Kr. SÄ. RbennementS'Bcdlngungjtis Abonnements• Preis dränumeranbai Vierleljährl. Z.ZV M!, monall. l.lo Tit. loöchenllich 28 Pfg. frei WS HauS, Einzelne Nununcr S Pfg. Sonntags- numincr mit illnstricrter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" lv Pfg. Post- Wonnement: l.lv Marl pro Monat. Eingetragen w die Post-ZcitungS- Prelsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Ruinänien. Schweden und die Schweiz. 39. kMlliil täglich anBtr menfagj. Verlinev Volksblnkt. v!« Insttttsnz-eebllh? letrbgt für die fechszcspallene Kololt't- geile oder deren Raum M Psg., für politische und gcwerlschaflliche Pereins- und Bersammuings-Anzeigen iXi Pig, „Kleine Anreisen", das sctlgedrur'ie Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fetlgedruclte Worte), jedes weitere Wort lv Pfa. Stellengesuche und Schlafftellenai:- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedeS wettere Worts Pfg. Worte über IS Puch- ftaben zählen für zwei Worte. Jnseraie für die nächste Nuuuner müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expediiivn abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramin-Adreffe: «S»zIsIsIi!!!Slili!t H«rii9", Zcntralorgan der fosialdemohratifcben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstraaee 09. Fernsprecher: Amt Moriffplatz, Nr. IS8S. Sonntag, den Ä8. Januar 19 1£. Expedition: 8 Tl. 68, Lindcnstraase 69. Fernsprecher: Amt Moriffplai?, Nr. Iii 8t« gas Cndzid Unseren Gegnern, namentlich den reaktionären, genügt die sozialdemokratische Aufklärungsarbeit noch immer nicht. Stets beklagen sie sich, daß wir im Wahlkampf zu wenig von unseren letzten Zielen gesprochen hätten. Besonders lustig bringt das die„Kreuzzeitung" zum Ausdruck, die in dem- selben Atem Ausnahniegesetze gegen die revolutionäre Agitation der Sozialdemokratie fordert und sie beschuldigt, diese revolutionären Ziele in ihrer Agitation sorgsam verhüllt zu haben. Anders die Liberalen. Sie erzählen— allerdings nicht gerade dort, wo sie mit uns selbst im Kampfe stehen— ihren Anhängern, die Sozialdemokratie glaube ja selbst gar nicht mehr recht an ihr Endziel, an die Eroberung der Staatsmacht zur Unnvaiidluiig der kapitalistischen in die sozialistische Ge- sellschast; die Sozialdemokratie»verde vielmehr immer mehr eine radikale Arbeiterpartei, eine Hilfstruppe des siegreichen Liberalismus. Nun bedürften solche liberale Prophezeiungen nicht gerade einer längeren Auseinuudersetzuiig. Seitdem der Sozialismus existiert, begleiten ihn und sein Wachstum die Widerlegungen unserer Gegner, und gerade der jetzige Augenblick,»vo die letzten großen Arbeitermassen sich anschicken, das bürger- liche Lager endgültig zu verlassen,»vo in England der Sozialismus reißende Fortschritte macht, ist für solche Prophezeiungen nicht-gerade glücklich gewählt. Wenn ober einige unserer Gegner sich die Andeutung er- lauben, die sozialdemokratischen„Führer" hielten nur deshalb am Endziele fest,»veil die„dumme Masse" eines solchen Glaubens bedarf, so ist über diese Verleuindung erst recht kein Wort zu perlieren. Die Herren beweisen danlit nur, daß sie tveder von sozialdemokratischen Führern noÄ von der sozialdemokratischen Masse auch nur das geringste wissen, daß sie keine Ahnung haben von der Stimmung und dem Wollen, das das ungeheure Heer nicht nur der deutschen Sozialdemokratie, sondern der ganzen Internationale zu einer Geistesgcmeinschast eint. Sie können es freilich auch kaum wissen, da ihnen der Sozialismus doch immer fremd, seine Wissenschaft ihnen stets ein Geheimnis geblieben. Selbst nicht gewohnt, nach fester Ueberzeugung wissensiPlftlich begründete Politik zu machen, erscheint ihnen solche Politik so unbegreiflich, daß sie in ihrer Armseligkeit sie nur für Schwindel anseben können, die einzige Art, sie ihrem Verständnis näher zu bringen. Aber die Frage nach dem Endziel und seiner Bedeutung für die sozialdemokratische Politik hat auch noch ein anderes Interesse. Daß unsere Gegenwartsarbeit im Dienste der Zu- kunftsarbeit steht, daß der Reformarbeit in der sbürgerlicheu Gesellschaft wenn auch elastische, so doch enge Grenzen ge- zogen sind, daß der Kampf der Arbeiterklasse nicht nur einer Verbesserung ihrer Lage, sondern der Aufhebung des Pro- lctariats und damit des Klassenunterschiedes überhaupt gilt, das sind Erkenntnisse, die ebenso immer mehr in den unver- lierbaren Beivußtseiiismhalt der Arbeiterklasse eingehen, wie Ke von Bürgerlichen geleugnet werden müssen. Denn dies Augebeil, hieße ja für alle, die an der kapitalistischen Gesell- schaft festhalten»vollen, sich selbst aufgeben, ihren Bankrott eingestehen. Aber auch in der Sozialdemokratie selbst ist die Frage des Endziels verschieden beantivortet worden. Und das ist ja auch sehr natürlich. Hängt es doch von den Studien, der Weite des Blicks, schließlich vom Teinperament jedes Einzelnen ab, ob er die Zeit für die Entivickelung, die zum Siege des Proletariats führen muß. kürzer oder länger de- mißt. Nur daß er diesen Sieg für notwendig, aus den Gesetzen des Kapitalismus selbst folgend ansieht, macht den Sozialdemokraten aus, nicht das Urteil über den Zeit- Punkt des Sieges. Aber neben dieser Verschiedenheit der Antlvort, die durch mehr subjektive, individuelle Moinente bestimmt ist, gibt es noch eine andere, die unabhängig von persönlichen Meinungen aus bestimmten historischen Umständen gegeben»verde», kann. Die großen Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus sahen de»» endgültigen Sieg des Proletariats sehr nahe gerückt. Mit nrnviderleglicher Sicherheit hatten sie in der Entivickelung des Kapitalismus selbst die objektiven Faktoren nachgeiviesen, die das Proletariat»villens machen mußten, sich als politische Partei zu konstituieren, um die Staatsmacht in Besitz zu nehmen und als Hebel zur Umgestaltung der Gefellschaft, zur Aufhebung der Ausbeutung zu benutzen. Sie hatten zugleich gezeigt, daß die Entivickelung des Kapitalis- mus selbst das Proletariat, das in seinen Gelverkschaften sich die starke Waffe gegen die Verelendungstendenzen des Kapitals schaffen konnte, immer geschlossener, kraftvoller und kampffähiger machen mußte. Was sie nicht mit derselben Schärfe sahen, nicht sehen konnten, war der Widerstand und die Verzögerung, die der Erreichung des Zieles a»ls dem Elend und der Unwissenheit erwuchs, die das Kapital über die noch widerstandslose Arbeit verhängt hatte. So sähe» sie denn das Endziel näher, als es die spätere praktische Er- fahrung rechtfertigte. Aber auch die erste Generation ihrer Schüler sah noch mit ihren Augen und hatte guten Grund zu dieser Ansicht. Die ökonomische Lage des Kapitalismus sah damals nichts weniger als glänzend aus. Seit der schiveren Weltkrise von (l873 schien der Kapitalismus der Stagnation verfallen. Die t Industrie»var gedrückt, kurze Zeiten mäßiger Erholung wurden s rasch abgelöst von Zeiten langer und tiefer Depression. Das Kapital klagte dauernd über niedrige Preise und niedrige Profite und in der Tat war die Zeit von 1873 bis zu Ende der achtziger Jahre eine Zeit fast beständiger Preissenkung. ! Und zur chronischen Krise der Industrie war die akutere Agrar- krise getreten, die die europäische Landwirtschaft mit dein Untergang zu bedrohen schien. Die Arbeiter aber zogen aus der Verbilliguug nur wenig Vorteil. Die Arbeitslosigkeit»var groß und drückte auf die Löhne. Die Geiverkichaften waren überall außer in England noch ganz unentwickelt, die parlamentarischen Vertretungen schwach und einflußlos. Dagegen war die Stimmung unter den Massen revolutionär und die sozialistische Propaganda machte trotz Ausnahmegesetzen und staatlicher Unterdrückung rasche Fort- schritte. Kein Wunder, daß da bei unseren Vorkämpfern, aber auch in der Elite von Proletariern, die sich dem Sozialismus anschlössen, der Glaube lebte, sie stünden ganz nahe vor den» letzten Ziele. Erschien doch der Sozialismus als der einzige Ausweg, nachdem der Kapitalismus, altersschwach geworden, versagte. Die neunziger Jahre brachten einen völligen Umschwung. Neue Absatzmärkte, neue Quellen für Rohstoffe wurden in Südamerika, Afrika, Asien erschlossen. In Nordamerika setzte eine rapide industrielle Entwickelung ein. Zugleich fand eine industrielle Revolution statt. Die Elektrizität feierte ungeheure Triumphe, eine neue chemische Industrie entivickelte sich. Im Gegensatz zum früheren Stamdium sah der Kapitalismus jetzt lange Prosperitätsepochen, die nur durch kurze Zeiten der Krise und Depression unterbrochen waren. Und die Macht der Arbeiterklasse war eine ganz andere geworden. Starke Gewerkschaften konnten die Gunst der Umstände ausnützen; die Arbeitslosigkeit verringerte sich und das Schivergeivicht der industriellen Reservearmee heminte in geringerem Grade den Anfstieg der arbeitenden Massen. Die erstarkte politische Bewegung zwang den Herrschenden sozialpolitische Zugestand- nisse auf dem Wege der Gesetzgebung ab. Zugleich aber hatte die Erfahrung gezeigt,»vie viel Arbeit, wie viel Zeit die Gewinnung der Massen für die Organisationen erforderte, wie schtver der Widerstand der Indifferenz zu übenvinden»var. War es da ein Wunder, daß in diesen Zeiten auch die Frage nach dem Endziel jetzt von vielen anders beantwortet wurde? Hatte man früher die Widerstandsfähigkeit des Kapitalismus überschätzt, so geschah jetzt das Gegenteil. Schon wähnte»nan die Krisen dauernd überwunden, schon glaubte nian sich einrichten zu müssen auf eine unübersehbar lange Zeit ruhiger, langsainer, sehr allmähliger Entwickelung. Die Gegenwartsarbeit, die unleugbare und bedeutungsvolle Erfolge aufiveisen konnte, trat immer mehr in den Vorder- grund, das Endziel rückte manchem ferner und ferner. Aber der Kapitalismus, der große Revolutionär, kennt kein Rasten, kennt keinen Stillstand. Schon stehen wir wieder in einer neuen Epoche. Der Aufschwung der neunziger Jahre hat eine ungeheure Konzentration des Kapitals geschaffen. Vorüber sind die Zeiten der freien Konkurrenz, Das Kapital, begünstigt durch die Schutzzollpolitik, hat die Industrie zu 'geivaltigen Kartellen organisiert, über die eine kleine Schar allmächtiger Banken inimer mehr die Kontrolle geivinnt. Zu- gleich hat die mächtige industrielle Entfaltung die Land- »virtschast überholt. Die Preise aller Nahrungsinittel haben dadurch dauernd die Tendenz zum Steigen bekominen, während die Monopolprofite der Kartelle die Industrie- Produkte verteuern. Dieselbe rapide industrielle Ei'.tivickeluug hat die Konkurrenz auf dem Weltinarkt immer»nehr verschärft, die Sucht nach Kolonien zum Angelpunkt aller bürgerlichen Politik gemacht, den Wahnsinn des Wekkrüstens zum letzten Wort der bürgerlichen Aufklärung werden lassen, alle Steuerkrast für den Dienst des Militarismus in Anspruch genommen, die Kriegsgefahr für alle kapitalistischen Staaten zu einer akuten gemacht. Und zu gleicher Zeit hat dieselbe Entivickelung in den erstarrten Rationen Asiens neues revolutionäres Leben erweckt, hat die Revolution in Japan, der Türkei, in Persien und China entfacht und damit ebenso viele unkontrollierbare Herde kriegerischer Verwickelungen ge- schaffen. Und während die Teuerung die Erhöhung der Löhne immer dringender fordert, haben die Unternehmer auch ihre Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ausgehoben, haben ihre mächtigen Organisationen und Verbände errichtet und er- schiveren den Gelverkschaften immer mehr den Kamps,»vährend sie zugleich immer lauter nach staatlichen Zlvangsmaßregeln rufen. Zugleich aber ralliieren sich alle bürgerlichen Schichten immer mehr um diese Politik des JmperialisimiS. Sie halten fest am Schlitzzollsystem, sie denken nur an neue koloniale Erwerbungen, sie wetteifern in der Vermehrung der Rüstungen, sie verweigern jede wirksame Abhilfe für die Teuerung und schrecken vor der kriegerischen Entscheidung kaum zurück. Nicht um den Inhalt der Politik, sondern wer sie ausführen soll, nur darum geht in Wirklichkeit- der Streit der bürgerlichen Parteien. Aber eben deshalb wächst in unseren Reihen die Geiviß- heit, daß die Frage des Endziels immer mehr auch zur praktischen Frage proletarischer Politik»vird. Nicht in dem Sinne, daß»njere Praxis deshalb eine andere würde. Nach »vievor, wie von jeher und wie alle Parteigenossen, so verschieden sie diese Frage auch beantworten mögen, setzen wir alle Kraft ein für die Erringung von Reformen, leisten niit aller Aus- dauer die Gegenivartsarbeit. Aber die stürmische Entivicke- lung des Kapitalismus hat alle Vorbedingungen geschaffen, die für den Sozialisinns nötig sind. Die Produktion ist heute schon vergesellschaftet. Nur daß diese Vergesellschaftung voll- zogen ist zugunsten einer kleinen Schar der Allerreichsten. Sie durch die Gesellschaft zu ersetzen, das ist heute keine Frage der Oekonomie, cs ist eine Frage der polistschen Macht des Proletariats. Diese Macht aber erwächst dem Proletariat aus dem Bewußtsein über seine Aufgabe und gerade die kapitalistische Politik der neuesten Zeit, die Politik des Imperialismus mit seinen Gefahren und seinen drückenden Lasten für die Volksmassen sorgt dafür, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit des Sozialismus immer rascher»vächst. Woher aber denn gerade jetzt der Glaube eines guten Teils der bürgerlichen Welt, die Sozialdemokratie selbst habe den Glauben an das Endziel verloren? Die Frage ist leicht zu beantworten. Es ist der neue Aberglaube der Bürger- lichcu an den Ausweg des Imperialismus. In ihm haben sie das neue Ideal gefunden.„Was schert uns im Grunde noch die langtveilige innere Politik, diese lästigen Ansprüche der Massen nach kürzerer Arbeitszeit, billigeren Lebensmitteln, ausreichender Fürsorge in Alter und Krankheit. Hinaus in die Welt wollen wir ziehen, neue Länder zu erobern und den Feind vernichten, der uns hindern will, afrikanische Stämme des Segens kapitalistischer Lohnsklaverei teilhaftig zu machen, mit den Schätzen ihres Landes die eigenen zu mehren. Neue Kolonien. »venu cs sein muß! auch um den Preis eines europäischen Krieges! Das sind unsere Sorgen, und deshalb haben wir nicht Lust, uns viel darum zu lümmern, ob in dem ohn- mächtigen Reichstag ein paar Rote mehr oder weniger sitzen. Die Heeresvorlagen lind Flottenbewilligimgen sind gesichert, vielleicht können wir auch noch unsere Männer, die Männer des Imperialismus, in die Regierung bringen. Das andere soll uns»venig bekümmern." Das ist die Stimmung vieler „Intellektueller", die Stimmung der Jungliberalen und so mancher Fortschrittler, und sie erklärt, warum sie nicht mehr Furcht vor dem„roten Gespenst" empfinden. Der imperialistische Wahl» hat sie geblendet. Wir aber, wir wissen, daß der Imperialismus das Geschick des Kapitalismus nur beschleunigen kann, und»vas ihnen ein Rettungsweg, uns erscheint es als letzte verzweifelte Flucht. Wir wissen, in dieser Sackgasse werden»vir den Gegner sicher treffen und deshalb ist ui»s das Endziel wieder näher gerückt._ Sias sich die Gratulanten wünschen. Wenn jemand Geburtstag feiert, pflegt man ihm Glücklvünsche darzubringen. Auch zur Geburtstagsfeier Wilhelms II. drängen sich die Reaktionäre aufdringlich heran. Katzbuckelnd, schweifwedelud, speichelleckend bringen sie ihre Glücklvünsche dar. Aber seltsam, all die Wünsche, die dem angeblich so verehrten Kaiser dargebracht werden, sind keine Wünsche, die dem Wohle des Geburtstagskindes gelten, sondern Wünsche, die für die G l ü ck w ü n s ch e n d e n selbst vorgetragen werden: Wünsche zum Vorteil der emsigen Gratulantenschar! Was die„Kreuzzeitung", die„Post" und das gleichartige scharfmacherische Pretzgelichter am 27. Januar an Wünschen äußert, gilt nicht Wilhelm II. selbst, sondern lediglich den Nied erger i t- t e n e n d e r W a h l s ch l a ch t, den in die Pfänne gehauenen Blau- schwarzen, den um die junkerliche Vorherrschaft und das bru- talste Ausbeuterintercsse bangenden Kraut- und Schlot- junkern! Sie wünschen sich zu Kaisers Geburtstag allerlei Segen, den ihnen die Krone bescheren soll: den Krieg zur Füllung des Geldsacks und zur Verwirrung des Volkes, Entrechtung der Volksmassen. Knebelung der organisierten Arbeit, Unterdrückung der Preßfreiheit und der- gleichen mehr. Sonderbare Glücklvünsche zum Geburtstag Wilhelms II.! Wünsche, die blitzlichtartig das innerste Wesen un- screr Byzantiner entschleiern, für die der Monarch nichts ist als das Werkzeug zur Durchsetzung ihrer volksfeindlichen Interessen, das monarchische Prinzip nichts, als die heuchlerische Maskierung des schamlosesten Privilegiertenregiments. Köstlich ist der Geburtstagswunschzettel, den die„Kreuzzeitung" durch den Grafen v. Roon am 27. Januar Wilhelm II. überreichen läßt. Die„Kreuzzeitung" nennt den Grafen„einen ihrer ältesten Freunde". In der Tat, der Mann muh sehr alt sein,»vcit über 100 Jahre alt. Denn das feudale Ideal, das er Wilhelm II. als monarchisches Ideal für das 20. Jahrhundert zu suggerieren versucht, niochte etlva in das Preußen vor 150 oder 200 Jahren passen. Eich heute dazu zu bekennen, unmittelbar nach dem Volts- urteil der ReichstagsWahlen, verrät geradezu die Keckheit des Aber- Witzes. Hat doch nicht einmal die„Kreuzzeitung" selbst den Mut, sich vollinhaltlich zu dein Geburtstagswunschzettel eines der ältesten ihrer Freunde zu bekennen. Daß aber dies führende Organ der Junkcrpartei den Mut findet, den Wunschzettel überhaupt abzu- drucken, beweist, daß der politische Aberwitz, der in jedem Augen- blick zu politischen Tobsuchtsanfällen neigt, innerhalb der Konservativen epidemisch geworden ist. Der Graf v. Roon bedauert zunächst den„Irrtum Bismarcks". bei der„Aufrichtung des Reiches" das allgemeine gleiche geheime und direkte Wahlrecht eingeführt zu haben. Der durch die Wahlen gelieferte Beloeis, daß sich ein modernes Volk trotz alles gutSherr- lichen Terrors, trotz aller behördlichen Wahlmache, trotz aller reichs-, verbändlerischen Infamien, trotz der niederträchtigsten Kriegshetze. krotz des abenteuerlichsten Agitationsschwindels der Reaktion nicht ungestraft von Junkern und Schlotbaronen malträtieren und aus- plündern läßt, ruft, wie das Beispiel des Grafen Roon in der ..KreuAztg." beweist, unsere Ultrareaktion nicht etwa zur politischen Besinnung, sondern reizt sie vielmehr zum Ausspielen ihres letzten Trumpfes, zur frivol st en Vabanque-Politik.' Weil sich das Volk das absolutistische Regimeni von ein paar tausend Schnaps- und Schlotjunkern nicht länger gefallen lassen will, seil es nun er st recht geknebelt und geknutet werden! Denn nicht allein die Beseitigung des ReichStagswahlrcchts fordert Graf Roon namens seiner gesinnungsverwandten Gratu- kanten von der Regierung, sondern er verlangt auch ein neues S o z i a l i st e n g e s e tz. wie es sich„vor 25 bis 30 Jahren trefflich bewährt" habe. Er fordert„wirksamen Gesetzesschutz der Arbeitswillige n". Er fordert weiter„Gesetze gegen das Streik- und Versammlungsrecht". Nicht mit Unrecht datiert dieser älteste Freund der„Kreuzztg." seinen Artikel vom Geburtstage Friedrichs des Großen, l�enn in der Tat, um solche Unverschämtheiten und Absurditäten zu Papier zu bringen, muß selbst ein preußischer Graf schon 200 Jahre geschichtlicher Entwickelung verschlafen haben. Aber Graf Roon fordert weiter„Verhinderung, die Preßfreiheit zu mißbrauchen". Und um zu zeigen, was dieser vorsintflutliche Kreuzzeitungspatriarch unter Preßfreiheit versteht, fügt er in Klammern ausdrücklich hinzu„Vorwärts" und Konsorten,„Berliner Tageblatt" u. a. Also nicht nur die sozialdemokratische Presse soll stranguliert werden, sondern sogar die entschieden liberale Presse! Aber damit nicht genug: Graf Roon tritt auch ein für„vernünftige Be- schränkung der Freizügigkeit". Er will mit einem Wort das Staatswesen wiederherstellen, das vor ca. 200 Jahren in Preußen„zur Zeit des großen Königs" bestanden hat! Der arme Tropf! Er hat total verschlafen, daß Berlin damals 100 000 Einwohner zählte, heute 8V2 Millionen, daß damals die onalphabetische Landbevölkerung mindestens 90 Proz. des Volkes ausmachte, während es heute kaum noch einen Analphabeten gibt und die durch den gutsherrlichen Stock zu regierende Landbevölke- rung zu einem winzigen Prozentsatz der Gesamtbevölkcrung zu- sammengeschrumpft ist. Er hat— doch wozu seine ganzen histori- scheu Verirrungen im einzelnen nachweisen—. er hat in seinem junkerlichen Dusel ein paar hundert Jahre verschlafen, so daß er heute nur noch, selbst in höfischen Kreisen, als grabentstiegener Spuk belächelt werden kann. Aber immerhin: daß die„Kreuz» z e i t u n g" einen solchen politischen Meergreis zu Worte kom. m 0 n läßt, zeugt davon, wessen man sich unter Umständen von dev gemeingefährlichen Narrheit der Junker trotz alledem noch zu versehen hat! Und während die krautjunkerlichen Gratulanten von dem geburtstagsfeiernden König den Krieg gegen das eigene Wölk fordern, rufen die Schlotjunker durch die„Post" Wil- Helm II. an seinem Geburtstage zumKrieg nachaußen auf. „Zu jedem Entschluß und zu mutiger Tat," so versichert sie, werde Wilhelm ll. sein Volk bereitfinden:„Wir hoffen, hoffen es in- brünstig, daß der Kaiser die Not der Zeit erkennt": „Das Liegen auf derVärenhaut ist dem Deutschen von je noch schlecht bekommen; schlug man sich früher dabei die Köpfe ein, so versucht man, dafür jetzt, im Zeitalter der Hnmani- tat und Gesittung, zur Kurzweil sein Mütchen am Reiche zu kühlen. Will die Regierung dem gefährlichen Spiel noch länger zusehen, dem Kaiser noch länger den wahren Grund allen Uebcls verschleiern? Vorwärts müssen wir; hoch von den weichen erschlaffenden Ruhe- Pfühlen und heraus aus der Enge und Stickluft i n t« r na t i 0 n a le w P hk l i steri um s und beschämen- der Kleinkrämerei. Wer uns dazu verhilft, wer uns zu neuen Taten und Zielen führt, den wird die Geschichte dereinst mit dem Beinamen eines.Retters des Reiches belegen." Der Appell an den Kaiser im Namen des Volkes macht sich besonders nett, da er von einer Partei ausgeht, die eS trotz aller sreundnachbarlichen Unterstützung und aller Wahlkreis- geometrie nur zu einem Dutzend Mandate gebracht hat. Ein Krieg, gestützt auf solche Säuleu von Thron und Altar, wäre ein Abenteuer, wie es in der Weltgeschichte bisher noch kein Ge- krönter gewagt. Aber freilich, das Wort von der„Not der Zeit" hat für die Hintermänner der„Post" seinen tiefen Sinn. Die Not der Zeit das ist die Not der Junker, der Liebesgaben- empfänger, der Panzerplatten Patrioten, der Kriegsspekulanten, der Volksausplünderer, kurz all der Parasiten, die der Nation bisher das Blut ausgesogen haben und nun fürchten, daß in absehbarer Zeit ihrer Schmarotzer- rxistenz ein Ende bereitet werden könnte! Wir wollen die Gratulanten hübsch unter sich lassen und nicht auch unsere Wünsche zum 27. Januar vortragen. Was das Volk will, hat ja die Wahl hinlänglich bewiesen. Auch Warnungen balten wir für überflüssig, hat doch die Geschichte der warnen- den Exempel genug statuiert! Der Klahlausfall. Nachdem wir gestern die wichtigsten Aeußerun'gen der Berliner Presse registriert haben, lassen wir heute einige Lleutzerungen der Presse ans dem Reiche folgen. Die„Frank- furterZeitung" triumphiert über das Strafgericht, das über den schwarzblauen Block niedergegangen sei, der nur -i'/e Millionen Stimmen gegen 7'/? der„Linken" erhalten habe. Ueber die Arbeit im künstigen Reichstage meint das Blatt: ES sind ja eine ganze Anzahl von GesetzgsbungSproblemen in der Schwebe, die eine liberale Gestaltung erheischen, es sei nur er- innert an die Anregungen auf bessere Durchführung des .Konstitutionalismus durch Vermehrung der parlamcntari- scheu Äechte'des Reichstags, an die Justiz- und Vcrwal- i n g s r e f 0 r-n, an die Handelsvertragspolitik usw. Eine erhebliche Rolle wird im neuen Reichstage auch die Wahl- Rechtsfrage spielen, da sich abermals gezeigt hat, wie sehr tie längst nicht mehr zeitgemäße a l t e' W a h I k r e i S e i n- t e i l u n g die Wahlstimmung verfälscht und die Gleichheit des Wahlrechts tatsächlichnufhebt. Wenn die Parteien der Linken mit 7M> gegen i'A Millionen Stimmen nur gerade knapp die Mehrheit erhalten haben, und die liberalen Parteien dabei noch eine Mandatsverminderung erleiden, so ist das offenbar lein ge- rechtes Verhältnis. Der neue Reichstag wird hier vor allem auf eine Reform zu dringen und überhaupt zu prüfen haben, wie sich allgemein eine gleichmäßigere Vertretung der Wähler, wobei die Frage des Proporzes an erster Stelle steht, durchführen läßt. Der Reichstag hat die Möglichkeit, fruchtbare, scgenbringende Arbeit zu leisten. Wir hoffen, daß er die in ihn gesetzten Hoffnungen zum Nutzen des Volkes erfüllen wird!" In diesen Fragen wäre natürlich ein gemeinsames Arbeitsfeld vorhanden. Dagegen möchten wir der„Franks. Zeitung" und einigen anderen Blättern, die der Sozialdemo- kratie allerhand Ratschläge für ihr künftiges Verhalten geben möchten, doch anheimstellen, die Entscheidung darüber unserer Partei, die doch wohl die nächste dazu ist, zu über- lassen. Das gilt auch von der nicht gerade weltbewegenden Frage der Besetzung des Präsidiums. Die Sozialdemo- tratie hat. das»vird allgemein zugestanden, Anspruch auf einen der Präsidentenposten. Diesen Anspruch ihr vorzu- enthalten, wäre durchaus ungerechtfertigt, ebenso ihn an irgend welche besondere Bedingungen zu knüpfen, die über die Ver- fassnng oder Geschäftsordnung hinausgehen. Der Entscheid steht ausschließlich der sozialdemokratischen Fraktion zu und der Versuch einer Einmischung anderer Parteien müßte von vornherein als demütigend mit aller Eni- schiedenheit abgewiesen werden. Tie nationaliiveralen„Münchener Neuesten Nachrichten" schreiben: Die Wahlen von 19t2 sind ein Haltesignal. Die re- gierenden Kreise in Deutschland haben jetzt durch eine Kundgebung von bisher unerreichter Geivalt erfahren, daß das deutsche Volk eine große Aenderung wünscbt. Ter rote Stimmzettel ist für die Massen nicht sowohl die Urkunde eines Bekenntnisses zum Marxismus, als vielmehr das Wahrzeichen und die Biloerschrift, durch die der Wille des Volkes verdolmetscht wird, ein freiheit- liches, volkstümliches, modernes Regiment in Deutschland zu sehen. Es wird bielleicht der Inhalt einer Schicksalsstunde in der deut- schen Geschichte, wie sich die regierende Bureaukratie zu der Lehre der Wahlen stellt. Es gibt Pessimlsten, die keinem Ver- treter des herrschenden Systems, keinem einzigen, die Klugheit und Kraft zutrauen, um im Frieden„mit weiser Hand zur rechten Z«it" die notwendige Umkehr der deutschen Politik noch zu vollziehen. Behielten diese Pessimisten recht, die ihre Meinung freilich Haupt- sächlich auf die g e g e n w ä r t i g an der Spitze sichtbaren Persön- lichkeiten gründen, so ginge unser Vaterland sehr ernsten Eni- scheidungen entgegen. Ein Konflikt würde, in immer kürzeren Pausen, den anderen ablösen. Eine Fortsetzung nicht nur der ent- schlössen reaktionären Politik der Schwarzblauen, sondern auch nur der ideenlosen, der Ziele baren Regierungspolitik von gestern könnte zuletzt nur in Katastrophen enden. Die rechtsnationalliberale„Magdeburger Ztg." schreibt über die Lebensfähigkeit des neuen Reichstags: Gar mancher prophezeit schon heute Neuwahlen für den kommenden Sommer. Wir glauben nicht daran; denn trotz des starken sozialdemokratischen Segments sind Mehrheits» bildungen nach allen Richtungen möglich: Für die HeereS- und Marinevorlage und ihre Deckung, für die Handelsveriräge sowie für handelspolitische Forderungen, und— das ist nicht zu über- sehen— die Sozialdemokratie wird sich hüten, den Bogen zu über- spannen. Sie hat ein Interesse daran, daß dieser Reichstag nicht vorzeitig dem Tode verfällt, denn sie weiß genau, daß jede Neu- Wahl auf Grund einer Auflösung aus ihre Kosten(??) gehen würde. Die Regierung hat also ein weites Feld und was noch viel wichtiger ist, da sie mit wechselnden Mehrheiten arbeiten muß, kann sie sich die Stellung über den Parteien sichern. Voraussetzung dafür wäre allevdingS, daß Herr v. Bethmann selbst weiß, was er will, und durch«in festes Programm sich Ver. trauen bei allen Parteien verschafft. Dann ist der neue Reichstag ein gutes Instrument, um ein freies Spiel der Kräfte zu entfalten und auch der Regierung Gelegenheit zu geben, die schwere Einbuße ihres Ansehens, die ihr die letzten Jahre seit den Zeiten der Finanzreform gebracht haben, wieder auszugleichen. Ans den: Artikel der„Kölnischen Zeitung", von dem wir schon telegraphisch einen kurzen Auszug gegeben haben, sei noch folgende Stelle zitiert: Man kann die Bedeutung der Wahl kurz nach zwei Gesichts- punkten hin zusammenfassen: alle bürgerlichen Par- t e i e n, vor allem und am meisten Konservative und Zentrum, haben Einbußen erlitten, und zwar durchweg