Nr. IS. RboRntmentS'lledlAgflnoefl: KSoratcmenlS• Preis drSnumeranbo: WerteljShrl. 330 SRI., monatL 1,10 SRI, wöchenUich 28 Pfg. frei in« HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonniagS» nummer mit illustrierter Sonntags» Bellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- »ibonncment: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft.ZeitungS. Preislifte. Unter Kreuzband für TeuN'chland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnemems nehmen aru Belgien, Dünernarl, .'iolland. Italien. Luxemburg, Portugal. Rumänien, echmefccn und die Schweiz. 39. Jahrg. GHiflnt flfglich aaScr HlontagJ. � f' Verlinev Volltsbletkk. Ole TnfertlonS' Gebühr BeftSgt für die sechsgespaltene Kolonef- geile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins- und Bersammiungs-Anzeigen M Pia. „Alein« Snrerzen", das sellgedrulkto Wort 20 Pfg.(zuläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort lO Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort K Pfg. Worte über lSBuch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer mästen»ts S Uhr nachnüttags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Soziaidcroclirat Rtrlio". Zentralorgan der fozialdemokrattfchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Freitag, den 19. Januar 1913. Expedition: SRI. 68, Lindcnatrasöc 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. ZuriicK ins tfiitfelalter. Der dem Hcrrenhause zugegangene Entwurf eines Gesetzes über die Ausübung der Armenpflege bei Arbeits- scheuen und säumigen Nährpflichtigen ist ein Machwerk so reaktionärer Art, wie es selbst in Preußen feit Iahren noch nicht dagewesen ist. Angeblich sollen diejenigen Personen davon betroffen werden, die sich, obwohl sie dazu in der Lage sind, um die Ernährung ihrer Faniilie nicht kümmern. In Wirklichkeit aber läuft, wenn der Entwurf in der vorliegenden Fassung Gesetz wird, jeder dauernd Unter stützte Gefahr, auf beliebige Zeit ohne Richterspruch in ein Arbeitsbaiis gesperrt zu werden. Ein ähnliches Gesetz bestand in Preußen schon einmal. Es war dies das Gesetz vom 21. Mai 1835. das die Möglich keit bot, solche Personen, welche durch eigene Schuld obdachlos waren oder welche sich trotz ihrer Unterstützungs- bedürftigkcit weigerten, die ihnen angebotene Arbeit zu ver- richten oder endlich solche, welche schuldbarerweise ihre Ehefrauen und Kinder der öffentlichen Armenpflege preisgaben. dürch Verfügung der Verwaltungsbehörde für die Dauer der Obdachlosigkeit oder Unterstülzungöbedürftigkeit in einer Arbeitsanstalt unterzubringen. Wie es scheint, ist die Polizei- liche liebcrweisung in ein Arbeitshaus im allgemeinen in ver- hältnißmäßig wenigen Fällen zur Anwendung gekommen. Der Hauptgrund hierfür war nach den Motiven des neuen Gesetzes neben der geringen Anzahl der vorhandenen Arbeitshäuser und der Höhe der Kosten der Unterbringung der Umstand, daß schon die Möglichkeit des polizeilichen Arbeitszwanges ge- nügte. um die Fälle seiner Anwendbarkeit zu verringern. Das Gesetz vom 21. Mai 1855 wurde durch das Aus- führungsgesctz zum Unterstützungsivohnsitzgesetz vom Jahre 1871 aufgehoben, namentlich aus rechtlichen Bedenken, weil man annahm, daß neben den Paragraphen 861 und 362 des da- maligen BundeZstrafgesetzbuches Raum für einen auf Landes- gesctz beruhenden polizeilichen ArbeitSzwang nicht mehr vor- banden sei. Entsprechend dieser RechtSanffassung wurde in der Instruktion zum Ausführungsgesetz des Unterstützungswohn- sitzgesetzes ausdrücklich hervorgehoben, daß die Unterbringung des Hilstsbedürftigen in eilt Armenhaus sowie ein Zwang zur Arbeit wider seinen Willen im Verwaltungswege nicht zu- lässig sei. Im Laufe der beiden nächsten Jahrzehnte machten sich wieder Stimmen geltend, die die Einführung eines Polizei- lichen ArbeitSzwanges verlangten. Nach vergeblichen Versuchen, den ArbeitSzwang durch Neichsgesetz einzufiihrcn, wurde durch die Novelle zum Strafgesetzbuch vom 12. März 1894 in den � 861 eine neue Ziffer 10 eingefügt, die eine Haststrafe bezw. Geldstrafe bis zu 150 M. für denjenigen vorsieht, der, obschon cr in der Lage ist, diejenigen, zu deren Ernährung er ver- pflichtet ist, zu unterhalten, sich der Unterhaltungspflicht trotz der Aufforderung der zuständigen Behörde derart entzieht, daß durch Vermittelung der Behörde fremde Hilfe in Anspruch genommen werden muß. Man sah bei dieser Gelegenheit davon ab, die Nebenstrafe der Ueberweisung an die Landes- Polizeibehörde auch für die neueren strafbaren Handlungen für amvendbar zu erklären, und ebenso nahm man aus recht- lichen Gründen von einer landesgesetzlichcn Regelung des polizeilichen Arbeitszwanges Abstand. Wiederholt hat dann die konseivativ.rlerikale Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses an die Regierung die Bitte gerichtet, den administrativen Arbeitszwang wieder einzuführen. Am 27. Februar 1909 nahm das Abgeordnetenhaus einen ent- sprechenden Antrag an. der der Gemeindekommission über- wiesen wurde. Die Kommission empfahl folgenden Antrag: Das HauS der Abgeordneten wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, l. sobald als möglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen de» Berwaltungsbehörden die Befugnis beigelegt wird, Personen, die sich harinäckig und böswillig der UntcrhaltungS- Pflicht ihrer aus öffentlichen Arinenmitteln unterstützten Angehörigen «uziehen, zur Arbeit aiizuhalien:... 2. auf eine Aenderung des ReichSstrafgesetzbucheS hinzuwirken, damit Personen, die sich hartnäckig und böswillig ibrer gesetzlichen Unlerhaltungspflichl entziehen, künftig mit Gefängnis, in leichteren Fälle» mit Haft bestraft, in schwereren Fällen, wo Trunk, Lieder- lichleit oder gewohiiheitSinäßiger Müßiggang den Grund der lliilerlassung deS Unterhalts bilden, außerdem der Landespolizei- behörde überwiesen werden können. Im Plenum ist der Antrag nicht mehr zur Beratung Auch der Deutsche Verein für Armenpflege hat sich auf seiner Gencralversainmlung am 28. September 1909 in München in ähnlichem Sinne geäußert und folgenden Beschluß gefaßt: Der Berein erachtet die Ueberweiiung in eine geschlosiene Anstalt mit Arbeitszwang im Wege eine« gegen Mißbrauch zu schützenden VerwatlungSverfahrens als das geeignete ZwangS- mittel gegen Arbeitsscheue und Versäumnis der Rährpflicht von Eitern ceaenübec ihre»»lindern unter 16 Jahren und von Ehe- Männern gegenüber ihren Ehefrauen und empfiehlt deshalb drin- gcnd daß rcichSgeieylich. jedenfalls aber durch LandeSgesetze der armenpolixeiliche. r eilszwang m allen Bundesstaaten, in denen er noch nicht bestehr, zur Einführung gelange. In der Debatte bekämpfte der Vertreter der Minderheit, der bekannte langjährige Dezernent der Charlottenburger Armenverivaltung Stadtrat S a m t e r scharf den Arbeitszwang, einmal als ungesetzlich, zweitens als unwirksam und I endlich aus sittlichen Bedenken. Aus rechtlichen Bedenken er- �lärt er es in seinem an die Generalversammlung erstatteten Bericht für unzulässig, unter dem Namen eines armenpolizeilichen Zwangsmittels etwas einzuführen, was nur als Strafe an- gesehen werden könne, aus sittlichen Bedenken bezeichnete er als unangängig, Personen ihrem gesetzlichen Richter zu entziehen, noch mehr, in eigener Sache zu entscheiden, und er betont, an diesem Standpunkt um so mehr festzuhalten, als er a priori und durch die Tatsachen von der völligen Un- Wirksamkeit durchdrungen sei, jemals mit diesem Mittel den gewünschten Erfolg zn erzielen. Statt dessen forderte er eine Beschleunigung des Strafverfahrens, Heranziehung von Arbeitern zur Recht- s p r c ch u n g für diese Fälle, Einreihung der Nährpflicht- Verletzung unter die Vergehen und ausschließliche Zu- ständigkeit der— auch mit Laienrichtern besetzten— Strafkammern zu ihrer Aburteilung, unter Zulassung von Haft- und Geldstrafen in leichten Fällen, Neberweisung ins Arbeitshaus auf vom Richter bestimmte Dauer als Nebcnstrafe für schwere Fälle neben erheblicher Gc- fängnisstrafe, unter gesetzlicher Regelung der Strafvollstreckung in den Arbeitshäusern unter Berücksichtigung des erzieherischen Zweckes der Strafe, und endlich die Einführung der bedingten Verurteilung für die Fälle der Nährpflichtverletzung. Treffend nennt er das VerwaltungSzwangsverfahren eine Verhöhnung der fundamentalsten Sätze der modernen Armenpflege. Seine Worte waren in den Wind gesprochen, die Mehrheit legte sich einfach auf den oben wiedcrgegebenen Antrag fest und bot dadurch der Reaktion eine willkommene Handhabe zur Verwirklichung ihrer Pläne. Der Rcgierungscntlvurf geht aber noch weit über die Be- schlüsse des Vereins fiir Arnienpflege und des Abgeordneten- Hauses hinaus. Denn während in dem Beschluß des Vereins für Arnienpflege ausdrücklich von Zwangsmitteln gegen„Arbeits- scheue und Versäumnis der Nährpflicht von Eltern gegenüber ihren Kindern unter 16 Jahren und von Ehemännern gegen- über ihren Ehefrauen" die Rede ist, und während der Antrag der Gemeindckommisslon des Abgeordnetenhauses nur von Personen spricht, die sich„hartnäckig und böswillig" der Unter- haltungspflicht ihrer ans öffentlichen Armenmitteln unter- stützten Angehörigen entziehen, sieht der Entiourf schlechthin für jeden dauernd Unterstützten die Möglichkeit der Unter- bringung in einer öffentlichen Arbeitsanstalt vor. Zwar heißt es in der Begründung, daß der Arbeitszwang sich nur richten soll gegen die Arbeitsscheuen, d. h. die Müßiggänger, Trunken- bolde lind dergleichen, die nicht für sich selbst sorgen, sondern aus öffentlichen Mitteln unterhalten»Verden müssen, sowie gegen die säumigen Nährpflichtigen, d. h. Personen, welche ihre Verpflichtung zum Unterhalt der Angehörigen nicht er- füllen, sondern diese der Armenpflege anheimfallen lassen, mag das Eintreten der Armenpflege durch Arbeitsscheu des Familienhauptes oder dadurch bedingt sein, daß dieses seinen Verdienst nicht zum Unterhalt der Angehörigen verwendet. Der Wortlaut des Entwurfs aber stimmt mit diesen Worten nicht überein. Erfährt cr keine Aenderung, so wird das Gesetz in der Praxis in der Hand der Behörden zu einem Mittel von Schikanen aller Art werden, und auch solche Personen werden davon betroffen werden, die sich nicht aus Arbeitsscheu oder Müßiggang der Untcrhaltungspflicht ihrer Angehörigen entziehen, sondern aus Gründen, die nicht in ihrer eigenen Person zu suchen sind. Obwohl die Motive selbst betonen, daß die Einweisung in eine Arbeitsanstalt einen empfindlichen Eingriff in die persönliche Freiheit darstellt und daß deshalb eine objektive und jede Willkür ausschließende Anwendung soweit als inöglich sichergestellt werden muß, ist dies Ziel nicht erreicht lvorden. Die Unterbringung soll durch den Kreis- resp. Stadtausschuß erfolgen, also durch Behörden, die in keiner Weise eine Garantie gegen eine mißbräuchliche An- »vendung des Gesetzes bieten. Dazu kommt, daß eine gegen eine Entscheidung des Kreis- oder Stadtausschusses eingelegte Beschwerde keine aufschiebende Wirkung hat und daß die Ent- lassung aus der Arbeitsanstalt ungeheuer schwer ist. Die Fälle werden gar nicht so selten sein,»vo jemand auf dem Ver- »valtungswege dauernd zur Unterbringung ins Arbeitshaus, also zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt wird, denn wenn der Verurteilte auch nach einem Jahre ohne weiteres beurlaubt werden muß, so ist doch andererseits vor- gesehen, daß seine Wiedereinlieferung,verfügt werden kann, falls er während der Beurlaubung erneut nicht nur voriilw?- gehend unterstützungsbedürftig wird. Allerdings sind in einer Reihe von Bundesstaaten, und zivar in Sachsen, Württemberg, Mecklenburg-Schtverin, Oldenburg, Anhalt, Hamburg, Elsaß-Lothringen und Bremen ähnliche Gesetze erlassen, aber hier sind doch immerhin gewisse Garantien geboten. So darf z. B. in Hamburg die Unter- bringung nur dann erfolgen,»vcnn von 5 Mitgliedern der Kommission für das Armenarbcitswesen 4 dafür stimmen, und außerdem muß dem Unterstützten, wenn er ein Jahr in einer Anstalt untergebracht war. bevor das Fortbestehen der Voraussetzung für die Arbeitspflicht festgestellt werden kann, durch eine mindestens sechs Monate dauernde Unterbrechung Gelegenheit zur Erbringung des Nachweises gegeben werden, daß die Voraussetzungen für die Vollstreckung des Beschlusses nicht mehr bestehen. In Elsaß-Lothringen kann die Unter- bringung in eine Anstalt erst dann erfolgen,»venu der Unter- stützte sich weigert, die ihm angewiesene Arbeit zu verrichten. Der preußische Entwurf sieht von solchen Kautelen ab, ex ist das unsozialste Gesetz, das man sich denken kann— ein neuer Beweis dafür, daß die preußische Regierung sich des sozialen Charakters der Armenpflege in keiner Weise bewußt ist. Wird der Entwurf Gesetz, was bei der Zusammensetzung des Dreiklassenparlaments nicht ausgeschlossen ist, so nähern wir uns mittelalterlichen Zuständen. Die Auffassung, daß Arinut ein Verbrechen ist, wird dann aufs neue zur Geltung kommen. So wenig Mitleid»vir auch mit solchen Personen haben, die aus bösem Willen ihre Fannlie zugrunde gehen lassen, so sehr müssen wir auf der anderen Seite doch zu verhindern suchen, daß der Unschuldige mit dem'Schuldigen leidet. Vor allem wird es notwendig sein, vorbeugende Armen- pflege zu treiben und zu verhindern, daß Tausende und aber Tausende in Not und Elend versinken. Geht man den Ursachen der Verarmung auf den Grund, so wird man zu dem Resultat kommen, daß in den weitaus meisten Fällen die tv i r k l i ch Schuldigen nicht die Armen sind, sondern diejenigen, die der Masse des Volkes die Lebenshaltung verteuern. Die konservativ-klerikale Mehrheit des Abgeordnetenhauses und die preußische Regierung brauchen nach den Sckmldigen nicht allzu weit zu suchen._ Die kevsnche der niedergerittenen. Unter diesem Titel schreibt Karl Kautsky in der neuesten Nummer der„Neuen Z e i t" über den Ausgang der Wahlen vom 12. Januar. Genosse Kautsky sagt nach einigen Betrachtungen über Wahlbeteiligung und dergleichen: „Die Wahlen des Jahres 1907 hatten die Sozialdemokratie im Reichstag geschwächt und die Regierung gestärkt, ihr zwei Majori- täten zur Verfügung gestellt— eine liberal-konservative und eine konservativ-ultramontane. Das Resultat war eine Politik, wie sie empörender und aufreizender nicht gedacht werden konnte, eine Politik, die alle bürgerlichen Parteien aufs äußerste kompromitticrtf:. Die einzige Partei, die der Regierung aufs äußerste in allen Punkten Widerstand leistete, die jede Teilnahme an irgend einem Block beharrlich von sich wies, die Imperialismus, Rüstungen, neue Steuern entschieden ablehnte, war die Sozialdemokratie. Dafür ist sie die einzige Siegerin bei den jetzigen Wahlen. Sie ist die einzige Partei, die an Stimmen und Mandaten erheblich verstärkt aus dem ersten Wahlgang hervorgeht. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sucht jetzt alle bürgerlichen Elemente gegen uns mobil zu machen, indem sie unsere Politik als eine des Klassenkampfes, der sozialen Revolution, der Völkerverbrüderung bezeichnet. Sie glaubt uns damit zu brandmarken und zu denunzieren. Aber diese Politik ist es gc- Wesen, die einzig bei den jüngsten Wahlen werbende Kraft entwickelt hat. Mehr Mandate als jemals zuvor im ersten Wahlgang und auch einen Stimmenzuwachs, der sich dem von 1903 ebenbürtig zur Seite stellt, hat uns die Politik des Klassenkampfes, der sozialen Revolution, der Völkerverbrüderung gebracht. Jede andere Politik hat versagt. Von den bürgerlichen Par- teien hat keine einen Aufschwung aufzutveisen. Sie alle haben im ersten Wahlgang an Mandaten mehr Verluste als Getvinne zu verzeichnen. Doch noch ist nicht alles füv den Liberalismus verloren. Bei ihm liegt die Entscheidung, ob der schwarzblaue Block im nächsten Reichstag die Mehrheit erhalten soll oder nicht. Man sollte glauben, die Wahl könnte ihm nicht schwer werden. Er hat ganz einfach zu entscheiden, ob er politischen Selbstmord üben oder noch als ernsthafte selbständige politische Macht weiter existieren will. Sozialdemokraite und Liberalismus zusammen verfügen zur» zeit über rund 70 Mandate. In ungefähr ebenso vielen Stich- Wahlen ringen sie miteinander. Das macht zusammen 140 Man- date, die auf jeden Fall der Linken zufallen. Dazu kommen fast 100 Sitze, die sie erobern kann, wenn Liberale und Sozialdemokratie einander Wahlhilfe leisten. Es ist ungefähr ein halbes Hundert sozialdemokratische Stichwahlen, bei denen der Liberalismus den Ausschlag gibt. Und ebenso groß ist die Zahl der Wahlbezirke, in denen Liberale mit Konservativen oder Zcntrumslcuten in Stich- wähl stehen und die sozialdemokratischen Stimmen von Bedeutung sind. Es ist also möglich, die schwarzblaue Mehrheit zu brechen. Daß wir fiir alle Liberalen eintreten, die die Jenaer Stich- wahlbcdingungcn akzeptieren, ist selbstverständlich. Nicht selbstvcr- ständlich ist es dagegen, daß die Liberalen allenthalben und mit voller Kraft ihre Stimmen für den Sozialdemokraten gegen Zen- trum und Konservative abgeben werden. Von dem Ausmaß, in dem es geschieht, wird eS in erster Linie abhängen, ob die schwarz- iDlauc Mehrheit zur Minderheit reduziert»vird, wird es aber auch abhängen, ob das durch die Paarung zwischen Karpfen und Kanin- che» bereits erheblich ramponierte politische Ansehen LeS LiberaliS- mus noch einmal wiederhergestellt»vird oder ob er völlig zu einer Ruine herabsinkt, aus der kein neues Leben mehr zu sprießen vermag— einer Ruine ohne jeden ästhetischen Reiz, die nur noch als politisches Verkehrshindernis wirkt. Aeußerlich kräftiger als der Liberalismus steht der Zentrums- lurm da. Das Zentrum hat seine Machtstellung dem horrenden Pluralwahlrecht zu verdanken, das durch unsere Wahlkreiseinteilung in von Jahr zu Jahr wachsendem Maße' den rückständigsten Wahlkreisen zugute kommt, während es die fortschreitenden immer mehr entrechtet. Sicher ist, daß dadurch niemand mehr benachteiligt wird als die' Sozialdcmo- kraiet, niemand mehr begünstigt als das Zentrum. Mit den 300 000 Stimmen, die Lcdebour und Zubeil zusammen erhielten, lassen sich bequem 30 Zentrumskandidatcn in den schwarzen Wahlbezirken durchbringen, Daneben mag aber wohl das Zentrum auH aus seinem Zu- sammengeben mit seinen konservativen Blockbrüdern schon im ersten Wahlgang einigen Nutzen gezogen haben. Daher wird uns von freisinniger Seite bereits der Vorwurf gemacht, wir hätten des- gleichen tun und, anstatt„falsche Stichwahlen" herbeizuführen, in allen Wahlkreisen wo solche zu erwarten gleich von vornherein den Liberalen wählen sollen. Die da jenen Vorwurf erheben, vergessen, daß ein ersprießlicher Block zwischen Konservativen und Zentrumsleuten nur deshalb möglich ist, weil beide im Grunde dieselbe Nummer sind. Was sie bisher trennte, waren nicht reale Klasseninteressen der Gegenwart, sondern nur Erinnerungen und Einbildungen der Vergangenheit: Ueberbleibsel aus der Zeit der Reformation und der Religionskriege, die zeitweise noch verschärft wurden dadurch, daß die protestanti- schcn Konservativen vorwiegend Altprcußen waren, die den Neu- Preußen als Eroberer gegenübcrtraten. Die katholischen Konserva- tiven, die daö Zentrum in Preußen bilden, leben dagegen vorwie- gend in Provinzen, die von Preußen erobert wurden. Das ist mitunter recht lang« her, aber gerade in den Kreisen, aus denen sich Zentrum und Konservative rekrutieren, spielen die ererbten Ueberliefcrungen noch eine große Rolle. Da war der Gegensatz von Protestanten und Katholiken, vom Eroberer und Er« oüerten schwerer zu überwinden. Daneben hat auch noch Futterneid zwischen den katholischen und protestantischen Strebern, denen die gemeinsame Staatskrippe zu eng war, manchen Zwist erzeugt. Aber alles das verschwindet doch gegenüber den großen und dauernden agrarischen und ökonomisch reaktionären Interessen, die beide Par- teien in gleicher Weise vertreten, und die sie immer mehr bedroht sehen. Gleiches Interesse und gleiche Gefahr der Gegenwart be- seitigt die trennenden Erinnerungen der Vergangenheit, vereinigt die schwarzen und die blauen Gesellen. Sie sind Fleisch von dem- selben Fleische, sie dienen den gleichen Tendenzen, sie gehören zusammen, ihr Block ist eine ganz natürliche Erscheinung. Unsere Aufgabe ist es nicht, diesen Block zu sprengen, die Konservativen vom Zentrum loszulösen. Im Gegenteil. Je enger die beiden ver- bunden sind, um so besser, desto leichter wird es uns werden, die Arbeiter, die dem Zentrum noch anhängen, von dieser unnatür- lichen Gefolgschaft zu befreien. Desto leichter wird uns die Aufgabe, den schwarzblauen Block in die Minderheit zu drängen. Von uns aber verlangen, wir sollten zur Bekämpfung dieses Blocks in ein gleiches Blockverhältnis zu den Liberalen treten, beißt uns zumuten, wir sollten aufhören, Sozialdemokraten zu sein. Denn eine Vereinigung zu einem Block kann nur Parteien helfen, die innerlich miteinander verwandt und bloß durch Miß- Verständnisse oder Traditionen oder ähnliche Kleinigkeiten getrennt sind. In der Tat nehmen jene Liberalen, die uns ein Blockver- hältniS vorschlagen, an, unser sozialistisches Programm und unser proletarischer Klassencharakter seien nur noch Erinnerungen der Vergangenheit, keine realen Mächte in unserem Dasein. Wären die Liberalen belehrbar, dann müßte sie der Ausgang der Wahl vom 12. Januar belehren, welch große Kraft der Lehre und der Taktik innewohnt, die das politische Handeln der Sozial- Demokratie leiten. Wäre eS noch notwendig, dann müßte diese Wahl uns aufs entschiedenste in der Uebcrzeugung stärken, daß wir uns auf dem richtigen Wege zur Macht befinden, daß jeder andere Weg ein Abweg wäre. Unsere sieggckrönte Taktik, unsere sieggekrönte Lehre find mit einem neuen Siege gekrönt worden. Unser« Erfolge geben unS die Gewähr, daß wir im Fortschreiten begriffen sind zu neuen Siegen." Cm LlücK poUMcher Heuchelei. Der ZentrumSsührer LandgerichtSrat Adolf Gröber machte nach dem amtlichen Stenogramm am 28. Februar 1907 im Reichs- v a I t, für völlige Sicherung eines aus- r e i ch e n d c n Z v l l' ch u p e s f ü r L a n d w i r t s ch a f t und Industrie uud für Sicherung der bürgerlichen Gesellschaft und des einzelnen gegen den TerroriSmuS der Sozialdemokratie ver- pflichten, Stimmenthaltung zu empfehlen und auszuüben." Zugleich gibt die Leitung des Bundes der Landwirte folgende Parole au?: „Nachdem die Versuche der rechtsstehenden Parteien und des Bundes der Landwirte, mit den liberale» Parteien unter Mit- Wirkung der Regierung einen allgemeinen Wahlkomvromiß gegen die Sozialdemokratie zustandczubringcn, an der Ablehnung der Fortschrittlichen VolkSpartci, überhaupt in cme diesbezügliche all- gemeine Verhandlung einzutreten, gescheitert sind, empfehlen wir unseren Freunden, sich der Stekkungnahm« der rechtsstehenden Parteien anzuschließen und im Interesse der Zukunft überall da Wahlenthaltung eintreten zu lassen, wo gleichwertige Kompensationen nichl erreichl werden." Ein nationallibcral freikonscrvativeS Slbkoonue». Zwischen Nationalliberalen und Freikonser- v a t i v e n ist heute im Abgeordnetenhanse ein Stiwwahlabkommcn abgeschlossen worden, das das Wölfische Bureau in folgender Form bekannt gibt: Zwischen den Parteileitungen der Deuffchen Reichspartei und der nationalliberaleu Partei find Vereinbarungen getroffen worden. daß beide Parteien sich in nachstehendrn Wahlkreiseu gegenseitige Stichtvahlhilfe leisten: 1. In der Provinz Sachsen in ManSfeld, Bitterfeld, Sänger- Hausen, NeuhaldenSleben, Halberstadl. Torgau. 2. In der Provinz Brandenburg in Frankfurt-LebuS, Guben» Lübben, Sorau-Forst, Kottbus-Sprembcrg, Jüterbog-Zauch-Lclzig, Potsdam-Osthavelle.nd, Wcstpriegnitz. 9 Tie Reichspartei gegen die Fortschrittliche Volkspartei. In ihrem Grimm über die Stichwahltaktik der Fortschritt- lichen Volkspartei erläßt der Vorstand der Reichspartei folgenden kuriosen llkas: An die Mitglieder und Freunde der Reichspartei. In der Aufforderung des geschäftsführenden SuSschuffes der Fortschrittlichen Volkspartei: »keine Stimme für ein Mitglied der deutschkonservatiden Partei. der Reichspartei, des Zentrums, der Wirtschaftlichen Vereinigung usw. zu geben", erblicken wir eine schwere Verletzung wichtigster vaterländischer Interessen. Ein solches Vorgehen der Volkspartei nötigt zu dem Schluß, daß sie sich die Wahl ihrer Führer und Parteigenossen von der Sozialdemokratie hat versprechen lassen., Alle Bemühungen, mit der Fortschrittlichen Volkspartei zu einer Verständigung über gegenseitige Wahlhilfe in den durch die Sozialdemokraten gefährdeten Wahlkreisen beider Parteien zu gc- langen, sind gescheitert. Die Stichwahlparole deS geschäftSführenden Ausschusses schließt, soweit die Parteigenossen ihr folgen, auch jede Verständigung von Wahlkreis zu Wahlkreis aus. Bei dieser Sachlage sehen wir unS zu unserem lebhasten Bedauern genötigt, alle Parteigenossen dringend zu bitten, in keinem der Wahlkreise, in denen die Fortschrittliche Volkspartei zur engeren Wahl steht, den Kandidaten derselben zu unterstützcn. NamenS der Reichspartei: Frhr. v. Zedlitz. Frhr. v. Gamp. G Ein Verstost gegen die Wahlparole der Fortschrittspartei. Blättermeldungen zufolge ist zwischen Konservativen und Freisinnigen ein Stichwahlabkommen über zwei branden- burgische Kreise abgeschlossen worden: In Oderbarni» wollen die Konservativen für den freifinnigen Kandidaten H u b r i ch eintreten, während in Ruppin-Templin die Fr e i s i n n i g« n die Stichwahlparole für den konservativen Kandidaten Dietrich ausgeben werden. Dieses Abkommen würde der Wahlparole der Fortschrittspartei. demzufolge kein Freisinniger für einen Schwarzblauen stimmen darf. auf da? schärfste widersprechen. Man muß annehmen, daß dieses Abkommen vor der Verlautbarung der fortschrittlichen Wahl- Parole zustande gekommen ist und daß die Leitung der Fort- schrittspartei' für die entsprechende Korrektur Sorge tragen wird. Stichtvahlparolc des Zentrums. Auch die ehrliche Partei für„Wahrheit, Freiheit und Recht", die Zentrumspartei, kommt endlich mit ihrer offiziellen Stichwahlparole heraus. Sie lautet: »Der von der Regierung unterstützte Versuch, für die Stich- wählen eine Einigung der bürgerlichen Parteien herbeizuführen, scheiterte an der Haltung der liberalen Parteien, welche sich vor- behalten wollten, je nach Lage der Dinge einerseits mit den beiden konservativen Parteien und dem Zentrum, andererseits mit den Sozialdemokraten Wahlgcschäste zu machen. Unter diesen Um- ständen kann den Wählern der Zcntrumspartei nur empfohlen werden, überall da, wo nicht von feiten der örtlichen Parteileitung bindende Abmachungen über gleichwertig« Gegenleistungen ge- troffen sind, liberalen Kandidaten gegenüber strikteste Wahl» cnthaltung zu üben." Dementsprechend veröffentlicht denn auch bereit? da? Danziger ZcntrnmSorgan folgenden Beschluß der Danziger ZentrumSleitiing: »Es bleibt den staatZerhaltenden Parteien in Tanzig-Stadt und Dnnzig-Land nichts weiter übrig, als in Danzig-Land m tcien gegen die Sozialdemokratie im totiche gelassen hat und sich an- schickt, die Sache des Bürgertums an die Sozial- dcmokratie zu Verrate n! Der Freisinn scheidet sich damit von selber aus dem Lager des nationalen Bürgertums aus: und wer dieser Partei nocheine Stimmegibt, der b e l o h n t sie noch für ihren Verrat und stärkt in Wirklichkeit nur die Sozial- dcmokratie, mit deren Sache sich der Freisinn durch seinen Beschluß identifiziert hat. Wohl mag es im Lande noch Freisinnige aus der alten Richterschen Schule geben, die trotz der Parteiparole die bur- gerliche Fahne nicht verlassen: die freisinnige Partei als solche ist hiermit in das Lager der Feinde des Bürgertums abgc- schwenkt: sie ist zum dienstbaren Vasallen der Umsturzpartei ge- worden, deren Stimmen sie durch diesen Verrat erkaufen will, und sie muß demgemäß behandelt werden." Und die„Germpnia" sekundiert: „Tie Schuld an dem Scheitern eines allgemeinen bürgerlichen StickMahlbündnisses trägt in erster Linie die Fortschritt! ich e Bolkspartei, die damit vollständig in das Lager der FeindedeSBürgertums übergegangen ist und sich nunmehr ganz zum Vasallen der Sozialdemokratie gemacht hat, die bereits in der Form der Stichwahlbedingungen des Jenenser Parteitages ihr kaudinisckcs Joch für die Fortschrittliche Vokkspartei wie für die Nationalliberalen aufgerichtet hatte. Die Fortschrittliche Volks- Partei kann danach nicht anders behandelt werden, als die Sozialdemokratie; das gilt insbesondere auch für die Stich!va hl im ersten Berliner Neichstagswahl- ! L l � L. Aber auch die notionalliberale Parteileitung trifft nicht minder die Schuld. Sie hat ein Verhandeln auf breite- ster Grundlage abgelehnt und überdies noch einzelne Landesteile, die für ein Gegenseitigkeitsbündnis in erheblicher Weise in Betracht kommen, aus den Verhandlungen ausschalten wollen, womit eine allgemeine Verständigung unmöglich war. Unter diesen Umständen kann den Wählern der Zentrums- Partei nur empfohlen werden, überall da, wo nicht von feiten der örtlichen Parteileitung bindende Abmachungen über gleichwertige Gegenleistungen getroffen sind, liberalen Kandidaten gegenüber strikteste Wahlenthaltung zu üben." Wie groß muß die A n g st sein, die sich hinter diesem wahnsinnigen Wutgeheul verbirgt. poUtifcbe Ocberficbt. Berlin, den 18. Januar 1912. Eine nationalliberale Stimme über unsere Wahlparole. Die„Kölnische Zeitung" schreibt zu der Stich- Wahlparole des Parteivorstandes: „Wenn man bedenkt, daß in früheren Jahren die sozialdemokratische Partei das Eintreten der Genossen für einen liberalen Wahlkandidaten überhaupt als unzulässig erklärte, so ist es unzweifelhaft, daß sich in den sozial- demokratischen Auffassungen eine Umänderung vollzogen haben muß. Die Jenaer Bedingungen, von denen der „Vorwärts" die sozialdemokratische Stuhwahlhilfe abhängig macht, sind bekanntlich sehr milde gefaßt. Den Zweck der Zertrümmerung oder Schädiguug des blauschwarzeu Blockes scheinen die Sozialdemokraten allen anderen Er- wägungen unterordnen zu wollen. Aii Klarheit läßt die Parole nichts zu wünschen übrig und sie ist praktisch um so wichtiger, als die Sozialdemokratie ihre Leute fest genug in der Hand hat, um auf rückhaltlose Befolgung rechnen zu können." Um so bedauerlicher bleibt es, daß die National» liberalen ihrerseits nicht zur Klarheit gelangen können. Mache der freisinnigen iu Berlin l.