Nr. 18. RbonnementS'ßedlAgDA�n: fBonncmcntS- Preis vrinumerando: Sierteljkhrl. S,S0 Mk., monatl. l.lv Mk.. IvöchciUIich 2S Pfg. frci ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Eonulags- r.ummct mit Auftricrier Sor.ntags. Beilage.Tic Neue Well" IV Pfa. Poll. SlfiotmenuiU: 1,10 iUIctf pro Monat. (iingetragcn in die Post-Zcitungs- Breisliste. UiUer streu�band siir Teutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabouncmentS nehmen an: Belgien. Täncmart, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. GriMlit tZgll» auBcr lilsntags. x»» Vevlinev VolKsblnkt. 39. Jahrg. v!e InIefNonz-cebah? ketrlgt für die fechsgespaliene llolonef» zeile oder deren Raum w Bfg., für Politische und gewerkschaftliche Bcreins- und Bersaminlungs-Aiizcigen Lv Pfg. „lilleine Znreigcn", das scttgedrullle Wort 2V Psg. lzuläfsig 2 setlg-druili- Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlosstcllenau. zeigen daS erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lSDuch- 1 laben zählen für zwei Worte. Juscraie ür die ilächslc Nummer inüssen bis » Uhr nachmittags in der Erpedillon abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „ZszU'iiliinoli»: RcrllB". Zentralorgan der rozialdemokrattfcben Partei Deutfcblands. Redaktion: 85CI. 68, Lindcnstraaae 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. IS8Z. Dienstag, den ÄZ. Jannar 1913. Expedition: 8Al. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1984. Und wieder Kampf und wieder Sieg! DaS war ein guter Tag heilte! Reiche Ernte haben»vir gehalten und nicht nur die Zahl Ver Siege, sondern auch ihre Art dürfen wir rühmen. An 63 Stichwahlen waren wir heute beteiligt und bis zur Stunde verzeichnen wir L? Sicgesnieldungeu und 99 Mandate be- sitzen wir. Köln ist unserl Das deutsche Rom hat die rote Fahne gchiszt, die Hauptstadt des Zentrums ist von der Sozialdemokratie erobert worden. Heiß war der Kampf alles hatte das Zentrum daran gesetzt, die heilige Stadt zu halten. Unser ist sie und stolze Hoffnungen bc- gleiten diesen Sieg. Das ist eine mächtige Bresche in den Zentrumsturm, das ist eine Niederlage, von der das Zentrum sich nicht wieder erholen wird. Zu Ende geht das stolze Märchen von der Unb�siegbarkeit der Klerikalen. Jetzt haben wir ihre Reihen ins Wanken gebracht und unermüdliche Arbeit wird dafür sorgen, daß sie nicht mehr zum Stehen kommen. Und noch ein prächtiger Erfolg ist uns heute im Westen beschert worden. Hagen haben wir erobert, den alten Wahl- kreis Eugen Richters, der so lange unserem Ansturm stand- gehalten hat. Und auch Hagen ist Ivie Köln nur ein Anfang und das Ende wird heißen: das ganze Jndustrieredier, dieses mächtigste Zentruni des Kapitalismus in Europa, ist sozialdemokratisch geworden. Laugsaln und mühsam. Schritt für Schritt dringen wir dort vor, aber den Boden, den wir einmal gewonnen haben, den wissen>vir zu halten und zu erweitern. Diesen zwei schönsten Siegen schließen sich eine ganze Reihe anderer an. F r a n k f u r t a. M. ist nach heißem Ringen erobert, Breslau- Ost ist sozialdemokratisch geworden, in Görlitz ist Dr. Mugdan, der intellektuelle Urheber der Rcichsversichcrungsordnung, von uns verdrängt, in P l a u e n ist der Führer des sächsischen Freisinns, Herr Günther, zur Strecke gebrächt worden, die wohlverdiente Vergeltung für die Haltung der Fortschrittler in Sachsen. Das rote König- reich hat aus seinen 23 Kreisen 19 Sozialdemokraten in den Reichstag geschickt. Die Scharte von 1997 ist gründlich aus- gewetzt. Soweit bis zur Stunde, wo die Zahlenangaben nicht voll- ständig zu überblicken sind, ein Urteil gefällt werden kann, scheinen sich die W ä h l e r d e r F 0 r t s ch r i t t s p a r t e i im jlampf gegen den schwarzblauen Block besser gehalten zu haben, als am ersten Stichwahltage. Dies gilt für die süd- deutschen Wahlkreise mehr als für die norddeutschen. Und in K ö l n sind nicht nur Fortschrittler, sondern auch National- liberale für den Sozialdemokraten gegen das Zentrum mit ihrer Stimme eingetreten. In Mühlhausen in Thüringen aber haben die Fortschrittler uns im Kampf gegen den Kon- servativen im Stich gelassen. Die Konservativen und Klerikalen haben eine schwcreNiederlagc zu verzeichnen. Zirka 19 Mandate haben sie verloren. Die schwarzblaue Herrschaft liegt in den letzten Zügen. Tonnerstag muß sie völlig zertrümmert werden. Tie Ehren dieses Tages aber gehören vor allem der Sozialdemokratie. Nicht weniger als 18 Wahlkreise sieht sie zum erstenmal in ihrem Besitz. Es sind die folgenden: Bitter- feld, Kaiserslautern, Heilbronn, Köln, Hagen, Kalmar, Jena, Bensheim, Bernburg, Bayreuth, Hildesheim, Görlitz, Dessau, Ansbach, Einbeck-Northeim, Metz, Strahburg-Land und Jericho. Diesen 18 Eroberungen und 9 Wiedercrwerbuugen stehen nur zwei Verluste entgegen: Friedberg-Büdiugcn und Eisenach- Dermbach, die unsere Genossen Busold und Leber in Nach- Wahlen geholt hatten, konnten diesmal nicht behauptet werden. Noch einmal ist es den Freisinnigen gelungen. Berlin I zu behaupten. Der„Sieg" ist allerdings mehr als knapp. Genosse D ü w e l l hat 5579 Stimmen. Kaamps 5583 er- halten. Nicht weniger als 124 Stimmen wurden aber für ungültig erklärt. Aus welchen und ob aus absolut stich- haliigen Gründen ist uns natürlich jetzt noch unbekannt. Der Sozialdemokrat hat 1171 Stimmen, Kaeinpf 931 gegen die Hauptwahl gewonnen. Tie bewunderungswürdigen An- strengungen unserer Genossen, die energische Unterstützung der leitenden Kreise der demokratischen Vereinigung haben also nicht vermocht, heute schon den Sieg der Sozialdemokratie zu verschaffen. Zu ungünstig ist die soziale Struktur dieses Bezirkes und nur besondere Umstände konnten dies- mal Siegeshoffnungen erwecken, die dem kühlen Urteil gegenüber nicht ganz gerechtfertigt waren. Damit Berlin I hätte erobert > werden können, wäre notwendig gewesen, daß die reakttonären Wähler sich der Stimme enthalten und die Wähler des Herrn Gädke vollzählig für den Sozialdemokraten gestimmt hätten. Beides war unwahrscheinlich. Tie Demokratische Vereinigung ist eine zu junge und zu schwache Organisation, als daß auf die Jnnehaltung der von ihr ausgegebenen Parole mit Sicherheit hätte gerechnet werden können. Unter ihren Wählern befinden sich gewiß zum großen Teil Angehörige von Schichten, die ihrer sozialen Lage nach als Ausgebeutete des Kapitals zu unS gehören und den Weg zu uns auch finden werden. Da neben aber haben für Herrn Gädke viele aus �persönlichen Gründen— sei es aus Sympathie für diesen dem preußischen Militarismus so verhaßten Mann, sei es aus Antipathie gegen Herrn K a e m p f— gestimmt. Diese haben unter dem Ein fluß der gewaltigen Agitation, die die Liberalen entfaltet haben, wieder ins freisinnige Lager zurückgefunden. Noch viel weniger Einfluß hat die reaktionäre Wahl Parole ausgeübt. Die Berliner Asphaltkonservativen sind keine hartherzigen Bündler. Es sind zumeist abhängige Existenzen, höhere Beamte, Offiziere a. D., Herren, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten, auf so bequeme Weise den Staat zu retten und Patriotisnuis zu prästieren. So sind sie denn dem Beispiel des Herrn von Bcthmann und seiner Minister gefolgt und haben Kaempf gewählt. Die ihrer Klasscnstcllung nach zusammengehören, haben sich in diesem Wahlkampf gefunden und das Lager des Kapitals hat sich von dem der Arbeit reinlich geschieden. Wir sind die letzten, die solche klaren Scheidungen nicht freudig begrüßen. Vergeblich ist für uns dieser Wahlkampf sicherlich nicht gewesen. Vielen dem Prole tariat Nahestehenden hat er die Augen geöffnet, gute Werbe arbeit ist verrichtet worden. Und der ziffernmäßige Erfolg darf uns mit Stolz und Genugtuung erfüllen. Nur neun Stimmen und die letzte Feste wäre erstürmt gewesen. Nur einige Stimmen, die vielleicht für die Sozialdemokratie be stimmt waren, nicht für ungültig erklärt und der Freisinn hätte seine letzte Zufluchtsstätte in Verlin eingebüßt. Wir sind es wahrlich nicht, die da Grund zur Trauer hätten. Außergewöhnlich politische Bedeutung hat ja der Kanipf gerade um diesen Kreis, der zu den kleinsten städtischen Wahlkreisen gehört, nicht gehabt. Aber er war für viele eine Sache des Gefühls. Allen ungünstigen Verhältnissen zum Trotz sollte auch über den letzten der Berliner Wahlkreise heute schon die rote Fahne aufgepflanzt werden. Es ist nicht gelungen, aber so sehr wir auch diesen Mangel beklagen. der gleichsam in dem Bilde des roten Berlin einen Schönheitsfehler bildet, zur Enttäuschung ist weder Gnmd noch Zeit. Und am Donnerstag wollen wir uns Revanche holen und in Potsdam soll die rote Fahne auf- gepflanzt werden als Zeichen unseres unaufhaltsamen Vormarsches! Las Lelsmtrelultat. Bis Mitternacht womi von 80 Stichwahlen sämtliche Resultate berannt. Gewählt sind: 27 Sozialdemokraten, 18 Fort- schrittliche Bolkspartci, 13 Nationalliberalc, 5 Konservative, 3 Wirtschaftliche Bereinigung, 3 Zentrum» 3 Welsen, 2 Pole», 1 SieichSpartci, 1 Deutsche Sicformpartei, 2 Bayerischer Bauern- Hund, 1 bayerischer Liberaler und 1 Lothringer.— Die Sozialdemokraten gewinnen 26 und verlieren 2 Sitze, die Fort- s ch r i t t l e r gewinnen 5 und verlieren 5, die N a t i 0 n a l l i b e- raten gewinnen 7 und verlieren 8, die K 0 n s e r v a t i v e n gc- Winnen 1 und verlieren 4, das Zentrum gewinnt 2 und vor- licrt 2, die Polen verlieren 1, die Oieichspartei verliert 4, die Wirt- schaftliche Bereinigung gewinnt und verliert 1, die Welsen gcwin- ncn 3, der Bayerische Bauernbund gewinnt 2, die Elsässer ver- lieren 1, die Lothringer gewinnen und verlieren 1 Sitz, Das Wahlergebnis in Berlin l. Bei der gestrigen Stichwahl erhielten: Kaempf(Fortschr.) 5583 Stimme» Düwell(Soz.).. 5579, 124 Stimmzettel wurden für ungültig erklärt. Der Freisinnige Kaempf ist somit gewählt. In der Haupiwahl erhielten Stimmen: Kaempf sFortschr.) 4657, Düwell(Svz.) 4408, Gädke(Dem.) 1895, Thomas(SB.SSg.) 482, Graf Oppersdorfs(Z.) 169, ChocißewSki(Pole) 37, zersplittert 7, Die gkmWtll Sflsifllteoliröftn. Zu den bisher gewählten 72 Sozialdemolratep sind folgende 27 hinzugewählt: Weimar Baudert Darmstadt Dr. Ouessel Vreslau-Ost Bauer Plauen Iäckel Frankfurt a. M. Ouarck Oschersleben-Halberstaöt Brandes An Mandaten besitzen nunmehr: die Sozialdemokratie die Fortschr. Volkspartei die Nationallibcralcn und Bauetnbund die Konservativen das Zentrum die Rcichspartcr Antisemitcu und Wirtschaftliche Vereinigung Polen Welsen Elsaß-Lvthringex Dänen Wilde früh. Frak- tionsstärla Das Ergebnis der Stichwahlen. Tie Zahlen hinter den Wahlkreisen sind die Resultate der Hauptwahl. Kömgreicb prculkn. Stadt Berlin. Berlin Kaamps(Vf.) 4657, Tiiwcll sSoz.) 4408. Gädke(Dem kr.) 1395, Thomas(Wirtsch. Bpg.) 432, Graf v. Oppersdorfs lZ.) 169, Cbociszcwski(Pole) 37, zersplittert 7. Stichwahl: Kaempf(Vp.) 5587. Dirwell(Soz.) 5579. Gewählt: Llacmpf(Vp.). Bisher: Kaempf iVp..!. Ostpreußen. Mcniel-Hcndckrng. Schtvabach(Natl.1 8750, Streckics(Litauer) 5808, Mcrtins(Soz.) 3839, zersplittert 14. Gewählt: Schwab arli Ratl.). Bisher: Schwabach(Natt.). Wesipreußcn. Landkreis Tanzig. Gehl(Soz.) 5272, Dörksen(Rp.) 4709, Schiiinmer(Z.) 4377, Hardtmann(Bp.) 3097 v. Kupczhnski Hole) 1012, Dcntler(Mittelst.-Pt.) 34. Marckwald(Soz.) 33, Dunvjsti(Pole) 28, zersplittert 48. Gewählt: Dörksen lRp.). Bisher: Döukfen(Rp.). Stadtkreis Dan zig. Weinhausen(Vp.) 0418, Marckwald(Soz.) 8038, Dentle.r lKons.) 7121, KripezinSki(Pole) 498,. Schümmer (Z.) 31, zerMittert 15. Gewählt: Weinhttufen(Vp.). Bisher: Mommsen(Vp.). Schlochau-Flatow. Baran Knigge(Kons.) 8081, Sawahki(Z.) 4044, Harte(Tatl.) 4303. Scdlatzck(Rfp.) 1102, Broswitz (Soz.) 805, Pcllowski(Pole) 5370, zersplittert 7. Gewählt: Knigge(Kons.). Bisher: Willens(Kons.). Graudenz-StraSburg. Sieg(Ratl.) 13 441, v. Donimirski lPole) 12117, Wicczorkowsti(Soz.) 1437. Schmidt(b. k. F.) 712, Spahn(Z.) 145, zersplittert 11. Gewählt: Sieg(Natsi.). r Bisher: Sieg(Natl.). Brandenburg. Oberbnrnim. Bruns(Soz.) 8571, Hubrich(Vp.) 0134, Bredcrcck (Kons.) 5651, zersplittert 10. Stichwahl: Bruns(Soz.). Hubrich(Vp.). Gewählt: Hudrich(Vp.). Bisher: Pauli(Rp.). ArnSwalde-Fricdeberg. v.'Schuckmann(Kons.) 5728, Bruhn(Dtsch. Resormp.) 4704, Brückner(Süz.) 4400, PönSgen(Natl.) 2708, zersplit:ert 13. Sticl/wahl: v. Schuckmann(Kons.), Bruhn(Reformp.). Gewählt: Bruhn(Reformp.). Bisher: Bruhn(Reformp.). Kottbus-Sprembcrg. Giebel(Soz.) 11181, Partheh Mp.) 8530, Haase(Vp.) 8010, Chociszewski(Pole) 40, zersplittert 12.— Stichwahl: Giebel(Soz.) 14 478. Partheh(Np.) 12 379. Gewühlt: Giebel(Soz.). Bisher: v. Tirtscn(Rp.). Pommern. Rügen-Franzburg. Frhr. v. Maltzahn(Kons.) 10 244, Hehn(Vp.) 7330, Katzenstein(Soz.) 5003, zersplittert 0. �-> Stichwahl Gewählt: Heyn(Vp.). Bisher: Dr. Stengel(Vp.). Greifswald-Grimmcn. Langcmak(Kons.) 8120, Gothein(Vp.) 0003, Hanke(Soz.) 4227, Ollmann(Natl.) 1002, zersplittert 5.— Gewählt: Gothein(Bp.). Bisher: Gothein(Bp.). Posen. Fraustadt-Lissa. Löhning(Bp.) 0115, Gras v. Oppersdorfs(Z.) 3087, b. Ponikicwski(Pole) 2781, Grunow(Soz.) 340, zersplittert 5. Stichwahl: Löhning(Vp.) 3855. Graf Oppersdorfs(Z.) 3952. Gewählt: Graf Oppersdorfs(Z.). Bisher: Dr. Kolbe(Rp.). Gzarnikan-Kolmar i. Pr. Ritter(Kons.) 12 148, Graf Bninski(Pole) 7052, Ehrenbcrg(Natt.) 5184, Schulz(Soz.) 2754, zersplittert 30. Gewählt: Ritter lKons.). Bisher: Ritter(Kons.). Schlesien. Stadt Breslau- Ost. Bauer(Soz.) 21 350, Grund(Natl.) 12 085, Grützucr(Kons.) 10 318, Tschirn(Dcmokr. Vgg.) 042, v. Zakr- zewsti 06, zersplittert 20. Stichwahl: Bauer lSoz.) 24 500. Grund(Natt.) 21000. Olewählt: Bauer(Soz.). Bisher: Fürst üatzfeldt(Rp.) Grosi-Strclih-Kosrl. GloUrntzti(Z.) 0837, Wajda(Pole) 0252, Bialdhga(Soz.) 1247. Tröger(Bp.) 171, zersplittert 27.— Olewählt: Glowatzti(Z.). Bisher: Glowatzki(Z.). Kreuzburg-Rosenbcrg. Meyer(Kons.) 7015, Kutschta(Pole) 5057, Wellmaim(Natl.) 2586, Schlisch(Soz.) 344. Olcwählt: Meyer(Kons.). Bisher: Fürst Hohenlohe(Kons.). Beuthen-Tarnowih. Tombek(Pole) 20 071, Bitta(Z.) 12 057, Hörstng(>Loz.j 11 534, Hartmann(Natt.) 10170, zersplittert 10. Olcwählt: Doinbck(Pole). Bisher: Napicralsti(Pole). Kattowin-Zabrze Sosinski(Pole) 17 013, BiniSzkicwicz(Soz.) 14 004, Gocbel fZ.) 11 358, Williger(Natt.) 0415, Sacks (Natl.) 5755, zersplittert 9. Gewählt: Sosinski(Pole). Bisher: Korfanty(Pole). GSrliN-Lanbnn. Taubadel(Soz.)' 20 408, Dr. Muadan(Vp.l 13 901, Reimer i Kons.) 7615, zersplittert 6. Gewählt: Tanbadel(Soz.) mit 4000 Stimmen Mehrheit. Bisher: Dr. Mugdan(Vp.). Lublinitz-Tost-Olleiwitz. Warlo(Z.) 10 327, Jantowitz(Pole) 10 312 Dr. Niedt(Natl.) 0134, Trimm(Soz.) 2219, zersplittert 3. Gewählt: Warlo(Z.) o m" o. Provinz Sachsen. Ostcrburg-Ttend�. Hoesck(Kons.) 10 512, Fuhrmann(Natt.) 8021, Bcims(Soz.) 7434, Chociszewski(Pole) 38,. zersplittert 14 Stichwahl: Hoesch(Kons.) 11 340. Fuhrmann(Natt.) 10 524. Gewählt: Hoesch(Kons.). Bisher: Fuhrmann. Jerichow I u. II. Haupt(Soz.) 11 002, v. Byern(Kons.) 0870, Merten(Bp.) 8291, zersplittert 28. Olewählt: Haupt(Soz.). Bisher: p, Byern(Kons.), Wolniirstedt-Ncuhaldenslcben. Nitsch(Soz.)' 10 911, Schiffer (Natt.) 5039, Strosser(Kons.) 4880, Rahardt(Rp.) 4192, zersplittert 10. Stichwahl: Ritsch(Soz.) 12 471. Schifter(Natt.) 13 775. Gewählt: Scliisscr(Natt.). Bisher: Fehlhaucr(Natt.). Oschcrslcbcn-Halberstndt. Brandes(Soz.) 17 373, Rimpau(Natl.) 12 654. Hörnccke(Kons.) 0183, zersplittert 22. Gewählt: Brandes(Soz.). Bisher: Rimpau(Natl.)i Bitterseld-Dclitzsch. Raute(Soz.) 12 920, Bauermeister(Rp.) 10 009. Zschanter(Bp.) 0070, Chociszewski(Pole) 231, Bassyr- mann(Natl.) 29, zersplittert 45.- Stichwahl: Raute(Soz.) 10 204. Baucrmeistcr(Np.) 13 034. Olcwählt: Raute(Soz.). Bisher: Baucrmciftcr(Rp.). Mühlbausen-Laiillensalza. Arnstadt lKons.) 11973, Lcwin(Vp.) 0004, Schäfer(Soz.i 8280, zersplittert 20. Stichwahl: Arnstadt.Kons. 15273. Schäfer(Soz.) 11 179. Olcwählt: Arnstadt(Kons.). Bisher: Arnstadt(Kons.). Provinz SchleSwig-Holstein. Titmarschcn-Stcinburg. Müller(Soz.) 12 189, Hoff(Vp.) 11 992, Dr. Goerck(Natt.) 8307, v. Levctzow(W irisch. Vgg.) 410, zersplittert 12. Olcwählt: Hoff(Vp.). Bisher: Görck(Natl.). Tondcrn-Husum. Dr. Schisfcrer(Natl.) 7928, Dr. Blanck(Vp.) 0373, Jessen(Bdl.) 2219, Brccour(Soz.) 2149, Jessen(Däne) 1985, zersplittert 5. Gewählt: Blanck(Vp.). Bisher: Dr. Lconhart(Vp.) Provinz Hannover. Neustadt a. R.-Nienburg. Freih. v. Scheele(Welse) 8985, Dr. Ar- ning(Natt.) 7719, Behlo(Soz.) 5209, Wcidcnhöfer(Rp.) 4397, zersplittert 8. Gewählt: v. Scheele(Welse). Bisher: Arning(Ratl.). Hildcshcim. Oiauch(Soz.) 11 403, Zürn(Kons.) 10 732, Dr. Gilde- nieister(Natl.) 10 238, v. Dicbitsch(Welse) 803, zersplittert 24. Gewählt: Rauh(Soz.). Bisher: Feldman»(Kons.). Einbeck-Northeim. Teichmann(Soz.) 8220, Machen?(Natl.) 0178, Kiel(b. k. F.) 5982, zersplittert 8. Gewählt: Teichniann �Soz.). Bisher: Findel(Ratl.). Göttingen-Münden. Rey(Soz.) 7980, Jckler(Natt.) 7138, v. Olen- Husen(Welse) 0230, Henkel(Wirtsch. Vgg.) 2949, zersplittert 5. Stichwahl: Mey(Soz.) 10 093. Jckler(Siatl.) 10 479. Gewählt: Jckler Natt.) Bisher: v. Olenhusen(Welse). Goslar-Zcllerfcld. Leincrt(Soz.) 9924, Goetting(Natl.) 0942, Koelle(Wirtsch. Vgg.) 4347, Kohlbrandt(Weste) 1304, Bier- wirth(Vp.) 723. Gewählt: Goetting(Natt.). Bisher: Koelle(Wirtsch. Vgg.). Gifhorn-Pcine. Schneider(Soz.) 11 289, Mcber(Natt.) 11 048, Freih. v. Hodenberg(Welse) 7237, Gottschalk(Kons.) 5057, zersplittert 28. Olcwählt: Meyer(Natt.). Bisher: Wehl(Natl.). Urlzen-Lüchow. Tusche(Natt.) 7829, v. Meding(Welse) 7573, p. d. Wense(Rp.) 5018, Fischer(Soz.) 2974, Meier(Wirtsch. Olcwählt: v. Meding(Welse). Bisher: v. d. Wense(Rp.). Lüncburg-Winsen. Freih. v. Wangenhcim(Welse) 8030, Damman (Natl.) 7598, Krause(Soz.) 0042, Schumacher(Wirtsch. Vgg.) 5787, zersplittert 9. Olcwählt: v. Wangenhcim(Welse). Bisher: Sictzers(Natl.). Westfalen. Hagen. König(Soz.) 23 184, Dr. Crüger(Vp.) 14 737, Springmann (Natt.) 12 000, Chociszewski(Pole) 231, zersplittert 5. Stichwahl: König(Soz.) 24 944. Dr. Crüger(Bp.) 23 559. Olewählt: König(Soz.) Bisher: Cuno(Vp.). Hcsscu-Nassau. Hächst-Homburg v. d. H. Brühne(Soz) 21 279, Jischert(Z.) 9780, Küster(Natt.) 0434, Göll(Vp.) 0072, Lücke(Bdl.) 1474, zersplittert 13. 0 Stichwahl: Brühne(Soz.) 23 027. Jtschcrt(Z.) 15 437. (Einige kleine Orte fehlen.) Olcwählt: Brühne(Zoz.). Bisher: Brühne(Soz.). Stadt Frankfurt. Dr. Ouarck(Soz.) 35 030, Oeser(Bp.) 31306, Schwarz(Z.) 6708, Behrens(Chr.-Soz.) 1280, zersplittert 8.— Olewählt: Tr. O.narck(Soz.). Bisher: Leser(Vp.). Rhcinprovinz. Stadt Köln. Hofrichter(Soz.) 18 000, Trimboru(Z.) 17 343, Dr. Bermbach(Natt.) 7154, Tr. Pohlschroedcr(Tcniotr. Pg.) 1101, Stuhrinann(Wirtsch. Vgg.) 310, zersplittert 40. Stichwahl: Hosrichter(Soz.) 20 580. Trimborn(Z.) 22 388. Gewählt: Hofrichter(Soz.). Bisher: Trimborn(Z.). k!ömgmcb Layern. München 1. Witti(Soz.) 11594, Kerschcnsteincr(Ratl.) 10 949, Lochbrunncr(Z.) 4862, v. Spics(Kons.) 503, zer- splittert 30. Olcwählt: Kcrschenstciner(Natl.) mit 373 Stimmen Mehrheit. Bisher: Wöizl(Natl.) Straubing. Schcfbcck(Z.) 10 094, Laux(Baucrnb.) 8814, Auer . Zoz.. 1909. Stichwahl: Laux(Bauernb.) soll Schcfbcck(Z.) verdrängt haben. Kaiserslauter». Hossmann soz.) 11 300.?r. Rocstckc(Baucrnb.) 9770, Hummel(Bp.) 8401. zersplittert 5. Stichwahl: Hoffmann(Soz.) 11032. Dr. Roesickc(Kons.) 11 409. Gewählt: Hossmann(Soz.). Bisher: Tr. Roesickc(Kons.). Bayreuth. Hügel(Soz.) 10 953, Winsauer(Natt.) 0012, Brendel (Bauernb.) 5721. zersplittert 21. Stichwahl: Hügel(Soz.» 12 723. Winsaucr(Natl.) 7027. Gewählt: Hügel(Soz.). Bisher: Hagen(Natl.). Ansbach-Schwabach. Hufnagel(Kons.)' 0724, Hicrl(«oz.) 0055, Luidde(Bp.) 0331, zersplittert 11. Gewählt: Hierl(Soz.). Bisher: Hufnagel(Kons.), Rothenburg o. T. Hilpert(Bd. i. L.) 7171, Kerschvauin(Baucrnb.) 0355, Klampfcr(soz.) 2920, Münch(Vp.) 2518, zersplittert 14. Gewählt: Kerschbaum(Bauernbund), Bisher: Hilpert(Bd. d. L.). Lönigl'eick, Saufen. Planen. Jockel(Soz.) 20 857, Günther(Bp.) 11859, Grase(Natt.) 10 070, zersplittert 14. Stichwahl: Jäckcl(Soz.) 23 800. Günther(Bp.) 20 900. Gewählt: Jäckcl(Soz.). Bisher: Günther(Vp.). I�LmAmcb Cdürttembcrg. Besigheim-Heilbronn. Feuerstein(Soz.) 12 429, Wolfs(Kons.) 19 778, Naumann(Vp.) 10 087, zersplittert 5. Gewählt: Feuerstein(soz.). Bisher: Naumann(Vp.). Böblingcn-Lconbcrg. Sperka(Soz.) 8900, Kcinath(Natl.) 0057, Roth(Wirtsch. Vgg.» 5382, zersplittert 3. Stichwahl: Sperka(Soz.) 10 039. Keinath(Natl.) 11 97g. Olcwählt: Keinath(Natl.). Bisher: Roth(Wirtsch. Vgg.). Eßlingen-Kirchhcim. Schlegel(Soz.) 15 473. List(Natl.) 9900, Hiller(Kons.) 5009. Gröber(Z.) 043, zersplittert 35. Stichwahl: Schlegel(Soz.) 10 332. List(Natt.) 10 309. Gewählt: List(Natl.). Bisher: Wctzcl(Natt.). Reutlingen-Tübingen. Payer(Vp.) 12 055, Schlicke(Soz.) 7234, Erzbcrgcr(Z.) 3082, Krug(Kons.) 1070, zersplittert 8. Stichwahl: Paper(Vp.) 13 344., Schlicke(Soz.) 7400. Gewählt: Payer(Vp.). Bisher: Payer(Bp.). Calw-Nagold. Schlocickhardt(Vp.) 7020, Steinmaher(Soz.) 0254, Keppler(Kons.) 0105, Gröber(Z.) 28, zersplittert 23. Stichwahl: Schwcickhardt tBp.) 11277. Steinmaher(Soz.) 0303. Gewählt: Schwcickhardt(Bp.). Bisher: Schwcickhardt(Bp.). Frcudcnstadt-Oberndorf. Liesching(Bp.) 7029, Nübling(Kons.) 7923, Kowald(soz.) 6137, zersplittert 19, Stichwahl: Liesching(Vp.) 12 878. Stübling iÄons.) 7372. Gewählt: Liesching(Vp.). Bisher: Wagner(Bp.). Balingen-Rottweil. Haußmann(Vp.) 11955, Mattutert(Soz.) 3752, Bock(Z.) 8179, Bcrncckcr(Kons.) 034, zersplittert 9. Gewählt: Haugmann(Vp.). Bisher: Hautzmann(Vp.). Gmünd-Göpvingen. Lindemann(Soz.) 11933, Gunter(Vp.) 9445, Lang(Kons.) 7777. zersplittert 13. Stichwahl: Lindemann(soz.) 13 027. Guntzer(Vp.) 13 003. Gewählt: Gunßer(Vp.). Bisher: Wieland(Vp.). Backnang-Hall. Vogt(Wirtsch. Vgg.) 9053, Schock(Bp.) 0198. Erlenbusch(Soz.) 4808, zersplittert 10. Stichwahl: Vogt(Wirtsch. Vgg.) 11915. Schock(Bp.) 10 770. Gewählt: Bogt(Wirtsch. Vgg.). Bisher: Vogt(Wirtsch. Vgg.). Gcislingen-Ulni. Häbnle(Vp.) 10 329, Graf(Kons.) 10 004, Göbring(Soz.) 9592, zersplittert 11. Gewählt: Hähnle(Bp.). Bisher: Storz(Vp.). Hessen. Gicsien-Grünbcrg. Dr. Werner(Wirtsch. Vgg.) 9784. Beckmann (Soz.) 7943, Erkelenz(Vp.) 0969, zerspltttcrt 11. Stichwahl: Dr. Werner(Wirtsch. Vgg.) 13132. Beckmann(Soz.) 11 883. Gewählt: Dr. Werner(Wirtsch. Vgg.). Bisher: Tr. Werner(Wirtsch. Vgg.). Fricdberg-Büdingcn. Busold(Soz.) gWg, Strack(Natt.) 7378, Leuchtgens(Vp.) 2507, Schroeder(Z-)..105, zersplittert 16,— � Stichwahl: Busold(Soz.). Strack(Natl.). Gewählt: Strack(Natt.) mit 1000 Stimmen Mehrheit. Bisher: Busold(Soz.). Lautcrbach-Alsfeld. Bindewald(Wirtsch. Vgg.) 0174. Heck(Natt.) 3214, Möbus(Vp.) 2799. Vetter(Soz.) 3029, zersplittert 7.—. Stichwahl: Bindcwald(Wirtsch. Vgg.). Heck(Natl.). Gewählt: Heck(Natt.). Bisher: Vindetvald(Wirtsch. Vgg.). Tarmstabt-Grosigcrau. Dr. Quessel(Soz) 18 326. Osann (Natt.) 11170, Dr. Strecker(Vp.) 7208. zersplittert 11. Stichwahl: Dr. Quessel(Soz.) 21501. Dr. Osann iRatl.) 16b32. Gewählt: Dr. Quessel(Soz.). Bisher: Dr. Osann(Natl.). Erbach-Bensheim. Hasenzahl(Soz.) 8520, Nippel(Wirtsch. Vgg.) 1588, Scior(Natl.) 4371, Dr. Sauer(Vp.) 3021, zersplittert 2l. Stichwahl: Hasenzatl(Soz.) � Nippel(W'rtlch. Vgg.) 8900. Gewählt: Hasenzahl(Soz.). Bisher: Haas(Natt.). Worms. Freiherr Hcyl zu HernSheim(Natl.) 11325, Engelmann (Soz.) 0044, liebe l(Z.) 0348, Becker(Vp.) 3959, zersplittert 2. Gewühlt: v. Hcyl(Natt.). Bisher: v. Hcyl(Natl.). Binaen-Alzcy. Tr. Becker(Natl.) 10 848. Kovill(Bp.) 9272. Adelung(Soz.) 2315, zersplittert 8, Gewählt: Korcll lVp.). Bisher: llcbcl(Z.). Eachsen-Wcimar. Wcimar-Apolda. Batldcrt(Soz.) 14 250, Enderi(Vp-X �804, Graes(Wirtsch. Vgg.) 7502, zersplittert 3. Gewählt: Baudcrt(Soz.). Bisher: Graes(Wirtsch Vgg.). Eisenach-Tcrmbach. Leber(Soz.) 10 023, Marquardt(Ratl.)' 042t, Kaiser(Wirtsch. Vgg.) 0039. ttzrwählt: Marquardt Natt.!. Bisher: Leber(Soz.)." Jena-Neustadt. Leutert(Soz.) 12 097, Schauer(Kons.) 0620, Vcrshofcn(Vp.) 5490. Thümmc!(Natl.) 4523, zersplittert 7.— ltzewählt: Leutert(Soz.). Bisher: Lehmann(b. t. Fr.). Oldenburg. Oldcnbnrg-Lübc.k-Birkenscld. Stelling(Soz.) 10235, Ahlhorn(Vp.) 9305. Tr. stüver«Natt.) 7919, Tr. Dahlem(Z.) 1ö78.»er- splittert 25. Stichwahl: Stelling(Soz.) 4043. Ahlhorn(Bp.) 7010. Olewählt: Ahlhorn(Vp.). Bisher: Ahlhorn(Vp.), S-rel-Jcven Hug(603.) 13 014, Träger(Vp.) 12 201, Strubs (Slatl.) 4335, zersplittert 40. Stichwahl: Sug iSoz.) 13 915. Träger sVp.) 15 082. Gewählt: Träger(Vp.). Bisher: Träger(Vp.). Sachscu-Altenburg. Sachscn-Altcnburg. Käpplcr sSoz.) 21422, Schmidt sRp.) 13 085, Dr. Pcipclmann(Bp.) 9273. Chocisgewski(Pole) 70, zer- splittert 3. Gewählt: Käpplcr(Soz.), Bisher: Schmidt(Rp.). Anhalt. Tcssau-Zerbst. Heine sSoz.l 15 450� North(Natl.) 8459. Dr. Preuh tVp.) 8415, Lüdemann(Dem. Vgg.) 1786, zer- splittert 8. Gewählt: Heine(Soz.)(3000 Stimmen Majorität). Bisher: Schräder(Vp.). Vernburg-Ballenstedt. Bender(Soz.1 16 015, Baumccker(Natl.) 9906, Dr. Jrmer(flott).) 5175, Dr. Brcitscheid(Dem. V-w.) 2578, zersplittert 30. Gewühlt: Bender(S-z.)(2000 Stimmen Mehrheit). Bisher: Trautmann(Natl.). Schwarzburg-Sondershausen. Schwarzburg-Sondershauscn. Dr. Roscnfeld(Soz.) 8012, Dr. Bartvinkel(Natl.) 0292, Keil(Wirtsch. Vgg.) 3555, zer- splittert 8. Gewählt: Bärwinkcl(Natl.). Waldcck. B?aldeck. Vietmeher(Wirtsch. Vgg.) 1403. Nuschle(Vp.) 3687, Varnhagen(Natl.) 2037, Wcddig(Sog.) 1600 zersplittert 4.— Gewählt: Vietmeper iWirtsch. Vgg.). Bisher: Dr. Potthosf'(Vp.). Schaiiiiiburg-Lippe. Schaumburg-Lippe. Gärtner(Soz.) 3413. Krämer(Vp.) 2707, Brunstcrmann(Zip.) 2583, Knapp(Christl.-Soz.) 70ß, zer- splittert 6. Stichwahl: Gärtner(Soz,) 3991. Krämer(Vp.) 5041. Gewählt: Krämer. Bisher: Dr. Brunstcrmann(Rp.). Elsaß-Lothringen. Colmar. Dr. Hagh(Elf. g.) 8033. PcirotcS(Toz.) 6120, Tilg (Liberal) 4220, zersplittert 36. Stichwahl: Hagh(Els. Z.) 8750. Peirotes(Soz.) 9865. Olewählt: Peirotes(Soz.). Bisher: Preis;(Els.). Landkreis Strasburg. Fuchs(Soz.) 7926, Jaegcr(Els.) 7187) Urban(Ltb.) 5591, zersplittert 20. Gewählt: Fuchs(Soz.). Bisher: Dr. Will(Z.). Zaber». Dr. Hoesfel(Rp.) 7331, Roescr(Hosp. d. Vp.) 5843, Schulettbttrg(Soz.) 3426, zersplittert 44. Olewählt: Roeser(Vp.). Bisher: Dr. Hocffcl(Rp.). Bolchen-Tiedcnhofen. Dr. Medernach(Z.) 13 715, Windeck(un- abhängiger Lothr.) 13 328. Becker(Soz.) 7286, zersplittert 45. Gewählt: Wittdeck(Lothr.) ,i Bisher: De Wende!(Lothr.). Vieh. Lasolgne(unabh. Lothr.) 11 632, Dr. Wcill(Soz.) 11 102, Wctsjtttatttt(Vp.) 7318, zersplittert 44. Stichwahl: Lasolgne(unabh. Lothr.) 13 000. Dr. Weill-Soz.) 17 000. Gewählt: Tr. Weill(Soz.). Bisher: Dr. Gregoire(Lothr.). Nie Cnticheiilllllgflvsh! in Kerli» i. Dem Ausgang der Stichwahl im c r st c n Reichstags. Wahlkreis Berlins wurde mit(sriissicr Spannung entgegen» gesehen. Würde hier, wo die Stützen des liberalen Bürgertums um die Börse sich scharen, der Liberalismus auch aus seinem letzten Schlupswinkcl vertrieben werden? Würde am Abend des 22. Januar auch über diesem Wahlkreis, in dessen Mitte das Kaiserschlotz liegt, die rote Fahne wehen? Hie„fl a c m p s"— hie„Dum eil" grüßte es am Morgen von allen Anschlagsäulen. Auf großen roten Plakaten las man m Riesenbuchslaben die Namen der beiden Wahlkandidateii, die bentc in Berlin l miteinander um den Sieg rängen. Mit großen Pla- taten Wq'yu auch die Zettelvertcilcr ausgerüstet, die gegen 10 llhr vor den Wahllokalen ihren Posten einnahmen. Plakatträgcr mar- schierten überall durch die Straßen. Die Demokraten, deren Stimmen in der Stichwahl ins Gewicht fielen, mahnten gleichfalls nochmals die Wähler. „Gädke-Wähler, wählt Düwell!" las man da. Einige Plakat- träger wurden in der Gegend des Bahnhofs Fricdrichstraßc und des Dönhossplatzes von patrouillierenden Polizisten wcggctviescn. ES war keine Empfehlung für den liberalen Kaempf» waS da der Polizei im Wege gewesen war. Frühzeitig begann der Zustrom der Wähler. Mit dem Glockenschlag 10 Uhr erschienen die ersten, und von da an ging es ununterbrochen durch die Vormittags-, Mittags- und Nachmittags- stunden. Auch die Schlcpparbcit setzte sehr zeitig ein. Mit einem ganz ungewöhnlich starken Aufgebot von Hilfskräften waren die Parteien auf dem Kampfplatz erschienen. Ten Liberalen hatten sich Hunderte von Kanflcntcn und Studenten zur Verfügung ge- stellt, die besonders durch den Hansabund zusammengetrommelt waren. Der üansabund hatte auch 30 Automobile hergegeben, die mit»Slaempf"-Plataten ausstaffiert waren. Auch ein Privat- automobil eines Warcnhausvesitzcrs soll sich an dieser Schlepperei beteiligt haben. Das Interesse der Neugierigen galt besonders den beiden in der Jägersiratze und in der Behrcnstraße belegenen Wahllokalen, in denen die Minister zu wählen hatten. Trotz der von den Kon- scrvativcn ausgegebenen Parole, bei den Stichwahlen sich der Ab- stimmung zu enthalten, gütgcn die Minister zur Wahl, allen voran der 3i c i ch s t a n z l e r. Tic beiden Wahllokale waren von 10 llhr an umlagert von Schaulustigen, zu denen auch Photographcn sich gesellt hatten, um den„historischen Augenblick" zu knipsen. Selbst am Nachmittag, als die Herrschaften längst ihre Stimme abgegeben hatten, standen noch Gaffer auf den Bürgersteigen umher und warteten. Schon in der Mittagsstunde kamen die Liberalen mit ihrem ersten W a h l t r i ck heraus. Allen Beamten des Wahlkreises wuc- den Mnhnzcttcl ins Haus geschickt, die darauf hinwiesen, daß so- evett der Reichskanzler und die Minister gewählt hatten.