zugunsten der Sozialdemokratie, die als die stärkste parlamentarische Partei in den nächsten Nicichstag einzieht. Unzweifelhaft ist das Anwachsen der Sozialdemokratie als großer Nachteil zu betrach- ten; denn selbst, wenn man starke Mauserungsmöglichkeiten bei ihr voraussetzen will, so bleibt doch diese Partei nach ihrem, ganzen Grundlvesen in derartige ni Gegensatz zu dem gesam» ten deutschen Bürgertum und zu unserer be- stehenden Staatseinrichtung, daß man diesen Erfolg der Sozialdemokratie unter allen Umständen nut bedauern kann. Demgegenüber ist allerdings die Macht des schwarz-blauen Blocks ziemlich gründlich insoweit gebrochen, als er in Zukunft nicht mehr in der Lage sein wird, aus eigener Kraft ein« Mehr- heit zu bilden, selbst nicht, wenn er die kleinen Gruppen bei den Abstimmungen zu sich heranziehen könnte. Das ist unter allen Umständen vom liberalen Standpunkt aus als ein großer Gewinn zu betrachten, und damit ist das eine Ziel der liberalen Wahl- bewegung erreicht worden. Die fchetrfmacherischm„Hamburger Nachrichten" geben wie alle blauschwarzen Organe die Hauptschuld der Regierung und schreien nach Gewaltmaßregeln: �sagen wir es kurz: dieser für jeden deutschen Patrioten be- schämende Ausfall der Wahlen hat seinen tiefsten Grund einzig und allein in der Schwäche und dem Mangel an Tat- kraft, die sowohl der Regierung wie dem Bürgertum bisher in den letzten Jahrzehnten angeheftet haben. Die führenden Schichten des deutschen Volkes haben dem gemeinsamen Feinde, der Umstnrzpartei, gegenüber versagt, daS ist unsere Krankheit. Sie zu überwinden und unserem innerpolitischen Leben die dringend er- forderliche schnelle und gründliche Genesung zu bringen, die Forde- rung des Tages.... Es muß etwas geschehen.... Es fragt sich nun, ob es noch möglich ist, dem Geschicke Einholt zu tun, das dem Deutschen Reiche auf diese Weise in Gestalt des Ueber- laufentverdens durch die rote Hochflut droht. Wir glauben, ja sind davon überzeugt, daß es ohne die Anwendung beroischsr Mittel kaum möglich sein wird. Man kann zwar sagen, daß eS hierzu zu spät sei, daß die Tozialdemekratie bereits zu stark angewachsen wäre, um noch mit Gewalt unterdrückt werden zu können, wie es überhaupt unmöglick sei, Ideen durch staatliche Machtmittel auszurotten und unschädlich machen. Aber anderer- seits ist es doch sehr zweierlei, ob man dije Ausbreitung der sozialdemokratischen Jdoen ruhig unter dem Schutz der Gesetze weiter geschehen laßt, oder ob man die revolutionären Tendenzen dem Rechtsbewußtsein des deutschen Volles auf dem Wege der Ge» fetzgebung wieder als etwas Staats, und Ge» meinaefährlicheS, mithin Srafbares, zum Be- Ivußtsein bringt und die öffentliche Agitation sowie die Organisation der Sozialdemokratie dementsprechend verbietet.... Es mag ja sein, daß es bei den, heutigen Staitd der Dinge nicht ohne gewisse Ge- fahr ist. sich seiner zu bedienen. Es kann auf diesem Woge zu Kämpfen mit der Sozialdemokratie auch mate- rieller Art. zu Erschütterungen, zu Attentaten und derdleichen kommen. Abcr dies würde immerhin das kleinere Hebel gegenüber den schweren Gefahren sein.... Das zweite Mittel, dem roten Unheil Einhalt zu gebieten, besteht darin, das geltende Wahlrecht zweckentsprechend abzuändern. Die klerikale„Köln. VolkSztg." konstatiert, daß der Reichstag keine sichere Mehrheit hat und mir die Sozial- demokratie Grund, zur Zufriedenheit haben kann. Das Blatt hofft auf die Unterstützung der Schwarzblauen durch den rechten Flügel der Nationalliberalen und meint dann: „In wirtschaftlichen Fragen wird auch im neuen Reichstage noch eine Mehrheit für die Losung des Reichskanzlers: Schutz der nationalen Arbeit, vorhanden sein, deren Größe und Trag- fähigkeit davon abbängen wird, wie weit man dabei auch auf die Nationallibcrnlcn zählen darf. Sozialdemokratie und Freisinn werden natürlich in Opposition stehen. Di« größte Gefahr dabei ist, daß die Sozialdemokratie im Hochgefühle ihrer 110 Mandate und ihrer iV* Millionen Wähler auch vor einer. Erneuerung der Obstruktion kaum zurückschrecken wird; die Mehrheit würde dann aus eine noch sehr viel ernstere Probe gestellt werden wie beim letzten Zolltarifkampf. Für sogenannte nationale Aufgaben, 60 r allem Heeres- und Flottenforderungen, soll, so versicherten uns libc- rale Blätter schon vor den Wahlen, eine Mehrheit„unter allen Ilmständen" vorhanden sein. Womit wohl zart angedeutet werden sollte, daß die liberalen Parteien in solchen Fällen mit der Rechten und dem Zentrum zusammenzuwirken bereit seien. Sobald aber die Deckungsfrage mit zur Entschei» dung gestellt werden muß, wird eS schon zweifelhaft, ob man eine solche Mehrheit unter einen Hut bringen könnte. Aber es scheint, daß man in liberalen Kreisen noch ein anderes Rezept hat: man macht die Witwen- und Waisen st euer, dann werden die Sozialdemokraten auch für Militär- und Marinevorlagen stimmen! Darauf im Ernste einzugehen, wird man von uns wohl nicht erwarten. Was übrigens die Witwen- und Waisensteuer anbelangt, so wollen wir hoffen, daß die liberalen Parteien auch dann noch für sie eintreten tverden, wenn das Zentrum oder die Rechte solche Bestimmungen fordern werden, die eine ebenso sichere und scharfe Kontrolle des mobilen Kapitals wie des unbeweg- lichen Besitzes ermöglichen! Von den Sozialdemokraten wird man ja wohl erwarten dürfen, daß sie solche Bestimmungen nicht ablehnen werden. Aie Poiadowshy in den Reichstag kam. In seiner ersten Bielefelder Wahlprogrammrede, die in allen politischen Farben schillerte, hatte sich der ehemalige Staatssekre- tär auch mit der Sozialdemokratie beschäftigt und gesagt:„Die Sozialdemokratie ist nur geistig-sittlich zu überwinden, dazu gc- hört aber viel Ruhe, Gerechtigkeitsliebe und Uneigennützigkeit der besitzenden Klassen." Man hätte nach diesen Worten erwarten dürfen, daß der„vornehme" Graf und seine Wahlmacher(Zentrum� Konservative, Christlichsoziale und Nationalliberale) den Wahl- kämpf in den anständigsten Formen geführt hätten. Wer solche Erwartungen gehegt hat, der ist gründlich enttäuscht worden. Noch niemals ist im Bielefelder Wahlkreis der Wahlkampf mit so ge-« meinen und schoflen Mitteln geführt worden, wie es bei dieser Wahl die Schwarz-Blauen des Grafen Posadowsky beliebten. Und das Verwunderliche dabei ist, daß nicht den im Stile des Reichs- Verbandes agitierenden Wahlmachern des Grafen jedes Mittel recht war, um ihre politischen Gegner zu verleumden,— a u ch d e r Graf selbst hat sich seiner geistig-sittlich kämpfenden Mitstreiter durchaus würdig er- wiesen. Er sprach nur in Versammlungen, von denen unsere Parteigenossen ausdrücklich ausgeschlossen worden waren. In den ersten beiden, die er Ende November des vergangenen JahrcS ab- hielt, versuchte er auch der Sozialdemokratie gerecht zu werden. wenigstens blieb er in der Kritik unsere« Grundsätze und Forderungen sachlich und auch in der Form nicht verletzend; waren seine ersten Reden doch überhaupt eine derartige Um- schmeichelung aller Erwerbsschichten und aller Parteien, daß der von ihm geprägte Ausdruck„diplomatischer Gleitflug" bei weitem nicht daS politische Gaukelspiel deS Allerweltsgrafen cha- rakterisiert. Immerhin: Solange er sich von Verdächtigungen und Verleumdungen der Sozialdemokratie freihielt, brauchte man ihm wegen des Ausschlusses von' Sozialdemokraten aus seinen Ver- sammlungen nicht besonders gram zu sein, wenn diese Maßnahme auch eine politische Unanständigkeit blieb, die der„vornehme" Graf � sich hätte nicht zuschulden kommen lassen sollen. Was sich der Herr deS geistig-sittlichen Kampfes aber in seinen letzten beiden Bcr. sammlungen unmittelbar vor der Hauptwahl an Ausfällen gegen die Sozialdemokratie leistete, daS kann selbst von dem skrupellosesten Reichsverbändler kaum überboten werde»: Ein Teil der Partei- presse hat ihrem Erstaunen Ausdruck gegeben über die Töne, die der Graf in Köln angeschlagen hat. als er daS Mandat TrimbornS zu retten versuchte. Doch die Kölner Rede Posadowskys ist matte Limonade gegenüber seinen Ausführungen in den letzten Biele- selber Reden. Der stenographische Bericht eine? Zentrumsblattes hat sie der Mitwelt erhalten, und eS dürfte nicht wertlos sein, weni#einige der bemerkenswertesten Stellen weiteren Kreisen be- kannt werden. Sie zerstören gründlich die Legende von dem sozialen Grafen im Bart und zeigen ihn in seiner wahren Ge- statt als den vielseitigen, aber im Grunde durch und durch rcakiio- nären Junker. In einer Besprechung des Erfurter Programms sagte er: Die Arbeiter sollen unter dem Druck der Knechtschaft, Er- niedrigung und Ausbeutung seufzen. Knechtschaft! Ich lese in den Zeitungen immer von ausgedehnten Streits, von Sympathie- streiks— kann man da von Knechtschaft reden? Die Arbeiter können selbstverständlich nach Belieben arbeiten oder nicht, wenn sie die Kündigungsfrist einhalten. Also die Arbeiter werden bei uns nicht geknechtet, sie sind frei. Dagegen ist mir von großen Unternehmern, die für ihre Arbeiter humane Mustereinrichtungen geschaffen haben, gesagt worden, sie seien immer ängstlich bei Ucbernahme großer Lieferungen auf Zeit, weil sie nicht wüßten, ob ihre Arbeiter nicht die Arbeit niederlegten und eS ihnen da- durch unmöglich machten, den Lieferungsvertrag einzuhalten.— Das Erfurter Programm verlangt ferner, daß das gesamte Privateigentum in daS Eigentum des Zukunftsstaates übergehe. Also selbst das kleinste Häuschen wird Staatseigentum. Vor allen Dingen sollen die Kapitalisten enteignet werden. Ja, die Kapitalisten! Wir haben sie, brauchen sie aber auch! Sie ver- wahren doch ihr Vermögen nicht mehr im Strumpf, sondern sie stecken ihre Millionen in industrielle Anlagen und beschäftigen� dadurch Millionen von Händen. Wir hätten uns wirtschasllich niemals so entwickeln können, wenn nicht die Kapitalisten mit kühnem Unternehmungsgeist und einem hohen Maße von Intelligenz Arbeitsgelegenheit geschafft hätten. Oft legen sie ibr ganzes Vermögen in neuen Fabriken an. Sie könnten eS ja auch, wie die Franzosen, auf die Sparkassen oder gar in aus- ländische Großbanken bringen. Dann aber würden Hundert- tausende von Arbeitern zur Auswanderung gezwungen sein. (Sehr wahr!) Im übrigen: Mehr als sich sattessen, wohnen und schlafen kann der Kapitalist auch nicht.(Lebhaftes Bravo! und Händeklatschen.) Auch der Luxus der reichen Leute gibt Ar- beitcrn Brot. Eine jammervollere Kritik des sozialdemokratischen Pro- gramms ist kaum denkbar! Und das sagt der Mann, von dem das Wort herrührt,„daß Reichtum nie eine Tugend, selten ein Ver- dienst, immer aber eine große Annehmlichkeit sei". Man ficht, cr kann auch anders. Bald so. bald so— wie'S trefft! In Bielefeld kam eS ihm darauf an, seinen Wahlmachern, zwei T e x t i l. fabrikanten, einige angenehme Dinge zu sagen, und für die war das blödeste Zeug, was er über den theoretischen Teil des sozialdemokratischen Programms vortrug, immer noch zu gut. Auch aus ein bißchen Geschichtsfälschung kam es dein „vornehmen" Grasen, der der Sozialdemokratie Mangel an ge- schichtlicher Anschauung vorgeworfen hatte, nicht an. Um die Landbewohner aus der Umgegend Bielefelds, für die eine be» sondere Versammlung schon in früher Nachmittagsstunde veran» staltet worden war, vor der Sozialdemokratie graulich zu machen, tischte er ihnen folgende Märchen auf: Sämtliches Eigentum soll konfisziert werden, der Dauer, der jetzt als freier Mann auf seiner Scholle lebt, wird Staats- sklave wie im alten Rom. Desgleichen werden alle anderen, dre jetzt eine freie Existenz haben. Staatsarbcitcr. Alle ZukunftS- staatsarbeitcr sollen in gleicher Weise be.zahit werden. Leuchten der Wssenschaft und Kanalarbeiter erhalten in diesem Staate denselben Lohn. DaS Vermögen aller Staatsarbeiter muß gleich bleiben. Wenn also einer, weis er fleißig und tüchtig ist, .Fett ansetzt", so verfällt diese» Vermögen der Konfiskation, denn Privateigentum darf es ja nicht geben.(Große Heiterkeit.) Jeder erhält zwangsweise seine Arbeit zugewiesen. Das kann nur ermöglicht werden durch die schlimmste Schreckensherrschaft. (Sehr richtig!) Zweimal haben wir in der französischen Ge- schichte eine solche Herrschaft des Proletariats gehabt, aber beide Male war sie nur von kurzer Dauer, weil stets alsbald die intelligentesten, tüchtigsten Köpfe die Zügel der Regierung in die Hand nahmen. Zwei Beispiele aus der großen französi- schcn Revolution: Arme Dienstmädchen wurden hingerichtet, weil sie bei Herrschaften gewohnt hatten, die im Verdacht der Königs- treue standen, und Pariser Kausleute wurden geköpft, als sie es wagten, revolutionäre Führer an die Bezahlung ihrer Rech- nungen zu erinnern! Ueder die Herrschaft der Kommune in Paris berichten Zeitgenossen ebenfalls haarsträubende Dinge. Wie der geschichtskundige Staatsminister a. D. die Behaup- tung, daß die große französische Revolution eine Herrschaft des Proletariats gesehen habe, mit den ge- fchichtlichcn Tatsachen in Einklang bringen will, das ist uns ein Rätsel. Zlber was kümmert den gräflichen Reichsverbändler ge- schichtliche Wahrheit! Ohne Hineinziehung der großen französi- schcn Revolution hätten ihm die geköpften Dienstmädchen bei den ängstlichen Landleuten ja doch keine Wahlhilfe leisten können! Ein paar Mätzchen, wie,„daß jeder Staatsbeamte am Morgen beim Präsidenten des Zukunftsstaates in Berlin anfragen müsse, ob er für den Tag pflügen oder dreschen soll", und eine Krokodils- träne darüber,„daß auf Grund dieses Erfurter Programms unter der deutschen Arbeiterschaft der Haß gegen den bestehenden Staat geschürt, Mißtrauen gegen die besitzenden Klassen geweckt und Verdruß erzeugt wird", vervollständigen das Bild des Manne?, der es verstanden hat, sich lange Jahre in der Toga eines an- ständigen und vornehmen Politikers zu verstecken, der jetzt aber vor uns steht als ein ganz gewöhnlicher Re- a k t i o n ä r. Und wie der Herr, so hat sich auch sein Gescherr im Wahl- kämpfe betragen. Einige Tage nach seiner ersten Rede erschien in der lokalen Zentrumspresse ein Artikel mit der Bemerkung, daß Genosse Severing, unser Kandidat.„Mitglied einer Partei sei, die den Teufel als die einzig anständige Per- son in der HeilSgeschichte betracht e". In dieser Ton- art ist die Agitation in dem katholischen Hinterlande des Wahl- krcises betrieben worden. Das Zentrum, das den Sammelkandi- baten präsentiert hatte, hat noch niemals(auch in jenen Jahren nicht, als cS sein eigenes Mandat zu verteidigen hatte) eine so ge- waltige Flut von Schmähschriften gegen die Sozialdemokratie über den Kreis ergossen, als bei dieser Wahl. Die beiden Reichsver- bände Liebertscher und München-Gladbacher Richtung überboten einander in dem Bestreben, die meisten und unverschämtesten Ver- leumdungen über die Sozialdemokratie zu verbreiten. Aus allen Versammlungen waren die Sozialdemokraten ausgeschlossen. Wo im Kreise Wiedenbrück dem fortschrittlichen Kandidaten Lokale zur Verfügung gestellt wurden, wurde daran die Bedingung geknüpft, daß auch die fortschritlichen Versammlungen für Sozialdemokraten gesperrt werden müßten! In zahlreichen Fällen, wo ein Gast- Wirt oder Bauer uns seine Lokalitäten zur Verfügung gestellt hatte, haben Amtspersonen, Gemeindevorsteher und Geistliche durch Versprechungen und Drohungen versucht, die Besitzer zur Zurückziehung ihrer gegebenen Zusage zu bewegen. Das ist ihnen zum Teil gelungen. Ein alter, etwa Vvjähriger Greis, der uns seine Diele eingeräumt hatte, wurde von einem jungen Vikar mit Drohungen, wie:„daß er ewig verloren sei", zu veranlassen ver- sucht, seine Zusage zurückzuziehen. Als das nichts fruchtete, hat derselbe Geistliche im Verein mit anderen„gebildeten" Zentrums- großen eine Sprengkolonne ausgerüstet, die durch den wüstesten Radau und das Absingen der gewöhnlichsten Gassen Hauer unserer Versammlung ein vorzeitiges Ende bereitete. Diese Methode deS„geiftig-sittlichen" Kampfe? sollte solange fortgesetzt werden, als wir uns erkühnten, in den Orten deS Kreises Wieden- brück Versammlungen abzuhalten. Die gebildeten Herren, die das beschloffen hatten, wußten sehr wohl, daß feiner empfindende Kreise von einem solchen Treiben abgestoßen werden. Man tröstete sich aber damit,„daß auf die ungebildeten Ver» sa m m l u n gS-b e s uch e r die Sprengung einer Ver- sammlung einen günstigen Eindruck mache!" Daß auch die Kanzel zur Propaganda für die gräfliche Kandi- datur mißbraucht wurde, versieht sich von selbst. Geistliche ver- teilten Stimmzettel und waren die eifrigsten Schlepper. In den Orten mit ausschließlich katholischer Bevölkerung wurde alles herangeholt, was sich nur bewegen konnte; wo sich einer weigerte, zur Wahl zu gehen, wurde der Geistliche benachrichtigt, und aus dem Wahlvcrdrossenen wurde flugs ein braver PosadowLky-Wähler! Die gemeinsten Wahltricks waren den skrupellosen Wahlmachern des Grafen nie zu schlecht, um bei Dummen Stimmenfang zu treiben. Zwischen Haupt- und Stichwahl ver- breiteten sie in der bürgerlichen Presse das„Gerücht", Genosse Severing sei von seiner Kandidatur zugunsten des Fortschrittlers zurückgerreten! Und am Tage der Stichwahl gaben sie ein Flug- blatt heraus, in dem sie unseren Wahlausschuß wider besseres Wissen beschuldigten, daß er doppelt, d. h. mit dem Namen der beiden Ctichwahlkandidaten bedruckte Stimmzettel herausgegeben habe. Der Zweck der Uebung, dieser Spekulation auf die Dumm- heit der Wähler, war, den Allerdümmsten die Meinung bcizu- bringen, daß nur Stimmzettel auf den Namen Posadowsky lautend bei bcr Stichwahl gültig seien. Auch mit dem wirtschaftlichen Boykott haben es die geistig-sittlich kämpfenden Posa-Parteien versucht. Nur weil ein Gastwirt in einem kleinen Landorte den Fortschrittlern sein Lokal in Aussicht gestellt hatte(eine Versammlung hat nicht stattgefunden!). haben ihn die duldsamen Patrioten boykottiert. Und endlich hat eS auch nicht an schönen Versprechungen gefehlt, um die Wähler für die 2Sahl des Grafen zu begeistern. Ein demagogisches Glanzstückchen auf diesem Gebiete hat sich der Reichstags- und LandtagSabgeordnetc v. Savigny geleistet, der in eintr Versamm- lung in Gütersloh erklärte, daß, wenn der Graf geloählt würde, er mit ihm in Berlin für eine Ueberdachung der Bahnhöfe in Brackwede und Gütersloh wirken würde! Und nun d�r Erfolg? Das Ergebnis des HauptwahltagcS hat cc zeigt, daß überall da, wo die katholischen Geistlichen die Wähler nicht mit dem PosadowSky-Stimmzettel an die Urne getrieben haben die gräfliche Sammelkandidatur entschie- d e n' a bgel e h n t worden ist. In Bielefeld Stadt und Land erhielten Stimmen Severing 16 030, der Fortschrittlcr Schepp Il08 und Posadowsky 10 28!. Seine Wahl verdankt der Graf dem katholischen und ländlichen Kreise Wiedenbrück, der für ihn 10 833 für Severing tL57 und für den Fortschrittlcr 7n Stimmen aufbrachte. Er ist der Zentrumsgraf, der fortschritts- feindliche Junker � und wenn er hundertmal das Gegenteil ver- sichert._ Unsere Genossen sind nach dem Ausfall der Wahl keineswegs entmutigt Noch ein solcher Sieg des bürgerlichen Kuddelmuddels und Bielefeld gehört zum festen Besitzstand der Partei. Und der Graf Posadowsky kann seines Swges nicht besonders froh iverden. Die Lügen und Verleumdungen seiner �.aistmachcr, der Mißbrauch der Religion zu politischen Geschäften, das waren die geistig-sitt- ttchen Waffen, denen der eitle Phrafeur jc.n Mandat verdankt. Politilcbe(leberllcbt. Berlin, den 27. Januar l3l2. Das Wahlergebnis» wie es ist«nd wie es sein sollte. Wir geben im Nachstehenden eine Berechnung, aus der her- vorgeht, wieviel Mandate jeder Partei bei»iner gerechten Wvhlkreiseinteilung. resp. bei dem Proportionalwa.hl« syste-m hätten zufallen müssen, und wieviel sie tatsächlich er- halten hat. Bei der Entspr. Parteien Hauptwahl Zahl von rechte Konservative.... 1 120 274 Reickispartei.... 370387 Zentrum..... 2 035 290 Wirtschaftl. Vereinigung u. Antisemiten... 356 375 Polen...... 441 736 Welsen...... 90 607 Elsässer...... 68 565 Lothringer..... 36 356 Dänen...... 17 289 Wilde...... 48 638 erhielten Stimmen Mandaten 37 13 67 12 14 3 2 1 0 2 Errung. Mandate 42 14 93 13 18 5 5 2 1 2 zu viel + zu wenig -- 5 .. 2 --26 + + + + + + 1 zusammen. 4 594 517 150 linke Sozialdemokraten.. 4 250 329 139 Nationalliberale... 1 672 6l9 54 Forlschriul. Volkspartei 1558 330 51 Bauernbund.... 29 148 1 Bayer. Bauernbund.. 48 219 2 195 110 44 43 2 3 202 -j-45 — 29 -10 — 8 + 1 + 1 zummmen. 7 558 645 247 202— 45 Bei dieser?lufstellung haben wir Welsen, Wsäffer, Lothringer. Dänen und Wilde der Rechten zugezählt, obwohl nicht gesagt ist, daß die betreffenden Abgeordneten unter allen Umständen die Politik der Rechten unterstützen werden. Wie aus den gegebenen Zahlen ersichtlich, haben auch diesmal wieder die Sozialdemokraten am meisten unter der ungerechten Wahlkreiseinteilung zu leiden gehabt: diese Partei, die allein nahezu ebenso stark ist wie die gesamte Rechte, hat statt 139 nur 110 Sitze, also 29 zu wenig erhalten. Die Nationalliberalen sind um 10 Sitze, die Fortschrittler und Demokraten um 8 zu kurz weggekommen. Insgesamt erscheint die Linke mit 45 Mandaten weniger auf dem Plan, als sie zu beanspruchen hätte. Der Hauptnutznießer des gegenwärtigen ZustandeS ist das Zentrum, das 26 Plätze zu viel erhallen hat und, obwohl eS nicht halb so viel Stimmen aufgebracht hat wie die Sozialdemokratie, doch'/, so viel Mandate ergattert hat. Auch die Konservativen, die Reichspartei, die Polen und die Elsässer haben ein gutes Ge- Möst gemacht. Insgesamt hat die Rechte 45 Mandate mehr er- halten, als ihr auf Grund ihrer Stimmenzahl zukäme. Die Majorität der Linken wäre also um ebensoviel größer, d. h. würde statt 7, 52 Stimmen betragen, wenn wir wirklich das gleiche Wahl- recht hätten. Eine der Hauptaufgaben der neuen Linken im Reichs- tag wird es sein, dieses verfassungsmäßige Recht end- lich zurTatsache werden zu lassen! Keine Auflösung der Demokratischen Vereinigung. Herr v. Gerlach veröffentlicht in dem demokratischen Wochenblatt „DaS freie Volk" vom 27. Januar folgende Erklärung: Die Demokratische Vereinigung denk: weder an die Einstellung ihrer Tätigkeit nock gar an ihre Auslösung. Alle dahingehenden, augenscheinlich von Gegnern in böswilliger Absicht ausgesprengten Gerücdtr entbehren jeder tatsächlichen Begründung. Das! kann ich im Eiuvernebmen mir den Mügliedern des Vorstandes und Aus- schusses. mit denen ich gesprochen habe, �feststellen. Völlig unwahr such auch die Behauptungen über eine„massenhafte Fahnenflucht" unserer Anhänger. Seit dem Tage der Hauplwahl ist etwa ein Dutzend Abmeldungen vorgekommen. Dafür laufen täglich Neu anmeldungen ein._ H. v. G e r l a ch." Nochmals der Gatower WahlterroriSmus. / Zu unserer gestrigen Notiz über den Gatower Wahl- terrorismus schreibt uns Genosse Liebknecht folgendes: Die im„Vorwärts" gegebene Sachdarstellung ist nach meiner genauen Wissenschaft nicht ganz zutreffend. Die Sache ist noch viel bösartiger, als es nach dieser Darstellung er- scheint. Es ist nicht richtig, daß der andere Genosse bereits in die Kuverts hineingegriffen hatte, vielmehr stand er so weit von der Urne entfernt, daß er gar nicht hineingreifen konnte. Allerdings machte er Armbewegungen in der Rich- tung nach der Urne, ohne diese oder irgend ein Kuvert indes auch nur im entferntesten zu berühren und ohne daß irgend- wie angenommen werden konnte, daß er sie demnächst be- rühren würde. Das bereits genügte dem Wahlvorsteher, auf ihn loszuspringen, mit der linken Hand an der Brust zu packen und mit der rechten Faust mehrfach über den Kopf zu schlagen. Hierbei warf der Wahlvorsteher selbst die Lampe um und unsere Genossen flüchteten darauf sofort aus dem Wahllokal, während der Wahlvorsteher dem Wachtmeister zu- rief:„Wachtmeister, ziehen Sie blank und schlagen Sie zu!" Genosse Horuig sowohl wie der andere außerdem noch ae- schlagene Genosse befanden sich bereits außerhalb des Wahl- lokals, als sie von rückwärts von dem Gendarinen bearbeitet wurden. Sie waren auf der vom Wahllokal nach außen führenden Treppe, als dies geschah. Der Genosse Hornig hat außer den schweren Kopfwunden auch einen Stich in den Rücken bekommen. Nach alledem ist das Vorgehen sowohl des Wahlvorstehers wie des Gendarmen eine ganz ostentativ grobe Ausschreitung, die bereits zum Gegenstand einer An- zeige bei der Staatsanwaltschaft gemacht worden ist. Zu- gleich ist der Wahlvorsteher wegen Vergehens gegen 88 1??, ZI9 Abs. 3 des Strafgesetzbuches zur Anzeige gebracht. Schließlich sei bemerkt, daß der Gendarmeriewachtmeister sich bereits seit annähernd 6 llhr ununterbrochen im Wahllokal! aufhielt. Ganz offenbar liegt also ein planmäßiges provo- katarisches Verhalten vor. Uebrigens hat die geradezu ungeheuerliche Wahlbeein- flussung des Wahlvorstebers auch ihren Erfolg gehabt, wie sich daraus ergibt, daß in Gatow im Gegensatz zu allen anderen Orten des Wahlkreises die sozialdemokratischen Stimmen gegenüber der Hanptwahl zurückgegangen sind und die kon- servativen Stimmen über die Zahl der sämtlichen in der Hauptwahl abgegebenen nichtsozialdemokratischen Stimmen hinaus sich erhöht haben._"..... Wie„vaterländische" Sieqe zustande kommen. Im westpre-ußischen Wahlkreise- Elbing-Marienburg unterlag der Januschauer Junker v. Oldenburg dem freikonservativen„Vater. ländischen" Kandidaten Forstrat Schröder. Die Sozialdemokratie, die mit einem Minus von 57 Stimmen aus der Stichwahl gedrängt wurde, mutzte natürlich Stimmenthaltung als Wahlparole aus- geben, weil es sich um zwei konservative Stichwahlkandidaten han- delte. Die„vaterländischen" Konservativen wollten das Mandat aber um jeden Preis in ihre Hände bekommen. Es kam ihnen nun darauf an, die sozialdemokratische Etichwahlparole möglichst wirkungslos zu macheu. .So erhielt der Kassierer des sozialdemokratischen Verein? in Marienburg, Genosse Nowack, folgend« Postkarte: .Zimmergejelle Herrn Nowack, Willenbcrg b. Marienburg. Marienburg�den 18. Januar 1912. Würde mich sehr freuen,, wenn Sie baldmöglichst zu mir kommen würden, da ich etwas mit Ihnen sprechen möchte. Hochachtend C. Blumenthal, Birtgasse, Ecke Junkergasse. Als Genosse Nowack bei dem Herrn Blumenthal erschien, traf er dort noch einen löniglichen Steuerkontrolleur und einen dritten Herrn. Tie„vaterländischen" Wahlstrategen boten unserem Genossen Bier und Machandel(westpreußischer Spezialfusel) an und rückten mit ihrem sauberen Plan heraus: Nowack möchte doch im Stichwahlkampfe für den For st rat Schröder tätig fein, wofür unser Eenoffe lOO M. erhalten würde! Obgleich Nowack arbeitslos war, schwankte er nicht einen Angenblick und mit der Erklärung:„Ich bin Sozialdemokrat mit Laib und Seele und für den Judasdienst nicht zu haben. Meine Ueberzeugung verkaufe ich nicht für Geld," versetzte unser Genosse der bürgerlichen Moral die verdienten Peitschenhiebe. Die„Vaterländischen" hinderte das freilich nicht, noch im letzfcen Augenblick Flugblätter mit der erlogenen Mitteilung zu verbweitco, daß die deutsche sozialdemokratische Parteileitung in Berllb die Stichwahlparolc:„Stimmenthaltung!" zurückgezogen habe' und daß es jedem sozialdemokratischen Wähler freigestellt werde, für Schröder zu stimmen! Tv der Wahlkreis neben den beiden Stadtkreisen zwei auSge- dehnte Landkreise umfaßt, so war es unserer Organisation nicht mögliche dieses„vaterländische" Schwindelmanöver aufzudecken. Auch erhielten viele Arbeiter anoichme Briefe, in welchen an- gebliche„Arbeiter" ihre Kollegen aufforderten, nicht Stimment» Haltung zu üben, sondern Schröder als„kleineres Uebel" zu wählen, damit der„furchtbare Oldenburg" besiegt werde. Farner brachte das„vaterländische" Organ in Ebbing täglich Eingesamdts vvn'„Arbeitern". Ein„Arbeiter"(?) schrieb:„Ich werde Morstrat Schröder wählen. Eine Partei, die den von unserm Brotherrn befürworteten Kandidaten mit allen Mitteln bekämpft, bekämpft auch uns Arbeiterl" Ein anderer„Arbeiter"(?) er- laubte' sich die Unterstellung:„Selbst der sozialdeumkratische Reichs tags tandidat Erispien hat es ja seinen Wählern deutlich in den Mund gelegt, mit einem leeren Kuvert zur Wahlurne zu gehen, und man kann nur annehmen, daß er damit einen Zettel für Forstrat Schröder einzulegen gemeint hat!" Die Mahnung, leere Kuverts oder ungültige Stimmen abzu- geben, war natürlich ernst gemeint, sie war diktiert von der Sorge um die abhängigen Wähler, die von den Unternehmern durch die Hungerpeitsche an die Wahlurne gezwungen werden sollten.