Ur. 21. nbonncmentS'Bedinsungen: «Bonncmentä• Prci- vräüuuieranda: Sii'tldjÄfirL 330 Wif, moimü. 1,10 Mk, wöchcnllich 28 Pfg, frei i»s HauS. Einzelne Nmnmer S Pfg. SomitagS- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Weit" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs« Preisliste. Unter Kreuzband für Deuisckland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehme» an: Belgien. Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Nuniünien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. Die Infcrtions-Gcbüfjr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder dereil Raum 00 Pfg., für politische uird aewerlschaftliche BereinS- und Versaminlungs-Anzeigen M Pig. „Kleine anreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulassig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stelleilgesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wertere Wort 5 Pfg. Worte über 1k Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffiiet. CiWnt Wich anSer lilontag». Verlinev VolklsblsK. Zentralorgan der rozialdemokrati fchen Partei Deutschlands. Telegramm< Adresse: „Sozialilcniokrat Rtrlin". Redaktton: SM. 68, Lindcnstrasec 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Freitag, den 26. Januar 1912. Expedition: SM. 68, Lindcnstraaac 69. Fernsprecher: Amt Moritiplast, Nr» 138t« 119 1 ♦ I Unten im Hofe des„Vorwärts" stehen die Massen. Die breiten Straßen im Zeitungsviertcl sind schwarz von Menschen und sie jubeln und jubeln. So oft ein sozialdemokratischer Sieg verkündet wird, erschallen die Hochrufe und die Siege folgen einander. Und immer begeisterter wird die Stimmung und Kampfgesänge ertönen. Fünf Jahre sind es heute, da war auch Wahltag und da wurde das Wort von den Niedergerittenen gesprochen. Heute hat Potsdam die rote Fahne gehißt. Vor fünf Jahren, da jubelten an diesem Tage die andern und heute haben wir die andern Parteien weit hinter uns gelassen, sind wir die weitaus stärkste Fraktion des Deutschen Ncichstags, und, was mehr ist, wir sind die weitaus stärkste Partei im deutschen Volke, sind der dritte Teil unseres Volkes geworden.. Heute jubeln wir, und unser Jubel gilt fürwahr keiner vorübergehenden Erscheinung. Denn was wir haben, das wissen lvir zu halten. Durch harte Arbeit sind wir geworden, was wir sind, durch harte Arbeit werden wir mehr und größer werden, bis der letzte Siegestag heraufkommen wird der große Bcfreiungstag der arbeitenden Menschheit, der Tag der Völkerverbrüderung und Lölkerfreiheit, der Tag des Sozialismus.... Der dritte Stichwahltag hat vollendet, was die Hauptwahl versprochen hat. Die Sozialdemokratie hat 11l) Mandate. Bei cineni wirklich gerechten Wahlrecht hätten wir etwa 134 Mandate erhalten. Immerhin ist für uns diesmal die reaktiv- näre Wahlkreiseinteilung überwunden worden. Die Leidtragenden dieses Pluralwahlrcchts sind die Liberalen noch mehr als wir. Es wird eine wichtige politische Aufgabe sein, die Verfassungsbestimmung, die das gleiche Wahlrecht ver- bürgt, endlich auch durchzusetzen. Die Sozialdemokratie hat heute wiederum ganz prächtige Erfolge zu verzeichnen. Da ist vor allem P 0 t s d a m- O st- Havelland. Mit einem ungeheuren Tcrrorismus haben die Gegner gearbeitet. Kein Mittel war schlecht genug, keine Lüge war erbärmlich genug, es war die echte Kampfesweisc der wahren Patrioten. Sie haben gestritten für ihren Kaiser und haben gekämpft, wie sie es verstehen. Und die Arbeiter sind gekommen, haben die Einschüchterungen nicht beachtet, Haben der Lügen gelacht, haben gestimmt und Karl Liebknecht ist gewählt. Wir haben uns Revanche geholt für Berlin I. Ueberhaupt haben in B r a n d e n b u r g sich die Arbeiter prächtig geschlagen. In Kalau-Luckau hat Genosse Wels den Konservativen überwunden. In Sorau-Forst Genosse Schu- mann den Kreis von dem säubern nationalliberalen Herrn Bahn gereinigt, der noch im letzten Moment um die Stichwahl- Hilfe der Schwarzblauen gebettelt hat. Bedeutsam sind auch unsere Erfolge in Schlesien, wo wir Grünberg-Frcystadt und Striegau-Schwcidnitz den Konservativen abgenommen haben. In NordHausen hat Genosse Cohn den Führer der Freisinnigen Dr. Wiemer aus dem Mandat geworfen. Die verärgerten Antisemiten haben da größtenteils den Fortschritt- lern die Wahlhilse versagt. Nicht minder erfreulich und von größter Bedeutung sind die Siege, die wir in dem Jndustriercvier verzeichnen können. Die Niederlage des Zentrums in Düsseldorf ist für diese Partei nicht minder schmerzlich als der Verlust von Köln. Dortmund haben wir in der Stichwahl gleichfalls gegen das Zentrum behauptet, Altena-Iserlohn uns von den Fortschrittlern geholt und Elberfeld-Barmen, diese alte sozial- demokratische Feste- die wir 1907 verloren haben, hat jetzt Genosse Ebert glänzend wicdererobert. Freilich haben wir dort unten auch einen schmerzlichen Verlust erlitten. Genosse Hue ist in Bochum dem Nationalliberalen Heckmann unterlegen. Der Haß gegen den unermüdlichen Vertreter der Bergarbeiter trieb diesmal das Zentrum Mann für Mann für die Nationalliberalen an die Urne. Aber dieser Sieg ist wohl der letzte, den die bürgerlichen Parteien in diesem Wahlkreis werden verzeichnen können. Außer Bochum haben wir noch das Mandat von Franks urt-Lebus. das wir in der Nachwahl geholt hatten, und auch das Mandat 'on M ülheim-Duisburg nicht halten können. Genosse Hengsbach ist hier dem Nationalliberalen Dr. Böttgcr unter- legen. Auch hier hat das Zentrum gegen den Vertreter der Arbeit gestimmt, seinen reaktionären Charakter deutlich offen- bart. Das erleichtert unfern Kampf und sichert uns künftigeSiege. Das Zentrum steht da als der gefähr- lichste und tückischste Arbeiterfeind und darüber werden auch seine proletarischen Anhänger bald zur Klarheit kommen. Verdankt doch Giesbcrts seine Wahl in Essen nur der Pro- tcktion der nationalliberalen Scharfniacher, ohne die er schon diesnial verloren gewesen wäre. Die 33 000 Stimmen, die Genosse Gewehr in der Krupp-Residenz bekommen hat, stellen einen ganz außerordentlich enErfolg dar. Ueber- Haupt haben die rheinisch-westfälischcn Nationalliberalcn und das Zentrum sich gegenseitig in die Hände gearbeitet, sich im Kampf gegen die Arbeiterschaft gefunden. Der schwarzblaue Block hat ausgelebt. Selbst wenn nian die Polen, Welsen und all die anderen kleinen Parteisplitter zusammenhält, verfügt er nur über 193 Mandate, bleibt also, wenn auch nur wenig, hinter der Majo- rität zurück. Daß er nicht eine viel ohnmächtigere Minorität geworden ist, das ist vor allem die Schuld der national- liberalen Verräterci und der Schwachmütigkeit der fortschrittlichen Wähler, die am ersten Stichwahltage so arg versagt hatten. Aber immerhin, die Alleinherrschaft der Schwarzblauen ist gebrochen. Und diese Tatsache ist politisch bedeutsam deshalb, weil jetzt die Liberalen zeigen müssen, was sie können. Die Sozialdemokratie hat den Liberalismus bei diesen Wahlen mit ihrer ganzen Macht unterstützt. Sie hat es getan, nicht weil sie sich Illusionen über die künftige Entwicklung hingibt, nicht weil sie übermäßige Hoffnungen hegt oder allzu großes Ver- trauen in die liberalen Worte setzt. Aber sie hat gewollt, daß die Liberalen Gelegenheit haben, ihren Worten Taten folgen zu lassen. Die Liberalen tragen jetzt die Verantwortung. Die Sozialdemokratie wird innerhalb wie außerhalb des Parlaments ihre ganze Macht einsetzen, um die Demokratisierung Deutschlands zu fördern, die Lage der arbeitenden Massen durch sozialpolitische Reformen zu verbessern, gegen die Not der Teuerung und der Steuerlasten wirksame Maßregeln durchzusetzen. Wir wissen, daß wir von keiner bürgerlichen Partei in unserm Kampf gegen den Imperialismus und seine Begleiterscheinungen— Wettrüsten, Kolonialpolitik, Schutzzöllnerci— wirksame Unterstützung zu erwarten haben. Aber die Liberalen haben gelobt, für freiheitliche politische Entwicklung und für soziale Verbesserung einzutreten. Da wollen wir sie b e i nr orte nehmen, da wird es sich zeigen, ob sie den Willen und die Kraft haben, ihr eigenes Programm durchzuführen. An uns soll es nicht liegen, wenn der Reaktion in Deutschland ein Ende gemacht werden soll.] Wir aber, die wir als Sieger aus dieser Wahlschlacht hervorgehen, wir gehen an neue Arbeit. Eine Million neuer Kämpfer hat sich den Reihen der deutschen Sozialdemo- kratie angeschlossen. Sie müssen eintreten in unsere Organi- sationen, müssen Leser unserer Partcipressc, müssen zu vollbe- wußten und zuverlässigen Genossen werden. Große Aufgaben stehen uns bevor. Riesig schnell geht heute die Entwicklung. Ungebärdiger als je ist der Kapitalismus geworden, mit Kriegsgeschrei erfüllt er die Welt, an neue Eroberungen denkt er und je schärfer die Klassengegensätze im Innern werden, desto mehr sehnt er sich nach auswärtigen Abenteuern. Wir aber, wir kämpfen nur einen Kampf, wir ersehnen nur einen Sieg., Wir wollen dem Kapitalismus kein Entrinnen mehr gönnen. Wir fürchten nicht seine drohenden Gebärden. Immer mehr umklammert ihn unsere Macht, immer näher rückt die Stunde des Schick- sals, das der Geschichte ehernes Muß ihm bereitet. Und heute an diesem herrlichen Siegestage, da wendet sich der Blick weg von den Sorgen und den Losungen des Tages, wir schauen aus in die Zukunft und jubelnd wiederholen wir den Ruf, den da unten die Massen immer wieder haben erschallen lassen: Hoch die Sozialdemokratie! Es lebe der Sozialismus! NkilgkWiihlte Somldkimkklitkii. Zu den bisher gewählten 99 Sozialdemokraten sind folgende 11 hinzugewählt: Das Lmlergebnis des Slahlkampfes. 397 Die Stichwahlen in Nürttemberg. AilS Stuttgart wird uns geschrieben: In sieben von den siebzehn Wahlkreisen Württembergs war die Entscheidung schon am 12. Januar gefallen. Den ersten und zweiten Wahlkreis(Stuttgart und Cannstatt) hatte die Sozialdemokratie bc« hauptet; dem Bauernbund war der 12. Kreis(Crailsheim) wieder zugefallen. das Zentrum hatte seinen alten sicheren Besitz, den 13.(Aalen). IS.(Blaubeuren). IS.(Biberach) und 17.(Ravensburg) mit leichter Mühe gehalten. Arn Montag, den 22. Januar, fanden in den übrigen zehn Kreisen die Stichwahlen statt. An sieben war die Sozialdemo- kratie beteiligt. In drei Kreisen stand die Fortschrittliche B 0 l k s p a r t e i dem Bauernbund gegenüber. In zweien dieser Kreise, dem 8.(Freudcnstadt) und dem 14.(Ulm) siegte die Volk?- vartei mit s ozialdernokratischer Hilfe über den Bauernbund, im 11. Kreise(Backnang) wurde dem BolkSparteiler gleichfalls die sozial- demokratische Unterstützung restlos zuteil; doch der Vorsprung deS BauernbüildlcrS war zu groß; er behauptete sein Mandat. > Die Sozialdemokratie eroberte in den sieben Stich- Wahlen, an denen sie beteiligt war, nur noch ein Mandat, das H e i l b r 0 n n e r. In der Hauptwahl waren hier auf die Sozial- demokratie 12 429 Stimmen gefallen, auf den Bauernbündlcr 10 788 Stimmen. Es hätte hier also Wahlenthaltung der Anhänger des aus der Stichwahl gedrängten Volksparteilers Naumann genügt um der Sozialdemokratie das Mandat zu sichern. Die Liberalen spalteten sich jedoch, die Nationalliberalen gingen mit fliegenden Fahnen in das Lager des BaiternbündlerS über. Die Volkspartei erklärte sich für den G-nossen Feuerstein, der denn auch mit 18 996 Stimmen durchs Ziel ging� Ter Bauernbündler steigerte seine Stimmenzahl um rund I5 auf 14 292. Im 4. Wahlkreis, Böblingen, unterlag Genosse S p e r? a dem Ansturm der vereinigten LZolksparteiler und Nationalliberalcn, denen sich der Bauernbund zugesellte. Im ersten Wahl- gang hatten Volkspartei und Nationalliberale zusammen 6657 Stimmen erhallen; mit bauernbündlerischer Hilfe brachte ss der National- liberale K e i n a t h in der Stichwahl auf 11979 Stimmen. Ge- nosse Sperka steigerte seine Stimmcnzahl von 8966 auf 19 639. Im 6. Wahlkreis, Tübingen, behauptete der volksparteiliche Führer v. Pa yer sein Mandat mit 14 219 Stimmen(Volkspartei, Naiionalliberale, Bauernbuud) gegen den Genossen Schlicke, Vor- fitzenden des MetallarbciterverbandcZ. Schlicke erhielt 8428. Durch Zuzug aus konservativen Kreisen erzielte im 7. Wahl- kreis, Calw, der BolkSparteilcr Schweickhardt eine Stimmen- zunähme von 7626 bei der Hauptwahl auf 11289, Genosse Stein- meyer erhielt 6863 Stimmen gegen 6254 am 12. Januar. Schmerzhaft für die Sozialdemokratie ist die Niederlage de-S Genossen Schlegel im 5. Wahlkreis Eßlingen. In der Hauptwahl fehlten ihm nur wenige Stimmen an der absoluten Majorität, so daß mit seinem Sieg allgemein sicher gerechnet wurde. Er erhielt am 12. Januar 15 478 Stimmen, sein nationalliberal- volksparteilicher Gegenkandidat List 9996, der Bauernbündler 5996, das Zentrum 643 Stimmen. Am Montag stießen alle bürgerlichen HillStruppen zum„nationalen" Kandidaten, der dann mit 16 371 Stimmen über Schlegel, der 16 328 Stimmen erhielt, siegte. Die Mehrheit hes Liberalen beträgt ganze 43 Stimmen. Auch in» 19. Kreis, Göppingen-Gmünd, gab der Bauern- bund den Ausschlag zugunsten des Bolksparteilers G u n ss e r gegen Genossen Dr. L i n d e m a n n. Die volksparteilich- nationalliberalen Stimmen stiegen von 9445 auf 13693, die des Genossen Lindemann von 11933 auf 13927. Die Unterstützung der Konservativen mit dem Zen- trum hatte sich der Volkspartciler mit Zugeständnissen in der Schutzzoll- frage und mit der feierlichen Erklärung in öffentlicher Versammlung er- kauft, daß er die Wahlparole der Geschäftsleitung der Volkspartei„gegen den schwarzblauen Block" entschieden mißbillige! Durch die Schonung, die dem Volksparteiler Kour. Haußmann im 9.(Balinger) Wahlkreis durch die Sozialdemokratie zu teil wurde, ging uns eine Anzahl katho- lischer Arbeiterstimmen verloren. Die enge Verbindung der Volks- Partei und ihrer Führer mit dem rücksichtslosesten Unternehmertum hat den Herren Haußmann und Genossen den ehrlichen Haß der Gesamt« arbeitcrschaft ohne Unterschied der Konfession zugezogen. Auch sei daran erinnert, daß die perfide Politik des Herrn Haußmann die Sozialdemokratie 1997 nioralisch dazu zwang, im Baiinger Wahl- kreis die Parole gegen Haußmann für das Zentrum auszugeben. Die kulturkämpferischen Allüren haben Herrn Haußinann in katho- lischen Kreisen noch besonders verhaßt gemacht. Die uns günstige Stimmung der Jnduftriearbeiterschaft der katholischen Bezirke schlug in dein Augenblick ins Gegenteil um, als die Vorgänge im Baiinger Kreis bekannt wurden. � In süddeutschen Parteizeitungen ist bei Besprechung des Haupt- Wahlergebnisses des Göppinger Wahlkreises allerlei Ungereimtes mit unterlaufen. Man sprach von einem„Stillstand" der Bewegung in diesem Kreise, von einen»„Schatten" im Gesamtbild der württem- belgischen Wahlen und dergleichen mehr. Dieser„Schatten" besteht in Wirklichkeit nur in der kritiklosen Gegenüberstellung der Wahl- zahlen von 1997 und 1912. Die Wahltaktik des Reichskanzlers Bülow, die uns mit dem Zentrum in eine Schlachtreihe drängte, chat uns dort 1997 eine größere Anzahl ZentrumSstimmen zugeführt; das Zentrum hatte auf eine eigene Kandidatur verzichtet. Diesmal ging das Zentrum mit dem Bauernbund zu- sgmmen; daher der geringere Stimmenzuwachs I Nach sehr vor- sichtiger Berechnung ist die Stimmenzunahme doch iinmerhin 14 Prozent, wahrscheinlich aber mehr. Daß die Genoffen des 19. Wahlkreises niit dein StiinmcnzuwachS nicht zufrieden sind, ist selbstverständlich,»md sie werden sicherlich nichts versäumen, die Ursache der Heinimmg ausfindig zu machen und Remedur zu schaffen. Im 9. Wahlkreise, Balingen, siegte der volksparteiliche Führer K. H a u ß m n n»» mit 13 594 Stimmen über den Gcuosien Mattutat, der 19 569 Stimmen erhielt. Das Zentrum mit seinen 8679 Stimmen hatte die Parole ausgegeben: Keine Stimine dem Volksparteiler Haußinann! Die Sozialdemokratie stellte jedoch den entschiedenen Kampf gegen die Volkspartei ein. So wurde Haußmann gewählt. Der Ausgang der Stichwahlen in Württemberg ist für die Partei wenig erfreulich; unser Stimmenzuwachs iin ganzrn Land, auch in den rein ländlichen Bezirken»nit Ausnahme des 13. Wahl- kreiseS Aalen-Ellwangen, der den Stand von 1993 nicht Ivicder er- reichte und den von 1997 nicht iviedcr überschrrtt,' ließ ein günstigeres Resultat erhoffen. Den Löwenanteil hat die Fortschrittliche Volks- Partei davongetragen, dank der direkten und indirekten Unterstiitzung durch die Sozialdemokratie, andererseits der rechtsstehenden Parteien gegen die Sozialdemokratie! DaS Endresultat der Wahlen in Württemberg stst: 3 Sozial- demokratcn, 6 Volksparteiler, 2 Nationallibcralc, 4 Zentrum, 2 Bauern- bündler.>... Aus dem dlahlkampl. Unerhörter Wahltcrrorismus. In Gatow an der Havel im Wahlkreise Potsdam-Ost- Havelland führte der Wahlvorsteher eine Liste, in der jeder Wähler der Nummer nach eingetragen war. Er nahm dann die Kuverts der Reihenfolge nach aus der Wahlurne. Dagegen protestierten unsere Kon- trolleure ni»d verlangten die Durchschüttelung der Wahl- urnc. Da dies nicht geschah, wandten sich die Kontrolleure an den Wahlvorsteher, da sie sich die Handhabung der Stiin- menauszählung nicht gefallen lassen wollten. Der Wahlvor- steher schlug darauf einein unserer Geuossen mit der Faust auf den Kopf und kommandierte den» Wachtmeister: Ziehen Tic blank! Dieser schlug dann blindlings drauflos. Einer unserer Genossen erhielt schwere Kopfwunden; einem anderen wurde u» i t d c m S ä b e l ü b c r d c n R ü ck e n g e- schlagen, so daß die Kleider durchschlagen wurden. Ter Wahlvorsteher ist der Gemeindevorsteher Wolter. Der schwer verletzte Genosse heißt Hornig; cs ist ein sehr ruhiger älterer Mann. « Zentrum und Fortschritt. Die klerikale„Kölnische VolkSzeitung" veröffentlicht an der Spitze ihrer Mittwochsabend- Nummer folgende indirekte Ausfordernng an die Zcntrumsivähler der Kreise Lennep- Mettmann und Altcna-Jscrlohn: Wie wir hören,»vird»nit der gestern abend an der Spitze der„Kölnischen VolkSzeitung" veröffentlichten Aufforderung dcS Herr»» JustizratS Karl Trimborn, in DuiSburg-Mülheim und in Bochmn- Gclseilkirchen, trotz der Haltung der Kölner National- ' liberalen, für die rechtsstehend«» nationalliberale!» Kandidaten zu stimmen, Mißbrauch getrieben. Im Interesse des Freisinn? versucht»nan, diese Aufforderung auch für die freisinnigen Kan- didaturen in Leniiep- Remscheid- Mcttmäni» und Altena- Iserlohn auszunutzen. Das ist ein durchaus unzulässiger T ä u s ch u n g s- versuch. Die Aufforderung des Vorfitzenden des Provinzial- ouSschusscS der rheinischen ZcntrumSpartei gilt in keiner Weise den fortschrittlichen Kandidaturen in den beiden Wahlkreisen. Nur durch Mißbrauch kann sie in diesem Sinne gedeutet werden. Es ist ganz und gar auSgeschloffcn, daß die Zentrumspartei den beiden freifinnigen Kandidaturen irgendwelche Unterstützung au- gedeihen läßt. Sie muß dieselben ihrem Schicksal über- lassen. Das erfordert die Würde und Selbstachtung der ZentrumZpartei nach der rücksichtslosen Haltung, welche allüberall die Fortschrittspartei gegen das Zentrum ein- genommen hat, und nachdem der Fortschritt überall im Reiche so nahe an die Sozialdemokratie herangewachsen ist, und in vielen, auch für das vaterländische Jntereffe hochbedeutsamen Fragen ein Unterschied zwischen Freisinn und Sozialdemokratie nicht mehr besteht. Nicht eine einzige Stimme dürfen die An- gehörigen der Zentrumspartei für die Kandi- daten des Fortschritts in den genannten beiden Wahlkreisen abgeben. Für das Zentrum in Lenncp-Mettmann-Remscheid und Altena-Jserlohn kann nur die Haltung unserer Parteifreunde in Frankfurt a. M. und Hägen- Schwelm vorbildlich sein. Diese Darlegungen entsprechen der Auf- fassung der Leitung der rheinischen Zentrumspartei durchaus. Nicht Korell— sondern Becker. Wie da? Wölfische Telegraphen-Bureau mitteilt, hat die vor- läufige Prüfung der Wahl in Bingen-Alzey ergeben für Becker (natl.) 12 913, für Korell(Fortsch.) 12 919 Stimmen, wonach nicht Korell, sondern Becker gewählt wäre. Die amtliche Feststellung bleibt abzuwarten. Nachwahl in Pleß-Rybnik. Die Nachwahl im Wahlkreise Pleß-Rybnik, für den in zwei Wablkreisen gewählten Abg. Graf v. MielczynSki(Pole), findet am 3. Februar statt. LicbertS Wahlsieg wurde in den letzten Tagen stark bezweifelt. Wie die„L. N. N." melden, wurde am Mittwoch bei der von dem königlichen Konnniffar vorgenommenen amtlichen Prüfung des StichwahlergebniffeS im 14. Reichstagswahlkreise Borna-Pegau festgestellt, daß für v. Liebert 13 981 und für den sozialdemokratischen Parteisekretär Ryffel 13 953 Stiimnen abgegeben wurden. Herr v. L i e b e r t ist demnach mit einer Mehrheit von 23 Stimmen gewählt. Am Wahlkreise Potsdam-Spaudau-Osthavelland, in dem unser Genoffe Dr. Karl Liebknecht kandidiert, hatten der Vorstand der Ortsgruppe des Hansabundes, die Leitung des Bundes der Festbcsoldeten und andere Vereinigungen am Mittwoch die Auf- sorderung zur Wahl des schwarzblauen Blockes, des freikonservativen Bürgermeisters VoSberg, erlaffen, während der liberale Wahlkreis- verband Donnerstag früh die Parole erließ, entweder weiße Stimm». zettel abzugeben oder die liberalen Wähler haben sich der Stimme zu enthalten. Die Konservativen silchten die Wähler durch einen Artikel im konservativen„Potsdamer Tageblatt" einzuschüchtern, in welchem mit dem angeblichen Wegzug des Hofes und der Garnison im Falle der Wahl Liebknechts gedroht wird. Auch der Wahlausschuß der Staatsarbeiter stellte sich in den Dienst der Reaktion und der- öffentlichte folgenden Aufruf:„Um Jrrtüinern vorzubeugen, machen wir bckairnt, daß der nationale Kandidat Bosberg sich verpflichtet hat. ganz besonders für die Forderung der Staatsarbeiter ein- zutreten." Auch der Bund der Handwerker trat für die Wahl BoSbcrgS ein. » Konservativer Wahlschwiudel. Iin Kreise Wittenberg- Schweinitz, wo unsere Genoffen den Fortschritller Dr. Dove gegen den Großagrarier Major v. Lettre unterstützen, ist am Morgen des Stichwahltages ein konservativer Wahlschwindel iiiszciiiert worden, bei dein der Name unseres Kan- didaten Hildebrand mißbraucht wurde. Die Konservativen ließen. in den Orten des Wahlkreises Flugblätter verbreiten, auf denen zu lesen ist: „Arbeiter, Handwerker, Gewerbetreibende! Enthaltet Euch bei der heute stattfindenden Stichwahl der Stimme! Hildebrand." Das Blatt ist ohne Druckfirma erschienen.