auch damit gerechnet werden, daß die cegel- mäßige Anzucht von Schweinen nachzulassen beginne. Hier- durch eröffnen sich für die k ü n f t i g e Versorgung der B e völkerung mit Fleisch sehr ungünstige Aussichten besonders da im kommenden Fahr infolge der durch die mangelhaf Fiilterernte entstandenen Schwierigkeiten in der Erhallung der Rindviehbe stände die Schweinehaltung noch mehr wie bis» her berufen sein werde, die Lücke» in der Fleischversorgung aus» zugleickien. Herr v. Schorlemer bereitet uns gerade noch zur rechten Zeit auf die Fleifckinot im Frühjahre vor. Selbstverständlich kann eine zu geringe Viehzucht im Jnlande nur durch eine ausreichende Vieh- und Fleischzufuhr auS dem Auslände. namentlich auS den großen überseeischen Beständen, wettgemacht werden. Trotzdem theoretisch und praktisch— selbst in der deutschen Marine I— die Unschädlichkeit des argentinischen und australischen Gefrier- und Büchsenfleisches erwiesen ist, billigte die Reichstags» mehrheit stets das Einfuhrverbot, das den Fleischwucher zu einer ge» heiligten Einrichtung im Reiche erhebt. Will das deutsche Volk seine Fleischversorgung sichergestellt sehen, dann muß es dafür sorgen, daß der ReichStagSmehrheit Volksintere sien über Agrarierprofitte gehen l Der katholische Volksverein und seine Spitzel. Unser Essener Parteiblatt, die„Arbeilerzettung". veröffentlicht einen interessanten Brief des Generalsekretärs des katholischen Volks- Vereins, des Herrn Dr. Pieper in M.-Gladbach. Der Brief lautet: M.-Gladbach, den 19. Dezember 1911H. Streng diskret! Sehr geehrter Herr Sekretär! Ihr Sekretariat erhält je 100 Exemplare der Heiden neuesten Flugblätter des BolksvereinS:„Familie, Sckule und Sozialdeino- fraiie" und.Die Wahrheit über die Reichsfinanzreform". Wenn diese Flugblätter im gegenwärtige» Kampfe mit der Sozial« demokralie noch Verwendung finde» sollen, wa« siibstverstündlich nach den dortigen Verhältmnen zu beurteilen ist, bedarf es einer beschleunigten Bestellung. Sie überschauen die diesbezüglichen dürfniffe JhreS Bezirke- und sind daher wohl in der Lage, säm licken in Frage kommenden Kreisen umgehend Proben der Flug« blätler zu übermitteln und, soweit nötig, sofortige Bestellungen zu veronlosien. Der Zentrale sind mit Rücksicht aus die äugen- bückliche außerordentliche Inanspruchnahme Sammelsendungen bei der Expedition willkommen. Mit vorzüglicher Hochachtung Zentralstelle de» BolksvereinS. (Handschriftlich.) Geehrter Herr Becker! Wir brauchen vom dortigen Platze noch zur Vervollständigung einer statistischen Abhandlung über die Stellung der dortigen Judenschaft zur Sozialdemokratie (Titel eines neuen Flugblattes, welche» wir 3 Jage vor der Wahl in Millionen Expl. an die Wähler verteilen lassen) einige Mitteilungen über die Beziehungen des dort. Judentums zu den Führern der Essener Sozialdemokratie. Lasse» Sie durch Ihren dort. Ver- trauenSmann(am besten wohl durch den mir s. Zt. vorgestellten jung. Herrn B..... der nach Ihren Mitteilg. schon einige Jahre dem dort, sozialdem. Verein angehört u. aus derart. Sachen gut versiert zu sein scheint) die Anzahl der Juden die als rote Wähler im Vereinsregister aufgeführt sind— umgehend feststellen nebst Stand u. GeschäflSumfang(ob Warenhaus, feste Beitrags» höhe.) ES gilt einen Schlag gegen die rote und goldene Jnter- nationale zu führen, wovon sie sich so bald nicht wieder erholen wird. Hochachtend Ihr ergv. Dr. P-eper. KS. Geben Sie B..... für dte Arbeit reichNch. ich denke 100 M. Der erste Teil stellt ein allgemeines mit der Schreibmaschine hergestelltes Zirkular an die Zeiurumssekretäre dar. der zweite eine besondere handschriftliche Mitteilung an den Sekretär Becker in Effer Deutlich geht aus dem Briefe des ehrenwerten Herrn Dr. Pieper hervor, daß der katholische Voltsverein in den sozialdemokratischen Vereinen Spitzel unterhält, die ihn über die Maßnahmen und Mitgliederlisten dieser Bercine unterrichten muffen. Nicht nur Demokratie sondern auch Sozialismus! Die klerikale„Märk. Volkbztg." gibt triumphierend eine sozialistische Kritik der australischen Arbeiterregierung wieder, in der gezeigt wird, wie auch eine Arbeiterregierung die Lage der Arbeiterklasse nicht dauernd zu heben vermag, so lange ie die bürgerliche Gesellschaftsordnung unangetastet läßt. Daraus möchte daZ Zentrumsblatt schließen. der sozial- demokratische Zukunftsstaat sei Schwindel. Das ist— wie bei der„Germania" selbstverständlich— das Gegenteil der Wahrheit. Die austtalische Arbeiterregierung ist vielmehr, wie gerade bürgerliche Sozialpolittker nicht müde werden hervorzuheben, keine sozialistische Regierung. Darin besteht ihre Schwäche, die die sozialistische Kritik heraus- fordert. Was aber innerhalb der bürgerlichen Gesell- schaft für das Proletariat getan werden kann, hat die australische Arbeiterpartei getan, ganz im Gegensatz zu den Zentrumschristen, die die Sozialpolitik stets im Munde fuhren und stets durch die Tat verraten. In Neuseeland besteht der gesetzliche Acht- stundentag, dessen fanatische Gegner die Klerikalen sind. Die australischen Arbeiter kennen nicht das unsinnige Wett- rüsten und vor einem Steuersystem, das alle Lasten auf die Schultern der Aermsten legt, sind sie geschützt. Eines aber beweist allerdings auch die Tätigkeit der australischen Arbeiterregierung: zur völligen Befreiung des Proletariats genügt nicht der bloße Besitz der politischen Ge- walt. Diese muß vielmehr als Mittel dienen, um durch die Von der Arbeiterflasse eroberte Staatsmacht die Klassen- gegensätze überhaupt aus der Welt zu schaffen und die Gesellschaft der Ausbeutung durch die sozialisttsche der Arbeit zu überwinden. Heimliche Kontrolle des Reichstagswählers macht straf- bar und fchadensersatzpflichtig. Bekanntlich haben einige Wahlvorsteher, Wahlvorstandsmitglieder und»Stützen der Gesellschaft' die geheime Wahl in einigen Land- orten dadurch zu beseitigen gesucht, daß sie Wahlurnen zur Ver- Wendung brachten, die ein Aufeinanderschichten der Kuverts er- »nöglichten und durch Führung einer Liste dann feststellten, wie ge« tvählt sei. Die Regierungen haben auf Veranlassung de? Reichstags gegen diese Gesetzesverletzung sich gewendet. Besonders klar schreibt die mecklenburgische Regierung nur: »In Ansehung der Wahlurnen wird noch besonders darauf hingewiesen, daß hierzu nur solche genügend großen Gesäße zu verwenden find, welche eS gestatten, die Umschläge mit den Stimm- zetteln durch den Spalt im Deckel deS Behältnisses so einzuwerfen, daß ein Aufeinanderschichten der Wahlumschläge unmöglich ist. Suppenterrinen. Zigarrenlisten und dergleichen dürfen hier nicht zur Verwendung kommen.' Wenn trotzdem Wahlvorsteher gesetzwidrige Wahlurnen anwenden. die ein Aufeinanderschichten der Wablumschläge und eine heimliche Kontrolle ermöglichen, so machen sich die hieran Beteiligten einer intellektuellen Urkundenfälschung schuldig und find außerdem für alle durch Verletzung der Geheimhaltung der Wahl entstehenden Schaden ersatzpflichtig. Der Wahlvorsteher hat im Wahlprolololl zu be- Urkunden, daß der Wähler»den Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag steckte'. Dieser Beurkundung widerspricht die geschilderte Manipulation. Nimmt man aber auch an, daß aus irgend einem Grunde eine Bestrafung nicht erfolgen könne, vielleicht. weil den Beteiligten der Dolus, also die Einsicht in die Tragweite ihrer Handlungen fehlte, so würde doch jeder der an diesen Fälschungen Beteiligten für den durch Preisgabe, dem der einzelne zugestimmt habe, entstehenden Schaden voll zu haften haben. Denn seine Handlung verstößt gegen das Gesetz und gegen die guten Sitten. Die Wahlkomitees werden gut tun, in jedem Fall vollen Schaden- ersatz gegen alle Beteiligten durch Klage zu erwirken. Freireligiöser Unterricht verboten. Die in Düsseldorf im verflossenen Sommer gegründete freireligiöse Gemeinde hatte an den RegierungSpräfi- deuten das Ersuchen gerichtet, dem von ihr angestellten Professor E ch i e l e r zu erlauben, den Kindern der Mitglieder freireligiösen llnterricht als Ersatz für den Religionsunterricht in den Schulen zu erteilen. Dem Gesuch war das von Professor Schieler aufgestellte "Wrtrrrichtöprogramm beigefügt. Nunmehr ist nach, längerer Frist das Gesuch vom Regierungspräsidenten ohne Angabe von Gründen abschlägig beschieden worden. Wie zu diesem Bescheide von Professor Schieler mitgeteilt wird, habe er zehn Jahre solchen Unterricht in Danzig und Gumbinnen erteilt. Von den dortigen RrgnrungSbehörden sei der Lehrplan nicht beanstandet worden.— In alles redet der Polizeistaat hinein. Er schreibt den Eltern vor, welche Religion ihren Kindern beigebracht wird. Ans dem Altar des Militarismus geopfert l Das furchtbare Unglück bei Pirna während des letzten Herbst- manöver« im September v. I.. bei dem tv brav- junge Soldaten vom Ulanen-Regiment Nr. 17 in Oschatz den Tod in den Fluten der Elbe fanden, ist noch in frischer Erinnerung. Das entsetzliche Unglück ereignete fich in dem Augenblick, als die Soldaten auf Befehl mit ihren Pferden die an dieser Stelle ziemlich tiefgehende Elbe durchschwimmen wollten. Mitten im Strom trat die Katastrophe ein und zehn blühende junge Leute fanden in den Fluten ihr Grab. Das Durchschwimmen der Elbe wurde trotz Verwarnungen eines dort wohnenden WirtschaftSbesitzerS vor- genommen. Nach dem Unglück wurde die Schuldfrage lebhaft ventiliert und auch eine gerichtliche Untersuchung gegen die beiden beteiligten Offiziere eingeleitet. DaS Verfahren ist aber wieder eingestellt worden, weil angeblich nie- mand die Schuld trifft und e» im Manöver Momente gibt, wo die Berantwortlichkett der Borgesetzten aufhört._ Der pernfcbe Verzwetflutigshatnpf. Tie russischen Kriegshetzer haben endlich ihr Ziel er- reicht. Die persische Regierung ist besiegt und gedemutigt, das Parlament aufgelcst. und ganz Nordpersten steht rn der Gewalt der russischen Truppen, die sich unaufhaltsam von der kaukasischen Grenze über das unglückliche Land ergießen. ' Während der persische Regent und die Minister zu stummen Werkzeugen Rußlands und Englands degradiert worden sind. ist die festeste Burg der Verfassungskämpfer. Ta bris, von den Russen im Sturm genommen worden. Nachdem tagelang der Kampf in den Straßen getobt, sind die Verteidiger vor der russischen Uebermacht in die Berge geflohen, und über den Zinnen der stolzen Stadt, die bisher sowohl den Horden des Schahs Mahommed Ali, wie die russischen Truppen ge- trotzt, weht jetzt das blutbesudelte russische Banner. Tre ge- setzlichen Behörden sind abgesetzt und die Gewalt über die Stadt ist in die Hände der russischen Konsulatsbeamten und der Leiter der militärischen Strafexpeditionen gegeben, die mit unumschränkten Vollmachten ausgerüstet sind. Was sich in den letzten Wochen in Persien abgespielt stellt zum Teil eine Kopie des italienischen Raubzuges Tripolis dar, zum Teil übertrifft es diesen an Infamie Brutalität. Es ist als ob Rußland, im Verein mit Eng- ». und von Deutschland sekundiert, mit Italien wetteifern würde, den europäischen Völkern die Heuchelei der Friedens- kongresse. den Trug der internationalen Verträge vor Augen zu führen, und den„Asiaten" eine richtige Vorstellung von der„christlichen" Kultur der kapitalistischen Staaten einzu- bläuen. Italien überfiel in tiefstem Frieden Tripolis. okkupierte kurzerhand diese türkische Provinz und machte mit allen Einwohnern, die sich gegen die fremdländische Invasion wehrten, als mit„Aufständischen", kurzen Prozeß. Genau nach demselben Rezept handelt die russische Regierung in Nordpersien. Nachdem die Okkupation mit Lug und Trug und mit heuchlerischen Phrasen über die Selbständigkeit Persiens vorbereitet wurde, erklärt die Zärenregierung nun alle, die sich ihrem Gewaltstreich nicht unterwerfen, als Räuber und Aufständische, proklamiert in dem eroberten Täbris das Standrecht, rüstet Strafexpeditionen aus und schickt sich an, die„Schuldigen" vor einem aus russischen Offizieren und Beamten zusammengesetzten Tribunal ab- urteilen zu lassen. Würde Rußland mit Persien Krieg führen, so müßte es nach den Vorschriften der zweiten Haager Kon- ferenz, die sowohl von den Vertretern Rußlands wie Persiens unterzeichnet worden sind, gewisse Rücksichten auf die Perser nehmen. So müßte sie sie bei bewaffnetem Widerstand(nach Artikel 2) als.„kriegführende Seite" betrachten und dürfte ihnen(Artikel 50) keinerlei Kollektivstrafen auferlegen. Rußland führt aber angeblich gegen Persien— keinen Krieg. Es stellt bloß die„Ordnung" in seiner„Einflußsphäre" her, nachdem es der„Anarchie" in der Verwaltung— durch die Vertreibung Morgan Shusters!— ein Ende gesetzt hat. Es pfeift deshalb auf alle Vorschriften der Haager Konferenz, die dem Krieg ein wenig von seiner abschreckenden Scheuß- lichkeit nehmen sollen. Es verwirft, der Lehre Skobeleffs ein- gedenk, daß man den Asiaten, wenn man die Herrschast über sie erringen wolle, unbarmherzige Nackenschläge erteilen müsse, jede Möglichkeit, Persien selbst im Kriege wie einen Staat zu behandeln. Und es etabliert endlich, um seine in London und in Potsdam anerkannte Vormachtstellung in Nordpersien allen deutlich vor Augen zu führen, in den okkupierten Provinzen dieselben Zustände, die nach der Niederwerfung der Revolution in den Ostseeprovinzen, in Moskau, im Kaukasus und in Sibirien geherrscht haben. Die Mitteilungen, die von dem Endschumen in Täbris und dem Kommandanten der persischen Truppen in Konstantinopel angelangt sind, bestätigen die unerhörte Grausam- keit und Barbarei der russischen Truppen. Sie geben zugleich auch ein ganz anderes Bild von den Ursachen der Kämpfe in Täbris. die offensichtlich, nach dem Muster des glorreichen Kosakenobersten Ljachow, pro- doziert worden sind, um den Russen einen Vorwand zur Okkupation Nordpersiens zu liefern. Die Greueltaten der Russen. Wien, 3. Januar. Der Landrat von Täbris hat der Wiener»Neuen Freien Presse" zufolge an das persische Konsulat in der türkischen Hauptstadt eine Depesche gerichtet, worin es heißt:„Vor zwei Tagen sind die Russen hier mit Gewalt eingedrungen. Sie erstürmten eine Schule und traten und schlugen dieKinder erbarmungslos nieder. Einwohner, die harmlos ihres Weges gingen, wurden nieder- geschlagen oder niedergeschossen. Tags darauf traf aus Teheran die Nachricht von der Einstellung-der Feindseligkeiten ein, was die Russen jedoch nicht hinderte, das Bombardement fort- zusetzen. Im russischen Konsulatsviertel und in Baje Schomal drangen die Russen in die Häuser der Notabein ein und raubten, was ihnen in die Hände fiel. Mehrere Notabeln wurden ge. fangen genommen. Auf den Straßen schlugen und schössen sie harmlose Einwohner. Frauen und Kinder nieder. Ich bitte, diese Greueltaten der zivilisierten Welt zur Kenntnis zu bringen." Oirkei. Die innere Krise. Genosse P ä r VMi sckire.ibt uns aus Konstantinopel: Die Komiteeleute wollen die Auslösung des Parlaments, aber sie fürchten sie zugleich und sie fürchten zugleich den Fortbestand des gegenwärtigen Parlaments. Denn, abgesehen davon, daß sie ihre Majorität eingebüßt haben, möchten sie nicht, daß der Friede mit Italien noch vor den Neuwahlen geschlossen werde. Denn. wenn sie mit einem schlechten Friedensvertrag vor die Wähler treten, werden sie de» ganzen Zorn der Bevölkerung über sich er- gehe» lassen müssen. Sie möchten also Parlamentsauslösung und sosortige Wahlen. Die Opposition sieht mit Zuversicht den Parla- mentSwahlen entgegen, aber sie möchte noch vorher die Regierungs- gewalt den Händen des.Komitees' entwinden, um den Regierungs- apparat bis zu den Wahlen mindestens zu kontrolliere»: sie sürchiet auch, daß man ihr keine Zeit zur Wahlagitation lassen würde. Da- her daS Interesse der Opposition a» einem neutralen Ministerium und ihr Interesse an der Aufhebung der Kriegsgerichte bezw. des Belagerungszustandes. Daß es sich für die»liberale Verständigung' dabei ni»t um liberale Grundsätze, sondern ausschließlich um ihr eigenes Wahlinteresse handelt, ergibt sich aus der Tatsache, daß sie folgenden Bedingungen zugestimmt hat, die das»Komitee' als Kompensation für die Aushebung deS Belagerungszustandes ge- stellt hat: l. Verschärfung deS Streikverbots für Arbeiter und Angestellte öffentlicher Institute, 2. Verbot der Versammlungen unter freiem Himmel. Die reaktionäre Politik des Komitees gegenüber den Arbeitern geschah und geschieht unter dem unmittelbaren scharfen Druck seitens der Großmächte. Diese sind eS auch, die zur Verstärkung der Regierungsgewalt gegenüber dem Parlament drängen. Denn sie wissen, daß, wenn erst das Parlament geschlossen wird, sie mit den Männern der türkische» Regierung, wer sie auch sein mögen, un- ichwcr ihre Kaufgeschäfte werden abschließen können. Darum ivird denn auch neben dem unbeschränkten Rech! deS Sultans, das Parlament aufzulösen, daS Recht verlangt, das Parlament zu KriegSzeiten zu suspendieren. , Im Wirbelsturm der parlamentarischen Kämpf« gingen die neneslen Gebietsabtretungen an England und Frankreich unbemerkt vorbei. Das Parlament nahm sie stillschweigend hin. die Presse hütete sich, auch nur ein Wort der Kritik zu äußern. Man fand sich also mit den Tatsachen ab. Das sind nicht die einzigen Verluste, die der Krieg dem Osmanische» Reiche gebracht hat. Denn wie eS sich jetzt, nach der Btröffentlichung des Verlrage« mit dem Jmam Jahja heraus- stelll, hat die Türkei in aller Form an diesen einen großen Teil des Jemen sArabien) abgetreten._ Das neue Ministerium. Konstantinopel, 2. Januar. Das neue Ministerium hat sich gebildet. Großwesir wird Said Pascha, Scheich ül Islam Nessib Esfendi, Ministerium des Inneren Talaat, Ackerbauminister Senator Avistidi, llnterrichtSmwvsier Emrullah, Arbeitsminister Sinapiam. während die übrigen Minister auf ihren Posten bleiben. Das Kabinett setzt sich vollständig aus Mitgliedern der fortschrittlichen Union zusammen. ver Krieg. Vom tripolitanischen Kriegsschauplätze. Rom, 3. Januar. Die Agcnzia Stefani meldet aus Tripolis von gestern abend 1l Uhr: Die Kavallerie nahm bis zehn Kilometer südwestlich von Ainzara Erkundungsritte vor, ohne indessen Spuren des Feindes zu finden. Das Torpedoboot„Cigno", das eine Fahrt an der Westküste machte, gab 60 Granaten auf ein bei Fort Forwa befindliches feindliches Lager ab und trieb zahlreiche Beivaffnete, darunter einige Reiter, in die Flucht. Rom, 3. Januar. Aus Tripolis wird berichtet, daß die italienischen Flugapparate ihre Aufstiege wieder auf- genommen haben und bedeutende Truppesicksisammlungett in der Umgegend feststellten. Neue Truppensendungen nach Tripolis. Rom, 3. Januar. Von hier aus sind die Jnfanterieregraenter Nr. 20, 30 und 60 abgegangen. Ferner werden zwei � weitere Bataillone Alpenjäger mobil gemacht werden. Die Einschiffung erfolgt in Neapel. Eisenbahnen für Tripolis. Rom, 3. Januar. Die italienische Regierung hat bedeutende Materialbestellungen für Eisenbahnen gemacht, die in Tripolis ge- baut werden. Es handelt sich um ein Bahnnetz von 000 bis t>00 Kilometer. Hiervon sollen 60 Kilometer bereits Ende Februar in Betrieb genommen werden. Die Spurweite der Gleise wird Lö Zentimeter betragen. Vom bulgarischen Bandenkrieg. Saloniki, 3. Januar.