HlwnntracDts-B�JlNöMrt; (aonnemenli• Preis»rSnumerantSt LierteljShrl. S.S0 Mk., 1,10 Ml, wöchentlich 28 55[g. frei WS Hau». Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags« nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Nene Welt" 10 Pia. Post. Aionnement: 1,10 Marl vro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung s« Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige AuSIand l> Marl pro Monot. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Tänemarl. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Runilinien, Schweden und die Schwei» 39. Jahrg. Vlchtlül tzgllch auCcr montags. � f. Verlinev Volksblerkk. Die TnlertlonS'GebQfir lelrügt für die sechsgespaltene Kolonel» Seile oder deren Raum w Pfg.. für politische und oewerkschastliche BereinS- lind Bersammlungs-Anzeigen 80 Pia. „üieine Snreisen", das settgedrullie Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort IN Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Psg. Worte über 15 Buch- Itabe» zählen sür zwei Worte. Inserate ür die nächste Nimimer müsien bis i Uhr nachmittags in der Eipeditio» abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse; uSelllaltlemolint SirU»". Zentvalorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Deutfchlands. Rcdahtion: SM. 68, Lüidcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Donnerstag, den 33. Januar 1913. Expedition: SM. 68, Lfndcnstraosc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 13841' NZhIer von rotdilsm? NSHIer der provin? ISrandenburg! Heute ist Stichwahl. Auf jede Stimme kommt es an! Erscheint Mann für Mann an den Urnen! Stimmt für die Kandidaten der Sozialdemokratie! Sie ftlurzeln des Sieges. Von Karl Kautsky. I. Die Zahlen der bei der Hauptwahl abgegebenen Stimmen liegen jetzt für das ganze Reich vor. Sie bestätigen und ver- stärken den ersten Eindruck. Höchstens insofern bedarf dieser einer Korrektur, als der Mangel an propagandistischer Kraft diesmal nicht den ganzen Liberalismus, sondern seinen rechten Flügel, den Nationalliberalismus kennzeichnet, der sich gerade nur behauptete, seine Stiinmenzahl bloß um 33 li(X1 Stimmen vermehrte, um 2 Proz., bei einer Steigerung der Gesamtzahl der gültigen Stimmen um mehr als 8 Proz. Die Freisinnige Volkspartet hat besser abgeschnitten, sie wuchs um über 300 300 Stimnien. Die'schwarzblauen Blockbrüder verzeichnen aber einen direkten Verlust von rund 333 03(1, bei einer Steigerung der Gesamtstimmenzahl um fast 1 Million. Sie umfaßten 1337 noch 4 338 333, 1912 nur noch 4 333 333. Der Sozialdemokratie fielen 33 Proz. der Stimmen zu. In Wirklichkeit ist aber der geistige Einfluß unserer Partei auf die Bevölkerung weit stärker, als diese Zahlen bezeichnen. Wenn 35 Proz. der politisch interessierten männlichen Bevölkerung über 25 Jahren für uns stimmen, kann nian wohl annehmen, daß in den 3� Millionen junger Leute von 18 bis 23 Jahren die Hälfte auf unserer Seite steht. Unter den älteren proletarischen Elementen gibt es wieder viele, die sozialdemokratisch empfinden, es jedoch nicht wagen, ihr Stimmrecht zugunsten unserer Sache auszuüben. Ter Terrorismus durch Ausnutzung aller gottgegebcnen Abhängig- leiten, der namentlich auf dem Lande in schamlosester Weise geübt wird, richtet sich vornehmlich gegen die Sozialdcmo- kratie. Er raubt uns nicht bloß zahlreiche Stimmen, er zwingt nicht wenige, die im Herzen zu uns gehören, ihr Votum gegen uns abzugeben. Unsere Gegner lieben es, sich damit zu trösten, daß die meisten unserer Wähler nur Mitläufer seien. Konser- vative und Zcntrümlcr wären in tnanchen Wahlbezirken froh, wenn sie Mitläufer hätten. Ihre Wähler sind vielfach bloße Heloten, die nicht freiwillig zur Wahl gehen, sondern von Fronvögten dazu gepeitscht werden müssen. Von den drei großen Parteigruppen, die die Grundrente, den Kapitalprofit, den Arbeitslohn vertreten, ist die letzte heute beroits der Zahl nach in der Bevölkerung die stärkste. Sie ist aber auch die kampffähigste. Sie beherrscht die Zen- treu des ökonomischen Lebens— fast alle großen Städte sind diesmal schon im ersten Wahlgang unser geworden oder sehen die Sozialdemokratie in der Stichwahl. Tie Massen, die uns anhängen, sind unter den arbeitenden Massen die intelligen- testen und energiMten. Jene Arbeiterelcmente, die sich noch von unseren GegWrn als Kanonenfutter mißbrauchen lassen, tun es aus Gewohnheit oder aus Furcht, nicht aus klarer Er- kenntnis. Endlich aber bildet der proletarische Block eine einheitliche Partei, deren Geschlossenheit gelegentliche Meinungsver- schiedenheiten nicht zu lockern vermögen. Diese Einheitlichkeit und Geschlossenheit rührt daher, daß. das arbeitende Proleta- riat die große Masse der Bevölkerung darstellt. Nur aus einer einzigen Klasse braucht unsere Partei ihre Massen zu rekru- tiercn, sie braucht nur ein einziges Klasseninteresse zu ver- treten. Tie Interessen des Profits und der Grundrente sind da- gegen keine Masscnintcresscn. Die Besitzenden werden nicht bloß von Jahr zu Jahr immer mehr die Minderheit der Be- völkerung. Sie zerfallen auch in mehrere Gruppen, deren Interessen sich mannigfach kreuzen. Keine dieser Gruppen kann auf der Grundlage ihrer eigenen Interessen allein eine Massenpartei bilden. Jede muß, um Massen anzuziehen, sich den Anschein geben, daß sie Interessen mannigfacher Art ver- tritt, die gar nicht die ihrigen sind. Und nirgends kann die Gesamtheit der Besitzenden sich in einer einzigen Partei zu- sammenschließcn. Entweder sind die Besitzenden dazu ver- urteilt, in zahlreiche Parteien zu zerfallen, oder ihre Parteien sind dazu verurteilt, lose Gebilde ohne Disziplin und Zu- sammenhalt zu bilden, wenn die Verhältnisse sie zum Zu- sammenschluß in ein paar große Parteien oder„Blöcken" führen. Tie reaktionären Parteien ersetzen diesen Mangel einigermaßen dadurch, daß sie sich aus machtvolle, überkommene Organisationen stützen, die Ultramontanen aus die katholische Kirche, die Konservativen auf den Staat. Den Ltberalen fehlt diese Stütze, so können sie es nicht zu Ge° schlossenheit und Einheitlichkeit bringen, werden wie Spreu vor dem Winde hin und her gefegt. Sie predigen uns die Blockpolitik und verniögen nicht einmal unter sich zu einem -mten Block zu kommen. Die Stichwahlen scheinen diesmal neue Belege dazu lieferit zu wollen. Nationalliberale schicken sich bereits an, nicht bloß gegen sozialdemokratische, sondern sogar gegen fortschrittliche Kandidaten für Konservative ein- zutreten. Tie Ultramontanen wiederum fühlen den Boden unter sich wanken. Die Stütze der katholischen Kirche genügt ihnen nicht mehr. Sie, die ehedem für diese und mit ihr den Kampf gegen die Staatsgewalt siegreich ausgefochten, Haben bei der letzten Wahl bereits sehr vernehmlich nach Staatshilfe geschrien. Aber der Kampf gegen die Staatsgewalt hat das Zentrum groß gemacht, ihm zahlreiche oppositionelle, prole- tarische Elemente zugeführt, die sich mit der heutigen Staats- gewalt unmöglich versöhnen können. Je mehr das Zentrum die staatlichen Krücken zu seinem Vorwärtskommen benutzt, desto rascher werden ihm seine proletarischen Hilfstruppen davonmarschieren. Ter mehr geschlossene Block der Rechten ist im Rückgang begrisfen. Der Block der Liberalen, der nicht an Stimmen verloren hat, zeigt sich ohne Halt, ohne Einheitlichkeit, ohne Disziplin. Beiden gegenüber steht die Sozialdemokratie, eint- ger und zahlreicher als je. Das ist die Signatur des jüngsten Wahlkampfes. Welch- politische. Situation er schafft, das läßt sich erst er- messen, wenn die Stichwahlen vorbei sind. Das'Verhalten der einzelnen bürgerlichen Parteien bei diesen Wählen wird uns einigen Anhaltspunkt zur Voraussicht dessen geben können, was wir von ihnen im Reichstag zu erwarten haben. Heute schon aber gestattet uns ein Rückblick auf die Ur° fachen, denen unser Wahlsieg entsproß, die Probleme zu er- messen, die er dem kommenden Reichstag stellt.. II. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß diesmal die Teuerung die Haupttriebkraft der so überwältigenden oppositionellen Stimmung der Massen bildete. Sie allein hätte jedoch nicht zu unseren Gunsten gewirkt. Hohe Preise hatten lvir auch schon 1937. Aber damals�tvirkten sie eher gegen als für uns. Der Unterschied in der Situation liegt darin, daß wir im Januar 1937 noch eine Aera der Prosperität hatten, indessen wir jetzt eine Aera der Krisis hinter uns haben, die noch nicht durch einen entschiedenen und länger dauernden Aufschwung unterbrocheir ist. Wenn in den Jahren von 1934 bis 1937 die Preise stark stiegen, so erlaubte es der gute Ge- schäftsgang, daß die Arbeiter, wenigstens die gewerkschaftlich organisierten, ihre Löhne noch rascher steigerten. Sie konnten ihre Lage verbessern, trotz der Teuerung. Das machte manche unter ihnen politisch indifferent. Auf der anderen Seite sahen die kleinen Unternehmer sowie die Festangestellten, die unter der Teuerung litten, deren Hauptursache in den gestiegenen Löhnen, was sie gegen die Arbeiter und gegen deren Partei erbitterte. Die Krisis seit 19v7 hat den Aufstieg der Löhne zum Still- stand gebracht. Selbst den gewerkschaftlich organisierten Ar- beitern gelang es nur selten in diesem Zeitraum, erhebliche Lohnaufbesserungen zu erringen: fast nie überstiegen diese das Maß der Teuerung. Die große Masse der Arbeiter sah ihre Lebenslage entschieden verschlechtert. Nicht minder litten unter der Teuerung die kleinen„selbständigen" Leute und die Angestellten. Jetzt aber wurde es ihnen klar, daß nicht die Lohnerhöhungen daran schuld waren, sondern die ökonomische und politische Herrschaft der großen Ausbeuter. Deren Joch wurde jetzt auch von zahlreichen nichtprole- tarischen Schichten immer drückender einpfunden. Die regie» renden Klassen haben alles aufgeboten, den Druck noch zu ver- schärfen. Der glänzende Wahlsieg von 1933 war nicht zum wenig- sten eine Folge des energischen Kampfes gewesen, den unsere Fraktion so gut wie allein gegen die Erhöhung der Zölle im Reichstag geführt hatte. Der wirtschaftliche Aufschwung von 1934 bis 1937 schien aber die Auffassung unserer Partei von der Verderblichkeit des neuen Tarifs Lügen zu strafen. Unsere Gegnerschaft gegen ihn wirkte in dieser Zeit bei den Massen durchaus nicht zu unseren Gunsten. Das ist in den letzten Jahren ganz anders geworden. Selbst zahlreiche Kleinbauern leiden heute unter den Zöllen auf Brotgetreide und Futter- mittel, ebenso wie die gesamte städtische Bevölkerung. Sie alle erinnern sich jetzt, wie die einzige Partei, die niit aller Entschiedenheit die Durchsetzung dieser Zölle zu verhindern suchte, die Sozialdemokratie war. Das wurde noch mehr ins Licht gesetzt durch die hartnäckige Weigerung der Regierung, auch nur vorübergehend die drückendsten Härten der Kornzölle zu mildern, und besonders erbitternd mußte die freche Forde- rung weiterer Erhöhungen der Agrarzölle durch die Junker wirken. Dabei wird durch die Praxis der Polizei und Gerichte das Koalitionsrecht der Arbeiter immer mehr eingeschränkt. das schon durch die Ausdehnung der Unternehmerverbände immer niehr beeinträchtigt wird. Immer schwieriger wird es für den Arbeiter, sich der Teuerung zu erwehren. Junker und Scharfniacher aber sind nicht einmal daniit zufrieden. � Sie fordern weitere gesetzliche Erschwerungen des Koalitions- rechtes. Und die Regierung zeigt sich gewillt, sie ihnen zu gewährend Also Einschränkung des Koalitionsrcchtes und höhere Zölle! Das heißt, der deutsche Arbeiter soll nicht mehr mit Ruten, sondern mit Skorpionen gezüchtigt werden! Bei der Wahl von 1937 hatte die Zollfrage keine Rolle gespielt. Es waren Hottentottenwahlen gewesen. Die Kalo- n i a l s r a g e war im Vordergrunde gestanden. Auch sie hat seitdem ein ganz anderes Gesicht gewonnen. 1907 haildelte es sich um die Fortführung des Krieges gegen die Hereros, der keine großen Kosten mehr befürchten ließ. Und welche glänzenden Aussichten sollten dafür die Kolonien uns eröffnen! Den kleinen Bauern, denen, dank den Agrarzöllen, der Erwerb von Boden durch die gesteigerten Bodenpreise erschwert wird, wurde billiges Land verheißen. Den Industriellen, Unternehmern wie Arbeitern, die unter der Teuerung des Rohmaterials' litten, billige Rohstoffe, wie Baumwolle und Kupfer.' Alle diese Verheißungen haben sich seitdem als blauer Dunst erwiesen. Dabei hat aber die Kolonialpolitik seitdem eine Eigenschaft in den Vordergrund treten lassen, die sie früher weniger offen zeigte: den Gegensatz,' in den sie uns zn England bringt, und seine Folgen. Hatte es sich 1937 nur um den Krieg gegen die HereroS und dessen Kosten gehandelt, so waren wir diesmal durch die Kolonialpolitik wenige Monats vor dem 12. Januar dicht vor den Weltkrieg geführt worden. Vorher schon aber hatte die Regierung die Rechnung des von ihr verursachten wahnsinni- gen Wettrüstens in der Form einer halben Milliarde neuer Steuern dem deutschen Volke präsentiert. Und daß das nicht langt, ist seitdem schon offenbar geworden. Auf die Kriegsgefahr hatten manche unserer Gegner ge- baut. Sie hofften dadurch den kuror teutoniciis zu entzünden, der sich wieder einmal gegen die vaterlandslose Rotte wen- den werde. Aber diesmal versagte der chauvinistische Kalkül. Die Kriegsgefahr bedeutete ehedem in den Augen der Volks- masse alle Schrecken einer feindlichen Invasion. Dagegen ge- wappnet zu sein, erschien ihr eine dringende Notwendigkeit. Unsere Versicherungen, daß auch wir die Nation nicht wehrlos machen wollten, traute man vielfach nicht. Man hielt sich air das, was die bewährten Feldherren der Armee für notwendig erklärten. Aber heute steht es ganz anders. Deutschland ist jetzt an Volkszahl doppelt so stark wie Frankreich— und Rußland ist einem Großstaat gegenüber ohnmächtig.- Der Gegensatz. der heute den Weltfrieden bedroht, ist der zwischen Deutsch- land und England, ist einer, der zur See ausgefochten wird, nicht um Reichsland zu schützen, sondern um tropische Sümpfe und Wüsten zu gewinnen. Ungeheurer als je sind die Kosten des Einsatzes und winzig— wenigstens für die Volksniasse— der Preis des Sieges. So hat diesmal der Appell an den Mordspatriotismus völlig versagt, der 1887 und auch noch 1907 so gewaltig wirkte. Nie hat unsere Partei energischer als im vergangenen Jahre ihren festen Willen bekundet, allen kriegerischen Ge- lüften mit aller Macht entgegenzutreten. Das hatte dazu ge- führt, daß in unserer Partei die Frage erörtert wurde, ob der Massenstreik ein geeignetes Mittel sei, den Ausbruch eines Krieges zu verhindern. Unsere Gegner haben nicht o»- zögert, dies dahin zu verdrehen, daß wir den Streik der Soldaten im Kriegsfall predigten, und daß wir den Streik gegen den Krieg einseitig bloß bei uns predigten. Deutsch- land wehrlos machen wollten. Nie vorher hatten diese Ideen in der Wahlagitation eine Nolle gespielt. Es half alles nichts. Trotz alledem hat die Sozialdemokratie eine Million Stimmen mehr erhalten wie letztes Mal. und die besonders patriotischen Parteien 333 333 Stimmen weniger. Der Kampf gegen die Teuerung, die Agrarzölle, um das Koalitionsrecht, gegen neue Steuern, die Weltpolitik, das Wettrüsten, um den Weltfrieden— das ist die Wurzel, der unser Wahlsieg diesmal entsproß. Und damit sind auch die Probleme bezeichnet, die den neuen Reichstag beschäftigen werden, wenn nicht unerwartete Zwischenfälle unerhörte Situationen schassen. Das Volk hat gesprochen, nun haben die Parlamentarier da§ Wort. Der Ausfall der Stichwahten wird bereits einiger- maßen erkennen lassen, welche Mehrheit wir zu erwarten und wessen wir uns von ihr zu versehen haben. Aber wie immer die Neichstagsmehrheit sich gestalten mag, die Partei der vier Millionen wird von dem herrschen- den Regime nicht ignoriert werden können. Es muß ihr entweder Konzessionen machen oder den Krieg aiifs Messer erklären. Wir werden die Gewinnenden sein in dem einen Falle wie in dem anderen. Denn die Klasse, deren Interessen Unsere Partei verficht, ist die einzige, die stetig wächst. Und in allen Fragen, die ans der Tagesordnung stehen, um die sich auch der Wahlkampf drehte, vertreten wir mit den In- tcressen des Proletariats auch die der gesamten Station. So kann es nicht lange dauern, und die große Mehrheit steht hinter uns._(„Neue Zeit.") -- Sie heutigen Stichwahlen. P o t L d a»I- O st h a v c l l a II d(Soz.— Neichspartei), Lands- b c r g- S o l d i n(Uoiis.— Soz.), Frankfurt a. O.- L e b u s fSoz— Aatl.), G u b e n- L il b b e n(Natt.— Soz.), Sorau-Forst tÄatl.— S03.), jta l a u- L n ck a u(«oz.— Kons.), Striegau- Schweidnitz(Soz.— Kons.), Griinberg-Frcystadt(Soz.- Kons.), Lieg nitz-Haynau(Soz.— Fortschr.), Schönau Hirschbcrg(Forlschr.— Soz.), Sangerhaus en-EckartS- lierga(Ratl.— Soz.), Onerfurt- Merseburg(Soz.— Fortschr.).� Nordhause n(Soz.— Fortschr.), LI l t c n a- I s e r lohn(Soz.— Fortschr.), B 0 ch u m- G e l s c n k i r ch e n(Soz.— Natt.), Dortmund(Soz— Zentr.), L c n n c p- 3i e m s ch e i d (Soz.— Fortschr.), Elberfeld- Barmen(Soz.— Reichs- Partei), Düsseldorf(Soz.— Zentr.), Esse n(Zentr.— Soz.). Mülheim- Duisburg(Soz.— Natl.), Züllichau-Krosse» (Reichsp.— Fortschr.), G l 0 g a u(Kons.— Fortschr.), L L b e n- B u n z» I a u(Fortschr.— Kons.), Salzivcdcl-Eardelegen(Kons.— Baucrnbd.), Liebe nwcrda-Torgau(Soz.— Natl.), Schweinitz-Wittenberg(Kons.— Fortschr.), Osnabrück(Zentr. Natl.), MvrL- Rees(Zentr.— Natt.), Elbing-Marienburg (Kons.— Lieichsp.), S ch w e tz(Pole— RcichSp.), K r 0 t 0 s ch i n(Pole— Rcichkp.), Oppeln(Pole— Zentr.). Ätm Stichwahlausfall i» Bayern. LlnZ Bahcrn wird uns geschrieben: Die letzten Entschciduiigskämpfe in Bayern sind am Montag ouSgcfochtcn worden und haben die schwarze bayerische Landkarte durch einige lichte Flecke aufgehellt. Wenn man bedenkt, daß Bayern, diese finstere Ecke, eine der sichersten Hochburgen der schlvarzen Zkeaktion ist, so kann man mit dem Ausgang für dicseS Mal zu- frieden sein. Namentlich die Sozialdemokratie hat überaus glänzend abgeschnitten, Weit» sich auch nicht alle Erwartungen erfüllten, die unsere optimistischen Genossen gehegt haben. Im Jahre 1St)7 fielen von den 48 bayerischen NeichstagSmandaten üÄck an das Zentrum,' ö an Bündler und Konservative, 3 an die Sozialdcmolratcn, 4 an die Nationalliberalen und 2 an die Frei- (situttgsii. In Nachwahlen verloren die Nationalliberalen- Landau mt die Sozialdemokraten, gewannen aber dafür Kempten-JmMenstadi mit sozialdemokratischer Hilfe vom.Zentrum. Die jüngsten Wahlen haben das Bild erheblich verändert. Gewählt sind 29 ZentruinSlente, 3 Bündler und Konservative, 9 Sozialdemokraten, 4 National- liberale sowie 3 Mitglieder des Deutschen und des Bayerischen BauentbttitdcS. Tie Freisinnigen sind vollständig ausgefallen. Sie haben ihre beiden Sitze(Hof und Erlangen-Fürth) an die Sozial- detnokratie verloren. Schwarzblan hatte 1997 insgesamt 39 Man- datc, die sich in der Nachwahl auf 38 verringerten; jetzt nur noch 32, also Verlust 7 rcsp. 9 Mandate. Sonnt hat die verbündete Reaktion zwar noch genau zwei Drittel aller Sieichstagssitze inne, aber das verdankt sie mir der WahlkreiSeintcilung. Die bei der Hauptwahl am 12. Januar abgegebenen Stimmen rede» eine anbete Sprache. Da fielen auf die schlvarzblane Partei rund 6S3 000, auf die Block- gcg»er aber 648 090 Stimmen, ein Beweis, daß auch die Mehrheit des bayerischen Volkes nichts von der Wuchcrpolitik des Zentrums und seiner Mitschuldigen wissen will. WaS die Einzelergebnisse anbelangt, so brachten sie, wie schon erwähnt-, bei allen erhebenden Erfolgen, doch auch einige Eni- täuschungcn für unsere allzu hoffnungSfreudigcn Genossen. Die Liberalen, besonders die Freisinnigen, haben im allgemeinen die ausgegebene Stichwahlparole: Gegen rechts! befolgt, wenn auch da und dort anfangs große Neigttttg zu Spezialkuhhändelei mit den Schwurzblauen bestand. Erwähnenswert ist, daß die liberalen Partei- leiluugcit cntschtede» gegen derartige Gelüste austraten und rückhaltLloS die Uutersiützuilg der in Stichwahl stehenden Sozialdemokraten forderten. hauptsächlich in Wiirzbiirg, wo Franz Schmitt- München mit dem bisherigen ZentnimSabgeordneten Dr. Thalcr um die Entscheidung zu ringen haue, haben sich die Liberalen mustergültig gehalten, wozu wohl das meiste daS energische Eintreten des ans der Stichwahl auL- gefallenen liberalen Kandidaten Hübsch für die Sozialdemokratie und der liberalen Presse beigetragen bat. Dieser Wahlkreis muß unter allen Umständen auch für die Zukunft gehalten werden. Der Boden ist günstig. Einige schöne Wahlwitze kursierten am Wahltag wie die Scherzfrage: WaS hat die Würzburger Stichwahl gekostet!