« Die Verlegenheit der Börsenleute kennzeichnet die Wahl ihrer Kampfmittel. Der„Vernilbter" der Agrurdemagogie, Dr. Rießer. konzentriert seine strategischen �Kräfte in der Stichwahl sorgfältig zum Kampfe gegen die— Sozialdemokratie. Die Leitung des HansabundeS.ist bald reif für die korporative Ehrenmitgliedschaft im schwarzblauen Block. Eine Reihe von H a n s a b u n d l e u t e n schwenkt mit fliegenden Fahnen in daS Lager der Konservativen ein— zum Kampfe gegen linkSl Eine wunderbare Front gegen rechts! Die Bank- und Börsenkapitalisten ver- schmähen es nun auch nicht, mit ononhmen Behauptungen zu operieren. So da?„B. T." mit der Mitteilung,„'"ele Anhänger der Kandidatur Gädke" hätten sich verpflichtet, für Kaempf einzu- treten. Die Wahl solcher Mittelchen zeugt von einer verzweifelten Stimmung, die jeden Trick heiligt. Kaum eine Lersammluiig der Demokraten hat stattgefunden, in der nicht zum Ausdruck kam, daß man im Falle einer Stichwahl zwischen Kaempf und Düwell u n- bedingt für letzteren eintreten werde. Solche Parole fand nicht nur keinen Widerspruch, sondern ungeteilten Bei- sali. Diese Tatsache charakterisiert die anonyme Mache hin« länglich!_ Die Hamburger Scharfmacher gegen das Koalitionsrecht» Hamburg, 17. Jamiar 1912. äg. In einer Dauersitzung, die sich bis gegen 1 Uhr nachts aus- dehnte, beendete am Mittlvoch die„Hamburger Bürgerschaft" (Hamburger Parlament) den von den sog. alten Fraktionen, d. h. dem Block der Wahlrechtsräubcr, eingebrachten Antrag, betreffend Schutz der Arbeitswilligen, insbesondere durch ein Verbot des Streikposten st ehcns. Die Antragsteller hatten es sehr eilig, die Beratung zu Ende zu führen. Kein Wunder! Waren doch ihre noch in der vorigen Sitzung mit so großer Emphase ausgesprochenen Behauptungen, wonach der überwiegende Teil des Bürgertums(von den Arbeitern sah man ganz ob) auf der Seite der Scharfmacher stehen sollte, durch den Ausfall der Reichstagswahlen gründlich widerlegt wor- den. Den Herren war es ersichtlich unangenehm, als unser Genosse Stalten auf diese Tatsache hinwies und weiter ausführte, daß es nur dem ungerechten Wahlsystem Hamburgs zu danken sei, wenn in der Hamburger Bürgerschaft dieser Antrag ein« Mehrheit finde. Im wesentlichen drehte sich die Debatte um die Bedeutung be'» Koalitionsrechtcs und die Auslegung des§ 153 der Gewerbeord- nung. Wieder stiegen Vertreter des Antrages auf die Tribüne und behaupteten mit schöner Selbstsicherheit, daß sie absolut nicht daran dächten, dag Koalitionsrecht einzuschränken. Im Gegenteil! Sie wollten erst die wahre Koalitionsfreiheit schaffen, indem sie den Koalitionszwang beseitigten! Das liege auch im Interesse der Arbeitnehmer, die von ihren Organisationen in unerhörter Weise terrorisiert würden. Besonders aber seien die lieben Arbeit?- willigen zu schützen. Natürlich hüteten sich die Herren Scharf- macher, davon zu reden, wie sie in ihren eigenen Reihen Terroris- mus üben. Die ganze Rederei von dieser Seite lief schließlich auf den Punkt hinaus:„Verbieten wir das Streikpostenstehen, so schaffen wir damit die Auswüchse des Koalttionsrechtes aus der Welt."(!) Dieser Gedanke wurde denn auch von unseren Genossen in schärfttcr Weise hervorgehoben. In eindringlichen Worten legte namentlich Stalten dar, daß das Verbot des Streik- Postenstehens ein Angriff auf die Koalitions» frciheit und daö Streikrecht bedeute! Es werde da- mit ein Ausnahmegesetz geschaffen für die Arbeiter, die sich in einem Kampfe um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen befinden, So« werde ober nicht etwa eine Sbschwächung der TegensZtze und Kämpfe bewirken, sondern im Gegenteil eine Verschärfung. Harte Strafen würden nur noch größere Erbitterung bei den Betroffenen und bei ihren Berufskollegen hervorrufen. Einen stürmischen Charakter nahm die Diskussion an, als Ge- nasse Stalten dann den Spieß umdrehte und die Herren Unterneh- mer daran erinnerte, daß es erst die Aussperrungstaktik des organisierten Unternehmertums gewesen sei, die die riesigen gewerkschaftlichen Kämpfe gezeitigt hätte, von denen auch das Wirtschaftsleben Hamburgs in den letzten Jahren schwer getroffen worden sei. Diese Taktik habe aber keinen Erfolg gehabt und dafür wollten die Unternehmer nun ihre Rache haben. Für sich verlangten die Arbeitgeber das Koalitionsrccht; sie scheuen durchaus nicht davor zurück, mit Hilfe von Materialsperr�n Abtrünnige aus ihren eigenen Reihen in die Organisation zu zwin- gen; sie scheuten ferner nicht davor zurück, durch schwarze L i st e n die streikenden Arbeiter und Angestellten brotlos zu machen. Seien schon jetzt Richter und Staatsanwälte für die Unternehmer eingenommen, so solle in Zukunft noch die Unterdrückung der Ar- beiter durch das Verbot des Streikpostenstchens vollendet und gc- schlich sanktioniert werden. Die Herren von der Rechten begleiteten diese treffenden Aus- führungen mit lebhaften Zwischenrufen, aus denen aufs deutlichste hervorging, daß sie für die Arbeiterschaft und für die Bedingungen, unter denen diese kämpft, nicht das mindeste Verständnis haben. Schließlich wurde der Antrag in namentlicher Abstimmung, die unsere Genossen verlangten mit 82 gegen 41 Stimmen end- gültig angenommen. Ein Antrag der Vereinigten Liberalen, der die bessere Ausgestaltung der gewerblichen Einigungsämter und des Tarifvertragswesens forderte, wurde gegen die Stimmen der Vereinigten Liberalen und der Sozialdemokraten abgelehnt. Damit hat die große Aktion ihr vorläufiges Ende erreicht. Scheinbar haben die Herren gesiegt. Aber ihre Triumphgefühle werden sich bald genug abkühlen. Wenn im Reichstage die Scharf- macher ebenfalls Erfolg haben sollten, werden sich die Konsequenzen bald geltend machen. Die organisierte Arbeiterschaft, die mit dem Sozialistengesetz fertig geworden ist, wird auch diesen Schlag zu parieren wissen. 300 Millionen neuer Anleihe«. Die.Schonung des Anleihemarktes" hat nicht lange angehalten. Eine offizielle Verlautbarung besagt: Unter Führung der Reichsbank und der königlichen Seehand- lung lprenßischen Staatsbank) gebildete Konsortien übernahmen heute von den Finanzverwaltungen 80 Millionen Mark deutsche Reichsan leihe und 420 Millionen Mark p r e n ßische koniolidierteStaarsanleihe, beide 4proz. und bis 1. April 1918 unkündbar. Die Beteiligung des Reiches dient lediglich der Absicht, einen Teil der im Jahre 1912 fälligen 4proz. Schatzanweisungen im Gesamtbetrage von 240 Millionen Mark bar einzulösen, so daß es sich nicht um eine Vermehrung der Reichsschuld handelt. Die preußische Anleihe ist für werbende Zwecke bestimmt, besonders für die Eisen- bahnen zur Beschaffung von Materialien usw. Die öffentliche Zeichnung findet am 29. Januar 1912 zum Kurse von 101,40 an den üblichen Stellen statt. Für Stücke, die unter Sperrung bis 15. Januar 1913 in das Reichs- oder Staatsschuld- buch eingetragen werden, beträgt der Zeichnungspreis 20 Pf. weniger. Der EmissionsknrS der heute angekündigten Anleihen ist niedriger als der Preis im Jahre 1910. Damals wurden 430 Millionen Mark zum Kurse von 102 zur Zeichnung aufgelegt. Es ist da? auf den seither eingetretenen Kursrückgang der Anleihen an der Börse zurückzuführen. - Zum Fall Herrmann. In dem Prozeß über die Ermordung des Arbeiters Herrmann, der letzthin in Leipzig geführt wurde, sagte der als Zeuge ver- nommene Staatsanwalt Stelznsr auf eine Frage des Verteidigers: Es sei deshalb keine Belohnung auf die Ermittelung des Mörders ausgesetzt worden, weil der Polizeipräsident nicht über einen Fonds dafür verfüge.— Mittwoch geschah in Berlin ein Raubmord. Noch am selben Abend las man ollen Ecken die Bekanntmachung, in der der Polizeipräsident v. Jagow eine Belohnung von 3000 M. für die Ergreifung des Raubmörders aussetzt. Selbst- verständlich ist das ganz in Ordnung. Aber wie denn, hat er etwa seit dem Leipziger Prozeß dey Fonds bekommen? Tementi des Zuchthausgesekzes. Die„Nordd. Allg. Ztg." beruft sich auf Aeutzerungen deS Reichskanzlers und des Staatssekretärs des Innern in den Reichstags« sitzungen vom 10. und 13. Dezember 1910, um daraus zu beweisen, daß die Reichsregierung ein Ausnahmegesetz gegen die Gewerkschaften" l. Schutz Arbeitswilliger gegen Streikterrorismus") nicht plant. Selbst in diesen Reden ist die Absicht einer Verschärfung des Strafgesetzbuches nach dieser Richtung hin geäußert worden, obgleich ja heute schon der 8 153 der Gewerbeordnung ein Ausnahmegesetz gegen im Lohnkampf stehende Arbeiter darstellt. Wer sich aber erinnert, daß am Vorabend der Reichstagswahlen von 1907 die Reichs- regierung auf das entschiedenste bestritt, daß neue Steuern gefordert werden sollten, der wird auch diesem Tementi kein allzu großes Ge- wicht beilegen. Sicher ist sicher: Wählt einen Reichstag, der die Ge- währ für volle Koalitionsfreiheit bietet. Darf ein Beamter sozialdemokratisch stimmen? Diese Frage wirft ein von Dr. Heinz Potthoff zur Reichstagsstichwahl in Köln herausgegebenes Flugblatt auf. Dr. Potthoff schreibt dazu: Regierung und Reaktion berneinen es. Sie berufen sich auf den Diensteid und erklären eS für Eidbruch, wenn ein Beamter die Sozialdemolratie unterstützt, weil diese den„Staat" der- Nichten wolle. Das ist doppelt geschwindelt: Tie Sozialdemokratie kann so wenig wie eine andere Partei den„Staat vernichten" wollen. Sie will den gegenwärtigen Staat verändern, wie die anderen Parteien auch. Ter Li- bcralismus und die Demokratie wollen Deutschland zu einem freien V o l k s sta a t e machen, das Zentrum möchte es zu einem unfreien Kirchenstaat machen. Von sozialistischen Reformen ist im nächsten Reichstage keine Rede, denn die Sozialdemokratie bleibt dort eine Minderheit. Das Zentrum aber ist mit den gei st esver wandten Konservativen eine Mehr- h e i t und bildet eine gegenwärtige Gefahr für ein freiheitliches Deutsches Reich mit gerechter, volkstümlicher Politik. Ter Diensteid des Beamten geht auf den Namen des Staats- oberhauptcö, aber nicht auf dessen Person, erst recht nicht auf die Person des Vorgesetzten, sondern auf den Staat, der durch den Namen repräsentiert wird. Der Beamte schwört, seinem Volke und der Volksorganisation, dem Staate, treu zu dienen. Darum muß er auch politisch so handeln, wie es seiner U e b e r- z e u g u n g vom Wohle des Staates und Volkes entspricht. Nicht als Beamter, sondern als Staatsbürger hat der öffentliche Angestellte das Wahlrecht. Dieses hat mit seinem Amte nichts zu tun. Wenn ein Vorgesetzter seine Beamten politisch beeinflußt, so ist das Mißbrauch der Amts- gcwalt. Denn das Stimmrecht der Beamten bedeutet nicht, daß ein Minister zehntausend Stimmen abgeben soll, sondern daß zehntausend Bürger ihrer Meinung Ausdruck geben sollen. Nur nach seiner eigenen Ueberzeugung darf der Beamte stimmen. Wenn er aus Rücksichten auf Amt und Vorgesetzte gegen seine Ueberzeugung stimmt, so schändet er das höchste Bür- g e r r e ch t.___ �Lerantlv. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Militärpcrfonen hat die Reichsverfassung kein Wahlrecht ge- geben, weil man deren politische Unabhängigkeit nicht wollte oder nicht daran glaubte. Allen anderen Beamten gab man das Stimmrecht, weil man ihre politische Selbständigkeit und Unab- hängigkeit wünschte. Nur durch Abstimmung nach eigener Ueber- zeugung können die Beamten sich dieses Vertrauens der Nation würdig erweisen. Schwarze Wahlrechtsfeinde. Der„Kölner Lokal-Anzeiger". gleich der„Kölnischen Volkszeitung" Eigentum der bekannten Herren Bachem, offenbart wieder mal die wahlrechtsfeindlichen Instinkte der Zentrumsleute- In einem Artikel über die Thronrede schreibt das Blatt: Das preußische Wahlrecht ist zum Leidwesen des Linksliberalismus nicht dabei. Also zum Leidwesen des Linksliberalismus, nicht auch des Zentrumsl Aus der Fassung deS Satzes spricht unzweideutig der Hohn, den man im Zentrum dem Kampfe gegen das schmach- volle Dreiklassensystem entgegenbringt. Die„ehrlichen" Mittel der Konservativen. Auf dem konservativen Parteitag in Breslau sagte der Führer der Konservotiven, Herr v. Heydebrand:„Wir kämpfen mit ehrlichen Mitteln". Wie ehrlich die Mittel sind, davon zwei Bei- spiele aus dem Kreise Jauer-Landeshut-Bolkenhain, wo der kon- servative Amtsrichter W a h r m u t mit unserem Genossen Proll in Stichwahl steht: „Die konservativenJnhaber derFirmaKrätzig u. Söhne in Jauer, Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen, haben acht Arbeiter, die am Wahltage für die sozialdemokratische Partei als Wahlhelfer tätig waren, auf acht Tage ausgesperrt, obwohl ihnen vom Direktor ausdrücklich Urlaub erteilt worden war." Zweitens: Im konservativen„Anzeiger für Bolkenhain" heißt eS: „Mögen die hiesigen Handwerker, Geschäfts- l e u t e bei der kommenden Stichwahl beherzigen, daß eS von ihnen abhängt, ob der Konservative oder der Sozialdemokrat in den neuen Reichstag einzieht. Ist das letztere der Fall, dann dürsten doch viele Landleute ihre geschäftlichen Beziehungen mit der Stadt ab- brechen mit dem sehr richtigen Bemerken: Warum sollen wir in dem roten Neste kaufen? Also:„Lernet, Ihr seid gewarnt I" Diese Drohung gegen Handwerker und Geschäftsleute ist also ein„ehr kf ch es Mittel' der Mittelstandsfreunde um Heyde- brand. 4 238 919= O. Knuten-Oertel ist nicht nur ein gemütZtiefer Lyriker und ein phrasenkundiger Fabrikant von Festartikeln, die von christlich- germanischer Salbung triefen, er ist auch ein großer Rechenkünstler, ein Zablengenie ersten Ranges. Die obenstehende Gleichung ist seine ureigenste Erfindung. Vier und eine Viertel-Million sind für ihn nichts. Null, sogar weniger als Null,— wenn diese 4'/� Millionen nämlich sozialdemokratische ReichstagSwähler sind. Oertel, der Held der Knute und der Zahlen, kalkuliert folgender- maßen: Die liberale Presse berechnet T1/« Millionen gegen den schwarz- blauen Block abgegebene Stimmen. DaS liberale Exempel ist falsch. Denn«nach der alten Regel der nationalen Parteien" sind„sozial- demokratische Stimmen nicht mitzuzählen, wenn man daS Kräfte- Verhältnis der deutschen Bevölkerung vergleicht". Darum heraus mit den 4'/« Millionen auS dem liberalen Recbenexentpel. ES ergibt sich dann daS Fazit, daß der schwarzblaue Block 4 Millionen Stimmen aufweist, die liberalen Parteien aber nur mit 3l/s Millionen antreten können. Womit klar, deutlich und zahlen- mäßig bewiesen ist. daß die Mehrheit des deutschen BolkeS für das väterliche konservativ-zentrümliche Regiment ist. Das arithmetische Kunststück deS agrarischen Sancho Pansa überrascht nicht nur— um mit Fritz Reuter zu reden— durch seine „Richtigkeit", sondern auch durch seine Fixigkeit. Merkt es euch, ihr sozialdemokratischen ReichStagswähler, ihr seid nichts, ihr seid Lust für Oertel und seinesgleichen, und zwar so lange, bis durch diese dicke Null einmal ein recht kräftiger Strich gemacht wird. Spiouagcprozest. In dem Spionageprozeß Winogradoff und Cerno vor dem Reichsgericht wurde heute nachmittag 2 Uhr das Urteil verkündet, und zwar erhielt Winogradoff wegen versuchten Verrats militäri- scher Geheimnisse drei Jahre Festung, Cerno wegen Verabredung zur Begehung von Landesverrat(Z 5 des Spionagegesetzes) drei Jahre Gefängnis. Jedem Angeklagten wurden 5 Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet. Cerno hatte sich einem Vertreter des russischen?tachrichtenbureaus, der in Berlin wohnte, zur Liefe- xung geheimer militärischer Nachrichten aus Deutschland bereit er- klärt. Er wurde dann nach Kiel gesandt und hielt sich dort über ein Jahr auf. Was er an Berichten sandte, waren indessen lauter bekannte und nicht geheim zu haltende Dinge, die meist schon in deut- 'chen Zeitungen gestanden hatten oder seiner Phantasie entsprungen waren. Gegen ihn konnte nur der Tatbestand des H 5 festgestellt werden. Winogradoff ist aktiver Offizier der russischen Marine. Er war abgesandt, um die Tätigkeit des Cerno in Teutschland zu kon- trollieren. Diese Gelegenheit benutzte er, um selbst Beobachtungen ,zu machen, die er gecignetcnfalls seiner Regierung mitteilen könnte. So hat er sich bezüglich der Befestigung von Cuxl)aven Zeichnungen gemacht, die er auf die Post gab, um sie fortzusendcn. Hierin ist ein Versuch des Verbrechens nach Z 1 des Spionagegesetzes erblickt worden._ frankrcicb. Eine Ministerratssitzung. Paris, 18. Fanuar. Ter Mini st errat unter Vorsitz des Präsidenten Falliärcs beschloß auf Vorschlag der Minister des Aeußeren, der Finanzen und des Krieges, eine inter- ministerielle Kommission einzusetzen, die die Aufgabe haben soll, die Bedingungen für die Einrichtung des Pro- tektorats in Marokko festzustellen. Die Kommission wird im Ministerium des Aeußern unter Vorsitz des fran- zösischen Gesandten in Tanger tagen. Ministerpräsident Poincarö hat, wie er im Ministerrat mitteilte, dem französischen Botschafter in R o m Weisung er- teilt, mit Berufung auf die Rechtslage und den Wortlaut der Verträge die Freilassung des P o st d a m p f e r s Carthage unter Wahrung etwaiger Ansprüche der Be- teiligten zu fordern. Italien. Der Eindruck des deutschen Wahlsiegs- Ter„A v a n t i" kommentiert den großen Sieg der deutschen Sozialdemokratie mit den folgenden Worten: „Was wir vorausgeahnt haben, ist Wirklichkeit geworden. Die sozialdemokratische Partei Deutschlands, nein, die gesamte sozia- lisiistbe Internationale hat wieder einen Sieg errungen, und die rote Fahne erbebt sich triumphierend über dem großen Waffen- felde Teutschlands! Was gelten die Kasernen, die Arsenale, die Panzerschiffet Wohin ist der imperialistische Traum Wil- Helms II., der vom kaiserlichen Schloß aus Europa beherrschen wollte? Zum Frieden und zur Freiheit der Welt ist dieser Traum Tb. WockeTBerstn. Druck u. Verlag: Pvrlsärts Bgctzdr.>4 PerlagSanstalf mftergraben worden, untergraben bis zu den Fundamenken seines eigenen Schlosses. Die deutsche Sozialdemokratie reckt sich empor als Hoffnung der Völker, als Gewähr des Friedens und ruft den Herrschenden Deutschlands und der ganzen Welt zu, daß die Politik der Aushungerung der Massen, ihrer Zermalmung unter der Last des Militarismus und der Reaktion aufhören muß, wenn sie nicht die alten Monarchien und die herrschenden Klassen zu- gründe richten soll. �. Die deutsche Sozialdemokratie hat den Sieg errungen für sich selbst und für das internationale Proletariat. Was schulden wir alle ihnen nicht, jenen zähen und wackeren Arbeitern, die ri1h:g und bewußt, wachsam und treu daran arbeiten, Deutschland und die Welt von der Sklaverei des Kapitalismus und der Monarchie zu befreien, die daran arbeiten, mit einem unermüdlichen Opfer» mute, der durch die Schwierigkeiten, Gewalttaten und Verfolgun- gen nur noch an Stärke und Ausdauer gewinnt! Siege wie der gestrige erheben unseren Geist, weil sie die Frucht langer Selbst- Verleugnung und schlichter Lpfcrfähigkeit sind. Das ist keine Menge, die zwischen Entmutigung und Begeisterung hin und her- flutet, die heute aufschnellt und morgen versagt; hier haben wir das prächtige Bild eines Massenbewußtseins, das ein denkender Glaube erleuchtet und ein ewig wachsamer Wille lenkt." Unser Genuescr Parteiblatt„I l L a v o r o" begrüßt bttt Sieg mit folgenden Worten: „Nicht für Teutschland allein, sondern für die ganze Welt ist dieses ein Tag stolzer Freude: für die Welt derer, die arbeiten und leiden und auf eine bessere Zukunft hoffen... Die prächtige Schlacht, die unsere deutschen Genossen der Reaktion geliefert haben, hat die Fricdensabsichten des Proletariats zur Grundlage gehabt, und sein Sieg zeugt von dem festen Willen der Massen, daß die Interessen Deutschlands im Sinne der Billigkeit und Mäßigung ohne nationalistische Provokation und Kriegshetze ver- treten werden sollen. Hier liegt heute der Kern der sozialistischen Politik: energische Opposition gegen das Ueberwuchern des Im- perialismus und Kolonialismus, und all das. was diese beiden nach sich schleppen, wie Wiedererweckung barbarischer Instinkte. Aussaugung durch Militärausgaben, Tcurung usw. � Daß eine solche Politik gerade in Teutschland den Sieg davon trägt, in dem Lande der stärksten militärischen Traditionen, das ist ein Er- eignis von unermeßlicher Tragweite... Noch einmal erscheint« die Sache der Arbeiter innig verbunden und verwoben mit der Sache der Menschheit. Es lebe das Teutschlands des deutschen Volks, es lebe der Sozialismus!" Auch die bürgerlichen Blätter aller Parteien sehen sich genötigt, den riesenhaften Sieg der deutschen Sozialdemokratie an- zuerkennen. Mit mehr oder weniger sauersüßer Miene nehmen sie die Niederlage der Konservativen und die Zermalmung der bür- gerlichen Linksparteien zur Kenntnis. Verschiedene weisen darauf hin, daß das Wahlergebnis einen einschneidenden Einfluß auf die internationale Politik des Deutschen Reiches haben dürfte. Lelgien. Tie klerikale Verleumderbande. Brüssel, 18. Januar. In der Deputiertenkam- mer, die seit Dienstag sozialistische Interpellationen betr. die Lebensmitteltcuerung berät, kam es heute zu einem Zusammenstoß zwischen dem klerikalen Tepu- tierten Dubus de Warnaffe und dem Sozialisten- führer Vandervelde. De Warnaffe hatte den Sozia- listenführern vorgeworfen, sie bereicherten sich mit den Groschen der Arbeiter, und auf Vandcrveldes Frage, wer da- mit genieiut sei, die Antwort verweigert. Daraus nannte Vandervelde de Warnaffe einen Feigling und wollte sich auf ihn stürzen, wurde aber von dem Ministerpräsidenten daran gehindert. Die Rechte bildete einen Halbkreis, um de Warnasfe zu schützen, während die Sozialisten diesen durch Zurufe beschimpften. Ter Präsident unterbrach die Sitzung auf eine Stunde und beantragte nach der Wiedereröffnung die V e r h ä n g u n g der Zensur über Vandervelde. Der Antrag wurde trotz des Wider- spruchs der Liberalen und Sozialisten mit 5-1 gegen 41 Stim» men angenommen._ Hus Induftne und Handel. Die Spirituszentrale hat die Verkaufspreise um drei Mark erhöht. Eine ent» sprechende Aufbesserung des Abschlagspreises für die Brenner dürfte in der nächsten Woche folgen. Ter über Erwarten große Produk- tionsrückgang im laufenden Brcnnjahre, der in der amtlichen De- -emberstatistik eine neue Bestätigung erhielt, macht eine kräftige Anregung des BrennereibetriebcS notwendig. Wir unsererseits hoffen, daß die Belebung der Fuselvergiftung durch die Maßnahme der cspirituszentrale fehlschlagen wird. Dafür, daß ein weiterer Rückgang des Fuselkonsums eintritt, wird schon der Schnapsboykott der organisierten Arbeiterschaft sorgen. Verschmclzungsvcrtrag. Die Riebeckschen Montanwerke in Halle a. S. haben mit der Zeitzer Paraffin- und Solarölfabrik in Halle a. S. einen Verschmelzungsvertrag mit Wirkung vom 1. April 1912 abgeschlossen. Gegen 1900 Mark Zeitzer-Akticn werden 1000 Mark Ricbeck-Aktien gewährt, die ab I. April 1912 dividendcnberechtigt sind. Der Zeitzer Dividendenschein pro 1911/12 wird von Riebeck mit 10 Proz. eingelöst. Die Riebeckschen Montanwerke erhöhen ihr Aktienkapital um 6 590 000 M,> wovon 4 300 000 M. zum Austausch der Zeitzer Aktien und 2 200 000 M. zur Verstärkung der Betriebe mittel dienen._ letzte Naehrfchtem Schluß der türkischen Kammer. K-nstantin-pel, 18. Januar.(W. T. B.) Der I u st i z m t n i st e r verlas in der Kammer im Beisein der meisten Minister mit AuS» nähme des Großvezirs und in Anwesenheit zahlreicher Deputierter das Auflösungsdekret, in dem gemäß Artikel 7 der Verfassung auf den Rat des Senats die Auflösung der Kammer an» geordnet und Neuwahlen innerhalb dreier Monate anbefohlen wer» den. Einige Deputierte der Opposition riefen: Es lebe die Nation! Ein anderer Deputierter rief: Wir haben unsere Mandate geopfert. um die Verfassung zu retten! Sofort nach Verlesung des Dekrets verließ der Präsident der Kammer den Sitzungssaal. Die Depu- tierten hörten die Verlesung stehend mit an und entfernten sich dann ruhig. Zwei Zentrumsmandnte zur reichsländischen Kammer kassiert. Colmar. 18. Januar. iW. T. B.) Das Obcrlandesgericht hat heute nachmittag nach fünfftündiger Verhandlung als verfassungs, mäßige Berufungsinstanz für Wahlanfechtungsklagen die Wahl der Zentrums-Landesabgeordneten Hoen-Saargemünd und Bregli» Habsheim wegen unzulässiger Wahlbeeinflussong seitens der Geist» lichkeit für ungültig erklärt. Abstimmung der englischen Bergarbeiter. Birmingham. 