Ar. Ha. Extra Ausgabe. m> BbonncmentS'UMUngungen; WonnementS. Dreis vränumerando: Vierteljährig SM«ikg. monatl. i.I0 Dil. wöchentlich LS Pfg. frei WS Haus. Einzelne Vununer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Däncmarf. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, nänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. CrldKlnt iZgllch ander Montags. Berliner Bollrsblnkk. Z�entralorgan äer fo�ialäemokratifcken Partei Veuttcklanäs. Me InserNonz.eediih? vetrSgt für die scchsgespaltcne Kolonel- zeit, oder deren biaun, w Pfg., fgc politische und gewerlschastliche Pereins- und Vcrfammlungs-Anzeigen so Pfg. „Ulelne Snrcigen", das settgedrucktc Wort 20 Psg.(zulässig Lsetlgcdruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan. zeigen das erste Wort lo Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über löBuch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsien bis o Uhr nachmittags in der Expedition obgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresi« „SoalallUmolirat RerUn"« Rcdahtion: SA. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Montag, den ÄÄ. Januar 19 lÄ. Expedition: SM. 68» I.indenglvasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981» AWer Kerl!»;! Eine wichtige Entscheidung soll heute in Verlin I fallen. Es soll sich entscheiden, ob diese mächtige Stadt der Arbeit noch länger einen Repräsentanten des Kapitals unter ihre Vertreter zählen will. Für Herrn Kaempf streitet alles, was auf den Höhen der Klassen- gesellschaft steht, alles, was an der Erhaltung der Ungleichheit und Unfreiheit interessiert ist. Für Herrn Kaempf wird der Reichskanzler mit den Mimstcrn stimmen, für seinen Sieg wird das Kapital alle seine gewaltige Macht aufbieten. Wir aber fordern Euch auf zu stimmen für den Vertreter der Zlrbeit, für den Kandidaten der Sozialdemokratie, für Wilhelm Düwell. Ihr sollt ihn wählen, weil er der Partei ange hört, die unablässig an der Hebung der Arbeiter Nasse arbeitet, arbeiten muß. Ist sie doch nichts anderes als die zum Bewußtsein ihrer historischen Sendung, zum Bewußtsein ihrer Macht erwachte arbeitende Klasse selbst. Sie braucht diese Ver- tretung im Reichotag, sie braucht jeden Mann, jedes Stückchen politischer Macht, um in unauf» haltsaniem und ununterbrochenem Aufstieg zu den Höhen der Kultur zu gelangen, den ihr die Klassengesellschaft versperrt. Die Arbeitenden brauchen die Wahl ihrer Kandidaten, um umso kräftiger eintreten zu können für die Ausgestaltung der Sozialpolitik, die den Arbeitern und Angestellten ihr hartes Dasein erleichtert. Sie brauchen diese Wahl, um mit verstärkter Wirksamkeit die politischen Reformen er- kämpfen zu können, das gute Werk der Demokratisierung Teutschlands zu vollbringen, den arbeitenden Massen ihr volles politisches Selbstbestimmungs- recht zu erringen. Wir fordern Euch, Wähler, auf für den Sozialdemokraten zu stimmen, dem einzig zuverlässigen Kämpfer für Eure Rechte! Denkt an den Jubel, der die arbeitenden und freiheitsliebenden Massen dieses Reiches erfüllen wird, wenn eS am Abend heißen wird können: Kerlin ilt in AladrKeit clie Dauptstaclt cler um clie f�reikeit rinqfencken Arbeit Aetvorclen. Deshalb eilt alle heute zur Urne, den letzten entscheidenden Sturm zu unternehmen. Alle Mann zur Wahl! Alle Stimmen dem Sozialdemokraten! fortichrittler und Blaulchwam! In ihrer Sonntagsnummer entrüstet sich die„Freis. Ztg." noch sehr über die Behauptung der Demokraten im ersten Berliner Wahlkreise, daß die Fortschrittliche Volkspartei, auch diesmal den blau schwarzen Block unterstütze. Habe doch die fortschrittliche Parteileitung die Parole ausgegeben: Keine Stimme für den blau schwarzen Block! Leider haben die Demokraten recht behalten. Das beweist das traurige Faktum, daß die Wählerschaft fortschrittlicherKandidaten gleich bei den ersten 77 Stichwahlen nicht weniger als 16 Wahlkeise dem blau schwarzen Block gerettet haben. Die folgende Tabelle beweist es: Stichwahl Soz. Kons. 13 807 Soz. 10 696 Rp. 16 861 Soz. 16 606 Kons. 10 432 Soz. 7 312 Kons. 12 677 Soz. 10 364 Kons. 10 386 Soz. 8 313 Wild 12 366 Soz. 8 668 0 722(gew.) 7191 Rp. Soz. Rp. Soz. 13 217 8 461 18 489 16 263 Welse 23 800 Soz. 20 006 Wild 23 592 Soz. 19 624 lltr. Soz. 18 839 18 316 Kons. 18 328 Soz. 12 840 Antis.17 431 Soz. 15 094 Kons. Soz. Kons. Soz. 9 223 8 396 8 499 7 603 (gew.) (g-w.) (gew.) (gew.) (gew.) (gew.) (gew.) (gew.) (gew.) (gew.) (gew.) (gew.) (gew.) (gew.) (gew.) Wir haben bei dieser Gegenüberstellung die Stimmen des Zentrums oder einer anderen blauschwarzen Partei, die dem siegenden Schnapsblock Kandidaten bei der Stichwahl zuge- fallen sein dürften, bereits mit in Anrechnung gebracht, so das; unsere Ausstellung dem Freisinn in keiner Weise unrecht tut. Unsere Zahlen beweisen gerade deshalb um so schlagender. daß die fortschrittlichen Wähler im Kampf gegen die Reaktion ihren Mann nicht gestanden haben. Das wird auch von der liberalen Presse konstatiert. So schreibt das„Berliner Tageblatt": Es dars nicht verschwiegen werden, das; die Fortschritt. lichen Vollsparteiler der Sozialdemolratie nicht überall, und besonders nicht in der Mark Brandenburg, die not- ivcndige und gebotene Unterstützung geliehen, und eS ist be- schämend, konstatieren zu müssen, daß in W e st p r i e p n i tz die fortschrittlichen Wähler des Herrn Tubenthal und in R u p p i n- T e m p l i n die Wähler deS Herrn Lessing zu einem großen Teil pflichtvergessen den Konservativen zu Hilfe geeilt sind. Wenn aber das„Berl. Tagebl. behauptet, daß auch die Sozialdemokratie nicht überall der Parole gefolgt sei, denn sonst härte Konstanz und Labiau-Wchlau von den Liberalen gewonnen werden müssen, so zeigen die Zahlen, daß diese Behauptung d u r ch a u s i r r i g ist. In Labiau-Wehlau hatte bei der Hauptwahl der Konservative 8356, der Fort- schrittler 5850, der Sozialdemokrat 2901 Stimmen. Es standen also 8811 Stimmen gegen den Schwarzblaucn. Bei der Stichwahl erhielt der Konservative 8605, der Fortschrittlcr 8510. Es sind also 301 Stimmen abgesplittert. Das erklärt sich ohne weiteres aus dem unerhörten Terrorismus, den die Konservativen angewandt haben, um ihre endgültige Nieder- läge zu verhüten. Und es ist gar nicht gesagt, ob unter diesen 300 Eingeschüchterten nicht weit mehr Fortschrittler als Sozialdemokraten waren. Noch unhaltbarer womöglich ist der Vorwurf wegen Konstanz. Bei der Hauptwahl erhielten der National- liberale 116�0, der Sozialdemokrat 3172, zusammen 14792 Stimmen gegen 14 523 Stimmen des Zentrums. Bei der Stichwahl erhielt das Zentrum 15 368, der Nationalliberalc 15 068. Dieser hat also die sozialdemokratischen Stimmen r e st l 0 s bekommen. Damit vergleiche man die vielen Tausende von fortschrittlichen Stimmen, die der Sozialdemokratie entzogen blieben! Vergleiche man die Ergebnisse, die zur Wahl eines Dietrich, eines Liebert, eines Arendt geführt haben! Wie schrieb doch die„Vossische Zeitung" am Sonn- abend?