— Für einen„vaterländischen" Aufruf wurden in den Schichaubetrieben wie in anderen Betrieben, deren Besitzer den„vaterländischen" Verein gründeten, durch brutalen Terrorismus Arbeiterunter» schriften erpreßt. Einige Arbeiter gaben sich für 6 M. pro Tag und 5 Pf. pro Unterschrift jedenfalls dazu her, bei ihren„Arbeits- brüdern" Unterschriften zu sammeln. Um dieses Wahlbild vollständig zu machen, sei noch bemerkt, daß der„vaterländische" Fusel während des ganzen Wahlkampfes in �Strömen floß. Verschiedene„gewitzte Genußmenschen" besuchten sogar„vaterländische" Versammlungen in den Nachbarorten, weil es„frei zu saufen" gab._ ■fi tzsv-'»■ Neue Herrenhäuser.* Vom Kaiser find in daS Herrenhaus berufen: Staat»- se.kr«.tär Kr.aetle, Rittergutsbesitzer»Freiherr v. Knigge, Ver- lagSbuchhändler.K losing- Bielefeld,. Prostswr Brunner, Geheimer Kommerzienrat Zuckscbwerdt-Magdeburg, Oberbürgermeister Marx- Düsseldorf, General der Infanterie v. Beseler und Generaldirektor/ der Waffen- und Mui�iiionsfabriken Dr. v. Gontard-Berlin./ Berichtigung. In dem unter der Ueberschrift„Die Eroberung deS deutschen Rom" erschienenen Artikel in Nr. 20 deS„Vorwärt»" ist infolge eines Hörfehlers beim Telephonieren ein sinnstörender Irrtum enthalten. Es muß dort richtig heißen, daß Herr Trimborn gegen die Sozialdemokratie unterlegen ist„in einer Stadt, die weit mehr Handels- als Jndustriezentrale ist." In dem Artikel war das Gegenteil zu lesen._ Ocrtcmlcb. Reaktionäres. Die Landtage der einzelnen Provinzen— amtlich„die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder" geheißen — sind kraft ihres Privilegien- und Klassenwahlrechts die gesicherten Heimstätten der Reaktion. Die reaktionärste Schicht in Oesterreich ist aber, wie auch der große Kampf ums gleiche Wahlrecht gezeigt hat, das deutsche nationalliberal-zünft» lerische Bürgertum. So obstruieren diese„Deutschfreiheit- lichen" im oberösterreichischen Landtag eine Ge- meindewablreform, die die bisher vom Wahlrecht Ausge- schlossenen in einem neuen, dem vierten Wahlkörper vet- einigen will. Die Deutschfreiheitlichcn fordern nämlich, daß in diesem Wahlkörper auch noch die privilegierten Wähler der ersten drei Wahlkörper mitwählen sollen! Bei dett Wiener Gemejndewahlen ist das allerdings der Fall.... Die Landtage von Tirol und Steiermark pau- sieren, weil sie sonst den Ausbruch von Obstruktionen befürch- ten. Es muß erst um die Arbeitsfähigkeit gekuhhandelt werden. Im k r a i n i s ch e n Landtag kassierte die kleri» kale Mehrheit- zwei liberale Mandate. Und der glorreiche böhmische Landtag kann seit drei Jahren wegen der deutschen Obstruktion keine Sitzungen abhalten! franhmcb. Lieber schwarz als rot. Paris, 25. Januar.(Gig. Ber.) Wir haben schon über die Wahl in Elbens berichtet, wo im zweiten Wahlgang Genosse Po is son mit dem Progressisten kämpft und nur gewählt werden kann, wenn die Wähler der im ersten Wahlgang weit zurück- gebliebenen bürgerlich-radikalen Kandidaten für ihn eintreten. Das Exekutivkomitee der radikalen Partei hat nun gestern beschlossen. nachdem die beiden radikalen Kandidaten zurückgetreten sind, Neutralität zu bewahren und seinen Mitgliedern zu ver- bieten, dem Sozialisten beizustehen. Das heißt also, das Mandat soll dem stockklerikalen Progressisten in die Hände gespielt werden. Und dieser„republikanische" Beschluß ist unter dem Vorsitz von Emile Com bes. dem Bater des Blocks gefaßt worden!' fSTorwegen. Zulassung der Frauen zu Staatsämtern. Kristiania, 26. Januar� Das Lagt hing hat heute den voni Odelsthjng bereits-genehmigten Gesetzentwurf betreffend dieZulassungvonFrauenzuStaats- ä m t e r n ebenfalls angenommen und beschlossen, das Gesetz dem König zur Sanktionierung zugchen zu lassen. GewerhlchaftUchea. friede im deutreben Bteindruchgewerbc I Zur Beilegung der Streiks und Aussperrungen der Lithographen und Steindrucker in 50 deutschen Städten, in denen seit Ende September vorigen Jahres rund 4500 Ge- Hilfen im Kampfe stehen, über den wir laufend berichteten, fanden an den Tagen vom 23. bis 27. Januar wiederum Ver- Handlungen statt. Diese fünftägigen Verhandlungen im Ber- liner Papierhaus zwischen Vertretern der Gehilfenorganisa- tion der Lithographen. Steindrucker und verwandten Berufe und deni Uuternehmerschutzverband deutscher Steindruckerei» besitzer brachten endlich eine Einigung. Es wurden„Verein- barungen über die Lohn- und Arbeitsbedingungen im beut- schen Steindruckgewerbe" festgelegt. Serlin und. Umgegend. Unter den Kohlenarbeitern Berlins gärt es l Die Kohlenarbeiter und Kutscher hatten mit dem Verband der Berliner Kohlenhändler Verhandlungen wegen Verkürzung der täglichen Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden. Diese Verhandlungen zerschlugen sich jedoch. Die Arbeitszeit der Kohlenkutscher beträgt heute noch 16 bis 18 Stunden und während des starken Frostes sogar über 20 Stunden täglich. Für diese lange Arbeitszeit erhalten die Kutscher einen Lohn von 30 M. pro Woche. Dazu kommt noch, daß dieselben mit dem Füttern der Pferde usw. auch des Sonntags drei bis fünf Stunden zu tun haben. Irgendwelche Bezahlung für Sonntagsarbeit oder geleistete Ueberstunden wird von den Kohlen grotzhändlern abgelehnt.— Die Arbeiter erhalten für ihre schwere und ungesunde Arbeit einen Stundenlohn von 4a Pf. Der Wunsch� ihnen die elfte Stunde, welche sie täglich zu arbeiten haben, mit B Pf. Aufschlag zu bezahlen, d. h. mit 50 Pf. pro Stunde, lehnten die Kohlengroßhändler kurzerhand ab. Abgesehen davon, daß die hier gezahlten Löhne bei der zurzeit herrschenden außerordentlichen Teuerung der wichtigsten Lebens- mittel nicht ausreichen, einen ledigen Arbeiter, geschweige noch eine Familie halbwegs menschenwürdig zu ernähren, kommt noch hinzu, daß die Kohlentutscher und Arbeiter auf Grund der Verhältnisse ihre Mahlzeiten nicht in ihrer Behausung, sondern in Gastwirt- schaften einnehmen müssen, so daß ihnen dadurch der Lebensunter- halt noch teuerer zu stehen kommt und nur wenig für die Familie übrig bleibt. In ihren Arbeitsverhältnissen bestehen insofern noch große Mißstände, als es auf den meisten Kohlenplätzen an hygieni- schen Einrichtungen mangelt. Weder heizbare Unterkunftsräume noch Wascheinrichtungen und Klosetts usw. sind vorhanden. Die Leute sind genötigt, ihre Bedürfnisse in Gastwirtschaften zu be- friedigen, was natürlich nicht ohne neue Ausgaben geschehen kann. Die Empörung der Leute über Zurückweisung der bescheideuen Forderungen ist also berechtigt. Sie ist so stark, daß von heut zu morgen eine Bewegung derselben ausbrechen kann. Zum Streik in der Mützenbranche. Hatte es schon den Anschein erweckt, als wenn die Herren Fabrikanten bereit wären, durch Verhandlungen mit dem Kürschner- verband die Differenzen zu regeln, so wurden die Arbeiter in letzter Woche wieder eines anderen belehrt. Bei den Verhandlungen am 18. Januar erklärten die Herren, den Tarif prüfen zu wollen, um dann ihre Gegenvorschläge zu machen. In einem Schreiben vom 19. Januar erklärten sie dann, da die Verhandlungen nicht zur Aufhebung der Sperre führten, würden am 20. Januar sämtliche Mitglieder des Deutschen Kürschnerverbandes ausgesperrt werden, fügten aber hinzu: „Einen Gegenentwurf zu dem uns eingereichten Tarifvor- schlage wird unsere nächste Mitgliederversammlung ausarbeiten und dem D. K.-V. sodann zustellen." Wie sah nun dieser Gegenentwurf aus? Am 24. Januar teilten sie dem Verbände mit,„sie wären nicht in der Lage, Tarifverträge abschließen zu können"! Durch diese Antwort haben die Herren Fabrikanten ihre ganze sozialpolitische Rückständigkeit dokumentiert und zum Ausdruck ge- bracht, daß sie geregelte Lohn- und Arbeitsverhältnisse in ihren Be- trieben überhaupt nicht haben wollen. Die Herren glaubten, daß ihre Manöver die Streikenden veranlassen würden, die Betriebe zu stürmen. Diese Annahme wird durch die vielen Bettelbriefe des Herrn A. Winter, Marsiliusstr. 10, jetzt Vorsitzender des Fabri- kantenvcrbandcs, der stets versicherte, daß nunmehr bald alle Plätze besetzt seien, bestätigt. Die in den Briefen Angegangenen möchten kommen, bei Anpöbelungen auf der Straße steht ihnen der Schutz der Firma sowie der Polizei zur Seite. Zum Schluß« heißt es stets in allen Briefen: „Sämtliche bei uns jetzt beschäftigten Leute sind nicht im Verband und herrscht nunmehr wieder Ruhe und Frieden. Der Streik ist für uns so gut wie erledigt und stellen wir keine or- ganisierten Leute mehr ein." In Wirklichkeit verhält sich die Sache so, daß ein Geselle namens G u t s ch u ß mit seinem Sohn seit dem 13. Januar Ar- beitswilligendicnste verrichtet und die sonst bei der Firma Be- schäftigten sind Leute, wie sie von der Straße kommen. Diese Leute verstehen nichts und kosten dem Herrn viel Geld. Die Firma G. A. H o f f m a n n leistete sich auch den Luxus, den Arbeits- willigen'die ersten Wochen eine Extragratifikation von 5 M. pro Woche zu verabfolgen, seit drei Wochen hat sie damit aber Schluß gemacht. Die Arbeitswilligen werden nur als Blendwerk benutzt. den Streikenden Angst davor einzuflößen, daß die Betriebe besetzt �"'"Die Streikenden nahmen am 26. Januar zu der Antwort der Fabrikanten Stellung und beschlossen die 131 Erschienenen m geheimer Abstimmung einstimmig, an dem Abschluß eines Vertrages festzuhalten. Sie sprachen in einer Resolution über das Manöver der Fabrikanten ihre berechtigte Empörung aus. Im Ausstand be- finden sich 197 Personen._ Die Firma 31. Wertheim scheint die Organisation der Transport- arbciter nicht gern zu seben. Donnerstag sollte eine Beriammliing für das gewerbliche Personal des Betriebes am Aleranderplatz statt- finden, in der schwere Mißstände zur Erörterung gebracht werden sollten Plötzlich wurde ein großer Umzug in diesem Betriebe exprez für diesen Abend so dringend, daß dos gesamte Dienerpersonal durch Ueberstunden festgehalten wurde.— Von den übrigen Warenbaus- betrieb?» scheint die Firma W W e r t b e i m jetzt zu der lieber- zeugung gelangt zu iein, daß es besser ist. mit dem Tiansportarbeiter- verband im Frieden zu leben. Die gcsamren Walenbausangestelllen sollten daraus erlenncn, daß sie alle Veranlassung haben, sich durch kein Mittel vom Beitritt zur Organisation abschrecken zu lassen. •Zur Zigarcenarbeiterbewegnng von Grotz-Berlin. Eine ganze Anzahl von Zigarrenhändlern glaube» sich damit um die grünen Plakate herumdrücken zu können, daß sie sich daraus herausreden, die Aussperrung in Westiale» sei ja vorüber. Dem- gegenüber muß wiederholt und nachdüicklichst bemerkt werden, daß die Berliner Zigarren arbeit erbewegung vor der W e st s S l i s ch e � Aussperrung e i ti�s e tz t e. Sie kann also nicht mit de> selben uerwcchselt oder identifiziert werden Es erkalten nur d i e Geschäne die grünen Plakate, deren Bezugsfirmen sich mit ihren Arbeiier" und der Organisation hinsichtlich ihrer Löhne geemigt haben Wo die grünen Plakate, unterichrieben Alwin Schulze. Nich' oorhauden sind, trifft das also nicht zu. Arbeiter, Parteigenossen! Beachtet die Veröffentlichungen der tarifireuen Firmen im„Vorwärts". Der Verlrauensmann der. Tabakarbeiter. Achtung, Steinmetzen; Ueber die Fortsührung der Steinmetz- arbeiten im Schillerpark sind zwischen den in Betracht kommenden Verantw. Redakteur Firmen Lietner u. Schacht und der Beton u. Monirbau S.-G. einerseits und den dort beschäftigt gewesenen Steinmetzen anderer» seits Differenzen ausgebrochen, bis zu deren Beilegung die Arbeiten als gesperrt zu betrachten sind. Desgleichen ist die vom Verband der Brauerei- und Mühlen arbeiter bestreikte Mühlensteinfirma Goltdammer in Lichtenberg für sämtliche Steknarbeiler gesperrt. Zentrolverband der Steinarbeiter. Ortsverwaltung Berlin. Miililsteinarbeiter. Der Streik bei der Firma Goltdammer, Berlin Lichtenberg, Bürgerheimstratze 101, dauert unverändert fort. Dieser Betrieb ist für organisierte Arbeiter gesperrt. Zuzug ist fernzuhalten. Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter, Ortsverwaltung Berlin. Deutfebes Reich. Streik in der Antomobilfabrik von Gebr. Stöwer in Stettin. Unter den Arbeitern genannter Firma gärte es schon lange. Die Betriebsleitung hatte durch Abzüge von den Akkordpreisen und durch hohe Strafen die Unzufriedenheit, der Arbeiter bis aufs höchste getrieben. Besonders die Stellmacher hatten unter den Lohnabzügen zu leiden. Verhandlungen, die in voriger Woche zwischen Betriebsleitung und Verhandlungslommission der Arbeiter stattfanden, verliefen ergebnislos.. Zunächst stellten 47. Stellmacher die Arbeit ein. Darauf entließ die Firma weitere 86 Tischler, Sattler und Karofserieschlosser. Etwa 1000 Personen werden im Betrieb beschäftigt. Zuzug von Stellmachern, Tischlern, Sattlern, Schlossern, Lackierern. Drehern usw. ist deshalb fernzuhalten. Ein Wendepunkt in der Tarifpolitik im Steinsetzer- gewcrbe? Die Frage des Reichstarifs im Steinsetzergewerbe hat schon vor Jahren zur Diskussion gestanden. Es schien, als solle das Stein- setzergewerbe eines der ersten sein, das für den Reichstarif reif würde. Es haben dann Umwälzungen innerhalb der Unternehmer- Organisation stattgefunden, wodurch die Frage mehr in den Hinter- grund gedrängt wurde. Grundsätzlich aber erklärte auch die neue Unternehmerorganisation— der Reichsverband für das Steinsetz- gewerbe— schon im Jahre 1909, daß auch er auf dem Boden des Reichstarifs stehe, nur wäre seine Organisation noch nicht genügend ausgebaut, um der Frage schon nähertreten zu können. Am 9. Februar findet nun in München die JahreSversamm- lung des Untcrnehmerverbandes statt, der sich insivischen in beachtlicher Weise entwickelt hat, so daß nunmehr von einer ungenügenden Organisation eigentlich keine Rede mehr sein kann. Er will nun auch Stellung nehmen zu der Frage der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen— allerdings nicht zur Frage des Reichstarifs. wenigstens ist darüber nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen. � Es ist auch sehr leicht möglich, daß sich heute eine Mehrheit im Reichs- verbände findet, die sich gegen einen Reichstarif erklärt. Dieser Verdacht wird insbesondere dadurch bekräftigt, daß der Arbeitgeber- bund für das Baugewerbe sich inzwischen auch an die Steuisetz- Unternehmer heranschlängelt und zwischen beiden Gruppen äugen- jcheinlich eine Annäherung stattgefunden hat. Denn besagter Ar- beitgeberbund, der früher dem Reichsverbande der Steinsetzuntcr- nehmer feindlich gegenüber gestanden hat, protegiert jetzt offen- sichtlich den einst bekämpften Unternehmerverband der Steinsetz- meister. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß dieser auf seiner Münchener Tagung sich ganz und gar ins Schlepptau der Scharf- macher im Baugewerbe begibt, zumal eine ganze Anzahl scharf- macherischer Gernegroße in den Reihen der Steinsetzmeister auf ein gemeinsames Vorgehen mit dem Arbeitgeberbund für das Bau- gewerbe hindrängen. Eine Wendung in der Tarifpolitik im Steinsetzgewerbe ist also gar nicht ausgeschlossen. Die leitenden Instanzen des Steinsetzer- Verbandes haben sich deshalb veranlaßt gesehen, an den Unter- nehmerverband angesichts seiner Münchener Tagung mit nach- stehendem Zlntrag heranzutreten: „Zur endgültigen Entscheidung über die Gestaltung der zwischen Mitgliedern des Reichsverbandes und des Verbandes der Steinsetzer zu vereinbarenden Tarifverträge ist, sofern zwischen den direkt Beteiligten eine Verständigung auf dem Wege lokaler Verhandlungen nicht zustande kommt, eine Institution(Tarifamt) zu schaffen, wie sie im deutschen Buchdruckgewerbe besteht, oder, falls man soweit noch nicht gleich gehen will, ein Zentralschieds- gericht ähnlich dem Zentralschiedsgericht für das deutsche Bau- gewerbe zu errichten." Die Herren Steinsetzmeister und Straßenbauunternehmer stehen somit am Scheidewege.'Wollen die Herren eine ruhige Ent- Wickelung der gewerblichen Verhältnisse auf der Grundlage Wirt- schaftlichen Fortschritts, so sind die Jlrbeiter bereit, ihnen darin zu folgen. Wollen sie das nicht, so sind die Arbeiter aber auch darauf gefaßt, sich dann nach wie vor zu erkämpfen, was ihnen auf fried- lichem Wege versagt blieb._ Erfolgreiche Mälzereiarbeiterstreiks. Die Kulmbacher Mälzereiarbeiter, die am 18. Januar die Arbeit niedergelegt hatten, haben einen schönen Erfolg erzielt. Die bisherigen Arbeitsverhältnisse waren durchaus ungeregelte, die Löhne niedrige, SonntagSarbeit und Ueberstunden wurden nicht bezahlt. Nun ist die zehnstündige Arbeitszeit vereinbart, ein Min- destlohn von 20 M. steigend bis 27 M. pro Woche unter Anrechnung des Dienstalters. Ferner wird die Sonntagsarbeit entschädigt und die Ueberstunden werden mit S0 Pf. pro Stunde bezahlt. In Krank- heitsfällen wird ein Zuschuß gewährt, ein� jährlicher Urlaub ohne Lohnabzug bis zu sieben Tagen wurde festgesetzt. Die Arbeit ist wieder ausgenommen worden.— Die Tatsache, daß die Arbeiter noch jung organisiert sind und es mit einem in der Mehrzahl reckt rückständigen Unternehmertum zu tun hatten, das sich vorerst durchaus nicht entschließen wollte, mit der Organisation zu ver- handeln, gibt den erzielten Erfolgen einen besonderen Wert. In Frage kommen rund 160 Personen. Ferner haben die Arbeiter der Malzfabrik Lewino in Mainz nach halbtägigem Streik ihre Forde- rungen durchgesetzt und die neunstündige Arbeitszeit und eine Lohn- erhöhung um 2,00 M. auf 28,50 M. pro Woche erzielt neben sonstigen wesentlichen Verbesserungen. Hus1»nd. Der Ausstand der portugiesischen Lederarbeiter ist nach einer Meldung des Wolffichen Bureaus beendet. Lohnbewegung der Hafenarbeiter in?ieu-Iüd-Wales. Etwa 3000 Hafenarbeiter aus den Häfen dieses australischen Staates fanden sich am 22. Januar in S i d n e y ein, wo sie in einer großen Versammlung ihre Lohnverhältnisse besprachen. Die Versammlung verwarf das Ilnerbicten der Unternehmer, für die Ueberstunden l Schilling 5 Pence(1.40 M.) geben zu wollen und wiederholte nochmals ihre Forderung, die darauf hinausläuft, daß ür sie wie für die Hafenarbeiter der großen Seedampfer gleichfalls Schilling 6 Pence(1,50 M.) für eine gewöhnliche'Arbeitsstunde und 2 Schilling 3 Pence(2,25 M.) für eine Ueberstunde gezahlt werden. Auf allen Quais herrschen ungeregelte Lohnzuständc, da ich die Hafenarbeiter weigern, Nachtarbeit zu verrichten, weil die stunde für den Beginn der Ueberzeitarbeit noch nicht festgesetzt ist. Weitere Verhandlungen zwischen den beiden Parteien sollen statt- ■mden.__ Hua Induftne und DandeL |bet Leser vermutet keine Mache, zudem spart der Unternehme» Annoncengelder. In einer recht charokteristisck-n Weise haben auf diesem Wege kürzlich die Beleucktungskörperfabriken die Konsumenten eingeseift I Erst ließ ein Unternehmen mitteilen, daß ein neues Produktionsverfahren— Metallsadenlampe— eine Preis» reduklion erlaube 1 Und dann lam ein Unternehmen nach dem andern mit derselben Nachricht, so machte die Presse Reklame für die neue Lampe. Die angebliche Preisreduklion war eine Fiktion! Da eS sich um ein neues Fabrikat handelte, konnte von einer Preisermäßigung überhaupt nickt die Rede sein I Die Reklame halle das neue Fabrikat nur einzuführen I Das scheint in kurzer Zeit in erwünschtem Maße geschehen zu sein, denn nun teilen die Fabriken der BeteuchlungSbranche mit. daß sie gemein- s ck a f t l i ch eine Erdöbung ver Preise eintreten lassen l Die Presse» bureaus der Großindustrie stellen die Tagespresse in den �Dienst der Profiimacherei und die Konsumenten werden geschröpft. Die Gewinnausschüttungen der BeleuchlungSkörperjabrilcn und das Vexierspiel mit der Preisermäßigung rechtfertigen den Vorwurf des SchröpfenS I_ Hus der frauenbexvegung. Säuglingsheime und Mutterschutz. Schon einmal hoben wir hier berichtet, daß die General» direktion der österreichischen Tabakregie, die 85000 Arbeiteiinnen beschäftigt, zwei Säuglingsheime im An- ichlutz an die Fabriken eingerichtet hat. Ein drittes ist unlängst dazu- gekommen und noch in diesem Jahre werden vier weitere erricklet werden. Das ist natürlich noch nickt die Erfüllung aller Wünsche der Arbeiterinnen in dieser Richtung, denn eS 6c» stehen 29 kaiserl.»königl. Tabakfabriken, und erst nur sieben werden Säuglingsheime baben. Es ist aber dock ei» Fortschritt, der den Kindern der arbeitenden Mütter zugute kommt, da sie nicht bei fremden Leuten auf den Dörfern, ohne Kontrolle, untergebracht werden müssen, sondern in den hygicniich und freund» lich eingerichteten Säuglingsheimen, bedient von guten Pflegerinnen, ihre Nahrung von den Brüsten der Mütter empfangen. Die ärzt-' liche Kontrolle üben die Fabrikärzte aus. Der freie S o n n a b e n d n o ch m i t t a g ist für die Tobak- arbeiterinnen vollständig durchgeführt; sie verlassen an Sonnabenden um*1*12 vormittags die Fabriken. Für die Wöchnerinnen ist vom 1. Januar d. I. an die obligatorische Schutzfrist auf sechs Woche» erhöht, obwohl das Geietz nur vier Wochen vorschreibt. Die Tabak» regie gibt allen Wöchnerinnen nach Ablauf der gesetzlichen vier Wochen einen bezablten Urlaub von 12 Togen, wodurch die sechswöchige Schutzfrist erreicht ist. Bisher lag die Gewährung des bezahlten Wöchnerinnenurlaubs im Belieben der Aerzte. Nun» mehr ist diese Einrichtung obligatorisch. Die Forderungen und berechtigten Wünkche der Arbeiterinnen find damit noch lange nicht erschöpft. Würde eS eine einzige große Organisation der Fabrikarbeiterinnen geben, so würden die Erfolge noch rascher erreicht werden, doch ist ein großer Teil der Tobokorbeitermnen christlichsozial. Diese haben auch einen eigenen Verband und ein eigene« Fockblatt. Dieses hetzt natürlich gegen die„Roten", sucht alle Erfolge zu verkleinern, obwohl die sozialdemokratische Organisation der Tabakarbeiterinnen lange schon für die Verbesserung der Lage in den Tabakfabriken kämpfte, ehe es noch die christlichsozials Gewerkschaft gab. Unsere Genossinnen arbeiteten sckon für Lohnerhöhungen, für Mutter» und Säuglingsickutz, für die Regelung der Krankenkassen- und der Pensionsverhälmisse als das noch ein sehr gesäbrlichcs Unterfangen in den Staats- betrieben war. Manche harre Disziplinarstrafe wurde von unseren Genossinnen ertragen, um dem Fortschritt die Bah» zu breche». Die Erfolge belohnen ihre Mühen und eine Konferenz, die am 5. und 6. Januar staltgefunde» hat und bei der alle Fabriken ver» treten waren, hat die R i ck l l i n i e n festgesetzt, nach welchen für weitere Verbesserungen zu arbeiten ist. Leseabende. Erster KreiS. Montag, den 29. Januar, bei Weihnacht, Grllnstr. 21. Hansaviertel bei Rothe, Flensburger Str. 24. Weißenfee. Montag, den 29. Januar, im Lokale von Peukert, Genosse W e n d e l» Berlin spricht über: Berliner Allee 251. .Reisebilder aus England." Industrie und Preffe! Bei den großindustrielle» Uiilernehinen spielen die Preßabteilunge» keine unbelrächitiche Rollet Jbre Aufgabe befiehl unter anverm darin, geeignete Rellame zu machen! Sie muß als unparteiische Milteiluiigen der Presse an die Oeffenltichleit gelangen I Einsprechende Nachrichten werden als Haildelsnotizen uiw. in den Handelsreil �der Zeitungen Versammlungen— Veranstaltungen. Zentral-Kraiiken- und Begradniskasie für Frmieu und Mädchen in Deutschland(E. H. 26) Ossenbach g. M. Verwaltungsstelle Berlin L Montag, den 29. Januar, abends 81/. Uhr Hauptversammlung im Gewerkschaflshause.«aal' 3 Engel- ufer 14/15. 0 Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Der nächste Vortrag findet am 5. Februar, abenvs g'/. Uhr in K e l l e r s N e u e r P h i l h a r m o n i e. Kövcnicker Str. 96/97 statt. Herr Dr. Alfred Guttmann spricht über Das d-utsche Volkslied" und wird den Vortrag'durch muilkalische Erlauterungeii erganzen. Am 18. Februar jeiert der Verein sein dreizebntes Stiftungsfest in der Renen Philharmonie. Köpenicker Strage 96/97, als M o z a r l- A b e n d. Mitwirkende- DaS Kestenberg-Trio. Herr Gnischka(Viola). Frl. Odlhoff(Geianat Ansprache: Frau Wally Zepler. Nach dem Konzert- Tmu Billetts a 50 Pf. sind im Verein und in den Zahlstellen zu Hetzte Nacbrichtcn. Rußland als ehrlicher Makler. Petersburg. 27. Januar.(P.-E.) Nach einer Meldung d-S „Retsch" soll der russische Minister des Auswärtigen Sasonow Italien und der Türkei von neuem die Vermittelung RufilandS im italienisch-türkischcn Kriege angeboten haben. Der kroatisch-slawoiiische Landtag aufgelSst. Agram. 27. Januar.(P.-E.) Der neuerwählt-, für den 7. Februar er. einberufene, also noch gar nicht zusammen» getretene kroatlsch-slawomsche Landtag wurde heute durch könig. liches Reskript aufgelöst. Der Abgeordnete Raditsch, der der Opposition angehört, wurde infolge der durch die Auflösung erloschenen Immunität heute wegen Hochverrat verhaftet. Aus China. Kuldscha, 27. Januar.(Meldung der Petersb. Telegraphen. -Agentur.) Die aufständischen Truppen haben die Stadt Dshin» h u o besetzt, deren Einwohner weiße Flaggen hißten. RegierungS. truppen ziehen aus Urumtschi heran. Bei der Explosion ln einem Pulverkeller in Altsuidun sind 150 Personen umz Leben gekommen. Das chinesische Rote Kreuz bringt den Verwundeten Hilfe. Alosterbrand. Par,S. 27. Januar.(P.-E.) Wie aus Puy gemeldet wird. ist das dortige aus dem Jahre 1425 stammende und 1740 rcno- vierte Kloster der heiligen Clara durch eine furchtbare Fcuerö- brunst vollständig zerstört worden. Das Kloster barg eine große -Anzahl sehr wertvoller Kunstfchätze. die sämtlich ein der Zeitung betriebene Reklame ist wirkungsvoller als Inserate sind!' �' lanziert I Die in der Form redaltioneller Urteile im allgemeine» Teil'■, n37'!e Ooiiimn fietriebene Reklame ist wirkunasvoller als Jllierate sind: Raub der Flammen geworden sind. Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u VeclagSanstalt Paul Singer i: Co., Berlin SW.' Hierzu 5 Beilage». ims. 29.i.iw i. Keilage des„Ponirts" Kerliller Pollisdlatt. vie Stichwahlen in Mrheiien. Aus Kassel wird unS geschrieben: Die Sozialdemokratie des Regierungsbezirks Kassel hat in diesem Wahlkanipse ausgezeichnet abgeschnitten: Erstmalig eroberte sie bei den Stichwahlen am 20. d. M. in Niederhessen zwei Mandate. Zum Vertreter von Hanan-Gelnhausen, dem Genossen Hoch, kommen jetzt Hüttmann- Frankfurt für Kassel-Melsungen und T h ö n e- Kassel für Eschwege- Witzenhausen- Schmalkalden. Heißen Kampfes freilich hat es bedurft, um diese Siege zu erringen, zumal es sich um Wahlkreise handelt, in denen die Landwirtschaft noch beträchtliche Wählermassen stellt, ferner das Beamtentum einen großen Einfluß ausübt, endlich der Reichsverband gegen die Sozial- demokratie wirklich alle Minen springen ließ, und der Bund der Landwirte vor erpresserischen Maßnahmen nicht zurückschreckte. Beide Kreise hatten eine gesunde AufwärtSentwickelung der sozialdemokratischen Stimmenzahlen zu verzeichnen. Es wurden für uns abgegeben: Kassel-Melsungen Eschwege-Schmalkalden 1838... 10 357 5 246 1303... 14 543 6 485 1337... 17 073 7 262 1312... 