N-. 17. nbonnementS'Bcdingnnaen: Abonnements- Preis vrünumerando: Bierteljährl. 3£0 SDtf., monalL 1,10 Ml. wöchcnüich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Pcilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poit- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Pretsliste. Unter Kreuzband für ! pro f. nehmen am Belgien, Diinemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Numänien, Schweden und die Schweiz. Qlchelüf tZgllch Moitzz». Verlinev VolksblAtk. 29. Jahrg. Die TnlertionS'Gcbüfjr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gcwcrlschafllichc Vereins- und Vcrfammlungs-Anzeigen SO Pfg. „kleine Anrclgen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(znläfsig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlassiellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes »eitere Worts Pfg. Worte über ISBuch- 'laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „ScziaUtindkrat Rtrllo* Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktton: SM. 68, Luidcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 198Z. Sonntag, den 21. Januar 1912. Expedition: 8M. 68» lUndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Neuer Kampf und neuer Sieg! Soweit zur Stunde ein Ueberblick möglich ist, bringt der erste Stichwahltag uns Sozialdemokraten neue Erfolge. Er läßt aber zugleich auch erkennen, daß noch schwere und intensive Arbeit notwendig sein wird, um das im- mittelbare Ziel der großen Wahlschlacht zu erreichen, die Zer- trümmerung des blau-schwarzen Blockes zu vollenden. Zu- gleich läßt sich aber eins schon mit Bestimmtheit sagen: die Pa- role der Fortschrittspartei, keine Stimme dem schwarz-blauen Block, ist ungenügend. Die Fortschrittler sollten endlich sich entschließen, ganze Arbeit zu tun und überall, wo es den Kampf gegen die konservativ-klerikale Reaktion gilt, alles aufbieten, um ihre Wähler vollzählig für die Sozial- dcniokratie an die Urne zu bringen. Das ist unbedingt erforderlich, soll an den beiden folgenden Stichwahl- tagen das schwere Werk vollendet und die Konservativen und Klerikalen zur Minorität herabgedrückt werden. Die Sozialdemokratie hat überall da, wo sie den Ausschlag zu geben hatte, ihre Pflicht, wie das selbstverständ- lich, voll erfüllt. Nur so ist es z. B. gelungen, von den vier Kreisen in Ostpreußen, wo Konservative mit Fort- schrittlern heute in Stichwahl standen, drei Kreise, Königsberg Land, Tilsit und Gumbinnen den Konservativen zu entreißen. Nur in Labiau-Weblau ist es trotz unserer Unterstützung der Fortschrittspartei nicht geglückt, den Konservativen niedcrzu- ringen. Mit diesen Niederlagen des Reaktionsblocks vergleiche man aber die Ergebnisse in Sachsen, z. B. in Oschatz, wo der Konservative Dr. Giesc gegen unseren Genossen Lipinski, und in B a u tz c n, wo der Antisemit Gräfe gegen unseren Genossen Buck gewählt worden ist, obwohl beide Ktcise mit leichter Mühe dem reaktionären Block hätten abgenommen werden müssen, wenn die Fortschrittler dort nur halbwegs ihre Pflicht im Kampfe gegen die Schwarzblauen getan hätten. Aber, könnte man vielleicht sagen, die sächsischen Frei- sinnigen sind von jeher ganz unzuverlässig gewesen. Doch dasselbe, was von diesen sächsischen Kreisen, gilt auch von einer ganzen Reihe anderer. In Westpriegnitz, in Ruppin-Tcmplin, in Königsberg(Neumark), in Usedom- Wollin, in Sagan-Sprottau, in Mansfeld und in manchen anderen Kreisen noch sind wir Sozialdemokraten im Kampf gegen die Schwarzblauen unterlegen, weil die Wäh leider Fortschrittspartei das Gebot der Stunde nicht erfüllt haben. Noch ist es nicht zu spät, obwohl durch diese Haltung schon allzuviel verabsäumt worden ist. Die Sozialdemokratie ist nach wie vor entschlossen, mit dem Aufgebot ihrer ganzen Kraft den Kampf zur Vernichtung der schwarzblauen Herrschaft durchzukänipfen. An den Libc- ralcn ist es, das gleiche zu versuchen I Die Sozialdemokratie hat zu ihren bisherigen Siegen neue Freude auslösende Erfolge zu verzeichnen. Bis zur Stunde haben wir neu erobert Hameln-Linden, wo unser Genosse Fischer gegen den bisherigen Vertreter, den Nationalliberalen Hausmann, gewählt ist. Kassel hat Ge- nosse Hüttmann dem Antisemiten Lattmann entrissen, der schon nach der Hauptwahl das Feld räumen mußte-, in der Stichwahl ist der Nationalliberale unserem Genossen unterlegen. Genossen T h ö n e hat Eschwege-Schmalkalden dem Antisemiten Raab abgenommen. In Bayern hat Ge- nosse Schmitt über den bisherigen Zentrumsvertreter Dr. Thaler den Sieg davongetragen. Rostock hat Genosse Dr. H e r z f e l d dem Fortschrittler Heimsoth abgenom- inen. Prächtig sind unsere Erfolge in Sachsen. Löbau schickt den Genossen Krätzig an Stelle eines Nationallibe- ralen, Dresden Dr. Gradnauer an Stelle des rechts- stehenden Nationalliberalcn Dr. Heinze in den Reichstag. In Frciberg hat Genosse Wendel den Führer der sächsischen Konservativen, Dr. Wagner, zur Strecke gebracht. Leider ist es nicht gelungen, Leipzig-Stadt dem Nationalliberalen Junck zu entreißen. Die fortschreitende Citybildung dieses Kreises hat dem Bürgerlichen das Mandat gerettet. Von diesen acht Mandaten besaßen wir im letzten Reichstag keines. Die drei sächsischen und Rostock hatten wir bei der Wahl 1903 erobert. Dagegen sind die vier anderen Kreise zum ersten Male sozialdemokratischer Besitzstand geworden. Diesen Gewinnen stehen allerdings einige Verluste gegen- über. Genosse K u n tz e ist in Usedom-Wollin. Genosse Severing in Bielefeld gegen den Grafen v. Posadowsky, Genosse Lehmann in Wiesbaden gegen den National- liberalen Bartling, Genosse Z i e t s ch in Koburg gegen den Nationalliberalen Dr. Ouarck gefallen und schmerzlich berührt der Verlust der Hauptstadt Badens. In Karlsruhe wurde Dr. Haas gegen unseren alten Genossen Geck gewählt. Doch diese Verluste betreffen mit Ausnahme der letzten lauter Wahl- kreise, die wir bisher noch nicht zu unserem festen Besitzstand rechnen konnten, und sie waren nach dem Ergebnis der Hauptwahlen zu erwarten. Haben sich also auch nicht alle Hoffnungen voll erfiillt, vor allem deswegen nicht, weil wir doch in vielen Kreisen auf die eigene Kraft angewiesen blieben, worüber wir sicherlich nicht einen Moment lang trauern, so dürfen wir doch mit dem Ausgang des heutigen Tages zu- frieden sein. Die Dinge nehmen einen guten Fortgang, die Sozialdemokratie verfügt zur Stunde über 72 Mandate und wird im neuen Reichstag trotz der schlechten Wahlkreis- eintcilung in achtunggebietender Stärke einziehen. Für den schwarzblaucn Block aber sind diese Tage Tage des Niederganges. Er hat schwere Verluste erlitten, denen nur wenige Eewmne gegenüber stehen. Das befestigt die Hoffnung, daß die kommenden Stichwahltagc der konservativ-klerikalen Reaktion den Garaus machen werden. Diese Hoffnung stärkt unsere Kampfesfreude. Mit Un- geduld cnvarten wir die kommenden Tage, sie sollen vollenden, was so gut begonnen worden. Sie niüssen dem schwarzblauen Block die endgültige Niederlage bringen und der deutschen Sozialdeniokratic, unserem Stolz und unserer Hoff nung, neue Siege! Und nun wieder an die Arbeit! Vorwärts! Erolitlt das lrhtr KaM! Die Fortschrittler machen ini e r st e n Berliner Wahlkreis die verzweifeltsten Anstrengungen, um den 300000 Sozialdemokraten Berlins das Mandat, das ihnen gebührt, vorzuenthalten. Aber ihre Anstrengungen sind nur ein Ansporn für uns und die Aufforderung, nichts zu ver- säumen, alles daranzusetzen, um auch in diesem Wahlkreis die Sache der Arbeit und der Freiheit zuni Siege zu führen. Die liberale Presse tritt unterschiedslos für Herrn K a e nz p f ein. Das„Berliner Tageblatt" wendet sich an das Herz der Leser, die Fortschrittspartei zu belohnen, weil sie den Lockungen der Schwarzblauen diesmal widerstände!' habe. Aber in dieser Wahl handelt es sich ja gar nicht um die konservativ-klerikalen Reaktionäre. Die scheiden da aus. Da steht der Kampf zwischen Herrn Kaempf als Vertreter des großen Kapitals, und unserem Parteigenossen D ü w e l l als Vertreter der Arbeit, ihres Rechts, ihres Freiheitsstrebens. Und wenn wir die demokratischen Wähler auf- fordern für uns zu stimmen und gegen Kämpf, so tun wir das in der festen Ueberzeugung, daß ein solcher Entschluß den Demokraten ihr eigenes Interesse bietet: ihr politisches Interesse, das von der Sozialdemokratie rücksichtslos vertreten wird; ihr soziales Interesse, denn die Demokraten haben ihre Anhänger ja vor allem in den Kreisen der Angc st eilten und Beamten. Deren Interesse vertritt die Partei der Arbeit, nicht der Vertreter des Kapitals. Herr Kaempf ist Präsident des Deutschen Handelstages. Dieser bekämpft die Forde- rungen der Angestellten und b r e m st in der Sozialpolitik. Und die Berliner Handels- k a m m c r, die für Herrn Kaempf eintritt, hat sich aus- gesprochen: Gegen die Beseitigung der Konkurrenzklausel. Gegen Handlungsgehilfenkammern. Gegen Handelsinspektoren. Gegen eine gesetzliche Regelung der Ruhezeit für Angestellte. Gegen obligatorischen Urlaub für Angestellte. Der Handelstag und die Handelskammer sind sozial- reaktionär. Sie erklären Herrn Kaenipf für ihr e n unentbehrlichen Vertreter. Eben deswegen ist er entbehrlich, ist er unannehmbar für jeden, der Sozialpolitik will, der für den sozialen Fortschritt eintritt. Deshalb müssen die Anstrengungen für Herrn Kaempf vergeblich sein, deshalb werden die Flugblätter nichts nützen, die selbst vor Reichsverbandstöncn nicht mehr zurück- schrecken. Die Demokraten halten an ihrem Worte f e st und in einem gepfefferten Flugblatt, das das„Berliner Tageblatt" zu einem wilden Auffchrei veranlaßt, gibt bcr demokratische Wahlausschuß im 1. Berliner Wahl' kreis die Stichwahlparole aus: Gegen Kaempf!— für Düwell! Und das demokratische Parteiorgan, das„Freie Volk", schreibt: „Am 22. Januar findet im ersten Berliner Wahlkreise die Stich- Wahl zwischen dem Fortschrittler Kaempf und dem Sozialdemo- kraten Düwell statt. Die Wähler Gädke-Z werden den Ausschlag geben. Mit aller Deutlichkeit ist von den Demokraten schon vor der Hauptwahl die Stich Wahlparole für den Sozial- demokratcn ausgegeben worden und es kann keinem Zweifel unterliege», daß die G ä d k e- W 2 h l e r, so- weit sie der Demokratischen Vereinigung angehören, Mann für Mann Herrn Düwell ihre Stimme geben werden. Aber auch die Unorganisierten werden sich hoffentlich nicht in den Netzen verfangen, die die Freisinnigen in Gemeinschaft mit den Hansabündlern nach ihnen auswerfen. So selbstverständlich es ist, daß man überall dort, wo ein Freisinniger mit einem Mit- glied der schwarzblauen Koalition in engerer Wahl steht, für den Freisinnigen eintritt, so notwendig ist es, einem Sozialdemokraten vor einem Freisinnigen den Vorzug zu geben. ES kommt darauf an, den schärferen Gegner der schwarzblauen Reaktion und den rülksichtslosrrrn Kämpfer für die Demokratisierung Deutschlands in den Reichstag zu senden, und daS ist der Sozialdemokrat. Deshalb alles daran gesetzt, um daS Mandat von Berlin I für Herrn Düwell z» erobern." Befolgen die demokratischen Wähler diese Parole, dann muß der Sozialdemokrat gewählt werden, um so mehr, da andere Parteien ausschalten. Denn der Haupt- Wahlausschuß der vereinigten nationalen(rechts- stehenden) Parteien Berlins hat in seiner gestrigen Sitzung einstimmig Wahlenthaltung beschlossen. So ist die Situation günstig. Drum alle Kraft daran gesetzt! Berlin I muß unfer werden! IMzhertge Crgcbnis der Stichmhleii. Bis 11% vhr lagen vor KS Wahlresultate. Gewählt wurde» 7 Konservative, S Reichspartei, 2 Deutsche Reformpartei, 3 Wirtsch. Bereinigung, 19 Nationalliberale, 11 Fortschr. Bolkspartei, 7 Zen-' trum, 8 Sozialdemokraten, 1 Welse, 1 Baucrnbund, 2 Wilde. Tie Konservativen gewinnen 2, verlieren 1, Reichspartei verliert 1, ge- winnt 1, Wirtsch. Bereinigung gewinnt 1, verliert 2, Nationallibe- .ale gewinnen 19, verlieren K, Fortschr. Bolkspartei gewinnt 7, ver- liert 1, Zentrum gewinnt 2, verliert 5, Sozialdemokraten gewinnen 8, verlieren 5, Welsen gewinnen 1, Bauernbund gewinnt 1, Kömgmcb preußen. Ostpreußen. Labiau-Weblau. v. Massow iÄons.) 83ö6, Wagner(Vp.) 8859, Linde(Soz.) 2961, zersplittert 1. Gewählt: v. Massow(Kons.). Bisher: Wagner(Vp.). Königsberg Landkreis, Fischhausen. Graf zu Dohna-Schlobitten (Kons.) 9358. Bartschat(Vp.) 7078, Borowski(Soz.) 6271. zersplittert 19. Gewühlt: Bartschat(Vp.). Bisher: Dohna-Schlohittcn(Kons.). Tilsit-Niedcrung. Kopp(Vp.) 10198, v. Moltke(b. k. F.) 7533. Hofcr(Soz.) 6251, Reidies(Litauer) 119, zersplittert 5.— Gewählt: Kopp(Vp.). Bisher: Schickert(Kons.). Gumbinnen-Jnsterburg. Dr. Brandes(Kons.) 7902, Siehr(Vp.) 5870. Vormauer(Natl.) 1739. Lübbring(Soz.) 3200, zersplittert 6. Gewählt: Siehr(Vp.). Bisher: Mentz(Kons.). Brandenburg. West-Priegnitz. Stubbendorff(Rp.) 7443. Siering(Soz.) 5068, Tubentahl(Vp.) 1399, Graf Oppersdorf(Z.) 31, zersplittert 1. Gewählt: Stubbendorff(Rpt.). Bisher: Stubbendorff(Rp.). Ost-Priegnitz. Löscher(Rp., Bdb.) 6392, Lehmann(Rp., Bdl.) 5232, Hctzschold(Soz.) 2098, Träger(Vp.) 40, zersplittert 9.— Stichwahl: Löscher(Rp.j 8l8l. Lehmann(Rp.) 5397. Gewählt: Löscher(Rp., Bdb.) Bisher: Löscher(Rp.) Rupvin-Tcmplin. Dietrich(Kons.) 10 68�, BoeZkc(Soz.) 7992, Lessinq(Vp.) 5915, zersplittert 31, Stichwahl: Dietrich(Kons.) 13 897. Boeskc(Soz.) 19 696. öewahlt: Dietrich(.ftonf.). � Bisher: Dietrich(Kons.) Zauch-Belzig. Ewald(Soz.) 13 367, V. Oertzen(Rp.) 11944, Dr. Freund(Vp.) 9225, Erzbcrger(Zcntr.) 55, zersplittert 19.— Gewählt: Öcrhcn(Rpt.). Bisher: v. Oertzen(Np.). Königsberg i. Nm. Krahmer(Kons.) 8839, Schmidt, Richard(Soz.) 5429, Pautsch(Vp.) 4949, zersplittert 6. Stichwahl: Krahmer(Kons.) 19 432. Schmidt(Soz.) 7 312. Gewählt: Krahmer(Kons.). Bisher: v. Saldern(Kons.). Pommern. Ueckermllnbe-Usedom. Kuntze(Soz.) 8928, d. Böhlendorff(Kons.) 7259, Dr. Döpffcr(Wildlib.) 4964, Brick(Bund der Handw.) 1981, zersplittert 1. Stichwahl: Kuntze(Soz.) 19 364: 9. Böhlendorff(Kons.) 12 577. Gewählt: v. Böhlendorff(Kons.). Bisher: Kuntze(Soz.). Schlesien. Landkreis BreSliiu-Nenmarlt. Scholich(Soz.) 19 984, b. Carnier (Kons.) 19 511, v. Donnersmarck(Z.) 5861, Kretschmer(Vp.) 3964, zersplittert 38. Gewählt: Earmcr(Kons.). Bisher: v. Cariiier(Kons.). Sagaii-Sprotta». 9. Bolko(Kons.) 7394, Fritsch(Soz.) 6347, Achilles(Vp.) 6952, zersplittert 7, Gewählt: V. Bolko(Kons.). Bisher: v. Bolko(Kons.). Löwcnberg. Kopsch(Vp.) 4993, Schaeffer(Kons.)' 3588, Polmer (Soz.) 2462, Siebelt(Z.) 1997, zersplittert 7. Stichtvahl: Kopsch(Vp.) 6297. Schacsscr(Kons.) 6192. Gewählt: Kopsch(Vp.). Bisher: Kopsch(Vp.) Landeslnit-Jniicr. Warmuth(b. f. F.) 8322, Proll(Soz.) 6814, Büchtemann(Vp.) 6194, Rucffer(Wirtsch. Vgg.) 44, zcr- splittert 8. Stichwahl: Warniuth Ib. f. F.) 12 356. Proll(Soz.) 8658. Gewählt: Warmuth(b. f. F.) Bisher: Büchtemann(Vp.i Rothenburg-HoperSwerda. Hegenscheidt(Rp.) 19 683, Neumann (Soz.) 6559. Goldschmidt PBp.) 51>/). zersplittert 6. Gewählt: Hcgenscheidt(Rp.). Bisher: Bassermann(Natt.). Provinz Sachsen. Mansfelder See- und GebirgSkrcis. Dr. Arendt(Np.) 15 285, Hoffmann(Soz.l 13445, DeliuS(Vp.) 6942, Chociszclvski «Pole) 48, zersplittert 7. Stichwahl: Arendt(Rp.) 18 489. Hofsmann(Soz.) 16 253. Gewählt: Arendt. Bisher: Dr. Arendt(Rp.). Provinz SchlcSwig-Holstein. Apenrade-FlcnSburg. Michelsen(Soz.) 7977, Leube(Vp.) 6583, Kallscn(Natl.) 4134, Graf Reventlow(Wirtsch. Vgg.) 3659, Grau(Däne) 3569, zersplittert 15. ..-Stichwahl: Michelsen(Soz,) zirka 9999. Leube(Vp.) zirka 12 999. Gewählt: Leube>Pp.i. , LKsher: Wommelsdorif(Ratl.). Schleswig- Eckern forde. Mattsen(Natl.) 8133, Waldstein(Vp.) 8959, Hoffmann(Soz.) 6838, zersplittert 23. Gewählt: Waldstcin(Vp.). Bisher: Spethmann(Vp.). Pinncbcrg-Ottenscn. 9. Elm(Soz.) 22 636, Dr. Braband(Vp.) 13 752, Dr. 9. Bröckcr(Natl) 8496, Graf v. Baudissin(Rp.) 26Ä. Gewählt: Braband(Vp.). Bisher: Carstens(Vp.). L'ldeuburg-Plöii. Dr. Rösicke(Kons.) 7857, Dr. Struve(Vp.) 5826, Hastedt(Natl.) 1865, Weinhebcr(Soz.) 4313, zersplittert 4.— Stichwahl: Rösicke(Kons.) 8894. Struve iVp.) 19 752. Gewählt: Struve(Vp.). Bisher: Dr. Strii9e(Vp.). Herzogtum Laiicnbnrg. Schaumburg(Soz.) 3898, Dr. Heckschcr ,Ap.) 3344, Roth(Wirtsch. Vgg.) 1969, 9. Bülow(Kons.) 1879, Dr. Harnes(Statt.) 562, zersplittert 8. Gewählt: Heckscher(Vp.). Bisher: Dr. Heckscher(Vp.). Provinz Hannover. Emden-Rorden. Fegter(Vp.) 11392. EngclkcS(Kons.) 8113, Meyer(Soz.) 4529, zersplittert 11. Stichwahl: Fegter(Vp.) 14 219. Engclkcs(Kons.) 8635. Gewählt: Fegter(Vp.). Bisher: Jcgtcr(Vp.). Mcllc-Ticpholz. Wachhorst de Wcnte(Natl.) 7226, Colshorn (Weife) 7022, Logemann(Bdl.) 2970, Thiclemann(Soz.) 2946, zersplittert 9. Gewählt: Colshorn(Welse). Bisher: Wachhorst de Wente(natlib.). Vrrden-Hona. Held(Natl.) 8721, Eberle(Soz.) 5466, v. Dannen- berg(Welse) 4967, Heile(Vp.) 3455, v. Wrochem(Rp.) 2966, zersplittert 3. Gewählt: Held(natlib.). Bisher: 9. Dannenberg(Welse). Hanieln-Linden, Fischer(Soz.) 14 387, Hausmann(Natl.) 9973, v. Hugo(Welse) 3424,' Nehren(Rp.) 3398, zersplittert 18.— Gewählt: Fischer(Soz.). Bisher: Hausmann(natlib.). Harburg-Rotcnburg. Lcsche(Soz.) 19 213, Alpers(Welse) 7731, Dr. Stubmann«Natl.) 7311, Dr. Varenborst(Kons.) 5231, Dr. Herz(Vp.) 4889, Chociszewski(Pole) 313� zersplittert 2.— Stichwahl: Lcsche(Soz.) 20 006. Alpers(Weise) 23 899. Gewählt: Alpcrs(Welse). Bisher: Dr. Varcnbor't(Rp.). Stadc-Vrcmervördc. Reitze«Soz.) 8599, Hoppe(Natl.) 8549, Von (Wirtsch. Vg.) 4399. Secdors(Welse) 3915. Chociszewski(Pole) 214, zersplittert 11. Gewählt: Hoppe(natlib.), 2999 Mehrheit. Bisher: Hoppe(natlib.). Otterndorf-Neulmus. 5?a9crkamp(Soz.) 13 771, Frhr. v. Richthokcn (Varl.) 9697, Dr. Hahn(Bdl.) 8139, Decken lWclfe) 2839, zer- fplittcrt 19. Stichwahl: Haverkamp(Soz.) 15 369. 9. Richthofcn(Natl.) 16517. Gewählt: 9. Richthofen(Siatl.). Bisher: Dr. Hahn(Bd. d: Ldw.). Westfalen. Minden-Lübbcckc. Sielermann(Kons) 9245, Kiel(Vp.) 9163. Litzinger(Soz.) 7391, Rüter(Wirtsch. Va.) 3494, zersplittert 4. Gewählt: Kiel(Vp.). Lü-her: Siclermanu(Kons.). Herford-Halle. Hoffmann(Soz.) 9918, Meyer(Natl.) 6827, Dr. Skeumann(Kons:) 6142, Wallbaum(Christl.-Soz.) 6962, zer- splittert 12. Stichwahl: Hoffmann(Soz.) 19 873, Meyer(Natl.) 17 612. Gewählt: Meyer(Natl.). Bisher: Dr. Contze(Natl.). Virlefeld-Wiedenbriick. Graf Posadowsky-Wehner ib. k. Fr.) 21 114, Scvering(Soz.) 17 287, Dr. Schepp(Vp.) 4825, zersplittert 7. Gewählt: Posadowsky(b. k. Fr.). Bisher: Sevcring(Soz.). Hamm-Sorst. Wiedeberg(Z.) 13 423, Schulenburg(Natl.) 9313, Husemann(Soz.) 0023, v.raub(Vp.) 6598, Chociszewski(Pole) 393, Bör(Wirtich. Bg,) 65, zersplittert 1. Gewählt: Schulenburg Gtatl.). Bisher: Wiedeberg(Z.). Hcffen-Nassau. Wiesbaden. Lehmann(Soz.) 15 222, Aartling(Natl.) 19 421, Sturm (Vp.) 8022, v. Klöden(b. k. Fr.) 7089, Wilhelmi(Kons.) 598, Klirrender(Chr.-Soz.i 274, zersplittert 19. Stichwahl: Lehmann(Soz.) 18 524. Bartling(Natl.) 23 958. Gewählt: Bartling Natl.) Bisher: Lehmann(Soz.) Weilburg-Limburg-Diez. Neu(Kons.) 10 649, Bepp(Natl.) 7508, Zimmermann(Soz.) 3604, Schuster(Vp.) 1208, zersplittert 15. Gewählt: Hepp(Natl.) Bisher: Buchsieb(Stall.) Dillcnburg-Oberwesterwald. Burckhardt(Chr.-Soz.) 19 216, Loh- mann(Natl.) 5614, Fresenius(Vp.) 4973, Marcke(Soz.) 2962, zersplittert 29. Gewählt: Burckhardt(Chr.-Soz.) Bisher: Burckhardt(Chr.-Soz.) Rinteln-Hosgeismar. Herzog(Dtsch.-Soz.) 7912, Grzesinski(Soz.i 6258, Hebel(Natl.. 6104, zersplittert 1. Gewählt: Herzog(Dtsch.-Soz.). Bisher: Herzog(Dtsch.-Soz.). Kassel-Melsungen. Hüttmann(s-oz.) 21 814, Dr.«Schröder(Natl.) 13 342, Lattmann(Wirtsch, Vg.) 9374, Breithaupt(Rp.) 251, zersplittert 6. Stichwahl: Hüttmann(Soz.) «Schröder,(Sdatl.) Gewählt: Hüttmau»(Soz.) 899 Stimmen Mehrheit. Bisher: Lattmann(Wirtsch. Vgg.) Frihlar-Hombcrg-Zicgenhaiil. Henningsen(Dtsch.-Soz.) 7453, Hefter- mann(Bbd.) 4338, Dr. Laporte(Vp.) 1914, Trischmann(Hess.- Thür. Bauernpartei) 1207, Jordan(Soz.) 1927. Gewählt: H estermann(Bbd.) Bisher: Liebermann 9. Sonnenberg(Wirtsch. Vg.) Eschwcgc-Schmalkalden. Thöne(Soz.) 11313, Raab(Wirtsch. Vg.) 6522, Ohr(Vp.) 5891. zersplittert 6. Stichwahl: Thöne(Soz.) 12 874. Raab(Wirtsch. Vg.) 19 827. Gewählt: Thöne(Soz.). Bisher: Raab(Wirtsch. Vg.) Marburg-Kirchhain. v. Gerlach(Dcmokr. Vg.) 6151, Rupp(Wirtsch. Vg.) 5025, Bredt(Rp.) 3546, Boecke!(Antis.) 2686, Dichl(Soz.) 1199, zersplittert 9. Stichwahl: Gerlack Dem. Vg.) 8934. Rupp(Wirtsch. Vg.) 11 925. Gewählt: Rupp«Wirtsch. Vg.) Bisher: Böhme(Bbd.) Hersfcld-Notenburg. Werner(Dtsck. Resormp.) 484l. Schnabrick (Soz.) 3593, Drinnenbcrg(Z.) 3292, Fiedler«Vp.) 3932, Rudloff (Heff. Bpt.) 2514, zersplittert 3. Stichwahl: Werner(Tisch. Ref.) 11717. «Schnabrich(Soz.) 4279. Gewählt: Werner(iLEch. Ref.) Bisher: Äcrncr(Dtscy. Ref.) Nhcinland. Wehlar-Altcnkirchcn. Behren?(Wirtsch. Bgg.) 13 991, vom Rath (Statl.) 5318, Kremser(Soz.) 4471, Proi. Schlotzmann(Vp.) 3646. Schindler(Kons.) 2129, zersplittert 13. Gewählt: Behrens l Wirtsch. Vgg.). Bisher: Behrens(Wirtsch. Bgg.). Ottweiler-St. Wendel, v. Schubert(Natl.) 18 628, Koßmann(Z.) 29 102, Fabcr(Soz.) 1627, zersplittert 21. Gewählt: Kostmann Z.). Bisher: 9. Schubert lüatlib.). Krcuznach-Tiiiimcrn. Paasche lNatl.) 19 637, Lücke(Bdl.) 19199, Krüger(Vp.) 1717, Müller(Soz.) 1541, Grostcclwing(b. k. F.) 216, zersplittert 16. Gewählt: Paasche(natlib.). Bisher: Paasche«naililO. Saarbrücken. Bassermann(Natl.) 25 198, Sauermann(Z.) 24 228, Leimpetcrs(Soz.) 4157, zersplittert 2. Gewählt: Baffcrmanu(natlib.). Bisher: Boltz(natlib.). I�önigreieb Kayem. Landau-Steusladt. Dr. van Calker(Natl.) 11652, Dr. Dinger (Bauernb.) 19 369, Hubcr(Soz.) 8442, zersplittert 1.— Gewählt: Dr. v. Calter(Natl.). Bisher Hubcr-oz.). Gcrmersheim. Richter(Z.) 8129, Cronauer(Natl.) 6295, Körner (Soz.) 2690, Helck(Bauernb.) 2188, zersplittert 1. Gewählt: Richter(Z.). Bisher: Spindler(Z.). Zweibrücke». Gocring(Z.) 11 722, Lützel(Natl.) 19 958, Keidcl (Soz.) 8564, Schneider(Bauernb.) 1248, zersplittert 3.— Gewählt: Lützel(Natl.). Bisbcr: Göring(Z.). Kronach. Dr. Pfeiffer(Z.) 19 797, Scelmann(Soz.) 6669, Dr. Kühn(Vp.) 4981, Frhr. v. Düngern(Bauernb.) 1485, zersplittert 8. Stichwahl: Dr. Pfeiffer(Z.) 12 499. Scelmann(Soz.) 11981. Gewählt: Tr. Pfeiffer«Zcntr.). y Bisher: Dr. Pfeiffer(Zcntr.). Tchweinfurt. Schwarz(Z.) 19 482. Säcklcr(Soz.) 5618, Lorenz «Natl.) 4881, Pricger(Bdl.) 476, zersplittert 39. Stichwahl: Schwarz(Z.) 11 899, Säcklcr(Soz.) 9789. Gewählt: Schwarz(Z.). Bisher: Holzapscl(Z.). Würzburg. Dr. Thalcr(Ztr.) 9373, Hübsch(Vp.) 6483, Schmitt (Soz.) 7226. zersplittert 13. Stichwahl: Dr. Thalcr(Z.) 19 754, Schmitt(Soz.) 12 474. Gewählt: Schmitt(Soz.,. Bisher: Tr. Thalcr(Z.). Augsburg. Wörlc(Z.) 17265, Rollwagen(Soz.) 19 898, Höber (Vp.) 8419. zersplittert 4. Gewählt: Wörlc(Z.). Bisher: Kalthos(Z.). Jmmeuftadt. Eniminger(Z.) 12 495. Tr. Thoma(Natl.) 19 928, Gölzcr(Soz.) 3553, zersplittert 7. Gewählt: Tr. Thoma«Natl.). Bisher: Tr- Thoma(Siatl.). I�ömZmd? Sachfcn. Löban-EberSbach. Kractzig(Erz.) 12 316. Wehrmann(Natl.) 5749, Focrftcr(Kons.) 3655, Tr. Rahn(Vp.) 3425, zersplittert 19.— Stichwahl: Kractzig(Soz.) 13 478, Wehrmann(natlib.) 12181. Gewählt: Krachig(Soz.). Bisher: Tr. Weber(natlib.). Bautzen. Graefe(Wirtsch. Vgg.) 13 354, Buck(Soz.) 11 412, Puder (Vp,) 7889, zersplittert 4. Gewählt: Graefe(Wirtsch. Vgg.). Bisher: Graefe(Wirtsch. Vgg.). TrcSden-Altstadt. Tr. Hcinzc«Natl.) 23 149, Dr. Gradnauer(Soz.) 23 958, Erzbcrger(Z.) 677, zersplittert 14. Stichwahl: Dr. Hcinze«Natl.) 24 155. Tr. Gradnauer«Soz.) 24 991. Gewählt: Tr. Gradnauer(Soz.). Bisher: Dr. Heinze(Siatl.). Frcibcrg. Wendel(Soz.) 11 972, Dr. Wagner(Kons.) 6911� Dr. Kuel;(Siatl.) 6915, zersplittert 4. Gewählt: Wendel(Soz.). Mit 24 Stimmen Mehrheit. Bisher: Dr. Wagner(Kons.). Oschab-Grimma. Lipinski(Soz.) 11217, Dr. Gicse(Kons.) 19 339, Tr. Jahn(Vp.) 4531, zersplittert 3. Gewählt: Dr. Giese(Kons.). Bishpr: Dr. Giese(Kons.). Stadt Leipzig. Junck(Natl.) 13 199, Cohen(Soz.), 17 525, Wange- mann(Wirtsch. Vgg.) 3424, Erzbcrger(Z.) 193, zersplittert 55. Stichwahl: Junck(natlib.) 21 776, Cohen(Soz.) 18 991. Gewählt: Junck(natlib.). Bisher: Junck(natlib.) Borna-Pegau. Ryst'el(Soz.) 11 566, v. Liebert(Rp.) 7331. Nitzschle (Natl.) 7217, zersplittert 12. Gewählt: v. Liebert(Rp.). Bisher: v. Liebert(Rp.).' Baden. Konstanz-Nebcrlingen. Diez(Z.) 14 523. Schmid(Natl.) 11 629, Grohhans(Soz.) 3172, zersplittert 5. Stichwahl: Diez e n unu � u i* m u ii u jur Zentrum.stimmen. Austerdem verpflichteten sich die natic liberalen Führer im Wahlkreis Düsseldorf Parole gegen den Sozialdemokraten a zugeben. Köln bleibt ausgeschaltet, Ter Kampf itm das deritschc Nom. Aus Äoln wird uns telegraphiert: Der Kölner nationalliberale Verein und der Verein der natio- nalliberalen Jugend haben Wahlfreiheit in dem Kampf zwischen Zentrum und Sozialdemokratie be- schlössen. Zu den Versammlungen hatten nur Mitglieder gegen Legitimation Zutritt. In der Versammlung war eine er- drückende Mehrheit für den Zusatz vorhanden:„Keine Stimme dem Kandidaten des schwarzblauen Blocks"; aber aus örtlichen parteitaktischen Gründen sah man von dieser Form der Parole ab. Tie rechtsstehenden Nationalliberalen, die Geldgeber der Partei, haben mit ihrem Austritt gedroht. So liest man es bei der Frei-- gäbe, die einstimmig beschlossen wurde. Tie Forderung der Rechtsstehenden, eine Parole für das Zentrum auszugeben, fand keine Erwähnung. Das Zentrum hatte den Kölner National- liberalen angeboten, ihnen in Duisburg, Bochum-Gelscn- k i r ch e n, Wiesbaden, Duüerstadt-Göttingen und Eisenach nachdrücklichst zu helfen. Dafür sollten die Naiional- liberalen in Köln, Düsseldorf und Essen für das Zentrum ein- treten. Ferner verpflichtete sich das Zentrum, den Wahlkampf in Saarbrücken so abzuschwächen, daß die Wahl Bafsermanns ge- sichert wäre. Dieses Angebot wurde von der Ver° sammlung mit Hohngclächtcr und Fützetrampcln aufgenommen. Ferner hat das Kölner Zentrum den Libe- ralen Zugeständnisse auf kommunalem Gebiete gemacht, was aber in der Versammlung keine Erwähnung fand. Wie sehr das Zen- trum schon mit dem Verlust von Köln rechnet, geht aus folgen- dem hervor: Es sollten mehrere klerikale Wahlvorsteher und Bei- sittcr am Montag während der Wahlhandlung sich gescvwidrig aus dem Wahllokal entfernen, um so eine» Grund für die lkngültig- keit der Wahl zu schaffen. Unsere Kölner Parteigenossen erhielten aber Kenntnis von diesem schurkischen Plane und haben ihn sofort der Oeffcntlichkcit mitgeteilt. Zum morgigen Sonntag hat das Zentrum den Grafen Posa- dowsky nach Köln zitiert, wo er in einer Zentrumsversammlung für Drimborn sprechen wird. » Klerikale Wahlmache. Nachstehenden Brief hat, der„Köln. Ztg." zufolge, der Erz- Priester von Diedcnhofen, Vagner, an die Geistlichen des Wahl- bezirks Tiedenhosen-Bolchen versandt, wo am 22. d. Mts. Stichwahl zwischen dem ZcntrumSkandidatcn und dem Lothringer statt- findet: Herr Pfarrer! Die erste Abstimmung hat zwar nicht das ge- • wünschte Resultat ergeben, aber sie hat uns gezeigt, dah wir es erhoffen dürfen. Wir bitten um Ihre wertvolle Hilfe bei der iL Stichwahlabstimmung am nächsten Montag. Wir bitten Sie in- f? ständigst: 1. Eine Wahlversammlung in jedem Orte Ihrer Pfarre für den nächsten Samstag oder Sonntag zusammenzu- berufen, und zwar zu einem so weit wie nur möglich hinaus- geschobenen Zeitpunkt, damit unsere Gegner die gute Saat, welche ' Sic ausstreuen, nicht mit ihrem Wein und Bier ertränken können. 2. Diesen Sitzungen anzuwohnen und dort das Wort zu er- greifen, um Ihre Pfarrkinder zu belehren. Diese persönliche Be- lchrung durch den Geistlichen ist notwendig, weil die Leute durch die Zeitungen und sogar durch katholische Blätter in die Irre gc- führt worden sind. 3. Sich durch gefällig« Nachbarn helfen zu lassen, wenn Sic es für nützlich oder nötig erachten, die Hilfe Ihrer Nachbarn zu erbitten. Gegebenenfalls auch Ihrerseits Ihre Dienste denjenigen . Ihrer Nachbarn anzubieten, die dieser Dienste bedürfen: z. B. ' bejahrten kränklichen Priestern... Uns so schnell wie nur mög- , sich �ix Dörfer zu bezeichnen, in welchen der Geistliche derartige Wahlversammlungen nicht zusammcnbcrufen kann oder will, da- mit�ou: alsdann, wenn möglich, jemanden dahin entsenden können. WirVcrfügen noch über einige Redner. ' i 4. Tic Stimmzettel wie das erstemal verteilen zu lassen. 