„Nicht Schäslein, sondern Schafe müßten die Liberalen sein, die auch nur einem einzigen schwarzblauen Kandidaten zum Sieg über einen Sozialdemokraten verhelfen." So hat denn der erste Stichivahltag bewiesen, daß die Sozialdemokratie ihre Aufgaben im Kampf gegen den schwarzblauen Block glänzend g e l ö st hat und sie wird auch an den beiden anderen Wahltagen alles daransetzen, um der konservativ-klerikalen Reaktion den Todesstoß zu geben. Von den Fortschrittlern aber kann selbst ihre eigene Presse das Gleiche nicht behaupten. Als Belohnung für die„tapfere Haltung der Fort- schrittspartei" verlangt die liberale Presse die Wahl von Kaempf. Wir hoffen, die Wähler von Berlin I werden an dieses Wort denken und heute abend wird es heißen können: Düwell gewählt, der Freisinn hat seinen Lohn dahin! Dss ergebnis der|aup(wal)len und der Stichwahlen vom 20. fanuar. Die liommetide lljecresvorlage. Die kommende Heeresvorlagc steht nach einer Mitteilung der„ T ä g l. Rundschau" in ihren Grnndzügen fest. Sie enthält nach den Angaben genannter Zeitung die schon in der Presse besprochene Aufstellung zweier neuer Armee- korps, die mit den beiden überzähligen Divisionen gebildet werden sollen, die Aufstellung der noch fehlenden dritten Bataillone, die Schaffung einer Maschinen- gewehrkompagnie für jedes Infanterieregiment, die Vermehrung der Kavallerie, die Erhöhung des Pferdebestandes der Artillerie und die Verstärkung der leichten und schweren Fcldhaubitzcn u. a. m. Die Mehrersordernisse der neuen Heeresvorlage be- ziffcrn sich auf 50 M i l l i 0 n e n M a r k. Dazu kommen noch die Kosten der neuen Marinevorlage, die auf 25 Milli- 0 n e n zu beziffern sind, so daß eine Gesamterhöhung der laufenden Ausgaben für Heer und Marine(für 1912 rund 1800 Millionen Mark) durch die neuen Heeresvorlagen in der Höhe von(vorläuffz) 75 Millionen Mark in Frage kommt. Heber die Kassendeckung wird!n der Mitteilung der„Täglichen Rundschau" gesagt:„Es fleht nun fest, daß dem Bundesrate eine Vorlage über die Ausdehnung der E r b s ch a s t s st e u e r zu« gehen wild, die in ihren Grnndzügen mit der Erbschaftssteuer- Vorlage der letzten Reichsfinanzresorm übereinstimmt. Der Ertrag der Erbschaftssteuervorlage wird auf 66 000 000 Mark geschätzt. Es bliebe also noch die Deckung weiterer 20 000 000 Marl übrig. Die Meinungen der maßgebenden Stellen, wie diese Deckung gefunden werden soll, ist vorerst geteilt. DaS Reichsschatz- amt will die verbleibenden 20 000 000 Mark durch eine oder mehrere der Steuervorlagen decken, die der Oeffcntlichkeit schon von den Steuerplänen der Regierung aus den letzten Jahren bekannt sind. Ein anderer Plan geht darin, die restlichen 20 Millionen aus den laufenden Mehreinnahmen zu decken, ohne dah eine neue Steuerquelle in Anspruch genommen werden muß. Soviel steht aber fest, daß der weitaus größte Teil der Ausgaben, die die Wehrvorlagen verursachen werden, aus der Erbschafts- sleucr bestritten werden niuß. Eine Entscheidung des Reichskanzlers, in welcher Weise die Deckung der 20 Millionen gefunden werden soll, ist noch nicht gefallen." Ani Schlust der Meldung heißt es:„Die Regierung wird auf die unveränderte Annahme der Wehrvorlagen und der vorgeschlagenen finanziellen Bedeckung insbesondere der Aus- dehnung der Erbschaftssteuer bestehen. Unsere verantwortlichen Heeres- und Marinekreise sehen in den beiden Vorlagen das allermindeste, was verlangt werden muß, damit unsere Wehr- kraft nicht hinter der anderer Staaten zurückbleibt. Eine wesentliche Abänderung oder gar Ablehnung der Vorlagen würde wohl die sofortige Auflösung des Reichs- tag es zur Folge haben, und dasselbe dürfte eintreten, wenn die vorgeschlagene Deckung durch die Ausdehnung der Erb- schaftssteuer dasselbe Schicksal erfährt wie im Jahre 1909". Das heißt also: Kommt kein gefügiger Reichstag zustande, so wird er nach Hause gejagt. Sie heutige» Stichwahlen. Memel-Heydekrug lNctt.-lib.— Litauers, Danzig-Landkreis sRp.— Soz.), Danzig- StadtkeiS tFreis.— Soz.), Graudenz- Strasburg fNai.-lib.— Pole), Schlochau- Flalow(Rp.— Pole), Berlin I Mitte (Frei s.— Soz.), Oberbarnim(greif.— Soz.), Arnswalde- Friedeberg (Antis.— Kons.), Cottbus-Spremberg(Rp.— Soz.), Rügen-Franzburg (greif.— Kons.), Greifswald-Grimmen(greif.— Kons.), Fraustadt-Lisia (greif.— Zentr.), Czarnikau-Kolmar i. P.(Kons.— Pole), Stadt Breslau- Ost(Nat.-lib.— Soz.), Kreuzburg-Rosenberg(Kons.— Pole), Groß- Strelitz-Kosel(Zentr.— Pole), Beulhen- Tarnowitz(Zentr.— Pole), Kattowitz-Zabrze(Soz.— Pole). Görlitz-Lauban(Freist— Soz.), Oster- burg-Stendal(Kons.— Nat.-lib), Jerichow I u. Ii(Kons.— Soz.), Wolmirstedt-Neuhaldensleben(Nat.-lib.- Soz.), Oschersleben- Halber- stadt(Nat.-lib.— Soz.), Bitterfeld-Delitzsch(Rp.— Soz.), Mühlhausen- Langensalza(Kons.— Soz.), Tondern-Husum(Nat.-lib.— Freist), Dith- marsäien-Stcinburg(Freist— Soz.), Neustadt a. R-Nienburg(Nat.-lib. — Welfe), Hildesheim(Kons.— Soz.), Einbeck-Nordhcim(Nat.-lib.— Soz.), Göttingen-Münden(Nat.-lib.— Soz.), Goslar-Zellerfeld(Nat.« lib.— Soz.), Gifhorn-Peine(Nat.-lib.— Soz), Uelzen-Lüchow(Nat.-lib. —Welfe), Lüneburg-Winsen(Nat.-lib.— Welfe). Hagen(Freist— Soz.). Höchst-Homburg v. d. H.(Soz.— Zentr.), Stadt Frankfurt a. M. (Freist— Soz.), Stadt Köln(Zentr.— Soz.), München I(Liberal— Soz.), Straubing(Zentr.— Bauernbd), Kaiserslautern(Kons.— Soz.), Bayreuth(Nat.-lib.— Soz.), Ansbach-Schwabach(Kons.— Soz.), Rothenburg o. T.(Bund d. L.— Bauernbd.), Plauen(Freist— Soz.), Besigheim-Heilbronn(Kons.