Nr. 4. flbonnementS'Redimiungen: «boniicnicnts- Preis triimtmetait Siorlcljnhvl. a,;jo monatf. 1,10! wochenllich Äi Pig. frei ins H vnizclne Nummer I Pfg. Soiml »mniner mit illustrierter Sonn' Betlage„Tic Neue Zgelt" 10 Pig. kivonnement: I.w Mark pro Mi vtngetragcil in die Post-Zeit Preisliste. Unter Krcuztand TeutiStand uns Oesterreich- U 2 Marl, für das übrige Ai ü Mark pro Monat. Postabonns nehmen an: Belgien. Tin' Holland. Italien. Lurcniburg. Pc» Siunianicn, Schweben und die<' CtldKint taglich Zllütk ssssl, 39. Jahrg. Berliner DolKsblatt. Sie Insettionz-Levithr delrSg! sllr die scchSgespallene Äolonel, geile oder deren Zlanin M Psg., sna politische und gewerlichaillichc LercinS- »itid BersamnilnngS-Anzcigcn llv Psg. „Meine?n:eigen". das lettgedruckie Morl 20 Psg. sznlässig 2 settgedrilclta Worte), jedes weitere Wort lv Psg. Stellengesuche und Schlasslelletian� zeigen das erste Wort lv Pfg., jedes ivcitcre Wort ö Psg. Worte über>5 Buch- siaden zählen sür zwei Worte.?n>cr»l? für die nächste lllummer inüsscn bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tic Erveditioit ljt " bis 7 Uhr aberw, geöffnet, Telcgrannn- Adresse: „SoziäWcmolirat Berti»", N O Zitralorgan der fozialdcmokrati feben Partei Deutfcblands. Redaktion: 868' Lindcnetraesc 69. Fcrusprcchertk Morittplatt. St,. 1»h>Z. Expedition: 8M. 68, l-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moriliplati, Nr. IKHit. Das Zenftn und die Hrbeiter' klaffe. IX. �Koalitioilsredst des Zentrums, Wie mit d"" ersten Artikel geschilderten„Wirken" für die politisä'Rechte des Arbeiters steht es mit dem an- geblichen E i n- t e n d c S Z e n t r n in s f ü r b a S K 0 a- iitionsrcckder Arbeiter, für das Recht der gc- werkfchaftlicherrganisation und das Recht des gemeinsamen StrebcnS der beitcr nach Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebenslage, lvohl das Zentrum in den siebziger, achtziger Iahren jdes gangenen Jahrhunderts politisä) immer mäch- tiger Umrdc.t es nicht das Allergeringste, um die katho- lischcn Arbe- des industriellen Rheinlands gewerkschaftlich zu organifilU TaS Unternchniertum mochte sich in wirt- fchqftlichcn lteressenverbänden zusaiiimenschlieNeii, für die latholischci'�beiter genügten die katholischen Gesellen- ilnd Arbcitervene unter Leitung geistlicher„Präsides". Erst als die fr>' Gewerkschaften sich inimcr weiter ausdehnten, fühlten sj,189k/!1ä einige rheinische Zentrumsführer zur Gründunsogcnannter„ch r i st l i ch e r" Gewertvcreine ver- anlaßt.? erste dieser christlichen Bcrufsorganisatioilen war der 189- gegründete G e w c r k v e r e i n ch r i st l i ch e r A e r g l« t e. Tas Motiv dieser Grünouiigen wor jedort) wieder.'.st die nm die Besserstellung des Arbeiters, foiidcrl'/digtich die Befürchtung, die katholischen Arbeiter würder n'hr und mehr in die freien, die sogenannten„sozial- leinok!.schon" Gewerkschaften eintreten und sich mcht mehr ir kl..ale Zwecke mißbrauchen lassen. Teutlich sprach das ffigi siener Gründungsversamuilung des Gewertvercins tlicher Bergarbeiter am 21.-Lktober 1891 der Kölner .eibbifchof Schinitz aus, iiidem er erklärte, das« der neue icrein in der Sozialdemokratie den einzigen Feiud zu er- llickcu habe. Und noch besser enthüllt folgender Ausspruch des Herrn Julius Bachem auf der GcneralversammlunF�dcs Augustiner- Vereins zur Pflege der katholischen Presse— im August 1899— den Grund, weshalb plötzlich sich die Zentrumsführer für die Gründung katholischer Gewerkschaften interessierten. Herr Bachem sagte: „Für die Zentrumöpartci ist meines Erachteus die höchste Zeit, es in der Förderung der berufsgcnossenschaftlichcn Organi- sation der Sozialdemokratie gleich zu tun. Die Bewegung ist unaufhaltsam; sie wird sich vollziehen mit uns— oder ohne uns und gegen uns. lieber diejenigen, die beiseite stehen können glauben, geht die Entwickelung hinweg. Wir wollen und iiüssc» dabei„fein!" Rur weil man fürchtete, die katholischen Arbeiter könnten dem Einfluß des Klerus und Zentrums entzogen werden, gründete man also„christliche" Gewerkschaften, nicht ans Besorgnis u in dieLebens Haltung der katholischen Arbeiter. Uebcrdics werden auch heute die christlichen GeWerk- fchaften nur geduldet, weil man im Zentrmnslager fürchtet, wenn sie aufflögen, würde ein größerer Teil der in ihnen organisierten Arbeiter sich den freien Gewerkschaften an- schließen. F a st der gesamte deutsche Episkopat steht den christlichen werk fchaften f e i n d- ! i ch g e g c n ii b c r und bevorzsigt die katholische Fachvcrcins- organisation, die sogenannte„Berliner Richtung". Tie chrisl- lichen Gewerkschaften gelten ihnen nur als faule Erzeugnisse des„faulen Westens", wie Fürstbischof Kopp von Breslau die Tiözese des Erzbischofs Fischer von Köln getauft hat. Und tatsächlich sind, wie das auch der Generalsekretär der christ- lichen Gewerkschastsorganifation, Stegerwald, in feinem jüngst von der„Frankfurter Zeitung" veröffentlichten Brief selbst zugibt, die christlichen Gewerkschaften�„m oder- n i st i f ch": ein Verstoß gegen die geltende Staats- und Morallehre der katholischen Kirche, besonders gegen die in dem bekannten Rundschreiben des Papstes Leo XIII.(vom 17. Mai 1891) an d i e ,.P a t r i a r ch e n, Primaten, Erz- 1) i s ch 0 f e u 11 d Bischöfe der katholischen W e l t" über die Arbeiterfrage niedergelegten katholischen Grundsätze. Wenn man an den Theorien irgendwelcher katholiich-kirch- lichen Staats- und Moralthcoretiker nachweist, daß die christ- licken Gewerkschaften den Lehren und Moralgrundsätzen der kgtholischcn Kirche widersprechen, wird gewöhnlich von der Zcntrnmsvresse geantwortet, daß die einzelnen Lehren jenes oder dieses kirchlichen Theoretikers nicht als feststehende Lehren der Kirche betrachtet werden dürften, sondern nur als persönliche Ansichten und Auslegungen. Tagegen läßt sich nicht daran deuteln, daß die in dem obengenannten Rundschreiben des Papstes Leo XIII. über die Arbeiterfrage ausgesprochenen Lehren u n- bedingte Geltung s ü r die sogenannte ganze katholische Welt haben. Verleugnen also diese Lehren das Koalitionsrecht der Arbeiter, gestatten sie den katholischen Arbeitern nicht, sich zu Kampfvcrbänden gegen die Unternehmerschaft zusammenzuschließen und derartige Verbände wie die christlichen Gewerkschaften zu gründen. dann betrügt das Zentrum gewissenlos die katholische Ar- bciterschast, wenn es dieser vorspiegelt, es trete für das freie Koalitionsrecht der Arbeiter einj denn, inag immerhin das Zentrum sich aus gewissen Gründen als eine rein politische, „interkonfessionelle" Partei bezeichnen, so hat es doch bis- her ii 0 ch immer zugegeben, daß f ü r seine Politik die Moral lehren der katholischen K i r ch e entscheidend sin d. Was sagt nun das Rundschreiben des Papstes Leo XII l. über die Errichtung von Verbänden, die das besondere Jnter- esse der Arbeiterklasse gegenüber der Unternehmerschaft wahren sollen? Es leugnet kurzweg, daß irgendwelche tieferen Gegen- sätze zwischen der Arbeiter- und Unternehmerschaft bestehen. Beide haben vielmehr im Grunde dasselbe Interesse— und deshalb sind alle K a m pfvercine zu ver- werfen. So heißt es z. B. in dem Rundschreiben: „Ein Grundfehler in der Behandlung der sozialen Frage ist sodann auch der, daß man das gegenseitige Verhältnis zwischen der besitzenden und der unvermögenden, arbeitenden Klasse so dar- stellt, als ob zwischen ihnen von Natur ein unversöhnlicher Gegen- satz Platz griffe, der sie zum Kampfe aufrufe. Ganz das Gegenteil ist wahr. Tie Natur hat vielmehr alles zur Eintracht, zu gegen- s eiliger Harmonie hingeordnet; und so wie im menschlichen Leibe bei aller Verschiedenheit der Glieder im Wechsel- seitigen Verhältnis Einklang und Gleichmaß vorhanden ist, so hat auch die Natur gewollt, daß im Körper der Gesellschaft jene beiden Klassen in einträchtiger Beziehung zueinander stehen und ein gewisses Gleichgewicht hervorrufen. Die eine hat die andere durchaus notwendig. Tas Kapital ist auf die Arbeit angewiesen, und die Arbeit aus das Kapital. Eintracht i st überall die unerläßliche Vorbedingung von Schönheit und Ordnung; ein fortgesetzter Kamps dagegen er- zeugt Verwilderung und V e r w i r r u n g." Vor allem dürfen die katholischen Arbeiter in keinem Fall sich offen gegen die Unternehmer oder, wie das Rundschreiben sie nennt, gegen die„Lohnherren" auflehnen oder gar die A r b 6 i t e i n st e l l e 11, denn solche Arbeitseinstellung führt immer zur Schädigung von Handel und Industrie, oft sogar zu Unruhen und inneren Wirten. Tarn in i st jeder Streik ein Verstoß'gegen d i e katholische S l t t l ich ke i t: „Nicht selten greifen die Arbeiter zu gemeinsamer Arbeits- cinstellung, um gegen die Lohnhcrren einen Zwang auszuüben, wenn ihnen die Anforderungen zu schwer, die Arbcitsdauer zu lang, der Lohnsatz zu gering scheint. Tiefes Vorgehen, das in der Gegenwart immer häufiger wird und immer weiteren Umfang annimmt, fordert die öffentliche Gewalt ans. Gegenwehr zu ergreifen; denn die Ausstände gereichen nicht bloß den Arbeitgebern mitsamt den Arbeitern insgemein zum Schaden, sie benachteiligen auch empfindlich Handel und Industrie, überhaupt den ganzen öffentlichen Wohlstand. Außerdem geben sie erfahrungsgemäß Anlaß zu Gewalttätigkeiten und Unruhen, und stören so den Frieden im Staate." Teshalb ist auch nach dem Rundschreiben Leo XIII. der Staat berechtigt, jede A r b e i t s e i n st c I l u n g, die zu F r i e d c n s st ö r u n g e n führen könnte, mit Gewalt zu unterdrücken. Es heißt darüber in dem Rundschreiben: „Wenn also sich öffentliche Wirren ankündigen infolge auf- lchnerischcr Haltung der Arbeiter oder infolge von Arbeitseinstellungen, wenn die natürlichen Familienbande in den Arbeiterkreisen zerrüttet werden, wenn bei den Arbeitern die Religion gefährdet ist, indem ihnen nicht genügende Zeit und Gelegenheit zu ihren gottcsdicnsllichen Pflichten gelassen wird.... in allen diesen Fällen rnus« die Autorität und Gewalt des Staates sich geltend machen, jedoch ohne die rechten Schranken zu überschreiten." Und zwar hat der Staat das Recht, nicht nur ausge- brochene Streiks zu unterdrücken, sondern auch gegen die sogenannte Aufhetzung zur Arbeits- n i e d e r l e g ii n g und Auflehnung einzuschreiten: „Ohne Zweifel zieht es der allergrößte Teil der Arbeiter vor, durch ehrliche Arbeit und ohne Beeinträchtigung des Nächsten sich zu einer besseren Stellung zu erschwingen. Aber zahlreich sind auch die Unruhstifter, die Verbreiter falscher Ideen, denen jedes Nittel recht ist, um einen Umsturz vorzubercitcii und das Volt zur Gcwalttäligkcit zu verleiten. ES muh also die Gemalt da- zwischentrete», dem Hetze» Einhalt gebieten, die friedliche Arbeit vor der Verführung und Aufreizung schützen, den rechtmäßigen Besitz gegen den Raub sicherstellen." Ter Arbeiter hat die Pflicht, sich still in die ihm auf- erlegte gottgewollte Abhängigkeit zu fügen, und deshalb werden auch im Rlindschreibcn die Patriarchen, Erzbischöse und Bischöfe angewiesen, den„arbeitenden Ständen" folgende Pflichten einzuschärfen: „Vollständig und treu die Arbeitsleistung zu verrichten, zu welcher sie sich frei und mit gerechtem Vertrage verbunden haben; den Arbcitshcrren weder an der Habe noch an der Person Schaden zuzufügen; in der Wahrung ihrer Rechte sich der Gewalttätigkeit zu enthalten und in k-inem Fallt Auflehnung zu stiften; nicht Verbindung zu unterhalten mit schlechten Mcn- scheu, die ihnen trügerische Hoffnungen vorspiegeln und nur bittere Enttäuschung und Ruin zurücklassen." Natürlich wird den katholischen Arbeitern das Recht nicht verwehrt, sich zu vereinigen; denn dieses Recht ist nach der Lehre des Thomas von Aquino ein Naturrecht; aber Arbeiter- vereine dürfen keine Äampsvcreine sein, sondern ledig- ! i ch H j I f s-, Unterst ii tz» n g s- undBetverei n e: „Endlich können und müssen aber auch die Lohnhcrren nndl die Arbeiter selbst zu einer gedeihlichen Lösung der Frage durch Maßnahmen und Einrichtungen mitwirken, die den Notstand mög- lichst heben, und die eine Klasse der anderen näherbringen Hessen. Hierher gehören Vereine zu gegenseitiger Unterstützung, private Veranstaltungen zur Hilfeleistung für den Arbeiter und.seine Familie bei plötzlichem Unglück, in Krankhcits- und Todesfällen, Einrichtungen zum Rechtsschutz sür Kinder, jugendliche Personen oder auch Erwachsene. Ten ersten Platz aber nehmen in dieser Hinsicht die Arbeitervereine ein, unter deren Zweck einigerinaßefl alles andere Genannte fällt." Tas Rundschreiben weist dann als Muster der Ver- einigiing auf die alten Handwerkskorporationen des Mittel- alters, dieMeisterzünstc.Gesellenbrüdcrschaftenusw. hin; zwar passen die alten Innungen schlecht in das heutige Leben hin- ein, aber, so heißt es weiter, dennoch sei es notwendig,„das Korporationswesen unter Beibehaltung des alten Geistes, der es belebte, den Bedürfnissen der Gegenwart anzupassen". Be- sonders miißten die Arbeitervereine es als ihren ersten Zweck ansehen, die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit nicht zu stören. Tie katholischen Arbeiter sollten bescheiden und fleißig sein, wie die Arbeiter in den ersten Christengemeinden, d a n 11 lv ii r d e n s i e sich nach und nach schon die G n n sfe der Reichen und Mächtigen e r w e r b e n: „Als wichtiges Ziel gelte stets der Einklang zwischen Arbeitern und Lohnhcrren in bezug aus Rechte und Pflichten. Zur ErledU gung gegenseitiger Beschwerden zwischen beiden Parteien sollten Ausschüsse ans unbescholtenen und erfahrenen Männern gebildet werden, mit entscheidender Geltung ihres Schiedsspruches; es wäre sehr wünschenswert, daß diese Schiedsgerichte Vertreter der Ar, bcitgcbcr wie der Arbeiter in ihrem Schöße hätten, und daß kraft der Siatutcn die Mitglieder der Arbeitervereine gehalten wären, sich an dieselben zu wenden.... Bekannt ist, daß dem Christentum in den ersten Jahrhunderten der Vorwurf entgegengehalten wurde, seine Anhänger seien meist nur arme Leute, die von Händcarbeit lebten. Indessen diese Armen, diese Verachteten errangen allmählich die Gunst dec Reichen und Mächtigen. Sie boten der Welt ein Schauspiel der Arbeitsamkeit, der Friedfertigkeit, aller Rcchtschaffenhcit und zumal der bürderlichen Liebe. Gegenüber diesem beredten Zeugnisse ihres Wandels schwanden die Vorurteile, verstummten die gehässigen Anklagen, und der heidnische Unglaube mußte sich vor dem auf» strahlenden Lichte der christlichen Wahrheit nach und nach zurück, ziehen." Tas ist das KoaUtionsrecht, für das die römische Kurie und die ihren Lehren folgenden Zentrumsführer kämpfen. Tiefes Koalitionsrecht heißt nichts anderes als stille Ergeben- heit des Arbeiters in sein Schicksal und völlige Untcrordnung iintcr den Willen des Uiitcrnchiners. Daher ist auch begreif- lich, daß fast der gesamte deutsche höhere Klerus von den ch r i st l i ch e n Gewerkschaften nichts wisse 11 will und diese Gewerkschaften wie die hinter ihnen stehenden Leiter der sogenannten Kölner Richtung als„rn oder- n i st i s ch" betrachtet. Und in der Tat, wie schwächlich auch die christlichen Gewerkschaften die wirtschaftlichen Interessen, der Arbeiter wahnehmen und wie sehr sie sich den jeweiligen politischen Bedürfnissen der Zcntruinspartei anbequemen, so widerspricht doch ihre Organisation aufs s ch ä r f st e der katholischen M 0 r a l l e h r e. Ein guter Katholik kann nicht Mitglied einer christlichen GeWerk- schaft sei». Tie Zentrumspartei kennt demnach weder eine politische Gleichberechtigung noch ein Konlitioiisrecht des Arbeiters« Wenn die Zentrumspressc das Gegenteil versichert, l ii g t s i o. Man frage nur diese Presse, ob sie die in dein obigen Rund- schreiben des Papstes Leo XIII. enthaltenen Vorschriften und Grundsätze a l s v e r b i n d t i ch sji r alle Katholiken anerkennt oder nicht. Sie wird, soweit sie noch irgendwelche Ehrlichkeit besitzt, zugestehen müssen, das; diese Lehren absolute Gültigkeit für jeden katholischen Zentrums- iiiann besitzen. Ale der SchnspZblocK geboren wurde. Die Erhaltung der SchnapSliebeSgabe von 20 M. pro Hektoliter kontingentierten Alkohol wurde nur möglich durch die schwarzblane Wiedcrvercinigniig von t009. Tie Subkommission des ReichStagsplenumS hatte bei der Be- ralmig des neuen Branntweinsteuerentivurfs, der einen Teil der „großen" Finanzreforin ausmachte, die 20-Marl-Spannung zwischen kontingentiertem und dem über diese festgelegte Absatzmenge hinaus produzierten Alkohol auf 1ö M. zu kurzen vorgeschlagen. September 1911 sollte die Spannung sogar bis aus 10 M. erniedrigt werden. Die Sozialdemokratie bekänipste natür» lich die ganze Liebesgabe, die Blockfreisinnigen machten dem konservativen Bruder eine Konzession in der Art, daß sie eine Jukanftsspannung von 5 M. anboten. DaS Zeutnim be» kämpfte, wie in seinen Wahlbroschüre» ia immer zu lewn stand und die„Germania" nie zu betonen vergessen hat, dir ganze LicbcSgnbc, gleich der Sozialdemokratie. In der Broschüre:„Die Steuerpolitik des Zentrums", erschienen 1908 im Berlage des katholischen Bolksvcreins, heißt es: „Gegen die sogenannte Liebesgabe, welche die Liberalen und Konservativen durchzusetzen verstanden haben, hat sich das Zentrum wiederholt mit aller Entschiedenheit ausgesprochen und deren Beseitigung verlangt, zuletzt no..- im Frühjahr 1906 anläßlich der Finanzresocin. Die Liberale- und konserbatlven Branntweliidrenner erfreuen sich sedoch sn groger Protektion, das, alle Anstrengungen, den Un- fug der Briilntwciiilicbcdgabc abziischaffc», bisher vergcb- l i ch waren!" Trotz dieser absolut eindeutigen Stellungnahme brachte da Zentrum, als die Subkommissi.on mit ihren Vorschlägen ins Plenum kam, plötzlich den Antrag ein, die volle Erhaltung der tticbcsgabc. der'iO Mark-Spaniinng, ins neue Struergcsctz mit zu übcrnchll'.r»! T c in g e in ä s; b e s ch l o sz die schwarz blaue neue Masorität. Tie rund 46 M i l l i o n c n M a r k. die der Zentruinsnnirag den Agrariern schcnkle, waren die Silberlinge, wofür dein Zentrum von den Konservativcn der agrarisch- liberale BlotHnamr Bülow, dem sie die SieichStagsaujlvsung von 1906 nicht vergessen hatten, ansgeliefert wurde! Ter L i b c r a l i S in u S in allen seinen politischen Arten hatte das Nachsehen, der Traum der endlich gelomnienen liberalen groftc» Acra war ii»c>! Tic Sozialdemokratie hat noch im selben Fahre der Liebesgabe dcii kräftigsten Krieg erklärt, Der Schnaps wurde durch die deutendeii Arbeit bohkottiert! Das ist positiver Kampf gegen die die Massen ausbeutende und mit immer mehr indirekten Stcuerii belegende Negienmg! Das ist die deutlichste Ablehnung der schwarzblancn Schnaps- blockpolitik! Das ist der energischste Kampf gegen den Agrarier, da er seinen Geldbeutel lrisst! Der Erfolg des SchnapSbohkotts st cht autzcr allem Zweifel! Mutzte doch im besonderen deswegen der B un des rat die K o n t i u g e n t s m e n g e des mit mir lOö M. Steuer pro Hektoliter bcloslcteu Alkohols von Millionen auf 1,757 Millionen Hektoliter herabsetzen. UcberdicS steht ihm dazu das Recht auch erst durch das neue Gesell der Schwarzblauen zu, vorher bestimmte darüber der Reichstag! Kampf dem schwarzblancn Schnapsblock, ist der Kahlruf! Merliailves über Deutleh-Südwefp afrika. Seit grauen Zeiten wird immer wieder von den„un- geheuren" Zitkiinfkswerten Snbtvestafrikas gesprochen. Sie �konservativen, denen jede Niistungs- und Kvlonialausgabe aus dein— Neichsbeutel— natürlich„Ehrensache" ist, schwören darauf. Aehiueii ivir aiisiiahmsiveise mal diese Behauptungen als richtig an. WaS koiiimt dabei heraus � Sollten nnscre Schutzgebiete wirklich ciiimnl billige Aahruiigsmittcl produzieren, so werden die Agrarier die schliiiiiiisten Kolonialgegner sei»! Heilte sind die deutschen Kolonien für das eigene Mutter land Z o l I a u s; e n g c bi et! Die ans unseren Ko I o n i e n c i n g e f ü h r t e n W a r e n m ü s s e n gennn so Zoll zahlen, als weuu sie aus irgcndeinci» anderen Lande lämen! Besonders fühlbar ist diese Tatsache bis jetzt deswegen nicht, weil wir aus den jungdcutschen Gebieten herzlich wenig geliefert bekommen. Aber abgesehen von diesen Tatsachen, es bleibt immer 'wieder bestehen, dag sogar, die eifrigsten Kolonmlschwänncr Südiveftasrita schlechteste Zengniffe ausstellen. Sic„Sentsche Tageszeitung" schrieb im Juli 1911: „Schon vor dem Kriege, wo die Absgtzverhältnisse weit günstiger waren, rechnete mau mit einem bescheidenen «im Original gesperrt) Ertrage erst dann, wen» auf einer Farm 2000 Stück Kleinvieh, 160 Rinder und etwa 3V Einhufer vorhanden waren. Heute fehlt der britische Markt, der südwestafrikainsche ist im Verhältnis zu den Farmbetricbcn so gering geworden, datz sich der Absatz immer schwieriger gestaltcr. Daher ist man g e z w u n g e n. W c l t in a r kt p r o d u k t e zu ziehen. Das Fleisch unseres cinheiinischen Viehes, das viel zu arm an eiweitz haltigcn Stoffen, also zu zäh ist, eignet sich nicht für den Welt- markt, bedarf der Aufbesserung des Blutes, und zur Erhaltung dieser Ansbesserung ciiveitzhallige Futtermittel, die anzubauen sind." Tie schlimmstc Aussicht ist für die„Deutsche Tageszeitung" bei dieser Entwickclung aber: „Tie weitere Steigerung der Produktion nicht weltinarkifähigcr Produtle der Viehzucht ist der Wirtschaft de? einzelnen und der Gesamtheit schädlich. Sic führt zur Prolrtarisicrnng unseres Farmerstandes!!" Der Kolonialmaiut der„?. T." meinte,„wenn es richtig angefangen wird", kann man in Südwestafrika in i t ZU 000 M ark gerade eine Kleinsiedelung einrichten! Als Dezenibcr 1l«10 die„Chemnitzer Allgemeine Zeitung" ausrechnete. dag Südwcstafrika allmählich den gesamten deutschen Flcischbcdars über die heimische Erzeugung hinaus — 500 Millionen Kilogramm— befriedigen könnte, pustete die„Denischc Tageszeitung" also los: „Wenn eine Million Rinder jährlich geschlachtet Iverden soll, so müssen mindestens 8 Millionen Rinder vorhanden sein. Süd- wcst hat aber heute— 1V10— trotz grötztcr Anstrengungen nur lUOOCO Haupt Rindvieh, und den 15—26 Millionen Schafen und . den 15—26 Millionen Ziegen, die nötig wären, steht ein Bestand von 366 666 Fleischschafen und 20666 Wollschafen sowie von einer Vicrtelmillion Ziegen gegenüber.... Tie Herstellung von Eis fleisch sstir den weiten Seetransport kommt nur solches in Betracht. D. Red.) ist bisher in Südwest- asrika um 86 Prozent teurer als in Südamerika... da wir nicht über billige liohlcn verfügen. Der Export würde aber noch verteuert durch die hohen Eisenbahn- und Verschiffung?- gebühren...