18. Januar.(W. T. B.) DaS Ergebnis der Ab- stimmung der Bergarbeiter wurde auf einer Versammlung der Bergarbcitervercinigung heute bekanntgegeben. Für den Streik haben 445 801, gegen den Streik 115921 Arbeiter gestimmt. Da nur eine Zweidrittelmehrheit für den Streik erforderlich war. wird die allgemeine Arbeitseimtellung in der Rohlenindustrir am I.März erfolgen, falls es bis dahin nicht noch zu einem Vergleich kommt. «aulSingerL Co., Berlin L�V. Hierzu 3 Beilagen n.UnterhaltnngSbl, Ar. 15. 29. ZahrMg. 1. VkllxU Ks Jorairts" ßftlintt AIIisdlM fttifM, 1Ü. Jamitr ffü. Der Krieg. Kämpfe bei Derna. Der«, IS. Januar.(Meldung der Ngenzia Stefani.) Gestern S llhr äO Minuten früh wurden Mannschaften abgeteilt zum Schutze von Arbeilssoldaten, die die neuerdings unterbrochene Wasserleitung wiederherstellen sollten. Ein Zug des Bataillon?,.der die Vorhut bildete, wurde vom Gewehrfeuer des Feindes empfangen, de»»S während der Nacht trotz der Scheinwerfer und der Wachhunde gelungen war, das Gelände zu durchkriechen, ohne bemerkt zu werden, und sich hinter der von den Italienern errichteten letzten Mauer zu verbergen. General Trombi entsandte zwei Kompagnien des Bataillons der Alpenjäger von Jvrea und ein Bataillon deS 7. Jnfanterie-RegimentS zur Unterstützung der von den Alpenjägern von Saluzzo begonnenen Aktion. Der Feind, der die ganze Höhe zur Rechten bis zu dem kleinen türkischen Fort be setzt hielt, wurde zurückgeschlagen, wobei die Italiener von einer Batterie Feldgeschütze und zwei Zügen GebirgSschützen wirksam unter stützt wurden. DaS kleine türkische Fort wurde im Sturm genommen und ein Unteroffizier als einziger Ueberlebender gefangen genommen, während feine Kameraden tot aufgefunden wurden. In der Umgebung des kleinen Forts wurden außerdem siebzehn Leichen von Beduinen gefunden. Eine andere Kolonne deS Feindes, die sich unten am Dernaflusie zeigte, wurde durch das Feuer zweier GcbirgSabteilungen und einer Batterie zurückgeworfen. Eine italienische Patrouille bemerkte andere feind liche Gruppen mit zwei Geschützen. Eine Batterie, die an der Front aufgestellt war, eröffnete das Feuer auf diese Gruppen und ver» nichtete die Begleitmannschaften der Geschütze. Um 1 Uhr nachts war der Feind, der über 3000 Mann stark war, auf der ganzen Linie geschlagen. Die italienischen Verluste betragen drei Tote und sieben Bertvundete, die der Feinde find sehr zahlreich. Mehr als 100 Tote wurden auf dem Schlachtfelde vorgefunden. Die Beschlaguahme des französischeu Schiffes„Carthage�. Paris, 18. Januar. Die Flieger Duval, Obre und CarnuZ richteten aus Tunis telegraphisch an das Ministerium deS Aeußern das Ansuchen, bei der italienischen Regierung energisch einzuschreiten, um die sofortige Freigabe der an Bord der.Carthage' b e s ch l a g> nahmten Flugzeuge zu erlangen.— In einem an ein hiesiges Blatt gerichteten Telegramm erheben die Flieger in fchärfften Worten Einspruch gegen daS völkerrechtswidrige Vorgehen der italienischen Behörden. Sie erNären. daß sie lediglich Schauflüge veranstalten wollten und weder für die Dienste der Türkei noch der Italiener zu haben seien und daß sie von der italienischen Re- gierung Schadenersatz beanspruchen. Wie auS Tunis gemeldet wird, ist die durch den Vorfall unter den Franzosen und der eingeborenen Bevölkerung hervorgerufene Erregung andauernd sehr heftig. Militärpattouilleu durchziehen die Sttaßen, um Ruhestörungen vorzubeugen. Paris, 18. Januar. Wie aus Rom gemeldet wird, erklärte der dortige GeschäftSttäger dem Minister des Aeußeren Marquis di San Giuliano, daß die französische Regierung alle Vorbehalte betteffend die Weguahme der.Carthagc' mache, und fügte hinzu, daß Frank reich eine rasche Beilegung der Beschlagnahme als ein Zeichen freund' schaftlicher Gesinnung ansehen würde. Die offiziellen Verlustzahlen der italienischen Truppe». Nach einer Statistik der Sanitätsabteilung des Expedittonskorps, die der.Mcssaggero' mitteilt, wird die Zahl der bis Ende dieses Jahre? im Kriege Gefallenen, an Krankheit Gestorbenen oder Ver schollenen auf 1 8 0 0 angegeben. Von diesen sind 500 an Eholera gestorben. Es fehlt natürlich heute jede Möglichkeit, eine Kontrolle über diese Zahlen auszuüben. Sicher ist aber die Zahl von 1300 Gefallenen und Verschollenen wesentlich größer als die Summe, die sich aus den einzelnen offiziellen Verlustlisten der verschiedenen Gc fechte ergibt. kleines feuilleton. Merkwürdige Gedächtnisleistungen. In einer kleinen englischen Landstadt ist vor kurzem ein Blinder gestorben, der weit über die Grenzen seines Heimatortes hinaus eine gewisse Berühmtheit halte. Im Sommer bei schönen Tagen pflegte der alte Mann regelmäßig im Schatten eines Baumes am Marktplatz zu sitzen, seine Braille- Bibel in der Hand. Von Zeit zu Zeit las er laut aus der Bibel vor; am verblüffendsten war aber daS Gedächtnis dieses Blinden, denn wenn er ein Kapitel gelesen hatte, vermochte er eS Wort für Wort auswendig zu wiederholen. Besonders das Neue Testament konnte er vollständig auswendig und wenn man ihm die Nummer eines Verses zurief, konnte er sofort den VerS aufsagen. Eine englische Wochenschrift erinnert in diesem Zusammen- bang an einer Reihe von Dichtern und Staatsmännern, die oft ihre Umgebung durch ihr Gedächtnis verblüfften. Robert Browning konnte schon als junger Mann die meisten Werke Shakespeares Won für Wort auswendig; wenn man den unwahrscheinlichen Fall an- nimmt, daß durch irgend eine Katastrophe sämtliche Schriften Sbakeweares vom Erdboden verschwunden wären, härte Browning fast alle Tragödien und einen großen Teil der Lustspiele Shakespeares nach seinem Gedächtnis niederschreiben können. Auch da«„Verlorene Paradies" MiltonS konnte er fast ganz auswendig. Noch größer vielleicht war das Gedächtnis M a c a u l a p s, des Historikers. Schon als 12jShrigcr Junge konnte er Scotts be rühmrcs Werk, das„Lai des letzten Minnesängers", Wort für Wort auS dem Gedächtnis aufsagen.' Auch Thomas Lawrence, einer der größten Porträtinaler Englands, war auch ein ungewöhnlicher Gedächtniskünstler. AIS fünfjähriger Knabe konnte er ganze Seiten aus Shakespeares Dramen oder aus MiltonS großer Dichtung auswendig hersagen und wurde nicht selten von Gästen als ein kleines Wunderkind angestaunt, wenn er bei Erwähnung eines Stückes von� Shakespeare" gleich ganze Szenen auS dem Werke nicht nur Wort für Wort richtig aufsagte, sondern auch mit Leidenschaft deklamierte. Auch G l a d st o n c verfügte über ein ungewöhnliches Gedächtnis und konnte noch als alter Mann ganze Gesänge aus dem Homer auswendig. Weniger bekannt ist, daß auch sein Nebenbuhler D r S r a e l i ihm in dieser Beziehung kaum nachstand. Bei einem Bankett pries jemand das fabelhafte Gedächtnis GladstoneS. worauf Ticraeli bemerkte,_ daß solche Gcdächmiskunsiftücke im Grunde sehr einfacher Tricks feien. Um das zu behaupten, bat er. man möge ihm ein Buch geben und der Hausherr holte aus seiner Bibliotbek eine englische Homer-Uebersetzung. Disraeli nahm das Buch und zog sich auf eine stunde in das Nebenzimmer zurück; dann kehrte er zurück und deklamierte das ganze erste Buch— rückwärts. Lord Randolph war imstande, nach einer einmaligen Lektüre der„Times" die ganze Liste der Jnieratc auswendig herzusagen. Der Humorist Theodore Hook war imstande, nach einmaligem Gang durch einen ganzen Vorort genau der Reihe nach die Namen jämt- licher Läden anzugeben, an denen er vorübergelommen war. Ein Streik der Lpcrnbesucher. In Toulouse haben die Opernbesucher einen Streik begonnen, weil die Direktion des Eapitol- Theaters allzu willkürlich bei der Inszenierung der„Toska" von der Tradition abgewichen ist. Die Darstellerin der Hauptrolle, Riesengaunereic« bei der Truppeuversorgung. In Neapel ist man einer großartigen Betrügerei auf die Spur gekommen, durch die das Kriegsministerium von den Unter- nehmern geschädigt wurde, die daS Schlachtvieh für die Truppen in Nordaftika liefern. ES war von Anfang an darüber geklagt worden, daß die für die Soldatenverpflegung in Tripolis ankommenden Ochsen außerordentlich mager wären. ES war dieS nun durchaus nicht in Einklang zu bringen mit dem in Neapel in Gegenwart von Militärpersonen konstatierten Lebendgewicht der Schlachttiere. Schließlich fand man aber in den Eingeweiden der Ochsen sogar ungeheuere Mengen von Blei, so daß eine Untersuchung angeordnet wurde. Es stellte sich nun heraus, daß man den Ochsen am Tage vor der Ablieferung große Mengen von Salz und trockenem Heu verabreichte und sie dann kurz vor dem Wiegen trinken liefe. Dadurch ergab sich ein Mehrgewicht von etwa 10 Kilogramm für jeden Ochsen, was für die patriotischen Lieferanten einen Profit von 1t Lire pro Stück ausmachte. Außer« dem wurden den Tieren Bleistücke ins Futter getan. Da bis jetzt 12 000 Stück Ochsen nach Tripolis gesandt worden sind, ist das Kriegsministerium schätzungsweise um 200 000 Lire geschädigt worden, wobei natürlich die Beeinträchtigung, die das Fleisch durch die Ver- giftung und die Quälerei der Tiere erfahren haben dürfte, nicht in Rechnung gesetzt werden kann. Die„Tribuna" veröffentlicht, daß man auch Unterschleifen bei der Lieferung anderer Lebensmittel auf die Spur gekommen wäre, aber diese Nachricht wird von anderer Seite dementtert. Jedenfalls genügt die Fleischgaunerei, um den PattiotiSmuS gewisser Schichten in rechtes Licht zu setzen. Zwei Soldaten und ein Unteroffizier sollen übrigens bei dem Betrug bc« teiligt gewesen sein. Sie allein sind bis jetzt verhaftet worden. AuS dem Schandbuch deS BaukPatriotiSmuS. Ro«, den IL. Januar 1S12. Nach privaten Mitteilungen eines soeben auS Tripolis zurückgekehrten Abgeordneten hat sich der Bauco di Roma, deffen Jnteresien in Tripolitanien bekannt sind, wenige Tage vor der Kriegserklärung eine sehr lukrative Ein nähme verschafft: er hat eine ungeheure Menge von Waffen eingeführt. Diese klerikalen Bankiers, die nicht genug von der Größe Italiens und seiner historischen Mission in Nordaftika schwefeln konnten, haben sich nicht geschämt, am Vor abend deS Kriege» den Eingeborenen Waffen zu liefern, Waffen eigen« zu dem Zwecke zu verkaufen, um sie gegen die italienischen Soldaten zu kehren I Daß der Banco di Roma Tripolis kurz vor der Okkupation, als man es noch nicht wußte, ob e§ nicht belagert werden müßte, reichlich und zu guten Preisen verproviantiert hat, haben wir bereits gemeldet, daß man aber in Erwartung des Kriege? um schnöden Profit diejenigen bewaffnet hat, mit denen die italienischen Soldaten sich zu niesten berufen waren, das ist wirklich der letzte und widerwärtigste Ausdruck deS Bankpatriotismus! Freilich werden die Herren vom Banco di Roma, wenn wirklich jemand sie öffentlich zur Rede stellen sollte, eine Ausrede sofort zur Hand haben. Sie werden sagen, daß sie die Araber mit Waffen versehen haben, damit diese sich gegen die Türken empören könnten. Aber gerade den Individuen vom Banco di Roma wird man diese LeSart am wenigsten glauben. Sie kannten Tripolis besser als die italienischen Militärkreise es kannten. Sie wußten ganz genau, was unter den seit Monaten in Umlauf gesetzten Gerüchten Wahrheit und was erlogene Stimmungsmache war. Hatten sie doch in klingender Münze einen guten Teil dieser Stimmungsmache bezahlt I Der Kapitalismus findet natürNch, daß das von ihm eingetriebene Geld nicht ftintt. Für jeden anständig empfindenden Menschen stinkt es aber zum Himmel, daß Individuen den Ruhm und die Größe des Vaterlandes im Munde führen können und das Leben seiner Soldaten um einen Judaslohn verschachern. Vor solcher Art Betätigung des Intet« Nationalismus fpcit das international empfindende Proletariat aus. Mme. Conne, eine Sängerin von stattlichen Proportionen, hat sich nänilich bei der letzten Anfsührung der„Toska" geweigert, über eine Mauer zu springen und sich in den Tiber zu stürzen, wie der Text es vorschreibt; sie meinte, sie wäre dazu zu dick und das Publikum würde über sie lachen, wenn sie diese kühne Bewegung ausführen sollte. Der Direkror ordnete daraufhin an, daß die ToSka, statt vor den Soldaten zu fliehen, Widerstand leisten und auf der Bühne erschossen werden soll. So geschah es denn auch. Aber man hatte die Rechnung ohne das Publiknm gemacht, das sich entrüstet erhob und protestierte, als die Szene so vorschriftswidrig gespielt wurde. DaS ganze Opernpublikum von Toulouse erklärte auch seierlich, daß nicht ein einziger Sitz in der Oper verkauft werden sollte, wenn die „ToSka" nicht dem Herkommen gemäß in Szene ginge. Der Staubgehalt deS Schnee«. Der Winter Bietet eine unvergleichliche Gelegenheit zur genauen Feststellung über die Rauchplage, unter der jetzt soft alle Großstädte und andere fabrik- reiche Gegenden zu leiden haben. La mit dem Gehalt der Luft an Staub und Ruß nachteilige Einlvirkungen auf den Ge- sundheitZzustand der Bevölkerung verknüpft sind, so ist die Hygiene sehr darauf bedacht, den Grad dieser Verun- reinigung genau festzustellen. Dazu gibt es nun kein besseres Mittel als den Schnee. Namentlich wenn, wie in diesem Winter an vielen Orten geicheben ist, ein starker Schneefall erfolgt und darauf längere Zeit trockenes Wetter einsetzt, so daß dieselbe Schneeschicht liegen bleibt, so sainmclt sich darin allmählich alles, was an festen Stoffen ans der Luft niedersinkt. Man braucht dann nur einen bestimmten Teil der Oberflächen- schicht einzusammeln, zu schmelzen und zu filtrieren, um den Gehalt an Staub ermitteln zu können. Weiter läßt sich dieser dann selbstverständlich auf seine Art hin chemisch untersuchen und eine Analyse des Schmelzwassers wird die notwendige Er- gänzung liefern. Durch derartige Arbeiten, die in der Umgebung amerikanischer Industriestädte ausgeführt worden sind, hat sich herausgestellt, daß bei einem Ouadratfuß Fläche in sechs Wochen etwa drei Gramm Staub niederfällt. Das scheint wenig zu sein, ergibt aber für eine größere Ausdehnung ganz ungeheure Beträge. Auf einen Hektar würde danach schon mehr als ein Zentner Staub in dieser Zeit niedergehen, auf einen Ouadraikilometer ungefähr fünf Tonnen. Die Analyse dieser festen Teilchen zeigte, daß sie zu 8/5 aus Kohlenstoff bestanden, im übrigen aus Kieselsäuren. Außerdem befanden sich darin nicht unbeträchtliche Mengen von Eisen und Tonerde. Das Schmelzwasser war auch weit davon entfernt, aus reinem Waffer zu bestehen. Am stärksten waren außerdem darin vertreten Schwefelsäure, Chlor, Ammoniak und salpetrige Säuren. Wer ißt die meisten Kartoffeln? Nach einer von Fleurh auf- gestellten Statistik produziert die Erde alljährlich l'/s Milliarden Hektoliter Kartoffeln, die neben 870 Milliarden Hektoliter Getreide restlos konsumiert werden. Was den Anteil der verschiedenen Völker an dem Verbrauch anbetrifft, so marschiert Irland iveitauS an der Spitze: jede Person verzehrt hier jahraus jahrein 1467 Pfund Kartoffeln, was einen Durchschnittskonsum von rund V, Kilogramm pro Tag darstellt. Der Deutsche folgt dem Jrländer' mit 1300 Pfund. Man hat berechnet, daß Teutschland allein den vierten Teil der gesamten Jahresproduktion Die Kevolution In China. Die Folgen des Attentats auf Jaauschikai. Peking, 17. Januar. Ein Offizier und ein Soldat, die bei de» Bombenanschlag auf Juanschikai verwundet wurden, sind ihren Ver- letzungen erlegen. Der Zustand von sechs anderen Soldaten ist be- dcnflich. Vierzig verdächtige Personen sind verhaftet worden. Die Vorgänge in der Mongolei. Kiachta(TranSbaikalien), 18. Januar.(Meldung der PeterS« burger Telegraphen-Agentur.) Auf die Aufforderung der Mongolen hat der oberste chinesische Beamte in Uljassutai fteiwillig seinen Posten verlassen und die chinesische Garnison ihre Waffen aus« geliefert. Die ihres Amtes enthobenen chinesischen Beamten fanden vorläufig Zuflucht bei den chinesischen Handelsfirmen; ihre Abreise in die Heimat ist jetzt im Winter infolge deS Mangels an Transport- Mitteln sehr erschwert. Englische Trnppeusendnvg nach Hongkong. Kalkutta, 17. Januar.(Meldung deS Reuterschen BureauS.) Zwei Regimenter eingeborener Infanterie werden noch vor Ende Januar mit Rücksicht auf die allgemeine Lage in China von Karachi nach Hongkong abgehen. Kwdkrschuhkommsfiov van Groß-Kerlm. Zentralauskunftstelle für alle Kinderschutzangelegenheiten ii» Bureau, Stralauer Platz 1— 2 II. Geöffnet vormittag 9—2 Uhr und nachmittags von k>— 8 Uhr. Vorsitzende der Kinderfchutzkom- nnffion sind Genosse Hermann Barenthin, Stralauer Platz 1—2 II und Genossin Maria Dommning, Boxbagener Str. 29. Erster Kreis. Frau Emilie Richter, Berlin W. 8, Leipziger Str. 42. Zweiter Kreis. Frau Elfe Sehffarth, Berlin SW. 47, Wartenburgstr. v, Stfl. Sprechstunde: Dienstag und Freitag v. 2—544 Uhr. Dritter Krci». Frau H. Torgler, Berlin SW. 61, Gitfchiner Str. 98. Vierter Kreis. Frau Elfe Bongar tz, Berlin, Behmeftr. 26. Frau Maria Dommning, O. 34, Boxhagcner Str. 29. Sprechstunde: Donnerstag von 7—8 Uhr abends. Frau Emma Döltz, Verlin SO. 36, Förster Str. 44. Frau glcttschlag, Pettenkoferftr. 9. Frau Pauline Bertram, Mnskauer Str. 4. k,. Frau Pauline Friese, Kochhannstr. 16. Fünfter KrciS. Frau Rosa Wöllstein, Lietzmannstr. b. Frau Holzapfel, NO., Rückerstr. 7. Sprechstunde: Donnerstag und Freitag von 6— 10 lltzr. Sechster Kreis. Frau Minna Lohfr, N. b8, Oderberger Str. 20 III. Sprechstunde: Dienstag und Mittwoch von 8—6 llhr nach«. Frau Witte, N. 33, Rheinsberger Str. 23. Sprechstunde: täglich von 7—8 Uhr abends.'"''s Frau Stricdel, N. 65, Luxemburger Str. 6, v. I. Sprechstunde: täglich außer Sonnabends v. 7— 8 Uhr abends. Frau Helene Rokitta, N. 65, Müllerftr. 133 a. Sprechstunde: Sonnabend von 7—8 Uhr abends- Frau Joseph, GotzkowSkhstr. 11 I. Sprechstunde: Montag und Freitag von 6— 8 Uhr abend«. Frau G. Flatau, Bandelftr. 18. Frau Minna Weide, Ramlerstr. 5 III. Frau P. Bratkc, Dänenstr. 3. � Frl. Anna Schubert, Soldiner Eft. 10 II..' Sprechstunde: Mittwoch von 6— 9 Uhr abends. der Welt absorbiert. Die anderen Quoten verteilen sich auf die ver» schiedenen Länder wie folgt: Niederlande 840, Schweiz und Nor« wegen 740, Frankreich 700, Oesterreich 663, Kanada 660, England 238 und Italien 48 Pfund. Wie bei der Kartoffel, steht Italien auch mit Bezug aus den Fleischkonsum weit hinter anderen Ländern zurück, wogegen cS hinsichtlich des Brotverbrauchs in der Lebensmittel» staliftik der verschiedenen Länder an dritter Stelle erscheint. Humor und Satire. Ost elbische Szene.„Herr Landrat, e» ist ein Erlaß d«S Ministers über reine Wahlen eingetroffen!" „Schneiden Sic ihn handlich und hängen Sie ihu in di» El«- Heimkanzlei!' Wahlparole am Rhein und an der Ruhr. Zentrum und Nationalliberale gehen vereint gegen die Sozialdemokratie vor unter dem Panier: Wir find alle eine« StinneSl In besonderer diplomatischer Mission wird sich nach den Wahlen Diederich Hahn nach Peking begeben. Der Bund der Landwirte beabsichtigt nämlich, die von den Chinesen ab-� gelegten Zöpfe für die ostelbischen Landarbeiter zu erwerben. Notizen. — Kunstcbronik. Am 20. Januar wird in der Gutcnberg- Kunsthandlung, Tauentzienstraße 7, eine Ausstellung der graphischen Werke Max P e w st e i n s eröffnet. Der Eintritt ist unentgeltlich. — Die nächsten Veranstaltungen des Moniste n- b n n d e S. Die Ortsgruppe Berlin deS D. M.-B. veranstaltet ain 22. und 23. ein neues Religionsgespräch. in deffen Mittelpunkt die Frage deS AuStrittS auS der Landeskirche steht. Arn 22. Januar, 8 Uhr, spricht Dr. Max Maurcnbrecher im Blüthner-Saal über„Die Religion des MonisinuS und ihre prak- tischen Folgerungen". Die Diskussion über den KirchenauStritt findet statt am DienStag, den 23. Januar um 8'/. Uhr in den Sophien- sälcn(Hackescher Markt). — Vorträge. Die Humboldt-Akademie veranstaltet Sonnabend, den 20. Januar, abends 8 Uhr, ReichStagSufer 6, einen wiffenschaftlichen Abend. Pastor L. Plaß, Direkror des ErziehungS- Heims„Am Urban" spricht über:„Probleme der Fürsorge- erziebung". Eintritt frei. — Nic-Carter- und Buffalo-Bill� Literatur. In D r e S d e n hat sich einer der erfolgreichsten Schundliteratur- Verleger Paul Eichler, deffen Geschäft infolge Ueberspekulation vor dem Ruin stand, das Leben genommen. Im„Dresdener Anz." wird eine Aufstellung gegeben, was dieser eine erst seit 1904 bestehende Verlag auf den Markt geworfen hat. Die englischen Nic-Carter- und Buffalo-Bill-Hefte gehen bis Nr. 580 und 500, Nie Carter in deutscher Uebersetzuug bis?tr. 312. Buffalo Bill bis Nr. 366. Wild- West-Erzählungen erschienen gegen 100, Rauhreiter gegen 35, die Romanbibliothek Mein Ideal ist bei Nr. 90 angelaugt. Die Wild« West-Hefte kosteten je 15 Pf. Skic Carter. Buffalo Bill, Rauhreucr» und Ideal-Bibliothek je 20 Pf. Von Buffalo Bill und Nie Carter gingen in der Blütezeit der Schundliteratur wöchentlich bis au 80 000 Hefte von Dresden aus in alle Welt. � M Tcltow-BccSko«. Frau Cflfricbc Rnneck, Treptotv-Baumschulcuivcg, Kiefholzstr, ISO. Frau Toni SiiKman«, Charlottcuburg, Berliner Ttr. 13ö. Frau Siedel» Nixdorf, Jdcalpassage 6, Frau B. Lietsch, Nixdorf, Wildenoruchstr. 56. Frau Heuelmann, Rixdorf, Richardstr. 54. Frau Müller, Rixdorf, Wanzlickstr. 13. Frau Radcmacher, Nixdorf, Thomasstr. 26. Frau Hirche, Wannsce, Chausseestr. 15. Frau Wolff, Treptow, Grcitzstr. 64. Frau Flöter, Steglitz. Sachsenwaldstr. 1. Frau Noloff, Tempelhof, Friedrich-Wilhelmstr. ZI. Frau Singelmami, Adlcrshof, Kronprinzenstr. 20, Frau Stut, Britz, Gcrmania-Promenade 20. Frau Tölle, Friedenau, Deidesheimer Str. 3 Frau Conz, Groß-Lichterfelde, Hochstr. 16. Frau Moebest, Grünau, Köpenicker Str. 9l, Laden. Frau Radumke, Johannisthal, Roonstr. 4. Frau Hackbarth, Köpenick, Flemmingstr. IL. Frau Modrack, Lankwitz, Charlottenstr. 11(?). Frau Schwarz, Mariendorf, Rathausstr. 97. Frau Greulich, Marienfelde, Kaiser-Allee 20. Frau Hantle, NowaweS, Bülowstr. 21. Frau Schuschenk, Schmargendorf. Sulzaerstr. 12. Frau Q. Heide, Schöneberg, Khffhäuserstr. 4. Frau Cr. Bahr, Wilmersdorf, Pfalzburgerstr. 74, G. II r. Nieder-Barnim. Frau I. Schulze, Nummclsburg, Alt-Boxhage» 1». Frau Elisabeth Hütter, Rummelsburg. Sonntagstr. 4. Frau M. Langer, Borsigwalde, Ernststr. 26. Frau Berta Reumann, Französisch-Buchholz, Rosenthaler Str. 16. Frau Luise 5!lockmv, Fichtenau, Moltkestratze. Frau Anna Brunck, Friedrichsfclde, Rummelsburger Str. 16. Frau S. Schwarz, Friedrichshagen, Seestr. 110. Frau Cbarlotte Küier, Karlshorst, Rödelstr. 9. Frau Frieda Hinhe, Hohen-Schönhausen, Berliner Str. 120. Frau Mathilde Reich, Mahlsdorf. Bahnhofstr. 41. Frau A. Steinborn, Rieder-Schönhausen, Treskowstr. 52. Frau P. Bruckhoff, Ober-Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 18 III. Frau Auguste Schumann, Oranienburg, Jagerstr. 41.' Frau Gütig, Pankow, Binzstr. 51. Frau Olga Zepernick, Reinickendorf-Ost, Hansastr. 41. Frau Ehlert, Reinickendorf-West, Berlivcr Str. 108. Frau M. Taberkow, Stralau, Friedrich-Jungstr. 5. Frau Tomaschker, Tegel, Bahnhofplatz 1. Frau Hedwig Dietrich, Weihensec, Berliner Str. 217. Frau Elise Haeßkc, Wilhelmsruh, Kronprinzenstr. 6. Frau Schilling, Lichtenberg, Mainzer Str. 25. Frau Huf, Tempelhof. Theodorstr. 2. Frl. Meta Steuer, Erkner, Scharnweberstr. 12. Wir bitten, alle Fälle ungesetzlicher Erwerbsarbeit der Kinder, Mißhandlungen, sittliche Gefährdung und dcrgl. an diese Gc- nossinncn zu melden. Die Namen der Beschwerdeführer werden diskret behandelt, können also ohne Besorgnis obigen Personen mitgeteilt werden. Hus der Partei. Tic schweizerische Sozialdemokratie gegen den MinistcrialiSmuS. Am letzten Sonntag haben die Parteitage der Sozialdemokratie in Bern und Zürich gegen die Beteiligung an den Regierunysrats- mahlen Stellung genommen. Die sozialdemokratische Partei des Kantons Zürich hat bereits seit Jahren in der Regierung in der Person des Genossen Ernst einen Vertreter, aber sie hat seither keinen weiteren Sitz verlangt, und nun hat der Parteitag«im Sonntag beschlossen, auch den gegenwärtig freien Sitz in der Nc- gierung nicht für sich zu beanspruchen, da die Arbeiterschaft und ihre parlamentarische Bertretung noch nicht so stark ist, ihren Per- tretern in der Regierung einen genügenden Rückhalt zu bieten. � Im Kanton Bern hat unsere Partei bisher keine Vertretung in'der Regierung gehabt, aber«in Parteitag hat vor 6 Jahren grundsätzlich beschlossen, eine Vertretung in derselben zu be- anspruchen, um so mehr, als in der Berner Kantonsverfassung die Vertretung der Minderheitsparteien in der Regierung, aber obnc die Proportionalivahl. vorgesehen ist. Da gegenwärtig ein Sitz in der Regierung frei ist, hatte sich der Parteitag auch mit der Frage zu beschäftigen, ob er für die Arbeiterschaft beansprucht werden soll oder nicht. Die für praktische Politik schwärmenden gemäßigten Grtitlianerkreise waren für die Aufrechterhaltung des crivähnten Beschlusses und für die Beanspruchung des erledigten Minister- Essels, allein auf Antrag der Parteileitung wuvde nach lebhafter Debet ie mit 79 gegen 19 Stimmen beschlossen, sich an den Rc- giernngswahlen nicht zu beteiligen, solange für sie nicht der Pro- Porz besteht oder sonstige Garantien für die Unabhängigkeit von der herrschenden Partei geboten sind. Da diese Forderungen auf ab- scbbare Zeiten nicht erfüllt werden, bedeutet der Beschluß die Ab- lehnung des Ministeri«llismus, was nur zu begrüßen ist. Gegenwärtig hat unsere Partei in der St. Galler Regierung einen und in der Baseler zwei Vertreter. Titenliste der Partei. Der Genosse Ferdinand Kant in Rostock ist in der Donnerstag Nacht gestorben. Er gehört zu den unter dem Sozialistengesetz aus Berlin Ausgewiesenen und hat sich überhaupt um die Partei sehr verdient gemacht. Iiigendbewegimg. „Arbeiter-Jugend". Aus dem Inhalt der soeben erschienenen Nr. 2 heben wir hervor: Neue Arbeit— neue Kämpfe.— Löhne und Preise. Von G. Eckstein.— Die vorbeigelungene Konkurrenz. Von Aug. Whsocki. — Vulkane. Von Gg. Engelbert Gras(Illustriert).— Die schwarze und die weiße Kohle. Von R. Woldt.— Zur wirtschaftlichen Lage. — Tie Gegner an der Arbeit usw. Beilage: Benedikt der KieSgräber. Erzählung von A. H. C. — Armer Junge. Gedicht von Heinrich v. Neder.— Friedrich Hebbel kMit Bild).— Am Main. Von Ludwig Lessen(Illustriert). — Gesang der Armen im Winter. Gedicht von Ferdinand v. Saar.— Haus und Hausgerät in alter Zeit. Bon E. Soernle.— Der Kontorist. Skizze von E. Schubert.— Bücher für die Jugend.