— Soz.), Böblingen-Leonberg0 Zentimetern. Das Gefieder ist in den Grundfarben schwarz und weiß. Bor den Augen befindet sich der ovale Fleck, von dem die Bezeichnung.Brillenalk" stammt. DaS Ei ist birnenförmig gestaltet, bellblau und schwarz gesprenkelt. Eine Aufschrift besagt, daß der Vogel früher die Küsten der Nord-Allantik. südlich deS Polarkreises bewohnt hat und da« letzte Exemplar 1848 an Varangerfjord erlegt worden ist. Da viele Besucher an dem seltenen Schatz achilos vor- übergehen, erscheint es angebracht, hier auf ihn aufmerklam zu machen._ Notizen. — Die Strindberghuldigung der schwedischen Arbeiter. Slrindberg bat fich wiederholt alle Ehrungen zu seinem Geburtstage verbeten und nur die Aufführung seiner dramatischen Werke in verschiedenen Theatern angenommen. Be- sonders gegen die Idee eine« Fackelzuges, der an seiner Wohnung vorbeiführen sollte, hat er auf das lebhafteste protestiert. Jetzt Hai aber die Arbeitcrkommnne von Stockholm, etwa die Gewerkschafts- kommission der Stockholmer Arbeiter, die Idee aufgenommen, um auf diese Weise Strindberg den besonderen Dank des schwedischen Proletariats für feine kulturfördernde literarische Tätigkeit zu demonstrieren und Strindberg hat sich nunmehr damit einverstanden erklärt. — EineSteueraufOrden.«Wim deutschen Reichstag bei der Beratung des Zolltarifs die Sozialdemokraten zu der letzten Position deS Tarifs, die dos Kinderfpielzeug betraf, auch«Orden und Ehrenzeichen" hinzugefügt wisien wollten, da wurde das al» ein zwar blutiger, aber guter politischer Witz viel belocht. Immerhin bedingte die Einreihung der Orden unter daS Kinderspielzeug ihre Zollfteibeit. Das Kopenhagener Blatt«Bort Land' macht allen Ernstes den Vorschlag, neben einer erhöhten Stempelabgabe für die Verleihung von Titeln auch eine Steuer auf Ordensverleihungen einzuführen. Selbstverständlich soll die Steuer von dem entrichtet werden, dem der Orden verlieben wird. Da« Blatt rechnet au», daß eine solche Steuer Dänemark jährlich etwa 600000 Krvneu«m Mehreinnahmen bringen würde. die don den Liberalen im I.Berliner Wahlkreise verbreitet wurden, wurde gerade mit dem internationalen Charakter der Sozialdemokratie den Wählern bange gemacht, was sich von Leuten, die eine stattliche Anzahl Anhänger der goldenen Internationale in ihren Reihen zählen, besonders gut ausnimmt. Daß das Ideal der Völkerver- brüderung aber durchaus kein staatsgefährliches ist, im Gegen- teil hocherhoben über dem cngbegrenzten patriosischen Ideal sieht, bestätigt auch der Berliner Professor H a r n a ck. Die „Germania" bringt in einer Polemik gegen einen Danziger Liberalen folgendes Zitat Harnacks in Erinnerung: Der große Gedanke der allgemeinen, durch das Christentum herbeizuführenden Einheit der Völker wird durch andere Ideale nicht ersetzt. Wir freueu uns. wenn in dieser Welt der materiellen Interessen ein edler Patriolismus gepflegt wird. Aber wie armselig ist doch der Mensch, der inl Patriotis- mus sein höchstes Jdeal erkennt oder im Staate die Zusammenfassung aller Güter verehrt! Welch ein Rückfall, nachdem wir in dieser Welt Jesus Christus erlebt haben! iRedcn und Aufsätze II. 252 f.) Das Christentum hat die Einheit der Kultur nicht herbei- führen können. Im Gegenteil, die christlichen Staaten stehen sich jetzt mehr denn je eisengepanzert und mit geschärftem Schwerte gegenüber. Ter Sozialismus hat aber schon Bc- weise seiner Friedensmission gegeben, er wird die Völkerrver- brüderung auch zur Wahrheit machen. Auch nach Harnack vertreten wir das höhere Kulturideal trotz allen Geschreies der Wortführer des„armseligen" Patriotismus. I- Warum Genosse Kuntze nicht gewählt wurde. Obwohl der Gesamlvorstand der Fortschrittlichen Volkspartei eine ziemlich unzweideutige Stichwahlparole herausgegeben hat, brachten es die Liberalen im Kreise Ueckermünde-Wollin doch nicht übers Herz, im Sinne dieser Parole ihre Wähler zur Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten, Genossen Kuntze, an- zuhalten. Worum nicht? Weil ihnen die Parole zu weit ging. Ihr Kampf gegen Rechts war nichts weiter als Schall und Rauch; ein Konservativer ist ihnen immer noch lieber als ein Sozial- demokrat. Deshalb befchlosien sie, nachdem ihnen die bestimmt er- hoffte Stichwahl an der Nase vorbeigegangen ist, ihren.Partei- freunden anheimzustellcn, ihre Stimme so abzugeben, wie sie es nach ihrem besten Wisien und Gewissen im Interesse unsers deutschen Volkes für richtig halten.*— Dieser Beschluß ist ohne Zweifel echt.liberal." In richtiger Beurteilung der Pom- merschen Fortschrittler hatte aber der Vorsitzende des Pro- vinziawerbandes der Fortschrittlichen Volkspartei. Herr Dr. D o h r n, ehemaliger Abgeordneter von Stettin, noch rechtzeitig einen Aufruf an die Fortschritlswähler im Kreise Ueckermünde erlassen, worin Herr Dohrn sich der Stichwahlparole des Gesamtvorstandes mit folgendem Ersuchen anschloß: »Ich bitte demgemäß unsere Parteigenoffen, bei der bevor- stehenden Stichwahl dafür zu sorgen, daß der konservative Kandidat nicht gewählt wird*. Von dieser Kundgebung haben die liberalen Wähler weder durch die Fortschrittliche Wahl- kreisleitung, noch durch irgend ein liberales Blatt etwas erfahrenl Sie wurde eiufach unterschlagen, um nicht dem Sozialdemokraten zum Siege zu verhelfen. Schwarz- blau- gelb. Hochbeglückt verkündet die ultramontane Presse, daß die gelben Gewerkschaften, ihre wahren Gesinnungsgenossen er- kennend, beschlossen haben, in Essen für den Ultramontancn zu stimmen. Jedenfalls haben die Großindustriellen njit einem sanften Druck den Anschluß der Gelhen.fycrbeigefusin, womit denn auch die Gemeinschaft zwischen Zentrum und großindustriellem Scharf- machertum seinen gebührenden Ausdruck findet. Die christlichen Gewerkschaften, als Anhängsel desZentrums,. werden sich der. gelben Freundschaft und Wertschätzung wohl kaum mit ungemischten Gefühlen erfreuen. Das CMbnis der Slicllwahlen. Im Nachstehenden geben wir daS zahlenmäßige Ergebnis der Stichwahlen der Wahlkreise, aus denen gestern noch keine Zahlen vorlagen. Aus den Kreisen Breslau-Land, Lauenburg, Landau- Neustadt, Gerniershcim und Heidelberg liegen die genauen Zahlen auch heute noch nicht vor. Kömgmcb preußen. Ostpreußen. Labiau-Wehlau. v. Massow sKons.) 8356, Wagner(Vp.) 5850, Lind«(Soz.) 2S61, zersplittert 1. Stichwahl: v. Massow lKons.) 8605. , Wagner(Vp.) 8510.* Gewählt: v. Massow(Kons.). Bisher: Wagner(Vp.). Königsberg Landkreis, Fischhausen. Graf zu Tohna-Schlobitten (Kons.) S358. Bartschat(Vp.) 7078. Borowski(Soz.)«271, zersplittert 49. Stichwahl: Graf Dohna lKons.l 10 061. Bartschat> Vp.) 12 066. Gewählt: Bartschat(Vp.). Bisher: Dohna-Schlobitten(Kons.). Tilsit-Riederung. Kopp(Vp.) 10!98, v. Moltke(b. k. F.) 7833. Hofer(Soz.) 6251, Reidies(Litauer) 419, zersplittert 5.