Nr. 24. nbenncmentS'Bcdingungen: WonnementS- Preis pränumerando! Pierteijährl. 3.30 Mk.. monatl. l.Ill Mk.. «ächentlich 23 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" lv Psa. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas- Preisliste. Unter Kreuzband ,ür Delllichland und Oesterreich. Ungarn L Marl, sür das übrige Ausland z Marl pro Monat. Postabonnements »tchmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis. 29. Jahrg. ClfdXlut täglich aoScr tnontagt. Berliner Volksblnkt. Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfchlands. Die Tnlertlons* Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum L0 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Persaininlungs-Anzeigcn 30 Psg. „Kleine Hmeigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. fzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen dag erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächlte Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SozialiKinelirat Rwiin". Rcaahtion: SRI. 68, Lindenatrasac 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983. Dienstag, den 30. Januar 4912. Expedition: SRI. 68, Lindcnstrasac 69» Fernsprecher: Amt Mor'.tsplatz- Nr. 1981» Die preukiichen Finanzen und die Steuerreform. In einer Denkschrift, die der Einkommensteuernovelle als Anlage beigegeben ist, untersucht der Finanzminister, ein wie hoher Geldbetrag von den direkten Staatssteuern aufgebracht werden muß, um eine gesunde Finanzgebarung zu gewähr- leisten. Da der Staatshaushalt seit 1908 infolge der Be- lastung durch die erhöhten Pensions- und Hinterbliebenen- bezüge, durch die Besoldungsaufbesserungen und durch die mit der Reichsfinanzreform verbundene Verschlechterung in den finanziellen Beziehungen zum Reich trotz der Mehreinnahmen aus den neu bewilligten Steuern noch fortgesetzt mit Fehl- betragen, wenn auch mit sinkenden, abgeschlossen hat. so be- darf es einerseits der Prüfung, ob auf die Dauer Erträgnisse in Höhe der bisherigen Steuerzuschläge mit zurzeit 60 Millionen Mark zur Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalt genügen, oder ob nicht etwa noch eine Er- höhung des Steuerertrages notwendig erscheint. Andererseits ist zu untersuchen, ob nicht durch eine andere Regelung des Verhältnisses zwischen Eisenbahnetat und Gesamtetat eine Erhöhung des für die allgemeinen Staatsausgaben verfüg- baren Teiles der EiseNbahnübcrschüsse herbeigeführt und da- mit der Bedarf an Steüern entsprechend herabgemindert werden kann. Zu diesem Zweck gibt die Denkschrift zunächst einen Ueber- blick über die Entwickelung der Finanzen seit 1908 und ihre inneren Ursachen; sie kommt zu dem Ergebnis, daß das durch die Mehrbelastung des Etats seit 1908 begründete eigentliche Defizit bis 1912 zwar noch nicht ganz beseitigt, aber doch in verhältnismäßig stetiger EntWickelung auf 19 Millionen Mark herabgemindert ist; dies sei nur durch eine ungewöhnlich hohe Beschränkung der eigentlichen Staatsverwaltungsausgaben . möglich gewesen. Unter Zurückstellung von solchen Ausgaben, die sich zur Not noch ein oder mehrere Jahre verschieben lassen(gemeint sind damit Ausgaben für Kulturzwecke oder auf sozialpolitischem Gebiet!), werde es gelingen, im Etat für 1913 auch den letzten Rest des Defizits zu beseitigen. Wenn auch manche dieser Aufgaben vorübergehend unerfüllt bleiben könnten, so müsse schließlich doch auch für sie im Etat Raum geschaffen werden, wenn die Kulturaufgaben des Staates nicht leiden sollen. Die vorhandenen Einnahme- quellen des Staates würden zwar allenfalls genügen, um zunächst den Fehlbetrag zu beseitigen und sodann den steigenden Ausgabebedarf dauernd zu befriedigen, jede Schmälerung der- selben aber müßte für eine dauernde Gesundung der Finanzen verhängnisvoll werden. Deshalb könne auf die Erträgnisse der bisherigen Steuerzuschläge nicht verzichtet werden. Andererseits aber braucht auch eine Bewilligung von weiteren Stenern nicht in Aussicht genommen zu werden, vorausgesetzt, daß zunächst noch die erforderliche Beschränkung in den Ausgaben geübt werde. Durch eine stärkere In- anspruchnahme der Reinüberschüsse der Eisenbahuverwaltuug für allgemeine StaatSzwecke könnten nicht dauernd genügende Mittel erübrigt werden, um die aus den Steuerzuschlägen bisher geflossenen Einnahnien für die Zukunft ganz oder teilweise entbehrlich zu machen. So weit der wesentlichste Inhalt der Denkschrift, die— das muß offen anerkannt werden— an Klarheit nichts zu wünschen übrig läßt und auf den ersten Blick recht bestechend erscheint. Es ist ja eine bekannte Praxis aller Finanzmiuistcr, wenn sie Geld gebrauchen, schwarz in schwarz zu malen. Davon macht auch Herr Lentze keine Ausnahme. Es fragt sich nur, ob seine Ausführungen vor der Kritik bestehen können. Zunächst ist es nicht richtig, daß wichtige Kulturaufgaben deshalb unterbleiben müssen, weil es au Geld dafür fehlt; das Geld ist auch heute vorhanden, aber sie unterbleiben einfach deshalb, weil das Dreiklasfenparlament kein Verständnis dafür hat und das Geld lieber für andere Zwecke verwendet. Bei einem Etat, der mit 4301 Millionen balanziert. spielen 66 Millionen doch wahrlich keine ausschlaggebende Rolle, es wäre ein leichtes. Abstriche in dieser Höhe vorzunehmen, ohne daß der Staat dadurch gefährdet wird. Die Ausgaben für die Kirche könnten ruhig verschwinden, ebenso die für die Polizei, soweit es sich nicht uni die Sicherheitspolizei handelt, die hohen Repräsentationskosten könnten erheblich vermindert werden. Wozu brauchen mir. um nur einige wenige Bei- spiele zu nennen, an allen möglichen Höfen, sogar beim päpst- lichen Stuhl, Gesandte, die nicht nur ein hohes Gehalt kosten, sondern noch weit höhere sachliche Unkosten erfordern? Wozu brauchen wir die Millionen zum Kampf gegen die Polen, wozu die V/s Millionen zur Bekämpfung der sozialdemo- kratischen Jugendbewegung, wozu die versteckten Liebesgaben an die Agrarier? All' da? ließe sich vermeiden, das Defizit wäre dann mit einem Schlage beseitigt, ja es würden so- gar noch beträchtliche Mittel flüssig, um wirkliche Kultur- aufgaben zu erfüllen.. Für eine allzu starke Verwendbarkeit von Ueberschussen der Staatseisenbahuen zur Befriedigung des Bedarfs für allgemeine Staatsausgaben können auch mir uns nicht begeistern. Was wir aber verlangen müssen, ist die Ver- Wendung dieser Ueberschüsse zu Verkehrsverbessernngen und zu Tarifreformen in ganz anderem Maße, als es heute der Fall ist. An eine Erfüllung unserer Wünsche ist nun freilich bei der Zusammensetzung des Junker- und Pfaffenparlaments � nicht zu denken. Wir. haben uns mit den gegebenen Tatsachen abzufinden, und da sind wir mit der Regierung der Meinung, daß die rohe Form der Steuerzuschläge durch eine organische Reform der Einkommen- und Ergänzungssteuer ersetzt werden muß. Es fragt sich nur, wie die Reform aussieht. Zunächst ist zuzugeben, daß durch den Vorschlag der Re° gierung für einige Steuerstufen eine Ermäßigung eintritt. Einkommen von mehr als 1200 bis 1500 M. werden jetzt mit 3 Proz. Zuschlag versteuert; dieser Zuschlag soll in Fortfall kommen und der frühere Satz von 12—16 M. in Kraft treten. Auch dagegen, daß die Progression von 4 auf 5 Proz. er- weitert werden soll, läßt sich nichts einwenden. Es ist das immerhin ein Fortschritt, wenn auch ein recht bescheidener. Nicht scharf genug aber kann es getadelt werden, daß die Regierung von einer Heraufsetzuug des steuerfreien Existenz- Minimums nichts missen will. In ihrer Denkschrift klagt sie über das Sinken des Geldwerts, aber was für den Staat gilt, gilt doch auch für den einzelnen Staatsbürger, und Herr Lentze wird doch nicht den Mut haben, zu bestreiten, daß ein Einkommen von 1200 M. heute weniger bedeutet als ein Einkommen von 900 M. im Jahre 1891. Hat man damals Einkommen unter 900 M. steuerfrei gelassen, so müßte man konsequent sein und heute, wo der Geldwert gesunken und die Lebenshaltung gestiegen ist, die Grenze weit höher ziehen. Man wird einwenden, daß die Regierung auf diese Ein- nähme nicht verzichten kann. Der Einwand ist hinfällig, denn das Stcuersoll, das aus den untersten Stufen aufkommt, kann doppelt und dreifach aus den höheren Stufen herausgeholt, werden, wenn man endlich dazu übergeht, auch die höheren Einkommen so zu erfassen, wie es bei den Arbeitereinkommen der Fall ist. Durch den§ 23, den die Negierung nicht nur nicht aufheben, sondern sogar auf a l l e Angestellten ausdehnen will, wird das Einkommen der Unselbständigen bis auf den letzten Pfennig besteuert; die Besitzenden dagegen haben nach wie vor die Möglichkeit, Steuern zu defraudieren, deug die angedrohte Strafe von 100 M. oder von Gefängnis bis zu einem Jahre wird auf gewissenlose Menschen umso weniger Eindruck machen, als den Regierungen die Ermächtigung erteilt ist, eine noch mildere Strafe in Anwendung zu bringen. Eine weitere Möglichkeit, trotz Entlastung der niederen Einkommen mehr aufzubringen, bietet sich. durch eine Aende- rung der Ergänzungssteuer. Nach der Regierungsvorlage soll diese Steuer ja etwas erhöht werden, aber die Erhöhung ist nur nünimal. der Höchstsatz, der jetzt 0,50 Prozent beträgt, soll auf 0,66 Prozent festgesetzt werden, so daß ein Zcnsit mit 200000 Mark Vermögen ganze 132 Mark jährlich an Er- gänzungssteuer zu zahlen hat. Weit bedeutendere Wirkungen in der Praxis als diese minimale Erhöhung, wird die beab- sichtigte Einführung des Deklarationszivanges herbeiführen, dessen Annahme freilich noch lange nicht sicher ist. Die von verschiedenen Seiten in den letzten Jahren in der Presse und im Parlament gemachten Vorschläge auf Einführung einer Vermögenszuwachs- oder Ueberflußsteuer hat die Regierung nicht für gangbar erachtet, teils aus grundsätz- lichen Bedenken, teils wegen der vermeintlich zu geringen Erträge. Es erübrigt sich, an dieser Stelle näher darauf ein- zugehen. Alles in allem können wir unser Urteil dahin zusammen- fassen: der Beweis für die Notwendigkeit einer Steucrcrhöhung ist bisher nicht geliefert. Sollte sich eine Steuerreform nicht umgehen lassen, dann darf man sich mit dem bloßen Hinein- arbeiten der Zuschläge in den Tarif in dieser oder jener Art nicht begnügen, sondern dann heißt es. ganze Arbeit machen. dann gilt es. die Steuern organisch zu regeln und sozial aus- gestalten, die Reichen gerecht heranzuziehen, die Armen aber zu entlasten. Vor allem muß ein Ende gemacht werden mit dem Ausnahmegesetz gegen die Mindcrmittelten, wie cS der s 23 darstellt, einem Ausnahmegesetz, das die Regierung sogar noch verschärfen will._ Die Kriegshetzer an der Arbeit. Von Kropp nach Dalldorf. Die„P 0 st", das Organ der Panzer- und Kanonenpatrioten. die doch eigentlich in dieser Aera des waffensiarrenden Friedens mit j ihren kolossalem Gewinnsten ganz zufrieden sein könnten, setzte die � I Kriegshetze in einer Weise fort, die nachgerade die Aufmerksamkeit des Psychiaters erregen mußte. Und in der Tat, ein Psychiater hat sich denn auch bereits der„Post" angenommen. In einem Artikel, dessen Form die Absicht der boshaftesten Verspottung selbst � für einen..Postesel" erkennen lassen mußt«, übergießt M e d i-! izinalrat Dr. W. Fuchs die Kriegslüsternheit der Panzer- Platteninteressenten mit geradezu blutigem Hohn. Und wenn Form und Inhalt des Artikels die ,.Post"deliranten noch nicht über die � Tendenz des Artikels aufgeklärt hätten, so hätte ihnen wenigstens der Titel des arglistig eingeschmuggelten Artikels eine Warnung ' sein sollen. Lautete er doch:„Psychiatrie und Politik." Aber ahnungslos ist die„Post" auf diese plumpe Mystifizierung hinein- gefallen. Das Blatt, das ja erst vor wenigen Wochen in seiner Kriegsraserei die tollsten MajestätSbeleidigungen ausstieß und Wilhelm II.„Guillaume le tirnide, le valeureux poltron"(in vorsichtig st em Deutsch: Wilhelm den Furchtsamen, den j prahlenden Wortheld) nannte, hat sich das letzte Restchen von Verstand derart vom Blutdunst deS ersehnten Massen- movdes umnebeln lassen, daß es auch die blutigste Anulkung nicht merkt. So hat es denn jenen Spottartikel des genannten Medi- zinalrats als heiligsten Ernst betrachtet und als Kriegsfanfare einen blühenden Blödsinn abgedruckt, aus dem wir folgende Stich- proben wiedergeben wollen: „Im heutigen Deutschland bezweifelt kein Zurechnungs- fähiger mehr, daß die T r i p e l e n t e n t e sich anschickt, uns zu vernichten. Wir alle wissen: Blut fließt bestimmt; je länger wir warten, u m so ni e h r. Aber wenige wagen den Rat, das Beispiel Friedrichs des Großen nachzuahmen. Und die Tat selbst wagt niemand." Der Hohn ist faustdick aufgetragen. Zunächst die Tripelentente. Jedes Schulkind weiß, daß Rußland auf absehbare Zeit zu absoluter Ohnmacht verurteilt ist. Jeder Versuch zu einem größeren aus» wärtigen Krieg würde von dem russischen Volke mit der Revolution beantwortet werden. Und England? Haben denn nicht die Flottenstrategen der„Post" und der„Deutschen Tageszeitung" selbst erst vor wenigen Wochen behauptet, daß Englands Seemacht nur ein tönerner Koloß sei? Haben sie nicht Englands Landmacht als einen Kinderspott hingestellt? Und ist nicht Frankreich an Volks- und Wehrkraft Deutschland um ein volles Drittel unter» legen? Und diese Tripelentente soll die Absicht hegen, Deutsch» land zu vernichten? In der Tat, llatschendere Ohrfeigen konnten unsere Mordspatrioten vom Januar 1912 unseren Kriegs- Hetzern vom Oktober 1911 nicht versetzen! Unzählige Male ist gerade von den Rechtsparteien, den Konservativen und Freikonservativen, das Kriegs- rüsten als Garantie und Zweck des Friedens gepriesen worden. Und noch am 27. Januar wurde von der offiziösen„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" das unablässige Rüsten als das beste Mittel zur Erhaltung des Friedens ge. feiert, dessen Sicherung die vornehmste Aufgabe Wilhelms II. sei. Und was schmuggelt unser satirischer Medizinalrat in die Spalten der„Post": „Die deutsche Defensive ist s e l b st m ö r d e r i s ch, der F r.i e d.e bedeutet nicht nur die S ch a n d e, sondern das End e." Aber noch mehr. Es sind erst wenige Tage seit der 299 Jahr- fe.ier�für Friedrich den Großen verstrichen.-Die ganze staats- erhaltende Presse pries den größten Hohenzollernkönig als Mehrer der preußischdeutschen Kultur. Friedrichs Eroberungskrieg in Schlesiern wurde als bittere h i st 0 r i s ch e Notwendigkeit bezeichnet. Sei er doch die Voraussetzung zur Schaffung der preu- ßischen Vormacht in Deutschland gewesen, zu einem Staatsideal, das schon der Große Kurfürst in seinem Testament umrissen. Welche Friedrich-Beleidigung aber schmuggelt unser Medizinalrat in die Spalten der„Post"? „Friedrich begann den ersten schlesischen Krieg aus kava- l i e r e r R u h m l u st.... Das Blut des Krieges war für jene Gottgesandten lediglich Nebenprodukt... Eine Bosheit erster Güte. Natürlich wären die Blutströme, die bei einem von unseren Panzerplattenpatrioten und Junkern angestifteten Kriege flössen, lediglich„Nebenprodukt". Das Haupt Produkt wären klingender Profit für die Ka, nonen- und Panzerplattenfabrikanten, Orden, Lorbeer und politische Macht für unsere Junker, Konservierung des feudalen Ausbeuterregiments unserer Kraut- und Schlotbarone. In der sozialdemokratischen Presse ist das oft genug gesagt worden. Daß das aber nun auch in der„Post" steht, verdanken wir der köstlichen Persiflage des Medizinalrates Dr. W. Fuchs! Aber noch ein famoses Kernsprüchlein sei auS dem VerulkungS- artikel unseres witzigen Psychiaters hier wiedergegeben: „Welche Männer ragen denn am höchstem in der Geschichte der Nation, wen umfängt der Herzschlag der Deutschen mit heißester Liebe? Etwa Goethe, Schiller, Wagner. Marx? O nein, sondern Barbarossa, dem Großen Friedrich, Blücher, M 0 l t k e, Bismarck, die harten Blutmenschen. Sie, die Tausende von Leben hinopferten, sie sind es, welchen aus der Seele des Volkes das weichste Gefühl, eine wahrhaft anbetende Dankbarkeit entgegenströmt. Weil sie g e- tan haben, was wir jetzt tun sollten. Weil sie so tapfer, so ver- antwortungssreudig waren, wie sonst keiner. Nun muß aber die bürgerliche Moral alle jene Großen verdammen; denn der Volksgenosse hütet nichts ängstlicher als seine bürgerliche Moral;— und trotzdem huldigen seine heiligsten Schauer den Titanen der Bluttat." Nachdem Herrn Dr. Fuchs seine Verulkung der„Post" so bei- spiellos gelungen ist, fühlen sich vielleicht auch noch die drei Raub- mörder aus der Alten Jakobstraße zur literarischen Düpierung an- geregt. Ja, wir möchten hundert gegen eins wetten, daß die„Post" auch auf eine solche Veralbcrung ahnungslos hereinfallen wird! Nachdem aber das verwegene Experiment des Mcdizinalrats Fuchs so glänzend geglückt ist, wäre es doch vielleicht an der Zeit, daß sich die Behörden der„Post'-Redaktion ein wenig annehmen würden. ES ist noch nicht allzulange her, daß gerace in der reaktionären Presse nach dem Polizeischutz gegen gemein- gefährliche Irrsinnige gerufen wurde. Der Anfang müßte entschieden bei der„Post"-Nedaktion gemacht werden! Aber schleunigst! Tic Gründung des deutschen Wehrvcreins. Eine Organisation für systematische Kriegshetze— diesen Charakter haben die Reden auf der Gründlingsversammlung am Sonn» tag dem neuen Rüstungevercin zu Lande aufgedrückt; da ist es schließlich ganz begreiflich, daß außer berufsmäßigen, Kriegern und ein paar Hurrapatrioten niemand da war. denn das deutsche Volt hat ja soeben erst mit 4M Millionen Stimmen aller Kriegshetze und dem Rüstungswahnsinn ein donnerndes Halt zugerufen. Freilich, einige nationalliberale Parlamentarier, Herr Paaschs und Herr vom Rath aus dem Dreiklassenhause konnten es wicht über sich bringen, diese Gclegeicheit zum Beweise althergebrachter Rüstungsschwcirmerci ungenützt zu lassen. Der pensionierte General Keim, war der Hauptredner des Tages/(!r sieht natürlich den Krieg schon ausbrechen.— und nicht zu knapp. Deutschland werde gegen Frankreichs Rußland, Dänemark und England gleichzeitig zu kämpfen haben, aus Oesterreich und Italien sei kein Verlaß— also müssen wir so ungefähr diesen vier Mächten gewachsen sein. Invmerhin ein Programm, das muß man sagen. Zwar ist cS Wahnsinn, doch hat es keine Methode. Ilm ein solches Programm vorzuführen, ohne in den Zuhörern kuriose Gr- fühle hervorzurufen, bcsäswört der Redner die Kapitulation von Paris im Jahre 1871 und selbstvcrstäMich auch den altem Fritz herauf. Jede» zweite Wort ist der kommende Krieg, dem jeder Deutsche herbeiwünsche und herbeisehne! Nur vergaß der Herr General, wenn er von den vergangenen! Kriegen sprach, auch nur mit einem Wort der Menschenopfer zu gedenken, die jeder dieser Kriege in unerhörtem Maße gefordert hat, und die wahrlich durch keine Kriegsentschädigung wettgemacht werden können. Ofhcw er- klärte er, daß ein Offensivkrieg gegen Frankreich gefuhrt werden müsse, daß der neue Verein dem NcichskriegSwagew die Bahn frei machen wolle. Wenn wir den künftigen Krieg nicht gewännen, so würden wir geknechtet. Als ob nicht gerade, wenn auch nicht als Folge, nach den Siegen von 1870/71 die schlimmste Knechtung des deutschen Volkes durch das Schandgesetz gekommen wäre, und als ob nicht der Dank der deutschen Fürsten für die Zerbrcchung der napoleonifchen Herrschaft durch die preußischen Landwehrmänner Anno 1813 durch die Karlsbader Beschlüsse, die Demvgogenhetze und die ganze schändliche Wirtschaft erstattet wäre, die in Norddeutsch- land durch daö Jahr 1848 nur unterbrochen und erst dann gemllder! wurde, als Bismarck das allgemeine Wahlrecht einführte, um einen Trumpf gegen die österreichische Vorherrschaft auszuspielen, wäh- rcnd in diesem ehemals führenden deutschen Staate erst die Kriegs- Niederlagen von 18S9 einen Umschwung im Verfassungsleben zur Folge hatten. Völlig schief sind alle Kriegsreden, wie man sie auf dieser Ver- sammlung hörte, denn sie übersehen bei ihren Prophezeiungen aus- ländischer Angriffe» daß in allen Rulturstaaten die internationale Friedensbewegung des Proletariats von Tag zu Tag erstarkt: mit den Einfällen zarischer Horden aber wird das deutsche Volk auch ohne den Wchrvercin fertig werden. Herr Keim beklagt, daß man von einem Volk in Waffen gar nicht sprechen könne, da. zahllose junge Männer als überzählig vom Heeresdienst zurückgestellt wer den. Gerade in gewissen Kreisen ist man. gar nicht ungehalten darüber, denn dort haßt und fürchtet man jede Demokratisierung des Heeres. Aber hat denn der Herr General niemals von der sozialdemokratischen Forderung der Ersetzung des stehenden Heeres durch die Volkswehr gehört, zu der jeder waffenfähige Mann heran gezogen werden soll? Da die Ziele des Wehrvcreins nur durch intensivste Beeinflussung der Jugend im kriegerischen Sinne zu erreichen sind, will man sich auch die Mitwirkung der Frauen sichern und hgt deshalb auch eine Dame in den Ausschuß gewählt. Aber die Frauen, die mehr Opfer bringen müssen, als selbst auf den Schlachtfeldern gebracht werden, von denen Hunderttausende in jungen Jahren dem Tode zum Opfer fallen, sie werden wahrlich wenig Begeisterung dafür aufzubringen wiffein daß die Gefahr, ihre Väter, Brüd>.«., Gatten und Söhne im Kriege zu verlieren, noch ins Ungemessene erhöht wird. «ij; Sehr zur rechte«» Zeit erinnerten diese Herren an die Kriegs. "sgefahr des letzte«» Sommers. Schon diese Möglichkeit hat genügt, um das deutsche Volk mit dein ernstesten Willen zu erfüllen, den 'Herren, die das rohe, gewaltsame Händwerk des Krieges äusführen möchten, keine Gelegenheit dazu zu geben. Und sogar der Reichs- kanzl'.'' hat das kriegshetzerische Treiben gewisser„Patrioten", die nicht» zu riskieren haben, vor versammeltem Reichstag mit aller Schärfe gcbrand markt. Das GcgenwartSprogramm des WehrbereinS ist allerdings auch schlimm genug. Aus den offiziöse«» Veröffentlichungen ist bekannt, welch unheimkichew Umfang die neueste, allerneueste Militärvorlage annehmen dürfte. Dem Wehrverein aber ist das natürlich noch alles zu wenig. Dem Volke ist es längst genug. WeS Geistes Kind der ii-ue Verein ist, sprach aber einer der Rcdirer aus, der sich da- gegen aussprach, daß die neue«» Rüstuirgskosten— da», waS über die Kleinigkeit der jetzt schon alljährlich auszubringenden ISOV Millionen hinausgeht— durch eine Erbschaftssteuer gedeckt werden, die BiSmarcksche Rcichseinkonnnenstcuer scheint Herrn Dr. Sewin ge- eignetcr, gewiß doch nicht deshalb, weil die BundeSijaaten unter keine«» Umständen dieser Steuer zustinrmen wolle«««?... UebrigeilS warnte Herr Sewin selbst davor, die RüstungS- forderung mit dem Argument zu begründen, daß die Armee großen Industrien lohnende Beschäftigung gebe. Diese Erklärung eines WehrvereinSreferenten dürfte noch manchen kleinem Dutzend- Rüstungsagitator in arge'Verlegenheit bringen. Zum Schluß wählte man einen Vorstand aus Generalen und jenen Journalisten, von denen Herr v. KidcrlewWaechter erzählt hat. daß sie zwar Marokko annektieren wollten, es aber allein nicht machen konnten. Im Zeitalter des gleichen Stimm-rechts, in den Tagen der Befreiung des Volkes von Junkerkncchtschaft ul«d Chan- vinistcnphrasen, in der Epoche dcS riesenhaft erstarkeniden Sozialis- mus wird ein Verein nicht die Wege eines selbststchern Arbeiter- volle» bestiinmen. politifcbe öeberlicbt. Berlin, den 29. Januar 1912. Die Arbeit des neuen Reichstags. Ueber die Absichten der Reichsregierung in bezug auf den neuen Reichstag weiß die halboffiziöse Wothsche Kor- respondenz zu berichten: Vorläufig.werden den« neuen Reichstag keine größeren Vor- lagen zugehe««, mit Ausnahme des ElatS, der HeereS- und Flottenvorlage. Die Hauptaufgabe des neuen Reichstags wird zunächst die Verabschiedung dieser drei Materien sein. Erst von der Gestaltung dieser Vorlagen wird die weitere Versorgung dcS Reichstags mit neuem Material abhängen. Bon Handels- politischen Vorlagen wird dem Reichstage der neue deutsch- türkische Handelsvertrag zugehen, der noch im Laufe deS Februar erledigt werden muß. Eine größere Reihe von Vorlagen befinden sich in Vorbereitung, doch ist der Zeilpunkt ihrer Einbringung im Reichstage noch ungewiß. ES sind dies eine Novelle zur Reform der Fahrkartensteuer, eine Novelle zun« Seeunfallgesetz, ein Entwurf über die Haftpflicht der Straßenbahnen für Sach- schäden, ein Entwurf betreffe««!» die Revision des SpionagegefetzeS, eine Novelle zllm Patentgesetz, ein Entwurf«über die gesetzliche Regelung deS Theaterwesens, ein Entwurf über die gesetzliche Regelung deS PostfcheckverkehrS, ein Nahrungsmittelgesetz, ein Entwurf über die Neuregelung der Sonntagsruhe im Handels- gewerbe, ein Entwurf über den Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit, ein Entwurf betreffs Einschränkung in der Erteilung von Wantergewerbescheinen, eine Novelle zum Reichsbeamtengesetz betreffs Einführung de» Wieder- aufnahmeverfahrenS im Disziplinarverfahren, ein Entwurf über die Errichtung eines deutschen Rechnungshofe», ein Entwurf betr. die Unfallfürsorge bei Arbeiten, die freiwillig zur Rettung von Personen und- zur Bergung von Gegenständen in Notfällen vorgeiwmmen«verde,,, ein Entivurf über die Faulbrut der Bienen. ein AuSführnngSgesetz zur Bekämpfmrg deS Mädchenhandels und eine Reihe kleinerer Gesetze. Die iin alten Reichstage unerledigt gebliebenen Vorlagen«verde«« vorläufig nicht wieder vorgelegt «verde««; es ist beabsichtigt, den Entwurf über die Errichtung eine» obersten Kolonial- und KonsulargerichtshofeS umzuarbeiten und ihn später dem Reichstage«vieder zu unterbreiten. Ob daS Kur- pfuschergesctz nach einer Neubearbeitung der Materie dein Reichs- tage wieder zugehen«vird, ist noch ungewiß. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion tritt am Dienstag, den 6. Februar, im Reichstagsgebäude zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Drimborn der Groste. Justizrat Karl Triinborn, der Führer deS Zentrums kölnischer Richtung, bleibt den Seinen erhalten. Die„Köftr. Volksztg." berichtet: Sofort ilach der Kölner Stichwahl, bei welcher Herr Justizrat Karl Trimborn der Sozialdemokratie infolge der ihr durch die Ratioiralltberalen gewordenen Unterstützung unterlag, sind dem Führer der rheinischen ZentrnmSpartei mehrere sichere rheinische Mandate durch die gegentvänigen Inhaber zur Verfügung gestellt ivorden. Herr Justizrat Trimborn wird eines dieser Mandate, «vclches»lnter verschiedenen Gesichtspunkten besonders geeignet er« scheint, dem Drängen seiner Freunde nachgebend, überuehinen. Die Wahlkreise Trier und Wittlich-Berncastel kommen dabei, wie «vir gegenüber lvillkürlicheu Ausstreuungen liberaler Blätter auS- drücklich bemerken, nicht in Frage. Sofort nach der Konstituierung des Deutschen Reichstages wird die Angelegenheit ihre forn«ale Erledigung finden. Wir wollten aber die vorstehende Mitteilung, welche innerhalb der gesamten Zentrumspartei«nit größter Genugtuung begrüß« «Verden«vird, der Oeffentlichkeit schon jetzt übergeben. Daß alles aufgeboten werden wird, um Herrn Justizrat Trimborn bei nächster Gelegenheil das Kölner Mandat iviederzugeiviilnen. ver- steht sich von selbst. Wie verlautet, soll der Wahlkreis bereits gefunden fein, dessen Kandidat zugunsten TrimbornS zurücktreten will. Es ist der Wahlkreis Kempen im Regierungsbezirk Düsseldorf, in dem am 12. Januar der Bäcker-Obermeister Chrysant ge- wählt worden ist. Da dieser Wahlkreis zu den sichersten Zentrumskreisen gehört, ist eS absolut sicher, daß Trimborn, wenn er dort als Kandidat aufgestellt wird, auch mit großer Majorität gewählt wird._ Kröcher gewählt. Auch Herrn Jordan v. KrvcherS Zirkuswitze bleiben dem neuen Reichstag erhalten. Die aintliche Feststellung deS Wahlergebnisses im ReichStagSivahlkreife Salzwedel-Gardelcge» ergab für den kon- servativen Kandidaten eine Mehrheit von 321 Stimmen. Die Hauptsorge. In einer Zuschrift an die„Kreuz-Zeitung" reizt der Herrenhäusler Graf v. M i r b a ch die Regierung auf, die Einlösung deS Versprechens der Thronrede zu vermeiden und die preußische Drciklassenschmach noch länger fortbestehen zu lassen. Der edle Graf schreibt: »Wenn der vereinte Liberalismus, wie wir sehen, bereit ist, da» Deutsche Reich um jeden Preis, auch unter Aufopferung seiner eigenen Existenz, der internationalen Sozial- demokrati« auszuliefern st) so, muß jedermann, der dieser Phalanx nicht angehört, alles daran setzen, Preußen stark und machtvoll zu erhalten und jeden, auch noch so unbedeutend und winzig erscheinenden Versuch zurückweisen, an diesem starken Bau zu rütteln.