— Allerhand Kurzweil. Soziales. Ungültige Polizciverordnung. Tie Regierung zu Posen hat in einer Polizeiderordnung von 1847, die das Schulwesen betrifft, unter Nummer 3 bestimmt,.daß bestraft werde, wer ohne das Unterrichtslokal selbst zu betreten, in unbefugter Weise den öffentlichen Schulunterricht und die dem Lehrer gebührende Schulzucht stört". Das Kammergcricht als letzte Instanz sprach den Ackerbürger Liemann aus Vom st, der sich gegen die Bestimmung vergangen haben sollte, mit folgender Begründung frei: Die angezogene Ziffer 3 der Verordnung sei nicht rechtsgültig. Sie könne nicht gestützt werden durch§ 10 II 17 des Allgemeinen Landrcchts, über dessen Grcstzen die Polizei beim VerordnungS- recht nicht hinausgehen könne. Aus dem Jnnungsschicdsgericht. Der Sattlergehilie A. klagte vor dem JnnungsschiedLgericht gegen den Sattlermcister Julius Hinz noch eine Forderung aus t»»ner„ehrzeit ein. Der Kläger hatte in einem Provinzorte seine Lehre begonnen und auch zum größten Teile absolviert. Aus irgendeinem Grunde erfuhr jedoch das Lchrverhältnis eine vor- zeitige Lösung. In dem Beklagten fand er nun einen neuen Lehr- Herrn, bei dem er die Lehre fortsetzen konnte. Dieser erklärte sich dazu bereit, den Kläger ein Bierteljahr früher auszulernen, als dieser es eigentlich sollte; dafür forderte der Meister aber eine Eni- schiidigung von 109 M. Der Vertrag wurde dementsprechend gc- schlössen und die Summe eingezahlt. Die Handwerkskammer ver- weigerte aber zu diesem Vertrage ihre Zustimmung und bestand darauf, daß der Kläger seine Lehrzeit regelrecht absolviert. Der geschästssinnige Meister mußte sich nun zur Rückzahlung der 100 M. entschließen, da er infolge des Dazwischentreten- der Handwerks- kammer den Lehrvertrag in dem fraglichen Punkte nicht erfüllen lonntc. Bei der Rückzahlung kam er jedoch nur bis auf 45 M., sodaß 55 M. rückständig blieben. Diesen Betrag machte nun der Kläger in seiner Klage geltend. DaZ Schiedsgericht verurteilte den Beklagten zur Rückzahlung der restlichen 55 M., da feststeht, daß die 100 M., von denen 45 M. bereits zurückgezahlt sind, nur für die frühere Beendigung der Lehre gezahlt worden sind. Das Schiedsgericht fand es für tief bedauerlich, daß der Beklagte, bloß um schnöde 100 M. zu bekom- mcn, eine Verkürzung der Lehrzeit zusicherte. Ein solcher Meister verdiene es nicht, Lehrlinge ausbilden zu dürfen. kommunales. Tie Stadtverordnetenversammlung vervollständigte gestern ihren Vorstand, dessen Wahl in der Hörigen Sitzung nicht zustande gekommen war. Zu wählen waren noch die Beisitzer-Stellvertreter, von denen es künftig vier statt bisher drei geben wird. Die frei- sinnige Mehrheit ließ sich dazu herbei, den neugeschaffenen Posten des vierten Stellvertreters einem Sozialdemokraten zu geben. Gewählt wurde Genosse P f a n n k u ch, und es sitzen nunmehr in dem ganzen, aus zehn Personen bestehenden Vor- stand zwei Sozialdemokraten. Tie Sitzung wurde fast vollständig in Anspruch ge- nommen von einem Redekampf um die von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft projektierte Schnellbahn Ge- sundbrunnen-Rixdorf, in dem der Streit sich erneut um die Frage„Hochbahn oder Untergrund- bahn?" drehte. Nachdem dile Bemühungen, für die ansang- lich als Hochbahn geplante Südstrecke die Umwandlung in eine Untergrundbahn durchzusetzen, Erfolg gehabt haben, der- langen die Anwohner der N o r d st r e ck e dasselbe Entgegen- kommen. In dem neuen Entwurf des Vertrages der Stadt mit der A. E.-G., den wegen der Aenderung der Südstrecke der Magistrat den Stadtverordneten vorgelegt hat, wird die Forderung bezüglich der Nordstrecke als unerfüllbar zurück- gewiesen. Gestern suchten die Freunde dieses Gedankens die hiergegen vorgebrachten Einwendungen zu entkräften, aber der Magistrat trug den Sieg davon. Auch die fozialdemo- kratischc Fraktion stimmte fiir den BauderNord st recke als Hochbahn, unbeschadet ihrer grundsätzlichen, durch Genossen Glocke aufS neue nachdrücklich betonten Forde- rung, daß derartige Vcrkchrsunternehmungen nicht privaten Erwerbsgesellschaften überlassen, sondern von der G e- m e i n d e gebaut und betrieben werden sollten. Verkehrstech- nische Bedenken sowie der Wunsch, nicht das Projekt zu ver- teuern und dadurch eine Erhöhung der Tarife herbeizuführen, mögen manchen, der sonst nicht für eine Hochbahn schwärmt, veranlaßt haben, den Bau der Nordstrecke als Hochbahn zu billigen. Die A. E.-G. kündigt an, die Bahn überhaupt nicht bauen zu können, wenn ihr auch die Nordstrecke als Unter- grundbahn aufgezwungen werden soll. Für baldigste An- nähme des Vertragsentwurfs in der vom Magistrat vor- gelegten Fassung machte Oberbürgermeister K i r s ch n e r unter anderem auch die Rücksicht auf den nächstens seine Tätigkeit beginnenden Zwcckverband Groß-Berlin geltend, der dann dieses Schnellbahnprojekt, unbekümmert um die besonderen Interessen Berlins, als Verbands- angelegenheit zu betrachten haben werde. Beschlossen wurde von der Stadtverordnetenversammlung zunächst nur, daß nach dem Antrag des Magistrats die Gesund- brunnen-Strecke Hochbahn bleiben soll. Zur weiteren Prüfung des Vertragsentwurfs wurde ein Ausschuß eingesetzt._ GcwerfcfcbaftUcbcs. Berlin und Umgegend. Die Hrbeiter der wollen nicht „gelb" werden. Der deutsche Transportarbeiterverband hatte gemeinschaftlich mit dem Verband der Fabrik, und Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen zum Mittwochabend eine Versammlung der Packer und Lager- arbeiter der A.-E.-G. nach BallschmiedcrZ Saal einberufen. Die Versammlung, die sehr gut besucht war, sollte Stellung zu der Gründung gelber Werkvereine in den Abteilungen der A.-E.-G.» Werke nehmen. Genosse R ü ck e r t vom Fabrikarbeiterverband hielt das einleitende Referat und besprach darin die Gründung, den Zweck und Nutzen der freien Gewerkschaften, zu deren Zer- splitterung die Unternehmer die gelben Verein« ins Leben rufen. An der Hand eines äußerst reichhaltigen Material» wies der Red- ner nach, daß die„Gelben" nichts anderes sind als«ine Präto- rianergarde des Ausbeutertums, die zur Knechtung und Kncbe- lung der arbeitenden Klassen Verwendung finden soll. Lebhasten Beifall erntete der Referent, als er am Schluß seiner AuSfüh- rungen betonte, daß kein anständiger Arbeiter oder Arbeiterin sich zu Verräterdiensten an den eigenen Klassengenossen hergeben wird, daß aber auch die Verräter einst von ihrem Geschick ereilt werden. Die Direktion hatte natürlich einige„UeberwachungSbeamte" in die Versammlung entsandt. Trotzdem war die Diskussion äußerst lebhaft. Von den im Werk Arbeitenden wurde ausgeführt, daß die Direktion der A.-E.-G. durch die Erfahrung, die andere Werke mit dem Lebius und Konsorten gemacht haben, anscheinend gewitzigt worden sei. Sie hat sich deshalb auch irgendwelche Ein- griffe des deutschen„Obergelbcn" dankend verbeten. Dafür hat sie aber in den bei ihr bediensteten Abteilungschefs, den Herren Stoffrcgen. Jänicke, Zw arg und dem Herrn Nord willige Agitatoren gefunden. Erinnert wurde daran, daß die Herren Abteilungschcfs vor einigen Jahren einmal eine Petition an die Direktion gerichtet hatten, in der sie um Erhöhung ihrer Gehälter baten. Damals wurden die Bittsteller vom Direktor Hirschfeld abschlägig beschieden und sie mit den Ehrentiteln„Ochsen" und„Esel" belegt. Jetzt wollen sich die Herren scheinbar die damals erhaltenen Hörner wieder abrennen und sich die langgezogenen Ohren in der Agita- tion für die gelben Vereine wieder abschleifen. Zu den Trabanten der Oberagitatoren gehört bis jetzt nur ein Meister Lang selb und ein Vorpackcr Richard Achtcnhagcn. Tie Erfolge der Agitation sind gleich Null. Bon den mehr als 20000 WcrkSange- hörigen sollen sich schon ganze 100 zur Mitgliedschaft angemeldet haben. Tarunter besindek sich der gesamke Stab der Rekumachesrauen. 43 Witwen verstorbener langjähriger Arbeiter, denen man es bei ihrem Alter nicht verargen kann, daß sie sich an den Besenstielen und den Scheuerlappen der A.-E.-G. festhalten. Eine einzige dieser alten Frauen hat trotzdem den Mut gehabt, die Werbeversuche der gelben Oberbonzen energisch zurückzuweisen. Die Agitation na- mentlich des Herrn Stoffregen hat schon zu ernstlichen Zu- sammenstößen geführt. Der gute Mann beruft die Arbeiter seiner Abteilung dienstlich in sein Bureau, hält ihnen dort einen Vortrag darüber, welche Vorteile sie durch den Beitritt zu dem gelben Werkverein erringen können, da sie durch diesen Schritt von der Gnadensonne der Direktion bestrahlt werden. Bei der Stärke der Organisation und der Disziplin, die unter den Arbeitern der A.-E.-G. Herrschi, hat der Herr Stoffregen bereits Abfuhren erfahren, die ihn sprachlos machten. Aehnlich erging eS den anderen Agitatoren. Als ein erfreuliches Zeichen ist e» anzusehen, daß von den 1800 Packern und Lagerarbeitern, deren Organisation mustergültig ist, nur 8 Mann nicht den freien, sondern anderen Gewerkschaften angehören. Genosse F r o ni k c, der Sektionsleiter des TranSportarbeiter- verbandes empfahl den Anwesenden, sich daS Statut des gelben Vereins der A.-E.-G. etwas näher anzusehen. Danach dürfen sich die Arbeiter nicht einmal für daS ganze Werk zusammenschließen, sondern sollen die Vereine abteilungsweise gegründet werden. Es soll dadurch verhütet werden, daß in den etwaigen Zusammen- künftcn der Gelben Fragen allgemeiner Natur erörtert werden. Lange vor der Gründung hatte Direktor Z w a r g offen auSgc- sprochen, daß der Direktion daran gelegen sei, sich einen Stamm „ergebener" Arbeiter zu schaffen, damit man in de» Werken vor „Eventualitäten" geschützt sei. Man will die Arbeiter«ms den freien Gewerkschaften herausziehen. Deshalb wird den Mitglic- dern der gelben Vereine für ihren 25 Pf. pro Woche« betragenden Beitrag auch etwas geboten. So sollen erkrankte männliche Mit- glieder eine Unterstützung von 2 M. pro Woche bekommen. Trotz dieser Versprechungen des Statuts mehren sich gerade in letzter i Zeit die Fälle in erschreckender Weise, in denen erkrankte Arbeiter und Arbeiterinnen aufs Pflaster fliegen. Beim Abgang wird ihnen gesagt, sie könnten wieder anfangen, wenn sie gesund sind. Kommen die Leute dann wieder, dann finden sie ihre Stellen besetzt. Ihre geleisteten Beiträge für den gelben Verein sind dann zum Teufel.— Die weiteren Unterstützungen, welch« den Gelben der A.-E.-G. gewährt werden, stellen sich als Bettelpfennige dar. Alle die durch Statut gebotenen Mmostu. an- ders sind sie nicht zu bewerten, wurden den Arbeitern früher aus der Mathilde Rathenau-Stistung gegeben. Damit diese Stiftung entlastet werden kann, sollen die Arbeiter durch Beitragszahlung für die gelben Vereine die später zu erwartenden Mmoseu selbst aufbringen. Wenn man wirklich Wohltaten erweisen wolle, dann möge man die Löhne der Arbeiter erhöhen und die Arbeitszeit verkürzen. D:i einer täglich lOstündigen Arbeitszeit werden noch Stundenlöhne von 85 bis 37 Pfennigen gezahlt. Dabei weiß die Gesellschirft gar nicht, wo und wie sie ihren jährlichen Millionenüberschuß verstecken soll. Um einigen faulenzenden Aktionären und Geldprotzen die Millionengewinne zu erhalten, sollen sich die Arbeiter i» den gelben Vereinen selber zu Heloten degradieren. Genosse R ü ck e r t betont in seinem Schlußwort, daß die er- ganisiertrn Arbeiter jetzt mit verstärkter Macht daran gehen müssen, alle noch außenstehenden oder neueingeftellte Kollegen der Organi- sation zuzuführen. Di« Dreistigkeit, mit der die gelben Agitatoren auftreten, müssen auch die Agitatoren der freien Gewerkschaften aufnehmen, damit die„gelbe Macht" der Direktion auf die paar Reinmachefrauen Und die paar Stümper beschränkt bleibe, die in ihrer Arbeit nicht voran kommen und deshalb die Gnadenfcmne der Direktion dadurch zu erreichen suchen, daß sie.gelb' wurden. Mit einem begeistertem Hoch auf die frei« Arbeiterbewegung schloß die imposante Versammlung. Zum Sllrschnerstrrik in der Mützeniranch«. Dle Berhandkungen mit dem Arbeitgeberverbande der Mützenfabrikanten, die gestern nachmittag stattfanden, haben, ivie zu erwarten war, zu einer Einigung nicht geführt; sie sollen jedoch fortgesetzt werden. Die Vertreter der Arbeitnehmer haben den Fabrikanten den Tarifentwurf vorgelegt und die Forderungen eingehend begründet. Die Fabrikanten wollen jedoch nun erst unter fich darüber beraten und dann ihre Gegenvorschläge schriftlich mitteilen. Boraussichtlich wird es dann zu weiteren Verhandlungen kommen. Solange eine Einigung nicht rzielt ist, dauert der Streik selbstverständlich fort. veutfede» Rriefa. Lohnbewegungen im Schneidergewerbe» Am 1. Dezember v. I. hat der Verband der Schneider dle mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeitgeberverbande für da» Schneider- gewerbe abgeschlossenen Tarifverträge in folgenden Städte» gekündigt: Berlin, Bochum, Celle, Düsseldorf. Halle a. S„ Hamburg. Heidelberg, Köln. Liegnitz. Limburg, Lübeck, Magdeburg. Meimngeu. Mül- heim a. Rh., Mönchen, Münden i. Hann., Offenbach, OelSnitz, Quedlinburg. Rostock, Solingen, Stralsund, Trier, Ulm und Weimar! Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Laut Tarifvertrag find die zu stellenden Forderungen zu gleicher Zeit mit der Kündigung «inzureichen. Die Verhandlungen zwischen den Parteien haben zu- nächst örtlich zu erfolgen, und zwar über den materiellen Inhalt der Tarife spätestens sechs Wochen nach erfolgter Kündigung. Wenn die örtlichen Verhandlungen zu keiner Einigung führen, rreten die Haupt- vorstände 14 Tage vor Ablauf der dreimonatlichen Kündigungsfrist zusammen, um noch einen letzten Einigungsversuch zu unternehmen. und erst, wenn dieser fehlschlägt, ist es den Parteien gestattet, Streik oder Aussperrung in Anwendung zu bringen. Da die Verhandlungen dieser Tage erst begonnen haben, läßt sich über ihr Ergebnis erst tu einigen Wochen ein Neberblick gewinnen. Der Lohnkampf der Aschaffenburger KonfekSoah. arbeiter. Am 8. Januar haben in Aschaffenburg und den umliegenden meist im Spessart belegenen Dorfern zirka 800 KonfektionSarbeiier die Arbeit eingestellt, weil die Aschaffenburger Konfektionäre sich weigern, mit den Vertretern der Arbeiter über die gestellten Lohn- Toidcrungen- zu verhandeln. Die im Verbände der A'chaffenburger Kleidersabrikcn veremigten fünfzehn Firmen glaubten deshalb nicht in Unterhandlungen eintreten zu können, weil die gestellte« Forde- rungen für unannehmbar und undiskutabel und mit einer voll- ständigen Lahmlegung der dortigen Konfektionsindustrie gleich- bedeutend zu bezeichnen seien. Zu bemerken ist dabei, daß für die Aschaffenburger Konfeklion bisher noch kein Lohntaris bestand und daß die Unternehmer diesen Zustand am liebsten beibehalten möchten. Außerdem handelt cS sich ausschließlich nur um Heim- arbeiter, zum größten Teil um ländliche, so daß die Unternehmer wohl kaum mit einer so umfangreichen'Arbeitseinstellung gerechnet haben. Außer dem Verband« der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter Deutschlands ist der Christliche Schneiderverband mit am Streik beteiligt. Der Eeiverbegerichtsvorsitzende hat den Parteien lerne Vermittelung angeboten. Die Aschaffenburger Kon- seltionäre versuchen, auswärts Slrerkarbeit unterzubringen. 116 Ariciter von 7 Malzfabriken in Kulmbach, in denen 151 Ar- beitcr befchäftigi sind, haben am Donnerstag die Arbeit nieder- gelegt, weil die Unternehmer die vom Brauerei- und Mnhlenarbeitcr- verband eingereichten Forderungen nicht beantworteten und dann auch alle? ablehnten, als sie von Vertretern der Organisation auf- gesucht wurde», am z« berhaubeln. Sm Orte find ty Malzfabriken, deren Arbeiter bisher noch unter Tarif entlohnt find und unter rück- ständigen Berhältnisscn arbeiten, weil sie erst in letzter Zeit für die Organisation gewonnen werden konnten. DaS erklärt auch das starrköpfige Verhalten der Unternehmer, die sich nicht an Ordnung gewöhnen können und keine besseren Verhältnisse schaffen wollen. Der Kampf wird voraussichtlich ein hartnäckiger werden. Zuzug ist fernzuhalten._ Gerichts-Zeitung. Drei Kirchendiebe hatten sich gestern vor der l. Strafkammer des Landgerichts III zu verantworten. Aus der Untersuchungshaft wurden drei schon mehrfach vorbestrafte Einbrecher, der Arbeiter Adolf Kitschler, der Schiffsheizer Karl Becker und der Arbeiter Rudolf Lemke vorge- führt, um sich wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle zu verantworten.— Der Angeklagte Becker hatte nach seiner Angabe in einem Berliner Antiquitäten- geschäft zufällig gebärt, dah für alte Kirchendccken und Kirchen- lcuchtcr unter Umständen viele tausend Mark gezahlt werden. Als er mit den beiden Mitangeklagten in einer Kaschemme zusammen- traf, mochte er sie mit seinem Plan, die katholische Kirche in Span- dau auszuplündern, bekannt. Die beiden Mitangeklagten willigten auch sofort ein und alle�drei fuhren in der Nacht zum 16. November vorigen Jahres nach Spandau. Ihre Versuche, das Schloß der Kirche zu öffnen scheiterten jedoch, da die mitgebrachten Dietriche zu schwach waren. Die Angeklagten gingen dann nach dem nahe- gelegenen Dorfe Staaken, wo sie in der alten Dorftirche Schätze vermuteten. Es gelang ihnen hier in die Kirche einzusringcn, in der sie sich die gestickte Altardccke und zwei versilberte Altarleuchtcr aneigneten. Als sie die gestohlenen Sachen bei einem Händler in Berlin verkaufen ivolltcn, erinnerte sich dieser an die Zeitungsnotiz über den Kirchendiebstahl in Staaken. Er bestellte die Einbrecher unter einem Vorwande nochmals zu sich und benachrichtigte in- zwischen die Polizei, die dann die Diebe in Empfang nahm.—- DaS Gericht erkannte gegen Becker auf 2 Jahre Gefängnis', gegen Kitschler auf 1 Jahr 3 Monate und gegen Lemke auf 9 Monate Gefängnis._ Versammlungen. Deutscher Kürschnerverbanb. Di« Filiale Berlin hielt am Mittwoch in den Musikcrsälen ihre Generalversammlung ab, in der zunächst die Abrechnung vom 4. Quartal 1911 vorgelegt wurde. Sie schließt mit der Bilanzsumme von 15 989,19 M. ab. Der größte LuSgabeposten ist diesmal der für Streikunterstützung mit 6 371,89 Mark, wozu noch 559,29 M. an Vnorganisierke komme«, sowie 787 M. für Weihnachtsunterstützung. An die Hauptkasse wurden 3 899 M. gesandt. Der Kassierer Dittmaun verlas ferner die Abrechnung vom ganzen Jahre, deren Bilanz mit 44 397,43 M. abschließt. Tie Filiale hatte am Jahresschluß 1289 Mitglieder, und zwar 522 männliche und 758 weibliche.— Dem Jahresbericht der Ortsverwaltung, den der Vorsitzende Fritze gab, ist zu ent- nehmen, daß das verflossene Jahr mit Kampf begann und mit Kampf endete. Zu Anfang des Jahres 1911 stand das Personal der Firma S. Gärtner im Streik, und außerdem griff die allge- meine Aussperrung der Zurichter in Leipzig auch auf Berlin über. Gegen Ende des Jahres kam der Streik bei der Firma G. A. Hof f- mann und anderen Firmen, der noch jetzt andauert. Der Ge- schäftsgang ließ im Jahre 1911 in der Pclzbranche viel zu wünschen übrig, so daß auch der Aufschwung in der Saison weit hinter dem zurückblieb, was man in guten Jahren erwartet. Auch in der Mützenbranche war der Geschäftsgang im allgemeinen flau. Für die Pelzbranche hat im verflossenen Jahre im Gebäude der städti- scheu Webeschule ein Zuschneidekursus stattgefunden, und auch für dieses Jahr ist wiederum ein Kursus geplant, wie das vorige Mal in den Monaten April bis Oktober.— Der Redner machte zum Schluß auftnerksam darauf, daß die Gegensätze zwischen Arbeit- geber und Arbeitnehmer sich immer mehr zuspitzen, und daß es des- halb doppelt notwendig ist, für die weitere Stärkung der Organi- sation in jeder Hinsicht zu sorgen.— An die Bericht« schloß sich eine kurze Diskussion. Sodann fand die Neuwahl der Ortsver- waltung statt. Als 1. Vorsitzender wurde Fritze wiedergewählt, als 1. Kassierer Dittmann, als 1. Schriftführer P. Bitter, als 2. Vorsitzender M e r t i n s; als 2. Kassierer wurde T h r u n gewählt, als 2. Schriftführer S ch w e n n, als Beisitzer S a u p e, Sommerfeld, Kukuk, O. Bitter, Regge und Frau R ö s e l e r. Als Revisoren wurden gewählt: Rausnitz, Raschle und Keller.— Hierauf berichtete der Vorsitzende über den Streik in der Mützenbranche, der sich auf die Firmen G. A. Hoffmann, Kalbow, Adolf Winter, Schebeler und Lachmann u. Pinkus erstreckt, während bei S. Gärtner die Aussperrung angekündigt ist, auch bereits am 16. Januar durchgeführt werden sollte, aber vorläufig hinausgeschoben wurde. Der„Arbeitgeberverband Deutscher Mützenfabrikanten", der aus den hier genannten 6 Firmen besteht, hat nämlich die Organisa- tionsoertreter der Streikenden auf Donnerstagnachmittag zu einer Besprechung eingeladen; ob es hierbei auf dem Wege der Ver- Handlung zu einer Einigung kommen wird, scheint allerdings noch recht zweifelhaft, da die Streikenden nicht gewillt sind, die Arbeit wieder aufzunehmen, ohne sichere Gewähr gegen die in der Zeit schlechten Geschäftsganges immer wieder austretenden Bestrebungen zur Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Sie ver- langen deshalb den Abschluß eines allgemeinen Tarifvertrages.— Ter Entwurf zu diesem Tarif, der bereits in einer früherea Ver- sammlung zur Beratung gestanden hatte, wurde nun«ochmall verlesen und nach kurzer Debatte einsfimmig gutgeheißen, und er soll den Fabrikanten vorgelegt werden, um als Grundlage der Ver- Handlungen zu dienen. Verband der Sattler und Portefeuiller. Am Mittwoch fand tu den„Arminhallen" die Generalversammlung statt. Den Bericht vom letzten Quartal gab Vorsitzender Schulz«. Ueber Lohnbewe- gungen ist, von einer Ausnahme abgesehen, nichts wesentliches zu berichten. Die Differenzen in dieser einen Werkstatt erledigten sich dadurch, daß der Inhaber die Forderungen in der Hauptsache be- willigte. Durch die Aussperrung in der Metallindustrie wurde die Organisation auch in Mitleidenschaft gezogen.— Den Bericht vom Arbeitsnachweis gab Hauptmann: Im letzten Quartal stand es auf dem Arbeitsmarkt günstig. Zuletzt verschlechterte sich jedoch die Situation wesentlich, indem Entlassungen in größerer Anzahl er- folgten. Der Nachweis wurde wie folgt benutzt: Eingeschriebene Arbeitslose 724, davon nicht organisiert 49. Oktober 292, November 243, Dezember 274. Verlangte Arbeitskräfte: 221. Oktober 191, November 64, Dezember 56. Besetzte Stellen: Oktober 71, Novem- ber 49, Dezember 48.— Den Kassenbericht erstattete Weyher. Ortsvcrwaltung: Einnahme und Ausgabe bilanzieren mit 19 959,65 M. Unter den Ausgaben befinden sich folgende Untxr- stützungsposten: Streik 1347,75 M., Maßregelung 358,15 M., Reise 76 M., Arbeitslosen 3979,85 M., Kranken 2391,75 M., Beerdigungs- bcihilfe 365 M., Notfall 45 M„ Umzug 59 M., im ganzen 8523,59 Mark.— Lokalkasse: Bestand und Einnahmen: 67 391,19 M., Ausgaben 4565,32 M., bleibt Bestand 62 825,78 M.— Berliner Verwaltung: Bestand und Einnahmen: 2479,65 M, Ausgaben 1694,76 M.. bleibt Bestand 865,89 M.— Lehrlings. undJu- gcndabteilung: Einnahmen und Ausgaben bilanzieren mit 148,29 M.— Mitgliederbewegung der Jugend- lichen: Mitgliederbestand am 1. Oktober 1911: 139. Mitglieder- bestand am 31. Dezember 1911: 126.— Mitgliederbewe- g un g der Erwachsenen: Bestand am 1. Oktober 1911: 8399, darunter 242 weibliche; Bestand am 31. Dezember 1911: 3429. dar- unter 223 weibliche Mitglieder. OefientNche Versammlung für Privataugestellw. Heut« Frettag, den IS. Januar er., findet in den Mufikersäten, Kaiser-WilhAm-SW. ISm. eine öffentliche Versammlung für die Pnvalaugefiellten statt. Martin Meyer wird über„Angestelltenrechte" referieren. Auch der Kandidat des ersten Kreises, Stadtverordner Wilhelm Dümell-Lichteuberg, wird in der Vusamm- lung eine Ansprache halten. Arbeitcr-Samariter-Kolonne Ober-Tchöneweide n. Umgegend. Am Sonntag, den LI. d. Mts., nachmittags S Uhr, findet im Samariter. beim, SiemenSstr. 12, ein Vortrag des Herrn Bieging, Student der Medizin, über Zahn- und Mundlrankhciten statt, wozu Genossen und Genossinnen willkommen sind. Eintritt zur Deckung der Unkosteu 29 Ps. Die alte Stiller-Firrna Gegr. 1867 Man beachte das nächste Sonntags« Inserat I! Unser bevorstehender großer Inventur- Verkauf wird auch in diesem]ahre unerreichte Vorteile bieten. Gro�e Restbestände zeitgemäßer Schuhwaren aller Art werden zu ganz hervorragend billigen Preisen --------- zum Verkauf gestellt!--------- Gegr. 1867 Beginn: Montagj den 22.]anuar d.]. Man beachte das nächste Sonntags- Inserat!! Todes-Anzeigen SozialdemckratiseherWaMvemn des 8. Bfifl. Reiehslags-WaWlmlses. Am 17. Januar verstarb unser Genosse und ehenialige Bezirls. führ«, der Lederzurichter Max Weber RhcinSbergcr Str. 52. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. Januar, nach- mittags 3 Ühr, von der Leichen- halle deS ZionS. Kirchhofes, Nordend, au» statt. Um rege Beteiligung ersucht »21/14 Der Vomtand. An» 17. Januar verschied nach langen» schwere» Leiden nns« lieb« Kollege, der Lederzunchler AZ»x Weber. Sein kollegialer Sinn fichert ihm ein treues Andenken. Die Kollegen der Lederfabrik Rößeler, Ulaaliendars- ®ie Beerdigung findet Sonn- ooetib. nachmittag» 3 Uhr, von der ZionS-Gemeinde »B Nordend aus statt. »z i cssn Sozialdemokrat. Walilvereio Adlershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Parteigenosse, Gastwirt kidmrd Lehmann Friedenftr. 4 im Alter von 37 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Be«dlg»uig findet am Solmtag, den 2t. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS hiesigen Gemetnde-Fried- hoseS ans statt. Die Genossen»md Genosstnnen treffen ftch un» 2>/, Uhr im Jugend- heim, BiSnmrckstr. 11. 291/4 Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Borstand. �lral-KraoIuli- und Sterlis- teldeotseMapbauer ktziliale Rixdorf. Am IS. Jaimar verschied nach tongeit, schweren Leiden unser Mitglied, der Schlosser Motl Kronenberg. .', Dle Beerdigung findet ain (jrcuag, den l'j. Januar, nachmittags 3 Uhr. von de:' Leichen- Halle des Reuen Jakobi-Kirch- dose» in Rixdorf, Hernumu» stratze 99—104, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 257/2_ Der Vorstand. m Ärteiter- Hadlalirer- Verein „Vorwärts" Adlershof (Mitgl. des Arbeiter> Radfahrer- bundes.Solidarität"). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Richard Lehmann Friedenftr. 4 im Alter von 37 Jahr« verstorben ist. Ehre seinem Andenken k _ Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des hiesigen Gemeinde-Fried» HoseS ans statt. Die Mitglieder treffen sich um 2'!, Uhr im Jugendheim, Bismarck- slrage 11. 19/S Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Demscber Holzarbeiter- Verband Xachrnf. Am 1. Januar starb unser Mit- glicd, der Stockarbeiter Max Burkhardt im Alter von 40 Jahr«. Ehre feinem Andenke»! 77/15 Di- OrtSverwaUnn«. Nachricht, r Schleiser Oautscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstella Berlin. Den Kollegen zur dag unser Mitglled, der Lranz Schultz am 15. Januar an Nierenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdijmng findet am Sonnabend, den 20. d. M., nachmittags 2,/i Uhr, von der Leichen- balle des Philippus-Apostel-Kirch- HoseS in der Müllerstraße ailS statt. Rege Beteiligung erwartet 110/16 Die Ortsverwaltung. Am Dienstag verstarb nach schwerem Krankenlager meine liebe Frau, unser« herzensgute Mutter Ntari« KrUges* geb. Burmeister im Alter von 41 Jahren. fVUIivlin Krfiffer 23345 nebst Kindern. Beerdigimg heute nachmittag 3>/, Uhr auf dem Friedhof der Friedcns-Gcmemde in Nordend. ligarren-}jf Herbst Fabriken"* llwl gegr. 1862.— Tel.: IV, 3873. BEBL.IK SW.. Hlttervtr. 83 Erstklassige Ware. Zigarren- h&ndlem bestens empfohlen. ■ Tarifarbeit.■ Todesanzeige. Am Mittwoch, den 1?! d. Mt»., entschlief nach kurzem Kranken- lagcr mcin innig geliebter Mann, unser guter Valer, der Werkzeug- schlosser Ferdinand Billig im 51. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bittet Tie traiiernde Witwe Anna Billig: nebst Kinder». Die Bcerdigimg findet Sonn- abend, nachmittags 3J, Uhr, aus dem Nazarctb-Fricdbos(Reillicken- dorf, Kögclstrafte) slalt. Danksagung. Fitr die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes und Bruders Alfred Wilde sagen wir allen Verwandten, Frelm- den als auch Bekanilten, insbesondere dem Musilvcrein.Nordstern' und den Kollegen der A. E.-G. Abt. St. F. unseren herzlichsten Dank. Asel Wilde ncbst Familie.' Schallplatten Verleih- Institut. 