— Stichwahl: Kopp(Vp.) 14 204. Moltke(b. k. F.) 7759. Gewählt: Kopp(Vp.). Bisher: Schickcrt(Kons.). Gumbinnen-Jnsterburg. Dr. Brandes(Kons.) 7902, Sichr(Vp.) 5870, Vormauer(Natl.) 4739, Lübbring(Soz.) 3200, zer- splittert 6. Stichwahl: Brandes(Kons.) 9141. Sichr(Vp.) 12 672. Gewählt: Siehr(Vp.). Bisher: Mcntz(Kons.). Brandenburg. West-Priegnitz. Stubbendorff(Rp.) 7443, Siering(Soz.) 5068, Tubenthal(Vp.) 4399, Graf Oppersdorfs(Z.) 34, zersplittert 4. Stichwahl: Stubbcndorsf(Rp.) 9722. Siering(Soz.) 7191.. Gewählt: Stuvbendorff iRp.). Bisher: Stubbendorff(Rp.). Zauch-Belzig. Ewald(Soz.) 13 367, v. Oertzen(Rp.) 11044, Dr. Freund(Vp.) 9225. Erzberger(Zentr.) 55. zersplittert 10.— Stichwahl: Oertzen(Rp.) 16 861. Ewald(Soz.) 16 605. Gewählt: Oertzen(Rpt.). Bisher: v. Oertzen(Rp.). Schlesien. Sagan-Sprottau. v. Bolko(Kons.) 7304, Fritsch(Soz.) 6347, Achilles(Vp.) 6052. zersplittert 7. Stichwahl: Bolko iftonf.i 10 385. Fritsch(Soz.) 8313. Gewählt: v. Bolko(Kons.). B'sher: v. Bolko(Kons.). Rothcnburg-HoherSwerba. Hegenscheidt(Rp.) 10 683, Neumann (Soz.) 6550. Goldschmidt(Vp.) 5180, zersplittert 6. Stichwahl: Neuniann(Soz.) 8451. Hegenscheidt>Rp.) 13 217. Gewählt: Hegenscheidt(Rp.). Bisher: Bassermann(Natl.). Provinz Schleswig-Holstein. Schleswig-Eckernförde. Mattsen(Natl.) 8133, Waldstein(Vp.) 8050, Hoffmann(Soz.) 6838, zersplittert 23., Stichwahl: Mattsen(Natl.) 8558. Waldstein(Vp.) 13 018. Gewählt: Waldstein(Vp.). Bisher: Spethmann(Vp.). Pinneberg-Ottenscn. v. Elm(Soz.) 22 636, Dr. Braband(Vp.) 13 752, Dr. v. Bröcker(Natl.) 8496, Graf v. Baudissin(Rp.) 2629. Stichwahl: v. Elm(Soz.) 23170. Braband(Vp.) 24 785. Gewählt: Braband(Vp.). Bisher: Carstens(Vp.). Provinz Hannover. Mclle-Tiepholz. Wachhorst de Wente(Natl.) 7226, Colshorn (Weife) 7022, Logemann(Bdl.) 2970, Thielemann(Soz.) 2046, zersplittert 9. Stichwahl: Wachhorst de Wente(Natl.) 9748. Colshorn(Welse) 10 217. Gewählt: Colshorn(Welse). Bisher: Wachhorst de Wente(natlib.). Berden-Hova. Held(Natl.) 8721, Eberle(Soz.) 5466, v. Tannen- berg(Welse) 4967. Heile(Vp.) 3455, v. Wrochem(Rp.) 2966. zersplittert 3. Stichwahl: Seid(Natl.) 15 217. Eberle(Soz.) 8949. Gewählt: Held(natlib.). Bisher: v. Dannenberg(Welse). Hameln-Linden. Fischer(Soz.) 14 387, HauSmann(Natl.) 9973, v. Hugo(Welse) 3424, Rehren(Rp.) 3398, zersplittert 18.— Stichwahl: Fischer(Soz.) 15 498. Hausmann(Natl.) 14 913. Gewählt: Fischer(Soz.). Bisher: Hausmann(natlib.). Stade-Bremcrvörde. Reitze(Soz.) 8599, Hoppe(Natl.) 8549, Voß (Wirtsch. Vg.) 4399, Seedorf(Welse) 3915, Chociszewski(Pole) 214, zersplittert 11.. Stichwahl: Reitze(Soz.) 10 262. Hoppe(Natl.) 14 366. Gewählt: Hoppe(natlib.). Bisher: Hoppe(natlib.). Westfalen. Minden-Lübbecke. Sielermann(Kons) 9245, Kiel(Vp.) 9163, Litzinger(Soz.) 7301, Rüter(Wirtsch. Vgg.) 3494, zersplittert 4. Stichwahl: Sielcrmann(Kons.) 13 311. Kiel lVp.) 17 058. Gewählt: Kiel(Vp.). Bisher: Sielermann(Kons.). Blclefcld-Wicdenbrück. Graf PosadowSky-Wehnec(b. k Fr.) 21 114, Severing(Soz.) 17 287, Dr. Schepp(Vp.) 4825, zersplittert 7. Stichwahl: Posadowskh(b. k. Fr.) 23 592. Severing(Soz.) 19 624. Gewählt: Posadowskh(b. k. Fr.). Bisher: Scvering(Soz.). Hamm-Soest. Wiedeberg(Z.) 13 423, Schulenburg(Natl.) 9313, Husemann(Soz.) 9023, Traub(Vp.) 6598, Chociszewski(Pole) 393, Bör(Wirtsch. 93a.) 65, zersplittert 1. Stichwahl: Wiedeberg(Z.) 15 504. - Schubenbarg�Natk.) 20 950. Gewählt: Schulenburg>Natl.). Bisher: Wiedeberg(Z.). Hcssen-Nassau. Weilburg-Limburg-Diez. Neu(Kons.) 10 649, Hepp(Natl.) 7508, Zimmermann(Soz) 3604, Schuster(Vp.) 1208, zersplittert 15. Sttchwahl: Neu iKons.) 11661. Sepp(Natl.) 12 372. Gewählt: Hepp(Natl.) Bisher: Buchsieb(Natl.) Tillenburg-Obcrwesterwald. Burckhardt(Chr.-Soz.) 10 216, Löh- mann(Natl.) 5614, Fresenius(Vp.) 4073, Marcke(Soz.) 2062, zersplittert 20. Stichwahl: Burckhardt(Chr.-Soz.) 11812. Lohmann(Natl.) 11 465. Gewählt: Burckhardt l Chr.-Soz.) Bisher: Burckhardt(Chr.-Soz.) Riiiteln-Hafgeismar. Herzog(Ttsch.-Soz.) 7912, Grzesinski(Soz.) 6258, Hebel(Natl.! 6104, zersplittert 1. Stichwahl: Herzog(Dtsch-Soz.) 11 939. Grzesinski(Soz.) 7641. Gewählt: Herzog(Ttsch.-Soz.). Bisher: Herzog(Dtsch.-Soz.). Kassel-Melsungen. Hüttmann(Soz) 21 814, Dr. Schröder(Natl.) 13 342, Lattmann(Wirtsch. Bgg.) 9374, Breitbaupt(?ip.) 251, zersplittert 6. Stichwahl: Hüttmann(Soz.) 29 970. Schröder(Natl.) 22 840. Gewählt: Hüttmann(Soz.). Bisher: Latttnann(Wirtsch. Vgg.) Frihlnr-Homlierg-fliegenftain. Henningsen(Dtsch.-Soz.) 7453, Hefter- mann(Bbd.) 4338, Dr. Laporte(Vp.) 1914, Trischmann(Hess.- Thür. Bauernpartei) 1297, Jordan(Soz.) 1027. Stichwahl: Henningsen(Dlsch.-Soz.) 8084. Hcstermann(Bbd.) 8392. Gewählt: Hestermann(Bbd.) Bisher: Liebermann v. Sonnenberg(Wirtsch. Vg.) Rheinland. Wetzlar-Altenkirchen. Behrens(Wirtsch. Vgg.) 13 091, vom Rath (Natl.) 5318, Kremser(Soz.) 4471, Prof. Schloßmann(Vp.) 3646. Schinoler(Kons.) 2129, zersplittert 13. Stichwahl: Behrens(Wirtsch. Vgg.) 15 859. Rath(Natl.) 13149. Gewählt: Behrens(Wirtsch. Vgg.). Bisher: Behrens(Wirtsch. Vgg.). Ottwcilcr-St. Wendel, v. Schubert(Natl.) 18628. Koßmann(Z.) 20192. Faber(Soz.) 1627, zersplittert 21. Stichwahl: Schubert(Natl.) 20 652. Koßmann(Z.) 21 053. Gewählt: Koßmann(Z.). Bisher: v. Schubert(natlib.). Krciiznach-Simnicrn. Paasch«(Natl.) 10 637, Lücke(Bdl.) 10190, Krüger(Vp.) 1717, Müller(Soz.) 1541, Großcelwing(b. k. F.) 216, zersplittert 16. Stichwahl: Paaschc(Natl.) 13 800. Lücke(B. d. L.) 10 400. Gewählt: Paasche(Natl.). Bisher: Paasche(Natl.). Saarbrücken. Basscrmann(Natl.) 25 108, Saucrmann(Z.) 24 228, Leimvetcrs(Soz.) 4157. zersplittert 2. Stichwahl: Baffermann(Natl.) 28 732. Sauermann(Z.) 25 252. Gewählt: Bassermann(natlib.). Bisher: Boltz(natlib.). Kömgmch Bayern. Zwcibrücken. Goering(Z.) 11 722, Lützel(Natl.) 10 958, Kcidcl (Soz.) 8564, Schneider(Bauernb.) 1248, zersplittert 3.