— In Jahna, einer kleinen Landstadt, wurden zwei junge Burschen, die diese Blätter verteilten, festgenommen. Sie verweigerten die Aussage darüber, ivcr ihnen die Blätter zun» Verteilen gegeben hat. Sie wurden in Haft behalten. poUtifchc deberlicht Berlin, den 25. Januar 1912. Tas Recht aus Wahlbecinflussung. Die„Germania" ist höckist erbost darüber, daß das zur Wahl- Prüfung für die neue reichsländische Kainmer berufene Oberlandes- gericht in Colmar die Wahl mehrerer ZentrumSabgcordneten für ungültig erklärt hat, weil sich katholische Geistliche schwere Wahl- beeinflussungen haben zuschulden kommen lassen. DaS ehrsame Berliner Zentrumsblatt findet cs ganz selbstverständlich, daß die „Diener des Herrn" die Kanzel»nid den Beichtstuhl zur Agitation für die Wahl von ZentruinSabgcordneten benutzen. Solche Täligkeit, meint die„Germania", gehöre vielmehr zu den„heiligsten" Pflichten eines Seelsorgers, denn dieser habe dafür zu sorgen, daß die ihin anvertrauten Schäflein auch politisch»licht straucheln und Abgabe liberaler oder sozialdemokratischer Stimmzettel ihr Seelenheil ge- fährde». Offen erklärt das unter der Aufsicht des Fürstbischofs Kopp stehende ultramontane Blatt: „Nie und nimmer wird man es Wahlbeeinfluffung nennen können, wenn ein Geistlicher von seinen Slaatsbürgerrechtcn so gut wie jeder andere Gebrauch macht, tveun er Wahlzettel ver- teilt oder verteilen läßt, Versammlungen abhält u>»d in Ver- sammlungen redet: und dann erst recht»»ickit, wenn er von der Kanzel herab zur Wahl von Kandidaten auffordert, die auf dem Boden der staatlichen und kirchlichen Ordnung stehen, die weder religions- noch kirchenfeindlich find. DaS ist nicht allein das gute Recht dcS Seelsorgers, das ist eine seiner heiligsten Pflichten.' Vor allen Dingen aber müssen»vir mit aller Eni- schiedenheit Ver w a hrung dagegen einlege»», daß durch eine Rechtsprcckmng. die als Richtschnur für die Zukimlt betrachtet »vird, deit elsaß-lothriiigiichen katholischen Geistlichen Rechte streitig gemacht werden, die selbst die radikale»!, revolutionären und anarchistischen Blätter besitzen: sie dürfen die Wablen beeinflussen »md Uni c-S reichlich,»md in der Wahl der Mittel sind sie zweifel- los hundertmal weniger ivählerisch als die katholische Geistlichkeit.. Und daß der Arbeitgeber durch. seinen Druck leine WillenSbeugüng beim Arbeiter hervorrufe, wohl aber der Geistliche bei seinen ZubZrern durch keine Predigten, daS ist ein einfacher Nonsens. Wir boffcn, daß die elsaß-lotbringiichen Zentrumswähler bei den neuen E r f a y iv a h l c n dem Ober- landcszericht eine treffe»de Antwort auf seine Urteile geben werden. Das Reichstagszentrum aber wird einmal bald nach dem Rechten sehe>»." Die Logik der jungferlichen„Germania" ist, da sie an patho- logischem Schwachsinn leidet, wie gewöhnlich etwas schwach. Erstens sind die Redakteure der„radikalen, revolutionären und anarchistischen Blätter" keine aus Staatsmitteln bezahlte Amtspersonen, zweitens besitzen sie keine ihnen durch allerlei Gesetze garantierte Amtsautorität, und drittens sind sie nicht aus Kosten der Steuerzahler dazu bestellt, die religiöse GesühlSseligkcit zu Pflegen, sondern sie haben die Verpflichtung übernommen die irdischen Interessen bestimmter politischer Parteien oder sozialer Gruppen zu vertreten. Vielleicht vermag die„Germania" diese Unter- schiede nicht zu begreifen— aber Gehirndesekte haben in der Politik keinen Anspruch auf Berücksichtigung. Für ein Ausnahmegesetz zur Gewcrkschaftsknebelnng legt sich die„Deutsche volkswirtschäftl. Korrespondenz" eifrigst in? Zeug. Sie rüffelt die Regierung in der heftigsten Weise ab, weil sie in der„Nordd. Allgem. Ztg." nicht etwa die Abficht der Re- gierung, die Gewerkschaftstätigkeit durch eine Verschärfung des sogenannten ArbeitSwilligenschutzeZ zu unterbinden, bestritten, sondern nur jesuitisch in Abrede gestellt hatte, daß diese Gewerkschaftsknebelung auf dem Wege eines Ausnahmegesetzes. eines besonderen ZuchthauSgesetzeS erreicht werden solle. Aber schon dieser untaugliche Versuch einer Leugnung bösartigster scharf- macherischer Tendenzen innerhalb der Regierung hat die Entrüstung der„Deutschen volkswirtschäftl. Korrespondenz" hervorgerufen Die Regierung, so belehrt sie Herrn v. Bethmann Hollweg, hätte vielmehr rundweg bestätigen sollen, daß tatsächlich„der sozialdemokratische TerroriSmuS unterdrückt werden" solle. Hätte fich die Regierung bereit erklärt, den ArbeitSwilligenschutz mit allen Mitteln durch» zuführen, so hätte diese Bekundung des„antisozialdemokratischen Sammlungsgedankens" bei der Wahl die denkbarste günstigste Wir- kung haben müssen: „Ein Akt der Gesetzgebung, der Terhältniffe veseitigeu würde, die dem Rechtsstaate Hohn sprechen, ist kein LuSirahmegesetz, sondern ein Gesetz, daS die Ausnahmen von Gesetz»md Recht, wie sie jetzt ungehindert und ungestraft herrschen, bekämpft und nor- male Zustände herbeiführen will. Welchen Sinn kann e? hiernach haben, wenn sich gerade jetzt der Reichskanzler und der Staats- sekretär des Innern darauf berufen, daß fie Borschläge zu Ausnahmegesetzen nicht machen, daß ein Ausnahmegesetz nicht beabsichtigt sei? Von einem SnSnahmegesetz spricht, wie schon gesagt, nur die Sozialdemokratie. Sie versteht darunter jede gesetzgeberische Maßnahme zur Bekämpftmg ihres Terrorismus. Mit dem Namen Ausnahmegesetz will fie solche Maßnahmen diskreditieren. Wenn nun der Reichskanzler und der Staatsiekretär des Innern beteuern, daß fie ein Ausnahmegesetz nicht wollen, so hat einzig und allein die Sozialdemokratie Anlaß, das mit Behagen und Genugtuung zu begrüßen: Mit Dank werden außerdem noch für die Versicherungen der Herren v. Bethmann Hollweg und Delbrück die bürgerlichen Gönner und Handlanger der Roten quittieren." Wir verstehen nicht recht die Entrüstung des ScharfinacherorgauS. Denn in Wirklichkeit war doch der ungeschickte Denrentierungsversuch der Regierung nichts anderes als eine Bestätigung der sozial- demokratischen Warnung. Und alles, was an Scharfmachern gegen die Sozialdemokratie zu sammeln war, ist ja auch in der Tat ge» sammelt worden: Konservative, Reichsparteiler. Zentrum»md der großindustriclle Flügel der Nationalliberalen. DaS offene Be- kenntnis Ver Regierung zu einer ausnahmegesetzlichen Knebelung der Gewerkschaftsbewegung würde also an dem Ausgang der Wahlen nicht daS geringste geändert,'höchstens noch Taufende von Zentrums- arbeitern in das Lager der Sozialdemokratie getrieben haben. Immerhin können wir ja dankend dafür quittieren, wenn die Scharfmacherpresse ihre Absicht der brutalsten Niederbüttewng der Arbeiterklasse so unverblümt verkündet wie die„Deutsche volkswirtschäftl. Korrespondenz", deren Wuterguß von der „Deutschen Tageszeitung" natürlich mit Wonne ab- gedruckt wird._ Das Wachstum des Luftmilttarismus. Nach einer Meldung der„Kreuz-Zeitung' hat daS Kriegs« Ministerium soeben verfügt, daß rund 69 Offiziere den verschiedenen Frugzeugfabriken zugeteilt werden, um auf deren Flugplätzen daS erste Pilotenzeugnis zu erwerben. Wenn man bedenkt, daß die Aviatik fich immerhin erst noch in ihren technischen Anfängen befindet, und sich deshalb die Militär- staaten einstweilen noch eine gewiffe Zurückhaltung auferlegen, so wird man sich schon eine Vorstellung öavon machen können, welche Mittel erst tür den LuftmilitariSmuS ausgeworfen werden dürften, sobald es einmal gelungen ist, dia Flugmaschine wirklich zu einem sicheren und bei jeder nicht allzu stürmischen Witterung verwendbaren Luftfahrzeug zu entwickeln. Daß aber in absehbarer Zeit unsere moderne Technik auch dies Problem lösen wird, ist mehr als wahr- scheinlich. Dann aber werden sich alle Militärstaaten zweifellos riesige Luftgeschwadcr zulegen, so daß auch die ausschweifendsten poetischen Phantasien von dem dcreinstigen Luftkrieg Wahrheit »Verden dürften. Die militaristische Steuerschraube, die ohnehin schon den Rationen das Mark auspreßt, wird dann noch furchtbarer empfunden werden!_ Ein Denunziatiönchcn der„Germania". DaS führcnde Organ der für„Freiheit und Recht" kämpfenden Zcntrnmspartci hält cs für besonders angebracht, die Tatsache festzustellen, daß ein iiationalliberalcr Kandidat, Dr. Rosenfcld, der seines Zeichens Staatsanwalt ist. die sozial- demokratischen Stichivahlbcdiugungeu anerkannt hat. Man dürfe, so provoziert die„Germania", darauf gespannt sein, was der I u st i z in i n i st e r zu diesem Verhalten des natio- nalliberalcu Staatsanwalts sagen werde! A»lch die„Kol n. Volksztg." bringt eine ähnliche Denunziationsnotiz. Tie Zentrumspresse verlumpt immer mehr. Tie bc- trachtet also jetzt bereits einen Staatsbeamten reif zur Maß- regclung, der nichts anderes verbrochen hat, als ans Be- dingungcn einzugehen, die sich vollständig" i in Rahmen liberaler Anschauungen und F o r der u n g fcu bewegen! Sie sollte denn doch gleich noch ein Stück weiter gehen und einfach verlangen, daß jeder Beamte fliegt, der sich nicht bedingungslos auf die Forderungen des schwarzblauen Schnapsblocks festlegt! Diatcngesetz für Elsaft-Lothringcn. Der Zweiten elsaß-lothringischen Kammer ist der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Entschädigung der Mitglieder des Landtages, zugegangen. Die Abgeordneten der E r st e»r Kammer erhalten für jeden Abend der Anwesenheit in einer Plenar- oder KommisfionLsitzmig eine Enischädigung von 29 M., für Reisen nach Straßburg zun» Landtag oder im Interesse des Landtages Ver- .gütung der Reisekosten mit 14 M. Tagegeld, 6 M. IlebernacktSgeld und mit Fuhrkosten analog der Bestimmung für die Dienstreisen der Beamten. Die Abgeordnet«, der Zweiten Kammer erhalten sür Me Dauer einer ordentlichen Sitzungsperiode die Gesammtsumme von 2000 M., zahlbar in drei Beträgen mit dem Rest am Schlüsse. Für Reisen von und zum Landtage wird dieselbe Entschädigung wie den Mitgliedern der Ersten Kammer gezahlt. Für jeden Tag, an dem ein Abgeordneter der Zweiten Kammer einer Plenarsitzung fernbleibt, werden 1ö M. in Abzug gebracht. Die Präsidenten beider Kammern erhalten je 3000 M. Repräsentationsgelder. Für Abgeordnete, die Mitglied dcS Reichstages sind, wurden entsprechende Abänderungen getroffen. Die Bestimmungen entsprechen im grasten und ganzen denen des Reichstages. Auch die entwürdigenden Abzüge und Restzahlungen sind da. Neu ist aber, dast auch die Erste Kammer Diäten erhält, was wohl auf ihre nicht auf Junker und Hofschranzen beschränkte Zusammensetzung zurückzuführen ist. Wahlungültigkeitserklärung in Elsah-Lothringen. Der Erste Senat des Oberlandesgerichts hat die Wahl des in Hüningen-Sierenz gewählten Zentrumsabgeordneten Brom wegen Wahlbeeinflussung durch Geistliche und einer Reihe formeller Per- stöste für ungültig erklärt. Damit sind die 17 Wahlcinsprüchc gegen die elsah-lothringischen Landtagswahlen erledigt. Aus dem preußischen Landtage. Zur weiteren Aufschliestung des staatlichen Bergbesitzes an Stein- kohlenfeldern im Oberbergamtsbezirk Dortmund fordert die prcustifche Regierung in einem dem Abgcordnetenhause zugegangenen Gesetzentwurf auher den ihr im Jahr 1908 bewilligten 55 Millionen Mark nachträglich 1(5 195 000 M., da die 55 Millionen Mark nicht auS- reichen, weil einmal Löhne und Materialien in der Zwischenzeit im Preise erheblich gestiegen sind und zweitens, weil sich die Notwendigkeit herausgestellt hat, für 18 obere und 22 mittlere WerkSbcamte Woh- nungen zu bauen. In demselben Entwurf werden weitere 3 205 000 M. zum Ankauf von Aktien der Rhein- und See- schiffahrtsgeiellschaft in Köln und der mit ihr verbundenen Mannheimer Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft in Mannheim ge- fordert. Diese Forderung wird damit begründet, dast cS notwendig sei, eine zum Transport der Kohlen geeignete Schiffahrtsgesellschaft auf dem Rhein als Bindeglied zwischen dem staatlichen Kohlenlagerplatz in Rheinau und dem fiskalischen Hafen in Bottrop zu schaffen. Auf diese Weise sollen die nach Süd- deutschland abzusetzenden Kohlen nicht mehr ab Bergwerk, sondern ab Oberrhein verkauft werden. Zur Erreichung dieses Ziels hat die Regierung einen mehrjährigen Frachtvertrag mit den Gesellschaften ab- geschloffen; sie will aber weiter gehen und Hauptaktionär derselben werden, um von ihnen dauernd angemessene und gleichmäßige Fracht, sätze zu erlangen, was für die Preisfestsetzung bei der vertraglichen Kohlenlieferung nach Sllodeutschland von großer Bedeutung ist. Ferner verspricht sich die Regierung von dem Ankaufe der Aktien eine Gegenwirkung gegen die Bestrebungen, die Frachtschiffahrt auf dem Rhein in verhältnismäßig wenigen privaten Händen zu der- einigen und hie.'durch den Frachtenmarkt bestimmend zu be- �influffen.__ fpankmeb. Der Marokkovertrag. Paris, 25. Januar. Die Senats kommission zur Be- ratung des deutfch-französifchen Marokko-Ab- kommen» hat das Abkommen mit fünfzehn gegen zwei Stimmen b«i vier Stimmenthaltungen an- genommen. Gärung unter de» Postbeamten. Paris, 25. Januar. Unter den Postang-e st eilten macht sich neuerdings eine sehr bedenkliche Gärung bemerkbar, weil die Po st Verwaltung den Generalsekretär des B e r- d a n d e S, Bordbre, wegen einer Rede und eines von ihm ver- fatzter. Rundschreibens entlassen will. Vordere wird am nächsten Sonnabend vor dem Disziplinarrat erscheinen, der über den von der Postverwaltung gestellten Entlassungsontrag entscheiden wird. Der SyndikatsauSschuß hat für Sonntag eine General- Versammlung einberufen, um über die zu ergreifenden Schritte Beschluß zu fassen. Portugal. Ministerkrise. Lissabon, 25. Januar.'Präsident de Arriaga hat die Demission des Ä o l o n i a lm i n i st e. S angenommen und der Justizminister bat vorübergehend die Geschäfte des Kolonialministcriums über- nommen. Der Rücktritt dcS Kolonialministers ist auf Meinung?- Verschiedenheiten zurückzuführen, die im Ministerrat zwischen dem bisherigen Kolonialm.niitcr und feinen Kollegen wegen gewisser Klauseln des Gesetzentwurfs bezüglicki der P e r p a ch t u n g tr a n s a f r i k a u i f ch e r Bahnen entstanden waren. eS zu einem Zu- Strciknnruhen. Lissaion, 25. Januar. In E v o r a ist t a n» m e n ft o ß zwischen ausländische n Landarbeitern"und der r e p u b l i k a n i s ch c n G a r d c gekonnnen, wobei mehrere Personen verletzt und e i n e g e t ö t e l wurden. Zahlreiche Perhaftniigen wurden vorgenommen. Spanien. Bcrtuschungsversuche. Madrid. 21. Januar. In der Deputiertenkammer stellte Ministerpräsident Eanalcjas die jüngsten Gerüchte über eine K a b i u e t t S l r i f e formell in Abrede. DaS Kabinett sei niemals des königlichen' Vertrauens oder der Unterstützung der Kammern,'jrhcii beraubt gewesen, und cS herrsche volle lieber- emstimmung zwischen allen Kabinettsmitglicdern. Auch M a u r a erklärte die Gerüchte, die ihm bei der angeblichen Krise eine Rolle zuteilen, für falsch. Damit war die Angelegenheit in der Kammer erledigt. Lelgien. Ein Zwischenfall in der Kammer. Brüssel, 25. Januar. Der Leutnant de Lcpine, den der Abgeordnete Vandervelde kürzlich bei seiner Interpellation über Mißstände i m K o n g o genannt hatte, drang heute in die Kammer ei», um Vandervelde tätlich anzugrc.. Der Deputierte gab jedoch dem Leutnant, che er zuschlagen konnte, einen Faustschlag, vorauf Lepinc unter Drohungen die Kammer verließ. Ztichtvahlergebnilse. klömgmcl, preußen. Westprenstcn. Marienburg-Elbing. v. Oldenburg(Kons.):0 660. Schröder(Rp.) 8180, Crispien iSoz.j 8133, zersplittert 15. Stichwahl: Gewählt: Schröder(Rp.). Bisher: v. Oldenburg(Kons.). Schwei,, p. Saß-Jaworski(Pole) 8187, v. Halen,(Rp.) 8307. Grhga(Soz.) 161. zcr,plittcrt 21. Stichwahl: Gewählt v. Halem(Rp.). Bisher: v. Saß-Jaworsli(Pole)., Brandenburg. PotSdam-Osthavellnnd. Dr. Liebknecht(Soz.) 21 505, Vosberg(Rp.) 12 038, Keimes(Vp.) 11063, Graf v. Oppersdorfs(Z.) 712, Chociszewskö(Pole) 54, zersplittert 7. Stichwahl: Tr. Liebknecht(Soz.) 22 751. Vosberg(Rp.) 18 243. Bisher: Pauli(Kons.). Landsbcrg-Soldin. Holtschke(Kons.) 12 483, Paetzel(Soz.) 9037, Lehmann(Natl.) 5925, zersplittert 3. Stichwahl. Gewählt: Holtschke(Kons.). Bisher: Holtschke(Kons.). Gubcn-Lübben. Prinz Schönaich-Carolath(Natl.) 9994, Kotzke(Soz.) 7549, Schneider lKons.) 4538, zersplittert 2. Stichwahl. Gewählt: Prinz Schönaicki-Carolath(Natl.). Bisher: Prinz Schönaich-Carolath(Natl.). Calau-Luckau. Wels(Soz.) 11757, Henning(Kons.) 10 689, Koswig . Bisher: Hoffmeister(Vp.). Schönan-Hirschberg. Tr. Ablaß(Vp.) 9501, Schiller(Soz.) 818." Rahm(Kons.) 2766, Sendet(Z.) 959, zersplittert 19- Stichwahl: Dr. Ablaß(Vp.) 10 719. Schiller(Soz.) 9299. Gewählt: Tr. Ablaß(Vp.). Bisher: Tr. Ablaß(Vp.). Oppeln. Brandys(Pole) 9238. Sonncck(Z.) 8715, Mieezkowski (Soz.) 2285, Bassermann(Natl.) 1633, zersplittert 30. Gewählt: Brandys iPolc). Bisher: Brandys(Pole). Liegniv-Hanuau. Dietrich(Soz.) 10678, Fischbcck(Vp.) 10479 Conradt(Kons.) 7767, zersplittert 3. (gewählt: Fischbeck(Vp.). Bisher: Fischbcck(Vp.). Lüben-Bnütlau. Toormann(Vp.) 664l, Aus dem Winckel(Kons 6158, Schcbs(Soz.) 5661. Stichwahl. Gewählt: Toormann(Vp.) Bisher: Toormann(Bp.). Posen. Krotoschin. v Chlapowski(Pole) 3141, Hampel(Kons.) 3373, v. Lipski(Pole Kons.) 3380, Auerbach(Soz.) 109, zersplittert 4. (gewählt: v. Chlapowski(Pole). Bisher: Trzcinski(Pole). Rheinprovinz. Elberleld-Barmen. Eberl(Soz.) 33 614, Linz(Hosp. d. Rp.) 16 763, Tr. Hintzmann(Natl.) 11343,„Kau(Z.) 6046, zer- splittert 4. Stichwahl: Eberl(Soz.) 33 969. Linz(Rp.) 33 233. Ungültig 784. Olewählt: Ebcrt iSoz.). Bisher: Linz(Rp.). Lennep-Remscheid. Tittmann(Soz.) 27 120, Eickhofs(Vp.) 15992, Stuhrmann i Wirtsch. Bgg.) 14 788, Chociszewski(Pole) 133, zersplittert 20. Stichwahl: Tittmann(Soz.) 28 808. Eickhofs(Vp.) 25 776. Gewählt: Tittmann iSoz.). Bisher: Eickhoff(Bp.). Düsseldorf. Haberland(Soz.) 36 759. Dr. Schmitz(Z.) 81541, Kehren«Natl.) 11478, Tctzlaff«Wirtsch. Bgg.) 2332. Dr. Brcitschcid(Dem. Bgg.) 1978, EhociszelvSki(Pole) 507, splittert 9. Stichwahl: Habcrland(Sozi) 42 643. Tr. Schmitz'ig,) 42 277. Gewählt: Habcrland«Soz.). Bisher: Haberland(«oz.). Essen. GicSbertS(Z.) 42 832, Gewehr(Soz.) 40 503, Stcinecke (Natl.) 25 937. Chociszewski(Pole) 2744, Kendel(Wirtsch. Vgg.) 578, zersplittert 16. Stichwahl: Giesbcrts(Z.) 57 835. Gewehr(Soz.) 32 979. Gewählt: GicSbertS«Z.). Bisher: Giesbcrts(Z.). Mülheim a. N.-Duisburg. Hengsbach(Soz.) 34 187, Dr. Böttger (Natl.) 33 934, Kloft.(Z.) 31559, Chociszewski(Pole) 7270, Fr. Schmidt(Vp.) 2231, Dr. v, Hcydcbrand u. d. Läse 1516, zersplittert 6. Stichwahl: Hengsbach(Soz.) 43 813. Böttger(Natl.) 63 633. Gewählt: Böttger(Natl.). Bisher: Hengsbach(Soz.). Mörs-Recs.' Tr. Bell(Z.) 17 283. Tr. Roscnfcld(Natl.) 9180, Weyers(Soz.) 5335, Pauli(Kons.) 3487. Lic. Hein(Cristl.- Soz.) 1268, Dr. Albrecht(Bp.) 1165, Chociszewski(Pole) 320, zersplittert 13. Stichwahl. Gewählt: Tr. Bell(Z.). Bisher: Fritzen(Z.). Westfalen. Bochum-Gelsenkirchen. Hue(Soz.) 53 333, Heckmann(Natl.) 43 257, Weskamp(Z.) 37 650, Chociszewski(Pole) 10 630, zersplittert 16. Stichwahl: Hue(Soz.)«55 955. Heckmann(Natl.) 73 897. Gewählt: Hcck'.nann(Natl.). Bisher: Hue(Soz.). Altcna-Jserloh». Spiegel(Soz.) 17 703, Müller(Vp.) 13 480, Brünemann(Wirtsch. Vg.) 10 963, Witt(Dcmokr. Vg.) 1772, zersplittert 39. Stichwahl: Spiegel(Soz.) 20 848. Müller«Vp.) 18 276. Olewählt: Spiegel(Soz.) Bisher: Müller(Vp.). Tortmund. Dr. Erdmann(Soz.) 43 838, Bickhoff(Z.) 25 708, Dr. Leidig(Natl.) 25 285, Chociszewski(Pole) 6878, Dr. Eickhoff (Wirtsch. Vg.) 1570, Braun(Dcmokr. Vg.) 717, zersplittert 20. Stichwahl: Dr. Erdmann(Soz.) 54 000. Bickhoff(Z.) 43 000. Gewählt: Erdmann(Soz.) Bisher: Bömclburg(Soz.). Provinz Hannover. Osnabrück. Beran(Z.) 14 416, Stöve(Natl.) 12 772, Vesper(Soz.) 8017, Graf v. Hoensbroech lVp.) 1304, Niehaus(Kons.)' 933, Freiherr v. Scheele(Welse) 771, zersplittert 6. Stichwahl. Gewählt: Stöve(Natl.). Bisher: Tr. Bitter(Z.). Der Krieg. Vom tripolitanischcn Kriegsschauplätze. Tripolis, 25. Januar.(Meldung der Agenzia StefaNi.) In der Nacht zum 24. d. M. entstand ein kleiner Alarm, weil einige Räuber eine Familie in der östlichen Oase von Tripolis überfallen und zwei Eingeborene verwundet hatten. Gestern griff eine arabische Kavalleriepatrouille einen italienischen Beobachtungspostcn chör G a r g a r e s ch an,' wurde über sofort zurückgeschlagen. Die Berteidigungswerke in Gargaresch sind nunmehr vollendet. Meldungen ans H o m 3 berichten, daß die Türken am 22. und 23. d. M. einige Kanonenschüsse gegen die italienischen Stellungen abgaben, die jedoch keinen Schaden anrichteten. Wie aus B e n g h a s i gemeldet wird, fanden bort vorgestern einige Vorpost engefechte statt, in denen die Beduinen und Türken geschlagen wurden. Sie hatten 150 Tote und Verwundete. Tic Italiener hatten keine Verluste. Die Kmlutloit in Cbina. Juanschikai will Peking verlassen. London, den 25. Januar. Nach einer Depesche aus T i e n t s i n bestätigen geheime Meldungen die Gerüchte, nach welchen Juanschikai beabsichtigt, Peking bei der ersten sich bietenden Gelegenheit z u verlassen und in der britischen Konzession von Tientsin Wohnung zu nehmen. Die Mandschu fahren fort, sich den Absichten Juanschikais zu widersetzen. Dieser soll seinen alten Truppen Befehl erteilt haben, sick unverzüglich nach der Hauptstadt zu begeben, um etwaigen Ereignissen die«Stirne bieten zu können. Man.meldet aus Peking, daß sich nur 2000 Soldaten gegenwärtig in der Hauptstadt befinden und daß, wenn ein Angriff auf die Europäer und die Amerikaner ausgeführt würden, eine Garantie für das Leben und Eigentum der letzteren nicht gewährleistet werden kann. Die Maudschn-Dhnastie wünscht japanische Hilfe. Peking, 25. Januar. Im Laufe einer geheimen Sitzung haben mehrere Prinzen und der Regent die Kaiscrinmuttcr gebeten, die H i l f e I a p a n S an zu rufen, um die Revolution wirksam zu unter.drücken. Die Kaiserin steht diesem Vorschlag günstig gegenüber «md beauftragt die Prinzen, sich mit den Vorbesprechungen zu be» 'chäftigen. Mitglieder deS Kabinetts stehen jedoch dieser Mitteilung feindlich gegenüber und gaben ihre Absicht kund, zu demissionieren. Ferner wird berichtet, daß von Beginn der revolutionären Bewegung an die Japaner den Mandichus ihre Nnterstlltzung angeboten haben. Meuterei kaiserlicher Truppen. Peking, 24. Januar. Nach einem chinesischen Bericht haben 1000 Mann kaiserliche Truppen in Hsianghangfu, nord- «vestlich von Hankan, gemeutert. Die Vorsichtsmaßregeln zur Sicherheit JUanschikaiS werden weniger streng gchandhabt. Tie Aufregung läßt nach, da die Gerüchte, daß Japan die MandschnS nnterstützen werde, weniger Glauben finden. Tim der Partei. Zu den bayerischen Landtagswahlen. Im 6. Nürnberger Land- tagSwahlkreise ist dir Kandidatur frei geworden, nachdem der bis- herige Abgeordnete Genosse Rollwagen in Augsburg aufgestellt ist. Eine Partciversammlung, die am Mittwoch in Nürnberg stattfand, beschloß in geheimer Abstimmung, den Genossen Schneppen- Horst in Nürnberg als Kandidaten zu. nominieren. Ter Tätigkeitsbericht des deutschen sozialdemokratischen Klubs im österreichischen A b g e o r d n e t e n h a u s e über' die letzte Sommer-, und Herbsttagung ist soeben erschienen. Tie bürgerlichen Abgeordneten l>altcn es nicht für nötig, ihre Wähler über ihre Tätigkeit auszuklagen, GcwerkfchaftUcbes. Berlin und Qmgegend. Tie Berliner Fleischer im Jahre 1S11. In der am Ticnstag abgehaltenen Generalversammlung des Zentralverbandcs der Fleischer erstattete der Ortsvorsitzende Ber.gmann den Jahresbericht für 191l. Er bezeichnete das Jahr als ein für die Organisation in jeder Hinsicht günstiges. ES ist nicht nur die Organisation erstarkt, sondern es war ihr auch mög- lich, mit Erfolg für die Verbesserung der Lohn- und Arbcitsver- Hältnisse zu wirken. Tie jahrelange, mühevolle Agitations- und OrganisationSarbcit beginnt jetzt Früchte zu tragen. Die Mit- glicderzahl, die sich am Schlüsse des Vorjahres aus 876 belicf, ist bis zum Schlich des Jahres 1911 aus 1372 gestiegen. Leider ist die Fluktuation immer noch recht erheblich. Von den im Laufe des Jahres neu Eingetretenen sind nur ein Drittel dem Verbände treu geblieben. Hier mutz also die Agitationsarbeit noch kräftig be- trieben werden. Entsprechend der gesteigerten Mitgliederzabl sind auch die Einnahmen gestiegen. Die Zahl der verkauften Beitrags- marken steigerte sich von 26 569 auf 45 889. Die meisten Mitglieder haben ihre Beiträge voll bezahlt. Die Gesamteinnahmen sind von 7896 M. im Jahre 1919 auf 15 654 M. im Jahre 1911 gestiegen. Der Kassenbestand hob sich von 1128 M. auf 1658 M. An Unter- stützungen wurden im ganzen 4819 M. ausgegeben.— Der Erfolg der Organisationsarbeit zeigte sich unter anderem auch darin, daß 129 in Arbeit stehende Kollegen den 1. Mai durch Arbeitsruhe feierten. Ein Resultat, wie es vordem noch nie verzeichnet werden konnte.— Mehrere Streiks in einzelnen Geschäften konnten teils mit vollem, teils mit geringem Erfolge durchgeführt werden. Der Arbeitsnachweis des Verbandes besetzte 482 feste und eine größere Zahl Aushilssstcllcn. Im Laufe des Jahres wurden mit 22 Arbeit- gebcrn, bei denen 399 Kollegen beschäftigt sind, Tarifverträge ab- geschlossen. Die Anerkennung des Arbeitsnachweises findet beim Abschluß der Verträge fast inimer den lebhaftesten Widerstand der Arbeitgeber.— Das Vcrsammlungslebcn war sehr rege und der Besuch der Versammlungen im allgemeinen gut.— Die Sektion der EngroSschlächter hat nicht die wünschenswerte Entwickclung ge- nonimcn. Die EngroSschlächter sind schwer siir die Organisation zu haben. Die Verbesserungen, welche der Verband auf dcni Schlacht- Hofe durchgesetzt hat, sind den Engrosschlächtcrn sehr willkommen gewesen, aber von einer Bewegung zur Verkürzung der Arbeits- zeit wollen sie nichts wissen, obgleich sie eine längere Arbeitszeit haben, wie irgendeine andere Arbeiterschicht.— Die Sektion der Darmarbeiter macht gute Fortschritte.— Alles in allem kann der Vorstand mit Befriedigung auf das abgelaufene Jahr zurückblicken. Der Bericht wurde ohne Debatte entgegengenommen.— Hierauf wurde die Neuwahl der Ortsvcrwaltung vorgenomnien. Jni weiteren Verlauf der Versammlung gedachte Bergmann einer Nachricht, die kürzlich durch die bürgerliche Presse ging. Da- nach hat die Feier des 69lljährigen Bestehens der Innung mit einem Defizit von 1199 M. abgeschlossen. Seitens des Jnniingsvorstandes wird zwar das Vorhandensein eines Defizits bestritten; aber einer Berichtigung gegenüber hat das Blatt, welches die Nachricht brachte, die Richtigkeit seiner Meldung aufrechterhalten. Es soll vorgc- kommen sein, daß Jnnungsmitgliedcr nur diejenigen Billetts ab- gerechnet haben, deren Inhaber das Fest besuchte», während sie die Beträge der Billetts, deren Käufer keinen Gebrauch davon machten, nicht mit in Abrechnung stellten.— Ferner ging der Redner auf die Zustände in der kürzlich errichteten Jnnungskrankcnkassc ein. Es sei alles eingetroffen, was man hinsichtlich der Benachteiligung der Versicherten vorausgesagt habe. Krankenhauspflege werde in Fällen, wo der Arzt sie angeordnet habe, von der Kasse verweigert, in anderen Fällen cigeumächtig abzukürzen versucht, und in einem Falle sei es vorgekommen, daß die Kasse nur die Hälfte der entstandenen Krantcnhauskosten bezahlte und sich wegen der andere» Hälfte vom Versicherten verklagen lasse. So habe die Jnnungs- krankcnkassc schon in der kurzen Zeit ihres Bestehens bewiesen, daß die Versicherten bei ihr wesentlich schlechter wegkommen wie in der Ortskrankcnkassc.