„K o n- scrvative! Folgt dem Beispiel der leitenden Staatsmänner!" schloß der Zettel. Nicht lange darauf wurden die Wähler durch den zweiten Wahltrick der Liberalen überrascht. In den NachmittagSstunden zeigten in den Straßen und besonders bor den Wahllokalen sich Träger von Plakaten, die den Demokralen verkündeicn, ihr' Führer Dr. Breit scheid sei zur Sozialdemokratie ü b e r g et r e t e n. Der Schreckensruf:„Ihr seid v e r r a t en I" prangte am Kopf des Plakates. Und der Schluß mahnte:„Wer sich an diesem Verrat nicht beteiligen will, der wählt Johannes Kaempf!" Gegen Abend wurde vor den Wahllokalen ein Flug- blatt verteilt, das diesen Wahltrick als„F r e i s i n n s s ch w i n d e i" kennzeichnete. Ueberall bildeten sich Gruppen, die über das Flug- blatt lebhaft diskutierten. Von unbekannter Seite wurde auch ein Plakat verbreitet, das folgenden, viel belachten Vers trug: „Wählet heut auf alle Fälle Düwell in die llieichstagshöllel Denn der„Freittsin" ist vom Hebel.... Darum hol den Kaempf der Düwell! Feste! Wähler, einen Dämpfer Diesem Kaempf, dem Freiheitskämpfer!" Tie Schlepploiale waren von den Liberalen sehr gut ausgesucht Ivorden. In 17 von den nur 26 Wahlbezirken des ganzen ersten Wahlkreises lag ihr Schlepplokal in demselben Hause wie ihr Wahllokal, und den zur Wahl kommenden Wählern präsentierten sich Plakate, die auf diese Echlepplokale hinwiesen. In der Stra- lauer Straße mußten die Wähler in den Landreschcn Bierhallcn direkt durch das Schlepplokal der Liberalen hin- durch, che sie an den Wahltisch gelangten. In der Niedcrwall- straße war sogar in einer Gemeindeschule, die das Wahl- lokal beherbergte, auch das Schlepplokal der Liberalen untergebracht. Im Qucrgebäudc, durch das die Wühler hindurchgehen mußten, war das Konferenzzimmer den Liberalen eingeräumt worden! Diese Parteinahme der Schulverivaltung ist wirklich echt liberal! Derartige Begünstigungen, durch die natürlich viel Zeit und Kraft gespart wurde, kam den Liberalen sehr zu statten. Der Sozialdemokratie würde schwerlich jemand das Konferenz- zimmer einer Gemeindeschulc überlassen haben, damit sie von dort aus ihre Wähler heranholen könnte. Unsere Genossen und Gc- uossinnen, die sich in großer Zahl für den Wahltag zur Verfügung gestellt hatten, hatten ein schweres Stück Arbeit zu leisten. Sie taten ihre Pflicht mit gewohnter Lpserfreudigkeit. Tie Wahlbeteiligung war schon am Vor- und Nach- mittag so lebhast gewesen, daß es schon lange vor Schluß des Wahl- aktcS in manchen Wahllokalen recht still herging. Jeder Wähler, der in der letzten halben Stunde noch eintraf, mußte durch ein ganzes Spalier von Zcttelverteilcrn hindurch, die in einer größeren Zahl sich draußen aufgestellt hatten.„Düwell! Wählt Düwell!" hallte es ihnen entgegen. Punkt 7 Uhr wurde überall die Wahl geschlossen, und es begann dann die umständliche Arbeit der Stimmenzählung. Zu den Stichwahlen. Klerikal- nationallibcraler Kuhhandel. Die Leitung der Rheinischen Zentrnmspartei veröffenilicht ia Zentrumöblättern folgende Mitteilungen über ihre Stich Wahlversammlungen mit den rheinischen Nationalliberalen: „Ter Oberpräsideut der Nheinprovinz, Staatsmitiister Freiherr v. Rhetttbaben, hat ans nationalen Rücksichten, wie er selbst betonte, in den letzten Tagen den Versuch uniernottttnett, Führer des Zentrums ttttd der natiotialliberaleit Partei einem Stichlvahlabkominen gegen die Sozialdemokratie geneigt zu machen. Tie bezüglichen VerHand- lungen fanden am 17. d. M. in Köln statt. Von feiten des Zentrums bewies man das iveiteslgehende Entgegenkottttneii. Ans Grund der ihr vom Retchsattsschuß der deutschen Zentrumspartei erteilten Voch macht tiiid unter Zustimmung der betetliglett Parteileituttgen in den betn Wahlkreisen, erklärte sich die Leitung der rheinischen ZetttrutttS- Partei zum Abschluß des nachslehetiden Abkommens bereit: 1. Daö Zentrum verpslichlel sich, in Duisburg, Bochurn- Gclsenlirchen, Wiesbaden, Dudcrsladt-Göttiiigen und Eisenach nach- drücklich für den nativnalliberalcn Kandidaten einzutreten. 2. Dementsprechend verpflichten sich die Nationalliberalcn, für den ZenIrtttttSkattdidateu in Köln, Düsseldorf und Essen nach driicklich einzutreten. 3. Beide Parteien verpflichten sich, eine bündige offizielle Wahlparole ziiguitsien der Kandidateti der anderen Partei in den unter eins und zwei genamrten Wahlkreisen auszugeben. 4. Das Zentrum verpflichtet sich.�dttrch geeignete Maßnahmen die Wahl des Herrn Basiertnann in Saarbrücken zu sichern. Was den Punkt 4 des obigen Vorschlages der Leitung der rheinischen Zentrumspartei anlangt, so war man sich des besonderen darin liegettden Entgegenkommens gegen die Nationalliberalen wohl bcivußt. Der Vorschlag erfolgie zu einer Zeit, Ivo die Stellung- nähme der Sozialdemokratie gegenüber der flandidatnr Bassermattn noch nicht bekannt war. Tie Zentrumspartei war bei ihrem An- erbiclen von der Ab ficht geleitet, die Nattonalliberalen von der Unterstützung durch die Sozialdemokratie bei der Stichwahl in Saarbrücken unabhängig zu machen und ihnen so die volle Freiheit der Entschließung bezüglich ihres Verhaltens bei den Stichwahlen überhaupt zu sichern. Zu diesem Vorgehen, welches itttterhaib der Zentrumspartei sicher verständnisvolle Würdigung finden wird, hielt sich die rheinische Zentrumspartei insbesondere auch mit Rücksicht auf die gesamte innerpolitische Entwickelung int Reich für verpflichtcl- Der Herr Oberpräsideut erkannte an. daß daö Zentruiti damit das Iveitesigchcnde Entgegenkoinmeit bewiesen habe und empfahl der Gegenseite dringend die Annahme. Der von dem Vorsitzenden der nationalliberalen Partei in der Nheitiprovinz und in Köln in Aussicht gestellte Versuch, die Vor- schlage in den Vorständen der nationalliberalen Bereine zur An- nähme zu brtttgett, i st gescheitert. Als Beschluß der gemein- samen BorstattdSsttzuttg wurde dem Vorsitzenden der rheinischen Zentrumspartei in der Nacht vom 17. auf den 18. Januar folgendes drahtlich mitgeteilt: Unser Beschluß lautet: Ihre Vorschläge, da Wahl Basser- mannS gesichert, an Wert stark gemindert und deshalb für uns unannehmbar. Sind aber bereit, bis zu unserer Versammlung morgen abend gegen entsprechende Kompensationen Wahlfreihcit in Köln zu proklamieren. Wir beschränken uns darauf, die vorstcheitden Feststellungen für sich selbst reden zu lassen. Verwandte Seelen finden sich. Die iiltramontaiie„Essener Volkszcitung" veröffentlicht in einem Extrablatt frohlockend das zwischen de» Zentrums- parteilern und den Nationalliberalen des rheinisch-westfäli- scheu Industriegebietes zustande gekommene Stichwahlab- kommen: „Jtn rheinisch-westfälischen Jndustricbezirk ist eS bei den bc- borstchenden Reichstagsstichwahlen zu einer Verständigung zwischen den bürgerlichen Parteien gekommen. Tic Vereinbarung ist durch den nachstehenden Vertrag fest- gelegt worden: Zwischen den Vertretern der Organisationen der Zentrums- Partei und der»rationalen bczw. nationalliberalen Partei der ReichstagSwahlkreise Bochum, Dortmund, Essen, Mülheim-Duisburg u»d Düsseldorf ivird folgendes Stichivahlabkomtnen getroffen: s) Die nationalen bczw. nationalliberalen Parteien cmp- fehlen in den Mahlkreisen Dortmund und Essen die Wahl der Zetitrumskandidaten und treten nach Kräften für diese Wahlen ein. b) Der Vertreter der natirnialliberaleu Organisation des Wahlkreises Düsseldorf— Herr Justizrat Kehren— verpflichtet diese Organisation, die Wahl des im Wahlkreis Düsseldorf ausgestellten Zentrumskandidaten zu empfehlen und für dessen Wahl nach Kräften einzutreten.— Cr verpflichtet sich ferner, bei der Organisation der Liberalen Vereinigung des Wahlkreises Düffel- dorf seinen Einfluß für eine gleiche Wahlparole einzusetzen. Er spricht die lleberzeugung aus, daß die Liberale Vereinigung min- destens die Wahlparole dahin ausgeben werde, daß die Beteiligung an der Wahl empfohlen werde und keine Stimme auf den Sozia!- demokraten fallen dürfe. c) Die Organisationen der Zentrumspartei der Wahlkreise Bochum und Mülheim-Duisburg verpflichten sich, in den Wahl- kreisen Bochum und Mülheim-Duisburg ihren Wählern die Wahl der ausgestellten nationalliberalen Kandidaten zu empfchlcn und für diese Wahlen nach Kräften einzutreten. Essen-Ruhr, den 19. Januar 1912. Gez.: Justizrat Tickamp-Bochum, Direktor Knupe-Vochum, Justizrat Mummenhof-Bochum, Direktor Wehrmann-Bochum, Geh. Justizrat Haarmann-Dortittund. Verleger L. Lensing-Dortmund, Rechtsanwalt Dr. Bell-Cssen, Verleger Ed. Buß-Essen, Syndikus Hirsch-Essett, Rechtsanwalt Kempkes-Essen, Gregor Overhamm- Verden, I. B. Eoupienne-Mülheim, Rechtsanwalt Dr. Feldhaus- Duisburg, Dr. Liebrcich-Duisburg, Dr. Ed. Hüsgen-Düsseldorf, Justizrat Kehren-Tüsseldolf. Justizrat Tr. Nicmcyer-Essen. Die Parieivorstäitde der einzelnen Wahlkreise haben damit die bindende Verpflichtung überttotnttien, mit ganzer Energie für die zur Wahl stehenden bürgerlichen Kandidaten einzutreten. Es ist eine einfache Ehrenpslicht der Zentrumspartei in Duisburg-Mül- heim-Ruhrort und in Bochum-Gelsenkirchcn, für Die nationalliberalen Kandidaten zu wirken, als handele eZ sich um die eigene Partei und umgekehrt seitens der nationalliberalen Partei in Essen, Dortmund und Düsseldorf gegenüber dem Zentrum ebenso zu handeln. Tie gemeinsame Parole lautet: Gegen die revolutionäre st aatszer störende Sozialdemokratie!" Erklärung. In mehreren nationalliberalen Blättern im Wahlkreis Ott- weiler-St. Wendel- Meisenbe im erschien am 20. Januar. am Stichwahltag, ein vom Genossen Pitz unterzeichneter, an die sozialdemokratischen Wähler gerichteter Wahlansrus, in der Stichwahl für den freikoitservativen Hüttenbesitzer, Generalleutnant v. Schubert und gegen den Zentrutitsarbeiter K o ß m a» n zu stimmen. Der Ausruf erweckte den Anschein, als sei diese Parole vom Partei- Vorstand in Berlin ausgegangen. Diese Parole ist jedoch nur daS Werk einzelner Leute, die entgegen den Bestimmungeii des Zentral- wahlkomilees auf eigene Faust gehandelt haben und für deren Handlungsweise daher das W a h l k o m i t e e j e d e Per- a n t tv o r t u n g a b l e h n e n muß. Das Zeutralwahlkomrtee hat in seinen Sitzungen am 14. und 17. Januar, das erste Mal gegen drei, das letzte Mal gegen eine Stimme für den Wahlkreis Ott- weilcr Stimmenthaltung beschlossen und die am 18. Januar dem Zeniralwablkomitee ztigegangene telegraphtsche Anweisung vom Partetvorstand lautete ebenfalls; „In Ottttveiler ist Wahlenthaltung zu proklamieren und darf keine Parole für Schubert ausgegeben lverden. Dem entsprach der Beschluß des Wahlkomitees und der Partei. Kein anderer Beschluß ist gefaßt worden. Der Agitationsausschuß und das Zentralwahlkomitee. I. A.: Joh. Leimpeters. Nationalliberale Wahlparole für die Provinz Sachsen. Die nationalliberale Parteileitung der Provinz Sachsen hat folgende Gesamtparole ausgegeben: „In den bevorstehenden Stichwahlen ist jeder bürgerliche Kandidat unbedingt und energisch gegen die Sozialdemokraten zu unterstützet!."__ politifcbe Oebevlicbt. Berlin, den 22. Januar 1912. Wann tritt der neue Reichstag zusammen? Darüber wird der„Kölnischen Zeitung" aus Berlin bc- „Es ist äußerst wahrscheinlich, daß der Beginn der Arbeit aus die zweite Februarivoche gelegt ivird. Da auf den 6. Februar der für die parlamentarische Praxis in Betracht kommende Dienstäg fällt, liegt eS nahe, anzunehmen, daß dies der � Tag der Ein- berufung ist. Am 0. Februar aber sind die bayerischen Landtags- Wahlen. und so ist Ivohl anzunehmen, daß die Reichstags- eröffnung am Mittwoch, den 7. Februar, stattfindet." Politische Unreife. Während die sozialdemokratische Wählerschaft überall am 20. Januar der vom Parteivorstand ausgegebenen Stich- Wahlparole folgte und die in der Stichwahl mit reaktionären Kandidaten stehenden Fortschrittlcr heraushaute, hat die frei- sinnige Wählerschaft sich vielfach in ihrer Disziplinlosigkeit über die von dem geschüftsführenden Ausschuß der Fortschritt- lichcn Volkspartei ausgegebenen Parole hinweggesetzt und m Masse für konservative und antisemitische Kandidaten gestimmt: ein verräterisches Verhalten, durch daS, wie wir in der gestrigen Extra-Ausgabe des„Vorwärts* nachgewiesen haben, nicht weniger als 10 Wahlkreise dem schlvrirzblanen Block in die Hände go- spielt lvordcn sind. Soweit die linksliberale Presse ehrlich ist, muß sie selbst diese für die Fortschrittliche Volks- Partei beschämende politische Unreife und Disziplin- losigkeit ihrer Anhängerschaft zugeben. So schreibt das „Verl. Tagebl.": Aber ein solches Zusammengehen mit der Sozialdemokratie kann und wird nur dann möglich sein, wenn es auch vom fortschrittlichen Bürgertum loyal, ehrlich und nach honetten Geschäftsprinzipien eingehalten wird. Man muß es gerade heraussagen: die Art, wie die fort- schrittlichen Wähler sich vorgestern in neun oder zehn Kreisen bc- nommen, ist ciiiigerinaßc» skandalös, und man empfindet e i n Gefühl der S ch a ni, wenn man die Ziffern aus diesen Wahlkreisen liest. Daß die Naticmul- liberalen mit Konservativen und tnit dein antisemitischen Pack, mit dem Zentrum und dem Bund der Land- Wirte ihre schmutzigen Geschäfte machen würden, haben wir alle vorhcrgewußt, denn dieses Sammelsurium, das trotz all seinen pathetischen Reden ganz allein den KlerikaliSmus in Deutschland über Wasser hält, tind in das sich nur hier und da noch ein charaktervollerer Politiker verirrt, ist überhaupt keine Partei, sondern eine Schöne für jedermann. Habe» ivir aber noch ein Recht, dieses gefallene Mädchen zu schmälen. wenn ganz ähnliches beim sogenannten entschiedenen Liberalismus passiert, wenn angebliche Fortschriltlcr in Hcrsseld- Rotenburg den Nntisemitenhäuptling Werner, in Bmttzen-Kamcttz den Antisemiten Graf gewählt, und müßte man nicht diese gesinnungslosen Ueberläufer mit Fußtritten hinausjagen au» einer Partei, die doch Wert legt auf«auder» Kit? Vier Wahlkreise in Brandenburg und drei in Schlesien find von den Fortschrittlern der konservativen Partei gerettet worden, im ManSfelder Seekreis haben die Fortschrittler den dicken Arendt aus dem See herausgefischt und in Harburg-Rotenburg ver- dankt ihnen der klerikle Welse sein Mandat. Die Zauch-Belziger haben sich, wie treu geduldige Haustiere, vor den Wagen des Herrn v. Oertzcn gespannt. Und den Nnppin-Templincrn stifte man einen Waschlappen als Bannertnch. Der schtoarzblane Block wäre bald zu überwinden, würde nur die Dnnrinheit nicht so unüberwindlich sein. Indem der Liberalismus— oder das, was sich in Bautzcn-Kanicnz und in Zauch-Belzig so nennt den schwarzblauen Parteien zehn schon ver- lorene Mandate zurückgeschenkt, hat er den Zusammen bruch der seit drei Jahren von ihm verwünschten Rechts Majorität gehemmt und die Erreichung des Kampfziels in Frage gestellt. Gewiß, die schwarzblane Majorität wird unter allen Umständen am Schlüsse dieses Wahlkampfes so zerfetzt und zerschunden, so aufgerieben und kleingehackt sein, daß sie zu selbständigem Handeln nicht mehr gelangen wird, aber ob wir eine wirkliche, ziffernmäßige Linksmehrheit werden vor- weisen können, ist immer noch zweifelhaft. Es ließe sich sehr wohl erreichen, denn es stehen noch 112 Stichwahlen aus, und diese 112 müßten, wenn alles gut ginge, mindestens 83 Sitze für die Linke bringen, nämlich 30 für die Fortschrittliche Volkspartei, 27 für die Nationalliberalen und 26 für die Sozialdemokratie. Dann würden die beidenj liberalen Parteien über ungefähr 100 Mandate verfügen und die Sozialdemokraten über fast ebensoviel, und das wäre, selbst nur mit den Stimmen der Elsässcr, für eine Mehrheitsbildung genug. Aber werden in Kottbus-Spremberg, in Jericho, in Grün- berg-Freystadt, in Striegau-Schweidnitz und in neun anderen Kreisen, in denen die Sache ähnlich liegt, die Fortschrittler ihre Pflichter- füllen, und werden sie sich klüger und Urteils fähiger als die geschätzten Freunde zeigen, die wir vorgestern an einigen anderen Orten am Werke gesehen? Oft hat die liberale Presse gefragt, weshalb trotz des enormen industriellen und kommerziellen Fortschritts Deutsch lands in den letzten Jahrzehnten der Liberalismus im neuen Deutschen Reich nicht jene politische Bedeutung erlangt hat, wie in so manchen kleineren und wirtschaftlich rückständigen Staaten. Neben verschiedenen anderen Gründen ist daran zum Teil die Tatsache schuld, daß die liberalen Partei lcitungen niemals verstanden haben, ihre Gefolgschaft politisch zu erziehen und sie anzuhalten, die lokalen Kirchtumsinteressen dem Gesamtinteresse unterzuordnen. Natürlich werden die freisinnigen Elemente, die am 20. Januar in der Stichwahl konservativ gewählt haben, von der„Deutschen Tageszeitung", den„Berliner Neuesten Nach richten", der„Germania" usw. ob ihrer„Verständigkeit" ge lobt und gepriesen. Auch die„Norddeutsche Allgem. Zeitung" ist sehr erfreut über solchen gesunden politischen Bürgersinn. Sie meint: „Am ersten Stichwahltag hat die Sozialdemokratie weitere Fortschritte gemacht und jetzt bereits 72 Mandate erreicht. Immer hin haben ober die Sozialdemokraten nicht die überwältigenden Erfolge gehabt, auf die sie nach Ausgabe der fortschrittlichen Stichwahlparole gerechnet hatten. 16 Wahlkreise, welche die Sozialdemokratie am Sonnabend zu gewinnen gedachte, sind nach der Rechnung des„Vorwärts" dem Bürgertum dank der Haltung der liberalen Wähler erhalten worden. Die Ratschläge der demo- kratischeu Presse haben dort also auf den gesunden Sinn des Bürgertums nicht gewirkt. Staatstreue Gesinnung hat die Oberhand behalten." Das schöne Lob des Kanzlcrblattes ist wohlverdient I die Stralsunder diesmal etwas sein?' Mit anderen Worten: Der liberale Kandidat Pastor Hehn hat in diesem Falle keinen Einfluß, die Macht des Landrats geht be deutend weiter, ergo— Ihr wählt Herrn v. Maltzahn oder Eure wirtschaftlichen Jntereffen werden geschädigt. Auch aus anderen Kreisen kommen derarsige Meldungen, daß städtischen Geschäftsleuten von den Großgrundbesitzern der Umgegend der Boykott angedroht worden ist. So heißt es z. B. in einem von der konservativen Parteileitung im Wahlkreise Stendal- O st c r b u r g verbreiteten Flugblatt, nachdem zuvor die Aufstellung dcZ Landbündlers'Hoesch als„besonderes Entgegenkommen gegen die städtischen Wühler bezeichnet worden ist: „Auf dieses Entgegenkommen der ländlichen Kreise hat die städtische Wählerschaft mit einer so schroffen Ablehnung des Kau- didaten geantwortet, gegen dessen Person wie auch dessen wohl wollende, interessevolle Stellungnahme für den Mittelstand und die Arbeiterschaft nichts einzuwenden ist, daß dieser Vorgang über den Nahmen verschiedener politischer Anschauungen hinausgeht. Es scheint von Scharfmachern geradezu eine Entfremdung gegen alle ländliche und landwirtschaftliche Kreise betrieben zu sein. So und nicht anders müssen wir die Sachlage ansehen. Im Anschluß daran wird auch eine Entfremdung den städtischen Gewerbetreibenden gegenüber für die Zukunft bei den Landwirten nicht zu vermeiden sein. Daß der Bauer kein Spielzeug ist, daß er nicht Hohn mit sich treiben läßt, wird jeder Mann erfahren, der glaubt auf ihn herabsehen zu sollen, als ein Mensch, der nur dann gesucht wird, wen,» man ihn braucht, dem man aber auch dann leine Rücksichtnahme zuteil werden läßt, wenn es sich um seine Lebensfragen handelt, und wenn er selbst die Hand zum Verständnis geboten hat." Am Schlüsse des Flugblattes heißt es:„Die zahlreichen Unter schritten zu dieser Erklärung liegen zur Einsicht auf." Als nun heute früh verschiedene nationalliberale Wähler bei der Geschäftsstelle des konservativen Blattes, in der die Unterschriften aufliegen sollten, um Einsichtnahme baten, wurde ihnen, wie das„Verl. Tagebl." meldet, mitgeteilt, die Unterschriften seien an die Zentralleirung der konservativen Partei eingeschickt worden, da sie von dieser ein- gefordert seien: sie werden erst in acht Tagen zurück sein und dann werde die Einsichtnahme gestattet sein. Zum Wahlkampf in Berlin I. Herr Oberst a. D. G ä d k e schreibt uns: „In meiner Ansprache im Tiergartenhof habe ich ausdrücklich erklärt, das vom„B. Tageblatt" angegriffene Flug- blatt sei weder von mir verfaßt noch gelesen worden und ich könne nicht alleWendungen des- selben billigen." Erst dann fügte ich hinzu: Aber die Stichwahlergebniffe be- wiesen, daß es dennoch in mancher Hinsicht einen wunden Punkt des Freisinns getroffen habe._ vorsichtigerk fähigen, überdies werden können! Neue Kolonialtreibereien. Wir haben bereits im Juli in unseren Artikeln über die Ovambofrage darauf hingewiesen, daß unsere Kolonialtreiber mehr denn je darauf ausgehen, Angola, die lvestafrikanische Kolonie Portugals unserem südwestafrikanischen Kolonialbesitze einzuverleiben. In der letzten Zeit sind diese Absichten auf Angola in der alldeutschen Presse wieder besonders lebhaft erörtert worden. Es wird behauptet, daß auf Grund des sogenannten Delagoa-Vertrages, der geheime Abmachungen zwischen England und Deutschland enthält, Angola Deutschland zufallen müsse. In der jungen portugiesischen Republik haben die Aeußerungen der deutschen Kolonialtreiber große Unruhe hervorgerufen, die durch einen Grenzkonflikt im Caprivi- zipfel, der durch den bekannten Abenteuerzug des Bezirks- amtmanns von Frankenberg verursacht war. noch vernichrt wurde. Der Grenzzwischenfall wird auf diplomatischem Wege beigelegt, aber das Mißtrauen Portugals gegen Deutschland besteht fort. Auch englische Zeitungen beschäftigen sich mit der Aufteilung der portugiesischen Kolonien in Afrika und ver- langen, daß sich auch England seinen Teil sichere. So erörtert die„Saturday Review" und der„Outlook" in ihren letzten Nummern sehr eingehend die Frage. Die„Post" erhebt im Anschluß daran mit der ihr eigenen Bescheidenheit die Forderung„Angola deutsch!" Hat doch erst kürzlich General L i e b e r t die Parole ausgegeben: Ganz Mittelafrika deutsch! Ans dem ganzen Treiben geht hervor, daß die Gefahr internationaler Konflikte durch die Afrikapolitik der Groß- mächte immer größer wird. Das deutsche Volk kann sich darauf gefaßt machen, daß ihm außer den Kongofreuden noch mancherlei unangenehme Ueberraschungen aus dem schwarzen Erdteil beschert werden. Es ist daher angebracht, den Kolonialtreibern recht scharf auf die Finger zu sehen. Wer terrorisiert? Im Kreise Stralsund-Franzburg-Rügen stehen die Liberalen in Stichwahl mit dem konservativen L n n d r a t v. Maltzahn. Um die Geschäftsleute von Stralsund gefügig zu machen, werden ihnen Stockschläge auf den Magen angedroht. In einem Eingesandt im„Stralsunder Tageblatt" werden die Niigener Bürger aufgefordert:„Kauft überall, nur nicht�in Stralsund!" In einem anderen Eingesandt heißt es im Hinblick auf den landrätlichen Kandidaten: „In naher Zukunft wird höchstwahrscheinlich die Brückenfrage zur Entscheidung kommen. Zum mindesten aber werden gruud- legende Gesichtspunkte festgelegt werden, ob bei Ueberbrückung deS StrelasundeS nur dem internationalen Verkehr gedient oder für Stralsund durch Fußgänger- und Wagcnverkehr über diese Brücke ein weiteres, kaufkräftiges Hinterland erschlossen werden soll.... Stralsund ist durch Verlegung des Hafens für den Schwedenver- kehr nach Saßnitz schon einmal kaltgestellt worden. Werden vsrantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Tie Stichwahltaktik des deutschen Liberalismus in russischer Beleuchtung. Der Ausgang der ersten Stichwahlen, denen daS klägliche Ver- sagen des Freisinns ihr charakteristisches Gepräge verliehen hat, gibt dem Urteil der russischen Liberalen über die Haltung ihrer deutschen Gesinnungsgenossen ein gewisses aktuelles Interesse. In einem Bericht, der vor dem ersten Stichwahltage geschrieben ist, fällt der Spezialkorrespondcnt deS führenden liberalen Organs„Retsch" folgendes harte Urteil über den deutschen Liberalismus:„Die Wahltaktik des deutschen Liberalismus wird alles weniger als von gesunder politischer Logik bestimmt. Von vielen prinzipiellen Fesseln" befreit, die ihn hinderten, schon vor dem 12. Januar ein Abkommen mit seinem Nachbar auf der Linken zu treffen, hat sich dieser Liberalismus jetzt noch mehr in praktischen Erwägungen verrannt, die ihn in die Arme desselben reaktionären Blocks locken, den er in naiver Selbstsicherheit mit einem Schlage aus eigener Kraft zu zerschmettern hoffte." Das russische liberale Blatt schildert dann weiter den harten Seelenkampf des„armen deutschen Liberalismus, der mit leeren Händen aus den Hauptwahlen hervorgegangen ist". Einerseits sei er, laut den Jenaer Parteitagsbeschlüssen der Stichwahlhilfe der Sozial- demokratie vollkominen sicder. Andererseits fürchte er aber durch die Unterstützung der Sozialdemokratie die Rache der rcaklionären Parteien heraufzubeschwören. Die Taktikder Unterstützung der Sozildemokraten„bedroht den schwarz- blauen Block mit sicherem Untergange; sie ist würdiger, tapferer, ehrenhafter. Die Taktik deS Koni pro Misses mit der Reaktion gibt dem schwarzblauen Block die Möglichkeit, wieder zu neuem Leben zu gelangen; sie ist feiger, flacher, kleinlicher, leider aber von rein rechnerischem Staudpunkt für die Liberalen vorteilhafter". Das„Drama" in der Brust des dculsckien Liberalismus wird am Schluß mit den Worten formuliert: Politische Logik oder politische Rechenkunst?„Eine größere Anzahl schlechter, innerlich fauler Mandate, um den Preis unanständiger Konzessionen und eines kleinlichen Schachergeschäftes erworben, oder eine geringere Anzahl vollwertiger Mandate, die in ehrlichem Kampfe. unter unbeflecktem Banner erobert sind?" Der deutsche Liberalismus hat bisher eine unverkennbare Neigung für die ersteren gezeigt und sich nicht gescheut, eine ganze Anzahl von Mandaten den ärgsten Reaktionären auszuliefern. Wird er auch fernerhin daS harte Urteil feiner russischen Gesinnungsgenossen rechtfertigen? Orden zum Trost. Am Sonntag war„Ordcnsfest" im Berliner Schloß. Da er- hielten der ZenlrumSsübrer Freiherr v. H e rt l i n g den Roten Lldleroedcn zweiler Güte mit dem Stern, der Dreiklasscnjunker Rabe von P a p p e n h e i m desgleichen, aber mit Eichenlaub, dagegen mußte sich das konservative Polizeigräflcin W e st a r p mit dem Roten Adler vierter Güte begnügen. Wie steht dagegen Jordan v. Kröcher da mit dem Kronenorden erster Gütel Auch der eliäisische ZentrumSmaiin Vonderscker kriegte was ab. AIS eine Abschlagszahlung kamen ferner auf die Ordensliste zwei Land- tagsabgeordnete der Linken, der Nationallibcrale Mathis und der Fortschrirtler Aronsohn. Nicht übel war es übrigens, daß beim Ordens-Kirchendienst über das Thema ans dem Römerbrief gepredigt wurde:„Ich er- mahne Euck, liebe Brüder, durch unseren Herrn Jesum Christum und durch die Liebe deS Geistes, daß Ihr mir helfet kämpfen und belet für rnich zu Gott." Die„Römer" helfen ja getreulich allen Volksfeinden. Auch der Fortschrinler Cuno-Hagen erhielt zum Trost dafür, daß er nicht mehr kandidiert, den Kroncnorden vierter Klasse. Oesterreick. Christlichsoziale Korruption. Seitdem die Wiener, die christlichsozualen Aemterhäufer und -verwüstcr bei den ReichsratSwahlcn zum Teufel gejagt haben, sinnen sie nach, was sie zur Wiedereroberung Wiens tun könnten. Ter erhob sich am Freitag im niederösterreichischen Landtag der christlichsoziale Parteisekretär Wollek, um in klaren Morien die Verwaltung der Landcseisenbahnen durch den späteren Äbgeord- netenhauspräsidenten Dr. Pattai als einen Augiasstall zu bezeichnen, der erst durch Entlassung von 200 diebischen oder un- noch überflüssigen Angestellten hat MlSgemtstet Der christlichsoziale Fraktionsredner erklärte | selbst, daß unter der Verwaltung des christlichsozialen Führers viele Zehntausende von Kronen gestohlen worden sind.... lind diese Kerle rauben den Arbeitern die Selbstvcr- waltung der Krankenkassen„wegen Mißwirtschaft".... franhmeb. Der italienisch-französische Zwischenfall in der Kammer. Paris, 22. Januar. In der heutigen Sitzung der De- putiertenkammer sprach Laroche über die Zwischenfälle mit den Dampfern„Carthage" und„Manuba" und sagte, solche Vorkommnisse seien unerträglich. Die Blicke richteten sich auf den Haager Schiedsgerichishof(Protestrufe), aber da vor Ab- lauf eines Monats ein Spruch nicht gefällt werden könne, dürften die Türken nicht in Haft behalten und französische Schiffe nicht noch weiterhin mit Beschlag belegt werden. Man müsse die Wiederkehr solcher Ereignisse vermeiden und glänzende Genug- tuung erhalten. Admiral B i e n a i m e sagte, daß die italienische Marine ein Attentat auf die Würde der französischen Flagge begangen habe. Er warf Italien sein Verhalten uni so mehr vor, als die Haltung Frankreichs Italien gegenüber in der letzten Zeit besonders herzlich gewesen sei. Italien sei um so weniger berechtigt, französische Aeroplane mit Beschlag zu belegen, als Italiener täglich auf französischen Flugplätzen übten. Bienaims forderte Genugtuung und erklärte sich bereit, bis zum äußersten zu gehen, wenn es sein müßte.