- Zur Flcischliefcrnng mutzten vor a l l e in auch gleich- mäpige n n d sichere Prodiiktioiisbedingnngcn vorhanden sein- Tic llnregelmäßigkeit der Niederschlags- und WcidcvcrhSltnisse zwingt aber selbst vorsichtige Farmer nur zu oft. zu jedem Preise Pich loszuschlagen, um nicht den B c st a n d der ganzen Herden zu gefährden. Oft herrscht in Südwrstaftika drei, ja vier Fahre hiiitercinander Dürre. Dann mützte der Bestand erst wieder ergänzt werden nnd das ist nur möglich durch rationelle Zurückhaltung im Verkauf de? ' Viehes." Ilud für dieseKolonic haben Konservative, Zentrum, Nationalliberale und Freisinnige bereits «»Oll Millionen vcrgcndet! Cheoder Kommien über den schwarz-- blauen Block. Im Dezember 1902 veröffentlichte die„Nation" einen Artikel Theodor Mommscns, der als das politische Testament dcS greifen Forschers bezeichnet ist. Unter der Ueberschrift„Was uu- noch retten kann" propbezeile er schon damals, datz ein schwarz- blauer Block sich bilden würde. Es ist ihm erspart geblieben, zu erleben, wie die Liberalen, mit scincin eigenen Sohne an der Spitze,.die er zum Kampf aufrief, 1967 die Geburtshelfer des s ch w a r z b t o ü c n B l o efs werden würden. In dem Artikel wendete er sich auch mit erfreulicher Deutlichkeit gegen das Gefasel des Umsturzes.. Der Artikel verdient der Vergessenheit entrissen zu werden. Es beitzt in ihm: „Wir stehen nicht am Schlutz, sondern am Beginn eines Staatsstreiches, durcki den der Deutsche Kaiser und die deutsche Voltsvcrtretung dem Absolutismus eines Jntereffenbundcs des Funkertnms nnd der Kaplanokratic unterworfen werden sollen. Das einstmalige absolute Regiment des Monarchen war, verglichen ...mit dem uns drohenden, eine milde und humane Regicrungs- form. Ter absolute Herrscher ist weder Kaufmann, noch Land- wikt, noch Priester, und seine Stellung eine über den privaten Interessen stchciide und somit notwendig unparteiische. Fetzi sollen die verbündete» Fntcresscn niedrigster Art darüber ent- scheiden, ov Kanäle nnd Flotten gebaut und wie zum Besten der regierenden Eliqucn der Staatsbürger auszubeuten ist und die Wissenschaft zu incvcln. Gibt es gegen diesen tu der Vollziehung begrifsenen Staats- streich noch eine Abhilfe,- so kann sie nur erreicht werden durch den Zusaoimeuschlup alter nicht in diese Berschwörung verwickelten Parteien, selbstverständlich unter Ausschluß dersenigen, die den Aofüi' cias l�oletariat sich abkackett! Nach den Zahlen der amtlichen Statistik(„Statistische Korrespoiidenz", Nr. 10 vom 22. Oktober 1010) teilten sich in die ersten 10 Milliarde« Mark des von p h y s i s ch e n Zensitcn versteuerten Bcruiögcos in Preuße» im Jahre 1W2. im Jahre 1008 1850 Zcns'iten 1108 Zensiteu. Auf den.Kopf der Zensiten, die die ersten 10 Milliarden Mark Vermögen besaßen, entfielen also im Jahre 1002 im Jahre 1008 5,4 Millioilc» Mark 0,0 Millionen Mark. Die 1108 reichsten Leute in Preußen hatten also in sechs Jahren ihr Vermögen vermehrt pro slops mit.... 3,(1 Millionen Mark! insgesamt um.... 3980 Millionen Mark! In die nächstfolgenden 10 Milliarden Mark teilten sich im Jahre 1002 im Jahre 1008 7171 Zensitcn 5010 Zensiteu. Aus den Kops der Zensiten, die diese weiteren 10 Milliarden Vermögen besaßen, cntsieleii also im Jahre 1002 im Jahre 1008 1,3 Millionen Mark 2,0 Millionen Mark. Die 5010 nächstrcichcu Leute in Preußen hatten also in sechs Jahren ihr Vermögen vermehrt pro Kopf um..... 700 000 Mark, insgesamt«in.... 3500 Millionen Mark. Die 0118 reichste» Leute in Preiijce» hatten also in sechs Jahren ihr Vermögen vermehrt um 7500 Millionen Mark! Diese Handvoll Millionäre hatte also jährlich 1:550 Millionen Vermöge» mehr angehäuft! Da Preußen 38 Millione» Einwohner zählt, mußten aus jedem Kopf dieser 38 Millioncil also 33 Mark an unbezahlter Arbeit herausgepreßt werden,»in den jährlicheu�BerinögenS- znwachS der 0118 Gcldsäcke aufzubringen! Da ans jeden Erwerbstätigen in Preußen nach der anit- lichcn Statistik mindestens 2 nichtcrwerbsfähigc Familien- Mitglieder entfallen, mußte jeder Erwerbsfähige jährlich 100 Mark dazu beisteuern, damit allein die 0118 Millionäre immer reicher wurden! Das ist die„göttliche" Weltordnung, für die alle bürgerliche» Parteien eintreten! ■.1. Rainen wie des Liberalismus, so auch den der Ration geschändet tzaben, und selbstverständlich mit Einschluß der sozialdtmokrati- scheu. Dem ebenso falsche» wie perside» Köhlerglauben muß ein Ende gemacht werden, daß die Nation sich teile in LrdlinngS- Parteien und in eine Nmsturzpartri, und daß cS die erste politische Pflicht der zu jenen sich zählenden Staatsbürger sei, die Millionen der Arbeiterpartei als peslvcrdächtig zu melden und als ftaals- fcindlich zu bctäinpfen. In der Tat gibt es im politischen Leben weder Ordnungs- noch Umsturzpartcicn, oder, wie man es auch ausdrücken kann: jede Partei ist eine Nmsturzpartei. Was sind die Ziele bei uns der Liberalen, des Zentrums, der Funkergesellschaft, der Arbeiter- Partei? Tie Liberalen möchten das Reichsoberhaupt in den ersten Beamten des Staates umwandeln nach dem Muster Engtands und Rordamerikas. Für unsere Ration mit ihrem tiefen, an- scheinend unzerstörbaren dynastischen Gefühl ist daS der Umsturz. DaS Zentrum möchte di-e Rckatholisicrung»Deutschlands da auf- nehmen, wo sie im 17. Fahrhnndcrt abgebrochen ward, und unscrcii Herrscher umwandeln in den Statrhalter des Statthalters Gottes auf Erden. Auch ein Umsturz. Tic Funkeipartci strebt nach dem formell gcsichcrtcii Alleinbesitz der böbercn Beamten- und Militär- stellungen und will den Deutschen Kaiser bcrabdrückcn zum Ersten unter seinesgleichen. Gewiß ebcitsnUs ein Umsturz... In der Tat, hinsichtlich des Umsturzes haben sämtliche Par- tcicn sich wenig vorzuwerfen. Sie verfolgen alle letzte Zwecke, deren Erreichung der Untergang der vcslchcndcn Ordnung sein würde. Davon ist die Moral, daß kein politisches Gemeinwesen die Parteien entbehren kann, aver auch keines des Gegensatzes; daß die eine durch die anderen beschränkt, in Schach gehalten und au der Alleinherrschaft gehindert werden muß. Oder, was das- selbe ist in anderer Form, alles StaatSregimcnt besteht in der Ausgleichung gegensätzlicher Interessen, in der Herbeiführung von Zuständen, wo die rivalisierenden Richtungen sich in leidlicher Weise ineinander schicken, während keine voll ihren Willen durchsetzt, und also dos Gemeinwesen lHilauciert, Für den gegenwärtigen'pveren und gefährlichen Moment isp nichts notwendiger als E Verständnis derjenigen Liberalen, die noch berechtigt sind, sich g) zu nennen, und der Arbeiter- Partei... Alles politische Zusammeiehen bezieht sich nicht ans die etztcn Ziele, sondern auf die ichften. Das natürliche und jcvt letz mr Bekanntmachung?' ilochsrch der kon» Aa»ic gcbst amt- g.var damit ein- Aufruf gesetzt : v c r ni Laudrat. an'Guhrao oblatt mit „nilich er- Ncdoktiou" Trotz! der Gi c- unter der Arbeiterschaft. In d. des Rheins werden die Arveimrmas'.u Tat umgesetzt werden. Es dn raucht mehr geschehen, datz de- Freisinnige dem unverschämten vtz verschämten Reaktionär seine Stimme lieber gior als dem So�Idemoiraten. w-ie es keinew besseren nationalen Kilt gibt als d-, aus dem Schlachtfeld gemein- snm vergossene Blut, so muh auckanf der politischen Wahksintt!. das Zusammengehe!! gegen den gemeinschaftlichen Feind zu � innerer Einigung sübrcn," Welcher Elcl würde T h c o d o rM o m m s e n erfaßt hoben, wenn er erlebt hätte, wie M u g d n und seine Freunde'dem Funlertum aus Haß gegen die So�kdcmokratie den Steigbügel hielten, und so den schwarzblancn Bit ermöglichten!. Zur Relchstagwal)). Aus„Versehen' Der Landrat des Kreises Gu h lau dessen Name und Am!?- charaktcr in Gcmcinfthafd mit denen c es Bürgermeisters und 04 Gemeindevorstehern unter dein Wahuir.:'ür den Junker v. Carmcr-Ostcn stand, erläßt folgende a'Aiwe Unter den am 36. 12. vcröffenl!.<; ML servativen Partei ist unter anderen: an, mein lichem Titel gedruckt worden. Ick- hatbmw' verstanden erklärt, daß mein Raine«er l wird, die Hinzufügung des Amtc-tu..; jedoch nie mein Zu tun, infolge eines Versehens der Red w erfolgt. Um auch nur den Anschein zu vermeiden, als sollt da:... o Itllche Wahl» decinflussuug durch mich ausgeübt werden. stelle h den Sech» verhalt hiermit öfsenllich richtig. Guhrau, den 36. Dezember 19ll. v o ii R Jetzt fehlt bloß noch, das; der B ü r g. und die 9 4 Gemeindevorsteher d- ihrem amtliche» Titel uylerzeichiict in klären, ihre Amtscigciischaft sei aus„V.:! unter das Flugblatt gesetzt worden. Merkwürdig bleibt cö immerhin, daß da-- dein o b e r sie II- Ben m t c n des Kreises pel'ierca Bekanntmachung und trotz des Versehens.■ Carmer gewählt werden, die Wahl für u> müssen. ES rumort im Zrntruiiisturm. Das Zentrum hat in der letzten LegfSlaturw Steuer- und Sozialpolitik die Geduld seiner Ar Belastungsprobe unterzogen. In jenen Tci e doinäne, in denen die industrielle Flut das bäne. spült, gart' st Scitentälcrn Zentrum hat thnen mit seiner agrarische/., Politik höher gehängt, als es das frömmste Gemüt ohne Sehe Seele ertragen kann. Besonders, schroffe.Formen, nimmt, die.Qpp, trumSarbeiter gegen die bourgeoise Führerschaft des Sicgtalc an. Dort hat die Industrie einen. verhäUiiisina Aufschwung genommen. Fremde nnd Ausländer haben heimische Arbeiterschaft durchsetzt und haben unter sie den Rebellion gesät, und daS Zentrum hatte den. Boden, vorbereitet. dein die revolutionäre Saat jetzt träflig sprießt. So oppoa denn die Arbeiter des Siegtreises nicht nur gegen die führung, sondern sie sind dazu übergegangen, dem. o f s i z r e l l Ze n t ru m s k a nd idq t e n, dem bisherigen'Vertreter Kreises, Dr. Becker- 5lötit., einen eigenen, i h n c n r nehmen Kandidaten gegen übcrzu st ellen. In a Stille hatten die Rebellen am Sonntag nachmittag nach dem ,.S burger Hof" in Sicgburg citte Versammlung einberufen, die bo zirka 1666 Personen besucht war. Tic ganze Arrmrgierutiz d: Versammlung zeigte, daß diese Arbeiter aus dem besten Wege ii> das Joch des klerikalen Bürgertums abzuschütteln. Die Versann Uina unterschied sich in allen Stücken von anderen Versammlungl christlicher Arbeiter. Ter Vorsitzende, ein Herr Hnrtb. rüö sofort nach Eröffnung der Versammlung mit dem, Gestände heraus, daß sich die Zentrumsarbcitcr von dp.r Zcntruwssührtin.g schwerster Weise benachteiligt fühlen. Tic Kandidatur des La- gcrichtsratS Dr. jur. Becke r-Köln sei verkündet, ohne daß man ein einzigen Arbeiter des Sicgkreiscs gcsragt habe. Ter Kandidat sc den Wählern des Kreises von der ofsiziellen Zentrums:.. geradezu ausgcdruiigeii worden. Tann erhob der Vor sitzende geget den offiziellen Kandidaten schwere Anklagen. Er habe es bei:: Gcncralvikariat in Köln durchgesetzt, daß der üä.iere Pfarre Samberg, der c» e Ii r I i ch mit der Arbeiterschaft a e m e i ii t h a b e, v o n S i e a b u r g v e r s e tz t w o r d c n s e i. Ma: sei sich deshalb dahin schlüssig geworden, den Arbeitern des Sie,- treises die Aufstellung des Pfarrers Lamberz als Reichstag. tandidat zu empfehlen.(Stürmischer Beifall.) Ter Vorschlag des Vorsitzenden kam sofort zur Abstimmung Mit Ausnahme einiger anwesender Schoßkinder der Parteilcitu: stellte die Versammlung einhellig den Pfarre Lamberz dem T r. jur. Bccker-Köl» als Kairdi baten entgegen. In der darauf eröffneten Diskussion warf ein Redner de. bisherigen Vertreter des SiegkrciscS vor, er habe gegen die Ten ruiigSzulagc für die StaatSarbeiter in Höhe von:j6 Pf. pro" gestimmt. So ein Manu sei ganz und gar ungeeignet� Arbe intcrcssen zu vertreten. Ter nächste Redner war ein ZeutrumSgeistlichcr. Herr Ps Rath aus Sicgburg. Cr machte keinen V ersuch. Zentrumspolitik zu verteidigen. Er wies es zurück daß man versuche, die Opposition gegen die Kandidatur Becker al.> Ttadtklatsch hinzustellen. Immerhin suchte der Redner für die Zcntrumspolitik noch herauszuschlagen, was irgend möglich. Oe machte den Vorschlag, man möge Herrn Becker, der nun doch cii' mal von den vorgeschriebenen Instanzen als Kandidat aust> iteu sei, keine Schwierigkeiten machen. Man möge von einer Senge- kandidatur Abstand nehmen, und sich diesmal im Interesse der Einheit der Partei fügen. Tie Versammlung ging darauf nicht ein. sondern beschloß, an der Kandidatur des Pastors Lamberz ck zuhalten. Tiefer Beschluß wurde mit genau derselben erdritc.: den Mehrheit gesaßt, wie vorher die Aufstellung Lamberz crfow: war. TaS AbssimmnngSrcsultat wurde mit stürmischem Beisall ausgenommen. m Tcniokratischc Konsequenz. Die Herren von der„Demokratischen Aerciniguiig" leiden entweder an einem bedauerlichen Mangel politischen Blicks, oder cS kann dort jede Gruppe tun, was sie will. Obgleich bei der Nachwahl in Düsseldorf nur die Kandidatur Breiticheid d.u ii lust bc8 ZeillruinssitzcZ im 1. Wahlgang vcrliiiidert iint, stellen die Dcmofwtcn in Teltviv-BeeSkoio eine Kandidatur auf, die die Frei- pimig'M und Kanscrvativcii mit unsinnigen Hoffnungen erfüllt. Aber im V. Berliner Wahlkreis mit seiner riesigen sozialdcmokra- tii"'cn Mehrheit beschließen diir Temokratcn, gleich für Genoffen Hedebonr zu stimmen, der auch ohne diese paar Stimmen glänzend gewählt wird, Sie Rekh§tzg!t?2k!ev in englische? ve!:!'cl>t«ng. London, st. Januar Iöl2.(Eig. Ber.) Tic englische Presse beschäftigt sich seit einiger(seit sehr�lcb- hast mir den. bevorstehenden Reichstagsixahlcn. Alse Blätter brin- gen lange Berichte von ihren deutschen Korrespondenten, die dein Pnblikun:. die Bedeutung-und die Art des Wahlkampses erllaren. Ter- konservative..Tailp Telegraph" veröffenllicht heute einen Ar- tikcl über die deutsche Sozialdemokratie von seinem Berliner Korrespondenten. In dem Artikel wird die deutsche Eozialdemo- krastc als eine Partei bezeichnet, die, was die Zahl ihrer Mit- glieacr, Energie, Solidarität und Einheitlichkeit der Lehre anlange. in der" gaincn Welt, ja in der ganzen Weltgeschichte nicht ihres gleicht» finde, er re> f auch mit der in England vielfach der. breiteten Änsicln Nif, r fei die deutsche sozialdemokratische Parte: nur eiste Ar: liutsliberale Partei. Bon den Ausführungen sind besoiiMr? folgende St:en über den deutschen Liberalismus inter- .effaut, da sie beweisen, .ganze.Fämmcrlichkcit "Augen fällt,."-.er außer diesen Elementen," so heißt es,„geben Kandidaten ddr sozialistischen Partei ihre Stim- e.izige beständige, konsequente und unermüd- daß auch dem ausländischen Beobachter die des deutschen Liberalismus gleich in die Uwe Zepulausende den meK, nur weil nr Ifdie Cppf i wns: rast im Laude ist. Ter deutsch-c Libcra l i s in u s i> vi W! r k l i ch k.e i t. n u r de in N a m e u na ci' 'L i b e r a. v m.„eine F ü h r.e r sind politisch st o ck- .blind,..!> l o l rvcinig, ohne Rückgrat und all- g evi ein n ii i, und dies ist e i u � der wirksam- sflit n ii r i civesen, meshatb der Sozialis m us seind.n II in sang angenommen hat..." .s. W..in: rerschast der liberalen Parteien nicht in die .Blinde e i S-.,. Leute gefallen wäre, die ohne Beredsamkeit, feste Prinffpie, g.. zen Gedanken, durchdringenden Scharssinn und nui. Teint und; wenn sie nicht mit jeder großen Frage gespien l'i e und sie! nickst von den Ministem schulmeistern und l'oJ|r jf.tf,! ue I lamentarischen Gegnern düpieren hatten lassen; wenn sie' nicki. cn.lugcnbtick bereit gewesen wären, ihre Erstgeburt fiir ein r ii'.j igerick i zu verschenken: dann hätten sie vielleicht das gxoße Sw.'t ü. Politik mit den hohen Einsähen, zu denen in an- brifti Li.. oe.rn der efolg gehört, spielen können, anstatt ihre Zeit mit zweck! ys-'m, gichtigem stiid. fruchtlosctkt Gchschvnh zu vertrödeln, nnl dem sie einander.'und die Nation langiveilcn. A'nr weil der deutsche Li l> e. r a l i s m u s o h u m Acht ick, u n b c st ä n d ig. l c'e r und n n w i r m i st, weil»r fidhdiir ch die du in.w.c F a'b'e I von d e; a b r erschrecken läßt und . i- l»-ii -Taß die Sozialisten wenigstens an demselben Ende ts.ziehen als er selbst, kehren ihm viele von denen, die sundamentale Reformen in dem System, mit dem das eiert wird,, l�'tchchinünstvc.n�.mi�. Avscheu den Rücken und >re Siuniueu deri, Kandidaten, deck' sloiuiiiuniSinue-, die we- s dasselbe wollen als iill, wenngleich sie diese Reformen nur ne Etappe oof-röSiif W.-ge' uackh weiOgcr crgöylichen Dingen betrachten.". Bemerkenswert ist auch, das Zeugnis dcS pnglischen Beobachters in betreff der Art und Weise, Wie die Sozialdemokratie von den * c n t f che« Behörde ii behandelt wird. Er schreibt:„Bis- marck gab auch noch ein anderes schlechtes Beispiel. Er versuchte. den Sozialismus durch Gewalt zu heilen. Ausnahmegesetze wur» den zur llnterdrückung der Sozialisten erlassen, die bei jeder Eo ch.gcn'icit geplagt und verfolgt wurden. Unter dieser Bchandtuiig ühten sie wie der grüne Lorbeerbaums doch obwohl man die«ich- tigeii Gesetze sallcn gelassen hat, geht die Verfolg uug w e ist e r. W.st'rrnd sie nominell vor dem Gesetz die gleichen Rechte l'sst>i, werden sie unaufhörlich mit kleinlichen Rcizun- gen und Belästigungen verfolgt. Ihre Redakteure werden mit langen Gcfängnissttafen bedacht wegen Majesiäts- bcleidignng. Beleidigung des:Hccrcs, des Richterstandes, der Po- Zlizcs oder selbst des Preußischen Landtages oder wegen �„Vrr- Drechen", die in Ländern, wo man das geheimnisvolle Arbeiten 'des menschlichen Geistes besser versteht, nnbelannt sind. Jhre'Vcr- isammluiigen werden unter nichtigen Vorwändcn und mit einer Ansi.zung der Gesetze, die man ans leine andere Partei anwendet, .verboten oder ausgelöst! ihrer Propaganda werden vcxatyrischL .Hinderniffe in den Weg gelegt; sie werden für jeden Krawall nee- .antwortlich gemacht, der sich aus einem Sircik ergeben mag; und 'ein'Polizeipräsident rühmt sich stolz, daß die.Hauptaufgabe der Macht unter seinem Kommando die sei, das politische Betenntnis �em drei«icrtiln der Bürger zu bekämpfen, die sür die'Aufrecht- erhaltnug seiner Truppe zahlen." V 'r- politische(lebernebt. Berlin, den 5. Januar 191? Ter Hansabund für die Knebelung der Angestellten «>td A'bciter. Um das Handwerk zu ködern, hat der Haiisabund einen Gesetz- entwurf über das Subiiiissionswesen ausgearbeitet, der dein Reichs- tage zugehen soll und für den der Hansabund auch seine Äaiididalen vcipflicksten wird. Ter Gesetzentwurf einhält im§ 29 eine infame Streikklausel, die folgendermaßen lautet; 1. Eine Arbeitsniederlegung in einem für die Grsüllinig des übernommenen Vertrages iiiimiilclbar oder mittel- bar ersoi sei lickien Betrieb bedingt die Verlängerung a l l e r F r i st e n, ebenso d i e H i n a n S s ch i e b n n g aller T c r in i ii e um die Dauer der A r b e i t S n i e d e r- l c g u n g. sofern den Arbeilgcber nachweislich kein Verschulden trifft. Das gleiche gilt im Falle der Aussperrung der Arbeitnehmer für die Dauer der Aussperrung. Tie Bebördcn sollen also nach dem Verlangen de? HansabiindeS ohne Weitere-? die Lieferungsfristen verlängern, nichi nur lvciin die Arbeiter streiten, sondern auch, wenn der Ilntcriichiner ans irgend- eichen GeichäflSgründin zu den gcwisseqlofesfen ÄnSsperrutigen reift, lind das erstrebt derselbe Hansabinid. der eine große Anzahl ou Angestellten zu Mitgliedern hat und diesen einredet, daß er„für eine Erweiterung der Sozialpoliiik" sei. Der Entwurf lvnrde am Mittwoch einer öffentlichen Haiidwerksmeisterbersaniiiiliing in König?- berg vorgelegt. Selbstverständlich sprachen die Meister und Scharf- ockier dein Hansabünd ihren Dank für diese Arbeit aus. in seinen übrigen Teilen ist der Entwurf reaktionär gestallct. sollen nach Z 22 bei Vergebungsn öffentlicher Arbeiten an Hand- rker, dies eiligen in erster'Linie' berücksichtigt werden, die den Meistertitel führen.(!!) Da die meisten nationalliberalen und fortschrittlichen Neich-tagS- kaiididaten auch zugleich Kandidaten des Hansabundes sind, so dürfte es sich empfehlen, ihnen noch in den letzten Tagen dcS WahlkampfeS diese unerhörte Streikklausel vor die Nase zu halten. Gegen die„Bacheiniten". Wir berichteten kürzlich, daß nicht nur die romische Kurie cüi schärferes Vorgehest gegen die christlichen Getverkschaften nach dem Verlauf der bevor-stchendcn ReichstagSivahlen plant, sondern daß auch die OsterdienstagSlentc, das heißt die Richtung Bitter-Cathrein-Frick-Jochner-Marconr-Roeren, für die Herausgabe einer großen speziell zur Bekämpfung der „Bacheniiten"(der zur„Kölnischen VolkSzeitnng" haltenden Zentrnm-Zpolikiker) bestimmten Zeitung sammeln, die zunächst als Wochenschrift, später alö Tageszeitung erscheinen soll. Wie weit die Vorbereitungen für die Herausgabe dieses Blattes, das den Titel„Das katholische Deutschland" führen und in Äl a i n z erscheinen soll, gediehen sind, zeigt folgendes, von einem „Patriotismus". > Der Patriotismus ist in unseren Tagen ein grausames Erbe einer überlebten Zeit; wenn er erhalten Wird, so ge schieht es durch die Macht des LcharrnugSvcrmögcus und auch deshalb, weil die Regiernnge» und die herrschenden Klassen, fühlend, daß ihre Macht und sogar ihre Existenz daran hängt, sich bemühen, ihn durch List irnd durch Gewaltmittel im Bewußtsein des Volles �i erhalten. Der gegenwärtige Patriotismus ist einem-Gerüst ähnlich, das dazu gedient hat. ein Bauwerk zu errichten; jetzt hindert es, um hinein zu gelangen, man beseitigt es aber deshalb nicht, weil es einigen Leuten von Nutzen ist. Ter Patriotismus in seiner einfachsten und klarsten Form ist für die Regierung nichts anderes als eine Waffe, die ihnen ermöglicht, ihre ehrgeizigen und selbstsüchtigen Ziele z» er reichen; für die Regierten dagegen ist er der Verlust jeglicher menschlicher Würde, jeder Vernunft, jedes Bewußtseins und die knechtische Uiitcrwcrfuug unter die Machthaber. Das ist der Patriotismus überall, nwrnan ihn predigt. Ter Patriotismus ist die Sklaverei! Vor Zeiten befand sich die Macht in den Händen eines Häufchens Regierender: der Kaiser, Könige, Herzöge nebst ihren Beamten und ihren Kriegern. Heute sind diejenigen, die au dieser Macht teilnehme» und vvu Vorteilen derselben Nutzen ziehen, nicht nur die Beamten und die Geistlichkeit, sondern auch die großen und kleinen Kapitalisten, die Besitzer, die Bankiers.... Man wird dann die Glocken läuten, die Männer mit den langen Haaren(die Potz eil) werden sich in goldgestickte Gelvänder kleiden und für den Mord beten. Alsdann be- giiuit wieder die alte, längst bekannte Geschichte.- Exaltierte Menschen verbreiten, unter» dem Vvrwand des Patriotismus, in de» Zeitungen Haß und Mordlust und freuen sich, doppelten Lohn dafür zu ernten. Die Besitzer von Werkstätten, Kauf- leute, Liefcrantc» von Milirärbcdarf fangen an sich zu regen, denn sie alle erwarten doppelte Profite. Ferner sieht man, lvie sich die militärischen Anführer regen, denn sie bekommen d o p p e l t e ii G e halt und doppelte Rationen und hoffen, als Belohnung für die verübten Mordtaten, verschiedenen Tand. Bänder, Kreuze, Treffen. Sterne zu erhalten.... Und nun wird man Hunderttausende von treuherzigen, guten Menschen ihrer friedlichen Arbeit entreißen, sie von ihren Weibern, Müttern und Kindern entführen und mit Mvrdwcrkzengen bewaffnet herdenweise vorüberziehen sehen; die Verzweiflung in ihrem Herzen ersticken sie durch Singen, durch Schwclgereicn und durch Alkohol. Sie marschieren, müssen Kälte und Hunger erleiden, Krankheiten bemächtigen sich ihrer und töten sie. Die Ucberlebendcn kommen endlich an cincii Ort, wo man sie tansendweise hinschlachtet und wo auch sie Taufende von Menschen, die sie nie gesehen haben und die ihnen nie ctivas zu Leide getan haben können, töten werde». Die Folge davon ist, daß die Menschen wieder gefühllos, wütend und den wilden Tieren ähnlich werden; die Liebe hat sich während des Krieges verringert, und die bereits begonnene Christianisierung der Völker wird abermals auf Jahrzehnte, auf Jahrhunderte verzögert. Diejenigen, welche daran ein Interesse haben, iverden dann wieder behaupten, daß der Krieg notwendig gewesen sei, weil er stattgefunden habe, und die jungen Generationen werden abermals dazu vorbereitet, indem man ihnen schon von den ersten Lebensjahren an die Köpfe verdreht. Leo Tolstoi. Mainzer Komitee von bekannten ZeutrnmSpolitikern versandte vertrauliche Rundschreiben: „Das katholische Teutschland" Organ zur Vertretung katholischer Giundsätzc auf allen Gebieten tes öffentlichen Lebens Mainz. Katholische! Verlag Breslau. Mainz, Brcidcnbachcrstr. IL.— Telephon 1177. Streng vertraulich! Ew. Hochwiirden Hochwohlgeb oren gestatten wir nnS, eine hochbedentsame Angelegenheit zur bcrlrau- licheu KeimMiSnahine zu unterbreiten. Dtircki die Ihnen ja bekannten Bestrebungen der sogenannten Osterkonkerenz und der schlc fischen katholischen Aktion solvie die daran sich anschließende Zeünn.zspolcniik hat sich in weiten Kreisen derjenigen deutschen Katholiken und ZenlrumSanhänger, die sich mit der„Tendenz und den Terror der Bache in schon Richtung" nicht ei n vor st an den erklären können, d a S Bedürfnis nach einer u n a b h ä n g i g e u Z e ii t r u m S z e i t ii n g. die aiif dem Boden katholischer Grundsätze steht, eingestellt. Um diesen Wünschen entgegenzukommen, bildete sich im Laufe der letzten Monate ein ans si'ihrcndcn Persönlichkeiten der oben erwähnten Bewegungen zu- saiUiiiengesetzte? Komitee, da? nach wiederholten eingehenden" Be- ratnngen beschlossen hat, nach den R e i ch S t a g S Iv a h l e n unter dein Titel: „DaS katholische Deutschland" Organ zur Vertretung katholischer Grundsätze ans allen Gebieten deS öffentlichen Lebens ein Blatt der gedachten Art erscheinen zu lassen. Als Verlagsort wurde Mainz gewählt, und zwar wegen seiner zentralen Lage, seines alten lathvlischen RamenS und ivegen günstiger technischer Verhältnisse. Die Tendenz der neuen steituna. die zunächst als Wochenblatt gedacht ist, soll nun nn eiiizeliien bestehen: 1. in dem sachlichen, aber unerschrockenen Kampfe für daS alte Windthorstsche Zentrum gegen die Kölner Richtung, die bekanntlich bestrebt ist, daS spezifisch katholische Moment anS unserem Kulturleben und besonders unsercu Organisationen tun- lichst anZzuschalten; 2. in der vornehmen, aber energischen Abwehr de? persönlichen Berleiitildungs- und Enlstellnilgsfeldziiges, der von der „Kölnischen Volksztg." und ihren Ablegern systematisch gegen alle Andersdenkenden geführt wird, und 3. in vor Saninilimg aller derjenigen Kräfte, die gegen die B a ch e in s ch e n V e r w ä s s e r u n g S b c st r e b u n g c n einmal ein offenes, freies katholisches Wort reden ivollen. Im übrigen nimmt sich das neue Blatt die beiden am 2?. September in Ratibor beschlossenen Programmpnnlte zum Motto: 1. Wir erstreben die Anerkennung, daß das Zentrum eine politische Partei ist, welche die Interessen deS gesamten Volkes nach den katholischen Grund s ä tz e n auf allen Gebiete» deS öffentlichen Lebens zu vertreten hat; 2. wir verlangen, daß die gesamte andere Betätigung der Katholiken im öffentlichen Leben im iiinigsteii Anschluß an die hl. katholische Kirche und ihr Oberhaupt geschehe» muß. .Da. als. Verbreitimgsgebiet de? neuen Organs naturgemäß ganz Deutschland in Betracht kommt, hat das Komitee geglaubt, das Unternehmen aus eine möglichst breite Grundlage stellen und viel Gleichgesiimle zur Mitarbeit an dem verdienstvollen Werke heranziehen zu sollen. Es uahin deshalb von den Angeboten einzelner größeren Kapitalisten Abstand und vereinbarte eine unter dem Namen„Kaiholifcher Verlag" einzutragende G. in. b, H. zu begründen und Anteilscheine a 500 M., deren Depot die Deutsche Bank in Fraiikstirt a. M. übernimmt, ans- zugeben. In diesem Modus liegt nicht nur eine größere Gewähr für die Selbständigkeit, sondern auch für die Rentabilität des Blattes, die indessen schon trotz deö billigen Preises deS populär auszngestalteiideii Organs gesichert erscheint, da dem Komitee neben einer längeren Liste herborragender Mitarbeiter bereit? gegen 4000 Privatadressen zur Verfügung stehen, die ohne weiteres als Abonnenten angeseben werden können.... Wir erinnern gleichzeitig an das Wort, das Bischof.Kor um laut einem soeben veröffentlichten Briefe StcgcrlvaldS 1903 gesprochen hat:„Wäre ich a n ,'l a t t Bischof von Trier noch Professor in S t r a ß b u r g, so würde ich einen rück- s i ch t S l o s e n Kampf gegen die„Köln. Volksztg." führen. Wenn ich das Geld hätte, würde ich längst eine eigene Zeitung gegen die'„Kölnische V o l l S z e i t u it g" gegründet liaben." Ruch dieser Ausspruch ist Tausenden an? der Seele gesprochen. Deshalb sind wir überzeugt, daß sich auch Ew. Hochwohlgeborcn an nnserm Unternehmen gerne beteiligen werden, und bitten— die Namen bleiben ge« heim— um baldgefällige diskrete Nachricht an unten- stehende Adresse. Um während der Wahlen Preßfchden zu vcr- meiden, die durch Uebereifer auf der anderen Seile dem Zentrum schaden könnten, sind diese Mitteilungen, die nur brieflich und nur an ausgewählte Adressen versandt iverden, streng geheim zu halten. Zu jeder lveitcren ÄnSkunst gerne bereit Das Komitee des katholischen Verlags (Mainz, Breidenbachstraße 12). Es sind recht schwere Angriffe, die aus der Mitte der Zentrumspartei gegen die nltramontane„Köln. VolkSztg." gerichtet werden— wird doch dieses von christlicher Ethik triefende Blatt der fortgesetzten V e r l e u m d u n g und E u t- stell u n g bezichtigt; aber niemand, der den Entwickelungs- gang dieses klenkalen rheinischen Blatte?' in den letzten Jahren verfolgt hat, lvird die Berechtigung solcher Anschnldi- gmigen bestreiten._ GicSbcrts gegen Herold. In einer Düsseldorfer ZentrumSveriaminlung am 3. Januar 1912 sprach der ZentrumSagrarter Herold über die Schutzzollpolitik und die Teuerung. Er erzählte, daß jetzt selbst die Sozialdemokratie zugäbe. daß die Teuerung vorüber sei: ein Flugblatt der»izünsterischen Sozialdemokraten habe aber zum Ersatz dafür die funkelnagelnene Entdeckung gemacht, daß die Teuerung erst komme, nämlich daß die Fleischpreise erst im Frühjahr und später steigen würden. Daran' erfolgte ein schallendes Gelächter der urteilslosen Zuhörer. Wenn die Leute nur ein klein ivenig politisches Berständr.. hätten, müßte ihnen eine Ahnung davon' mifdämmern. daß Her Giesberts, der bisherige Abgeordnete für Essen, am ö. Novembe vorigen Jahres in seinem Kreise genau das gesagt hat, worüber di Zenlninisleiite jetzt lachen. Giesberts sagte: „Wir haben ferner damit zu rechnen, daß wir für das Früh- jähr, für den nächsten Sommer eine erhebliche Teuerimg in Fleisch haben werden.. Wenn im nächsten Jahre der Rückgang des. deutschen Viehbestandes zum Ausdruck kommt, dann werden wir vorübergehend mit einem A n s s a I l von 30 Proz. unserer F l e i s chp r o d u k t i o n zu rechnen haben, und, meine Herren. 