— Nicht viel, nur einen Thalcr. Ferner das BerSchen: „Der alte Thaler ward erst jetzt Als ReichSmünz' außer Kurs gesetzt* In Schweinfurt, wo unser Kandidat Säckler ebenfalls mit einem Zcitirumsmamr zu kämpfen hatte, sind wir leider mit einer Minder- heit von 2999 Stimmen unterlegen. Hier haben die Ltbc- raleit versagt,- denn Säckler erreichte in der Stichwahl nicht so viel Sttinmen, als Sozialdemolraten und Liberale bei der Haupt- wähl zusätymett. Während bei der Hauptwahl die Zahl der abgegebenen Stimmen 89, 7S Proz. oller Wahlberechtigten betrug, gingen am Stichwahltage nur 87,11 Proz. zur Wahl. In Mittelsranken haben wir dem Bündler Hufnagel den Wahl- kreis AnStach-Schwaliiich abgenommen. Auch hier sind die Liberalen der Parole gefolgt. Die Absichten einer kleinen Clique, den KreiS den Aüitdlertt zuzuschanzen, um Bayreuth mit deren Hilfe gegen unS zu behaupten, sind in letzter Stunde noch zunichte gemacht worden. Einen der erfreulichsten Erfolge haben wir in Kaiserslautern zu der- zeichne», wo mit liberaler Hilfe der Oberbündler Dr. Rösicke von unS hinausgeworfen wurde. Er ist nun gänzlich obdachlos. Schmerzlich jst der Ausgang in K r 0 n a ch- L i ch t e n f e l S, wo Genosse Seel- mann gegen den ZentrmnSmann Dr. Pfeiffer mit 1899 Stimmen Minderheit unterlag. Hier sind die Liberalen nicht ganz zuverlässig gewesen. Der Wahlkreis muß unter allen Umständen von uns ge- holt werden. Die zahlreichen Heimarbeiter der Korbwarenindustrie im Maintal, der Schiefer-, Stein- und Holzindustrie im Franken- Wald usw. sind, so weit sie noch nicht zu uns gehören, zu gewinnen. Es wird notwendig sein, noch mehr als bisher die- Organisation attszubaucit. Augsburg konnten wir ebenfalls dem Zentrum nicht abnehmen, doch der moralische Erfolg ist immerhin groß genug. Der Zentrums- mann Wörle konnte nur noch mit einer Mehrheit von etwa» über 399 Stimmen durchdringen. Die liberale Parteileitung hat zwischen Hauptwahl und Stichwahl in Wort und Schrift, insbesondere aber in der Organisation am Stichwahltage Hcrvorragenses geleistet und hat an dem Ausfall keine Schuld. Diese liegt an dem rechts- stehenden Teil der liberalen Wähler, die sich den Konservativen nähern und lieber zu Hause blieben oder den Klerikalen wählten, als für den Sozialdemokraten zu stimmen. Mit den Liberalen halten wir in München I und in Bayreuth Stichwahlen auSznsechtcn. Den Müncheuer Kreis, den wir schon im Besitz hatten, konnten wir leider nicht wiedergewinnen, doch der Liberale ist mit einer geradezu jämmerlichen Mehrheit gewählt worden. Aber glänzend ist Bayreuth erobert worden: Genosse Hügel schlug den Liberalen Winsatter, einen der größten Reaktionäre, der sich wenig von den Schwarzblauen unterscheidet, mit einem Stimmen- vorsprung von 5990. Die wackeren Bayrcutyer Genossen, die in den letzten fünf Jahren in der rührigsten Weise gearbeitet haben, ernten dafür den verdienten Lohn. Wo die Sozialdemokratie den Ausschlag gegen die Schwarz- blauen zu geben hatte, haben tmsere Genossen ihre Schuldigkeit getan und Disziplin gehalten. Mit unserer Hilfe ist in Rothenburg der Bündler Hilpert zuguitslen des Deutschen und in Straubing der ZentrmitSmamt zugunsten des Kandidaten deS Bayerischen Bauern- bundeS geworfen worden, in Kempten-Jmmetistadt haben wir, wie schon in der vorjährigen Nachwahl den Nationalliberalen Dr. Thoma gegen das Zentrum herausgehauen, nur in GermerSheim reichte unsere Unterstützung nicht auS, um den Liberale» Eronaucr gegen den von de» Bündler» unterstützten ZentrumSprotestantcn Richter durchzubringen. Wenn wir also daS Ergebnis dieses KampfcS betrachten, können wir im allgemeinen mit Genugtuung auf ihn zurückblicken. Es hat! sich gezeigt, daß eS auch in Bayern vorwärts geht— und daS Zentrum nicht unbesiegbar ist. DaS soll unS anspornen, mit der- mehrtcr Kraft dahin zu arbeiten, daß uns bei den koinmenden Kämpfen noch schönere Erfolge blühen. Sie Eroberung des deutschen Korn. Zu dem Wahlsiege der Sozialdemokratie in Köln-Stadt lvird uns von dort geschrieben: Nach der porläufigen amtlichen Zählung siegte Genosse Adolf Hofrichtcr nnt 26 634 Stimmen über den Zentrums- führcr Trimborn, der es nur auf 22 413 Stimmen brachte. Tie sozialdemokratischen Stimmen stiegen gegenüber der Haupt- wähl unt 8000, während sich trotz der im schlimmsten Sinne des Wortes fieberhaften Wahlarbeit des Zentrums dessen Stimmen nur um nOOO erhöhten. Die Liberalen, die bei der Hauptwahl 7150 Stimmen erhielten, haben mindestens zu zwei Dritteln für den Sozialdemokraten gestimmt. Demokraten und Fortschrittlcr haben mit noch anderen an der Niederlage des Zentrums gearbeitet, lind diese Niederlage ist der- artig zerschmetternd, wie der rosigste Optimist es in seinem verwegensten Traum nicht für möglich gehalten hätte. Im Nopembcr erst siegte das Zentrum bei den Stadt- veroronetenwahlen der dritten Abteilung— wohlgemerkt der dritten Abteilung— mit 25 0CO gegen 13 000 sozialdemokratische und 4000 liberale Stimmen, also ohne Stichwahl;' bei der Hauptwahl am 12. Januar wurde dagegen das �jentrunl von der Sozialdemokratie um IV2 tausend Stimmen überholt und am Freitag blieb eS trotz seiner Riesen- agitation um 4200 Stimmen in der Minderheit. Die Gegen- übcrstellung der Stadtperordneten- und der Reichstagswahl offenbart mit aller Schärfe die ganze Niedertracht der öffetit- lichen Wahl. Stur durch seinen wirtschaftlichen TcrroriSmus und den skrupellosen Mißbrauch der kirch- lichen Machtmittel bei der Kommunalwahl vermochte daS Zentrum seine Herrschaft im Rathause zu behaupten. Die energische Haltung der Nationalliberalen gegenüber dem Kandidaten der Zentrumspartei darf nicht ganz aus allgemeinen politischen Ursachen hergeleitet werden; denn einen großen Einfluß haben die kommunalen Vorgänge geübt: der endgültige Verlust der liberalen Mehrheit im Rathause und der von der Zentrumspartei ausgeübte brutale Mehrheits- terrorismuS. Das Zentrum zwang der nichtultramontanen Mehrheit der Kölner Bevölkerung in allen Fragen der Ethik und Kultur, in Schul-, Theater-, Bestattungsfragen usw. seinen Willen auf und hat beispielsweise das Kölner Familienstrand- bad in nach Geschlechtern getrennte Strandbäder umgewandelt. Für alle diese Ausflüsse von Intoleranz und Arroganz hatten den Schwarzen gar manche Bürger Rache geschworen. Die gewaltige Mehrheit von mehr als 4000 Stimmen bei der Stichwahl aber zeigt, daß auch Köln ohne die kommunalen Einflüsse von der Sozialdemokratie erobert worden wäre. Nun hat also das Zentrum seinen vornehmsten Sitz, das �heilige" Köln, nach dreißigjähriger Herrschaft verloren. Sein populärster Führcr ist gegen die Sozialdemokratie unterlegen in einer Stadt, die weit mehr als andere eine Jndustriezentrale ist, in einer Stadt, deren Bevölkerung zu 78 Prozent katholisch ist. Weder die eifrigen Bemühungen deS Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Herrn v. Rheinbabe», und deS Kölner Regierungspräsidenten, noch die des Grafen p. Posadowsky, der nicht gegen die Scharfmacher, sondern gegen die Arbeiterpartei zu kämpfen für gut befand, haben Herrn Trimborn daL Mandat zu retten vermocht. Herr Trimborn hatte erst kurz vor dep Wahl erklärt, er könne sich d a s Z e n t r u m 0 h n e K 0 l n nicht denken, Köln sei die Krone auf dem Zentrumsturm. Nun ist die 5troite heruntergeholt, und eine ganze Menge Quadern sind aus dem Gemäuer mit herausgebrochen. Der Glaube an die llnerschütterlichkeit des Zentrrnnsturms ist zerstoben. Die Stärke� des Zentrums beruht lediglich in der veralteten, die Reaktion unterstützenden Wahlkreiseinteilung, deren Per- änderung sich darum das Zentrum begreiflicherweise auch so energisch widersetzt._ Die Stichwahlen in Heiken-siaiiau. Frankfurt a. M., den 23. Januar. Drei Mandate erobert und eins behauptet, das ist das Er- gebniS der Stichwahlen in Hessen-Naffau. Dieses Resultat kann sich immerhin neben den von anderen LandeSteilen sehen lassen. DaS erfreulichste dabei ist zweifellos die Wiedereroberung von Frankfurt a. M., das von 1884 bis 1999, 22 Jahre lang sozial- demokratisch vertreten war. Ans Frankfurt? Zinnen weht wieder die rote Fahne. Die 14 hessen-nassauischen Wahlkreise vertraten bisher: 3 Sozial- demokraten, 1 Fortschrittlcr, 1 Nationallibctaler, 2 Zcntiümlcr und 7 Antisemiten. Der schwarzblaue Block hatte hier also die über- tvicgeiide Mehrheit. Heule ist dic-S otifcetS. Hessen-Naffau schickt jetzt 5 Sozialdemokraten, 2 Nationalliberale, 1 Deutschen Bauern- bündler, 2 Zentrümlcr und 4 Antisemiten in den Reichstag. Die Hauptwahlcn brachten eine definitive Entscheidung nur in drei Kreisen. Es wurden ein Sozialdemokrat und zwei Zentrümler gewählt. An den 11 Stichwahlen waren 7 Sozialdemokraten, 6 Antisemiten, 4 Nationalliberale und je 1 Zentrümlcr, Konservativer, Fortschrittler, Banernbüiidler und Demokrat beteiiigt. Als Sieger gingen von diesen hervor: 4 Sozialdemokraten, 2 Naüonallibcrale, 4 Anti- setniten und 1 Deutscher Bauernbündlcr. Wir haben schon im„Vorwärts" die schmähliche Haltung der Liberalen zu den Stichwahlen gclennzeichnc'.. Die Nationollibcralcn gaben in einer Reihe Kreisen Parole für den Antisemiten oder Klerikalen auS. Durch diese Taktik � erreichten die Nationalliberalen, daß in Ninteln- Hofgeismar der Antisemit an Stelle deck Sozialdemokraten gewählt wurde. Marburg hätte den Attli- leimten ebenfalls abgenommen werden können, wenn die National- liberalen nicht so schmählich versagt hätten. Nicht»Kampf gegen rechts", sondern„ftampf gegen links" war scrcn Parole. In Mar- bürg stand der Neudeinolrat v. G e r l a ch mit dem Antisemiten in der Stichwahl. Aber auch Gerlach steht den Nationalliberalen viel zu weit links. Sie beschlossen, den Antisemiten zu unterstützen. Unsere Genossen traten artsS tatkräftigste für v. Gerlach ein; dvch der Antisemit wurde mit Iluterslützung der Nationalliberalen gewählt. In E s ch 10 c g e- S ch m a l I a l d e n nützte daS Eintreten der Nationallibcralcit für den Antisemiten und sie Stiinmcnfreigabe der Fortschrittlcr nichts. Genosse T h ö n e- Kassel siegte mit einer Mehr- heit von 1999 Stimmen über den Anftfemiten. Wie diesen Kreis haben wir auch Kassel neu gewonnen. In Kassel kamen wir schon seit Jahrzehnten in die Stichwahl., Nun ist auch diese Feste erobert. Bei der Hauptwahl entfielen auf unseren Genossen Hüttmann(Frankfurt a. M.) 21 800 Stimmen, der Nationalliberale hatte 13 284 und der Antisemit 9532 Stimmen. Bei der Stichwahl am Sounabeitd bekam Hütwtann 22 885, der Nationalliberale nur 21975 Stimmen. Mit dem Genossen Hüttmami, der Gauleiter der Maurer ist, gewiimt die so sialdeniokratische Fraktion einen in der Sozialpolitik und besonders in Bauarbeiterfragen gut be- schlagcnen Mitarbeiter, der mir S i I b e r s ch in i d t den Verlust 1 BömelburgS ersetzen dürste. In Hoch jt- II s i it g e 11 traten die Nationalliberalen für daZ Zentrum ein. Die Fortscheittler stellten hier die Stimmen- abgäbe frei, mit Rücksicht auf Frankfurt a. M., wo man um ZentrumSsiiinmen warb. Alle, alle Mühe war jedoch vergeben?. Genosse B r ü h n e schlug den Zentrumskatldidaten mit einer so ge- wältigen Mehrheit(über 8999 Stimmen), daß die Rcaltiou rjcde Hoffnung, dicsen Kreis zttrnckzucrwcrbcn, aufgeben muß. Orfehnc steigerte seine Stimmen von 21 277 auf 23 999, der Zentrums" kandidat erhöhte die seinen von 9775 auf 15 599. Die Rotional" liberalen hatten bei der Hauptivahl 9399 Stimmen, diese dürften-y dem Zentrümler voll zugefallen sein. Von den 9972 Fortschritts- stimmen sind anscheinend nicht allzuviel aus Brühne ubergegangen, die größte Zahl(ungefähr zwei Drittel) der Fortschrittler blieb zu Hause. AIS Gegenleistutig für die Unterstützung des Zentrums in Höchst trat dieses in Wiesbaden für den nationallibc alen Kommerzien- rat B a r t l i n g ein. Wiesbaden haben wir bekanntlich 1997 wider Erwarten erobert. DaS Zentrum ttnterstüvte de uals unseren Ge- Nossen Lehmann(Mannheim), diesmal aber den Nationalliberalen, und so blieb Genosse Lehniüitn auf der Wahlstätte. Lehmann steigerte zwar noch seine Stimmen um über 4999, von 15 293 auf 19 435, der Nationalliberale hatte aber die Unterstützung vom Zeit- trum und Fortschritt, und diesem vereinte» Ansturm mußte uuscr Genosse unterliegen. Das ist der einzige, sehr bedauerliche Verlust in Hessen-Nassau. Dieser Verlust in Wiesbaden gleicht aber der glänzende Sieg in Frankfurt a. M. reichlich aus. Frankfurt a. M. für die Fortschrittler wieder verloren, daS trifft diese so schwer, wie der Verlust Kölns daS Zentrum. Heiß und leidenschastlich, mit großer Erbitterung wurde in Franlfurt a. M. gekämpft. Die Fortschrittler machte» die verzweifeltsten Anstrengungen, um daS Mandat zu retten. Mit den erbärmlichsten Mitteln kämpften sie. Die Beamten wurden an ihren Treueid erinnert, der nicht zulasse, daß sie einen Sozialdcmvltateir wählen. DaS Zentrum hatte die Parole Stimmenthaltung au.- gegebcu, ebenso die Chrisilichsozialen. Die Fortschrittler versuchte» ttuit— und das gehört zu ihren k chmählichstett Handlungen— die ZeutrumSwähler zu täuschen und bei ihnen Verwirrung anzurichten. In der Presse erschienen In- serate von angeblichen ZentrumSwählern, die zur Wahl deS Fort- schrittlers aufforderten. Und am Stichwahltage gaben die Frei- sinnigen Plakate heraus mit der fetten Ueberschrift»Falsche S t i ch w a h l p a r 0 1 e!". ES wurde in ihnen gesagt, das Zentrum habe in Frankfurt a. M. zwei sich widersprechende Parolen heraus- gegeben, da eS im Wahlkreise Höchst die Sozialdemokratie als die größte Gefahr bezeichne, in Frankfurt aber Wahl- enthaltung proklamiere und so die Wahl..cincL Sozialdemo- raten schärfster Touari" ermögliche usw. Dfeph derartige Tricks sollten die Zentrumswähler irre gemacht werdest. Alles Wcibcn war aber vergebens. Die Zentrümler enthielten sich der Abslimittuttg oder gaben weiße Zettel ab. Die Wahlbeteiligung war noch stärker als bei der Hauptwahl. sie betrug 87 Proz. Beide Parteien arbeiteten mit dem Aufgebot aller ihrer Kräfte, eS war ein heißes Ringen. DaS Resultat des harten Kampfes war für beide Parteien überraschend. Wohl glaubte» wir, mit einer ansehnlichen Stimmenmehrheit zu siegen, daß ober Ouarck fast 5009 Stimmen mehr wie sein Gegenkandidat belünte, daran dachten auch die größten Optimisten nicht. Wir haben noch stattliche Reserven herangezogen. Eenosse Ouarck vermehrte seine Stimmen um fast 4999. Sie stiegen von 35 985 auf 39 233. Ocser bekam 34 319 Stimmen gegen 31 392 bei der Hauptwahl. Als die Wahl QuarckS feststand, brach in uiiscren Versammlungen und auf der Hauptstraße, wo sich dichte Menschenmassen' aufainmelten, endloser Jubel auS. Bis spät nach Mittentacht war die Zeil, die CaseS und Restaurants stark besetzt, die eiitgelousenen' SicgcSnach- richten wurden mit ungeheurer Begeisterung mtd Freude auf. genommen. Der Frankfurter Sieg ist nicht nur politisch sondern auch moralisch zu werten. Der Wahlausgang ist in jeder BeziehmtgD eine schwere, verdiente Niederlage der Fortschrittler und ein Triumph.; für die Sozialdemokratie. Die Frankfurter Arbeiterschaft hat die Ar- Scharte von 1997 ausgeglichen. Frankfurt a. M. ist wieder sozial- demokratischer Besitzsiaitd— und wird c3 bleiben. flus dem Nahlkampf. Zum nationalliberal-klerikaleu Kuhhandel tut rheinisch- westfälische» Jndustriercvier. Der in Köln unterlegene Zentrumskandidat Justizrat KaÄ Trimborn erläßt folgende Aufforderung: Köln ist— von einem kleinen Bruchteile der Naiionalliöernlcn abgesehen— durch das Verhalten der liberalen Parteien gestern der Sozialdemokratie ausgeliefert worden. Zahlreiche nur zugegangene Telegramme au? allen Teilen des Deutschen Reiches lassen erkennen, welche Erbitterung darüber sich der weitesten Kreise der ZentrumSpartei, namentlich aber im Ruhrgebiet, wo die Stichwahlen noch bevorstehen, bemächtigt hat, So sehr ich diese Erbitterung verstehe, bitte ich doch auf das dringendste, derselben bei der Stimmabgabe am 25. Januar in keiner Weise stattzugeben. Ich fordere vielmehr, im Einverständnis mit dem Beirat des ProvilizialausschnsseS, alle Anhänger der ZentrumSpartei in den Wahlkreise:: BochuM-Gelsenlircheu und Duisburg-Mülheim(Ruhr) hierdurch nachdrücklichst auf, bei der Stichwahl bis auf den letzten Mann für die beiden rechtsstehenden nationalliberalen Kandidaten einzutreten und deren Sieg gegenüber der Sozialdemokratie unter allen Umständen zu sichern. Das erfordert in diesem Augenblick das vaterländische'Interesse, welches überall voranstehen muß, und ganz besonders noch die Rücksicht auf die chrisilich-nationalc Arbeiterbewegung im rheinisch- tveftfälischen Industriegebiet, deren gedeihliche Weiterentwickelung allen einsichtigen Vaterlandsfreunden am Herzen liegen muß. Köln, 23. Januar 1912. Karl Trimborn, Lorsitzender des Provinzialausschnsscs der Rheinischen Zentrumspartei. Tiefer Aufforderung cutsprechend mahnen denn auch die Zentrumsblätter in den Kreisen Essen, Duisburg, Bochum- Geiienkirsien die Zentruniswähler entschieden, an dem einnial abaeschlosscnen Vertragsverhältnis im Industriegebiet fest- zuhalten, lvcnn auch der Ausfall der Kölner Wahl unter der Zentni.uspartei außerordentlich verstimmend wirken müsse. Die„Essener Volkszcitung" fügt noch hinzu:„Auch setzt ist die ZentrumSpartei in Duisburg, Mülheim und Bochnm- L Gelseukirchcn verpflichtet, mit deni Aufgebot der letzten - Krait dort für die nationalliberalen Kandidaten einzutreten, wie umgekehrt in Essen die Ztationalliberalen der Zentrumspartei die zugesagte tatklüftige Wahlhilfc i gegen die Sozialdemokratie zu leisten haben. Treue p um Treue." Auch die..Gelsenkircheuer Zeitung" warnt davor, den Gedanken der Vergeltungspolitik auskommen zu : lassen. Unter keinen Umständen dürften die ZcntriimSwähIcr | da, Ivo sie den Ausschlag gegen die Sozialdemokraten geben, nun in der Stichwahl gleichgültig sein, denn ihr Beiscitestchen könnte nur den Schaden von Köln noch vermehren. Zu diesem schönen Herzensbunde der„nach Bildung und Besitz Maßgebenden" mit„den ultra- montanen Dunkelmännern" steht im schärfsten Kontrast da? Urteil, das die„Köln. Ztg." über die Stichwahl in Saarbrücken Sie schreibt: .sn b-r Stichwahl haben die Sozialdemokraten niit ihrer itzen P v. ole gegen den schwarzölaueu Block, die von den im ersten Wahlgang iür den Kandidaten dieser Partei, Herrn Leimpeters, ' eingeneiencii Wählern auch bis auf einen nicht erheblichen Anteil � beiolgt tvo'üen ist, den ZeittrinnStrick der Abloiiiinandierung ans- wärtigcr Wähler zuichanden gemacht und den Sieg des Gegners gegen den schwarzblaucn Block zu einem so glänzenden ge- Urltet. Offen muß cS anerkannt werden. daß hier die Sozialdemokraten den Wahl- kämpf in durchaus ehrlicher Weife geführt haben s«. n n d daß sie wohl diszipliniert einer d u r ch d i e v 0 I i piff ch e Situation gegebenen politischen P a r- gefolgt sind, ohne sich beirren zu lassen durch die Locknugeu. des ZentruinS. das ihnen mit dein Werben um einen Nrhestzertollege« die Wahl schwer zu machen verstand. Roch bis NN die Wahlurne heran hat hier das Zentrum heiß und begehrlich nm die Stimmen der Sozialdemokratie geworben und dies Liebes- werben noch zu verstärken verstanden durch die Drohung, im Wahlkreise Hr. s, des sozialdemokratischen Führers, Rache an den Sozial- demokraten m nehmen, wenn hier die Sozialdemokraten ihren Llrbeitslolkegcn Sanennann im Stich lassen würden." Wir guittieren recht gerne, daß die„Kölnische Zeitung" die Disziplin und das Verständnis der sozialdemokratischen Wählern, c.iio anerkennt, können den Stationalliberalen dieses Lob aber lücht ausstellen. Sie haben sich bei den Stichwahlen durchwg nicht als eine Ivohldisziplinierte politische Truppe erwiesen, sondern als ein total unreifes Politisches Gemisch. Ein wertvolles Geständnis. Tic„Germania" veröffentlicht einen Kölner Brief über die Riederlege Zentrums. Darin heißt es: „Wenn ni.kit sofort am Tage nach der Hanptwahl einige hundert rechtsliberaler Männer, die den Ernst der Sackilage durch- schaut halten, dei» Ausruf für Trimborn, ohne die Stellungnahme der liberalen Parteileitung abzuwarten, veröffentlicht hätten, wäre in der imüonallibcralcn Versammlung am Freitag nach der dort zum Ausdruck gclauglcn Stimmung offen die Parole für rot aus- gegebeu worden. Aber man durfte diese rechtsliberalcn Männer, die zu d c u g e l d k r ä s t i g st e n der u u t i o n a l l i b c r a l e n P a: t e i zählen, nicht v o r d e n K o p f st o ß e» und tonnte bei dir Parole, die Sliinmabgabe für den Wähler frei zu stellen, um so ungehinderter dem Zentrumshaß— denn der Haß war die tretbendc Kraft der liberalen Notwähler— freien Laus laffcu und nahezu Scann für Mann den Sozialdemokraten wählen." Also: die Maßgebenden in der nationalliberaken Partei- organisalioi: sind die Reichen, und die Neichen sind f ü r'S Zentrum! Eine Äahlentschcidung durch daS Los. Im Wablkreisc Bingen- Ä l zey soll nach den letzten Meldungen Siiunnengle-cvcheil zwischen dem sortschriltlichen Pfarrer Korcll und t cur au: ccm.echten Flügel der Rationallibcralen stehenden Dil ck.'or k eS� ReichSverbandeS zur Bckälnpsimg der Sozialdemokratie D: Becker-Sprendlingen herrschen. In diesem Falle würde laut x 12 des Sieichöwahkgesetzes das Los entscheiden. '* Die Stichwahlen in Aheiulaud Westfalen. Die Nalivnak liberalen von E l b c r s e l d- B a r in c n beschlossen einstunmig ohne Widerspruch folgende Stichwahlparole: Die Rational- liberale Partei von Etberfeld-Barmen fordert ihre Wähler ans, am Touucuetag iifdcr Stichwahl Mann für Manu für den Frcikonser- va'.ioen Li i emzutreten Diese Parole soll durch tätige und intensive Arbeit für den Freikonservaliven unterstützt lverdcn, damit Donnerstag das schwarz-weiß-rote Bannner über dem Wuppertal« ft-Mert. AiA Rationalliberalen werden aufgefordert, ebenso tätig für die Wabl Linz' einzutreten, wie seinerzeit für die ihres eigenen Kandidateit'Hills, mann.. )>' Tie Forkschrittliche Volkspartct hm»sit übergroßer Mehrheit «rimnicilfreia:be für die bevorstehende Stichwahl bcichkosten, da dos Aßndziel des LweraliSinuS die Zertrümmerung des ichwarzblaueu ' Blocks sei, die jetzt auf des Messers Schneide stehe. Diese Anfgabe l der Liberalismus loäre im Wahlkreise Elberfeld nn'ürlich gegen- % wältig mir durch die kousegucute Stichwahlparole für den Genossen Eber: zu erßillen. In Bochum rief der sozialdemokratische Wahl- s'i e g: n übt n nach der„Post" g-oße Erregung hervor. Bei den Ätlhangeru des Zentrums ist die Stimmung: Rache für Kölnl Daß Köln sär Lcnnep-Mettmann cntschcldend ist, hat das Zcn- trum schon offiziell erklärt. In Mörs-Ree? beschlossen die Konscrbaiivcn nach einer Ansprache Dr. Hahns die Unterstützung des Zentrums gegen die Rationalliberalen. In Essen protestierte Dienstag abend eine von mehr als 3999 Personen besuchte Versammlung der Fortschrittlichen Volks- Partei gegen das Wahlkoinpromiß zwischen plationallibcralen und Zentrum. Referenten waren Rechtsanwalt Dr. �Lcvh-Esseii nnd Dr. Potthoff-Düsseldorf. Die Parole: Für die S o z i a l d c m a- kratic nnd gegen das Zentrum! wurde mit gewaltiger Begeisterung aufgenommen. Die Mißsiimmung über den Wahl- schacher der Liberalen mit dein Zeiitrinn ist allgemein. Im Kreise Duisburg beschloß die Fortschrittliche Volks- Partei die Unterstützung des uativualliberalcti Kandidaten. poMscke Ucbcv ficht. Berlin, den 24. Januar 1912. Bafscv«auiis Mauscruug. Herr Bassermann, der Führer der Nationalliberalcn, hat am 22. d. Mts., nach seiner Wahl in Saarbrücken, dort eine schöne Rede gehalten, in der er nach der Mitteilung der „Köln. Ztg." gesagt haben soll: „Ich werde es nie vergessen, wie wacker und eifrig mir das Burgertuin in Stadt und Land, wie unerschrocken mir die Arbeiter- schaft zur Seile stand im Kampfe gegen Klerisei und Dunkel- mämicr. Die Rationalliberale Partei hatte diesmal einen schweren Kampf zu bestehen: nach zwei Frottlett mußte tliit aller Kraft gclämpst werden. Erst die Stichwahlen werden das endgültige Ergebnis dieses Kampfes erbringen. Aber das eine steht schon heute fest: die Zahl der liberalen Stimmen ist um ein Beträchtliches gewachsen. Und letzten E tt d c ö in u ß u tt d wird die S t i in m e n z a h I das Entscheidende sein. Und mit der Zahl der Stimmen ist die Erkenntnis für die einzig fruchtbringende Politik gewachsen. Wer heute noch nicht erkennt, daß Deutschland in liberalem nnd sozialem Sinne regiert werden muß, der ist ein politisch Blinder. Der schwarzblaue Block darf nicht weiter regieren, soll nicht unser Vaterland schweren Schaden nehmen. Damm muß der Liberalismus auch fernerhin gerüstet auf der Schanze stehen. Ob Sieg, ob Mißerfolg, er darf nicht feiern. Mit hoher Genug- tuung aber erfüllt es mich, daß auch Männer anderer Parteien mir ihre Stimitie gaben, ohne mir vorher irgendwelche Forderungen vorzulegen. Das eins aber versichere ich hier auss neue: daß ich stets und unentwegt kämpfe» werde gegen Reaktion und Rückschritt midmit allcrKrast eintreten werde für Fortschritt und gesunde Freiheit und vor allem für eine gute StantSschulc. Ich war mir stets bewußt, daß cS notwendig und unerläßlich ist, dem d c u t s ch e n L o l I c V e r t r a u e n e n t- g c g e n z u d r i n g c n, doß man es nicht beeinträchtigen darf durch Ausnahmegesetze, sondern durch freiheitliche Gesetzgebung ihm Gelegenheit geben soll, seine reiche Kraft in vollstem Maße zu entfalten." In einer zweiten Ansprache kam Herr Bassermann in der Beanlwortung eines Vorredners nochmals auf das Ergebnis der Hauptwahl, indem er ausführte:„Er werde sich auch f e r n e r h i n vo n so z i a l e n und b o l ks t ü m l i ch e u Grund- gedanken leiten lassen. Wenn es nunmehr feststehe, daß die Sozialdemokratische Partei in diesem Wahl- gang über-1 Millionen Stimmen zählte, dann möchte man doch aufs dringlichste wünschen, daß aus den Köpfen mancher Minister alle vielleicht hochphilosophischen aber wenig fruchtbaren politischen Rciguugen hinweggesegt und au ihre Stelle n o lks t'ü m lrth e B e sdr e b u u g e rr treten m ö ch t c u. Die Vorherrschaft des schwarzblaucn Blocks dürfte nunmehr wohl beseitigt sein, auch wenn der Liberalismus nicht in der Stärke wiederkehrt, wie eS vielleicht zu wünschen wäre." DaS Hangen und Bangen vor der Stichwahl scheint auf die politische Erkonntnisfähigkeit des Herrn Bassermann sehr günstig eingewirkt zu haben. Wir haben ihn bisher nicht süc so leicht crziehbar gehalten. Hoffentlich'kommt Herr Basser- mann bei jeder zukünftigen NeichstagSwahl immer wieder in eine solche verzwickte Lage, daß er von der Wahlunterstützung der Sozialdemokratie abhängt— vielleicht wird er dann im Laufe der Zeit doch noch ein halbwegs einsichtiger Politiker. Erzbcrgcrschc Kalkulationen. Im roten„Tag" bespricht Herr M. Erzbergcr, die Oualin- tutc von Biberach, das Ergebnis der bisher bollzogenen Reichstagswahlen und kommt, wie nicht anders zu erwarten ivar, zu dem politischen Resultat, daß das Zentrum im nächsten Reichstag eine weit bessere Rolle spielen wird als in den letzten Jahren, da es in der glücklichen Lage sei, nach per- schiedencn Seiten hin„Abwehrmchrhciten" zu bilden. Er nicint: Für die Fortsetzung der bisherigen Wirtschaftspolitik ist eine Mehrheit unter allen Umständen da. Eine Arbeitsmehrheit wird der Linksblock nie auf die Beine bringen: cr lamr mir eine Abwehr- Mehrheit noch erreichen, wenn er Glück hak und noch mehr Mandate mit zwölf Stimmen Mehrheit(Bingen), neun Stimmen Mehrheit (Berlin 1) und acht Stimmen Mehrheit(Offe'nburg) erobert. Aber eine andere Abwehnnehrheit ist heule auch schon im Reichstage vorhanden: Zentrum, Polen und Sozialdemokratie besitzen bereits mit den Welsen und Eljäsjern zusammen 217 Mandate, so daß trotz ciniger Mandatsverluste die parlamentarische Stellung dcS Zentrums nicht heruntergedrückt werden konnte. Der alte Bülow- Block, der 1997 mit einer Mehrheit von 