— Stichwahl: Goering(Z.) 12 601. Lützel iNaU.) 18162. Gewählt: Lützel(Natl.). Bisher: Goering(Z.). Augsburg. Wörlc(Z.) 17 265, Rollwagen(Soz.) 10 898, Höber (Vp.) 8410, zersplittert 4. Stichwahl: Wörle(Z.) 18 839. Rollwagen:(Soz.) 18 316. Gewählt: Wörlc(Z.). Bisher: Kalkhof(Z.). Jmmenstadt. Emminger(Z.) 12 495. Dr. Thoma(Natl.) 10 928,> Gölzer(Soz.) 3553, zersplittert 7. Stichwahl: Emminger(Z.) 13 444. Thoma(Natl.) 14122. Gewählt: Dr. Thoma(Natl.). Bisher: Dr. Thoma(Natl.). Kömgmcb Sacbfen. Bautzen. Graefe(Wirtsch. Vgg.) 13 354, Buck(Soz.) 11 412, Pudor (Vp.) 7889, zersplittert 4. Stichwahl: Graefe(Wirtsch. Vgg.) 17 431. Buck(Soz.) 15 094. Gewählt: Graefe(Wirtsch. Vgg.). Bisher: Graefe(Wirtsch. Vgg.). Freibcrg. Wendel(Soz.) 11 072, Dr. Wagner(Kons.) 6911, Dr. Kuclz(Natl.) 6015, zersplittert 4. Stichwahl: Wendel(Soz.) 12 393. Wagner(Kons.) 12 169. Gewählt: Wentel(SaO. Bisher: Dr. Wagner(Kons.). Oschatz-Grimma. Lipinski(Soz.) 11 217, Dr. Gicsc(Kons.) 10 339, Dr. Jahn(Vp.) 4531, zersplittert 3. Stichwahl: Lipinski(Soz.) 12 840. Giese(Kons.) 13 328. Gewählt: Dr. Giese(Kons.). Bisher: Dr. Giese(Kons.). Borna-Pcgau. Ryssel(Soz.) 11 566, v. Liebert(Rp.) 7331, Nitzschke (Natl.) 7217. zersplittert 12. Stichwahl: Ryssel(Soz.) 13 059. v. Lieben> Rp.) 13 083. Gewählt: v. Liebert(Rp.). Bisher: v. Liebert(Np.). Baden. Donaucschingen-Billingen. Duffner(Z.) 11 451, Dr. Rombach (Natl.) 8389. Martzlosf(Soz.) 3924. zersplittert 12. Stichwahl: Duffner(Z.) 12 802. Rombach'Natl.) 12 320. Gewählt: Duffner(Z.) Bisher: Duffner(Z.) «chl-Offenburg. Schüler(Z.) 11 615. Kölsch(Natl.) 8962, Mansch (Soz.) 3705, zersplittert 13. v Stichwahl: Schüler(Z.) 12 704. Kölsch(Natl.) 12 712. Gewählt: Kölsch(Natl.) Bisher: Schuler(Z.) Sachsen-Mciningen. Meiningen-Hildburghausen fimauer(Soz.) 9822, Dr. Müller (Vp.) 9686, Schäfer(Wirtsch. Vgg.) 5056, zersplittert 2.— Stichwahl: Knauer(Soz.) 9708. Müller(Vp.) 12 416. Gewählt: Dr. Müller(Vp.) Bisher: Dr. Müller(Vp.) Sachsen-Kobnrg-Gotha. K-burg. Zietsch(Scz.) 6199, Dr. Ouarck(Natl.) 4740, Saubrer (Vp.) 3540, zersplittert 1. Stichwahl: Zietsch(Soz.) 6840. Ouarck-(Natl.) 7527. Gewählt: Ouarck(Natl.) Bisher: Zietsch(Soz.) Mecklcnburg-Strelitz. Mecklcnburg-Strelitz. Nauck(Hosp. d. Rp.) 7733, Lücke(Natl.) 6899, Lüth(Soz.) 0492, zersplittert 5. Stichwahl: Nauck(Np.) 7568. Lücke(Natl.) 12 676. Gewählt: Lücke(Natl.). Bisher: Nauck(Rp.). Mccklenburg-Schwerin. Schwem-WiSmar. Starosson(Soz.) 11 863, Zimmermann(Natl.) 9065, Witt(Kons.) 6548, zersplittert 2. Stichwahl: Starosson(Soz.) 12 170. Zimmermann(Natl.) 13 379. Gewählt: Zimmermann(Natl.). Bisher: Dr. Dröschcr(Kons.). Parchlm-Ludwigslust. Dade(Kons.) 7114, Pachnickc(Vp.) 6V2, Große(Soz.) 6637, zersplittert 8. Stichwahl: Dade(Kons.) 6941. Pachnickc(Vp.) 10 312. Gewählt: Pachnicke(Vp.). Bisher: Dr. Pachnicke lVp.). Güstrow, v. Graefe(Kons.) 7034, Knappe(Soz.) 5579, Hecht (Vp.) 4955, zersplittert 4. Stichwahl: Knappe(Soz.) 7508. v. Graefe(Kons.) 8499. Gewählt: v. Graefe(Kons.). Bisher: v. Treucnfels(Kons.). Hagrnow-Grevcsmühlen. Pauli(Kons.) 7063, Kober(Soz.) 6151, Sivkoivich(Vp.) 6140, zersplittert 2. Stichwahl: Pauli(Kons.) 9223. Kober(Soz.) 8395. Gewählt: Pauli(Kons.). Bisher: v. Bothmer(Vp.). Malchin-Waren. v. Maltzan(Kons.) 7667. Dr. Wcndorff(Vp.) 5994, Kroeger(Soz.) 5335. Stichwahl: v. Maltzan(Konsi) 7113. Dr. Wcndorff(Vp.) 10 774. Gewählt: Dr. Wcndorff(Vp.). Bisher: Maltzan(Kons.). Der Kampf im ersten Kreis. Oberst Gädkc gegen das„Berliner Tageblatt�! Auf den Kampf um den l. Berliner Reichstagswahlkrei» richtet sich die Aufmerksamkeit und das Interesse der polittschen Welt mehr als auf das Ringen in den übrigen Kreisen des Reiche». Wird am 22. Januar die rote Flagge neben der Kaiserstandart« wehen oder nicht? Diese Stimmung gab auch einer am Sonntag nach dem»Tier- gartenhos" einberufenen demokratischen Versammlung das Gepräge. Zahlreich waren, trotz der ungenügenden Bekanntgabe und Propa- ganda für die Veranstaltung die Wähler nebst vielen Frauen er- schienen.— Der weite Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, viele der zuletzt Erschienenen mußten stehend den Verhandlungen beiwohnen. Es lag wie eine elektrische Spannung über den An- wescnden. Ter Referent Dr. B r e i t s ch e i d war nicht erschienen. Dafür sprach Oberst Gädke, dem die Demotraten stürmische Ovationen darbrachten. Mit klarer, weithin tönender Stimme, entschieden und energisch, aber sachlich und vornehm, nahm sich Redner einleitend das„Berliner Tageblatt" und den Freisinn vor. Er habe geglaubt, nachdem er klipp und klar die Parole für den Sozialdemokraten ausgegeben, in die eigentliche Agitation nicht mehr eingreifen zu.brauchen, dies um so mehr, damit man sein Auftreten nicht als Ausflutz der persönlichen Verärgerung betrachten sollte. Nachträglich seien aber Momente hinzugekommen, die ihm veranlaßten, seinen Standpunkt zu ändern und noch einmal öffent- lich für Düwell einzutreten. sGroßer Beifall.) Ten Grund hierzu habe das„Berliner Tageblatt" gegeben, das die Neutralität ver- letzt, hinterhältig über ihn hergefallen, plötzlich mit voller Wucht für K a e m p f, Spiegel und M o m m s e n eingetreten sei. sViel- scitige stürmische Pfui-Rufe!) Die„Berliner Volkszeitung", die doch ein demokratisches Blatt sein wolle(Rufe: Will, Will!), habe sogar vergessen, die Namen der demokratischen Kandidaten ent- sprechend zu veröffentlichen. Das„Tageblatt" besonders habe mit grimmiger Erbitterung gegen die Demokraten gekämpft. Im Ver- laufe dieser Dinge,-habe e r, Redner, sich veranlaßt gesehen, seine Tätigkeit an der genannten Zeitung aufzukündigen.(Bravorufe und stürmischer Beifall.) Die Notiz im..Tageblat t", o- nach das Verhältnis nach beiderseitiger lieber- e i n k u n f t gelöst worden, sei irreführend. Das charak- terisiere das„Tageblatt". Ganz allein, aus eigener Initiative, habe er seine Mitarbeiterschaft ge- kündigt, weil er mit seiner Ehre und seinem Verantwortungs- gcfühl nicht mehr vereinbaren konnte, weiter daselbst tätig zu sein. Er hoffe, daß das„Berliner Tageblatt" auf die demokratischen Wähler fernerhin keinen Einfluß mehr ausüben werde.(Rufe: Wir haben es schon abbestellt!) Mit kräftigen Strichen zeichnet Redner das klägliche Verhalten des Tageblatts sowie des Liberalis- mus. Wie stehe es nun mit dem Hansabund? Vor der Hauptwahl sei Rießer überall zu hören gewesen und habe gerufen: Bürger heraus! Nun, man habe ja gesehen, was dieser Parole gefolgt sei. Die Nationallibcralen hätten 4, die Freisinnigen überhaupt keine Man- date erobert. Die Demokraten hätten immer die Ansicht vertreten: das Bürgcrtum kann aus eigener Kraft nichts werden, sondern müsse mit der Sozialdemokratie zusammengehen.