1 [ Auch nach auswärts. Prosp. gratis. I Karl Borbs, Berlin«K KönigstrasM 38. I Or. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, LKA, 10—2. 5— 7. Sonntags 10—12. 2— 4. Total-Ausverkanf meine» seit 28 Jahre» bestehenden Eisenwartugtschasts. Sämtliche Waren, beseuders Werhx-nge - änsscrst billig" Ww, C. Bartnick, roSeroai�a. Restauraiion im Betrieb, mit Tinrichttmg, in Rix» dors nahe Bahnhof zu vermiete». Offerten unter Öl. V. Postamt Rixdors erdete»». 2533b» Brennholz derbe Fabrikation» iibfälle, sehr billige» Brennmaterial. 8 Ctr. für 4,85 M. mit Fuhrlohn, frei Keller. Holz. schneideret Merkur, Hohe». Schön« hausen. Fcrnipr. LIchtenbergZ02l. tzroAe Firma»ergibt seppiebe, Gardinen, StoresS Steppdecken, Portieren a«f Deilzahlung vhneAnzohlnug. W?» W J\. Wirmim � G.M.B.H ... ,U�W «t IttTt■ cewsigerstr. IS2-S7 �önigstrasse 31'S2 �ssenwalerstr. 2S-ZI vranienstrasse 52-55 Freitag und Sonnabend» soweit Vorhanden: 'Billige Lebensmittel Hülsenfrüchte Riesen-Erbsen......... Pfw 21 rt Kleine Erbsen........ Pfmd 16 pt Glasierte gelbe Erbsen msd 22 rt Glasierte gelbe Spalt-Erbsen 20 pt. Grüne Erbsen........ Pfand 22 Ff. Glasierte grüne Erbsen Pfand 30 Pk. Graue Erbsen........ Pfand 24 Pf. Grosse Linsen........ Pfand 32 pt. Mittel-Linsen......... Pfand 25 Pf. Kleine Linsen........ Pfand 20 pi. Langbohnen.......... Pfand 22 Ff. Kleine Bohnen........ Pfand 20 Pf. Teigwaren Globus-Makkaroni leioht»«färbt, ftark und fein....... 1 Pfnnd-Paket � Senta-Makkaroni ,u[kpf�dfpä«t 40 Pf, OJympia-Makkaroni J Hd.-uPafkS 50 pi Olympia-Schnitt-, Faden- und Bandnudeln.... i Pfand-Paket 50 pf. Senta-Schnitt-, Faden- und Bandnudeln.... i Pfand Paket 40 pf. Feine Schnitt- u.Fadennudeln 34 pt. Schnitt- u. Fadennudeln 26 pf Prima Fasson-, Graupen- und Hörnchennudeln.... Pfund 35 Pf. •jüi Frisches Fleisch ScHmorfleiscKpfd.85» �*h. 95, Roastbeef 95, 1.25 pf. Filet Ä 1.05, Gulasch.... Pkmfd 70 P5. Brust, Fehlrippe und Ochsenschwanz. Pfand 70 pf. Kamm und Querrippe............ Pfund 65 GehacKteS Pfand 60 Pf. Tal� Pfund 4G» aasgelassen 50 Pf. Frisch. SchinKenpfd.65 pl Schweinefilet Pfd. 1.05 SchweineKamm u.-Schuft. Pfund 70, geteat75 pf. SchweineKotelettes............... Pfand 85 P{- Schulterblatt ca. 4 Pfund sebver............ Pfand 60 Pf. Schweinebauch Pfand 55 pr» Eisbein Pfand 60 pf. RücKenfett. Pfand 50 a. 55 pf, Liesen.. Pfand ÖO pl KalbsKeule u. Rüchen im ganzen...... Pfand 90 pf. Kalbsbrust. Pfand 75» Kalbsbrustspitze 90 Pf. Kalbs Kamm und Bug>.... Pfand 70, geteut Pfand 75 Pf HammelKeule u.»Rüchen......... Pfand SO pf. Diche Rippe.... Pfund 65 Dünnung Pfand 55?«- Kasseler Rippespeer.......... Pfand 70 bi» 83 pl Starhe Hasen gestreift. stück 3.10 Hirschfleisch. Keule SO, Rücken 75» Pl»tt 50, Ragout 20 Pf. Fleischwaren Rotwurst......... Pfund 45«. 70 pt Landleberwnrst....... Pfand 85 Pt Feine Leberwurst..... Pfand 95 pt Pastetenleberwurst..... Pfand 1.00 Jagdwurst............ Pfand 90 Pf. Bauernmettwurst m. Knoblauch Pfd. 1.00 Teewurst............. Pfand 1.10 Braunschw. Zervelatwurst. in Fettdarm............ Pfand �«Otl Mausschinken � � � 1.15 Rollschinken � 7-10 1.00 Schinkenspeck M?? TÄd SO Pt Fetter Speck i»SWokenTonc�d(i 70 pt Magerer Speck �ÄT.�aS 70 Pt Frühstückszungen 2 Stack 85 pt Räucherwaren Bücklinge........... Eist« 35 pt Sprotten.......... Pfand 40, 55 pt Lachs-Bücklinge....... stock 5 pt Kieler Bücklinge.....* stück 10 pt Makrelen-Bücklinge.. s stück 15 pt Grosse Flundern...... Pfand 50 pt Goldkische........... z Stack 15 Pt Aale Pfd. 1.20, Lachs 70, 80 pt Sardellen............ Pfund 85 pt Matjes-Heringe....... s Stack 25 rt Reichstagswähler .. Ueckenttünde■ Usedom-V/ollin. Die Stichwahl zwischen unserem Genossen Kuutze und dem konservativen Kandi- baten findet bereits am Sonnabend, dtN 20. JttNUar, statt.- Keiner von Euch darf fehlen! Genossen! Unsere Gegner glauben das Mandat schon in der Tasche zu haben. Das muß zu Schanden werden! Mit soz. Grub]*aul Steinföhr. 285/13 Sechster Wahlkreis. Sonntag, den 21. Jannar, abends 6� Ahr, m den„Pharns-Salen", Möllerstr. 112: Oeffentliehe politische Yersammluiig für Männer und Frauen. Vortrag des Genossen kmil llaxer: Zwischen den Schlachten." 224/15» Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein nnd Tanz. Vsi» Einberuf er: Th. Buchholz. Brüsseler Str. 47. Ii! Arbeitsnacliwels: H->s I- SJmt Norden. Nr. 1230. YerwaltDDptelle Berlin Charitestraste 3. Hauptbureau: Hos in. Amt Norden, Nr. 1987 Sonntag, den'41. Januar, vormittags 10 Uhr: Versammlung Isar War Verwaltang Berlin. der Bananschläger Berlins und Umgegend in den AndreaS-Jestsälen, Andreasstr. 21. Tagesordnung: Beratung und Beschluftfassung über die neue Tarifvorlage. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Tagesordnung und damit ein jeder Kollege über die znkünstige Bezahlmig der einzelnen Positionen unterrichtet ist, muß jeder Anschläger in dieser Versammlung anwesend sein. Sonntag, den'41. Januar, vormittags 10 Uhr: Branchen-Vers ammluug der Eisen-, Metall- und Revolverdreher sowie Rundschleifer in den Musiker-Jcstsälen,(gr. Saal), Kaiser-Mlhelm Str. 1?m. Tagesordnung: 1. Verbands- und Branchcnangelegcnheiten. 2. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen wird erwarict. *°üm! Rohrleger und Helfer, Sonntag, den'41. Januar, vormittags 10 Uhr: Branchen- Versammlung im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engclufcr 15. Tagesordnung: 1. Bericht der AgitationSkommisfiou. 2. Diskussion. 3. Nrunuhl der Agitatiunskomnüssion und dcS VranchenvertretcrS. 4. Branchen, und VcrbandSangclegcnhciten. - Mitgliedsbuch legitimiert!—— nOT" ES ist Pflicht eines jeden Kollegen, bestimmt und pünktlich vm 19 Nhr zu erscheinen. 119/15 Die Ortsverwaltnnjf. Heute, Freitag, abends 8V3 Uhr, im GcwerfschaftShause, Engel- «scr 14/15, Saal 4(Arbeitslosensaas): TR-ung den Ortsverwaltung. m denen Sonnabends, abends von Folgende �aylstellett, 8-19 Uhr. Beiträge entgegen g°. nommen werden, sind neu errichtet worden: 77/14 ssharlottenberg: bc! Bet"a«i�Po�d-mer Str. 44. Ober-Schönemidt: M ebifor'i llilhorf: Bei Konrad Scbnbcrt, Wescrstr. 153. Folgende Zahlstellen sind verlegt: Zahlstelle 50 von Brcslauer Str. 38 nach Kraut- strafft 584 bei Gmil Mücksch. Zahlstelle 4 von Rheinsberger Strasse 5858 nach Vinetaplatz 4 bei Kindervatcr. Achtung l Lehrlinge tt.jugendlicheArbeiter der Holzindustrie! Sonntagnachmittag von 3—8 Uhr abends ist der Arbeitslosensaal im GewerfschastShause, Engeluser t4/t5, alS Lesesaal sür die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter geöffnet. Sämtliche Bücher und Zeitschristen der Jugendbibliothel liegen zur sreien Benutzung aus. Auch stehen den Besuchern Unterhaltungsipiele zur Verfügung. Die Werfstattvertrauensmänncr werden gebeten, die Lehrlinge aus den Besuch des Lesesaales aufmerksam zu machen. im Rosenthaler Hof Fnh. Ott« Schllllns. X X X X Rosenthalerstr. 11/12. ;; Säle m. Theaterbübnc. 159—499 Pers., 9 VcreinSzimmcr, 2 Kegelbahnen an Gewerkschaften und Vereine m:tcr kulante:: Bedingungen zu vergeben. Sonnabende und Sonntage«och frei Zentratoerband derDaebdecker Verwaltungsstelle Berlin. Telephon: Amt Norden Nr. 2583. Telephon: Amt Norden Nr. 2583. Sonntag, den 581. Januar 10158, vormittags 10 Uhr, im GewerkschaftehnuS, Eugelufer 15, Saal I: General- Versammlung der Dachdecker und Hilfsarbeiter. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 4. L.aartal 1911. 2. Neuwahl de? ge» samten Vorstandes. 3. Verbandsangelegenheiten. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen der Mitglieder erwartet 51/2 I»er Vorstand. Verein der Berliner Buchdrucker ii n und SchriftgieOer ii ii Der Beitrag beträgt vom 21. Januar ab wiederum 1.80 M. Die Druckereikalfierer werden gebeten, besonders darauf zu achten, daß der Beitrag in Höhe von 2.— M. für die Woche vom 14. bis 20. Januar zum letzten Male erhoben wird. Der Gauvorstand. 35 I MSie sparen Geld! öbel Verkauf nur Im Fabrikgebäude! Wenn-j. Sie Engrospreisen? m 4« Mbetksbrik* jH,Waller.:WilliMaaS,SE35| ■ kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebäude— nur 9 ■ eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. ■■ Permanente Musterzimmer-Ausstellung. Ol 35 LcraMwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für den Jnjeratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer öo, Berlin 2W, tu»MW 2. gfilap i>cs„llwiiiärls" forliiift Nl>»!sd!M Stadtverordoeten-Verfammlnng. 2. Sitzung Dom Donnerstag, den 18. Januar 1912, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach bVi Uhr und ver- vnlatzt zunächst die Einführung der am 4. Januar bei dem Ein- führungsakte nicht zugegen gewesenen wiedergewählten Mitglieder Dr. Levh I, Sonne nfeld und Dr. Zadel. Des verstorbenen Stadtrats Böhm gedenkt der Vorsteher mit ehrenden Worten des Nachrufs. Die 5 Abteilungen haben sich konstituiert und die Wahl des Ausschusses für die Vorbereitung der Neuwahl der ständigen Aus- jchüffe usw. vorgenommen. Auf der Tagesordnung steht an der Spitze die Wahl von 3 Beisitzer-Stellvrrtreter». ES geht ein Antrag Cassel-Mvmmsen ein, die Geschäftsordnung dahin zu ändern, daß statt 3 Stellvertreter hinfort 4 gewählt wer- den. Dieser Antrag gelangt ohne Debatte einstimmig zur An- nähme. Als Beisitzer-stellvertretcr werden dann auf Vorschlag des Stadtv. Cassel(A. L.) die bisherigen Stellvertreter A l t, Schulze(A. L.), Bracke(N. L.) wiedergewählt und Stadtv. P s a n n k u ch(Soz.) n c u g e w ä h l t. Zur Beratung steht sodann der neue Vertragsentwurf mit der A. E. G. wegen des Baues einer Schnellbahn Gefundbrunncn-Rixdorf. Danach soll die südliche Endstrecke vom Oranienplatz nach dem Hermannplatz als Untergrundbahn(und' zwar nicht über Planufer- Grimmstrasse-Urbanstratze, sondern über Reichenberger Strasse- Kottbuser Tor-Kottbuser Damm) geführt werden. Die Mehrkosten hierfür sind bekanntlich überschläglich auf 5,9 Millionen berechnet. Hinsichtlich der Nordstrecke soll es dagegen bei der Hochbahn sein Bewenden behalten. Der Magistrat sucht darzutun, dass hier durch eine Untergrundbahn für Betrieb und Verkehr so erhebliche Nach- teile entstehen würden, dass man auch, abgesehen vom Kostenpunkt, uur eine Hochbahn empfehlen könne. Von mehreren Seiten wird AuSschussberatung beantragt. Ein weiterer Antrag geht dahin, die Bahn durchweg als Untergrundbahn auszubauen. Stadtv. Lenh(A. L.): Die neue Vorlage ist freundlicher ge- staltet als die vorige, wenigstens was den Süden betrifft. Wir hoffen, dass man endlich auch dem Norden Gerechtigkeit widerfahren lassen wird. Wenn der Fortfall der Rampcnanlage im Süden ein Vorteil ist, so ist er es folgerichtig doch auch für den Gesundbrunnen. Die Forderung der N. E. G. für die als Untergrundbahn her- gestellte Nordstrccke dürste um so weniger bereits das letzte Wort sein, als sie auch schon an der Südstrecke abgelassen hat. Der Magi- strat ist ja selbst davon überzeugt, dass für die Südstrecke die Stadt einen zinsfreien Zuschuss nicht zu gewähren haben wird. Auch lvenn man von der Idee, den Bahnhos Gesundbrunnen an die Namlerstrasse zu verlegen absieht und die Anlage unter dem Schnittpunkt mit der Nordringbahn akzeptiert, erscheinen die Schwierigkeiten weder technisch noch finanziell unüberwindlich. Mit L Treppen a 27 Stufen und einer schiefen Erholungsebene in der Mitte lässt sich der unterirdische Bahnsteigzugang bequem schaffen, jedenfalls nicht unbequemer als am Nollendorfplotz. Das gilt von der Süd- wie von der Nordseite des Bahnhofs. Auch der Bahnhof Prinzenallee würde nicht zu tief zu liegen kommen. Auch bei der Stadtbahn muss man 6 Meter steigen, hier handelt es sich um 7*4 Meter. Für die Badstrasse mit ihrem riesigen, sich immer noch steigernden Verkehr inuss man eine Hochbahn als Verkehrs- Hindernis ablehnen. Das Unglück ist, dass bei einem 84-Millionen- Projekt keine ernsthafte Konkurrenz zugezogen, sondern allein mit der A. E. G. verhandelt worden ist. Stadtbaurat Krause: Der Vorredner fusst im wesentlichen auf einen Entwutf des Hausbesitzervereins Gesundbrunnen. Dieser Entwurf beseitigt die an dieser Stelle vorhandenen Schwierigkeiten nicht. Er lässt zudem die Notwendigkeit eines zweiten Bahnsteigs sür die Einsatzzüge ausser acht. Eine weitere Diskussion ist ziemlich zwecklos, da die A. E. G. sich auf einen gänzlich ablehnenden Stand- punkt gestellt hat. Ich bitte Sie dringend, die Vorlage, an der so lange gearbeitet worden ist. anzunehmen. iBeisall.) Stadtv. Goldschmidt(N. L.) hält mit Lentz dafür, dass der Norden nicht weniger Rücksicht erfahre als der Süden. Darüber solle man heute entscheiden. Die A. E. G. habe offenbar an dem Bau nur das Interesse, möglichst viel zu verdienen.(Zustimmung und Heiterkeit.) Der Vertrag solle ja später erfüllt werden von der erst noch zu begründenden Betriebsgesellschaft, also von einem Faktor, den die Stadt noch gar nicht kenne. Der Tarif müsse bei den Ansprüchen der A. E. G. viel höher werden, als es der hier vornehmlich in Betracht kommenden Arbeiter- und Gewerbetreiben- bevölkerung lieb sein könne. Warum sei das Projekt nicht aus- geschrieben worden? Stadtv. Jacobi(A. L.) zählt die Vorzüge, die der neuen Magi- stratSvorlage gegenüber der früheren beiwohnen, im einzelnen auf und kommt zu dem Schlüsse, dass die neue Vorlage das Richtige treffe. Ter Norden stelle sich auf den Standpunkt, daß er aus Neid auf den Süden(Widerspruch) lieber gar keine Bahn, als eine Hochbahn haben wolle. Die Darlegung der Nachteile, welche durch eine Untergrundbahnanlage am Bahnhof Gesundbrunnen in tech- nischer Hinsicht und für den Verkehr entstehen, habe noch keiner entkräftet. 65 Stufen seien für ihn und wohl noch für viele andere unannehmbar. Die Nordstrecke als Untergrundbahn belaste den Berliner Etat auf Jahrzehnte hinaus mit jährlich 677 999 M., daran sei nicht zu rütteln. Der Zweckverband habe das Recht, zu bauen, die Trasse, wie die Bedingungen festzusetzen. Das alles gäbe Berlin eventuell jetzt aus der Hand. Stadtrat Blbcrti wendet sich gegen die Ausführung des Stadtv. Lentz, dass die Hochbahn nicht in die Badstrasse gehöre, weil diese keine Promenade habe. Auch die Einwendungen des Stadtv. Gold- schmidt gegen den Vertrag und die noch nicht gegründete Betriebs- gesellfchaft bezeichnet er qlö unhaltbar. Eine Ausschreibung mit dem Ziel des billigen Tarifs würde lediglich das abgetane Projekt der Schwebebahn wieder lebendig machen. Die Konkurrenzfrage habe der Magistrat eingehend geprüft; schon mit Rücksicht auf den 1. April 1912 lasse sich von Anregungen in dieser Hinsicht nichts er- warten. Stadtv. Glocke(Soz.): Der Gang der Verhandlungen de? Ma- giftrat« mit der� A. E.-G. und im Ausschüsse hat lediglich die Richtigkeit dcS Standpunktes bestätigt, den wir in dieser Frage stets vertreten haben, dass wir nämlich die Bahn selb st bauen sollten. Die A. E.-G. hat bei jeder Aenderung, die seitens der Magistratsvertretcr gewünscht wurde, der Stadt weitere Kosten und Lasten zugemuiet. Nun wird gesagt, die Stadt könne eine«ei- tere Belastung nicht tragen, weil sie u. a. schon zwei Bahnen zu bauen beschlossen habe. Sehen wir aber die Verpflichtungen an, die die Stadt der A. E.-G. gegenüber eingeht, so fallen diese Gründe zusammen. Die Stadt übernimmt eine weitgehende Zins- garantie, leistet einen beträchtlichen Barzuschuh und verzichtet acht Jahre aus fede Abgabe seitens der A. E.-G. Wenn auch jede andere Gesellschaft ebensoviel würde verdienen wollen, wie die A. E..G.. dann wäre doch erst recht die Konsequenz, dass die Stadt selbst die Bahn bauen mühte; so aber ist die Stadt lediglich dazu da. bloss aus Dankbarkeit dafür. dass eine Gescllschatt die Bahn baut, ihr einen so hohen Berdienst zuzuwenden. Uebrigene bleibt der städtischen Bauverwaltung, trotzdem die Gesellschaft die Bahn baut, doch eine Menge von Ar- besten vorbehalten. Höchst wahrscheinlich würde die Stadt, wenn sie selbst baute, auch erheblich billiger bauen. Nach wie vor sind wir der Ansicht, daß es ausserordentlich wünschenswert wäre, die ganze Strecke als Untergrundbahn zu bauen, schon aus hygienischen Gründen. Jedenfalls aber haben sich doch starke Schwierig- leiten ergeben, technische wie finanzielle. Letztere können ja natürlich nicht ausschlaggebend sein. Aber wenn wir für die Hälfte des Kapitals die Zinsgarantie übernehmen, 5,9 Millionen Mark ä fonds perdu geben, und es kommen noch die 3,3 Millionen Mark und der kapitalisierte Betrag von 5,9 Millionen Mark hinzu, so wird das Projekt doch etwas sehr kostspielig und die Rentabilstüt auf absehbare Zeit fraglich, wenn die Bahn in solcher Weise belastet wird. Daneben dürfen wir doch die Schwierigkeiten, die sich für den Verkehr der Fahrgäste selbst ergeben, nicht übersehen. Für die Anlieger ist eine Unter- grundbahn sehr angenehm, aber sür die Fahrgäste ist es nicht das- selbe, wenn sie 65 oder gar 85 Stufen steigen bezw. hinuntergehen müssen. Die Verwendung von Aufzügen, wie sie das neue Projekt des Hausbesitzervereins Gesundbrunnen Vorsicht, ist auch nicht be- sonders einladend; es könnte' bei Massenverkehr sich daraus eher eine Stockung als eine Erleichterung der Personenbeförderung ergeben. Aus diesem Grunde kommen wir zu der Auffassung, dass die Erbauung dieser dringend notwendigen Schnellbahn au der Frage der Nordstrecke nicht scheitern darf.(Beifall.) Wir sehen die Möglichkeit eines anderen Ausweges nicht, weil die Mehrheit ja doch der Uebernahme des Baues durch die Stadt nach wie vor ab- g e n e i g t ist. Da der Vertrag sicherlich in einen Ausschuh geht, deschränke ich mich für jetzt auf den Wunsch, daß für alle Arbeiten, die von der Stadt vergeben werden, die von den Tarifgemeinschaften vereinbarten Preise bezw. Löhne in An- s a tz kommen.(Beifall.) Stadtv. Gäroldt(Fr. Fr.) tritt für die Wünsche des Gesund- brunnens ein und sucht darzutun, dass die Bodenverhältnisse im Humboldthain und am Bahnhof Gesundbrunnen eher günstiger für eine unterirdische Anlage gestaltet sind, als in dem sumpfigen früheren Wieseisterrain, das die Südstrecke durchquere. Stadtv. Thieme(Fr. Fr.) führt lebhafte Klage über die bcab- sichtigte Verschandelung der schönen Badstrasse und befürwortet das Projekt deS Grundbesitzervereins, das sicher auch von der Eisen- bahnverwaltung akzeptiert werden würde.(Beifall.) Stadtv. Flohr(Fr. Fr.) behauptet als Fachmann, dass durch mechanische Hebevorrichtungen(Aufzüge usw.) die 33 Millionen Mehrkosten, die eventuell gezahlt werden müssen, sich auf höchstens 1 Million würden reduzieren lassen. Die Konkurrenzaus- s ch r e i b u n g hätte das Unternehmen unzweifelhaft ver- billigt. Die Zurücksetzung des Nordens in diesem Punkte würde die dortige Bevölkerung vollends zu Bürgern zweiter Klasse machen.(Beifall und Widerspruch.) Oberbürgermeister Kirschner unterstreicht die Bemerkungen des Stadtrats Alberti hinsichtlich der Frage, ob die Stadt der event. Betriebsgesellschaft ungünstig gegenüberstehe. Nach dem Vertrage bürge die A. E. G. vollauf sür die Erfüllung der Verpflichtungen, die jene Gesellschaft übernehme. Wenn die Versammlung den Bertrag nicht ohne Ausschuss genehmigen wolle, so solle sie wenig- stens über die Nordstrecke sdzon heute die Entsckzeidung fällen. Die städtischen Techniker hätten den Technikern der A. E. G. in diesem Punkte nach eingehender, jahrelanger Prüfung beigepflichtet. Im letzten Augenblicke auf Grund von Vorschlägen eines nicht namhaft gemachten Technikers wohlerwogene Proiekte fallen zu lassen, ent- spreche nicht der Würde des Magistrats. Die Lifts würden das Gegenteil eines Schnellverkehrs darstellen. Der Norden sei absolut nicht vernachlässigt, noch benachteiligt. Es würde aber geradezu ungerecht sein, alle Stadtteile nack; derselben Schablone zu behandeln. Die A. E. G. sei ihrerseits mit dem Projekt ge- kommen; eine Konkurrenz habe sich bis beute nicht gemeldet.— Vom 1. April 1912 ab könne Berlin ohne Genehmigung des Zweck- Verbandes nicht bauen, wohl aber könne der Zweckverband ohne Berlins Genehmigung bauen; da könnten eventuell auch die Anhänger der Schwebebahn die Oberhand haben. Man sorge also dafür, dass bis zum 1. April der Vertrag geschlossen sei. Dem verpassten günstigen Augenblick werde sonst bald die Reue folgen. Das solle sich auch der Norden gesagt sein lassen. lBeisall.) Stadtv. Ladewig(N. L.) polemisiert gegen seinen Fraktions- genossen Goldschmidt. Die Mehrheit stehe auf dem Boden der Magi- stratsvorlage. Nachdem noch Stadtv. Gronewaldt(A. L.) für den Wunsch des Nordens plädiert, und Stadtv. Dr. Kuhlmann(Fr. Fr.) sich namens der Mehrheit seiner Freunde für die Vorlage ausgesprochen hat, sucht Stadtv. Goldschmidt die Gegenerklärungen des Oberbürger- rneisters und des Stadtv. Jacobi zu entlräften. Seine Behauptung, dass eS den Anschein habe, dass man eine Konkurrenz nicht habe zulassen wollen, wird von der Mehrheit sehr unwillig ausgcnom- men und vom Bor st eher gerügt. Oberbürgermeister Kirschner erklärt, auf diese Andeutung nichts mehr erwidern zu wollen. In der Abstimmung wird der Antrag Lentz, die gesamte Linie als Untergrundbahn auszubauen, gegen eine starke Minder- heit abgelehnt, dagegen der Antrag Jacobi angenommen, wo- nach der Magistratsantrag betr. die Bauaussührung genehmigt und der Vertrag einem Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen wird. Diesem AuSschuh, der sofort vom Vorstände ernannt wird, gehören von der sozialdemokratischen Fraktion B r u n L, Glocke, Hei- mann und Ewald an. Für das ehemals Borsigsche Moabiter Grundstück zwischen Alt- Moabit. Stromstrassc, Crefcldcr Strasse und Bundcsratsufcr. bcan- trogt der Magistrat die Anlegung zweier neuer Straßen, ausser der Verlängerung der Essener Strasse, und die Festsetzung entsprechender Fluchtlinien. Die Vorlage geht auf Antrag von mehreren Seiten an einen Ausschuß, der sofort vom Vorstande ernannt wird. Schluß der öffentlichen Sitzung um 9 Uhr. Hua der fraucnbcwegung. Die Schlafräume der Dienstboten. lieber die Schlaf- und Aufenthaltsräume, die den Dien st boten von den Herrschaften angewiesen werden, hat der Zentralverband der Hausangestellten vor einiger Zeit eine Umfrage veranstaltet, deren Ergebnisse soeben in einer kleinen Schrift veröffentlicht worden sind..Der Hausangestellten Klage" betitelt sich die Schrift, die auf 29 Seiten die Lage der Dienstboten kurz und anschaulich schildert und auf einer Seite eine Illustration bringt, ein Bild aus der Wirklichkeit, das gleichsam einen Beweis für die angeführten Klagen darbietet. Es zeigt ein Dienstbotenbett in Leipzig. doS bei Tage als Küchen- anrichte dient und deS Abends aufgeklappt wird, um als Lager für das Dienstmädchen zu dienen. Sehr gross dürfen die Mädchen bei dieser Herrschaft nicht sein, denn die ganze Holzkiste ist nur l55 Zentimeter lang und 53 Zentimeter breit. An Lohn bezahlte die.Gnädige" ihrem Mädchen 12 Mark pro Monat. Von der Umfrage deS Zentralverbandes der Hausangestellten wurden 15 Städte erfasst und von den eingegangene» Frage- bogen konnten 914 für die Bearbeitung der Statistik verwandt werden. Eine erhebliche Zahl der Schlaf- und AufenihaltSräume war nach den gemachten Angaben sehr ungünstig gelegen. Unter den 914 Räumen waren 138 Dachstübchen, 65 lagen im Keller. 24 auf Hängeböden, in 13 Fällen war eine Lagerstätte in der Küche, in 12 Fällen in der Badestube, in ö Fällen auf dem Korridor hergerichtet. Im ganzen mutzten 257 oder 28 Prozent als sehr mangelhaft bezeichnet werden. In Berlin, wo sich die Kontrolle auf 288 Schlafräume erstreckte, befanden sich 21 auf Hängeböden.— Eine bescheidene Ausmöbeliernng hatten von den 0t4 Räumen nur 182. Heizbar waren nur 372, also 542 waren»licht heizbar. 13 Räume hatten überhaupt keine Fenster» in 53 Räumen gingen die Fenster nach Jnnenräumen, Korridoren Zc., also konnten Licht und Luft nur spärlich hineinkommen; 77 Räume waren nicht von innen zu v e r j ch l i e ss e ,t. In 119 Fällen wurde die Bettwüsche erst nach scchö und mehr Wochen ge- wechselt. Zur Beleuchtung der Dienstbotenverhältnisse werden eine Reihe von Schilderungen aus den Fragebogen mitgeteilt. Berliner Dienstmädchen klagen zum Beispiel: .Habe ein sehr schlechtes Bett, in der Küche Schwaben, in den Zimmern Wanzen. Meine Sachen inuss ich im Keller unterbringen. Zum Ablegen von Sachen und Gegenständen, besonders zum Hin- stellen der Lampe, ist nur ein Stuhl vorhanden." „Mein Schlafraum ist abscheulich, die Sachen im Schrank werden feucht und schimmlig. Das ganze Loch, in dem ich schlafe, wimmelt voll kleiner weisser Würmer." .Unser Schlafraum lässt unbedingt zu wünschen übrig. Vom Küchenaufgang ist keine Tür, die andere Seite ist unverschliessbar. Die Küchentür nach dem Korridor mutz auf jeden Fall offen bleiben. damit die Herrschaft auch des Nachts aus- und eingehen kann. ES wird keine Rücksicht genommen, ob wir schlafen oder nicht. Der ganze Küchendampf zieht nach oben, im Sommer ist eS fast zum Ersticken." .Auf dem Hängeboden sind so viele Wanzen, dass man keine Nacht mit Ruh« schlafen kann. Die schmutzige Wäsche, die hier untergebracht ist, riecht aus dem Korbe und sind wir gezwungen, den ganzen Geruch einzuatmen. Zum 1. Oktober wollte ich ziehen. auf Zureden der Frau bleibe ich wieder, da sie so leicht kein neues Mädchen bekommt." .Alles hier anzuführen, würde zu weit gehen, aber auf einige wichtige Punkte möchte ich aufmerksam machen. Bei sehr vieler Arbeit, recht wenig Essen, lässt die Herrschaft uns eine recht nicht- achtende Behandlung angedeihen. Fast alle Abende wird bis 12 Uhr gearbeitet, aber zu essen gibt e« herzlich wenig, z. B. einen halben sauren Hering zum Abendbrot und zwei Butterstullen. Dann bc' kommt man wieder 8 bis 14 Tage einen halben Bückling auf zwei Stullen geschmiert. Zu Mittag gab es einmal Knochen, wenig oder auch gar kein Fleisch. DaS wäre auch noch nicht so schlimm. wenn man genügend Gemüse und Kartoffeln bekäme, aber auch daS nicht." .Ich besitze keinen Schrank. Meine Sachen hängen in ollen Ecken, damit man nichts davon sieht, wenn.Besuch" kommt. Bett- stelle und Bett liegen tagsüber im Klosett, abends stelle ich es in der Küche auf. Wenn das Bett aufgestellt ist, habe ich leinen Platz zum Auskleiden, so eng ist alles." „Mein Bettgestell ist sehr entzwei, ich will lieber auf der Erde schlafen, denn mich schmerzt alle Morgen das Genick." AuS Hamburg wird folgendes berichtet: „DaS Zimmer ist sehr feucht, meine Kleidung ist teilweise vom Schimniel überzogen und riecht ganz moderig. Der Fnhbodcn ist so morsch, dass ich schon mit der Betistelle eingebrochen bin/ DaS Wasser läuft an den Wänden herunter, aber die Dame bchanpjet,� es sei nicht feucht. Möchte Sie freundlichst bitten, sich selbst davon zu überzeugen." „Der Fussboden besteht auS Zement. DaS Bett steht an der Wand des Kohlenraums, die bei Tau- und Rcgeuwcttcr voll Nässe treibt." „Da meine Dame Schneiderin ist und ich im Arbeitszimmer schlafe, mutzte ich vom 15. bis 24. Dezember, obwohl meine Arbeit um 19 Uhr beendet war. bis 12 Uhr aufbleiben, da so lange gearbeitet wurde." „Sonst alle? gut. aber nicht genug zu effen. Bekomme alles zugeteilt und werde nicht gefragt, ob ich genügend habe. Ans diesem Grunde verlasse ich die Stellung zun, tS. d. Mts. Seit 8 Tagen wird im Hause lein Mittag mehr gekocht. Der Herr isst in der Stadl." Die Statistik hat natürlich nur einen kleinen Teil der be- stehenden Verhältniffe erfassen können, aber wer mit offenen Augen um sich schaut, der weiss, dass es so oder in ähnlicher Weise aus- schaut. Jede.besiergestellte" Hausfrau möchte einen dienstbaren Hausgeist haben, aber die wenigsten kümmern sich um das Wohl- befinden ihrer Hausangestellten. Diese aber können nicht dringend genug ermahnt werde», nicht auf die Güte und Einsicht der Herr- schaflen zu warten und dadurch eine Besserung der Zustände und Abhilfe ihrer Klagen zu erhoffen, sondern sich vielmehr ihrer Organisation, dem Zentralverbande der Haus- angestellten(Berliner Ortsgruppe, Michaclkirchplatz 1) anzu- schliessen und im gemeinsamen Streben mit Leidensgenossinnen und Gleichgesmitten um eine Abstellung der Mitzstände im Beruf zu kämpfen. <3end>tg-Reitling. Lchrcrinncnbelcidigung. Zwei Mütter, eine Frau Jürgens und eine Frau Stahl, for- derten gestern vom Landgericht III(Strafkammer 2) Nachprüfung eines SchöffengertchtSurtcilS, durch das beide der Beleidigung einer Lehrerin schuldig erklärt und zu je 39 Mark Geldstrafe verurteilt worden waren. Beleidigt fühlte sich eine Lehrerin Frl. Schelzig, die an der 141. Gemeindeschule in der Müllerstrahe tätig ist und in deren Klasse im letzten Sommerhalbjahr auch die Töchter der beiden Angeklagten saßen. Am 13. September, nachmittags um 4 Uhr. erwartete Frau Jürgens ihre Tochter bor dem Schulhausc. um sie nach Schluss der Turnstunde abzuholen, und zufällig kam auch Frau Stahl dazu. Bei dieser Gelegenheit sollen beide Müttqr die auS dem Schulhause heraustretende Lehrerin gröblich beschimpft haben. Die Angeklagten stellten vor Gericht das sehr bestimmt in Abrede, aber Frl. Schelzig bekundete, wie vor dem Schöffengericht. so auch vor dem Landgericht, dass beide Frauen ihr die Schimpf. Wörter„Drccksan" und„Mistsau" zugerufen hätten. Frau Jürgens versicherte, sie habe nur ihre Tochter mit den Worten begrüßt: „Na. bist Du heute wieder so mistig nach Schule gegangen?" Die Tochter sei nämlich, weil sie mal mit ungeputztcn Stiefeln zur Schule gekommen war, von der Lehrerin Schelzig vor den anderen Kindern als schmutzig bezeichnet worden und habe das dann von ihr noch wiederholt zu fühlen bekommen. Der Verteidiger der Angeklagten Jürgens, Rechtsanwalt Karl Liebknecht, brachte zur Sprache, daß Frl. Schelzig im Unterricht ihre Schülerinnen deren Bekundungen gegen die beiden Frauen habe niederschreiben lassen. Frl. Schelzig erklärte hierzu, sie habe nach Rücksprache mit dem Schulinspektor Wulff die Kinder gefragt, waö sie gehört Hütten, und habe dann, um es festzulegen, den Kindern Zettel gegeben und es aufschreiben lassen. Daß sie die Kinder den Inhalt dieser Zetse! IjaB« aulhjenbiö leine* laste», fei unwalzr. Ter VoisttzenLe, Land- gerichtsrat Hallervirden, fand mi diesem Verfahren der Lehrerin nichts auszusetzen. Tie Zlngeklagten behaupteten, daß damals am 13. September nicht sie, sondern andere Personen, die gerade vor- überkamen, auf die Lehrerin geschimpft hätten. Hierzu wäre die Vernehmung einer größeren Zahl Zeugen nötig gewesen, auch einiger, deren Ladung das Gericht abgelehnt hatte. Ter Vorsitzende riet aber den Angeklagten, nicht auf Vertagung zu bestehen, sondern ihre Berufung zurückzuziehen. Er stellte ihnen in Aussicht, daß sie eine Kostenrechnnug von 130 Atark kriegen würden. Die An- geklagten blieben dabei, sie hätten nicht geschimpft. Doch im Hin- blick auf die Kosten, die bei erneuter Verurteilung entstehen wiir- den, entschlossen sie sich zuletzt, sich bei dem SchöffengerichtSurteil zu beruhigen.