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.« Korresp.-Bureaus.) Bei Halep in der Nähe von Köprülü ist es zu einem Kampfe mit einer Bulgarenbande gekommen, der der letzte Eisenbahnanschlag bei Köprülü zugeschrieben wird. Stach zwei- stündigem Feuern flüchtete die Bande unter Zurücklassung von fünf Toten. Auf türkischer Seite ist ein Soldat gefallen� zwei sind verwundet. Deutscher Protest gegen die Schließung italienischer Bankett in der Türkei. Konstantinopel, 3. Januar. Der deutsche Botschafter legte bei der Pforte schriftlich Verwahrung ein gegen die Sperrung der italienischen finanziellen Eta» blissements in der Türkei. Baron Marschall weist darauf hin, daß, nachdem den italienischen Residenten in der Türkei infolge des Kriegszustandes die Kapitulationsrechte vor- enthalten wurden, diese nach Maßgabe des türkischen Gesetzes be- handelt werden müssen, die aber eine solche Sperrung nicht zu- ließen. Außerdem bedeute die obige Verfügung eine schwere Schädigung aller derjenigen, die Gelder deponiert haben und ver- hindert waren, hierüber zu disponieren. Freilassung der kretischen Abgeordneten. Athen, 3. Januar. Das-hiesige Parlament schloß heute früh seine Sitzungen. In Kreta erfolgte heute die Freilassung der von den Schutzmächten gefangengehaltenen 24 Abgeordneten. Das revolutionäre Parlament vertagte sich auf einen Monat. vle lüevollltion in Lhlns. Jnanschikai nimmt den Kampf gegen die Revolution auf. Paris, 3. Januar.„New Uo r k Herald" meldet aus Peking: Der Kampf zwischen dem Norden und dem Süden Chinas ist unvermeidlich geworden. Nach. einer Audienz, welche Juanschikai gestern im Palais hatte, telegraphierte er an den bisherigen kaiserlichen Delegierten in Schanghai, Chang Tao Ai, daß die Kaiserin Witwe und der Regent seine Demission angenommen haben. Er erklärte, alle Verträge, die zwischen ihm und Wu Ting Fang abgeschlossen wurden, für null und nichtig und bezeichnete Chang Tao Di als Verräter. Die Kaiserin hat 80 000 Unzen Gold zu einem Kriegsfonds an Juanschikai zur Verfügung gestellt, außerdem verpflichtete sie sich, bei den Mandschuprinzen durchzusetzen, daß auch diese bedeutende Summen zur Fortsetzung des Krieges spenden. Juanschikai teilte den aus- ländischen Gesandtschaften mit, daß er entschlossen sei, zu- gunsten der konstitutionellen Monarchie zu kämpfen. Er erklärte, daß er im Vollbesitz aller Mittel im Norden des Jangtsektang sei und er hoffe, daß die revolutionäre Bewegung, die in den südlichen Provinzen ausgebrochen sei, von selbst in sich zusammenfalle. Etos der Partei. Ein Neujahrsscherz der VreSlauer Genosse«. Der Polizeipräsident von B r c s l a u hat im, Verlauf seiner Amtszeit bie freiorganisierte Arbeit-erschaft mit Verfolgungen aller Art recht reichlich bedacht. DaS Verhalten der Polizei bei Straßen- demonstrationen, das konsequente Konfiszieren der roten Kranz- schleifen, das Redeverbot an den österreichischen ReichsratSabgc- ordneten I o ck l und noch andere Bevormundungen in großer Zahl legen Zeugnis davon ab, wie die Brcslauer Arbeiterschaft durch die Polizei verfolgt wird. Um sich dafür mm einmal in anderer Form schadlos zu halten, leisteten sich die Breslauer Genossen einen recht gelungenen Neujahrsscherz. Für den Abend des Neujahrstages hatten sie eine Wählerber- sammlung nach dem Gewerkschaftshause einberufen, die von 1000 Personen besucht war. Der frühere Abgeordnete Genosse B ö h l e» Straßburg war als Redner vorgesehen. Da dieser zu Beginn der'' Versammlung noch nicht eingetroffen war, machte zunächst der Vor- sitzende, Genosse Lobe einige einleitende Bemerkungen, um dann dem inzwischen„aus dem S ü d e n" erschienenen Redner das Wort zu erteilen, der in reichlich einer Stunde mit ausgesprochen österreichischem Dialekt und mehrfachem Hinweis auf ö st e r r e i ch i s ch e Verhältnisse die Breslauer Arbeiter auf die Bedeutung der bevorstehenden ReichstagSwahlen hinwies. Nqch- dem der Redner geendet und die Versammlung wegen der in „bedenkliche Nähe gerückten Abfahrtszeit" schon wieder verlassen hatte, machte der Vorsitzende davon Mitteilung, daß der Redner nicht der Genosse Böhle-Straßburg, sondern derösterreichische Reichöratsabgcordnete Jockl gewesen sei. Derselbe Jockl, dem der Polizeipräsident von Breslau vor Jahresfrist das Reden in Breslau verboten hat. Minutenlanger, stürmischer Bei» fall folgte diesen Mortem und die Freude über den gelungenen Neujahrsschcrz leuchtete allen noch lange nachher aus den Augen-. Der überwachende Polizeikommissar machte allerdings ein recht verdutztes Gesicht, fand aber keine Gelegenheit mehr, um in Aktion zu treten._ Die norwegische Svzialdruwtrutie hat im Laufe des verflossenen Jahres eine lebhaftere Agitation. als je zuvor entfaltet und damit auch außerordentlich gute Erfolge erzielt. Die Organisation ist überall stark gewachsen und damit auch die Abonnentengahl der Parteipresse.„Socialdemokraten" in Kristiania hatte beim vorigen Jahreswechsel rund 14 000 Abon- nenien, jetzt sind es über 20 000— eine große Zahl be» rund 2S0 000 Einwohnern der norwegischen Hauptstadt. Im Herbst d-eses Jahres wird das norwegische Storthing neu gewählt, und es ist zu er- warten, daß schon infolge des außerordentlich starken Wachstums der Partei und ihrer Presse die Sozialdemokratie weit zahlreicher als bisher in das Parlament einziehen wird. Kurz vor Jahresschluß fand in Kristiania die Wahl eines Vergleichskommissars und seines Stellvertreters statt. Hierbei siegten die beiden sozialdemokratischen Kandidaten mit 5629 und 3501 Stimmen gegenüber den Kandidaten der vereinigten bürger- lichen Parteien, von denen der eine, der Hauptkandidat, 4837 Stim- men, der Stellvertrctcrkandidat 2073 Stimmen erhielt. ES ist das erste Mal, daß die Sozialdemokratie in einer Wahl siegt, bei der von der ganzen Stadt nur ein Vertreter und ein Stellvertreter zu wählen ist. Die Aufgabe der Vergleichskommissare ist, in privaten Streitsachen zu vermitteln, bevor die Klagen- zu gerichtlicher Eni. schcidung kom-inei.. Die Beteiligung an diesen Wahlen ist seit jeher sehr schwach, weil die große Masse der Wähler offenbar die Bedeutung des zu besetzenden Amtes unterschätzt, 6ewerkrchaftUcbe9. �seue Maßregelungen bei der„Großen Berliner". Der Direktion der Großen Berliner Straßenbahn scheint die Zahl derjenigen Angestellten, an denen sie bisher ihr Mütchen kühlte, noch nicht zu genügen. Nach den Borschriften, wie sie von den Führern den Mitgliedern des gelben.Vereins der Straßenbahn� angestellten� gegeben werden, wird die Hetze gegen die Vertrauens� Fleute des Verbandes der Straßenbahner ganz systematisch betrieben. sobald die Herren Gelben einen Vertrauensmann des verhaßten Verbandes herausgespitzelt haben, wird er der Direktion gemeldet UN») zur Entlassung empfohlen. Dem Verband der Straßenbahner gehen täglich eine Anzahl Schreiben zu. in denen diese Dinge bestätigt werden. So teilt ein Straßenbahner mit. daß gegen ihn das reine Untersuchungsverfahren eingeleitet worden ist; Kollegen von ihm wurden zum Bahnhofs Vorsteher gerufen, denen man das Geständnis herauszupressen suchte, daß der Betreffende sie zu Mitgliedern für den Verband habe werben wollen. EinS der übrigen eingegangenen Schreiben hat folgenden Wortlaut: Herrn O. Ortmann Berlin, Engelufer IS. Ich teil» Ihnen»rgebenst mit, daß ich von heute ab mein Amt als Vertrauensmann niederlege und zwar aus dem Grunde, weil mir sonst meine Kündigung zum IS. Januar bevorsteht. Um diesem auS dem Wege zu gehen, weil ich meine Familie in B* tracht ziehe, entschließe ich mich, das Amt niederzulegen und gleich> zeitig au» dem Verbände auszuscheiden. Von bestimmter Hand ist mir heute mitgeteilt worden, daß ich andernfalls gekündigt werden soll, ich kann mich also augenblicklich nicht anders retten. Unterschrift. Derartig» Vorstöße gegen daS Koalitionsrecht ihrer Angestellten können sich die Direktton der Großen Berliner und ihre gelben Tldützlinge ungestraft leisten, und dann heulmeiert die Scharfmacher« presse über den.TerrorismuS', den man den freien Gewerkschaften andichtet. Auf Bahnhof 8 fOfener Straße) wird ein Fahrer zum 1. d. MtS. entlassen. Auf Anraten de» Bahnhofsvorsteher» geht derselbe nach dem DtrektionSgebäude, um in seiner Angelegenheit ein« Nach« Prüfung zu erbitten. Als er nun sein Begehr vorbringt, wird ihm sofort von einem Herrn Krause die Frage gestellt:.Gehören Sie auch dem Verband an V Erst nachdem er diese Frage verneint hat, wird in die Nachprüfung eingetreten. Die geschäftsführenden Obmänner de» gelben Verein», die auf einzelnen Bahnhöfen als Bureaugehilfen tätig sind, dürfen dagegen ungestört während de» Dienstes für den Verein agitteren. Die Agitation wird in folgender Weise betrieben: Die neueingestellten Bedienstelen werden dienstlich mS Bureau bestellt. Hier wird dann der Versuch unternommen, dieselben in den Verein hinein zu pressen. ES ist sogar vorgekommen, daß den Leuten die Beiträge gegen ihren Willen vom Lohn abgezogen wurden, ohne daß der Beitritt erklärt oder erfolgt war. Wird aber ein im Verband der Straßenbahner Organisierter gefaßt, der den Versuch unternimmt, selbst außerhalb de» Dienste» jemand für die Organisation zu gewinnen, so wird er sofort vom Dienst enthoben und entlassen. Wie die Bureaubeamten, so handeln auch die Mehrzahl der Lehr- fahrer und-Schaffner. Jeder neue Anfänger wird während der Lehrzeit von diesen gequält, in den Verein einzutreten. Der Beweis, welche Partei Terrorismus übt, wurde bei der Delegiertenwahl zur Betriebskrankenkaffe am 13. Dezember recht deutlich erbracht. Auf verschiedenen Bahnhöfen wurden einer Reihe von Wählern dt« Sttmmzettel der Gegenpartei abgenommen und die mit den Zetteln der Gelben auSgerüstetev dann bi» an die Wahl« urne begleitet, damit sie bestimmt ihre Stimmen für den Verein abgaben. Man scheut sich auch nicht, die moderne Organisation mit noch anderen Mitteln zu bekämpfen. Man verdächtigt in letzter Zeit die Geschäftsführung de? Verbandes der Straßenbahner. Ge- heimbücher zu führen. Den Verbreitern dieser Legende ist e» dabei bekannt, daß die Organisatton in jedem Bierteljahr in breitester Oeffentlichkeit Bericht erstattet. Daß die Verbandsmitglieder noch den Mut befitzen, wie Männer aufzutreten und ihre Recht» zu wahren, da» verwandelt bei den Gelben die Milch der frommen DenkungSart in blutige» Drachengift. Wollte ein.Gelber' einmal al» Mann und nicht als Knecht auftteten. er würde sofort in Ungnade fallen und die Hungerpeitsche ebenso zu kosten kriegen, wie die gemaßregelten Verbandsmitglieder. Die Erregung der organisierten Straßenbahner wächst natürlich ins Ungeheuere. Läßt die Direktion die Maßregelungen und die Be« spitzelung der VerbandSmitzlieder nicht, dann könnte die» zu einer Explosion führen, die ihrem im Publikum an und für sich schon ziemlich ttef stehenden Renommee noch mehr schaden wird. Serikn und Umgegend. Zur Tarifrevifion des Verliner Vuchdruckerei- Hilfspersonals erhalten wir vom Verbandsvorstand deS HilfSardeiterver« Hemdes folgende Mitteilung: Bei Beginn der am 18. Dezember in Berlin ftattgefundenen Verhandlungen ist festgestellt worden, 1. daß die anwesenden Prinzipals» und ftlfSarbeitervertreter zum Abschluß eine» arife» legitimiert sind. L. Einstimmig wurde in getrennter Beratung beschlossen, in bezug auf die Hastpflicht folgende Erklärung abzugeben: .Die Organisation übernimmt prinzipiell für die hier der- tretenen Städte, welche den Hilfsarbeitertarif abschließen wer- den. die Haftung für ihre Mitglieder im Falle von Kontrakt« bruch. Die Haftung soll unter Mitwirkung de» Hauptvorstande» der HilfSarb«»t«rorganisatton und der Vorstände der BezirkSveveine genau in der gleichen Weise geregelt werden wie feiten? der Buchdruckerorganisation gegenüber dem Deutschen Buchdrucker. verein.' 8. Nach längeren Verhandlungen über die Festsetzung einer kür die örtlichen Lohnvereindarungen maßgebenden Skala wurde die Stastelung in folgender Weise angenommen: Sämtliche Hilfsarbeiter mit einem Lohnbezug bi» 12 M. erhalten eine Erhöhung von 12� Proz., über 12 bis 18 M. erhalten eine Erhöhung von 10 Proz., über 13 bis 27 M. erhalten eine Erhöhung von 7l4 Proz. über 27 M. erhalten eine Erhöhung von ö Proz. Der Vorschlag wird mit IS gegen S Stimmen angenommen. E» wird feftgeüellt, daß nach diesen Prinzi« pien nunmehr dt« örtlichen Vereinbarungen erfolge» solle», wo«ine Vereinbarung nicht zu- and, kommt, wird da» Tarifamt beauftragt, die «stsetzung zu übernehmen. Am Donnerstag, den LI. Dezember, hat zwischen Vertretern der Berliner Prinzipale und unserer Ortsverwaltung, eine unverbindlich« Aussprache stattgefunden, in der die Vertreter der Ber- liner Hilfsarbeiter mehrere Forderungen, die über obige Grund- Positionen hinausgehen, ausstellten. Nachdem die Prinzipalsvertreter bis zum Mittwoch, den 27. Dezember, mitteilten, daß sie die speziellen Wünsche nicht er- füllen tonnten, sondern sich an die am 18. Dezember mit Majorität beschlossenen Sätze halten und Abrundungen vornehmen werden, hat «tue Vorstand» sitzung in Berlin am 28. Dezember beschlossen, mit Zustimmung der Lohnkommission am Freitag, den LS. De- zember, nicht zu den örtlichen Verhandlungen zu gehen. Die Prinzipale haben nunmehr die Lohnfesssetzungen allein vorgenommen und diese dem Tarifamt der Deutschen Buchdrucker zur endgültigen Beschlußfassung vorgelegt. Das Tarifamt hat zum 3. dieses Monats eine Sitzung anberaumt und dazu beide Par- teien geladen. Die Vertreter der Berliner Hilfs- arbeiter lehnten ihr Erscheinen auch hierzu ab, worauf die beiden Verbandsvorsitzenden die Ver- tretung der Berliner Kollegenschaft über- nahmen und nach mehrstündigen Beratungen mit den Berliner Prinzipalsvertretern folgende Lohnsätze vereinbarten, die vom Torisamt einstimmig als vom 1. Januar d. IS. ab als zu Recht bestehend beschlossen wurden: Männliches Hilfspersonal. (Die eingeklammerten Zahlen sind die bisher gezahlten Löhne.) Anleger am Tage bis 13 Jahre(23 M.) 21,50 M., Anleger von 19—20 Jahre(22 M.) 23,75 M.. über 20 Jahre(26 M.) 28 M.. Anleger nachts 36 M. Linksanleger erhalten 1 Mark pro Woche mehr. Lehrlinge über 16 Jahre(16,50 M.) 18,25 M., nach je einem Vierteljahr 0,75 M. pro Woche mehr. Nach Ablauf deS 4. Viertel- jahres tritt der Lernend« in die Lohnstufe seiner Altersklasse. Punktierer nach Vereinbarung. Anleger am Tiegel(23 M.) 24,75 M., Bogenfänger bei Tage von 16—17 Jahren(15 M.) 16,50 M.. über 17 Jahre(16 M.) 17.75 Mark. Bogenfänger nachts unter 18 Jahre(21 M.) 22,75 M., über 18 Jahre(24 M.) 26 M. Saalarbeiter bei Tage bi» IS Jahre(20 M.) 21,50 M.. bis 20 Jahre(22 M.) 23,75 M., über 20 Jahre(26 M.) 28 M. Saal- arbeiter nachts 34 M.) Abzieher bei Tage(26 M.) 28 M.. nacht»(30 M.) 82 M. Gießer bei Tage(27 M.) 29 M., deS Nachts(31,50 M.) 34 M. Falzer bei Tag-(24 M.)' 26 M.. nachts(27,50 M) 30 M. Schnurer erhalten 2 M. pro Woche mehr. RotattonSarbeiter bei Tage(26 M.) 28 M.. nachts(29 M.) 32 M. Weibliches Hilfspersonal. Punktiererinnen(19,50 Di.) 21 M., Anlegerinnen(18,50 M.) 20 M. Linksanlegerinnen erhalten 1 M. pro Woche mehr. Tiegelanlegerinnen(17,50 M.) 19,25 M., Bogenfängerinnen (11,50 M.) 13 M. Den Mitgliedern der Prinzipalsvereinigung wird durch ihre Vertreter empfohlen, folgende freiwilligen Zulagen zu gewahren: Hilfsarbeiter, die über 20 M. Lohn haben und 1 M. über den bisherigen Normallohn hatten, erhalten eine Zulage von 1,50 M. Hilfsarbeiter mit über 20 M., die 2 und 3 M. über den bisherigen ormallohn haben, erhalten 1 M. Zulage. Hilfsarbeiter, die unter 20 M. Lohn haben und darüber hinaus entlohnt werden, erhalten ebenfalls eine Zulage von 1 M., desgleichen alle Hilfsarbeiterinnen, die über den bisherigen Normallohn erhalten. Damit ist durch daS Eingreifen der höchsten Verbands- und Tarifinstanzen die Berliner Tarifbewegung endgültig zum Abschluß gelangt. Es kann mit Befriedigung konstatiert werden, daß auch in den strittigsten Punkten(Nacht-RotationSarbeiter und Falzer) eine die Hilfsarbeiter voll befriedigende Einigung erzielt wurde, trotzdem durch das passive Verhalten der Berliner Leitung der Abschluß sehr gefährdet war. In den Berliner Betrieben wird im Laufe deS heussgen TageS im Zirkularwege der Abschluß bekannt gemacht. Deutsches Reich. Zum Kampf im Jsoliergewerbe. Wenn uianche Jsolierfirmen hossten, daß die Differenzen bei der Firma Reinhold u. Co. noch vor Neujahr beigelegt und am 2. Januar allgemein die Arbeit wieder aufgenommen werden könnte, so hat sich dies« Hoffnung nicht erfüllt. Im Gegenteil hat sich der Kampf in den letzten Tagen durch dos Verhalten einer Reihe von Firmen wesentlich verschärft. Am 22. Dezember fanden in Berlin zwischen den Vertretern des BauarbeiterverbandeS und des Verbandes der Jsolierfirmen neue Verhandlungen statt, wobei sich beide Parteien um die vorläufige Beilegung der Differenzen bemühten. DieS wäre sicherlich auch gelungen, wenn der Firmen- verband eine festgefügte Organisation mit disziplinierten Mitglie- dern wäre. Aber das ist er nicht, sondern in diesem Verband han- delt jede Firma auf eigene Faust und pfeift auf die Interessen der Gesamtheit. Bei den Verhandlungen wurde ein Provisorium ver- einbart, dem etwa folgende Bedingungen zugrunde lagen: Samt« liche Filialen der Firma Reinhold u. Co. erkennen die für die be- treffenden Orte abgeschlossenen Verträge an. In Leipzig, Frank- surt a. M. und Breslau sollen zur vorläufigen Beilegung der Diffe- renzen Verhandlungen stattfinden. Wird bei diesen VerHand- lungen überall eine Einigung erzielt, d. h. werden die Forderungen der Isolierer zu deren vorläufiger Zufriedenheit erledigt, so soll am 2. Januar die Arbeit überall wieder aufgenommen werden. In diesem Falle soll bis zum 1. April 1912 eine Art Wassenstillstand eintreten und über den endgültigen Abschluß von Verträgen ver- handelt werden. Kommt an einem der drei Orte keine Einigung zustande, so gilt das Provisorium als abgelehnt. Bei den Verhandlungen an den einzelnen Orten wurde nun nur in Frankfurt a. M. eine volle Einigung erzielt. Die Firmen bewilligten für die Zeit des Provisoriums eine Lohn- erhöhung von 2% Pf. und erkannten auch einige andere Forderun- gen der Isolierer an. Auch in L c i p z i g einigte man sich bis auf einen Punkt. Der Vertreter der Firma Reinhold wollte den Leip- ziger Tarif anerkennen, jedoch mit der Bedingung, daß er die jetzt bei ihm beschäftigten Streikbrecher, falls er sie infolge Arbeits- mangels entlassen müsse, ohne Benutzung des Arbeitsnachweises der Isolierer wieder einstellen könne. Als sich die� Vertreter des BauarbeiterverbandeS damit nicht einverstanden erklärten, weil das Verlangen des Firmenvertreters einen erneuten Vertragsbruch darstellte, erklärte sich der Filialvertreter bereit, die Entscheidung über diesen-Punst dem Hauptgeschäft in Hannover zu überlassen. Gescheitert ist daS Zustandekommen des Provisoriums und damit die Beilegung des Kampfes in erster Linie an der Bockbeinigkeit der BreSlauer Firmen, die seit langem bestreikt werden und denen es im Laufe der Zeit gelungen ist, einige Rausreißer zu finden, mit deren Hilfe sie ihre notwendigsten Arbeiten glauben fertig- tellen zu können. Diese Herren erklärten sich zwar auch zur Be- willigung einer Lohnerhöhung bereit, lehnten e» aber ab, bei Akkordarbeit den Isolierern den Stundenlohn zu garantieren. Eine Intervention des Vorsitzenden des FirmenverbandeS, Dr. Karwehl- Berlin, war erfolglos, die kleinen Machtprotzen bleiben dabei, sie hätten die Anerkennung der Jfoliererforderungen nicht notwendig. Da somit die Voraussetzungen für das Zustandekommen des Provisoriums nicht erfüllt lvaren, teilte der Deutsche Bauarbeiter- verband dem Verband der Jsolierfirmen mit, daß er das Provi- orium als abgelehnt betrachte. Gleichzeitig ging er bei den Firmen zum Angriff über, die noch kurz vor Weihnachten einen Teil der Isolierer aussperrten. ES sind dies besonders die Firmen A. H a a k e u. Co.