(Tosender Beifall.) Er, Redner, möchte jedoch nicht mißverstanden sein: Er erkläre, daß er Gegner der Sozialdemokratie sei, und wenn er für sie ein- trete, so geschehe es nicht aus Vorliebe für diese Partei, sondern aus politischen Erwägungen. Der Freisinn sei unzuverlässig und Kaempf sei das Urbild des antisozialen Liberalismus.(Stürmischer Beifall.) Wohl habe derselbe die Parole gegen Rechts ausgegeben nirgends aber habe er geschrieben: für die Sozialdemokratie. Das Flugblatt des Demokratischen Wahlausschusses habe beim„Tage blatt" einen Tobsuchtsanfall ausgelöst. Das zeige, daß es eine wunde Stelle berührt habe..So heule nur einer auf. der gut getroffen worden sei. Heute müsse das„Tage blatt" selbst gestehen, daß der Freisinn nicht überall den Sozial demokraten herausgehauen hat. Allein 13 Kreise seien durch Schuld des Liberalismus der Reaktion ausgeliefert worden. An manchen Stellen sind die Liberalen geschlossen für Konservative und Anti semiten eingetreten.(Pfui!) WaS sie auch trennen möge von der Sozialdemokratie: die letztere sei ohne Zweifel der einzige zuverlässige Kampsgenosse gegen die Reaktion.(Großer anhaltender Beifall.) Der Freisinn komme jetzt noch mit dem alten Mätzchen Ihr könnt doch nicht den Schloßkreis den Roten ausliefern! Aber das Schloß ist zurzeit verstimmt gegen den Freisinn und deshalb ist es ihm ganz gleich, ob der Freisinn oder die Roten siegen. Weder ein Lehrer, noch ein Angestellter, noch ein Mieter könne für den Freisinn, angesichts dessen Perhalten in allen öffentlichen Fragen, stimmen. Er, Redner, könne z. B. nicht verstehen, wie ein Berliner Mieter für Kaempf stimmen könne, der mit allen Terraingcscllschaftcn in Verbindung stehe. Aus all den angeführten Gründen darf es nur eine Parole geben: für die Sozialdemokratie!(Tosender. minutenlanger Beifall.) Ein Telegramm von den Hamburger Demokraten fordert zum Eintreten für den Sozialdemokraten auf. (Allseitiges Bravo!) Hierauf nahm der sozialdemokratische Kandidat Düwell, der als Gast erschienen war, das Wort zu einer kurzen Ansprache. Der Redner wird mit stürmischem Jubel begrüßt. Er, Redner vermeide es sonst, sich mit gegnerischen Persönlichkeiten zu befassen aber nachdem freisinnige Blätter dieS nicht so gehalten hätten. ntiisse er auch mal ein wenig aus seiner bisherigen Reserve her- austreten. Man sage auf freisinniger Seite, Kaempf sei eine Respektsperson, Düwell dagegen unbekannt, und dann weiß man er sei erzradikal. Allerdings sei er, Redner, nicht der Vertrauens mann der„Goldenen' Internationale".(Große Heiterkeit.) Er werde sicher auch nie der Präsident des Handclstages.(Erneute Heiterkeit und Sehr gut!) Er werde auch niemals„Portugiesen" in Deutschland einführen.(Stürmische Heiterkeit.) Er glaube aber, der erste gewesen zu sein, der aus praktischer Erfahrung heraus Material über den Wohlfahrtsschwindcl der Großindustrie geliefert, das bisher bei allen einschlägigen wissenschaftlichen Ar- beiten benutzt worden ist.(Kaempf rede nur unter Ausschluß der Oeffentlichkeit; er, Redner, sei aber jederzeit bereit, mit Kaempf über wirtschaftspolitische und soziale Fragen vor jedem beliebigen Auditorium zu diskutieren.(Beifall.) Redner wendet sich sodann mit eindringlichen Worten an die anwesenden Frauen, schildert ihre heutige politische Rechtlosigkeit in Deutschland und die Stellung, die die bürgerlichen Parteien, ein- schließlich des Liberalismus, den berechtigten Forderungen der Frauen gegenüber einnehmen. Er habe, da er als Redakteur auch die Frauenrubrik bearbeitet hat, die Forderungen der Frauen wirk- sam und nachdrücklich vertreten. Mit warmen Worten hebt er die hohe Aufgabe der Frau als Staatsbürgerin, Hausfrau, als Mutter und Erzieherin hervor. Pflicht sei es, mit aller Kraft für die Gleich- berechtigung alles was Mcnschenantlitz hat, zu kämpfen. Mit einem Appell an die Anwesenden, einzutreten für Wahrheit, Gerechtigkeit und Bolkswohl schloß der Redner unter minutenlangem Beifall der Versammlung. Herr Schubert, Architekt und früherer Kandidat für Teltow- Beeskow, schildert unter wiederholtem Beifall, daß nur durch daS Zusammengehen mit der Sozialdemokratie ein« Demokratisierung der Zustände kommen könne. Frau Regina Deutsch erkennt daS warme Eintreten Düwells für die Frauen dankbar an. Auf eine Anfrage an die bürgerlichen Kandidaten, wie sie sich zur Gleichberechtigung der Frau stellten, habe Kaempf gar nicht geantwortet; während andere bürgerliche Kandidaten doch wenigstens, wenn auch ablehnend, ge- antwortet hätten. Nimmermehr dürften die bürgerlichen Frauen für jemand eintreten, der nicht auch für Frauenrechte eintrete. Nach der Rednerin, die ebenso wie Herr Schubert lebhaften Beifall erntete, sprach noch Rechtsanwalt Holpert, der In sehr treffenden Ausführungen den Freisinn kritisierte. Auf den Frei- sinn sei kein Verlaß. Düwells Weltanschauung sei nicht die der Demokraten, wenn sie trotzdem für ihn einträten, so gehöre das Urteil darüber nicht vor die Wähler, sondern vor das Tribunal der Weltgeschichte.�(Großer Beifall.) Eine entsprechende Resolution wurde gegen die Stimme des 1 freisinnigen Herrn Oberlehrers S h b e I angenommen, der nach Schluß der Versammlung noch eine Separatvorstellung gab und da- durch eine humoristische Note in die Veranstaltung brachte: Er be- schwerte sich, nicht zum Worte gekommen zu sein, hatte sich jedoch während der 2 Stunden nicht gemeldet. Als er sich bei seinen Aus- führungen auf Herrn Lichtenstein stützte, erklärt dieser unter tosen- der Heiterkeit der Versammelten, daß er es entschieden ablehne, eine„Stütze des Freisinns" zu sein. »* * Zwei große Wählerversammlungcn waren zu gestern mittag vom sozialdemokratischen Wahlkomitee ein- berufen, um vor der Entscheidung den Wählern nochmals den Ernst der Situation und die Bedeutung der heutigen Stichwahl vor Augen zu führen. In Dräscls gpoßem Saal, der nach Entfernung der Tische gerade Raum genug bot. sprach als erster Redner Ingenieur Richard Woldt, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, vor allem auf Grund wirtschaftspoliti scher Tatsachen nachzu- weisen, daß der Frcisinnsmann Kaempf für die Miltelstandsleute eben so wenig wie für die Arbeiterschaft als der geeignete Vertreter für den Reichstag anzusehen ist, weil er eben, wie seine ganze Partei, Kapitalsinteressen zu vertreten hat und schon aus diesem Grunde nicht die Interessen der vom Kapital aus- gebeuteten Massen, noch die der Mittelstandsleute wahrnehmen