Nr. 7. BbcnnemcntS'Bcdlngungcn: «bonncmentS- Preis Jjr&iumertmbo: Vierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei inS HauS. Einzelne Nimmicr S Pfg. SonniagS- nnnuner mit illuftriener SomilagS- Benage»Die Nene Weit" 10 Pfa. Pojt- VIbonnematt: 1,10 Mark pro Monat. Eutgctragen in die Post- Zcitunas- Prei-Iiftc. Unter Kreuzband für Teutschland mid Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien, Dänemark, Rolland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. crlchtl!» fjizllch zuliek llloblägi. Verlinev Volksbloltt- Me snlertions-Lediihi' betrügt für die fechsgefpaltene Koloiiek- geile oder deren biaum 00 Psg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Vcrsaminlungs-Anzeigeir, 30 Pfg, „Xleine sZnrcigcn", das fcugcdrulkte Wort 20 Psg, fzulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstelleuan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Worts Pfg, Worte über ISLuch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserats für die nächste Nunnner müssen bis t> Uhr nachmitlags in der Expedition lthgegeben werden. Die Exveoitioi, ist bis 7 Uhr abends gcöffiiel, Telegramm- Adresse: „S»isIiU!n»>lki>s Rtriitt", Zentralorgan der rozialdeniokratifcben Partei Deutfcblands. Rcdahtloii: 8Al. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Expedition: 8Al. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1381. Die Regierimg als Maldhelferin des De«tr«Ms Terrorismus gegen die Beamten nnd Staatsarbeiter! Mit allen Mitteln der Gewalt sucht das Zentrum seine wankenden Wählerscharcn an sich zu fesseln. Vor allein sind es die Beamten und die Arbeiter, die ihm Sorge machen, Sie sind es ja vor allem, denen die Politik der Wucherzöllc und der Steucrplündernng die Augen geöffnet hat. Längst vergangen sind die Zeiten, wo das Zentrum für die sozial- politischen Interessen der Arbeiter nnd Angestellten etwas übrig gehabt hat. Seitdem es sich bei der Finanzreform den Konservativen ans Gedeih und Verderb verbündet hat und entschlossen ist, agrarische und großkapitalistische Politik zu machen, um nüt deu Junkern zusammen Deutschland politisch zu beherrschen und zu knechten, seitdem hat daS Zentrum jede Rücksicht aufgegeben. Es verzichtet darauf, anders als mit den Mitteln der brutalsten Gewalt oder der verlogensten Hetze die von ihm Betrogenen und Verratenen bei der Partei zu erhalten. Von allen Parteien führt es die p e r f i d e st e und gewalttätigste Wahlagitation, verweigert in seinen Wahlversammlungen jedem Gegner das Wort und wo es die Macht hat, reizt es offen die Bevölkerung zu den ä r g st e n Gewalttaten gegen die gegnerischen Agitatoren ans. Blutige Uebersälle auf sozialdemokratische Stimmzcttel- nnd Flugblattverteiler sind um so häufiger, je unbedingter die Herrschaft des Zentrums in einem Wahlkreise ist. Aber damit nicht genug. Das Zentrum verlangt immer offener, daß das gleiche Recht für die Staatsbürger aufgehoben, daß die gegnerischen Arbeiter- und Beamten- organisationen von der Regierung drangsaliert, daß die Staatsmacht zum Büttel seiner Wahlinteresse» werde. In Bayern hat das Zentrum offen den Staatsarbeitern und Beamten das Koa- litiousrccht rauben wollen. Es hat von der Regierung die A u f l ö s u n g des Süd' deutschen Eisen bah narbeiter Verbandes verlangt. Weil selbst die bayerische Regierung, die wahrhaftig nichts weniger als revolutionär gesinnt ist, doch davon zurück- geschreckt ist. den StaatSangestellten ihr ivichtiges staatsbürgerliches Recht> auf Geheiß des Zentrums zu rauben, haben die, bayerischen Klerikalen den Landtag gesprengt und seine Ans- lösung erzwungen. Tie Feindschaft gegen das Koalitionsrccht der von ihm unabhängigen Staatsarbeitcr und Beamten ist zum Angelpunkt der Politik des Zentrums geworden. Dem aufmerksamen Beobachter der Zentrumspolitik kommt das Verhalten nicht über- raschend. Von Ansang an dienten die„christlichen" Arbeiter- und Angestelltenorganisationen ja nur dem Zivccke, die A r b e i t c r k l a s s e zu spalten, sie über ihre Interessen zu täuschen und sie in den Dienst der klerikalen Zwecke zu pressen. Trotzdem blieben sie der streilg kirchlichen Richtung verhaßt. Diese verlangt die völlige Unterordnung aller Zentrumsorganisationcn unter das unmittelbare Gebot des Vatikans nnd der Bischöfe. Nach den Wahlen wird auch den ch r i st l i ch 0 11 Gewerkschaften das Totcnglöcklein läuten. Damit aber hört jedes Interesse der Klerikalen an dem Fortbestand des Koalitionsrcchts ans. Mit den Junkern und den nationallibcralen Groß- kapitalisten zusammen wird das Zentrum znm gefährlichsten Feind aller««abhängigen und freien wirtschaftlichen Organisationen. Run kommt aus Elberfeld eine Nachricht, die sagt, daß auch das preußische Zentrum sein Heil von der H i l f e der Regierung envartet, daß es von der Rc- gieruug fordert, sie müsse ihre Macht aufbieten, um die von ihr abhängigen Arbeiter und Beamten in die Gefolgschaft des Zentrums zu zwingen. Und die starke preußische Regierung zögert im Unterschied von der bayerischen nicht einen Moment, den Befehl der Klerikalen zu erfüllen. Der dentsche Reichskanzler wird zu«i Wahlagent des Zentrums. Er versucht den Staatsarbeitern und Beamten die Freiheit ihrer Stimmabgabe zu nehmen und sie zum Stimnivich für den verhaßten blau-schwarzcn Block zu degradieren. Und ch r i st l i ch e Arbeiter, vom Zentrum genasführte und fanatisierte Staatsarbeitcr sind es, deren Wortführer sich der Anstiftung der Tat schnldig gemacht haben. Tic preußische und die Reichsverwaltnng wenden sich mit einem Flugblatt und einem Aufruf, der in der Presse, durch Handzettel und an den Anschlagsäulen verbreitet werden soll, natürlich auch in den Betrieben und Werkstätten selbst, an Beamte und Arbeiter. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut: Aufruf! An dir Beamten des Reiches und der Bundesstaate», sowie an die Arbeiterschaft in Reichs- und Staatsbetrieben. Der 12. Januar ruft auch die Beamten und Arbeiter des Reiches und der Blliidesstaäten zllr Wahlurne. Als freie Männer sollen sie daS vornehmste Recht deS Staatsbürgers, das Aahlrecht ausüben. Gebunden nur durch Pflicht und Gewissen, geleitet nnr durch gereiften politischen Sinn. Daraus ergibt sich für den Beamten ohne weiteres seine Stellung. Sein Diensteid wehrt ihm schlechthin die Wahl eines Gegners der bestehenden Stantsordiiung. Man lasse sich durch Spiegelfechtereien nicht irre führen. Eid bleibt Eid! Und Eidbruch bleibt Eidbruch! Wer den Diensteid geschworen hat, kau» also, solange er im Amte ist, einen Sozialdemokraten nicht wählen.... Darum auf zur Wahll Jeder wähle, aber kein Beamter oder Staatsarbeiter stimme für einen Sozialdemokraten. Heber die Entstehungsgeschichte dieses Aufrufes kann unser Elberfeldcr Partei- blatt folgende interessante Aufschlüsse geben, aus denen auch klar hervorgeht, in welcher Weise die U n t e r s ch r i f t e il für diesen Aufruf erpreßt worden sind. Herr Gutsche, Vorsitzender des christlichen Eisenbahnarbeiterverbandes in Elberfeld, hat sich niit den anderen Ehristen zusanimen in persönlicher Audienz an Herrn von Bcthmailn Staatsarbeiter und Peamte, ein Feiger, der vor dem Hollwcg gewendet, um ihn anzuflehen, doch in letzter Stunde einen Schlag gegen die Sozial- demokratie zu führen! Bethmann Hollwcg hat sofort die Anregung an den Ministerial- dircktor a. D. I u st, den Vorsitzenden eines staatserhaltcndcn Vcamtenvereins, lveitcrgcgebcn, der sofort durch Depeschen ei ne Anzahl von Vorsitzenden und A u s s ch u ß ni i t- gliedern„staatserhaltender" Verbände nach dem Architektcnhaus in Berlin zu- sammengetrommelt hat. Dort wurden die Erschienenen, die aus allen Teilen des Reiches znsammcngekonimen waren, von Herrn Just mit allen Mittel» dahin bearbeitet, doch den Aufruf zu unterzeichne». Begreiflicherweise fanden eine ganze Anzahl der Anwesenden, daß es eine eigenartige Zumutung sei. einen solchen Aufruf zu unterzeichnen, da sie doch von ihren Organ i- sationen keinerlei Mandat dazu besäßen. Von verschiedenen Seiten wurde betont, daß ihre Organisationen laut Statut einen rein wirtschaftlichen Charakter trügen und sich von jeder politischen Betätigung fern zu halten hätten. Das half nichts! Der Handlanger des Herrn von Bethmann Hollweg, Herr Just, erklärte immer wieder pharisäisch, daß es sich ja um keine parteipolitische Aktion handle. Der Aufruf solle ja lvcder für noch gegen eine Partei eintreten. Die Sozialdemokratie sei keine Partei, sondern nur eine staatsgcfährlichc Rotte(so ähnlich!), für die kein Beamter oder Staatsarbeitcr eintreten dürfe. Das verbiete ihnen schon der D i c n st c i d. Vergebens wnrde cingelvendet, daß die Staatsarbeitcr doch gar keinen Diensteid geleistet hätten. Ihnen wurde geantwortet, daß für die Staatsarbeitcr das Wort gelte: Wes Brotich esse, des Lied ich singe! Vergebens>var auch der Hiinvcis eines Beamten darauf, daß doch die b a y e- r i s ch e Regierung nicht gegen die Sozialdemokratie, sondern gegen das Z e n t r 11 m vorgegangen sei. Manche Gesetze seien doch nux mit Hilfe der s 0 z i a l d e m 0 k r a- tischen Stimme n zustande gekommen, und namentlich bei Beamten- und Staatsarbeitcr- fragen seien doch gerade die Stimmen der Sozialdemokraten nötig gewesen» um etwas für die Beamten Ersprießliches auf gesetzgeberischem Wege durchzusetzen. Auch könne man eS verstehen,'wenn ein Beamter gerade aus Liebe und Sorge für seine Familie nnd deren Wohl- ergehe» sozialdemokratisch wählen zu müssen glaube. Half alles nichts! Die Ver- sammelten, denen die Pistole auf die Brust gesetzt wurde, mußten unterzeichnen. So kam aus dem Wege der Erpressung, aus Furcht vor einer Maßregelung der Aufruf mit sciiien Unter- schrfften zustande! Besonders legten sich die lieben Christen, in erster Linie der brave Gutsche ans Elberfeld, für die staatsretterische Aktion ins Zeug. Herr Gutsche brachte die tollsten Dinge vor, um die Vatcrlandsvcrrätcrci der Sozialdemokratie darzutun. In Kiel sei Sabotage an Kriegsschiffen geübt worden. Man werde beim etwaigen Kriege durch Entfernen von Schrauben und Maschinenteilen die Kriegsfahrzeuge unbrauchbar machen. Ein wackerer Beamtenvertretcr aus Wilhelmshaven sekundierte eifrig den wahrheitsliebenden Christen. Ob die diversen Dutzend anwesender Lcrbaudsvcrtrcter diesen Blödsinn glaubten oder nicht— sie fürchteten die drastische Argumentation der Maßregelung und unterschrieben schließlich zähneknirschend. Das ist die Aktion, durch die die Unterbeamten und Staatsarbeitcr unter der Fiktion einer Kundgebung der Organisation für die Ordnungspartcicn zur Wahlurne getrieben werden sollen! Was die Regierung da auf Befehl des Zentrunis verübt hat, ist ein Attentat gegen die Verfassung, ein Attentat gegen das freie Wahlrecht der Beamten und Staatsarbeitcr, das durch die Verfassung garantiert ist. Es ist eine nichtswürdige Lüge, daß der Beamte dem Staate niit seiner Arbeitskraft zugleich seine Gesinnung, sein wichtigstes Staats- bürgcrrccht verkauft habe. Nein, der Beamte und Staatsarbeitcr ist kein Staatsbürger zweiter Klasse, er hat dasselbe Recht auf die Freiheit seiner Stimmabgabe wie jeder andere deutsche Bürger. Es ist nicht wahr, daß der Diensteid ihm in der Betätigung seines Politischen Gesinnung Schranken auferlegt. Jeder Sozialdemokrat ist der Ucbcrzeugung, daß seine Partei nichts will als das Gemeinwohl, als das wahre Interesse des deutschen Volkes, das nur durch den Sieg der Arbeiterklasse, durch die Eroberung der Staatsmacht durch das arbeitende Volk zur völligen Durchsetzung kommen kann. Es ist nicht wahr, daß der Beamte und Staatsangestcllte ein Knecht des Herrn v. Bethmann oder seiner Auftraggeber, der Junker und Pfaffen ist. Er ist ein Diener des deutschen Volkes und kein Diensteid kann ihn hindern, nach seiner Ucberzeugung sein politisches Recht auszuüben und für die Partei zu stimmen, die weitaus die größte Partei, die wahrhafte Vvlkspartei ist, für die Partei, die rücksichtslos die Interessen der Arbeiter und Angestellten gegen das Kapital wie gegen die Staatsmacht stets vertreten hat. Die Dicnstbcflissenhcit des Reichskanzlers wird der Sozialdemokratie natürlich nicht schaden. Das Zentrum aber und die anderen bürgerlichen Parteien, die dem Beamten und dem Staatsarbeitcr sein freleS Stimmrecht nehmen wollen, die stehen jetzt am Pranger. Der Terrorisnius. den die Mächtigen über die wirtschaftlich und politisch Ab- hängigen ausüben, ist stets eine Gemeinheit. In diesem Falle aber ist er außerdem noch eine Dummheit. Denn das Wahlrecht ist zum Glück geheim und die Waffe, die Herr v. Bethmann so dräuend schwingt, ist stumpf. So dürfen wir hoffen, daß auch dieser Streich auf seine Urheber zurückfallen ivird Der 12. Januar wird die Beamten und Staatsarbeitcr massenhaft an die Urne eilen sehen.' Verstehen sie ihre Interessen, so ist uns um das Nesultat nicht bange. Terrorisums zurückweicht: Stiwmt sozialdemokratisch! Beamte und Staatsarbeiter! Haltet Abrechnung! Der jämmerliche Akt des TcrrorismuS, durch den die Beainten und Stantsardeitcr den dürgerlichcn Purteien zu- getrieben werden sollen, wird an der Einsicht dieser Schichten scheitern, die bei der geheimen Abstimmung am 12. Januar und am Stichwahltage beweisen werden, daß sie sich nicht gleich Rekruten kommandieren lassen, sondern als denkende Menschen und freie Staatsbürger nach ihrer besten ttcbcrzengung wählen! Nun gerade! werden sich Untcrbeamte und Staatsarbeitcr sagen, die man so dreist leithammcln zu können glaubt. Wie jeder Beamte und Staatsarbeitcr stiinmen muß, der seine Augen nicht geflissentlich verschließt und ein Herz für seine Familie hat,.das mögen folgende Tatsache» beweisen. Durch das kolossale Anschwellen der indirekten Steuerlasten, durch die künstliche Berteuerung von Brot, Fleisch,� Bier, Kaffee usw. usw.>var eS den Unterbeamten und Staats- arbeitern bei ihren kargen Gehältern und Löhnen immer schwerer geworden, eine auch nur halbwegs menschenwürdige Existenz zu führen. Selbst nach den Zahlen, die vom RcgiernngStische zm gestanden wurden, hatte sich seit einem Jahrzehnt die Lebens Haltung uni 20 Prozent verteuert. Da war es höchste Zeit, daß die Beamten, die man bis dahin mit TencrnngSzulagen abgespeist hatte, eine entsprechende Aufbesserung ihres Gehalts erfuhren. Das sollte im Jahre 1909, bei der Beamtenbcsoldungsrcform geschehen. Wie stellten sich nun bei dieser Besoldungsreform die bürgerlichen Parteien: Konservative, Zentrum, National liberale und Freisinn? Zunächst wurde die Beamtenbcsoldungsreform im prenßi scheu Abgcordnetenhause in. Angriff genommen. Von den Be schlttssen des Abgeordnetenhauses hing alles ab, denn es war ganz selbstverständlich, daß die preußische Regelung der Beanitengehälter auch für das Reich vorbildlich sein werde! Als die Preußische BesoldungsordnuNg dem Abgeordneten- Hanse vorgelegt wurde, war es der Vertreter der Sozialdemokratie, der bereits in der ersten Beratung in der eindringlichsten Weise die von der Regierung vorgeschlagenen Gehaltssätze untersuchte und die schärfste Kritik an der Unzulänglichkeit der für die unteren und mittleren Beamten vorgeschlagenen Ge hältcr übte. Er forderte, daß das Mindestgehalt nicht unter lÄvv M. betragen dürfe. Er wies darauf hin, daß doch auch den preußischen Ministcrn eine 36 proz. Teuerungszulage in �Gestalt einer Repräscntationszulage von 14 000 M. gc währt worden sei, und daß deshalb vor allen Dingen auch die Gehälter der unteren Beamten ganz entschieden aufgebessert werden müßten. Die erforderliche Summe müsse ausgebracht werden, und sie könnte aufgebracht werden, da ja leicht die höheren Einkommen und Vermögen schärfer zur Einkommens� und Ergänzungssteucr herangezogen werden könnten. Mit demselben Nachdruck wie hier der Vertreter der sozialdcniokratischen Fraktion sich der Interessen der Beaniten annahm, ging die Sozialdemokratie auch in der Kommission vor. Aber alle Kritik der sozialdemo- kratischen Vertreter blieb rcsultatlos. Samt lichc bürgerlichen Parteien, der Jyrcisinil mit eingeschloffen, einigten sich auf die Beschlüsse der Kommission. Alle diese bürgerlichen Abgeordneten erklärten, daß man ja gerne den Unterbeamten eine höhere Gehaltszulage gewährt hätte, daß jedoch nicht die nötigen Mittel vorhanden seien, um den Wünschen der Unterbeamten zu willfahren. Diese Ausrede war ebenso wohlfeil wie faden- s ch c i n i g. Denn selbst wenn man keine höheren Steuern für die großen Einkommen nnd Vermögen hätte einführen wollen, so hätte innerhalb der Beamtcubesoldung genug gespart werden können, was für die notleidenden Vcamtcnschichten hätte verwendet werden können. So hätte mau einfach die völlig unnütze Ausgabe für die sieben Sega tioussckretäre, die beim päpstlichen Stuhl, in München, Dresden, Karlsruhe, Haniburg, Stuttgart und Oldenburg bc schaulich ihre Sinekuren verzehren, streichen können. Der Legations�ekretär für Oldenburg erhält 24000 M., die in Dresden, Karlsruhe. Hamburg und Stuttgart je 30000 M., der in München 46 200 M. und der beim päpstlichen Stuhl einschl. des Mictszuschufses gar 75 000 M. Hätte nian diese absolut über- flüssigen Stellen einfach aufgehoben� so wären mehrere hundcrt- tansciid Mark erspart worden: desgleichen hätte man nur die Gehaltserhöhung für die Geistlichen abzulehnen brauchen, um mit einem Schlage Millionen Mark jährlich zu ersparen. Diese Summe hätte allein ausgereicht, um Ilj!; OOO Unterbeamten ihr Gehalt um weitere 400 M. aufznbcffern! Die Eiukomnien der G e i st l i ch c n jedoch, die im Durch- schnitt zwischen 3000 und 6000 M. betrugen, erhöhte man ohne weiteres um 1000 M. pro Kopf und Jahr, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, daß die schwer arbeitenden Unterbeamten eine erheblichere Gehaltszulage viel eher verdient hatten. Wobei man nicht einmal der Forde- rung der Sozialdemokraten Rechnung trug, nun wenigstens auch für die Geistlichen ein Höchstgehalt festzusetzen, wie es für jeden anderen Beamten besteht. Die üppigen Pfründen, die viele Hunderte von Geistlichen weit über das Durchschnittsgehalt hinaus zu verzehren haben, wurden vielmehr nicht u m einen einzigen Pfennig beschnitten! Auch sonst war man ja keineswegs so ängstlich bei den Zulagen, sofern es sich um höhere Beamte handelte. So wurde beispielsweise daS Endgehalt der wissenschaftlichen Lehrer von 5100 auf 7200 M. erhöht, also um 2100 M., den Oberlandes- gerichtspräsidcnten und den Ersten Staatsanwälten wurde über die Regierungsvorlage hinaus eine Zulage von 600 M. gegeben. Die Geistlichen bei den Strafanstalten, die bis dahin ein Gehalt von 2400 bis 4300 M. bezogen, erhielten künftig 3000 bis 6600 M. Sic wurden also im Endgchaltc gleich um 1800 M. � SS'/a Proz. aufgebessert. Vergebens war auch der Hinweis der Sozialdemokraten darauf, daß z. B. in Bayern die Unterbeamten beffer besoldet werden als in Preußen, dem größten Bundesstaat, daß nämlich ein Schaffner dort in 21 Jahren 37 800 M. erhalte, in Preußen in derselben Zeit nur 27150 M., also 10 650 M. weniger. Selbst unter Anrechnung des W o h- nungs- und des Kleid nngsgeldzuschusscs steht sich also ein Schaffner in Bayern immerhin noch jährlich um 200 M. besser, als ein solcher in Preußen. Ebenso ergibt eine gleiche Berechnung, daß die W c i ch c n st c l l e r in Bayern 150 M. jährlich mehr erhalten. Was es aber mit der Ausrede auf sich hat, daß die Mittel nicht aufzubringen seien— die sozialdemokratischen Forderungen hätten nicht mehr als 17 Mill. Mark Kosten mehr verursacht— geht schon daraus hervor, daß man sich auf bürgerlicher Seite wiederholt auf die Erhöhung der Er- Oer goldene Magnet. In Preußen haben nach der amtlichen Staftstik 87 Prozent— sieben Achtel der Bevölkerung ein Einkommen von höchstens 1500 Mark, die Hälfte davon sogar ein Ein- kommen von weniger als 000 Mark! Zu diesen 87 Prozent, die in unserer Zeit der Teuerung, die durch die Lebensrnittelzölle künstlich erzeugt wurde, weil die Reiche» sich vom Stcucrzahlcn drücke» wollten, bittere No leiden, gehören auch die Staatsarbeiter, gehört auch ein großer Teil der Unterbeamte«! Sie alle müssen in den drückendsten Verhältnisse» leben. damit die besitzende Klasse sich eine um so üppigere Lebens sührung leisten und ihre Rirsenvermögeu immer riesenhafter anwachsen lassen kann! In Berlin müssen T a u s e n d e und Abertausende die Obdachlosenasyle bevölkern und mit den minder w c r t i g st e n und ekelhafte st cn Abfällen ihren Hunger stillen, ivährend die Besitzende» Millionen auf Millionen häufen! Die folgende Uebersicht zeigt die Entwickclung der zehn größten Veriiiögen Berlins: Also die zehn reichsten Berliner Kapitalisten vermehrten in 13 Jahren ihr Vermögen um mehr als 100 Millionen Mark! Die Arbeiter, kleinen Gewerbetreibenden und Unterbeamten mögen also ihr Los geduldig ertragen und sich der Tatsache getrösten, daß ja doch der„Natioiialreichtum" so rapid wächst! Wer freilich will, daß von diesem Nationalrcichtum auch ür die Nichtbesitzenden etwas abfällt, der wähle am 12. Januar sozialdemokrutisch! gänzungsstcuer um 25 Proz. berief. Diese Ergänzungssteuer aber beträgt 59 Pf. für je 1000 M. Ihre Erhöhung um 25 Proz. niacht 12Vz Pf. pro 1000 M. aus, für 10000 M. 1.25 M., für 100000 M. die Riesensumme von 12,50 M.! Im Reiche, wo in erster Linie die Besitzlosen die Steuern auf- bringen müssen, bewilligt manohnc viel Federlesen Hunderte, ja Tausende von Millionen für den Militarismus, in Preußen aber konnten die armen Reichen nicht lumpige 17 Millionen Mark mehr aufbringen! So war denn durch das einmütige Zusammengehen aller bürgerlichen Parteien eine Bcsoldungsrefch-m geschaffen, die die berechtigten Forderungen gerade der schlechtbezahltcn Beaniten in keiner Weise befriedigte. Und da Preußen derart mit dem bösen Beispiel vorangegangen war, blieb auch keine Hoffnung, daß es i m R e i ch e a n d c r s k o m ni c n w ü r d e. Die Gehaltssätze für die unteren und mittleren Boamten fielen denn auch ini Reiche genau so aus wie in dem Staate mit dem elendesten aller Wahlsysteme. Freilich, als der Schacher um die Rcichsfinanzreform nicht zum Ziel zu führen schien, als es im Sommer 1909 den Anschein hatte, als ob der Reichstag der Auflösung verfallen würde, da bekanien es die bürgerlichen Abgeordneten mit der Wahlangst u tun. Deshalb beschloß die Kommission des Reichstages,' in den Sätzen für die Unterbeamten und einzelne Kategorien der mittleren Beamten, wie die Postassistcnten, über die Gehaltssätze in Preußen hinauszugehen. Man erlebte das geradezu Ividerlich groteske Schauspiel, daß die Vertreter derselben Parteien, die in Preußen erklärt hatten, den llnterbcamten könnten unter keinen Umständen höhere Zulagen gewährt werden, und zwar gerade auch mit Rücksicht auf die b c v o r st c h e n d e n Gchaltsfestsctzungen im Reiche, nunmehr in der Kommission für höhere Gehaltssätze stimmten! Als die Regierung erklärte, nian könne doch nicht im Reiche andere Gehälter beschließen, als sie- in Preußen bereits angenommen worden seien, erklärten die bürgerlichen Heuchler, Konservative, Zentrumsleute und Libc- rale, einmütig, daß sie sich durch das Vorgehen in Preußen keineswegs gebunden fühlten. Mancher Beamte niag sich durch dies elende Gaukelspiel damals- haben düpieren lassen, obgleich der„Vorwärts" dieses Vorgehen sofort als dreiste Heuchelei brandmartte und den Umfall der braven bürgerlichen Ab- geordneten voraussagte. Und was der„Vorwärts" prophezeit hatte, das traf dann auch wirklich ein! Kaum war d i e Gefahr der Reichstagsauflösung beseitigt, kaum die Reichsfinanzreform angenommen, als auch die bürgerliche Mehrheit des Reichstages schleunigst umfiel und die Beamten um die ihnen ver» sprocheuc höhere Zulage schmählich prellte! Aber die bürgerlichen Parteien— Konservative sowohl wie ZentrnrnSleute, Nationalliberalc wie Freisinnige!— trieben auch weiterhin ihr dreistes Gankelfpiel mit den Beamten! Sparsamkeit ans Kosten des HeereS der Postangestellten ist besonders im Jahre 1910 geübt worden. Neue Beamtenstellen wurden nicht geschaffen, so daß die Anstellung sich verlangsamte. Für Löhne der Post- und Telegraphen- arbeitcr wurden eineinhalb Millionen Mark weniger als im Vorjahre in den Etat gestellt. Die Folge war, daß mehrere Tausend, nämlich 10 Prozent aller Post- und Telegraphen- arbeiter entlassen wurden, und daS in einer Zeit, in der die Geschäfte noch schlecht gingen, so daß es schwer fiel, andere Arbeit zu finden. Die bürgerlichen Abgeordneten führten um dieselbe Zeit eine widerliche Komödie im Reichstage auf. Besser st ellung der Besoldungsverhält- n i s s c beantragten im Herbst 1910 in Resolutionen Konservativen. Antisemiten und Liberale Staatssekretär Kractke versicherte, die Lage der Beamten sei vortrefflich. Zwar habe die Unterlassung der Stellenvermeh- rung sowohl in der Schaffner- als auch der Landbriefträger- klaffe eine Verlangsamung der Anstellung zur Folge, aber dafür seien ein Jahr vorher die Gehälter erheblich(!) aufgebessert worden. Darauf verständigten sich die bürger» lichen Abgeordneten dahin, alle Resolutionen gleichzeitig zurückzuziehe», damit sich die Parteien bei der Agitation unter den Post- beaniten nicht Konkurrenz machen könnten. Je näher die Wahl kam, desto mehr wurde für die Post- beamten geredet. Jedoch nur für einem Teil der A s s i st e n t e n wurde eine Besserstellung gefordert. Das gab den Anstoß zu eineni wüsten Zank zwischen den Parteien in der Sitzung vom 10. März 1911, wobei sie sich illoyales Verhalten und unlauteren Wettbewerb um die Stimmen der Postbeamten vorwarfen. Genützt hat den Assistenten die bc- schlosscne Resolution nichts. Eine sozialdemokratische Resolution, in der gefordert wurde, eine Revision des BeamtenbesoldungsgesetzcS möge in der Richtung vorbereitet werden, daß den Unter- beamten eine angemessene Erhöhung ihrer unzulänglichen Bc- zügc gewährt wird, stimmten die bürgerlichen Parteien nieder! Getäuscht und genarrt hat die bürgerliche Mehrheit des Reichstags die Postbeamten! Sie haben deshalb allen Anlaß, Abrechnung zu halten für getäuschte Erwartungen und wirt- schaftliche Schädigung! Jetzt will man nun die Beamten und Staatsarbeitcr durch den famosen Aufruf ködern und einschüchtern! Aber dieser Aufruf war nichts als eine Ncberrumpclung der Vcrbandövcrtretcr! Viele von ihnen haben nur nach langem Widerspruch und voll inneren Ingrimms aus Furcht vor Maßregelung ihre Unterschrift gegeben? Man weiß ja, wie rückgraffeste Beamten- und Staats- arbeitervcrtreter brutal gemastregelt worden sind! Man weiß, daß die Regierung ein so schlechtes Gewissen hat, daß sie nicht einnial dulden wollte, daß in Beamten- und StaatSarbeiterversammlungcn sozialdemokratische Abgc- ordnete zum Worte kämen! Welche Feigheit, welche Unehrlichkeit, welcher TcrrorismnS! Aber am Wahltage versagt alle Gesinnungsschnüffelei, aller TerrorismuS, denn die Wahl ist geheim! Kein Vorgesetzter erfährt, wie der Beamte und Staats- arbeitcr abstinimt! Daruni wird jeder einsichtige Beamte und Staatsarbeitcr am 12. Januar nur die sozialdemokratischen Kandidaten ivählen! Mehrcrc Postuntcrbcamtc haben ja dem Willen Kollegen schon in einem Gedicht Ausdruck verliehen: Abrechnung. Die sonst gespottet uns'rer Not, Heut locken sie mit Zuckerbrot, Wir aber gch'u nicht auf den Leim, Denn wißt, das Wahlrecht ist geheim! Ob man uns mit der Peitsche droht, Ob man uns lockt mit Zuckerbrot— Wir kennen uus'rc Not und Oual Und srcn'u uns auf den Tag der Wahl! ihrer Des frelilnns Sorte und taten. Das EmigungSprogramm der Fortschrittlichen Bolkspartei von IVIV enthält unter anderein den PassuS: „Gerechte Berteilling der StaatSlastc» nach der Leistnngs- föhigkeit der Steuerzahler. Sparsamkeit im Staats- und Gemeinde- Haushalt" Der Wahlaufruf der Fortschrittlichen Volks- Partei vom 11. November 1911 enthält einen Abschnitt, der lautet: „Wir st eilen dem Stau deSvorteil den Staats- gedanken gegenüber. Die Gleichberechtigung bildet den Ausgangspunkt, die Wohlfahrt des Ganzen unser Ziel." So lauten die Worte des Freisinns. Wie handelte er. als es 1910 galt, einem der wohlhabendsten Männer des Deutschen Reiches Millionenzulagen zu einein Gehalt von 15,7 Millionen Mark zu gewähren? Stellen wir vorerst einniol fest, ob der, dem der Freisinn Millionen aus dem preußischen Staatssäckel bewilligte, wirklich not« leidend war. Ter Privatbesitz der königlichen Familie um- faßt 150 000 Morgen Wald, außerdem riesige Flächen an Aeckern und Wiese». Zu ihm gehören mehr als 00 Herrschaften, Ritter- guter, Pachtgüter und Vorwerke. Diese Güter verteilen sich über die Provinzen Brandenburg, Schlesien, Sachsen, Pommern, Schleswig- Holstei'n, Posen und Westpreußen. Das Ackerland dieser Besitzungen Wilhelms IL wird auf 25000 bis 27 500 Hektar geschätzt, davon werden ca. 14 000 Hektar mit Brotgetreide, das für den Verkauf gebaut wird, bestellt. Der Durchschnittsertrag für Weizen und Roggen pro Hektar Ackerland betrug im Deutschen Reiche— die Zahlen von 1900 bis 1909 zugrunde gelegt— 1,75 Tonnen. Dies mit dem Roggenzoll(50 M.)