5. Darauf zu achten, daß jedes Ihrer Pfarrkinder zur Wahl geht. Man muß dieses Mal zu de» Urnen führen Claudum et novissimurn in Israel iden Krüppel und den letzten Mann in Israel). Die Wahl während der Stimmenabgabe überwachen zu lassen, ganz besonders im Augenblick der Stimmenzählung. Uns sofort durch beigefügte Postkarte das Resultat mitzuteilen. Vorwärts für die gute Sache. Für da? Komitee: Vagner, Pfarrer von Tiedenhofen. Tic einheitliche Taktik des Hansabundcs. Im Wahlkreise Sagan-Sprottau, wo der Sozialdemo. krat mit dem Konservativen in Stichwahl steht und der Liberale den Ausschlag gibt, hat die Ortsgruppe Frciwaldau des Hanfabundcs beschlossen,„angesichts des Ernstes der Situation sich einzig und allein von nationalen Gedanken leiten zu lassen, Mcinungsvcr- tchiedenhcitcn beiseite zu stellen und bei der Stichwahl für den konservativen Herrn v. Bolko zu stimme n". Selbstverständlich wird dieser Beschluß von der reaktionären »Schief. Ztg." auf das freudigste begrüßt. Hansabund und Landbündlcr. Im Wahlkreise Schwarzburg- Sondershausen unierstützen Hansabund und Bund der Landwirte gemeinsam den nationallibcralcn Kandidaten Bärwinkcl. Ein Telegramm aus Eondershausen meldet uns: ...Hansabund und Bund der Landwirte liegen sich in Schwarz- biirg-Soudershausen in den Armen. Beide unterstützen den natioualliberalcn Verteidiger der Kalischmicrgcldcr, Herrn Bär- Winkel." » Tas Zentrum für Wahlkncchtschaft der Beamten. Die„Köln. Volksztg." schreibt: „Während bekanntlich die einzelnen Rcichsämtcr vor der Stimmabgabe für einen Sozialisten gewarnt haben, hat die im Auftrage des Kaisers und des Reiches amtierende elsaß-lothrin- gischc Regierung sich nicht nur jeder Kundgebung gcgeu die Sozia- listen ängstlich enthalten, sondern es konnte ein seither durch die Regierung in die Erste Kammer berufener Politiker neulich durch ein Zirkular verkünden, man habe an maßgebender Stelle gar- nichts dagegen, daß die Beamten für den Sozia- listen stimmen." Ter Zweck der Ttichwahl-Anarchie wird aus folgender Hanauer Meldung des„Verl. Lok.-Anz." klar: Der Landeausschuß der Teutschsozialen Partei für Kurhessen beschloß: Wählt die Fortschrittliche Volkspariei am Sonnabend den Deutschsozialen Kandidaten Raab in Eschwege nicht, dann prokla- micrt die Deutschsozialc Partei für die am Montag in Weimar, Meiningen, Nordhauscn und Frankfurt a. M. stattfindenden Stichwahlen strikteste Wahlenthaltung und läßt die fortschrittlichen Führer E n d c r s, Dr. M ü I l c r- M c i n i n g c n und O c s e r in Frankfurt durchfallen/ � Die Auscinanderzerrung der Stichwahlen soll nur der Rechten Erpressungen ermöglichen. Tie sozialdemokratische Wahlparole für Hannover. Für die im 5.. 7.. 15. und.16.. hannoverschen„Wahlkreis nötigen Stichwahlen zwischen Nationallibcralcn und Welsen gibt der Vorstand der sozialdemoira: ischen Landesorganijation der Provinz Hannover, gezesckmet Bretz, Dörnke, Leinert folgende Parole aus: Keine«nmme den scharfmacherischen, agrarschutz- zöllnerischcn Nationallibcralcn; Unterstützung der Deutsch- Hannoveraner— von deren Kandidaten keiner dem schwarzblaucn Block angehört hat— unter der Voraussetzung vorheriger Anerkennung unserer Jenaer S t ich w a hlb e d i n- g u n g e n; andernfalls strengste Stimmenthaltung. Ein konservatidcr Nationallibcraler. � Für die Stichwahl im Kreise Stendal- O st crburg zwischen dem Konservativen Hocsch und dem nationallibcralcn Fuhrmann gibt die Sozialdemokratie die Parole aus, sich der Stimmabgabc strikte zu enthalten. Ter nationallibcrale Fuhr- mann hat es abgelehnt, die Jenaer Stichwahlbcdiugungen anzu- erkennen und sich im besonderen geweigert, eine Erklärung ab- zugeben, daß er gegen eine Verschärfung der' sogenannten poli- tischen Paragraphen des Strafrechts und des Koalitionsrcchts- Paragraphen sei.— Diese Haltung des Herrn Fuhrmann ist in Anbetracht seiner Stellung als Generalsekretär der National- liberalen überaus bezeichnend. In den Armen liegen sich beide. Im Wahlkreise Wiesbaden unterstützte die Zcntrumspartci bei der Stichwahl den nationalliberalen Kandidaten. Auf Ersuchen des Chefs der rheinischen Zentrum spartci, Herrn Justizrat T r i m b o r n, gab sie die Parole aus: Jede Sttmnie deni nationallibcralen Kandidaten Eduard Bart- ling! Tie geschriebenen Stimmzettel des Herrn v. Richthofen. Eine eigenartige Fürsorge für seine Angestellten und Ar- beiter hat der Landtagsabgcordnete Freiherr v. R i ch t- ho sc n- Mc r t sch ü tz bei der Rcichstagswahl an den Tag gelegt. Er hat. wie dem„Janerschen Stadtblatt" geschrieben wird, dafür Sorge getragen, daß seine Leute nicht die gedruck- t e n, sondern von ihm höchst eigenhändig geschriebene Stimmzcttcl mit dem Namen des konservativen Kandidaten erhielten. Damit hat der Herr Landtagsabgeordnete von Rickthofcn- Mertichiitz eine ganz bestimmte Absicht gehabt, denn er war WabI- Vorsteher. Auf diese Weise hatte er eine untrügliche K o n Tr o l l e darüber, wieviel von- seinen Angestellten„g u t" und wieviel„s ch l e ch t" gewählt haben. Die fehlenden geschriebc- ncn Stimmzettel sagten ihm, wieviel„räudig c" Schafe er unter seinen Leibeigenen hat. So wird das„geheime" Wahlrecht auf dem Lande gehandhabt. Nkllgmöhlte Sockldkmolirlitc». In der Hauptwahl sind 64 Sozialdcrnoferaten gewählt worden. Sonnabend wurden gewählt: Löbau(Sachsen) Freiberg(Sachsen) Dresden-Altstadt Rostock Würzburg Cassel Eschwege Hameln-Linden Krätzig Wendel Gradnaucr Dr. Herzfeld Schmitt Hüttmann Thöne Fischer Die vier letztgenannten Kreise waren noch nicht im Besitze der Sozialdemokratie. Die Ziffern der Ifjauptwalssen. -In der letzten DienStagsnummer(Nr. 12) teilten wir die von den einzelnen Parteien bei der Hauptwahl errungenen Stimmen- zahlen»ach den vorläufigen amtlichen Ermittelungen mit. Jetzl vcröffeinlicht der„ReichSanzeiger" die endgültigen Ziffern, die mannigfache Abweichungen von den vorläufigen Zahlen aufweisen. Nack der endgültigen Zählung haben erhalten: sDic Zahlen von 1907 sind zum Vergleich gegenübergestellt.) Parteien 1912 Konservativ...... 1 129 274 Rcichsparlei...... 370 387 Wirtschaftliche Vereinigung und zwar: Deulsck-sozial..... 47 391 Ehrffrlich-sozial.... 103954 Bund der Landwirte,. 58 998 Deutsche Reformpartei.. 51 928 Sonstige....... 94 104 Bayerischer Bauernbund.. 48 219 Zentrum....... 2 035 299 Polen........ 441 739 Nationalliberal..... 1072 619 Dcuischer Bauernbund Fortschrittliche Volkspartei Demokratische Vereinigung Sozialdemokralen... Elsässer....... Loibringer...... Welsen....... Liitaucr....... Dänen....... Wilde....... Unbestimmt..... Zersplittert.....■ 29 148 1528 886) 29 444/ 4 250 329 68 565 1 36 350 j 90 607 6 227 17 289 48 6381 37 854/ 9 855 1907 1 060 209 471 863 472 530 76107 2 179 743 453 858 1 037 048 1 233 933 3 259 020 103 620 78 232 4 221 15 425 208 942 8018 Summe... 12 206 898 11262 775 Tie Anzahl der Wahlberechtigten betrug: 14 441 777(1907: 13 359 698). Gültige Stimmen wurden abgegeben: 12 206 808(1907 11262 775). Demnach Wahlbeteiligung: 84,5(gegenüber 84,7 Proz. bei der Wahl 1907). Danach stellt sich die Stimmenzählung noch günstiger für die sozialdemokratische Partei. Sie hat nicht annähernd 4'/� Millioncii Stimmen, sondern tatsächlich mehr als Millionen Stimmen erhalten; dagegen find auf die konservative Partei ungefähr 20 900 Stimmen weniger gefallen, als die erste Zählung angab. flolitilebe deberllckt. Berlin, den 20. Januar 1912 Bis anS Portemonnaie! In Preußen geltcy bclauntlich die Beamten nttd noch mehr die Offiziere als die unciitwegteslcn Träger des Patriotismus, und wehe dem, der sich erlauben wollte, daran zu zweifeln.. Nun aber hat die preußische Regierung, wie man weiß, dem Landtage ein neue? Sicucrgesctz vorgelegt. Darin wird unter onderm vorgeschlagen, solche preußischen Staatsbürger, die dauernd im Auslande leben, schon nach 6 Mouateit— statt, wie bisher, nach 2 Jahren— von der Stcuerpflicht zu befreien. Zur Begründuug dieses Vorschlages gibt die Regierung au, daß der int Ausland lebende Preuße ja schon dort seine Steuern zahlen müsse und daß es unbillig sei, ihn doppelt zu besteuern. DaS läßt sich gewiß hören und gegen den Vorschlag wird nichts einzuwenden sein. Aber bei dieser Gelegenheir erfahren wir auS dem Münde der Regierung, daß sich durch das lange Zahlen ans Vaterland besonders„bisherige preußische Beamte, Offiziere und Lehrer" belästigt fühlen, weil sie im Auslande oft Stellen mit festem Gehalt bekleiden, dessen Höhe den preußischen Sleuerbehörden meist genau bekannt ist. Und wie pflegen nun diese hervorragenden Stützen des Patriotismus sich der Steuerpflicht gegen das Vaterland zu entziehen? Die Regierung sagt darüber: „Diese Verhälinissc hoben wiederholt dazu geführt, daß im Auslände lebende Steuerpflichtige, um der Stetterbelastung zu eut» gehen, ihre En tl a f fu n g aus dem preußischen Staats- verbände nachgesucht haben, was im Interesse dc§ Zu» sanimcnhalts dcS Deutschtums im Auslände natürlich höchst rnt« erwünscht ist." Man verstehe uns recht: auch wir halten die doppelte Be- stcuerung für ungerecht und wir verdenken es den davon Betroffenen keinen Augenblick, daß sie jedes Mittel ergreifen, um sich von der ungerechten Last zu befreien. Aber wenn bisherige preußische Be- amte und Offiziere so ohne weiteres, lediglich aus Porte- wonnaie-Jntcreffen, ihr Deutschtum an den Nagel hängen, so beweist das wieder einmal, daß gerade in den Kreisen, die uns hier zu Lande mit dem Gerede von Patrio- tismuS, von Aufopferung für Vaterland, von der Notwendigkeit, die deutsche Nationalität hochzuhalten, bis zum Ueberdrutz füttern— daß gerade in diesen Kreisen der Patriotismus eben nur bis an das Portemonnaie gehl._ Allzu demokratisch? Das„Berk. Tagebl." bringt an der Spitze seiner Rubrik „D e u t s ch l a n d" folgende- Notiz: Nach gegenseitigem Ucbercinkommen legt Herr Oberst a. D. G ä d k e Ende Februar dieses Jahres seine Tätigkeit am»Berk. Tageblatt" nieder. Allem Anscheine nach sind Zwistigkeiten zwischen dem Chefredakteur des„Berl. Tagcbl.", Herrn Th- Wolff, und Herrn Gädke ausgebrochen, da letzterer, der unterlegene Kandidat der Demokratischen Vereinigung im ersten Berliner Wahlkreis, in der Stichwahl für die Wahl Düwclls eintritt, während Herr Wolff in seinem Blatt für die Wahl Kaempfs plädiert. Ter Kampf des Zentrums für die christliche Moral und Kultur. Immer mehr häufen sich die Nachrichten, daß da? Zentrum al? Vertreterin der katholischen Ethik bei den Hauptwahlen in der rohesten Weise gewütet hat. Seine vtirch Pfarrer und Kapläne auf- gehetzte stupide Anhängerschaft hat in vielen stockkatholischen Gegendett die sozialdemokralischen Stimmzettelverteiler zur höheren Ehre des KlerikaliSmuS geradezu brutal mißhandelt. Zu den schon mitgeteilten verschiedenen„Fällen" liefert unser Düsseldorfer Parteiblatt eiiicu neuen Beitrag. Ein' Genosse, der am 12. Januar in Griethausen (Negicrungsbezirl Düsseldorf) sozialdemokratische Stimmzettel vor- teilte, schildert seine Erlebnisse auf dieser Stätte der ZentrinnSlultur folgendermaßen; „In der.Schankwirtichaft des Herrn Osw. Pitz, wo sich auch das Wahllokal befand, stellte ick mich enn 12. Januar, vormittags 11 Uhr, auf und verteilte Stimmzettel an die sich in das Wahllokal begebenden Personen. Die Wähler, welche es an böswilligen Redensarten und Schimpfereien nicht fehlen ließen, rissen die Zettel vor meinen Augen entzwei. Um 1 Uhr verbot mir der Wirt, welcher auch nebenbei Stimmzettelverteiler der ZentrumSpartei war, auf Anweisung des Wahlvorstandcs das Lokal mit den Worten:„Wir haben keine Zettel von Euch nötig, hier wird nur Zentrum gewählt!" Alsdann stellte ich mich vor die Tür. Jetzt sammelte sich die gesamte Schuljugend riebst Frauen und Bauern des Dorfes vor dem Lokale an. Schimpf- ivorte wie„Roter Lump",„Sozi" warf man mir an den Kopf. Als man mich mit dem Geschimpfe itnd Gejohle nicht vertreiben konnte, fing man an, mich mit Kot, Steiucn und dergleichen zu werfen und übergoß mich mit Wasser! Aber auch jetzt hielt ich noch aus. Einen Schutzmann, welcher vorbeikam, bat ich um Schutz und er- suchte ihn, die aufgeregte Menge ztt zcrstrenen. Aber der Schutz- mann erklärte mir:„Mit sowas kommen Sie hier nicht durch, gehen Sic lieber dahin, woher Sie gekommen sind!" Der Schutz- mann setzte sich aus sein Fahrrad tmd fuhr davon.— Nachdem die Menge sah, daß der Schutzmann nicht einschritt, johlte und lärmte sie wie eine Jndiancrrote. Es hagelte Sieinwürfe und der- gleichen. Aus der Menge wurden Rufe laut, wie der Herr Pastor hat gesagt:„Treibt die roten Sozis aus dem Dorfe heraus" und„Warte nur, wenn es dunkel wird, schlagen wir Dich tot" usw. Um'/„O Uhr, als es anfing dunkel zu werden, wurde die Bande handgemeni. Ich flüchtete zurück in den HanSflnr. Nun stürmte die Menge mit Knüppel bewaffnet herein und drängte mich weiter zurück bis in das Lokal. Man schrie dabei fortgesetzt:„Heraus mit dem roten Lump. Wir schlagen ihm die Knochen kaput!"— Meinen Bitten nachkommend, ließ mich die Wirtin zur Hintertür hinaus. Aber kaum betrat ich die Straße, iv ströntteit auch schon die Bauern herbei. Nun ging eine Hetze los auf Tod oder Leben! Etwa zwanzig Mann, mit Kmütelit, Mistgabeln und dergleichen bewaffnet, stürmten int Lausschritt 40—59 Schritt hinter mir her. So ging es dahin über die menschenleere Landstraße dem Dorfe Kellen zu. Ungefähr 10 Minuten dauerte die Jagd. Schweißtriefend und todmüde konnte ich mich noch ivcitcrichleppcn und mußte dabei unwillkür- lich über„christliche Erziehung" und„katholische RcligionZlehrc" nachdenken." Ein nettes Beispiel für den kulturellen Einfluß des KlerikaliS- muS auf die ZentrumSgefolgschaft.„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen I"___ Christlichsoziale Wahlpraktike». Ter geschäftöführcndc Ausschuß der nationallibcralen Partei im Wahlkreis Dillcnburg verbrenet ein Flugblatt, worin auf den 1908 verübten Versuch hingewiesen wird, durch gefälschte Telephon- gespräche cmige Wahlmänncr des Herrn Dr. Lohmann von der Wahl fernzuhalten. Nach dem Flugblatt ist jetzt festgestellt, und kann durch Zeugen bewiesen werden, daß diese Fäljchung von dem christlichsozialeü Herrn Volland und den christlichsozialcn Partei b c am t c n Rüfscr und Ostchr ausgegangen ist. Tic Aussage dcS betreffenden Zeugen lautet: „Ich gehörte bis zum Jahre 1998 der christlichsozialcn Partei an. llnmittelbar vor der LandtagSwahl 1906 wurde ich zu einer Beratung zugezogen, die auf dem Bureau dieser Partei in Dillen- bürg in Gegenwart des Herrn Bollaitd(Bund der Landwirte), dcö christlichsozialcn Generalsekretärs Rüffer und des Redakteurs Ostchr stattfand. Alle drei berieten darüber, wie man national- liberale Wahlmänncr dem Wahlakt fernhalten könne.?Nan ver- anlaßte mich schließlich, gegen eine Barzahlung von 25 M. von Uckersdorf aus am Morgen des Wahltage? an den Gastwirt Zerd. Selzer in Hörbach, den Pfarrer Bingel in Dreifelden und den Lehrer Hof in Beilstein(drei nationalliberale Wahlmänner) zu telephonieren, die Herren möchten nicht nach Driedorf gehen oder fahren, da sie mit dem Auto eines nationalliberalen Wahl- mannes abgeholt würden. Ferner mutzte ich 1ö bis 20 Briefe an nationalliberale Wahl- männer, meist Bürgermeister, schreiben des Inhalts, sie möchten doch nicht für den Nationalliberalen Dr. Lohmann stimmeu, seine Sache stehe aussichtslos. Unterzeichnet wurde der anonyme Brief:„Ein liberaler Verwaltungsbeamter." Festgestellt wurde der Text in gemeinsamer Zusammenarbeit von den Herren Volland� Rüffer und Ostehr. Es war davon die Rede, datz diese Briefe in Marienberg zur Post gegeben werden sollten. Ferner wurde überlegt, wie man die Wahlmänner: Prozetz- agent Nicodemus in Herborn und Lehrer Gimbel in Rodenroth bei Driedorf von der Wahl fernhalten könne. Der Plan, auch diese beiden telephonisch anzurufen, wurde verworfen und be- schloffen, aus dem Siegerland Telegramme an sie aufzugeben, die geeignet wären, sie zu Hause zu halten. Wie das ausgeführt worden ist, weitz ich nicht bestimmt, wenn ich aber nicht sehr irre, ist Herr Ostehr an die Sieg gefahren, um die Telegramme aufzu- geben. V. g. u. Unterschrift. Aufgenommen in Gegenwart der Herren 1. Dr. Fr. Heusler, Dillenburg, 2. Hermann Stiehl, Dillenburg durch Herrn Amtsgerichtsrat Dr. Walter Lohmann. Die Telegramme lauteten: Weidenau 17 W. 16. 16. 7,46 Uhr Prozetzagent NicodemuS Herborn Treffe wegen Prozetzsache 16,53 dort ein fahre weiter 1,46 bitte anwesend sein. K. Klein, Fabrikant. Lehrer Gimbel, Rodenroth bei Driedorf Geisweid 19. W. 1968 den 16. 6. um 7,15 Uhr V. Unser Vertreter trifft 16. gegen 11 Uhr dort ein, bitte anwesend sein. Raiffeisenverband. Im Wahlkreis Dillenburg, in dem die Nationalliberalen jetzt diese Wahlfälschungsversuche der Christlichsozialen aufdecken, steht der bisherige Christlichsoziale Abg. Dr. Burckhardt in Stichwahl mit dem Nationalliberalen Lohmann. Fortschrittler und Sozial- demokraten geben den Ausschlag. Hohe Getreidepreise— vermehrte Verbrechen. Der bekannte Sirafrechlslehrer an der Königsberger Universttät, Professor Kohlrausch, hielt dieser Tage in Königsberg in der Gesell- schaft für soziale Reform einen Vortrag über»Sozialpolitik und Strafrechtsreform", in dem er u. a. ausführte: »Es handelt sich nicht nur darum, da? Verbrechen zu bestrafen, sondern auch zu bekämpfen. Diesen Zweck hat das bisherige Strafrecht nicht erreicht. Die Zahl der Kriminellen ist ständig gestiegen, von 1882 bis 1969 von 316666 auf 567 666. In dem gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Wieder- bestraften um 263 Proz. Die Strafe hatte nicht von der Begehung neuer Straftaten abgehalten. Zu noch grötzeren Besorgnissen gibt die Zahl der jugendlichen Kriminellen von 12 bis 18 Jahren Anlatz. Im Jahre 1382 gab es 36 719 Bestrafte. 1969 schon 49 689, also 62 Proz. mehr. Dabei sind seit 1966 die Fürsorgegesetze in Kraft, nach denen jährlich 6666 Jugendliche in Fürsorgeerziehung genommen werden; ein Teil davon wäre geWitz autzerhalb der Fürsorgeerziehung straffällig geworden. Dabei nimmt die Zahl der vorbestraften Jugendlichen zu, von 1839 bis 1969 um 66 Proz. Zweifellos würden auf diese Verhältnisse Matzrcgeln der Sozialpolitik ungeheuer wirken. Eine bessere Wohnui, gspolitik würde auf die Sittlichkeitsverbrechen drücken und eine Ver- billigung der Lebensmittel auf die Diebstahls- delikte. Der Zusammenhang zwischen Getreide- p.teäsen und Kriminalität, d er vielfach bestritten worden sei. ist einwandfrei nachgewiesen." Eine Verbilligung der Lebensmittel würde also zweifellos eine Abnahme der Verbrechen bewirken. Aber keine der bürgerlichen Parteien ist für die Aufhebung der Wucherzölle auf Nahrung?- mittel zu haben. Es wird vielmehr der»lückenlose Zoll- taris" gefordert, und zwar von den Parteien. die sich als die.allerchristlichsten" hinstellen. Im übrigen hat der Professor auch weiter den Nachweis geliefert, datz die Verbrechen zum grötzten Teil in unserer unhaltbaren Wirtschaftsordnung wurzeln: wer das Volk von diesen Schulden befreien will, mutz für die sozialistische Gesellschaftsordnung eintreten.___ Ein bemerkenswertes Zugeständnis. Bei der Begründung des neuen Steuergesetzes ist der pveutzi- schen Regierung ganz nebenbei eine Aeutzerung über das Ver- hältnis zwischen direkten und indirekten Steuern ent- fahren, die festgehalten und für die gesamte deutsche Steuerpolitik nutzbar gemacht zu werden verdient. Es handelt sich um folgendes: Nach dem jetzt geltenden Steuergesctz sind solche Beamte des Reiches und des Staates,„welche im Auslande ihren dienstlichen Wohnsitz haben, von der direkten Einkommensteuer in Preutzcn befreit, jedoch nur, wenn sie in dem fremden Lande direkte Steuern zahlen. Der neue Entwurf will nun diese Auslandsbeamten auf alle Fälle von der Zahlung der Einkommensteuer in Preußen befreien. Denn— so heißt eS wörtlich in der Begründung— die jetzt gültige Bestimmung„nimmt nicht genügend Rücksicht auf die notorisch feststehende Tatsache, datz zahlreiche ausländische Staaten ihren Steuerbedarf ausschließlich oder so gut wie aus- schließlich durch Erhebung indirekter Steuern decken". Diese indirekten Steuern müsse der im Auslande'lebende Beamte in ihrem ganzen Umfange zahlen, und deshalb könne man nicht verlangen, daß er außerdem noch in Preußen direkte Steuern zahle. Ist diese Beweisführung richtig— und wir Sozialdemokraten wären die letzten, sie zu bestreiten— so gilt sie nicht nur für die im Auslände lebenden Beamten, sondern noch viel mehr für die im Jnlande lebenden Proletarier. Es ist eine„notorisch feststehende Tatsache"� datz das Deutsche Reich seinen Steuerbedarf„so gut wie ausschließlich" auf in- direktem Wege deckt. Es ist weiter eine notorisch feststehende Tat- sache, datz die indirekten Steuern„so gut wie ausschlietz- lich" von den Proletariern getragen werden. Daraus folgt nach der eigenen Logik der preußischen Regierung, datz es eine Un- gcrechtigkeit ist. diese selben Proletarier außerdem auch noch mit einer direkten Einkommensteuer zu belasten. Es ist dies eine Toppelbesteuerung der skandalösesten Art. viel schlimmer, als die Lasten, d'e ein paar reiche Auslands.bcamte zu tragen haben. Und wenn die Regierung selbst die Ungerechtigkeit solcher Doppel- besteuerung empfindet, so sollte man erwarten, datz sie in ihrem neuen Entwurf die Steuerfreiheit aller Einkommen bis mindestens 2666 M. vorschlägt. Statt dessen versagt sie sich sogar den be- schcidenen Wunsch, die Steuerfreiheit bis zum Einkommen von 1266 M. auszudehnen Nach wie vor soll jeder, der nur 966 M. Einkommen hat, Steuern zahlen. Für die Beschwerden hoher Be- amten bat die Regierung ein feines Gehör, für die Klagen hungernder Proletarier ist sie taub. Wieder ein Ipionageprozest. Das Reichsgericht verurteilte den Kaufmann Holst wegen ver- suchten Verrats militärischer Geheimnisse in drei Fällen zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Lerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.� Polizeiaufsicht. Drei Monate der Untersuchungshaft wurden an- gerechnet. Der Angeklagte hatte sich längere Zeit in Kiel aufgehalten und versucht, eine Zeichnung des Forts Friedrichsort der russischen und später der englischen und französischen Regierung zu über- Mitteln. Oeltcrmcb. Sozialdemokratische Obstruktion im Gemeinderat. Gegen die Schuldenmacherwirtschaft und die Wahlreformfeind- lichkeit der deutschfreiheitlichen P r a g e r Gemeinderatsmehrheit setzten unsere Genossen eine Obstruktion in Szene, die eine 26 stündige Sitzung herbeiführte und die Mehrheit wenigstens zu dem Versprechen zwang, über eine Wahlreform verhandeln zu wollen. franftmcb. Französisch-spanische Marokkoverhandlungen. Paris, 26. Januar.(W. T. B.) Zu den französisch-spanischen Marokkoverhandlungen wird aus Madrid berichtet: Auch in der gestrigen Unterredung des französischen Botschafters mit dem Mi- nister des Aeutzeren, welcher der englische Botschafter zum ersten Male fern geblieben war, wurde keinerlei Einigung in irgendeiner wesentlichen Frage erzielt. Die beiden Diplomaten verständigten sich nur über die dem Haager Schiedsgericht zu unter. breitenden Konfliktspunkte, sowie über die Stellungen an der Küste, welche Spanien nicht befestigen soll. In der Angelegenheit der marokkanischen Schuld weigerte sich Spanien irgend ein Zugeständnis zu machen. Es wird alle Bürgschaften gewähren; dreimonatige Vorausbezahlung des Couponbetrages der Anleihen von 1964 und von 1916, Goldzahlung und Vcrbürgung des Anteils an den Zolleinnahmen in den Häfen seiner Zone. Aber es bean- sprucht nach wie vor vollständige Aktionsfrciheit in seiner Zone. Um etwaige Besorgnisse zu zerstreuen, wird Spanien sich verpflichten, keiner fremden Macht auch nur einen Punkt seiner Zone abzu- treten. Rußland. Der russische Liberalismus und die Reichstagswahlen. Man schreibt uns aus Petersburg: Der glänzende Wahlsieg der deutschen Sozialdemokratie, der in der russischen reaktionären Presse mit ohnmächtigem Zähne- knirschen aufgenommen wurde, hat in der liberalen Presse recht vernünftige Anschauungen gezeitigt. So schreibt das führende Organ deS russischen Liberalismus, das Kadettenblatt„Retsch": „Der allgemeine Sinn der Wahlen vom 12. Januar kann folgender- maßen charakterisiert werden. Im Lande ist ein ungeheurer Ruck nach links eingetreten. Wie das gewöhnlich in Deutsch- land der Fall ist, hat er die Wähler an den Liberalen vorüber in das sozialdemokratische Lager geführt. Der schwarzblaue Block ist noch nicht vernichtet, er kann aber bei den Stichwahlen zertrümmert werden. Wenn die Liberalen in der Tat seine Vernichtung an- streben, werden sie eine allgemeine Vereinbarung über die S t i ch w a h l t a k t i k mit den S o z i a l d e m o k r a- ten treffen- müssen. Wird diese Vereinbarung in den 166 Fällen, wo die„Linken" mit der„Rechten" kämpfen müssen, erreicht, so erhält Deutschland einen Reichstag, der von der konser- vativ-klerikalen Mehrheit gesäubert ist." In demselben Sinne und nur in schärferer Form äußert sich das rechtsliberalc Moskauer Organ„Utro Rossii":„Die Sozial- demokraten— schreibt es— sind die schroffsten und unversöhnlich- sten Gegner der Politik Wilhelms II. und Bethmann Hollwegs, die sich stützt auf den agrarisch-klerikalen Block mit seinen tradi- tionellen politischen und wirtschaftlichen Interessen. Es ist des- halb kein Wunder, datz die ungeheure Mehrheit der deutschen Wähler, in dem Bestreben, ihren Protest gegen die Regierungs- Politik am eindringlichsten darzutun, ihre Stimmen für die sozial- demokratischen Kandidaten abgegeben haben. Die Zeit ist eben vor- über, wo die Sozialdemokraten gemäß dem Ausspruch des über- massig impulsiven Monarchen zu den„vaterlandslosen Gesellen" gezählt wurden... Der protestierende deutsche Bürger gibt des- halb leichten Herzen» seine Stimme für die äußerste Linke ab, denn erstens sieht er darin keine Spur von„Hochverrat", zweitens ist er überzeugt, datz er dadurch auf dem sichersten und geradesten Wege eine radikale Umwälzung der unerträglichen Zustände herbei- führen wird." Hinsichtlich der S t: ch w a h l t a k t i k des deutschen Libera- liSmuS schreibt dasselbe Blatt, die Ablehnung einer Vereinbarung mit der Sozialdemokratie würde„für die gemäßigte Opposition, die bereits eine vollständige Niederlage bei den Hauptwahlen davon- getragen hat, gleichbedeutend sein mit dem freiwilligen Po- litischen Selbstmorde des deutschen LibcraliS- m u s". In dieser Aeutzerung des russischen BlatteS ist vor allem die nüchterne, realistische Auffasiung von Jnteresie, wonach der deutsche Liberalismus in seinem ureigensten Interesse mit den Sozialdemokraten bei den Stichwahlen zusammengehen müsse. Soziales. Krankenpfleger statt Heilgehilfen. Der preußische Minister des Innern hat in einem Erlatz ver- fügt, datz in Zukunft staatliche Prüfungen für Heilgehilfen und Masseure nicht mehr abgehalten und entsprechende Zeugnisse nicht mehr erteilt werden sollen. Begründet wird diese Verfügung damit, datz noch Einführung einer staatlichen Prüfung für Krankenpflege- Personen ein großer Teil der Hilfstätigkeit, die früher von den staatlich geprüften Heilgehilfen und Masseuren ausgeübt wurde, jetzt von den anerkannten Krankenpflegeperionen geleistet wird, und datz deren Ausbildung die überwiegende Mehrzahl der im Befähigungs- zeugnis der Heilgehilfen und Masseure aufgeführten Fertigkeiten in sich schließt._ NotstandSarbcitcn in Mainz. Zu Anfang des Winters wurde die Bürgermeisterei wegen der Notstandsarbeiten interpelliert; damals hieß es vom grünen Tisch aus.„die Industrie i st i m A u f s ch w u n g begriffen, vorläufig brauchen wir keine Vorsichtsm atz regeln zu treffen". Jetzt, nachdem durch die Kälte größere Arbeitslosigkeit eingetreten ist, hat man sich doch entschließen müssen, 8000 Mark für Notstands- arbeiten zu bewilligen._ Nichtige Anstcllungsverträge. Der minderjährige Handlungsgehilfe Wille hatte sich der Firma S. Gärtner u. Co. gegenüber verpflichtet, nach etwa erfolgendem Austritt aus ihren Diensten nicht zu der Firma M. Gärtner, die den gleichen Geschäftszweig. Mützen en gros, be- treibt, in Stellung zu gehen. Nach der Rückkehr von einer Reise- tour wurde dem jungen Mann von der Firma erklärt, daß er gänzlich unbefähigl sei. Er trat aus und ging, nachdem er monatelang vergeblich nach einem neuen Engagement gesucht halte, doch zu der Konkurrenzsiruia. obwohl ihm da'ür die Einziehung der Vertragsstrafe drohte. Gutwillig zahlte er d eselbe auch nicht, sondern ließ sich darum erst verklagen. In der mündlichen Ver- Zsh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlagsanstalt Handlung, bei welcher der Beklagte von seinem Bater vertreten wurde, betonte dieser, datz derartige Verträge wie der, aus dem die klägerische Firma ihr Recht herleite, nach dem klaren Wortlaut des § 74 des Handelsgesetzbuches nichtig seien. Vom Vorsitzenden wurde der Klägerin ferner aus Band 72 der Reichsgerichts- entscheidungcn ein Erkenntnis verlesen, in dem die Nichtigkeit der- artiger Verträge ausgesprochen wird. Trotzdem beharrte Klägerin auf ihrem Standpunkt, weil sie durch ihren Vertrag dem Beklagten die Existenz nicht direkt unterbinde, sondern nur von ihm verlange, datz er von den vorhandenen Hunderten Konkurrenzfirmen die eine einzige meiden solle, deren Name die Kundschaft leicht zu Ver- wechselungen veranlassen könne. Nach kurzer Beratung kam das Gericht zur Abweisung der Klage. Begründend führte der Vorsitzende aus, datz ganz abgesehen von der angezogenen Reichs- gerichlsentscheidung der§ 74 des Handelsgesetzbuches schon die Ab- Weisung der Klage bedinge._ Hus Induftric und Handel. Auf dem Wege zum deutschen Braunkohlenmouopol. Gegenüber dem nun entschiedenen Frage- und Antwortspiel: Geht der preußische Staat ins rhcinisch-wcstfälische Kohlensyndikat oder nicht— er ging!