DrS. RbonnementS'Bedingungen: Abonnements- Preis prönmnerandot Bierteljährl. 3£0 Ml., monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Psg. frei mS Haus. einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Reue Welt" 10 Psg, Post- Zlbonnen»ent: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. u�er Kreuzband für Deutschland uno Oesterreich- Ungarn 2 Atari, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnemeMS jj�StrS I"sten, Cuj' mb �Portugal' cndjti« agil«»u8w mootH«. SS. Jahrg. Die TniertiottS'GebOflr detrigt für die fechSgefpaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum SO Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins, und Berfammlungs-Anzeigen SO Pfg. „Kleine janzeigen", das settgedrucktc Wort 20 Psg. izuläsfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenau- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes wettere Worts Pfg. Worte über 16 Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste. Nummer müssen bis !- Uhr nachmittags in der Expedistch'. abgegeben werden. Die Erpedinon ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Derliner Volksblatt. Zentralorgan der fozialdemokrati fehen Partei Deutfcblands. Telegramm-Adresse: „SozUliieRioKrat RcrliB". Redaktion: 8M. 68» Lindenstraeee 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Freitag, den 1Ä Januar 1912* Expedition: SM. 68» Lindenstraese 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 198«. Wähler heraus! Und nun ist er da, der Tag der Entscheidung! Unsere Ungeduld konnte ihn kaum erwarten, unsere Sehnsucht hat in fünf langen Jahren ihn immer und immer herbeigewünscht. Fünf lange Jahre waren wir die Opfer der Gesetzgebung, diesen einen Tag sind wir selbst Gesetzgeber. Von Euch, Ihr Wähler, hängt es ab, wie Euer Schicksal wird. Denn Schicksalsfragen sind es, die von Euch Antwort heischen. Um Eure politische Freiheit und Eure politische Selbst- bestimmung handelt es sich! Immer größer wird die Macht der Arbeiter, immer stärker die Reihen der Sozialdemokratie. Aber auch immer er- bitterter der Widerstand, den die Gewalten des Klassenstaates unserem Bormarsch entgegensetzen. Immer unverhüllter offenbart sich ihr Haß cegen das gleiche Wahlrecht. Gegen die Grundlage der Volkssouveränität � chten sich tückische Anschläge. >> Schützt, Wähler, Euer wichttgstes Recht und stimmt sozialdemokratisch! Erinnert Ery der gewaltigen Demonstrationen, durch die Ihr die Frage des gleichen Wahlrechts auf die Tagesordnung der preußischen Politik gezwungen habt. Die Fortschrittler haben Eure Kundgebungen verhöhnt, über Eure Energie furchffam gejammert. Die Nationalliberalen, Klerikalen und Konservativen haben ihrer verbissenen Feindschaft gegen Euer Recht fanatischen Ausdruck gegeben, mit Eurer Forderung ihren Spott getrieben. Das gleiche Wahlrecht in Preußen ist die Voraussetzung jedes politischen Fortschritts im Reiche. Wählt die Vorkämpfer des gleichen Rechts und stimmt sozialdemokratisch! Ein hartes Los hat der Kapitalismus der arbeitenden Menschheit bereitet. Nur der vereinten Macht der Arbeiter gelingt es, in nie rastenden Kämpfen Erleichterung zu schaffen. Wie gegen Euer politisches Grund- recht, so erhebt sich gegen das gewerkschaftliche Grundrecht der Arbeiter und Angestellten immer drohender die Feindschaft der Herrschenden. Das lalittonsrecht ist in Gefahr, Ausnahmegesetze drohen. Als Feinde )er Sozialpolitik hat der Raub der Selbswerwaltung alle bürgerlichen Parteien entlarvt. Erinnert Euch, Wähler, des Entrechtungsblocks, stimmt üeder Eure Gegner, mahlt sozialdemokratisch! Heber Eure Lebensnotdurft, Euer Leben selbst entscheidet Ihr diesmal, Wähler! Teuerung und Kriegsgesahr oder Wohlfahrt und Frieden. Ihr habt l wählen. Ueber die Schutzzollpolitik habt Ihr Euer Urteil zu rechen. Entscheiden sollt Ihr, ob Ihr die Politik der Bereicherung der 'eichen, der Steigerung der Renten und der Monopolprofite fortgeführt pssen oder ob Ihr die Abkehr von der Plünderung der Massen �llt. Wollt Ihr Milderung der Teuerung, Beseitigung der Lebensmittel- t, Hemmung des Kartellwuchers, so stimmt sozialdemokratisch! Der imperialistische Wahn hat alle bürgerlichen Parteien er- griffen. Ein sinnloses Wettrüsten hat die großen Kulturnationen in be- lvafsnete Heerhausen verwandelt. Schon rast die Kriegssurie unaufhörlich durch die Welt. Sie kommt näher und näher. In jedem Lande sind Kriegstreiber an ihrem verbrecherischen Werke. Keine bürgerliche Partei findet Mut und Entschlossenheit, dem imperialistischen Treiben mit unbeug- samer Energie entgegenzutreten. Nur die S 0 z i a l d e m 0 k r a t i e hat ihre welthistorische Aufgabe erfaßt. Mit ihrer ganzen Macht tritt sie der Völker- Verhetzung entgegen. Sie will den Frieden, sie will den gemeinsamen Kampf der Ausgebeuteten aller Länder gegen die Klassenherrschaft des Kapitals. Keinen Mann und keinen Groschen dem Militarismus, dieser dauernden Friedensgefahr! Wehrhaftigkeit der Nation durch das freie Volksheer, aber Entwaffnung der Herrschenden und un- beugsamer Widerstand- gegen ihre Kriegsgelüste! Wähler, die Ihr den Frieden wollt, die Ihr Euch nicht auf die Schlachtfelder kapitalistischen Expansionsstrebens schicken lassen wollt, stimmt sozialdemokratisch! Stimmt gegen das Wettrüsten, stimmt gegen die koloniale Eroberungs- Politik, stimmt gegen die Schutzzollpolitik und Ihr stimmt gegen den fürchterlichen Steuerdruck. Alle bürgerlichen Parteien sind für die indirekten Steuern, die alles verteuern, was Ihr zum Leben, zu Eurem ärmlichen Genuß bedürft. Noch brennt in Eurem Gedächtnis der unerhörte Raub der halben Milliarde. Gebt acht, das Gleiche steht Euch bevor! Vom Imperialismus zerfressen sind alle bürgerlichen Parteien bereit, neue Rüstungsausgaben, neue Flottenvorlagen, neue Kolonialsorderungen zu bewilligen. Und was sie auch vor der Wahl Euch sagen, glaubt es nicht! Seid gewiß, diese Politik zwingt zu neuen Steuern, und diese neuen Steuern, Ihr werdet es sein, die Ihr sie tragen müßt. Seid auf der Hut und stimmt sozialdemokratisch! Unendlichen Reichtum hat in der kapitalistischen Periode die vergesell- schaftete Arbeit geschaffen. Alle Bedingungen sind erfüllt, um der Menschheit in freier Arbeit die EntWickelung größter Kulturentfaltung zu gewähren. Der Kapitalismus aber will nicht Freiheit und Kultur, er will Knechtschaft und die Barbarei der Herrschaft von Menschen über Menschen. Die ungeheuren Produktivkräfte sind für ihn nur eine steigende Verlegenheit und keinen anderen Ausweg kennt er als die Venrichtung in einem Krieg, so ungeheuerlich, so abscheulich in seinen Absichten und in seinen Wirkungen, wie ihn die Geschichte noch nie gesehen. Wir wollen eine andere Lösung, Wähler! Wir wollen die Ver- einigung der Menschheit zu einer neuen Kulturgemeinschaft, in der Kampf nur ein Wettkampf der Geister, in der Krieg nur ein Wettstreit um die wirksamste Steigerung menschlichen Glücks ist. Wir wollen die Ueber- Windung des Kapitalismus, die Befreiung der Menschheit aus Not und Gewalt. Wir wollen die sozialistische Gesellschaft der befreiten Arbeit. In dem großen Entscheidungskampf zwischen Kapitalismus und Sozia- lismus, zwischen Ausbeutung und Freiheit ist dieser Wahltag von großer, folgenschlverer Bedeutung. Bleibe keiner zurück, stelle sich jeder der historischen Stunde! Wählt, Wähler, die Männer der Arbeit nnd der Kefreinng! Stimmt für die Sozialdemokratie! Die Kandidaten für die 8 Keichstagsmahlkreise Groß-Kerlins: I. Wahlkreis: Stadtverordneter Wilhelm Düwell II.„ Geschäftsführer Richard Fischer III.„ Stadtverordneter Wilhelm Pfaimknch IV.„ Kassenbeamter Otto Bttchuer V. Wahlkreis: Arbeitersekretär Roher t Schmidt VI.„ Schriftsteller Oeorg ledehour Niedsr-Barmm: Stadtverordneter Artur fStadthageii Teltow-Beeskov-Storkow-Charlottenbarg: Stadtv. Fritz Zuheil. Tfyr wahlberechtigten Käooer, denkt daran! ■ Die bitterste Stunde für alle Volksfeinde ist gekoinmcn. Heute spricht der Staatsbürger seine Meinung über die deutsche Regierung aus. Ihr wahlberechtigten Männer, denkt daran» was auf dem Spiele steht! Die„Post", das Organ der kleinen, aber mächtigen Gruppe der G r o f; i n d> u st r i e l l e n. schrieb bei der Enipfehlung eines Steicerkl�ssenmahlrechts für den Deutschen Reichstag: „Mögen dann doch ruhig K Millionen Proleten für ihren Angnst stimmen» einige ÄO von den Leuten, die die eigentlichen Staatslaste» zu tragen haben» hielten sie ja bequem im Schach.... Die besitzlose Masse kann zufrieden sein, daft der Staat ihr über- Haupt noch Schutz und Nahrung gewährt." Ebenbürtig diesen Verbrechern am 66 Millionenvolke ist das Zentrum. Eines seiner vornehmsten und führenden Organe, die„Kölnische V o l k 3 z e t t u n g". schrieb bor einiger Zeit einmal: „Tie deutsche Landwirtschaft erfreut sich heute eines Zolltarifs, unter dessen Herrschaft ihre Ber- Hältnisse sich wesentlich verbessert haben. Sie ver- dankt diesen Tarif, soweit die Parteien in Betracht komme», an erster Stelle dem Zentrum... Die„G e r m a n i a", das andere führende Organ der Zentrumspartei, schrieb ein Jahr später, im Mai 1968, gegen die ihr demokratische Tendenzen vorwerfende„Kreuz-Zeitung": „Wann und wo hat die Zentrumsfraktion bekundet, dast sie zur Demokratie überzugehen gedenke? Sie hat durch Wort«nd Tat vielmehr bekundet, dast sie die alte bleiben,»nd sich nicht in eine unproduktive» rein negative Opposition drängen lassen wolle. Aber anch der Partei im Lande kann man ehr lichcrweise nicht nachsagen, dast sie sich nach links ent- wickelt, und demokratisch geworden sei." Die Konservativen wollen das mündige Proletariat rechtlos machen— und das Zentrum verteidigt sich gegen den Vorwurf, nicht mit am Z o l l w u ch c r geholfen zu haben, und demokratisch geworden zu sein I Und der Freisinn? Der Freisinn hat es gewagt, das wichtigste Bürgerrecht, die freie Selbstbestimmung des einzelnen wen und wie er wählen will, als ein staatS widriges Beamtenverbrechen durch Denunziation bei den Be Hörde» zu beschmutzen! DaS war am 6. Juni 1908! Und gestern veröffentlicht die FortschrittSPreffe in Frank furt a. M., wo sie mit einem Sozialdemokraten um das Mandat kämpft, den folgenden Aufruf: „Staatsbeamte und Staatsarbeiter! Denkt an Euren dem Kaiser und Könige geleisteten Treneid und wenn Ihr das tut, Vau» könnt Ihr nicht sozialdemokratisch wählen wollen, dann könnt Ihr nur Rudolf Oescr(Freisinnsmann) die Stimme geben!" So werden die staatsbürgerlichen Rechte beim Freisinn geschübt! Darum. Ihr wahlberechtigten Männer. wählt nur solche Kandidaten, denen des Volkes Wille das höchste Gesetz ist! Wählt Sozialdemokraten! Sind die Cente wahnsinnig? Das Volk schreit nach Gerechtigkeit und die reaktionäre „Post" antwortet— einen Tag vor der Volks« ab st i ni m u n g!—: „Nicht das preußische, sondern das RcichStagSwaHlrccht ist da» elendeste aller bestehenden Wahlsysteme... wer will e-Z ihm(dem Großindustriellen) verargen, wenn er sich weigert, ein Recht zu üben, das für ihn nicht größer ist, als das deS minder- wcmnsten seiner Arbeiter. Wer will eS dem Großlauf mann verübeln, wenn er die Ausübung eines Rechte» ablehnt, das ihn in der politischen Wirkungsmöglichkeit dem ungeschicktesten seiner Lanfbnrschen gleichstellt. Und wer schließlich will eS dem Gelehrten und all' dm feine» Köpfen der Nation verdenken, wenn sie dem Wahlgeschnst fern bleiben, bei dem die in dir xte Potenz erhodene Beschränktheit das gleiche Recht genießt....". Wir fragen wieder: find die Leute wahnsinnig, daß sie es wagen, dem Volke solch offenkundigen Hohn anzutun? Wie schätzen diese Reichsparteiler das deutsche Volk ein V Sind Millionen ehrlicher, iyr Leben lang Positive Werte schaffende Proletarier Helote»? Dieselbe konservative Presse fordert— zwei Tage vor der Volkscntscheidung!— von der Regierung nicht nur weiteres und»och schnelleres'Wettrüsten zur See, nein auch „Maschinengcwehrkoinpagnien bei der anderen Hälfte der In- sanIcrieregimenUr, Auffüllung der Regimenter zu zwei Bataillonen und Aufbefferung der gesamien �eldarlillerie". Wollen die Leute das Zuwmmenbrechcn aller Vernunft im Staate, wollen diese Leute das Volk zu Tode hetzen? Und die„Deutsche Tageszeitung" bringt es sogar fertig — einen Tag vor dem Volksgericht— darauf hinzuweisen. daß der Deutsche unter allen Nationen die geringste K o p f s u m m e an Zöllen und Ver- b r a u ch s st c u e r n zu z a h l e n h a b e: daß er also noch viel, viel mehr zu tragen imstande sei! Wir müssen immer und imnier wieder fragen: Soll das Volk so zur Verzweiflung getrieben werden? Will man die Massen des deutschen Volkes aufputschen? Die„Germania" vom Zentrum hetzt ihre Leser— einen Tag vor der Wahl— auf, gegen die„Vernichter des christlichen Glaubens" zu stimmen. Sie schreibt: geh: ums Ganze, eS gehl um die christliche StaatSidce, es geht' um den Glauben... Das christliche Zeitaller soll b e e n d e t w e r d c n, da? materialistisch-monistische beginnen! Um dem Volke daS Christentum zu rauben, wird kein Mittel gescheut. Selbst gegen den göttlichen Heiland und Erlöser richtete sich der fanatische Haß. Der Liberalismus und seine Ver« bündetM wollen am 12. Januar den BernichtnngStampf gegen das Christentum und die christliche Gesittung in Deutschland be« ginnen." Ist das nicht Wahnsinn? Ist das nicht der grenzen- loseste Verrat an der Vernunft eines 66-Millionenvolres? Sollen die Zentnimsanhänger zu unduldsamsten, sanatisierten Sektierern gemacht werden, die alles niedcrrennen, was nicht ihren Weg geht? Und was sagt der Liberalismus? „Das„Berliner Tageblatt" schreibt— eine n Tag vor der Wahl—: „Die Sozialdemokraiie zählt brav und bieder ihre Stimmen, als lebte sie in der besten der Welten, mit dem befriedigenden Bewußtsein, daß sie nach den Wahlen w e n i g st«n» den Beweis ihrer zifse r.n mäßigen Stärke schwarz auf weiß besitzen wird.. _ Ja, was wollen diese Leute? Gibt es angesichts solch maßloser Hetze, solch Gist und Hohn speiender Henker am deutschen Volke ein anderes, ein besseres Mittel, als Stimme n zähle»! Alle, alle die dem Wahnwitz gegenüber bei kühler Uebcr- legung geblieben sind, mögen daran denken, heute wird gezählt! Heute wird geprüft» was das deutsche Volk will! Und darum, daß der Wahnsinn der Reaktion und die Raserei religiös ummäntclter Zcntrümler zu Schanden werde, die liberale Lauheit verschwinde und endlich die Vernunft wählt Sozialdemokraten! Der �reifinn gegen das tRoalitionsrecht! Die Freisinnigen sind auch gegenüber dem Koalittons« recht recht unzuverlässig. Das mögen einige Erinnerungen bestätigen. Die„Freisinnige Zeitung" schrieb unter dem 13. Dezember 1891 angesichts des großen Buchdruckorstteiks: „Hiernach kann eS siir keinen Unbefangenen mehr ein Zweifel kein, daß es sich bei diesem Streik allein darum handelt, die be- stehende GesellschastSordnung zu vertreten gegenüber einer frechen sozialdemokratischen Kriegserklärung. Diejenigen Buchdruckerei- besitzer, welche unter solchen Umständen noch die Forderungen der Streikenden bewilligen, machen sich der Begünstigung der Sozial- demokralie und der Untergrabung der bestehende» Gesellschafts» Ordnung schuldig." Den gleichen gegen das Koalitionsrecht gerichteten Geist atmet die„Vossische Zeitung". Als die ZnchthanSvorlage 1899 eingebracht war, polemisierte die„Vossische" gegen die Aus- führungen des Professors Lujo Brentano, der scharf betont hatte, daß durch die sogenannten Arbeitswilligen bedauerlicherweise der Kulturfortschritt der vorgeschrittenen Arbeiter gehemmt werde. Die„Vossische" erwiderte: „Wir haben stets den Eindruck gewonnen» das; die Arbeitswilligen brave«nd besonnene Menschen waren und datz ihre Angreifer mit Roheit gehandelt haben." Im Jahre 1899 stimmte der freisinnige anhaltische Ab- geordnete Inner dem gegen ländliche Arbeiter gerichteten AuS- nahmcgesetz zu» das in gleicher Weise wie das preußische Ausnahmegesetz gegen die Landarbeiter ländliche Arbeiter mit Gefängnis bis z« einem Jahre bedroht, wenn sie durch Verabredung der Einstellung der Arbeit bessere Lohn- oder Arbeitsbedingungen zu erringen suchen I Als hiergegen auch aus freisinnigem Lager Stimmen sich geltend machten, erklärte nach langem Hin und Her der gcschäftsführende Ans schuf; der Freisinnigen Volkspartei unter dem 7. Juli 1902: daß das Verhalten des Abgeordneten Jrmer nach dem Nürnberger Parteiprogramm der Freisinnigen durchaus zulässig sei! Im Reichsvereinsgesetz sind im§ 24 ausdrücklich die laadrechtlichen Ausuahinedorschrifte«„in bezug auf Ver« abredungen ländlidfer Arbeiter und Dienstboten zur Ein- stellung oder Verhinderung der Arbeit" aufrecht erhalten. Für das ReichSvereinSgesctz mit diesem Ausnahmegesetz gegen die ländlichen Arbeiter stimmten im Jahre 1903 sämtliche freisinnigen Abgeordneten mit Ausnahme der beiden mit Nein stimmenden Abgeordneten Neumann-Hofer und Potthoff und der drei Fehlenden: Gothein, Hautzmann und Oeser. Am 13. November 1911 erklärte der freisinnige Abgeordnete Müller-Meiuinge« im Reichstag: „Einmütig ist meine Fraktion der Ansicht, dast ein Streikrecht der Eisenbahner nicht anerkannt werden kann." Vor wenigen Wochen erklärte sich der freisinnige Ab- geordnete Brodauf im sächsischen Landtage fiir ein Gesetz zum Schutze der Arbeitswilligen! DaS ist bekanntlich das Etikette, unter dem die Rcakttonären ine Beseitigung des ÄoalittouSrechts fordern! Im Reichstage stimmten die gesamten freisinnigen Ab- geordnete» sowohl im Jahre 1899 wie im Jahre 1910 gegen die von den Sozialdemokraten znm Schutz des KoalittonSrechtS gestellten Anträge. Richtet auch die Freisinnigen nach ihren Taten, nicht nach ihren Worten. Nieder mit den freisinnigen Koalitionsrechts- feinden! (m/mmsmmtmmymtm/bms Zur Reichstagswahl. Geistige Waffen deS Zentrums. In dem stark ländlichen ReichsiagSwahlkreis Jllertissen �Schwaben) entfalten die bahettichen Bauernbündler eine rege Tätig« keit, weshalb das Zentrum die Bauernbündler auf jede mögliche Weise in der Agitation zu hindern versucht, hauptsächlich durch das verabredete Sprengen der bündlerischew Versa mm- l u n g e n. In einer am ö. Januar in Jllertissen von den Bündlern anberaumten Versammlung kam eS durch da» provokatorische Auf- treten der Zentnimsanhänger zu einem Zusammenstoß, wobei ein Zentrumsanhänger einen Bauernbündler derart mißhandelte. daß diesem das Trommelfell zerschlagen wurde und er vier Wochen arbeitsunfähig bleiben wird. Gegen den schwarzen Prügelhelden ist Strafanzeige erstattet. Ein freisinniger Kandidat als Wahlvorsteher. Während die Fortschrittspresse mit Recht darüber klagt. daß eine ganze Anzahl kandidierender Junker als Wahl- Vorsteher fungieren, teilt die„Tägl. Rundschau" mit, daß auch der Fortschrittskandidat für Ruppin-Templin, Rittergutsbesitzer L e s s i n g diese Agrariermode mitmacht I Wenn nötig•— antirömisch. In dem Wahlaufrufe des Ausschusses des Rheinisch- Westfälischen Verbandes Evangelischer Arbeiter- vereine heißt es, nachdem der Sozialdemokratie als Partei des Umsturzes der Kampf angesagt ist:„Aber wir be- tonen auch das Prote st antische. Wir wollen nicht, daß ein ultra montaner Geist in Deutschland herrschend wird, sondern daß sich deutsch-cvangclischer Sinn entfaltet und in unserem Lande wirkt!"— Ja wissen die Herren nicht, daß so etwas dem Junkerwillen widerspricht? Oder aber sind sie, wenn nötig-» wie im Rheinland— auch antirömisch, wie's trefft?! Der alte Fritz als schwarzblauer Wahlhelfer. Der Magistrat des Bades K ö s en an der Saale veröffentlicht amtlich in den Blättern einen Ausruf, in dem er„die gesamte national gesinnte Bürgerschaft der Stadt und Ilmgegend herzlich einlädt", an der Vorfeier des 200jäHngen Ec- innerungstages der Geburt Friedrichs des Großen teil- zunehmen, die die städiischen Körperschaften dadurch begehen, daß sie Donnerstag, den 11. Januar, um„6 Uhr nachmittags, einen nationalen Festaktus für die Schulen und um 8 Uhr abends einen ebensolchen offiziellen Festakt für die Bürgerschaft" veranstalten. Friedrich der Große ist bekanntlich am 24. Januar geboren. Aber der Kästner Magistrat läßt dieses patriotische Fest ausgerechnet am Vorabend der RcichStagswahl feiern, 13 Tage vor dem eigentlichen Festtage! Die Kulturstufe nationaler Kämpen. Nach einer Versammlung, die am Dienstag in Wiederitzsch bei Leipzig stattfand, begaben sich zwei unserer Genossen in das Lokal von Krell, wo die Arbeiter viel- fach verkehren, um dort in aller Ruhe noch ein Glas Bier zu trinken. In dem genannten Lokal waren beim Eintritt unserer Genosien schon niehrere Gäste anwesend. Darunter der Bahnmeister Schopps und ein Bahnarbeitcr. Beides Leute von riesigem Wuchs. Bald nachdem unsere Ge- nossen Platz genommen hatten, begannen Schopps und du mit ihm am Tische Sitzenden in provozierender Weise zi singen. Deutschland, Deutsch landübe r alles und ähnliche Lieder. Einer unserer Genossen murmelte vo sich hin: Wir werden ja sehen am 12. Januar! Kaum hat! dies der Bahnmeister Schopps gehört, als er auch schon au sprang, unseren Genossen beim Ueberzieher packte und w ein Besessener schrie: WaswolltJhramlL. Januai Selbstverständlich verbaten sich unsere Genossen, zwei schwä liche Männer, diese Behandlung. Da kamen sie aber sch an. SchoppeschleudertedenGenosseninei: EckedesZinimers.deranderefolgtenachu� nun wurden beide von den rohen Patroni mitdenFäustenbearbeitct. i Als sich unsere Genossen vom Erdboden erhoben hat' und der Bahnmeister Schopps auf wenige Minuten hercf gegangen war, um sich abzukühlen, da begann der Schopps' gleitende Bahnarbeiter von neuem mit Mißhandlungen.> unsere Genossen heraus wollten, da wurde ihnen entgehe gerufen: Erst müßt Ihr recht schön bitten! C ging es noch eine Weile weiter, bis sich die deutsche patriotischenFa4istkämpfer etwas beruhigt hatte nicht ohne die zwei Genossen noch einmal in der rohesten Wei angegriffen zu haben. Der Bahnarbeiter faßte einen unser» Genossen— und datz kennzeichnet die B r u t a l i t ä dieser Rohlinge am besten a n den Ge schlechtsteilen und drückte sie wie in eine Schraub st ock zusammen. Die mit Schopps am Tische sitzenden Leute, denen die Sache denn doch zu arg wurde, mußten sich schließlich ins Mittel werfen, damit die patrioti« schen Helden von ihren Opfern abließen. Vorläufig haben unsere Genossen gegen die rohen Patrone Strafanttag gestellt. Ob sich der Wirt dem an- schließen wird, weil die Helden Fenster und Stühle entzwei geschlagen haben, ist uns nicht bekannt. Schon früher hat sich in Wiederitzsch etwas AehnlicheS abgespielt Und zwar waren es in diesem Falle bezeichnender« weise Freisinnige, die in Frage kamen. Und Lehrer spielten dabei die Hauptrolle. Nach einer freisinnigen Ver» sammlung, die wegen zu schwachen Besuchs nicht abgehalten werden konnte, und in der der freisinnige Parteisekretär Erich das Referat halten sollte, kam Herr Erich mit zwei Lehrern in ein Lokal. Nachdem sich Herr Erich entfernt hatte, provozierten die Lehrer und ein Werkmeister die anwesenden Arbeiter. Auch der Bahnmeister Schopps half da- mals schon mit. Die anwesenden Arbeiter wurden gemeine Menschen genannt, in der u n s l ä t i g st e n W e i s e b e- schimpft und bedroht. Das alles unter Absingen ihrer Schlachtgcsange: Deutschland, Deutschland ü b e r a l l e s! und: E s b r a u st e i n R u f w i e D o n n e r- hall! Zum Schlagen kam es damals nicht, obwohl diesen Herrschaften schon damals die Finger juckten. Hinterher hatte der Betreffende allerdings Abbitte geleistet und die Be- leidigungen zurückgenommen. Jetzt haben die Schopps und Genossen das Werk fortgesetzt. Ein würdiges � Stückchen! D i e tatenlustigcn Helden repräsentieren die bürgerlichen Parteien, deren Vertreter und deren Presse sich nicht sattsam genug über dieRoheit der Arbeiter und die ungebildeten Arbeite! entrüsten können. Gegen die Wahlknechtschaft der Staatsbeamten wendet sich eine Zuschrift, die aus Beamtenkreisen ai „Verl. Tagebl." gerichtet wird. Da heißt es:„Gegenüber den Ausführungen der„Nordd. Mg. Ztg." sollte noch kurz vor der Wahl von allen Zeitungen, denen das Wohl des deutschen Staates wirklich am Herzen liegt, mit lauter Stimme darauf hingewiesen werden, daß s e l b st v e r st ä n d l ich ei» Beamter ruhig seine Stimme ohne irgend welche Bedenken einem Sozialdemokraten geben kann. Denn dadurch stimmt er noch lange nicht fiir das sozialdemokratische Programm, sondern setzt nur eins Kraft in Bewegung, die zu Teutschlands Wohl die ver. Verbliche Reaktion bekämpfen soll.... Wer seinz Stimme abgibt, treibt praktische Politik und will als» nur dasjenige praktische Ziel erreichen, das bei der vorliege» den Wahl in Frage kommt und in der Wirklichkeit mit irgend, welcher Wahrscheinlichkeit eintreten kann. Sollte in der Ab. gäbe der Wahlstimme die Kundgabe theoretischer Ansichten liegen, wie dies die„Nordd. Allg.-Ztg.' glaubt, so würden die wenigsten Menschen einen Abgeordneten wählen fenifra, denn es gibt nur wenige Menschen, deren theoretische Ansichten wirtlich mit denen des Abgeordneten übereinsiimmen. Wer also durchaus will, daß man in der Praxis nach der ihm vor« schwebenden richtigen Theorie wähle, der sollte erst einmal dafür sorgen, daß diese richtige Theorie durchführbar wäre und daß die Wahlen und Wahlkreise derartig eingerichtet sind, JÜa um den wahren Willen des Volkes zum Ausdruck zu bringen... „Norddeutsche Allgemeine"- Poesie. Als letztes Mittel, wenn kein anderes mehr verfangen will, ist der ,Nordd." Allg.