— der Weizenzoll beträgt sogar 55 M. pro Tonne— multipliziert, ergibt seit 1904 für den preußischen König und Deutschen Kaiser eine jähr- liche Mehreinnahme von nind OOOOOV M. allein durch den Wucher- zolltnris! Ter Kapitalwert der Besitzungen W i l h e l m s II., allein was de» Getreidebodenbesitz angeht, i st s o u m 17,5 Millionen Mark gestiegen!! Zu seinen Einnahmen aus den eigenen Riesenbesitzungen kommen noch die Einnahmen ans dem Kronfideikommiß, dem Krontresor und dem sonstigen Schatullgut.' Als 1910 die Zivillistenerhöhung gefordert wurde, schrieb die freikonservalive„Post": „Diese Bedenken(jetzt eine Erhöhung der Zivilliste zu ver- langen) werden noch gesteigert durch den Umstand, daß die Finanzlage Preußens im Augenblick nichts weniger als günstig ist, und man sicki aus diesem Grunde die Befriedigung mancher dring- lichen Bedürfnisse versiigen muß." Die rheinisch-westfälischeScharfmacherzeitung. die„Rh.-Westf. Ztg." schrieb ebenso deutlich als energisch:„Der Re- gierung ist eö genau so wie uns bekannt, daß das preußischeVolk heute bereits eine um Millionen größere Summe für die Krone aufbringt, als etwa das volksstärkere Oesterreich oder England oder Rußland. Die Regierung hat ferner selbst das Motiv der Sparsamkeit in allen Tonarten er- klingen lasten, damit in den nach st en Jahren nicht noch schlverere Steuerlasten dem Volke auf den Rücken gebürdet werden." Was tat der Freisinn? Bei der Erhöhung der Krondototion um eine halbe Million Taler, die iin Dezember 1807 beschlossen wurde, stimmten ganze zehn aufrechte Fortschrittsmänner dagegen! Bei der Krondotaiionserhöhnng von 1889 stimmten nur noch neun Fortschritts mannen, unter ihnen Eugen Richter, dagegen! Und 1910? Der ganze brave Freisinn hatte nichts Eiligeres zn tun, als alles zu bewilligen, was von ihm für den König von Preußen verlangt wurde! Und dies trotz der ungeheuerlichen Steuerlasten, die dem Volke schon aufgebürdet worden sind. Trotzdem derselbe Freisinn' die sozialdemokratischen Forderungen für die Unterbeamten ablehnte! Trotz aller Reden und Handlungen der Regierung gegen die vom Freisinn angeblich vertretenen Volksiuteressen! Zur ISeichslagswal)!. Oertels„HcilSgedanke". Auf einer Agrariertagung in Breslau, die öfter durch königs- treuen iesang unterbrochen wurde, erklärte Dr. Ocrtel: „Das find die alten Worte: Die Herzen in die Höhe. Ich kenne kein anderes Allheilmittel für alle Schäden der Welt, der Gegenwart und der Zukunft, als das lebendige Christentum, das den ganzen Menschen packt, das die Hände öffnet, daL die Seele uniwandelt, das den Racken reckt, wenn cs sein muß auch gegen die Mächtigen dieser Erde, das seine SegenSströme ergießt aus den Kirchen in die Höfe, in die Häuser, in die Schulen, an alle Stätten, Ivo die Obrigkeit ivaltet. Der gctoalligc Hcilsgcdanke muß wieder lebendig werden in »usercm Volksleben, in unserem Staatsleben. Sonst gibts keine Rcltiilig." Welch ein Christ! Nur leider packt im heutigen Preußen nicht das Christentum, sondern der Schutzmann, den ganzen Mcn- schen, und geöffnet hat das Christentum der Großagrarier weniger deren Hände— als unsere Taschen! Auch mit der „Scelcuuuiwandlung" ist es so eine eigene Sache; die Junker sind noch immer so habgierig und raubsüchtig» wie ihre seligen christ- lichen Vorfahren, die Raub- und Strauchriltcr. ** * Ein freisinniger Schwindel. Durch die FortschrittSprcsse geht feil Tagen eine Meldung, die jetzt auch Eingang in die..Frapksurler Zeitung" gefunden hat, wo- nach der sozialoemokratische Kandidat für den Kreis Sagan- Sprottau. Genosse Otto F r i t s ch in Sagan, in einer Vcrsamm- lung in Sprottau aufgefordert haben soll, lieber konservativ als fortschrittlich zu wählen.— Diese Behauptung ist Schwindel. Genosse Fritsch ergriff in einer konservativen Versammlung in der Diskussion das Wort und forderte ausdrücklich auf. den Konfer- vativen nicht zu wählen, fügte dann aber auch hinzu, er könne auch die Wahl des Bürgermeisters Achilles(Fortschr.) nicht emp- fehlen. Statt rosa sollten die Wähler l:''"-st, rot wählen. Tie Entstellung der Frilschschcn Rede ist von der freisinnigen Presse aufgebracht worden. Das Sprottauer Blatt„ das einen Be- richl über die Versaiunilung bringt, weiß von den angeblichen konscrvativcnsreunolichcn Acußerungeu Fritschcs kein Work. Genosse Fritsch wird in der„BrcSlauer Volkswacht" außerdem noch eine ausdrückliche Erklärung in der Sache abgeben. Januschauerliche Wahlsitten. In der Gegend zwischen Marienburg und Ebbing wird ein Flugblatt verbreitet, in dem auf sechs Seiten weiter nichts steht als— Namen! Namen von Fischern, Maurern, Be- sitzern, Arbeitern! Alle diese bitten um die Wiederwahl des agrarischen Herrschers von I a n u s ch a u. des Herrn E. v. Oldenburg. Wie die Unterschriften gesammelt werden, läßt sich leicht erraten. Dazu sind ihm die Leute gut genug! ->> Deutschland— die höchste Demokratie. Der Vorsitzend« des Bundes der Landwirte. Freiherr von Wangenheim, erklärte aus der Provinzialversammlung in Breslau: „Sehr richtig habe einst der Abg. v. Oloenburg bemerkt, die Süddeutschen konnten sich nur deswegen den Luxus ihrer demokratischen Tendenzen erlauben, weil das starke, nicht demo- lratisck)c Preußen im Falle der Gefahr die Throne ihrer Fürsten mit den Bajonetten schützen könnte. Es gäbe� eine äußerste Grenze in der Demokratisierung eines Staates, über die man nicht hinausgehen dürfe, und an dieser Grenze seien wir haarscharf angelangt. Daß süddeutsche Staaten die Sozialoemokratie für regierungsfähig hielten, sei im lzöchstcn Sinne bedenklich und widersinnig.(Leb- hafter Beifall.) Mit Tod und Teufel gegen das Volk! Im Wahlkreis Landeshut-Jauer-Bolkenhain werden die Jen- trumSwähler schon im ersten Wahlgange dem Kandidaten der Kon- scrvativcn zugeführt. Dieser konservative Kandidat ist aber ein Freimaurer. Jeder Freimaurer erscheint dem Zentrum sonst Sie Keichen werden immer reicher! Die Reichen stöhnen immer beweglicher über die Lasten, die ihnen aufgebürdet würden. Die Lasten durch die soziale Bersicherungsgesetzgebuiig sollen unerträglich sein! Und wenn im Reiche oder den Bundesstaaten direkte Steuern von den großen Einkommen, Bermögen oder Erbschaften aufgebracht werden sollen, dann jammern dieselben besitzenden Klassen, die den Aruxn schonungslos immer neue Lebcnsmittelsteuern aufpacken, gar erbarmungswürdig über diese „sozialdemokratischen Expropriationsgelüste". Dabei sind es gerade die Reichen, die Großgrundbesitzer, Schlotbarone und Finanzgewaltigen, die unaufhörlich an der Expropriation, der Enteignung der Proletarier und des kleinen Mittelstandes arbeiten! Wie die Reichen das Geschäft der Volksaussaugiing be- treiben, beweisen ja die Zahlen der amtlichen Statistik. In Preußen zeigte die Vermögensverteilung folgendes Bild: 1893 1908 Vermöge« in Millionen Zensiten mit einem Jahreseinkommen Prof. Proz. bis 8000 M...... 18 430 29, Ö 21404 24,4 Zensiten mit einem Jahreseinkommen über 30 500 M...... 15 964 24,4 29 408 32,6 Die Zahl der Zensiten mit einem Jahreseinkommen bis zu 3000 M. betrug 1908 1314 739. Diese l'.'a Million vermehrte ihr Vermögen in den 13 Jahren 1895—1908 nur um 2968 Millionen. Dagegen konnten die 24 598 Zensiten mit mehr als 30500 M. Jahrcseinkvnimcn ihr Vermögen in derselben Zeit um 4» 444 Millionen vermehren! Das ist die Ausplünderung der Massen zugunsten weniger Tausender Millionäre! Wer diese Art der„Teilerei" beseitigt sehen will, darf am 12. Januar nur Wählen 1 sozialdemokratisch als der leibhaftige Teufel. In LandcShut-Jauer aber scheut das Zentrum auch vor dessen Wahl den Junkern zu Liebe nicht zurück. ch Militsch- Trebnitz. Tic nationallibcrale Partei führt in Militsch-Trcbnitz, dem Wahlkreise des Herrn v. Hehdcbrand, den Kampf gegen den „Kleinen" von Tschunkawe mit größter Energie. Und sie hat tatsächlich mehrfach dem Generalfeldmarsthall der Konservativen empfindliche Niederlagen bereitet. So am letzten Sonnabend in Militsch. Dort war im größten Saale der Stadt von den Kon- servativcn eine Versammlung einberufen worden; in einem anderen Saale fand eine nationalliberale Versammlung statt. Die nationallibcralcn Redner forderten die 300 Wähler auf, sofort geschlossen nach dem konservativen Versammiungssaal zu gehen, sich aber aller Störungen der konservativen Versammlung zu ent- halten. Schon länger als eine Stunde vor Beginn der Hchdebrand- Versammlung war der Saal dicht gefüllt von— nationalliberalen Wählern. In heller Aufregung erschien der hiervon benachrichtigte konservakive Führer v. Salisch, um der Versammlung mitzuteilen, daß erst eine konservative geschlossene Versammlung stattfände und alle nichtkonservativen Wähler den Saal verlassen möchten. Dar- auf wurde ihm aus der Versammlung geantwortet:„Wir sind alle konservativ. Wir halten fest an— Schmidthaß." Herr v. Salisch mußte also unverrichteter Sache abziehen, und die konservative Versammlung fand nicht statt. Inzwischen waren die wenigen noch in Militsch vorhandenen konservativen Wähler und die Getreuen Hcydebrands aus der Umgegend erschienen, so daß der Saal schon vor Beginn der Versammlung wegen Uebcrfüllung polizeilich gc- schlössen werden mußte. Pünktlich erschien der König von Klein- Tschunkawe, begrüßt von wohlgezählten 50 Versammlungs- bcsuchcrn, also einem Zehntel der erschienenen Wähler. Matt und zahm begann er zu klagen, daß er schon aus der Begrüßung er- sehen habe, daß es in Militsch, der Kreisstadt, in der er über acht Jahre als Landrat tätig gewesen sei.„auch" Naiionalliberale gäbe. Seine weiteren, etwa cinstündigen Ausführungen waren so cindruckslos, daß sie selbst das kleine Wahlhäuflein seiner Getreuen nicht fortzureißen vermochten. politische Oeberficbt. Berlin, den 9. Januar 1912. Zu de» neuen preustischen Steuervorlagen Weiß die Korrespondenz Woth zu berichten, daß der fertige Gesetz- entwurf eine schärfere Heranziehung der höheren Einkommen über 8500 M. plant, und zwar eine Besteuerung von 5 Proz., statt wie bisher 4 Proz. Die Steuereinkommen unter 8500 M. werden nur insofern höher besteuert, als die bisherigen Staatssteuerzuschläge auch für die Gemeindesteuern in Zukunft erhoben werden und mit dieser Erhöhung ein neuer Steuertarif aufgestellt wird, der kleinere Staffeln als die bisherigen auflveist. Den Steuergesetzen wird eine Denkschrift beigegeben werden, in der die Regierung die Gründe auseinandersetzt, die sie veranlaßt hat, von dem Gedanken einer Ueberflußsteuer Abstand zu nehmen. Zu dem von juristischer Seite gemachten Vorschlag, zur Ver- meidung von Steuerhinterziehungen für alle Steuerpflichtigen eine Selbsteinschätzung einzuführen, sei bemerkt, daß die Zahl der Steuer- erllärungen der Zensiten mit mehr als 3000 M. Einkommen bis jetzt schon rund 700 000 beträgt und bei der Ausdehnung der Selbst- einschätzung in dem vorgeschlagenen Umfange auf mehr als 5 Millionen anwachsen würde. Eine derartige Menge von Steuererklärungen läßt sich in dem kurz bemessenen Zeitraum von Ende Januar bis Ende März nicht bearbeiten. Die Steuerbehörde steht auf dem Standpunkte, daß der § 23 des Einkommensteuergesetzes betreffs die AuStunftSpflicht der Arbeitgeber über das Einkommen der Arbeiter und Angestellten ein viel sicherer Weg ist, das steuerpflichtige Einkommen in Er- fahrung zu bringen. Jedenfalls hat sich diese Bestimmung bisher bewährt. Irgend welche Maßnahmen, dem fortgesetzten Steuer- betrug ländlicher Großgrundbesitzer vorzubeugen, enthält also der Gesetzentwurf nicht._ Zentrumswiiten. Die gestern von uns wicdergcgcbcne Meldung, daß in Neu- markt(Oberpfalz) einem sozialdemokratischen Flugblattvcrteilcr von aufgehetzten Zcntrumsmitgliedern der Schädel eingeschlagen worden sei, bestätigt sich glücklicherweise nicht. Der Mann ist zwar furchtbar mißhandelt worden, doch sind seine Verletzungen, wie es schstnt, nicht lebensgefährlich. Aus der Pfalz wird uns darüber geschrieben: „Die Aufhetzung der Landbevölkerung, wie sie mit besonderer schwarzen Agitatoren betrieben wird, hat es nunmehr so wejt gebracht, daß die sozialdemokratische Agitation geradezu so weit gebracht, daß die sozialdemokratisch« Agitation geradezu mit Lebensgefahr verbunden ist. In einem Orte bei Neumarkt i. O. wurden am Sonntag zwei sozialdemokratische Flugblattverteiler von fanatisierten Zcntrumsbauern, die mit schweren Holzprügeln be- waffnct waren, überfallen und, als sie vor der schwarzen Ueöcr- macht Fersengeld gaben, verfolgt und mit Holztrümmern bombar- diert. Am Abend verbreitete sich in Neumarkt das Gerücht, einer der beiden Sozialdemokraten sei erschlagen worden, doch stellte sich dies glücklicherweise am Montag als nicht richtig heraus. Der Betreffende ist zwar furchtbar mißhandelt worden, doch ist es ihm gelungen, den Händen der wilden Rotte zu entkommen. DaS sind die Früchte der Zcntrumsagitation. Trotzdem weiß sich die Zentrumspresse nicht genug zu entrüsten über den an- geblichen Tcrrorismus der Sozialdemokraten. Dieser Tage hat die gesamte Zentrumsprcsse sogar von einem Mordanschlag be- richtet, den Sozialdemokraten gegen den Rcichstagskandidatcn für Weiden. Dr. Pfleger, verübt haben sollen. Sie hätten, hieß es, in der Nacht, als Pfleger und feine Begleiter von einer Versamm- lungstour auf dem Lande im Automobil heimkehren wollten, schivcre Granitblöckc auf die Straße gewälzt, die Straße teilweise auf- gerissen usw. Die ganze Geschichte hat sich jetzt als Schwindel ent- hüllt. Tie behördliche Untersuchung hat ergeben, daß das Auto Dr. Pflegers eine Kurve zu kurz genommen hat und dadurch mit dem Hinterradc über die Straßcnböschung hinausgeratcn ist. Bon einem Aufreißen der Straße, von Granitblöcken keine Spur! Die Gemeinde Lcuchtenbcrg, auf deren Gebiet dieser grausige „M o r d an sch l a g" vorgekommen sein soll, will sich mit einer öffentlichen Erklärung gegen den Schwindel lvcndcn." Die„Jungfernschaft" des Herrn v. Dallwitz. Herr v. Dallwitz, Preußens berühmter Minister des Innern, hat sich wieder mal selbst korrigiert. Er hat die weise Verfügung� daß jede weibliche Verstorbene, die durch Feuer bestattet werden soll, vor der Verbrennung genau auf ihre Jungfernschaft geprüft werde, zurückgenommen. Selbstverständlich darf solche Zurück- »ahme in Preußen nicht ohne allerlei bureaukratische und wissen- schaftlichc Erwägungen, Beratungen und Gutachten erfolgen; denn wo bliebe sonst der Respekt vor der RcgicrungswciShcit. So ist denn auch vor der Zurücknahme der ministeriellen Verordnung zunächst an die Wissenschaftliche Deputation für das Medizinal- Wesen die große Frage ergangen, ob ohne Gefahr für die Sitt- lichkcit des preußischen Staates die Untersuchung der weiblichen Leichen auf ihre„Virginität"(Jungfernschaft) fortfallen könne. Die„Kreuz-Zeitung" berichtet darüber: „Am 6. Januar laufenden Jahres ist die Wissenschaftliche Deputation für das Medizinalwcscn zu einer Sitzung zusammen- getreten. In dieser Sitzung ist unter anderem auch auf Ersuchen des Ministers des Innern die Frage erörtert worden, ob ein erhebliches praktisches Bedürfnis zur Feststellung der Virginität bei einer Leichenschau zwecks Feuerbestattung vor- liegt. Die Frage ist nach eingehender Erwägung aller dafür und dagegen sprechenden Momente von der Deputation verneint tvordcn. Unter diesen Umständen hat der Minister dcS Innern die fragliche Bestimmung aufgehoben." Also geschehen im Jahre 1912 im preußischen„Kulturstaat" unter der Kanzlerschaft dcS Herrn v. Bethmann Hollweg, des Philosophen der unbegrenzten Mittelmäßigkeit. Die Volksentrechtung durch die Wahlkreiseinteilung. Die empörende Entrechtung des Volkes, wie sie sich durch die absichtliche Unterlassung der Neueinteilung der Wahl- kreise herausgebildet hat, loird soeben wieder durch eine Studie von A d. Bö ck mit wissenschaftlicher Schärfe erwiesen. Die la n d- wirtschaftlichen Wahlkreise haben nach ihrer Bevölkerung im Durchschnitt nur ein Anrecht auf 0,71 Zlbgeordneten, die ge- mischten Kreise auf 0,78 und die gewerblich. kauf» man nischen auf 1,27 Abgeordneten. Das ergibt für die 103 landwirtschaftlichen Kreise 73. für die 100 gemischten Kreise 78 und für die 194 kaufmännisch-gewerblichcn Kreise 246 Ab- geordnete! Tie gcwcrblich-kaufmännische Bevölkerung hat also 52 Vertreter zu wenig im Reichstag, die landwirtschaftliche 30 zu viel und die gemischten Kreise 22 zu viel. Und das heißt man: gleiches Wahlrecht. In Wahrheit müßte die Aufhebung dieses agrarischen Pluralwahlrcchts die erste Tat des neuen Reichstags fein. Nur die Entrechtung der Volksmehrheit ermöglicht den Zollwuchcr, die Grenzsperre und die ganze Teuerungspolitik. Um so nötiger ist es aber, auch dasiir zu sorgen, daß in den städtischen und industriellen Kreisen kein Kandidat gewählt wird, der irgendwie der Hinneigung zur Wucher- Politik verdächtig ist. Beamte, lasit Euch nicht terrorisieren! Tie Bethmann-Regierung ist da kürzlich von den Junkern angehaucht worden, daß sie noch zn wenig für die Unterstützung der blau-schwarzen Wahlagitation getan hätte. Tie Regierung beeilt sich nun, ihre Dienstbeflissenheit darzutun und verteidigt sich in der„Nordd. Allg. Ztg." folgendermaßen: In konservativen Blättern ist darüber Klage geführt worden, daß die Gtaatsregierung kein deutliches Wort der Abwehr gegen die Versuche gefunden habe, die Beamten zur Abgabe sozialdemokratischer S t i in ni z e t t e l zu verleiten. Hierbei wird übersehen, daß die Staatsregicrung im Land- und bei sonstigen Gelegenheiten der Auffassung, daß jede mit.elbarc wie unmittelbare Begünstigung der Sozialdemokratie durch einen Beamten mit seinen Pflichten und dem von ihm geleisteten Treueid unvereinbar sei. so oft und mit solcher Entschiedenheit Ausdruck gegeben hat, daß irgendwelche Zweifel hierüber in Beamtenkreiscn völlig ausgeschlossen sind. Tie Beamten s e I b st nehmen mit aller Entschiedenheit gegen solche verwerfliche Zumutungen Stellung. Tie Presse der Bc- amtenvereinc hat gegen die Versuche, die Beamten über die Be- deutung des Diensteides hinwegzutäuschen, Verwahrung eingelegt, und noch in den letzten Tagen ist von führenden Persönlichkeiten der Beamtenvereine ein Aufruf erlassen worden, der mit nicht mißzuverstehendcr Deutlichkeit darauf hinweist, was Ehre und Gewissen von dem deutschen Beamten bei den Rcichstagswahlcn fordern. Wir erzählen an anderer Stelle, durch welche terra- r i st i s ch e i t t e l Beamte gezwungen werden, Aufrufe gegen die Sozialdemokratie zu unterschreiben. Daß der Diensteid irgendwie die Freiheit der Stimmabgabe beschränke, ist eine Behauptung, die nur den verfafsungs- widrigen G e i st ihrer Urheber kennzeichnet. Tie Stimmabgabe ist geheim, damit sie gerade auch für die abhängigen Existenzen frei sei. Wer das leugnet, bc- weist nur, daß er ein Feind des Rcichstagswahlrechts, ein Volksfeind ist. Daß Herr v. B e t h m a n n zu dieser Sorte gehört, weiß man ja und die Beratung der preußischen Wahl- reform hat ihn als einen verständnislosen Hasser der Demokratie längst entlarvt. Für die B elm t e u sind aber diese untauglichen Mittel, sie zu terrorisieren, nur ein Grund mehr, ain 12. Januar ihrer U e b e r z e u g u n g frei und unerschrocken zu folgen. Badischer Stichwahltermi». Die Stichwahlen finden in Baden, wo das amtliche Resultat der Hauptwahl am 16. Januar festgestellt wird, schon am S o n u a b e n d, d e u 20. Januar, statt. Die Zweite Kammer beginnt infolgedessen ihre Arbeit wieder am 23, Januar.' Die glänzende Lage der Landarbeiter! Der Zufall hat uns einen Brief auf den Arbeitstisch fliegen lassen, der die Abhängigkeit des Landarbeiters deutlich kennzeickinet; ein Antwortschreiben auf eine Eingabe eines Landarbeiters um eine Notunterstützung an seine Gutsherrschaft. Die Antwort zeigt uns, wie diese Herrschaften die klägliche Lage ihrer Landsklaven be- urteilen und welche Ansprüche sie sich berechtigt fühlen, an diese zu stellen. Wir lassen den Brief für sich selber sprechen, haben aber, um den Armen nicht zu schädigen, seinen eigenen und den Namen seiner Gutsherrschaft fortgelassen. Der Brief lautet: 11. 11. 1911. An den Arbeiter Herrn... Zur Eingabe an die Frau Gräfin von... vom S. v. M. Nach den diesseits angestellten Erhebungen beziehen Sie nach der durch den Herrn Betriebsleiter in... bewirkten Neuregelung ihrer Einkünfte jährlich: »> für 800 Arbeitstage a 1 M......... 300 M. dj 14 Zentner Deputatkorn......... 112„ c) 40 Zentner Kartoffeln.......... 60„ d) 12 Tausend Torf oder 36 Zentner Briketts... 36„ e) freie Wohnung und Gartcnnutznng im Werte von 70„ zusammen 583 Bk. Sie sind also nicht schlechter gestellt wie vordem, vorausgesetzt, daß Sie regelmäßig zur Arbeit kommen, woS von jedem An- gestellten und Dienstmann erwartet werden muß. Zudem ist die Ihnen zugewiesene Arbeit leicht und kann zweifellos auch geleistet werden. Ihre Ehefrau ist nach dem übereinstimmenden Bericht deS Herrn Dr. A...... wie auch des Herrn BezirkSleitcrs in ........, Iven» auch in gewissem Sinne wie alle Frauen ihre? Alters leidend, so doch sehr gut imstande, leichtere Arbeiten zu verrichten, zu welchen sich auf dein GutShofe Gelegenheit bietet, und dadurch täglich auf'/2 Tag 50 Pf., für 300 Arbeitstage also 120 M. zuzuverdienen. Von einerNotlage kann somit nicht die Rede sein, und es liegt keine Veranlassung vor, eine Aenderung der Dispositionen des Herrn Betriebsleiters' in.......... herbeizuführen.� Im übrigen muß die Erwartung ausgesprochen werden, daß Sie Ihre erwachsenen Kinder anhalten, ihre Kräfte stall frenrden Herrschaften, dem Gute........ zu widmen, wo sich jederzeit Gelegenheit zu ihrer Körperbeschaffenheit und ebenso gut wie auswärts lohnender Beschäftigung für sie bietet. Generaldirektor. Die Konservativen rechnen jetzt in Flugschriften, vom Reichs- verband hergestellt, den Arbeitern vor, welche gewaltige Lasten sie tragen müßten, wenn der sozialdemokratische Zukunftsstaat ver» wirklicht würde. Schlechter als in der heutigen„besten aller Welten" wird es dem Landarbeiter sicherlich nicht gehen, wenn er als Mit- glied einer freien ländlichen Produktionsgemeinschaft zu eigenem Nutzen, nicht im Sklavcndicnst eines adeligen Großgrundbesitzers, die Scholle bearbeitet. Selbst angenommen, die obige Berechnung iväre richtig— was sind 583 M. unter den heutigen Verhältnissen für eine Familie? Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig! Ein Opfer unserer Kasernenkultur. Der Einjährig- Freiwillige Jesse von der 7. Kompagnie des Jnfanterie-Regiments Nr. 114 in K o n st a n z hat sich das Leben genommen. Was den unglücklichen jungen Mann zu der Verzweif- lungstat getrieben hat. läßt sich ans folgenden Mitteilungen der „Neuen Konstanzer Abendzeiiung" entnehme»: Der Hauptmann der Kompagnie v. Kahlenberg scheint für seine Kompagnie nicht ganz sicher zu sei», denn am 3. d. M., vor- mittags, begab er sich selbst in die Wohnung deS Einjährig- Frei- willigen und verlangte vom Wohnungsinhabcr resolut die Leffnung des_ Schreibtisches.__ Da sich Herr G. ldcr Wohnungsinhaber) Berantw. Redakteur: Albert Wachs» Berlin. Inseratenteil verantw.: weigerte und den Hauptmann aufmerksam machte, daß dies Sache des Gerichts sei, wurde er angeschrien:„Halten Sie die Schnauze, das ist die Wohnung des Einjährigen, über die i ch jetzt verfüge. Machen Sie, daß Sic hinauskommen. Das geht Sie gar nichts an." Der Wohnungseigentümcr G. bestand auf seinem Recht und erwiderte, daß er sich nicht aus seinem eigenen Zimmer weisen lasse, er wolle dabei sein, wenn jemand in seiner Wohnung hcrumkrainc. Eine solche„Respektwidrigkcit" von einem gewöhn- lichcn Sterblichen hatte der Herr Hauptmann v. Kahlenberg offenbar nicht erwartet:„Packen Sie ihn und schmeißen Sic ihn hinaus!" befahl er dem Burschen des Einjährigen. Dieser brauchte nicht grob zuzufassen, denn der Wohnungsinhaber ging nun freiwillig mit den Worten:„Ich gehe schon, aber Herr Haupt- mann, ich werde mir das nicht gefallen lassen!" Dann tat der Herr Hauptmann nochmals das, was am Tage zuvor schon ein Leutnant in Begleitung Untergebener getan hatte, er durchstöberte das Zimmer des Einjährigen. Um die Ueberfübruiig der Leicke des Einjährigen in die Heimat kümmerte sich die Militärbehörde nicht weiter. Nur etwa 40 Ein- jährig-Freiwillige benutzten ihre dienstfreien Stunden, um ihren Kameraden auf dem letzten Gange zu begleiten, weiter waren Beamte der Oberpostdireklion, die in dem Dahingeschiedenen einen treuen Berufskollegen verloren, anwesend. Der Ueberführnng ging im Hofe des Garnisonlazaretts eine kleine Leichenfeier voraus, bei der Herr Sladtbikar Duhm von den großen Härten beim Militär, denen sich nicht jeder Charakter, nicht jede selbständige Denkrichtung und Lebensanschauung unterzuordnen vermöge, sprach. Jesse sei vielleicht das Opfer unserer militärischen Einrichtung geworden, vielleicht habe menschliche Unvoll- kommenheit das Maß der unbedingt erforderlichen Härte überschritten und dem jungen Manne die Waffe in die Hand gedrückt.... Wenn schon ein Geistlicher solche Anklagen erhebt, muß die Ver- seuchung badischer Kasernen mit der Barbarei des borussischcn Militarismus schon weit vorgeschritten sein. franhmcb. Te Selves demissioniert. Paris, 9. Januar. Der Mini st er des Aeußern, de Selves, hat wegen eines Zwischenfalls in der heutigen Sitzung der Senatskommission, bei dem sich eine M e i- il u n g s v e r s ch i e d e n h e i t zwischen C a i l l a u x und de Selves herausstellte, s e i u e D e in i s s i o u gegeben. Tie Meinungsverschiedenheit erstreckte sich auf das Aus- maß der Mitteilungen über die Marokkoverhandinngen, die der Oeffentlichkeit unterbreitet werdeil sollten. Tie Ausschiffung des ehrgeizigen Mannes dürfte den Ausgang der Marokkodebatten nur günstig beeinfusfen. Unser Pariser Mitarbeiter telegraphiert uns: In der Senatskommission forderte Clemenceau Auf- klärung, ob die Verhandlung mit dein deutschen Reichstags- abgeordneten Dr. Semler wegen der Kongo— Kamerunbahn ohne Wissen Cambons geführt worden sei. d e S e I V e s verweigerte jede Aussage mit Berufung auf die ministerielle Solidarität. Clemenceau replizierte: Keine Antivort sei auch eine Antwort, de Selves verließ darauf den Saal und übergab Clemenceau seine Demission. Die Seuatswahlen. Paris, 8. Jan.(Eig. Bcr.) Wie vorauszusehen war, hat die geeinigte Partei bei den gestrigen Wahlen keinen Kandidaten dnrchgebracht. Ter ihr voil der Bourgeoispresse zugerechnete, im Departement Bouches-dn-Rhone gewählte P u g e t ist ein„Unabhängiger", der in allerhand Farben spielt. Am besten schnitten die fozia- liftischen Kandidaten in folgenden Departements ab: A liier (92 bis 130 von 826 abgegebenen Stimmen), Ardennes(138 bis 15ö von 821), Eher(138 von 696), Gard(196 von 836). Am Aveyron wurden 16 Proteststiininen für H e r v 6 ab- gegeben. Angesichts dieser Resultate sprachen manche Bour- geoisblätter von einer„Riederlage" der Partei: eine sehr törichte Behauptung, die allerdings durch den befremdend optimistischen Artikel, den die„Humanitä" noch am Wahl- morgen brachte, einen Schein von Berechtigung erhält. Im übrigen ist das Wahlergebnis so. daß man je nach seinen Wünschen einen neuen Sieg der„Republik" oder der „Reaktion" herausrechnsn kann. Es werden nämlich mit jeder Wahl inchr Regierungsschützlinge gewählt, dafür er- streckt sich aber der Schutz der Regierung inuner weiter nach rechts. Zweifellos aber ist, daß der giftige Widerstand gegen die Fordernngen des Proletariats im Senat erstarkt ist. Portugal. Die Bonrgeoisrepublik gegen die Arbeiter. Lissabon» 9. Januar. Tie Dockarbeiter und Eisenbahnangestell- ien in dem am Tajo Lissabon gegenüber gelegenen Orte Barreiro sind in den Streik getreten. Die Ausständischen hielten eine Per- sammlung ab. Tie Lokalbehörden vermochten nicht, die Vcrsamm- lung aufzulösen und verlangten telegraphisch von Lissabon Mann- schaften zur Verhaftung der Führer. Zwei der Führer wurden bei ihrer Ankunft in Lissabon verhaftet. In der Nacht zogen große Ar- bcitermassen durch die Straßen Lissabons vor das Gouvernements- gcbäudc und verlangten die Freilassung der Verhafteten. Diese wurde auch zugebilligt unter der Bedingung, dann selbst für Autorität zu sorgen. Die Dampfer werden militärisch bcloacht. Es wurden eine Reihe von Sistierungen vorgenommen. Tie Eisen- bahnstatiön von Barreiro ist von Truppen besetzt. vee Krieg. Vorbereitungen zum Vormarsch ins Innere. Rom, 9. Januar.