224 Stimmen einzog, hat heute nur noch 135 Stimmen zur Verfügung und kann höchsten» aus 159 Stimmen kommen. War von 1997 ab eine Arbeits Mehrheit an ch gegen das Zentrum denkbar, s o kennt der neue LlcichStag eine solche nicht mehr; daö hat die liberale Politik seit der ReichSfinanz- rcform erreicht. Das Zentrum hat dies nicht zu bedauern. Mit der ersehnten Schiedsrichterrolle sür die Volkspartei ist es nichts geworden; weder positiv noch negativ hat sie diesen an- gestrebtcn Einfluß gewonnen. Hat sie schon die Stichlvahltaktik zu den Heloten der Sozialdemokratie gemacht, so wird noch mehr die Stellung der einzelnen Parteien im Reichstage zu erkeimen geben, daß die Volkspartet im neuen Reichstage zur BedetttuttgZ- losigkeit verurteilt worden ist; auf ihre Haltung kommt es in gar keinem Falle an. Tie„ReichZregetttschast" hat also nur kurz gedauert. Die Rechnung ist sehr schön. Sie hat nur den einen Fehler: sie stimmt nicht ganz. Landtagscröffnung in Brannschtvcig. In Braunschweig wurde heute vormittag gegen 11 llbr die 31. ordentliche LandeSversainntlung eröffnet. Der Herzog- Regent Verla» eine Thronrede, in der cs u. a. heißt, der Landtag trete zn einer Zeit zusammen, wo die treu zu Kaiser und Reich stehende Bcvölkermig Deutschlands mit ernstein Blick in die Zukunft setze, etncr Zeit, in welcher manche Umstände davon zuriickhalteiit könnten, an bewährten Einrichtungen deS Staates klcndttungen Vor« zunehmen. Dennoch habe dies zn geschehen, und unter Zugrunde« leguiig der direlten und geheinten Wahl nach dem Dreiklassen- wahlstistem würden dem Landtag sogleich die Entwürfe eine» Gesetzes über die Z n f a ni m e n s e tz u n g der L a n d e S V e r s a m m l u n g und eine» Gesetzes über die Wahlen zur L a n d e» v e r s a m m I tt n g zugehen. Tiebeit dein die Landtagswahlen betreffenden Gesetz«erden dem Landtage die Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben angekündigt. Die Finanzlage des Herzogtum» wird bei Beibehaltung der nur sür die laufende Finanzperiode bewilligten Steuerzuschläge als nicht nn- günstig bezeichnet. Infolge der geplanten Durchführung der Wahl- resorm würden dem Landtage neben den Etat» nur noch einzelne Gesetzentwürfe unterbreitet werden, die, wie z. B. da» Ausführung-- gcscp zu dem mutmaßlich am 1. April in Kraft tretenden Reich»- uiehseuchengesetz, eine baldige Verabschiedung erheischen. Rotkollcr. Aus Frankfurt a. M. wird unS berichtet: Zu Beginn der DienstagWmg der Stadtverordnetenversammlung gab es einen tragikomischen Zwischenfall. Von einem ungenannten Freund unserer Partei waren den drei Stadtverordneten Brühne, Hüttmann und Quarck, die bekanntlich bei den Stichwahlen Mandate errungen haben, Sträuße mit roten Nelken auf den Platz gelegt worden. Ter Präsident der Stadlverordneten, der Freisinnige Jnstizrat Fried- leben, ließ nun durch den Saalbiencr dem Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion mitteilen, eS sei nicht üblich, in solch d e in o n st r a t i v c r W c i f e Wahlsiege z u feiern. Die ganze freisinndemokratische Fraktion schloß sich dieser Ansicht an und iveigcrte sich, den Saal zu betreten, ehe nicht die roten Blumen entfernt seien!! Erst nach halbstündiger Beratung einigten sich die Freisinnigen darauf, sie Ivullten. die Blumensträuße nicht als „ossiziclle" Huldigungen ansehen. Die Sitzung konnte beginnen. So geschehen 1912 in der„freien" Stadt Frankfurt a. M. Börsenspekulation und Kolonialpatriotisnius. In der Münchcncr Wochenschrift„März" äußert sich Dr. A, Gold- schmidt über deutsche K o l o n i a l g r st u d u» g c n. Er sagt da unter anderen: „Achtzig K o l o n i a l g e s e l l s ch a f t e n gibt es, die ein respektables Kapitalkquuiituin attflvciseii, und von diesen achtzig zahlen über vierzig keine Dividende oder weisen sogar Verluste auf. Ebenso phantastisch tvie die Schillcrnamcn mancher Kolonialgrüu- düngen waren einst auch die Aitimiertraktätche», ans die ja bci uns 99 vom 199 hereinfalleti. Aber weniger glänzend präsentiert sich imS die Dividenden- und Kursskala, das RentabilitätSdarometer. Einst flatterten die.Papiere der Deutschen Kokonialgesellschaft für Südwestafrika auf über 2999 Prozent, heute schivebeit sie in Regionen, die etwas tiefer liegen. Sie halten sich nämlich ans ungefähr 589 Prozent. Einst wurde es den Besitzern dieser Anteile vor lauter Gewinnen schwindelig, heute vor Verlusten. E» ist noch garnicht so lange her, da ritt Herr Erzbergcr den KurSphantasus in das Fabellaud. Er konstruierte für die Deutsche Diamanten- gescllschaft eine Dividende von 299 Prozent. Heut: bleiben die Anteilhabcr divideudenlos, und Herr Erzberger dürfte sich wohl nicht mehr gern an seine trauSzendendulen Spekulationen erinnern lassen. Aehnlich steht es mit den TemtorieS. dem Rummsl- papier der Berliner Kolonialjünglinge, den Otavianteileit der selig entschlafenen Hoffnung eine» jeden BörsengentS und so vielen, vielen andern... Bis jetzt hat daS deutsche Volk immer nur die Taschen von anderen Leuten gefüllt, und zwar von solchen Leuten, die die Wurst drücken, solansejim» drin ist, Äe Pell« aber wegschmeißen. Diese L e U. t e s i u d mit.der Front liberal und wedeln mit dem Steiß nach oben. DaS ist noch immer ein gutes Geschäft gewesen. Patriotismus und Voltshätscheln rentieren sich, wenn man sie richtig vereint und doch zur rechten Zeit getrennt verwenden kann. Man schickt die aus-- geleerte« Groschcnkulis in die Wüste und pflückt selbst in der Oase die(üßen Früchte. Das nennt man dann Kvloutalpatriotisiuus zum Wohle des deutschen Volke»." Zwei Tcnkschrifte» zu den,'.eilen Preußischen Steuer« vorlügen sind dem Abgeordnetenhanse zugegangen, eine Denkschrift über die Lage des SlaatshaushaltS im allgemeinen und eine Denkschrift über die in der OeffentliÄkeit gemachten Vorschläge einer Vermögens» zuwachs- oder Ueberflnßsteuer. Die erste Dentschrifr untersucht die Frage, ob der preußische Staat mit den bisherigen Haushaltsmitteln seinen Verbindlichkeilen nachkommen kann oder ob durch eine Rc- organisation der bestehenden Steuergesetze neue Mittel geschaffen werden müßten. Die Denkschrift berechnet den Ertrag auS den bisherigen Steuerzuschlägen ans jährlich t!9 Millionen Mark und kommt zu dem Ergebnisse, daß ans diese Stimme nicht verzichtet werden könnte. EL wird auch die Frage erörtert, ob nicht die Möglichkeit bestände, durch eine Aendcrung der für das VerbältniS zwischen EiscnbahnhauShalt und Gesamthaushalt im Jahre 1910 getroffenen Regelung cind Erhöhung de»_ sür die allgemeinen StaatSauögaben verfügbaren Teiles de'c Eis enb a h n ü b er f ch ü s s c herbeizuführen, und damit den Bc- darf von. Steuern entsprechend hcrabzmniuderii. Infolge der großen Sparsamkeit ist es seit 1998 fast gelungen, den dauernden Fehlbetrag zu besciligen, während er 1998 noch 292 Millionen Mar! betrug, ist cr jetzt auf 19 Millionen Mark gc- stinken. Die Vorschläge einer kl e b e r s l u ß st c u e r an Stelle der Steucrzuschlägc. die in den letzten Jahren gemacht worden sind, können nicht für gangbar erachtet werden.— Für ein Geldsackparlamcni ist eine Ueberslußsteuer nalürlich nicht „gangbar" l_ franfcrdeb. Eine Nachwahl. Paris, 22. Januar.(Eig. Ber.) Bei der gestrigen Nachwahl in der bisher von einem„unabhängigen Sozialisten" vertretenen Industriestadt Elbens hat Genosse P o i s s o n. der Kandidat der geeiingten Partei. 3331 Stimmen erhalten, um 1522 mehr als bei den allgemeinen Wahlen von 1919. E» findet Stichwahl statt, wobei der progressistische Kandidat mit 5139 Stimmen voransteht. Die Entscheidung liegt in der Hand der linlsrepublikattischeu Wähler, die für drei Kandidaten 1529, 1422 und 395 Stimmen abgegeben haben. ES wird sich zeigen, ob sie die von der neuen Regicruna vollbrachte Nestauration deS Mölim-smiiZ mitmachen und oll der Radikalismus der Wühler mehr Standfestigkeit hat als der der Ge- wählten. Spanten. Ktunarillawirtschast und Ministerkrise. R-ch Meldungen auS Madrid soll Maura. der frühere kon- servative Mimflerpräfidettt. den König zur Entlassung Canälejas. aufgefordert haben, um den Konservativen wieder die Regierungs- gewalt zuzuspielen. Die Demission Canalejas schien schon gewiß tritt abee vorläufig doch nicht ein. Ministerpräsident EanalejaS bezeichnete am Dienstag bei seiner Rückkehr auS dem königlichen Schloß die Gerüchte über eine Krisis als unrichtig, indem cr hin fügte, daß es sich um Phantasien handele, die in den Wandel- gäugen der Deputicrtenkammer entstanden seien. DaS Parlament werde morgen seine Arbeiten in gewohnter Weise fortsetzen. Wie Me«Agenee HavaZ' meldet. Herrscht jedoch allgemein dke lleder- zeugung, datz tatsächlich irgend etwas vorgefallen ist. datz aber wegen des ungünstigen Eindrucks und der Ueberraschuug. welche die Nachricht von dem unerwarteten Sturz des Kabinetts aus un- bekannten Gründen hervorgerufen hat, jeder Gedanke an eine Aenderung des Kabinetts fallen gelassen worden ist. Republikaner und S o z i a l i st e n haben beschlossen zu erklären, daß die Krise nicht geduldet werden könne, weil sie außerhalb des Parlaments liege und das Vorhandensein eines persönlichen Regiments beweise. Beide Par- teien wollen sich der Rückkehr der Konservativen zur Regicrungsgcwalt widersetzen, Canalejas aber trotzdem be- kämpfen, da er das liberale Programm nicht verwirkliche.— Der Führer der republikanischen Partei wird am Donnerstag in der Kammer eine Interpellation über die Krise einbringen. Rußland. Am Jahrestage des Blutsonntages. Der Jahrestag des Blutsonntags(22. Januar 1905) hat in verschiedenen Städten Arbeiterdemonstrationen hervorgerufen. So streikten in N a k o l a j e w 2000 Schiffsarbeiter, in I e k a t e- rinoslaw die Werftarbeiter. In Riga fand ein Aufzug statt, bei dem die Arbeiter mit roten Fahnen unter Absingung rebolu- tionärer Lieder, dahinzogen. Es kam zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei sowie zu vielfachen Verhaftungen und Haus- suchungen. In Petersburg zogen starke Arbeitcrgruppen nach dem Prcobraschenskifriedhof, wo die Opfer des Blutsonntags be- graben sind, und legten Kränze nieder, von denen die Polizei die roten Schleifen wegschnitt. Der Krieg. Der französisch-italienische Zwischenfall. Paris, 24. Januar. Wie das„Echo de Paris" meldet, hat der gestern in Rom eingetroffene Botschafter B a r r c r e die tele- graphische Meldung hierher gelangen lassen, daß die italienische Re- gierung die Absicht habe, die Türken freizugeben, sobald ihre Iben- tität festgestellt ist und die nach Cagliari entsandte Kommission, welche die Türken einer medizinischen Prüfung unterziehen soll, das Ergebnis derselben mitgeteilt habe. In den maßgebenden französischen Kreisen erblickt man in diesem Vorhaben einen Beweis dafür, daß die italienische Regierung auf ihrer bisherigen bcdauer- lichen Haltung verharre. Das Blatt meldet ferner, daß der französische Geschäftsträger in Rom, Legrand, nach dem von ihm begangenen„monumentalen Irrtum" kaum auf seinem Posten verbleiben werde. JtaNenseindliche Stimmung in Marseille. Marseille, 24. Januar. Die hier herrschend« Ausregung wegen des französisch-italiemschen Zwischenfalls ist weit entfernt, nachzu- lassen. Eine gewisse Agitation gegen die Italiener wird in verschiedenen Kreisen festgestellt, speziell macht sich dies im Hafen- viertel bemerkbar. Angesichts der Möglichkeit des Ausbruchs von Unruhen, die sich besonders gegen die italienische Bevölkerung richten würde, hat die Polizei eine genaue Liste aufttellen lassen, die die Namen der Italiener enthält, die Besitzer von Lokalitäten sind, um ihre Etablissements vor der Wut der Bevölkerung in Schutz zu nehmen. Beschlagnahme eines österreichische» Schiffes im Roten Meer. Permi. 23. Januar.(Reuter-Meldung.) Die Italiener Haben gestern früh den österreichischen Dampfer„Vre- g c n z" a n g e h a l t e n. Freilassung der 29 Türken in Aussicht. Paris, 24. Januar. Nach Zcitungsmeldungen aus Rom soll die von mehreren italienischen Universitätsprofessoren und einer besonderen Kommission mit den 20 türkischen Reisenden der„Manouba" vorgenommene Prüfung ergeben haben, daß vier davon tatsächlich Aerzte und die übrigen teils Krankenwärter, teils V e r>o a l t u n gs be a mt e des Roten Halbmonds seien. Es heißt, daß eine Depesche des französischen Bizekonsuls in Cagliari diese Meldung bestätige. Man glaubt, die französische Regierung werde unter diesen Um- ständen von der in Aussicht genommenen Feststellung der Identität der türkischen Reisenden absehen und sie direkt nach Tunis und Sfax befprdern lassen. Man hält es für wahrscheinlich, daß ein fran- zösisches Kriegsschiff nach Cagliari abgehen und dort die Türken an Bord nehmen werde. Die Revolution in Cistna. Die Mandschu-Prinzen wollen den Kampf. Peking, 23. Januar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) I u a n j ch i k a i besuchte heute früh im geheimen den Palast und hatte eine Unterredung mit der Kaiscrin-Witwe. Diese, die unter dem Einfluß der jungen Mandschu-Prinzen steht, erklärte sich für Wiederaufnahme der Feindseligkeiten. Juanschikai soll dieser Ansicht beigestimmt und den Rat gegeben haben, die Mandschus sollten zusammenhalten und die nötigen Mittel zum Kampfe schaffen. Man sollte aber vor Beginn der Feindseligkeiten den Vormarsch der Revolutionäre abwarten. Damit sind die jungen Mitglieder des Kaiserhauses nicht einverstanden. Es wird Haupt- sächlich behauptet, daß T i e h l i a n g den Umschwung am Hofe herbeigeführt hat und jetzt die Ermordung Juanschikais anregt, da er den Einfluß Juanschikais für so groß hält, datz man ihm nicht erlauben dürfte. Peking zu verlassen. Juanschikai selbst trifft für seinen persönlichen Schutz umfassende militärische Vor- sichtsmaßrcgeln. Er hat jetzt vicrlausend Mann seiner eigenen Soldaten um sich, während die Mandschus zwölftausend Mann haben. Indessen hält die Mehrzahl der nordchinesischcn Truppen zu Juanschikai. In den Gesandtschaften glaubt man nicht, daß den extremen Ratschlägen der Mandschu-Prinzen Folge gegeben werden wird, und daß die Abdankung des Schrons nur einen Aufschub erfahren wird. Sunyatsen gegen Juanschikai. Schanghai, 24. Januar. Sunyatsen hat an Wutingfang telegraphiert, daß er den Absichten Juanschikais miß- traue. Er beabsichtige deshalb, die Präsidentschaft zu behalten, bis die Republik China von den Mächten anerkannt sei. Falls Juan- schikai seine Verbindung mit den Mandschus aufgeben und öffcnt- sich seine Zugehörigkeit zu den Republikanern bekennen werde, solle er zum Präsidenten gewählt werden� und Sunyatsen werde dann zurücktreten. Eine revolutionäre Zwangsanleihe. Schanghai, 24. Januar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Da es den Revolutionären an Mitteln fehlt, um den Ende Februar fälligen Sold an die Truppen auszahlen zu können, hat der republikanische Kricgsministcr an die Dampf- Lcrantw. Redakteur: Albert ZSachMßerlin. Inseratenteil verantiwT schiffahrkSgesellschaf! für chinesische Waren die Forbe- rung gestellt, zehn Millionen TaelS zu zahlen, widrigen- falls die Schiffe der Gesellschaft beschlagnahmt und verkauft werden würden. Die Direktoren der Gesellschaft haben um Aufschub zur Befragung ihrer Aktionäre gebeten. Hus der Partei. Hcrve über die deutschen Reichstagswahlen. In seinem Blatte„Guerre sociale" schreibt Gustave Herve unter der Spitzmarke„Vive l'Allemagne Socialiste!"(Es lebe das sozialistische Deutschland!) über die deutschen Reichstagswahlen. Hcrve befindet sich zwar im Irrtum, wenn er meint, die deutsche Sozialdemokratie habe ihre„Metaphysik" zugunsten der„Taktik", nämlich eines Blocks mit der liberalen oder radikalen Bourgeoisie ausgegeben, aber was Herve sonst über unsere Wahlen zu sagen hat. ist gerade aus seinem Munde bemerkenswert. Herbe führt aus: „Ich habe ehemals an dieser Stelle über die deutsche Sozial- demokratie gespottet. Ich glaube sogar, datz ich ihr eines Tages— allerdings hauptsächlich, um sie vorwärts zu treiben— ins Ge- ficht gesagt habe, sie sei nur eine Wähl- und Zählmaschine. Seit- dem aber im Laufe des letzten Sommers unsere deutschen Ge- nossen ihre gewaltigen Manifestationen gegen den Krieg veranstaltet haben— während wir in Frankreich, die wir so gewöhnlich so lärmfreudig sind, uns so wenig glänzend ver- hielten—, seitdem ich erkannt habe, datz diese ungeheure Wähl- und Zählmaschine sich auch in eine ungeheure Maschine gegen den Kaiser und seine Dienstleute verwandeln könnte, bin ich dahin ge- kommen, uns selbst eine solche Maschine zu wünschen. Die schwer- fälligen Bataillone der Sozialdemokratie marschieren methodisch voran, sie begehen keine Unvorsichtigkeit, machen kein falsches Ma- növer und besetzen eine Stadt, ein Dorf nach dem anderen. Es ist ein neues kaiserliches Sedan, das sich vorbereitet, mit einer neuen Republik der Deutschen, als Ausgang. Der Kaiser weiß es. Er weiß, daß zur Stunde ein europäischer Krieg, gehe er wie immer aus, die Lösung des Knotens nur beschleunigen würde. Und so ist der Wahlsieg der Sozialdemokratie nicht nur ein Sieg für die deutsche Freiheit, sondern auch für den Weltfrieden. Werden wir in Frankreich aus diesem Sieg unserer deutschen Freunde die in ihm enthaltene Lehre in bezug auf die Organisation, die Me- thode, die Disziplin und die Eintracht zu ziehen wissen? Wir habe» wahrhaftig nötig, bei ihnen ein wenig in die Schule zu gehen. Sie haben, indem sie zwischen der Partei und den Gewerkschaften ein herzliches Einvernehmen verwirklichten, der deutschen Arbeiterklasse zwei machtvolle Organisationen gegeben, eine politische und eine wirtschaftliche, die Hand in Hand marschieren, und sie haben es vermocht, dem deutschen Volke den Glauben an sich selbst, den Enthusiasmus, der Berge versetzt, zu geben. Wir dagegen, die doch in politischer Beziehung vor dem deutschen Volk einen schönen Vor- sprung hatten, haben das Mittel gefunden, durch unsere inneren Zwistigkeiten, durch unsere unfruchtbaren Zänkereien über Per- sonen-, Sekten- und GeschäftSfragen eine Partei und eine Gc- iverkschaft zu haben, die gleichermaßen stagnieren, mit lächerlichen Effektivständen, mit Kassen ohne einen Groschen, mit Zeitungen ohne Leser... Wahrhaftig, ich beginne mich zu fragen, ob wir mit unseren großen Worten von Insurrektion, von direkter Aktion und Sabotage vom revolutionären Gesichtspunkt nicht wie kleine Knaben gegenüber den deutschen Mähler-Sozialisten dastehen!" )Zus der fraueubewegimg. Schaudlöhne für indnstrielle Kinderarbeit. Die kürzlich erschienenen Jahresberichte der Gewerbe- aufsichtsbeamten für das Jahr 1910 erwähnen auch die Ergebnisse von Revisionen hauSin- duftrieller Betriebe, in denen Kinder in größerem Umfange gewerblich beschäftigt werden. Erschütternde Bilder grausigen sozialen Elends erstehen da aus den nüchternen, rein sachlichen Schilderungen, die gewiß in keiner Weise übertrieben sind. Wo von den„Löhnen" der ausgebeuteten Kinder die Rede ist, lvird die Niedrigkeit stets betont, ohne daß nähere Angaben gemacht werden. Allein die w ü r t t e ni- bergischen Beamtinnen haben sich in anerkennens- werter Weise bemüht, die„Löhne" der kleinen Proletarier im einzelnen festzustellen. Im Württembergischen wurden z. B. Kinder angetroffen, die Geldtäschchen aus Neusilber- ringchen und Federringe an Uhrketten für Pforzheimer Bijouteriefabriken anfertigten. Für das Ineinander- fügen von 1000 kleinen Ringen zu den Täschchen, ivozu Zängchen benützt werden, zahlt der Fabrikant nach Qualität und Größe 80—60 Pf.; für das Anfertigen eines Fcderringes 21la—'d Pfennig. Langanhaltende anstrengende Arbeit der Kinder ist zur Erziclung dieser Summen nötig, an denen oft noch der Zivischcnmetstcr partizipiert. In der Uhrenindustrie des Schwarzwaldes erhalten Kinder für Spindelstccken, wobei in jede Spindel 6—10 kleine Stifte zu stecken sind, pro Hundert 7—10 Pfennig. Zu dieser Arbeit werden schon 5— 6jährige Kinder herangezogen, angeblich um die Fertigkeit der Kinder durch frühzeitige Uebung aufs höchste zu steigern. Es soll Kinder geben, die schließlich in l'Aj— l'/z Stunden 600—1000 Stifte stecken können. Die Kleinen fassen die Stifte mit ihren Fingerchen, die älteren Kinder Verivenden winzige Zangen. Wie müssen diese Kinder eine solche Arbeit hassen lernen, die sie nicht nur des Glücks der Jugend beraubt, die auch ihre Augen vor- zeitig schwächt, die durch ihre Hast nervcnzerrüttend wirkt! Der Bericht bemerkt lakonisch:„So lange sich für diese Arbeit noch billige Kinderhände finden, wird die Technik auch gar nicht ernstlich gezwungen, Ersatz durch Maschinenarbeit zu schaffen." In den Obcrämtcrn Nürtingen und Urach werden Kinder mit dem Zusammennähen und Nenhäkeln von Kinderjäckchen beschäftigt. Für das Abschleifen und Zusammennähen van einem Dutzend Jäckchen gibt es 10 bis 12 Pf., für das Umhäkeln— dreimal um den Hals, zivcimal um den die Aermel. einmal um das ganze Jäckchen— 2b bis 30 Pf. per Dutzend. Ein zwölfjähriges Kind kann nach ein- bis zweijähriger Uebung einen Kittel, das Dutzend zu M Pf., in einer halben bis dreiviertel Stunden umhäkcln, darf aber hierbei kaum von der Arbeit aufsehen. Früher behäkclten noch nicht schulpflichtige Kinder die billigsten Jäckchen für 20 und 22 Pf. per Dutzend. Beim Kleben von Apothekerschachteln erhalten Kinder 5 bis 10 M. für das Tausend, für 1000 Dütcn zu Zigarren und Zuckcrlvarcn Lö Pf., für 1000 einfache braune Dütcn 20 bis 30 Pf. Das Flechten von Rohr stuhlen erfordert einigen Kraftaufwand und wird deshalb nur von Kindern über zwölf Jahren ausgeführt. Ein gcivandtcs Kind kann einen Sitz in 2 bis 2Vz Stunden flechten und 30 Pf. dabei verdienen, tadel- loses Material vorausgesetzt. Kinder von fünf bis acht Jahren werden in abgelegenen württcmbergischen Gegenden mit End- s ch u h m a ch e n beschäftigt. Die hierzu nötigen Tuchabfälle liefert der Arbeitgeber, die Mutter schneidet sie in schmale Streifen und die Kinder flechten sie auf Holzformcn. Für ein Paar Kind crsch u h e werden 4—6 Pf., für ein Paar 5H. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u, VcrlagSanstalt Frauenschuhe 10—12 Pf. gezahlt. ES ist staubige Arbeit« und die Tuchabfälle sind oft nicht neu. Der Bericht für Württemberg hebt schließlich noch hervor. daß die Lohnsätze für Kinderarbeit seit den ersten Erhebungen vor sieben Jahren trotz der inzwischen erfolgten Verteuerung des Lebensunterhaltes keine wesentliche Besserung erfahren haben. Allein selbst wenn die Löhne für Kinderarbeit nicht so schandbar niedrig wären, so bliebe die Kinderarbeit doch aus vielen Gründen eine durchaus verwerfliche Sache. Es sei im Anschluß an den Chemnitzer Bericht nur eine der Gefahren der gewerblichen Kinderarbeit hervor- gehoben. Wo die Kinder selbständig arbeiten oder die gleiche Arbeit wie die Eltern verrichten, fällt ihnen gewöhnlich ein Teil des Verdienstes zu, über den sie frei verfügen können. Das Geld wird von den Mädchen meistens zum Besuch von „Kientöppen", Automatenrestaurants und zur Anschaffung von Putz verwendet. Bei den Knaben macht sich außer der Vor- liebe für das Kino, die Gier nach Schundliteratur geltend, die sie oft in ziemlich erheblichem Umfange be- friedigen können. Es ist bekannt, welch ungeheuren moralischen Schaden die Schundliteratur anzurichten vcrniag. Ein großes Werk der Aufklärung haben unsere Ge- nossinnen in den Kinderschutzkom Missionen noch zu verrichten, denn Armut und Unverstand machen viele Eltern blind gegen die schweren körperlichen, geistigen und sittlichen Gefahren, denen sie ihr Fleisch und Blut in der Erlverbsarbeit aussetzen. Das ganz nnd gar unzuläng- liche Kindcrschutzgesetz nötigt die aufgeklärten Pro- lctarierinnen, die private Initiative zu ergreifen. Die Frau und Mutter wird der Mutter gegenüber am ehesten die richtigen Worte finden, um sie von gewerblicher Ausnutzung ihrer Kinder abzuhalten. Gewerkschaftliches siehe 1. Beilage. LrttzU Nachrtchtcn. Ersatzwahl für den doppelt gewählten Pole». Breslau, 24. Januar. Die Neuwahl im Wahlkreise Oppeln 7 Pleß-Rybnik, wo der in zwei Wahlkreisen gewählte Graf voni Mielczynski(Pole) sein, Mandat niedergelegt hat, ist. wie diq „Schlesische Zeitung" erfährt, auf den 29. Januar angesetzt worden. Der Rabbi und der Mönch. Rom, 24. Januar. Die„Agenzia Stefani" bezeichnet di« aus türkischer Quelle stammende Blättermeldung, nach der dke Italiener am 29. Januar bei Derna mit einem Verlust von zwei- hundert Toten geschlagen worden seien und die Türken einen üe)> mundeten italienischen General gefangen genommen und sieben Kanonen sowie sechshundert Gewehre erbeutet hätten, als unzu- treffend. Sie erklärt, bei Derna habe kein Kampf mehr seit dem 17. Januar stattgefunden; an diesem Tage seien die Türken mit beträchtlichen Verlusten, über hundert Toten, und unter Zurück- lassuiuj vieler Waffen und Munition zurückgeschlagen worden, während die Italiener nur drei Tote und siebenhundert Derwun» dete gehabt hätten._ Die Blokade im Roten Meer. Rom, 24. Januar.