* die— Poesie gegeben. Aber ihr Pathos bringt uns zum Lachen, wie ihre Prosa zum Einschlafen. Da heißt es aber auch: Die höchste Sorge vor allem Sei jedem deutschen Mann, Was unsere Volkskraft heben Und wehrhaft machen kann. Die Stunde der Wahl ist kommen-» Hoch über Partei und Stand Ihr deutschen Männer mitsammen »Fürs deutsche Vaterland!" Alles sehr wahr! Und darum für deutsche BolkSkraft und gegen kapitalistische Aushungerung. Eine Schwindelmär aus Dresden. In der bürgerlichen Presse, speziell im.Berliner Tageblatt", wird ein Bericht auS Dresden über angebliche Wahlkrawalle, die von sozialdemokratischen Versammlungsbesuchern in und nach einer nationalliberalen Versammlung hervorgerufen sein sollen, veröffent- licht. Demgegenüber ist festzustellen, daß diese Berichte über Krawalle total unwahr sind. Der beste Beweis, daß nichts vorgefallen ist, ist der Bericht rechtsstehender Dresdener Zeitungen, der in objektiver Weise abgefaßt ist und nichts von Krawallen zu berichten weiß. Lediglich die.unparteiischen"»Dresdener Neuesten Nachrichten' haben einen ganz entstellten Bericht gebracht, der von dort wohl auch in die übrige Presie übergegangen ist. In der nationalliberalen Versammlung, die auch von Sozial- demokratcn besucht war, ging es allerdings etwas lebhast her. Aber der nationalliberale Kandidat Dr. Heinze ist nicht im Reden gehindert worden, es ist auch nichts vorgefallen, das ü'er den Rahmen einer lebhaften Versammlung hinmuging. Auf der Straße war ein kleines Polizeiaufgebot aufgestellt, es ist aber auch dort nicht das gering st e vorgefallen. Bc- fonders ist Dr. Heinze nicht angegriffen worden, es ist auch keine Verhaftung vorgekommen. Die ganze Nachricht kennzeichnet sich deutlich als bürgerlicher Wahlschwindel über eine an sich ganz harmlose, etwas lebhafte Wahlversammlung. poUtifcbc Ocbcrficbt. Berlin, den 11. Januar 1912. Der 12. Januar tpiz. Reut ist ein großer, berrltcber Cag; öebweige, du Senfe, du Rammerfcblag, Rube, du Kraft der Srdel Jeder, der trägt ein hartes Gefcbich, Kämpfe beute mit Rirn und ßUcfe, Daß der Bieg uns werde. Dalle zufa...,"N, Proleten schritt, Daß die Straße im Raffen tritt Deiner Einheit erbebe, Schreite nur vorwärts, kenne kein Ralt, Daß(tcb der rote Standarten wald Siegend am Hbend erbebe I _ Hlfona Petzold. Eine Wahllüge mit kurze« Beinen. Die»Militärisch-Politische Korrespondenz" brachte in ihrer tzten Nummer Mitteilungen über die bevorstehende Militärvor- ige, die in bezug auf die längst bekannte Tatsache de» Bevor- ehens einer solchen Vorlage nichts und U e b e r- aschende» brachte. Dagegen wurde erklärt, daß die Lösung er DeckungSfrage besondere» Interesse zu. evregen ge- gnet sei: die Kosten sollten nämlich durch Zuschläge zur Ein- mmensteuer auf alle Jahreseinkommen von mehr als 6000 M. lfgebracht werden. i Jeder politisch Orientierte mutzte sich sofort sagen, daß es sich er nur um eine feiste Wahlente handeln konnte, die freilich von '.m staatSerhaltenden Scherlblatt sofort mit Wonne als Wahl» öder benutzt wurde. Denn daß die besitzenden Klassen selbst (trch eine direkte Steuer die neuen Kosten für die Heere». rmehrung aufbringen würden, war ja bei der notorischen >teuerdrückebergerei für jeden Menschen mit normalen ehirnfunktionen von vornherein klar. Leider nur haben auch die ffiziösen diesen Wahltrick sofort durch eine Meldung der offiziösen elegraphenbureau« vereitelt, wonach die Mitteilungen über die rt, wie die Regierung die neuen Ausgaben zu decken gedenke, der Begründung entbehren. Die Meldung der„Militärisch-Poli- ischen Korrespondenz" war auf die Betzirung der nichtbe- i tz e n d e n».lassen abgesehen— aber die Regierung de» ürchtete w ihrsche'nlich, daß nun auch infolge des angeblichen Atten- ates auf oie Taschen der Besitzenden zahlreiche Kapitalisten ozialdemokratisch wählen würden— und darum kam sie schleunigst nt ihrem ofsiziösen Dementi der von vornherein ganz unglaub- 'iften Schwindelnachricht heraus! Es steh.: also fest, daß außer der neuen Flottenvorlage auch nc neue ,�rere«v»rlage kommt— aber ebenso steht fest, daß die ..uSgaben, die aus dieser HeercSvermehrung erwachsen werden, nicht durch eine Besteuerung der höheren Einkommen gedeckt werden sollen! Nur die«Post", da» Organ de» raffgierigsten Grotzunter- nehmertums, bemüht sich, den Schwindel, als ob diesmal auch die besitzende Klaffe zu den steigenden Militärlasten herangezogen werden sollte, glaubhafter zu machen. Sie läßt sich nämlich von dem Landtagsabgeordneten von Dewitz schreiben: .Deutschland hat in der Zeit von 1008—1911 einen jähr- lichen Vermögenszuwachs von 0000 Millionen Mark. Eine solche Zunahme des Reichtums ist deS Schutzes wert. Das vermehrte Vermögen ist aber auch vollauf fähig, den Schutz selbst zu bezahlen. Nicht ein Groschen indirekter Steuer dürfte verwendet werden. Das Geld dazu liegt sozu- sagen auf der Stratze. ES läßt sich finden, ohne mehr Schmerzen zu e r r eg e n, als der vorübergehende Druck eines st rammsitzenden Stiefels, wenn man es da nimmt, wo es im Ueberftuh eingeht und nicht da, wo es den eigenen Verbrauch ungebührlich beengt. Ich würde vor einer Erb- schaftßsteuer vom VcrmögcnSzuwachS in keiner Weise zurück- schrecken und bin der feiten Ucbcrzcugung, bah einem derartigen Vorschlag auch der größte Teil der konservativen zustimmen würde." Daß die Konservativen nicht bereit sind, neue Militärlasten durch eine Erbschaftssteuer aufzubringen, hat ja erst vor «inigen wenigen Wochen der konservative Oberhäuptltng von Hehdcbrand im Reichstag ausdrücklich erklärt! Herr von Dewitz spricht also höchstens für seine eigene Person. Jnier- essant ist an seinen Ausführungen nur, daß er mit einer Erhöhung der Ausgaben für die Landarmee um 50 Millionen Mark mehr rechnet! Um diese 50 Millionen für den Staat einzubringen, würde aber aus den»ichtbesitzendcn Klassen an indirekten Steuern der Betrag von mindestens 100 Millionen herausgepreßt werden! Wähler, wehrt Euch gegen diese Ausplünderung heute durch Eure» Stimmzettel! Die Front gegen Rechts! Kampf der Agrardemagogie! Nieder mit dem schwarzblauen Block! Die Front gegen Rechts! Das-ist nun die stehende Phrase in der liberalen Presse! Wie aber sieht es in der Praxis-aus? Was die freisinnigen Phraseure leisten können, das hat die vorige Wahl bewiesen! Damals lautete ihr Schlachruf: Wider die Reaktion! Und in der Hauptwahl verzichtete der Frei- sinn in einer Reihe von Kreisen auf eigene Kandidaturen, schanzte sofort in der Hauptwahl Konservativen und National- liberalen Mandate zu! Der freisinnige Kampf erstrahlte in bengalischer Beleuchtung aber erst recht in der Stichwahl. In 32 Stichwahlen, in denen die Sozialdemokratie gegen Was wir da draußen vom 1Ä. Januar erwarten! Zum zweiten Male im Laufe einiger Monate ist die Ausmerk- samkcit der ganzen Welt auf da? Deutsche Reich gerichtet. Blätter und Telegrammbureaus sind wieder einmal auf dem Erdenrund in Bewegung, Berlin ist voll von fremden Korrespondenten. Aber diesmal steht nicht irgendeine schicksalschwangere weltpolitische Frage. auf der Tagesordnung, die Menstbheit schwebt nicht zwischen Krieg und Frieden. Eine Wahl nur— wie sie ja immer wieder bald hier bald dort stattfinden; eine rein innere Angelegenheit, die anscheinend die Welt gar nicht interessieren kann. Gleichwohl erregen also die deutschen Wahlen dir Ausmerksam- keit in einem Grade, wie es bei Wahlen selten der Fall ist, und das hat seinen Grund. Für uns da draußen im A u S I a n d r, die wir uns nicht an die Details der deutschen Politik kehren, sieht es auS, als ob die Politik sich immer stärker um dir Proletarlerbcwcgung konzentriert— um die Aufgabe, den armen Hans wieder einmal niederzuschlagen. Der 12. Januar ist sein Tag— zum ersten Male in der Weltgeschichte gehört ein Wahltag unverblümt ihm. Für oder gegen ihn! Das ist zu einer solchen Selbstverständlichkeit geworden, daß man eigentlich keiner Wahlparole mehr bedarf; man scheidet sich auf Herz und Niere». Deutschland ist, hierin der Eniwickelung anderer Lander voraus, die Spaltung in Ober« uüd Unterklasse ist hier am weitesten vor- geschritten. Darum folgen wir den Ereignissen in diesem Lande mit größter Aufmerksamkeit— es ist da» Land, das Erfahrungen für uns alle macht, für die Reaktionäre sowohl wie für die Liberalen auf dem Erdenrund. Deutschland war eine Vorratskammer für alle die, die Waffen suchten, um die soziale Arbeit zu hintertreiben. Und die Unterklasse der ganzen Welt sieht eine weltgeschichtliche Grrech- tigkeit darin, daß das Land, von dem die schwärzeste Realiion aus- ging, unS auch den hell leuchtenden ZukunstSwille» gegeben hat. Die deutsche Arbeiterbewegung ist vorbildlich in ihrem zielbewußten Vor- wärtsschreitcn; sie hat oft den Takt angegeben und nimmt stets den Bruderanteil der KampfeSlast auf sich. In dem weltumfassenden Kampf deS armen Hans für die Zukunft marschteren Deutschlands Proletarier in vorderster Reihe und er hat im Kampfe die größten Blutopfer gebracht; hier zeugen ja noch die Zuchthäuser, und den wärmsten Stimmen für die Sache des Volkes hastet gleichsam aus dem Dunkel der Zelle ein grabesernstcr Klang an. Da hat er es wohl verdient, der deutsch« Proletarier, daß er der Weltentwickelung vorausgeeilt ist und nun schon die Situation beherrscht. Und der 12. Januar i st sein Tag; zum ersten Male in der Geschichte erzwingt die parlamentarische Unterklassenbewegung sich die Aufmerksamkeit der Welt für einen friedlichen Kampf mit dem Stimm- zettel. Keiner erwartet ja, daß die Sozialdemokratie nun Regierung?- Mehrheit werden soll; es ist das moralische Ergebnis des Wahltages, da« unS alle in Spannung hält,- eS ist eine Anfrage nach dem polttlsche» Befinden deS Proletariers. An diesem Tage will er alle die von oben her gekommenen hartherzigen Interpellationen der verflossenen Jahre beantworten— und die Kinder deS kleinen Mannes der ganzen Welt lauschen gespannt der Antwort l »Siehe," sagen sie stolz,»heut hält unser deutscher Druder Heer- schau Über seine Millionen, während die Machthaber auf die Stärke seiner friedlichen Schritte achten, um ihren Kurs danach«in- zurichten. Niemals zuvor haben wir das erlebt!" Und sie reden mit einander davon, wie viele er wohl diesmal auf die Beine bringen wird. Das ist auch eine wichtige Frage. Der Kurs der Welt hangt davon ab! Martin Bndcrsen-Nexö. einen rechtsstehenden Kandidaten kämpfte, gab der Freisinn den Ausschlag. Er gab ihn in 7 Fällen für einen Konservativen, 7„„„ ReichSpartciler, 11„ w„ Nationalliberale», 6„„„ Antisemiten, 1 Fall„„ Banernbündler. DaS sind insgesamt 32 Mandate, die der Freisinn der Reaktion gegen die Sozialdemokratie auslieferte. Und auch jetzt schon wieder hat er in mehreren Kreisen im Kampfe gegen die Sozialdemokratie das sofortige Eintreten für einen Nationalliberalen in der Hauptwahl beschlossen, für dieselben Nationalliberalen, die mit dem Zentrum gegen die Linke sich verschworen haben! Daß der Freisinn auch dieS- mal wieder bei den Stichwahlen für den schwarzblauen Block gegen die Sozialdemokratie eintreten wird, steht leider trotz seiner tönenden Freiheitsphrasen zu befürchten I Der Frei- sinn ist eben die personifizierte Halbheit und Unzuverlässigkeit! Kriegervereinler vor die Front! Stillgestanden! Augen rechts I Richt Euch! Augen gerade— auS! Rechts um! Mit drei Schritt Abstand, patriotisch— wählt! In diese Kommandos läßt sich der Inhal! zweier Flugschriften zusammenfassen, die der Generallissimu« de» deutschen NriegerbundeS von Lindequist seiner Garde in Bratenrock und Zylindcrhut in die Hand drückte. Die.unpolitischen" Spaliertruppsn sollen bei der Wahl ein Schnellfeuer auf die Sozialdemokratie eröffnen. Auch Welsen und Großpolen sollen unter Kreuzfeuer genommen werden. Das ist beileibe keine Politik. Denn Sozialdemokraten, Polen und Weifen sind keine Staatsbürger, sind vielmehr vaterlandslose Gesellen. Und wenn ein übereisriger Kriegcrvereinsstratege einem Liberalen so nebenbei eins aufbrennt, schadets auch weiter nichts. Wie wäre es, Herr v. Lindequist, wenn man Sozialdemokraten, Polen oder Welsen mit gefälltem Regenschirm und einem schneidigen »Marsch, marsch, hurra!" aus dem Lande jagte? Frankreich würde sich darüber sehr freuen, denn die deutsche Bevölkerungszahl würde dann rapid unter die französische sinken. WaS sind doch die KriegervereinSgrößen, die das Deutschtum in Erbpacht haben und die so schön das nationale Pfauenrad zu schlagen verstehen für wackere Schürer des Klassenhasses! Und nun geht hin ihr wackeren Krieger, reißt die Knochen vor dem Herrn WahlkommissariuS zusammen und wählt einen Brot- und Fleischverteuerer oder einen satten Kuponschneider oder einen gleisnerischen Zentrunispfoffcn oder einen liberalen Kautichukmann. Aber um Gottes und des Königs willen keinen Sozialdemokraten. Herr v. Lindequist hat'S verboten. Bei allen Kriegervereinlern scheint allerdings die Freude über die Wahlkommandozettel des Herrn v. Lindequist nicht allzu.groß gewesen zu sein. Sie haben über ein Dutzend Exemplare der Re- daktion deS»Vorwärts" überwiesen. Im Zeichen der Fleischnot. Der soeben erschienene amtliche Bericht der Stadt Augsburg über den Verkehr am dortigen Schlacht- und Viehhof im Jahre 1910 zeigt sowohl einen erheblichen Rückgang der auf den Markt gebrachten Schlachttiere, als auch einen Rückgang des Konsums an Fleisch. Gegen das Vorjahr wurden 1910 in Augsburg rund 2000 Stück Vieh weniger angeliefert wie im Vorjahre, serner wird festgestellt, daß der Konsum an Fleisch von 79 Kilogramm pro Kopf und Jahr im Jahre 1909 auf 77 Kilogramm gesunken ist. Dagegen sind die Pserdeschlachtungen und der Konsum an Pferde- und Frribanksieisch ganz erheblich gestiegen. Da« Jahr 1911 weist voraussichtlich— eine Folge der Politik des fchwarzblaueu Blockes— noch eine weitere Verichiechtcrung der Lebenshaltung der Bevölkerung auf, denn so wie in AugSbnrg wirkt die Wucherpolitik überall. � Raub der Staatsbürgerrechte in Bayern. Bei den letzten Gemeindewahlen im rechtsrheinischen Bayern hat die Sozialdemokratie auch in vielen ländlichen Bezirken Nord- bahcrns schöne Erfolge erzielt; eine Reihe von Parteigenossen wurde sogar zu Bürgermeistern oder Beigeordneten gewählt. Bis jetzt ist noch kein Fall bekannt geworden, daß die AnfsichtSbchördcn derartige Wahlen beanstandet hätten, Was ja auch ein nackter Verfassungsbruch wäre. Erst dem Bezirksamt»!««» von Fürth, der sich schon früher durch seine Attacken gegen das Vereins- und Ver- sammlungsrecht„rühmlich" bekannt gemacht hat, juckte es, auf diesem Gebiete Lorbeeren ernten zu wollen. In der von vielen Arbeitern bewohnten Gemeinde Burgfarrnbach wurde neben einem bürgerlichen Bürgermeister ein sozialdemokratischer Beigeordneter in der Person des Genossen Riegel, Lagerhalter des Konsumver- eins, gewählt. Die Wahl unterliegt zunächst der Bestätigung des Bezirlsamtmanus von Fürth. Dieser, ein Herr v. Eyb, ein echter Junker, der in Ostelbicn sehr gut aufgehoben wäre, ein Sozifrcsscr durch und durch, hat der Wahl des Genossen Riegel die Bestätigung versagt mit einer Begründung, die an junkerlicher Anmaßung nichts zu wünschen übrig laßt. Genosse Riegel werde, so heißt c» da, vor- ausstchtltch den häufig außerhalb Burgfarrnbachs.beschäftigten Bür- germeister in der Verwaltung der örtlichen Polizei usw. zu vertreten haben, da er aber Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins, des Vereins zur Erwerbung des Bürgerrechts, des Hausbauvcrcins, außerdem als Einberuscr oder Leiter sozialdemokratischer Ver- sammlungen häufig tätig und somit ein eifriger Förderer und Vertreter der sozialdemokratischen Partei sowie auch Lagerhalter des Konsumverein» sei, könne das Bezirksamt sich nicht überzeugen, daß Riegel imstande und gewillt sei, die Pflichten des Amtes über die Anforderungen der Partei zu stellen.— Gegen diesen frechen Versuch, die Sozialdemokratie außerhalb der Verfassung zu stellen, wird Beschwerde durch alle Instanzen geführt werden. Sie stellen sich dümmer, als sie find! DaS Wesen der indirekten Steuer wird von der Zentrums- presse immer noch nicht begriffen oder sie stellt sich wenigstens so. Schreibt da z. B. die„Germania": «Nach der Finanzreform beträgt die Mehrbesteucrnng für eine Fünfpfennig-Zigarre nur'/! Pf. Für wen ist denn da« übrige Geld, daS nach der Finanzreform für eine solche Zigarre Mehr bezahlt iverden muß? Eltoa für daS Zentrum? Oder für die Konservativen?" Als läge es nicht im Wesen der indirekten Steuer be- gründet, daß sie nicht nur auf den Preis der Ware a u f geschlagen und also gezahlt werden muß, ohne daß es der Zahler, der Konsument merkt— ganz nach dem System des Taschcndiebstahls!— sondern daß sie natürlich aufgerundet wird. Soll denn die verteuerte Zigarre jetzt für 5� Pf. verkauft werden?! Es bleibt nur zweierlei: Verteuerung auf 6 Pf. oder Beibehaltung des Preises von 5 Pf. und Oualitätsverschlcchtcrung. Die indirekten Steuern plündern das Volk und verschlechtern ihm obendrein die Waren— alles nur, damit der große Geldsack geschont wird. Das ist»christliches" Werk, wie es das verjunkerte Zentrum versteht._ Du hast ja keine Ahnung! Als Graf Posadowskh in seiner letzten Wahlrede ablehnte, sich über da« preußische Wahlrech! zu äußern, weil er doch nicht zum Landtag kandidiere, rief jemand dazwischen: Herrenhaus! Da entgegnete der Staatsminister a. D. aber geradezu höhnisch:»Ja, was wollen Sie denn? Die preußische Wahl- reforin ist ja iiie ans Herrenhans g c k o m m e n I' Und tosenden Beifall spendeten ihm die über die.glänzende" Ab» fuhr des Zwischenrufers verzückten Anhänger. Ter Graf Posadowsly weiß also nichts von der drei- maligen Behandlung der preußischen Wahlrechts.reform" des Abgeordnetenhauses im Herrenhause am 15. April, 29. April und am LI. Mai 1910! Er weiß nichts von der famosen Trittclung, ähnlich der in dem in Preußen geltenden Gemcindcwahlrecht, die auf Antrag des Obcrpräsidentcn vom Herrenhause am 29. April beschlossen wurde, und daß in dieser Sitzung in namentlicher Ab- stimmung die so noch weiter verhunzte Vorlage mit 140 gegen 94 Stimmen angenommen wurde von der Mehrheit der Kon- servativen, den Professoren und den nationalliberalen Ober- bürgermeistern! Ach ja, da fehlte doch Graf Posadowskh un- entschuldigt! Er weiß aber auch nichts von der Abstimmung in der Sitzung vom LI. Mai, in der 127 Ja und 82 Nein bei der nochmaligen Abstimmung fielen. Wie konnte es passieren, daß der Graf auch davon und nachher so rein gar nicht» von der Wahlrechts- behandlung im Herrenhause erfuhr, daß er am 9. Januar 1912 noch pathetisch erklären konnte:„Die preußisch« Wahlrechtsreform ist ja nie an das Herrenhaus gekommen!" Liest der Graf nicht einmal die Berichte über die Sitzungen des Herrenhauses, wenn er schon die Sitzungen selbst schwänzt? Und hat er auch bis heute noch nie etwas erfahren von den Hcrrenhausbeschlüssen? Erkläret uns, Graf Oerindur.... OefterreicK. Wertzuwachssteuer iu Niederösterreich. Nach einer Debatte, in der auch unser Genosse Dr. Renner sachkundig war, beschloß der niederösterreichische Landtag, den Landes- ausschuß(die aus dem Landtag gewählte Landesverwaltung) mit den Vorarbeiten zu einem Zuwachssteuergesetz zu beauftragen. Mit Ausnahme einer Andeutung dieser Steuer in Brünn gibt es in Oesterreich noch keine Wertzuwachssteuer. Italien. Ausweisung einer klerikalen Presseagentur. Rom, 8. Januar. Drei Mitarbeiter einer seit Juli vorigen Jahres in Mailand fungierenden telegraphischen Agentur, die nahe Fühlung zum Staatsi'ekretariat des Vatikans hatte, find dieser Tage wegen verleumderischer Notizen ausgewiesen worden. Die Agentur nannte sich I u t a(Internationale unabhängige Telegraphen- agentur) und ließ sich bor allem die Demeniierung von Nachrichten von Exzessen oder Verbrechen der Priesterschaft und die Verleumdung von Sozialisten und Freimaurern angelegen sein. Mit der Regierung kam sie in gespannte Stellung, indem sie während der Choleraepidemie ein angebliches Telegramm des Erzbischofs von Palermo an den Papst veröffentlichte, das die Zahl der täglichen Todesfälle in Palermo auf lOOV bezifferte. Die ausgewiesenen Journalisten, die Schweizer Degen, Haegel und Kaul, haben bereits Italien verlassen. Die telegraphische Korrespondenz ist nach Rom verpflanzt worden und erscheint hier unter den, Namen Agentur Weinschenk weiter. Dem „Giornale d'Jtalia" zufolge hätte sich aber nach den gemachten Er- fahrungen der Vatikan geweigert, die Korrespondenz in irgendeiner Weise zu unterstützen. Spanien. Sieben Todesurteile. Madrid, 11. Januar. Wie die Zeitungen melden, hat der Oberste Gerichtshof der Marine sieben Todes urteile in dem Cullera-Aufruhrprozeß aus- gesprochen. Die republikanische und liberale Presse fordern die Begnadigung der Verurteilten. Bor der Entscheidung. Noch einmal haben am Vorabend der Entscheidung die Genossen Berlins und vieler Vororte die Werbetrommel ge- rührt: Aus zum Streite— der Sieg muß unser sein! Das war die Parole, die gestern in zahlreichen Versamm- lungen noch einmal ausgegeben wurde. Und der kampfes- lustigen Streiter waren viele, viele dem Rufe zur Samni- lung gefolgt. Aber auch so mancher erst Halbentschlossene und mancher noch Wankelmütige war erschienen. Das war gut so. Denn darauf kam es an, ihnen beizubringen, daß der „Ruck nach links" von jedem mitgemacht werden müsse, der auf freie Selbstbestimmung und allgemeine Wohlfahrt Wert legt und der leidet unter der Wucht schwerer sozialer und politischer Mißstände. In vielen der Versammlungen herrschte drangvolle Enge. Da und dort hatte die Polizei abgesperrt. Die Versamm- lungen, in denen niemand mehr Platz finden konnte, ver- teilten sich über alle beteiligten Wahlkreise— der sechste Berliner Kreis hatte 5eine Versammlungen— und über alle Gegenden. Die großen Säle waren dabei. Sie iiben ja immer eine besondere Anziehungskraft aus. Sehr gut besucht waren aber auch die anderen Lokale. Verschiedene Etablissements, die mehrere Säle haben, waren von mehreren Parteien als Rendez-vous-Platz auser sehen. Da gab es ein Wetteifern auf den Treppen und in Wandelgängen: „Die sozialdemokratische Versammlung ist oben!" tönt es dem neuen Ankömmling entgegen. „Hier unten kann man Fischbeck hören!" ruft ein strammer Freisinnsmann schnell. Der Wahlkampf hat eben seinen Höhepunkt erreicht. Den Rednern unserer Partei folgte man überall mit der größten Aufmerksamkeit. Die Sünden des verflossenen Reichstages wurden nochmal unter die kritische Lupe ge- nommen und in ihrer ganzen Jämmerlichkeit bloßgelegt. Da- bei kam auch der Freisinn nicht zu kurz. Die Reden Nau- manns und anderer können nichts daran ändern, daß er in entscheidenden Fragen versagt und das Volk genau so verraten hat, wie es die Konservativen taten, und sei es in manchen Dingen auch nur durch seine jämmerliche Halbheit. So hat er sich beim Reichsvereinsgesetz durch Versprechungen von der Ministerbank beeinflussen lassen. Nachher ist ihm allerdings der Schreck in die Glieder gefahren, als er sehen mußte, wie schikanös— vom Gendarm und Amtsvorsteher bis zu den höheren Verwaltungsstellen— das Vereinsgesetz angewendet wurde, trotz aller ministeriellen Versprechungen. Dieselben Herren, die es unterließen, den Versuch zu klarer gesetzlicher Begriffsbestimmung mitzumachen, wohin die Sozialdemokratie strebte, klagen jetzt ebenso wie wir über die vereinspolizeilichen Schikanen. Zweifellos ist aber, daß, wenn eine leibhaftige Exzellenz wieder mal freundlich mit den Freisinnshelden spricht, daß sie sich dann genau so wie damals wieder darauf verlassen werden. Und dann das Kapitel Mugdan! So sind dem Freisinn auf allen Gebieten die schwersten politischen Sünden nachzuweisen. Die Beifallsstürme, welche die kritische Stäupung der Gegner der Sozialdemokratie überall auslösten, legten beredtes Zeugnis ab dafür, daß nur der Sozialdemokrat der Auserkorene der Versammelten sei. »• In folgendem bringen wir die Nachrichten aus den ein- zelnen Versammlungen: Erster Kreis. Eine Versammlung, wie sie der erste Kreis wohl noch selten gesehen hat, fand im Lokal von D r ä s e l in der Neuen Friedrich- straße statt. Die Versammlung war schon zeitig so überfüllt, daß sie polizeilich abgesperrt werden mußte. Man schätzt die Zahl der Erschienenen auf etwa ttzllO. Hier geißelte zuerst Genosse Lede- bour in seiner sarkastischen Art die Sünden des verflossenen Block-ReichstageS. Nach ihm sprach der Kandidat des KreiseS, Genosse D ü w e l l, der vorher eine Rundtour durch die Versamm- lungen des Kreises gemacht hatte. Frohe Hoffnung leuchtete aus allen Gesichtern, als die Versammlung in gehobener Stimmung aus- einander ging. In der Versammlung in Cafe Gärtner waren 600—800 Per- sonen anwesend. Referent war hier Waldeck M a n a s s e. Genosse Düwell hielt eine Ansprache und hatte großen Applaus. In den„Coronasälrn" in der Kommandantenstraße sprach zu- nächst Genosse Düwell, der Kandidat des Kreises, der von hier aus dann die übrigen Versammlungen des Kreises aufsuchte. Nach ihm nahm das Wort Genosse John. Die Zustimmung, die beiden Rednern wurde, zeigte deutlich, daß die Anwesenden entschlossen waren, alles dafür einzusetzen, daß auch dieser Kreis endlich ein- mal einen sozialdemokratischen Abgeordneten in den Reichstag cnt- sende. Zweiter Wahlkreis. In zwei gut besuchten öffentlichen Versammlungen, die in »liems Festsälen, Hasenheide und Rihles Festsälen, Dennewitzstr., tagten, sprachen der Kandidat dcS Kreises, R. Fischer und Ge- nosse P. Hirsch. In temperamentvollen Reden riefen sie die Wähler zur Entscheidung auf. Dritter Wahlkreis. In der Versammlung bei Keller» Köpemcker Straße, sprach der Kandidat des 3. Kreises, W. Pfannkuch, unter spontanen Bei- fallSkundgebungen. Im Deutschen Hof und in den Arminhallen sprachen die Genossen H. S t r ö b e I und H. H e i m a n n, die die zahlreich Erschienenen in flammenden Reden zur Entscheidung aufriefen. Stürmischer Beifall folgte den Ausführungen. Vierter Wahlkreis. Bei Mörner in der Koppenstraße sprach vor etwa 2000 Personen Genosse L i t f i n unter großem Beifall. Ohne Diskussion ging die Versammlung mit einem Hoch auseinander. Im vollbesetzten Saal bei Boekers in der Weberstraße sprach Genosse K n ü p s c r, in recht packender, beifällig aufgenommener Rede. Die Versammlung bei Borgmann, Andreasstraße 21, war sehr gut besucht. Referent war Genosse Freier. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Neber 1000 Personen, darunter viele Frauen, waren im Elyfium Landsberger Allee, erschienen. Genosse W u tz k y hatte das mit großem Beifall aufgenommene Referat übernommen Die Comeniussälr waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Genosse P o e tz s ch referierte unter lebhaftem Beifall In den Markgrafensäle«, Markgrafendamm 34, hielt Genosse Mermuth eine zündende, oft von Beifall unterbrochene Rede. Die Versammlung war überfüllt. Diskussion fand nicht statt. Der Kandidat des Kreises, Genosse Büchner, richtet« in der Drachenburg vor sehr gut besuchter Versammlung ein letztes Wort an seine Wähler und erntete stürmischen Beifall. Die Festsäle„Süd-Ost" in der Waldemarstraße waren schon vor 8 Uhr iiberfiillt, so daß Hunderte keinen Einlaß mehr fanden Genosse R. Barth referierte unter stürmischem Beifall. In der Diskussion sprachen Genossin Maaß und Genosse Rintorf. Als die Versammlung schon geschlossen war, erschien der Kandidat des Kreises, Genosse Büchner, und hielt, mit tosendem Beifall be- grüßt, eine kurze Ansprache. Die Versammlung bei Graumann war ebenfalls überfüllt. Das Referat des Genossen Leid fand stürmischen Beifall. Für das Petersburger Viertel(Niederbarnim) fand in den .Prachtsälen des Ostens" eine gut besuchte Versammlung statt, in der Genosse D u p o n t unter reichem Beifall sprach. Fünfter Wahlkreis. Ein letztes Wort an die Wähler richtete in vollbesetzten Ver sammlungen, die in der Brauerei Friedrichshain und in den Sophien sälen tagten, die Genossen E. Eichhorn und K a l i s k i unter lebhaftem Beifall. Der Kandidat des KreiseS, Genossene Robert Schmidt, hielt in beiden Versammlungen eine Ansprache, die be- geisterte Zustimmung auslöste. Die Versammlung der Taubstummen, die in den Sophien- sälen, Sophienstraße, stattfand, hob sich durch ihre Eigen- art aus der Masse der Versammlungen ab. Referent war der Buchbinder Siegfried Meyer, der rührige Vorfitzende und das geistige Haupt der ganzen Taubstummenbewegung. Was wären wir ohne Sozialdemokratie? fragte er. Hat nicht kürzlich die taub- stumm-blinde Amerikanerin Kellen den Taubstummen den. Sozia- lismus als Weltanschauung empfohlen? Des weiteren gibt der Redner noch mal die Namen der sozialdemokratischen Kandidaten jbekannt und warnt die Anwesenden, sich durch falsche Stimmzettel Irreführen zu lassen. Der 12. Januar müsse ein Gerichtstag Werden für die bürgerlichen Parteien, der Liberalismus einge- schloffen. Die jüngsten Ereignisse streifend, geht er auf die traurigen Vorgänge im Obdachlosenheim ein, die auf das Konto der bürger- lichcn Gesellschaft geschrieben werden müßten. Vor allem aber sollten die Taubstummen die Lehre daraus ziehen unh den Schnaps meiden wie die Pest. Jeder Tropfen, der getrunken werde, be 'deute eine Unterstützung der Junker und Brotwucherer.— Reicher Beifall lohnte den Redner am Schlüsse seiner Ausführungen, ebenso 'die übrigen Redner. Mit einem Hoch schloß die Versammlung. Rixdorf. In Hoppes Festsälen sprach vor einer überfüllten Versammlmung von zirla 1500 Personen Genosse W u s ch i ck.— auch die Versammlung in Petris Festsälen, wo Genosse Exner sprach, war überfüllt.— Die Hohcnstaufen-Festsäle waren bereits um 8 Uhr polizeilich abgesperrt. Hier sprach Genosse Silber- stein.— In den Passagc-Festsälen sprach Genosse Pieck eben- falls vor überfüllter Versammlung. In sämtlichen vier Versamm. lungen hielt auch der Genosse Z u b e i l. der Kandidat des Kreises, eine mit Begeisterung aufgenommene Ansprache. Wilmersdorf. Vor überfüllter Versammlung sprach GeWerk. schaftSsekretär Z e r n i ck e. In wuchtiger Rede behandelte er das Thema:„Der Tag des Gerichts". Reicher Beifall lohnte den Referenten. Diskussion fand nicht statt. In Brederecks Lokal in Südende tagte ebenfalls eine gut- besuchte Versammlung. Der Referent, Genosse T a r n o w, ge- staltete seine Ausführungen zu einer wuchtigen Abrechnung mit der Politik der Regierung und der herrschenden Parteien. Ins- besondere übte er Kritik an der Brotwucherwirtschaft und der Kriegshetze. Nach einer tresslichen Darlegung und Begründung unseres Endzieles schloß der Referent unter dröhnendem Beifall mit der Aufforderung, am Wahltage alles zu tun, um einen Sieg der Sozialdemokratie herbeizuführen. Eine Diskussion fand nicht statt. Die Stimmung der Versammelten berechtigte zu den besten Hoffnungen für den Wahltag. Temprlhof. Vor zirka 600 Personen referierte hier Genosse M o h s. Seine Ausführungen fanden lebhaften Beifall. In Treptow waren in den„Prachtsälen" über 400 Personen erschienen, die den Ausführungen des Genossen P a g e l s lauschten. In der Diskussion sprach Genosse Wissell. Beide Redner ernteten lebhaften Beifall. Lichtenberg. Eine äußerst gut besuchte Versammlung tagte im Lokal von Arnhold, wo Genosse Stadthagen ein letztes Wort an die Wähler richtete. Von jedem Gesicht konnte man die Freude ablesen, daß jetzt endlich der Tag der Abrechnung ge- kommen sei. Soziales. Ein hartes Urteil gegen einen Lehrling fällte gestern die 2. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts. In bisher ständiger Rechtsprechung galt bisher die sofortige Eni- lassung eines Lehrlings mit Recht nur dann für geboten, wenn Vergehen schwerwiegender Natur, wie Diebstahl, Betrug usw., vor- lagen. Disziplinare Verfehlungen, die wohl zur Entlassung eines Handlungsgehilfen ausreichten, konnten das Lehrverhältnis noch nicht zur Auflösung bringen. Diesen Standpunkt, den die 2. Kammer unter ihrem früheren Vorsitzenden Dr. Liebrccht stetH einnahm, hat die Kammer unter der jetzigen Leitung des Assessors Dr. Niese verlassen. Ein löjähriger Lehrling war von der Schneiderartikelfirma M. Hiller Nachf., deren Mitinhaber der freisinnige Stadtverordnete Jacoby ist, am Weihnachts-Heiligabend sofort entlassen worden, weil er sich weigerte, den ein Kilo schweren Schlüsselkasten täglich von der Wohnung des Geschäftsleiters Bernhard Lewy nach dem Geschäft und wieder zurück zu tragen. Dies tat der Lehrling auf ausdrückliches Geheiß seiner Mutter, die in dem plötzlichen Ver- langen des Schlüsselkastentragens nach fast einjäbriger Tätigkeit nur eine Schikane des Geschäftsleiters erblickte. Wie die Mutter vor Gericht ausführte, habe sie Herrn L. selbst gebeten, ihren>sohn in strenger Zucht zu halten. Zwischen Strenge und Schikane sei aber ein Unterschied. L. wollte den Jungen, obgleich er sich in einem dem Gericht überreichten Brief sehr lobend über seine Führung äußert, gern los sein, da sie aber ihren Sohn nicht gut- willig aus der Lehre nehmen wollte, habe der Geschäftsleiter zu schikanöser Behandlung gegriffen. So habe eines Abends bei Geschäftsschluß der Hausdiener ein Stück Tuch in die Privat- Wohnung des L. tragen müssen und hätte bei dieser Gelegenheit den Schlüsselkasten bequem mitnehmen können. Lewy hielt aber den Lehrling absichtlich noch fünf Minuten zurück, damit dieser doch den Kasten in die Wohnung schleppen mußte.— Der Geschäftsleiter bekundet als Zeuge, daß das Tragen des Schlüsselkastens nicht durch mündliche Abrede ausgeschlossen war, während Mutter und Tochter das Gegenteil zu beschwören bereit waren. Die Mutter erklärt, sie habe sich das darum gleich ausbedungen, weil Geschäft und elterliche Wohnung sehr weit entfernt liegen und der Sohn auch noch Stunden zur Nachbildung nehmen sollte. Trotz dieser Erklärungen der Mutter kam das Kaufmanns- gericht auf Abweisung der aus Fortsetzung des LehrverhaltnisseS gerichteten Klage. Ob vereinbart oder nicht, der Lehrling hätte jedenfalls sich nicht beharrlich weigern dürfen, den Kasten zu lragen. Die Mutter wird die? unglaubliche Urteil sofort ver- mittels der Berufung anfechten. Der Lehrling ist zum Lernen. nicht zum Schlüsseltragen für den Geschäftsleiter da. Er war zu dem Schlüsseltragen nicht verpflichtet, selbst wenn Schikane nicht vorlag. Nimmt man aber an, er sei an sich zu dem ihm auf- getragenen Wege verpflichtet gewesen, so kann in der einmaliger Ablehnung der Aufforderung keine beharrliche Weigerung erblick: werden. (Siehe auch L Berlages Hus Induftne und Handel* Handwerker«ttb Kleingewerbetreibende erwache»! Bisher ließen sich die Handwerker und«leimmternehrner dc den Verteuerungspolitikern— worunter auch die Freisinnigen> gern einreden, ihre schlechte Lage sei eine Folge der.hohen Löhn der Arbeiter! Nun kommen die Genasführten dahinter, daß l künstliche Verteuerung der Lebenshaltung durch Zölle und indire Steuern die Ursache seil Wie die Mittelstandspolitik der bürg lichcn Parteien gewirkt, das veranfwaulicht das.GasthauS"(Nr. Organ des Verbandes Deutscher Gastwirte, S. V., durch die Wied gäbe der Berechnung eines Gewerbelammerbeamte» namenS Tö in Bremen. ES kostete 1 Pfund: 1904 1907 1S11 Steigerung in Prog Kaffee... 1.— 1,— 1,50 50 Stärke... 0,30 0.35 0.40 33»/, Ringäpfel.. 0,60 0,60 0,90 50 Mehl.... 0,20 0.22 0L2 10 Rosinen... 0,50 0.60 0,90 80 Korinthen.. 0,40 0,50 0,50 25 Erbsen... 0,20 0,20 0,30 50 Schnittäpfel. 0.60 0,70 0,90 50 Kartoffelmehl. 0,20 0.20 0,25 25 Fein-Zucker. 0,25 0,26 0,34 86 Grieß... 0,25 0.25 0,30 20 Aprikosen.. 0,75 1,20 1.— 33% Linsen... 0,25 0,50 0,40«0 Hafergrütze. 0,16 0,21 0,20 28 Bohnen... 0,20 0.26 0,30 50 Pflaumen.. 0,40 0,50 0,60 50 Sauerkraut. 0,10 0,10 0,20 100 Suppenkraut und frisches Gemüse...... 200 und meh Das genannte bürgerliche Organ höhnt auch über den versr der liberalen Preffe, vor der Sozialdemokratie graulich zu mache: ES betont dabei ausdrücklich, daß nur die Sozialdemokratie all d schikanösen, den Mittelstand belastenden Steuern entgegengetreten s Weiter konstatiert eS, daß die Freifinnigen u. a. auch Anhänger d Lustbarkeitssteuer seien, die für manchen Wirt den Rum bedeu Daher: Keine Stimme den Liberalen I Gewerkschaftliches siehe 1. Beilage. L,ctzU JVacbricbtcn. Zur französischen MinisterkrifiS. Paris. 11. Januar.(W. T.-B.) Präsident Falliere hatte heute mit D u b o st und B r i s s o n eine Besprechung übe die KabinettSkrisiS und wird morgen vormittag Leon Bour geois zu sich berufen._ Wahlreform in Belgien.' f Brüssel. 11. Januar.(W. T. B.) Der heutige Ministeriat beschäftigte sich mit der Frage der Vermehrung der Parlamentssitze auf Grund des Ergebnisses der Volkszählung vom 1. Januar 1910. Es verlautet, daß die Kammersitze um zwanzig, die Senatssitzc um zehn vermehrt werden sollen. Tie englischen Gewerkschaftsverbände machen mobil. L-nd-u, 11. Januar.(W. T. B.) Mit Rücksicht auf die In- anspruchnahme der allgemeinen Gewerkschaftsverbände, die durch die Baumwollausspcrrung und andere Arbeiterbewegungen hervor- gerufen wurde, beschloß die Leitung der Gewerkschaften in einer heute abgehaltenen Versammlung, die Beiträge der den Gcwerk- schaften angehörigen Arbeiter auf das Toppelte zu erhöhen. Mehrere größere Baumwollspinnereien wurden heute geschlossen. Großer Brand in Chicago. Chicago, 11. Januar.(W. T. B.) Heute nachmittag gegen 2 Uhr brach im Gebäude des HandclSamtS Feuer aus, das auch den Fahrstuhlschawt hinter der Produltenbörse ergriff. Dichte Rauch- Wolken drangen in die Börsensäle und riefen hier eine Panik hervor. Verantw. Redakteur: Albert Wach», Berlin. Inseratenteil verantw.: LH. Glocke» Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdr. n Verlag»anstalt Paul Singer t Berlin L1V. Hierzu 3 Beilage««t. UnterhaltnngSbl. m.».w™. 1. Skiltzk in JotiDirtf Sttlinet BJlkslilitt Die franzöFifcljc llilnifterhrlfe. Das Ministerium Caillaux ist nun doch den Intrigen der Ministerstürzer erlegen. Wochenlang war Cleinenccau wütend und ungeduldig um Caillaux herumgeschlichen. Nun ist ihm wieder einmal ein Ministersturz geglückt. Caillaux war vollständig eingekreist. Die Senatskommission hatte sich als hochnotpeinliches Gericht etabliert, das. untersuchen sollte, von wem und Hann die deutsch-französische Affäre zuerst auf den KuhniarktMezogcn worden war. Im Grunde tvar kein großes Geheimnis mehr da. Seit Monaten wußte man, daß die unter B r i a n d begonnenen Verhandlungen über die Ngoho-Sangha von Caillaux, als er Finanzministcr des Kabinetts Monis war, unter der Hand weitergeführt wurden und daß die deutsche Regierung, von ihren Kapitalisten ge- drängt, den Schlag von Agadir geführt hatte, als sich das nach dem Scheitern der ersten Kombination in Angriff genommene Projekt der Kongo-Kamerunbahn zerschlagen hatte und C a m- b o n in Kissingen nichts als„leichte Grenzberichtigungen" in Zentralafrika zugestehen wollte, während Frankreich schon in Fez festsaß. Man wußte, daß hinter der Geheimdiplomatie der„Carriöre" ohne deren Wissen eine noch geheimere Diplo- matie von Finanzleuten am Werk gewesen war. Wie ehedem Minister und Volksvertreter nicht wußten, was Delcasss mit Spanien und England abgemacht hatte, so wurden jetzt in die Berliner Verhandlungen Monis, Cambon nicht eingeweiht und sogar der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten C r e i p p i erst in eineni fortgeschrittenen Stadium. Der lauernde Clemenceau hat sich den erklärlichen Aerger der pro- fcssionellen Diploniatcn über diese„direkte Aktion" der Finanz zunutze gemacht und mit Hilfe der Indiskretion des erbosten de Selbes, der ihm jede Äeußerung Caillaux brühwarm zu- trug, gegen diesen in der nationalistischen Presse sowie nament- lich im Blatt der Genfer Konservativen eine überaus heftige Kampagne organisiert, die gegen die kühlen Geschäftskombi- Nationen des Ministerpräsidenten auch die chauvinistischen Ge- fühle mobilmachen soll. Herr de S e l V e s verhalf dem alten Intriganten schließlich zum Erfolg und die Bedingungen, die D e l c a s s 6 Caillaux stellte, gaben diesem schließlich den Rest. * Denn was Delcassä forderte, war nicht mehr und nicht weni- ger als vollständige Unabhängigkeit seiner auswärtigen Politik von den Einwirkungen des Ministerrats. Tarauf konnte natürlich Herr Caillaux nicht eingehen und gab seine Demission. Man braucht dem Kabinett Caillaux wahrlich keine Träne uackjzuweinen. Der Ministerpräsident war der V e r- trauensmann der hohen Finanz und die franzö- fischen Arbeiter hatten in all ihren sozialpolitischen Bestrebun- gen in ihm einen unerbittlichen Gegner. In der auswärtigen Politik lvar er allerdings für einen gewissen Ausgleich der beiderseitigen Interessen im Dienste des französischen Finanz- kapitals, fiir das ein Krieg eine furchtbare Gefahr bedeutet. Diese wird aber auch seinen Nachfolger in Schranken halten. Langwierige Krise. Paris, lt. Januar. Man glaubt, daß Präsident F a l l i« r e s die heut« stattfindende Wahl des Präsidenten des Senats abwarten müsse, bevor er in Besprechungen über die Neubildung des Kabinetts eintreten könne und nicht vor Freitag über die Wahl des neuen Ministerpräsidenten eine Entschließung fassen werde. In politischen Kreisen werden für diesen Posten folgende Namen genannt: Leon Bourgeois, Dclcafle, Poincar«, Millerand, Briand, Clemenceau, Gaston Doumergue und Jean Dupuy. Mehrfach wird in parlamentarischen Kreisen die Ansicht aus- gesprochen, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein U e b e r- gangs Ministerium mit wenigen markanten Persönlichkeiten als das geeignetste erscheine. Demselben werde als Hauptaufgabe die Erledigung des französisch-deutschcn Abkommens obliegen. Jaurös über die Krise. Paris, den lt. Januar. Jaures schreibt in der Huwanite: Das Wesentlichste ist, daß wir morgen ein Ministerium haben, das Klugheit und Klarheit besitzt und das nicht durch eine Affäre wie die Marokko-Frage kompromittiert ist, ein Ministerium, das nicht mit einer Diplomatie von Gcheimverträgen arbeitet, sondern das entschlossen ist, das deutsch-französische Ucbcreiniommcn votieren zu lassen, und es auch in eineni unzweideutigen Geiste auslegen wird. Ein Ministerium, welches eine Annäherung an Deutschland vor- bereitet, nicht auf der Basis von Finanzgeschäften, sondern in ge- meinsamcn und höheren Zielen der. Zivilisation dient, ist zum Wohle Frankreichs erforderlich. Nur auf einem gcsichcr- ten Frieden beruht der soziale Fortschritt. ödahlfanfarc, WaS blasen Wahltrompeten? Auf, Wähler heraus: Heut' gilt es zu reiten im fliegenden SauS! Ihr„Niedergeritwen' zeigt heut' euch als Held Und jagt eure Feinde wie Hasen übers Feld l Juchheirassasia und die Roten sind da, Die Roten sind lustig und rufen Hurra! Den Kraut- und Schlotbaronen, Dem Spießer und dem Pfaff Knallt lustig eins aufs Leder! Hussah l Piff-Paff! Den Volksverrätern allen versalzt die Reichstagswahl: Bläut ein den Schächern weidlich des Volkes Rot und Qual! Juchheirassasia und die Roten sind da, Die Roten sind lustig und rufen Hurra I_ Und ist dann gesäubert Das große WallothauS, Dann lang nicht gerastet und weiter im Braus! Attacke geritten auf Preußens WahlrechtSschmach. � Jetzt heißt die Parole: Rur weiter Schlag aus Schlag I Juchheirassasia und die Roten sind da, Die Roten sind lustig, sie rufen Hurra I Drum Volk in den Sattel! Der Morgen bricht an. ES streite ein jeder, der fühlt wie ein Mann! Zu lang hast du getragen de» Spott und hen Hohn I Jetzt gib deinen Quälern gepfefferten Lohn! Juchheirassasia und die Roten sind da, Die Roten find lustig und rufen Hurra l Wie sozialistische Abgeordnete in Rußland sterben. Er war «iner von jenen 37 Sozialdemokraten, die durch die Tücke der Spitzelregierung aus dem Parlament in den Kerker geworfen wurden, einer von jenen, die unschuldig hinter verschlossenen Türen abgeurteilt, als„Hochverräter" den Vorwand boten zur Sprengung der zweiten Duma und zur Verübung des Staatsstreichs. Als Auserwählter der kaukasischen Proletarier war Genosse Artschil Dshaparidse in die Duma geschickt worden, wo er neben dem Genossen Zerctelli die Stellung des anerkannten Führers der sozialdemokratischen Fraktion einnahm. Und Ists Jahre später kam die Nachricht, daß er auf dem Gefangenentransport von Petersburg nach Nikolajew plötzlich verstarb. Es war für alle ein Rätsel, wie dieser starke Mann, nach verhältnismäßig so kurzer Zeit dem Regime der Zarcnkerkcr zum Opfer fallen konnte. Aufklärung darüber bringt nun die Erzählung eines Genossen, der als Augen- zeuge seinen letzten Stunden beiwohnte. «Ich traf ihn"— so beginnt der Bericht—„im Arrestanten- Wagen auf dem Wege von Maloarchangelsk nach Bclgerod am 2t>. Dezember 1903, seinem Todestage. Mit ihm zusammen fuhren die tssenosscn Zerctelli und Macharadse. Tie süisijährige Katorga- strafe war für Dshaparidse in TVijäfjrigc Gesängnishaft umgewandelt worden. In Arrcstantcnkleidung gehüllt, saßen die Abge- ordneten zusammen mit den Krimiiialgcfangencn.... Auf dem Zentralbahnhof in Jamskaja langten wir gegen 8 Uhr abends an. Der Feldwebel der Bcglcitsoldaten öfsncte die Tür und schrie: Heraus I Dshaparidse erhob sich mit den andere». Nachdem er eine Des Krieg. Vom tripolitanischen Kriegsschauplatz. Rom, 11. Januar.(Meldung der«Agenzia Stefani".) In Tripolis, Ainzara, Tadjura und Homs herrscht vollständige Ruhe. Zur Aufklärung ausgesandte Flugzeuge. Kavallerie und Nachrichten von Kundschaftern bestätigen, daß Gruppen von Arabern sich in Bir ei Turli, Suani den Aden, Fonduk den Gaschir, Birtobras und Wadirubra befinden. Reguläre türkische Streitkräfte sollen zwischen diesen Gruppen verteilt sein. Das türlische Kommando befinde sich in Suani den Aden. Der bulgarische Bandenkrieg. Wien, 11. Januar. Wie die„Neue Freie Presse" aus Ueslüb meldet, warf eine starke bulgarische Bande drei Bomben in eine Versammlung der Einwohner von Zilhowa, während sie eine Loyalitätskundgebung für die Türkei veranstalteten. Dreizehn Personen wurden getötet, zweiundzwanzig vor- w u n d e t. Sechs der Täter wurden verhaftet. Rom, 8. Januar.(Eig. 93er.) Der Zeitpunkt der Eröffnung der italienische» Kammer. Ueber den mutmaßlichen Zeitpunkt der Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten in Italien sind sehr widersprechende Ge« rüchle im Unilauf. Einerseils behauptet man. daß die Kammer am 25. Januar auf einige Tage geöffnet werden würde, um das Dekret der Annektierung von Tripolitanien und der Cyre- n a i k a in ein Gesetz zu verwandeln. Die Kammer würde sich dann bis zum Friedensschluß vertagen. Andererseits heißt es, daß an- gesichtS der Möglichkeit eines baldigen Friedens- schlusseS das Parlament überhaupt nicht während des Krieges geöffnet werden würde. Solange man nicht Gewißheit über die Friedensaussichten hat, dürfte sich die Frage nicht entscheiden. Mit der für ihn charakleristischen Verachtung des Parlaments strebt Giolitti es natürlich an, die Kammer erst dann zusamnientreten zu lassen, wenn sie durch ihr Gerede nichts mehr an den Beschlüssen der Regierung ändern kann. Solange der Krieg dauert, soll vor allem das Budget des Auswärtigen nicht zur Diskussion kommen, da nian es für klug hält, offizielle Aeußerungen über die auswärtige Politik vorläufig nicht zu tun. Die Mehrheit der italienischen Abgeordneten erträgt es mit großer Fassung, daß die Regierung dem Parlanient zeigt. wie sie in ernsten Augenblicken nichts mit ihm anzufangen weiß und an Stelle des parlamentarischen Regimes die Diktatur treten läßt. Minute gestanden, rief er aus:„Ich kann nicht!" und stürzte zwischen den Bänken auf die Knie. Zerctelli und Macharadse griffen ihn auf und setzten ihn auf einen der Säcke nieder. Der Beglcib- soldat schrie:„Bleibt mir da nicht sitzen!" Die Abgeordneten hoben den Genossen aus und trugen ihn auf ihren Armen aus dem Wagen. In Jamskaja sollten die Gefangenen in einen anderen Zug ein- steigen. Man ließ sie aber nicht in den Bahnhof, noch auf den Bahn- steig, der vom Winde geschützt war. Nachdem man uns mit einem Ring von Beglcitsoldaten und Gendarmen umgeben hatte, hielt man uns länger alseine Stunde unter offenem Hiunnel, auf dem Schnee bot 29 Grad Frost, bis der Zug nach Kursk ab- ging. In unserer dünnen Arrestantenkleidung zitterten wir vor Kälte. Bloß Dshaparidse war gestattet worden, sich niederzusetzen. Seine Frau stand mit dem Kinde aus den Armen abseits... Von der Bahnstation Kursk wurde Dshaparidse zusammen mit den Arrestantensachen aus eineni Frachtschlitten nach dem Gefängnis gebracht, während wir, an den Händen gefesselt, diesen Weg zu Fuß machten. Als man uns in den Gefängnishos hineintrieb, waren alle in Schweiß gebadet. Dshaparjdse saß auf einem Sack in der Mitte des Hofes und erwartete uns. Etwa eine Viertelstunde mußten wir in dem heftigen Frost auf den, Hofe warten, bis der Gebilfc kam. Dsbaparidse wurde auf den Händen hineingetragen; er war totenbleich, die Lippen blau, die Augen brannten im Fieber... Bei dem Appell stürzte er wieder zu Boden. Als wir wieder beieinander waren, sah ich Dshaparidse mit irren. Blicken und ani ganzen Körper zitternd. Die ganze Abteilung, mehr als 45 Personen, wurde in eine Zelle gesperrt, die 12 Schritt in der Länge und acht in der Breite maß. Es war nicht nur unmöglich zu gehen, sondern auch ausgestreckt zu liegen. Nach einer halben Stunde war keine Lust mehr zum Atmen da. Ein Kriminal« gefangener wollte die Fensterluke öffnen, die Schildwache nahm aber das Gewehr in Anschlag und befahl ihm herunterzuspringen. Nach einer Stunde begann Dshaparidse zu röcheln. Man klopfte an die Tür und verlangte eine andere Zelle. Das war gegen Mitternacht. Ter Direktor Kalinykow kam und bcsahl, den Abgc- ordneten eine andere Zelle zu geben..." Dshaparidse starb in derselben Nacht, ohne daß ihm auch nur die geringste ärztliche Hilfe zuteil geworden war. Sein Tod war offensichtlich eine Folge desselben Regimes, das den Genossen Macharadse ins Irrenhaus, den Genoffen Dshugeli in den Tod ge- trieben, den Genossen Zeretelli und viele andere Abgeordnete der Lungenschwindsucht ausgeliefert hat. Vergebens ist die allgemeine Forderung, diese unschuldig verurteilten Märtyrer der russischen Freiheit aus ihren steinernen Kasematten zu befreien. Die blut- dürstige Staatsstreichregicrung hält ihre Opfer fest in ihren Krallen und wartet offenbar, daß zu den schon gefallenen Genossen sich noch neue Opfer hinzugesellen sollen. Die endlose Progression des Schlachtschiffcs. Zu der Frage des Schlachtschiffes der Zukunft nimmt in der Flottenniimnier von CassierS „Magazine" eine hervorragende englische Autorität auf dem Gebiete der Schiffsbankunst das Wort, der Direktor und führende Schiffsbau- ingenienr der großen britischen Werft von VickcreS, die bei den eng- tischen Flottenneubauten in außerordcntlicheiii Maße beteiligt ist.(!) Direktor Owens tritt den in letzter Zeit vielsach auf- tauchenden Anschauungen, wonach der moderne.Kriegsschiffs- bau mit den jüngsten Ueberdreadnoughts die Höchstgrenze der Größenverhältnisse bei Kriegsschiffen erreicht hat. Im Gegensatz zu den Ansichten, die für die Zukunft eine Rückkehr zu Schlacht- schiffen von höchstens 20 009 Tons Deplacement prophezeien, glaubt Die Kevolutlon In China. Abdankung der Mandschu-Dynastie? Paris, 11. Januar. Der„New Dorf Herald" meldet au? Peking, es seien in aller Stille Verhandlungen über die Eni- thronung der Mandschu geführt worden. Die revolutionären Führer sollen beschlossen haben, den Schutz der Güter der Kaiserlichen zu übernehmen. Der Kaiser selbst soll wie der Herrscher eines fremden Landes behandelt werden. Der Aufenthalt in China soll ihm ge- stattet und als seine Residenz Jehol angewiesen werden. Mandschus, Mongolen und Tibetanern sollen die gleichen Rechte eingeräumt werden, wie Chinesen. Diese Vorschläge der revolutionären Rc- gierung sind gestern den Mitgliedern der kaiserlichen Familie unter« breitet worden, die sich mit denselben unter der Bedingung einver- standen erklärt haben, daß die Revolutionäre ihre Versprechungen in allen Punkten halten. Japan über das russische Vorgehen m der Mongolei. Tokio, 11. Januar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Meinungsäußerungen der japanischen Preffe stimmen darin nberein, daß das russische Vorgehen in der Mongolei die Theorie von der territorialen llnverletzlichkeit Chinas, besonders bezüglich der äußeren Provinzen, zerstört. Es wird serner darauf hingewiesen, daß das russische Vorgehen unvermeidlich zu einem Wechsel in der Politik der Mächte und zu ähnlichen internationalen Unstimmigkeiten führe, wie seinerzeit bei dem Vorgehen einzelner Mächte in Tibet, Dünnan und anderswo. Die Zeitungen fügen hinzu, aus der Tatsache, daß die Mächte jetzt keinen Einspruch erhoben hätten, folge nicht, daß sie das russische Vorgehen billigten, sie wollten sich vielmehr nur freie Hand für die Zukunft vorbehalten. Uns der Partei. Die„Critica Sociale" im Partcibcsitz. Rom, 8. Jauuar.