— Preußen ist jetzt, mehr denn je, daS Fundament de« Reiches, der feste Hort nationaler deutscher Kraft und Gesinnung." Aus den konservativen Tiraden in ehrliches Deutsch über- setzt, heißt das. daß jeder wesentliche Fortschritt im Reiche die Ntederzivingung des festen Hortes aller Reaktion, die Er- oberung des gleichen Rechts in Preußen zur Voraussetzung hat. Deshalb ist der„Bruch d e L Königs- Wortes" nach wie vor die Hai«ptsorge der Konservativen, wie die Beseitigung der DreiNassenschmach die Hauptsorge aller derer, die politisch vorwärts koinmen wollen. Aus dem Dortmunder Wahlkampf. AuS Dortmund wird uns geschrieben: ES waren gleich würdige Gegner, mit denen wir im Wahl- kreise Dortinund-Hörde zu tun hatten, und gleich schäbig waren auch die Waisen, mit dencn sie gegen uns zu Felde zogen. Die Dortmunder Nationalliberalen, die mit einem Bein im kon- servativen Lager stehen, bezogen ihr Material von dem ReichSvcr- band zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, und die Ultra- montanen überschwemmten' daS Länd mit den geistesverwandten Erzeugnissen au» M.-Gladl>ach. DaS hiesige Zentrumsblatt, die „Tremo>«i<>". begann den Wahlkampf mit der aus Diummhcit und Gewissenlosigkeit geborenen Behauptung, die Krankheit BmnelburgS sei eine Erfindung der Dortmunder Sozialde,no- kratie, die damit nur den einen Zweck verfolge, den„Revisionisten" Bömclburg abzusägen. AIS das nicht«nehr zog, kam die schwinde!- hafte Behauptung, daß in den Kreisen der Dortmunder Genossen eine tiefe Unzufriedenheit mit der Kandidatur Erdmann herrsche, und daß der Rücktritt Erdmani«S bevorstehe. Die Nationallibe- ralen, denen es an Geist zu eigenen Sch!vii«delcien mangelte, griffen das ultrainontane Gewäsch auf und versuchten, die Dort- munder Arbeiter darüber zu belehren, daß ein Akadeiiiiker wie Dr. Erdmann nie und niminer-für sie der richtige Vertreter sei: und daß sie deshalb den Kandidaten der Nationalliberalcn. Herrn Professor, Doktor und Rcgierui«gSrat Leidig wählen»«rüßtenl Am Borabend der Haupttvahl verbreiteten die Nationallibe- ralen ein Flugblatt mit einer Warnung vor der Wahl des sozial- demokratischen Kandidaten. Dr. Erdmann, so hieß es darin, kan- didiere auch in Bonn-Rheinbach, und habe bereits erklärt, im Falle einer Wahl dort anzunehmen. Wer deshalb Dortmund vor einer Wiederholung der Wahl schützen wolle, mögen sich hüten, dein Sozialdemokraten die Stiinme zu geben! DaS Zentrum leistete sich seinen Hauptstrcich am Stichwahl. tage, indem es durch Anschlag in Telegraminform die Nachricht verbreiten ließ, Dr. Erdmann sei am Abend vorher am Herzschlag gestorben. Offeirbar gei«ügte der Partei für Wahrheit, Freiheit und Recht diese Leistung noch nicht, denn ihre Freunde gaben am Stichwahltage ein Flugblatt folgend-cn Inhalts heraus; Wier schon mal was auSgefressen, Wer im Zuchthaus hat gesessen. Wer mit Totschlag bei der Hand Und als«großer Lump bekannt, Der schwort auf die rote Partei Und wünscht den Umsturz schnell herbei. Anständige Menschen stiininen nur Für die bürgerliche Kandidatur. Mit dieser Leistung tvar die Höhe der Gemeinheit erklommen. Und der Erfolg? 19 000 Stimmen Zunahme in der Hauptwahl i I und ebensoviel Vorsprung über den schwarzen Stichwahlgegner, ' trotzdein die Nationalliberalcn bis auf einen kleinen Teil den Ultrainontanen bcigesprungen sind. Und jetzt, wo die beiden Freunde vergebens gclvctteifcrt haben in der Schäbigkeit der Ge- sinnung und der KainpfeAveise, kann man das erbauliche Schau- spiel genießen, daß sie sich in den Haaren liegen und sich gegen- seifig Vorwürfe inachen, an dem Siege der Sozialdemokratie schuld zu sein. Sie sind einander wert: die»ationalliberalen Scharf- machcr dcS Westens und die klerikalen Volksverräter und Volks- verduinmerl' Konservativer Terrorismus. Verschiedentlich haben«vir in« Laufe deS WahlkainpfeS gezeigt, daß der TcrcoriSinus in allerschlimmster Form speziell von, Lager der Konservativen ausgeht. Heute sind wir in der Lage, einen neuen eklatanten Fall mitzuteilen. In GreifSwald wurde am Freitag folgendes Zirkular verbreitet: Konservativer Verein für de» Kreis Greifswald. Greifswald, 2S. Januar 1S12. Sehr geehrter Herr! Viele Herren aus Stadl und Land haben uns gebeten, ihnen die Namen unserer Mitglieder aus dem Aerzte- und Rechts- amvallsstaiide, sowie der Kaufleute und HandwerlSineister auf- zugeben,«veil sie zunächst ihren Bedarf bei ihren G e s in n u n g S g e n o s s e u d e ck e n«vollen. Sind Sic damit einverstanden, daß«vir Ihren Namen auf diese Liste mit setzen könne», so bitten wir«nn sofortigen Bescheid. HockmchtungSvoll Der Vorstand d.s konservativen Verein? für de«« Kreis GreifSwald. Sehnliche Schreiben sind auch im Kreise Stralsund-Franzbrirg- Rügen verschickt worden. Wahlprüfungen. Es ist ein alter Uebelstand, daß sich die Prüfung der Gülttgkeit der Mandate im Reichstag oft viel zu lange hinaus-' zögert. Namentlich die konservatio-kle'-ikale Majorität hatte in dieser wie in allen Beziehungen arge Zünoen gehäuft. In der„Voss. Ztg."«nacht jetzt Herr OberlandeSgcrichtsrat Nöldeke Vorschläge zu einer Beschleunigung des Prüfungs- Verfahrens. Er sagt: „In dieser Beziehung dürfte c« sich zunächst empfehlen, daß nach dein Prinzip der Arbeitsteilung stall einer n« e h r e r e. vielleicht in der Mitgliederzahl kleinere Prüfungs- k o m Missionen niedergesetzt werden. Auf diese Weise würde cS ermöglicht«verde», daß eine Reihe von Aahlprolesten statt nach- einander nebe»einander geprüft werden. Und einzelne Wahlen sind derart zustande gekonnnen. daß der Reichstag sie in lvcnige» Tagen kassieren kann. Dann aber»liuß die Ermittelung des Tatbestandes beschleunigt werden. Dazu wird es nicht genüge««, daß die Verwaltung«- und richterlichen Behörden, die um die Vornahme von Erhebungen ersucht«verde», die Weisung erhallen, diese Sachen mit besonderer Beschleuniguirg, als Eiliachen, zu erledigen. Häufig wird die sonstige GeichäfrSlast der Behörden gar nicht gestalten, derarliae mnfangreiche Erhebungen so schnell vorzulrebmei«, wie es im Interesse-der Würde des Reichstags not- wendig ist. Daher sollte der Reichstag der Frage näher treten, ob er nicht an Stelle der Behörden die Erhebungen selbst durch Mitglieder seiner WahlpriifungSkommission vornehmen lassen will... Wenn die Reichsverfassung dein Reichst«ge das Recht gewährt, die Legitimation seiner Mitglieder zu prüfen, so muß sie ihm aüch die Mittel geioähren."diese Ausgabe in sachgemäßer Weise durchzuführen. Daher«vird inan in einer Handhabung der Wahl- prüfunge«« t«« der voraeschlageuen Welse keinen unzulässigen. Eingriff »i« daS Recht der Verivaltung erblicken köitncn. Liegt doch der parlamentarischen Wahlpri'ifnng auch der Gedanke zugrunde, daß auf diese Weise das Parlament in die Lage versetzt werden soll, eine Kontrolle über die Verwaltung auszuüben. Der Reichstag hat zu bedenke», daß dem Recht der LegitiinationS- Prüfung die Pflicht dieser Prüfung entspricht, daß cS aber keine Erfüllung dieser Pflicht enthält,«veiin man die Wahlprüflinge» der- artig als„guautitö negsiigcable", behandelt, wie eS in der letzten Zeit üblich geworden ist. DaS entspricht weder der Würde deS Reichstages, noch dem Willen der Wähler, noch dem Sinne des Gesetzes."_ Ter Haupt- und Kronzeuge im Deutzer Land« fricdensbruchprozlst, der mit G e fang n i s straf e n von inSgesam 23 Jahren endete, war ein gelvisier Hauptmann. Die Verteidiger be- stritten aufS energischste die Glaubwürdigkeit dieses Menschen. Der Erste S ta a tS a n>v a lt nahm ihn aber sehr in Schutz. Er sagte u. a.:„Was gegen Hauptmann vorliegt, ist nur, daß er vor- bestraft ist, sonst ist er durchaus glaubwürdig und»nacht den besten persönlichen Eindruck." Dieser Kronzeuge der StaatSanivaltschaft, der sich.Kauflnann" nennende Robert Hauptmann, befindet sich seit einigen Tagen in Köln in UntersuchungSkoft lvegei« Kuppelei und E r- pressu«, gSversuch» Die Beiveise sind erdrsickend. Hoffentlich gelingt eS nun, daS W i- d e r a u« n a h m e v t r f a h r e n in Sache» de« nach unserer Ueberzeugung völlig schuldlos zu niehrereu Jahren Gefängnis verurteillen GeivcrlichastSselretärs Georg Fröhlich herbei- zuführen, zumal, da die Vorstrasei« de« HauplinanuS«vi« folgt aussehen: wegen Unterschlagung ICO M.. lvegei« Untreue drei Mo- nale, wegen Betrugs neun Monate, weg» Unterschlagung drei Wochen, lvegei« B c t r u g S und Unterschlagung zehn Monate, lvegei« Betrugs und Unterschlagung vorn Militärgericht sechs Monate und zweite Soldatenklasse,«vegen Beleidigung einen Monat, wegen Betrugs und Unter- s ch l a g u n g vier Monate, wegen Betrugs sechs Monate, «vegen Unterschlagung fünf Monate und«vegen Betrugs sechs Monate. Die Liste macht auf Vollständigkeit keinen Anspruch. Dieser Mensch machte auf den Ersten StaatSanlvatt den„bestell persönlichen Eindruck" I Und diesen durch und durch geriebenen Bllrsche» nannte er„durchaus glaubivlirdig" l Sein Zeugnis brachle unseren Georg Fröhlich, nach der Neberzengui-g aller, die ihn kaimten. und auch einer Reihe der Bcrhandluiig beim ohnei, der Juristen, unschuldig auf zwei Jahre und fieben Monate ins Gefängnis. Wahlproteste. Die Fortschrittler in, Wahlkreise Nordhausen wollen die Wahl des Genossen Dr. Eobn anfechten. Sie behaupten, die Anti- semiten hätten die OrtSvorslände dadurch irregeführt, daß sie die Aufforderung zur Wahlenthaltmig in amtli hen Kuvert» verschickten. Die OrtSvorstcher hatten die Sendung als eine kreisamtliche aufgefaßt und deshalb den Inhalt des Schriftstückes aiiSklingeli, lassei«. Gegen die Wahlen in G l e i w i tz. L u b l i n i y und Kasel Die koburg-gothaische Wahl.„Reform". Durch die Presse ging dieser Tage die Nachricht, die koburg- gothaische Regierung habe die Abficht, dem Landtage eine Wahl- reform vorzulegen. Diese Nachricht ist fal'ch. Folgender Vorgang hat die Veranlassung zu dem Irrtum gege'ci«: Seit Jahren fordert die Sozialdemokratie Koburg-Gotha« für die Landtagswahlen die Einführung der iirekien Wohl an Stelle des jetzt bestehenden indirekten Wah'verfah.-enS. Dieses Verlazigeir ist von der Regierung stets abgelehnt worden. In einigen Monaten finden nun die Neutr'ahlen für den Landtag statt, deshalb sucht We Rcg!erunz i'cn Wühlern hegenüver Noch schnell Aach einer Rückendeckung für ihre Haltung. Der Landtag hatte den Wunsch. datz möglichst noch fror Beendigung der Wahlperiode eine Vorlage ausgearbeitet werde, die die direkte Wahl einführt. Da die Regie- rung den Ausschub des geincinschafilichen Landtage» in einem ..Gutachten' über die Frage hören wollte, ersuchte der Landtag die Regierung, dieses Gutachten bald einzufordern. ES sind reichlich dreiviertel Jahr darüber hingegangen. Erst jetzt gibt die Regierung dem heule, am 29. Januar, zusammentretenden AuSschuh eine ausführliche Begründung für ihren ablehnenden Standpunkt. Dies« Begründung ist die angebliche.Vorlage', Die Gründe sind durchsichtig genug. Die Regierung fürchtet, daß die wachsende Sozialdemokratie Vorteile bei der Einführung des direkten Wahlverfahrens habe. Sie fürchtet, daß unsere Partei, der schon einmal nur eine Stimme an der Majorität im Gothaischcn Landtage fehlte, dadurch die Mehrheit erlangen könnte. In der Vorlage führt sie deshalb aus, dah sie nur bei Annahme entsprechender Kompensationen an eine Einführung der direkten Wahl herantreten würde. Als entsprechende Kompensation gelten ihr z. B. das Zweikammersystem. daS Klassenwahl. f t; st c m, das Recht des Souveräns zur Ernennung einer be- stimmten Anzahl von Abgeordneten. Auch das Mehr- stimmensystem für die reichen Steuerzahler oder die Stimmenhäufung von einem bestimmten Älter an, eine berufs- ständige Gliederung usw. würde ihr eine entsprechende Kompcnsa- tion sein. Der einzige Zweck dieser reaktionären Vorschläge rst anerkanntermahcn. ein Gegengewicht gegen die Wirkung deS ledig- lich auf der Masse beruhenden allgemeinen gleichen Wahlrechts gu schaffen. Tie Regierung will daS Wahlrecht nicht ändern, und wenn sie CS doch tun muß, so will sie cS nicht ahne eine oder einige der oben angeführten„Kompensationen". Jede Verbesserung des jetzigen Zustande» soll mit einer entsprechenden Verschlechterung erkauft werden. Nimmt nun der Ausschuß Stellung für die direkte Wahl, so trägt er auch die Verantwortung für die Kompensation, ohne die sich die Regierung auf nichts einläßt. Nimmt er aber— unter diesen Umständen das wahrscheinliche— Stellung gegen jede Acndcrung, so ist es der Regierung auch recht. Auf jeden Fall lann sie sich auf den Ausschuß berufen. Auf diese Weise hofft die Regie- rung, sich die ihr unbequeme sozialdemokratische Forderung nach Einführung der direkten Wahl vom Halse zu schaffen. Sie erreicht ihren Willen und hat jemanden, der ihr die Verantwortung in der Lesse utlichkeit mittragen hilft. Der Ausschuß, in dem auch unser Genosse Bock sitzt, wird ihr hoffentlich einen Strich durch die schöne Rechnung machen und eine Vorlage für Einführung direkter Wahl fordern, ohne sich auf »Kompensationen" cinAulassen. Ein Geständnis und ein Versprechen. In einem Artikel über die gusannnensetzung deS neuen Reichstages schreibt die.Köln. Ztg.' unter anderem; .Die Rationalliberalen zogen zwar im au»- gesprochenen Bündnis mit der Volkspnrte» in den Kampf, e u t- hielten sich aber, von Baden und Bayern abgesehen, jeder parteiamtlichen Unterstützung der Sozialdemokratie. Ihre Leitung wird sich b e- wüßt gewesen sein, daß sie damit da» Ziel, den Block der Reaktion zu zertrüminirn, ge- fährdete, aber sie hat auf die Gefahr hin. daß dieses Ziel verfehlt wurde, an ihrem traditionellen Marakter als Mitlelpartei festgehalten. Indes läßt ihr Bündnis mit der Fortschrittspartei kernen Zweifel darüber zu. daß die N a t i o n a l l i b e r a l e Partei im neuen Reichstag an der Seite der radikalen Linken reaktionäre Gelüste ab- wehren wird. Das ist die eine Abwehnnehrheit, die sich aus der Konsequenz der Dinge von selbst ergibt. Von der Möglichkeit einer anderen„Bbivehrmehrbeit', dem Bündnis zwischen Zentruni und Sozialdemokratie hat Herr Eczberger gesprochen. Leider bat er veriäumt, sich darüber zu äußern, was sie eigentlich abwehren toll. Um Rückschritten aus sozialpolitischem Gebiet oder Kulturkanipfgelüsten entgegenzutreten, würde sie den Liberalismus auf ihrer Seite finden; nähme sie einen zenlriichen Antrag an. die Jesuiten- gesetze aufzuheben, so würde die Abwehr eines solchen den Staat gefährdenden Begehrens Sache der Regierung fein." Das G e st ä n d n i S, daß die Nationalsiberalen an« Haß gegen die Sozialdemokratie ihr eigene» Ziel, die Zertrümmerung des schwarzblauen Blocks, fast vereitelt hätten, ist recht interessant. Und du» Gelöbnis, stets gegen reaktionäre Gelüste kämpfen zu wollen, nehmen wir zur Kenntnis. Hoffentlich werden wir nicht nötig haben, daran erinnern zu müssen._ Ocffcmlcb. Ein nationaler Arbeiterführer wurde bei den letzten ReichSratSwahlen in Schlesien in der Person >d«S.Schriftleiters" Ferdinand S e i d l ins Parlament gewählt. Zur Bedingung seiner Wahl machten ihm di« Ehristlichsozialen. keinem antiklerikalen Antrag zuzustimmen, weshalb der ehemalige „LoS von Nom'-Käinpser auch bei der Abstimmung üfljer die Ehe- rcchtSrcform dedvonlief. Jetzt hat sogar ein schlesikch«z Gericht einen Genossen, der den G«idl Lügner und Becleumder hieß, wegen Erbringung de» Wahrheitsbeweise» frei» gesprochen k frankrcicb. Die Wahlreform. Paris, 26. Januar. sEig. Ber.) In der Wahlrefonnfroge ist eine wichtige Entscheidung gefallen. Wohl ist das Pro- p o r z s y st c in noch nicht ganz über den Berg gebracht. Aber eine arge Verfälschung deS Prinzips, mit der sich sogar die Kommission und die Regierung einverstanden erklärt hatte, ist vereitclr worden; das„Apparentement", das Jn-Vcrbindung- treten von Parteien, um die von der Aufteilung der Mandate gemäß den erreichten Wahlqtiotienten übriggebliebenen Stimmen zusammenzufassen. Da» Apparentement hätte eben- so den Kuhhandel zwischen den Parteien gefördert, wie daS seinerzeit von Briand ausgeheckte und jetzt darauf gepfropfte Prämiensystem, die Zurechnung sämtlicher Reste zur Stim- menzahl der Mehrheit. Es war selbstverständlich, daß sich die Sozialdemokraten gegen das„Apparentement" mit aller Kraft wendeten und die Reden S e m b a t s und I a u r d S haben nicht wenig zu seiner Ablehnung beigetragen. Merk- würdigerweise aber waren auch die radikalen Provorzgcgncr dagegen, zu deren Beschwichtigung eS vorgeschlagen worden war. Die glaubten nämlich, mit dem Apparentement, das noch einige Hoffnung auf die Blocktaktik im Wahlkampf ließ. hie Wahlreform überhaupt ersäufen zu können. So war das Apparentement auf den Ergenosfen Breton als Berteidi- ger angewiesen, der es mit dem Hinweis auf die— übrigens gar nicht sichere— Opposition des Senats gegen den reinen Proporz zu empfehlen glauble. Die Abstimmung ergab 457 gegen und LI für das Apparentement. . Tie Senatökommisfion muß nun eine neue Formel für die Zurechnung der Reste finden und am Montag der Kammer vorlegen. Die Sozialisten beantragen, mehrere be- nachharte Departements zusammenzufassen, die Stimmenreste der einzelnen Parteien zu addieren und die Summe für die Zuteilung der noch nickst verciebenrn Mandate maßgebend zu machen, so daß keiner Partei fremde Stimmen zugerechnet würden. Im anderen Fall sind sie bereit, den einfachen Pro- porz im Departement anzunehmen, wenngleich sie ursprüng- lich für größere Wahlkreise als das Departement eingetreten waren. Jaurds sieht dem Ergebnis mit großer Zuversicht ent° gegen und erklärte in der„Humanitä". das Proportional- Wahlrecht sei schon verwirklicht. Italien. Tie Republikauer für die Kammercröffuung. Rom. den 25. Januar.(Eig. Ber.) Die r c p u b l t k a- nische Parlamentsfraktion hat soeben eine heftige Tagesordnung angenommen, in der sie die Wieder- aufnähme der Kammerarbeiten fordert und die heutige Haltung der Regierung als dem Geiste der italienischen Verfassung widersprechend bezeichnet. Nützen wird freilich dieser Protest nicht viel. Vor Mitte Februar denkt Giolitti nicht daran, die Kammer wieder einzuberufen. Lelgien. Die Angriffe gegen de»„Bovruit". Unser Brüsseler Korrespondent schreibt uns unterm 26. Januar: In der Debatte über die LebenSmittelteuerung, die gegenwärtig die belgische Kammer beschäfligt, hatte kürzlich der Klerikale DuBuS verleumderische Angriffe gegen die Arbesterführer und im Zusammen- hang damit gegen ein an den.Vooruit' angegliedertes Institut erhoben. Bei diesen Angriffen bediente sich der klerikale Verleumder einet entstelllen und für seine edlen Zwecke präparierten Zitats au» einer Broschüre über die belgische Arbeiter- b e w e g u n g, die seinerzeit al« Ergänzmigsheft der„R e u e n Zeit' erschien und deren Verfasser Henri de Man und Louis De Broucköre sind. Die Angriffe Du BuS' haben nicht allein den Zwischenfall Vandervelde provoziert, der in der Kammer dem adeligen Herrn seine Verleumdung mit einer Ohrfeige heimzahlen wollte, sondern sie haben auch noch einen anderen zur Folge gehabt, der leider in die Form eines PartetkonfliktS übergegangen ist und der wohl in der nächsten Zeit die Parteiiufianzen und die Partei- diskuffion einigermaßen beschäftigen wird. Die von dem Klerikalen als Beweis für seinen Borwurf der .ketten Pfründen', die die Arbeiterführer nach ihm einsacken, heran- gezogene Stelle aus den, Artikel des Genossen De Man bezieht sich auf da« dem«Vooruit' angeschlossene.Bureau für die An- s ch a f s u n g von Vieh', über dessen Tendenz und Wirksamkeit De Man in der erwähnten Broschüre allerdings in harten Worten urteilt, in der aber nicht ein Wort von dem Borwurf des«Wucher»' steht, den der Klerikale auf eigene Faust aus dem Artikel deduzierte, um den Angriff als.Zitat" auszugeben. Nun hatte De Broucköre, soweit seine Person ins Spiel kam, in einem offenen, in der Kammer verlesene» Briefe an Du BuS die Sache klargestellt, aber Herr Du Bus hat in echt klerikalem JesuitiSmuS diese Rektifikation nur zur Befestigung seincS verleumderischen Angriff« auS- genützt. S n s e e I e hat daraufhin als moralischer und tatsächlicher Repräsentant de».Vooruit" in der Kammer das Worl genommen— nicht allein oder auch nur hauptsächlich, um den Augriffen des .Klerikalen cutgegcnzutreten, sondern um sich in vehcineutester Weise gegen D e M a n und die von ihm geüble Kritik zu wenden, die. wie immer man sich zu ihr stellen mag, als Kritik eines Partei- genossen— in einem offiziellen sozialistischen Organ ver- öffentlicht!— zu werten ist. Daß sich Anseele in übergroßer Liebe zu seinem Wert hat hinreißen lassen, den sozialistischen Kritiker und Parteigenossen mit dem klerikalen Verleumder Du Bus .in einen Topf zu werfen' kann daruin nur mit Bedauern ver- zeichnet werden. Darf man eS billigerwcife überhaupt bezweifeln, ob es am Platze ist, einen Angreifer, mit de in man in jeder Stunde zusammentreffen kann, wenn man ihn für das Ge- s ch r i e b e n e z u r D e r a n t w o r t u n g ziehen will, an dem einzigen Orte zu attackieren, wo er sich nicht ver« t e i d i g e n kann, so wird man eS noch weniger gutheißen können, wenn ein Parteigenosse in hervorragendster Stellung die P a r l a- mentdtribüne benutzt, um gegen einen anderen Parteigenossen, gegen die Parteiehre de» Be- treffenden gerichtete Anwürfe schwerster Art zu schleudern. All dem gegenüber ist wichtig, nochnialS festzustellen, daß De Man in seiner Broschüre nicht» von dem zeschrirbeu hat, was der klerikale Verleumder aus ihr herausgelesen haben wollte. Herr De BuS sprach vom Wucher, mit dem sich die erwähnte sozialistische Genossenschaft(das„Bureau für die Anschaffung von Lieh') beim Vorstrecken des Geldes an Kleinbauern und Kleinpächter bereichere. Was behauptet Genosse De Man in dem Artikel? Er kritisiert den inerkantilen Standpunkt der belgischen GenossenschaftSbewegung, die diesen auf Kosten der sozialistischen Gedankendurchdriiigung in den Vordergrund stelle; er bemängelt die Umwandlung eines sozialistischen ÄenosselischaftSunteruehlliciiS in eine Aktiengesellschaft und kritisiert schließlich da« genaimt« landwirtschaftliche Institut(daS eigentlich eine Aktiengesellschaft sei), dessen Tätigkeit er als anti sozialistisch bezeichnet..Diese» Bureau— heißt eS in dem Arlilel— wird von einem der Parteisekretäre verwaltet und hat zum Zwecke, den kapitalarmen Bauer», also in der Hauptsache den Klein« Pächtern und Kleingrundbesitzern daS Geld zum Ankauf von Vieh gegen einen ZinS von lOProz. vorzuschießen.' Weiter sagt De Man, daß den Bauern verheimlicht werde, daß diese» In- st i t u t mit dem.Vooruit' zusammenhängt, ja, eS werde geflissentlich als ein Privatuiiternehuien jene« Parteisekretärs hingestelll. De Man« Anklage läuft schließlich darauf hiimuS, daß statt einer sozialistischen Propaganda unter den Landprole- tarieni die künstliche Züchtung von Kleinbauern.mittels 19 Proz." betrieben wird, daß daS ganze derartige Genossenschaftswesen.klein- bürgerlich entartet' und zum reinen Kräinertüm herabsinkt.— Man sieht, in dieser Kritik steht mancherlei, aber nicht» von.Wucher' und.Pfründen'. Der Klerikale hatte daS herausgelesen, gut. Er erhielt die entsprechende Abfertigung. Anseile aber tanu nur in dem Artikel gelesen haben, waS tat- sächlich drinnen steht und er betrachtet den Inhalt als eine Ver- leumdung— da» ist sei» gute» Recht. Aber nichts hat Anseele ge- hindert, innerhalb der Partei den Verfasser zur Verantwortung zu ziehen, der selbst nicht» sehnlicher wünschte und diesem Wunsch auch unzählige mal AuS- druck gab, als die Auseinandersetzung vor daS ForumdeS Generalrat» der Partei zu bringen. Auch heute, in einem öffentlichen Schreiben an den„Peu-ple'er- klärt De Man, daß er die Austragung der Angelegenheit vor dem Gcneralrat seit dem März 1911 anstrebt und die Lerant- Wartung für jede seiner Behauptungen, die sich auf Dokumente stützen, voll übernehme. Für di« persönlichen, seine Ehre angreifenden Worte Anseele» in der Kamm« verlangt Genosse De Man die Einberufung eine» Schiedsgericht!, dem Anseele, wie wir erfahren. seine Zustimmung ver- weigert. Jedenfalls wird sich mit diesem Teil der Angelegenheit der Generalrat befassen, da eS wohl nicht angeht, daß von einem führenden Genossen von der ParlamentStribllne aus einem in öffent- sicher Parteistellung befindlichen Parteigenossen lD- Man ist Sekretär de» BildungsauSschusseS der belgischen Arbeiterpartei) vorgeworfen wird, daß er P a r t t t v e r r a t geübt habe. Spanien. Die Konfiskation von FrrrerS Nachlaß aufgehobeck. Madrid, 23. Januar. Die H i n t e r l a ss e n sch a f k FerrerS, die nach seiner Verurteilung vom Staate mit Ba- schlag belegt worden war, soll nach einer vom Obersten Kriegs- und Marinrat getroffenen Entscheidung den Erben des Ver- urteilten zurückerstattet werden. Mit dieser Maßregel geben selbst die Behörden zu. daß an Ferver ein Justizmord begangen worden ist. Marokko. Darch Guerillakrieg zum Protektorat. Rabat, 28. Januar.(Meldung der Agence HavaS.) Oberst Simon, der am 26. Januar von Sick el Arbo mit Schützen, Spahis und Gebirgsartillerie aufgebrochen war. um den häufigen A n« griffen auf die Posten der Etappen st raße von Metines nach Rabat ein Ende zu machen, brachte im Süden von Suk el Arba feindlichen Abteilungen Verluste bei und wies mehrere Nachtangriffe zurück. Bei Morgengrauen war der Feind verschwunden. Der Regen machte seine Verfolgung unmöglich. Die Franzosen verloren in diesen Kämpfen vier Tote. Fünf- zehn Mann wurden verwundet. Die Kolonne ist nach Suk el Arba zurückgekehrt._ Der Krieg. Erstarkung der türkischen Offensive Tripolis, 28. Januar.(Meldung der Agenzia Stefans.) In der vergangenen Nacht gegen S'/i Uhr unternahm der Feind einen Vorstoß gegen Gargaresch, der sofort zurückgewiesen wurde. Zur selben Stunde fand ein Angriff des Feindes auf die italienischen Schanzen bei Ainzara statt, der bis zum Morgen durchgeführt wurde. Bei Tagesanbruch setzten die Türken Streitkräfte von mehr als 3990 Mann auf Ainzara an, die gegen 7V6' Uhr mit bemerkenswertem Nachdruck angriffen, aber durch das Feuer der Italiener auf der ganzen ßini« zurückgeschlagen wurden. Um 8 Uhr iO Minuten trat der Feind de» Rückzug in südlicher und südwestlicher Richtung an, verfolgt von den italienischen Geschossen. Die Verlust« der Italiener betrage» zwei Tote und acht meist leicht vettvundete, die deS Feindes sind sehr viel größer. Neue italienisch-französische Verwickelunge«. Tunis, 29. Januar.