(Beifall auf verschiedenen Bänken.) Guernier warf Italien vor, die Londoner Konvention verletzt zu haben. Man frage sich auch, wie das Telegramm an den Kommandanten der „Manuba" verstümmelt wurde. Der Redner meinte, das medizinische Examen� dem Italien die Türken unterwerfen wolle, sei eine Beleidigung für Frankreich, und die Türken dürften aus Achtung vor der Flagge, die sie schützte, nicht antworten. Ministerpräsident Poincare antworteten Obgleich linier- Handlungen eingeleitet sind mit dem Ziel, in kürzester Zeit cms billige Lösung zu finden, hat die Regierung angesichts der Er- regung des Parlaments und des Landes geglaubt, die nötigen Aufklärungen nicht mehr hinausschieben zu dürfen. Poincarö erinnerte bei Besprechung des Zwischenfalls mit dem Dampfer „Carthage" daran, daß der französische Geschäftsträger in Rom Anordnung erhalten hat, die Auflicbung der Beschlagnahme zu fordern und Vorbehalts zu machen wegen des erlittenen Schadens. Die französische Regierung glaubte nicht, wie die italienische Regierung es verlangte, die Verpflichtung übernehmen zu dürfen, daß der Apparat Duvals überwacht würde. Eine Er- klärung des Vaters Duvals. daß sein Sohn nicht beabsichtige, sich in den Dienst einer fremden Macht zu stellen, habe jedoch Italien veranlaßt, die Beschlagnahme der„Carthage" aufzuheben. Poincare erklärte weiter, ein Flugzeug könne, da es zur relativen Konterbande zu rechnen sei, nicht auf dem Transport von einem neu- traten Hafen zu einem anderen neutralen Hafen beschlagnahmt werden. Außerdem sei die„Carthage" ein Postdampfer, der nur mit Schonung und Schnelligkeit hätte durchsucht werden dürfen. Er sei daher der Ansicht, die italienischen Behörden hätten auf Kosten deS Rechts und der Jnter» essen Frankreichs anscheinend einen Irrtum begangen. Es sei unrichtig, daß der frühere Minister des Aeußeren, de Selves, die italienische Regierung auf eine Anfrage bezüglich der Flugzeuge ohne Antwort gelassen habe. Hcrv6 will nicht amnestiert werden. Paris, 22. Januar. Eine Abordnung von Schriftstellern und Journalisten trat beim Ministerpräsidenten zugunsten der A m n e st i e r u n g des Führers der A n t i m i l i t a r i st c n Herve ein, der gegenwärtig eine mehrjährige Gefängnisstrafe verbüßt. Ter Ministerpräsident Poincare antwortete, er sei zwar ein Gegner der Amnestierung, er wolle aber jeden einzelnen Fall unparteiisch prüfen. Herve richtete nun an den Minister» Präsidenten ein offenes Schreiben, in dein er jede Amnestie oder Begnadigung-n scharfer Weise ablehnt. Italien. Und weiter Reaktion. Rom, 18. Januar.(Eig. Ber.) Die Reaktion und Sozialisten« hetze fährt weher fort, eigenartige Blüten zu zeitigen. Der Partei- vorstand hat statt des Flugblattes, das ursprünglich beschloffen worden war, eine kleine Broschüre gegen den Krieg herausgegeben, die augenscheinlich gesetzlich einwandfrei war, da kein Staatsanwalt etwas an ihr ailszuseyen fand. Trotzdem verbietet man ruhig ihre Verteilung, verbastel die Verteiler und beschlag- nahmt das Heflchen. In verschiedenen Orten haben sich die Beamten dadurch gerechtfertigt, daß sie von einem„miiusteriellen Be- fehl" sprachen, wodurch die Sache freilich nicht im geringsten gesctz- mäßiger wird. Gelegentlich hat man die Broschüre direkt bei den mit der Verteilung beauftragten Parteisektionen beschlagnahmt. Wenn solche Dinge von Privatlernen betrieben werden, so stellen sie sich als Diebstahl oder Sachbeschädigung dar: die Regierung vollbringt sie„im Interesse der öffentlichen Ordnung". Von demselben Gerste ist auch das Urteil beseelt, das das Gericht Rabe»na am 18. b. M. gefällt hat. In Voltana bei Ravenna hatten sich die sozialistischen Tagelöhner gegen die republikanischen Halbpartner gewendet, weil ffe diese dabei ertappt hatten, daß sie, entgegen dem herrschenden Tarif« vertrage, auf fremdem Pachtgut im Tagelohn arbeiteten. Die Tage« löhner, die in der Ueberzahl waren, verletzten 7 Pächter, darunter 1 tödlich, waren aber unbewaffnet und mit Schaufeln versehen. Die Halbpartner dagegen verwundeten 3 Tagelöhner mit Revolverschüssen. Wegen dieses Vorganges wurden 22 Tagelöhner wegen Vergehens gegen die Freiheit der Arbeit und wegen Körperverletzung zu Ge« fängirisstrasen verurteilt, die zwischen 4 Monaten und 3 Jahren 9 Monaten schwanken. Für acht der Verurteilten wurden die Akten an das Geschworenengericht abgetreten I Kein Republikaner war an» geklagt worden I Gewerkschaftliches siehe 1. Beilage. letzte Nadm'cbten. Nnternehmerbrutalitiit. Prag, 22. Januar. �W. T. B.) Von den hiesigen Maschinen. fabriken sind neuntausend Arbeiter ausgesperrt, da die Arbeiter, schaft eine neue Arbeitsordnung nicht annehmen will. Ausstand der Ballettratten beendet. Paris, 22. Januar.(W. T. B.) Der Ausstand de» Ballett. korps der Großen Oper kann als beendet angesehen werden, Ende(?) der Revolution in Ecuador. Guayaqnil, 22. Januar.(W. T. B.) Die RegicrungStruppcn sind die Herren des Landes. Sie fordern die Ucbergabe Guayaquils, der einzigen Stadt, in der noch die Revolution herrscht, die nun- mehr als mißglückt gelten kann._ Tb. Gl-cke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Blichdr. u. Berlagsanstaft Zßaul Singers Co., Berlin LW. Hierzu SBxilaües«.UnterhaltungSbl. Ar. 18. 89. ZahlMZ. DieMg, 83. IM« 1918. ver Krieg. Der itdllenisch-fnmzSsische Zwischenfall. Konflantinopel, 21. Januar. Offizielle Telegramme besagen, daß öle türkisckien Passagiere, die sich an Bord der„Manube" bc fanden und in Cagliari gefangen gehalten wurden, Aerzte, Krankenwärter und Bahrenträger des Roten Halbmondes sind. Die Ex pedition stand unter der Leitung eines von der Regierung be- stellten Beamten. 22 der Teilnehmer schifften sich direkt von Konstantinopel nach Marseille ein, sieben andere fuhren nach Paris Ivo sie Verproviantierimgen von Lebensmitteln vornahmen und dann ebenfalls nach Marseille abreisten. Sämtliche 29 Mitglieder des Roten Halbmondes traten dann mit der„Manube" die Ausreise an. Da die Bahrenträger am Arme eine Binde mit dem Abzeichen des Noten Halbmondes trugen, waren sie ohne weiteres als neutrale Person- lichkeiten zu erkennen. Gegenüber dieser Meldung wird aus Rom berichtet, daß die 29 Türken, die an Bord der„Manube" gefangen ge° nommen wurden und in Cagliari als Kriegsgefangene zurück- gehalten werden, zwar erklärt haben, sie seien Mitglieder des Roten Halbmondes. Die italienische Regierung habe aber Deweise in den Händen, daß diese Behauptung nicht den Tatsachen entspricht. sondern daß eS sich um türkische Offiziere handelt. Pariö, 21. Januar. Der„Agence HavaS" wird von be- sonderer Seite aus Rom gemeldet: Die französische Re- gicrung hat die Absicht, bei der italienischen Regierung um die Herausgabe der 29 Türken von Bord der„Manuba" vorstellig zu werden, weil eS nur ihr zustehe, die Identität derselben festzustellen und zu ermitteln, ob sie, wie die italienische Rcgicrnng behauptet, türkische Offiziere seien oder aber Krankenpfleger des Roten Halb- mondeS, wie die ottomanische Slegierung angibt. Paris, 22. Januar. Wie der Agence Havas von besonderer Seite aus Rom gemeldet wird, hat die italienische Regierung der französischen vorgeschlagen, alle mit der Beschlagnahmt der »Carthage* und der.Manuba" zusammenhängenden Fragen dem Haager Schiedsgericht zu überweisen. Mogeleien bei den Weihnachtsgeschenken der Soldaten? Rom, 18. Januar.(Eig. Ber.) Noch ist der Ekel über die Unter- schleife und Betrügereien der Nahrungsmittellieferanten für das nord- afrikanische Expeditionskorps ganz frisch und schon macht sich der Verdacht geltend, daß noch viel widerwärtigere Gaunereien zum Schaden der vor dem Feinde stehenden Truppen durchgeführt worden sind. Sechs Mann von der Mannschaft eines Kauffahrtei- schisfcS, da? eine Ladung von Weihnachtsgeschenken nach Tripolis bringen sollte, sind unter dem Verdacht des Diebstahls ver- haftet worden. Bekanntlich sind mehrere Schiffsladungen voll Geschenke nach dem Kriegsschauplatz gesandt worden, allein aus Mailand 399 Doppelzentner Weihnachtsstollen. ES scheint nun, daß die Soldaten von dieser Ncberfülle nur ganz wenig erhalten haben. Der„Avanti* veröffentlicht in seiner Nummer vom 18. einige Stellen aus Briefen, die nur allzu deutlich sprechen. So schreibt ein Reservist vom 74. Infanterieregiment:„Ihr alle habt gewiß etwa? zu den berühmten Weihnachtsgeschenken beigesteuert, aber es tut mir leid, nicht für mich, sondern für die Geber, die sie den Soldaten bestimmt hatten. Euch zu sagen, daß wir die Geschenke gesehen haben und Weiler nichts, und daß bei der Verteilung Kamorra gemacht worden ist, wie sich kein Mensch vorstellen kann. Man bat die Courage ge- habt, uns eine Kastanie, eine Nuß, eine Sardine zu geben, und dabei war so viel Wein und so viel Likör da, und von denen haben wir gar nichts bekommen." In einem andern Brief aus B e n g a s i heißt eS:„Was Weih- nachten betrifft, so weißt Du schon aus den Zeitungen, wie wir eS verbracht haben, lieber die Geschenke kann ich nur sagen, daß eS (hoch hergegangen ist.... Nach dem, was wir erwartet hatten, dachten wir, es kommt auf jeden so etwa für 8 Lire Sachen, aber statt [dessen kannst Du Dir ausrechnen: 4 Kastanien, ein Kuchen für 2 Soldi unter drei zu teilen, ein kleines Glas Mermuth, ein viertel GlaS Schaumwein, eine Schachtel Sardinen auf je 6 Mann und 199 Gramm Weihnachtsstollen für je 13. DaS Beste waren noch 19 Blätter Briefpapier. Und wenn Du den Lagerraum gesehen hättest, wo die Geschenke waren, der war lang wie eine Straße, und nach der Verteilung war er so voll, als ob man gar nichts angerührt hätte. Sie haben sich Vorräte behalten, daß eS für das ganze Leben reicht. Da waren Würste, Käse, Kuchen, Hühner, Champagnerflaschen, Weißwein, und noch heute (der Brief ist vom 7. Januar) sieht man bei den Messen der Offiziere und Unteroffiziere die leeren Blechbüchsen liegen, auf denen steht: „Gebratenes Huhn" und auf der anderen Seite:„Für unsere Brüder, die in Tripolitanien und der Cyrenaika kämpfen". Es blutet einem das Herz, wenn man das liest." Auch unser Parteiorgan von Asti, der„Galetto", veröffentlicht einen mit vollem Namen unterzeichneten Brief, in dem zu lesen steht:„was die Weihnachtsgeschenke betrifft, so habe ich nichts be- kommen, auch zu Neujahr nichts. Ich mache mir ja nichts daraus, aber wenn man denkt, daß die ganze Bevölkerung etwas gegeben hat für die im Kriege stehenden Brüder und gedacht, das daß dann richtig verteilt wird, dann ärgert man sich doch. Denn es war ganz anders. Die Soldaten haben so jämmerlich wenig bekommen, daß man lachen mußte, wenn man las. was die Zeitungen darüber schrieben. Schaden tut es ja nichts, solange man nur gesund ist." Von allen Klagen und Anklagen, die vom Kriegsschauplatz ge- kommen find, ist diese wohl die widerwärtigste. Am WeihnachtStage haben vor Derna und vor Bcngasi sieben- und zehnstündige Ge- fechte stattgefunden, bei denen sicher die Soldaten, wie immer, die größte Mühsal auszuhalten hatten. Wenn sich dann wirklich unter den Offizieren Leute befunden haben, die sich nicht schämten, den Soldaten den ihnen zugedachten Teil ihrer Ge- schenke vorzuenthalten, dann kann man dies offenbar nur als eine Niederträchtigkeit betrachten, die um so mehr anwidert, als sie in schärfstem Widerspruch zu allem steht, was man dieser Tage über die Solidarität und Kameradschaftlichkeit gelesen hat, die Soldaten und Offiziere in diesen schweren Tagen verbunden hätte. Daß Soldaten ihre verwundeten Offiziere stundenlang auf dem Rücken in das Lager zurückgetragen haben, sind unleugbare und vielfach verbürgte Tatsachen. Ist es möglich, daß sich Offiziere fanden, und sei es auch nur eine kleine Minderzahl, die ihre Soldaten um das ihnen zugedachte Weihnachtsgeschenk betrügen konnten? kleines feinlkton. Der Segen von Tripolis. Die kriegsbegeisterten italienischen Kapitalistenbläiter schreiben u. a.:„Die Bauern von Sizilien sind es. die zuerst die Segnungen der neuen Kolonie(Tripolis) genießen werden." Camillo Prampolini illustriert diesen Satz im sozialistischen Witz- blatt„L'Asino" mit folgendem Dialog zwischen einem Arader und einem Bauern aus Sizilien. Araber: Warum seid Ihr in unser Land gekommen und habt Tod und Verwüstung mit Euch gebracht? Was taten wir Euch Böses? Soldat: Wir sind gekommen, neue Ländereicn zu suchen. Araber: Genügten Euch die Eurer Heimat nicht mehr? Soldat: DaS Land bei uns zu Hause?... das... daSist nicht unser. DaS gclzört ja alleS unseren hohen Herren, den Baronen, den Grafen, den Fürsten und die lassen das Land sogar zum großen Teil unbebaut. Davon haben wir gar nichts, ja wir müssen, um nicht ganz und gar Hungers zu sterben, im fernen Amerika Arbeit suchen! Araber: Das ist ja großartig!! l Zu Hause seid Ihr also nicht fähig, Land zu erwerben, und da kommt Ihr, es uns weg- zunehmen? Soldat—(von dieser Bemerkung überrascht, bleibt stumm.) A r a b e r: Allah ist groß. Wenn er Euch den Sieg verliehe und Ihr uns unser Land fortnebmen würdet, welchen Anteil würdest Du voil dem Landraub bekommen? Soldat(wehmütig lächelnd, als ob er den Bratenduft aus der Küche seines Padrouo röche): Jaaaarr, ich bin genau so ver- zivciielt wie ein gewisser heiliger Märtyrer. Eure Ländereien , verden— das versteht sich— dem zufallen, der imstande ist, sie zu bezahlen, und meinst Du. i ch hätte Geld?! Araber: Alio werden Deine LaiidSleute sie kaufen. Soldat: Auch nicht; die sind genau so arme Teufel wie ich! Araber: Beim Barte des Propheten, wer wird denn schließlich das Land bekommen? Soldat: Wer das bekommen wird? Unsere Herren natürlich, unsere Padrone!! Araber(erstaunt): Dieselben, die das Land Deiner Heimat brach liegen lassen? Soldat:� S'ist schon so I Die und ihre Freunde fitzen allein auf dem Geldsack; wir Arbeiter haben nichts als unsere zwei Arme. Araber:.Allab il Allah! Ganz vortrefflich I Ihr kommt alio hierher um zu morden und um Euch morden zu lassen— nicht für Glich selbst— sondern für diese, Eure fürtrefflicheii Großherrcn? Nimm's mir nicht Übel, Freundchen, so schlau wie Ihr sind bei uns die— Kamele! Tßeatcr. Kammerspiele:„Eine glückliche Ehe". Lustspiel Von Peter Nansen. Ganz ähnliche Verhältnisse, wie sie einmal Gegenstand düster pessimistischer Gesellschartsstiicke und Romane bilden, erscheinen dann, in anderen Zusammenhang gerückt, als ein Objekt leicht spielender, ironisch humoristischer Behandlung. Diese Frau Nancy, die ihren gutmütig vertrauensvollen Ehegemahl so konsequent und mit dem besten Gewissen von der Welt betrügt— Sie ßmllltion in SHIvs. Sunyatsen gegen Juanschikai. London, 22. Januar. Wie die„Times" aus Peking meldet, weist die dortige Lage eine bedeutende Aendcrung auf. Sun y a t s e n macht die von ihm eingegangenen Verpflichtungen rückgängig: er ist augenscheinlich überzeugt, daß Juan- schikai die diktatorische Gewalt erstrebt. Sunyatsen forderte am Sonnabend telcgraphisch, daß keine provisorische Regierung im Norden errichtet werde. Juanschikai solle in die republikanische Regierung nicht eintreten, bevor die Mächte sie anerkannt hätten, und der Thron solle durch die Abdankung die Gewalt direkt auf die republikanische Regierung in Nangling übertragen. Die Schwierig- leiten für Juallschikai werden vermehrt durch den plötzlichen Front- Wechsel vieler MandschuS. Der Mandschu Tiehlang, der frühere Kriegsminister, der als Hauptgegner Juanschikais im Jahre 1998 dessen Sturz herbeigejührt hat, ist nach Peking zurückgekehrt. Zola hätte sie in die Bildergalerie seines„Pot-bouille" als eine Spielart der allgemeinen bürgerlichen Korruption einreihen, Strind- becg nach seiner bekannten Theorie sie als TyPuS eingeborener weiblicher Vcrruchtheit in einem seiner Haß- und Rachedramen stäupen können. Der Däne Peter Nansen wieder in seiner berühmten Novelle„Eine glückliche Ehe", an die sich dies Lustspiel anschließt, sieht das Persönchen ausschließlich von der liebenswürdigen, heileren Seite. Käme der brave Mogensen dahinter, daß er sein- Rechte mit so vielen teilen mußte, eS wäre zweifellos für ihn sehr schlimm. Aber muß er dahinter kommen? Laufen Leute wie er nicht oft ihr ganzes Leben lang mit Scheuklappen umher und dünken sich in diesem Zustand hoch zu- frieden? Die Menschen sind so ungleich und bleiben bei aller moralischen Belehrung, so ivis sie einmal sind. Die Vielfältigkeit in Nancys Herzeusbedürfnissen schließt keineswegs aus. daß sie eS in ihrer Art mit Mogenien gut meint. Sie braucht Verehrer; fühlt sich ohne sie wie ein im Käfig eingesperrter Vogel, schwermütig einsam. Doch wenn sie welche findet, dann teilt sie von dem Glück, das sie empfindet, dankbaren Sinns auch ihrem allzeit ahnungslosen Galten aus vollen Händen zu, hat ihn so gern, wie sie ihn ohne solche Zu- tat niemals haben könnte. So legt sie sich naiv zurecht, daß eine Unmoral, bei der alle Teile, auch der„Betrogene", nur gewinnen, am End doch gar nicht unmoralisch sein kann. Und der Autor sekundiert in witzig-paradoxcm Spiel. Nicht so unterhaltsam wie die Novelle, deren uiigebnudene Form der Schilderung weit größere Freiheit bietet, aber immer noch sehr amüsant wirkt die Komödie, die von einer vorzüglichen, über die Aehnlichkeit der Situationen mit feiner Einzeliluancierung Hirnveg- helfenden Darstellung getragen wurde. Johanna T e r w i n war eine in allen Koketterien und virtuosen Schwindeleien charmante, dabei ganz kindlich natürliche Nancy, die sich bei ihren Seiten- sprüngen wirklich nicht' im lnindcsteil ettoaS Schlechtes zu denken schien. Viktor Arnold bot in seiner strahlenden Behaglichkeit und Schwärmerei für alle Freunde seiner Frau einen überwältigend drolligen Gatten; M o i s s i, der den Neigen cröffiicnde Verehrer, dem nach der Verheiratung mit gleicher Münze gezahlt wird, ein Galan, der Leichtsinn und tieferes Gefühl in reizvoll eigenartiger Weise verband. Sein erster Besuch im Mogensenschen Hause wandelt Nancys üble Laune in eitel Frohsinn, kündet die Aera häuslichen Glückes an. Seit man zu Dreien beim Abendessen sitzt, gibt es kein Streiten mehr, jeder hegt Wohlwollen, Dankbarkeit dem anderen gegenüber. Nach einem Jahr beim Weihnachtsfest kommt es zum Abschiednehmen. Nancy hat bcrcaten, daß Jermer auf FreicrSfüßen gehl und für Ersatz gesorgt. Der Wechsel der Personen tut dem Glück nicht Abtrag. Jedoch schon wieder taucht em anderer am Horizonts auf. Die beiden abgedankten Liebhaber feiern die Erinnerung an die schöne Wankelmütige, versöhnt mit einem stillem Trünke. Der Autor bedankte sich persönlich für den Applaus. dt. Friedrich-Wilhelm städtisches Schauspielhaus: „Zwei glückliche Tage". Von S ch ö n t h a n und K a d c l- bürg. Vor zwanzig Jahren ist dieser merkwürdig gut gearbeitete. sich in manchen Szenen direkt auf der Linie eines vornehmen Lust- jpiels bewegende Schwank entstanden. Dcimoch hat er nicht ein Atom von feiner Frische verloren. Das ist gewiß ein Beweis für die ihm innewohnende Gediegenheit. Der bereits ini Titel ausgesprochene Grundgedanke, daß jemand, der eine Villa erwirbt, eigentlich nur zwei glückliche Tage erlebt: den des Kaufs und den Peking, 22. Januar.(Meldung de» Reuterschen BureauS.) Juanschikai ist angesichts de? Widerstandes der Revolutionäre gegen eine provisorische Regierung in Peking der Ansicht, daß der beste Weg sein würde, nach der Abdankung des Thrones, die als unvermeidlich gelte, den nördlichen Sitz der Regierung temporär in T i e n t s i n zu etablieren. Meitag der britischen Hrbeiterpartei. London, 17. Januar.(Eig. Ber.) Am 24. Januar wird der Parteitag der britischen Arbeiterpartei in Birmingham stattfinden. Am Tage vorher wird die Arbeiterinnen« liga ihre Jahreskonfercnz in derselben Stadt abhalten. Die Gegen- stände, mit der sich der Parteitag der Arbeiterpartei beschäftigcir wird, sind wie gewöhnlich sehr zahlreich, doch dürfte nur ein Teil von ihnen ausreichend diskutiert werden. Der Sekretär der Partei, MacDonald, will von seinem Posten zurücktreten; wahrschein- lich wird das Parlamentsmitglied H e n d e r s o n, der von elf Sektionen vorgeschlagen worden ist, zum Sekretär gewählt weiden. Der Parteivorstand erklärt in der veröffentlichten Tagesordnung, daß beabsichtigt sei, den Vorstand um ein Mitglied zu vermehren. Er bringt in Vorschlag, einen jährlich von dem Parteitag �zu ernennenden Kassierer zu wählen und schlägt MacDonald für diesen Posten vor. Beachtung verdienen noch folgende Vorschläge de» Partei- Vorstandes. Eine Summe von 6999 Pfd. Sterl., die im laufenden Finanzjahre infolge der staatlichen Besoldung der Parlaments« Mitglieder gespart worden ist, soll dazu verwendet werden, 6999 Anteilscheine in einer Gesellschaft zu erwerben, die demnächst ein täglich erscheinendes Arbeiterblatt in Man- ch e st e r herausgeben will. Ferner soll eine Statutenänderung vorgenommen werden, um es Personen, die weder den Gewcrk- schaften noch den sozialistischen Gesellschaften angehören, zu er- möglichen, passive Mitglieder(associatos) der Arbeiterpartei zu werden. Natürlich nehmen die wirtschaftlichen Wirren der letzten Monate einen hervorragenden Platz in der Tagesordnung ein. Eine Resolution der I. L. P. beglückwünscht die Arbeiterschaft zu ihren Kämpfen und spricht sich für die Einführnng eines all- gemeinen Minimallohns von 39Schilling wöchentlich für alle erwachsenen Arbeiter aus. Mit dem Streikrecht und dem Recht des Sweikpoftenstehens befaffen sich mehrere Resolutionen. Seit dem Transportarbeiterstreik haben die Kapitalisten Groß- britannienS und Irlands olle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Bestimmungen deS GewerkschaftsgcsetzeS vom Jahre 1996 zu inodi- fizieren. In einer Resolution wird der Vorschlag gemacht, den General st reik zu erklären, falls versucht werden sollte, das Recht deS Streikposten st ehenS an- z u t a st c n. Auch die parlamentarische Taktik der Arbeiterpartei wird zur Sprache gebracht werden. So verurteilt ein Antrag die parlamentarische Fraktion, weil sie die Regierung bei der Ver- sicherungSvorlage unterstützt habe. Ein anderer bedauert den Mangel an Einbeit und Disziplin der Arbeiterpartei im Parlament und verurteilt da§ Vorgehen des Parlamentsmitgliedes C r o o l S und anderer, die auf eigene Faust eine Vorlage zur Verhütung von Streiks einbrachten. In dieser von dem Glasgower Gcwcrlschafts- lartell gestellten Resolution wird auch die Praxis von Partei- Mitgliedern verurteilt, die in der kapitalistischen Presse Artikel per- öffentlichen, die geeignet sind, der Partei zu schaden; eS heißt darin. eS müsse der Ausbeutung der Partei durch liberale und konservative Zcitungsbesitzer ein Ende bereitet Iverden. Eine Resolution verurteilt die sich immer mehr einbürgernde Praxis, daß Arbeiterverlreter ohne Eintvilligung der Mitglieder Posten an Instituten einnehmen, die den Zweck haben, die Differenzen zwischen Arbeitern und Kapitalisten auszugleiten. Zur KriegSfrage äußert sich ein von der I. L. P. gestellter Antrag, zu dem mehrere Amendements eingereicht worden sind. Der Antrag verurteilt energisch jeden Krieg und den Militarismus anderen des Verkaufs, ist ja weder besonders geistreich noch neu und gestattet unzählige Variationen. Aber welche humorsprühende Handlung mit wirksamsten Gegensätzen haben die Autoren aus jenem geflügelten Worte zu entwickeln verstanden! Und welche vorzüglich gezeichneten Kampfgestalten, die so gar nichts Schemenhaftes an sich haben, dazu! Man kommt vier Akte hindurch gar nicht aus dem Lachen heraus und daS will wirklich viel heißen. Freilich war'S diesmal auch eine überraschend gute Vorstellung, sowohl im Zusamnienspiel als in den solistischen Leistungen. Marie Mendt als Else und Richard L i e b e s n y als Pepi Freifingcr,„mehrfacher Wiener Hausbesitzers- söhn", schössen zweifellos den Vogel ab. Mit und neben ihnen sind Paul Kaufmann als Weinholz, Klara B e r g e r als Erbtante aus„Kenichsbarg", Alfred S ch m a s o w(Lüttchen) und Beate Finle (Gertrud) durchaus lobend hervorzuheben. v. ic. Musik. Die„Komische Oper" hat sich nach dem Wetzgange Di» rcktor Gregors und nach der Abwanderung ihrer guten Tradition in die„Kurfürstenopcr" unter der neuen Direktion Aurelie R e v y nicht eben großartig eingeführt. Auch seither verlautete nichts be- sonders Rühmliches. Wir versuchten es mit einer Stichprobe und gingen am Sonnabend in eine Aufführung von Lortzings „U n d i n e". Die Gesamthaltung war ungefähr so, wie wir eS schon von dem Typus der Volksopern und der Sommeropern her kennen; sagen wir: ohne besonderen Ehrgeiz. Es ist nun ober zum Teil sogar sympathisch, daß sich inmitten eines solchen schlaffen Gebarens immer wieder Künstler finden, denen man anmerkt, daß sie sofort hinaufschnellen könnten, wenn sie an ein hochstrebendes Institut kämen. Noch mehr: solche Theater haben das Gute, daß Künstler in einem Eniwickclungsstadium, in dem sie an ersten Bühnen keine Stelle finden, wenigstens Gelegen- heit bekomme», sich einigermaßen zu betätigen. Liest man die Biographie ganz Großer, so erfährt man gewöhnlich das; sie seiner- zeit so wenigstens ihr tägliches Kunstbrot, wenn auch nicht ihr tag- liches materielles Brot gefunden hatten. Möglich, daß auch in der von uns eben besuchten Aufführung solche Zukunftskräfte wirkten. Beispielsweise die Vertreterinnen der beiden weiblichen Hauptrollen: Ida v. Battlah als die stolz- Bertalda, mit einer sehr volldramatischen Stimme, die allerdings noch mehr Weichheit braucht, und Aunie v. Gera als das mcnsch- gewordene�Wasscrweivchcu Undine, mit einer ziemlich kleinen, gut lyrischen Stimme, die aber mit anerkennenswerter Sorgfalt be- bandelt und von einem sehr aufmerksamen Spiel begleitet wir». Vielleicht wird auch einmal Karl Jacobi, der eine Nebenrolle gab. als„Basso profoudo" zu Ehren kommen. Bielleicht kommt es auch ganz anders, vielleicht wird gerade aus den hier nicht Auf- gezählten etwas Besonderes und aus den Aufgezählten wenig oder nichts. Beim Theater kommt es eben immer„anders". Vielleicht kommt es auch mit der jetzigen Direktion anders,»IS sie denkt, oder anders, als wir anderen denken. Aber so lange die Mama noch Geld hat....__ v sj. Notszen. — Vorträge. Der anarcho-sozialistische Schriftsteller Gustav Landauer spricht am Mittwochabend 9 Ilhr im oberen Saale des Cafs Sccession, Kursürstendamm 298/299 über:»Judentum und Sozialismus". Zutritt frei. frtnit der ftHacmoincii Wehrpflicht in alle» ihre» Forme»; er fordert ferner alle Seliione» auf, sich mit der Frap.e zu befassen, ob und ivie eine teilweise oder allgemeine Arbeitsein- st e l l u n g den Ausbruch v o n F e i n d s e l i g k e i t e n v e r- bindern könne. Der Texlilarbeitcrverband hat hierzu das Amendement gesiellt, dafl die Sicherung des Friedens nur durch die B e r m e h r u n g der A r b e i i e r v e r t r e t e r in den verschiedenen Parlamenten bewerkstelligt werden könne. Ein beachtenswertes Zeichen der Zeit ist die von dem GeWerk- fchaftSkartell WolverhamptouS gestellte Resolution über die Arbeits- losi gleit. Es luird darin erklärt, dast die Arbeitslosigkeit von dem herrschenden Wirtschaftssystem u u z e r r r e n n- l i ch sei und dast ihr nickl durch eine fiskalische Veränderung sSchuh- zoll) oder staatliche Bersicheruiig abgeholfen loerden könne. Diese Erkenntnis ist immerhin ein Fortschritt, wenn auch gleich nachher der Antrag die Regierung auffordert, das Recht auf Arbeit anzn- erkennen. In mehreren Resolutionen tvird die Verstaatlichung der Eisenbahnen und Bergwerke als eine für das wirtschaftliche Gedeihen des Landes notwendige Mahregcl gefordert. I» einer Reihe Anträge wird energisch darauf bestanden, daß bei der von der Regierung beabsichtigten WahlrechtSelWeitenmg die Frauen unbedingt das Stimmrecht erhalten müssen. Der Parteitag wird drei Tage dauern. Der Bericht der Arbeiterpartei enthält manche intereflanten An- gaben über dir S t ä r k e d e r P a r t e i und ihre Eiitivickelung im nergangeneti Jahre. Die Mitgliederzahl der angeschlossenen Gewerkschaften und sozialistischen Gruppen stieg von 1130539 auf 1140660, Tie Zahl der Gcwerkschnsten sank jedoch von 151 ans 137, hauptsächlich infolge der richterlichen Einhaltsbefehle ans Grund des OSborrie-UrteilS. Unter den Gewerkschaften, die gezwungen worden find, die Arbeiterpartei zu verlassen, befinden sich einige der stärksten deS Landes, wie die Eisenbahner, die Maschinenbauer, die südwalisischeu Bergarbeiter, die Bergarbeiter Durhanis, alles Orgmii- sationcn, von denen jede über 160 000 oder beinahe 100 000 Mit- glieder zählt, lieber andere Organisationen schwebt das Ver- fahren noch. Eine Genossenschaft und zwei sozialistische Gruppen gehören der Arbeiterpartei an. Tic Mitgliedschaft der I. L. P. wird mit 23 000, die der Fabischen Gesellschaft mit 3101 angegeben. Die Zahl der > ngcschlosieitcn GelverkschaftSkartelle ist von 84 ans 82 gesunken s die Zahl der lokalen Arbeiterparteien ist dieselbe geblieben sOI). Der Vorstand berichtet, das; die Aussicht, ein Tageblatt heraus- zugeben, angenblichlich besser sei denn je zuvor. Die Direktoren der Gesellschaft, die die Zeilimg gründen will, sind teilweise schon er- naiint. Tie Arbeiterpartei bar die Parlamentsmitglieder Mac Donald und H e n d e r s o n sowie den Sekretär der Fabischcn Ge- sellschaft, P e a s e, ernannt. lieber die wirtschaftlichen Kämpfe dcZ vergangenen Jahres ättjjcn sich der Bericht wie folgt: „Das verhaltene Empfinden der Ungerechtigkeit, das die Ge- nnttcr der Arbeiter seit einiger Zeit erfüllt, machte sich in den so- genannten»wirtschaftlichen Unruhen" Luft nttd ein Streik naä, dem brach ans. biö die Belvcgttttg in dem Kampfe der Eisenbahner ihren Höhepunkt erreichte. Wir freuen»itS über diese Manifestation. Tie beträchtliche Lohnerhöhung und andere VetöejTenmgen. der Arbeitsverhältnisse, die folgten, bewiesen, daß die Industrie sehr leicht die Forderungen der Arbeiterschaft tragen kottmcn, und es ist zu bedauern, daß es noch notwendig ist, daß ein luirtschastlicher Kampf stattfindet, ehe daS Kapital dem Druck der Arbeit nachgibt. Tie unaugeuehme Seite der Kämpfe war die Eni- scndung fremder Polizisten und Soldaten nach den betreffenden Landes- teilen. TieS trug viel zu den Unruhen bei, wie in Liverpool und Llaudly und war in WtrklichlcU die Ursache deS Ausbruches von Tumulten und deS TötenS und VerwundenS einer Anzahl Personen an diesen Orten, was in vollem Maße während der Untersuchungen deS LeichenschauerS, die folgten, bewiesen wurde. Als der Eisen- bahnerstreit stattfand, müssen die allgemeine Verwendung der Truppen und die von dem Ministeritnn dcS Innern veröffent- lichten Berichte, deren Ton nicht nur von Vorurteil gegen die Streikenden zeugt, sondern die auch Unwahrheiten über da?, was vorging, enthielten, jeden Gewerkschafter darauf aufmerksam gemacht haben, auf welcher Seite die Sympathie der Regierung und deS MmisteriuinS des Innern war. Ter folgende Beschluß der Regierung, Sp.'ziatkonstablcr aus den Reihen der Leute an.utwtrbcn, die Gegner der Gewerlschasten sind und.Klassen an- gehören, die gegen die Arbeiterschaft von Vorurteilen befangen sind, iit ein unhellvolleS Zeichen für die Zukunft; denn es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß, lventr in Zeiten Wirtschaft- Itcher Kämpfe die Anhänger der Unternehmer von den Zivil- bebörde» daS Abzeichen der Autorität erhalten, kraft dessen sie un- gestraft Unrnhen erzeugen mid Arbeiter während dieser Kämpfe an- greifen können, die Arbeiter gezwungen sein werden, sich zu wehren, und anstatt ungewöhnlich rmd bedauernswert zu sein, ivcrdeu Tumulte und Unruhen eine allgemeine und notwendige Erscheinung nnscrcs wirtschastlichen Lebens werden." Sie Lsge der chinesische» Meiterftlaiie. Es ist zweifellos, daß die jetzige Revolution, mag sie nun mit dem Siege der Republik odeet der Erhaltung einer parlamentarischen Monarchie ausgehe n, viel zur„Erschließung des bleiches der Mitte", daa heißt zur steigenden AuSnützuny seiner Bodenschätze und Mettscheitkräfte durch den internationalen. Kapitalismus beitragen wird. Hat doch schon seit geraumer Zeit die Textil-Großindustrie im Süden, und neuerdings der emterikanische Etahltrust im Nordosten festen Fuß gefaßt. Daß es sich dabei, selbst unter Berück- sichtigung der erheblichen Mindertüchtigkeit des schlechtgenährten und undisziplinierten orientalischeni ArbeitÄrs, um gewaltige Ge- winnaussichten für daS Kapital und zugleich um eine ernste Kon- kurreuzgefahr für das Proletariat des Westens handelt, ist schon oft durch Hinweis auf die natürlichen und sozialen Bedingungen des Landes gezeigt worden. Eine lehrreiche Zusammenfaffuny gibt ein Artikel des Genossen Fabra RibaS in der„Humanitü". Er weist hin auf den überwiegend, aber lange nicht mehr ausschlicß- 1 ch landwirtschaftliche n Charakter des Landes, auf die alte S e i d e n i n d u st r i e und die gewaltigen Kohlenlager, mit deren Ausbeute man begonnen hat. Eisen- und Textilindustrie sind sehr entwickelt.