30 Proz. Ausfall an Fleischprodttktion muß eine ganz enorme Fleischpreisteuerung zur Folge habe ii." Auch im bayerischen Landtage vertrat der Bauerndoktor Heim genau denselben Standpunkt. So ohrfeigen sich die ZentruniSgrößen gegenseitig, und ihre An- Hänger brüllen in ihrer Dummheit Beifall. Unter den, Kommando des Klerus. Es ist bekannt, daß nicht nur die'Zentrumsblätter diel- fach von katholischen Geistlichen geleitet iverden, sondern daß auch der höhere katholische Klerus sich gestattet, einfach den Redaktionen der Zcntrumoblättcr zu diktieren, welche Stcllmia sie zu bbstimmtcn politischen Fragen einnehmen sollen— und selten nur lvagt ein Zentrnmsblatt. solchen Weistingen cnl- gegcnzuhandcln. v- Das jüngst von den„Cüdd. Monatsheften" enthüllte Ver- hältnis der„Germania"-Redäktion z» dein Fürstbischof.siöpp liefert dafür einen neue» Beweis. Durchaus zutreffend be- merkt dazu die„Franks. Ztg.": „Es gibt Zentrimisblätter. die eS sehr übel nehmen, wenn man sie klerikal nennt. Nicht alle sind so empfindlich, und in der Tat braucht daS ja gar nicht als eine Kränkung angesehen zu werde», da man damit nur die engen Beziehungen zwischen Zentrin» und Klerus ausdrückt. Diejenigen aber, die sich darüber ärgern, tun es deshalb weil sie ivollen. daß auch sie als unabhängige Männer angesehen toflrben, die nach eigener Ueberzeugung Handelten und sich auch dam Klerus nichts vorschreiben ließen. Dieser Wunsch ist gewiß lobens wert, aber er begegnet der Schwierigkeit, daß die Tatsachen damit nicht ü b e r e i n st i m m e n, und es gehört zu dem Jnter essantesten jener Schriftstücke, daß sie das an Beispielen erhärten, deren Gültigkeit nicht wohl bestritten werden kann. Man vergleiche etwa den Brief eines Redaktionsmitgliedes der„Germania", eines führenden ZentrumZorgans. Kardinal Kopp hatte einen scharfe» Artikel gegen den katholischen Bolksvcrein an die„Germania" ge schickt, ihn aber am anderen Tage telegraphisch zurück gefordert. Darauf beschloß die Redaktion der„Germania" den Chefredakteur zu Kardinal Kopp nach Breslau zu schicken, weil die Sache zu Heike gewesen sei. Dann heißt es in dem Brief weiter:„Welch Direktive er(der Chefredakteur der„Germania") erhielt weiß ich nicht." Daß der Briefschreiber dies nicht wußte, ist nebensächlich. Aber aus der Redewendung geht klar hervor, daß man es in der Redaktion der„Germania" für ganz selbstverständlich hält. von kirchlichen Behörden Direktiven zu empfangen. Die weiteren Mitteilungen des Briefes bestätigen das noch in Einzelheiten. ES ist natürlich, daß sich die„Germania" nicht für jede Kleinigkeit eine Direktive holen wird. Aber wenn sich daS auch nur auf Fragen der Richtung und sonstige wichtige Tinge beschränkt— man nimm ■ Direktiven, man ist„klerikal". Nebenbei ist ein kleines Malheur amüsant, das der„Germania in diesem Falle passiert. Sie hat den Brief StegerwaldS, der sich etwas ungeniert über Bischof Korum ausgesprochen hat, eben deshalb eine bedauerliche Entgleisung genannt. Aber der Direktor der„Germania" hat den Artikel deS Kardinals Kopp, der dann abgeschwächt erschienen ist, eine Dummheit genannt, die einige tausend Abonnenten koste. Man sieht also daß sogar in der„Germania" Entgleisungen möglich sind. Hepp! Hepp! Im klerikalen„Koblenzer LolkSfreund" befindet sich folgende Briefkastennotiz: „Herr 3E. und andere. Hoffentlich- haben mit Ihnen auch recht viele andere den„Iudentrick" bemerkt. Es wird viel Unheil ver- hütet und dem christlichen Gewerbe geholfen, wenn der Spruch stets beachtet würde: „Ob Moses, Abraham. Mayer oder Stern, Bon s>udcn halte mich immer fern." Um die Judenstimmen hat früher das Zentrum bis zum Ekel gebettelt. Jetzt, wo es mit seinem Girren nicht die nötigen Wahl geschäfte machen kann, schlägr es auf die Juden loS. Diese Wand lung waren die Schwarzen längst den konservativen und anttsemirischen Judenfressern schuldig.__ Zlrmenunterstiitzung und Wahlrecht. Eine Errungenschast des Blockreichslags ist das Gesetz vom to. Marz 1909, das Bürgern, die zur.vebung augenblicklicher Not- läge Unterstützung aus öffentlichen Mitteln empfangen haben, das Wahlrecht erhält. Wie bei der Beratung des Gesetzes von Regie- rungsvcrtretern erklärt worden ist, sollen nur solche Personen, die dauernd unterstützt werden, vom Wahlrecht ausgeschlossen werden. Ueber die Anwendung dieses Gesetzes scheinen die größten Mci- nungsverschiedenheiten zu herrschen. Einsichtsvolle Stadtverwal- tungen versuchen, dem Sinne des Gesetzes gerecht zu'werden und den Opfern unserer Wirtschaftsordnung das höchste Bürgerrecht zu erhalten. So wirtz� aus K ü r t h ,i. B..geisteldet, djjß. her Magistrat Männer, die längere Zeit im Krankcnhäuse verpflegt worden sind und deren Angehörige während dieser Zeit Armcnunterstützung bezogen haben, doch sn die Wählerliste eingetragen hat. Diese Maßnahme ist damit begründet, daß eine Unterstützung, die den Angehörigen eines Arbeitsunfähigen gewährt wird, dicseni nicht angerechnet werden kann, weil er ja nicht für seine Angehörigen sorgen kann. Gerade entgegengesetzt ist die Praxis des Magistrats zu F r a n k f u r t a. M. Tic Verwaltung dieser Stadt, die sich gerne als die sozialpolitisch fortgeschrittenste rühmen läßt, hat an- geordnet, daß alle Wähler, deren Angehörige für länger als 14 Tage Unterstützung bezogen haben, gestrichen werden. So ist ans Anordnung des Franlsiirtcr Magistrats der Name eines Wählers gestrichen worden, dessen Frau für fick und ihre Kinder während vier Wochen zusammen 8 lachti Mark und etwas Brot erhalten hat, als der Mann sich in der Lungcuheilstättc aufhielt. Unterstützungen, die für länger als 14 Tage gewährt werden, sieht der Frankfurter Magistrat als dauernde an. Eine solche Aus» legung wird nicht einmal dem Buchstaben, geschweige denn der Absicht des Gesetzes gerecht. Das Schönste ist, daß von dieser Maß- nähme auch Wähler hetroffen worden sind, die ursprünglich in die Liste eingetragen waren. Sie erhielten die Nachricht von der Streichung ihres Namens einige Tage nach Ablauf der Aus- I e g u n g s f r i st, also zu einer Zeit, zu der sie für die Wahrung ihres Rechtes für die jetzige Wahl nichts mehr tun konnten. In einem Falle ist zwar sofort Einspruch erhoben worden, ob aber darüber noch bis zum 5. Januar Entscheidung getroffen wird, ist mehr als fraglich. Und ani ö. Januar müssen die Listen endgültig abgeschlossen werden. Später darf weder Streichung noch Ein- tragung erfolgen. Unsere Genosse» in den Bcrtretungstörper- schaftcn der Gemeinden werden gut tun. sich um die Praxis der Verwaltungen zu kümmern, um Nachahmungen und Wieder- bvlungen solcher Maßnahmen, wie sie in Frankfurt a. M. getroffen irorde-i sind, zu verhindern._ Zoldatcnmifthandlung. Wegen zahlreicher Soldatcnmißhandlungen hatte sich der Haupt- mann Karl Bauer der vierten Kompagnie des zweiten bayerischen Infanterieregimentes vor dem Kriegsgericht in München zu verant- Worten. Beim Turnen, bei den Felddienstübungen, beim Schießen usw. behandelte er die Leute seiner Kompagnie um Korrekturen vor- zunehmen, folgendermaßen: Er stieß die Soldaten mit seiner Fuß- spitze auf die Schienbeine, trat sie mit den Füßen auf die Hände iwenn die Leute zu Boden lagen), versetzte ihnen mit der Faust Stöße in die Seite und auf de» Kopf, er schlug mit dem flachen Säbel zu mid besonders häufig stach er mit der Säbelspitze nach den einzelnen. Ein Soldat wurde am Ohr gerissen, daß eS blutete, dabei sielen Ausdrücke wie Lausbube. S.. bursch usw. so oft, daß — wie die Zeugen sagten— sie gar nicht mehr reagierten. Ein Mann wurde beim Liegen in die Seite gestoßen, und zwar mit dem Sporen und mit der Fußspitze au die Helmspitze, daß am Auge eine Verletzung entstand. Ein anderer wurde mit der Spitze des Säbels in den Oberschenkel gestochen, von einer Verletzung durch das gleiche Vorgehen wurde ein Mann nur durch seinen Mantel geschützt, der durchtrennt wuroe. Verschiedene wurden mit dem Säbel auf die Hand und die Füße geschlagen; mit der Faust stieß der Hauptmann einen Mann unter das Kinn usw. Die Mißhand- lungen reichen teilweise bis zum Jahre 1909 zurück. Bc- schwert hat sich keiner, da sie Unannehmlichkeiten fürchteten. Zur Anzeige gelangten die Mißhandlungen durch einen Stabsarzt, der eine» der Verletzten behandelte. Einen Mann, der sich infolge der Mißhandlungen ins Bett gelegt hatte, besuchte der Angeklagte und verlangte,„er soll sich nicht zum Arzt melden, die Sache solle geheim bleiben; er brauche dann nicht mehr auszurücken und be- komme inneren Dienst." Nach dem ärztlichen Gutachten leidet Hauptmann Bauer als Folge durchgemachter Erkrankungen an großer Nervosität. Der Anklagevertreter beantragte ö Monate Festung. Da» Gericht erkannte auf 42 Tage S t u b e n a r r e st. Rußland. Gefängnisgreuel und keiu Ende. Väterchens Kerkermeister sorgen dafür, daß die Logende von den„vereinzelten Mistständen" im Gefängnisrcssort immer wieder gründlich widerlegt, und daß das bestialische System aufgedeckt wird, dem die politischen Gefangenen in Rußland ausgesetzt sind. Heute sind es die grauenhaften Tragödien in Wologda und Serentui, morgen die Enthüllungen über das Kerkcrregime in Orcl, Rikolajew, Moskau, Riga usw. Wie eine trübe Schmutzflut ergießen sich die Verbrechen und Schandtaten der zarischen Kerkermeister über das geknechtete Reich. Gegenwärtig stehen die Gefängnisgreuel in P s k o w im Vordergründe des Interesses. Zweieinhalb Jahre lang sind hinter den festen Mauern dieses Kerkers zahlreiche politische Gefangene bis aufs Blut gepeinigt worden, ohne daß die Oeffentlichkeit etwas davon erfuhr. Vor Is- Monaten ge langte die erste Mitteilung in die Presse, wonach 17„Politische" in Pskow durchgepeitscht wurden("4 er hielten je 100 Schläge!), weil sie um die Entfernung eines Sittlichkeitsverbrechers aus ihrer Zelle gebeten hatten. Tiefe Nachricht ist bis auf heute nicht dementiert worden. Es ist auch keine Untersuchung eingeleitet worden, und der Gefängnisdircktor Oberst Tschcrlenkowski, konnte sein blusiges Handwerk ungestört fortführen. Ter Chef der Haupt gefäugnisverwaltung, Herr Chrulsow, begab sich zwar zur Revision nach Pskow, er hat aber, wie WladimirKorolcnko in einem flammenden Anklageartikcl feststellt, den mißhandelten Gefangenen erklärt, sie mögen die Exekutionen vergessen! Nun kommt aus Pskow folgendes lakonische Telegramm:„Im hiesigen Kartorga- gesängnis haben 103 Gefangene den Hungerstreik be gönnen. Drei, die als Rädelsführer angesehen werden, sind durchgepeischt worden." Durch dieses letzte heroische Mittel suchen die unglücklichen Gefangenen die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Zustände in dieser Gefängnishöllc zu lenken. W. Basilcwitich verössentlicht in der Zeitung„Retsch" folgende Mitteilungen über die Katorga in Pskow. Im Fe- bruar 1909 langte dort ein Trupp von 31 Politischen aus Petersburg an. Seit dieser Zeit datieren die fortgesetzten Erekntionen, denen die Politischen vom Gefängnisdirektor unterworfen wurden. In diesen 2�/2 Jahren sind 13 0 Gefangenen insgesamt 5625 Ruten hiebe verabfolgt worden! Es scheint geradezu ein sadistischer Trieb zu sein, der den Direktor— wie vor einigen Jahren den wegen Mißhandlungen und Folterungen verurteilten Gefängnisdirektor Schäfer in Astrachan— veranlaßt, fast täglich blutige Exekutionen an den Gefangenen vorzunehmen. Und bei dieser Gelegenheit leisten ihm die Gewohnheitsverbrecher als Lockspitzel und Angeber tätige Mithilfe. Ein Wort dieser Kreaturen des Tirektors genügt oft, daß sämtliche Politische in der Zelle durchgepeitscht werden. Auf der Katorga zu Pskow gibt es eine eigenartige Ein- richtung, die auf die Zustände in dieser Hölle grelle Schlag- lichter wirft. Es ist dies ein Gang, an dem sich eine Reihe von„Käfigen" für die Katorgagefangcncn hinziehen. In dieser fensterlosen Löcher, die drei Schritt in der Länge und IVo in der Breite messen, werden die Gefangenen eingesperrt. Viele aber sehnen den Augenblick herbei, wo sie sich in diesen Käfigen von der Oual der gemeinschaftlichen Zellen aus- ruhen können. Nachdem diese Greuel in der progressiven örtlichen Zei- tuttg aufgedeckt worden waren, sah sich sogar die konservativ- nationalistische„Prawda" in Pskow genötigt, den Direktor wegen seiner„Grausamkeit und Herzlosigkeit" heftig anzu- greisen. Tic Regierung aber schweigt, wie sie während des blutigen Bachanals in allen diesen Jahren geschwiegen hat. perlten. Russische Barbareien. Täbris, 5. Januar. Vier Häuser, aus denen bei den letzten Kämpfen auf russische Truppen geschossen worden war. sind indieLustge sprengt worden. Das Feld- g e r i ch t hat noch dreiPersonenzu m Tode durch den trang verurteilt. Tie Ruhe in der Stadt ist wiedcrhcr- gestellt. Ter„New Jork Herald" meldet aus Teheran, daß die Russen gestern von neuem sechs hervorragende B ii r g e r Teherans haben hinrichten lassen. Tie aus- ländischcn Konsuln erhoben wegen des Vorgehens des rilssischen Konsuls in Reicht Beschwerde, welcher durch öffent- lichen Anschlag die Bevölkerung aufforderte, den Haus- suchungen nach Waffen, welche durch russische Kosaken erfolgen sollen, keinen Widerstand entgegenzusetzen. Rußland hat weiterhin das persische Kabinett aufgefordert, die per ische Gendarmerie aufzulösen. Amerika. Ter Schiedsvertrag mit England. Washington, 5. Januar. In der gestrigen Sitzung des e n a t S erregte Senator H i t ch c o ck sNebraska) eine ge wisse Aufregung dadurch, daß er sich gegen den vör- geschlagenen Schiedsgerichts vertrag mit England wandte und die Regierung geradezu beschuldigte, daß sie de» Fehler begehe, sich in eine Allianz mit jenem Lande zu verstricken. Der Plan, dem Präsidenten zu gestasien, die amerikanischen Mitglieder der Oberkommission. die in diesem Per- trage vorgesehen sei. ohne Zustimmung des Senats zu er- nennen, sei durchaus gefährlich. Hitchcock erklärte weiter, der Schiedsvertrag würde den traditionell gewordenen Plan der Nation, Schiedsverträge zu schließen, vernichten und auf die tat- sächliche Annahme desjenigen Systems hinanslaufen. das gegenwärtig bei den monarchischen Mächten in Gellung sei. Hitchcock erklärte, im ganzen Lande würden Organisationen geschaffen, um für de» Schiedsvertrag mit England Stimmung zu machen. Eine Umfrage bei zahlreichen Senatoren habe die Tatsache enthüllt, daß viele, die gegen den Vertrag in der vorliegenden Form gewesen, setzt geneigt seien, ihn mit der vom Senator Root vorgeschlagenen Abänderung anzunehmen, welche bestimme, daß die Monroedoktrin, die Kontrolle der Einwanderung und die e-chulden der Vereinigten Staaten einer schiedsgerichtlichen Entschzidung nicht unterworfen sein sollten. Redner zitierte schließlich die Rede Grcys vom 18. März 1911. in der dieser ein gemeinsames Vorgeben gegen eine dritte Nation befürwortete, welche die SchiedSgerichtsidee ablebne. und erklärte die Schlußfolgerung>ei unvermeidlich, daß Staatssekretär Grell damit auf Teutschland Bezug genommen habe.— Senator R a h n o r, demokratischer Vertreter von Maryland, Mitglied der Kommission flir auswärtige Angclcgenbcitcn, erstattete den Bericht für die Minorität, in dem die A n n a h m c des Schicdsgcricktsver- träges ohne Znsatzantrag befürwortet wird. reichs. welche von Oesterreich-Ungarn, Teutschland und Rußland aufrichtig unterstützt werden, keinen Erfolg gehabt. Tie beider- scitigen Standpunkte geben noch weit auseinander. Die Meldung. der italienische Botschafter habe den Austrag erhalten, sich bereit- zuhalten, um nach Konstantinopel abzureisen, wird dementiert. Eine Niederlage der Italiener? Konstautinvpel, ö. Januar. Folgende amtliche Depesche aus Der na wird ausgegeben: Bei Flelisch. vier Kilometer von Schetichasis, griffen wir gestern mit 4200 Mann und neun Kanonen die Italiener bei der Verstärkung ihrer neuen Befestigungen an.» Nach blutigem, bis 10 Uhr abends dauernden Kampfe wurde der linke Flügel der Italiener in Unordnung zurückgezogen. Wir hatten 77 Tote und 29 Verwundete. Tie Italiener ließen 300 Tote und Verwundete zurück, darunter ein Hauptmann tot und zwei andere Offiziere schwer verletzt. General Delbucno wurde angeblich leicht' verwundet. Bulgarische nnd montenegrinische Kriegshetze. Saloniki, 5. Januar. Zahlreiche' Geheimagenten des bulgarischen RevolutionSkomitces sind in Mazedonien eingetroffen, um die Bc- völkcrung für einen allgemeinen Aufstand zu gewinnen. In allen � Ortschaften wird die Bevölkerung, die für eine Erhebung gewonnen ist, in der Handhabung der Waffen unterrichtet. Zahlreiche Person- lichkeiten wurden angeworben, die die Geheiinbeschlüsse des in Sofia abgehaltenen Kongresses der Revolutionäre ausführen sollen. Cctinje, 2. Januar. Der Minister des Aeußern Gregovic bcanl- wartete eine Interpellation dahin, daß, falls die türkische Regierung den fortgesetzten blutigen Grenzausschreitungen kein Ende bereiten würde, Montenegro die Geduld verlieren werde und sich an die Großmächte wenden wird. Falls auch dieses nichts nutzen sollte, würde Montenegro andere Wittel ergreifen. Russische Zustände in Italien. Rom, 2. Januar. Jeden Tag leistet sich die Reaktion ein neues Stücklein. Soeben ist dem Parteigenoffen und Schrift- steller Paolo Valera vom Ministerium des Inner» die Er- � laubnis verweigert worden, sich nach Tripolis einzuschiffen. Als Vorwand führt man den Unistand an, daß gegen Valera ein Prozeß wegen eines politischen Verbrechens schwebt. In Wirklichkeit legitimiert das in keiner Weise das Verbot. Wer sich nicht in Unter-' suchungshaft beffndet, hat natürlich das Recht, zu reisen, wohin er- will. Verständlich wäre, daß mau einen Auslandspaß verweigert, aber hier handelt es sich doch»in eine„italienische Provinz", -- Die Revolution in China. Tie Wahlen zur Nationalversammlung. Mukdc», 3. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphcr Agentur.) Hier sind Instruktionen für die Wahlen zur Nation» Versammlung eingetroffen, a»S denen hervorgehe, daß.'öi� Pekinger Regierung die Wahlen nur in den nördlichen Provinzcix Turkestan, Tibet und der Mongolei leitet. Im Söder organisiert die Republik die Wahlen. Diele Wahlordnung weist aus die Mög- v lichkeit einer Teilung des Staates hin für den Fall, daß die National- Versammlung zu keinem einsiiinmigen Beschluß gelangt. Aufruhr und Hinrichtungen in Tschengtu. Peking, 5. Januar. Konsulardepescllcn aus T s ch u g k i n g besagen,, daß der größte Aufruhr in Tschengtu«.Sz sichuan berrschl. Ter Bizekönig Tschaocrfeng flüchtete iu de». Jamc wurde dort am 20. Dezember gefangen genommen und gerichtet. Ein ähnliches Schicksal traf den kaiserliche» Gcncr T i e n. 140 Ausländer haben gestern Tschungking verlassen. Noch keine Intervention. Washington, 3. Januar. Dem Ersuchen des amerikanischen Ge- 'andten in Peking um Entsendung von Truppen zuni chntze der Eisenbahn Tsingwangtou— Peking wird, wie hier mit- geteilt wird, vom Staalsdeparlement erst dann Folge ge- geben werden, wenn sechs beteiligte Mächle eingehend um Rat gefragt worden sind und bestimmtere Informationen vor» liegen werden. Gewerkschaftliches siehe I. Beilage. Der Krieg. Tie Friedcnsaussichtcn. Wien, S. Januar. Der Pariser Korrespondent der„Neuen Freien Presse" erhielt von einem maßgebenden leitenden Staats« mann die Versicherung, daß die französische Diplomatie unausgesetzt bemüht ist, noch vor Eintritt des Frühjahrs den italienisch-türkischen Krieg beendet zu sehen. Bis jetzt haben diese Beinübungen Frank Eisenbahnzusammenstoß. Rom, 5. Januar 1912.(H. B.) Bei der Station R u c c a d C a c a n i a l a stießen beute zwei Personenzüge zusammen. Fiin Personen wurden dabei getötet, 17 verlebt. Weitere Einzelhcite verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.:»h. Glocke. Berlin. Druck u.VerIag:PorwärtsBuchdr.n PerläMn��PaulSmgei�C�eAiiü-lvTH�r�Z�eflälMüVvnterhältnngsbh Letzte IVachrichten. Stichwahltermin in Sachsen. Dresden, 3. Januar. kW. T. B.) Als Stichwahltcrinin für die Reichstagswahlcn im Königreich Sachsen ist der 20. Januar in Aussicht genommen. TeutschböHmische Opposition. Prag, 5. Januar 1912.>W. T. B.l Tie deutschböhwischen Rcichsrats- und Landragsabgcordnetcn, die fair vollzählig hier der- sammelt sind, beschlossen beute»ach langer Debatte, in der die ge- samte nationalpolitischc und finanzielle Lage der Deutschen in Böhmen aufgerollt wurde, aufs Entschiedenste die Beschleunigung der Ausgleichsverhandlungcn zu verlange», damit endlich Stellungnahme der Tschechen zu den deulschcn Grundforderungcu klar ivcrdc. Ferner wurde beschloffen, von der Regierung zu ver- langen, daß die Benachteiligung Teutschböhmcns in der Waffer- stratzenfragc beseitigt werde._ Tie französisch-spanischen Verhandlungen. Paris, 3. Januar. iW. T. B.) Eine Zeirung meldet aus Madrid, der Minister des Aeußcren habe in dem Ministerium die Forderung FrankreichS�als unannebmbar bezeichnet, dock sei die amtliche Antwort Spaniens aus die neuen französischen Vor- schläge noch nicht erfolgt. Ter„Temps" erklärt, die spanische Re- gicrung habe eine Haltung angenommen, welche die Verhandlungen schwierig gestalten werde. Sie zeige sich in drci�Pnnktcn durchaus unnachgiebig. Sie beharre darauf, daß Spanien in seiner Zone dieselbe Stellung babc, wie Frankreich in der scinigcn.«ie verlange die Aufrcchlcrhallung der Besetzung von Larrasch und Elksar und weigere sich, in der Südzane einen.Küstenstrich abzu. treten, der irgendwie mit den Kanarischen Inseln in Bcziebung siebe. Unter solchen Umständen müsse man sich fragen, was üvcr- Haupt noch Gegenstand der Verhandlungen bilde, und welche Em» schädigung Spanien den Franzosen anbieten könne. Noch ein Komitee in der Türkei. Paris, 3. Januar 1912.(H. B.) Ans Saloniki wird ge- meldet, daß das revolutionäre Komitee, genannt„die roten Brüder"(?). an die türkische Regierung ein Schreiben gerichthat. in welchem es verlangt, daß volle Garantie'für die individuc politische Freiheit für alle Bewohner gegeben»verde. Außcrdc wird die exemplarische Bestrafung der Urheber der letzten politische Mordtaten verlangt, wenn nicht, so würde das Komitee die Nc volution im ganzen Laude heraufbeschwöre». Nr. 4. 20. Jahrgang. 