„Tribuna" verzeichnet in einer Meldung aus Tripolis die große militärische Tätigkeit, die von den Italienern an den Tag gelegt wird. Es handelt sich um den Bau einer Schmalspurbahn von Tripolis nach Ainzara nach dem System Tecauville. Ferner sollen mehrere Brunnen in der bor Tripolis befindlichen Oase gebohrt werden. Tie Genietruppen werden ihrer- scits eine Anzahl Befestigungslverke anlegen; neue Truppen sollen eingeschifft werden. Der Sozialismus gepredigt aus Kanonenschlünden. Paris, 9. Januar.„Eclair" berichtet aus Rom: Die soziali- stischen Abgeordneten de Felice und Podrecca, welche mit den italienischen Truppen nach Tripolis abgedampft sind, haben seit einigen Tagen unter dem Schutz einer Abteilung Sol- baten eine sozialistische Propaganda, und zwar unter den Arabern in den umliegenden Ortschaften von Tripolis, unternommen. Sie haben verschiedene Meetings einberufen. Das Leitmotiv dieser An- sprachen bestand in der Gegenüberstellung der türkischen und der Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt italienischen Zivilisation, wobei die italienische als der Weg zur kollektivistischen Zivilisation bezeichnet wurde. Solcher Blödsinn wird allen Ernstes von der bürgerlichen Presse verbreitet. Selbst wenn die beiden Wirrköpfe unter dem Schutze italienischer Bajonette solche Versammlungen abhielten, so wäre damit nur bewiesen, daß sie alles andere als Sozialisten sind. Unsere Leser wissen, daß die italienische Partei und der„Avanti" mit der größten Entschiedenheit gegen den Tripoliskrirg und den Kolonialraub Stellung genommen haben, und daß sie sich für eine „sozialistische" Propaganda eines de Felice bestens bedanken. Ucber- dics hat de Felice niemals einer sozialistischen Parteiorganisation angehört und ist erst recht, ebenso wie die paar anderen pscudo- sozialistischen und tripolistollcn ParlamcntSheldcn, durch seinen Kricgskollcr vom Sozialismus abgerückt. Ter türkische Kriegsministcr über die Fricdensaussichten. Konstantinopcl, 9. Januar. In einem von„Sabah" vcröffcnt- lichten Interview erklärt der Kriegsministcr angesichts der von italienischer Seite in Umlauf gesetzten Friedcnsgerüchte, daß die Pforte keine Schritte in dieser Richtung unternommen habe. So- lange die Souveränitätsrechte des Sultans über Tripolis und Beug- hast nicht anerkannt würden, sei der Friede unmöglich. Tie Per- öffentlichung des Annexionsdekretes könnte Italien nicht hindern, auf einer anderen Grundlage zu verhandeln. Tie Lage der Türken in Benghasi bessere sich täglich. Es würde für Italien jahrelanger Arbeit bedürfen, seine Stellungen zu sichern. Sie Kevsiulion in Cyina. Der erste„Kulturstaat", der in die revolutionären Wirren in China mit brutaler Räuberfaust eingreift, ist R u ß l a n d. Länderranb und Völkerknechtung gehen im Zarenreiche Hand in Hand mit innerer Fäulnis nnd Knutenregiment. P e r s i e n seufzt jetzt unter den Nagaiken und Säbeln der Kosaken, bald wird auch die M o n g o l e i den Kreaturen des russischen Absolutismus ausgeliefert sein. Gilt es doch, das durch die japanischen Schläge zertrümmerte Prestige des Zarismus in Asien wieder herzustellen. Ter russische Im- perialismus gesellt zur Brutalität die Perfidie. Rußland annektiert die Mongolei nicht, es läßt nur großmütig zu, daß sie sich infolge der Schwächung der kaiserlichen Regierung in Peking„selbständig" macht. In Wirklichkeit hat der russische Rubel bei den führenden Persönlichkeiten und den Großen der Mongolei vorgearbeitet und die nötigen„Selbständig- keits"-Gelüste geweckt. Tie Zarenregierung wird dann in ihrer aufrichtigen Begeisterung für Völkerfreiheit sich zur Schützerin der mongolischen„Autonomie" auswerfen, seine sibirischen Bataillone einmarschieren und strategische Bahnen anlegen lassen. Das heimtückische Vorgehen Rußlands muß natürlich die nationalen Instinkte des chinesischen Volkes aufpeitschen und den alten Fremdenhaß wieder erwecken. In absehbarer Zeit wird aus den jetzigen Wirren ein neues China hervorgehen, das den Raub der Mongolei an Rußland rächen wird: die „Autonomie" der Mongolei wird schließlich mit einem blutigen Ringen zwischen China und dein Zarenreiche enden. Vorbereitungen für den Entscheidungskampf. Peking, 8. Januar.(Meldung des Rcutcrschen BurcauS.) Ter W a f f c n st i l l st a n d ist nicht erneuert worden. Die Verhandlungen mit den Revolutionären sind ans einem toten Punkt angelangt. Die Regierung in Peking hegt die Erwartung und die Hoffnung, daß sich die Revolutionäre nach Norden wenden und so Gelegenheit zu einer entscheidenden Schlacht geben werden, da sie selbst infolge des Mangels an Mitteln außerstande ist, genügend Truppen nach dem Süden zu senden, um sich den Sieg zu sichern. Die Aufständischen von Schansi und Scheust rücken vereint auf Honaufu. Eine Entsatzabtcilung der Kaiserlichen, die nach Scheust geschickt worden war, zieht sich auf Honansu zurück; jedoch kommen Verstärkungen vom Norden herbei. Tie Kauslcutc von Tientsin beklagen sich über die kaiserlichen Ossi- ziere, die unnötigerweise den Güterverkehr hemmen, so daß der Außenhandel von Tientsin gefährdet erscheint. London, 9. Januar.„Daily Telegraph" meldet auS Schanghai vom 8. Januar: Wutingfang telegraphierte an Duanschikai, daß alle telegraphischen Verhandlungen aufhören müßten. Die rcpubli- kanischcn Führer hätten beschlossen, unter völliger Ignorierung der Pekinger Regierung den Nationalkonvcnt nach Schang- Hai zu berufen. Tic Russen in der Mongolei wie in Persien. Kjachta, 9. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- agentur.) Ein Mongoleidetachcment nähert sich der Grenze bei jijachta, um die angrenzende Mongolei von unzuverlässigen vaga- bundiercnden Chinesen zu säubern und diese über Transbaikalicn nach der Mandschurei zu bringen, wo sie angesiedelt werden sollen. Die eingewanderten Chinesen sind dadurch beunruhigt; mehrere Hundert von ihnen überfielen in der Nacht zum 8. Januar die Per- waltungsgebäube deS Marktplatzes Maimatschin. Die mongolischen Beamten retteten sich zum Vorsteher des chinesischen Telegraphen- amts. Tic mongolischen Schutzleute wurden entwaffnet. Die Ebi- nesen lieferten die geraubten Waffen am nächsten Tage freiwillig wieder aus, aber drohen, im Falle der Ausweisung die Verwai- tungsgebäudc zu plündern. Tie mongolischen Behörden baten die russische Obrigkeit um Unterstützung. J*ctzU Nacbncbtcii. Ter Nachfolger de Selves. Pari?, 9. Januar.(Meldung der Agcnce HavaS.) Die Minister treten heute abend um 9 Uhr zu einer Beratung zusammen, bei der wahrscheinlich Minister de Selves seine offizielle Demission gibt. Wie versichert wird, wird Ministerpräsident Easllaux Telcasse auffordern, das Portefeuille de? Auswärtigen zu über- nehmen._ Zum Tode verurteilt. Bromberg, 9. Januar. lW. T. B.) DaS Schwurgericht hat den 36 Jahre alten Arbeiter Jakob Kaminski wegen Mordes und die Arbeiterfrau Jockowiak wegen Anstiftung zum Morde zum Tode verurteilt. Kaminski hatte am 15. Oktober 1911 den Ehegatten seiner Geliebten Jackowiak ans deren fortgesei'tcs Drängen im Walde bei Rogowo erhängt._ Blutige Schlägerei. Mülhausen i. Elf., 9. Januar.(W. T. B.) In EnsiSheim kam es gestern zwischen mehreren jungen Burschen, die tagsüber gc- meinsam gezecht hatten, zu einer Schlägerei, in deren Verlauf zwei der Beteiligten durch Axthiebe getötet und ein dritter schwer verletzt wurde, so daß er hoffnungslos darnicderlicgt. Mehrere Verhaftun. gen sind erfolgt. Ueberschwemmung durch Platzregen. Dalta(Krim). 9. Januar.(W. T. 9?'.) Ein zweitägiger heftiger Platzregen richtete in der Stadt sehr großen Scheden an. Das Straßenpslastcr wurde aufgewühlt und die im untersten Stock gc. lcgcncn Wohnungen vieler Häuser überschwemmt. jjaulSmgerS: Co., Berlin LW�Hierzu z Beilagen u.NnterhaltungSbll' Ar. 7. 29. Illhrgwz. 1. jMliijf ko Jorairts" Srtlititt WIKsM Mitwslh, ly.?MKlN12. Quittung. Im Monat Dezember gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträgs ein l„z. R.-W."—„zur Reichstagswahl'): Am: S. Berlin, v. Mitgl. d. Verb, deutsch. Buchdr. im„Vorwärts" z. R.-W. 100,—, Backnang-Hall 1. Qu. 79,75, Köln, Reg. 28. 20,—, Fallenberg O.-T., A. L. 15.-. Berlin, Moabit 13 30,—. v. d. Kall. d. Fa. F. Spenzer z. R.-W. 15,70. 4. Düren-Jülich 1. Qu. 16, Ml, SociuS, Lauenburgensis z. R.-W. 30,—, Berlin, E. B 30,—, v. b. Jtoll. d. Schneideriverkst. Mendt u. Redlich 20,—, v. d. Schneider- lverkst. E. Levi. Unter den Linden 61, 20,—. 5. Berlin, zwei Brüder z. R.-28. 500,—, Dr. S. W. 30,—, Ottensen, 6. schlesw.- holst. Wahlkr. 1. Qu. 2217,53. 0. Recklinghausen-Borken, Rest 1. Du. 72,—, Hamburg, Metallarbeiter z. R.-W. 10 000,—, Konstanz. 1. bad. Wahlkr., Rest 1. Qu. 19,96, Burg, G. M. 25,t0, Hannover- Linden a conto 3000,—. 7. Berlin, a. d. Groschen!, d. Abt. Heinemann, Deutsche Waffen- u. Mun.-Fabr. z. R.-W. 35,—, Fürstenberg a. O., f. Binnenschiffer 5,90. 8. Berlin, v. d. Benzin- werkst, d. A. B. A.-G., Fennstr. 31. 3. Rate z. R.-W. 11,95, Meiningen I., 1. Qu. 85,32, Berlin IV. 50, v.T. 20,—, M.P. Trocken- berg 5,—. 9, Berlin, Arb. u. Llngest. d. Bäck.-Gen. z. R.-W. 100,—, Bretten-Eppingen, 13. bad. Kr., 1. Qu. 34,68, Adelsheim-Buchen 11,83, Charlottenb. Schubmacher z. R.-W. 50.—, Berlin, v. d. Bäckern d. Konsum-Gen., 1. Rate. z. R.-W. 17,50. 12. Berlin, v. d. Rohr- legern d. Fa. Schröder-Rixdorf z. R.-W. 10,—, Von d. organ. HandelShilssarb. d. Fa. Lande, 1. Rate, z. R.-W. 5,—, Güstrow, Ribnitz 1. Qu. 141,48,<5. H. i. M. Ostpr. 30,—. 13. Berlin, aus d. Bierproz-Kasie v. d. Koll. d. Fa. Zl. Zahn z. roten Wahl 1912 20,—, Männerquartett Sangesfreunde z. R.-W. 30,—. 15. Falkenberg O./S. A. L. 4,50, Berlin, v. d. Arb. d. Tischl. Ludwig, Hagel- bergerstr. 7 10,—. Bez. Görlitz f. 6 Wahlkreise 1. Qu.(Grünberg 92,34, Sagau 102,74, Bunzlau 94,71, Löwcnberg 14,20, Görlitz 536,08, Rothenburg 156,42) Sa. 996,49, 4. schlesw.-bolst. Wahlkr. 1. Qu. 80,63, Berlin, v. d. Koll. d. Benz.-Werkst. d. A. B. A. G.. Fennstr. 31, 4. Rate z. R.-W. 11,65, v. d. Koll. d. Fa. Louis Klaus, Nindorf, Rnesebeckstr. 61, z. R.-W. 9,—, Malchin-Waren, 1. Qu. 88,98. 16. Berlin, Brauerei- und Mühlenarb. Groß-Berl. z. R.-L3. 800,—, v. Gen. Ed. Dbbs. i. Schöneberg(„Her mit dem Recht") z. R.-W. 300,—. 18. P. 2. Bern 50,—, v. d.Bäckern d. Kons.-Gen., 2.Rate z. R.-W. 17,50, 16. Berlin, a. d. Groschenk. d. org. Schlosser d. Fa. Gebr. Bolzani, Wiesenstr. 7. z. R.-W. 40.—, v. d. Koll. d. Fa. Riebe, Weihensee. z. R.-W. 50,10, v. d. Arb. d. Fa. Fatzkessel u Müntmann z. R.-W. 50,—, Bez. Pommern f. 14. Wahlkr. 1. Qu.(Anklam-Demmin 19,92, Ilsedom-Wollin 101,43, Randow-Greifenhagen 624,90, Stettin 553,11, Pyritz- Saatzig 12,42, Naugard« Regenwalde 14,22, Greifenberg- Kammin 14,64, Stolp-Lauenburg 23,88, Bütow-Schlawe-Rummels- burg 5,40, Köslin-Kolberg 68,01, Belgard-Dramburg 9,45, Reustettin 14.55, Straliund-Rügen 180,12, Greifswald-Grimmcn 99.81). Sa. 1741,86. 26. Berlin, v. d. Koll. d. Masch.-Fabr. Heinr. Timm, Reinickendorf, 24,—, v. d. Koll. d. Benzinwerkst, d. ül. B. A.-G., Fennstr. 31, 5. Rate z. R.-W. 11.15, Parchim, 3. mecklenb. Wahlkr., Rest 1. Qu. 35.50. 21. Bez. Pfalz f. 6. Wahlkr. 1. Qu.(Speher- Ludwigshafen 839,86, Neustadt 229,78, Germersheim 47,82. Pirmasens 165,92, Homburg 42,—, Kaiserslautern 139,54) Sa. 1464,92, F. St. DavoS, z. R.-W. 20,—. 22. Berlin,„Peka", Häselerstr. 3,—, Vor- stand Fil. 8, d. Krötzner, z. R.-W. 50.—, Groschenk. d. Koll. d. deutsch. Metallarb.-Verb., Abt. Rep.-Werkst. d. A. E.-G., Ob.-Schönew. 30,—, Möbelf. Eiwe, Boxhagen.Str.24,4.Et., 2.Hof,z.R-W.20,—, Hamburg I, 1. Qu. 3000,—, Hamburg II, 1. Qu. 4000,—, Hamburg Öl, 1. Qu. 15 000,—, M. R. New Dork z. R.-W. 8,30. 23. Berlin. Fr. Sch. W. z. R.-W. 1,—, Sparverein„Chronischer Dalles" z. R.-W. 15,30, Dr. L. A. 100,—. 27. P. P. S. für 1. Qu. 180,13(dar- unter Kattowitz 73,62, Beuthen 30,93), Hamburg v. 2 soz. gesinnten Hamb. Staatsbeamten 60,—, L. R. Lima(Peru) 20,—, Berlin, Tapezierer v. Wille 8,—, v. d. Handwerk, u. Maichpers. d. Schulrh.- Brauerei, Abt. 4, Rieder-Schönew. d. Bloch 9,25, NowaweS f. e. Referat b. d. Schuhm. d. S. W. 10,—, Schöneberg F. N. 10,—. '18. Berlin, Biervroz. v. d. Kunstschmiede Krüger, Rixdorf, Glasow- stratze d. Karl Köppe z. R.-W. 50,—, Verieefte Ratze, Amerika, z. R.-W. 5,23, Gau Nordbaqern f. s. 21 Wahlkr., 1. Qu.(Amberg 31 32. Neumarkt i. O. 16.26. Neustadt a. W. N. 64,66, Hof j. B. 367,96, Bayreuth 406,68, Forchheim-Kulmbach 115,68. Neunburg v. W. 6.30, Kronach-Lichtensels 112,23, Bamberg 175,48, Nürnberg 3601,25, Erlangen-Fürth 939,91, Ausbach-Schwabach 295,48, Eichstätt 28.14, Dinkelsbühl 50.44, Rothenburg a. T. 35,22, Kitzingen 42,78, Neustadt a. S. 38.52, Schweinfurt 212,86, Würzburg 342,90, Aschaffenburg 136.03. Lohr a. M. 27,48), Sa. 7050,71, Berlin G. H. u. G. 23. z. R.-W. 20,—, Julamünd, z. R.-W. 20,—, B 29. Berlin, Krone 8,—, A. Qu. z. R.-W. 3,—, Stammtisch Corso Dante Torino 8,05, Arbeiter d. Fa. Maneke 10,—, F. Schubert, London 5,50, Berlin U. V. z. R-W. 200,—, Lennep-Metlmann 1. Qu. 739,88, Leipzig-Land, 13. sächs. Wahlkr. a konto 7000,—, 8. württ. Wahlkr. 1. Qu. 85,66, Berlin, v. d. Koll. d. Fa. Siegfried a. d. Sechserk. 4,—. 30. Berlin, Hintz, Fabr. Mariendorf, Abt. Buchbind. 2. Rate z. R.-W. 10,—, Meske, Schlachtensee, z. R.-W. 100,—. v. d. Koll. d. A. B. A. G., Fennstr. 31. 6. Rate z. R.-W. ,11,20, I. K. 3,—, v. Maler d. Fa. Kaupre u. Dröge z. R.-W. 6,50, Koll. d. Metallarb.-Verb. Bahnh. SiemenS-Schuckertwerke Nonnen- dämm 25,—, KottbuS, Le O. z. R.-W. 5,—, Hildesheim, H. E. 2,—, Lüneburg, 16. Hann. Wahlkr. 1. u. 2. Qu. 400,—, Berlin, v. d. Rotationsarb. d.„Berl. Tageblatts" z. R.-W. 10,—, Sechserkasse d. Sattl. d. Fa. Schebera z. R.-W. 10,—, Pers. d. Buchdr. Vorwärts, Abt. Buchb., z. R.-W. 50,—, v. d. Schneidern der Fa. I. W. Skala, Unter den Linden, z. R.-W. 20,—, H. H., Ölten(Schweiz) z. R.-W. 100,—, Berlin, M. W. 4,—, Hennig. Argentinien 5,—, Berlin, 81. B. 50,—, Dresden, Alld. Marokkoversamml. 2,—, Neustadt, Holst. 107,94, Berlin, Koll. d. Schneiderei-Gen. Hoffnung, Brunnenstr. 185, z. R.-W. 25,—, Berlin, H. z. R.-W. 2300,—, Grotz-Berlin a konto seiner 8 Wahlkr. 20000,—, darunter: Alexander F. 6,—, Tischl. Meyer, Heitchen u. Co. 10,—, b. Freundschaftsklub Klette 10,—, Bez. 407 b Ib-Abt., z. R.-W. aus der Sechserk. 6,—, Maschinisten u. Heizer, Weitzensee-Pankow z. R.-W. 2,—, Kranzüberschuh d. Arbeiter v. Kappler, Maschinenfabrik 10,20, v. Mitgliedern d. II. Abt. d. Konsumvereins Berlin u. Umg. 50,—, Warnst Schäfer 50,—, z. R.-W. d. Arb. d. Fa. Beitsch 6,—, Stanzerei Bergmann 0,75, Bez. 691a, Uebersch. v. d. silb. Hochzeit 3,90, v. Gen. Meyer f. Refr. 6,—, Lotterieverein Immer Pech 5,—, Sparverein Vorwärts 10,—. z. R.-W. a. d. Groschenkasse d. Koll. d. Fa. Tengelmann 15,—, Werkstatt Gülle d. Buchholz 15,—, Bez. 718a 18,20, v. d. Arb. d. Kammerichschen Werke 20,75, Rutz d. Harte 10.-. Bah Karl 10,—. Referat Weber 6,-. A. B. Mister 1.—. Sparverein Freiheit z. R.-W. d. Glawe 11,50, P. B. 2,—, Bez. 683 3,—, Höppner 2,—, z. R.-W. A. R. 3,—, Militärschneider-Werkstatt Robrecht, Jägerstr. 18 12,60, Frau H. K.�l,—. W. Haase 1,—, Fr. Wille 0,50, Arb. d. Möbelfabrik H. A. Schulz 18,40, Bez. 416 10.—. Bez. 346 I. a. d. Sechserk. 20,—. Arb. d. Möbelf. JckeS u. Co. 8,30, Arb. d. Tischl. Groschkus, LandSberg. Str. 50,—, Wasserkante d. Meinhardt 6,—, Rauchklub Arkona 5,—, P. B. 5,—, fröhliche Weihnacht 5,—, Richter, z. R.-W. 1,50, Arb. d. Böhmischen Brauhauses 3,55, Arb. der Firma KrebS U. Co., Hohenschönhausen 30.—. V. d. Koll. d. aufgelösten Gummifabrik A. E. G., Schlegelstr., d. Rest d. 10 Pf.-Kasse 15,00, Matzschneider d. Firma Peel u. Cloppenburg 20,00, Töpfer Berlins 400,00, v. d. Arb. Ludwig Spitz u. Co., 2. Rate 16,30, Kranken-UnterstützungSvercin sämtl. Berufe, Bezirk II 30,00, v. d. Mitfahrern d. Koniumgenossenschaft 7,00, v. d. Kollegen d. Bau« tischlerei F. Sommcrlalte, Weitzcnsee, Gustav-Adolf-Str. 131 40,55, lieber den Zapfen z. R. W. 3,65, Handwerker d. Schultheitz-Brauerei, Abt. 4, 1. Rate 10,00, v. d. Werkstatt Mieles n. Neumann 30,00, BerbandSmitgl. d. Buchdruckerei Liebheit u. Thiesen 25,00, Setzer d. Berk. AdretzbuchS 6,80, Rote Mandarinen 3,00, Verband d. Gast« u. Schankwirte Deutschlands, Zahlstelle Berlin 500,00, a. d. Bier- lasse der Karosserie- und Wagensabrik Frank. Jnselstr. 11, mit Ausnahme der Sattelbock-Schlosser und Schmiede 100,00, a. d. Sechserkaffe d. Sattler d. Karosserie- u. Wagenfabrik Frank, Jnselstr. 11 10.—. Hausdiener Peel u. Cloppenburg, 2. Rate 20,—, Arb. d. Fa. Ludwig Spitz u. Co., 3. Rate 17,55, Berlin. Sattler u. Portes., Vergnügungskasse 50,—, Sechserk. d. Kollegen C. Sandmann 10,—, Koll. d. Fa. M. Koppel, Kronenstr. 66/67 20,—, Sechserkasse d. Goldleistenfnbrik Bardels 5,—, Männerchor Fichte-Georginia 30,—, Bierproz. d. Fa. Ditsckleit 50.—, Mückefett u. Gen., Klosterstratze, d. Alboldt 100,—, Handelshilfsarb. Greifenhagen, Brunnenstr. 20,—, Kahnkasse d. Bildhauerei Wünsch 15,—,' Wilhelm 300,—, Gutenberg 34,40, Alfred S. 5,—. Ernst B., Wrk. 1.—, Gesamtpers. Buchdruckerei Braunbeck n. Gutenberg 44.—, Tischler d. Möbelfabrik Schwarz 30,—. v. d. Arb. d. Fa. Ludwig Spitz u. Co., 4. Rate 25,—, Gesammelt b. d. Weihnachtsbescherung d. Vereins Grunewald d. Emst 5,—, Schneider v. Stock u. Co. 20,—, v. d. Mitfahrern d. Konsnmgenossenschaft 7,—. Gewisses Geld d. Buch- druckerci Hempel u. Co. 10,20, Setzer u. Drucker d. Buchdruckerei A. Seidel u. Co. 43,—, Sechserkane d. Buchdruckerei W. Cohn, Neue Promenade 6 15,—, Knabe 3,—, Bäcker u. Konditoren Berlins 300,—, v. einem Freunde d. Sozialdemokratie 40,—, v. d. Koll. d. Firma Trnntz u. Votz 20,—, v. einigen Hospitaliten d. städtischen Arbeits- Hauses Rummelsburg 3,—, M. A. 20,—, Sechserkasse d. Werkstatt Rheingold 15,—, UnterstützungSverein der Schmiede, Zahlstelle 10 30,—, Reinhold Schmolt 5,—. Berlin, den 8. Januar 1912. Für den Parteivorstand: I. V.: Otto Braun, Lindenstr. 3. kleines fcmllcton. Korrekte Straßennamen. Wien hat jetzt einen Doktor-Karl- Luegerplatz. Stuf einer Harzwanderung habe ich in Andreasberg den Ober» lcutnant-Lehmannwcg entdeckt. In Halle an der Saale gab es bis vor kurzem noch eine Wuchcrerstratze. Das war ein Skandal. Die Fremden konnten glauben, es gäbe Wucherer in Halle, denen zu Ehren... Damm ieitzt die Stratze jetzt Ludwig-Wuchererftratze. Wie es recht und billig ist. Denn der Königliche Koimnerzienrat Ludnng Wucherer gab ihr seinen Namen. Ich hoffe, wenn ich wieder nach Halle komme, hcitzt sie König! ichcr-Kommerzienrat-Ludwig-Wuchcrer- slratze. Aber das sind erst Ansätze, bescheidene Ansätze in der Richtung nach korrettcn Stratzennamcn. Wien, Andreasberg und Halle laben den Anfang gemacht. Andere«tädte werden folgen. Wenn ich nicht irre, besteht schon irgendwo eine Gotthold- Ephraiur-Lessingitratze. Aber eine Staatsminister-Johann-Wolf- gang-von-Goelhesnatzc fehlt immer noch. lind m Berlin ist noch immer keine Erster-Staatsanwalt- senbielstratze. Und wo ist die Regierungsreferendar-Max- ollingerstratze? Oder glaubt nian, der Regierungsrcferendar Max Bollinger hätte sein Vermögen deshalb der Vaterstadt hinter- lassen, um mit seinem ehrlichen Namen in einer obskuren Bollinger- stratze verhunzt zu werden. Dag in Partenkirchcn noch keine Oberexpeditorersterklasse- Josef-Schmuttermaierstratze existiert, ist schlietzlich verständlich. Freilich ist das alles erst die eine, die bürgerliche Seite der Korrekten-Ätratzennamen-Frage. Die fürstliche ist nicht weniger wichtig. Wer ein klein wenig Verständnis für Historie hat. mutz es bedauern, datz Potsdam noch keine Wilhelm-der-Grotzestraßc, datz der Tiergarten noch keinen Ltto-der-Fauleplatz austvcist, datz er in ganz Deutschlaich vergeblich einen Karl-der-Ticke- platz sucht, in Tirol ohne Erfolg nach einer Margarethe-Maultasckqasse Umschau hält, datz er nirgends in Thüringen eine Friedrich-mit.der-- gebissene».Wangestratze oder auch nur eine Fürst-Heinrich-der- Zweiunddreitzigstc-von-Reutz-jüngere-Liniegaffe auffinden kann. Fritz Müller. Theater. F r i c d r i ch-W i l h c l m st ä d t i sche s Schauspielhaus: Vas un von Kurt Cassel. Was oder wer ist„Vasun"? Tic �Vereinigung aller Schöne» und Nackten", sngt der Pseudonyme Schwankverfasscr, dessen richtiger Autornamc I. Wicgand ist. Eine «rotze Gemeinde von Berlin-W— seltsamer Anblick für Berlin-N? � war ihm nachgepilgcrt, um mit Trampeln, Händellatschen, un- aufhörlichen Hervorrufen— denen, Herr„Cassel" doch erst am Schlüsse folgte— seinen meinethalben verrückt-lustigen Faschingsulk aus der Taufe zu heben. Heller Blödsinn ist das zwar; aber es steckt„Methode" darin. Cassel hat es aus die Verspottung gewisser Auswüchse im bürgerlichen„Kultur"- oder„Geistes"-Lebeii abge- sehen; als da sind: die„Sittlichkcits"- und„Gefallenen Mädchen- Vereine", mitsamt ihrer äutzerlich zur Schau getragenen Tugend- boldigkeit und innerlichen Verderbtheit. Dann die„Nacktklubs", die angeblich aus der Gewöhnung zum paradiesischen Urzustand der Männlein und Weiblein ein neues„Edelmenschtunc" züchten wollen; endlich alle, die auL all solchem hirnverbrannten Unsinn Kapital für sich selber herauszuschlagen suchen. Der Verfasser hat, das ist nicht zu leugnen, eine toll durcheinander wirbelnde„Hand- lung" zusammengcrührt. Ein wahres Feuerwerk von Späßcn und groteskkomischen Situatnonen sprüht aus. Die alten und jungen Tugcndtantcn, Jünglinge und Jungfrauen werden in bengalische Beleuchtung gerückt; ja und dem stadtratlichcn Sittlichkeitsschnüfflcr Rammisch gehts noch weit schlimmer. Er verliert seine ganze Garderobe und mutz, nachdem er gründlich unter eine kalte Wasser- dusche getaucht worden ist, nahezu im Adamskostüm Reitzaus nehmen. Zu guterletzt stehen drei Paare Nackter und Jungfrauen- bündlerischer Hand in Hand nebeneinander, um sich dem verehrten Publikum als Verlobte zu empfehlen. Die Aufführung war flott. Alle Mitwirkenden trugen zur Lachlust bei. c. k. Tie Neue freie Volksbühne brachte am Montag zlvci Einakter im Neuen V o l k s t h c a t c r zur 8lufsührung: S u- dermanns„Fritzchen" und Kleists Lustspiel„Der zcr- brachen. e Krug". Mit schusern Blick crfatzt Sudermann in diesem Ofsiziersdrama krankhafte Zustände unserer Gesellschaft. lliobert Müller als Rittergutebesitzer und Major o. D. von Droffc charakierisicrle treffend das über das Haus Droste hereingebrochene „Unglück". Der Sohn des Hauses, Leutnant Fritz, ist infolge eines Licbesabenieuers von einem betrogenen Ehegatten in aller Oefscnt- lichkeit mit der Hundepeitsche gezüchtigt worden und eben noch der Gefahr entronnen, vom Ehre»rat für nicht mehr satissaktionSfähig erklärt zu werden. Er darf sich gerade noch seinem Gegner, einem guten Sch'itzen, im Duell stellen— und nimmt nun von allen Abschied. Dem auch in seinem Äcutzercn ramponierten Leutnant Fritz lieh Robert Atzmann all die erschütternde Gemüiscrregung. Tic kranke, sich nach ihrem Herzenssöhnchen sehnende Majorin, fand i» Elise Z-r ch ow- Vallentin und die unglückliche Nichte Agnes, die Verlobte von Fritz, in Martha Anger stein fein nuancicreiidc Vertreterinnen. Tic dann folgende Aufführung des Kleistschen Lustspiels kam als nachträgliche Ehrung des Dichters immer noch rechtzeitig und erwies sich als sehr gelungen und wirksam. Ten Dorsrichtcr brachte Maximilian S lad et ganz prächtig heraus. Eine ebenso huino- ristischc Figur bot Agnes W er n c r- W a g n c r als energische Frau Martha. Annalise Wagner gab die Jungfer Eve sehr an- sprechend, Zusammcnspiel und Regie ließen nichts zu wünschen übriA Wir haben unter Nr. 7918, A. Gerisch, F. Ebert, O. Braun, Berlin, Lindenstratze 3, beim Postscheckamt Berlin ein Postscheckkonto und ersuchen daher dringend, alle Geldsendungen mittels Zahlkarte auf unser Postscheckkonto zu bewirken. ES können darauf an jedem Postschalter Beträge bis 10 000 M. portofrei für uns eingezahlt werden. Zahlkarten mit eingedruckter Adresse senden wir auf Wunsch zu._ Zur Suhl in der Provinz Brandenburg! An alle Arbeiter, die in Berlin arbeiten, aber in einem Orte der Provinz Brandenburg ihren ständigen Wohnsitz haben, ergeht hiermit die dringende Aufforderung, am Wahl- tage, dem 12. Januar, in ihre Heimat zu fahren und ihr Wahlrecht auszuüben. I» Berlin arbeiten Tausende, vornehmlich Bauarbeiter, die in einem Orte in der Provinz wohnen, aber gewöhnlich nur am Schluß der Woche zu ihrer Familie zurückkehren. Fast alle diese Arbeiter sind Wähler zum Reichstage und gehören ihrer Klassenlage nach zur Sozialdemokratie, haben gar keine andere Wahl als einem Sozialdemokraten ihre Stimme zu geben, wollen sie nicht zum Verräter an ihren Klasscngenosscn werden. Von der Abgabe ihrer Stimme hängt aber bei der diesmaligen Wahl sehr viel ab; ihre Stimmen sind unter Umständen zur vrkämpfung des Sieges ausschlaggebend. Deswegen ergeht an alle diese Arbeiter der Ruf, am Freitag ihr Wahlrecht auszuüben. Die Parteigenossen, die mit solchen in der Provinz beheimateten Arbeitern zusammenarbeiten, wollen etwaige Säumige besonders darauf aufmerksam machen, daß sie pflichtvergessen handeln, wenn sie der Wahl fern bleiben, und veranlassen, daß uns keine Stimme durch Nachlässigkeit verloren geht. Der 12. Januar muß ein Siegestag der Sozialdemokratie w erd en!_ Die{ozlaldemobratlfchen Kandidaten der Provinz Brandenburg: Nieder-Barnim: Stadtverordneter Slrtur Stadthagen, Berlin. Teltotv-Becskotv: Stadtverordneter ftfritz Zubeil, Berlin. West-Priegnitz: Gelverkschaftsangestelltcr Wilhelm Sicring, Berlin. Ost-Prieguitz: Gewerkschkstsangestellter Karl Hctzschold, Berlin. Ruppin-Templin: Stadtverordneter Emil Boeske, Rixdorf- Berlin. Prenzlau-Augermünde: Expedient Richard Hackelbusch, Berlin. Ober-Barnim: Stadtv. Bernhard Bruns, Berlin. Potsdam-Osthavelland: Landtagsabgeordneter und Stadt- verordneter Dr. Karl Liebknecht, Berlin. Brandenburg- Westhavelland:'Schriftsteller Heinrich Pens, Dessau. Zauch-Bclzig: Stadtv. Ferdinand Ewald, Berlin. Arnswalde Friedeberg: Arbeitersekrctär Engen Brückner. Berlin. Landsberg-Soldin: Buchhändler Wilh. Pätzel, Rixdorf- Berlin. Königsbcrg-Neumark: Parteisekretär Richard Schmidt, Berlin. Frankfurt-Lebus: Stadtverordneter Dr. Hermann Wehl, Berlin. Humor und Satire. Weniger Volk! (Zufolge dem Hofberichte hörte man in dielen Tagen einen Herrn ganz leise sagen folgendes Gedichte:) „Die Parole ist dieses Jahr nicht dieselbe geblieben, die sie damals war, 1007. Ich bin der Meinung, man sollte veranlassen, daß nicht solche Massen treten in Erscheinung. Kurz, es dürfte sich empfehlen, wir sagen dieses Jahr: „Weniger Volk!" nicht wahr? Die Kerls tun sonst doch nur rot wählen (Datz diese Verse so greulich ist meine Schuld nicht, ich erzähle getreulich nach dem Hofbericht.) _ Franz Holzbock. Notizen. — Vorträge. Auf Veranlassung des Deutschen Vereins fär VolkShygiene spricht Freitag, abends 8 Uhr, im Biirgersaale des Berliner Rathauses Prof. Strauß über:„Die V e r I a l k u n q der Blutgcfätze und ihre Verhütung." Der Zntritt ist unentgeltlich. — Else Lehmann ist dem Lessingtheatcrenscmble, das von 1914 an eine eigene Bühne bilden will, beigetreten. — 91 e in Hardts Ehrgeiz. J» einem Bankett, da? ihm zu Ehren in London gegeben wurde, fugte Reinhardt:..Mein Ehr- geiz ist, in Berlin ein Theater zu bauen, das dem Theater der Griechen völlig nachgebildet ist. Ick, will alsdann die alten Klassik-» und solche modernen Autoren aufführen, die sich dem klassischen 3tahmeu einfügen." Reinhardt scheint also von seinen geschästlichen Utopien iinmer noch nicht zurückgekommen zu sein. — Der dramatisierte UnionSstrcit. Giinnar Hei berg,»ach Ibsens und Björnsons Tode der hcrvorraaeiid,le Dramatiker Norwegens, hat ein Drama vollendet, das den Union- streit zwischen Norwegen und Schweden, der zur Treniiun» beider Länder führte, auf die Bühne bringt. Als der Dichter vor drei Jahren das Wert begann, begab er sich, um den nationalen Ein- flusscn möglichst zu entgehen, nach Berlin, wo auch der größte Teil des Stückes geschrieben ist. Das Schauspiel führt den Titel'„1905 oder der Pruch zwischen Schweden und Norwegen", Ost- lind West-KtsrnHevg: GcivcrkschaftZangestelltcl: Wik- hell» Schütting, Lichtenberg. Züllichn»- Kroffen: Stadtverordneter Oswald Gralter, Lichtenberg Verlin. sttubcii-Llibbcn: GelvcrkfchaftZangest. Franz Kotzke, Berlin. Soran-Forst: Geivcrkschastsaiigestcllter Oswald Schnmann, Mahlsdorf'Berlin. Kottbus-Spreniberg: Arbeltersekretär Karl Giebel, Nieder- Schönhausen-Berlin. Kalan-Litckan: Parteisekretär Otto Wels, Berlin. iitahlbeivepog in Groß-tkrfin. Zur Frsiguds te Wahltages. Am Wahltage, Freitag, den 12. Jannar, haben eine Anzahl größerer Betriebe Anordnungen getroffen, die den Angestellten lind Arbeitern die Anbübung ihres Wahlrechtes ermöglichen. t Zahlreiche Betriebe werden nachmittags ganz oder teilweise von L, ll oder 4 Uhr ab schlichen. In de» Berliner Branereien werden ans Peranlassniig des BranerciarbeitcrberbandeS von nachmittags 3 Uhr ab die nachstehend genannten Bereine und Linzel branereien für Freigabe sorgen: Verein der Weihbierbranereien, Verein der Weih- und Brannbierbraucreien. Ernst Engelhardt Nachflg., Akt.