- Celle und Grünzweig u. Hartmann-Ludwigs- Hafen. Bei diesen Firmen wurde am 2. Januar in allen wichtigen Filialen die Arbeit eingestellt. Bei allen übrigen Firmen, die sich mit der Firma Reinhold u. Co. solidarisch erklären und ebenfalls zur Aussperrung eine» Teiles der Isolierer greifen, wird daS steiche geschehen. Die organisierten Arbeiter werden daher ersucht, :afür zu sorgen, daß keine Streikbrecher an Stelle der Kämpfen- den treten!_ Christlicher Trrcikbruch. Die Arbeiter der drei Schuhfabriken von Schwenningen stehen eit dem 16. Oktober 1911 im Streik, an dem auch ein Dutzend .Christliche' beteiligt sind. Der Kampf ist ein erbitterter. Die Fabrikanten sind zu keinerlei annehmbaren Zugeständnissen zu be- wegen. Ihre Absicht ist sicher, die Arbeiterbewegung in Schwen- ningen lahmzulegen, um dann die Lohn- und Arbeitsbedingungen willkürlich festlegen zu können. Man sollte annehmen, daß auch die „Christlichen' den Ernst der Situation erfassen und dementsprechend handeln würden. Der Bezirksleiter des„christlichen" Lederarbeiter- Verbandes, Herr H a u t l i aus Tuttlingen, vertritt jedoch die Jnter- essen der Arbeiter in sehr sonderbarer Weise. Am 16. Dezember ging er zu sämtlichen Schuhfabrikanten, um sich über den Stand der Sache zu„orientieren". Was dabei gesprochen oder abgemacht wurde, entzieht sich unserer Kenntnis; was aher hierauf folgte, läßt es vermuten. Er berief eine Versammlung ein, an der ab- gezählte sechs Personen teilnahmen und bearbeitete dann diese nach der bekannten„christlichen" Methode. In der dann folgenden„gc- Heimen" Abstimmung waren zwei für, drei gegen die Fortführung des Ausstandes, und ein Zettel wurde weiß abgegeben. Hierauf erklärte Herr H a u t l i, daß es nun keine Unterstützung mehr gebe. Obgleich sich nun noch mehr als hundert Personen im Ausstand befinden, besteht nach Ansicht der Leitung des„christlichen" Ver- bandes jedenfalls dort kein Streik mehr, weil drei„Christliche" so „beschlossen" haben, und es kann nun mit der Heranziehung „christlicher" Streikhrecher aus ganz Deutschland auf Kosten der Kasse des„christlichen" Lederarbeiterverbandes begonnen werden, wie das bei dem im vergangenen Frühjahr in Stuttgart statt- gefundenen Schuhmacherstreik geschah. Und derselbe Herr H a u t I i befand sich in einer von den Streikenden in Schwenningen am 2. Dezember abgehaltenen Versammlung, in der nach einem gc- scheiterten Unterhandlungsversuch fast einstimmig beschlossen wurde, oen Kampf weiterzuführen, saß da. stumm wie ein Fisch und sprach kein Wort, obwohl es doch seine Pflicht gewesen wäre, seine etwa gegenteilige Meinung zum Ausdruck zu bringen. Der Streik der Schuhmacher in Schenningen dauert trotz des„Beschlusses" der drei„Christlichen" nach wie vor unverändert fort, und ist Zuzug streng fernzuhalten._ HusUnd. Ein Streik ber Lokomotivführer und Heizer droht in Buenos Aires, weil die Eisenbahngesellschaftcn sich weigern, deren For- derungen zu bewilligen. Ein Versuch des Ministers des Innern, eine Verständigung zwischen den Parteien herbeizuführen, ist ge- scheitert; die Eisenbahner haben die letzten Vergleichsvorschläge abgelehnt. HctzU Nachrichten. Filmbrand fand in dem Kinematographentheater„Lichtspiele", Paul Alt- mann, in der Jnvalidenstr. 148, statt. Bei der gestrigen Bor- stellung brannte gegen �10 Uhr abends bei Anfang eines Bildes ein Film, der sofort 4 bis 5 andere Films mit an- zündete. Dicke Rauchschwaden sowie helle Flammen schlugen auS dem Vorführerraum. Dem Besitzer dürste es teuer zu stehen kommen, da die beiden Feuerschutztrommeln für den arbeitenden Film sowie der vorschriftsmäßige Blechkasten für die lagernden Films fchlten. Die Vorstellung mußte ab- gebrochen werden und konnte durch die anerkennenswerte, be- sonnene Haltung des Personals eine Panik verhütet werden. Generalstreik belgischer Bergarbeiter. Brüssel, 3. Januar.(Privattelegramm deS„Vorwärts".)' Bei dem von den Bergarbeitern des Borinage veranstalteten Referendum haben sich 37K6 für und 1678 gegen den Generalstreik erklärt. Die Veranlassung hierzu ist die von den Unter- nehmern beabsichtigte vierzehntägige Lohnzahlung bei Ein- führung des neuen Pensionsgesetzes. Morgen findet die ent- scheidende Versammlung der Bergarbeiterdelegierten statt..> Die geistigen Waffen unserer Gegner. Zweibrücke». 3. Januar. AIS am Montagabend der Partei- genösse Stadtrat Schwarz von einer Wählerversammlung zurück- kehrte, wurden vor einem benachbarten Dorfe ungefähr 10 scharfe Revolverschüsse auf ihn abgegeben, die zum Glück ihr Ziel ver- fehlten. Bei der Staatsanwaltschaft ist Anzeige gegen die un- bekannten Täter erstattet worden. Durch Boxerkampf Meuterei beendigt. PortSmouth, 3. Januar.(W. T. B.) Im Lager von Long- m o o r in der Nähe von P e t e r S f i e l d(Grafschaft Southampton) brach Silvesterabend eine Meuterei aus, die erst jetzt bekannt wird. ES scheint, daß einige schottische Soldaten, die in Longmoor lagen, empört darüber waren, daß ihnen nicht der ganze NeujahrStag freigegeben worden war. Sie versammelten sich, als die Lichter ausgelöscht waren, warfen einige Baracken um und bombardierten unter Verwünschungen die Quartiere der Offiziere mit Steinen. Offiziere und Unteroffiziere kamen sofort in ihren Nachtgewändern aus ihren Baracken hervor, worauf die Leute Karree» bildeten, in da» einige Sergeanten zu dringen versuchten; sie erlitten dabei aber Bajonettstiche und einer von ihnen wurde erschossen. Schließlich forderte ein als guter Boxer bekannter Offizier den besten Boxer unter den Leuten zum Einzelkampfe heraus. Offiziere und Mann- schaften stellten sich im Kreise auf. Der Offizier besiegte den So!» daten, daraus kehrten die Leute langsam in ihre Baracken zurück. Kämpfe der Spanier in Marokko. Madrid. 3. Januar.(W. T. B.) Eine amtliche Depesche aus M e l i l l a meldet, daß das Feldlager von S a m m a r gestern abend beschossen wurde, wobei Oberst CaScajareS und drei Soldaten des Regiments San Fernando leicht verwundet wurden. Der Feind wurde bald zuxückgewicsen. Zur türkischen Verfassungsänderung. Konstantinopel, 3. Januar.(P. C.) Der Grohvezir ist cnl- schlössen, eine Debatte über die Abänderung des Arttkel» 35 der Verfassung nicht zuzulassen und im Falle der Ablehnung abermals zu demissionieren. Erst nach endgültiger Durchführung der Ver- fassungSreform wird die Kammer sofort aufgelöst werden und ein neues reines Komiteekabinet gebildet. In maßgebenden Kreisen der jungtürkischen Partei ist man bemüht, die Auflösung der Kammer und die Neuwahlen sobald als möglich herbeizuführen. Tie Wahlen sollen womöglich noch vor dem Friedensschluß zwischen Italien und der Türkei stattfinden, da ein für die Türkei ungünstiger Frieden den Einfluß der Jung- türken sehr schädigen und wahrscheinlich sehr ungünstige Wahl- resultatc für sie zur Folge haben würde. Die Räumung von Hanhang. Peking, 3. Januar.(Meldung de» Reuterschen Bureaus.) L i h u a n h e n g hat sich wegen der Verletzung d«S Waffenstill. stände« durch die Republikaner von Hankau entschuldigt und zwei dafür verantwortliche Obersten entlassen. Der Vize- könig von Hanyang hat den Revolutionären mitgeteilt, daß tausend Wagen nötig seien, um die kaiserlichen Truppen aus dieser Stadt zu entfernen, daß aber nur 50 zur Verfügung ständen, und daß deshalb die Räumung der Stadt ungefähr 14 Tage in Anspruch nehmen würde. Tschaoerhfeng. der stühere Vizekönig von Szechuan, hat mit Unterstützung von Soldaten au» Tibet Tschengtu wieder eingenommen, wobei zwei republikanische Führer umkamen. Perantw. R-dakleur: Albert Wach», Berlin. Inseratenteil verantw.: xh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt PaulSinger�Co.,BerlinSW. Hierzu 3 Beilage» u.UnterhaltungSbl, i, s. awm i. Kcilage des.Amörls" Kttlim DsIksM Ans der GeschSstsPraxis des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie Mehrfach erhielten wir im letzten Jahr Zuschriften, tn l denen uns gar seltsame Dinge über den höchst eigenartigen' Geschäftsbetrieb des bekanntlich zur Verteidigung der heiligsten� deutschen Kulturgüter gegen die„kulturfeindliche" Sozial- s demokratie gegründeten ehrsamen Reichsverbandes gemeldet lvurden, an dessen Spitze als großer Stratege der bisherige reichsparteiliche Reichstagsabgeordnete Generalleutnant z. D. V. Liebert steht. In diesen Schreiben wurde berichtet, daß oft nur ein kleiner Teil der bei den scharf- macherischen Großindustriellen, Kaufleuten und Groß- grundbesitzern für die schönen Kulturzwecke des Reichsverbandes gesammelten Gelder in die Kasse des Reichsverbandes gelangt, während das meiste gar häufig in den Händen derreichsverbändle- rischen Funktionäre, der Vertrauens- männer, Agenten, Reisenden usw. hängen bleibt, die diese Gelder nicht selten in der Weise für die h«hen vaterländische Aufgaben des Liebertschen Reichsverbandes ver- »venden, daß sie lustige Zechgelage veranstalten und sich nach dem Borbilde mancher ihrer hohen industriellen Geldgeber Maitresscn und„Bekanntschaften" halten. Manche dieser Zu- schriftcn trugen den Stempel der Wahrheit; aber es fehlte für die berichteten Tatsachen an genügenden Beweisen— und so mußten wir von einer Veröffentlichung dieser Zuschriften absehen. Von einem rheinländischen Mitarbeiter erhielten wir nun dieser Tage eine Reihe Briefe des Hamburger Vertrauens- mannes des Reichsvcrbandes und Leiters der dortigen Schristenversandstelle, eines Herrn F. Harmsen(Hamburg, Ellerntorsbrücke) an seine im rheinisch-weslfälischen Industrie- gebiet tätigen Agenten übcrsandt, die nicht nur viele der uns früher zugegangenen Mitteilungen bestätigen, sondern auch ein so strahlendes schönes Licht auf die Geschäftspraxis des ehrsamen Liebertschen Reichsverbandes werfen, daß wir uns die Veröffentlichung dieser Briefe nicht zu versagen vermögen. Zwar werden nach einem bekannten Sprichwort die„Dummen nicht alle"; aber vielleicht wissen in Zukunft doch manche Großindustriellen ihre schönen Ueberschüsse besser zu ver- wenden, als sie den Agenten des Reichsverbandes zu ihrer eigenartigen Vernichtung der Sozialdemokratie zu übermitteln. Es handelt sich in den nachfolgenden Briefen nur um die Geldsammlungsarbeit von Reichsverbandsagenten im rheinischen Industriegebiet; aber immerhin genügen die Briefe zur Beurteilung des Rcichsverbandes und seiner Helfers' Helfer. Vielleicht werden sich der R e g i e r u n g s p r ä s i- dent von Köln, der Landtagsabgcordnete und Geheime Kommerzienrat V o r st e r, Professor Moldenhauer in Köln, Kommerzienrat Baare in Bochum, der Großindustrielle August Klönne in Dortmund und zahlreiche andere Groß fabrikanten des Westens beeilen, eine mit den schärfften Desinfektionsmitteln ausgerüstete Kolonne mit der Säuberung ihrer Konferenzzimmer zu beauftragen, wenn sie durch die nachfolgenden Veröffentlichungen erfahren, mit welchen Elementen sie im Laufe des vergangenen Jahres ver handelt, beraten und schließlich gar Händedrücke ausgetauscht haben, frohen Herzens, daß nun endlich in ihrem Wirkungs- gebiete die Sozialdemokratie von dazu berufenen und befähigten Männern zu Boden geworfen werden solle. Ausgerüstet mit Vollmachten, Empfehlungsschreiben. Zeich- »mngsscheinen usw., ließ der Vertrauensmann des Reichsver- bandes seine Leute auf die Industriellen. Großunternehmer usw. der Jndustriereviere am Niederrhein und an der Ruhr los, um die in ihrem Hasse gegen die Organisationen der Arbeiter- schaft und die politische Vertretung der letzteren blinden Kapi- talisten zu plündern. Denn anders ist das Treiben der „Bevollmächtigten des Reichsverbandes" und Akquisiteure des Hamburger Vertrauensmanns nicht zu charakterisieren. Wer von all den Gebrandschatzten hätte wohl auch nur einen Pfennig hergegeben, wenn er gewußt hätte, daß das schöne gute Geld, mit dem angeblich die Sozialdemokratie ausgerottet werden sollte, genau zur Hälfte in den Tasche« de? Herr« Harmsen»nd seiner Leute verschwinden würde. Die Bevollmächtigten unterbreiteten, nachdem fie die groß- industriellen Opfer genügend chloroformiert hatten, ihre »Z e i ch n u n g s s ch e i n e", die so aussahen: �eiciinungsscliein-- Hiermit zeiobne ich im Interesse der Bestrebungen des „Reichsverbandesgegen die Sozialdemokratie" • Hauptsitz Berlin einen Betrag von Mark tur Versendung von Aufklärungsschriften. Marne Ort Straße. Zwar war den„Bevollmächtigten" vertraglich verboten, Geld einzukassieren: trotzdem ist es. wie die Briefe be- weisen, des öfteren vorgekommen. Die Agenten mußten die ausgefüllten Scheine an die Versandstelle in Hamburg schicken, worauf Harmsen das Geld von den Spendern einzog. Die Scheine sandte Harmsen dann den Agenten sofort zurück, damit sie mit den Namen der Spender auf den ausgefüllten Scheinen andere köderten. Der Reichsverband bekam nur 50 Proz.; 20 Proz. behielt Harmsen, der„Vertrauensmann", und 30 Proz. erhielten die Bevollmächtigten, die„Reisenden". Wenn man aus dem Schriftwechsel zwischenIHarmsen und seinen Angestellten vernimmt, wie ein Teil dieser Herren „gelebt" hat, dann muß man allerdings zu der Ueberzeugung kommen, daß die 30 Proz. nicht zu viel waren. Denn diese Bevollmächtigten haben die blauen Scheine der Groß- industriellen recht nutzbringend zur Vertilgung von Alkohol zu verwenden verstanden. Einer hat auch seine„Bekanntschast" von Ort zu Ort mitgenommen. Wenn man einen Industriellen „gemacht" hatte, wurde sofort, vielfach tclegraphisch, von Harmsen die Provision verlangt; und wenn nichts gemacht wurde, mußte Harmsen Vorschüsse hergeben. Wenn Geld da war, wurden große Zechen gemacht; auf 30, 50, ja 100 und mehr Mark pro Abend kam es nicht an. Trotz der großen Einnahmen blieben die Herren vielfach ihre Hotel- und Schneider- rechnungen schuldig. Zwei von ihnen zahlten nur selten, und bei dem Hauptbeteiligten der unten folgenden Korrespondenz scheint es nahezu vaterländischer Grundsatz gewesen zu sein, Schulden zu hinterlassen. Ein Schwärm unbezahlter Rech- nungen schwirrte stets hinter den Bevollinächtigten Geyer und Herdt her, und viele Benachteiligte wandten sich an Harmsen und auch direkt an den Reichsverband in Berlin. Durch Brief aus Kassel vom 6. Februar wird Geyer aufgefordert, sofort seine Logisschuld zu schicken,„sonst bin ich gezwungen, an Ihr Haus zu schreiben". In Frankfurt wurden dem Herdt, in Elberfeld dem Geyer, in Bochum wieder dem Herdt die Sachen festgehalten, weil sie die Wohnung nicht bezahlt hatten. In Düsseldorf schuldete Geyer einem SpezialHaus für Hertenartikel 141,70 M., wofür der Inhaber im August drei Tratten a 47,20 M. sandte, die an den drei folgenden Monatsersten einzulösen waren, worauf der Inhaber aber bis heute noch wartet. In Köln hinter- ließ Geyer ebenfalls Schneider- und sonstige Schulden und allein an Kost- und Logisschulden 400 M., da bei den Logis- leuten auch die„Bekanntschaft" des Herrn Geyer wohnte usw. In den Briefen Harmsens an„seine" Agenten finden wir denn auch immer wieder Vorhaltungen wegen der end losen Schulden machcreien, da die Betrogenen ihm aus den Hals rückten. .» Doch lassen wir jetzt ein Teil der Briefe folgen. Aus Raumrücksichten mußten wir verschiedene von vornherein aus schließen und andere erheblich kürzen. Vie. versprechend beginnt gleich der erste der Briefe: Hamburg, den 17. Februar 1911. Herrn Fr. Geher. Elberfeld. ... Ich bedauere, Ihrer Forderung, Ihnen am Sonnabend 60,— M. senden zu sollen, keineswegs gerecht werde» zu können und mutz Ihnen sagen, datz ich diese Zumutung wiederum un» erhört finde.(Hören Sie nur auf, denn Sie machen m i ch k r a n k.) V. schrieb mir, daß Sie Austräge in Höhe von 330.— M. zu Händen hätten, und Sie telephonierten mir aus Elberfeld, datz Sie gestern morgen 100,— M. gemacht hätten, und wären dies doch 480,— M.? Mein Schreiben mit der Ihnen ge- sandten Konloaufstellung berühren Sie geflissentlich überhaupt nicht, obgleich ich Sie ersuchte, mir mitzuteilen, ob diese Aufstellung in Ordnung. Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg. 17. März 1911. Herrn Fritz Geher, Elberfeld. Bei meiner Rückkehr finde ich Ihre Karten vom S., 9. und 15. d. M. vor und habe ich ihre Aufträgs: H. E. Schniewind, Elberfeld... 