(Eig. Ber.) Die„Critica Sociale", die bisher vom Genossen Filippo Turati verlegt wurde, ist mit dem 1. Januar in den Besitz des Verlagshauses des„Avanti" übergegangen. Die Redaktion bleibt weiter in Turatis Händen. Die Zeitschrift, die in reformistischem Sinne geleitet wird, erscheint vierzehntägig und tritt jetzt in ihren 22. Jahrgang. In demselben Parteiverlage wird jetzt mich ein italienisches Frauenblatt erscheinen, mit dessen Redaktion die Genossin Anna Kulischosf betraut ist. Das Blatt trägt den für eine sozialistische Zeitschrist nicht gerade glücklich gewählten Titel:„La difesa delle lavoraUici" („Die Verteidigung der Arbeiterinnen"). SewKsekaMickes. Das ötmhportenfteben vor der Ramburgcf ßürgerfebaft. Am Mittwoch, also zwei Tage vor der Neichstagswahl, kam der Scharfmacherantrag der„alten Fraktionen", also des Wahlrechtsraubblocks, in der Hamburger Bürgerschaft zur Debatte. Er lautet: „Die Bürgerschaft wolle den Senat ersuche», im Bundesrat die in Aussicht gestellten Anträge der königlich sächsischen Regiernng tunlichst zu unterstützen, die einen besseren Schutz der ArbeiiS- willigen durch Ergänzung und Aenderung der einschlägigen reichs« gesetzlichen Bestimmungen bezwecken, insbesondere aus ein Verbot des Streikposteustehens hinzuwirken." Herr Rudolf Sieverts, Besitzer einer Stuhlrohrfabrik in Bergedorf und„Arbeitgeber" von unzähligen Kulis in Hinterindien, hatte den Antrag zu„begründen", was er in einer Weise tat, die die legendären Jesuitcr vor Neid Platzen er, daß die Bautendenz der Zukunft sich in Richtung auf noch größere Schiffe bewegt. Er beweist dabei, ivie unbegründet die„laienhafte Anschauung" ist, daß eine weitere Verstärkung der großen Schiffs- artillerie bei scharfem Feuer die Widerstandssähigkeil des Schiffs- runipfes gefährdet und macht dabei die Mitteilung, daß auf englischen Werften gegenwärtig neue Ilcberdrcadnoughts gebaut werden, die mit nicht weniger als 13 Riesengeschützen ouSgeriislct sind. Bisher glaubte man, daß mit 10 große» Ge- schützen die Maximalgrenze artilleristischer Leistungsfähigkeit erreicht sei.„Wir bauen heute DreadnoughtS von rund 30 000 Tons Deplacement und Hand in Hand mit dieser Bergrößerung dcS Schiffes geht eine rastlose Verstärkung der Artillerie, die iviedcrnm die Notwendigkeit eines stärkeren Panzerschlitzes und eine Erhöhung der Kohlentragfähigkeit bedingen. Wenn ich alle diese Tendenzen prüfe und znfammenfasse. so will es mir scheinen, daß die Höchst« grenze noch nicht erreicht ist, selbst tvenn die Geschützzahl, die Schnelligkeit und die Stärke des Panzerschutzes der neuesten Schiffs- konstruklionen annähernd beibehalten wird. Wir dürfen nicht ver» gessen. daß selbst beute schon die Panzerkreuzer dieselben Riesen» geschiitze tragen wie die Schlachtschiffe, wenn auch in geringerer Zahl; daß die Pauzerkrenzer die Schlachtschiffe in ihrer Schnelligkeit um 6—8 Seemeilen in der Stunde überbieten und zugleich 4000 bis 6000 Tonnen mehr Deplacement haben. Wir werde» auch'von der Zukunft annehmen müssen, daß die großen Panzerkreuzer an Nm- fang und Deplacement die Schlachtschiffe übertreffen werden, ivenu auch nur in außergewöhnlichen Fällen größere Geschwindigkeiten als 30 Seemeilen von den Kreuzern verlangt werden dürfen." Owen? wendet sich dann der finanziellen Seite deS modernen Kriegsschiff« baue« zu nnd sucht die Ansicht zu widerlegen, die in kleinen Schiffen ohne weiteres auch die billigeren Schiffe sieht. Wir bezweifeln nicht, daß die technischen Möglichkeiten de« Schlachtschiffs noch längst nicht erschöpft sind. Es wird eben immer noch größere, schnellere und besser armierte Schiffe geben. Und der Wetltauf der von Interessenten„belehrten" Nationen kann so ins Unendliche geben, bis eine völlige Erschöpftmg eintritt oder das Proletariat dem Sport ein Ende fiir immer bereitet. Notizen. — Theaterchronik.„Totentanz der Liebe", eine moderne Tetralogie von St. Przybyszewski, wird vom Verein „Neue freie Bühne" in den Kammerspiclen dc-Z Deutschen Tbeaters ziir�Dmstellung gebracht. Der erste Teil:„Das große aufgeführt� Sonnabend, den 13. Januar, um 4 Uhr nachmittags, — Musikchronik. Die Sonntagskonzerte im Eharlottenburger Schillcr-Theatcr beginnen in diesem Jahre am 14. Januar mittags 12 Uhr. Ali, Sonntag kommen zum Bortrag: Klavierguartett in a-äur, op. 26 von BrahinS und Anton DvorakS, Trio: Dumky(russische Balladen). Sydney Biden singt Lieder. Für den ZyllnS von fünf Konzerten werden Aboiincmentshefte(unpersönlich und übertragbar) für 2.50 M. und 8,59 M.(einschl. Garderobe und Programm) ausgegeben. — In Musik gesetzter Terroris in u S. In Rouen ist eine Oper„Die rote Morgendämmerlmg" aufgeführt worden-u der zwei Pariser Literaten den mordgeschichtlichen Text und der Baron Eamille Er langer die Musik geliefert haben. Das Stück svielt untel russischen„Revolutionären", wie sie sich etwa der kleine M�'tz�orstellt. und zwischen Pulverfässern. Rcvolvermünduiigeu und lassen würbe. Nicht die Beschränkung, sondern die Ermög- lichung der„wahren" Koalitionsfreiheit will er, und deswegen soll das Streikpostenstehen verboten werden, dieweil, wie ein — amerikanisches Gerichtsurteil sagt, schon das Vorhanden- sein von Streikposten den Arbeitswilligen mit Sorge erfüllt und ihn bewegen kann, statt an die Arbeit nach Hause zu gehen. Ihm trat zunächst der liberale Oberlandesgerichtsrat Dr. N ö l d ck e entgegen, der darauf hinwies, daß ohne die Be- fugnis. Streikposten aufzustellen, für die Arbeiter die Ausübung deS Koalitionsrechts unmöglich sei. Weiter verwies er auf die möglichen politischen Folgen dieses Vorstoßes der Hamburger Nationalliberalen, nämlich auf die Aussicht, daß in der Stichwahlentscheidung die Sozialdemokraten liberale Kandidaten gegen daS Zentrum durchfallen lassen. Unser Genosse P a e p l o w belehrte die Herren über die Geschichte des Koalitionsrcchtes und zeigte dann, wie heute die Justiz Arbeiter und Unternehmer ungleich behandele, und gegen die letzteren den§ 153 selten oder nie anwende. Für die Arbeiter bedeute das Verbot des Streikpostenstehens praktisch die Auf- Hebung des Koalitionsrechts. Uebrigens sei ja schon jetzt durch die berühmte Handhabung der Straßenordnung das Streik- postenstehen außerordentlich erschwert. Dem Fabrikanten Sieverts sagte Genosse Paeplow verschiedene sehr bittere Wahrheiten; der Scharfmacherhäuptling saß mit hoch- rotem Kopf da. Weiter schilderte Paeplow das Treiben derHintze- brüder und warf dann die Frage auf, was geschehen werde. wenn das Recht des Streikposten stehenS und damit das Koalitionsrecht falle; ob die ungenügend bezahlten Arbeiter betteln oder stehlen sollten. Eingehend wurde noch das Treiben der Unternehmerverbände geschildert und gezeigt, was ihre Kontrolleure— also die Parallelerscheinung der Streikposten— sich herausnehmen und herausnehmen dürfen.— Nach der wirkungsvollen Rede unseres Genossen gab es zur Abwechselung einen langen Salm des rotkollerbehafteten AdvoWten Dr. Rudolf Mönckeberg, Mittlerweile war es ll'� Uhr geworden und es trat Vertagung ein— bis nach den Wahlen. Damit dürste die große Aktion einigermaßen verpufft sein. Serlia und vlmgegend. Zur Zigarrenarbeiterbewegung in Groh-Berlin. Die Bewegung der letzten vier Monate hat die Reihen des Ber» bandeS mit neugeworbenen Mitgliedern gefüllt, ein Umstand, der ebenso erfreulich wie erklärlich ist. Jetzt, Kollegen und Kolleginnen. erwächst uns die Pflicht, das Errungene zu erhalten, zu festigen. eder hat da seine Pflicht zu tun. or allen Dingen: Werbet! Und wenn Ihr geworben habt: Festiget I Die neuen Mitglieder aber erniahnen wir, in allem ihren Pflichten nachzukommen, namentlich auch ihre Exirabeiträge abzuführen, denn der seit Wochen dauernde Kampf in Westfalen wird auch für unL gekämpft. Arbeiter, Parteigenossen! Fragt bei Euren Zigarreneinkäufen nach den grünen Plakaten, unterschrieben Alwin Schulze. Be- achtet die Veröffentlichungen im.Vorwärts"! Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Achtung, Schuhmachcr-Bertrauensleute! Das Bureau des Ver- bandeS, Blankenfelde Str. 10, bleibt heute am Wahltage geschloffen. Zenlralverband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Oeutfches Reich. Das Ende der TabakarbeiterauSsperrung? Aus Minden sWestfalen) meldet Wölfls Bureau: Die Streiks und Aussperrungen in der westfälischen und lippifchen Tabakinduftrie. von denen zirka 13 000 Arbeiter betroffen waren, sind jetzt beendet, da auch die Bevollmächtigten der Arbeiter den unter Bermittelung des Landrats zustande gekommenen Vorschlägen der beteiligten Arbeitgeberverbände zugestimmt haben. Die Ber» tretung der organifierten Arbeiter hatte bereit? vorgestern die Be» schlüsse der Arbeitgeber genehmigt. Lohnbewegung der Mainzer Zuschneider. Fünfzig Zuschneider, die in größeren Konfektionsgeschäften tätig find, haben>hre Kündigung wegen Tarifstreitigkeilen eingereicht. Ist bis zum 20. d. Mts. keine Einigung erzielt, so daß Arbeits- niederlegung erfolgt, dann werden etwa 1000 Heimarbeiter in Mit- leidenschaft gezogen._ HueUncL England vor einem Riesenansstand. Alle Hoffnungen, daß«S zwischen den Bergarbeitern und den Gesellschaften zu einem Kompromiß kommen würde, können als gescheitert bezeichnet werden. Di« Arbeiter find fest entschlossen, in den Ausstand zu treten, falls nicht ihre Forderungen bewilligt werden. Die Abstimmung kann nur als Formsache bezeichnet werden. Am nächsten Montag wird das Resultat der Abstimmung proklamiert werden, lieber das Ergebnis heg: man keinen Zweifel. Industrie wie Admiraliiät sind eifrig bestrebt, sich mit Hrogen Kohlenvorräten zu versorgen, um bei Verkünduug des«irestS wenigstens für einige Zeit gedeckt zu sein. Schon jetzt macht sich ein Steigen der Kohlenpreise bemerkbar. In Swansea und den umliegenden Bezirken wird einstimmig zugunsten deS AuSftaildeS ub- gestimmt werden._ Soziales* Streupflicht der Grundbesitzer bei WinterglLtte. Das Kammergcricht hat in langer Judikatur daran fest- gehalten, daß durch eine Polizeirerordnung allein eine Pflicht der Grundbesitzer, bei Winterglätte den Bürgerstcig oor ihren Grund- stücken mit abstumpfendem Material zu bestreuen sowie ihn von Schnee und Eis zu befreien, nicht begründet werden könne. Eine ist)Ick)e Pflicht könne nach Ansicht des Kammergerichts durch eine Polizeiverordnung nur näher geregelt werden, wenn sie bereits auf Grund eines besondeven Gesetzes oder einer Observanz(Ge- wohnheitsrecht) besteht. Mit Rücksicht auf diese Judikatur hatten nun eine ganze Anzahl Grundbesitzer in Küstrin— Pctong und Genossen— bei Winterglätte nickt gestreut, indem sie die Polizei- Verordnung vom g. Januar 1002, welche die Grundbesitzer für ver- Pflichtet erklärt, als ungültig ansehen, da eine Observanz.nicht bestehe. Ein besonderes Gesetz kam zweifellos nicht in Fragö. Die Strafkammer verurteilte aber die Angeklagten auf Grund der Polizeiverordnung zu Geldstrafen. Das Gericht schloß sich nicht der Judikatur des Kammergerichts an. sondern neueren Ent- scheidungen des Reichsgerichts, wonach auch Polizeiverordnungen allein die Streupflicht der Grundbesitzer im Interesse von Leben und Gesundheit des Publikums auf Grund des Polizeiverwaltungs- gesetzes begründen könnten, ohne daß eine Observanz oder ein be- sonderes Gesetz vorliege. Die Polizeiverordnung sei ohne weiteres gültig und die Angeklagten müßten auf Grund derselben ver- urteilt werden, ohne daß zu untersuchen sei. od eine Observanz oder ein besonderes Gesetz vorliege, wodurch etwa eine Streupflicht der Grundbesitzer begründet wäre. DaS Kammergericht hob dieser Tage die; Borentscheidung auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Ent- scheidung an die Strafkammer zurück. Ausgeführt wurde: DaS Kammergericht habe keinen Anlaß, von seiner erprobten Rechts- Praxis abzugehen. Die fraglichen Entscheidungen des Reichsgerichts seien nicht genügend begründet. Nach wie vor stehe das Kammer- gericht auf dem Standpunkt, daß eine Polizewerordnung ungültig {et. welche den Besitzern jene Pflicht auferlegte, ohne daß fle BerertZ dürch eine Observanz oder durch ein vesonbere» Gesetz begründet sei. Die Strafkammer müsse deshalb nachprüfen, ob sich in Küstrin eine solche Observanz gebildet Hab». - o- Hus der frauetibewecfung. An die Frauen in letzter Stunde! Frauen! Mütter! Genossinnen! Die Ent« scheidung naht, die Stunde der Vergeltung ist gekommen. Heute wird das Volk zu sprechen haben, ob es mit dem Wirken des letzten Reichstags einverstanden war. Die Ant- wort der großen Masse des Volkes wird nicht zweifel- hast sein. Nein, und dreimal nein, wird sie lauten I Zwar sind die Frauen heute noch von dem Rechte des Staatsbürgers. durch den Stimmzettel seine Meinung zum Ausdruck zu bringen, ausgeschlossen. Die bürgerlichen Parteien aller Schattierungen lehnen es ab. die erwachsenen Frauen in die Reihe der stimm- und wahlberechtigten Staatsbürger einzureihen und dokumentieren dadurch, daß sie die Frau als minderwertiges Geschöpf ein- schätzen. Einzig und allein die Sozialdemokratie ist bis jetzt bei jeder Gelegenheit für die Gleichberechtigung der Frau als Staatsbürger eingetreten. Der Liberalismus insbesondere ist einer der hart- näckigsten Gegner der Frauenrechte. Dennoch stellen die„liberalen" Frauen auch im diesmaligen Wahl- kämpfe ihre Hilfe und Unterstützung der liberalen Partei zur Verfügung und versuchen ganz besonders in Berlin, der konsequentesten Vertreterin der Frauenrechte, der Sozialdemo- kratie. einzelne Kreise abzujagen. Zwar hat erst dieser Tage der hoffnungslose liberale Kandidat des fünften Kreises Obermeister R e t t i g sich entschieden als Gegner des Frauen- Wahl- und-Stimmrechts bekannt und auch bei den übrigen Freisinnskämpen erhielten die guten Damen, sobald sie nach Gretchenart die verfängliche Frage an einen dieser Herren richteten: „Nun sag, wie hast Du'S mit dem Frauenwahl- und Stimm- reckt? Du bist ein herzlich guter Mann, allein, ich glaub, Du hältst nicht viel davon—" die nichtssagende, väterlich-wohlwollende Antwort: .Laß' das. mein Kind l Du fühlst, ich bin Dir gut In unzähligen Versammlungen, in Artikeln und Bro- schüren haben die bürgerlichen Frauen schon die Notwendigkeit der Gleichberechtigung der Geschlechter betont und mit Argu- menten unterstützt, die durchaus als zwingend anerkannt werden müssen. Aber die bürgerlichen Mannen ließen sich in ihrem festverankerten Bibelstandpunkt, wonach das Weib zu schweigen und zu gehorchen habe. lücht abbringen. Mit den albernsten Mätzchen gingen sie stets über die Forde- rungen zur Tagesordnung über. Die liberalen Frauen aber laufen ungeachtet dieser Er- fahrung den Männern ihrer Liebe auch fernerhin nach und betteln um Zuneigung, wo sie begründete Rechte zu fordern hätten. Manchnial ist ja bei ihnen die Empörung hell auf- gelodert, aber auch ebenso schnell wieder verglommen wie das Feuer einer Rakete. Ja. sie sollen sich einmal sogar zu der schröcklichen Drohung verstiegen haben. Frau für Frau ins— sozialdemokratische Lager überzugehen. Ach, sie haben es sich noch rechtzeitig überlegt und sind bei den Fleischtöpfen des Liberalismus geblieben. Fräulein L i s ch n e w s k a mit der phrygischen Mütze in purpurleuchtender Garibaldibluse, die Fackel der Rebellion schwingend— es wäre ein Bild für Götter! Viel eher könnte man sich� diese Dame mit einem Kürassierhelm auf das liberale Haupt gestülpt und dem Sabul in der Hand, für Deutschlands Ehr' und Ruhm ausmarschierend, vorstellen. Wenn die bürgerlichen Frauen die Welt anders als durch ihre Klaffendrille sehen könnten, sich befreien könnten von ibren bürgerlichen Vorurteilen, wenn sie aus ihrer bürgerlichen Haut heraus könnten, dann müßten sie die Konsequenzen aus den, Verhalten ihrer männlichen Klassengenosseit ziehen und ihre Sympathie und Hilfe der Sozialdemokratie zukommen lassen. Statt dessen leisten sie, wie gesagt, auch diesmal wieder dem vor der Reaktion kapitulierenden Freisinn bereitwilligst Kulidienste. In einem Flugblatt deS Wahlausschusses der liberalen Frauen im 1. Wahlkreis, unterzeichnet von Fräulein Lischnewska (Natürlich I) kommt der jämmerliche Standpunkt dieser ..Kämpferinnen" Ui prägnantester Weise zum Ausdruck. Heißt es doch darin' „In diesemKampfe um Freiwerdun g des neuen Deutschland gehören wir Frauen Schulter an Schnlter an die Seite der liberalen Männer! Ihr Weg ist unser Weg!" Und dann geht eS weiter, im Stile des Reichsverbandes und die abgedroschensten Behauptungen aus der Zeit des seltgei» Eugen Richters, werden wieder gegen die böse Sozial- demokratte ausgekramt. Es liegt etwas Tragikomisches in dieser hündischen Treue. die selbst durch die fühlbarsten Fußtritte, durch die schroffste. abstoßendste Behandlung, die blutigste Verspottung seitens der „liberalen Männer" sich nicht beirren läßt. Wie andertz doch bei der Sozialdemokratie: Hier stehen die Frauen im Wahlkampfe mit Recht an der Schulter der Genossen! Sind sie doch eingereiht in die große Armee des organisierten Proletariats als vollberechtigte Glieder! Bürdet ihnen doch der Alltag und das Leben ebenso viel oder noch mehr Sorgen und Arbeit auf als dem Manne. Müssen sie doch die verzweifeltsten Anstrengungen unter- nehmen, um mit dem spärlichen Wirtschaftsgelde die Familie notdürftig und anständig über Wasser halten zu können. Lastet doch auf der Frau als Mutter und Hausfrau die Sorge des Haushalts und die Erziehung der Kinder umso schwerer, als der verflossene Reichstag dem breiten Volke erneute Abgaben und Steuern auferlegt hat. die unbedingt auf eine empfindliche Verschlechterung der Lebenshaltung hin- wirken müssen. Und eine neue Steuerflut wird das Land überschwemmen, neue ungeheuere Lasten wird der Militarismus in allen seinen Abarten bringen, wenn das Volk nicht auf der Hut ist. Darum. Frauen in den Kampf! In den Kampf gegen Entrechtimg und Auswucherung! Gerade bei der diesmaligen Wahl müssen die Proletarierinnen im Vorder- treffen stehen! Es geht um Sein oder Nichtsein, es geht aufs ganze, wie„König" Heydebrand verkündet hat. Und wer die Strauchritter im Bunde mit den Schlotbaronen und den Kanonenpatrioten kennt, weiß, daß es nicht nur eine leere Phrase ist. Es geht um Großes, es stehen Lebensfragen der Arbeiterschaft auf dem Spiele, darum ist es Pflicht der Frauen, mitzukämpfen im großen Entscheidungskampfe. Nur wenn das Proletariat mit vereinten Kräften dem Feinde entgegenttitt. kann der endgültige Sieg zur Gewißheit werden. Der heuttge Tag soll wieder eine Etappe weiter sühren auf dem Wege zur Befreiung. Darum: Frauen heraus! Hinein i» de« Kampf! Gericbts-�eUimg. Gerichtsverhandlungen am Wahltage. Während einer Berfügultg des Justizministers entsprechend bei den Landgerichten I und II ebenso wie bei den Schöffengerichten an dem heutigen Wahltage Verhandlungen nicht stattfinden, hat das Land- gericht III bedauerlicherweise eine Ausnahm« gemuht. Bei h-ese-a finden heute die ordnungsmäßigen Sitzungen der drei straf- kammern statt. Zu den Verhandlungen sind zahlreiche Zeugen ge- laden. Selbstverständlich ist die Notwendigkeit der Ausübung des Wahlrechts ein hinreichender Grund»ur Entschuldigung wegen Nichterscheinens als Zeug*_ Lankwitzer Streitigkeiten. In der Gemeinde Lankwitz bestehen gewiss» Unstimmigkeiten zwischen dem Amts- und Gemeindevorsteher Dr. Beiendorsi bezw. der Gemeindeverwaltung und einem Teil der dortigen Ein- wohner. Die Differenzen sind Hervorderufen durch den Beoauungs- plan und durch die Normierung der Kanalisatlonsgebühren und haben sich zu einer Eingabe an vie Regierung verdichtet. �Zu der Partei der Gegner des Bürgermeisters Dr. Beiendors gehört wij der Königl. Bauinspektor a. D. Wilhelm Wulff, der gestern wegen Beleidigung des Bürgermeisters und des Gemeindebaurats Görke vor der dritten Strafkammer des Landgerichts II stand. Bauinspektor Wulfs ist Einwohner von Lankwitz und besitzt dort Grund und Boden im Umfange von 15 Morgen. Auf dem einen ihm gehörigen Grundstück steht eine Villa, in welcher der Ange- klagte wohnt, auf dem anderen steht das alte Schloß Lankwitz, in welchem bis vor einiger Zeit eine Trinkerheilanstalt installiert war. Im Jahre 1010 wurde in Lankwitz ein neuer Bebauungsplan ausgestellt, der von dem Hofbaurat G e n z m e r ausgearbeitet worden war. Der Angeklagte fühlte sich durch diesen Bebauutws- plan benachteiligt, weil gerade von seinem Terrain ein großer Teil zu Straßen- und Parkanlagen hergegeben und sein ganzes in der Dorfaue belegenes Villcngrundstück verschwinden soll. Hiergegen erhob der Angeklagte Einspruch, wie er sagt, nicht nur in privatem» sondern auch in öffentlichem Interesse, da es sich hier um Ab- Wendung einer dem alten historischen Schlosse mit seiner Umgebung alter Bäume drohenden Gefahr handle. Er selbst, der seinerzeit am Wallot-Bau mitgearbeitet habe und Mitglied des Vereins für die Geschichte Berlins, der Brandenburgia und deS Herold sei, habe neben seinen eigenen Interessen auch ästhetische Interessen wahr- nehmen wollen. Sein Einspruch bei dem Kreisausschufle ist von diesem verworfen und dieser Beschluß des Kreisausschusses ist rechts- kräftig geworden. Der Angeklagte, mit dem dann später der Re- gierungsbaumeister Petersen im Auftrage der Gemeindeverwaltung verhandelt und darüber ein Protokoll aufgesetzt hatte, hat dann in Schriftstücken an den Landrat, die Regierung und das Mi- nisterium das Verhalten des Bürgermeisters Beiendors in herben Worten bekrittelt und den Baurat Görke beleidigt. Nach längerer Verhandlung ergab sich zu allgemeiner Heber- raschung, das? das von Heren Petersen aufsestellte Protokoll den Tatsachen nicht entsprach und der Inhalt deS Protokolls Ant-st zu Mißverständnissen gegeben hatte, die dem Angeklagten zu seinen Ausfällen Veranlassung gaben. Unter diesen Umständen erklärte Bürgermeister Beirndorf, daß er für seine Person den Straf- antrag zurücknehme. Auch der Strafantrag des Herrn Görke wurde zurückgenommen, nachdem der Angeklagte zu Protokoll sein Bedauern über die von ihm gewählten beleidigenden Worte aus- gedrückt und versprochen hatte, für die Zukunft sich solcher Ausfälle zu enthalten._ Verfehlte UnstttlichkeitShaff. Das im Borngraeberschon Verlage erschienene Werk„Das LustwLldchen, galante Gedichte au? der deutschen Barockzeit", bil- dete gestern den Gegenstand des objektiven Verfahrens auf Grund des§ 184 vor der dritten Strafkammer des Landgerichts Berlin II unter Vorsitz des Landgerichtsdirettors Schulz. Als Sachverständige waren die Schriftsteller Wilhelm Bölsche und Fritz Engel er- schienen, die gleichfalls geladenen Hermann Suderinann und Dr. Ludwig Fulda waren am Erscheinen verhindert. Nach Verlesung einiger in dem Werke enthaltener Gedichte von Hofmannswaldau, Christian Günther u. a. wurden die Sachverständigen vernommen. Wilhelm Bölsche bekundete u. a.. daß, wenn man die in Frage stehenden Gedichte als moderne Literaturwerke bewerten wollte, sie auf der äußersten Grenze stehen würden. Es handele sich hier aber um alte Besitztümer unserer deutschen Literatur, um alte, historisch gegebene Produkte der Literatur, die literarische und ästhetische Werte darstellen, da sie eine bestimmte Kunstsorm und die Kultur bestimmter Zeiten widerspiegeln. Jene sogenannte zweite schlesische Dichterschule gehöre zum Bestände unserer Litc- ratur; in den Gedichten der vorliegenden Sammlung trete daS Sinnliche vor dem Sammelwert und der künstlerischen Form zurück, sie bilde ein literar-historischeS Dokument.