„Schanghai und Wutschang besitzen die größten Webereien. Das Arsenal von, Kian-Nan beschäftigt über 2000 Ar- heiter.?>! Hongkong,(englisch) arbeiten aus den Schiffswerften 17 000 Arbeiter, und die Zuckerfabriken sind die größten, der Welt. Seine Maschiiienwerkstättcn sind gleichfalls sehr wichiig und die Entwickelung seiner Webereien, Glas- und Zündholzfabriken ist be- allste nswert. In Hau Nang sind die mchrgenanntcn Hochöfen und Stahlwerke." Wie steht es mit den L oh n v er h ä l t ni s s e n. der Arbeiter, deren Zahl in Stadt und Land auf 80 Millionen geschätzt wird? Im großen Durchschnitt rechnet man ei neu Tagelohi? von nicht mehr c:-:- 10 EentS(20 Pf.; 1 Silberdollar zu 150 Cents— etwa 2 M,). Die Arbeiter der Webereien von Wutschang verdienen etwa 40 Pf., die Arbeiterinnen der Jnternatioiialeni Baumwollfabrik bei Schaag- Hai 20 Pf. 50 Pf. verdienen, die gelernten Arbeiter im Arsenal von Futscho», wesentlich mehr die Stahlarbeiter in, Hang-Uang, 40 Ps. die Erdaroeiter der Eisenbahn. Tie Arbeiter der Münze in Nanking berdiekrtn nur 4— 5 Peso(Silberdollar zu 2 M.s. Die ersten ehinesischeit Setzer der europäischen Druckereien kommen bis LO Peso im Monat. Ribas zollt der Fähigkeit des chinesischen Arbeiters hohes Lob, namentlich in der Seideninduslrie.„Die Geschicklichkeit der Cejerinneu ist unzweifelhaft tzet tzcr Ketzerinnen tzcs ZLejtenL überlegen." In ken neuen, Eiweißwerken von shangise sei ein Mann fähig, 40— 50 000 Eier aus ihre Frische zu prüfen, lind eS gibt Arbeiterinnen!, die bei der gleichen Zahl die schwierige Arbeit der Trennung von Eiweiß und Eigelb vollbringen. Bewunderns- wert ist die Ausdauer, die Nachahmungsfähigkeit der chinesischen Arbeiter, und namentlich ihre Kunst, durch Vereinigung ihrer An- strengung den größten Nutzeffekt zu erzielen. Demgegenüber stehen auch Mängel: Sorglosigkeit, Gleichgültigkeit, Trägheit, Mangel an Ordnung und Reinlichkeit. Doch kommen diese Fehler bei der Maschinenarbeit, die den Arbeiter treibt, weniger zur Geltung. Sonst gilt da noch die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. M. G. Weuleursec, dem die meisten dieser Angaben entlehnt sind, schildert eine Werkstatt als eine offene Bude, wo zu gleicher Zeit gearbeitet, geraucht, gegessen und geschlaftn wird. Ist doch der Ar- beitöplatz, das heißt etwas Lumpen im Winkel, auch die Schlaf- siätte für die Nacht. Andere lassen sich rasier«» oder die Ohren putzen. Jede Fabrik hat ihren Barbier, nicht minder ihren Rezi- tatvr oder Märchenerzähler. Man denkt dabei an die früheren Verhältnisse in der H a m bürget Tabakindustrie, wo die Arbeiter auch ihren Vorleser aus ihrem Loh» bezahlten und Ge- sangsquartette bildeten. llebrigens sind die chinesischen Arbeiter keine widerstandslosen Werkzeuge. Sie habe» ihre Vereinigungen und kennen den Streik seit langem. So gab es vor fünf Jahren im Stahlwerk von Haitg-Vgttg Streik, und bei den Eisenbahnbauwerkstätten ist er häufig. Ribas nimmt an, daß die Entwickelung der Industrie von der Beteiligung des europäischen KäpitctlS abhängt. Man darf aber nicht vergessen, daß der erwachte, starke Nationalismus nnb die geschäftliche Tüchtigkeit der chinesischen Kauflcute auch eine kräftige Entwickelung deS ciichei mischen Kapitalismus erwarien lassen. Da mit dieser eine rasche Zunahme der Bedürfnisse und eine Eni- Wickelung der Arbeiterorganisation Hand in Hand gehen wird, so läßt sich über die Zukunft und ihre Gefahren für Europa wenig Bestimmtes boraussagen. Jedenfalls aber wird man erwarten dürfen, daß nach einer vielleickt sehr harten llebergangszeit sich auch di« Masse der chinesischen Arbeiter, deren politisches Interesse nun Ivach geworden ist, der modernen Arbeiterbewegung anschließen und so bessere Ziiständc erringen wird. Für den Kapitalismus freilich bedeutet die Ausschließung der chinesisch-n Prodiikiivkräiie zugleich die Einbeziehung des letzten großen Weltgebietes in die internationale Großproduktion. Bald wird kein Schlupfwinkel mehr sein, um dem immer tiefer klaffenden Gegensatz zwischen riesig ge- steigerten Produktivkräften und schreiendem Elend weiter Massen zu entgehen, den erst der Sozialismus überwinden wictz, Em der Partei. Totculiste der Partei. Die österreichische Sozialdemokratie bat zwei harte Verluste er- litten. Dieser Tage ist erst der ReichZratsabgeordnete Genosse S i l b e r e r ans einer Skitour tödlich verunglückt, und seine Leiche ist bis jetzt noch nicht aufgefunden worden. Und am Soniilag starb im Krankenhause zu K l a g e n f u r t ReichSratSabgeordneter Genosse Arnold Riese, der mehr als zehn Jahre LandeSvertrattenSinann der Partei in Kärnten war. Arnold Riese ist am 13. Oktober 1871 in Wien geboren. Er besuchte, die Realschule und die Lehrerbildungsanstalt und legte die Prüfung als B u r g e r s ch u l l e h r e r ab. Als die Organisation der„Jungen" in Wien ins Leben trat, gehörte Riese von allem Anfang an zu ihren eifrigsten Anhängern. Als die Ehnstlichsozialen aus Ruder kamen, war eine ihrer ersten Taten die Maßregelung von fünf„jungen" Lehrern. Am 15. September 1897 wurde er zugleich mit den Genossen Glöckel und Tänbler wegen seiner Zu- geHörigkeit zur sozialdemokratischen Partei entlassen. Von Wien ging Riese an die Volksschule in Kosten bei Tcplitz in Böhmen, aber im Jahre 1899 wurde er auch vom böhmischen Landes- schulrat wegen seiner sozialdemokratischen Gestnnimg, die er mutig verteidigt hatte, gcinaßregclt. Riese wurde nirn Beamter der Tcplitzer BezirkSkcmikcttkaffe. In seinen freien Stunden leistete er der deutschböhmischen Partei unschätzbare Dienste. Im Jahre 1900 berief ihn die käriititeriiche LandcSpattcivertrctung nach Klagenfurt, wo er von nun an als LandeSverlrattenSinann und Redakteur des damals neu gegritttdetett Kärntner ParteiblattcS„Der VolkStville" tinerinüdlich tätig war. Nach der Erringung des allgemeinen Wahlrechts kandidierte er im Wahlbezirk Villach in den ReichSrat. Bei den Wahlen im Jahre 1911 hatte er gegen eine Flut alldeutscher Verleumdungen zu kämpfen. Trotzdem gelang eS ihm, das Mandat zti behaupten, allerdings erst in der Stichwahl. In den Jahren 1L01 bis 1907 war Riese Genieinderat der Stadt dtlagenfurt. wo er eine erfolgreiche Tätigkeit entwickelte. Er kandidierte auch wiederholt für de» Kärntner Landtag. Riese war auch Vor- standSinitglied dc-Z ÄlubS der dcnlschen Sozialdemokraten. In tiefer Trauer stehen die schwer geprüfte Witwe, die Ver- wandten und Freunde, die Parteigenossen und Arbeiter des ganzen Landes Kärnten, die ReichSratSfraltion und die Arbeiterschaft Oester- reichs au der Bahre des guten Genosse» und edlen Renschen. Jugenäbe�egung. Bom 5:an:pf gegen die Arbeiterjugend. Bei den Kolporteuren der„Arbeiter- Jugend" in Gladbeck und Buer wurden HauSstichtmgen vorgenommen, die stundenlang währten. In Gladbeck wurden sämtliche die Jugendorganisation be- treffenden Schriften und Schriststiicke beschlagnahmt. In Buer tvurde ebenfalls eine Anzahl Jugendschrifte» beschlagnahmt. TaS sächsische OberlandeSgericht gegett die freie Jugeitdorganisatio». Tie Vorstandsmitglieder dc-Z I u g e u d b i l d u n g s v e r e i n S für Dresden und U m g e g e n d, Ortsgruppe D e u b e n: Riimmlct, Chemnitzer nnd Werner, ivamt vom Landgericht Dresden wegen Vergehens gegen die KZ 17 und 18,5 des Reichs- verciiiögesetzes bestraft worden»nd zwar Rummler zu 50 M. oder 10 Tagen, Chemnitzer und Werner zu je 40 M. Geldstrafe oder 8 Tagen Haft. Die Bestraftmg war erfolgt im Anschluß an ettte am 18. Dezember IOIO im Gasthof„Zum sächsischen Wols" in Dettbett veranstaltete Wintersoiytivendfeier. Rummler leitete die auö einer Festrede, aus Gesangs-, deklamatorischen und tuntaischeu Aufführungen sowie aus einem Arrangement lebender Bilder be- stehende Feier, linier anfccrm wurde auch ein der sozialdemo- lratischcn Weltauschanmig angepaßtes Lied:„Stille Nacht, heilige Nacht" gestmgen. Diese Feier war öffeniiich gewesen nnd hatte sich eines großen Zuspruches zu erfreuen gehabt. Das Land- geeicht führte aus, daß der JugeildbildiutgSverein als selbständiger Verein im Sinne deS Gesetzes anzusehen und nur in wenigen Fragen von einem Zcutral-Vor- standc abhängig sei. Tie ganze Tendenz dieses Verein? sei eine politische und die in Frage kommende Feier ebenfalls als eine öffentliche politische Versammlung anzusehen. Zu dieser Atiffasitliig müsse man unbedingt in Anbetracht des ganzen Milieus, hauptsächlich aber attS dem Text dcö das Elend glorifizierenden Liedes: „Slille Nacht usw." kommen." Der Zweck des Vereins fei im Widerspruch mit seine%-"£ tarnte« nicht nur ein rein geselliger, sondern er gehe offensichtlich auch dahin» de» Gedankengang, die GeisteSrichtiing, GefiimungSart usw. nach der sozialdemokratischen Richtung hin zu beeinflnsien. Der Inhalt deS gesungenen LicdeS sei geeignet, Haß nnd Rachsucht, Neid und Mißgunst gegenüber den Mehrbegünstigten und der bestehenden GesellschaftSordiimig hervor- znuifci!,' eine A-iiderunz der bestehenden Verhältnisse herbchnsühre». AnS all diesen angeführten Tatsachen ließe» sich Schlüsse aus die Tendenz des Deiibener Vereins ziehen. Die drei Angeklagten hätten entgegen den Bestimmtmgen des NeichSveroinSgesetzeS noch nicht 18 Jahre alte Personen in ihren Verein aufgenommen und Rummler außerdem noch jungen Leuten unter achzehn Jahren die Teilnahme an der fraglichen Wintersonnwendseier, die sich als eine öffentliche politische Versammlung darstelle, gestattet. Zu bemerken ist noch, daß das Schöffengericht weder den Verein, noch die Feier unter den Begriff„politisch" rangiert und sämtliche Angeklagte frei- gesprochen hat. Gegen die Entscheidung des Landgerichts legten die An- geklagten Revision beim OberlandeSgericht ein und rügten eine Verkennung der Begriffe„politischer Verein und politische Versammlung". Ein politischer Verein müsse eine direkte Einwirkttitg auf politische Angelegenheiten betätigen. In dieser Richtung beweg- sich auch der Kommentar von Sartor. Der hier in Frage kommende Verein bezwecke aber nur die körperliche und geistige Ausbildung seiner Mitglieder, ohne eine polirische Tätigkeit zu entfalten. Zur Verurteilung gehöre vor allen Dingen die klare nnd deutliche Fest- stelluug, ob eine Einwirkung in politischer Beziehung statt- gefunden habe. In dem bloßen Absingen des Liedes könne diese Einwirkung noch nicht gesunden werden. Der Strafsenat verwarf die Revisionen der Angeklagten Chemnitzer nnd Werner, hob dagegen das Urteil in der Sache Rüminler betreffs der Feier ans nnd verivies die Sache an die Vorinstanz zurück. Die Revision sei un- begründet, was die Duldung der unter 18 Jahre alten Leute in dein Verein anbetreffe. Die Feststellungen genügten volllommen, um den Verein als eine politische Verbindung erkennen zu lassen. Dagegen sei das Urteil nicht ausreichend in Sacken der Auslegung der Festlichkeit als einer öffenllichen politischen Versammlung. Allein das Äbsingen eines„Hetzliedcs" vermöge den politischen Charakter noch nicht herzustellen, dazu gehöre eine unmittelbare Einwirkung in politische Angelegenheiten. DaS Singen könne als eine solche Be- lätigung nickt aufgefaßt werden. DaS Urteil beruhe deshalb auf einein RechtZirrtum, da die Veranstaltung der Feier nicht als eine besonders strafbare Handlung aufgefaßt werden könne. Soziales. DaS RcichSgcsltz über die Wcrtznwachsstevcr und cinc potenzierte kommunale Umsatzsteuer. Mit einem interessanten Rechtsstreit hatte sich daS preußische O b c r v e r>v a l t n n g S g c r i ch t zu be- schäftigen. Das NeichSgcsctz über die Erhebung einer NcichSzulvachs- stcucr bestimmt im Absatz 2 des§ 72: „Die Vorschriften der LandcSgesctze und die Satzungen der Gein-inden und der Eemeindcvcrbände, welche die Besteuerung des Zuwachses bei der Veräußerung von Grundstücken betreffen, treten mit Wirkung vom 1. Januar 1011 außer Kraft, soweit sie nicht durch§ 60 aufrecht erhallen sind." DaS Oberpettvaltttngsgericht hatte nun zu entscheiden, ob über den 1. April 1211 hinaus tu Nmsatzstcucrordnungcn noch Vcstimmungen zu Recht bestehen, die verschiedene Städte darin haben. Der Streitfall betraf Paderborn. Tic Steucrordnung dieser Stadt schreibt vor. daß ein Prozent deS gemeinen Werts als Umsatzsteuer erhoben ivird. Dann»vird im S 2 bestimmt, daß ein tveitercS Zuschlagsprozent erhoben ivird, wenn das betreffende Grniidstück seit mehr als zehn Jahren Eigentnin des Vorbcsitzers war. Uni die Frage der Fortdauer der Gültigkeit dieser Bestimmung handelte eS sich in dem Rechtsstreit des Bankiers Spankcn wider den Magistrat in Paderborn. Er wollte von dem Zuschlagsprozent. das neben dem einem Prozent von ihm noch erhoben worden war, befreit werden. Der Bezirksausschuß wies ihn mit dem Anspruch ab und daS ObervcrwaltungSgericht bestätigte das Urteil mit folgender Begründung: „Der Streit drehe sich lim die Frage, ob der§ 72 des ReichszuwachLstcnergesctzcs Anlvcndnng finde. Dabei sei davon auszugehen, daß es nicht auf die Entstehungsgeschichte der Steucrordnung ankomme, sondern darauf, wie sich die Bor» schrift des§ 2 objektiv darstelle. Weiter sei davon auszugehen, daß Z 72 in gewissem Sinne eine AnSnahmebestirnntung dar- stelle, der keine ausdehnende Auslegung gegeben werden dürfe. Eine Ausnahmebestimmung sei deshalb, weil sie ein den einzelnen Kommunen und Einzelstaatcn au sich zustehendes Recht beschränke. Es könnte nach der Fassung des ij 72 scheinen, als ob sie darauf hinweise, daß etwas weiteres ge- meint sei, als die Wertznwachsstener. Gehe man aber den Motiven nach, so konime man zu der Ucber- zeugung, daß nur die WcrtzuwachSstcuer gemeint sei. Nun dürfe mau aber daraus, daß eine Steucrordnung das bloße Vorhandensein eines Wertzuwachses zum Anlaß einer Be- steuerung nehme, ohne nach der Hohe des Zuwachses zu fragen, noch nicht schließen, daß die Steucrordnung den Charakter einer Wertznwachssteucrordnung trage. Und wenn es auch in der Absicht der Gemeinde gelegen hätte, durch den in Frage stehenden tz 2 einen Ersatz für die Wertzuwachs- stcuer zu schaffen, so würde dieser Ersatz damit nicht selbst zu einer Wertzuwachssteuer. Daß der Z 2 sich als einen der» artigen Ersatz darstelle, zu der Ueberzeugung sei auch der Senat gekommen. Ihn zu schassen, könne aber den Gemeinden nicht verwehrt werden.—- Somit sei die Heranziehung des Klägers anch zu dem Znsatzprozent gerechtfertigt."_ Der flüchtige Kompagnon. Welche Vorsicht bei Sozietätsverträgen geboten ist. das zeigte sich in einer vor der I. Kammer des Berliner Kau:- rnannSgerichts stattgehabten Verhandlung. Ein Kanfmmm N. wollte sich mir einem Agenten A. assoziieren, der die Eeiterolvertrettmg eines MargarinewerlS in Hannover in Händen hatte. Er hatte sich auch bereits mehrere Wochen im Betriebe deS A. betätigt und wurde von dicieu, dem Personal gegenüber ohne seinen Widerspruch als, der So.ins" vorgestellt. Der Aufdruck auf de» Firmenschildern und den GefiüäftS- papieren wurde mit Wissen des N. dahin geändert, daß die Firma nicht mehr„Max Ä.", sondern„A. u. N." hieß. Etwa vier Wochen nach Beginn der Mitarbeit dcö Kaufmanns N. flüchtete A. nach Frankreich. Jetzt ließ auch der neue Sozius A. nichts mehr von sich hören und tat. als ginge ihm die ganze Sache nichts mehr an. Das Personal aber, das während mehrerer Wochen sich ganz allein überlasten blieb und schließlich mangels Ein- nähme auch seine Tätigkeit einstellte, tlagle jetzt insgesamt die Gehälter in Höhe von zirka 2000 Mark gegen de» Korn- paguvn dc-Z flückligeti A. ein. R. lvehrte sich zwar lebhaft gegen die bedenkliche Teilhaberschaft, indem er ins Feld fiihrte. daß ein SozietälSvertrag noch gar nicht zustande gekommen war, sondern erst zustande kommen sollte, er mußte aber die Firmenänderimg mir seinem Wissen zugeben. Einem Angeftellteit gegenüber batte er sich anch selbst als Mitinhaber ausgegeben und ein anderer Gehilfe legte dem Gericht eine Karle vor, die R. persönlich mit„A. u. N." unter» zeichnet hatte. Unter diesen Umständen konnte der Beklagte noch froh sein, daß eS dem Vorsitzenden des KaufmannSgerichtS gelang, das Personal unter Hinweis auf die ganze Sachlage dazu zu beivcgen. sich mit der H ä t f t c ihrer Forderung zufrieden zu geben. Ans diese Weise kam N. mit einem Verlust von 1000 Mark attS der übereilt cingegimgcncn Teilhaberschaft heraus. Gewerkfcbaftlicbea. Schwarze Ccvroriften. In Allersberg in der Oberpfalz sind zahlreiche elend be- zahlte Textilarbeiter, die früher christlich organisiert waren. Als sie daran gehen wollten, zur Hebung ihrer durch die Mithilfe des Zentrums noch mehr verschlechterten wirtschaftlichen Lage Lohnforderungen zu stellen, wurden sie von der christlichen Organisation schmählich im Stich gelassen. Die Folge lvar ein allgemeiner Uebertritt zur freien Gewerkschaft. die christliche Zahlstelle gürg in Trümmer. Darüber sind natürlich die Zentrumshcrrschaften sehr erbost, am meisten der Pfarrer, der einer der schneidigsten Zentrninsagitatorcn ist und zuweilen Kanzel und Beichtstuhl mit der Versamm- lungstribüne verwechselt. Rache muß sein! Der Vater eines der Uebcrgctrctenen ist Mehner, und diesem wurde nun die Alternative gestellt, seinen Sohn zu veranlassen, aus der freien Gewerkschaft wieder auszuscheiden, sonst habe er seinen Posten zu verlassen, lind die Leute, die mit solchen Mitteln arbeiten, entrüsten sich heuchlerisch über den angeblichen TcrrorisNlUs der„sozialdemokratischen" Gewerkschaften! Berlin und Umgegend, I» de» Berliner Elektrizitätswerken ist unter den Maschinisten, Heizern, Dtinamo- und Batteriewärtern, Abschmicrcrn und Kohlen- arbeiteru der Zentralen und Unterstationen eine Agitation im Gange, eine Teuerungszulage zu erhalten. Arbeiteraus- schuh und Bcrtraucnsn'.nnncrkonferenzcn wie auch die einzelnen Betriebsversammlungen haben sich mit der Frage beschäftigt, und der Wunsch lourde laut, datz entweder eine einmalige Zulage von W M. oder eine wöchentliche Zulage von t.S» M. für die Zeit vom l. Februar bis Ende Juni bewilligt werde. In einer Reihe von staatlichen und städtischen Betrieben haben die Maschinisten, Heizer usw. Anträge auf Bewilligung einer Teuerungszulage gestellt, die auch angenommen wurden, und die Arbeiter der B. E.-W. sind der Ansicht, das; diese Gesellschaft sehr wohl in der Lage ist, gleich» falls eine Zulage zu bewilligen. Wenn auch der Lohn feit einiger Zeit um ein Geringes erhöht worden ist. so ist andererseits die Teuerung immer empfindlicher geworden; zugleich wachsen aber auch die Profite der B. E.-W.,>vas den Arbeitern nicht verborgen bleibt. Tic letzten Gesöfjästsjahre brachten den B. E.-W. Uebcr- ■fchüsse im Betrage von lü! j nnd 20 Vj Millionen, Dividenden von 11 und 12 Proz. konnten verteilt werden, der Kurs der Aktien stieg von ISO auf 193, die Auffichtsräte erhalten bis zu 200 000 M. pro Jahr. Trotzdem werden die Arbeiter die gewünschte Teuerungs- gulage nur erreichen können, wenn sie einmütig durch ihre Organi- rotion, den Zentralverband der Maschinisten nnd Heizer, die For- dcrung erheben und mit Nachdruck vertreten lassen. Deuvlcbes Reich. Zum Streik im Schneidersiewerbe zu Aschaffcnburg. Tic Einigungsversuche des Getoerbegerichtsvorsitzenden waren erfolglvs. Die Unternehmer verlangten zunächst die Wiederaus- nähme der Arbeit durch die Gehilfen und wollten danach erst den Tarif durchveraten. Die Arbeiter gingen daraus nicht ein. Ter Kampf geht somit weiter. Es wird dringend um Fcrnhaltung des Zuzuges gebeten._ Ter Schuhmacherstreik in Siudelfingrn lWttbg.) wurde nach 12wöchcnUicher Dauer für die Arbeiter erfolgreich beendigt. Er- reicht wurde eine wenn auch kleine Erhöhung der Alkordsätze, Er- höhung der Stundenlöhne um 1— 3 Pf., ab 1. Juli d. I. um einen weiteren Pfennig, Abschaffung der Ucberzeitarbeit, achttägige Lohnzahlung und sonstige kleinere Verbefferungcn. Sämtliche Ar- bciter bis auf einen werden wieder eingestellt; anster fünf Arbeitern konnten alle die Arbeit wieder aufnehmen. Die Firma verpflichtete sich, so lange neue Arbeitskräfte nicht einzustellen, wie»och Aus- ständige vorhanden sind. Eine Verkürzung der Arbeitszeit konnte momentan nicht durchgeführt lverden; die Firma versprach aber, innerhalb eines Jahres die Arbeitszeit um eine halbe Stunde vcr- türzen zu wollen. Besonders bemerkt sei noch, daß nicht ein ein- zigcr Mann zum Streikbrecher geworden ist. > Kuslanck. Friedensschluß und Kriestserklärung in Groß- britanuien. London, 20. Januar 1012.(Eig. Ber.) Am selben Tage, a-.r dem die Weber Lancashires mit den Nnternchinern Frieden schlössen, erklärten die Bergarbeiter den KoHlenbesitzern den Krieg. Der Friedensschluß der Weber ist eigentlich nur ein Waffenstillstand, denn die Frage der Unorgani» sierten ist nicht gelöst, sondern nur vertagt worden. Beide Par- te'oi halten an ihrem Grundsatz fest: die Arbeiter bestehen darauf, das; sie mit Unorganisierten nicht zusammen arbeiten wollen; die Uiuernchmer lvollcu sich daS Recht nicht nehmen lassen, jeden Ar- heiler, ob organisiert oder nicht, beschäftigen gu dürfen. Die leiten Parteien sind aber übereingekommen, die Betriebe am 22. Januar wieder zu eröffnen. Beide verpflichten sich ferner, während der nächsten sechs MoiuAe die Fabriken nicht wegen der Frage der Unorganisierten zum Stillstand zu bringen. Nach sechs Moliateu soll der Vermittler Sir G. Asiw-itH wieder angerufen werden und sollte dann keine Einigung zustaudekommen. so muß jede Partei, ehe sie den Kampf um diese Frage wieder aufnehmen kann, der anderen sechs Monate Kündigung geben. Das Abkommen ist also gleichbedeutend mit einem Waffenstillstand von der Dauer eines Jahres. Tic Konferenz der Bergarbeitcrföderation beschloß gestern in Birmingham ciastimmig, in allen Revieren zu kündigen. Ter Beschluß lautete: ..Da die Urabstimmung zugunsten der Kündigung, wie sie auf der am 2t. Dezember 1011 abgehaltenen Konferenz beschlossen wurde, ausgefallen ist, beschließt diese Konferenz, daß in jeden, Distrikt die Kündigungen in der Weise eingereicht werden, daß (ic_ci:be Februar ablausen." Tic Südwaliser, die nur am ersten des Monats kündigen nnd die Arbeit erst nach einem Monat verlasse» können, werden daher die Kündigung am ersten Februar einreichen. Ihnen werden die englischen und ein Teil der schottischen Arbeiter folgen, die eine Kün- digiingsfrist von 11 Togen haben. Schließlich werden auch dw meisten schottischen Bergarbeiter, die unter täglichen Arbeits- koiuraktcn beschäftigen werden, am 20. Februar dem Beispiel ibrcr englischen und walisischen Kameraden folgen. Außer diesem nach dem Ausfall der Urabstimmung unvermeidlichen Beschluß iassie die Koiifercnz jedoch noch einen zweiten, der folgenden Wortlaut hatte: „Tie Arbeitgeber sollen benachrichtigt werden, daß die Ar- beitervertretcr bereit sind, mit ihnen zu ionscricrcn und die Aee- Handlungen anf lokaler und nalionalcr Grundlage weiterzuführen, damit ein zufriedenstellendes Abkommen erzielt werde." Man hat U-Her noch nicht alle Hoffnung»-uf Frieden fahre» kassen. Einige der englische» Arbeitervertreter glauben noch immer, daß die Minimallohnfrage ohne Kampf geregelt werden toird. Man verspricht sich viel von einer in einigen Tagen stattfindenden S.tzung des englischen Eiiugungsamtes. Andere Vcrgarbeitervcr- treter scheinen jedoch alle Hoffnung aut eine friedliche Lösung anf- gegeben zu haben und ihre Ansicht scheint auch durch die Talsachen gerechtfertigt zu sein. Denn selbst wenn die englischen Kohlen- bcs-tzer den Bcrgarbeiiern entgegenkämen, würden die Schwierigkeiten in �üduaates und anderswo, wo sich die Unternehmer hart- näckig weigern, die Minimallohnfordcrung init den Arbeitern auch liur zu diskutieren, nicht verringert werden. Man muß bedenken, dag die Minimallohnfrage von der Bcrgarbcilcnödcratioii zu einer Ncichsfrage gemacht worden ist und daß die Weigerung der füd- walischen Kohlenbesitzer, sich mit den Arbeikerü zu eTuTgett, dccher den Kampf in allen Rcvicrcu bedeuten würde, soll die Bergarbeiter- föderativ» nicht in Stücke gehen. Die ausständigen Eisenbahner von Buenos Aires haben beschlossen, den Dienst nur dann wieder aufzunehmen, wenn das gesamte Personal wieder angestellt wird. Die Regierung wird die Eisenbahngesellschaften ersuchen, sofort an die Lösung der Frage heranzutreten._ Hua Induftne und Findel Erhöhiinz der Kohleutz reise. Der Beirat deL Kohlensyndikats beschloß eine Preis- crhöhung für Kohlen im Rahmen Don 25 Pf. bis 1 M., wobei zu bemerken ist, daß die Preise für die kleineren Nuß- körnungen noch etwas darüber hinaus gehen. Für Hochofenkoks, Kokskohle und Briketts wurden die Preise um 1 M. pro Tonne erhöht._ Zur Frage des Brauiikohlcn-Monopols. Der Braunkohlen- Brikett- Verkaufs berein (@. m. b. H.) in Köln teilt mit:„Die Mitteilung der Presse, daß Belständigungsbestrebuiigeii unter den deutschen Braunkohlen- syndikatcn bestehen, die anf die Gründung eines Kartellverbandes hinausgehen, ist. soweit sie sieb anf das Rheinische Braunkohlen- slzndikat zu Köln bezieht, tiiizntrcffend. DaS Kölnische Syndilat hat in seinem Hanptabsatzgebiet init anderen Faktoren zu rechnen, als daS Berliner und Leipziger Syndikat, und der Absatz in denjenigen Gebieten, wo das Rheinische Braunkohlenbrikett init den anderen Marlen konkurriert, ist für die weitere Entwickelung des rheinischen Braunkohlenbergbaues zu bedeutlingSlo-Z, als daß sich das Kölner Syndikat ans einem Kartellverbande der deutschen Braunlvhlen- syndikate eine Förderung seiner Interessen versprechen kann. Fleischprcisr! Die offiziellen Nachweise über die EntWickelung der Fleischprcise konstatieren, abgesehen von den Schtveincn, bedrohliches Hinaufgehen onch im Dezember. Es kostete nach dem Durchschnitt von SO Städten ein Kilogramm Pf.: Dezember 1910 1.911 Rindfleisch....... 106.0 168,2 Kalbfleisch....... 176,7 186,0 Hammelfleisch...... 165,3 170,0 Roßfleisch....... 74.0 76,7 Die Notstandspreise des Jahres 1010 sind damit noch beträcht- lich überholt worden. Nur die Schweinefleischpreise sind gesunken. Das Rundschreiben deS Landwirtschaflöministers an die Landwirt- schastskamnrer hat schon darauf hingewiesen, daß der Futtermangel — zum Teil eine Folge der Futlermittelzölle— die Vichhalter veranlasse, selbst noch nicht schlachtreifes Vieh auf den Marlt zu bringen. Im nächsten Frühjahr ist daher mit einem Schweineman gel und ganz abnormer Teneriliig zn rechnen! DaS ist der Segen unsercs be- währten Wirtschaftssystems!_ Kapitalistische Ernte! Die reaktionären Blätter versuche» die Wähler gruselig zu inachen! Sie sollen glauben, mit einem Siege der Soziäldemolralie müsse alleö drunter und drüber geben. Dabei rüsten die Macher auf große Profiternten! Je mehr'Michel sich einschüchtern läßt, um io besser! Während man ihm Schauergeschichten als Gemütsfutter serviert, treibt die Börse die Kurse der Papiere in die Höhe und am Warenmarkt jagt eine Preiserhöhung die andere. Das ist jedenfalls ein Beweis dafür, daß die Conponschncidcr sehr hoffnungSfroh in die Zukunft schauen. DaS Kohlewyndikat wird nach Verständigung mit dem FiskuS in den nächsten Tagen die Kohlcnpreise steigern. Tie verschiedenen Brikellvcrkau fsverei ne haben bereits be- schlössen, eine allgemeine Preiserhöhung eintreten zu lassen. Die Preise fast aller Eisen» und Stahlsorten sind in den letzten Wochen, teiltveise mehrfach, heraufgesetzt morden. Bei den Rohmaterialien fing eS an und nun geht es die Reihe durch! Die pfiffig schmunzelnden Unternehmer erwarten Riesengewinne und den Wähler versuchen sie ängstlich zu machen, glückt der Trick, dann kann das Kapital ungeniert plündern I Die kundigen Offiziösen! Die offiziöse„Nordd. Allg. Ztg." ist begeistert von der Brau- steuer I Tie segeuipendende Siener erhöhte die Rentabilität der Grotzbrmiereieu. Die„Allgemeine" beruft sich zum Beweise für ihre Anficht ans diese Angaben: Gezahlte Dividende Brauerei Mll Mark Prozent -i'fau 1003/00 i009/i0 1910/11 Patzenhofer...... 