100.— M. LS. BödinghauS. Elberfeld.... 100.—. W. Hebebrandt. Elberfeld.... 30,—, Frohwcin. Elberfeld...... 50,—, Jung u. Simons. Elberfeld... 100.—. Fcldbof, Barmen....... 100,—. H. W. Nagel, Barmen..... 100,—, Ihrem Konto übirtragen. Sie wollen mir bitte noch bestätigen, datz diese Aufträg» nach den von mir kassierten 1030,— M. gewonnen wurden und datz dies alles ist.... Hochachtungsvoll versandstelle ver Schriften de? ReichZverbandeS. F. Harmsen. Vertrauensmann des Rcichsverbandes gegen die Sozialdemokratie. Hamburg, 23. März 1911. Herrn Fritz Geher, Elberfeld. ... Sie halten es wieder nicht für nötig, mir die letzten Auf- träge zu überschreiben und ersuche ich Sie nochmals darum.... Wie kommen Sie dazu, mir vorzuwerfen, datz ich kein Einsehen be- sitze und Ihnen iniif Aufrechnungen ßl ä st i g falle?(Die „Aufrechnungen" beziehen sich auf den enormen Borschuß Geyers. Die Red.) Daß ich Ihnen dann und wann die Situation durch eine Aufrechnung vor Augen führe, hierzu halte ich mich wirklich berech- tigt und wollen Sie derartige Spitzen in Ihren Zuschriften un- bedingt unterlassen, wenn Sie nicht wollen, datz wir wieder aneinandergeraten. Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg 24. März 1911. Herrn Ffr. Geher, Elberfeld. ... Ich habe Ihnen wiederholt erklärt, datz ich nur noch von Fall zu Fall Kasse senden kann, da unter obwaltenden Umständen es heller Wahnsinn wäre. Ihnen feste Bezüge zuzu- sichern. Wie iveit wäre ich schon, wenn ich Herrn E. immer hübsch artig jede Woche 125 M. gesandt hätte, da Herr E. in den letzten acht Tagen mir eine weitere Order überhaupt nicht über- schrieben hat. Auch heute geben Sie mir Ihre weiteren Orders nicht auf, so datz ich annehmen mutz, datz Sie in diesem Fall wieder nicht ordnungsmäßig borgegange« find. Ich ersuche Sie zum letzten Male, mir hierüber Auf- llärung zu geben, da ich nicht gewillt bin, mir weiter derartiges gefallen zu lassen. Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg, 29. März 1911. Herrn Fr. Geher, Elberfeld. Ihre Zuschrift(Karte) vom 28. d. M. habe ich erhalten und Ihre neuen Aufträge: Karl PaaS u. Sohn, Barmen... 100,— M. G e b h a r d t u. C o.. A.-G., Vohwinkel. 100,—. Schlie per, Vohwinkel...... 100,—„ verbucht. Die vorher aufgeführten Firmen Jung u. Simons, Bartels, Feldhof und H. W. Nagel hatte ich schon notiert. Es sollte mich freuen, wenn Sie heute und Donnerstag noch 500,— bis 600,— M. hereinbringen, doch kann ich wiederum nicht verstehe», datz Ihre Verbindlichkeiten nur wieder mit einem Hundertmark- schein zu lösen sind. Trotz Ihrer Abneigung, Ihr Soll und Haben illustriert zu sehen, gestatte ich mir. Ihnen ins Gedächtnis zu rufen, datz Sie für den Elberfelder Feldzug von mir an Kasse ab 4. Februar bis jetzt 965,— M. bezogen haben. An Aufträgen schafften Sie herein für 1960,— M., so datz Ihre Provisionsforderung 588,— M. Sie hätten also in Elberfeld, statt von Ihrem Konto herunter zu kommen, wieder eine lleberprovision von 377,— M. von mir herausgezogen, also nicht 30 Proz. sich auszahlen lasien, sondern 5 0 P r o z., so datz Sie genau mit meinem Verdien st abschwimmen. Sie wisien sehr gut, datz ich nicht mehr mit einer Binde vor den Augen herumlaufen will, und wollen Sie sich erklären, was Sie zur Minderung dieses Resultates zu tun gedenken. Datz Sie hierüber nicht nachgedacht haben, beweist Ihr Ansinnen, datz ich am Donners- tag weitere 100,— M. sür Sie bereit halten soll. Sie wissen selbst, datz von großen Spesen Ihrerseits keine Rede sein kann, denn Sie hatten doch nur in Elberfeld zu tun, und trotz- dem haben Sie in noch nicht 2 Monaten 1000,— M. klein bekommen. Kommentar überflüssig 1 1 Wenn Sie wirklich und aufrichtig an eine Regulierung Ihre? Kontos gedacht hätten, so wären Sie mit 500,— M. doch sehr be- quem und anständig ausgekommen. Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg, 31. März 1911. Herrn Fritz Geher, Elberfeld. Ihre Zuschrift vom 30. d. M. habe ich empfangen und Ihre neuen Aufträge: P. C. Dicke, Barmen M. 50,— A. Brüninghaus Söhne M. 100,— Albert u. Henkels, Langerfeld, Kreis Schwelm M. 100,— Ihrem Konto zugeschrieben. ZcichnungSscheine werden Sie heute morgen in Düsseldorf vorgefunden haben und vermittels dieser Scheine Ihre Autzenstände herein bekommen haben. Ihrem Wunsche, Ihnen weitere M. 100.— zu übersenden, entspreche ich auf keinen Fall, denn es ist nicht meine Sache, wenn Sie mit der Ihnen über- sandten Kasse in so unsinniger Weise wirtschaften.(Siehe mein Schreiben vom 29. er.) Bei der Ihnen übersandten Kasse hatten Sie wahrlich nicht nötig, in Elberfeld noch Schulden zu kontrahieren und ist eö mir unverständlich, datz Sie in gewissem Sinne mich für Ihre Sachen heranziehen. Hochachtungsvoll F. Harmsen. A u g. K l ö n n e. Dortmund, 1. April 1911. Herrn Herdt, z. Zt. Hotel Kaiserhof, Dortmund. Betr. Reichsverband gegen Sozialdemokratie. Aus Grund Ihrer Darstellung gelegentlich Ihre? gestrigen Be- fuches zeichne ich hiermit einen einmaligen Betrag von hundert Mark und bitte um Mitteilung, unter welcher Adresse der Betrag einzuzahlen ist. Eine Beitragslei st ung von 50 Pf. für j ed e n b e sch ä ft ig ten Arb e iter. wie Sie solchevor- schlugen, mutz abgelehnt werden, zumal hier am Platze Vor- kehrungen mit gleichem Ziele im Gange sind, die meine Beihilfe fordern. Hochachtend pxa. Aug. Klönne, Bufert, Bach. Hamburg, 5. April 1911. Herrn Fritz Geher, Hagen i. W. ... Was Herr Herdt Ihnen über die Mk. 15,—, die Sie ihm geliehen, unterbreitet, ist eine glatte Lüge, denn ich weiß von alledem nichts... Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg, 10. April 1911. Herrn Erich Herdt, Düsseldorf. Im Anschluß an die mit Ihnen gehabte telephonische Unter- redung mutz ich Ihnen nochmals erklären, datz Ihre Handlung»- weise mir gegenüber wiederum derartig unfair, datz ich keine Ausdrücke hierfür finde.— Ich hatte bestimmt damit gerechnet, datz Sie in Dortmund gut abschneiden würden, da ich sonst wiederum Ihrem Vorschutz gegenüber ratlos dastehe. Am 1. März war Ihr Konto laut meinem Schreiben auf 850,00 M. an- gelaufen, über welchen Betrag Sie mir Schuldschein übersandten. Die Verrechnung ging am 1. März bis zu Ger res he im er Glashüttenwerke. Nach diesem machten Sie Herme» u. Co.......... 200,00 M. Bosbach u. Co.......*.. 100,00, Wickingsche Industrie-.«». 150,00 Schulte u. Zinken..;.... 80,00 Aug. Klönne.....;.<.. 100,00 Jucho....•••»•«•«„ 100.00 Petri u. Hecking........? Schüchtermann u. Kremer... 100 00 Maschinenfabrik Deutschland. 75.00 Both u. Tillmann....... 50.00 955,00 M. für welche Sie an Provision rund 250,00 M. zu bean- spruchen hatten.— Empfangen haben Sie am 4. März 473.00 M„ so zu dem Vorschuß von 850, oo M. weitere 223,00 Mar k hinzugetreten, ganz abgesehen davon, daß Sie innerhalb eines Monats es fertig brachten, 500, Ov Mark zu verbrauchen, wenn auch von diesem Betrag für Kleidung 100,00 M. abzurechnen sind. Ich sehe vollkommen ein, daß Sie nicht im stände sind, Ihr Wortzuhalten und ersuche Sie mit diesem auf Grund des von Ihnen unterschriebenen Reverses, mir Ihr gesamtes Material auf hier zu sende», da ich wirklich nicht länger Lust habe, mich von Ihnen an der Nase herum zerren zu lassen, denn alle Ermahnungen und Ver« sprechungen Ihrerseits sind leerer Schall. Ich verstehe nur nicht, wie Sie sich zum Nichter anderer Leute auf- werfen können. Achtungsvoll F. Harmsen. Hamburg, 15. April 1911. Herrn Fritz Geyer, Hagen i. W. Von der Firma Karl Paas u. Sohn in Barmen erhalte ich mein Anschreiben mit Vermerk auf Rückseite retour und wollen Sie sich unigehend hierüber äußern. Von der Firma H. W. Nagel und A. Schlieper steht uns ebenfalls der Betrag noch aus, so daß ich zu der Annahme neige, daß auch mit diesen Aufträgen nicht alles in Ordnung set n wird.... Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg 3. 18. April 1911. Herrn Fritz Geyer, Hagen i. W. ' Ihre Zuschrift vym 16. d. M. habe ich erhalten und wüßte ich nicht, daß ich in irgendeiner Form unfair gegen Sie gehandelt hätte. Sie haben vom 1. bis 15 185,00 M. von niir bekommen, so daß Sie also wieder rund 200,00 M. in 14 Tagen verbraucht haben. Es gehört, wie gesagt, schon einegroßeKühnheit, die Ihnen jedocheigcn, dazu, mir einen derartigen Vorwurf zu machen. Aus der Nicht- Übersendung des Scheines von Karl Paas u. Sohn ersehe ich ferner, daß Sie mich mit diesem Auftrag einfach düpierten soder haben Sie hierfür einen anderen Ausdruck?). Schein A. Schlieper und A. W. Nagel sende ich Ihnen anbei zurück. Ihre Zuschrift strotzt wieder von Unvers chämheiten und bcdaure ich, daher Ihnen einen weiteren Vorschuß nicht zu bewilligen, da Sie anzunehmen scheinen, daß ich hierzu eine Verpflichtung. Leuten wie Ihnen gegenüber eine Grundlage zu schaffen, bei der jede Partei auf ihre Rechnung kommt, ist über- Haupt Nonsens, denn Sie werden jeden Vorschlag, wie er auch geschaffen sei, nicht respektieren. In diesen Tagen muß ich sowieso nach Krupp wegen der Eisensache und werde Sie dann ersuchen, meine letzten Vorschläge entgegenzunehmen oder auch Ihr Einverständnis zum Abbruch unserer Be- Ziehungen zu geben. Ich kann Ihnen nur mitteilen, daß Herr W. ganz vorzügliche Erfolge in Krefeld aufzuweisen hat und daß ich außer diesem Herrn noch zwei weitere Leute für die ReichsverbandS-Arbeit in Aussicht genommen, bei denen ich sicher bin. daß mein ReverS respcküiert wird und denen ich nicht einen Pfennig Vorschuß zu zahlen brauche. Herr W. hat momentan 130,— M. Guthaben bei mir und schreibt niir, daß er mit Familie sich mit 60,— M. pro Woche sehr gut einrichten kann und ist im übrigen hocherfreut, eine Arbeit zur Hand zu habem die ihm solchen Verdienst gewährleistet. Achtungsvoll F. Harmsen. Hamburg, 22. April 1911. Herrn Fritz Geyer. Hagen. Ich uiöchte nur nochmals erwähnen, daß wir an kleineren Sachen nicht vorübergehen sollen, denn dieselben summieren sich auch zusammen.—. Hoffentlich hat unsere letzte Rücksprache und die Festsetzung der neuen Basis den Erfolg, daß wir jetzt wirklich in ruhiger und sachlicher Form ins Geschäft kommen, denn seit 3 resp. 4 Wochen ist ja von Seiten V., H., E. und von Ihrer Seite fast nichts hereingekommeil. Das Schreiben von W. wollen Sie bitte sofort räch Durchsicht an E. senden, viel- leicht veranlaßt selbiges den He rn E., daß er wirklich mal wieder zu arbeiten beginnt und seine � Atigkeit nicht darin erblickt, sein Bett bis Mittag warm zu halten Schreiben Sie Herrn E. gleich- zeitig, daß ich Herrn W. unterrii�tet, daß er in München-Gladbach und Rheydt nicht arbeiten soll, sondern in Neuß. Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg, 24. April 1911. Herrn Erich Herdt, Bochum, Hotel Fork. Hhre Zuschrift vom 22. d. M. habe ich empfangen und hoffe ich, daß es Ihnen gelungen ist, inzwischen dieEmpfehlungdes Geheimen K o m m e r z i e n r a t s F. B a a r e gu erhalten und im Anschluß hieran schon einige Ordres erwirkt zu haben. Herr E. und Herr Geyer, welch letzteren ich in Hagen antraf, er- klärte sich ebenfalls zur Unterzeichnung des Ihnen vorgelegten Reverses bereit und hoffe ich, daß wir nunmehr in vernünftiger Form zu arbeite» beginnen. Ihrer weiteren Berichte sehe entgegen und zeichne Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg 3, 26. April 1911. ,' Herrn Fritz Geyer, Hagen i. W. .. Es ist mir schleierhaft, daß augenblicklich nur W. jeden Tag schöne Ordres hereinbringt(und zwar immer noch in Krefeld und Umgegend), während ich von Ihnen seit dem 30. März, also in vollen vier Wochen, an Aufträgen nur M. 250 vorbuchen konnte. Herr E. mit seiner Arbeitsfreudigkeit hat mir in 4 Wochen zwei Aufträge a M. 20— also M. 40— überschrieben, während Herr Herdt in 4 Wochen M. 350 nur hereinbringen koniite.... Ich bitte Sie gleichzeitig, mir mitzuteilen, ob Sie tvegen der Thoro-Apparate sich bemüht, sonst bitte ich Sie. mir die Kinotheater am dortigen Platze, welche sich einen derartigen Apparat, der M. 1200 kostet, zulegen können, mir aufzugeben. Fhrcr Nachrichten gewärtig zeichne ich Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg, 26. April 1911. Herrn Erich Herdt, Bochum. Ahrs Zuschrift vom 25. d. M. habe ich erhalten und Ihren ersten Auftrag in Bochum. Heinzmann u. Dreyer, ver- bucht. Ich bedaure, daß Sie in Bochum noch nicht weiter gekommen sind und daß Sie die S m p f e h l u n g v o n H e r r n G e h e i m- r a t F. B a a r c noch nicht erhalten haben.... Sie können Ihrem Hotelier sagen, daß Sie am 1. jeden Monats Kasse erhalten und wollen Sie bis dahin unbedingt Ordres hereinschafsen, damit.Sie hiese Rechnung bezahlen können.... Hochachtungsvoll g. Harmsen. S?amvurg, 27. April 1917. Herrn Erich Herdt, Bochum. Ihre Zuschrift vom 26. d. M. habe ich erhalten und davon Notiz genommen, daß Sie in Bochum weiter Gbr. Eickhoff mit M. 150 hereinbringen konnten. Hoffentlich bekommen Sie den Auftrag von den Westfälischen Stahlwerken perfekt, und müssen Sie mir schon nicht übel nehmen, daß ich vorläufig an diese Zu- kunftssachen und so gut wie sicher und fest erscheinende Austräge nicht recht glaube, denn wie Sie selbst wissen, ist uns gerade i n d i e s e r F o r m( I) d a s m e i st e m i ß g l ü ckt.(!). Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg, 28. April 1911. Herrn Erich Herdt, Bochum. Ihre Zuschrift vom 27. d. M. habe ich empfangen und Ihren neuen Auftrag H. Grimberg u. Eh. Hilgerd. Drahttauwerk, M. 30 verbucht. Hoffentlich haben Sie nun inzwischen die Empfeh- lung erhalten, damit Sie besser voran kommen. Ihr« Aufstellung Dortmund habe nachgesehen und stimmt Ihre Angabe mit M. 425. Teilen Sie mir doch bitte mit, ob Dortmund so liegen bleiben soll oder wann Sie dort weiter zu arbeiten gedenken, denn es müssen doch dort noch ganz ander« Aufträge herauskommen. Es ist nicht nötig, daß Sie dort kassieren, ebenso hat sich in Dortmund der Eingang der Beträge erledigt.... Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg, 29. April 1911. Herrn Erich Herdt, Bochum. Ihre Zuschrift vom 28. d. M. habe ich erhalten und Ihren neuen Auftrog Chemische Industrie A.-G. 200,— M. verbucht. Sie haben also jetzt tzn Ganzen in Bochum Austräge in Höhe von 403,— M. hereingebracht und wollen wir hoffen, daß sich die Erfolge in kom- mender Woche noch ganz anders gestalten mögen. An Provision haben Sie für diese Aufträge 8l,— M. zu fordern und hebt sich dieser Betrag genau mit den Ihnen ausgehändigten Beträgen auf. Ich kann also unmöglich Ihrem Wunsche nachkommen und Ihnen aufs neue 6V,— M. übersenden.(Es folgt noch eine Bemerkung wegen einer Hinterlassenschaft H/S in Hannover, derentwegen sich eine Frau K. an Harmsen wandte.) Hochachtungsvoll F. Harmsen. Bochum, den 29. April 1911. Herrn Franz Harmsen. Hamburg. Anbei übersende ich vier ZeichnungSscheine. Bestätige dankend den Empfang von M. 20,—. wovon ich meine Hotelrechnung be- zahlen soll, ist mir allerdings unklar. Hochachtungsvoll Erich Herdt. (Randbemerkung:) Herrn Erich Herdt. Bochum. Scheine eiugeschen. Anbei retour. Es wird Ihnen sicher ge- lingen, an Hand dieser Scheine weiter gute Sachen hereinzubringen, so daß Sie Ihre Rechnung ds. Tage be- gleichen können.— ES ist mir einfach unmöglich, im alten Stil weiter zu Ivursteln... Hochachtungsvoll F. Harmsen. Z. Z. Essen. 2. Mai 1911. Mein lieber Herr G e y e r l Wohne Bochum, Hotel Fork. Ich würde mich riefig freuen, wenn Sie mich einmal in Bochum besuchen würden. Bringen Sie mir die Dinger mit, die ich Ihnen neulich gab. Ist E. bei Ihnen? Was macht das Geschäft? Ich war bei unserer Trennung voll. Bitte um Eiüschuldigung. Herzlichen Gruß an Sie und Edith. Ihr Erich Herdt. Hamburg, 3. Mai 1911. Herrn Fritz Geher, Hagen i. W. ... Wenn Sie in Iserlohn Empfehlung bekommen haben, wollen Sie sich bitte daran nicht stoßen, daß vom Reichs- verband ein Beamter dort stationiert, denn was von diesem an praktischer Zlrbeit geleistet wird, ist Ihnen j a bekannt. Hoffentlich ist es Ihnen in N e in- scheid besser ergangen, denn auch ich kann, wie Sie wissen, bei diesen Zuständen keine Rechnung finden.... Herrn M. konnte erst gestern das Vollmachtsschreiben vom Verband zusenden, so daß ich von deffen Tätigkeit noch nichts berichten kann. Herr E. machte zwei Aufträge in Höhe von zusammen 15 M.(Rekord) und Herr B. sitzt noch immer in Hamburg. Hochachtungsvoll F. Harmsen. Haniburg. 4. Mai 1911. Herrn F. Geher, Hagen i. W. ... Ich habe bis jetzt nach unser, n neuen Abkommen von Ihnen 605 M. neue Aufträge überschrieben bekommen, hiervon 20 Proz. wären 121 M....(Vermutlich dienen die übrigen 10 Proz. zur Tilgung des Vorschusses. Red.) Hochachtend F. Harnisen. Hamburg, 6. Mai 1911. Herrn Fritz Geyer, Hagen i. W. Ihre Zuschrift vom 5. d. M. aus Hagen habe ich erhalten und Ihre weiteren Aufträge I. H. S ch m i d t Söhne 50 M., Linien u. Funke 50 M., Brauen u. Co. 50 M verbucht. Hoffentlich haben Sie heute in Remscheid günstig abgeschnitten, da Sie Empfehlung und Mitgliederverzeichnis zu Händen haben. Im Regierungsbezirk Arnsberg werden Sie dann hoffentlich gleich- falls recht günstig abschneiden und bitte ich Sie im eigenen Interesse jeden S ch o r n st e i n mitzunehmen. E. und M. bearbeiten M.-Aladbach und Rheydt, Gelsenkirchen usw... Ohne mehr für heute zeichne ich Hochachtungsvoll Harmsen. Verbandsstelle der Schriften des Reichsverbands gegen die Sozialdemokratie. Franz Harmsen. Hamburg, 9. Mai 1911. Anbei 3 Verzeichnisse. Erbitte nach Einsichtnahme und Notierung des für Sie und Herdt Wissenswerten solche gleich retour. Vermisse von Ihnen und Herdt Nachricht!