___ Die Zigarrenarbciterbewegung in Groft-Berlin. Noch imnier weigern sich eine Anzahl von Zigarrenfabrikanten ihre gezahlten niedrigen Lohne aufzubessern. Noch imnier werden in Berlin Zigarren für 5 M. das Tausend eingerollt und zwar bei W a l e n d a in der Seestraße. Auch Krunimhaucr, Neue Hochstr. 9, sowie Kirchhof in der Putbuscr Str. 34, scheinen konsequent jeder Tarifierung, jeder Einigung aus dem Wege gehen zu wollen, sehr zum Schaden einer sich vorbereitenden Gesundung der Branchen- Verhältnisse am Orte, sowie vermutlich zu ihrem eigenen Schaden. Aucki wäre es für Herrn Sonnabend, Alexanderstraße, nachgerade au der Zeit, seine Außenseiterstcllung endlich"aufzugeben. So hoch sind dort die Löhne wahrhaftig nicht, daß eine Aufbesserung derselben den Fabrikanten am Lebensnerv träfe. Denn schließlich ist ja auch sein Käuferpublikum in Arbeiterkreisen zu suchen. Dem sollte doch schon aus Klugheit Rechnung getragen werden. Arbeiter, Parteigenossen, fragt bei Euren Zigarrencinkäufen nach den grünen Plakaten, unterschrieben Alwin Schulze. Beachtet die Veröffentlichungen im»Vorwärts". Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. veutkcbes Reich. Freisinniges Schwindelmanöver gegen eine Gewerkschaft. Das freisinnige.Oschatzer Tageblatt" meldet, daß der Kassierer des Transportarbciterverbandes für Leipzig, Bernhard Liebnitz, nach llnterschlagung von 399 M. Vcrbandsgeldcrn flüchtig geworden ist. Diese Meldung ist vollständig aus den Fingern g e- sogen. Die Filiale Leipzig des Transportarbeiterverbandes hat weder einen Angestellten, noch einen Kassierer oder Hauskassierer, ja, nicht einmal ein Mitglied diese? Namens. Die Meldung, die sofort von der liberalen„Zitlauer Morgenzeitung" nachgedruckt wurde und nun tvahrscheinlich die Runde durch die'bürgerliche Presse machen wird, ist also glatt erfunden.__ SattlerauSsperrung. In Stettin wurden bei der Firma Stove r, Automobilsabrik, 49 Sattler wegen Differenzen bei den Stellmachern ausgesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Aussperrung der Schuhmacher in Wermelskirchen. Die Arbeiterinnen bei der Firma Jserhardt u. Kattwinkel, Schuh- fabrik, hatten Lohnforderungen gestellt und, weil die Firma in keiner Wrile Entgegenkommen zeigte, halten sie die Kündigung eingereicht. Der Verband der Schuh- und Schäflefabrikantcn verlangte, ohne auf die angebotenen Unterhandlungen einzugehen, die bedingungS- lose Zurücknahme der Kündigung. Das wurde von den Arbeitern und Arbeiterinnen abgelehnt, worauf dann die Aussperrung von an- nähernd 399 Arbeitern erfolgte. Damit haben die Fabrikanten einen schweren wirtschaftlichen Kampf heraufbeschworen. Es wird ersucht,. den Zuzug streng fernzuhalten. Husland. Intervention der Regierung im Kohleugräberstreik des Borinage. Man meldet unS aus Brüssel unterm 24. d. M.: Gestern fand eine Beratung beim Ministerpräsidenten Brocquevillc statt, au der der Arbeitsminister, die Arbeiterabgeordneten des Streikgcbiets, ferner Vandervelde und Denis, sowie der Kammerpräsident Cooreman teilnahmen. Der Kabinetts- chef machte die Zusage, beim Präsidenten der Unternehmer- organisation zu intervenieren, um eine Lösung herbeizuführen, im Fall des Scheiterns wären andere Maßnahmen zu ergreifen, um zu einem Resultat zu kommen. Der sozialistische Deputierte Pepin, der den Streikenden diese Eröffnungen machte, äußerte sich schließlich sehr optimistisch über den Ausgang des Streiks. Einige Elablissc- inents werden demnächst, wenn der Streik fortdauert, schließen, da die ausländische Kohle für ihre Oefen unbrauchbar ist. Auch in, Haushalt ist die Kohle rar— allen voran leiden natürlich die Ar- beiter selbst unter dem Mangel. Berantw. Redakteur: AlbertWachs, Berlin. Inseratenteil verantw.:" Sencbts- Zeitung. Der Abschluß einer Liebcstragödie. Unter der Anklage der gefährlichen Körperverletzung hatte sich der 13jährige Arbeiter Richard Rösler vor der 1. Strafkammer des Landgerichts III zu verantworten. Der Angeklagte unterhielt seit längerer Zeit mit der 17 jährigen Arbeiterin Berta Frohloff aus der Gleimstraße ein Liebesverhältnis. Er trug sich schon seit längerer Zeit mit Selbstmordgedanken, weil er keine Lust�zum arbeiten hatte, irotzdem aber Geld zum amüsieren haben lvollte. Am 22. Septem- bcr v. I. veranlaßte er die F. mit ihm einen Ausflug nach Tegel zu unternehmen. In der Nähe des Schloßparks erklärte er dem Mädchen, daß er keine Luft zum Leben mehr habe und er deshalb sterben wolle. Auf seine Frage, ob sie mit ihm sterben wolle, habe die F. nach seiner Behauptung eingewilligt. Vor Gericht behauptete das Mädchen jedoch, daß sie ihn weder aufgefordert, noch sich einverstanden erklärt habe. Nachdem der Angeklagte allen möglichen lheatralischen Mumpitz unternommen hatte, zog er einen Revolver hervor und gab auf die F. zwei Schüsse ab. Die eine Kugel drang in das rechte Auge der F., während die andere in dem Arm stecken blieb. Als das Mädchen blutüberströmt zu Boden sank, war es auch mit seinen selbstmörderischen Absichten vorbei. Er ließ das Mädchen liegen und lief nach Tegel, wo er sich der Polizei stellte.— Vor Gericht war der Angeklagte geständig, behauptet aber, daß er die Schüsse auf das ausdrückliche und ernstliche Verlangen der F.. die übrigens auf einem Auge erblindet und zeitlebens entstellt ist, abgegeben habe.— Mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte ein recht frevel- Haftes Spiel mit einem Menschenleben getrieben habe, erkannte die Strafkammer dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf zwei Jahre Gefängnis._ Ein tragischer Unglücksfall, der wieder einmal durch das unvorsichtige Umgehen mit S ch u ß w äffen entstanden ist, beschäftigte heute unier Vorsitz des LandgerichtsratS B r i e s k o r n die 19. Strafkammer des Landgerichts L Wegen fahrlässiger Tötung war der Buchhalter Erich 11 1 b r i ch angeklagt. Der Angeklagte war mit dem Buchhalter Ge recke zusammen in dem Bureau der„Eleltro-mechanischcn In- dustrie-Gesellschaft m. b. H." angestellt. Eines TageS brachte der ebenfalls im Bureau angestellte Schreiber Müller mehrere un- geladene Revolver mit, von denen er einen für sich behielt, während ein anderer von Gerecke gekauft wurde. Am nächsten Tage, dem 8. November v. I., erklärte Gerecke, daß ihm der Revolver zu schwer iei und er lieber den von Müller erworbenen Revolver haben wolle, da dieser leichter sei. Der Angeklagte wurde nun aufgefordert, die beiden Waffen in der Hand auf ihr Gewicht abzuschätzen, wobei ihm Müller in höchst fahrlässiger Weise verschwieg, daß er seinen Revolver inzwischen geladen hatte. Während der Angeklagte mit den beiden Waffen herumhantierte, entlud sich plötzlich ein Schuß und der neben ihm stehende Heinle brach tödlich getroffen zusammen. Die Kugel war ihm in den Unterleib gedrungen und hatte nach wenigen Stunden den Tod zur Folge.— Die Anklage erblickte eine Fahrlässigkeit des Angeklagten darin, daß er sich nicht vorher davon überzeugt habe, ob die Waffe geladen sei oder nicht. Vor Gericht beantragte der Staatsanwalt mit Rücksicht auf die schweren Folgen der Handlungs- weise des Angeklagten ein Jahr Gefängnis.— Das Gericht erkannte auf nur einen Monat Gefängnis und beschloß auch, den Angeklagten der bedingten Begnadigung zu empfehlen. )?us der frauenbewegung. Tas Zölibat der Staatsbeamtiunen. Während bei dem öffentlichen Unterrichtswesen Italiens das Vorurteil gegen die Anstellung verheirateter Frauen nie Fuß gefaßt hat, so daß sowohl an den Gemeindeschlilen als an den vom Staat abhängigen Mittelschulen verheiratete Lehre- riniien angestellt sind, will die Telephon Verwaltung ab- s o l u t nichts davon wissen, ihren weiblichen Angestellien die Ehe zu g e st a t t e n. Eine Kommission, die sich mit Re- formen im Telephonwesen beschäftigen sollte, hat sich ganz energisch gegen die Zulassung verheiraterer Frauen ausgesrochen. Sie konstatiert mit Genugtuung, daß außer Frankreich kein einziges Land verheiratete Telepbo- nistinnen ailstellt. Soweit sich bisher verheiratete Frauen unter den Telephonistiunen befanden, stand ihnen von Gcsetzeswegeu da? Recht zu, während der Schwangerschaft und Stillungsperiode in anderen Zweigen"der Verwaltung beschäftigt zu werden. Gegen diese Be- stimmung spricht sich die Kommission aus und schlägt vor, die Ehe nur dem t e l e p h o n i i ch e n Hilfspersonal zu g e st a t t e n, damit dem Staate nicht aus der verminderten Verwendbarkeit der Schwangeren oder Säiigeiiden unnütze Ausgaben(!) er- wachsen. Immer nobel, der Staat! Wenn erst in fünf oder zehn Jahren auch in Italien die Geburtenzahl zurückgehen wird, dann wird sich die Regierung natürlich zu einer ganz anderen Taktik bekennen. Einstweilen denkt sie nur an den Geldbeutel. kommunales. Tie Ttadtperordnetenversammlung saß gestcril zu Gericht über Polizeipräsident v. Iagows Herausforderung an die Bevölkc- r u n g Berlins. Tic Stellungnahme der Stadtverord- neten zu den beiden S ck) i e ß v c r f ii g u n g e n des Polizei- Präsidenten, zu der zwei im Sommer und im Herbst eingc- brachte Anträge der sozialdemokratischen Fraktion sie nötigten, hat nunmehr denjenigen Abschluß gefunden, der von dem Ehrgefühl einer etwas auf sich halten- den Gemeindevertretung als das mindeste erwartet werden mußte. Die Keckheit, mit der der Herr v. Jagow die Stadt- verordneten belehren wollte, daß sie in die ganze Angelegenheit nicht hineinzureden hätten, hat schließlich auch die Freisinnigen aufgepeitscht. Nachdem sie so manchen Fußtritt von„oben" her in Demut hingenommen haben, hat endlich Iagows plumper Junkerstiefel sie ein bißchen zur Besinnung gebracht. Die A b w e h r c r k l ä r u n g. die der Ausschuß vor- schlug, wurde vom Stadtverordneten Cassel und seiner Fraktion rückhaltslos unterstützt. Was Herr Cassel darüber ausführte, erkannte auch Genosse S t a d t h a g e n als durch- aus zutreffend an. Unser Redner rückte aber die Ueber- Hebung der Polizei und ihres Präsidenten noch in das rechte Licht in einer Schilderung der P o l i z e i t a t e n, die in neuester Zeit die Bevölkerung Berlins in berechtigte Erregung versetzt haben. In anklagenden Ausführungen, die die schmachvollen Uebergriffe von Poli- zisten, wie sie bei den„M o a b i t e r Unruhe n" vorge- kommen sind, niit schärfsten Worten geißelten, kam Stadt- Hagen zu dem Schluß, daß es gelte, die Sicherheit Berlins sicher zu stellen vor der Polizei. Ein Versuch des Oberbürgermeisters K i r s ch n e r, den Eindruck der Rede unseres Genossen abzuschwächen, fiel nicht ehr glücklich aus. Erfreulicherweise sprachen auch in der weiteren Debatte beinahe alle Redner sich für scharfe Zurück- Weisung der Jagowschen Ueberhebung aus. Nur tu der Gruppe, die Herrn Mommsen, den unterlegenen Reichstags- kandidaten der„Fortschrittlichst Volkspartei" für Berlin II, zu ihrem Führer hat, hielt utait es für passend, die Einmütig- keit zu stören. Herr Mommsen selber fehlte nieder Sitzung. Stadtverordneter K orte, der diesmal seine Stelle vertrat, erklärte niit schöner Offenheit, daß für die Stellungnahme der tzh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanftalt ss Versammlung ihm und seinen Freunden das Verständnis Volk» kommen abgeht. Nachdem zum Schluß Genosse Stadt- Hagen noch einmal klargestellt hatte, welches die Wirkung der Schießderfügungen sein ninß, wurde die A b w c h r e r- k l ä r u n g mit sehr großer Mehrheit a n g c n o m m e n. Die weitere Sitzung brachte noch manches Bemerkens- werte. Eine Anfrage der sozialdeinokratischen Fraktion, die sich auf die Unterschlagungen bei der Steuer- Verwaltung bezog, wurde von unserem Genossen Schneider begründet mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit ausreichender Kontrollmaßrcgeln. Die Auskunft des Stadtrats S a u ß e befriedigte, so daß auf Besprechung der- zichtet wurde. Zur Kenntnisnahme hatte der Magistrat den Stadtver- ordneten initgeteilt, daß er ihrem Ersuchen, zur Reichs- tagswahlWahlkartenzu versenden, nicht entsprechen könne. Ganz kurz vor den Wahlen erst hatte er diese Mit- teilung gemacht, und erst zwei Wochen nach dem Tage der Hauptwahl wurde darüber verhandelt. Genosse Pfannkuch hob hervor, daß der Magistrat aus Vorrat auch für spätere Wahlen ablehnen zu sollen geglaubt hat, wozu er durchaus keinen Anlaß gehabt habe. Auch hier kam es zu keiner Tis- kussiou. Ein Antrag des Magistrats, für ein Schüler- bootshans Geldmittel zu bewilligen, wurde einem Ausschuß überwiesen. Stadtverordneter R e i m a n n bc- mängelte, daß man den Charakter des dahinterstehenden Ver- eins gar nicht kenne. Genosse Leid wies darauf hin, daß schon die Tatsache der Aufsichtführung durch das Provinzial- schulkollegium genug sage. Auch er forderte namens der Fraktion Auskunft über manche Unklarheiten. Stadtschulrat Michaelis will im Ausschuß antworten. Ilm..vei'MSI'l5"°HSU! herrschte am Abend des dritten Stichwahl tages, wie an den Abenden des Hauptwahltages und der beiden ersten Stichwahltage, ein lebhaftes Treiben. Wieder füllten Hunderte von Genossen den weiten Raum des vorderen Hofes und harrten in froher Erwartung auf die Ankunft der Wahlergebnisse, um möglichst sofort Kenntnis davon zu erhalten und die Kunde neuer Siege in die Außen- bezirke der Stadt hinauszutragen. So oft der Redaktion wieder ein Telegramm mit Wahlergebnissen zuging, trat einer unserer Genossen an das geöffnete Fenster und verkündete vom vierten Stockwerk heraus init lauter Stimme, was der Tele- graph zu melden hatte. So niancher Jubelsturm brauste zu uns herauf und rührte an unser bewegtes Herz. Mit donnern- den Hochrufen begrüßten unsere Genossen die neuen Siege der Sozialdemokratie, von denen wir ihnen Kunde geben dursten. Auch Siege der„Fortschrittlichen Volkspartei" und selbst der „Nationalliberalen" lösten Beifall und Zurufe der Genug- tuung aus, wenn der Unterlegene ein Schwarzblauer war. Mit kräftigen Pfuirufen aber wurden die Meldungen be- gleitet, die über Siege der Schwarzblaucn berichteten. Zu stürmischen Kundgebungen kam es auch in der Ziminerstraße vor dem Hause des„Lokalanzeigers", wo sich dichte Massen ge- sammelt hatten und jeden Sieg der Sozialdemokraten mit freudigen Hochrufen feierten. Gegen II Uhr, als der Sieg des 110. Sozialdemokraten gemeldet worden war, marschiertep einige tausend Personen von der Zimmerstraße nach dem „V o r w ä r t s"-H a u s. Unter den Klängen der Ar,- beiter Marseillaise zogen sie durch die Toreinfahrt in den Hof, der die Flut der Nachdrängenden nicht zu fassen ver- mochte. Ein donnerndes Hoch auf die Sozialdemokratie brauste berauf, ein t a u s e n d st i m in i g c s G e l ö b nj s der Treue. Dann verließen die Massen in Ruhe das Haus und zerstreuten sich rasch. Die auf der Straße bereit stehende Polizei bekam nichts zu tun. J*ctzU Nachrichten. Rücktritt Aehrenthals. Wien, 26. Januar.(P. T.) Graf Aehrenthal wird wahr- scheinlich morgen, jedenfalls aber noch im Laufe dieser Woche sein Rücktrittsgesuch überreichen, welchem auch mit Rücksicht auf seinen leidenden Zustand stattgegeben werden wird. Wir erfahren hierzu von zuständiger Seite, daß der gewesene Handelsminister und langjährige Referent für auswärtige Angelegenheiten in der österreichischen Delegation, Marquis de Baequehm, mit seiner Vertretung betraut werden wird. Marquis de Bacquehm wird wahr- schcinlich auch der definitive Nachfolger des Grafen Aehrenthal sein. Verschollenes Schiff. Hamburg, 25. Januar. lH. B.) Von dem zur Reederei A. G. von lW6 gehörigen Segelschiff„Orla", welches am 16. Oktober von N c w c a st l c nach Coquimbo in Chile mit einer Stückgutladung ✓ und 2 2 M a n n B c s a tz u n g abgegangen war, fehlt bis heute jede Nachricht. Das Schiff ist weder gesehen, noch von irgend einer Seite angesprochen worden. Die gewöhnliche Reisedauer zwischen Newcastle und Coquimbo beträgt 49 bis 59 Tage; das Schiff ist aber bereits seit 191 Tagen unterwegs. Die Besorgnis um das Schiff wird von Tag zu Tag größer. Krieg im Frieden. Rom, 25. Januar.(H. B.) Während der Versuche, die der Artillericleutnant Bontemprelli heute auf dem Militärslugfcldc von Vigna del Volle vornahm, um Bomben für Flugapparate zu prüfen. erfolgte eine Explosion, durch die der Offizier schwer verletzt wurde. Ihm wurde der rechte Arm teilweise abgerissen. Nach An- legung eines Notverbandes brachte man den Verunglückten in dos Spital. Man befürchtet, daß er kaum mit dem Leben davonkommen dürfte._ Wie„Väterchens" Henkersknechte. Cettinje, 25. Januar. Ueber 199 politische Verurteilte, die in Podjoritza inhaftiert sind, haben gemeutert. Sie beklagen sich über die schlechte Behandlung und daß man keine Acrzt» zu ihnen lassen will. Die meisten der Gefangenen waren an der Bombenaffärc von 1997 beteiligt. Bandenwesen im Wilajet Kosovo. Konstantinopel, 25. Januar. lW. T. B.) In G u s i n j e und P l a v a sind schwere Unruhen ausgebrochen, so daß Militär dort- hin gesandt werden mutzte. In einem Dorfe bei Jstip warf eine fünfzehn Mann starke Bulgarcnbande drei Bomben, von denen eine platzte; drei Einwohner des Torfes wurden getötet, mchrerc verwundet. Ein Geiidarm wurde ermordet aufgefunden. In ciiicui andern Torfe bei Jstip lourde» durch sechs Bomben mehr als zwanzig Personen, darunter drei Soldaten, ge- tätet.___ aul Einger 5 Co., Berlin SV/7"Hierzu 2 Beilagen u.UnterhaltungSbl.� Dr. 21 29. ZahrMg. 1. KeilGe des Jitmätts" ßerlintt WsdlÄ. M-S, 26. JitMß 1312. Stadtverordncten-Verfammlung. 3. Sitzung Vom Donnerstag, den 2S. Januar 1912. nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Michelct eröffnet die Sitzung nack Uhr. Es findet zunächst die Einfuhrung und Verpflichtung des wiedergewählten �tadtv. Ho ff mann(Soz.) statt. Schießerlaffe des Polizeipräsidenten. lieber die Ausschutzberatung der Anträge Arons(Soz.) aus Juni und September läll, betr. die Verfügung des Polizeipräsi- deuten vom 20. Juni wegen Erleichterung im Gebrauche der Schutz- warte der Schutzmannschaft, und betr. die im Anschlutz daran anl u. August verfügte Strafandrohung an jeden Schutzmann, der z u > P a t von der Schußwaffe Gebrauch macht, berichtet � Stadtv. Spcndig(A. L.): Der wesentliche Inhalt der Verhand- »ungen sowie das.,Gchei!n!"-schrciben des Herrn v. Jagaw an den Magistrat ist bcrettS mitgeteilt. Der Ausschutz hat die An- �age AronS(die Verfügungen für ungesetzlich zu erklären und «schritte zu ihrer schleunigsten Aufhebung zu tun) abgelehnt, da- gegen folgende Resolution vorgeschlagen: „Da die Ausübung der Polizei in Berlin die gesamte Stadt- gemeinde und ihre Einwohner in höchstem Matze interessiert, so legt die Versammlung gegen die im Schreiben des Herrn Polizeipräsi- oenten an den Magistrat vom 24. November 1011 ausgedrückte Auf- fassung, datz sie, wenn sie sich mit der Ausübung der Polizei be- fatzt, die ihr im Z 35 der Städteordnuiig gezogene Zuständigkcits- grenze überschreitet, hiermit nachdrücklichst Verwahrung ein. Die Stadtverordnetenversammlung bedauert, datz in der Ber- fügung des Serrn Polizeipräsidenten vom 6. August 1911 die Be- k'rafung jedes Schutzmaiines, der zu spät von der Schutzwaffe Ge- brauch mache, angedroht ist, weil dies einen unter Umständen nicht gebotenen, zu frühzeitigen Gebrauch von der Schutzwaffe mitzvcr- stand I ich herbeiführen kann, zumal auch ohne eine solche Androhung die gebotene Abwehr gewalttätiger Angriffe, ausreichender Schutz der Bevölkerung� vor Misseloten, sowie der erforderliche Schutz der Beamten der Schutzmannschaft bei Ausübung ihres Amtes sich polizeilich erzielen lassen mutz. Die wünschenswerte Mitwirkung der Bevöikerung in der AuS- ribung des schweren Amtes der Schutzmannschaft wird um so mehr stattfinden, se mehr die Ueberzeugung gerechtfertigt ist, datz nach- drucklich dafür gesorgt wird, datz Ausschreitungen und Uebergrisfe bei den erforderlichen Rcprcssivmatznahmcn vermieden werden." Stadtv. tkalsel(A. L.): Wir stimmen dem Ausschuhantrage zu. Die Rechtsanschauung des Polizeipräsidenten mutz als rechts- irrtümlich und rechtswidrig aufs nachdrücklichste zurückgewiesen werden. Die Gemeinden und Gemeindebehörden dürfen .ium Gegenstände von Eingabe» alles machen, was die Pflege der gemeindlichen Verhält. asse betrifft, das ist tvicderholt vom iüberverwaltungsgericht ausgesprochen morde»; bätte der Polizeipräsident diese Entscheidungen berücksichtigt, so hätte er nicht dazu «uonen betragenden Teil von der Stadt ausgebracht werden. Die r-lrasandrohulig für zu späte Anwendung der Schutzwaffe halten »vir geradezu für verhängnisvoll. Nicht Matznah mcn zum Schutz der Bevölkerung und der Schutzmannschaft bekämpfen »vir; aber eine solche Verfügung mutz dahin führen, datz die Schutz- Istute zu schnell� van der Schutzwaffe Gebrauch machen. Wir bedauern daher diese Verfügung, deren Unzwcckmätzigkeit und Ge- fahr die Presse aller Parteien fast einstimmig betont hat. Die Auffassung, datz die Dreimillioncnstadt Berlin nur durch schärfstes Eingreifen der Polizei vor dem Apachentum bewahrt werden könne, weisen wir im Interesse des Ansehens der Berliner Bevölkerung entschieden zurück; auch in Berlin herrscht Gesetz und l echt, und die Bevölkerung im großen und ganzen ist friedfertig und Gewalttätigkeiten abgencigt. Der To� des Schreibens ist mit einem starken Hauch des beschränkten Unter- taiicnverstandcs imprägniert- es ruft uns zu: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht! Dazu können wir nicht schweigen! Wir hoffen, datz unsere»lagen, wenn nicht beim Polizeipräsidenten, so doch bei den vorgesetzten Behörden einen Widerhall finden. (Beifall.) Stadtv. Stadthagcn(Soz.): Da alles Wesentliche und Notwendige in dem Ausschuhantrage enthalten ist, erscheinen Abändcrungsanträge über- flüssig; auch ich richte daher an die Versammlung die Bitte, �diesen Antrag anzunehmen. Könnte es noch zweifelhaft 'sein, datz hier die Vertretung der Bürgerschaft und der Schutzleute gegen den Polizeipräsidenten auftreten mutz, so ist der letzte Zweifel itaran durch das Schreiben des Herrn von Jagow be- scitigt. Ich unterschreibe alles, was der Vorredner darüber gesagt hat, und füge noch einige Gesichtspunkte hinzu. Herr v. Jagow meint, die Stadt habe kein Recht, sich um die Sicherheit und das Leben der Einwohner zu kümmern. Er vergißt, datz er und seine Leute bezahlte Beamte sind. Durch sein Schreiben gibt der Polizeipräsident zu erkennen, wie wenig er mit dem Gedanken der Selbstverwaltung einverstanden ist; er steht aus dem Standpunkt des FaustrechtS, des Avachentums, des Jndianertuuls. Wenn wir die indianischen Verhältnisse mit den hiesige» vergleichen wollen, dann kann man vielleicht von einem Apachentum der Schutzleute reden, aber nicht von einem Apachen- tum der Bürgerschaft(Zurufe.) Herr Kollege Ritter, Sie haben das Recht zu einer anderen Anschauung, aber Ihre An- schauung ist nicht zutreffend.(Große Heiterkeit.) Ich darf an die Moabiter Vorgänge erinnern, wie sie gerichtlich festgestellt smd. Wenn die Schutzleute, Polizeisergeanten und Polizeiofsiziere gegen das Publikum mit Ausdrücken vorgegangen sind, wie„Haut doch die alte Sau!",„Schweine- bände!",„Saubande!",„Räuberbande!",„Haut den Hund!",„R a u s, I h r H u n d e!"(Unruhe), so ist das Apachen- spräche. Oder:„Hure� mach', datz Du ruber kommst, sonst kriegst Du was mit dem Säbel!" usw.. das ist auch Apachensprachc. (Wachsend« Unruhe.) Ich verstehe es, wenn bei Ihnen über solche Apachensprachc der Schutzmannschaft Empörung ausbricht; Herr Ritter ist jetzt hoffentlich überzeugt. Eine weitere Reihe von Aus- drücken, gebraucht von Polizeilcutnants gegenüber ehrbaren Bürgern und anständigen Frauen, ist zu schmutzig, um auch nur hier wiederholt zu werden. Und festgestellt worden ist auch die Tätigkeit von mit Gummiknöppeln ausgerüsteten Lockspitzeln, die die politische Polizei hinbeordert hatte, die den Ruf:„Blut- bundc!" ausstießen, und als sie van Schutzleuten verfolgt wurden, sich als„Kollegen" auswiesen, worauf die Waffen sich senkten! N'cht in ollen Fällen hat dieses„Sesam" geholfen; es hat auch Hiebe gesetzt, und schade um jeden, der da vorbeiging.