— ist eine bedeutungsvolle Transaktion in der mitteldeutschen Braunk�ohlcnindustrie Verhältnis- mätzig wenig beachtet geblieben. Sie gewinnt an Wichtigkeit, wenn daran gedacht wird, datz die Kohle des Klcinhaushalts, das Brikett, in der Braunkohlenindustrie hergestellt wird. Dasselbe ist mit der in Mitteldeutschland viclbcnutztcn Grude für Küchenkochmaschinen der Fall. Die Konzentrierung von Braunkohlenwerkcn bedeutet nicht nur, wie von der interessierten Seite immer betont wird, eine Perbilligung der Produktionslosten, da sich so die rationellere Aus- Nutzung der Werksanlagen ermöglichen lasse. Es ist in dieser Be- triebskonzentration, die in einer an sich schon stark syndizierten In- dustrie erfolgt, deutlich das Bestreben zu erkenncii, den gesamten deutschen Markt in die Hände zu bekommen. Die drei größten deutschen Braunkohlengruben-Aktiengesell- schaften sind die A. Riebeckschen Montanwerke Akt.-Ges., Halle, die( Rheinische A.-G. für Braunkohlenbergbau in Köln und die Akt.- Ges. Roddergrube. Das erstgenannte Braunkohlenunternehmen wird jetzt sein Aktienkapital auf 28,5 Millionen Mark erhöhen. Vor einiger Zeit wurde schon eimnal eine Erhöhung durchgeführt, weil der Anschluß der Sachsisch, thüringischen Gesellschaft für Braun- kohlcnvcrwcrtung und der Ncucnburger Braunkoblengesellschaft er- möglich: toerden sollte. Dies ist auch geschehen. Jetzt wird dem Riebeckschen Braunkohlenkonzern die Zeitzer Solarölfabrik A.-G. in Halle angegliedert. Kurz vorher ist noch'die Wreschen-Weitzenfelscr Braunkohlen A.-G. mit der Gewerkschaft Christoph-Friedrich und der Waldauer Braunkohlenindustrie A.-G. verschluckt worden. Auch die Zeitzer Solaröl A.-G. hat erst kürzlich noch ein Braunkohlenbcr�- werk,„Fortuna" bei Lochau, erworben. Die Grundursache der so plötzlich hereinbrechenden Expansions- bedürfnisse der alten mitteldeutschen Braunkohlcnunternehmun- gen liegt darin, datz durch die dauernd hohen Dividenden dieser Gesellschaften immer mehr neue Braunkohlengrubcn entstanden. Dies wieder wird dadurch erleichtert, datz die Braunkohle dort zu- meist in geringer Teufe vorkommt, zum Teile sogar völlig im Tage- bau aufgenommen werden kann und so kostspielige Schachtanlageu nicht in Rechnung gestellt zu iverden brauchen. In dem Moment, da die junge Konkurrenz größer wurde, stieg das Bedürfnis der alten Werke nach rationellerer Ausbeutung der Braunkohlenflözc. Tic Konzcntrationsbewcgung kam so rasch in Gang. Um so mehr weil wir es hier mit einer Industrie zu tun haben, in der die Bankintcrcsien eine große Rolle spielen. So stehen hinter der neuesten Transaktion von Riebcck die Darmstädter Bank und die Berliner Handelsgesellschaft. Die Tiskontogescllschaft, deren liiertes Leipziger Bankunternehmen— die Allgemeine deutsche Kreditanstalt, die eben ers� ihr Aktienkapital auf 116 Millionen Mark erhöhte— bei der Solarölfabrik Zeitz interessiert ist, steht insofern autzerhalb der Transaktion, als sie nur an dem für die Solaröl A.-G. rentablen Fusiongeschäft beteiligt erscheint. Tie Vereinigung der beiden Unternehmungen bringt für den Riebeck- schen Braunkohlcnkonzern im besonderen eine Abrundung seines Feldcrbesitzcs, der zum Teil noch nicht einmal im Abbau ist. Zum anderen wird seine Stellung als Kokserzcuger verstärkt. Besitzt doch das Zeitzer Unternehmen ebenfalls Teerschwelereien und Pa- rafsinfabriken. Vom Paraffinmarkt wird Riebeck jetzt ebenfalls unabhängiger, die Rohmaterialien seiner umfangreichen Kerzen- fabrikation kommen ihm durch die Paraffin- und Solaröl A.-G. zu. Das mitteldeutsche Braunkohlensyndikat, in dem die Riebeckschen Montanunternehmungcn an erster Stelle stehen, ist mit seinen rund 166 angeschlossenen Werken das stärkste Braunkohlenshndi�t Teutschlands überhaupt. Daneben bestehen noch die folgenden Syn- dikate: Niederlausitzer Brikettgesellschaft in Berlin, Braunkohlen- briketwcrkaufsvercin in Köln, Verkaufsvercin der hessischen Braun- kohlenwcrke in Kassel, Magdeburger Braunkohlensyndikat in Magde. bürg. Lausitzer Braunkohlcnsyndikat in Forst und Verkaufsverein der Bitterfclder Braunkohlenwerkc. Das mitteldeutsche Braun- kohlensyndikat umfaßt die sächsischen und thüringischen Braunkohlen. Unternehmungen. Jetzt sind nun Verhandlungen im Gange, all diese Syndikate in ein deutsches Kartell zusammenzuschließen! Der Zweck des Zusammenschlusses soll selbstverständlich zuerst der Markt- preisregulicrung dienen. Des weiteren auch der lieber- ivachung der Geschäftsbedingungen und der Beobachtung der Außen- seiter, die zurzeit allerdings verhältnismäßig wenig bedeuten. Es handelt sich also hier um die planmäßige Vorarbeit zu einem deut- schen Braunkohlenmonopol in den Händen der Landes- syndikate, die gestützt durch Großbanken und reiche Privatinter- essenten am Brikett der armen Familie Vermögen verdienen r wollen. An unsere Abonnenten! Die nächste Nummer des„Vorwärts" erscheint am Montagmorgen. IUt2te Nachrichten» Veränderung eines Wahllokals im 1. Berliner Wahlkreis. Im Wahlbezirk IS ist das Wahllokal von dem Theater-Restaurant. Charlottenstr. 58, nach dem Deutschen Tom,«Sendarmenmarkt, verlegt. Starrköpfigkeit der belgischen Grubenbesitzer. Brüssel, 26. Januar.AZ. Der Krieg. Der italienisch-französische Zwischenfall. Paris,£0. Januar.„Petit Parisien" berichtet, daß auf Grund Von gestern abend eingelaufenen Instruktionen der Dampfer ,. Carthago" Cagliari im Laufe dieser Nacht verlassen sollte. Auch der Flugapparat Duvals ist an Bord geblieben. Ueber di? Beschlagnahme des Dampfers ist noch nachzutragen, daß nach Mel- düngen aus Nom die italienische Regierung behauptet, der Hafen von Marseille sei bereits seit längerer Zeit ein Verprovian- tierungShafen der Türkei. Diese Tatsache rechtfertige die strengen Befehle, welche der Torpedobootsflottille von Sizilien erteilt worden waren. Paris, 20. Januar.„Matin" berichtet, daß der beschlagnahmte Dapfer„Manouba" wieder freigegeben wurde und seine Reise fortgesetzt hat. Er verließ den Hafen von Cagliari, nachdem er die an Bord befindlichen türkischen Offiziere ausgeschifft und eine Summe von 250 000 Franks, die für die türkischen Offiziere in Tripolis bestimmt war, an die Italiener ausgezahlt hatte. Die türkischen Offiziere reisten gruppenweise unter der Führung von zwei Agenten, welche den italienischen Behörden bereits seit längerer Zeit als des Waffcnschmuggels verdächtig bezeichnet tz>or- den sind. Den Offizieren ist es jedoch nicht gestattet, in Gruppen zu reisen. Ferner ist der„Manouba" kein Postdampfer. Nachdem der„Carthago" und„Manouba" Cagliari verlassen haben werden, bleibt noch die juristische Frage zu schlichten. Die italienische Re- gierung wird noch zu beweisen haben, daß der an Bord des„Car- thago" beschlagnahmte Flugapparat tatsächlich für die Türkei bestimmt war. Cagliari, 20. Januar. Wie die Agence Havas von besonderer Seite erfährt, ist die Zustimmung des Kapitäns der„Manouba" zu der Ausschiffung der türkischen Passagiere aus dessen eigener Entscheidung heraus gegeben worden. Da der Dampfer„Manouba" aus offener See geblieben war, konnte der französische Bizekonsul dem Kapitän die aus Paris erhaltenen Weisungen nicht über- mittel», die ihm vorschrieben, dem Wunsche der italienischen Behör- den nicht Folge zu leisten, da die türkischen Passagiere bis zum Beweise des Gegenteils als Angehörige des ärztlichen und des Krankenpflcgcpersonals angesehen werden müßten. Die Haage: Konvention bestimme ausdrücklich in diesem Sinne. Es herrscht die Ueberzeugung, daß die französische Regierung im Begriff sei, bei dem Kabinett in Rom eine endgültige Regelung des Zwischen- falls zu veranlassen. Wie weiter aus dieser Quelle gemeldet wird, hat die französische Regierung entgegen gewissen Nachrichten keines- wegs der italienischen Regierung das Versprechen gegeben, den Ver- kauf der an Bord der„Carthago" beschlagnahmten Aeroplane an eine fremde Macht zu verhindern. Sie hat vielmehr dem Kabinett in Rom lediglich mitgeteilt, daß der Eigentümer der Flugzeuge freiwillig das Versprechen gegeben habe, die Flugzeuge keiner der beiden kriegführenden Mächte zu überlassen. Für die Ausführung dieses Versprechens habe sich die französische Regierung nicht zu verbürgen. Scharmützel bei Vcnghasi. Bcnghasi, 20. Januar.(Meldung der Agence Stefani.) In der Nacht vom 17. zum 18. Januar machten 400 Türken und Araber einen heftigen Angriff auf ein Blockhaus. Die kleine Besatzung leistete, unterstützt von den benachbarten Schanzen, tapferen Wider- stand und trieb den Feind zurück, der 29 Tote und zwei Verletzte auf dem Platze ließ und viele andere mit sich nahm. Am Morgen des 18. Januar zeigte sich eine Kolonne von 600 Mann dem Ab- schnitt I, der italienischen Verschanzungen gegenüber, zog sich aber nach den ersten Schüssen von italienischer Seite zurück. Die Ent- fernung des Feindes ließ einen Gegenangriff, auf den die italie- nischen Truppen vorbereitet waren, nicht zu. Ter Kreuzer „Etruria" wirkte mit den Landtruppen zusammen, um bewaffnete Gruppen zu zerstreuen, die sich in einiger Entfernung hielten, und bombardierte Coeffia. Auf italienischer Seite wurden sechs Leicht- verwundete gezählt. kleines feuilleton. Tie Berliner Möbelmesse.(In den Ausstellungshallen am Zoo, vom 18. bis 28. Januar.) Tic Berliner Tischlerinnung hatte zu beweisen, daß sie die Leitung der Möbelgeschäfte nicht braucht, um eine Ware von guter Qualität und schöner zeitgemäßer Form zu ltefern. Diesen Beweis hat sie nunmehr erbracht; die Händler Iverden nicht mehr sagen können, daß die Schuld an der Rückständig- teit ihrer Lager dem Berliner Handkllerk zufalle. Und da der Bei- fall, den gerade die in Schlichtheit schönen Stücke der Messe bei dem Publikum finden ein unmittelbarer und großer ist, so dürfte dem Sandel jegliche Entschuldigung für die Hartnäckigkeit seines Ver- bleibens beim groß jüdischen Stil und dessen Ablegern(wozu der Abzahlungsschund gehört) immer mehr unmöglich werden. Man mag über die Fähigkeit der kleineren Betriebe, die wirtschaftliche Selbständigkeit zu wahren, noch so skeptisch denken, so ist es dock) sehr wertvoll, daß das spezifische Handwerk mit vollem Ernst danach strebt, die Qualität der Produktion zu heben. Ein Vorgang, der um so wickstiger ist, als für die Möbeltischlerei auch im umfangreichsten Großbetrieb immer noch ein erhebliches Maß an reinem, vom Einzelnen zu leistenden Handwerk erhalten bleibt. Unter solchem Gesichtswinkel angeschaut, ist der Boykott, mit dem die Händler das nach Selbständigkeit strebende Handwerk bedrohen, ganz töricht. Es ist nicht im geringsten einzusehen, welche Vorteile für die Quali- tat der Ware die Abhängigkeit des Handwerks von dem allmächti- gen Händlerkapital haben sollte. Zumal diese Händler oft genug keine Fachleute sind und mit dem gleichen Interesse wie heute Möbel, morgen Schulstvicksse verlausen würde». Darum also, weil � r st■ non Sel'stlcw'. ßlscin, den die heutige W rt'chaslsordnung ■' wwohl.ei Unter ehmer wie dem Arbeiter) noch tu g las i. ein Rückgrat für d'c Güte und die JntcU genz der Ware ist, muß der Einsichtige den Großmannsdünkel der Händler lebhaft ist auch überaus kleinlich gedacht, das Handwerk radikal von dem Konsumenten abzutrennen. Wenn die Tischlermeister im übri- gen den Händlern den Rabatt nicht schmäler», bleibt es doch ein relativ harmloser Vorgang, wenn nun einmal das Handwerk ohne die Vermittelung des Zwi-chenhandels vor das Publikum tritt. Zumal wenn das in so vernünftiger und geschmackvoller Weise ge- fchicht wie diesmal. Besonderes Lob verdient, soweit die Tischler- inrning dafür verantwortlich ist, die Aufmachung dieses Marlies. Angeregt>.irch eins» Vortrag von Peter Jessen ließ man durch die Arcksttetten Ernst Schnecken 6 er g und P. P u r f ü r st dem Ganzen ein einheitliches Gewand, eine svmpathische Räumlichkeit geber Ter Blick durch d e einzelnen gradlinig laufenden Gaffen ist sehr orientierend und bekommt eine eigenartige Lustigkeit durch di« ovalen, nah der Manier von Wegwestern in sie Hineinragenden Sck lder. Auch sonst Haben tüchtige Architekten den Tischlern ge- Holsen, gute und schöne Stücke aufzustellen. *, Bei dieser Gelegenheit sei darauf verwiesen, daß die Kom- ztission für vorbildliche»lrbeitermöbel im Gc- Die Revolution in China. Tic Stimmung in Peking.. �, Peking, 19. Januar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Heute früh wurde im Palast eine längere Beratung über die A b- dankung des Thrones abgehalten; sie mußte jedoch der- tagt werden, ohne ein Ergebnis gezeitigt zu haben. Die führen- den Prinzen sprachen sich für bedingungslose Abdankung aus, drei jüngere Prinzen sowie der ehemalige Tartarengeneral Tihliang von Nanking erklärten sich jedoch nicht damit einverstanden, daß sich der Hof nach Jehol zurückziehen sollte. Peking, 20. Januar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Den ganzen Tag über herrschte hier gewaltige Aufregung sowohl unter den Ausländern, als auch unter den Chinesen, da ein A u f r u h r der Mandschus befürchtet wurde, der indessen nicht wahr- scheinlich ist. Revolutionäre Truppenbewegungen. Tschifu, 20. Januar. Vier Dampfer trafen heute mit re- volutionären Truppenabteilungcn und Geschützen hier ein. Tie Hälfte der Truppen wurde hier gelandet, während der Bestimmungsort der anderen Hälfte unbekannt ist. Patrouillen von chinesischen Kreuzern durchziehen die Straßen der Stadt. Die Kekchiagnahme franzönschcr Schiffe durch Italien. Paris, 19. Januar.(Eig. Ber.) Zur Affäre der„C a r t h a g o" ist nun eine zweite gleicher Art hinzugekommen!. Italienische Tor- pedoboote haben das französische Paletboot„M a n o u b a" angc- halten und nach Cagliari geführt, angeblich, weil es Waffen und Munition sowie 29 türkische Offiziere an Bord hatte. Durch diesen neuen Zwischenfall und dadurch, daß die italienische Re- gerung keine Eile zeigt, die Angelegenheit der„Carthago" in Ord- nung zu bringen, ist die französische Regierung in die Notwendig- kcit versetzt, stärkere diplomatische Mittel gegen Italien anzu- wenden. Wemi> man auch noch von keinem französisch-italienischen Konflikt sprechen kann, so ist doch unverkennbar, daß die fran- zösische Regierung sich entschließen muß, gegen ein offenbar un- f r e u n d l i che s Verhalten die geeigneten und durch die Welt- stellung Frankreichs und seine afrikanischen Interessen geforderten Schritte zu tun. Daß Italien die völkerrechtlichen Bestimmungen verletzt hat. ist nicht bestreitbar. Vor allem schließt die Londoner Deklaration aus, daß Güter, die auf neutralen Schiffen nach neutralen Häfen gehen, beschlagnahmt werden. Was speziell den auf der„Carthago" transportierten Aeroplan anlangt, so weist der„Tcmps" darauf hin, daß Aeroplane in der von Italien am Beginne des Krieges veröffentlichten Liste der als Konterbande angesehenen Objekte nicht genannt worden sind. Auch war das Zurückhalten! der Schiffe selbst in jedem Falle unerlaubt. Dazu kommt die Zurück- Haltung und Sequestration der Postsäcke, die der Haagcr Kon- vcntion, aber auch einem besonderem französisch-italienischen Ver- trag von 187S über die Freiheit des Postvcrkehrs widerspricht. Was die tatsächlichen Umstände betrifft, so ist der Beweis, daß der Aeroplan auf der„Calthago" für ein Flugmceting in Tunis bestimmt war, unanfechtbar. Waffen und Munition aber konnten auf der„Manouba" nicht transportiert werden, weil die Waffeneinfuhr in Tunis seit 1883 verboten ist. Wären Waffen auf diesem Schiff verladen worden, so hätte die französische Hafen- behörde in Tunis ihre Ausschiffung verhindert. Die angeblichen türkischen Offiziere erklären sämtlich, dem türkischen„Roten Halb- mond" anzugehören, also durch die Genfer Konvention geschützt zu sein. Mögen immer Zweifel darüber bestehen, so hätte die italie- nische Regierung zweifellos durch eine Anzeige bei der französischen Regierung ihre Ausschiffung bis zur Aufklärung hintangehaltcn. Denn— das ist das Erstaunliche an den jetzigen Zwischen- werkschaftshaus Mitte Februar ihre zweite Ausstellung eröffnen wird. Tie Möbel sind diesmal nach Entwürfen von Peter Behrens angefertigt worden. R, Br. Theater. Lust spielhauS:„Die Damen des Regiments". Schwank von Julius Hör st und Artur Lippschütz. Der erste Alt. in dem die Damen des Regiments das Wort führen, schleppt sich mit malte» nach Schablonenrezeptcn fabrizierten Späßchen hin. Doch beim Champagner, den der auf höheren Befehl zur Abfassung eines Festspiels koinmandierle Leutnant den Hilfe- leistenden Kameraden spendiert, geraten die Autoren selbst in keucht- fröhlich animierte Ulkstimmung. Der sonst strikt abstinente Oberst. der die Berie kontrollieren kommt, läßt sich zu einigen Gläsern Sekt veriiibren, die ihn erst jugendlich befeuern und dann allmählich in ein Meer von Weltvergessenheit und stillzuiriedener Menschenliebe senken. Er glaubt, er sitzt schon in der Droschke auf der Heimfahrt. Ter Leutnant, der für des Oberst Tochter schwärmt— da? Hirn von einer unter angstvoll dichlerifchen Wehen hingebrachten Nacht und Seit umnebelt— fetzt sich in diesem Znstand an des Gestrengen Seite und bittet um die Hand des Fräuleins. Nach einer längeren alkoholisch schleierhaften Rede des künsligen Schwiegervaters entschlummern die beiden. Am nächsten Morgen hat. während das Gerücht einer Verlobung schon in der Garnison kursiert, der Oberst keine Ahnung mehr, wem der vier Leutnants er sein Kind versprochen und der Bewerber kann sich nicht besinnen, ob die Rede eigentlich auf ein Ja oder ein Nein hinauslief. Die verrückte Siluatio» ist übermütig ausgebeutet. Die Herren Schön- i e l d und S p i r a spielten die beiden sich suchenden Partner, von denen jeder vom andern den Sachverhalt herauszubringen sucht, mit liebenswürdigem Humor. dt. Humor und Satire. Akrosticheleien. „Wir sind die scbliininsteii VolkSbetrüger!" Es stand— sonst sind die Kerle klüger!— Gedruckt zu weitester Verbreitung Mal jüngst in einer ZenlrumSzeitung! Ja. diesmal fielen sie herein— Trotz ihrer Schlauheit sandte fein Ter braven schwarzen Redaktion Ein Witzbold ein Akrostichon. Reich war a» Selbnlob die? Poem,� So recht nach dein schwarzen Preß System. Ehristlicher Pbraicn war's übervoll, Wie ein ParieiragSprotokoll Auch Gottes Namen war oft mißbraucht— Recht ultramoniiich angehaucht, Zog auf die Feinde des ZeiilrinnS los Eni Dichter— so schien'S— in, Schimpfen groß Nur wer die Anfangsbuchstaben las. So Zeil um Zeile, merkte den Spaß, Eapierte der Verse tieferen Sinn: fällest— bisher hat die französische Regierung die Neutralität?- Pflicht gegenüber Italien in einer so wohlwollenden Weise gehand- habt, daß weit eher die Türkei Grund zu einer Bc- schwer de gehabt hätte. So hat Algerien und Tunesien den Italienern die Kamele geliefert, die sie. instand setzten, sich aus den Mauern von Tripolis hinauszuwagen. Ilebrigens wird der Umstand, daß die Türkei keine Flolte hat, um sich zu wehren, auch von Schiffsunternehmern anderer Nationen ausgenutzt. So meldet der„Temps" aus Malta die Abfahrt des deutschen Dampfers „Pindos" nach Sfax in Tunesien, wo er 6 00 Kamele für die italienische Jnvasionsarmee an Bord nehmen soll. Jedenfalls sind politische Gründe für das Verhalten der italienischen Regierung nicht zu finden, und man kann nur annehmen� daß die lauge Dauer der Kriegsoperationen und die Unabsehbarkeit eines entscheidenden Erfolges die Herrschaften in Rom allzu nerbös gemacht hat. Daß aber ihr Vorgehen unan- genehme politische Folgen für sie haben muß. ist zweifellos. Trotz aller Stimmungsmacherei einiger wohl nicht uninteressierter Chauvinistcnblättcr war die öffentliche Meinung in Frankreich durchaus nicht auf die Seite Italiens zu bringen, und eS ist klar, daß die neuesten Vorgänge dem panlateinischen Schpstndel den Rest geben müssen. Besonders erregt sind begreiflicherweise die fran- zösische n Kolonisten in Nordafrika, und sie sind dies- mal im Einklang mit der mohammedanischen Bc- völkerung, deren antiitalienische Stinunung sich in den stür- mischen Tagen von Tunis kundgegeben hat, und die jetzt gerne die Gelegenheit ergreift, ihre moslemitischen Soltdaritätsgefühle in den Formen der Loyalität gegen Frankreich zu manifestieren. Aber es ist auch klar, daß die französische Regierung Gekugtuung fordern muß, um ihre Autorität bei der eingeborenen Bevölkerung ihrer nordafrikanischen Besitzungen zu bewahren und nicht im Augenblick, wo sie ihr Protektorat in Marokko aufrichten soll, schwach zu scheinen. Ens der Partei. Aus der belgischen Partei. Man schreibt uns ans Brüssel: Abgesehen von der die Wahlen vorbereitenden AgitationS- und Organisationsarbeit zeigt das beginnende Jahr die Aktivität der Arbeiterpartei auch noch auf etlichen anderen Gebieten. So bereitet die Brüsseler Föderation für den 29. Januar eine M a n i f e st a t i> n für die Abschaffung des berüchtigten§ 310 de- Strafgesetzes vor, der unter dein Schein des„Schutzes der Arbeit", Propaganda und Aktion der Gewerkschaftsbewegung unter- bindet und die führenden Elemente unausgesetzt in Konflikt mit den Behörden bringt, ouS dem die Gewerkschafter ollemal als Verurteilte hervorgehe». Die von der Brüsseler Föderation angebahnte Agitation soll sich auch auf die anderen regionalen Föderationen er- strecken und in den Gemeindevertretungen mit sozialistischen Ver- tretern innerbalb des Brüsseler Wahlkreises soll ebenfalls eine Protestaktion Platz greifen. Den in nächster Zeit stattfindenden Gewerbegerichts- Wahlen kommt diesmal eine erhöhte Bedeutung bei insofern, als die Wahlen unter neuen gesetzlichen Bestimmungen statlfindcn, durch die de», Stand der Wähler eine große Zahl neuer hinzugefügt wird. Auch eine bestimmte Gruppe Frauen erhält durch das Geietz nun das Wahlrecht für die Gewerbegerichtswahlen. Die Gewerkschaften entfalten dementsprechend eine größere Propaganda. Der nächste Jahreskongreß der belgischen Arbeiter- Partei findet zu Ostern statt. Auf seiner Tagesordnung wird sich auch der Bericht der vom vorigen Kongreß gewählten Kommission für die Revision der Staruten befinden. Auf Beschluß des Generalrats der Arbeiterpartei wird im Anschluß an die Kongreß- Verhandlungen ein M o n st e r- M e e t i n g in Brüssel stattfinden mit den Hauptvertretern der regionalen Föderationen als Referenten. Verfolgung der Arbeiterpresse in Rußland. Man hat sich nachgerade daran gewöhnt, daß fast jede Nnnrnier eines Arbeiterblattes oder einer marxistischen Zeitschrift in Rußland mit dralonischen Strafen belegt wird. Entweder wird der Sic» dakleur mit einer Strafe von 300 bis 600 Rubel belegt, oder er wird wegen Bedrohung der Staatsordnung zur Verantwortung gc- Hier steckte als Selbsterkenntnis d'rin, Was alle andern längst schon fanden: ES ward in unfrei, deutschen Landen Jiirwahr das Zentrum nur geschaffen— Ein Bund der VolkSverderber und Pfaffen I Lebt von der Dummheit gar prächtig hier, Bleibt unersättlich an Machtbegier. Als Köder braucht es die schlimmsten Lügen, Rur denen hilft es. die ihm sich fügen— DaS ist das Zentrum!— Merkt Jhr'S schon? ES ist auch dieS ein Akrostichon! (Pips in der»J u g e n d".) Notizen. — Theaterchronik. Das D e u t s ch e T h e a t e r will die Aeschyleische„Orestie" in den Spielplan aufnehmen. Die ersten Aufführungen sind für Donnerstag,, den 25. Januar, und Montag. den 5. Februar angesetzt. — Verschobene Strindsterg-Ausführungen. Die zur Ctrindbcrg-Feicr imDeutschenTheaier geplandte Toten- tanz-Aufführung mußte wegen Erkrankung von Paul Wegener verschoben werden.— Die von der Neuen Freien V o l k s b ü hne zum 22. Januar angekündigte Strindbcrg-Fcier muß eines Krankheitsfalles halber auf de» 6. Februar verschoben werden. Be- reitS gelöste Billetts behalten Gültigkeit. — Der Z» s a m m e n b r u ch e i„ e S Theater». Das neue KoinödieiihmiS zu Frankfurt a. M. schließt seine Pforten. Der Direktor Fischer-Peschlow ist unter Hinterlassung von großen Ver- pflichtuiigcn verschivimdcii. Die Schauspieler. dieZnoch Gage zu erhalten haben, werden aus der beim Polizeipräsidium hinterlegten Kautto» von 20 000 M. beiriedigt. — Richard Strauß wurde von der Generalintendantur der königlichen Schauipiele durch einen neuen Vertrag zunächst bis zum 1. September 1913 an das königliche Institut gebunden. Cr wird nicht nur die Leitung der Sinfoniekonzerte beibehalten, sondern auch wieder zeitweise in der königlichen Oper dirigieren. — Musikchronik. In dem am Sonntag im Blüthner- Saal unter Leitung von Kapellmeister Bruno WeyerSberg statt» fmdeiideii Konzert wird zum erstenmal„Das große Narren- piel", Sprechtondichtung von Panl Colberg durch den Dichter tf�v�Koylcr-Hauifen mit Begleitmig des Orchesters vorgetragen � Der Kaufmann und das Kunstgewerbe, lieber mescS Thema hält Direktor Jessen acht Vorträge und zwar jeden Montag von 8'/z— 9'/» llhr im Kunstgewerbemuseum(In- gang vom Hof). Bcgii», Montag, den 22. Januar. Der Zutritt ist nur für Kaufleute und zwar unentgeltlich. — Vorträge. Die durch Kinetogramme veranschaulichten Vortrage dcS Prof. Micthe über„Bedeutung derKinema- tographie für die Wissenschaft" und des Grafen v. Bernstorff über„DaS Leben in und auf dem Meere" werden jeden Montag und Freitag S Uhr in den Lichtspielen (Mozartsaal) wiederholt. Avgin unb auf einige Jahre eingeherkert, ober er wird„au? abmini- strativem Wege" verbannt und das Blatt inhibiert usw. Ranienlasc Opfer lostet cs den russischen Arbeitern, um unter der„Prexfreiheii" des KoZowzcwschen Regimes die wenigen Organe zu erhalten, die ihren politischen, gewerlschaftlichen und wissenschaftlichen Interessen dienen. Eine Jllnsiratio» zu diesen Zuständen bietet unS eine Ausstellung, die daS Petersburger marxistische Wochenblatt„ S w e S d a" anlas,. lich de-- Abschlusses seines ersten Jahrganges bringt. In diesem Jahre sind erschienen 34 Nummern sivahrend der Dinnaserien erschien daö Blatt nicht), von denen 11 konfisziert und 6 nnt Geldstrafen belegt wurden. Die Gesamtsumme der Strafen beträgt'2öS0 Rubel. Die Hälfte aller Wummern ist also der russischen.Prcßfreihcit" zrun Opfer gefallen.___ Der erste sogialdemokrntischc Magistratsrat in Nassau. In der Stadt Hofhahn wurde gestern Genosse Müller als Stadt- verordneter mit 11 von 1Ü Stimmen in den Stadlinagistrat gewählt. Treu bis in de» Tod. DoS„Hamburger Echo" berichtet:„Ein Wähler unserer Partei, der allen Genossen von Groß-Borsrcl ivohlbekannte 8ö j ä h r i g e Joh. Nikolaus Faden, hatte den festen Willen, auch diesmal noch seine Stimme siic Wilhelm Meyger abzugeben. Er meinte selbst, das wäre für ihn nivhl das lchtemal. Er war seit Weihnachten nicht mehr im Freien gewesen und litt an Erkältung. Deshalb ivurde ihm auf sciucn Wunsch ein Wagen von der Partei zur Verfügung gestellt. So fuhr er zum Wahllokal lind gab frohen Mutes seine Stimme ab. Ans der Rückfahrt sank er sin Wagen zurück. Parteigenossen trugen ihn in seine Wvhmmg, wo er eine halbe Stunde später verschied. Er hat als schlichter Arbeiter stets in den Reihen des käinpsenden Proletariats gestanden»nd ist trotz hohen Alters mm bis in den Tod nnscrer Partei treu geblieben! Ter österreichische RcichSratSadgcordnctc Genosse Franz Silbcrcr i>t von einer Skitour in den Salzburgischen Alpen, die er im An- schlust an eine Geschäftsreise allem uilteritahi», nicht mehr zurück- gekehrt und bie von dem Arbeitertonristenvercin„Die Natur- srenude" ausgerüsteten LiettnitgSexpedilioneii haben keiiicu Zweifel »ncbr, daß Silbercr den Schneestürme» nnd Lawinen zum Opfer gcfallei'. ist.— Genosse Silberer lvar Eehilfenobmamt in der Wiener Bäcleriimniig nnd Obmann der vsterreichiichen Bäckergewerk- schasr. Er bat der RelchsgewerkschafiSkoimniision angehört. Bei den ReickSratSwahlcn im verflossenen Sommer gelang es ihm. den 3. Wiener Stadtbezirk. Landstraße,, den Ehriulichsozialen abzunehmen. Er siegte in der Stichwahl, ivährcud das ziveilc Mandat des Bezirks Genosse Leopold W i n a r s k y besetzte. GewerKscKaMicdes. konservative l�aciie. Tie-konscrbative Partei Verdankt ihre Macht nur dain brutalen Trnck ans die abhängigen Wähler ans dein Lande. Ton Arbeitern wird vor der Wahl mit Entlassung gedroht, wenn nicht konservativ gewählt wird, und nach der Wahl werden die Trohnngcn auch rücksichtslos verwirklicht. In zahlreichen Fällen sind auch nach der diesjährigen Wahl wieber land- nnd forstwirtschaftliche Arbeiter entlassen worden, weil sie im Verdacht standen, sozialdemokratisch ge- wählt zu haben. Neben den landwirtschaftlichen Arbeitgebern tun sich auch die staatlichen Forstbeaniten hervor, ja über- bieten jene noch an magloser Verfolgung der Arbeiter, die ihr staatsbürgerliches Recht als Wähler nach freier Ueberzeugung ausüben. Ein krasses Beispiel soll hier festgehalten sein. Ter Forstmeister Schwarz in Gram m e n t i n im p o in- in ea' scheu Wahlkreis A n k l a m m- D e m m i n, von wo der konservative Graf Schwerin-Lölvitz in den Reichstag geschickt wird, tvar durch die Tatsache, dast in„seinem" Forst- bezirk sozialdemokratische Stimmen abgegeben wurden, der- artig entsetzt, daß er einem Waldarbeiter in Granimentin ein Schreiben folgenden Inhalts schickte: Der Forstmeister. 