— Ist Herdts Adresse Hotel Fork? Harmsen. Hamburg, den 13. Mai 1911. Herrn Fritz Geher, Hagen/W. Ihre Zuschrift vom 22. d. Mts. habe ich erhalten und bedaure ich, daß ich von Ihnen in Sachen Herdt") so eine gewundene Auskunft erhalte, mit welcher ich absolut nichts machen kann. Sie schreiben sonst viel zu klar, sodaß ich Ihren Zeilen anmerke, daß Sie mir in Sachen Herdt mit einer Nipp und klaren Ausführung nicht dienen wolle». Ich bitte Sie nochmals mir bis zum Montag früh in dieser Angelegenheit Nachricht zukomme» zu lassen, da ich für nichts inehr einstehe. ") Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile hat sich, vermutlich infolge der vielen Beschwerden der geprellten Logisgeber und Ge- schäflsleute die ReichSverbands-Hauptstelle ins Nittel gelegt. Auch scheint Herdt kassiert zu haben. von Herdt habe ich kein Lebenszeichen in der ganzen Woche er- halten, wo wohnt Herdt?, auch bewußien Brief nicht, den Sie nur avisierten. Ich stehe der Angelegenheit Herdt sehr ruhig gegenüber, da die Sache vom Verband selbst wahrscheinlich in die Hand genommen wird. Ich habe dem Verband, da diew genau wissen, daß niemand kassieren darf(ebenfalls kennen dieselben den Revers, der mir auch von Herdt unterzeichnet wurde und hat der Verband Kopie dieses Reverses zil Händen) selbstverständlich nicht bestätige.» können, daß H. be� rechtigt war, die Summe einzuziehen und mußc derselbe die Konsc- quenzen tragen. Ich glaube kaum, daß dieser Fü'll sich wieder em- richten läßt und wird derselbe wohl dazu führen,.daß mir der Ver- trieb überhaupt entzogen wird, da ich ja c.r m' 1 �c. 11 B e lv e i s gebracht, daß ich keine Garantie für Die Bonität der Leute, welche ich mit d estk Sache 0 c- traue, lei st enkann... i Meine Gutmütigkeit und mein Vertrauen find.r-ben wieder m der gemeinste n Form und ohne Rücksicht auf m�'iue Lage un� mein Verhältnis zum Verband mit Füßer?� getreten, auch hat Herdt nicht bedacht, daß durch diese Handlungsweise der Ver- dienst der anderen Agenten ebenfalls i rp� u s o r l s a> wird. Ich selbst habe nach all diesen Kämpfen, vorstelLt�"� usw�, die doch alle für die Katz, überhaupt den Mut verloren � Sache laufen, wie sie will. Herdt hat ja nicht einmal den Mm." alles klar zu legen, sodaß ich, wenn ich könnte, nicht einmal G maßregeln treffen kann. Schein Ed. Engels in Remscheid über M. 50,—, w. ich Ihnen gut brachte, folgt anbei zurück. Sende Ihnen te Anweisung M. 20,— Hagen postlagernd und erwarte Ihren Ber zum Montag. Hochachtungsvoll F. Harmsen. Hamburg, 17. Mai 1S11. Herrn Fritz Geyer, Hagen/W. ... Vom Verband erhielt ich am 10. Mai ein Schreiben allg meinen Inhalts und zwar, daß die durch meine Agenten ausgeüb. Tätigkeit sehr häufig zu Mißverständnissen un falschen Auffassungen geführt, weil die Fabrikanten n i ch genügend und deutlich darauf aufmerksam ge macht worden wären, daß eS sich hier um die Versendung von Flugschriften handelt usw....Von Herdt habeich auch heute absolut keine Nachricht und bitte ich Sie dringend mir hierüber Bericht zu geben, da ich gerade in dieser Sache in größter Aufregung... Dem Verband klar zu machen,' daß sie(Allem Anschein nach sind mit diesem„sie" die Berbandsleiter ge- meint. D. Red.) unsere Arbeit stets durchkreuzen und immer alles verderben, habe ich aufgegeben, denn dies ist dem Vorstand trotz aller Vorstellungen, Schreiben usw. nicht bei- zubringen. Ihrer Rückäußerung gewärtig, zeichne ich Hochachtungsvoll?. Harmsen. Bochum, den 17. Mai 1911. Lieber Herr Geyer? Hier ist«S zum verrückt werden. Am Sonnabend einen festen Auftrag von M. 23,—, sonst nichts Festes mehr. Ich habe heute in Gelsenkirchen angefangen. Von Harmsen höre ich überhaupt nichts mehr; ist der Manu tot oder hat er die Sache aufgegeben. Bekomme ich von ihm in den nächsten Tagen keine Nachricht, sehe ich mich nach einer anderen Stelle um. Kassiert habe ich bis jetzt nichts. Werde wohl aber bald wieder(!) dazu gezwungen werden. Schreiben Sie mir doch bald. Wenn es Ihnen möglich, senden Sie mir doch M. 10,— an Waldemar Fork telegraphisch. Viele Grüße an Sie und Edith. Ihr Erich Herdt. Hamburg, 19. Mai 1911. Herrn Fritz Geher, Hagen/W. . Es ist so gut wie ausgeschlossen, daß der Reichsverband seine Haltung ändert und Schreiben in unserem Sinne an die dortige» Arbeitgeberverbände richtet. Ich habe in der Kölner Sache die hefligste» Differenzen mit dem Verband gehabt, da auch hier der Verband in seinem Antwortschreiben an Herrn Geheimrat Vorster im bekannten Sinne die Sache darstellte und die Arbeit in Köln vorläufig brachlegte. Ihnen für Herdt M. 10,— zu senden, muß ich entschieden ablehnen, da ich in diese Sache nicht mehr ein- greife und der Sache ihren Lauf lassen muß..,, � Hochachten!�?. Harmsen. Die„neue Sache". In der Korrespondenz befindet sich zu Anfang Juni 1911 fol« gendeS Formular: Versandstelle der AgltatlonsschrKten Hambarg 3, den 191 zur Aufklärung der Arbeitnehmer Elieratorsbxücke 6. gegenüber den Verhetzungen der sozialdemokratischen Partei und deren Führern. Centrale Hambarg.— Franz Harmsen. JVhtteiUfng an*»*. Dies meine neuen Briefbögen. Versandstelle der UusklärungSschristen Centrale Hamburg III. Harmsen. Genau so hatte Harmsen auch die Zeichnungsscheine entsprechend ändern lassen. Dazu aber ließ er aus den Scheinen diesen Vermerk anbringen: Der gezeichnete Betrag ist nur der Centrale Hamburg 3. zu Händen des Herrn Franz Harmsen, Postscheckkonto 4624, zu überweisen. H a m b u r g 3, den 8. Juni 1911. Herrn Fritz Geyer, Köln/Rh. Ihr Schreiben vom 7. d. M. gelangte mir zu Händen und sende ich Ihnen telegraphisch soeben 30,— M. Sie wollen diesen Betrag dazu verwenden, sich in die neue Sache einzuarbeiten, denn e« ist vollkommen ausgeschlossen, wie Sie unbedingt einsehen müss!n, daß ich Sie weiter mit Vorschüsse» über Wasser halte. Herr V. machte heute in der n e u e n S a ch e 250 M. und hat in 14 Tagen 400,— M. verdient. Ein Beweis dafür, daß es auch ohne Verband geht. Am Montag komme ich mit meinem Anwalt wieder zusammen in der Reichsverbandssache und werde ich Sie von dem Verlaus der Sache unterrichten. Morgen'früh hoffe ich, daß Sie mit W. zusammen sein werden und alles Nötige besprechen und bitte ich Sie, da Herr W. scheinbar außerordentlich an der ReichSverbandS- fache hängt, diesen beruhigen zu wollen, damit derselbe Ge- schinack an der jetzigen Sache bekommt. Nach allem, was vorgefallen,(!!) war es ja überhaupt auch sonst kaum möglich, die Reichsverbandssache aufrechtzuerhalteu. Hochachtungsvoll F. Harmsen. Wo haben Sie Ihr gesamtes Material„Bund" 1 Senden Sie mir sofort Ihr Einführungsschreiben Vom Reichs- verband, auch das von W-, H. und Sch. H-nnvurg, den 10. Juni 1911. Herrn Fritz Geher, Hagen i. W. Ihre weiteren Austrüge Bergische Stahlindustrie A.-G- M. 400,— und Johann Peter Becker jr. M. SO,— habe ich verbucht und glückt es Ihnen hoffentlich in kommender Woche weite' so... Es sollte mich freue», wenn Sie Ihre Absichten wahr nw.i und Ihre Ausgaben so beschränken, dag Sie Ihre alten drr �iben Berpflichtungen abstoßen können. Ohne mehr für heute, grüßt Sie bestens F. Harmsen. » Hamburg, den 12. Juni 1311. Herrn Fritz Geyer, Hagen i. W. Ihre Zuschrift vom 10. d. M. aus Solingen habe ich erhalten und jetzt also im ganzen Aufträge über M. 850,— verbucht.... Ich bin sprachlos, daß Sie trotz aller Beteuerungen wieder so schmutzigst) an mi.r gehandelt haben und mir erst jetzt 2 Firmen aufgeben, die Sie kassiert. st!) ES ist mir vollständig unerfindlich, wie Sie bei normalem Verstände wieder so etwas machen können, denn das ist Ihnen doch wohl selbst klar, daß ich unter diesen Umständen gegen den Verband jedes Auftreten verlieren muß, wenn derartiges bekannt geworden. Ihre Ausrede, Sie hätten seinerzeit in gewisse Not gehandelt, ist doch wirklich bei den Haaren herbeigezogen, denn Sie haben gerade in der Zeit reichlich Geld von mir erhalten. Den Betrag für die Zah« lung Ihres Anzuges zahlte ich Ihnen bei meiner Anwesenheit per- sönlich, und verstehe ich Sie nicht, wie Sie dazu kommen, die Sach- läge zu entstellen. Auf dort kann ich unmöglich in dieser für mich so schweren Zeit kommen und lasse ich an die Firmen das bekannte Schreiben, von welchem ich Ihnen ein kleines Muster beifüge, gelangen. Ich nehme iratürlich an, daß Sie diese Orders einwandfrei(1) hereingebracht haben, und können somit meine Aufforderungen ja keinen Anstoß st) erregen. Hochachtungsvoll st) Harmsen. Hamburg, den 24. Juni 1911. Herrn Fritz Geyer, Hagen/W. i I i Ich sende Ihnen heute telegraphisch weitere 20,— M. «td hoffe, daß Sie in kommenden Tagen so viel machen, daß ich für Sie die dringendsten Schulden von hier aus zur Absendung bringen kann und bitte ich Sie. mich hierüber zu orientieren. Ihre Zahlungen für Ihre Wohnung können doch wirklich nicht so abnorm sein, wie Sie dies stets be- tonen und immer ständig hiermit im Rück st and sind. Den Briefen liegt eine vom 24. Juni 1911 datierte«Auf- r e ch n u n g" bei, wonach Geyer»laut Schuldschein vom 27. Mai" bei Harmsen 2726,05 M. Borschus; hatte. Dazu hatte er bis zum 24. Juni 334 M. von Harmsen be« kommen. Weiter figurieren»100 M. HerminghauS u. Co." und „7ö M. Killing it. Sohn", die Geyer anscheinend kassiert(!) hat, sowie„15 M. Provision Brause n. Co.", sowie„15 M. Provision I. H. Schmidt Söhne". Dann heißt es weiter in der»Auf- rechnung": »Zur Berrechnung kommen Tillmannsche Eisenbau.... 30.00 M. Gebr. WellerShauS...... 50,00» Alexander werke....... 300,00, Berg. Stahlindustrie..... 400,00» Peter Becker jr.....,.. 50,00„ Aich. Linde nberg...,... 100,00„ HerminghauS u. Sohn..... 100,00„ Killing u. Sohn........ 75,00» Henkels............ 800,00» WeyerSber" Kirschbaum... 300,00„ 1705,00 M. Ab 30 Proz. 510 M. von obigem i rschuß 8265,05 M. Ab 610,00„ 2755,05 M. SuS dieser Aufrechnung wollen Sie ersehen, daß Ihr Konto noch immer in gleicher Höhe belastet ist und daß vou einer Redu- zierung nichts zu merken. Bemerken möchte ich noch, daß von der Nahmer 300,00 M.. R. L i n d e n b e r g 100,00 M. und die letzten 600,00 M. ja noch ausstehen(also 1000 M.), und werden bei diesen Posten hoffentlich keine Schwierigkeiten ent- stehen." Also vou den 1700 M., die die niederrheiuische« Ar- beiterfeinde und Scharfmacher hergegeben haben, bekam der Gentleman Geyer nicht weniger als 510 M., also liahez» den dritte» Teil, d«S Geld zu verzechen und zu verschwiemeln! (Schluß folgt.) IltorMo vor dem Schöffengericht. Ein Prozeß mit politischem Hinlergrund wurde gestern vor der 48. Abteilung des Schöffengerichts Berlin�MiLL* unter Vorsitz de 5' Amtsrichters Krey verhandelt. Als Privatilägcr stand der Heraus- geber der..Grenzbotew", George Cleinow, unter Beistand des Rechts- anwalts Dr. Marwitz, dem Redakteur der„Post", Hermann MitUcr, gegenüber. Dieser wurde vom, Rechtsanwalt Bredererk verteidigt. In Nr. 36 der„Geerzboten" vom 6. September 1911 war ein Artikel erschienen, der sich gegen die Haltung der„Alldeutschen" in der Marokko-Fragc wandte und die«Nheinisch-Westfälische Zei- tung". die..Post" und die«Tägliche Rundschan" als„Mannes- manns-Presse" bezeichnete, die es verstehe, die öffentliche Meinung irre zu führen. Wenn diese irreführenden Artikel nicht aufhörten, so würden die Fäden aufgedeckt wcrdem die von den Gebrüder Mannesmann zu den drei Zettungen hinüberführen. Die Antwort auf diesen Artikel in den„Grenzboten" war so deutlich und euer- gisch, daß Herr Cleinow gegen die verantwortlichen Redakteure der genannten drei Blätter die Privatklage anstrengte. Das Verfahren gegen die„Tägli-be Rundschau" wurde eingestellt, weil dem Be- klagten der Schutz des§ 193 zugesprochen wurde; eben-so wurde das Verfahren gcgcn die„Rheinisch-Westfälifche" eingestellt, weil das hiesige Gericht unzuständig war.„. Die„Post", gegen die sich nun allein die Privatklage richtet, bezeichnete in drei Artikeln die Unterstellnugen der..Grenzboten" als„niederträchtige Verleumdung",„journalistische Charakterlosig- k-it",„Niederträchtigkeit", ein solches Verfahren verdiene Verachtung, jedermann niüffc dock, wissen, daß der alldeutsche Verband und die alldeutsche Presse nicht Trinkgelder aus Korruptionssonds empfange und eS sc' bedauerlich, daß ein Blatt wie die„Grenz- boten" sich in der Rolle des„Vorwärts" wohl fühle usw.— Zeugen waren nicht geladen. Rechtsanwalt Dr. Marwitz: In dem Artikel der„Grenzboten sei mit keinem Wort angedeutet, daß die„Post" in irgendwelcher materiellen Abhängigkeit von den ManneSmannK stehe. Der Artikel der„Greuzboten" sei am 3. September 1911 geschrieben worden. Nach den jetzigen Enthüllungen stehe eS fest, daß Deutschland da- malS unmittelbar vor dem Kriege stand mit England �und Deutsch- land. Wenn in solcher Zeit ein nationaler Mann aussteht und das Pub'ikum vor falschen Beeinflussungen durch Preßorgane warnt, die düpiert würden auf Grund einseitiger Information durch die Maimesamnns, so habe er nur eine nationale und patriotische erfüllt. Wenn dann ein Blast, das in Offiziers-, Beamten- unb besseren Bürgerkreisen gelesen werde, von„niederträchtiger l Verleumdung",„Charakterlosigkeit" und dergl. spreche, so stellen diese Worte sehr schwere Beleidigungen dar. Welche beleidigende Absicht obgewaltet, gehe auch aus folgendem hervor: Es sei jour- mlistisch doch ganz unerhört, daß ein Redakteur im journalistischen Kampf von seinem Gegner mit seinem militärischen Titel bezeichnet werde. Hier aber habe man den Kläger, der Offizier z. D. sei, fälschlich als„Hauptmann a. D." bezeichnet. Wahrscheinlich habe man die Militärbehörde auf diese Affäre aufmerksam machen wollen, und wirklich sei der Privatkläger vor das Bezirkskommando gefordert und befragt worden, wie er dazu komme, sich Hauptmann a. D. zu nennen. Der Angeklagte müsse eine empfindliche Strafe erhalten, Rechtsanwalt Brrbereck: Der Artikel der„Grenzboten" ent- halte überaus schwere Beleidigungen gegen die drei genannten Zei- jungen, und wenn die„Post" die schwere verleumderische Beleidi- gung, daß sie ihre politische Haltung durch materielle Vorteile be- einflussen lasse, daß Fäden, unlauterer Art von ihr zu Vu Gebrüder Mannesmann hinüberführen, daß sie ein unwürdiges Spiel treibe und das Ansehen Teutschlands schädige, mit energischen Worten zurückweise, so sei sie dazu absolut berechtigt gewesen. Die„Post" habe in der Marokkoaffiire von Anfang den Standpunkt vertreten, der auch der Standpunkt des Herrn v. Äiderlen-Waechtcr ursprüng- lich gewesen sei. Der Angeklagte habe in einein Notstand der be- lcidigtcn Ehre gehandelt, denn wenn er sich wirklich durch materielle Vorteile beeinflussen ließe, so wäre er der größte Schutt, der mit Schimpf und Schande weggejagt werden müßte! Das konnte und durfte der Angeklagte als niederträchtige Verleumdung zurückweisen. Der Artikel der„Tägl. Rundschau", der in zwei Instanzen zur Abweisung des Klägers auf Grund des§ 193 geführt habe, habe noch viel kräftigere Worte der Abwehr enthalten. Eventuell biete der Angeklagte den Beweis dafür an, daß in der Tat eine nieder- trächtige Verleumdung vorliege. Dem Privatkläger müsse ebenso wie dem Angeklagten bekannt sein, daß die Regierung und Herr v. Kiderlen-Waechier, als der„Panther" nach Agadir geschickt wurde, nicht nur das Ziel verfolgte einen Teil von Marokko Deutschland einzuverleiben, sondern dieses Ziel auch verschiedenen Personen mitgeteilt habe, so dem Reichstagsabgeordneten Erzberzcr, dem Vorsitzenden des All- deutschen Verbandes, Rechtsanwalt Claas, und dem Chefredakteur Rippler. Herr v. Kiderlen-Waechter habe stets gesagt, Westinarokko müsse deutsch werden. Herr v. Kiderlew-Waechter werde dies als Zeuge bestätigen müssen. Ihm habe auch die Resolutton des All- deutschen Verbandes vom 23. April vor ihrer Beschlußnahme zur Kenntnisnahme und Aeußerung vorgelegen� und er habe sie ge- billigt. Dann habe der Geh. Rat Heilborn vom Auswärtigen Amt den früheren verantwortlichen Redakteur der„Post", Herrn Luft, gegenüber dasselbe geäußert, daß ein Teil von Marokko deutsch werden müsse und habe die„Post" ersucht, in der öffentlichen Mci- nung hierfür Stimmung z« machen. Der Privatkläger sei über diese Regierungsabsicht ganz genau informiert gewesen« denn die „Grenzboten" seien offiziöses Organ des Herrn v. Kiderlen- Wacchter, und deshalb handele es sich in dem Artikel der„Grenz- boten" um eine bewußte Verleumdung. Die„Post" habe aus rein sachlichem und nationalem Interesse ihre Artikel in der Marokko- affäre geschrieben. Ihre von vielen nationalen und sehr patrio- tischen Männern geteilte Ansicht gehe dahin: wenn man den „Panther" nach Agadir schicke, so müsse man auch alle Konsequenzen ziehen, aber es sei nicht sehr erbaulich, wenn auf eine solche kühne Geste dann plötzlich ein Rückzug erfolge. Diese Politik müsse jeder nationale Mann als schmachvoll empfinden. Erst in der Geste des 1 starken Mannes aufzutreten und dann vor dem uns beschimpfenden England zurückzuweichen!, sobald dies nur eine energische Haltung zeigt, sei nicht nach dem Geschmack der sich ihrer Kraft bewußten Deutschen. Der Verteidiger beantragte die Freisprechung des An- geklagten und eventuell Beweiserhebung. Rechtsanwalt Dr. Marwitz beruft sich aus eine sehr nationale Zeitung, die„Allgemeine Zeitung" in Chemnitz, die sofort erkannt habe, daß die„Grenzboten" keineswegs den Vorwurf materieller Abhängigkeit der drei Zeitungen von den Geb-üder Mannesmann haben erheben wollen. Es könnte außerdem bewiesen werden, daß ein Angesteltter der Manncsmannö Beziehungen zur„Post" hatte und ei» Artikel der„Post" von den Gebr. Mannesman» herrührte. Es handele sich lediglich um polidische Fäden, die von den letzteren zur„Post" hinüberführten. Die„Post", die sich ihrer nationalen Haltung so rübme, habe sich sogar zu einem Schmähartikel gegen den Kaiser verstanden und sei dann unter dem Drucke ihrer eigenen Partei gezwungen worden, den Artikel zu desavouieren. Der Privat- kläger habe den drei Zeitungen nur zurufen wollen, daß sie sich mißbrauchen lassen und in Wirklichkeit für die ManneSmannschen Interessen kämpfen. Was die Beweisanträge betrifft, so werden alle darin behaupteten Tatsachen als vollständig irrig bestritten. Privatkläger Cleinow: Er versichere, daß er nicht einen Augen. blick geglaubt'habe, daß die drei Zeitungen bestochen worden seien. Die Haltung der„Post" habe sich seit- der Unterredung in Swine- münde geändert: sie habe sich nur durch den journalisttsöben Dienst der Gebr. Mannrsmann informieren lassen. Letztere hätten ver- sucht, die gesamte Presse zu beeinflussen, doch sei eS ihnen nur bei den drei erwähnten Zeitungen gelungen. Wenn Zeiwngen in dieser Weise auswärtige Politik machen« so sei dies nicht zu billigen; es wäre doch ihre Pflicht gewesen, sich an der zuständigen Stelle zu informieren« Rechtsanwalt Bredereck: Die Herren, die sich an der zustandi- gen Stell- informiert haben, seien leider in der Lage gewesen. später Herrn v. Kiderlcn-Waechter der Unwahrheit zeihen zu müssen. Dies waren Herr Claas und Herr Ripplcr. Privatkläger Cleinow: Serr v. Kiderlen-Warchter wird bereit sein, über die Borgänge im Reichstag, in der Kommission und bei der Unterredung niit Herrn Claas vor Gericht Auekunft zu»eben. Das Gericht sprach noch kurzer Beratung den AngcNagtcn frei und legte die Kosten des Verfahrens dem Privatilägcr aus. Der Gerichtshof billigte dem Angeklagten den Schutz des 8 193 zu. Der Artikel der„Grenzboten" enthalte den Vorwurf, daß ein Blatt, welches nattonale Interessen vertrsten wolle, in Wahrhci in einer materiellen Abhängigkeit zu den Gebr. Mannesmann stehe. Ein so schwerer Vorwurf habe eine scharfe Abwehr erfordert, und der An- geklagte habe der Meinung sein können, daß nur die gewählten Worte geeignet seien, die schwer beleidigende Unterstellung energisch zu verwischen. Denn er wußte, welche Bedeutung das'geschriebene Wort habe. Unter diesen Umständen bedurfte cS weiter keiner Be- weiserhehung. �# Wegen des Artikels in den„Grenzbotew" hat die„Rheinisch- Westsälische Zeitung" Beleidigungsklage erhoben. Die Verhandlung soll demnächst in Essen stattfinden Geladen sind zu ihr v. Kiderlen- Warchter, Legattonsrat Heilborn sowie die Herren Erzbrrgcr, Claas und Rippler. Ob da endlich eine Beweisaufnahme durch- gesetzt werden wird?