-Gesell- fchaft, Bergbrauerei Nacher n. Co., Genosfenschaftsbranerei Alldrcaöftrahe, GensssenschaftSbrancrei Weihensee, Branhans- slrahe, VereinSbranerei Tentonia, Phönirbranerei, Herold- Betrie bZ gcfells che. st, Gabriel«. Richter, Weihensee, Borussia- Brauerei, Groterjahn u. Co., Nordstern, Stadtbrauerci Alt- Berlin, Charlottenbnrg, Schweizergarten, Kitttz u. Co., Ge- nosscnschaftSbranerei FricdrichShagen, C. Landrö, Weißbier- bralierei-Akt.'Gcsellschast, Brauerei Stern, C. u. O. Fischer, Siixdorf. Die Organisation der Brauereiarbeiter knüpft an diese Bekanntgabe folgende AnsforderuNg:„Wir bringen vor- stehendes zur Kenntnis der in diesen Brauereien tätigen Arbeitnehmerschaft und ersuchen alle Kollegen, speziell die 5l oltcgcn vom Fahrpersol-al, dahin zn wirken, dah sie am Tage der ReichstagSwahl spätestens nm 3 Uhr den Betrieb verlassen und unbedingt ihr Wahlrecht rechtzeitig ausüben. Ii» übrigen ist zu empfehlen, dah nach Ausübung seines Wahlrechts sich ein jeder zur Erledigung der Wahlarbciten in den bekaimten Lokalen zur Berfügiliig stellt." » Tie Oiiiiiibusangcpclltc» und die ReichstagSwahl. Unter den Angeslelltcn der Beelmer OninibuSgescllschaft herrscht jetzt zur p>ei! der NeichStagSwahl Erregung darüber, dah die Direktion kerne An- jiolten dazu macht, ihren kkutschcrii und Echaffnenr die Möglichkeil zu geben, ihr Wahlrecht auszuüben. Bei der Wahl im Jahre 1907 hatte die Direktion bekanntlich eine An- zahl ihrer Aiigestellten eiNlaiicn,« die sich erlaubten in der Haltezeit ihren Wagen zu verlassen, um ihr Wahlrecht aus- zuübeu. Die Betreffenden ivohnten neben der Endhaltestelle und vranchlen nur einige Häuser weit zn gehen, um zu ihrem zn- ständigen Wabllokal zu gelangen. Die Einlassung der Leute wurde trotz Vorhaltung von der- schirdcneri Seiten nicht zurückgenommen! die Direktion erklärte, die Leute nicht wegen der Ausübung des Wahlrechts entlassen zu haben, sondern lediglich deshalb, weil sie ihren Wagen entgegen den Dienst- vorschristeii verlassen hatte». Weil zu befürchten ist, dah bei der diesjährigen Wahl ähnliche Vorlomninisse sich wiederholen konnten, haben sich die An- gestellten an den Deutschen TranSportarbeiter-Veröand ge- wandt. Tie Leitung desselben soll bei der Direktion vorstellig werden, damit diese den Ltntschern. Schaffnern und Stall- liuten die AnSübnug des Wahlrechts ermöglicht. Der Verband »vird der Direktion diese» Wunsch ihrer Angestellten unterbreiten. At-Z gangbarer Weg zur Ermögtichuug desselben tvird vorgeschlagen, dah die Ablösung der am Wahltage Dienst- habenden in der Weise erfolgt, dah die freihabenden «ulschcr und Schaffner turmiSgeniäH ihre Kollegen für je eine Tour vertrete». Der Gesellschaft töimte die ganze Sache I'öchslcnS die geringe Summe für die lleberstundenzahlmtg an die treihabeiideii Kutscher und Schaffner koste», sie kann dadurch aber den Loriours von sich weisen, der sie im Jahre 1907 mit Recht traf, dah sie ihre Angcstelllen an der Ausübung ihres Wahlrechts bös- willig gehindert hat. Hoffentlich zeigt die Direktion diesmal eine bessere Einsicht. » Immer mit dem liberalen Programm? Im dritten NcichStagswa hlkrcis Berlins hat für die Liberalen diesmal ein RechtSaMvalt Nosbach die Nolle des Prügelknaben übernommen, der am Wahltag den Buckel hin- Valien will, um von den Wählern die auf den Liberalismus nieder- regnenden Hiebe in Empfang zu nehmen. Ter Herr, der in frei- sinnigen Bezirksvereiucn..groh geworden" ist, macht als Wahlkandidat eine recht unglückliche Figur und schwadroniert in einer Weise darauflos, dah er den eigenen Parteifreunden die pein- liebsten Verlegenheiten bereitet. Eine seiner ständigen RedenS- qrten ist die stolze Erklärung, dah er„fest auf dem Boden des liberalen Programms stehe" und es sogar„meist bei sich in der Tasche trage"— und mit diesem liberalen Programm weih er dann die leikelsten Tinge in Einllang zu bringen. In einer liberalen Wählcrvcrsammlung, über die der„Vor- tvärlö" in der Weihnachtswochc berichtete, stellte Herr Rosbach die Forderung auf, dah jedermann zu allen Aemtcrn Zutritt haben solle. Als aber ein Zwischenrufcr fragte:„Auch für teuzialdemo- kratcn?", antwortete dieser Kandidat der Liberalen, daß ein So- zialdcmokrat, wenn er gesinnungstreu sei, f i ch n i Ä t z u m Beamten eigne. Tos sagt ein Manu, der mit dem liberalen Programm in der Tasche umhergeht! Am Montag dieser Woche hörte man dann denselben Herrn Rosbach in einer liberalen Wählcrvcrsammlung sehr forsch schimpfen, dah„die Sozial- demokratic keine Freiheit der Meinung" aufkommen lasse und„in ihren eigenen Betrieben nur Sozialdcmo- traten" dulde. Derselbe Liberale, der— immer mit dem liberalen Programm— einen Sozialdemokraten für„nicht geeignet" zum Beamten erklärt, also tatsächlich den Beamten eine bedingungslose Freiheit der Meinung nicht zugesteht. Ixn den Mut. sich gegen die Sozialdemokratie zum„Schützer der Meinungsfreiheit" aufzu- werfen. Die Unterdrückung der Mcimmgösrciheit eines Sozial- d c m o k r a t e n hat er den modernen Liberalen glücklich abgc- guckt, den liberalen Arbritgebern, die aus ihren Betrieben die So- zialdemotratcn hinauswerfen, und den Berliner Kommünalliberalen, die das auch für die Betriebe der Stadtgemeindc wünschen. Diese Sorte von Liberalen schreit dann— und mit ihnen Herr Ros- Vach— über„Terrorismus der Sozialdemokratie"! Ter Eifer, der Sozialdemokratie alles Mögliche anzuhängen. führt den Herrn überhaupt recht oft zu den wuuderlickfftcn Wider- sprüchen. In der letzten Versammlung warf er der Sozialdemokratie vor. dah sie lveitcr nichts als eine Klaffenpartei fei, die nur die Interessen der Arbeiter vertrete.„Und tabei", fuhr er in demselben Atemzuge fort,..vertritt sie gar « c ch t mal die Interessen der Arbeiter, sondern spannt die Arbeiter nur vor ihren Parteiwagen". Bald so, bald so—„wies trefft". Er selber will, sagte er, das ganze Volk vcr- treten. Ein paar k l e i n c G c I? c r b c t r c l b e II d e, die das wohl nicht so recht glaubten, machten in der Diskussion den Versuch, den Herrn Wahlkandidaten ein wenig zu examinieren. Sic forderten, zu wissen, wieder sich zu dem in Betrieben des Staates und der Stadt florierende»„h e i in l i ch e n Waren- Handel" stelle, durch den grohe Firmen sich Beamte und An- gestellte als Käufer sichern und die kleineren Gewerbetreibenden verdrängen. Ein Redner, ein Angestellter der Stadt Berlin, Hab hervor, dah mancher untere Beamte, wenn ein Vorgesetzter solche Firmen empfehle oder gar die BermittelUNg des Warenbezuges selber übernehme, es nicht ivage, sich von der Beteiligung auszu- schließen. Dabei seien die mit Preisermäßigung gelieferten Waren inanchmal so geringwertig, daß man sie tatsächlich mindestens so teuer be-chle wie in jedem beliebigen Geschäft. Herr Nosbach, der Wahlkandidat der Liberalen, hatte zunächst erklärt, von diesen Zuständen sei ihm nichts bekannt. Als ihm aber entgegnet wurde, er müsse sich allerdings um die Lage der kleinen Gewerbetreibenden kümmern, wenn er ihr Vertreter sein wolle und um ihre Stimme loerbe, da versicherte er plötzlich, jetzt wisse er, was gemeint sei, und selbstverständlich mißbillige er die Sache.„Denn ich bin ja ein liberaler Mann!" fügte er erläuternd hinzu.„Sehen Sic," schloß er,„Iver aus dem Boden des liberalen Programms steht — und ich selber trage es sogar meist in der Tasche—, für den ergibt sich das alles von selbst." In Wirklichkeit ergibt für einen „auf dem Boden des liberalen Programms" stehenden Mann sich das„von selbst", daß er für die großen Firmen„vollste Freiheit" fordern muß, sich durch jede ihnen zusagende Vermittelung in öffentlichen Betrieben einzunisten und die schwächeren Konkurrenten hinauszudrängen. Das„freie Spiel der Kräfte" ist „liberale Weltanschauung"— die ,.F r e i h e i t", jeden Konkurrenten skrupellos niederzutreten und abzuwürgen, ist„liberales Programm". Herr Nosbach hatte im Eingang seines Nefcrates sich das billige Vergnügen geleistet, ivicder mal die NichtWähler für die Liberalen zu reklamieren.„Wenn alle Nichtwahlcr kommen, ist"— sagte er—„uns der Sieg sicher I" Nachher aber klagte er:„Die all- gemeine Unzufriedenheit wird lediglich"— er unterbrach sich:„oder größtenteils"—„der Sozialdemokratie zugute kommen". Daher dann auch sein wütendes Geschimpfe aus die Sozialdemokratie, das er in seinem Schlußwort krönte durch den AnWurf, die Sozialdemokratie jage ihre Leute„mit der Viehtreiberpeitsche" zur Wahl. Dem Mann mit dem liberalen Programm wird die Wählerschaft des dritten Kreises am 12. Januar die Antwort geben, indem sie zu ihrem Vertreter den Kandidaten der Sozialdemokratie, unseren Genossen W i l- h c l m P f c. n n k u ch, wählt. Berichtigungen zum Wahltablcau. Das Wahllokal im Wahlbezirk 781 bestndet sich jetzt Reinicken« dorfer Straße 71 bei Bngge. Im Wahlbezirk 271 beißt der Lokalinhaber Trunk statt Frank. Im Wahlbezirk Süll ist der Name de» Inhabers des Wahllokals Zinna. Tie schwarzen Brüder in Christo machen sich auch in Berlin bei der diesmaligen Wahl bemerkbar. Ilntcr dem Titel:„Vorwärts in den roten Sumpf" verbreiten die Zentrumsanhänger einen Schrnutzerguh gegen die Sozialdemokrat ic, der kaum zu übertreffen sein dürfte. Was in diesem vom VolrsvcreinSverlag in M.-Gladbach hergestellten Pamphlet in Schimpfereien und Verleumdungen geleistet wird, das kann nur eine Partei, die so verlogen ist wie das Zentrum. In Berlin dürfte das Geschmiere kaum ernst genommen werden. Aber so ist die gange Politik des Zentrums: aus Lügen und Schwindel zusammen- gesetzt. O, diese Pharisäer! Polnisch-nationalistische Fanatiker störten die Versammlung, welche unsere Genossen der P. P. S. am Montag nach dem Moabiter Gcscllschaftshause in der Wiclefs- straße berufen hatten, um die polnisch sprechende» Arbeiter über ihre Jntcrcffen als Wähler aufzuklären. ES ist ja zu begreifen, daß es den Leuten, welche die polnischen Arbeiter im Banne der Dummheit erhalten möchten, sehr ungehalten sind über die erfolg- reiche Aufklärungsarbeit unserer Parteigcnoffeir. Aber man sollte es nicht für möglich halten, daß die Gefolgschaft dieser Leute ihre Zwecke mit solchen Mitteln zu erreichen suchen, wie sie die National- polen in der Versammlung anwandten.— Tie Mitglieder eines kirchlich-polnischen Vereins, der in Moabit domiziliert, waren in großer Zahl im Versammlungslokal erschienen. Wie cS heißt, hat sie ein Geistlicher bis auf den Hof dcS Lokals begleitet. In den Saal aber ging er n i ch t. Er lzatte wohl seine fanatische Gefolgschaft genügend instruiert. Gleich nach Eröffnung der Ver- sammlung veranstalteten die polnischen Nationalisten, die etwa ein Drittel der stark besuchten Versammlung bildeten, einen Höllenlärm. Man sah deutlich: Es lag System in der Sache. Den von ihren kirchlich-nationalistischcn Führern irregeleiteten Fanatikern lag cS daran, die von sozialdemokratischer Seite ein- berufene Versammlung unmöglich zu machen. Weder der Leiter der Versammlung noch der Referent konnten zum Wort kommen. Es war unmöglich, in dem Höllenlärm durchzudringen. Unsere Genossen, welche sich bemühten, die Lärmmacher zu Verstand zu bringen, wurden mit Fäusten und Stöcken bedroht. Die wieder- holten Aufforderungen des Versammlungsleiters an die Ruhe- stööer, das Lokal zu verlassen, wurden mit Hohn beantwortet, aber nicht befolgt. Nachdem der Radau eine volle Stunde gedauert hatte, gelang es dem Referenten, Ludwig Podemski. Beuthen, durch geschickte rednerische Taktik den wüsten Geist der Ruhestörer für kurze Zeit zu bannen, indem er an ihre bessere Einsicht appellierte und den Gegnern volle DiSkussionsfreihcit zusicherte. Gleichzeitig konnte der Referent fast ungestört längere sachliche Ausführungen gegen das arbeiterfeindliche Verhalten jener Leute machen, die das nationale Empfinden heuchlerisch benutzen, um die polnischen Ar- bester als willige Ausbeutungsobjekte des Unternehmertums zu erhalten.— Die etwa halbstündige Rede blieb augenscheinlich auch bei den kirchlich-uational Gesinnten nicht ohne Eindruck. Nun ordnete der Vorsitzende an, daß vor Beginn dcS Referats die Leute, welche nur in der Absicht zu stören gekommen seien, den Saal verlassen. Die Gegner aber, tvelchc ehrlich mit uns bis- kutiercn wollten, sollten da bleiben und die eine Seite dcS Saales besehen.— Nun ging dcrLärin von neuem loS. Es war offenbar: Eine starke Gruppe der Gegner wollte keine sachlichen Verhandlungen, und sobalo sie zu lärmen anfingen, hatten sie auch den sonst ruhigeren Teil ihrer Freunde aus ihrer Seite. Aus dem wüsten Trubel, der den Saal erfüllte, hörte man wiederholt den Ruf:„ES lebe Polen!" Dabei wurden Schnapsflascheu jubelnd geschwenkt!— Hier zeigten sich in erschreckender Weise die eklen Früchte der junkerlich-pfäfsischen„Erziehungsmethode". Da die Ruhestörer der Aufforderung des Vorsitzenden, den Saal zu verlassen, nicht Folge leisteten, so wandte er sich um Unter- stützung an die beiden Schutzleute, welche als überwachende Bc- amle zur Stelle waren. Aber auch die Polizei crwicS sich ohn- mächtig gegenüber den wüsten Ruhestörern. Die Beamten gingen ein paarmal durch den Saal und es schien, als ob sie die Lärm. uiachcr zum Hinausgehen zu bewegen suchten. Aber die gingen eben nicht. Da gaben sich die Schutzleute keine Mühe mehr. Sie erklärten den Versammlungsleitern, hier sei eine öffentliche Vcr- sammlung. da babc jeder Zutritt, wenn der Versammlungsleiter keine Ruhe schaffen könne, dann muffe et eben die Versammlunz schließen.„Ich bin königlich preußischer Beamter; aber kein Rausschmeißer" erklärte stolz der eine der Schutzleute und sah ruhig der weiteren Entwickclung der Dinge zu. Schließlich fand sich ein Mann, der bei den Nationalpolen eine Führcrrollc zu haben scheint, bereit, seine Leute zur Ruhe aufzu- fordern und sie auf die Diskussion zu verweisen. Hierauf konnte Podemski endlich sein Referat halten. Ein- dringlich machte er den Zuhörern klar, daß die polmsch-nationalisti- scheu Bestrebungen nur die Interessen des polnischen Junkertum», der Ausbeuter der Arbeiter fördern, während die Interessen der polnischen Arbeiter von keiner anderen Partei als der Sozial- demokratic wirksam vertreten werde».— Diese AuSfübruugen fanden bei der großen Mehrheit der Versammlung stürmischen Beifall. Wie der Vorsitzende feststellte, hatte das eingeladene Wahl- komitee der polnischen Partei keinen Vertreter gesandt. Als erster Diskussionsredner bekam deshalb ein Herr das Wort, der unseren Genossen nicht bekannt war und von ihnen für einen Vertreter der nationalen Richtung gehalten wurde. Seine Ausführungen zeigten aber, daß er weder der einen noch der anderen Seite angehörte. Er sprach unter anderem gegen die Aufstellung polnischer Sonder- kandioaturen und nahm dem Sozialismus gegenüber eine nicht un- sympathische Haltung ein.— Als die Nationalisten merkten, daß der Redner nicht zu ihren blinden Anhängern gehörte, singen sie wieder, an, zu lärmen. Ter Redner, dessen Ausführungen die Mehrheit der Versammlung sichtlich interessierten, wurde von den nationalen Fanatikern fortwährend unterbrochen. Als der Lärm wieder so stark wurde, daß der Redner nicht mehr durchdringen konnte, schloß der Vorsitzende die Versammlung, da unter diesen Umständen an eine Fortsetzung nicht zu denken war. Brausende Hochrufe auf die Sozialdemokratie brachte die Mehrheit auL. Die Minderheit antwortete mit gellendem Pfeifen und Hochrufen auf Polen. Die beiderseitigen Demonstrationen wurden noch kurze Zeit fortgesetzt. Dann schwieg die sozialistische Mehrheit, während die nationalistische Minderheit noch längere Zeit mit Schreien und Johlen den Saal erfüllt� »» » Ter erste Kreis hatte am Montag eine Wählerversammlung nach dem„Bayrischen Hiö l". Weidendamm 1. einberufen, die sich eines guten Besuches erfreute. Redakteur T ä u m i g referierte und crinuerte eingangs seiner Rede an die Wahl von 1907 und au das Verhalten des Freisinns in jener Zeit, desselben Freisinns. der damals Arm in Arm mit der Reaktion ging, während er jetzt den Kampf gegen Rechts predige. Unsere Kampfesparole heiße: Kampf gegen die Konservativen, Kampf gegen das Zentrum, aber auch Kamps gegen den Liberalismus. Die Wähler sollten sich nicht täuschen lassen von volltönenden Aufrufen und Beteuerungen, die angesichts der Tatsachen uns geradezu lächerlich anmuten müßten. Dann beleuchtete Redner die Taten des verflossenen Reichstags und ging auf die Aufgaben ein, die des neuen Reichstages harren. � Besonders die Zoll- und Steuerpolitik, worüber der lliedner ein knappumrisscnes Bild zeichnete, erfordere das größte Interesse der Volksmaffen. Ferner ging er auf die Rüstungen des Land- und SeemilitariSmuS ein fcSvie auf die Kolonialpolitik, das durchweg Fragen seien, wo nur die Sozialdemokratie die Gewähr bietet, baß sie im Kampfe für die Interessen des Volkes mit unbeugsamer Energie eintreten werde. Auf die demokratische Partei üver- gehend, äußerte sich der Referent dahingehend, oaß gewiß ehrliche und tüchtige Männer sich in deren Leitung befänden, aber u»S trenne dennoch ein prinzipieller Gegensatz insofern, als wir Gegner dcS kapitalistischen Privateigentums sind und unsere Kräfte nickst in EintagSkämpfcn gegen cinzeluc Parteien verzettelten. Da» sei daS Trennende zwischen uns und der demokratischen Partei, sonst wäre lein WescnSunterschicd vorhanden. Sie wollten die heutigen Zustände nur mildern, demokratisieren, wir dagegen setzen die Axt an die Wurzel alles UebelS: an da» kapitalistische Privateigentum. Nur dadurch könne dauernd das Wohl und Glück der Menschheit geschaffen toerdrn. Den Beweis lieferten die Länder, die heute schon demokratisch verwaltet und regiert werden und wo trotzdem die Ausbeutung und Unterdrückung nicht aufgehört hätten. Demo» lratische Freiheit also befriedige allein noch nicht. Tie Demokraten bekämpsien Auswüchse des Systems, während wir das ganze System bekämpfen. Ader der Wahltampf sei nur Teilkampf. Im Ringen um Befreiung habe das Parlament nur dann Wert, wenn hinter den Vertretern eine starke Macht stehe. Dem Reichstag sind Grenzen gezogen, über ihm stehe der Bundesrat, der erst den Ge» setzen die Sanktion gebe. Es fei möglich, daß Fragen kommen, die nicht mehr im Parlament ihre Lösung finden. Da müßten danu die Massen sprechen, und diese Massen fehlten den Demokraten, deshalb könne es nur eins geben für die Wähler: daß sie am 12. Januar für den Sozialdemokraten stimmen. DaS Referat wurde mit ebenso großem Interesse wie Beifall ausgenommen. In der Diskussion sprachen noch mehrere Redner. Besonders hingewiesen wurde auf die Notwendigkeit der Mit- arbeit und Mithilfe der Frauen bei allen öffentlichen, politischen Angelegenheiten, in erster Linie aber bei der jetzigen Reichstags- wähl. Dritter Wahlkreis. Auf zur ReichstagSwahl! DaS war die Tagesordnung einer öffentlichen Wählervcrsammlung. die am Mou- tag den großen Saal der Arminhallen samt den Galerien füllte. Als Referent sprach der Genosse Emil Eichhorn. In packen- den AuSsührungen schilderte der Redner, was alles bei diesen Wahlen in Frage kommt. Der ganze Gang unserer inneren und äußeren Politik sieht auf dem Spiele. ES handelt sich um die Vclksrcchte, um unsere Wirtschaftspolitik, um die Welt- und RüstungSpolitik, und es handelt sich um die Sozialgesetzgebung. ES gilt bei diesen Wahlen, zu entscheiden, ob die schmähliche Auc- oeutung des Volkes fortgesetzt werden oder ob eine stetige Reform. Politik eintreten soll, eine Erweiterung der VolkSrechtc, eine Kulturpolitik. die im Gegensatz steht und sich scharf abhebt von dem bisherigen politischen Treiben. Alle Versuche der Regierung, eine zugkräftige Wahlparole zu erfinden, sind fehlgeschlagen, so daß nun der Wahlbnvegung die ganze politische Situation zugrunde gelegt werden mußte. Der Reichskanzler hat ja noch zu guter Letzt eine Art Wahlparole losgelassen: die bisherige Wirtschaftspolitik soll fortgeführt werden, und auch die wahnwitzige RüstungSpolitik soll keine Abschwäch ung erfahren. Die Konservativen verlangen überdies nach Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemokratie. Ter Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien ist schon so weit ge- diehen, daß z. B. in Stheinland-Westfalen ein Bündnis zwischen Zentrum und Nationalliberalen abgeschlossen ist. Ter Fortschritt macht scheinbar eine Ausnahme. In hochtrabenden Redensarten fordert er zu scharfem, rücksichtslosem Kampf gegen die Junker auf. Aber dadurch dürfen wir uns nicht täuschen lassen. ES ist nichts als Wahlmanöver, und noch dazu ein recht plumpes. Man vergegenwärtige sich die Lage vor fünf Jahren, als die Frei- sinnigen im Buloivblock saßen. Da sagten sie den Wählern: Wir tommcn als Regierungspartei, deshalb müßt Ihr uns wählen. Damals brachten sie mindestens ein Dutzend Erzreaktionäre in den Reichstag. Nun aber spekulieren sie wieder emmal auf dir Wahlhilfe der Sozialdemokratie. Es ist aber eine alte Lehre, die immer befolgt werden muß, niemand auf Versprechungen und schöne Reden hin zu wählen, sondern ihn nach seinen Handlungen izii beurteilen.— Nach diesen einleitenden Ausführungen ging der Redner näher auf die Haltung der FortfchritiSpartei in den vcr. flossenen AcichStagspcriöoen ein. Er erinnerte unter anderm an die Zollkämpfe von 1902. Welche Partei war es, die der Sozia.. demokratie bei ihrem Lerzwciilungskamps gegen die Zollerhöhungcn heimtückisch in den Rücken fiel? Die Fortschrittspartei! Ihren, Programm nach liberal, freiheitlich und Gegner der indiretieu Steuern, hat sie diese Ideale längst preisgegeben und lehnt j. de energische Bekämpfung der Zölle ab. Fast immer stellte sie sich ayj die Seite der Junler. UebrigenS hat eS der Fortschritts. füiibibrtt Eon Halle-Za'nb essen SuZgeiproHen: ,,T!e �ortschritiZ- � Partei ist gegen die Aufhebung der Gctreidezölle. Was wir wollen, ist einzig und allein Aufhebung der Futtermittelzöllc." Die großen Volksmasscn sollen also weiter durch Wucherzölle ausge- beutet werden, wenn nur den Viehziichiern die ihnen lästigen Zölle abgenommen werden. Nun tun sich die Freisinnigen etwas zugute darauf, daß sie das letzte Mal gegen die Zölle gestimmt lmben. Sie weisen cS mit Entrüstung zurück, daß man ihnen die Verantwor- tung siir den Zollwucher zuschiebt. Das ist ja richtig, daß sie gegen die Zölle stimmten, aber es gesckwh erst, nachdem man sie aus dem Block hinausbugsiert hatte. Tatsache ist. daß die Freisinnigen sich schon 1308 Bülow gegenüber bereit erklärten, die neuen Steuern mit den Reaktionären gemeinsam zu machen, daß die Sache dann jedoch auf ihren Wunsch mit Rücksicht auf die Landtagswahlen bis zum Jahre 1909 vertagt wurde. Tatsache ist ferner, und die stenographischen Berichte über die Ncichstagssitzungen beweisen es, daß. als Xmir die Steuervorlage eingebracht wurde, die Frei- sinnigen sich sogleich bereit erklärten, 499 Millionen zu bewilligen. Aber selbst wenn man davon absehen wollte, haben sie sich ja schon durch ihre Haltung bei den Blocktoahlen zu Mitschuldigen an der Zollauswucherung des Volkes gemacht, indem sie so viele Erzrcak- tionäre in den Reichstag schickten, daß die Sache auch ohne die Stimmen ihrer Abgeordneten gesichert war.— Der Redner ging noch weiter unter Anführung eines reichen Tatsachenmaterials auf die Sünden des Freisinns ein, schilderte ihre Stellung zur Welt- und Rüstungspolitik, zur Sozialpolitik und zeigte ferner, welch gefährliche Feinds der Volks- und Arbeiterrechte, namentlich auch des Koalitionsrechtes sie im Grunde genommen sind. Der FrcisiunSkandidat des 3. Kreises ist noch ein unbeschriebenes Blatt und in weiten Kreisen unbekannt, und er wird es sicher auch nach den Wahlen bleiben. Wenn er aber wirklich gewählt werden würde, so würde er ohne Zweifel in der Fortschrittsfraktion werden wie alle anderen. Wer die ganze Unzuverlässigkeit und erbarm- liche Haltung der Fortschrittsleute erkannt hat, für den kann am 12. Januar nur der sozialdemokratische Kandidat in Frage kommen. Darum gilt es alle Kräfte einzusetzen, damit der altbewährte Genosse P f a n n k u ch und die Sozialdemokratie siegreich aus den Wahlen hervorgehen. Ter Vortrag fand stürmischen Beifall. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Nachdem Genosse Bast noch im Sinne des Referenten einige Ausführungen gemacht halte, die sich ebenfalls gegeil den Freisinn richteten, hielt der Kandidat dcS Kreises, Genosse Pfannkuch, eine kernige Ansprache und erwähnte unter anderem, daß Herr Cassel am Soniitag im..Rhcingolo" bei der ..liberalen Heerschau" nach dem Bericht des„Tageblattes" gesagt bat. sie. die Fortschrittler, wollten nicht Leute in den Reichstag haben, die verlangen, daß ein Leutnant und 19 Mann den Reichs- tag ausfegen. Dergleichen große Worte hat man genug gehört. Aver sie kommen von denselben Leuten, die zwei Jahre lang im Bülowblock mit jenen zusammen gearbeitet haben, die den Reichstag mit Militärmacht auseinander treiben möchten. Wenn es darauf ankommt, machen sie die Iauit in der Tasche, reden schön von Freiheit und Gerechtigkeit, von Wohlstand und Vaterland und erklären nebenbei die Sozialdemokratie für die größte Feindin der Freiheit! Sie selbst aber haben die Fahne der bürgerlichen Freiheit jchmählich im Stiche gelassen, und sie können auch nicht iämpfen, weil sie eine Partei ohne Truppen sind. Die Sozial- demokratic hat ihre Mission übernommen, und zvcnn die Liberalen überhaupt noch was ausrichten ivollten, müßten sie mit der Sozial- demokratie zusammengehen. TaS ist von ihnen nicht zu er- warten. Wem es zu tun ist um die bürgerlichen Freiheiten, um das Wohl des gesamten Volkes, dem bleibt nichts anderes übrig. als für die Sozialdemokratie einzutreten. Nachdem der Vorsitzende, Genosse Pohl, noch zu energischer Wühlarbeit aufgefordert hatte, schloß die Versammlung mit Hoch- rufen aus die Partei. '.' Tic Bäcker und die Reichstagsmahl. Eine sehr starke besuchte Versammlung, die der Verband der Bäcker und Konditoren am Dienstag nach Mörners Saal in der Koppenstcaße berufen hatte, beschäftigte sich mit der Reichstagswahl. Ter Referent, Genosse Otto Büchner, be- leuchtete die arbeiterfeindliche Tätigkeit, welche die Mehrheits- Parteien im Reichstage entfaltet haben. Er zeigte, daß jeder Ar- bcitcr, der nicht zum Verräter an seiner Klasse werden will, für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten eintreten muß.— Lekchaster Beifall bewies, daß die Versammelten mit dem Refe- reuten einverstanden waren.— Da sich niemand zur Diskussion N'.cldete, nahm der Vorsitzende Schneider das Wort, um ans die- jcnigen Punkte hinzuweisen, die in der Sozialgesetzgebung bc- sonders die beruflichen Interessen der Bäcker und Konditoren bc- rühren. Schneider empfahl eine Resolution, die einstimmig an- genommen wurde. Sie lautet: Die Versammlung konstatiert, daß der letzte Reichstag, trotz wiederholter energischer Mahnung der Vertreter der Arbeiter- schaft an die Regierungen, nicht das geringste getan hat, um die früheren Anfänge der Sozialpolitik weiterzuführen, sondern auf allen Gebieten der Sozialpolitik und Arbeiterversicherung ist die Arbeiterfeindlichkeit der Regierungen und der bürgerlichen Par- teien ofstm zum Ausdruck gebracht worden.