1. leitaf des Jonärts" letliiiet Zonnabend, ti. Jannar MZ. Nahlhitte am U. Zanuar in der Provinz Brandenburg. Wir bedürfen zur Ueberwachung der Wahllokale, Stimm- �cttelverbreitnng ufm. am Wahltage einer großen Anzahl ' ruhiger, zuverlässiger Parteigenossen. Von den Organisationen des 4. und 6. Äreises haben sich bereits eine Anzahl Genossen 'zur Verfügung gestellt. � Ihre Zahl reicht jedoch bei weitem nicht aus. .i Tie lSenossen der anderen Berliner Kreise können Hilfskräfte und Wähler nicht entbehren. Wir ersuchen deshalb die Genossen des 4. und 6. Wahl- kreiscs; sowohl diejenigen, die ihre Bcrcittvilligkeit bereits ausgesprochen haben, wie alle weiteren hilfsbereiten Genossen, Sin ' Montagabend 8�/� Uhr znr Touren- Verteilung iit erscheinen. Tic Genossen des 4. Wahlkreises im großen Saal des . Gewerkschaftshauses, Engclnfer 16. Tie Gcuosieu des Teilnehmern besuchten Wähler- bersamulliulg referierte der ReichStagskaiididatdeS Kreises. Genosse Fritz Zubeil, über: Der alte und der neue Reichstag. Der Rcfercnl rechnete mit seinen Gegenkandidaten gründlich ab, die bor der Wahl alle mög- lichen Versprechungen machen, aber nichts hallen. Wir Sozial- demokraten versprechen nichts, sondern wir wollen das erkämpfen, was der großen Masse zmu Nutzen gereicht. Es liegt nur an den Wählern, wem Sie am l2. Jannar die Stimme geben. Redner forderte die Anwesenden aus, sich intensiv an der Wahlarbeit zu be- teiligen und sich der politischen Organisation anzuschließen, da nur dann der Sozialdemokratie am 12. Januar der Sieg zufällt. Leb- hafter Beifall danlle dem Redner für seine trefflichen Ausführungen. Tie Versammlung wurde durch den Vortrag einiger Kampflieder des Alt-Glienicker Arbeiter-Gesangvercins eröffnet und geschlossen. f�ieclerbarnim. WaidmanuSlust fNordbahn). Ueber das Thema„Auf zur Reichs- tagSwahl" sprach gestern abend in gutbcsuchter Wählerversaitimlung Genosse Dr. M o s e s- Berlin. Gegner waren nicht anwesend; diese gaben in unserem Ort bisher überhaupt noch kein Lebenszeichen von sich. Hermsdorf(Rordbahn). Eine glänzend verlanfeile. von etwa 200 Personen besuchte öffentliche Wählerversammlung hörte gestern abend ein interessantes, temperamentuolles Referat der Genossin Friedländer- Berlin. Darauf gab der Versammlungsleiter, Genosse Liebold. ein Bild von der am Tage vorher stattgefundenen konservativen Wählerversammlung, i» der sich alle bürgerliche» Parteien, konservative, Nalionalliberale, Freisinnige, Demokraten und selbst Angehörige des Zentrums ein Stelldichein gaben. Ob- wohl der freilonservalive Durchsallskandidat, Herr Oberbürgermeister Ziethen-Lichlenberg in eigener Person zugegen war, waren doch kaum SV getreue Schäflein erschienen. Stolpe(Nordbahn). In öffentlicher Wählerversammlung referierte Montagabend Genosse ll ck v- Berlin. Die ländlichen Gewalt- Haber des hiesigen Gutsbezirks hatten anscheinend alles aufgeboten, ihre Arbeiter am Besuch der Versammlung zu verhindern. Trotzdem können»vir in diesem fast rein ländlichen Ort mit dem Besuch zufrieden sei». Lorgsdorf(Nordbahn). Am Montag tagte hier eine öffentliche Wählerversammlung. Genosse K ä m i g- Mahlsdorf referierte in fesselnder Weise vor einer anS Industriearbeitern und ländlichen Ar- heitern gemischten Zuhörerschaft. Der Erfolg des Abends bestand in vier Neuaufnahmen. Wir haben in diesem kleinen Bauern- und Arbeiterdörschen mit 144 Wahlberechtigten nunmehr 23 Wahlvereiiis- Mitglieder. Eine vom konservativen Wahlansschliß in Ladeburg einberufene Wählerversammluitg nahm durch die Anlvesenheit zahl- reicher Sozialdemokraten einen recht liiteressanten Verlaus. Aus- nahmslveise wurde unseren Geilosseit auf ihre Anfrage volle Rede- sreiheit zugesichert. Der als Referent erschienene konservative Kan- didat Rechtsanwalt Bredereck- Berlin zerfloß beinahe in Tränen darüber, iveil kein Großblock gegen die„role Gefahr" zustande ge- kommen sei; die Schuld schiebt er dem jetzigen Reichskanzler in die Schuhe. Als treu-de»tscher Kriegshetzer uild Patentpatriot mußte er natürlich auch die Wahlrechtsdemoilstrationeil der Sozialdemokratie verurteilen und die Dreiklasieilschinach als ein gerechtes Wahlrecht bezeichnen. Die etwa einstündige Rede triefte dann förmlich von Arbeiterfreundlichkeit, die aber auf die Anwesenden einen so tiefen Eindruck machte, daß ein einziger die Hände zun, Beifallilatscheil bewegte. In der Diskussion erwiderte Genosse II ck o- Berlin dem Referenten. In längeren Ausführungen zerpflückte er die Rede des konservativen ÄllerweltsmanneS und zeigte den Anwesenden, daß nur die Sozialdemokratie die Interessen der Arbeiter, Handwerker»nd Kleinbauern zu vertrete» in der Lage ist. Unter lebhaftem Beifall forderte er die Anwesenden auf, am 12. Januar Mann für Manu für den sozialdemokratischen Kandidatc», Stadtverordneten Bruns, einzutreten. Potsdam Oft-fjaTdland. Spandau. Zwei große öffentliche Wählerversanunlungen tagten hier am Dienstag abend in Borchardtö Fcstsälen und bei Köpenick, war, daß die Araber mit ihren annseligen Gewehren ivie Pflanzen hin- gemäht wurden, spricht von einer„verdammten" Moschee, die den Siegeslauf aufhält, weil die Türken sich hier verschanzt haben und sich wie die Löwen verteidigen. Ein anderer erzählt, lvie man in den Oasen zwischen den Leichen und den Kadavern getöteter Hnilde noch einige letzte„Fanatiker" entdeckte, die noch gegen die Eroberer zu schießen wagten; aber man„fing" sie und führte sie ohne Mühe fort, wahr- scheinlich zur Schlachtbank. All das atmet eine erstaunliche Nn- bewußtheit. Aber wenn die französische Presse sich ans feiten der Angreifer stellt, spiegelt sie so schlecht ivie nie die Gefühle der Nation. Der Abscheu und schmerzliches Staunen herrschen ein- stimmig im Volke." Pierre Loti spricht dann dabo», wie für die Europäer die Mohanliiiedaner immer mehr zum Freiwild geworden seien und geht daim aus die Grausamkeiten des tripolitanischen Krieges über.„Man macht i» Italien großen Lärm gegen die bedmnischen„Greuel". Mag sein. Ich kenne die Bewohner der Wüste, ich halte sie nicht für zarte, sanftmütige Menschen, und ich beklage von Herzeil die armen, kleinen Soldaten, die in ihre Hände fallen. Aber lvie ver- stehe ich auch die Wildheit ihres Hasses, ihren heißen Durst nach Rache! Oh, diese Fremden, die eines Tages ohne Herausforderung wie die Teufel an ihren Küsten landeten, u», alles zu plündern, zu verbrennen und zu morden. Und ach. es gibt viele italienische Greuel, und sie sind noch weniger enisebuldbar. Die Zeitungen haben sie registriert, die photographischen Platten, deren Beweiskraft nicht be- streitbar ist, haben Bilder entrollt, die Entsetzen erregen. Hat man nicht in jenen schwarzen Oktobcrtagcn, im Gegensatz zu allen Menschenrechte» und zu den klaren Bestimmungen der Haager Kouvention Befehl gegeben, massenweise die Araber niederzuschießen, die nur verdächtig waren. Waffen getragen zu haben? lind dann hat man gemordet, als sei das ein Vergnügen und die Leichen von mehreren Hundert harmloser Pflanzer und Bauern ver- pesteteu die Oasen, die ein menschliches Schlachthaus geworden loaren. lind die Szenen der Wildheit, die die Hinrichtung des Kawaffen Marko begleiteten! lind die Erhängung der Gefangenen! Und im Roten Meer wurden alle jene kleinen bescheidenen arabischeil Segler, die keine Kriegsschiffe waren, du: ch die italienische Flotte verbrannt, unter dem Vorwand, sie könnten„vielleicht" zum Transport türkischer Truppen dienen. Ich bin gewiß, daß auch italienische Herzen wie meines empfinde». Armes, schönes und schmuckes Italien! Glaubt es wirklich ehrlich auf dem Wege zum Ruhm zu sein? Ich nehme an, daß eS jetzt jene Illusion der ersten Tage verloren hat. Gewiß, die einzelne» Streiter haben Ruhm geerntet, unter ihnen mögen viele wie Helden gekämpft und wie Helden ge- allen sein. Doch dies kami nie das erste Verbrechen auslöschen, das Verbrechen, die Kriegsfackel entzündet zu haben. Anne, schöne Nation, ich will glauben, daß sie wie in» Mittelalter mit bunten Federbüschcn heiter und sorglos auszog und nicht an so viel Blut PichelSdorfer Straße. Beide Bersannnlungeil, in denen die Genossen S i e r i n g- nild Lt. Barth- Berlin über das Thema:„Wen Ivählen wir am 12. Januar?" sprachen, waren außerordentlich stark besucht. Die Lieferenten fanden begeisterte Zustimmung, als sie die Stenerscheu der besitzenden Klassen beleuchteten und'das Sünden- regisler des Hottentotten- und späteren Schnapsblocks Repne passieren ließen. Mit dem Gelübde, bis zum Gerichtstag, den 12. Januar, olles daran zu setzen, daß auch über dem„Hohenzollernkreis" die rote Flagge der Freiheit und Gerechtigkeit weht, gingen die Ber- sammelten auseinander. Eue der parteL Ter 10. Kimgresi der tschcchoslowischcn sozialdemokratischen Arbeiterpartei tagte Weihnachten in Prag. 633 Delegierte waren anwesend. Trotzdem in dm Eröffnungsreden und der Saaldeloration die internationale Solidarität des Proletariats aller Länder betont wurde, sprachen gleich die Begrüßungsreden der ruthenischcn Scpcr- ratistcn und eines russischen! Ukrainers von Unterdrückungsgelüsten der deutschösterreick'ischen sowie der russischen Partei. Ten W i c»er Gcwertschaftszersplittereru, gegen deren Treiben sich auch in diesen» Lager manche Stimme erhebt, wurde ans Tusars Antrag die größte Anerkennung ausgesprochen. Gegei» dem panslaw istischen, Jungfi lschechciiführcr und Freund der Echtrussentunis, Abgeordneten Dr. Kramarsch, wurde eine Protestresolution gefaßt. In dem vom Sekretär Bruha erstatteten Parteibcricht wird Dr. Adler unwahrer Behauptungen geziehene weil er— was de», Tatsachen entspricht— die, von ihm, mißbilligte) Bildung der tschechischen Zentraliften» Partei als eine Folge der Ausschließung der der Gewerkschafts- Zerreißung entgegentretenden Genossen ans der t s checho slawischen Partei bezeichnete. Tie Partei hat nach diesem, von der Wiener Arbeiterzeitung bezweifelten, Bericht heute 144 000 Mitglieder, gegen 130 000 aus dem vorigen Parteitag. Auf dein Monat entfallen indessen nur— 55 740 Beiträge gegen 56 836 in der vorletzten, Periode!(Tie dcutschösterreichische Partei quittierte in Innsbruck über je 109 310 Beiträge pro Mitglied und Monat im erste» Halbjahr 1911.) Tie agitatorische Tätigkeit lvar enorm, und an Strafen werden, nicht weniger als 4 Jahre, 4 Monate und 8 Tage verzeichnet, die über 753 Personen, verhängt wurde». Das Zweihellerwochcnblatt„Tie Furche" hat fast 100 000 Auslage, nicht viel weniger ein antiklerikales Halbmonatsblatt„Ter Lichtschein" und 2800 das wissenschaftliche und Diskussionsorgan„Akademie". Im Frattionsverichk behauptete Njemctz, nachdem er die bekannten Wahlkoiupromisse in Mähren verteidigt hatte, daß die deutschen Genoffen dem früheren einheitliche», Abgcord»ctc»vcrba»d den Opportimismus ausgmöliigt hatten. Sehr zur rechten Zeit kommt da ein Bericht des Genossen Tr. Renner im„Kampf", worin er nachweist, welche Mühe die deutschen Genossen— oft genug vergeblich— daran wenden, mußten, die Tscheche» von nationalistischen Experimenten, abzuhalten, während sie für sozialpolitische Tinge viel weniger Interesse hatten,. Das Referat Dr. S ch m e r a l s über die neuem Wehrvorlagen stimmte ziemlich mit dem, des Gen. Schulz in Innsbruck überein: Ohne Temakratisierung des Heeres keinen, Mann und keinen Groschen! lieber„Tie i n t e r n a t i o n a l c Solidarität des Proletariats und die t s ch e ch o s l a lv i s ch c So» z i a l d e m o k r a t i e" referierte N j e m e z in bekannter Weise. Tie deutsche c-ozialdemotratie spalte!» kritischer Zeit die tsckecho- slawische durch Ancrkcmiung jener„Avtrünnigcn", die nicht den, Abfall der Tschechojlawcn, mitmachen! Wien verlange Untertänig- keit und Tribut und obendrein fälsche es die Kopenhagener Res» lution, die die Einheit nur für jede Nation fordere. Und so geht das weiter. Ter Glanzpunkt ist wohl dies: „Wie würden wir aussehen, wenn die tschechischen, Arbeiter zu uns kommen, mir ihren, Schul-, Sprachen- und Kulturforde» rungcn, wenn wir ihnen, sagten, daß wir uns in dieser Richtung für sie nicht einsetzen können, lvcil wir, gebunden durch die Soli- darität mit den, deutschen Genossen, die Oberherrschast der Deutschen, in Oesterreich nicht antasten dürfen, die ewig aufrecht erhalten bleiben, muß., Beifall.)" Als ob ihnen die Deutschen das verbieten, würden: In. der Debatte trat nur Tr. M c i ß n e r für einige Besonnen, bcit ein, fand aber nur Widerspruch. Dafür fand die Mitteilung, daß nun auch, entgegen, feierlichen, Abmachungen, die Eisenbahner- organisation zersplittert wird, herzlichen. Beifall. In der von Njemez beantragte»! Resolution, heißt es: „... Wir sprechen, die feste Uebcrzcugung aus. daß die inter- nationale Solidarität den Bestrebungen, nach Unabhängigkeit der Nation nicht im Wege steht. Wir verurteilen den Versuch, die tschcchoslawische. Arbeiter- Partei zu spalten, der durch diu Gründung der abtrünnigen und so viel Granen dachte. Und jetzt, da der Kampf begonnen hat, glaubt sie sich zu entehren, wem, sie die Beute fahren läßt. Wie neu, wie groß, lvie erhaben wäre es aber zu sagen: Genug, genug der Toten, wir ivollen unsere Hände nicht noch mehr röten. Wir ermäßigen unsere Forderungen, damit dieser Alp endlich cnt- schwindet." Persische Elemente in europäischen Sprachen. Es ist wenig be» kaiink, daß die europäischen Sprachen, meist durch Vermitteluug deZ Griechischen und Lateinischen, manches aus dein Persischen über- nommen haben. Die„Tiara", die Papstkrone, war die Kopf- bedeckuug der persischen Könige. Persisch sind Magie, Basar. Schal, Türkis und Taffet. Eine Reihe unserer Früchte und Gemüse har ihre Heimat in Persien oder Vorderasien überhalwt, und mit ihnen sind anck die persischen Bezeichnungen zu uns gekommen.„Pfirsich" ist aus(lliilum) pcrsicam entstanden, ebenso wie die französische Bzeichnuilg pc-che, auf die wieder das englische poaeü zurückgeht. Orange und Melone sind persische Namen. Limone für Zitrone(englisch lemcm, französisch limon) auch. Ferner Spinnt und Spargel(lateinisch asparagns); im AVesta bedeutet Sparegha, in den, unser„Spargel" deutlich zu erkennm ist, „Schößling" oder Stengel. Allerdings, so meint W. Jackson in seinem Bu-be über Persien, hat der Spargel durch seine Verpflanzung nach dem Westen viel gewonnen: denn so, ivie er heute in Persien wächst, würde er wohl keinem Europäer als Leckerbissen erscheinen. Wie mit Taflet und Sckial verhält es sich mit den englischen Namen Sashes, Schärpe, und Awinng, Zeitplan j sie und die Gegenstände selbst sind persischen Ursprungs. Notizen. � M n s i k ch r o n i k. Die Nene Freie Volksbühne beranstaltet mit Frau S. H. Engel am Sonntag, abends 8 Uhr. in der Singakademie ein Konzert:„Von Bach bis O f f e n bn ch." — T h e a t e r ch r o» i k. Zu August Strindbergs Gevurts- tag am 22. Januar plant das Theater in der Königgräber Straße eine Aufführung des historischen Schauspiels„Königin C h r i st i n e" mit Irene Tricsch in de? Titelrolle. — Die H u m b o l d t- A k a d e m i e hat eine neue Einrichtung getroffen. Julius Bab wird über die bedeutendsten Tages- cischeimuigen in der Literatur und auf der Bühne durch fortlaufende Vorträge berichten, lieber die„Dramaturgie des TageS" spricht er jeden Montag von 8— 9. über„Die Bücher dcS Tages" am Donnerstag von 6-7 Uhr im Falk-Realgymnasium. Lützowstr. 84 ck. o,,. — Ein deutsches E n t o m o l o g i s ch c s Museum ist i» Dahlem eröffnet worden. Es ist eine Stiftung des Professors Kraatz, der cinen großen Teil seines Vermögens der Wijienichait der Jnscitcn gewidmet hatte, Parke? tmrchgeführt würbe, unb bebauern, baß dieser vergebliche Versuch durch die Beschlüsse de- deutschen, und polnischen, sozial- demokratischen Parteitages- Sanktion, gesunden hat. Ter Kongreh, der tschechoslawischcn sozialdemokratischen Nrbciterparlei lnlligt das vishcrige Borgchen der Partei und ihrer verantwortlichen, Institutionen, ertläri, daß sie troß aller Verleumdungen und trotz aller auf sie unternommenen Angriffe aus der vriiderlichcu Solidarität mit der Arbeiterschaft aller Rationen fest beharrt. Sic wird alle tiräste und alle ihre Fähig- keitcir einsetzen, damit die Sozialdemokratie in der tschechischen Ration, siege und so ihren Sieg auf dem weiten- Äampffeld der Weltinternalionale mit vorbereiten könne." Diese Resolution wurde einstimmig angenommen, und der Vorsitzende, Abg. siohanis, bemerkte dazu, das sei die Antwort auf Innsbruck, aber auch auf K o p c n Hage n. In der Debatte meinte Malz-Wien unter lebhaftem' Beifall, man werde dahin wirken, daß in ganz O c sl c r r eich, wo Tschechen, wohnen, von u n s K a n d i d a t c n aufgestellt werden, damit sich zeigt, wie stark die tichecho slawische sozialdemokratische Partei ist und wieviele Zchntauscndc unserer Stimmen die deutsche Sozialdemokratie hat. Und Abg, Binjowcz bewies großes gewerkschaftliches Verständnis, indem e den seincrzcitigen Zusammenschluß der Landes- zu Zentral verbänden, als bloßes Ergebnis der Diplomatie der Wiener Zentralistcn bezeichnete..,. Es wurde beschlossen, einen Wahlfonds von einer M i l l i o n Z w a ii z i g h c l l e r st ü ck e n zu sammeln. Tie weiteren Punkte der Tagesordnung betrafen inncrpolitische Fragen. Auf dem Wege zur Partcispaltnng? Rom, den 2. Januar IlltL. Die Situation in der italienischen Partei hat in den letzten Wochen eine scharfe Zuspitzung erfahren. Einige Reformisten der äußersten Rechten liobeii von Anfang an kein Hebl daraus gemacht, daß sie die Gegnerschaft der Partei gegen den Krieg nicht teilen So lange es sich hierbei ihn mehr oder weniger private MeinungS äußcrnngen handelte, ließ man die Sache hingehen und vertraute daraus, daß die vom Parteitag von Modena vorgeschriebenen Nor- iitcit. und namentlich der Uevergang zur-Opposition, auch von denen befolgt wurden, die über die Tripolisaffäre anders dachten als die Mehrheit. In letzter Zeit ist aber bald von der einen, vald von der anderen Seite, ein Konflikt provoziert worden. In Rom hat der Stadtrat. Gen. Rosfi-Doria, sich ausdrücklich dem Kriege günstig ausgesprochen und hat. gleichzeitig sein Amt als Stadtvcr- urdnetcr niedergelegt. Dann hat in Alessandria der sozia- listischc Abgeordnete, Prof. Zerboglio, in dem bürgcrlich-radi- kalc»„Tccolo" eine Verteidigung der Tripolisaffärc versucht, worauf seine Partciscktion ihn zur Ricdcrlcgung seines Mandats aufgefordert hat. Selbstverständlich hat Gen. Zerboglio dieser Auf- forderung sofort Folge geleistet. Da nun aber die kriegsfreund- liehen Acußcrungcn vereinzelter Genossen weiter andauern, fordert Modigliani im A v a n t i" die Parteiscttioncn auf, diese Frondeure aus der Partei auszuschließen. Er weist darauf hin. daß in der Neujahrsnummer des bürgerlichen„Mcssaggero" B i s s o- l a i i den italienischen Truppen seinen Gruß ciitbotcn hat, daß verschiedene Sozialisten weiter zu den Sammlungen für die Opfer des Kriege» beitragen, entgegen dem ausdrücklichen Votum de Parteivorstandes, und daß die Parteiverhältnissc durch solche Disziplinlosigkeit mit jedem Tage vcrivorrcncr werden. Deshalb fordert Modigliani, der ein Reformist der äußersten Linken ist, die Ausschließung der tripolisfreundlichcn Sozialisten, also im Grunde, die der ganzen Fraktion Bissolati. Ter„Avanti" bezeichnet diesen Vorschlag als übereilt und fordert in all den Fällen, wo es sich um vloße Mcinnngsverschiedcn- hcitcn handelt, weitgehende Duldsamkeit. Uns will cS scheinen, als üb man die lvcscntlichc und prin- zipiellc Tisscrcnz zwischen der Fraktion Bissolati und den übrigen Sozialisten dadurch verkleistert, daß mau als Trcnnungsgrund lediglich die verschiedene Bewertung des Krieges hinstellt. Der entscheidende Unterschied zwischen den Aissolatianern und de» übrigen Sozialisten kann unmöglich in der Einschätzung des Krieges liegen: er ticgt viclinchr in einer grundverschiedenen Auffassung der Aufgabe der Partei und ihrer Stellung der Bourgeoisie gegen- über. Wenn eine Partcispaltung wirklich unvermeidlich sein sollte, so wäre es lvohl würdiger und angemessener, wenn sie in der Frage des M i n i fter i a l i Lin u s crsotgtc, die theoretisch und praktisch so viel wichtiger ist, als die der Einschätzung des heutigen Krieges. Es ist begreiflich, daß Modigliani und alle Turatianer überhaupt, den Kampf nicht auf diesem Terrain führen wollen, weil sie sich ja aus ihm nur gradweise von Biffolati unterscheiden. Es lväre aber im Interesse der Klarheit zu wünschen, daß man. anstatt einigen Reformisten aus ihrer Kricgsfrcuiidlichkeit de» Strick zu drehen, die Haltung der Fraktion dem Ministerium gegenüber abwartete und nach dieser entschiede. Personalien der Partripreffe. Tic Instanzen der F r ä n- tischen Tagespost" in Nürnberg habe» beschlossen, den Rcdattionsstab um einen Mann zu vermehren. Aus die neue Stelle Ivurde der Genosse Felix Linke, bisher freier Schriftsteller in Eharlottcnburg. getreten hat. gewählt, der seinen Posten am 4. Januar an- GewevKfckaMickes. Der HrbeitswUUgen-Rcvolvcr gegen (lnternedmer! Jo Hansen vom Metallarbeitcrverband zeigie den Anwesenden in seinen eingehenden Ausführungen an der Hand eines reichhaltigen Materials, daß die gelben Werkvereine nickt die Jntebesien ihrer SWitglicder, der Arbeiter, sondern die der Unternehmer vertreten. Nachdem er iin allgemeinen geschildert, wie die Gründungen solcher Vereine vor sich zu gehen pflegen, kam er auf die Grüuduiigs- geschickte de-5 Werkvereiiis in den A. E. G.-Werken zu sprechen, die im„Vorwärts" vom 28. Dezember schon eingehend berichtet worden ist. ErbariimiigsloS entlarvte er die Manöver der Gcncraldirektion, die darauf angelegt waren, den Anschein zu erivecken, als gingen die Bestrebungen, gelbe Werkvereine zu schaffen, von den Arbeitern ihrer Werke selbst aus. Und mit humoristische» Worten erzählte dann der Redner von der Kläglichkeit der vor sich gegangenen Kereiiisgründungen. Er gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß sich die tlassenbcwußteii und im Metallarbeilerverband organisicrieii Arbeiter und Arbeiterinnen nicht nur von diesen gelben Vereinen fernhalten sondern auch dem Drucke, mit dem die Agitation für diese gelben Vereine betrieben wird, den nötigen Widerstand entgegensetzen werde». Er verwies ans den 12. Januar, den Tag der Reichstags- wählen, an dem die Arbeiterschaft gegen die fortgesetzten Angriffe auf ihr Koalitionsrecht mittels des Stimmzettels ihren Protest ein- legen muß. Lebhafter und aiihallcnder Beifall lohnte dem Redner. In der Diskussion, au der sich hauptsächlich Arbeiterinnen beteiligten, zeigte cö sich, daß auch im Kernst- und Glühlampenwerk die Gründung deS gelben Werkvereins mit denselben Milieln be- trieben worden ist, wie im Werk Brunnenstraße. So gab der Direktor Dr. M a y, nachdem er die entsprechende Anweisung von der Generaldirekcion am Fricdrich-Karl-Ufer bekommen hatte, den gesamten Meistern im Werke ans den Weg. daß sie sich alle Mühe geben sollen, die gelben Bestrebungen zu unterstützen und zu fördern. Natürlich wurden die Meisler nun von einem wenig edlen Wetteifer ergriffen, einer suchte immer den anderen in der Förderung dieser Bestrebungen zu übertreffen. Am 8. Dezember sammelten die Meisler die Unterschriften für die„Petition", die die Gründung eine- gelben WerkvcreinS verlangte, um die Mitglieder desselben ini Falle von Streiks und Aussperrungen zu unterstützen. Bon den etwa 2ölX) Beschäftigten, iveir überwiegend sind es Arbeiterinnen, sind knapp 1(X> Mitglieder des gelben Vereins gcivorden. Ins- besondere sind es die Arbeiterinnen, auf die die Jagd gemacht wird, um sie als Mitglieder zu gewinnen. Alle Mittel, selbst die'chofclstcn, werden dabei angewandt. Würde in dieser Weise, wie hier, die Agitation für die freien Gewerkschaften betrieben werden, so würde die taatSanwaltschaft sicherlich sofort eingreifen. So hat der Meister K n h n e in der Stanzerei den Leuten in seiner Abteilung kurzweg erklärt, wer nicht in den gelben Verein eintritt, wird entlassen. In den einzelnen Abteilungen sind dann sogenannte Komitees gebildet worden, die von den Meistern aus Vorarbeilerinnen zusammengesetzt sind. Diese werden dann auf die Arbeiterinnen losgchctzt. E'iic Arbeiterin in der Stanzerei hatte ihren cinschiedenen Widerstand gegen diesen Druck mit der Entlassung zu büßen bekommen. Zwar wurde die Entlassung mit Arbeitömangel begründet, doch die Worte des Abteilungsleiters K u h n e lassen keinen Ziveifel mehr über den wahren Entlassuiigsgrund zu. I» der Abteilung des Meisters Eich h olz, in der der gelbe Verband absolut nicht Fuß fassen kann, ist den Arbeitern und Arbeiterinnen gesagt worden, daß, falls ic sich dem gelben Verbände nicht anschließen, die Abteilung auf- gelöst und anderen Abteilungen angegliedert werden ivird, deren Vorsteher die Förderimg deS gelben Verbandes„besser" zu betreiben verstehen. Die Diskussion zeigte weiter, daß der erste Erfolg dieser gelben Gründung bereits zu verzeichnen ist. Bisher konnten die Acbeiteriimcn bei der Herstellung der Glüh- lampcn bis 10 Proz. Bruch machen, ohne daß ihnen dafür ein Abzug vom Lohn gemacht wurde. Der Bruch ist, nebenbei gesagt, unvermeidlich. In der Pumpstation werden jedoch den Sammlungen haben sich die Tabakarbester keineswegs zn beklagen. Hie Tabakarbeitcr sind bis jetzt nach nahezu vierteljährlichem Kauivs nicht mürbe geworden, sie werden eS mit Hilfe der deutschen Arbeiter noch länger aushaltcn. Es handelt sich um die Organisation! Und da stehen die gesamten Arbeiter zu Haufe. Natürlich sollen solche „Stimmungsmalereien" die Kämpfenden ängstlich machen. Keimt diese Gesellschaft die Tabakarbeitcr aber schlecht! Ei» enipfehleiiswcrtcr Arbcitswilligcimgent, so berichtet man imS unterm 4. Januar aus Halle a S., stand heute in der Person des 37jährigci,, mehrfach vorbestraften Schlossers Wilh. Böhmer vorder Strafkammer. Gelegentlich des Streiks in der Maschinenfabrik von Weise u. Monsli lvar B. in ein hiesiges Gasthaus gegangen und hatte für die Firma 1V bis 1ö Arbeitswillige gewarben. B. veranstaltete dann ein kleines Festmahl, ließ den„Ober" Speisen, Getränke, Zigarren auftragen und sagte, die Firma bezahle alles. Als der Ober am anderen Morgen die Rechnung präsentierte, verweigerten die Firmeninhaber die Zahlung, da sie zu der Schmauscrei ketucn Auftrag erteilt hatte». Böhmer, der sich dann ans dem Staube gemacht'hatte, ivurde hellte wegen Betruges zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Braucreiarbeitcrfireik und-Aussperrung. In drei Eilen- b u r g e r Brauereien haben sämtliche Arbeiter wegen Lohndiffereiizcil die Arbeit niedergelegt. In der vierten Brauerei, in der die Ar- bester am Ausstand nicht teilnahmen, wurden sämtliche Arbeite: ausgesperrt.