— Der Sachverständige Fritz Engel schloß sich diesem Gutachten durchaus an und betonte, daß der Herausgeber dieser Sammlung. Dr. Franz Ble», ein ernsthafter kulturhistorisch arbeitender Schriftsteller und Forscher sei, der insbesondere auch das erotische Gebiet kultur- historisch und literaturgeschichtlich bearbeite. Die vorliegenden Gc- dichte haben einen literar-historischcn Wert, das Werk enthalte eine Mischung von zum Teil ausgezeichneten, zum Teil minder wert» vollen Beiträgen. Einzelne Gedichte seien derb in der Form, sie haben aber eine künstlerische Tendenz und sind auf eine ästhetische Wirkung berechnet. Hier und da würde man sagen können, daß durch die Lektüre dieser Gedichte«ine üble Wirkung entstehen könnte, aber eine solche könne auch durch die größten Meisterwerke der Literatur entstehen bei solchen Leuten, die solche suchen. Wenn junge Leute eine solche Wirkung suchen, dann finden sie anderswo viel eher Gelegenheit, alz in diesem Buche, welches bei dem Leser doch eine literarische Fähigkeit und literarischen Verstand voraus- setzt. StaatsanwaltschaftSrat Tolki beantragte die Einziehung der vorhandenen Exemplar« und Unbrauchbarmachung der Platten und Formen. Das Buch erfülle gar kein kulturhistorisches Interesse. es spiegele nicht die Kultur jener Zeit wieder, sondern den Schmutz.! der sich in den Köpfen einzelner Leute angesammelt habe, welche sich Dichter ncnngn, aber nur Verseschreiber seien. In dem Buche werde die krasseste Erotik dargeboten und der Preis von 3 M. bindere keineswegs, daß die jugendlichen Trotteurs der Tauentzien» straße sich den Ankauf oiescs Buches leisten können. Ä-IHS Rechtsanwalt Kunde trat den Ausführungen des Stc*>ts» anwalts in längeren Ausführungen entgegen und erinnerte daran daß in einem in München stattaefundenen Verfahren, welches sich nicht nur gegen das Buch, sondern auch gegen Herr» Dr Bleu wendete, die Geschworenen zum Freispruch gekommen sind.' Der Verteidiger beantragte, den Antrag des Staatsanwalts auf Be» schlagnahme des Buches abzulehnen. Das Gericht lehnte nach kurzer Beratung den Antrag des Staatsanwalts ab und hvb den Beschlagnahnie-Beschlufc aus. Das Buch enthalte-ine Sammlung von Liebesliedern aus der zweiten Hälfte des 17. und dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Es sei ja nicht zu verkennen, daß eine Anzahl dieser Gedichte erotische Bor» gäuge in drastischer und teilweise an das Obscöne streifender Art schildert, aber es wollen doch diese Lieder verstanden sein au» dem Geiste ihrer Zeit, Das Künstlerische überwiege doch in dem Maße, daß man den s 184 des Strafgesetzbuches nicht anwende« könne, Hus aller Älelt. praktisches Chnftenturn. London, 0. Januar t».A(Tig. Ber.) Herzzerreißende Szenen spielten fich gestern in der Nähe de» Stadt T o l ch e st e r ab. wo unter den Verwünschungen der Menge sechs Kleinpächter mit Frauen und Kindern auf die Straße gesetzt wurden. Der Agent der Landgesellschaft ging mit dem Gerichtsdiener, einigen Polizisten und Landarbeitern von einem Häuschen zum anderen. Die Fenster wurde« ein« geschlagen, die Hauitur aufgebrochen und dann wurde die armselige Habe der Einwohner auf die Straße in den Schmutz geworfen. Den Sachen folgten die Personen und bald stand vor jedem Häuschen, vor Kälte zitternd, ein uiiglütb licher Vater mit feiner verzweifelten Frau und weinenden Kindern. Der Agent der Gesellschaft, ein»Oberstleutnant-, hatte kein Erbarmen; er half selbst eifrig beim Zertrümmern der Fenster» scheiden. Eine der exmittierten Familien bestand aus dem Mann, seiner kranken Frau und sieben Kindern- Die kranke Mutter wurde hinausgetragen und auf der Straße auf einige Kisten, die der Familie gehörten, niedergelegt. In der eis» kalr»,.?uft bekam sie einen Ohnmachtsfall. Die schluchzenden Kleinen umgaben die Mutter; der Mann stand ratio» und ver- zweifelt an ihrer Seite. Unterdessen waltete der„Oberstleutnantseine» schmutzigen Amtes unbekümmert um all das Elend und die Flüche und Verwünschungen der Volksmenge. Doch jetzt weigerten sich die vier Arbeiter der Gesellschaft, weiter mitzutun. Es wurde ihnen bedeutet, daß sie ihre Humanität mit der Entlassung aus dem Dienste bezahlen müßten. Und wer war diese hartherzige Gesellschaft, die mitten im Winter Frauen und Kinder auf die Straße hinanStrieb und obdachlos machte? ES war die Heilsarmee, jene von Frömmigkeit triefenden heulenden Derwische de» Christentums, die hier ihre Prinzipien in die Praxis umsetzten. Und der„Oberstleutnant- war ein Beamter der Heilsarmee. Vor einigen Jahren hinterließ ein englischer Millionär dem„General" Booth eine Summe von 100 000 Pfd. Sterl., die dazu dienen sollte, Leute auf kleinen Gütern anzusiedeln. Das Experiment oder die fromme Gefchäftssührung der Heilsarmee scheint sich aber nicht bewährt zu haben. Die bisher dem Namen nach freien Pächter sollen deshalb in Lohnarbeiter verwandelt loerden und wer sich dieser Umwandlung nicht unterziehen will, wird des» wegen oder unter dem Vorwand, daß er unfähig sei, kurzerhand hinausgeworfen. Die gestern exmittierten Familien bildeten die erste Partie dieser Leute. Wie es diesen Pächtern unter dem Schutz der Heilsarmee ergangen ist. schildert ein Spezialkorrespondent der„Daily News- in einer Reihe ausführlicher Artikel. So war der Pächter, dessen kranke Frau auf die Straße getrieben wurde, ein Kapellmeister der Heilsarmee, der mit der Landwirtschaft gut vertraut ist. Ein SchwindsuchtSanfall, von dem er sich erholte, bestimmte ihn, seinen Beruf(Wagenbauer) zu Verlasien und im Interesse seiner Gesundheit die in der Jugend erworbenen landwirt» schaftlichen Kenntnisse zu verwerten. Die Heilsarmee setzte ihn auf ein Stück armen Lande», das einmal mit dem Dampfpflug durchpflügt worden war. Die hinterlasienen Furchen waren so roß, daß sich nach dem Zeugnis eines benachbarten Bauers ein Nensch leicht hätte hineinlegen können. Bier Monate brauchte der Itann, um mit Hacke und Schaufel das Land zu ebnen. Dabei rbeitete er von 4 Uhr morgen» bis 10 und 11 Uhr abends und manchmal noch in der Nacht. Schließlich wurde er krank, was einen nicht Wunder nehmen kann. Eine Bitte um ein Darlehen wurde von der Heilsarmee abgeschlagen. Bei alledem mußte dieser Unglücksmensch mit der kranken Frau und dem Haufen Kinder noch in der von der Heilsarmee autokratisch ver- walteten„Genossenschaft- einkaufen, wo er alles viel teuerer bezahlen mußte als bei Privathändlern. Und jetzt muß er die mit seinem Schweiß und seinem Lebensblut getränkte Scholle als Bettler obdach» los verlassen. Di« schwerste Schuld in dieser Tragödie trifft den frommen Millionär, der einer Heuchlerbande Gelder zur Verfügung stellte, die mit Hilfe ihrer systematischen Volksverblödung da noch auSzu- beuten versteht, wo der gewöhnliche Kapitalist längst alle Hoffnung aufgegeben hat.__ Unwetter im Süden. Seit zwei Tagen herrschen Sturm und Regen in ganz Italien. Aus dem Comersee wurde ein Boot vom Sturme über- rascht und kenterte. Hierbei sind olle drei Insassen ums Leben gekommen. In Livorno richtete ein Orkan großen Schaden an. Zwei Segelschiffe sind in der Nähe der Küste gesunken. In Dellaros unweit Reggio de Calabria sind mehrere Wohn- Häuser eingestürzt. Bisher konnten vier Leichen ge» borgen werden. Der Kapitän des aus New Jork in Neapel em» getroffenen französischen Dampfer».St. Anne- berichtet über eine stürmische Ueberfahrt. Besonders die Durchfahrt durch die Meer- enge von Gibraltar gestaltete sich sehr gefährlich. Fünf Matrosen wurden von einer heftigen Sturzwelle über Bord ge- spült und es gelang nur einen, von ihnen, sich zu retten.— Auch an der f r a n z ö s i s ch« n K ll st« hat das Unwetter schweren Schaden verursacht. Mehrere TchiffsunfSlle sind zu verzeichnen. Zahlreiche Schiffstrümmer wurden ans User geschwemmt. Aus der Zentrumskloake. Ein klassisches Beispiel für die Art, wie das Zentrum den Wahl» kämpf führt, liefert der in S t r a ß b u r g erschemende klerikale „V o lks fre u n d-. Dort heißt es: „Wir dürfen uns nicht auf die Stichwahlen Verlasien; denn dann gehen der liberale Pilatus und der rote HerodeS gemeinsam gegen un» vor. Schon beim erstenmal müssen wir ihnen die Hosen klopfen und ihnen einen Denkzettel geben, den sie nie vergessen. Liberalismus und Sozialdemokratie ist preußische Ware. Beide stinken auch noch nach Knoblauch und Zwiebeln. Beide sind bezahlt vom alldeutschen Hansabund und von den Berliner jüdischen Millionären. Fort mit dem Geschmeiß, von woher es gekommen ist. Millionen opfern sie, um uns Katholiken an die Wand zu drücken. Noch sind wir im Lande die große Mehrheit. Drücken wir sie so an die Wand, daß sieSauce geben. Sie rufen: Krieg dem Gott der Christen, Krieg dem Kruzifix, Krieg der Kirche und ihre» Einrichtungen. Wir aber rufen: ' nr C h r i st u s und seine Kirche. Krieg der g e l b r o t e n ichwefelbrande." Sehr nobel I Duodezherrlichkett. In Schlitz in Oberhessen starb vor einigen Tagen der Legationssekretär Erbgraf v. Schlitz genannt v. Görtz. Di« mit dem üblichen Pomp' erfolgte Bestattung deS Verstorbenen würde uns keinen Anlaß geben, des in weitesten Volkskreisen un» bekannten Legationssekretär» zu gedenken, wenn nicht sein Tod ganz sonderbare behördliche Verfügungen gezeitigt hätte. Die Standes- Herrschaft Schlitz war in der Zeit der Herrlichkeit der Duodezfürsten eine selbständige Grafschaft und so wurde aus Anlaß des Ablebens des Erbgrafen für sämtliche Ortschaften der Standesherrschaft(ehemalige Grafschaft) Schlitz ein- 14tägige Trauer angeordnet. Die Abhaltung öffentlicher Tanzlu st barkeiten und sonstiger LffentlicherLust- barkeiten wurde untersagt. Das ist doch eine Bevormundung der Bürger, wie sie nicht ärger zu denken ist. Was geht es die Einwohner der ehemaligen Grafschaft Schlitz an, ob ein Nachkomme des in den vormärzlichen Zeiten regierenden Grafen gestorben ist? Wir fiud doch wirklich in Deutschland mit Potentaten in so reicher Zahl gesegnet, daß man nicht noch künstlich neue schaffen braucht. Kleine Notizen. Motorbarkasse explodierte gestern im K i e l e r H a f e n der L u f t- nk. Das Fahrzeug sank sofort, doch wurde die Besatzung Auf einer Motorbarkasie des Panzerkreuzers Moltke" MsM drucktai gerettet. Bei dem Unfall wurde ein Maschinistenmaat schwer, doch nicht lebensgefährlich verletzt. Gestrandetes Schiff. Das Rettungsboot von Caistor bei N o r w i ch(England) rettete sieben deutsche Seeleute des Brigg- schonerö„Falke" aus Bremen, der mit einer Ladung Reis nach Darmouth bestimmt war. Das Schiff war auf den Sandbänken vor Aarmouth während dichten Nebel» gestrandet. Man glaubt, daß es vollständig wrack werden wird. Hauseinsturz in Düffeldorf. Bei dem Einsturz eines vierstöckigen Neubaues im Stadtteil Derendorf wurden sechs Arbeiter unter den Trümmern begraben. Sie wurden sämtlich von der Feuer» wehr schwerverletzt geborgen und ins Kranlenhans gebracht, wo ein Arbeiter kurz nach der Einlieferung starb, während ein anderer noch ohne Besinnung ist. Marktbericht von Berlin am 1«. Januar 1912, nach Ermitteluna des königl. Polizeipräsidium«. Markthgilenpreise.(KlejnhanMz 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36,00—50,00. Spei ebohnen weiß«, 40.00—60.00. Linsen 40,00—80,00. Kartofseln 8,00—13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60-8,40. Rindfleisch, Z bis 1,80 Schweinefleisch 1,30-1,80. Kalbfleisch 1,60-2,50. 1,20—2,30. Putter 2,60-3,20. 60 Stück Eier 8,80—6,40. Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1,60—3,60. Heck Barsche 1,00-2,00. Schlei» 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40. 3,00—24,—. 1,20 Hammelfleisch 1 Kilogramm tc 1,20—2,60, Stuck Krebse Todes-Anzeigen|| bOzialiiemoMeberWaiilvereiii Schöneberg. Bezirk S. Am Dienstag, den S. d. M„ verstarb nach kurzem Kranken- lager unser« lanaiährige, tätige bezirktsührerin, Genossin grau Hedwig Lopszat IN Alter von 53 Jahren. Ehre ihrem Andenken l Die Beerdigung findet am -onnabend, den 13, Januar. achmittagS 3 Uhr, von der eichenhalle deS 2. städtischen (riedhoseS(Blanke Hölle) au» Um rege Belciligung ersucht 5/3 Ter Borstand. Treffpunkt für Mitglieder des iesangoereinS Punkt 2'/, Uhr eim Gastwirt Fintel Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher usw. Filiale Berlin. Unseren Kollegen zur Nachricht, daß der Kollege I�ickard Krakau am S, Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet heute Freitag, den 12. Januar, nachmittags'1,3 Uhr, von der Halle des Emmaus-KirchhofeS aus statt. 128/3 Oiv Ortsverwaltung. Deutscher letaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß iser Mitglied, der Schloffer Paul Lcirrüder i 9. Januar gestorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen mnabend, den 13. Januar, chmiitag» 2'/, Uhr, von der chenhallc des Gemeindc-Fried- >es in Rixdorf, Mariendorser ig, aus statt. 110/8 liege Beteiligung erwartet Tie OrtSverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verbaul Bezirktverwaltung GroS-Btrlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Droschken- sichrer Heinrich Prigand am 8. d. Mts. im Alter von 61 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Zlndenke« k Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. Januar, nach- mittags 3'/, Ubr, von der Leichenhalle de« Friedhose» in Ahrensselde au» statt. Sl/b Um rege vetelligung ersucht Die Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die hielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- wenden bei dem Hwscheioen meines lieben Manne» kWettrlctt Muller sag« ich allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank. 2445b Die trauernde Witwe Maria MDIIer. Kranken-VnwstötznngS' u. Kegräbniskasse der Leber- inrichter Kerlins.<«. h Nr. 50.) General-Versammlung am Tonntag, Sl. Januar, vorm. 9ll, Uhr, im Grworkschaitohause, Enaelnser 15, Saal 11. Tagesordnung: 1. Kaffenbericht sür das Jahr 1911. 2. Bericht der Revisoren. 3. VorstandSwahl; a) Wahl de» ersten Vorstehers, b) des SchristsührerS. c) des Beisitzers, d) der sechs Ersatzmänner. 4. Geschäslliches. Ter Vorstand. 2440b I. A.: Gustav Busse. „Hoffnung; Berliner Schneiderei-Genossenschaft, E. 0. m. b. H. gegründet von organisierten Schneidergehilfen Berlins Berlin Jf. Verband der Sattler und , v.icteuiller, 0r,,S',unB Ten Kollegen hiermit zur Nach« richt, daß unser Mitglied, der Portescuiller Karl Zunk Werkstatt Tirschtiegel u. Kaiwach verstorben ist. Ktire seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Joanabcnb, den 13. Januar, nachmittags 2 Uhr, von der Leichendalle des Emmaus-Kirch- doses iw Rirdors. Hermann- firaße 129-137. aus statt. löS/l Oie Ortsverwaltung. TodeaanBelee. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn Paul Michaelis am Mittwoch, den 10. Januar, mittags 12 Uh. nach langem schweren Leiden. Alter von 8 Jahren saust entsch.,'en ist. Dies zeigen lieibetiübt an 5elix Michaelis und Frau. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. d. M., mittags 2 Uhr. vom Trauerhause, Jas- munderstraße 9, aus nach dem Friedhose der Freireligiösen Ge- meinde, Pappelallee, statt, Itanilnsg/aiizx. 24466 die liebevolle Teilnahme und eichen Kranzspenden bei der Zeerdigung meines lieben Mannes, un- leres guten Baters livre» lagen wir allen Freunden und Be- kannten, den Kollegen der Firma Vorflg, dem Ebarlotlenburger Wahl- verein, dem Verband der Maler, Locklerer usw. unseren herzlichsten Dank, Anna Korali aobst Sohn. Am JO. Januar verstarb plötzlich unser Kollege, der Jnftru« mentenmacher Johann Will. Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachmittags 3 Uhr, ans dem Zentralsriedhos in Friedrichs- selde statt. Die Kollegen der Pianofabrik Gast u. Co. Arbeiter- Radfabrer- Runii Solidarilät. Ortsgruppe Berlin. Tonren Sonntag, den 14. Januar: 2. Abt.: 2 Uhr: Streiszüge durch den Grunewald(Endziel Zehlendors- Miel). 3. Abt.; I Uhr: Lankwitz.(Ebel). 4. Abt.: Befichtlgimg deS Eiienbahn- MuieumS. Treffpunkt: 12 Uhr. MuseumSportal. 10/4 5. Abt.:!>/, Uhr: Gr.'Lichterselde (Richter). 6. Abt.: VI, Uhr: Wilhelmsaue (Gesellschaslshaus). 7. und 8. Abt.: 2 Uhr: Glienicke an der Nordbahn(Altermann). Start an den bekannten Stellen. Total-Ansverkauf meines seit 23 Jahren bestehenden Eilklilliareugtschästs. Sämtliche Waren, besonders Werkzeuge-4�. — äußerst billig— Ww. C, Barlnick, KotwuiSrOamm 6. Danksagung. Für die innige Anteilnahme bei brr Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Genoffen und Le- kannten, sowie dem Arbeiter-Radsahr- verein Groß-Berlin. dem Zitherklub Zillertal, den Kollegen der Firma Bollmar u. Hanke, den Genossen von Treptow, den Mitgliedern von .Solidarilät- meinen besten Tank. Vlldelll Vogei Ä Klilinen- und örinnliindertl von Koben Meyer,' not Mlmonnku-5lraßt 2. V il) V E \l/ w vi/ VI/ VI/ VI/ VI/ qc| kein Laden' i Tel.: A.III, 5157?. kaufen. Verkauf nnr im Fabrikgebttnde— nm* eigenes Fabrikat.— Aul Wunsch Teilzahlung. 35 WW Permanente Musterzimmer-Ausstellung. 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Rippespeer pfd. 75 b 90 w. * Starke Hasen gestreift. stet. 3.00 * Hirsch und Wildschwein Fleischwaren Rotwurst.......... Pfund 45, 70 Pf. Jagdwurst............ Pfund 90 Pf. Landleberwurst........ Pfund 85 Pf. Feine Leberwurst...... Pfund 95 pf. Pastetenleberwurst..... Pfund 1.00 BaUeramettWUrst m. Knoblauch. Pfd. 1.00 Teewurst.............. Pfund 1.10 KaKao Deutscher Kakao...... Pfund 68 Pf. Deutscher Kakao...... Pfund 90 pt. Holländischer Kakao.. Pfund 1.50 HoUändischer Kakao.. Pfund 2.00 Haushalt-Schokolade.., Pfund 68 Pf. Haushalt-Schokolade... Pfund 78 pf. Gebrannter Kaffee Zervelatwurst Salamiwurst.. . Pfd. 1.10 . Pfd. 1.10 Brannschw. Zervelatwurst d�Tid. 130 Schinkenspeck�pK,'�1!".?0'.' pu' 90 Pf. Mausschinken";2.,/r!3.P!uH'pfei I IS Rollschinken M;6r8.Pfu.nd.�Tfund 120 Landschinken 120 Tee IV Souchong-Melange _ i ii m__ Pfd. 1.90 2.30 2.80 3.40 4.20 Kongo-Melange... pfd. 2.60, 4.20 Ceylon-Tee............. Pfd. 3.40 Pecco-Melange......... Pfd. 4.80 Grustee................ pfd. 1.50 Mischung III Pfund 1.50 IV 1.60 1.70 Spezialmischung l5*,0Sm.hi*."n. Q Ä BohnenKaffee und 50% Kaffee-Ersatz. Pfd. * Fische Pfd. 13 Pf. pfd. 10 pf. Rolzungen...... Schellfische...... Grüne Heringe..... 2 pfd. 10 pf. Grosse Schollen..... p«. 15 pf. Seeiachs in ganzen Fischen, Pfd. 10 Pf. KabeljaU in ganzen Fischen, Pfd. 1 1 Pf. Lachs in ganzen Fischen.. Pfd. 28 Pf. Lebende Schleie____ pfd. 86 pf. Lebende Hechte.. pfd. 70, 93 pf. Lebende Plötzen____ m. 30 pf. Lebende Karpfen. pfd. 65, 85 pf. Puten........ pfd. 53, 75 Pf. Fasanen.. stck. 1.00, 1.25, 1.75 Suppenhühner____ 1.50 bis 2.75 Gänsepökelileisch Rüeenwaldcr Pfd. 55 pf. Gänsebrust pfd. 9 O,1�' 85, 95 pf. Nur noch 9 Tage! Inventur-Verkauf zu außerordentlich billigen Preisen ein großer Posten aus guten u. haltbaren Stoffen gefertigte Nur noch 9 Tage! 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Prenzlan-Angermünde: Expedient Richard Hackelbnsch, Berlin. Ober-Barnim: Stadtv. Bernhard BrunS, Beplin. Potsdam-Osthavelland: Landtagsabgeordneter und Stadt- verordneter Dr. Karl Liebknecht, Berlin. Brandenburg« Westhavelland: Schriftsteller Heinrich Pens, Dessau. Zauch-Belzig: Stadtv. Ferdinand Ewald, Berlin. Arnswalde-Friedeberg: Arbeiterfekretär Enge« Brückner, Berlin. Landsberg-Soldin: Buchhändler Wilh. Pätzel, Rixdorf Berlin. Königsberg-Nevmark: Parteisekretär Richard Schmidt, Berlin. Frankfurt-Lebns: Stadtverordneter Dr. Hermann Wehl, Berlin. Ost- und Wcst-Sternberg: GewerkschastSangestellter Wil Helm Schüning, Lichtenberg. Züllichau- Krossen: Stadtverordneter OSwald Grauer, Lichtenberg-Berlin. Guben-Lubben: Gewerkschastsangest. Franz Kotzke, Berlin. Sorau-Forst: GewerkschastSangestellter Oswald Schumann, Mahlsdorf-Berlin. Kottbus-Spremberg: Arbeiterfekretär Karl Giebel, Nieder Schönhausen-Berlin. Kalan-Lnckau: Parteisekretär Otto Wels, Berlin. Zur Wahlhilfe finden sich die Genossen möglichst frühzeitig in den Lokalen ein, von denen aus die Wahlarbest für den Bezirk geleistet wird. Diejenigen Genossen, die sich nicht zur Uebernahme bestimmter Funktionen am Wahltage bereit erklärt haben, können sich in den unten verzeichneten Wahlbureaus der Kreise melden. Besonderer Wert wird darauf gelegt, daß sich von mittags ab zahlreiche Hilfskräfte zur Besorgung der Schlepparbeit zur Verfügung stellen. Die Wahlbureaus Die Reichstagswahl ist auf heute Freitag, den 12. Januar, festgesetzt. Die Wahlhand lung beginnt vormittag» IvUyr undwird nach mittags 7 Uhr pünktlich geschlossen. Wähler, die bis zu diesem Zeitpunkt ihre Stimme nicht abgegeben haben. oürsen nicht mehr wählen. Der Wahlvorsteher kann von den erscheinenden Wählern die Vorlegung einer Legitimetio« verlangen. ES möge sich deshalb jeder, der fein Wahlrecht ausübt, mit entsprechender Legitimation versehen(Militär Papiere, Steuerzettel. Mietökontrakt u. dergl.). Die Wahl selbst ist g e b e t m. Nach§ 15 deS Wahl reglements vom 28. April 1803 hat jeder Wähler seinen Stimmzettel in einem amtlichen Umschlage dem Wahlvorstande zu überreichen. DaS Hineinstecken deS Stimm zettelS in den Umschlag muß so geschehen, daß der Wähler dabei von dritten Personen nicht beobachtet werden kann. Zu diesem Zwecke wird in jedem Wahllokale ein Isolier räum(Wahlzelle) hergerichtet, in welchen sich jeder Wähler begeben muß. bevor er an den Wahltisch tritt. Die Aushändigung der Umschläge erfolgt einzeln am Eingange zu der Wahlzelle. Der Wahlvorsteher darf niemanden zur Stimmabgabe zulassen, welcher nicht vorher in der Wahlzelle gewesen ist. Damit die Wahlen einen ordnungsmäßigen Verlauf nehmen, hat der Magistrat folgende Ordnungsvorschristen erlassen: 1. Die zur Stimmabgabe erscheinenden Wähler nehmen einzeln hintereinander nach der Zeitfolge ihres Eintreffens Aufstellung und rücken so allmählich zu der Wahlzelle heran. Bei größerem Andränge ist es wünschenswert, daß da» hintere Ende dieser Wählerkette möglichst weit vor dem Eingange zum eigentlichen Wahlraume ge> bildet wird, damit ein Gedränge an dem Eingange ver mieden und denjenigen Wählern, welche ihre Sttmme bereits abgegeben haben, das Verlassen des WahlraumeS nicht erschwert wird. 2. Eine Ueberfüllung deS WahlraumeS. durch welche da» ordnungsmäßige Herantteten der Wähler zur Wahlzelle oder das Verlaffen des Lokals erschwert werden könnte, muß— insbesondere in der Zeit von 6—7 Uhr— der mieden werden. ES empfiehlt sich daher, daß im all gemeinen jeder Wähler, welcher seine Sttmme abgegeben at, den Wahlraum sogleich wieder verläßt, sofern nicht ausreichend Platz zu weiterem Aufenthalt vorhanden ist. Der Raum vor dem VorstandSttsche und den Wahlzellen muß auf alle Fälle steigehalten werden, damit der Wahlvorsteher die Wahlzellen übersehen kann. 3. Den im Interesse der Äufrechterhaltung der Ordnung vom Wahlvorsteher gegebenen Anordnungen ist unbedingt Folge zu leisten. Zur schnelleren Auffindung des Wählers in der Liste dient es, wenn derselbe zuerst seine Wohnung und dann den Namen nennt. Jeder Wähler, welcher eS ermögliche« kann, übe sein Wahlrecht i« de« Vormittagsstunden zwischen 16 und 12 Uhr aus. 6. Da nach Vorschrift des Wahlreglements die Abstimmung pünktlich nm 7 Uhr für geschlosie» zu erklären ist, auch wenn sich«och Wähler im Wahllokale befinden, welche ihre Sttmme noch nicht abgegeben haben, so wird dringend empfohlen, möglichst stühzeittg, spätesten» aber zwischen 6 und'/,7 Uhr im Wahllokale zu erscheinen. Wir haben das Verstauen zu den Wählern, daß sie diese Ordnungsvorschnften auf das genaueste befolgen und solche Personen, welche etwa aus Unkenntnis hiergegen verstoßen, auf den-Inhalt dieser Vorschriften aufmerksam machen. » Veränderung eines Wahllokals im zweiten Kreise. Für den Wahlbezirk 40 ist das Wahllokal.Lützow-Ufer 15/16, nicht Lützowstt. 16/16. 4. o. am Tage der Wahl befinden sich: Erster KreiS. . KreiS-Bureau. Weihnacht, Grünstr. 21, Tel. Amt Zenstum 1787. Abteilungs-BurcauS. Abt. 1. Breitzke, Klostersst. 46, Tel. Amt Zentrum 235. Abt. 2. Schwedler, An der Fischerbrücke 16, Tel. Zentrum 525. Abt. 3. Dorn, Mittelstr. 39, Tel. Amt Zentrum 10157. Abt. 4. Jepp, Mohrenstr. 33, Tel. Amt Zentrum 3764(Neben- anschluß). Abt. 5. Bartusch, Kanonierstr. 9. Tel. Amt Zentrum 1175. Abt. 6. Behrendt, Klopstockstr. 23, Tel. Amt Moabit 8371. Zweiter Kreis- Kreis-Bureau. Almenröder, Gneisenaustr. 71, Tel. Amt Moritzpl. 9130. Abteilungs-Burcaus. Abt. 1. Rickert, Steinmetzstr. 36a, Tel. Amt Lützow 6726. Abt. 2. Orlowski, Lützowstr. 107/108, Tel. Amt Kurfürst 16 681. Abt. 3. Lorenz, Schützenstr. 33, Tel. Amt Zentrum 1283. Abt. 4. Ohnesorge, Markgrafenstr. 102, Tel. Amt Moritzpl. 4777(Nebenanschluß)... Abt. 8. Noz6k, Yorkstr. 74. Tel. Amt Lützow 610� Abt. 6. Thomsen, Gneisenaustr. 30, Tel. Amt Moritzpl. 1408. Abt. 7 und 8. Talichow, Boeckhstr. 7, Tel. Amt Moritzpl. 11894 Dritter Kreis. Kreis-Bureau. FelSmann, Rittersst. 1, Tel. Amt Moritzpl. 8848. AbteilungS-BureauS. Abt. 1. Pfeffer, Kottbuser Ufer 61, Tel. Amt Moritzpl. 10019. (Nebenanschluß.) Mi. 2. Ottmann, Buckower Str. 1, Tel. Amt Moritzpl. 3579. Abt. 3. Sebastian. Alte Jakobstr. 7, Tel. Amt Moritzpl. 1912. Abt. 4. Hubrich, Ritterstr. 33. Tel. Amt Moritzpl. 11856. Abt. 5. Maus, Stallschreiberstr. 6, Tel. Amt Moritzpl. 12 777. Abt. 6. Hennig, Alexandrinenstr. 44, Tel. Amt Moritzpl. 11 668. Abt. 7. Primus, Stallschreiberstr. 8a, Tel.Amt Moritzpl. 12148. Abt. 8. Simon, Michaelkirchplatz 13, Tel. Amt Moritzpl. 12352. Abt. 9. Abendrot, Adalbertstr. 61, Tel. Amt Moritzpl. 1824. Abt. 10. Lohan, Neue Jakobsst. 26. Tel. Amt Moritzpl. 2760. Vierter Zkreis. Kreis-Bureau. P. Hoffmanv, Königsberger Str. 28, Tel. Amt Königst. 6192. Abteilungs-Bureaus. Abt. 1. Mix, Skalitzer Str. 59. Tel. Amt Moritzpl. 10383. Abt. 2. Beiersdorf, Elbinger Str. 8, Tel. Amt Königst. 6343. Abt. 3. Merkowski, Andreasstr. 26, Tel. Amt Königst. 945. Abt. 4. Zieh, Warschauer Str. 61. Tel. Anit Königst. 3327. Abt. 5. Paetzold, Rigaer Str. 97, Tel. Amt Königst. 854. Fünfter Kreis. Kreis-Bureau. Zenttalwahlbureau, Linienstr. 199a, I., Tel. Amt Norden 4632. Abteilungs-Bureaus. Abt. 1a. Winzer, Christburger Str. 9, Tel. Amt Königst. 1269. Abt. Id. Lindstädt, Naugarder Str. 14, Tel. Amt Königst. 11 076. Abt. 1. Rausch, Winsstr. 12, Tel. Amt Königst. 11 888. Abt. 2. Bösel, Lietzmannstr. 1, Ecke Neue Königsstaße, Tel. Amt Königst. 10 882. Abt. 3. Sengespcick, Keibelstr. 39, Tel. Amt Königst. 4171. Abt. 4. Hahn, Rosenthaler Str. 57. Tel. Amt Norden 7332. Abt. 5. Hummel, Sophienstr. 5, Tel. Amt Norden 1966. Abt. 6. Grubert, Elsasser Str. 68, Tel. Amt Norden 4049. Abt. 7. Kürbis, Luisenstr. 26, Tel. Amt Norden 1040. - Sechster KreiS. Kreis-Bureau. Zentralwahlbureau, Neue Hochstr. 23, L, Tel. Amt Norden 2137. Abteilungs-Bureaus. Abt. 1. Göbel, Schönhauser Allee 178, Tel. Amt Norden 1910. Abt. 2. Loppcr, Zionskirchstr. 11, Tel. Amt Norden 10022. Abt. 3. Grunze, Schönhauser Allee 156, Tel. Amt Norden 1139. Abt. 4. Dobrohlaw, Schliemannstr. 39, Tel. Amt Norden 2187. Abt. 5. Precht, Wichertstr. 3. Tel. Amt Norden 1035. Abt. 6. Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Tel. Amt Norden 2018. Abt. 7. Sstack, Schönhauser Allee 56, Tel. Amt Norden 238. Abt. 8. Hoffmann, Swinemünder Str. 47, Tel. Amt Norden 124. Abt. 9. Henckel, Stralsunder Str. 17, Tel. Amt Norden 8353. Abt. 10. Michaelis, Jasmunder Str. 9, Tel. Amt Norden 9726. Abt. 11. Wald. Pflugstr. 5, Tel. Amt Norden 2271. Abt. 12—15. Paersch, Oldenburger Str. 10, Tel. Amt Moabit 1899. Abt.16. Eugler, Tegeler Sst. 23, Tel. Amt Moabit 7799. Abt. 17. Melzer, Wiesenstr. 29, Tel. Amt Moabit 1238. Abt. 18. Bahr, Badstr. 44. Tel. Amt Moabit 2448. Abt. 19. Fritsch, Drontheimer Sst. 4, Tel. Amt Moabit 1823. Abt. 20. Glawe, Licbenwalder Str. 4, Tel. Amt Moabit 1514. Abt. 21. Kant, Bkiisseler Str. 9, Tel. Amt Moabit 1516. Abt. 22. Tausche!, Kameruner Str. 54, Tel. Amt Moabit 7318. Zentrale für Radfahrer. Obiglo, Schwedter Sst. 23/24, Tel. Amt Norden 33. Teltow-Beeökow-Storkow-Charlottenbnrg. Kreis-Bureau. Wahlvereins-Bureau, Charlottenburg. Rosinensst. 8. Tel. Amt Charlottenburg 4606._...' Orts-Bureaus. Adlershof, Kaiser Wilhelm-Garten, Kaiser Mlhelmstr. 29, Tel. 43. Britz, Gips, Hannemannsstaße, Tel. Amt Rixdorf 9526. Charlottcnburg, Volkhaus, Rosinenstr. 3, Unterer Saal. Copcnick, Gust. Müller, Alter Markt, Tel. 282. Friedenau, Mechelke, Handjerystr. 60/61, Tel. Amt Pfalz- bürg 691. Groß-Lichterseldc, Fritz Wahrendorf, Groß-Lichterselde-West, Bäkestr. 22, Tel. 609. Grünau, Nitze, Grünauerstraße. Johannisthal, Artner, Kaiser Wilhelmsst. 48, Tel. Amt Ober» Schöneweide 273. Königs-Wusterhauscn, Altes Schützenhaus, b. Ww. Wedhorn. Lichtenrade, Rest. Bützmann, Tel. Amt Tempelhof 187. Marienfelde, Schuster, Kirchstr. 68, Tel. Amt Tempelhof 242. Nowawcs, Gruhl, Priesterstr. 69, Tel. 50. Rixdorf, Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49, Tel. Amt Rixdorf 1015. Schmargendorf, Bartels. Warnemünder Sst. 6. Schöneberg, Kupsch, Meininger Str. 8, Tel. Amt Lützow 6713. Steglitz, Jeckel, Körnersst. 4, Ecke Althofstraße. Tel. Amt Steglitz 680. Teltow, Bonow, Berliner Str. 16, Tel. 44. Tcmpelhof, Wilhelmsgarten, Berliner Str. 9, Tel. Amt Tempelhof 3079. Trebbin, Schützenhaus, W. Fromm, Berliner Straße. Wilmersdorf, Schilling, Lauenburger Str. 20, Tel. Amt Pfalzburg 1120. Zehlendorf, Benno Mikley, Potsdamer Str. 25, Tel. 1138. Zossen, P. Kurzner, Baruther Str. 10. Niederbarnim. Kreis- Bureau: Wilhelm Schulz, Lichtenberg, Kronprinzenstr. 