1Z. No. Lb. G r a m in c n t i n, den 15. Januar 1912. Am 12. b. M. ist iie RcichStagswahl gewesen. Tie Rc. suliatc haben ergeben, daß bie beiden Ortsäzastcn Grammentin und Nemenzlin verhältnismäßig ungleich(':) die meisten sozial- demokratischcn Stimmen aufgebractst Isaben. Sogar die Städte ragen nicht entfernt an dieses Resultat heran. Diese» ist ein Beweis dafür, daß gerade im Zi reise der Waldarbeiter eine sozialdemokratische Organisation vorhanden sein muß. Im vorigen Winter setzte hier eine starke Bewegung des Verbandes der Land-, Wald- und WcinbergSarbcitcr ein. Es wurden Flugblätter verteilt, die voin „Luderlohn",„Hungerlöhne" usw. sprechen und zum Beitritt zum Verbände aufforderten, unter dem Hinweise, daß nur im Perbande „aufrichtig» Arbeitcrvcrtreter" wären. Sosort im vorigen Winier erhob ich meine warnende Stimme und habe mich zu meinen Waldarbeitern darüber aus- gesprochen, daß der Verband sozialdemokratischer Organisation sei, und daß die Flugblätter nur den Zweck hätten, Unzufrieden- hcit zu schüren, die Arbeiter aufzuwiegeln, um sie ins sozial- demokratische Lager hinüberzuziehen. Tic Sozialdemokratie ist aber eine staatsfeindliche Partei, die an Thron und Altar rüttelt, die von j c d e m Staatsbürger, sei er reich, sc: er arm, sei er Arbeitgeber, sei er Arbeitnehmer, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln betämpft werden muß. Mein Mahnruf ist verhallt. Tie Organisation hat, ivie diese Wahlen beweisen. Wurzel gefaßt; dieses kann nicht geduldet werden. Dieses ist nicht vereinbar mit den Grundsätzen einer jlöniglichcn Verwaltung. Tie hiesige Oberförstcrei ist ein Organ der Königlichen Regierung, mit Sr. Majestät dem König an der Spitze. Vorbildlich tritt die Königliche Regierung ein für ihre Arbeiter, und nicht zuletzt trifft dieses in hiesiger Ober- försterci zu, die den Arbeitern Löhne zubilligt, wie sie weit und breit nicht gezahlt tocrdcn. Tie Fürsorge für die Arbeiter in von Kaiser Wilhelm dem Großen begonnen, von seinem Sohn und Enkel fortgesetzt. Tie soziale Gesetzgebung ist das vornehmste Ziel der Königlichen Regierung gewesen. TieseS Werk hat seine Krönung erfahren durch die ReichsvcrsicherunzS- Ordnung. Jährlich werden an Versicherungsbeiträgen in Zukunft: 1000 Millionen Mark aufgebracht vom: Reich, Arbeitgeber und Versicherten. Täglich werden über: 2 Millionen Mark an UntcrstützungSgcldcrn zur Auszahlung gelangen. Unerreicht steht Teutschland da. Kein andere» Land der Erde kommt ihm gleich. Tie Antwort der hiesigen'Arüeiterschasr war die Wahl eines Sozialdemokraten. Tis ist unhaltbar und undankbar l Wie ich in Erfahrung gebracht habe, sind Sie Hauptträger des sozialdemokratischen Gedankens. Gewiß mögen Sie bei Ihrer Ueberzeugung bleiben. Sie sind ein freier Mann. Nicht aber können Sie verlangen, daß Sie ferner in Arbeit bleiben bei dem, den Sie bekämpfen, bei der Königlichen Regierung. Sobald die. Arbeit im Schlage Jagen 2 6 fertig ist, sind Sie a u S der A rb c i t entlassen. Mit der Entlassung deS einen Sünders war aber der Rachedurst des lonservativen Grünrocks noch nicht gelöscht. Weit ihm der potiiisäw Entlassungsbrief nach seiner Ansicht so gut gelimgen war, ließ er ihn vervielsältiasn nnd sandte an jeden„s eine r" W aldarbeiter ein Exemplar mit einem weiteren Schrcibeit, das so aussah: Ter Forstmeister. Grammentin, den 15. Januar 1912. Ter Wahlarbciter S.-Grammentin ist aus oer Forstarbcit entlassen, weil die Rcich-tagswahl ergeben hat, daß die Wald- arbeiter der hiesigen Oberförsterci fast durchweg sozialdemo- kratisch gewählt haben müssen und daß unter ihnen die sozial- demokratische Organisation Wurzel gefaßt hat, und weil p. s. .Hauptträgcr des sozialdemokratischen Gedankens ist. Tas Schreiben an p. S. füge ich in Abschrift bei, damit Sie sich über die Auffassung der Königlichen Verwaltung unterrichten können. Fortan kann kein Arbeiter im hiesigen Betriebe geduldet werden, der einer sozialdemokratische» Organisation angehört und für sie Beiträge leistet, weil darin eine Bekämpfung der Königlichen Regierung zu erblicken ist. Somit muß ich an Sic die Forderung stellen, den an- gelegten Revers zu unterschreiben und in drei Tagen an den Förster abzuliefern. Wer den Revers nicht unterschreibt, ist gleichfalls aus der Arbeit . entlassen. Wer den Revers unterschreibt und doch Mitglied eines sozialdemokratischen Verbandes bleibt, hat sofortige Entlassung aus der Arbeit zu erwarten und die Folgen seiner Wort- brüchigkcit zu tragen. gez. Schwarz. In dem beiliegenden Revers wurde von jedem Arbeiter die Erklärung verlangt: durch Unterschrift und Handschlag, daß ich keiner sozialdemo- kratischen Organisation angehöre und keine Zahlungen an sie leiste. Auch verpflichte ich mich, während der Waldarbcit keiner Organisation beizutreten. Tie Erklärung wird wohl von allen Arbeitern abgegeben werden, denn Hunger tut weh, und die Arbeitsgelegenheit ist im Winter auf dem Lande selten. Wenn der Forstmeister Schwarz in Grammentin und seine konservativen Gesinnungs- freunde jedoch glauben, mit derartigem brutalen Terrorismus die aufblühende Befreiungsbewegung auf dem Lande auf- halten zu können, irren sie sich gewaltig. Solche Brutali- täten sind vorzüglich geeignet, taufenden anderer Arbeiter die Augen?u öffnen über die„Arbeiterfreundlichkeit" konscr- vatioer Herrenmenschen und die. Notwendigkeit der Organisation zur erfolgreichen Abwehr der konservativen Schreckens- Herrschaft._ Leilin und Qnigegend. Tie Wahlen der Arbeitnehmer zum JnimngSschicdögcricht der Berliner Gnstmirtciunung, die dieser Tage vor siäi gingen, haben sich auffallend ruhig abgespielt. Die Herren Gastwirt-. Meister" ließen sich gar nicht blicken. Sie ballen noch im Frübjahr dieses Jahres den Mut, ganz plötzlich eine eigene„Gchilfentiste" aufzuslellen, Ivo- zu eine ganze Reihe Angestellter ihre Namen hergeben mnßle, ohne daß sie überbouvt ivnßlen, um was es sich bei der Wabl handelte. Sie lvnßlc» nicht einmal, wie ihre Namen auf die L'ste gelangt waren. Als eitrige Netler vor den bösen„Roten" waren damals auch der Casötierverein. an seiner Spitze der würdige Polt mit seinem Adjutanten, den, früheren Aiinonceniammler der„Wabrbeit", S omni er, er- schienen. Dieses Mal war von einer„meistertreuen" Liste nichts zu ichcn, ein Beweiö. daß die Bcrlincc GastivirlSgebilfen sich davon überzeugt haben, daß ihre Interessen von den Verbandöniitgliedern om energischsten und unabhängigsten gewahrt iverden können. Das Wahlergebnis war. daß für die Liste des Verbandes deutscher Gast- wirtSgchilfen ISS Stimmen abgegeben und diese cinstlminig gewähl: ivnrde. Oeutkehea Reich. Ter Kampf der Werftarbeiter Wilhelmshavens um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen nimmt in der Abwehr der Werstvcrwnlmng immer eigenartigere Formen an. Ein Nach« spiel zu einer sffentlichen Werstarbeiterversammlung am S. Mai 1911, die sich u. a. auch mit der Einrichtung von Kalkulations- bureanS beschäftigte, bildete eine Verhandlung vor dem Landgericht Oldenburg gegen den Referenten dieser Bersanimlung, Genossen Rt e y e r- Nüstringen, den Angestellten des Deutsche» Metallarbeiter- Verbandes daiclbst. Als Klägerin trat die Werftverwattmtg auf. Meyer soll sich der öffentliche» Beamtenbeleidigung schuldig gemacht haben. Der Referent stützte sich u. a. auf ein Sxposs deS früheren Direktors der Torpedowerst iu Wilhelmshauen. Seiferling, der ebenfalls die Einrichtung von Kalkulations- bureau» dem Reichsmarineamt dringend empfiehlt und in der Be- gründung hierzu auf die zu große Selbständigkeit der Werkmeister nnd Werkkührer ihre» Untergebenen gegenüber bei der Zuteilung von Akkordarbeit Hinweist. Der Angeklagte bestritt, die Redewendung allgemein gebraucht zu haben, daß die Werkiührer und Werkmeister ihren gute» Freunden die besten Akkordarbeiten geben und die übrigen Arbeiter, denen sie nicht gewogen sind, mit schlechten Alkvrdarbeiten abspeisen oder sie ganz davon ausschließen. Er habe ganz bestimmte Fälle im Auge gehabt und dem Vorsitzenden des ArbeiierauöicknsseS der Werst, Gewerbcrat Zöllner, am Schluß der belreffenden Versanmilung aus dessen Frage nach den Beweisen für die aufgestellte» Be- hanptungen erklärt, daß der AlbeilerauSschiiß damit dienen könne. Die vernommenen Belastuiigszeugen Gewerberat Zöllner und ein WerlverwoltuiigSsclretär erklärten, daß die Bemerkungen MeyerS allgemein gehalten gewesen seien. Zöllner bemerkte dabei, daß er früher die öffentliche!! Werslarbeiterversanimlunge» nicht besucht habe. aber da die Berichte iu der Presse nicht immer vollständig und orientierend seien, auch vou anderer Seile sehr schwer etwas über das dort Gesagte in Erfahrung zu bringen sei. habe er sich zum Besuch dieser Versammlungen enlichlosien. Dadurch sei cs auch dem jeweiligen Referenten benommen, sich schraiikenlos der unkoinrollierbarsten nnd übertriebenste» Rede- ivenduiigen zu bedienen. Daß das angezogene Expoiö in die Hände des Liigckiaglcn rejp. des Metallardeilerverbandeö gelangt sei, führte der Zeuge nur ans Diebstahl oder einen groben Vertrauens- buich zurück. Auf Vorhalt deS Verteidigers gab der Zeuge schließ- lich zu, daß eS vorkoumien koinie, daß bei einem so großen Beamten- personal auch Ilebergnsse und Uiigerecbligkeilcn Platz greifen. Von den vier Entlastungszeugen behaupteten drei, daß die Aeiißerungen deS Angeklagten keine allgemeinen gewesen seien; der vierte war in der Versamnilung mch: anwesend gewesen, tomile aber den Beweis da'ür erbringen, daß ihn» persönlich a!S Werft- arbeiter eine iinglciche Behandlung gegenüber andere» Arbeitern für die gleiche Täiigkeir zuteil geworden sei. Zwei der Zeugen, che« iiialige Mitglieder des ArbeüerauSichusieS, ertlärlen, daß ihnen während dieser Tätigkeit iviederholt Klagen zugegangen seien, daß Arbeiter von einzelnen Beamte» nicht in gerechter Weise in der Akkord- und Verdieuftznwendliitg behandelt wurden. In die nähere Erörterung der einzelnen Fälle wurde leider nicht eingetreten. Der Staatsanwalt legte den Aussagen der Zeugen von der Werft größeren Werl bei. billigte dem Angeklagten auch nicht den Schutz deS§ 193 zu und beantragte 200 M. Gelostrase und Publi- kalionSbcfugnis. TaS Urteil des Gerichts lautete auf 50 M. Geld- strafe und Publikation. Iu der Begründung wurde anSgeführt. daß unzweifelhaft eine beabsichtigte Beleidigung nach Z 185 des Slraf- geietzbuchS vorliege, die auch den Schutz de»§ 193 nicht recht- Krüge._ „Wohlfahrt" ans verdientem Lohn als Fessel. In der Grützmühle vo» Brügge» in Lübeck, wo die Arbeiter in Lohnbewegung stehen nnd durch Psaßregelungcn in den Streil getrieben wurden, besteht eine Einrichtung zur Fesselung der Ar- bciter, die zeigt, wie erfindungsreich die Unternehmer ans diesem Gebiet sind. Für jeden 100 Kilosack, der ans der Mühle geht, iverden nämlich 2 Pf. Sackgeld bezahlt, die nach Jahreeschlnß ver- rechnet werden. Wer nur 1 Pf. davon bekommen dre Arbeiter an?» bezahlt, und zwar vierteljährlich 10 M., am Jahresschluß den Rest. Der zweite Pfemiig kommt nicht zur Auszahlung; mit diesem wird folgendes Experiment gemacht: Jeder ein Jahr bei der Firma Be- schäftigte erhält ein Sparkassenbuch, worin dieser 1 Pf. bezw. der aus ihn entfallende Te.I der im Jahr aufgesummten Pfennige ein- geschrieben wird. Ter Arbeiter muß dann aber ein Schrift- stück unterschreiben, worin er sich verpflichtet, wenn er aus dem Arbeitsverhältnis austritt, innerhalb fünf Jahren bei keiner Konknrreiizniühle einzutreten; tut er daS, dann bekommt er sein Sparkassenbuch nicht. Wer längere Jahre dort be- schäftigt ist und für den die Firma au? feinem verdienten Lohn ein für einen tchlechtbezahlten Proleten immerhin beachtenswertes Sümmchen„erspart" hat, der wird dies Geld mit schwerem Herzen fahren lassen, wenn er nicht die Absicht hat, seinem Beruf überhaupt Lalet zu sagen. Da dies aber wohl selten einer ohne Wirtschaft- lichen Zwang tut. so sind die Arbeiter dem Betrieb, der den ihnen eigentlich vvrenlhaltencn Lohn verwaltet, rechtlos ausgeliefert. Wollen sie nicht ihr Geld verlieren oder ihren liebgewordenen Beruf aufgeben, dann müssen sie sich alles gefallen lassen, was der Unternehmer ihnen bietet. Solche„Wohltaten" kommen ans Tageslicht, wenn den Arbeitern einmal, wie hier, die Fesseln zu drückend werden und sie sich dagegen auflehne». Huslattd. Der Kohlengräbcrstreik im Bortnage. Man meldet uns aus Brüssel unterm 19. d. M.: Endlich ein Schritt, der baldige Lösung vermuten läßt: Der ArbeitSminister Hubert hat den Delegierten der Föderation der Bergarbeiter die Zu- sag» gemacht, die Bermittelmrg zu übernehmen und in der Unter« nchmervereinigtmg im Sinne einer schiedsgerichtlichen Lösung des Streikkonflikts wirken zu wollen. Auch der Kammerpräsident Cooreman hat sich bereit erklärt, der SchiedsgerichlSkommission als . unparteiisches Mitglied" beizutreten. Wenn die Grubenbesitzer den Vorschlag eines Schiedsgerichtes annehmen, dürfte die Arbeit Sonn- abend aufgenommen iverden. Die Arbeiter, die die schiedsgerickt- liche Lösung von Anbeginn anstrebten, haben die Botschaft der Föderation mit Befriedigung aufgenommen. Der durch den Kohlen- mangel geschaffene Ziiftand in der Industrie drängt gleichfalls auf ein rasches Ende des Streiks._ Ter Bnllettftreik in Paris. Die Maschinisten der Großen Oper haben sich mit dem streikenden Ballettkorps solidarisch erklärt. Der Regisseur mußte am Freitag dem Publikum mitteilen, daß die angesetzte Vorstellung nicht statt- findeli könne. In einer Versammlung, an der die Direktoren, die Maschinisten und das gesamte Personal der Großen Oper teilnahmen, kam eS jedocb schließlich zu einem einstweiligen Kompromiß, so daß die Vorstellung noch um Cftft Uhr beginnen konnte. Ter Geiieralstreikbeschlns; der britischen Berg- arbeiter. London, 19. Januar.(Cig. Ber.) Wie allgemein erwartet und schon telegraphisch gemeldet ivnrde. ist die Mehrheit, die sich für den Generalstreik ausgesprochen hat, sehr groß, weit größer als die zur Erklärniig deS Streiks notwendige Zivcidriltclinchrheit. Bon je 5 Bergarbeitern stimmten 4 für den Streik. Die gestern auf der Konscrenz der Bergarbeiter in Birmingham' bekannt gemachten Ziffern lauten: für den Generalstreik 445 801; 115 921 gegen den Streik. Die Mehrheit für den Streik betrug demnach 32V 830. Der nächste Schritt wird jetzt wohl der sein, in allen Revieren die Kündigung einzureichen, so daß der Ausbruch de? Streiks am 1. März zu erwarten ist. Noch liegen sechs Wochen ztviichcn dem Geiieralslmkbeilhliiß und der Arbeitseinstellung»»d von viele» Seilen wird die Hoffnung ausgesprochen, daß dici'e Zeit dazu benutzt iverden möge, einen Vergleich zustande zu bringen. Die ablehnende Haltung der ciilfliißreichen Iliiternchmer macht jedoch da? Zustande- koinmcii eincS Vergleiches nicht wahrscheinlich. Sericdts- Leitung. Tie Rache rineS Krankcnkaffenmitgliedes. Mit einem eigenartigen Kriminalfall hatte sich gestern daS Essener Schwurgericht zu beschäftigen. Es handelte sich um das seltene Verbrechen des Mordversuchs eines KrankcnkassenmitglicdcS auf de» behandelnde» Kassenarzt. Die Anklage richtete sich gegen den Maler- und Anstrcichergehilfen Max Albin. Am 13. November nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr schellte er in der Wohnung des Dr. Schneider und erkundigte sich, ob er zu sprechen sei. Dieser kam erst in der Nacht nach Essen zurück.' Schon hatte der Arzt die HauStür aufgeschlossen, alö Albin in flotter Gangart auf ihn zuschritt und im nächsten Augenblick einen Rc- volverschuß in die Brust gab. Tie ernste Verletzung ist glücklicher- weise nicht tödlich gewesen. In seiner Vernehmung erklärt der Angeklagte, daß er für das Gutachten des Dr. Schneider, der ihn schon beim ersten Besuch grob angefahren habe, sich habe rächen wollen, daß er aber niemals die Absicht gehabt habe. Tr. Schneider zu töten. Den Schuß habe er aus etwa 1 Meter Entfernung ab- gegeben, mit einem Schrei sci�Or. Schneider zur Erde gefallen, er, Albin, sei zur Wache gegangen und habe die Tat zur Anzeige ge. bracht. Der als erster Zeuge vernommene Tr. Schneider ist Ver- trauensarzt der Malerinnungskasse und erklärt: Ter Angeklagte sei ihm von Anfang an in etwas herausforderndem Tone cnt- gcgengetrcten. Die Erregung deS Angeklagten kam von dem ihm mitgegebenen Attest her. in dem er als für leichte Arbeit fähig bezeichnet war. Bei einem zweiten Besuche, wobei der Angeklagte zwei Atteste des Kreisarztes vorlegte, die seine Ärbcitsunfähigteit bescheinigt hätten, habe Zeuge keine Veranlassung gehabt, sein aus Grund genauer Untersuchung abgegebenes Gutachten zu ändern' Ter Angeklagte habe darauf gesagt: Ihr Urteil ist mir Wurscht! worauf Zeuge ihn aus der Wohnung verwies und alsdann die Einweisung in ein Krankenhaus anordnete, um angesichts der widersprechenden Gutachten eine genaue Feststellung"zu treffen. Kriminalkommissar Wcnnrich hat den Angeklagten vernommen! Ihm habe er erklärt, daß er Dr. Schneider nicht töten wollte. ES sei auch zu dunkel gewesen, um sicher zielen zu können. Unter- suchungsrichter Dr. Schneider alS Zeuge faßt seinen Eindruck dahin zusammen, daß der Angeklagte den Dr. Schneider treffen wollte und es ihn, gleichgültig war. ob dieser dabei ums Leben kam oder nicht.— Angeklagter: Ich habe nur von Schießen, nicht aber von Niederschicstc» gesprochen. Ich wiederhole, ich hatte nicht die Ab- ficht, Tr. Schneider zu töten. GerichtSarzt Dr. Klein bezeichnet de» Angeklagten als einen impulsiven zu Affekten geneigten Men° scheu. Seine Intelligenz sei ungeschwächt, die echisch-moralische Seite dagegen weise Defekte auf. Die Geschworenen sprachen Albin deS Mordversuchs schuldig. Tas Urteil lautete auf 12 Jahre Zuchthaus und 19 Jahre Ehrverlust. Zwei Monate sollen auf die Untersuchung angerechnet werden. Wegen Körperverletzung im Amte und Veleidigung ist vom Landgericht I in Berlin am 23. August ISii der Schutzmann Alfred Lange zu 100 M. Geldstrafe verurteilt wvr- den. In der Nacku zun: 22. Tepteniber 1910 wurde der Reger William ans Anlaß eines Streites festgenommen. Ter Zeuge B. bot-ich ihm gegenüber als Tolmetscher au und ging mit in da» Polizeibureau in der Brunnenstraße. Hier geriet er mi: dem dienst. «jubenbe» Schutzmann Boigt in Wortwechsel, der den Angeklagten Leavstragte, iljn auf den Treppenflur zu führen. B. bemerkte dem Angeklagten gegenüber, er vertrete Menichcnrcchte und sei auf der Wache unrichtig behandelt worden. Ter Angeklagte packte darauf V. sofort mit der linlen Hand an der Brust und sagte:„Waö, Tu verfluchter Hund, Tu vertrittst Menschenrechte?" Dabei gab er ihm mehrere Ohrfeigen, stieß ihn die Treppe hinunter und gab ihm noch einige Ohrfeigen. Dem Zeugen wurde hierbei seine Brille tief in das Fleisch geschlagen und er erlitt eine erhebliche Verwundung im Eefichte. Der Angeklagte steht im Dienste des preußischen Staates. Er ivar bei Begehung der Tat i» Ausübung seines Amtes, da er auf Anordnung des Schubmanns Voigt den B. hinausführte. Ter Angeklagte war sich dieses Umstandes und der Rcchtswidrigkeit seiner Handlungsweise bewußt und handelte vorsäblich. Die Kör� perverlchung bestand sowohl iu der Mif-handlung durch Ohrfeigen als in der Verursachung der Wunden im Gesicht. Tic Worte„vcr- fluchter Hund" enthalten eine Beleidigung. Ocffcntlichkcit der Le- leidigung Hai das Gericht nicht angenommen. Die Nevifion des Angeklagten, der von B. durch die erwähnten Worte von den Menschenrechten zuerst beleidigt sein will(!) und den eotrafantrag bemängelte, wurde jetzt vom Reichsgericht verworfen. Gleichsa7z verworscn wurde die Revision des Tchutzmanns Wilhelm Müller in Tchkncberg, der vom Schwurgericht beim Landgericht II in Berlin wegen Amtsverbrcchcns zu einem Jahre sechs Monate Gefängnis verurteilt worden ist. Er hat einkassierte Ge- bühren in Schanksacbcn unterschlagen und die darauf bezüglichen Akten vorsätzlich beiseite geschafft. Ein bodenloser Leichtsinn hat den Buchhalter Julius Grabowski dem Verbrechen in die Arme getrieben. Ilmer der Anklage des Betruges, der Urkundenfälschung, der Beleidigung und der Körperverletzung hatte sich der aus dem Gcrichisgcsängnis zu Lübeck vorgeführte Angeklagte vor der fünften Strafkammer des Landgerichts III zu verantworten.— Der schon während seiner Militärzeit wegen Diebstahls vorbestrafte Angc- klagte hatte iM Juni vorigen Jahres bei einem Malermeister in Spandau eine gutbezahlte Stellung erhalten. Er kam nie mit feinem Velde aus und machte überall Schulden. Um sich die zu seinen noblen Passionen erforderlichen Mittel zu verschaffcu, fälschte er einen Wechsel mit dem Namen seines Chefs und gab diesen bei dcc Spandauer Genossenschaftsbank zum Diskont. Die aur bisse Weise erschwindelten 530 M. hatte er in wenigen Tagen teils auf der Liennbahn, teils auch in leichtsinniger Gesellschaft vcr- jubelt. Bald darauf erschwindelte er sich von einem Fuhrherrn iöO M. unter der falschen Angabe, sein Ehcf sei verreist und habe vergessen, ihm das Geld zur Lohnzahlung zu geben. Nachdem er ■auch dieses Geld verjubelt hatte, verschwand er aus Spandau. Er wurde schlirsstick' in Lübeck wegen neuer Betrügereien verhastet.— Bei seiner Eiulieierung in das Geiängniö spielte der Angeklagte erst den..wilden Mann". Tie Beobachtung seines Geisteszustandes durch Medizinalrat Dr. Hoifmann ergab jedoch, daß von der An- Wendung des Z 51 keine Rede sein könne.— Da« Gericht erkannte mit Rücksicht auf den groben Vcrtrauensbruch des Angeklagten auf 0 Monate und 1 Woche Gefängnis. Wegen Erpressung verurteil». Vor der 3. Strafkammer des Landgerichts II hatten sich gestern der Wjährige Metallftanzer Albin Kauer und dessen gleichaltrige Ehefrau wegen Erpressung zu veranstoorten. Der Apotheker Oscar R., der in diesem Strafverfahren eine etwas eigentümliche Rolle spielt, lernte vor inchrercn Jahren die Mitangeklagte Ehefrau kennen und ging mit dieser, obwohl sie damals gerade 14 Jahre alt geioorden ivar, ein intiines Liebesverhältnis ein. Tiescs fand schließlich dadurch ein gewaltsames Ende, daß die Angeklagte feiner« zeit der Fürsorgeerziehung überiviesen wurde. Ein gegen den Ver- führer anhängig gemachtes Strafverfahren wegen Berkührung einer Minderjährigen mußte wieder eingestellt werden, da die da- inals Fünfzehnjährige aus Liebe zu R. falsche Angaben machte. während dieser selbst wahrheitswidrig jeden näheren Verkehr bc- stritt. Nach ihrer Entlassung aus der Fürsorgeerziehung ging die ». im Alter von 2l Jahren sofort die Ehe mit ihrem jetzt mitangc- klagten Ehemann ein. Im August vorigen Jahres erhielt R. von dcc Augctlagtcn einen Brief, in welchem ste versteckt andeutete, daß das Strafverfahren gegen ihn nunmehr wieder aufgenommen fei. Diese versteckten Andeutungen wiederholten sich noch öfter. Erst nachdem sich R. erkundigt hatte, daß ein Strafverfahren gegen ihn nicht eingeleitet war. beschloß er, den Angeilagtcn eine Falle zu stellen. Er bestellte beide in seine Wohnung, nachdem er vorher die Kriminalpolizei benachrichtigt hatte. Als dann der Ehemann St. auf die Frage dcü R.. wieviel er verlange, die Antwort gab, daß er mit 5000 M. zufrieden sei, erschien ein Krimtnalschutzmann. der sich bisher im Nebenzimmer verborgen gehalten hatte und nahm be:dc fest. Bor Gericht bestritten beide Angeklagte mit aller Entschieden- heit, erpresserisch« Absichten gehabt zu haben und behaupteten, daß ihnen zuerst das Geld angeboten worden fei. Das Gericht hielt jedoch beide Angeklagten für schuldig und erkannte gegen die Ehe- frau auf 4 Wochen und gegen den Mann auf 2 Wochen Gefängnis. Bus der Frauenbewegung. Tie rote Internationale. Frauen! Ein harter Kampf wird morgen im ersten Berliner Reichstagswahlkreis ausgekochten. Gilt es doch den einzige», bisher noch bürgerlich vertretenen Wahlkreis Berlins vor dem drohenden Ansturm sozialistischer Uebermacht zu ver- tcidigen. Mit Aufgebot aller Kräfte arbeiten die Vertreter derKapitalistenklasse. daß ihnen diese„Hochburg", und mit ihr Herr K a c m p f, der Vertreter des Handelskapitals, erhalten bleibt. In ihrem letzten Flugblatt suchen die Handels- kapitalisten �die Bourgeoisie damit graulich zu machen, daß der Sieg der Sozialdemokratie im ersten Berliner Reichstags- Wahlkreise eine Preisgabe der RcichShauptstadt an die„rote Internationale" bedeute. Ter Bourgeois soll ängstlich vor diesem Schreckgespenst zurückweichen. In allen Tonarten buhlen die Freisinnigen jetzt um die Gunst der demokratischen Wähler, die dem Kandidaten des Freisinns wegen seines Ver- Haltens im Reichstage energische Absage erteilt haben. Sie beben die demokratischen Wähler gegen die Parole ihrer Führer, die„für den sozialdemokratischen Kandidaten Tüwell" „gegen den Freisinnsiiiann Kaempf" ausgegeben ist. Ter Freisinn preist seinen Kandidaten als wahrhaft liberalen Mann, der die Bedürfnisse des schassenden, werktätigen Bürgertums kennt, der für das Gemeinwohl und die bercch- tigtcii Interessen aller Erwcrbsschichten eintritt. Und was antworten die Tcmokraten? Sie Wersen der„Fortschritt- lichen Volkspartci" ihre politische und soziale Rückständigkeit vor und erklären:„eine Besserstellung innerer politischen Ver- hältnissc wird nur möglich durch radikale Temokratisierung des Bürgertums und eiitze geschlossene Frontstellung aller er- werbenden Kreise gegen alle Reaktionäre, seien sie offen oder verhüllt mit einer„liberalen" Maske". Und die Frauen? Tie bürgerlichen Stimmrechts- damcn haben sich an die Rockschöße des Herrn Kaempf ge- hängt, eines Kandidaten, der noch niemals für die Frauen- sorderungen eingetreten ist. Tie bürgerlichen Frauen leisten Kulidieiiite der Partei, die ihren obersten Forderungen Absage erteilt hat. sür den Kandidaten, der bei der Schlußabstimmung der bedeutungsvollen Reichsversicherungsordnung keine Ant- wort zu geben wußte. Tie bürgerlichen Frauen treten ihre eigenen Forderungen und die der großen Masse der erwerbs- tätigen Frauen mit Füßen. Proletarierin neu! Unser Kandidat hat stets für die Gleichberechtigung der Frauen gekämpft, immer und überall hat er die Männer und Frauen aufgerufen zum Kampf für Freiheit und Recht, gegen Ausbeutung und Unter- drückung I Es gilt den Kampf sür unseren Kandidaten der Arbeit und Gleichberechtigung gegen einen Vertreter des Börsenkapitals zu führen, und deshalb helft alle mit. Ihr rechtlosen Prolctarierinncn, der Kapitalistenklasse auch den letzten Berliner Wahlkreis zu entreißen! Auf denn zum Kampf und Sieg für die rote Internationale! Leseabende. l. Wahlkreis. Degen der am Momag stattfindenden Stichwahl ist der Leseabend ans Montag, den 29. Januar, verlegt worden. Lichtenberg. Montag in den bekannten Lokalen Vortrag:„Das Ergebnis der Reichstagswahlen und die Genossenfchafts- bewegnng." Stralau. Montag, den 22. Janilar. im Lokal Schmidt. Marlgrafen- dämm ö. Vortrag des Genossen Zimmermann. Johannisthal. Dienstag, den 23. Januar, bei Heidericb, Friedrich- straße II. Genossin Martha Hoppe-Berlin referiert. Köpenick. Montagabend S1/* Uhr bei Müller, Alter Markt. FricdrichShagc». Montag, abends 6'/3 Uhr. im Jugendheim. Friedrich- straße 00. Tagesordnung:„Was müssen die Frauen vom Krantenversickierungsgesctz wissen?" Nicdcr-Schöneweide. Dienstag, den 23. Januar, beim Gen. Bengsch, Vritzer Sw. 17. Nicdcr-Schönhaiiscn-Nordcnd. Dienstag, den 23. Januar, abends Z'/i Uhr. im Lokale von Ulitz(„Scvworzer Adler"), Blanken- burger Str. 4. Vortrag der Genossin Kähler. Pankow. Montag, den 22. Januar 1912, bei Stork, genannt Türkisches Zelt, Breitestraße 14, Vortrag des Genossen G c r- Hardt. Borsigwaldc-Wittcnau. Am Dienstag, den 23. Januar, abends 8>/.z Uhr, in den Borsigwalder Festsälen: Vortrag der Genossin A r e n d s e e über die Bedeutung des freien Wahlrechts. Tegel. Montagabend 8'/3 Uhr im Jugendheim, Schlieperstraßc 30. Referentin: Martha Ä r e n d s e c- Tegel. Friedenau. Montagabend 8Vz Uhr bei Mcchelke, Handjerhstr. 60/61: Vortrag der Genoisin Käschewöki:„Welches Interesse haben die Frauen an der Zusammensetzung des Reichstags". Mocden'Spielplan cle? verlinei' Chcutcr. Köntgl. Opernhaus. Sonntag: Othello. Montag: Mignon. Dienstag: Madame Buttersly. Mittwoch: Dcc große König. Donnerstag: Der Roiciikavalter. Freitag: Fidclio. Sonnabend: Der groxe König. Sonntag: Der Rosenkavaiicr. Montag: Tannhäuser. fAnsang Tj, Uhr.) «onigl. Schauspielhaus. Sonntag: Prinz Friedrich von Homburg. Montag: Doktor tilaus. Diciistag: Der Bettler von Syrakus. Mittwoch: Figaros Hochzeil. � Donnerstag: Die Journalisten. Freitag: Der gcbörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Sonnabend: Die Entführung aus dem Serail. Sonntag: Kriemhields Rache. Montag: Goldfifchc.