(Heiter- keit.) Der anständige Teil der Schutzmannschaft mutz sich ja dieser Frechlinge, dieser Rohlinge schämen! Aber da kommt der Chef der Polizei und verlangt, man soll ihm dafür danken, daß solche Apachcnzustände nicht in der Bürgerschaft bestehen! Es wäre ja noch besser, wenn solche RoivdieS auch in der Bürgerschaft vorhanden wären! Der Polizeipräsident erklärt sich für„verant- wortlich" für Leben und Sicherbeit der Bürger. Will er vielleicht die Verantwortung übernehmen für die Fülle von Unrat in den vor- hin zitierten Ausdrücken? Will er sie tragen für die Roheiten, die wehrlosen Mädchen und schwangeren Frauen gegenüber vorgekommen sind? Will er die Verantwortung tragen für das Leben? Gut! Da war ein alter Arbeiter Hermann, der ohne jede Veranlassung von zwei Schutzleuten nicderge- schlagen worden und an den Folgen dieser feigen Brutalität verstorben ist! Dann mag der Polizeipräsident zur Staatsanwalt- schaft gehen und sich zum Büßen bereit erklären. Heißt das die Verantwortung tragen für das Leben der Bürger, wenn man nicht einmal die Polizeibeanitcn unter Anklage stellen kann, welche diesen ehrbaren Bürger zum Tode gebracht haben? Ja, wäre es etwa Herr StinneS gewesen, dann säßen die betreffenden Schutzleute wohl längst hinter Schloß und Riegel. Und auch zivilrechtlich will er ja doch die Verantwortung nicht tragen, denn die 5Uage der Frau Hermann wird ja abgewiesen! Was soll also diese Redensart? Datz in der„O b d a ch"- A f f ä r e der Polizei, wie Herr Cassel meinte, ein besonderes Verdienst gebührt, ist eine Legende, der ich entgegentreten mutz. Die Sache wurde durch unseren Inspektor, durch die Drogisten in Gang gebracht, und dann allerdings, nach- dem sihon eine Hekatombe von Leichen ausgehäuft war, von der Polizei weiter verfolgt. Dafür schulden wir der Polizei nicht den geringsten Dank; es war bestenfalls einfachste Pflichterfül- l u n g...Opfer" fordert allerdings der Sicherheitsdienst, das stimmt, aber er fordert Opfer vom Leben, von der Sicherheit, vom Eigentum der Bürgerschaft. Auch wer einem polizeilichen Verbrecher e ni g e p e n t r i t t, tut ein gutes Werk, erwirbt sich ein V c r d i c n st. Durch salche Verfügungen aber schützt man den eigentlichen Verbrecher; wer wird sich noch in Berlin als Zeuge anbiclen, wenn man in solchem Falle einfach mitangeklagt und vor Gericht geschleppt wird?(Zwischenruf des Stadtv. Kyll- kleines feuiUeton. Kcrschwiildcil die Salurnringc? Der französische Astronom Ca- mille F l a m a r i o n hat sich einem Mitarbeiter de?«Daily Tele- graph" gegenüber zu den auffallenden Beobachtungen, die in den letzte, i Wochen von verschiedenen astronomischen Observatorien an den Satururingen gemacht lvi rden, geäußert.„Saturn', so sagte er,„ist immer ein launischer Planet gewesen. Er ist der leichteste der Planelen und sortivährcnd Verändernnge» unterworfen. Die Launen des Salur» würden, seitdem er der Astronomie bekannt ist. den Stoff zu einem eigenaltigen Roman geben können. Ich erhielt von besreimdetei» Astronomen an den Observatorien von Setif und Kiel Meldungen über neue EntWickelungen in den Ringen. Nach meiner Aiisichl ist»ick'lS Erstaunliches darin, daß an de» Ringen des EatnrnS Peräiidernngeii vor sich gehe». Der Planet ist immer in Bewegung. Die Ringe werden nicht direkt in ihrer ganzen Oberfläche gesehen, sondern wir bekommen sie von der Erde immer nur schräg zu Gesicht, und der Wintcl, untor dem wir sie sehen, ist in den letzten Jahrhunderten immer kleiner geworden. Ich habe die astronomischen Berichte. Be- schreibiiügen, Beobachtungen und Zeichnungen in den letzten Löst Jahren und iveiter zurück studiert und gefunden, datz der Saturn in den Jahren 1stö7. 1799. 1851 lind 1882 vier verschiedene Grützen seiner Ring? darbot. Vielleicht kommen wir jetzt nur zu einer neuen Phoie dieser Entwickelung. Auf der Station von Setif wurde eine betiächtliche Verdunkelung der östlichen Vorderieile der Ringe beobachtet. Der VerdniiteliingSprozetz wurde um 11 Uhr lb Min. nachts am 29. Dezember starler, um Mitlernacht war die Erscheinung nicht mehr sichtbar, aber dann wurde die westliche Seile des äutzeren Ringes dunkel, und der innere Ring war kaum erkennbar. Am folgenden Tage war sein körniger Ba» deutlicher zu unterscheiden. Danu kam die Nachricht, daß da« Observatorium von Grcenwich am 12. Januar eine schillernde flockige Absonderung am äutzersten Ende der großen Lchie des hellen Ringes deS Saturn beobachtete, inid eine der Deutungen dafür war. datz dies die Vorbercilung für das völlige Verschwinde» oder die Auflökuiig dieses Ringes, weun nicht vielleicht ancki aller Ringe, wäre. Gegenwärtig lätzr sich jedoch, be- vor nicht vollständige gute Photogiaphicn erzielt sind, uich'.s Ab- schließendes über die neue Erschriiiung sagen.— Bis nicht weitere Tatsachen ans Licht kommen, bin ich geneigt zu glauben, datz einfach der Winkel, unter dem wir de» Planeten und seine Ringe sehen, merklich kleiner geworden ist, sodaß sich uns ein ganz neuer Anblick darbietet. Aber auch wenn die Ringe sich auflösen oder auf den Planeten fallen sollten, so ist es nicht wahrscheinlich, datz dies auch nur die leiseste Wirkung aus andere Planeten habe» würde.' Das SiegeSdenkmal dcS AugustuS. Ueber ein merkwürdiges Momiment ans der Römcrzeit teilt I. C. Formigä in«La Aatnre" folgendes mit: Aar einem, zu Savoye» gehörenden, 45V Meter Hohe» Felsen über der Bai von Monaco erheben sich, mitten im Dorf La Turbie die Ruinen des Siegesmonuments, das der römische Senat dem Kaiser Augustus im Fahre 5 v. Chr. zur Erinnerung an seine Siege über die Alpcnvölter errichten Uetz. Das Denkmal stand genau an der Grenze zwischen Italien und Gallien. Es hat allerlei schlimme Schicksale zu Röerftehen gehobt. Im Mittelalter wurde es in einen befestigten Wartturm verwandelt und erhielt gotische Zinnen. Unier Ludwig XIV. wurde es in die Luft gesprengt, iveil es die Strotze nach Italien beherrschte. Seither diente eS lange Zeit als Steinbruch, besonders zu einem Kirchenbau. Nach der Annexion SavoyenS bat die französische Regierung für die Erhaltung dcö Denkmals gesorgt und seil IststS lietz die Gesellschaft für archäologische Ausgrabungen Äibeiten vornehmen, die jetzt abgeschlossen sind. Man hat jetzt eine« lleberblick über die ursprüngliche Anlage. ES war ein Bau in drei nach oben verengte» Etagen. Die zwei unteren waren qnadratförmig, die obere kreisförmig und von einer Kolonnade von 24 Säulen umgeben, die einen Aussatz in Form einer Kegel Pyramide rrugen, ans der ein Standbild des Augustin stand.— Die Ausgrabungen haben den grötzken Teil der Slulpluren und Reliefarbeiten und den lvichtigsten Teil der WidmungS- inichrift zutage gebracht.— Die Trophäe des Skilgustus ist kuust- historisch namentlich darum von gtvtzer Bedeutung, weil sie die einzige Ruine ist. die eine genaue Vorstellung von jener Gattung von Monumenten gibt. Von den bekannten antiken Bauresten lveist das unter dem Namen„Das Grabmal des Christus" bekannte Grab JubaS II. in Algerien gewisse Llehnlichkeite» mit ihm auf. Auch eine Berivandtschaft mir den Grabdenkmälem des Llngnstus und Hadrians in Rom ist vorhanden. Wenn man dem Zeugnis des älteren PliniuS Glaube» schenken will, war das Urbild aller dieser Bauten das berühmte Mausoleum in Kleinasien, daS zu den sieben Welt- wundern gerechnet wurde. Eine Riesenlokomotive, vielleicht die grötzle de: Welt, ist jetzt für die Peimsylvania-Eiseiibah» fertig gestellt worden, um dein Frachtverkehr aus den steilen Bahnstrecken in den �Bergen des westlichen Pennsylvanien zu diene». Die Gesamtlänge einschlietzlich des TendeiS beläuft sich auf nicht weniger als Ist Meter, das Gewicht bei ganzer Ausstattung auf 669 000 Pfund. Die schwerste Maschine für Perioneiiziige hatle bisher ein Gewicht von 420 000 Pfund, Ter „Jobn Bult", die erste Lokomotive in Pennsylvanien, wog im: 25 000 Pfund; die neue Maschine ist mit 4 Zylindern lind 10 Triebrädern ausgestattet. Der Tender kann fast 40 000 Liter Wajjer nnd 30 000 Pfund Kohle aufiiehmcii. Eine Moschee in London. AuS London wird berichtet: Ein Konntee von reichen nnd einflußreichen Mohammedaiiern in der englischen Hauptstadt hat sich gebildet, um die staiiliche Summe von zwei Millionen siir den Bau einer Moschee in London auszubriilgen. die bei der ständig wachsenden Zahl von Mohammedanern in England längst zu einem Btdiirfnis geworden ist. Ein geeigneter Bau- platz im Zentrum der Stadt ist bereits in Aussicht genommen und der Bau soll„dem Ruhm des Islam und der Grötze des Reiches würdig" gestaltet werden. Die Moschee soll ein Gebäude von typischer orientalischer Pracht werden, und es sollen sich ihr andere anschließen, mann.) Ich erinnere bloß an die Gerichtsverhandlung, die sich 1895 hier in Moabit abspielte, wo ich den Polizeiprandenten b. Windheim als Zeugen hatte laden lassen; was damals.eu- gestellt wurde, reicht mehr als aus, um Herr» Kyllmann zu über- zeugen, datz ich nicht„ü b e r t r e i b c". � m„ Durch die Verfügung vom 5. August ist eine Verschärfung der bestehenden Vorschriften herbeigeführt, deren Eesetzinätzigleit mm- destens sehr zweifelhaft ist. Ich bedaure, datz wir dieser Verfügung gegenüber nur das Mittel der öffentlichen Besprechung haben; wir werden allerdings bei der EtatSberaiung zu ermessen haben, wie weit wir etwa durch Verweigerung des Polizeietnis einschreiten können. Der ganze Vorgang zeigt wieder, wie nötig die> Ueberwagung der Polizei auf die Stadt ist; dann würde eS nicht nicht möglich sein, a l s Zeugt handelt oder gar i n S I r r e n h a n S gesteckt zu um Die Sicherheit Berlins muß sichergestellt werden vor der Poli� vor dem Polizeipräsidenten. Nehmen Sie deshalo den Ausschutz antraganl Oberbürgermeister Kirschner: Ich habe zunächst festzustellen, daß ich mit dem Polizeipräsidenten nicht telephonisch, sondern per- s ö n l i ch unterhandelt habe. Dabei habe ich erfahren, datz der Ausdruck«geheim" nur besagen sollte, datz das Schreiben ohne Vermittelung von Burcaubeamten direkt an m i ch g e l a n g c n sollte. Alle die eben gehörten Ausführungen scheinen mir mit dieser Sache in keinem Zusammenhang zu stehen.(Widerspruch und Beifall.) Wenn so rohe Schimpfworte wirklich von Polizeiorganeu gebraucht worden sind, wenn solche AnSichreilungen slaUgefunden haben, so haben sie mit diesen Erlassen nichts zu tun.(Widerspruch.) Der Polizeipräsident hebt hervor, datz hier in Berlin sich ein Apachentum entwickelt: damit meint er nicht die Bürgerschaft, sondern jene Elemente, die man als Apachen bezeichnet, und» legt dar, datz cs seine Aufgabe ist, dagegen vorzugehen. Jeder w flp e it. pltjct und Itchct Griff war. diesen Talsachen gegenüber gerade diese Erlasse zu erlassen, darüber lätzt sich ja sehr streiten.(Sehr richtig.) Aber es ist eine schwierige und ernste Aufgabe, in der Grotzstadt nach dieser Richtung erträgliche Zustände zu �schaffen. Den Debatten können wir entnehmen, datz wir alle bemüht sein müssen, Hand in Hand auf diesem Gebiete vorzugehen. Ist eine nicht sachgemäße Matzregcl getroffen werde», so kann man das bedauern, aber das Endziel dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Stadtv. Gslland(A. L.): Herr» Stadthageu gegenüber müssen wir unsererseits gerade feststelle», datz die Berliner Polizei ihrer Aufgabe gewachsen i st und wir ihr Au» erkennnna schulden. In einer„gottgewollten Abhängigkeit" von der Polizei steht aber die Stadtgemeinde keineswegs; sie hat sich auch Um die ideellen nnd kulturellen Zwecke zu kümmern, so weit diese in de» Rahineii der gemeindlichen Verhältnisse fallen. Stadtv. Knauer(fraktionslos) legt den Nachdruck darauf, datz die Lersügimg Unruhe in die Schutzmannschaft tragen mutz, daß es angezeigter gewesen wäre, auf eine bessere Auslese für das SchutzmaiinSmaterial zu dringen. Die Verfügung gehe e n r- schieden zu weit und spreche durchaus gegen das allgemeine Gefühl.(Beifall.) Stadtv. Körte(Fr. Fr.): Die Mehrheit unserer Fraktion mutz leider der Resolution die Zustimmung� versagen. Wir sind erstauiit, datz ein Redekünstler wie Herr Stadtbagen behaupten kann, die Erlasse richteten sich gegen die Sicherheit der Bürgerschaft. Wir haben Elemente, wie sie hier in Wahrheit gemeint sind, in Grotz-Berlin tatsächlich in nicht zu knapper Zahl. Die Bürgerschaft mutz alles tun, um ihr Verhältnis zu den Polizei- beamien möglichst gut zu gestakten, wie es z. B. in London der Fall ist; davon sino wir leider weit entfernt. Wir schließen uns dem vom Oberbürgermeister Gesagten an. Swdtv. Goldschmidt(N. L.): Alles in allem kann man hier doch nur sagen, datz das Ganze eine Entgleisung des PolizciprSstdentr« ist. die man von einem gebildeten� Mann« nicht erwarten sollte. Die R«de des cstadtD. Stadthagen halte wohl den Zweck, stach autzeri die erwähnten Vorgänge parteiagibatorisch zu per- werten. Auch Herr Körte hätte wohl besser getan, sich für die Resolution zu entscheiden, wie wir cS tun. stadtv. Dr. Nathan(Fr. Fr.): Als„Karikaturist" konnte Herr Stadthagen gar nicht besser sprechen, als er gesprochen hat. Eine Minderheit von uns steht völlig auf dem Standpunkt des Kollegen die eine Bibliothek, ein Lesezimmer und einen VortrogSsaal enthalten werden. Es wird so ei» islamitisches Zentrum inr Herzen der englischen Hauptstadt geschaffen, dessen Hauptaufgabe es sei» soll, junge Mohammedaner, die zeitweilig sich in England aufhalten, gegen die Versuchungen, denen sie hier ausgesetzt sind, zu Ichütz-n.(?) Humor und Satire. Nach den Wahle». Jetzt ist die wilde Zeit vorüber, nun bat die liebe Seele Ruh-- des Bürgers Blick wird wieder trüber, ihm fallen beide Augen zu. Im Wahlkampf blusen die Trompeten mit Pflichtgefühl und viel Getös— Attacken selten, meist Retraiten— er meint es nänikich nicht so bös. Den Braven schüttelt ein Gehuste, er kann nicht mehr, er ist so matt; schon fehlt cs an der nötigen Puste, weil er sich überanstrengt hat. Wir wollen ihn ins Bettchen stecken. E r schläft und die Regierung wacht.. i So letzt ihn ruhen. Nur nicht wecken!— . Wir wünschen ihm'ne Gute Nacht I . u r t. Notizen. — T h e a t e r ch r o n i k. Das RussisSeBallett-Gast. spiel im Theater deS Westens ist bis einschließlich Sonn- abend, den 3. Februar, verlängert worden. � r"".? b= r® c" 4 fch c n Naturwissenschaftlichen Gefellschaft spricht Freitag, den 2«. Januar, 8l/„ Uhr Dr.«. Berg über den„ManSfeldcr Kupfetschieferbergbou ic.d Statzsiul- Schönebecker Kali- und Steinsalzbcrgbau" im Hörsaal Bruimenstr. 181, 3. Oucrgebäude 1 Treppe. — Die fixe Kritik. DaS Schweriner Hostheater hatte für Sonntag, den 14., die Erstaiifsnhriing der Oper„Des Moielgreickuu" angesetzt, mutzte aber wegen ciueS Krankheitsfalles die Vorstellung um acht Tage verschieben. In der„Deutschen Montags-ffciiuua" vom 15. las man folgende Notiz:„Das Moselgrctcheu" grimm e gestern, wie unser Korrespondent telegraphiert, mit schönem Ec so' i» am Schweriner Hoftheater zur Uraufführung. Der Grotzherzcc, wohnte der Vorstellung bei und sprach dem anwesenden Dichter und Komponisten, wie auch dem Dirigenten seine besondere Anerkc.i- tying aus." A ES ist aber auch wirklich rücksichtslos von dem Schwerm-r Theater, datz es dem Berliner Blatte die Verschiebung nicht anzeigte Tasscl. Der Polrziipräsl�ciü seht sich auch mit Vn Oberpräsi-- dcnten durch sein Schreiben in Gegensatz, denn letzterer bat die Bcrhandlung des Gcgcnsiandcs in unserer Bersammlung nicht beanstandet. Wir tzaiten auch die Ausführungen des Oberbürger- nreisters für unzweckmäßig. Andererseits protestieren wir gegen 'das„von oben herab" in dem Schreiben; wir haben von dein Polizeipräsidenten keinerlei Belehrung derart entgegenzunehmen. Stadtv. Gaffel bleibt gegenüber den Ausführungen von Stadt- Hagen und Körte bei seiner Meinung stehen. Pariser Apachen- zustände existierten in Berlin nicht. Stadtv. Stadthage»: Wenn Kollege Körte bestreitet, daß sich die Verfügung gegen die Sicherheit der Einwohner richtet, so ist die Absicht der Vcrsügung natürlich nicht dahin gerichtet, wohl aber gebt die Wirknug dahin: das war der Sinn meiner Ausführungen. Lwrr G o l d s ch Iii i d t ließ durchblicken, als ob ich zuviel gesagt bättc. Ich kann behauvlen: wenn wir auf jeder Polizeiwache Kinematagraphen und Phoiiograplien hätten, dann würoen alle Schneifel über die dort verübten Mißhandlungen— und das sind Verbrechen— verstummen. In dem Moabiter Prozeß war auch von den Streikbrechern, den Hintzebrüdern, die Rede; da wurde fcstgdstcllt, daß diese Leute, die man allenfalls als Apachen be- zeichnen kann, wehrlose Arbeiter niedergeschlagen haben; trotzdem ist bis heute eine Auklage nicht erhoben worden. Ich bedaure sehr, daß Herr Körte mit mehreren Kollegen sich abseits stellt; es liandelt sich hier loirklich um die Sicherheit unserer Mit- bürzcr. und da sollten wir einig sein. Ich wünsche den Herren nur, daß sie Gelegenheit haben, einmal an ihrem eigenen Körper die Wirkung dieser Verfügung zu verspüren.(Große Heiterkeit.) Ter Ausschnsmntrog wird mit großer Mehrheit angenommen. Tie Vorlage betr. Umbau und Erweiterung der Pumpstation deS RadialshstemS VIII per Kanalisation beantragt der niedergesetzte Ausschuß mit Rücksicht auf das neue erheblich billigere Angebot der B. E. W. abzulehnen und den Magistrat zu ersuchen, mit den B. E. W. erneut zu ver- handeln. Die Versammlung beschließt demgemäß, nachdem Stadl- baurat K r a u s e zugestimmt hat. Tie jugendlichen Arbeiter der städtischen Straßenreini- gung sollen vom 1. April 1912 ab in die städtische Pflichtfort- bildungSschuke ausgenommen werden. Tie Vorlage betreffend den Verkauf einer Baustelle an der S o n n e n b u r g e r S t r a ß e wird vom Stadtv. ToltSdorf (Soz.) bemängelt und Ausschußberatung beantragt. Aach kurzer Erörterung wird dieser Antrag abgelehnt und die Vorlage an- genommen. Die zur Turchlegnug der Josthstraste von Mendelssohnstraße bis Neue Köniastraße erforderlichen Grundstücke Asendelsohnttr. 3 und Neue Königsir. 19 sollen, da die Besitzerinnen unVerhältnis- mätzig hohe Forderungen stellen, im Enteisnungsversahren erworben werden. Zur Verbreiterung drr Neuen Königstrafie soll von dem Grundstück 91/64 eine zirka 589 Quadratmeter große Fläche für 229 OOO Mk. freihändig erworben werden. Beide Vorlagen werden zusammen beraten. Tic Stadtverordneten Brunzlow(A. L.) und Knauer treten für Ausschußberatung ein. Stadtv. Manaffe(Soz.) Hütte die einfache Enteignung am lieb- sten gesehen, ist ober auch bereit, in einem Ausschuß beide Vor- lagen noch näher zu prüfen. Speziell beanstandet er, daß in dem Kaufpreis von 226 996 M. schon der Wertzuwachs enthalten sein soll; auch hinsichtlich der Grundstücke an der Meudclsohnstraße macht er eine Reihe von Bedenken geltend. Nach kurzer Erwidc ag des Stadtrats Rast wird die Einsetzung eines Ausschusses beschlossen. Am 23. Dezember 1911 haben die Stadtvv. Dr. Arons und Genossen(Soz.) die Anfrage an den Magistrat gerichtet: „ob Vorkehrungen getroffen sind, um die Wiederholung von B o r k o m m n i s s e n in den städtischen Steuer bureaus zu verhüten, wie si- aus Anlaß des Prozesses L ü d i ckc zutage getreten sind." llnterm 8. Januar er. hat sich der Magistrat zur Beantwortung bereit erklärt. Stadtv. Schneider(Soz.): Wir haben die Frage gestellt, weil der Magistrat durch das Nachrichtenamt an mehrere Zeitungen Werichiigungen ergehen, ließ, die uns nicht befriedigt haben, und weil auch der Obmann der Geschworenen, Verleger H i l l g e r, im„Berliner Tageblatt" dazu Siellung nahm.(Nebncr verliest die Ausführungen des Herrn Hillger.) Das kann also mit dem vom Meigistrat Berichteten nicht ganz stimmen. Das Nachrichten- amt schreibt von„Versuchen", die gemacht worden sind;„Versuche" ab-er�gebcn uns noch leine Garantie. Stadtrat Sausse: Es ist selbstverständlich eine unserer vor- nehmsten Pflichten, dort zuzugreifen, wo sich Mängel zeigen, und bessere Einrichtungen an die Stelle zu setzen. Tie Interpellation ist aber wohl weniger ans diesem Zweifel heraus geboren, als mit Rücksicht auf gewisse Besorgnisse, welche anscheinend in weiteren Kreisen entstanden sind. Die Vorkommnisse des Falles Lüdicke haben den Magistrat schmerzlich berührt, und er bedauert diese Ereignisse; aber man geht zu weit, wenn man darin symptomatische Vorgänge erblickt. Es handelt sich hier um Fälschungen ■Ii ö d» st raffinierter A r t, um Fälschungen, die auch in staatlichen Institutionen vorkommen, mw die Hoffnung, daß solche überhaupt aus der Welt verschwinden, ist nur gering. In einem Jahre hatte Lüdicke nenn Flüschüraen mit Erfolg durchgeführt, cr hat ganze Aktenstücke samt ivn Unterschriften vorzüglich gefälscht. Durch eine Ungeschick i:e.. llc■, regte er Verdacht, und die Sache wurde aufgedeckt. Die•- Av-wageii selbst kann man nicht verhindern, cibcr es muß verhindern i rden, daß sie in den Gc- schästsgang gelangen. Da lieg de„ Mangel einer hinreichend organisierten Kontrolle vol. 189� i\i verfügt worden, daß Etats- kontrollen bei der Steuervcrwoltung nicht mehr zu führen seien. Hier habe ieh mit neuen Ticherungsmaßnahmen einsetzen zu müssen geglaubt; dieselben sind seit neun Monaten in Ueüuug und haben siw, wie icll annehmen darf, bewährt. Ich bitte: lassen Sie sich durch den Fall Lüdicke nicht in Ihre« Vertrauen zur städtischen Stcuerverwaltung wankend machen. Stadtv. Heimann(Soz.) erklärt zur Geschäftsordnung: Wir erkennen an, daß durch die Antwort des MagistratLkommissars der Zweck unserer Anfrage zunächst vollkommen erreicht zu sciitz scheint. Wir legen daher auf Besprechuug der Interpellation keinen Wert. Ter Gegenstand ist damit erledigt. Au, 5. Januar d. Jvhat der Magistrat der Versammlung mit- geteilt, daß er ihrem Beschlüsse wegen Versendung amtlicher Wahlkarten z» den Resch-tagswahlen nickt zu entsprechen vermöge, da die Zeit nicht ausreiche, um zirka 52! 999 Karlen mit der crsorderlicheu Zuverlässigkeit berzustelleu und rechtzeitig zu versenden. Aver auch prinzipiell l'ätle der Magi- st rät davon Abstand genommen, weil erkahruugSaemäß damit ge- rechne: werden, müsse, daß die Anberaumung des Wabltcrmins künftig mit einer so kurzen Frist erfolgt, daß eine solche Versendung schlechterdings u n m ö g l ich ist. Stadtv. Pfanntüch(Soz.): Die Auskunft, die wir von dem Magiitrotskomucissar am LI. Dezember 19! 