— Zuzug ist fernzuhalten. ZUustanck. Der Kampf der jüdischen Borslenarbeiter im Nordtvestgebici Ruß lands hat mit einem vollen Siege geendet. Die Bewegung der jüdischen Borstenarbeiter ist einer der ältesten Zweige der jüdischen Arbeiterbewegung Rußlands. Durch festgefügte Organisation und planniäßigen, unablässigen Kampf ist es den Borstenarbeiter» ge» lungeu, dem Uutcruehinertum bedeutende Zugeständnisse abzuringen, — vor allem sim stürmischen Jahre 1905) den Achtstundentag. Um diesen zu vernichten, sperrten die Unternehmer im Sommer 1009 im ganzen Rayon der Borsteuproduktioii. mit Ausnahme von Meshiretschje (Goiw. Sedletz), die Arbeiter au-Z. Räch mehrmomttlickem Kanipf blieb dcr Achtstmidentag beslehen, doch waren dieArbeiter ungeheuer geschwächt, und als im Herbst desselben Jahres die Untcrnehnier wiederum eine Aussperrung erklärten, gelang es ihnen, überall, mit Ausnahme von Meshiretsckje, fast ohne auf Widerstand zu stoßen, einen neun- und manchcr Orten zehnstündigen Arbeitstag einzuführen. Meshiretschje war den Unternehmern ein Dorn im Auge, und Anfang dieses Jahres sperrten sie auch dort ihre A- eiter aus. 17 Wc'cheii lang schwebte daS Schrcckensgespenst des-»mgcrtodes über 2000 Me�hirels�WH Borstenarbeitern(meistens F lmilienväter). sie hielten es aber ans und die Fabrikanten mußten nachgeben. Unterdessen rüsteten die Arbeiter in den Städten des Borstenrayons, r. die Arbeit.- zeit Ende 1909 verlängert wurde, zum Kampf. id bdld uaa Beendigung der Mefhiretfchjer Aussperrung träte Streik zur Wiederherstellung des Achtstnildentages. nun die Borstenarbeiter der Gouberncmentö Wil Minsk uild Smvalki in verzweifeltem Kampfe mit den der Borslenindusirie. Rechnet man die Angehörigen hinzu, so sind eS über 3000 Menschen, die drei Mon Hunger und Elend preisgegeben waren. Für die Klassenerziehung des jüdischen Proletariat- soliderem Interesse die Tatsache, daß die Fabrikanten,- alle Juden sind. sich Streikbrecher aus dem G -Schwarzen Hunderte auS den inneren Gouvernem schaffen ließen. Zum Kampfe gegen die jüdische cien Bei der Firma Schreiber, Darmhandlung in Lübeck, stellten kürzlich 20 Darinarbeiter wegen Tarifbruchs des Unternehmers und Maßregelung des Vertrauensmannes die Arbeit ein. Die Verhandlungen mit dem Zentralvcrband der Fleischer scheiterten. Schreiber rechnete auf„die lieben Arbeitswilligen", die aber, soweit es sich um gelernte Fleischer handelte, nicht kamen. Da reizten weder IM Proz. höhere Löhne noch sonstige Versprechungen des Unternehmers. Flugs wurden bei einer Hamburger Streikbrecheragentur „wirkliche Arbeitswillige" bestellt, die den Auftrag prompt erledigte. Acht„Hintzcbriidcr", mit Revolvern ausge- rüstet, erschienen. Mochte die recht ungewohnte Arbeit es sein oder das nicht völlig erloschene Ehrgefühl, � kurz, es gelang der Streikleitung bald, vier Mann abzuschieben. Tie anderen vier bedrohten die Streikposten mit dem Revolver. Ein Wochenlohn von 3ä M. reizte sie zu Streikbrecherdiensten: branchekundige Leute erhalten nicht eininal den tariflichen Minimallohn von 25,50 M., sondern sollten sür 22 M. arbeiten. Tie schlechte Witterung wirkt recht verderblich auf die Därme, die jetzt tagelang liegen bleiben und einen pestilen- zialcn Gestank' verbreiten. Die arbeitswilligen Hinhebrüder weigerten sich, diese Därme aufzuarbeiten. Als der Meister deshalb schimpfte, gingen sie auf ihn los. S e l b st den E h c f bedrohte ein nützliches E l c ui c n t mit dem Revolver? Ter rückte aus, holte die Polizei uud ließ den Hintzcbruder verhaften: die anderen hat er plötzlich entlassen.— Jetzt klagt jeder von ihnen auf 70 M._ für Iltagigen Lohn ivcgcn Nichteinhaltung der Kündigungsfrist. Trotz dieser Erfahrungen gibt Schreiber nicht nach. Ter Streik dauert fort.__ Verlin und rlmgegena. Die gelben Bestrebungen der A. E. G. beschäftigten am Donnerstag eine Betriebsversammlung der ll. E. G.- Nernst- und Gliihlampcufabrik in der Sickingenstraße, die im großen laale des Moabiter GescllschastShanfes in' der Wiclefstraße tagte. Arbeiterinnen schon sämtliche Bruchschäden berechnet und vom Lohn in Abzug gebracht. Einer Arbeiterin sind 45 Lampen mit 5 Pf. das Stück berechnet und abgezogen worden, während dem Unternehmen die Lampe in diesem Stadium nur 3 Pf. kostet. Auch in anderer Weise hat die Leitung des Werkes es ver- iandeii. den Arbeiten! ihren Einfluß zu rauben. So mußte am Jahresschluß(29. Dezember) der Arbeiterauöschuß ncugewählt werden. Da derselbe nach dem Verhältniswahlsystem gewählt wird, sollen nach dem Statut die Vorschlagslisten 5 Tage borhcr eingereicht werden. Zu diesen Listen dürfen wiederum nur die von der Gesell» chaft herausgegebenen vorgedrucktcn Listenformulare verwandt werden. Obwohl nun dies« Listen erst am 23. Dezember hätten ein- gereicht werden brauche», verweigerte die Direktion schon vom 10. ab sie Herausgabe der dazu erforderlichen Formulare. Der Erfolg war, daß in vielen Abteilungen überhaupt keine Wahl erfolgen konnte, ivodurch die Direktion die Möglichkeit bekam, die Ausschußmitglieder ür diese Abteilungen selbst zu ernennen und die ihr genehmen Kreaturen in den Ausschuß zu entsenden. Diese find in der Regel Werkstattschreiber oder solche Arbeiter, die dem gelben Verein als Mitglied angehören. WW In seinem beifällig aufgenommenen Schlußwort verwies I o h a n s e n noch auf die Tatsache, daß die gesamte Glühlampen industrie nur ein Saisongeschäft ist, so daß der größte Teil der Arbeiterinnen auch nur vorübergehend beschäftigt werde» kann. Mit der Entlassung aus dem Werke scheiden sie aber auch aus dem gelben Unterstntzungsverein aus und verlieren somit alle ihre Aurechte. Die Beiträge find also weggeworfenes Geld. Anders bei den freien Ge- iverkschaftcn. Hier wird die Mitgliedschaft und die Anwartschaft auf die sich aus ihr ergebenden Aechte vom Wechsel der Arbeitsstelle nicht berührt, ja während der Arbeitslosigkeit werden sie sogar noch unterstützt, was bei den gelben Werkvereine» nicht der Fall ist. Darum miiffeir sich die Arbeiter und Arbeiterinnen mit aller Entschiedenheit gegen den Raub an ihrem Lohne wehren. Damit hatte auch diese Betriebsversammlung gezeigt, daß unter der Arbeiter- schaft in den A. E.-G.-Werken kein Verlangen nach den» gelben Werkverern vorhanden ist._ Oeutkches Reich. Getverkschaftsvevsammlung unter Polizeiaufsicht. Am Donnerstag erschienen in einer vom Gemeindearbeiterver- band in Rathenow einbernfenen Versammlung zwei Polizeibeamte zur Ueberwachung. Zu der Versammlung'waren nur Berufs- ungehörige durch besondere EinladungSzcttel geladen, lieber ihre Anwesenheit befragt, erklärten die Beamten, daß sie vom Polizeichef den Auftrag hätten, die Versammlung zu überwachen. Offenbar handelt es sich um eine Einschüchterung der OrganisatioirSbestrebungen der Gemeindearbeiter. Gegen die gesetzwidrige Einmischung der Polizei wird selbstverständlich Beschwerde erhoben locrdeir. Zur Tabakarbeitcr-Zlussperrung. In der bürgerlichen Presse ist eine Mitteilung deS Wolffschen BureauS zu finden, nach der die Bemühungen zur Beendigung der schon 11 Wochen dauernden Aussperrung in der westfälischen Tabak- industrie ergebnislos gewesen sind. Die Nachricht entspricht durch- aus nicht der Wahrheit. Die Berhandluirgci» werden im Gegenteil nach einer Stockung erneut geführt: es ist nicht ausgeschlossen, daß sie bald eine Beendigung des gewaltigen, für die deutschen Tabak- arbeiter so bedeutungsvollen Kampfes herbeiführen. Wahrscheinlich ist bei der Wolffschen Nachricht der Wunsch gewiffer Leute der Vater des Gedankens gewesen, um Verwirrung in die Reihen der Kämpfenden zu tragen; denn auffälligerweise gingen durch die bürgerliche Presse in den letzten Tagen Notizen, wonach die Tabakarbeitcr.„bei dcnerr die Not bereits einzukehren beginnt, weil die Sammlungen nicht den erhofften Betrag erreicht haben", darauf hinwirken, daß der Aus- stand bald beendet wird.— Dem gegenüber ist zu sagen, daß die Tabakarbeiter jetzt nicht mehr und nicht weniger auf die Bceudiguirg des Kampfes Hinwirken, als sie cS von Anfang an getan haben; sie sind jetzt wie immer zum Frieden bereit, wenn annehmbare Bc- diiigungeir gestellt werden. Und was die Not der Tabakarbeitcr an- betrifft, so sind sie leider permanent in Not. Uebcr den Erfolg der sie Es sk- m den standen Kownö. charfmachern der Arbeite! i lang dem st von be- ebenfall-5 ndcl der tS herbei- ganisicrtc Arbeiterschaft sind dem jüdischen Unterirchmertuiil P g r o irr< b a n d i t e»e6f», Mtn Vitt Si»*vtn — s a h r ft»» l—, irixJirntdBliai Uta 4'Z>»i» TVi Ü»t obtnbd, eounaXlud« von 4'i»Ii, C Ul)t abends sti-t. Iebtt fttr de»«riett-ft-u bcftimmtc»«nfro«' »I» Bnchsiade und eine pah, als Merlitiaie» bcizufSgc». Briefllöde SIniibuI» »oitb nldit erreilt. Ulnftarjtn. denen keine AbonnementSquittnng belgeingt ist. werden»Ich,»raulwortcl. Eilige gragen trage inau in der Sprechstunde v»r. F. 2. 30. 1. Scheu jetzt, da RtligionSmündigkcit in Preußen bereite mit Vollendung des 14. Lebensjahres eintritt. 2. Untersuchung durch einen Kassenarzt, falls«rankheitSItzmpwme vorliegen.- B. 100. Ehemündm. fett wlt beim Manne mit Vollendung des 21. LcbenojahrcS ein.— — Rustringeu. Tie Mitteilung der GerichtSichreiberei emfpricht dem Gesetz. Es cmvfiehlt sich, nach vorheriger'Aussorderuug Zahwngo. und Vollitreckungsbcsehlc zu beanlragen und. sallS Auszahlung au die Miierber, »och nicht erfolgt ist, durch gerichUichen PfändungS- und Ucbclivcijmia- befchlnß die Anteile bis zur Höhe JhicS Anspruchs beschlagnahmen u lassen.— Böeimar 1. J,, einem Jahre sür alle BmideSstaatcn gleich. mäßig.— O. H. 112. Am 30., ausgenommen Bcrkäuserinnen. die eine s-chSioöchentliche Kündigungsfrist zum Kalenderguarlal haben, die durch Vereinbarung aus einen Monat gekürzt werden larnr.— HO. H. I. gltr das Polizeipräsidium.— Vtzctre wird nicht entschieden.— K. 1000. Sie wenden sich am zweckmäßigsten an die Polizeibehörde.— M. P. ioo est« sind nach dem Gesetz im Unrecht.— ft. L. 24. Nach Ihrer Schilde. nmg hallen wir den Arzt für haftbar.— 20. P. L. Ja. Vielleicht steht aber im Statut, daß auf Aberkennung der Ehrenrechte voni Gericht erkannt sei» muß.— M. G. 30. Beuden Sie sich an das Annenamt, Turmstr 30 W. Schr. 20. Die AuSlunft deS eotaiidcSbeainlcu war zu'eeacnd— K. 1000. Bezieht sich nur aus offene VertausSüellcn.— F.(>. Wieder- holen Sic die Anfrage und geben«ie an. nach welchen Zeitabschnitten die Eniichädiguiig bemessen ist.—_ H. M. 61. Fordern Sie vom Vermieter Beseitigung der Mängel unter Setzung einer Frist und unter der Androbumi der vorzeliiqcn VerkragSlösung. TaS letztere können Sie eventuell tmi falls Sie Ihre Bebauplungen beweisen können.— F. 4z. Nein—«' 2. 38. 1. Ja 2. Nein. Sie sind aber beweispjlichlig i der Beweis k'im auch durch Zeugen erbracht werden.—«. R. 20. New. Sie lönncn die vinterlegungSerklärung mit den ZahlmigSverboteu bezio. Pfändimaö- bcschlüssen uud den Betrag durch die Post übersenden.— gjj« zzji 1; Ja. wenu iiicht 1909 oder später Abzahlung oder Anerkenntnis erfolgt ist. 2. Die Pfändung ist wohl möglich. Die Frau kann aber intervenieren. — R. L. IS. ES lann nur die Armenverwaltuiig oder vrivale Hilfe in 'Anspruch genommen werden Meldungen am besten periönlich bei dem Armen. Vorsteher oder bei der Zentrale sür private Fürsorge. Berlin. Flollwellstr. 4 — Ztani». S. 1 izO. 2. Keine. 3. Standesamt._ P. 1000. Ihre Darstellung reicht nicht. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Bern- hard 14. Nach dem Standpunkt der Berwallung-zbehörden sa. Antra, an den RegieningSpräiidcmcn.— M. t.®. NCm— C. E. 23. Wem, Sie im Termin nicht erfchcine». ergeht Versäumnisurteil. Erliebeii Sie den ömwand der Minderjährigkeit und deshalb der mangeliiden Per. tragSsähigleit.— A.«. 30. Beuden Sic sich an die Orlopolizeltiehördc. — Sklave. Gehe» �ie zur Ortskrairteiitasie und verlangen Sie einen Krankenschein.—»1. 2. 100. 1 und- Ja.«all» Sie einen eiil. sprechenden Verdienst haben.— G. Zift. 000. Nach Ihrer Darstellung bat uch der Förster strafbar gemacht. Machen Sie bei der Staatoainvali- schest Strafanzeige.— K. 2S. 130. ES genügt ein vrlvatschristllcher Ver- trag. Die Kosten beim Anwalt oder Notar richten sich nach dem Lbjeti 31. B. Haienheide. Nein.— G. P. 74. Leider nicht.— Zl. Z. 505. 1. Ja. 2, Nach Erlangung des Urteils ja. 3. und 4. Einbebaltlmg bis zur Beschlagnahme ist zweckmäßig— Sl. 32. 1. Mindestens 200. S..Hängt von der Anzahl der Bcltragswocheii ab.— 31. K. 000. Der Kon. sirmationlschein wird genügen.—{£. K. 422 Ja. DaS nähere besagt dat Etatnt.— H. B.!il. 1. Perjährt. 2. Nein.— R. F. Ja. CHEEEEEEHD I Bezugsquellen-Venzeachnis. Berliner Credit-Haus I- 8---- 1 Koramandantenstr. 67. ünt»nstehemJe Gesotiätte omofchlen sich bei Einkäufen ffllkotiolfrele Betränke� Franz A braham H8nib.Me3sni3-u.ß.ömertrank-Kell. X 4. Scblegelst. 9. Fernsp. III. 17'27 hrfffk Sellijr-u. Lünonad.-Fabrik UUlUlf, Thaerstr. 44. T.A.7,8176. TT «. Pallisadenstr. 76. ffi Schulzi I'lsasserstr. 7» Assistent d. ehemal ihmt. 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'5 « f - U Flugblattverbreituug findet heute abend im Zweiten Wahlkreise statt?— Morgen Sonntag, früh 8 Uhr, Flugblattverbreitung im dritten und fünften Wahlkreise. ,' Die Genossen von Rixdorf und vom vierten Kreis . osten), welche dem dritten" Kreis zugeteilt sind und sich bis setzt noch nicht gemeldet haben, werden ersucht, sich Sonntag, früh 8 Uhr, bei F e l s in a n n, R i t t e r st r a ß e 1, ein- zufinden. Bersammlttttge«. 2. Wahlkreis. Morgen Sonntag, den 7. Januar, mittags ■M2 Uhr, finden drei öffentliche Wählerversammlungen in "folgenden Lokalen statt: Bockbrauerei, Teinpelhofcr Berg, Kliem�'- Festsäle. Hasenheide 12/13, Biktoriabraucrei, Lützolv- straffe 111/112. Referenten: Kurt Baake, Stadtv. Hugo Heimann, Rechtsanwalt Hugo Heinemann. Zahlreichen Besuch erivartet'" Der Vorstand. Vierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 7. Januar, mittags 12 Uhr, findet eine Volksversammlung in den Gesamträumen von Sanssouci statt. Tagesordnung:„Reichstagswahl". Fünfter Kreis. Sonntag, den 7. Januar, mittags 12 Uhr: zwei öffentliche Wählerversammlungen: Bötzowsäle, Pr e n z l a u e r Allee 212, und Logen säle, Linien- straffe. Es sprechen über„Gegen Junker und Junkergenofien" Arbeitersekretär R. W i s s e l lund Arbeitersekretär H. M ü l l e r. An beiden Versammlungen Ansprache des Kandidaten Genossen '"�Schmidt._____ Das Wahlkomitee. Partei- Hngelcgcnbeiten� 7 Friedenau. Zur Flugblattverbreiiung treffen sich die Genossen ant Sonntag, früh 8 Uhr, in den Bezirtslokalen. Die Verbreitung erfolgt nach der neuen Bezirkseintcilung. Ter Borstand. � Tempelhof. Sonntag, den 7. ds. Mts., vormittag 8 Uhr: Wichtige Flugblatwerbreitung von den Bezirkslolalen aus. Zchlendorf tWannsccbahn). Morgen Sonntag früh 8 Uhr » �.--von allen Bezirken: Wichtige Flugblattverbreitung. Kein Genoffe � fehle bei djescr wichtigen Arbeit. V Morgen Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ocffentliche Reichstags ajtfhlervcrsammlung bei Micck, Karlstr. 12. Tagesordnung:„Auf - ztf den Reichstagswahlen." Referent: Dr. B o r ch a r d. .-Lpätzler erscheint in Massen. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. - Bo�hagea-Rummelöburg. Sonntag früh 8 Uhr treffen sich " die Genossen vollzählig, in den bekannten Lokalen zur Flugblatt- Verbreitung.— Sonntag nachmittag 5 Uhr bei Klugmann ...(Neue»Scheune), Köpcnicker Chaussee: Wählervcrsammlung. HK Referent: Redakteur Paul Wagencr.— Montag, den 8. Januar, 8lh Uhr, in Cafe Bellevue, Rummelsburg, Hauptftr. 2, ..sowie..Prachtsäle des Oftens", Frankfurter Chaussee 191: Wähler- Versammlungen. Referenten: Genossen Ucko und Unger. In ollen Versammlungen Thema:„Auf zur Reichstagswahl." Um rege Agitation für den Besuch der Versammlungen er- sucht Tie Bezirksleitung. Brid-Vuckow. Sonntag, den 7. Januar, nachmittag 2 Uhr. in Britz,„Gesellschaftshaus", Chausseestr. 97: Ocffcntlichc Wähler- Versammlung. Rachmittag 3 Uhr in Buckow, Chausseestr. 12, bei Herrn Klein. Der Einberufcr. Treptow-Baumschulenweg. Sonntag früh Uhr: Wichtige Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Niemand ver- säume seisse Pflicht. Der Borstand. Stralau. Am Sonntag, den 7. Januar, vormittag 8 Uhr: flugblattverbreitung. Die Genossen treffen sich in den Bezirks- lokalen. Die Bezirksleitung. Ober-Schöneweide. Sonntag, den 7. Januar, von morgens 3 Uhr ab: Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Der Zahlabend für unseren Ort findet wegen der öffentlichen Wählervcrsammlung erst am Mittwock), den 17. Januar, statt. Die Bezirksleitung. Petershagen-FrederSdorf. Am Sonntag, den 7. Januar, nach- mittag 4 Uhr. in Petershazen. im Lokal„Zum alten Tessauer": Oeffentlichc Wählerversaniinlung.— Hierzu am Sonntag früh außer der Flugblatt- auch eine Handzettelverbrcitung. Material ist bei den Bezirksführern abzuholen. Johannisthal. Sonntag, den 7. Januar, vormittags 8 Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Der Vorstand. Grünau. Sonntag früh: Sehr wichtige Flugblattverbreitung. Montag: Mitgliederversammlung bei Franz. Genossen, die sich am Tage der Wahl den ganzen Tag zur Verfügung stellen, sind zu dieser Versammlung ganz besonders eingeladen. Dienstag: Ocffentliche Versammlung im Restaurant„Bellevue". Ter Vorstand. Adlershof. Montag, den 8. Januar, abends von~Vi Uhr ab: Wichtige Flugblattverbreitung.— Dienstag, den 9. Januar, abends von 71-! Uhr ab: Kuvertverbreitung an die Reichstagsivählcr. Tie Verbreitungen finden vom„Jugendheim", BiSmarckstr. 11, aus statt. Mittwoch, den 19. Januar, abends 81h Uhr, im Lokale des Herrn Wöllstein: Große öffcntlickie Versannnlung. Tages- ordn-. �g:„Nieder mit den Feinden des Volkes." Referent: Stadt- verordneter Koblenzer. Das Erscheinen aller Miiglieder bei diesen Veranstaltungen fit unbedingt notwendig." Der Vorstand. Alt-Glicniitc. Am Sonntag, den 7. Januar, morgens 8 Uhr, vom Verkehrs lokal Petermann, Rudower Str. öl, aus: Flugblatt- Verbreitung. Arn Sonntag, den 7. Januar, ist die Bibliothek des Wahl- Vereins geschlossen. Maricnfelde. Am Sonntag, den 7. Jtanuar: Flugblattvcr- brcitung im Lrt.�— Mittwoch, den 10. Januar, bei Schuster, Kirch itr. 78: Oeffentlichc Wählerversammlung. Cickstvalde, Zeuthen, Miersdorf. Am Sonnabend, den 6. d. M.. für den gesamten Bezirk: Extrazahlabcnde. In E i ch w a l d c bei 98Utc, Miersdorf bei Krüger. bcitcn am Wahltag. Mate Am Sonntag, den 7. d. und Handzcttelvcrbrcitung in mittags 3 Uhr findet im Res eine öffentliche Wählervcrsl wollen vollzählig zu den Vey Besuch der Versammlung r Mahlsdorf(Oftbahn) 6 Uhr, im Lokale des. Her u t h e n bei Lindemann und dnung: Einteilung der Ar- e. von 8 Uhr ab: Flugblatt- und auf dem Lande. Nach- n Krüger in Miersdorf statt. Tie Parteigenossen >en erscheinen sowie für den, en. �Tcr Wahlvereinsvorstand. ig, den 7. Januar, abends r,„Heidckrug", Köpenickcr Allee: Ocffentliche Versammlung. Tagesordnung:„Das Volksgericht am 12. Januar." Referent: Sekretär Fritz Tornow- Friedrichsbagen. Eine weiter« öffentliche Ver- fammlung findet am Tstnstag. den 9. Januar, abends 8'/h Uhr, im Lokale deS Herrn schliefe, Hönower Straße, statt. Tagesordnung:„Auf zur Wahl!" Referent: Genosse E. Unger- Halensee.— Am Sonntag, den 7. Januar, 8 Uhr früh, für alle Orte unseres Bezirks: Flugblattverbreitung. Die Genossen für Mahlsdorf-Tüd treffen sich bei Mader, Köpcnicker Allee und Winklcrstraßeu-Ecke. Für die Kolonie bei Eckler, Grunowstraße und für Malsssdorf-Nord bei Träger, Bahnhofftratze. Wir ersuchen die Genossen, für guten Besuch oer Versamm- lungen und für rege Beteiligung an der Flugblattverbreitung Sorge zu tragen. Die Bezirksleitung. Teltow. Am Dienstag, den 9. Januar, abends 8 Uhr, im Lokal von W. Bonow, Berliner Str. 16: Oeffentliche Wähler- Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Dr. Julius M ose?; Diskussion. Pflicht der Parteigenossen ist es, für ocsuch der Versammlung zu agitieren. .i Stahnsdorf bei Teltow findet am Sonntag, vor- Mi».ig II Uhr, eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel statt. In Ruhlsdorf bei Teltow am gleichen Sonntag, nach- mittag 2 Uhr, auf dem Körkfchen Grundstück: Oeffentliche Wähler- Versammlung. Tie Genossen von Teltow werden ersucht, in beiden Versammlungen zu erscheinen. Treffpunkt nach Stahnsdorf: 11.6 Uhr mit der Elektrischen; nach Ruhlsdorf: 11h Uhr, Ruhls- dorfer Platz. Kaulsdorf. Am Sonntag, den 7. Januar, früh 81h Uhr: Flug- blattverbrcitung von Bobeg aus.— Weiter werden die Genossen darauf aufmerksam gemacht, daß der Zahlabend nicht am Mitt- woch, den 10. Januar, sondern schon am Dienstag, den 9. Januar, bei Bobeg stattfindet. Die Bezirksleitung. Nieder-Schönhausen-Nordend. Sonntag, den 7. Januar, früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Die Parteigenossen werden dringend ersucht, zahlreicher wie bisher- zu erscheinen. Tie Bezirksleitung. Reinickcndors-West. Sonntag, den 7. d. M., morgens 8 Uhr: Handzettelverbrcitung von den bekannten Lokalen aus. Tie Bezirksleitung. Wilhelmsruh-Rosenthal. Morgen Sonntag früh 8 Uhr: Flug- blattvcrbreitung. Bezirk 1 und 2 bei Mielbrodt, Bezirk 3 und 4 bei Barth, Bezirk 5 bei Juncker, Bezirk Rosenthal um 9 Uhr „Zur Mühle". Montag, den 8. Januar, abends 8 Uhr: Oeffentlichc Volksversammlung bei Deutschmann, Hauptftr. 1. Tegel. Heute Sonnabend, abends 81h Uhr, im„Schollenkrug": Oeffentliche Volksversammlung. Vortrag der Genossin Hertha Lungwitz über:„Auf zur Reichstagswahl." Sonntag, den 7. Januar, vormittags 8 Uhr: Flugblattvcr- breitung von den bekannten Bezirkslolalen aus. Nachmittags 1h3 Uhr im Restaurant„Heiligcnseer Schweiz" sZiekow), in Sandhaufen, für die Orte.Heiligensee. Jörsfeldc und Tegelort: Oeffentliche Versammlung mit dem Thema:„Auf zur RcickiStagswahl!" Refcrnt: Genosse Walter Zimmermann. Tie Tegeler Parteigenossen treffen sich um 1 Uhr nachmittags an der Endhaltestelle der Straßenbahn, Ecke Hauptstraße. Tie Bezirksleitung. Bernau. Dienstag, den 9. Januar, abends 81h Uhr: Mitgliederversammlung beim Genossen Salzmann, Lasdorfer Straße. Wichtige Tagesordnung. Tonnerstag, den 11. Jstnuar, abends 81h Uhr: Sitzung für alle diejenigen, welche bei der Wahl helfen, beim Genossen Hermann, Bürgermeisrerstraße. Ferner machen wir aus folgende Versammlungen am Sonntag, den 7. Januar, aufmerksam: Nachmittag 21h Uhr, Röntgen ta l, Marx„Wald- haus". Referent: Karl L i e s e g a n g- Oberschönewcide/ Nach- mittag 21h Uhr, in Ruhlsdorf, unter freiem Himmel auf dem Grundstück des Herrn Brakrok, an der Klostcrfelder Land- straße gelegen. Referent: Fritz Carl. Arbeitersekretär, Berlin. Wir ersuchen die Arbeiterradfahrcr, diese Versammlung möglichst zu besuchen. Abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Schulze-Lade- bürg. Referent: Stadtverordneter B r u n s- Berlin. Für diese Versammlung wollen die Bernaucr Genossen recht rege agitieren. Die Bezirksleitung. Französisch-Vuchholz. Sonntag, den 7. Januar: Flugblatt- Verbreitung in ollen Bezirken von den bekannten Lokalen aus. Nachmittags 2 Uhr: Oeffentliche Wählerversammlung in Karow bei Emil Pcschlow, Louisenstr. 4. am Bahnhof. Die Buchholzer Genossen treffen sich um 1H2 Uhr am Bahnhof Blankenburg. Birkcnwerder sNordbahn). Sonntag, den 7. Januar, nach- mittags 31h Uhr: Oeffentliche Wählerversammlung bei Feucrstak („GescllschaftshauS"). Hauptstraße. Thema:„Auf zur Reichstags- Wahl." Referent: Parteisekretär R. Bühler, Lichtenberg. Hohen-Ncucndorf(Rordbahn). Sonntag, den 7. Januar, nach- mittags 31h Uhr: Oeffentliche Wählerversammlung bei Blessin sWaldschänke Frohnau), am Bahnhof Stolpe. Thema:„Auf zur Reichstagswahl." Referent: Arbeitersekretär Karl Jahn, Berlin. Waidmannslust und Umgegend(Hermsdorf, Glienicke, Hohen- Neuendorf, Bergfeldr, Birtenwcrder, Borgsdorsi. Sonntag, den 7. Januar, früh 8 Uhr: Flugblatt- und.,Fackel"verbreitung von den bekannten Stellen aus. Genoffen und Genossinnen, erscheint vollzählig. Tic Funktionäre und Wahlhelfer versammeln sich nach der Flugblattverbreitung um 10 Uhr im Forsthaus in Hermsdorf zur Bezirkskonfercnz. Tic Bezirksleitung. Otlienicke iNordbahn). Sonntag, den 7. Januar, nachmittags 31h. Uhr: Oeffentliche Wählerversammlung bei Altermann. Thema: „Auf zur ReichstagSwahl." Referent: Arbcitersekretär Ahlers, Berlin. Wandlitz i. d. M.