kann. Als zweiter Referent hielt Stadtverordneter Waldeck M a n a s s e einen anfeuernden Vortrag, worin er vor allem die wichtigsten Forderungen und die gewaltige Kulturmacht der Sozial- demokratie betonte, im Gegensatz zu der Jdeallosigkeit ihrer Gegner und der Freisinnigen, die trotz all ihres Geredes von der Front gegen rechts bei den Stichwahlen am Sonnabend schon wieder mehrere Wahlkreise den Schwarzblauen ausgeliefert haben. Nach den mit mächtigem Beifall aufgenommenen Ncfe- raten sprach ein Mitglied der Demokratischen Vereinigung, das mit aller Entschiedenheit für die Kandidatur unseres Genossen Wilhelm Düwell eintrat. Die zahlreichen Versammlungsbesucher, die sich in den„Corona- Sälen" in der Kommandantenstraße eingefunden hatten, nahmen ein Referat des Rechtsanwalts Dr. Heinemann entgegen. Redner lenkte die Aufmerksamkeit seiner Hörer im besonderen auf die drohende Justizreform, wie sie die Regierung in dem alten Reichstag am liebsten zur Annahme gebracht hätte, wenn sie nicht eine geradezu aufreizende Wirkung auf die Wahlen befürchten mußte. Diese„Reform" müsse wiederkehren, weil sie der Ausfluß der gegenwärtigen herrschenden Richtung ist. Nachdem Redner einige Bestimmungen des Entwurfs zum neuen Strafgesetzbuch Omer vernichtenden Kritik unterzogen, forderte er unter lebhaftem allseitigen Beifall auf, alles daran �u setzen, daß auch der letzte Wahlkreis in Groß-Berlin dem reaktionären Gebilde entrissen wird. Die Vorsitzenden der beiden Versammlungen richteten ncch einige anfeuernde Worte an die Erschienenen und nach brausenden Hochrufen auf die Sozialdemokratie ging man auseinander. Nun liegt die Entscheidung in den Händen der Wähler. Für jeden Wähler des ersten Kreises, der wirklich liberal denkt und--uch so handeln will, kann es nur heißen: Nieder mit der Reaktion! H i n- weg mit dem Börsenkapitalisten Kaempf! Wählt Wilhelm Tiiwell!_ Berliner)Vacbnchtm Tie Wahl im ersten Wahlkreise findet heute in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends statt. Um 7 Uhr wird der Wahlakt geschlossen und niemand mehr zur Wahl zugelassen. Gehe jeder Wähler recht- zeitig zur Wahl! Auf jede Stimme kommt eö an! Eine Stimme kann den Sieg entscheide»! ♦ Veränderung eines Wahllokals im 1. Berliner Wahlkreis. Im Wahlbezirk 15 ist das Wahllokal von dem Thcater-Restaurant, Charlotlenstr. 53, nach dem Deutschen Tom, Gendarmenmartt, verlegt. � Zu recht häßlichen Szenen kam es gestern vor dem Lokale des Hofjäger. In dem genannten Lokale sollte eine große liberale Kundgebung stattfinden, wo noch einmal Fortschrittsgrößen alle Register zugunsten der Kandidatur Kaempf ziehen sollten. Am Eingang zuni Lokal hatten Gädkc- Wähler Posta gesaßt und verteilten Blätter, die zur Wahl Düwells ausforderten. Liberale Versammlungsbesucher wurden darüber so wild, daß sie den Zcttclvcrteilern die Blätter aus den Händen rissen und dieselben zerrissen. Einer der Herren, der durch den Anblick der Blätter in eine gelinde Naserei ge- riet, wurde polizeilich festgestellt. Ein Sonntag des Eissports. Wohl selten dürfte ein Wintertag so zahlreiche Tausende von Eissportlern ins Freie gelockt haben als der gestrige Sonntag. Das herrliche Winterwctter ließ ungezählte Tausende von Menschen nach den Eisflächen der Seen und Eisbahnen hinauswandern. Es war ein Glück, daß die Eisenbahnverwaltung Vortehrungcn zur Be- wältigung des Riescnverkehrs getroffen hatte, es wäre sonst zweifel- los zu den unerquicklichsten Szenen und Zwischenfällen gekommen. Nahezu fünfzigtausend Personen wurden allein nach dem Müggel- see hinausbefördert. Wenn sie auch nicht alle dem Eissport auf der mächtigen Eisfläche huldigten, so bewegten sich doch immerhin etwa 40 00i1 Menschen auf Schlittschuhen, auf Segelschlitten und auf Motorschlitten. In der dritten Nachmittagsstundc hatte sich«das Leben und Treiben auf dem See voll entfaltet. Auch auf dem Tegeler See, auf den Langen See, auf den Seen im Grunewald und auf der Havel und Spree herrschte ein starker Andrang von Anhängern des Eissports. Ebenso waren die gegossenen Eisbahnen in und um Berlin herum überfüllt.— Auch die Rodelbcchnen hatten gestern Taufende von Menschen angelockt. In den Müggelbergen entwickelte sich ein lebhafter Wintersport und die Rodelbahn am Fichtcnberg in Steglitz war wieder das Ziel unzähliger Rodler. Auf der Rodelbahn am Kreuzberg kam es infolge allzu starken An- dranges fortwährend zu Karambolagen zwischen den Schlitten.— Leider sollten aber auch Unfälle nicht ausbleiben. Zwei Personen fanden beim Schlittschuhlaufen den Tod in den eisigen Fluten. So brach auf der unteren Havel, nicht weit von jener Stelle entfernt, wo vor wenigen Tage» die beiden jungen Gerichtsreferendare er- tranken, ein etwa dreißigjähriger Mann vor den Augen mehrerer Schlittschuhläufer ein und verschwand sofort unter der Eisdecke. Der Unglückliche sollte nicht wieder zum Vorschein kommen. Er hat die Unvorsichtigkeit, au verbotener Stelle zu laufen, mit dem Leben bezahlen müssen.— Hinter Tegelort wurde ein Schüler von dem seichen Schicksal ereilt. Er geriet ebenfalls an eine offene Stelle eran, stürzte ins Wasser und konnte, obwohl alsbald Hilfe zur Stelle war, nicht gerettet werden.— Auf den Rodelbahnen ereig- netcn sich eine Reihe von Unfällen, die aber glücklicherweise von nicht allzu schweren Folgen begleitet sein sollten. in der Adalbertstraße, nahe der Waldemarstratze, ein älterer Herr plötzlich von heftigen Krämpfen befallen. Schaffner und Fahrgäste nahmen sich des Verunglückten sofort an und schafften ihn nach der Unfallstation in der Adalbertstraßc. Aber schon auf dem Wege dort- bin starb der Mann infolge eines Herzschlages. Wie die Polizei- lichen Ermittelungen ergaben, ist der Tote der 53 Jahre alte Kauf- mann Hermann Lindncr aus der Admiralstr. 18a, der in der Simeonstr. II eine Lichtdruckanstalt betrieb. Die Leiche wurde auf Wunsch der Angehörigen nach der Wohnung geschafft.