__ H119 Induftm und Handel« Preußen im Kohlensyndikat! Die Frage der Erneuerung deS preiswucherischen rheinisch. westfälischen Kohlensyt dikats ist ganz plötzlich in neueS Fahttvasscr gekommen, ES ist heut« sicher, daß die wichtigste Stutze der syndilatsgcgnerischen Zechen, der p r e u ß i s ch. f i s k o l i s ch e Kohlengrubcnbesitz, seine Außenseiterpofition dem Kohlen» shndikitt gegen übe- aufgegeben hat! Die preußischen Kohlengruben in Westfalen produzierten 1919 2 310 000 Tonnen Kohle, wobei zu beachten ist, daß die Steinkohlen- bergtvcrke Zweckel und Scholven noch ausgebaut werden. Tie Saarzcchcn stehen seit langem in voller Förderung. Besonderes Interesse erregte es, als der preußische Fiskus sich kürzlich durch verschiedene Transaktionen in der Rheinschiffahrt sichere Transportmöglichkeiten schaffte. Damals wurde an- genommen, daß der Staatsbesitz an Kohlengruben vom Syndikat unabhängig bleiben würde, um so einen äußerst heilsamen und notwendigen Druck auf den Kohlcnwucher auszuüben« Veavundttlich erschien es schon kürzlich, daß die am 12. Dc- zember abgehaltene Sitzung der Zechenbesitzer des Kohlensyndikats nicht wie sonst die Festlegung der neuen Richtpreise vom 1. April 1912 vollzog, sondern deren endgültige Bestimmung vertagte. Da durch diese Mahnahmen das Kohlen'syndikat gehindert wird, feste Abschlüsse pro 1912/1913 zu machen, so mußt« ganz besonders Wichtiges vorliegen, um jenen Beschluß zu erzeugen. Dies um« somehr, da die günstige Konjunktur zu einer Kohlenpreis- erhöh ung unbedingt ausgenutzt werden soll! Es sind nicht nur bis jetzt syndikatsfreie Zechen, die dein Kohlensyndiiat den Verkauf ihrer Produktion übertragen haben, auch der preußische Bergfiskus hat dies kür seine rheinisch-westfälische Produktion getan, für die Saarzechen steht die Abmachung zurzeit noch aus Damit ist sogut wie völlig die Möglichkeit verschüFUnden, ernstlich von Staatswegcn dafür zu sorgen, daß die Kohlenpreise, von denen die Industrie völlig abhängt, nicht ins Ungemessene ge- trieben werden. Es ist nach der ganzen preußischen Tradition. wie sie sich auch im Kalishndikat seit Jahren zeigt, nicht anzu- nehmen, daß der Staat seine Vertreter ins Kohlenshndikat schickt, um da Opposition im Interesse der Allgemeinheit und des Volks- Wohles zu treiben. Es handelt sich jetzt um nichts mehr und nichts weniger, als daß der preußische Staat offiziell unter die Kohlen» Wucherer gegangen ist! Die Kohlenpreiserhöhung kommt so zum Frühjahr mit preu- tzischer Staatshilfe erst recht! Sie wird die RohmuterialienauS» gaben der Industrie erschweren, und zuletzt wieder auf ein Mittel zur Hemmung der Wirtschaftsentlvickelung hinauskommen, nicht aus innerer Notwendigkeit, sondern weil die Kohlenherren nie genug bekommen können. Und dazu muß natürlich die preußische Regierung kräftig helfen. Vom Dreiklassenparlament ist schwer- lich zu erwarten, daß es dazu ernsthafte Wörtchen mitredet, daS hat schon die vorjährige Kommission, die zur Beratung dieser Frage eingesetzt war, bawiesen. Um so notwendiger ist es, daß das deutsche Volk aufmerksam die Preiswucherhitfe des preußischen Staates beobachtet. Gerichts- Leitung. Ei» an Raub grenzender Uebersall auf offener Strasse führte gestern den Kutscher Wilhelm Hagel vor die 3. Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte war in einer Selterwasscrfabrik als Kutscher angestellt. Am Abend des 20. November v. I. suchte er ein Lokal mit Bedienung von„zarter Hand" auf. in welchem er das am Tage für seinen Chef einlasfterte Geld im Handumdrehen verjubelte. Als er wieder einigermaßen nüchtern geworden war, überkam ihn die Reue über seine Tat. Um das verausgabte Geld wieder ersetzen zu können, faßte er den Plan, irgend einen Manschen zu überfallen und ihm das Geld abzunehmen. Er faßte Unter den Linden Posta und ging hinter einer jungen Dame her, die ihr Hand- täschchen lose über den Arm gehängt trug. Es war dies eine Ver- käuferin Scholz, die als„kalte Mamsell" in einem Bicrhaus am Potsdamer Platz angestellt ist und von dem Besuche von Verwandten zurückkehrte. In der Königgrätzer Straße, dicht hinter dem Brandenburger Tor, stürzte der Aiigctlagte auf die Erschrockene los und entriß ihr die Tasche. Als die Ech. hilferufcnd hinter ihm herlief, drehte sich der Angeklagte nochmals um und bedrohte sie mit einem offenen Taschenmesser. Der dreiste Räuber wurde von Passanten verfolgt und» auf dem Potsdamer Platz festgenommen. Die gestohlene Tasche, welche zirka 30 M. enthielt, wurde jedoch nicht mehr bei ihm vorgefunden, da er sie auf drr Flucht irgend wohin geworfen hatte, wo sie dann von einem Unbekannten ge» fanden und bebakten worden war.— Der Staatsanwalt beantragte IßZ Jahr Gefängnis. Das Gericht ging jedoch noch über diesen Antrag mit der Begründung hinaus, daß es im Interesse der öffentlichen Sicherheit liege, derartige ebenso dreiste wie gemein- gefährliche Straftaten mit aller Schärfe des Gesetzes zu ahnden. Das Urteil lautete auf 2 Jahre Gefängnis. Haftpflicht eines Arztes für einen Kunstfehier. Am 20. November 1905 verletzte sich der in Wetzlar wohnende Referendar S. beini Zerbrechen des Kranzes eines Tintenfasses. Infolge der erheblichen Schnittwunden am Zeigefinger der rechten Hand, begab er sich zu dem SanitütSrat B. in Wetzlar. B. nähte die Wunde zu. achtete jedoch nicht darauf, daß die Sehnen mit durchschnitten waren; da er die Sehnenenden nicht miteinander verband, blieb der Finger steif. Als S. nach Köln versetzt worden war und sich dort untersuchen ließ, versuchte der Speziolarzt in Köln, durch eine neue Operation die Sehnen wieder zu verbinden; doch gelang es nicht mehr, die Krümmung des Fingers vollständig zu heben. S. hat alsdann gegen den Sanitätsrat B. Klage aujj Schadloshaltung und Schmerzensgeld erhoben. Das Landgerirttt wies die Klage ab. Das Oberlandesgericht Frankfurt a. M. erkannte die Ansprüche des Klägers auf Zahlung einer Rente und Gewährung von Schmerzensgeld dem Grunde nach als berechtigt an. In der Urteilsbegründung erklärt das Ober- landesgericht, daß die Steifheit des Fingers des Klägers auf einen Künstfehler zurückzuführen sei. Dr. B. habe die Behandlung des Klägers übernommen und sei mit ihm einen Dienstvertrag ein- gegangen. Die Voraussetzung des Anspruches des Klägers sei ein fahrlässiges Handeln des Beklagten. Ein solches liege aber darin, daß der BeNagte den Finger genäht hat, ohne die durchschnittenen Sehnen miteinander zu verbinden. Den Zustand hätte er bei einiger Aufmerksamkeit erkennen müssen. Zwar stehe nicht ganz feit, daß der Kläger bei Vereinigung der beiden Sehnenendcn die volle Beweglichkeit des Fingers wiedererlangt haben würde; doch spreche eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür. Diese Wahrscheinlichkeit genüge zur Begründung des Anspruchs des Klägers. Das Reichsgericht hat das Urteil des OberkandeSgerichtS Frankfurt bestätigt und die Revision der Erben des inzwischen der, storbenen Beklagten zurückgewiesen. Gegen die Ohrfcigenlehrer. In Sachen einer Pirvatklage des minderjährigen Garcarek zu Lubczhn wegen Körperverletzung, angestrengt gegen den BolkSschul- lehret Krajewski zu Lubezyn, hatte die Regierung zu Posen de» Konflikt erhoben, mit der Behauptung, daß der Lehrer die in Be- tracht kommenden Ohfreigen dem Jungen in Ausübung seiner Amtsbefugnisse gegeben habe. Die Regierung verlangte deshalb Einstellung des Verfahrens gegen den Lehrer. Dos Oberverwaltungsgericht erhob Beweis und stellte folgen- des fest: Der genannte Schüler hatte eines TageS eine Kuh zu hüten. Der Knabe kletterte auf einen Baum und paßte auf seine Kuh nicht ordentlich auf. Sie lief auf das Grundstück des Lehrers und fraß dort. Der Lehrer kam hinzu und machte schließlich dem Jungen Vorhaltungen. Als dieser sich herausredete und ihn belog, gab er ihm ein paar Ohrfeigen. Durch das Zeugnis eines Mädchens wurde festgestellt, daß dem Jungen infolge der Schläge die Nase blutete. Das Oberverwaltungsgericht entschied jetzt dahin, baß drr Konflikt der Regierung unbegründet fei, und daß somit dem Ver» fahren gegen den Lehrer Fortgang gegeben werden müsse. Begrün- dend wurde ausgeftihrt: Die ErzichungSpflrcht des Lehrers erstrecke sich auch auf die Zeit, wo der Schüler die Schule nicht besuche. So sei denn auch hier anzunehmen, daß der Lehrer an sich in Aus- Übung einer Amtspflicht handelte, nachdem der Junge ihn belogen hatte. Er habe aber diese Amtspflicht überschritten, und zwar schon deshalb, weil eine Verfügung der Schulabteilung der Re- gierung in Posen existiere, wonach die Kinder nicht aus den Kopf geschlagen werden sollen. Tie Verabreichung einer Ohrfeige wider- spreche dem. Die Ohrfeige sei außerdem aber auch so gewesen, daß die Nase blutete. Auch darin wüdre eine Ueberschreitung deS Züchtigungsrechtes gesehen werden müssen, weil es der Lehrer an dör bei einer Züchtigung nötigen Vorsicht habe vernttssen lassen. .Der Konflikt der Regierung sei darum unbegründet, GeffentUebe poKtiseheVersatniniutigett für Frauen und Männer Kewte Donnerstag, 4. Januar 1912, abends 8 Uhr Kveis 1: Dräsels Festsäle, Neue Friedrichstr. 35, „ 2: KreuzberF-Festsäle, Kreuzbergstr. 48, w 8: Dresdener Kasino, Dresdener Str. 96, n h; Urania, Wrangelstr. 9— 10, n„ Boekers GesellschaftshauS, Weberstr. 17, „„ Löwenbrauerei, Frankfurter Allee 63, „„ Comeniussäle, Memeler Str. 67, „„ Elysium, Landsberger Allee 40—41, „ 5: Königssäle, Neue Königstr. 26, Eingang Waözeckstraße, „ 0: Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10, ,„ Borussia, Ackerstr. 6— 7, „ w Swinemünder GesellschaftshauS, Swinemünder Str. 42, „„ Cranz' Festsäle, Kösliner Str. 8, „„ Pharus-Säle, Müllerstr. 142, in folgenden Lokalen: )(reis 8: Berliner Bockbrauerei, Chausseestr. 64, „„ Brauerei Patzenhofer, Turmstr. 23—26, „„ Franke, Badstr. 19. I'eltcm-Beeskcw. Charlottcnburg; Volkshaus, Rostnenftr. 3, ZMtiigs-Vtosterkauseti: Altes Schützenhaus, Hixdorf: Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49. „ Wittenburgs Festsäle(Rixdorfer Theater), Bergstraße, LtSgUi?: Birkenwäldchen, Schützenstraße, Treptow: Sport-Restaurant, Elsenstr. 115—118, Sanmsehulenweg: Speers Festsäle, Baumschulenstr. 73, 'WUmersdorf: Kurfürstenpark, Kurfürstendamm 119, Zetatendorj: Mieck, Karlstr. 12. Referenten: Genossen Hysche, SarN»-,, Vorwärts", Otto Srautt, Otto Süchner, Srnst Däumig, Gertrud vavid, Jttartha Oemmulng, Anna Wetz,?an! J)upont, Agnes Vahrenwald, Marie Greifend erg. Otto Kandke, Gertrud Kanna,?anl Kirsch, Martha Koppe, Wilhelmine Kahler, Berta Sungwitz, Anna Matschke, Kugo foetzsch, A. Silberstein, Otto Sillier, Georg Ucko, Klara Wegl, Trida WnlJJ, Mathilde Wnrm, Luise Ztetz. toe/n Tagesordnung: Die Trauen und die Aeiehstagswahl Freie Aussprache. IGF" Ehrenpflicht aller Frauen— aber auch der Männer— ist es, in diesen Versammlungen zu erscheinen!-MR Trauen Berlins und der Vororte! Beweist durch Massenbesuch der Versammlungen, ein wie reges Interesse Ihr am politischen Leben habt. Agitiert unter Euren Mitschwestern für den Versammlungsbesuch und straft so die Leute Lügen, die da behaupten, die Frau wäre in? different, stände dem politischen Kampfe gleichgültig gegenüber._ Ber Sitthernfer. Eugen Ernst, Liesenstr. 16. E}}SO Todes-Anzeigen Am Dienstag, den 2. Januar, | oerstarb nach langem Leiden I I mein lieber Mann, unser treu-! I sorgender Vater und Schwicger- 1 | vater, der Buchdrucker Paul Klein im 64. Leb ensjahre an Herzschwäche. Marie Klein geb. Schmerse und Kinder. Die Beerdigung findet am Freitag, den b. Januar, nach. mittags 3'l, Uhr, von der Leichen- balle deS izriedenS-KirchhoseS in Nordend aus statt. TVpogrspkis. Am 2. d. MtS. verstarb nach langem Leiden unser Mitglied, der Buchdrucker Fsirf fiCiein im 64. Lebensjahre. Lange Jahre hat der Entschlasenc dem Verein seine Kräfte gewidmet und sich dadurch ein ehrendes An- denken gefichert. Die Sänger werden gebeten, sich recht zahlreich zum letzten Geleit einzufinden. Beerdigung siehe vorstehend. Oer Vorstund. In der Nacht vom 1. zum 2. Januar verstarb nach langen Leiden unser lieber Kollege, der Kasscnbote 27/2 Paul Klein im 64. Lebensjahr« Wir werden sein Andenken In Ehren halten. Berlin, den 4. Januar 1918. Die Verwaltnni des Vereins der Berliner Bnch- drnckcr und ScbrlftgleOer. Die Beerdigung findet morgen Freitag, den b. Januar, nach- mittags 8'/, Uhr, von der Leichen» Halle des FriedenS-KtrchhojeS in Nordend auS statt. Or. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10— 2. 5—7. SonntagB 10— 12. 2— 4. Verband der Gemeinde- u. Staaisarbelter, Filiale GroS-Beriln. Durch den Tod ist unS unser Kollege Wiehert Janens von der Sektion RevtertnspeMonen (38. Revier) entrisien worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Freitag, den b. Januar, nach- mittags, in Läßlich bei Darenthm statt. 33/1 Tie OrtSverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Vsrwsltungtstelle Berlin. Todeaanselce. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher mil't Hahn am 31. Dezember 1911 gestorben ist. /, Uhr, aus dem Sd-Mattbias-Fnedhos in Mariendors, Tchönebergcr Straße 146, statt. 2341b Rege Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltung. Dien» tag, mittag» 2 Uhr, erlöste ein sanster Tod meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante LmiKs Vogel ; ichit von ihrem kurzen aber schweren Leiden. Um stilles Beileid bitten Wilhelm Bogel nebst Kinder MuSkaucr Straße 12. Beerdigung Sonnabend, den 6. Januar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- KirchhoteS, Hermannstraße. 223/1« s o z i aldemokratifche Wahlkomitee. Unseren vereinen, Freunden und Bekannten ein fröhliches und gesunde» Danksaxunx. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranz. spenden bei demHInscheiden meine» lieben ManneS, unseres guten Vater» Ksrl Reppmann lagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, bc- sonders dem Gesangverein.Nord- deutsche Echleise', dem Pflanzer- verein.Jägcrbcim- und dem Personal der Firma H Naeser hiermit unseren herzlichsten Dank. Bio trauernden Binlerblledenen. Rixdors, den 30. Dezember 191t. Neues Jahr! fMilifJolg, sSjKW Stofle Reste. Anzug, Paletot Mtr. 3,- M Loden für Pelerinen Mtr. 1,50, 2,50. Tuchlager Koch& Seeland Q. m. b. H. CertraiiilieiBlr. 20/21 ÄVür Deutscher Holzarbeiter-Verband. nupeuer uiorionuniS. Nachdem der Anschluß der Charlottenburger Zahlstelle an Berlin durch Beschluß des Vorstandes am 1. Januar erfolgt ist, machen wir die Mitglieder darauf aufmerksam, dag die Erledigung der Geschäfte durch das Bezirksburcau des Per- bandes Charlottcnburg, Kalckrcuthstr. 16. erfolgt. Das Bureau ist täglich geöffnet von 11—1 Uhr auher Sonnabends und Montags von 4—7 Uhr. Während dieser Zeit können die Kollegen ihre Unterstützung in Empfang nehmen und alle übrigen Verbandsangelegenhciten erledigen. Freitags nachmittags wird auch im Lokal von Schulz. Wall« straffe 90, von 4—-T1/, Uhr Unterstützung ausgezahlt. Zahlstellen sind eingerichtet WaUstr. 90 bei Schulz und Potsdamer Str. 44 bei Metzdorf. Außerdem können die Kollegen in denCharlottenburg nächstliegenden Zahlstellen Moabit, Putlttzstr. 8 und Zahlstelle 88 Wilmersdorf. Wilhelms« auc 112 ihre Beiträge entrichten. Ans diesen Zahlstellen werden Sonnabends abends von 8—10 Uhr Beiträge entgegen- genommen. Die Kollegen werden ersucht, ihre Anmeldung nicht zu versäumen, uni ihre Rechte und Mitgliedschaft nicht zu ver- lieren. Die Anmeldung geschieht bei der ersten Beitrags» leistung. Tic Lrtöverwalttnig Berlin. Danksagung. Für dt« vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigimg meiner Tochter 2Z38b Kaie Korbitz söge ich allen Teilnehmern, insbesondere ihren Turngenossen und Genossinnen vom Turnverein„Fichle" sowie ihren Arbeitskollegen und Kol- leginneii aus der A. E.-G. meinen besten Dank. Frau Luise Körbist und Kinder. atteun Älbert Kud'.', Lerlk. gut best Jnseratttttetl verasttw.: Th. Glocke, Berlin. Druck a. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei». Verlagßanstalt Paul SmAer u. Cö�ÄettlnLiV. Kr.S.?9. Zahrgavs. A Srilliac ilts Lomilrls" Knlim UsidsdlM Nomtlsla� i. lannar 1912. Szhlbe«egllng in Groß-fkrlin. Im vierten Berliner Reichstagswahlkreis beschäftigten sich am Dienstag 11 Volksversammlungen mit der Reichstagswahl. Die Referenten sprachen über das Thema: JOie Reaktion und das Volksgcricht". In„Kellers Festsälcn", Koppen� stratze 29, wo der Kandidat des Kreises, Genosse Büchner, sprach war die Versammlung bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Redner wurde durch Beifallskundgebungen oftmals unterbrochen. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Genosse U ck o sprach unter großem Beifall in„Boekers Gesell schaftshaus", Weberstr. 17. In den„Andreasfestsälen", wo Genosse Kubig referierte� waren Gegner nicht anwesend. Der Redner fand reichen Beifall. Die Versammlung im„Elysium" war stark besucht. Genosse K l o t h fand bei den Anwesenden reichen Beifall. Diskussion fand nicht statt. Genosse Mermuth referierte unter großem Beifall in der „Drachenburg". Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Die Ver sammlung war gut besucht. Bei Graumann referierte Genosse D u p o n t. Der Redner fand während seines Vortrages reiche Zustimmung. Am Schluß lohnte die Versammlung den Redner noch außerdem mit großem Beifall. In der„Löwenbrauerei", Frankfurter Allee, hatte Genosse S i l l i e r das Referat übernommen. Die Versammlung zollte dem Redner reichen Beifall. In der gut besuchten Versammlung in den„Markgrafensälen" referierten die Genossen A y s ch e und D o m n i g. Die Redner fanden reichen Beifall. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. In den„Coinenius-Festsälen" sprach Genosse Georg S ch m i d vor einer zahlreichen Zuhörerschaft. Ein Versammlungsteilnehmer trug besonders zur Lebhaftigkeit der Versammlung bei. Ob er iönigstreu, gelb oder Zentrumsanhänger war, konnte leider nicht in Erfahrung gebracht werden. Seine wiederholten lauten Zwischen- rufe wurden vom Referenten aufgenommen und unter stürmischem Gelächter und unter großer Bcifallsbezeugung der Versammelten zerpflückt. Betrübt verließ der Herr langsam den Saal. In der„Brauerei Friedrichshain" referierte in einer namentlich von Frauen stark besuchten Versammlung Genosse Koblenzer. Der anderthalbstündige Vortrag wurde mit großem Beifall auf- genommen. Einem christlichsozialen Herrn Wolf mußte das Wort entzogen werden. Die Versammlung im Lokal„Südost", Waldemarstr. 75. war sehr gut besucht. Genosse Hönisch referierte in anderthalbstün- diger Rede unter großem Beifall. Mit dem Gegner, der für den 4. Kreis einigermaßen in Betracht kommt, dem Freisinn, rechnete er gehörig ab. Die traurigen Vorgänge im Asyl für Obdachlose verstand er ergreifend gegen die heutige Gesellschaftsordnung aus- zunutzen. In der Diskussion sprachen die Genossen Dr. Pletzner. Barnack und die Genossin Theuert. Die Stimmung in allen Versammlungen war gut. Geltow-KeesKoxv. Schulkinder im Dienst des Reichsverbandes. Oer Reichsverband gegen die Sozialdemokratie bat derart an moralischem Kredit eingebüßt, daß er neben vachsendeni� Mangel zcchlungsfreudiger Mitglieder auch die eigende Schwierigkeit zu verzeichnen hat, seine lügen. �schwollenen Flugblätter an den Mann zu bringen. Die mehren sich, wo der Reichsverband sich Schulkindern zur "'-breitung seines„AufSäruugsmatcrials" bedienen niuß. In Petersdorf im Wahlkreis Teltow- Bees- c d waren am zweiten Weihnachtsfeiertage Schulkinder im „er von 10 bis 12 Jahnen während der Kirchzeit tätig. R?.chsverbandsflugblätter von Haus zu Haus zu tragen. Ein Lrtseinwohner wurde bei dem Gemeindevorsteher Gruls deshalb vorstellig und erjuchte um Verhinderung dieses skandalösen Treibens. Da kam er aber schön an. Denn der Herr Gemeindevorsteher euklärte ihin schlankweg, er selbst habe die Schulkinder mit den Reichs Verbandsflugblättern ausgeschickt. kleines feiiilleton. Felix Dahn f. Der teutscheste aller teutschcn Dichter ist in Breslau fast 78jährig gestorben. Im Privatleben war er ein braver Lehrer des deutschen Rechts und ein Biedermann. Aber der b'uror tvutoniou« machte ihn zum Heldensänger und Dichter. Seine geschichtlichen Forschungen hatten ihn ins deutsche Mittelalter cnt rückt; in endlosen Bänden hat er.die Könige der Germanen" ge feiert. Die Geschichte bat er immer mit den Augen dcS nach Heroismus düritenden Knaben betrachtet, dessen geliebter Indianer- Held tragisch enden muß. Und so lebte er denn seit jungen Jahren in der nordischen und germanischen Geschichte, die er in Balladen besang und zu immer neuen(im Grunde aber: zu den immer gleichen) Romanen und Erzählungen verdichtete. In den Jahren des „nationalen Aufschwungs" seit 70 hatte Dahn seinen Höhepunkt, als er im vierbändigsn„Kampf um Rom" das heroische Ende seiner Gothenhelden schilderte. DaS Ungetüni der RomangeschichtSklitterei ist heute überwunden und das Epigonentum professoraler Schriftsteller längst abgetan. Die jüngere Generation nnitet der historische Roman der Dahn und Ebers als eine antiquarische Berirrung an, und nur eine wildgewordene nationale Phantasie konnte diese ganze Zwitterkunst einer kunstarmen Zeit genießen. Der Mann, der der Skalde seines Volkes im flatternden Odinsbart und großrandigein Hute sein wollte, hatte mit den Mächten und neuen Strömungen ferner Zeit keine Fühlung und sein Ueberschwang war ziellos und leer. Sunyatsen, der erste Präsident der neuen Republik China, hat seine ersten wissenschaftlichen Studien unter der Führung des englischen� Chirurgen Dr. James Cantlie gemacht. Der frühere Lehrer>-.unyatscns. der seit 25 Jahren mit seinem Schüler nahe Beziehungen unterhalten hat, schildert jetzt Wesen und Charakter dieses Führers der chinesischen Revolution. Es gibt in ganz China keinen Menschen, der besser dazu gecignei wäre, eine neue Ordnung der Dinge heraufzusührcn. so erzählt Dr. Cantlie. Sun ist Christ, und ich bin davon überzeugt, daß er der am tiefsten gebildete, der aufgetlärteste und der großherzigste Sohn des heutigen China ist. Man muß sich stets vor Augen hatten, daß die Chinesen in einer ganz anderen Gefühlswelt leben als die westlichen Rassen. Der Chinese strebt nicht nach Reichtum oder nach einer Stellung oder nach e nein großen Namen. Die tiefste Achtung und Be- wunderung flößt ihnen Wissen und Bildung ein. Dem Chinesen Die Wähler in Petersdorf werden den Gemeindevor- steher am Wahltage belehren, wie sie über diesen unerhörten Mißbrauch von Schulkindern zu reaktionär-politischen Zwecken denken. Rixdorf. In vier großen Volksversammlunge» nahm die Ar- beiterschast Rixdorfs am Dienstagabend Referate über das Theina: „Bürgertum und Sozialdemokratie im RcichstagSwahlkampfe" ent- gegen. Die Versammlungen waren sehr gut besucht, zum Teil sogar überfüllt. In den Hohenstaufen-Sälen sprach Landtagsabgeordneier P. Hirsch unter lebhaftem Beifall der aufmerksam lauschenden Zu- Hörer. Bei Petri in der Knesebeckstraße referierte Genosse H. Weber, dessen Ausführungen wiederbolt durch Beifall unter- brachen wurden; in den Passage-Festsälen fesselte Genosse Däumig die Anwesenden durch eine herbe Kritik der bürgerlichen Parteien, wofür er stürmischen Beifall erntete, und bei Hoppe in der Hernuuin- straße behandelte Genosse R. Barth das Thema des Abends, wofür ihm die Versammlung durch lebhafte Zustimmung dankte. Schmargendorf. Hier tagte am Dienstag eine imposante össent- liche Reichstagswählerversammliing. lieber 350 Personen füllten den Saal des Schützenhauses, die dichtgedrängt den Ausführungen des Genossen Z u b e i l lauschten, der mit den Schandtaten des verflossenen schwarz-blaue» Reichstags arg ins Gericht ging. Nachdem der Redner noch die Kandidaten der gegnerischen Parteien scharf unter die Lupe genommen und gezeigt hatte, wie ihre Versprechungen vor der Wahl stets mit ihren Grundsätzen im argen Kontrast stehen, schloß er seinen L'/z stündigen Vortrag mit dem Hinweis, daß es nur bei äußerster Pflichterfüllung jedes einzelnen möglich sei, den Kreis, der sich so überaus zu unserem Nachteil entwickelt hat, im ersten Wahlgang zu erobern. Die Versammlung spendete dem Redner brausenden Bei- fall. Mit einem ebenso brausenden Hoch schloß Genosse Lauke die imposante Versammlung. Nauen. Am Sonntag referierte Parteisekretär Genosse Pagels in einer öffentlichen Wählerversammlung über das Thema:„Wen wählen wir am 12. Januar." Anwesend waren 100 Personen, die den Ausführungen des Referenten lebhaften Beifall spendeten. Redner zeigte den Versammelten, daß von den sieben in unserem Riesenwahlkreise aufgestellten Kandidaten nur der Kandidat der Sozialdemokratie. Genosse Fritz Z u b e i l, als richtiger Vertreter des schaffenden Volkes in Stadt und Land in Frage komme. Schcnkcndvrf bei Großbeereu. Hier suud am Sonntag zum ersten Male eine imposante von etwa 150 Landarbeitern besuchte Vcrsanmilung unter freiem Himmel statt. Der Vortragende, Genosse Albin M o h s- Schöneberg, rechnete in einstündigem Vortrage mit dem verflossenen schwarz-blauen Blockreichstag und auch seinem schädlichen Gebaren bei der Reichsfinanzresorm gründlich ab. Er versuchte auch den Anwesenden die Notwendigkeit der politischen und gewerkschaftlichen Organisation klar zu machen und verwies auf die miserablen Löhne, die auf dem dortigen Nieselgut der Stadt Berlin gezahlt iverden. Die Ausführungen des Redners wurden von leb- haftem Beifall begleitet. Nach einem kräftigen Appell seitens des Versaminlungsleiters, fleißig biS zu den Wahlen zu agitieren und einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie gingen die Anwesenden auseinander. PrieroS. Sonntag nachmittag fand im Lokal des Herrn A. Bruder ja. d. Schleuse) eine gut besuchte Wählerversammlung, an der auch mehrere Frauen teilnahinen, statt. Leider erwies sich das einzige uns jetzt zur Verfügung stehende Lokal als zu klein, um die Er- schienenen zu fassen. Trotzdem sämtliche Tische entfernt waren, fand ein erheblicher Teil keinen Einlaß mehr. Trefflich verstand eS der Referent Genosse W u i ch i ck, die Sünden des schwarz-blaue» Blocks den andächtig Lauschenden klar zu machen; auch geißelte er scharf die Aeußerung des hiesigen Oberförsters, daß„wer rot wählt, keine Arbeit bekomme". Gegner, die aus sicherem Versteck ihre giftigen Pfeile gegen die Arbeiterschaft schleudern, nieldeten sich nicht zum Wort. Mit dem Wunsche, bald wieder eine Äersammlung ab- zuhalten und dem Gelübde, trotz der oberförsterlichen Drohung am 12. Januar rot zu wählen, gingen die Versammelten auL- einander. Storkow. Die Saalbesitzer verweigern hier der Arbeiterschaft beharrlich die Säle zur Abhaltung von Versammlungen. Am Sonntag ist es trotz des rigorosen Terrorismus der Ortsgrötzen gelungen, die volksfeindliche Politik unserer Stützen von Thron ...---- 7. i'wv Vit uc- stand 1887 in Hongkong die Prüfuns. und holte sich 5 Jahre später das Diplom. Aber er blieb an der Hochschule und studierte Iveitcr. Schon begann die Wohlfahrt semes Vaterlandes seine Jntercssen immer mehr auf sich zu lenke». Mit der Zeit versammelte et eine kleine Gruppe ernster junger Chinesen um sich, und so entstand in aller Bescheidenheit die..jungchinesische Partei". Die Bewegung Sing von Kanton aus urch hatte bereits nach 3 Jahren großen mfang angenommen. 18SS organisierte Sun dann einen Handstreich. der auf die Einnahme Kantons abzielte. Der Plan scheiterte und 15 der Führer bezahlten das Wagnis mit dem Tode. Sun war der einzige, der entkam; er erkannte, daß die Zeit nock nicht reif war, und verließ China, um sich in Europa mit der Kultur und der Zivilisation des Westens bekannt zu machen. Die chinesische Re- §ierllng hatte einen Preis von 50 000 Dollar auf Suns Kopf gesetzt. in den letzten 15 Jahren ist Suichatsen regelmäßig nach China zurückgekehrt und hat alle Teile des großen Reiches besucht. Wäh- rcnd der britische Konsul versicherte, daß Sun nicht in China sei, steckte er mitten im Reiche und streifte"irr Verkleidungen umher. So hat er das Land beispielsweise in der Maske eines Hausierers durcinvandert. Er bestellte in- den Provinzen Führer, sandte junge Anhänger auf zwei, drei Jabrc nach Europa, um europäische Zivili. ätiön kennen zu lernen, und so gewann er immer mehr Äichänger und Jünger seiner Ideen. Gefahr und Sorge um sein Leben hat ihn nie bekümmert, und als er cinnial von seinen jungen- Ge- innungsgenossen mit mir sprach, sagte er schlicht:„Wenn mir etwas zustößt, wird das für China nichts zu bedeutest haben. Jeder von ihnen ist imstande, meine Stelle auszufüllen." Noch einmal Shcrlock Holmcö und seine Borbilder. Uns wird geschrieben: In Nr. 304 des vergangenen Jahres wird auf Hauffs Märchen„Abner der Jude, der nichts gesehen hat" als auf ein Vorbild des findigen Detektivs hingewiesen. Aber gerade hier hat Hanfs offensichtlich stark mit fremdem Kalbe gepflügt. Man lese das dritte Kapitel von Voltaires prächtiger morgenländischen Ge- schichte„Zadig", und man wird sich überzeugen, woher Hauffs Abner stammt. Freilich hat auch Voltaire hier wie sonst stark aus andere», auch orientalischen Quellen geschöpft. Von der viel zu wenig� bekannten Voltaireschen Erzählung gibt es eine vortreffliche Uebersctzung niit grundgelehrten Anmerkungen von Adolf Elliffen in Reclams Universalbibliothek(Nr. 3012) und hier wird An- merkung 16 auf die 458. Nacht von„1001 Nacht" als Quelle für das betreffende Kapitel hingewiesen. Und auch dies ist schlverlich der Urquell. Bei hübschen pointierten Geschichtair findet, wenn man nach der Herkunft schöpft, ein Wahrer regressus in infinitmu(Rück- gung bis ins Unendliche) statt. Mim denke nur an Münchhausens Abenteuer und ihre viclverzwcigte Genealogie, zu deren Nachweisung auch Elliffen und neben ihm Eduard Hciscbach das meiste bei- getragen haben. Theater. LustspielhauS: Das große Geheimnis, Lustspiel von Pierre Wolff. Der neue Leiter deS LustspielhauseS, Balten- Baeckers, gab vor seiner Thronbesteigung die Erklärung ab, er werde das Genre feines Staminbanfes. des Residenz-TbeaicrS, nicht mit in das neue Heim binübernehmen. Dieses Versprechen wurde in eigenartiger Weise gehalten. DaS Er« öffnungSlustspiel ist zwar vor einer Reihe von Jahre» im„Import- Hause für französische Damen- und Herrenwäsche i» literarischer Aufmachung" gegeben worden, aber eö war ein Wechselbalg, der nur eingeschmuggelt Ivnrde. Im Wolffschcn„Lustspiele" gibt's keine AuSgezogenheiten. und eine einzige Anzüglichkeit wird präpariert, aber zur rechten Zeit fallen gelassen— wegen des anwesenden Back- fischeS. Und damit ist zugleich das Ganze gekennzeichneit. »Das große Geheimnis' schneidet ein Problein an. das in der und Altar g» beleuchten. Dem Wcchlkomitee war es gelungen, die -urzeit leersteheniien Geschäftsräume des Herrn Birkholz zur Ab- Haltung einer.Wählerversammlnng zu bekommen. Genosse K lüß-Rixdorf referierte und forderte unter lebhaftem Beifall auf, am 12. Januar Mann für Mann dem Kandidaten der Sozial- demökratie die Stimme zu geben. Genosse Bluhme besprach die örtlichen Verhältnisse und unterbreitete der Versammlung eme Resolution, die gegen l>as Verhalten der Saalbesttzer. die allen politischen Gebilden die Säle zur Verfiigung sttzllen. sie aber der arbeitenden Bevölkerung rücksichtslos verweigern, ent,chleoen pro- testiert Die Versammelten wurden aufgefordert, die Lokare der Saalinhaber solange zu inevien, bis man sie als gleichberechtig: anerkennt. Nachdem die Resolution einstimmig zur Annahme ge- langt war, wurde boikanntgcgeban, daß am 7. Januar zum Trutze der Gegner in demselben Lokal eine weitere Ver,en Gegner, sich zum Wort zu melden, machte niemand Gebrauch. Ter Vorsitzende ermahnte die An. wesenden die kurze Zeit zu einer kräftigen Agitation auszunützen und sich am Wahltag zur Verfügung zu stellen. Am Schluß trug der Gesangverein noch ein beifällig aufgenommenes Kampflied vor. Mahlsdorf sOstbahn). Letzten Freitag fand eine gut besuchte öffentliche Vvlksversammliung im Schliefeschen Saal statt, in der Genosse Stadthagen über die Bedeutung der kommenden Reichs- tagswahlen sprach und in scharfen Worten unsere famose Steuer- und Zollgesetzgebung geißelte. Nachdem Redner noch eingehend die von den Scharfmachern geplanten Angriffe auf da? Koalitionsrecht der Arbeiter beleuchtet hatte, forderte er die Anwesenden auf, alles daran zu setzen, daß der 12. Januar zu einem Tag der Niederlage für die Reaktionäre aller Schattierungen und einem SiegeStage für die Sozialdemokratie wird. Reicher Beifall lohnte diese Au§- führungen. Zum Schluß forderte der Vorfitzende noch zum Beitritt in den Wahljrnin und zum Abonnement auf den„Vorwärts" auf. potsäam Okt-kteveUancl. Potsdam. Ueber die RcichStagSwahl referierte am Sonntag Genosse Otto Braun unter freiem Himmel vor einer von über 2lXX) Personen besuchten Versammlung. Redner stellte die Tätig- keit der bürgerlichen Parteien im verflossenen Reichstage in das richtige Licht und erntete lebhaften Beifall. Derart stark besuchte Versammlungen haben in Potsdam noch nie stattgefunden und sind nur möglich geworden durch die S a a l a b t r e i b u n g der bürger- lichen Parteien, die die Absicht hatten, die Sozialdemokratie während der diesmaligen Reichstagwahl in Potsdam nicht zu Worte kommen zu lassen. Die Sozialdemokratie hat alle Veran- lassung, sich wegen der Saalabtreibung bei den Terroristen zu be- danken._ ßu9 der Frauenbewegung. Die„Heldin". AuS London wird uns unterm 1. Januar geschrieben: In der Aussperrung der Weber Lancashires spielt ein Fräulein B u r y eine hervorragende, obgleich traurige Rolle. Sie ist eine der Personen, die sich weigerten, der Gewerkschaft bei- zutreten, und deren Konflikt mit der Arbeiterorganisation die an- gebliche Ursache der Aussperrung ist. Die kapitalistischen Preß- trabanten schildern nun diese Arbeiterin als ein hochherziges, tapferes Weib, das den Mut gefunden habe, sich dem„TerroriSmuS" der Gewerkschaften zu widersetzen; sie ist die„Streikheldin" und ihr Bild erschien in allen Blättern, die den Mut des„freien Ar- beiters"— mit oder ohne Unterstützung des Unternehoiers— und einen fetten Profit zu schätzen wissen. Aus allen Teilen Groß- britanniens hat Fräulein Burp herzliche Glückwünsche von hoch- gestellten Personen erhalten; die Briefe trugen meist die Adresse: „Die Streikheldin in Great Harrwood." Der Ruhm dieser neuen Jungfrau von Orleans ist selbst bis nach Amerika gedrungen. Der Vorsitzende des Nationalen Fabrikantenverbandes der Ver- einigten Staaten hat es sich nicht nehmen lassen, dem Fräulein Bury sofort ein Telegramm zu schicken, in dem er sie als eine „Kämpferin für die verbrieften Rechte und Freiheiten des engli- schen Volkes" anspricht. Bezeichnenderweise hat dieser Herr zu gleicher Zeit den Vorsitzenden des englischen Streikbrecher- Verbandes, der unter der Flagge des„freien Arbeiters" segelt. von dem Telegramm in Kenntnis gesetzt. Unterdessen wundert sich die„Heldin" über die vielen großen Eigenschaften, die die Leute jetzt'an ihr entdecken. Sie hat sich immer für eine nüchterne und sehr praktische Person gehalten. Sie war lange Zeit Mitglied der Gewerkschaft und hat einem Zeitungsberichterstatter die Ursache ihres Austrittes erklärt.