(P.-C.) AuS Gabes wird gemeldet: Die im Golf von Aghir in französischen Gewässern kreuzenden Fischerboot» sind, da sie in den letzten Tagen sehr häufig von italienischen Torpedo- booten belästigt worden sind, größtenteils nach Houmtfouk zurück- gekehrt. Unter der Bevölkerung selbst herrscht insolgedessew eine große Erregung, uud dst!> französische Regierung ist«psucht worden� französische Torpedoboote in die stunesischen Gewässer zu entsenden und so die dortigen Fischer vor. U e h e r g r i f f e.u, der italienischen Flotte zu schützen. Da die Behörden den Ausbruch von Unruhen fürchten, so ist die französische, im Süden von Tunis stationierte Kavallerie verproviantiert und nach der betroffenen Gegend entsandt worden, um die eingeborene Bevölkerung zu be- ruhigen. * Pans, 29. Januar.(SS. T. B.) Nach einer anscheinend offi« ziösen Mitteilung beabsichtigen die Regierungen FranteichS und Italiens, eine französisch-italienische Kommission einzusetzen, welche Mittel und Wege zur Hintanhaltung von Zwischenfällen, wie den .Carthage"-,„Manuba"- und„Tavignano'-Zwischenfall, prüfen und einen mockus vivendi für die Dauer de» türkisch-ttalienischen Krieges finden soll.''' Die Revolution in China. Die Mandschudynastie in der Klemme. Peking, 28. Januar. 46 Generale und Kommandeure der kaiserlichen Armee sandten telegraphisch eine Bittschrift an die Regierung, in ivclchcr sie sich ausführlich über die Schwierigkeiten der augenblicklichen Lage aussprcchen und darauf hinweisen, daß die Truppen unzuverlässig sind, weil sie eine Republik wünschen uno mit besonderem Nachdruck auf die Notwendigkeit einer friedlichen Beilegung der Zwistigkeiten hinweisen. Diese Bittschrift wird, da sie am Vorabend de« Waffenstillstandes konunt, als ein Ultimatum angesehen, um die Mdankung der Mando schuhs zu erzielen. Peking, 28. Januar. Wuting'fang stellte telegraphisch die Forderung, der Thron solle noch heute abdanken; die Feind- scligkeitcn würden sonst morgen wieder aufgenommen werben. Die Regierung bemüht sich, eine Verlängerung des Waffenstillstandes zu erlangen. Peking, 28. Januar.(Meldung de» Reuterschen Bureau».) Im Zusammenhang mit dem Ultimatum Wutingfang» an den Thron ist weiter zu melden, daß General Liyuanheng sich zum Vormarsch von Wutschang nach dem Norden rüstet. ZjuanschikaiS Truppen beziffern sich jetzt auf 7999 Mann, weitere Verstärkuiigcii werden erwartet. General Tiemliang, der Gegner Nuanschikai«. ist nach Ticntsin geflohen. Der Gesundheitszustand de» durch da« Bombcnattcntat verwundeten Generals Liangpi hat sich gebessert. Die Borgänge in der Mongolei. Zizikar, 28. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphen» Agentur.) Die Mongolen stellten den chinesischen Behörden der zwei Werst von der Bahnstation Manschurija gelegenen Stadt Lubinfu die Forderung, die Stadt zu räumen. Infolgedessen treffen die Chinesen V e r t e i d ig un g s ma ßnah m c n und versperren die Zugänge der Stadt mit Drahthindernissen. Die Mongolen, die ein hartnäckiger Widerstand erwartet, zögern ihrer militärischen Schwäche wegen vorzurücken. Eine au» Lhailar nach Lubinfu entsandt« Mongolcnabteilung machte auf halbem Wege halt. Pläne de» russische» Kapital» in der Mongolei. Petersburg, 28. Januar. Man ist mit der Bildung einer mon- gotischen Gesellschaft beschäftigt, welche russisch« Erzeugnisse von Rußland nach der Mongolei exportieren soll. Die Gesellschaft soll sich mit dem Bau von Eisenbahnen, Banken. Kanälen, Organi. sation von Transporten usw. beschäftigen. Das Kapital soll aus- schließlich russisches sein. GewcrhlchaftUcbca. friede nach iSwöchcntUcbem Streik! Hebet die bereits kurz gemeldete Beilegung des langen Aampfes im Steindruckgewerbe wollen wir heute zum allgemeinen Verständnis noch folgendes berichten: Der Kampf nahm seinen Ausgangspunkt in Leipzig; dort stellten die Lithographen und Steindrucker Forderungen auf Vet besserungcn ihrer Arbeitsverhältnisse. Ueber diese Forderungen fanden am lS. September vorigen Jahres Verhandlungen statt zwischen Vertretern des Unternehmerschutzverbandes Deutscher Steindruckereibesitzer und der Gehilfenorganisation der Litho- graphen, Steindrucker und verwandten Berufe Deutschlands. Diese scheiterten jedoch und so traten am 23. September rund 1000 Gehilfen in den Streik.— Eine Gauleiterkonferenz beschloß, loeitere Vorstöße zu machen, worauf die Lithographen und Steindrucker in den Städten Cassel, Cannstatt, Crimmitschau, Frankfurt a. Fürth. Grimma. Nürnberg. Offenbach a. M.. Stuttgart, Würzen und Zeitz dieselben Forderungen an ihre Arbeitgeber stellten, wie ihre Leipziger Kollegen. Zu Verhandlungen über diese Forde- rungen kam es nicht, weshalb am 23. September in den vor- genannten Städten rund loOil Gehilfen ihre Kündigungen ein- reichten und als es in der Kündigungsfrist auch zu keiner Ver- ständigung kam, am 7. Oktober in den Streik traten.— Inzwischen hatte der Unternehmerschutzverband in 37 Städten Deutschlands am 33. September rund 2333 Lithographen und Steindrucker ge- kündigt, und zwar wurde in allen, dem Schutzverband angehörenden Betrieben nur den organisierten Gehilfen gekündigt.— Da es auch jetzt noch zu keiner Einigung kam, so wurden am 14. Oktober diese 2333 Gehilfen ausgesperrt, so daß von nunab in 49 Städten Deutschlands rund 4633 Lithographen und Steindrucker im Kampfe standen. Am 27. November fand dann zwischen beiden Parteien eine unverbindliche Aussprache statt, die die Bahn frei machte für weitere Verhandlungen, die dann am 7. Dezember stattfanden. Auch diese wurden vollständig ergebnislos abgebrochen; stets kam es zum Bruch bei Festsetzung der Arbeitszeit. Nach weiteren unverbind- lichen Aussprachen fanden dann am 13. und 11. Januar wiederum Verhandlungen statt; diesmal über sämtliche Gehilfenforderungen. Die Zugeständnisse der Prinzipale waren aber so gering, daß die Gehilfenvertreter zu den formulierten„Vereinbarungen über die Lohn- und Arbeitsbedingungen im deutschen Steindruckgewerbe" ihre Zustimmungen nicht geben konnten, sondern erst einer gemein- schaftlichen Konferenz des Gesamthauptvorstandes und der Gau- leiter des Verbandes unterbreiteten. Diese lehnte die Vorlage einstimmig ab und beschloß, dem Unternehmerschutzverband eine zweite Lesung vorzuschlagen, in der entsprechende Abänderungs- antrüge von den Gehilfen gestellt werden sollten. Und nunmehr kam es nach weiteren Korrespondenzen zwischen den Vorständen beider Parteien in letzter Woche(vom 23. bis 27. Januar) wiederum zu Verhandlungen im Berliner Papierhaus, an denen IS Gehilfenvertreter und 13 Vertreter des Unternehmerschutzverbandes teil- nahmen. Diese äußerst anstrengenden Verhandlungen, die wiederum verschiedene Male zu scheitern drohten, brachten aber endlich doch noch eine Einigung. Es wurden„Vereinbarungen übev die Lohn- und Arbeitsbedingungen im deutschen Steindruckgewerbe" abge- schlössen, die sofort in Kraft treten und wonach die Arbeit von den Gehilfen möglichst sofort(in der laufenden Woche vom 29. Januar bis 4. Februar) an allen Orten und in allen beteiligten Betrieben wieder aufgenommen wird. Aus diesen„Vereinbarungen" heben wir folgendes hervor: Arbeitszeit: Die wöchentliche effektive Arbeitszeit kür Steindrucker(auch Korrekturlithographen) beträgt 53 Stun- den, für Lithographen 48 Stunden. In denjenigen Fällen, in denen durch eine Bestimmung der Arbeitsordnung oder mit Zustimmung der Geschäftsleitung eine Zeit für Einlaufen, An- und Auskleiden und Waschen besteht, bleibt es bei dem bisherigen Zustand, vorausgesetzt, daß sich nicht Mißbräuche eingebürgert haben. Kürzere als die S3stündige bezw. 48stündige Arbeitszeit bleiben durch diese Vereinbarung unberührt. � Minie st lohn: Nach vieriähriger Lehrzeit AuSgelernten Wird im ersten Gehilfenjahr ein nach den örtlichen Verhält- nissen steigender Mindcstlohn bezahlt, der nicht unter 23,53 M. betragen darf. (Der Mindestlohn wurde dann für die einzelnen Druckorte festgelegt und um 2, 214 und 3 M. erhöht.) Lehrlingsfrage: Auf 1—3 Steindrucker und von da ab auf je 1— 4 Steindrucker, auf 1— 4 Lithographen und von da ab auf je 1—5 Lithographen soll nicht mehr als ein Lehrling ausgebildet werden. Die Regelung der derzeitig bestehenden Verhältnisse soll innerhalb 2 Jahren erfolgen und nach deren Ablauf die Lehr- lingsfrage von neuem geprüft werden. U e b e r st u n d e n: Regelmäßige Ueberstunden sind tun- lichst zu vermeiden. Die Entschädigung für Ueberstunden, wenn solche vom Ge- schäfte verlangt werden, beträgt wochentags 25 Proz., Sonntags 50 Proz. Zuschlag auf den regulären Lohn. Wo sie höher ent- lohnt werden, bleibt es wie bisher. Bei Ueberarbeit von 2 Stunden wird*4 Stunde, bei längerer Ueberarbeit 14 Stunde Pause in die Arbeitszeit eingerechnet. Alle an einem Tage gemachten Ueberstunden werden� für die Pausen zusammengerechnet. Die Pausen sollen zwischen der regulären und der Ueberzeitarbeit liegen. Die auf Ueberstundeü bezüglichen Anordnungen werden. soweit sie vorauszusehen sind, am vorhergehenden Tage bekannt- "" Die Anordnung regelmäßiger 114stündiger Uebe�tunden ist als eine Umgehung der Pausenbestimmung anzusehen. Eine 114 stündige Ueberstunde ist also nur dann zulässig, wenn die Fertigstellung einer Arbeit die einmalige Ueberschrertung der täglichen Arbeitszeit um 114 Stunden beansprucht. Feiertagsbezahlung: Die gesetzlichen und ohne Vereinbarung mit den Gehilfen von der Geschäftsleitung an- geordneten Feiertage werden bezahlt. Gehilfen, welche in Akkord ar»,'ten. erhalten Bezahlung für die Feiertage nach Maßgabe des uiit ihnen vereinbarten Wochenlohnes, in Ermangelung einer solchen Vereinbarung mit 4,53 M, pro Tag. Bezüglich der katho- tischen Feiertage und des 3� Pfingstfeiertages bleiben die bis- Herigen Geschäftsgebräuche bestehen. Extraentschädigung für Bronzearbelten: Als Extraentschädigung wird den mit Bronzierarbeitcn beschaf- tigten Maschinenmeistern 53 Pf. für den ganzen und 25 Pf. für den halben Tag und weniger bezahlt, sofern keine staubfreien Bronziermaschinen vorhanden sind. Entschädigung aus§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches: Als aus Grund§ 616 B. G.-B. zu entschädi- aende Verhinderung an der Dienstleistung wird nur angesehen die Erfüllung der staatlichen und kommunalen Pflichten der Ge- Hilfen, soweit sich diese außerhalb der Arbeitszeit nicht erledigen lassen und Gebühren dafür nicht bezahlt werden. Den im Wocbenlohn stehenden Gehilfen wird ein Abzug vom Lohn für die Zeit der Verhinderung nicht gemacht, doch darf die letztere drei Stunden nicht überschreiten. Den im Akkord arbeitenden Ge- Hilfen wird eine Vergütung von 53 Pf. pro Stunde gewährt. aber höchstens für 3 Stunden. �_...,, Kündigungsfrist: Die Kündigungsfrist betragt hoch. stens 14 Tage, längere Kündigungsfristen sind nur bei Spezial- arbeitern zulässig..__.. Bei Spezialarbeitern mit längerer als 14tagiger Kündigung»- frist tritt im Falle allgemeiner Differenzen zwischen den ver- � tragschließenden Parteien— dem Schutzverband deutscher Steina druckereibesitzer und dem Verband der Lithographen, Stenn drucker und verw. Berufe—, die 14tägige Kündigungsfrist in Kraft, jedoch erst nach definitiver Entscheidung der beiden Zen- tralen. Arbeitsnachweis: Der Arbeitsnachweis der Mitglied- schaften des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und verw. Berufe wird möglichst in erster Linie in Anspruch genommen. Die Vermittelung ist unentgeltlich. Erledigung von«treitigkeiten: Die Erledi- gung von Streitigkeiten obliegt den beiden Orts- resp. Kreisver- tretern und Gauvorständen und in letzter Instanz den beiden Zentralen, denen solche sofort gemeldet werden müssen. Die beiden Zentralen haben sich im einzelnen Falle über die Bei- legung von Differenzen mit tunlichstcr Beschleunigung zu ver- ständigen. Vor der definitiven Entscheidung der beiden Zen- tralen dürfen von keiner Seite irgendwelche Maßnahmen(Kün- digungen, Sperre, Verweigerung von Ueberstunden, Zurückhalten mit der Arbeitsleistung usw.) ergriffen werden. Zu diesen Vereinbarungen wurden noch folgende bedeutsame Beschlüsse gefaßt: Zur Lohnfrage: Zu der Gehilfenforderung auf all- gemeine Lohnzulagen erklärt der Schutzverband: „Der Schutzverband ist nicht in der Lage, außer der vorge- schlagenen Erhöhung der Minimallöhne um 13,9 Proz. eine all- gemeine zwangsweise Erhöhung der bestehenden Löhne vorzu- nehmen. Der Schutzverband Deutscher Steindruckereibesitzer und die Kommission der Leipziger Nichtschutzverbandsfirmen werden den Prinzipalen emvfehlen, den Gehilfen, welche bis inklusive 5 M. über dem örtlichen Mindestlohn verdienen, innerhalb eines Zeit- raumes von 4 Wochen nach Wiederaufnahme der Arbeit eine frei- willige Zulage zu bewilligen." Die Wiederaufnahme der Arbeit und die Einstellung von Gehilfen erfolgt an allen Orten und in allen beteiligten Betrieben im Laufe der Woche vom 29. Januar bis 4. Februar 1912. Maß- regelungen finden von keiner Seite statt. Jeder an der gegen- wältigen Bewegung beteiligte Betrieb hat seine ausständigen resp. gekündigten Gehilfen in erster Linie bei Einstellung von Gehilfen zu berücksichtigen, soweit solche bis zum 1. Mai 1912 noch vorhanden sind. Mit diesen Friedensbedingungen ist nunmehr der lange Kampf im Steindruckgewerbe, in dem auch das Hilfspersonal und zum Teil die Buchbinder mit verwickelt waren, zu Ende geführt worden. Die streikenden und ausgesperrten Arbeiter haben in dieser langen Zeit ihren Mann gestanden. Nur ganz vereinzelt waren Umfülle zu verzeichnen, und haben sich im allgemeinen auch sehr wenig Streik- brecher gefunden, so daß viele Betriebe ganz stillgelegt waren. Mit welchem starken Gegner es die Arbeiterschaft hier zu tun hatte, kann man schon aus den langwierigen Verhandlungen ersehen, die insgesamt mit den Aussprachen der beiderseitigen Vorstände auf etwa 13 Tage zu bemessen sind. Wenn auch über die abgeschlosse- nen„Vereinbarungen" die kämpfenden Arbeiter nicht sehr erfreut sein werden, weil ihre Wünsche in der Lohnfrage und betreffs der Arbeitszeit nicht voll erfüllt wurden, so kann aber doch gesagt werden, daß in einigen bedeutsamen Punkten ein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen ist und die Gehilfenorganisation auf diese Vereinbarungen weiter aufbauen kann. Zum Abschluß des Kampfes nahm die Berliner Kollegenschaft am Montagvormittag im Gewerkschaftshaus Stellung. Haß und Czech hatten die Berichterstattung übernommen und wurde nach einer längeren Diskussion, in der vor allen Dingen zum Ausdruck kam, nun erst recht zum Verbände zu halten und auf unserem alten Wege weiterzugehen, nachstehende Resolution mit übergroßer Mehr- heit angenommen: „Die kombinierten Streikleitungen und Verwaltungen als auch die heutige Versammlung der ausgesperrten Lithographen und Steindrucker Berlins erklären nach eingehender Prüfung, daß die neuen Vereinbarungen mit dem Schutzverband in keiner Weise den durchaus berechtigten und nach unserer Meinung leicht erfüllbaren "orderungen entsprechen. In Anbetracht unserer eigenartigen Produktionsverhältnisse und in der Erwägung, daß durch ein weiteres Hinausziehen des Kampfes einem beträchtlichen Teile der Kollegen die Arbeitsmöglichkeit auf längere Zeit unterbunden wäre, empfehlen sie jedoch, die neuen Bedingungen als gegeben zu betrach- ten und erwarten, daß die Kollegenschaft nach wie vor durch intensive Organisationsarbeit bestrebt ist, die Berufsverhältnisse unseren ur- sprünglichen Forderungen näher zu bringen." Berlin und Umgegend. Die Tarifbewegung der Kohleuarbeiter. In einer fast vollzählig besuckiten Versammlung nahinen die Kohlenarbeiier am Sonntag den Bericht über de» Stand ihrer Tarifbewegung entgegen. Werner reierierte und gab eine kurze Schilderung von den Bestrebungen der Äoblcnarbeiter, von früheren Jahre» an bis jetzr ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen zu heben. Bei der großen Bewegung von 1936 sei es möglich gewesen, bei der Firma Kupfer an Stelle der elfstniidigen ArbeilSzeit die zehnstündige durchzudrücken. Jetzr aber, nach den Moabiler Vorkommnissen, haben sich Fusionen im Koblengroßbandel vollzogen, so daß nunmehr da. wo die zehustündige ArbeilSzeit eingesührl war, diese wieder auf elf Stunden verlängert wurde. Dies geschah im Frühjahr 19l l. Leider seien die Vcrbälruisse so gewesen, daß es den davon belroffenen Kohleuarbeilern uichl mög- lich war, diesen Schlag abzuwehren. Immerhin machlcn sich die Bestrebungen auf Verkürzung der Ärbeirszeir unter den Kohlen- arbeitern in der enlschiedensten Weise geltend, zumal in den ver- ichiedensten Großstädlen schon längst eine zehnstündige ArbeilSzeit bestehr und schon sogar teilweise Tarife vorhanden sind, die selbst auch die Lohnfiagen regeln. Der Transporlarbeiterverband habe sich deshalb an den Verband der Berliner Kohlengroßhäudler ge- wandt zwecks Tarifverhandlung, weil es doch rüllich wäre, ebenso wie in anderen Städlcn die Lohn« und Arbeilsbediugunge» im Kohlengroßhandel tariflich zu regeln. In der Aniwort jedoch habe man dem Transportarbeilerverband mitgeteilt, die Berliner Verbältnisse sowie die polizeilichen Bestiinmungen ließen eine derartige Regelung der Arbeitszeit nichl zu. � auch sei eine Lohnverbesserung unmöglich. da die Kohlenhändler erst im Aprii die Arbeitslöhne erhöbt bälten. Man bälte annehmen können, daß angesichts der außerordentlichen Teuerung, in der alle Beamten eine Teuerungszulage erhallen haben, auch den armen Kohlenarbeitern ein emsprechender Ausgleich gewährt würde. Dos sei nicht geschehen. Die Lohnerhöhung, von der die Herren schrieben. habe zwei Pfennige pro Stunde bclragen, und das soll die Kohlen- geschälte derartig belastet habe», daß rS ihnen unmöglich ist, eine weiicre Zulage zu gewähren. Redner gibt eine Darstellung von den Verhandlungen mit den Kohlengroßhäudlern. ivobei Magistrals- rat v, Schulz als Mittelsperson gewirkt hat. Redner betont, daß vorerst eine Verkürzung der Arbeitszeit unumgänglich notwendig sei. Dies habe man jedoch abgelehnt. Dem Uniernehmerlum sei von feiten des Verbandes die weitgehendste Bewegungsfreiheit gelassen worden, damit sie nicht mit dem Vorwurf der Ueber- rumpelung kommen könnten. Sie hätten reiflich Zeit gehabt. die Sacke zu besprechen. Die Forderungen der Kohleuarbeiter seien durchaus berechtigt. Die Arbeit sei außerordentlich schwer und aufreibend. Sie beginne morgens um 5 bezw. um 6 Uhr und dauere nickt selten bis 12 und 1 Uhr nachts. Wenn dann die Arbeiter wirklich mal die Woche auf 43 M. kämen, so müsse dabei berück- sicktigt werden, daß dieser Lohn in überlanger Arbeitszeit verdient worden ist. Bedenkt man obendrein, daß die Arbeiter vom grauenden Morgen bis in die sinkende Nacht auf der Straße liege». Wind und Wetter preisgegeben und demgemäß auch erhebliche Zehrkosten haben, so bleibe für die Familie nicht mehr allzuviel übrig. Besonders die Kutscher hätten heute noch eine ganz ungeregelte SirbeitSzeit ohne Extravergütung, auch werde für die Pflege und Wartung der Pferde am Sonntag, die 3—5 Stunden erfordere, nichts bezahlt. Deshalb müsse Wert auf die Bezahlung der Ueberstunden und Sonntagsarbeit gelegt werden. Was die Akkordarbeit betrifft, so seien die Arbeiter Gegner derselben, aber wo nun zurzeit Umstände und Verhältnisse sie bedingen, müsse sie in entsprechender Weise geregelt werden. Verlangt werde weiter, daß in den Betrieben für die Arbeiter Unterkunflsräume und verschließbare Behälter geschaffen werden. Die Unternehlner sagen, die Ersüllung dieser Forderung sei nicht möglich; dem ist aber nicht so, die Gewerbeordnung enthält sogar schon darauf hinzielende Bestimmungen. Desgleichen muß für Waschgelegenheit und Bedürfnisplätze in ausreichetider Weise gefolgt werden. Die Kohlengroßbändler behaupteten nun, die Koblenarbeiter seien noch nicht reif für einen Tarif. Bis jetzt aber hätten die Kohlen« arbeitet stets bewiesen, daß sie ruhig und sachlich ihre Verhandlungen zu führen wissen, und wären sie ebenso rigoros, wie sehr okt die Unter- nehmer es waren, dann wären mehr Streiks im Kohlengroßhandel vor- gekommen als bisher. Die Kohlenarbeiter ständen auf dem Standpunkt, daß es besser sei, wenn man auf gütliche, friedliche Weise Auf- besserungen erreiche. Jeder Versuch, die Sache zu verschleppen, bis eine für die Arbeiter ungünstige Zeit kommt, sei von der Organi» salion der Arbeiter entschieden abgewiesen worden. Ein bemerkens» werter Umstand kommt nun hinzu: Herr R a h m e r, der Direktor des V. L. K. A.-G.(vormals Kupfer u. Co.) hat den Ver» trauenSmann seines Betriebes rufen lassen und ihm gesagt, er wisse von elwelcken Tarifverbandlungen nichts, denn er sei nickt im Ver- band der Berliner Koblengrotzbändler. Auch ist der Transport- arbeiterverband telephonisch von Rahmer dcsbalb angerufen worden. Er sei aber für eure friedliche Einigung mit den Arbeitern und wolle verbandeln; nur dürfe dies nichl so kurzerhand verlangt werden. Um, wie gesagt, jede Möglichkeit auszuschalten, von einer Ueberrumpelung zu reden, haben die Vertrauensleute der Kohlen» arbeiter einslintmig beschlossen, eine Bedenkzeit bis Mitt» woch abend zu gewähren. Die Situation sei nicht gerade un» günstig für die Arbeiter, so daß sie mit Ruhe der Entscheidung ent- gegeniehen können. Der überwiegende Teil der Versammlung spendete dem Redner lebhasten Beifall. Die wesentlichsten Forderungen des Tarifentwurfs sind: eine ArbeilSzeit von 6 Ubr morgens bis 6 Uhr abends inklusive einer Vzstündigen Frübstücks-, einer Islündigen Mittags- und einer '/zstündigen Vesperpause. Ueberstunden, falls solche in dringenden Fallen gemacht werden müssen, find mit 5 Pf. Zuschlag zum regu- lären Lohn zu bezahlen. Desgleichen ist auch die Arbeitszeit im Ueberstuudenlohn zu bezahlen, die vor Beginn der festgesetzten Arbeitszeit geleistet wird. Sonntagsarbeit ist möglichst zu ver» meiden, wenn jedoch in dringenden Fällen des Sonntags gearbeitet werden muß, so ist hierfür eine Vcrgüligung von 63 resp. 65 Pf. pro Stunde zu bezahlen. Die Kutscher haben eine Arbeitszeit von 5 Uhr morgens bis 6 Uhr abends mit denselben Pausen wie die Arbeiter. Die Arbeit soll so eingeteilt werden, daß die Kutscher um 6 Uhr abends mit ihren Fuhrwerken auf dem Platze sind. Für Fuhren, welche nach 6 Uhr abends oder vor 5 Uhr morgens gemacht werden müssen, erhalten die Kutscher eine Extra- bezahlung von 53 Pf. pro Stunde. Die Arbeiter erhalten einen Lohn von 45 Pf. pro Stunde, ab 1. Oktober 1912 einen solchen von 47l/.2 Pf. und ab 1. April 1913 53 Pf. pro Stunde. Der Lohn für Kutscher beträgt 31,53 M., ab 1. Oktober 1912 32,53 M. und ab l. April 1913 33,53 M. pro Woche. Von einer Regelung von Arbeilen, die im Akkord ausgeführt werden, wird Abstand genoinmen. Dagegen soll da, wo die Eigenart des Betriebes für diese oder jene Arbeit das Akkordsystem erfordert, der Lohn hierfür von Fall zu Fall zwischen Arbeilgeber und Arbeitnehmer vereinbart werden. Etwaige sich hierdurch ergebende Uneinigkeilen sollen durch eine paritätische und fachmännische Kommission geprüft und ge» schlichtet werden. Dieser Tarif soll vom Tage des Abschlusses an gerechnet aus die Dauer von zwei Jahren Gültigkeit haben, und verläuaert sich jedesmal um ein Jahr, ivenn er nicht sechs Wachen vor Ablauf von einer Partei gekündigt wird. In der Diskussion sprachen einige Redner gegen diesen Vertrag als nicht weitgehend genug. Trotzdem erfolgte jedoch die ein- stimmige Annahme desselben. Ebenso einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: Die heule versammelten Kohlenarbeiter und Kutscher nehmen Kenntnis von dem Verlauf der im Oktober 1911 angebahnten Lohnbewegung und sprechen ihr tiefstes Bedauern darüber aus, daß die Kohlengroßhäudler den berechtigten minimalen Forde» rungen bisher keinerlei Entgegenkommen gezeigt haben. Die Ver» sammelten sind jedoch gewillt, die in letzter Stunde seitens der Firmen Union, Herrn Lichten st ein und der V. B. K.(A-G.) angebotenen Verhandlungen abzuwarten und den endgültigen Beschluß bis Mittwoch, den 31. Januar, auszusetzen. Die Ver« sammelten setzen voraus, daß die Kohlengroßhäudler ein den Zeitverhältnissen entsprechendes, wirklich annehmbares Zugeständnis machen werden._ Brauereiarlieiter! Unter dem Namen Vereinigte Brauereien Fischer-Alt-Berlin G. m. b H. haben sich in den letzten Tagen die Malzbierbrauereien Alt Berlin, Charlottenburg. C. O. Fischer, Rix- dorf und Bäreubrauerei, Berlin, zu einem Betriebe zusammen- geschlossen.— Nachdem mit sämtlichen in Frage kommenden Fahrern eiuigerinaßen befriedigende Vereinbarungen getroffen, welche eine allzu große Schädigung derselben verhinderten, erließ in den letzten Tage» der GeschäftS'ührei der vereinigten Brauereien eine Verfügung. welche eine schlvere Schädigung der Fahrer darstellt. Die unterzeichneteii Organisationen, welchen die Fahrer ange» hören, versuchte» zu vermilteln, jedoch halten z>veimalige Verhand« lnngen keinen Erfolg und sahen sich daher alle Fahrer genötigt, zu Freilag, den 2. Februar, die Kündigung einzureicheil. Zuzug ist fernzuhalten. Die Brauerei befindet sich Rixdorf, Prinz-Handjery-Str. 78—83. Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter. Zahlstelle Berlin. Arlur Schuld t. Deutscher Traiisporiarbeitervetband. G. A lisch. Letzte Nachrichten. Die Streikbewegung in Portugal. Lissabon. 29. Januar. Die elektrischen Straßenbahnwagen versuchten heute, unter dem Schutz von Truppen die Remisen zu verlassen, aber die Ausständigen griffen die Wagen an und zwangen sie zur Rückkehr in die Remise». Die Truppen hatten keinen Be- fehl, auf die Ausständigen zu schießen, doch ist die Regierung ent- schlössen, den Ausstand energisch zu unterdrücken. Zahlreiche Drucker sind gleichfalls in den A u s st a n d getreten, um das Erscheinen der Zeitungen zu verhindern. Die Ausständigen for- dern Freilassung aller wegen Streikvcrgehen verhafteten Arbeiter und die Entlassung des Zivilgouverneurs von Evora. Sämtliche Arbeiterorganisationen schicken Sendboten in die Provinzstädte, um den Generalstreik zu betreiben, doch werden diese auf Befehl der Regierung unterwegs auf den Bahnhöfen durch die Lokalbehörden verhaftet, ebenso wie diejenigen Boten, die mit Automobilen oder zu Fuß ihr Ziel zu erreichen suchen. Hunnenwirtschaft. Mulden, 29. Januar.(W. T. B.) Neue politischeMorde sind hier an dem Vorsitzenden des Stadtrats und zwei angesehenen Mitgliedern der Fortschrittler verübt worden. Allnächtlich werden hier Personen, die im Verdacht stehen, zu den Revolutionären zu gehören, verhaftet und hingerichtet. Terantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Glocke.Berlin. Drucku.Verlag-VorwärtsBuchdr.u, Lerlagsanstalt PaulSingertCol.BerliuLW. Hierzu 3 Beilagen».Unterhaltungsvl. Nr. 24. 29. Iahrgaag. t KnlUc des Joraätts" Kerlim WldsM Dienstag. 39. Innnar l9l2. ?