47, Tel.-Amt Königst. 851. Orts- Bureaus: Bernau, Richard Wünsche, Gewerkschaftslokal, Tel. Bentau 6. Borsigwalde, Schulze, Schubertstr. 39, Tel. Tegel 309. Bruchmühle, Ernst Kutzner, Bruchmühle, Tel. Alt-Lands- berg 9. Erkner-Woltersdorf, Degebrodt, Friedrichstr. 75, Tel. Erkner, Deutsche Bierbrauerei. Französisch-Buchholz, Rossack. Hauptstr. 71. Tel. Pankow 233. Friedrichsfelde, Haberland, Wilhelmsst. 38, Tel. Lichten» berg 112. Fricdrichshagen,..Sängerhalle", Friedrichsst. 61, Tel. Fried- richshagen 138. Friedrichsthal, Willy Frost, Tel. Oranienburg 164. Hcrzfeldc, Henze(Jnh. Jabs). Hauptstr. 57. Hohcn-Schönhauscn, Fritz Reyher, Berliner Str. 93, Tel. Lichtenberg 181. Karlshorst,„Fürstenhaus", Treskowallee 93, Tel. Ober- Schöneweide 34. Kaulsdori, Hamanns GesellschafiShauS, Frankfurter Chaussee. Tel. Lichtenberg 251. Lichtenberg, Pickenhagen, Scharnwebersst. 60, Tel. König» stadt 10 203. Mahlsdorf, Eckler, Grunowstr. 69/70, Tel. Friedrich»- Hägen 288. leuenha-un, Zwortmann, Bahnhofftr. 27, Tel. Neuenhagen 5. Nieder-Schönhausen, Rest. Müller, Kaiser-Wilhelm-Str. 10, Tel. Pankow 283. Ober-Schöneweide, Imberg, Willielmincnhofstr. 34, Tel. Ober-Schöneweide 983. Oranienburg, Großmann, Mühlensst. 81. Tel. Oranien- bürg 357. Pankow, Ebersbach. Berliner Str. 102, Tel. Pankow 285. Petershagen, Otto Appel, Tel. Neuenhagen 15. Reinickendorf-Ost, Freydank, Marktsst. 7, Tel. Reinicken» dorf 113. Rcinickendorf-West, Hall mann, Scharnwebersst. 54, Tel. Reinickendorf 145. Rummelsburg, Blume, Alt-Boxhagen 56, Tel. Königst. 504. Schöneiche, Waldschloß Schöneiche, Tel. Friedrichshagen 65. Stralau, Schopps, Alt-Stralau 17. Tel. Königst. 10 964. Tegel, Sorrer, Schlieperstr. 80, Tel. Tegel 112. WaidmannSlust,„Forsthaus" in Hermsdorf. Tel. Tegel 130. Weißens«, Gust. Peukert, Berliner Allee 251, Tel. Weißen» see 223. Wilhelmsruh, Milbrodt, Walderseestr. 5, Tel. Reinickendorf 3352. Petersburger Viertel, I. Pätzold, Rigaerstr. 95, Tel. König- stadt 854._ Die Verkiittduttg der Wahlresultate erfolgt heute abend in zahlreichen Versammlungen in Berlin und Vororten, die im Inseratenteile bekannt gegeben sind. Es ist durch einen besonders zu diesem Zwecke organi- ierten Radfahrerdienst dafür Sorge getragen, daß die aus der Provinz und dem Reiche einlaufenden Wahl- resultate so schnell wie möglich nach den einzelnen Ver- ännnlungen befördert werden. Das„Vorwärts"gebäude ist an diesem Abend für den größeren Verkehr geschlossen; Sprech- tunden werden nicht abgehalten. Tclephonische Auskünfte über die Resultate der Wahl können am Freitagabend von der Redaktion des„Vorwärts" nicht erteilt werden. Wir bitten deshalb, solche Anfragen zu unterlassen und sich in die Versammlungen zu begeben. Die Genossen werden ersucht, sich jeder Demonstration zu enthalten._ filahlbewegung in Groß-ßeriin. Ter sozialdemokratische Stimmzettel. wird von all den ,.V o l k s f r e u n d e n", die in den letzten Monaten und Wochen in Wählerversammlungen und Wahl- flugblättern den„kleinen Mann" umsöKneichelt haben, am heutigen Wahltag gefürchtet, wie nur ein Missetäter die verdiente Strafe fürchten kann. Konservative, Zentrumsmänner, Libe rale— und was sonst noch an bürgerlichen Parteien vor Händen ist— sie alle haben um die Stimmen der kleinen Gewerbetreibenden, der unteren Beamten der A r b e i t e r geworben und gebettelt und mit aufgehobenen Händen sie angefleht, doch ja nicht in ihrer Unzufrieden� h e i t am Wahltag sozialdemokratisch zu wählen Auch die Liberalen, die unter der neuen Firma einer„Fort schrittlichen Volkspartci" etwas bessere Geschäfte zu machen gehofft hatten, sind trotz aller zur Schau getragenen„Sieges Zuversicht" doch völlig beherrscht von dieser Furcht vor dem sozialdemokratischen Stimmzettel. Sie wissen, daß auch sie nach ihrer Tätigkeit im verflossenen Reichstag so manches au" dem Kerbholz haben, worüber heute Abrechnung gehalten werden soll. Jm fünftenWahlkreis Berlins wo dem Kandidaten der Sozialdemokratie, Genossen Robert Schmidt, die Liberalen ausgerechnet einen der schlimmsten Arbeiterfeinde, den Malerinnungs-Obermeister R e t t i g, als Kandidaten der„Fortschrittlichen Volkspartei" entgegengestellt haben, beschwor am Miti woch in einer Versammlung liberaler Wähler der Referent, Herr Rosenow seine eigenen Parteifreunde, nicht etwa„aus Verärgerung einen sozialdemokratischen Stimmzettel abzugeben". Daß Rettig und Rosenow jederzeit eifrig die Interessen des Unternehmertums zu fördern gesucht und im Stadtparlament Berlins oft genug dieliberale„Volksfreundlichkeit" gründlich bloßgestellt haben, ist noch unvergessen, wenn auch beide inzwischen aus dem Rathaus hinausgewählt worden sind. In der Wählerversammlung las Herr Rettig eine„Rede" vor, die glaubhaft machen sollte, daß er immer ein„Freund" des kleinen Mannes, im besonderen des Arbeiters, gewesen sei. Der melancholische Tonfall seiner Vorlesung ließ darauf schließen, daß er selber sich von diesen Beteuerungen wie von der ganzen Wahlagitation der Berliner Liberalen keine be sondere Wirkung mehr versprach. Den ahnungsvollen Durch- fallskandidaten schreckten wohl die sozialdemokratischen Stimmzettel, deren Rauschen er bereits zu hören geglaubt haben wird. Möchten sie heute, am Tage der Wahl und der Vergeltung� allüberall die Wahlurne bis zum Rande füllen I •• • Der Zentralverband der Handlungsgehilfen veranstaltete am Mittwoch eine öffentliche Versammlung in Dräsels Saal. � Es galt, auch in den letzten Stadien der Wahlbewegung den Angestellten in Handel und Industrie zu zeigen, welche Interessen für sie bei dieser Wahl auf dem Spiele stehen und wo ihr Platz im Wahlkampf sein mutz. Der Referent, Rechtsanwalt Dr. Roth, beleuchtete das Sündenregister des verflossenen Reichstages und rief die Ver- sammelten auf zum Kampf gegen die Reaktion nicht nur durch Abgabe sozialdemokratischer Stimmen, sondern auch durchs Mit- arbeit in den Reihen der Sozialdemokratie.— Der zweite Referent, Martin Meyer, begründete die sozialen Forderungen der Hand- lungsgehilfen und Privatangestelltcn und kam zu dem Schlutz, datz sie, wenn sie ihre wirtschaftlichen Interessen als Angestellte und ihre politischen Rechte als Staatsbürger gewahrt wissen wollen, keine der bürgerlichen Parteien unterstützen können, sondern ge- schlössen eintreten müssen für die Sozialdemokratie.— Den Schlutz der Kundgebung bildete eine Ansprache unseres Reichstagskandidaten Wilhelm Düwell, der den Angestellten klarmachte, daß es politischer Selbstmord wäre, wenn sie für den Freisinn stimmen würden, daß aber auch die Hoffnungen, welche sie etwa auf die Demokratische Vereinigung setzen sollten, nicht in Erfüllung gehen können, sondern datz sie gemeinsam mit den Arbeitern innerhalb der Sozialdemokratie gegen kapitalistische Ausbeutung und politische Unterdrückung kämpfen müssen.— Der lebhafte Beifall, der den Rednern zuteil wurde, zeugte dafür, datz die Anwesenden am Wahl- tage in diesem Sinne wirken werden. Der Zentralverband der Fleischer hielt am Mittwoch in Dräsels Saal eine Versammlung ab, um die Arbeitnehmer im Fleischer- gewerbe für die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten zu inter- essiercn. Die wahlberechtigten Fleischergesellen des ersten Wahl- kreiseS waren fast vollzählig erschienen. Unser Kandidat Düwell erläuterte in großen Zügen die Forderungen und Bestrebungen der Sozialdemokratie, der einzigen Partei, die im Kampf mit einer Welt von Feinden für die Unterdrückten und Ausgebeuteten ein« tritt.— Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat nahm der Vcrbandsvertreter Bergmann das Wort. Er ging besonders auf die Verhältnisse der Fleischergesellen ein. Er zeigte. daß sie nicht nur als Konsumenten, sondern auch als Arbeitnehmer unter der Zollpolitik des Reiches zu leiden haben, denn die Fleischer- meister, welche durch die Fleisch- und Viehzölle ihren Profit ge- schmälert sehen, suchen sich durch Lohnkürzungen und durch das Verlangen nach vermehrter Arbeitsleistung schadlos zu halten. Jetzt, wo es gilt, den Ansturm der unverschämten Lebensmittel- verteurer, der reaktionären Volksbedrücker zurückzuschlagen, darf kein Arbeiter in den Reihen der Sozialdemokratie fehlen. Alle müssen sie teilnehmen am Kampf und dem Kandidaten der So- zialdemokratie zum Siege verhelfen. �eUcw-BeesKow. Zu einer gewaltigen Kundgebung gestaltete sich am Mittwochabend die öffentliche Volksversammlung im Singerschen Saale zu N-wnwcs. Der langjährige, bewährte Vertreter des Wahlkreises, Genosse Fritz Z ub eil, war erschienen. um in letzter Stunde ein ernstes Mahnwort an seine Wähler zu richten. Der Andrang war geradezu unbeschreiblich! bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung war der Saal überfüllt� und unr den ununterbrochen zuströmenden Massen Platz zu schaffen, mutzte schließlich ein großer Teil der Tische und Stuhle entfernt werden. Und als die letzten Klänge des vom„Freien Männerchor" vorgetragenen Liedes verklungen waren, trat lautlose Stille ein. die nur ab und zu durch spontane BeifallSäutzerungen unterbrochen wurde. In etwa zweistündigem Vortrage gab Redner den An- wesenden ein treffendes Bild vom letzten Reichstage und zeigte an Vorgängen der jüngsten Zeit, was daS deutsche Volk an neuen Lasten und Maßregeln der Unterdrückung und Entrechtung zu gewärtigen hat, wenn eS nicht gelingt, die reaktiv- nären Parteien niederzuringen. Mit dem Wunsche, datz Nowawes auch bei der diesmaligen Wahl sich als Hochburg der Sozialdemo. kratie erweisen möge und dem Rufe an die Gegner:.Ihr bekämpft uns. Ihr bezwingt uns aber nicht; unser ist die Welt trotz alledeml' schloß er seinen mit stürmischem Beifall gelohnten Vortrag. In der Diskussion richteten die Genossinnen Rottstock und Bathe an die anwesenden Frauen den dringenden Appell, durch rege Anteil« nähme an der Wahlarbeit mit zum Siege des Genossen Zubeil beizutragen. Ein vom Genossen Lorenz verfaßtes und von ihm vor- getragenes Kampfgedicht:.Michel, heraus!" fand begeisterte Auf- nähme. Nach einem Schlntzgesang des„Freien Männerchors" wurde die imposante Versammlung geschloffen. ' Eharkottenburg.„In letzter Stunde" lautete das Thema der letzten hier staitgefundenen Versammlung. Schon lange vor 8 Uhr war der große Saal überfüllt; im unteren Saale wurde eine zweite, gleichfalls überfüllte Versammlung abgehalten. Die Aus- führungen der Referenten, der Genossen Vaake und Aug. Gebert fanden stürmischen Beifall. Zu Beginn und zum Schlutz trugen die Charlottenburger Arbeilersänger. die Liedertafel, einige Proletarier- lieber vor. Hoffen wir. daß die begeisterte Stimmung ein gutes Vorzeichen für die Wahl am Freitag ist. In Teltow sprach am Dienstag im Bonowschen Lokal vor einer starkbesuchten Versammlung Dr. Julius Moses, wofür ihm die Versammelten mit ungeteiitem Beifall dankten. JStedcrbarmm. „Wer muß in den Reichstag hinein?" lautete das Thema einer öffentlichen Wählerversainmlung, die am Dienstag im„Schloß Weißensee" stattfand. Der Kandidat des Kreises, Genosse Stadthagen, sprach vor reichlich 2500 Per fönen. Rauschender Beifall lohnte dem Redner für seine vortrcff- lichen Ausführungen. Die Kampfesstimmung wie auch die sichere Siegeszuversicht, am 12. Januar unseren Genossen Stadthagen wieder mit dem Reichtagsmandat zu betrauen, beherrschten alle An- wesenden. Mit einem Kampflied, vorgetragen von den Weißenseer Sängern, schloß die überaus imposante Versammlung. Reinickcndorf-West. Eine sehr gut besuchte Versammlung fand am Dienstagabend in den Eichbornsälen statt. Genosse M i r u s- Lichtenberg entledigte sich seiner Aufgabe, den Anwesenden noch ein» mal auf die am 12. Januar stattfindenden Reichstagswahlen hinzu weisen, unter dem häufigen Beifall seiner Zuhörer. Mit einem leb haften Appell an die Anwesenden, am Wahltage auf dem Posten zu sein, damit wir Zustände bekommen, wie sie eines Kulturvolkes würdig sind, schloß Redner seinen Vortrag. In der Diskussion sprach Genosse Kiesel, worauf nach einigen anfeuernden Worten des Vorsitzenden die Versammlung mit einem donnernden Hoch auf die Sozialdemokratie ihr Ende fand. Borfigwalde. In längeren Ausführungen besprach am Dienstag abend in den„Feftsälen" Genosse S p l i e d t die Tätigkeit der bürgerlichen Parteien im vergangenen Reichstage und unsere Stellung dazu. Zum Schluß appellierte er an das Pflichtgefühl der Wähler, nur dem Kandidaten des Volkes. Artur Sladthagen die Stimme zu geben. Der hiesige Gesangverein trug einige begeistert aufgenommene Kampflieder vor. Friedrichsfelde. JJn einer von zirka 400 Personen besuchten öffentlichen W Rsezeit........ Bhandlungen hatten als Resultat, daß der Honorarsatz pro A.t und Pro Revisionssitzung auf 30 M. erhöht und die Reise- koen im Betrer einiger Dachziegel aus dem Scheuuendacke «.„oem starken Stube Abzug zu verschaffen sucht, so ist dieses Ab- Hilfemittel dock zu schwach, um die üble Wirkung der Staub- rzeugung füriie Beteiligten aufzuheben. ES sollte ahin gewirkt werden, dag das Dreschen inner- alb gischlosseer Räume überhaupt als unstatthaft behandelt nird. Viese?beit sollte der Bauer, der einen genügend grogen ?of bestzt. imFreien vor sich gehen lassen. Wenn die Raum- erhältrsse d« Anwesens dies nicht gestatten, so soll hierfür n der lemeide ein passender Platz im Freien zur Verfügung estellt.'erde*, den alle benützen können, die sich der Maschine um D-schcn bedienen. Hiermit wäre gleichzeitig der Sicherheit n feupolizälicher Beziehung Rechnung getragen und einem rossen�eil ier Betriebsgefahr, die aus dem Gedränge der Ar- eitentr urd der Behinderung in der Bewegungsfreiheit in ngbestänkien geschlossenen Räumen hervorgeht, vorgebeugt." JmZerichte„Oberbahern" heißt eS: FsundheitSschädigungen der Versicherten sind in landwirt- 'chafchen Betrieben nur in geringem Umfange zu verzeichnen. wähnt sei hier die übermäßige Staubcntwickelung beim Nasncndreschen in solche» Tennen, welche nur auf der vor- dereSeite geöffnet werden können, an der Rückseite jedoch ge- schlcn sind. In solchen Fällen dürfte es sich empfahlen, in der nteren Stadelwand wenigstens eine Fensteröffnung anzu- brirn, damit durch de» entstehenden mäßigen Luftzug für den Sta eine Abzugsmöglichkeit geschaffen ist." Di« Bericht« lassen auch in diesem Jahre trotz ihrer Unzu- länglichkeit erkennen, mit welch ungeheuren Gefahren auch der landwirtschaftliche Betrieb den Kleinbauern und den Arbeiter be- droht und wie die im wesentlichen durch Großgrundbesitzer ver- walteten Berufsgenossenschaften die schmalen Rechte der Verun- glückten zu beeinträchtigen suchen. Die Gesamtzahl der Unfälle läßt sich aus den Berichten nicht erkennen. Erst der Wohl bald er- scheinende amtliche Bericht des Reichsversicherungsamts wird er- kennen lassen, ob in der Tat ein« erhebliche Senkung der Unfall- zahl eingetreten ist. Wir möchten das bezweifeln. Am 11. No- vcmber 1890 beklagte der deutsche Kaiser die ungeheure Zahl der Unfälle. Damals waren in den landwirtschaftlichen Betrieben 32 186 Unfälle angemeldet, 12 573, darunter 1877 Todesfälle, als Unfälle anerkannt. Das Reichsversicherungsamt unter Dr. Bö- diker erklärte 1894:„Die hohen Zahlen der Unfälle umfassen eine solche Fülle von Not und Elend, daß keine Anstrengungen gescheut werden dürfen, um für die Folge ein« Verminderung herbeizu- führen." Es entwarf wegen der Untätigkeit der BerufSgcnossen- schaften Unfallverhütungsvorschriften für die Landwirtschaft. Da- gegen liefen die konservativen und freikonservativen Vertreter der Großgrundbesitzer Sturm. Bödiker verließ seinen Posten. Seine Nachfolger bemühten sich um den Erlaß von Unfallver- hütungsvorschristen durch das ReichSvcrsicherungsamt nicht mehr. Lawinenhaft schwoll die Zahl der Unfälle in der Landwirtschaft an. Im Jahre 1909 betrug die Zahl der angemeldeten Unfälle in de:: den Berufsgenossenschaften unterstellten landwirtschaftlichen Betrieben 138 287, die Zahl der Verletzten, denen trotz der un- günstigeren Rechtsprechung Rente zuerkannt werden mußte, 61 240, darunter 2942 Todesfälle- Die Zahl dieser als verletzt aner. kannten Opfer auf dem Schlachtfeld landwirtschaftlicher Arbeit übersteigt die Zahl aller im deutsch-französischen Krieg auf deutscher Seite gefallenen oder verwundeten preußischen Offiziere. Was ist zur Verminderung dieser entsetzlich großen Zahl von Opfern gc- sch. hen? Alle auf Herabminderung- der Unfälle gerichteten An- träge der Sozialdemokraten wurden abgelehnt, ja, der letzte Reichs- tag setzte es durch, daß in der' Reichsversicherungsordnung dem Reichsversicherungsamt verboten wurde, anstelle der Berufs- genossenschaften Unfallverhütungsvorschriften zu erlassen! Und für das mit diesem Dokument abgrundtiefer Rücksichtslosigkeit gegen Menschenglück, Menschengesundheit und Menschenleben be- haftete Gesetz stimmten auch Liberale. Wie lange noch soll die politische Macht in den Händen der herrschenden Klasse bleiben, die das Reich zwingt, so massenhaften Unfällen gegenüber die Arme in den Schoß zu legen? Hus Induftrie und Handel Handelskammerweisheit und Wirklichkeit! Ueber die Teuerung der Lebensmittel macht der Jahresbericht der Berliner Handelskammer für 1911 folgende Ausführungen: Es liegt in der Natur der Sache, daß, wenn die Verbrauchs- gegenstände, die unentbehrlich sind, teurer werden, der Absatz der mehr entbehrlichen Waren von dem Vorgange mit berührt wird. Ebenso natürlich ist es, daß die Einwirkung verschieden ausfällt, je nachdem ei sich um kaufkräftige oder weniger bemittelte Schichten von Konsumenten handelt. Daß der kaufkräftige Teil der Bevölkerung in merklichem Umfange seine Nachfrage nach Luxusartikeln einschränkte, war im Berichtsjahr nicht zu beob- achten; indes darf angenommen werden, daß die Vorliebe für bessere Qualitäten, die— zum Nutzen des gesamten Geschäfts- Verkehrs— in den letzten Jahren sich fast überall bemerkbar ge- macht hatte, angesichts der höheren Kosten der Lebenshaltung eine Abschwächung erfahren hat. Der analoge Vorgang— Abstieg von der besseren Ware zur billigeren Sorte, Bevorzugung des Surrogats an Stelle der echten Ware— trat stärker in den Gc- pflogenheiten der breiten Masse der Konsumenten hervor, und hier auch war die schärfere Form der Einwirkung der Teuerung, die quantitative Einschränkung der Nachfrage, für manche Ge- werbe fühlbar. In erster Linie traf dies für Zw«'« deS Textil- gewerbes zu. Während die Konfektions- und Wäschegeschäfte, soweit deren Kundschaft sich aus den bemittelten Volksklassen re- krutiert, über geringen Absatz nicht zu klagen hatten, nahm der Verkauf, soweit er sich auf Massenartikel richtete, im letzten Halb- jähr, als die Preise der Lebensmittel in die Höbe schnellten, einen recht schleppenden Verlauf. In anderen Branchen ging eS ähnlich zu, wir nennen den Kolonialwarcnhandel, das Geschäft in Eisen-, Kurzwaren, den Möbelhandel, das Geschäft in Schuhwaren uiw.; überall waren die Spuren der Lebensmittelteuerung zu verfolgen. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß die Umsätze fast de? gesamten Detailhandels von der Lcbensteuerung ungünstig beeinflußt wurden. Die Handelskammer hätte ergänzend und aufklärend hinzu- fügen müssen: Unbestreitbar ist die Tatsache, daß alle bürgerlichen Parteien Anhänger der Lebensmittel- und Verkehrssteuern sind. Unbestreitbar weiter, daß Freisinnige ebensogut wie Nationallibcralc für die Tabak-, Bier-, Kaffee-, Tee-, Kakao- und Leuchtmittelsteucr der ReickMfinanzvorlage eintraten! Diese Steuern öffneten all- mählich nun auch vielen Handwerkern und Kleingewerbetreibenden die Augen. Einmal, indem ihnen die direkte Wirkung der Ver- teucrungSpolitik reckt handgreiflich fühlbar wurde, und sie weiter nun auch die indirekten Wirkungen der bewährten Wirtschaftspolitik erkennen. Bisher ließen sie sich von den hochschutzzöllnerischen Agrariern und industriellen Kartellbrüdern vorgaukeln, die von den Arbeitern durchgesetzten Lohnerhöhungen seien die Ursache der Teuerung und der wirtschaftlich schlechten Lage der Handwerker und Kleingewerbetreibenden. Nun wird diesen klar, daß die Vertcue- rungspolitik ihrer„guten Freunde", denen sie bisher die politischen Steigbügel hielten, die Lohnerhöhungen notwendig machten, daß eS ihnen ohne diese noch viel schlechter ergehen würde. Ohne Lohn- erhöhungen müßten die Arbeiter den Konsum von Bekleidungs- artikeln und Gebrauchsgegenständen aller Art erheblich einschränken. Den Schaden davon hätten vornehmlich die Kleingewerbetreibenden, Handwerker und der Kaufmann. Die verhaßten Lohnsteigerungen treffen natürlich auch die hochschutzzöllnerische Großindustrie— Mon- tangewcrbe. Eisen- und Stahlherstellung, chemische Industrien usw.—, deren Erzeugnisse die Arbeiterschaft wenig konsumiert! Die hier erzielten Lohnsteigerungen kommen daher neben der Textilindustrie den Kleinindustriellen und Handwerkern zugute, deren Produkte von der großen Masse konsumiert werden. In Wirklichkeit sind daher allgemeine Lohnstcigcrungen für den Mittelstand ein unbestreitbarer Vorteil; seine schlimmsten Feinde sind die Arbeiterknebler und Ver- tcuerungspolitiker. Aus diesem Grunde darf naturgemäß kein Kleingewerbetreibender einen Verteidiger der Lebensmittelsteuern wählen— also keinen bürgerlichen Kandidaten! So müßte die Handelskammer schreiben, aber die Börseaner dürfen nicht di« ganze Wahrheit sagen, sonst ohrfeigen sie sich selbst. STRASSE Peiiag und onnabend ALEXANDERPLATZ Lebensrnittel FRANKFURTER ALLEE Soweit Vorrfttl 10 Waddon Gemüse- und Fruchl-Konserwen JungeSchoten»1 40, 70, 85 p». Kaiserschoten.■/, o°.° 98 p« 1" Leipzig.Ällerleiv.oo.. 70, SSp«. Schoten u.Karotten'.D°» 70p« Kohlrabi.......•«. d«. 33, 48 Tomatenpüree 65 Bayr. Steinpilze o°-. I30 Pf. Pf Prima NlllMlM Himbeer und Johann!«- beer. Erdbeeren und Stachel beeren, gemlccht, Orangen, Stachelbeeren, Pflaumen, Himbeeren, Kirschen und Aprikosen Glas 60 Ptg. Karotten gaschnm«» oo»« 33 p«. Wirsingkohl.......°°.° 33p« Birnen............ 65»,. Pflaumen aass-Muw,,,. v, dom 48p«. Reineclauden.......* 78p Stachelbeeren...... d«. 70p«. Erdbeeren.......... d«. 90p Frisches Fleisch pfd geteilt Pf. Pf. SMne&Iiitt--. Schuelnesthlnken RaminRoteleft.......™ 75 idHKlnehotelett so Pökel-Dlchbeln-55 Pökel-Kamm.««75». ROckenfett............ Bauch und Uesen... pf. pf Pf. pf. Leipziger Str Alexanderpl Rlnderkaniin n. Brust Querrippe..........«•« ftlmufelMn......->«75". RMruten............. 75". Sdimorflelsth 80,90" PSh.-Rlnderzunse™ 13° .............. Pfund 50 Pf. .............. Pfund 55 P«. 10« iMmmeliliinnuni....«■«. so«« snlbMeii.......... ss* Dicke Rippe........>>« 60" Knlbsknmin.........»« 80" Hamnielkeule«>->« 65». KaMeule.........««• l" liummefriltken......"- 70" Kollisrficken........->« f* Haminelkotelett...»*»"■ 50». Pökel Rinderbr.-« 95« Kotelettslück mit Schwarte.......... p«�-, 60 p«. Schinkenbein serUuch. nach Praser Art... Pfund 60 p«. Kassler und Kasslerrippchen....... p«und 75 p«. offenhielte poStisehe Versatinnlunp Verhflndung des Blaftlrefultats heute Freitag, den 12. Januar 1912, abends 8'/. Uhr, 1. Kreis. VrSsel» 7o»tsAe, Neue Frieörichftr. 35. s. Kreis. Soobbrsnerei» Tempelhofer Berg. Mema 7ssts2lö, Hasenheide 12/! 3. ZVissle» 7estsS!«» Dennewitzstr. 13. Zulins ZKeger, Oranienstr. 103. 3. Kreis. yeWerksodsftsdaus. Engelufer 15. Ilellvrs Reue?kttl»armonie. Köpenickerstr. 96/97 MlNos LestsAle. Sebastianstr. 39. Lutsensialitisokes Xonsartkau», Me Jakob- straße 37. Arminbsllon, Kommandantenstr. 58/59(gr.Saal). Aiilorsälo, Ritterstr. 75. Märkisodsr Admiralftr. 18c. Acklsrsbof. Wöllstein, BiSmarckstr. 24. Zsumsedulenwög. Speers Festsäle, Baum- schulenstraße 78. Iride. Schönberg, Rudower Str. 66— 67. Charlottenbnrg. In sämtlichen Räumen des Volkshauses, Rosinenstr. 3. 7rieckena«. Kaiser-Wilhelmgarten, Rheinstr. 65. LroA-Liobterfslck«. Wahrendorf, Bäkestr. 7. Zodannistdal. Beeler, Friedrichstr. 6. Üernan. Franz Salzmann. Basdorfer Straße. Sovsigwatde. Borsigwalder Festsäle, Spandauer Straße. Birkenwerder. GesellschastshauS Feuerstak, Hauptstraße. Lrkner->Noliersdorf. Degebrodts Gesellschasts- haus, Friedrichstr. 75. Tranz.'Snehhotz. Karl Kähne, Berliner Str. 93. Triedriehsfelde. Haberland, Wilhelmstr. 38. Triedriehshageu. Lerches Bürgersäle, Friedrichstraße 112. Reinersdorf. Restaurant Radöatz, Thiniusstr. 60. Rermsdorf.„Forsthaus", Auguste-Vittoriastraße. Roken-Lenönkausen. Fritz Reyher, Berliner Straße 93. m folgenden Lokalen: 4. Kreis. Reiiers 7esfsäle, Koppenstr. 29. Boekers QeseUschaJfshaus, Weberstr. 17. Borgmann, ilndreas-7estsäte, Andreasstr. 21. Brauerei THedriehshain, Am Friedrichshain 16—23(unterer Saal). Stgsium, Landsberger Allee 40/41. Sffiarkgrafensäle, Markgrafenöamm 34. Comeniussäle, Memeler Str. 67. Sraekendurg» Vor dem Schlesischen Tor. 7eLtsale Sudost, Waldemarstr. 75. Qraumanns 7estsäle, Naunynstr. 27. Söwenbrauerei, Frankfurter Allee 53. ZllukS, Manteuffelstraße 95. 5. Kreis. Brauerei Triedriekskain. Am Friedrichs- 'Hain 16—23(oberer Saal). Musikersale, Kaiser-Wilhelm-Str. 18 m. SopkiensAe, Sophienstr. 17-18. Teltow- Beeskow. Rönigs- Wnsterkausen. Altes Schützenhaus. Wwe. Wedhorn. Liekienrade. Restaurant Bützmann. am Bahnhof. Btariendorf. Grassel. Chausseestraße. Marienfelde. August Schuster, Kirchstr. 68. Rowatves. Deutsche Festsäle, Wilhelmstr. 43— 44. Rixdorf. Hohenstaufen-Festsäle, Kottbuser Damm. Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49. Karlsgarten, Karlsgartenstraße. Nieder-Barnim. Rarlskorst.„Fürstenbad". Prinz-Adalbert-Str. Ranisdorf. Hamanns GesellschastshauS(Jnh.: Knötschke). Liekienberg. Gebr. Arnhold, Franks. Chaussee 5. Maklsdori Ecklers Restaurant, Grunowstraße. Reuenhagen. Wortmann, Bahnhofstr. 27. Rieder- Schönkausen, Restaurant Liedemit, an der Kirche. dber-Sekdneweide.„Wilhelminenhof". Oranienburg. Waldhaus Sandhausen, Schützenstraße 34. Pankow. Ebersbach, Berliner Str. 102. Detershagen.„Zum alten Dessauer". Reiniekendorf-Ost.„Schützenhaus". Residenzstraße 1— 2. e« i« ed I 6. Kreis, Brauerei Rönigstadt, Schönhafer Allee 10. Dublmanns Theater, Schönharer Allee 147 Wla-SSle, Schönhauser Allee 13. Obiglos Testsäle, Schwedter Sr. 23-24.' Swinemünder GeseUsekaftskas, Swinemünder Str. 42. 