21814 11313 An der absoluten Mehrheit fehlten in beiden Kreisen am !2. Januar nur noch wenige hundert Stimmen, was die Hoffnung berechtigt erscheinen läßt, daß Kassel-Melsungen, die alte Hessen. Residenz an der Fulda, sowohl als auch Eschwege-Schmalkalden zum festen Besitzstand der Sozialdemokratie zählen. Das Schicksal des Antisemitismus ist endgültig besiegelt. Latt« mann und Raab sind durchgefallen und Henningsen ist die Gelegenheit �genommen worden, das für sicher gehaltene antisemitische Erbe Lieber mann v. Sonnenbergs zu vertreten. Auch Fritzlar-Homberg- Ziegenhain, diese Domäne der Antisemiten in Kurhessen, der Kreis, der fast 20 Jahre lang stets im ersten Gang von dem alten Haudegen erobert wurde, ist gefallen. Mit 300 Stimmen Mehrheit siel das Mandat nach erbittertem Kampfe an den liberalen Bauern bündler He st ermann. Diese Niederlage der Antisemiten in diesen Kreisen ist wohlverdient. Schamloser und mit gewöhnlicheren Mitteln ist wohl nie bei einer Wahl gekämpft worden, als hier auf feiten der Antisemiten. Privatangelegenheiten des liberalen Bauernkandidaten wurden in den politischen Kampf gezerrt; Liebes briefe hat man einer Freundin Hestermanns abgekauft, um deren Luhalt gegen den Schreiber zu fruktifizieren. Prozesse über Prozesse wurden gegen Hestermann, der sich natürlich kräftig gegen die anti semitischen Verleumder wehrte, anhängig gemacht. Zwei Tage vor der Stichwahl wurde der Bauernkandidat wegen Beleidigung des Kreisvorsitzenden des Bundes der Landwirte verurteilt. Und doch hat alles nichts geholfen! Im Gegenteil: Je größer die persönlich- verletzende Agitation der Antisemiten wmde— die kleinen Bauern hielten um so fester zu dem Manne ihres Vertrauens. Als man dann auf seilen der Amisemiten erfuhr, daß Fortschrittler, hessischer Bauernverein und Sozialdemokratie snach Anerkennung der Stichwahl- bedingungen) einmütig waren und die Stichwahlparole für Hefter- mann ausgegeben hatten, da griffen die Antisemiten zum gemeinsten Mittel des Kampfes. Man veröffentlichte Anzeigen, in denen es hieß:.Wählerl Gegen Herrn Henningsen werden von den Gegnern die gemeinsten Verdächtigungen ausgesprengt wurden. Henningsen soll katholisch sein, nicht Johann, sondern Josef heißen, ein ab- gedankter hoher Offizier sein, der seinen Adel verschweigt— und Millionen besitzt, Inhaber eines Hamburger Bordells mit fünfzig Freudenmädchen sein I Wähler, protestiert gegen solche Verdächti- gnngcn. Wählt Henningsen!" Die Wähler machten das Gegenteil; sie verurteilten diesen gemeinen Trick und stimmten für Hefter- mann l Trotz alledem! Es dämmert auch im entlegeneren Deutschland. Die Kleinbauern in Niederhessen haben erkannt, daß ihre Interessen von den Bedienten der ostelbischen Junker und Fuselbrenner niemals vertreten wurden. Hersfeld-Hünfeld-Rotenburg wird im kommenden Reichstag wieder durch Werner vertreten sein; Rinteln-Hof- geismar- Wolfhagen durch Herzog; Marburg»Kirch- Hain durch Rupp und Waldeck- Pyrmont durch den neu gewählten Victiiicyer. Dem Nationalliberalismus bleibt der traurige Ruhm, die Wahl dieser vier Antisemiten herbeigeführt und damit die radikale Be- seitigung der Partei der Rassenhetze dem kurhessischen Bezirk ver- 1>Ienfd?eiired)te. Von August Strindberg. ■(Diesen Artikel veröffentlichte August Strindberg an seinem 63. Geburtstag im Stockholmer.Socialdemokrat".) Wenn ein Menschenkind geboren wird in einer zivilisierten Gesellschaft, so werden mit ihm Rechte geboren, während die Ge- sellschast von dem Neugeborenen Pflichten erwartet, wenn die Zeit gekommen ist. Das Kind hat das Recht auf Nahrung und elementare Er- ziehung, und die Gesellschaft soll das Kind ernähren und erziehen, dessen Eltern durch Not oder Nachlässigkeit verhindert sind, es zu tun, denn wenn die Eltern Lumpen sind, soll das Kind dafür nicht bestraft werden. riöer da das Leben eine Rennbahn ist, Ivo ein Wettkampf stattfindet, müßten alle gleich gut ausgerüstet sein beim Start. Das geschieht am besten in der Volksschule, obligatorisch und ein- beitlich für alle, wo der Elementarunterricht unentgeltlich erteilt wird. Lesen, Schreiben und Rechnen heißen die Schlüssel zu allem Wissen, denn damit kann man später selbst sich das übrige anpigne». das im Bücherladen zu kaufen ist. Wer imstande ist und Lust hat, mehr Kenntnisse zu erwerben, mag es tun, aber damit sollen nicht irgendwelche Rangunterschiede oder andere Privilegien verbunden sein, sondern nur das eine, daß jeder seinen Platz erhält. Und der, dem es gefallt, den Weg des Studiums zu gehen, soll nicht vom Staat verlangen können, daß er ihm Platz verschafft. wo kein Platz ist, sondern soll es als einen glücklichen Umstand be- trachten, daß er auf dem einen oder anderen Gebiet mehr weiß als die minder Begünstigten....... �~, i Wenn jedermann, seiner natürlichen Begabung, seinem Talent und seiner Neigung folgend, feine Bahn wählt, so soll es ihm ohne Einschränkung offenstehen, nach seinem Verdienst befördert zu werden, so weit seine Tüchtigkeit im Fache reicht. Tic Einschränkungen in der gegenwärtigen veralteten Kasten- gesellschaft sind: 1. Das Studenten-(Abiturienten-) Examen, da» an sich widersinnig ist. da keiner in einem halben Tage zu zeigen vermag, was er kann und weiß, aber sehr leicht durchfallen kann wegen einiger Kleinigkeiten, die er vergessen hat, in diesem großen Sammelsurium von Wissen, das dem Konversationslexikon an- gehört. Das Studentenexamen, das die ganze Jugend gekostet hat. eitelt zu haben. Solcher Verrat am politischen Fort- schritt aber wird vom vorwärtsstrebenden Volke gewiß gebührend gewürdigt werden, sobald sich Gelegenheit dazu bietet. ver lirieg. Nach deflk„Carthage"- und„Manuba"-Zwischenfall ein„Tavigliano"-Zwischcnsall. Rom, 26. Januar. Die„A g e n z i a S t e f a n i" veröffentlicht folgende Note: Der französische Botschafter und der italienische Minister des Acußern haben die Umstände, die vor und nach der Beschlagnahme und der Durchsuchung zweier auf der Fahrt von Marseille nach Tunis begriffener französischer Dampfer durch einen italienischen Kreuzer eingetreten sind, in dem Geiste größter Herz- lichkeit geprüft und sind erfreut gewesen, vor jeder anderen Ueber- legung übereinstimmend feststellen zu können, daß bei keinem der beiden Länder irgend eine Absicht daraus hervorgeht, die den Gc- fühlen aufrichtiger und beständiger Freundschaft, die sie verbinden, zuwider ist. Diese Feststellung hat die beiden Regierungen ohne Schwierigkeit zu folgenden Beschlüffen geführt: 1. Die Fragen, die sich aus der Beschlagnahme und Festhaltung des Dampfers„C a r t h a g e" ergeben, werden entsprechend dem im Jahre 1308 erneuerten französisch-italienischen Schiedsabkommen von 1903 dem Haager Schiedsgerichtshof zur Prüfung unterbreitet. 2. Was die Beschlagnahme des Dampfers„M a n u b a" und die Festhaltung der an Bord dieses Schiffes befindlichen Reisenden anbetrifft, Handlungen, die nach Ansicht der italienischen Regierung auf Grund der nach den allgemeinen Grundsätzen des Völkerrechts und nach Artikel 47 der Londoner Deklaration von 1909 ihr zu- stehenden Rechte erfolgt sind, so werden die besonderen Umstände. unter denen diese Handlungen vorgenommen wurden, und die Folgen, die sich daraus ergeben, ebenfalls der im Haag eingerichteten hohen internationalen Jurisdiktion unterworfen. Um bezüglich der festgehaltenen türkischen Reisenden den Statusquo ante wiederher zustellen, werden diese dem französischen Konsul in Cagliari über- geben, um wieder an den Oort ihrer Einschiffung zurückgebracht zu werden, und zwar unter der Verantwortlichkeit der französischen Regierung, die die erforderlichen Maßregeln zu treffen hat, um zu verhindern, daß d i e türkischen Reisenden, die nicht dem Roten Halbmond angehören, sondern Kombattanten sind, sich nach einem französischen Hafen in Tunis oder auf den Schauplatz der kriege- rischen Operationen begeben. Paris, 26. Januar. Nach Schluß des heutigen Ministerrats erteilte die Negierung dem Kommandanten des Dampfers„Ville d'Alger", der sich zurzeit auf See zwischen Tunis und Marseille befindet, durch drahtloses Telegramm die Weisung, Cagliari anzu- laufen, um die 2 9 türkischen Reisenden der„M a n u b a" an Bord zu nehmen und nach Frankreich zurückzu- bringen. Paris, 27. Januar...Eclair" schreibt: Die Italiener haben eine eigenartige doppelte Lösung des Zwistes gefunden; sie gaben die türkischen Reisenden zurück, nahmen aber gleichzeitig ein drittes französisches Schiff weg. Ein derartiges Vorgehen bietet keine Bürgschaft gegen neue Konflikte und Ränke.—„M a t i n" erinnert an das von der italienischen Regierung gegebene Ver- sprechen, ihre Marineoffiziere würden den Auftrag erhalten, bei der Ausübung des Rechts der Schifssdurchsuchung mit aller einer be- freundeten Nation gebührenden Rücksicht vorzugehen. Das Blatt meint, das Vorgehen der Italiener gegen den„Tavignano" scheine auf den ersten Blick durchaus unbegreiflich. In Tunis sowie in den anderen Hafenstädten der tunesischen Küste habe die Meldung von der Wegnahme des„Tavignano" große Erregung hervorgerufen. Dort sei das Gerücht verbreitet, die Boote, welche in El Biban die Waren des Postdampfers ausladen wollten, seien von italienischen Torpedobooten mit blinden Kanonenschüssen empfangen worden. Die Compagnie Mixte, die Eigentümerin des„Tavignano", erklärte, dieser Dampfer habe ihres Wissens weder Kriegskonterbande noch Reisende, die den italienischen Offizieren irgendwie verdächtg vor- kommen konnten, an Bord gehabt. Immerhin sei es möglich, daß einzelne Passagiere in irgend einem der kleinen Häfen an der tunesischen Küste, zwischen denen der beschlagnahmte Dampfer den Postdienst versieht, sich auf dem Dampfer eingeschifft haben könnten, ohne daß die Direktion der Gesellschaft davon verständigt wor- den sei. Freilaffung des Dampfers„Tavignano". Rom, 27. Januar. Die„Agenzia Stefani" veröffentlicht fol» gibt aber doch nicht Brot, sondern ist nur die Einleitung zu einer Fachausbildung. Dennoch ist das Studentenexamen eine Schranke auf dem Wege, und scheint etwas zu sein, das einen privilegierten Stand bildet, das Rang gibt, und darum muß es fort. Die Er- fahrung hat ja gezeigt, daß ein Mann ohne Examen sogar einen Staat verwalten kann(Amerikas Präsident), und daß in einer Monarchie die Ratgeber des Königs ein Regierungsdepartemcnt verwalten können, ohne Examen und ohne Kenntnisse in Klcinig- leiten. Das ist ein glänzender Beweis für die Entbehrlichkeit des Examens. In einem Volksstaatc(Schweiz) ist die Verwaltung sehr ein- fach, und die Staatsämter sind oftmals unbesoldet, werden als Ehrenämter angesehen, als Vertrauensposten, die auch nicht etwa indirekt durch prunkvolle Tracht oder Orden bezahlt werden. In den bürgerlichen Abteilungen unserer Staatsverwaltung, wie im Postwescn, im Telegraphen- und Eisenbahnwesen, sollte die Beförderung uneingeschränkt sein. So könnte der Briefträger, der ja schreiben und rechnen kann und dem große Geldsummen anvertraut werden, sehr wohl an das Pult gesetzt werden, wenigstens bei der inländischen Post, wenn ihm die Kenntnis fremder Sprachen fehlt. Der Ilnterbcamte bei der Eisenbahn sollte Stationsvorsteher werden können; während es sich jetzt zeigt, daß in dieses Amt sehr oft fremde Personen hineingeschoben werden, die keine Ahnung haben von der vielverzweigten Organisation des Verkehrs, und es so eigentlich die sachkundigen Untercbamtcn sind, die den Posten auszufüllen vermögen. In den höheren Graden werden im allgemeinen so geringe Fachkenntnisse verlangt, daß man tagtäglich ganz unbegreifliche Beförderungen erlebt. Jetzt ist dieser Mann Geologe; gleich darauf ist er Kommerzienrat; dann taucht er auf als Eisenbahn- dircktor, und schließlich sitzt er irgendwo und verwaltet eine Pro- vinz, was 5och weder init der Geologie noch mit Handel oder dem Eisenbahnwesen etwas zu tun I)at. Hier zeigt es sich deutlich, daß Fachtüchtigkcit nicht der Grund zur Beförderung ist; und alle Welt weiß, daß es der Regierungssekretär(und der Kämmerer) ist, der die Provinz verwaltet— und daß das Amt des Regierungs- Präsidenten,„Landeshauptmanns" nur für den Inhaber da ist. Die zweite Schranke auf der Rennbahn sind die Epauletten des Leutnants. Während der Student ehemals durch seine Ge- lehrsamkeit dem Leutnant den Rang streitig machen konnte, rüstete man den Leutnant nun auch mit dem Studcntenexamen aus, und sein Rang wurde unbestritten. Es war natürlich nicht die Bücher- Weisheit, die zum Kriegsdienst notwendig war, und dieses Luxus- gende Note: Am 25. Januar um 4 Uhr nachmittag? traf der Torpedobootszerstörer„F ulmine" den f r a n z ö s i-- scheu Dampfer„Tavignano". der 9 Meilen östlich vm» Zanzir, nahe bei der tripolitanischen Grenze, angehalten worden war. mit fertig gemachtem Ladebaum, während drei Segelboote südöstlich in der Richtung auf El Biban zu und andere Segelboote nordöstlich fuhren. Nachdem der Kommandant des„Fulmine" fest- gestellt hatte, daß der„Tavignano" sich außerhalb der territorialen Gewässer befand, stieg der Kommandant, da es allgemein hieß, daß der„Tavignano" auf offener See Konterbande auszuschiffen pflege, an Bord des französischen Dampfers und stellte das Fehlen von Zollausweisen fest. Nunmehr begleitete der„Fulmine" den „Tavignano" nach Tripolis, wo er gestern abend um 9 Uhr eintraf und sogleich einer Untersuchung unterworfen wurde, durch die festgestellt wurde, daß seine Ladung aus Mehl, Zucker. Oel, Wein, Konservenfleisch und Leinwand bestand, daß jedoch spezifische Kriegskonterbande nicht vorhanden war. Gleich nach dieser Feststellung wurde der„Tavignano" um 11. Uhr abends freigelassen. Frankreich revanchiert sich. Paris, 27. Januar. Aus Tunis wird gemeldet, daß der Beh von Tunis auf Antrag des Landwirtschaftsdirektors vor- übergehend die Ausfuhr von Kamelen verboten hat. Den Grund dieser Maßnahme bildet insbesondere der die tunesische Landwirtschaft schädigende massenhafte Ankauf von Kamelen für die italienischen Truppen Sie Kevolutioa in China. Drri Attentate Peking, 27. Januar.(Meldung deS Reuterschen Bureaus.) Gegen den ehemaligen Mandschukommandanten der kaiserlichen Garde, Liangpi, warf ein Chinese in Osfi- ziersuniform eine Bombe, als Liangpi vor seinem Hause aus dem Wagen stieg. Der Zustand Liangpis, dem ein Bein amputiert wer» den mußte, ist ernst. Der Angreifer, der wahrscheinlich ein Revo- lutionär war, kam bei der Explosion der Bombe ums Leben. Peking, 27. Januar.(Meldung deS Reuterschen Bureaus.? Auf den Kommandanten von Tientsin, General Tschunghuaitschi, einen entschiedenen Gegner der Revolution, wurden heute, als er auf der Rückfahrt von Peking in einem Wagen von der Station in die Eingeborenenstadt von Tientsin einfuhr, von einem jungen Chinesen zwei Bomben geworfen. Der Wagen des Generals wurde beschädigt, dieser selbst blieb unvcr- letzt. Der Angreifer suchte zu entfliehen und feuerte auf die Ver- folger, von denen ein Polizeibcamter verwundet wurde; schließlich gelang es, den Fliehenden festzunehmen. Mulden, 27. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der Vorsitzende der revolutionär gesinnten Vereinigung zur Beschleunigung der Reformen ist ermordet worden. Die Tat ist auf politische Motive zurückzuführen. Die Bevölkerung ist sehr erregt._ Die tzunnemvittichaft der Küssen in Perfien. Die militärischen Vorbereitungen Rußlands zur Okkupation Nordpersien? nähern sich ihrem Abschluß. Die russischen Truppen haben alle wichtigsten Städte Nordpersiens, Täbris. Rescht, Kaswin, sAstrabad, Meschcd u. a. besetzt und erhalten fortgesetzt Ver- stärkungen von der kaukasischen Grenze. Während sie ihre Positionen im Westen, im Urmiagebiet, sorgfältig befestigen und ihre Front gegen die Türkei aufrollen, haben sie nun, nach der Besetzung von Medsched, der wichtigsten Stadt im Nordwesten Persiens, mit den starken russischen Garnisonen der turkcstanischcn Grenze Fühlung genommen. Es tritt immer deutlicher zutage, daß die Besetzung Persiens durch die russischen Truppen nach einem sorg- fältig ausgearbeiteten Plane durchgeführt wird. Die fortgesetzten offiziösen Ableugnungen tun hierbei nichts zur Sache. Wenn die Annexion Nordpersiens vorläufig noch nicht formell verkündet wird, so ist sie äe kacto zum großen Teil bereits durchgeführt. Die Macht der Zentralregierung in Teheran ist nach der Annahme des russischen Ultimatums und dem Hunnenfeldzug der Russen nach TäbriS vollkommen gebrochen. Im Norden haben die russischen Truppenchefs und Konsularbeamten die Verwaltung an sich ge- studium war nur eine Anmaßung der militärischen Ausbildung: der Unteroffizier wurde mehr Krieger als der gelehrte Offizier. Man hat gesagt, der Krieg sei eine Wissenschaft geworden. Das ist durchaus unwahr. Pulver, Kanonen, Kriegsschiffe werden nicht von Offizieren hergestellt, sondern von Ingenieuren und Arbeitern. Eine Truppe zu führen ist jetzt eine einfachere Sache als früher, und um die Mannschaft schießen zu lehren, wendet man wohl meist den Unteroffizier an, der mit dem Gewehr auferzogen ist, was vom Offizier nicht gesagt werden kann. Das ganze Leben und alle Schreiberei in der Kaserne wird vom Unteroffizier geleitet und besorgt, der jeden Mann im Gliede kennt, seine Fähigkeiten sowohl wie seine Mängel. Warum wird er nicht befördert und warum wird ihm mitten in seiner Laufbahn der Weg versperrt? Ja. darum, weil es Klaffen gibt und Klassenunterschiede, nämlich in einer Monarchie, wo das Machtzentrum seinen auserwählten Ver- trauenspersonen ihre Machtbefugnisse zuerteilt, um einen gewissen Stamm Gehorsamer in Gehorsam zu erhalten. Aber das ist nicht die Idee und nicht die Aufgabe des Staates, der das Wohl aller fördern, die Rechte aller wahrnehmen soll, und der neuere zivilisierte Staat spricht auch nicht von Kasten und Klassen. Es ist eine An- n.aßung, dieser gesetzwidrige Rückgang auf einen Urzustand, der nur zu finden war in den ältesten Despotien fern in Indien. Üebrigens gibt es einen europäischen Staat, wo das Offiziers- Privileg aufgehoben ist, oder doch dem Unteroffizier eine Möglich» keit zur Beförderung gegeben ist. Das ist in der italienischen Armee der Fall, wo ein gewisser Prozentsatz der Unteroffiziere befördert wird.(So war es um das Jahr 1890; ob es seitdem abgeändert ist, weiß ich nicht.) Am stärksten merkt man dieses Privileg in Aemtern und Banken, wo es Amtsdiener oder Bankboten gibt. Diese Unter- l>eamtcn sind Diener und werden darum einfach beim Namen ge- nannt ohne Herrentitel, während man den höheren Beamten(der doch Diener der Allgemeinheit ist) Herr nennt. Nun ist es so, daß alte Diener in gewissen Amtsstuben so ver- traut mit der ganzen Amtstätigkeit sind, daß sie die ncueintrctenden Beamten unterrichten müssen; und ich habe Amtsabteilungen gc- sehen, wo der Diener die eigentliche Hilfskraft des Vorstehers, ja fast dessen erster und nächster Mann war. Auf Zollämtern wird zuweilen die ganze Amtstätigkeit von einem äften Subalternen versehen, wenn der Chef auf der Jagd ist oder Urlaub genommen hat; aber der Diener erhält dafür keinen Rang, keine besonder- Vergütung und wird nicht befördert. In privaten Banken kenne ich Laufjungen und Bankboten, die zu Beamten befördert wurden, und zwar auf Grund wirklicher Ver, dienste. ttffcn; im Süden machen die Engländer Anstalten, sich für die Okkupation Nordpersiens„Kompensationen" zu holen; in den inneren Provinzen erheben sich die Stammeshäuptlinge gegen die Regierung, und namentlich die Führer der Bachtiaren, bisher treue Bundesgenossen der Konstitutionalisten, scheinen unter dem Einfluß des russischen Goldes ein verräterisches Spiel zu treiben; und endlich mobilisiert der Exschah Mohommed Ali unter dem Schutz der russischen Truppen die Horden seiner An- Hänger und rückt immer näher gegen Teheran vor. Kommt es zu ernsten Kämpfen zwischen dem Exschah und den Ueberresten der Regierungstruppcn, so ist für die Russen der erwünschte Vorwand gegeben, auch das letzte Bolllverk, die Hauptstadt, zu nehmen und die Okkupation Nordpersiens abzuschließen. Dann ist für Mahommed Ali der Boden vorbereitet, um in Teheran einzuziehen und als Vasall Nußlands die Schcinhcrrschaft über Persien aus- zuüben. Vorläufig nehmen neben den geschilderten militärischen Maß- nahinen die Hinrichtungen und Exekutionen in den nordpersischen Städten ihren Fortgang. Nachdem die angesehensten Bürger in Täbris, darunter der oberste Geistliche Sikket-ul-JSlam, un- schuldig hingerichtet worden sind, finden in den okkupierten Städten fast täglich Hinrichtungen und Okkupationen statt. Wer sich den Segnungen der echtrussischen„Kultur" durch die Flucht entzogen hat, wird— genau wie bei den Strafexpeditionen in den Ostsccprovinzcn— durch Einziehung oder Zerstörung seines Besitzes„bestraft". So wurde das Haus Sattar-Chans, des heldenmütigen Führers der Demokraten in Täbrls, von den Russen in die Luft gesprengt. Die..russenfeindliche" Gesinnung dieses oder jenes persischen Politikers bietet schon genügenden Anlaßt um ein hochnotpeinliches Verfahren gegen ihn zu eröffnen und ihn von dem Standgericht aburteilen zu lassen. Selbst der Einspruch des englischen Konsuls und des armenischen Erzbischofs rettet die Verurteilten nicht vor der Blutgier der Russen. So hat die russische Henkerjustiz unter der Billigung der„zivilisierten" Welt in Persien ihren Einzug gehalten und eine neue Aera inter- nationalen„Rechts" eröffnet, wonach für die kleineren, schwächeren Staaten Asiens alle rechtlichen Voraussetzungen abgeschafft sind, die von den ländcrraubcnden europäischen ,.Kultur"staaten bei Iriegerischen Verwickelungen für sich in Anspruch genommen werden. Bei einem Raubüberfall durch die Europäer sind diese Asiaten weder berechtigt, Widerstand zu leisten, noch irgendeine Agitation gegen den Feind des Vaterlandes zu führen. Der Be- griff des„Patriotismus" ist ein Monopol des länderraubcnden Angreifers; für den Angegriffenen verwandelt er sich in ein ..hochverräterisches Vergehen", das am Galgen seine Sühne findet. Nun benrft sich die russische Regierung zur Rechtfertigung aller dieser Greuel auf den lieb er fall der persischen Fidais in Täbris auf die russischen Truppen. Durch die Veröffent- lichnngen des Internationalen Sozialistischen Bureaus ist bereits festgestellt worden, daß diese Anschuldigung erlogen ist und daß die Fidais sich lediglich gegen die räuberischen Angriffe der rufst- jschcn Truppen gewehrt haben. Prof. Schiemann hat der russischen Regierung mit Recht entgegengehalten, sie habe nicht erwarten können, daß man den eingedrungenen russischen Truppen mit Rosensträußen in den Händen entgcgenziehen werde, und die Russen hätten l8I2 noch weit schärfere und barbarischere Mittel im Kampfe gegen die eingedrungenen Franzosen gebraucht. Also selbst wenn die russischen Anschuldigungen richtig wären, würden sie das meuchelmörderische Vorgehen der Russen gegen die Perser nicht im geringsten rechtfertigen. Vergebens sucht nun die russisch« Regie- rung Stimmung gegen die Perser zu machen, indem sie in der „Nowoje Wrenija" die Abbildungen einiger angeblich von den Persern verstümmelten russischen Solvatenleichen veröffentlicht und sie zu gleicher Zeit dem russischen Gesandten in London zur Vcr- Lffcntlichung in der englischen Presse übermittelt. Sie wird auch mit diesem verzweifelten Schritt keinen Glauben finden, denn zu sehr haftet es noch in aller Erinnerung, daß die Zarcnregieruug im Januar 1906, anläßlich des Tuckumer Aufstandes, gegen die lettischen Revolutionäre ähnliche Anklagen erhob wie jetzt gegen die persischen Fidais, obgleich die Verstümmelungen der in Tuckurn gefallenen Dragoner auf Befehl der vorgesetzten Behörden vorgenommen wurden, um diese Scheußlichkeit den Revolutionären zuschreiben zu können. Die öffentliche Meinung in Frankreich und England hat die Konsequenz auS diesen Tatsachen gezogen, indem sie auf den Protestmeetings in Paris und London gegen die russische Schand- Wirtschaft in Persien Einspruch erhoben hat. Diese Proteste sind aber angehört verhallt, denn auf feiten der russischen Henker und Mordbrenner steht die zünftige Diplomatie, stehen die herrschenden Klassen Englands, Frankreichs und Teutschlands, die in ihrem Aber hier begegnet man auch der strengsten Scheidung zwischen Herren und Nicht-Herren. In Norwegen und in Dänemark(?) bedient man sich nicht des Herrcniitels.„Hören Sie, Asbjörnscn," sagt man, und nicht Herr Asbjörnscn; das wäre ja nachahrnenS- wert. Dann haben wir die Dienstboten! Wenn man schließlich den freien Austausch zwischen Arbeit und Lohn anerkennt, das Hand- geld und die Gesindeordnung, die Hauszucht beseitigt, mühte doch die Stellung des Dienstboten in einem Hause auf etwas anderes gegründet sein, als auf Herrschaft und Untertänigkeit. Der Dienst- böte gibt seine Arbeit im Austausch gegen Lohn und Brot, und der Arbeitsvertrag ist frei. Warum behandelt man da den Dienstboten als Untergebenen, während doch die Herrschaft ebenso abhängig vom Dienstboten ist und somit in seiner Abhängigkeit steht! Warum soll das Dienstmädchen deshalb geduzt werden, weil sie einen Arbeitsvertrag hat. und warum soll sie ihren bürgerlichen Namen verlieren; mit welchem Recht mischt man sich in ihr Privat- leben?— Es braucht ja nur einmal ein Dicnstbote aus dem Dienst zu gehen, und man wird merken, wie hilflos man ist. wenn das HauS auf dem Kopfe steht; man kann geradezu gar nichts, kein Feuer anmachen, keine Lampe anzünden, kein Bett machen, nicht den Tisch decken und am allerwenigsten Essen bereiten, loas eine große Kunst ist. Da bekommt man ein Gefühl dafür, welchen Dank man dieser Unentbehrlichen schuldet, ohne die das Leben unmöglich ist— für die oberen Schichten. Desgleichen: der Arbeiter! Laß einmal etwas entzwei gehen im Hause, bloß ein Schloß z� 83.! Selbst kann man es nicht machen. irgendein Ingenieur oder Professor der Mechanik kann es auch nicht, keiner kann es besser als der Schlosser; er ist also unent- behrlich und sollte eine außerordentlich gute Bezahlung nehmen. Aber das tut er nicht, sondern er läßt sich viel zu wenig bezahlen. obwohl er allein mit seinen Fachgenossen ein Monopol hat oder einen Trust ausmacht, ohne eS zu wissen. Wir, die in modernen Häusern mit maschinellen Einrichtungen wohnen, bekommen die Abhängigkeit vom Arbeiter zu fühlen; wenn das elektrische Licht nicht brennt und man erwartet Gäste, da ist die Rettung nur bei einem, und wenn die Zentralheizung versagt, da steht man ratlos und muß beim Arbeiter betteln»m baldige Hilfe. Er läßt uns vielleicht warten, damit wir lernen, was er wert ist; aber es ist oft nur Gedankenlosigkeit und Schlendrian, daß wir den, von dem wir abhängig sind, so behandeln, als wäre er unser Tiener.... Aber ich habe cinnial dieser Zeitung versprochen, über meine Erinnerungen ans zwei Generalstreiks zu schreiben, und wie ich. entdeckte, welch hilflose, überflüssige Luxusartikel wir Nicht-Arbeiter Iind, und wie die ganze Gesellschaft mit ihrer Kultur, ihrer blühen- ien Kunst, ihrer Poesie und ihrer sterilen Gelehrsamkeit nur aus Vvaden derer besteht, die die Grundsesten und Mauern bilden. imperialistischen Konkurrenzkämpfe das persische Volk an den russi- schcn Zarismus verschachert haben. * Täbris, 27. Januar. Sechs Fidai, die an den Ueberfällen auf die russischen Truppen teilgenommen hatten, sind hin- gerichtet worden. Teheran, L6. Januar. In M e s ch e d hat eine Abteilung russischer Truppen die Einwohner entwaffnet und der Gouverneur den Belagerungszustand über die Stadt erklärt. Täbris, 27. Januar.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agcntur.) Der Befehlshaber der russischen Abteilung fordert die persische und armenische 83evölkerung in einer Bekannt- machung auf, binnen zwei Wochen die W a f s e n abzuliefern, andernfalls würde strenge Bestrafung erfolgen Hus der Partei. Die Stuttgarter Parteiorganisation über unsere Reichstags- Wahlsiege. Die Stuttgarter Parteiorganisation nahm noch am Abend des 25. Januar, also nach Abschluß der Wahlkampagne, Stellung zu dem Ausgang der Reichstagswahlcn. Dabei kam es zu einer ein- gehenden Aussprache über das Wesen und die Tragweite der Parla- mentarismus im Klasscnstant überhaupt. Der Referent Dr. Duncker warnte eindringlich vor einer allzu übcrschwanglichcn Einschätzung unserer Wahlsiege. Von einer„neuen Epoche" der inneren und äußeren Politik des Deutschen Reiches, wie man in etlichen Blättern lesen könne, könne keine Rede sein. Eme neue Epoche werde in Wirklichkeit erst beginnen, wenn wir die Mehrheit im Parlament und dazu eine viel stärkere Organisationsmacht be- sitzen. In allen wesentlichen Fragen und programmatischen liorbc» rungen unserer Partei werden unseren 119 Abgeordneten 28< bürgerliche Parlamentarier gegenüberstehen.