«Slfter Parteitag der englilchen Arbeiterpartei. London, 25. Januar,(©ig. Ber.) Zweiter Tag. Die erste Resolution, mit der sich der Parteitag heute befastte, lautete: „Diese 5donferenz ist der Ansicht, daß die Verwendung !des Militärs in wirtschaftlichen Kämpfen un- verantwortlich ist und eine Bedrohung der organisierten Arbei- terschaft bedeutet. Sie verurteilt die Regierung, weil sie den Eisenbahngesellschaften Soldaten zur Verfügung gestellt und Truppen nach den Strcikgebieten unter Offizieren geschickt hat, denen die Macht gegeben wurde, die lokalen Behörden zu igno- rieren. Sie verlangt, daß Schritte getan werden, um diese Hand- lungsweise des Ministeriums des Innern in Zukunft zu ver- hindern, und spricht sich zugunsten eines gemeinschaftlichen Vor- gehen» aller Arbeiterorganisationen für den Fall aus, daß die Regierung in Zukunft versuchen sollte, streikende Arbeiter einzu- schüchtern." A n d e r s o n(I. L. P.) begründete die Resolution. Er wies darauf hin, daß die englische Arbeiterschaft seit dem letzten Partei- tag der Arbeiterpartei um eine Erfahrung reicher sei. Bei den großen Streiks habe die Regierung systematisch Militär gebraucht, um die Streikenden einzuschüchtern. Die organisierte Arbeiter- schaft wünsche keine Tumulte, aber sie müsse sich gegen die von der Regierung inszenierte Gewaltspolitik zur Wehr setzen. Während des Eisenbahnerstrciks habe die Regierung den Eisenbahngesellschaf- ten die gesamte militärische Streitmacht des Landes zur Verfü- gung gestellt, ohne die lokalen Behörden, in deren Bezirk das Mili- tär verwendet wurde, zu fragen, ob die Truppen gewünscht oder notwendig seien. Nach Manchester sei Militär geschickt worden ohne die Zustimmung des Oberbürgermeisters. In Slanelly habe man unbeteiligte Zuschauer erschossen. Diese neue Praxis bedeute eine große Gefahr für die bürgerlichen Freiheiten. Die Arbeiterschaft müsse energisch Protest erheben, wenn sie nicht wolle, daß sich diese Verwendung des Militärs bei Streiks immer mehr ausbreite. Fox(Partcivorstand) wendet sich gegen ein von dem Minister des Innern vor kurzem an die Häupter der Polizei geschicktes Zir- kular, in dem die Bildung einer besonderen Streikpolizei angeregt wird. Die Leute, die sich für diese Posten meldeten, hätten sicher keine Sympathie mit der Arbeiterbewegung. Die Arbeiterschaft werde sich gegen diese Söldlinge des Kapitalismus zu verteidigen wissen. Wenn es zu Tumulten komme, so werde die Regierung die Veranttvortung tragen. Wenn die Behörden Hilfe brauchten, um während eines Streits die Ordnung aufrecht zu erhalten, so sollten sie sich mit den Gewerkschaften in Verbindung setzen. Die Resolution wurde e i n st i m m i g angenommen. Dann begründete MacDonald einen Vorschlag des Partei- Vorstandes, llOOd Pfund Sterling(120 000 M.), die die Parteileitung im vergangenen Jahre an Gehältern der Abgeordneten gespart hat, dazu zu verwenden, um Aktien in einer Gesellschaft zu kaufen, die in nächster Zeit ein Arbeitertageblatt herausgeben will. In seiner Rede führte er aus, daß der große Sieg der deutschen Sozialdemokratie, der in der englischen Arbeiterschaft so großen Enthusiasmus hervorgerufen habe, nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht die deutsche Partei über mehr als 80 Tageszeitungen verfügte. Hätte die deutsche Sozial- demokratw kein einziges Blatt wie die englische Arbeiterpartei, so würde sie keine 50 Sitze im Reichstag haben. Um die Zahl der Arbeitervertreter im englischen Parlament in nächster Zeit von 42 auf 142 zu vermehren oder nur um die jetzige Vertretung zu er- halten, sei es unbedingt nötig, wenigstens ein Tageblatt zu grün- den. Man verlange ein Kapital von 150 000 Pfund Sterling (3 Millionen Mark); die Gesellschaft werde jedoch mit dem Unter- nehmen beginnen, wenn nur 50 000 Pfund Sterling gezeichnet wür- den. Die Statuten der Gesellschaft seien so entworfen worden, daß das zu gründende Blatt tThe Daily Eitizen) nie aus der Kontrolle der Partei kommen könne. Schon hätten Privatpersonen und Ar- beiterorgauisationen versprochen, 60 000 Pfund Sterling zu zeichnen. Es entspann sich eine längere Diskussion, an der sich besonders T h o r n e und H e n d e r s o n beteiligten imd die sich um die ge- plante Gründung eines zweiten ArbciterblattcS drehte. Wie er- kleines feuilleton. Künstler und Kunde. Im großen Saale der Berliner National- galerie hängt auch eine Anzahl von Porlräis, die übermalten Photo- graphien gleichen und mit künstlerischer Vertiefung der Charakteristik nicht mehr gemein haben wie solche. Diese Bilder stellen verschiedene repräsentative Persönlichkeiten dar, hohe Staatsbeamte und MitilärS. Sie geben Uniformen, Orden, ja jeden einzelnen Knopf auf» deutlichste wieder und vom eigentlichen Wesen dcS Porträtierten etwa so diel wie eine stark retuschierte Photographie. Dennoch gelten sie als.ähnlich', und dafür haben sie auch die Dargestellten und Besteller gehalten, denn sonst würden sie wohl nicht hier hängen. Ein Gegenbeispiel: Wie oft wird ein Porträt, daS ein wirk- licher Meister geschaffen hat, von den nächsten Freunden des Dar- gestellten oder von diesem selbst mit den Worten abgetan: Ein Kunstwerk vielleicht, aber— von Aehulichkeit keine Spur. Unter derartigen Urteilen hatten die größten Künstler zu leiden und Rem- brandt ist darüber in tiefste Not geraten. Daß der wirkliche Künstler sein Objekt anders sieht als dieses sich selbst, das liegt einmal daran. daß sein Auge ganz andere Dinge im Gesicht seines Modells sucht; dann aber auch an der Grundtatsache, daß— kein Mensch weiß, wie er eigentlich aussieht. Der Konflikt, der daraus entsteht, daß der Künstler seinen „Kunden' ganz anders sieht als dieser sich selbst, ist natürlich sehr alt. Er ist auch Auguste Rodin nicht erspart geblieben. Der Meister rächt sich, indem er in seinen Gesprächen über„Die Kunst'. deren deutsche Ausgabe bei Ernst Rowohlt-Leipzig erschien, einige Wahrheiten über den„hartnäckigen Kampf dcS Bestellers gegen den Künstler' sagt. Unerbittlich stellt Rodin fest, daß der Besteller gewöhnlich in seiner nichiSsogendsten und banalsten Er- schcinung wiedergegeben werden wolle. Er wi'N eine offizielle oder mondäne Puppe sei». Es gefällt ihm, ivenn die Funktion, die er ausübt, der Rang, den er in der Gesellschaft einnimmt, seine» wahren, inneren Menschen vollständig auslöschen. Ein Beamter will nichts als ein AnnSkleid, ein General nichts alS.ein gold- essickier Rock sein. Es ist ihnen mehr als gleichgültig, daß man in rcr Seele lesen will. � Mit diesen Tatsachen erklärt Rodin den Erfolg vieler mittel- mäßiger Proträtistcn und Büstcnmacher. die sich darauf beschränken, das unpersönliche Aussehen ihrer Besteller, ihren Putz und ihre konventionelle und formelle Haltung wiederzugeben. Solche Künstler, sagt der Meister weiter, sind gewöhnlich sehr beliebt, weil sie ihr Modell mit einer MaSke von Reichtum und Feierlichkeit ausstatten. Je bocktrabender Büsten oder Porlräis sind, um so mehr gleichen sie steifen und anmaßenden Puppen, und um so zufriedener ist der Besteller.„ f.M Musik. ür den Konzertsaal hergerichler. m rm unomg.«cyo elbst hat sich mit Entrüstung dagegen gewendet. Und immer wieder verde,, neue Proteste laut werden. So wäre also die Arbeiter- vildungsschule schlecht beraten worden, weil sie ihr 21. Stiftungsfest N«ch ein Wagner-Konzert beging? Rein, im Gegenteil; diese Per- innerlich sein wird, gaben die Londoner Buchdrucker bei ihrem letzten Streik eine täglich erscheinende Streikzeitung(The Daily Herald) heraus. Nach dem Streik ging das Blatt ein, aber die Buchdrucker ließen den Plan, ein Arbeitertageblatt in London(der „Daily Citizen" soll in Manchester erscheinen) nicht fallen und grün- deten eine Gesellschaft, die die Unterstützung des Parlamentarischen 5�omitecs der Gewerkschaften fand, dessen Vorsitzender Thorne und dessen Sekretär der Vorsitzende der Buchdrucker ist. Es schien, als ob die Mißstimmung der Londoner, die die Wahl Manchesters als eine Zurücksetzung der Reichshauptstadt empfinden, in diesem Meinungsstreit eine Rolle spielte. Thorne bemerkte in seiner Rede, man könne deutsche Verhältnisse nicht ohne weiteres auf Großbritannien übertragen. Die deutschen Arbeiter seien Sozial- dcmokraten; das treffe aus die englischen nicht zu. Allerdings unterlief ihm bei der Schilderung deutscher Presseverhältnisse der Fehler, daß er behauptete, der deutsche Arbeiter bekomme seine Zeitung von der Organisation zugestellt und das Abonnement sei in dem Parteibeitrag enthalten, ein Irrtum, der von Saunders (Fabier) leider nur teilweise richtig gestellt wurde. Der Partcivorstand unterbreitete dem Parteitag einen Vor- schlag zur Neuregelung der Parteiflnanzen, die durch die staatliche Besoldung der Parlamentsmitglieder geboten erscheine. Bisher wurden die Finanzen der Partei in folgender Weise aufge- bracht: Tie affiliierten Gruppen und Gctverkschaften bezahlten jährlich 15 Schilling für je 1000 Mitglieder als sogenannte Affi- liationsbeiträge und 2 Pence pro Mitglied und Jahr für den Par- lamentsfonds. Der Vorstand schlug vor, die Beiträge zu vercinheit- lich-en und auf 1 Penny jährlich für das Mitglied herabzusetzen. Gegen diese Neuerung wandte sich entschieden das Parlamentsmit- glicd S n o w d e n(I. L. P.). Er wies darauf hin, daß man in den letzten Tagen soviel von der deutschen Sozialdemo- k r a t i e gesprochen und ihre vorzügliche Organisation gelobt habe. Die deutsche Partei habe ihre Organisation nicht durch einen jähr- lichen Beitrag von einem Penny(8 Pfennig) pro lRitglied auf- gebaut. Nach dem Voranschlag des Vorstandes würden im kommenden Jahre ganze 500 Pfund für den Aufbau der Organisation im ganzen Lande verwendbar sein. Das sei eine lächerlich geringe Summe, wenn man bedenke, daß die bürgerlichen Parteien in jedem Wahlkreis jährlich 4— 500 Pfund Sterling zur Aufrcchtcrhaltung der Organisation ausgäben. Eine Partei, deren Mitglieder nur 1 Penny das Jahr als Beitrag zahlten, sei nicht wert, daß sie bestehe. Nach kurzer Debatte nahm der Parteitag mit großer Mehrheit den Vorschlag Snowdcns an, den Antrag des Vorstandes an den Vorstand zurückzuverweisen. Ein zweiter Vorstandsantrag wurde ebenfalls abgelehnt. Er betraf die Einführung einer neuen Sorte Mitglie- der(passive Mitglieder). Short(Kesselschmiede) bemerkte, daß die Partei keine Mitglieder brauche, die sich weder den GeWerk- schaftcn noch den sozialistischen Gruppen anschließen wollten. Bruce Glacier rührte aus, daß die Arbeiterpartei keine pri- märe, sondern eine sekundäre Organisation sei, die nur Organi- sationcn aufnehme. Wenn der Vorschlag des Vorstandes den Zweck verfolge, reichen Leuten die Mitgliedsckprft möglich zu machen, so sei er dagegen. Die Partei müsse eine Arbeiterpartei bleiben. Andere Delegierte wiesen auf die Gefahren hin, die der Partei nach ihrer Ansicht durch die Neuerung drohten. Der Gemeinderat P a l i n bemerkte, daß für eine Person, die nicht einmal in dem weiten Rahmen der Fabischen Gesellschaft Platz finden könne, auch in der Arbeiterpartei kein Platz sei. Bei dem Punkte„Demission des Sekretärs" wurden von verschiedenen Rednern die großen Verdienste, die der scheidende Sekretär(MacDonald) der Partei seit ihrer Gründung un- entgeltlich geleistet hat, gebührend gewürdigt. Das ParlamentSmit- glied H e n d e r s o n wurde zum Sekretär gewählt. Bei dieser Ge- lcgcnhcit wurde von K n c e(Londoner Gewerkschaftskartcll) darauf aufmerksam gemacht, daß der Sekretär der Arbeiterpartei auch stets Sekretär der. britischen Sektion des Jntcrnatio- n a l e n S o z i a l i st i s ch e n Komitees sei laut Beschluß dieses Komitees. Es gehe nicht an, daß H e n d e r s o n, der kein Sozialist sei(!) diesen Posten ausfülle. Es wurde jedoch von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, daß der internationale Sozialisten- kongreß eine Zusammenkunft von Sozialisten und Gewerkschaftern sei, zu der die britischen Gewerkschaften stets eingeladen worden seien. Zu dem Thema Streikrecht hatte das Londoner Gewerk- schaftSkartcll und die Gewerkschaft der kaufmännischen Angestellten anstaltung ist verdienstlich zu nennen durch die Mitwirkung deS Berliner VolkSchorS. Ihn zu besitzen, darf sich die Arbeiter- schaft Berlins glücklich schätzen. Ohne ibn wäre eine Vorführung Wagnerscher Musikdramen von der am Sonntag gebotenen Art gar niitit denkbar. Jnslrnmentalkörper, gemischler Massensingchor und solistischer Gesang müssen zusainnicngebe». wenn der Hörer vom Geiste Wagnericher Schöpfungen— in diesem Falle„L o h e n g r i n' und„T a n n h ä u s e r'— ohne sie vorher von der Theaterbühne herab in ihrer Totalwirkung empfunden zu haben, einen Hauch ver- spüren soll. Mehr als diesen zu gewinnen, ist selbst bei den voll- endetstcn Leistungen unmöglich, weil aus dem Konzertsaalpodium die organische Einheit aller Künste, wie sie bei Wagner machtvoll in die Erscheinung tritt, verloren geht. Die Chöre, die Einzelparts sind voll- ständig ihres dramatischen Lebens entkleidet. Es bleibt nur zurück, waS gesungen werden kann. Auf der Bühne wird z. B. der malerische Zug der Frauennach dem Münster, das Brautlicd ungleich bewegter sich abspielen. Der weibliche Stimmenkörper dcS BolkSchors wirkte diesmal noch etwas schleppend und schwerfällig; wohingegen der männliche Kraft und dramatische Verve entfaltete. Fräulein Lucie H a e n i s ch inter- pretierte die Elsa gesanglich recht ansprechend. Ihre Sopranstimme ist hell in Höhenlagen, wenig tragend nach der Tiefe hin; des dramatischen Elements scheint sie jedoch zu ermangeln. Die Gebets- arie der Elisabeth im„Tannhäuscr' gelang ihr weit besser. Von der hochbcdeutsamen Aufgabe, die Wagner den Darstellern seiner Gestalten zugewiesen bat. konnten sich die Zuhörer bei Max Gieß- wein, diesem auSerwähltcn Künstler, eine annähernd richtige Vor- stellung machen. Da wird der Wagnerscke Sprechgesang in seiner dramatischen Rhythmik, Charakterisierungsfülle und dennoch poetischen Linie ungeheuer lebendig. Die Szene nach der Hochzeit im Schlaf- gemach, eine der herrlichsten, die Wagner jemals geschaffen hat, konnte natürlich nur annähernd in ihrem Zauber vorgeführt werden, weil die Vertreterin der Elsa hier beinah alle gebotene Leidenschaft- lichkeit und Süße vermissen ließ. Daß Gießwein die GralS- erzählung LohcngrinS und die Romfnhrt des Tannhänser mit überwältigender Hoheit zu Gehör brachte, ist bei diesem Fleisch und Blut gewordeiien Wagnersängcr so bcwunderungSvoll als selbst- verständlich. Dr. Zander dirigierte mit Schwung und energischem Feuer. Das Berliner Sinsonie-Orchester spielte unter seinem Dirigenten Maximilian Fischer namentlich die Tann- häuser-Ouverture ausnehmend schön. Einen Wunsch aber air die Leitung der ArbeitcrbildungSschule: Würde eS sich nicht empfehlen, in Zukunft lieber zwei Konzerte zu veranstalten, um einer drang« voll fürchterlichen Enge im Saalraum vorzubeugen?«. k. Humor und Satire. Aus dem Tagebuch des Dr. Karagöz Bey. 19. Januar. Marseille. daS„Tor des Orients'— für uns daS Tor Europas. ES ist doch etwas Schönes um Europa. Welche Ehrfurcht vor der Humanität I Als ich heute mittag auf der Cannebiäre vor dem Caso Turyne faß. umarmte mich eine Dame unter Segens- wünsche» und bat niich, einen Faden aus dem roten Halbmond auf meiner Armbinde zupfen zu dürfen. Die Dame war freilich an die fünfzig, fett wie eine Houri, und sie sagte mir, sie habe schon Fäden auS Schulterqnasten von 41 Jnfantericrcgimenteni zuhause und das bringe Glück. Aber gleiches, welcher Respekt vor unserer erhabenen eine Resolution eingebracht, in der erklärt wurde, daß das Recht der Arbeiter, zu streiken, in Gefahr sei und um jeden Preis geivahrt werden müsse. Der Begründer, K n e e(Londoner Gcwerkschafts- kartell), wies auf die Versuche hin, die die Regierung mache, den Arbeitern diese Waffe zu entreißen oder die Waffe abzustumpfen. Herr Churchill sei im Begriff, eine eigene Streikpolizei einzuführen. Die irischen Konservativen hätten einen ähnlichen Einfall gehabt und sich auch eine besondere Polizeiorgauisation ge- schaffen, die ihre Aufmerksamkeit am 8. Februar dem Minister des Innern in Belfast zuwenden würden. Der Minister werde dann Gelegenheit haben, zu studieren, wohin diese neue Regierungskunst führe. Nach kurzer Debatte wurde die Resolution einstimmig an- genommen. Angenommen wurden ferner Resolutionen, die die Aufrecht- erhaltung des augenblicklich von den englischen Unternehmern heftig angegriffenen Gcivcrkschaftsgesetzes vom Jahre 1906(Streikposten- stehen) und die Umstoßung des Osborneurteils verlangten. Ein Antrag zu der ersten Resolution, der die Erklärung des General- slrciks für den Fall forderte, daß eine Verschlechterung des Gewerk- schaftsgesetzes versucht werden sollte, wurde abgelehnt. Bezeichnend war die Annahme eines Zusatzantrages zu der Osbornercsolution, der die Gewerkschaften ausfordert, der richterlichen Entscheidung im Osbornefall Trotz zu bieten, eine Aufforderung, die von einer Reihe Gelverkschaften schon seit einiger Zeit befolgt wird. Abends fand eine große Demonstration im Rathause statt, in der Genosse M o l k e n b u h r in einer Rede das Argument der eng- tischen Schutzzöllner, daß Deutschland seinen wirtschaftlichen Auf- schwung dem Schutzzoll und nicht der Intelligenz und der Tatkraft seines Volkes verdanke, glänzend widerlegte, Konferen; der Kinneuschiffer. Seit gestern vormittag 9 Uhr tagt im GewerkschaftShause die diesjährige Konferenz der Binnenschiffer und Flößer der Elbe, Oder und der Märkischen Wasserstraßen, einberufen von der Mitgliedschaft dieser Brauche deS Deutschen TranSportarbeiterver- bandeS. Anwesend sind 41 Delegierte, 16 Mitglieder des Vorstandes, sowie je ein Vertreter der Rheinschiffer und des Verbandes der Maschinisten und Heizer, und ferner nimmt als Vertreter der österreichischen Brudcrorganisation Anton Pragel an der Ver« anstaltung teil. Der erste Punkt der Tagesordnung ist der Geschäfts» b e r i ch t d e S V o r st a n d e s, den der Vorsitzende Schöning gab. Er wies zunächst auf die außerordentlich schwere wirtschaftliche Katastrophe hin. von der die Binnenschiffahrt im verflosseneu Jahre infolge deS niedrigen Wafferstandes der Flüsse und Wasserstraßen betroffen wurde. Die Regierung, und namentlich die preußische, ist für wirksame Maßregeln zur Vorbeugung und Verhütung solcher Er- eignisse nicht zu haben. Der Redner spricht die Erwartung aus, daß die Verstärkung der parlamentarischen Macht der Arbeiterklasse auch dahin wirken wird, daß eine bessere VerkebrSpolitik für die Binnen- schiffahrt zur Geltung kommt.— Die Organisation der Binnen- schiffer hat trotz der so sehr ungünstigen Schiffahrtsverhältnisse recht gute Fortschritte gemacht. Die Mitgliederzahl ist im Laufe deS Jahres von 5463 auf 8762 gestiegen. Am stärksten ist die Organisation auf der Oder und Elbe, während sie auf den märkischen Wasserstraßen noch ziemlich viel zu wünschen übrig läßt. Leider ist eS auch noch nicht gelungen, die Flößer in größerer Anzahl zu organisieren und sie zu tätigen Mit- gliedern zu machen. Im allgemeinen wäre eS mit der Organisation der Binnenschiffer noch weil besser vorwärts gegangen, wenn man mit uoriiialen Verhältnissen zu rechnen gehabt hätte. Der Versuch, durch Schifferinission und Schiffcrpastoren einen Keil in die Be- wegung zu treiben, ist mißlungen, so daß man jetzt davon Abstand nehmen mußte. Die Unternehmer suchen nun den Steuerleuten ihr besonderes Wohlwollen zuzuwenden, natürlich lediglich, um sie von der Organisation fernz» hallen. Bei der im letzten Jahre durchgeführten Lohnbewegung auf der Oder sind die Bootsleute und Steuerleute einmütig vorgegangen, und so ist es dort auch verhältnismäßig leicht gelungen, einigermaßen erträgliche Verhältnisse zu schaffen und Tarif- Verträge abzuschließen. Wenn auf der Elbe die Steuerleute sich bei der kommenden Lohnbewegung nicht beteiligen, werden sie jedenfalls diejenigen sein, die unter die Räder kommen. Im ganzen fanden im verstossenen Jahre neun Bewegungen statt, und davon Mission!— Soeben geht die„Manouba" in See. Mit uns reist der Genius der Menschlichkeit über MccrcSwogen und Länder- grenzen. 20. Januar. Wir kommen heute nicht nach Tunis. Wir sind in Cagliari. Die„Manouba" wurde von einem italienischen Kriegs- schiff festgehalten, weil wir verkleidete Offiziere sein sollen. Aber die Kulturwelt kann die Verletzung der Genfer Konvention, Frank- reich die semer Flagge nicht dulden I 22. Januar. Nichts NeueS, als daß man uns den Italienern ausgeliefert und unsere Taschen nach Kanonen untersucht hat. Dem Soniiätssoldaten Ibrahim wurde eine Nummer dcS„Petit Journal" konfisziert, worin er eine Lyoncr Wurst verpackt hatte. Auf der zweiten Seite ist eine Karte von Tripolitanicn. Man hält ihn für einen General. Die Nummer ist an den italienischen Generalstab geschickt worden. 23. Januar. Endlich ein Hoffnungsstrahl! Ich lese,'daß der französische Ministerpräsident unsere Freigabe fordert. Die französische Regierung will selbst untersuchen, ob wir Kombattanten sind. Ja, die Zivilisation, die Humanität, daS Völkerrecht. Genf, London, der Haag l Alles aussteigen I 24. Januar. Wir sind noch immer in Cagliari. Die italienische Regierung will die Untersuchung selbst führen. Generalarzt Dr. Mortadella führte mir den Infanteristen Mandolati vor. dessen Fußlciden— der Mann hinkt— ich examinieren soll. Diagnose unmöglich. 23. Januar. Infanterist Mandolati nach einem Fußbad von neuem vorgeführt. Ich habe ihm das Hühnerauge geschnitten. Generalarzt Dr. Mortadella beglückwünschte mich kollegial. Meine ärztliche Qualität ist bewiesen. 26. Januar. Es ist wieder nichts. Die italienische Regierung will unS selbst nach Tripolis bringen, weil unser roter Halbmond auf dem Aermel unanfechtbar ist. Frankreich aber duldet daS nicht. 27. Januar. Die Formel ist gefunden!... Wir werden an Frankreich ausgeliefert. Die Untersuchung geht weiter... In der tripolitanischen Wüstensonne liegen Verwundete, in den Feldspitälern fehlen Aerzte, fehlt Verbandzeug... O Humanität i O. P. Notizen. — Sfl i x S ch w e i g h o f e r. einer unserer besten komischen Cbarakterfftiker, ist im 70. Lebensjahre in Blasewitz bei Dresden einer Lungenentzündung erlegen. Er hatte in der Jugend noch das ganze Schmierenleben kennen gelernt und wirklich von der Pike(vom Zettel- austräger) an gedient. Mehrmals mußte er in sonstigen Berufen Zuflucht suchen, bis er sich auf der Bühne bchauvten konilte. Seit 1870 war er in Wien, bis die Flut der blöden Operetten ihn ver- trieb. Er war.fcaiiir jahrelang auf allen deutschen Theatern der Welt zu Gast, überall durch die Vielseitigkeit, Nalurtreue und die feinste, munitiöse Ausarbeitung seiner Rollen Entzücken erregend. — Gustave de Molinari, einer der letzten konsequenten Manchesterleule. ist in einem kleinen Orte an der belgisch-französischeu Grenze im Alter von 93 Jahren gestorben. Er war ein reines wissenschaftliches Fossil, wie sie sich nur unter französischen Volks- wirtschastlenr erhielten. Seit 1881 leitete er das„Journal des EconomistcS', die Zeitschrift des französisch-belgifchen Manchestertumö. wciren fünf Angriffs- und'zwci Akwshrvewegungen. und in �wei Fällcn war die Organisation der Binnenschiffer in Mitleidenschaft gezogen. An den Lohnbewegungen waren 3977 Mann beteiligt, und für 3950 Mau» verliefe» sie erfolgreich. Die erzielte Erhöhung des Monatslohnes betrug für diese 7.29 M. pro Mann oder für alle zusammen 38 796,59 Mann. Auhcrdcm wurde bessere Bezahlung der Ileberstunden erzielt, so dntz hierfür der Lohn für 3525 Mann von 25 ans 59 Pf., für die Übrigen teils von 49 ans 59, teils von 59 ans 69 Pf. erhöht worden ist. Entschädigung für Sonntagsarbeil ist durch die Bewegung teils erst eingeführt, teils in derselben Weise erhöht worden wie die für die wochcntägliche Ueberzeitarbeit. Es sind anszerdcin noch verschiedene andere Vorteile crrnngcn worden, und namentlich ist hervorzuheben, dag der Nachschub und die Kaution, durch die das Unternehmertum die Bootsleute gegen ihren Willen an einen bestimmten Arbeitgeber zu fesseln suchten, abgeschafft sind, und dah, ebenfalls für die Oder- schiffcr ein Schiedsgericht geschaffen wurde. In diesem Schicds- geruht ist zwischen den Organisationen beider Parteien unter anderem eine Verständigung darüber getroffen, daß bei Bc- Hinderung der Schiffahrt eine siebentägige, statt der sonst vierzehntägigen Kündigungsfrist gelten soll, und dah die Winterruhe von seiteu der Reedereien nicht vor dem 15. November erklärt werden darf. Die Lohnbewegungen sind im allgemeinen friedlich verlaufen, nur bei einer Firina kam es mit 26 Mann zum Streik. Bemerkens- wert ist noch, daß die Mitgliedschaft der Binnenschiffer in Pirna eine Lohnbewegung im Bange werbe durchführte; es handelte sich dort um 49 Mitglieder, die infolge des niedrigen Wasserstandes arbeitslos in ihrem Beruf Arbeit als Bauarbeiter verrichteten. Auch diese Bewegung verlief erfolgreich. Im übrigen waren die Binnenschiffer bei ihren Lohnbewegungen überall zum Kampf gerüstet, und wenn es meist ohne Kampf abging, so liegt das daran, daß das Unternehmer- tum loie auch die Pnvaischiffer es vorzogen, annehmbare Zugeständnisse zu machen. Der Haiipivorstand des Transportarbcitcrverbandes ivar den Wünschen der Binnenschiffer in jeder Weise entgegen- gekommen, so daß in dieser Hinsicht einem energischen Vorgehen keine Hindernisse in, Wege standen.— Der Redner ging weiter auf die Agitations- und OrganisationSarbeit ein, und seinen Aus- führungen ist zu entnehmen, daff auch in dieser Beziehung eine äußerst rege Tätigkeit entfallet worden ist. A» den Bericht schloß sich eine rege Dlsknssion, in der nament- lich die OrganisationSverhältnisse der Binnenschiffer wie der Flößer eingehend besprochen wurden. In der Nachinittagssitzniig kam zunächst der Kassenbericht zur Verhandlung. Er liegt sowohl für daS letzlc Vierteljahr wie für das ganze Jahr 1911 vervielfältigt vor. Der Kassierer Bäh- m e r gab mündlich eine Reihe Ergänzungen und Erläuterungen dazu. Ter Kassenbericht zeugt ebenfalls von dem starken Fort- schritt, der im verflossenen Jahre gemacht ist; es sind rund 117 499 Beitragsmarken mehr abgesetzt worden als im Jahre 19Z9. Die Jahresabrechnung schließt mit der Bilanzsumme von 173 283,57 M. ab. An die Hauptkassc wurden in bar 49 373,42 M. abgeliefert; für die ucrschiedcnen Unterftiitzungeii samt Rechtsschutz wurden jedoch 51 672 M. ausgegeben. Die arößtcn Ausgabepostcn auf Rechnung der Haiiptkasse find: 26 916,79 M. für Arbeitslosen-, 11994,67 M. für Krankenunterstützung, 11837,79 M. für Lohnbelvegungen, Agi- tation usw. Ter Bestand der Lokalkasse ist von 11165 M auf 25 459,38 M. gestiegen. Unter den Ausgaben der Lokalkasse find auch 12l7,69 M. für die ausgesperrten Tabakarbeiter.— In der Diskussion über den Kassenbericht wurden Einwendungen nicht er- hoben. Dem Kassierer wurde einstimmig Decharge erteilt. An- genommen wurde ein Antrag, dem Gewerkschaftskartell in Aken a. d. Elbe als Beitragsleistung der Binnenschiffer jährlich eine Pauschale von 89 M. zu zahlen. Hierauf hielt der Schriftführer A. Schulz einen Vortrag über Die Rechts st reitigkcire ii in unserem Berufe. In- folge der Behinderung der Schiffahrt durch den niedrigen Wasser- stand ist es im verflossenen Jahre zwischen Arbeitnehmern und Ar- beitgcbern zu einer großen Anzahl Streitigkeiten gekommen, die nur auf gerichtlichem Wege zum Austrag kommen konnten. Es sind 153 Klagen anlKngig gemacht worden, für im ganzen 498 Mit- glicder. Die eingeklagten Forderungen beliefen sich auf die Summe von 12 612,33 M., wovon den Klägern 9372,65 M. zugesprochen wurden. Da es sich zu einem guten Teil um prinzipielle Entschei- düngen handelt, namentlich auch kündigungslose Entlassung, Ein- behaltimg des Lohnes, Weigerung der Zahlung des Reisegeldes in Frage kommt, ist der Vorteil, den die Mitglieder auf Grund der Durchführung der Klagen erreicht haben, weit größer, als es in jener Summe zum Ausdruck kommt. Der Redner ging näher auf einzelne der gefällten Entscheidungen ein und niachte verschiedene lehrreiche Ausführungen über die Rechtsverhältnisse der Bootsleute und Steuerleute.