— An der Ecke der Alexander- und Prenzlauer Straße löste sich beim Passieren einer" sogenannten„Luftweiche" die Kontaktstange eines Straßenbahnwagens aus dem Federbock auf dem Motorwagen und siel auf die Straße hinab. Sie traf den gerade vorübergehenden Maler Wilhelm Paul aus der Schonenschcstr. g und verletzte ihn am Kopf. Die stark blutende Wunde wurde dem Verunglückten auf der nächsten Unfallstation verbunden. Verhaftung eine? VillcnräubcrS In der Nacht zum Sonntag wurde in der Schloßstraße in Steglitz der angebliche Schlosser Artur Riecher bei einem Diebstabl erlappl und verhaftet. Im Laufe der Untersuchung stellte sich überraschenderweise heraus, daß R. noch viele andere Straftaten auf dem Kerbholz hat und daß ihm auch jene schweren Einbrüche in der Kolonie Grunewald zuzuschreiben sind, durch die in letzter Zeit die Bewohner der Kolonie schwer be- unruhigt wurden. Ein gefährlicher Strafienräuber, der seit längerer Zeit Rixdorf und Umgebung unsicher machte, wurde gestern von der hiesigen Kriminalpolizei hinter Schloß und Riegel gebracht. Es ist ein 29 Jahre alter Invalide Richard Gcppe auS der Prinz-Handjcrp- straße 22 zu Rixdorf. Geppe hat es auf einsam gehende Frauen abgesehen. Er überfiel sie hinterrücks, versuchte sie zu vergewaltige» und raubte ihnen dann die Handtaschen. Dann erbeutete der Un- hold von einer Frau, die er bereits zu Boden geworfen hatte, noch eine Tasche mit 50 M., als sie sich zur Wehr setzte und um Hilfe rief. Auf Grund der Beschreibung der Ucberfallcncn ermittelte die Kriminalpolizei in Geppe jetzt den gefährlichen Patron und nahm ihn gestern fest. Der Tod in der Badewanne. Der 27 jährige Hermann Fleischer, Gubener Slraße 27, batte ein Bad genommen und da er längere Zeit kein Lebenszeichen von sich gab, sah die Mutter schließlich nach, ob etwas passiert sei. Zu ihrem Einsetzen fand sie den Sohn als Leickie in der Badewanne vor. Ob der junge Mensch im Wasser von einem Herzschlag be- troffen worden ist, oder ob er infolge Unwoblseins umgefallen und ertrunken ist. tonnte nicht niit Sicherheit festgestellt werden. Die Leiche wurde infolgedessen beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Nntcr dem Verdacht der Blutschande ist ein CöSliner Straße 3 wohnhafter 30 jähriger Mann Franz W. in Haft genommen war- den. Er wird beschuldigt, mit seiner eigenen Mutter, die 56 Jahre alt ist. seit Jahren in intimem Verkehr gestanden zu haben. Mutter und Sohn wurden verhaftet. Die Anzeige ist von der Ehefrau deS W. erstattet worden. Ein schreckliches Brandunglück hat sich in der Nacht zum Sonntag in der Memeler Straße 13 im Osten Berlins zugetragen. In ibrer Wohnung im ersten Stock des Vorderhauses verbrannte dort die 99 Jahre alte Wilwe L i e r a u am lebendigen Leibe, ohne daß Nachbarn die Gefahr bemerkten. Erst gestern. Sonntag, morgen 6 Ubr. vernahmen Hausbewohner den Brandgeruch, der auS der Wohnung der Greifin kam. Als die herbeigerufene Feuerwehr dann in die Wohnung eindrang, wurde die alte Frau vollständig verbrannt als Leiche aufgefunden. Sie saß auf dem Sofa, das auf bisher nicht ermittelte Weife in Brand geraten war. Da? Feuer brannte aber nicht hell, sondern schwelte nur, dabei kolossalen Rauch ent- wickelnd. Vennutlick ist die Greisin erst erstickt und dann vom Feuer verzehrt worden. Außer dem Sofa war auch ein daneben siebender Kleiderschrank in Brand geraten. Auf dem Tisch vor den» Sofa lag eine zertrümmerte Nachtlampe. Man schließt daraus, daß die alte Frau beim Zubettgehen die Lampe umgeworfen hat, wobei das Sofa Feuer fing. Die Leiche wurde der Polizei übergebe» uud kam am Vormittag nach dem Schauhause. Die Greisin wohnte erst seit wenigen Monaten in dem Hause. Eine WarcnhauSdicbin wurde am Sonnabend im Passage- Kaufhaus überrascht, als sie einen Posten Seide unter ihren Mantel verschwinden lieh. Die Diebin wurde festgestellt als die Ehefrau eines Hauseigentümers Z. in der Reinickendorfer Straße. Da sie bemittelt ist, traut man ihr keinen Diebstahl zu, sondern ist der Meigung, daß die Frau an Kleptomanie leidet. Arme Leute begehen einen Diebstahl, wenn sie.sich fremdes Eigentum aneignen, reiche Leute leiden an Kleptomanie. Selbstmord eineS Schutzmannes. Am Sonnabendabend erschoß sich der Schutzmann Karl Melle, Charlottcnburg, Maaazinstr. 15, wohnhaft, in seiner Wohnung. Das Motiv der T-i"'-kn bekannt._ Letzte]Vachrichten. Wieder ein Dampfer beschlagnahmt. Sfax, 21. Januar.(Meldung der Agence HavaS.) Der russische Dampfer„Odessa" ist mit falschen Deklarationen und 359 Tonnen Munition, die er an der tripolitanischcn� Küste nicht hatte landen können, im hiesigen Hafen eingetroffen. Er wurde mit der ganzen Ladung beschlagnahmt, und zwei Torpedoboote werden ihn heute nach Biserta bringen, wo er die Munition depo- nicren soll. Der Kapitän wurde zur Zahlung der Kosten ver- urteilt. (Meldung der Agenzia Stefani.) Die Der Storch im Tbeatcr. Von einem glücklichen Ereignis wurde in der gestrigen Nachmittagsvorstellung im Tbaliatheater eine Be- sucherin überrascht. Die zungc Mutter wurde sofort nach dem Krankenhaus gebracht. Im Strahnbahnwagen vom Tode ereilt. Im Innern eines Straßenbahnwagens der Linie 49 wurde in der Nacht zum Sonntag >.»MWWWWWWWW. ____|________ ab und blieb auf der Stelle tot. Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für den Jnjeratenteiloeranuo.: Td-Glocke-BerUn. Druck u. Verlag. Vorwärts Buchdruckerei u. Bertagsanjlalt Paul Singer u. Co, Berlin LW- Ein italienischer Erfolg. Tripolis. 21. Januar.. Oase Gargaresch ist gestern endgültig von den Italienern besetzt worden. Die russischen Henker. TäbriS, 21. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Gemäß dem Urteil des Feldgerichtes ist der Armenier PetroS-Ehan, der Führer einer Parteikampforganisatioii» gehenkt worden. Bevorstehende Kämpfe. Kuldscha, 21. Januar.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Tie Revolutionäre haben in großer Eile einc Militärabtcilung nach dem Talkipatz entsandt, wo sie den Anmarsch von Regierungstruppcn befürchten.— Die Mandschustämme in Sibirien sind bis jetzt der Aufforderung der neuen Regierung, die Waffen auszuliefern, nicht nachgekommen. Protcstversammlung der Syndikalisten. Paris, 21. Januar.(W. T. B.) Die SyndikatSvcr. e i n i g u n g und der Allgemeine Arbeitsvcrband per- anstalteten heute nachmittag anläßlich der Verurteilung der Mit- glieder der Bauarbeiter-Genossenfchaft eine Protestverfamm- lung, an weicher über 19 909 Arbeiter teilnahmen. Obwohl die Polizei große Sicherhcitsvorrichtungen getroffen hatte, kam cS nach Beendigung der Versammlung wiederholt zu Ruhestörungen. Ein Opfer der Aviatik. Paris, 21. Januar.(W. T. B.) Auf dem Flugplatz« von Jssy stürzte ein junger Student der Medizin Alfred Wagner aus Nancb. welcher sich für den Flicgerberuf ausbildete, mit seinem Zweidecker