(W. T. B.) Der Minister des Aaußern hat den Vertretern der fremden Mächte in Rono»ntgeteilt, dD die vom Kommandanten der Seestreitkräfte im Roten Meer über die türkischo Küste von RaS Jsa bi» Ras Gulaifac verhängte Blockade am 24. Ja- nuar anstatt am 22. beginnen werde. Den neutralen Schiften werde ein« Frist von 5 Tagen, vom Tage des Beginns der Blockade an) be- willigt werden, um unbehelligt aus der Zone der Blockade zu ge» langen._ Das deutsche Rote Kreuz nach dem Kriegsschauplatz. Tunis, 24. Januar.(W. T. B.) Der Dampfer„Pera" mit der deutschen Expedition des Roten Kreuze» an Bord ist heute vor» mittag in La Goulette angekommen. Die Expedition wird nach Ben Guerdan weiterfahren, wo sie auSgeschiftt werden wird� um von da den Marsch nach dem türkischen Lager anzutreten, Holländische Kolonialfrcndeu. Haag, 24. Januar.(W. T. B.) Nach einer amtlichen Meldung haben sich in Ronden'g am der Westküste des Bezirks Atjeh auf Sumatra siebzehn Rebellenführcr den Holländern unterworfen. ES sind nur noch zwei Rebellenführcr unter den Waffen. In den Nacht zum 20. Januar wurde in Kroung Loea(Atjeh) das Lagev einer Patrouille von sieben Räubern, überfallen. Zwei von ihnen wurden getötet. Auf feiten der Holländer wurde ei» Ofsi- zier und drei Soldaten verwundet. Eine südamerikanische Katzbalgerei. Buenos Aires, 24. Januar.(W. T. B.) Die Zeitungen melden� der Minister des Aeußcrn Bosch habe an den argentinischen Ge- sandten in Asuncion Weisungen gerichtet, förmlich Einspruch gegen die Angrifte zu erheben, die gegen argentimsche Schiffe und Unter- nehmungen ausgeführt worden seien. Da sich die Regierung von Paraguay rücksichtslos geweigert habe. Aufklärungen zu geben. so habe der Minister des Auswärtigen angeordnete der Gesandte in Asuncion solle Genugtuung innerhalb von 24 Stunden fordern; im Weigerungssalle würde der Gesandte unverzüglich abberufen werden._ Doch kein Berliner Asylfall? Czernowitz, 24. Januar.(P.-C.) In der hiesigen Lande», i r r e n a n st a l t ist eine schwere Epidemie ausgebrochen� von der bisher 25 Insassen der Anstalt sowie der Arzt Dr. Ramler erfaßt wurden. Die Erscheinungen der Krankheit sind influenzaarttg. doch mit furchtbarem Durchfall verbunden. Ten herbeigerufenen Pro- fessoren ist es bisher nicht gelungen, eine genaue Diagnose zu stellen. Unfallversicherung in Rußland. Petersburg, 24. Januar.(W. T. B.) Die ReichSdumq nahm in dritter Lesung die Gesetzvorlagen betreffend die Nnfallver. sicherung der Arbeiter und betreffend die Entschädigung für Ver- luste, die durch Verfügungen von Amtspersonen verursacht werden. an. Zur zweiten Vorlage wurde eine von der Kadettenpartei vor- geschlagene UebergangSformel angenommen, die die zivilrechtliche Verantwortlichkeit der Amtspersonen für ungenügend erklärt und Entschädigung aus der Staatskasse verlangt. Die Rache des Ruinierten. Marseille, 24. Januar.(W. T. B.) Im Justizpalaste gab ein ehemaliger Wirt namens Vercn während des gerichtlichen Verkaufe» seiner Häuser auf die Anwälte Journet und Beissere zwei Revolver» schüsse ab und schoß sich sodann eine Kugel in den Mund. Die Ver- lctzungen der beiden Anwälte wie auch des Täters sind sehn schwer. ßaul Swgeröc Co., Berlin L1V. Hierzu 2 Beilagen n.UaterhaltungSbl. Ar. 20. 29. ZahrMK. des Jomitts" Kerlim PolWhlt. DoNerstag, 25. Aiwlm 1912. Der Lvticheiäuvgztag im Wahlkreise Potsdam- Osthavelland ist gekommen. Am heutigen Donnerstag gilt es für die Wählerschaft des Kreises zu handeln und zugleich das Urteil zu sprechen über die von den reaktionären Vereinen und Parteien des Kreises gegen die Sozialdemokratie und deren Kandidaten Genossen Dr. Karl Liebknecht betriebene verlogene Hetze. Ein ganzer Stab kapitalistischer Söldlinge wurde bis in die letzten Tage mit der Mission betraut, die Wählerschaft, darunter die Tausende der gedrückten und ent- rechteten Staatsarbciter zu bearbeiten. Und schon die Tat- fache, daß wie bei früheren Wahlen so auch dies- mal„die ersten Pferde" des Ncichsverbaudes in die Wahlkampfarcna gejährt wurden, läßt einen Schluß zu, welches Maß die politische Brunnenvergistung des Volks- geistcs durch jene Elemente erreicht haben mag. lind zu jenen VerleumdungSkunipauen gesellte sich die dem Reichs- verband zur Verfügung stehende, verkommene bürgerliche Presse, um all jenem politischen Unrat in ihren Spalten Auf- nähme zu gewähren und die Leserschaft für den bürgerlichen Kandidaten zu gewinnen. Der politisch reife Mensch mag sich manchmal mit einem Gefühl des Ekels abgewendet haben von jenen Elementen, die bei all ihren unsauberen Machen- schaften noch mit dreister Stirn sich als Vertreter von Sitte und Ordnung hinzustellen beliebten. Daher lvar es zu ver- stehen, daß die Vcrleumduugssöldlingc sich bei Arrangierung von Versammlungen während des Wahlkanipfes die Anwesen- heit von Sozialdemokraten verbaten. Turmhoch über jener elenden Verleumdnngskampagne stand der Kampf, den unsere Genossen geführt haben und den sie bei der heutigen Wahl durch einen letzten Ansturm mit dem Siege des sozialdemokratischen Kan- d i d a t e n krönen werden. » Der Wahlschwiudel der„Potsdamer Tageszeitung". Wie wir in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" bc- reits mitteilten, hat sich die Drohung der„Potsdamer Tages- zeitung", daß wenn ani 25. Januar der sozialdemokratische Kandidat Liebknecht gewählt werden sollte, der Kaiser künftig nicht mehr in Potsdam Hof halten iverde und ferner mehrere in Potsdam stationierte Gardcregimcnter nach anderen Städten verlegt würden, als ein ganz perfider Wahlschwindcl erwiesen. Außer der Erklärung des Kriegsministeriums, daß an dieser Behauptung nichts Wahres sei, muß das Blatt jetzt folgende dr<.1 Erklärungen veröffentlichen: Sowohl als Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, wie als Stilbwahlkandidat der bürgerlichen Parteien erktäre ich zur Auf- klärung meiner Mitbürger, daß sich der Leitarlikel der gestrigen „Potsdamer Tageszeiinng" als ein Jrrtüm des Verfassers dar- stcllr und in seinem die angeblichen Gefahren für die Stadt Pots- dam betreffenden tatsächlichen Inhalt nach meiner amtlichen Kenntnis jedtveder Unterlage entbehrt. Potsdam, den 23. Januar 1912. Vosberg, Oberbürgermeister. Um falschen Gerüchten entgegenzutreten, erkläre ich hiermit. daß weder ich noch irgend ein Mitglied des Neuen Wahlvereins mit dem gestrigen Leitarlikel dieser Zeitung irgend ctivas zu tun haben, und daß wir ihn vollkoinmen mißbilligen. Potsdam, den 23. Januar 1912. Der Vorstand des Neuen Wahlvereins. v. Stössel, Vorsitzender. Bezug nehmend auf die borstehenden Erklärungen des Herrn Oberbürgermeisters Vosberg und des Vorsitzenden deS Neuen kleines femUeton. Sherlock Holmcö in Afrika. Etwas von dem berühmten Ver- brechenergründer und Verbrccherfinder Sherlock Holmes haben auch die„Zaplio" in der ilalicnijchen Kolonie Eritrea, jene aus den Reihen der Eingeborenen rekrutierten Schntzleute, die zum Teil jetzt nach Tripolis geschickt worden sind. Ein Mitarbeiter der„Tribuna" erzählt, daß vor einiger Zeit ein Zaptiö, der von Adi Ugri nach ASmara zurücklehrte, unterwegs von dem Führer einer Karawane angesprochen wurde; der Mann erzählte jammernd, daß ihm ein Kamel mit der ganzen Last, die eS trug, gestohlen worden wäre. und sagte schließlich voll Entrüstung:„Im Lande des NeguS von Italien wird noch mehr gestohlen als in Abeisinien." Der Zaptis fühlte sich durch diese Nebeneinanderstellung tief gekränkt und erwiderte mit hellseherischer Feierlichkeit:„Komm morgen in die Kaserne von Asmara und du wirst dein Kamel wieder bekommen: es hinkt auf dein reckte» Hinterfuß, eS fehlt ihm vorn ein Zahn, es ist blind auf dem linken Auge und hatte auf dem Rücken eine Ladung Honig und Getreide." Der Kameltreiber war ganz verblüfft ob dieser genauen Angaben, die in jedem Punkte stimmten, und war wie ans den Wolken gefallen, als er am nächsten Morgen in Asmara sein Kamel vorfand; die Zaptis haNeu es inzwischen auf dem Markt bei einer anderen Karaivane entdeckt. Als der Zaptiv dann von seinen Vorgesetzten gefragt wurde wie er so bestimmte Angaben habe machen'können, sagte er:„AlS ich von Adi Ugri fortging, bemerkte ich auf dem Boden des WcgcS Kamelspuren: drei Fußtapfen waren tief, während eine den Boden immer nur oberflächlich streifte; da sagte ich niir, daß das Kamel einer Karawane, die vor mir diese» Weg gegangen war, gehinkt haben müsse; seitwärts vom Wege war zur Rechten abgefressenes Gras, während zur Linken das Gras nicht be- riibrt war, und da die abgegrasten— im übrigen ganz gleichen Stellen überall eine kleine, etlvaS hervorstehende Grasspitze auf- wiesen, dachte ich mir, daß dem Kamel wohl ein Zahn fehlen müsse, und daß es, da es das Gras zur Linken unberührt gelassen hatte, auf dem linken Auge blind zu sein scheine... und ich hatte richtig geraten. Ich iah endlich noch, wie auf der einen Wegseite die Ameisen fiÄ um Honiglropfcn drängten und auf der anderen Weg- seile um Getreidclörnchen; daraus konnte ich mit Leichtigkeit auf die Art der Ladung deS Tieres schließen und auf den, Markte ebenso leicht herausfinden..." So weit der Bericht des Zaptiö, der den Beweis liefert, daß der gute Mann oder der Mitarbeiter der „Tribuna" mit Nutzen orientalische Dichtungen gelesen hat, denn die Geschichte ist uralt und sowohl in der persischen, wie auch in der arabjschc» Literatur zu finden. Fantilie Tschaug, Wang, Li irnd Tschno. Ein chinesisches Reichs- adreßbuch existiert zwar noch nicht, durfte aber vielleicht zugleich mit der Einführung der vielen Rssorinen. die in Aussicht stehe», jetzt bald verwirklicht werden. Seine Abfassung ivird nicht so schwer fein als man bei der Vorstellung, daß das große Reich 499 Millionen Einwohner hat, vcrniuten könnte, denn die Zahl der chinesischen Familiennamen ist verhältnismäßig beschränkt und besonders vier von ihnen schlagen. waS häufiges Vorkommen betrifft, jede» europäischen Rekord. Ein euglischcr Gelehrter. Mr. Giles. hat sich nach der Zeits-brist„Katholische Missioucu" die große Mühe gcnouuneu, 19 Jahrgänge des Pekinger StaatskalnidcrS, der WahlvereinS Herrn Major Freiherr» v. Stöffel füge ich als Ver- leger der„Potsdamer Tageszeitung" hinzu, daß mir der Inhalt deS Leitartikels in Nr. 18 vor der Drucklegung und somit auch vor der Veröffentlichung nicht belannt lvar, und erkläre nochmals an dieser Stelle, daß ich auch meine Zustimmung dazu nicht erteilt hätte. Ich bedaure ans das lebhafteste, daß durch diesen Artikel eine so große Beunruhigung in unsere Einwohnerschaft hinein- getragen worden ist. Kurt Gerber, Verleger der„Potsdamer Tageszeitung". Nicht immer wird ein Schwindel so rasch als solcher ent- larvt, lvie dies im vorliegenden Falle geschehen konnte. Das Beispiel illustriert aber deutlich genug, wie die antisozialistische Presse das Kleinbürgertum, insbesondere die kleinen Geschäfts- lcute durch indirekte und direkte Drohungen in ihrem politischen Handeln zu beeinflussen gesucht hat. Die beste Antwort auf ein so hinterlistiges Spiel kann die Wählerschaft des Kreises nur geben, wenn sie den sozial- demokratischen Kandidaten Dr. Karl Liebknecht mit einer Lberwnltigeuden Majorität iu de» Reichstag sendet. 6ev?erKsckaftUckes. Sin Ujitevnebrncraiignff auf ßcwerWchafts- halTen wurde in Fürth i. B. abgeschlagen. Die Buntpapierfabrik Gebr. Stern(Jnh. Kaufmann) hatte wiederholte Versuche des Fabrikarbciter-Vcrbandes zu Verhandlungen wegen Lohn- erhöhung und Arbcitszeitverlürzung zurückgewiesen und die Zuschriften des Verbandes uneröffnet zurückgeschickt, worauf die Arbeiter und Arbeiterinnen der Fabrik durch Handzettel zu einer Versammlung eingeladen wurden, die den Streik be- schloß. In den Handzetteln befand sich der Passus:„Herr Kaufmann lehnt es ab, berechtigte Forderungen seiner Arbeiter entgegen zu nehmen." Dieser Satz gab dem Unternehmer Anlaß. Zivilklage auf einen Schadenersatz von„vorläufig" ZüOO M. zu stellen, weil die angegebene Behauptung univahr sei; er habe gerne mit seinen Arbeitern einzeln verhandeln wollen, nicht aber mit dem Verband. Wenn der Einberufcr K o ch, gegen den sich die Klage richtet, diese Tatsache in der Versammlung mitgeteilt hätte, wäre der Streikbeschluß nicht gefaßt worden und die Schädigung unterblieben. Das Gericht ging ans diese feinen Knisie nicht ein und ließ den Herrn mit seiner Klage abblitzen. Das könnte den Scharfmachern so passen, wenn sie auf solche Weise sich an den Gclvcrkschafts- lassen bereichern könnten._ Berlin und Örngcgcnd. Ter Tarifvertrag der Bauanschläger läuft mit dem 39. März d. I. ab. Als er vor drei Jahren zustande kam, wurde bereits ver- einbart, daß vor feinem Ablauf über eine Revision deS Tarifs be- raten werden sollte. Das ist nun inzwischen geschehen, und aus den Beratungen der Vertreter beider Parteien ist eine neue Tarifvorlage hervorgegangen, über die am Sonntag eine Versammlung der Bau- auschläger zu beschließen hatte. Die Vorlage stand allen gedruckt zur Verfügung. Der Brauchenleiter Laos hob in seinem Referate hervor, daß sie annehmbare Verbesserungen bietet. Die verschiedene» Positionen sind möglichst so berechnet worden, daß bei jeder Arbeit ungefähr der gleiche Verdienst erzielt werden kann. Demgemäß sind die Preise für die weniger gut bezahlten Arbeiten erhöht worden. Die Arbeitgeber strebten danach, Verschlechterungen bei den ihrer Meinung nach bisher zu gut bezahlten Arbeiten herbei- zuführen, verzichteten aber im Lause der Verhandlungen darauf, weil auch ihnen offenbar viel daran lag, auf friedlichem Wege zur die jährliche. Beamtenliste i>n chinesischen Reiche aufführt, durchzumustern. Obwohl nun die Zahl der Beamten in die Zehntausende geht, fand GilcS im Verzeichnis nur 259 verschiedene Familiennamen vertreten. Von diesen sind 56 so häuffg, daß sie bei je 199 Beamten je siebzigmal wiederkehren. Vier von diesen 55 Namen sind sodann noch ganz besonders privilegiert. Es sind das die Namen Tschang, Wang, Li und Tschao. Die Häufigkeit eines jeden derselben beträgt 5 Prozent, die des Namens Li sogar 9 Prozent. Berechnet man also die Zahl der eigent- licken Chinesen auch nur auf 399 Millionen, so ergibt sich, daß eS in China allein 18 Millionen Li, 15 Millionen Tschang und cbensoviele Wang und Tschao gibt, daß somit ans 99 Millionen Menschen bloß 2 Familiennamen entfallen. Eine ziveite Gruppe von 99 Millionen teilt sich in 8 bis 19 gleichfalls häufigere Namen, wie Liu,?)ang und andere, auf eine dritte gleich starke Gruppe kommen 29 andere seltenere, auf den Rest die übrigen Namen. Manche der in den Beanitenlisten stehenden Namen bekommt man fast nie zu hören. Dagegen zeigt sich die Vorherrschaft jener vier großen Familiennamen überall in den Dörfern. Es gibt ganze Ortschaften mit L99. 1999, ja 2999 Familien, die denselben Familieiiliamc» tragen und nur durch Bcinanien unterschieden werden. Und auch da, wo die Familiennamen wechseln, entfällt der Löwenanteil immer auf die Tschang, Wang, Li usw. Die Dörfer lverden vielfach nach der Familie genannt, die sich zuerst dort niedergelassen und deren Namen vorherrscht, zun, Beispiel Dorf der Familie Li, Weiler der Familie Tschang, wie Tschang-kia-tschoang. Diese Namen kehren immer wieder. In dem einen Bezirk von Sienhsien soll es 13 Tsckang-kia-tschoang geben. Um zu wissen, ivelchcs dieser Tichang-Dörfcr gemeint ist, muß man nähere Orts- bestinunungen beifügen. Die Gleichheit des NamenS besagt noch keineswegs, daß die Familien verwandt sind. Der sicherste Beweis dafür, Ivo andere Dokumente fehlen, ist die Gemeinsamkeit des Begräbnisplatzes und die Gleichheit der Begräbnisriten, die von den betreffenden Familien eifersüchtig gehütet werden. Die Kraft der Wintcrstürme. Nach den neuesten Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung hat eS den Anschein, daß wenigstens in unseren Breiten die Luftbewegung während der Winternionate eine weil heftigere ist als ivährend der wärmeren Jahreszeit. Professor Rotch, der an seiner Wetterwarte auf dem Blauen Hügel bei Boston zuerst den Flugdrachen zur Ergriindung der höheren Luftschichten angcivendet hat, ist dort seit einer stattlichen Reihe von Jahren mit der Fortsetzung dieser Beobachtung bcschäfligl gewesen. Seine letzte Veröffentlichnng bezieht sich auf die Ergcbniffe einer großen Zahl von Messungen der Windgeschwindigkeit in verschiedenen Höhen. In der untersten Luftschicht, vom Erd- boden bis zu einer Erhebung von 299 Meter herrscht während des ganzen Jahres eine mittlere Windgeschwindiglcit von rund 7 Meter in der Sekunde oder etwa 25 Kilometer in der Stunde. Bis 1999 Meter Höhe steigt sie auf rund 19, bis 3599 Meter auf etwa 15, bis 5599 Meter auf 25 und bis 9599 Meter auf fast 39 Meter in der Sekunde. Der letzte Wert würde einer Stundengeschwindigkeit von ungefähr 129 Kilometer entsprechen, wie sie bei Eiscnbahnzügen bisher nur bei Versuchs- fahrten erreicht worden ist. Diese Stürme, die demnach mit der Erhebung über dem Erdboden stetig zunehmen, sind nun aber ans Sommer und Winter sehr ungkeich verteilt. In der Nähe des Erdbodens sind die llnlerschiedc' nech verhältnismäßig gering. Einigung zu kommen und sie wohl auch einsahen, daß der Verteuerung der Lebenshaltung Rechnung getragen werden mußte.— Der Redner ging sodann den Tarif ausführlich durch und zeigte, welche Ver- ändcrungen und Verbesserungen die verschiedenen Positionen erfahren haben. Daran schloß sich eine längere DiSknssion, die damit endete, daß die Versammlung sich mit der Vorlage einverstanden erklärte. veutkcbes Reteh. Die Einfügung einer Arbeitsleistungsklnufel in den Tarifvertrag ist eine Forderung, die von den Unternehmern der verschiedensten Verufsgruppen ausgestellt wird. Auch für die Tarife der Steinsetzer wurde sie in letzter Zeit von den Unternehmern mehr und mehr ver- langt. Dabei steigen die Anforderungen, die die Unternehmer an die Arbeiter stellen, natürlich immer höher, so daß dadurch nicht nur eine gesundheitliche Schädigmig der Arbeiter befürchtet werden mußte, sondern auch die von den Auftraggebern an die qualitative Ausführung der Arbeit gestellten Anforderungen nicht erfüllt werden konnten. Dabei hätten wiederum die Arbeiter den größten Schade» gehabt, weil die Gefahr heraufbeschworen würde, daß da? Steinsctzergetverbe von seinen Konkurrenten dann umso leichter verdrängt wird. Da weiter verschiedene Mitglieder der Unternchmerorganisation sich bei ihrem Vorgehen darauf bc- riefen, daß sie auf Weisung ihres Zentralvorstandes so handeln, so sah sich der Vorstand deS SteinsetzcrverbandeS genötigt, der Frage grundsätzlich näher zu treten und sie namentlich darauf hin zu prüfen, wie ein solches Vorgehen der Unternehmer auf das Gesamt- gewerbe einwirken müsse. Der Vorstand der Arbeiterorganisation kam zu dem Entschluß. die Wirkimg der ArbeitSleistungsklausel in einer umfassenden Denk- schrift»ach allen Seite» hin, auch vom Standpunkt deS Unter- nehmers, klarzulegen. Vor der Drucklegung wandte sich dann der Zentralvorsiand der Steinsetzer an den der Unternehmerorganisation mit dem Vorschlage, die Frage in einer gemeinsamen Aussprache zu behandeln, um so vielleicht zu erzielen, daß die Unternehmer auf ihr Ansinnen verzichten, besonders wenn nachgewiesen werden könnte, daß auch sie den erhofften Vorteil v»* der ArbeitsleistungSklansel nicht haben würden. Die Aussprache hat dann stattgefunden. Nachdem die Vertreter der Arbeiter ihre Ansichten mündlich dargelegt hatten, erklärte der Vorsitzende deS Unternehmer-NeichSverbandeS, daß der Unternehmerverband eine allgemeine Parole für die Arbeitsleistungsklausel nicht ausgegeben habe. Er fügte jedoch hinzu, daß auch er die vom Standpunkte der Unternehmer vorgetragenen Gründe dagegen als„zum Teil be- rechtigt" ansehen müffe. Es ließe sich deshalb sehr wohl darüber reden, ob sich den berechtigten Interessen der Unternehmer an einer den normalen Ansprüchen genügenden Gegenleistung nicht auch in anderer Weise Rechnung tragen ließe. Dem wurde von den Arbeiter- Vertretern grundsätzlich nicht widersprochen, allerdings auch hinzu- gefügt, daß daran ernstlich erst gedacht werden könne, wenn für das Steinsetzergewerbe erst einmal ein wirklich soziales Tarisshstem vorhanden fein würde, was bis heute nicht der Fall ist. AussperrungSwut. In der S ch u h- und S ch ä f t?i n d u st r i e der Wermelskiccher, Dabringhauser, Burscheider und Hilgener Gegend ist wieder ein wirtschaftlicher Kampf ausgebrochen. Die dem Bezirksvercin Wermels- kirchen des Verbandes der deutschen Schuh- und Schäftefabrikanten angehörenden Firmen haben den im Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands organisierten Arbeitern und Arbeiterinnen gekündigt. Es kommen zirka 1999 Arbeiter in Betracht. Diese Aussperrung ist auf eine Lohnbewegung in der Schuh- und Schäftefabrik von Jscrhardt u. Kattwinkel in Wermelskirchen zurückzuführen. Die Stepperinnen der Fabrik hatten höhere Löhne beansprucht. Die Forderungen waren von der Firma aber als unberechtigt zurück- gewiesen worden. Daraufhin hatten die in dem Betrieb beschäftigten organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen sämtlich gelündigt und diese In der Schicht zwischen 299 und 1999 Meter Höhe ist die mittlere Geschwindigkeit des Windes im Sommer 7.5 und im Winter 8.8 Meter in der Sekunde. Für die Schicht zwischen 1999 und 3999 Meter Höhe steigert sich der Unterschied bereits erheblich, und jenseits 3999 Meter beträgt die Geschwindigkeit der Stürme im Winter mehr als das Doppelte von der des Sommers. Zwischen 5999 und 7999 Meter Höhe herrscht im Winter durchschnittlich ein Orkan von 43,3 Meter in der Sekunde. Das Wachstum deS Menschen. Nach den Untersuchungen von Franz Schiverz ergab sich, daß von» 9.— 11. Jahre die Knaben größer sind, als die gleichaltrigen Mädchen. Vom 12.