— Aus den Reihen der Delegierten lvurde ange- regt, daß der Referent an verschiedenen Orten den Mitgliedern Vorträge über die Rechtslage der Binnenschiffer halten möge. Sodann berichtete S ch ü n i n g über die Bibliothek und ihre Benutzung. Der Bericht erstreckt sich auf die Aeit vom 1. Juli 1919 bis zuni 1. Juni 1911. Der Bücherbestand ist von 6959 auf 6998 Winde gestiegen. Benutzt wurde die Bibliothek im Berichts- jähre'vn 1325 Mitgliedern, im vorhergegangenen Jahre von 1124 Mitgliedern. Das Interesse an guter Literatur ist also im Wachsen begriffen. Neue Sck>ifscrbiblio!hcken sind von der Mitgliedschaft im verflossenen Jahre in Breslau. Fürstenoerg, Stettin und Lübeck eingerichtet, so daß die Gesomtbibliothek nun aus 12 Ortsbiblio- thcken oder Ausgabestellen besteht.— In der Diskussion wurde er- lvähnt, daß die..Magdeburgische Zeitung" und andere Kapitalisten- blätter einen gehässigen Artikel über die Bibliothek gebracht haben. Als die Bootsleute sich noch mit Rick-Carter und Jndianerbüchern wie anderer Schundliteratur befaßten, haben derartige Blätter sich nicht darum bekümmert, aber nun, wo ihnen die besten Werke der schönen und der populärwissenschaftlichen Literatur zur Verfügung stehen, müssen sie ihre hämischen Bemerkungen darüber machen.— Ein Antrag, die Bibliothek aus den Wirtschaften in die Bureaus zu verlegen, soweit die Organisation an den betreffeirden Orten eigene Bureaus hat, wurde dem Vorstande zur Berücksichtigung überwiesen. Es folgte: „Die Trinkwasscrvcrhältnisse in der Binnenschiffahrt." Der Referent Schramp führte hierzu in der Hauptsache aus, daß die Bootsleute wie auch die Maschinisten und Heizer und die Flößer häufig genötigt sind, ihr Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen aus dem Flusse zu entnehmen, weil sie nicht Zeit finden, aus den manchmal allzu entfernt liegenden Brunnen oder Lcitun- gen Trinkwasser zu besorgen. Einzelne Gemeinden halten es auch nicht für nötig, den Schiffern Gelegenheit zur Entnahme von Trinkwasser zu geben, so daß die Schifser genötigt sind, es sich bei Privatleuten zu holen, was ja meist, da nian sich an Gast- ivirte oder Geschäftsleute wenden muß, mit Gcldausgaben ver- knüpft ist. An einzelnen Orten mutz das Was ser über- b a u p t erst gekauft w e r d eu, und besonders während des Klcinwasserstandes in diesem Sommer war es den Binnenschiffern an einzelnen Orten ganz besonders schwer gemacht. Trinkwasser zu crbalten. Während der Cholera im Jahre 1892 wurde eine sehr strenge Kontrolle ausgeübt, und auf der Elbe wurde den Schiffern nickt nur überall gutes Trinkwasser besorgt, sondern manchmal auch noch Kognak dazu geliefert. Es sind damals Einrichtungen zur Versorgung mit Trinkwasser für die Binnenschiffer geschaffen, aber in vielen Fällen fehlt es noch immer daran. Es ist dringend not- wendig, daß hierin für Besserung gesorgt �vird.— In ber regen Diskussion trat es deutlich hervor, daß die Schiffsmannschaften wie auch die Flößer noch vielfach unter Trinkwassermangel zu leiden haben und sich nur zu oft durch den Gebrauch von Flußwafser den schwersten Gefahren für ihre Gesundheit preisgeben. Tie Forde- rungcn, die in dieser Hinsicht gestellt werden müsse», find in einer Rejolutivv niedergelegt. Em der parte!» Zu den sozialdemokratische» Stichwahlsiege» gingen beim Parteivorstand noch folgende Glückwunscktelegramme ein: S t o ck h o l m, 26. Januar.„Die sozialdemakratiscke Reichstags- fraktion, 75 Abgeordnete der beiden Kammern, senden� den deutsckisn Kollegen herzliche Grüße zum glänzenden Wahlsiege. Sic marschiereil doch immer als die ersten voran! Branting." Paris, 26. Januar.„Der Borstaud der Partei und die sozialistische Gruppe des Parlaments senden den deutschen Genossen die wärmsten Glückwünsche anläßlich ihres hervorragenden Sieges vom 12. Jmuiar, der durch die Stichwahlreinltate so brillani ver- vollständigt wurde. Sie begrüßen die gewaltigen Fortschritte der deutschen Sozialdemokratie und sehen darin eine neue Garantie für die Aufreckterhaltiing des Friedens und für den kommenden Triumph der sozialistischen Arbeiter-Jnternationale. Dubreuilh. Dejeante." Kristiania, 27. Januar. ,,Es leben die„Niedergerittenen"! Hoch die Internationale I Sozialistische Grüße. „Vorwärts", Kristiania." C o l n m b u s sOhio), 23. Januar. Glückloiinsch zum Siege I Die sozialistische Partei von Ohio. Agitatorisches. Von einem in der Agitationspraxis stehenden Genoffen wird uns geschrieben: Die Erfolge unserer Partei bei der Reichstagsivahl werden an- spornend auf unsere Agitation wirken. Schon die Spekulation unserer Gegner ans eine möglichst baldige Auflösung des Reichstags zwingt und treibt zur soforiigen Bereitschaft. Besonders lebhaft wird die Agitation in den Wahlkreisen einsetzen, in denen wir nicht auS eigener Kraft siegen konnten, auf unzuverlässiger Stichwahlhilfe an- gewiesen waren oder bei der Hmiptwahl unterlegen sind. In Wahlkreisen mit zahlreicher ländlicher Bevölkerung ist die Agitation außerhalb der Wahlzeit nicht viel leichter als während dieser; sie wird vielfach eine noch schwierigere werden, denn unsere Erfolge lverden die Gegner ohne Zweifel veranlassen, uns die Agi- tatioii durch Saalabtreibey und Anwendung anderer terroristischer Mittel zu erschweren. Bei der großen Zahl der Wahlkreise, in denen die proletarische Bevölkerung in zahlreichen Orten sehr zerstreut wohnt, wie beispiclö- weise in asten thüringischen Wahlkreisen, und wo die Agitation durch territoriale Zerrissenheit und durch schleckte Verkehrsverhältnisse ohnehin erschwert wird, müssen Mittel und Wege gcfmiden werden, die unsere Agitation erleichtern, ohne ihre Wirksamkeit zu beein- trächiigen. DaS kann am besten durch eine intensive, gut organi- sierte schriftliche Agitation geschehen. Wo uns die Versammlungslokale abgetrieben werden, wo unS nicht genügend geeignete Genossen zur Verbreitung unseres Agitationsmaterials zur Verfügung stehen, die bei ihrer Hnnsagitation die Wähler für unS bearbeiten können, müssen wir um so öficr schriftliche Agitation betreiben und hier gibt es Mittel und Wege, die uns niemand verwehren kann, so lange keine Ausnahmegesetze bestehen. Unsere Organisationen müssen sich die Adressen der Wähler aller Orte verschassen und die Flugschriften durch die Post versenden. Wenn, wie wir es schon ost gesunden und erlebt haben, unseren agitierenden Genossen der Zutritt zu den Arbeiterwohnungen der Unternehmer durch Anschlag verboten wird, den Briefträgern können eS die Schloijiiiiker so wenig wie die Krautjunker verbieten, sozialdemokratische Briefe zu bestellen. Zudem ist dieser Verlrieb billiger als der durch Genossen. Der Reichsverbnnd be- treibt diese Agitation jahraus und jahrein, mit wieviel Erfolg kann dahingestellt bleiben. Jedenfalls wäre es, nebenbei gesagt, falsch. die Agitation des ReichsverbandcS in Wahlkreisen wie den hier bc- zeichneten zu unterschätzen. Wir haben Wahlkreise mit mehr als 159 und 299 Orten. Be- sitzen wir die Adresse» der in diesen Orten wohnenden, für unS in Frage kommenden Wähler, Kleinbauern, Handwerker, Post- und Eisenbahnbeamten und-Arbeiter, dann wird eS uns gelingen, der Agitation des Reichsvcrbandes den Boden zu entziehen. Die vom Parteivorstand empfohlenen Flugblätter eignen sich ganz vortrefflich zu einer derartigen Agitation. Jeder einigermaßen leistungssähige Kreis kann die Kosten dieser Verbreitung durch die Post tragen, zumal der Preis der Flugblätter ein außergewöhnlich niedriger ist. Total verkehrt ist eS, ivenn die Kreisleilungen in der ivahlsreien Zeit sparen und glauben, das Pulver bis zum Wahlkampf trocken hallen zu müsse»; gerade weil sie für den Wahlkampf gespart haben, werden sie in diesem oft viel Geld vergeblich ausgeben müssen. In allen Wahlkreisen mit vorwiegend ländlicher Bcvölkermig ist die Parteipresse schlecht oder doch sehr mangelhafl verbreitet. Die politische Organisation ist meist ebenso schwach entwickelt. Das ganze öffentliche Leben, ohnehin ziemlich inhallslos. wird beherrscht von der großen Anzahl kleiner Lokal- und Provinzblätter, von Krieger-, Flottenvereinen und vom Bund der Landwirte. Und nun kommen wir alle paar Jahre, je nachdem Landtags- oder ReichStngswahlcn stattfinden, um die politische Situation tür unsere Partei aus- zunützen, denn von Vorbereiten der Situation für uns kann unter solchen Verhältnisicn absolut keine Rede sein. In diesen Kreisen leben wir tatsächlich nur von den Dummheiten unserer Gegner. Je nachdem diese wachsen oder sich verringern, bewegt sich dort unser Wahlglück, steigt eS oder verläßt es uns. Eine Partei, die für eine Klaffe die politische Macht erobern will, darf nicht von der Gunst oder der Ungunst der politischen Situation in ihren Fortschritien abhängig sein, sie muß imstande sein, sich eine dauernd günstige Situation zu schaffen, indem sie die Massen zum Denken erzieht, sich in ihren Zielen und Forderungen iil der öffentlichen Meinung durchzusetzen versteht. Das kann aber nicht in Wahlzeiteu geschehen, wo wir unS gerade in zurückgebliebenen Wahlkreisen meistens in der VerteidiguiigSstellnlig befinden. Ein weiterer Fehler, der noch lehr oft in der Wahlagitation gemacht ivird, ist, daß die Verschiedenheit der sozialen Stellung der Wähler ländlicher Kreise sowie auch der kleineren und mittleren Städte nicht genügend berücksichtigt wird. Die Wähler werden einfach über eine» Leisten geschlagen. Wenn keine Unterscheidung der Wähler nach ihren sozialen Verschiedenheiten bei der schriftlichen Agitation vorgenommen wird. ist eS unmöglich, die Erkenntnis der Gemeinsamkeit ihrer sozialen und politiichen Interessen allen Schichten der proletarischen Wähler beibringen zu können. Auch in der politiichen Agitalion muß der Grundsatz zur Geltung kommen, über der Einheit die Maniiigfaltigteit nicht zu vergessen, sondern zu unterscheiden, um zu verbinden. Die Arbeiter- Ilasie. von, halbproletariscken Kleinbauer bis zum ungelernte» Hand- arbciter, ist nicht so einfach zusaminengesetzt. daß die Gemein» samkeit der Interessen jedem gleich ins Ange springt. Besonders in jenen Schichten, die ihrer sozialen Lage nach zur Arbeiterklasse gehören, sich selbst aber nicht als Arbeiter schlechthin betrachte», die wir aber. wenn wir die politische Macht erobern wollen, für uns gewinnen müssen, muß die schriftliche Agitation in der wahlfreien Zeil energisch und mit besonnener 5kliigbeit betrieben werden. Scko» wenn es uns gelingt, daS Vorurteil, das in diesen Kreisen immer stark gegen uns besteht, zu brechen, lind wenn auch auf absehbare Zeil noch keine Aus- ficht vorhanden ist, sie organisatorisch für unsere Partei zu gewinnen, so haben wir, wenn sie sich nicht abgestoßen oder vernachlässigt fühlen, schon viel gewonnen. Diese Schichtung der Wähler nach ihren ökonomischen Verhält- nissen ist keine schwierige Aufgabe, wenn die Kreisleitungen im Be- sitze der Adressen sind. Da in den Landortc» der Wohnungswechsel äußerst gering ist, bleibt das Adressenmaterial auf längere Zeit zu- verlässig; es muß selbstverständlich von Zeit zu Zeit ergänzt werden. Wie soll nun dreies Material beschafft werden? Teilweise werden Adreßbücher zu haben sein; wo dieses nicht der Fall ist, können die Bcrtrancnsleute die Adrcffcn ermitteln, und wo es auch an genügend BertrmienS- leuten fehlt, müssen unsere Genossen bei Flugblatiberbeiinng. Zeitnngsagitation oder anderen Gelegenheiten die Adressen zu ermitteln suchen. Das so geivoniiene Adressenmaterial dient nicht nur zur Ver- breitimg von Flugblättern, sondern ist auch bei der mündlichen Agitalion außcl ordentlich nützlich zu gebrauchen. Wie schwer sind in viele» Gegenden öffentliche Versammlungen zustande zu bringen; auch dort, wo geiiiigend Versammlungslokale zu unserer Bersügnng stehen. Die Presse ist vielfach gar nicht ver- breitet; persönliche Einladung ist wegen mangelhafter Verbindung und weiter Entfernung unmöglich; der Ortspolizeidiener sckellt viel- leicht noch im günstigsten Falle die Versammlung iin Dorf ans zu einer Tageszeit, in der besonders die Arbeiter noch nicht zu Hause sind. Um wieviel leichter ist die Arbeit, wenn brieflich ein» geladen werden kann. Wo die Versammlungen Sonnabends und Sonntags stattfinden müssen, können mehrere Orte eingeladen und auf diese Welse viel bessere agitatorische und organiiatonicke Erfolge erzielt werden, Ist die Agitation einige Zeit auf diese Weise bc- trieben worden, dann Ivird sich deren Wirkung sehr bald zeigen. Das Bedürfnis, mehr von uns zu sehen und zu hören steigt. Ohnehin muß man eS auf dem Lande ja oft genug zu hören bekommen, lvir kämen nur zu Wahlzeiteu, um uns die Stimmen der Landbewohner zu holen. Gelingt es uu?. das politische Leben auf dem Lande reger zu gestalten, dann wird eS uns nicht schiver. unsere Presse zu verbreiten und Mitglieder für die politische Organisation zu werben. Die ausgegebenen Gelder komine» bestimmt lvicder ein, und eS gelingt uns, den Einfluß auf die öffentliche Meinung zu erhalten, ohne den mir unsere Erfolge nicht zu dauernden machen können. Unserer AnfklärnugSarbeil folgt dann aber auch die geiverk- ichaflliche Organisation. Unsere Gewerkschaften haben in diesen ländlichen Kreisen nicht minder schwer zu arbeiten als die Panei. Wo sich die Industrie auf das platte Land ausdehnt, macht sich überall das Schlotherrentum breit und unterbindet jegliche Organi» sationStätigkeit. Die Arbeiter getrauen sich kaum eine Versammlung zu besuchen, auö Furcht, denunziert zu werden. Die Unternehmer unterhallen ein ständiges Spitzeltnin. Haben wir aber eine Zeitlang schriftliche Agitation betrieben, dann beginnen sich« auch die bedrücktesten Arbeiter zu regen und wir fasse» festen Fuß für die Partei und Geivcrlschaften. ES empfiehlt sich daher, daß sich die Partei- und GewerkichaftSfunitioiiäre der betreffenden Wahlkreise über die Agitationsweise verständigen und sie organisieren. Wemr die hier gegebene Anregung geprüft wird, werden die Genossen aller- orts zugeben müssen, daß auf dieser Basis mit Boraussicht auf Erfolg gearbeitet werden kann._ Tod eines österreichische» Parteiveteranen. In Wie n ist Genosse Rudols P o k o r n y im Alter von 69 Jahren gestorben. Schon 1879 ivar er in der radikalen Arbeiterpartei hervorragend tätig und er wurde unter dem alsbald verhängten Ausnahmezustand besonders bespitzelt. Er war dann der erste Redakteur des Fachblattes der Metallarbeiter. Sieben Viktor Adler hat sich Pokornh die größten Verdienste um die Eiiligwig der strsiteiideu Fraktionen erworben. Er hatte an allen EiiiigiuigSkonfereuzen seit 1386 und selbstverständlich am Hainfelder Parteiiag von 1383/39 großen An- teil. Er hat aber auch als prakliicher Sozialpolilikcr an der Verwaltung der Unfallversicherung mitgearbeitet und widmete sich in den letzten Jahren dem Arbeitcrkonsninverein„Vorwärts". Ein Siebzigjähriger. In Görlitz begeht heute ein alter Vor- kämpfer der Partei, Genosse Hugo Keller seinen siebzigsten Ge- burtStag. Bis zu seinem 65. Lebenszahre hat sich der Jubilar als Tabakarbeiter kümmerlich durch das Leben schlagen müssen. Als dann das Arbeitersekretariat in Görlitz errichtet lvurde, wurde er mit diesem Amte betraut. Stand er dock seit einem halben Fahrhundert als nimmermüder Agitator im Dienste der Partei. Besonders tätig war er in der preußischen und sächsische» Lausitz. Jahrelang kandi- dierte Genosse Keller im Wahlkreise Görlitz-Lauban und im Wahl- kreise Zittau. Im Jahre 1996 trat er ivegen seiner angegriffenen~ Gesundheit von der Kandidatur zurück. Im eben beendeten Wahl- kampse ivar.r noch als Redner und Agitator tätig und konnte die Freude erleben, daß sein alter Wahlkreis Görlitz-Lauban für die Partei gewonnen wurde. Auch als Stadtverordneter steht Genosse Keller seit dem Jahre 1993 im Dienste der Partei. Wir ivünschen, daß der Jubilar noch recht lange unserer Sache erhalten bleiben möge._ Versammlungen. Zentralderband der Handlungsgehilfen und Gehilfiimen Dentfchlends. Die Genaralverfammlung des Bezirks Groß-Berlin tagte am 26. Januar in den Mnsikersälen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte Friedländer mit warmen Worten der Verdienste des verstorbenen Kollegen Leopold L i e p m a n n. Der verstorbene war einer der Milbegründer des Verbandes und hat derselbe schon in dem Vorläufer deS ZcntralverbandcS— der„Freien Organisation junger Kallfleute"— aufopferungsvollster Weise für die Verbreitung der gewerkschaftlichen Ideen unter den Handlungsgehilfen gelviril. Seine unermüdliche Tätigkeit für die Verbesserinig der Lage der arbeitenden Klaffen wird ihm ein dauerndes An- denken in der modernen Arbeiterbewegung sickern. Der sodann gegebene Kassenbericht über das vierte Vierteljahr 1911 sckließt in Einnahme und Ausgabe mit 12 251,35 M. ob. Der auf das neue Vierteljahr vorzlltragende Kasseubestand beträgt 2491,25 M. Die Mitgliederzahl hat sich gegenüber dem 3. Vierieljahr um 183 auf 2410 erhöht. Die Gesamtzunahme an Mitgliedern in, Jahre 1911 belauft sich auf 623. Auch die im Berichtsjahre ins Leben gerufene Jugendabteilimg hat erfreuliche.Fortschritte gemacht. AuS dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß der Verband im ab- gelaufenen Geschäftsjahre rührig tälig war und auch Erfolge erzielte, so u. a. in der Sonniagsruhebewegung, die zur weiteren Ein- schränknng der Verkaufszeit in Berlin und in fast allen Vororten geführt hat.— Die Wahl für den von seinem Posten als Ortsbeamter zurückgetretenen Kollegen Horn fiel auf Fritz Schmidt. In die Ortsverwaltung ivurden gewählt: als zweiter Bevollmächtigter Wachsner, als Schriftführer Sehn er und Neuthal als Delegierte zur Gewerkschastskommission Urban. Fntz Schmidt, M a s ch k e und L a a b S. Die Wahl des ersten Bevollmächtigten und deS AklionsauSschlisieS wurde bis zu der im Februar statt- findenden außerordentlichen Generalversammlung ausgesetzt. Die Filiale Berlin des Verbandes der Tapezierer hielt am Freitag im großen Saale deS GewerkschaftshaufeZ ihre Quartalsversammlung ad, in der als erster Punkt der Quartals- und Jahresbericht aus der Tagesordnung stand Der Vorsitzende Zitzcwitz führte in seinem Bericht in der Hauptsache folgendes aus. Von dein wirtschaftlichen Aufschwung, der sich in der Jndu- stric bemerkbar macht, war im verflossenen Jahre im Tapezierer- gewerbe nichts zu spüren, und die Arbeitsgelegenheit ließ alles zu wünschen übrig. In den beiden ersten Quartalen war die Kon- junktur sehr schlecht, im dritten trat zwar ein Aufschwung ein. aber er war nicht von langer Tauer. und von einer Hochkonjunktur wie in früheren Jahren, konnte nicht die Rede sein. Mitte des 4. Quartals war die Arbeitslosigkeit schon wieder außerordentlich groß, und dieser Zustand dauert auch jetzt noch an. Es ist auch nach Meinung einsichtiger Geschäftsleute— vor allem auch die politische Depression, es'sind dft KriegstreiSereien. unter denen daS Geschäft nach dem Ausland schwer gelitten hat. Das verflossene Jahr brachte für die OrtSverwaltung und für die Achvchucr- kommission eine sehr umfangreiche Tätigkeit mit sich. Obwohl die Lohnbewegung in, 1. Quartal zum Tarifabschluß fübrte, waren auch nachdem noch in verschiedenen Werkstätten Lohnkampfe auszu- fechten. Im allgemeinen hat die Lohnbewegung schätzenswerte Vorteile, Erhöhung der Löhne und für eine Reihe von Werkstätten Verkürzung der Arbeitszeit gebracht. Der Redner ging sodann näher aus die Verhältnisse in den einzelnen Sektionen ein und er- wähnte als eine crsrculichc Tatsache die Gründung der Magazin» ad&ciicrfcltio«.— SEcnn man früher bei Lohnbewegungen die Beobachtung machen muhte, daß nach deren Beendigung wieder ein starker Rückgang der Mitgliedcrzahl eintrat, so war das diesmal nicht der Fall. Allerdings war auch jetzt die Zahl derer, die sich aufnehmen liehen, dem Verbände dann aber wieder untreu wurden, ziemlich gros;, aber es �cigt sich doch ein Fortschritt. Auch im letzten Quartal hat die Mitgliedcrzahl zugenommen, und zwar von 1923 auf 1967. Tic Bibliothek ist im letzten Jahre 778mal benutzt wor- den, gegenüber 590i»al im Jahre 1910. Ter Bücherbestand ist von 999 auf 922 Bände angewachsen. Ter Redner ermuntert: die Mitglieder, sich die reichen Schätze der Bibliothek zunutze zu machen, und forderte im übrigen zu eifrigster Tätigkeit für die Organisation auf.— Tic Abrechnung lag sowohl für das letzte Quartal wie für das ganze Jahr vervielfältigt vor. Die Jahreseinnahmen samt dem alten Bestand betrugen 59 090,44 M., die Ausgaben 28 283,91 Mark, so daß ein Bestand von 29 809,53 M. übrigblieb. Unter den Ausgaben ist der gröhtc Posten der für die Lohnbewegung mit 10 042,35 M. Für die Hauptkassc schließt die Jahresabrechnung mit der Bilanzsumme von 97 998,90 M. ab. An die Hauptverwal- hing wurden 9748,22 Mi abgesandt; die Arbeitslosenunterstützung erforderte 13 195 M., die Krankcnunterstützung 2304,50 M., die Lohnbewegung 30 105,30 M., und für Gcmahrcgeltenunterstützung wurden 707 M. ausgegeben. An die Berichte schloß sich eine kurze Debatte. Tarauf wurde die Neuwahl der Qrtsvcrwaltung vollzogen, die folgendes Ergebnis hatte: 1. Vorsitzender Zitzcwitz, 2. Vorsitzender Neue, 1. Kas- sierer Scziltn�sli, 2. ziassiercr Heckmann, 1. Schriftführer Baltoscc, 2. Schriftführer Jantz; Beisitzer: Neu mann und Siel er. Als Revisoren wurden wiedergewählt: H. Ludwig, Zack und Hör st. Ter nächste Punkt der Tagesordnung war: Stellung- nähme zur Gaukonfcrcnz, die am 18. Februar in Posen stattfindet. Hierzu wurde ein Antrag angenommen, durch den die verschiedenen Filialen im Oitgau aufgefordert werden sollen, bei Tarifbewegungen dahin zu wirken, daß das Lehrlingswcsen geregelt und eine bestimmte Lehrlingsskala eingeführt wird. Gegenwärtig findet in vielen Orten eine für das ganze Gewerbe verderbliche Lehrlingszüchterei statt. So gibt es z. B. in Potsdam neben 47 Gehilfen nicht weniger als 45 Lehrlinge, und in anderen Stödten ist das Verhältnis nicht besser. Oftmals ist es mit der Lehre so schlecht bcitellt, daß der junge Gehilfe in keiner guten Werkstätte Unterkunft finden kann, sich dann bei Privatleuten Arbeit sucht und den Meistern sowohl wie der Gehilfenschaft die größte Schmutz- konkurrenz bereitet. Ein zweiter Antrag zur Gaukonferenz, der ebenfalls von der Versammlung gutgeheißen wurde, fordert alle übrigen Ortsvcrwaltungen im Ostgau aus, dafür zu sorgen, daß die nach Berlin reisenden Gehilfen auf die hier geltenden Tarif- bestimmungcn aufmerksam gemacht werden, damit sie sich danach richten, wenn ihnen in Berlin Arbeit angeboien wird. Als Tele- gierte zur Gaukonferenz werden gewählt: Neue, Horst, Otto Schmidt und Zitzcwitz. Tic Versammlung beschäftigte sich ferner mit einigen Verbandsangclcgenheiten, wobei unter anderem beschlossen wurde, einem Kollegen ans den Reihen der Mitglieder Gelegenheit zum Besuch der Gewerkschaftsschule zu geben. Zivci öffentliche T a p c z i e r e r v c r s a m in l u n g c n fanden, ebenialls im Gewerkschaftshausc, vor der Ouartalsvcrsamm- Zung statt. Tie eine diente zur Neuwahl der Beisitzer zum I n n u n g s s ch i e d s g e r i ch t. Zunächst wurde htcr über die Tätigkeit dieses Gerichts im verflossenen Jahre berichtet. Es sind 97 Klagen anhängig gcmacht worden, und 17 davon führten zur Verurteilung des Beklagten, 27 wurden durch Versäumnisurteil gegen den Beklagten, Ll durch Vergleich erledigt, und in 14 Fällen wurden die Klagen teilweise abgewiesen und teilweise wurde der Beklagte verurteilt; abgewiesen wurden nach Verhandlung 17 Klagen. Außerdem wurden noch 4 Klagen durch Zurückziehung erledigt. Summe der eingeklagten Forderungen belief sich auf 2878,94 M. und davon wurden den Klägern zugesprochen 1975,07 M. — Als Beisitzer zum Jnnungsschicdsgericht wählte die Versamm- lung: Heck mann, Bö nicke, Brunow, Strauß, Pette und öorst; als Ersatzleute: B a r n i tz k i, Klinke, Emil Schröder, O st c n. Neue und Paska!. Die zweite Versammlung galt der Neuwahl des Ge- b i l f e n a u s s ch u s s e s. Dem Bericht, den der Altgehilfe B ö n i ck c gab, ist zu entnehmen, daß im verfloffenen Jahre 198 Lehrlinge lusgelcrnt haben und 152 neue Lehrlinge eingeschrieben wurden. Uebrigens ist über die Logisverhältnisse wie auch über die Behandlung, die den Lehrlingen bei einigen Meistern zuteil wird, geklagt worden. Bei einem Meister befindet sich der Schlaf- räum des Lehrlings im Abort, wo auch noch schmutzige Wäsche und aller möglickier Kram herumliegt. Sehr sonderbar ist es, daß der Gehilfcnausschuß zu den Versammlungen der Innung nicht zu- gelassen wird, obwohl dort doch oft über Dinge verhandelt wird, deren zweckmäßige Erledigung die Teilnahme der Gehilfenvertretcr erfordert. Gegenüber dieser Beschwerde versprach der anwesende Jnnungsmeistcr S t e i n b o r n, dafür einzutreten, daß die Ge- hilfenvertretcr zu den Jnnungsversammlungen geladen werden, wenn irgend welche Angelegenheiten, die für sie von Wichtigkeit sind, auf der Tagesordnung stehen. Im übrigen wurde in der Versammlung angeregt, daß die Lehrlinge in Zukunft ihr Gehilfen stück in einen, besonderen Raum unter Aufsicht der Gehilfen- und Meistcrvertreter anfertigen sollen.— In den Gchilfenausschuß wurden gewählt: Bönicke. F ritsch. Minn, Brunow. Osten und Horst; als Ersatzleute: Rabe und H e ck m a n n. Zentralverband der Stcinarbeiter. Die Generalversammlung der Filiale Berlin fand am Sonnlag vormittag in der„Neuen Philharmonie", Köpenicktt Straße, statt. Der gedruckt vorliegende Jahresbericht für 1011 wurde von dem Vorfitzenden E r n st W i n ck l e r erläutert. Eine gute Konjunktur und eine recht rührige Agitation hat es ermöglicht, den Mitgliederbestand von 855 am Beginn des Jahres auf 1028 am Ende desselben zu er- höhen. Ter Hauptteil des Zuwachses entfällt auf die Marmor- brauche, welche auch den größten Erfolg im Kampfe um bessere Arbeitsbedingungen zu verzeichnen hat, und zwar kwrch'Abschluß eines Tarifvertrages �mit dem Verband der Stcinmetzgeschäfte von Groß-Berlin. Die«ektion I fSandsteinarbciterl hat durch oic Organisierung der Hilfsarbeiter einen kleinen Mitgliederzuwachs erhalten. In der 5iuisststeinbranche dauerte der Kampf gegen das Akkord- und Zwischenmeiftersystem während des ganzen Jahres an, ohne daß der gewünscht- Erfolg erreicht wurde. Die Fragen der Arbeitslosenunterstützung und des paritätischen Arbeitsnach- weises wurden im Geschaftsiahre viel erörtert, fanden aber noch keine Lösung, li-h-r oie Verhältnisse im Beruf veranstaltete her Verband statistische Erhebungen; die Beteiligung daran ließ aber zu wünschen übrig. Aus bcr Statistik ist unter anderem zu ersehen, daß von 1511 BerufSangehörigen 1073 organisiert waren(Stand vom 1. Juli 1911,; davon gehörten 1014 zum Zentralvcrbaud und 50 zu anderen Verbänden. Von 580 Be- fragten, die sich an der Statistik beteiligten, arbeiteten 404 im Stundenlohn, 34 im'Akkord und 141 auf beide Arten(der Fehlenoe >oar ein Erwerbsloser). Das Durchschnittsalter der Stcinarbeiter betrug nach der Statistik 35 Jahre 5 Monate. 