1 erhielten, ging dahin. daß die Möglichkeit der Versendung der Aahlkaricn vorhanden sei. Run kann sich ja der Stadirot geirrt haben, und das Magistrats- Kollegium, hat in seiner höheren Weisheit ib,? eines besseren belehrt. Der Magistrat nimmt aber auch für die Zukunft eine ablehnende Haltung cn:. Diese weitere Aeußcrung des Magistrats kann ich mir nur dadurch erklären, daß man der Wiederkehr eines solchen Antrages die Spipe abbrechen will. Es wird davon ausge- gangen, daß der Aahltcrmin in zu kurzer Frist anberaumt worden est. Ist denn der Magistrat über die Absichten der Acichsreaierung so genau unterrichtet' Er sollte doch zunächst abwarten, stmt schon jetzt zu warnen und vorzubeugen; das hätte er sich ersparen können. Das Verzeichnis der für iLlL zur Neu-»der Umpflastrruns in Aussicht genommenen Straßen legt der Magsstrak Es?. Die i Vorlage geht an einen besonderen Pflasterausschuß., Iii Frankfurt ä. M. findet in diesem, Jahre da? 17. Deutsche Bundes- und. Goldene Jubiläums- Schießen statt.' Der Magistrat beantragt die Gewährung einer Ehrengabe von 1999 M. Die Versammlung stimmt zu, Für die Benutzung des neuen Schülerbootshauses in Niederschöneweide sollen 12 699 M. in den Etat für 1912 eingestellt werden. Stadtv. Reimann(A. L.) beantragt, die Vorlage dem„Zlusschuß für Zuwendungen an Vereine usw." zu überweisen. Stadtv. Leid(Soz.): Für 9 städtische Slnstalten soll hier ja 1499 Vi. Zuschuß geleistet werden. Wir haben an sich nichts einzuwenden gegen die Förderung von Ruderbestrebungen, aber wir müssen Klarheit haben. Es heißt u. a.: Diese Vereinigung steht unter der Verwaltung des P r o v i n z i a l s ch u l- kollegiumS; ferner handelt es sich hier um 9 städtische und zwei staatliche Anstalten. Wenn wir schon diese Zuschüsse leisten, so will es uns nicht recht in den Kopf, daß einzig das Provinzial- schulkollegium die Veewaltung haben soll. Die Ausgabe soll ferner eine dauernde sein; wieviel Schüler nehmen denn an dieser Veranstaltung teil? Nach meiner Information ist die Zahl eine recht geringe. Unier welchen Bedingungen haben die einzelnen Schüler das Recht, sich an dieser Vereinigung zu beteiligen? Es scheinenden, c Reihe Kautelen zu bestehen, Leistungssähigieit de s Schülers und Genehmigung des Direktors kommen an- scheinend in Frage. Stadtschulrat M' lis stimmt der Ausschußbcratung zu, welche darauf beschk wird. Für die Nordlinien der städtischen Straßenbahnen ist die Be- schaffung von 15 Anhängcwagen sowie die Erbauung einer i vierten Wagenhalle und eines Lagerhauses auf dem Depotgrund- stück Kniprodestraße erforderlich. Die Kosten sind auf 362 599 M. berechnet und sollen aus Anleihcmitteln entnommen werden. Die Vorlage wird genehmigt. Für die Vorlage betreffend den Erwerb zweier Grund- st ü ck e, die dem Erziehungsverein zum Grünen Hause an der Müller- und Edinburgcr Straße gehören, für den BMriebsbahn- hos der Nord— Südbahn beantragt Stadtv. Dr. Arons(Soz.) Aus- schußberatung, um nochmals zu versuchen, mit dem Verein evtl. ein Tauschgeschäft abzuschließen. Nach längerer Debatte wird demgemäß beschlossen und der Aus- schuh sofort vom Borstande ernannt. Schluß gegen 9 Uhr._ Da» Geheimnis von Dabendorf. In der gestrigen Sitzung berichtet zunächst der Sachverständige Hofbüchsenmacher Barella über einige Schießversuche, die er auf Anregung der Bericidigung angesiellr hat. Unwillkürliche Heiterkeit wurde durch die Aussage der Zeugin Frau Werner ausgelöst, die folgendes bekundet: Eines TageS be-> gegnete mir Kolbe, cr breitete die Arme aris und wollte mich so begrüße». Ich sagte aber: Kolbe, lassen Sie mich, ich habe vor Ihnen Angst. Daraus sagte Kolbe: Vor mir brauchen Sic sich nichl zu fürchten, ich tue keiner Frau etwas. Daß ich de» Hund tot- geschlagen habe, da habe ich nur einer armen Frau beigestanden. Ich habe ihn nicht totgeschossen, sondern totgeschlagen. Wir wollten ihn zuerst vergiften, aber es ist uns dreimal nicht gelungen. Geld habe ich genug, aber es darf niemand etwas davon wissen. Ich sagte ihm darauf: Llber Kolbe, wie konnten Sie bloß so etwas machen? Darauf antwortete er: ES ist ganz einerlei! Ich habe einer unschuldigen Frau beigestanden, aber ich'habe seitdem keine Ruhe mehr und schrecke des Nachts oft aus. Ich habe der Frau Behm schon gesagt, cS wäre besser, wenn ich sie nicht kennen ge- lernt hätte, sie bat mich aber beruhigt und gesagt: Ich werde Sie nicht vergessen; seit 19 Jahren suche ich schon jemand, der mich von ihm befreit, und nun habe ich endlich jemand gesunden! Die Zeugin schließt ihre Aussage mit dem Bemerken: Beim Fortgehen sagte Kolbe zu mir:„So, nun gehen Sie hin und zeigen Sie mich an", aber beweisen kann mir niemand etwas." Eine Frau Kahn, die bei Frau Behm gewaschen hat, bekundet einige Vorfälle, die auf einen vertrauteren Verkehr der beiden An- geklagten hindeuten. So ist cr cineS Tages bei Frau Behm in Friedrichshagen erschienen und die Tür wurde sofort geöffnet, als er dreimal geklingelt hatte. Frau Behm hielt Ihm vor. daß cr ja doch nicht kommen solle, darauf soll cr geantwortet haben: „Ich kann kommen, wen» ich will!" Kolbe Hab? dann, während die Zeugin aus kurze Zeit wegging, mit Frau Behm eine Unterredung gehabt, und als die Zeugin wieder zurückkam, soll Frau Behm verweinte Augen gehabt haben. Tie Zeugin ivill auch mehrfach gehört haben, daß Kolbe die Frau Behm geduzt hat. Unter den weiter vernommenen Zeugen sagte der Zeuge Stein- Hause» aus, daß er eines Tages unter einer Laube ein zusammen- gerolltes Stück Teppich vorgefunden habe, welches anscheinend Blut- stecke zeigte und von dem Zeugen bei der Behörde abgeliefert wurde. DieS Teppichstück war das Mittelstück eines Teppichs, der in Taben- dorf in der Wohnung des Behm gelegen hat. aber in drei gleiche Teile zerschnitten worden ist. Dieses Teppichstück spielt in der ganzen Strafsache immer wieder eine besondere Rolle. Frau Behm behauptet fort und fort, daß der Teppick schon von ihrem Manne zerschnitten worden fti, weil er schon schlecht war und das abge- schnittene Mittelstück von ihm zu seiner Bienenzucht Verwendung fand. Die Anklage steht aus dem Standpunkt, daß dieser Teppich in dem Zimmer gelegen habe, in dem Behm wahrscheinlich erschossen worden sei, daß dabei Blut ans das Mittelstück des Teppichs geflossen sei und Frau Behm aus diesem Grunde das Teppichstück versteckt babc. Es folgen scbr eingehende Darlegungen des Sachverständigen Dr. Paul Frankel vom Institut der StaatSarzneikunde und des Gerichtschemikers Dr. Iescrich über die sorgfältigen Unter- suchungen deS Teppichstücks auf Blutflecke. Beide haben neben ver- schieden«, Blutflecken, die von Tierblut herrührten, auch einige Flecke von Menschenblut festgestellt. Tr. Iescrich hat außer- dem auch das Tierblut untersucht und hat feststellen können, daß es sich nm Ziegcnblut und Taubenblut handelt. Der Vorsitzende teilt weiter mit, daß von dem RegierungSrat Dr. Moll vom Statistischen Amt, der die Disziplinarsache seinerzeit geführt, ein Schreiben eingegangen sei. Darin wird darauf hin- gewiesen: in Dabendorf sei das Gerede, daß ausfälligerweise der Angeklagte Kolbe auf der Parzelle des Schankwirts Beetz einen etwa 3 Meier tiefen Brunnen nachträglich zugeschüttet bare.— Bors.: Angeklagter Kolbe, haben Sie dort vielleicht die Leiche ver- graben?— Bngetl.: I wo!— RechtSanw, Dr. Fiirle beantragt, sofort telephonisch Anordnungen zu treffen, um an Lrt und Stelle an dem Brunnen nachzugraben.— Angell. Kolbe schließt sich diesem Antrage an.— Ter Vorsitzende ordnet an, daß sofort telephsnisch Aliwcisungcil ergehen, damit der Brunnen ausgegraben wird. In- zwischen soll die Verhandlung fortgesetzt werden. Vors.: Angeklagte Frau Behm, können Sie uns sagen, wie das Blut wob! auf den Tcppich gekommen sein mag?— Angckl. Vehm: Das weiß ich nicht. Tic vom Vorsitzenden entworfenen Schuldfragcn lauten bezüglich des Kolbe aus Mord bczw. Totschlag, bezüglich der Behm aus Anstiftung bezw. Bcgüllsiigung des Täters nach dem Verbrechen. Staatsanwalt Braut verweist darauf, daß der den: Spruch der Geschworenen unterbreiteie Strafsall ganz erhebliche Schwierig- leiten darbietet, weil die Leiche des verschwundenen Behm trotz aller Bemühungen nicht gefunden werden konnte und Frau Belnu bei den ersten Vernehunmgen auf jede Frage eine unverfängliche Antwort hatte. Die Staalsanwaltscha-t bat seinerzeit die Ange- klagten außer Vemolguiig gesetzt, weil die damals vorhandenen Beweistatsack«: nicht ausreichend waren. Tann wurden m dem Disziplinarverfahren gegen B-ehm Zeugen eidlich vernommen und i da stellten sich Talfachen heraus, ffie es«tsezelgl erfcheknen ließen, i die Untersuchung wieder zu eröffnen. Beispielsweise war doch die neue Tatsache zu verzeichnen, daß das Teppichstück im September 1911 erst gefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft erhob aber wieder nicht die?lnllage, weil nack> Lage der Akten die Beweise nicht ausreichend erschienen und weil sie der Meinung war, daß, wenn möglicherweise später die Leiche doch noch gefunden würde, jederzeit wieder ein neues Verfahren eingeleitet werden kann und dies unmöglich würde, wenn auf Grund der bisherigen Bcwe.se die Geschworenen zu einem Freispruch kommen würden. Die Er- öffnungSkanlmer war aber.anderer Ansicht und so haben nun die Geschworenen ihren Spruch zu fällen. Ter Staatsanwalt plädierte des weiteren gegen Kolbe auf Schuldig des Totschlages und gegen Frau Behm anj Schuldig der Begiinslizung des Täters nach be- gangcnem Bcrlireche», um ihn der Strafe zu entziehen. Daß Behm tot ist, sca doch nicht zweifelhaft, denn es lag für ihn gor lein Grund zum Weggehen vor. Er müßte ja auch ohne Subsistenz- mittel, ohne Uhg, ohne ausreichende Kleidung,, ohne Mitnahme seines BankbucheS weggegangen sein. Für einen Selbstmord liegen keinerlei Gründe vor, wenn er sich in dem See hätte ertränken i wollen, dann würde cr sich die gualvollste Art des Selbstmordes ausgesucht haben, denn er würde schon in dem Moor langsam untergegangen sein, ehe er in das Wasser kam. Nach der Beweis- aufnähme muß als erwiesen gelten, daß Kolbe den Behm getötet hat. Er ist Schuldig zu sprechen, ohne Zubilligung mildernder v»stände. Was Frau Behm betrifft, so wird sie durch ihr ganzes Verhalten außerordentlich belastet. Das Märchen von dem Entfliehen vor ihrem Manne in den Wald, das Stürzen in daS Kaninchenloch ist ihr nickst zu glauben. Dazu kommen viele auffallende Aeußerungen, die Tatsache, daß sie bald nach dem Verschwinden des Mannes alles verkaufte und damit zeigte, daß sie an ein Wiedererscheiucn desselben nicht glaubte und endlich die vielen Widersprüche und offenbaren Unwahrheiten, auf denen sie ertappt wurde. Der Staatsanwalt rommt auch bei dieser Angeklagten zu dem Antrag auf Schuldig. Rechtsanwalt Dr. Fürler Die Geschworenen stehen nicht nur bar einer schwierigen, sondern vor einer unmöglich zu lösenden Aus- gäbe. Das Geheimnis von Dabendors wird durch ein Urteil, welches auf Grund dieser Beweisaufnahme gefällt wird, keinesfalls gelüftet, denn der ganze Prozeß leide an vielerlei Bedenklichkeiten. Es handelt sich hier um eine Tat. von der wir überhaupt nicht wissen, ob sie wirklich passiert ist. Wir sind durch die Verhandlung keinen Schritt weitergekommen, sondern stehen auf demselben Standpunkt, wie seinerzeit der Staatsanwalt und die Eröffnungskammer: die Schutdbewcise reichen absolut nicht aus! Der Verteidiger zerpflückt in längerer Darlegung die einzelnen Indizien und verschiedenen Zeugenaussagen und kommt zu dem Schlußantrage, den Kolbe frei- zusprechen. Nach einer Pause ergriff Rechtsanwalt Dr. Schwindt, als Ver- leidiger der Angeklagten Frau Behm, das Wort zu einem mehr- stündigen Plaidoher. Er wies auf die Absonderlichkeit des ganzen vorliegenden Strafverfahrens hin, indem er ausführte, daß noch kein deutsches Schwurgericht jemals eine Mordanklage vergandelr hätte, bei welcher überhaupt nicht einwandssrci festgestellt sei, daß der angeblich Ermordete wirklich tot ist. Die andere Eigentüm- lichkeit dieses Versahrens besiehe darin, daß die Staatsanwaltschaft zweimal es abgelehnt Hot. gegen die beiden Angeklagten vorzugehe». Der Verteidiger geht sodann des längeren aus die einzelnen Er- gebnisse der Beweisaufnahme ein. Das Rätsel von Tabendorf werde sich so einfach nicht— vielleicht aber auch niemals losen lassen. Er beantrage deshalb die Verneinung der Schuldfrage und die Freisprechung der Frau Behm. Inzwischen war aus Dabendorf bei dem Vorsitzenden der tele- graphische Bescheid eingetroffen, daß die auf Grund des Briefes des Regterungsrats Moll vorgenommenen Nachgrabungen in einem von Kolbe zugeschütteten Brunnen keinerlei Resultate ergeben haben. Diese Nachgrabungen, die trotz des dort noch festgeftorencn Bodens bis in mehrere Meter Tiefe erfolgten, forderten keinerlei ver- dächtige Dinge zutage.— Die Beweisaufnahme wurde nunmehr formell geschlossen. Kolbe, zum„letzten Wort" vcrstattet, erklärte auf die Frage, ob er noch etwas zu sagen habe, kurz und bündig: „Nein!", während Frau Behm nochmals unter Tränen ihre lln- schuld beteuerte und nm ihre Freisprechung bat. Nach 2 lü stündiger Beratung verkündete der Obmann der Ge, schworenen den Walirspruch. Sämtliche Schuldfragen»mirden ver- „eint. Das Urteil lautete demgemäß auf Freisprechung der beiden Angeklagten._____ Gerichts-Zeitung. AuS der Krippe deS„Vaterländischen FraucuvcrelnS Friedenau" berichtete der„Vorwärts" im Juni vorigen Jahres über den Tod eines unehelichen Kindes Zicmke, das um Mitte Januar im Alter von damals etwa vier Wochen durch Vermittelung der Gemeinde diesem Säuglingsheim in Pflege gegeben worden war. Das Kind war von Januar bis Juni ununterbrochen Tag und Nacht in der Pflege der Krippe geblieben, hatte anscheinend längere Zeit hindurch in- folge von Verdauungsstörungen gekränkelt und starb dann in der Krippe ver den Augen der Großmutter, die gerade gekommen war, um ihr Enlelchen zu besuchen. Als die Großmutter den ihrer Meinung nach sehr elenden Zustand deS KindcS bemerkte, geriet sie in Erregung und äußerte später gegenüber einigen Personen in kräftigen Worten ihre Ansicht über die in der Krippe herrschenden Zustände sowie im besonderen über die ihrem Enkellind zuteil gc- wordene Pflege. Wegen jener Aeußerungen. durch die der Landes« assessor Firnhaber und ein Fräulein Toulhsen als Mitglieder deS Vorstandes vom„Vaterländischen Frauenverein Friedenau" solvie ein Fräulein Bache als damalige Leiterin der Krippe sich beleidigt fühlten, hatte gestern die Großmutter sich vor dem Amtsgericht Bcrlla-SchSnc- bcrg zu verantworten. Frau Ziemke wurde beschuldigt, gesagt zu haben, der Bereit stecke die 19 999 Mark, die für die Krippe ewgekonuuen seien, lieber in seine Tasche, statt den Kindern ordentliche Nahrung zu gebend die armen Würmer bekäme» täglich dicke Buttermilch, würden dann morgens eingepackt und müßten so den ganzen Tag liegen, wie wenn sie lebendig begraben wären. Bezüglich des eigenen Enkels, der in der Kripps verstorben war, sollte Frau Z. behauptet haben, infolge unzureichender Pflege sei er bei seinem Tode halb verfault gewesen. Mit diesen allerdings recht starken Ausdrücken wollte die überaus erregbare und anscheinend sehr nervöse Frau offenbar nur sagen, daß in der Krippe des Vaterländischen FrauenvereinS trotz erheblicher Mittel die Pflege zu wünschen übrig lasse. Aber die in Frage kommenden«Mitglieder des Vorstandes hielten cS für unbedingt nötig, die töricht über- treibende» Redensarten als bittere Kränkung' und schwere Be- lcidigung zu verfolgen und die Frau auf die Anklagebank zu schleppen. Vor Gericht verlief dann die Sache sehr einfach, weil die Beweiserhebung sich auf Bernebnumg der von der Anklage. behörde geladenen Zeugen beschränkte. Die Angeklagte Frau Z. blieb dabei, daß in der Krippe dir Pflege unzulänglich gewesen sei. im übrigen bestritt sie. sich in der ihr zur Last gelegte: Form ge- äußert zu haben. Eine Frau Schocn, die in der Krivve das Amt einer Pflegeschlvester mncgehabt hm, wußte nur auszusagen, daß Frau Z. beim Anblick ihres eben gestorbenen Enkels es als un« erhört bezeichnet habe, alles einer einzigc» Schwester zuzumuten. Auf Befragen gab Zeugin an, die Krippe habe i» der Regel 15 bis 18 Kinder beherbergt, und gelegentlich seien auch bis 29 darin ge- ivesen. Zu der Zeit, wo sie selber die Stelle bei der Krippe übernahm, seien außer ihr nech zwei Dienstmädchen beschäftigt worden. Wieviel Dienstmädchen zurzeit des Ablebens jenes Kindes beschäftigt wurden, darüber äußerte Zeugin sich nicht. Eine BSttcdn fJrSuIeln Foih sag?« als Zeugs» au?, fie habe erfahren, datz Fran Z. da? verstorbene Kind al? schon„halb verfault" bezeichnet habe. Auch habe Frau Z. jene Acußerung von den„10 000 M." getan. Den Ausdruck„halb verfault" hatte Frau Z. gebraucht gegen- über dem Bormund de? StinbeS, einem Bibliothekar Hirsch, der da- vor Gericht bekundete. In der Krippe wurde dann Herrn Hirsch eine andere Darstellung gegeben. Zeuge gab an, daß er um da? Kind sich habe nicht kiimmcru können. Nachdem er am 18. Mai als Vor- rnund bestallt worden war, mußte er verreisen, und als er am 7. Juni zurückkehrte, erfuhr er au? der Zeitung von dem Tode de? Kindes, in dem er nun sein Mündel erkannte. Bezüglich der Todesursache stellte der Vorsitzende de? Gerichts fest, daß nach Ausweis der ärztlichen TodsSbescheinigung eine Erkran- kung an Mäzen- und Tarvikatarrh vorgelegen und diese zu einer Herzlägmung geführt habe. Nach der Aussage der Frau Schorn ist da? erkrankte Kind ärztlich behandelt und mit einer für schwächliche Kinder besonders präparierten Buttermilch ernährt worden. Die Angeklagte berief sich auf die von ihr benannten und vom Gericht geladenen Zeugen, die das tote Kind noch auf dem Friedhof besichtigt hätten und bekunden würden, daß e? zum Skelett abgemagert und ganz dnrchgeiegen, ja förmlich durchlöchert gewesen sei. D a S G e- richt lehnte die Vernehmung ab. Gewiß werde das kranl gewesene Kind nach dem Tode sehr abgefallen ansgesehen haben, aber die vorgeschlagenen Zeugen würden nicht beurteilen können, ob man da? ans'schlechte Pflege zurückführen müsse, und vor allem fehle der schlüssige Beweis für die BehanpUmg, daß das Kind.halb verfault" gewesen sei. Hiernach beantragte der Amtsanwalt eine Gefängnisstrafe von 1 Monat. Die Angettagte blieb in ihrem zur. Verteidigung ihr gewährten Schlußwort dabei, daß die Zustände in der Krippe sehr mangelhaft gewesen seien. Die Pflegeschwester selber habe darüber geklagt, daß sie überbürdet werde. Das Gericht kam zu dem llrteil, daß Frau Z., auch wenn sie als Großmutter des Krudes in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe, doch zu beftrasen sei, weil aus der Form ihrer dnrch M« lveweiSsrhAnmz UHÖcrtcgte* O» hauptungen die Absicht z« beleidigen sich erkennen lasse. ES fei kein Beweis dafür erbracht, daß daS Kind„halb verfault" gewesen sei oder daß der Verein„10 000 Marl" eingesteckt habe. Die beantragte Strafe von 1 Mouat Gefängnis müsse bei der Schwere der Be- leidigung, die gegen ein im Dienst der Nächstenliebe sich betätigendes Institut gerichtet sei, angemessen erscheinen. Marktbericht von Berlin am 34. Januar ISIS, nach SrmMelung dcS königl Polizeipräsidiums. M a r l t h a I l c n p r e i s e.(Kleinhandel) 100 Küograinm(irßfcti, gelbe, zum Kochen 0(5.00— 50,00. Speisebohnen weiße. 40,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln U, 00— 14,00. 1 Kilo. grainm Nindsleisch, von der Keule 1,60—2.40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,80 bis 1,80 S-bweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,50. Hammelfleisch 1.30— 2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 4,20—7,50. 1 Kilogramm Karvsrn 1,00—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,20—2,60, Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80—1,10. 60 Stück Krebse 3,00—24,00. Allen Genossen, Genossinnen, Kol» legen, Kolleginnen, Freunden, Der« wandten und Bekannten, die uns zu unserer Silber- Hochzeit so zahl- reich erlreut hoben, sagen ivir unseren herzlichsten Dank. 1701L Ernst Hoack u.Frau Swiiwmünder Sir. 68. Todes-Anzeigen Am Rliliwoch, den 24. Januar. verstarb im 30. Lebensjahre nach kurzem, schwerem Leiden meine| liebe Frau, unsere gut« Mutier Gipste Lachrnann geb. Schntolke, Steinmehstr. 15.| Dies zeigen iiesbcirübt an Karl Lachmaun j nebst Riuderu. Di« Beerdigung findet am I Sonntag, den 28. Januar, nach- mittag'! ,3 Uhr, von der Halle des I Luthcr-KirchhrfeS in Lankwih aus statt. 2627b j IZWSWZsssM?»!!!?»! tue«loa 2. Berl. ßeietoswalillfreis. (Bezirk 53. alt 67.) Am Mittwoch, den LI. Januar, I ! verstarb nach kurzem, lck)lvirem! f Leiden unser Mitglied Äupste Laclimanu | geb. Schrnolke, Steinmetzjtr. 15. Ehre ihrem Llndeulen! Die Beerdigung findet am I ! Sonntag, den 28. Januar,»ach. ! mitiags'Iß Ilhr. von der Halle! ! des Luther-Kirchhofes i» Laulmip> s aus statt. 2x7,5 j Um rege Beteiligung ersuch! vsKm SDZi�eoiokratiscIierWaiiiyereii! des 6. Beri. Reieiislass-WshlkreisesJ Am 23. Januar verstarb unser Genosse, der Arbeiter �eiclinit? Lortzingstraße 33. Ehre seinem Zlndeukei«: Die Bcerdiguim findet am s I Sonnabend, den 27. Januar, nach- ! mittag» 4 Uhr, von der Leichen- S halle des HimmelfohrtS» Kirch-! hoseS i» Nieder« Schöuhauseu. Nordend, aus statt. Um rege Bcicilizung ersucht 1224/17 Isvr- � BW Deulseiier Bauarbeiter-Mantli Sektion der Putzer. Unseren solrie den Mitglieder»! ! des Gesangvereins der Putzer! dicrmit zur Nachricht, daß unser{ | Ehrenmitglied Heinrich Lehmann (Bez. Südost) I am 23. Januar im 82. Leben». | jähre verstorben ist. 136/0 1 Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute z I Freitag, den 26. Jamiar, nach- mittags 30, Ubr, von der Halle I i des LittirchyoseS in Ahren.Sselde I I aus statt. Um rege Beteiligung ersucht l3ß/9 Oio Srtllosio Verzollung. dlS. Fahrgelegenheit jst vom I ! Sch.es. Bahnboj mit der Wriezener l ' Zahn, 2'/, Uhr, oder Siadibahn z bis Friedrschoselde und dort umsteigen. Oeutsctier I Transportarbeiter- Verband, j Bezirksverwaltung ufoS Berlin. Den Mitgliedeirr zur Nachrichl, dafi unser Kollege, der Verlade- arbeiier Hermann Lück am 22. Januar im"Uter von 25 Jahren»erstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fiudel morgen Sonnabend, den 27. Januar, nach- miliag« 3 Uhr, von der Leichen- balle de» Georgen- Kirchhofe» in Wciszensee, Rölkestratze, aus statt. Ziege Beteiligung wird erwartet. 6>/11 via Bezlrksverwalwng. Am 23. Januar verstarb nach i j lurzem, aber sehr schwerem Leiden mein verehrter Chcs. und unser| BerelnSwirt und Mitglied, der s f Ztestam'uteur widert ttenschke l Eilelstr. 16, Lichtenberg, nach eben | vollendetem 53. Lebensjahre. Ehre seinem Aiidcnken l Die» zeigen betrübt an Fräulen. stlnrle Strarh Lottcricvrrciu DallrSbrüdcr. Die Beerdigung findet heute! Freitag, den 26. Januar,»ach.f mitlag» 3'... Ilhr, von der Leichen- f Halle des LiÄlenbeiger Frieohois' in Marzahn aus statt. 2ü35b Ziigvcrbindung vomSchtefischen I B.ihnhos. Wriezener Bahnsteig Uhr 30?!in., j 2 Uhr 42 Min. von Lichtenberg i veutsober �etsItarbeiter-Verbandj Verwallungsstells Berlin. TodeHanzeSccn. Den Kollegen zur Nachricht. I daß unser Migtied, der Schmieds Karl Leichnitz I cm 23. Januar an Lungenleiden\ j gestorben ist. Tie Beerdigung findet am i I Sonnabend, den 27. Januar. nachmittags 4 Uhr, von derf I Leichenhalle de» Frieden»- Kirch- böses in Nieder- Schönhauser.- >-tordend aus statt. Ferner starb unser Mitglied, | der Schlosser Faul Michlcr am 24. d. M. an Lungculeiden. Tie Beerdigung findet am Sonnadend, den 27. Januar,! nachmittags 2',, Uhr, von der! Leichenhalle des L-tädttscheii Kirch. hoseS in der Seestraße. aus statt> Ehre ihrem A» denke» s Rege Betelligmig erwartet. III 6 Tie LrtSverwaltung.! «u» 24. d. Mtö. verstarb nach lang cm Leiden mein lieber Maut!, »user guter Vater,«chwtcgcr- und Großvater Lmil Ties zeigen tiesbelrübt an �ugazto Brook a. Fumilie. _ Tie Beerdigung findet ami Sonnabend, den 27. Jaiiuor, nach-I mittags 3 Uhr. von der Leichen- 1 balle der Markus- und Andreas- 1 Gemeinde in Wilhelmsberg aus i ft-it. 2637b Am Mittwoch verstarb nach j | schweren Leiden meine liebe Frau,' ! unsere gute Mutter Lmma Kirmes geb. Geier | im 45. Lebensjahre. 17002| Die» zeigen tiefbetrübt an > Iran» Kirnte« nebst Kindern uiii» Schwiegersohll. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. Januar, nach- I mittags 3�i, Ubr, von der Leichen- Halle des ülujerstehunzs- Fried- > HoseS. llZcißeusecr D-g. aus statt. Tauks«gung. Für die oiclen Beweise der Teil- nähme bei der Brerdigimg meines lieben Mannes Richard Lehmann sage ich allen Verwandten und Freunden, den Mitgliedern de» Wahl- verein», des Gesangvcre-ns„Frohsinn" irnd des ZtadsahrervereinS.Vorwärts" meine» Dank. 1707L Witwe l-ehmann Sldlerohof, Fried enslr. 4. Nachruf. Sin hartes Schicksal entriß uns! ! rinseren besten, treuesteu Freund. s den Schrisisetzcr 2S36b I Paul»aßler. Wer ihn und sein Verhälwis zn unS gekannt, wird unseren großen Schmerz verstehen. ' Tiesbetrübt Fritz Schmidt und Frau Brückenstr. 5b. Gleichzeitig allen denen, die unserem Freunde daS letzte Geleit gegeben, den Kollegen der Firma H. S. Hermann, dem Wahlrerein, dem Gesangverein und allen seinen Freunden herzlichen Dank. Fritz Schmidt und Frau I Brückenstr. 5d. Wilhelm Schmidt und Frau, Rizdors. Jmistr. 24/25.__ t-fflanBuiTani»' 1 iwiwiiiif tea——■ Danksagnug. Für die herzliche Teilnahm« und Bielen ikranzspeuden bei der Beerdigung unseres liebe» Sohnes, Bruders, Schwagers und Bräutigam» Ulbert(Ziinther logen wir allen Verwandten, Fremi- den und Bekannten, sowie den Kollegen und der Betriebsleitung der Firma Monoline unseren herzlichsten Tank. 17 052 Im Auftrage der Hinterbliebenen >i<,h billigen Presen tum V«rk*uft Pasteu gebt'anchfup Ittaß- lücrrcti- Anzüee, luQordam Paletots, Ulster etc.. für jede Ifigu;-(ouah den stärkftca Horm) paMeod.»ni La�ar, Bjcoa Sachen sind teils in ieinhteo Werkstätten(auch, au Ü Seid«) gaaibeitatr. Früherer Ansohaffungsproi« bis 120.— W.. jetzt zu kolgeoden©stra billigen PreUea. aucn neu. Jetireri-Anzftge.. 3-U-19 M. etc. I Heprcn Palctoi» 7-12—15 M. ete. Rork ÄnrOfit... 11-18-22 M. etc. i lierren-Ulster. 12-18- 23 M.«te. Gtb-Rook-ABrCdS. 13-22-27 M. etc.! Herren-Htsea 2-3 bi» 6 M. —— Elnucluo Fracks, Biucklugrj, Jaokotte etc. m Ver Jclhant v. c iegant. i'racks u. Gesrullachsttuanztisea. HanpfrCferchift; GfOßB fkS!>IlstIf!«l ZikZÜL IIS, Ire«� ix ossehi«: GliaBSsaeslr, 89, m. ee.ch«t. jagersir, iC I, Wiii '■�ji1 Ccipziderslr« 132-37 Wtrihtim l G.M.B.H Nönigstrasss 31-32 Rssenwslerstf. 2S-31 vranlenstrssse 52-55 kreitsz v. 8oMsbeii/,st. 23, Briekäse pfd. 68 pt Allgäuer Rahmkäse.... Pfund 65 er. Limburger Pfd. 48 pf, Emaealbler 1.10 Schweizer pfd. 83, Tilsiter Pfd. 63 Ff. Bratenschmalz........ Pfand 56 rr. Pflaumenmus........ Pfand 28 rt Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfo-t das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahme* stellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedltlon, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Tefvi-h»!(It&ievbafit) in allen ©vßfccn, iflfl für die Hällle de» Wertes TevPichlager Brünn. Hacke'cher Siarft 4.'Babnboi BSrie.(Leier dck »Vorwärts« erhallen 5 Prozenl Rabati.) Sonntags geöftnet!• Hernianiivlati 6 ViaudleibhauS. Jedermanns allerbilligiier Waren. emkaui. RielcnauSwahl Peizsachen. HerrenvalelotS. IaiteNanzüge. �eb- rodanzüge. Herrenboien. Damen- fachen, öxtrabilliger Bkllenvcrkau!. «iuSsteuerbelten. PermielungSbelt. Aueileuerwäsche. Bettwäsche. Reich- hailige<»>nrSil>eiiauSwabl. Porticren. cnüllf auSwahI. Vlmebwaibedeii. Llervdeden. Wandubren. Wand- bilder. Cchüiuckiachen. Taichenasten. JclicilauSirabl. NingcauSwahI. fZcst- geichcille. 