— 15. Jahre über- treffen die Mädchen die gleichaltrigen Knaben. Nach dem 19. Lebens- jähr zeigt das männliche Geschlecht die größere Körperlänge. Die erste starke Größenzunahme sälll bei den Knaben ins 9. und 19.. bei den Mädchen in das 19. Lebensjahr, waS wohl mit dem Zahn- Wechsel zusammenhängt. Eine zweite größte Längenzunahme ist für daS männliche Geschlecht im 14., für das weibliche im 13. Jahr zu konstatieren, bedingt durch die PubertätSentwickelung. Milieu und Ruhe haben Einfluß auf die Körperlänge und und die ganze Körperentwickelung. Kinder wohlhabender Eltern sind größer als die gleichaltrigen Kinder armer Eltern. Kinder der nordischen Rasse sind größer als die gleich- altrigen Schulgenosse» der alpinen und mittelländischen Rassen. Für daS Gewicht kommt in Betracht, daß die Mädchen vom 12. bis 19. Jahre schwerer als die Knaben sind. Vor dem 12. und nach dem 19. Jahre sind die Mädchen aber leichter als die gleichaltrigen Knaben. Kinder wohlhabender Eltern sind schlverer als die ärmerer Klassen. Der Kopfumfang ist bei Knaben größer als bei Mädchen. Im Laufe der Entwickelniig erfährt die Kopflänge eine größere Zu« nähme als die Breite. Erivachsene haben eine länglichere Kopfform als Kinder. Knaben haben ein größeres Gesicht als Mädchen, das männliche Geschlecht zeigt ein längeres und schmäleres Gesicht als das weibliche._ Notizen. — DaS Neueste aus dem belagerten Paris. Soeben sind in Marseille neue Nachrichten ans dein belagerten Paris eingetroffen: ern Brief vom 19. Januar 1871, der jetzt, nach mehr als 49 Jahren, seineu Bestimmungsort Marseille erreicht hat und von der gewissenhaften Post dem Adressaten, der Redaktion deS„Nonvclliste" ausgehändigt worden ist. Der etwas verspätete Brief enthält einen langen Bericht des Pariser Mitarbeiters des Mar- seiller Blattes; der Brief war am 19. Januar der Agentur Havaö zur Beförderung übergeben worden und verließ auch pünktlich im Luftballon die belagerte Hauptstadt Frankreichs. Wo der Brief während der inzwischen verflossenen 41 Jahre gesteckt hat, ist ein un- gelöstes Geheimnis. — D i e Freie Volksbühne hat Emil R o s e n o w s hinterlaffeneS Drama:„Die im Schatten leben" zur llr- aufführung erworben und wird das Werk im Herbst zum erstenmal in Deutschland zur Aufführung bringen. Der Schauplatz des Dramas ist das Dortmunder Industriegebiet. Die nächste Serie im Neuen Schauspielhause ist Ealderons dramatische Dtchtung:„Das Leben ein Traum". Am Sonntag, den 25. Februar veranstaltet die Freie Volksbühne in der Neuen Philharmonie ein Becthovcn-Konzert mit der ans 79 Mtlsikeni bestehenden Sinfonievereinigung. Kündigung nuch angestchtS der Erklärung deZ FakrlkautcnderbaudeS aufrechterhalten, dak die allgemeine Aussperrung der organisierten Schuharbeitcr im Bezirk Wermelskirchen, Dabringhausen, Binscheid und Hilgen erfolgen wurde, wenn die Kündigung nicht bis zum 18. Januar ahends zurückgenommen werden sollte. Die Sandsieinmetzen im Königreich Sachsen haben einen schönen Erfolg errungen Sie konnten einen Normaltarif zum Abichlub bringen, der für eriva 1009 Steinmetzen gültig sein wird. Es fanden etwa 29 Sitzungen mit Vertretern beider Parteien statt. Die Vor- läge der Ilnteriiehmer wurde in vielen Punkten umgestaltet, um dem Tarif eine Form zu geben, dag er von den Arbeitern angenomnieii iverden konnte. Die Ortszuschläge betragen für Dresden» Pirna 29 Proz., für Leipzig 15 Proz., für Chemnitz, Riesa, Plauen und Zwickau 8 Proz. Die Ilnlernehmcr muhten den Steinmetzen ein großes Entgegenkonunen zeigen, sonst wäre im letzten Augenblick der Tarif noch gescheitert. Einige Unternehmer wollten nämlich mehrer« Lohnredukiionen einschmuggeln, was ihnen aber vorbei- gelang. Für das Schärfen des Werkzeuges wird den Steininctzen 1 Proz. vom verdienten Lohne vergütet. Unter allen Umständen wollten die Steinmetz m e i st e r an der dreijährigen Tarifdaucr fest-. hallen. Dieser Vorschlag wurde von den Arbeilcrvertretern in iff' stimmtester Form abgelehnt, man einigle sich auf eine Tarifdauer von zwei Jahren. Der Abschluß des Normaltarifs.dürfte insbesondere für die Steinmetzen im Maintal und im Moulbronner Gebiet von großem Interesse sein._ Husland. Ter Kohlengräberstreik im Borinage. Die halsstarrigen Unternehmer. Brüssel, 23. Januar. sEig. Ber.) Ebensoviel guten Willen die Kohlenarbciter der Streikregion zeigen, die Situation einer gütlichen Lösung zuzuführen, soviel Mangel an Entgegenkommen zeigt die Gesellschaft der Grubenbesitzer allen Bemühungen der Bergarbeiterföderation und des Provinzgouverneurs— denn der Arbeitennrinister gerubte noch immer nicht direkt einzugreifen— die Einberufung eines Schieds- gerichls durchzusetzen, stellen die Grnbcnuuiernehmcr ein starres Nein entgegen. Auch der letzte Versuch, den der Gouverneur des Hcnnegau„im Namen dcS Arbeitenministers" unternahm, ist gescheitert: daS Syndikat der Unternehmer beharrt auf der vierzehn- tägigen Lohnauszahlung. Und die Situation dauert unverändert weiter. Die crivartele Arbeitsaufnahme, die eine nachgiebigere Haltung der Unlcrnehmcr— Annahme des Schiedsgerichts- Vorschlages— gebracht hätte, ist in eine Ferne gerückt, die vor der Hand unbcmeßbar ist. Die Nachgiebigkeit der Arbeiter zeigt sich auch in der prinzipiellen Forderung dcS AnszahlnngstcrminS selbst. Wir ivieseit bereits darauf hin, daß es sich in dein gegenwärtigen Streik der 29(XX) Kohlenarbeiter des Borinage nicht schlechthin um den neuen AliszahlnngsmodnS an und für sich bandelt, sondern um die an ihn geknüpfte v i e r z e h n t ä g i g e K ü n d i g n» g s f r i st. Die Um- äudcrung der früheren acht- in die vierzehniägige Kündiglingssrist konnte durch eine Reihe von Umständen zur Folge haben, daß der kündigende Arbeiter einen Monat so gut wie keinen Lohn erhält. Hatte er früher eine„schlechte" Grube, konnte er sie nach acht Tagen verlassen und bekam in der neileu Grube nach acht Tagen seinen Lohn. Nach den neuen Bestilniniingen innßte cr14?age ans scineiii ungünstigen Arbeitsplatz ausharren, bekänie. beim Verlassen nur die entsprechend geringe Smnme und hätte nun in der neue» Grube wieder vierzehn Tage ans den Lohn zu warten. Man sieht, daß daS scheinbar harmlose Arrangeinent der Unternehmer, vicrzehntägig auszuzahlen, nm die Abzüge für die PcnsionSkasse bequemer machen zu können, eine mit einer schweren materiellen Schädigung verbundene größere Gebundenheit des Arbeiters zur Folge hätte. Da das Wandern von einer Grube zur anderen eine häufige Erscheinung im Borinage ist, setzen sich die Arbeiter gegen die Maßnahme der vierzchntägige» Kündigung noch mehr zur Wehr wie gegen die LebenSgewobiihciten des„Barrain", des Borinngearbeiters, verstoßende vierzchntägige AnSzahlting. Immerhin zeigt sich, wie gesagt, ein Teil der Arbeiter geneigt, im zweiten Punkte nachzugeben, >v e n n sich nur i in ersten eine Per Mittelung erzielen läßt. Wie wenig herausfordernd oder anmaßend der Standpunkt der Arbeiter ist, mag man nicht zuletzt an der Haltung der bürger- lichen Presse erkenne», die sich im allgemeinen zu keiner Verteidigung der Unternehmer anläßt, im einzelnen sogar, wie z. B. der„Soir", dem die„Interessen der Industrie" gewiß noch etwas näher liegen wie die der Arbeiter, den Standpunkt der Arbeiter per- st ä n d i g ii n t e r st r e i ch t. In der Sache des Streiks selbst ist noch mitzuieilen, daß die Bergarbeiterföderation gestern beschlossen hat, den Arbeiten- mini st e r in der Kammer zu interpellieren. Die kleinen Kausleute des Slieikgebietcs machen gemeinsame Sache mit den Streikenden. Sic beichlossen nach einer Proteftmanisestation, an der sich tailieild Leute beteiligten, den Streikenden weiter zu kreditieren.— Trotz der Erbitterung und Ungeduld der Streikenden herrscht vollkommene Ruhe. Die Verluste der Industrie wachsen mit jedem Tag. Die Koksöfen z. B. nlöichen ans Mangel an Material. Und das Wiederunzünden jedes einzelnen Ofens kostet 6 bis 709 Frank. Man läßt— für teures Geld~ aus Westsaleu und Nordfiaukreich Kohlen kommen, die sich aber nicht für die Oefen des Borinage eignen. Den Unternehmern machr dies und anderes keine Sorgen, lyemi nur ihr Standpunkt lrinmphiert, mag selbst die Industrie darob leiden. Die organisierten Bergarbeiter beheben durchschnittlich 1ö Fr. wöchentlich.'_ Die Maschinisten und Heizer der Kohlenzechen von Südwalcs haben mit einer Mehrheit von fast zwölf zu eins den Ausstand be- schlössen, nm Lohiicrhöbungcn durchzusetzen, die die Zechenbesitzer abgelehnt haben. Die Kündigung soll am 1. Februar auf den 1. März erfolgen. Das würde eine» Stillstand aller Kohlengruben von Südwales bedeuten auch wenn der Streik der Bergarbeiter ver- mieden ivird. Der Ernst der Lage wächst dadurch, daß. wenn die Maschinen nicht im Gange bleiben, ein Teil der Gruben unter Wasser gesetzt wird. Eine„wilde" ilicgiernng ist offenbar die von Argentinien, weil sie den scharfmocherischen Ge- lüften der privatkapitalistischen Eisenbel>»leitungen nicht nach Wimich und Gefalle» entgegenkoinmt. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, hat der Ministerrat beschlossen, den E i s e n b a h n g c s e l l- schalten z» befehlen, daß sie binnen vier Tagen für die Wiederherstellung eines normalen Verkehrs der Personen- und Güterzüge sorgen sollten und daß bis zum 15. Februar der E i s e n b a h n d i e n st im gesamte» Umfange wieder«Nlfznnehmen sei.— Im„zivilisierten" Europa pflegen die Regiernnge» entgegenkommender zu lein. Da entbindet man die Unternehmer in Streitfällen einfach von ihren Verpflichtungen und läßt ohne Skrupel auch im Verkehrswesen ungeübte Streikbrecher auf die Menschheit losl ös§ Leheimnit von Dabendorf. Zu der gestrigen Sitzung des Schwurgerichts am Landgericht II sind zahlreiche Zeugen vorgeladen. Als erster wird tllssessor Böttcher vernommen, der seinerzeit, als der Verdacht gegen die beiden Angeklagten laut wurde, die ersten Feststellungen amtlich an Ort und Stelle vorgenommen hat. Er berichtet über die cinzcliien Verdachtsmomente und die Bcob- achtungen, die die Hypothese stützen mußten, daß die am Tage der Tat gehörte» Schüsse nicht im Jniiccn dcS Bchm-schen Hauses gefallen wären, sondern von außen in das Innere. Die Ohrenzeugen seien der- Ansicht gewesen, daß es sich um Flinten- und nickst um Revolverschüsse gehandelt habe.' Zeuge Glasermeister Ratte: Am S. Oktober 1909, also am Morgen nach der Tat, brackste der Angeklagte Kolbe einen Fenster- flügel zur Reparatur. Es fiel sehr auf, daß aus dem ganz gesunden Holz ein Stück herausgesagt worden war.(Die Anklage nimmt an, daß in diesem Stück Schrotkörner gesessen haben, die schleunigst beseitigt werden mußten.) Als der Zeuge dem Kolbe seine Ver- wunderung über diese ganz unerklärliche Herausnahme des Holz- stückcs ausdrückte, nmchte dieser nur eine Geste, als wollte er sagen: „Ja, was macht inan nicht für Dummheiten." Dem Zeugen siel es ferner auf, daß Kolbe sehr viel Geld in seinem Portemonnaie hatte, als er am nächsten Tage die Reparatur bezahlte. Der frühere Gendarmerie-Wachtmeifler Schaumaun aus Dabcn- darf, der plötzlich sein Augenlicht verloren hat, hat seinerzeit, als Behm verschwunden war und nicht wiederkehrte, der Frau Behm seine Ueberzeugung ausgedrückt, daß Mord vorliege. Frau Behm sei ganz rot und verlegen geworden und habe gesagt:„Das wäre ja schrecklich! Na, ich werde ja wohl Not nicht zu leiden haben, denn ich kann mich als Schriftstellerin ernähren," Ter Zeuge ist der festen Ueberzeugung, daß bei der vermeintlichen Tat ei» Schuß von außen durch das Fenster gegangen und durch diesen der beim Arbeiten im Zimmer sitzende Behm erschossen worden sei. Die ab- gebrochenen Zweige des vor dem Fenster stehenden Ebereschen- strauchcs hätten auch den Standort des vermeintlichen Täters ange- deutet.— Rechtsanwalt Dr. Schwindt hält dem Zeugen vor, daß er seinerzeit seine Ermittelungen zu dem Resümee zugespitzt habe: Ter Verdacht, daß die beiden Angeklagten den Behm ermordet haben könnten, sei hinfällig, dagegen sei es wahrscheinlich, daß Behm nach einem Mordversuch auf seine Frau flüchtig geworden sei.— Der Zeuge gibt zu, zunächst diese Ueberzeugung auf Grund der ihm glaubwürdig erschienenen Angaben der Frau Behm gehabt zu haben. Auf Grund der weiteren Ermittelungen sei er aber anderer Ueber- zeugung geworden. Bahnsteigschaffner Dienand, der nicht weit von dem Behmschen Hause in Dabendorf wohnt, hat am Abend der vermeintlichen Tat zwei Schüsse gehört. Er hat wahrgenommen, wie nach dein ersten Schuß eine Gestalt aus dem Hause fortrannte, die er aber nicht erkannt hat. Der Zeuge sott nach der Behauptung der Frau Behm nicht gut auf sie zu sprechen sein. Er bekundet u. a.: Er habe gleich die Vermutung gehabt, daß„etwas passiert" sei und dielleicht eine Mordtat vorlag. Ter Zeuge hat seinerzeit auch die von dem Behm- scheu Grundstück nach dem See führende Wagenspur gesehen und verfolgt; er will gesehen haben, daß diese Spur offenbar absichtlich teilweise durch Fußtritte und Verscharren mit dem Fuß verwischt worden sei. Zeuge Dienand bekundet weiter, daß er Kolbe bei verschiedenen Gelegenheiteii über die Vorgänge vom 7. Oktober aus- gefragt und ihm geraten Hobe, die Wahrheit zu sagen. Solche Unter- Haltung habe u. a. am 8. Januar 1910 stattgefunden. Dabei habe Kolbe auf Vorhalt gesagt:„Erschossen ist er ja worden, ich war es aber nicht, sondern es ist ein Hauptmann gewesen." Der Zeuge will dann Kolbe weiter vorgehalten haben, daß die Sache doch nicht so einfach gewesen sein könne, denn der Transport müsse doch schwer gewesen sein. Die Antwort hierauf sei gewesen:„Er ist zuerst ge- tragen worden, dann erst hat man ihn auf den Wagen geladen."— Vors.: Wollte Kolbe Ihnen vielleicht einen Bären aufbinden?— Zeuge: Das weiß ich nickst.— Vors.: Warum sind Sie denn nicht hinübergegangen, wie Sie die Schüsse hörten?— Zeuge: Ich wollte als Beamter mich in nichts hineinmischen.— Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Und dabei haben Sie ausgesagt, daß Sie gleich an Mord gedacht hätten und Sie haben sich auch später an den Ermittelungen und Nachforschungen beteiligt!— Zeuge: Kolbe sagte u. a. zu mir, als ich sagte, ich hätte eigentlich hinnbcrkommen sollen: Es ist besser, daß Sie es nickst getan haben, denn ich hatte noch zwei Schüsse drin! Bei einer Unterredung mit Kolbe am Himmelfahrtstage 1910 habe dieser wieder gesagt: Behm sei erschossen worden.. Als er in die Küche gekommen, habe es nach Menschenblut gerochen und die Frau habe in Papieren gekramt. Einige Zeugen stimmen in der Ansicht übereim daß die ge- hörien Schüsse Flintenschüsse und nicht Revolverschüffe gewesen sein müssen. Zu einem Zeugen hat Kolbe gesagt: es seien sicher Re- volverschüsse gewesen, denn Behm habe einen schönen Revolver be- sessen. Der Sachverständige Hofbüchsenmacher Barella: Die von ihm an Ort und Stelle vorgenommenen Versuche bezogen sich darauf, festzustellen, ob ein Unterschied zu bemerken sei zwischen dem Knall eines bei geschlosiener Tür abgegebenen Revolverschnsses und eines vor dem Hause abgegebenen Flintenschisscs. Es ist nicht schwer, diesen Unterschied festzustellen. Nach dem Gutachten ist eS ferner möglich daß bei der nahen Entfernung, die in Frage kommen konnte, ein voller Schrotsdjuß noch wie ein Kugelschuß wirkt und einen- Menschen sofort tötet. Ter Sachverständige erörtert auf wiederholte Anregungen von- der Geschworeneubank noch verschiedene schießtechnischc Möglichkeiten, die in Frage kommen können, wenn man zu dem Schluß kommen soll, daß von, außen ein Schuß auf den im Zimmer sitzenden Behm abgegeben sein soll. Aus weiteren Zeugeitvernchmungen ist hervorzuheben, daß ein Bewohner in Dabendorf, deo leicht anschlagende Hunde hat, be- kündet, daß seine Hunde in der kritischen Nacht nicht angeschlagen haben. Das wäre aber wohl der Fall gewesen, wenn in jener Nacht ein Handwagen mit einer Leiche vor dein Gehöft vorbeigefahren wäre. Auch zwei Zeugen werden vernommen, die den Dabcndorfer See mit Stangen nach dem Verschollenen abgesucht haben. Sie haben- aber nur ein Paar alte Säcke aufgefischt. Ter eine dieser Männer ist ein Brunncumacher, der andere ein Maler. Letzterer erklärt, daß der See sehr morastig und Nachfovschungen aus diesem Grunde sehr schwierig seien-. Mehrere Zeugen- werden darüber befragt, ob ihnen aufgefallen sei, daß zwischen Frau Behm- und dem Kolbe ein vertrauteres Ver- Hältiiis obwaltete. Die Zeugen können darüber nichts bekunde». Ein Zeuge erklärt auf Befragen� daß er dein Kolbe eine Mordtat nicht zutraue. Ein anderer Zeuge weiß wieder über einige ver- dächtige Aeußerungcn des Kolbe zu berichten-. Bei einem Gespräch über das Verschwinden des Behm soll Kolbe gesagt haben:„Er- schössen habe ich ihn; wenn Du mir 200 M. gibst, will ich Dir sagen, Ivo er liegt." Auf die weitere Aufforderung, doch näheres zu sagen, dann würde er die Hälfte der Belohnung abbekomme«, habe Kolbe geantwortet:„Da wäre ich sa schön dumm, ich weiß genau, daß ich dann uicincn Kopf verlieren würde."— Angckl. Kolbe: Ich glaube nickst, daß ich so etwas- gesagt habe; wenn es aber der Fall sein sollte, so kann ich nur meine Glossen über die Sache und die an mich gerichteten Fragen gemackst haben. Bauunternehmer Rahn aus Dabendorf bckunder: Kolbe habe ihm an einem Tage zweimal ein Geständnis abgelegt. Ans dem Nachhausewege aus einer Kneipe habe er zu ihm gesagt: Ganz im Vertrauen kann ich Dir ja sagen, daß ich ihn verbrannt habe.— Vors.: War der Angeklagte dabei vielleicht angetrunken?— Zeuge: Das kann ich nicht sagen.— Vors.: Wie wollen Sie sich denn aber erklären, daß Kolbe sich selbst so belastete?— Zeuge: Er war mir gegenüber immer sehr zutraulich- Er hat mir auch gesagt: Es wäre besser für ihn gewesen, wenn er in seiner alten Bude ge- blieben wäre, dann würde er dies nickst auf dem Kerbholz haben. Auf die weitere Frage, wie er denn zu der Tat gekommen, hat Kolbe gcanttvorlet: Ich konnte es nickst mehr mit ansehen, wie er seine Frau behandelte.— Angckl. Kolbe: Ich weiß, daß ich einmal spät abends mit dem Zeugen nach Hause ging und er mich auss Neue ausfragte. Da habe ich ihm gesagt: Nun werde ich der Sache bald überdrüssig mit Eurer ewigen Fragerei! Jeder dusselige Kerl quasselt mich jetzt an. Daß Du das- aber auch tust, habe ich nickst geglaubt. Na, Dir kann ich'» ja sagen: Was ist da viel Blak zu machen: die Flinte am- Kopf, und da lag er. Da habe ich ihn dann verbrannt und die Asche in den Wind gestreut. Den kann keiner mehr finden!~ Zeuge: Der Angeklagte hat bei seiner Er- zählung auch Tränen in den Augen gehabt.— Angekl.: Ach Unsinn! Ich habe keine Tränen in den Augen! ES folgt dann eine lange Reihe von Zeugen, die über alle mög. lichen Kleinigkeiten aussagen, die nur lose mit der zur Ve-rhar-d- lung stehenden Straftat im Zusammenhange stehen. Ein Zeuge Hcnschel bezeugt dem Angeklagten Kolbe, daß er zu der Zeit, wo am 7. Oktober die Schüsse gehört worden sind, mit ihm zusammen auf der Kegelbahn war. Mehrere Zeugen, bei denen der Angeklagt« Kolbe gearbeitet, beziehungsweise in- deren Schan-llokalen er verkehrt hat, geben diesem übcreinst'.imnend ein gutes Lcnmnndszcugnis. Die einen bekunden, daß er ein sehr fleißiger Arbeiter gewesen fei, der seine Pflicht immer erfüllt habe. Die anderen bestätigen ihim daß er in den Schanklokalcn sich immer ruhig betragen, nie Krakeel gehabt habe und allgemein beliebt gewesen sei. Diese Zeugen bekunden über- einstimmend, daß Kolbe ein zu Witzen und Spaßen neigender Mensch sei, der gern anderen einen Bären aufbindet. Er hat sich einem- Zeugen gegenüber direkt dahin geäußert, daß er all den Leuten, die ihn wegen des VerschwindenS von Behm befragen,„den Buckel voll lügen" müsse, da er sie sonst nicht los werde. Er hat sich schließlich selbst bezüglich dieser ganzen Affäre gehänselt. So trug er eines Abends bei einem Maskenball, auf welchem cr als„Wild- schütz" erschien, aus dem Rücken ein Schild mit den Worten:.Ich suche Behm!" sHeitcrkeit.) Nachdem sämtliche vorgeladenen Zeugen vernommen waren, entließ diese der Vorsitzende endgültig und ordnete die Fortsetzung der Verhandlung aus Donnerstag 9% Uhr an, Sozialem Da? Vermöge» der steatlichen Versichcrungseinrichtmige». Die Träger der sozialen Versicherung sind gesetzlich gehakten Reservefonds für unvorhergesehene Ereignisse anzusammeln. Trotz des langjährigen Bestehens der Versicherung sind auch bis heute viele Vcrsicherungsorgane noch nicht in die Lage gekommen. die Rücklagen auf die gesetzliche Höhe zu bringen. Immerhin nehmen die Vermögen der Versicherungseinrichtungcn von Jahr zu Jahr erheblich zu. Nachdem nunmebr die Ergebnisse der Kranken- Versicherung für das Jahr 1910 veröffentlicht sind, ist cS möglich,' einen Ucberschlag über die Höhe der Vermögen aller staatlichen Versicherungsorgan« für den Schluß deS JahreS 1910 zu machen. Die Invaliden Versicherungsanstalten besaßen zu dem ge« nannten Zeitpunkt nach dem Geschäftsbericht, den das Reichs- versicherungsamt zu Anfang 1911 an den Reichstag erstattet hat, ein Vermögen von 1660 Millionen Mark. DaS Vermögen der Krankenkassen belief sich auf 296.4 Millionen Mark. wovon 141 Millionen Mark allein auf die OrtSkcankenkassen ent- fallen. Ueber die Reservefonds der BerufSgenossenschaften liegen für Ende 1910 die Angaben noch nicht vor. Da aber der Zuschlag nach gesetzlicher Bestimmung in Höhe von 7 P r o z. der Ende 1909 vorhandenen Beträge erfolgen mußte und diese bekannt sind, so ist als sicher anzunehmen, daß die Reservefonds der Berufs« gcnossenschaften sich Ende 1910 auf mindesteus 310 Millionen Mark belaufen haben. Danach hat das Vermögen samt« licher staatlicher B e r si ch e r u n g S o r g an e Ende 1910 den Betrag von mindestens 2266,4 Millionen Mark erreicht.__ Die ärztlicht Behandlung von Strafgefanzeur». Eine interessante Frage war dem Reichsgericht infolge estier Klag« des Küfers S. gegen den Bremischen Sl�at vor- gelegt worden. Ter Kläger hat sich beim Verbüßen einer Zuchthaus- strafe in O. eine schwere Ertrankung(Lupus) zugezogen. Im Sommer 1903 war er in dein Zuchthauie an einem Otzrcnleiden erkrankt. Der Anstaltsarzt hatte das Ausspritzen des Ohres an- geordnet. Das wurde von dem Aufseher M. mit kaltem Wasser besorgt. Durck den beim Ausspritzen betätigten starken Druck platzte das Trommelfell, so daß bei dem Kläger ans dem einen Ohre Taubheit eintrat und sich auch ein Abzeß am Hälfe bildete. Nach der Behauptung des Klägers ist wegen der Verwendung von schlechtem und unzureichendem Verbandsmaterial auS dem Geschwür das L u p u s l e i d e n entstanden. Für die erlittenen Schäden und ihre Folgen hat er gegen den Bremischen Staat Klage auf Schadlosbaltnng erhoben und diese Klage ans die ZZ 31, 831 und 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches gestützt. Landgericht Bremen und Oberlandesgericht Hamburg haben den Kläger mit seinen Ansprüchen a b g e w i e s e n. Zur B e g ü n d u n g führe» die Vorderrichtcr aus, daß die Strasvollstrcckung auf ö s s e n t l i ch e in Rechte be« ruhe und daß die Behandlung von Strafgesangenen im An- schlug an die Srrafvoll st reckung erfolge und deshalb denselben gesetzlichen Vorschriften unterworfen sei. Der in einer Strafanstalt internierte Strafgefangene kann sich deshalb nicht auf eine Haftung nach dem Bürger» lichen Gesetzbuch berufen. Infolgedessen ist eS ohne Belang, ob der Anstaltsarzt ein verfassungsmäßig berufener Ver- treter des Bremischen Staates war und ob der Aufseher fahrlässig verfahren sei: denn nach landeSgesctzlichen Bestinnnungen hat der Fiskus für fahrlässiges Verhalten seiner Beamten nicht einzustehen. Daraus ist zu entnehmen, daß der FiSkuS bei der BeHand- lung von Strafgefangenen keine Vertragspflicht eingeht, wie sie etwa eine Krankenheilansialt llberuiniint, die für die ärztlichen Knilstfehler einzustehen hat. Der Fiskuö ist nur verpflichtet, den Strafgefangenen ärztliche Hilfe zur Verfügung zu st e l l e n. Das Reichsgericht hat dicieS eigenartige Urteil be- s' st ä t i g t und die R e v i s i o n des Klägers zurückgewiesen. Volksbildung und Landeskultur. Daß die den Agrariern so unangenehme Bolksbikdung der wichtigste Faktor der Landeskultur ist, beweist eine in der»Sozialen Kultur" veröffentlichte Statistik ans O e st e r r e i ch. Danach betrug die Zahl der Analphabetea in Mähren 5,1 Pro,., in Galizicn 56 Proz., in der Bukowina«4 Proz- Der landwirtschaftliche Bodeurciiicrlrag pro Kopf war in Mähren 40.41 Kr., in Galizien 8.20 Kr., in der Bukowina 7,20 Kr- Es entfiel eine LandwirtschaftSschule in Mähren auf 300, in Galizien ans 10 500, in der Bukowina auf 8 700 in der Landwirtschaft tätige Personen. Der Ncincrtrag des Hektars Ackerboden war in Mähren 63.3 Kr., in Galizien'20,7 Kr., in der Vnkowina lv.77 Kr- und der Reinertrag pro Hektar Gartenland war in Mähren 49,92 Kr., in Galizicn 18,52 Kr., in der Bukowina 19.84 Kr. Bolksbildung ist also bares Geld für die Land« Wirtschaft und die Großgrinidbesitzer schädigen das Boll auch direkt durch ihre Schulfeindlichkeit. Hus Xnduftrie und Dandd. Deutschlands Kohlenversorgung im Jahre 1911. Das rheinisch-westfälische Kohleiiiynoik.it hat die Erhöhung der Richtpreise um 25 Pf. bis 1 M. pro Tonne u. a. damit begründet, daß die in den Herbslmonaten eingetretene Besserung der Lage des Kohlenmarktes im Dezember ungeschwächt angehalten und iveitcre Fortichritte gemacht hat. Die Nachfrage ivar gegen Ende des JahreS so stari, daß trotz Inanspruchnahme der Lagcrbestände Rückstände in den Lieferungen nicht zu vermeiden waren. Diese Erscheinung hängt natürlich mit dem lebhaften G-uchästsgaug in der Eisen- und Stahlindnstrie sowie in den weitervcrarbeitenden Ge- werben zusammen. Der Bedarf on Hanshrandkohle war bis gegen Ende 1911 Infolge der andauernd milden Witterung»M aVzn de- deutend. Für die Gestaltung der Lage am Kohleiiliiarkte ist die .'höhe de? Hausbedarfs nur von untergeordneter Bedeutung. Die Intensität der Kohlenproduktio» hängt vielmehr von der Entwickelnng der wirtschaftlichen Konjunktur ab. Das abgelaufene Jahr hat eine kräftige Steigerung der Kohlengewinnung gebracht. Die gesamte Förderung betrug nämlich in den Jahren 1010 und 1911 in Millionen Tonnen: 1910 1911 Zunahme Steinkohlen... 