„Wer uuschnldig bin ich!" fügte Frau Jürgens hinzu. Ter Vorsitzende wollte sie belehren:„Ja, dann nehme ich Ihre Erklärung nicht an." Er lenkte ein, als der Verteidiger und in Uebereinstimmung mit diesem der Staatsanwalt hervorhoben, daß die Erklärung nicht zurückgewiesen werden dürfe. ES gibt keine Klassenjusttz. Zwei Prozesse, die bor dem Ehemmtzer Schöffengericht verhandelt wurden, lieferten einen neuen Beweis, daß es— keine Klassenjustiz gibt. In der ersten Verhandlung hatte sich ein Rentner Klos wegen Beamtenbeleidignng, Hausfriedensbruch und Erregung ruhestörenden Lärms zu verantworten. Dieser Manu fand seit Jahren Gefallen daran, sich zur Nachtzeit in einer Polizei- bezirkswache einzufinden und die Beamten zu belästigen, die ihn niemals anders loswerden konnten, als durch Hinausstecken. Einem Beamten waren die nächtlichen Besuche schön lange zu dumm und er machte schließlich der Sache ein Ende. Als Klos wieder einmal nachts erschien, steckte er ihn sofort wieder zur Tür hinaus. Das war der Herr Rentner nicht gewöhnt und er sing an zu schimpfen und den Beamten zu beleidigen, der ihn schließlich mit Gewalt auf die Straße brachte. Vor Gericht bemerkte K., daß er betrunken gewesen sei, und daß seine Anhänglichkeit vom Militär her ihn öfter i» die Polizeiwache hineingezogen habe. Tie Schilde- rung der nächtlichen Besuche durch den Zeugen brachten dem Gericht die Ueberzeugung bei. daß der Rentner, der als Sergeant vom Militär abgegangen ist und Militärpension bezieht, aus Größen- wohn, Großmannssucht und läppisches Ticketun gehandelt habe. Es «nahm ihn mit 1l>l> Mark in Strafe. Im zweiten Prozeß mußte ein junger Arbeiter auf der An- klagcbank Platz nehmen. Er sollte drei unorganisierte Handarbeiter durch die Bezeichnung„Streikbrecher" beleidigt haben. Ter Anklage liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Während der Aussperrung der Metallarbeiter arbeiteten die Strafantragsteller auf dem Hofe einer Eisengießerei. Ter Beschuldigte, Gärtner Hanusch, ging vorüber und kragte eine» Lehrjungen, der in kurzer Entfernung der Hand- Arbeiter stand:„Wieviel arbeiten Streikbrecher hier?" Damit hatte er Former gemeint. Die Handarbeiter bezogen den Ausdruck Streikbrecher auf sich und fühlten sich beleidigt. Da ein Wacht- meiner in der Nähe war, teilten sie diesem die Sache mit, der sie veranlaßte, Strafantrag zu stellen. In der Verhandlung bestritt H., die Handarbeiter gemeint zu haben; cr habe nur feststellen wollen, ob noch Former arbeiteten. Nach der Beweisaufnahme stellte der Amtsanwalt fest, daß sich die Strasantragsteller gar nicht hätten beleidigt fühlen können. Das Gericht verurteilte den Beschuldigten dennoch zu 14 Tage» Gefängnis. In der Urteilsbegründung wurde u. a. gesagt: Das Gericht hat die Ueberzeugung, daß H. den Zeugen etwas versetzen wollte. Es kann sich aber nicht verhehlen, daß die Sache nicht der Rede wert ist, daß es besser gewesen wäre, sie wäre nicht an die große Glocke gehängt worden. Ta aber einmal Straf- antrag gestellt war, hätte auch etwas geschehen müssen. Und trotzdem Gefängnis! Nun vergleiche man die beiden Ur- teile. Mit Geldstrafe kommt ein Rentner davon, der seit Jahren dt* Polizei ans dem Kopfe herumgetanzt ist. Mit Gefängnis wird ein Arbeiter bestraft wegen einer Nichtigkeit, die selbst das Gericht ols solche gekennzeichnet hat! Das ist die Gleichheit aller vor dem Ävfetz!_ Allerlei Abenteuer auf der Polizeiwache erzählten gestern vor der 4. Strafk-nnmer des Landgerichts I zwei sehr aufgeregte Frauen. Wegen wissentlich falscher An- schuldigung waren die Sä Jahre alte Schneiderin Pauline Majewska und deren um neun Jahre jüngere Schwester. Frau Marianne Mürb. geb. Majewska, angeklagt. Ter Sachverhalt ist folgender: Gegen die beiden Angeklagten schwebte bei dem Amtsgericht ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Zu dem am 19. November anstehenden Termin waren beide nicht erschienen und das Gericht beschloß ihre Vorführung. Zu diesem Zweck erschienen am 13. Dezember früh nach 6 Uhr die Schutzleute Piscal und Czajcr zuerst vor der Wohnung der Majewska und dann vor der Wohnung der Frau Mürb in der Chodowieckistraße, um die Sistierung auszuführen. Ten Schutzleuten war eingeprägt »vordcn, diesen beiden Frauen gegenüber sehr vorsichtig und korrekt vorzugehen. Tie Sistierung ging unter großen Schwierigkeiten vor sich, da die Angeklagten sich diese„Einmischung der Polizei 4n ihre Angelegenheiten" verbaten. Frau Mürb öffnete ihre Wohnung überhaupt nicht gutwillig, so daß erst ein Schlosser her- dcigchölt und die Tür mit Gewalt geöffnet werden mußte. Schließ- ilicd wurde eine Droschke gebolt und in dieser wurden beide An- geklagten»ach dem Kriminalgericht gefahren. Unterwegs solle» sie fortwährend aus die sie begleitenden beiden Schutzleute und die gesamte Polizei geschimpft und skandaliert haben. Noch schwieriger war die Ueberführung der beiden Frauen aus der Droschke in das Kriminalgerichtsgebäude. Vor Gericht benahmen sie sich gleichfalls so ungebührlich,"daß das Gericht eine sofort zu verbüßende Haft- strafe von 3 Tagen über sie verhängte. In der Sache selbst wurden sie am 17. Dezember freigesprochen. Dann wurde gegen sie ein Verfahren wegen groben Unfugs und ruhestörenden LärmS bei der Sistierung eröffnet und am 19. Februar v. I. vom Schöffengericht zu 20 M. Geldstrafe event. 4 Tagen Hast verurteilt. Tie dagegen eingelegte Berufung wurde verworfen und das Urteil ist rechtskräftig geworden. Nun haben die beiden Frauen am 10. Januar eine Anzeige gegen Beamte des 103. Polizeireviers erstattet, in welcher die schwersten Beschuldigungen gegen 4 Schutzleute erhoben wurden. Sie behaupteten darin u. a.. st« seien, als sie am 13. Dezember sisriert wurden, von den beteiligten Schutzleuten gestoßen, ge° schlagen und in der gröblichsten Weise beleidigt worden. Frau Mürd sei aus der Wache gewaltsam in die Zelle gestoßen und dort von einem Beamten mit Wasser begossen worden. Frl. Mejewska behauptete, daß der eine Schutzmann sie so stark am Halse ge- würgt habe, daß ihr ganz schwarz vor Augen geworden sei. Dies sei iy- um so eni-setzlicher gewesen, als sie erst einige Zeit vor- ber an den Augen operiert worden wäre. Wiederholt hätten die Schutzleute gerufen:„Man müßte die dreckigen Polacken nach Galrzieu abführen!", ferner:„Siebzebn Tage bei Wasser und Brot und dann in den Keller einsperren!" Frau Mürb behauptete ferner, der eine Schutzmann, der sie nach der Polizeiwache brachte. babe verlangt, sie solle wie ein Soldat marschieren, indem er immer kommandiert lxrbe:„Rechts! links! rechts! links!" Sie chabe darauf gesagt, ihre Brüder hätten schon eher ihrer Militär- Pflicht genügt, wie der Schutzmann, darauf habe der letztere ge- sagt:„An dem ihm genannte» Trte stehe» bloß polnische Schweine, aber keine Ulanen." Auf der Wache habe man Frau Mürb aus die Bank gestoßen, man habe ihr zugerufen:„Die Polacken müßten »ine Dusche bekommen!" Weiter wurde in der Anzeige und gestern im Termin von den beiden Frauen behauptet, die Beamten Hätten sie geduzt und gedroht, ihnen Ketten anzulegen. In der Droschke brüten die Schutzleute unanständige Redensarten gemacht, der eine Schutzmann hätte mit seinem Säbel»ach ihrem Leib gestoßen, ihr ein Lech in das Kleid gerissen und ihr ihre Hutnadel weggenommen. „-wie und andere in der Strafanzeige und später bei der Per- nehmung vor dem Polizeihauptmann von Herford gemachten Be- schu.digungen sollen, wie die Anklage behauptet, wissentlich Mwahr senk. Tis Fugsklaglen bessriften die? gsfiekki flu! ulkerfchopfkuDSd Zungenfertigkeit, die namentlich bei Frau Mürb stauncnerregend war. Sie unterbrach fortgesetzt die Verhandlung, so daß der Vorsitzende Landgerichtsrat Simonso» mehrfach drohte, sie sofort abfuhren zu lassen.„Ist alles egal! Sind wir ja rechtlos! Sperren Sie uns ein, ist alles egal! Tie Schutzleute nehmen Sie den Eid ab und anständige Frauen stecken Sie hier in die Iln- klagebank!" So und ähnlich rief die Angeklagte fortgesetzt. Tie Angeklagte Majewska behauptete ebenso wie ihre Schwester, daß alle ihre Anschuldigungen durchaus wahr seien, namentlich auch, daß ein Schutzmann sie überaus heftig an der Gurgel gepackt habe. „Hab ich gedacht, Gurgel ist entzweigebrochen; ist mir was geplatzt wie Blase vom Fisch!" Tie Anschuldigungen der Angeklagten wurden von sämtlichen vernommenen Schutzleuten unter dem Zeugeneide als unwahr zu- rückgewiesen. Sie behaupteten übereinstimmend, daß sie die An- geklagten sehr vorsichtig behandelt hätten, dagegen hätten sich diese sowohl bei der Sistierung nach der Wache, auf der Wache und im Kriminalgerichtsgebäude wie die Furien benommen und fürchterlich getobt und geschimpft. In der Droschke hätten sie geschimpft:„Mistprcußcn! Stinkpreußen! der ganze Staat ist eine Räuberbande und der Staat paßt dazu!" Polizeihauptmann v. Herford bekundete, daß die Angeklagten bei ihrer Vernehmung außerordentlich erregt waren und so viele unglaubliche Be- schuldigungen erhoben, daß man nicht wußte, was man als Phanta- sie und was als Wahrheit ansehen durfte. Eine Anzahl Zeugen, die von den Angeklagten vorgeschlagen waren, wußten nichts Wesentliches zu bekunden. Ter Sachverständige, Spezialarzt Dr. Lennhof, hat am 17. Dezember den Besuch der Angeklagten Majewska erhalten und zweifellos einen Bruch des Kehlkopfes bei ihr festgestellt. Sie hat bei dieser Gelegenheit erklärt, sie sei „von einem Manne" gewürgt worden. Die Angeklagte sei auch heiser gewesen und das Stimmband zeigte eine intensive Röte. Tie Angeklagte habe einen Herzfehler und sei eine erregbare Natur. Gesängnisarzt Dr. Sehnsen hat bei der Einlieferung der An- geklagten am 13. Dezember von einem solchen Bruch nichts fest- stellen können; dagegen habe Frl. Majewska ununterbrochen furchtbar geschrien, so daß ihr schließlich ein Tuch vor den Mund gehalten locrden mußte.(?) Tie Angeklagte sei zweifellos hysterisch und solche hysterischen Personen glauben manchmal etwas erlebt zu haben, was gar nichr Wirklichkeit war.— Der Staatsanwalt hielt die Unwahrheit der Anschuldigungen für erwiesen und beantragte je 2 Monate Ge- sängnis. Das Gericht nahm zwar als erwiesen an, daß die An- schuldigungen der Angeklagten gegen die Schutzleute falsch sind, kam jedoch trotzdem zu einer Freisprechung der beiden Angeklagten. da anzunehmen sei, daß beide, die schwerhysterische Personen seien, offenbar jene Vorgänge, die ihrer Phantasie entsprungen seien, für wahr gehalten haben. Schub vor Schutzleuten. Vor dem Schöffengericht zu Leipzig hatte sich dieser Tage ein Dr. med Götz wegen Uebertretung der Verkehrsordnung und Be- leidigung eines Schutzmannes, den er Lump titulierte, zu verant- Worten. Tie Verhandlung nahm einen sehr lehrreichen Verlaus und bewies aufs neue, wie berechtigt der Ruf nach mehr„Schutz vor Schutzlei, en" ist. Der in Leipzig- Lindenau wohnende Dr. Götz bediente sich zum Besuche seiner Patienten eines Rades und kam auf der Karl-Heine-Straße gefahren. Er hatte gerade ein Fuhrwerk vorschriftsmäßig links überholt und war nicht sofort wieder scbarf rechts abgebogen, cr befand sich aber trotzdem aus der rechten Straßenseite. Ein Mann in Zivil tauchte vor ihm auf, streckte den Arm in die Höhe und befahl ihm, abzusteigen. Dr. Götz respektierte diesen Befehl jedoch nicht, sondern versuchte um den Mann herumzukommen. Dieser aber riß ihn vom Rade herunter, wobei der vvjährige Arzt mehrere Wunden und Verstauchungen erlitt. In seiner berechtigten Er- regung sagte er zu dem Mann, der sich ihm«is-Kriminatichutzmann zu erkennen gab:„Sic sind kein Schutzmann, Sie sind in meinen Augen ein Lump!" Dr. Götz ist infolge des Sturzes drei Wochen in ärztlicher Be- Handlung gewesen und hat mit Erfolg eine Schadenersatzklage ge- führt. Das Gericht hat ihm dem Grunde nach eine Summe von 75« Mark zugesprochen. Trotz alledem hatte der Leipziger Polizeipräsident Dr. Wagler Strasantrag gegen Dr. Götz gestellt. Vor Gericht bekundeten drei Arbeiter, die in der Nähe als Streikposten gestanden hatten, daß der Schutzmann etwa 10— 20 Meter vor Dr. Götz den Arm.ge- hoben habe. Ter Schutzmann behauptete jedoch, daß cr schon in einer Entfernung von 30— 70 Metern das Haltesignal gegeben habe. Er war sogar so anmaßend, in echter Polizeimanicr, die drei Ar» heiter als unglaubwürdig hinzustellen, weil diese gegen die Polizei- beamten voreingenommen seien. Dr. Götz erklärte, er sei gewiß ein Mann der Trdnung. Wer cr habe es nicht für möglich gehalten, daß das Publikum so von der Polizei schikaniert werden dürfe. Ta sei es begreiflich, wenn in Teutschland über das Polizeitresen geschimpft wird.„Ich bin fast 60 Jahre alt und ein xbeliebiger junger Bursche in Zivil soll das Recht haben, mir zu befehlen, vom Rade abzusteigen?" Infolge des durch die Manipulation des Schutzmanns erlittenen Sturzes habe cr wie ein Schwein ausgesehen und er habe sich vor den Leuten geschämt. Er müßte ein Engel sein, wenn er sich das hätte gefallen lassen sollen. Schließlich beschwerte er sich, daß er wie ein schwerer Verbrecher vor Gericht gezerrt worden sei. Das Schöffengericht sprach Dr. Götz von der Anklage der Uebcr- tretung frei und stellte das Berfahrcn wegen Beleidigung ein. In der Begründung des Urteils wurde u. a. ausgeführt, daß von dem Angeklagten nicht verlangt werden konnte, daß er' aus das Zeichen einer Zivilperson anhalte. Tic Ministerialverordnung vom 16. Oktober 1907 schreibe vor, daß ein Beamter mindestens an einer Dienstmütze kenntlich sein mutz. Ter Angeklagte sei durch den Fall so bestürzt gewesen, daß er nicht daran gedacht habe, mit dem Worte„Lump" den Polizeibcamten als solchen zu treffen. Ein Strasantrag wegen Privatbeleidigung liege aber nicht vor. Das Urteil tst recht verständlich; nur wäre zu wünschen, daß nicht nur bei„OrdnnngSmännern". sondern auch bei gewöhnlichen Sterblichen von dieser Gerechtigkeit Gebrauch gemacht�wird und wenigstens Gerichte das Publikum vor anmaßenden Schutzleuten in Schutz nehmen._ Hue aller Melt. Vcrböbrniiicj der Hrrncn. In einer der letzten Nummern des Blattes.Die Dresdner Hausfrau" fragt jemand aus Siiederpesterwitz an: Wie kann ich am besten mit einem Wirtschaftsgelde von 60 M. pro Monat auskommen? ES sind fünf Kinder im Alter von 4 bis 14 Jahren und zwei Erwachsene zu beköstigen, und alle? starke Esser. ES handelt— wie die„Dresdner VolkSzeitimg' meint— sich offenbar um einen schlecht bezahlten unteren Beamten, dessen Frau so fragt. Die Antwort auf diese litzliche Frage ist folgender- maßen ausgefallen: „ES ist ein schweres Rätsel, mit 60 M. Wirtschaftsgeld pro Monat bei einer siebenköpfigen Familie auszukommen. Für mich würde es nicht schwer sein, wohl aber für Sie, liebe Frau— wenn Sie einen Verwöhnren Magen haben sollten, denn auf Braten von Kalb-, Rind- oder S-biveinefl-isch müssen Sie leider verzichte», während Geflügel- und Wildbraten Ihnen»ur Phantasiebilder bleiben werden. Aber verzagen Sie nicht; wir sind alle groß und stark geworden— ich stamme ans vierzehnköpfiger Familie— und meine Mutter hatte nur 10 M. Wirtschaftsgeld pro Woche. Wundern Sie sich auch nicht, daß Ihnen dieses hier ein Mann schreibt; Sie dürfen deshalb nicht denken, daß ich ein Topfgucker bin. Aber wirtschaftlich bin ich erzogen worden, und eZ wäre besser inn manche Arbeiterfamilie bestellt, wenn der Mann sich um— seine— Wirtschaft resp. Familie kümmerte, anstatt t» der Sirtschaft— über seine Not zu jammern und die übrige* Pfen- nige zu vertrinken. Vor allen Dingen nehmen Sie von den 60 M. das Brotgeld weg; ich habe 31 Tage, pro Tag zu 7 Pfund, zweite Sorte, pro Pfund 13 Pf gerechnet(das macht 28,2 l M.) Dieses Geld müssen Sie unbedingt wegnehmen und aufpassen, daß Sie nicht mehr ausgeben, als täglich 7 Pfund. Dann bleiben Ihnen noch 31.79 M. Kuhbutter können Sie sich leider nicht leisten, da nehmen Sie einen guten Butterersatz, 6 Pfund a 90 Pf. gleich 5,40 M. Dieses Geld muß auch weggenommen werden. Mit dieser Butter müssen Sie sehr sparsam umgehen und zu Hause bekommen die Kinder— Salz und Brot. Es bleiben Ihnen noch 26,39 M. Jetzt rate ich Ihnen, noch gleich am 1. einen ganzen Zentner Kartoffeln und 30 Pfund Mehl zu kaufen(das macht 10 M.). Bleiben noch 16.39 M.— für einen ganze» Monat(pro Tag 34 Pf.) Jeden Morgen gibts Mehls n ppe, inittagS Kartoffelmus mit Zwiebel, für den Mann für 10 Pf. B l u t w u r st, oder gelbe Rüben mit Markknochen vom Schöps, Seelachs mit Senfsauce, Hering mit Pellkartoffeln, Linsen mit Speck. Von Erbswurst kann Abendsuppe gelockt werden; ferner gibt es abends Klöße mit Pflaumenmus, Hirse in Milch. Quark mit Kartoffeln. Wohnen Sie in der Nähe einer größeren Stadt, dann können Jhre Kinder in Hotelküche t» sür zehn Pfennig Abfallfleisch holen. Ich habe in meiner Kinderzeil manchen Korb voll nach Hause getragen. Auch ist es nötig, daß die Kinder nebenbei mitverdienen. sei es durch ZeitungöauStragen, als Laufbursche oder sonstwie. Versuchen Sie meine Ratschläge zu befolgen, und es wird gehen!" Eine frechere und brutalere Verhöhnung des Elends ist so bald nicht dagewesen. Hoffentlich merken sich die unteren Beamten für die Stichwahlen die Lehre, daß ihnen die Delikatessen aus der Abfalltonne der Hotels als erstrebenswerte Nahrung angewiesen wird. Opfer der See., Die schweren Stürme der letzten Tage haben sowohl auf dem Atlantischen Ozean wie auch im Mittelländischen Meere zu schweren Schiffsunfällcn geführt. Während cineS orkan- artigen Sturmes ist in der Nähe des österreichischen Hafens von Fiume der Dampfer„Scio" untergegangen. Von der aus 26 Personen bestehenden Besatzung konnten mir zwei Mann durch den deutschen Dampfer„Samos" gerettet werden.— Der Dampfer„Wistowhall" ist Donners- tag früh an den nördlich von Aberdecn gelegenen Felsen der schottischen Küste, den sogenannten bullers ok buohan, gescheitert. Von der größtenteils aus o st i n d i s ch c n Laskaren bestehenden Besatzung sind 53 Mann er- trunken.— An der englischen K ü st e tst am Eingang des Hafens von Buckic ein Fischerboot g e st r a n d e t. Die beiden Insassen des Bootes fanden in den Wellen ihren Tod. G Der am 19. Dezember von Cardiff nach Oran abgegangene und seither verschollene Dampfer„Vtlle d'Alger" wird nunmehr als verloreil angeschen, da dieser Tage am Strande von Carterct(Departement La Manche) eine Rettungsboje dieses Schiffes aufgefunden wurde. Es scheint kein Zweifel mehr möglich, daß es im Aermel- k a n a l untergegangen ist. Die Besatzung bestand aus 26 Mann. Stützen der Gesellschaft. Bei der Sparkasse in Fünfkirchen wurde die Entdeckung gemacht, daß eine hochgestellte WienerDame die�Epar- lasse durch gefälschte Wechsel um 30(Vtss'Kronen gefc�digt hat. Die Sparkasse hat von einer Anzeige gegen die Dame Ab- stand genommen, da sie hofft, daß der Gemahl der Dame die Schuld begleichen wird.— Der Mitinhaber des Budapest er Großexporlhauses Segal u. die., Artur Segal, ist nach Hinterlassung von Verbindlichkeiten in Höhe von einer Million flüchtig geworden. Er wird steckbrieflich verfolgt. Ein Psendoabbe als Betrüger. In einigen Klöstern Roms trieb seit längerer Zelt ein sehr eleganter als Abbe gekleideter junger Man» sein Wesen, der sich Jean de Sevigne. Marquis de St. Bkars nannte, gefälschte oder echte Empfehlungöbricic von Kardinälen und sogar einen Erlaub- nisschein zum Messelesen bei sich führte. Von elegantem und ein- schmeichelndem Wesen pflegte sich der Pscudoabbe in Möncks- und Nonnenklöstern vorzustellen, um die Aufnahme eines Schützlings zu bewirten. Bei dieser Gelegenheit soll er auch in katholischen Mädcheninstituten als Beichtiger gewirkt haben. Für die Aufnahme seines Schützlings mutzte natürlich dem betreffenden Orden eine gegebene Summe als Mitgift bezahlt werden, und der Betrug unseres Schlaumeiers bestand eben darin, daß er zur Bezahlung einen falschen Chequc anbot, der auf 1000 oder 2000 Lire mehr lautete als die einzuzahlende Summe. Die Differenz ließ er sich in bar zurückzahlen und ward dann nicht mehr gesehen. Das Ge- schüft scheint sehr gut gegangen zu sein, denn bei seiner Ver- Haftung fand man den'Betrüger, der Giovanni Gindri heißt, im Besitz recht ansehnlicher Summen, hocheleganter Wäsche und vielen Schmucks. Wahrscheinlich haben die meisten seiner Opfer von V~c Anzeige Abstand genommen, wohl deshalb, weil viele Orden ja über- Haupt keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen dürfen. Die Anzeige, die zu seiner Verhaftung führte, wurde von einem römischen Mönchsorden gemacht. Der Verhaftete ist zweimal wegen AetrugS vorbestraft. Unter seinen Papieren fand sich auch eine Photo- graphie. die ihn neben dem Papst darstellt. Ob es si» hier um eine Zusammenstellung handelt, oder ob der Betrüger wirklich im Vati- tan Zutritt hatte, ist zurzeit nicht bekannt. Kleine Notizen. Sankdirektor Ohm im Sanatoriuul. Der au» Anlaß de» gu- sammenbrucheS der Niederdeutschen Bank in Hast genommene Bank- direktor Ohm ist im GerichtSgesängniS in Dortmund schwer erkrankt. Ein Aerztekollegimn hat seine Ueberführung in ein Sanatorium verlangt. Dem soll Folge gegeben werden. jedoch muß die Heilanstalt die Garantie gegen emen Fluchtversuch übernehmen. Grojifeuer in Bingen. DaS katholische V-reinShau» in Bingen ,st an, Donnerstag ein Raub der Flammen geworden. DaS Feuer, das gegen 3 Uhr morgens ausbrach, wütete de» ganzen Tag. Die Ablvi'chung der brennenden Baulichkeiten wurde sehr erschwert, da infolge der grimmigen Kälte die Schlauch- leitnngen zufroren. Fünf Feuerwehrleute erlitten bei den Löscharbeiten schwere Verletzungen. Achtfacher Raubmord. J» dein russisch- polnischen Dorfe Borzenoin wurde das einsam im Walde gelegene HauS des Forstkassierers Weinberg von Räubern überfallen. Die in dem Hause wohnenden zwei Familien mit siebenPersonen sowie ein zu Besuch weilender Waldkassierer wurden durch Beil- hiebe ermordet und beraubt. Die Räuber sind mit ihrer Leute unerkannt eutkommen. Umgegangene Dru�klcbnften. I Der Tropenpflanzer. Skr. 1. 1912, geM'M sür tropisch« Land- Wirtschaft. Herausgegeben von D. W-rbura u. F. Wohltman». Erscheint monatlich. Jährl 12 M Verlag: Berlin, Unter den binden 43. Die Neuordnung der direkte» Staatssieuer» i« Prenffr*. Po» Dr. jur. Stuiz. 5 M. c. HeymaimS Verlag. Berlin V. S. eingegangene Druchrchrfften. Sluboli �ilicibmg.— Tic große chmeiijchc Revolution. Lou Michel Pom lowitich.'(Zchluß.) Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich ciiilnzl unb ist durch alle Buch« kianbwngcn, Poftanstaltcii unb Äolporlcurc zum Preise von 3,«!ä M. pro Quartal zu beziehen; jcboch tann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hcst kostet Ä.» Pf. Tic Ldcrlehrerin in Preusten. Ein Wegweiser durch die amtlichen Erlasse über Vorbildung, Prüfung und Ausbildung der Oberlchrerinncn in Preußen. Von Dr. H. Güldner. 1,60 M. A. Marcus und E. Webers Verlag. Von». Untcrrichtskursus im Malen und Zeichne». 1.— 12. Buch. Ins- gesamt 260 S. Bearbeitet von A. ilnab u. il. Matthias. Verlag: Mal» und Zeichenunterricht G. m. b. H., Berlin S\V. 19. Jahrbnch de? Weimarer Kartells ISIS. Ein Sandbuch der frei- geistigen Bewegung Deutschlands. Herausgegeben von M. Henning. 1 M. Neuer Franksurter Verlag, Frankfurt a. M. Interessante Krimi» alprozefse von kulturhistorischer Bedeutung. Aus Gegenivart und Lüng'tvcrgangenbeit dargestellt von Hugo Friedländer, Gerichtsberichtcrstatter. Eingeleitet von Justizrat Dr. G. Sello-Berlin. Verlag H. Barsbors, Berlin Y,1. 30. 3 M., in Originalband I M. Marktbericht von Berlin am 17. Januar ISIS, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidwms. M a r k t h a l l e n p r c i s c.