— Von dem neu zu wählenden Reichstag wird nur dann eine gesunde Fortführung der Sozialpolitik zu erwarten sein, wenn die einzige Partei. welche bisher stets für die Besserung der Lage der Arbeiterklasse eingetreten ist, in größerer Stärke vertreten ist, als es im bis- herigen Reichstage der Fall>oar. Besonders unsere Berussangehörigen haben in bezug auf Arbeiterschutz in ihrem und der Konsumenten Interesse das bc- rcchtigtc Verlangen, daß im neuen Reichstage eine flotte Vor- wärtSentwickelung erreicht wird, denn noch haben die Bäcker und Konditoren Teutschlands nicht, wie in anderen benachbarten Ländern, einen gesetzlich festgesetzten Ruhetag in der Woche; noch seuszen Massen unserer Kollegen unter dem Druck regelmäßiger gesundheitsschädlicher Nachtarbeit; noch mangelt es im Handwerl wie in den Fabriken an genügend sachkundiger Kontrolle der Be- triobseinrichtungen. In bezug auf den Schutz der Wöchnerinnen und der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen ist noch außer- ordentlich viel zu tun, um die Verhältnisse nur einigermaßen erträglich zu gestalten. Weil eine wirisame Fortführung des ArbcitcrschutzcS, sowie die Garantie für die Sicherung deS KoalitionsrcchtS nur zu erwarten ist, wenn die Zahl der sozialdemolratischcn Mandate bc- deutend vermehrt wird, macht es die Versammlung allen loahl- berechtigten Kollegen zur Pflicht, nur den Kandidaten der Sozialdcniokratic bei der ReichstagSwahl ihre Stimmen zu geben. . �eltow-Beeskew. Ja einer von konservativer Seite nach Zossen einberufenen Bählerversammlung. die zum gute» Teile von uiiseren Genossen besucht war, stellte sich der Kandidat des Kreises, Herr March, vor. In seinem Referate, das er von Anfang bis Ende ablas, bc- zeichnete er sich als ein unbeschriebenes politisches Blatt, verteidigte die Stellung der Konservativen bei der Finanz- reform und zum Zentrum, verlangte Vcrstärluiig von Heer und Flott« und bekannte sich als Feind des ReichstagSwahl- recht» sowie als Freund von Zöllen jeder Art und dem Mittelstand zu Liebe als Feind der Warenhäuser. Genosse W u s ch i ck- Berlin zerpflückte die Rede, so weit die» bei der beschränkten Redezeit möglich war und Genosse L i e s ergänzte die Ausführungen', wobei er mit der hiesigen Klerisei in Konflikt kam. Ein christlichsozialcr .Arbeiter" zog mit TcrrorismuSmärche» gegen die Sozial- demokratic zu Felde und erklärte sich»nit dem Rcfcrcntc» vollständig einverstanden. Auch diesen Herren knöpfte sich Genosse Wuschick noch einmal vor, und wies nach, baß alle Verdächtigungen' der Sozialdemokratie bis jetzt einer Kritik nicht standgehalten hätten, Zur persönlichen Bemerkung erhielt unser Redner das Wort nicht mehr und wurde die Versammlung dann schnell geschlossen. Trotz der gegnerischen Provokationen ließen sich unsere Genossen nicht zu Nnbesonnenheiten hinreißen und bewahrten eine ausgezeichnete Disziplin. Sie werden alles daransetzen, daß das»unbeschriebene politische Blatt" die Sorgen eines Reichstagsmandats nicht auf sich zu nehmen braucht und eS am Abend des 12. Januar heißt: Gewählt ist der langjährige bewährte Vertreter des Kreises Genosse Fritz Zubeil. Eine stark besuchte öffentliche Wählerversammlung, in der auch die Frauen gut vertreten waren, tagte am Sonntag in Raddatz' Fest- iälcn in Britz. Genosse R. S i l b e r st e i n- Rixdorf ließ in seinem Referat alle bürgerlichen Parteien, die sich im Kreise Teltow-BeeSkow um das Mandat bewerben, Revue passieren und zeigte hierbei, welch elende Rolle die Vertreter dieser Parteien im verflossenen Reichstage gespielt haben. Unter dem Beifall der Versammelten forderte er aus, die neuen Scharfmacherpläne durch Abgabe sozial- demokratischer Stimmzettel zu durcklreuzkn. Der Vorsitzende machte noch aus die am 11. Januar im. GesellschaftShauS", Chausseestr. 97, ftatifindende Wählerversammlung aufmerksam. Eingeleitet und geschlossen wurde die Versammlung durch Gesangsvorträge de» Arbeiter- gesangvereins„Britz". Schöncberg. Zu der am Sonntag im„Rheinschloß" statt- gefundenen össentlichen Versammlung wird unS noch mitgeteilt, daß dort ein konservatives Mäiinlcin auftrat und in echter ReichS- verband.manier gegen die Sozialdemokratie loszog. Diese Staats- stütze verstieg sich sogar zu der dreisten Behauptung, daß eS den Arbeitern noch nie so gm gegangen sei als gegenwärtig. Einen Beweis konnte er natürlich für das alberne Geschwätz nicht erbringen und die Versammlung gab ihm zu verstehen, daß nur durch die Wahl von Sozialdemokraten bessere Verhältnisse für die Arbeiter geschaffen werden können. Buckow. In Kleins Gasthaus fand am Sonntag eine gut be- suchte Wählerversammlung statt. Genosse Riedel- Wilmersdorf fand als Referent begeisterten Beifall. Genosse Senimler forderte die Anwesenden auf, den„Vorwärts", das einzige aufkärende Organ für den Ardeiter, zu abonnieren. Da die hiesigen Saalbesitzer den Arbeitern noch immer ihre Säle zur Versammlung verweigern, so forderte Genosse Hademeck die Anwesenden auf, nur da ihr GlaS Bier zu trinken, wo sie als gleichberechtigt angesehen werden. Lankwitz. In der zum 8. Januar einberufenen gut besuchten öffentlichen Versammlung sprach Genosse Kluß über die Reichstags- wähl. Seine Rede fand lebhatlen Widerhall. In der Diskussion unterstützten die Genossen Schreiber, Barwig und Anders den Refe- reuten. Die Versammlung war zur besucht. Dabendorf bei Zossen. Ii, gut besuchter Versammlung in Haakers„Wald- und Seeichloß" referierte Genosse Albin M o h S- Schöneberg. Redner verstand eS, die Zuhörer durch seinen Vortrag, der niit stürmischem Beifall mifgenoimnen wurde, zu fesseln. An der Diskussion beteiligte sich Genosse Seile, der das Referat durch einige Beispiele ergänzte. Genosse Lau ermahnte die Anwesenden, un- ermüdlich für uiiseren langjährigen Vertreter Fritz Zubeil zu agitieren. Storkow und Kummersdors hatten am Sonntag je eine gut- beiuchle Versammlung zu verzeichnen, in denen Genone W u tz k y- Rixdorf reseriertc. Trotz der Ichlechten Wiltermig war die Stimmung eine begeisterte und läßt ans die besten Hoffnungen am Wahllage schließen. Um den Besuch der Versaininlungcn zu unterbinden, war alles Mögliche versucht worden. Nicht nur, daß Kriegerverein und Feuerwehr Sonntag nachmittag Versammlungen abhielten, in StahnS- darf fand sogar eine Gemeindevertretersitzung stall. In Kummersdors soll cS von einigen Jagdpächtcrn Sonnabend abend Freibier für die Wähler gegeben haben. In Wolzig hat man sich sogar nicht ge- scheut, konservativ« Flugblätter durch Schulkinder austragen zu lassen.— Dies alles, um die unaufhaltbare „rote Flut" einzudämmen. In Neu-Zittau und Wernsdorf fanden gutbesuchte Versamm- lungen statt, in denen Genosse Schulz referierte. Seine inter- essantcn Ausführungen wurden durch die Genossen Heidbeck, Hohen- stein und Fiedler ergänzt. Gut besuchte Bersammssingen fanden am Sonntag in Trebbin statt. Vor über 599 begeistert lauschenden Zuhörern sprach Genosse Fritz Zubeil, der für sein« treffenden Ausführungen lebhaften Beifall erntete. In einer zweiten Versammlung in der Plantage sprach Genosse Zabel- Rixdorf. Zwei Genossen beleuchteten die örtlichen Verhältnisse und alle gelobten, am 12. Januar den Sieg der Sozialdemokratie zu einem überwältigenden zu gestalten. Die vom Rixdorfer Wahlkomitce einberufene Polenversammlung war verhältnismäßig gut besucht. Das temperamentvolle Referat des Genossen F. PodemSli wurde von wiederholten, allgemeinen ZustimmungSlundgebiingcn unterbrochen und auch die Ausführungen der DisluisionSredner Jankowsli, UrbahnSki und SlowinSli wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Ter Erfolg dieser Versamm- lang wird aber auch noch auf anderem Gebiete zu suchen sein, in- dem er ein engeres Zusammengehen zwischen Wahlverein und P. P. S. bringen dürste. Die?iationalpolen. die nicht begriffen hatten, daß hinter den Einberufecn der gesamte Rixdorfer Wahlverein stand, hatten wohl geglaubt, eS nur mit dem kleinen Häuflein der P. P. S. zu tun zu haben und hatten zu dem Zweck einer Verhinderung bczw. Sprengung unserer Veranstaltung in demselben Lokal eine Versammlung«inberusen. Da sie in größerer Zahl erschienen, glaubten sie sich als Herren der Situation betrachten zu können und eröffneten denn auch schon bei der Flugblatt- Verteilung vor dem Lokal den Kampf, indem sie die geringe Zahl unserer polnischen Genossen auszuschalten versuchten. Alle Vorhaltungen über ihre perfide Kampfesweise beantworteten sie mit Hohnlachen und erst als ihnen bedeutet wurde, daß im Lokal eine Anzahl deutscher Genossen erschienen sei zum Schutze ihrer pol- nischcn Brüder, ließen die Nationalen sich zu anständigerem Vcr- halten betvegen. So bedeutet denn diese Versammlung einen glän? zenden Neinfall der Nationalen, aber auch, so hoffen wir, den An- fang einer ernsten Polcnbewcgnng in Nixdorf. J�icckrbarmm. In einer von weit«der 1000 Personen besuchten öffentlichen Versammlung in Rciuickendorf- Ost sprach am letzten Freitag Genosse A. Stadtbagen. Die Versammlung ge- staltete sich zu einer gründlichen Abrechnung mit dem konservativ- liberalen sowie ganz besonders mit dem schwarzblauen Schnapsblock. Wiederholter lebhafter Beifall dankte dem Kandidaten de« Kreises, als er in kräftigen, markanten Worten die Sünden der Reichstags- Mehrheit und der ihr in gottgewollter Abhängigkeit treu ergebenen Regierung ins rechte Licht rückte und seine Entrüstung über ihre oft schändlichen Wandlungen mit treffenden Worten charakterisierte. Wie eine wuchtige Demonstration für die Ziele der Sozialdemo- lratie und wie ein Gelöbnis zu eifriger Propaganda bis zum Wahl- tage klang das Hoch auf die Sozialdemokratie, in das dl« Ver- sammelten nach«wem kurzen Schlußwort des Versammlungsleiters einstimmten. Zeigten schon unsere Versammlungen, daß die große Masie der Arbeiterschaft eine Besserung der elenden politischen und Wirtschaft- lichen Zustände nur von der Sozialdemokratie ertvartet, so noch mehr zwei Lcrsammlmigcn, die sowohl vom Zentrum, als auch von dm Liberalen am Montag nach dm beiden einzigen am Orte den Arbeitern noch nicht zur Verfügung stehenden Lokalen einberufen waren. Den Eiubcrufern und ihren Freunden wird cS wohl selbst klar geworden sein, wie aller Liebesmüh ver- geben? gewesen ist; denn trotz Einladungen durch Handzettel wie Säulenanschlag war der Erfolg ein kläglicher. Ein paar Dutzend Männlein und Wciblein bei den„Schwarzen" und noch nicht ein halbes Hundert tapfere Mannesseelen bei den liberalen Waden- strümpflern bildeten das„herzlichst" geladene und schmerzlichst ver- mißte Publikum. Zum großen Gejammer aller Redner in beiden Versammlungen hatten die Arbeiter die Herrschaften ihrer verdienten BedeutungSlosigleit überlassen und werden eS auch weiter tun. Für sie gilt— und sie werden cS am Freitag beweisen-» nur eins: Wir wählen den Soziald ein o k r a t e n Artnr Stadthagen l Nicder-SchSahausen-Nordeiid. Die Wählerversammlung. die am Montag bei Licdemit stattfand, war von allen Teilen der Bcvölke» rung sehr stark besucht. Trotzdem die Tische aus dem Saale ent- fernt wurden, mußten noch weit über 109 Personen stehen. Der Kandidat des Kreises. Genosse S t a d t h a g e n, sprach, oft von Zu- slimmung und Begeisterung unterbrochen, über„Teuerung, Kriegs- betze und ReichstagSwahl" und ließ seine Rede in einen flammenden Appell, am 12. Januar sozialdemokratisch zu wählen, auSklingen. Von den anwesenden Gegnern meldete sich trotz wiederholter Auf- forderuna niemand zum Wort. D-r«Gesangverein„Zukunft" trug am Anfang und Schluß der Versammlung ein Lied vor. Heinersdorf. Am Sonntagnachmittag fand hier eine öffentliche Wählerversammlung bei Raddatz in der TiniuSstraße statt, in der Genosse Diener- Weißensee über daS Thema:„In letzter Stunde" mit großem Beifall referierte. Trotz der großen Kälte hatten sich über 299 Persouen eingefunden. In WilhelmShagrn(Bezirl Schöneiche), wo noch nie eine Ver- sammlung stattgefunden hat, referierte am Sonntag Genosse H. Röhl über:„Die bevorstehenden ReichStagswahlen". Die zahlreich erschienenen Anwesenden zollten dem Aortrage reichen Beifall. MahlSdorf(Ostbahn). Eine gutbesuchte Wählerversammlung tagte Sonntagabend in Mahlsdorf-Süd im Heidekrug. Der Referent Genosse Fritz T a r n o w schilderte in glänzender Rede, warum am 12. Januar ein Vollsgericht sei. Er erwartet, daß die Wähler endlich einsehen werden, daß nur durch die Wahl deS sozialdemokratischen Kandidaten Artur S t a d t h a g e n eine Besserung zu erwarten sei. Bruchmühle. Sehr guten Besuch hatte eine am Sonntag bei Kutzner staltgefundene Wählerveriammlung aufzuweisen, in der Genosse I a e ck unter lebhaftem Beifall referierte. Zum ersten Male war den Einwohnern in Kienbaum Gelegen- heit gegebe», in ihrem Dorfe eine öffentliche Volksversammlung zu besuchen, die von unseren Genossen einberufen war. Lange vor der festgesetzten Zeit eilten jung und alt dem Lokale des Herrn Heuslcr zu. um an diesem„Ereignis" teilzunehmen. Genosse Weiler, dessen Ausführungen mir großer Aufmerksamkeit verfolgt wurden. referierte., In Ahrensfelde referierte in einer gut besuchten öffentlichen Volksversammlung Genosse Schwarzburger, Ober-Schöne- iveide. Am Anfang und Schluß der Versammlung trug der Arbeiter- Gesangverein FriedrichSfelde einige stimmungsvolle Lieder vor. Es leben unsere Freunde— die Feinde. In Ruhlsdorf(Bezirk Bernau) hatte man unseren Gcnoflen be- kanntlich das Betreten des Grundstücks, auf dem die Versammlung stattfinden sollte, verboten, und ein Hellmut v. Blücher hatte das Grundstück schützen lassen, damit die„rote Saat" nicht in die agrarische Erde fiel. Trotz des fanatischen Hasses dieses Mords- Patrioten gelang eS unseren Genossen, ein anderes Grundstück zu pachten, und in imposanter Versammlung streute Genosse Fritz Carl die Saat des Sozialismus in die Herzen der zahlreich erschienenen Zuhörer. Am 12. Januar werden wir hier schon die ersten Früchte ernten und dem hochadligen Herrn unseren Dank abstatte». Zerpenschlcuse-Berg(Bez. Lichtenberg). Zu der am Sonntag unter freiem Himmel stattgefundenen öffentlichen Wählerversammlung hatte in wirksamster, wenn auch nicht beabsichtigter Weise Herr AmtSvorsteher S e e g e r die Agitation übernommen. Genannter Herr hatte dem Einbcrufer, Genoffen Thurm-Lichtenberg, die Ge- nehmigung versagt und begründend ausgeführt, daß jetzt kurz vor den Reichstagswahlen.Ausschreitung«» zu befürchten wären", weil bei einer im März v. I. dcctselbst stattgestindenen Versammlung es zu Ausschreitungen und tätlichen Angriffen gekommen sei, was in einer Zuschrift an die Staatsanwaltschaft unter anderem auch der Reichstagsabgeordnete Stadthagen behauptet hätte. Tatsächlich ist die Scegersche Behauptung unwahr. Ju einer Ber- sammlung unter freiem Himmel waren unter Anführung des Lehrers und Kantors Albrecht und deS Amtsvorstehers von einer Schar Radaubrüder wüste Rodauszenen nach vorheriger Vereinbarung vom Nebengrundstück aus aufgeführt. Gegen diese Leute war wegen LandfricdenSbruchSversuchs und Beleidigung von Stadthagen Straf- antrag gestellt. In dem Strafantrag ist ausdrücklich hervorgehoben, daß es lediglich durch das Einschreiten der Versammlungsteilnehmer nicht zu den von Secgcr und Genossen zn provozieren versuchten Tätlichkeiten gekommen ist. Seeger scheint die Anführung der Tat- fache, daß. als er schrie,„Jetzt wird der Jude heiser", sein Zabn- gebitz dem Gehege entfiel, so daß er eö schleunigst unter Heiterkeit der Versammlung in Ordnung bringen niußte, als Tätlichkeit er- achtet zu haben. DaS Strafverfahren hat sein Ende noch uicht erreicht. Selbstverständlich teilte der Landrat des Kreises auf die Be- schwerde unserer Genossen mit. daß er den Amtsvorsteher angewiesen habe, die Lcrsainmlnng zu genehmigen. Sonnabendabend in letzter Stunde erteilte Herr Secgcr dann die Genehmigung. Da unsere Genossen nun natürlich keinen Grund hatten, vorstehend Geschildertes zu verschweigen, war die Versammlung trotz der schneidenden Kälte sehr gut besucht. Der Referent Genosse Hulitschle-Berlin hatte«ine dankbare Zuhörerschaft als er nachwies, warum die stattfindende ReichstagSwahl zu einem Volksgericht werden müsse. Die Auf- sorderung, niemand anders als Genossen Stadthagen die Stimme zu geben, wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. » In Ladeburg(Ober-Bantim) sprach bor 359 Personen«enoffe BrunS über die Eozialdeniolraiie und ihre Gegner. Redner be- dauerte,, daß der konservative Gegenkandidat Herr Bredereck von der Einladung zu dieser Versammlung keinen Gebrauch gemacht hat und sich die Antwort ans seine Schlußrede in der konservativen Ver- iammlung, die vorig« Woche hier slattgefnnden hat, nicht geholt hat Nach einer kurzen Ansprache des Genossen Fritz Carl ermahnte der Vorsitzende die Anwesenden, die wenigen Tage vor der Wahl noch kräftig zu agitieren und am 12. Januar die Stimmen dem iozialdeinolratischc» Kandidaten, dem Stadtv. Bernhard Bruns- Berlin zu geben. Arn Ansang und Schluß der Versammlung brachte der Aibeitcr-Gcsangverein„Freiheit" einige stimmungsvolle Lieder zum Vortrag. potsÄam-Olt-I�aveUÄnä. � In den beiden für Sonntag einberufenen giitbcfuchte» Wähler. Versammlungen in Cladow und Gatow referierte Arbeitersekretär Genosse Robert B u b n- Berlin. Wie treffend der Referent es ver- standen hat, die Sünden des verflossenen Reichstags den Wählern vor Augen zn führen, zeigte der Beifall, den ihm die Bersammlungö- besucher wahrend seines tiieferatS zollten. Mit einem krästigen Appell des Versammlungsleiters, olles daran zu setzen, daß am 12. Januar der so heiß umstrittene HohenzollernkreiS m den Besitz der Sozialdemokratie gelangt, schlössen beide imposant- Versamm- lungen mit einem brausenden Hoch aus die Sozialdemolrati». � | Todes-Anzeigen| SoziaiileniokratiseiiJaiilYereiD für den 1. Herl. Reictisiagswalreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Zimmerer �'ilkelm iisniscd verstorben ist. Ehre feinem Zlndenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Petri-FriedboseS, Friedenstraßc, aus statt. 260/3 Um rege Beteiligung ersucht Vvr Von«t»n€t fieerdigungsverein Berliner Zimmerleute. I Am 8. Januar er. verstarb nach längeren» Leiden unser Kamerad, der Zimmerer WilKeim Hanisch im Alter von 68 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Januar cr., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Petri-Kirchhoses, Friedenstratze, aus statt. Um rege Beteiligmia bittet '31196 Der Vorstand. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 5. Den Berussgenosse» zur Nach- richt, daß miser langjähriges Mit- glied Vilbeim Haniseh an» 8. Januar an Herzlähmung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 11. Januar cr., nachmittags 3 Uhr, von dcrLcichen- halle des PctrikirchhoscS, Frieden- slraße 82, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/1 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten tiesbetrtlbt die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter geb. Wide am Montag früh nach schwerem Leiden sanit entschlafen ist. j Um stilles Beileid bittet der /rauernde Gatte Deinrled Hecke nebst Kindern. Die Beerdigung findet am DonnerSstag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des St. Michael» Kirchhofes, Mariendorfcr Weg, auS statt. 8Meilil!ltMeli.VahI?emii kür clsn 1. Bef!. REiehstags-Walreis. Köpenickcr Viertel. (Bezir! 210 II.) Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unsere Genossin, Frau Hedwix Hecke Oppelner Str. 22 gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet ani Donnerstag, den 11. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle deSMichacl-Kirchhoses in Rirdori, Maricndorscr Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 212/9 Ter Vorstand. Verband der freien Last- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Fi-au dcS Kollegen. Hedwg Hecke Oppelner Str. 22(Bezirk 4) verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet an» Donnerstag, den 11. Januar er., nachmittags 4 Uhr, vvnder Leichen- Halle des Katholischen Kirchhofes. Mariendorser Weg. auS statt Um rege Beteiligung ersucht 72/2 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Alle»» Freunden und Bekannten sür die überaus zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meiner lieben Frau Ansnste Dumtzlaff meinen herzlichsten Dank. Ebenso danke ich dem Gesangverein.Wach aus", dem Ardeitcr-Radsahrverein, dem Wahlvercin, den Kollegen der Finna Bergmann, Abteilung Groß- uiaschnienbau. sür ihre Spende, imd dem Herrn, sür seine ticjeinpsundenen Worte am Grabe. Tlieodor Dumtzlaff nebst Kindern. Sozialdemokratischer WahlTerelD des 0. Kerl. Reichstags-Wahlkreises. Todeaanzeise. Am 7. Januar verstarb unser Genosse, der'Arbeiter ViKtoi' k�ritsck Wichertstraße 129. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- hoses in FriedrichSseldc auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Mnl der Brauerei- nd MUMeiler sl Zahlstelle Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß am 7. Januar der Kollege Biersahrer G Viktor Fritsch nach l'/zjährigem schweren Leiden in» 36. Lebensjahre an der Proletarierkrankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Januar, nachmsttagS 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Fricd- hoses in Friedrichsseide aus statt. Rege Beteiligung erwartet 12/1 Ter Borstand. ISoziaidemokratischerWailivereiii des K. Kerl. Reichstags-Wahikreises. Am 8. Januar verstarb unser Genosse, der Packer Vilbeim Rampbenkel Koloniestr. 42. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Januar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Sophien-Kirch- Hofes, Freienwalder Straße, aus statt. 224/5 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deütseher Traospörtartelter- Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kolleg«, der HauS- dien« Vilbeim Rampbenkel am 8. d. MtS. im Sllter von 21 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Januar, nach- mittags 3'/, Uhr. von der Leichenhalle des Sophien-Kirch- hoses, Freienwalder Slraße, aus statt. 61/3 Oie Bezirksverwaltung. I Sozialdemokratischer Wahlvereio des |6. Kerl. Reichstags-Wahikreises. Am 6. Januar verstarb.unser | Genosse, der Werkmeister Bauer Salzwedeler Str. 15. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 10. Januar, nach- mistlagS 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS«t. Georgen-KirchhofeS, Landsberger Allee, aus statt. Ilm rege Beteiligung ersucht 224/4 Ter Vorstand. 8vml!jgiR0kraliseh.Wahl?ere!R kreis HietWaniiiii Bezirk Pankow. I Montag, den 8. Januar, ver- 1 starb unser Mitglied, der Leder- I arbeiter, Genosse Ntax Zips. Ehre seinem Aiidenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 11. Januar er., nachmittags 3 Uhr. aus dem Pan- lower Friedhos(Schönholz) statt. Rege Beteillgimg erwartet Oie Bezirksleitung. I . Deutscher iMetailarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß l unser Mitglied, der Schlosser Friedrieb«luiter gestorben ist. 110/7 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 10. Januar, nach- miitags 1'/. Uhr, von der Leichenballe des Dankes-KirchhoseS in Reinickendorf, Blankestr., aus statt. Rege Beteiligung erwartet Tie Qrtsverwaltung. Gknossklischliftsstkuildk! Mitglikdkr der Koilsumvkrkiitk! Men Wählen wir? Von der unterzeichneten Abwehrkommission für daS Konsumvereinswesen geht uns folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Bei Handwerkskammern und händlerischen Organ! sationen Deutschlands machen sich seit Jahren Be strebungen geltend, den bei politischen Wahlen auf tretenden Bewerbern sogenannte Mittelstandsforderungen zu unterbreiten, welche sich in erster Linie auf die gesetzgeberische Bekämpfung der bestehenden Konsum- vereine durch Ausnahmebesteuerung und Beschränkung des Geschäftsbetriebes beziehen. Nach dieser beab- sichtigten künstlichen Entwickelungshemmung ist es außer- dem auf die Verhinderung der Gründung neuer Konsum- vereine abgesehen, wozu insbesondere die Aufwerfung der Bedürfnisfrage dienen soll. Da nun diese Bestrebungen seitens der bezeichneten Korporationen wie auch innerhalb des Hansabundes ganz besonders für die bevorstehenden Reichstagswahlen hervorgetreten sind, sah sich eine am 3. u. 4. Oktober 1911 tagende Konferenz von Vertretern des deutschen Konsum- Vereinswesens veranlaßt, die Mitglieder der Konsum- vereine ohne Unterschied der Parteirichtung zur energischen Abwehr aufzurufen und dieselben zu ersuchen, überall die erforderlichen Maßnahmen gegen die be- zeichneten Bestrebungen einzuleiten. Für diese Abwehrmaßregeln wurde u. a. folgender Gesichtspunkt aufgestellt: „In jedem Wahlkreise, in dem Konsumvereine vorhanden sind, sind durch eine für jeden Bezirk zuständige Abwehrkommission sämtlichen Kandidaten der Parteien folgende Fragen vorzulegen, die sich lediglich auf die Stellungnahme des Kandidaten zu den Konsum- vereinen im Falle seiner Wahl als Abgeordneter be- ziehen: Ist der Kandidat gewillt: 1. im Falle seiner Wahl als Abgeordneter gegen jede Benachteiligung der Konsumvereine auf dem Gebiete der Gesetzgebung zu stimmen? 2. bei einer event. Aenderung des Genossenschafts- gesetzes jede Verschlechterung desselben überhaupt, wie auch jede gegen die Konsumvereine gerichtete Aenderung und insbesondere die Einführung der sogenannten Bedürfnisfrage für die Gründung neuer Konsumvereine oder Filialen solcher abzu- lehnen? 3. jede Ausnahmebesteuerung der Konsumvereine abzulehnen? Die Fragebogen sind den Kandidaten in den letzten Wochen zugegangen und sind zum Teil gar keine Ant- Worten erfolgt, zum Teil in ungenügender Weise, indem Einschränkungen gemacht ivurden, die gleichbedeutend mit Ablehnung sind; nur ein geringer Teil der Kandi- baten hat die Frage in bejahendem Sinne beant- wortet. Während die Herren: O. Thomas. Geschäftsführer. R. Gaedtke, Oberst a. D., I. Kaempf, Stadtältester, K. Mommsen, Bankdirektor, Roßbach, Rechtsanwalt, O. Ziethen, Oberbürgermeister. Schubert, Architekt. überhaupt nicht geantwortet haben und die Nicht- beantwortung einer Ablehnung gleichbedeutend ist, ant» wortet Herr March, Charlottenburg, direkt ablehnend. Auch die Antworten der Herren Professor Cauer, Red. Erdmannsdörfer und Professor Spiegel können uns nicht befriedigen, da uns dieselben nicht klar genug sind. Eine einwandfreie und befriedigende Antwort haben nur die Kandidaten der Sozialdemokratie ge» geben. Wir geben das Resultat der Umfrage mit der Auf» forderung bekannt: Kein Genossenschaftsfreund, kein Mitglied der Konsumvereine darf am 12. Januar 1912 einem Gegner des Konsumvereinsweseus seine Stimme geben. Es muß Aufgabe der Konsumvereinsmitglieder sein, allen konsumvereinSfeindlichen Bestrebungen energisch entgegenzutreten. Die Abiuthrkmmlsjlon gegen die Angriffe des Konsumvereinstvesens Groß-Deriitts. I. St.: Slndree. SozialdemokratischJahlvereiD Cbarlottenburg. 8lm 6. b. M. starb unser Genosse Franz KoreBl (Gruppe V) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Januar, nach- nachmittags 3 Uhr, aus dein wüd- welt-Kirchhos in Stahnsdorf statt. Abfahrt Charlottcnburg 2.07 Uür. 250/3 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Pater, Schwieger- und Großvater, der Gastwirt .Julius Grunwald Rißdorf, Bergstraße 43, am 7. Januar sruh'/,8 Uhr im 45. Lebensjahre verstorben ist. Dies zeigen in tieser Trauer an mit der Bitte um stille Teilnahme 2420b Die trauernden Hinterbliebencii Witwe-skuix. Ciruuwald nebst Kindern Willi Förste Aue. Förste geb. Grimwald. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Sebastian-Kirch- hoseS in Rcinickendors, Humboldt- straße, auS statt. StKialdemokrat. Wahlvereio Rixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Schankwirt ,luliu8 Grunwald (Bergstr. 43) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigimg findet am Donnerstag, den 11. d. M.. nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle deS ScbastiankirchhoseS in Reimckendor'..Humboldtstraße, aus Natt. 236/2 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teunahme und die reichen Kranz- spenden bei dein Hinscheiden unseres lieben Bruders Faul Kraft sagen wir hiermit allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. Oie trauernden Ninterhliebenen. Verband der Schneider, Schneiderinnen u. Wäsche- Arbeiter Deutschlands. Filiale Berlin II. Zuschneider. Am Montag, den 8. Januar, j starb unser Kollege Vilbeim Giagemann Ztoppenstr. 79 im Sllter von 47 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am> Donnerstag, den 11. Januar, nach. mittags 3 Uhr, von der Halles des St. Georgen-Kirchhoss, Lands- bcrgcr Allee, auS statt 162 2_ Oie Orlsverwallung. Nach schweren Leiden entriß I imS der unerbittliche Tod unfern | inniggeliebten Sohn und Bruder Otto Helbigr | im 28. Lebensjahre. Dies zeigt schmei-zersüM au Familie H. Helbig, Lübbener Str. 12. Beerdigung Freitag 3 Uhr von I der Halle des InnmauS-KirchhoseS, I Hcrmannstraße. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Be- crdigung meines lieben MamieS, unseres guten Vaters Gustav Paschke sagen wir alle», insbesondere der Direktton der B.E.-W.u. den Kollegen unseren herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen Wiiive HcdwigPaachke liebst Kindern. 2424b Allen, die meinem lieben� Mann. unserm guten Vater, dem Steinmetz Ulbert üicas die letzte Ehre erwiesen und uns Trost gespendet haben, herzlichen Dank. Klara Lucas««bst Kindern, Nieder-Schönhausen, Kepplerstr. 