— Der Redner faßte den wesentlichen Inhalt seiner Darlegungen in folgender Re- solution zusammen: „Die am 25. Januar in Dinkelackers Saal versammelten Parteigenossen Stuttgarts fühlen sich in der rückhaltlosen Be- friedigung über den am 12. Januar erzielten Stimmenzuwachs unserer Partei eins mit der Sozialdemokratie aller Länder. Sie sehen darin einen erneuten Beweis von der durch die Wirtschaft- liche EntWickelung bedingten unaufhaltsamen Ausbreitung der revolutionären Ideen. Sie freuen sich insbesondere auch des Erfolges in ihrem eigenen Wahlkreis, wo es der Disziplin und Geschlossenheit ihrer Mitglieder gelungen ist, dem Ansturm der vereinigten bürgerlichen Gegner erfolgreich standzuhalten. Sie erwarten, daß die Rcichstagssraktion die größere Macht, die sie durch die vermehrte Zahl ihrer Mitglieder wie durch die gewaltige Zunahme der hinter ihr stehenden Wählermasse er- langt, nach wie vor zur Aufklärung über das Ziel der Sozial- dcmokratie verwendet und entsprechend den Grundsätzen unseres Programms dazu bcnützt, die Interessen der Arbeiterklasse, die Erweiterung und Sicherung der politischen Freiheit und der gleichen Rechte für alle aufs kraftvollste und nachdrücklichste wahr- zunehmen und den Kamps wider Militarismus und Marinismus, wider Kolonial- und Weltmachtspolitik, wider Unrecht, Unter- drückung und Ausbeutung in jeglicher Gestalt noch energischer zu führen, als es ihr bisher möglich gewesen ist. Die Parteigenossen erwarten, daß die Fraktion ihre An- sprüche, in der Leitung des Parlaments vertreten zu sein, geltend macht; daß sie aber ablehnt, irgendwelche höfische Verpflichtungen damit zu übernehmen. Ebensowenig darf der Kampf gegen den schwarzblauen Block zu einer Anlehnung an bürgerliche Parteien führen, bei der die Sozialdemokratie eine Politik des Entgegenkommens an die be- stehende Ordnung der Dinge, ein Vertuschen der stets wachsenden Klassengegensätze betreiben würde. Angesichts der kommenden Kämpfe, die noch höhere Opfer, noch größere Arbeit der Partei erfordern werden, erachten die Stuttgarter Parteigenossen den Ausbau der Partei- Organisation und den Ausbau der„Schwäbischen Tagwacht" im Sinne eines führenden proletarischen Kampf- blattcs als dringendste Aufgabe der Stuttgarter Partei." » �. Gegen den Referenten und die vorgeschlagene Resolution sprach sehr scharf der wiedergewählte Abgeordnete für Stuttgart, Genosse Hildenbrand. Die jetzt eingetretene Aenderung der Verhält- nisse zwinge auch zur Aenderung der alten Schablone. Die stark gestiegene Verantwortung der Fraktion werde ihren Ausdruck in der Stellungnahme zu Regierungsvorlagen finden müssen. Es sei unerhört, daß die Stuttgarter Partcigenossenschaft versuche, die Fraktion' durch die vorgeschlagene Resolution festzulegen. In seinem Schlußwort antwortete der Referent, die größere Stärke der Fraktion dürfe unter keinen llniständen dahin führen, daß die Grundsätze der Partei, unsere Stellung zum Klassenstaat, zur Monarchie, zum Militarismus, zur Kolonialpolitik usw., über „Wenn die Arbeit nach Verdienst bezahlt werden sollte, müßte die Industrie aufhören", hat jemand gesagt. Mag denn die In- dustrie zusammenstürzen, wenn sie aus so ungerechter Grundlage aufgebaut ist oder aus llnterbietung oder auf Mißbrauch, den sie mit der Notlage eines Menschen treibt. Und mögen die, die gegen den Klassenkamps predigen, lieber darauf bedacht sein, die Klassen und die Klassenschranken zu be- teitigen; den Zutritt zur Rennbahn freimachen und dafür sorgen, daß ftir alle der Start unter gleichen und gleichartigen Verhältnissen vor sich geht, ohne Kniffe und Schlicks. Das würde den Haß be- sänftigen, das Leben erträglich machen und hoffnungsvoll für die, die dort unten hoffnungslos darben, ohne Hoffnung, jemals hinauf zu kommen an die Seite ihrer Mitmenschen, derer, die sich ein- bilden, über ihnen zu stehen, die ersten zu sein, obwohl sie, wie sich schließlich herausstellt, die letzten sind. kleines fcuUlctoiv Theater. Residenz-Theater:„Alles für die Firma", Schwank von M. Henne quin und Mi tschell. Es geht den Pariser Schwankliescranten wie der Firma Pagevin und Planturel. die in dein Konkurrenzkämpfe nach immer raffinierteren und ver< zwickteren Rellainemilteln sucht. So laufen jene im Wettbewerb um das Theater hinter neuen Tricks als wirksamsten Reklame- mittel» für ihr stets gleiches Thema: die wechselseitige Prellerei der Ehegatten und die Hetzjagd der Geprellten her. Die Firma in de», Stück siegt unter der Acgide eines Modckünstlers. der feine Gardcroben-Jdeen in geweihten Stunden an? den Tiefen poetischer Inspirationen holt»nd stilgerecht die Werke seiner Muse nur unter den Klängen stiminungsvoll begleitender Musik anprobcn läßt. Ein Hanse von ProbierinamsellS, in die neu erfundenen Toiletten eingekleidet, muß zum Beweise seiner Kunst aufmarschieren. Doch er selbst in seiner unwiderstehlich süßen Geschniegelt- heit ist für das Geschäft noch eine stärkere AttrakrionS- krasi als seine Schöpfungen. So wenig es ihn, Vergnügen macht, stellt er sich opferfreudig in den Dienst der Firma, dem verliebten Kundenkreise zur Verfügung. Der Trick ist. daß die beiden Inhaber der Firma, von denen jeder die Frau des anderen eines Tcchtel- mcchtelS mit dem schönen Herrn für verdächtig hält, ihre besseren Hälften nach schmerzhaftem Bcrsteckspiel— der Don Juan setzt sich auf die spitznadeligen zurückgelassenen Damenhüte— in seiner Wohnung überraschen. Der Vielgeliebte nimmt den Abschied nnd verlobt sich mit dem ersten Mädchen, daS ihm an Stelle der gc- wohnten Schmeicheleien ein paar kernige Grobheiten an den Kopf Bord geworfen würden. Die von ihm und der Parteileitung vor- geschlagene Resolution decke sich in allen wesentlichen Pun.tcn, zum großen Teil sogar wörtlich, mit der Dresdener Reiolution. (Heiterkeit.) � �< r. Die Resolution wurde sodann mit sehr starker Mehrhert unter stürmischem Beifall angenoirnnen. pclizciUAes, 6m*tKcbco ulw. Und wieder das beleidigte sächsische KriegSministerium. Wegen Beleidigung des sächsischen Kriegs- ministeriums und des Obersten von Bodenhausen hatte sich vor der Strafkammer der verantwortliche Redakteur des „Hamburger Echo". Genosse Ernst Röpke, zu verant- Worten. Am 28. September 1911 mrde im„Echo" eine Notiz vcr- Lsientlicht, in der es hieß:„Uebcr ein? auffallende Beförderung berichtet die„Leipziger Volkszcitung" aus Oschatz. Der Kornman- deur des Oschatzer Ulanenrcgirnents, Oberstleutnant von Boden- hausen, ist zum Obersten befördert ivorlden. Wegen der scheußlichen Soldatenmißhandlungen, die seit mehreren Jahren in diesem Re- giment nicht abreißen, ist es in ganz Teutschland bekannt ge- worden." Es war dieser Notiz noch ein Satz angehängt, der be- sagte, daß man derartige Leute zum Oberst befördert, während gemeine Soldaten, die sich gegen die heilige Diszivlin versündigen, mit schweren Gefängnisürafen belegt werden.— Nack» drei Tagen. !Üs die„L. V." eine Richtigstellung zu der Notiz Sracqte, widerrief auch gleich das„Echo" die Notiz, da ja der sich spater beleidigt fühlende Oberst zu der Zeit überhaupt erst nach Oschatz versetzt werben war. Das sächsische Kriegs Ministerium sowohl wie auch der Oberst von Bodenhausen stellten aber wegen Beleidigung Stras- antrag. Der StaatLanlvalt beantragte nicht weniger wie drei Monate Gefängnis, da ja, wie er begründend ausführte, das Hain- burger„Echo" shstematisch gegen das Militär und dessen Einrich- tungcn verstoße. Bon einer Geld st rase bitte er abzu- sehen, da sie den Angeklagten doch nicht treffe. Der Verteidiger Dr. Herz wandte sich ganz energisch gegen das beantragte Strafmaß. Nicht des Schinutzes wegen werden der- artige Notizen in der Presse gebracht, sondern der Kritik wegen. damit eventuell bestehende Mißstände abgeschafft werden können. Genosse K ö p k e führt in seiner Verteidigung auch an, daß das' Leipziger Gericht die„Leipziger Volkszeitung" wegen der- selben Notiz nur zu einer Geldstrafe von 4 99 Mark verurteilt habe. Er erwarte, daß die freie Stadt Hamburg die sächsische Justiz nickt übertreffe. Nach zirka»/«stündiger Beratung wird aber der Preßsünder auf Grund des§ 188 St.-G.-B. und Z 20 Preßgesetz zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Soziales. Born Schlachtfeld der Arbeit. Die neueste Nummer der amtlichen Nachrichten des Reichs- verstcherungsamts bringt eine 5!achlveisuiig über die gesaniten Rechnungsergebnisse der Berufsgenossenschasten für das Jahr 1910. Danach betrug die Zahl der in dem einen Jahre zur Anmeldung gelangten Nnfälle nicht weniger als 672 961 gegen 664 247 im"Jahre 1909. Tie Zahl der Unfälle, für die im Jahre 1910 zum ersten Male Entschädigung gezahlt wurde, ist gegen das Vorjahr etwas gesunken. Sie beträgt 132 064 gegen 139 070 im Jahre 1909. Unter diesen befanden sich 8857' Unfälle mit tödlichem Ausgang gegen 9363 im Jahre 1909. Ob die kleine Senkung dieser Zahlen gegen das vorangehende Jahr auf eine Herabminderung der Unfall- folgen zurückzuführen ist oder ob sie andere Ursachen hat, (z. B. Verlängerung der Prozcßdauer, Verschlechternng der Rechtsprechung zllungunstcn der Verletzten), läßt sich nicht er- kennen. Der wenn auch kleine Rückgang in der Zahl der Todesopfer ist erfreulich. Allerdings beruht er auf Zufall. Die Zahl der Todesopfer überstieg das achte Tausend zuerst im Jahr 1899. 8124 Todesfälle verzeichnete dies Jahr, 1900 wies 8567, 1901: 8501. 1902: 7975, 1903: 8370, 1904: 8752, 1905: 8928, 190«: 9141, 1907: 9815, 1908: 9856, 1909: 9363 tödlich verlaufene Unfälle auf. Die Gesamtzahl der in den 25 Jahren von 1386—1910 einschließlich angcineldetcn lind erstmalig festgestellten Unfälle ist eine ungeheuerlich hohe. In diesen 25 Jahren sind 10 083113 Arbeiter anf dem Schlachtfclde der Arbeit als ver- wnndet angemeldet. Von ihnen find 2 272 862 als Schwer- verwundete verzeichnet(d. h. als solche, deren Einbuße an Erwerbsfähigkeit eine längere Zeit als 13 Wochen ange- dauert hat), einschließlich 181 219 Getöteter! Diese Hekatombe von Menschenleben, Menschengesundheit und Menschenglück enthält eine furchtbare Anklage gegen den Mangel an Rücksicht, die auf Arbeiterleben und Arbeiter- gesundheit von der herrschenden Klasse im Kampf um den Profit genommen wird. Wird der Reichstag die von der wirft. Alexander war in der Rolle des Modengenius von äußerst drollig-parodistischem Humor und verhalf dem Schwanke zu einem starken Lacherfolg. dt. Humor und Satire. Mitgefühl. Oldcnburck». Oldcnbiirch, sieh''mal an, jetzt fielst du durch. Eigentlich, so ist cS schade, zu verlieren dich gerade, Ehef der Junker-Räubcrbande I Erstens warst du doch wahrhaftig sozusagen voll und saftig. einer Unschuld gleich vom Lande. Zweitens weil du uns ergötztest! Jedermann vernahm dich gern, jeder las eß, nah' und fern, ivaS du schnolterschnatlerschwätztest. Drittens soll man nicht vergessen, was du uns direkt genützt: weil im Reichstag du gesessen, mancher Rote jetzt dort sitzt. Jedes Wörtckien deines SchnäblcinS � bracht' uns eine Stimme ein, Muß man da ob dieses KnäbleinS Durchfall nicht bekümmert sein? _ Franz. Notizen. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde spricht Montag Prof. 5lrai„er über den S�isssantrieb durch Dampft lurbinen und Gasmaschinen. Dienstag Dr. G. Braun über: Im v-Wagen über die Meere. Freitag Prof. O. Bäsch in über: Eine Sommerrcise nach den Eisfjorden'Grönlands. — Die Volksvorst eil un gen der Bühnen-Ge- n o s s e n s ch a f t. Vom 29. Januar bis 3. Februar finden folgende Vorstellungen statt: Am Montag.Minna von Varnhelm" im Theater Alt-Berlin. Blumenstr. 10;.Flachsmaun als Erzieher" in den Hnbcrtils-Sälen, Schöuholz, und ain Mittwocki„Der Raub der Sabincriuncn" in den Pharuö-Sälen, Müllersir. 14l/-12. — I m Tbeater des Westens läßt die Leitung des Russischen B a l l c t t- G a st s p' e l S eine PrciScrmäßngung für die Plätze im 1. Rang, Partcrre-Sitzplatz und 3. Siong von Montag, den 29. an eintreten. Sozialdemokratie so oft zur Herabminderung dieser Fälle von Unglück gestellten Anträge nunmehr endlich annehmen? ArbcitSzwang! Ein in der jüngsten preußischen Thronrede angekündigtes Ar- beitszwangSgesetz hat sich bereits als ein Polizeigesetz schlimmster Art entpuppt. Nach dem, was bisher darüber verlautet, würde die Möglichkeit zu polizeilichen Schikanen gegen politisch Unbequeme erheblich erweitert werden. Angeblich bezweckt das Gesetz, Nähr- und Untcrhaltungspflichtige, die ihren Verpflichtungen nicht nach- kommen, durch Einsperrung ins Arbeitshaus dazu zu zwingen. lieber die Pflichten und das Maß ihres Könnens soll aber keine gerichtliche Entscheidung, sondern einfach polizeiliche Diktion ur- teilen. Daß der Polizei damit ein weiter Spielraum für gehässige Schikanen aus politischen Motiven geliefert würde, liegt auf der Hand! Ucber einen ganz ollgemein obligatorischen Arbeitszwang für alle crlvachsenen, gesunden und arbeitsfähigen Menschen ließe sich reden. Seine erste Vorbedingung aber wäre— Recht auf Arbeit! Aber an einen allgemeinen Arbeitszwang denkt man natür- lich nicht! Die berufsmäßigen Faulenzer, die den Ertrag der Arbeit anderer verjubeln, jene Elemente der Gesellschaft, die verächtlich auf die Arbeiter herabschauen, sich aber von ihnen ernähren lassen, werden selbstverständlich von jenem Gesetze nicht bedroht! Noch viel weniger denkt man daran, das Recht auf Arbeit zu gewähren! Die Faulenzer sollen weiter faulenzen, arme, schwache Kinder, schwangere Frauen, mit Kindersorgen beladene Proletariermütter, kranke, schwache Männer will man der Polizeifuchtel unterstellen, damit die satte Bourgeoisie Armenkosten spart! In der geplanten Form ist das Arbeitszwangsgcsetz ein neues Attentat gegen die Ausgebeuteten! Die Gesellschaft erklärt sich für unfähig, ein Recht auf Arbeit und Erwerb zu garantieren! In der Jjeit von 1903 bis 1909 zahlten allein die freien Gewerkschaften, die eine Arbeits- iloscnunterstützung eingerichtet haben, rund 35 Millionen Mark Arbeitslosenunterstützung! Die allermeisten der Empfänger waren unfreiwillig arbeitslos. Selbst in den Zeiten industrieller Hoch- konjunktur gibt es Leute, die keine Beschäftigung finden können. Nach der Statistik des NeichSarbeitSblattcs gab es unter organi- sicrten Arbeitern pro 1000 Ende Oktober vergangenen Jahres 15 ArlicitSlosc. Daß ein Teil der Ausgestoßenen nach wiederholtem Unglück die Widerstandskraft verliert, ist erklärlich. Aber nicht diese allein, sondern olle von der kapitalistischen Anarchie Vcr- folgten werden der Polizeischikane ausgeliefert. Nachdrücklich muß demgegenüber die Forderung erhoben tuerden nach— Recht auf Arbeit. Ist diese Forderung in der kapitalistischen Gesellschafts- vrdnung durchführbar?_ TaS Ehrenwort in der Konkurreuzklauscl. DaS Reichsgericht hat jetzt wieder einen Vertrag für nichtig erklärt, in dem ein Angestellter sich durch ehrenwörtliche Versicherung verpflichtet hatte, in kein Konkurrenzunternehmen einzutreten. Es handelt sich um folgenden Tatsachenverhalt: Der K a u f in a n n F. tvar im Februar 1904 von einer Nürn« herger Firma als Burcauchef mit einem Einkommen von etwa SOOO M. angestellt worden. Bei der Anstellung wurde eine Konknrrenzklauscl aufgestellt, die dem F. bei einer Strafe von 10 000 Mark verbot, innerhalb drei Jahren nach seinem Austritt ans dein Geschäft bei irgend einem Konkurrenziinternchmen inner- oder außerhalb Deutsch- landS ciiizntrcten. Der Vertrag schloß mit den Worten:.Hierzu verpflichtet sich der Unterzeichnete durch Ehren« und Manneswort." Im Januar 1900 trat F. aus und ging nach kurzem Aufenthalt nach Hamburg zu der Farben- und L a ck f a b r i k Georg B. in Fürth bei Nürn- bcrg über, die ein Koukurrenzunternehmen feiner früheren Gefchäftsherrin ist. Die Nürnberger Firma forderte nun wegen Bruches der Konkurrenzklausel die V e r t r a g L st r a f e von 10 000 Mark. F. wandte ein, die Klausel sei Übermäßig und mache ihm ein Unterkommen in der ihm vertrauten Branche un- möglich. Außerdem sei sie aber schon dadurch nichtig, weil die Heranziehung des Ehrenwortes gegen die guten Sitten verstoße. Landgericht und Oberlandesgericht Nürnberg vcr- urteilten den Beklagten, jedoch setzte das LberlandeSgericht die Vertrags strafe auf 5000 Mark herab. DaS Oberlandes- gerichl crkaunte die Einwände des Beklagten nicht an. ES sah in der Koulurrenzklansel eine vollkommen zulässige Beschränkung des F., die dadurch geboten gewesen sei, weil schon mehrere Leute von ihr zu der Firma B. übergegangen seien. Deshalb fei mich in der Auf» uahmc deS Ehrenwortes nichts Sittenwidriges zu finden. Die gegen dieses Urteil eingelegte Revision machte geltend, daß nach der Judikatur des Reichsgerichts die Verquickung der ver- niögcnsrcchtlichcn Beziehungen mit dem Ehrenwort gegen die guten Sitten verstoße. DaS Reichsgericht ist der Revision bei- getreten und hat die Klägerin mit ihrerKlage v o l l st ä n b i g abgewiesen. Korrektur der Aufstchtöbehirbe. In dem Hallenser Krankcnkassenstreit hat am Donnerstag das Obcrverwaltnngsgericht eine gesetzwidrige, gegen die Kasse ge- richtete Maßnahme der AussichtSbchörde und des Bezirksausschusses aufgehoben. Ter? SOa des Statuts der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Halle a. S. lautete früher:„Für die Familienangehörigen, welche von LVasscnimtgliedcrn unterhalten werden und im Haushalte der- selben leben, werden den Kassenmitgliedern, tvenn diese Familien- ungehörigen nicht selbst dem Krankcnvcrsichcrungszivang unter- liegen, bis zur Dauer von Lg Wochen innerhalb zwölf Monaten folgende Unterstützungen gewährt: a) freie ärztliche Behandlung durch die Kassenärzte usw." Die letzten Worte:..durch die Kassen, örzte" wurden nun durch Beschluß einer Generalversammlung der Kasse ersetzt durch die Worte:„durch die vom Krankenkassenverband mit Fixii-ii niigcstclltci, Rassenärzte". Ter BczirksauSschus- versagte der Kasse die Genehmigung zu dieser Aeudcrung mit Rücksicht darauf, daß der Magistrat als Auf- fichtSbehörde mit Rücksicht auf tz 45 des KrankenversicherungsgesetzeS die Obliegenheiten deS Kassenborstandes insofern übernommen hatte, als er nach dem bekannten Vorspiel mit dem Verein der Aerzte in Halle einen Vertrag über ärztliche Versorgung der Allgemeinen Ortskrankenkasse und anderen Kassen abgeschlossen hatte. Der Be. zirksausschuß meinte, die Genehmigung jener Statutenänderung müsse versagt werden, weil die Aenderung gegen den Inhalt des von der Aufsichtsbehörde(Magistrat) für die Krankenkasse mit dem Acrzteberein abgeschlossenen Vertrages verstoße. Das ObervcrwaltungSgcricht hat nun die Entscheidung des Bc- zirksauSschusscs und seinen, die Genehmigung versagenden Beschlus? aufgehoben und entschieden, daß die Statutenänderung zu ge- nchmigen sei.— Begründend wurde ausgeführt: In dem Rechts- streit handelt es sich lediglich um die Frage, ob die Statutenände- rung genehmigt werden müsse. Für die Entscheidung komme ledig- lich in Betracht, ob die Aenderung gesetzlichen Bestimmungen wider- spreche. Nun stehe ja allerdings fest, daß die Aufsichtsbehörde im Dezember 1910 die Funktionen des Vorstandes in bezug auf die ärztliche Versorgung übernommen habe. Das sei aber nur eine provisorische Mahnahme gemäß ß 45 deS Gesetzes, die mit einer für die Dauer berechneten Statutenänderung nichts zu tun habe. Die hier zu entscheidende Frage bleibe immer nur, ob die Statuten. änderung gesetzlichen Bestimmungen widerspreche. Dafür sei aber nichts beigebracht. Das führe zur Aufhebung des Beschlusses deS Bezirksausschusses, durch den die Genehmigung zur fraglichen Statutenänderung versagt worden sei. Aus- und Rückwanderung. Die österreichisch-sächsischeGrenzstationTetschen an der Elbe passierten im Jahre 1911 15 209 Auswanderer gegen 22 001 im Jahre 1910 und 25 500 Rückwanderer gegen 10 500 im Jahre 1910. Die Besserung der Wirtschaftslage kommt auch hierin zum Ausdruck. Das Kapital machte in diesem Jahre weniger Arbeiter als zuvor zu„vaterlandslosen Gesellen"—' aber immer noch genug._ Sencbts- Leitung. Patentschwinbclelcn. Gegen den Kanzleigehilfen Hans Müller, der die vielerwähn- tcn Patcntschwindcleicn begangen und mehrere Personen um riesige Summen geprellt hat, steht am Montag der Hauptvcrhand- lungstermin vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Splcttstößer an. Der Angeklagte wird beschuldigt, in betrügerischer Weise einen Kaufmann Blasberg um zirka 148 000 M., einen Drogisten Meyer um 0000 M., einen Verkäufer Drescher um 30 000 M., einen Rentier Marinkowski um 44 000 M., einen Sekretär MarinkowSki um 47 000 M., einen Sekretär Tctzlag um 10 5000 M. und eine Witwe Meyer um 500 M. geschädigt zu haben. Die Anklage lautet ferner auf Urkundcufälschuiig, und zwar handelt es sich um ge- fälschte Quittungen der angeblichen Depotabteilung des Kaiser- lichen Patentamts, um Schriftstücke des angeblichen Geh. Regie- rungsrats Dr. Sachse, sowie um Empfangsquittungen, die von dem Angeklagten mit dem Namen„Dr. Martini" unterzeichnet waren. Dem Angeklagten wird weiter Betrug gegen den Justiz- fiSkuS vorgeworfen; dieser wird darin gefunden, daß der Nilgc- klagte zu Unrecht(Ochalt für Zeiten bezogen hat, in denen er keinen Dienst leistete. Schließlich hat er sich auch wegen Führung deS falschen Namens„Oberarzt Martini" beztv.„Gcrichtsassessor Müller" zu verantworten. Der Angeklagte ist der Sohn eines RechnungsratcS. Er hat zuerst das Gymnasium bis zur Sekunda besucht und war dann in eine kaufmännische Lehre gegangen, nach deren Beendigung er in verschiedenen Stellungen tätig war. Anderthalb Jahre war er Kanzlist im Bureau deS Justizrats Brühl, dann im Burau des Justizrats PincuS I. Im Jahre 1905 kam er als Kanzleigchilfe an das Amtsgericht Berlin II. dann an daS Amtsgericht Berlin-Tempclhof. Seit 1900 war er dauernd angestellt. Sein Vater, der 1908 gestorben ist, hatte seine Witwe und fünf Kinder zurückgelassen. Die Kinder blieben bei der Mutter und jedes steuerte nach bestem Können zum Haushalte bei. Der Angeklagte, der auf etwa 150 M. monatlich stand, trug 00 M. zu den Haushaltungskosten bei. Seit einer Reihe von Jahren unterhielt er ein Liebesverhältnis mit einem Mädchen, welches Direktrice in einem Kaufhausc war. Zu Weihnachten 1907 hat sich der Angeklagte niit dem Mädchen förmlich verlobt. Die Hochzeit sollte im Herbst v. I. stattfinden und die Braut hatte schon die Ausstattung fertiggestellt, als der HeiratSplan jäh ver- nichtet wurde, weil der Angeklagte ins UntersuchuiigsgefängnlS marschieren mußte. ES hatten sich inzwischen ungeheuerliche Bc- trügereien herausgestellt, die der Angeklagte in den letzten Jahren in der raffiniertesten Weise auSgesührt hatte. Sie stehen nun zur Verhandlung._ Bom Ostmarkcnvercin. In den Ostmarken wird bekanntlich„aus nationalen Interessen" ein scharfer Kampf geführt, um den Verkauf von Gütern der Ostmark an Polen zu verhindern. Gesellschaftlich maßgebende !trcise verhängen den gesellschaftlichen Boykott über jeden, der sein Gut an einen Polen veräußert. Es wird sogar eine schwarze Liste mit dem Namen dieser Leute geführt. Diese Umstände bilde- tcn den Hintergrund eines Prozesses, der am Freitag daS Reichsgericht beschäftigte. Der Gutsbesitzer T. in Posen verkaufte am 19. Juni 1900 sein in der Nähe von Posen gelegenes Gut an einen deutschen Land» wirt. Dieser veräußerte eö am 30. Juni 1900, noch ehe die Auf- lassung erfolgt war, an einen Polen. Der Pole verlangte nun von T. die Auslassung. T. verweigerte sie und wandte sich an den Deutschen Ostmarkenverein mit der Bitte, ihn in dem Prozesse gegen den Polen zu unterstützen. Der Verein übernahm die Kosten der ersten Instanz, die zugunsten deS T. entschied, zur Hälfte. Er wollte eine prinzipielle Entscheidung herbeiführen und versprach dem T.. die Kosten der Berufungsinstanz ganz zu tragen. Die Berufung fiel zugunsten des Polen aus. da der BerufungSrichter feststellte, daß cS dem T. mit seiner Absicht, nicht an einen Polen zu verkaufen, gar nicht ernst gewesen war; der T. habe sich viel- mehr nur seine gesellschaftliche Stellung sichern wollen. Nach diesem Urteil verweigerte der Ostmarkcnvercin die Zahlung der versprochenen Kosten. T. erhob Klage, die das Landgericht Berlin zu seinen Gunsten entschied, weil es nicht auf die Absicht des T. ankomme, sondern auf die Prozeßführung, die erfolgt sei, um eine für den Ostmarkcn- verein prinzipielle Entscheidung herbeizuführen. Das Kammer- gericht entschied gleichfalls zugunsten des Klägers und führte noch aus, daß der Verein seine Verbindlichkeit nach dem Prozeß be- stätigt habe und weil ein Vorbehalt dagegen hinfällig sei.— DaS Reichsgericht hat das Urteil des Kammergcrichts aufgehoben und die Sache zur anderweitcn Verhandlung und Entscheidung des KammcrgerichtS zurückverwiesen. Hu 9 aller Alelt. Erdbeben in England. Am Freitag vormittag wurde England von einem Erdbeben heimgesucht, das sich in mehreren leichten Stößen bemerkbar machte. Ziemlich stark waren die Erdstöße im VergwerkZgebiet von Wales und N e w p o r t. Im Bergwerk von Llahilleth stürzten die Berg« leute von einer Panik ergriffen dem Ausgange zu, da sie glaubten, daß im Bergwerke eine Explosion entstanden sei. Auch die in dem nahe dem Bergwerke gelegenen Dorfe lebenden Einwohner eilten er- schreckt nach dem Bergwerke hin, da sie glaubten, daß ihre Angehörigen Opfer einer Explosion geworden sind. Doch beruhigten sie sich bald wieder. als sie sahen, daß ihre Furcht grundlos war. In dem 3000 Ein- wohncr zählenden Städtchen Duneblane stürzten infolge des Bebens mehrere Häuser ein. In anderen Gebäuden wurde» Türen, Fenster und Möbel zerbrochen. Unter der Bevölkerung ent- stand eine große Panik, viele flüchteten auf die Straßen. In Hommouthshire fanden UM Mitternacht kurz hintereinander drei Erdstöße statt. Viele Bewohner übernächtigten ans den Straßen, da sie befürchteten, daß sich das Beben wiederholen würde. � � Die Folgen des Erdbebens auf den griechischen Inseln sind vorläufig noch unübersehbar. Aus Kcphalonia laufen Hiobsposten ein, denen zufolge 15 Menschen ihren Tod bei der Katastrophe erlitten haben. Eine größere Anzahl Ver- wnndeter ist in dem Hospital zu Argostolion, dessen Einrichtung aber leider sehr mangelhaft ist, untergebracht. Die Ort- schaft V a l s a m a t a ist h a l b z e r st ö r t. Fast sämtliche Wein- berge liegen verwüstet. Die schlimmsten Folgen hat das Erdbeben in Zante hinterlassen. Die Lage der Bevölkerung ist dadurch be- sonders traurig, da keine Hilfsmittel vorhanden sind. In Athen, PiränS und PatraS haben sich Komitees gebildet, die einen Fond zur Unterstützung der von dem Erdbeben Betroffenen sammeln. Das Goldfieber. Nach einer Meldung aus Winnepcg sollen in Kanada nördlich deS ManitobaseeS ergiebige Goldfelder entdeckt worden fein. Trotz der eisigen Jahreszeit ist eine ungefähr 2000 Köpfe starte Gold» gräberkolonne von St. Laurent aufgebrochen, lim sich nach dem Goldgebiet zu begeben. Von einem bereits vor drei Wochen auf- gebrochenen Goldgräbcrirupp sind 25 Mann bei Lilibay er- froren ausgcsunden worden._ Kuchenabfälle sind gesuchte Nahrnngsmittel. Unter wie elenden Verhältnissen weite Kreise deS dentschen Volkes ihre Existenz fristen, zeigt folgendes Inserat in der.Mül» heimer Zeitung": „Welche mildtät. Leute würden Küchen Überreste, Brot usio. an zahlr. ärmere Familien abgeben? SclbigeS kann abgeholt werde». Schr. Aug. u. I. 485 a. d. Exp." Eine famose göttliche Weltordnung, in der cS als selbstverständ» lich erscheint, daß Menschen in den Abfällen des Kehrichthaufens erstrebenswerte Nahrungsmittel suchen. Kleine Notizen. Ein LicbcSdrama. In I n g e l S d o r f bei Leipzig erschoß sich ein aus Hamburg zugereistes Liebespaar, der Lackierer Max Rudert und das Dienstmädchen I h l e r t. AuS hinterlassencn Briefen geht hervor, daß das Paar wegen einer unheilbaren Krankheit des jungen Mannes den Tod gesucht habe. Schwerer Bmiunfall. Bei dem Erlvcitcrungsbau im städtischen GaSweri in M a n n h e i m stürzten am Sounabendinitiag zwei Monteure ab. Der eine war sofort tot, der andere wurde schwer verletzt. Im Rausch. Bei Sestrorjetzk bei einem vahnbau bc- schäftigte russische und finnische Zimmerleute gerieten nach einem Trinkgelage in Streit. Es entspann sich ein blutiger Kampf in i t B e r l c n n n d M e s s e r n, bei dem drei Finnländer und zwei Russen getötet wurden. Eingegangene Drucftlckrlsten. Wiener Mitteilungen pbotographilchen Jnhalls. S Ausgaben ä 5 und 10 M. pro Inbr(Monatsschrist.) N. Lech» er, Wien, Graben LO/Il. Grnndziige der BoltSernahrinig. VollStiiinItch dargestellt von Pros. Dr. A. fttbu. 15 Ps. Zentralloinimssion der Krankenkassen Berlins (E. SitnanowSll). Berlin, Engeluscr 15. Die Gicht und ihre Therapie. Von Pros. Dr. A. Schiltenheim und Dr. I. Schmid. lSammlung Alb», 3. Band, Heft 7.) 1,80 SB, C. Marhold, Halle a. d. S. ISifhMAM/ Xw/ SitjliW /üovwv IK«, m&lknkMvlji tÜMt CßnßaM! f Haut->. Harn- f leiden, Ehrlich- Kala, Schhden d. Queoksilb.— Konsultation frei! Blutumersuch., Fäden im Harn, etc. !! Tcllieuhluiit; gestattet!! sin|lnmpnp»&Co.(konz.Spez Lab.) ül. nUlUKJftir Friedrichatr. I Sl» o.d.Hoobb. Spr. 9-2, 4-8, Sonnt.! 1-12. für Maßanzllge, Ulster, Paletots, ..Neuheiten". Mtr.S.— 4.— 5,- 6,- M. Tuotilager Kooh 4 Seeland G. m. b. H. Geitraudlenslr. 20-21, �idSe: Der außerordcntlliche Erfolg unserer Tay-Zigaretten Spezialität II! bedingt die Vergrößerung des Fabrikbetriebes. Gleichzeitig haben wir unsere Qualitäten bedeutend verbessert und können mit den bekanntesten und besten Qualitätsmarken konkurrieren. Tag-Zigaretten müssen auch den Ueriiner Markt erobern. 2S6/2» Keiöe teliiseiware. Uliste Tarllm Im Selitßßilerware. Vertreter: Paul fiorsch, Engel-Ufer 15. Sterbekasse H. S6 S erlin. Die 286/6 General-Vmammiiino sindet am DienStag, den v. Februar, nbendS 8'/, Uhr, im großen Saale der HncItln-zmervS, Ehaustce- straßc 61, statt. 