(Anfang 7'/, Uhr.) Neues königl. Oprrutheater. Sonntagnachmittag 2'/, Uhr: Ter Tchlagbaum. Abends 8 Uhr: Hainiet. Montag: Uriel Acofta. Teutsches Theater. Sonntag: Othello. Montag: Penthesilea. Dienstag: Turandot. Mittwoch: Minna von Barnkelnr. Donnerstag: Tie Orcstie. Freitag: Pcnthefilca. Sonnabend: Turandot. Sonntag: Turandot. Montag: Faust, l. Teck.(Anfang VI, Uhr.) Kammerspirle. Sonntag: Eine glückliche Ehe. Montag: Gawkn Dienstag: Eine glückliche Ehe. Mittwoch: Nathan der Weile. Donnerstag: Eine glückliche Ehe. Freitag: Offiziere. Sonnabend: Eine glückliche Ehe Sonnlag: Ralkan der Weife. Montag: Frühlings Erwachen.(Anfang 8 Uhr.) Lefsing-Tbcater. Sonniaanachmitlag 3 Uhr: Wenn der junge Wein blüht. Abends: Gudrun. Montag: Glaube und Helmat. Dienstag: Gndrun. Mittwoch: GApenster. Donnerstag: Gudrun. Freitag: Glaube und Heimat. Sonnabend und Sonntag: Gudrun. Montag: Giaub: und Heimat. iAnfang 6 Uhr.) Berliner Tdeater. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Bnmmclltudentcn. Abends bis Montag: Große Rosinen.(Ansang 8 Uhr.) ?ie»rS Schauspielhaus. Sonnlag bis Dienstag: Heisigenwald Mittwoch: Agnes Leniaucr. Donnerstag: Fiatjustitia.(Ansang 7'/, Uhr.) Freitag: Ait-Heidelberg. Sonnabend und Sonntag: Flut justitla. Montag: Hciligenwald.(Aiifang 8 Uhr.) Komlichc Cver. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ter Barbier von Sevilla. Abends: Undiiie. Montag: Der Troubadour. Dienstag: Undine. Mittwoch: La Traviala. Donnerstag: Der Freischütz. Freitag: Undine Sonnabend: Rtgolclto. Sonntag: Undine. Montag: Der Freilchütz. (Aiifang 8 Uhr.) Knrfürsteu- LPer. Sonnlaanachmittaa 3 Uhr: DaS goldene Kreuz Der Dorfbarbier. Abends: Tiefland. Moiitag: Tiefland. Dienslag: Der Schmuck der Madonna. Mittwoch: Tiefland. Donnerstag: Der Schmuck der Madonna. Freitag: Tiefland. Sonnabend, Sonntag und Montag: Der Schnmck der Madonna.(Ansang 8 Uhr.) »ilrines Theater. Souiitagnachmltiag 3 Uhr: Angele, l. Klasse. All abendlich: LotlchenS Geburtstag. Ecntz und Fanny Elßlcr. Hockenjos. (Ansang 8 Ubr.) Neues Theater. Gonutagnachmittag 3l/4 Uhr: Da» Mädel von Montmartre. Allabendlich: Die Ueine Freundi».(Anfang S Uhr.) Schiller-lheater O. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Der Probe- tanbidat. Abends; Madame Sans-Göne. Montag: Ter Kilometersresfer. Dienstag: Der Probcpfcil. Mittwoch: König Heinrich. Donnerstag: Der Probcpfcil. Frettag: Der Probcpfeil.«onnabend: Der Weg zur Hölle. Sonntag: Der ProbepfeU. Montag: Der Weg zur Hölle.(An- fang 8 Uhr.) SchtUer-Dbeater Vbarlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Der' Weg zur Hölle. Montag: Emilia Galotli. Dirnstag: Emilia Galotti. Mittwoch. Der Krlomcterfreffcr. Donnerstag: Der Weg zur Hölle. Freitag: Emilia Galotti. Sonnabend: Der Kilometer- Ueffer. Sonntag: Emilia Galotli. Montag: Der ProbepfeU.(An- fang 8 Uhr.) Friedrich- Blllhelmsiädttfches Schauspielhaus. Sonntagnach- mittag 3 Uhr: Der Kaufmani! von Beliebig. tzlhendS: Zwei glückliche ?ag«. Montag: Der Kaufmann von Venedig. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Zwei glückliche Tage Freitag: Taifun. Sonnabend: Zwei glückliche Tage. Sonntag und Montag: Taifun.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Dheater. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelie. Täglich: Ein Walzer von lldopin.(Anfang 8 Ubr.) Theater in der Königgräher Straße. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Fatliffcment. Täglich: Die fünf Franktiirter.(Anfang 8 Uhr.) Dkeaeer des Westen». Sonntagnachmitlag 3'/, Uhr: Fatinitza. Abends: Wiener Blut Montag bis Freitag: Rufsifchcs Ballett. Sonn- abend niid Sonntag: Wiener Blut.(Anlang 8 Uhr.) Tdalia-Tbeaior. Sonnabendnachnntlag 3 Uhr: Der Kilomcterstcffer. Allabendlich: Polnische Wlrtlchafl.(Alllang 8 Uhr.) pustipirtban». Sonntagnachmittag!> Uhr: Renaissance. Allabendlich: Die Damen des Regtnients.(Anfang 8 Ubr.) Neues cperetirn-Zheater. Soiintagnachmittag 3 Uhr: Der Graf von Lureniburg. Allabendlich: Die modeine Eva.(Anfang 8 Uhr.) Drianon-Tbeater. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Francillon. Allabendlich: Da» lieiiie Eafo.(Anfang 8 Uhr.) Nose-llieaier. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Heimat. Wends und Rontag: Zwill-nge. Dtciittag: Salon und Kloster. Mlttivoch: Heimat. Donnerstag: Salon und Kloster. Freitag: Zn-illinae. Sonnabend, iO ntag und Mo- lag: Salon und Kloster.-Aniang 8 Ubr.) Luilen-Zheaier. Soniila-inachmiitag 3 Uhr: Wir tanzen durchs Lebe». Abend«: Der V rfchwendcr. Montag: In Dunkel gehüllt. Dien»- lag: Der Vcrlchivciider Mittwoch: In Dnnlel gehüllt. DoniierStag: Di« Grille. F-eiiag: Au» Mangel an Beweife». Sonnabend: Berlin O. Soni-tag: An« Mangel an Beweisen. Montag: Dir tanzen durchs Leben. (A-.fang 8 Uhr.) Belle-Avianec-Theater. Sonntagnachmitlag 3>/, Uhr: Der Hütten- befltzer. Abends: Die Räuber.(Anfang 8 Uyr.) Montag: Undine. DtenS- tag bi» Fre>tag: Sherlock Holme». Sonnabend und Sonntag: Trilby. tAnfairg 8 Uhr.) Montag: Undine.(Anfang 8'/, Uhr.) Neues Bollsil.cater.(?ieue Freie Boiksbühne.) Sonntagnachmittag »rd abend»: Fritzchen. Der zerbrochene Krug. Montag: Fritzchcn. Der z-rbrockreneKrug Dt-nStag: Leldcirfchast. Mittwoch bis Sonntag: Fritzchcn. Ter zerbrochene King. rAntang 6'!, Uhr) Biihnr»genojienschnst. Montag. Theater All-Berlrn, Blnmenftr. 19: Del Rmib der S bineriunen. MUlwo« in den Pi>,nu fälcn, Müllerstr. 142: Minna von Barnhclm. Doiiiieislag im Theater Atl-Bcrlin: glachSmann al» Erzieher: in den Sophicnfälcn,-ophienftr. 18: Das Glück im Winkel! in teil Holieiistausenfäle», Koltbufer D-rmm 7S: Minna von Barnhelm! in MoernerS Frflfäler, Koppcnstr. 29: Kabale und Liebe. <5asi»o/, Uhr: Die Tochler dcS Sträflings. Abend» täglich: Der Kampf tun« Dnfein.(Anfang 8 Uhr.) Metrovol'Tdeaicr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Miß HeiveU, M- abenolich: Die Nacht von Berlin.(Ansang 8 Uhr.) Kalles Eaprkce. All-v-ndlich: Mandekblllths Pollerakcn». Dassen- -I.»»- F-rm- Gchm-rzI-!- Behaiidluirg.(Zwfang 8 Ubr.). AvoUo- Tlrearcr. Soniltagnachmlilag 3'/, Uhr und abends täglr-.). Spezialitälcn(Anfang 8 Uhr.) ZvalhaUa. Somilagiiachnritlag 3'/, Uhr: Die größte«ünde. abendlich: Xeitfel. das bat eingefchlageii I fllnfang 8'/« Uhr.) ZlrkuS Busch. Sonntagnachmitlag 3'/, Uhr: Große Vorstellung. Täglrch: Gala-Vorstellung.(Ansang Vi, Uhr.) ZirknS Schumann. Sonniagnachmittag S'l, Uhr: Große Vorstellung. »lllabendlich: Gala-Vorflellimg.(Anfang?>/. lU.r.) � Zirkus Zarrasaul. Mittwoch-, Sonnabend- und sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Vorstellung. Allabendlich: Gala-Borstellung.(Anfang Passage- Theater. Somitagnachmütag 3 Uhr: Spezialitäten. Tag- lich: spezialüäieii.(Anfang 8 Uhr.) Reichslinlleu-Theater. Täglich: Stcltmer Sänger.(Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Ufir.) Königstadi Kasino. Täglich: Spezialitälen.(Ansang 8 Uhr.) kkarl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 7 l; Uhr.) Intimes Theater. Täglich: Der Brandstifter.(Ansang 8'/, Uhr.) Wint. rqartrn. Tägiilti: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Nrania- Thenier. Zanbenitr. 48/49. Sonnlag: Von Meran zum Ortler. Montag: Von Me au zum Ortler. Dienstag: AuS dem Leben des Meeres. Mittwoch: Von Meran zum Ortler. Donnerstag: 2. asri- kanische Eizpedstion de» Herzogs Adolf Friedrich. Freitag: AuS dein Leben des Meeres. Sonnabend und Sonntag: Bon Meran zum Orlfer. Montag: Unbestimmt.(Anfang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—82. Hus aller Älelt. Die Cholera in der Türkei. Nachdem in den letzten Monaten die Cholera in den türkischen Provinzen nur vereinzelt aufgetreten ist, tritt die furchtbare Seuche in verschiedenen Ortschaften jetzt wieder epidemisch auf. Wie ailZ I a n i n a gemeldet wird, sind dort in den letzten Tagen siebzehn Cholerafälle vorgekommen, von denen acht tödlich ver- liefen. Ans L a r o S werden zwölf Erkrankungsfälle ge- meldet, sieben davon endeten mir dem Tode der Erkrankten. Trotz behördlicher Ableiignungcn soll die Cholera auch unter den türkischen Truppen stark grassieren. Brand eines Petersburger Theaters. Aus der Bühne des neu eröffneten Theaters des Volks- Hauses in Petersburg brach in der letzten Stacht Feuer aus. das in kurzer Zeit die Bühne in einen riesigen Scheiterhaufen verwandelte. Alle vier Stockwerke des Theaters sind aus- gebrannt. Am Abend war das AusstalluiigSsiück„Sewastopol" gegeben worden. Man glaubt, daß bei der Cpplosion eines SkriegZ- ichiffes Funken auf die Dekoration fielen und dadurch»ach Theater- schstiß der Brand entstand._ Prozentpatrioten. Eine amüsante Episode spielte sich am Donnerstag vor dem Londoner Polizeigerichl in der Bolo Street ab. Jemand hatte eine Firma verklagt, die mir Schreibinaschincn handelt. Im Laufe der Verhandlung verlas der Rechtsanwalt des Klägers ein Zirkular. das die Firma a» ihre Agenten verschickt hat. DaS Rundichretbcn trug als Ueberschriit das LosmigSworr, mit dem Nelson seine See- leute bei Trasolgar anfeuerte:„England erwartet, daß jedermann seine Pflicht rut Es hieß da»», daß die Deutschen e i f c r- süchtig seien und entschlossen wären, so viele Schreibmaschinen zu verkaufen als England, Frankreich, Oesterreich, Italien, Belgien, jjaflarid und die Schweiz zusammengenommen. Dann fuhr das Äyriflstück fort: „Wir müssen die deutsche Organisation mit allen Mitteln schlage». England, das erste Land der Welt in allen Sportkämpfcn. lvird zeigen müssen, was c" tun kann, lind wir sind sicher, daß sich olle unsere Leute mit verdoppelter Energie an die Arbeit machen und ihren Teil dazu beitragen werden, der„ölig ist. um den Sieg zu«rriiigcn. Es lvird ein h a r t c r K a in p f iverden, weil die Deutschen eine feste Stellung innehaben. Machen Sie sich mit Eifer an die Arbeit/ tun Sie Ihr Bestes. England muß an die Spitze kommen." Nach dem Verlesen des Zirkulars fragte der Rechtsanwalt trocken. ob eS nicht wahr fei, daß diese patriotische Firma eine Filiale eines deutschen Geschäfts sei. Der Be- klagte mußte kleinlaut zugeben, daß dem so sei. Wie muß»uu diese Firma erst in Deutschland donnerwcttcrn! Vielleicht beginnt ihr Ausruf an ihre deulschen Agenten mit den Worten:„Deutichland wach aus 1 Wir Deutschen fürchten Golt und fönst mcbtS auf der Welt! Daher fort mit dein ausländischen Schund usw."_ Wenn Jesuiten„exerzieren". In H e t t st a d t in Unterfronken haben in der Woche zwischen Weibnachten und Neujahr Jesuiten sogenannte„Exerzilien" abgehalten. Bei einer Fabrikarbeitcrwitive äußerten sich die Folgen derart, daß die Frau von religiösem Wahnsinn befallen und in die Klnnk nach Wnrzburg geschafft werden mußte. DaS Zentrum will den bayerischen KliUnsnunister auf dem Scheiterhaufen verbrennen, weil er einen schüchternen Erlaß gegen die auffallende Tätigkeit der Jesuiten in Bayern herausgegeben hat. Kleine Notizen. Ein Berbrechen? In der vergangenen Nacht gegen 3 Uhr brannte das Anwesen des 80 jährigen Rentners Wölfrath in Äöln-Bocklemünd vollständig nieder. Wölfrath, der für reich galt und zurückgezogen lebte, wurde als verkohlte Leiche unter den Trümmern aufgefunden. Man vermutet, daß ein Verbrechen vorliegt. Hinrichtung einer Frau. Die Eigenkätnerwitwe Ursula Tiessat aus D-mcdSzen(Kreis Niederung), die wegen Ermordung ihre» ManneS vom Schwurgencht Tilsit am 10. November zum Tode verurteilt worden war, ist Sonnabend früh im Hofe des GerichtSgesängnisieS in Sil fit hingerichtet worden. Schneeverwehungen. Die Eisenbahnslreckc Friedebach- S e h d a ist wegen Schneeverwehung seit der Nacht zum Sonnabend gesperrt. Die Schneestürme dauern fort. Ein steckengebliebener Zug konnte noch nicht freigemacht werden. AuS dem Reich der Lüfte. Ter Flieger Verrept stieg in Scnlis am Sonnabend mit zivei Mitreisenden an Bord mit seinem Eindecker 1075 Meter hoch und stellte damit einen neuen Weltrekord auf.___ Cü,Ae,«>,„-e«»«»S M �. nt. r i.. � Visu che Kurten 6e|onbev9 tntt 1 BiS 2 ff. liquidiert werden.— f?. X. 41. 1. VollstreckungZgegenilage Bei dem Gericht, welchcS daS erste Urteil er- lassen bat. 2. A 218 2lbs. 2 Biirgerl. Gesetzbuchs.— Cliarlottendnrg 48. Soweit Ihre recht miliare Darstellung erkennen lägt, empfiehlt es sich, daß Sie selber sowohl gegen R. als auch gegen A. Klage erheben.— E.2ch. 13. 25 M. können nur dann gepsändet werden, wenn der Eigentümer auch zur 30 M. verpflichtet ist, sonst unseres Er� Zahlung des Wochenlohnes von 30 achtens nur 5 M.— I. K. 22. ..... �' Z der wesentlichen zur Deckung Leider ja.— W. H. N. 3. Im HinterBIicbenenbrziige Bestinunt. Rückzahlung nicht erhältlich.- P. T. 444. 1. Hälfte Bei gesetzlichen Erbteil». 2. Nein. Das Ansechlmrgsrecht steht aber nur pflichttellsbercchtigten Erben ____ v--r.il;. s._____ r*...... ini.. 1 2„i am■äa« o-4.»»»>. O Renlenbescheides beantworten. 3. An das Polizeipräsidium — y. h. ui. Bei dem von Ihnen angegebenen Verdienst ist eine Be- schlagnahme unzulässig. Gegen einen etivaigen Psändungsbeschlutz legen Sie Beschwerde ein.— A. G. 10. Einfache Berpflichwngserklärung. Be- glaubinung erfolgt auf dem Polizeireoier.— C. R. IVO. Das Auf- lisungsrecht de» Bundesrat« i» nach dem«efetz unBefchrin».—»- K. 0g. Kind drei Viertel, Sie ein Viertel. Schwiegereltern haben kein Erb. recht, auch kein Recht, das Kindesvermögen zu verwalten. Das letztere Recht steht Ihnen zu.- G. Ä. 113. Bis 11 Uhr. falls der Mietsvertrag nichts anderes besagt.— P. P. 47. 1. Nur dann, wenn, wie es die Regel ist, im MielSoertrag vereinbart. 2. Auf Befragen ja, sofern die Angaben beweisbar find. 3. Sa. ES mutz der ursprüngliche Zustand hergestellt werden. 4 Ja.— D.«. 101. 1. Einzelne Rechtsanwälte empfehlen wir grundsätzlich uicht. 2. Ja.— Ww. 25. Nest:. �fLcnj' ÖUdhwj siji-tyS■ryöbyjf, tHvff yiu —*J ff Abw Oj�ctCOali ßMMcamcßnwl! H«»" Berliner � umor-flugrlett Gg. Treuer �ItKaeUnieBaUeelO Qroj5e?irmA d-rgibt Teppiche, Gardinen, Stores, Steppdecken, Portieren nur Teilzahlung olmrAuzabluug. Steine Kassierer. Chiffre S. 100,„Bor- wSrts"-Spedition, Auguststr. SO.* J. Baer B3(!StF.2ßprin�-AIIeo Herren- unil Knaben- i Moden, Berufskleidung. Bieg. Paletots. Ulster. i:; GroBes Stofflager:: zur Anfertigung n. MaS. Allerbilligste, streng feste Preise. r•"ftrhn......................................... 1, JJ'"' üi,,;."Nu i•♦-W-yi..,»-lU.� K/llh."'.>n»rt dUjtdfiemHiurf1 dßlcityfaffnii Aji ftw jSuu MQtwiiOcflL. tSfinc CßnßoJli£ i I> Abendkurse Berlin, STeandertitr. 3 Technikum, Bauschule. Direktor: Konigl. Regio- rungä- Baumeister a. D. Arthur Werner. Inhaber. MM Prospekte kostenfrei. H r Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68 lilndeneitr. 09(Laden). 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Wer die Tabakarbeiter in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen gewillt ist, beziehe seine Waren von nachstehenden Zigarrenfabrikanten. Uebt Solidarität! Osten. •Ctto Schirmrr, Fronksurter Allee 7. 'Willi. Klein, Am Oberbaum t. "Schulze. Friedrichsseldcr Slratze 23. M. Haiinemann. BrcSlauer Str.». »i. Zrilte. Langestr. 29. IV. 'Paul Wotfchke. AndreaSstr. 10. >Herm»n» Tavid. Wcidcnweg 3. Helene Kolbeig. Memcler Str. 34. 'Panl Pctersou, Wcidcv.weg 83. Hrrmniin Kasrlow, FAedcnstr. 71. Kranz Kröger, Bosciicr St:. 25. »�ob.«leide», Weidcmvcg 20. 'tarnst Bost. Vmgtsil. 0. 'Gustav Brösel. Fruchtsir. 83. Atax Lcrctie. Ziljiler Str. 44. 'August Körlin, Rigaer Str. 40. df. iornotv. Wcidcnweg 3. Harzmann. Stralaner Allee 31 d II. 'Johann Licbich. Wemeter Str. 7. Ctto Kogli». Schrcinerstr. 55. Antun Jrohlicli. Langeftr. 56. Ar. Schubert. Rominlener Str. 30. '?i. Spriitoch, Tilsiicr Ttr 00. Robert �ifcwsti, Tilsilcr Str. 70. ».'»doli Pohl. Kopnnikiisitr. 3 I. Adolf Vosr! lr. ötschnrr, g-nchtstr. 61. 'Gchiiigs, Grüner Weg 00. Qtio Strrnke, Krautslr. 1a. «Sct.ciirrn'an», Pros.katlcrstr. 39 Südosten. Adolf Tomann. Lansitzcr«tr. 7. 'August Leisvie. Adalbcrlstr. 18. 'PH. Z'arhr, Ranuynstr. 24. Gmil Gabler. Ciivrpiir. 43. 'Louis Jiicher,'' uer Slr. 57b »Gustav Zillict-. Iorstcr ietr. 8. -Robert Kessler, Mariannenstr. 37. 'Jean Vrun», Wrangelstr. 15. 'Inst Lobbes, AdalbeUslr. 58. Wilhelm Jriebel. syorfter Str. 39. Wilh Stnbner. Eiienbaimstr. 33. Käminler. Rcidicnbcrger Slr. t57. -Paul Reichel», Wrangelstr. 02. �Abolf Künste, Grünaner Str, 4. 'Robert Jrouke. Britzer Slr. 20. Bernh. Möller, Reichenbcrzcrstr.llt »August Vogel, Admiralstr. 23. Koelpin, Admiralstr. 9. Wolff, Görliger Str. 57. Süden. �Wilh. Ztoeruer. Ritterstr. 15, "August Zech,(Äitschiner Str. 53. Gustav Schmidt, Giäjestr. 08. 'Gustav Lochtnann. Wasscrlorltr.49. Herm. Schulz. Slbönleinstr. 23. Südweste«. Wwe. Löcke, Möckcinstratze. Nordwesten. »Richard Ki Pcrt, Zivinglistr. 29. Ltto Bornkeflel, Waldstr 39, III. »Wilhelm Bundschuh, Birkeiislr. 48 »Robert Kern. Stromstr. 25. R'st ard Schotvan. Wiclesslr 40.1. <•£■>. Hagedorn. Emdener Str. 47. 2 oicnbcrg. Rostocker Str. 21. »Zimmrrma»». Luilownr. 105. 'Paul Müller. Beusselstr. 28. Julius Löbel. Beuffelstr. 02 Norden. »Will,. Bland. Ackcrstr. 1l9. 'I. Siabriy. Kleimstr. 10. Rudolf Runge. Jimalidenstr 20. 'Emil Hersorth. Rügen> Str. 7, Eingang Piitbuser Stratze. »itzrou Luise Stuft. Soldiiier Str. 63. 'WachSmuth. Freiemvaldcr Str. 9. Schubert. Norweger Str. 4. August Bausdorf. Soldiner Str. 14. 'Teglow. Howstr. 2a. 'Paul Mazanke. Pankstr. 24. 'Hermann Kornestki.WollinerSt. 23 Kempers. Fchrbelliner Str. 57. »A.»ziildema»», Rheinsberg. Str. 37. »Irin Sperber. Ruppiner Str. 44. »B. Morist. Bernaner Str. 18. Siedrech». Weitzenburger Str. 83. »Julius Siide. Soarbrücker Slr. 7. 'Willi. Klei». Müllerstr. 184. 'Paul Lpist. Lynarftr. 2. 'B. Robrahn.tÄreifenbagencrStr.IO. 'Engelhardt, Schönbaulcr Allee 50a. Hcllniann, Schönhauser Allee 40a II. *Jrau Krause, Biesentbaler Slr. 9. »Lskar Klose, ReiinckcndolscrStr.36. H. Bougardt. Gleiniftr. 40. I. Zinimermaiin. Tresckowstr. 13. »Krirdein.'U». Siargarder Slr. 74. »Jrauz Irin. Trifistr. 4. Paul Roa, Alalplnauctstr. 24, I. »Wilhelm Ruft. Anlouslr. 2. »W.»ioppner. Maxslr. l3a. August Schirmer. Jnvalidenslr. 2. »E. Gobicu. Wietel waldk! Sir. 22. »Louis Hofsuian». Gaudystr. 5. »Robert Eckert. Kolberger Str. 15. -Robert Grrwe, Wie cnstr. 19. »P. Goritvoda, Stolpiiäze Slr. 44. 'A'chenbrcuner. Schlicmalinstr. 4. "Ad. Krämer. Schwcdtcr Slr.lS/lS. »Jr.edrich Schulz. Wtcjenstr 00a. Albert Haspel, im Humboldlham. 'August Beutel. BicscütbalerSlt. 24. 'Eduard Möhl.Schönholzcr Slr.It. »H. Herberg, Kleunstr. 65. 'Karl Habersaatb. Gramtfir. 40. 'Gustav Henuig, Koloniestr. 129 'W. Pollwist. Schliemamistr. 47. "A. Kaergcr. Prenzlauer Allee 169. 'Paul Kueisel. Ackerstr 131. »Schlössrrs Nachf.. Gertchtltr. 2. Jakob Gotting. Liebenwalder Str. 5. 'G. Stadlberg, Dunckerstr. 12. Paul Stoack. Schönhauser Allee 56. 'Ernst Schulz, Bernaner Str. 2. 'Willst Serrc. Swmemünder Str. 55. 'Gustav Henze, Stetnner Str. 61. Ctto Brau», Ruppiner«tr. 14. 'Rod. Genzkow, Lortzingilr. 24. 'W. Balzer, Ramlerjlr.>2. Prager, Rupviner Str. 25 I. Jriedr. Berlin. Ackerstr. l30. 'Pflug. Rcintckendorser Str. 71. E. Hildebrandt. Rügener Slr. 26. 'H. Junghans. ReinickendorferSt. 106 'H. Ziehm. Bernaner Slr. 48. 'Semmler. Brunnenstr 103/104. 'Schuhman». Botiensir. 18. »Zöllner. Stctliner Str 20. »Weidner. Hochitr. 43. »Hübuer. Rügcner Str. 18. '-'Jrostlich. Reinickendorfer Str. 87.� Si.'nrie Tulla, Gleimitr. 53. 'Sch' erlüg. Brunnenstr 90. Schubert. Norweger Str. 4. Nordosten. Marie Kloft. Palisadenstr. 101 pt. B. Loemiudorff. Bcinstr. 0 II. W. Ecke» brecht. Höchstestr. 7 in. Ctiu Better, Höchstestr. 32. 'Jos. Kro bisch. Büsckiingstr. 20. »tvi ux Po l eft, Friedi ichSberger Str. 10 »Jakob Reul. Baruimftr. 42. »Karl Muller. Rhkeftr. 38. »A. Dierbach, Winsjtr. 25. »Tb. Beruböft. Greisswalder St. 207. 'Gustav Pinner, Tresckowstr. 30. Georg Börger, Tresckowstr. 38. »Heinrich CUe. Metzer Str. 22. »Wolter. Marienbnrger Str. 32. »Richter, Landsberger Ztllec 145. »Gustav Wittenberg. Barnimstr. 15. »M. Moewus, Weinstr. 29. »Hugo Wache, Koppenstr. 46. 'Aug. Kiest. Fricdrichsberger Str. 19. Biauzwiru. WoldcnbergerStr. 12 II. 'Galta, Elbinger Slr. 41. Zentrum. A. Ehaim. Mulackftr. II. I. »Otto Probst, Linieuitr. 25. Boroi»�. Karl Jancke. Adlers Hof. FAedenstr. 10. 'Rud. Ltto. AdlerShos. Sedanstr. 29 Beukert. AdlerShoi, Bismarckstr. S8a. Albert Schumacher. Lichtenberg, Warlenbergslr. 68. »Drift Ehlen, Britz, Rudower Str. 5. »H. Teompa, Lichlcnbctg, Scharu» lveberslr. 44. »Harting, Lichtenberg, Rummels- burger Str. 18. »Kaiser. Lichtenberg, Möllendorff- stratze>5117. »Jost. Bobroivski. Rummelsburg, Erollencr Str. 17. »Mafertovff. Boxhagen. Sefeistr.35. �Schöne. Rixdorf. Witzmannftr. 22/23. 'Schulze. Rixdors. Sleinmetzftr. 110. Guiiav Beck r. Rixdorj. Jnuftr. 29. 'Alb. Schufter. Rixdorj. ziildajlr. 15. I. Gans, Rixdorj, Friedelstr. 3 III. f. Ehler!. Rirdorf, Hirmamistr.226 öuftav Earl, Rixdorj, Prinz- Handjery.Str. 59. »Bortmaun, Rixdorj. Emser Sir. 90. »Klein. Wilmersdorf. Ublandstr 128. »Paul Witt, Steglitz, Düpvclitr. 5. »Rob.Stubner.Stcglitz.schlotzstr. 115 Lehma»». Remickendorf-Oft, Thuucr- ftratze 5. »Pieper, Spandau, Metzer Sir. 12. »Frau Ell» Moos, Spandau, Falken- dagcner Str. 13. »Otto Wilke, Spandau, Birkenftr. 4. 'Wild. Klemmer, Spandau, Schön- walder Str. 82.' Max Nölte.Spandau.Schulzenftr. l4. 'Du rit.Spandali. Pichelsdorf er Str.Ä Otto Kloose, Spandau, Feldslr. 5. 'Wilh. Klein, Tegel. Berliner Str. 84 Kruger. Tegel, Berliner Str. 39 pt. MtliuS. Pankow, Berliner Slr. 90. 'Alb. Joiiitc. Panlow. Mühlenstr. 38. »Hubofch, Panlow, Kaifer-Friedrich- Slratze 74. »Jacobi. Weitzenfee.BerliilerMcc l79 Werner. Beitzeniee. Sedanltr. 19,'. 'Hugo Jürgas, Weitzenfee, Heiners- dorjer Str. 55. »Zirkel. Rixdors, Jdealpassage 6. Morift. Friedrichshagen, Wilhelm- slratze 59. 'H. Herzog, Lichtenberg, Blumen- thalstratze 9. »Rischcwosf.Lichkenberg.Gürfelstr. 12 »Reuhoff. Reinickendorf- W., Eich- bornstr. 54. 'Beständig, Reimckendorf-V?.. Eich- bornstr. 94. »Adelt, Reinickendorf- O., Kopcn- hagmer Str. 1. Kauft nur in solchen Geschüftcn, wo sich unser griitteS Plakat, unter.mckmet: vsn Merirauensmann. Alwin Schulde, Große Hamburqer Straße 18/19, befindet. Obigen Tanffiiinen zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen bezichen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vorinittags von 11—12 Uhr von Unterzeichnetem ansgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, dafi wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen. Tarife mit nnsereni Verband abgeschlossen haben. Tiefe Liste können sich legitimiereude Händler im Bureau erhalten, damit sie. sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese grünen jji-t» ntcr--»..hm-n ß,,«™. Der Ntttrauc»»m«uu. a.«ch-,„.«». Ltraiilivokllichcr ötedakteur: Albert Berlin. Ziir de« Jnseralenkeil oerantw.: Tb- vleltc, Bertin. Truckg.Berlag: BorlvärlS Buchdruckerci u. BeclagSanitalt Paul Sniger u-ltv., Berlin SW. |!f.l7 �9. Zadryauß. 2. Vkilut Ks„iloniiirls" Krlim WIKsdlM Zovntag. 2!� Jannar!!N2. Lrinseruiig an imhere Sshlen. Morgen kämpft die Sozialdemokratie im 1. Kreise um den Wahlsieg und alle verfügbaren Kräfte werden angestrengt, um d-en einzigen Berliner KreiZ, der sich noch nicht im Besitz der Sozialdemokratie bcfinoet, zu erobern. Hart ist das Ringen und von jedem einzelnen werden Opfer verlangt. Doch spielt sich der ganze Wahlkampf wenigstens in aller Ocffentlichkeit ab. Unsere Genossen können heute so ziemlich gleichberechtigt mit den Gegnern ihre Wahlaicheiten verrichten. Anders war es früher. Gerade an demselben Tage sind es LZ Jahre her. daß drei blühende gesunde Männer ihr Leben lasten mutzten, nur weil die deutsche Sozialdemokratie damals rechtlos gemacht und daher gezwungen war, in geheimen Zirkeln ihre Parreiarbeiren zu erledigen. In Ausübung ihrer Parteipflicht wurden am 2 2. Januar 1887 Die Genossen Robert Nauen. Paul Hensel und Otto Lachmann von einem jähen Tode ereilt. Es war.die Zeit des schimpf- lichen Ausnahmegesetzes, wo unsere Partei geächtek und wehrlos gemacht, den ärgsten Verfolgungen ausgesetzt war. War das Aus uahmegesetz erlassen, um die junge, aufstrebende Arbeiterbewegung ivomöglich im Keime zu ersticken, so artete seine Handhabung schließlich zu einem hinterlistigen Rachezug der Machthaber gegen jede freiheitliche Regung des deutschen Volkes aus. Im Jahre 1SL6 wurde das Schandgesetz von den Herrschenoen wieder mit der ganzen Grausamkeit und dem Raffinement gewissenloser va vangue-Spieler ausgeübt. Im April 1588 erließ der untergcord ncte Büttel Bismarcks, der echt pommersche Junker v. Putlkamer. seinen bekannten Strcikerlatz, in dem er ausführte,..daß hinter jedem Streik die Hydra der sozialen Revolution lauere." Wie die Arbeiterbewegung— namentlich in Berlin— damals drangsaliert wurde, davon ein Bild: Während des Monats Mai 1886 wurden in Berlin 47 Versammlungen polizeilich verboten, davmi 30 rein gewerkschaftliche Versammlungen von Fachvereinen, 11 waren Versammlungen von Arbeiter-Bczirksvereinen, 5 Ar beiterinnen-Versammlungen, und eine war eine allgemeine gewerbliche Versammlung. Elf genehmigte Versammlungen wurden polizeilich aufgelöst und der Maurer-Fachvcrein, der Verein der Arbeiterinnen zu Berlin, der Verein zur Vertretung der Jnter- essen der Arbeiterinnen und der Fachverein der Mäntelnähcrinnen, sowie die Pretzkommission des BlatteS.Der Bauhandwerker" polt zeilich geschlossen. Im August 1836 erlangte oie Regierung nach monatelangcm vergeblichem Mühen endlich das Freiburgcr Urteil, durw das die Genossen Auer, Bebel, Frohme, Ulrich und Vollmar unter einer geradezu haarsträubenden Begründung zu je 9 Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Wohl den widerlichsten Streich polizeilicher Ranküne beging der Polizciverwalter v. Hacke in Frankfurt a. M. Durch seine Beamten ließ er am 24. Dezember (also am sogenannte» Heiligabend) eine Anzahl tätiger Genossen zum 1. Weihnachisfeiertage vorladen. Jeder wußte, lvas eine derartige Vorladung zu bedeuten hatte. Am anocrn Morgen er- hielten die Vorgeladenen ihre AuÄveisung ausgehändigt und sie konnten bangen Herzens die Feier des christlichen Weihnachtsfestes begehen. Kurze Zeit später wurde über Osfcnbach a. M. und über Stettin der Belagerungszustand verhängt und am 29. Februar. also am Tage vor der ReichstagSwaht, auch über Frankfurt a. M Damit glaubte Bismarck saine Vorbereitungen zur Wahl gc- troffen zu haben. Ter Schrecken herrschte und die Bourgeoisie war genügend in Angst versetzt. Er holte nun au» zum letzten Schlage, um �ch einen Reichtsag zu schaffen, der noch willfähiger als ver alte war; bangt« ihm doch bereits um feine Machtstellung Ser alt« Kaiser war bedenklich erkrankt und zwischen Bismarck und dem Kronprinzenpaar bestand seit langem eine Spannung. die leicht zur Trennung führen konnte. Da wollte er noch einmal seine Notwendigkeit beweisen, noch einmal seine unbeschränkte Macht auskosten. Er verlangte von dem Deutschen Reichstag die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke um 41 14S Mann und der Militäretat sollte um 23 Millionen Mark vermehrt werden. Die bürgerliche Mehrheit lvar bereit, ihm sein« Forderung auf 3 Jahre zu bewilligen, er verlangte die Bewilligung auf 7 Jahre. Als die Mehrheit bei der 2. Lesung weiter opponierte, löste er kurz entschlossen den Reichstag auf. Es begann ein wahrer Hexensabbat in behördlicher Wahlmache. Bilderbogen wurden ver- breitet, die in schamlos verlogener Darstellung zeigten, wie die siegreichen Franzosen deutsche Frauen mißhandeln, wie sie dem deutschen Bauer die letzte Kuh aus dem Stalle holten und was dergleichen Schreckgespenster waren. Landwehrübungen wurden angesetzt, damit die Lüge von der drohenden Kriegsgesahr glaub- hast wurde, das deutsche Volk in einen nationalen Taumel ver- setzt und oie Wahlparole Bismarcks.Krieg oder Frieden" sorgte für den regierungstreuen Ausfall der Wahl. Die Sozialdemokratie mußte allein den Kampf mit der wahir witzigen Reaktion führen, die Bourgeoisie kroch elend zu Kreuze. Aber trotz der verlogenen Wahlmache, trotz der unglaublichen Wahl- beeinflussung durch die Behörden, stieg ihre Stimmenzahl von 550 090 im Jahre 1884 auf 763 128 im Jahre 1887. Tie 8 Ber- liner Kreise hatten 1884 nur 75 071 Stimmen, 1887 aber 107 683 Stimmen. So blieb der moralische Erfolg auf feiten der Sozial demokratie und bewies die unerschütterliche Kraft der Partei. Ter nun gewählte Kartell-Reichstag bewilligte die geforderten neuen Militärlasten, was aber dem eisenstirnigcn Kanzler lieber war— er erhöhte auch den Brotzoll von 3 auf 5 Mark und ver- schärfte die Strafbestimmungen des Sozialistengesetzes. Daß diese Maßregeln dann an der geschlossenen, kampfes frohen Phalanx der Partei wirkungslos abprallten, daß die Zahl der Anhänger größer und größer wurde, das verdanken wir nicht zuletzt den Genossen, die trotz aller Gefahren mutig und begeistert für unsere Sache kämpften. War ihre Zahl auch gering, so beseelte sie doch ein unermüdlicher Eifer. Ungeheure Schwierigkeiten galt es zu überwinden. Tie notwendigen Zusammenkünfte mußten geheim abgebalten werden, oa sonst Gefängnisstrafen und Aus- Weisungsbefehle auf die tätigen Genossen niederhagelten. Kein Saal stand ihnen zur Besprechung ihrer Angelegenheiten zur Ver fügung und oft mußten die Zusammenkünfte bei Wind und Wetter weit draußen im Walde stattfinden. Dazu kam noch ein infames Spitzelsystem, das so manchen Genossen ins Gefängnis brachte. So mußte der 6. Wahlkreis ebenfalls seine Vorbereitungen für die Wahl 1587 treffen, ohne daß er sich eine in der Ocffentlich kcit arbeitende Organisation schaffen konnte. Zwar wuroe über Berlin ein Wahlkomitec eingesetzt, die eigentliche Arbeit aber mußte die Geheimorganisation verrichten. Und die Genossen taten im vollsten Atatze ihre Pflicht, ohne besondere Aufforderung, ohne Mahnung. Flugblätter wurden verteilt, die lebhafteste Agitation wurde betrieben, ohne daß vorher in der Ocffentstchkeit ein Wort verlautet«. Mancher Genosse hatte ganze Straßenzüge zu bear- betten. Aber die Arbeiten klappten; wurde doch die Organisation getragen von hinreißender Begeisterung für unsere Idee und gehalten von dem innigen Gefühl starker brüderlicher Solidaritäl Der Teil des Kreises der VIL-Organisation hieß(Oranien burger Vorstadt, Wcdding, Moabit und Gesundbrunnen) und aus 7 Hauptmannsckjaftcn bestand, hielt seine Sitzungen oft in einer kleinen Wirtschaft in der Nähe des Putlitzsteges ab, die allgemein der.Schweinekopf" genannt wuroe. So auch am Sonnabend- den 22. Januar 1387. Die Tagesordnung der Sitzung war: Ast rechnung, Besprechung der Wahlarbeiten und eines zu verbreiten den Flugblattes; auch beschäftigten sich die Teilnehmer mit den letzten Polizeispitzeleien in der Partei. Da die Besprechung erst gegen 1 Uhr beendet war, eilte jeder schnell nach Hause. 