3. Danksagung. Für die vielen Beweii« herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsere» guten Vaters >�uxust Wedow lagen wir allen Freunden und Be- kannten, den Kollegen der Werkstättc WalterSkötter, dem Holzarbeitervcr- band, dem Wabloerem und dem Ge- sangverein unseren herzlichste» Dank. Die trauernde Wilwc A»»a Wedow nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben ManncS und guten BalerS, sage ich allen Teilnehmern meinen besten Dank. Witwe Przhdroznh und Kindern. Fxtra- Abteil»iib . Gesch.; Berlin W., Mohren- StraBe37a(2 Haus von der| ierusalemer Straße). III. Gesch.: Berlin NO., Große Frankturt. Str.11S(2. Haus von der Andreasstraße). Sehrgr. Ausw. feit. Kleider, Hüte, Handschuhe, Schleier etc. v. einfachsten bis zum hochelegant Genre z.äoQerst niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: naUunrcrtiBang in 10 bis 12 Stunden. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PrinzeDSlr. 41,££,<•» 10— 5— 7. Sonntags 10— 12. 2—4. SLausch- tjnantäi pUJivtte3S "Hü Abendnröntel|E PidscMntel M. IS. 25,- Fionschniiintel M. 12.- 17. 28— cp vi 33a 50«. 75b CD 10=f w r— •« CO CO CP CO co" CO 52. CD g? Kostüme M I6.. 24. 30— PellsadielMleii*f Snet MeMia M. 50bs400| 1 0ds 63' z. T. £5 M.6. bis zum 9.. 12. IS. kunliel ermässigt!& Lagerbestand ca. 16000 Plecenl WestmmnX OTlflhrenslr. 37s-— Grosse Sra/ikfurterstr 1i5. Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag. Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer u. Lo., Berlin SMi, Ar. 7. 29. Iflfin» 2. KilM Ks„Wmlirls" Kkrlim Zsllisdlslt. Mittwoch. 10. IlNlvar lSl2. Em der Partei. Aufruf. Am 7. April borigen Jahres hat sich der Bergmann Hermann Hasse aus Eg e l n, geboren am S. Oktober 1868 zu Lodersleben, Kreis Querfurt, von seiner Familie entfernt, ohne bisher ein Lebenszeichen von sich gegeben zu haben. Derselbe tvar bis dahin ein sehr solider Mensch; er war im Bergarbeitcrverband organi- siert und war auch ein gurer Parteigenosse. Am 7. April kam Haase von der Kontrolle der Ersatzreservisten in sehr erregtem Zustande nach Hause und bekam ganz ungewohnte und offenbar krankhafte Wutanfälle, nach denen er sich aus der Wohnung entfernte. Seit- dem ist er verschollen. Alle Nachforschungen nach ihm, auch von feiten der Staatsanwaltschaft blieben ohne Erfolg. Vielleicht lägt sich jetzt zur Zeit der Reichstagswahlen der Aufenthalt Haases ermitteln, falls er noch am Leben sein sollte. Haase war 1,6l Meter gross, ziemlich korpulent und hatte einen kleinen hellblonden Schnurrbart. An der rechten Kopfseite hatte er eine etwa erbsengroße Warze, direkt über dem Ohre. Es wäre für die Familie von grossem Vorteil, wenn der Verbleib des Mannes aufgeklärt würde. Da derselbe sonst ein sehr ruhiger Mensch war, muß der Wutaus- druch desselben als Krankheit angesehen werden; es könnte also, wenn feststeht, daß derselbe sich nicht mehr unter den Lebenden be- findet, eventuell ein Anspruch auf Hinterbliebenenrente bei der Knappschaft gestellt werden, deren Mitglied Haase 13 Jahre ge- Wesen ist. Jeder, der Haase etwa seit dem 7. April gesehen haben sollte, wird gebeten, unverzüglich Nachricht an seine Frau, Marie Haase, Egeln, Unterknick 16 wohnhaft, zu geben. Alle Auslagen werden gern ersetzt. Die Arbeiterpresse wird um Nachdruck gebeten. Tie Bestattung des Genoffen Tr. Simon. Zürich, 8. Januar. Der Unterschied der Zustände in der Schweiz und in Deutschland trat bei der Bestattung unseres der- storbenen Genossen Dr. Simon recht grell zutage. In Deutsch- land wird einem Privatdozenten, weil er Sozialdemokrat ist, das Lehramt an der Universität genommen, obgleich er über ein gänz- lieh unpolitisches Thema, wie die Physik es ist, Vorlesungen hält. In Zürich treten Männer in angesehener staatlicher Stellung an das Grab eines Arztes und widmen ihm die ehrenvollsten Nachrufe. obgleich sie wissen, daß der Tote ein Sozialdemokrat war. Und niemand nimmt Anstoß daran. So sprachen am Sonnabend bei der Bestattung unseres der- storbenen Genossen Simon Professor Dr. C l o u l l a, der Dekan der medizinischen Fakultät der Universität, den Aerzten und vielen Herzkranken dem Namen nach bekannt als der Entdecker des Digalen. Weiter Professor Dr. S i lbc r s chm i d t, der Direktor des Hygienischen Instituts, in dem Simon arbeitete und in dessen bevorstehendem Neubau, wie der Direktor mitteilte, auch ein Ar- beitsraum für Simon vorgesehen war. Endlich unser Genosse Oberrichter Otto Lang. Sehr bemerkenswert und für deutsche Verhältnisse von Be- deutung waren einige Bemerkungen in der vorzüglichen Rede Pro- fcssor Cloulla's. Er äußerte unter anderein: „Die Fakultät kann nicht bei dem Hinscheiden eines jeden Kol- legen vertreten sein, sie muß sich darauf beschränken, diese Ehrung nur jenen zu erweafen, die zu ihr in offizieller Beziehung gestanden haben. Wenn wir diesmal hier eine Ausnahme gemacht haben, so ist das deshalb geschehen, weil der Verstorbene einer der Unseren gewesen ist, wenn auch nicht verbrieft oder durch Dekret zur Universität gehörig. Aber er war der Unsrige durch die jähre- lange gemeinsame wissenschaftliche Arbeit und durch das Band ge- meinsamen wissenschaftlichen Strebens. So war er der Unsere und verdient die Ehrung der Fakultät mehr als mancher Dekretierte." Wo ist der Professor im Deutschen Reich, der in einem ähn- lichen Falle ähnliches zu sagen wagte? Parteilitcratur. Nachtrag zum Handbuch für sozialdemokratische Wähler 1911. Herausgegeben vom Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ver- lag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H., Ber- lin SW.68. Preis 50 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Allen Politikern, die das Handbuch für sozialdemokratische Wähler besitzen, wird dieser Nachtrag unentbehrlich sein. Die Landbevölkerung und die Sozialdemokratie(Heft 11 der sozialdemokratischen Flugschriften). Verlag Buchhandlung Vor- wärts Paul Singer G. M. b. H., Berlin SW. 68. Preis 10 Pf. Durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Die Broschüre ist geeignet, die Landbevölkerung über die Bestrebungen der Sozialdemokratie aufzuklären; sie ist aber auch den agitatorisch tätigen Genossen als Materialguelle zu empfehlen. Kommunale Praxis. Die erste Nummer des neuen Jahrgangs ist soeben erschienen und gewährt einen reichen Ueberblick über das vielgestaltige Leben in den Kommunen. Tie Lektüre der„Kommu- nalen Praxis" ist wichtig für alle diejenigen, die in irgendeiner Weise in den Gemeinden tätig sind. Für sozialdemokratische Ge- mcindevertreter, Stadtverordnete und andere kommunale Funktio- näre ist die„Kommunale Praxis"— die das einzige kommunal- politische Organ darstellt, das unter sozialdemokratischen Gesichts- punkten redigiert wird— unentbehrlich. Da gerade jetzt ein neuer Jahrgang beginnt, ist es besonders angezeigt, die„Kommunale Praxis" zu"abonnieren. Interessenten erhalten vom Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. in. b. H., Berlin SW. 68, Probenummern kostenlos zugestellt. Bestellungen zum Preise von 3 M. pro Quartal nehmen alle Postanstaltcn, Buch- Handlungen und Zeitungsspeditionen entgegen. Ein Tenunziantenstücklein. Landtagsabgeordneter Kinkel hat in Göppingen (Württemberg) bei einer Rekrutenabschiedsfeier eine Zlnsprache an die zukünftigen Vaterlandsvcrteidiger gehalten, die das helle Eni- setzen der militärfromm gewordenen„liberalen" und auch Nw Zentrumspresse erregt bat. Gemäss ihrer geistigen und moralischen Qualität machte diese Presse ihrer heiligen Entrüstung in Tcnun- ziationen bei der Staatsanwaltschaft Luft. Diese hat denn auch zur Beruhigung der erregten Nerven der„staatserhaltenden Presse" das Untersuchungsverfahren gegen den Genossen Kinkel eingeleitet. Da sich unser Genosse immerhin noch wesentlich milder ausgedrückt hat als z. B. der frühere Volksparteiler und Dichter Ludwig Pfau oder die Agitatoren des� Zentrums zur Zeit des„Kulturkampfes", dürfte bei der grossen Staatsaktion wenig herauskommen. Gewei'kfckaftlickeg. Die Bureaus der 6ewerhrcbaft9homnrirfion und des Sekretariats sind am Freitag. den 12. Januar 1912 wegen der Reichstagswahl gänzlich geschlossen. Der Ausschuß der Lerliucr(Lewerkschaftskommissiou. Berlin und Umgegend. Ein Konflikt im Verband der Buchdruckerei-Hilfsarbeiter. Die Tarifbewegung der Buchdruckereihilfsarbeiter hat zu einem Konflikt zwischen dem Hauptvorstand des Verbandes und der Ber- lincr Filiale geführt. Die Berliner Ortsverwaltung hat sich an den Verhandlungen zur Abschlietzung eines örtlichen Tarifs nicht beteiligt. Um dennoch das Zustandekommen des Tarifs zu ermög- lichen, nahm der' Hauptvorstand die Verhandlungen auf und schloß für Berlin einen Tarif ab. Eine Versammlung der Berliner Mitgliedschaft des Verbandes, die von 4060 Personen, das ist von vier Fünfteln der Berliner Mit- glieder, besucht war, beschäftigte sich am Sonntag miiti diesen Dingen. Ter Hauptvorstand gab folgende Erklärung ab: Zu dem von der Berliner Mitgliedschaft des Verbandes der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands in bezug auf den neu abgeschlossenen Tarif für das Buchdruckereihilfspersonal eingenommeneu Standpunkt hat der Verbandsvorstand folgendes zu erklären: 1. Nach dem in den Verhandlungen vom 18. Dezember 1911 unter Mitwirkung der Berliner Vertreter einstimmig gefaßten Beschlüsse über die Haftpflicht der vertragschließenden Parteien unter besonderer Garantie des Verbandsvorstandes, 2. nach einsvimmiger Anerkennung(auch der Berliner Ver- treter) des Tarifamts als entscheidende Instanz in allen Fällen, in denen unter den Parteien selbst eine Einigung nicht zu er- zielen ist, und 3. nachdem sich sämtliche an den Verhandlungen beteiligten Vertreter als zum Abschluß des Tarifvertrages als legitimiert erklärten, war nach Annahme der beratenen allgemeinen Bestim- munge« und der Grundsätze über die zu erfolgenden Lohnauf- besserungen durch die Majorität der Verhandluugskommtssion jede der beteiligten Gruppen auf Grund der Abmachungen ver- pflichtet, zu den örtlich festgesetzten Lohnkommissionssitzungen zu erscheinen und dort die für den betreffenden Tarifort zu geltenden Lohnbestimmungen mit der Gegenpartei zu vereinbaren. Die Vertretung der Berliner Hilfsarbeiterschaft hat sich, end- gegen den getroffenen Abmachungen, an dem gemeinsam ver- einbarten Verhandlungstermin nicht beteiligt, nachdem die von ihr in einer unverbindlichen Vorberatung gestellten Lohnfordc- rungen von ver Prinzipalskommission nicht angenommen wurden. Die Prinzipale haben daraufhin, entsprechend der Beschlüsse vom 18. Dezember, die Lohnsätze ausgerechnet und dem Tarifamt als letzte entscheidende Instanz zur Begutachtung vorgelegt. Zu der vom Tarifamt zum 3. Januar 1912 angesetzten Ver- Handlung sind die Vertreter der Berliner Hilfsarbeiter neuer- dings nicht erschienen und haben den zu dieser Verhandlung eben- falls verpflictteten Vertretern des Verbandsvorstandes vorher davon keine Mitteilung gemacht. Zu Beginn der Verhandlung erklärten sie vielmehr in einem Schreiben, sich einem Spruch des Tarifamts nicht fügen zu wollen. Da eine solche Erklärung nach den getroffenen Verein- barungen vom 18. Dezember keinerlei verbindliche und rechts- gültige Wirkung haben kann, so war es dem Tarifamt ohne weiteres vorbehalten, auf Grund der Anträge der Prinzipals- kommission unter Beachtung der am 18. Dezember festgestellten Grundsätze ohne Mitwirkung der Hilfsarbeitervcrtretcr zu cnt- scheiden. Tarin lag die Gefahr, daß der Berliner Kollegenschaft un- crmeßlicher Schaden zugefügt werden konnte; daher haben die Vertreter des Verbandsvorstandes an Stelle der nicht crschicuenen Berliner Verhandlungskoiitmission die Vertretung übernommen und mit Erfolg versucht, das zu erreichen, was von den Mit- gliedern in der Versammlung am 31. Dezember 1911 verlangt wurde und was aus folgenden Forderungen bestand: Je 28,50 M. für Anleger und Saalnrbeiter am Tage. 20,35 M. für Anlege- rinnen, 20 M. für Falzer nachts und 32 M. für Rotations- arbciter nachts. Um das zu erreichen, wurden folgende Kon- zessionen in Vorschlag gebracht: Verzicht auf je 6 Proz. bei den Anlegern und Saalarbeitern nachts, Verzicht auf den Lohn von 34 M für Nacht-Rotationsarbeitcr bei mehr als 48stündiger Arbeitszeit und Verzicht von 214 Proz. von 12)4 Proz. für die unter 12 M. Entlohnten. Diese Anträge haben die Verbands- vorstandsverireter zu den ihrigen, gemacht und aus Gruird dessen folgendes erreicht: für Nachtfalzer 30 M. undfürNacht- rotationsarbeiter 32 M. Dadurch besteht zwischen den zuletzt aufgestellten Forderungen und den beschlossenen Lohnsätzen keinerlei erhebliche Differenz mehr, da als Hauptpunkte die Löhne für Nachtfalzer und Nachtrotationsarbeiter galten und nunmehr auch erfüllt sind. Die Mindcstlöhne der Taganlcger, Saalarbeiter und Tag- rotationsarbeiter betragen 28 M. Der Mindestlohn für Anlege- rinnen beträgt 20 M. Die 1214 Proz. für Löhne bis zu 12 M. wurden beibehalten. Der Verbandsvorstand hat unter diesen Um- ständen es nicht allein als sein Recht, sondern als feine durch die ganze Situation im Interesse der Sollegenschaft gebotene Pflicht erachtet, den Abschluß vorzunehmen; ganz abgesehen da- von, daß die Verbandsleitung jederzeit statutarisch berechtigt ist, für alle Verbandsmitglicdcr rechtsverbindliche Vereinbarungen auf dem Lohn- und Tarifgebict abzuschließen. Der Verbandsvorstand erklärt daher, daß der von ihm abge- schlossene Tarifvertrag für die Berliner Mitglieder zu Recht be- steht und für jedes Mitglied, welches in einer tariftreuen Buch- druckerei arbeitet, rechtsverbindlich ist. Alle aus der Nichtanerkennung oder Nichtbefolgung dieses Tarifvertrages entstehenden Konsequenzen haben die Mitglieder selbst zu tragen. Um aber der Mitgliedschaft die Möglichkeit zu geben, in der für alle Teile äußerst schwierigen Situation, welche durch die Nichtbeachtung der Beschlüsse vom 18. Dezember 1911 entstanden ist, klar zu sehen und beurteilen zu können, ob der Verbands- vorstand in diesem Falle lorreit und im Interesse der Mitglieder gehandelt hat, bellt er es der Versammlung anheim, eine Kor- poration unter Mitwirkung unparteiischer Personen aus der Ge- werkschaftsbewcgung zu bestimmen, die dann unter Zugrunde- legung des gesamten Materials ein Gutachten abgeben soll." Der Hauptvorstand übergab gleichzeitig diese Erklärung auch der Arbeiterpresse zur Verbreitung mit dem Hinzufügen: Diese Erklärung diene gleichzeitig der gesamten Kollegenschaft und der Oeffentlickkeit gegenüber zur Information dafür, daß der am 3. Januar 1912 vor dem Tarifamt der Deutschen Buch- druck« als Einigungsinsianz abgeschlossene Lohntarif für das Berliner Buchdruckcreibilsspcrsonal bis zu dessen Ablauf am 31. Dezember 1916 zu Recht besteht. Verband der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Vcrbandsvorstand: Paula Thiede, Vorsitzende. » Die Versammlung selbst wollte sich durch die Gründe des Haupt- Vorstandes nicht überzeugen lassen. Sie erklärte einstimmig, daß man dem Hauotvorstande nicht das Recht zugestanden habe, für Berlin einen Taris abzuschließen. Des weiteren beschloß die Ber- sammlung ebenfalls einstinimig, die Mittel, die Berlin für die Hauptverwaltung aufzubringen hat, solange zu verweigern, bis der nächste Verbandstag gesprochen habe. Tie Berliner hätten ihre Lohnkommissio» und die Verhandlungen seien örtlich gewesen. Wäre keine Verständigung zustande gekommen, so hätte eben die Berliner Mitgliedschaft solange unter einem tariflofen Verhältnis gearbeitet. Die Teuerungszulage in den Brauereien. Nachstehend geben wir diejenigen Brauerreien bekannt, welche sich dem Vorgehen des Vereins der Brauereien Berlins und Umgegend zur Gewährung einer Teuerungszulage angeschlossen haben: Vereinsdrauerei Teutonia, Phöuix-Brauerei, Gabriel U.Richter, Weißensee, Geiioiienschaflsbrauerei in Friedrichshagen, Ernst Engel- Hardt Nachf., A.-G., Bergbraucrei Nacher u. Co., Groterjan u. Co., Boruinobrauerei, Weißbierbrauerei C. Landrs, A.-G., Verein der Weißbierbrauereien Berlins. Weißbierbrauerei der Gastwirte des Nordens, Weißensee, Berliner Weißbierbrauerei- Genosseuschaii, Andreasstraße, Biauerei Slolpmann, Brauerei Nordstern, Stadt- brauerei, Herold-Betriebsgesellschaft, Berliner Niederlage der Brauerei Haase in Breslau. Demnach erhalten auch die hier in Frage kommenden Arbeit- nehmer aller Kategorien, bis zum 31. März(für die in den Weiß- bierbrauereien Tätigen bis zum 30. April) eine Teuerungszulage von 1 M. pro Woche. Verband der Brauerei- u. Mühlenarbeiter. Ortsverwaltung Berlin. I.A.: Ludwig Hodapp. Zur Zigarrenarbeitcr-Bewcgung in Grofl-Berlin. Auch die Firma Gärtner, Boxhagen-Rummelsburg, Sonn- tagstraße 3, hat eingeseben, daß es nicht gut ist, dauernd gegen den Strom zu schwimmen. Sie hat sich mit ihren Arbeitern im Einverständnis und unter Hinzuziehung der Vertreter des Tabak- arbeiter-Verbandes geeinigt. Man sollte meinen, was obiger Firma möglich gewesen ist, sollten auch andere Firmen können. Aber weder Blau rock noch Albert Sonnabend, Alexanderstraße, die nahezu die einzigen Firmen von Bedeutung sind, die noch ausstehen, rühren sich. Ebenso auffällig ist es, daß weder Wiegand, Lychener Str. 13, noch Krumm Hauer, Neue Hochstr. 9. ebenso Wallenda, Seestraße, die doch lediglich auf Arbeiterkundschaft angewiesen sind, etwas von sich hören lassen. Bald werden obige Firmen die einzigen sein, die noch achtlos an den Wünschen der Arbeiter vorübergehen. Wahr- lich, eine glänzende Isolierung! Arbeiter, Parteigenossen! Kauft nur dort, wo die grünen Plakate, unterschrieben: Alwin Schulze, gefübrt werden. Beachtet die Veröffentlichungen im„Vorwärts"! Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Hutarbeitcr! An die Kollegen von M. A. Kirmeß wurde am Sonnabend das Ansinnen gestellt, die bisher gezahlten Arbeits- löhne für Klebehüte(Wintcrsachen) um über die Hälfte billig«' zu machen als bisher. Natürlich wurde das abgelehnt. Darauf- hin wurden alle 5 Klollegcn entlassen. Nach stattgefundener Ver- Handlung des Vertreters der Organisation wurde vereinbart: ES erfolgt eine Revidierung des bisherigen Lohntarifs und die Eni- lassencn fangen am Dienstag früh wieder an. Wider Erwarten erklärte Herr Kirmeß, als sich die Kollegen zur Arbeit mel- dctcn, sie nicht wieder einzustellen. Auf Anfrage des Vertreters der Organisation wurde von Herrn Kirmeß erklärt, er könne sich auf nichts einlassen, wenn wir nicht notarielle Garantie dafür leisten, daß die von Arbeitgeber und Werkführer festgesetzten Löhne für die ganze Saison Anerkennung finden, ob schwere oder leichte Formen. Ebenso würde von jetzt ab von dem verdienten Lohn ein bestimmter Prozentsatz als Prämie cinbehalten. Auf diese Anforderungen einzugehen, wurde abgelehnt. Hutarbeiterl Zeigt, daß Ihr nicht willenloses Werkzeug des Unternehmers sein wollt. Meidet deshalb den Betrieb von Kirmeß! _ Die Ortsberwaltung. Deutkebes Reich. Tarifverträge in der Branindustrir. Mit vier der größten Brauereien in Bamberg ist vom Verband der Brauerei- und Miiblenarbeiter der Tarif erneuert worden. Die Arbeitszeit beträgt danach 9°.., Stunden. Die Mindestlöhne steigen um 2 M. pro Wocke sofort und weiter alljährlich um 1 M., die Höchstlöhne um 2,50 M. während der Tariidauer. Sonstige Verbesserungen wurden noch er- zielt in der Bezahlung der Ueberstunden, der Jour usw.— In Bamberg sind aber 33 Brauereien mit sehr verschiedenen Verhält- nissen. EL wird also noch viel gewerkschaftliche Arbeit geben. Kustand. Tarifverträge in Oesterreich. Nach der eben erst veröffent� lichten amtlichen Statistik über die Tarifverträge im Jahre— 1909 bestanden die meisten und wichtigsten Tarifverträge in Wien; die in der Provinz umfassen nur 46 679 Arbeiter, die in Wien aber 62 943 Arbciter. In nur 6 Verträgen für 3148 Arbeiter ist der Achtstundentag festgesetzt, für 6297 Arbeiter besteht eine taris- mäßige Arbeitszeit zwischen 3 und 9 Stunden und für 27 782 Ar- bcitcr und Arbeiterinnen der Ncunstundcntag. 79,7 Proz. aller 1909 abgeschlossenen Tarifverträge setzen Arbeitszeiten unter 9 Stunden fest. Aus der L o h n st a t i st i k ergeben sich neue Be- weise dafür, daß nur die Geldlöhne steigen, die Reallöhne aber zur ü ck g e h e n namentlich infolge der agrarischen Wuch.r, Politik. Langfristige Verträge bilden heute die Regel, kurzfristige sind eine Ausnahme._ Sozialem Zuspätkommen ist an sich kein EntlassungSgrunii. Von den Photographen Gebr. Brcski verlangt die Klägerin K. wegen fristloser Entlassung 28 M. Entschädigung für die Kündi- gungsfrist vor der Kammer 8 des Gewerbegerichts. Die Beklagten machten den Einwand, die Klägerin sei des morgens wiederholt zu spät zur Arbeit gekommen. Die Klägerin gab einmaliges Zuspät- kommen zu, bestritt jedoch, mehrmals zu spät gekommen zu sein. Auf Befragen mußten die Beklagten zugeben, daß sie die Klägerin wegen ihres Zuspätkommens noch niemals verwarnt haben. Sie hatten ihr gegenüber auch das Zuspätkommen nicht als Entlassungs- arund angegeben, sondern ihr erzählt, daß das Atelier nuninebr bei Tage geschlossen bleibe, weil von nun ab des Nachts gearbeitet werde und die Beklagten deshalb die Arbeit allein machen müßten. In Wirklichkeit hatten die Beklagten den Platz der Klägerin Plötz- lich durch eine andere Arbeiterin besetzt. Das Gericht verurteilte die Beklagten dem Klageantrage entsprechend. Tarifuntreue Firma, die sich auf den Tarif beruft. Der Schriftsetzer W. klagte gegen die Inhaberin einer Buch- druckerei, Frau Witwe Siebert, vor der Kammer 8 des Gewerbe- gerichts auf 14tägige Lohucntschädigung in Höhe von 56 M. Die Beklagte wendete ein, im Buchdruckgewerbe sei cS üblich, daß bei Aushilfsbeschäftigung, wie sie hier vorliege, nach Ablauf von vier Wochen erst eine Kündigungsfrist von einer Woche Platz greift. Der Kläger sei mit Ablauf der vierwöchentlichen Aushilfsbeschäftigung demnach berechtigt entlassen. Die Beweisaufnahme ergab, daß die Beklagte wohl früher den Tarif anerkannt hatte, aber den neuen Tarif, weil dieser eine abermalige Arbeitszeitverkürzung Vorsicht, nicht anerkannt und sich auch nicht nach seinen Bestimmungen ge- richtet hat. Das Gericht vertrat die Ansicht, daß da der Tarif von der Be- klagten nicht anerkannt ist, nur die Bestimmungen des Gesetirs Platz greifen. Es trete also die gesetzliche vierzehntägige Kündi- gungsfrist ei», wenn nicht ausdrücklich etwas anderes vcreinbard worden sei. Auf eine solche Vereinbarung hatte sich die Beklagte nicht berufen können. Sie mutzte somit entsprechend dem Klage- antrag verurteilt werden. Huo Induftne und Rande!. Eine erfolgreiche Probuktivgenossenschaft. Zu den Verhältnis mäßig wenigen deutschen Produltivgenossenschaften, die durch den rechtzeitigen Anschluß am organisierten Konsum sich eine erfolge reiche Entwicklung gesichert haben, gehört die„Rheinische Westfälische Holzindustrie" in Barmen. Die Ge nossenschaft, die feine Tischlerwaren anfertigt, hat nunmehr nach fünfjährigem Bestehen alle Anfangsschwierigkeiten überwunden und kann mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Der soeben erschienene Bericht über das Geschäftsjahr 1910/11 stellt einen Gesamtumsatz von 270 000 Mk. fest. An diesem Um- fatze waren die Genossenschaften mit 214 213 Mk., Gewerkschaften und Parteiorganisationen mit 32 874 Mk. beteiligt. Der Umsatz der Genossenschaften hat sich gegen das Vorjahr um 68 068 Mk. ge- steigert und machte im Berichtsjahre 79 Proz. des Gesamtumsatzes aus. Auf die Gewerkschaften und sonstigen Verbände, die ihre Bezüge verdreifackt haben, entfielen 13 Proz., so daß für Private nur 8 Proz. verblieben. Es versteht sich von selbst, daß ein solches Zusammenarbeiten beiden Teilen Vorteile bringen mutz, wenn es nichts anderes als verkappte Wohltätigkeit sein soll. Wie der Be- richt hervorhebt, verschlingt der Zwischenhandel in der Möbel- branche 25— 33 Proz., die Reklame 10—20 Proz. Diese Unkosten können die direkt bei der Genossenschaft einkaufenden Vereine gungen zum großen Teil sparen, zum anderen dienen sie zur Auf besserung der Löhne. Daß die Genossenschaft auch tadellose Arbeit liefern muß, ist selbstverständlich. Ihre Spezialität sind Ladenein- richtungen und Kontormöbel. Die Geschäftsleitung trägt sich mit dein Gedanken, die Massenproduktion zusammenstellbarer Laden- cinrichtungen für kleinere und mittlere Konsumgenossenschaften in die Hand zu nehmen, wodurch die Herstellungskosten bedeutend er- niäßigt werden würden, so daß sich der Bezug auch für die räumlich entferntesten Vereine lohnen würde. Neben dem Musterlagcr in Hamburg beim Zentralverband deutscher Konsumvereine soll auch ein solches in Berlin errichtet werden. )Zus der frauenbewegung. Frauen im Polizeidienst. Der neue Polizeichef von New Dork, Harburger. hat drei Frauen zu Polizeioffizieren ernannt. Diese werden speziell beauf- tragt, junge Mädchen zu beschützen, besonders in Ballokalen. Ferner sollen sie ihr Augenmerk darauf richten, daß Kindern keine alkoholischen Getränke verabreicht werden. Der Polizeichef kündigt an, daß er wettere Einstellungen von Frauen bei der Polizei vornehmen wird._ Gerichts-Zeitung. Eine Entführung, die einen sehr tragischen Abschluß gefunden hatte, beschäftigte die Strafkammer des Landgerichts II. Wegen Vergehens gegen das Fürsorgeerziehungsgesetz war der Schlächtermeister Heinrich Langer und dessen Ehefrau Agnes Langer angeklagt. Die Nichte der Frau L., ein 19jähriges Mädchen, war durch Beschluß des Amtsgerichts der Fürsorgeerziehung überwiesen worden, da es etwas sehr leichtsinnig veranlagt war und schon in recht jungendlichcm Alter Liebschaften angeknüpft hatte. Das Mädchen wurde bei einem Bauern in Neudorf bei Schwicbus untergebracht� von wo aus es an ihre Tante, die jetzige Angeklagte, wiederholt in den höchsten Jammertönen gehaltene Briefe schrieb! Es bat himmelhoch, zu veranlassen, daß es von dort wieder weg- komme. Als Grund hierfür gab das Mädchen an, daß es sich vor den Zudringlichkeiten des Bauern nicht mehr retten könne; auch werde es von den Knechten verfolgt, die des Nachts die Kammertür belagerten. Da das Mädchen schließlich erklärte, daß es sich lieber das Leben nehmen würde, als noch länger dort zu bleiben, ließen sich die Angeklagten aus Mitleid tmzu verleiten, das Mädchen am 2. Juli mit einem Automobil abzuholen und nach Berlin zu ent- führen. Hier meldete» sie dem Waiscnrat und auch der Polizei, daß sich das Mädchen bei ihnen in sicherer Obhut befinde. Ztach einigen Tagen erschien ein Polizeibeamter in der Wohnung der Angeklagten und fragte nach dem Mädchen. Als die Neunzehn- jährige hörte, daß sie gesucht wurde, versteckte sie sich auf dem Boden, wo sie dann in einer Ecke zusammengekauert tot auf- gefunden wurde. Man nimmt an, daß ssic vor Schreck einen Herz- schlag erlitten hat. Das Gericht erkannte mit Rücksicht darauf, daß die Angeklagten offenbar nur aus Mitleid gehandelt hatten, gegen den Ehemann auf 50 M. und gegen die Ehefrau auf 100 M. Geldstrafe. Eine völlige Freisprechung und die Klarstellung, ob die Zu- dringlichkcitcn gegen das Mädchen in der Tat stattgefunden haben, wären dem Gerechtigkeitsgefühl entsprechender. Noch jetzt sollte Aufklärung über die Klagen des unglücklichen Mädchens und, falls sie sich bewahrheiten, Strafverfolgung wegen fahrlässiger Tötung des Mädchens gegen die Wüstlinge und den für die Fürsorgcpflcge oerantoortlichen Beamten erfolgen. Der Kcllnerstrcik in Cafe Nagler hatte bekanntlich die Polizei auf den Plan gerufen. Galt es doch, die Tätigkeit, welche die Streikenden in ihrem Interesse ent- falteten, mit den bekannten polizeilichen Mitteln nach Möglichkeit zu unterdrücke». In der Nacht des 16. Oktober hatte der Schutz- mann Pietsch auf Veranlassung des Cafehausbesitzers wieder einen Mann sistiert. Wie das auS solchen Anlässen zu geschehen pflegt, sammelte sich auch hier eine Menschenmenge an, die dem Schutz- mann und seinem Arrestanten folgte. Bei dieser Gelegenheit soll der Schankwirt Krause groben Unfug verübt und die Straßen- ordnung übertreten haben, weshalb ihm die Polizei einen auf IS M.� lautenden Strafbefihl schickte.— Am Dienstag wurde diese Sache zum zweiten Male vor dem Schöffengericht ver- handelt. Nach der Darstellung der Schutzleute Nürnberg und Pietsch soll der Angeklagte, nachdem die Beamten die ihnen folgenden Menschen zurückgewiesen hatten, an die Schutzleute herangetreten sein und sie durch Reden gestört haben. Worin die Störung bc- stand, darüber machte keiner der beiden Schutzleute sichere An- gaben— der eine hat nur gehört, daß der Angeklagte„Herr Wacht- incistcr" sagte, und der andere meinte, der Angeklagte habe auf ihn und den Sistierten eingeredet, er solle den Sisticrten gehen lassen.