238 Fälle von Krankheit, 1187 Fälle der Arbeitslosigkeit wurden gezählt. In dem Jahresbericht tvird über die Berbältnisse in Potsdam gesagt, daß dort die Tarifbcwcgung Fortschritte gemacht bat, und daß der jetzt ablaufende Tarifvertrag ourch einen besseren ersetzt werden soll, entsprechend den herrschenden Teuerungsvcr- hältnisten. Ter Vorsitzende rügte in seinen erläuternden Bemerkungen das Unwesen der Ueberstundcn und betonte, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit im Gewerbe notwendig fei. Freilich, so meinte er, sei die VerlvaUungsarbeit für den Verband so stark gewachsen. daß der eine Angestellte im Bureau manche Ueberstunde und ohne Entschädigung machen müsse. Diese Bemerkung gab Veranlassung zu einer Diskussion über die Notwendigkeit, einen zweiten Beamten anzustellen; dagegen erhob sich aber ein scharfer Widerspruch unter den Bersainmelten.— In der Diskussion kam die Einrichtung einer Arbeitslosenunterstützung und die Nützlich- kcit einer Veröffentlichung der Namen der Restanten unter den Mitgliedern zur Sprache. Der Kasscuvcricht zeigie die folgende Bilanz: Gesamteinnahine j Bevölkerung aufgelegt worden. ES sind inkl. Bestand vom vorigen Jahre 45 377,54 M., Gesamtausgabe wäge gezeichnet worden. Mau hosst so 32 765,79 M., Bestand am Jahresschluß 12 611,75 M. Unter den Ausgaben stehen verzeichnet: Für Rciseuntcrstützung 1179,— M., für Gemaßregeltcnuntcrstützung 33,75 M., für Rechtsschutz 145,— M., für Umzugsunterstützung 50,— M., für Krankenunterstützung 2969,25 M., für«terbeuntcrstützung 210,— M., für besondere Unterstützung 52 M. Dazu kommen als Zuschuß aus der Lokalkasse für Streik- und Gemaßrcgeltenuiiterstützuiig 2937,59 M., Reiseunterstützung 435,— M., Krankcnunterstützung 1035,— M., Sterbeunterstützung 200,— M., WeihnachtS- und besondere Unterstützung 457,75 M. Nachdem die Versammlung dann die Berichte der Gauleitung, hauptsächlich die Agitation im Gau betreffend, und die Berichte der Beschlverdelommission gehört hatte, wurden Neuwahlen vorgc- nommen. Als Ncrbandsleiter wurde Ejust 553 in ekler wieder- gowählt. In die Gauleitung wurden Sieben, O h n g e m a ch, H a n s ch k c und T i l I a ck, in die Beschwerdekommission Völker, Wolf, Papp, Michaelis und A h l g r i m m gewählt. Die Stock- und Zelluloidarbeiter Berlins nahmen in ihrer letzten gutbcsuchten Versammlung den Jahresbericht der Branchen- kommission entgegen. In der Diskussion wurde über die Arbeits- Verhältnisse der Firma Ludwig Beschioerde geführt. Speziell ist es Meister E n d e r s, der es gut verstanden hat aus dieser ehemals freien Arbeitsstätte eine Art staatliche Besserungsanstalt zu machen. Von den Diskussionsrednern wurden Einzelheiten ge- schildert, Ivie Herr Enders mit älteren Arbeitern umspringt. Mit Entrüstung protestierten die Versammelten gegen ein derartiges Treiben und verlangten, daß man auch bei Ludwig einsehen möge, Arbeiter seien auch Menschen.— Dann beschäftigte sich die Versammlung mit dem Streik bei der Firma B o s ch w i tz. �lieber acht Wochen streiken die Arbeiter dieser Fabrik und keiner ist ab- trüniiig geworden, trotzdem der Geschäftsführer Tailliert bei einigen Ausständigen persönlich um ihre Arbeitskraft geworben hatte. Wie der Unternehmer mit seinen lieben'Arbeitswilligen zufrieden ist, beweisen die fortivährenden Annoncen in der „Morgenpost" und„VoltSzeitung", nach denen imorgamsierte Stockarbeitcr und ebensolche Gürtler auf„Militäreffekten" gesucht werden. Lobhaft bedauert wurde, das; solche Blätter»och von Arbeitern gelesen werden. Arbeitswillige, die den Schutz der Kommission gegen die Firma nachsuchte», schildern die jetzigen Verhältnisse als äußerst traurig. 40 bis 50 Proz wurden vom Tarif abgezogen und die Arbeitszeit um 6 Stunden verlängert. Einem Arbeitswilligen gelang es, in 10 Stunden eine volle Mark zu verdienen. Die Firma, die früher mit einem Meister zurccht kam, beschäftigt deren jetzt 8 zu Löhnen von 45 bis 60 M. Wie- lange Herr B o s ch w i tz diese Selbstmordtaktik noch weiter treiben kann, ist nur eine Frage der Zeit. Unter diesen Meistern befinden sich ganz bekannte Herren, wie Klein, Gr üb er, Knoll, Birkner s u n, Schulte, A><- derseu und ei» Herr von Salzen. Manche von ihnen standen früher selbst in den Reihen der Arbeiter. Drastisch berichteten einige Arbeitswillige über das kollegiale Vcr- halten der angeblichen Meister untereinander: ein jeder Meister will eine neue Arbeitsmethode einführen, und ein jeder behauptet sein Recht. Das Ende ist ein Tohuwabohu, so daß dem Arbeit- gcber bei einigen Fällen selbst'Angst wurde. Einigen von diesen guten Seelen ist bereits gekündigt; anscheinend köuncii die Ab- nehmer die gute'Arbeit nicht gcbrmiceeii.— Tie Streikenden führten bitter Beschwerde über das Verhalten der Polizei. Nicht nur, daß diese mit allen Mitteln zugunsten deS Arbeitgebers ein- greift und jeden Streikposten wcgevcist oder sistiert, versuchte sie auch, einem im selbe» Hause wohnenden S t r e i- k c n d e n den Torweg zu verbieten. Er kann ja über die Dächer sein Heim aufsuchen oder sich eines Flugapparates bedienen. Selbstverständlich geschieht dies alles zur„Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit!"— Die Versammlung sprach den Strci- kcndcn ihre vollste Svmpathie aus und forderte die Kollegen auf, auszuharren bis der Starrsinn des Arbeitgebers gebrochen ist und die Albeiter als Sieger aus dem Kampfe hervorgegangen sind. JIuq aller Melt. Einst und jetzt! Ein Parteigenosse sendet unS zur Erinnerung an seine Militär- zeit folgende Zeilen mit der Bitte um Beröfsentlichiing: Am 27. Januar waren 19 Jahre verflossen. Ich war damals Soldat in einer kleinen Garnisonstadt der Provinz. Wie üblich führten auch wir bei der Feier dieses Tage« ein Theaterstück auf, und zwar eine Episode aus dem Kriege 1870/71. Am Schlüsse der Aufführung stand ich mit cinigcu Kameraden auf der Bühne, tvir hielten jeder ein Weinglas in der Hand und ich rief mit lauter Stimme in den Saal hinein:„Hoch lebe die deutsche Armee, die unser geliebtes Vaterland groß und einig machen wird!" Und heute? Seit mehr denn einem Jahrzehnt gehöre ich nun schon mit meinen ganzen innersten Gefühlen der Sozialdemokratie an. Als Mitglied der sozialistischen Armee kämpfe ich in ihren Reihen mit unter der Devise:„Krieg dem Krieg!" Welch eine Wendung durch sozialistische Auf- klärung! Und ich bin zufrieden-und stolz darauf.«Drum: „Getreu bis in den Tod der Fahne rotl" Aus Slahrnngssorgen i» de» Tod. Auf dem Gebiete der Domäne K ö st i n bei Gambolv fand man gestern morgen an der Wegkreuzung die Leichen des früheren Fleischbeschaucrs L o ck i n g c r ans Neuen- kirchen, seiner Frau und seines etwa einjährigen Kindes. Die näheren Umstände lassen auf Selbsttötung von Mann und Frau schließen, die vcrmntlich ihren Grund in Nahrungs- sorgen hat._ Kühne Klucht eines Gefangenen aus dem Pariser Justizpalast. Im Untenuchungsgefäilgnis des Pariser JustizpalasteS fand eine Gefangein-nenNveichung statt, die durch die große Kühnheit des Flück-tenden bemerkenswert ist, ES handelt sich um den 39 Jahre alten Holländer Marius D e v o S, der wegen verschiedener Betrügereien eine fünfjährige Gefängnis- strafe in Holland zu verbüßen hatte. Es gelang ihm jedoch, ans dem holländischen Gefängnis zu entkommen und nach Frank- reich zu slüchlcn. Hier winde er aber von der Polizei auf- gegriffen und sollte in den nächsten Tagen nach Holland z u r ü ck b e f ö r d e r t werden. Als mm gestern vormittag um 9 Uhr der Gefangciicnivärter die Zelle von DevoS öffnete, um ihn auf den Hos des lliitersuckiingsgefängnisses zu dem üblichen Morgenspazier- gang heruniziiführen, st ü r z t e D e v o s, der nur mit Hemd und Hose bekleidet war, an dem Gefangeiieiiwärter vorbei und eS gelang ihm, vom Hofe aus über eine hohe Mauer in den eigentlichen Justizpalast zu entkommen. Hier warteten bereits zwei seiner Komplizen auf ihn, mit deren Hilie er mittelst einer Strick- leiter durch ein Fenster de-Z JustizpalasteS die Straße geiviiineii konnte. Der Vorgang blieb merkwürdigerweise im Justizpalast selbst unbemerkt, so daß die Flucht des Gefangene» nicht verhindert wurde. Dem Flüchtling ist man noch nicht wieder auf die Spur gekommen. Drohende Hungersnot in Persien. Nach einer Meldung deS„New Uork Herald" aus Teheran droht in der persischen Hauptstadt eine große Hungersnot auszubrechen, da die Bauern nicht mehr in der Lage sind, Getreide sowie auch andere Nahrungsmittel nach Teheran zu liefern. Der Preis für Getreide ist bereits in das unermeßliche gestiegen. In B u r u j o i d haben die Einwohner furchtbar unter der Hungers- ' not zu leiden. In Teheran ist eine Subskriptionsliste für die arme bereits beträchtliche Der« wenigstens die Not der ärmeren Vcvölleruiig etwas zu lindern. Schiffsunfälle. Auf der Höhe von L o w e st o f t sank, einein Telegramm aus London zufolge, der holländische Dampfer„Fricndship", lvobci fünf Matrosen ertrunken sind. Nach einer Meldung des Madrider Blattes„Espana nueva" sind von den Azoren Nachrichten eingelaufen, wonach der Dampfer„Querubie" ans der Höhe des Archipels g c st r a n d e t und viele Meusche» dabei uingekoniiiikn seien. Kleine Notizen. Von der russischen Grenzwache erschossen. In Nowosilitza imirds gestern nacht ein den besseren Ständen ongehöriger junger Mann, welcher in Gesellschaft von Schmugglern die russische Grenze ohne Erlaubnis passieren wollte, von den russischen Grenzwachen erschösse n. Die russischen Behörden halten den Namen deS Erschossenen geheim. Schweres Sprcngunglnck. In S e t> s s e l(Obcr-Savohen) sind bei den daselbst für eine Lyoner Finna stattsindcnden AbdämmungS« arbeiten durch vorzeitige Explosion der Sprengmine mehrere Arbeiter getötet und fünf schwer verletzt Ivorden. Kälte in Paris. Die gelinde Witterung, die während der letzten Wochen in der Seinestadt herrschte, ist plötzlich in einen starken Frost umgeschlagen. In Pari s zeigte gestern nachmittag das Therm oinetec 5 Grad unter Null au, eine Temperatur, wie sie seit einer ganzen Reihe von Jahren hier nicht mehr zu verzeichnen war. Sollte die Kälte andauern, so dürften die Pariser das seltene Ver« gniigen genießen, auf einer Eisbahn im Freien dein Schlittschuhsport zu huldigen, Erdbeben in Frankreich. Au verschiedenen Orten des Bezirks Olette wurden gestern abend zum Teil heftige Erdstöße verspürt. Mehrere Häuser weisen Nisse ans und drohen einzu- stürzen. Großes Schadcufeuer. Aus Ronen tvird gemeldet: Von einem großen Schadeufeucr wurde gestern die Uhrenfabrik von Gebr. Conaillct in St. Nicolas d' A l i e r e in o n t heimgesucht. Der angerichtete Schaden wird auf eine halbe Million Frank ge- schätzt, soll jedoch durch Versicherung gedeckt sein. AnS Rache darüber, daß der Zahnarzt Dr. Pfau in Lemberg seine Wirtschafterin cutlassen hatte, wurde er von dem Bruder der- selben durch D o l ch st i ch e in den Unterleib schwer verletzt. Marktbericht von Verliii am 27. Januar 1012, nach Ermillclung dcS köuigl. Polizeipräsidiums. Markthallendreise.(Kleinhandel) IM Kilogramin Erbsen, gelbe, zum Kochen 35.00—50,00. Speiscbohncn iveißc, 40,00—00,00. Linsen 40,00-80,00. Kartoss-lu 11,00—14,00. 1 Kiw- grannii Rindfleisch, von der Keule 1,00—2,40. Rindfleisch, Banchfleisch 1,30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,50. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,00—3,20. 60 Stück Eier 4,20—7,20. 1 Kilogramm Karpfen 1,00-2,40.'.'lalc 1,20—2,80. Zander 1,60-3,60, Hechte 1,20—2,60, Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,10. 60 Stück Krebse 3,00—24,00._ Witterniigsiibersicht vom 29. Januar 1912. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien §=- = H ä'? 782WSW 765,32®'» 765 SW 766320 768 SSO 766,3!» Wellcr 4 Schnee 4 Nebel Äbedeckt I bedeckt 2 heiler sihaib bd. m5i — 0 — 1 -C — 1 —13 7 Stationen Haparanda Petersburg Scillh Slberdeen Paris BS a? 755 NO 748! SSW 766SO 770 333© 76SRO Wetter c-» i-i �3 wolkenl Schnee 6 heiter 1 bedeckt 2bedcckt—5 —21 —5 4 0 Wetterprognose für Dienstag, deu 39. Januar 1912. Ein wenig kälter, teilweise aufklarend, jedoch imbeständig mit leichten Schueejällen und siischcn iioidwcsllichcn Winden. Berliner Wetterbureau. Waflerstands. Nachrichten der LandeSansialt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Jnsterkmrg Weichsel, Thon» Oder, Ratibor „ Krossen Franlsnrt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmcritz , Dresden , Berby » Magdeburg am 28. 1. om 133-) -42') 80 202') l47-l IX)3) 64») 82«) 65») 96 -67 197») s.it 27.1. cm1) 0 —4 —6 +9 +9 +3 — 1 —19 —19 +7 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau») „ Rathenow») Spree, Sprcmberg») „ Becskow Weser, Münden ?.>lindcii Rhein, Bkaximiliansa» , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wcrthcim Mosel, Trier am 23. 1. Cm 130») 58') Ol») 70 59») 147 252 368 183 232 "93 seit 27. I. em») —24 9 -4 -4 —14 —20 0 —6 -17 —5 ')+ bedeutet nanexsi Wuchs,— Fall.—») Unterpegel.—•) EiSstand. Special Hell Flasche 10 Ff. I�rstKlassiges Spezial- Bräu nach Pilsner Art Vbersill Käuflich Kuchhandiung llonuiiitö Lindenstraße 69(Laden). Ncuerscheitiungen: Hanäbuch für lozialüemo- üralllche Vshler. Der Reichstag 1907—1911. Preis geb. 5 Mark. WWiigen der bürgerliche» IParteien. Eine Sammlung und Wider- legung der von den bürgerlichen Parteien zur Verleumdung der Sozialdemokratie und der sozial- demokratischen Vertreter vcr- breiteten Lügen. Zweite veränderte Auslage. - 247/9 Preis geb. 3 Mark. Hemann Fischers ,,,.- billigste Särge Urbnn.tr. m, früher Rixdorf. Tel IT« 0 iL 07*rfl?dtti � O.M.B.H s W Ms 4 ün den ktcktliöken unserer Häuser; Leipziger Sfr. 132-37. Rosenfhaler Sir. 28-31. Oranien-Sfr. 52-55. König»Sir. 31-32. Wäsche°HussieIIung _ Verkauf zu Extra-Preisen._ Soweit Vorhanden: Clßf£ßbBJT/nijXt€l.~GJbTSA£uJlQ Amerikan. Aepfel 16» Kochäpfel......».»d 13» Rosenkohl.....»...20» Mohrrüben....«»-.. 30» Mandarinen....«... 25» Schneehühner 88. 95» Birkhühner...... 1.10 Ungar. Puten». 75. 88» Frisch. Schinken"Jon.:70» Schulterblatt" 4PHä 65» Schweinebauch..«... 60». Rückenfett..«... 55, 60» Kamm und Schuft». 75» Schweiuekotelettes».. 85» Gulaschfleisch....». 60» Gehacktes Fleisch». 60» Grosse span. Apfelsinen. 9«. Ananas........ n™* 45, 65« Grosse Tafel-Feigen>«. 38»f. Obst, Gemüse, Fische, RäacherW, können nicht gagesanit werden Kabeljau"1 8in"° 15» Bratschellfische»...12» Schellfische Iä!'"». 23» Lachs in!i"t°»...45» Grüne Heringe.-»...10» Rotzungen......»«. 28» Geräucherte Aale.°.°. 40» Fett-Bücklinge t> 1 0,.... 40» I» Arbeitsnachweis: Kmt Norken, Nr. 1239. ferwaltunptelle Berlin CHaritHftrnfte 3. Hauptbureau; Hos III. Amt Norden. Nr. 1387. Mittwoch, den St. Januar ISIS, abends 8>/z Uhr: Braneben»Versammlung der Drahtarbeiter und Arbeiterinnen im Gewerkschaftshaus Engelufer 13(Saal 3). Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen Irin Carl. 2. DiSlussion. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. S Da wichtige Angelegenheiten auf der Tagesordnung stehen, ist dig, das; sämtliche Kollegen vertreten sind. Die Kollegen der gsirma Wolf u. Friedrich sind hiermit noch besortderS eingeladen. Mittwoch, den St. Januar tStS, abends 8>/z Uhr: 1�litglie«ler»Versammlung der Gold- und Silberarbeiter und verwandte» Bernfsgenossen im Dresdener Garten, Dresdener Str. 43. erbandSangelegenheiten und TageSordnun 1. Bortrag deZ Kollegen Zernicte. 2. BerschiedeneS. UltglledHbnch legitimiert.— Zahlreicher Besuch wird erwartet. Mittwoch, den St. Januar tSIS, abends« Uhr: " Versammlung � . der chirurgische» Branche in: Roscnthaler Hof, Rosenthalcr Str. 11/12. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. DiSlussion. 3. Neuwahl der Branchenlommlssion. 4. BerschiedeneS. SV Ohne mtBllcdabnch kein Zutritt."TjaQ Kollegen und Kollcginncnt Erscheint vollzählig in dieser Versammlung. 111/10_ Die Ortsvea-waltung. Schöneberg! Sozialdemokratisch. Wahlverein Heute Dienstag» den SO. Januar, abends 8 Uhr: DSM" Versammlung in den Neuen Rathanssälen, Meininger Str. 8. Tagesordnung: 1. Bortrag: De« Ausfall der Reichsiagswahlen. Ncserent: Stadtverordneter Genosse«. KUtcr. 2. DiSlussion. 3. Verschiedenes.[15/4]_ Der Vorstaud. 0* pollmanna �Bandagen Oefcbäft, nebst Hrtihcl zur Gesundtieits- u. Krankenpflege, /erbandstoiie, Gummtwaren etc. Berlin N., Lothringer Str. 60. Lieleram für Krankenkassen Eigene Wcrlstatt. Föhrer Str.6, Doppelladen ic., 1200 R, zu verm. AuSlunst b. Verwalter.» Verband der Alsler, Lackierer, Anslreieber eis. Bureau: Mclchiorstr. 28, Part, risi»!» Danlin Arbeitsnachweis: Nückerstr. 9, Fcrnspr.: Ami Moritzplatz, 4787. r illttlt! Hei II», Fernspr.: Amt Norden, 6703. Donnerstag, den t. Februar, abends 8% Uhr: Srlitione-f rrffliitntliitig dn fnriurtf r im Gewerkschastshaus, Engelufer IS. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegierten von der Lackiererkonferenz in Leipzig. 2. DiSsusjion. 3. Jahresbericht und Nenlvahl der Sektions- lettung. 4. BcrbandSangclegciihcitcn. Wir erwarten, dajz die Kollegen vollzählig erscheinen. 127/1 Die i>iektl«»n»leltunx. Deutsclier Mittwoch, den St. Januar tOtS, abends 8 Uhr, tm großen Saal der Arminhallen» Kommandantenstr. 36/59: General-Versnittinlnug. Tagesordnung: 1. Fortsehung der Beratung des Ortsstatuts. 2. V'rschiedeneZ. Wir ersuchen die Mitglieder, in dieser Bersauimliiug recht vollzählig zu erscheinen. 23/4 lEltgilcdMbuch legitimiert. Die OrtSvcrtvaltnng. Oskar Wollburg Trauer- Magazin Berlin N., BrunnenstraBa 56 Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke. Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach Mall in 12 Siunden Aenderungen sofort.» Frack-Vcplclh-Imitltnt Frack-, Gehrock-. Smoling-Anzüge. für jede Gröge passend, in»roher Aus- '°rätig°"8. wgüselil.öMäNlt, friedrichstr 1 15 I, a. Oianienburg.Tor. Tel. Nord 7402. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, SS�, 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 lrillinrn- und fuaHibiniifrri von Roberl Meyer,' nur MarilUHitn-Ztinße 2. Lohnschweitzerei, aeeianet für jeden Metallarbeiter « Rosenthaler ', v' m. vos. Rosenthaler Str. 11/12. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Neuwahl der Stom« Mission. 3. Verbands- und Braiichcnaiigclcgcnhcitcn. 7S/4 Sektion der Stttkkatenre. Slm S. Februar, abends 8 Uhr. in nntenftchendc« Lokalen r Bezirks- Versammlungen. Sie Stellung° der" Üinternebmtr zu unserem tarifablauf. Für Eharlottenburg. Nixdors, Steglib. Wilmersdorf. Westen. Moabit und Wcdding in de» allen Zahlstellen. Für den Norde» bei Oblglo, Schwcdter Str. 23/21. Für den Osten und Südosten bei Zietz, Warschauer Str. 61. 136/11* Jeder Kollege agitiere siir guten Besuch. verantwortlicher Redalteur: Ulbert Wachs. Berlin. Für den Lnseratenteil oerantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u-To, Berlin LV�, Uf.24. 29. Jahrgang. Mm WfeMlitt Dlellstllg, 80. Idunnr 1012. Sozülcg. -- Alkoholmifibrauch oder Unfallfolzcn? Um die Entscheidung, ob der Tod des Verletzten infolge Alkohol- niißbrauchs oder an Unfallfolgen eingetreten ist, drehte sich der Rechtsstreit, den die Hinterbliebenen des Arbeiters L. aus Velten bis zum Reichsversicherungsamt durchgeführt haben. Der Hergang ist kurz folgender: Der Arbeiter Heinrich L. aus Velten erlitt am 12. November 1897 dadurch einen Betriebs- Unfall, daß eine kleine Lowry beim Umkippen mit der vollen Ladung auf ihn fiel. Als Unfallfolgen wurde Quetschung der rechten Brustseite und des rechten Beines sowie eine Reihe ner- voser Störungen festgestellt. Hinzu kam eine chronische Entzündung des rechten Hüftnervens, Jschins. Seit dem Unfalltcrge vermochte L. einer Beschäftigung nicht mehr nachzugehen, seit 1899 erhielt L. eine Rente von 89 Proz. Am 18. April 191» verstarb L. Ter von den Hinterbliebenen bei der Nordöstlichen Baugcwerks-Bcrufs- genossenschaft, Sektion I. erhobene Anspruch auf Gewährung der Hinterbliebenenrente wurde abgewiesen, weil der Tod nicht ur- sächlich mit dem Unfall im Zusammenhang stände, sondern in- folge krankhafter Veränderungen am Gehirn eingetreten sei. Geltend gemacht wurde seitens der Berufsgenossenschaft, daß diese Veränderungen des Gehirns infolge Alkoholinissbrauchs eingetreten seien. DaS Schiedsgericht für Arbciterversichcrung Reg.-Bez. Pots- dam hob auf eingelegte Berufung den ablehnenden Bescheid der Genossenschaft auf und verurteilte dieselbe zur Zahlung der .Hinterbliebenenrente. Das Schiedsgericht stützte sich bei seiner Entscheidung auf das Obduktivnsprotokoll solvie auf das Gutachten des Kreisarztes Dr. A. Dieser Arzt hatte L. im Laufe der Jahre mehrfach untersucht, kannte daher die Entwickclung des Leidens «enau. Kreisarzt Dr. A. hat festgestellt, daß bei L. ausgedehnte krankhafte Veränderungen am Gehirn und an den Gehirnhäuten bestanden haben und dah diese Veränderuiigen höchstwahrscheinlich durch den Unfall hervorgerufen worden sind. An den inneren Organen wurden sichere Zeichen des chronischen Alkoholismus nicht festgestellt. Mit dieser Entscheidung gab sich die Genossenschaft nicht zu- frieden, sondern legte Rekurs beim Reichsvcrsicherungsamt ein. Die Genossenschaft stützte sich hierbei auf ein Gutachten ihres Vertrauensarztes Sanitätsrat Dr. R.. der in Verbindung mit einem anderen Vertrauensarzt der Genossenschaft Professor Dr. N. bestätigte, dass der Tod infolge Alkoholmissbranchs eingetreten, nicht aber als Unfallfolge anzusprechen sei. Das Reichsversichcrungsaint erhob weiteren Beweis durch Einholung eines Obergutachtens von Profcpor Dr. O. Dieser sagte in einem längerem ausführlichen Gutachten:„Wenn von den Vorgutachten(Acrzte der Genossen- ichaft) wiederholt hervorgehoben worden ist— um einen Zu- fammenhang zwischen Geistesstörung und Unfall auszuschließen—, oatz der Kopf gar nicht von der Gcwalteinwirkung mitbetroffen worden sei, so beweist das gar nichts, denn derartiges ist gerade eine Eigentümlichkeit vieler traumatisch-neurotischer Erkran- rungen. Prof. Dr. O. gelangte zu dem Schluß, daß mit über- wiegender Wahricheinlichkeit anzunehmen ist. daß der Tod des L. auf den erlittenen Unfall zurückzuführen sei. Das Nrichsvcrsichcriingsamt wies daraufhin den Ncknrs der Genossenschaft zurück und bestätigte die Entscheidung des Schicds- gerichts, Gcncbte- Zeitung* Patcntschwindclcicn. Di- Betrügereien des Kanzlcigchilfcn Müller, über die wir zu- .sainmenfasscnd bereits am Sonntag berichteten, kamen gestern zur Verhandlung. Ter Angeklagte sucht die Summe, um die er be- trogen hat— es handelt sich um etwa 159 999 bis 399 999 M.— als niedriger hinzustellen und möchte sich als das Opfer einer „inneren Stimme" hinstellen, die ihm von Jugend auf zugerufen I,qbe. er müge reich werden. Er will auch Morphinist sein. Seine Versuche, so den„wilden Mann" zu spic'cn, stoßen auf steinigen Boden bei dem Verhandkungslcitcr Landgerichtsdircktor Spielt- stöhcr. Zeuge Sekretär MarcinkowSki hat sich das Geld, welches er hingegeben, erst geliehen und gibt seinen Schaden auf 47 599 M. an. Ihm ist ein Gewinn von 89 bis 399 Proz. innerhalb 4 Mo- vaten in Aussicht gestellt gewesen. Zu den ihm proponierten Geschäften hat er sich dadurch verleiten lassen, daß sein Schwager Goldammer, der ihm als sehr vorsichtiger Mann bekannt sei. ihm von den so gewinnbringenden Geschäften erzählt hatte. Er hat keinerlei Zweifel an allen Eizählungen gehabt, die ihm der„Dr. über seine persönlichen Verhältnisse und seine Patent- Hcichäfte mochte.— Vors.: Es ist doch merkwürdig, daß Sie als Beamter, der doch im allgenreinen sehr sicher geht und doch auch mit dem Geschäftsgang bei Belförden. wie es das Patentamt ist. einigermaßen Bescheid weiß, sich so düpieren ließ.— Zeuge: Das gan-c Auftreten des Angeklagten nxir so, daß ein Zweifel an seinen Angaben gar nicht aufkommen konnte, außerdem diente er auch tminer sofort mit den nötigen Urkunden.— Vors.: Sie sind auch wohl dadurch iii Ihrem Vertrauen gestärkt worden, daß ihr Vater Zeit Militär tvar und der militärische Geist bei ihm so in Jlci'ch iiiid Blut übergegangen war, dasi er meinte: wenn er einen Stabsarzt vor sich habe, sei der Gedanke an Betrug bei ihm völlig ausgeschlossen. Ter Zeuge Jntendantursekretär Goldammer hat gleichfalls dem �Oberarzt Dr. Martini" volles Vertrauen entgegengebracht und in Gcmelnichaft� mit seinem Schwiegervater, dem Rentier Marcin- kotvski, ichlieglich 124 239 M. verloren, wovon aus ihn selbst 19 999 Mark entfielen. Das Vertrauen des Zeugen wurde auch dadurch gestärrt, daß der Angeklagte in seiner Gegenwart einen lvon dem Angeklagten selbst hcrgcrichtctcn) Brief öffnete, dem er 29 999 M. als angegebene» zurilckgc.'.ahltcs Depot entnahm. Auch diesem Zeligeii lind 399 bis 499 Proz. Gewinn versprochen worden. Eines sck'önen �.agcs ist er mit einem Fuhrwerk bei dem Zeugen vor- gefahren, welches er als„Diciistfnhrwcrk der Eharite" ausgab. Die Gewinne, die der Zeuge nach der„Bcendiguiig" der cinzeliien angeblichen Geschäfte zugewiesen erhielt, hat der Angeklagte fast immer schon vor dem Fälligkeitstermin gezahlt. Ter � lircaiidiätar Böcking ist mit dem Angeklagten dadurch bekannt geworreii, daß dieser wiederholt Billetts zum Schauspiel- Hause am Billettschalicr kaufte, hat sich jedoch in Gesckssifte mit ihm nicht eingelassen, �er Zcnge weiß, daß der Angcklogie die Rolle als„Oberarzt" mit großer Verve gespielt hat, so zwar, daß man in der Familie des Zeugen zu der Ucberzcugung kam,„einen liesseren Arzt gibt cs nicht". Er hat auch in einem Falle einem Freunde deö Zeugen, der eine Bartflechte halte, ein so gutes Rezept verschrieben, daß die Bartflechte in kurzer Zeit verschwunden war. Zeuge Sekretär Tschctschog, ein Kollege des Angeklagten, be- kündet, daß der Angeklagte sich im Amte des größten Vertrauens erfreute; er war bescheiden, entgegenkommend und ein sehr guter Arbeiter. Er hat auch für die Beamten Lebensmittel zu billigen Preisen beschafft, wobei er nach feiner jetzigen Behauptung erheb- lsch zugesetzt haben will. Ehe duner Zeuge mit ihm in Geschäfts- Verbindung trat, die für ihn mit einem Verlust von 19 599 M. endete, hat ihm der Angeklagte von den großen Gewinnen viel er- zählt, und seine Braut, Fräulein Meyer, habe dies bestätigt und gesagt, daß sie für ihre SM) M- safon 29 999 M. zurückerhalten habe. Der Zeuge Drescher, der Verkäufer in einem Zigarrengeschäft War und sich auch zu den geheimnisvollen Geschäften hatte verleiten lassen, hat 39 999 M.. die seinen Eltern gehörten, verloren. Die Eltern seien durch den Angeklagten ruiniert worden, Der Drogist Meyer hat von dem Angeklagten die Zusicherung erhalten, daß es sich nicht nur um ein Spckulations-, sondern um ein ganz sicheres Geschäft handle. Ter Zeuge hat 9999 M., die seiner Mutler gehörten, verloren. Etwas schwierig ist die Feststellung des Schadens, den der Zeuge Blafzbcrg auf zirka 114 999 M. angibt. Bei diesem Zeugen kommt zur Sprache, daß Müller, der sich als reicher Mann fühlte, eine Villa in Lichtersclde kaufen wollte, und der Zeuge eine Villa gekauft hat, wodurch er nun in große Verlegenheit gekommen ist. Tie Braut des Angeklagten, Fräulein Therese McNer, Direktrice im Kaufhause des Westens, hat dem Angeklagten ihre Ersparnisse in Höhe von 6999 M. hingegeben. Sie hat die großen Summen und das viele Geld immer bei dem Angeklagten gesehen und wirklich angenommen, daß ihr Bräutigam 399 bis 699 Proz. verdiene. Sie schildert ihn als einen furckitbar nervösen Menschen, der viel ausgeschnitten habe. So habe er sich immer als„Assessor" anreden lassen, was sie ihm wiederholt ernstlich untersagt habe. Die Mutter des Angeklagten sagte aus, daß sich der Angeklagte im 9. Lebensjahre eine schwere Gehirnerschütterung durch Sturz von einer Leiter auf eine scharfe Kante zugezogen habe. Nach diesem Sturz habe er lange Zeit stets große Kopfschmerzen gehabt und ein wunderliches Wesen zur Schau getragen, eine Zeitlang ist er auch Nachtwandler gewesen. Prakt. Arzt Dr. FrennMich hat dem Angeklagten wiederholt Atteste zur Begründung seines Wegbleibens vom Dienste aus- gestellt. Nach seinen Wahrnehmungen ist der Angeklagte hochgradig nervös und macht auf ihn den Eindruck eines psychopathisch ver- anlagten Menschen.