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Für Ansäng« und Fort- geichrittenc, einzel» oder im Zirkel, wird englischer Unterricht erteilt. Auch werden llebcrsetzuügen an- aesertigt. G. Swicnth« Liebknecht Ebarlolteiibura. Stutlgarterpiatz 3 Gartenhaus III. 4451» Versdiiedenes. 'Patentanwalt Müller, Eitschiner- ftroste 81. 2433K' .«»nilsiopserei ron Frau Kotosty Schlacktenlee. Kurslratze 8 III. T-aicliiailwatt Wessel. Gitschilict, ftraxe 34a.__ Plouicuseu kaüpst gebrauchten Slraugsedern billigst Weinbergs. weg 24.__ 12/7" Bramd, Humorist, Gesellschaft, Gleimstraste 60. 2600b' Vermietungen. Zldmiralftraste 7, am Kottbuser Tor, Doppellichtsaal zirka 125 Qua- dratmeter. auch Keine Wohnmig, billig zu bermieten. Verwalter. Wohnungen. In unmittelbarer Nähe der Bau- genossenschast„ParadicS" fn Bohns- dors sind noch mehrere Zweizimmer- Wohnungen billig zu vermieten. Gebhardt. 2630b' Zimmer, Möbliertes Zimmer für zwei Herren bei Weist, Ellsabethuser 16/17, vom III.___ 7 61 �Möbliertes Borderzimmer 1. 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Offcnbach am Main. Ilorrnatr. IB. zu richten. 265/16" Stellenangebote. Kegelrad-Hobler, die schon längere Zeit an Bugram- Zfegewadhobel» Maschinen selbständig gearbeitet haben, werden per sofort verlangt. Friedrich Steinrück. Zahnrädcrsabrif, Urban- straste 116._ tlo3* Mädcheu oder Frau tagsüber zu Kindern. Meldungen abends 6. Ditz, Pücklerstraste 6. II. r3 Geübte Arbeiterinnen aus Russen» fittel verlangt Radtfe, Lortzingstraste 30, voni 3 Treppen. chlOt Arbeiterinnen aus Knaben-Kamm« garn- Fassonjacken sucht bei bohen Löhnen und dauernder Beschäftigung Hermargr Lehser, Graste Franksurter- straste 137, Aufgang B. 13/3 Mamsells auf Kostümjacken. Last. Müllerstraste 182, Hos IL 13/4* »Vorwärts"» Austrägerin für Lichterfclde-West gesucht. Meldung�. an Bernsee, Steglitz. LNsenstraste 5 oder bei K. Wieneckc, Grost-Lichter« selbe, Dürerstraste 42. fli5 om Arbeitsmarkt durch besondere» Druck hervorgehobene Anzeige» kosten 6'» Pf. die Zeile. Neden?enHeiist. 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Der Magistrat veröffentlicht im Gemeindeblatt die auch von uns wiedergegebene Bekanntmachung, daß im zweiten Berliner Wahlbezirk, in welchem an Stelle des verstorbenen freisinnigen Abgeordneten Dr. Gerschel eine Neuwahl zu voll- ziehen ist, sämtliche Wahlmänner neu gewählt werden müssen. Hierzu wird uns geschrieben: Diese Auffassung des Ma- gistrats ist falsch, sie steht in direktem Widerspruch zu§ 18 Abs. 2 der Verordnung über die Ausführung der Wahl der Abgeordneten zur Zweiten Kammer: Mit Ausnahme des Falles der Auflösung der Kammer sind die Wahlen der Wahlmänner fnr die ganze Legislaturperiode der- gestalt gültig, daß bei einer erforderlich werdenden Ersatzwahl eines Abgeordneten nur an Stelle der inzwischen durch Tod, Weg- ziehen aus dem UrWahlbezirk, oder auf sonstige Weise aus- geslbiedenen Wahlmänner neue zu wählen sind. Da der Fall der Auflösung der Kammer nicht vorliegt und da auch kaum anzunehmen ist, daß alle im Jahre 1907 gewählten Wahlmäyner gestorben, aus dem UrWahlbezirk weg- gezogen oder auf sonstige Weise ausgeschieden sind, so kann also keine Rede davon sein, daß sämtliche Wahlniänncr neu gewählt werden müssen. Wie ist nun der Magistrat zu seiner irrigen Auffassung gekommen? Zum Verständnis muß man sich die Vorgänge bei der Wahl von 1908 vergegenlvärtigcn. Bekanntlich sind damals nacks Ansicht des Abgeordnetenhauses in allen Berliner Wahlbezirken falsche Listen aufgestellt worden. Da aber von freisinniger Seite nur die Wahlen unserer Genossen Borgmann, Hirsch, Hcimann und Hoffmann angefochten wurden, konnte das Abgeordnetenhaus nur über diese Wahlen Beschluß fassen; es erklärte. wie erinnerlich, alle Wahlmännerwahlcn in Berlin V, VI, VII und XII für ungültig. Im vorigen Jahre fand nun in Berlin IV eine Ersatzwahl für den Abg. Müller-Sagan statt. Hieran nahmen die im Jahre 1908 gewählten Wahl- männcr teil. Gestützt auf den früheren Beschluß des Ab- geordnetenhauses würde von sozialdemokratischer Seite Protest eingelegt und das Abgeordnetenhaus, das dadurch in die Lage kam, die Wahlmännerwahlen von 1908 zu prüfen, erklärte nun sämtliche Wahlmännerwahlen von 1908 in Berlin IV und infolgedessen auch die Wahl selbst für ungültig. Würden bei der jetzt bevorstehenden Ersatzwahl in Berlin II wieder die 1908 gewählten Wahlniänner mitwirken, so Würde auch diese Wahl zweifellos für ungültig erklärt Werden müssen. Um dieser Schwierigkeit zu begegnen, ordnet der Magistrat einfach die Neuwahl sämtlicher Wahlmänncr an, er bedenkt aber nicht, daß er dadurch die Wahl erst recht ungültig macht, weil er gegen den oben wiedergegebenen§ 18 verstößt. Die Sache wird dadurch also nicht vereinfacht, sondern nur noch verwickelter. Der Magistrat ist nicht be- rechtigt, an Stelle von Wahlniännern, deren Wahl zwar an sich ungültig ist, die aber das Abgeordnetenhaus nicht oder mach nicht für ungültig erklärt hat, Ersatzwahlen anzuordnen. Auf diesen Standpunkt hat sich das Abgeordnetenhaus bei der Prüfung von Wahlen stets gestellt. So waren z. B. im Jahre 1896 bei einer Ersatzwahl für den Abgeordneten Engler in Berent- Dirschau für 53 Wahlmänner, deren Stimmen die Wahlprüfungskommission früher außer Ansatz gelassen hatte, weil sie nicht als gesetzlich gewählt zu betrachten seien, vom Wahlkommissar Neuwahlen angeordnet worden. Das Abgeordnetenhaus bezeichnete dies Verfahren jedoch als ungesetzlich, da zur Kassation von Wahlen nur das Haus der Abgeordneten und eventuell die Wahlmänner- Versammlung berechtigt, von beiden aber ein entsprechender Beschluß nicht gefaßt sei. Aus ganz ähnlichen Gründen ist auch im vorigen Jahre die Wahl des Abg. Ehlers in Breslau für ungültig erklärt worden. Auch da vertrat das Haus die Ansicht, daß der Wahlkommissar nicht berechtigt sei, für Wahl- männer, deren Wahl das Abgeordnetenhaus nicht kassiert hat, Ersatzwahlen anzuordnen. Aus alledem folgt, daß die Ersatzwahl für den ver- storbenen Abgeordneten Gerschel. gleichviel ob der Magistrat seine Bekanntmachung zurücknimmt oder nicht, ungültig ist, Nimmt er sie" zurück, so ist sie ungültig ans den gleichen Gründen, aus denen die Wahlen unserer Genossen Borgmann, Hirsch. Heimann, Hoffmann ungültig waren; nimmt er sie nicht zurück, so ist sie wegen Verstoßes gegen§ 13 ungültig. Daß der Magistrat in eine so schwierige Lage gekommen ist, verdankt er Herrn Fischbcck und Konsorten, die es seinerzeit so eilig hatten, unsere Genossen aus dem Landtage zu entfernen. So erweist sich das damalige Verhalten des Berliner Freisinns als die böse Tat, die fortzeugend Böses muß gebären. Stur eine Möglichkeit gibt es. aus dem Dilemma heraus- zukommen: sämtliche im Jahre 1908 in Berlin II gewählten Wahlmänner müßten ihre Mandate niederlegen. Aus takti- schen Gründen möchten wir aber, soweit unsere Genossen in Betracht kommen, von diesem Schritt abraten. Fricdrichsfclde. Zu einer wichtigen Landagitationstour treffen �fich die Genossen am Sonntag früh 7 Uhr bei Brunk. Reuenhage« lOstbahn). Sonntag, den 23. Januar, nachmittags llchz Uhr, im Lokal von Worimann, Generalversammlung. Tages- ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Vortrag des Genossen Köse- ling über:„Die Sozialdemokratie in der Gemeindevertrelung". 3. Verschiedenes. Bernau. Morgen Sonnabend, den 27. Januar, abends Lch-z Uhr: Mitgliederversammlung bei Salzmann. Tagesordnung: 1. Bericht der Bezirksleimng.� 2. Rückblick auf die Reichstagswahlen. 3. Partei- angelegenheiten. Die Bezirksleitung. Rudow. Für die Genossen, welche nicht selbst Einsicht in die Gemeindewählerliste nehmen können, übernehmen bis zum 30. Januar, bis zu welchem Tage die Liste in den Dienststunden ausliegt, die bekannten Genoflen die Einsichtnahme. Der Vorstand. Mühleubeck-(Bezirk Nieder-Sckiönhausen). Sonntag, den 28. Januar,»acbinillags 4 Uhr, Wahlvereinsversammlung im Lokal von A. Meyer, Bnchhorst. Tagesordnung: 1. Bericht des Gemeinde- Vertreters. 2. Vorbereitungen zu den im März stattfindenden Ersatz- wählen zur Gemeindevertretung. 3. VereinSangelegenheiten. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung, Birkenwerder. Am Sonnabend, den 27. Januar, abends 8>/z Uhr, beim Genossen Feuerstack: Extrazahlabend, der sich mit der Gemeinde- Vertreterwahl zu beschäftigen hat. Zernsdorf. Am Sonntag, den 28. Januar, nachmittags 3 Uhr. in Kablow im Lokal von Käbe: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: 1. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertreterwahl. 2. VereinSangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Schenkendorf bei Köuigs-Wusterhausen. Die Gemeindewähler- liste liegt noch bis zum 30. Januar im hiesigen Gemeindebureau aus. Auch kann die Abschrift der Liste während des ganzen Tages beim Genossen Petzold eingesehen werden. Partei- 5Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste! In Ladeiurg bei Bernau N.-B. ist das Lokal von Schulze frei; in Schönriche doö Lokal van Mann. In Wlnlnsee T.-B. hat das Lokal„Bayerischer Hof" den Be- sitzer gewechselt. Der jetzige Inhaber stellt dasselbe der Arbeiter- schaft nicht mehr zur Verfügung, es ist daher streng zu meiden. .__ Die Lokalkommission. Eharlotteuiurg. Sonntag von 9—6 Uhr: Stadtver- ordnetenwahl. Die Radfahrer treffen sich um 8 Uhr morgens im Volkshause. Die Genossen aus anderen Bezirken werden ersucht, sich zur Wahlhilfe bei Knnert. Sesenheinierstr. 11, zu melden. Der Vorstand. Charlotteuburg. Sonnabend, den 27. Januar, hält der Radfahrer- Verein(M. d. B. Solidarität) sein diesjähriges Wintervergnügen im Volkshause ab. Die Genossen werden um recht regen Zuspruch ge- beten. Die Radfahrer, die am Sonntag bei der Wahl helfen wollen, haben sich um l/J) Uhr im Vollshause eniznfiiideii. Steglitz. Heute Freitagabend von 0 Uhr ab: Flugblatt- v e r b r e i t u n"g von den' Bezirkslokalen aus. Jeder Genosse ist verpflichtet, sich daran zu beteiligen. mit Be- LerUner j�ackriekten. Die Aenderung der Schulorganisation in Groß-Berli» beschäftigt zurzeit die Provinzialschulbehörden im Verein Vertretern Berliner und Vorortschnlvcrwaltungen. Die ratungen spielen sich im geheimen ab und es besteht dabei die Gefahr einer Verschlechterung des Berliner Volksschulwesens. Es ist deshalb in weiten Kreisen eine starke Beunruhigung hervorgerufen worden. Um Klarheit........... schaffen, hat die sozialdemokratische verordnetcn-Vcrsammluug beschlossen, stellen: „Die Unterzeichneten fragen den taffächlichen Unterlagen die durch die teilungcn besitzen, nach lvelchen eine Berlin bestehenden plant sein soll. iiber die Absichten zu Fraktion der Stadt- folgende Aufrage zu Magistrat an, welche Presse gehenden Mit- Aenderung des in achtklassigcn Gcmcindesch ulsystems ge- Uever Hemmnisse Polizeipräsidium wird Aufsichtsbehörden eine deS Baues der Rord-Südbahu durch daS berichtet:„Nachdem zwischen Stadt- und Einigung über die Linienführung und den Bau der Nord-Südbahn, abgesehen von einigen belanglosen Kleinig- leiten erreicht ist, muß nach dem Gesetz noch das sogenannte Plan- festsetzungsversahren stattfinden. Dieses stellt in der Hauptsache nur noch einen formellen Alt dar, der zu wesentlichen Aendernngen an der Gesamtgestaltung des Entwurfs nicht führen dürfte. Nach dem Gesetz würde mit ministerieller Genehmigung der Beginn des Baues schon vor Erledigung des Planfestsetzungsverfahrens angängig fein, wenn aus der beabsichtigten Bahnnnlage Nachteile oder erhebliche Belästigungen der benachbarten Grundbesitzer und deS öffentlichen Verkehrs nicht zu erwarten sind. Die städtische Verkehrsdeputation hatte bei dem Polizeipräsidenten beantragt, bei dem Minister der öffentlichen Arbeiten die Genehmigung zum Be- ginn der Arbeiten für die Nord-Südbahn ohne vorgäugige Planfest- setzung zu befürworten. Der Polizeipräsident hat darauf mitgeteilt, daß er tm Einvernehmen mit der königl. Eisenbahndirektion nicht in der Lage sei, den Antrag befürwortend weiterzugeben, da durch den Bau vorübergehend erheblickie Belästigungen der Anwohner und des öffentlichen Verkehrs zweifellos zu erwarten und dem« nach die Voraussetzungen deS§ 17— letzten Absatz— des Klein- bahngesetzes nicht gegeben seien. In der letzten Sitzung der Verkehrsdeputation wurde von dem Inhalt dieses Schreibens Mitteilung gemacht. Die Deputation nahm mit allseitigem Be- dauern von dem Standpunkt des Polizeipräsidenten Kenntnis, weil hierdurch von neuem eine Verzögerung im Beginn der Arbeiten der Nord-Südbahn bewirkt wird. Die Deputation ist der Auffassung, daß die Ablehnung des Polizeipräsidenten in der erwähnten gesetzlichen Bestimmung keine Begründung findet; denn nach dem Gesetz könnte der Beginn des Baues ohne vorgängige Planfestsetzung vom Minister gestattet werden, wenn aus der beabsichtigten Bahn a n l a g e — also der fertigen Bahn, nicht dem Bau der Bahn— Nachteile oder erhebliche Belästigungen besitzer und des öffentlichen Verkehrs Daß die Nord-Südbahn keine Nachteile, alle Teile bringen wird, daran dürfte werden. Die vorübergehenden Belästigungen der Anwohner und des Verkehrs durch die für die Herstellung der Bahnanlage not- wendigen Bauarbeiten sind aber nach dem Gesetz kein Grund zur Ablehnung der Erlaubnis zum Baubeginn vor Erledigung des Planfeslsetzungsversahrens." Es ist niibtS Neues, daß an g e w i s s e n S t e l l e n im Polizeipräsidium der Stadt Berlin fortgesetzt Schwierigkeiten bereitet worden sind. Es ist aber schon der Gipfel, daß selbst in formalen Dingen diese Schwierigkeiten fortgesetzt werden. Wer mit den Dingen einigermaßen vertraut ist, kennt die Stelle im Präsidium, die so ungeniert und offen Verkehrs- Politik macht. Schon im Abgeordnetenhause ist auf diese Stelle hingewiesen worden, die e-s nicht verschmähte, durch Veröffentlichung von Artikeln in bestimmte» Tageszeitungen für Erhöhung der Fahrpreise und somit für das Interesse einer privaten Erwerbsgesellschaft Stimmung zu machen. Diesem Verhalten reiht sich das der Stadt Berlin gegenüber geübte würdig an. Man sollte es nicht für möglich halten, daß einzelne Beamte in solcher Weise verfahren können, ohne zur Ordnung ge- rufen zu iverden. Von Gästen erschlagen wurde Mittwoch abend der 22 Jahre alte Schankwirt Karl Saroschewski aus der Seestr. 106. Der Mann betrieb sein Geschäft seit% Jahren und stand kurz vor der Hochzeit. Das Aufgebot war schon bestellt. In vier Wochen sollte die Trauung stattfinden. Die Braut war auch schon in dem Geschäfte mit tätig. Mittwoch abend kurz nach lO'A Uhr, als Saroschweski allein im Schankraum war, während seine Braut in dem Hinterzimmer zu tun hatte, kamen noch fünf Gäste, die schon etwas angetrunken waren. Sie verlangten und erhielten auch noch mehrere Schnäpse und einige Glas Bier. Um 11 Uhr sagte der Wirt den Gästen in aller Güte, daß er jetzt schließen müsse, weil er nur bis dahin Schankerlaubnis habe. Die Gäste aber wollten sich um die Polizei- stunde nicht kümmern und blieben. Als Saroschweski sie dann dringender aufforderte, zu gehen, traten sie ihm frech entgegen. der benachbarten Grund nicht zu erwarten sind. sondern nur Vorteile für allgemein nicht gezweifelt Jetzt versuchte er, sie hinauszudrängen. Statt zu folgen, wurden nun die Gäste tätlich und es kam zu einem Handgemenge. Mit großer Roheit schlugen zwei der Gäste, die Gelegenheitsarbeiter Julius und Hermann Ackermann, zwei Brüder von 21 und 10 Jahren, auf den Wirt ein, einer von ihnen mit der Faust, der andere mit einem Bierglas. Als die Braut im Hinterzimmer die Schlägerei hörte, rief sie um Hilfe. Jetzt entflohen die fünf Gäste. Saroschewski aber lag, aus zwei schweren Kopfwunden blutend, besinnungslos neben dem Ladentisch auf dem Fußboden. Die Braut eilte nach dem nahegelegenen Virchowkrankenhause und holte einen Arzt. Diesem starb der Verwundete nach fünf Minuten unter den Händen. Der Arzt stellte außer zwei klaffenden blutenden Wunden an der rechten Stirnseite und auf dem Schädel, die augenscheinlich von Schlägen mit dem Bierglas herrühren, auch noch mehrere Kopfverletzungen und Faustschläge fest. Die Leiche wurde bcsckstag- nahmt und nach dem Schauhause gebracht. Die beiden Brüder Ackermann wurden bald in ihrer Wohnung in der Seestr. 110 er- mittelt, festgenommen und nach der Wache des 67. Reviers in der Müllerstraße gebracht. Sie erklären, daß sie angegriffen worden seien und in der Notwehr gehandelt hätte». Die drei anderen Gäste blieben auf freiem Fuße, weil sie sich an den Tätlichkeiten nicht be- teiligt haben. Wer von den beiden Ackermann mit dem Bicrglas geschlagen hat, steht noch nicht fest. Unter die Räuber fiel vorgestern ein alter Galizier, Moiche Schneider, der in seiner Heimat eine Bauernwirtschaft betreibt, dessen Söhne aber in Amerika Handelsgeschäfte haben. Schneider erhielt kürzlich von seinen Söhnen 420 Kronen zugeschickt. Er sollte zu ihnen herüberkommen, weil sie ihn in seinen alten Tagen noch einmal sehen wollten. Er löste sich dann auch eine Fahrkarte zunächst nach Berlin(Schlesischer BahnhofZ. Als er hier nnge- kommen war und etwas unschlüssig dastand, kam ein junger Mann an ihn heran und fragte ihn, wohin er zu reisen beabsichtige. Auf die Antwort, daß Amerika sein Ziel sei, erklärte der junge Mann, das treffe sich sehr schön, er wolle auch dorthin. Dann schlug er dem Alten vor, sich mit ihm vor Abgang des Zuges nach Bremer- Häven noch ein Stück Berlin anzusehen. Das geschah denn auch. Zum Schrecke des Alten war aber der Zug schon weg, als man nach dem Bahnhofe zurückkam. Der junge Führer aber tröstete ihn und wußte Rat. Er schlug ihm vor, für die Nacht mit ihm ein Fremden- logis aufzusuchen und dort ein Zimmer mit ihm zu teilen, weil es so billiger sei. Vor dem Schlafengehen fragte dann der junge Mann, wo Schneider sein Geld habe und riet ihm, nur ja vor- sichtig zu sein, weil er nicht wissen könne, was für Gefahren in Berlin ihm drohten. Dabei zeigte er ihm. daß er selbst sein Geld in einem Beutel auf der Brust trage. Vertrauensselig erwiderte der Alte, er habe sein Geld zwischen Stoff und Futter in die Hose eingenäht. Diese legte er sich dann unter das Kopfkissen. Am nächsten Morgen gingen die beiden gemeinsam weg. Bald darauf aber trennte sich der junge Mann von Schneider unter dem Vor- wände, daß er noch rasch etwas besorgen müsse. In diesem Augen- blick aber kamen einige Bekannte von ihm dazu, die sich jetzt statt seiner des Alten annahmen. Diese freundlichen Männer setzten sich mit Schneider, der hier gar nicht Bescheid weiß, in einen Zug und landeten mit ihm draußen. Dann gingen sie mit ihm in den Wald, schnitten ihm die Kleider auf und fanden auch richtig seinen Schatz in den Beinkleidern. Wütend aber warfen sie ihm alsbald die Papierscheine an den Kopf, prügelten ihn durch und ließen ihn stehen und gingen davon. Außer sich, vollständig erschöpft und hilflos, wurde der Beraubte endlich aufgefunden. Es war in Tegel, wohin die Räuber ihn verschleppt hatten. Die Polizei brachte ihn hierher, damit er bei den Nachforschungen nach den Räubern be- bilflich sein kann. Der erste junge Mann hatte ihm, während er schlief, sein Geld aus der Hose geholt und die Kronenscheinc durch Blüten ersetzt, damit er morgens, wenn er etwa fühlen sollte, nichts merke. Seine Komplizen erbeuteten deshalb nur die Blüten. Es kommt jetzt darauf an, ob jemand, also vorgestern und gestern, auf dem Schlesischen Bahnhof und in der Gegend dort einen alten Mann mit langem Haar und blondem, schon etwas ergrautem Voll. barte in Begleitung eines und später mehrerer junger Männer ge- sehen hat. Wer hierüber etwas weiß, wolle sich bei der Kriminal« Polizei melden. Ein neuer Dauerweltrekord. Auf dem �Flugplatz Johannisthal flog gestern Diplomingenieur Grulich mit drei Passagieren auf einem Harlan-Eindeckcr 1 Stunde 3b Minuten und stellte damit einen neuen Dauer-Weltrekord auf. Die Höchstleistung im Dauerflng mit drei Passagieren hatte bisher der Belgier Lauser mit 1 Stunde 26 Minuten aufzuweisen. Bon einem Brauereiwagen überfahren und getötet wurde Mitt. woch nachmittag gegen 4 Uhr die fünf Jahre alte Käthe, das einzige Kind des Sattlers Kujawski aus der Heitdenfeldstr. 11. Die Kleine spielte mit anderen Kindern auf dem Bürgersteig in der nahe- gelegenen Kochhannstraße, als von der Ebertystraße her ein Brauereiwagen im Schritt gefahren kam. Plötzlich lief sie aus den Straßendamm. Der Kutscher war nicht mehr imstande, das Gespann zeitig genug zum Stehen zu bringen, um ein Unglück zu verhüten. Das Rad ging über die Kleine hinweg und verletzte sie an Kopf und Brust so schwer, daß sie auf der Stelle verschied. Im Krankenhaus am Friedrichshain, wohin der Kutscher die Verun- glückte mit seinem Wagen gleich brachte, konnte der Arzt nur noch den Tod feststellen. Einbruch in eine GenossenschoftSbrauerei. In der letzten Nacht statteten Einbrecher der Weißbierbrauerei der Gastwirte des Nordens e. G. m. b. H. in der Brauhausstr. 2/b zu Weißensee einen Besuch ab. Sie kletterten von einem Nachbargrundstück in der Heinersdorfer Straße durch ein Fenster, dessen Eisengitter sie zcr- sägten, in die Brauerei ein und gelangten durch Nebenräume in das Kontor im Erdgeschoß. Hier bohrten sie den Geldschrank an und öffneten auch die einzelnen Tresors. In dem Schrank be- fanden sich etwa 1300 M. bares Geld und für etwa 9000 M. Wertpapiere. Dies alles nahmen sie mit und nur mehrere Wechsel ließen sie unberührt liegen. Erst gestern früh, als das Bureau- personal kam, wurde der Einbruch entdeckt. Die Diebe hatten sich wieder durch das Fenster entfernt. Bis jetzt fehlt von ihnen noch jede Spur. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Tie Kriminalpolizei ist sofort benachrichtigt worden und hat die Ver- folgung der Verbrecher eingeleitet. Die Diebe müssen sehr vorsichtig gearbeitet haben, denn über dem Kontor befindet sich eine Wohnung, in der aber nichts gehört wurde. Ei» mutmaßlicher Kindesmord beschäftigt wieder die Kriminal- Polizei. Auf dem Hofe des Grundstücks Pappelallec 77 durchsuchte Mittwoch nachmittag um 2 Uhr ein alter„Schaler", der unter dem Namen„Papa Krause" in jener Gegend bekannt ist, die Müllkästen nach irgendwelchen noch verwertbaren Sachen. Hierbei stieß er in einem Kasten, der erst morgens geleert worden war, auf ein Paket aus hellgrauem Packpapier, das die Leiche eines neugeborenen Kindes enthielt. Die Rcvierpolizei, der cr seinen schauerlichen Fund anzeigte, beschlagnahmte die kleine Leiche und ließ sie nach dem Schauhause bringen. Ob sie unbemerkt von der Straße her oder aus dem Hause heraus in den Kasten hineingebracht worden ist, ließ sich noch nicht feststellen. Ein Diebes„spezialist" geht wieder in den Wartezimmern der Aerzte um. Die„Spezialisten" dieser Art„arbeiten" mit ver- schiedenen Tricks. Einer ist zum Beispiel der. daß der Dieb als Patient erscheint und den Arzt fragt, ob er auch für diese oder jene Kasse behandele. Vorher hat er sich genau erkundigt, daß dies nicht der Fall ist. Der Arzt verneint die Frage und geht in sein Zimmer zuxuck. Jetzt ist der Dieb allein und nimmt mit. was ihm zur Hand liegt. In anderen Fällen mischt er sich unter die Patienten im Wartezimmer und läßt allen den Vortritt, bis er als letzter Gelegenheit zum Stehle» findet. Erst in diesen Tagen büßte ein Arzt einen Gehpelz ein, der KOl) M. wert ist. Er wurde ihm nach- mittags während der Sprechstunde vom Korridor gestohlen. Aus Liebesgram versuchte sich das 18jährige Dienstmädchen Eharlotte Kellner, das bei einem Kaufmann in der Katzbachstr. 