152,881 100,742+ 7,861 Braunkohlen... 69.105 73,517 4- 4.412 Koks...... 23,600 25,405-- 1,805 Prchkohlen.... 19,561 21,828-f 2,267 Die Förderung von Steinkohle hat am krästigsten zugenommen. Im Dezember blieb sie etwas unter dem vorjährigen Niveau, doch ist zu berücksichtigen, dag die Zahl der Arbeitstage geringer war. Die Bilanz des Angeuhaudels mit Kohle fällt sehr zugunsten des deutschen Kohlenbergbaues ans. Die Einfuhr ist durchweg zurück- gegangen, ivährend der Exbort von Steinkohlen, Koks und Presi- kohlen kräftig zugenommen hat. Die Verdrängung der eng- l i s ch e» Konkurrenz vom deutschen Markte hat gerade im letzten Jahre recht bedeutende Fortichritte gemacht. AuS nachstehender Zusammenstellung ergibt sich die Bewegung der Ein- und A u s- mi h r von Kohlen während der letzten beiden Jahre in Millionen Tonnen l Steinkohlen. Braunkohlen Koks... Preßkohlen. 1910 11,196 7,398 0.623 0,241 Einfuhr Im Jahre 1907 belief sich 1911 10,914 7,069 0.599 0,21 1 die Einfuhr 1910 24.257 0.062 4,128 1,988 von Ausfuhr 1911 27.412 0,058 4,555 2.477 Steinkohlen noch auf 13 720 Doppelzeniner. Braunkohlen wurde» im gleichen Jahre 8 003 103 Doppelzentner importiert. Der Teil der inländischen Kohlcugeiviimuug und der Einfuhr, der nach Abzug der Aussuhr für die Versorgung des deutschen Marktes mit Kohle in Betracht kommt, entwickelte sich im Jahre 1011, verglichen mit dem Vorjahre, in Millionen Doppelzentner, wie folgt: 10l0 1911 Zunahme Steinkohlen.. 130.820 144,244+ 4,424 Braunkohlen.. 76,440 80,528-j- 4,088 Kols.... 20,096 21,419+ 1,353 Preßkohlen.. 17,814 19,561+ 1,747 _ Seit 1007, dem letzten Jabre der porigen Hochkonjunktur- Periode, ist die Versorgung mir Steinkohlen»in 7 209 503 Tonnen gestiegen. Auf den Kopf der Bevölkerung bereckmet entioickclte sich die Kohlcnpcrsorgnng von 1907 bis 1911 in Kilogramm, wie folgt: 1907 1903 2210 2213 1150 1193 302 289 243 269 Demnach hat die Versorgung mit Steinkohlen»och nicht das Niveau von 1907 erreicht. Bei Brannkohle, Koks und Preßkohle ist schon eine recht beträchtliche Steigerung zu verzeichnen. Steinkohlen Braunkohlen Koks.. Preßkohlen 1909 1910 2162 2! 64 1200 1183 292 311 272 276 1911 2207 1232 328 299 Gmcbts- Zeitung, Ein gewalttätiger HauSwirt. Der Hausbesitzer W y s o c k i in Rixdorf, Niemetzstr. 5, und seine Fron sind vom Schöffengericht wegen Körperverletzung, der elftere auch wegen Beleidigung mit Geldstrafen belegt worden. Infolge der von beiden Angeklagten eingelegten Berufung ivurde die Sache gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts II verhandelt, wobei folgender Tatbestand zur Sprache kam. Eine Mieterin im Hanse des Angeklagten, Frau Vogeler. ging über den Hof in Begleitung eines im Nebenhause wohnenden Knaben, der ihre WohinmgStür mit einem Dietrich öffnen sollie, weil Frau Vogelcr den Schlüssel vergessen hatte. Wysocli trat ihr ans dem Hofe entgegen und gab zu der« stehen, der Knabe solle sein Grundstück nicht betreten. Als Frau Vogelcr Einwendungen dagegen machte, warf ihr der Augellagte Wysocli die Beleidigung an den Kopf:.Sie geschiedenes Frauen- zimmer*. Frau Vogeler verbat sich die Beschimpfung. Da s ch l u g Wysocli sie mit d c r F a n st g e g e n d e n K o p f, daß sie z u B o d e n st ü r z t e. Frau Vogelcr raffte sich auf, wurde aber noch zweimal von Wysocli niedergeschlagen. Da kam auch Frau Wysocki dazu. Sie packte die am Boden liegende Frau Vogeler an den Haaren, Wysocki ergriff sie am Arm und so versuchte da-Z Ehepaar Wy socli, die Frau Vogelcr in die Wysockische Wohnung zu schleifen, vermutlich, um sie dort ohne Zeugen weiter zu mißhandeln. Doch ehe dies Vorhaben des würdigen HauS bcsitzcrpaarcS gelang, hatte eine durch den Lärm hinzugekommene Mieterin ihren Mann zu Hilfe gerufen, der die übel zu gerichtete Frau Vogcler aus den Händen der sich wie rasend gebärdenden Wohsockis befreite. So wurde der Tatbestand nicht nur von Frau Vogelcr, sondern auch von mehreren einwandfreien Zeuginnen geschildert. Die Angeklagten machten dagegen den Versuch, sich als un- schuldig Angeklagte hinzustellen, und ihr Verteidiger sprach sogar von eine», Komplott der V c l a st u» g s, e u g e n. denen er andere Zeugen gegenüber stellen wollte, welche zugunsten der Angeklagten aussage» sollten. Das Gericht hielt die Sachlage jedoch für vollkommen geklärt und lehnte weitere Zeugcnladungcn ab.— Der Angeklagte Wysocki be- hanplete init dreister Stirn, er sei zuerst von Frau Vogelcr beschimpft, angegrisfen, mit einer Bicislasche geworfen und mit einer Hunde- pclliche geschlagen ivordcu. Doch die Beweisaufnahme ergab, daß an dieien Bchauptnngen kein wahres Wort ist. Ilm seine Position günstiger zu gestalten, hat der Angeklagte Wysocki. nachdem Frau Vogelcr Anzeige gegen ihn erstattet hatte, diese selbst wegen Körperverletzung angezeigt. Wie Rechtsanwalt Kantorolvicz. der Verteidiger des Nebenklägers Vogeler(des Ehemannes der Berletzlen) sagte, war das eine wissentlich falsche An- s ch tl l d i g li n g, vorgebracht von einem Manne, der in seinem Hanse das Fan st recht ausübt und ihm nicht genehme Leute v e r» prügelt. Das Gericht erklärte die Angaben der Frau Vogeler für glaub- würdig und kalte deshalb keine Veranlaffung, an dein erste», ohnehin sehr milden Urteil etwa» zu ändern. Die Vc- rnfung wurde v e r lv a r s e n. Es bleibt also bei der in erster Instanz erkannten Strafe von 15 M. wegen Belcidiguyg und 1S0M. wegen Körperverletzung gegen den Angeklagten Wysocki und 20 M. gegen Frau Wysocki, ebenfalls wegen Körperverletzung. Zur Vorsicht im Verkehr mit Nichtorganisierten dürfte der uachsteheude. kürzlich daS Potsdamer Schöffengericht Be» sckiästigende Vorgang mahnen. An eine», Sonntagvormittag im Okiobcr vorigen JahreS gerieten in einem Lokal der Großbccrcn- straße vier' organisierte Lackierer mit einem nichtorgaiiisierteu .Kollegen", dem Lackierer Kuhlbrodt, in Streit. Im Verlauf deS Streits zog letzter"! den Revolver und mit einem Taschenmesser schlug er wie ein Berserker»in sich, so daß einige der Organisierten beim Versuch, ihn, das Messer zu entwinden, schwere Verletzungen davontrugen. Da bald daraus ein Äendariu den Sachverhalt nach den Angaben von Augenzeugen anfgeuommen hatte, glaubte man allgemein, daß dem Revolver- und Messerhelden die verdiente Strafe treffen würde. Die Sache kam jedoch anders. Nicht nur dieser, sondern auch die vier organisierten Lackierer hatten sich wegen des Auftritts vor dem Schöffengericht zu verantworten. Gegen drei der letzteren wurden Gefängnisstrafen sl!) von ein und zwei Monaten beantragt, die nur wegen der bisherigen Unbescholtenheit der Angeklagten in Geldstrafen von 165, 150 und 50 M. umgewandelt wurden. Ein bereiligter wurde freigesprochen. Der Hoiipiiibelläter 51. jedoch, der den Streit ohne jede II r s n ch e v e r a n l a ß t und mit dem Messer so großes Unheil angerichtet hatte, kam mit— 3 0 Mark G e l d st r a f e davon! Diese auf den ersten Blick geradezu unberstäudlich erscheinende milde Strafe, die über den nnt Revolver und Messer bewaffneten Helden verhängt wurde, dürfte in der Art der Aussage des K. ihre Erllärung finden. Er gab an, seine organisierten Kollegen wollten ihn zum Eintritt in den„sozialdemokratischen B e r- band" zwingen, trotzdem er ihnen erklärt habe, daß er als Beamtensohn dies nicht tun werde. Auch sei er mit dem Ausdruck „Streikbrecher" tituliert worden. Einer der Mitangeklagten gab diesen Ausdruck zu, erklärle aber, daß K. sich selbst bei einer früheren Gelegenheit mit S t r e i k b r u ch g e b r ü st e t habe. Recht eigenartige Dinge aus dem Berliner Nachtleben kamen in einer Verhandlung zur Sprache, die gestern die 3. Straf- kannner deS Landgerichts III beschäsligre. Aus der Untersuchnngs- hast wurde die 25jährige Büfetlnmmsell Hedwig P o m p l u n vor- geführt, um sich wegen Diebstahls zu verantworten.— Die An» geklagte ist schon wiederholt wegen llebcrtrctung der siltenpolizeilichen Vorschriften vorbestraft. Um den fortwährenden„Scherereien" mit den Beamten der Sittenpolizei z» entgehen, zog sie es vor, sich einem anderen Gebiete zuzuwenden. Sie war von nun an nur noch Stammgast in einem ansichließlich von Damen besuchten Casö in einer der Seitenstraßen der Friedrichstraße. Als sie hier am 27. Mai 1910 mit einer Freundin namens Sybilla saß. Ivurde sie von einer Privatiere Karoline G. aus Wilmersdorf freundlichst eingeladen, an ihrem Tische Platz zu nehmen. Beide nahmen die Einladniig an und wurden von der G. nun mit ollen möglichen Likören traktiert. Alle drei unter- nahinen dann eine regelrechte Bierreise, die sie von einem Lokal in den Zelten schließlich in ein Bar in der Friedrichstadt führte, wo sich alle drei derartig mit Sekt und Likören be- lranken, daß sie das Lokal verlassen mußten. Hieran schloß sich ein Besuch der Wohnung der G. in Wilmersdorf. Am nächsten Morgen mußte die frenndliche Gastgeberin die unangenehme Eilt» deckiliig niochc», daß die beiden Besiicheriiinen sich heimlich empfohlen iiiid dabei außer einer ivertvollen Perlen Halskette B r i l l a n t s ch m il ck s n ch e n i in G e s a m t iv e r t e von zirka 5060 M. mitgenommen hatte. Während die Freundin der Angeklagten bald ergriffen imd zu s ü n f Monaten Gefängnis verurteilt wurde, flüchtete die P. nach Paris, Ivo sie sich bald zwei Jahre aufhielt. Bald nach ihrer Sliicktehr nach Berlin wurde sie von dem Kriminalschutzinann Sieber erkannt und verhaftet. Vor Gericht behauptete die Angeklagte, daß die Zeugin G. sie damals anfgcforderl habe, sich n a ch k e i» e r R i ch t u n g h i n z u genieren und alles, was ihr gehöre, auch als ihr. der Ängellagieii, Eigen tu in zu belrachte». Der Staatsamvalt beantragte ein Jahr Gefängnis, während das Gericht nur aus vier Monate Gefängnis erkannte. Bor dem Jiigcudgcricht der 166. Abteilung fand gestern eine Verhandlung gegen den fniifzehnjährigen Laufburschen Sch. wegen Unterschlagung von 169,09 M. statt. Sch. hatte von seinem Arbeitgeber einen Scheck über geilaniiten Betrag zur Besorgung erhalten. Anstatt diesen Ans- trag zu erfüllen, hob er das Geld von der Bank ab und fuhr damit nach Halle und München. Als da-Z Geld, wovon sich Sch. zunächst einen Anzug konste, ausgegeben war, kehrte er»ach Berlin zurück. Der Staatsanwalt beantragte in der gestrigen Verhandlung vier- zehn Tag« Gefängnis. Die Kiiiderschutzkoiinnission hatte Keililtnis von diesem Fall erhalten und Genosse Barenthin halte die Verteidigung des jugendlichen UebeltäterS übernommen. Er wies darauf hin, daß in der Familie die denkbar tranrigsten Verhältnisse herrschen. Sie bestehe au? fünf Köpfen. In frühester Jligend hätte der Junge zur Erhaltung der Familie mitverdienen müssen. Der Stiefvater sei ganz In- v a l i d e. die Mutter lungenkrank. Infolge der traurigen Verhältnisse seien in der Familie häufig Zank und Streit gewesen, wormiter der Junge sehr zu leiden halte. Dazu kam noch, daß er eine Menge S ch n n d r o»l a n e gelesen, die ihm Seele und Gehirn vergiftet haben. Unser Genosse ersuchte unter diesen Umständen um eine milde Bestrafung. Das Urleil lautete auf eine Woche Gefängnis. Jedoch soll der Junge zniiächst der Fürsorgeerziehulig überwiesen und wen» er sich dort gut führt, ihm die Strafe erlassen werden. Eue aller Melt. Ein originellcr Verein. Wie man weiß, steht Sachsen in dem Rufe, das Land der meisten Vereine zu sei», nnd dieses Renommee will es sich offenbar nicht nehmen lassen. Die ncnestc lind originellste Blüte am Baume des deutschen VereinslcbeuS ist jetzt in Dresden aiffgegangen. Es hat sich dort ein„Verein der unehelichen Väter" konstituiert, der noch den Satzungen„alle diejenigen Herren zu- saiiimeilschließeii soll, die sich bei Zahlung der Ziehgelder übervorteilt fühlen". Also eine Art„wirlschasiliche Ver- ciniguiig gegen den Unfug der Alimenticrungen." Daß gerade Dresden die Zentral« dieses Schutz- und TrutzverbaiideS geworden, ist kein Zufall. Geht doch seit vier Jahren— so lauge besteht dort die BcrilfSvormundschaft— die städtische Verwaltung von Elb-Floren- besonders scharf gegen die„Drücke- bcrger" uiiter den unehelichen Vätern vor. Sie hat, nach der offiziellen Statistik iin Jahre 1907, von 132 Vätern 22 600 M., im Jahre 1909 von 770 Vätern 102 000 M. herausgeholt, während 1910 1209 Väter znsninmcn 150 000 M.„blechen" mußten und das vergangene Jahr bis zum November schon eine Einnahme von 224 000 M. bra-vte. Diese Beträge von fast ausschließlich„un- sicheren Kaiitoniste»" eingetrieben zu habe», ist in der Hanptsache das Verdienst des städtischen FürsorgcamteS, dem jetzt in der iicuen Korporation der„Unehelichen Väter" ein grimmer Gegner erstanden ist. Wenn sich erst der Vorstand gebildet haben wird, in den doch sicherliev lauter Herren gewählt werde» dürften, die auf diesem Spezialgebiet wohl erfahren sind, dann können sich ja die unehelichen Mütter und Kinder grainlieren. Kleine Notizen. Fünf Personen durch Gas vergiftet. In der vergangenen Nacht ivurde die Familie des KlempenneisterS Pamft zu Hermödorf in Schlesien durch Einatmen von Gas. das der am Hause vorbei- führenden Leitung entströmte und durch den Keller in das Wohn- ho, iS cindraiig, pergiftet. Die Ehefrau, zwei Töchter und ein Sohn find tot, der Ehemann wurde zwar noch lebend aufgefunden, doch ist sein Zustand hoffnungslos. Im Streite erschlogen. In der vergangenen Nacht geriet in einer Münchener Wirtschaft der Gastwirt Denk mit cinein Gast, iiainenö Küfer, in Streit. Der Gastwirt wurde von Küfer in i t einem Bierseidel erschlagen. Der Täter stellte sich selbst der Polizei. WahusinnSlat einer Mutier. In Lorimt(Frankreich) hat eine 34jährige Frau, welche sivon mehrfach im Irrenhaus« interniert war. in eineiu neuerlichen Anfall von Wahnsinn ihre drei Kinder i n ä Feuer geworfen. Dl« Kinder im«Ner von Pft mj- % Jahr wurden von Nachbarn gerettet, haben jedoch derartig schwere Brandwunden erlitten, daß an ihrem Aufkommen gc zweifelt wird. Raubübersall ans einen Pserrhof. Aus Warschau wird berichtet: Dienstagabend überfielen inHruschtschobrody(Gouvernement Petrikau) in Abwesenheit des Pfarrers sechs Räuber den Pfarrhof. Das Dienstpersonal wurde gefesselt und eine große Barsumme geraubt. Als die Dorfpolizei die Räuber verfolgte, entwickelte sich ein Revolver- kanipf. Zwei Räuber wurden getötet, die anderen konnten ver- haftet werden. Auch wurden viele Untersuchungen und Verhaftungen in der Nachbarschaft vorgenommen. Bmfkarten der Redaktion. M. M. Die Anmeldung seitens eine? Teils genügt, wem» beglaubigt« Zustimmungserklärung de? anderen Teils beigebracht wird.— S. M. 03. Zum Teil ja.— W.!». Ja.—<5. H. 100. 2 M.- P. BS. 100. 1. Erscheint nicht möglich. 2. Ja-— W. S. Berlin. I. Nein. 2. K 833 des Bürgerliche» Gesetzbuchs.— M. B« 3. Nein.— 10 M. G. Nein. Briefkasten der Expedition. Patienten In Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch wahrend des ganzen nächsten MonatS tn der Heilstätte bleiben, ivolleu uns wegen der Ueberweisung von Frei- cxemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht gellesert werden, Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Marktbericht von Berlin am SO. Januar 1012. nach Ermittelung des lönigl. PolizcipräsidkttinS. M a r k t h a l l e.n p r e i s».(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbien. gelbe, zum Kochen 36,00—00,00. Speis ebohner» weihe, 40', 00— 60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 11,00—14,00. 1 Kilo- granun Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.10. Rindsteiich, Bauch fleisch 1,30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40— 2,50. Hamnielsleisch 1,30—2.20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 4.20—7,60. 1 Kilogramm Karpsen 1,00-2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,20-2,60, Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebs« 3,00—24,00._ Wasserstands-Nachrichten der LandeZanstalt sür Gcivässcrlunde, mitgeteilt vom Berliner Wcilcrbürcau. Fall.—>) llnterpegel.—») ')-f- bedeutet Wuchs, st cisjrci. Der B o b e r ist bei Sagan feit dem 23. zumTell eisfrei. Bode hat bei Staßsurt U s e r e i s. Eisstand.— Dl- 1444- anno�r- d�rfrnf» Qjl n c » Om/'MtH �4444�1»«-. r&hp-i/fi ir An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. ffkrintvi gstiltizr In KonNtrnktlon nnil Aasführnnc, gleich voraiä glich ftlr Hausgebrauch u. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Oes. BERT.IBT, Leipziger StraSio OS. Läden in don verschiedenen Stadtteilen. IL R ■«■■BBaaBaaBCBBBaaBBSfaBaBvaaaBiB HMwUwlvWq» -IOMfarb D.R.W.Z-l(i ft-l?. Health shuff fobacco. Tabac ä priser de sanfte Tabake do zazywanio d!a zdrovifa Tabacco da naso afla salufc ■bbbiiibii aiBaiiPBBBaaiaiaaBiaaa Manoli Abbas Dandy Gibson Girl LMW Pracht-Säle Alt- Berlin BlnmenstraBe 10 Kcbcn dem Rcsldonz-Theator ===== sind die besten-= Versammlung-ssäle des Ostens. Im nouerbauten Xbeator-Saal täglich: 621L* == Konzert. Tticatcr nnd Spczinlitiltcn.■ Fünf außerordentlkh preiswerte Serien Detrifft PreiserholMNg für Keltermaffer nnd Dranfelimonaden, sowie die Kegrnndnng dafür. Im Laufe der letzten Jahre sind die gesamten Unkosten für die Herstellung und den Vertrieb deS Selter« Wassers und der Brauselimonaden ganz bedeutend in die Höhe gegangen, die Arbeitslöhne haben infolge der herrschenden Teuerung nicht ganz unberechtigte Erhöhungen erfahren, die Preise für Pferdefutter, Schmiede-, Stellmacher- und Sattlerarbeiten, Drucksachen usw. sind bedeutend gestiegen, die Flaschenpreise in wohl noch höherem Maße. Insbesondere sind die Herstellungskoston der Limonaden infolge der bedeutend höheren Zuckerpreise, wie durch die verteuerten Fruchtessenzen, erheblich größer geworden. Aus diesen Gründen sehen sich die Minerallvasserfabrikanten von Berlin und Umgebung gezwungen, vom 1. Februar 1813 a»-m- geringe Preiserhöhung für ihre Erzeugnisse eintreten zu lassen. Wir versichern ausdrücklichst, daß wir zu einer geringen Preiserhöhung nur durch die obwaltenden Ver- Hältnisse gezwungen worden sind, da jeder reelle Mineralwasserfabrikant absolut nicht in der Lage ist, zu den bisherigen Preisen weiter zu liesern, wenn er seinen Verpflichtungen gerecht werden will. Von der eigentlich schon int letzten Sommer notwendigen Preiserhöhung ist s. Z. abgesehen worden, damit nicht etwa der Anschein erweckt werden konnte, daß die Hauptverbrauchszeit zu einer Preiserhöhung ausgenutzt wurde. Hochachtungsvoll Lerlmer VerkMck der]lOnerabasserfal)rikanten8.V. Dereitt der MilleralMssechbrikMeil siir Kerlin und Umgebung. S'liintznerbgnd Kerliner NinerMnIsechbriblülten. Uerein der SellerlWssechbriblüilen von Kerlin nnd Umgegend. OßtwfMji! MolözLsWi«, juoUc&jofyL aßrtw aw£ a&i«* öj4t£ot££' AnottßÄ/£! Verantwortlicher Nedatteur: Albert cuci u. Verlag: Vorwart« Buchdruckerei u. VeclagSanftalt Paul Singer u. Co., Berlin �.«I» tniig! Lumstra- Deckblatt hell n. sohneetveiü brennend, -weite Länge Vollblatt per Pfund 3,60 M. flamburyer Rohtaliall-Haus Filiale; Berlin N., BranncnistraOc 25. Gelegenheitskauf! Schwere Schlafdecken Sl. 350,4S0,5M,6MM. Pferdedecken! SI.2S4,8M,4S",5S0M. � fflr dicke f 1 C 5 l'or< leren alle Farben 1 Meterl, 75, 2,50 bis4,50. Abgep. Friesmänfel 2,25—8 M. Versand unter Nacltnahme. iStnil Sefevre i Berlill 8., Oranienstr. I§8. Peek. Cloppenburg EeiEsMIeider Inventurverkauf vom 18. bis 27.«F aniiar. Nach beendeter Inventur habe einen Posten ZM" üeste"MZ welche sich zu KomI üiiicn und KoslUmritckcn eignen, im Proiso bedeutend ermäßigt. Ebenso gebe ich meine Restbestände in fertiger Konfektion zu und unter Selbstkostenpreis ab. C. Pelz, Kottbuser Straße 5. Tadellos passende 1,20. 29. ww 2. Ktüilge dtg JoniiW leiliitet Mldsdllltt. s-°°tt-w.2z.z«.m-.s.2. Zur Caudtags'Crfatzwal)! Im A. Berliner Landtagswahlbezirk. Im 2. Berliner Landtagswahlbezirk muß an Stelle des verstorbenen Fabrikbesitzers Gerschel eine Ersatzwahl stattfinden. Die Wahlmäuncr muffen sämtlich neu gewählt werden. Zu wählen sind 541 Wahlmänner. Es werden neue Urwähler- listen aufgestellt und darin bei jedem ewzelnen Namen der Steuerbetrag angegeben, den der Urwähler zu entrichten hat. (§ 3 des Reglements.) Diese U r w ä h l e r l i st e n werden nach Vorschrift des ß 4 des Reglements drei Tage lang. am Sonntag, den 28. Januar d. I.. von vormittags 10 bis nachmittags 3 Uhr, am Montag, den 20. Januar, und am Dienstag, den 30. Januar d. I., von mittags 12 biS abends 8 Uhr zur Einsicht öffentlich ausliegen und zwar: I. in der Turnhalle der 51./130. Gemeindeschule, Nieder- Wallstraße 6/7. für die UrWahlbezirke 12—41(Stadtbezirk 6 b i s 26); II. in der Turnhalle der 27. Iii. Gemeindeschule. Wilhelmstraße 117, für die UrWahlbezirke 42—68(Stadtbezirk 21 b i s 36) und 139— 149(Stadtbezirk 56— 53); HI. in der Turnhalle der 168./116. Gcmeindeschule Hagel- berger Straße 34, für die Urwahlbczirke 156— 156(Stadtbezirk 54 u. 55), 164— 174(Stadtbezirk 57—66) und 181—198(Stadtbezirk 62-65). Innerhalb der genannten drei Tage steht es jedem frei, sowohl gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Listen als auch gegen die Richtigkeit der darin aufgeführten Steuer- betröge(§§ 3 u. 4 Regl.) seine Einwendungen im Wahl- burcau. Poststr. 16 II, schriftlich oder in vorstehend auf- geführten Auslegestcllcn bei den dort anwesenden Beamten zu Protokoll anzubringen. Einsprüche, welche vor Beginn oder nach Schluß der Aus- legung der Urlisten eingegangen find oder eingehen werden, finden keine Berücksichtigung. Tie Legitimation kann durch Vorlegung der Stelicr- quittung für das Vierteljahr Oktober/Dezember 1911, der polizeilich bescheinigten Anmeldung für die Wohnung, unter welcher die Eintragung erfolgen soll, oder auf sonst glaub- hafte Weise geführt werden. Die Urwähler haben in denjenigen Bezirken zu wählen, in welchen sie zur Zeit der Aufstellung der UrWählerlisten — d. h. Mitte Januar 1912— gewohnt haben. Aus welchen Stadtbezirken der Landtagswahlkreis besteht, geht aus den hinter den Auslegestellen vermerkten Bezirken hervor, die teils im ersten, teils im zweiten Rcichstagsivahl- kreise liegen._ Partei- Hngelcgcnbeitcn. Au die Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg! Mitte Februar erscheint wiederum eine neue Lokalliste. Wir ersuchen daher, alle Aenderungcn bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Sonntag, de» 4. Februar, an die nachvcrzcichneten Kommissionsmitglieder gelangen zu lassen: Für den L Wahlkreis an den Genossen Jakob Ege, 0. 19, Roßstratze 31. Für den II. Wahlkreis an den Genossen R. Reinhardt. S. 59, Urbanstraße 67. Für den in. WablkreiS an den Genossen Gustav Müller. L0. 36 Grünauer Straße 2V, IV. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Franz Behersdorf. DlO 18, Elbingcr Straße 9. Für de» V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahnisch, C. 54, ilugnsistraße 51, Cucrgcb. IV. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Wilhelm DamS, dl. 4, Echlegelstraße 9. Für Nieder-Barnim an den Genossen Hermann EliaS, 6. 112, Blumenthalstraße 24. Für Teltow-BccSkow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf, Weisestraße 33. IV. Für Potsdam- Osthavelland an den Genossen Emil Schubert, Spandau, Kurstraße 2 t. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal- liste durch die B-rsibcndcn der Kreise a» den unterzeichneten Ob- mann der Kommission zu richte». Um daö rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- tcilungen in Lokalangelcgenhcitcn für Groß-Berlin dem zu- ständigen Kommissionsmitgliede. für die übrigen Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.— Ferner weisen wir wiederholt aus den in den Lokalkonfercnzcn dir Lokalkreise so oft gefaßten Beschluß hin, wonach die örtlichen K o nun i s s i o n s ni i t g l i e d e r unbedingt verpllichtct sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liskr rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor- gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu- schreiben. Alle nach dem 4. Februar einlaufende» Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuche» wir, dies zu beachte». Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen i» Lokalangelegcnheiten nur durch die oben genannten Koinmissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den»Vorwärt s". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation picht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: Albert Hahnisch. C. 54. Auguststraße 5L Potsdam-Spandau-Osthavelland. Am heutigen Stich- Wahltage benötigen wir noch der Wahlhilfe der Berliner Gc- Vossen. Wir bitte» deshalb, daß sich die Genossen, welche Sch zur Mitarbeit im„Hoheuzolleruwahlkreis" zur Berfügnng ellen wollen, heute von früh7Uhr ab bei Schubert, ipaadau, Kurstraße 21,«elde«. Der KreiSvorstand. Charlottcnburg. Freitag abends 7 Uhr findet für die 3. und 6. Gruppe eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Kein Genosse darf fehlen I Schmargendorf. Die Genossen werden darauf aufmerksam ge- macht, daß am Sonnabend, den 27. d. M., von abends 8 Uhr der Arbeiter-Radfahrervercin Schmargendorf im Schützenhause sein diesjähriges Wintcrverguügen abhält. Der Vorstand des Wahlvereins. Hohe»- Schirnhaiise». Am Donnerstag, den 25. Januar: Mit- gliederversainmluiig bei Reyher, Berliner Str. 93. Tagesordnung: Bierteljayresbericht, die bevorstehende Geniemdewahl, BerilyiedeneS, Verkündung von Stichwahlresultaten. Spandau. Die Verkündung des Stichwahlresultats findet heute abend in der Brauerei Pichelsdorf statt, VerUner I�acdrickten. Heber eine Million Krankeiikasscumitglieder in Groß-Berlin. Im Oktober 1911 überstieg die Zahl der in den Kranken- fassen Berlins und der Vororte Charlottenburg. Schönebcrg, Rixdorf, Stralau, Rninmelsburg, Weißensee, Lichtenberg, Tempelhof, Treptow, Pankow und Reinickendorf versicherten Mitglieder zum ersten Male die Million. Es wurden in diesem Monat 1611681 Mitglieder der Krankenkassen gezählt. Bis zum Schlüsse des Jahres ging diese Zahl infolge der schlechten Jahreszeit zwar noch etwas zurück, hielt sich aber mit 1 663 014 im Dezember immer noch über der Millionen- grenze. Unter diesen Mitgliedern waren 661 493 männlichen und 461 521 weiblichen Geschlechts. Fast genau zwei Drittel so viel Frauen wie Männer kämpfen also heute schon in der Großstadt den schweren Kampf ums Brot. Für immer vorbei siad jene idyllischen Zeiten, in denen man sagen konnte, daß die Welt der Frau ihr Heim sei. Zugleich zeigen diese Zahlen ober auch, wie unzeitgemäß es ist, heute noch die Frauen von den politischen Rechten und Pflichten auszuschließen, nachdem auf ihrer Arbeit fast so gut wie auf der der Männer der Bau unserer ganzen Kultur ruht. 927 451 der Versicherten, darunter 578 471 männliche und 348 986 weibliche waren Pflichtmitglieder; 75 563, darunter 23622 männliche und 52 541 weibliche waren freiwillig versichert. Ende des Jahres 1969 betrug die Zahl der Kranken- kassenmitglieder Groß- Berlins 975 775, darunter 596162 männliche und 358613 weibliche. Die Zahl der männlichen Mitglieder hat sich also um 11 331, die der weiblichen dagegen um 75 698 vermehrt, eine Bewegung, die deutlich die Tendenz aus Zunahme der Frauenarbeit erkennen läßt. Gerade gewachsene Kinder aufzuziehen, ist eines der Ziele der Orthopädie. Nimmt man das Wort in einem engeren Sinne, so bedeutet es die Heilbehand- lung schon verkrüppelter Kinder. Im weiteren Sinne möchten Ivir darunter alle Erziehungsmaßrcgeln verstehen, die darauf gerichtcl sind, bei dem wachsenden Kinde den naturwidrigen Unregelmäßig- leiten des Wuchses, den etwa sich anbahnenden Berkrümncungen und Aerkrüppelungen rechtzeitig entgegenzutreten. Auf diesem Gebiet überließ man früher der Familie allein die vorbeugende Fürsorge, die dann auch meist danach war. Heute beteiligt daran sich die Schule, und ihre Mitarbeit ist es, die manche Aufklärung in die Familie hineinträgt. Erst seit die Gemeindeschulen Schulärzte haben, wissen wir Sicheres darüber, wie zahlreich unter den Kindern z. B. die Per- krümmungen der Wirbelsäule sind. In Berlin waren im Schul- jähr 1910/11 unter den einzuschulenden Sechsjährigen, die von den Schulärzten untersucht wurden, 839 Kinder mit erheblicheren Wirbelsäulcverkrümmungen, 326 Knaben und 539 Mädchen. 86 Kinder davon, 39 Knaben und 47 Mädchen, wurden aus diesem Grunde zunächst noch von der Einschulung zurückge- wiesen; die anderen 744 Kinder, 287 Knaben und 457 Mädchen, wurden eingeschult, aber von den Schulärzten in besondere Ueber- wachung genommen. Wegen Wirbelsäuleverkrümmung standen dann in 1919/11 von den Gcmeindeschulkindern Berlins überhaupt 3681 in schulärztlicher Ueberwachung, 1279 Knaben und 2492 Mäd- chen. Eine eigentliche Behandlung der kranken.Kinder gehört in Berlin nicht zu den Pflichten der Schulärzte, sie lönnen aber durdh ihren Rat die Eltern veranlassen, rechtzeitig einen Privatarzt auf- zusuchcn oder die Kinder einer zweckentsprechenden Anstalt(Poli- tlinik usw.) zuzuführen. Verständige Eltern werden solche Rat- schlüge gern befolge». Bezüglich der Wirbelsäuleverkrümmung ergeben denn auch die Berichte der Schulärzte Berlins, daß sie n a ch den oberen Schulklasscn hin etwas weniger häufig i st. Im Schuljahr 1919/11 standen wegen Wirbelsäule- verkrümiüung in Ueberwachung: 15 von je 1999 Knaben der achten Klassen, aber nur 19 von je 1999 Knaben erster Klassen; 24 von je 1999 Mädchen achter Klassen, aber nur 17 vou je 1999 Mädchen erster Klassen. EL ist ganz selbstverständlich, daß die Schule in ihrer Mit- arbeit an der Orthopädie sehr viel weiter gehen muß. Mit Erfolg tut sie das z. B. in E h a r l o i t c n b u r g, wo seit einigen Jahren versuchsweise ein orthopädisches Schulturnen eingeführt ist. Ueber diesen Versuch berichiete in der letzten Sitzung des Bcr- iiner„Vereins für Schulgesundbeitspflege" der Charlottenburger Schularzt Dr. Tändl r, der für das orthopädische Schulturnen in Charlottenburg den„Lehrplan" aufgestellt hat und die Durch- führuug überwacht. Ter Vortragende bedauerte, daß das Wer» ständnis für Zweck und Ziele der modernen Orthopädie noch sehr lvenig in das Volk gedrungen sei. Selbst in Familien, wo bei jeder anderen Erkrankung, sogar schon bei einer geringen Er- kältung, ein Arzt um Beistand ersucht»verde, lasse man slch sehr lange Zeit, ehe man sür ein Kind wegen schlechter Körperhaltung einen Arzt befrage. Der lehrreiche Vortrag, der durch Lichtbilder in sehr anschaulicher Weise unterstüst wurde, zeigte in seinem erste» Teil, welche schlimmen Verkrümmungen und was zunächst nur I M' n t w i ck e l n glauben, daß „so etwas sich verwächst". Nur zu bald„wächst es sich aus" zu einem Uebcl, dessen Heilung dann überaus schlvcr, wenn nicht un- möglich ist. lieber die unter den Kindern so weit verbreitete Skoliose, die seitliche Wirbelsäuleverkrümmung, sagte Dr. Tändler, daß sie von einer aufmerksamen, ihre Kinder uändig beobachtenden Mutter sehr wohl rechtzeitig erkannt werden könne. Er gebrauchte das scheinbar widersinnige Wort, man müsse„die Skoliose b e h a n d e l n, w e n n s i e n o ch gar nicht da ist". Das ortho- pädische Schulturnen, das im zweiten Teil des Vortrages geschildert ?»«««« ä f!» i-l».*l\ Ii» i i r.««m«« 7il � t..... V..rr... cx,._ eilte»-teil, welche schlimmen« er 1 1 u m m u n t Aerkrüppelungen aus dem, was zunäi „schlechte.5 a l t u n g" zu sein schien, sich e n l könne n. Es ist ein verhängnisvoller Irrtum, zu gla 5.» f*f...... i on___...» rijc orthopädischen Institut zuweist. Auch eine richtige Skoliose kann nicht durch bloßes Turnen beseitigt werden, sondern erfordert ärzt- tiche Behandlung. Das orthopädische Schulturnen be- schränkt sich in Eharlotcnburg aus wöchentlich zwei Stunden und gibt den Kindern lsauptsächlich Gelegenheit, zweckmäßige Freiübunge n zu mache», unter anderem auch Ucbungen im Kriechen, das in neuester Zeit als den„Rückenschwächlingen" sehr dienlich angesehen wird. Der Mangel an Verständnis für die Gefahren naturwidriger Unregelmäßigkeiten des Wuchses erklärt es, daß so viele Ver- lrümmungcn, wie schon gesagt, zu spät vor den Arzt kommen. Mangel an Verständnis ist auch wohl der Hauptgrund dafür, daß in Charlottenburg eine recht beträchtliche Zahl Eltern« wie der Vortragende mit Bedauern hervorhob, ihre dem orthopä- dischen Schulturnen zugewiesenen Kinder nur zu bald wieder davon zurückhalten. Bisher kann nämlich die Beteiligung an diesen Kursen nicht zur Pflicht gemacht werden, weil sie noch nicht als ein Teil des vorgeschriebenen Lehrplans gelten. Im vorigen Jahre wurden in Charlotenburg 497 Kinder dem orthopädischen Schulturnen zugewiesen, aber nur 339 nahmen den Kursus bis zu Ende durch. Die Erfolge waren bei diesen Kindern nicht schlecht. Nur 1 Kind hatte eine Verschlimmerung, her 89 Kindern blieb der Zustand unverändert, bei 128 besserte er sich merklich, bei 93 kam es zu einer wesentlichen Besserung, bei 37 wurde volle Heilung erreicht. Außerdem erhielten 319 Kinder mit vorge- schrittenem Leiden eine Behandlung im orthopädischen Institut, Davon wurden geheilt 18, gebessert 63, nicht gebessert 87, die übrigen blieben noch in Behandlung. Es ist besonders der Nachwuchs der Minder bemittel« t c n, der zu solchen Erkrankungen neigt. An den äußeren Um« ständen, durch die ihre Entstehung begünstigt wird, sind das Eltern- haus und auch die Schule beteiligt. Die Schule besinnt sich mehr und mehr auf die Pflicht, die durch sie selber herbeigeführten Schäden abzuwehren. Möchte immer mehr auch in den Fa« milien die Notwendigkeit erkannt werden, all solchen Er« krankungen rechtzeitig entgegenzutreten. Straszcnlebcn am ZirkuS. Gegenwärtig beherbergt Berlin drei große Zirkusse. Die Auf« nähme beim Publikum lehrt, daß alle drei ohne Kassen-Eifersüchte» leien nebeneinander bestehen können, schon weil sie in ihren Dar» bietungen ganz wesentlich abweichen. Der eine ist gut angeschrieben durch seine Meisterdrcssuren edelsten Stils, der andere durch Schau- stücke mit blendenden Lichteffekten, Prachtkostümen, Massenballetts und Mancgetricks, der dritte will mit modernem Schneid„fahrendes Voll" auf die Höhe der Leistungsfähigkeit heben und den Zirkus in seiner ursprünglichen Form wieder zu Ehren bringen. Den Reiz der Neuheit hat im Gegensatz zu den massiven Zirkusbauten im Berliner Zentrum auf alle Fälle jenes Stratzenleben, wie eS sich jetzt alltäglich ringS um den mächtigen Holz- und Zeltzirkus an der Schönhauser Allee abspielt. Der Ort mitten in einem der größten Berliner Arbeiterviertel ist geschickt gewählt. Das Volk fühlt sich ja von jeher hingezogen, wo es bewundern kann, wessen menschliche Kraft. Energie, Zähigkeit fähig ist. Es bewundert die Ausdauer, die an sich selbst die höchsten Anforderungen stellt und sogar Tiere mit Riesenkräften dem Willen der Menschen Untertan macht. In einem großen modernen Zirkus, mag er auch nicht für die Ewigkeit gebaut sein und nicht mal eine— Hofloge aufweisen, muß alles nach der Uhr, wie am Schnürchen gehen. Man merkt es schon draußen, rings um die Zelt- und Wagenstadt, wie hier die Arbeit kaum eine Stunde ruht. Von früher Vormittagsstunde an findet sich Volk ein, das hier irgend etwas von dem reizumwobenen Nomadenleben der fahrenden Leute zu erhaschen, einen Blick hinter die Zirkuskulissen zu werfen hofft. Wie im Zoo ertönt ganz aus der Nähe das Brüllen der Löwen, das Trompeten der Elefanten. Wer zarte Nerven hat. bebt dann wohl zusammen und besorgt, daß eine der wilden Bestien, die in plötzlicher Freiheit aller Dressur spotten, aus der Leinwand hervorbrechen könne. Mächtige Fourage« wagen schleppen.allerlei tierische Leckerbissen herbei. Es ist un- glaublich, was so eine vielköpfige, vierbeinige Zirkus-Gesellschaft alltäglich im unersättlichen Bauch verschwinden läßt. Und es geht ihnen genau wie den Menschen: die Arbeit schmeckt nicht, ehe der Magen sein Teil hat. Das Interessanteste sind aber doch die exotischen Zirkusherrschaftcn, die ein- und ausgehen, wie Wunder» tiere angestaunt werden. Die Chinesen, Japaner, Tripolitaner« Türken haben sich schnell an das Berliner Straßenpflaster gewöhnt. Viele tragen in ZirkuS-Zivil europäische Kleidung, zu der sich der unter dem modischen Hut aufgesteckte pechschwarze Zopf seltsam ausnimmt. Oder sie zeigen über seidenen Untergcwändern einen europäischen Ueberziehcr, was noch komischer aussieht. Die meisten sprechen schon ziemlich gut deutsch. Sogar echt berlinische Brocken haben sie aufgefangen und sich überhaupt mit der gewerbetreiben» den Nachbarschaft, wo sie ihre kleinen Einkäufe besorgen, schnell befreundet. Von dem ekelhaften Nachlaufen brünstiger>VlV«Weiber spürt man hier draußen nichts. Zwischendurch tummeln sich miß der ihnen eigenen Ruhe heimische Artisten. Auch zu kurz geratene ElownS, von der Natur wie geschaffen zur Manege, lassen sich gern blicken, unbeküminert um die faulen Witze, die eS auf sie regnet. lind am Abend beim strahlenden elektrischen Licht, in den slitter» überladenen Prachtgewändern, sieht alles so ganz anders aus. Da merkt man erst so recht den grellen Unterschied, der die Artistenwelt des Seins trennt von der Welt deS Scheins. Zu der Mißwirtschaft beim Verein„Dienst an Arbeitslosen" wird uns noch geschrieben, daß nach dem letzten Jahresbericht die Einnahmen aus freiwilligen Beiträgen sich um 2537 M. vermindert, aber trvtzdcni die Ausgaben sich ganz bedeutend vermehrt haben. Vorsichtigerweise werden in der Jahresrechnung vom 1. Juli 1919 bis 39. Juni 1911 überhaupt keine Gehälter mehr aufgeführt, son- dcru nur„Ausgaben" für Jugendhilfe, Haushalt, Schrippenkirche, Hauptverwaltung, Brockensanimluny und Schreibstube nachgewiesen, insgesamt 51 425 M. Außerdem ist als Pension ein Betrag von 2499 M. in Ausgabe gestellt, wahrscheinlich für den früheren Di« rektor Liebich. Als Einnahme durch Hauptverwaltung und Brocken- saunnlung werden nur 14 812 M. aufgeführt, während der Ver» kauf der Brocken, entsprechend den Zahlen der Vorjahre, ungefähr das Dreifache ergeben haben muß. ES liegt also abermals ein Buchungsmanöver vor, das nicht aufkommen lassen soll, wie hier gewirtschaftct wird. Im Jahresbericht heißt es wörtlich:„Die Not treibt uns weiter. Wir müssen an einen Neubau denken. Darum sind wir beim Blick auf unsere Kasse nicht zufrieden, so dankbar wir auch Gott und Menschen sind, daß wir unser täglich Brot gehabt haben und noch einige Brocken haben aufheben können." Allerdings— Gchaltsbczüge von 5999 und 4999 M. für die Ver» einöspitzen sind recht anstündige„Brocken". Da lohnt sich schon daL Aufheben. Eine umfangreiche Ausschmückung be» Friedrich-Denkmal» Unier den Linden ist auS Anlaß deS 299 jährigen Geburtstages de» „alten Fritzen" veranlaßt worden. Die ganze große Insel, auf der das Denkmal steht, wird von diesem reichen Schmuck in Anspruch genommen. Gegen die Ausschmückung an sich wird nicht viel ein- zuwenden sein, obwohl sie, wie das bei uns nun mal so Mode ist. zu einem patriotischen Spektakelstück ausartete, das dem gefeierten König, wenn er es mit ansehen könnte, ein verächtliches Lippen- zucken bereitet hätte. Einem, Vorübergehenden, der nach der Ursache her AuS» schmückung fragte, wurde von einem Witzbold die Antwort: Hiev wird der schwarzblaue Block begraben. Zu dem Raubmord in der Alten Jakobstraße wird mitgeteilt. daß es nach mühevoller Durchsicht der Bücher und deS Bestandes und an der Hand von Auskünften auf Nachfragen bei Fabrikanten und Großhändlern gelungen ist, einigermaßen festzustellen, was bei Schulze an Schmucksachen geraubt worden ist. Die Feststellmtgen waren umso schwieriger, als, wie sich jetzt ergab, Schulze nur wenig von Fabrikanten bezogen. Außerdem pflegte er das, was er aus den Fabriken bezog, selbst noch weiter zu bearbeiten. Ins» besondere rühren durchweg die Fassungen von ihm her. Ten größtrn Teil feiner Maren nFicr, Diinfle sowohl wie Ohrringe� Broschen usw. schmiedete Schulze selbst. Seine Sachen find deshalb auch inassioer und schwerer als die) die in Fabriken geschmiedet übet gegossen werden. Die Reise der Ringe sind sogenannte Snitzschienen, die nach den Edelsteinen zu in etwas spitzer Form-zulaufen. Wahrscheinlich hat Schulze euch selbst alle oder wenigstens den gröhten Teil seine- Sachen gezeichnet, d. h. Gewicht der Steine und des Goldes in die einzelnen Ringe und Broschen eingeschrieben. Geraubt sind nun nach denn was sich ermitteln liest, 51 Brillantringe, 13 Schlängelt ringe, 3 Ohrringe. 27 Broschen, 11 Schlipsnadeln und ein Änopf. Es' befinden sich darunter Sachen, die bis zu 730 und LOO M. wert sind. Einige Ringe tragen einzelne, andere mehrere Brillanten oder Rosen, ebenso die' Broschen usw. Einige schmückt neben den Beil- lauten auch noch ein Opal, ein Saphir, ein Rubin oder eine Perle. Eine Schlipsnadel Hot die Gestalt eines Löwen. Nach diese» Sclnmufsachen stellt jetzt die Kriminalpolizei hier in Berlin die nmfafsendsten Nachforschungen an, weil es doch möglich ist, da st die Raubmörder hier geblieben sind»nd hier verstichcil werden, ihre Beute an den Mann zu bringen. Die Ermittelungen richten sich aus alle Stellen, an denen mit gestohlenen und geraubten Schmuclsachm gehandelt zu werden pflegt, insbesondere auch auf die Psandkammer in der Neuen Schönhauser Straste. Auch bisher hat die Kriminalpolizei natürlich diese Stellen schon beobachtet, neuere dingö ober nimmt sie eine Fahndung im größten llmsange vor. Gestern vormittag sperrte das Fahndiingskorps der Kriminalpolizei mir einem großen Aufgebot plötzlich das ganze Gehöft der Psandkammer und' musterte a'lleS, was sich in den Hallen und auf dein Hofe befand. 120 Personen wurden nach der Wache deS 13. Polizeireviers am Monbijouplatz gebracht. IlLPersouen wurden nach Feststellung ihrer Persönlichkeit wieder entlassen. Sic konnte» sich ausweisen und auch den Erwerb der Schmucksachen, die man bei ihnen fand, nachweisen. Von den bei Schulze geraubten Sachen war mehts darunter. Acht Mann wurden nach dem Polizeipräsidium ge- bracht, weil sie sich nicht ausiveisen'konnten, leine Wohnung haben und wegen dieser oder jener Vergehen schon gesucht wurden. Der tiiizdorser Zopfabschneider, über desien Auftreten wir auf Grund von Anzeigen bei der Kriminalpolizei wiederholt berichteten, bat nach den neueren Ermittelungen wohl nur in der Phantasie der Schnlmädchen bestanden. Der letzte Fall betraf eine Schülerin K. ans der AUerflraste. Diese bekannte zuerst, daß sie geschwindelt tat. Sie f vinti sich den Zopf ab, weil ihr Vater nicht dulden wollte, daß sie sich eine auffallende Frisur machte. Jetzt haben, wiederholt ernstlich ins Geber genommen, auch zwei andere Mädchen bekannt, daß sie es ebenso gemacht haben, lediglich um sich beim ■i'eljrer und ihren Mitschülerinnen„interessant" zu machen. Die eine hatte ihren Zopf aus die Straße, die andere in den Müllkasten ge- tvorsen. Ein Kind von einem Automobil totgefahren. Ein schwerer Rutomobilunsall ereignete sich gestern nachmittag i» der Eharite- straße. Beim llobcrschrcifcu des Straßendamanes wurde dort ein siebenjähriges Mädchen von ciiicn» Privatauloinobil erfaßt und überfahren. Daß Kind siel so unglücklich, daß ihm die Räder direkt über den Leib gingen. Es wurde neck der nahegelegenen Charit« gebracht, storl) dort aber unter den Händen der Aerzte. Der Tod trat ins.lge schwerer Brustguetschungen und anderer innerer Ver- Ictzuiwcn ein. Wie die polizeiliche» Erumttelungen ergaben, heißt das gerötete Mädchen Lydia Kühn, dessen Mutter in der Luisen- straße 15 wohnt. Bei der Eisernte tödlich verletzt. Einen schrecklichen Tod hat der Arbeiter August Rutloff gefunden. R. war beim Eineruten des Eises auf der Oberspree beschäftigt. Als er mit einem langen Halen eine große Eisscholle nach einem bereit stehenden Fuhrwerk ichlcifte, glitt er plötzlich aus, stürzte zu Boden und kam vor die Pferde des Gefährtes zu liegen. Die beiden Tiere wurden nun un- ruhig, zogen an und snhren drauf los. Dem Lcrunglücktc» gingen jitzt die Räder über Kopf und Brust hinweg und-zermalmten diese fast vollständig. Auf dem Transport noch dem Krankenhaus erlag R. den furchtbaren Verletzungen. Zwei„blinde Passagiere" beherbergte ein nach dem Bahnhof Grunewald bestimmter Giiierzug. Als an der Endstation die Wagen revidiert lvurden. entdeckten die Beamten in einem der Bremser- Häuschen zwei junge Bürschchen, die eng zusammengekauert da saßen. Wie sich herausstellte, waren die beiden ausgerückte Fnrsorgezöglmge. Sie waren ans der Anstalt in Groß-Kauimin einslohen und hatten in einem nach Berlin bestimmten Güterzug Zuflucht gesucht. Als „blinde Paffagiere" legten sie dann die Fahrt bis Grunewald zu- rück. Die beiden Ausreißer, deren Eltern in Berlin wohnen, wurden gestern morgen wieder nach der Anstalt zurücktransportiert. Ter Jugeiidausschuß veranstaltet am Sonntag, den 28. Januar, nachmittags, im Wissenschastlicheii Töeater der„Urania", Tauben- straße, eine Vorstellung. BilleUs hierzu sind um Uhr noch am Eingang des Theaters an der Kasse zu haben. Vorort- cdncbtem Sharkottenburg. Aus zum Kampf.' lieber dieses Thema sprach am Dienstag Genosse Dr. Mose? vor einer überfüllten öffentlichen Versammlung im Volkshanse. In dem ersten Teil seines Vortrages streifte der Redner die augenblickliche politische Situation im Reiche. Große Erfolge habe die Sozialdemokratie erzielt. Alte, feste Burgen der Reaktion, vor allem Köln, seien erstürmt worden. Die Niederlage der Reaktion häiie noch eklatanter werden können, wenn das liberale Bürgertum mehr Rückgrat gehab! hätte. Aber um ein Mandat zu gewinnen, hat man drei, vier und mehr Mandate der Reaktion verkauft. Mit dem liberalen Bürgertum habe eS die werktätige Bevölkerung bei den am Sonntag, den 28. Januar statlfindenden S t a d l v e r o r d n e t e ii w a h l e n zu tun. Unzuverlässig sei der Liberalismus in der Reichspolitik, reaktionär in der Kommunal- Politik. Diesmal handele c5 sich um zwei Wahlen, im 3. und ti. Be- zirk, die der Sozialdemokratie sicher seien. Trotzdem müsse alles daran gesetzt werden, daß unsere Stimmenzahl nicht nur den Stand der Novemberioabl.ni'erreicht, sondern noch bedeutend anwacht. Diesem Wunsche gab auch Genosse Dr. Bor(Hardt Ausdruck. Nachdem Genosse Schulz nochmals einen begeisternden Appell an die Verstiiniiicllcii gerichtet hatte, wurde die Versammlung ge- schlössen... Tic Kokspreise der städtischen Gasanstalten sind erhöht worden. Der Preis für den Einzelverkauf beträgt in der Gasanstalt I (Wer ler-SiemcnSstraße) für groben Kols 1,10 M. pro Hektoliter, für ..erkleiirerien KäkS 1,15 M. pro Helwkiter nnd in der Gasanstalt II (Grnßstrcße) für groben oder zerkleinerten Koks einheitlich 1,10 M. pro Hektoliter. Fuhr- und Abtragelohn werden besonders berechnet. Eine eigenartige(ixplosiun crcignclc sich gestern nachMittag in >>er Wilinersdorser Straße" befinden sich dort die Herstelle: einem de 25 Kilogramm Natrium. Diese Kiste lau: gegen'A4 Uhr plötzlich r.ur Explosion, vermutlich dadurch, daß irgendwelche Feuchtigkeit ujcrairgcldnunen war. Der durch die Explosion erzeugte Lustdruck war so gewällig eine d icke Zwischenwand eingedrückt wurde. Dura» Stichflammen tvurde der Fabrikramn in Brand gesetzt. Gleichzeitig drang aber auch das brennende Natrium durch den Fußboden und tropfte in die Parterreräume hinab, wo es gleichfalls Gegen-släude in. Brand setzte. Die Angestellten der„Profitta- Werke" konnten, sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen und blieben unverletzt. Als die Wehr eintraf, fand sie im Erdgeschoß und im ersten Stock zwei Brandherde vor. Da sich aber in den aoeren Etagen Wohnungen befinden und die giftigen. Natrium- Mse nach oben stiegen, mußte die Wehr zunächst erst mehrere Fenster einschlagen, mu genügend Lust zuzuführen. Erst dam: wurden die beiden Brände mik einer SchiauchleikuN'g gelöscht. Jä erffeff Sko? ist größerer Materialschaden entstanden. Trevtow-Baumschulcntveg. Aus der Gemeindevertretung. Herr Bürgermeister Schablow widmete zunächst dem verstorbenen Gcmeindevertreter Herrn Rentier Götze einen ehrenden Nachruf. Die königliche Eisenbahndireltion hatte die Absicht geäußert, den Bürgersteig in der Glanzstraße zum Zwecke der Verbreiterung des Bahnkörpers zu überbrücken. Nachdem die Gemeindevertretung sich gegen diesen Plan ausgesprochen, teilt die königliche Eisenbahndirektion mit, daß sie ihr Projelt aufgegeben