8. Baase, Brunnenstr. 154.> Rastanienwäldeben, Badstr. 15-6. Trankes 7estsäie, Badstr. 19.<• Cranz' Testsäle, Kösliner Str. 8. Germania-Säle» Chausseestr. uo. Tunkes Gesellschaftsbaus, Triftstr. 61 Dkarus-Säte, Müllerstr. 142(2 Versammln i! Sachon, Müllerstr. 136./ Moabiter Qesellsekaftskans, Wiclefstr. �- Stadttkeater Moabit» Att-Moabit 47-49.! RUdorf. Feldschlößchen. Elsenstraße. Wolfs. Kirchhofstraße. Felsch, Knesebeckstraße.> Passage-Festsäle. Bergstr. 151— N.' Scköneberg. Neue Rathaussäle. Meininger ix Tempelkof. Wilhelmsgarten, Berliner Sd Treptow. Sport-Restaurant, Elsenstr. 115-1 Wilmersdorf. Gesellschaftshaus, Wilhelmsau Zeklendorf. Benno Mikley, Potsdamer St Zossen. P. Kurzner, Baruther Str. 10.' Reinickendorf- Vesl. Gördes Walöschlö Wald- Eichbornstraße-Ecke. Rummelsburg.„Cafe Bellevue", Haupts Scköncickc. Waldschloß Schöneiche(Jnh. Stralau.„Markgrafen-Säle". Markgrafend Tegel. Trapps Festsäle, Bahnhofstr. 1. Wcijicusee. Schloß Weißensee und bei haus. Uckermarkstr. 6—7. Wilhelmsruh. Milbrodts Restaurant. Prinzenstraße 2. Petersburger Viertel. Löwenbrauerei, 2 furter Allee 53— 55. Spandan- Ronueudamm. Dreier, Mär Steig 6. Parteigenossen und Genosfinnen! Erscheint alle in den Versammlunge«. Entha, Ench aber ans der Straße jeder Demonstration. � ____ Der Einbernfer: Ettgen Ernst, Liesenstr. 16.; Jeder vähle den durch seine Güte unerreicht dastehenden Kapitän- Kautabak Genoral- Vertrieb: Carl Bttoker, Berlin 0 27, Grüner Weg IIS. I Sie sollten sich elegant kleiden! Wir itflllen ca«ußflrg.wöhnlich billigen Pr.is.D.am V.rk.nC Posten eebrnnchtcr MnO- Herren- Anzüge,.nfiard.m Paletots, Ulster etc.. für jed« Fi.ur(aneh den itArkiteo H.rm, p.aseod,.m lager. Di.w Sacb.n.isd teil, in i.is.tn W.rk- .tett.a(«ach sal Seide) ge.rb.it«!. Frühster Aoscb.ffoDespr.i. bis 130.— Mh J.tct za /ol(tood.n atr. billigen Pr.ij.D,.ach mm, Iuk.tt4nzege,. 9— 14-19 M.«to. 1 Hwren Pal.toi. 7-12— 16 M. Heek AnzOpe...tZ-IS-aü.«»«. Horren-Uleter.12—16-20 IL et« G.h-Rock-AnzBßo. 16—22—27 IL.!&| H.rren.H.tfn 2-3 bis 6 IL ——— Einzelne Frsoks, Smoklngrs. Jackett««to.—— ▼orlelliBiiK ▼. elecaat. Prack»». desellselisftnaaaücea. I. Wand Haupt. Oxeiiut; Große Friiiltftriir StnBi n ammku*. cmisseestr. 89, m.em als einziges Wesen auf Gottes Erdboden ich Be- d wußte. Es blieb nichts übrig, als die Arbeit kopieren zu lassen; ing also hinunter und klingelte in meinem gewohnten eau an. „Kann ich heute dikfieren?" „Unmöglich." „Morgen?" „Unmöglich." „Ja, wann denn...?" „Vor drei Tagen nicht." Drei Tage aber war mir denn doch ein bißchen zu >ig: ich ging also kurzerhand in ein anderes Bureau. „Ja; aber vor drei Tagen nicht...* Mein Gott, denke ich, was haben sie denn alle mit einem- ?—„Vor drei Tagen nicht..." Und so ging es weiter. Maschine kaput— die Schreiberin krank— eine zur taufe— drei zur Beerdigung... Da stand ich nun wie der berühmte Ochs am Berge und ce nicht weiter. Ob der Ochs schließlich weitergefunden hat, weiß ich ; i ch jedenfalls fand weiter. Ganz einfach: ich nahm die w liberale Zeitung, guckte in die Annoncen unter„Ver- lstcs"— und siehe, ich war meiner Sorgen ledig. Schreib- itvil— Schreibarbeiten— Schreibarbeiten—: dreiviertel lten nur Schreibarbeiten. Und lauter holde Frauen- en. Lucie— Mucki— Zippi— Schmucki—. Gut. fischte mir die bequemste Adresse heraus, te das Annoncenblatt ein und fuhr, die.Prostitution" in Tasche, zur Potsdamer Straße. „Wohin?" fragt der Portier, als ich sein Guckfenster ere. „Zu Fräulein Hampel," sage ich. „Ja, man immer ruff.. sagt er grüßend,„immer „Wie meinen Sie?" frage ich. „Ick mecne bloß, se is da," sagt er und klappt sein slcrchen wieder zu. Ich steige langsam die Treppe hinan, noch immer im len beschäftigt niit diesem absonderlich familiären Portier. ner rufs immer ruff... so drastisch bin ich noch nids aufgefordert worden näherzutreten. Zwei Treppen links. Ich klingele. Tie Tür geht auf; ein feistes robustes Weib steht auf der Schwelle, trocknet sich die Arme an der Schürze und lächelt mich süßlich an. „Guten Tag. mein Herr..." Verbeugung. ,.'n Tag," sage ich.„Fräulein Hampel—?" „Ja, bitte sehr, mein Herr,, immer kommen se rein... immer nur rein... so, bitte auch recht schön..." Es riecht nach Zigaretten, nach billigem Parfüm, nach Puder... und nach etwas Dumpsem, Abstoßenden, Eklen, das ich vergebens zu bestimmen suche. Es ist völlig dunkel. „Also zu de Frieda wollen Se?" „Zu... Fräulein Hampel." „Nu ja, nu ja. das is se doch," sagt die Stimme, schon etwas gereizt. Dann watschell etwas den Gang entlang und donnert !» eine Tür. »Frieda i Besuch i.» � „Wie familiär," denke ich.„Besuch." „Man immer ruff." Seltsames Haus... Aber da geht auch schon am Ende des Ganges eine Tür auf und eine süße Stimme flötet ein leises„bitte..." „Haben Sie Zeit, Fräulein?" frage ich und mustere sie mit einigem Staunen. Ist denn das möglich? Mir scheint, sie hat nichts an sich, als diesen verschossenen herabfallenden Seidenwisch, der ihren Körper wie ein Spinnweb umliegt. „Zeit?" sagt sie und lächelt.„O... ich habe immer Zeit." Und wieder schmecke ich den schwülen Duft von Zigaretten und Puder. „Nehmen Sie doch Platz," sagt sie und sieht mir tief in die Augen.„Als wolle sie sich festsaugen," muß ich denken. Aber das alles sind ja Dummheiten. „Danke," sage ich mechanisch, indem ich mich setze.„Haben Sie Ihre Maschine hier?" Und wieder sieht sie mich an. „Maschine?" sagt sie. Sie lacht. „Ja, Sie machen doch Abschriften—?" „Abschriften... Abschriften..." In diesem Augenblick löst sich ganz zufällig der seidene Stoff und sinkt tief herab über ihre eine entblößte Schulter. „So, so," sage ich und erhebe mich.„Dann bin ich also an die falsche Adresse gekommen. Ich bitte vielmals—" Aber schon ist sie neben mir. „Bleiben Sie doch I" bittet sie..„Ach so bleiben Sie doch, bitte, bitte!" Und sie hat in diesem Augenblick nichts mehr von dem Gcmacht-Verführerischcn, sondern nur noch eine wilde, gehetzte Angst in allen Zügen.„Bleiben Sie doch— ach, bitte, bitte! Ich habe ja die Miete noch nicht... ich war krank... ich... Sie wird mich wieder schlagen... sie jagt mich ja auf die Straße..' — An diesem Nachmittag konnte ich nicht mehr dikfieren. Ich hörte immer von ferne den Angstruf eines gepeinigten Weibes, schmeckte den penetranten Geruch von Parfüm und Puder, hörte die gemeine Stimme eines unverschämten Portiers und sah ein feistes Gesicht in einem dunklen Türrahmen widev lich grinsen... -- Vor anderthalb Jahren schrieb ich an dieser Stelle eine ähnliche Skizze„Maniküre". Da kam die Polizei. Und dann das Gericht. Und siehe, die Maniküre war von Stunde an aus allen bürgerlichen Blättern wie weggeblasen. (Uebrigens, Pardon, meine Herren, daß wir das Inseraten- geschäft schädigen!) Wahrscheinlich geht die ganze Menschheit seitdem mit Fingernägeln wie Struwwelpeter... Und nun sind es„Schreibarbeiten". Und nun kommt— vielleicht— wieder die Polizei. Und dann wieder ein Gericht. Und dann noch eins. Und so immer weiter. Es muß ja helfen! Fortsetzung folgt..._ Berlin als Fremdenstadt. Die Anziehungskrast, die die Reichsmetropole mit ihren mannigfachen Vergnügungen, Anregungen und Belehrungen auf die Fremden ausübt, ist im ständigen raschen Steigen be griffen. Nach den Mitteilungen der Zentralstelle für die Interessen des Berliner Fremdenverkehrs vermehrte sich die Zahl der Berlin besuchenden Fremden in dem Jahrfünft 1906 bis 1910 von 1 029 461 auf 1 278 609 oder um 24,2 Proz. Dabei stieg die Zahl der aus dem A u s l a n d e kommenden Fremden weit rascher, nämlich von 178 428 auf 253 838 oder um 24,3 Proz., als die der aus Deutschland selbst kom Menden Besucher, die sich von 851 033 auf 1 024 771 oder nur um 20,4 Proz. vermehrte. Machten 1906 die Ausländer erst 17,3 Proz. aller Besucher aus, so 1910 19,8 Proz. Wie sich der Fremdenverkehr Berlins auf die wichtigsten Länder verteilt, ist aus folgender Tabelle ersichtlich: 1SW 1910 Zunahme 1900 i»io 1906_1910 Deutschland...... 851 033 Rußland....... 64 623 Oesterreich 30 243 England....... 11 769 Schweden...... 10 333 Dänemark Frankreich...... Holland....... Schweiz....... Belgien....... ;>lalien....... Norwegen...... Andere europäische Staaten Amerika....... Asien........ Afrika........ Australien...... 1910 1024 771 97 683 39 555 16 600 13 721 11176 11070 7611 5 048 3 786 3 682 3 595 6 508 30 550 1 595 1 129 579 20,4 Proz. 61.1. 30,8. 41.2. 32,8, 18.2. 38.7. 22.1 20.7 32,4. 83,9, 36,5. 43,1. 56,3. 76,8, 28,7. 107,5 9 455 7 981 6 235 4 183 2 821 2011 2 634 4 547 19 545 902 877 279 Von allen Ländern stellt Nußland bei weitem das größte Kontingent der Fremden Berlins: mehr als der dritte Teil aller Besucher kommt aus dem Zarenreiche. Dann folgt Oesterreich, dann England. Auffallend ist auch die hohe Be suchsziffer der skandinavischen Länder, die diejenige Frankreichs bedeutend überflügelt. Nebcr das Schicksal der Achtklasscn-Gemeindcschule Berlins sind die widersprechendsten Gerüchte in Umlauf. Von der einen Seite wird behauptet, daß ihr Ende besiegelt und die Herunter- drückung auf ein Siebenklaffensystem so gut wie beschlossen sei. Von anderer Seite wird versichert, daß die Beratungen noch keines- wegs so weit gekommen seien und datz man im übrigen für Berlin an dem achtklassigen Aufbau der Gemeindeschule festhalten werde. Es handelt sich, wie wir schon gemeldet hatten, um die Absicht der Regierung, für Groff-Berlin eine Uebereinstim- mung zwischen den Gemeindeschulen Berlins und der Bororte herbeizuführen. Das könnte in der Weise ge- schehen, daß in allen Vororten die Gemeindcschulorganisation zu einem Achtklassensbstem ausgebaut würde. Leider ist aber zu be- fürchte», daß man den umgekehrten Weg gehen und das in den meisten Vororten noch bestehende Siebenklaffensystem zum Muster machen wird, dem die Schulen mit Achtklassenshstem fortan sich anzupassen haben. In Berlin darf der Plan, die Acht- klassen-Gemeindeschule den mindere ntwickeltcn Schulen mit Siebenklaffensystem anzupassen, bei den Kommunalliberalen auf wärmste Unterstützung rechnen. Die ganze Frage ist aber von Wichtigkeit nicht nur für Berlin, sondern auch für die Vororte, weil deren Schulen in ihrer notwendigen Weiterentwicklung zum Acht- klassensystem aufgehalten werden, wenn die Regierung den Kommunalliberalen Berlins zur Beseitigung der Achttlassen- schule verhilft. Nach einer neuesten Meldung wird auf Veranlassung des Unterrichtsmini st eri ums am nächsten Montag zur Be- ratung der Groff-Berliner Schulorganisation eine Konferenz stattfinden, an der von Mitgliedern der Schuldeputation Berlin? außer ihrem Vorsitzenden Stadtrat Hirsekorn der Stadtschulrat Fischer und die Stadtverordneten Schulze und Cassel teilnehmen werden. Da wird vermutlich Herr Cassel alle Schleusen seiner „Beredsamkeit" öffnen, um glauben zu machen, datz die jetzige Or- ganisationsform der Berliner Gemeindeschulc„sich nicht bewährt" habe. Angeblich soll beabsichtigt sein, allgemein in Groff-Berlin das Achtklassenshstem durchzuführen; das wird, noch che die Kon- ferenz stattgefunden hat, jetzt gemeldet. Fragt sich nur, ob nicht unter diesem Groff-Berliner„Achtklassenshstem" lediglich ein Siebenklassensystcm mit einer Selekta, die nur„nach Bedarf" aufgesetzt werden soll, verstanden wird. Wenn dann in Berlin die Selekta das Lehrziel der jetzigen Klasse l behält und schon mit Klasse II ein„Abschlutz" der Volksschulbildung angenommen wird, dann ist ja glücklich erreicht, was man wollte: die Herabdrückung des Lehrzieles der Volksschule überhaupt. Die„Pädagogische Zeitung", die von der Organisation der Berliner Gemeindeschullehrer herausgegeben wird und Haupwrgan des Deutschen Lehrervereins ist, beschäftigt in ihrer letzten Nummer sich wieder mit der Angelegenheit. Sie weist darauf hin, daß nach Einführung des Achtklassenshstems für Berlin die siebenklassigen Schulen der Vororte fast das gesamte Berliner Pensum auf ihre sieben Klassen verteilen, so datz die Vorortschulen in den einzelnen Klassen stärker mit Lehrstoff belastet wurden. Wolle man in Berlin jetzt dieselbe, pädagogisch höchst bedenkliche Vertei- lung des ganzen Lehrstoffes auf sieben Klassen einführen und danach die Selekta mit einem weitergehenden Lehr- stoff ausstatten? Oder solle unter» Beibehaltung der achtklassigen Verteilung für Berlin die siebenklassig bleibende Vorortschule auf den Lehrstoff der entsprechenden sieben Klassen Berlins beschränkt und somit das Bildungsziel der Vorortschule her- abgesetzt werden? Die„Pädagogische Zeitung" kommt zu dem Ergebnis, daß die einzige mit der Pädagogik vereinbare Lösung für die Schulorganisation von Groff-Berlin nur die E n t w i ck« lung der Vorortschulen zu einem wirklichen Acht- klassensystem sein kann. Man sieht, daß die Bevölkerung Berlin? wie der Vororte ein gleiches Interesse an der Lösung dieser Frage hat. Gelingt e? den Rückwärtsern, in den Schulen Groff-Berlin? dem Siebenklassen- shstem die Herrschast zu sichern, so bedeutet das eine schwere Schä- digung der Volksschule. Wohnungsmarktanfnnhme. Wie schon seit einer längeren Reihe von Jahren, so findet auch gegenwärtig eine für die Ermittelung der WohnungSmarktverhältnisse bestimmte Auf- nähme der bebauten Grundstücke statt. Da die möglichst zutreffende Feststellung dieser Verhältnisse besonders auch'm Interesse der Grundbesitzer selbst liegt, so ist anzunehmen, datz des: Ersuchen des städtischen Statistischen Amts um vollständige und zutreffende Ausfüllung der Formulare seitens der Hauseigentümer bezw. Ver- Walter in vollem Umfange Rechnung getragen werden wird, zumal die sonst erforderlich werdenden zahlreichen nachträglichen Er- Mittelungen bei den Verhältnissen Berlin? eine nicht unerhebliche Verzögerung der Bearbeitung zur Folge haben müßten. Di« Deputation für da« AtbeitShau? und das städtische Obdach hat in ihrer gestrigen Sitzung u. a. beschlossen, die Deputation für die städtischen Krankenanstalten aufzufordern, mit ihr unter Zu- ziehung der Aerzte und Verwaltungsorgane der in Frage kommenden Krankenhäuser in Beratungen darüber einzutreten, welch« Matzregeln zu treffen sind, um bei einem plötzlichen Ausbruch einer Epidemie den Gefahren der Verschleppung aus dem Obdach vorzubeugen. Statt Teuerungszulagen Schmälerung der Kost! Uns wird aus den Kreisen städtischer Arbeiter geschrieben: Die Gemeindebehörden der Stadt Berlin hatten beschlossen, den städtischen Arbeitern, welche verheiratet sind und einen nicht höheren Jahreslohn verdienen als 2000 M., eine Teuerungszulage von 40 M. zu gewähren. Die Deputatarbeiler mit ihren 800 M. Jahresverdienst sind hiervon unbegreiflicherweise ausgeschlossen. Nicht anders erging es dem Personal in den städtischen Irrenanstalten, Krankenhäusern und so weiter. Man schützte vor, diese Leute brauchten die Extrazulage nicht, weil sich dieselben im Kost- und Logisverhältnis befinden. Nichts ist jedoch irrtümlicher als gerade das! Die verheirateten Pfleger usw. müssen nämlich genau so durch das Wohnen außerhalb der Krankenanstalt und durch die weitere Unterhaltung der Familie mit Kost, Feuerung, Licht, Kleidung usw. für ein Mehr von Ausgaben aufkommen, wie die übrigen Arbeiter. Das Matz der Empörung des betr. Personals war aber jedenfalls noch nicht voll genug, deshalb mutzte die Direktion ihr übriges dazu tun. Vom 6. d.M. ab erhält nämlich das Personal in Dalldorf zum zweiten Frühstück 20 Gramm weniger an Belag. Desgleichen find ihm vom Mittagsfleisch 20 Gramm und vom Abendbelag 10 Gramm in Abzug gebracht worden. Also eine ganz erhebliche Kostschmäle- rung. Und das geschieht ohne die Angestellten zuvor davon in Kenntnis zu setzen. Da alle Welt weiß, datz das Essen, speziell in Dalldorf, sehr oft viel zu wünschen übrig läßt und eS selbst Aerzte schon als nicht einwandfrei erklärt haben, so kann man es verstehen, wenn sich daS Personal über diese ungerechte Maßnahme in Heller Aufregung befindet. In einer in dieser Angelegenheit ein- berufenen Versammlung des Personals der Anstalt Dalldorf wurde gegen die neueste Maßnahme entschieden Protest erhoben und bessere Kost verlangt. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiler wurde beauftragt, unverzüglich bei der zu- ständigen Deputation vorstellig zu werden, um die sofortige Zurück- nähme dieser ungerechten Maßregel zu erwirken. DcS weiteren sprach die Versammlung ihre Verwunderung darüber auS, daß auf die im Juli und November 1911 der Deputation refp. Anstalts- direktion überreichten Petitionen betr. Gewährung eines besseren Essens und Erweiterung des Abendurlaubes noch leine Antwort zu- teil geworden ist. Wegen Erhöhung der Gememdesteuer» in den städtischen Gemeinden Groß-Berlins haben zwischen den Finanzministern der Gemeinden Besprechungen statt gefunden. Ob es dieses Mal zu einer Verständigung kommt. muß abgewartet werden. Im Vorjahre verlief die Aliregung des Regierungspräsidenten resultatlos. � Em liebevoller Sohn. Die moralische Bedeutung des Wortes „Dil sollst Bater und Mutter ehren" versuchte gestern ein Schöffen gerichtsvorsitzender in Moabit dem Postassistenten Richard Warn� stedt llarzumacken. Der junge �»err, ein Lehrerssohn, war von seiner eigenen Mutter wegen Beleidigung verklagt worden. Der ge- trennt lebende Lehrer Warnstedt hatte vor mehreren Jahren seine Ehefrau in bekannter Art wegen angeblicher Geisteskrankheit von der Straße weg, wo schon ein bestellter Krankenwagen hielt, trotz des der Frau zugesicherten polizeilichen Schutzes nach der Irrenanstalt Dalldorf bringen lassen. Man entliesz die unglückliche Frau nach einiger Zeit wieder, weil man mit ihr in der Anstalt nichts Rechtes anzufangen wußte. Auch die EntmiiiidigungSanträge find abgelehnt warben. Seitdem hatte aber Frau W., da sie mittellos war und Lebensunterhalt verlangte, nichts mehr zu lachen. Obwohl genügend unterhaltspflichtige Angehörige vorhanden sind, suchte sich jeder um die Alunentierung herumzudrücken, bis die Gerichte ein Machtwort sprachen. Nun ging die Hetze erst reckt los. Wiederholten Jnler Uierungsversuchen schloß sich ein verwerflicher Familicnklatsch an. Der eigene Sohn, der Angeklagte, der sein Gehalt geschmälert sah, brand- markte seine Mutter als Verleumderin und Geisteskranke. Nur um diesen ewigen Verfolgungen und Schmährede» ein Ende zu machen. wurde Klage erhoben. Der Gericklsvorsitzende sprach sein tiefes Be- dauern aus über die zwischen Mutter und Sohn bestehende Klusi. Er riet dringend zum Frieden, da sonst der Sohn gerade mit Rück- ficht auf seine Schulbildung und noch mehr wegen seines Beamtencharakters einer ganz exemplarischen Bestrafung sicher sein könne. Es sei überaus verwerflich wenn der Angeklagte die Frau, der er das Leben verdanke, be� schimpfe. Glaube er wirklich, daß seine Mutter geisteskrank sei, so verdiene sie Mitleid und den weitesten Schutz des Sohnes, nicht Ber folgungen und Beschimpfungen. Den Einwand mangelnder Prozeß� sähigkeit der Mutter wies der Vorsitzende energisch zurück. Das Gericht habe nicht das Recht, die Frage der Verhandlungsfähigkeit zu erörtern, so lange nicht ein Entmündigungsverfahren eingeleitet sei. Nu» erklärte der Sohn, er wolle die Beleidigungen zurück- nehmen, um der Bestrafung zu entgehen. Aber scharf redete der Borsitzende dem Sohne ins Gewissen, er solle nichts umgehen, sondern Einsicht zeigen, wie unveraniwortlich er die Kindespflichten verletzt habe. Das häßliche Sittenschauspiel endete mit der V e r» gleichenden Erklärung der Mutter, daß sie selbst eine Bestrafung nicht wünsche und nur in der Notwehr die Klage angestrengt habe, um den Sohn für die Zukunft zu warnen. In der Sitzung der Parkdeputation wurde die BeleuchtungS. krage des ehemaligen Parkes„Botanischer Garten"(jetziger Kleist-Park) erörtert und beschlossen, denselben elektrisch zu be- leuchten. Ferner wurde beschlossen, den Zuschuß für 1912 von SO 000 auf 75 000 M. zu erhöhen. In den preußischen Etat für Instandhaltung des Tiergartens sind außerdem 820 000 M. ein- gestellt worden. Ferner wurde das Projekt der Umgestaltung des Alexanderplatzes nach Beendigung. der Untergrundbahnarbeiten vorgelegt und genehmigt. Bon einem unserer Vertreter wurde gerügt, daß 2ö Arheiter im„Botanischen Garten" entlassen worden seien mit der Begründung, daß dieselben durch plötzlich eknge- tvetenen Frost nicht mehr beschäftigt werden können. Es sei ihnen anempfohlen worden, sich zum Schneeschippen zu melden, da sich nicht genügend Arbeiter hierzu gemeldet hätten und auch die Mittel im Etat so knapp bemessen wären, um die Arbeiter bis April durchhalten zu können. Beschwerde wurde geführt über schlechte Behandlung der Arbeiter im zweiten Parkrevier(Fried- richshain) durch Oberaärtner Morkramer. Der Gartendirektor wurde ersucht, für bessere Behandlung der Arbeiter Sorge zu tragen. Ein Zopfabschneider treibt wieder einmal sein Unwesen. Es handelt sich um einen etwa zwanzigjährigen Menschen, der eS auf die langen Zöpfe von Schulkindern abgesehen hat. Gestern trat der gefährliche Bursche in Rixdorf in Tätigkeit, wo er in der Reutcrstraße ein Schulmädchen des langen Haarschmucks beraubte. Die Kleine bemerkte nicht das geringste, als der Abschneider mit einer Schere den Zopf beseitigte. Erst durch andere Schulmädchen mußte sie auf den Verlust aufmerksam gemacht werden. Der junge Bursche ist von schlanker Gestalt und bartlos. Er trägt dunklen Winterpaletot und schwarzen steifen Hut. Ein schwerer Unglücksfall, bei dem eine Person schwer, eine andere leichter verletzt wurde, ereignete sich gestern nachmittag in der Bellevuestraße 15. Auf dem Dach des Wilhelmsgymnasiums ist ein ungefähr 3 Meter hohes Telephongestänge angebracht, das durch den heftigen Frost stark mitgenommen worden ist. Gestern nachmittag gegen 3. Uhr waren zwei Telephonarbeiter damit be- schäftigt, das Gestänge wieder in Ordnung zu bringen. Als sie angeseilt an den Telephondrähten arbeiteten, brach plötzlich eine Stange und beide fielen auf das flache Dach. Einer von ihnen, der 34 Jahre alte verheiratete Telephonarbeiter Wikhelm Hoher wurde durch die umstürzende Stange so unglücklich am Kopfe getroffen, daß er eine gefährliche Verletzung davon trug. Der andere, ein lediger Telephonarbeiter, Ferdinand Staak, erlitt durch den Sturz stuf das Dach Verletzungen am Rücken und an den Beinen� die jedoch weniger schwerer Natur sind. Durch Kollegen wurden die Verunglückten, nachdem ihnen der erste Notderband angelegt worden war, nach dem ElisabethkrankenihauS in der Lützowstraße gebracht. Unter dem Verdacht der Methylalk-b-lvergiftnng ist gestern noch ein Mann schwer erkrankt. Gestern abend zwischen 7 und 3 Uhr fand ein Schutzmann an der Ecke der Eberswalder und Wolliner Straße einen Mann bewußtlos auf dem Bürgersteig liegen. Er brachte ihn mit einer Droschke nach der Hilfswache in der Gaudy- straße. Hier verschlimmerte sich der Zustand des Erkrankten aber so sehr, daß er nach dem Krankenhaus in Moabit gebracht werden wußte. Hier liegt er schwer darnieder. Die Aerzte konnten noch nicht mit Bestimmtheit feststellen, ob hier wirklich Methylalkohol» Vergiftung vorliegt. Der Mann hat das Bewußtsein noch nicht wieder erlangt, kann also keine Angaben darüber machen, wo er den Schnaps gekauft und getrunken hat. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei nach Schankwirten, die im guten Glauben das giftige Getränk verkaufen, gehen noch fort. Der frühere Schankwirt Zastrow aus Charlottenburg, der tu der letzten Zeit ebenso wie Scharmach Mischungen mit Methyl- alkohol herstellte, ist von neuem verhaftet worden. Die Ermitte- lungin der Kriminalpolizei erstrecken sich auch darauf, festzustellen, ob schon Erkrankungen vor dem großen Massensterben im städtischen f)bdach stattgefunden haben. Soweit festgestellt werden konnte, sind außerdem im Jahr« 1911 sieben Todesfälle, die auf Methylalkohol- Vergiftung zurückzuführen sind, verzeichnen. Zum Teil gelang es noch, Reste aus dem Flascheninhalt, wovon die Gestorbenen ge- trunken haben, zu bekommen und zu untersuchen. Es haben sich auch zwei Leute gemeldet, die ebenfalls im vergangenen Jahre an Methylalkoholvergiftung erkrankt und wieder genesen sind. Sie konnten zwei Tage lang überhaupt nicht mehr sehen. Ihre An» gaben kann die Kriminalpolizei als wichtige Fingerzeige verwerten. Ein Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem MSbelwagen» bei dem zwei Personen schwer verletzt wurden, ereignete sich am gestrigen Donnerstag, nachmittags gegen%2 Uhr, an der Ecke der Königgrätzer und Lcnn�straßc. Als dort ein mit sechs Pferden bespannter MSbelwagen der Firma Schuhmacher aus der Steglitzer Straße 91 einem an jener Stelle haltenden Wagen, der Schnee abjshre». sollte, auswich, schleuderte das schwere Gefährt und stieß gegen den Vorderperron' des MotortvaggonS eines aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnzvges der Linie 23. Der Zusammenstoß war so heftig, daß der Kutscher des Möbelwagens, Hermann Langkan aus der Steiumetzstratze 38, und der Mitfahrer Adolf Koock, Zossener Straße 32 wohnhaft, von ihren Sitzen auf das Straßenpflaster geschleudert wurden. K. erlitt einen Schädelbruch und mußte nach der Charite überführt werden. Dort erhielt auch Langkan. der eine klaffende Kopfwunde, sowie eine Verletzung am Rücken davongetragen hatte, Notverbände und wurde von dort nach seiner Wohnung gebracht. Bei dem Zulammew stoß wurden sämtliche sechs Pferde des Möbelwagens leicht ver wundet; der Vorderperron des Straßenbahnwagens wurde schwer beschädigt. Die Fahrgäste des Mowrwaggvns kamen- mit dem Schrecken davon; eine Betriebsstörung entstand nicht. Der Verleger der Reichstagswahlpostkarte Gustav Kretschmar Stuttgart ersucht uns mitzuteilen, daß er 25 Proz. des Reinertrages der Parteikasse überweisen wird und dem Landesvorstand der württembergischen Partei eine Nachprüsung gestatte. Diese Mit- teilung trifft nicht den Kern der Sache. Die Ankündigung, daß ein Teil des Reinertrages der Parteikasse zufließt, ist eine ganz un- gehörige Reklame und hat nur den Zweck, den Herausgebern der Karte ein großes Absatzgebiet bei Parteigenosicn zu schaffen. Wenn der Verleger in einem an uns gerichteten Schreiben davon spricht. daß er seine die Karte empfehlenden Inserate nur der Parteipresse zugewendet und damit die Parteipresse unterstützt habe, so glaubt ihm doch im Ernste niemand, daß er nur das Interesse der Parteipreffe fördern wollte. Herr Kretschmar wird gut tun. bei seinen privaten Angelegenheiten in Zukunft dt« Partei aus dem Spiele zu lassen und sie nicht zu Reklamezwecken zu mißbrauchen. Aus Liebeskummer erschossen hat sich gestern nachmittag in einem der ersten Hotels Unter den Linden der 22 Jahre alte Student T., der Sohn einer hochangesehenen Familie aus Dresden. T. kam vor 14 Tagen nach Berlin und bezog hier in einem Hotel ein Zimmer. Gestern nachmittag fanden ihn Angestellte des Hotels in seinem Zimmer tot auf dem Fußboden liegen. Er hatte sich eine Kugel in die rechte Schläfe gejagt. Der Grund des Selbstmordes soll in Liebesgram des jungen Mannes zu suchen sein. Sonst liegt auch nichts vor, was ihn zu dem unbedachten Schritte ver- anlaßt haben könnte. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Zu dem Verschwinden des Rechtsanwalts Dr. Hailliant wird noch mitgeteilt, daß der Vermißte immer noch nicht ermittelt ist. Nachträglich hat sich ein Stationsschaffner gemeldet, der sah, wie am Montagabend gegen 11% Uhr ein Mann, der mit einem �Pelz bekleidet war, in den Wald hineinging und nachher ohne Pelz zurückkehrte. Dieser Mann löste auf dem Bahnhof Eichkamp eine Fahrkarte 3. Klasse und fuhr mit dem Stadtbahnzug nach Berlin zu. Er besann sich erst, ob er nicht in die 2. Klasse einsteigen solle, benutzte dann aber im letzten Augenblick die.3. Klasse. Es handelt sich wahrscheinlich um den vermißten Rechtsanwalt. Der Mann trug auch einen alten blauen Anzug, wie er in der Wohnung des Verschwundenen vermißt wird. Weiter konnte diese Spur noch nicht verfolgt werben. An die Auswanderer nach Australien ist ein Schreiben ge- richtet, das unS mit der Bitte um Veröffentlichung aus Melbourne (Australien) zugeht. Es lautet: Die nach Australien auswandernden Genossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß hier in Mel- bourne ein deutscher sozialdemokratischer Verein(Verein„Vor- wärts") besteht. Der Verein, welcher im Oktober sein 25 jährigeS Stiftüngsfeft feierte, hatte einen sehr schönen Erfolg und erzielte einen Ueberschutz von 500 M. Leider muß man sagen, daß der Ruf, den der deutsche Arbeiter im Ausland hat, politisch geschult zu sein, sehr oft verloren geht, sobald er die Heimat verlassen hat. Der Verein„Vorwärts" hat eine sehr schöne Bibliothek, die Zei- hingen„Vorwärts" und„Hamburger Echo" sowie diverse Zeit- 'chriften liegen aus; er hält regelmäßig alle 14 Tage Sonnabends sine Versammlungen ab bei H. Diergarten, Commercial-Hotel, Spring-Str., Melbourne._ E. ThieS, Secretarh. Vorort-JNacbncbtcih Charlottenburg. In der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung erfolgte am Mittwoch zunächst die Einführung der neu- und wiedergewählten Stadtverordnelen. darunter unsere Genossen Bade und S t u l z. Hierauf konstituierte sich die Versammlung. Die beiden bisherigen Vorsteher Kaufmann und Hubatsch wurden wiedergewählt, die Wahl der Beisitzer fiel auf die Stadtvv. Dr. Borchardt(Soz.), Dunk. Marzahn und Ruß. Sodann wurde die Wahl einer Reihe von Ausschüssen vorgenommen. Unsere Fraktion ist vertreten i»n Wahlausschuß durch Bade, Scharrnberg, Wikk, im PetitionsV auSschuß durch Klick und Stulz, im RechnungSphifungS- auSschuß durch Klick � und Will, im Ausschuß zur Prüfung von Stadtverordnetenwahlen durch Dr. Borchardt und Hirsch, im Ausschuß zur Prüfung der Vorlage betreffend Errichtung einer Badeanstalt in der Nürnberger Straße durch Scharrnberg. Will. Zietich, im Ausschuß betreffend Prüfung von Maßregeln zur Be- kämpfting der Folgen unfreiwilliger Arbeitslosigkeit durch Lehmann, Richter, Zietfch, im Ausschuß betreffend Müllabfuhr durch Bade, Gebert, Scharrnberg. Endlich genehmigte die Versammlung noch eine dringliche Vor- läge, durch die dem Magistrat die Ermächtigung erteilt wurde, dem unter Führung der Deutschen Bank stehenden Konsortium auf das Angebot vom 9. Januar 1912 betreffend die Uebernahme der 1. Ab- teilung der Charlottenburger Stadtanleihe vom Jahre 1912 im Be- trage von 32y. Millionen Mark zum Kurse von 99, 67'/, Proz. unter den von dem Konsortium gestellten Sonderbediiigüngen den Zuschlag mit der Maßgabe zu erteilen, daß von Stellung einer Sicherheit 'eitens des übernehmenden Konsortiums Abstand genommen wird. Die nächste Sitzung findet am 17.'Januar'statt.' Ober-Schöneweide. In der Gemeindevertretersitzung am Dienstag kam bei Be- Handlung der Vorlage betr. Einführung einer � andexen Art der Besteuerung der großen Gewerbebetriebe der Gegensatz zwischen den Interessen der.Vertreter dieser Betriebe und denen der übrigen Einwohner recht deutlich zum Ausdruck. Genosse G r u n o w bezeichnete die Vorlage als das Mindeste dessen, wäS �ur Erhöhung der Gemeindeeinnahmen getan werden müsse. ES sei eine weit größere Ungerechtigkeit) durch die Erhöhung des Einkommensteuerzuschlages auch die Aermsten zu treffen, als solche großen Betriebe, die der Gemeinde' immense Lasten aufbürden < Schul-, Armenlasten usw.), weiterhin von der Einkommen» und Gewerbesteuer zu befreien. Auch■ könne die Mehrbelastung nach der neue» Steuerordnung solch große Unternehmungen in keiner Weise gefährden. Tatsache sei auch, daß nickt die Gewerbesteuer, ändern hohe Bodenpreise und ZweckmähigkeitSgründc eine weitere Jndustrieanstedelung verhindere. Nach ausgedehnter Debatte wuroe die Vorlage mit 13 gegen 6 Stimmen der 1. Klasse angenommen. Der Beschluß des Kuratoriums der Pflichtfort- bildungsschule, den Unterricht im Sommerhalbjahr um 5% tatt um 6 Uhr beginnen zu lassen, brachte ebenfalls wieder die Vertreter der Industrie auf den Plan; die Herren befürchten von einem früheren Arbeitsschluß der Lehrlinge und jugendlichen Ar- heiter den Ruin. Herr Feld mann bezeichnete die große Rück- ichtnahme als Gefühlsduselei und hielt in, übrigen einen längercn Vortrag über die Notlage der ihn besonders angehenden Textil- Industrie. Herr Engel glaubte die Entgegnungen des Genossen Grunow zu entlraften, indem er eS als ein verfehltes Be- sinnen hinstellte, wenn Lohnarbeiter der Industrie die Sucht be- itzen, sich mit der Bildung vollzupfropfen, die sich Angehörige der lessersituierten Klassen aneignen. Ein solcher Arbeiter ist den Herren natürlich ein Dorn im Auge, weil er sich nicht alles bieten läßt. Der Beschluß des Kuratoriums wurde verworfen. Die Frage der Peschafsung geeigneter Räume zur Unter- ringung Obdach l-oser gab wiederum Anlaß, daß recht krause Ansichten über die Pflicht der Gemeknsi« zu« Ausdruck kamen. Genosse Muth. dessen Forderung.nach Schaffung von Badegelegenheit einigen Herren als etwas Ungeheuerliches schien, legte eindringlich dar, wie unzureichend hie bisherige Unter- bringung sei und eine wie große Verantwortung die Gemeinde solchen Hilfebedürftigen gegenüber habe. Beschlossen wurde, wegen der ungünstigen Raumverhältnisse des dazu in Aussicht genommc- nen Grundstückes von einem Neubau einstweilen abzusehen und zunächst das Hintergebäude Siemensstr. 23 auf drei Jahre gegen eine jährliche Summe von 3190 M. iu pachten. Au! Anregung des Herrn Peierls sollen die Räume unter dauernoe ärztliche Aufsicht gestellt werden. Die Vertretung willigte in die Ver- pachiung mehrerer Gemeindegrundstücke und gestattete der Aktien- gesellschaft Frister die Anlage einer Drehscheibe in der Wilhelminen- straße bei Anlage eines dortigen Neubaues. Nach Erledigung diverser Angelegenheiten folgte eine geheime Sitzung. Lankwitz. Die letzte Gemeindcvertretersitzung beschäftigte sich mit der Vorlage zum Bau einer höheren Mädchenschule. Die bürgerlichen Vertreter stimmten der Vorlage zu. Genosse Radike beftirtvortete die Ablehnung der Vorlage, da die Ausgaben für die 150 höheren Töchter, welche jetzt in einem Flügel der Gemeindeschule 2 untergebracht sind, schon ganz enorme seien. Kostet der Gemeinde doch jetzt schon jede Schülerin jährlich 240 Mk. Da für die Baukosten 900 000 Mk. angesetzt sind, was einer Verzinsung von zirka 52 000 Mark jährlich gleichkommt, werden sich diese Kosten verdoppeln. Ter Gemeindevorsteher erklärte, daß bcssersituierte und steuerkräftige Leute von dem Vorhandensein höherer Schulen ihren Zuzug ab- hangig machen. Welcher Dünkel mitunter in den Köpfen der de- sitzenden Klasse vorhanden ist, lehrte der Ausspruch eines bürgee- liehen Vertreters, der betonte, daß es van vielen Eltern unan- genehm empfunden werde, daß ihre Töchter mit den Gemeindeschul- kindern unter einem Dach weilen müssen.— Die schwebenden Verhandlungen der Gemeinde mit dem Kreis wegen Abänderung des Vertrages über die Siemensbahn sind noch nicht zum Abschluß ge- langt. Die Aufstellung von vier Litfaßsäulen wurde dem Verleger der Lankwitzer Nachrichten genehmigt. Außerdem sollen noch die Säulen der Elektrizitätswerke mitbenutzt werden. Der V"'» gilt auf 6 Jahre. Nach Ablauf gehen die vier Säulen in das lum der Gemeinde über. Als Entschädigung sind fiir das 1. 200 Mk.. fiir das 2.-4. Jahr 300 Mk. und für das 5.—(L 400 Mk. an die Gemeinde zu zahlen. Friedrichshagen. Die Wahlbezirke für Fricdrichshagen setzen sich wie soll sammen: Wahlbezirk 1 umfaßt: AHorn-Allee, Bahnhof, Bahnbea bauS, Bude 16, Cöpenicker Straße, Linden-Allee. Westend Wilhelmstratze. Wahllokal: Restaurant«Zur Klause", da Cöpenicker Str. 1. Wahlbezirk 2. Breest-Promenade. Kaiserstraße, Kast> Allee, Kirch-, König-, Kurzestraße und Verlängerung, Rahns Straße und Verlängerung, Straße 12 und Straße 16z. Wahl Restaurant Conrad, daselbst, Friedrichstr. 137. Wahlbezirk 3. Bellevuestraße. Neu-Kamerun» Sees Straße 38, Spritzenweg, Wasserwerke, Waldowstraße und£ garten, Gutsbezirk Cöpenick-Forst mit Bahnbeamtenwohnhaus � roitz und den im Jahre 1879 aus dem forstfiskalischen Guts Cöpenick-Forst in den Stadtbezirk Cöpenick eingemeindeten Li schaften. Wahllokal: Brauerei-Ausschank, daselbst, Seestr. 2i Wahlbezirk 4. Friedrichstraße, Myliusgarten, Schmaler Wahllokal:„Eiskeller", daselbst. Friedrichstr. 96/97. Wahlbezirk 5. Hermsdors I, und zwar: Ortsteil östlick Nordbahn. Wahllokal: Gasthaus„Zum Lindengarten", da! Berliner Str. 133. Neinitkcndorf-Ost. Der Arbciter-Radfahrerverein„Solidarität" feiert am€ abend, den 13. Jauuar. in den.Hubertussälen', Provinzstr. 77 ein Vergnügen. Da sich der Verein der Partei bei jeder Gel heit zur Mitwirkung zur Verfügung gestellt hat, bittet die Be leitung des Wahlvereins die Genossen um rege Unterstützung. Potsdam. Beim Schlittenfahren verunglückt. Auf dem Terrain in babelsberg, das als Rodelbahn in Anspruch genommen wird, ij gestern abend die Portierftau Marie Hundsdörfer verunglückt. erlitt einen Beinbruch und wurde nach dem Oberlinhaus in Rott gebracht. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern vonnittag keim bnich des alten Potsdamer Kadettenhauses in der Saarm Straße. Dort stürzte aus dem ersten Stockwerk der 38 jährig beiter Emil Grabert aus der Jägerstr. 46 herab. Er zog sich sc innere Verletzungen zu. Sein Zustand ist bedenklich. Nowawes. Tbeaterabcnd. Am Sonnabend, den 13. Januar, gelani Singerschen Saale durch das Berliner Thcaterensemble. da« sein Gastspiel mit Schönherrs„Glaube und Heimat" bei de: beiterschaft noch in bester Erinnerung steht, das Kadelburgsche spiel„Der dunkle Punkt" zur Aufführung. Für den 3. Fe befindet sich in Vorbereitung der„Zapfenstreich" von Beyerll 6cricbtö- Zeitung. Zeugenbedrohnng. Einer der Zeugen in der Verhandlung, über die gestern unter der Ueberschrift„Der Kellncrstreik im Nagler" berichteten, wurde nach der Verhandlung im G von dem Schutzmann Nürnberg aufs gröblichste best Der Schutzmann haranguierte den Zeugen mit Worten:„Wie können Sie sich unterstehen, unter I Eid auszusagen, ich hätte gedroht, von der Waffe brauch zu machen, knebeln zu wollen und dergleichen. werden wir Ihnen schon anstreichen, wir wollen mal s was Sie gegen unsere Aussage ausrichten können. Dal ich nicht auf mir sitzen, darüber sprechen wir noch mal." derartigen Belästigungen, Schmähungen und Bedrohungen folgte der Schutzmann mit einem Kollegen den Zeuae» MMl Gerichtsgebäude. Hoffentlich verlangt und erhält der � vom Staatsanwalt Schutz gegen derartige Belästigm Beleidigungen und Bedrohungen. Jedenfalls sollte der � im Interesse eines Schutzes gegen Schutzleute Straf/O� stellen. Er war durch die Belästigungen der Schutzleute?>._ so ängstlich geworden, daß er, ohne Zeugengeld zu holen, das Gericht verließ, um seinen uniformierten Bedrängern zu ent» gehen. Verstandiger wäre es von ihm gewesen, die Schutz. leute sofort»m Gericht festnehmen zv lassen. Ifeiclje auch 1. Beilage.) eingegangene Druck fcbriften. Von der„«cuen Zelt- ist soeben da» 15. Hest de« 30. Jahrgange« erschienen. Au? dem Inhalt des Hefte« heben wir hervor: Di« Unfälle der letzten Ltunde.— Ferdinand Simon. Von H. Lux.— Separatismus Rationalismus und Sozialismus. Von K. Kaulsky.—.Die Eisclbauern. iuon st. wmiwi).— uucioautin, Zur Geschichte dcS Niedergänge» des laiidwirtschaitlichen Kleinbetriebs. Bon Ernft Aiidrse.(Fortsetzung.)— Literarische Rnndschau: Grundsraaen unicrcr Handctspolitik. Bon IC. IC. Das Stellenvenlitttllingsgeses unk die gastwirtschaftlichen Angestellten. Arbeitsordnung lm GastwirlSaewerbe Von ucl. or. Tie„Neue Zelt" erscheint wöchenllich einmal und ist durch all. Buch. bandlungen, Postanstalren und Kolpotteure zum Presse von 3,25 M. prc Ouartal zu beziehen; jedoch kamt dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostft SS Pf. von iet„Gleichheit«, Zeitschrist für die Jntereffen der ZMeiinintien, ik uns soeben Nr. S des 22. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Im Asyl. Von R. Luxem- bürg.— Zwei Welten.— Vor der Entscheidung. Von Lnise Zictz.— Für unser Bürgerrecht.— Zur Lage der Heimarbeiterinnen in der Hut- sabrikation. I: Von Johannes Heiden.— Mutter und Kinder in der Armenpflege. Von Edmund Fischer, usw. Die �Gleichheit- erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis viertel- jährlich ohne Bestellgeld SS Ps.; unter Kreuzband 8S Ps. Jahresabonne- meni 2,60 M. Tic Wahlnummer des«Wahren Jacob" ist soeben 16 Seiten stark erschienen. Aus ihrem Inhalt erwähnen wir solgende Beiträge: Bilder: Vorbereitungen zur Siegesseier. Von H. K. Jentzsch.— Der schlechte Tänzer. Von R. Rost.— Ersatz. Von Emil Erk.— Nach dem päpstlichen Erlaß. Von N. Rost.— Im Kaspcrltheater. Vor und nach dem 12. Januar.— Die drei Parzen am 12. Januar. Von H. G. Jentzlch usw. Textbeiträge: Der rote Türmer.— Unvorfichttg.— Neue Wetterregeln.— Christlicher Kamps. Von?. 13.— Spione.— Reichs- verbandslied.— Schüchterne Junkerliebe.— Lieber Jacob I Von JotthUs Raule usw. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag J.H.W. Tietz Nachs. G. M. b. H. in Stutt« gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Die Lese. Hest 1 u. 2. Literarische Zeitung, herausgegeben von Th. Etzel u. G. Muschner. Erscheint Sonnabends. Vicrtelj. 1,S0 M. Lese- Verlag, München. Bflefttatten der Reduhtfan. Heute, Freitag, fällt die Sprechstunde aus. P. Z. 33. Voraussichtlich ja. Am zweckmäßigsten setzen Sie sich vor- her mit der Armenvcrwaltung in Verbindung.— P. D. 71. Ja.— 3. ft. 1. Nein. 2. Ja. 3. Mit Vollendung des 21. Lebensjahres.— R. R. 33. Gewerbeinspektion, Prinzennllee 88.— F. 100. Sie können sich durch eine von ihnen zu wählende Person, ausgenommen Rechtsanwälte und Personen, die das Verhandeln vor Gericht geschästsmäßig betreiben, vertreten lassen. Jbrem Wcrtreter müssen Sie schriftliche Vollmacht er- teilen.— I. N. 47. Verschaflen Sie sich durch Antrag aus Erlaß eines Zahlungsbejehls eventuell Klage einen Schuldtitel. Aus Grund desselben kann beim Amtsgericht die Pfändung des HerauSgabeanspruchs beantragt werden.— P. M. 100. Ja.— R. S. 31. Zusammen 4 M.— H. K. 3. Für das Vierteljahr Lliober�Januar sind nur 50 Ps. zu zahlen. — Sl. 1881 Btoabit. 1. Ja, in Raten. 2. Sie sind wähl- berechtigt, salls Sie in der Wählerliste stehen.— W. 1007. Ja. — R. Halbe. Sie haben Anspruch aus Lohnzahlung, sind jedoch ver- pflichtet, sich daS von der Krankenkasse erhaltene Krankengeld anrechnen zu lassen.— M. 3. SO. 1. bis 5. Die Klage Ihres Vaters erscheint aus- sichtsloS. 6. und 7. Ja. 8. Ja, sosern dem Anwalt keine Kostensorderung zusteht. 9. Ja. 10. Empfehlung bestimmter Rechtsanwälte lehnen wir ab. — H. B. 3800. 1. und 2. Ja, nach Kürzung des Krankengeldes. 3. Reichsversicherungsordnung.— M, W« 300. 1. Ja. 2. Das ist in Ihr Ermessen gestellt. Im übrigen können wir in solchen Fällen zu Beleidigungsklagen nicht raten.— M. Z. 36. 1. Alle Ehescheidungsgründe können wir unmöglich im Biieskasten angeben. 2. Ja, wenn der Mann jetzt erst Kenntnis erhalten hat.— A. W. 10. 1. Ja. Die länger als vier Jahre zurückliegenden Ansprüche find verjährt. 2. Staatskasse. ». Wenden Sie sich« Ära« Gertrud«Menth. Charlottenburg. Stattgatst Platz 9.— Stralau 5. 1. I« der Regel ja, jedoch nicht, falls nach En) stehung deS Schadens Lohnzahlung ohne Abzug erfolgt ist. 2. Zunächst a das Polizeirevier, eventuell Amtsgericht.— E. 10. 1. Spätestens am 1 eines mit Wirkung zum 1. solgenden Monats. 2. Dieselbe Kündigungssris — 64 M. BS. Kommen öie mit den Ausrechnungsbescheinigunge und der letzten Karte in die Sprechstunde.— P. C. Wenden S: sich an das deutsche Konsulat. eventuell an das Auswärtige Ami Wittern ngsüberficht vom 11. Januar 1913.? Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien 776 WSW 776OSO 777Still 77 WO 773O 77ÄNNW 1 wolkig chhciter bciicr Ibedeckt 3Nebel IsDunst aparanda �etcrsburg scilly Aberdem Paris 76ZW 7'kSlNW 760WSW 757jSSO 766SO 1 wolkenl 1 wolkenl Zbcdeckt 6 Regen l!wolkig Wetterprognose für Frettag. den 13. Januar 1913.' vorwiegend heiter und trock-.-n, nachts ziemlich strenger, am Tage g«. linderer Frost, bei ziemlich lebchajten nordöstlichen Winden! zunehmende Bewölkung. Berliner Wetterburea«. Thealer und Vergnügungen Freitag, 12. Januar. Ansang 7'/, Uhr. it. Opernhaus. Der Wafsenschmied. ** Schauspielhaus. Der gehörnte iegsried. Siegfrieds Tod. chcs. Turanoot. land. Spezialitäten. > Busch. Gala-Vorstellung. Schumann. Gala- Vor- lung. > Sarrasani. Gala. Vor. .ung. Ansang 8 Ubr. Tnudenfirafie 48/49. » dem Leben des Meeres. .l: Pros. Eckstein: Frühling Saide. rspiele. Nathan der Weise. . Gudrun. Gchausptelhaus. Heiligen- n. .«z. Ein Walzer von Chopin. istenoper. Das goldene Kreuz. i Dorsbarbier. ihr Oper. Fra Diavolo. fi. Russisches Ballett. -Er. Große Rosinen. » Oberrnen. Eoa. O«. König Heinrich. -Eharlottenvurg. MaSke- «. ic.. Wilh. SchauspielhanS. si aparte und seine Frauen. n. Die kleine Freundin. s. Berlin-o. Der Kamps gegen den Kuß. zräher Strasse. Die süns mksurter. ». LottchenS Geburtstag. ntz und Fanny Elßler. Hocken- ovol. Di« Nacht von Berlin. ielhanS. Da« groß« Ge- on. Da» keine Sasi. a. Powische Wirtschaft. o. Der Kamps umS Dasei«. «. Spezialitäten. g«. Svezialitäten. ifeld. Schmerzlose Behandlung. as Kind der Firma. hovaUrn. Stettiner Sänger. gftadt-Kaftno. Spczialiiaicn. tergarien. Spezialitäten. Anfang 8'/, Uhr. es tkaprtce. Mandelblüth'S Lolterabend. balla. Teufel, daS hat einge- chlagenl tt. Die schöne KlosterbSucrln. «. Othello, der Mohr von enedig. Ansang 8'/, Uhr. 's Volkstheater. Der zer» chcne Krug. Vorher: Fritzchen. .'-Rlliance. Die Räuber. ine». GesährlichWachbarschast. «warte, Jnvalidenstr. 57—62. lillef-Ideslero.T� Freitag, abend» 8 Uhr: I46n>gx Wolni-lel». Sonnabend, abends 8 Uhr: Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Probokandldat. Sonntag, abend« 8 Uhr: Per Weg»wr Htflle. Jhlller-Theater Freitag, abends 8 Uhr: Dasllerade. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Wildente. Sonntag, nachm 3 Uhr: Don Caplo«. Sonnlag. abend« 8 Uhr: Per Kilometerfreewer. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen fiieäterliiljei'Wggl'wi'�zöe 8 Uhr: Die 5 Frankforler. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: Die kleine Freundin. Sonnlag nachm. 3'/, Ubr: Tas Mädel von Montmartre._ Theater des Westens. Abend» 8 Uhr: Russisches Ballett. Der Schwanemee-Kamval. Urania. WissensohaftlicheB Theater, 8 Uhr: Ans dem Leben des Meeres. Hörsaal Prof. Eckstein 8 Uhr; FrOhlinar Im Walde. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 Alien von Köroul und BarrS. Morgen und solgende Tag«: Ei« Walzer von Ehopl«. o8c-in� B Große Franksurle: Str. 132. Abends 8 Uhr: lder Kampf gegen den Kuh. Lustspiel in 3 Akten v. M. Fiesichmann. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Die sieben Rabe». Abends 8 Uhr: Heimat. Luisen-Theater. Freitag: Berlln-O. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Brin- zessin und Schweinehirt. Abends 8 Uhr: TraumulnS. Sonntag nachm. 3 Uhr: In Dan- kel gehüllt. Abends 8 Uhr: Wir tanzen dnrchS Lebe«. Belle-Ailiance-Tlieater Heute b'/, Uhr: Die Räuber. Gastspiel Ferd. Bonn. Sonnabend 4 Uhr: Dornröechen. Metropol-Theater. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. 'Ansang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. Ab 8 Uhr: Die phänomenalen Spezialitäten. 9 Uhr: Mit vollständig neuer Ausstattung Sein Herzensjnnge. Baudeville in 2'Akten. Harry Waiden als Gast. MMIS Nocb nie dagewesener Lacnerfolg Das Kind der Firma mit Anton u. Donat Herrrfeld in den Hauptrollen. Vorher; Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. »«»»«»«»«««««GGGGG»» Passage-Theater. Dfirjam Lonvitz „Die Falls" Mlle. 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Den Knaben erinnert sie an schmerzhafte strammgezogene Eindrücke, den Jüngling daran, daß er sie auf der Schulbank durchgesessen, den Ehemann daran, daß die bessere Hälfte sie anhaben will. Im Rosenkadalier, im Fidelis und in vielen anderen Hosenrollen (Sarah Bernhard) zeigt die Frau in Männer- kleidern sich so gewandt, daß sie begründeten Anspruch hat, als Hosenkavalier zu gelten. Die Geschichte der Hose greift zurück bis auf einige hundert Jahre vor Christi Geburt. In den Palästen Babylons, an den hängenden Gärten am Euphrat dienten sie dazu, die Hüften und Beine der Babylonier einzuhüllen. Als die Perser den Turm von Babel ein- genommen hatten, verbesserten sie später auch die damals wenig kleidsame Hose, indem sie sie in eine Pluderhose verwandelten. Auch die Phrygier, Parther, Sarmaten und Skythen trugen schon Hosen. Als die Römer bei den Galliern die ersten Hosen erblickten, der- spotteten sie sie als das behoste Gallien, bis diese Sitte auch von den Römern selbst ein- geführt wurde. Die alten Germanen hatten in Adelwald, dem König der Longobarden, den ersten Träger von Beinkleidern. Im Mittelalter wechselte die Mode der Hosen in- sofern ab, als sie bald lang, bald kurz, bald weit, bald eng getragen wurden. Der Preis für ein Paar Hofen war damals furchtbar teuer. Am teuersten dürsten Wohl die Hosen in der Mitte des 16. Jahrhunderts bezahlt worden sein. Damals sind oft für ein Paar Beinkleider mehrere hundert Ellen Zeug verwendet worden. Die Beinkleider bestanden auS einer Ueber- fülle dünnen Seidenstoffes, der durch über- einandergelegte Streifen gröberen Stoffes zu- sammengefügt wurde, und die meist von Landsknechten ganz enorm gesteigert worden worden sind. Nachher haben die höheren Stände diese Mode den Landsknechten ab- gesehen. Unbemittelte Leute, denen die An- schaffungSkosten zu hoch kamen, stopften ihre Hosen aus, damit sie den gleichen Umfang annehmen sollten wie jene teuren. Im „Hoffartsteufel" und im„Hosenteufel" eiferten die Geister jener Zeit gegen diese Unsitte. Joachim H., Kurfürst von Brandenburg(ge- storben 1571) verbot daS Tragen der aus- gestopften Beinkleider mit der Androhung, daß er Zuwiderhandelnden im Betretungsfalle die Beinkleider auffchneiden lassen würde, was auch in mehreren Fällen geschehen ist. Die Franzosen trugen zu jener Zeit unter Franz I. so kurze Hosen, daß sie nicht daS Knie bedeckten. Später kamen in Frankreich und England neben den weiten Lang- hosen die kurzen Rollhosen in Aufnahme. Dann wieder wurden sie zu beiden Seiten von außen zugeknöpft und unter dem Knie mit Schleifen befestigt. Daneben brachte die Mode Pluderhosen mit Puffen und Schlitzen und mit Bändern geschmückte Beinkleider. Die jetzige Fasson wurde unter dem Namen PantalonS in der ftanzösischen RevolutionS- zeit(1789—1799) eingeführt. Den modernsten Anforderungen der Gegenwart genügen unsere Modekünstler durch unwesentliche Abweichunaen im Schnitt. Die Kleiderwerke Baer 5 lassen es sich ganz besonders angelegen den Schnitt der Hose zu studieren und jeweiligen neuesten Mode zu entsprechen. eifrigen Studium der Geschichte der Hose dankt die gegenwärtige großzügige V staltung ihren Ursprung. In der Zeit 13. bis LI. Januar findet in den vic schäftsstellen Chausseestraße 29/30, Br straße 11, Große Frankfurter Straße Schöneberg. Hauptstraße 10, eine Hose« statt. Ungeheure Bestände an Beinkl' die ausreichen würden, ganze Arme« einzukleiden, werden zu spottbilligen P zum Verkauf gestellt. Die Veranstalwr den Zweck, dem Publikum von neuer Leistungsfähigkeit in der Fabrikation( Quantitäten vor Augen zu führen. An � Würdigkeit ist man bis an die Grenz) Möglichen gegangen. (Fortsetzung morgen.) r i « t » Werkzeipechan; der an automatischen Revolver, semste Dreharbeit auZze'ühr, findet dauernd« Beschäftigung. Müller Fabrik zahnarztlicher Instrutni und Matehlnan Berlin SO. 36, Kottbuserüte Achtnngi Verkäufe. Tevpiche!(fehlerhafte) in allen Größen, soft für die Hälfte des Wertes Tevvichlager Brünn, Hackefcher Marti 4, Bahnhof Börse.(Leier deS „Vorwärts� erhalten ö Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet!_' Pfandlethbaus, Küftrtnerplah 7, billigster Uhrenverkauf, goldene Ketten- verkauf, Doublee- Kettenverkauf, 20 jährige Garantie, Teppiche, Portieren, Paletots, Anzüge, Pclz- stolaS, VerfchiedeneS. 6ökK" In Freien Stunden. Wochen- flhnft für das arbettendeVolk. Romane und Erzählungen. Abonnement» wöchentlich 10 Pf. nehmen alle Ausgabestellen de».Vorwart»- entgegen. Probehefte gratis Taschenbuch für Gartenfreunde Ein Ratgeber für die Pflege und fachgemäße Bewirtschaftung deS häuS- lichen Zier-, Gemüfe- und Obstgartens von Max HeSdörfcr. Zweite verniehrte Auflage. 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