5,07 11 12 11- Bcrgschloßbrauerei.... 1.2 10 22 24 Brauerei Pfefferberg... 2,8 7>/z 8'/z 10 Münchener Brauhaus... 1,6 4 6 7 Schulthciß-Brauerei... 14,— 14 14 15 Viktoria-Vrauerei.... 2,7 4 4 6 Schloßbrauerei Schvneberg. 8,— 8 9 11 Kiudl-Brauerei Nixdorf.. 4,— 10 32 14 Hohen-Schönhausen... 1,— 7 10 12 Berechnet mau aus den prozentualen Dividcndensätzen und den Kapitalbeträgen der 18 größten Brauereien die Divideudensumme, so ergibt sich, daß im Jahre 10i0/ll die Berliner Akrienbrauereicu 1 426 000 M. mehr Dividenden mit demselben Kapital aufgebracht haben als vor zwei Jahren. Weiter berechnet das ehrbare Kanzler- blatt, daß die Brauereicii mehr aufgeschlagen hätten, als die Steuer ausmachte, womit es bestätigt, was die Sozialdemokraten von vorn- berein behaupteten. Sie wiesen weiter darauf hin, daß die als Mittelstandspalitik gepriesene Steuer die kleinen Brauereien vcr- Nichten, die Konzentration des Großkapitals fördern werde. DaS ist prompt eingetroffen, was die„Norddeutsche" in ihrem Entzücken vcr- gißt mitzuteilen. Die Zahl der Hausbrauereien ist von 23 950 im Jahre 1908 auf 1 0 655 im Jahre 1910 gesunken, die Zähl der ge- werblichen Brauereien von 5720 auf 4320! Jni vorigen Jahre hat die Aufsaugung der kleineren und mittleren Betriebe lvcitcr rapide zugenommen! Das nennt man— MiltelstandSpolitik! als 1-100 Pferdekräfte. Die Dampflurb'ne hat sich also vornehmlich als Großkraflmafchine herausgebildet, während die Kolbendampf- Maschine durchschnittlich nur 100 Pferdestärken haben. Berwun- derlich ist das nicht, denn es ist ja gerade der große Vorzug der Acht Millionc» Pferdekrästc. Tie Tainpsmaschineir in Preußen unterliegen einer genauen siatislischen Registrierung. Diese ist nunmehr neu erschienen und aus ihr ergibt sich, daß in Preußen am t. April 1011 nicht weniger als 7 073 482 Pferdestärken in Fabriken, Bergbau, in der Land- Wirtschaft und auf Schiffen installiert sind, die auf 75 081 einzelne Maschinen verschiedener Art sich verteilen. 4 Millionen Pferde- stärken kommen davon allein auf Rheinland und Westfalen, wäh- rcnd auf das eigentliche rheinisch westfälische JnduslriegebicMu den Negierungsbcz.rtcn Düsseldorf und Arnsberg 1.6 Millionen kommen. Tie Hauptmasse der Dampsmoloreu sind feststehende Maschinen, nämlich 60 122 mit 6 060 161 Pferdestärken. Lokomobilen gibt es zurzeit 11307 mit 615 858 Pferdestärken. Binnenschisssmaschinen sind 3-15 303 Pferdestärken vorhanden, loährend nur 255 455 Pferde- stärken in SeefchiffSmaschinen untergebracht sind, weil die Haupthäsen ja Hamburg und Brenren sind. Bemerkens, ocrt in dieser Statistik ist auch das Anwachsen des starken Anteils der Dampsturbincn. Tie ersten dieser Motoren wurden im Jahre 1880/00 gebaui, und zwar nur vier talück mit insgesamt 6 Pferdestärken. Am Endtermin der Statistik beträgt der Anteil dieser Bauart an der Gesamtmasse der Maschinen fast ein Zehntel. ES sind 577 Stück mit 787 612 Pferdestärken vorhanden. Auf die cinzeliie Dainpfturbine entfallen demnach nicht wenige: zug geringen Raumbedarfes besitzen. Gerade der Elektromotor ist es. der der Dampfmaschine erhebliche Konkurrenz macht. In unserer Zeit mit den vielen elektrischen Ueberlandzentralcn erwirbt sich diese ideale Maschine weiteste Verbreitung, weil sie nur geringster Wartung bedarf. Während aber der Elektromotor mit wenigen Ausnahmen(in den Walzwerken) als Kleinmotor in Konkurrenz tritt mit der Dampfmaschine, treten als Grotzkraftmaschinen in dieser Hinsicht namentlich die Großgasmaschinen, die Dieselmotoren und die Rohölmaschinen als Konkurrenten auf. Hm dev frauenbewegimg. Eine Ursache de? Kindersterblichkeit. In der bürgerlichen„Pfälzischen VolkSzcitung" finden wir über eine Predigt des Pfarrers in Erfenbach folgendes Ein- gesandt einer Mutter und Kirchenbesncherin: „Anläßlich des SilvesiergottsSdisnsieS gestattete sich der Herr Pfarrer von Erfenbach, zu dessen Kirchspiel die hiesige(gemeint ist die Eiegelbacher) protestantische Filiolpfarrei gehört, bei der Bekanntgabe der lryijährigen standesamtlichen Eintragungen— in welchen it. a. 16 Todesfälle von Kindern im ersten Lebensjahre figurieren— die Bemerkung, daß an dieser traurigen Tatsache größten- teils die in Frage komiucudc» Mütter selbst dir Schuld trage», da sie es durch ihre zu häufige, durch Gras- und Holzholen bedingte Abwesenheit an der nötigen Pflege und Sorgfalt den Kleinen gegenüber fehlen ließen. Hätte der Herr geahnt, welche Wirkung seine Worte auslöse» würde, so hätte er sie sicher unterlassen. Denn den zahlreichen anwesenden Frauen und nicht nur solchen, die dieser Vorwurf direkt traf, ging derselbe so zu Herzen, daß sie in Weinen und Schluchzen ausbräche u. Nach Schluß des Gottesdienstes, außerhalb der Kirche, machte sich da»u aber unter den Heimkehrenden beiderlei Geschlechts über diese„erbauliche" Silvesterpcedigt die Entrüstung und Erbitterung in der unzweideutigsten Weise Lust, und es wäre nur zu wünschen gewesen, der Herr Pfarrer hätte das Urteil über diese seine — gelinde gesagt— Entgleisung, wie auch seine sonstigen während der' Predigt gegen die hiesige Bevölkerung erhobenen Vorwürfe und antipathischen Bemerkungen aus nächster Nähe mit eigenen Ohren angehört, er würde sich in Zukunft zweifellos von solchen Anwandlungen fernhalten. Wenn man sich die schon seit Jahrzehnten nicht mehr dagewesene außergewöhnliche Hitze vergegenwärtigt, die nicht nur in unserer Gemeinde, fondern allüberall, fast auf dem ganzen Erdenrund, so viele Opfer forderte und besonders bei den Kindern zum Würgeengel wurde, so ist eS geradezu unverständlich, wie gegen die betreffenden Mütter, welche die Sorge um die Familie auf einige Stunden Ivährcnd des TogeS hinaus in den glühenden Sonnenbrand trieb, ein derartiger Vorwurf erhoben werden konnte, noch dazu von feiten ihres Seelsorgers. Daß sich der Darmkatarrh, der in den meiste» Fällen die Todesursache bei den Kindern im Säuglings- alter bildet, bei einer derartige». Hitze und Trockenheit der Lust auch bei der anfopferndsteii Pflege nicht verhindern läßt, ist ja so allbekannt, daß jedes weitere Wort zur Bc'.veisführimg als über- flüssig betrachtet werden kann. Wir weisen deshalb den uns gc- machten Vorwurf der Verletzung u n s e r e r M u t t e r- Pflicht ebenso vestimmt als entschirden zurück und hoffen, daß wir in Zukunft bon derlei Unterstelluiigen von der Kanzel herab- verschont bleiben mögen." Ein netter Seelsorger, der die arbeitenden Mütter verantwortlich macht für das allznfrühe Absterben ihrer Kinder. Das Elend treibt die Mütter hinaus in den Wald, in die F a b r i k c n, hier ruinieren sie sich ihre Gesundheit, und die armen Kleinen bleiben sich allzuviel selbst überlassen. Folgt der Rot das Sterben der Kleine», dann erhebt in christlicher Barmherzigkeit ei» kinderloser Geistlicher sein Haupt und verdammt die Mütter— nicht die Not I_ Frantttstimmrccht in den Bereinigten Staaten von Nordamerika. I» sechs Staaten des Bundes ist die politische Gleichberechtigung der Frauen bclauutlich durchgesetzt worden, zuletzt in Kali- fornien. Die wichtigen, stark bevölkerten Staaten im Osten der Union haben kein Frauenwahlrccht; es sind dünnbevöllerte West- staaten, in denen es gelang, durch Volksabstimmungen das Frauen- Wahlrecht zur Anerlemnuig zu bringen. So haben diese sechs Staalen nur eine Bevölkerung von 5 303 473 Personen. Nach dem Zensus von 1910 betrug die Bevölkerung der Vereinigten Staaten 01402151 Personen. Die Bewegung für die politische Gleich- bcrcchliguug der Frauen macht aber schnelle Fortschritte und sind in sechs weiteren Staaten die Vorbedingungen für die Einführung des FrauenwahlrcchtS sehr günstig. In diesen sechs Staaten ist aber die Bevölkerung fast doppelt so stark als in dem ersten halben Dutzend, das von den Frauen erobert wurde, nämlich in der Zahl von 9077 142 Personen. Und zwölf Staaten sind genau der vierte Teil des Bundes der Vereinigte» Staaten. Im laufenden Jahre lverden die Bürger von Wisconsin, Oregon und K a n s a s darüber abstinunen, ob Mann und F r a u das gleiche Wahlrecht besitzen sollen. In Ohio nnd New Hampshire werden Vcrfassuugskonfcrcuzen in diesem Frühjahr stattfinden, die entscheiden sollen, ob die Bürger dieser Staaten im November über das Frauemvahlrecht eine Ab- stimmung vornehmen werden. In N e v a d a, wo das Staats- Parlament sich bereits mit einer Liersünftelmajorität zugunsten der Frauen entschieden hat. wird— den VerfassungSbestimniungen dieses Staates gemäß— im Herbst eine zweite Abstimmung stattfinden, der dann nach zwei Jahren, also 1014, die endgültige Bollsabstimmimg folgen würde. Man kann daraus erkennen, daß die Frauenbewegung gute Fort- schritte zu verzeichnen hat. Und in den übrigen Staaten, wie z. B. in New Dort, dem wichtigsten Staat der Iluicii, sind die Frauen un- ablässig an der Arbeit, die politische Gleichberechtigung zu erringen. IlebrigenS hätten die Frauen längst ihre Forderungen durchgesetzt. wenn sie nicht in den eigenen Reihen heftigen Widerstand zu be- siegen hätten. Die Frauen der besitzenden Klassen sind zu einem großen i�eil keine Freunde der Gleichberechtigung; auch in manchen anderen Schichten der weiblichen Bevölkerung begeistert man sich nickt dafür, weil man nämlich materielle Nachteile davon befürchtet. Man glaubt, daß viele Gesetze, die heute zugunsten der Frauen � lauten, besonders in beziig auf die Versorgung, abgeschafft lverden könnten. Die Frauen der besitzenden Klassen fürchten Unbeqn-mlichkeitcn oder denken zu gering von ihren Geschlechtsgenossinnen im Volke, als daß sie sich für die Gleichberechtigung begeistern könnten. Obendrein fühlen sie sich gleichberechtigt und verstehen ihren Einfluß auch in der Politik geltend zu machen.— Trotz alledem macht aber die all- gemeine Fraucubelvcgung stetige Fortschritte, ein Staat nach dem anderen wird erobert, und wo der Widerstand bisher am stärksten war, da schwillt auch die Betvegung immer mächtiger an, um schließlich doch alle Dämme zu durchbrechen. Oencbts- Zeitung. Wo» nicht allrS als Ucbertrctung dcS tz 153 der Gewerbeordnung angeschen wird. In der Nummer 137 der.Schleswig-Holsteinischen DolkSzeitung"' in Kiel wurde vom Vorsitzenden der Zahl« stelle Kiel des GlascrverbandeS eine Sperr notiz über die Finna Herwig in Kiel veröffentlicht. Am Schluß dieser Notiz hieß es: „Ein Glaser Schulz ist dort als Rausreißer tätig." Durch die Be« Zeichnung„Nanßreißcr" fühlte sich Schulz beleidigt und er strengte Klage an gegen den verantwortlichen Reda'teur der„Volkszeitung", Genossen BZielenberg, den damaligen Vorsitzenden der Zahlstelle, Glascrgesellen Blauert und den Glasergesellen Berg. Ä lauert war der Verfasser und Berg hatte das schwere Verbrechen begangen, daß er im Austrage deS Bl. den inkriminierten Artikel der„VolkS-Zeitung" überbrachte. ES wurde dann auch gegen die drei Personen Anklage erhoben nicht nur wegen Beleidigung, sondern auch wegen Verstoß gegen Z 133 der Gewerbe- o r d n u n g. Die Strafkammer in Kiel verurteilte auch Bielenberg und Blauert zu je 50 M. Geldstrafe, gleichzeitig wurde Schulz die PublikationSbefugniS zugesprochen. Berg wurde freigesprochen, da ihm nicht nachgewiesen werden konnte, daß er den Artikel vor der Veröffentlichung gekannt hat. Die Urteilsbegründung ist interessant. Die Bezeichnung.Rauß- reißer" sei eine Beleidigung und zwar nach Z 186 des R.-St.-G. DaZ Gericht hielt auch den Wahrheitsbeweis dafür, daß Schulz als Raus- reißer tätig war, erbracht. Trotzdem müsse aber Bestrafung erfolgen, weil Form und Inhalt des Artikels die Absicht der Beleidigung er- kennen lassen, Blauert, als Mitglied des GloserverbandeS fei auch der Z 1V3 zugebilligt worden, da er die Interessen semeS Verbandes wahrnehmen wollte. Ob Bielenberg als Redakteur der sozial- demokratischen Zeitung, die sich die Vertretung der Interessen der Arbeiter zum Ziel gesetzt hat, der Schutz des§ 133 zuzubilligen sei, könne dahingestellt bleiben. Eine Bestrafung müsse schon deshalb eintreten, weil die Absicht der Beleidigung vorliege. Der Artikel stelle auch eine Ehrverletzung dar, durch die sder Kläger gezwungen werden sollte, dem Glaserverband beizutreten. Dabei war Schulz eigentlich noch Mitglied, wennigstens hatte er seinen Austritt noch nicht erklärt und gestrichen war er auch noch nicht. Er selbst sagte allerdings vor Gericht, er sei mit seinen Bei- trägen im Rückstände gewesen und wollte sie nicht noch bezahlen, deshalb fühlte er sich nicht mehr als Mitglied. Versammlungen. Der Verband der Brauerei- und Mühlrnariciter sZahlstelle Berlin) hielt am Sonntag im Gewerkschaflshause eine gut besuchte Generalversammlung ab. H o d a p p erstattete den Geschäftsbericht. Das 4. Quartal war i:r wirtschaftlicher Hinsicht daS ungünstigste, welches jemals zu verzeichnen war. DaS wurde auch durch den Bericht vom Arbeitsnachweis bestätigt. Umfangreiche Lohnbewegungen fanden im Vorjahre nicht statt, doch hatte es zahlreiche Arbeits- streitigkeiten mit den Unternehmern gegeben, die in einigen Fällen sogar zu Arbeitseinstellungen führten. Der Organisationsleitung gelang es in fast allen Fällen, �die Differenzen zur Befriedigung der Beteiligten beizulegen. Der Streik in der Goldacker-Mühle mußte ergebnislos abgebrochen worden.— Die Organisation feierte im Berichtsjahre ihr llöjährigcS Jubiläum. Sie hat sich auch im Jubiläums- jähre gut fortentwickelt, wenn auch der Mitgliederstand nicht im guten Verhältnis zu den im Jahre gemachten Aufnahmen sieht. Am 1. Januar 1911 zählte die Zahlsiellc 4388 Mitglieder, am Schlüsse de« ersten Quartals 4619, am Schlüsse des zweiten 4619, am Schluß des dritten 4629 und am Jahresschluß 4663 Mitglieder. Der Jahres- durchschnitt betrug somit 4622. Aufnahmen wurden im Laufe dcS Jahres 990 gemacht und von anderen Gewerkschaften übergetreten sind 143 Mitglieder. Beiträge wurden 229 565 bezahlt, das macht pro Mitglied 49,6 Beiträge oder überhaupt 95,3 Proz. der Soll- beitrüge. Zur Erledigung der OrganisanonSgeschäfte fanden 21 Mi:- glicdcrvcrsamuilungcu. 339 Betriebsversammlungen, 89 Vorstands- fttzungen. 167 Unterhandlungen mit Unternehmern und 268 Agitaiions- Versammlungen statt. DaS Bureau deS Verbandes wurde im Jahre von 29 967 Personen besucht und der Arbeitsnachweis des Ber- bandcS in 16 118 Fällen von den Mitgliedern in Anspruch ge- noimnen. 5993 mal wurden Unterstützungen erhoben; die Bibliothek wurde nur 714 mal benutzt. Im Serichtssahre wurden nur 953 Bücher ausgeliehen gegen 1922 im Jahre 1919. Durch den Arbeitsnachweis des Verbandes wurden vermittelt: im 1. Quartal 59 feste und S00 Bizestellen im 2. Quartal 76„, 323„ im 3. Quartal 79„„ 419„ im 4. Quartals 22�„ � 94 zusainmen also 207 feste und 1966 Vizestellen K a st n e r erstattete den Kassenbericht, der für das 4. Quartal ge« druckt vorliegt. Die Abrechnung der Verbandskasse weift an Ein« nahmen aus den Beiträgen und Austtabmegebühren 39 349,39 M. auf. Die Ausgaben belaufen sich auf 19 691,94 M., darunter 8966,67 M. für Krankenunterstützung und 5389,49 M. für Arbeits- losen- und Reiseunterstützung. Die Lokalkasie hat eine Ein- nähme von 7782,11 Ml gehabt, der eine Ausgabe von 8933,37 M. gegenübersteht, so daß also eine Mindereinnahme von 251,26 M. zu verzeichnen ist. Der Bestand der Lokalkasse hat sich dadurch auf 59 987,51 M. reduziert. Die Zahlstelle erhebt einen Lokalbeitrag von 19 Pf. pro Woche für männliche und 5 Pf. für weibliche Mitglieder, gewährt aber dafür einen Zuschuß zur Arbeits- losenunterstützung von 59 Pf. bezw. 23 Pf. pro Tag, außerdem Sterbegeld und Beihilfen bei Sterbefällcn von Familienmitgliedern. Die lokale Arbeitslosenunterstützung bezifferte sich im letzten Quartal auf 2634 M., im Jahre 1911 auf 7483,25 M. Sterbegelder und Bei- Hilfen wurden im 4. Quartal 995 M., im ganzen Jahr 3738,53 M. bezahlt. Die Jahreseinnahme aus den Lokalbeiträgen belies sich auf 22 176,35 M., wovon Ii 226,80 M. oder 50,6 Proz. der Einnahmen für lokale Unterstützungen ausgegeben wurden. Die Debatte über die Berichte wurde auf die nächste Versamm- lung versckiobcn und die Wahlen vorgenommen. ES wurden gewählt: In den OrtSvorstaud Hodapp, 1. Vorsitzender; S ch u l d t, 2. Vorsitzender; K a st n c r. 1. Kassierer; Schwedler, 2. Kassierer; Großsuß, 1. Schriftführer; Röthigk, 2. Schriftführer; Wilhelm Richter, Knappe, Willi Schmidt, L e i s ch v w und P a n k a l l a, Beisitzer. Die bisherigen Revisoren Georg Ernst, Karl Müller und Georg R e i ch a r d wurden wiedergewählt. Außerdem wurde noch eine Lergnügnngskommission gewählt. Mus aller Melt. Einer, der sich rühmt, Menschen erschossen z» haben. In Nr. 1 der„Zeitschrist des Allgemeinen Deutschen Jagdschutz- Vereins"(Hannover, Verlag von Dr. Max Jänccke) vom 10. Januar findet sich folgendes Inserat: Achtung i Sucht Stelle als Jäger usw., S1 Jahre alt, der- beiratet, kleine Familie, in jedem Fach der hohen wie Riederjagd erklassig, auch forstliche Kenntnisse. Rur prima Zeugnisse und Referenzen. Besitzer des Ehrenhirschfängers und Ehrendiploins. Viel Wilderer zur Bestrafung gebracht und zwei Wilderer er« schössen, erstklassig im Raubzeugfang, mit allen Locken vertraut, habe scharfe Augen, bin sicherer Schütze, kolossal ausdauernd, treu, ehrlich und nüchtern. Antritt jederzeit, letzte Stelle 12 Jahre. Off. mit Gehallsangeboten, welche so sein müssen, daß man Familie ehrlich und anständig ernähren kann, an Revier» jäger Jagemann, Schmallenberg(Sauerland). ES ist schon schlimm genug, wenn man in der Notwehr einen Menschen so niederstreckt, daß er dabei umkommt, und bei normalem Empsinden wird man bei aller Abhärtung daran doch immer nur mit scheuem Bedauern denken. Wie man sich aber der Tötung zweier Menschen, selbst wenn ei sich um„Wilderer" handelt, noch empfehlend rühmen kann, dafür fehlt unS jeder Begriff. Das beweist uns nur, wie sehr das Jagdhandwerk gewisse Charakter- feiten abstumpfend beeinflußt. Schweres Grubenunglück. Leim Schichtwechsel am Sonnabendnachmittag auf der Zeche Graf Bismarck bei G e l s e n k i r ch e n ereignete sich auf Schacht 2 und 4 ein schwerer Unglücksfall. Vier Verg- leute, welche gegen das. Verbot einen zur Kohlenförderung bestimmten Fahrstuhl benutzten, flürzten infolge des Reißens des Seiles in die Tiefe. Einer der Arbeiter war sofort tot, zwei andere st a r b e n auf dein Transport aus der Grube uitd der v i c r t e bei seiner Einliefe- rung in das Krankenhaus. Folgenschwere Dynamitexplofio«. Am Sonniagmorgen gegen 5 Uhr ereignete sich auf der Neubau-Strccke der Hauptbahn Weidenau—Dillenburg beim Bau deS 2700 Meter lange« Tunnel» zwischen Rüdersdorf und DWrecht i« Sohlstollen des Tunneleingangs auf der Dillbrechter Seite ein« schwere Dhnamitexplosion. Bier Arbeiter waren sofort tot, einer wurde am Kopf leichtverletzt. Die Explosion ist da» durch hervorgerufen, daß eine oder mehrere Patronen eines Schusses im untersten Ende des Bohrloches in einer sogenannten Pfeile oder Buchse stecken geblieben sind. Bei der Herstellung deS Planums für das vorzusteckende Arbeitsgleis hat ein Arbeiter die Patronen dann offenbar mit der Pickelhacke getroffen und zur Entzündung gebracht. Da die Explosion etwas unter Wasser erfolgte, wurde die verheerende Wirkung verstärkt. Von den Verunglückten sind ein Toter und der Verletzte Deutsche. Der Tote hintermtzt Frau und drei kleine Kinder. Die drei anderen Toten sind Ausländer. Eisenbahnkatastrophe in Nordamerika« Ein Schnellzug der JllinoiS-Zentraleisenbahn stieß am Montag in voller Fahrt von hinten auf einen Personen- zug, der angehalten hatte, um Wasser einzunehmen. Der frühere Präsident der Jllionis-Zentralbahn H a r a h a n und M e l ch e r, der zweite Vizepräsident, ferner P i e r c e, der Hauptanwalt der Nockisland-Eisenbahn und ein Sohn des früheren Kriegssckretärs Wright wurden getötet, zwanzig andere Reisende verletzt. Die vier Ge- töteten schliefen in Melchers Privatwagen, der an den Per- sonenzng angehängt war. Vier Deutsche ertrunken. Durch Kentern eines Bootes kamen im Hafen von R i» de I a n a i r o vier Angestellte des Norddeutschen Lloyd, der dritte Offizier Schneider aus Krefeld, der SchissSarzt Dr. HanS Friedrich aus Lübeck und die Zahlmeister W a l d o w ouS Königsberg und Wahlen aus Werden a. d. Ruhr um? Leben. Die drei Erstgenannten gehörten zur Besatzung de? Lloyddampscrs „Halle". Wahlen war Zahlmeister an Bord deS Lloyddampfers „Krefeld". Die Leichen von Schneider, Dr. Friedrich und Wahlen sind geborgen und ain Sonnabend sowie Sonntag in Rio de Janeiro beigesetzt worden. Die Leiche von Waldow konnte bisher noch nicht geborgen werden. Waldow und Wahlen waren verheiratet. Kleine Notizen. Kesselexplofio». In der H a m b u r g e r Löwenbrauerei explodiert» am Sonnlagabend ein Kessel. Ein Heizer wurde getötet, ein Lehr- ling schwer, mehrere Passanten leicht verletzt. Das Kesselhaus ist voni Erdboden verschwunden. Die übrigen Fabrikgebäude wurden stark beschädigt, die Trümmer über 100 Meter weit geschleudert. Ein norwegischer Schoner gesunken. Der Fischdampfer„Senator Diestel" hat in K u x h a v e n den Kapitän Engelbertsen und vier Mann von dem norlvegischcn Schoner„ P e n d a" gelandet, der auf der Fahrt von Dysarl uach Sandesjord unter 69 Grad nördlicher Breite und 3 Grad östlicher Länge gesunken ist. Der Steuermann und ein Matrose des Schoner? sind ertrunken. Immer neue Erdstöße. Wie aus Stuttgart gemeldet wird. wurden in Ehingen am Sonntagnachmittag um 12 Uhr 45 Mi». und 2 Uhr 45 Min. zwei E r d st ö ß e, die von starkem Getöse begleitet waren, verspürt. Durch Streit zum Mörder geworden. Nach einem Wirtshaus- streit überfiel in Kiebenberg(Sachsen) auf der Straße ein Mann namens L a u b e r den einunzwanzigjährigen Wenzel Sattler, tötete ihn durch mehrere Messerstiche und warf die Leiche in einen Bach. Der Mörder ist verhaftet worden. Licbestragödie. Am L a n g s e c an der Preetzcr Chaussee im Holstemischen wurden gestern die Leichen eines Maaten vom Kreuzer „Dresden" und seiner Geliebten mit Schußwunden aufgefunden. Opfer de» Eises. Auf dem EmS-Jodekanal sind Sonntag be� Rahe ein junger Mann von 17 Jahren und ein 25 Jahre alteS Dienstmädchen beim Eislaufen in eine offene Stelle geraten und ertrunken. Ein neuer Weltrekord in der Bviatik. Mit einem Flug von 2 Stunden 2*74 Minuten hat gestern Diplomingenieur G r u l i ch in Johannisthal auf einem Harlnneindecker einen neuen Dauerweltrekord für den Flug mil zwei Passagieren aufgestellt. Die bisherige Höchstleistung war ein Flug von 1 Stunde 38 Minuten.. KSSSSKSSSSSSSSSSeSS«tSSOS Holls-| I Kalender i Reichhaltiger Inhalt. U.a.: Alle für Arbeiter wich-;! tigen Adressen Porträts der im letzten Jahre cestorbenen Genossen Hermann Borg- mani):: sT.r.ima Ihrer:: Gabriel Lcewensteia und Pau! Singer invaliden- und Hinter- bliobenenversicherung nach der Rcichsver- sichorungs- Ordnung Winlce für die Reichs- Sagsvi/abien Die Gewerkschaften im Jahre 1910 Kalendarium sowie Ge- schichte• Kalender Portotaxe, Notizbuch : Preis gebunden: 5© Pfarmlg BoeSiiiandlang Vorwärts Linöenstr. 69(Lad::;), Hoffnung; 99 107,11» Berliner Schneiderei�Qenossenschaft, E. G. m. b. H. gegründet von organisierten Schneidergehüfen Berlins BERLIN N. —_______. Brisnnenstr. 585(sm Hoseoftsler Tor).*—-— - v �- Großes Lager fertiger Ulster, Paletots Anzüge und Joppen Elegante Maßanfertigungp Eigene Betriebswerkstätten. Lieferant der Konsum-Genossenschaft und des Arbeiter-Radfahrerbundes. Sonntag; von 12—2 Ulis? geöffnet. Humorist Holz, E-chMslraße yj. SSSSSSSSSSSSSSSESSSSSSSS vsrantwortliSer Redakteur: Slhert Wach», Berlin. Für des Inseratenteil verantw.; TS. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag iBprvärtz Bu�druckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer».Co, Berlin SW. ft. 18.?9. ZahrMg. filme Ses ,, nliiict öolliüliliilt. Dienstag. 23 Janaar 1912. Zur Stichwahl im«reise ifot§ckam-0ithave!!ana. Zu einer wichtigen Tat werden die Wähler des Kreises Potsdam-Osthavelland am Donnerstag, den 25. Januar. gerufen. An diesem Tage haben es die stimmberechtigten Bürger dieses bisher von einem Konservativen vertretenen Kreises in der Hand, darüber zu entscheiden, ob auch ferner ihr Schicksal in die Hände eines volksfeindlichen Vertreters gelegt werden soll oder nicht. Bei der Hauptwahl haben bereits 21 505 Wähler für den sozialdemokratischen Kandidaten Dr. Karl Liebknecht votiert, während auf den Reichsparteiler Vosberg 12038 und auf den Kandidaten der Freisinnigen Volkspartei 11 063 Stimmen abgegeben wurden. Schon das imposante Stimmenergebnis für unseren Ge- Nossen Dr. Liebknecht macht es jedem Arbeiter und Partei- genossen zur gebieterischen Pflicht, seine ganze Kraft dafür einzusetzen, daß der sozialdemokratische Kandidat am Donnerstag als Sieger aus der Wahl hervor- geht. Die Gegner sind mit allen Mitteln der Lüge und der persönlichen Verleumdung unseres Kandidaten bemüht, noch- mals das Mandat an sich zu reißen. Macht dieses Vorhaben zuschanden! Setzt der grenzenlosen Niedertracht und demagogischen Kampfesmethode unserer Gegner die klare und unermüdliche Werbearbeit für unsere Partei zum Siege des sozialdemokratischeu Kandidaten Dr. Karl Liebknecht entgegen. Auf znm Kampf, auf zum Sieg! partci- Angelegenheiten. Stichwahlhilfe in der Provinz Brandenburg. Heute, Dienstag abend 8 llhr: Tonreneinteilung für Laudöbcrg Soldiu bei Merkouiski, Audreasstraße 26. Frankfurt-Lebus„„„ Knlau-Luckau bei Eyke, Schönleinstraße 6. Die Einteilung für die übrigen Kreise ist erledigt. Der Bezirksvorstand der Provinz Brandenburg. Der AktionS-Ansschnß Groß-Vcrlin. Charlottenburg. Heute abend 8'/z Uhr öffentliche Versammlung im Vollehauie, Nosiiieustratze 3. Tagesordnung: Vortrag des Gc- nossen Dr. Moses„Auf mm neuen Kampf i* 2. Freie Aussprache, Km zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Friedenau. Am Mittwoch, den 24. Januar, abends 7 Uhr. von den Bezirkslokalen aus: Flugblattverbreilung. Der Vorstand. Weißensee. Mit dem heutigen Tage liegen die Gemeinde- wähierlisleii außer aus dem Raihause während der Dienststunden von 8 bis 3 Uhr, auch noch beim Genossen Peukert, Berliner Allee 251, aus. Die Bezirksleitung. Bezirk Neuenhagen. Die Gemeindewählerliste liegt noch bis zum 80. Januar im hiesigen Gemeindebureau wochentags von 9 bis 12 Uhr vormiliags und von 2—6 Uhr nachmittags sowie am Sonnlag Von 9—12 Uhr vormittags aus. Auch kann die Abschrift der Liste während des ganzen Tages beim Genossen Ley eingesehen werden. Nowawcs. Die Mitglieder des Wahlvereins, welche über freie Zeit verfügen, werden eriucht. sich Donnerstag, den 25. Januar, am Siichwohliage in Potsam dem Wahlkomitce zur Verfügung zu stellen. Z« melden baden sich die Genossen vorher beim Genossen Staad in Poisdam, Junlcrstr. 75, oder am Donnerstag von 8 bis 9 Uhr bei Glaser, Kaiser-Wilhelm-Straße 23. Mitgliedsbuch mit- nehinen. Der Vorstand. Spandau. Die für heute, Dienstag, den 23. Januar, abends S'/e Uhr. in der Brauerei Pichelsdorf angesetzte öffentliche Wähler- vcriammlung fällt umständehalber aus; es findet dafür morgen Mittwoch, den 24. Januar, abends 8l/a Uhr, je eine öffent- liche Versammlung bei Burchardt,„Rcstmironl Tivoli", Seeburger Straße 26, und bei Emil 5koepe»ick,„Nestauraul Flora", Pichelsdorfer Str. 39, statt. Referciilen werden in den Beiiammlungen be- kannlgegeben. Das Wahlkomitce. Spandau. Mittwochabend 7 Uhr findet von allen Bc- zirkslokalcn aus Flugblattverbreitung statt, an der sich die Genossen zahlreich beteiligen wollen. LerUner j�adrnckten. Vor dem Schloß. Das Volk hat über die gründlich verfahrene deutsche Reichspolitik zu Gericht gesessen. Ter Urteilsspruch ist ver- nichteud. Und droben im altersgrauen Schloßgemäuer an der Spree wurden wenig später Belohnungen erteilt an viele Hunderte, die stets bereit sind, dem Volke in den Rücken zu fallen. Das ausgeklärte Volk überläßt es der Satire, ihre Glchsen zu machen, wie immer noch ein recht großer Teil der Menschheit in Knechtseligkeit erstirbt vor solchem blitzenden Tand und vor den Stellen, die ihn allzu spendabel wie Zucker- kringeln für artige Kinder umherzustreuen. Sonntag fand die alljährliche patriotische Katzbalgerei vor den Thronstusen wie- der mal ihre Befriedigung. Mehr als Viertausend im Schlepp- tau der Königstreue haben in der preußischen Oröenslotterie ihren Gewinn eingeheimst. Die nähere Schloßumgebung zeigte das an solchem Tage nun schon chronische Bild. Vom frühen Morgen an marschierten nicht zu knapp Schutzmannen auf, die sich mit jeder Stunde mehrten wie die Wanzen. Jagow der Große wollte wenigstens dem Hose programmäßig seine behelmte Macht beweisen, die zumjSchutze der Bevölkerung so kläglich ins Spreewasfer fällt. So gab es schon ein amü- siertes Lächeln, ehe knickstieblige Erzellenzen in froher Er- Wartung durch das Schloßportal stelzten und die antiguierte Galakutschen-Mäskerade begann. Zur Bewunderung höfischen Prunkes hätte man wohl gern mehr Volksstaffage gesehen. Es war herzlich wenig da. Der deutsche Michel, dem heute die Zipfelmütze so keck über den Ohren sitzt, schwärmt nicht für � Feste, auf denen man sein koscheres Geld verpulvert. Die I üblichen Maulaffcn mit wehenden Taschentüchern zählen nicht mit. Und wenn die Kamarillenschieber, die Ministerial- Drahtzieher, die frischdekorierlen ostelbischen Wahlritter von der Zigarrenkiste, die in ihren Harlikinunisormen von da oben ins„Volk" lugten, oder die zahlreichen Gentlemans in Polizei- zivil, die deutlich erkennbar ihre Späherblicke unstet umher- irren ließen, einen kleinen Stichwahlputsch erhofft hatten, um nächstens auch ein Vögelchen zu fangen,— unser ehrlichstes Beileid! Auf der Straße vertreibt man sich die Zeit mit Kalauern. „Da drüben wird heute der hundertste sozialdemokratische Neichstagsabgeordnete vorweg mit Sekt bejossen," läßt sich ein biederer Nosselenker vernehmen.