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Der Schnee, der vor einigen Tagen all die Häßlichkeit verschleiern wollte, ist geschmolzen und hat einen hoffnungslosen Schmutz hinterlassen. Und in diesem kalten Schmutz laufen zerlumpte Kinder. Helle Kinderstimmen rufen: Streich- Hölzerl Streichhölzer! Zeitung! Zeitung! Man sehe sich die kleinen Verkäufer an. Zerlumpt, zerfetzt kann man ihr Aeutzeres kaum nennen; halb entblößt wäre ein passenderer Ausdruck. Der eine Knirps hat buchstäblich nur einen halben zerlumpten Rock auf dem Leibe. Da läuft einer in Siebenmeilenstiefeln umher, die früher sicher einmal einem erwachsenen Mann gehörten. Das Schuhwerk der meisten ist so zerfetzt, daß es mit Bindfaden zusammengehalten werden muß. Und durch die Ritzen fließt das schmutzige kalte Schneewasser. Das schmale, spitze, bleiche Gesicht der Kleinen läßt auf ein Alter von 11 bis IS Jahren schließen, aber der kleine magere Körper könnte Wohl einem Kinde im Alter von 6 oder 7 Jahren gehören. Jeder trägt ein Band um den Arm, den städti- schen Erlaubnisschein. Das swlze, reiche Birmingham beglaubigt sein« Schande. In der Mißhandlung der Kinder des Volkes schlägt es zweifelsohne jeden Rekord. Dem Parteitag der Arbeiterpartei ging gestern eine Frauen- konferenz voran. Gleich zu Anfang dieser Konferenz, der „Women's La b o u r L e a g u e" wurde eine Resolution ange- nommen, in der beschlossen wurde, die deutsche Sozialdemokratie zu ihren prächtigen Wahlsiegen herz- lich zu beglückwünschen. Aus dem erstatteten Bericht er- gibt sich, daß die Zahl der Sektionen der Liga im vergangenen Jahre von 85 auf 110 gestiegen ist. Die Erklärung des Premier- Ministers in bezug auf das Frauenstimmrecht wird willkommen ge- heißen, da sie die Frage in den Vordergrund des politischen Jnter- effes gerückt habe; aber die Art und Weise, in der das Frauen- stimmrecht durch ein Amendement dem Parlament zur Entschei- dung unterbreitet werden soll, wird als gänzlich unzufriedenstellend bezeichnet. Von besonderem Interesse sind folgende Beschlüsse der Frauen- lonferenz: „Diese Konferenz protestiert gegen die geheime Diplomatie und fordert, daß kein Vertrag, kein Abkommen und keine Entente von irgendeiner Person im Namen des briti- schen Staats besiegelt wird, bis derartige Vorschläge dem Unter- Hause unterbreitet worden sind." Eine andere sehr zeitgemäße Resolution, die ebenfalls«mge- «ommen wurde, lautet: „Diese Konserenz begrüßt die wachsende Unzufriedenheit des Volkes, die sich in den letzten wirtschaftlichen Kämpfen offenbart hat, und beglückwünscht besonders diejenigen Frauen, die, ob- wohl sie nicht selbst zu den Lohnarbeitern gehören, dennoch Schulter an Schulter mit den Frauen gekämpft haben, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpften, und die mit den letzteren das Elend des Augenblicks ertragen, um den auskömmlichen Lohn (Irving wage) zu erringen, der cS allein möglich machen würde, diejenigen zu ernähren, kleiden und pjlegen, die von ihnen ab- hängen." Der Parteitag der Arbeiterpartei wurde um 11 Uhr im Rat- Haus eröffnet. Nach der Wahl der Beamten verlas Genosse Turner(Weber), der Vorsitzende, die übliche Adresse, die viele interessante Punkte enthielt. Nach einem historischen Rückblick kam der Präsident auf die Probleme des Tages zu sprechen. Es sei zu bedauern, daß das Parlament das Osborneurteil noch nicht umgestoßen habe. Er hoffe, daß es in der kommenden Session möglich sei. ein Arrangement mit der irischen Partei zu treffen, nach dem die Gewerkschaften, die ja die Selbstverwaltung Irlands unterstützten, ungehinderte Bewegungsfreiheit erhielten. Die in der letzten Session von der Regierung eingebrachte Osbornevorlage sei unannehmbar. Die wirtschaftliche Unruhe der letzten Zeit habe die Reihen der Gewerkschaften und Sozialisten gefüllt. Das Volk gelange immer mehr zur Ansicht, daß die Ursache seiner Not keine natürliche, unabänderliche sei. Die Arbeiterpartei müsse diese Un- ruhe benutzen, um die Streitkräfte der Arbeiterschaft weiter zu kon- zentrieren und zu stärken. Nach einer Schilderung der letzten wirtschaftlichen Kämpfe kam der Vorsitzende auf die Versuche der Untexnehmerorganisationen zu sprechen, das Recht de? Streik- postenstchens abzuschaffen oder zu beschränken. Er bemerkte, daß die Bestimmungen des Gewerkfchaftsgesetzes vom Jahre 1906 eher erweitert als eingeschränkt werden müßten. So sei es notwendig, den Begriff Einschüchterung auch auf solche Fälle auszudehnen, in denen Arbeitgeber mittels Telephon, Brief, Merkmal und anderer Dinge Arbeiter verhindern, Arbeit zu finden. In bezug auf die internationalen Beziehungen der Arbeiterpartei bemerkte er:„Unsere Freundschaft mit den deutschen und französischen Gewerkschaften und Sozialisten ist nicht nur eine Gefühlssache. Sie ist stark genug gewesen, um im vergangenen Jahre den Ausbruch von Kriegen zu verhindern, und je enger sich die internationale Arbeitcrverbrüderung gestaltet, muß weniger gefährlich werden die Macht der Gesandten, Finanz- leute und Kriegshetzer." „Wir heißen unseren deutschen Genossen," so hieß eS weiter, „auf unserem Parteitag willkommen. Die Wahlerfolge in Deutschland sind prächtig." Bei diesen Worten erhob sich Genosse Molkenbuhr, der als Vertreter des deutschen Parteivorstandes erschienen war. Stürmt- scher Beifall erfüllte minutenlang den Saal. Der Rest der Rede beschäftigte sich mit den Aufgaben der Zu. kunft, die Genosse Turner, der seit 25 Jahren in der sozialisti- schen Bewegung Großbritanniens tätig ist, als die schrittweife Per- wirklichung der sozialdemokratischen Ideale bezeichnet. Die Ge- ioerbeämter, die das Schwitzsystem bekämpfen, müßten auf weitere Berufe ausgedehnt werden, auf Frauen, die weniger als zwanzig Schilling die Woche verdienten und auf Landarbeiter. Der Mini- mallohn von 30 Schilling die Woche müsse verwirklicht werden und das Recht auf Arbeit anerkannt werden. Der Achtstundentag müsse für alle Berufe eingeführt und die Nachtarbeit, wo immer möglich, abgeschafft werden. Die Partei müsse sich eine Landpolitik zulegen. Sie solle fordern, daß der Staat, anstatt das Geld au Kriegsschiffe zu vergeuden, jährlich 10 bis 20 Millionen Pfund Sterling dazu Verwende, um Güter anzukaufen, um das Land zu besiedeln. Die Verstaatlichung der Eisenbahnen müsse bei allen Gelegenheiten bc- fürwortet»Verden und auch die Verstaatlichung der Bergwerke sei längst fällig. Die Arbeitervertrcter in den Gemeinderäten sollten darauf bestehen, daß die Gemeinden den Vertrieb der Kohle in eigene Regie übernebmen, wobei sie den Bürgern 4 bis 6 Schilling die Tonne ersparen könnten. Eine Frage von erster Bedeutung sei ferner die Wohnungsfrage; Gartenstädte müßten angelegt werden. Zum Schluß seiner Rede sprach der Vorsitzende sein Bedauern da- rüber aus, daß der Sekretär der Partei(Mac Donald) sein Amt niedergelegt habe. Nach der EinleihingSrede des Vorsitzenden fand eine kleine Zeremonie statt. Genosse Keir Hardt« übergab dem scheiden- den Sekretär im Namen der Partei und als ein Zeichen der An- errennung für die geleisteten Dienste ein Geschenk, bestehend aus einem Porträt Mac Donalds und einem Porträt der verstorbenen Genossin Mac Donald, seiner Frau. Die Bilder wurden von dem bekannten Porträtmaler Solomon gemalt. Nach dieser Zeremonie nahm Genosse Molkenbuhr als Gast das Wort. Sein Erscheinen wurde wiederum mit lebhaftem Beifall begrüßt; alle Anwesenden erhoben sich von ihren Sitzen. Molken- buhr führte folgendes aus: Er sei erschienen, um der Arbeiter- Partei die Grütze der deutschen Sozialdemokratie zu überbringen, die sich als Teil der großen internationalen Bewegung betrachtete und die Entwicklung aller Glieder der Internationale mit großem Interesse verfolge. Er wünsche dem Parteitag im Namen der deutschen Sozialdemokratie den besten Erfolg. Der Zufall habe es gewollt, daß sein Besuch mit den epochemachenden Wahlen in Deutschland zusammenfalle. Man sei in England über den Aus fall der Wahlen überrascht. ES liege aber keine Ursache zur Uebet raschung vor. Habe man etwa geglaubt, das deutsche Volk sei imperialistisch gesinnt? Die Imperialisten in Deutschland bildeten eine kleine, obwohl lärmende Minderheit. Die Mehrheit des ar- beitenden Volkes in Deutschland denke sozialistisch. Vor ungefähr einem Jahre habe er in der Albert Hall in London zu der Friedens- demonstration der Londoner Arbeiter gesprochen. Damals habe er prophezeit, daß die deutsche Partei bei den nächsten Wahlen 4 Millionen Stimmen erhalten werde. Wenn er die Zahl der sozialistischen Stimmen unterschätzt habe, so liege das daran, daß er nicht wissen konnte, daß die deutsche Regierung inzwischen noch so viele Dummheiten machen werde. Man frage die deutschen Sozialdemokraten oft, wie«S komme. daß sie so riesige Fortschritte machten, welche Mittel st« anwendeten. Die Ursache des Erfolgs der Partei müsse in der ganzen Agitation gesucht werden; aber auch die Anstrengungen der Gegner, die der Partei die Mitglieder gewaltsam zutrieben, müsse anerkannt wer- den. Mit den Schriften von Marx und Lassalle habe die Partei agitiert, die Arbeiter zu Sozialdemokraten gemacht und sie zu einer Partei organisiert. An allen Orten habe man sozialdemokratische Tageblätter gegründet. Er schätze den normalen Zuwachs der sozialdemokratischen Wählerschaft auf 80 000 im Jahr. Doch zu gewissen Zeiten, wenn die Negierenden das Volk besonders erzürnt hätten, betrage der jährliche Zuwachs 200 000. Dreimal in den letzten 25 Jahren habe die deutsche Sozialdemokratie eine sprung- hafte Entwicklungsepoche durchgemacht. Das Arbeiterheer von 4(4 Millionen sei eine Wache des Friedens. Die Sozialdemo- kratie bekämpfe den Krieg und seine Ursachen. Den deutschen Ar- beitern lverde gesagt, England wünsche Deutschland zu vernichten, weil es eifersüchtig auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutsch- lauds sei. Der wirtschaftliche Aufschwung eines Landes hänge aber von der Intelligenz und Tatkraft seiner Arbeiterschaft ab und die könne man nicht vernichten. Ueberhaupt sei das ein merk- würdiger Feind, der seinen besten Kunden zu ruinieren trachte. England sei Deutschlaichs bester Kunde und Deutschland sei Eng- lands bester Kunde in Europa. Bei den Reichstagswahlcn hätten die sozialdemokratischen Kandidaten energisch gegen die Rüstungs- bestrebungen und die Kriegshetze Front gemacht. Ferner hätten sie gegen die Ungerechtigkeiten der ReichÄersicherungsordnung und gegen den Zollwucher protestiert. Die englischen Arbeiter sollten froh sein, daß sie den Schutzzoll nur aus der Theorie kennen. Der Ausfall der Wahlen habe der Welt gezeigt, wie das deutsche Volk denke; er sei ein Menetekel für die Regierenden und ein scharfe Verurteilung der Kriegshetze. Die Sozialdemokratie werde wie ihre Bruderparteien aus dem betretenen Wege fortfahren, bis in der ganzen Welt die Ausbeutung und Unterdrückung abgeschafft sei. Nach Molkenbuhrs Rede begrüßte der Genosse Will Thome den Parteitag im Namen des Gewerkschaftskongresses. Ein dritter Gast, der Gen. Applcton, überbrachte dem Parteitag die Glückwünsche des Allgemeinen Gewerkschaftsverbandcs. AuS den Reden ThomaS und Appletons ging hervor, daß die englischen Ge- wcrkschaftcn in den letzten 0 Monaten nicht weniger als 250 000 neue Mitglieder gewonnen haben und daß im letzten Jahre die Mitglicderzahl des Allgemeinen GewcrkschaftsverbandeS um über 100 000 gestiegen ist. Den Rest der Sitzung nahm die Beratung des Vorstands- berichts in Anspruch, die wenig, waS von allgemeinem Interesse ist, zutage förderte, da der Vorsitzende nach dem Beispiel früherer Jahre fast keine Diskussion zuließ, was bei einem großen Teil der Delegierten großen Unwillen erregte. Eine willkommene Nbwechfe- lung in diesem monotonen Geschäft brachte nur eine klein« Episode, in der der prominente Führer der Textilarbeiter M u l l i n die Hauptrolle spielte. Die Arbeiterpartei von Oldham beklagte sich über diesen Getoerkschaftssührer, weil sich dieser bei der letzten Nachwahl in Oldham geweigert habe, den Kandidaten der Arbeiter- Partei zu unterstützen. Mullin, ein Gewerkschafter der liberalen Schule, stand auf und verteidigte sich mit dem naiven Argument, daß der Arbeiterparteiler in Oldham nur aufgestellt worden sei, um den Liberalen durchfallen zu lassen und da mache er nicht mit. Lautes Gelächter begrüßte dieses Zugeständnis. der Redaktion. 9k pMftNche Sprechstunde finde« Ltndenstraste v?, vor» die» reeppen — F« d r st» v l—. Wochen täglich von bis 7«, Uhr abend», Eonnabends, von»IS 6 Uhr abends statt. Jeder für den vriefiastcn bestimmten Anfrage ist ein Bnchstabc nud eine Zahl alS Merkzeichen beizufügen, briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Atonnementsqnittnns beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Zl. B. 21. Die Auskunft war zutreffend. Ihre Karte wird inzwischen beantwortet sein.— A. P. Die Klage bat Aussicht aus Ersolg. Falls Sic einen Anwall bestellen, waS zweckmäßig erscheint, kann derselbe einen Vor- schütz von 40 bis 50 M. beanspruchen. Das cyericht sordert einen Vorschuß von etwa 15 M.— E. R. ä«. 1. Ja. 2. An den Magistrat.— H. 83. 1. und 2. Das Gesetz schreibt keine bestimmte Zeitdauer vor. 3. In der Regel nicht. 4. 54 kons., 50 lib., 4 soz.— 31. H. 50» Die behaupteten Tatsachen reichen zur borzeitigen Vertraaslösimg nicht ans.— R. A. 22. Reklamieren Sie. Soweit ersichtlich, sind Sie um eine Stusc zu hoch veranlagt. Die Veranlagung ist sür die Zeit vom 1. November v. I. ab zulässig.— Ripdorf 100. 1 M. sür das Kalenderjahr.- — Afta 0010. Leider ja. bis zur Dauer von fünf Swnben.— W. N. 2430. Ja.— D. 79. Das Krankengeld kann gekürzt werden. — K. 700. 1. Die Frage ist nicht zu erwarten. 2. Reklamieren Sie jetzt »och.— M. B. tO. Ja.— Britz 146. Ja. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. D. I. 19. 1. Bei der Steuerdcputation, und zwar nach im März. 2. Nein.— Kricke. U. E. genügt die Erklärung.— 91. F. 23. 1. Konsistorumt. 2. Ja. Es kann Zwangsvollstreckung ersolge«. M. K. 57. 1. Unverzügliche Slnsechtixng des Vergleichs wegen Irrtums halten wir für zulässig. 2. Nein. Anders, wenn die Uebertragung nur zum Schein ersolgt ist.—.£>. New.— Schloftparkstr. 18. Der Eigentümer hat die Reinigungspflicht.— R. Sch. 999. Fragen, welche die Entziehung der Unterhaltspflicht Kindern gegenüber bezwecken, braut- wortei, wir'nicht.— 3l. B. 100. Auch dem erwähnten Fall nach sind Sie dem Kinde gegenüber unterhaltspflichtig. Scheidungsgrund liegt nicht vor.— W. P. 32. 1. Wiederholen Sie die Anfrage und sügen Sie den Mietsvertrag der Mutter bei. 2. Nur ausnahmsweise, aus Grund be- sonderer kaiserlicher Verordnung, oder wenn insolge eigenen Verschuldens verspätet rn den aktiven Dienst getrete«, oder wenn Nachdiencn statt- gesunden hat oder falls von der vorhergegangenen Landwehrübung auf eigenen Antrag befreit. dauert fort Weitere Warenposten herabgesetzt.— Sensationell billig! Scbwvn Bocld. Schnurstiefel 18/72 Kamclhaar-Schnallenstiefel...... Damen-Lacktnch-Spangenschalie. 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ZcMIer-llieslerlMiS Sonntag, nachm. 3 Uhr: Oer Pi-obckandldat. Songtag. abends 8 Uhr: Oer Probepfell. Morrtaa. abends 6 Uhr: Oer%%'ee®nr Hülle. Dienstag, abends 8 Uhr; Kopf and Sehwcrt. Schiller-Thealer ciiaÄeo- Svnntag, nachm. 3 Uhr: naria Stnart. Sonntag, abends 8 Uhr: . Emiila Galottl. Montag, abends 8 Uhr: Oer Proltcpfell. Dtcnstag, abends 8 Uhr: Die Wildente. berlirifer Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. 8 Uhr.- Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abend« 8 Uhr: Ole kleine Freandin. Sonntag nachmittags� Uhr: Da« Mävel von Montmartre. Ikester äes Westens. Abends 8 Uhr• Wiener Blnt. Hellte nachm. 3' f. Uhr: Fatinina. __ Moni. 8 Uhr: NufiiicheS Ballett. R esi den z-Theater. Dircktion Richard Alexander. Abends 8 Ubr: Sllles für die Firma. (Aime des fernmes.) Schwank in 3 Akten von M. Hennequin U. G. Mitchell. Fiir die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-Vacckcrs. Morgen u.iolg.Tage: Alles itl. Firma, BenealliancesTheater. '/.,i Uhr: Maria Stuart. »Uhr:„Trittttf..Drittletztes (Äastspiel Ferdinand Bonn. Ab DonnerStag, t. Februar, täglich: Napoleon Bonaparte und seine Frauen. , Luisen-Theater. Sonntag nachmistags 3 Uhr: Wir tanze» durchs Lebe». Ab tw. 8 Uht: Der Verschwender. Moptag imd' DienStag: Wir tanzen durchs Leben. OSMHEATE Gräfte Frantinrier Slr. 132.| Nachmittag?. 3 Uhr: Zwillinge. AbendS 8 Ufr: Malen and Kloster. Montag: Salon und Kloster, 1 Metrooil-Tlieater. Nachmittag«» Uhr« Miß Helyeit. Abends 8 ,uhr: Raucheq gestaltet. Vis Kack von Berlin! Große JohreZrebue in.7 Bilder» von gul, Frennd, Mststl Von B, Holländer. In Szini« gesetzt wom Dir, R, Schnitz, Noacks Theater. Direktion:»edert Okll. Berlin K., Srmmertstvajje IS. Zie Ktttlmn und ihr Kind. Schaufpiel in 5 StJftn von Meißner. Iln'angj1/, Uhr. Bons usw. gültig. Otorgev: Tieselbe BorsteUnng. UNÄNSS. Wissensalraktligpss Theater. Sonntag 8 Uhr; Von Heran znm Ortlcr. 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Hax Gruntvald(Faschingspredigt).- Eintritt 25 Pf.===== Kaoh Beendigrmg dos Progr.: Geselliges Beisammensein und Tanz, j Ausschank nur alkoholir. Getränke.— Rauchen nicht gestatt. Eintrittskarten für Gäste geben ab: Rüdiger, KO., Prenzlauer Allee 193; E. Geisler, KO., ICuglerstr. 41: H. Esser, Rixdorf, | Pllügerstr. 17: die Geschäftsstctlo, SO., Engelnfer 19; P. Frenze), Lichtenberg. Bürgerheimstr. 90; R. Michaelis, Charlottenburg, Häseferstr. II a. Der Vorstand. tzVocbcn-Spielplan. Unllte-irnrctolliiTtnan veranstaltet von der Genossenschaft SUiEdVUldSeil'Jliycll»entsoh. Bühnen- Angehbrieer, unter Mitwirkung und Regie von bisherigen Mitgliedern erster hiesiger und auswärtiger Bühnen. Eintrittspreise: SO Pf., 1 M., 1,50 M.""?Ea Mittwoch, 31. Jannu: Pharus-Säley HOIIerstraSe 1411142 Der Raub der Sabinerinuen Schwank in 4 Akten von Fr. und Paul v. Schönthan. Hontag, 30. Januar: Theater ÜSt-Berlin BlumenstraSe 10 Minna von Barnltelm Lustspiel in 5 Aufzügen von G. E. Lessing. Dienstag. 30. 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Dadurch wird der Per- arbeitungsindustrie eine große Last aufgebürdet. Die Richtpreise dienen nur als Richtschnur der wirklichen Preisfestsetzung, die von allen möglichen Umständen beeinflußt wird. Im allgemeinen gehen die effektiven Notierungen und Preiserhöhungen über die Nicht- preise hinaus. Da augenblicklich für die Industrie eine Hochkon- junktur angebrochen ist, die eine» starken Begehr nach Industrie- kohlen zeitigt, werden die wirklichen Aufschläge sicher nicht hinter den Richtpreiscrhöhungen zurückbleiben. Teilweise sind sie diesen schon voraus geeilt. Nach den vorhandenen Unterlagen läßt sich der Effekt der Preissteigerungen wie folgt berechnen: Die Förderung der Zechen des Kohlensyndikats wird sich mit Einschluß der früheren Outsiders nach der bisherigen Entwickelung im laufenden Jahre auf etwa 95 Millionen Tonnen stellen. Nimmt man nun eine durchschnittliche Erhöhung des Preises von nur Ä> Pf. pro Tonne an, dann beträgt die Mehrbelastung des Konsums rund 57 Millionen Mark. Natürlich bleibt die Verteuerung nicht allein auf das Ruhr- revier und die Syndikatskohlen beschränkt. Die übrigen Kohlen- verschleißer machen selbstverständlich die Politik des Syndikats freudig mit. Tie beschlossene Erhöhung des Durchschnittstonnen- Preises um 6l> Pf. für den gesamten deutschen Konsum anzunehmen, das greift sicherlich nicht über die tatsächliche hinaus. Da nun voraus- fichtlich die Gesamtförderung von Steinkohlen nicht unter 160 Mil- lionen Tonnen bleiben wird, betrüge die Belastung für den Per- brauch demnach ungefähr 96 Millionen Mark. Ob sich die Preis- erhöhung auch für die auszuführenden Kohlenmengen durchsetzen laßt, hängt von der Gestaltung des Weltmarktes ab. Zurzeit ist diese zwar sehr günstig, wir wollen aber unterstellen, daß ebenso wenig wie dre Ausfuhr die Einfuhr von der Verteuerung betroffen J"1". Der Jnlandsverbrauch der letzten Jahre ergibt sich aus folgender Aufstellung: Förderung plus Einfuhr minus Ausfuhr: Förderung Einfudr Ausfuhr Verbrauch in 1000 Tonnen 18 157 19 551 20 061 21 191 23 351 24 258 I das Kohlensyndikat einfach weg. Eine Lohnsteigerung von 20 Pf. l pro Tag ergäbe bei 300 Arbeitstagen pro Arbeiter rund 60 M. im > Jahre. Tie Last, die das Kohlensyndikat der Weiterverarbeitungs- ' industrie auferlegt, genügte, um 1 Million Arbeitern die ange- gcbene Lohnerhöhung zu gewähren! Man stelle sich das Geschrei vor, das in der Unternehmerpresse erhoben würde, träte der Metall- abeiterverband mit einer solchen Forderung an das Unternehmer- tum heran! Sicher geriete dann die ganze nationale Industrie wieder in die Gefahr, vernichtet zu werden, und des Gezeters über die Begehrlichkeit der Arbeiter wäre kein Ende! Ader ein Syndikat packt der Industrie die allergrößten Lasten auf, als seien es Baga- tellen und Selbstverständlichkeiten!— Zu der neuen Schädigung der Allgemeininteressen ist das. Shn- dikat durch das Verhalten des Fiskus angereizt worden! Nur weil dieser sich mit dem Syndikat verständigte und dadurch die übrigen Outsider zum Anschluß an das Syndikat veranlaßte. konnte es die Konsumenten mit der neuen Syndikatssteuer belasten. Die ver- arbeitenden Jndnftrien haben nun wieder einen neuen Beweis von der Art, wie das Montankapital die nationale Arbeit schützt Sie hat nun auch schon eine Quittung für die politische Kurzsichtig. keit der Hansabündlcr, die trotz aller Erfahrungen und trotz allem Lamento über den Terrorismus der Schwereinsenindustrie.� nun doch wieder für eine gesetzgeberische Mehrheit'der Hochschutzzöllner gesorgt haben. Alles Gerede über den schwarz-blauen Block und seine Zertrümmerung hilft nicht über die unangenehme Tatsache hinweg, daß eine sichere Hochschutzzollmehrheit in den neuen Reichs- tag einzieht. Nun bedarf die Kohle allerdings keines Zolles, um die Syndikatspolitik zu ermöglichen, das Entscheidende liegt in den Eisenzöllen. Die Eisen- und Stahlproduktion heherrscht eine kleine Zahl von Unternehmen, die auch in der.Kohlenindustrie interessiert ist und im Kohlensyndikat großen Einfluß besitzt. Der Eisenzoll schützt diese Werke vor der Auslandskonkurrenz, die Preispolitik des Kohlensyndikats fördert und erleichtert ihre Preisdiktatur im Jnlande und stärkt sie in ihrem Kampfe gegen die reinen Werke. v. 1905 1906 1907 1908 1909 1910 121 299 137 118 143 188 147 671 148 788 152 881 112 541 126 821 136 846 138 142 137 636 139 819 9 400 9 254 13 722 11 661 12 199 11 196 Der diesjährige Konsum dürfte demnach 142 Millionen Tonnen sicherlich erreichen. Die sehr vorsichtig ermittelte Belastung für den Jnlandskonsum macht also 85 Millionen Mark aus. Von der Verteuerung bleiben aber auch die Braunkohlen nicht verschont! Um nicht zu hoch zu schätzen, nehmen wir für diese nur eine durch- schnittliche Verteuerung von 20 Pf. pro Tonne an. Seit 1905 ist der Jnlandsverbrauch von Braunkohle von 60,437 Millionen Tonnen auf� 76,440 Millionen Tonnen im Jahre 1910 gestiegen. Die Aw spräche der Konsumenten dürften für 1912 jedenfalls eine Zw nähme aus 80 Millionen Tonnen bringen. Die danach resultierende Verteuerung der Braunkohlen mit 16 Millionen Mark in die Rech- nung eingestellt, ergibt eine Gcsamtbelastung des Kohlenkonsums in der Höhe von 161 Millionen Mark! Das Kohlensyndikat spielt zur Begründung seiner Maßnahmen V. a. die gute Lage der Eisen- und Stahlindustrie aus. Diese absorbiert von der Gesamtproduktion über 40 Proz. Die Preise der von ihr angeforderten Kohlen sind um fast durchweg 1 M. stro Tonne hinaufgesetzt worden. Eine Verbrauchsmenge von 60 Millionen Tonnen bedeutet daher eine Mehrbelastung von 60 Millionen Mark für die Eisen- und Stahlindustrie. Man könnte nun einwenden, die Belastung werde in der Hauptsache von der leifiungsfähigen Großindustrie getragen. Das stimmt aber nicht! Die Verteuerung trifft vielmehr die Schwerciseninduftrie gar nicht, bringt ihr nur erhöhte Profite. Die meisten der in Betracht kommenden gemischten Werke fördern ihren Kohlenbedarf selbst. brennen Koks in eigenen Oefen und erblasen selbst das für die Weiterverarbeitung erforderliche Roheisen. Einige Werke müssen allerdings Kohlen, Koks und Roheisen zukaufen, andere dagegen produzieren über den Bedarf hinaus. Der Ueberschuß, den sie verkaufen, dürfte die Zukaussmenaen der anderen gemischlen Werke so ö'�nlich ausgleichen! Die Roheisen und Halbzeug produzieren- den Wer« werden demnach von der Preisheraufsetzung nicht be- troffen..Iber sie setzen die Verteuerung der Brennmaterialien in ihre Kalkulationen ein: die Käufer ihrer Produkte müssen die Auf- 1?.2®. r"�» L®*! profitieren die gemischten Werke durch die *-I- v,'i Kohlensyndikats. Ten reinen Hochöfen steigert selbstverständlich die Verteuerung des Brennmaterials die Produk- nonskosten. Ihre Abnehmer, vorwiegend Eisengießereien, müssen entsprechend höhere Preise bezahlen! Genau so ergeht es auch den Vcrarbcitiingswerken, Maschinenfabriken, Kleineisenindustriellen ?.!. st�t ihrem Bedarf an Kohlen und Koks! Die Preiserhöhung für diese verteuert ihnen außer Kohlen und Koks auch das Eisen i"r die Weiterverarbeitung! Die Berarbeitungsindustrie hat dem- nach fa>t restlos die Brennmaterialienverteuerung zu tragen! Sie wird erklärlicherweise versuchen, die Mehrkosten auf den Konsum abzuwälzen. Ob und wie weit ihr das gelingt, kann hier unberück- sichtigt bleiben. Die Angelegenheit hat aber noch eine andere sozime Bedeutung, die direkt die Arbeiterschaft betrifft! Das Syndikat will zu der Preiserhöhung auch darum gezwun. gen sein, weil angeblich die hohen und gestiegenen Löhne der Berg- arbeiter die Rentabilität der Unternehmen allzusehr begrenz«! Tie Dividendenausschüttungen der Kohlenwcrke verweisen solche Be- prundling oyne weiteres in das Reich der faulen Ausreden! Der Kohlenbergbau steht mit seiner Rentabilität mit an erster Stelle. wie die Divirendenziffern beweisen. Die bis Ende Oktober im veröffentlichten Nachweise ergaben, daß die Durch- schnit.s,. wwende für den reinen Kohlenbergbau sich für das letzte Jahr um 0.5 Proz. gehoben hat. Wie im einzelnen die Aus- schuttungen aussehen, zeigen die folgenden Angaben für das letzte Jahr. Es vcrteUlen Dividenden in Prozenten: Arenberg 16, Braun. schwelger Kohlenwerke 11, Kölner Bergwerksverein 30, Coneordia 11, Coniolidnlion 19, Eintracht Bergwerk 27, Essener Steinkohlenbergwerke Kattowitzer Bergwerk 14. König Wilhelm 15. Königs- born 12. Mulbeimer Bcrgwcrksverein 11. Niedcrlausitzer Kohlen- werke H. Magdeburger Bergwerksverein 35. Da spürt man nichts von Not..imbci hstlwn die reinen Werke weniger günstig abgc- fchnittels als wie die Hüitenzcchcn, deren Gewinne die Abschlüsse der gemischten Werke erheblich beeinflussen. Für das letzte Jahr lagen bis November von 55 Werken mit 738 Millionen Mark Aktien- ikopital die Ergebnisse vor; danach verteilten die Gesellschaften 1809/10 nur 8,5 Proz. Dividende, für 1910 aber 9.4 Proz. Entbehrt mithin die Begründung des Syndikates jeder Berech- �i(?Mng, so bedeutet seine Preispolitik aber auch noch eine Positions» Verschlechterung der Arbeiter in der Weiterverarbeitung. Tie Steigerung der sachlichen Produktionskosten für Fertigerzeugnisse vurkt gan, naturgemäß den Wünschen und Bestrebungen der Sicheil euch das Gcmeindcwahlml)!! Nehmt, soweit eS noch nicht geschehen ist, unverzüglich Einsicht in die Gemeindewählerliste, die nur noch bis einschließlich 30. Januar in den GemeindebureauS zu jeder manns Einsicht ausliegt. Wer nicht in der Liste eingetragen ist, darf nicht wühle». Es erhellt hieraus, daß die Einsichtnahme in die Wähler liste eine sehr dringende Pflicht eines jeden Wahlberechtigten ist. Ist jemand verhindert, sich selbst davon zu überzeugen, ob er in der Liste steht, so wende er sich vertrauensvoll an einen im Orte auf Plakaten oder im„Vorwärts" bekannt gegebenen Parteigenossen und beauftrage diesen nach Aus häudigung einer Legitimation mit der Einsichtnahme in die Liste. Wahlberechtigt ist jeder selbständige Gemeindeangehörige. welcher 1. Angehöriger des Deutschen Reiches ist; 2. die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt: 3. seit einem Jahre in dem Gemeindebezirk seinen Wohnsitz hat; 4. keine Armen Unterstützung aus öffentlichen Mitteln empfängt; 5. die auf ihn entfallenden Gemeindeabgaben bezahlt hat und außerdem a) entweder ein Wohnhaus in dem Gemeindebezirl besitzt oder b) von seinem gesamten innerhalb des Gemeindebezirks belegenen Hausbesitz einen Jahresbeitrag von mindestens 3 M. an Grund- und Gebäudesteuer entrichtet, oder o) zur Staats einkoniniensteuer veranlagt ist oder zu den Gemeindeabgaben nach einem Jahreseinkommen von mehr als 660 M. heran- gezogen wird. Als selbständig wird nach vollendetem 24. Lebens jähre jeder betrachtet, welcher einen eigenen Hausstand hat. Chambregarnisten sind wahlberechtigt, Schlafburschen ist das Wahlrecht abgesprochen worden. Besonders sei darauf hingewiesen, daß man zur AuS Übung des Gemeindewahlrechts— im Gegensatz zu den Städten— nicht Preuße zu sein braucht; es ist erforderlich, daß man die deutsche Reichsangehörigkeit besitzt. Die Listen liegen aus in: Adlershof. Außer wochentags während der vureaustunden auch heule Sonntag, den 28. Januar, in der Zeil von vor- mittags 8'/z— O'/a Uhr im Gemeindeamte, Poiadowskystraße 1, Zimmer Nr. 3. Für diejenigen, welche verhindert sind, einzuleben, baden sich folgende Genossen zur Einsichtnahme bereit erklärt: August Beck. Bismorckstr. tl lKonsum-Verkaussstelle); Johann Feyer- stein, Biömnrckstr. 