17 in Stellung war, niit Leuchtgas zu vergiften. Als vorgestern abend die Herrschaft fortgegangen war, öffnete das Dienstmädchen die Gas- höhne der Küche und erwartete auf einem Stuhl sitzend den Tod. Als nach etwa Ih/z Stunden der Kaufmann mit seiner Frau nach Hause zurückkehrte,' fand er das Mädchen fast leblos auf dem Fuß- boden liegend vor. Er ließ die K. sofort nach der Unfallstation am Tempelhofcr Ufer bringen, wo es den Aerzten erst nach niehrstiindigen Bemühungen gelang, die Lebensmüde wieder zum Bewußtsein zu bringen. Der Zustand der K. war jedoch so bedentlich, daß sie mittels Krankenwagens nach dem Urban-Krankenaus übergeführt werden mußte. Baunlifall. Der Bauarbeiter Fröbel wurde auf dem Neubau Kurfiirstendamm, Firma Held u. Franke, am 22. Januar durch Herabfallen eines Steines lebensgefährlich verletzt und mutzte nach dem Krankenhause Westend gebracht werden. Schuld an dem Un- fall soll mangelhafte Abdeckung sein. Lcicheiifuird auf den Schienen der Untergrundbahn. Gestern früh wurde auf dem Bahnkörper der Schönebergcr Untergrundbah» zwischen den Stationen Sladlpark und Hauptstraße die Leiche eines Mannes aufgefunden, die schwere Kopfverletzniigen autwieS. Der sofort binzugerufene Arzt stellte fest, daß der Tod dcS Mannes in- folge eines Schädelbruchs eingetreten ist. In dein Verstorbenen wurde auf Grund vorgefundener Briefschaften der ölljäbrige Schuh- »nacher Bernhard Bötter ermittelt. Es wird Selbstmord angenommen, Weil bei dem Toten eine Fahrkarte nicht vorgefunden wurde. Vorort- 1>sackrickten. Nehmt Einsicht in die Gemeindetvählerliste» die nur noch bis Dienstag, den 30. Januar, in den Gemeindebureans der einzelne» Orte zu jedermanns Einsicht öffentlich anslicgen. Wer nicht in der Wählerliste steht, darf nicht wählen. Sichere sich also jeder Wahlberechtigte durch Einsicht in die Liste sein Gcmciudcwahlrecht. Proteste gegen die Richtig- keit der ausgelegten Liste gebe man sofort z« Protokoll. Rixdorf. Ein Rumpfparlament stellt gegenwärtig die Rixdorfer Stadtverordnetenversammlung dar. Durch das Urteil des Oberverivaltungsgerickts vom 23. d. Mts. sind die im November des Jahres 1910 auf Grund der rechtmäßig ungültigen Listen vorgenommenen. Wahlen von 28 Stadtverordneten für ungültig erklärt. worden. Es handelt sich um die Mandate der Stadtverordneten I 1. Der 3. Abteilung: Mermuth, Thurow, Groger, Heitmann, Schuck), Boeske, Jden, Polenske, Jaeck, Bydomski. 2. Der 2. Abteilung: Kabermann, Hcyde, Walz, Fichtncr, Kaschow, Stolle, Sorge, Deter, Scholz, Glasemann, Weber. 3. Der 1. Abteilung: Siegclkow, Dr. Dietrich, Hennig, Keinrich, Dr. Müller, Hildebrandt(vakat), Bclß(vakat), Rahmig. Am gestrigen Donnerstag ist den betreffenden Stadt- verordneten bereits vom Magistrat mitgeteilt worden, daß ihr Mandat nunmehr erloschen und ihre Teilnahme an Stadt- verordnetenversammlungen sowie an den Deputationen und Kommissionen somit unzulässig sei. So sehr auch»vir den Augenblick herbeigesehnt haben, daß das von den bürgerlichen Wahlrechtsräubcrn in Gemein- schaft mit dem Rixdorfer Magistrat an den Rechten der Bürgerschaft ausgeübte Attentat die wohlverdiente end- gültige Korrektur erfahre» sollte, scheint uns die Mitteilung des Magistrats an die für ungültig erklärten Stadtverordneten- Mandanten doch etwas verfrüht. Stach unserer Meinung hatten die in Frage kommenden Stadtverordneten so lange ein Recht zur Ausübung ihres Mandats, bis sie im Besitze des schriftlichen Urteils waren. Der Magistrat hätte sich zunächst einmal überlegen sollen, ob nicht durch sein in diesem Falle allzu schnelles Handeln erneute Komplikationen geschaffen werden. Wir können es andererseits verstehen, wenn der Ma- gistrat, der sich mit der bürgerlichen Stadtverordnetenmehrheit durch jenen unvergeßlichen Gewaltstreich eine so eklatante Niederlage bereitet hat, die Spuren derselben so schnell als möglich durch eine schleunigst vorzunehmende Neuwahl verwischen möchte. Denn daß die Herren samt und sonders das Brandmal der Wahlrcchtsschande heut� noch als recht unangenehm empfinden, hat die vor acht Tagen be- schlossene Aenderung des Namens Rixdorf in Neukölln nur allzu deutlich gezeigt. All' die gewundenen Begründungen des Oberbürgermeisters Kaiser über die Notwendigkeit einer Namensänderung sowie die Erklärungen ihres Einverständ- nisses der Bürgerlichen haben bei der Rixdorfer Bevölkerung nicht den Eindruck auszulöschen vermocht, daß jene„Umtaufe" des ehemals geschändeten Namens Rixdorf in Neukölln nur ein Akt heilloser Scham vor unrechtmäßigen Taten ivar. Wenn jene Herren aber glauben, daß sie mit dem Aus- löschen des Namens Rixdorf zugleich auch die Erinnerungen an ihren einst verübten Gewaltstreich bei der Wählerschaft auslöschen können, so geben sie sich einer großen Täuschung hin. Die Tatsache, daß alle Instanzen unserer Verwaltmigs- acrichte ein so übereinstimmendes Verdikt über de» Wahlrechts- raub von 1908 gefällt haben, hat das Vergehen der da- maligcn Attentäter erst recht als einen brutalen Rechtsbruch der Äixdorsi'r Bevölkerung enthüllt. Dem letzten Urteil des Oberverwaltungsgerichts wird bei den bevorstehenden Neuwahlen der 28 für ungültig erklärten Mandate das Urteil der werktätigen und der durch den da- maligcn Rechtsranb entrechteten Bevölkerung folgen. Nrtte Zustände scheinen in der Gemeindeschule, Kaiser-Friedrich- Straße 4 zu herrschen. Von Eltern dort eingeschalter Kinder üvird folgendes mitgeteilt: Den Schülern der Klassen 1 0., II 0. und III 0. ist am Montag voriger Woche vom Rektor und von den Lehrern ge- heißen worden, während des Unterrichts die Ueberkleider an- zubehalten, weil in den Schulzimmern die Temperatur weniger als 10 Grad betrug. In der Kiiabenklasse 110. waren morgens um 8 Uhr 3 Grad st!) Wärine: bis 11 Uhr stieg die Temperatur endlick, auf 10 Grad, um bis 12 Uhr aber wieder auf 8 Grad zu falle». Auch an den' beiden folgenden Tagen, dem 16. und 17. Januar, blieb das Thermometer weit unter Ip Grad, so daß die Kinder wieder das U-berzcug nicht ausziehen lotmten. Die Temperaturen sind vom Lehrer selbst abgelesen und den Kindern mitgeteilt worden mit dem Bemerken: sie— die Lehrer— könnten dagegen nichts machen! Daraus muß nran den Schluß ziehen, daß diese skandalösen Tatsachen der Schulverwaltung bekannt waren und trotz- dem nicht abgestellt, worden sind.-DaS wäre eine unverzeihliche Nachlässigkeit auf Kosten der Gesundheit der Schuljugend, gegen die nicht energisch genug Front gemacht werden kann. Aehnlich scheint es mit der Belichtung der Schulzimmer in der genannten Schule auszusehen; denn diese sollen an den trüben Wintermorgen um 8 Uhr dunkel sein. Nichtsdestoweniger wird an solchen Tagen früh zur festgesetzten Stunde mit dem Unterricht begonnen, bei dem sich die Lehrer dadurch behelfen, daß sie im Dunkeln den Kindern die auswendig gelernten häuslichen Aufgaben abhören. Es braucht nick» gesagt zu werden, daß das Augenlicht der Kinder dabei leiden muß. UebrigenS hat man in den höheren Schulen Rixdorfs den Schulbeginn für die Wintermonate auf 8V3 Uhr festgesetzt. Warum ist das Gleiche nicht für die Volksschulen möglich? Bedürfen die Proletarierkindcr weniger der gesundheitlichen Schonung? U. A. w. g. Ein intcressaiiter historischer Fund wurde bei Ansichachtungs- arbeiten an der Kreuzung der Seile- und Neuen Jonasstrgße ge- niacht. Die Selkestratze ivird gegenwärtig reguliert und bei den Ausschachtungen stießen die Arbeiter in einer Tiefe von etwa drei Metern auf ein Germanengrab. Es wurde eine Fläche von 2,70 Meter Länge und 1,S0 Meter in der Breite freigelegt und nun das Skelett eine» Ritters und eine? Pferdes zutage ge- fördert. Beide waren noch sehr gut erhalten. Auf der Brust des Ritters ruhte ein zweischneidiges Schwert mit einem Bronzeknauf. Reste einer anscheinend aus Leder hergestellten Scheide konnten an der Waffe noch wahrgenommen werden. Auch ein doppelkegelförmiges schwarzes Tongefäß wurde vorgefunden. Der KustoS des Märkischen Museums erklärte, daß es sich hier um ein Germanengrab aus dem 6. Jahrhundert handele. Nachdem an der interessanten Stätte einige photographische Aufnahmen gemacht worden waren, wurden die Skelette und die übrigen Gegenstände dem Rixdorfer Magistrat übergeben. Wilmcrsdorf-Halensee. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Als die Stadtverord- netenversainmlung am 3. Januar das Bureau neu wählte, protestierte die Linke gegen den von der großen Fraktion geübten Brauch, die Besetzung der Acmter ohne Einvernehmen der Opposition vor- zunebinen. Hiergegen verlas Stadtverordneter D r ö s e zu Beginn der Sitzung vom letzten Mittwoch eine Erklärung der Mehr- h e i t s p a r t e i. die sich zunächst dagegen wandte, daß der MinderheitSproteft auch von beurlaubten Stadtverordneten wie dem Landtagsabgeordneten Bnchtcmami und dem erkrankten Stadt- verordneten Körte unterschrieben ist. Dann hieß es weiter in der Erklärung, daß von der großen Fraktion die Ansprüche der Minder- heit bei Besetzung der Deputationen und Ausschüsse über das eigent- licha Stärkeverhältnis hinaus berücksichtigt würden. Zu dieser Erklärung, über die eine Diskussion geschästsordnungs- mäßig nicht zugelassen ivar. läßt sich denn doch mancherlei sagen. Gewiß ist cS richtig, daß die Mehrhcitsfraltio» auch Vertreter der Minderheit in den erwähnten Körperschaften zuläßt. Aber es wäre eine Torheit ohnegleichen, deren Folgen die Arbeiten der Siadt- verordnelenversammlung nach mancher Richtung hin beeinträchtigen würden, wenn die große Fraktion die Minderheit einfach als Luft behandeln wollte. Auch kommt dem Dreiklassenwahlrechl mit seiner himmelschreienden Ungerechtigkeit zum Trotz in Betracht, daß die Minderheit in der Stadtverordnetenversammlung die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert. Erst die ReichStagSwahlcn vom 12. Januar haben bekundet, daß mehr als 13 Prozent der aktiv an der Wahl beteiligten Wilmersdorfer Wähler in der Sozialdemokratie die Partei ihres Vertrauens sehen, und daß Liberale und Demokraten zusammen fast 40 Proz. dieser Wähler vertreten. Die vom Dreiklassenwahlrecht begünstigten Konservativen können leicht nachrechnen, daß für sie nur ein sehr geringer Teil von Wählern übrig bleibt, bei denen überdies die Intelligenz nicht immer mit der Größe des G e l d s a ck s gleichen Schritt halten wird. Im übrigen stellen wir mit einiger Genugtuung fest, daß bei den vorgestern erfolgten Wahlen auch die Sozialdemo- k r a t i e bessere Berücksichtigung fand. Außer dem Rechnung?- ousschuß und dem Sonderausschuß für die Errichtung eines städtischen Arbeitsnachweises, in dem er schon früher Mitglied war. gehört unser Parteigenosse Riedel jetzt auch dem Finanzausschuß an. Bei der Beratung der Magistcatsvorlage betreffend den Neubau der siebenten G e in e i n d e s ch u l e entspann sich eine Erörterung über die. Zweckmäßigkeit der Errichtung einer Aula, die bis jetzt noch in keiner Wilmersdorfcr Gemeindejchule vorhanden ist. Während verschiedene Stadtverordnete eine solche Neuerung für die neue Schule wünschten, stellten die Vertreter des Magistrats sich aus den Staiidpnnlt, daß diese Neuerung im allgemeinen uiizwcckiiiäßig�fei und im vor- liegenden Falle überflüssig werde, weil die große Schule zwei Turn- hallen und überdies einen großen Zeichensaal enthalten soll. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte schließlich die vorgelegten Pläne für die Schule, die mit einem Kosten- anfivaiide von 907 800 M. auf dem Grundstück Babelsberger Str. 2� erbaut wird. Die Linke der Stadtverordnetenversammlung hatte wegen der Errichtung der bereits im November vorigen Jahres beschlossenen Volksküche und wegen Bewilligung von NotstandSzulage» an die verheirateten Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadt eine Anfrage an den Magistrat gerichtet. Der erste Teil der Anfrage wurde durch die Mitteilung des Magistrats erledigt, daß er im Hause Berliner Str. 37 Räume für die Volksküche gemietet hat. Der soziale Sinn der Hausbesitzer wird dadurch beleuchtet, daß einige der Herren, die in der Berliner Straße ihren Wohnsitz haben, heftig dagegen protestierten, daß gerade in ihrer Nachbarschaft eine Einrichtung ins Leben treten solle, die nach ihrer Meinung manche fragwürdige Gestalt heran- ziehen werde. Unter anderen nagelte unser Parteigenosse Riedel dies Stück Eigennutz fest. ES erhob sich immerhin eine Minderheit von zehn Stimmen gegen die Verabschiedung der Magistratsvorlage, die schließlich un- verändert Annahme fand. Bon einer NotstandSzulage an die städtischen Arbeiter usw. will der Magistrat den Errlärungen des Oberbürgermeisters Haber mann und des Stadtkämmerers R 0 h d e zufolge nach ivie vor nichts wissen. Doch teilte der Kämmerer mit, daß eine Magistratsvorlage in Vorbereitung sei. in der die L 0 h n s ä tz e der Wilmersdorfer Arbeiter nach dem Muster der in Eharlottenburg und Schöneberg bestehenden Sätze geregelt werden sollen und daß der Magistrat auch die Einführung einer Familienzulage für verheiratete Arbeiter plant. Bezeichnend ist es, daß eine Besprechung der wichtigen Anfrage mit allen gegen vier Stimmen abgelehnt wurde. An die öffentliche schloß sich eine geheime Sitzung. Grosi-Lichterfclde. Endlich hat sich der Gemcindcvorstand bemüßigt gesehen, den bisherigen zweiten Gemeindewahlbczirk westlich des Teltowkanals zu teilen und damit einen dritten Bezirk zu schaffen. Längst schon wäre die Teilung dieses großen Bezirks eine Notwendigkeit gewesen; die Wahlhandlung wurde von Wahl zu Wahl schwieriger, die Unbequemlichkeit für die Wähler und damit deren Unmut immer größer. Aber unseren Rathausdiplomaten machte die Wahlkreis- cintcilung insofern Schwierigkeiten, als bei einer vernünftigen, aber nicht im Interesse der bürgerlichen Klasse liegenden Einteilung die Zwangswählcr der Haupt-Kadettcnanstalt nicht mehr den Ein- fluß auf das Gcsamtwahlresultat ausüben konnten als bisher. Man hat deshalb zu einem geometrischen G... eniestrcich seine Zuflucht genommen und die Bezirke in ähnlicher Weise zusammen- gelegt, wie der schwarzblaue Block des Landtages den Landtags- Wahlkreis R i x d 0 r f- S chö n c b c r g. Eine Teilung des West- bezirks ergab sich am cinfachslcn durch die Drakeftraße, oder aber durch die Bncke-Ring- bczw. Drakcstraßc als Grenze. Statt dessen läuft sie jetzt von der Kant-, Pestalozzi-, Ring-, Augustanraße bis .zum Auguitaplatz und Öaydnstraßc, so daß also die Kadettenanstalt mit einem Teil der proletarischen Ehaussecstraße zusammen- gekuppelt wurde. Auf diese Weise glaubt man trotz der Teilung des Bezirks den Siejp der Sozialdeinokraiie, die bei den jüngsten ReichstagSSahlcn an der Spitze stand, bei den Komitlunalwahlen verhindern zu können. Es wird Aufgabe der Arbeiterschaft fem. diesen schönen Plan zu vereiteln und den Beweis zu liefern, daß die Sozialdemokratie trotz aller ausgeklügelten Kunststückchen aus dem Gebiete der Wahlkreisgeometrie bei den kommenden Gemeinde- Wahlen siegen kann und siegen wird. Neben dem Verdienst, das sich der Gemeindevorstand durch seine Wahlkreiseinteilnng um die politische Gleichberechtigung der Arbeiter erworben hat, ist es neuer- dings die Erweiterung der sozialen Fürsorge für die Besitzenden, die von diesen auch in Artikeln der Ortspresse dankbar anerkannt wird. Der Herr Schöffe L e n g n e r hielt vor etlichen Tagen in einem Grundbesitzerverein einen Vortrag über eine von der Ge- meindevcrwaltung geplante„großzügige" Einrichtung. Es handelt sich im wesentlichen um nichts anderes al� die Errichtung eines vornehmen Parkrestaurants� eines erstklassigen Wirtshauses für die besseren Gesellschaftsklassen an Stelle der heutigen Wiesenbaude— auf Kosten der Gemeinde. Aber nicht bloß für die zufriedenen und vornehmen Bürger soll gesorgt werden, sondern auch für diejenigen, deren Vermögen nur in Nickelgcld besteht. Für sie gibt es„die Schänke, ein großer, ein- fach aber gemütlich eingerichteter Raum mit stets frisch sprudelnder Bierqnelle, wofür billi- ges Geld einfacheren Ansprüchen gedient werden k a n n." Diese„Schänke" liegt zu ebener Erde, nach der Teltowcr Straße zu, damit der Ausblick für die vornehmen Gäshp des künstigen Parkrestaurants aus den Park nicht gestört oder bc- cinträchtigt wird. Die Gemeindeverwaltung hat, wie man ficht, auch leichte soziale Regungen für das Proletariat, das durch einen ausgiebigen Besuch der„gemütlichen Schänke" das erhebliche Defizit mitdcckcn darf und soll, das naturnotwcndig durch die splendiden Einrichtungen in der Bcl-Etage für einen kleinen exklusiven Kreis von Einwohnern entstehen muß. Wenn die Gemeindeverwaltung die Anlage einer Wartehalle für die Straßenbahngäste nebst ein- facher Erfrischungshalle im öffentlichen Park beabsichtigt, so ist dagegen nichts einzuwenden. Aber die Gründung eines Klub- Hauses für eine Handvoll reicher Leute aus Kosten der übrigen Steuerzahler fordert energischen Protest heraus. Worauf das ganze Projekt hinausläuft, das hat der Befürworter desselben auch beut- lich bekundet mit den Worten:„Nicht nur das sind werbende An- lagen für ein Gemeinwesen, die einige tausend Mark baren Ucbcr- schuß erbringen, sondern wohl noch m�hr solche, die dazu beitragen, denWert desTerrains zu heben,' die Gelände' aufzuschließen und das Interesse für den Ort zu heben." Mit einem Wort: es bandelt sich darum, die Grundrente zu steigLirn, die Mieter im noch höherem Matze den � Grundherrcn tributpflichtig zu machen— um eine A k t i 0 11 zugunsten d c r G r u n d b e s i tz e r. Als vor Jahren der sozialdemokratische Verein bei der Gemeindeverwaltung bcan- tragte, den Bau von Wohnhäusern in eigener Regie auszuführen und dadurch das Wohnungsclend der unbemittelten Schichten einiger- maßen zu mildern, da lehnte man das, weil angeblich nicht zu den Aufgaben der Gemeinde gehörig, ab, und außerdem wollte man den Privatunternehmern keine Konickrrenz machen; seitdem scheinen sich die Ansichten auf dem Rathaus gewandelt zu haben — je nachdem ob es sich um die besitzende oder besitzlose Klasse handelt. Friedenau. Aus der Gemeindevertretung. Dreimal schon ivurde die Be- ratung des Ortsstatuts betr. Verlängerung der Sonntagsruhe im Handclsgewcrbe vertagt, angeblich weil man erst abwarten wolle, wie sich Steglitz zu dieser Frage stelle. Die Steglitzer Gemeinde- großen, denen man sozialpolitisches Verständnis noch nie nachsagen konnte, lehnten die Vorlage rundweg ab. Um dasselbe zu erreichen, führte man hier eine Komödie aus. wie sie sich widerlicher wohl noch in keiner kommunalen Körperschaft abgespielt hat. Zu einer Ablehnung fehlte den liberalen Maulhelden, da die Gemcindewahlcn in bedrohlicher Nähe gerückt sind, die nötige Kurage. Nachdem die Herren„ihr Bedauern" über den Steglitzer Beschlutz zum Aus- druck gebracht, beschlossen sie dem Ortsstatut unter der Bedingung zuzustimmen, daß es an dem Tage in Kraft trete, an dem es Steglitz auch einführe. Genosse Richter ermahnte die Herren, sich durch ihre Beschlußfassung nicht wieder wie schon so oft der Lächerlichkeit preiszugeben. Er ivicS darauf hin, daß Schönebcrg und Wilmersdorf, die doch geschäftlich mit Friedenau eng verwobcn seien, der Vorlage längst zugestimmt haben, und daß es doch nicht notwendig sei, sich immer nach dem rückständigsten Nachbar zu richten. Es hals alles nichts! Die Handelsangcstcllten aber wer- den bei den im März stattfindenden Wahlen den liberalen Jesuiten die Ouittung für ihr trauriges Verhalten ausstellen. Ein Antrag des Gcmeindcvorstandcs verlangt, daß das in Friedenau noch freie Friedhofsgelände nicht weiter benutzt werden soll, und die Verstorbenen vom 1. April 1913 auf dem in Gütergotz zu Friedhosszwcckcn erworbenen Gelände begraben werden sollen. Die ungenügende Begründung der Vorlage durch den Schöffen Licht- beim vcranlaßte unseren Genossen Richter, zu bemerken, daß eine Vorlage von solcher Wichtigkeit mit so ungenügenden Unterlagen für eine sich ihrer Verantwortung bewußten Körperschaft absolut nicht diskutabel sei. Tatsächlich wurde auch der Antrag, des Ge- mcindevorstandes nach längerer Debafte,' in der sich der Liberale v. Wrochem unserem Redner anschloß, abgelehnt und der Friedhofs- ausschuß beauftragt, ein genau berechnetes Projekt vorzulegen. Da vom 1. April d. I. an die Nachtwächter abgeschafft werden sollen, wurde die Anstellung von vier neuen Polizeisergeanten beschlossen. Eine Polizeiverordnung, welche den Hausbesitzern die- Streupflicht 'bei Eisglätte auferlegen will, wurde vertagt. Die letzte Mitgliederversammlung des Wi-Hlvereins beschäftigte sich in der Hauptsache mit der bevorstehenden Gemcindcwahl, über die der Genosse Richter referierte. Da der letztere wegen Ücbcr- lastung mit anderen Arbeiten seinen Posten als 1. Vorsitzender niederlegen mußte, wurde an seiner Stelle der Genosse Richard Hagen gewählt. AlS Schriftführer an dessen Stelle der Genosse R u t t k e. Obcr-Schönettieide. Die Gcmcindcwählerliste für 1912 zeigt wieder den argen Siderflnn des GemeindcwahlrcchlcS. Es gehören der ersten WSHlerNossc 2, der zweiten Klasse 326 und der dritten Klasse 4S85 Wähler an! Krasser kann das Geldsackwahlrecht nicht in Erscheinung treten. Die Gemeindewahlcn werden in diesem Jahre gemäß einem Anlrage unserer Vertreter für die dritte Klasse an einem Sonntage statt- finden und zwar ftir die nach dem Dienstalter ausscheidenden und die erstmalig anSzulosenden Vertreter, welche bei de» Vermebrungs. Wahlen gewählt sind. Bei der bis zum 80. Januar zur Einsicht- nähme ausliegenden Wählerlifte werden namentlich diejenigen, welche als Chambrcganlisten innewohnen, genaue Prüfung anstellen müssen. da sich herausgestellt hat. daß deren Aufnahme vielfach unter- blieben ist.. M Die Zentralküche, welche von der Gemeinde als Maßnahme zur Linderung der Teuerung in der Lanfencr Straße errichtet wurde und die jetzt in eigene Regie der Gemeinde genommen ist, wird nicht in dem Maße in Ampruch genommen, wie dies im Jnterrssc der Sache wünschenswert wäre.� Bei weiterem Mickgang des Betriebes dürste das Fortbestehen derjelben wohl in Frage gestellt werden. Grüna«. Zu de» in cinigei, Wochen stattfindenden Kommunalwahlen nahm am Dienstag eine„ach dem.Jägerhaus" einberufene öffentliche Kommunalwahlerversanniilung Stellung, in der Stadtverordneter Genosse Wutzky j» einem großzügigen Referat unsere Aufgaben 111 der Kommune behandelte. Nach dem Vortrage kennzeichnete Genosse B l u m e das elende Dreiklasien Wahlrecht an Hand der gegenwärtig miStiegeiideii Wählerliste. Dieselbe weist 4 Wähler der ersten Klasse, 50 Wähler der zweiten und 770 Wähler der dritten Klasse aus. Am Schluß seiner Aussührungeii richtete er die Mahnnng an die Versaiiimetten. auch hier dafür zu sorgen, daß endlich sozial- demokratische Vertreter in das Ortsparlament geivählt werden. Hus aller Melt. Schreckenstaten eines Geisteskranken. Zu recht aufregenden Szenen kam es in München am Mittwoch- abend bei der Festnahme eines geisteskranken Maurers, der in eine Nlinik eingeliefert werden sollte. Als mehrere Angestellte der Rettungs- gcsellschaft mit zwei Polizisten vor der Wohnung des MaurerS er- schienen, fanden sie die Tür versperrt. Als man sich gewaltsam Eingang in die Wohnung verschafft hatte, feuerte der Geisteskranke aus dem dunklen Korridor einen Nevolvcrschub ab und verletzte einen Schutzmann am Oberarm. Während sich nun die Beamten zurückzogen, um Verstärkung zu herbeizuholen, vernagelte der Geisteskranke die Tür und schob zweimal auf die im Hof anwesende Menschenmenge, ohne jedoch jemand zu ver- letzen. Die Nacht über wurde das Haus polizeilich ge- schlössen und bewacht. Gestern früh gegen 3 Uhr stürzte sich der Geisteskranke plötzlich aus dem dritten Stock in den Hof hinab. Es gelang jetzt den Schutzleuten, den Geisteskranken zu überwältigen,, so daß er in die Psychiatrische Klinik eingeliefert werden konnte._ Vierfacher Mord und Selbstmord. In einem Anfall von Schwermut hat am Donnerstag- mittag die Ehefrau des ZicglerS Hufemann in Schötmar lLippc-Tctmold) vier ihrer Kinder im Alter von vier bis neun Jahren erschossen und sich dann selbst eine Kugel in den Kopf gejagt. Die schwer- verletzte Frau ist bald darauf ihren Verletzungen erlegen. Das fünfte Lkind befand sich zur Zeit der Tat in der Schule und blieb so verschont.__ Barbarei aus der neue» Welt. In der amerikanischen Presse macht folgende Notiz die Runde: Ausgepeitscht. Wilmington, Del., 8. Jan. Trotz der geradezu sibirischen Kälte, die das Quecksilber im Thermo- meter unter den Gefrierpunkt trieb, wurden im Hofe des Arbeits- Hauses von Castle County sieben Sträflinge an den Schandpfahl gefesselt und ausgepeitscht, nachdem man ihren Körper bis zu den Hüften vollständig entblößt hatte. ES waren sechs Neger und ein Weißer, welche dieser barbarischen Strafe ausgesetzt wurden. Der Weiße, Howard Morris mit Namen, hatte einen Revolver gestohlen. Er erhielt zehn Peitschenhiebe und ein Jahr Haft. Er schrie laut auf bei jedem Schlage, den er erhielt. Einer der Neger schien unsägliche Qualen zu leiden, während man ihm die zwanzig Hiebe aufzählte. Er schrie um Gnade nach jedem Streich. Oberwarden Crawford teilte die Peitschen- hiebe persönlich aus. Die Prügelstrafe gereickt dem freien Amerika zur höchsten Un- ehre. Eine gründliche Revision ist nur dann zu erwarten, wenn die Sozialdemokratie in den gesetzgebenden Körpern des Landes zu größerem Einfluß gelangt. Weder die republikanische noch die demokratische Partei haben bis heute vermocht und versucht, solch traurige und unwürdige Strafgesetze zur endlichen Aufhebung zu bringen._ Kleine Notizen. Den Treiber erschossen. Ein schweres Jag'ounglück ereignete sich während einer Hasenjagd in G r o ß- W u d i ck e bei Rathenow. Ein Schuß ging fehl und traf den Treiber L ü d t k e aus Klein-Wudicke i n d e n 1l n t e r l e i b. An den Folgen des Schusses ist Lüdtke bald darauf im Rathenower Krankenhanse g e st o r b e n. Eiscnbahliunfall. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Saar- brücken fuhr gestern ein Zug auf einen Leerzug auf. Der Zug- führer Ziegel aus Diedenhofen wurde schwor verletzt, Bau- rat H e n y e n, Mitglied dcS Eisenbahnzentralamtes in Berlin erlitt leichtere Quetschungen. Erdbeben in Griechenland. Wie aus Zakynthos gemeldet wird, haben dort große Erdbeben stattgefunden. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Weniger starke Erdstöße waren in L eukadi a, E li s und Kephallenia zu spüren. Eiselbaucrn. Zur Geschichte deS Niederganges deS lai bwIrtlchafMcheN Kleinbetriebes. Von Ernst Andröe.(Schluß.)— Litcrarische Nundichau. Dr. 50. Wagner, lieber die Organisation der Warenhauser. diaushauscr uno der großen Svczialgeschäste. Von N. Woldt.— Zcitschristenschau. Feuilleton der.Neuen Zeit- Nr. 47- Nn aufgeklarter Despot? V°N F. Mehring. Anselm Fenerbach. Von Diefenbach. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich eimnal und ist durchfalle Buch- bandlungen, Postaiistaltcn und Kolporlcure zum Preise von pio Onartal zu beziehen• iedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonnier! werden. DaS einzelne Hest koner'Zö Pf. Vom„Wahren Jacob- ist soeben die 3. Nummer deS 29. Jahrganges 10 Seite» stark erschienen. Aus ihrem Inhalt heben wir folgende �Z ei ch n UN gen: Mahnung. Von H. G. Jentzsch.— Bei Landrais. — Moderne BibclauSlegung. Von H. G. Jcnszsch.— Vorahnung. Joich den Reichstags wählen. Von H. G. Leutzsch.— Trost den--ayen. Von Mich. Rost. usw.,. Textbeiträge? Räch der Schlacht.— Folgen der Reichstags- wählen.— Der mißlungene Coup. Von Balduin.— Die Gefallenen.— Köln und Rom. Von En.—„Ein' feste Burg...— Hcydebrand.' Stichwahlbedinguiigcn.— Lieber Jacob! Von Jotlhilf Nauke.—.lniti".- kanischer Kugeltabak(illustriert).— Staatsbürgers Erdenwallc».— Nur eins I Von El. K.— Der Durchgefallene. Von Tobias, usw. Der Preis der 10 Seiten starken Nummer ist 10 Ps. Prob»»uinmern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Tictz Rachs. G. m. b. H. in �tilU- gart sowie von allen Buchhanclungcn und Kolporteuren zu bezichen. Von der„Gleichheit-, Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 0 des 22. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Der Zukunst entgegen.— Jungdeutschland. Von Mathilde Wurm.- Zur Lage der-deimarbeilermimi i» der Hutsabrilation. II. Von Johannes Heiden.— Vom Proletarierhanshalt. Von E. L.— Die Organisalion der Arbeiterinnen im Bnch- bindcrgewcrbe. Von Emil Kloth. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch dle Post bezogen beträgt der Abonnemenlspreis viertel- jährlich ohne Bestellgeld 05 Ps.: unter Kreuzband 85 Ps. JahreSabonnc- inenr 2,00 M. Chadschi Mural. Von Leo Tolstoi. Ein Roman ans des Dichters Nachlaß. Ucbertragung von A. Scholz. Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane. 4. Band. 1 M., in Leinen 1,25 M. Eingegangene Druckfdmften. WD Von der„Neuen Zeit- ist soeben das 17. Hest des 30. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des HestcS beben wir hervor: Die Wurzeln des Sieges.— Englands auswärtige Politik. Von Th. Nothstein.— Die Wetterprognose für Freitag, de» LL. Januar Zunächst etwas wärmer, vorwiegend lrübe und nebelig mit geringen Niederschlägen und niägigen südwestlichen Winden. später langsam ans- klärend und ein wenig kälter. Berliner W e t t e r b u r c a u. Theater und Vergnügungen Anfang Vi, Uhr. K. Opernhaus. Fidelio. K. Schauspielhaus. Der gehörnte Siegfried. Siegsrieds Tod. Tcutiches. Pcuthesilea. Haverland. Spezialitäten. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Schnmaun. Gala> Vor- stelluug. ZirkuS Sarrasani. Gala- Vor- slcllung. Ansang 8 Ubr. Urania. Saubcuftraste 48/10. Aus dem Leben des MeereS. Hörsaal: Pros. Eckstein: Herbst im Walde. Kammerspiele. Osfiziere. Leist» g. Glaube und Heimat. Neue-' Schauspielhaus. Mt- i..Oelberg. Residenz. Alles für die Firma. Kurfürsteuoper. Tiesland. «omiiche Dver. Undine. Westen. Russisches Ballelt. Lustipielhauo. Die Damen deS Regiments. Berliner. Große Rosinen. Pienes Ovcrette». Eva. Schiller O. Der Probepseil. Schnlei.(tliarlottenburg. Emilia Galotti. Fricdr.- Wilh. Schauspielhaus. Taifun. Neues. Die kleine Freundin. Luisen. AnS Mangel an Beweisen. Rose. Zwillinge. Königgrätzer Straße. Die süas Frankfurter. Kleines. LottchenS Geburtstag. Gentz und Fanny Elßlcr. Hocken« joS. Mec�ovol. Di- Nacht von Berlin. Drianon. Da» kleine Easg. Dhalia. Polnische Wirtschast. «kasino. Der Kamps ums Dasein. tllvolto. Svezialitälen. BaOage. Evezialltälen. Herrnsrld. Schmerzlose Behandlung. DaS Kind der Firma. ReichsvoNe». SIemner Sänger. Königstadt-Kasino. Im Taumel de» Glückes. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Ansang 8>,. Uhr. Folie» Vaprire. Mandelblüth'S Polterabend. Losgelassen. Waffen. Übung. Walhalla. Tensel, daS hat einge, Roack. Die Bettlerin und ihr Kind. Voigt. Anna Life. Ansang 8V, Uhr. Neues BolkSthratcr. Fritzchen. Der zerbrochene Krug. Belle. Alltnnce. Eherlock Holmes. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—02. Ledüler-Ilieslero.�' Freitag, abends 8 Uhr: ve»" Sonnabend, abend« v Uhr: ver HVex*iir lluiie. Sonntag, nachm. 3 Ubr; Der Probeknudldat. Sonntag, abends 8 Ubr: vor Probcpfcil._ Schiller-Thealer"C" Freitag, abends 8 Ubr: 4'.,» Iii»«»lottl. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der KlloniotcrfrcBser. Sonntag, nachm. 3 ützi: .Tlnrin Stuart. Sonnlag. abends 8 Ubr: __£iniila Galotti._ Luisen-Theater. Freitag(Premiere): Ans Mangel a» Beweisen. Sonnabciid 4 Uhr: Frau Holle. Abends 8 Uhr: HcHla O. «onnlag nachmittags 3 Uhr: Wir tanzen durchs Leben. Aods. S Uhr: Der Verschwender. berliner Tlieater. Abends 8 Uhr: Große Nosinen. 8 Uhr- Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: vi« kleine Frenndin. Sonnt. Nm. 7, Uhr: Oer(idcle Bauer. Nesideaz-Theater. Direktion Richard Alcrander. Abend? 8 Uhr: Alles für die Firma. (Ännö des femmes.) Schwank in 3 Alten von M.Hennequin u. G. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-BacckcrS. Morgen u.folg.Tage: gilesl.it. Oirma. Idester äes Westens. Abends S Uhr: Rnasisebe« llallett. Giselle— Scheherazade. Sonnab. u. Sonnt. 8 Uhr: plienee lllui. Sonnt, nachm. 3'/, Uhr: Fatlnltaa. LellesNisnce-'I'liester. Abends 8'/, Uhr- 8kerlock Dölmes. Gastspiel Ferdinand Bonn. i Große Frantjurler Str. 132. Ansang 8 Uhr. Zwillinge. Drama in 5 Alten v. tz. W. Tannhcim. Sonnabend 4 Uhr: Fra» Holle. Abds. 8Uhr: Talon»»d Kloster. IflstzoiiAMlös. Ansang 3 Uhr. Rauchen gestattet. vis Nacht von Berlin! Große Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. vi Schultz. Ab 8 Uhr-_ SV liCtzto Tage!' Die grandiosen Spezialitäten. 0 Uhr: Nur noch kurze Zeit k HVtttÄvn in Seni Herzensjunge. Voigt-Theater. Geiiuidbrnniieii Badstraße 58. Freitag, de» SU. Januar: �»im Ose. Histor. Komödie in 5 Aufz. v.H. Hersch. Mittwoch. 7. Februar: Zum Bencstz für öaumviator: Lin armer Edelmann. Kasseneröffnung 7, Ansang 8'/, Uhr. lieiekskaHen-Iiieater. Stettiner Sanger. Scnl*ca! Pantoffel-Helden. Burleske v Rcichardt. Ansang 8 Uhr. Sonnlag ? Uhr. ChOU" Berliner Konzerthaus, Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90/91. Großes Konzert !!! Zillerlhaler und Tegemseer Sänger, Plattler und Jodler!!! Anstich von 3 Königsbräu, dem köstlichsten aller Münchener Doppelbiere. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. An allen Woclicntagen nachmittags: Gr. Promenadcn-Konaert bei freiem Eintritt. Brauerei Friedrichshain am KUnljpistor. Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Heute Freitag: Elite=Tag. Das größte Bockbierfest. Auf der Alm. Heute:-HW Damen- Schiinbeitskonkarrenz. 6 Geldpreise.— Außerdem: Oratisvcrlosg. von 100 Wertgegenständen. Anfang 8 Uhr. Entree SO Pf. i«—«-1 Neue Welt. G Arnold Scholz. Haucnholde 108-114. Täglich: Bockbierfest in den bayerischen Alpen. 4 Kapellen. 30 bayerische Mad'l. Anfang 7 Uhr.— Entree 30 Pf. Trianon-Theater. Täglich abendS 8 Uhr: Bas kleine Cafe. Passage-Tiieater. Miriam Korwitz bÄ.„Die falle" Mile, Maroussia The Meteors Lina Loos tiOil 10 neue AttraktioneD! Urania. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Aus dem Leben des Meeres. Hörsaal Prof. Eckstein 8 Uhr; Korbst im Walde. BeiflenFeuerfresseru I.ebend! I.ebend! Die wilden Essauas. Karawane sudanesischer Heul- und Feuer-Fakire in ihrem Originaldorfe. Ohne Eilra-Eniree. IZIi'kus ; A. Freitag, 26. Jan, abends T'/j Uhr: Auftreten sämll. Spezialitäten. Um 9 Uhr; I Das neueste, noch nie {dagewesene, nicht zu jQbertr. Ausstatlungs- | stück der Gegenwart Das Motorpferd J in 5 Akten. j Sonntag in beid. Vorstellungen I nachm. 3 Uhr, abends 71/, Uhr: Das Motorpferd arrasaml Sehönliauser Allel Telephon: Nord 4100.1 Freitag, den 26. Januar, abends T'/s Uhr: Bravonr-Abend. Sonnabend und Sonntag, 3 Uhr und 7'/2 Uhr: Je 2 Vorstellungen 2 Nachmittags zahlen Kinder auf allen Plätzen halbe Preise, Vorverkauf a. d. Cirous- kasse und.— nur für abends— an sämtlichen BillettverkaufssteUen v. A. Werthelm MMlil Noch nie dagewesener Lacbcrfolg. Das Kind der Firma mit Anton u. Donat Herrnfold in den Hauptrollen. Vorher: Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. 09—0999909 SS««»»»» Noacks Theater. Direktion: stöbert Olli. Berlin N.. Bruiinciistraße 16. Die Bettlerin imb ihr Kind. Schauspiel in 5 Akten von Meißner. Ansang 8'/. Uhr. Bons usw. gültig. Morgen: Dieselbe Borstellung. Königstadt-Kasino. Ecke Holzmarkt- u. Ai exanderstraße Bis K. Februar täglich: Im Tsinmel des Gtiickes. Bolköstück in 2 Bildern. Die erstklafsigeu Spezialitäten Jeden l. u. 16. Programmwechsel. Ztf»'Im« Bösels Freitag, 26. Januar, ab. Vj, Uhr: Komlscli. Gala-Abend! Gastspiel Gcrtr. Arnold l>ie Mexe. Besonders hervorzuheben: Die Folterkammer. Kiesenfouertanz und Aufstieg der 200 Hexen und Teufel. Vorher: Mk" Taft! Manege-Illusionskunstler. Sandi-Siwet and Amats(Javaner). Hr. Schumann, Freihoitsdress. 3 Schwestern Blumenfeld, Beck zu Pferde. und das große Gala-Programm. Kabarett nnd Theater. Jeden Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Iheater Alt- Berlin Blnmcnstr. XO. Anfang S'/j Uhr, Sonntags 7 Uhr. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Ansang 8 Uhr Der größte Theatererfolg! Täglich anSoerlaust. Der Kampf miis Dasein. Aktuell! Dem heutigen Leben cnt- nommen. Allabendlich tosender Beifall I Folies Caprice. Täglich 8>/. Uhr: Losgelasseu. WgffenübunK. MandelbliithS Polterabend k) i«- A. r v u». Nachmittags: Ulllltitr- Konzert. ivunstlaul- Produktionen. Abends die Noviliüen: Tänze a. d. Eise, Bhein- länder, Kussisoh, Engl., Alt-Wiener Walzer und | Die kleine t'harlotte.l Oer norwegische Meister Harry Panlscu | sowie d. prächt. Eisballott| Aiitonzanbcr. Bis« Uhr u. von 10-, Uhr halbe Kassenprcise | Restaurant I. Ranges. BerMBlK-Tria Ui Uxdorf-Berlin,«S Lahnstr.74.i- 1 ffitt den Inhalt der Juieräti «vernimmt die Nednktiou dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Arbeitsnachwels; � Slmt Norden, Nr. 1987 Amt Noroen, Nr. 1239. CharitHstrasie 3. Sonntag, den 28. Januar 1912, vormittags 9>/z Uhr in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/39: Branchen- Versammlung der Merkzengmücher(Sriinittbaiifr, Fthreilbaner, Sch»eid;eug- mnrijfr, Einrichter, Schlirffchleifer), souiie sämtlicher in KlichdnicherkimnschintnfnbrilZtu beschäftigten Kollegen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Wcitoffm Zl. Ritter. 2. Bericht der Agitations- kommission. 3. Neuwahl des Branchenleiters und der ZlgitationSkommission. 4. Branchen- und Verbandsangelegcnheiten. tttinv ZIitjrIiv«Z«I»n«;I» Kola Zutritt,"VC In Anbetracht der Reichhaltigkeit der Tagrsordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Sonntag, den 28. Jannar 1912, vormittags 10 Uhr: « Versammlung= aller in den Emaillier-Werken Kerlins und Umgegend beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen im Gewcrkschaftshaus zu Berlin, Engelufcr IS. Tagesordnung: 1. Wie können wir unsere wirtschaftliche Lage verbessern? Referent Fritz Carl. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen! Bei der außerordentlichen Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht jedes Einzelnen, in dieser Brrsamm- lung zu erscheinen._ Sonntag, den 28. Januar 1912, vormittags 10 Uhr, im Lokal von Schulz(Mendts Festsäle), Münzstratze 17, Eingang KömgZgraben: Branchen- Versammlung der Schmiede, Kesstlschmiede uud autogemschen Schmeißer. Tagesordnung: l. Vortrag des Kollegen P. Pawlowitsch über:„Klassenjustiz und Meineid". 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet.~M> Metallarbeiter- Notiz- Kalender für daS Jahr 1912 ist erschienen und im Bureau sowie bei den Bezirks- kassicreni zum Preise von KV Pf. pro Stück zu haben. Desgl. ist erschienen: „Die Arbeitszeiten in cler Eilen- und]MetaU- indultm Dcutlcblands" zum Preise von 3V Pf. pro Exemplar. uns_ Die Orts Verwaltung. Verwaltung Berlin. Heute, Freitag, abends 8Vz Uhr, im Gcwerkschaftshause, Engel- ufer>4/15, Saal 4 stlrbeitslosensaalj: Sitzung der Ortsverwaltung. Branchenversammlungen: Sonntag, den 28. Januar: �ilcbler für kieterne und lädiNlcbe IVlöbel vormittags 10 Uhr im Englischen Garten. Alexandcrstr. 27c. Tagesordnung: 1. Vortrag; Rcserent Kollege Fendel. 2. Brauchen- und Verbandsaiigclegcnheiten. Montag, den 29. Jannar: jVsusikinltrumentenarbeiter°b� �r Tagesordnung: 1. Tätigkeilsbericht der Branchenkommission vom Jahre 1911. 2. Neuwahl der Branchenkommission. 3. Der Streik bei der Firma Bechstein. 4. Verbands- und Branchenangelegenheiten. JMöbclpoUmr ZW�A�uhr®nflüfrfjcn®flrten' Tagesordnung: 1. Bericht der Branchenkommission. 2. Wahl der Branchenleitung. 3. Verschiedenes. Montag, den 29. Januar, abends 8>/2 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 c: Vsnssminliing aller bei NslhIttiMIIlllSSIIItißttll llkslhiist. Kbllklstll Tagesordnung: Til-O Wahl des GeselleiiailSschnsses der Tischlerinuung und der Beisitzer zum Jnuungs-Schicdsgericht. Achtung! Lehrlmgeu.jugendlicheArbeiter der Holzindustrie! Sonntagnachinittag von 3—8 Uhr abends ist der ArbeitSlofeniaal im Gewerkschastshauje, Engeluser l4/t5, als Lesesaal für die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter geöfjnet. Sämtliche Bücher und Z-ilschristen der Jngendbibliothel liegen zur sreicn Benutzung aus. 'Auch stehen den Besuchern Unterhaltungsipicle zur Versügung. Die Werkstattvertrauensmänncr werden gebeten, dir Lehrlinge auf den Besuch des Lesesaales aufmerksam zu»lachen.__ Ko senthaler Hof. L Säle m. Theaterbühne. 150—40» Perf.. 9 Vereinszimmer, 2 Kegelbahnen an Ecwerkschasten und Bereine unter kulanten Bedingungen zu vergeben. Sonnabende und Sonntage noch frei.— Amt Norden Nr. 2438. Sechster Wahlkreis. Zonntng, den 28. Innnnr, abends 6� Uhr, im Sminemiinder Gesellschastshans, Swinemönder Straße 42: ljelleotlieke politisede VersAmmIllvg für HFüniKSR' und brauen. Vortrag des Genossen 0r. Julius Moses. Ans zur Wahl! Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein und Tanz. 224/18»___ Ter Einberufer: Julius Marschner, Swinemünder Str. 70. Tischlerverein (E. H. 89). Sonnabend, den 27. Jannar. in K l i e m s F e st s ä l e«, Hasen- Heide 13—15: r Ii verbunden mit komischen Vorträgen und Ueberraschungen. Anfang 9 Uhr. Billett 5» Ps. Freunde und Gönner des Vereins ladet ein 198/4 Der Vorstand. Das Zahlen der Beiträge ersoigt Sonnabend, den 3. Februar. AMer-Bildungsschule Berlin. Schnllokal: Grenadierstr. 37, Hol geradezu 1. Lehrplan für das I.Quarta! 1912. Sonntag: BfatlonalKbonomie.(Die Grundbegriffe der theoretischen Nationaökonomie. I. Teil.) Die Nationalötonomie als selbständige Wissenschaft, ihre Einteilung nnd Objekt.— Die Geschichte, das System und die Methode von Marx'„Kapital".— Die Entwickelung zur kapitalistischen Weltwirtschaft; Entstehung uud Wesen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung.— Die Ware als Elementarform der kapitalistischen Produktionsweise.— Die gesellschaftliche Arbeit.— Der Gebrauchswert und der Tauschwert der Ware.— Geld. Preis.— Die Verwandlung von Geld in Kapital.— Die Erscheinungsformen des Kapitals. Vortragender: Max Grunwald. Dieser Unterricht in Kationalökonomle findet nicht im Schullokal, sondern im Kttnigstadt Kasino, Uolzmarkt- stralle 72, Sonntag vormittags 9 Uhr statt. Sonntag: Hednerschnle(mündliche und schriftliche Agitationsübung). Der Ausdruck in Wort und Schrift.— Die Technik und Dis- eosition der Rede und des schriftlichen Berichts.— Praktische ebungen über bestimmte Fragen aktueller Wirtschaftspolitik. Vortragender: Max Grunwald. Son ntag: Geschichte(Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert). Ideologische und materialistische Geschichtsbetrachtung.— Deutschland vor hundert Jahren.— Deutschland und die französische Revolution.— Die„Befreiungskriege" und ihre Folgen. Die Zeit der Mettemichschen Reaktion.— Die ersten Regungen der deutschen Arbeiterschaft.— Wilhelm Weitling und seine Zeit.— Die vorrevolutionäre Bewegung des deutschen Bürgertums.— Die deutsche Arbeiterbewegung in den vierziger Jahren.— Der wissenschaftliche Sozialismus. Vortragender: Konrad Hönisch. 6/2* Montag; Slatarerkenntnls. Glauben nnd Wissen. Die Entwickelung des Weltalls: Die Entstehung der Erde.— Die Erdzeitalter. — Die Entwickelung des Lebens.— Darwin, Darwinismus und Lamarckismus.— Die Entstehung der Arten.— Die Abstammungslehre.— Die Entwickelung des Menschen. Vortragender:Emanuel Wurm. Mittwoch: Uteraturscschlchte(Die neue deutsche Dichtung. Die Vorempfinder.— Die konsequenten Naturalisten.— Die „Neutöner".— Die„Dekadenten".— Die Impressionisten.— Die sozialpsychologischen Vertiefer.— Die Mystiker und Symbolisten.— Die Neuromantiker.— Die Sucher einer neuen Realistik.— Die Zusammenfasser. Vortragender:Juda Bubin. Donnerstag; Gesetzeskande(Aus dem Arbeiterrecht). Der gewerbliche Arbeitsvertrag.— Der Dienstvertrag.•— Streitigkeiten aus dem Arbeits- und Dienstvertrag.— Das gerichtliche Verfahren bei Klagen' aus dem Arbeits- nnd Dienstvertrag.— Das Ärmenrecht in der Prozeßführung.— Die Schadenersatzpflicht.— Vormundschaft und Unterhaltnngs- pflicht.— Zwangserziehung und das Ziehkinderwesen.— Freizügigkeit und Auswanderung.— Staatsbürgerrechtserwerbung (Landtagswahlrecht).— Praktische Anleitung für Eingaben und Anträge an Behörden usw. Vortragender: Georg Schmidt. Freitag: Gewerkachattsweaen(Geschichte und Theorie der Gewerkschaften). I. Einleitung: Von der Entwickelung des Handwerks bis zum Großkapitahsmns der Gegenwart.— II. Vorläufer gewerkschaft- . Zentralisationsbestrebungen Wickelung fler freien Gewerkschaften von 1890—1910.— VII. Partei und Gewerkschaft.— VHI. und IX. Die gegnerischen Gewerkschaften.— Entwickelungstendenzen der deutschen Gewerkschaften. Vortragender: Emil Dittmer. Sonnabend: Die polltlaclien Dartelen. Begriff der Partei.— Parteien und Klassen.— Die ökonomischen Grundlagen der Parteibildung nnd Parteientwickelung. — Die Geschichte der konservativen Parteien.— Konservative Weltanschauung, Programme und praktische Politik.— Das Wesen des Liberalismus.— Geschichte des deutschen Liberalismus bis zur Gründung der nationalliberalen Partei.— Die Nationalliberalen.— Die linksliberalon Gruppen.— Die konfessionellen Wurzeln des Zentrums.— Die innere Entwickelang des Zentrums von der Kulturkarapfzeit bis zur Gegenwart.— Sozialdemokratie und bürgerliche Parteien. Vortragender; Emil Eichhorn. Unterrichtsbeginn: Freitag, den 26. Januar: Gewerkschafts- wesen. Sonnabend, den 27. Januar: Geschichte der politischen Parteien. Sonntag, den 28. Januar: Geschichte. Nationalökonomie. Rednorschule. Montag, den 29. Januar: Naturerkenntnis. Mittwoch, den 31. Januar: Literaturgeschichte. Donnerstag, den 1. Februar: Gesetzeskunde. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um S'/s Uhr und endet um 10 l/hr. Der Sonntags- kursus in Nationalökonomie findet im Königstadt-Kasino, Holzmarktstraße 72, statt und beginnt O Uhr vormittags. Der Sonntagskursus in Geschichte im Schullokal. Beginn 9 Uhr. Der Kursus in Rednerschule beginnt um 11 Uhr im Schullokal. Die reichhaltige illhliothek ist an den Untorrichtsabonden von 7'/.— 81/, Uhr §eöfiiiet. Sonntags ist dieselbe geschlossen Der Mitgliedsbeitrag eträgt pro Monat 25 Pf.; das Untorrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt bei Beginn jedes Kursus im Schullokal GreniuUerstraße 37, Hof gcra»lcxu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfir. Schulz, Admiralstr. 40a; Renl, Barnimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; W. Kaczorosvskl, Ravenestr. 6; Horsch, Engelufer 15. Alle Zuschriften an den Vorsitzenden Heriiiann Tiiuuine, I.ichtenberg-IlerHii. Rlttergutstr. 25 I, Geldsendungen an den Kassierer II. Königs, Berlin S. 59, Hasenheide 56._ Der Vorstand. Schailplatten Verleih- Institut. 1 | Auch nach auswärts. Prosp. gratis. I Karl Borbs, Berlin 69 I Neue Königstrasse 38. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PrinzenslF. 41, 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2— 4. Steinarbeiter. Sonntag, den 28. Januar 1912, vormittags 9 Uhr, in Kellers„Nene Philharmonie", Köpenicker-, Ecke Neue Jakobstr. General-Versammlung. Tagesordnung: Ulli* 1. Jahresbericht des Vorstandes, der Gauleitung und der Be- schwerdekommission. 2. Neuwahlen. 3. Verschiedenes. Die Kollegen sämtlicher Branchen sind verpflichtet, an dieser wichtigen Versammlung teilzunehmen und pünktlich 9 Uhr zu erscheinen. £4�- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."WQ Noch nicht abgeholte Bücher gelangen am Eingang zum Saal zur Ausgabe. Agitiert für guten Besuch. Die Ortsverwaltuug. Meiter-Raiilalirei'- BudiI Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren Sonntag, den 28. Januar: 1. bis 11. Abt.: 1 Uhr. Nowawes (Singer). 10/7 Start an den bekannten Stellen. Heute: Jahrwartsitzung. £W Achtung!-ME Genkrat-Vtrsammillllg Mittwoch, den 31. Januar, abends 8'U Uhr bei Borgmann. Andreasstr. 2l. Berliner Eingetragene Kenosscnschasl mit be- schräntter Hastpflicht. Bilanz per 39. September 1911. Jkhtrv». 1. Kassa-Konto..... 2931,63 2. Bank-Konto..... 5395,18 3. Waren-Konto.... 6253,— 4. Eimichtungs-Konto., 15700,— 5. Gespann-Konto.;.. 19000,— 6. Gespaiinuntosten-Konto. 1224,80 7. Betriebsunkosten-Konto. 54,40 8. Konto pro Diversi.. 610,— Mark 51169,01 UooGiva. 1. Konto pro Diversi., 2. Darlehns-Konto.. 3. Reservesonds-Konto, 4. Konto der Genossen.. 5. Gewinn- u. Berlust-Konto—,— alter Saldo.... 1834,63 neuer Saldo.... 2964,81 , 12819,57 . 31500,— , 550,— 1500,— Mark 51169,01 Im Lause deS GeschästsjabreS 1910/11 Ist kein Genosse beigetreten und keiner ausgeschieden, Es gehörten der Genossenschaft am «chlusi des Geschäftsjahres 1910/11 15 Genossen an mit einer Gesamt- Haftsumme von 1500 Mark und dem gleichen Geschäftsguthaben. Die Hast- summe hat sich nicht vermehrt und nicht verringert, 102/5 Berlin, den 24, Januar 1912. Her Vorstand. R. Michaelis. Paul Lenz. Orts- Krankenkasse Reinickendors. Reinickendorf, den 22. Januar 1912. Wir geben hierdurch bekannt, bah sich der Vorstand genannter ftasie im Jahre 1912 aus solgcnden Personen zusammensetzt: 270/15 Franz Bensch, Berlin, Bornhoimcr Stratze 74, 1. Vorsitzender. Richard Käsler, Reinickendorf, Kopen- Hagener Str. 13, 2, Vorsitzender. Paul Ncubcckcr, Berlin, Soldincr Strasie 32, 1. Schriftführer. Karl Liebrenz, Reinickendors, Brienzer Str. 3, 2. Schristsührer. Paul Anders, Reinickendorf, Haupt- strasie 51, Beisitzer. Paul Kiescwalter, Reinickendorf, Winterstr. 11, Beisitzer. Paul Gursch, Reinickendors, Provinz- strasie 56, Beisitzer. Adolf Hürtgen, Berlin, Eellerstr. 1, Beisitzer. Max Pientka, HermSdors i. d, M., Aibrechtslr. 83, Beisitzer. Ter Vorstand. Bensch. Ncubcckcr. UWW Ziehung 8. Februar■EBB 16- Schlesische Pferde a d• lottene I nnn, 1*k- Porto n. Liste L0S6 a JL= 26 Pfg. extra 3842 Bewlnne. Besamtwert Hark 60000 apeo. 48 Pferd« und 0 Bqalpagea Hart 40000 S-00 BHbergeirlane Mark 20000 LH«aptfew.: Sqalpafe mit sFferdtn Uk. 10000 Lose empfehlen nnd versenden Lud. Müller« C0= RctV-Hn Bankgeach. OtZriin Br«lte»tr, 6. mW Telegr.-Adr.; QlüokvnQiler. mm* Verkauf nur Im Fabrikgebäude! I I Wenn MSiesparen Geld! s,. n h I di-kt Engrospreisen g äf W C■ in der Möbelfabrik � H. Walter m Willi Maaß, ä 35 j H kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebäude— nur 0 eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. 0 35■■ Permanente Musterzimmer-Ausstellung.■■ 35 Kenner banen den durch seine Güte unerreicht dastehende« Kapitän- Kautabak General-Vertrieb: Carl Röcker, Berlin 0. 27, GrünerWeg 119. Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für den gnjeraientetl verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: BorwärtA Buchdruckerei u. Perlagsanstait Paul Singer u-Co� Berlin