2 Teil nehmer>— der Former Otto Lachmann, Vellermannstr. 28, und der Gürtler Robert Nauen, Gerichtstr. 2b, Mitglieder der 3. Haupt- Mannschaft von V1B— wollten sich den Weg verkürzen und vcr- üchten in der Nähe der Torfstraßenbrücke den erst seit 4 Tagen zugefrorenen Kanal zu überschreiten. Da brach das Eis und beide konnten sich nicht mehr retten. Auf ihr verzweifeltes Hilfegeschrei eilte der Schlosser Paul Hensel, Kööliner Str. 8, ein spezieller Freund der beiden, herbei. Schnell entledigte er sich seines Ueberziehers, sprang in die eiskalte Flut und wollte seine Genossen vom Tode erretten; auch mehrere andere Genossen eilten zurück. Da gingen Lachmann und Nauen gemeinsam unter. Di«- herbeigeeilten Genossen wagten sich auf das schwache Eis, soweit es anging, sie warfen Hensel seinen Ueberzicher zu, damit sie ihn damit herausziehen konnten, er erreichte ihn nicht; andere Hilfsmittel standen den fast verzweifelten Genossen nicht zur Verfügung. Hensel kämpfte noch einige Minuten mit dem Tode, dann rief er mit tödesbanger Stimme:„Lebt wohl, Genossen! Meine Kinder!" Und grauenvolle Stille senkte sich über das eisige Grab von drei braven, tapferen Söhnen des Volkes. Jeder weitere Rettungsversuch mutzte in der finsteren Rächt als aussichtslos aufgegeben werden. Keiner bon den beteiligten Genossen konnte natürlich auch nur einen Augenblick schlafen und schon am frühen Morgen des anderen TageS suchten die Genossen Gleinert, Gieshoit, Jakob cy, Marten, Lindenhayn und andere den Kanal ab. Sie mutzten an den Restaurateur Finke, an der Torfstraßenbrücke, 30 Mark zahlen, damit er sich mit seinem Kahn zur Verfügung stellte. Endlich gegen 12 Uhr fand man die drei Leichen. Herzzerreitzend war der Jammer der Hinterbliebenen. Hensel hinterließ eine Frau mit 4 kleinen Kindern, Nauen eine Frau mit 3 kleinen Kindern und Lachmann eine Braut und seine alten Eltern, deren Stütze er war. So starben drei Männer in der Blüte ihrer Jahre, nur weil damals die Sozialdemokratie in Deutschland geächtet war, weil die Herrschenden durch ein infames Ausnahmegesetz sie verHirt- derte, ihre Parteiartgelegenheiten in aller Oeffentlichkeit zu regeln. Das Berliner Proletariat ehrte da» Andenken der drei Verstorbenen. Weit über tausend Personen gaben ihnen am 29. Januar 1887 nach dem St. Paulus-Kirchhof in der Seestratze das Grabgeleit. Wer auch ein starkes Polizeiaufgebot sorgte dafür, daß sich die nur zu berechtigte Empörung nicht etwa laut äußerte. Als ein Genosse beim Kranzniederlegen einige Worte des Dankes und der Verehrung sprechen wollte, wurde er polizeilich sistiert. Nur der herzzerreißende Jammer der so plötzlich verwaisten Familie konnte polizeilich nicht verboten werden. Aber bei vielen Teil, nehmern stieg ein grimmer Haß auf gegen politische Zustände, die so entsetzliche Szenen hcraufbcschnwrcn. Am 14. Juni 1887 setzte die Berliner Partei den drei Blutzeugen de? proletarischen Klassenkampfes trotz aller Polizeimaßregeln einen einfachen Gc- denkstein. Wir leben heute unter dem gemeinen Recht und können unsere Wahlkämpfe in aller Oeffentlichkeit ausfechten. Zwar verlangt eine kleine aber mächtige Clique immer wieder Ausnahmegesetze gegen uns, aber die Partei wird sich als stark genug erweisen, dieses verbrecherische Beginne» zurückzuschlagen. Unter unsäg-' lichen Mühen und Opfern haben die ersten Vorkämpfer der Parteiu die Propaganda betrieben, haben Ausweisungen, Gefängnisstrafen, gesellschaftliche Acchtung ertragen, ja wie unsere drei genannten Genossen ihr Leben im Kampfe für unsere Idee gelassen. Eifern' wir ihnen nach. Den Feinden aber rufen wir zu: Ihr hemmt unS, doch Ihr zwingt uns nicht— Unser die Welt trotz alledem! —._ iil-.—--■l�—------- it l.-./ ex 513 v» rouenxtensW Oranüns� 1 Unvergeßliche cmWlttenferg-Tt.■ rCl�VOIiCiiC J&pzigefötrißb'TfolCCer'&rtL&cda.| ftänigstr'ajbztdtt S&xiorfßeTigstpZd i m aaFälle bef der Inventar lnerö]> gesetzten Waren» m s.-j (jefullerte öchahvaren b Kinder; öh'efel#| beiapielloö �-e büliÖen- PreiberiD f Einige Beispiele unserer sensationell billigen Preise: Damen- Schnürstiefel L«kk.pp... basw?.» jetzt 4.50 Damen-Lackschuhe hoew-r«,, bu» w* jetrt 5.50 Damen-Schnürstiefel bSr'vSo Jetzt 4.90 Damen-Lack- Moliere- Schuhe% setzt 6.90 Damen-Schnürstiefel°rj: wa.; buh« 12.50 fetzt 8.90 Damen- echt Chevreauxlack-�Stäo jetzt 7.90 Herren-Schnürstiefel n�'cTodjCTr'.w�u< nr Herren- Chevreau- Stiefel q -----------...... 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Warla Äw.art. Nctropcl-SIjCaser: Ritz Helyet. Lrialiou-Thrater: Fraucilloii. StintS.Dperetiel:. Theater: Der Gras von ZuzemlZurg. Z.heater in der ASniggrätzer TI ratze: O'in FaMjseuieut. Kiclucs Theater. Äugele.— Erster Klchte. Hochschule in Chart. Geographie und Tiebe. Zieues Vol'S-Tbeater. Frktzchen. Der »erbrochene ktrug. Abends S Uhr; KciieS Bolls» Tcheater. Sonntag: Frchchcn. Der zerbrochene Nrug. Äbetibs.L'/z Uhr: Neues Lotks-Tbeater.. Monkg und Wittivock bis Sonnabend: Jritzcheir. Der zerbiocheue Krug. Dienstag: tieidenschast. Hochschule in.Chirloiteuburgt ScnU- oveiid: DeS PchlorS Niekc. LMiei'-7Z!eAleröW°-r Sonntag, nachm. 3 l!br: «mintag, abends Z Uhr: iNnei.i?»«'!8an»,.chiH,»s. Montag, abends 8 Uhr: Mfcv liiloineirrfcoMser. Dienstag, abends 3 ilhr: guw crj.'giin'.ai: JPcf Probcpfgil Sehiller-Tlieafer Sonntag, nachm. 3 Uhr: lüaria Staark. Sonntag, abends ö Uhr: I>er Vlcjf Jiwr Hällc. Montdz, abends 3 Uhr! (Zur Ueicr von LejsingS GeLnrislaz) 5. Dlsl: t'.ni ii la<»al»ttj. Dienstag, aöevds 8 Uhr: Xtailtia Ciulolti. Berliner Theater. ÄbenöS 8 Uhr: Grojze Nostneu. 8 Uhr: Sie 5 FrasEfurler. Neues Theater. ÄS-udZ S Uhr: Die klkiiit Fnilkdi«. Nachmittag S';, Uhr: ToS»Jabel t>oi» Moitiinartrr. Theater des Westens. ÄSendS S Uhr: Wtenec Vwt. Nachmittags 3V. Uhr: H�atinitna. Monf. S'llfe: RusiischeS Ballett. Nesidenz-Thtater. Direktion Nichard Alexander. Abends 8 Uhr: Ein Walzer von Ehovin. Echtvml' in 3 Alt. u. Asrsul u. Sarrö. .Morgen und laigende Tage:' ft-iit" TOatzer von lphvpiu. Freitag, 26.: Alles für dia Firma Sonntag, den 28., nachm. a Uhr; Jtiiinmere dich um Zlmelir, BelleallianccsTheater. Heute 3:'., Uhr: Oer HiHientesitzer. .8 Uhr: Gastspiel Ferdinand Bonn. „Die Räuber." Shnscii-Dljeflicr. Sonntag abends ö Uhr: Der Vor schulender. Nachm. 3 Uhr: Wir tanzen durchs Leben. Nontag: In Tuntel gehüllt. nosMitEMi 1 Cärctzf. grmrfiavta Str.> 32. Nachm. 3 UJt(f;aS; Preise)] .Heimat. Schauspiel in 4 Akt. v. Q. Sudcrutan». AbendS S Uhr: Zwillinge. Drama in 3 Akten o. H. W. Tannheim. Montag: Iwillinqe Noacks Theater. Direktion: kiodort 0!II. verlin 1\., Brunn enstratze 16. Die Kettlerm vud ihr Kiud. Schauspiel in S Akten von Meißner. Un'.nig 8'/. Uhr. BonS usw. gültig. Morae»: Dieselbe Borsteunng. Urania, Wissenschaftliches Tlieater. 8 Ulir: Tob Moran r.mn Ortlcr. M'ootag 8 Uhr; Ton iiSerun zum Ortler. Hörsaal InjaftRiaur ICeßusr, S Uhr: ichtahlwepke. BeideDFenerfressepn Liebend! f.cbend! Die wilden Essanas. Karavrane stidaxiesischer Heul- und Fauer-Faklre in iurain Originaldorfe. Oitne Extra-Eotree. Passage-Theater, Htuie Sonntag: 2 Vorstsilungon nachm. 3— t Llir(kl. Preiio), ahönds 8—11 Uhr. Mirjam Körnitz in ihrota nja c.IIgii Dmaoiet nülB la»- Mile. Maroussia Ths Meteors Lina Loos lö im IttnktioMii YToclicB-SpicIpIan.(Tom 22.-27. Januar.) Vrtllrcvnpcfollnnnon �aranstaltet von der Genoitsenaehaft yOIKSVOrSieiiUligeU Öcntsch. 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Ansang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 7 Uhr. Im oberen Saale _ von 5 Uhr an:___ M Großer Ball. Instigs Sänger) Eintritt 50 Pf. 2 Anschließ.: Familienkränzchen. 0 Im weißen Saale von 5 Uhr ab g E!3f Großer Hall. � Montag feilerer Kflnslicrab and. Hohenstaufen- Säle �Kottbuser Damm 75. ' Jeden Sonntag: sriLeipziprSiief Ansang 7 Uhr. Eintritt 50 Ps. Nach dem Konzert: � ti 213.• liichtspiele Cösliner Mof Cösliner Str. 8. Sonntag, den 21. Januar 1912: Gr. Eröffnungs- Vorstellung. ?lb 3 Uhr: Große Gala-Borstellnnz. Vorführung der allerneucstm Schlager mit crilllasfigem Kiln�tler- Kouxert. Entree 50 Pf. Ansang Wochen« tags 7 Uhr. Entrce 20 Ps. llrbsnstraLe dIS-a.vIS der Franzer- Kaserne. Täglich: �ilitsr�oaiert. Ais 12Uhr abends geösjnet, Entree 50 Pf. 10,20 Kinder 23 Pf. Straßenbahn aus ollen Richtung en. Merillk-TrlD üixdorf-Berlin, Lahnstr.74.i-k Für den Inhalt der Jnieiate übernimmt die fUcbattion dem Publikum«rgensiher teiuertct Bcrantwortnng. I Arbeiter Bildungssehule Sonntag, den 28..lannar, in Kellers„Neuer Philharmonie", Köpenicker Straße 96/97: WagnersAbend zurFcior des 21, STIFTUNGS-FESTES. Mitwirkende: Berliner Tolbsehor Ol. d. I). A.-S.-B.)[ca. 150 Säagerj, Chormeister: Herr Dr. Zander: Berliner Sinfonie- Orche.ter(45 Künstler), Mnsitmstr.; Herr Maximilian Fischer; Fräul. I.ueie Daenlsch(Sopran); und Herr K�l. Hofopcrnsänscr Bax Gicßwcln(Tenor). 6;4 Projjramm. II. Tannhäuser. I. Lohengrin 1. Vorspiel. 2. Einleitung zum 3. Akt, Brautlied und Brautszene. 3. Die Gralserzählung. Vach dem Konzert: BAL L» EröSi'ung 6 Ubr._ Beginn 7 Uln. Billott im VoTvorkeuf 75 Pf. an der Kasse 1 M. 4. Ouvertüre. 5. Einzag der Oiste euX der Wertbnrg. 6. Gebet der Elisabeth. 7. Tannhäusers Romfabrt Billettx erkaufsstellen: Gottfrisd Schulz. Am Kottbuser Tor; Kersch. Engolufer lö: Reul. Baniimstr.42; Vogel. Lorczicgstr.S": Kaezorowskl. Bav enestr. ü: ßadtke. Keuo.Taköbstr. 1/3; Weihnacht, ürünstr. 21; Arheiter-Biloüngs-Schule. Grenadierstr. 37; _ XXSYZZTZZZZZZZZZTmXXZZXX-ZiL'ZXZZXZSXTX :: Lese- und Diskutierkiub„Südost" Sonntag, den£1. Januar 15M8 im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Eiigelufer 15; .. t- 21. Stiftungsfest.» Konrert-Musik: Berliner Sinfonie-Orchester (Kapellmeister Maximilian Fischen. nnrA. jjjjUEi Auftreten des Berliner Ülk-Trio:: i;!l Torneriselte Aaffiihrungen::: Kacbdenr: T A A' Z. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Eröffnung 4 Uhr.— Eintrittskarte 43 Pf.— Anfang 5 Uhr. Während der Vorträge bleiben die Saaltiiron geschlossen. KM ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ EJ ♦♦❖♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦< Neue Weli�i Gold- und Silberarbeiter. Sonnabend, den 27. Januar, in Kellers„Neue Philharmonie", KBpeniekcr Straße ÖO»7: Großer Miener Maskenball.{£ GroOe Usberraschungen. Während der Kafieepanse: Humoristische Vorträge. ansgeffihrt von einer starken Kapelle, nnter Leitung d. Kapellmeisters Herrn Haccheck. Anfang 9 Uhr. F.intritt 60 Pf. Billetts sind zu haben bei Becker, Prineenstr. 81; Holtkamp. Fürstenstr. 20; Lohte. Skalitser Str. 10; Paul, Gubener Str. 23; eowie im Bureau der Ortskrankenkasse, Engeiuier 15. 110/18 Das Komitee. Grofita Bafilsnusik Den.,Torwarts"-riC«ern gewühre Babatt. M fesn MZi beispieilcs biiligsr fteMnmkäufl Teppich-SpezialMus Lima=Park. WWI Arnold Sehols. Hasrnheide 108-114. Sonntag, den 21. Januar 1912: 4 Kapellen. 30 bayerische MadM. Wundervolle Alpendekoration. Eetrec 50 Pf. Neu! Cicbirgsterrass«. Heul Anfang 4 Uhr, Voiunzoige! Dienstag, den U'i. Januar 1912: Eliteisg. PräiGiieruns des jüngsten GfüBvalers:3ÄGÄ�e: Folgende Legitimation ist mitzubringen: Eheschließung des Kindes und Taufschein ues Enkels. Anmeldungen bis 10 Ubr abends an der Kasse. Exceisior-Liehlspleihaus Rixdorf Sfc&r3«-?! Passage gm* V;om 20. bis 26. Januar einschließlich: fäfF" Zwei Sensationen: Die Todesliucht t-rzählung aus dem Eussisohen. In 2 Akten. X Glück auf x Drama in 2 Akten.— Mit wunderbar realistischen Aufnahmen aus dem Leben der Bergleute. Qsdr. 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Zuerst hielt der Kandidat des Kreises, Wilhelm Düwell, eine Ansprache, die sehr bei- fällig�aufgenommcn wurde. Der Redner beleuchtete die Wirtschafts- und Steuerpolitik des Freisinns und zeigte, welche Enttäuschungen denjenigen schon bereitet wurden, die in dem Freisinn den Vertreter des Volkswohls zu erkennen glaubten. Kaempf werde den Wählern empfohlen als eine Leuchte in der Handelswelt. Man weist auf seine Eigenschaft als Präsident des Handelstages, sowie als Vorsitzender der Handelskammer hin, er gilt eben als würdiger Vertreter der— Börse. Tort mag er am Platze sein; aber der- geblich haben diejenigen ctivas von ihm erwartet, die nicht zu den Börsenkrciscn in hoher Stellung gehören, die Nicdriggestellten näm- lich, zum Beispiel die Privatangestcllten.(Beifall.) Als Vorsitzender der Handelskammer hat Kaempf sich gegen die Forderungen der Angestellten erklärt. Bei der Abstimmung über die Reichsvcr- sickverung hat Kaempf als Abgeordneter eine bemitleidenswerte Hilf- losigt ei t gezeigt, indem gerade er sich der Stimme enthielt. Düwell forderte die Anwesenden auf, die Wähler über diesen Kandidaten des Freisinns aufzuklären und die bei der Hauptwahl säumigen Wähler auf ihre Pflicht als Staatsbürger aufmerksam zu machen, damit es gelinge, den ersten Kreis für die Sozialdemokratie zu .erobern, l Großer Beifall.) Der Redakteur D ä u m i g hielt dann einen Vortrag über die letzte Reichstagswahl vom 12. Januar und ihr glänzendes Resultat für die Sozialdemokratie. Das wichtigste Ergebnis dieser Wahl sei die entschiedene Absage von über vier Millionen Wählern nicht nur an die Politik der Regierung, sondern gegenüber der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung. Tie Sozialdemokratie sei in gewaltiger Stär! e aufmarschiert und sie kehre die Front nach rechts unerschütterlich und ohne Rücksicht. Eine scharfe Kritik des Frei- sinns verband der Redner dann mit dem Ausblick auf die Aufgaben des neuen Reichstags und zeigte, wie notwendig eS ist, zuverlässige Männer der Opposition in den Reichstag zu senden. In dieser Bc- ziehung biete aber nur die Sozialdemokratie unbedingte Garantie und bei einer Stichwahl zwischen Liberalen und Sozialdemokraten müßte jeder demokratisch gesinnte Mann dem Sozialdemokraten die Stimme geben. Der Appell des Redners, im ersten Kreise die Mehrzahl der Stimmen auf Wilhelm Düwell zu vereinigen, fand die allgemeine lebhafte Zustimmung der Versammelten.— Zur Diskussion meldeten sich drei Redner, die ober nicht als Gegner das Wort wünschten. Sie traten für die Wahl Düwclls ein und gaben der Erwartung Ausdruck, daß die Demo raten nicht zögern werden, ihre Stimmen für unseren Kandidaten abzugeben. Der letzte Redner wandte sich besonders an die Angestellten, die alle Ursache hätten, gegen Kaempf zu stimmen. Den Leuten, die in Kaempf ihren Kollegen von der Börse sehen, könne man es nicht verargen, daß sie mit aller Macht seine Erwählung durchzusetzen suchen, aber die Angestellten hätten gerade das entgegengc- setzte Interesse dabei. Di« Handelskammer habe sich zum Beispiel m einem Gutachten für die Notwendigkeit der Konkurrenzklausel etz lärt, die schon manchen Angestellten ruiniert hat; der vielge- nannte Hansabund, der sich für die Wahl Kaempfs ins Zeug legt, sei für die Angestellten nicht zu haben; im Gegenteil trage er dazu bei, die Ansprüche der Angestellten niederzuhalten.(Starker Beifall.) Ter Vorsitzende hielt zum Schluß eine Ansprache, in der er j in gleicher Weise für die Wahl Tüwells eintrat und zur Agitation »bis zum letzten Augenblick ermuntert«. Tie zweite Versammlung fand im Luisen-Zelt statt; hier referierte der Kaufmann Philipp B c r n st e i n über den Kampf, der im ersten Wahlkreise zwischen dem Vertreter des Börsenkapitals und dem Vertreter für Volkswohl und Volksinterefjen bei der Stichwahl am Montag auszufechten ist. Die Aufforderung des Referenten, für den Sozialdemo raten Wilhelm Düwell die Stimme in die Wagschale zu werfen, wurde von den Versammelten mit Beifall begrüßt. Die Erwartung, die er aussprach, daß die Demokraten geschlossen oder doch in ihrer großen Mehrzahl sich auf die Seite eines wirklichen Volksvertreters stellen werden, fand die allgemeine und lebhafte Zustimmung der Anwesenden. Die Genossen Bloch, Hesse und Krüger gingen ebenfalls noch streng mit dem Frei- sinn ins Gericht, worauf die Versammlung gegen 11 Uhr mit einem Appell für Düwell geschlossen wurde. * Die Privatangestcllten und die Stichwahl im ersten Kreise. Für Angestelltenrechte? So lautete d'c Tagesordnung einer öffentlichen Versammlung der Privatangestelltcn, die am Freitag in den Musikersälen stattfand und den großen Saal füllte. Der Referent Martin Meyer wies auf Grund evner Fülle von Tatsachen nach, daß die Privatangestcllten, technischen Beamten wie auch die Handlungsgehilfen und all«, die im Dienste des Kapitals ihr Brot verdienen müssen, das größte Interesse daran haben, daß bei der Stichtvahl im ersten Kreise nicht der freisinnige Kandidat Kaempf, sondern der Sozialdemokrat Düwell den Sieg davonträgt. Herr Kaempf ist, wie seine Partei, notwendiger- weise der Vertreter der Interessen der besitzenden Klasse der Be- völ erung. Selbst wenn die Freisinnigen sich nun, um nicht als Partei gänzlich zugrunde zu gehen, gezwungen sehen, eine Zeitlang ernsthaft oppositionelle Politik zu treiben, können sie doch nicht über ihre wirtschastliche Auffassung hinaus, und es ist nicht daran zu zweifeln, daß ihre sozialpoRtische VerständnislosigLeit auch im neuen Reichstag wiederum scharf hervorstechen wird. Im ersten Kreise packen sie nun wieder ihre alten Ladenhüter aus und be- haupten, die Sozialdemokratie wolle einen Zuchthausstaat einführen und die persönliche oder individuelle Freiheit vernichten, für die sie, die Freisinnigen, angeblich eintreten. DaS Recht der Persönlichkeit wollen sie gewahrt wissen, und dabei sind sie die Vertreter des Kapitale dessen Tendenz es ist, das Wohl und Wehe der Millionen von sich abhängig zu machen, ihnen das Recht der freien Persönlich- keit zu rauben. Sie sind gegen die Aufhebung der Konkurrenz- lausel, die dem Angestellten die freie Verwertung seiner Arbeitskraft unmöglich macht, sie lassen es ruhig geschehen, daß in den kapitalistischen Großbetrieben den technischen Beamten Verträge aufgezwungen werden, die dem Werk das Eigentumsrecht an allen von den Angestellten gemachten Ersindungen sichert, ivas einer Ver- mögenskonfiskation gleichkommt. Herr Kaempf war ftühcr Dire tor, und ist jetzt Aufsichtsratsmitglied der Darmstädter Bank, derselben Bank, die noch 1902 ihren Angestellten Monatslöhne von ISO M. und darunter zahlte, und fein Fraktionskollege W i e m c r ist Syndikus eines kapitalistischen Unternehmens, das selbst ver- heirateten Angestellten Löhne von 1, 119 bis 129 M. zahlte, und als man solche Löhne nicht mehr aufrechterhalten konnte, gab man 19 M. Zulage, aber die Angestellten, die an der Lohnbewegung teil- genommen hatten, mußten den Betrieb verlassen.— Der Redner zeigte noch an einer Reihe weiterer Beispiele, tvie es in der Praxis und in der Politik mit dem sozialen Verständnis der Fortschritts- männer bestellt ist. Sie veranstalten nun„große liberale Kundgebungen", aber— gegen Eintrittskarten. Ihre ganze Politik ist eigentlich eine Eintrittskarten-Politik für die Besitzenden. Dem- gegenüber ist es das Ziel und unablässiges Streben der Sozial- demokratie, die Arbeit wirklich zu befreien, und darum muß es fiir alle, die von der Arbeit ihrer Hände oder ihres Kopfes leben, am Montag keine andere Parole geben als: Gegen die Eintrittskarten- Politik und für den Sozialdemokraten! Von den anwesenden Gegnern meldete sich trotz aller Aufforde- rung keiner zum Wort. Der Kandidat Genosse Düwell hielt dann eine Ansprache, die mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde. Er führte unter anderem aus: Den Angestellten, die klar zu sehen vermögen, kann es eigentlich nicht schwer fallen, zu wählen zwischen einer Partei, die die Arbeit zur Grundlage unseres ganzen Kulturlebens machen will, und einem Manne, der das Börsen- kapital repräsentiert. Die Liberalen behaupten, Kaempf müsse ge- wählt werden, weil er Vorsitzender der Handelskammer ist, und weil in diesem Kreise das Schloß liegt, und die Universität. Die Herren spielen sich als die Schützer der Wissenschast auf, aber doch fanden ihre Vertreter nicht den Mut, irgendwie energisch dagegen zu protestieren, daß die Universität unter der Zensur des Polizei- Präsidenten steht, der sich die Macht anmaßte, einen russischen Stu- denten von der Universität zu vertreiben, weil der Mann in dem obendrein noch falschen Verdacht politischer Unzuverlässigkeit stand. Das wichtigste ist den Herren offenbar, daß in dem Kreise die Börse und die Großbanken liegen, daß hier das Domizil des Großkapitals ist. In ihrem letzten Flugblatt erklären die Forffchrittler, Kaempf müsse in den Reichstag, weil er der Aclteste der Kaufmannschaft und Präsident des Handelstags ist. Aber der Handelstag hat in den wichtigsten Fragen gegen'jede ernsthafte Sozialpolitik Stellung ge- nommen, und die Berliner Handelskammer erklärt sich gegen Ge- Hilfenschutz, gegen Handelsinspekwren, für Beibehaltung der Kon- kurrenzklausel, gegen gesetzliche Festlegung der Bureauzeit, gegen obligatorischen Urlaub! Bei der Reichsverficherungsordnung hat Herr Kaempf, der nun von seinen Freunden als„unentbehrlich" für der, Reichstag bezeichnet wird, feine Stimme für sich behalten und wußte nicht, ivas er sagen sollte. Die Angestellten werden es den Herren von der Börse überlassen, ihn zu wählen. Für sie muß gelten, was man gleich nach der.Hauptwahl in der Demokratischen Vereinigung in den Wortwitz kleidete: Den Kaempf soll der Düwell holen! Nachdem noch der Demokrat Herr P i n k u S für die Wahl DüwellS entschieden eintrat und eine kleine Aettderung zu der inzwischen eingebrachten Resolution beantragt hotte, wurde diese in folgender Form angenommen: f „Die Versammlung der Privatangestellten erklärt sich mit den-Ausfiihrungen des Referenten einverstanden med ist mit ihm der Meinung, daß ein Vertreter der Freisinnigen Volkspartei wie Herr Kaempf nur die Interessen der Kapitalisten, aber niemals die der Angestellten vertritt. Di« Ver- sammelten erklären daher, am Tage der Stichwahl nur für den Kandidaten der Sozialdemokratie Wilhelm Düwell zustimmen." Marktbericht von Berlin am IS. Januar ISIS, nach Ermittelung dcS königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandell 199 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 3K, 99— 50,90. Speijcbobnen weihe, 40,09-60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 9,00—15,00. 1 Kilo- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,50. Hammelfleisch 1,30-2,20. Butter 2,60-3,20. 60 Stück Eier 3,80-7,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,00-2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,20—2,60, Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 3,00—24.00. □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□üQDDGaa □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ n □ Unser bekannter, alljährlich nur einmal stattfindender bietet diesmal eine ganz besonders Cünstige Gelegenheit m enorm billigen Einkäufen für SraatausslBlIamn! 5endcntucl) SC breit. Stück von 10 Meter....... 2.45 Fertige ßettbezfige Deckbett ond iwei Kissen.,.,,• 275 rDelfjC Bettlaken ohne Nebt, lertig gesiumt....... 90 PI DamaSt=Bc:tbeZÜgC Deckbett n. swei Kissen, fertig geniht. 5.00 fertige Bettlnlefte rot oder rosarot gestreut....... 2 95 Damas'-Tlscbtücber lenig geskumt.......... 1.25 StUbenbandtÜdKr krirtiges Drellgevede...% Dutzend 1.48 fiwß? 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Ehcjub läum, dargc, � oracht von den Lenvisen und � Genossmnea des 694 Bezirks %v der IX. Abteilung. 4 «.«SSSSSet»«sssssss� » Unserem Genossen und unser � Genossin Kös! 8kWö! nebst Frau ein donnerndes Hoch zur Sil- berdochzcit. llie Genossen des S. Bezirk» zu Weissensee. EÜÜÜs! Todes- Anzeigen IjlElSli t''ihnt rmn i' t n"iMi~riMiiiiiiiM»iiiiiniiiiMiiiii—iinMiiiiwimii il Am Freitag, den 19. Januar, früh, verschied nach langem, mit Geduld ertragenen Leiden unser hochverehrter Chef, der Buchdruckereibesitzer Herr Franz Er war uns immer ein einsichtsvoller, humaner Cher und wird sein Andenken stets in Ehren halten Das Gesamtpersonal der Buchdruckerei Emil Billig Nachf. Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Januar, nachmittags 4 Uhr, auf dem St. Georgs-Friedhof am Königstor statt. 2571b Ä tv « V *0 » P vi/ vi/ SSSSSSS»«« S€€€� Bekantttmachnng. Nachdem am t. stiannar d. Zt. die LrtS-Ki ankenkafie iür das Becker- und Konditorgew-rbe ins Leben getreten ist und die Mitglieder der am 81. Tezember 191 1 durch Be- schlusi des hiesigen BezirkSauSschnsteS vom 80. Dezember 1911 und im Em- Verständnis mit dein Herrn Ober- Präsidenten auigelöilen Qrts- Kiankrntasie für das Backer- gewerde und der LrtS Krauten- kasie der Konditoren, Pfeffer- tüchler und verwandten Gewerbe der neugegründeten Kaste überwieien worden sind, w�rdeii sämtliche Mit- oli-der der Lrls-Krankenkasse sür daS Bäcker, und Kvnditorgewerbe, welche grosisührig und im Besitze der bürger- ticheu Ehrenrechte sind, zu der am Aitiistlig, 39. Janiiiir l91Z, abtlids 7' Uhr, imGeilirrk- si!-aftshliG«u°S�''' slättiiiideiiden Versammlung zur Wahl der Delegierten zur Generalversamm- lung hierdurch eingeladen' K» mn Iiken find 105 Slrbrit- «rbmerTelegiertr. ' A!S Lrgitimaiion dienen in erster Linie Bescheinigungen der r'trbeil peber. dasi die Ärbeilnekmer bei ihnen in r'lrbeit siehe«. Die Bescheiingung mutz auch Geburtstag und-tahr des Äe: sicherten eiuhalten. Sötern die Mitgliedskarte die Mitgliedfchafi am SO. Januar deutlids erkennen lägt. wird auch diese als Legitimation zu- gelasien. Die Wahl ist geheim und ersolqt durch verdeckte Stiminzetlel in der Weise, dap jeder Slimmberechstgte so viele Nstmc» ans einen Stiinnizettel schreibt!, wie Delegierte zu wählen sind. BeblifZ glatter Wwickelung des Wablgelchösis eifcheint es wünschens- wert, sich gedruckter Stimmzettel zu bedienen und die zu Wählenden nach Vor- und Knnnmen sowie Wohnung bezw. Atdeiisstell» zu bezeichnen. Ter.'fiiggng z» dein Wahllokal ist von 7 bis llhr offen. Später Kommende find von der Wahl- deirtligung niisgcfchtosieli. .'snr Wahl der Ztrveitgebcr- Tetcgtertru werden sämtliche ihr Personal zur OrtS-.Kran'eiitast« sür das Bäcker- und Konditorgcivcrbc melkenden Nrbritgebcr zu der cm TicnStag, den 3O. Januar 1VI2, abcnd-S ß'l] Uhr, im EcwlrrschaftShnnse, Engel- ufrr IS, Saal!Z, stattslndcndcn Wahloersammlung«In- geladen. ,>ju wählen sind 40 Arbeit- geder-Telegierie. Auch diele Wabl ist geheim und erfolgt durch vn deckte Stiinnzzcltcl. tzlls Leglliniation dient eventuell die Geweibesteucr- DuiUung. Um 1', UKr wird der Zugang zu dem Wahllokal geschioisen. Berlin, den 17 Januar 1912. Der Kommissar für die b-iiirichiilng vor Drts- Krankenkasse für baS Bäcker- nno Kouvitorgewerbc. 270112 Wille. 'ü. 'N. + SozialiiEaickratiscIierWaiilvEreiD i des 6. Bert. fiEiclislaos-Waiiiki'eises. i Nachruf. Den Mtglicdern zur Ztachricht,! daß unser Genosse, der Drechslers Paul Deusser Czarnikauer Strage 3 verstarben ist. Ehre seinem Zlndenken: Die Beerdigung hat bereits stattgcfnndcn. Der Torstand. ßeutsctier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeigen. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, dajz unser Mitglied �doik Henriksen cm 14. Januar gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. d. M.. nach- mittags 3'/z Uhr, von der Leichen- ball» des Reinickendorfer KirchhoscI in Reinickendorf, Humboldtslrasie, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, | die Arbeiterin Klara Bhimberg sam 18. d. Sttä. im Wochenbett. Die Beerdigung findet am I Montag, den 22. Januar, nach- I miitagS'/z2Uhr. von der Leichen- ! halle des Tophien-KirchhoseS in \ der Frcienwaidcr Ztrastc auS statt. Ferner starb unser Mitglied, \ der Schmied Hermann Witte j am 18. d. MtS. an Herzleiden Tie Beerdigung findet am ! Montag, den 22. Januar, nach- I mittags 2', llhr, von der Leichcn- J l alle des' ollen St. Elisabeth- 1 AivdjhofeS in der Ackerstrage l aus statt. Ein Geistlicher geht mit. Ehre ihrem Zlndenken 1 Rege Beteiligung wird erwarlet. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, ! dag unser Mitglied, der Dreher lAugust Teckemeier am 16. ö. M. gestorben ist. 110/20 Die Ortsverwaltung. ilrrblüld der Schueider vud Schiltiderinlikn. Den Mitgliedern geben wir s hiermit bekannt, dost der Kollege Karl Holiwirtk am 19. Januar im Mer von 19 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Dt« Beerdigung findet am Moniag, den 22. Januar, nach- mittags 3 Uhr, aus dem Jerusa- lemer Friedhof, Hermannstr. 84-90, statt. 162/4 vis Ortsverwaltung. Vorband der Fabrikarbeiter Deutschlands Zahlstelle Groß-Uerlfn. Am 18. Januar 1912 verstarb unser Mitglied 57/3 R. Wieland Lichtenberg, Scharnweberstr. 62 (Schallplattenbranche). Ehre seinem Andenke»! _ Die Beerdigung findet am Sonntag, den L>. Januar, nach- mittags 4 Uhr. aus dem Lickten- berger Friedhos in Marzahn statt. Abfahrt des Zuges vom Bahnhos Lichtenberg- FriedrichSselde nach- mittags 3 Uhr 24 Minuten. Rege Beteiligung erwartet Die Oi-tsveiMvaltnnK. Verband der treten Gast- und| Schankwirte Deutschlands. Zalilstelle Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dasj die Frau des Kollegen Picke!!., Luise geb. Kluge Kroßaörscheiistr. 32(Bezirk 5) oerftorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung hat bereits am 18. Janlmr 1912 stattgesunden. 72/5 0ie Orlsveewsstunz. leiden, Chrlich- Hala. Schilden d. Queclcoilb.— Konsultation frei 1 Blutuntorsuch., Fäden im Harn, otc. !! TeSlKSihluns: gestattet!! Df.tejEfKfÄÄ'i'Ä h d Hochb. Spr 9-2,4-8,3onnt.1l-t2. Dr. Simmel Spcziai-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10-2. 6-7. Sonntags 10-12. 2—4. Ltranlworll'cher Oifbalteuc; Deutscher | Transportarbeiter-Verbandr Eczirksvcrwaltung Groß-Bcrlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Droschken- sührer Wniietm�acliowski am 18. Januar im Alter von 70 Jahren verstorben ist. Ehre seinem A»dc»ten! Die Beerdigung findet am Sonnlag. den 21. Januar, nach- mittags 2 Uhr. von der Leichen- aalle de» Heiland«- Kirchhoses in Plötzensee aus statt. Ten Mitgliedern zur Nachricht, dasi unser Kollege, der Fenster- Putzer Paul k�atebus am 19. Januar im Aller von f 39 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung finde! am Moniag, de» 22. Januar, nach- mittags 2H, Uhr, van der Leichen- Calle des Rchdarser Gemeinde- Friedhoss. Mmieiidorscr Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 61/0 Ol« Bezlrksverwalluiig. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dost meine liebe Frau, unsere gulc Mutter Ernestine Lwiit plötzlich gestorben ist 16602 Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des EmmauS- Kirchhoses aus statt. llie Ifauernilen HintephliebeneD. Karl L-utzc nebst Kindern. Heute verschied nach kurzem Krankenlager unser langjähriger, treuer Mitarbeiter, Herr /Vmaldo üoldbeck im 60. Lebensjahr. Wir werden dcni Entschlafenen ein dauerndes Andenke» be- wahre». 2576b Berlin, 20 Januar 1912. E. Heckmann& Co. DanksaAUlig. Für die vielen Kränze»nd Be- weile bcrzlichcr Teilnahme bei dem Hinscheiden meiner lieben Frau tuise Picke!, geb. Kluge sagen wir allen Bekannten, dem Ber- band der sreicn Gast- und Schank- Wirte, dcni 68. Bezirk des II. Ber- linei ReichStagSwabikieiscS sowie dem Svarvcrem„Nediichkeit" unsereii besten Dank. 2579b .lohan» Pickel, Kurl GUrtner, Hans Pickel.__ Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die vielen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Max Weber sagen wir allen Verwandle» und Bc> lannien, insbciondcre den Kollegen der Firma Rbsseler sowie dem Wahl- verein deS 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises unseren herzlichsten Dank. Praa Edmnndc Weber 16612 aebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Tcilnaome und zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben MamicS August Teckemeier jage ich allen Frermden, Bekannten und Ärbeiiskollegeii der Firma A. E.-G. den besten Dank. 11/4 Witwe Bert» Teckemeier. Ucim Voneioen dieses Inserates 4% Hanat:. Engros Export- Detail Dvenlur-Wi - Ismen sparen Geld- Sarai- b. SBifleoBlisciiraäolel «w Olsler„flart" �'.trSuSraa listilllip, KSSliB CagKelnini,-.-«.-it. MB«!. HrniMM. Hiisgos-„Saite Pim!" Max Mosczytz. u.£Vr». 53 KS: NM- Verkauf nnr In der I. 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StiNf des Jimuärlo" JJttli'im SunnUj, 21. Inn«« 1012 Nehmt Liniicht in die Gemeinde- Wählerliste, die noch, bis einschließlich 30. Januar in den Gemcindebureaus zu jedermanns Einsicht anslicgt. Wer nicht in der Liste eingetragen ist, darf nicht wählen. Es erhellt hieraus, daß die Einsichtnahme in die Wähler- liste eine sehr dringende Pflicht eines jeden Wahlberechtigten ist. Ist jeniand verhindert, sich selbst davon zu überzeugen, ob er in der Liste steht, so wende er sich vertrauensvoll an einen im Orte auf Plakaten oder im„Vorwärts" bekannt gegebenen Parteigenossen und beauftrage diesen nach Aus- händigung cmcr Legitimation nrit der Einsichtnahme in die Liste. Wahlberechtigt ist jeder selbständige Gemeindeangehörige, welcher 1. Angehöriger des Deutschen Reiches ist; 2. die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt: 3. seit einem Jahre in dem Gemeindebczirk seinen Wohnsitz hat; 4. keine Armen- Unterstützung aus öffentlichen Mitteln empfängt; 5. die auf ihn entfallenden Gemeindcabgaben bezahlt hat und außerdem v) entweder ein Wohnhaus in dem Genieindebezirk besitzt oder b) von seinem gesamten innerhalb des Gcmcindebezirks belegenen Hausbesitz einen Jahresbeitrag von mindestens 3 M. an Grund- und Gebäudesteuer entrichtet, oder o) zur Staats- cinkommcnfteuer veranlagt ist oder zu den Gemeindeabgabcn nach einem Jahreseinkommen von mehr als 660 M. herangezogen wird. Als selbständig wird nach vollendetem 24. Lebens- jähre jeder betrachtet, welcher einen eigenen Hausstand hat. Ehambregarnisten sind wahlberechtigt, Schlafburschen ist das Wahlrecht abgesprochen worden. Besonders sei darauf hingewiesen, daß man zur Aus- iibupg des Gemeindewahlrechts— im Gegensatz zu den Städten— nicht Preuße zu sein braucht; es ist erforderlich, daß man die deutsche Reichsangchörigkcit besitzt. Die Listen liegen auS in: Adlcrshof. Außer wowenlogs während der Bureaustunden auch an den Sonntagen am 21. und 23. Januar in der Zeit von vor- mittags ß'/j— Ö'/a Uhr im Gemeindeamte, Posadowskystraße 1, Zimmer Nr. 3. Für diejenigen, welche verhindert sind, einzusehen, laben sich folgende Genossen zur Cinfichtnahnie bereit erklärt; August Beck. B tmarckstr. l l IKonsuni-BerkanfSstelle); Johan» Fever- siein, Biäinarckilr. 28; Stichard Kaul, BiSmarckstraßc; Wilhelm Baschin, Metzer Str. 1. Es wird ersucht, für diese» Zweck die Steuerzeucl mitzubringen. Alt Älieniitc. Im hiesigen Gemeindebureau während der Dienst- stunden. Britz. Im hiesigen Rathause. Zimmer Nr. 6. und zwar an den Wocbeniagen von 6 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags und von 2—4 Uhr nachmittags sowie an den Sonntagen von 10—2 Uhr vor- mittags. Büch. Im Gemeindebureau während der Dienststunden von 0 bis 3 Uhr. Die Liste liegt deö Sonntags nickn aus. Diejenigen, die verhindert sind, Einsichl in die Liste zu nehmen, können hiermit; den Gastwirt Siarke, Bahnhofstr. 6. betrauen. Buckow. Im Gemeindebureau, Dorsstr. 23. Eichwalde. Im Gemeindeburcau, Giünaucr Straße 49, an den Wochentage» von 3—3 Uhr, sowie SonmagS und am 27. d. MlS. von 11— 12 Ubr. Frauz. Buchholz. Im Gemeiudebureau während der Dienst- stunden von 3 bis 1 Ubr voimittogs und 3 bis 3 Uhr nachmittags. Da die Wählerliste des SomilagS nicht zur Einsichl ausliegt. seien alle Wähler, die verhindert sind, selbst einzusehen, daraus hin- oewirsen, daß die Gastwirte Kähne. Berliner S:r. 33. und Eabbert, Pasewaller Sir. 34, sich zur Einsichtnahme bereit erklärt haben. Friedcna». Im Gemein.'camt. Feurigslr. 3. Zimmer 2, während der Diennstnnden von 3-3. und Sonntags von 9-12 Uhr. Friedrichshagen. An den Wochentagen von 3 Uhr vormittags bis 3 Uhr»achmiltags. an den Sonn- und Festtageil von 3 bis 1l Uhr vormitiags im Nalhanie, Zimmer 13. Grosi Lichlersrldc. Wählend der Diennsiunden im hiesigen Ge- ineiiidebnicau lScknllerstraße 82). und zwar von vormittags 8 Uhr bis uafliiiittags 3 Uhr im Zimmer 8 und von nachmitlags 3—6 Uhr im Ziimner 7. Grünau. Während der Dienststunden im Gemeindeamt. Zimmer Rr. 2. Johiiuiiislhal. Im Gemeiiidebureau, NathauZ, Zimmer 2, während der Ticiiststunden von 3 Uhr vormittags bis 1 Uhr nach- mittags. Köiiigs-Wusicrhailsc» und Wildau-Hoherlchme. In den Ge- meindeämleni.. Für Genosien und Wähler, die verhindert sind, selbst Einsichl in die Lisie zu nebiiien, haben sich kür KönigS-Wus!erha»sen die Genoslen Heinrich Dietze. Amlsgarlen?, und Wilbelm Pleik'.S, Alte Plantage(im Laden des Konsumvereins), und für Wildau- Hoherlehme der Genosse Adolf Tänzer. Zigarrengeschäsl. bereit er- klärt dies zu Inn. Lantwib. Im Ralhause. Zinimer 24. Die Genossen werden erkiichi. sich vei den Bezirksiührern soivie bei Gastwirt Schulz, Mühleiistraße Gastwiri«chniz. Kursüriiensiraße. and Frau r cbiisi. Z'.guirengeschiifr, Sehdiitzsiraße, znl Eiiisichmahinc eintragen z» lasien. Boii Svniiiog, den 2l. J.inuae, ab liegt die Liste der dritten 5llaffe bei F-a» Dehnst, schdlitzmaße. ans. Lichtenrade. An den Wochentagen ivährend der Diciiststlliiden von vormittags 3 Ubr bis nachmittags 3 Ubr, außerdem am Mittwoch, de» 17., und Mittwoch, dcii 24. d. Bd.»achmittags von 6 bis 8 Ubr. sowie am Svimiag den 21. d. M., von 3— 12 Uhr vormittags. im Gcnieiiidcaiitt, Dorkstr. 36. Maric»d»rf. Während der Dienststunden im Rathanse Hierselbst, Ziii'iiier Nr. II. Äiaririlfclde. Im Eiiiwobner-Meldeamt der hiesigen Gcinenidc- verw�li. liig, Doissilaß? 53 Zimmer 6. werbäglich während der Dieiislßniid> von»— n Uhr>So»>ilags von>3 12 Uhr>. Rirderschiineweide. In ocm Gen>e»ldegeichäsisz»nn>er hiersclbst. Grünauer S> ain l l, während der ivei klägliche» Dic»stst»ndcn. Rieier Zchöuhausrn Im Raivans. Ziininer lv. an den Wochen- ge» von 3 Ubr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, an den sonn- 'gen von 11 1 Uhr. Nitolasscc. Im Gemei ildeamte, Norm->n»enstr. l. Zimmer Nr. 2, ochenlagS ivabrend der Dieiiststilnden von 8 Uhr vormittags bis Ubr liachmittvgS, am 27. d. MtS, von 13-11 Uhr vormittags. Nowawes. In den Bnreauräumen. Zieiheiistr>. wäbrcnd der ic"'i'i iinde» Außerdem auch lni Lokal von Grnbl. Priesterstr 63. Paakow. Im RaldaiiS. Zimmer 25 26. an den Wochentagen von 3—3 llvr.'am To i>ta � en 21 u»d 2»'oivie am Sonnabend, Heu 27. Jai iiar M i cisgeb it». lag!, von 3 I Uhr Pete'' ii. ed.rsdorf In Gel» nidevnreauS der einzelnen Orte iv-e Mi'.> äi sii» de». ckiei" ckeni>«n Ha.ipiilr.itze 4V, wochentags von Ubr voriliiila bis 3 Ubr na oo n> iags. !>i»hlsvors. Im Genie,»telaireau. Schmöckwitz. Im hi.figen Gemeindebiireau, Kaiser-WilhelmS- Mkot?>2, während der Tiennstunden. Slcglil!. An den Wochentage» von 8 bis 3 und von 6 bis 1 Uhr im Zimmer 34 des Hauses Schloß- Zimmer 6, von vornsittags 8 bis 27. Januar von 8 bis slraße 36 II. Stralau. Im Amtsburcau, nachmittags 3 Uhr. Tcmpclhof. Im Gemeindebureau, Dorfsir. 42. Zimmer 8, während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr iiachmittags. Treptow. Im Nathause, Neue Krugallee 1/3, I mmer 59. in den Dienststunden, und zwar au den Wochentagen von 9 Uhr vor- mittags bis 3 Uhr nachmittags und an den Sonntagen von 9 bis 13 Uhr vormitiags. Wannsec. Im hiesigen Gemeindeburcau, Zimmer Nr. 5. Zeuthen. Im Gciiicindeaniie, Kuriürstenstraße 1a, während der Dienststunden von vormittags 8 bis nachmittags 3 Uhr. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerliste gebe man unter Beibringung der Steuerquittung sofort zu Protokoll. Partei-?Zngelegendeiten. Zur Stichwahl im ersten Wahlkreise. Die Stichwahl im ersten Preise findet am Montag, den 22. Januar von 10 Uhr morgens bis 7 Uhr abends statt. Um 7 Uhr wird der Wahlakt geschlossen, auch wenn noch Wähler im Wahllokal sind, die noch nicht gewählt haben. Aus diesem Grunde sollte jeder Wähler so frühzeitig wie möglich zur Wahl gehen. Es kommt auf jede Stimme an! Bei der Hauptwahl sind Stimmen für ungültig erklärt worden, weil das Wahlkuvert nicht mit dem amtlichen Stempel versehen war. Man achte also darauf, daß jedes Kuvert den Stempel trägt. Es ist auch vorgekommen, daß Stimmzettel mit dem Namen des Wählers beschrieben waren. Solche Stimmzettel sind ungültig. Stimmzettel dürfen mit keinem Kennzeichen verschen sein. Achte jeder Wähler darauf, daß uns keine Stimme der» lorcn geht!_ Erster Wahlkreis. Heute Mittag 12 Uhr: zwei Wähler- Versammlungen in Dräscls Festfälen, Neue Friedrichstr. 35, und in den Coroua-Säieu, Kommandantenstr. 72. Referenten: Rechtsanwalt Dr. H. Heinemann, Stadtverordneter Waldcck Manasse und Ingenieur Richard Woldt. In beiden Per- sammlungen Düwell. Ansprachen des Rcichstagskandidaten Wilhelm Stichwahlhilfe in der Provinz Brandenburg am Donnerstag für Kalau-Lucka«. Die Touren Verteilung erfolgt am Dienstag, abends 8 Uhr, bei Eiste, Schönleinstr. 6. De» Genossen des zweiten Kreises ist der Kreis zugeteilt, doch werden auch Genossen des 4. 5lreises, die am Hauptwahltage im Kreise geholfen haben, um Mitarbeit gebeten. Für die übrigen Kreise der Provinz erfolgt die Ans- fordernng in der Dienstag-Nummer. Ter Bczirksvorftaud der Provinz Brandenburg. , Ter Aktionsansschust. Friedenau. Die Mitgliederversammlung deS WahlvereinS findet am Dienstag, den 23. Januar, abends 8siz Uhr, bei Mecdelke. Handjerhstr. 60/61 statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vor- trag des Gcnosien P. Richter über:.Die Sieger der Reichstags- wählen und die Friedelianer Gemeindewahlen". Der Vorstand. Rixdorf. Diejenigen Parteigenosien. welche einige Tage bei den Stickiwahlen helfen wollen, werden gebeten, sicki Montag, den 22 d. M„ abends l,'29 Ubr, bei Bartsch. Hermannstr. 48/49. ein- zufiiiden; mindestens' 50 Parteigenossen müssen sicki zur Verfügung stellen. Der Vorstand. Mariendorf. Montagabend 8'/z Ubr: Mitgliederversammlung bei Preuß, Kursiirstenstr. 44. Tagesordnung: 1. Vortrag über die bevorslebende Gemeindewahl. 2. Diskussion. 3. VereinSangelegen- heiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Nicder-Schöilcwcide. Mittwoch, den 24. Januar, General- veriaininlung des Wahlverems beim Genossen Schulz. Brückenstr. 15. Potsdam. Wahlversammlung. Heute Sonntag, nach- mittags 2 Uhr. findet auf dein Enmdsliick des Molkereibesitzers Arnbold in der Bohlerisiraße 16, eine Versammlung unter freiem Himmel statt. Tagesordnung: Die Stichwahl im Hohcnzollcrnwahikreis. Freie Tiskussion. Referent wird in der Versammlutig bekannt gemacht. Parteigenossen, sorgt für Massen- bestich. Berliner]Vacbricbten* Die Sonntagsruhe im Kleinhandel hat in derjenigen Festsetzung, die vor kurzem in Kraft getreten ist. dlirchaus nicht die angekündigte Zufriedenheit geschaffen. Daß die Handelsangestellten immer wieder die Gewährung vollständiger Sonntagsruhe fordern, ist selbstverständlich. Aber auch die Geschäftsinhaber werden hoffentlich— mit Ansnahine höchstens derjenigen der Nahrungs- und Genußniittelbranche (und vielleicht noch des Blumenhandels)— in nicht zu ferner Zeit vollzählig diese Forderung unterstützen. Schon die Umfrage, die in Berlin vor der neuesten Aendcrung deS die Sonntagsarbeit im Kleinhaitdcl ein schränkenden OrtSstatnts veranstalttzt wurde, ergab auch unter den Geschäftsinhabern eine recht erhebliche Zahl Stimmen für weitere Einschränkung der Sonntagsarbcit bezw. für völlige Sonntagsruhe. Leider gelang es aber in der Stadtverordneten versainnilulig den Liberalen noch einmal, eine durchgreifende Aendernng wieder zu hintertreiben. Wir bekamen nicht die völlige Soimtagsnihe, die die Sozialdemokraten für alle offenen Berka»fsstellen init Ausnahme der Nahrungs- und Genußmittel- und der Blumengeschäfte forderten. Auch der Magistratsantrag, die Geschäftszeit aus die Stunden bis 10 Uhr vormittags zu beschränken, drang nicht durch. Das schließlich zustande gekommene O r t s st a t u t bestimmt: § 1. In offenen Verkanssstellen deS HandelSgewerbes dürfen Gehilfe», Lehrlinge lilid Arbeiter— abgesehen vom ersten WeihnackitS- Oüer- and Pfingstiage, an welckie» ibre Beilbästigimg überhaupt uiileriagt ist— an Sonn- und Festlagen in der Zeil vom 1. Mai bis e i n i w i> e ß i> ch 3 0. Sepiember nur von 8— 10 Ubr vormittags und in der vom I.Oktober bis e i» s ck> l i e ß l i ch 3 0. April nur von 12— 2 II h r miltags bkicki.isiigl weiden, ioioeil nicht Ausnahmen durch die hierfür zuständigen Behörde» festgeseyi werden. K 2. Die in§ 1 verordnete Einichränkung findet ans den Handel mit RahrnngS- und Genußuntteln sowie auf den Handel mit Blumen keine Anwendung." Diese Bestimmungen sind ein Fortschritt gegenüber den rill t Cn- urLlL 1.» 1* w»» V w i V«iiiu K/Ull V> V< C*" V Uhr. ai, den Sonntage» v-u U'/z bis 12'/. Uhr und am'früheren, nach denen das ganze Jahr hindurch an Sonn und Festtagen die Geschäfte zwischen 7—10 und 12—2 offen ge- halten werden durften, immer abgesehen von den Ausnahmen. Die jetzige Unterscheidung zwischen Sommer und W i li t c r hat den Zweck, im Sommer die Ausflüge zu begünstigen, im Winter aber den Langschläfern entgegen- zukommen. Daß im Winter ebenfalls Ausflüge unternommen oder die Eisbahnen besucht werden, hat die Väter dieses Orts- statuts nicht anderen Sinnes gemacht. Wie die neuen Be- stimmungen für den Sommer wirken würden, konnte man im vergangenen Sommer noch nicht beobachten, weil der Magistrat das schon im Februar von den Stadt- verordneten beschlossene Ortsstatut erst im Herbst dem Obcrpräsidenten zur Genehmigung einreichte. Wie die neuen Bestimmungen für den Winter wirken, das sehen wir jetzt. Schon jetzt darf man sagen, daß gegenüber der Geschäftszeit von 12—2 U h r die alte U n z u» friedenheit unvermindert weiter besteht. ES ist kein Zweifel, daß über kurz oder lang diese Festsetzung doch be- seitigt werden mutz. So lange nicht volle Sonntagsruhe ge- währt werden soll, wird auch für den Winter die Zeit zwischen 8 und 10 Uhr vormittags vielleicht noch mehr Freunde finden, als die Zeit zwischen 12 und 2 Uhr mittags. Eine eigenartige Lage ist für die B r c n n nr a t e r i a l i e n- h a n d l u n g c il geschaffen worden, denen nian ja nicht wie den Nahrungsmittclgeschäftcn usw. eine Ausnahme bewilligt hat. Früher durften sie am Sonntag vor 10 verkaufen, jetzt dürfen sie erst um 12 beginnen. Wer nicht schon am Sonnabend, wie sick's gehört, Brennmaterialien für den Sonntag besorgt hat. der muß am Sonntag bis 12 Uhr warten, ehe er seine Stube heizen und das Mittagsmahl auf den Herd bringen kann. Bei der Kälte der letzten Wochen wird manche saumselige Familie in böse Bedrängnis geraten sein, so daß sie zahne- klappernd ans ihr Mittagessen warten mutzte. Aber vielleicht hat auch mancher begreifen gelernt, daß man Feuerung und auch recht viele andere Hanswirtschaftsartikel sehr wohl schon am Sonnabend besorgen kann. Die Kohlenhändler klagen allerdings, daß jetzt die Grünkramhändler, die auch Feueruug verkaufen, an: Sonntag den Saumseligen als Retter dienen. All solchen Klagen würde sofort abgeholfen, wenn man alle Ausnahmebestimmungen beseitigen wollte. Lerstadtlichung des RcttungSwesenS. Aus dem Rathause wird berichtet:„Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, das bisher von dein Acrztcverein für Rettungswesen,-dem Kuratorium für Unfall- stationen und den Sanitätswachen ausgeübte Rettungswesen. für das die Stadt zurzeit einen Zuschuß von 220000 M. zahlt, mit dem 1. April 1913 zu verstadtlichen. Die Em- richtung ist auf der Grundlage gedacht, daß für jede Wache eine beschränkte Zahl von Aerzten gewonnen wird, die gegen ein festes Gehalt den Dienst abwechselnd versehen, und zwar in einer vier- bis fünfstündigen Tages- und achtstündigen Nacht- dicnstzeit. Behufs Einteilung des Dienstes und als für den Dienst den städtischen Behörden Verantwortliche Person soll einer der Aerzte jeder Wache als Obmann fungieren. Als Honorar ist eine Summe von 1500 M. für jeden Arzt in Aussicht genommen. Dem Obmann soll außerdem eine be- sondere Vergütung von vielleicht 500 M. gewährt werden. Die Verwaltung des Rettuugswcseus soll einem Kuratorium von 9 Mitgliedern unterstellt werden, bestehend auS 2 Mit- gliedern des Magistrats, 4 Stadtverordneten und 3 Bürger» deputierten. Das 5luratorium soll, wenn die Stadtverordneten- Versammlung dem Plan zustimmt, alsbald eingesetzt werden und in Tätigkeit treten, um die Grundzüge im einzelnen fest- zustellen und die sonstigen notwendigen Maßnahmen vor- zubereiten." Der Beschluß des Magistrats entspricht nur dem wahren Stande der Sache. Die Stadt zahlte ohnehin so ziemlich die gesamten Kosten des Rettungswesens. Da war es nur recht und billig, daß die Stadt nun auch allein die Verwaltung übernimmt._ Liberale Wählerbcarbcitung. Bei den Reichslagswahlen haben diesmal für die Liberalen zahlreiche Frauen mitgearbeitet, die als sehr wertvolle Wahl- Helferinnen willkommen geheißen wurden. Es ist noch nicht sehr lange her, daß Frauen, die für die Sozialdemokratie am Wahltage tätig waren) auf schnoddrige Reden-Zarten bürgerlicher Flegel sich gefaßt machen mußten. Aber die Anschauungen haben sich rasch gewandelt, nicht nur bei de» Liberalen, sondern auch bei anderen bürgerlichen Parteien, so daß schon heute lanin noch eine Partei bei der Wahlarbeit auf die Hilfe der Frauen verzichte» will. Eine Frau, die für die Reich-ZtagSwahlen vom 12. Januar sich in Berlin der„Fortschriitli-ben Volkspartei" zurVerfngung gestellt hatte, be- richtet jetzt in der„Vossischen Zeitung" über ihre„Erlebnisse einer W a h l a g e n t i n Sie schildert zlinächst, wie sie vor dem Wahl- tage an der Hand dcr�Wählerliste einzelne Wähler aufsuchte, um sie zur Stimmabgabe für die„FortschrittlicheVolkS- partei" zu bewegen. Hierbei fällt auf, daß sie nur über Besuche bei Minderbemittelten berich:et. Hat sie wohlhabendere Wähler nicht zu besuchen gewagt, weil sie erwartete, daß da ihre Beeinflussnngsversiiche zurückgewiesen würden? Oder hat sie sich ge- sagt, daß ihre Agitation, die ja vor allem gegen die Sozialdemokratie sich richtete, mir bei Handwerker», Portiers, Kassenboten usw. nötig sei? Zu welchen Mitteln sie dabei griff, das erzählte sie in der Schildernng eines Vesilches, den sie einem Schneidermeister T.— offenbar war'S ein Damenschneider— gemacht hat. Dieser Herr T. hatte auf ihre Frage, ob er schon wisse, wen er wählen werde, mit Rein geantwortet. AlS sie ihn dann in Bearbeitung nahm, gefiel ihm bis auf einige Punkte das Programm der„Fort- schrittlichen BolkSpartei", aber aus Unzufriedenheit mit der herrschenden Regierung wollte er sozialdemokratisch wählen. Sie suchte' ihm das auszureden, wobei sie unter ondermZ seinen Aerger über die Kriegsrüstungen dadurch beschwichtigte, daß sie (so erzählt sie selber)„ihm in grauenhaften Farben schilderte. wie wir aussähen, wenn Frankreich und England nicht so namenlose Angst vor unserem Heer und unserer Flotte hätten." Ihre Schilderung dicieS BeüickieS schließt:„Nachdem wir eine Stunde miteinander gelprockieii habe», frage ich noch einmal:„Nun werden Sie fortichriitlicki wählen?"—„Ganz bestimmt kann ich eS noch nicht versprechen, nämlich, wat ick versprech', dat halt ick ooch." — Dafür weiß ich eiwaS anderes ganz bestimmt: Ich werde niir einen Rock bei ihm arbeiten lassen. Zum Abschied sage ich'S ihm, und Herr T. sieht augenscheinlich solche Bemerkung nicht als bloße höfliche Redensart an." Ob die liberale Wahlagentin dem von ihr bearbeiteten Schncidermeistcr inzwischen den der- sprochenen Auftrag auf Anfertigung eines hat zukommen lassen. taZ wird in der Schilderung der- findige Dame berichtet sodaun auch darüber, wie sie am sich als Schlepperin betätigte und noch kurz vor Tores- Mi ii e it 81jährigen Mann vom wärmenden iveg zum Wahllokal holte. Sie wickelte ib» in �Mantel, lieh ihn nidfi mal statt der Pantoffeln feste Schuhe ■Jltn und steckte ihn in einen unten wartenden Wagen. . Wahllokale leistete sie persönlich dem Greise bei der MSü bung seines Wahlrechts die Hilfe, die bei körperlich fchwachen Personen gesetzlich zulässig ist. Sie erzählt hierüber:„Und Wriald führe ich ihn ganz sachte am Arm in das Wahllokal. Von drei : Stimmzetteln, die mir mitcr die Nase geschoben werden, wähle ich kühn den mit„Mommsen" versehenen, und in der Wahlzelle versenke ich ihn bedächtig in das Kuvert. Dabei lösten sich unsere Arme nicht voneinander. Langsam schreiten wir au die Urne und mit zitternden Händen übergibt mir der gute Alte sein Kuvert.„Haben Sie auch richtig gewählt?" fragt er mich, als wir vorsichtig davongehen.„Natürlich I Alle Männer sollten so richtig wählen!" Waö macht c-5 mir. datz man hinter uu-Z da und dort belustigt in die Hände klatscht? Ich, ich bin die erste Frau, die einen Stimmzettel abgegeben hat." Also„kühn" wählte die liberale Wahlhelferin selber den Stimmzettel! Was soll man sich dabei denken? Wir wollen uns daran gelingen lassen, die„Kühnheit" der liberalen Wahlagentin festzunageln. Man sieht, waS alles bei der Wähler- bearbeitung der Liberalen möglich ist. Eine neue Abteilung für weibliches Hauspersonal eröffnet im Hause Alt Moabit 38, neben dem Arbciterinnenheim, der Zentral- ArbeitSnachtveiS zum 1. März. Es sollen dort in den Vormittags- stunden Anohilfspersonal aller Art, irie Wasch- und Neinemache- fraucn, Aufwärtcrinnen, Aushilfemädchen, Plätterinnen, Ausbesse- rinnen vermittelt werden. Die Nachinittagsstunden bleiben der Vermittelung von Dienstmädchen reserviert. Bon den Stationen Bellevue und Tiergarten 18 Minuten entfernt, durch die gegenüberliegende Jagowstraste mit dein neuen Hansaviertel verbunden, ist die Lage des Bureaus für die Bewohner von Moabit und Hansa- vicrtel gleich günstig und wird hoffentlich von allen Beteiligten lebhaft benutzt werden. Ter räuberische Ncbcrfall in der Saarbrückcr Strasic ist völlig geklärt. Bei seiner gestrigen Vernehmung auf dem Polizeipräsi- dium hat der Arbeiter Georg Fitzy, der übrigens mehrfach vor- bestraft und kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden ist, er- klärt, er habe d.m Zigarrenhändler Nicke nicht töten, sondern nur betäuben wollen. Das Werkzeug, die Feile, mit der er auf sein Opfer eingeschlagen hat, will er zufällig aus der Strasse gefunden baben. Zu dem Entschluss, den Ueberfall auszuführen, fei er durch feine Notlage gekonimcn. Er hat sich schon seit Tagen ohne einen Bfennig Geld auf den Strassen Berlins umhcrgetricben. Das Be- finden des Ileberfallenen gibt zu Besorgnissen keinen Anlaß. Den Gipfel des Mißtrauens hat die BluienloniektionSfirma M. Spicker u. C o.. Rominandantenstr. 89, in einer uns vorliegen- den Arbeitsordnung für die gewerblichen Arbeiter verewigt. Der § ß derselben bestimmt, was auch in zahlreichen anderen grösseren Betrieben aller Art üblich ist:„Beim Äerlaffc» der Arbeitsräume mfliien sicki die Arbeiter über die mitgeführten Pakete uiio. ausweisen." Nichtiger wäre cS ja, dass jeder ein etwa mitgebrawtcS, nicht für die Arbeit gebrauchtes Paket beim Betreten der Arbeits- ftätte abgibt und es beim Verlassen deS Betriebes uncröffnet zurück- erhält. Diese Art der Kontrolle verletzt am wenigsten das Ehrgetüdl. LllS skandalös muss aber der folgende, seit dem 6. Ollober t9U in Wirksamkeit getretene Nachtrag zur Arbeitsordnung bezeichnet werden: „Das Personal wird angewiesen, seine Taschen wochentags um 5 Uhr und Sonnabends um 4 Uhr abzugeben. Für Portemonnaies und Wertsachen wird keiireGarantie k übernommen. Pakete und Taschen werden um 8 Uhr im Kontor ver» i-abfolgt. Sämtliche Pakete, die nicht bis 3 resp. 4 Uhr abgegeben sind, werden erst am anderen Tage ausgehändigt." Abgesehen von dem uiikerablen Deutsch, sind diese Nachtrags- bestiannnngen ungeietztich. schon weil sie gegen die guten Sitten Verstössen. Es fehlt nur noch, dass die Firma ihr Personal zwingt, sich jederzeit von einem häuslichen Detektiv untersuchen zu lassen. Dringend reformbedürftig sind augenscheinlich die Zustände in der Porzellanfabrik Hennigsdorf der A. E.