— Nach der Darstellung des Angeklagten und deS mit ihm gleichzeitig sisticrten Zeugen Schütz hat sich der Vorgang so ab- gespielt: Krause und Schütz gingen nichtsahnend die Prinzen- stratze entlang. Da hörten sie hinter sich die Stimme eines Mannes, der von Waffengebrauch und Anlegung von Fesseln sprach. Sie drehten sich um und sahen den Schutzmann Pietsch mit dem Sisticrten. Ta redete Krause dem Sistierten zu, ruhig mitzugehen, ihm könne ja nichts passieren. Zu dem Schutzmann sagte er:„Sie brauchen doch den Mann nicht knebeln, der geht ja ruhig mit." Darauf antwortete Schutzmann Pietsch:„Na, dann' kommen Sie man auch mit," und nahm den Angeklagten Krause fest. Nun fragte Schütz:„Was hat den» der gemacht, daß er auch mitgehen soll?"—„Kommen Sic auch mit," lautete die Antwort des Schutzmanns. So wurde auch Schütz sistiert. Auf der Wache— so bekundete Schütz— sagte einer der Schutzleute zu dem das Protokoll aufnehmenden Beamten:„Ta machen Sic man einen dicken Strich, die beiden werde ich mir exkra kaufen.* ' Droh dieses Ergebnisses her BelvcisausnaW« heankrägse 5er Amtsanwalt eine Geldstrafe von 20 M.— Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Kantorowicz, beantragte Freisprechung, da dem Angeklagten durchaus nichts Strafbares nachgewiesen sei. Das Gericht erkannte auf eine Strafe von 10 M. Es hielt für festgestellt, daß der Angeklagte durch Einreden auf den Schutz- mann zur Vermehrung einer Menschenansammlung beigetragen, dadurch groben Unfug verübt, und die Aufforderung, sich zu ent- fernen, nicht befolgt habe. Die Gerechtigkeit wandelt oft eigene Wege. Die Futtermitteldiebstöhle auf dem Zentralviehhof, bei denen es sich, wie die Anklage behauptet, um Objekte von zirka 60 000 M. handelt, beschäftigten gestern wieder einmal die 10. Strafkammer des Landgerichts I. Angeklagt wegen Diebstahls bezw. Beihilfe waren die Obertreiber Paul und Otto Heinrich und die Treiber Otto Lichtenstein, Konrad Glück und Hermann Heinrich, welche von den Rechtsanwälten Dr. Schwindt und Ury verteidigt wurden. Wie schon früher mitgeteilt, werden die Angeklagten be- schuldigt, der Stadt Berlin gehörige Futtermittel auf dem städti- schen Zentralviehhof entwendet zu haben. Während die Anklage den Wert auf zirka 60 000 M. angibt, behaupten die Angeklagten, daß es sich nur um Futter im Werte von einigen hundert Mark handele. In dieser Sache stand schon einmal am 7. Dezember Termin an, der aber vertagt werden mußte. Tie in Haft befind- lichen Angeklagten wurden jedoch aus Antrag des Rechtsanwalts Dr. Schwindt gegen Stellung einer Kaution von je 6000 M. aus der Haft entlassen. Diese Kaution wurde von den Angeklagten, die zum Teil sogar Rennpferde besessen hatten, schon am nächsten Vormittag gestellt. Auch die gestrige Verhandlung fiel der Ver- tagung anheim, da der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Erügcr, erkrankte, und die dadurch notwendig gewordenen Hilfsrichter nicht genügend vorbereitet waren. «Ein Märtyrer von Hördens Gnaden" war ein Artikel des„Generalanzeigers für die gesamten Jnter- essen des Judentums" überschrieben, der sich gegen den früheren Bibliothekar der Berliner jüdischen Gemeinde, Dr. Jakob Fromer, richtete und diesem zu einer Prioatilage gegen den Herausgeber des„Generalanzeigers", Dr. Julius Moses, und den verantwort- lichen Redakteur der genannten Zeitung, Pietzok, Veranlassung gegeben hatte. Diese Privatklag«, zu welcher schon einmal ein Termin angestanden hatte, wurde gestern vor der 149. Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte unter Vorsitz des Amtsrichters Hoffheinz verhandelt. Ter Privatkläger, dem Rechtsanwalt Aufrecht zur Seite steht, war früher Bibliothekar der jüdischen Gemeinde. Er war aus einem Amte entlassen worden, nachdem bekannt geworden war, daß er der Verfasser eines in der„Zukunft" erschienenen Artikels: „Das Wesen des Judentums" war, den er unter einem Pseudonym veröffentlicht hatte. In dem Artikel war die Massentaufe- der Juden empfohlen worden. Dr. Fromer hatte dann gegen die jüdische Gemeinde wegen seines Gehalts geklagt, ist aber in allen Instanzen abgewiesen worden. Es hat sich daran eine heftige Fehde gegen den Privatkläger geschlossen, die schließlich dem Dr. Fromer Veranlassung gab, in der„Zukunft" einen Artikel unter der Ueber- chrift„Meine Feme" zu veröffentlichen und darin seine Affäre mit der jüdischen Gemeinde aufzurollen. Als Antwort darauf ist der jetzt unter Anklage gestellte Artikel„Ein Märtyrer von Hartzens Gnaden" zu betrachten. Ter Artikel enthält Beleidigungen des Dr. Fromer durch Ausführungen, in denen die sittliche und wissen- chaftliche Persönlichkeit des Privatklägcrs herabgezogen wird. Gegen den Kläger wurde gestern Widerklage erhoben. Nach längerer Beweisaufnahme verurteilte das Gericht den Angeklagten Dr. Moses, dem es an sich den Schutz des 8 1�3 zu- " räch, wegen Beleidigung zu 150 M. Geldstrafe eventuell 30 Tagen efängnis, sprach dagegen den Widerbeklagten Dr. Fromer frei. Letzterem wurde die Befugnis zur Urtcilspublikation im„Berliner Tageblatt" zugesprochen. Die Klage gegen den zweiten Angeklagten wurde vom Kläger zurückgenommen, nachdem der Beklcmte Pietzok erklärt hatte, er ei Katholik und habe sich um den Inhalt des Artikels nicht ge- kümmert,_ Hus aller Alelr. Ricfcnbrand in einem JSfcw-Yorhcr Molken- Kratzer. Ein Großfeuer hat am Dienstag das Geschäftshaus der Equitable-VersicherungS«Gesellschaft auf dem Broadway inNew-Dork vollständig zerstört. DaS Equitable- Gebäude glich zwei Stunden nach Ausbruch des Feuers, das im Restaurant deS Erdgeschosses auskam, einem flammenden Hochofen. Die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, ein weiteres Umsichgreifen deS Feuers zu verhindern. Die Wehr ging pon den Dächern der benachbarte» Wolkenkratzer auS vor. Der Wasserstrahl auS den auf die Wolkenkratzer hinaufgeführten Schlauch- lcitungen blieb aber fast wirkungslos. Das Geschäftölcben in der Nachbarschaft deS Feuers ruhte während deS Brandes, da eS den Angestellten unmöglich war. ihre Geschäfte zu erreichen. Der Sach- chadcn wird auf sechs Millionen Dollars geschätzt. Während des Brandes haben sich entsetzliche Szepen abgespielt. Mehreren Personen gelang eS nicht, sich in Sicherheit zu bringen. So sahen dießZuschauer des Brandes drei Wächter des Gebäudes betend niederknien. Dann sprangen sie aus und kürzten sich auf die Straße hinunter, wo sie mit zer- schmetterten Gliedern tot liegen blieben. Von der Straße aus bemerkte man auch einen Mann, der zwischen Trümmer- Haufen eingeklemmt war, aber es war unmöglich, ihm zu Hilfe zu kommen. Das niedergebrannte Gebäude lag im Mittelpunkte des Finanz- Viertels. In ihm befanden sich auch die Zentralverwal- ungen der Harri man-Eisen bahnen und die Bureaus der Finna August B e l m o n t, sowie verschiedene T r u st k o m- pagnien zur Annahme von Depositen und zur Auf- bewahrung von Wertpapieren, deren Gewölbe Sicher- heiten im Werte von mehreren Millionen Dollars enthielten. Die Sicherheitsgewölbe scheinen dem Brande stand gehalten zu haben, o daß die Depositen unversehrt sein dürften. Folgenschwere Explosion. Ein furchtbares Unglück hat sich am Dienstag in der taatlichen Geschützgießerei von R u e l l c in Frankreich zu- getragen. Bei dein(jsuß eines Geschützes platzte ein Schmelz- ticgel mit 3 0 0 0 0 K i l o g r a in in flüssiger Bronzemas s c. Durch die Explosion wurden acht Arbeiter getötet und elf schwer verletzt. Ein Biedermann. Eine gemütvolle Stütze der bestehenden Ordnung scheint ein Stuttgarter Kaufmann zu sein, der in der»Köln. Ztg." folgendes Heiratsinserat erließ: Stattlicher Herr, Kaufm. in Stuttgart, mit bequem. EngroS- u. Fabrik-Gefchäft. das nach Abzug von ca. 2500 Mark Zinsen „och ca. 10 000 Mk. jährlick, übrig läßt, wünscht, da der Hotel- kost. deS Alleinseins und des Z i n s z a h l e n S satt, reiche Heirat. Ich sehe nur noch auf Geld(vielleicht auch auf gute Augen, große Figur, fröhliches Geniütj. Suchender ist in den 30er I.. evgl, ged. Eini.-Freiw.,.große Fsgur, hat z. Zt. 18 000 Mark Vermögen u. erbt noch ea. 12000 M. usw. usw. Das hindert natürlich nicht, daß der GemütSatlet wahrscheinlich weidlich auf die Sozialdemokratie schimpft, die Ehe und Familien- leben zerstört._ Explofionskatastrophe in einem Gaswerk. Am Montagmittag ist in der englischen Stadt Nottingham ein Gasometer, der etwa eine halbe Million Kubikfuß Gas enthielt, in die Luft geflogen. Glücklicherweise befanden sich im Gaswerk zur Mittagsstunde nur wenige Personen. Ein Hagel von Eisentrümmern ging über die Nachbarschaft nieder, verletzte eine Anzahl von Personen und richtete großen Schaden an den Häusern an. Zu gleicher Zeit brach die Mauer der Zisterne, in der der Gasbehälter geruht hatte und eine un« geheure Wassermasse ergoß sich mit furchtbarer Gewalt in die an« grenzende Straße. DenGaSwerken gegenüber liegt eine Wirtschaft, deren Besitzer sich bei dem furchtbaren Gelöse in dem Glauben, es handele sich um ein Erdbeben, mit Frau und Kindern in den Keller geflüchtet hatte. Dem Besitzer und seiner Familie gelang es noch, sich vor den andrängenden Wasserfluten zu retten: ein Dienstmädchen jedoch fand bei dem Rettungsversuche den D o d. Die ausströmenden Gase entzündeten sich und setzten mehrere Häuser der Nachbar- schaft in Brand. Erst in später Abendstunde gelang eS, das Feuer zu löschen. Bei dem Brande hat ein junges Mädchen durch den Ein stürz einer Decke den Tod erlitten. Kleine Notizen. DaS Hochwasser im Rheinland hat bedeutenderen Schaden an« gerichtet, als man anfangs annahm. Besonders die Ortschaften Leichlingen und O p l a d e n haben stark gelitten. Das Wasser ist bereits in die Wohnungen gedrungenundhat auch eine Reihe von Ställen überflutet. Viel Vieh ist umgekommen. ES werden D a m m b r ü ch c befürchtet. Lawinensturz. In V a l m e i n i e r bei Chambsry wurde ein Haus von einer Lawine fortgerissen. Von den Bewohnern wurden drei getötet. Schweres Antomobilunglück. Am Dienstagvormittag wurde ein Automobil der Firma Horch u. Co. in Zwickau an dem Weißenborner Uebergang von einem auS Dresden kommenden v-Zuge erfaßt und 220 Meter weit geschleift. Der einzige Insasse. Chauffeur Hermann B ä z o l d, wurde mitgeschleift und sofort gerötet. Ein Verschulden deö Fahrpcrsonals liegt nicht vor. Das Automobil, das sich auf einer Probefahrt befanv, durchbrach die geschlossene Schranke vermutlich infolge VersagenS der Brems« vorrickitung. toizWeiMlii'st. Watorein H Bezirk Runinieisiiiifg. Z Unserem Genossen und Genossin Man» iliWin nebst Frau zur silbernen Hochzelt am heutige» Tage die herz- lichsten Glückwünsche! Die Genossen u. Genossinnen der II. Abteilung. 818 O» G # ij> O W « T % Fraplf-v r I otR" i Verleih• Institut, Frack, Gehrock, Smoking von 2 M. an, Hosen v. 1,50 an, Westen, Zylinderhüte v. 1 M. an. S. Berg Nach! Borohardt. Friodrichstr. 115. Sterbe- u. Kranken- unterftützungskatfe ür. 55 zu Berlin. Mittwoch, den 17. Januar 1012, abends S'l, tlhr: Mitgliederversammlung im Kaffenlokal Linieustr. 8. Tagesordnung: 1. RechenschastSbericht der Revisoren. 2. Wahl eines Vorstehers. 3. Wabl eines BorsteherstelloerlreterS. 4. Wahl eines Revisors 5. Wabl eines Re« visoritellvertreterS. 6. Verschiedenes. 2423b Ter Borstand. fswue weit. Arnold Scholz. Ilascnhcidc 10: llascnbeidc 108-111. Heute Mittwoch, den 10. Januar: EIite=Tag. SoMrierfest in n.bpari5Chen 8cbützcnf Großer Ball. 4 Kapellen w 30 bayerische Mad'ln Anfang 7 Uhr. Ertree 30 Pf. Vorauzcigc! Morgen Donnerstag, den 11. Januar 1912: EUtc-Tag. Prämiierung des ähnlichsten Mona-Lisa-Gesichts. Kare Geldpreise. Straße 22» an der Müllerstraße jetzt Otavisirsße habe ich in meinen nen erbauten, elegant ausgestatteten Häusern noch einige 26i/8* I- und 2« Zimmer» Wohnungen mit Warmwasserversorgung per 1. April billig zn vermieten. WWW!le bei lbken EinKaufen ./(hwarzBouillonwufsel .Problem" Bouillonwürfel Ichwarz" Saucenwürfel SCHWARZ& Co., BtRLlN SW.68 SuppenwUrfelges. m. b. 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Tagesordnung: W&* Vor der Entscheidung!«n. Referenten: 1�. Barth, Büchner, Fretee, Koblenzer, Litfin, Leid, poetisch, Weber, Wermuth, Wutzky.«28� Sie Verkündung des 8lal)lrefultats erfolgt am SsHltsge abends 9 llhr In den voriteheinle» Vertammlungslohalen. Srster Wahlkreis. Donnerstag, den 11. Januar 1912, abends 8 Uhr: Drei Wählsr-Versammlnngen in» Dräsels Pestsälen, Neue Friedrichstr. 35. Referent: Schriftsteller fweorg L�edebom*. Korona=Sälen, Kommandantenstr. 72. Referent: Redakteur Paul«folin. Caf� Gärtner, Holsteiner Ufer 27/28(Bahnhof Bellevue). Referent: Stadtverordneter Waldek IKana�se. Tagesordnung: 206/2" bct©ntf d) Freie Aussprache. In allen Versammlungen Ansprache des ReichstagSkanditatcn Wilhelm Düwell. Parteigenossen und Genossinnen! Sorgt für Massenbesuch dieser Versammlungen.*** Der Einberufer. Dritter teiehstags-Vlahlkreis. Donnerstag, den 11. Januar, abends 8% Uhr: Drei Wähler'Versammlungen ..Deutscher Hof*4 jdjtttBjj! Wähler! NÄ! Die Reichstagswähler vom Kreise Prenzlau- Anger- münde, die hier in Berlin arbeiten, werden zum Mittwoch, den 10. Januar, abends 8 Uhr, zu einer kurzen Bc- sprechung nach Saal Ä des Gewcrkschaftshauses, Engel- ufer 1?, eingeladen. 285. � Der Kandidat des Kreises: Rich. Hackelbusch. „A.riniulia11eu44(großer Saal) Luckaucr Straße 1?, I Kommandantenstraße S8/S0 Hellers„�ieue Phllharrnoule44 Köpenicker Sttaßc»6 97. Tagesordnung: In letzter Stunde. � Referenten: LandtagSabg. N. Ztrübel, Stadtv. iluxo lieimallN und der Kandidat dcS KrrisrS Stadtv Wlitl. pkaNllKuch. zahlreichen Besuch erwartet Das WablkomlteC. Tanh�tnmme! Donnerstag, den 11. Januar 1913, abends 8�, Uhr: Oeffentliche Versammlung 22m* in den Sophien-Sälen, Sophienstraße 17/18. Die Taubstummen und die Reichstagswahlen. Referent: Genosse Siegfried Meyer. Freie Aussprache. Alle taubstummen Arbeiter und Parteigenossen sind zu dieser Vcrsaimnlun� eingeladen. i-lott? Anzug od. Paletot le. tfouerh. Zutaten Moritz Laban f.(Stadlb. Bors.) *] y Mir Arbeitsnachweis; Hof I. Amt Norden, Nr. 1239. Charit�strasie 3. taaltiingsstelle Berlin �fin. Hauptbureau: Hos nr. Amt Norden, Nr. 198? Wegen der Reichstagswahlen bleibt am Freitag, den 1Ä. Januar, unser Bureau geschlossen., 110/Z' Die Ortsverwaltung. i Müll Ortsverwaltanz verlin. 50. I«. Vnseluter 14. Am Tagt dkl Rrichstagsmahltil Freitag, den 1Ä. Jannar bleibt unser Bureau geschlossen. 33/ 2 WurTburxor Hühneraugenniittel von I>r. H. l'njjep.—(Segen 30 Pfennig aus 10 Pf. Anweisung frei. Ohne Z weise! die bequemste u.wirksamsteHilfc, Der Schmerz ist in 3?1iin. fort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salic«ilsüure u. indischcrr Hansertrakt) � � Unger in Würzburg. In Berlin(20 Ps.): Salomon- Apotheke, Charlottcnstraße. Greif- Wo nicht, zn haben: Rosen-Abotbeke Wnrzdnrq.• Fünfter Wahlkreis. Donnerstag, den 11 Januar, abends 8% Uhr: Zwei offentl. ßlählcrverfammlungcn Drauerei Triedrichshain, Am Friedrichshain 16/23. Sophien-Säle, Sophienstraße 17/18. „Ein letztes Wort' an' die Wähler." Referenten: Emil Eichhorn und Julius.Kaliski. In beiden Versammlungen Ansprache des Robert Seliniidt. 223/3*_ Das s o z i a l d e m akratische Wahlkomitee. An die Wähler des Wahlkreises Uerkermünde-Usedom-Wolli». Parteigenosten! Am 12. Januar steht in unserem Kreise viel auf de?t Spiele, f.z gilt das 1910 eroberte Mandats zu behaupten. Unsere Gegner arbeiten fieberhast, ihr Ziel ist, Usedopt'Wollin der Sozialdemokratie zu entteissen. Das darf nicht gelinge»! Darum ersuchen wir Euch, schon bei der Hauptwahl vollzählig zur Wahl zu erscheinen. Wir wissen, es ist ein großes Opfer, was wir von Euch verlangen, sind aber überzeugt, dast auch der letzte sein Wahlrecht ausüben wird. Krcistvahlverei« Ucckermiinde-Usedom-Wollin. 285/6 Mit(oj. Gruß Paul StelnfUhr. Schöneberg. Donnerstag, den 11. Jannar 1913, abends 8 Uhr: Drei öffentliche Aählerverfammlungen Schlotzbranerei, Hauptstraße 124, Schwarzer Adler, Hauptstraße 144, Nene Rathaussäle, Meininger Straße 8. Tagesordnung: 16/2 Vor der Entscheidung! Referenten: Genossen Heftll. Müller, Th. Glocke und Kutltze. Es ist Pflicht eines jeden, der es mit dem Volke ernst meint, in diesen Versammlungen zu erscheine». Der Borstand. sLefMÄn-�AMLsle> " � vdaussseste. 110. Cai-I stiokter., Jeden Mittwoch:> psul\ Mantheys| lustige• iSänger.! Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Ps.[ Nachdein Freltanz. — Vorzugskarten gelten.—» Morgen Donnerstag: i Gr. Bockbierkonzert. i Anschliexend: Familienkränzchen d � obne Nachzahlung.[ Flauseli- Stoffe, angewehten Futter, für Ulster, JnvcnturpreiS jetzt Mir. 3 u. 4,50 8. Tuchlager Xoeh ASeelanü, G.m.b.H. Certraiiilteöstr. 20-21, ei§sa'Di§ b- Petrikirche. Ohne jede Anzahlung verkaufe ich IPianos erstklassiges Fabrikat (9mal prämiiert Staatsmedaille) in allen Holz- und Stilarten von wunderbarer Tonfülle. 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Lefnug. Gudrun. Neues Schauspielhaus. Heiligen- wald. Residenz. Ein Walzer von Ehopln. Uursürstenoper. Der Schmuck der Madonna. Koiniiche Over. Fra DIavolo. Pörsten. Russisches Ballett. Berliner. Groxe Rosinen. Neues Overetken. Eva. Schiller 9. Es lebe das Leben. Sch-Ne,- Glmrlottenvurg. Der Weg zur Hölle. Friedr.- Will,. Schauspielhaus. Bonaparle und seine Frauen. Neues. Die kleine Freundin. Luise». Berlin O. Rwse. Heinrat. jiöniggräner Strafte. Die fünf Fralkksurter. Kleines. LottchenS Geburtstag. Geutz und Fanny EIßler. Hocken- jvs. Meerovol. Die Nacht von verlin. Lustspielbaus. DaS große Ge- heimnis. Triano». Das kleine Eass. Thalia. Polnische Wirtschast. Ensino. Der Kamps ums Dasein. BvoUv. Svezialitäten. Baüaar. Svezialitäten. He> rnseld. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Finna. ReichsiinUen. Stettiner Sänger. Söiiigstadt-Kasino. Spezialitaten. Wintergarten. Spezialitäten. Anfang 8'/, Uhr. Neues Kgl. Operntheater. Julius Cäsar. Folies Eapriee. Mandelblüth'S Polierabend. Walhalla. Tensel, daS hat einge- schlage»! Nonck. Die schöne Klosterbäuerin. Voigt. Othello, der Mohr von Venedig. Anfang 8'/, Uhr. Neues Bolkstheater. Fritzchen. Belle-Allimice. Sheilock Holmes. Intimes. Gefährliche Nachbarichast. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Leviller-Idealero.�� Mittwoch, abeydS 8 Uhr: H«, lebe das lieben. ToiinerSiag, abends 8 Uhr: 1>|C Wildente. Freilag, abends 8 Ubr: Künlg Heinrich. Sclilller-Tliealer"VC Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Weg xnr Hülle. Donnerstag, abends 8 Ubr: Der KlIometer(re»itcr. Freitag, abends 8 Uhr: IHaskerade. Berliner Theater. AbtndS 8 Ubr: Große Rosinen 8 Uhr: Die S Frankfurter. Belle-Ällianee-Tirealer Heute b1/, Uhr: öbcrloch Dölmes. Donnerstag: Hamlet. Nenes Theater. Abends 3 Uhr: Die kleine Freundin. Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Das Mädel von Montinartre. Tdester des Westens. AbcnbS 8 Ubr: Rnsfisches Vallett. Der Schwanensee-Karneval, Residenz-Theater. Direltton Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Ein Walzer von Chopin. 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Januar 1912, abonds 7'/, Uhr; Das neueste und größte Ausstattungsstück der Gegenwarb: Das Motorpferd in 5 Akten. 1. Akt: In" einem Berliner Schlächterladen. 2. Akt: Das Leben u. Treiben vor einem Berliner Warenhause. 3. Akt: Im Innern des Warenhauses. 4. Akt: Auf d. Trabrennbahn in Weißensee. 5. Akt: Im Lnnapark: Groß. Huldigungsfest der in- u. ausländischen Professoren. Große ISchlnßapotheose mit noch nie eagewesenen Effekten. Vorher: Auftreten sämtl. Spezial. Folies Capriee. Täglich abends 8 Uhr: Wassettübnng. Mandelblnths Polterabend. Losgelassen. Eis-Arena. Xaeh mittags 3�- HitKür• Konzert.| Kunstlauf-Produktionen. Abends: Das prachtvolle Eis-Ballett lipenzauber. Die kleine Charlotte. Oer norwegische Meisterläuler Harry Panlsen. Pasb-Ball-Spiel. Bis 6 Uhr n. von 10*/, Uhr ab halbe Kassenpreise. Restaurant 1. Hanges Soupers ä la carte. Sonnabend, den 13. Januar, t. Admirals-Redoute. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Ansang 8 Uhr Ter ariifite Tbeaterersolg! Täglich auSoerfaust. Der Kniiipf tiins Min. Aktuell! Dem heutigen Leben eilt- nommen. Allabendlich tosender Beifall I Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Die Tochter des Sträflings. Voigt-Theater. Gilundbrnniien Badstratze 58. Heute Mittwoch, den 10. Januar: Othello, der Mohr von Venedig. Traucilv�el in 5 Ausz. o. Shakespeare Kasseneröffnung 7 Ubr Äni. 8'/, Ubr� Komg8lSlMA8mo. Ecke Holzmarkt- u. A cxniidcrittatze Bis IL. Januar täglich: Das flaradies der Likbe. GesangSburleSk« in 2 Bildern und das überaus reichhaltige Spezialitäteii-Programm. Mittwoch, Sonnabend». Sonntag: Familien-Taiiztränzchen. Kabarett und Theater. Jeden Mittwoch. Sonnabend. Sonntag: Ibesler Alt- Berlin Itlnmcnstr. lO. Ansang S'/i Uhr, Sonntags 7 Uhr. keicii8bA!IsN'I!iesler. Sletliner Sänget. dien! Xen! Panloffel-Helden. Vurlesle u. Rcichardt. Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. H w, Berliner"*• 9538 umor-punrte» Gg. Treoer lt&KuUDlenslle<40 Brauerei Friedrichsliain am Königstor. Beute Hittwoefi: Elite-Tag. 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Kreise werden gebeten pünktlich zur Stelle zu sein. 1. Wahlkreis. Heute abend 7 Uhr von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung. 5. Wahlkreis. Heute, Mittwoch, abends 7 Uhr, findet vor dem Zahlabend eine Flugblattverbreitung von allen bekann- ten Stellen aus statt. Jeder Parteigenosse hat hierzu zu erscheinen._ Der Vorstand. Versammlungen. 2. Wahlkreis. Donnerstag, den 11. Januar, abends Uhr: Zwei öffentliche Wählerversammlungen in Kliems Fest- sälen, Hasenheide 12/13, und in Nißles Festsälen, Dennewitz- strafe? 13. Tagesordnung: Auf zur Reichstagswahl. Refe- reuten Paul Hirsch und der Kandidat des Kreises Richard Lischer. 5. Wahlkreis. Donnerstag, den 11. Januar 1912, abends 81/2 Uhr, finden zwei öffentliche Wähle rversamm- lungen mit dem Thema:„Ein letztes Wort an die Wähler" statt. Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16/23. Sophiensäle, Sophienstr. 17/18. Referenten: früherer Reichstagsabgeordneter Emil Eichhorn und Schriftsteller Julius K a l i s k i. In beiden Versamm- lungen Ansprache des Kandidaten Robert Schmidt. Zweiter Wahlkreis. Fricdrichstadt. Zahlnacht und Zahlmorgen fallen der Wablarbeiten wegen aus. Die Mitglieder wollen sich um Wahltage früh zur Besetzung der Ecken zur Verfügung stellen und um>/zl0 Uhr vormittags in der Zentrale bei Lorenz, Schützen- strotze 33, einfinden._ Dritter Wahlkreis. Heute abend 7 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Die Genossen werden er- sucht, zahlreich und pünktlich zur Stelle zu sein. Morgen abend 8'/, Uhr finden drei Wählerversamm- lungen statt. Näheres morgen im Inseratenteil und Anschlag- säulen. KL. Am heutigen Zahlabend gelangen die Billetts zu unserem am Sonnabend, den 20. Januar, stattfindenden Stiftungsfest zur Ausgabe. Schöneberg. Heute abend 7 Uhr findet von den Bezirks- lokalen aus eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Die Genossen werden dringend ersucht, sich daran zahlreich zu beteiligen. Wilmcrsdorf-Halensce. Heute abend 8 Uhr finden sich sämtliche Genossen in chren Bezirkslokalen zum Zah labend ein, um sich .er die Arbeit am Wahllage zu instruieren. Donnerstag abend 7 Uhr: Flugblattverbreitung. Näheres hierüber wird am Zahlabend mitgeteilt. Donnerstag abend 8'/, Uhr im GesellschastShause, Wilhelmsaue 112: Oesfentliche Wählerversammlung. Tageoordmmg:.DerTagdeSGerichtS." Referent; Genosse <£. II 11 a 6 r. Freitag früh 7'/, Uhr finden sich sämtliche Genofien und Genossinnen, die am Vormittage Wahlarbcit verrichten, im Zenrralwahlbureau der Partei, bei Schilling, Lauen- burger Strotze 20. ein. Ebenso wollen sich hier im Laufe des Freitags diejenigen melden, die sich der Partei in der Frühe noch nicht zur Verfügung stellen können. Der Vorstand. Steglitz. Heute Mittwoch, abends icm 6 Uhr ab, von den Be- zirkslolalen uns: Flugblattverbreitung, an der sich jeder Genosse und jede Genoisin beteiligen mutz. DonnerStag, 1l. Januar, abends Uhr: Drei Wähler- Versammlungen: im.Birkenwäldchen", Ichützenstrohe: bei Schellhase. Ahornslr.!öa, und bei Bredereck in Südendc. Steglitzer Stratze 24. Referenten: Schriftsteller Konrad H a e n i s ch, Gcwerk- schasiSielretär Fritz P a r n 0 w, Redakteur Joachim K l ü tz. Ge- Nossen, sorgt sür ernen Massenbesuch der Versammlungen. Die Verkündung der Wahlresultate erfolgt am Freitagabend bei Schellhase, Ahorustr. löa. Zchlendorf sWannsecöahn). Heute Mittwoch abend gemein- schastlicher Zahlabend bei Benno Mickly. Potsdamer Str. 25. Der Vorstand. Tempelhof. Donnerstag, den U.d.M.. abends 8 Uhr: Oeffent- tiche Wählerversammlung im„WilhelmSgarten*. Berliner Str. 9. Lichtenberg. Am Donnerstag, den 11. d. M., abends 8Z� Uhr, findet im..Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 5. eine öffent- liche Wählerversammlung statt, in der Genosse A r t u r Stadt- Hägen ein letztes Wort an die Wähler richten wird.— Freitag abend in demselben Lokal: Verkündung des Wahlresultats. Pankow.' Heute abend von 7 Uhr ab: Kuvertverbreilung von den Zahlabendlokalcn. Niemand darf fehlen. DaS Wahlkomikee. Tegel. Heute. Mittwoch, abends 7 Uhr: Flugblattverbreitung. Morgen TornierStag. abends 7 Uhr: Oeffentlicde Versammlung in Trapv« Festsälen. Die Bezirlsleitung Ztaulsdorf. TonnerStag, den 11. Januar, abends 8V2 Uhr. in Hamanns Geiellilvattshaus(JnB Kuötscblej. Fconkiurter Chaussee: Oesfentliche Wäblerversammiung Tagesordnung: Ein letztes Wort an die Wähler. Referent: Arbeiteriekrelär K ä m i n g. Freie AuS- spräche. ES ist Pflicht eines jeden Genossen, sür guten Besuch Sorge iju»ragen. Die Bezirksleitung. Eichioalde.� Heute abend von 8—9 Uhr im.Reslauran» Witte" LuSaabe der Stimmzettel und Flugblätter. Der Borstand. FricdrichShagen. Morgen, Donnerstag, den 11. Januar, abends gii jshr: Oefienlllche Wählerversammlung im Eiskeller, Friedrich- stratze 9öG7 Tagesordnung: Vor der Entscheidung Referenl: Redalieur Emil D i t tm e r. Freie Aussprache. Zahlreichen Besuch erwa'üei Die Bezirksleitung. Alt-Glienicke. Heute, Mittwoch, den 10. Januar, abends ll'/z Uhr. im Lokale Petermann, Rudower Stratze 54: Milgliederversaminlung des WahlvcreinS. Tagesordnung wird in der Versonimluiig bekannt gegeben'' Der Vorstand. Hohcn-Schönhansrit. Heute. Mittwoch, abends 8 Uhr: Ocffent- liche ReichStag-ioählcrversau'mlling m, Lokale von Kuhle. Berliner Strotze 03 39. Referent: Genone A. M 1 r u Z. Ncuenhagen(Ostbahn). Diejenigen, welche am Wahltag- als Wahlhelfer mitarbeiten wollen, werden ersucht stch früh 9 Uhr be, O. Wortmann. Bahnhosjtr. 27. einzufinden. Die Bezirksleltung. Lichtenberg. Am Mittwochabend findet vor Stattfinden des Zahl- abends Kuvertverbreitung statt. Bohnsdorf, Schulzendorf, Wattersdorf und Schöncfeld. Am Donnerstag, den 11. Januar, abends 8'/, Uhr, im Lokale des Herrn Bakoszer(Villa Kahlj: Oeffentlicke Wählerversammlung. Tagesordnung: 1. Was bat die Arbeiterklasse von dem verflossenen Reichs- tag erhalte»? Nach dem Vortrage freie Aussprache. Der heutige Zahlabend fällt aus und findet am Mittwoch, den 17. Januar er., abends 8'/g Uhr, in„Villa Kahl" statt. Verkündung des Wahl- resultats am Freitag, den 12. Januar, abends 9 Uhr. im Verkehrs- lokal(Villa Kahl». Königs-Wnsierhanscn, Wildau, Hoherlehme und Deutsch-Wuster- hausen. He»ite Mittwocd, den 10. Januar, in allen Bezirken Zahl- abend. Da die letzten Vorarbeiten zur Reichstagswahl vorgenommen werden, mutz jeder Genosse anwesend sein. Sämtliche Wahlleiter des auswärtigen Bezirkes treffen sich im Zahlabend bei Heidrich, Berliner Stratze. Der Vorstand. Dabendorf. Am Sonnabend, den 13. Januar, abends S'/a Uhr, bei Wiese: Mitgliederversammlung, In Anbettacht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen jedes Mitgliedes notwendig. Der Vorstand. Nicderlchme. Heute, Mittwoch, abends 7Va Uhr, im Lokal von Gärisch: Oeffentliche Wählerversammlung. Tagesordnung:„Die bürgerlichen Parteien, der qrotze Volksbetrug und die Sozialdemo- kratie." gteferent: Genosse Thielicke-Schoneberg. Hierauf freie Aus- spräche. Frauen und Männer, erscheint in Massen. Das Wahlkomitee. Bezirk Oranienburg. Donnerstag, den 11. d. M., abends 8 Uhr, im Lotal von A. Liese, Berliner Str. 29: Oeffentliche Wähler- Versammlung. Tagesordnung:„Reickistagswahl und Volksgericht." Referent: Stadtverordneter Genosse K l 0 t h- Rixdorf. Freie Aus- spräche. Parteigenossen, agitiert sür Maffenbesuch dieser Versamm- lung. Das Wahlkomitee. Svanda». Heute abend Flugblattverbreitung von allen Bezirken aus. Kerlmer I�admcbten. Am Freitag fällt die Sprechstunde aus.