„All das Geld habe ich nun in dis. Gcwcrkschaftskasse gezahlt," erklärte sie,„und was habe ich davon zurückbekommen?" Fräulein Bury gehört anscheinend zu der Sorte Menschen. die die Gewerkschaft als eine Art Lotterie ansehen, in die man einen Schilling einzahlt, um zehn herauszubekommen. Leseabende. Lichtenberg. Heute, Donnerstag, den 4. Januar: Ertra-Leseabeno in den bekannten Lokalen. Hus aller Alelt. Im Zeichen der Ceuerung. Um die Gesundheit und Lebenskraft des deutschen Volke« zu er- halten— nicht etwa aus selbstsüchtigen Portemonnaieinteressen, wie allgemein behauptet wird— ist von den herrschenden Junkern und ihrem Klüngel das Einfuhrverbot für frisches Fleisch geschaffen worden. Und damit nicht etwa durch Verkauf des Fleisches, daS von den Zollbehörden an den Grenzen konfisziert worden ist, die Mägen der deutschen Arbeiter gefährdet werden, schreiben das Gesetz und seine Ausführungsbestimmungen vor, daß das über die Grenze geschmuggelte Fleisch, falls es in die Hände der Zollbehörde fällt, vernichtet werden muß. Eine recht treffende Illustration dazu lesen wir im„Borkener Wochenblatt", einem Zentrumsorgane. ES heißt dort: Einen guten Fang machten die Beamten des Zollamts. Mit dem Personenzuge, der um S Uhr abends von Holland einläuft, waren unter der Deklaration„frische Seefische" sechs Fischkörbe als Expreßgut angekomnien, die oben Eis und Schellfische ent- hielten. Als der Inhalt der Körbe aber einer genauen Durch- suchung unterworfen wurde, fand man unter den Eisstücken und Fischen sechs Säcke mit frischer Schweineleber im Gesamtgewicht« von über 700 Pfund. Da die Ein- fuhr der Leber gesetzlich verboten ist, wurden die Lebern beschlag- nahmt und werden jedenfalls von der Polizeibehörde ver- nichtet. Bei der gegenwärtigen Teuerung ist es eigentlich schade, daß man die 700 Pfund Leber in die Erde graben muß. Millionen hungrige Mäuler müssen sich mit karger Nahrung begnügen, au« dem Rinnstein und aus den Kehrichthaufen werden die halbverdorbenen Nahrungsmittel hervorgesucht— und hier wird gute», schmackhaftes Fleisch in die Erde vergraben. Ist das nicht die schwerste Versündigung am armen, darbenden Volke? Landratssorge«. Wie vielseitig da« Tätigkeitsgebiet eines preußischen LandratS ist, erhellt aus der folgenden, dem Melsunger KrciSblatt ent- nommenen amtlichen Bekanntmachung: Der mit Tüchtigkeitszeugni« versehene Bulle de« Landwirt« Konrad Meyfarlh in Gensungen, 1 Jahr 8 Mon. alt, Eimmentaler Rasse, Gelbsckack. weißen Kopf, ist von der Ge- meinde Lohre erworben und gilt nunmehr für diese Gemeinde als gekört. Ich veröffentliche dieses mit dem Bemerken, daß der Bulle nur in der Gemeinde Lohre zur Zucht Verwendung finden darf. Melsungen, den 13. Dezember 1S11. Der Kö n i g li ch e Lan dr at von Aschoff. WaS passiert nun dem Bullen, wenn er über die Grenzen der Gemeinde Lohre hinaus eine Liebelei unternimmt? Selbsterkenntnis. Einem auf dem Eichsfelde sehr stark verbreiteten Zentrums- blatte schickte irgendein„guter Freund" ein Gedicht ein mit der vielversprechenden Ueberschrift„Hoch das Zentrum!", das das Blatt natürlich pflichtschuldigst seinen Zentrnmsmännern zur Stärkung ihrer Treue in dem bevorstehenden Wahlkampfe vorsetzte. Da» Gedicht lautet: Hoch daS Zentrum! Wenn auch um den ZentrumZturm In der Wahlschlacht Wettersturm, RingS die Schar der Feinde tobt, Steh» wir fest und ohne Zagen In de? Kampfes heißen Tagen. Nimmer wankend, sturmerprobt, Das alte Banner fliege, Durch den Kamps zum neuen Siege. In deS Glaubens Kraft geweiht, Einig in der Not der Zeit, Schreckt uns nicht der Feinde Schar. Leuchtend wirkt in alter Klarheit, Zn dem Kampfe Recht und Wahrheit Mit uns streiten immerdar. Mit dem Kampfpanier zur Seite Siegen wir im Geisterstreite. Türmt auch ohne Unterlaß Eine Flut von giftigem Haß, Niedrer Gegner grimme Wut-» Bor dem Volke, deffen Treue Ohne Wanken stets aufs neue Lodert aus zu heiliger Glut. Knüpft der Feinde Haßgeläster Seiner Führer Band nur fester. Banner hoch und blank das Schwert! Einst im heitz'ren Kampf bewährt, Trägt ein sieggewohnt Geschlecht. Ringsum Feinde, ernst die Stund«, Ueber uns mit Gott im Bunde Keh'n wir furchtbar inS Gefecht, Emst noch kündend fernsten Zeiten Ruhmvoll von den ZentrumHreiten. Auch ohne die in den ersten Buchstaben gegebene Betästigung haben weite Kreise deS Voltes schon gewußt, weS Geifteskind daS Zentrum ist. Meine Notizen. Ein Helfershelfer zur Flucht? Unter dem Verdachte, dem end flohenen Hauptmann Lux Beihilfe geleistet zu haben, ist in Frankenstein i. Schl. ein junger französischer Sprach- lehrer verhaftet worden. Die Bergung der Opfer. Erst jetzt ist eS gelungen, die Leichen der vier am 28. Dezember bei dem Unglück auf Zeche Teutonia bei Dortmund getöteten Bergleute zu bergen. Bekanntlich fielen di jetzt aus den Trümmern des eingestürzten Schachtes hervi gegrabenen Bergknappen einer Schlagwetter-Explofi« zum Opfer. Ei» Doppelraubmord. In der ftanzöfischen Ortschaft Thic wurde in der letzten Nacht ein Doppelmord gegen den S1 F alten Rentner M o r e a u und seine 70jährige i j h ä l t e r i n verübt. Es handelt sich um einen Raubmord,, Wohnung teilweise ausgeraubt und die Gelder des Rentner..- schwunden find. ES fehlt von dem Mörder oder den Mördern bisher jed Spur. «SSSSS3- Unserem braven Genosse« l Miliz Kram ockt Fraa| xO die herzlichsten Wünsch« zur sb Silbernen Hochzeit. ü, Die Genosson des Bezirks � xji Erkner-Woltersderf. SSSSSSSSSBSSS Äg€€€€€«•»«»»3SS eT Unseren beiden Genossen | idoll Feniler nebst Gattin � es Echwedenftraße 4 S ü zu ihrer Silberhochzeit V Sj die herzlichsten Glückwünsche I V Di« Gonossen u. Genossinnen des 832. Bezirks. Kachhaudlang Vorwärts Lindenstraße 69 sLaden). Neuerscheinungen: Handbuch für iozialdemo- ttratüche�ähkr. Der Reichstag 1907—1911. Preis geb. ft Mark. AaWügen der bürgerlichen Parteien. Eine Gammlnng und Wider- legung der von de« bürgerlichen Parteien znr Verleumdung der Sozialdemokratie und der sozial- demokratischen Vertreter ver- breiteten Lügen. Zweite veränderte Auslage. - 247/9 Preis geb. 3 Mark. (liMUsH-iMen Die Genossen aus Sonnenburg, Göritz usw., die in Berlin arbeiten, werden ersucht, heute Donnerstag» den 4. Januar, abends 8'/, Uhr, zu einer Besprechung bei Mcrkowski, Andreasstr. 2$, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 288/3 I.A.: Karl Markus. 3.(Soldfarb Prass-Stosort. gegrünögt 1839. 0*0*0 «■■aar* saaso* Tabac rosse a priser.floöt de fiowno. J?J zazywania„Kownoep' Bn y t>b*a«o,OQ*a,D'OHD,cK3'aocK>o,ö Würzburger Hühneraugenmittel von Dp. H. I nger.— Gegen 30 Pfennig ans 10 Ps. Anweisung frei. Ohne Zwelsel die bequcmfte u. wirksamste Hilfe. 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Gastspiel Ferdinand Bonn. Sonnabend: Hamlet. Sonntag: Sfterlock.HolmeS. Luisen Theater. Donnerstag: I« T nnkel gehüllt. Freitag:»erlin-O. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Frau Holle.______ Urania. Wissenschaftlickes Theater. 8 Uhr: Aus dem Leben des Meeres. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Morgen und folgende Tage: C'in Walzer von Chopin. Sonntag, den 7. Januar, nachm. 3 Uhr, zu ermäßigten Preisen: Die Dame von Maxim._ Metropol-Ttieater. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrcoue in 7 Bildern von Jul. Fremid. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schiütz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Ab 8 Uhr Das große neue Programm! ' 9 Uhr: Harrx Waiden in Der Brettlkönig. «»O»H«VOS»OS«»»OOOOO «LS« dlocd nie dagewesener Lacncriolg Das Kind der Firma mit Anton u. Donat Herrnteld in den Hauptrollen. Vorher: Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Passage-Theater. Wrjsm Korwitz in ihrem Sonsations-Dramolet „Die Falle" The Boston-Girls Lina Loos Mlie. Maroussia UDil 18 neue tstpslltia«»! IQSE-THEATE Groge Fra»tturlc> Sit. 132. Abends 8 Uhr: Der Kamps gegen den Kuft. astspiel in 3 Akten v. M. Fleischmann. Freitag: Heimat. i�onanbend 4 Uhr: Das ver- zauberte Schloft. 8 Uhr: Ter ffampf gegen den Kuft.__ Trianon-Theater. Tögiiw abends 8 Uhr: Das kleine Cafe. Eonnlognachm. 3 Uhr: Francilloa. Wfthrend der Weihnachtsferien vom 17. Bez. bis inkl. 7. Januar: Volks tage. Jedermann ein Kind frei. Jedes Kind erhSIt ein Geschenk. Bei den Feuerfressern. labend! I.ebend! Hie wilden Kmhkh«« Karawane sudanesischer Heul- und Feuer- Fakire in ihrem Originaldorfe. Ohne Extra- Entree. Kabarett nnd Theater. Jeden Mittwoch. Sonnaden». Sonntag: Theitter Alt- Berlin Ulumentttr. 10. Zlnsang 8V, Uhr, Sonntags 7 Uhr. Vroltana._ Folies Capriee. Täglich abends 8 Uhr: Wasfenubung. Mandelblüths Polterabend. Losgelassen. r fessing- Theater Björnson: Wenn der junge Wein blüht Thalia-Theater Grsinz: DieThurnhacherin jlbendahteilungen Hebbel: Agnes Bernauer, Houes Schaospiulhaus Björnson: Heber unsere Kraft ä. Teil. Besidenz-Thnater Emil Augior: Die arme löwin. Kerrufelil-Theater Sven Lange Simson und Deliia. SARBASAHI vremiere MAI Der n sämtlichen Billett- verkaufsstellen von hat begonnen. Januar 7% Uhr » 8. MM Für die HVachmittaga-HltsUeder sind in den Allendabteilungen an den Hlontag- abenden im*eaen Schaneplelhaase Karten a Mk. I.SO zu haben. «Zt Nene Mitglieder S5"*S allen Zahlstellen melden für die Blachmlttagn- nnd Abendabte Hungen. 24211 Voigt-Theater. Heute«astspiel in HMm Tfeeater, Don Stnff\\\ Ktnfe. Lebensbiio mit Gesang in. Bildern von Dr. Hugo Müller. passen eröfstnmg 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Midgets Town Hauptstadt von LUiput mit ihren 7 O Bewohnerm FriedrichstraBe 165, in den Räumen von Castans Panoptikum. GeöSn. von 2 Uhr nachm. bis 10 Uhr abends. 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Wenn er also, wie er behauptet, stets den Methylalkohol mit Sprit versetzt bat, so kann die Mischung doch nur einen sehr geringen Teil Sprit enthalten haben. Das, was Scharmach bezogen hat, deckt sich mit dem, was die vier genannten Destillateure von ihm erhielten, wenn man hierzu den kleinen Bestand in feinem Keller hinzurechnet. Es ergibt sich nur ein geringer Unterschied, und der erklärt sich wohl daraus, daß Scharmach, wie er angibt, auch zur Herstellung von Franzbranntwein, den er in seinem Laden verkaufte, Methylalkohol verwendet hat. Daß dieser Franzbranntwein kein Unheil angerichtet hat, ist erklärlich, denn Franzbranntwein wird ja kaum getrunken, sicher nicht von denen, die ihn beim Drogisten kaufen. Sie benutzen ihn nur zum Kopfwaschen und der» gleichen. Nach diesen neueren Feststellungen ist es wahr- scheinlich, daß von Scharmach nur die vier Destillateure, deren Schankräume geschlossen worden sind, Methylalkohol gekaust haben. Der Punschextrakt, mit dem sich in Leipzig eine Familie vergiftet hat, ist nicht, wie von anderer Seite gemeldet wurde, von Scharmach, sondern von einer Firma im Süd- Westen Berlins bezogen worden, und zwar als Spritol. Auch diese Mischung hat, wie Professor Härtel, der Leiter des Leipziger Instituts für Infektionskrankheiten, in seinen jetzt abgeschlossenen Untersuchungen feststellte, Methylalkohol ent- halten. Die Kriminalpolizei stellt jetzt weitere Nachforschungen duf diesem ganzen Gebiete an. Sie nimmt an, daß, nachdem die schlechte Kartoffelernte eine erhebliche Preissteigerung des Sprits zur Folge gehabt hat. mehr als ein findiger Kopf auf den Gedanken gekommen ist. nach Ersatzmitteln aller Art zu suchen. Methylalkohol wird diesen Leuten schon deshalb am besten gefallen, weil er das einzige Ersatzmittel ist. das an dem Alkoholmesser, ebenso wie richtiger Sprit. 95 Grad zeigt. Wenn auch die beteiligten Destillateure nach dem Gradmesser also keinen Unterschied fanden, so mußten sie doch an dem scharfen Geruch erkennen, daß sie es nicht mit reinem Sprit zu tun hatten. Roch«ia Opfer. Die Massenbergistung hat noch ein Opfer gefordert. Der £8 itah« alte Kutscher Hermann Dietzel, der im Virchowkranken« hause lag, ist dort gestorben. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Die kriminalpolizeilichcn Ermittelungen zur vollständigen Aufklärung der Mißbräuche, die mit Methylalkohol getrieben wurden. dauern fort. Die Serliarr Drogisteninuun, 1 schreibt uns: «Die bedauerlichen Asylerkrankungen, die in der ganzen zivilisierten Welt mit Spannung und tiefem Mitgefühl verfolgt worden, sollen nach den heutigen Berichten der Tagespreise auf den Genuß von Methylalkohol zurückzuführen sein. Methylalkohol ist ein Pro- dukt der trockenen Destillation des Holzes und wird durch die fraktionierte Zlektifikation des rohen Holzessigs und nachheriger Reinigung gewonnen. In Fachkreisen war man von jeher einig darüber, daß er im konzentrierten Zustande genossen giftig und im verdünnten, wie Spiritus(Weingeist), berauschend wirkt. Ber- gegenwärtigt man sich nun, daß die hier in Frage kommenden Schnaps« wohl kaum mehr als 25 bis 30 Proz. Methylalkohol enthalten dürften, so erscheint es uns doch äußerst fraglich, ob die Vergiftungen lediglich auf den Genutz dieser Schnäpse zurück- geführt werden können. Hiervon aber ganz abgesehen! möchten wir zur Beruhigung ängstlicher Gemüter bekanntgeben, daß der Herr Minister des Innern unter dem 12. S. 11 nachstehende Verfügung erlassen hat: Im Anschluß an den Erlaß vom 18. Februar 1900— M. 5150(Min.-Bl. f. Med.- pp. Angel. S. 98) weise ich darauf hin, daß auch mit Methylalkohol und methylalkoholhaltigen Präparaten(Spritol, Spirilogcn usw.) hergestellte Heilmittel, selbst wenn sie nur zum äußerlichen Gebrauche bestimmt sind, als echt im Sinne der Ziffer 8 der.Grundzüge über die Regelung des Berkohrs mit Arzneimitteln außerhal der Apotheken" und zum Gebrauche geeignet nicht anzusehen find. Sie dürfen daher außerhalb der Apotheken ebensowenig wie in diesen selbst ab- gegeben werden. Die Mitglieder der Trogifteninnung zu Berlin haben aber bereits Anfang diese? JohreS beschlossen, für Heilzwecke und natür- lich auch Olenußmittel nur Waren zu verabfolgen, die dem Deutschen Arzneibuch entsprechen! eS hat auch die Innung ferner bekanntgegeben, daß SpirituS-Ersatzpräparate. wie Methylalkohol, nicht verwendet werden dürfen.— Wir haben denn auch festgestellt, daß der Lieferant Julius Schormach weder Mitglied der„T-ro- cisteninnung", noch des„Deutschen Drogistenverbandes" ist, und da wohl alle Fachdrogisten in einem dieser Verbände korporiort sind, so haben wir es allem Anscheine nach mit einem„wilden" Drogisten zu tun.— Das Verfahren. Mechylalkohol für Spiritus zu verwenden, ganz gleich, ob zu Heil-, Genuß- oder kosmetischen Zwecken, verurteilen wir auf das all er schärfste und erwarten, daß gegen diesen Betrug mit aller Strenge deS Gesetzes vorgegangen wird." Die Stadtverordnetenversammlung wird sich heute in einem dringlichen Antrage der Fraktionen mit der Angelegenheit beschäftigen; er lautet:„Die Stadtverordneten- Versammlung wolle beschließen, den Magistrat um Auskunft zu ersuchen über die Ursachen der zahlreichen Erkrankungen und Stcrbefälle von Besuchern des Städtischen Obdachs in der Fröbel- straße, sowie über die hierbei von der städtischen Verwaltung ge- troffenen Maßnahmen." parte!- Hngelegcnbeitcn« Mugblattverbreitung im zweiten Wahlkreise findet am kommenden Sonnabend statt. Die Patteigenossen werden ersucht, pünttlich zur Wahlarbeit zu erscheinen. Zweite Wahlkreis. Heute DonnerStaz, abends 8lU Uhr, findet in HappoldtS Brauerei, Hasenheide 32/38, Eingang Graefestratze, eine öffentliche Wählerversammlung statt. Referent: Landtags- abgeordneter Heinrich Ströbel. Der Vorstand. Ost- ttttd Wcst-Sternberg. Sämtliche in Berlin arbeitenden Genossen werden zu einer heute abend 8'/z Uhr bei Merkowski, Andreasstt. 26, stattfindenden Versammlung eingeladen. Schöncbcrg. Heute Donnerstag, den 4. Januar, abends 8 Uhr, finden in der Schloßbrauerei, Hauptstr. 124 und im Lindenparl, Hauptstr. 13: Oeffentliche Versammlungen statt. Tagesordnung: Der Kampf um die Rechte des Volkes. Reserenten find die Genossen Stadiverordneten K l o t h und Koblenzer. Pflicht der Patteigenossen ist es, für Massenbesuch der Versammlungen zu agitieren. Der Vorstand. Friedrichöhagen. Morgen, Freitag, den 5. Januar, abends SVp Uhr: Oeffentliche Wählerversammlung bei Conrad, Friedrichstr. 137. Tagesordnung: Wen wählen wir am 12. Januar? Referent: Dr. Julius MoseS-Berlin. Freie Aussprache. Zahlreiches Erscheinen erwattet Die BezirkSleiwng. Reinickend orf-Ost. Morgen. Freitag, den S. Januar, abends 3 Uhr, findet in den Hubertussälen, Provinzstr. 77—79, eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse Stadthagen über „Aus zur ReichStagswahl" sprechen wird. Die Bezirksleitung. Tegel. Heute, Donnerstag, abends 8'/, Uhr: Oeffentliche Ber- sammlung in TrappS Festsälen. Tagesordnung:„DaS Volk vor der Entscheidung". Referent: ReichStagskandidat Artur Stadthagen. Die Bezirksleitung. Schönwalde(Bez. Pankow). Am Sonnabend, den 6. Januar, abends 8 Uhr, im Lokal Schulz: Oeffentliche Wählerversammlung. Tagesordnung:„Auf zur ReichStagswahl I" Freie Diskussion. Referent: Gemeindevertreter Genosse Ad. Dom nick, Reinickendorf. Die Parteigenossen werden ersucht, für regen Besuch der Versamm- lung zu agitieren. Die AgitattonSkommission. Trebbin. Am Sonnabend, den 0. Januar, abend« 8 Uhr, im Schüyenhause ihren Gewährsmann öffentlich für seine Behauptung eintrete» zu lassen oder aber einzugestehen, daß sie diese Behaup- tung nicht ausreckt erhalten kann. Die Arbeiter aber mögen an diesem Beispiel erkennen, wie Wahllügen entstehen und tvie leicht- fertig fich die bürgerliche Presse zu ihrer Verbreitung hergibt. Berliner Slrdeiter-Schachklub. Osten I: jeden Donnerstag'/.S Ubr bei Giidl, RüderSd irser Str. Bft . II: jeden Donnerstag Uhr bei Rohde, Gr. Frunlfzrter Str. 52. Tüdeu: jeden Donnerstag Uhr bei Meyer, Oramenstr. 103. SLeftc»: jeden Freitag il/9 Uhr bei Päßler. Karlsbad 17, Ecke Flottwellstr. Norden I: jeden Freitag'/.,9 Uhr bei Aebel. Maxstr. 13 b. , II: jeden Montag>/,? Uhr bei Fiitsch, Drontheimer Str. 4. . III: jeden Donnerstag'1,9 Uhr bei Stall. Rorduser->, Ecke Torsstraße. , IV: jeden Donnerlag'/,9 Uhr bei Ringert, Gleimslr. 52. Nordwest I: jeden Freitag, abends Y.S Uhr bei Lamprecht, Putlttzstr. 10. . II: jeden Donnerstag, abd. Uhr b. Ptaisenschläger, Biclesstr. 52. Rixdorf I: jeden Freitag'i,9 Uhr bei Brandt, Pflügerilr. Ig. . II: jeden Donnerstag'1,9 Ubr bei Pormaim, Hermannstr. 75. III: jeden Freitag'1.9 Uhr bei Rau, Mldcnbruchstr. 5s. Boxhagen: jeden Freitag'1,9 Uhr bei Möz, Sonnlagjlr. 32. Lichtenberg: jeden Donnerstag'1,9 Ubr bei Müncheberg, Gudnwstr. 9. Gbarloitcnburg: jeden Freitag'1,9 Ubr bei Wernicke, BiSmarckNr. 33. Ober>2chöncweide: jede» Freitag'1,9 Uhr bei Prochvwskp. NathauSstr. 10. ßriefhaften der Redaktion. Dl« Inrifttfd)« S»re«ftu»»e sind et»t-denstraße 69, vor»«e» Tttnta — Fahrftudl—, Wonentafllti» von 4H dt» 7% Uhr-vend», e-iuinvcnd», vo»»th vi» 6 Uhr abends halt. Jede» für dro«rirftalte» beiltmmu»«»frage tft et» Bu-Hfiadr»»» eine Zahl al» Mcrtzrtlven dttzufügen. vrtefltche«»iwort wird nich, erteilt,«»fragen, denen tctne«d-nncmen«»q»>»t»>lg bctgefüg« tft, werden ntch«»cantwortc«. Eilig« fragen«rage man tu vcr e»rr