-G.. wenigstens soweit die Fürsorge sür Unfallverletzte in Frage kommt, wie ein Vorfall lehrt, über den uns berichtet wird:„Kommt da am Mittwoch, den 17. d Mis.. wenige Minuten vor 3,'�3 Uhr. das Lastauto genannter Firma an der Station Hennigsdorf vorgefahren und setzt dort einen jungen Mann ab, der während der Fahrt in schneidender Kälte auf dem Fahrersitz gesessen hatte und— wie sich herausstellte— Unfall- verletzt war. Durch einen Sturz von zirka 2Vs Meter aus Zement- baden hatte er sich einen Ärmbruch und anscheinend auch weitere Verletzungen mgezogen. Er wurde im Wartezimmer untergebracht, da der nächste Zug erst über eine Stunde später— 3.5L— Nock Berlin fuhr. So musste der Acrmste— sichtbar unter qual- volle» Schmerzen— in Begleitung eines jungen Kollegen und nur notdürftig verbunden, warte», um dann noch wiederum etwa cin- stündiger Fahrt in Berlin anzulangen, wo noch der Weg nach dem virchow-KrankenhauS zurückzulegen mar. Geld zur etwaigen Be- Nutzung eines AuloS oder wenigstens einer Droichke hatte die Firma nicht mitgegeben! Dabei verschlimmert» sich der Znstand des Ber- letzten derart, dass er von hilsreicken Mitreisenden in den Bahn- wagen und auch wieder herausgehoben werden musste. Da muss man denn dock fragen, ob eine Welifirma wirklich nicht in der Lage ist, bessere Vorkebrmigen zu treffen. IIebrig»iS soll vor einiger Zeit ci» vom Starkstrom getöteter Arbeiter volle zwei Stunden gelegen haben, ehe er fortgebracht wurde. Jon dcn Raubmördern, die die Bluttat in der Alten Jakobstrassc verübt haben, fehlt jede Spur. Gestern hiess es, dass in Bccskow drei Männer verhaftet worden seien, die bestimmt als Täter in Frage kamen; das Signalement sollte ganz genau stimmen. Der Lbcrwachtmeister Wölfs war seiner Sackie so sicker, dass er die drei jungen Leute sofort fesselte und inS.OrtSgefängnis ablieferte. Es hat sich herausgestellt, dass die Leute nickt das geringste mit dem Raubmord zu tun haben. ES sind drei junge Männer, ein Ha»S- diener ein Meier und ein Kausinann au» Berlin, die einwandfrei ihr Alibi nachweisen konnten. Alle drei sind g.ft rn mit dem Zuge 9.45 tthr vormittags von dem Görl'tzer Bahnhofe nach Lübbe» gefahren, um dort und in den umliegenden Lrlschafieu mit Einailleb'ldcrn zu handeln. Tckon am Bormiilag. als sie in einein Lokal Kaffee tranken, wurden sie von Arbeitern iür die Mörder gehalten. Um einer Tracht Prügel zu entgehen, liefen sie davon. Dabei verschütteten sie den Kaffee, der dann nasse Stellen auf ihrem Ueberziehcr zurückliess. Ties verdächtigte sie um so mehr, als auch die sonstige Beschreibung der mutmasslichen Mörder ziemlich aus sie paßte. Sie zogen eS deshalb vor, von Becskow aus wieder mit der Bob» nach Berlin zurückzufahren. Hier war aber icho» die Orlspolizei von ihrer Ankunst benachrichtigt. die sie dann sofort festnahm und nach Berlin berichtete. Die hier sokori angest-lllen Naäisorschnngen ergaben aber bald, dass die Ber- haflcien als die Täter bestimmt nicht in Frage kommen können. I» seiner Laube eiusam gestorben ist der 96 Jahre alte frühere Steinträger Friedrich Benz. Der seit 10 Jahren verwitioeie Mann lebie von seinen Spargroschen.und der Invalidenrente, die er feit längerer geil bezog. Als eine Frau Geißlcr ans der Elbinger Str. 2, bei der er zemeldet ivar, vor 6 Wochen starb, stellte sie ihm kurz vor ihrem Tod: ihre Laube, die-cr auch früher schon benutzt hatte, ganz zur Verfugung Hier hauste er nun wie ein Einsiedler. Melden liess er sich bei einer Händlerin in der Elbinger Strasse, von der er auck seine Nahrungs- und Heizmittel bezog. Am vergangenen Dienötag sah man ihn noch bei seiner Laube in der Kolonie„Grönland" in Weissensee, seitdem nicht mehr. Als die Händlerin gestern nach ihm suchen liess, fand nian ihn in der Laubs tot auf einem Stuhl sitzen. Ob er einem Herzschlag erlegen oder erfroren ist, lässt sich noch nicht sagen. Nach ärztlichem Gutachten war er schon drei Tage tot. Die Leiche war steif gefroren. Sie wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Abgejagte DicbeSbcute, für die vielleicht eine arme Wäscherin aufkommen»mss, hat die Krimiualvolizei in Verwahrung genommen. In der vergangenen Nackt iah ei» Schutzmali» zwei Kerle im äusserste» Norde» der Sladt sich init einem schweren Sack schleppen. Als die Kerle sahen, dass der Beamte aus sie aufmerksam geworden war, warfen sie ihm ihre Last vor die Füsse, um ihn anfznhaltcn. So gelang es ibnen den» auch, in der Dunkelheit z» entkommen. Ter Sack'entdielt noch nasse und gesiorene Wäsche, die die beiden wahr- Ickeinlich von einem Trockenboden gestohlen haben. Sie ist E. B. gezeichnet. Tie Leiche des bei Kladow beim Schlittschuhlaufen ertrunkenen Kammergerichtsreferendars Heyn wurde gestern nachmittag aus dem Wasser geborgen. In einen Eisklumpen eingefroren war die Leiche eines Manncö, die vorgestern nachmittag gegen 5 Uhr aus der.Havel, in der Nähe des Torsteiches, gelandet wurde. Die Persönlichkeit deS MonncS konnte noch nicht festgestellt werden. Angaben über Grösse, Alter und Haar- färbe können noch nicht gegeben werden, da die Leiche bis auf die Beine eingefroren war und erst auftauen muss. Tie Kleidimg des Mannes bestand aus einer dunklen Hose, einem grauen Sweater, einem dunklen Jackett, Ledcrhalbsckuhen, grauen Strümpfen, einem weissen Hemd und einem Normalhemd. In d-cr Tasche lvar ein blaues Taschentuch, das S. M. gezeichnet war. Nähere Mitteilung, die zur Feststellung der Persönlichkeit des Mannes beitragen können. sind an den Amtsvorstand in Grunewald-Forst- Zehlendorf zu richten. Festgestellt ist die Persönlichkeit des Mannes, der. wie wir mitteilten, Donnerstag abend in der Tircksenstrasse an der Zentralmarkthalle von einem Kraftomnibus überfahren und getötet wurde. ES ist ein 27 Jahre alter Arbeiter Willi Göhring aus der Stral- sunder Str. 63. Göhring kam von der Post, hatte es eilig und über- sah dabei, dass ein zweiter leerer Kraftomnibus an den ersten, hinter dem er die Strasse kreuzen wollte, mit einem langen Seil angetop- pelt war. Er stolperte über das Seil, fiel hin und wurde von dem zweiten Wageil überfahren, bevor er sich wieder erheben konnte. In großer Lebensgefahr schwebten Freitag abend die Bewohner des Hauses Memeler Str. 46. Dort lvar um 9 Uhr in einer Keller- lvohnnng Feuer aliSgekommen. Der Jnbabcr der betr. Wadnuiig lief, als er die Flammen nicht mehr löschen konnte, zur nächste» Feilerwache, lieg aber drei kleine Kinder ohne Schutz in der brennenden Wohnung zurück. Als die Feuerwehr erschien, befanden sich die Kinder nocb in der Wohnung. Schnell drangen Feuenvehr- männer in die von Onalm angefüllte Wohnung ein und holten die Kleinen heraus. Der Rauch füllte bereits das Treppenhaus und be- lliirnhigte die Hausbewohner. Im dritten Stock versuchten sogar einige Personen sckon aus den Fenstern zu springen, während andere laut um Hilfe riefen. Die Feuerwehr traf sofort Anstalten, um dem Onalm Abzug zu verschaffen und rief den Geängstigten zu, ruhig oben zu bleibe». ES gelang denn aucki. sämtliche Perionen in Sicherheit zu bringen und den Brand auf den Keller zu beschränken. Arbeiter- Samariter-Kolonne Groß-Bcrlin. Heute vormittag ll Uhr: Abt. XI. PathoX Institut. Alexaudernfer.— Ferner finden folgende Lehrabeiide statt: I. Abt. bei Dräiel. Neue Friebriltistr. 3ö. Vortrag über„Der Nutzen der Röntgeiipbatetgraphie in bezug ans Unfallverletzte" s.Herr Dr. Davidsoh»). III. Abt., Schöneberg. Vor- bergstr. 9. am Donnerstag. Lehrabend der aktiven Mannschaft am Freitag bei Dräiel. Beginn abends 9 Uhr. Zu allen Vcranstaltnngeii sind Gäste willkommen._ Vorort- Nachrichtens Nixdorf. Eine wilde Ticböjagb gab cd vorgestern abend in Rirdorf. Eine Bäckerfrau in der Wildenbruchstrassc musste ans einen Augenblick dcn Laden verlassen. Als sie zurückkehrte, stich sie auf einen Mann, der gerade die Kasse an sich genommen Hatte und damit die Flucht ergriff. Laut schreiend verfolgte sie ihn. Eine grosse Menschen- menge schloß sick ihr an. Ter Dieb war äusserst flink. Unterwegs warf er die Kasse weg. so dass das Geld über die Straße rollte. Nur eine Hand voll behielt er für sich. Tie Verfolger ließen siq aber durch seinen Trick nicht beirren. Endlich gelang eS dann auch. ihn zu fassen. Aus der Wache entpuppte sich der Ertappte als ein 34 Jahre alter Einbrecher Karl MackhauS vom Kottbuscr Tamm 23, der schon wiederholt schwer bestraft ist. Zur Frage der Arbeitslosenversicherung i» Rixbors. Nach längerer Pause ist die Kommission zur Prüfung und Vor- bereitung der kommunalen Arbeitslosenversicherung sür die Ar- beiterschaft in Rixdors a>n Freitag, den 19. Januar, wieder zu einer Sitzung zusammengetrelen. Diese Kommission beschloß im April 1911, Erhebungen über die Zahl der JnvalidenversicherungZ- pflichtigcn durch das städtische statistische Amt vornehmen zu lassen, ferner sollten die GewerkstHaften befragt werden über die Zahl ihrer Mitglieder und über Umfang und Dauer der Arbeitslosigkeit derselben in dcn einzelnen Branchen. Auf Grund dieser Ermitie- lungcn sollten dann die etwa entstehenden Kosten der cinzufübreti- den kommunalen Arbeitslosenversicherung berechnet werden, und zlvar nach dem Prinzip des Genter Systems und den Vorschlägen. die seinerzeit von unserer Fraktion der Stadivcrordnctenversamm- lung zur Bcschlnssfassung unterbreitet wurden. Daü statistische Ami hat in Verfolg dieser Beschlüsse der Kam- Mission die Resultate der geinachten Erhebungen in einer Denk- schrift unterbreitet. Tie angestellten Berecknnngen der etwaigen Ausgaben zeigen, daß auch sür die Arbeiterstadt Rixdorf die Ein- führung einer kommunalen Arbeitslosenversicherung in finanzieller Beziehung durchaus möglich ist. Mit Recht»rnrde vom Referenten darauf hingewiesen, dass die Verhandlungen des deutschen Städtctages Gross-Berlin keinen Sckritt zur Vcrivirklichung diekeS wichtigen sozialen Problems näher gebracht habe. In der Kommission herrschte Uebercinstim- niung darüber, daß auf gesetzgeberische Maßnahmen der Reichs- rcgierunq vorauSsich blich noch sehr lange gewartet werden muss, ehe etwas Positives m dieser Frage geschieht. Darauf aber könne nicht gewartet werden. Tic Gross Berliner Gemeinden müßten selbständig versuchen das zu schassen, wozu die Gesetzgebung sich nicht beguemen will. Bei cinigeui guten Willen ist die Möglichkeit sehr wohl gegeben. Das wird auf das deutlichste durch die schon erwähnten statistischen Erhebungen bewiesen. Für das Jahr 1919 kommen für Rixdors 79 999 invalidenver- sicherungSpslichtige Personen in Frage, davon 66 999 vcrsichcrungS- Pflichtige Arbeiter, die für die Arbeitslosenversicherung rn Be- tracht gezogen werden. Nach Angade der Gewcrkichaslen sind in Rixdors organisiert: Bei den freien Gclverkschaften 34 748 Arbeiter. bei den Hirsch-Dunckerschen 423. den christlick�n Gewerkschaften 343, dem kalholischcn Arbeiterverein 289 und dem allgemeinen deutschen Metallarbeitervcrband 307, insgesamt 26 101. Von den auf rund 66 999 berechneten lnvalidenversichcrnngspflichtigen Arbeitern gehörten somit 26 999 oder 49 Vroz. den Arbeiter Bernfsorganisa- lloncn an. und zlvar von den rund 59 999 männlichen invaliden- versicherungspflichtigen etwa 24 699 oder 49 Proz., von den 16 999 weiblichen Versicherungspflichtigen etwa 1599 oder 9 Proz. Um nun dcn Umfang der Arbeitslosigkeit der Organisierten im allgemeinen feststellen zu können, wurde der sogenannte indirekte Weg gewählt, d. b. daß nicht eine Jndividualstatistik ausgenommen, sondern nur die Zahl der einzelnen Fälle in Berechnung gestellt wurde. Danach ergibt sich für Rixdorf folgende Aufstellung: Zahl der Arbeitslosen und der unterstützten Arbeitslosen in dcn BerufSorganisatirnrn im Jahre 1919: Von den 22 115 organisierten gegen Arbeitslosigkeit bersichcr- tcn Arbeitern waren während deö Jahres 1919 durchschnittlich tag- lick arbeitslos 959 oder 4.3 Proz. Wegen Arbeitslösigkcit wurden seitens der Organisationen durchschnittlich täglich unterstützt 491 Arbeiter oder 2,2 Proz. Leider konnte keine genaue und einwand- freie Feststellung über die durchschnittliche Tauer der Arbeitslosig- kcit pro Arbeitslosen gemackt werden, da zu diesem Zweck nicht die genügenden Unterlagen vorhanden waren. Jedoch sind die zu erwartenden Kosten einer kommunalen Ar- beitsloscnversichcrung dadurch ungefähr zu ermessen, wenn die Summen herangezogen werden, die die Gewerkschaften an ihre ac- beitslosen Mitgliedern an Arbeitslosenunterstützung ausgezahlt tiaben. Die 21 506 gegen Arbeitslosigkeit versicherten freien Gewcrk- schaftsinitglieder erhielten von ihren Organisationen 174 741 M.; insgesamt wurden an die in Rixdorf wohnenden gegen Arbeits- losigkeit versicherten Arbeiter von ihren Gewerkschaften 189 647 M. im Jahre 1919 ausgezahlt. Unier Zugrundelegung eines gemeind» lichcn Zuschusses zu der von dcn Gewerkschaften gezahlten Arbeitslosenversicherung von 59 Proz.. würde dadurch für die Stadt eine jährliche Ausgabe von etwa 99 999 M. erwachsen. Hierbei muss allerdings noch berücksichtigt werden, dass keine Karenzzeit vor- geichen ist. Würde für die Berechtigung zum Bezug der kommu- nalen Arbcitslosenunterstützulig nur eine seck»Smona:ige Ansässig- keitsfrist vorgesehen werden, würde dadurch die Summe aus etwa 59 999 M. reduziert werden. Eine Summe in dieser Höhe zu bewilligen, erklärten sich die Mitglieder der Kommission prinzipiell bereit. Schwieriger gestaltete sich die Regelung der Frage bezüglich der Organisierung der Durchführung der kommunalen Arbeits- losenversicherung. Würde für den einzelnen Ort eine Ansässigkeit�- frist als Bedingung vorgeschrieben werden, kämen dadurch viele Arbeiter um dcn Genuß dieser Einrichtung. Ebenso, wenn bc- stimmt werden sollte, dass nur jene Arbeiter bezugL- berechtigt wären, die am Ort« wohnen und arbeiten. Na- turgemäss entwickeln sich die Vororte immer mehr zu Wohngemein- dem während die Aetricbsgemcinde Berlin oder eine andere als die Wohngemeinde ist. Um möglichst für olle Arbeiter Gross-BerkinS die fast ständig in der Fluktuation und Wanderung begriffen sind, eine straff gegliederte und umfassende kommunale Arbcilölosenvcrsiche- rung zu schaffen, beschloß die Kommission: Einen Organisa- tionsplan auszuarbeiten und bei dem am 1. April ins Leben tretenden Zweckverband zu bcantra- gen, seincKompetenzenbehufSEinführungeiner kommunalen Arbeitslosenversicherung in sei- nem Geltungsbereich z u erweitern. DeL L rga- nisationSplan sowie der Verteilungsplan über die Kosten soll seitens der Kommission oufge- stellt und dem Zweckverband zur Beratung über- wiesen werden. Die Kommtffion gab aber klar zu erkennen, wenn an dieser Stelle kein geeigneter Boden für die praktische Verwirklichung dieser kommunalen Arbeitslosenversicherung gesunden werden sollte, daß dann Rixdors selbständig in seinem Wirkungsgebiet die Praktische Lösung vornehmen will,_ Schöneberg. Vermißt wird seit dem 11. Januar der 14jährige Sohn Ernst de? in der Hohenstaufenstr. 63 wohnenden PelzwareiihändlerS Jockifck. ES wird angenommen, daß der Knabe verschleppt und zu unsittlichen Zwecken mißbraucht worden ist. Am 16. Januar ist der Vermißte von Bekannten seiner Eltern am Barbarvssaplatz in Begleitung eines elegant gelletdeten, etwa 25« bis Mjährigcn ManneS gesehen worden. Zwei raffniierte Schwindler, die sich die LebenSmittelteuerung zu niitze mawteli und mit angeblichen EeswättSverbindniigen zu städtischen Behörden der westlichen Vororte, insbesondere Schöneberg und Wilmersdorf operierten, sind gestern von der Schöneberge- Kriminalpolizei verhastet worden. ES handelt sich um die beiden Inhaber der vor kurzem begründeten Konnnissions- und Speditionsfirma ThunSdorff u. Lappe aus der Schaper- straße. den 22jährigcn Kousinann ThunSdorff und den 59 Jahre alten Kaufmann Lappe. THimSdorff wohnte privatim in der Mainaustraßr in Friedenau, während Lappe gleichzeitig in der Aülowstraße ein Immobilien-Bankgeschäft betrieb. Lappe war auch die„Seele deö Geschäfts". Die beiden Gauner ginge» nun in der Weise vor. daß sie mit den Behörde» solcher Städte in Vcr- binduug traten, die die Absicht Hatten, enlweder für ihre Beamtcir oder für die unbemittelten Bevölkerungskreise Nahrungsmittel zu billigen Preise» zu beschaffen. Insbesondere wandte sich die Firma THnnSdorff und Lappe an die Magistrate von Swöneberg und Wilmersdorf und boten sich als Kommissionäre bei dem Einkauf von Kartoffeln und Gemüse an. Thun-'- dorsf u. Lappe bestellten zun, Beispiel bei einer auswärtigen Firma unter dem Vorgeben, daß die Städte Schöneberg rc'pektwe Wilmersdorf die Käufer seien, obwohl die Gemeinden sich mit der Firma in gar keine GeschäfiSverbiiidmig eingelassen halten eine Anzahl Waggonladtingen Rot- und Weißkohl im Werte von über 27 990 M. Die Bestellung wurde von der auswärtigen Firma auch anstandslos ausoetührt, nachdem das NiiSkllnflsbnrcau des Lappe in der Büloivstraße. das die Firma TbimSdorff u Lappe als Rckerenz onsgegebc» halte, die glänzendsten Referenzen erteilt hatte. Als die Ware ankam, wandten sich die Gaimer sofort an eine hiesige große Lombardsirma in der Dircksen- straße und ließen dort die ganze Waggonlndung Kohl»nlcr dem Vorgeben, die Besteller hätten die Ware aus irgend eine:» Grund nicht odgeiiommen, und der Kohl müßte, um ein Verderben zu ve meiden, sofort p ersteigert werden, lombardieren. In ganz gleich Weise haben die Schwindler noch eine ganze Reihe anderer Firme in Leipzig und anderen Städten um erhebliche Betrage geschädig Durch«neu Zufall kam der Riesenschwindcl zur KenntmZ d Schöneberger Kriminalpolizei, die gestern ThunSdorff und Lop in ihrem Geschäft in der Schapcrstrasse zu Wilmersdorf verhaftet Wilmersdorf-Halensee. Vom WilmerSdirfer Stadtthcatcr. Wie erinnerlich sein wird, hatten vor längerer Zeit die Theaterimternehnier Grunwald und Dcrnbnrg den» Magistrat von WiliuerSdolf einen Plan unterbreite wonach mit städllscher Unterstützung»m Hohenzollernplatz ci Privattheater errichtet werden sollte. Der Magistrat hatdamals, nn unserer Meinung nach mit vollem Reckt, den Plan abgelehnt, den dem ganzen Unternehmen schien der nötige FinidnS zu fchlen. Ellick« Gruppen, deren Anschauungen auch durch Stadtverordnete zur �tlkung kam?!», träte« gtzkr mit lebhaftem Jniercsse für den Theater- Bau ein, und dem Magistrat wurde die ablednende Haltung übel angerechnet. Neuerdings kam nun die Theaterfrage abermals in derStadt« Verordneten-Versammlung zur Sprache, und die Erörterungen endeten mit der Einsetzung einer besonderen Theater-Deputation. In der am Freitag abgehaltenen ersten Sitzung dieser Deputation ist nun die Sachlage insoweit geklärt worden, als man sich der vom Magistrat vertretenen Anschauung, daß in dieser An» gelegenheit die Unterstützung von Privatintcressenten außer Be- t r a ch t bleiben müsse, allgemein anschloß. Falls überhaupt, so meinte man einhellig, mit kommunaler Förderung in Wilmersdorf ein Theater erstehen tolle, so müsse dieses auch von der Ge- m e i n d e s e l b st als S t a d t t h e a t e r errichtet werden. Man tut aber gut, mir den Borbereitungen für den Besuch dieses Theaters sich nicht allzu sehr zu beeile». Abgesehen davon, daß in Wilmers- dorf noch dieie und jene Angelegenheit in die Wege zu leiten ist, die wichtiger scheint, als der Bau eines Stadltheaters, muß man vor allem über die Rentabilität eines solchen Kunsttempels zu einigermaßen sicheren Schlüssen kommen; und daher war es wohl- getan, daß die Tbcaterdeputation zunächst eiuen Unterausschuß einsetzte, der die Finauzfrage prüfen soll. Dem Ausschutz gehören zwei Magistratsmitglieder und drei Stadtverordnete an. Die Stadtvrrordnctcuversammlung hält am Mittwochabend 6 Uhr in der Aula der Biktoria-Lnisen-Schule nach einer dreiwöchigen Pause wieder eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnung steht u. a. eine von Fortschrittlern. Demokraten u»o Sozialdemokraten unter- zeichnete Anfrage folgenden Inhalts:„Gedenkt der Magistrat noch im Laufe dieses Winters die in Aussicht gestellte Volksküche zu eröfsneu? Beabsichtigt der Magistrat, nachdem verschiedene Vororte den verheirateten Beamten, Nngeslellten und Arbeitern eine Not- st a n d Z z u l a g e bewilligt haben, auch uns baldigst eine dies- bezügliche Borlage zu mawen?* Bekanntlich endete die ini Herbst dieses Jahre? eingeleitete NotstandSailion mit dem Ergebnis, daß überhaupt nichts unternommen wurde: der Magistrat lvar für I hw anbeten Borschlag als dem der Errichtung einer Volksküche zu haben, für die nunmehr im Hause Berliner Straße 37 Räume gennetct werden sollen. Lichtenberg. Ein schwerer Auwmoiilnnfall ereignete sich Freitag in der Tcharn» Weberstraße, Ecke Klonprinzenstraße. Als dort gegen ll2l Uhr abends der 8jährige Sohn Fritz der Swarnweberstr, 2 wohnenden Portierssrau Dreier den Slraßendamm überswreile» wollte, geriet er gegen ei» herannahendes Automobil der Frankfurter Gummi- warenfabrik, WinSstr. 29, und wurde übersahrein Der Führer des ztraftwagen?, der Chauffeur Leulner aus der Romintener Str. tö, nahm sich des Knaben sofort an und brachte ihn nach der nahen Rettungswache, wo festgestellt wurde, daß der Verunglückte einen Schädelbruch und einen Brucv deö Nasenbeines erlitten halte. Nach Anlegung von Notverbänden mußte der Knabe in bedenklichem Zu- stände nach dem Rummelsburger Krankenhause übergeführt werden. Boxhageu- Rnmmelsburg. Bei Einsichtnahme der Gcmeindewählerlisten wird darauf hin- gewiesen, daß eine Abschrift der amtlichen Wählerlisten für den 2, Wahlbezirk, uiiifaffend: Simou-Dachstc, 3b— 33, Simplonstr. 22 bis 23. Kronencr Str. 13— 2-l, Gabriel-Maxstr. 1—2 und 18—21, Gäniu'rstr. 22—33 und Wühlischstr. 21—33 im Restaurant vo» Kubich, Grünberger Str. 13. Ecke Simon-Dachstraße sowie eine Ab- schrist für den 8. Wahlbezirk, umfassend: die Hauptstraße, Köpenicker Chaussee, Prinz-Albertstr. 47—62, und de» ganzen Kietz im Re- staurant von Klees, Lückslr. 73 ausliegt. Im 2. und 3. Wahlbezirk finden im Marz d. I. die Neuwahlen statt. Ferner liege» die Ab- schriflen von der IL Wählerabteilung aus und zwar für den Orts- teil Boxhage» bei Blume, Alt-Bophagen 26, und für den Ortsteil RunnnelSburg bei Setzesand, Karlshorster Str. 1. Wähler der II. Abteilung sind alle diejenigen, die eine Gesamtsteuer pro Jahr von 103,40 M. zu entrichten babeu. Auch diejenigen, welche auf Grund des sogenanuteu Kinderprivilegs diesen Betrag von 103,40 M. nicht zu zahlen haben— sind Wähler der II. Klasse. AdlerShof. Die Gemeiuiewählerlisten für 1912 weisen 2222 eingeschriebene Wähler auf. Es wählen davon in der ersten Klaffe ganze 7; in der zweiten Klaffe 477 Personen. Die dritte Abteilung zählt 17 6 8 ein- geschriebene Wähler. ES zeigt sich hier die volle„Glorie" deS Drei- llaffenwahlshstems; der„erstllassige" Wähler AdlerShofS hat ei» 2 2 2 mal größeres Wahlrecht, als ein Wähler der dritten Klasse. Um in der ersten Klaffe wählen zu können, muß man eine jährliche Steuer von mindestens 3183,93 M. entrichten. Der niedrigste Steuersatz in der zweiten Klaffe ist 96,60 M. Nieder- Schönhauseu. Bsm Ruhen des Gemeinderechts im Sinne der Landgemeinde- ordnung für die östlichen Provinzen. Nach§ 44 Ziffer 4 der erwähnten Landgemeindeordnung vom 3. Juli 1391 ruht die Aus- Übung des Gcmeinderechts, wenn ein Gemeindeglied die auf das- selbe entfallenden Gemeindeabgabeu nach Mahnung durch den Steuererheber nicht gezahlt hat, bis zur Entrichtung derselben, illül Rücksicht auf diese Bestimmung lvar der Architekt Knitzki seinerzeit aus der Gemeindewählerliste für Nieder-Schönhaufen gestrichen worden. Infolge vorübergehender finanzieller Schwierigkeilen hatte er verschiedene Abgaben für 1908 nicht zahlen können. DaS heißt, sie wurden ihm gestundet mit der Maßgabe, daß er sie raten- weise abzahle» solle. K. klagte und verlangte, daß die Streichung auS der Wählerliste für ungerechtfertigt erklärt werde.§ 44 Ziffer 4 käme nicht zur Auwendung, da ihm Stundung gewährt worden sei. Der Bezirksausschuß als BerufungS- iiistanz wies die Klage ab und führte aus, daß die gewährte Stundung nichts daran ändern könne, daß Kläger die auf ihn ent- fallenden Gemeindeabgaben nach einmaliger Mahnung im Rückstände geblieben sei. Das ObcrverwaltungSgericht hob das Urteil auf und entschied, daß Kläger in die GemeindewSHIerliste für daS strittige Jahr hätte aufgenommen werden müffen. Gründe: Die von der Gemeinde gewährte Stundung beseitige die Anweildbarkeit der an- gezogenen Vorschrift des Z 44 Ziffer 4. Eine gestundete Steuer sei nicht eine rückständige Steuer im Sinne de?§ 44. Tpanda». Stadtverordnetenversammlung. Nach kurzer Debatte stimmte die Versammlung dem Pachtvertrag mit dem Restaurateur Gcsli wegen der Markthalle zu.— Zur allgemeinen Bearbeitung von Entwürfen für die Rieselanlage in Wansdorf bewilligt die Ver- sammlung 18 000 M.— Dem Hafenpächter, Spediteur Thomas, wurde auf sein Gesuch die Stellung einer Sicherheit von 1000 M. für die Pachtung dcS Users 5 des Hasens erlassen.— Ter Schlacht- Hoserweiterungsbau, der statt 200 000 M. jetzt 400000 M. koste» soll, wurde bereits in voriger Sitzung einer harten Kritik unter- zogen. Das hat den Magistrat aber nicht gehindert, eine Vorlage einzubringen, nach welcher in Abweichung von den Bestimmungen des Ortsstatuts alle Zuschläge bei Vergebung von Arbeiten, sogar die, bei denen nicht der Mindestfordernde den Zuschlag erbalren soll, von der Hochbaudeputation erteilt werden. Eine solche Vorlage hatte gerade noch gefehlt, um die Erregung gegen die planlose Bauerei beim Schlachthof bis aufs äußerste zu steigern. Von allen Seiten hagelte cS Vorwürfe und schließlich wurde die Vorlage einstimmig abgelehnt. Es gelangter, dann einige Einzeletats zur Verabschiedung. Zunächst der S i ch e r h e i t L e t a t. Dieser schließt ab in Einnahme mit 10 776 M. und in Ausgabe mit 33 003 M.— Eine längere Debatte zeitigte auch der T i e f b a u- etat für 1912. Dieser Etat schließt ab mit einer Einnahme von 202 000 M. und mit einer Ausgabe von 321 500 M.— Beim H o ch- b a u e t a t, der mit einer Einnahme von 22 320 M. und einer Ausgabe von 26 480 M. zur Festsetzung vorgeschlagen wird, bean- tragt zunächst der Genoffe Pieck, bei den Subinissionsbcdingungeti bei städtischen Bauten die sogenannte Streikklausel zu streichet Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraici abgelehnt. Tie neugc wählten Stadtverordneten haben hier bei einer eminent wichtigen Arbeiter- an gelegenheit versagt, indem sie sich für A e i b c h a l. tung der Streikklausel entschieden. Sodann kam Gc» noffe Pieper auf die W a l d e r h o l u n g s st ä t t e zu spreche», die den ganzen Sommer öde und unbenutzt dagelegen hat und frng, was denn nun damit werden sollte! Der Baurat Paul erklärte darauf, daß man die Walderholungsstätte wohl als Waldrestau- rant verpachten werde. Daß die Erholungsstätte nicht benutzt worden sei, liege nicht an der Lage und Beschafsenheit der Stätte, sondern an anderen Gründen. Welches diese Gründe sind, sagte der Herr Baurat allerdings nicht. Stadtverordneter Dr. Kantorowicz brachte wieder die Rieselanlagen in Wansdorf für Walderholungs- statten in Vorschlag. Er meinte, die Rieselanlagen schadeten der Walderholungsstättc gar nichts. Bielleicht macht der Herr Doktor. wenn erst die Ricselung ordentlich im Gange ist, einmal eine längere Erholungskur in Wansdorf durch. Nach loeitcrcr intcr- cssanter Debatte wurde der Etat schließlich genehmigt. Wegen vor- � gerückter Zeit wurde ein Teil der Vorlagen vertagt. Geriekts- Leitung. Nene Verhandlungen im Schapiroprozeh. DaS Reichsgericht hob gestern auf die Revision des angeklagten Chefredakteurs des«Mainzer Neuesten Anzeigers" Heinrich Hirsch das Urteil des Landgerichts Mainz vorn 29. Dezember v. I. auf, durch das der Angeklagte Hirsch lvegen Beleidigung der Polizeiassistentin Schapiro und des städtischen Beigeordneten Berndt zu st Monaten Gefängnis verurteilt worden war, und wies die Sache an das Land- gericht Darmstadt zur erneuten Verhandlung zurück._ eingegangene DruchfcbrifteiL Die Reue Generatio». 8 Jahrg. t. Hest. HeranZgegebeu von Dr. Helene Slöcker. 50 Pf. Oestcrbeld u. Co., Berlin W. 13. Recht nnv Wirtschaft. 1. Jahrg. Jannarhest, Monatsschrift. Jahrg. 10 M.(5. Heymann, Berlin W. 8. Wetterprognose für Sonntag, den 21. Januar ISIS. Diclsach wolkig bei gelindem Frost und ziemlich lebhaften südöstlichcn Winden: keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Waflerstands-Nachrichte» ')+ bedeutet WuchS,— Fall.—') Nnterpegek.—•) Eisstand.— ') EiStreibe». Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 leitgedruckte Worte). Siellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. 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