(Bezirk Pankow). Am Sonntag, den 7. Januar, nachmittags 4 Uhr, im.Seekrug"(Jnh. Klein): Ocffentliche Rcichstagswählerversammluiig. Genosse Spliedt spricht über:„Auf zur RcichätagÄvuh!." Sorgt für starken Besuch. Tie Agitationskommission. Falkcnhagcn-Scegeseld. Morgen Sonntag, den 7. Januar, früh 7 Uhr, treffen sich alle Parteigenossen bei ihren Bezirks- führern zur Flugblattverbreitung. Ter Vorstand. � Potsdam. Sonntag, den 7. Januar, nachmittags 2 Uhr: Volksbersammlung unter freiem Himmel auf dem Grundstück des Molkereibesitzers Herrn Arnholdt, Behlcrtstr. 16. Togesordnuiig: Kein letztes Wort an die Wähler." Referent: Genosse e.r. Karl Liebknecht- Berlin. Anhänger aller Parteien sind eingeladen. Freie Diskussion. � Sonntag, vormittags 8 Uhr, von den Bezirkslolalen aus: flugblattverbreitung. Gatow-Cladow a. d. Havel. Am Sonntag, den 7. Januar, nachmittags 11h Uhr, finect auf dem Gehöft des Genossen Hein- rich Buckel in Cladow und nachmittags 4 Uhr im Nestau- rant in Weiiimcisterhorii für Gatow an der Havel je eine öffentliche Wählervcrsammlung statt. Tagesordnung:„Wen wählen wir am 12. Januar 1012?" Referent ist Genosse Robert Bahn- Berlin. Zu diesen Versammlungen am Sonnabend abend in beiden Orten: Handzettelverteilung. Die Genossen wollen sich Mann für Mann an dieser Arbeit beteiligen. Das Zentral-Wahlkomitcle. Svandou. Am Sonntag, den 7. Januar, früh 8 Uhr. von sämtlichen Arbcilslolalcn der Wahlbezirke aus: Flugblatt- und Kuvcrtvcrbrcituiig. Die Genossen werden gebeten/ sich zur be-! stimmten Zeit in ihren Bczirkslokalcn einzufinden. J Gleichfalls am Sonntag, den 7. Januar, nachmittags 2 Uhr, findet auf dem Grundstück zwischen der Landcsturnanstalt und der Pionierstraße eine öffentlich« Wählerversammlung statt- Tagesordnung:„Das Volksgericht am 12. Januar 1912." Res«- rent: Adolf Cohen-Berlin. Parteigenossen, sorgt für einen starken Besuch. Das sozialdemokratische Wahllomitce. LerUner JVadmebten. Zur Obdachlosentragiidic. Die Obdachloseninterpellationen, die am Donnerstag im Rathause verhandelt tuurden, haben nicht das Ergebnis gezeitigt, was in weiten Kreisen der Bevölkerung erwartet worden war; nämlich volle Klarheit über die Ursachen der Massenerkrankungen und der Todesfälle der Obdachlosen zu bringen. Man erfuhr nicht viel mehr, als bereits durch die Presse bekannt war, daff anfangs die Aerzte Vergiftung durch Genuff von Fischen festgestellt hatten und daß später Ver- giftung durch Genuff von Methylalkohol als Ursache des schweren Unglücks angeschen wird. Welche Ursache die allein richtige ist, ob beide Ursachen oder auch noch andere Gründe ül Betracht kommen, blieb auch am Donnerstag noch ungeklärt. Die ganze Debatte lief eigentlich nur darauf hinaus, vor aller Oeffentlichkeit festzustellen, daß die Ursachen des Massensterbens der Asylisten überall, nur nicht in den Einrichtungen des städtischen Obdachs zu suchen sein können. DerOberbürgermeisterhatesbesondersübel vermerkt, daff hier und da doch Zweifel ausgesprochen worden sind, daff auch im Obdach selber die Möglichkeit der Erkrankungen gesucht werde» könne. Wir halten diese Entrüstung für vollkommen verfehlt. Es muff auch der städtischen Verwaltung daran liegen, daff klar und objektiv alle Zweifel beseitigt werden, die zu einem derartigen Verdachte Anlaff geben können. Nun hat der Dezernent des Obdachs bekannt gegeben, daff auch die im Obdach gereichten Nahrungsmittel einer Untersuchung unter- zogen und als absolut cinwandsfrei festgestellt worden seien. Aber auch diese Feststellung erschöpfte noch nicht alle Möglich- leiten, daff etwa im Asyl selber nicht andere Umstände zu den bedauerlichen Vorfällen beigetragen haben könnten, wenn auch ein grotzer Teil der_Zweifel beseitigt worden ist. Es ist in der Stadtverordnetenversammlung zum sound- sovielsten Male die Sauberkeit im Asyl betont worden und wenn man die verschiedenen Redner hörte, so mußte man meinen, es gäbe in der ganzen Welt kein Institut, daff sich in puncto Sauberkeit mit dem städtischen Asyl in der Fröbel- straffe messen könnte. So stehen die Dinge denn doch nicht. Gewiß wird derjenige, der das Asyl besichtigt, finden, daff Reinlichkeit herrscht, aber diese Sauberkeit ist nur eine ober- flächliche, kann auch nur eine solche sein. Und das liegt ail den Verhältnissen. Das Elend, das in diesen Räumen des Nachts zusammengepfercht haust, bringt es mit sich, daff den zerlumpten, zum Teil durchnäßten Kleidern und den mit Alkohol und verdorbenen Speiseresten gefüllten Mägen der Obdachlosen eine Lust entströmt, die den Obdachlosen den Atem benimmt. Obdachlose haben uns wiederholt versichert, daß es ihnen in dieser Atmosphäre unmöglich war, die von der Verwaltung gereichte Äbendsuppe und das Brot zu essen. Der Ekel in dieser baktericngeschwängerten Luft war zu groß, um auch nur einen Bissen zu sich zu nehmen. Und tvenn auch nach Verlassen der Räume gelüftet und der Schmutz durch Jnanfpruch- nähme des WasserschlancheS beseitigt wird, so bleibt doch noch manches übrig, was sehr nachteilig aus die schon geschwächten. unterernährten und widerstandslosen Menschen einwirken kann. Und daff nach der hygienischen Seite hin eingehende Unter- suchungen stattgefunden haben, darüber hat auch der Dezernent des städtischen Obdachs sich nicht näher ausgelassen. Gestern hat eine Konferenz im Ministerinm stattgefunden unter Vorsitz des Ministerialdirektors Kirchner. An der Konferenz nahmen auch Vertreter des Polizeipräsidiums. des Reichsgestindheitsamtes, deS Magistrats, des Instituts fiii? Jnfettionskrankheiten und des Asyls für Obdachlose teil. Etwas Entscheidendes konnte auch in dieser Konferenz nicht mitgeteilt werden, weil die chemischen und bakteriologischen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind. ES scheint, daff der Methylalkohol nicht allein die zahl- reichen Todesfälle verschuldet hat. sondern zu der verhängnisvollen Wirkung des Methylalkohols gleich» zeitig etlvas anderes hinzugekommen ist. Volle Klarheit kann erst, wenn sich die Ursache überhaupt beslimnit ermitteln läßt. der Abschluß aller Untersuchungen bringen. Mitzuteilen ist, daff neue Erkrankungen nicht mehr vorgekommen sind, weder im Asyl, noch auf der Straffe oder sonstwo. Aus dem Krankenhause am Friedrichshain sind wieder eine Anzahl Genesende entlassen worden. Es liegen dort jetzt noch 52 Männer, die„Verdächtigen". Täglich werden von jetzt an einige Wiederhergestellte entlassen werden können. Die Todesopfer werden jetzt nacheinander beerdigt, die meisten auf dem städtischen Friedhof in Fnedrichsfclde. » Zu den Vergiftungsfällen im Berliner städtischen Asyl für Obdachlose wird uns von sachverständiger chemischer Seile ge» schrieben: Es ist zweifelhast, ob der Methylalkohol als alleinige Ursache der bedauerlichen VergiftungScrscheiiiungen anzusprechen ist, oder ob nicht ein unglücklicher Zufall mitgespielt hat, durch welchen einerseits Vergiftungen mit geräucherten Fischen lBotulismuS) und andererseits auch durch den Methylalkohol eingetreten sind. Der Laie wird geneigt sein, eS dem Chemiker und Mediziner zum Vorwurf zu machen, daß diese nicht schnell und einwandfrei die Ilr- fache ermitteln konnten. Man mutz aber bedenken, daß man Meihylalkohol bisher überhaupt nicht als ein so starkes Gift gekannt hat. Denn in der Praxis waren Vergiflungsfälle bisher wenig oder gar nicht bekannt geworden. Der für die alkoholischen Getränke benutzte Alkohol, auch Spiritus oder Sprit genannt, ist der Aethyl» atkohol. Er wird, wie ja bekannt, durch die sogenannte alkoholische Gärung aus Kartoffeln oder Getreide gewonnen. Der Methyl- alkobol dagegen entsteht nicht durch Gärung. Bei der trockenen Destillation des Holzes bildet sich eine Flüssigkeit, die man Holzessig nennt. Dieser Holzessig enthält verschiedene Körper, unter anderem auch Methylalkohol. Durch Rektifikation kann man diesen in mehr oder weniger reiner Form erhalten. Er stellt in reinem Zustande e»ie was,'erklare Flüssigkeit dar. die etwas unangenehm riecht und angezündet mit bläulicher Flamme brennt. Er wird in der Industrie zum Denaturieren von Spiritus, zur Herstellung von Lacke» benutzt. Vielen wird der Methylalkohol bekannt sein wegen seiner Verwendung in den Taichettfeuerzeuge». Daß man über seine Gisligkcit überhaupt noch nicht orientiert war. geht schon daraus hervor/ daff in einem großen chemischen Buche die Möglichkeit seiner Beriveiidmig gn Triiikzwecken erwogen wird. Leider haben aber die NergiftiingS- falle gezeigt, wie heftig er wirken kann. Hierbei ist indesien zu bedenken, dast es sich bei den Todesfällen um Personen bandelt, Sie mit normalen Menschen nicht zu vergleichen sind. Tie Organe sind durch die Unterernährung, Entbehrungen aller Art usw. derart geschwächt, daß selbst kleine Mengen des Giftes geniigen, um solche verheerenden Wirkungen auszuüben. Nahningsmiltelchemiker Tr. Felix Abraham-Berlin. Während ein großer Teil der Gestorbenen durch die Kriminal- Polizei und durch Angehörige rekognosziert worden ist, konnte die Persönlichkeit vieler anderer immer noch nicht bestimmt festgestellt werden. Einige führen zwar Papiere bei sich, doch gelang es mich an der Hand dieser Angaben nicht, Angehörige zu ermitteln. Tie noch nicht rekognoszierten Leichen werden ab heute vormittag ZU Uhr im Leichenschanhause in der Hannoverschen Straße ans- gestellt, damit dem großen Publikum Gelegenheit gegeben ist, etlraige zweckdienliche Angaben zu machen. In der Ttiuglhigsfiirsorgestelle I findet im Januar wieder unentgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege mit praktischen liebungen statt, wöchentlich einmal. Beginn Tonnerstag, den Zl. Januar, lt Uhr. Meldungen schriftlich oder mündlich von 2— 4 Uhr im Bureau des jlinderhauses, Blnmenstr. 97. Kleist-Park. Einer Anregung der Parkdeputation entsprechend, die von der Stadtverordnetenversammlung aufgenommen worden ist. hat der Magistrat beschlossen, den alten Botanischen Garten „Heinrich von Klcist-Park" zu nennen. Stadtrat Julius Böhm ist Donnerstagabend 8 Uhr in seiner Wphnuiig nach längerem. Leiden gestorben. Ter Verstorbene war Vorsitzender'de? Wablbnreans, der Berliner Straßenreinigmig und der Grincheigentninsdeputation.. �• o« dein Raubüberfall aus den Kassenboten Klein wird noch mitgeteilt: Dein Räuber Julius FrieHe hätte nach seinem Vor- leben, soweit es bekannt ist, niemand eine solche Tät zugetranti Er ist der Sohn eines kleinen Beamten aus Goslar am Harz • und bewohnt Wer in Berlin in der. Eamphansenstr. 48 bei einem Kaufmann im dritten Stock seit vier Fahren ein möbliertes Z immer. Seine Wrrtsleute kennen ihn nur als einen bescheidenen ' und ordentlichen Mann, der nur sehr selten einmal spät heim- kehrte und sonst durchaus häuslich war. Er machte auch kein Hehl daraus, daß er zunächst bei der Tärnistädter Bank zwes kFahre lang die bescheidene Stelle eines Kasfenboten bekleidet hatte-. ' Gekündigt hatte er sein Zimmer nicht, auch noch keine Sachen weggebracht. Er erzählte aber, roß er wohl int März ausziehet» werde,-weil er im Begriff siebe, eine vermögende Beaintentochter zu heiraten. Donnerstag mittag war er noch in seiner Wohnung. Ilm iii Uhr ging er von dort weg. Im. Gegensatz zu diesen Bekundungen seiner Wirssleute he? hauptete Frieho bei seinem Verhör vor der Kriminalpolizei selbst, .daß er großen Aufwand getrieben und weit über.seine Verhält- nssse gelebt habe. Dadurch lind durch verfehlte'Spekulationen ans eigener Zaust sei er in Geldverlegenheu geraten, ans der er endlich keinen Ausweg mehr gefunden habe. Nach Verbrauch aller seiner Ersparnisse sei er auch Wechselverbindlichkeiten ein- gegangen. Erst am"2. ds. Mts. sei ein Wechsel über 2569 Mark fällig gewesen, er habe ihn nicht einlösen können. Mehrere G-läubiger hätten ihn in der letzten Zeit bedrängt. Gestern er- kündigten sich bei der Bank inehrerc Leute nach Jriehe und fragten an, ob er überhaupt noch da sei.. Diese Leute wurden gestern von der Kriminalpolizei vernonnncn. ES ergab sich, daß es Gläubiger sind. Helfershelfer, an die man zunächst wohl dachte, scheint der Räuber nicht gehabt zu haben. Seine eigenen Behauptungen, daß er großen Auswand ge- trieben hätte, wurden FrieHe widerlegt, flks wurde nachgewiesen, daß er nur so gelebt hat, wie es seiner Stellung und feinem Einkommen angemessen war. Hiernach bekannte er denn auch, daß er nicht spekuliert habe, nin sich Mittel zu einem slotten .Leben zii verschaffen, sondern mir in der Hoffnung, seine kleinen Ersparnisse im Hinblick auf die bevorstehende Verheiratung auf- zubessern.'Ter Fehlschlag habe ihn schließlich bewogen, zw ciucin Gewaltmittel zu greifen, um aus den Verlegenheiten herauszu- ■Icinmcn, weil jeden Tag� die Ausdeckung seiner Notlage und da- . mit der Berluit seiner Stellung gedroht habe. Einen erschütternden Austritt gab es gestern bormittag auf dem Polizeipräsidium, als die Braut Friehes und deren Mutter ihm gegenübergestellt wurden. ES handelt sich in der Tat, wie er Definuptct hatte, um ein: vermögende Beaintenfannlio. Sib hatie ihm aus allen Verlegenheiten herausgeholfen, wen» er sich iui-l ihr offenbart hätte. Das wollte cr jedoch nicht. Beim Anblick seiner Braut und ihrer Mutter brach Zriche völlig zustnnmej» und weinte und schluchzte. Er nannte sich verzivelselnd eiiwn Mörder und gab jetzt auch die Abficht zu, Klein mit dem Beil, das er vor einigen Tagen besonders zu dein Zweck gekastst hatte. ' unschädlich zu mache». Dazu sei er gezwungen gewesen, weil - Klein ihn kenne und ihn sofort als Täter angegeben hätte, wenn er nach Gelingen dos Raubes am Leben geblieben wäre. Mit dem Beil wollte FrieHe, wie er sagt, dein Kassenboten einen Schlag auf den Hopf versetzen. Zur Vorsicht hatte er auch, um � aus alle-xillo an sein Ziel zu gelangen, noch ein Raster- . Messer mitgebracht. Maü fand es Iwch in seiner Brusttasche. ' Alle Werkzeuge und Sachen, die ihm abgenommen murdcu,- halte. der Räuber nur zu dem Zwecke gekauft, um sie bei der Ausführung seines Planes zu verwenden. In einein Konservenglas, das zwei Liter saßt und mit einem Patcntverschluß versehen ist, wollte cr daS Blut seines Opfers auffangen. Mit den zwei �Flaschen Benzin wollte er seine Kleider vom Blut reiiiigen, die Schwefel- fädeu wollte er dann noch benutzen, um jede Spur aus- den Kleidungsstücken zu. beseitige». Er batie sich genau darüber unterrichtet, daß Schwefeldämpfe auch die letzte Spur von Blut- flecken vernichten, so daß nichts zu finden ist. Ten»- Überfallenen' K.nsseuboten Klein-ging es gestern schlechter • als am Donnerstag, �eiue Augen sind hlntunterlaufe», oer . Hals ist ihm so stark geschwollen, daß er kein Wort mehr sprechen kann. In der vergangenen Nacht hatte er bestiges � Fieber; zu», Teil wohl nocki infolge der ungeheuren Ausregüng. Nach ärzt- lichcr Ansicht wird der Ueberfallene noch länger darniederliegen und vielleicht für die Zeit ftines Lebens Nachteile am Kehlkopf und an der Stimkne behalten. Eine ReichStagswahlpostkarte wird in Berlin berbreitet unter dem Vorgeben, daß 25 Prozent vorn Reingewinn dem WahlfondS . der Geiainipartei zufließen. Die Karte enthält in graphischer Dar- . steklimg eine statistische Uebersicht über die Reich RagSwahlen feit - 4874»lud die einzelnen Parteien und kostet 49 Pi. das Stück. Ter Verlag ist Kretstlmiar-Sriittgart. als Berliner Vertreter bezeichnet sich ein Herr Sanmski. Seestr. 400. Wir möchte» feststellen, daß die Partei mit diesem llnteniehmeu nichts zu tun hat, sie hat viel- mehr ein ihr gemachtes Angebot direkt abgelehnt, weil sie sich ans - derartige Geschäfte überhaupt nicht einläßt. Jnsolgedessen ist auch die Angabe. 25 Proz. des Reingewinns fließen de», Wahlfonds der Gesamipartei zu, unwahr. Mord- und Selbstmordversuch. Eine blutige Liebestragödie hat sich am gestrigen Freitagnachmittag gegen Uhr in dein Hause Ziinmerslr. 05 abgespielt. Tort hat die 27jährige Alwine Siede miS der Bohensir. 00 den Kaufmann Roikinsoi», Klirflirstendam», 430 wohnhaft, durch einen Revolverschnß schwer verletzt und sich dann selbst zu erschießen verflicht. liebet den aufsehenerregenden Vorfall gehen uns folgende Mitteilungen zu: Rotiinson, der frühere Direktor der Deutschen Grammopbon- Gesellschaft Berlin, hatte vor einiger Zeit ein junge? Mädchen, eine Russin, kennen gelernt, mit der cr eni Liebesverhältnis . eingegangen mar. ES war dies die 27j!ihrige Putzmacherin Siede, eine Landsmännin des R., mit ivelcher cr längere Zeit hindurch ein Lieih iltiiis mnerhielt, dem ein Kind entsproß. Tie S. besuchte ihren Zreuud häufig in seuiem Bureau in der Zimmerjtraße 0S. wo dieser als Direktor der Eoiitineiltaken Bremsblock-Eompany angestellt war. Vor einigen Wochen schrieb sie an Direktor N. einen Brief, in dein sie ihm mitteilte, daß sie nach Paris reisen werden und ivorin sie dann um eine größere Abfinduugssunnne für sich und ihr Kind bat. Da die Putzmacherin ans diesen Brief keine Antwort erhielt, erschien sie gestern in der Wohmiiig des Tirektors, nannte der Buch- halterin. die die Fremde nach ihrem Begehren fragte, einen falschen Namen und bat vorgelassen zu werden. Rotkinion oniiing das Mädchen ahniingsloS. Er saß den Rücken nach der Tür gekehrt an seinem Schreibtisch und lvaiidle sich beim Eintritt der Besuckenn um. In diesem Augenblick krachten kurz hintereinander drei Schüsse und blutüberströmt sank der Direktor zu Boden. Eine Kugel hatte ihi» in die Brust unter dein Halsansatz getroffen, die beiden anderen Geschosse gingeil fehl und drangen in einen Schrank ein. Die Buchhalterin war auf die Detonationen hiit in das Privatkontor ihres Ebess geeilt und wollte sich der Fremden in den Weg stellen. Diese erzwang sich jedoch mit vorgehaltenem Revolver den Durchgang und eilte die Treppen hinab. In dem Hausflur wurde sie von dem Ehauffeur, der die Schüsse ebenfalls gehört hatte und Unheil ahnend nach dein Bureau seines Herrn eilen wollte, und dem inzwischen ebenfalls hinzu- gekommenen Portier festgehalten. Ehe jedoch die beiden Männer es verhindern konntei», zog die S. die Waffe hervor und jagte sich eine Kugel in die linke Brust oberhalb des Herzens. Der Ehauffeur setzte das Mädchen in sein Automobil und schaffte es»lach der Unfallstation am Spittelmarkt, von wo es nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Krankenhanse Am Urban geschafft wurde. Mehrere hinzugernfeiie Aerzte legten Rotkiiison einen Noiverbaud an und brachten ihn auf Ersiichcn der herbei- geeiltcn Gartin des Tirektors in eine Privatklinik. Ter Zustand beider ist nicht unbedenklich. Selbstmord eines Garde-IUane». Im Treptower Park hat der Ulan Wetzdorf von der 8. Eskadron des 2. Garde-Ulaiten-Regiments seinem Leben ein Ende bereitet. Der lebensmüde Soldat wurde an einein Baniiie erhängt aiifgefundeir. W. hatte befürchtet, daß ivegen eines militärische» Vergehens eine erhebliche Strafe über ihn ver- hangt werden würde und aus diesem Anlaß legte er Hand au sich. Jg Straße« bahn Unfälle. In der Brunnenstraße vernichte am Donnerstagabend gegen 0 Uhr an der Ecke der Ramlerstraße der Kallstnann Wilhelm Giünert, Licbeiuvalder Straße 84 ivohiihajt, vor einem Stratzenhahnwagen der Ringlinie 5 da- Gleis zu über- schreiten, wurde jedoch nnigestoßen nno geriet unter den Vorder- Perron mit dem rechten Arm unter den Schutzrahmen. Mittels mit- geführter Winden wurde der Wagen angehoben und der Verun- glückte befreit. G. hatte eine klaffende Wunde am Hinterkopf und erhebliche Berletznngen über beiden Augen davongetragen. Er er- hielt auf der nächsten Unfallstation Notverbände und wurde auf seinen Wuiiich nach Oer Wohnung übergeführt. Die von Passanten alarmierte Feuerwehr brauchte nicht mehr in Tätigkeit zu treten. Ein iveiterer �traßenhahiinnfall- ereignete sich fast zu derselben Zeit in der Königstraße. Dorr betrat vor den» Wenheimschen Karts- Hause daS 28 jährige Fräulein Rost» Nosetleiisteln aus der Kaiier- allee 203 vor einem herannahenden Straßeiibahiiwagen der Linie 02O die Schienen und würbe»mgcstoßen. Fräulein R. erlitt eine schwere Verletzung an- der linken Schläfe, die ihre Uebcrsühruiig nach dein Krankcnhause Friedrichshain notwendig machte. Ter Wintergartcu bringt in seinem netten Programm eine Fülle von akrobatischen, exzentrischen und grotesken Niinnner-n, die alle vor- trefflich sind, aber in dieser Masse ermüden. Tie Zusammen setzung des Programms leidet darunter, daß ilnr Künste für'S Auge aufgeboten werden. Kein Gesang, kein Vortrag, lein Hnmor unter- bricht das nervenerregende Durcheinander von amerikanischer Grotesk- koinik und loirbelndsn Körpern. Gewiß, der Modelleur, der frei- händig Rieienköpfe voll Ausdruck schafft, versteht seine Sache, die komischen Jongleure Ehr» st y u. Willi-Z sind in ihren Einfällen und Neuheiten kann» zu überbieten und C o o k e». R o i h e r r s mimeit einen berrückten Ulk ohne gleichen Da- akrobatische L a Maze Trio scheint von einem Sterne zu stammen, in dem unsere Körpergcsetze nicht gelten. Aber was zuviel ist, ist zuviel. Und dazu noch die zehn Köpfe starke Familie Krem-, die mit. Männern, Frauen, Kindern Fangeball spielt und die in Einzellei'tungen und Gruppeufahrten an-gezeichnete Kauf luan n sche Radfahrerinnewtruppe! Da ist e» eine wahre Erholung, wenn man Olga Des- »n o n d in anmutigen Bewegungen ihre Korpcrschöiihcit entfalten sieht. Schade, daß sie nicht länger weilt! Tie Raffinements, der hohen Schule auf Fußspitzen, die eine amerikanische Tänzerin vorführt. läßt uns hernach ganz kalt. Da- Varietö sollte mehr Schönheit und ruhige Kunst pflegen. Und daneben Humor! Ten boten uns dies- mal nur WoodwardS dressierte soeelöive», die die lustigsten Kerle von der Welt sind und im geschmeidigen Balancieren alles Dagewesene überbieten. Wer ist der Tote. Aus der Spree gelandet wurde gestern au der Friedrichsbrück: die Leiche eines Mannes, dessen Persönlich- teit noch nicht festgestellt werden konnte. Sie hat äugen sche in l ich im Wasser gelegen. Ter Mann ist etwa 40 bis 50 Jahre alt und gehört, nach der Kleidung zu schließen, wohl dem Mittel- stände an. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Ein gefährlicher Fnbrikbraild, der die Feuerwehr mehrere Stunden beschäftigte� kam gestern früh kurz nach! Uhr am Luisen-Nfer 44. im«üde» Berlins, zum Ausbruch. Ter Brand- Herd lag im ersten Stock des Fabrikgebäudes auf dein zweiten Hofe im Packraum der Magnesiaabteilung der Stahlwaren- und Magncsiawarensabrik von Robert Karst. Als man oie Gefuhr bemerkte, hatten die Flammen auch schon einen Weg nach dem zweiten Stock gefunden, der von der Firma Karst gleichfalls zu Lagerzweckeu benutzt wird. Ter zuerst eintreffende Lösehzug der Feuerwehr saud daher schon eine derart gefährliche Situation vor, daß der leitende Offizier sofort noch, einen zweiten Zug zu Hilfe- hole», ließ.• Ter Loschangrifs wurde dann mit' vier Rohren durchgcsührt. Fi» erster Linie galt c-, das Feuer von der im dritten Siocj des Fabrikgebäudes uittergcbrachten Kartonfabrit von H. Petruschke fernzuhalten. Ter Fußboden dieser Fabrik- rännie war bereits in Brand geraten. Erst nach-eNistündigem Waffergeben lonnic die Gefahr als beseitigt gelten. Der erste und zweite Stock iit fast völlig ausgebransit, so' daß die Firma Karst erheblichen Schaden erleidet. Tie Ursache de- Feuers iounte noch nicht ermittelt werden.— In der Köpenicker Straße 54 hatte die Wehr in der letzten Nacht noch ein größeres Feuer in einem Farbenk-eller abzulöschen. Vorort- ISacbricbten. Rixborf. In Lebensgefahr bei cinem Brande schwebten gestern bornilttag die Beivohner der Hänser Kneiebecksiraße 483 und 489. Gegen 7 Uhr bracki in dem Keller des Hanfes Nr. 483 Feiler ans. Es entivickelte sich dabei ein außergewöhnlich großer Ranch, der bald das.-ganze; Hans verqualmt hatie, iveil die Kellertreppe direkt in den Han-sinr führt. Ten Bewohnern war dadurch ein Elsirumen driich die Türen ganz inimöglich. Sie öffneten deshalb die Fenster ihrer nach der Straße liegenden Zimmer und liefen um Hilfe. Ter Ranch drang auch dlirch die Türritzeil in die Räume ein, so daß die Einlvohner in ständiger TvdeSaugsi schwebten. Einige von ihnen kletterten auf das Fensterbrett,»im sich hinab- zustürzen. Bon der Siraße wurden sie jedoch durch beruhigend« Zurufe von ihren» Vorhaben abgehalten Der Feuerwehr, die bald zur Stelle ivar, gelang es, mit Rmichheliucu vorzudringen und das Feuer zu löschen, ehe es größere- Unheil angerichtet Halle. In- ztviichen waren mehrere Stunden vergangen. Noch Ivar die Fenerivehr bei der Arbeit, als vom HauseKneicheckstr-. 489 eineFeilermeldnng einlief. Hier bor sich der Wehr dasselbe Bild. ES gelang ihr auch vier nur, mit vieler Mühe au den Brandherd zu gelangen und die aufgeregten Hans- beivohner von ihrem Vorhaben, aus dem Fenster zu springen. abzili K'.