— Heute Donnerstag Schlust derselben um 7 Uhr. Zu den Massenvergiftnngen im städtische« Obdach wird jetzt das amtliche Ergebnis über die Ursache der Erkrankungen und Todesfälle ans Grund der vor einigen Tagen im Ministerium des Innern abgehaltenen Konferenz in der „Nordd. Allg. Ztg." wie folgt veröffentlicht: „Nach den Feststellungen entfallen die ersten Erkrankungen und Todesfälle auf den 23. Dezember vorigen Jahres, die letzte Er- kranlung und der letzte Todesfall auf den 2. Januar. In diesem Zeilraum werden 161 Erkrankungen gezählt, von denen 67 gleich 41 Proz. tödlich endeten. Das Krankheitsbild war einheitlich, nur nach der Schwere der Erkrankung mehr oder minder ausgeprägt. Alle Kranken zeigten llebclkeit. starken Durst, Hinfälligkeit. Schwäche in den Beinen, Kopsschmerz, Pupillenstarre, häufig auch Seh- störungen. Der Tod erfolgte unter grötzter Atemnot. Die Ob- duktionen ergaben wenig ausgeprägte Befunde. Die Kranken waren auSscblietzlich männlichen Geschlechts und mit wenigen AuS- nahmen Gäste des städtischen Obdachs. ES war kaum zweifelhaft, dah den Massenerkrankungen eine Vergiflung, nicht eine übertragbare Krankheit zugrunde lag, und datz die Quelle des Giftes nicht in dem Obdach selbst zu suchen war. Man hatte Grund zu der Annahme einer Vergiftung durch verdorbene Nahrungsmittel, insbesondere geräucherte Fische (Dorsche und Bücklinge» oder Buletten aus Pferdefleisch, weil eine grötzcre Zahl der zuerst Erkrankten kurz vorher Fische oder Buletten gegessen hatte. Diese Annahme lag um so näher, als die Krank- heitscrschcinungen denjenigen bei Vergiftung durch verdorbene Nahrungsmittel(BotuliSmus» ähnlich waren, weil im Institut sür Jnfekrionskrankbeiten angestellte Tierversuche eine starke Gift- Wirkung des Mageninhalts und des Blutserums der Kranken er- gaben, und weil das Gift bei Anwendung eines Antibotulis»nus- serums seine Wirksamleil verlor. Noch bevor diese Versuche abgeschloffen waren, fand der chemische Sachverständige des Polizeipräsidiums in dem Schnaps eines Branntweinausschanks, wo ausichlietzlich männliche Asylisten in grotzer Zahl verkehrten, erhebliche Mengen Methylalkohol und stellte mit Hilfe der Kriminalpolizei fest, datz diese und einige andere dem Asyl benachbarte Bramitwcinschenken den mit Methyl- attohol verfälschten Schnaps von dem Drogisten S. in Charlotten« bnrg bezogen hatten, der, wie die Haussuchung ergab, einen grotzen Borrat von Methylalkohol an Stelle des teureren Trinkbrannt- wein« verkaust halte. Die Polizeibehörde hat die Abnehmer des S. ermittelt uno ihren Ausschank entweder geschlossen oder die bedenklichen Schuapsvorrätc in Verwahrung genommen. Der Verdacht, datz die Massenvergiftungen auf den Genuh von methylalkoholhaliigem Schnaps zurückznsühren seien, ist durch die weiieren Untersuchungen zur Gcwitzheit geworden. Es hat sich herausgestellt, datz die im Asyl noch ermittelten Reste von ge- räucherten Fischen und von Pferdefleiichbuletien kein Gift ent- hielten. Dagegen ist im Mageninhalt von Kranken Methylalkohol nachgewiesen worden. Ferner waren die Krankheitserscheinungen bei den Bergifleten in llebereiiisliminung mit denjenigen, die man bei einigen in jüngster Zeit beobachteten Massenvergifrungen durch Methylalkohol in Amerika Ruhland und Ungarn geiehen hat. In Deutschland war Gleiches noch nicht beobachtet worden." Besonders bemerkensivert ist in dieser Veröffentlichung, dafe weder Fischgift noch Fleischgift, also überhaupt nicht der sogenannte„botulinus", als Krankheitserreger in Frage kommt. Sämtliche Aerzte, darunter berühmte Autoritäten, die in den ersten acht Tagen nach Auftreten der Massen- erkrankungen in i t g r 0 fe e r B e st i m m t h e i t auf Vergiftung durch verdorbene feste Nahrungsmittel(Räucherwaren oder Fleisch) diagnostizierten, haben sich somit geirrt. Man wird die erhebliche Mühe, die sich alle mitarbeitenden Aerzte, Bakteriologen und Chemiker um die Feststellung der Krank- heitsursache gegeben haben, gewiß anerkennen. Aber ist der Irrtum nicht dennoch etwas sehr besckämcnd für den Stand unserer ärztlichen Wissenschast V Zweifellos hätten die Aerzte mit ihren anfangs ziemlich sicheren Erklärungen bedeutend vorsichtiger sein müssen, ehe sie die Verant- Wartung auf sich nahmen, durch eine Diagnose, die nach dem ObduktionSbesiinde und nach den bakteriologischen Unter- suchungen nur schwach wahrscheinlich war, ganze Erwerbs- stände schwer zu schädigen. Die Fischhändler und die Händler mit Räucherwaren habe,i viele Tausende eingebüßt durch diese voreilig in die Oeffentlickkcit getragene irrtümliche Ansicht der betreffenden Aerzte. Diese Ansicht trat immerhin so bestimmt auf, daß auch der Presse gar nichts anderes übrig blieb, als die ärztlichen Berichte zu ver- öffentlichen. Wir unsererseits haben schon nach wenigen Tagen die Vermutung ausgesprochen, daß nicht oder doch nicht allein eine Fischvergiftung vorliegt. Man wird jetzt auch daran erinnert, wie obenhin manche Aerzte im Totenschein die Todesursache bezeichnen. Die Angabe„Herzschlag" ist der bequemste Weg, wenn die Kenntnisse nicht aus- reichen, die wahre Todesursache zu ergründen. Zieht man den Kreis noch weiter, so lehrt die jetzige amtliche Veröffentlichung, wie wenig ausschlaggebender Wert auch in anderen Dingen auf das Urteil von sogenannten Autotttäten, die leider stets den Behörden als unfehlbar gelten, gelegt werden soll. Man braucht dabei ja nur an die Psychiater zu denken, die mit ihren Irrtümern schon so viel Unheil angerichtet haben. Bei aller Hochachtung vor den Fortschritten der ärztlichen Wissenschaft ist es doch dringend geboten, daß man selbst in hervorragendsten Aerzten immer nur Menschen sieht, die Irrtümern genau wie jeder andere Mensch unterworfen sind. Zu der Bcrgiftimg der Asylisten wird mitgeteilt, datz die Schank- wirtswafteii, die die Kriminalpolizei wegen Ausschanks von melhyl- alkoholhaltigen Getränken geschlossen halte, jetzt wieder geöffnet sind. Vorher hat man sie gründlich säubern lassen. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei nach anderen Wirtschaften, die Methylalkohol hielten, gehen immer noch weiter. Es wurden auch schon eine Reihe von Wirten ermittelt, die gleich den anderen die gefährliche Flüssig- keit zu ihren Mischungen verwendeten. Sie hatten aber den Methyl- nlkohol schon freiwillig ausgegossen, sobald ihnen seine todbringende Wirkung bekannt geworden war. Schueebcrge auf dem Bürgersteig. Ein den Berlinern ungewohntes Gesicht zeigten gestern früh die Straßen. Die Bürgersteige waren im Gegensatz zu den Fahrdämmen von der Schneedecke fast gänzlich beffeit, aber der Schnee war in kurzen Abständen auf dem Bürgersteig selbst unmittelbar neben der Bordschwelle zu Bergen aufgehäuft. Das hatten über Nacht die Straßenreiniger besorgt. Besonders schön sieht das ja nicht aus, aber man glaubt, daß es prakttsch ist. Durch die Ansammlung fortlaufender kleiner Schneegebirge auf beiden Seiten des Fahrdammes wurde das Anfahren von Geschäftsfuhrwerken wie auch das Ueberschreiten der Fahr- dämme erheblich erschwert. Bei stärkerem, anhaltendem Schnee- fall wird es wohl nicht zu vermeiden sein, daß sich unter der neuen Regelung Schneeketten auf den Bürgcrsteigcn und auf den Fahrdämmen ansammeln. Hauptsache bleibt stets die schnelle Abfuhr. An Arbeitskräften ist ja kein Mangel. Gedenket der darbenden Böget! So kräht das Scherlblatt mit fett hervorgehobener Stelle wieder mal beglückend in die Welt hinaus. Ein einziger Schneefall genügt, um für den Tierschutz mobil zu machen. Wir sind bei unserer Vorliebe für die Natur gewiß die Letzten, die nicht sür den Tierschutz eintreten. So schlimm sieht es ober, wenn die erste Schneedecke liegt, wirklich nicht um die Berliner Vogelwelt. In allen grotzen öffentliche» Parkanlagen sind zahlreiche Fulterstellen eingerichtet. Tausende von Hausbewohnern streuen gewohnheitsmätzig Abfälle von Nahrungsmitteln als winterliches Vogelfutter auf Fensterbretter und Ballone, die innner noch zahlreich genug in Berlin vorhandenen Gäule sorgen auch für Spatzenayung. Ist der„Berliner Lokal-Anzeiger", das Blatt der Satten und Gemästeten, auch um den Mnischenschutz so besorgt? Wenn es gilt, vor den Türen der Hochgestellten zu schweifwedeln und Menschenrechte beschneiden zu helfen, ist das Scherlblatt stets in erster Reihe zu finden. Gerade unter dem Lesepublikum Scherls ragen allerdings jene Gemlltsathleten hervor, die einen hungernden. frierenden Menschen von der Schwelle jagen, aber einen Schotzköter in Samt und Seide wickeln. „Der Wahre Jakob" gelangt in der Buchhandlung Bor» w ä r t S in dieser Woche wegen der Reichstagswahlcn ausnahms» «eise schon am Donnerstag zur Ausgabe. Die Deputation der stäbtischen Gaswerke hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, an die Automatgasabnehmer Gasplätteinrich- jungen käuflich, auch gegen Ratenzahlungen, abzugeben. Ferner will die Deputation in Zukunft die Ueberwachung und Instand- Haltung der Flur, und Treppenbeleuchtung in den Berliner Häusern gegen eine geringe Vergütung übernehmen.—'Die Deputation setzte serner die in den Anstalten und im Röhrensystem im Rech- nungchahr 1912 auszuführenden Bauten fest. U. a. wurde auch der Entwurf zu einer erheblich verstärkten Gasbeleuchtung im Hum- boldthain angenommen. Dadurch hofft man die Sicherheit im Humboldthain zu erhöhen und den Verkehr zu fördern. Ein An- trag auf Vermietung der öffentlichen Straßen kandelaber zu Reklamezwecken wurde abgelehnt. Nackt im Grunrwaldschnee. Ein sehr eigentümlicher Vorgang spielte sich gestern im Grunewald ab. Gegen 9%, Uhr traf auf dem Bahnhof Eichkamp mit einem Vorortzug ein elogant gekleideter Herr ein, der sich sofort in den unmittelbar angrenzenden Grüne- ivald begab. Er ging den sogenannten Reitweg entlang und ent- ledigte sich dort plötzlich seiner Kleider, die er auf den blendend weißen Schnee niederlegte. Tann ging der Bedauernswerte im Adamskostüm weiter in den verschneiten Grunewald hinein, ohne daß er von irgend jemand beobachtet wurde. Nach, einiger Zeit fanden Angestellte des Bahnhofs die Kleider am Reitweg. Sie durchsuchten die Taschen und fanden allerhand Papiere und Brief- schaften, aus denen hervorging, datz als Eigentümer der Rechts- annalt beim Kammergerichb und Oberverwaltungsgericht Dr. jur. Hailliant aus der Potsdamer Stratze 4 in Betracht kam. Die Beamten benachrichtigten sofort den Amtsvorstand von Grunewald Forst, der seinerseits die Gendarmerie alarmierte und auch die Gattin der Bermitzten telephcmisch in Kenntnis setzte. Ferner wurde von der Charlottenburger Kriminalpolizei ein Polizeihund requiriert. Bald darauf begann nun eine wohlorganisiete Jagd nach dem Anwalt, der zweifellos in einem Anfall von Geistes- trübung die Irrfahrt in den Schnee des Grunewaldes angetreten hatt,:. Aber alle Bemühungen der Polizeibeamten und der Passanten. die zufällig anwesend waren und sich der Expedition, anschlössen. blieben erfolglos. Die Spuren, tue sich im Schnee zeigten, ver- loren sich bald in ausgetretenen Wegen, und so blieb nichts anderes übrig, als den ganzen Wald bis in seine tiefften Winkel zu durch- forschen. Aber auch dies führte bis zu den ersten Nachmittags- stunden zu keinem Ergebnis. ' Einbrecher aller Art waren in den letzten Nächten wieder eifria an der..Arbeit". Für 10 000 M. Damenmäntel und-stoffe er- beuteten Diebe, die in die Werkstatt des Damenkonfettionsschneiders Adolf Schmidt in der Brunnenstr. 62 eindrangen. Der auswärts wohnend« Damenschneider entdeckte morgens, datz die Tür zu seiner im ersten Stockwerk des Hauses liegenden Arbeitsstelle erbrochen und diese völlig ausgeräumt worden war. Trotzdem die Einbrecher zur Forbschaffung der Borräte längere Zeit benötigt haben Müssen ist von dem Diebstahl im Hause nichts gemerkt worden.— Ejna güiistigc Gelegenheit lvahrgenommen haben Gesckästseinbrecher die der Zigarrenhandlniig von K. Sauer in der Reinickendorfer Sir 74 Cliieil nächtlichen Besuch abstatteten. Der Geschäftsinhaber vileat sonst hinter dem Laden zu schlafen. Weil dieser Raum ausgebessert ttnnfte, SSernachtet« et Zetzi«m�«rhaw. Di« Diebe drangen nun iid«r Nacht durch di«s«n Raum, zu dem sie sich mittels Nachschlüss«! Eingang verschafft hatten, in sein Zigarrengeschäft ein und ■ schleppten den größten Teil seines Warenvorrates fort.— Schau- fenstereinbrecher nutzten das schlechte, für sie jedoch günstige Wetter ebenfalls für ihre Zwecke aus. In das Schaufenster des Herren- modengeschäfts von Samter u. Happel in der Charlotten- Straße 5g schlugen sie ein 39x40 Zentimeter großes Loch und langten durch dieses ein Persianerjackett im Werte von 509 M. heraus. Erst vor 14 Tagen wurde dort ein gleichr Einbruch ver- übt, bei dem die Diebe ein Kostüm und eine tvertvolle Pelzstola erbeuteten. Für ungefähr 300 M. Straußenfedern fielen ihnen bei einem Schaufenstereinbruch im Federngeschäft der Frau Klara Krautner in der Landsberger Straße 83 in die Hände.— Hand- tvagendiebe stahlen vom Hofe des Hauses Elisabethufer 30 einen mit Wäsche im Werte von 400 M. beladenen Handwagen, während sich der Bote auf wenige Minuten-ntfernt hatte.— Empfindlich geschädigt wurden durch Wohnungseinbrecher ein Fräulein de Boer und eine Familie Lukas aus der Richardstr. 19 zu Rixdorf. Die Diebe drangen dort in den Vormittagsstunden in die unbeauf- sichtigt gelassenen Wohnungen ein und stahlen außer einer großen Anzahl Kleidungsstücke. Schmucksachen auch Sparkassenbücher über kleinere Beträge. Zu einer imposante» Kundgebung gestaltete sich am vergangenen Montag das Begräbnis des Genossen, Metallarbeiters Johann Przydrozny. Die Mitglieder des Wahlvereins für den vierten Kreis, die vom Metallarbeiterverband sowie seine engeren Arbeits- kollegen waren zahlreich erschienen. Przydrozny. der nur ein Alter von 30 Jahren erreichte, war ein nie ermüdender, gewissenhafter Streiter für die Arbeiterbewegung. Genosse Knüpser, der die Grabrede hielt, konnte mit Recht den Eifer und die Gewissenhaftigkeit bei den ver- schiedensten Posten, die er inne hatte, ganz besonders als jahrelanger Bezirksführer und zuletzt als Abteilungsführer. hervorheben. Die Achtung und Verehrung, die ihm allerwärts entgegengebracht wurde, legt Zeugnis ab für seine anerkennenswerte Tätigkeit. Przydrozny ist an Blinddarmentzündung gestorben. Die Genossen des vierten Berliner Wahlvereins und die polnische Sozialdemokratie werden ihm ein bleibendes Angedenken bewahren. Wegen eines größeren Fabrikbrandes wurde am Dienstag früh um 8 Uhr die 5. Kompagnie nach der Barnimstraße 13 alarmiert. Dort stand ein Fabrikgebäude in Flammen. Diese hatten besonders an Papiervorräten der Firma M. Tietz reiche Nahrung gefunden. Als der 17. Löschzug an der Brandstelle erschien, schlugen die Flammen schon aus den Fenstern und Türen, vermischt mit dichtem Qualm heraus. Dieser war so enornt, daß das Personal der Firma und der übrigen dort befindlichen Fabrikbetriebe schleunigst die Räume verlassen mußte. Die Feuerwehr griff sofort mir vier Schlauchleitungen von Dampfspritzen an, und es gelang schließlich, den Brand auf das Fabrikgebäude zu beschränken. Die Entstehung des Brandes konnte noch nicht festgestellt werden. Der erhebliche Schaden soll durch Versicherung voll gedeckt sein. Der 19. Zug hatte in der 200. Gemeindeschule, Schönhauser Allee 103, zu tun, wo der Fußboden in Brand geraten war. Der 5. Zug hatte in der Dresdener Str. 86 einen Brand zu löschen, der in der Malerwerkstatt von E. Pabst ausgekommen war. Es brannten Tische, Regale, Chemikalien, Schaldecken, Fußböden und anderes, so daß energisch vorgegangen werden mußte, um eine weitere Aus- dehnung zu verhüten. Auf der Museumsinsel brannte eine Baubude auf dem Bauplatz für die Museumsbauten. Ferner wurden noch zahlreiche Brände von Weihnachtsbäumen gemeldet. In der Frauenversammlung am 4. Januar in den Comenius sälen ist ein brauner Boa verloren gegangen. Abzugeben im Bureau deS Wahlvereins Stralauer Platz 1/2. Vorort-]N admcbten« Rixdorf. Eine ungewöhnliche Verhaftung, bei der die Not eine Rolle ge« spielt zu haben scheint, erfolgte vorgestern in Rixdorf. Abends er- schien auf dem Polizeipräsidium die 32 Jahre alte Photographenfrau Anna Content aus der Wißmannstratze 7 und bat, sie und ihren Mann wegen Vergehens gegen das keimende Leben festzunehmen. Die Frau versicherte, daß sie im Einverständnis mit ihrem Manne gekonimen sei. Er sitze nebenan in einer Schankwirtschaft und warte dort auf seine Festnahme. Beide bäten dringend um ihre Ver- Haftung, weil sie sich sonst das Leben nehmen würden. Content, ein Mann von 36 Jahren, wartete wirklich nebenan auf seine Verhaftung. Er ließ sich ruhig abführen und erklärte, eS stimme alles, was seine Frau gesagt habe. Durch eine ärztliche Untersuchung soll noch be- stimmt festgestellt werden, ob die Aussagen der Eheleute zutreffen. Es ist auch möglich, daß das Ehepaar sich angezeigt hat, um vor- läufig aus der Not herauszukommen. Die sehr ärmlichen Verhält- nisse, die man in der Behausung fand, legen den Schluß nahe. Ein wackeliger Tisch und Eierkisten als Bettstellen bilden die Haupt- gegenstände der Einrichtung. Der Mann war auch schon längere Zeit ohne Beschäftigung. DaS Paar wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Charlottenvurg. Charlottenburger Seefischverkauf. Nach dem erneuerten Vertrage zwischen der Sladtgemeinde und der Dampffischereigesellschaft .Nordsee' werden Seefischverkäufe während der Wintermonate Mitt- wochs und Freitags von 8 bis 7 Uhr im Städliichen Fleischschau- amt, Spreestr. 30. abgehalten. An den Verkaussragen findet eine laufende Prüfung der Güte der Ware durch den Leiter der Fleisch- beschau sKönigl. Kreislierarzl) oder seinen Vertreter statt. Die Verkaufspreise sind von den Marktpreisen an der Küste abhängig und in der Regel so zu bemessen, daß sie sich niedriger stellen als in den Filiale» der«Nordsee' und auf den Wochenmärkten in Groß- Berlin. Die Preise werden au den Verkaufstagen auf einer all- gemein sichtbaren Tafel im Fleischschauanit sowie bei den einzelnen Fischsorre» bekannt gegeben. Teurer als zu den auf der Tafel oder bei den Fischsorten bezeichneten Preisen dürfen weder ganze Fische noch Teile verkauft werde». Schöneberg. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurden zunächst 22 Stadtverordnete eingeführt. Die Genossen Mobs und Peterson waren neu und die Genossen M a g n a n und Rott- I ä n d e r iviedergewählt. Bei der nunmehr vorgenommenen Vor- standswahl wurde als Vorsteher Graf v. M a l u s ch k a bis 7H Uhr adendS,»onnadend», von 4Vj»ts 6 Uhr adenvs starr. Jrder tvr den Bricstaftea beftrmmtea Antrage ist cia Bnchsiabc and rine Zahl als Mcrtzriaea brtzukSgrn. Briest!«« Anrwort wird nicht crlcUt. Antrage», denen triue Adonaemrntsguttwng»rtgetstg» ist, werden nicht beantwortet, eilige Fragen trage man in der Evrechftande vor. Am Freitag fällt die Sprechstunde aus.— Heute Donnerstag Schlust derselben um 7 Uhr. H. L. 200. 1. Die Frage läßt sich in bestimmter Weise nur nach Kenntnis des genauen Wortlauts der Kündigungsbestimmung beantworten. Teilen Sie uns diese unter Wiederholung der Ansrage wortgetreu mit oder kommen Sie in die Sprechstunde. 2. Die Kinder find, wenn lein Testament vorliegt, nach den Eltern zu gleichen Testen erbberechtigt.— H. 10. Die Kündigung ist verspätet und daher nicht rechtswirksam.—®. Bl. Unseres Erachlcns sind nur 3,90 M. Kosten entstanden. Fordern Sie den Mehr- betrag zurück.—®. S. 3. Sie können zum 1. Februar kündigen. Spätestens am 15. des Monats muß der Vermieter im Besttz der Kündigung sein.— R. B. 93. 1. Nein. 2. Angaben reichen nicht aus; kommen Sie in die Sprechstunde.— F. B. 34. Wenn Sie erst nach Leistung der Unterschrift erfahren haben, daß die Wirtin einen höheren Betrag erhalten hat, können Sie beini Amisgericht noch klagbar werden, andernfalls nicht Zur Angabe der Gesellschaft ist die Wirtin nicht verpflichtet.— W. 7. Ja' — E. Kv. 1. Ja. 2. Klage unzulässig.—<£. V. 53. ES empfiehlt sich Einigung schon deshalb, weil der geietzliche Bertreter des SobneS die Schenkung bis zur Höhe des Pflichttests anlechten lann.— Sl. 8. 18. 1. Ja. 2. Halten wir für unzulässig. 3. Regierungspräsident.— K. ft. 5. Der Mietsstempel beginnt eist bei einem jährlichen Mictszms von mehr als 36» M.— R. Ö. 11. 1 M. pro Kalenderjahr.— T. 84. 1. 150 M. ES kann bei Bedürstigkeit Ermäßigung bis aus 5 M. erfolge«. 2. Ja. 3. Ausweis über Staatszugehörigkeit. Der Antrag ist beim Polizeipräsidium einzureichen.— K. St. III. Sie find noch zahlunzSvflichtig.— M. Z. 20. 1. Ihr Mann soll es mit einer Beschwerde versuchen, salls die Utägige Beschwerdesrist noch nicht verstrichen ist. 2. Ja. 3. Läßt sich nur nach Einsichlnabme in die Karte beurteilen. 4. Ja.— E. H. 10. Nur wegen der Steuer, die nicht länger als ein Vierteljahr fällig ist.— O. F. 30. Die Weitcrocrsicheiung empfiehlt sich.— W. St. 57. Ja.— Z. 97. 1. Ja. 2. In der Regel gar nicht. Hat aber das Mädchen s chuld haster- weise de» Dienst verlassen— Verlassen nach ordnungsgemäß voraus. gegangener Kündigung gilt nicht als schuldhast— innerhalb des Dienst. (nicht Kalender») Jabres.—(£. P. 100. Bis aus den Fahrdamm.— F.«. 85. 1. ll Uhr. 2. 2 M. pro Kalenderjahr.- B. 100. Eir. Prozeß erscheint sür Sie nicht aussichtslos.— Amerika 6. Gewißheit darüber, ob Verjährung eingetreten ist oder nicht, läßt sich nur durch Akten einsicht erlangen, die ein Rechtsanwalt aus Grund einer Vollmacht de Angeschuldigten erlangt.— W. 04. Verjährung liegt in beiden Fälle: nicht vor.— B. W. 84. Wir raten, sich in der Angelegenhei an den Verband der Schneider, Sebastianstraße 37/38, zu wender — F. V. 18. Falls bje Bahnverwaltung das Heilverfahren übernimm, zieht sie die Kaisenleistungen ew. Mindestens die Hälste des Krankengelde muß als Familienunterftützung gewährt werden. Die gleichzeitige Zr geHörigkeit zu den genannten beiden Kassen ist unzulässig, der Bezug vo. Unlerstützungen aus beiden Kassen eoent. strafbar.— H. B. 20. Ohn Kenntnis der gesamten Akten nicht zu beantworten.— B. D. 18. 1. Neil. 2. Bis einschl. November die Gemen de des früheren, vom 1. Dezember a die Gemeinde des jetzigen Wohnsitzes.— O. X. 100. 1. Unseres Er achtens ja. 2. Klage beim Gewerbcgericht.— H. C. 53. 1. Nicht meh' erreichbar. Ihre Frau soll sich weiter versichern. 2. Fragen Sie bei Will Hinz, Prinzenstr. 66 IV an— F. P. 15. In 3» Jahren. Zahlungt besehl zulässig.— E. T. 48. Da eS sich um einen Neubau handelt un nach der Berlmer Rechssprechung bei einem solchen mit einem g» wissen Grad von Nüsse gerechnet werden muß, lönncu Sie nur dann ausziehen und Schadenscriatz verlangen, wenn siw eine er» hebliche KcsundheitSgesährdung nachweisen läßt.— K. M. W. Nein. - W. Sch. 21. i. Ja. 2. Nein.— F. P. 80. 1. Ja. sosern und soweit der Lohnanspruch 28,85 M. wöchentlich übersteigt. 2. Ja. so oft Gläubiger sie beantragt. 3. Falls Psändung erfolgt, kann Ihre Mutter in- terveniere».— H.«. 47. 1. Ja. 2. Die Hälfte.— M. S. 99. Der Verkehr fällt noch in die gesetzliche Empsängniszeit.— Heimarberechtigt. Des Lebensalter ist nur insoweit von Bedeutung, als bei alten Leuten, die ohne Vermögen find, vorausgesetzt iverden kann, daß in naher Zeit Unter- stiitzuiigsansprüche gestellt werden, und deshalb Zurückweisung erfolge» kann. Ein bestimmtes Alter sieht das Gesetz nicht vor.— B. D. 09. Rem. Reklamieren Sie. Die Adresse ist aus dem Bcranlagimgsfchreiben ersichtlich. Marktbericht von Berlin am 8. Januar 1912, nach Ermittelung des löntgl. Polizeipräsidiums. Markthallenpretfe.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00—50,00. Speisebohnci, weiße, 40.00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartosseln 8.00—12.00. 1 Kilo- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,50—2,50. Hammelfleisch 1.20—2,20. Butler 2.60-3.20. 60 Stück Eier 3.80—6.40. 1 Kilogramm Karpseu 1,00-2,40. Aale 1,20-2,80. Zander 1.60-3,60. Hechte 1,20—2,60. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0.80-1.40. 60 Stück Krebfe 3,00-24,—.____ WitterungSnberiicht vom S. Januar ISIS. Etationen Swinemde. Mamburg >erlin 8 l2 il »— «= c B Franks» M 7 55s SO 758 W 1 wolkig 756 OSO 4 bedeckt 758 SO 2 bedeckt . 755SO I Zchnee -759 SSO i TSchnee j762 Still i Metel Setter w« 5». P» Stationen Haparanda 756 38 Petersburg 752 N« "cilllj 748, WSW Aberdcen Paris 744: SO 763 WSW Setter 4 wolkenl 2 Schnee ä�balb bd. 7�Schnee 3Regeu P W to -21 —20 10 3 10 München Wien Wetterprognose für Mittwoch, de« 10. Januar 1S12. Zunächst etwas gelinder, vorwiegend trübe mit Niederschlägen«td frischen westlichen Winden; später zeitiveise ausilarend und wieder Kälte. B rliuer Vetterbureau. Wasserstands. Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteill vom Berliner Detterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit Pregel, Jnslerburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krossen , Frankiurt Warthe. Schrimm , Lands berg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Berby , Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlitz Havel, Spandau>) , Rathenow') Spree, Spremberg') . BceSlow Weser, Münde» , Minden Rhein. MaximilianSau , Kaub Köln Neckar. Heilbrom» Main, Wertheim Mosel. Trier ')-s. bedeutet Wuch»,— Fall.—») Unterpegel.—•) Eisstand.— <) Eistrciben.—») GrundeiSgang.— Der geslr-ge Sasserfland der Ruhr bei Mülheim lag ungefähr>/, rn über MIttclhochwasser und 1'/, m über AuSuserungShöhe. Sonst sind Uederschreitungcn von Mittclhochwasser noch nicht gemeldet worden. Heutige Wasseislände: Rhein bei Kcbl 332 cm, iällt lHöchslstaud gestern nachmittag: 345 cm, lag nur»/« m über Mittel. wasser,; bei Aarimiiiansaue heute 463 cm, steigt(erst 80 cm über Mittel. wasser); bei Koblenz 453 cm. steigt(3 m über Mittelwasser, aber noch 1 u» umer Mittelhochwasser); bei Wimpfen 326 cm, fällt(schon unler Au». ujerungshöhe). R uhr bei Herdecke heute WS am. fällt ebeofal». Berliner Credit-Haus Komroandantenstr. 67."WV f Alkoholfreie Getränke� �ranz Abraham Hamb. Messina-u.Romertrank-Kell. N 4, Sehlegelst. 9. F ernap. III, 7727 r.ntfrh Seiter- u. Limonad.-Fabrik UlilUll« Thaerstr. 44. T.A.7.8176. Schütze, Em Weberstr. 1 5s. T. 7, 1 1 1 25! Bestes alkoDei- freies Betrank. 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Eder, Schonenschestr. 1 LJ Engel's Landbrot(IZ Heinersdorfer Muhle Verkfssicll.: Kolouiest.Ö.Rodeabergat 2, I.üdBnli5t55,8ebiv<'Idelllerst.44,Lwjue- mnuderstr. 43, Pankow, Floraatr. 80. Willi. EDgEUÄÄ. t. Verkauf in Milchgeschäften Berlins Bakual ge�eDea. d. flakale. lischer, Görlitzerstr. 56. Ftlkcoslciistr. 20, Kdpeaickernr. 172. W. Gerlach, Scbdnebg. Srdaoir. 6;7. F GottwaId.Benisier!t.78, 1�.1114145 Alfred Graf, Beuseelstr. 24. Karl Giesmann, Wittstockstr. 7. H. GlQck, WUbelmshavenerstr. 61. August Hühner, Schwedterstr.62. August Hauck, Cöpeniek. Dskai Hanls s Brottiäfeiei! 7S Geschalte | in allen Stadtteilen Berlina| und in Rixdorf. Herberg, Paul, Amsterd.-Str. 29. Ctrechterstr, 17. Bnrgdortatr, 14. ingn.t Kammel, Pankstr. 46. L. Kierzkowski, Wichertstr. 5 Kilies-Großbäckcrei. Boßestr. 8. H. Krause, Itgsittslr. 32 1. Triflati. 43 Km»er, Rixdorf, Nansonstr. 33. Carl Laudahn. Wcberstr. 30. Landbrot-BSck�Sckalr, Fr, Bichholl. 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Peter�Schlej�Wilh�Zo� SunZei, B. Kaia.Fried?.-St.49 Call Il!lII!8jOB..."tre!JrarU:f,re1b, Büttner, A., Danzigerstr. 06. SthniffliuarJiMRiSsriis. Vettin, H. Br— str (��Bertifaklaldung � KSnerr�Tto�nuTcIuTiraß�fir UüpnUnn II Mühlcndamm 3, TT u Ii Aul, n. Kottbuserdaram 82 f Bettfedern u. Betten Rmtfedcrn tod selbstgesckl Gänsen 1 \M üaQskoeüit, Cäpenidi T_ Müggelheimerstr. 8| P.Berliner, Rixd.�Termannst�L? A.Hampel.Ri-jBer 8lr.44-45.Reinigiog Carl Henze, ÄudreasjitrÄS, Kcioigang. BierbrauorelentBierli. w. Landbrot- GroRbückerol O. Senf, Ndit. Krug, Waldatr. 4 Hermann Lebelt. Hunsitlenatr.SS Alired Ller, Wielcfetr. 36. CIMüdM BrollaHrik Ä E. Martin, Gleimstr, 55._ Moilweide's bew. Bädccrei Zion!'kinlipl.l.PrBnneMtr.3Lolhr.Sl 34,35 ITustav Möhlateph, Rhinowerctr. 2. Da* gr. Bröl ▼. Berlii, Köpenick. Karlahorst n..Schöne weide. R. Wo«kt Friedrichshagen Tb.Neu maniigÖiHenburgerstr.21. Herrn. Proeil, Nonnendamm. Alhfn Quandt, Tüsiterstr. 68. " Bäckerei„Nordstern" Inb.: Gust. 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