„Nee, se knobeln blas aus," witzelt es weiter,„ob Bethmann den„schwarzen" oder den „roten" Adlerorden besser vadient hat. Nächstens soll ooch'n „blauer" jestiftet werden!" Als zufällig ein Leichenwagen vorüberrollt, heißt es:„Da fahren se den Sarg for de Re- oktion!" Schlagfertig fällt ein anderer ein:„Oder die Kiste mit de abjelehnten freisinnigen Orden!" Gegen Mittag wird die bunt zusammengewürfelte Gesell- schaft der neugebackenen„Ritter" rangiert zur Cour. Mit taktvoll abgemessenem Zeremoniell sind die Ordensproleten, ohne die Gnadensonne gesehen zu haben, schon lange vorher nach der Schloßkapelle abgeschoben worden. Hier stehen sich die blos„allgemein Geehrten" Blutblasen und kauen ver- stöhlen an der mitgebrachten Frllhstückssemmel. Erst in dritter Nachmittagsstunde, wenn die Seele ihr Futter weg hat, öffnen sich die Schleusen der Hofküche. Neulinge auf dem glatten Parkett, zum ersten Male bebänderte Staats-Nacht- Wächter erzählen noch wochenlang von der Massenpäppelei bei Kaisers. Ob auch an der Staatstafel, wo die Sterne aller- erster Ordnung strahlen, die Festlaune so rosig gewesen ist? Ob nicht der„Schampus", mit dem der Ordensberr das Wohl der neuen Ritter und Inhaber trinkt, ein bisse! sehr nach sauren Trauben geschmeckt hat? Der Hofkalender hat sich schlechte Tage zum Festefeiern ausgesucht. Rings um die Sonne war Leichenbitterstimmung... Menetekel l Mitwinter. Früher, bis vor zwei Jahrzehnten etwa, war immer schon der Dezember ein rechter Wintermonat mit Schnee und Eis und Schlittenklang. Aber mit der Welt ändert sich auch das Wetter ein wenig. S« um Weihnachten heruni sah es bei uns so grün aus, wie nicht immer zur Osterzcit, und nicht ganz taktfeste Hasen hätten wahrlich in Versuchung kommen können, ihre Ostereier drei Monate zu früh zu deponieren. Am Buschwerk in geschützten Lagen, z. B. beim Bahnhof Grunewald, konnte man zollange grüne Triebe des Hollunders mit bereits ausgebildeten Blättern finden. Der Dezember ist bei uns eben nur noch ausnahmsweise ein Wintermonat, aber der Januar ist's noch immer und er hat mit einem ein- zigen kalten Hauche dem vorwitzigen Frühjahrsspuk ein Ende gemacht. Fort sind die grünen Sproße, noch rechtzeitig genug. und das Reich der Pflanzen findet nun die notwendige Ruhe, seine Kräfte auszureifen, bis Schnee und Frost ihre Schuldig- keit getan haben. Aus dem Grunewald wurde ein Rodelpark und wenigstens zeitweise sieht man mehr Schlittenfahrer auf den Wegen und Hängen, als Schlittschuhläufer auf den Seen. Gegen die Ge- Wässer und andere Senkungen herab laufen viele kleine und größere Schluchten, die die Schmetzwässer der letzten Eiszeit als Andenken hinterlassen haben. Diese Schluchten werden mit Leidenschaft als Rodelbahnen ausgenutzt— ein moderner Sport auf uralten Gleisen. Noch liegt der Schnee breit ausladend unter den Kiefern und nur die viel begangenen Wege dunkeln in der hellen Fläche und die braunen Stämme zeichnen sich ab wie heraus- modelliert. Aber das scharfe Licht wird gemildert durch den schwachen bläulichen Dunst, der überall die weitere Fernsicht beeinträchtigt und die Linien mildert. Denn das Barometer fällt bereits wieder und das Thermometer steigt. Während die Tinte dieser Zeilen in Druckerschwärze gewandelt wird, weicht vielleicht draußen schon das weiße Feld einem grauen schmelzenden Gemisch. Aber der Winter ist damit nicht zu Ende. Der Februar pflegt dem Januar nur wenig nachzugeben und wir wollen es ihm nicht verargen, wenn er sein Recht wahrnimmt, denn wir werden uns dann eher eines genießbaren Frühlings und eineL angenehmen Sommers zu erfreuen haben. Der letzte Juli und der gegen- »värtige Januar zeigen es. daß»vir in unseren Breiten etwas vom tropischen und etwas vom Eisbären-Klima vereinigen. Und das ist gut so, denn gerade dieser Wechsel ist es, der die Spannkraft des Kulturnienschen in ständiger Tätigkeit erhält, während sie unter dem Acquator erschlafft und im hohen Norden erfriert._ Die Bevölkerungszahl Berlins hat in dem eben abgelaufenen Jahr 1911 sich nichi sehr beträchtlich erhöht. Nach dem vor- läufigen Ergebnis der Fortschreibung, das durch nachirägliche Meldung von Geburten und Sterbefällen sowie von Zu- und Wegzügen sich nicht mehr nennenswert ändern wird, hatte am Schluß des Jahres 1911 Berlin 2082891 Einwohner gehabt. Da das Jahr 1910 mit 2 071 907 Einwohnern abschloß, so ergäbe sich für ?91I ein Plus von nur rund 1 1 000. In den letzten fünf Jahren war der Bevölkcrungszuwaclzs für Berlin sehr ungleich, ja in einem dieser Jahre kam es infolge Nachlassens der Zuzüge überhaupt nickst zu einer Mehrung, sondern zu einer Minderung der Bevölkerungszahl. Nachdem noch das Jahr 1906 ein Plus von 31 119 gebracht halte, ergab sich für 1907 plötzlich nur noch ein Zu- wachs von 2016, für 1003 sogar ein Rückgang und zioar um die sehr bedeutende Zahl von IS 163, für 1900 wieder ein Zuwachs, aber nur erst von 336, für ILIO ein weiterer Zuwachs, diesmal von 1! 207, und jetzt für 1011 ein Zuwach-? von rund 11000. Die Be- Völkerungszahl Berlins hat seit Ende 1006, wo sie ans 2 073 521 berechnet wurde, in den fünf Jahren bis Ende 1011 sich schließlich nur um 9370 erhöht. Desto mehr haben allerdings die näheren Vororte zugenommen._ An? dem„KinderhanS" wird uns eine Klage vorgetragen, die für manchen unserer Leser von Jnierefie sein dürste In dieiem Hause, das auf dem Grund- stück Blumen st r. 97 stebl und Eigentum des Kinderarztes Prof. Neu m n n n ist, find verschiedene Einrichlnngei! zur Kinderpflege und Kiuderheiltnude vereinigt. Auch eine der SäuglingSfürsorge- stellen, die von der Siadt unrerbalten werden, ist hier hineingelegt und. der Leitung deS Prof. Neumann unterstellr worden. Die anderen Einrichtungen des„Kinderhauses" sind private Unter- uebmungen des Prof. Neumann, der sie nach eigenem Ermessen leitet und Gewinn oder Verlust seinem eigenen Konto zu buchen hat. Das gilt auch von seiner im.Kinderhaus" betriebenen Poli» klinik. Wer sie benutzen will und unentgeltliche Behandlung er- wartet, muß selbstverständlich wie in allen Polikliniken— sich die Frage nach seinen Einkommensverhältnisien gefallen lassen. Die Polikliniken sollen ja nur unbemittelten Personen ihre unentgeltliche Hilfe gewähren, und daß sie an diesem Grundsatz festhalten, ist ein immer wiederholter Wunsch der privaten Aerzte, die sich ihre zahlungsfähigen Patienten nicht entziehen lassen möchten. In den Polikliniken. die den großen öffentlichen Heilanstalten des Staaies und der Stadt angegliedert sind, wird der Begriff der„Unbemitteltheit wohl nicht immer so eng umgrenzt, wie private Aerzte es fordern. Bei Herrn Prof. Neumanu aber wird man sich nicht wundern dürfen, wenn er an die Besucher seiner Poliklinik einen strengeren Maßstab anzulegen für nötig hält. Er allein hat darüber zu bestimmen, was in seinem„KinderhanS" als unbemittelt gelten soll, und keiner wird ihm Abweisungen zahlungsfähig scheinender Personen verargen können. Zu wünschen ist aber, daß in der Bevölkerung möglichst bekannt wird, was man im„Kinderhaus" unter Umständen zu erwarten hat. Ein Maurer W.. der bisher das.Kinderhaus" für eine öffent- liche Anstalt gehalten hat, teilt uns mit, welche Erfahrungen er dort gemacht hat. Er bittet uns, sein Erlebnis bekannt zu geben als Warnung für andere Arbeiter, die etwa mit ihren Kindern die Neu- mannsche Poliklinik aufsuchen wollen. Das Kind dieses Maurers W, hat— so verstand er den untersuchenden Arzt— in der Nase eine Wucherung, zu deren Beseitigung ein operativer Eingriff nötig wäre. Der Vater meinte, daß die Kosten zu groß für sein Portemonnaie sein würden, aber der Arzt schien anderer Ansicht zu sein. Als W. auf die zunächst an ihn gerichtete Frage nach seinem Beruf sich als Maurer bezeichnete, sagte der Arzt:„Maurer? Und dann suchen Sie eine Poliklinik auf!?� W. versichert uns, der Arzt habe hinzugefügt:„Zu uns kommen nur Leute mit Armenattest." Aber das wird gewiß ein Irrtum sein. Auf W.s Angabe, daß er schon seit drei Woche» arbeitslos sei, erwiderte der Arzt:.Na, da müßten Sie doch im Sommer soviel verdienen I' W. empfand diese Bemerkung als einen Vorwurf. Dem Arzt fehlte wohl das rechte Verständnis dafür, wie einem Maurer zumute ist, der Mitte Januar die ersten drei Wochen Arbeitslosigkeit hinter sich hat und noch zwei vielleicht recht harte Wintermonate vor sich sieht. Daß in solcher Lage jeder Arbeiter seine paar Groschen zusammenzuhalten sucht, das kann man sich ohne weiteres denken. Es scheint übrigens, daß auch der Arzt das hinterher eingesehen hat. W. halte aus der Unterredung mit dem Arzt anfänglich den Eindruck gewonnen, daß die Vornahme deS operativen Eingriffs abgelehnt werde, weil er als Maurer „im Sommer soviel verdient" haben müsse. Als dann der Arzt nachher doch erklärte:„Na, wir können ihn ja operieren", dankte W. für die angebolene Hilfe und verließ das„Kinderhaus". Er entschloß sich, eine öffenliiche Anstalt aufzusuchen und sein Kind einer Poliklinik zuzuführen, die den Begriff der.Unbemitteltheit" weniger eng zu ziehen genötigt ist. Wir können nur jedem Arbeiter raten, von vornherein die privaten Polikliniken möglichst zu meiden. In öffentlichen Anstalten ist man im allgemeinen doch wohl weniger ge- neigt, Mitte Januar bei 15 Grad Kälte einen für sein Kind um ärztlichen Beistand bittenden Maurer zu belehren, daß er„im Sommer soviel verdient" haben müsse. Uebrigens wird die unentgeltliche Behandlung, die manchem als große Wohltat er- scheint, meist dadurch abZegolten, daß der unentgeltlich behandelte Patient sich zum Studienobjckt hergibt. Was der Arzt an IIn- bemittelten lernt, verwertet er nachher bei der Behandlung be- mitlelter Leute, die dem Arzt seine„reichen Erfahrungen" dann um so höher zu bezahlen haben. Auf diese Weise ist vielleicht schon mancher unentgettlich behandelte Patient schließlich znm.Wohltäter' der Aerzte geworden._ Glatteis. Nach einer langen Periode der Kälte und deS Froste?, die 14 Tage hindurch angehalten hat, trat am Sonntag ein plötzliches Nachlassen der Kältetemperatur ein. Bereits am Sonntagmittag zeigte das Thermometer mehrere Wärmegrade, und die Sonne, die wohltuend warm auf die weißen Schneeflächen herniederstrahlte, täuschte in den Mittagsstunden beinahe Frühlingswetter vor. Gegen neun Uhr abends fiel feuchter Nebel, der sich dann in einen anhalten- den Sprühregen verwandelte und im Nu das so gefährliche Glatt- eis schuf. Wer gestern abend noch auf die Straße hinaus mußte, hielt sich an den Hausmauern oder stapfte von Baum zu Baum, von Laterne zu Laterne vorwärts, um ab und zu wenigstens einen Stützpunkt auf der abschüssigen, spiegelglatten Fläche zu finden. Besonders bemerkbar machte sich das Glatteis in den weniger ver- kehrsreichen Straßen des Westens und des Südwestens. Geradezu gefährlich wurde es in den abschüssigen Straßen des Nordens, in der Nähe deS Gesundbrunnens. Hier ereigneten sich im Laufe der Nacht die meisten Unfälle und der Verkehr war hier gleich Null. Zahlreiche Personen verunglückten in der Nacht und mußten die Hilfe der Unfallstationen, Rettungswachen und Krankenhauser in Anspruch nehmen. Im ganzen wurden in Groß-Berlin in der heutigen Nacht nicht weniger als 65 Personen behandelt, die alle möglichen Verletzungen, von einfachen Quetschungen bis zu den kompliziertesten Knochenbrüchen, davongetragen hatten. Acht Personen mußten in Krankenhäuser geschafft werden. Erst gegen 11 Uhr abends setzte ein ziemlich starker warmer Regen ein, der die ganze Nacht anhielt und das Glatteis zum Schmelzen brachte. Mit dem einsetzenden Tauwetter sind die Natureisbahnen auf dem Müggel- und Wannsce recht unsicher geworden, wenn auch das Eis sich noch einige Tage halten dürfte. Hier und da aber zeigen sich doch schon schwache Stellen in der bis gestern so spiegelglatten zehnzölligen Eisfläche und machen den Schlittschuhsport stellen- weise zu einer Gefahr._ Die Ehrung der Toten und die christliche Kirche. Die Gräber der drei Genossen Robert Nauen, Paul H e n s e l und Otto L a ch m a n n. die, wie in der Sonntags- ausgäbe des„Vorwärts" ausführlich geschildert worden ist. vor 25 Jahren, am 22. Januar 1887, in der Ausübung ihrer Partei- pflichten von einem jähen Tode ereilt wurden, waren am Montag» morgen mit Kränzen prächtig geschmückt. Die Kränze trugen breite rote Schleifen mit Inschriften in Gold, und weithin leuchtete der Schmuck der Gräber. Das sollte unzulässig sein, wie der Kirchhofs- Verwalter behauptete, der Kirchenrat des St. Pauluskirchhofes in der Seestraße dulde es nicht. Eine Kommission des Kirchenrats war am selben Tage auf dem Kirchhofe, zufällig, wie behauptet wird, und sah die geschmückten Gräber. Man nahm Anstoß an den roten Schleifen; diese wurden zusammengerollt und unter dem Grün möglichst versteckt. Als die Witwen der Verstorbenen kamen, das Grab zu besuchen, wurde ihnen aufgegeben, die Schleifen zu cnt« fernen, widrigenfalls sie fortgcnommen würden, weil sie von roter Farbe seien. Auf die Frage an den Kirchhofsverwalter, ob die Schleifen einen Tag liegen bleiben könnten, wenn sie umflort würden, verlangte er, daß die Witwen ihm erst eine schristtiche Erlaubnis des zuständigen Geistlichen bor- legen. Man hat die Toten im Leben verfolgt und verfolgt sie nach 25 Jahren noch im Grabe. Ob dem Kirchenrat nicht bewußt ist. wie peinlich ein solches Verhalten wirken und welche Gefühle es auslösen muß? Einen Kranz hatte der Kreis Niedcrbarnim„Den Opfern des Sozialistengesetzes" gewidmet. Den zweiten Kranz hatte der Wahl« verein des sechsten Berliner Kreises niedergelegt, er trug in goldenen Lettern die Widmung: „Der Dienst der Freiheit ist der schwerste Dienst, Er trägt nicht Gold, nicht Fiirsteiigunst. Er bringt Verbannung. Hunger. Schmach und Tod, Und doch ist dieser Dienst der höchste Dienst.* Vom Verband der sozialdcmolratischen Wahlbereine Berlins und Umgegend wurde ein Kranz mit folgender Widmung nieder- gelegt: O rauher, o rauher, mein rauhes Lied! kein Witwengewimmer! kein Waisengestöhn I Nach Opfern schreit der Sturm im Ried. Doch bald: dann kommt der FrühlingSföhn, dann schiebt in Halme die junge Saat, de: Tug der Auferstehimg naht. Dann schmilzt im Sturm das morsche Eis, dann wühlt er die Opfer empor vom Grund, die Helden alle, die niemand weiß; und jedes Toten vermoderter Mund wird klaffend nach Rache blecken und tausend Lebendige ivccken. Tic pcusioniertcn Feuerwehrmänner Berlins haben in einer Eingabe an den Magistrat und die Stadtverordneten von Berlin die Bitte ausgesprochen, die Lage der A l t- Pensionäre der Ber- lincr Feuerwehr zu verbessern. Die Lage dieser alten Leute ist infolge der Teuerung usw. keine rosige. Eine Aufbesserung der alten Pensionsbezüge, besonder» aber der zu knappen Bezüge der Witwen und Waisen jener Männer, die oft Leben und Gc- sundheit für die Sicherheit und das Eigentum ihrer Mitbürger ohne Besinnen eingesetzt haben, toäre von Herzen zu wünschen. Es kommen nur noch 170 Witwen in Betracht, die sich kümmerlich niit ihren Kindern durcharbeiten. Eine Nene, die dritte Berliner Schulzahnklinik, soll am Sonn- tag. den 28. Januar d. I.. in der Aula der b. städtischen Hilfsschule, Bluiirenstraße 77, eröffnet werden. Die beiden anderen Schul- Hahnklinikeu in der Brandenburg- und Neuen Hochstrajjc haben sich über alles Erwarten entwickelt. Der Andrang zu dicscii ist an- dauernd so groß, daß mit der Eröffnung der dritten Klinik nicht mehr gezögert werden kann. Ei» Polizeivcrbot des Motorbetricbcs in einem Kinotheater be- schästigte gestern eine Versammlung von Interessenten. Die Ver« jammlung erllärte die Abschasiung des MotorbctricbS nicht nur als eine direkte Gefährdung des Betriebes, weil dadurch die Sicherheit des die Kinos besuchenden Publikums tu Frage gestellt werde. Als Garantie zur Verhütung von llnsallen sei eine ge- ivissenhaflere Schulung und Prüfung der Operateure zur Erteilung des polizeilichen Attestes dringend erforderlich, desgleichen sind leicht- fertiges und unkorrektes Arbeiten als sofortiger EutlasjungSgrund zu betrachten, fernerhin aber für vorschristswidriges Verhalten des Vorführers polizeiliche Destrasniig bezw. Entziehung des Attestes inL Auge zu fasse». Eine von der Versammlung gewählte Kommission soll am Donnerstag zu abermaliger Beratung über die deni Polizei- Präsidium zu übermittelnden diirchgrcisenden Sicherheitsvoischrisie» zusammenzutreten. Der dreifache Raubmord in ber�Altc» Jakobstrahe ist auch bis jetzt noch nicht weiter geklärt. Die Spur jener drei Männer, über die wir wiederholt berichtet habe», wird noch weiter verfolgt. Die Nachforschungen bei den Psimdlcihern haben noch nichts zutage gefördert, was mit dem Raubmord an der Familie Schulze zu- fammenhängt. Auch die Sistierungen von Leuten, die ohne Erlaub- uiS in Kneipen und Kaffeehäusern mit Goldwarcn handelten, haben noch keinen Anhalt geliefert. Nebenher fiel bei diesen Er- Mittelungen der Kriminalpolizei ein Mann in die Hände, der ihr als Händler mit Neppsachen schon bekannt war. Mit dem Ver- brechen in der Alten Jakobsirasic hat er nichts zu tun. Die Vernichtung wertvoller Thcaterdekorationen und der Alpen- b rllausstattung hat ein großer Wasserrohrbruch bei der bekannten Firma Verch u. Flotow in der Rnngestr. 2ö verursacht. Das Wasser drang vom fünften in den vierten Siock und vernichtete dort sehr - wertvolle Skizzen. Der Schade» wird auf annähernd 40 000 M. geschätzt. Tie Firma wird jedoch durch Nachtarbeit und sofortige Mictung neuer Räume allen Verpflichtungen nachkommen können. Unter die Räder eines BraucrwagcnS geriet gestern nachmittag an der Kreuzung der Nürnberger und Angsburger Straßen-Ecke eiii 60 bis 65 Jahre alter Mann, der die Strasse überschrciien wollte. Der alte Mann blieb bewnssllos liegen, bis ihn ein in jener Gegend arbeitender Schachlmeistcr nach der Unfallstation am Zoologischen Garten brachte. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der Nacht zum Mon. tag kurz vor dem Bahnhos Jannoioihbrücke. Der 28 jährige Kauf- mann Friedrich JooS, Schmidstr. 21 wohnhaft, war auf dem Schle- fischen Bahnhof in einen Stadtbahnzug gestiegen. Der junge Mann wollte bis zur Station Jannowitzbrückc mitfahren und eilte, bevor der Zug dort hielt, zur Kupeetür. Er öffnete dieselbe, verlor je- doch da» Gleichgewicht und stürzte auf die Schienen, wo er bewußt« los liegen blieb. Tie übrigen Knpceinsassen hatten den Unfall so- sofort bemerkt und zogen die Notbremse. Hinzueilende StationS- bcamte fanden den Bedauernswerten in einer Blutlache bewußtlos auf den Schienen liegend. Der Schwerverletzte wurde nach der Un- fallstatiou am Grünen Weg geschafft, wo der anwesende Arzt Schädelbruch und innere Verletzungen konstatierte. Mittels Kranken- Wagens wurde I. nach dem Krankenhaus Jriedrichshain übergeführt, wo er hoffnungslos daniederliegt. Die Arbcitcr-Bilduiigsschule eröffnet dieser Tage neue Kurse über Nationalökonomie. Geschichte. RaturerkenntniS, Literatnrgeschichte, GcsetzeSkunde. GewerkschoftS- wesen, die politischen Parteien! auch wird der Heranbildniig von Rednern Aufmerksamkeit geschenkt. De» Arbeitern und Arbeiterinnen ist anzuraten, sich an den Kursen zu beteiligen und die Bestrebungen der Schule zu unterstütze». Der Lehrplmr ist in der SonntagS- nummer des.Vorwärts" veröffentlicht. Meldungen werden im Schnllo'al, Grcnadierstr. 37 entgegen- genonnnen. Die Mitglieder, welche durch die Krankheit des Genossen Borchardt am Besuch dcS lluterrichlssacheS„Die Theorien»nid Pro- gramme der bürgerlichen Parteien in Denlichlaud" gehindert waren und im Besitz einer Karte sind, können an einem beliebigen Fach des neuen Unterrichts unter Vorzeigung der Karte teilnehmen. Zeugen gesucht. Personen, die an, 19. Oktober 1911 früh um '',—�7 Uhr gesehen haben, wie einem Arbeiter beim Betreten de» Fleischerladen» von Julius Menzel, Köpeuicker Str. tö9, die Jalousie auf den Kopf siel, wollen sich melden bei Aug. Lliiinsl, Mnntenffel- sücisse 122 I._ Vorort- Nacbricbten. Zum Stici. wahlkampf im Wahlkreise Potsdam- Ostyavellanp. Den. liberalen Gimpelfang betreibt jetzt das..Spandauer Tage- bkatt*. Unter der Ucberschrift:„Auf zur Stichwahl! Für VoSberg!" veröffentlicht es eine im Reichsverbandsstil gehaltene Zuschrift eines — liberalen Wählers F. I.. in welcher mit den abgedroschensten Phrasen den liberalnr Wählern begreiflich gemacht werden soll, wie sehr cS ihnen Pflicht sei, für VoSbcrg zu stimmen. Die ganze Anf- machnng des Lockrufs läßt darauf l'chließci», daß der„liberale Wähler* F. I. stark mit den Kumpanen des RcichSverbandsS liiert ist. Durch eür solches Manöver werden natürlich die Wahlaussichten für de» sozialdemokratischen Kandidaten Genossen Dr. Karl Liebknecht nicht im geringsten beeinträchtigt. Weit über 2000 Personen hatten sich wieder zu der öffenilichen Ver- sammlung unter freiem Himmel auf dem Arnholdtschen Grundstück am Sonntag in Potsdam eingefunden. Zahlreich loar darunter die Wähler- schast aus bürgerlichen Kreisen vertreten. Der Kandidat deS Kreises, Genosse Dr. Karl Liebknecht, kennzeichnete besonders biege- hässige konservativ-rcichsverbändlerischc Agitation, die sich vor allem gegen seine Person richtet. Stürmische Begeisterung erweckten die Ausführungen. Alle Wähler müssen bis zum Tage der Stichwahl durch eifrige Agitation ihre Schuldigkeit tun, dann wird auch im „Kaiscrwahlkreise* dem Vertrete» der Schwarzblauen, dem frei- konservativen Oberbürgermeister Bosberg, die Niederlage bereitet werden. Eine Diskussion fand nicht statt. Mit welchen demagogischen Mitteln man versucht, die Wähler vor der Sozialdemokratie graulich zu machen, geht so recht aus einem.Gedanken und Betrachtungen vor der Stich- wähl im Kaiserwahlkreis" Lberschricbenen Artikel der „Potsdamer Tageszeitung* vom gestrigen Montag hervor. In dem Artikel wird dem Bürger vor Augen geführt, daß der Kaiser es von der bevorstehenden Stichwahl abhängig mache, ob er noch länger, wenn auch vorübergehend, in Potsdam residieren wolle, DaS Blatt betont: „Der Kaiser ist nicht gewillt, in der Mitte von Leuten noch ferner in einem Kreise zu leben, dessen Mehrheit, wie das Wahlergebnis es zeigt, mit aller Gewalt den Thron stürzen, die Monarchie beseitigen will. Wie jeder Bürger im Staate so wird auch er von seinem Rechte Gebrauch machen und dorthin ziehen, dort seinen Wohnsitz nehmen, wo ihn königstrcue, vaterlandsliebende Männer unigeben. Dieser sehr natürliche Wunsch des Kaisers hat bereits seine Schatten geworfen. Mit dem Tage, wo eZ bekannt wurde, daß ein Liebknecht zum ParlamcntSvertreter des KaiserwahlkreiseS würde berufen werden, d. h. so um den 12. Januar, dem Tage der Wahl, ist der Kaiser, der Hof, nach Berlin übergesiedelt. DaS Publikum lacht und sagt, das hat Majestät deS OrdenSfesteS wegen oder wie man in den gut unterrichteten Blättern lesen konnte, der strengen Kälte wegen getan, da das hiesige Palais bei dein harten Frost mcht warm zu bekommen wäre. Wir lvünschen, wünschen aufrichtig im Interesse unserer Stadt, daß diese An- nähme die richtige ist, nur glauben wir nicht daran. Das Kriegs- Ministerium nämlich hat in den verschiedenen Städten, die mehr- malS um Militär petitioniert haben. Umfrage hallen lassen, welche von diesen Kommunen auch jetzt noch bereit wären, aus städtischen Mitteln Kasernen zu bauen, da man«nt- schlössen sei, mehrere Truppenteile von Potsdam fort zu verlegen. In kürzester Zeit kam darauf der Be- scheid zurück, dass man, wenn nötig. Baracken zu bauen gcivillt sei, um der scheinbar dringenden llmgariiisonierung der in Frage kommenden Regimenter nach jeder Richtung hin entgegen» znkominen. Vor Jahresfrist würde man die massiven Gebäude schwerlich fertig zu stellen vermögen. Das zuständige Ministerium elktärte sich damit einverstanden»nd setzte den Termin für den endgültigen Entschluss, der noch der Sanktion von Allerhöchster Stelle bedürfe, ans den 29. Januar dieixS Jahre? fest. Nun ist diese Angelegenheit aber schon weiter gediehen. Man hat bereits diejenigen Truppenteile bestimmt, die gegebenenfalls als erste die Kgl. Residenz st adt Potsdam ver- lassen sollen und ztvar lv erden genannt das Erste G a r d e r e g i in e n t z n Fuß, das Regiment GardedukorpS, die Leibgardeh usaren. Was ausser- dem aber fa st ebenso schwer i n s Gewicht fällt, ist der an Allerhöchster Stelle gefaßte Beschluss. auch die sämtlichen königlichen Besitz tingen von Potsdam und Umgebung, alle Parkanlagen u s lv.. für das Publikum zu schließen, a l s o u. a. d a S s e l b e zu tun. was seinerzeit Prinz Leopold mit seinem alten Park in Klein- Glienicke machte. Wir bedauern das tief und schmerzlich, und zwar um so mehr, als hiermit auch der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden muss und viele kleine Geschäftsleute« s w., d i e zum Teil lediglich auf den Fremdenverkehr angewiesen waren, entweder der hiesigen Stadt den Rücken zu kehsen gezwungen sind oder zu» gründe zu gehe n.* Der ganze Inhalt deS Artikels ist darauf angelegt, dem unter der heutigen Zeit gleichermaßen leidenden kleinen Geschäftsmann und dem Handwerker graulich zu machen. Nur glauben wir, dass er feinen Zweck nicht erreichen wird. Die Potsdamer Einwohnerschaft wird das ganze Produkt nur als et» verzweifeltes Mittel unserer Gegner betrachten, um sie als Stimmvieh gebrauchen zu können. Charlottenburg. Der Magistrat von Charlotteuburg hat die Beratungen über den neuen Etat vollendet und den Zuschlag zur Ein- kommensteuer auf 11V Proz. festgesetzt. Wilmersdorf-Halensee. Zur WilmerSborfcr Wohnungspolitik. Der Zuzug nach Wilmersdorf fetzt immer stärker ein. Wäh- rcnd der Ueberfchuß der Zugezogenen über die Fortgezogencn im Herbst 1910 erst 3444 Personen betrug, stellte er sich im Herbst 1011 auf 4644 Personen. Aber im selben Maße hat die Wohnungspro- duktion am Orte zugenommen, denn es waren am 15. Oktober 1911 nach der soeben bekanntgegebenen amtlichen Statistik 2879 oder 8,89 Proz. nur für Wohnzwecke brauchbare und 413 oder 14,71 Proz. mit Gelverberäumen verbundene Wohnungen, im ganzen also 3292 oder 9,35 Proz. aller Wohnungen unvermietet. Im Oktober 1910 standen 2772 oder 9,04 Proz. aller Wohnungen leer. Au? dieser großen Zabl leerstehender Wohnungen, die den Normalsatz um das Dreifack>c übersteigt, darf man aber beileibe nicht schließen, daß der Arbeiter in Wilmersdorf unter den leerstehenden Wohnungen eine große Auswahl hätte. Im Gegenteil. So bedauerlich es vom Standpunkt der Sozialhygiene aus ist, so muß nun einmal damit gerechnet werden, daß für die Arbeiterichaft nur Wohnungen von einem Zimmer mit Küche als erschwinglich in Betracht kommen. Bestehen doch in der Arbeiterstadt Rixdorf vier Fünftel aller Gc- lasse aus solchen Wohnungcin Unter den 3202 in Wilmersdorf leerstehenden Wohnungen befinden sich aber sage und schreibe nur sechzig mit 1 Zimmer und Küche. Man kann also in dieser Hinsicht ohne weiteres von einem erheblichen Wohnungs- mangcl reden. Der Magistrat will nichts von der Errichtung einzimmcriger Wohnungen wissen, und er weist für sein Verhalten auf hygienische Gründe hin. Man könnte diesen Standpunkt ohne weiteres billigen, wenn die städtische Behörde in der Lage wäre, auch jedem Arbeiter die 2500 M. Jahreseinkommen zu verschaffen, die notivcndig sind, um den Durchschnittspreis einer Wohnung von zwei Zimmern zu bezahlen. Aon neuem zeigt übrigens die Wilinersdorfcr Statistik, daß der Prozentsatz der leerstehenden Wohnungen mit ihrer Größe zunimmt. Solrctt die Einztmmcr-Wohnungen in Betracht kommen, beträgt dieser Satz noch nicht 2 Proz., steht also beträchtlich unter dem normalen. Kleinwohnungen, zu denen �der Magistrat solche von 1 oder 2 Zimmern rechnet, standen am 15. Oktober 057 oder 5,33 Proz., Mittelwohnungen von 3 oder 4 Zimmern 957 oder 8,70 Proz., große Wohnungen von mindestens 5 Zimmern aber 1265 oder 13,95 Proz. leer. Diese Zol?len zeigen, d»ß die bisherige auf Förderung des Baues großer Gelasse abzielende Wilmcrs- dorser Wohnungspolitik nicht mir für die Bevölkerung im allgemeinen, sondern auch für die Hausbesitzer sehr gefährlich ist. Auch ihnen sollte es offenbar nicht gleich sein, wenn ein außer- ordentlich großer Teil ihrer Wohnungen unvermietet bleibt, und auch sie l)ätt«n daher alle Ursache, aus Wandel zu drängen. Beachtenswert sind»och die amtlidhen Mitteilungen über die W o h n u n-g S P r e i s e. VerhältniSiuiidig icrn sind,- infolge ihrer künstlich geförderten Knappheit, die Wohnungen von 1 Zimmer und Kücke; sie kosten im Durchschnitt 304 M. Jahresmietc. Der Mietpreis einer leerstehenden Wohnung von 2 Zimmern beträgt durchschnittlich 511 M., von 3 Zimmern 791 M., von 4 Zimmern 1178 M., von 5 Zimmern 1642 M., bis er bei einer Wohnung von 10 Zimmern durchschnittlich 5322 M. beträgt. Mau sieht an. diesen Zahlen, daß selbst Wohnnugen mit 4 Zimmern mit ihrer durchweg schon luxuriösen Ausstattung verhältnismäßig nicht so teuer sind wie die ärmlich hcrgerichtetcn Wohnungen von einem Zimmer, Schöneberg. Bei den Wahlen der Gewervegerichtöbeifitzer für die Arbeitnehvier wurden für die Liste der freien Gewerkschaften 1867 Stimmen, un- gefähr 700 Stimmen mehr als bei den Vorwahlen, abgegeben. Gegenkandidaten waren diesmal nicht aufgestellt. Der Andrang der Wähler war zeitweise so stark, daß es nur unter Aufwendung aller Kräfte gelang, das Wahlgeschäft in der ordnungsmäßigen Weise zu führen. Jedenfalls wird es notwendig fein, dafür zu sorgen, dass dieser Zustand beseitigt wird. Von den Wahlvorstehern wurde be- sonders darauf Wert gelegt, daß jeder Wähler mit einer vorschrists- mäßigen Legitimation versehen war. Ein Portemonnaie mit Inhalt ist in der DonnerStagversammlung in der Schloßbrauerei gefunden worden. Der Verlierer kann sich melden bei Johann Tieine, Merseburger Str. 11, Ouergeb. 