-lk. In beiden Kellern brannten die-Kohleiivorräte, HölZflücke und Holzwolle, daher ist auch die große Nauchentwickelung zu erklären. Daß beide Brände liiigefähr zu gleicher Zeit ansbrachen, läßt auf Brattd« stiftling schließen. Im Keller war das Feuer schon soweit vor- geschritten, daß man hier nicht mehr feststellen konnte, ob die Vor- räte vorsätzlich in Brand gesteckt worden sind. Bei einem Allsauimenstoß zwischen einem Arbeitsniageo und eiilein Straßenbahnznge schwer verletzt wurde an» Donnerstag der Kutscher Karl Ruhr aus der Änesebeckstr. 4 43. R. verließ gegen- 7 Uhr liiorgens' mit seinen» Gefährt den Hof des Grundstückes Hermannslr. 224 und bog immiltelbar vor einein herannahender. Straßenbahnzuge ails die Schienen. Bei dem Zusammenprall, den der Führer des Bahnzuges nicht mehr verhindern konnte, wurde der Kutscher vom Bock geschleudert und geriet unter den eigenen Wagen. dessen Räder über ihn hinweggingen. Ruhr erlitt einen icluoercir Becken bnich und Oueisckiing des ArnsikastenS. Der Verungkückle er- hielt auf der nahen Unfallstalion die erste Hilfe und wurde dann in bedentlichein Zustande nach dem Rixdorfer städtischen Krankenhause in Buckow gebracht. Wilmcrsdovf-Halensee. Aus der Stavtverordnetenversltmmlung. Von den 48 Wilmer?» dorfer Stadtverordneten gehören etwa drei Viertel der großen nationalliberal-konservativen Fraktion an, während der Rest sicki all- einigen Liberalen. Deniorraten und Sozialdemokraten zusammensetzt. Vom giiteii Willen der großen Fraktion hängt es ab, ob in den Ausschüsse» Mitglieder der Opposition vertreten sein sollen: daß da- Bureau nur aus Anhängern der angeblich„Unpolitischen" gebildet wird, ist selbstverständlich. So ohne weiteres fügt sich nun zwar die Minderheit nicht i» den Willen der Mebrheit. Wie vor Jahresfrist, so erhob auch diesmal die Linke Widerspruch gegen das von der großen- Fraktion beliebte Verfahren, und man wies bor allem ans die Aiistandspflicht hin, die gesamten Stadtverordneten von den in der Personenfrage gefaßtes Beschlüssen in Kenntnis zu setzen. AIS Ausdruck der vorhandeuen Sfiinmung verlas der demolrati'che Stadt- verordnete Moll den solgen'deir von Forischnttlem, Demokralen, Sozialdemokraten und dem Stadtverordneten Wolff unterzeichneicn Protest: „Da es in jedem Parlament üblich ist, daß das Aurea» und« die Kommissionen nach Stärke der Parteien besetzt werde!», wir daher Anspruch auf einen Sitz im Bureau und zwei Sitze im Wahl- au. fchiiß haben, wir aber weder zu einer Vorbesprechung zugezogeii, noch überhaupt um Nennung unserer Kandidaten befragt wurden/ stelle» wir dies fest und erheben Protest gegen die einseilige Hand- Hablinz der Geschäfte." Bei der Wahl de- Bureau?»md des Wahlausschusses gab dann die Linie Stimmzettel für Kandidaten aus ihren Reihen ab�tchf.e natürlich mit. ihren» Willen durchdringen zu können. Wcr.ijU'.e;»? hofft man abdr damit das eine erreicht zu haben, daß'die Meür- helic.frattion sich noch Jahresfrist mit der Minderheit wegen Auf- stellimg der juilididaten in Verbindung setzt. AIS wichtigster Gegenstand der übrigen Tage-ordnnng vom Mittwoch ist die Angelegenheit über dcii Abschluß von Straßen- r e g ii l i c r n n g s v e r r r ö g e Ii zu nennen. Bisher hatte der Magistrat in den Fallen, wo Terraiiigeiellschastcn und üuffze Interessenten ans ihre Kosten neue Straßen anlegen wollten, d:� hierauf. bczufHichmeiidcn Verträge selbständig abgeschlossen und sich mir der Tiefl'midepntation als Mittelglied bedient. Da jedoch durch Ortöstatiit diese Augelegeilheiteu der StadtverordueteullersairjUtlimsf zu überantworten sind, glaubte der Magisttat einen besoÄs. n Beschluß oieser.Körperschaft herbeiführen zu Müssen, der den�ms- hesiigeu Zusiqtt!», Lei � den Beratungen eines mit der Prüfling'dieser Frage" beirniuen S cchderans s chtzM�q tro t � d er Magistrat mit Lei best rasten für die Bemehaftuug. i ZustaitdeS ein; als dann aber doch die Mehrheil des Äusschuites-sich der Ansicht zuzuneigen schien, daß der Stadlverordneteiiverstmimlung generell das CntscheidungSrechl beim'Abschluß von Straße..- reg illi e r»i> gsver l r äg eir gebühre, erklärte ein Stadtrat, daß der Matzistral sich ans alle Fälle bei derartigen Angelegenheiten lsi sellmäiidtge Erledigung der Frage, in wela-er Grbtze an»eu�Lttzx schließende» Straßen die Wohnungen herzurichten seien'7' vor» behalir» müsse. NllNliiehc saffte der Ausschuß einstimmig keil 'Lcschliiß, der Stadtverorductenversaiumttiiig die Ablehiiung der Magistratswüniche zu enipfehleii. In der Plenarverhandlmig wurde ebenfalls b. sonder- von den Stadtverordneten Schröder und Dr. Leidig betau», daß die SlaMverordnetenversammlnuz sich litis keinen Fall das Recht, bei Straßeiiregnlierung-:- Verträgen und in der TZohmuigsfrage mitzusprechen, verküminern lassen dürfe. Die Angelegenheit wurd' von ueueni einem Send r- äusschuß überwiesen. Dein Finallzausschnß wukoe die Mvginrä'.s- vorlage beir die Bewilligung vo» II-berichreillingen des Voranschlages für 4914 i» Höhe von 5262,23 M. und die Magistrats- vorläge betr. den Abschluß eines Vertrages mit der Geseikicknft für elektrische lluternehaumgen über die Lieferung der elektrischen Energie für die Wilmersdorser Untergrundbahn überiviesen. Tchöncbcrg. E iii Scingltiigö-, Schwangeren- und Wöchiieriiliieiiheim beahsic. iigt der I iesige Magistrat zu errichten. Zu diesen» Zwecke ist bereits die Hälfte der Gest.miemiuihme» des am 20. Mai abgc i'nll-r.c:' MarguersteiitagcS im Betrage von 40 200 M. überwiesen woronp. Dieter Fonds zoll durch außerordentliche Einnahme» und Zi-ict isi seitens dir Siodt nach Möglichkeit derart vermehrt».erden, daß als- bald mit dem Bau des Heimes begonnen werden stian. Potsdam. Dns verhäuguisb.'llc Lad. Ter Vorsteher des 4. Polizeireviers Kommissar Haje nahm vorgestern im» 5 Uhr ein Bad. Zwei Srnud. n spät r verrtoÜ»» ibän Rö.tzeln ans dein Badezimmer. Ans der an die Hasesche Wohnung anstoßenden Stevierwache wurden Schutzlev.-e geholt, die bei ihrem Hiulritl das Badezimmer verqualmt und Hase bewußtlos am Fenster liegeifd vorfand. Ein sofort requirierter Arzt stellte-.-.cmeinsam mir Sämaritern de? Berilssfcuerwehr, die eine' Saner'rvffapparat gebrgckit hatten, WiederbelebnngSverfliche an. Im httiguste-VAio-cia".ranlenhan?. wohin der Bewußtlose gebracht wurde, gelang es den ärz'lichen Bemiibiliigcn, H. zum Bewußtsein zu bringen. Er gab an. daß' er im ützasjer von einem BetäilblUi:s- z»stand übermannt, da? Fenster öffnen wollte nnd dabei da- Betoiim- sein verloren habe. Eine starke Rüßeiifirickelmig sprach dafür, daß die Heizung de-s Badeofens nicht funltionierte. Rm aller 6e fch äftöchriftcntimi und Krieg. Kluge Äenschert verstehen an- allein Geld zu»lachen. So haben sich setzt auch Schlaiimeiet gefunden, die ans driit Kunm er der Witwen und Weisen der in Nordafeika Gefallenen Prosit-n ziehen suchen. In Bologna werden Flngblätler verteilt, die sich mit der Frage beschäsligcn, was der gläubige Katholik in di-.ii Kriegs tagen zu tun habe. Da wird zimächst haarklein bewiesen, daß der zuständige Heilige Pius V. ist, der dcif J-lanl schou im 46. Jahrblindert grüiidlich ailfs Haupt ge- schlagen bat und bei dieser Gelegenheii 225 tüififchc Schiffe per» braimt. Nachdem diese Kaauu'wll�stage gelöst ist, ergründet das Flugblatt tiessinnig. auf!r'.4ch�?'>ffe man den heil. Pins für den he-.i'.igeu Krieg zu ge'.vinnel-.y/.t kommt zu folgendem Resnilat: „Es, muß eine S a»n r.a.'.j iCg tutctnominc» werden, um de., nötigen' Snfwand zur Gev«f: mag'«:- Heiligen zu bestreite». Ans dein Fonds wären zu leisien f-.A-ßRcfie wöchentlich, so lange d e Krieg dauert, um Sieg m Wi-.>L»om rn erringen; 200 SeelenMtsieu für die Gefallenen z ein Legat für See'euiuessen, das tvomöglich rngltch eine Mfsse zu fetfu erlaubt, und schließlich cst-.e Volivkapelle für deii hl. tßWWWWt er dem geiiebteu italie:: s.:i Valerlaude Frieden und ff? lje!,> Damit sich die GiäiiiWnWMß-che recht angelegen sein' vs�splicht das Flugblatt jedem, der 10 CeiltimeS spendet, ein Bild mir dem hl. Herzen Jesu. Wer ö Lire gibt, erhält eine grojje Litho- graphie, und die Gegenleistungen der Kirche wachsen weiter im Bcr- hällnis zur Gabe. Man kann sich wirklich nicht genug erbauen an der vornehmen Auffassung Gottes und seiner Gnade, die nur gegen bares. Geld sich über die Seelen der Gefallenen crbarmeir sollen Kcr Militarismus nimmt den Müttern ihre Kinder, und dann kommt der Pfaffe und lockt ihnen die letzten Heller auZ der Tasche. Arm in Arm fordern diese beiden Mächte der Finsternis unser Jar�r- hindert in die Schranken._ Vier Kinvcr verschüttet. Ein schweres Ilngliick. das den Tod von vier blühenden Kindern •UV Folge hatte, hat sich am Donnerstagabend in Kamburg a. S. naetragen. In der Nähe des SaaleuferS beschäftigten sich die ».inder beim Spiel damit, aus vorhandenen Kaninchenlöchern eine Höhle zu bauen. Plötzlich gaben die lockeren Erdmassen nach und verschütteten die Kleinen. Als später die Kinder ausgegraben wurden, hatten sie schon den Erstickungstod erlitten.__ Ter Tod in der Grube. Auf der Brannkohlengrube von der Heydt bei A m m e n d o r f (P:ov. Sachsen) wurden am Donnerstagabend durch herabstürzende Kohlnimasscn ein Häuer und ein Fördermann v c r- schüttet. Bis 1 Uhr nachts machten sie sich durch Klopfzeichen bemerkbar. Am Fceitagvormittag wurde einer der Verschiittstcn als Leiche zutage gefördert, der andere ist noch nicht aufgefunden. Kleine Notizen. Schweres Bootsnngliick. I» der Nähe von R o t k i r ch e n find d i e r P e r f o n e n, die sick in einem Sccgelboot befanden, im . hl h e i n ertrunken. Die Leute hatten ihr Boot an cincii Schlepp- zug angehängt. Als sie die Kette lösen ivollten, tippte das Boot . um. Ehe Hilfe kommen konnte, fanden die vier den Tod in den � Wellen. Eifersuchtsdrama. In einein Anfalle von Eifersucht versuchte gestern morgen der Arbeiter Krienke iu S t e t t i n seine Frau, die er erst zu Weihnachten geheiratet halte, zu erschienen. Er brachte ihr zlves nicht lebensgefährliche Schüsse in das rechte Handgislenk und die Brust bei. Die Frau flüchtete aus der Woh- »nngt der Mann tötete sich sodann durch einen Schuß in die Brust. Bon einer Lawine verschüttet. Vier Arbeiter, die bei den Ar- beiten am Eigcr in der Schweiz beschäftigt waren und nach Grindel- wald abstiegen, wurden von einer Lawine überrascht und verschüttet. Drei Arbeiter sind umgekommen, der vierte wurde noch lebend, aber in hoffnungslosem Zustande aus- gefunden. Masscnvergiftilngcn in Spanien. Wie aus E e r b e r e berichtet wird, sind m einer Ortschasl in der Nähe von Malaga 00 Per- s o n e n infolge des Genusses von verdorbener Wurst unter Bcr- giftiingSerscheimiiigen erkrankt. Die Frau eines Karabinieri ist bereits gestorben. Zwei andere Personen schweben in Lebens- gefahr._ Zeutral-Krauken- und Sterbckasse der Tischler. ab Sonntag, den 7. KmiilM. 1912, vormittags von tO bis 11 Ubr. die Bei- wäge in der neuerrichtctcn Zahlstelle Grätzstr. 19 im Lokal voiü Scholz eilt- gegeiigeiioinmeii werden. FreireUgtSse«gemeinde. Sonntag, den 7. Januar, vormittags 9 Uhr, Pappclallcc 15—17, und Nixdori, Jdcalpasfagc i Freireligiöse Bor- lcjuiig. BorinkitagS 1l Uhr, Kleine Francfiirter Str. 9: Bortrag von Herrn Dr. H. Halse:»Die Besserung der Menschheit." Damen und Herren als Gäste sehr willkommen._ Cinsegangene Druchfebriften. Ter Arbeiterstaat. Bon E. SecsclS. AI Pf. E. Enzmami, Durlach. Knust und Künstler. Hest i. MonatSichrist für bitdcndc Kunst und Kiwstgciverbe. Vicrtclj. 0 Mi B. Cassirer, Berlili. gramm Ikiiidflcisch, von der Keule Rllidfleilch, BaUchfleiilb 1,20 bis 1,80. Scbwcinesteiich 1,20—1,80. Knlbsleisch 1,50—2,50. Hammelfleisch 1,20—2.20. Butter 2.60—3.-20. 60 Stück liier 3.80—6.10. 1 Kilograimi, Knrpjc» 1,00—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1.40—3,60. Hechte 1,20 bis 2.60. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,60—3,-20. Bleie 0,80-5,10. 60 Stück Krebse 2,10-21,00. Wittern»gsübersicht vom 5. Jannar 1912. ßrtefharten der Redabtion. R. Z. Kl. Zur Erstattung eines BeitragSontcilS zur HllsSkaise ist dcr Unternehmer nicht verpsllchtci. Der Abzug der Jiivalideiiveisicherungs- beitrage war mir für zwei LohnPcriodcn zulässig. Der gekürzte Mehr- betrag luim durch Klage beim Gewcrbcgcrichl zurnckgesordert werden.— P. V8. Polizeipräsidium. Abteilung II.— Qu. 81. 2 M. Sie sind mir dauu zahlungsvstichtig, wenn im MletSverlrag siir Sie eine Per pslichlung ciilbalteu ist.— A. L. 87. als 2500 M. jährlichen Bcrdiciist. 1., 3., 4. Ja. 2. Ja, falls niehr Marktpreise von Berlin am 4. Januar 1912. nach Erniittelimg deS.Königl. Polizeipräsidiums. M ä r k t h a l l e u p r e i f c.(Kleinbandel), 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Speisebobnien weihe, 40,00—60,00. üinfen 40,00—80,00. Kartofsclu 8,00—12,00. 1 Kilo- Böetterproguosc für Sonnabend, de» K. Januar 191-2. Zunächst noch vorwiegend trübe mit Niederschlägen und ziemlich starken nordtvcstlichen Aiiidc»; später teilweise ausklarend und etwas kälter. Berliner W e 1 t c r b u r c a u. Wasserstaudö-Nachrichtcu der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbiircail. Wasserstand ?.'! c m e l. Tilsit P r c g c l, Jnsterhurz Weichsel, Thorn Oder, Naiibor , Krossen Fraulsurt Warthe, Schrimm Landöbcrg 9! che, Bordamm Elbe, Lcitmeritz Dresden Berby , Magdeburg ') 4- bedeutet Wuchs,— Fall. ') Oberhalb der Brücke EiSstano.— — y Uutcrpegcl.—') °) Eissrci. EiSslaiid.— Todes-Anzeigen dm den Todesanzeige. Venvandton. Frounden und Bekannten nur auf diesem Wege die schmerzliche Mitteilung, daß unser lieber, teuerer Gatte, Vater, 8olm und Schwiegersohn Dr. med. Ferdinand Simon lidSfa'g�rrtagp uach kurzem Krankenlager uns durch T6d entrissen Wurde. 14661, Wir bitton, Kondolenzbesuche unterlassen zu wollen. Stille Bestattung(Kremation) Sonnabend nachmittag. Zürich, den 4. Januar 1912. Im Namen der Hinterbliebenen; Frida Simon=BebeI, Werner Simon, August Bebel. Ali VMÄ- SezlaldemßkfaliscIieFWalilYerein (ilr den 4. ßerliREP Reichstogs-Wahlkreis, (Görliüer Biertcl) Bezirk 172. Den Mitgliedern zur Nachricht, daji unser Genosse, der Porzellan- mal er Teschow Skalitzcr Str. 127 gestorben ilt.' Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Januar, nach- mittags 3 Ubr, von der Halle des Thomas-KirchhoseS iu Rixdors, HcrmaimNrahe, ans statt. Um reg? Beteiliming ersucht Der Borstand. Am Donnerslag, den 4. Januar. 10'/, Uhr verschied nach langem, ichwcrcni Leiden iiieiii lieber MtMU, unser guter Batcr, der Bcrgold-r MckarÄ Kock. Tie Bcerdigniig findet am Sonntag, den 7. Januar, nach. p-'--.12 Uhr, vom ivancichauic rage 48 mi-s statt. lerndcu Hinterbliebenen i Koch geb. Seidel liebst Kindern. CHK-secaeri aas?! SozjaltekralisebMverein Kreis KSeder-Baniiffl. Ituzlrk 4Veißcti«ec. Den Mitgliedern zur Nachricht. dah unser Genosse, Tischler August Wedow am 4. d. Mls. im Alter von 36 Jahren an Hanttuberkuloje verstorben ist. <5'hrc seinem Andenken! Die Bcerdigniig findet am Sonntag, nachmittags!t Uhr, von der ideichenhalle des Ge- meindc-FricdhoscS iu der Roclkc- itrahe aus statt. Um rege Beteiligung bittet 18/1 Tic Bezirtslcitnng. f nw wi imnii« 111111——— Zentral- Verband der Steinarbeiter. Zahlstelle Berlin. Am 3. Januar starb unser Kollege Albert Lucas m Aller von 45 Jähren an einem Nervenleiden. (ihre scinem Andenken! Di« Beerdigung findet heilte, nachmittags 2 st, Ubr, von der Leichcnballe des Nieder-Schön- hauser Kirchhofes, Schönholz, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 171/2 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bozirksverwaltuny GroO-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Lhausscur Wildelm �eifikold am 3. b. MtS. im Aller von 51 Jahren verstorben ist. Ghre seinem Andeiikeu! Die Beerdigung sindct am Sonnabelid, den 6. d. Mls., nachiliilt.igs 1 Uhr, von der Leichcnhallc des Gemeinde-Fried- Hofes in Wilmersdorf, Berliner Strohe, aus statt. 61/2 Die Bczirksvcrwaltnug. jva.n.�i!!oKMebIad!?emi! Hieder-Lanum. Ze�irk WeZKensee. Den Mitglieder» zur Nachricht, dah unser Genosse, Bcrgoldcr Kicbarsß Kuck am 4. d. Mts. im Alter von 16 Jabren an der Schioindsucht verstorben ist. Ghre seinem Andenken! Tie Beerdigung sindet am Somilagnachmiltag 2 Uhr vom Trauerhaule, Sedanstr. 18, nach dem Gemeiiidrsi-iedhos Zioclckeslrahe statt. Um zablreichc Bctciligun Tie Bezirkslcit Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Tischlcr -�ugust Wedow Weihensce, Berliner Allee 251, im Alter von 32 Jahren gc- starben iit. (Schte seinem Andenke»! Die Beerdtgiliig findet am Sonntag, den 7. Jaiiiiar. nach. mittags 3 Uhr, von der Halle des Wcihcnsccr Gemeinde-Fried. hoses in der Nölkcstahe aus stall Um rege Beteiligung ersucht 77/6 Oie Onsverwailuug. Ea Verband der Lederarbeiter BcntNchlaiids. Filiale Berlin 1. Den Kollegen zur Nachricht, dah miscr Mitglied, der Färbcr Panl Kraft am 3. Januar 1912 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! � Die Beerdigung filidet am Sonnabend, den 6. Januar, uach- mittags 3 Uhr, von der 2cickicii- hallc des Sophien- Kirchhofes, Freie, iwaldcrsirahc, aus statt. Ncge Beteiligung crivartct 113/1 Der Borstaud. Danksaguttg. Da e-Z mir nicht möglich ist, allen persönlich zu danken, die beim Heim- gange»iciiicS lieben Mannes, unseres gilten VaterS, des Ncstaurateurs �uzust I�gtusck io zahlreich erlchienen waren, und idn durch Blnmcnfpcnden cbrtcn, äge ich aus diescin Wege nicincn crzlichste» Dank. Desgleichen dem klein der Freien Gasimilte. der jeiilral-Krankcnlaste deäckitchler nnd wiii Zentralvcrbciiid der Ziinmercr Bezirk 27). Zigarren- M �nna �gtusck. Z-Uchrllicn----- eegr. 1862.— Tel.; IV, BKIil,l>. HW.. Kitt Erstklassige Ware. Z hündiem bestens emt ■ l'arifnrbcl Maplr Verleih- Institut. Frack, I aUrv* Gehrock. Smoking von M. an. Hosen v. 1,50 an, Westen, .ylinderhüte v. 1>1. an. S. Berg Ikchf. Borcharüt, Fricdnehstr. 115. Hierdurch ollen Kollegen, We. Nossen nild Bekaiiliten die Iranriga Nachricht, dah meine liebe Frau emllie Gerieke..„Icter nach langem Leiden am 3. Januar- verstorben ist. 1165L Um stilles Beileid bittet Karl Gerilke, Tischler. Die Bect-diginig findet am Molltagnachnnttag 2'/. Uhr von der Leichenhalle des' Zentral- Friedhoss in Friedrichssclde ans statt. Für die herzliche Teiliiahnic und reichen Kraiizipcnden bei der Becrdi- gliiig meiner lieben Frau, unserer glltcii Multer Marie Schönfeld sagen wir allen Verwandten und Be< kanlilkii unseren herzlichsten Tank. Baul Kchlinfeid nebsl Kindern. Klnnltn- und{umulmidtm von Robert Meyer,' tut Marinnutll-Ztrnße 2. Allen Freunden nnd Bekannteii bliligen«vir licsbelrübt die tcanrlge Nachricht, dah meine liebe Frau. unsere gulc Mutter, Schwcster lind Schwägerin psuline heische geb. G i c d o tv am 1. d. M., nachmittags 5 Uhr, im 16.. Lebensjahre plödlich ent- schlafen ist. 2360b Dies zeigen liesbetrübt an mit der Biite lim stille Teilnahme Die trauernden Hinterbliebenen Knill Zctschc und Kinder. __ Tie Beerdigung sindet am Sonntag, den 7. Januar 1912, iiachlnitiagS 2'/. Uhr, von der Lcichciiballe des neuen Jakobi- Kirchhoscs in Rixdors, Hermann- slrahe aus statt. Tanks aguug. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme nnd die»ielen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer liciijorgenden Mutter IILIL ttedwix lepper sagen wir allen Freunden und Bc- kannten, den Kollcgiimen und Kollegen der Berliner Kindl- Brauerei, den Gcliossiniicn und Aenossen vom Wahl- verein Rixdors sowie der Genossin Röhl sür die trölicndcn Worte am Sarge unseren herzlichsten Dank. Rixdors, am BcgräbniStage. Bax Tcpper nebst Kindern. BuchbandiuRg Vorwärts Lindenstr. 69(Laden). Soeben erschien: 216/20 Die WerkuMchskeiltt. Re'ichsgcsctz vom 11, Februar 1911. Bon Albert Südckum. (Hc[l 12 der Soziaidcmulraüjchcii Genlcindepolitik.) Preis 1 9.U. VcrcinSansgabe 40 Pf. R& j»|— e««—»frfesbeaüii?, Sonntag. 14. Januar, 7'/, Uhr, Gewerkschaitshaus, Engelufer 15: Bunter Abend K Leitung: /fargarctc Walkotlc. Mitwirkende: Königl. Hofsehauspielei Hermann Vallenlin. Eezitation.— Dr. Siber, Geige,— Or. Heinz Caspary, Lieder zur Laute.— Margarolc Waikotte.— Erwin Feustcl am Flügel, Entree 50 Pf. 269/6» Abendkasse«0 Pf. _ VovvcvkauC bei Heim Horsch. Erigelufor 1 o. Cnier PewSlola-TerW Eile ZU ISS Dresdener Str. SM (Hochbahnstation Kottbuscr Tor). Eipene Körsclmerei Siur pritna Felle! Riesenhafte Auswahl! Sehr billige Preise. Echt Skunks-Stola von 35 M. an. Echt Nerzmnel-Siola mit Köpfen u.Schwcifen v. 18 M. an. Alaska Fuchs-Imitation von 7,50 B. an. genau auf Spezial-Pelzhaus Sie zu Weile zu achten! 110 DresÄene«" 8ti. HO. Jedermaim erhält die iui Fenster aosgostoUten Gegenstände sofort für den bezeichneten Fx-ois. Sonntags geäffnot. ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Pichelswerder, an der»c»c» s,.,!,,, .Hcerftrastc lUtlll Alten Frennd.. nurniuJi* | ganj kiujedfeit tinigt Celwtetej plQrcbmSiitel Einige rei»x!e früh, bis 74.-, IM.—, 178.— Kostüme (seecllscbatta> Kleider, KLelxe, Blusen Abendmäntel PelZ'Hantvl, I'cu-Sco.tn, Cerslau.ilac-Uefts keine Dutzendware sondern ßeivittiltc Pieccn für pinfaebsien rowobl wie für cica verwühntcslen Oescbmack! Sonnlas grüBnei 12-2 Uhr. Sonnlag ecültne' 12— 2ülir. *)tlitfirenstr. 372 Grosse tthuikfurlerstr. f/j. Erster Wahlkreis. � Sonntag, den 7. Januar, mittags 12 Uhr: Öffentliche W ahlernerlammlnng in Trösels Festsäle», Neue Friedrichftr. 35, Tagesordnung: „Alliialdtlnokratie, Mittellland, Kklniitt, technische und Kanfmänuische Angestellte" Referenten: Stadtverordneter Eduard Bernstein und Gewerkschaftssekretär S. Horn == Freie Aussprache.=====_ 206,1 Zahlreichen Besuch erwartet Oer Ltabernisr. Mjtir Reichstags-Wahlkreis. Sonntag, den 7. Januar, mittags 12 Uhr: Zwei Oeffentl. Aählerverlammlungen Bötzowsäle, Prenzlauer Allee 242, EoK-ensäle, Liniensttaße 121. tu miam< d>- Ardriters-dretän Rudolf WlSSell, Hermann Müller „Mc IuilKtt»«d IiiiiKrrgtiiefft» im Kämpft für Volks- oiiskeiitiliig iini! Kiiechiung". —■--- Freie Diskussion.—.-'= In beiden Versammlungen Ansprache des Arbeitersekretärs Genossen stöbert Sehmidi Parteigenossen und Genossinnen! Sorgt für Massenbesuch dieser Versammlungen 22012« Das Wahlkomitee. Sechster Wahlkreis. Sonntag, den 7. Jannar abends 61/* Uhr: Seffentliche politische Versammlung lür Männer und Frauen i« Puhlmanns Theater, Schönhauser Allee K47. Vortrag des Redakteurs Genossen Hans Weber: Dtt blUNps gkgkll ölt iltülltillll. Räch' der Bersanunlunz:«einUtltrliv« Sel«anii««i»»eei»«inS L'»,»». Der Elnberuscr: I-nol IRodi-alilsr,-, Ichliemaunstr. SN. Montag, den 8. Januar 1912, abends 8 Uhr: Oeffentliche polnische Wähler-Tersanlung im Moabiler Gesellschaflshaus, Wiclefstraße 24. Tagesordnung: Tie Stellttng des polnischen Volkes zur Reichstagswahl. Referent: Ludwig PodemSki-Beuthen O.-s. Freie TiSkussion. TaS polnische national« Wahlkomitee ist zn dieser Versammlung eingeladen. 2Zi/1' Es ist Pflicht eines jeden Polen, in der Versammlung zu erscheinen. Ter Einbernfer. Schöneberg. Sonntag, den 7. Jannar, mittags 1Ä Uhr: Oeffentliche UolksnersamnUnng im Rheinschlof;. RheinstraHe UD. Tagesordnung: Iie Sülidtii der bürgerlichrn Niitteien. Referent Genosse PM Kasper. �yreie TiSkussion. Männer und Frauen! Es gilt für den Friedenauer Lrtsteil, der scheinbaren Tomäne des Liberalismus, kräftig Bresche zu schlagen, da darf niemand der Ber- sammlung fernbleiben.__ Ter Vorstand; Hüter. mmwtm Am Sonntag, de» 7, Januar 1913, tage« Wähler-Versammlungen in Ahrensfelde, Lokal Schneider, nachmittags 3 Uhr, 3irkenwerder, Lokal Feuerstak, nachmittags 3V- Uhr, Sruehtnnhle, Lokal Kutzner, nachmittags 4 Uhr, ?riedriehsthal, Lokal Witwe Bleise, nachmittags 4 Uhr, Gertnendorf, Gehöft des Herrn O. Leue, nachmittags 3 Uhr, Glieniehe, Lokal Altermann, nachmittags 3Va Uhr, Grhnheide, Lokal„Vater Fielitz", nachmittags 3 Uhr. Äelligensee, Lokal„Heiligenseer Schweiz", nachmittags 2Vz Uhr, Meinersdorf. Lokal Raddatz, nachmittags 4 Uhr, Kenniehendorf. Lokal„Wachtelburg", nachmittags 3 Uhr, Kerzfelde, Lokal Henze, Hauptstraße, nachmittags 3 Uhr, Aohen-Zteuendorf» Lokal„Waldschenke Frohnau", nachm. 3'/, Uhr, Angel, Grundstück Adolf Gerstung, nachmittags 21li Uhr, Karow, Lokal Emil Peschlow, nachmittags 2 Uhr, Kiendaum» Lokal Häuseler, nachmittags 2 Uhr, Liehienherg» Lokal„Schwarzer Adler"(Arnholö), mittags 12 Uhr, Liehfenherg, Lokal P. Schwarz, Möllendorffstraße, mittags 12 Uhr, Siebenwalde, Lokal Wagenseil, nachmittags 3'/- Uhr, Mahlsdorf-LÜd, Lokal„Heidekrug", nachmittags 4 Uhr, Mnehwinhel, Tischlerwerkstatt Goerlitz, nachmittags 3 Uhr, Aföhlenheeh, Lokal Barsch„Zur Sonne", nachmittags 4 Uhr, Keuetlhagen. Lokal Wortmann am Bahnhos, nachmittags 4 Uhr, Weiershagen, Lokal„Zum alten Dessauer", nachmittags 4 Uhr, Kehfeide, im Freien am Bahnhof, nachmittags 2 Uhr, Königenial, Lokal„Marx' WaldhauS�, nachmittags 2'/, Uhr, Knhlsdor], Grundstück von Brakrok, nachmittags 2 Uhr, Küdersdorf, Lokal„Schützenhaus", nachmittags 3 Uhr, Kummeishurg» Lokal„Neue Scheune"(Klttgmann), nachm. o Uhr Köpenicker Chaussee, Tasdorf-Kalhherge. Lokal„JnnungsHaus"(Mißler), nachm. 3 Uhr, VandUiz, Lokal„Seekrug" am Wandlitzsee, nachmittags 4 Uhr. Wilhehnshagen, Lokal„Hohenzollern"(Rest. Müller), nachm. AUyr Voltersdorf-Kietz» Restaurant„Dampfboot", abends 6'/z Uhr. Serpensehleuse, Grundstück des Herrn Hoffmann, nachm. 