28; Richard Kaul, BiSmarckstraße; Wilhelm Baschin, Metzer Sir. 1. Es wird ersucht, für diesen Zweck die «leuerzeliel milzubringen. Alt- Glienicke. Im hiesigen Gemeindebureau während der Dienst- stunden. Britz. Im hiesigen Rathause, Zimmer Nr. 6. und zwar an den Wocheniagen von 8 Uhr vorniittogs bis 1 Uhr mntagS und von 2—4 Uhr nachmittags sowie heule Sonnlag von 10— 2 Uhr vor- mittags. Buch. Im Gemeindebureau während der Dienststunden von 9 bis 3 Uhr. Die Liste liegt des Sonntags nicht aus. Diejenigen, die verhindert sind, Einsicht in die Liste zu nehmen, können hiermit den Gastwirt Siarke, Bahiihosstr. 6. betrauen. Buckow. Im Gemeindebureau. Doristr. 29. Eichwulde. Im Gemeindebureau, G'ünauer Straße 49, an den Wocheuiogen von 9—3 Uhr, sowie heule Sonuiag von 11—!2 Uhr. Franz. Buchholz. Im Gemeiiidebnreau während der Dicust- stunden von 8 bis l Ubr vormittags und 3 bis 6 Uhr nachmittags. Da die Wählerliste des Soiiinags nicht zur Einsicht auSliegt, seien alle Wähler, die verhindert sind, selbst einzusehen, darauf hin- geiviefen. daß die Gastwirte Kähne, Berliner Str. 39, und Gabbert. Pasewalker Str. 94, sich zur Eiusichlnahme bereit erklärt haben. Friedenau. Im Gemeindeamt, Feuiigstr. 8. Zimmer 2, während der Dleiiilstunden von 8— 3, und heule Sonnlag von 9—12 Uhr. Fricdrichshagcn. An den Wochentagen von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags sowie heute Sonntag von 9 bis 11 Uhr vormittags im Raibause, Zimmer 13. Groß-Lichtcrsclde. Wäh,end der Dienststunden im hiesigen Ge- meindebureau lSwillerstraße 32), und zwar von vorniittogs 8 Uhr bis nachmittags 3 Uhr im Zimmer 8 und von nachmittags 3—6 Uhr im Zimmer 7. Grünau. Während der Dienststunden im Gemeindeamt, Zimmer Nr. 2. � Johannisthal. Im Gemeindebureau, Rathaus, Zimmer 2. wahrend der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 1 Uhr nach- mittags. KöiiigS-Wusterhausen und Wildan-Hoherlehme. In den Ge- meindrämrern.. Für Genossen und Wähler, die verhindert sind, selbst Einsicht in die Liste zu nehmen, haben sich für KönigS-Wusterbaulen die Genosicn Heinrich Dieye, Smlsgarten 2, und Wilhelm PlcikiS. Alte Plantage(im Laden des KoniumvereinS), und für Wildau- Hohlilebme der Genosse Adolf Tänzer, Zigacrengeichäft, bereit er- Außerdem liegt die Liste der dritten Klasse bei Frau Dehnst. Seydlitz- straße, auS.' Lichtenrade. An den Wochentagen während der Dienststundeu von vorminagS 8 Uhr bis nachmrtlags S Uhr im Gemeindeamt, Dorfstr. 36. Maricndorf. Während der Dienststunden im Rathause hiersclbst, Zimmer Nr. ll. Maricnfelde. Im Einwohner-Meldeamt der hiesigen Gemeinde- Verwaltung, Dorfstraße 53. Zimmer 6, werktäglich während der Dienststunden von 8—3 Uhr(Sonntags von 10—12 Uhr). Auße c- dem beim Genossen Kreutzberg, Lankwitzstr. 11. Bezirk Rcuenhagen. Im hiesigen Gemeindebureau wochenta gs von 9—12 Uhr vormittags und von 2—6 Uhr nachmittags so w:e am Sonntag von 9—12 Uhr vormittags. Auch kann die Abf/�rift der Lifte während des ganzen Tages beim Genossen Letz eingesehen werden. Nicderlchme. Diejenigen Wähler, die keine Zeit zur Einsicht- nähme haben, wollen sich an die Genossen Koch, Mörschel und Freitag wenden. Niederschöncweide. In dem Gemeindegeschästszimmer Hierselbst. Grünauer Siraße 1 I, während der werktäglichen Dienststunden. Nieder-Schiinhausen Im Rathaus, Zimmer 10, an den Wochen- tagen von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, und heute Sonntag von 11—1 Uhr. Nikolassee. Im Gemeindeamte. Norm-innenstr. 1, Zimmer Rr. 2, wochentags während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bii 3 Uhr nachmittags. Nowawcs. In den Bureauräumen. Ziethenstr. 1. während der Dienststunden Außerdem auch im Lokal von Gruhl. Priesterstr. 69. Oberschönewcidc. Im Gemeindebureau, Zimmer 4, von 8—1 Uhr. Pankow. Im Rathaus, Zimmer 25—26, an den Wochentagen von 8—3 Uhr. am Sonntag, den 23. Januar, von 9—1 Uhr. Petershagen-FrederSdorf. In den GemeindebureauS der einzelnen Orte während der üblichen Geschäflsstunden. Reinickendorf. Im Rathause, Hauptstraße 40, Wochentag« von S Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Rudow. Für die Genossen, welche nicht selbst Einstcht nehmen können, übernehmen die bekannten Genossen die Einsichtnahme. Ruhlsdorf. Im Gemeindebureau. Schenkendorf bei Königs-Wusterhausen. Im hiesigen Gemeinde- bureau. Auch kann die Abschrist der Liste während des ganze» Tage« beim Genossen Petzold eingesehen werden. Schmöckwitz. Im hiesigen Gemeindebureau, Kaiser-WilhelmS- Platz 12, während der Dienststunden. Steglitz. An den Wochentagen von 8 bis 8 and von 5 bi« 7 Uhr. heute Sonntag von 11'/, bis 12'/, Uhr im Zimmer 84 des Hauses Schloßstr. 36 IL Stralau., Im Amtsbureau. Zimmer S, von vormittags 8 bis nachmittags 3 Uhr. Tempclhof. Im Gemeindebureau. Dorfstr. 42, Zimmer 8, während der Dienslstundeu von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Treptow. Im Rathause, Neue Krugallee 1/3, Zimmer 59, in den Dtenststunden, und zwar au den Wachentogen von 9 Uhr vor- mittags bis 3 Uhr nachmittags und heute Sonntag von 9 bis 10 Uhr vormittags. Wannsee. Im hiesigen Gemeindeburean. Zimmer Rr. 5. Weißensee. Außer auf dem Rarhause während der Dienst- stunden von 8—3 Uhr auch noch beim Genossen Peukert, Berliner Allee 251. Zeuthen. Im Gemeindeamte, Kurfürstenstraße lo, während der Dienststunden von vormittags 8 bis nachmittags 3 Uhr. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerliste gebe man unter Beibringung der Steuerquittung sofort zu Protokoll. ganz naturgemäß oen Wiinichen und Bestrebungen Metallarbeiter auf eine Erhöhung der Löhne entgegen. Angesichts............... ®er iortgesctztcn Verteuerung der Lebenshaltung und der ansteigen-, klärt, dies zu tu». ven Konjunktur wäre zweisellos eine Einkommensverbesserung not- � Lankwitz. Im Rathause, Zimmer 24. Die Genossen werden * berechtigt! Die obwaltenden Umstände steigern jedoch ersucht, sich hei den Besirkssührern sowie bei Gastwirt Schulz, Widerstand der Unternehmer gegen entsprechende Forderungen � Mühlenstraße. Gastwirt Schulz, Kurfürstenstraße. uiid Frau Dehnst, tztr Urbejter- Was sie eventuell erreichen könnten, nimmt ihnen i Zigarrengeschäft, Seydlitzstraße, zur Einsichtnahme eintragen zu lassen. vllocken-Tpleiplan 6er LerUner Cheata». Köntgl. LpernhauS. Sonntag: Der Rosenkavalter. Montag: Tannbäuser. Dienstag i Der große Konig. Mittwoch! Der Rofenkovaller. Donnerstag: Carmen. Freitag: Der Rosenlavalier. Sonnabepb: Othello. Sonntag: Der groge König. Montag: Jphigenia in Aulls.(Ans. 7'/, Uhr.) Könlgl. Schauspielhaus. Sonntag: KriemhieldS Rache. Montag: Goldstiche. Dienstag: Madaina Butterflh. Mittwoch: Der gehörnte Sieg- fried. Siegsricds Tod. Donnerstag: KriemhiidS Rache. Freitag: Der Bettler von Syrakus. Sonnabend: Die OuitzowS. Sonntag: Migno». Montag: Der KrampuS.(Anfang 7'/, Uhr.) Tcutsches Theater. Sonntag: Turandot. Montag: Faust, l. Teil. Dienstag: Minna von Barnhelm. Mittwoch: Peniheftlea. Donnerstag: Don Carlos. Freitag: Turandot. Sonnabend: Faust. 2. Test. Sonntag: Hamlet. Montag: Nathan der Weise.(Ansang 70, Uhr.) Kammcrspiele. sonnlag: Nathan der Weise. Montag: Frahiing« Erwachen. Dienstag: Eine gluckliche Ehe. Mittwoch: Osfiziere. Donner»« tag: Eine glückliche Ehe. Freitag: Der Arzt am Scheideweg. Sonnabend bis Montag: Eine glückliche Ehe.(Ansang 8 Uhr.) Lrsfittg-Tvratcr. Somiiagnachmittag 3 Uhr: Die versunken, Glocke. -Abend»: Gudrun. Mouiag: Glaube und Heimat. Dienstag: Komtesse Mizzi. Erde. Mittwoch: Gudrun. Donnerstag: Komtesse Wizzi. Erde. Freitag: Der Biberpelz. Sonnabend und Sonntag: Komlcsse Mizzi. Erde. Montag: Gud: un.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Bummelstudentev. Abend« bis Montag: Große Rosinen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus.(Sonntag: Fiat justitia. Montag: Heiligenwald. Dienstag: Ail-Heidelberg Mittwoch: Heiligenwald Donnerstag bi« Sonntag: Fiat justitia. Montag: Hciligenwald.(Ansang 8 Uhr.) Romi'che Oper. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: La Traviata. Abend«: Undine. Monlag: Der Freischütz. Dienstag: Rigoletto. Mittwoch: Undine. Donnerstag: La Traviata. Freilag: Der Waffenschmied. Sonnabend: Der Vampyr. Sonnlag: Der Troubadour. Montag: Der Bamphv. (Ansang 8 Uhr.) Kurfiirsten- Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Tiesland. Abend» und Montag: Der Schmuck der Madonna. Dienstag: Tiesland. Mill» woch bis Montag: Der Schmuck der Madonna.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Angele. I. Klaffe. All« abendlich: Lotlchens Geburtstag. Gentz und Fanny Elßler. Hockenj'o«. (Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Sonnlagnachmittag 3'/, Uhr: Da« Mädel von Montmartre. Abends und Monlag: Die kleine Freundin. Dienstag bi« Donnerstag: Das Mäd-l von Montmartre. Freitag: Geschlossen. Sonn» abend bis Montag: Der liebe Augustin.(Ansang 8 Uhr) Schiller-Thcater O. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Der Probe- kandidat. Abends: Der Probepscil. Montag: Der Weg zur Hölle. Dicns» tag: Kops und Schwert. Mittwoch: Der Weg zur Hölle. Donnerstag: Der Probepscil. Freitag: König Heinrich. Sonnabend und Sonntag: Der Probepscil. Montag: Die Wildente.(Ansang 8 Uhr.) Sckiiller-Thcater Eharlotiendurg. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Emilia Galottt. Montag: Der Probepseil. Dienstag: Die Wildente. Mittwoch: Der Probepscil. Donnerstag: Emilia Gaiotti. Freitag: Maskerade. Sonnabend: Emilia Galottt. Sonntag: Die Wildente. Monlag: Der Kilometersresser.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- l-Silbel,ns,äd«isckieS Schauspielhaus. Sonntagnach. lag 3 Uhr: Konig und Bauer. Abends und Monlag: Taifun. DienS. Zwei glückliche Tage. Mittwoch: Talsim. Donnerstag: Zwei glück- liche Tage grcitag: Tauun. Sonnabend und Sonntag: FeldherwiihügeL Montag: Taifun.(Allsang 8 Ubr.) Residenz-Theater. Sonntagnachmlttag 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelie. Täglich: Alles für die Firma.(Anfang 8 Ubr.) Königgräver Strasse. Sonniagnachmittag 8 Uhr: Ein rrallissemeni. Täglich: Die süns Frankfurter.(Ansang 8 Uhr.) «<. pff iöeftfn«. Sonniagnachmittag S'l, Uhr: Fatinitza. Abends: Wiener Blut. Montag bis Sonnabend: RusstscheS Ballett. Sonn- tag und Montag: Unbestimmt.(Anlang 8 Uhr.) Tbalia-Thratrr. Allabendlich: Polnilche Wirtschast(«ntang 8 Uhr) Liistipirlhaus. Sonnlagnachmittag 3 Ubr: Der Herr Senator. All» abendlich: Die Damen des Regiments.(Ansang 8 Ubr.)' Neues Opcretien-Iheatcr. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: ver Grat von Luxemburg. Allabendlich: Eva.(Ansang 8 Uhr.) Triauon-Theatcr. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Francillon. All. abendlich: Das kleine Cafö.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Tbcatcr. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Zwillinge. Slbends und Montag: Salon und Kloster. Dienstag: Zwillinge. Mittwoch: Salon und Kloster. Donnerstag: Heimat. Freitag: Des Meeres und der Lieb» Wellen. Sonnabend und Sonntag: Salon und Kloster. Montag: Heimat. (Ansang 8 Uhr.) Luise»>Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wir tanzen durchs Letcn. Abends: Der Verschwender. Montag bis Mittwoch: Wir tanzen durchs Leben. Donnerstag bis Montag: Sommerspuk.(Ansang 8 Uhr.) Belle-Alliance-Theater. Sonntagnachmittag 3'L Uhr: Maria Stuart. Abends: Trilby. Montag: Undine. Dienstag und Mittwoch: Trilby. Donnerstag bis Sonntag: Bonaparie und seine Frauen. Montag: Der Postillo» von Lonjumeau.(Ansang S1� Uhr.) Neues Bolkstheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag und abends: Fritzchen. Der zerbrochene Krug. Montag: Fritzchen. Der zerbrochene Krug. Dienstag und Mittwoch: Leidenschasl. Donnerstag bis Sonntag: Fritzchen. Der zerbrochene Krug. �Ansang 8'/� Uhr.) Buhueuuenosseuschaft. Montag, Theater Zllt-Vertin, Biumenftr. 10: Minna von varnhelm; in den Hubertussälen, Schönholz: Flachsmann als Erzieher Mittwoch, in den Pharussälen, Müllcrstr. 1s1/s2: Der Raub der Sabinerinncn. Easino-Dheater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Die Tochter des SträslmgS. Abends täglich: Der Kampf ums Dasein.(Ansang L Uhr.) Merropol lbcarer. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Miß Helyelt. All» abendlich: Die Nacht von Berlin.(Ansang 8 Uhr.) Nolles(faprice. Allabendlich: ManbelbliithS Polterabend. Waffen- Übung. Losgelassen.(Anfang 8'/, Uhr.) Herrnfcld Theater. Täglich: Das Kind der Firma. Schmerzlose Behandlung.(Ansang 8 Uhr.) Apollo- Tbearer. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und abends täglich: Spezialitäten(Anfang 8 Uhr.) Walhalla. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Die größte Sünde. All- abendlich: Teufel, das hat eingeschlagen!(Ansang 8'/, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3>/z Uhr: Große Vorstellung. Täglich: Gala-Vorstellung.(Anfang 7st, Uhr.) Zirkus Ichumanu. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Große Vorstellung. Allabendlich: Gala-Vorsrellung.(Ansang T'/s Uhr.) Zirkus Sarrafani. Mittwoch-, Sonnabend- und Sonntagnachmittag 3� Uhr: Große Vorstellung. Allabendlich: Gala-Vorstellung.(Ansang Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Täg- lich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Reichshalle»-Theater. Täglie Sonntags 7 Uhr.) Königslad,-Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 3 Uhr.) Garl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitaten.(Ansang 7'/. Uhr.) -Theater. Täglich: Stcttiner Sänger.(Ansang 8 Uhr. Intimes Theater. Täglich: Der Brandstister.(Anfang 8'(, Uhr) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Ilraiita- Theater, Taubenitr. 48/49. Sonntag: Von Meran zum Ortler. Montag: 2. afrikanische Expedition des HerzdgS Adols Fnedriq. Dienstag: Von Meran zum Ortler. Mittwoch: Im Reiche des Negus. Donnerstag: Von Meran zum Ortler. Freitag: Letzte zenlralafrikamiche Expedition. Sonnabend und Sonntag: Der Großglockncr und die Salz- burger Alpen.. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnoalidenilr. 57—62. � Marktbericht von Berlin am 2«. Januar ISIS- nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Alarkthallen preise.(Kleinhandel 160 Kilogramm Erbsen, gelbe, zuin Kochen 36.00—50,00. Speisebohnen weiße, 40,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 11,00— 14,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, oon der Keule 1,60-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,80 Schwetnefleilch 1,30-1,80. Kalbfleisch l,40— 2,50. Hammelfleisch 1 30—2,20. Butter 2,60-3,20. 60 Stück Eier 4,20—7,60. 1 Kilogramm Karpsen 1,00—2,40. Aale 1,20—2,80 Zander 1,60-3,60. Hechte 1,20—2,60, Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 3,00-24,00. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Am 26. Januar 1912, abends 7 Uhr, verstarb nach längerem, schmerzlichem Leiden im Alter von 56 Jahren unser braver Genosse Leopold Liepmann Sekretär der Parteiorganisation Groß-Berlins. In hingebender Liebe hat Leopold Liepmann seit Gründung unseres Verbandes diesem seine Kraft gewidmet, in reiner, selbstloser Weise der Partei gedient. Wohin ihn die Partei gerufen, da hat er in aufopferndster Weise seine Pflicht erfüllt, und wo er Schmerz und Elend sah, da suchte er zu trösten und zu helfen, soweit es seine Kräfte irgend zuließen. Wir verlieren in ihm nicht nur einen braven, opferbereiten Genossen, sondern auch einen treuen Freund, einen lieben Menschen. Wir und alle Parteigenossen werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren 1 Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 29. Januar 1912, vormittags lOVs Ghr, von der Leichenhalle des städtischen Zentral-Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt.— Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Sozialdemokratischer Verein für den fünften Reichstagswahlkreis. Am Freitag starb unser altes Mitglied und lieber Genosse Leopold Liepmann an den Folgen einer Operation. Wir verlieren in dem Verstorbenen, der zu den Mitbegründern unseres Vereins gehörte, einen alten, bewährten Genossen, der stets bereit war, für die große Sache, der er sein Leben gewidmet, Opfer zu bringen. Die Genossen werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Montag, den 29. Januar, vormittags Va" Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 223/4 Der Vorstand. Todesanzeige. Am Freitag, den 26. Januar, verstarb unser lieber Genosse Leopold Liepmann im Hedwigs• Krankenbause. Seit Gründung unseres Geschäftes gehörte er unserer Neuner- kommission an, hat au der Entwiokelung unseres Geschäfts durch seine unermüdliche Interesse- nahme und eifrigste Hingabe erfolgreich mitgewirkt und daher unser aller Dank und Anerkennung gefunden, so daß wir über das Grab hinaus ihm ein dauerndes Andenken wahren werden. Vorwärts Bucbdruekerei and Verlagsanstalt Paul Singer& Co. Statt jeder besonderen Meldung. Am Freitag, abends 6'/, Uhr. entschlief sanft nach langen, mit großer Geduld getragenen Leiden mein innigst geliebter Mann und herzensguter Vater, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Leopold liepmann im 57. Lebensjahre. Elise Liepmann geb. Liepmann. Margarete Liepmann. Max Liepmann und Fami'ie. Siegbert Liepmann und Familie. Die Beerdigung findet am Montag, den 29. Januar, vor. mittags 16'/, Uhr, von der Leichen- halle des Zeniralsriedhosej in Fricdnchsseldc aus statt. Am 25. Januar verstarb im 2t. Lebensjahre nach schwerem Leide» unser lieber Sohn und Bruder, der Pauser Max Henschel. Dies zeigt tiesbetifibt an Familie Henaehel. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. d. M., nach- mittags 3 Uhr, aus dem Gemeinde. Friedhofe zu Rcinickendors statt. Hiermit allen Bekannten und I Partcisrcunden die traurige Mit- 1 teiiung, daß-mein lieber Mann,| unser guter Vater und Groß- oaler, der Zimmerer Jakob Wilms am 26. d. M. im 82. Lebensjahre lanst entschlasen ifL Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3g. d. M., nach. mil ags 2 Uhr, vom Tranerhausc Gubener Str. 27 aus aus dein Zenlral-Friedhof m Fricdrichsselde Natt. Im Namen aller Hinler- blicbenen t759L Wwe. Ernestine WIIiiim. Mit tbm geht■ wohl einer bei Retzien aus den Reihen des All- gemeinen deutschen Arbeiter- vereinS zur Ruhe._ Am Donnerstag verstarb mein lieber Mann und unser guter Vater, der Steinmetz 2698b Brnst Franke. DieZ zeigen iicsbctrübt an Eneie franke nebst Kindern Die Beerdigung findet ani Dienstagnachmittag" 3'/« Uhr von Halle des Apostel Paulus der sriedhoss. Müllerstraße, aus stall. Danksagung. Den Mitgliedern des Sozialdemo- lralischen«ablvercins und Genossen Mariendorss sür die schöne!, Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich meinen herz- lichen Dank. 17ö8L Nie tr»«ernSe Witwe Martha Hellpinski, Beerdigungsverein Berliner Zimnierleute.l Am 26. Januar 1912 verstarb nach lurzem Krankenlager im Alter von 81 Jahren unser Kamerad, der Zimmerer «lakod Wilms. Gftre seinem Andenken! � Die Beerdigung findet an: Dienstag, den 30, Januar, nach- mittags 2 Uhr, vom Trauer. Hause, Gubener str. 27. aus aus demZentrai-Friedhos in Friedrichs- selbe statt. Um rege Beteiligung bittet 2419b Ter Borstan Ter Borstand. Arn FreitaZ, den 26.-Isnuar, verstarb nach lanZemi schwerem Leiden unser MitAliscl Leopold Liepmann. Wir verlieren in ihm einen unserer trenesten Kollegen, der stets mit Pflichttreue und Eifer die Interessen der Angestellten vertrat und mit aller Energie für die Ausbreitung des Organisationsgedankens tätig war. Er war uns ein lieber Ereund und treuer Kampfgefährte. Sein Andenken werden wir in Ehren halten! Die Beerdigung findet am Montag, vormittags lOVa Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 236/4 Zahlreiche Beteiligung erwartet Zentraiverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands.(Bezirk Groß-Beriin.) �SozialdeoiflkratisehJahiverein Kreis Hieilerteim Bezirk Erkner-Woltersdorf. Am Donnerstag, den 25. Januar abends 9'/. Uhr, oerstarb nach kurzem, schweren Leiden unser Genoffe Otto Btasck Erkner, Friedrichslraße 2. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heule| Soniiigg, den 28. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Friedhofs- kapelle Erkner aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 240/6 Tie Bezirksleitung. Sozialdemokrat. Wablverem Spandau. Am Donnerstag, 25. Januar, abends, verstarb inmitten der Kahlarbeit unser Mitglied, der Maurer iolon ElsenmQller, Spandau, Hochgerichtstr. 4. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung wird in der Dienstagnummer des»Vor- wärts' oekannt gegeben. 286/5 Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zalilitelle Schöneberg. Den Mitgliedern zur Slachricht, daß das Mitglied Paul Kuchen Sieglitz (früher Schöneberg, Grunewald- straße 74) am 26. d. Mis. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30 Januar, nach. mittags 2'/. Uhr. aus dem Kirch- hos in Steglitz, Bergstraße, statt. He? Vortttund. 72/7 I. A.: Ernst Obst. Melier. Mahr.- Ortsgruppe Berlin. Allen Bundesgenossen die traurige Nachricht, daß der Ge- nasse 102/6 Adolf Petruscbke gestorben ist. Die Beerdigung wird in der Dienstagnummer des»Vor- wärts' belannt gegeben. I. A.: 5ohrradksiis„Frisch auf, Berlin N. 31, Brunnenstr. 35. Am 25. Januar,?>/, Uhr abends, verslarb nach langen Leiden unser innigstgeliebler S>ohn 26990 Hans Dies im Aller von 7 Jahren. zeigen liesbetrübt an Di« Irousrnlion Hinterbliebenen Waiter ßinnascii nebst Frau und Tochter. Die Beerdigung findet an, Montag, den 29. d. M., nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhaufe Wtesenltr. 26 aus nach den» neuen PauISlirchhos, Seestraße, statt. Deutscher Metallarheiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeigen. Den Kollegen zur Nachricht daß unser Mitglied, der Klempner j Rudolf Thomas am 24. Januar an Speiseröhren- krebs gestorben ist. Die Beerdigung findet heute! Sonntag, den 28. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Elisabeth- Kirchhofes,! Prinzen-Allee, ans statt. Ferner starb unser Mitglied, I der Revolver-Dreher Max RoMinger am 25. d. Ms. an Scharlach. Die Beerdigung findet am Monlag, den 29. Januar, nach. mittags 3 Uhr. von der Leichen- Halle deS St.-Sebastian- Kirch- hoses st« Lieioickendorf aus liatt. Ferner starb unser Mitglied, der Mechaniker. Willi Tietz am 25. d. MS. an Blinddarm- enlzündung. Die Beerdigung findet am Montag, den 23. Januar, nach. mittags 2 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhoses in Friedrichssolde aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. �taclinrf. Am 22. d. Mis. starb unser Mitglied, der Fräser Otto Winkler an Lungenleiden., 111/8 Ehre ihrem Andenken! Dir Ortsverwaltunp. DeulZDlter Bauarbeiter-Verband Zweigverein Berlin. Am 25. Januar verslarb unser Mitglied Heinrieli Schulz (Bez. Südost). Ehre seiuem Andenke» k Die Beerdigung findet am Montag, den 29. Januar, nach- mittags 31/, Uhr, von der Halle de» Emmaus-KirchhoseS in Rix- dorf, Hermannstraße, aus stait. Um rege Beteiligung ersucht 136/11 Ter Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Stellmacher Richard Pritzkow Kilmersdors, Psalzburaer Str. 5, im Alier von 24 Jahren ge- starben ist. 78/3 Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 28. Januar, nach- mittags S'l, Uhr. von der Halle des Wilmersdorser Gemeinde- sriedhoses in der Berfiner Straße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht nie Ortsvemvellnng. Dr. Simmel Spezlal-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄPiatz 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Magerkeit+ schwindet durch Haufe's Nähr- pulver„Thilossia". Preisgekrönt Berlin 1904. In 6Wochen 24 Pfuivd ärztl. kontrollierte Zunahme. Gar. unsohädl. Viele Anerk. Karton 2 M., bei Poslversand Porto und Nachnahmespesen extra. H. Haufe, Berlin N., Greifenhagenerstr. 70. Depots in folgenden Apotheken: Lothringerstr, 50, ßlefanten-Äpo- theke, Leipzigerstr. 74, Weißen- burgerstr. 53, Potsdamerstr. 29, Köpenickers tr. 119, Bernburgerstraße 3, Frankfurter Allee 74, Ko- senthalerstr. 61, Heiniokendorfer- straße 1. Charlottenburg; Bismarck- str. 81. Spandau: Potsdamerstr. 40 MtNWTmemzM! J Eztra-Alrfcllung J I Gesch.: Berlin W., Mohren- 1 Straße 37a(2. Haus von der 1 Jerusalemer StraBe). III. Gesch.: Berlin NO., GroBe Frankfurt. Str. 1 15(2. Haus von der AndreasstraBe). j j Sehrgr. Ausw. fart. Kleider, J Hüte, Handschuhe, Schleier 1 ■etc. v. einfachsten bis zum I 1 hochelegant Georez. äußerst! niedrigen Preiaen. Sonder-Abteilnng: naBanrertifwaf f 10 bis 12 Stunden. «Eü: W. 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Sachgemäße Bedienung. Seefaster Wahlkreis. Aonlltlig, den 28. Januar, abends Wr, im Sunnemunder Gesellslhaftshaus, Swinkmiinder Ztraße 42: vesseiltiiede Plitisede VersNmmIuvg AIäi»i»Sr MR«! Vortrag des Genossen vn. LuUus Kloses. Auf zur Wahl! Nach der Versammlung: Gemütliches Bcisaurmensein und Tanz. 22�/18'_ Ter(Sinbcrufer: Julius Marschner, Swinemünder St» 70. Arbeitsnachweis: Hos L Amt Norden, Nr. 123S. Iferwaltimptelie Berlin Charitvftrasse 3. Hauptbureau: Sos in. Amt Norden, Nr. 1987. Tienstag, den Stt. Januar tUtS, abends 5\'2 Uhr: Versammlung MM- allerMetallarbeiterTempelhofs im Wilhelmsgarte», Berliner Str. 9> Tagesordnung:- � 1.«Die Bedeutung der Gewerbegerichlstvahlen.« Reserent: Kollege»»rtnisnii. 2. DlSkuIsion. 3. Verschiedenes. Kollegen! Da am I. April 1312 in Tentpcibos ein Gewcsrbegerichi errichtet wird, ist eS Pflicht eine- jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. 1U/9__ Ple Ortsverwaltnnc. Allgem. Deutscher Gärtner-Verein. Ortsverwaltnns Grofi-Berlin. Berlin S. 42, Luisenufer 1. Telephon: Amt Moritzplatz, 3725. Kranltjk: ßandschaftsgärweret I Mittwoch, 31. Januar 1012, abends 8'/, Uhr, i» SeS'. Fesisälcn- (früher Miethe), Schöneberg, Hauptsir. 5: Branchen-Versammlung. Tagesordnung: r. Kiifrrf Föhn- und Arbtitsfordekungkn für das boUimMtUde FrÜhjlltjr. Referent: Kollege U», IillnIrmUllvi-. 2. Beschlubsaffung über die vom Brauch envorstand ausgestellte Borlage. fi'rtlloritm J Mit dieser Versammlung treten JLLILttljLU.{ijr vdg kommende Frühjahr inBcn bereits Verhandlungen mit den llnieniehr haben bereits Vcrhandiungcn die in der Versammlung berichtet wird. wir in den Lohnkampj ein. Ani 25. Januar llnteniehmcrn stattgefunden, über 285/20 Per- Prandienvorstiiiiel. 6. Graumanns Festsäle »heaterbühue. ZitSUNUNStr. ZI, S Kegelbahnen. tionnabende und»onutagc im Januar, Februar und MSrz SHT" noch frei. Möbelfabrik„Adler". Eingetragene Genosseiischast mit be- schränkter Hastpslicht. Sonntag, den 11. Februar 1912, vormittags s/.lO Uhr, im Geschäfeslokale, Frantsurter Allee 143: Kellers!- Versammlllllg. Tagesordnung: 1. Vorlegnng der Bilanz. 2. Neuwahl des Vorstandes und Aussichtsrats. 3. Geschäftliches. 14/1« Per Torstand. Ordentl, General-Versammlung der Kranken- udiI Beplmiteee der Seifensieder und Berulsgenossen E. H. No. 17 zu Berlin am Donntag, d. 4. Jebrnar 1912, vormittags 10 Uhr, in GiskeS Festsäle, Landsberger Strastc 80 (Jnh. Wollichtägcr). Tagesordnung: Kassenbericht der Revisoren. Vorstandswahl. Verschic- denes. Lruittungsbuch legitimiert. 288/18 Ter Borstand. lite Chariotlenburg Sonntag, de» t. Februar 1012, vormittags 10 Uhr, im Kasseulokal, Spreefir. 17: General-Vennilung Tagesordnung: 1. Abrechnung des 4. Quartals und Jahresbericht. 2. Kassenangelegen- heilen. 3. Verschiedenes. 280/3 Per Vorstand. I. A.: Wilh. Rendorf, Vorsitzend. « Bureau: Scbastianstr. 37/33. Telephon Amt Moritzplatz 9737. H errenmatzschneider! Montag, den 20. Januar, abends 8'/., Uhr, in»Ocffs Klubhaus«. Hauptstrabe 5: Oeffentliehe Versammlung Tagesordnung: 1..Die allgemeine wirtiwastliche Lage und unsere Stellung zur Lohn- bewegung in der Herrenmaftbranche. 2. Freie Aussprache. Alle Herrcnitiahschneidcr, namentlich aus dem Weste« und Schöneberg sind besonders geladen und werden ersucht, sür guten Besuch in Kollcgclilrstscn zu agitieren. 10215 Per Elnhcmtcr. Verband der Sattler u. Portefeuiller l Ortsvenvaltung Berlin. Brauchen-Bersammlungen ®ff(l|irr=ßrnild}f: Donnerstag, den 1. Februar, abends 8'/, Uhr, im Gewcrkschaftshause. Engeluser 15. Eisenmöbel-«. Fkdtlj!nl)lpli!strrtr: Iv" xi$fmav' im Graphischen BcreinShausc, Sllexandrinenstr. 44. Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwarten 156/3 Die Branchenleitungen. Vvrwalttitix Berlin. Branchenversammluugen: Sonntag, den 28. Januar: Circhler für hiefernc und fächlirdie JVIöbcl Heute vormittags 10 Uhr im Englischen Garten. Alexanderstr. 27c. Tagesordnung: 1. Vortrag; Reserent Kollege Fendcl. 2. Brancheu- und Verbandsangelegcnhciten. Montag, den 29. Januar: JVIunhuirtrumentenarbciter f lD n f'" Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht der Vranchenkommission vom Jahre 1311. 2. Neuwahl der Branchenlommission. 3. Der Streik bei der Firma Bechstein. 