3 Tr. Nixdorf. Am Sonnabend hat im Restaurant v. Essen, Hermannstr. 148. ein Arbeiter seinen Wochcnlohn liegen lassen. Da dem Restaurant- inhaber die Wohnung des Verlierers nicht bekannt ist, bittet der« selbe uns, auf diesem Wege dem Arbeiter hiervon Kenntnis zu geben. Lichtenberg. Ein eigenartiger Vorfall hat sich am gestrigen Montagmittag im hiesigen AmtsgerichtSgcfängnis abgespielt. Dort war seit einiger Zeit der" Einbrecher und Hochsiapler Alexander Straß, der unter dem Rainen Julius Marquardt austrat, interniert. Straß, der auch als unverbesserlicher Trinker bekannt war, Ivar früher Tischler und wurde deshalb im Gefängnis zu Tischlerarbeiten verwendet. In dieser Abteilung entwendete Stroß gestern vormittag eine Flasche mit Spiritus, die zur Bereitung von Politur benutzt wurde und trank den Inhalt aus! Bald darauf erkrankte der Tischler heftig und mußte in seine Zelle gebracht werden, wo er TobsuchtSansälle bekam. In einem unbewachten Augenblick erhängte sich der Kranke an seinen Hosenträgern und wurde von Wärtern alS Leiche vorgefunden. Friedenau. Tie Gcmeiiidcwählrrliste verzeichnet diesmal insgesamt 7381 lim Vorjahre 6402) Wähler. Es wählen in der ersten Klasse 887<333), in der zweiten Klasse 1430<1258), in der dritten Klasse 5564<43l1) Wähler. Der Höchstbrstcnerte der ersten Klasse zahlt 34 835 M. <34 223,30 M.).. der Nicdrigstbesiencrte 862.60 M.<825,20 M.). I» der zweiten Klasse ist der Höchslsieucrbetrag 860 M.<324,60 M.), der niedrigste 242,40 M.<238,20 M.). Alles, was weniger zahlt, wählt in der Klasse der Habenichtse. Alle drei Abteilungen bringen zu- sammen einen Steucrbetrag von 1 755 162,70 M.<1 505 605,54 M.) auf. Die Wahlen der drillen Klasse werden in diesem Jahre in zwei Bezirken stattfinden, und zwar bildet die Mitte der Wiesbadener und Schmargendorfer Straße die Grenze der beiden Bezirke. Der Teil nördlich dieser Strassen bildet den 1.. der südliche Teil den 2. Wahl- bezirk. Nach den bei der ReiebStagSwahl für uns abgegebenen Stimmen muß es, wenn jeder Genosse seine Schuldigkeit tut, ge- liugen, die Mandate der dritten Klasse zu gewinnen. Bohnsdorf. Die letzte Mitgliederversammlung des WahlvcreinS beschäftigt» sich mir dem Resultat der ReichStagswahlen. Der Vorsitzende Ge- nasse Kreisch kam auf den Wahliampf in unserem Kreise zu sprechen und betonte, dass wir mit dein Ausgang der Wahl zufrieden sein könnten. DaS sollte für jeden Genossen ein Anlaß sein, für unsere Sache weiter zu agitieren. Scharf verurteilt ivurde das Verhalten des Genossen Weber in WalterZdorf, welcher sein Grundstück zur Abhaltung einer öffentlichen Versammlung hergegeben, in letzter Stunde aber sein Versprechen zurückgezogen Halle. Zu dem vom Vorstand anberaumten Termin sei derselbe nicht erschienen. Die Versammlung erblickte in dem Verhalten des Genossen Weber eine Schädigung der Parteiinteressen und verlangte seinen Ausschluss ouS drin Wahlvcrein. Der Vorsitzende bemerkte, daß bis zum nächsten Zahlabend die Angelegenheit spruchreif iei. Der Kassenbericht de» Genossen Paul weist für das zweite Ouartal eine Einnahme von 119,14 M.»nd eine Ausgabe von 94,99 M. auf. Aufgenoimucn wurden sechs neue Mitglieder. Für die im Mörz stattfindende Ge- meindevcrtreterwahl wurde der Lagerhalter Genosse Reinhold Schulz als Kandidat der dritten Abteilung aufgestellt. Hohen- Schöiihauscn. Für die Errichtung einer Bedürfnisanstalt an der Berliner Straße lagen der letzten Geineindevertretersitzung zwei Entwürfe zur Beschluß- fasiung vor, von denen die Ausführung des einen' einen Kostev- aufwand von 5000, die des anderen einen solchen von 25— 30099 M. erfordert. Eemeindevertreter Witte schlug die Errichtung einer Wellblechbude vor. ein Fraucnabteil hält er vorläufig noch nicht für nötig. Dieser Anschauung trat Genosse Tiele entgegen. Tie Schaffung einer zeilgemäßcn Bedürfnisanstalt fei eine hygienische Notwendigkeit. Gemeindevertreter Schreiber sprach wiederholt für eine unterirdische Anstalt. Hiergegen wandte sich Genosse Rai her. Die Sumine von 25 000 M. entspreche durchaus nicht den Bedürf- nisten dcS Ottes. Diesen Allsführungen stimmte der Gemeinde-� vorstebcr z». ES wird somit die AnSfühnmg des Projekis für 5000 Bi. und die dadurch erforderliche Erhöhung des Etats um 3000 M. gegen zwei Stimmen beschlossen.— Ter Landrql verlangt die Festsetzung eines Tarifs für die Ausführung von HauSaiischlüsien an das Wasserwerk. Derselbe ivurde nach kurzer Debatte an- genommen.— Auf die Anfrage unseres Genossen Tiele, lote weil die Geschäftsordnung des HansrS gediehen fei, antwortete der Gemeindevorsteher, dass dieselbe noch ruhe. Unsere Genossen werden bald wieder daran erinnern. Adlershof. Aus der Gcmciudcvrrtrctimg. Zunächst erfolgten die Erfatzivahlen für verschiedene ÄuSichusse, welche durch das Ausscheiden d� G-iw" u Horlitz vakant geworden tvaren. Alle Ausschüsse ivurde» wieder durch unicre Genossen beietzt. Ein Antrag dcS Rektors der L. Gemeindeschule. 500 M. zur Beschaffung eines Flügels ,800 M- sind durch freiwillige Smnniliingcn ausgebracht) für die 2 Gemeinde- schule bereit zu stelle», wurde abgelehnt. Der nächste Punl! betraf die Uebernahme von KreiSchanssce. Der Verkehröauffchnß hnr in einer voraiigcgangeueu Sitzung z» dieser Frag- Stell»,», genommen. Er empfiehl, die Annahme des Vertraaes des KreiSanoschusicS mit folgender Aendcrung:.Der strossenmäßige Atisbau der Chaussee soll bis 1. April 19l3 erfolgen." Ferner soll verflicht werde», a», statt der zugestandenen 44 500 M. Entschädigung 60 000 M. zu er- halten, jedoch soll die Snuahme des Vertrages nicht von der Er- höbung der«bfindmigSsunnne abhängig gemacht werden. Die 6!c- mcmdevcrtretimg stimmte dem Vorschlage des VerkebrSausschnsieZ einstimmig zu. Dein vorgelegten Bebauungsplan des Geländes der „Tagafia* tFlugplatz-Terraingesellichail!»nd deS forstsiskalischen Gc- ländsö am Teltoiver Kanal und der Görlitzer Bahn wurde grund- satzlich zugestimmt. Die im Jahre 1908 für größer- Gemeinde- arbeiten aufgenommene Anleihe im Betrage von 120 000 M. ist„jcht völlig aufgebraucht worden. Es wurde beschlossen von dem ver- buebenen Rest die Kosten für die Herstellinra dcS Verbindungsweges zwischen Helbig- und Hackeubergstraßß im Betrage von 1849,60 M. zu decken. Die Abrechnung'dcS ersten ErlveiterutigSbane» der 2. Gemeindeschule weist verschiedentlich Unstinimigkeiteu auf. Um diesen auf den Grund zu kommen, wurde be'chlossen, die Belege durch einen unparteiischen Tachvtrstäiidig«!! prüfen zu lassen. Tie Wahl der Arkeitgrkcr-Bcisitztr zu« Gcwerbcgericht findet ficnte, mittags von�l bis �»2 U h r, im Sitzungssaal des (ÄeineindcaintS l, Bismarckstr. 1, statt. Alle Arbeitgeber, welche mit uns sympathisieren, werden ersucht, rechtzeitig zur Wahl zu er- scheinen und die L i st e N r. 1 zu wählen. Sii'eder-Tchönhausen. Die Geiuciiidewählerliste siir 1912 weist insgesamt 3804 ein- geschriebene Wähler auf. Davon entfallen ans die erste Abteilung 68, auf die zweite 646 und aus die dritte 3696 Wähler. Der höchste Steuersatz beträgt in der ersten Abteilung 31 564,86 M.(den die Grotze Berliner Straßenbahn bezahlt); der niedrigste 1668.66 M. Der Steuersatz in der zweiten Abteilung schließt nur 143,46 M. ab. Dießenigen Wähler, die weniger Steuern bezahlen, gehören der dritten Wählerabteilung an. Grünau. Ter Boranschlag für das Rechnungsjahr 1912 fand in der letz- ten Gcmeindcvcrtretersitzung in 1 � stündiger Beratung seine Er- ledigung. Ter Etat balanzicrt in Einnahme und Ausgabe mit 262 666 M., wovon 13 666 M. auf den Kanalisationsetat entfallen. Die Steuersätze sind im allgemeinen die gleichen geblieben. Es kommen zur Erhebung 116 Proz. Eiemeindeeinkommensteuer, 6,33 Proz. Grundwerlstcuer; die Kanalisationsabgaben wurden herab- gesetzt von 3,3 auf 2,7 Proz. Sehr zu bemängeln ist. daß von dem Schularzt niemals ein Bericht gegeben wird. Die ständig wachsen- den Zuschüsse zur Privatsebulc gaben Anlas; zu lebhaften Ausein- ondersctzungen. Die jetzt 8stufige Vorschule wird von 53 Kindern besucht.» Tie Gemeinde hatte in den Vorjahren einen Zuschuß von 1566 M. geleistet, hat aber inzwischen die Verpflichtung übernom- men, alle Fehlbeträge zu decken. Im letzten Jahr betrug der Zu- schuß 3466 tvi. Tie Schulkommigiou forderte nun für daS kommende Liechnnngsiahr einen Zuschuß von 5666 M. Das wäre pro Kind zirka 166 M. Dabei ist die Schülerfrequenz ständig im Sin- ken. Die Vertretung beschloß dann 3566 M. in den Etat einzu- stellen, und empfahl der Schulkommission, Mchrforderungen mög- lick.st zu vermeiden. Aller Voraussicht nach wird die Gemeinte aber wobl nochnial in den Beutel greifen müssen, um den paar Bevor- rechtigtcn den Willen zu tun. Demgegenüber ist zu konstatieren, daß man immer noch nicht ernstlich daran denkt, für die zirka 656 Kinder der Gcmcindcschulc eine Turnhalle zu erbauen.— Der Bebauungsplan für das Forstgelände ist jetzt alle Instanzen hindurch und bedarf nur noch der Genehmigung des Amtsvorstehers.— Es ist noch vieles reformbedürftig in unserer Gemeinde und unsere®c- nossen werden gut tun, schon jetzt mit allen Kräften in de» Wahl- kämpf einzutreten. Grundbesitzer-, Bürger- und Beanitenvercine baocn sich vereinigt, um die vier Mandate unter sich zu verteilen. Die Arbeiterschaft, die bei den verflossenen Reichstagswahlen mit 456 Stimmen did absolute Majorität aufwies, wird vollständig ignoriert. Die Wählerliste weist in der 1. Klasse 4, in der 2. Klasse 50 iinb in der dritten Klasse 754 Wähler auf. Wir sind auf uns selbst angewiesen und müssen alles daran setzen, im März wenig- stens einen Hecht in diesen Karpfenteich zu bringen. Lübars-WatdmituuSlust. Ans der Gemeindcverlrctung. Dem Eisenbahnfiskus wurden zu den Baukosten für die Ucberbrückung de? Bahnkörpers über die Dianastrahe 3666 M. aus dem Gemeindesäckel bewilligt. Unsere Genosse» stimmten selbstverständlich dagegen, da diese Baukosten zu einem Betriebe gehören, der jährlich Millionen Ueberschüsse ab- wirft. Auch wurden 350 M. zur Untersuchung der Scefrage im Fließgolündc bewilligt, ootyohl die Anlage eines.Sees aus Ge- wcindemitteln wegen der damit verbundenen hohen Kosten nicht geschehen kann. Lorteile au? einer Seeanlage würden nur die an- grenzenden Tcrrainspckulanten haben, diese aber tveigern sich, hier- für die Kosten zu tragen. Tie Anträge unserer Genossen wurden ohne Debatte abgelehnt. Es handelte sich im ersten Antrag um Verleihung dcS Gcmcinderechts an die noch nicht ein Jahr hier wohnenden Gemeindcangehörigen. Der zweite Antrag betraf Fest- sctzuiia von FluchUinien für die Parallelstraße, um eine Bebauung innerhalb der Fluchtlinie zu verhindern. Ter dritte Antrag wollte dm Zahl der Gcnleiiidcvcrordnetcn auf 12 erhöht wissen, um eine grändlickicre Beratung der Eemeindcangelegcnheitcii zu ermög- lieben. Ferner ist noch mitzuteilen, daß der Kartoffelverkauf an jedem Montag und Donnerstag vormittag von 9— 12 Uhr auf dem Schulgrundstück Kurhausstr. 11— 13 stattfindet. Es werden ab- gegeben 15 Pfund zu 6.55 M., 56 Pfund zu 1,85 M., 166 Pfund zu 3,76 M. Am ersten Tage sind nur 26 Zentner verbaust worden, weshalb die Einwohnerschaft nochmals aus den Verkauf hinge- wiesen sei. Bitduau. In der Stadtverordnetenversammlung wurden zunächst die neu bczw. wiedergewählten Stadtverordneten, darunicr die Ge- postep H elbig, Werner und S w a b i n a, in ihr Amt ein- gesülstt. Die daraus folgende Wahl des Vorstände» ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstehers A. Weruicke, als dessen Stellvertreter wurde der Stadtverordnete I. Bols und als Schrift- sührer Genosse Hclbig, letzterer mit 18 gegen 5 Stimmen, die auf den bisherige» Schri st sührer Gruban entfielen, gewählt. Es e» folgte alsdann die Verausgabung von Tischler-, Schlosser-, Male» und Töpferarbeiten für das Dienstwohngebäude auf dem städtischen Wasserwcrisgrundstück. Sodann wurde noch die Kommission zwecks Schaffung einer städtischen Kanalisation um drei Stadtverordnete vermehrt. Weisjensee. Die im Miirz stattfindenden Grmcindcdertretcrwahlen werden sich wiederum recht lebhaft gestalten. In der dritten Abteilung sclicide» die Genossen Fuhrmann, Penkert und Taubmann aus. Diele?tbtcil».»g geben die Gegner schon längst kampflos auf. Anders steht, es mit der zweiten und ersten Ableitung. Hier bekämpfen sich sehr hart die verschiedenen Haus, und Grundbesitzervcreinc. Eine große Rolle spielen hier die Papierstsmmen. Allem Anschein uack; waren die Vertreter des HrniSbesitzervereiuS 1916 schon frühzeitig auf dem Posten mit dem' Sammeln dieser Vollmachten, was ,hre Gegner vcrschnupstc. In einem Zirkular vom 36. Dezember 191 l wendet sich der Grundbesitzcrvcrei» von 1884 und der Alt- Weißcnscer Grundbesttzerverein gleichfalls an die Forensen, nicht ohne dieselben auf die„drückende" Lage des Grundbesitzer» ans- mcrksam zu machen. Die beiden Pereine schwindeln die Papier- stimm.'nvcsibcr wie kolat an:„Die wirtschaftliche 2agc der Haus- und Grundbesitzer WeißcnseeS ist heute infolge einer ungerechten Verteilung der steuerlichen ikasten eine verzweifelte. Eine Gruppe bürgerlicher Gemeindevertretcr unter der Führung des jetzigen Säiöffen McweS war und ist stets bereit, in Verbindung mit den sozialdemokratischen Vertretern der 3. Wnhlcrklasse alles zu be- willsge». was gefordert wird. Da der Äommunalsteuerzuschlag ängstlich niedergehalten wird, imuicrsort aber durch eine ungerecht- Sei f ,■>!> inaenannte„io.stalc" Geuieind»naliiif iii-iii.-Iiiaaatzrii ohne neu«ntfteyenorn«»> v«"»- uiio____.... die Forderungen für Bürgcrlicsg- und Dammpflasternngen. für Schmutz- und Rtgemvasscrkanalisation. Es ist einfache Pflicht der Scibstcrbaltung, daß die Haus- und Grundbesitzer gegen dieses Syst»» Front»lachen. Wir sind gern als HauS- und Grundbesitzer bereit, die Lasten zu tragen, welche für die gedeihliche Ent- Wickelung unseres Ortes erforderlich sind. Jedoch müssen wir unS energisch gxgon eine Kirchturmpolitik wehren. Eine Abrechnung snit den Olesetzesniachern der heutigen Ortspolitik kann nur bei den im Frühiahr' stattfindenden Gcmciiidcwahlcn geschehen." Daun machen dlcsc Herren noch daraus aufmerksam, daß etwa gegebene Vollmachten jederzelt widerrufen werden iöiincn. Ein größerer Unfug mit den Forensenstimmc» kann lvohl nicht mehr getrieben werden: unsere Wähler der zweiten und dritten Abteilung sollten durch einmütige Stimmenabgabe beweisen, daß e? ihnen mit drr Bcsciligung dieses elenden Wahlrechts und dcS daran hängenden Hausbesitzcrprivilcgö sowie ForensalstimmrechtS bitter ernst ist. Tie elende Wirkung dieses Wahlrechts zeigt sich ngmcntlich für die dritte Abteilung, die durch sämtlich« acht Sitze von nnscren Ge- Nossen besetzt ist. Aon diesen acht Sitzen müssen sechs durch Haus- besitzcr vertreten sein, weil zufällig drei Gemcindcvorsiandsmitglic- der keine Hausbesitzer sind, so daß die Verteilung� der NichtHaus- bcsitzcr für die dritte Abteilung nur zivci solcher �itze übrig läßt. Und da schreit eine gewisse Gruppe von Elrnndbesipern, daß sie von den Sozialdemokraten mit Lasten überhäuft werden. Bei der letzten Etatsbcratung ging diese Gruppe mit unseren Genossen. durch dick und dünn, mit ihrer Hilfe wäre der Etat längst ge- scheitert, denn nur mit einer Stimme Mehrheit wurde dieser an- genommen. Potsdam. Aus der Stadtverrrdnetenversammlung. Im vergangenen Jahre hatte der Arbeilerlurnvcrein„Frisch Auk" an die slädtiichen Körper« schaften eine Eingabe gesandt mit der Bitte, ihm gleich den anderen PotSdanicr Turnvereinen eine der städtischen Turnhallen zum Turnen zu Überlassen. Er wolle hierfür eine entsprechende Enlschädigung zahlen. Dies Ansinnen war von dem Magistrat mit kurzen Worlrn abgelehnt worden. Der Turnverein wollte die Gründe wissen, die zur Ablehnung führten, zumal eine Anzahl städtischer Turnhallen an verschiedenen Abenden frei sind und der Verein genau wie die anderen Vereine sich nur dem Turnsport widme. Er reichte abermals zwei Eingaben ein. eine an die Stadtverordnete» und eine an de» Magistrar. Jetzr,»ach einem Vierteljahre, gelangte die Eingabe zur Kenntnis der Stadtverordneten. Der Magistrat hatte wieder abgelehnt, weil nach seiner Ansicht der Verein„politische Tendenzen" verfolge. Der Sladtv. KcnncS hielt diesen Grund nicht für stich- Hallig, und auf seinen Vorschlag bin wird die Erörterung der An- gclcgenbeit auf die nächste TageSordnuug gesetzt werden. Würde eS nun ivahr sein, was der Oberbürgermeister bei drr Einführung der iieugewählten Stadlverordneten sagte, daß alle Berufs stände im S t a d t p a r l a»i e n t vertreten sind, dann würden die Vertreter des Atzbeiterstandes den Magistrat klarmachen können, daß der Turnverein.Frisch Auf" genau wie die anderen Potsdamer Turnvereine, denen bereit» die Turnhallen zur Verfügung stehen. ein solche? Recht beanspruchen darf, da auch er sich einzig und allein dem Turnsport widmet. Warten mir ab, waS die nächste Stadlverord« neteiisitzung bringen wird.— Axel Delmar Ivird a»lb in diesem Jahre wieder auf dem Brauhansberge Heimatspiele ausführen. Weil das Geschäft im vergangenen Jahre schlecht ging, will er diesmal von der Stadt einen Zuschuß haben. Ob und inwieweit ihm dieser gewährt werden soll, wird eine demnächstige MagisiratSvorlage bringen.— Eine Magistratsvorlage betr. Einführung einer befon- deren Gcwcrbeitcuerordnung wird einer Kommission zur nochmaligen Durchberatniig überwiesen. Diese Gcwerbesteuerordnung will die Filialgeschäsie mehr alS bisher zur Steuer heranziehen.— Zur KaiiergebnrtstagSseier darf ein Festessen nicht fehlen, um dieses Essen bester munden zu lasten soll der Festsaal schön ausgeschmückt werden, auch für etwas Tafelmusik soll gesorgt werden. Zu dieser Kommunal- aufgäbe sollen die Steuerzahler 100 M. zahlen. Oranienburg. In der Stadtvcrordnctcnsitzuiig wurden zunächst dle neu- bezw. wiedergcwählien Stadtverordneten eingeführt. Hierauf erfolgte die Bildung des Bureaus und die Wahl der festgesetzten Kommissionen. In die EtatSkommifsion wurde Genosse Paris hinzngewählt. Als �Mulgeld für das Realprogymnasiuni soll für die drei unteren Klassen l.36 M. und für die milllcrcii Klasse» 1.56 M. erhoben werden. Auch sollen ganze und halbe Freistellen vergeben werden. Bei Be- ralnng über Einführung der Schulzahnpflege in den städtischen Volksschulen wies Genosse K. Schumann auf den hygienischen Wert hin, den die zahnärztliche Fürsorge für die Schulkinder habe. ES wurden für die Zeit biS zum 1. April dieses Jahres zur vcrsiichöweifen Eiiisührnng der Schulzahnpflege die Miitel voil 75 M. bewilligt. Der Verlrag mit dem Hotelbesitzer Bnrchard für da» zur Erweiterung der Rampe überlassene Terrain läuft am 31. März ab. Der Magistrat beantragte weitere Verpachtung ans 5 Jahre und Erhöhung der Packt pro Jahr von 66 M. auf 126 M. Die Genossen Garlipp und Köhrich hielten die Pachlsumme siir äußerst niedrig, um so mehr als es sich doch hier um Stroßeiiland handelt. Der Antrag des Magistrats wurde mit 19 gegen 9 Stiiiiincn aiigenotmnen. Bei der hierauf zur Beratung stehenden Vorlage betreffs Ausschreibung eines Wettbewerbs für da« Real- progymiiasinm, siir die Preise von 2666, 1666 und 566 M. gefordert wurden, meinte Genosse Köhrich, daß die Summe zu hoch sei. Redner beantragte, die Preise auf die Hälfte zu reduzieren. Die alsdann vorgenommene Abstimmung ergab die Annahme des MagistratsautrageS mit 25 gegen 5 Stimmen.— Die Eisenbahn Nauen— Kremmen— Oranienburg durchschneidet die städliichc Wiese am Lehnitzdamm. Der Magistrat bat zu diesem Bau eine Fläche von 96 Ar zum Preise von 5 M. pro Ouadratmeter ab- getreten. Bei den Kailsverhandlungen beaniprucht der Magistrat für das Restgrundstück am Großschiffahrtsweg die Schaffung eines 5 Meter breiten gepflasterten Zufahrtsweges, um eine Verminderung dcS Grundstücks zu verhindern. Genosse Garlipp hielt die vorgesehene Breite des Weges für zu gering. Die Magistratsvorlage wurde angenommen. Die Versammlung stiinmle ulsdanii der Aus- nahine einer Anleihe zu Pflasterzwecken in Höhe von 466 666 M. zu. Genosse Schümann ersucht, bei Ausführung der Pflaslcrarbciten Arbeitslose aus hiesiger Stadt heranzuziehen. Bei Beratung de« HauShalluiigSvoraii'chlagcSmirdenNcbeiietars für 1912 betonte Genosse Garlipp, daß sein« Freunde sich mit ciiHelncn Positionen nicht ein- verstanden erklären iöimen. Zunächst sei ein Titel in der Armen- Verwaltung aufgesührt. welcher richtiger in die Schulvcrwaltung gehöre, auch befänden sich Gelder siir kirchliche Zwecke im Etat. Der ösfcntlichen schloß sich eine geheime Sitzung an. Lese- und Tiölutierklnb»Wilhelm Liebknecht". Heute, DienS» lag. abends 9 Uhr, Sitzung de! Karl Eichhorn, Danziger Str. 93/94. Vortrag.— Gäste willkommc!?. Svittcrungsübersscht vom 22. Januar 4912. Lwtnemd«. 759 SW Hamburg I"60:50 Berlin!7KI 5W Krants a M. 76i- tili München[TCäD Wien 1767.50 Stationen Iii I- 11= KZ!- Meiler Jeebel 1 Haparanda 1759,9?' ibedcckt •j riebe! 2 Petersburg 1 772 50 j 2 bedeckt 2 bedeckt] 3? cilly j T.WO 5 bedeckt picBcl I 2 Aberdeen ilSOWNW 3 oalb bd. : 2 Nebel!— 3 Paris 1761 0N0 i 2 bedeckt ------- I I.Nebei 1—7 I I II Wetterprognose siir Tiensrog. den 23. Januar it»2. Ziemlich kühl bei niäuigcn südwestlichen Winden und veränderlicher Be» wöllung! geringe Niederschläge. Berliner Wctterbureau. 01 S"- C■* 4(1 h? ÜS —9 —8 9 1 5 WasferstandS-Nachrlchten der Laiidesanfle.lt für Gewnsstrlnndc, mitgeteilt vom Berliner Dcllerbnrcau. Allen Freunden, Bekannten und S I Verwandten hiermit die trauriges Nachricht, daß unser guter Bäte, L | und Bruder, der MSbelpoli«| Wilhelm Meyer 1 I im 53. Lebensjahr plötzlich ge- j starben ist. , Die Beerdigung sindet am I ■ Miltwochnachmtttag 4 Uhr von| j der Leicheiidalle deS Emmaus- sKirchhose» aus statt. Die trauernden Kinder.! kür den l Berl. Köpcuicker Viertel. (Bezirk 269 I.) Den Mitgliedern zur Nachricht. dah unser Genosse, der Möbel- Polierer >Villielm /Weyer Soraucr Sir. 7 gestorben ist. Ehre seinem Slndeuken t Die Beerdigung findet am z Mittwoch, den 24. Januar, nach« miltags 4 Uhr, von der Leichen- Halle'des EmmanZ-Kirchhbses in I Rixdori, Hermamistratze, aus statt, t Um rege Beteiligung ersucht 216/16 Der Borstand. oeulZCher iBoIzarbeiler- Verband i , Den Mitgliedern zur Nachricht, z dah unser Kollege, der Tischler Bernharä Haase Rykestrahe 4 | im Alter von LI Jahren ge- I starben ist.. i Die Beerdigung findet heute I Dienstag, den 23. Januar, nach- i mittags"4 Uhr, von der Hallet I des Bartholoniäus-Kirchbokes tn k ! Weihenjec, Fatleiibei ger llhaussce,\ j aus Natt._ Ferner starb unser Kollege, der! sMobelpolierer Wilhelm Meyer ! im Alter von 53 Jahren. Die Bcerdignnq findet am[ | Mittwoch, den 24. Januar, nach- s»nitags 4 Uhr, von der Halle des! EnimauS- ÄirchhoscS in Rixdorf, f j Hermaimstrahe, aus statt. Ehre ihrem Andeurent Um rege Betcttigung wird ersucht. 177/3 Die Ortsyerwaltung. *)+ bedenket Wuchs,— Fall.—•) Unterpegri.—•) EiSitand. | Allen Freunden und Kollegen k die traurige Nachricht, daß unser �Freund inid Kollege, der Schnst im Buckow« Krankciihaule an] den Folgen eines Schkagatisallci!- gstorb-ii ist. Witbclm Schmidt, Rixdorf, Jnvstrahe 2. _ Beerdigung Mittwoch, 24. Januar, 9 nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle sc des Rixdorser GcmeiudcjriedhujcS, Maiicnborjcr Weg. Am Sonnabend, den 26. Ja- I nuar 1912, verstarb nach kurzem Krankenlager«nker lieber Ait- s a.beiter, der Schriftsetzer Miklvr ! im 46. Lebensjahr. Ehre seinem Andenke»! ! Das Personal der Buchdrunkerei| H. S. Hermann. Di« Beerdigung findet am i I Mittwoch, den 24. Januar, nach- s mittags'1� Uhr, von der Leichen- j balle des Rixdorser Coemeinde» Friedhoses, Mariendorjer aus statt. veutsekel �ötgllssdöiles-Vgsdsiilj Vsr» verehrter Ehest der Ingenieur, Fabrikbesitzer Herr � louis Bretschneider im 62. Lebensjahre. Er war uns inimer ein ein- sichtsvollcr, bumnner Chef. Wir werden sein Andenken stets in Ehren hallen. 1673L vis Arbeiter der Firma Bretschneider Ä Kriigner, Pankow Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. Janmir, nachmittags 3 Uhr, aus dem Friedhof in Pankow, Spanvauer Straße, statt. Am Sonntag, den 21. Januar. früh um 2 Uhr, verschied an Herz- s lähmung unser lieber Kollege, j der Setzerinvalide Julius Altmann geb. 4. April 1831 in Steinau a. 0. 1 Sein Andenken werden w Ehren I halten 2662b I Die Kollegen der Norddeutschen Buchdrnckerei. Beerdigung: Mittwoch, den j 24. Januar, nachmittags 4 Uhr. s aus dem tzeittg-Kreuz-Kirchhvs m« B/ariendors, Eiienacher S fräße. I Nach langem, schwerem Leiden ll verschied am 26. Januar, abends M 8!/4 Uhr, meine innigst geliebte Frau, gute Muller mid>rchwicger. ! achter AZnes Westphal geb. Paetz im 41. Lebensjahre. Dia trauernden Hinterbliebonen. Emil Bseftphal nebst Kind und Großeltern. Tie Beerdigung findet am Miitwoch, den 24. d. MtS, nach- mittags' g>/, Uhr, von der Leichenhalle deS HeilandS-Fried» boicS in Plötzeissee ai.S statt. ZtsMazaa toi Frauen von Mitgliedern der Zentratkranken- und Sterbekasse' der deutschen Wagenbauer j (E. H.) Sitz Gotha. Bez. Berlin XI. i Am Sonntag, de» 2t. Januar,{ verstarb unser Mitglied Agnes Walkowiak im 47. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenkenk Die vccrdigung findet am j 24. Januar, nachmittags 4 Uhr,! von der Halle des taiholische»! Friedhofs m Hohen-Schöiihaujen I aus statt. 257/4 e Die Ortsvcrwaltnug. Allen Freunden aind Bekannten l die traurige Nachricht, daß unsere j liebe Tochter unb gute Schwester Elsbeth i plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am t Mittwoch, den 24. d. M, nach- ] mittags 3'/, Uhr. von der Halle I des ZwuS-Kirchhoses in Nordend jaus statt. Ik. tili» Uornelt geb. Jacob nebst Kindern, Beleraiienstraße S. Sentrum: Aliert Hahnisch,«uguststr. SV, Eingang Joachimstrabe. S. HVsdllrrel«, W.: öiuft. Schmidt, Kirchbachftr. 14. Hochvavterre. S. und SW.: Hennann Werner, Gneisenauftr. 72. 8. WalilUreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. WnhJkrels: DU e n; Robert Wenzels, Kr, Frankfurterstr. 120. — Richard H a lk e I b u s ch, PeterSburgerplatz 4(Laden). 4. Walilkrei», S ü d o st e n: Paul Böhm. Lausttzervlatz 14/15. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hof). V. Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedelerstr. 3. Weelciiazx: I, H ö n i i ch. Nazarelbtirchstrafie 43, Koscnthalcr und Oranicnbiirscr Vorstadt: Wilhelm Ä a u in a n n, Rheinsbergerstr. 67, Laden. t-tesziixlhranne»: F, Trapp, Steltinerstr. 16. Seliünhanscr Vorstadt: Karl MarS, Greifenhagener Str. 27, A dlersftof: Karl Schwarzlose, Hoffmannslr. 3. AIt-<»lienieke: Wilhelm Dürre, Köpenickcrstr. 6. I!ao»iiseh«len,,ejx: H. Hornig, Maricntbalerstr. 13, I. Iternan, Köntgental, iSeperniek, Schünow und Schön- briick: Heinrich Brase, Mühlenstr. 5, Laden. Bohnsdorf und Valkenherx: Alois Laus, BoHnSdors, Tc» nosjenfchastshalis.Paradies". tMiarlottcnhnrtr: Gustav Scharnberg, Jelenheimerftratze t Klcliwalde: O s t a r Mahle, Stubcnrauchsir, 39. Vlrkiier: Ernist H o f f m a n n, Friedrichshagener Chaussee. �'redersdori-I�etershaxen: E. H ö! e l b a r t h, PeterShagen. Vriedenan.SteAlita-Südemle-CiiroB-Lilchtei'felde-I�aiül- witz: Hi. B er n s e e, Alscnstr. 5 in Steglitz. Friedrichshagen: Ernst 2S c r f n; n it n, Köpenicker Straße 18. Criinni;: Franz Klein, Friedrichstr. lv. »lohannist hal: P i e li ck e, Kaiier-Wilhelm-Platz 6. Karlshorst: Richard K i! t e r. Rödelstr. 3, II. Hlönigs-Wnstorhansen: Friedrich B a u m a n N, vahnhosstr. 13. Zeitttilgs-AusgabesteUen und Inseraten-Annahme. liSpenick: Emil A ißler, Kietzerftr. S. Laden. Fichtenherg, Frledrichmfelde, Hohenschönhansen: Otto Settel, Wartenbergslraxe 1(Laden). Maklsdork, üanlsdork: P. Heßberg, Kaulsdors, Ferdinand- stratze 17. Mariendork: August Leip, Chausteestr. 236. Hos. Maricnielde: Emil W e i n e r t, Dorfstr. 14. Xeuenhagen: Gustav L e y, Wolterstraße. Hieder-Schüneweide:©ehrt, Britzerstr. 8. S orr an es: Wilhelm I a P v e, Friedrichstr. 7. Ober-Schöueweide: Zllsred Bader, Withelminenhofstr, 17 H. I'ankow-Xlederschönhausen: R i tz m a n n, Mühlenstr. 30. Keinickeudorf- Ost, dl ilhclmsrnb und Schttnbola: P. Gurs ch, Provmzstr. 56, Laden. llixdork: M. H e i n r i ch, Neckarstr. 2, im Laden; R o h r, Siegsried« stratze 28/23. Kmnnielshnrg, Boxhagen:A, Rosenlranz, Alt-Borbagen 36. Srkünebcrg: Wilhelm Säumler, Marlin Lutherstr 63, im Laden. Spandan, Xonnendanun, Staaken, Seegefeld und Falkenhagen: Koppen, Breiteslr. 64. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslust, liernisdorf uui) lieinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räli'chilraije 10. Teltow: Wilhelm Bonow, Teltow, Berliner Str. 16. Tenipelhok: Frantz, Berliner Straße 76, Laden. Treptow: Rod. Gramenz. Kiesholzslrage 412, Laoen. W eiliensce: K. Fuhrmann, sedanstr. 105, parterre. Wllniersdorf-Halensce-Schinargcndorf: Paul Schubert, WihelmSaue 26. �enthen, Miersdork: Ernst Hüttig, Zeuthen, Dorsstr. 15. Sämtliche PaNeiliteratur sowie alle wissenschastlichen Werte werde» geliesert. � Haut- 1. Harn- f leiden, Ehrlich■ Kala, Schäden d, Quecksilb.— Konsultation frei! Blutuntersuoh., Fädsn im Harn, etc. !! Teilzahlung gestattet!! Ii', IJniiinTiiiM& Co.