habe. Da die Gemeindevertretung im Jahre 1310 erweitert wurde, mußten außer den turnusgemäß Ausscheidenden, für die erste und zweite Klosse Auslosungen vorgenoinnieu werden. ES scheiden turnuSgemäß aus in der ersten Klasse Herr Graetz, in der zweite» Herr Gadegast, in der dritten Klasse die Genossen Gerisch und Karow. Ausgelost wurden in der ersten Klasse Herr Gurlt, in der zweiten Klasse Herr Harlrath. Tie Neuwahlen stnden im März statt. Die wichtigsten Punkte der Tagesordnung bildeten der Erlaß einer Friedhofsordnung und der Erlaß einer Ordnung betreffend die Er- Hebung von Gebühre» für die Benutzung der Friedhöfe der Gemeinde Treptow. Die nahe bevorstehende Jngebronchnahme deS neuerrichteten Friedhofes in der Kiesholzstraße oberhalb des Teltow- Kanals gab die äußere Veranlassung zu dieser Vorlage. Nach § 1 der FriedhosSordnung können mit Genehmigung des Gemeindevorsiandes auch Personen, die nicht Gemeindeangehörige sind, auf den Treptower Friedhöfen beerdigt werden. Desgleichen kann die Beisetzung oder Aufsiellung von Aschenresten nach vom Gemeindevorstand noch näher zu treffenden Bestimmungen erfolgen. Die sozialdemokratischen Gemeindevertreter beantragten hierzu, auf dem bereits vorgesehenen Platz in der Leichenhalle einen Berbrennungs- ofen zu errichten und die Genehmigung zur Leichenverbrennung bei derMufsichtsbehörde zu beantragen. Bürgermeister Schablow erklärte, daß der Bau des Verbrennungsofens bereits in Angriff genommen und der Gemeindevorstand auch mit dem Teil des Antrages, betreffend die Einholung der Genehmigung zur Leichenverbrennung, einverstanden sei. Die Verwaltung der Friedhöfe liegt nach K 2 dem Gemeindevorsteher respektive einem von diesem beauftragten Schöffen ob. Die sozialdemokratischen Gemeindevertreter beantragten, die Verwaltung einem Kuratorium, welches aus Mitgliedern des Gemeindevorstandes und der Gemeinde- Vertretung bestehen solle, zu übertragen. Bürgermeister Schablow wies darauf hin, daß nach der Landgemeindeordnung die Verwaltung dem Gemeindevorstand vorbehalten sei. Kommissionen könnten wohl zur Beratung eingesetzt werden, nicht aber Kuratorien zur Verivaltuiig. Die beiden Anträge wurden vom Genossen Karow begrissidet. Der Z 40 enthält die Bestinunungen über das Halten von Reden und das Singen am Grabe und lautet: Die im Dienste der Kirche oder einer anerkannten Religionsgemeinschaft stehnideu Personen sind ohne weiteres befugt. Reden auf dein Friedhofe überhaupt, sowie am Grabe zu halten. Andere Personen bedürfen hierzu besonderer unter Vorlegung des Textes nachzusuchender Erlaubnis des Gemeindevorstehers; außerdem sind sie gehalten, den Text den bei der Bestattung amtierenden Geistliche» vorher schriftlich mitzuteilen. Die Texte der zu singenden Lieder sind bei Begräbnissen mit geistlicher Begleitung dem amtierenden Geistlichen, bei Begräbnissen ohne geistliche Be- glcitnng dem Gemeindevorsteher vorher zur Genchinigung vorzulegen. Die polizeilichen Vorschriften über daS Halten von Laienreden am Grabe, iverden durch diese Vorschriften nicht berührt. Die sozial- demokratischen Gemeindevertreter hatten folgende Fassung deS Paragraphen beantragt: Bei Laienredeu am Grabe ist dem Gemeindevorsteher oder dem bei der Beerdigung amtierenden Geistlichen vorher davon Mitteilung zu machen. Unser Genosse G e r i s ch betonte in längerer Rede, daß der§ 46 dieser Ordnung cS rechtfertige, wenn man sich einen ganzen Abend mit ihm beschäftige. So viel Intoleranz, Bosheit und Unknltur sei in demselben enthalten. Man fühle sich geistig in das Mittelalter zurückversetzt und könne getrost unter die Ordnung schreiben, gegeben im Jahre 1512. Der Gemeindevorsteher habe also daS Recht, die Rede zu verbieten oder durch einen Polizeibeamten überwachen zu lassen, um eventuell dem Redner das weitere Sprechen zu verbicteu. DaS sei der Polizeigeist, der schuriegele und büttle. In Treptow sängt anscheinend der Mensch erst beim Gemeindevorsteher und Geistlichen an. Ein Mann mit Stolz und Charakter könne doch nie zum Gemeindevorsteher und Geistlichen gehen wie ei» Schulbub zum ikehrer, um den Text seiner Rede zensieren zu lassen. Nach den AnSsübrungen Gerischs wurde die Sitzung auf kurze Zeit vertagt. Herr Bürgermeister Schablow trat noch einmal mit der Friedhofs- kommiision zusammen, um mit ihr die Zurückstellung des ß 46 zu vereinbaren und die Rechtslage bezüglich der Laienreden noch ein- mal nachzuprüfen. Die Kommission lehnte das ab. Nach W- dereröffnung der Sitzung teilte Herr Bürgermeister Schablow einiges über die Entstehung des§ 46 mit: Nachdem der Gemeindevorstand einen Entwurf ausgearbeitet habe, sei derselbe aus Verlangen dem Oberkirchenrat und dem Konsistorium übergeben worden. Letzteres habe verlangt, in der Ordnung solle bestimmt werden, daß nur evangelische Geistliche auf dem Friedhof und am Grabe sprechen dürfen. Dem habe sich der Gemeinde- vorstand und auch die FriedhofSkommission nicht anschließen können. Die Absicht beider Körperschaften sei eö vielmehr gewesen, alle Kon- fcssionen auf dem Friedhofe gleichzustellen, nur daS„Parteiische" habe man fernhalten wollen, gleichviel von welcher Partei es komme. Nachdem die Herren Graetz, Schuricht und O. Müller den Antrag gestellt hatten, die Beratung deS§ 46 zu vertagen, zog der Gemeindevorstand die Borlage nochmals zu näherer Prüstrng iirück. Die Gebührenordnung, welche angenommen wurde, enthält erhebliche Erhöhungen der Sätze. Eine Reihengrabstelle für Er- lvachsen>i kostet 15 M., daS Herrichten der Gruft und deS Hügels 20 M., die AuSslkimückung der Tranerkapelle in einfacher Weise 15 M. Unser Genosse Karow wandte sich vergeblich gegen die unver- hältniSmäßig hohen Gebühren. Dem Turnverein„Jahn" war durch Besckluß der Gemeinde- Vertretung die Turnhalle der ersten Gemeiiideschule in der Kiesholz- straße an zwei Abenden in der Woche überlassen worden. Der Landrat deS Kreises Teltow hatte die Genehmigung hierzu versagt. Die Gemeindevertretung beschloß, dem Landrat mit- zuteilen, daß der Turnverein„Jahn" bisher bei Benutzung der Schul- turnhalle gut Ordnung gehalten, sich dabei auch jeder politischen Agitation enthalten habe. Die Gemeiiidevertretmig habe den Be- sckiluß, dem Turnverein„Jahn" die Turnhalle zu überlassen, einstimmig gefaßt und ersuche anfs neue um Genebmigung. Dieselbe wurde auch diesmal wieder verweigert mit dem Hinzufügen, der Gemeinde sei es freigestellt, eine Turnhalle zu erbauen, die mit der Schule nicht in Verbindung stehe. Die Gemeindevertretung beschloß, sich mit diesem Bescheid nicht zufrieden zu geben, sondern dagegen Be- sch'.vcrde zu erheben eventuell das BcrwaltungSstreitverfahren in Anwendung zu bringen._ Auf der Straße vom Tode überrascht wurde vorgestern abend die in der Andreasstraße wohnhaste Frau Th. Sie hatte in Baum- schulenweg ihren Sohn besucht und sich in frötflichster Laune von diesem verabschiedet. Beim Passieren der Baumschulenstraße wurde sie dann plötzlich von einem Unwohlsein heimgesucht und wenige Minuten darauf brach die Aermste leblos zusammen. Man schaffte Frau Th. schleunigst nach der nächsten Rettungswache, wo der Arzt aber nur noch den infolge eines Herzschlages eingetretenen Tod konstatieren konnte. Köpenick. Die Stadtvelordneten wählten in ihrer ersten Sitzung als Vor- stehet Herrn Lucht, als Stellvertreter Herrn Noack und als Schrift- iührer den Genoffen Galle. Sodann wurde der Festsetzung des Etats des Gaswerks für 1912 in Eumahine und Ausgabe mit 425 677,44 M. zugestimmt. Zur Anfertigung von Skizzen für einen Bebauungsplan für das vordere und Hintere Dammfcld wurden vom Magistrat 600 M. gefordert. Nachdem allseitig die Notwendigkeit der Aufstellung eines Bebauungsplanes anerkannt wurde, stimmt die Versammlung diesem Antrage zu. Unsere Genossen find in fokgB den Kommissionen vertreten: Kassenkuratorium: Finger, Galle, Weber; GaSkommission: Woick. Hein, Gabriel: Straßenbahn: Woick, Nieke, Stippekohl; ElektrizitätS- werk: Woick. Nieke, Galle: Kanalisation und Wasser: Woick. Nicke. Galle; Baukommission: Hein, Nieke, Weber; Straßenbau: Müller, Nieke, Gabriel: Forst: Müller, Nieke. Zeidler; Armenkommission; Müller, Herbst, Kiehl; Gesmidheitskominission: Woick. Herbst; Verschönerung: Zeidler, Kichl; Feuersicherheit: Stippekohl, Hein, Wißlcr; Volksbücherei: Wißler; Gelverbedeputation: Herbst, Nieke; Marktkommission: Nieke, Meber; Verkehr: Woick, Nicke, Stippe- kohl; Sparkasse: Woick, Galle; Fortbildungsschule: Wißler, Weber; Etatsausschuß: Herbst, Wißler, Müller; Beamtenanstellung: Herbst, Weber. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich am Dienstag i» der Danipfwäscherei von Reinhard und Ehler? in der Freiheit. Der dort beschäftigte Wäscher H. Dornbusch geriet mit dem linken Arm in einen Triesel, sodaß ihm der Arm vollständig zerquetscht und aus- gedreht wurde. D. wurde sofort nach dem Krankenhaus Bethanien geschafft. Wie der Unfall entstehen konnte und ob es gar an den ersordcrltchen Sicherheitsmaßnahmen gemangelt hat, ist uns nicht bekannt. Adlershof. Die Arbcitgeberleifcherwahl zum Gcwerbegericht fand am Dien«» tag bei nur schwacher Beteiligung statt. Bon den 162 eingeschriebenen Wahlern übten nur 69 daS Wahlrecht ans. Von den abgegebenen Stimmen erhielt die Liste I(freie Arbeitgeber) 12 und die Liste II (Industriellen) 57. Da 6 Beisitzer zu wählen waren, erhält Liste I einen und Liste II fünf Beisitzer. Genosse Baschin gilt auf Liste I als gewählt. Die schwache Beteiligung ist wohl darauf zurückzu- führen, daß die Wahl zum ersten Male stattfand und viele Gewerbe- treibende nicht beachteten, daß' die Wahl eine geheime ist. Wie wenig Klarheit überhaupt über die Art der Wahl vorhanden war, beweist. daß ein Angestellter einer Firma gleich mindestens ein halbes Dutzend Stimmzettel für alle im Betriebe beschäftigten Ingenieure, Meister usw. mtt abgeben und so das Wahlrecht für olle diese Personen ausüben wollte. Zum Leidwesen der Industriellen läßt dies das Gesetz jedoch nicht zu, und so mußte auch jener Angestellte mit seinen überflüssigen Stimmzetteln betrübt abziehen. Trotzdem können die Industriellen durch Abkommandierung der ihnen willfährigen Meister usw. die Wahl auch jetzt in ihrem Sinne günstig beeinflussen, Geradezu als ei» Uebelstand erwies sich, daß die Stimmzettel nur eine Größe von fünf Zentimeter haben dursten. Diese kleinen Zettel wurden vielfach als Stimmzettel nicht angesehen und darum auch nicht beachtet; eine Aenderung ist bis zur nächsten Wahl dringend notwendig. Die Tätigkeit des GewerbegerichtS kann sofort mit dem Abschluß der Wahl erfolgen, doch müssen die bei den zu- ständigen Behörden bereits anhängig gemachten Strcitigkcilcu noch dort erledigt werden. Witterungsübersicht vom 24. Januar 1912. Smilieilidc. 762;NiftD tamburg, 75HOSO erlin i7k0O Franks.astN.;757'W München 17611»® Wien|762;sliII 1 beiter 4, Regen Ubedeckt LRebel cioolfig Nebel -1 Haparanda Petersburg seilly Aberdeen Paris 755 Still 7501'!® i 719 DSD 758,3! D 75SSD bedeckt beiter 'bedeckt Ibalb bd, Obcdeckt Wetterprognose für Donnerstag, den 25. Januar 1012. Vorwiegend nebelig oder wollig, am Tage ziemlich milde mit geringe» 'Niederschlägen und mägigen jüdlichrn Winden. Berliner Wetterbureau. �Lesses«««»ssssss� Unserem lieben Frcuudc und Borjitzcudeu Paul Kupfer zu seinem LSjährig. Sänger- jub iläum die herzlichsten Glück» wünsche. Gosangmem Männerchor Ott. iV Todes-Anzeigen Tischler-Verein zu Berlin, £. M. Bio. 80. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Ulbert Diesner Prinzenstr. 106. im Aller von 70 Jahren ver- 1 sterben ist. Ehre seinem iludenken! Die Beerdiaung findet ams Freitag, den 26. Januar,»ach- mittags 4 Uhr, von der Halle I des SimeonS-KirchhajeS, Tempel- l Hafer Weg, aus statt 198/3 1 Um rege Beteiligung ersucht Ihei? Vorstand. I Stm 22. Januar verstarb noch sehr kurzem aber schwerem Leiden mein lieber, guter Mann, Vater Bruder, Sohn. Schweiger und Dulel 211/19 (ZeorK Kramm im 35. Lebensjahre. Dies zeigen im Namen der tiesbetrüblcn, um stilles Beileid bilteiideu Hinterbliebenen au frsu Kiora Kramin und Tochter, Rixdorf, Teilstraße Nr. 5. Die Beerdigung findet am Freilag, de» 26. Januar, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- balle des Rixdorser Gemeinde- sricdhoses am Marteudorser Weg aus stall. DienStagnacht verstarb nach kurzem Leiden mein lieber Manu unser guler Vater .Jokaim Diener Im 75. Lebensjahre. 26276 Die Beerdigung findet am sarmabeiid, den 27. Januar, nach- miltagS o'l4 tibi-, von der Leichen- balle des Städtischen FriedhosS, Müller«, Ecke Seeiiraße, aus statt. Dio trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise berzlicher Teilnahme sowie die zablreichett Kranzspenden bei der Deerdizung meines lieben Mannes, misereL guten Vaters allen Lerwandtcu und Bc- kannten viele» Dank. Di« trauernde» Hinterbliebenen. i'r-tiR 8(utUa und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweist herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz. svendeii bei der Beerdigung meines liebe» Mannes, unseres guten Vaters, des Fensterpubes Paul Bfatcbua sage ich alle» auf diesem Wege meine» herzlichsten Dank. vis trauernd« WitW» nebat Tochter. Stfthffeuife ehem. Wlgschtt Ardtilt! (Hetzclschc Kasse) Sonntag, den 28. Januar 191! vormittags 9>/z Uhr pünktlich: General-Versammlung im BereinShaus Berliner Musilei Kaiscr-BSilhelmür. 18 m, unterer Saal. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Zk- vljorcn. 3. Antrag: Erhöhung de Sterbeunterstützung. 4 Neuwahlci von rtjrfto nbämi tglicb ent(1. Schri'l Iührer. 2. Vors.). 5. Kakl der Rc viiarsn. 6. Skasfeuangelezenheiten. MitgltedSbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet 2t 47b' Der Vorstand. Iß A.: G. Wegner, Vorsitzender. Rrnnkengtld-Zuslhuß- und Kegrsibnigkaffe der Kerliser Knopfarbeiter und verwandter Gewerbe. Sonntag, den»8. Januar 191S. mittag» 10V. Uhr, bei Kurth. Berliii. Wrangelstr. 105: Ordentliche General-Versaminluiig Tagesordnung: 1. viertel- und jährlicher Kasten- bcricht. 2. Wabl deS lSejamt-Bor- slaiide» und der Revisoren. 3. Inner« Kastenangelegenheit-n. 4. Ver- schiedeneS. vis Mitglieder werden ersucht pünktlich und zahlreich zu er. scheinen. 26106 Der Vorstand. J A.: Fr. Hoffmann, Schristsührer. nun DOD □□□ Theater und Vergnügungen Slnfaiiff 7'/. Uhr. St. Opernhaus. Nosenkovalier. Ä. Echaufpielhaiis. Die Journa- lisicii. Deutsches. Die Orcstie. Neues Schauspielhans. justitia. Haverland. Spcsinlilätcit. Zirkus Binch. Gnla-Vorstcllung. Sirius Schuulann. Gala» Bor- slclluna. Zirkus Sarrasani. Gala- Bor- slellung. i'Iiiw»-, 8 iibr. Urania. Taubenftrasie 48/si>. Die zweite Zentral-Afrilmiischc Expedition des Herzogs Adolj Friedrich zu Mecklenburg. .Hörsaal: Pros. Marcuse: Wisse»- schastlichc Grundlage» der liust- fahrt. «iammerspicle. Eine glückliche Ehe. Sesiing. Gudrun. Nesidenz. Ein Walzer von Chopin. Kurfursteuoper. Der Schmuck der Madomia. Koniitche Over. Der Freischütz. Westen. Russisches Ballett. Lustspielhaus. Tie Damen des RegimeniS. Ncrliner. Große Rosinen. Neues Ovrretre». Eva. Schiller v. Der Probepscil. Schüler- Gbarlotteuburg. Der Weg zur Hölle. Friedr.- Willi. Schauspielhaus. Zwei glückliche Tage. Neues. Die kleine Freundin, Luisen. Die Grille. Nosr. Salon und Kloster. «öniggrauer Straste. Die süns granlsurtcr. tllciaco. LottchenS Geburtstag. Gentz und Fanny CItzlcr. Hocken- jos. Mrrrovol. Di« Nacht von Berlin. Triauon. Da« kleine Cass. Thalia. Polnische Wirtschast. tzasino. Der Kamps ums Dasein. Slvvlto. Svezialitaten. Vaiiagr. Spezialitäten. Herriifeld. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Firma. Reichödalien. Stcttiner Sänger. Königftadt-Rasino. Spezialitäten. Wiurcrgartc». Spezialitäten. Slnsang 6'l, Uhr. fvolics Eapricc. Mandelblüth'S PollerVrnd. Walhalla. Tcuscl, das hat einge- schlagen I Noack. Die Bettlerin und ihr Kind. Bolgt. Der Lumpensammler von Paris. ülnsang 8'/, Uhr. Neues Bolkstheater. Fritzchcn. Der zerbrochene Krug. Belle- Zlllianrc. Shcrlock Holmes. Sternwarte. Jnvalidelistr. b?— S2. Sclmler-Theaier 0.1?�: Tonnerslag, abends 8 Uhr! vQi- I�i-odopkoi!. Freitag, abends 8 Uhr: Vci' Probcpfeil. Sonnabend, abends 8 Uhr: l>cr Wcjr mr HuIlc. Sonntag, Nachm. ü Iibr: Der l'robeteandldat. Soniitaa, abends 8 Ubr; __ Per Probcpfcil. Sciiiller-TliealerCh�en" Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Wcjf aar U4>lle. Freitag, abends 8 Ubr: _ Eiullia G'alotti. Sonnabend, abends 8 Uhr: Per Klloi]ictcrfrc»(»cr. Somilag, nachm. j Uhr: Purin Stuart. Soiiiilag. abends 8 Uhr: Emilia<«uIotU. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosine». 8 Uhr i vis ö kranKfHZlei'. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ple Kleine Eronndin. iSiiiinl.'.'ini. a1;, Uhr: Dar tidel« Bauer. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Knuair.cfacN ttnllett. Sylphiden— Gsi»t der Rose— Polo- natzer Tan«— Kleepatra. Sowrab. u Sonnt. 8 Uhr: Wiener Blul. Sonnt nachm.-'S'/. Uiiv: K'atlnl txa. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Ei» Walzer von Chopin. Schwanl in 2 Al:. v. Karoul u. Barrü. Morgen und solgendc Tage: «Kin Walzer von Ghopin. Luis cn-Thcater. Donncrrliig: Die Grille. FreUag sBremlere): cklnS Dränget an Beivriscn. �„ Sonnabend z Uhr: Frau Holle. Abends 8 Uhr:»cr!!« o.___ IOS|=THEATEi 1 Große Franksurter Sit. 132. Ansang 8 Uhr. Salon nnb Kloöer. Bollsschausplel in i Akt. v. Georg Horn. Freitag: Zwillinge. Souiiabend 4 Uhr: Frau Holle, s Abds. h Uhr: Salon und Kloster.- Ui'snZs. V�issensclr�lbUekss �trentsr. 8 Ulir: Oberleutnant v. Wiese u. Kaiserswaldau und Dr. H. Schobutz: Die zweite Zentral-Afrikanische Expedition kr. Hoheit des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg. Hörsaal Prof. Marcuse, 8 ü'hr: Wissensc'naftl. Grundlagen d. Luftfahrt. BellealIjance«Theater. Heute und morgen S'/j Uhr: öhcrloch Dölmes. Gastspiel Ferdinand Bonn. "Mi'opoWealer. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. vis Mt von Berlin! Groste Lahrcsrcvuc in 7 Bildern von Zul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene geschl vom Dir. R. Schultz. _ Ab 8 Uhr:_ SBap- Tage!"WS Die grandiosen Zpezialitatc». g Uhr: Rur noch kurze Zeit l Harry Waiden in Sein HerzcnSjunge. liabarett und Theater. Irden Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Theater Ält- Berlin PlnmcnMtr. 10. Ansang 8'/» Ubr, Sonntags 7 Uhr. Passage-Tlieater, Xirjam Kenvitz SÄ„Die Falle" Mlie. Maroussia The Meteors Lina Loos cöiJ 10 neue IlMiiotieo! E-.unup. Sei denFeuerlressern tzicbcnd! I.ebend! Die wüöen Essauas. Karawane sudanesischer Heul- und Fouor-Fakire in ihreni Orisinaldorfe. Ohne Extra-Eatree. Arbeiter Biidungssehule Sonntag, den 28. Januar, in Kellers„Neuer Philharmonie", Köpenicker Straße 96/97; Wagners Abend zur Feier des 21. ST I FT üü GS-FESTES. Mitwirkende: Ucrllner Volkschov(M. d, D. A.-S.-B.)[ca. 150 SänRers, Chormeister: Herr Dr. Zander; Berliner Sinfonie- Orchester(45 Künstler), Musikmstr.: Herr Maximilian Fischer; Fräul. laicle Haeni.ch(Sopran); und Herr Kgl. Holopernsänger Max GicOrveln(Tenor). 6/4 Programin. II. TannhSuser. d. Ouvertüre. b. Einzug der Gäste»tH der Wartburg. 6. Gebet der Elisabeth. T. Tannhäusers Komfahrt I. Lohengria 1. Vorspiel. 2. Einleitung zum 3. Akt, Brautlied und Brautszene. 3. Die Qralsorzählung. Nach dem Konzerü: BALL» Eröffnung 6 Uhr. Beginn 7 Uhr. Billett im Vorverkauf 75 Pf., an der Kaseu l M. Billottverkavifsstellon; Gottfried Schulz, Am KoUbuser Tor; Horsch, Engelufer 15; Reul, Bamimstr.42; Vogel, Lortzingstr.37; Kaczorowski, Ravenestr. 6; Radtke, Neue Jakobstr. 1/8; Weihnacht, Grünstr. 21; Arboiter-Bildungs-Schule, Qrenadicrstr. 37; Donnerstag abends 8—9 Uhr(Bibliothek). Luna.Park» D � W WWwV WWWW ww www www CLOU" Ab S5. Jannnr: Aa.schanb Ton „Trinmpliator" dem Münchener Bürger- BrSu. Wintersportfest44 In Berchtesgaden. VolksbelDstigungcn, sonst. Attraktionen. 3 Kapellen. SV Heute: Kröffnunat."VM sheaf-ep Noch nie dagewesener Lacbcrfolg. Das Kind der Firma mit Anlon u. Oonaf Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: Ii, Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Berliner Konzerthaus, Mauers tr. 82 Zimmarstr, 90/91. Großes Konzert II! Zülenhalcr und Tcgcrnsccr Sdngcr, Plattler und Jodler!!! Anstich vou 3 Königsbräu, dem kcsilichtion aller Munchener Doppelbiere. Anfang 8 Ubr. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachmittags: Gr. Prumenadcn-Konxert bei freiem Eintritt. Völksbaus MoMurg Sonntag, den 28. Janaar 1012 Großes Bockbier- Fest in den beiden unteren Sälen. Pamcnkapcile Boncruhapelle Brauerei FriedniMsiii um KönlgNtor. Hcntc! Wiener Walzor-Abend Heute! 8 ühnrg ÄBfl Sira«ß aas Wien. Ä Morgen l'rcltag: Juhu! Elitctag. Das gröBlo Oockbiorfest. Auf der Alm. Pallien- Kcbönhcitslzonkurreuz.| 6 Goldpro ise.— Außerdem.: Gratisverlosg. von 100 Wcrlgegensfändcn. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Unions- Brauerei = Hasenheide 22—31= ./, Uhr. BonS usw. gültig. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Ansang 8 Uhr Der gröftte Theatererfolg! Täglich auSverkanst. Dkl Kumps ums Min. Aktuell l Dem heutigen Leben ent« nommen. 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Anträge. Pünktliches Erscheinen erwartet Der Ausschuß de» GeuossenschaftSrateS. I. A.: A. Heitmann. Achtimg! Maler Achtung! und(alle im Beruse tätigen Personen. Donnerstag, den Sä. Januar, abends 8 Uhr: veffentlielte Versammlung Engelufer IS, Saal 11, Hof rechts. Tagesordnung:. Neuwahl für die ausscheidenden Mitglieder des Gehilfenausschusses, gemäß§ 41 des JnnungsstatutS. Wahlberechtigt sind die bei JnnungSmitgliedern beschSstiaten voll« jährigen Gehilsen, welche sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte bestnden. Wählbar ist jeder Kehilse, welcher: 1. volljährig ist und sich im Lefitz« der bürgerlichen Ehrenrechte befindet: 2. zum Amte eine» Schöffen sähig istIIlI.Ml!MtIl!ltS. Filiale Berlin.— Hclchloratr. SS. Freitag, de» 26. Jausar 1912, abend« 9H\ Uhr, tut GewertichaftSbause,(Sntetefet 15 1 Mitglied er-Vers ammlimg Tagesordnung: 1. Jahresbericht und Abrechnung vom IV. Quartal i9tL— der OrtZverwaltung.— 3. Bortrag des Kollege» Unk: krankeu kaffen und BerstcherungSvereine.«— 4. Verschiede» angelegenheitcn. - Mitgliedsbuch legitimiert.-j 128/4_ Die OrtavcrwaltnBgr, Steinarbeiter. Sonntag, den 28. Januar 1912, vormittags 9 Nhr» in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker-. Ecke Neue Zakobstr. General-Bersammlung. Tagesordnung: 171/4* 1. Jahresbericht des Vorstandes, der Gauleitung und der Be» schwerdekommisston. 2. Neuwahlen. 3. Verschiedenes. Die Kollegen sämtlicher Branchen sind verpflichtet, an dieser wichtigen Versammlung teilzunehmen und pünktlich S Uhr zu erscheinen. WM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."Wg Noch nicht abgeholte Bücher gelangen am Eingang zu« Gaal zur Ausgabe. Agitiert sür guten Besuch._ Die OrtSverwaltuug. ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Pichelstverder, °Heerstraffe" beim Alten Freunde »lecles Wort 10 pfonnig. D M jT M m M■ fl ANZEIGEN Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte B B■ mm■(Br die nächste Kummer werden In den Annabme- Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen■ HTk I■ I W 1■ i■ B A W H m** 1 MW G>»M W 1 B stellen für Berlin bis I Uhr, lür die Vororte bis 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte W■ W I III»-■*|| I«. M k. M||■ 12 Uhr. In der Haupt-Expedition, LIndenstrasse M, mit mehr als 15 Buchsuhen zählen doppelt. D■ m■■■■ WW m m m m J bis 5 Uhr angenommen._ Verkäufe. Tovptche!(sehlerdastc) tn allen Gröhcii, säst sür die Hülste deS Wertes Tcvvichlager Brünn, Hackeichet iD/orf! 4, Bahnbos Börse.(Leier deS »Vorwärts- erbnlten ö Prozent Rabat!.)«onntagS geöffnet I- Hermniiiipla» 6. PlandlcibbauS. LcdennannS oHcrbiHigster Waren- cinkaus. Riesenauswahl Pelzsachen. HerrenpaletotS. JackeUanzüg«. Geb- rockauzüge. Herrenhosen. Damen- sachcn. Extrabilliger Bcttenvcrkaus. AuSstcuerbeltei!. VermiciungSbelt. AuSstcuerwäsche. Bettwäsche. Reich- baltige GarduienauSwahl. Portieren. TcppichauSwahI. Plüsch tistbdeckcn. Steppdecken. Wanduhren. Wand- hilder. Schmucksachen. Taschenuhren. KeitenauSwohI. 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