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00—30,00. Speisebobncn weiße, 40,00— 60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartosseln 9,00—13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,80 Schivciuesleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,00. Haiumcljleisch 1,30—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,80— 7,20. 1 Kilogramm Karpsen 0,90—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,20—2,60, Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 3,00—24,—. WitternugSaberficht vo« 18. Januar 1918. Stationen =- Wetter Swinemde. 781 OSO Hamburg 776OSO Berlin!778O Franks.a.M. 768 O München 17700 Wien:779;3ti!I 4 wolienl »bedeckt 4wolkig 3 bedeckt 4wollig swollenl s HS, In M-t —10 — 7 —10 4 8 15 Etattonen = 2 ts— Haparanda 788 NO Petersburg � 78K0NO Scillh � 7S9>NO Aberdeen> 7 70, SO Paris.7Z9OSO Wetter 2bcdeckt 1 Schuec 2chalb bd. 7lbedcckt 1 bedeckt > Ä Ii 'if b>T= —10 —11 5 3 i Wetterprognose für Freitag, de» IS. Januar ISIS. Etwas gelinder bei zieinlich scharfen östlichen Winden und zunehmender Bewölkung; geringe Niederschläge, Berliner Wetterburea». (E. 11.-K. 115.) Sonntag, den 88. Januar ISIS, vonniltags 9'/. Uhr: General-Versaminliing in Krossers»Nene Rathaussälc", Mcininger Straße 8(Tunnel). Tagesordnung: 1. VorstandSdericht. 2. Jährlicher Kaffetibericht. 3. Die zulünstige Ge- flaltung unserer Kaue. 4. Neuwahl des gesamten Vorstandes. 5. Vcr- schicdene Aasscnaiigclcgenheitcn. IIltelI«»I«IiiicI» legitimiert. Ilm zahlreiches Erscheinen der Mit- giiedcr ersucht 285)11" Her Vorstund. I. A.:' G. Jacuicke. Krankell-UnterMungs- v. Ktgrädmsoerkin für Lau- und gkwerbliche Arbriter Berlins und Umgegend. Gsml-VramüiIiiiH) am Sonntag, den 31. Januar 1918, vormittags 10 Ilbr, im Lokal des Kollegen Bcrcht. Ritterstr. 75. Tagesordnung: l. Abrechnung vom 4. Quartal 19U. 2. Jahresabrechnung. 3. Wahl des gesamten Porslandes. 4. Vereins- aiigelcgeilheitcn und BerschiedencS. Arbeiter jeden Berufs, welche ge- willl liiid. dem Verein beizutreten) das 16. Lcbciisialir erreicht und das 50. nicht überschritte» haben, werden in der Vertammlung ausgenommen. Die Mitglieder werden ersucht, zablreich zu erscheinen. 37.1, K. Zl. tSadegaft. Vorflhendcr, l... 7' 4- Spldtuer Str. 75. m Neilei'-KMi'ei'- Ortsgruppe Berlin. Touren Sonntag, den 21. Januar: 2. Abt.: 12 Vi Uhr: Müggeflce (Fußtour). Treffpunkt: Schtcfischer Bahnhos. Südseite. 3. Abt.: 12 Uhr: Uebcr die Müggel- berge. 4. Abt.: l'l, Uhr: Bohnsdorf(Villa Kahl). 5. illbt.: 1 Uhr: Bernau(Salz- mann). 6. Abt.: IV- Uhr: AdlcrShos(Wöll- stein). 7. Abt.: 2 Uhr: Wittenau(Eber- Hardt). 8. Abt.: 2 Uhr: Steglitz(Birken- Wäldchen). 10/6 Start an den bekannten Stellen. rpaplf»Verleih- Institut Prack, r I ttvll" Gehrock. Smoking) von 2 M. an, Hosen v. 1.50 an, Westen, Zvlindcrhüte v. 1 M. an S. Berg Nacht Borchardt, Friedrichstr. 115. Tisehler-Yerein : E. H. 89. Sonnabend, de» 20. Januar, abends 8'/. Uhr,»elchioesle. 15: l!öllersl?er8smm!uvg. Bericht vom 4. Quartal. JabreS- bericht jür 1911. Wahl des Aus- schusses für 1912. Wichtige Kassen- angelegenheiten. Am 27. Januar veranstaltet der Verein in Kliems Feslsäten seinen (�r. Wiener Maskenball. Zahlreichen Besuch erwartet 198/2' Der Borstand. Tamentuche für elegante Kleider, Palet ois:c.. Mtr. 2.50. 3.50. 4,50 M. Tuchlager Koch& Seeland G. m b. H. GErirauiltfiDstr.2ö-21,¥is'a"visdsr Petrikirche. Jeder wähle den durch seine Gute nnerrejeht dasteheuden Kapitän- Kautabak General-Vortrieb: Carl RUckcr. Berlin 0 27.GrüncrWog 119. Sie sollten sicii elegant kleiden! Wir stellen zu aaßergewöhntieb billigen Dreisen zum Verkauf: Posten gebrauchter Ztlaß- Herren- AnzUge. außerdem Paletots, Lister etc.. ffir jede Fiour(auch den stürkstou l.'erni) passend, au: Lager. Diese Sachen sind teils in leiusteo Werkstätten(auch auf Seide) goai beitot. Früheier Anscbaffantcspreiii bis 120.-— M.. jetzt zu folgenden extra billicren Preisen, aiu-h neu. JacXett-ÄnzQce.. 13—14—19 M. etc. Rock Anzüge...1>-16 22 M. etc. Geh-Rock-Anzügc 15—22—27 M. etc. ■ Einzelne Fraoks. Smoklng-a. Jacketlo otc.■ Vcrieihuus v. eieffant. Tracks u. Ocsellschaf tsanzliffeu. Herren Paleto.s 7—12—16 M. etc. Herren-Ulster.12-16-20 M. etc. Herren-Hosen 2-3 bis C U. I. 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Zur Stichwahl in der Provinz Brandenburg. Am kommenden Sonnabend, den 2t). Januar, finden in der Provinz Brandenburg Stichwahlen in den Kreisen Königsberg in der Neumark, Ruppin-Templin, Westpriegnitz und Zauch-Bclzig statt. Es ergeht hiermit an alle Arbeiter, vor allem Bauarbeiter, die in Berlin arbeiten, aber in einem Orte der obengenannten Kreise wohnen, die dringende Aufsorderung, am Sonnabend nach Hause zu fahren und ihr Wahlrecht auszuüben. Es kommt auf jede Stimme an! Parteigenossen, die mit in der Provinz wohnenden Arbeitern zusammen aroeiten, wolle» Nachlässige aus ihre Pflicht gegen ihre Klassengenosien aufmerksam machen und sie zur Ausübung ihres Wahlrechts veranlasien. Tie Stimmen der in Berlin arbeitenden, aber in einem Orte der Provinz wohnenden Wähler sind zur Nieder- zwingung der Reaktion in den zur Stichwahl stehenden Kreisen dringend erforderlich. Sorge jeder Genosse dafür, daß uns keine Stimme verloren geht. Bauarbeiter, die Ihr in einem Orte der in Stichwahl stehenden Kreise wohnt: Fahrt am Sonnabend nach Hause! Uebt Euer Wahlrecht im Sinne der Sozialdemokratie aus! Partei- Angelegenheiten. Erster Wahlkreis. Heute, Freitag, zwei Wählerver- sammlungeu im Cafs Gärtner, Holsteiner Ufer 27/28, und im L u i s e n- Z e l t. In den Zelten 9g. Referenten: Genossen Redatteur D ä u m i g und Kaufmann PH. Bernstein._ Berliner IVacbrichten. Der Raubmord in der Hlten gahobftraße. Das dritte Opfer gestorben. Die grausige Bluttar in der Alten Jakobstratze hat ein drittes Opfer gefordert. Die 44 Jahre alte Frau Margarete Schulze ist gestern früh gegen 6 Uhr, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, ihren schweren Verletzungen iui Urban-Krankenhause erlegen. Die Hoffnung, von ihr noch einige für die Ermittelung der Täter zweckdienliche Mitteilungen zu erlangen, hat sich leider nicht erfüllt. Dagegen hat sich auf Grund der erlassenen amtlichen Bekanntmachung ein Zeuge ge- meldet und der Kriminalpolizei so wichtige Bttgaben gemacht, daß man wohl mit der Möglichkeit rechnen kann, daß die Bluttat ihre Sühne finden wird. Nach den Bekundungen dieses Zeugen, eines Schaffners der Autoomnibuslinie 24, sind Dienstag mittag bald nach 1 Uhr an der Ecke der Kommandanten- und Alten Jakob- stratze drei Männer auf seinen Wagen gestiegen, die sich nicht nur durch ihr Benehmen verdächtig machten, sondern auch die Fahrt nrit blutbefleckten Zchnpfennigstücken bezahlten. Ohne von der Bluttat irgend etwas zu wissen, sah sich der Schaffner nach diesen Wahrnehmungen seine Fahrgäste unwillkürlich genauer und schärfer an. Alle drei standen bis zum Moritzplatz schweigend da. Auf dem Platze sah einer, der kleinste, nach der Normaluhr und fragte:.Wird es noch Zeit zum Zuge sein?". Sofort fiel ein anderer ein� gab ihm einen Schubs und sagte: �>alt'S Maul!" DaS war alles, was die drei während der ganzen Fahrt sprachen. Um 1.20 Uhr sprangen die Fahrgäste ab� während der Wagen seine Schleife machte, um an dieHaltestelle zu fahren, und verschwcmden in der Bahnhofshalle. AIS der Schaffner später von der Bluttat hörte fielen ihm diese drei Männer sofort wieder ein. Er erkundigte sich auf dem Bahnhof und erfuhr, daß in der Tat bald noch seiner Ankunft mit dem Wagen vom Görlitzer Bahnhof ein Zug ab- gefahren sei. Ter Schaffner kann die Leute ziemlich genau be- schreiben, weil sie durch ihr Gebaren seine besondere Ausmcrk- samkeit auf sich lenkten: Einer von ihnen ist ungefähr 27 Jahre alt und 1,67 Meter groß, hat dunkles Haar, einen dunklen, fast schwarzen, englisch gestutzten Schnurrbart, und trug einen grauen, schräg gestreiften Ueberzieher mit zwei Reihen schwarzen Hornknöpfen, einen kleinen, schwarzen Hut, eine schwarze Hose und Stiefel mit Lackspitzcn. Er sprack Berliner Dialekt. Ein anderer ist ungefähr 22 Jahre alt und gleichfalls 1.67 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und einen kurzen, blonden Schnurrbart und trug einen einreihigen, dunkelbraunen Ueber- zicher, einen kleinen Hut mit Samtband, eine braune Hose und spitze Stiefel ohne Lack/pitzen. Ter dritte ist ebenso alt, aber etwa? kleiner, hat Helles Haar, keinen Bart und ein blasses Gesicht und trug einen dunkelbraunen, einreihigen Ueberzieher, einen schwarzen, kleinen Hut mit Samt- band,� eine schwarze Hose und Schnürstiefel ohne Lackspitzen. Hosen und Stiefel waren bei allen drei anscheinend mit Blut befleckt. Zur weiteren Ausklärung der Vorgänge traf die Kriminalpolizei, mit der auch ein Vertreter der Staats- anioaltickxrit die Räume besichtigt hatte, sofort alle Maßregeln, um Ilc soweit als möglich noch in der Nacht durchzuführen. Ein .�eer von Beamten durchstreifte alle Stadtviertel, besuchte Kneipen und andere Lokale und wies überall auf die Anschläge und die Bo�ohnung von ZMO M. hin. Andere suchten und verfolgten Spuren, die sich aus Zeugenaussagen ergaben. So bekundete ein Postbeamter, daß er in der 11. Bormittagsstunde in der Alten Jakobsrraße Zwei Männer gesehen habe, von denen einer allem Anschein einen zusammengerollten Sack in der Hand hatte. Sic standen erst im Flur des Hauses Nr. 98, dann in der Tornische des Hauses 94/90. Als er dort an ihnen vorüberging, hörte er, wie einer sagte:„Auf diese Weise geht es nicht, wir müssen es anders machen." Was es mit dieser Beobachtung für eine Bc- wandtniS hat. steht noch dahin. Die beiden Männer scheinen nach ihrem Aeußeren nicht gewöhnliche Arbeiter, sondern Handwerker zu sein. Hatten sie eine harmlose Angelegenheit vor, so täten sie am besten, sich gleich bei der Kriminalpolizei zu melden, um den Vorgang aufzuklären. Ein anderer Zeuge, ein Beamter aus dem Hause, kam nach 12 Uhr an dem Laden vorbei und sah, wie eine Hand vom Laden aus in die Schaufensterauslagen hinein- faßte und verschiedene Gegenstände herausholte. Das toar höchst- loahrscheinlich Schulzes Hand. Denn mit dieser Wahrnehmung stimmt der Zeit nach übcrcin, daß ein anderer Mann, wie wir (schon mitteilten, sah, daß Schulze 19 Minuten nach 12 Uhr draußen das Schaufenster abwischte. Dieser Mann kann sich in der Zeit nicht irren, weil er, wie jeden Tag. nach 12 Uhr zum Mittagessen ' kam. Geirrt hat sich wahrscheinlich eine Frau, die um UM Uhr Geschrei gehört haben will. Die Bluttat fällt also in die Zeit von 12,10 Uhr oder 12,15 Uhr bis 12,50 Uhr, wo ein Schutzmann die Verbindungstür einschlug und die schaurige Entdeckung machte. Die Ausführung des Verbrechens. Man denkt sich die Ausführung des furchtbaren Ver- brechens so: Einer der Verbrecher ließ sich die schon öfter er- wähnte Brosche zeigen und schlug Schulz dabei nieder. Die Brosche fiel zu Boden und wurde erst nachträglich mit Blut bedeckt. Das zeigt die von Blut freie Stelle des Fußbodens unter ihr. Unterdessen bemächtigten sich die beiden anderen der Frau und der Tochter in dem Wohnräume, in dein endlich auch Schulze zusammenbrach. -»• • Beamte des Erkennungsdienstes suchten gestern die b?iden Räume noch einmal besonders auf etwaige Finger- abdrücke ab, fanden aber nichts. Was alles fehlte, ist noch nicht festzustellen. Die goldene Kavalierkette mit der Uhr und dem Bleistift hat sich bei der Kleidung Schulzes noch gefunden, der Brillantring dagegen bleibt verschwunden. Die Kriminal- polizei hat unverzüglich auch die Polizeibehörden der Um- gebung Berlins benachrichtigt. Die Obduktion der Leichen. Die Gerichtsärzte Geh. Rat Stratzmann und die Medizinal- räte Dr. Störmer und Hoffinann und Dr. Strauch öffneten und untersuchten die Leichen Schulzes und seiner Tochter Margarete. DaS Ergebnis hat die Annahme eines dreifachen Raub- morde? zur Gewißheit gemacht. Schulze hat mit dem Hammer zwei Schläfen- und mehrere Kopfschläge erhalten. Die beiden Hiebe in die rechte und linke Schläfe sind mit dem runden Kopf de? Hammers geführt worden. Die Verletzungen messen 3H Zentimeter. DaS stimmt mit dem Durchmesser des Hammer- kopfes genau überein. Beide Schläge mußten tödlich wirken. Ebenso aber auch noch einige andere, die der Mann mit der breiten Seite de? Hammers auf den Hinterkopf erhielt und die Schädel- decke zertrümmerten. Auch das Mädchen erhielt einen Schlag mit dem Hammerkopf in die linke Schläfe. Ein zweiter Schlag, der ohne Zweifel auf die rechte Schläfe geführt war, traf die Stirn, weil sich die Neberfallene gewandt hatte. Dazu kommen ein doppelter Schlag an der Stirn und mehrere Schläge auf den Kopf, die mit dem breiten Teil de? Hammers geführt wurden. Die Kopf- schlage legten das Gehirn bloß. Die Stirnschläge lösten einen dreieckigen Hautfetzen vom Knochen ab. DaS Mädchen hat außer- dem Abwehrverletzungen am linken Arm, am Oberarm eine 10 Zentimeter lange Wunde, die anscheinend von einem Fingernagel eingekratzt ist, dann kleinere Rißwunden am Unterarm und am Handrücken. Bei der vorläufigen Besichtigung sahen einige Verletzungen so aus, als wenn sie nicht von einem Hammer, sondern von einer.Elle" herrührten. Die Obduktion hat aber diese Annahme widerlegt. Alle Schläge sind mit einem Hammer geführt worden, teils mit dem Kopf, teils mit der breiten Seite. Bei Frau Schulze, deren Leiche ebenfalls gestern nach dem Schauhause gebracht wurde, wird es nicht anders fein. Bei ihr wurden von den Acrzten an der Stirn vier Wunden fest- gestellt, die alle von Hieben mit der breiten Seite herrühren; auf dem Kopfe mindestens eine, vielleicht aber zwei, die ineinander laufen und von Schlägen mit dem Hammerkopf herrühren. Die Leiche der Frau wird erst heute, Freitag, genauer untersucht. Die Obduktion darf nach den gesetzlichen Bestimmungen 12 Stunden nach Eintritt des TodeS vorgenommen werden. Sie wurde des- -halb auf heute verschoben. » DaS Verbrechen wurde, wie wir früher schon mitteilten, da- durch entdeckt, daß ein junger Mensch, vielleicht ein Laufbursche, der in dem Laden Schulze? irgend etwas zu tun hatte, vergeblich auf den Geschäftsmann wartete, wiederholt ohne Erfolg nach ihm rief und endlich einen Schutzmann holte. In der ersten Aufregung hat man nicht daran gedacht, den jungen Mann nach seinem Namen und seiner Wohnung zu fragen. Als die Kriminalpolizei kam, war er schon weg. Er hat sich bis jetzt nicht gemeldet und konnte auch anderweitig noch nWjt ermittelt werden. Im Jnter- esse der Untersuchung ist eS dringend erwünscht, daß er sich bei der Kriminalpolizei einfindet. Sein Arbeitgeber wird ersucht, ihn zu veranlassen, nach dem Polizeipräsidium zu gehen und sich dort im Zimmer 46 zu melden. Leute, die in der kritischen Zeit mit dem AutomobilomnibuS von dem Stettiner nach dem Görlitzer Bahnhof gefahren find, auch dort vielleicht sich in den Wartesälen 3. oder 4. Klasse auf- gehalten haben, und Reisende, die um jene Zeit die Görlitzer Bahn benutzt haben, werden ersucht, sich bei der Zhriminalpolizei zu melden und etwaige Wahrnehmungen, die zur Aufklärung des Verbrechens dienen können, ihr mitzuteilen. * Nach und nach gewinnt die Kriminalpolizei mit Hilfe dem Uhrengroßhändlern, bei denen Schulze einzukaufen pflegte, auch eine Uebersicht über das, was geraubt worden ist. Ter Vertreter einer Großhandlung, der vor acht Tagen noch bei Schulze war, ist nach Besichtigung der Vorräte der Ueberzeugung, daß Schulze noch bedeutend mehr besessen haben muh, als bis jetzt vorhanden ist. Cr bezeugte auch, wie andere, daß Schulze stets gegen bar einkaufte. � In dem Geldspind, in dem der Juwelier seine wertvollsten Sachen unterzubringen pflegte, wenn sie nicht im Schaufenster standen, fand man eine AusstellungStafel, auf der sich noch die kleinen Zettelchen mit den Nummern und den Preisen der Schmuck- und Wertsachen befanden. Die Sachen selbst sind ver» schwunden. Verkauft hat Schulze sie nicht, denn sonst hätte er die Nummern in seinen Lagerbüchern, lote er es stets mit großer Sorgfalt tat, ausgestrichen und das Datum des Verkaufstages hinzugefügt. An der Hand dieser Zettelchen ließ sich mit vieler Mühe nach der Aufnahme der Vorräte aus den Lagerbüchern fest- stellen, daß eine grosse Anzahl wertvoller Schmucksachen mit Brillanten und Nhren fehlen, als» geraubt sein müsse«. Ebenso sind auch Schulzes Portemonnaie, das einige hundert Mark enthielt, und seine rindlederne Brieftasche verschwunden. Auch sein wert- voller Brillantring hat sich nicht wiedergefunden. Eine Landtag?- Ersatzwahl im 2. Berliner Landtag»- Wahlbezirk findet am Dienstag, den 26. März, für den verstorbenen Fabrikdircttor Dr. Gcrschel statt. Die Wahlmännerlvahlen sind auf den 27. Februar festgesetzt. Der 2. Berliner Landtagswahlbezirk umfaßt die Stadt« bezirke 6— 30, 50— 55, 57— 60 und 62— 65 bczw. die Urwahl- bezirkc 12-68, 139—156, 161—174 und 181-198. Es ist erforderlich, daß sämtliche Wahlmänner neugewählt werden. Für die Wahlen sind gemäß§ 21 des Wahlreglements neue Urwähler- und Abteilungslistcn aufzustellen, deren Aus- legungstermine noch besonders bekanntgegeben werden. Johaun Baptist v. Hofstetten. Heut bor 25 Jahren wurde auf dem freireligiösen Friedhof in der Pappelallee ein Mann begraben, der jahrelang für die Partei kämpfte und— litt: I. B. v. Hofstetten. Einem alten, bayerischen Adelsgeschlecht entstammend, wurde er Offizier und eine glänzende Zukunft schien ihm bevorstehend. Um seinen schriftstellerischen Neigungen folgen zu lönnen, quittierte der etwas schwärmerisch ver- Lnlagte Hofstetten jedoch bald den Dienst. In Berlin, wohin er übersiedelte, lernte er Ferdinand Las falle kennen. Glühende Begeisterung für die Sache des Proletariats trieb ihn an die Seite des großen Agitators und enge Freundschaft verband bald die beiden Männer. Als Lassalle in Genf sein Unglück« seliges Duell mit dem Bojaren Rakowitza ausfechten mußte, regelte auf Lassalles dringendem Wunsch v. Hosstetten als.Un- parteiischer' die notwendigen Formalitäten. Auch mit Schweitzer, dem Nachfolger LassalleS in der Leitung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, wurde v. Hosstetten befreundet. Infolge der AüS- breitung der sozialdemokratischen Idee wurde der Mangel eines eigenen Parteiorgans immer fühlbarer. Hosstelten hatte schon mit Lassalle wegen der Gründung einer Zeitung gesprochen, der aber die Idee noch verwarf. Da stellte v. Hofstetten sein Vermögen zur Verfügung und am 15. Dezember 1864 erschien die Probenummcr des.Sozialdemokrat", Organ des Allgemeinen Deutschen Arbeiter« Vereins, das erste sozialdemokratische Parteiorgan Deutschlands. v. Hofstetten war Redakteur, als Mitarbeiter waren Herwegh, Marx, Engels, Liebknecht usw. genannt. Später begann die Leidenszelt v. Hofstettens. Arm und kränklich schlug er sich als Berichterstatter kümmerlich durchs Leben. Durch Schicksalsschläge wohl verbittert, blieb er trotzdem seinen Idealen treu bis zum letzten Atemzuge. Am 15. Januar 1887 schloß er nach längerem Krankenlager die Augen. Die Berliner Arbeiterschaft gab ihm ein ehrendes Geleit. Ueber tausend Genossen folgten seinem Sarge und reiche Kranz« spenden legten Zeugnis ab von der Verehrung, die dieser selbstlose, ideale Mann in den Reihen der Berliner Arbeiter genoß. Spiegelblanke Eisbahnen bieten jetzt die Spree, Havel und die Seen. Besonders schöne trifft man bei Wandlitz, Trebbin, Grünau, am Wannsee, Müggelsee, bei Erlner, Brandenburg, Werder und Porsdam. Am geschütztesten ist die auf dem Liepnitzsee, die von Bergen und prächtigen Wäldern umgeben ist. Gegen lässige AuSkunftgcbcr in Jnvalidenrentensachc» geht jetzt die Versicherungsanstalt Berlin im Interesse der Versicherten wie ihres Geschäftsganges energisch vor. Bekanntlich muß zur Erlangung der Invalidenrente nicht bloß der Nachweis erbracht werden, wo man während der versicherungspflichtigen Tätigkeit beschäftigt war, sondern auch, was man an den einzelnen Arbeitsstellen verdient hat. Es hat sich nun in der Praxis gezeigt, daß die Erlangung dieser Au« gaben namemlich bei Hausrcinigern, Porliers, Aufwärterinncn und ähnlichen untergeordneten Beschäftigungen, in denen mit der Person viel gewechselt wird, häufig aus Schwierigkeiten stößt. Die be- treffenden Arbeitgeber erklären dann nicht selten, daß sie den früher Beschäftigten überhaupt nicht kennen, auch wenn die Beschäftigung durch andere Zeugen einwandsfrei nachgewiesen werden kann. Werden die Gefragten zur Versicherungsanstalt gebeten, s» ignorieren sie das oder verweigern direkt das Erscheinen. Dadurch geht natürlich bis zur möglichen Bewilligung der Rente noch viel mehr Zeit als schon sonst im burcaukratischen Schncckengang sozial- politischer AusführungSbehördcn verloren. In allen solchen Fällen werden jetzt die zur Auskunft verpflichteten Arbeitgeber unter An- drohung zwangsweiser Vorführung vor die ordentlichen Gerichte zitiert und ihnen die Kosten aufgebremst, wenn sich heraus« stellt, daß sie mit weniger Bequemlichkeit sehr wohl in der Lage gewesen wären, die geforderte Auskunft von vornherein zu erteilen. Bon einem Automobil überfahren und schwer verletzt wurde vorgestern nachmittag die sechsjährige Tochter Franziska deS in der Pfalzburger Straße 81 wohnenden Arbeiters K. Als die Kleine am Ludwigskirchplatz den Fahrdamm überschreiten wollte, beachtete sie nicht das Herannahen eines Automobils. Sie wurde überfahren und erlitt einen komplizierten Bruck des rechten Unterschenkels sowie er« hcbliche Kopfverletzungen. Am der Unfallstation am Olivaerplatz erhielt die Verunglückte Notverbände und wurde dann nach der elterlichen Wohnung übergeführt. Ein eigenartiger Unfall ereignete sich Mittwochabend gegen 7 Uhr in der Leipzigerstraßc. Tort wor ein Omnibus der Linie 16 der Allgemeinen Berliner Omnibus-Gesellichaft ins Schleudern geraten und stieß dabei gegen den Mast 512 der elektrischen SlromleitungS« anlagc für die Straßenbahn. Bei dem Anprall wurde der Deckel des an dem Mast befindlichen SpeisekastcnS abgerissen und fiel dein in diesem Augenblick vorübergehenden Arzt Dr. Albert Ebrenstcin aus der Kochstr. 52 auf den 5kopf. Dr. E. erlitt eine blutende Wunde, die ihm tmf der Unfallstalion in der Kroncnstraße verbunden wurde. Eine zerstückelte KindeSleiche wurde Mittwochnachmittag auf dem Grundstück Oranienstr. 83 gefunden. Die Verwalterfrau holte vorgestern einen Klempner, weil daS Abflußrohr des Klosetts seit acht Tagen verstopft war. Der Mann fand bald daS Hindernis gleich im ersten Knie und holte cS stückweise heraus. Zu seinem Erstaunen förderte er einen kleinen Kopf zu tage. Er glaubte, daß dieser zu einer Tierleicke gehöre, iveil er wußte, daß aus dem Grundstück ein Mieter allerhand Gelier, wie Meerschweinchen und Karnickel, hält. Die nächsteir Teile waren, ebenso tvie der erste, so zu Klumpen gefroren und be« schmutzt, daß mau nicht gleich sehen konnte, um was es sich handelte. Erst als die Frau die Klumpen mit heißem Wasser aufgetaut hatte. erkannte man die einzelnen Teile eines neugeborenen KmdeS, dessen Geschlecht bei oberflächlicher Besichtigung nicht festzustellen war. Der Klempner benachrichtigte einen Schutzmann und das Revier ließ dann die zerstückelte Leiche nach dem Schauhause bringen. Das Klosett wird besonders von Fabrikarbeitern des Grundstücks benutzt, die Tür ist aber nie verschlossen und so kann auch leicht jemand von der Straße her es benutzt haben, um die Leiche zu beseitigen. Die Mutter des vermutlich ermordeten Kindes ist noch nicht' er« mittelt. Ei.ce teuere Nacht in Berlin verlebte ein russischer Kaufmann. der auf der Durchreise von Hamburg nach seiner Heimat hierher gekommen ist. Bei einer Besichtigung der Stadt und insbesondere der Lokale der Lebewelt, lernte er ein Mädchen kennen, das sehr gern bereit war, mit ihm noch etwas zu zechen. Als er morgens in seinem Hotel in der Jnvalidenstraße erwachte, war seine Begleiterin verschwunden; mit ihr seine Barschast von 400 M. und ein Scheck über 800 Rubel auf die Russisch-Asiatische Bank von Minsk. Nur 26 M. hatte die„Holde" ihm gelassen. Die Diebin ist noch nicht ermittelt. Det Bcslvhlcne entsinnt sich nur, daß sie etwa 80 Jahre alt, groß und kräftig ist und einen schwarzen Rock, eine weiße Bluse und einen schwarzen Hut trug. Von jenen Gaunern, die jungen Burschen, Lehrlingen und be« sonders Kindern unter allerhand Vorspiegelungen Geld und Wert« fachen ablocken, hat die Kriminalpolizei fetzt wieder zwei unschädlich gemacht, einen 21 Jahre alten, auö Lodz gebürtigen Hausdiener Älsred Löwe und eine 18 Jahre alte Arbeiterin Frida Lambrecht. Löwe ist bis jetzt in bv Fällen überführt und geständig, hat aber ohne Zweifel noch viel mehr auf dem Kerbholz. Sein Trick war der, dast er die Vertrauensseligen mit einem Zettel an„Frau Krüger, Frau Müller oder Frau Schmidt� schickte, um Geld einzuziehen, während er mit ihren Portemonnaies oder Paketen verschwand. Ge- schädigte können sich bei der Kriminalpolizei melden, lieber seine Wohnung verweigert Löwe jede Auskunft. Die Arbeiterin Frida Lamprecht, die in Nixdorf verhaftet wurde, gibt zu, seit September vorigen JahreS von Schwindeleien dieser Art gelebt zu haben. Sie „arbeitete" besonders in Berlin 80., Rixdorf, in Lichtenberg, und wechselte fortwährend ihre Wohnung. lieber 100 Schlafstcllcndicbstähle hat ein Bautechniker Dr. DomonikuS Konitzer verübt, der von der Rixdorfer Kriminalpolizei festgenommen wurde. Der 25 Jahre alte Mmm machte schon seit längerer Zeit Berlin, Charlottcnburg, Rixdorf usw. unsicher und wurde von allen Staatsanwaltschaften Groß-Berlins gesucht. Er mietete sich überall ein, liest sich sofort den Schlüssel geben, stahl bei der ersten Gelegenheit, waS er bekomnien konnte und liest sich nicht ivieder sehen. Gestern gelang es Rixdorfer Kriminalbeamten, ihn in einem Kientopp in der Münzstraste zu ermitteln und festzunehmen. Bei ihm fand man noch über 100 Haus- und Flurschlüssel, austek- dcm einen HintcrlegnngSschein, den er ebenfalls gestohlen hatte. Sein Versuch, auf diesen Schein bei der Bank 600 M. abzuheben, waren an einem kleinen Formfehler gescheitert. Die Bank wollte sich deshalb erst nach seinen Angaben erkundigen, der Dieb zog eS jetzt aber vor, sich nicht wieder sehen zu lassen. Der Verhaftete hat alle seine Beutestücke unter den verschiedensten Namen versetzt. Er ist ein verbummelter Mensch. Ob er den Doktortitel, den er sich beilegt, mit Recht führt, steht noch nicht fest. Großfcucr im Straßenbahndepot. Ein große? Fixier, durch welches acht Straßenbahnwagen der Berliner Ostbahnen vernichtet wurden, entstand in der letzten Nacht gegen Ss/4 Uhr in dem Straßenbahndepot in der Tunnelstraße zu Stralau- Nummelsburg. Gegen �4 Uhr bemerkten Arbeiter und Strastenbahnangestellte, die auf dem Hofe des Grundstücks bc- schäftigt waren, daß auZ dem Schuppen eine große Flamme hervorschlug. Man eilte zum Depot, um die in dem Gebäude befindlichen Motorwagen, unter denen sich zum Teil ganz neue, erst vor kurzem gelieferte Waggons befanden, hervorzuziehen. Als das Tor geöffnet wurde, drang den Angestellten jedoch bereits so starker Qualm entgegen, daß ein Eindringen in den Raum unmöglich erschien. Der starke Ostwind entfachte da? Feuer in wenigen Augen- blicken und bald stand der Dachstuhl des großen Schuppens in hellen Flammen. Da die Arbeiter gegen die verheerende Gewalt der Flammen mit den im Depot befindlichen Löschvorrichtungen nichts ausrichten konnten, wurde die Stralauer Feuerwehr und die Berliner Züge aus der Köpcnicker und Memeler Straße alarmiert, die auf die Meldung„Grostfeuer" in kürzester Zeit heraneilten. Bei ihrem Ein- treffen war der Brand bereits so weit fortgeschritten, daß an eine Rettung des Wagenmaterials nicht mehr gedacht werden konnte. Es blieb vielmehr nur übrig, den Brand auf feinen Herd zu beschränken. Es wurden drei Schlauch- leitungeu nach der Spree gelegt und aus drei Rohren etwa l'/g Stunde lang Wasser gegeben. Dann erst konnte die Gefahr als beseitigt angesehen und die notwendigen AufräumungSarbeitcn vorgenommen werden. Bei dem Feuer sind acht Straßenbahnwagen vollständig niedergebrannt. Der Schaden beträgt etwa 140 000 bis 150 000 M., der jedoch durch Versicherung gedeckt ist. Die Ursache des Brandes konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Man nimmt an, daß entweder ein Kurzschlust in den Leitungen entstanden ist, oder dast die im Wageninnern befindliche Heizung in einem Waggon die Entzündung und Wciterverbreitung des Brandes herbeigeführt hat. Eine Betriebsstörung im Verkehr der Oslbahnen fand nicht statt, da aus den» Depot in Obcr-Schöneweidc sofort Reserve- Waggon? herbeigeschafft wurden. Vorort- richten« Charlottenburg. Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung. Im Mittelpunkt der Beratungen der Sitzung vom letzten Mittlvoch stand die Magistratsvorlage betreffend Mastregeln gegen die LcbcnSmittelteuerung. Der Magistrat beantragte: 1. Zur Errichtung von Kochkursen für die minderbemittelte Bevölkerung zum Unterricht in der Herstellung gesundheitlich und wirtschaftlich zweckmäßiger Nahrungsmittel und zur Verabreichung von Proben der für diese verwendeten Rohstoffe zum Selbstlosten- preise wird eine Summe bis zu 7500 M. bewilligt. 2. Um die Einführung von Reis zur Ernährung des Volke? durch eine umfangreiche Propaganda. durch Aufstellung von Rc- zepten, Verteilung von Drucksachen usw. zu fördern, werden die ' Mittel zum Bezüge eines Waggons Reis bis zur Höhe von 7500 M. zur Abgabe kleinerer Mengen zum Selbstkostenpreise bewilligt. 3. Der Gesellschaft für VolkSlaffee- und Speiseballen in Verlin wird für die Errichtung einer Spcischalle mit Zentralküche in Charloitenburg als dauernde Einrichtung eine einmalige Garantie für ein Jahr in Höhe bis zu 5000 M. bewilligt. 4. Der Ableilung Volksküchen des Vaterländischen Frauen- Vereins vom Roten Kreuz in Charlottenburg wird für den Betrieb der in der Christstr. 5 errichteten Zweigstelle eine Beihilfe von 1000 M. für ein Jahr bewilligt. In der Begründung seiner Borlage weist der Magistrat darauf hin, dast er in Uebereinstimmung mit der gemischten Deputation die Teuerung durchaus anerkenne, daß er aber den Weg der Errichtung von ftädiifchen Ein- und Verkaufseinrichtungen für die gesamte Bevölkerung oder für einen Teil derselben auS zeitlichen und ört- lichen Gründen in der Gegenwart überhaupt für aussichtslos halte. Die städtische Verwaltung könne einen solchen Weg nicht beschreiten. Seitens der sozialdemokratischen Fraktion lagen zu der Magistratsvorlage zwei Anträge vor, ein Antrag auf Streichimg der Worte„für die minderbemittelte Bevölkerung" in Ziffer 1. und ein fernerer Antrag, der an den Magistrat erneut das Ersuchen richtet, besonders im Preise gestiegene Nahrungsmiltel durch die Stadt einzukaufen und au die Bevölkerung zum Selbstkosten- preise abzugeben. Während der Referent Stadtverordneter Wöllmer die Ma- gisiratsvorlage empfahl und sich scharf gegen die Versorgung der Bevölkerung mir Nahrungsmitteln durch die Stadt aussprach, wieS Genosse Lehmann in der Begründung unserer Anträge inS- besondere auf das Interesse weiter Kreise der Bevölkerung an'billigen Nahrungsmitteln hin. Vom Staate sei von vornherein nichts zu erwarten gewesen, und deshalb habe die Stadt um ,0 mehr die Pflicht, den Notstand zu mildern. Leider habe die Depmation sehr langsam gearbeitet. Wenn sie so weiter arbeite, wie in den letzten acht Wochen, wo überhaupt keine Sitzung stattgefunden habe, so könne man bis auf den Sanktnimmerleinstag warten, ehe ihre Arbeiten abgeschlossen sind. Seine Freunde könnten sich der Befürchtung nicht clwehrcn, daß die Mehrheit der Stadtverordneienversanimlung ihre Ansiclü geändert hat und der Meinung ist. dast jetzt keine �cuernitg mehr vorhanden sei. Was die Vorschläge selbst anbetreffe, so iverdc der Bevölkerung dadurch sehr iveuig geboten. Trotzdem würden seine Freunde dafür stimmen, damit wenigstenö etwas geschieht, sie müßten sich ja leider bescheiden, weil bei der Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung nicht mehr zu erreichen fei. Notwendig sei es, in Ziffer 1 die Sorte»für die minderbemittelte ve- völkerung' zu streichen, damit nicht der Anschein erweckt werde, als ob eS sich um eine Armenunterstützung handle. Die Einrichtung von Kochkursen allein werde keine Bedeutung haben, so lange man nicht dem Volke die Möglichkeit gibt, billige Nahrungsmittel ein- zukaufen. Auch die Errichtung von Volksküchen werde nur einer kleinen Minderheit zugute kommen, vor allem nicht den Kreisen. denen man helfen müsse. Wolle man wirklich etwas tun, so müsse man den Ankauf von Lebensmitteln in die Hand nehmen. Bei gutem Willen sei die Stadt sehr wohl in der Lage, etwas zur Milde rung des Notstandes zu tun. Er bitte, dast man die kleinlichen Be- denken bei Seite setzt und daß man nicht auf die kleine Zahl der Händler, sondern auf die große Masse der Bevölkerung Rücksicht nimmt. Stadtv. M e h e r flib.) erklärte, daß die Hauptschuld an der Teuerung die Regierung treffe, nicht aber den Zwischenhandel. Redner wandte sich besonders gegen den sozialdemokratischen Antrag, weil es nicht Aufgabe der Stadt sein dürfte, steuerzahlenden Bürgern ihr Gewerbe zu erschweren. Im allgemeinen seien seine Freunde mit den Vorschlägen des Magistrats einverstanden, nur gegen den Ankauf und Verkauf von Reis hätten sie Bedenken. Auch eine Reihe anderer Redner der bürgerlichen Parteien wandten sich nicht nur gegen die sozialdemokratischen Anträge, sondern auch gegen Ziffer 2 der Magistratsvorlage. Die Vertreter des Magistrats Stadtrat G 0 t t st e i n und Oberbürgermeister Schustehrus suchten die Magistratsvorlage zu verteidigen und den Nährwert von Reis zu betonen, sie wiesen auch darauf hin, dast durch den An- und Verkauf von Reis eine Schädigung von Gewerbe- treibenden nicht zu befürchten sei. Genosse Hirsch widerlegte die gegen die sozialdemokratischen Anträge erhobenen Einwände. Auf keinen Fall dürften die zu er- greifenden Maßnahmen einen armenpflegerischen Charakter bekoinmen. Der Regierung wollten auch seine Freunde die Verantwortung nicht abnehmen, aber man dürfte sich doch nicht auf den Standpunkt stellen, dast, weil die Regierung nichts tut. auch die Gemeinden die Hände iil den Schoß legen müßten. Von einer Schädigung der Gewerbetreibenden durch den sozialdemolrarischen Antrag in größerem Umfange könne keine Rede sein; vielleicht werde der eine oder andere Gewerbetreibende vorübergehend geschädigt, ober die Rücksicht auf da? Allgemeinwohl müsse Hölter stehen. Seine Freunde messen der Magistratsvorlage keine allzu graste Bedeutung bei, sie würden aber trotzdem dafür stimmen, uni ihre Bereitwilligkeit zu dokumentieren, an der Linderung der Not deö Volkes nach Kräften mitzuarbeiten. Hierauf wurden sowohl die sozialdemokratischen Anträge als auch die Ziffer 2 der Magistratsvorlage abgelehnt, die übrigen Punkte gelangten zur Annahme. Weiler bewilligte die Stadtverordnetenversammlung 11000 M. zur Verstärkung der Etatspositiou Löhne im Etat der Parkverwaltung. Der Umstand, dast in der Begründung dieser Vorlage darauf hingewiesen wird, dast seit mehreren Jahren 31 ältere Gärtner und Arbeiter ununterbrochen beschäftigt sind, ohne die Eigenschaft ständiger Arbeiter erlangt zu haben, gab unserem Genossen Borckiardt Veranlassung, die Notwendigkeit zu betonen, daß solche Arbeiter zu ständigen gemacht werden und dadurch in den Besitz der Wohltaten gelangen können, die den übrigen ständigen Arbeitern eingeräumt sind. Vom Magistrat wurde erklärt, dast die Grundsätze über die Gewährung von Ruhegehalt usw. im Sinne der Arbeiter einer Revision unterzogen würden. Eine weitere Magistratsvorlage bezweckt die Bewilligung von Mitteln zur Verteilung einer Festschrift an Schüler und Schüleriitnett anläßlich der zlveihundertsten Wiederkehr des Geburtstages Friedrichs des Großen. Genosse- B 0 r ch a r d t erklärte, daß seine Freunde nicht in der Lage seien, der Borlage zuzustimmen: sie seien in der Schul- deputation nicht vertreten, hätten deshalb keinen Einfluß auf die Gestaltung der Festschrift und hätten die Schrift auch nicht vorher prüfen können.— Die Vorlage wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Gelegentlich der Beratung der Mitteilung des Magistrats, daß er beschlossen habe, die Beratung über die Errichtung eines eigenen Krematoriums ftir Charlottenburg mit Rücksicht darauf zu vertagen, dast der Berliner Magistrat den Bewohnern der Vororte die Mitbenutzung des Krematoriums in der Gerichtstraste gestatten wolle, richtete Genosse Vogel an den Magistrat die An» frage, wie es mit der Errichtung eines Kommunalfriedhofes stehe. ES fei ein unleidlicher Zustand, daß auf den kirchlichen Friedhöfen die Dissidenten wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden. In ähnlichem Sinne äußerte sich Stadtv. Otto(lib.). Bürgenneisler Ma tting erkannte an, dast die.Schaffung eines Kommunalfriedhofö ein dringendes Bedürfnis sei, tvies aber auf die Schwierigkeit hin, ein geeignetes Grundstück hierfür zu finden. Endlich beschäftigte sich die Versammlung noch mit der Mit« teilung de? Magistrats, dast die Schuldeputation die U e b e r- l a f f u n g der Genieinde schulturn hallen an die „Freie Tlirnersebaft" nach wie vor abgelehnt habe und daß der Magistrat diesem Beschlüsse in Erwägung der Rechtslage bei- getreten fei. Nach kurzer Debatte, in welcher Genosse Dr. Borch ardt da» Bedaueni seiner Freunde über die Haltung des Magistrats aus- drückte, der offenbar einen Konflikt mir der Aufsichtsbehörde ver- ineide» wolle, nahm die Versammlung von der Mitteilung Kenntnis. Schönedrrg. Die Neusahlen der GewerdrgerichtSdeifitzer für die Arbeitnehmer finden am Sonnabend, den 20. Januar, von nachmittags 4 Uhr bis abends 8 Uhr statt. Wahlberechtigt sind alle Arbeiter, die das 25. Lebens- jähr vollendet haben und in Schöneberg wohnen oder arbeiten. Nicht wahlberechtigt sind Arbeiter, die bei JmtungSmeistern beschäftigt find und für welche ein JnnungS- schiedSgerichl besieht, ferner nicht Angehörige des Deutschen Reiches sind und diejenigen, die die bürgerlichen Ehrenrechte infolge straf- rechtlicher Verurteilung verloren haben. Als Legitimation haben die in Echöneberg be« s ch ä f t i g t e n Arbeiter, eine Bescheinigung de» Arbeitgeber? oder der Polizeibehörde— zuständig ist da» Polizeirevier, in dessen Bezirk der Arbeiter sein Wahlrecht ausübt— beizubringen. Arbeiter, die in Schöneberg wohnen, legitimieren sich dem Wahlvorstande gegenüber durch Mietskontrakt oder polizeiliche An- Meldung. Das Wahlrecht ist in dem Wahlbezirk auszuüben, in dem der Betreffende wohnt lind zugleich beschäftigst ist, während diejenigen Arbeiter, die nur in Schöneberg wohnen oder arbeitslos sind, ihr Wahlrecht in dem Bezirk ausüben, in dem fie am Tage der Wahl wohnen. Die Wahl ist geheim und erfolgt mittels Stimmzettel. Die Arbeitnehmer wählen ins- gesamt dreizehn Beisitzer. Der erste Bezirk wählt einen Bei- s i y e r, die anderen sechs Bezirke je zwei Beisitzer. Der 1. Wahlbezirk wählt in der Turnhalle der Hohenzollern- schule, Martin-Luther-Str. 22/23. Kandidat: Bauarbeiter Wilhelm K 0 s ch e n z, Grunewaldstr. 32. Der 2. Wahlbezirk wählt in der Turnhalle der 10. Gemeinde- schule, EberSstr. 9. Kandidaten: Uhrmacher Heinrich Reiter, Martin-Luther- Straße 69; Maurer Paul S h m a n s k i, Eedanstr. 56. Der 3. Wahlbezirk wählt in der Turnhalle der 8. Gemeinde- schule, sn der RubcnSstraste. Kandidaten: Maurer Paul Gollmigk, Wartburgstr. 52; Metallarbeiter Hugo Kahle, Tempelhofer Str. 3. Der 4. Wahlbezirk wählt in der Turnhalle der 4. Gemeilide« schule, Äolonncnstr. 23. Kandidaten: Schmied Ernst 25 i l s k e. Siegfriedstr. 3; Rohrleger Karl N e u m a n n, Merscburgcr Str. 6. Der 5. Wahlbezirk wählt in der Turnhalle der 6. Gemeinde-. schule, Apostel-PauluS-Str. 10/11. Kandidaten: Ernst K 0 s a n k e, Maler. Meininger Str. 8; Wilhelm L a n g n e r, Schneider, Gustav-Müllerstr. 31. Der 6. Wahlbezirk wählt in der Turnhalle der 2. Gemeinde- schule, Khffhäuserstr. 33. Kandidaten: Max W i n k l e r, GastwirtSgehilfe, Gutzkow- straste 3; Hermann R u p p> Zimmerer, Eiscnacher Str. 53. Der 7. Wahlbezirk wählt in der Turnhalle der 15. Gemeinde- schule, Tempelhofer Weg. Kandidaten: Julius W a r d i n, Stukkateur, Gutzkovstr. 4 Otto Adam, Hausdiener, Wilmersdorf, Augustastr. 39. Eine stark besuchte Versammlung der städtischen Arbeiter, in der Genosse P 0 l e n s k e über oie jüngst erfolgt« Neuregelung der Löhne referierte, nahm noch lebhafter, zustimmender Di?- kussion folgende Resolution einstimmig an: „Die am 16. Januar 1912 im.Gesellschaftshause de? Westens" versammelten Arbeiter und Handwerker der städtischen Betriebe haben zur jüngst erfolgten Neuregelung ihrer Lohnverhältnisse Stellung genommen. Sie begrüßen die endliche Erfüllung ihrer Anträge auf Ein« führung von Wochenlöhnen mit Genugtuung. Dagegen erklären die Versammelten die festgelegten Lohnsätze in jeder Hinsicht als unzulänglich und ungenügend. Si« erheben ferner Protest dagegen, daß ein beträchtlicher Teil ihrer Mit- arbeitcr bei der Neuregelung unberücksichtigt geblieben ist und bei den berücksichtigten Arbeitern keine Anrechnung früherer Dienstjahre stattgefunden hat. Tie mit der Neuregelung gleichzeitig erfolgte Herabsetzung deS Zuschlages für die ersten 3 stunden der Sonn- und Feier- tagSarbeit von 100 Proz. auf 50 Proz. bedeutet eine schwere pekuniäre Schädigung der Arveiter und ist geeignet, die Aus- besscrung völlig illusorisch zu machen. Ja, in vielen Fällen wird diese Regelung eine Schmälerung des Einkommens bedeuten. Die Versammelten richten daher daö dringende Ersuchen an die städtischen Körperschaften, umgehend in eine Nachprüfung der, Lohnvcrhältnisse einzutreten und neben einer wirklich genügenden Erhöhung der Löhne, entsprechend den Anträgen der Arbeiter, die Beseitigung jener Bestimmungen, die eine Herabsetzung der Eni- lohnung für Sonn- und FeiertagSarbeit vorsehen, vorzunehmen. Von der Ucberzcugung durchdrungen, daß eine starke und geschlossene Organisation der Arbeiter die Vorbedingung für eine günstige Gestaltung ihrer Lohn, und Arbeitsbedingungen ist, der- pflichten sich die Versammelten, mit allem Nackdruck für Stärkung der zuständigen Organisation, dem Verbände der Gemeinde- und Staalsarbeitcr. einzutreten." Rixdorf. Rixdorf in Ncucölln„umzutaufen�, hat die gestrige Stadtverordnetenversammlung mit allen gegen die Stimmen unserer Genossen beschlossen. Ter Oberbürgermeister Kaiser begründete den Antrag ans Namensänderung und versprach sich von der Annahme desselben einen—„großen wirtschaftlichen Aufschwung!" Weihensee. Eine schwere Rauchvergiftung erlitten am Donnerstag abend die beiden 3 und l'.h Jahr« alten Kinder des Arbeiters Woschnak. Der Vater der beiden Kleinen besitzt aus dem Laubengclände Neu- Grönland ain jüdischen Kirchhof eine Laube, in der er auch mit seiner Familie wohnte. Für die Erwärmung deS Holzhauses sorgt ein Ofen. Am DonerStag mittag hatte Woschnak die beiden Kinder zu Bett gebrackst, noch Feuerung in den Ofen getan und war fort- gegangen. Auf bisher noch nicht ausgeklärte Ursache entwickelte sich in der Laube«in furchtbarer Qualm. In den Abendstunden wurden die beiden Kinder bewußtlos aufgefunden und mittels Kranken- tvagens nach dem Krankenbau« Friedrichshain gebracht. Eine Katze, die sich gleichfalls in der Laube befand, war erstickt. Schöneichc(Nieder-BarnimZ. Welche Erfahrungen unsere vor den Toren BerNn« am Tage der ReichSiagSwahl tütigen Genossinnen und Genossen zuweilen machen mußten, geht auS folgender uns zur Veröffentlichung übersandten Zuschrift bervor:»Iii der nächsten Nähe Berlins, in S ch ö n e i ch e, Station Rahnsdorf, fand die Wahl auf dem GutShof Schöneiche im Amtszimmer des Herrn AmtSrat Wrede statt, der auch zugleich als Wahlvorsteher fungierte. Abgesehen davon, daß der Herr auf einige Ilnregelmästigkeilen betreffs Aufstellung de? WahltisckieS hingewiesen werde» mußte, bot man unseren zwei Genossen auf Verlangen nach Sitzgelegenbeit und Ausstellung eines Tisches, einen alten wackligen Stuhl an-«inen Tisch durften sie sich selbst besorgen. Ging e» nun während der ganzen Wahlzeit im Wahlzimmer leidlich zu. so muhten unsere Genossen und Genossinnen, welch» die Austen- arbeil übernommen hatten, Unglaubliches über sich ergehen lassen. Unsere Genosstimen, welche vor dem Wahllokal Siimnizettel verleilten, wurden von dem Sohn deS Herrn AmtSrat aufgefordert, den GutShof zu verlassen, sobald fie nicht Folge leiste», würde er sie wegen Hausfriedensbruch anklagen. Unsere Genossinnen gaben dem jungen Mann die richtige Antwort und blieben ruhig aus ihren Plätzen. � Hierauf wurden sie von den GutS- arbeitern mit ganz gemeinen Schimpslvorten bedacht. Einer der Angestellten hatte nicht genug an diesen Schimpfereien. Einen zum Teil noch mit Kleie gefüllten Sach wußte er so auszuschütteln, dast die Genosfinnen wie die Müllergesellen aussahen." Diese Zuschrift beweist, dast bei der ReichStagSwahl auch in nächster Nähe' der Reichshauptstadt noch rein ostclbifche Maximen Anweitdnlig finden.__ � Wasserstands Nachrichte» der LondeZanstalt für Eewässerkuiide, mitgeteilt vom S-rlln-r ScUerbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r c g c I, Jnslcrbnrg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen Fraiikstuck Warthe, Schriinm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz Dresden , Bcrby Magdeburg am• feit 17.1. 16.1. ein; cm1) H23)j+i6 -48')!—7 6C;)-j-l® ISO3)—26 173ä)+2 152—2 673)l+7 4S«) 4-ip i-li«) 0 —50 0 -174«)-13 112»)-16 e»'),-15 Wasserstand Saale, ch roch Ith Havel, Spandau») , Rathenow») Spree, Svremberg») . Bceskow Weier, Münden Minden Rhein, MaximUiauSau , Kaub » Köln Neckar, Heiliron» Main, Wert heim Mosel, Trier am: seit 17. 1.16. I. om cm") 206»);+60 80',! 0 88») I 0 75»)—3 119 266 446 809 386 140 —43 •20 U —11 >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpegel.—•) Eisland.— *) oberhalb der Netzebrücke EiSstnnd.—») Estreiben Aus der Fulda und Ed er ist am 17. E i S st a n d eingetreten; Main und Lahn führen Treibeis. ömfluften der Redaktion. ®le lurtfttsche Evrechstaade ftnbu i«»»e»str»»e0S, vorn vier reep,,» — Fatzrftuhl—, wochextSglich vo» 4�4 bt« 7H US» avend«. eoml-»e»vs, vou 4�»t» 6 U»r abends«alt. Jede» ffir den vrieflafte»»ciitmnlteu»»fra,e Ift ei»«»«ftabe»nb eine Zulu»u viert, et««» Iwt»« fUgen. vriesUchr Ann»»«, wird»ich! rncilt.«»Nage», denen leine«donacmcntsauttt»», detgef«,, 1», werben nicht beantworirt.(kilige Aragc» trage»ran i» der Sdrechstnnde wir. A. W. Der Anspruch ist verjährt.— Rudolf«3. Ja.—». b. IVO. Fragen Sic beim KonlurSverwaUer an. Die Anzeige können Si: erstallcii.—«. a. 100. Di« 6 M. halle der Arzt nach der«ebührcn. ordnung zu scrlangen.— IL. B-»5. Sie können Rücknahme verlangen sofern sich die UnlangUchleit beweisen laßt.— 27. W. G. Anspruch aus Zahlung der lausenden und nicht länger als vier Jahre zurückliegenden Alimenlc besteht, lätzl sich aber im Ausland schwer verjolgen. Strajanirag Knnti erst nach Schwung der EV gestellt werden.— R. Kl. 48. Clevflü||ig, 2. Blich eint 3. Die Frage läßt sich scheiuS Bennlmortcn.— K. _______.... I 1. Kein. wenn die Polize die fragliche Beslimmnng enthält. nur nach Zieiintniz des Inhalts des Honorar- 1. Ja, sojeni sich die Zusicherung 2. und 3. Nein. 4. Dieie Hand- lung kann als stillschweigendes Einverständnis' mit der Vertrags« lösuiig ausgelegt werden. ES empfiehlt sich jedoch eine Anfrage. — F. A. 84. 1. Sie erscheinen zahlungspflichtig. 2. Sie können die Fest- stellungsklage erheben.— Zossen. 1. und 2. Das Auflöfungsrecht des Bundesrats ist durch Gesetz nicht beschränkt. 3. Das unterliegt dem Ver- des Vermieters beweisen lägt. lschn' W ordnin�gstrecht der Pokizeibehörde und ist deshalb Sei der dorstaen Ortt- polizestEhörde zn erfahren.— H. Sch. 1. Ja. L. Bei öffentlichen Ber- sammwngen bestimmt darüber der Einberufer. Für Vereinsversammlungen ist die Fra�e in der Regel durch die Satzung bezw. Geschäftsordnung des Vereins geregelt.— H. G. Wir raten, sich beschwerdeführend an den Magistrat zu wenden.— H. G. 26. 1. Nein. 2. Der Anspruch— sosern es sich um eine Darlehnssorderung handelt— verjährt erst tn 30 Jahren. —/, Uhr. St. IchauspielhauS. Der eingebildete Kranke. Tcntiches. Penthesrlia. .Havcrlaud. Spezialitäten. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Schumann. Gala-Vor- stelluna. Zirkus Sarrasani. Gala« Vor- slcllnng. Anfang 8 Ubr. Urania. Dnubcnstrafse 48/40. Aus dem Leben des McereS. Hörsaal: Pros. Eckstem: Sommer ini Walde. 8au»nerspirle. Nathan der Weise. Seksiiig. Die Frau vom Meere. Neues Schauspielhaus. Heiligen- wald. Residenz. Ein Walzer von Chopin. Rurfürsteuoper. Der Schmuck der Madonna. Koiiiiichr Qver. La Traviata. Weiieu. Russisches Ballett. Lustipielhaus. Die Damen deZ Regiments. Berliner. Große Rosinen. Neues Qvereeien. Eva. Schiller O. Der Kilometerfreffer. Set,»e>- Eliarlotteuvurg. Der Weg zur Hölle. Fricdr.- BSiUi. Scheuspielhans. Bouaparle und seine Frauen. Neues. Die kleine Freundin. Luise». Der Verschwender. Rose. Heimat. ttöniggrätzcr Straffe. Die süns Frantsurter. Kleines. LottchenS Gcbnrtsiag. Gentz und Fanny Eltzier. Hocken- jos. Meerovol. Die Nacht von Berlin. Triauo». Da» kleine Eass. Tdulia. Polnisch: Wirtichait. Gasiuo. Der Kamps um» Dasein. SlPaUo. Svezialiläten. 9.i»s>apr. Spezialitäten. Herrnfeld. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Firma. RrichsvaUru. Slettwer Sänger. Köuigkladt.Kasiuo. SpeziaMaten. SOintergaricu. Spezialitäten. Ansang 8>/, Ubr. gsolies kkaprice. Wandelblüth'S Policrabend. Walhalla. Teufel, daS hat ewge- WlZ ÜDÜ Urania. Wiflsenschaftliches Theater. 8 Uhr: Aus dem Leben der Meere. Hörsaal Prof. Eckstein 8 Uhr: Sommer Im Walde. siblagenl Noark. Die Bettlerin und ihr Kind. Voigt. In Puhlmanns Garten: DaS Glück deS Lebens. Ansang 8'/, Uhr. NeneS Boltsthcoter. Leidenschast. Belle-Alliance. Drei Einakter. '.' Sternwarte. Jnvalidenstr. 57— C2. Schiller-Theater O.iS' Freitag, abends 8 Uhr: Oor KilometerfrcsMer. Sonnabend, abend« 8 Uhr: l>cr Weg nur Hölle. Sonniag, nachm. 3 Ubr: Der ProbcKandidat. Soinilag, abends 8 Uhr: stladaino gana-ft�ne._ Seltillcr fiiMier"Cr Freilag. abends 8 Uhr: Der Weg cor Hölle. Sonnabend, nachm. 31/, Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Der HllemetertreaNer. Sonniag, nachm. 3 Uhr: Daria Stuart. Sonnlag, abend« 8 Uhr: Der Weg zur Hölle. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Renes Theater. Abends 8 Uhr: Dikilikine Freilildi». Louis on: Prltnl Dau.arz-. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Sab Mädels vo» Nlouiuiartre Thester des Westens. «bends 8 Uhr: Russisches«allett. Schwanenieo.— Scheherazade. Seleii�alien-Tliealer. Sletlinn Sängsr. Neu! Ken! Pantoffel-Helden. Burleske v. Reichardt. Ansang 8 Uhr. Sonntag ? Uhr. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Schwank in 3 Alle» von Köroul und Borrs. Morgen und folgende Tage: Ein Walzer vo.i Chopin. BellealliancesTheater. 8'/, Uhr: Gastspiel Ferdinand Bon». 1. Abschied vom Regiment. 2. Der Geigenmacherv.Cpemona.S. Gpingoire. Luisen-Theater. Freitag 8 Uhr: Neueinstudiermlg: Ter Bcrschwcndcr. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Prin- zessin und Schweinehirt. Abends 8 Ubr: Berti» D. I0SE=THEATE Grotze Franliurter Str. 132. 8 Uhr: Heimat. Schanspiel i» 5 Akt. v. H. Sudcrmann. Sonnabend 4 Uhr: Im Zauber- lande Rübezabls. 8 Uhr: Zwillinge. Sonniag 3 Uhr: Heimat. 3 Uhr: Zwillinge.__ Metropol-Theater. Die Nacht von Berlin! Gratze JahreSrcvue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Aiifang 8 Ubr. Rauchen gesialiet. Ab 8 Uhr» Die grandiosen Spezialitäten. v Uhr: Nur noch kurze Zeit! Waiden in Sei» Herzeusjunge. Noch nie dagewesener Lacberfolg Das Kind der Firma mit Anton u. Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Passage-Theater. Jfiriam Korwitz ..Die Falle" Mlle. Maroussia The Meteors Lina Loos GDd 10 neoe ÄKraktloDen! BeidenFeuerfresseF« I.ebcnd! I«ebcnd! Die wilden Essauas. KarawAnn sudanesischer Heul- uew leuer-Fakire in �Arein Orisinaldorfe, Ohne Extra-Entree.| Noatks Theater. Direktion: Robert DIU. Berlin Nl. Brunn enstratz« 18. Die Kettlerin nild ihr Kind. Schauspiel in S Akten von Meißner. Ansang 8>/« Uhr. BonS usw. gültig. Morgen: Diefelbe ivorftelliing. SoTialÄsmokratisekei» Maklverein des dritten EerL Reichstags- QlaMkreifes ▲ A4 Sonnabend den 20. Januar 1912: 21. Stiftunss-Pest in den Gesamträumen des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Wf TW TT C W TP ausgeführt von Zivilberufsmusikem Vf 1�1 A Er Jf*.*— Kapellmeister Herr Hasoheck— unter Mitwirkung des Gesangvereins Eilbcrtö(M. d. D. A.-S.-B.), Chormeister Herr P.A. Joseph, Frau Anna Schubert. Konzertsäcgerin, --- Frl. Erna Hascheck, Cellistin. Chr. Fey, Rezitator.--- GROSSER BALL. Rege Beteiligung erwartet Herren, welche am Tanz teilnehmen, n u zahlen 50 Pfennige nach.:::: Oer Vorntand. Est BnS »» Prolongiert bis Sonntag, den 31. Januar. Heute und Sonnabend: Großes Serien- Preist anzen für Damen und Herren. 20 Ehrenpreise im Werte von 400 M. Alle glänzenden Attraktionen im yollen Betrieb! TO WM Hauptstadt von Liliput mit Ihren � td Bewohnern FrledrlchstraBe 165, In den Räumen von Castan» Panoptikum. Qeöftn. von 2 Uhr nachm. bis 10 Uhr abend». Untres 1 Mark. Cl0Uu �rlinsr Konzerthaus " Mauerstr. 82, Zlmmerstr. 80/91. Qr. Konzert°°a Zillerthaler und Tegernseer Sänger Plattler und Jodiert Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachmittags: Or. Promenadcn-KonEcrt bei freiem Eintritt � Neue Welt.®5*! Arnold Scholas. Hascnheldo 108-114. Wundervolle Alpendekoration. 4 Kapellen. 30 bayerische Mad'l. Anfang; 7 Uhr. Entrcc SO Pf. ZlrkiiN BiiNch Freitag, den 19. Januar, 71/, Uhr; HumoriMiscber Gala-Abend. Gar'v.p. Gertrud Arnold Die Hexe. 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Wassenübnng. MandelblüthS Polterabend. AmDafanlKtf I EissArena.f Nachmittags: Militär-Konzert. Kunstlanfproduktionen. Abends die Novitäten;, Tänsc ant dem Rlse, IthcinlUndcr, Hansisch, Pnglinch. Alt Wiener Walser und der norwegische Meister Harry Paulsen [ sowie d.präoht. Eisballett| Alpenzauber. Bis 6 Uhr u. von lO1/, | Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Ranges. HiSLÜL Berliner— nmor-ftunrtett 6g. Treaer KistanleoaUitlO Brauerei Friedrichshain am KOntgstor. Heute! Freitag: Elitetag. Das grUOto Bockbicrfcst. Auf der Alm. Prämiienrag der inliciisten Zwillinge. 100 Hark Geldpreise. Anfang 8 Uhr. Entree 50 PI. HERMANN UETZ Ausstellung kompletter Küchen Vorführung hauswlrtschaftllcher Naschinen von HM und 4-7 Uhr. Zur Vorführung gelangen:. 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