(konz.Spez.Juab.) Ul.nülUBjfC! Friedrichstr. 189 ».d,Hochb. Spr. 9-2, 4-8, Sonnt.1 1-12. Hemnann Stramins Restaurant Frankfurter Allee 68. 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Westen. Russisches Ballett. Luft spielhaus. Die Damm des Regiments. Berliner. Große Rosinen. Neues Operetten. Eva. Schiller«1. Der Probepseil. Sch'a.�-Eharlottenburg. EmIIia Galotti. Kriedr.- Wilft. Schauspielhaus. Zwei glückliche Tage. Neues. Die kleine Freundin. Luisen. Der Verschwender. Rose. Salon und Kloster. Königgrätier Straße. Die fünf Frankfurter. Kleines. Lottchens Geburtstag. Gentz und Fanny EIßler. Hocken- jos. ivletrvt'ol. Die Nacht von Berlin. Trilino». Das kleine Casä. Thalia. Polmiche Wirtschast. Casino. Der Kamps ums Dasein. Apolto. Svezialiläten. tUnfioiu. Svezialitätcn Herrnseld. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Firma. Reichsnalten. Stettiner Sänger. Kiinigstadt-Kasino. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Folies(S nprice. Mandelblüth's Polteraöend. Walhalla. Teufel, das hat ringe- schlagcnl Nor. tt. Die Bettlerin und ihr Kind. Voigt. In Puhlmanns Garten: Das Glück des Lebens. Ansang 8'/, Uhr. Neues Botkstheater. Leidenschaft. 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Bonn. i0SE=THEATE Große Frankiurlei»tr t32. Zum erstenmal: Salsu und Kloster. Volksschauspiel in 5 Akt. v. Georg Horn. Ansang 8 Uhr. Mittwoch: Heimat. MetropoKTIieater, Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Die Naclit von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. N. Schnitz. Neues Theater. Abende 5 Uhr: Ple kleine Freundin. Somit. 31m. 31;, Uhr: Der(idela Bauer. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Nosmen Mtel'!!Zdei'!l8!iUi'AlMSl!'ALe 8 Uhr: L!e 8 fiMlllurte?. Luiscu-Thcatcr. Diensiag: Der Verschwender. Mittwoch: In Tuntel gehüllt. Donnerstag: Tie Erillc. Arnold iteholn. Neue Welt. Haaenhelde 108-114. Pien tag, den LI. Januar 191Ä: UF" Elitelag. Prämiieruog des jüngsten Großvaters. 3 bare Geldpreise: 50, 30, 20 Mark. Folgende Legitimationen sind mitzubringen: Ehesohliefltmg des Kindes und Taufschein des Enkels. Voranzeige! Donnerstag, den 25. Januar 1312: Pramiierung der engsten Tailie der Damen von 120— 140 Pfund, von 140—160 Pfund, von 160 Pfund und darüber. 3 bare Geldpreise: 50, 30, 20 M. Anfang 7 Uhr.— Entree SO Pf. 80 bayerische Modi.— Vier Kapellen. Wunderbare Alpendekoratlon. v-mmx: Zirkus A. Schani au n { Dienstag, 23. Jan, abds. 7'/, Uhr: Hr. Halaprogramm t Um 3 Uhr: 1 Das neueste, noch nie | dagewesene, nicht zu jübertr. Ausstattungsstück der Gegenwart |Das Motorpferd in 5 Akten. Besonders hervorzuheben; 2. Akt: Das Leben u. Trei- j ben vor einem mod. Warenhause. Aufziehen d. Schloßw. Ab 8 Uhr:_ ggr Petzte Tage t"300 Die grandiosen Spezialitäten. 3 Uhr: Nur noch kurze Zeit! Harry Waiden _ in Sein Horzcnsjunge._ Koniysiadt-Kasino. Ecke Holzmarkt- u. A.cxandcrstraße BiS 1. Februar täglich: Im Taumt! des GliickkS. Volksstäck in 2 Bildern. Die erstklassigen Spezialitäten Jeden 1. n. 16. Programmwechsel. Cnsßnn-'irhSsAsr Lothringer Sir 37. Ansang 8 Uhr Ter grösste Tbeatererfolg k Täglich ausverkauft. Der Kampf ums Iasein. Aktuell! Dem heutigen Leben ent- nommen. Allabendlich tosender Brisall I Kabarett niul Theater. Jeden TicnStag: Kastanienwäldchen Badstrahe 16. Ansang 8'/, Uhr, Sonntags 8 Uhr. WW bioch als dageveseuer Lscderlelg. vss der Firma mit Anton u. Donat Hcrrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: Reiehshaiien-Theater. Stettiner Sänger, Ken! Neu! Pauloffel-Helden. Burleske v Reichardt. a Slnsang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Anfang 3 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. @o®Meot«e*eeeeeeeee Noacks Theater. Direktion: Rodert Dill. Berlin dl.. Brunnenstraße 16. Die Settlrrin und ihr Kind. Schauspiel in 5 Alten von Meißner. 'Ansang SV, Uhr. Bous usw. gültig. Morgen: Dieselbe Borstellung. OTT» Sebönliaiiser illee. Telephon: Nord 4100 1 Allabendlich?'/, Uhr: |Das berühmte, echte, wahrej CirCUS-Prograinni. | Mittwoch, Sonnabd., Sonntag, 3u. T'/aUhr; Je 2 Vorsteilg. Vorverkauf a. d. Circus- kasse und an sämtlichen Billettverkaufsstellen v. A. Wcrtheiiu Galerie: III. Platz: i 40 Pf. 70 pi II. Platz: I. Platz S M. I 7A», Parkett 3 M 1 ,41/ dl- Logensitz 4 M. Urania. Wiaaenschaftiichea Theater. 8 Uhr: Aus dem Leben des Meeres. Hörsaal Dr. W. Bomdt, 8 Uhr: Oer prähistorische Mensch. Zirkns Bnscln Dienstag, 23. Januar, ab. 71/, Uhr: Extra-Gala-Abend. Gastsp. Gertrud Arnold| l>ie Mexe. Besonders hervorzuheben: Der Sturz in den Rachen des Lindwurms. Vorher: LS?" Taft!"VQ das unlösbare Rätsel? Sandi-Siwel and Amats(Java) Fräul. Stennis, Schulroiterin. j Ernst Schumann, Fieiheitsüress. j 3 Schwestern Blumenfeld, Reit- künstlerinnen, und da» groBe Gala-Programm, j Passage-Thealer. Mirjam Korwitz S5Ä„Di« Falle" Mlle. Maroussia The Meteors Lina Loos fflifl 10 neoe Mm! Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: vss Kieme Lake. Beiüenfeuei'ft'e88eni l ebend k Lebend! Die wilden Essauas. Karawane sudanesisoher Heul- und Feuer-Fakire in ihrem Originaldorfe. Ohne Extca-Enlree. » � aM»w-'w— �Aoißabnbof I E i»- A r e st a. Nachmittags: miitttr- Konzert. Kunstlauf• Produktionen. Abends die Novitäten; Tänze a. d. Eise, Rheinländer, Russisch, Engl.. Alt-Wiener Walzer und | Pie kleine CharlotteJ Der norwegische Meister Harry PanUea | sowie d.piäoht. Eisballett| Aipenzauber. Bis 6 Uhr u. von'lO«/,. I L br halbe Kassenpreise.■ Restaurant I. Ranges. Folies Caprice. Täglich 8-,. Uhr: Losgelassem Waffen Übung. Mandelblüths Polteravend. Voigt-Tlieater. Dienstag, de» 33. Januar 1912; Gastipiel im?Noadi»cr Winter- Garten, früher .VrtuNhof, Perleberger Str. 96. Oer liimjjf nfflmmlfr d. Paria Drama in 5 Abt. oon F. Pyai. Kalseneröftnung 10. Anfang 8-/. Uhr. MElllMrig Eiidort-Berlin.«f La!uistr.74.i-i "in Hat den ouhalt der F»-er ue noerniinm: die Redaktion de::, zjublikum gcgeniiver keinertet �erantworrunq. merstag: Die(S rille. rvseiroer Versau!_——.----—- waz* t»44, IUI«. lyaugca. gta__ «Bevantroortl'rfirr sthWi-Mr- Wachs. Berlin, hur oen Lnseralenteil veranlw.: TH.Glycke. Berlin. Druck u. Perlag: Borwär» Buchdruckere, u. Perlagsanstalt Paul Singer u.Eo, Berlin ZW Kr. tö. 29. ZahrMz. 3. Keilqe des Jotwiitff Sctlintt NsIksdlM flltMftJ, 23. Jnt« 1912. Das Geheimnis von Dabendorf. Das mehrfach schon crlrmhntc mysteriöse Verschwinden des seit länger als zwei Jahren unauffindbaren Sekretärs am Kaiserlichen Statistischen Nmt Franz Behm beschäftigt gegenwärtig das Schwur- gericht am Landgericht II unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Langer. Der Andrang der Bewohner des Ortes Tabendarf bei ■Hussen, wo der Verschollene ein kleines Landhäuschcn bewohnt hatte, ist ein großer, doch finden nur wenige Ncngierige Zutritt zum Schwurgcrichtssaale. Tie auf Mord lautende Anklage richtet sich pegcn den Brunncnmachcr Gustav 5>ul!>e. während Frau Helene Behm geb. Domscheit der Anstiftung beschuldigt ist. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Braut. Es find über 40 Zeugen geladen. Ter Angeklagte Kolbe ist ein SZ jähriger Mann, der in Schöne- borg bei Berlin geboren ist und eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich hat. Er ist gelernter Schlächter und ist schon als sechs- zehnjähriger Mensch wegen Diehstahls bestraft worden; in späteren Jahren häuften sich seine Bestrafungen in rascher Folge. Die An- geklagte Behm ist im Jahre 1871 in Berlin geboren; sie ist die Dochter eines Lokomotivführers und unbestraft. Am 7. Oktober 100!) ist der Ehemann Behm, der ein Land- Häuschen in Dabendorf bewohnte, spurlos verschwunden. Seine Leiche ist bis jetzt nicht aufgefunden worden. In der kleinen Ge- nicinde Dabendorf tauchte sehr bald der Verdacht auf, daß hier ein Mord vorliege, der auf Anstiftung der Frau Behm, die mit ihrem Ehemann unglücklich lebte, hcgangen sei. Es wurde sowohl gegen sie als auch gegen Kolbe, von dem man annahm, daß er von der Frau als Werkzeug zu dem Verbrechen benutzt worden sei, das Strafverfahren eingeleitet, doch wurden beide wieder außer Verfolgung gesetzt, weil die vorhandenen Verdachtsmomente der Staatsanwaltschaft zur Erhebung einer Anklage nicht ausreichend erschienen. Später wurde das Verfahren von neuem eröffnet. An- laß dazu bot das von der Behörde gegen den Verschollenen geführte Disziplinarverfahren wegen unerlaubter Entfernung aus dem Amte, wobei es sich auch um Regelung der Pensionsverhältnisse und dergleichen handelte. Die Staatsanwaltschaft stellte nun Ermitte- lungen an, stellte aber auf Grund dieser wiederum den Antrag, die Angeklagten außer Verfolgung zu setzen. Die Strafkammer war aber anderer Meinung: sie ordnete die Eröffnung des Hauptver- fahrcns an und die Folge ist die jetzige Hauptverhandlung. Aach Verlesung dc-Z Eröffnungsbefchlusses beginnt der Vor- sitzende zunächst mit der Vernehmung der Angeklagten Frau Behm. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob sie sich schuldig bekenne, ant- lvortet die Angeklagte unter lebhaftem Kopfschütteln mit einem lauten„Nein". Sie erklärt dann weiter, daß sie im Jahre 189Z geheiratet habe, ihr Mann sei damals Zahlmcisteraspirant gewesen und habe bei den Cchwedtcr Dragonern gedient. Ihr Vater war Lokomotivführer. Die Ehe, aus welcher zwei jetzt dreizehn bczw. vierzehn Jahre alte Kinder hervorgingen, sei zu Anfang ganz glück- lich gewesen. Später seien jedoch fortgesetzt Streitigkeiten vorgc- kommen, die sie veranlaßt hätten, von ihrem Mann wegzugehen. Der Vorsitzende bringt hierbei zur Sprache, daß die Angeklagte nicht weniger als fünfmal ihren Mann verlassen habe, dann aber immer wieder zu ihm zurückgekehrt sei. Als Ursache dieser Streitigkeiten gibt die Angeklagte an, daß ihr Mann sehr nervös und jähzornig gewesen sei und sie wiederholt mißhandelt habe. Vom Vorsitzenden wird ihr jedoch vorgehalten, daß die Ursache dieser ehelichen Zwistigkeitcn darin zu finden sei, daß sie es mit der ehrlichen Treue nicht sehr genau genommen habe, was von der Angeklagten schließ- lich auch zugegebeu wird. Während der Erörterung der Einzel- Helten wird auf Antrag des Staatsanwalts wegen Gefährdung der Sittlichkeit auf kurze Zeit die Oeffciitlichkcit ausgeschlossen. Aach Wiederherstellung der Ocffentlichkcit schildert die Angc- klagte die Vorgänge unmittelbar vor dein Verschwinden des ManncS an der Hand einer von den Räumlichkeiten der Wohnung aufgenommenen Skizze, die sie den Geschworcncn in ruhiger und klarer Weife erläutert. Räch ihrer Darstellung habe sich zwischen ihrem Mann und ihr ein Streit über ein gebratcncs Huhn entwickelt, welches sie ihm vorgesetzt hatte.„Wir aßen— so äußert sich die Angetlagte— gegen 7 Li Uhr Abendbrot, und da kam es zum Streit, wobei mein Man», wie immer, gleich außerordentlich heftig wurde. Mein Mann kam auf mich zu und wollte mich schlagen, ich gab ihm aber einen Stoß, so daß er nach dem Türpfosten taumelte. Da- durch wurde er immer aufgeregter und schrie: TaS werde icki Dir besorgen! Ich sah dann, wie er einen Revolver in der Hand hatte, ich flüchtete hinaus und mein Mann schost hinter mir her. Ich lies nach dem Wald, hörte Schritte hinter mir und lief immer weiter in den Wald. Da trat icki in ein Loch, verknackte i»ir de» Fuß und fiel zur Erde. Da lief die Person, die mich verfolgte und die ich für meinen Mann hielt, an mir vorbei. Ich habe, da ich große Schmerzen am Fuße hatte, eine ganze Weile dort gelegen, dann schlich ick mich aus einem anderen Wege humpelnd wieder nach Hause. Gegen 10 Uhr kam ich zurück. Die Lampen in meiner Wohnung brannten noch. Die Kinder waren schon vor dem Abend- brot nach oben in die Dachstube gebracht worden. Ich sah zunächst in die untere Wohnung durch die Fenster hinein, bcmerkle aber nichts mehr von meinem Mann. Ich klinkte an der Haustür, sie war aber zu und ich konnte nicht hinein. So blieb ich draußen und lauschie, ohne daß ich etwas hörte. Gegen 12 Uhr hörte ich Schritte, es war Kolbe, der bei uns wohnte und nach Hause kam. E: hatte seine Schlüssel nicht bei sich und so stellten wir eine Leiter an den Giebel, aus unser Klopfen öffneten die Kinder und wir stiegen ein. Richtig ist. daß oben im Zimmer ein Gewehr stand. welches von Kolbe öiter zum Schießen von Hähnchen u. dergl. be- nutzt wurde. Das machte den Kindern Spaß. Auch das Hähnchen, um»oelches der Streit entstanden war. ivar von Kolbe geschossen worden. Geschlafen habe ich in jener Rächt überhaupt nicht und blieb oben bei den Kindern. Präs.: Am nächsten Tage stellten Sie fest, daß aus einem Kästchen, in welchem Ihr Mann Geld aufbewahrte, 000 M. fehlten. Wer mag das Geld genommen haben? Ist cS möglich, daß Kolbe es sich angeeignet hat?— Angetl.: Das glaube ich nicht.— Präs.: Sic haben auch festgestellt, daß von der Garderobe Ihres Mannes ein Beinkleid und ein blaues Jackett fehlte?— Angekl.: Ja.— | Vors.: Weshalb haben Sie denn nicht, wie es sonst Frauen tun 1 würden, bei anderen Leuten Schutz gesucht oder Anzeige erstattet, i als Ihr Mann auf Sie geschossen hatte? Angekl.: Wir waren ja mit den Nachbarn verfeindet und außerdem hätte mir dies mein Mann noch mehr übelgenommen. Als er das erstemal in Schwedt auf mich geschossen hat, bin ich auch bloß weggelaufen.� Vors.: Kurz nach dem Verschwinden Ihres Mannes fehlte plötzlich in einem Zimmer eine Scheibe. Die Anklage legt hierauf besonderen Wert, da Ihr Mann durch einen Schuß durch das Fenster getötet worden sein soll? Angekl.: Die Scheibe war schon längere Zeit entzwei, ebenso der daran befindliche Wasserschenkel. Vors.: Sie sollen am Tage nach dem Verschwinden dem Kolbe den Auftrag gegeben haben, das Fenster wieder in Ordnung zu bringen. Es ist doch ctwab auffällig, daß Sie gerade zu dieser Zeit an so kleine nebensächliche Dinge gedacht haben? Angekl.: Ich wollte das Fenster deshalb schnell in Ordnung haben, da mein Mann durch das Fenster in das Haus hätie hineinklettern können. Dies wollte ich eben der- hindern. Vors.: Es wird behauptet, daß sich in diesem Fenster Schrotkörncr befunden hatten, weshalb cS schleunigst umgeändert worden sei. In dem Zimmer selbst wurde» ja dann auch zwei Schrotkörner gefunden? Angekl.: ES ist ja möglich, daß diese bei dem Essen des von Kolbe geschossenen Hähnchens in die Stube geworfen worden sind. Vors.: Ist es richtig, daß Sie unmittelbar nach dem Verschwinden Ihres Mannes dem Kolbe Geld gegeben habe» mit dem Auftrage, es bei einem gewissen Zimmermann zu deponieren. Angekl.: Jawohl. Vors.: Woher stammte denn das Geld? Angekl.: Ich hatte früher ein Plättgeschäft und hatte mir das Geld erspart. Mein Mann hat nichts davon gewußt. Es waren dies 210 M. Vors.: Weshalb ließen Sie denn das Geld plötzlich beiseite schaffen, Sie wollten es wohl vor dem Zugriff der Gerichtskasse bewahren, wie Sie einmal geäußert hatten? Angekl.: Jawohl. Vors.: Am Tage darauf wurde gesehen, daß Kolbe zwei Hundertmarksteine im Portemonnaie hatte. Wissen Sie, woher Kolbe dieses Geld hatte? Angekl.: Nein. Auf weiteren Vorhalt gibt die Angeklagte Zluskunft auf verschiedene Einzelheiten. Der Präsident fragt weiter: Nun ist eine Wagenspur aufgefunden worden, die von Ihrem Gehöft ausgehend nach dem Dabcndorfer See führte und genau zu einem kleinen Handwagen passen soll, der Ihnen geljörte. Blutspuren sind an dem Wagen nicht gefunden worden. Angekl.: Die Spur des Wagens ging nicht von unserem Gehöft aus. Im übrigen existieren vielleicht noch zehn solcher Wagen im Ort. die alle nach derselben Form gebaut sind. N.-N. Fiirle beantragt, den Wagen, der sich in der jetzigen Wohnung der Angeklagten in Friedrichshagen befindet, zur Stelle zu schaffen. Der Angeklagte Kolbe, der sodann vernommen wird, bestreitet gleichfalls jede Schuld. Er ist früher Schlächter gewesen, betreibt aber seit 1900 das Gewerbe eines Brunnenbauers. In Dabendorf habe er eine Parzelle und sei Anfang September 1009 auf eine Offerte des Herrn Behm in die obere Wohnung von dessen Häus- chcn gezogen. Er sollte die Reparaturen im Hause übernehmen und dafür erhielt er Wohnung und Essen. Was den Vorgang am 7. Oktober 1909 betrifft, so schildert er die Sache überelnstinunend mit Frau Behm., In ocr Nachmittagssitzung wurde dann mit der Beweisaufnahme begonnen. Als erste Zeugin wurde die Mutter des angeblich er- mordeten Sekretärs Behm, die 7Ljährige Witwe B., vernommen, die über die Angaben aussagen soll, die ihr die Angeklagte Behm nach dem Vcrschivindcn ihres Mannes gemacht hotte. Sie ist da- mals mit ihrer Schwiegertochter nach dem Statistischen Amt ge- fahren und hat dort noch dem Verbleib ihres Sohnes nachgefragt. Als sie über ihren Sohn jammerte, habe ihr die Angeklagte gesagt, daß man sie verdächtigte, ihren Mann beiseite geschafft zu haben und ferner dabei geäußert:„Wir können uns schon verantworten, aber er nicht mehr!" Die Angeklagte habe also damit zum Aus- druck gebracht, daß es ihr bekannt sei. daß ihr Mann nicht mehr lebe. Die Zeugin bekundet dann noch, daß ihr Sohn, wenn er wirk- lich geflüchtet sei, nicht von ihr gegangen wäre, ohne sich von ihr zu verabschieden. Außerdem hätte er doch sein bei der Deutschen Bank befindliches Depot abgehoben, um Geld zu haben. Aehuliche Angaben mackt die Schtvägerin der Angeklagten. Auf eine Anfrage des R.-A. Dr. Schwindt erklären die beiden Zeu- ginnen, daß sich das Verhältnis zwischen den Eheleuten in den letzten Jahren sehr gebessert habe. Eine Reihe anderer Zeugen machte ganz»»wesentliche An- gaben. Ein Zeuge bekundet u. a., daß er der Meinung sei, daß Behm, der an seiner Mutter sehr gehangen habe, ohne von dieser Abschied zu nehmen nicht davongegangen oder auS dem Leben ge- schieden wäre. Er kenne den B. schon sehr lange und glaube nicht, daß dieser bei seiner ganzen Veranlagung sich das Lebe» ge- nommen habe. Ein anderer Zeuge, ein Kollegs des B., der eben- falls in Dabendorf wohnt, belnndete ferner, daß er selbst der Frau B. nach dem Verschwinden ihres Mannes geraten habe, nicht gleich Anzeige z» erstatten, da ihr Mann sonst dienstliche Schwierig- kcitcn haben würde. Einige Zeugen schildern den Behm als einen sehr fleißigen und tüchtigen Beamten, der allerdings leicht erregbar gewesen sei. Der Vorsitzende vertagt dann die weitere Verhandlung auf für geben_____.._ er hat mich»un einmal verlassen. Ich habe damals auch geglaubt, daß er vielleicht zu seiner Mutter gefahren ist. Als ich auf dem Amt nach ihm fragte, wurde mir gesagt, daß auf seinem Pult eine Postkarte liege, aus welcher er sich für zwei Tage krank meldete. Ckricbts-Leitung. Ein Automvbildieb mußte sich gestern in der Person des Monteurs Otto Göhl vor der 5. Strafkammer des Landgerichts III verantvorten.— In der Nacht zum 20� Juli v. I. brach der Angeklagte die Tür einer in der Nassauischen Straße in Wilmersdorf befindlichen Garage auf und entwendete ein dem Inhaber der Firma Cassel u. Auerbach, Unter den Linden, gehöriges Automobil. Mit dein gestohlenen Wagen unternahm er uüt verschiedenen Personen, denen gegenüber er sich als Besitzer des wcrlvollen Wagens ausspielte, Spazierfahrten. Schließlich ließ er den Wagen in völlig demoliertem Zustande und nachdem er alles, Ivos nicht nid- und nagelfest war, gestohlen hatte, in der Nähe des Bahnhofes Heerstraße stehen, wo er am anderen Morgen gefunden wurde.— Am 22. Oktober, am Tage des ischlujscS der Automcbilausstellung in den Au S stell ungsha lle n am Zoologischen Garten, wurde ein Automobil, das von den Adler- Werken ausgestellt worden Ivar, von einem unbekannten Täler gestohlen. Der ebenfalls sehr wertvolle Wagen war von den Ange- stellten nur wenige Minuten auf der Straße stehen gelassen. Als sie wieder zurückkamen, war der Wagen verschwunden. Mehrere Tage darauf wurde der Angeklagte in Frankfurt o. M. von Polizei- beamten, welche durch die Beschreibung des gestohlenen Wegens in den Zeiinngen aufmerksam geworden waren, festgenommen.— Er wurde iroitz seines lebhaften Protestes festgehalten. Vis der Wagen durch einen Vertreter der Firma rekognosziert wurde. Die Strafkammer erkannte mit Rücksicht auf. die überaus drcist'e und freche Ausführung der Diebstähle wegen schweren und ein» fachen Diebstahls auf 1 Jahr Gefängnis. 23 Jahre ZnchthauS. Acht Strahcnräubcr, die in einer Okwbernächt einen freigebigen Mann gewaltsam ausgeplündert hatten, standen gemeinsam vor dem Schwurgericht des Landgerichts I unter der Anklage des Raubes bzw. der Hehlerei. Ein Schlosser Beling, der am 18. Ol- lober abends seinen Lohn ausgezahlt erhalten hatte, machte eine vergnügte Bierreise. In einem Schanklokal im Osten traf er auf zwei junge Leute, denen er je ein Glas Bier spendierte. Sie schlössen sich ihm dann an, als er nach einem anderen Lokal ging, wo er sich dazu bewegen ließ, mit seinen beiden Begleitern»nd einem Dritten Skat zu spielen. Er hatte etwa 42 M. bei sich, bezahlte die Zeche für seine Mitspieler und einige„Skat-Wanzen", brach das Spiel aber sehr bald ab, lveil es ihm so schien, als ob eS dabei nickt reell zuginge. Nun erklärte einer der Anwesenden, daß man nicht damit zufrieden sein könne, wenn B. die ganze Zeche immer auf sich nehme und forderte die ganze Gesellschaft auf, gemeinsam.noch ein anderes Lokal zu besuchen, wo er selbst noch eine Lage Bier zum besten geben wolle. Das Anerbieten wurde allseitig ange- nomen. B. ging mit zwei Begleitern als erster in den dunklen! Flur des Schanklokal» hinein. Plötzlich erhielt er einen Schlag vor den Kopf, so daß er zur Erde flog. Ihm wurde der Mund zugehalten, instinktiv steckte er seine Hand in die Tasche, in der sich sein Geld befand, es nutzte ihm aber nichts, denn die Hose wurde einfach aufgerissen, das Geld geraubt und die gesamte Rotte Korah verschwand. Sehr tragikomisch ist, tvas er von seinen weiteren Erlebnissen erzählte: Als er auf das nächste Polizeirevier ging, habe man ihm dort gesagt:„ein anständiger Mann würde sich nicht so lange herumtreiben!" Infolgedessen ging er zu einem anderen Polizeirevier am Stralaucr Platz, und da habe man ihm gesagt: „eS sei keine Polizeimannschaft zur Verfügung!" Am nächsten Tage ging er zur Kriminalpolizei»nd da hat er dann unter den Leuten des Verbrecheralbums die nächtlichen Banditen wicderer- kannt.— Das Gericht verurteilte diese, die sämtlich vorbestrafte Menschen sind, zu scknveren Zuchthausstrafen, die eine Gesamthöhe von 23 Jahren Zuchthaus erreichten. Ist die Frage nach dem Namen eines SchussmannS strafbar? Infolge der Trunkenheit einer Frau war ans einer Aachener Straße ein Auflauf entstanden. Ein Schutzmann forderte die Leute aus, sich zu entfernen, und notierte jemanden, weil er nicht gefolgt war. In dem Augenblick erschien ein Freund des Rotierten und verlangte von dem Schutzmann, er solle ihm seine N u in in e r sage n. Der Frager. Herr Lemme, wurde dann ebenfalls notiert»nd von dem Schutzmann zur Anzeige gebracht. Tie Strafkammer in Aachen verurteilte Lemme auf Grunl» der Straßcnpolizeiverordnung, die den mit Strafe bedroht, der der Aufforderung eines Sicherheitsbcamten, welche zur Erhaltung der Ordnung, Leichtigkeit und Sicherheit des Verkehrs auf der öffeut- lichcn Straße ergeht, nicht Folge leistet.— Das Kammergericht hob das Urteil auf und ocvwics die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an daS Landgericht zurück. Begründend wurde ausgeführt: Wenn Angeklagter lediglich dazugekommen sei und sich nach Nummer oder Namen des Schutzmanns erkundigte, und wenn der Schutzmann sich dadurch belästigt fühlte, so könne das keine Be» strafnng auf Grund der Straßcnpolizeiverordnung rechtfertigen. Bestraft werden könne er nur, wenn sich die Aufforderung des Schutzmanns, wegzugehen, auch auf ihn er st reckt habe und er dieser Aufforderung nicht Folge leistete. Wobei natürlich auch noch Voraussetzung sei, daß die Aufforderung des Schutzmanns ergangen sei zur Abwendung von Störungen des Verkehrs. Um alles das nachzuprüfen, müsse die Sache an da» Landgericht zurückverwiesen werden. Zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Hagen sWest- falen) verurteilte nach dreitägiger Verhandlung den 23jährigen Kauf» mann Rudolf Miethe aus Schwelm wegen Giftmordes» be» gangen an seinem Vater, zum Tode. SingeganZene DuucKltfmfteii. Protokoll der Zicrhandlunge» t-cS 7. internationale» Trans, portarveitrr-Ko ngrcsies 1910 109 S. H. Joch ade, Berlin, Engelufer 21. Ter Weg zum eigenen Stil. Ein Aussatzpraktilum von Jenleu U. Lonnzns.«Kcb. L M. 91. Janssen, Hamburg. Elcktro-Jiigcniciir-Kalendcr 191!2. Von Hirsch-Wilkina. 2,?0 A. O. Eoblcntz, Berlin W. 30.___ Bncfkarten der Redahtion. Die künstliche SPr«ast»»de findet sttadeostraste 09, vorn Met zttvvf — Fahrstuhl—, ivocheutägllch von iVt 618 7Mi Uhr abend«, Sonnahrnd», von l'/j 61« 6 Nhr abends statt. Jeder f»r den Brlrfkasten deftlmmte» Anfrage ist cln Luchstade»ad eiiie Zahl als v'.crljetchcn betzufstge». Briefliche Antwort wird nicht erlcilt. Anfragen, denen reine Avomicmentsivrlrtllng beigefstgt ist, werden nicht bcantwortct. Eilige Fragen trage man in der Sprechstnnde vor. A. B. 100. 1. Bei Fortsetzung der ehelichen Gemeinschast In sechs Monaten, bei Getrcimtlcbcn in 10 Jahren. 2. Wir bitten mn gefl. nähere Angabe des Verfassers oder Verlegers. Unter dem Verjassernamcn Schulz iii das Bück nicht zu ermitteln, b. Nur als passive Mitglieder, welche jeder Verein ausnimml._____ Marktbericht von Berlin am Lv. Januar ISl2, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. M a r k t h a I l c n p r e i s e. fKleinbandeli 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zunr Kochen 36.00—50,09. Speisebohn«, weihe, 40.00— 60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 10,00—15,00. 1 Kilo. Karpfen 1,00—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander! ,60— 3,60 Hechte �1 fÄ«?' e�rde t'60-3'20 Bleie 0,-0-1.40. NStück Kreis, Lrakt Kotwein Blutarmen u. Kranken während der Rcconvalescera empfohlen. Wactuhir.uf.fien biito zuflieltzuvreisen. Kijflich in fipotheken. Drogm antt Ddicalessen-Gwchaften, FL 1,50 u. 2,00 M. � Verwaltung Berlin. Brattchenversimunlimgen: Mittwoch;, den 24. Januars fitoci»-!J ZßllultS'dat'bdter aocild; 6 Ubr in den Ritter- imoca- u. �guuio.aai peuer fiucu(Snii. Senftf�rmtciftv. 75. Tagesordnung- 1. Bericht der Srartchen« n:ib der Zentralkoinmilsion i:nb Neuwahl dcrjelbcii. 2. Der Streit bei der Firma Boschwitz. abends 8Hz Uhr im Gcwerkschaftehans, Saals, ArbeitSIosensaal. Tagesordnung: 1. Bericht der Branchen« und der Zentralkommisston und Neuwahl derselben. 2. Branchenangelegenheiten. Bürften- und pinrelmacbcr soizmaHr.�" 3' �rc"fi' Tagesordnung: 1. Unsere Statistik. 2. Lahrcsbericht der Kommission. L. Steuwahl der Kommisston. 4. Branchenangelegenheitcn. �alousiearbelter*!l Cci 3I'tton®<,cfcr' Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Obmannes. 2. Dahl dcS Ob- nianneS und der Kommission, ii. Dahl dcS Vergnügungskomitees. 4. Ter- schicdcnes. Bodenleger abends 8 Uhr im GewerrichaftShause, Saal 3. Tagesordnung: Wahl der Branchcnkommission und Branchen- Mtgelegenhcitcn. 77/17 H.& P. Uder, In»1!: Tabak-GroSltandlang und Tabakiabrilt. 0�*" Rauch-, Kau-, Schnupttabake, Zigarren, Zigaretten.'Aqz Vorteilhafteste Bczugsqueile für Wiederverkäufer. Größte Aaswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. ß ämtliohe be- S| m«a«t a 4 4 a•« zu OrlgiualprolMcn. kannten Marken aeiynl G llwtt Amt 4, tfOJA. •——— Filiale GroB-Berlin.> Donnerstag, den 25. Januar 1912, abends 8>/z Uhr: General- Versammlung im Gcwerkschaftshause(gr. Saal), Eugclnfcr 15. Tagesordnung: 1. Kassenbericht für das Jahr Iftll. Berichterftaiter: Kollege Hossmann. 2. Nenwable»: a) ONcvcrioaliuiig, b) Revisoren, c) Delegierte zur Gewertschastskonnnissiou. 3. Wahl eines Bureau- bcaniten. 4. Ausschluf» eines Mitgliedes. 5. NerbandSangelegetiheiten. Zutritt nur gegen Borzcigmig des MitgliedbucheS k 33/16_ I>le Ortsvcrwaltnng. "iü. «-MD Fabrik- Marke. Vjs-r-fjg73-�y Luna=Park. Ab 95. Januar: Ausschank von „Triumphator" ans dem Münchener Bürger- Bräu. „Wintersportfest" in Bcvcbtcsgadcn. Volksbelasiigungen. sonst. Attraktionen. 3 Kapellen. Wahr HMAr-Mii ArhetHnachwo.s: fxxMzjMgMjg KM �Mueeau: Amt Norden, Nr. IS39. Ehariteftraste 3. Amt Norden, Nr. 1337. Mittwoch, den 24. Januar 1912, abends L Uhr, in den Borussia-Sälcn, Ackerstraße 9.7: Kranchen-Uersammlung der Fahrstuhlmonteure tu Helfer«. aller in diesen Betrieben beschäftigt. Arbeiter. Tagesordnung: 1. Jahresbericht und Diskussion. 2. Neuwahl der Agitationsfvmmission. 3. Stellungnahme zum Tarif. 4. Verschiedenes. SM/S!" Da in dieser Versammlung sehr wichtige Bcschliisse gcfasi!"ggrri werden, ist unbedingt vollzähliges Erscheinen ersordcrlich. === Die Bersammliing wird pünktlich crösfnct. Mittwoch, den 2-4. Januar 1912, abends 8'/, Uhr, in den trorona-Sälen, Kommandantcnstr. 72: Versammlung der Graveure and Ziseleure. Tagesordnung: 1. Bericht der AgitationSkommissi o». 2. Neuwahl derselben. Zahlreichen Besuch erwartet 111/2 Ble Ortsvcrsvaltnng. Schallplatten Verleih-Institut.| Auch nach auewäris. Prosp. gratis, jji Karl Borbs, Berlin G9 D Neue Königstrasse 38._ JJ} Tischlerei für Bau von Innenausbau, fast nur Behördcarbeit, ist wegen Zuruhesetzung unter günstige» Bedingungen zu ver- laufen. 12/6 Offerten unter I. M. 647 bes. Rudolf Masse, Berlin SW. Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig Zfettgedruckte Worte). Stellengesirche und Schlafstellen-Anzeigen o Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. V/orte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, lür die Vororte bis 12 Ubr, in der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis 5 L'hr angenommen. Verkaufe. 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