4. Verbands- und Branchenangelegenheiten. JMöbdpolurcr S*t>eÄf)r im®"9Uf4ctt Tagesordnung: 1. Bericht der Branchenlommission. L. Wahl der Brancheuleilung. 3. Verschiedenes. FTiftett- und KoffevmachEr°bends 8-/2 Uhr in den Andreas- iMiten- una rvon eimacncr gfe�aie«, Andr-asftr. 2t. Tagesordnung: I. Bericht dcS Obmannes. 2. Wahl der Branchen- kommisswn. 3. Verbandsaugelegenheiten. Dienstag, den SO. Januar: Küchcmuöbclbrancbe®,,9llf4en®flrteu' Tagesordnung: 1. Jahresbericht.• 2. Neuwahl der Branchenlommission. 3. Branchenangelegenheiten. Mittwoch, den Sl. Januar: Sdrirmmacber£.e"(j§ g6"'3 l�r 6ci Lehmann, an der Stralaner Perlmutt-, Dorn- und Steinnukarbeiter �-nds in WilkcS Festsälcn, Sebastianstr. 39. Tagesordnung: I.Vortrag. Reserent Kollege Güth. 2. Diskussion. 3. Wahl der Branchcnleiluiig. 4. Verbandsangclcgcnheiten. Montag, den SO. Januar, abends 8'/, Uhr. im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Versammlung aller bei Tislhlnimimlgsmtilrttli litsPst. Kallegtii Tagesordnung: 78/1 Wahl des GeselleuansschusseS der Tischlcriuuuug«ud der _ Beisitzer zum Juiiuugs Schiedsgericht._ -II. irer (E. H. Nr. 2, Hamburg.) Lcrtliche Verwaltung Berlin. Dienstag, de» 30. Januar, abends H'U Uhr, im Grwerlschasts- hausc. Enge Inf er 13(großer Saal): Ulitglieder-Versammlnng. Tagesordnung:. 1. Abrechnung vom 4. Quartal. 2. Wahl der Revisoren. 3. Stellung- nähme zur Gcneralvcrlammlung und Wahl der Delegierten. VW- Mitgliedsbuch legitimiert:"9% Per Vorntand. 253/1* I. 81.: Richard Schröder, Berlin 0., Tilstter Str. 7, vorn IV. Qroß-Berlin. Bitte, diese Liste attfznbewahren! Groß=Berlill. fifle istchiiW fiiliiiltflnlrn, bit kn iolintsrif dn 3iprttiintlititft tum@to|-$nliii bewilligt, sowie derjenigen Fabrikanten, die sich mit ihren Arbeitern im Einverständnis mit der Organisation geeinigt haben. ParteigenoheNz Arbeiter� Interessenten, Rancher! Wer die Tabakardeiter in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen gelvillt ist, beziehe seine Waren von nachstehenden Zigarrenfabrikanten. Uedt Loliänrität! Osten. »Otto Dchirmrr. Franksurter Allee 7. *20tlh. Nlrin, Am Obcrbaum I. »Schutze. Frtrdrichsseldcr Straße 23. M. Hannemann. Breslauer Str. 8. tü. F ritte, Langestr. 29, IV. Paul Woischke. AndreaSstr. 10. »Hermann David. Weidenwcg 3. Helene Nolbrrg, Memelcr Str. 34. 'Paul Peterson, Weidenwea 83. Hermann«aseiolv. Friedcnstr. 74. Franz Kriiger, Polcner Str. 25. »Job. Heiden. Weidenweg 20. »Eriist Bost. Voigtstr. 0. »Gustav Brösel, gruchttlr. 83. Max Lerche. Tilsiter Str. 44. 'August«örlin. Rigaer Str. 40. E. ltornow. Weidenweg 8. Harzmann, Slralaucr Allee 31b N. »Johann Lirbich. Memelcr Str. 7. Ltto Kogtiu. Schrcinerftr. 55. Anton Fröhlich, Langestr. 50. Fr. Schubert, Römintener Str. 30. »B. Sprnkach. TUsilcr Str. 90. Robert Zisowski. Tilsiter Str. 70. Rudolf Pohl. KovernikuSstr. 3 I. Adolf Löschte. Kl. Andreasstr. 0. -BSilh. Göfe. Warlusstr. 27. »Friedrich Kiirschncr, Fruchtstr. 01. »Geltings, Grüner Weg 00. Otto Sternke. Kraulstr. 1a. »Scheuermann, Proskauerstr. 39. Südosten. Adolf Tomann. Lausitzer Sir. 7. »Sltiaust Lessvre, Zldalbcristr. 18. »PH. Baehr, Raunynstr. 24. Emil Gabler, Cuvryslr. 48. 'Louis Fischer, Wiener Sir. S7b. »Gustav Ztlltch. Farster Str. 8. »Robert«eftler. Pariannenstr. 37. »Jean Brun«, Wrangctstr. 15. 'Frit, Lobbes, Adalbeititr. 58. »Wilhelm Friebel. Förster Str. 39. 'Wilh. Stübner, Litenbahnstr. 33. '«ämiiiler. Rcichcnberger Str. 157. 'Paul Reichel», Wrangelstr. 02. »Adolf Kunt/e, Grünauer Str. 4. »Robert Franke, Britzer Str. 20. Beruh. Müller, Reichenbergerstr.14l »Zlugust Bogel, Adntiralstr. 23. «oelpin, Admiralstr. 9. Wolfs, Görlitzer Str. 57. Süden. »Wilh. Boeruer, Ritterstr. 15. »August Zech, Gitschiner Str. 53. »Gustav Schmidt, Giäscstr. 08. »Gustav Lochmanu, Wassertorstr.43. Herm. Schulz, Schönleinstr. 23. Südwesten. Wwe. Lütte. MSckcrnstraße. Nordwesten. »Richard«tepert, Zwlngliftr. 29. Otto Bornkessel, Waldstr. 39, IH. »Wilheliu Bundschuh. Birkcnslr. 4L. »Rodert Kern, Slromstr. 25. Richard Schovpan, Wictesstr 40,1. »H. Hagedorn. Emdener Str. 47. »Bösenberg, Roftocker Str. 21. � »Zimmermann, Quibowltr. 102. »Paul Müller, Beusselstr. 23. Julius Lobet. Beusselstr. 02. Norden. »Wilh. Blaiick. Ackerstr. 119. »I. Stabrry. Gleimslr. 10. Ütudolf Ruiige, Juvalidenstr. 20. »Gmil Herforth, Rügcnei Str. 7, Eingaitg Putbuser Straße. »Frau Luise Ruft. Soldiner Stv. 68. »WachSmuth, Frcienmald er Str. 9. Schubert, Norweger Str. 4. August Bausdorf, SoldinerStr. 14. »Deglow. Hochstr. 2». Paul Mazanke. Panlftr. 24. »Hermann Korneftki, WollincrSt. 23 Kempers. Fchrbellincr Stt. 57. »A. Lindeniauu.RhcinSbcrg. Str. 37. »Frift Sperber. Ruppiner Str. 44. »B. Moritz, Bernauer Str. 18. Liebrech», Bcißenburger Str. 83. »Julius Ritte, Saarbrücker Str. 7. »Wilh. Klein. Müllerstr. 184. »Paul Opitz. Lhnarstr. 2. "B. giobrahn, GretscnhagenerStr.10. »Gugelhardt, Schönhauser Allee 50a. Hcllmaun, Schönhauser Allee 40a II. »Frau Krause, Bicsenthaler Str. 9. »OSkar Klose, RcinickcndorserStr.30. H. Bougardt. Sleimstr. 40. F. Zinititerinann, TreSckowstr. 13. »Kriedrmiinn, Stargarder Str. 74. »Franz Fritz. Triststr. 4. Paul Roa, Malplaquetstr. 24, I. »Wilhelm Ruft. Aatonftr. 2. »W. Göppner. Maxstr. 13a. August Dchirmer, Jnvolidenftr. 2. »G. Gobien. Freienwalder Str. 22. »Louis Hoffmaun, Gaudystr. 5. Rober» Gttert, Kolberger Str. 15. »Robert Grewe, Wie cnstr. 19. »P. Gortwoda, Slolpische Str. 44. »Zlichenbrenner, Schliemanitstr. 4. 'Ad. Kramer, Schwedlcr Str. 18/19. 'Friedrich Schulz. Siesenstr. 00a. Albert Haspcl, im Humboldlhain. 'August Beutel, BtescnthalerSti.24. Eduard Möhl,SchönholzcrStr. II. »H. Herberg, Gleimstr. 05. »Karl Habcrsaath, Graunslr. 40. »Gustav Henuig. Kolouieslr. 129 »W. Pollwitz, Schlicmaitiistr. 47. »Zl. Knerger. Prenzlauer Allee 109. »Paul Kneifet, Ackerstr. 131. »Schlössers Rachf., Gerichtstr. 2. Jakob Göttiug.Liebeuwalder Str. 5. »G. Stablberg, Dunckerstr. 12. Paul Roatt,«chönhaiifer Allee 50. »Ernst Schulz, Bernauer Str. 2. »Willy Srrre. Iwinemti>iderStr.55. »Gustav-Henze, Stetiiner Str. 01. Otto Braun. Ruppiner Str. 14. »Rob. Genzkow. Lordingstr. 24. »W. Balzer, Ramlesstr. 12. Prager, Rupvincr Str. 25 I. Fricdr. Berlin, Stckerftr. l30. »Pflug, Reinickcndorser Str. 71. E. Hildebraudt, Rügener Str. 20. »H.Junghaus.ReinickeiidorserSI.100 »H. Ziehm. Bernauer Str. 48. »Srniiiiler, Brunnciistr. 103/104. »Tchuhmailn, Boyenstr. 18. »Zöllner, Stetiiner Sir. 20. »Weidner, Hochstr. 48. »Hübner, Rügener Str. 13. »Fröhlich, Reinickendorfer Str. 87" Marie Düllo. Gleiinstr. 53. »Scherring, Brunncnstr. 90. Schubert» Norweger Str. 4. Nordosten. Marie Kloft. Palisadenstr. 101 pt. B. Locwindorfl, Wcinstr. 0 II. W. Eckcnbrecht, Höchstestr. 7 III. Otto Better. Höchstestr. 32. »Jos. Krobisch,«tiichwgstr. 20. »Rlax Polest. Friedrichsberger Str. 10 »Jakob Reul, Barnimstr. 42. »Karl Müller. Rykeftr. 38. »A. Tierbach, Winsstr. 25. »Dh.Brrtihüst. GrcisLmaIderSt.207. »Gustav Piuner, TreSckowstr. 30. Georg Bürger. TreSckowstr. 38. »Heinrich Olle, Mctzer Str. 22. »Wolter, Marienburger Str. 32. »Richter, Landsberger Llllee 145. »Gustav Wittenberg, Barnimstr. 15. »M. Moewus, Wcinstr. 29. »Hugo Wache, Koppcnstr. 40. »Aug. Kley, Friedrichsberger Sir. 19. Blauzwirn. WoldcnbcrgerStr.I2 II. »Galka, Elbinger Str. 41. Zentrum. A. Ehaim, Mulackstr. 11, I. »Otto Probst» Linimstr. 25. Boror»». Karl Jancke. Adlershos. Friedenstr.10. »Rud. Otto. Adlersyos, Sedanstr. 29. Beukert, Adlershos, Bismarckftr. 58a. Albert Schuniachcr, Lichtenberg, Wartenbergstr. 08. »Frit» Ehler», Britz. Rudower Str. 5. »H. Drompa. Lichtenberg, Schorn» tvebcrstr. 44. »Harting, Lichtenberg, Rummels- burgcr Str. 18. »Kaiser, Lichtenberg, Möllendorss, straße 15/17. »Job. BobrowSki, Rummelsburg, Croflencr Str. 17. »Masertopff. Boxbagen, Weseistr.35. »Schütze, Ripdorf, Wißmannslr. 22/23. »Schulze, Rixdorf, Steinmetzflr. 110. Guitau Becker, Rixdors, Jnnslr. 29. »Alb. Schuster. Rixdorf. Fuldajlr.15. I. Gatts, Rixdors, Frtcdclstr. 3 III. »Arnold Hamacher, Köpnicker Sir. ,55/150. H. Kretiucr, Mariamtcttvlatz 15, St.»lendschinidt, Kastninen Allee 103 I, Kunkel H. Kuruickcr. Neue Königstr. 17, Max Otto, Templiner Str. 12 Part., Laser, Landsberger Str. 91, Puttlitz. Schliemannst». 28 I, »F. Ehler». Rixdors, Herm annstr. 229 »Gustav Earl, Rixdors. Prinz» Handjery>Str. 59. »Bortmann. Rixdors, Emfer Str. 90. »Klein, Wilmcrsdors. Uhlandstr. 128. »Paul Witt, Steglitz, Diivpclstr. 5. »Rob.Stübncr.Stealitz.Schlvkstr. 115 Lehmann. ReinickendorsiOst, Thuncr- straße 5. »Pieper, Spandau, Metzer Str. 12. »Frau Ella Moos, Spandau, Falten- Hagener Str. 18. »Otto Wille, Spandau, Btrlcnftr. 4. »Wilh. Klemmer. Spandau, Schön- walder Str. 82. Max Röltc, Spait bau, Schulzenstr. Ii. »Durft.Spandau.Pichelsdorser Str.LL Otto Kloose. Spandau. Feldstr. 5. 'Wilh. Klein, Tegel. BerlinerStr. 84 Kritger, Tegel, Berliner Str. 39 vt. MUius, Panlow, Berliner Str. 90. »Alb. Janite.Panlow.Mühlcnstr. 38. »Hudosch, Pankow, Kaisex-Friedrich- Straße 74. »Jacobi. Wcisiensee.verlinerAllee 179 Weruer, Weißensee, Sedanstr. 19 I. 'Hugo JiirqaS. Weißensee,.Heiners- dorfer etr. 55. »Zirkel, Rixdors, Jdealpassage 0. Moritz. FricdrichShagen, Wilhelm- straße 59. »H. Herzog, Lichtenberg, Blumen- thalslraße 9. »Nischewosf, Licktenberg, Gürtelstr. 12 »Neuhoff, Ncitnckendors-IV., Eich- bornstr. 54. »Beständig, Rclnickendors-IV., Eich. bornstr. 94. »Adelt, Reinickendors- 0., Kopcn- hagencr Str. 1. nkel. Mansleinstr. 14 I,»Heittr. Beyer. Elbinaer Str. 13.»Schachmatt», Winsstr. 12. Paul Juhi. Berlin-Pankow,»Roman Roske. Ehoriner Str. 5, Götzer. Melanchtoiistr. 13. »s. HiXI ,n ff»»♦.• /SIsv Z O TT di» rt%* 4 1 Trt o.s— i____ r: v____ 4__ c., Auftrrdkm Achtnng, Kancher! Kauft nur in solchen Geschäften, wo sich unser griines Plakat, unterzeichnet: Osn Alwin Schulze, Große Hamburger Straße 18/19, befindet. Obigen Tariffirmen zur Kenntnis daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11— 12 Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, dafi wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen Tarife mit unserem Verband abgeschlossen haben. Tiefe Lifte können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie. sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese ärüne« »I< I � I t r% f.•.*»... i..-f— Jf,> vt 1 1 ha � s Der Vertrauensmann. Plakate von hier entnehmen können 137/3 grüne» A. Tchulze, Große Haniburger Str. 13/19. LEIPZIGER STRASSE � ALEXANDER- PLATZ FRANKFURTER ALLEE Soweit der Verrat reicht Wäschestoffe r*2 Hemdentuch...Meter 30, 38, 45, 55 Pf Renforce....... Meter 35, 45, 52, 60 pr Makotuch...... Meter 55, 65, 70, 35 p, Louisianatuch.. Meter 30, 35, 42, 55 pr Pique-Barchent Meter 42 55, 65, 80 pr, Croise-Barchent Meter 42, 50, 65, 80 p, Ein Post MdKOtUCtl ir0"- 48 Pt. Für Bettwäsche 82 u. 130 cm breit Louisianatuch 80 cm breit Meter35, 38, 45 Pf. Louisianatuch 130 cm breit Meter65, 70, 80 Pf. Gestr. Satin.. 80 cm breit Meter 50, 60, 80 Pf Gestr. Satin..130 cm breit MeterOO, 95 Pf.1 26 Damast...... 80 cm breit Meter50, 70, 80 Pf Damast...... 130 cm breit Meter75 Pf. 1 � Dauias tZ6°m. 65, 85 Pf. 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Geliebten erschossen hat sich die SS Jahre alte Näherin Marie Kowallak aus der Fehroelliner Str. 2l. Die Rcvierpolizei. deren Wache in demselben Hause— Weinbergsweg 12 — liegt,»ahm sich der Schwerverletzten an und holte gleich einen Arzt. Dieser konnte, nachdem er sich fünf Minuten um sie bemüht hatte, nur noch den Tod feststellen. Die Ursache der Tat soll in einer Trennung de« Geliebten zu suchen sein, die dieser herbeiführte. Ans � einen mutmaßlichen Kindcsmord lätzt wieder der Fund einer kleinen Leiche schlietzcn, den Arbeiter gestern früb im Norden der Stadt machten. Ans dem Exerzierplatz, in der Nähe der ein- samen Pappel, unweit der Milastratze, lag in graues und braunes Packpapier gehüllt die Leiche eines neugeborenen Mädchen-Z. Sie wurde nach dem Schauhnuse gebracht. Großfeuer kam gestern früh in der Mohrensir. 33, an den dortigen Kolonnaden, anscheinend durch die Heizung im 2. Stock des Vorderhauses zum Ausbruch. Der Brand, der vermutlich schon Freitagabend entstanden ist, wurde erst bemerkt, als gestern früh um 7 Uhr der Oualm den Hof füllte. Als die Feuerwehr erschien. brannten bereits die Geschäftsräume der Bluseufabrik von A. Lichten- ftaedt im 2. Stock und die Mäntelfabrik von Graumann u. Stern im 3. Stack sowie Teile des Dachgeschosses. Der Rauch fand keinen Abzug. Es mutzte zunächst Luft gemacht werden, dabei stürzte eine grotze, zolldicke Spiegelscheibe ans dem 3. Stock auf den Hof und traf de» Brandmeister Wagner vom 12. Zuge aus der Maucrstratze auf den linke» Arm, der bis auf die Knochen durchschlagen timrde. Der Schwerverletzte wurde sofort nach der Unfallstation in der Kronenstratz« gebracht und dort verbunden. Bei dem Löschangriff der Wehr löste sich im 2. Stock ein grotze« Stück Stuck von zirka 50 Pfund Gelvicht von der Decke los und fiel dem Feuerwerhmann Freitag in den Rücken. Der Vororr-l�ack richten. lkharlottenburg. Kommunalwählcr des 3. und 6. Bezirks! Am heutigen Sonntag sind zwei neue Stadtverordnete zu wählen. Jeder Wähler der dritten Klasse mutz, wenn er seine Interessen wirklich wahrgenommen wissen will, dem Kandidaten der Sozial- deniokratie seine Stimme geben. Dies ist im 3. Bezirk: der Kasieabote Hermann Scheel, „6., der Buchdrucker Wilhelm Ahreus. Die Wahl findet in den Stunden von 9—6 Uhr statt. Jeder Wähler versehe sich mit einer Legitimation(MietSkonirakt, letzte Gteuerquittung). Auf zum neuen Kampf, zum neuen Sieg! Sdhöncberg. Das neue Ortsstatut der Stadt SchSneberg über die Sonn- tagsruhe im Handelsgewerbe ist am 21. d. M. in Kraft getreten. Es enthält die gleichen Bestimmungen wie die betreffenden Ortsstatute von Berlin, Charloltenburg. Wilmersdorf usw. A u s nahmen lätzt c-Z auch nur für die N a h r u n g s- und Genuß m i t t e l g e s ch ä f t e und für den B l u m e n h a n d c l zn. Lichtenberg. Stadiverordnctensihung. Zunächst wurde die Besetzung ver schiedcncr Ausschüsse und Kommissionen� vorgenommen. Unsere Genossen sind hierbei in folgender Weise vertreten: PctiiionS auSschutz: Grauer und Seile l; Rechnungsausschutz: Elias, Linke und Spieckermann; Ausschuß zur Prüfung von Stadt- verordnetenwahlen: Hertzscher und S e i k e l; Kassenrevisoren: Elias, Linke, Spieckermann und S t ö b e r; Soziale Kommission: Brühl und Spieckermann; Krankenhaus l-aukommission: Brühl. Grauer. Heckert und Spiecker» mann; Gemischte Kommission zur Linderung der TeuerungS Verhältnisse: Becker, Brühl und Spieckermann; Kom Mission zur Vorberaiung der Magistratsvorlage betreffend die Er richtung einer Bctriebskrankenkasse für die städtischen Arbeiter und Beamten: Brühl, Seikcl und Spieckermann. Als dann gelangte ein Antrag zur Annahme, welcher den Magistrat er sucht, der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage über Er richtl'ing eines städtischen Instituts zur Beschaffung zweiter Hypo thekcn für die Grundbesitzer der Stadt Lichtenberg zu machen. Zwecks Durchführung der Verbreiterung der Möllendorsf- st r a tz e auf der westlichen Seite bedarf die Stadtgcmeinde eine? dem EisenbahnfiskuS gehörigen Geländes. Da zur Verlängerung des Kicher Weges bis zur Kleinestratze ebenfalls die Gemeinde auf eiscnbahufiskalischen Grund und Boden angewiesen ist, wurde beantragt, die von der Gemeinde benötigten Flächen gegen ein der Stadt gehöriges Areal auszutauschen. Die Versammlung beschloß auch demgemäß. DeS ferneren wurde einem Antrage des Wahl- auSschusses zugestimmt, wonach diejenigen Stadtverordneten, welche ausgeschieden und wiedergewählt sind, in ihren alten Verwaltungs- devutationcn verbleiben. Hierbei wurde allseitig der Wunsch aus- gqprochcn, datz in Zukunft in allen Kommissionen und Deputationen Protokoll geführt werden und eine Abschrift desselben den Mit- gliedern dieser Körperschaften zugestellt werden soll. Ter Ober- büraermeister erklärte, der Magistrat werde zu der Anregung Stellung nehmen. Beschlossen wurde ferner, die Blumenthal st ratze zu asphaltieren, den Fahrdamm jedoch auf 9 Meter zu berschmälern und die hierdurch auf 1,90 Meier verbreiterten Bürgersteige mit Baumanlagen zu versehen. Die entstehenden Kosten belaufen sich auf 53 500 M. ' Zum Schluß beantragte der Magistrat, wiederum einer Reihe von Hausbesitzern die Burgersteigherstellungskostcn zurückzuzahlen. Da von einem dieser Herren jetzt nach vielen Jahren sogar die Kosten für zweimalige Herstellung verlangt werden, sind selbst einige der bürgerlichen Herren darüber empört, so datz die Vor- läge abgelehnt wird. Wilmcrsdorf-Halensee. Untcrgrundbnhu und EnteignungSverfahren. Im Juli 1908 wurde zwischen der Stadtgemeinde Wilmersdorf und der Gesellschaft für elektrische Hoch- und Nniergrundbohnen ein Pertrag abgeschlossen, wonach die Stadt sii dafür zu erstatten, da verpflichtete, der Gesellschaft die Mehrkosten diese die Linie vom Witienbergplatz nicht nach dem Rankeplatz, sondern nach dem Nürnberger Platz führte. Die Mehrkosten bestehen in dem Erwerbe der beiden bebauten Grund tücke Nürnberger Str. 57/58 und Tauentzienstr. 19. Für beide Häuser hatte die Gesellschaft sich das E n t e i g n u n g S r e ch t verichaffi. Aber während es ihr gelungen war, das Haus Nürnberger Str. 57/58 freihändig für 500 000 M. zu erwerben, war ein solcher Verkauf für das andere Grundstück nicht zu erreichen gewesen. Auch auf die Erteilung der Genehmigung zum Einbau der Untergrundbahn in sein Haus wollte der Eigentümer sich nickit einlassen, vielniehr verlangte dieser, ein Herr Platz,' sowie auch die in seinem Haus« iwohnende» Mieter Entschädigungsansprüche, die sich im ganzen auf die Summe von 1766 000 M. beliefen. So hoch diese Summe erscheint, zog die Gesellschaft eS doch vor. sich mit Eigentümer und Mietern zu einigen. Danach verzichtet die Gesellschaft auf den Er- werb des Grundstücks Tauentzienstr. 19. Sie bricht das Haus nur ab, baut den Tunnel ein und übergibt das Grundstück spälestens am 1. Oktober 1913 wieder dem Eigentümer. Als Enlschädigung für die ihr eingeräumten Rechte zahlt die Hochbahngesellschaft oder viel- mehr die Stadt Wilmersdorf dem Eigentümer überdies die Summe von 638 000 M.. wovon 238 000 M. zur sofortigen Abfindung der Mieter bestimmt sind, die binnen 8 Tagen das Hau? zu räumen haben. Außerdem verpflichtet sich die Gesellschaft für den aus dem Tuimcleiubau wieder zu errichtenden Neubau dem Eigentümer auf Verlangen eine erste Hypothek in Höhe von 1 100 000 M. zu verschaffen. Der WilmerSdorfer Stadtverordnetenversam m- lung, die sich in geheimer Sitzung mit dieser Angelegenheit be- faßte, blieb nach Lage der Dinge nichts übrig, als den Vertrag zu billigen. Die Volksküche, welche der Magistrat demnächst im Haufe Berliner Strotze 37 eröffnen wird, soll nach den von amtlicher Stelle abgegebenen Erklärungen eine Einrichlung werden, die abweichend von dem bisherigen Wesen der Volksküchen.der Bevölkerung im weiteren Sinne und nicht nur ausgesprochenen OrtSarmen zugute kommt". Man wird die Speisen in dem Justiiut selbst verzehren können; es soll die Anstalt auch warmes Mittagessen außer dem Hause abgeben. Weiter will der Magistrat aber später die Volksküche zu einer Lehrküchc Herrichten, in der Frauen Gelegenheit finden sollen, mit möglichst billigen Mitteln ein kräftige« Mittagessen zu bereiten. Der Magistrat ist sich übrigens klar darüber, datz es auf die Dauer nicht tünlich ist. städtische Einrichtungen in Mietöräumen unierzubringcu; und nach Darlegung de« sozial- politischen Dezernenten Stadtrat Steinborn wird man in ab- schbarcr Zeil in Wilmersdorf an die Errichtung eineö besonderen W o b l f a l) r t S h a u s e S denken müsse». In einigen WilmerSdorker Gemeinde schulen wurde bisher K o ch u n t e r r t ch t an die heranwachsenden Mädchen als fakultativer Lehrgegensiaiid erteilt. Vom 1. April ab soll der Koch» Unterricht in allen Mädchengemeiudeschulen obligatorisch eing«führi werden. Zchlendorf(Wannseebahn). Die Wählerliste für die Wahlen zur Gemeindevertretung liegt für Zehlendorf vom 2 7. Januar bis einschließlich 10. Februar im Gemeinbeamte, Hauptstr. 38, Zimmer 8� lvährend der Dienststundcn zur Einsicht aus. Am Sonntag, den 28. Januar, und Sonntag, den 4. Februar d. I., wird die Wähler- liste vormittags von 10—11 Uhr, am Dienstag, den 30. Januar, und am Dienstag, den 6. Februar, wird sie außer in den Dienst- stunden auch nachmittags von 5— 6 Uhr zur Einsicht auslicgen. Diejenigen, welche nicht selbst die Liste einsehen können, wollen sich in den Geschäften oder Lokalen, welche durch rote Plakate zur Einsichtnahme hinweisen, einschreiben. In der letzten Gemeindevcrtretcrsitzung stand als erster Punkt der reichhaltigen Tagesordnung die neue Schulordnung für die Fortbildungsschule zur Beratung. Hervorzuheben ist, daß in ß 7 der neuen Ordnung ein Passus aufgenommen wurde, nach dem S ch u l h a f t bis zu sechs Stunden wöchentlich, die außerhalb der üblichen Arbeitszeit zu verbüßen ist, verhängt werden kann. Weil die jungen Leute— so meinte der Referent Dr. Seefcld— vor Gefängnisstrafcn ganz besondere Angst hätten, solle die Haft- strafe„als gutes Erziehungsmittel" dienen, jbine Anregung, das Recht zur Vcrhängung der Haftstraße nur dem Schul- vorstand einzuräumen, blieb unbeachtet und die Schulordnung wurde mit diesem reaktionären Passus angenommen.— Für die Säuglingspflege, wofür 1000 M. im Etat eingesetzt waren, werden iveitcre 1000 M. gefordert. Damit kein„Mißbrauch" mit den Stillprämien getrieben wird, verlangte Herr Schnabel eine strenge Aufsicht und die Liste der Empfänger soll künftig der Armen- kommisston zur Nachprüfung vorgelegt werden. Also, wer eine Vergütung zur Säuglingspflege erhält, soll als Empfänger von Armcnuntcrstützung gcbrandmarkt werden. Vom 1. April d. I. ab soll das Schulgeld in den höheren Schulen von 130 auf 160 M. erhöht werden. Um die hierdurch entstandene Erbitterung zu be- seitigen, wurde beschlossen, teilweise oder gänzliche Befreiung vom Schulgeld eintreten zu lassen, wenn in einer Familie mehr als zwei Kinder die höhere Schule der Gemeinde besuchen.— Um den reaktionären Jugendfang zu fördern, soll der kürzlich gegründeten Vereinigung für Jugendpflege das in der Haupt- stratze gelegene Schulze-Gabertsche Grundstück mietfrei überlassen werden. Dies Gebäude hat einen Mietwert von jährlich 2000 M., die der Gemeinde verloren gehen.— Seit Anfang November werden Beratungen über Maßnahmen gegen die Teuerung gepflogen. Auf Antrag der Kommission wurden 1000 M. bewilligt, wovon die Gemcindearbcitcr und Angestellten, die weniger als 2000 M. Jahreseinkommen und mehr als zwei Kinder haben, eine einmalige Teuerungszulage von je 50 M. erhalten sollen. Da am 31. März das Mandat mehrerer Gcmeindevertocter erlischt, brachten sich einige dieser Herren in„empfehlende Er- innerung", indem sie einige tendenziöse Anträge stellten und ihr „warmes Herz" für die ärmere Bevölkerung schlagen ließen. Selbst der Mehrheit unseres Klassenparlaments>var der Plan zu affensichtlich und die Anträge wurden ohne ernstliche Debatte ab- gelehnt.— Für die Arbeiterklasse gilt es jetzt, diesen Herren die Maske vom Gesicht zu reißen und ihre Taten vor den Wahlen genügend an den Pranger zu stellen. Spanvau. Nach der Stichwahl. Das„Spandauer Tageblatt" ist außer sich, daß all' das grotze Geplärre über den„Volksverräter",„Thron- stürzer" und„rabiaten Revolutionär" Dr. Liebknecht nutzlos gewesen ist und datz letzterer nun doch in den Reichstag zieht. Es klagt die „verblendete" liberale Parteileitung an, durch ihre Wahlparole den KaiserwahlkrciS diesem„Rotesten der Noten" ausgeliefert zu haben. Nicht minder schilt das vom Nolkoller ergriffene Blatt ans den„An- zeiger für das Havelland", weil derselbe seinen Leser» von der Wahlparole der Liberalen Mitteilung gemacht hat. DaS ist natürlich ein grotzes Verbrechen. Nach Ansicht deS„Spand. Tagebl." mutz sich eine Zeitung nur dem Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie zur Verfügung stellen. Allem Anschein nach glaubt das Blatt auch nun nicht mehr daran, datz die Arbeiter der köuig- lichen Werkstätten sich als Netter in der Not haben gebrauchen lassen, denn am Schluß seines Klagcartikels bemerkt eS: „Daß der Wahlkreis verloren gegangen ist, daran sind nicht nur die Arbeiter der königlichen Werkstätten schuld, dciicu man es von liberaler Seite aus immer gern in die Schuhe schieben möchte, sondern die Liberalen selbst, mögen sie eS mit ihrem Gewissen ver- antworten." Datz die Liberalen, wenn auch leider nur in ganz beschränkter Anzahl, dem sozialdemokratischen Kandidaten zum Siege verholfen haben, können sie mit ihrem Gewissen verantworten, datz da» Spandauer Tageblatt" aber mit all dem Unrat gegen die Sozial- demokrati« während des WahlkampseS seine Leser belästigt und belogen hat, war unverantworlich und gewissenlos. Kinderschutzkommissson für Teltow. BceSkow. Montag. den LS. Januar, abends S'/, Uhr, im GewerischastShause, Engeluser 15(Saal S): Sitzung der Kontrolleminnen. Das Erscheinen oller Konlrollenrinnen Tcltow-BeeSkowS ist dringend notwendig. Der von einer Konirolleurin in der letzten Sitzung in SchSneberg vergessene Regenschirm kann in Empfang genommen werden._ Die Vorsitzende. j, Singegangene Druchrchnften. Blonde» Gtft. Roman von P. Langenscheidt. 4 Bf,, geb. Dr. P. Langenscheidt, Berlin W, 57. Der Naturfreund. Heft 1. 1912. Zeitschrist deS TourlftenvereinS „Die Naiurfteunde". Jährlich 3,10 M. MonalSschrist. Wien, Löhrgasse IL. WitternngSübersicht vom 87. Januar 1918. Swinemde. Hamburg verlin Franffa.M. München Wie» 750 NNO "SlsNW 757 NW 7SI 757 NO 7S8NW WNW schnee 3 wolkig 5 bedeckt 1 bedeckt LjSchnee kl Nebel Haparanda 1:756 L Petersburg:j766 Still scilly s7kLONO Aberdeen 768«NW Paris hei NO wlkenl■ iwolkenl- ■I brückt 8 wolkig C wottcnl- Wetterprognose für Sonntag, den 88. Jnnuar 1918. Zunächst kälter vielfach heiter bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden. spater wieder zunehmende Erwärmung und Bewölkung obne crbebliche Niederschläge. Berliner Wetter bureau. Wasserftands-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, milgetcilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel. Tilsit P r« g e I, Jnstervurg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor „ Krossen , Frankiurt Warthe, Schümm . Landsbcra Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Berby , Magdeburg Wasserstand Saale. Grochlitz Havel. Spandau-) Rathenow-) Spre«, Spremberg-) . Vceskow Weser, Münden „ Minden Rhein, Maximiliansau . Kaub . Köln Neckar, Hcilbronn Main, WertHeim Mosel, Trier 26. 1'25.|. cm 160») 58-i 96') 71 78») 173 260 372 192 255 99 cm') -8 0 0 -2 0 +7 +10 —10 —7 +25 —1 ')+ bedeutet Wuchs,- Kall.—") Unterpegel.—») Eisstand. ®O0O®OO0O€KS(5»®OOO®�OO@OO0O0OOOO00OO00O0®000eO0O®®0O0O0O00O anz besonders niedrige Preise Fertige Bett= Bezüge mit Knopficbluß. AUrk« 1300.— Beitdamasl, Blumenmuster, 30* 3001 83X 63�Q 50 1 Q o e-r /> Oberbett 130» 1 OaiZ Kl5Sen statt 13.30 nur Verzierte Bettwäsche tut QrSnlelda Wlichatuch Nr. 2 mit Durch» tuucbirbsl: m. Stickerei- ed. Spluenelnsata Oberlaken A nft 130X106 cm, sonst 7.30— 9.00, letitntitO« Kissenbezüge � ftft WXM cm, sonst 3.50— 4 50, Jetzt nur J. Bettlaken, Ä Starkfädig Haustuch_ Oiofle 162X340, sonst 8.75, Jetzt nur J.30 StarkfädigWäschctuch. OrJße 158X240, sonst 4.83, Jetzt nur 4. Gewebte Tüll-Gardinen Hemdentuche mlttellelnlSdlg, leicht Breit« 83 cm, sonst 54 PI Jetzt nur 45 PI lelntädlg dicht Breite BS cm, sonst 65 PL Jetzt nur 57 PL Bett-Bamast Marks 1500. 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Januar 1912, nach dem Trinken von nur 2 Becher Bier ohne jede Veranlassung aus dem Lokale des Mastwirts Herrn August Kröske, Heidcnfeldstraße Nr. 12 Ecke Ebertpstrnße, hinauSgelviesen wurden, sür unwahr. Sie nehmen diese nicht den Vorgängen entsprechende Bc- hauptung sowie die dem Herrn Kröske, als auch einigen seiner Stammgäste, unter anderen Herrn Marlin und Frau sowie Herrn Ernst Pudritzkq zugefügten schweren Beleidigungen mit dem Ausdrucke des Bedauerns hiermit zurück. Berlin, den 26. Ja» iiuar 1912. A. Boger, Elbingerstraße 33 Wilhelm Bulwin, Straß- manilslraße 14.-71 Ehrenerklärung. Die üble Nach- rede, durch die ich Frau Lückesett, Gaudystraße 40, in schlechten Ruf gebracht habe, nehme ich hiermit mit Bedauern zurück. Frau Zehe, Gaudy straße 40. fllO Riederschönhausen, Schloßallee, an der Strauchwiese, Zweizimmcr Wohnungen von 324 Mark an. Näheres Schloßallee 40._ 4/1 Herrliche einzimmrige und zwei- zimmrige Wohnungen, sehr billig, Weserslratze 17(Frankfurter Allee). 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