3 Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: illeichgtagswahi ein Volksgericht! Referenten: Adlers, 3rühl. 3öhler, Carl, Liener, Littmer» Lornniek, Gninow, 3acobsen, Jahn, Jäckh, Kaming. Kiesel, Knoll, Kfiier, Kubig, Liesegang. Mrns, Kühl, Schwarzburger, Schult, Splicdt, Stadthagen, Steinbrenner, Stirnrning, Studmer. Tarnow, Troeger, Wwger, Wagner, Weiher, Zimmermann. 24012 Die Parteigenossen des ganzen Kreises werden ersucht, für einen starken Besuch dieser Versammlungen zu agitieren. Zgg KrtiS-wllhlKomitke. Orts-Krankenkaffe der Bttchbinder und verw. Gewerbe zu Berlin. Vom l. Januar ob ist daS Bureau der Kaste Sonuabeuds von S bis « Nbr nicht mehr acöffiiet. und findet die ülbftrlikiung nur noch in den Vormittagsstunden von« bis Uhr statt. 270/» II. tiiottesinann, Vorsitzender. F. Kcese, Lchriststihrer. Rixdonf! aammmmmmmmmi Polen! Rixdorf! Slimitag, deu 7. Iaimlir, lidchin. 2 llhr, in Snrlschs Lestlnien. Hermiinnkr. 49: öeffenMe nolWelie Mler-Vsrzsmmlnng. Tagesordnung: I. Indirekte Stenern, Teuerung und die Reichstagswahlen. Referent: Genosse F. Podemski. 2. Freie Aussprache. Es ist Pflicht eines jeden Polen, in der Versammlung ,u erscheinen. Da» Wahlkomitee. P-rantwortlicher Redakteur: Albert Wuchs, Berlin. Für den Inseratenteil veranlw.: Tli.Gloae.Berttn. Druck u. Verlag: Vorwärts'Buchdru«ktri> u. Vtrlaglanftalt LZvll Orts-Krankenkasse gi vieelislöili. veiw. Ksweidg. Montag. 13. Januar I»l2. abends von �l/7 bis 8'/, Uhr: Vahl-VersammlungeD in den.Arminhallc»». Kommaiidantenstraste->8/öS. t. Veriaminlung sämtlicher groß- jähriger Mitglieder der Kaste nach Z 40 dcS«taluts behnfs Dahl von 187 Vertretern derselben pro>012. Tl. Eine Bersannnlung sämllichcr Arbeitgeber der Kaste, welche Beitrage sür die Mitglieder auS eigenen Mitteln zahlen, iindct am Montag, de» 13. Januar IglS. abends S'/a bis 9 Uhr. in den.Arininhalleu". Kommandanienstraste 58!59 statt,!>ehu S Dahl von 88 Vertretern derselben pro 1912. Jür dle Mitglieder legitimiert das Kastenbuch, sür Arbeitgeber die letzte Luittmig der Kasse über gezahlte Beiträge. 2365b Um recht zahlreiches Erscheinen ersticht Der- VorMtand. J. A.: Gustav Tiedt, Hasenherde 49. Prall Isch und künstlerisch erfahrener �R'vl>ttek.t übernimm! die Herstellung von Eni- würfen zu Gebäuden jeder Art sür die Partei, die Gewerlschasten und die Ge»o">»scha'ten. 1772* IV. Zimmer, Bamberg, Obere Seclgaffe. vi-. Timmel 8peml-�t7t für Haut- und Harnleiden Prinzenslr. 41, Ä,"u 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 leder kann wenn er will viel Geld sparen. Robert Schmidt, Rosenthaler Str. 9, 1, verkauft stets große Posten hochelegante, sufs modernste vorarbeitete neue Herren-Giirderobo zu staunend billigen Preisen, so Ein Poslen Berreiiliosen von I SN 1.75. 2, 2,50 H.«n Ein Posten Herren-Anzige. von to, 12, 15 18(b-. Ein Poslen Herren-Paletots.»o« 10. 12. 15, 18M.an Ein Post. Herren-llister* 12.50. 15 18 20 S. an von G. 8. 10. 12 14 M. an Ferner empfehlen wir i.user bekannt großes Lager in eleganter Robert Si Rosenthi Ecke! arderobe 17 große , Fenster tr. 9,> u irr u uo., iötrlm 3W. Sküizc Ks Jcrmlirb"■ APeP« für Jlotiw. Huö Induftric und Handel. Verflogene Kolonial-Phantafic». Wer denkt nicht gegeruvärtig, mitten im schärfsten Wahl» kämpf, an die Dernbnrgschen Kolonialphanta» f i e n, mit denen vor künf Jahren im Wahlkampf die Wähler gefüttert wurden, um bei ihnen„nationale" und kolonialbegeisterte Stimmung zu erzeugen. Heute ist das damit zu Ende. Besonders in der Diamantenindustrie in sudwestafrika herrscht der Dalles. Wir lesen darüber im Handelsteil des„Berl. Tageblatt" u. a.: „Auf die Hochkonjunktur, die sich in Deutsch-Südwestafrika an das Auffinden der Diamanten in den Jahren 1903/1910 an- knüpfte, ist jetzt eine schwere Reaktion gefolgt. Die Be- richte, die aus Deutsch-Südwestafrika über das Wirtschaftsleben einlaufen, lauten äußerst pessimistisch und der starke Geldmangel hat eine Reihe von Zusammenbrüchen zur Folge gehabt. Ganz besonders macht sich im Diamanten. gebiet eine Krisis bemerkbar, die durch verschiedene Ursachen hervorgerufen wird. Ein rentabler Abbau im Diamantengebiet ist in den meisten Fällen nicht mehr möglich, und so kommt eS, daß von den im Jahre 1909/10 gegründeten zirka 100 Diamanten- gesellschaften fast alle bereits wieder von der Bild- fläche verschwunden sind. Einen Abbau betreiben über- baupt nur noch die Kolonial« Bergbaugesellschaft iLenzgruppe) mit zirka 20 000 Karat monatlicher Förderung, die Deutsche Diamantengesellschaft(Deutsche Kolonial- gesellschaft für Südwestafrika) mit zirka lbOOO Karat, die Col- manskopgesellschaft, die Vereinigten Diamantenminen in Lüderitz- bucht und die dem Fiskus gehörende Diamantenpachtgesellschaft. Alle anderen Diamantengesellschaften haben den Betrieb wegen Unrentabilität eingestellt, und«S ist nicht ausgeschlossen, daß auch die jetzt noch abbauenden Gesellschaften zum Teil ihre Betriebe nicht oder doch nicht in dem jetzigen Umfange auftecht erhalten können." Die vielgepriesene Herrlichkeit geht also ihrem Ende entgegen und damit werden auch die Reichseinnahmen aus den Aus- fuhrzöllen auf Diamanten abnehmen und der Zuschuß des R e i ch e» ftir Südwestafrika, der schon fast 14 Millionen beträgt, wird noch größer werden. Das ist der„Segen" unserer Kolonial- Politik I Die deutsche HemgSfischmi 191L Die Mitteilungen des Deutschen Seefischereivereins geben eine Uebersicht über den Er- trag der deutschen Heringsfischerei im vergangenen Jahr. Er steht Vinter dem der Jahre 1910 und 1909 nicht unerheblich zurück, über- 'rifft dagegen den des Jahres 1908 um«ine bedeutende Summe. Freilich ist dabei nicht zu übersehen, daß sich seitdem die Zahl der veteiligten Schiffe und oer von ihnen ausgeführten Reisen beträcht- l'ch vermehrt hat. Im Jahre 1908 beschäftigte die Heringsfischerei 253, im Jahre 1911 bereits 289 Schiff«, und die Zahl der Reisen stieg von 959 auf 1168. Die Erträge der einzelnen Jahre waren in runden Ziffern 1908: 359 000, 1909: 429 000. 1910: 459 000, 1911: 413 000 KantjeS. Dabei ist freilich zu berücksichtigen, daß das Jahr 1910 ein ungewöhnlich gutes Heringsjahr für die deutsche See- fischereigewesen ist. Für daS Jahr 1911 ist namentlich der No- i—ft&ti ein recht ungünstiger Monat gewesen. Soziales. Die direkte Eiukommenfieuer gegen Arbeiter. Die„Märkische VolkSzeitung" ist aus dem Häuschen, weil wir die Tatsache eindringlich niedriger gehängt haben, daß die- selben Parteien, die im Reichstag„grundsätzlich" eine Reichsein. kommensteuer auf hohe Einkommen ablehnen, den Arbeitern eine direkte Reichseinkommensteuer von über 4 Proz. des Einkommens durch die Klebemarken auferlegt haben. DaS ZentrumSorgan be zeichnet dies in seiner letzten Nummer als„eine unerhörte sozial demokratische Behauptung", wiewohl es die Tatsache selbst nicht bestreiten kann. Ist denn die zwangsweise Auferlegung von mehr o!S 4 Proz. des Einkommens auf die Arbeiter etwa» andere» als eine ReichSeinkommensteuer gegen die Arbeiter? Haben die bürgerlichen Parteien die Anträge der Sozialdemokraten auf Auf- bringung der Mittel für die Versicherung durch eine direfte Reichs. einkommensteuer auf die Einkommen über 3000 M. nicht von 1883 bis in dt» neuest« Zeit hinein abgelehnt? Haben sie nicht die „würdigere Ausgestaltung der staatlichen Armenpflege", wie Bis marck die Versicherung mit Recht nannte, auf die Schultern der Arbeiter gepackt? Oder ist nach Ansicht der„Märkischen Volks- zettung" die Gesellschaft, daS Reich nicht verpflichtet, für diejenigen zu sorgen, die durch die Gesellschaftsordnung außerstande gesetzt sind, für sich selbst zu sorgen? Der„Märkischen Volkszeitung" ist nicht unbekannt, daß die Sozialdemokraten die Erfüllung dieser gesellschaftlichen Pflicht schon im Jahre 1833 allen Personen gegen- über verlangt hat. die ein TageSeinkommen unter 7.50 M. haben. Die Sozialdemokraten haben seit einer Reihe von Jahren die Aus. dehnung der Versicherung auf alle Einwohner mit Einkommen bis 5V00 M. verlangt, weil durch die Schandtaten de» Zentrum» und der Konservativen die Kaufkraft des Geldes um etwa ein Fünftel herabgesunken ist. Das weiß die alte,„ehrliche Märtische". Aber sie verschweigt eS, weil sie die Ausplünderung des Volke» durch da» Zentrum ihren Lesern nicht mitteilen darf. In der Reichs- tagSsession 1893/97 kamen die Häuptlinge des Bunde» der Land. Wirte dem Verlangen der Sozialdemokraten durch einen Antrag wenigstens soweit entgegen, daß auch alle kleinen Betriebsunter- nehmer mit einem Jahreseinkommen bis 2000 M. der Invaliden- und Altersversicherung unterliegen und daß die Kosten statt durch Klebemarken. durch Zuschläge zu Staatssteuern bei den Ein- kommen über 300 M. aufgebracht werden sollten. Der Bund der Landwirte und da? Zentrum freilich haben sich gehütet, auf diese Anregung zurückzukommen oder sie dem Verlangen der Sozial. demokratie voll anzupassen, weil sie Feinde deS Mittelstandes sind und deshalb jeder Erleichterung der Lasten des Mittelstandes widersprechen. Die„Märkische" sucht dann ihre Leser dadurch irre zu führen, daß sie behauptet, wenn die Anträge der Sozialdemokraten zur Reichsversicherungsordnung angenommen wären, hätten 2054 Milli. onen Mark jährlich aufgebracht, die Beiträge hätten um 600 Proz. erhöht werden müssen. Diese Behauptung de» Zentrumsorgans ist platter Blödsinn. Zunächst unterschlägt daS edle Organ, daß die Sozialdemokratie nach wie vor Aufbringung der Mittel durch eine ReichSeinkommensteuer auf hohe Einkommen verlangt hat. Selbst wenn aber die Versicherungsgrundlage geblieben wäre, wären durch die sozialdemokratischen Anträge statt der die Arbeiterklasse ver. höhnenden Bettelgroschen einigermaßen hinreichende Leistungen er- wirkt. Und diese Mehrleistung hätte keinen Pfennig mehr gekostet, wenn die Anträge der Sozialdemokraten auf Zentralisierung unter Aufhebung der zwecks Beschäftigung abgelegter Beamten und Offiziere der Bourgeoisie beliebten Zersplitterung der Kosten und auf Aufhebung der beschlossenen kostspieligen Organisation ange- nommcn wären. Möge die„Märkische Volkszeitung" ehrlich die Frage beant- Worten: Ist es wahr, daß die bürgerlichen Parteien, da« Zentmln voran, die Aufbringung der Mittel durch eine Einkommensteuer Sie haben da» getan, um die Armenlasten dem Mittelstand und der Arbeiterklasse aufzupacken und Günstlingen des Großkapitals Stellen in den Organisationen der Versicherungsgesetzgebung zu verschaffen. Recht hatte der katholische Pfarrer Dr. Stephan aus Wcißensee, als er 1893 in bezug auf die jetzigen BundcSbrüder des Zentrums, die Konservativen, schrieb: „Aus Patriotismus konservativ wählen, ist ein„falscher Patriotismus". Wenn Ihr weiter in dieser Weise patrio- tisch seid, kommt nach und nach Euer(des ärmeren Volkes) Geld vollständig in die Taschen der Kapitalisten und Großunternehmer." Das Zentrum hat im Verein mit den Konservativen auch bei der Reichsversicherungsordnung das Geld der ärmeren Klassen in die Taschen der Kapitalisten und Großunternehmer gesteckt. An dieser Wahrheit kann ein noch so wütendes Gebelfer der„Mär- kischen VolkSzeitung" nichts ändern. Zugehörigkeit zu einer Organisation als Entlassungsgrund. Ein auffallend falsches Urteil fällte dieser Tage das Gewerbc- gericht in Chemnitz. Die auf Nestlohnzahlung bei dem Gewerbe- gericht verklagte Firma hatte dem Kläger beim Engagement er- klärt, daß sie grundsätzlich keine Gewerkschaftsmitglieder einstelle, und der Kläger wurde angenommen, nachdem er die Erklärung abgab, daß er sofort aus dem Verbände austreten werde. In Wirklichkeit meldete er aber nur den Wechsel des Wohnortes an, so daß er im alten Ortsverband zwar abgemeldet wurde, aber als Verbandsmitglied im neuen Wohnort verblieb. Die seitens der Firma erfolgte Entlassung wurde vom Gericht auS folgenden Gründen für berechtigt angesehen. Die Beklagte konnte den Ver- trag tvegen arglistiger Täuschung anfechten. Kläger mußte wissen, daß er trotz der Anmeldung beim Verband von einem Wohnort zum anderen nach den Statuten mindestens noch acht Wochen Mitglied bleibe. Gemäß§ 123 B. G. B. war Beklagte zur Anfechtung ihrer aus den Abschluß eines Arbeitsvertrags gerichteten Willens- erklärung berechtigt. Die Entscheidung ist falsch. Denn sie übersieht, daß Verein- barungen einer bestimmten Organisation anzugehören, nichtig sind, weil sie, wie bei Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuches von den Regierungen und den Vertretern aller Parteien in der Kom- miffwn und im Plenum anerkannt wurde,„zweifellos" gegen die guten Sitten verstoßen. Bedauerlich, daß ein Gewerbegericht eine solche das Koalitionsrecht schwer verletzende Entscheidung ge troffen hat.___ Ter Leipziger Acrzteverband gegen die guten Sitten. DaS Reichsgericht hat am Donnerstag abermals anerkannt, daß die Handlungsweise deS Verbandes der Aerzte Deutschlands gegen die guten Sitten verstößt Der Arzt Dr. S. gehörte zu den Aerzten, die bei dem Leipziger Acrztestrcik von dem Verband der Aerzte Deutschlands unterstützt und begünstigt wurden, damit die Krankenkassen unterliegen. Der Verband der Aerzte Deutschlands zahlte an Dr. S. 6000 M. und übernahm alle seine Schulden bis zum Betrage von 75 Proz. Dafür verpflichtete sich Dr. S. vertraglich und durch Ehrenwort: während der nächsten zehn Jahre(1904— 1914) weder bei der OrtS- krankenkasse in Leipzig zu praktizieren, noch sonst an einem an- deren vom Vorstande des Verbandes nicht genehmigten Orte sich al» Arzt oder Kassenarzt niederzulassen. Dr. S. versuchte alsdann in mehreren ihm ferigestelltcn Orten, so in Oberschlesien, Ost- Preußen und Westpreußen, in Brandenburg und anderen Landes- teilen, eine neue Praxis als Arzt zu gründen, jedoch ohne Erfolg. Endlich ließ er sich in Bocholt(Westfalen) ohne Zustimmung des Verbandes als Kassenarzt nieder. Der Verband der Aerzte Teutschlands klagte nunmehr gegen S. auf Unterlassung oder Rückzahlung von 5999 M. Das Landgericht Münster i. W. und OberlandeSgrricht Hamm wiesen den Verband mit seiner Klage ab. Das Oberlandesgericht führt in seinen Entscheidungsgründen aus, daß der Bertrag gegen die guten Sitten verstoße und wegen Beschränkung in der gesetz- lichen Freizügigkeit nichtig sei. Sowohl der Kläger wie der Be- klagte haben unsittlich gehandelt. Infolgedessen erachtet auch das Oberlandesgericht die Forderung der Rückzahlung von 5999 M. für unzulässig. Das Reichsgericht hat das Urteil de» OberlandcSgerichtS be- stättgt und die Revision deS klagende» Aerzteverbande? zurück- gewiesen. der Frauenbewegung. Die Sozialdemokratie zerstört die Familie! So ruft der blöde Spießer und die Tintenkulis des sattsam bekannten Reichsverbandes posaunen diese Phrasen in alle Welt hinaus. Auch in einem von diesen„politischen Kannegießern" erst kürzlich verbreiteten Wahlflugblatt heißt es:„Die Sozialdemo- kratie raubr den Frauen die Männer, den Kindern die Väter, deutsche Frauen ruft Eure Gatten zu ihrer Pflicht zurück." Soll man dieses alberne Geschwätz ernst nehmen?— Nein, denn der Arbeiter weiß zur Genüge, wer mit rauher Hand das Familien- glück zerstört, den Mann von der Frau, die Eltern von den Kin- dern trennt. Die kapitalistische Gesellschaft ist eS, die in ihrem Prositinteresse alles rücksichtslos zugrunde richtet. Die„Leipziger VolkSzeitung" bringt ein neues Beispiel dafür. Wir lesen dort: „In der Leipziger Lampenfabrik von Hugo Schneider, A�G. in Paunsdorf, war nahezu fünf Jahre lang die Arbeiterin I. beschäftigt. Sie verehelichte sich voriges Jahr, arbeitete aber trotzdem in der Fabrik weiter. Am 5. August v. I. schied sie jedoch wegen ihrer bevorstehenden Niederkunft aus dem Arbeitsverhältnis aus. Am 23. Oktober wurde sie entbunden, sie hatte also bis zum letzten Augenblick der Aktiengesellschaft Profit geschafft. Nun besteht bei der Leipziger Lampensabrik eine der bekannten.. W o h l fa h r t s"cinrichtungen, eine Sparkasse für die Arbeiter, die von der Aktiengesellschaft ausgehalten wird. Die Firma zahlt nach ihrer Sparkassenordnung nach Ablauf des ersten ArbeitSiahreS 20 M., nach dem zweiten bis vollendeten fünften Jahre jährlich 10 M., vom sechsten bis zehnten Jahre jährlich 15 M., vom elften bis fünfzehnten Jahre 20 M-, vom sechzehnten bis fünfundzwanzigsten Jahre 25 M. Nach 25 Jahren hat also das beglückte Ausbeutungsobjekt der Firma Hugo Schneider 485 M. eingezahlt erhalten, das macht im Jahresdurchschnitt 19,40 M., auf die Woche berechnet 37,3 Pfennig und auf den Tag 6,2 Pfennig. Diese Sparkassensummc soll nach§ 3 der Schneider- schen Sparkassenordnung für den betreffenden Arbeiter oder die Arbeiterin„einen Notpfennig" bilden. Wer da aber meint, daß die also Bedachten über dir Summe auch verfügen können, der irrt sich, denn da heißt es im§ 3 weiter, daß jederzeit bis zur Hälfte der Einzahlungen dann erhoben werden dürfen, wenn der Be- triebsleitung das Bedürfnis hierfür glaubhaft nachgewiesen wird! — Erst wenn ein Arbeiter oder eine Arbeiterin fünf Jahre im Betrieb« ist, kann sie die Hälfte des eingezahlten Geldes ohne besondere Genehmigung erheben, mutz aber die Betriebs- leitung einen Monat vorher von dieser Absicht in Kenntnis setzen. Erst nach 10 Jahren, wenn also 135 M. eingezahlt worden sind, kann über das Buch„unbeschränkt verfiigt"werden. Die Arbeiterin I.. die, wie gesagt, nabezu fünf Jahre lang Firma in Anspruch nehmen zu dürfen und ersuchte Ende Oktober die Betriebsleitung um Auszahlung des SpargeldeZ. Darauf wurde sie in die Fabrik bestellt, wo sie die„Aufsichtsdame" Frl. Hunger empfing. Diese Dame legte ihr die Frage vor, warum sie das Geld haben wolle. Die Arbeiterin I., jetzige Frau Z., er- klärte ihr. daß sie eS nach ihrer Entbindung zur Ernährung ihres Kindes gebrauchen wolle, und Frau Z. war der Meinung, daß damit entsprechend dem 8 3 der Sparkassenordnung das Bedürfnis glaubhaft nachgewiesen sei. Da hatte sie aber die Rechnung ohne die Firma gemacht, der natürlich an der Aus-- zahluug des Spargeldes weniger gelegen ist als an der Hoffnung der Arbeiter und Arbeiterinnen auf die Sparsumme. Die Firma wollte nichts verschenken, sie wollte im Gegenteil die Ar- beitskrast der jungen Frau zur weiteren Ausbeutung wieder haben, Erau Z. sollte wieder in die kapitalistische Fron zurück und ihr ind fremden Leuten überlassen. Statt des er- hofften Spargeldes erhielt sie zur Antwort:„ES sind so viele Frauen, die ihre Kinder weggeben und auf Arbeit gehen. Sie könnten das auch so machen. Mir haben hier viele Frauen, die das tun!"— Als Frau Z. sich jedoch weigerte, ihr Kind um des Profits der Firma willen verkümmern zu lassen, da versagte die WohlfahrtS- gesinnung der Firma: Frau Z. hatte wohl fünf Jahre P rostige schafft, sie erhieltaberkeinen Pfennig, alz sie ihrer Muttcrpslicht genügen und ihr Kind s e l b st erziehen wollte. Das ist der Segen der famosen Wohlfahrtseinrichtungen, die das Kapital zu seiner eigenen Wohlfahrt schuf; das ist die viel- gerühmte soziale Gesinnung des Kapitals, das das jüngste Kind nicht schont, wenn es sein Profit erheischt. Da mühen sich die Gemeinden, die Säuglingssterblichkeit einzuschränken, indem sie Stillprämien an Mütter gewähren, da erkennen selbst bürgerliche Kreise die unbedingte Notwendigkeit de» Mutterschutzes an und verlangen ebenfalls wie die Sozialdemokratie weitgehenden gesetz- lichen Mutterschub— machts nichts, Profit ist die bewegende Kraft der bürgerlichen Gesellschaft, mögen darüber Tausende und Abertausende— Proletarierkinder zugrunde gehen. Die Kinder der Bourgeoisie sind ja vor solchen Schicksalen bewahrt, ihre Mütter müssen nicht in die kapitalistische Fron. lind was brauchts mehr?" WKß WWWWW für H. Schneider Profit geschafft hatte, glaubte nun vom Jahre 1882 ab bis»n die ncucite �eit hinein abgelehnt haben? j nach ihrer Entbindung die famose.Woh!fahrlS"elnrichtung der Gerichts-Leitung. Zuhälterwesen auf der Straße. Wie die Sicherheit auf den Straßen Berlins durch die Be- schäftigung von Schutzleuten mit Dingen, die mit der Sicherheit nichts zu tun haben, gefährdet wird, wurde durch einen Fall illu- striert, der gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Schmidt die 1. Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Wegen Körper. Verletzung mittels gefährlichen Werkzeuges und einer das Leben ge- fährdeiiden Behandlung war der Zuhälter Hermann Baum ange- klagt. Wegen Anstiftung hierzu mutzte sich ferner die Prostituierte Paula Steinbrück verantworten.— In der Nacht zum 12. Februar vorigen Jahres ging der Arbeiter Draheim mit seiner Ehefrau in Begleituna eines anderen�Ehepaares durch die Wittstocker Straße. An der Ecke der Rostocker Straße wurden die beiden vorausgehenden Männer von drei Prostituierten angesprochen, unter denen sich die jetzig« Mitangeklagt« Steinbrück befand. Als sich die beiden Männer ablehnend verhielten, wurden nicht nur sie. sondern auch die nach, folgenden Ehefrauen von den drei Frauenzimmern in der gemein- sten Weise beschimpft. Als Draheim drohte, die Polizei zu Hilfe zu rufen, lief die Steinbrück nach einer viS-4-viS befindlichen Ka- schemme, die scheinbar geschlossen war, und klopfte dort an die Jalousie. Im nächsten Augenblick stürzten etwa zehn Kerle, dar- unter der jetzige Angeklagte Baum, aus dem Hausflur heraus und fielen über Draheim und seinen Begleiter her. Draheim wurde zu Boden geschlagen, und anscheinend mit Schlagringen in der ent- setzlichsten-Weise zugerichtet. Trotz der Hilferufe der Frauen war kein Schutzmann z» schen. Erst als Draheim halbtot geschlagen war, ließen die Angreifer, die sich aus Zuhältern uni Verbrechern schlimmster Sorte zusammensetzten, auf den Zuruf der Steinbrück: „Otto, nun laß man sein, der hat genug!" von D. ab, um dann wieder in jener Kaschemme zu verschwinden. Vor Gericht bestritt der Angeklagte Baum, überhaupt geschlagen zu haben. Die Beweisaufnahme ergab jedoch, daß er der Haupt- angreifer gewesen war.— Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die außerordentliche Roheit der Tat dem Antrage des Staatsanwalts gemäß gegen Baum auf 9 Monate und gegen die Steinbrück auf 6 Monate Gefängnis.__ Ein gefährlicher internationaler Die», dessen Persönlichkeit noch in ein völliges Dunkel gehüllt ist, mußte sich in der Person des angeblichen Schneider» Abraham Cohn vor der 2. Strafkammer des Landgerichts III verantworten.— Der Angeklagte war am 27. April vorigen Jahres an der Endhaltestelle der Straßenbahn in Tegel von einem Polizeibeamten beobachtet worden, wie er inmitten de» starken SonntagSverkehrS einem vor ihm stehenden Herrn das Portemonnaie au» der Tasche zog. Er wurde verhaftet und nannte sich auf der Polizeiwache Papura Ezapsel aus Warschau. Unter diesem Namen wurde er von dem Schöffengericht wegen Diebstahls zu 3 Monaten Gefängnis vcrur- teilt. Gegen dieses Urteil legte er wie auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Inzwischen ergab e» sich, daß der Angeklagte, der vor dem Schöffengericht behauptet hatte, ein unbestrafter Mann zu sein, ein vielfach vorbestrafter internationaler Taschendieb war. Durch den Erkennungsdienst der Berliner Kriminalpolizei wurde festgestellt, daß der angebliche Ezapsel mit einem Manne identisch war. der in London unter dem Namen Schlaume Laron und in Paris unter dem Namen Moritz Herrmann wegen Tafchendiebstohl» mehrfach verurteilt worden war. Die weiteren Ermittelungen er- gaben, daß der angebliche Ezapsel auch schon in Wien und Warschau unter dem Namen Jaitel Mandclbaum und Isidor Chaumel be- straft worden ist. In dem Untersuchungsgefängnis wurde dem An- geklagten dann von einem Rabbiner ins Gewissen geredet, endlich seinen richtigen Namen anzugeben. Er erklärte hierauf. Abraham Cohn zu heißen und au» Warschau zu stammen. Auf die Be. rufungen hin mußte sich der nun zum Cohn gewordene Ezapsel vor der Strafkammer verantworten, die ihn unter Aufhebung des ersten Urteils jetzt zu drei Jahren Gefängnis verurteilt«. Außerdem wurde gegen ihn noch Anklage wegen intellektneller Urkunden- fälschung erhoben, da er sich unter falschem Namen hatte verurteilen lassen. Trotzdem noch erhebliche Zweifel daran bestehen, ob der Name„Cohn" der wirklich richtige ist, verurteilte ihn die Straf- kammer wegen intellektueller Urkundenfälschung zu einer Zusatz. strafe von einem Monat Gefängnis. DaS Trommelfell gesprengt. Vom Landgerichte Kiel ist am 5. Oktober v. I. der Lehrer Wil- Helm Kummereinckc wegen fahrlässiger Körperverletzung zu ganzen 19 M. Geldstrafe verurteeilt worden. Er ist Lehrer an der Mittel. schule in Rendsburg und erteilt den Unterricht in der Physik. Am 13. Februar 1911 hatte der Knabe H. nicht aufgepatzt und konnte die Frage des Lehrers nicht wiederholen. Dieser zog ihm am Ohr und schlug ihn mit der Hand leicht an den Kopf. Er trat dann seitwärts an den Knaben heran, zog ihn mit der linken Hand am linken Ohr und gab ihm mit der rechten Hand eine Ohrfeige, lvobei er das rechte Ohr so unglücklich traf, daß da» Trommelfell platzte. Eine vorsätzliche Körperverletzung hat er nach Ansicht des Gerichts nicht beabsichtigt, aber er hat fahrlässigerweise sein Züchtigungs- recht überschritten, da er die Folgen seiner Handlungsweise nicht erwogen hat Die gegen das milde Urteil dom Lehrer eingelegte Revision wurde am Donnerstag vom Reichsgerichte verworsea. "K A G 1!! 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