— Vors. Landgerichtsdircktor Splettstösser: Das sind alle, die hier vor Gericht als Angeklagte zu erscheinen haben.— Dr. Freundlich: Es wäre ganz unerklärlich, wie ein Mensch mit vernünftigen Sinnen solche Dinge begehen kann. Sackwerst. Nervenarzt Dr. Magnus Hirschfeld meint, der An- geklagte sei nicht als normal anzusehen. Tie ganzen Erscheinungen, die der Angeklagte bieie, entsprächen dem Bilde der psychopathischen Konstitution, und zlnar dem hysterischen Typus dieses Leidens mit vorwiegend phantastisch-pseudologistischen Zügen. Er gehöre zu der Gruppe der von Delbrück und anderen beschriebenen patho- logischen Schwindler. In der Haft habe sich dieser Zustand zu einer direkten Psychose gesteigert. Auf Anregung der Verteidiger Rechtsanwälte Dr. Puype und Dr. Simon stellt Dr. Magnus Hirschfeld den Antrag aus Z 81 des Strafgesetzbuches: Den Angeklagten zur Beobachtung seines Geisteszustandes auf 6 Wochen einer Irrenanstalt zu überweisen. Das Gericht lehnt diesen Antrag ab. Der Vorsitzende erklärt, daß der Gerichtshof keinerlei Zweifel an der Zurechnungssähigkcit des Angeklagten habe. Nach Schluß der Beweisaufnahme sprach Staatsanwaltschafts- rat Dr. Gysae zunächst seine Verwunderung über die unglaubliche Leichtgläubigkeit der vernommenen Belastungszeugen aus, die in so kaum erklärlicher Meise in die Netze des Angeklagten gegangen sind. Diese Vertrauensseligkeit der Zeugen und die nach dem Gut- achten des Dr. Hirschfeld vorliegende verminderte strafrechtliche Verantwortlichkeit des Angeklagten berechtigen den Antrag, diesen nicht ins Zuchthaus zu schicken. Erschwerend falle ins Gewicht, daß der Angeklagte, wenn er auch kein fest angestellter Beamter gewesen sei, doch den Diensteid geleistet habe und daß die Belastungszeugen in unsagbarer Verblendung nicht nur ihr eigenes, sondern auch fremdes Geld dem Angeklagten geopfert haben. Der Staatsanwalt beantragte 5 Jahre"Gefängnis und wegen Führung falschen Namens 6 Wochen Haft; letztere möge als verbüßt erachtet werden. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Betruges und schwerer Urkundenfälschung. Bei der Abmessung der Strafe wurde berücksichtigt einerseits die bisherige Unbescholtenheit des An- geklagten,"andererseits die Tatsache, daß es sich um sehr erhebliche Summen handelt, die ganz bestimmt auf mindestens 169 999 M. festzustellen sind. Der Angeklagte sei zwar minderwertig, doch mußte auf eine hohe Strafe erkannt werden, die der Gerichtshof auf 4 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust bemessen hat. Frida Hempel alz Klägerin. Tie Kgl. Hofopcrnsängerin Frida Heinpcl hat gegen den b'hcf- rcdakteur des„Kleinen Journals" Artur Lehmann einen Bcleidi- gungsprozeß angestrengt, der gestern vor der 135. Abteilung des Amtsgerichts Berlin-Mitte verhandelt wurde. Den Vorsitz führte AmtSgerichtsrat finde. Gegenstand der Klage bildet ein am 29. November v. I. in der Nr. 48 dcS„Kl. Journals." unter der Ueberschrift„Frida HempelS Lcopoldorden" erschienener Artikel, in dessen Beginn mitgeteilt wird, daß der chcmalige Kammerdiener des Königs Leopold II. von Belgien zurzeit im Pariser„Journal" seine Memoiren veröffent- licht. Hierdurch würden recht interessante Ausschlüsse über die Art, wie Frida Hempel zu der hohen Auszeichnung des Lcopoldordcns gclommen sei, gegeben. Frida Hempel habe sich, um in den Besitz dieses sehr selten an Künstlerinnen verliehenen Ordens zu kam- mcn, mit der damals allmächtigen Maitresse des Königs, Baronin Vaughan, ins" Einvernehmen gesetzt. Diese habe, trotzdem König Leopold sonst ein Musi'thasser gewesen sei, in ihrer Villa Banden- borght ein Konzert gegeben, bei welchem Frida Hempel sang, tväh- rend der Violinist Jacobs geigte. Nachdem der ofiizielle Teil des Festes durch die Rückkehr des 5tömgs nach seinem Schlosse Palmier beendet war, habe in der Villa ein Bacchanal stattgefunden, bei dem der Sekt in Strömen geflossen und die gewagtesten Tänze aufge- führt worden seien. Während die übrigen Teilnchmcr durch Schmucksachen und andere Geschenke belohnt worden seien, habe es die Baronin Vaughan bei dem König durchzusetzen gewußt, daß dem Fräulein Hempel der Lcopoldorden verliehen wurde, mit dem sich dic'e dann drei Tage später in dem Ostcnder Kursaal zeigte. Diese Affäre, die damals allgemeines befremdliches Kopfschüttcln erregt habe, sei schließlich vertuscht worden. Ter Klatschärtikcl im Pariser„Journal" wurde zur Verlesung gebracht. Er stimmt mit dem des„Kleinen Journals", abgesehen von ganz geringfügigen Abweichungen, übercin. Fräulein Hempel, kür die der Skiatsanlralt Klage erhoben hat, bekundet als Zeugin folgendes: Bei ihrem Aufenthalt in Ostends sei eines Tages die Baronin Vaughan, die sie bis dahin nicht gekannt habe, an sie heran- getreten und habe sie eingeladen, in ihrer Villa ein Konzert gegen das übliche Honorar zu geben. Sie habe eingewilligt und das Kon- zert, an welchem nur der König, die Baronin Vaughan und die Gattin des Sekretärs des Königs teilgenommen hatten, habe am nächsten Tage stattgefunden. Der Kiönig sei sehr liebenswürdig zu ihr gewesen, habe sich zu ihr auf ein Sofa gesetzt, ihr Komplimeutc gemacht und ibr schließlich beim Abschiede gesagt, daß er sich er- laubcn werde ihr eine Auszeichnung zu schiche». Sie sei dann un- inittclhnr nach dem 5tönia nach ihrem Hotel gefahren, und sei nach dem Ahendcssc» mit der Bahn abgereist. Der Orden sei ihr dann einige Tage später mit einem amtlichen Begleitschreiben zugeschickt worden. Den Vorwurf, daß sie um Orden schachere, müsse sie ganz ensschieden zurückweisen.— Staatsanivaltsassessor.Hanse beantragte eine Geldstrafe von 109 Mark mit Rücksicht darauf, daß der Ange- klagte offenbar gutgläubig den Artikel aus dem Pariser„Journal" übernommen habe. Rechtsanwalt Bah» beantragte die Frei- sprechung.— Ter Angeklagte wurde wegen übler Nachrede nach § 186 und fahrlässigen Vergehens gegen das Preßgesetz zu 199 M. Geldstrafe verurteilt. Außerdem wurde der Klägerin d>e Publi- kationSbesugnis in mehreren Berliner Zeitungen zugesprochen. Bm der frauenbewegung. „Eva mit«ud ohne Stimmzettel." Ereignisreiche und bedeutsame Tage hat uns der Januar ge- bracht. Der 12. Januar brachte die Feststcllimg, daß ein Drittel deS deutschen Volkes zu uns gehört. Jeder dritte NcichstagSlvähler ist ein Sozialdemokrat. Die Wahltage brachten uns insgesamt 119 Reichstagsmandate, 57 Mandate mehr als wir im letzteir Reichstag hatte». Die Privilegien- und Geldsacksvertreter im Reiche sind ob des Anschwellens der roten Flut aus ihrer behaglichen Ruhe geschreckt worden, und mancher„edle Herr", auch der I a n u s ch a u e r Oldenburg, der im letzten Reichstag das große Wort zur Knebelung und llnterdrückung der Arbeiter führte, hat jetzt Zeit. in Ruhe darüber nachzudenken, daß das Sprichwort»Allzu scharf macht schartig" auf Wahrheil beruht. Daß die Sozialdemokratie diesen herrlichen Sieg über die Brot-- verteuerer, über alle jene, die das Recht der Masse nicht achten. sondern ständig eine Politik im Interesse ihrer beutegierigen Klasse betrieben haben, erringen konnte, ist auch der tapferen Mitarbeit unserer Genossinnen zu danken. Unermüdlich haben auch die Frauen gewirkt in der Kleinarbeit, beim Verbreiten von Stimmzetteln, beim Flugblattragen, und in allen Wählerversaimnlnngen waren die Frauen äußerst stark ver- treten. Noch in keiner W a h l b e w e g n n g war die Beteiligung der weiblichen Bevölkerung so stark wie in der dies- maligen. Auch andere Parteien, wie das Zentrum und die Libe- ralc», haben sich die Mitarbeit der Frauen gern gefallen lassen. Aber während in unserer Partei das Erwachen der Frauen mit Freude und Genugtuung begrüßt wird, stehen die anderen Parteien mit sauersüßer Miene vor dieser Erscheinung. Unsere Partei be- trachtet die Frauen als vollkommen gleichberechtigt und wird nickit ruhen und rasten, bis sieden Frauen das poli» tische Wahlrecht erkämpft hat. Die anderen Parteien dagegen wollen von dieser Gleichberechtigung nichts wissen, sie wollen in ihren Nöten die Frauen nur als Mittel zum Stimmenfang be- nützen. Sogar das„Berliner Tageblatt" brachte vor der Wahl einen Artikel über„Das Frauenwahlrecht in Australien, in dem geschildert wurde, wie in Australien der große Teil der Frauen so stimmt, wie die Männer eS wünschen, denen sie sich auS irgend einem Grunde verpflichtet fühlen. Von selbständigem Denken und Handeln der Frauen sei wenig zu spüren. „Eva bleibe sich' gleich, ob mit oder ohne Stimmzettel." Mit diesen wenigen Worte» wurde vom Artilelschreiber der Stab über die Forderung ans politische Gleichberechiigung der Frauen gc- krochen. Jedoch diesem„liberalen" Herrn gibt ein viel maßgcben- derer Herr aus Australien die richtige Antwort. Der Minister- Präsident von NcusüdwaleS(Australien) erklärt, daß die Zahl der selbständig entscheidenden Frauen von Jahr zu Jahr zunimmt und daß die Wahlbeteiligung der Frauen größer als die der Männer ist. Die Stadt Sydney sei die bcstverwaltete Stadt nur durch die Mitarbeit der Frauen geworden, und auch die Wahlver- sanunlungeu böten heute durch den Einfluß der Frauen ein viel besseres Bild als früher.— Wahrlich, wir wüßten auch keinen Grund, warum all die Frauen und Mädchen, die mit glühenden Wangen und strahlenden Augen in den Versammlungen lanichten und bei der Wahlarbeit hilfreiche Hand leisteten, die im Schlepperdien st so manchen lauen, säumigen Wähler zur Abgabe des Stimmzettels vcranlaßten, warum diese Frauen im Besitz der politischen Gleichberechtigung weniger Interesse an der Wahl haben sollten als wie jetzt. Von all den Frauen, die im täglichen Leben derart mitschaffen müssen, daß die Familie meistens nur gestützt auf die Mitarbeit der Frau begründet und erhalten werden kann, sind eine immer größere Zahl politisch mündig geworden. Sie fühlen, wie das Koa» litionsrecht, die Sozial- und Arbeiterschutz« g e b u n g, die Steuergesetzgebung, der Militarismus. sie genau so tief wie die Männer angeht. Sie fühlen, daß die ge« drückte» Volksinassen, Männer und Frauen, gemeinsamen Einfluß auf die Gesetzgebung und Verhältiiisse ausüben müssen, weil sie auch gemeinsam die Lasten und Pflichten derselben zu tragen haben. Je stärker daher auch die unterdrückte und rechtlose Frauen» weit in die politischen Kämpfe hineingezogen wird, um so schälker wird auch das Verlangen nach dem F r a u e n w a h l r e ch t und der Kampf rmr dasselbe werden. Wie aber die Prolctaiierfrauen politisch interessiert und aufgeklärt werden, begreifen sie, daß sie ihren Kampf nur in den Reihen der Sozialdemokratie wirksam führen können. Nur die Sozialdemokratie fordert: All« gen, eines, gleiches, direktes Wahl- und Stimm« recht mit geheimer Stimmabgabe aller über 29 Jahre alte« Reichs an gehörigen ohne Unter» schied des Geschlechts für alle Wahlen und Ab« stimmungen. Alle anderen Parteien sind in dieser Frage rück« ständig. Von diesen Gegnern der Fraueugleichberechtigung kann man sagen:„Diese deutschen Michel blieben sich gleich, ob mit oder ohne Stimmrecht." Versammlungen. Deutscher Textilarbeiterverband. Die Geueralversammluna der Filiale Berlin fand am Donnerstagabend bei Notvottnick, Langcstraße, statt. Ter Geschäfts- und Kassenbericht für das Jahr 1911 lag gedruckt vor; er enthält die Berichte der einzelnen Bran- che» dcS Verbandes, der Weber, der Posamentierer, der Dekateure, der Seiler, der Färber, der Stricker und Wirker, der Sticker. Einen schweren Stand hatten die Weber, da sie mit vielen Arbeitslosen zu rechnen hatten. Drei Webereibetriebe wurden aufgelöst. Auch die Stickcr- und Dekaturbranchc hatte unter schlechtem Geschäfts- gang zu leiden. Trotzdem hat die Organisation manchen Erfolg zu verzeichnen, namentlich in der Posamcntier-, Färber- und Seilerbranchc. Tie Möbelposamcntiere haben mit der Posa- menticr- und Seidenknopfmacherinnung und der Freien Vereini« gung der selbständigen Posamentiere Berlins einen Tarifvertrag abgeschlossen. Ein Angriffsstreik in der Hand- und Schiffchen. stickerbranche war erfolgreich, ebenso ein Abwehrstreik der Weber in der Teppichfabrlk von Schivendy. Ein„wilder" Streik in einer Tuchfabrik ging verloren. Eine Reihe Lohnbewegungen verliefen ohne Streit gunstig und brachten auf dem Wege friedlicher Ver- Handlung mancherlei Vorteile durch Lohnerhöhungen oder Ver- lürzung der Arbeitszeit oder beides. Im Laufe des Jahres fanden 3 öffentliche, 11 Mitglieder-, 163 Fabrik-, 77 Brancheiwersamm- lungen, 48 Vertrauensmänner-, 7 Arbciterausschuß-, 17 Lohn- oder Tariskommissionssitzungen, 29 Sitzungen der Ortsverwaltung, 33 Verhandlungen mit den Unternehmern, sowie andere Sitzungen und Konferenzen usw., zusammen 448 Veranstaltungen, statt, die in der Geschäftsstelle gemeldet wurden, was leider, wie der Vor- sitzende rügte, nicht immer geschah.— Der Bericht vom Zentral. arbeitSnachweis der Filiale Berlin zeigt für das Geschäftsjahr 1915 arbeitsuchende Personen, das sind 95 mehr als im Jahre 1919. Offene Stellen wurden in der Zahl von 793 gemeldet, das sind 48 mehr als im Vorjahre. Besetzt wurden 437 Stellen oder 69 mehr als im Vorjahre.— Die Bibliothek umfaßt 582 Bände. 199 Bände wurden angeschafft. 824 Bände wurden gelesen. Für Res» anschaffungen wurden 111.99 Mi. ausgegeben. Ter Borsitzende®ru3jl erläuterie den vorliegenden' Bericht und besprach die Maßnahmen, die notlvendig seien, um die Un- organisierten heranzuziehen. Wo schlechte Organisationsverhält- nisse bestehen, da wären auch die Arbeitsverhältnisse schlecht; ein Beispiel biete der Betrieb von W. S>pindlcr-Köpenick. Dort wurde kürzlich' eine Teuerungszulage bewilligt, aber nur für diejenigen, die weniger als 22, bO M. pro Woche verdienen. Dieser Wochen- lohn erscheint also der ftüma schon als ausreichend. Um kleine SZcrbesserungen zu erreichen, müssen die Arbeiter von Spindler „schriftliche Eingaben" machen, weil sie zu schlecht organisiert sind. Der Kassenbericht für das Jahr 1311 zeigt eine Ein- nähme von 64 226,07 M., der eine Ausgabe von 66 572,83 M. gegen- übersteht, mithin ist der Bestand S3S3,68 M. Unter den Ausgaben stehen verzeichnet an Unterstützungen für Kranke 7667,15 M., an Arbeitslose 8873.76 M., in Sterbefällen 474 M. neben 61.25 M. aus der Lokalkasse; als Slciseunterstützung 1870,73 M. nebst 53,35 M. aus der Lokalkasse; boi Lohnbewegungen 3751,63 M. nebst 127,88 M. aus der Lokalkasse; bei Maßregelungen 1367 M.; für Rechtsschutz 167 DZ. nebst 5 M. aus der Lokalkasse; als Umzugs- Unterstützung 863,86 M-! in Notfällen 167 M. nebst 15 M. aus der Lokalkasse. Tie Mitgliederbewegung zeigte zu Beginn des Jahres 1311 einen Bestand von 3237 Personen, darunter 932 weibliche. Ende des Jahres 1911 war eine Steigerung von 285 Mitgliedern zu ver- zeichnen;, der Bestand war 3522, darunter 1675 weibliche Mit- glicdcr. Den Beriebten folgte nur eine kurze Diskussion, in der emige Vorschläge zur besseren A. � rtion für den Verband gemacht wurden. Die Neuwahl der Verbandsfunktionäre ergab das folgende Resultat: 1. Vorsitzender Max Gruhl, 2. Vorsitzender Emil Liebers, 1. Kassierer Otto Schein, 2. Kassierer Peter Wintzen. 1. Schrift- fübrer Adolf Kauerhof. 2. Schriftführer Simon Unger, Revisoren Georg Trümper, Karl Borges, Posamentier unS Eduard Dehsch Weber. Beisitzer Max Massuthte. Stickcr, Max Silberstein. Posa-� mentier und Adolf Reiser. Weber. Vertreter in der Berliner Gc- werkschaftskommission: Hubert Kreuer, Adolf Kauerhof. Max- Silberstein. �„ Ter Vorsitzende führte dann die Namen der Branchenleiter an, und zwar für die Weber: Jakob Riemetz, die Posamentierer Moritz Alschner. die Stickcr: Willi Hager, die Stricker: Emil Lieber», die Seiler: Anton Reckiverth und für die Färber: Georg Trümper. Während der Verhandlungen liefen die Resultate der letzten Stichivablen ein. die jedesmal sofort bom Vorsitzenden bekannt- gemacht und von den Versammelten mit Jubel begrüßt wurden. In das dreimalige Hoch, das vom Vorsitzenden auf die Sozialdcmo- kratie ausgebracht wurde, stimmten die Versammelten begeistert ein. Theater und Vergnügungen Dienstag, denZO. Januar 1912. Anlang 7'/, Uhr. Kgk. Schauspielhan». Madam« Butterjly. Deutsches. Maina von Barnhelm. Srtstng. Komtesse Mizzi. Erde. Haverlnud. Spezialitäten. ditrkus Busch. Gala-Borstellung. Zirkus Schumann. Gala- Vor« ftelluug. Zirkus Sarrasant. Gala- Vor- stcllung. Anlaiig 8 Ubr. Urania. Taudeustratze 48/43. Bon Mcran zuni Ortler. Hörsaal S Uhr- Dr. W. Berndt: Abstammung des Menschen. St. Lperiidaus. Der grotze König. Kammerspiele. Eine glückliche Ehe. RcueS Schauspielhaus. Alt- Heidelberg. Residenz. Alles sür die Firma. �.��iurfsirftcuaper. Tiestanh. ..«vilii'ckc Over. RIgoletto. Westen. Rnsfilches Ballett. '7-LustsPielhauö. Die Daol«n des Zlegimcnts. Berliner. Große Nosinen. otriice. Ovcrrtre». Eoa. Schiller«. Zopf und Schwert. Scp><.>« Vbarlottenburg. Die Wildente. Frtedr.. Wilb. Schauspielhaus. Zwei glückliche Tage. Neues. Das Mädel von Moni- martre. Luisen. Wir tanzen durchs Leben. Rose. Zwillinge. «tönlggrätzcr Strafte« Die sü.rs Frantsurtcr. Kleines. LottchenS Geburtstag Gentz und Faniiy Elßler. Hockern joS. Metronol. Die Nacht von Berlin Trianon. Da» kleine Cchs. Ddalia. Polnische Wlrtschalt. tkasino. Der Kamps umS Dasein. SlvvUr. Svcztaiitätcn. Zvaüag«,«vezialitäien. Kerrufeld. Schmerzlose Behandlung. Das Kino der Firma. WrirtiSvaUeii. Stetliner Sänger. KöiiigstadtKastno. In. Taumel des Glückes. Svczialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. AolicS Kaprice. Mandelblülh'S Polterabend. Losgelassen. Wosscw Übung. Walhalla. Tcusel, daS hat einge- schlagen! Noack. Die Bettlerin und ihr Kind. Voigt. Psesser.Rösel. Ansang S'/z Uhr. Neue» Bolkötheater. Leidenschaft. Belle-Zllliauce. Trilbh. *** Sternwarte, Jnvalidevftr. 57—62. Neues Theater. AbendZ 8 Uhr: Da» Mädel von Montmartre. Sonnabend 7>/, Uhr zum 4. Male: Der liebe Augufti». Idealer lies Westens. Abends 8 Uhr: Rassisches Rallett. Karneval— Geist der Rose— Pelowetzer Tänze— Kleopatra. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Allctz für die Z�irma. (Aim& des fommes.) Schwan! In 3 Akten von M.Hennequin u. K. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-Bacckers� Morgen m folg. Tag«: Alle» f. d. Firma. jf CLOU" BellealliancesTheater. »'/» Uhr:„Trilby". Gastspiel Ferdinand Bonn. Ab Sonnabend, 3. Februar, täglich: stapoleon Bonapart« und seine Frauen. Gastsp. Bonn als stapoleon Bonaparte. Ledjller-Iveslero.�n DienSlag, abends 8 Uhr: Zopi und Schwert. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Weg zur Hölle. Donnerstag, abends 3 Uhr: ver IPrehenfeU. Seliiller-Tliealer c"n' Dienstag, abends 8 Uhr: Die Wildente. Mittwoch, abends 8 Ubr: Der Prohopfell. Donnerstag, abends 8 Uhr: «rnlll»«nwttl. öerlmer Tüeater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. IbMiliiiei'WljMe�ti'söe 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Luisen-Theater. DienStaz(AbonilciiientS gültig: Wir tanzen durchs Leben. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Premiere: Sonmierspuk. OSE-THEATE Große Frankturler Str. Abends 8 Uhr: Zwillinge Drama in 5 Akten v. H. W. Tminhclm. Mittwoch: Salon und Kloster. Donnerstag: Heimat. ITEQ nl Metropol-Theater. Abends 8 Uhr: Rauche» gestattet. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gcscht vom Dir. R. Schultz. Vorletzter Dna; k Ab 8 Uhr: Die aroften Spezialitäten. Hnrr.v Waiden in..Der Brettl kttnlar". Donnerstag, 1. Februar: Premiere 13 W-ltftM.ANralitl-nt«! Passage-Theater. Anfang 8 Uhr. jitirjam Korwitz Ä.„Die fäll!" Mlle. Maroussia The Meteors Lioa Loos llllil 10 Deue ittraktiODeD! Berliner Konzerthaus, Mauersfcr. 82 Zimmers tr. 90/91. Großes Konzert«. MI Zillertbaler and Tcgemeer Sänger, Plattler und Jodler II! Anstich von 3 König, dräu, dem köstlichsten aller MCnchener Doppelbiere. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 ünr. An allen Wochentagen nachmittags: Gr. Promenaden-Konzert bei freiem Eintritt. Brauerei Friedrichshain am Ktfnlgstor. Heute nacMao; Katteestunde der„Bert. Haustrau" Abends 8 Uhr: ----------- Karl Helnzlus- Abend Mitwirkung erster Bühnenkünstler, featwirt Jos. Welnzierl BrST" Tanz"StQ Rorgen fllttwoch: Elitetag. Jubul Ehrengruber U. Weinrierl- Gratie-Verteil von 2CD Wertgegenständen. NeueWeil;« Arnold Scholz. Hasenheidc 108-114. Heute Dienstags, den 30. Januar 1912: mr Elitetag.-W» — Herren-Prämiierung.s Prämiiert wird: insK ittrili Künstlich verlängerte Frackschöße werden nicht prämiiert. 3 bare Geldpreise: SO,—, 30,—, 20 Mark. 4 Kapellen. 30 bayerische Mad'l. Anfang 7 Uhr.— Entree SO Pf.' Anmeldungen bis 10 Uhr abends an der Kasse. Voranzeige! Douncrstsg, den 1. Februar 101t: SOT* Damen-Prltmiiernng."99 Prämiiert wird: Der längste echte Zopf. 3 bare Geldpreise: 60,—, 30,—, 20,— Mark. Zirkus A. Schumann Dienstag, 30. Jan, abends 7>/,vde: Gala-Vorstellong mit reichhaltigem Programm und um 9 Uhr das grote Ausstattungsstück: Das Motorpferd in 5 Akten. Weiler geht es nicht mehr! Dieses große Ausstattungsstuck zu übertreffen ist unmöglich! Besonders hervorzuheben: Der 5. Akt: Im Lunapark. Die glänzende Schluüapotheose. Die 100 Fuß hohe Fontaine lumineuse. arrasam SeböDliauser Telephon: Nord 4100. Dienstag, den 30. Januar, abends 71/, Uhr: Das weltberühmte, echte CirCUS-Programm. Mittwoch nachm. 3 Uhr j und abends 7>/, Ubr: Zwei Vorstellungen. Vorverkauf a. d. Cirous- kasse und an sämtlichen Billettverkaufsstellen v. A. Werthelm Kdnigsladl'Kaslflo. Ecke Holzmarlt» u. Alcxandcrstraß- Biö 1. Februar täglich: |tn TülMtl des Glückes. Bolksstück in 2 Bildern. Die erstklassigen Spezialitäten Jeden 4. u. IS. Programmwechsel. MMN Nur noch wenige Tage! Das Kind der Firma und Schmerzlose Behandlung. Anfang 8 Uhr. Vorverk. 11— 2 Uhr(Theaterkasse). In Vorbereitung: Die Novitäten: Wie man Männer bessert. Komödie in 2 Akten von Anton und Donat Horrnfold.— Hierzu; Der jteleiifel. üÄ Kabarett und Theater. Jeden Dienstag: Kastanienwäldchen Badstrafte 16. Ansang 81/, Uhr. SomitazS 8 Uhr. Triauott-Theater. Täglich abends 8 Uhr! Das kleine Cafe. Boigt-Theater. DlenSlag. den 30. Januar 19l2: Gastspiel im Moadtter Winter- Garte», früher Artuahuf, Perleberger Str. 26. Pfeffer- Rofel. Schauspiel in 6 Alten. Kaffeneröftnung 7, Ansang 8-/. Uhr. BeidenreuetfresserD EiCbcnd! Lebend! Die wilden Essauas. Karawane sudanesischer Heul- und Feuer-Fakire in ihrem Originaldorfe. Ohne Extra-Entree. Urania. WißsenBchaftliches Theater. 8 Uhr: Von Heran zum Ortler. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Berndt: Die Abstammung des Menschen. Zirkus Busch Dienstag, 30. Januar, ab. 71/, Uhr: Gnla-Vorettellnng. Gastüpiel<»ertr. Arnold Ble Hexe. Besonders hervorzuheben; Der Traum des Hexenmeisters (eine Darstellung des Volksaberglaubens jener Zeit). Vorher: DerManege-Illusions- künstler Taft! Sandi-Siwel and Amats. Herr Schumann, origin. Dressuren. 3 Schw. Blumenfeld, Keitkünst- lorinnen, Frl. Stennis, Schuir., und das große Gala-Programm. Folies Capriee. Täglich 8',. Uhr: Losgelassen. Waffen uhung. Mandelblüths Polterabend. Relehsbalien-Theater. Stettiner Sänger. Ken! Ken! Pantoffel-Helden. BurleSle v Rcichardt. € Anfang 8 Uhr. Sonnfaq 7 Uhr. Noacks Theater. DlrcllioN! stöbert Dill. Berlin N.. Brunucnswaße 18. Die Kettlem nnb ihr Kind. Schauspiel in 5 Akten von Meißner. Ansang 8'/. Uhr. Bons usw. gültig. Morgen: Dieselbe Borstrlluag. Casino-Theater Lothringer Str. 87. Ansang 8 Uhr Ter aröftte Theatererfolg k Täglich nuSvcrkaust. Der Kampf nms Dasein. Aktuell! Dein heuligen Leben ent- nomine«.— Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Der selige HollschinSky. Admtolspalasl AkaDdaboTItlcdrldiürossc Nachm Militär-Konzert Abends: Fest-Vorstellung. Das prachtvoll© Eisballett Alpenzauber Nafional-Tänze Die Kleine Charlotte Der norwegische Meister Harry Paulsen Bis 6 Uhr und von 10»/, Uhr abends halbe Kassenproise /■-* Sür den Inhalt der Inserate übernimm« die Redaktion dem Dubltku« gegenüber keinerlei Verantwortung. Todes-Anzeigen Unserer werten Kundschaft und Geschäftsfreunden machen wir hierdurch die ergeoene Mitteilung, daß am 27. Januar Herr Adolf Petruschke Filialleiter des am hiesigen Platze bestehenden Fahrradhaus„Frisch auf;', Berlin, Brunnenstr. 35, in der Blüte seiner Jahre und mitten in seiner rastlosen Tätigkeit uns durch den Tod entrissen wurde. Als treuer und eifriger Mitarbeiter, dem wir das Blühen des Geschäftes am hiesigen Platze mit zu verdanken haben, werden wir ihm jederzeit ein ehrendes Andenken bewahren. Fahradhaus„Frisch auf" Offcnbach am Main. Aufsichtsrat des Fahrradhaus„Frisch auf" [I02/7J Offcnbach am Main. ''-'yVs I Arbeiter-Radfalirer-ßund „Solidarität" = Gau IX---- Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, alle Bundesgenossen sowie Freunde und Bekannte von dem am Sonnabend erfolgten Tode unseres Bundesgenossen und Gaukassierers Adolf Petruschke in Kenntnis zu setzen. Wir verlieren in ihm einen treuen und bewährten Kampfgenossen, der jederzeit sein Bestes gab. Sein Tod reißt eine schmerzliche Lücke, und oft noch werden wir seine Mitarbeit vermissen. Sein Andenken werden wir übers Grab hinaus in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. lanuar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichsteide aus statt. 10/8 Um recht zahlreiche Beteiligung bitten Arb.-Radf.- Bd.„Solidarität** Arb.-Radf.-Bd,„Solidarität" Ortsgrappe Berlin. Oau IX Richard Karras. X Deinert SoziiüdeffloMeberWatilvereiii des 6. Herl. Reiehstags-Wahlkreises. Am 29, Januar verstarb unser Genosse, der GeschästSsüHrer iXdoli Petruschke Brunnenstr. 156. Ehre seinem Andeuten: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. Januar, nach. mittags 3 Uhr, von der Halle deS Zentral-Friedhose» in Friedrichs jctde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 224/20 Oer Toretand. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Zahlatelle Berlin. Den Mitaliedcrn zur Nachricht, dah unser Kollege �dolk Petruschke am Sonnabend, den 27. d. MtS. verstorben ist. Ehre seine« Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Zentral. Friedhofes in FriedrichSselde au» statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 169/1 Ter Vorstand. MIdeWltnW.Mvmili für den t. Berl. Reielistags-Mkreis. Petersburger Viertel. (Bezirk 370 I.) Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Gastwirt Bräuer Frankfurter Allee 145 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DienStag, den 30. Januar l9l2, nachmittags 2ll, Uhr, von der 'Zeichcnhalle de« Zentral-Fried- Hose« in FriedrichSselde aus statt. 2l2/l2_ Ter Vorstand. SozialdeinokFatlschwWailYereln Schöneberg. Beztrl 9. Am Freitag, den 26. Januar. verstarb unser Mitglied, der Schlosser Georg Kolbe. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 31. Januar, nachmittags'l,i Uhr. von der Leichen. balle de« neuen Schöncberger FriedhoseS(vlanle Hölle) auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 15/5 Ter Borstand. Treffpun» siir Mitglieder deS Gesangverein» Punkt 3 Uhr beim Gastwirt Fintel. Deutsches Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht da» unser Milglied. der Anschläger Georg Kolbe am 96. Januar(Freitod) gestorben tft. Ehre seine« Andenken! Dt« Leerdlouna findet am Mnlwoch, den 31. Januar, nach- mlltajjs SV, Uhr, von der Leichenhalle de» neue» Aemeinde-Fried- hoseS in Schöneberg(Blanle Hille) au« stall. <9C Beteiligung erwartet "'/"*1« Orlsverwaltnng. SozialdemokratiseherWalilYerelD iür den (Köpenicker viertel) Bezirk 186 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Klavier- arbeiter Julius Matz Ranleufselstr. 25 gestorben ist. 212/13 Ehre seinem Andenken: Die Beerdigmig findet am Millwoch. den 31. d. M.. nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des ThomaS�UrchhosS, NeulolTfi, Her« mamistrahe, aus stall. Der Borstand. Am Sonnabend, den 27. Ja» nuar, verstarb unser Kollege Julius Maiz. Ehre seinem Andenke«. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 31. Januar, nach. mittags 3 Uhr. von der Leiche». balle de« Thomaö• Kirchhofes, Hermannstrabe, aus statt. 1773L Die Kollegen der Pianofortefabrlk H. Mutz n. Co. IllsMll'vllWMlMjW ISteindnirteru-ütliOirapiien. Sie Beerdigung deS am 26. Ja- nuar verstorbenen Steindruckers Edmund Hedicke findet statt am DienStag. den 30. Januar, nachinittagS 2'/, Uhr, von der Leichenhalle der Thomas- gemeinde in Rixdorf. 2718b Taö Komitee. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannt» Karl K-clcfinlkB tage ich allen Verwandten und Be» tannle», den Kollegen der Firma Grengel, dem Wahlverein und dem Metallarbeiterverband meinen her». lichen Dank. «stire Rosa Lrtchnitz. Am Sonnabend, den 27. Januar. abends'i'li Uhr, entschlief saust, noch schwerem, in Geduld er- trageiiem Leiden mein innig« geliebter Mann, herzensguter söhn, Bruder, Schwager, Schwiegersohn und Onlel. der Kassterer de? Transportarbeiter- verbände» ümm Rartheuser im 37. Lebensjahre. Dies zeigt tiesbetrübt an. mit der Bitte um stille Teilnahme. Im Namen der Hiuterbliebene» £11«« Kartheuser, Rixdors, galkstr. 11. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3l. Januar, nach- mittags 2'/, Uhr, vom Trauer- bause anS. nach dem neuen Jalobi- Kirch hos, Rirdori, Hermannitr. statt. Soziaiilernoltrat. Wahlverein Rixdorf. Den Barieigeuossen zur Nach- richt, dafi unser Mitglied, der HauSdie» er Hennatm Kartheuser im 37. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. d. MtS.. nach- mittag» 2'/, Uhr, vom Trauer- hause Faltiiraxe 11 a»S nach dem neuen Jatobi-Kirchbof in Rixdort Hermaimstrabe stall. Um rege Beteiligung ersucht Oer Torotand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirhsverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi unser Kollege, der Einkasfierr Hermann Rartheuser am 27. Januar im Alter von 36 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. Januar, nachmittags 2'/. Uhr, von dem Trauer- hause Falkstrabe 11 auS nach dem neuen Jatobt-Kirchhot in Rixdors, Hermannstrabe 99/100 statt. Um rege Beleiligmig ersucht 61/12 Die Bezirlisverwaitiing. Kreis KiedeMm Bezirk Borsigwalde. Am Sonnabend, den 27. Januar. nachmittags 3'/, Uhr, verstarb nach schwerer Operaliott unsere Genossin JuH« Melk. Ehre ihrem Andeukeu! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 31. Januar, nach- mittag» 4 Uhr, von der Borsig- walder FriedhosStapelle au» statt, Um rege Beteiligung ersucht 2717b Die Bezirksleitung. Verhanii der Lithopptien, Steindrucker u. verw. Berufe. (Deutscber Scnefelder-Buod.) Am Freitag, den 26. Januar 1912, verstarb unser Kollege und Mitglied, der Steindrucker Ednftmd Hedicke im Alter von 51 Jahren a» einer Lungenentzündung. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. Januar, nach- mittag» L'/j Uhr, von der Halle de« Thomas-KirchhoseS in Rix- darf au» statt. 109/3 Bis Verwaltung der riliai« I. Danksagung. Für die innige Teistiahme bei der Beerdigung meine» lieben Mannes, unseres guten Bater» 2732b.lulrann Diener sage Ich allen Verwandten, Bekannte» und Genossen sowie dem Sängerchor .Wedding- meinen herzlichsten Dank. Johanns Olener nebst Kindern. Sozialdeniokratiseii.Wahlvereiii Kreis Ider-Bariiiin. Bezirk lAchteubcrg. Den Genossen zur Nachricht, dajz unser Mitglied, der GlaS- macher �uxust Müller Psarrstr. 14 verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdiziing findet heute DienStag. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Lichten- berger Gemeinde- FriedhoseS in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung erwartet 14/6 Die Bezirksleitung. lenlral-Verham! der Steinarbeiter. Zahlstelle Berlin. Am 25. Januar starb unser Kollege Etmst Franke im Aller von 49 Jahren an Herzschlag. Ehre setnem Andenken k Die Beerdigmig findet hegte nachinittagS 3'/, Uhr. von der Leichenhalle des städtischen Fried- hoses Müller-, Ecke Seestrabe, aus statt. Um rege Beieiligung ersucht 171/5 Die Drtsverwnituiig. Deutscher Bauarbeiter-Verband Zsveigvcreln Berlin. (Bezirl Norden II.) Den Kollegen zur Nachricht, dab unser Milglied, der Maurer Reinhotd Brisch am 29. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. Februar, nach- inittag« 2 Uhr, vom Trauerhuuse, Kastamenallee 29/30 aus, nach dem Zionstirchhos in Nieder> Schön- Hause» stait. Um rege Beteiligung ersucht 136/12 Der Borstand. Sozialdemokrat Wahlverein Steglitz. Den Genossen zur Nachricht, daß am 26. d. Mts. unser Mitglied Paul Kucber gestorben ist. Die Beerdigung findet heute nachmittag 2t/s Uhr aus Steglitzer Friedhos, Bergslrabe, statt. 201/6 Der Borstand. AUgem.Kranken-u.Sterbekasse d. Drechsler u. Berofspossei!. (E. H. 86 Hamburg.) Verwaltungsstelle Berlin A. \ ach ruf. Den Mitglieder» hierdurch zur Nachricht, dab unser Mitglied Hermann Reichel verstorben ist. Die Beerdigung hat bereits am 29. Januar ftattgesunden. 286/7 Di« Ortsverwaltung. Danksagung. Für die berzliche Teilnahme und vielen Kranzspenden be! der Beerdi- gung unseres lieben Sohnes und BrudeiS Hermann L!rt H a «. TVaklkrol«, w.: Gust S ch in i d l. Kirchbachftr. 14. Hochparterre. . S. und SW.: Hermann Werner, Gneisenaustr. 72. ff. HValilkrel«: St. Fritz, Prinzenslr. 3l> Hos recht« pari. 4. Walii kreis: Ost e n: Robert W e n g e l S. Gr. Frantsurterstr. 120. — Richard H a ck e l b u s ch, PelerSburaerpIatz 4(Laden). 4. Wuhlkrel«. A Ii d o fl e u: Paul Böhm. Lausitzerplatz 14/15. S. Wnltlkrels: Leo Zucht, Jmmaimetkirchstr. 12(Hos). v. TTablkrels(Zkoablt): Korl Ander«, Salzwedelerstr. 8. TVeckcklng: I. tz ö» i s ch. Nazarethfirchstrabe 49. Bosentlinler imd Oranienburger Vorstadt: Wilhelm B a u m a n u. Rheinsbergerstr. 67. Laden. «»esniidbrannen: F. Trapp. Stiltstierftr. 10. dieliiini, unser Vorstadt: Karl Mar«, Greisenhagener Str. 27. Adlersliof: Karl Schwarzlose, Hossmannftr. 9. Alt-Ollenleke: Wilhcim Dürre, Köpenickerstr. 6. Ranmachulonneg: H. H a r n i g, Allarientbalerstr. Berna», Btintgental,-Aepemiek, Bekitnoiv und»ebttn» brttek: Heinrich B r v s e, Mühlenstr. 5, Laden. Boknsdorr und Falkenberg: Alvi« Laus, BohnSdors, Ge» nossenschastShauS»Paradies-. t/liarlottenbiir«: Gustav Schömberg, Sesenheimerstrage 1 F.iclmaldc: Oskar Mahle, Stubcnrauchstr. 99. Erkner: Ernst H o s s in a u n, g> iedrichShngener Ehnussee, Fredersdork-Fetersbaxen: E. Höielbarth, PeterShagen. F>'ledenan.j8tegllts-d»b«lende»Pire-ff-li-lol»terI'eldv»äinnk- wlt«: H. B e r ii i e e, Msenstr. 5 in Sieglitz. Friedrielisbagea: Ernst W c r l»i a n n, Köpenicker Sirahe 16. Oriinan: Franz Klein, Friedrichstr. 10. doliannistbal: Pielicke, Kaiier-Wilhelm-Blatz 6. liarlsliorst: Richard K ü i e r. iliödelslr. 9, II. libnIgs-�Vnsterbausen: Friedrich B a u m a n N, Bahnhofstr. 13. B bpenick: Emil W i b l« r. Kietzeritr. 6, Lade». I.lel>tenberg, Frledrlebsfelele. IlokensekLnlinnsen: Oliv Seikel, Warieiibergslrabe 1(La' Slalilsdorf, Kanlsdorf: slrabe 17. lHarlendorf: August L eip, Chausseestr. 296, Hos. Marlcnfelde: Emil W e i u e r t, Dorsstr. 14. Kenenhagcn: Guslov L e y, Wolterstiatze. �leder-lüeliiinewelde: Gehrt, Britzerstr. 6. Xonatvcs; Wilhelm I a v p e, Fnedrichstr 7. Obcr-Mchilnoweido: Sllsred Bader, Wilhelminenhosstr. 17 H. g'anko,,.>ledersrl,«»liansen: R i tz m a n». Mühlenstr. 30. KolnlekendorP> Ost, Wilhelmsruh und Hcbünholz: P G» r s ch. Provinzstr. 56. Laden. Rixtlorr: M*. Heinrich, Neckarsir. 2, im Laden; Rohr, Siegsriedstrabe 28/29. RniNmelsbare, Roxhacen: A. R o s e n k r a n z, Sllt-Boxhagen 56. Vehüneborg: Wilhelm Baumker, Martin Lulherftr. 69, im Laden. «pandaa, Xanncndannn, stanken, Sccgeleld und 1 alkciihagcn: K ö p p e n, Brciteslr. 64. TckcI, Borsigwalde,'Wittenau, Waldmannslast, llernisdori' und Heinlckcndorf-West: Paul Kienast, Borsigwalde. Jlänichslrabe 10. Teltoss: Wilhelm B o n o w, Teliolv, Berliner Sir. 16. Vernpelhof: Frantz, Berliner Strab« 76, Laden. Treptow; Rod. Grnmenz, Kiesholzstrabe 4l2, Laden. �'etvonsee: K. F u h r m a»».«edonstr. 105, parterre. WilnierBdorr-llalcuscc-Schiuargendorr: Paul Schubert, WthelmSauc 26. Reuthen, Bicrsdorf: Ernst Hüttig, Zeuthen, Dorsstr. 15. Sömtliche Parteilileralur sowie alle wigenschostlichen Werke werden gesiesett. P. Hetzberg, KanlSdors, Ferdinand» gofastoffe Riesenauswahl alier Qualitäten. Wolle- Pnpfnt llocqaetts. Plüsch Satteltascben. Muster bei näherer Angabe franko. Emil Lete 0�"�. 188. Wen» nicht la aclicfcrt. auf meine Koste» geg. Nach», retour in la ff. Gelee 5 Stücke Aal ' Dose 40 Heringe in Milchsauce, ff. 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Hiervon entfallen rund 2S6 000 M. auf die geplante Strecke Görlitzer Bahnhof— Rixdorf— Hermannplatz, rund 1.....- partci- Angelegenheiten. In den Neuen RathauSiälen, Mcininger Str. 8, General« Versammlung des WablvereinS. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Der Ausfall der NeichStagswahlen. Referent Stadtv. Genchse R. K ü t e r. 2. Diskussion. 3. Halbjahrsoericht des Vorstandes. 4. VcrcinSangelegenheitcn. b. Verschiedenes. Der Vorstand. Groß-Lichterfclde. Heute, Dienstag, den 30. d. M., abends Uhr, im Lokal von Fr. Wahrendorf, Bäkestr. 7: Generalver- fammlung. Der Vorstand. Boxhagen-Rummelsburg. Zur Errichtung einer zweiten Berkaufs stelle kür B o x h a g e n findet am Mittwoch, abends 8 Uhr, im Eafs Bellevue eine öffentliche Versammlung statt. Referent ist Genoffe Buchholz. Die Bezirksleitung. Treptow-Baumschulenwcg. Umständehalber findet die General Versammlung deS Wahlvereins heute nicht statt. Der Vorstand. Zchlendorf fWannseebahn). Für die Bewohner des Ortsteils Schönow werden die Wählerlisten vom Genossen Karl Bieberstein, vorfstraße, eingesehen. Diejenigen, welche nicht selbst Einsicht nehmen können, wollen sich an obige Adresse wenden. Der Lorstand. Lankwitz. Am Mittwoch, den 3l. Januar, abends 8 Uhr, Generalversammlung bei H. Schnlz, Mühlenstraße. Tagesordnung: Vorstands- und Kassenbericht. Bericht der Gemeindevertreter. Ge- meindewahl. Ausnahme neuer Mitglieder. VereinSangelegenheilen. Der Vorstand. AdlcrShof. Heute Dienstag, abends 8'/� Uhr, im Lokale des Genossen Kaul, Bismarckstr. 16: G e n e r a l v e r s a m m l u n g deS sozialdemokratischen WahlvcreinS. KarlShorst. Heute abend 8l/3 Uhr Mitgliederversammlung im Restaurant Fürstenbad, Jnh. Bartels. 1. Bortrag des Genossen Heinrich Stühmer:„Die Situation nach den ReichstagSwahle»". 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Gemeindewahl und Ausstellung des Kandidaten. Die Bezirksleitung. Fricdrichshagcn. Am Mittwoch, den 31. Januar, abends 8'/z Uhr. bei Lerche, Friedrjchstr. 112: Generalversammlung. Tages ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Ergänzungswahl zum Vorstaude. 3. Anträge zur Krcisgeneralversaurmlung. 4. Vereins ungelegenheiten und Verschiedeues. Rcinickcndorf-Ost. Heute, Dienstag, abends 8 Uhr. in„Ram lows Kastanienwäldchen", in Schönholz 14: Mitgliederversammlung deS WahlvercinS. Tagesordnung:„Kann Deutschland reiten?" Referent: Genosse Otto Braun(Mitglied deS Parteivorstandes). HalbjahrSbericht und Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Erkner. Die Generalversammlung findet der Kreiskonferenz wegen nicht Mittwoch, den 31. Januar, sondern Donnerstag, den 1. Februar, statt. Die Bezirksleitung. Bezirk Borsigwalde. Donnerstag, abends 8 Uhr. in den Borsig walder Festsälcir: Mitgliederversammlung des Bezirkswahlvereins. Die Bezirksleitung. Spandau. Die Beerdigung des Genossen Anton Elsenmüller findet am heutigen Dienstag, den 30. Januar, nachmittags 1 Uhr. von der Wohnung, Hochgerichtstr. 4, aus statt. ES ist erwünscht, daß sich die Genossen zahlreich daran beteiligen. Diejenigen Genossen, welche noch im Besitze von Sammellisten für die ReichStagöwahl sind, werden ersucht, sofort beim Genossen Senftieben. Lyuarstr. 7, oder beim Genossen Koppen, Breitcstr. 64, abzurechnen. Der Vorstand. Berliner jVaebriebten. Bon der Verteuerung deö BrotcS. Ueber die Brotpreise in Berlin veröffentlicht daS Statistische Amt der Stadt jetzt das Ergebnis der Feststellimgen, die es im Dezember 1911 hierüber gemacht hat. Im Durch- schnitt von 40 Bäckereien, in denen das Statistische Amt, wie allmonatlich, Gebäck ankaufte, um aus dem Gewicht den Preis zu ermitteln, kostete im Dezember das Kilogramm Roggen- brot 29 Pf. Der durchschnittliche Preis für das ganze Jahr 1911, der sich jetzt aus den für die einzelnen Monate ermittelten Preisen berechnen läßt, stellte sich pro Kilogramm Roggenbrot auf 270/t0 Pf. In der zweiten Hälfte des Jahres standen die Preise über diesem Durchschnitt, in der ersten Hälfte hatten sie noch unter ihm gestanden. Der Jahresdurchschnitt war für 1911 nur»vcnig höher als für 1910, wo er rund 27'/io Pf- betragen hatte. Wenn man indes die Preisbewegung durch die einzelnen Monate verfolgt, so zeigt sich in beiden Jahren ein sehr verschiedenes Bild. Im Jahre 1910 waren die Brot- preise noch in der absteigenden Bewegung, die nach dem im Winter 1907/08 erreichten Höchststand endlich wieder begonnen hatte und dann etlva drei Jahre hindurch andauerte, das Jahr 1911 aber brachte wieder eine aufsteigende Be- w e g u n g. Während z. B. im Dezember 1909 der durch- schnittliche Preis pro Kilogramm Roggenbrot noch 29s/io Pf- war. berechnete er sich für Dezember 1910 auf 26�,» Pf., aber im Dezember 1911 stand er dann, wie oben angegeben, wieder auf 29 Pf. Pro Kilogramm 29 Pf., das bedeutet, daß das Durchschnittsgewicht des Fünfgroschenbrotes unter 3'/z Pfund beträgt. Auch der Preis des Weiß- gebäcks ist nach wie vor außerordentlich hoch. Nachdem er im Jahre 1909 seinen Höchststand erreicht hatte, ist er seitdem nicht viel heruntergegangen. Der Preis pro Kilogramm Schrippen berechnete sich für Dezember 1909 auf 55l/toJßi-> für Dezember 1910 auf 510/io Pf-, für Dezember 1911 wieder auf 537/io Pf. Der Jahresdurchschnitt tvar für 1911 mit 533/io Pf. etwas niedriger als in 1910, wo er 530/io Pf. betragen hatte._ Die Teltower Kreisbahnen und die Grunewaldbahn haben im Kalenderjahr 1911 insgesamt 7 472 701 Personen befördert und 723 211 M. Betriebseinnahmen erzielt. Fahrscheine zu 10 Pf. wurden 4 048 498 abgesetzt, solche zu 15 Pf. ins- gesamt 727 029 usw. Auf Zeitkarten wurden 2 093 615 Per- sonen befördert. Die Wagen der Bahnen leisteten 1847 973 Kilometer, die Motorwagen für sich allein 1 622 586 Kilometer. Die Bahnest besitzen jetzt 35 Motor- und 17 Anhängewagen. Die Länge des Netzes beträgt 30 Kilometer. Davon kommen auf die Strecke von Steglitz nach Lichterfclde und Südende 15 Kilometer, auf die Strecke Lichterfclde— Teltow— Machnower Schleuse 10 Kilometer usw. Der Hauptverkehr mit 4% Millionen beförderten Personen kommt auf die Südendcr Linie. Er brachte 462 572 M. Ein- nahmen. Die Teltow— Machnower Strecke beförderte etwas über 1 Million Personen. Die Bahn von Steglitz nach dem Grunewald be örderte 1 187 567 Personen. Million Mark aus die Strecke Rixdorf/Hermannplatz— Alte Jakobstraße— Dönhoffplatz, rund 700 000 M. auf die Linie Kreuz- bcrg— Markgrafenstraße— Bchrenstratze und rund 1 Million Mark auf die Strecke Großgörschen Straße— Markgrafenstraße— Behrenstraße. Letztere Linie wird über die Köthcner Brücke, die Linie Rixdorf— Dönhoffplatz über die neue Brücke im Zuge der Alten Jakobstraße erbaut werden unter Mitbenutzung der Gleise der elektrischen Straßenbahn nach Treptow und der Gleise der Großen Berliner Straßenbahn. Eine Verlängerung nach Norden durch den geplanten Tunnel am Franz-Josef-Platz ist vorgesehen. Opfer deS Eissports. Auf dem Müggelsee herrschte am Sonntag wieder lebhaftes Sporttreiben. Taufende waren, obwohl das Wetter nicht gerade einladend aussah, hinausgefahren, um dem Eissport zu huldigen. Durch das vor einigen Tagen eingetretene Tauwetter war jedoch die Eisdecke an einigen Stellen bereits so morsch, daß sie unter den Füßen der Schlittschuhläufer zusammenbrach. In der Nähe der Rettungsstation am Müggelsee, gegenüber der Försterei, er- eigneten sich nicht weniger als vier schwere Unglücksfälle, von denen einer tödlich verlief. Gegen 10 Uhr vormittags brach an einer Stelle, die merkwürdigerweise nicht abgegrenzt worden war, obwohl das Eis dort schwach und morsch geworden, ein junger Löjähriger Mann ein, geriet unter die Eisdecke und ertrank, che ihm noch Hilfe gebracht werden konnte. Da der Tote keinerlei Legitimationspapiere bei sich führte, gelang es noch nicht den Namen festzustellen.— Fast an derselben Stelle brach nachmittags gegen 3 Uhr ein Kaufmann ein. Da der Verunglückte des Schwim- mens kundig war, konnte er sich 25 Minuten im Wasser halten, bis er von Angestellten der Rettungsgesellschaft ans User gebracht wurde.— Nachmittags gegen 6 Uhr brach ein Herr Johannes Meyer, Lützotvstr. 13 wohnhaft, der mit einem Sportsegel Schlitt- schuh lies, bei der Försterei ein. konnte jedoch ebenfalls von der Rettungsgesellschaft geborgen werden.— Schwieriger gestaltete sich das Rettungswcrk bei dem Taubstummen Richard Loeser, Ma- riannenstr. 48 wohnhast, der ebenfalls bei der Fürsterei einbrach und erst nach 31 Minuten aus seiner furchtbaren Lage befreit werden konnte. Die drei Geretteten erholten sich sämtlich wieder unter der ärztlichen Pflege._ Die Beerdigung Leopold Liepmanns fand gestern vormittag'/-H Uhr auf dem städtischen Friedhofe in Friedrichsfelde unter zahlreicher Beteiligung statt. Schon am Sonn- abend war der Verstorbene vom Krankenhause nach der Leichenhalle gebracht und gestern war der Sarg in der Kapelle unter Blattpflanzen aufgebahrt worden. Wohl über 1000 Parteigenossen und Genossinnen hatten sich eingefunden, um dem toten Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Vertreten waren die politischen Qiaanisationen von Groß- Berlin, auch zahlreiche örtliche Organisation� der Vororte, außerdem die GewerkschaftSkommission und eine große Anzahl Gewerkschaften und Körperschaften mit denen Leopold Liepmann infolge seiner Tätig- keit in Beziehungen gestanden. Die Trauerfeier fand in der Friedhofskapelle statt, die nur einen kleinen Teil der Erschienenen faßte. Sänger des Gesangvereins .Typographia' leiteten den Traucrakt ein..Ein Sohn des Volkes wollt er sein und bleiben' klang es machtvoll aus dem Nebenraum der Kapelle. Nachdem die erste Strophe verklungen war. trat Genoffe Robert Schmidt an den Sarg und widmete dem Dahingeschiedenen warme Worte des Dankes und der Anerkennung für sein Wirken. In von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten entwickelte Genoffe Schmidt ein Lebensbild Leopold Liepmanns. Eifer und treue Pflichterfüllung feien in Liepmann verkörpert worden; seiner Gewerkschaft sowohl wie der Partei habe Leopold Liepmann seine ganze Person zur Verfügung gestellt. Dank ihm für seine Tätigkeit, die der Verstorbene nur aus üben konnte mit anerkennenswerter Unterstützung der aufopferungS> vollen und nun trauernden Gattin und Tochter. Im Namen des Parteivorstandes, dessen Mitglied Leopold Licp mann gewesen, widmete Genoffe P f a n n k u ch dem toten Genoffen schlichte Abschieds- und Dankesworte. DaS Andenken des Verstorbenen könne nicht bester.geehrt werden, als wenn wir Zurückbleibenden uns mit aller Kraft den großen Aufgaben widmen, die unserer noch harren und für die Leopold Liepmann gelebt und gestrebt hat. Für den Verband der Wahlvereine von Groß-Berlin, besten Sekretär Genosse Liepmann gewesen, sprach Genoffe Ernst herz liche AbschiedSworte, während Genosse Fried länd er besonders der Tätigkeit Liepmanns im fünften Kreise gedachte; Genoffe Albert Kohn staltete dem toten Freunde den Dank für die lang jährige Mühe im Zentralverband der Handlungsgehilfen ab, in dessen vordersten Reihe» er gestanden. Danir traten der Reihe nach die Vertreter der einzelnen Orga- nisationen und Körperschaften an den Sarg, um nach kurzer Wid- mung ein letztes Licbeszeichen niederzulegen: die Neunerkommission, der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskoinmission. Hauptvorstand des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen Deutschlands, die Be- zirksleitung der Provinz Brandenburg, Zentralwahlvereine Teltow- Becskow und Nieder-Barnim, die einzelnen Berliner Wahlvereine, die sozialdemokratische LandtagSfraktion, Redaktion, Expedition und Buchhandlung des.Vorwärts". Arbeiter-BildungSschule, Transport- arbeiterverband, Gastwirtsgehilfen, Bäcker. Taubstummen Berlins und viele andere Organisationen. Wieder setzten die Sänger ein. Dann wurde der Sarg von den Trägern angehoben und nun bewegte sich der Zug nach dem Grabe, an welchem Ansprachen nicht gehalten werden durften. Wehmütig klangen die Sängerwenen:.Zum Reich der Gräber" und langsam senkte sich der Sarg mit unserem toten Genossen in die Gruft. Wortlos häufte sich Kranz auf Kranz. Und immer wollten die LiebeSspenden kein Ende nehmen. Noch einmal intonierte der SangeSchor:«Da unten ist Frieden". Eincn letzten stillen Abschieds- grüß und die zahlreichen engeren Parteifreunde verließen den Fried- Hof in dem Bewußlsent, einen eifrigen Streiter für unsere Sache und einen guten Menschen verloren zu haben. Auffüllung der preußischen OrdcnSkiste. Die Nachfrage nach preußischen Orden ist andauernd so rege, daß eS dringend not- wendig erschien, das stark geräumte Lager ganz bedeutend zu ergänzen. Am Geburtstage des Königs ist eine frische Sendung eingetroffen, die Liebhabern nur warm empfohlen werden kann. Auf der Preisliste steht nunmehr auch uu preußisches Verdienst- krcuz in Gold mit der Krone, ferner ein dito Kreuz in Silber, drittens ein Allgemeines Ehrenzeichen in Bronze. Warum nicht auch in Aluminium? Solche Kreuze sind doch noch leichter zu tragen. Das neue goldene Vcrdienstkrcuz hat als Anfänger der Berliner Kriminalkommissar Toussaint erhalten, offenbar für seine pflichtgemäßen Ermittelungen zu den Obdachlosenvergiftungen. Mit dem dito silbernen Kreuz wurde ein Kieler Jachtkapitän be- schenkt, vermutlich für richtiges Segeln im preußischen Kurs. Die ncugcgründcte Bronzcmcdaille sollen dagegen diejenigen er- halten, welche für das bisherige Allgemeine Ehrenzeichen ig Silber noch nicht reif sind. Wer bleibt dann für die Bronzierung noch übrig? Wir schlagen, damit es gleich ein glattes Aufwischen ist. in Bausch und Bogen die gesamte Berliner Schutzmannschaft vor. In Zukunft sollte man übrigens, da unter dem jetzigen Regiment noch keine Siege zu erfechten waren, lieber singen: Heil dir im Ordenskranz l Es ist eine ganz achtbare Leistung: Zentenar- Medaille, Wilhclmsorden, Rote Kreuz-Mcdaille mit einem halben Dutzend Abstufungen, Kriegsgefechtsschnallen. Feuerwehrorden und nun gleich noch drei neue Garnituren. Da mutz ja daS OrdenS- fieber zur Siedetemperatur steigen. Als angenehme Uebcrraschung betrachteten Schlittschuhläufer, die am Sonntag sich auf dem Müggelsee tummelten, das Erscheinen eines Aeroplans, der über dem See kreuzte und sich langsam im Gleitflug auf die Eisfläche niederließ. Nach kurzem Aufenthalt setzten sich die Propeller wieder in Bewegung, um unter Ovationen de» Menge wieder nach Johannisthal heimzukehren. Zum Gedenken des im Vorjahre verstorbenen Stadtverordneten Hermann Voigt haben Freunde des Verstorbenen die Mittel zur Errichtung eines einfachen Denksteins zusammengebracht. Am heutigen Tage ist es ein Jahr, daß Voigt die Augen geschloffen. Am kommenden Sonntag soll der Stein aufgestellt und mit einer schlichten Feier seiner Bestimmung übergeben werden. Die Zeit wird noch näher bekannt gegeben werden. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am Sonntag nachmittag gegen 3 Uhr an der Ecke der Stralauer. und Kloster- straße. Dort verließ der Arbeiter Emil Hagedorn, der bei den Untergrundbahnbauarbeiten beschäftigt ist, die Baubude in dem Augenblick, als der Motorwagen 1788 herannahte. H. wurde zwischen der Bretterwand und dem Straßenbahnwagen eingeklemmt und trug mehrere Nippenbrüche, einen Bruch des Oberschenkels und Kopfverletzungen davon, so daß er, nachdem er auf der Unfallstation die erste Hillfe erhalten hatte, nach dem Krankenhaus am Friedrichshain geschafft werden mußte.— Bei dem Zusammen- stoß eines Straßenbahnwagens und einer Pferdedroschke wurde am Sonnabend abend gegen 10?L Uhr der Kaufmann Utermöhlen, Schöneberg, Bahnstraße tvohnhaft, verletzt. An der Ecke des Kaiser- Friedrichplatzes und der Camphaufenstraße rannte ein durchgehendes Droschkenpferd gegen die Seitenwand des Motorwagens 14 der Linie V. Ter Anprall war so heftig, daß eine große mittlere Seitenschcibe des Waggons in Trümmer ging. Durch die umher- fliegenden Glassplitter wurde Herr U. nicht unerheblich verletzt, so daß er die Hilfe eines Arztes in Anspruch nehmen mußte.— An der Ecke der Kommandanten- und Alten Jakobstraße wurde sonntag früh gegen 2 Uhr ein junger Mann von einer Automobil- droschke überfahren und so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Die Leiche wurde zunächst nach der Unfallstation in der Kommandantenstraße und von dort nach dem SchauhauS geschafft. Wie die polizeilichen Ermittelungen ergaben, ist der Tote der 24 Jahre alte Bureaugehilse Otto Zimmermann aus der Fürsten- straße 24. Einbrecher aller Art waren in den letzten Nächten wieder eifrig an der„Arbeit". So erbeuteten Geldschrankeinbrecher im Kontor der chemischen Fabrik„Union" in Heiligensee für ungefähr 600 M. bares Geld, für 2200 M. preußische Staatsanleihen und eine größere Anzahl von Brief- und Jnvalidenmarken. Die Diebe warteten, bis der Wächter des Grundstücks einen Rundgang um das große Fabrik» gelände angetreten hatte. Sie schlichen sich dann in den Hof ein, kantelten einige Türen mit Nachschlüsseln auf, gelangten so in da? Kontor und„knackten" hier den Geldschrank auf. Die ganze„Arbeit" hatten sie bewältigt, noch ehe der Wächter von seinem Rundgange zurückgekehrt war.— Für 2000 M. Wäsche. Handschuhe und BoaS fielen Geschäftseinbrechern in die Hände, die dem Warenhause bon LewinSki in der Badstr. 16 einen Besuch abstatteten. Die Diebe er- brachen hier vom Flur aus mit einem Stemmeisen die Ladentür nnd stahlen dann soviel sie nur wegzubringen vermochten.— Einbrecher, die das Papiergeschäft von Schönberger u. Co. in der Potsdamer Straße 134 heimsuchten, stahlen außer einer großen Anzahl von Spielkarten aller Art wertvolle Reisetintensäsier, Perlmutterfeder« Halter, Geldtaschen usw. im Gesamtwerte von ungefähr 1000 M.— Schaukasteneinbrecher öffneten den AuSstellungslasten deS Herren- und DamenmodengeschäftS von Steinhardt, Unter den Linden 10, und entnahmen daraus Glacöhandfchuhe, Strümpfe usw. im Werte von zusammen 500 M. 300 M. Belohnung sind auf die Wiederbeschaffung eine? großen sehr wertvollen Brillantohrringes ausgesetzt, den eine Dame auf dem Wege vom Deutschen Theater nach dem Bahnhof Friedrichstraße verlor. Eine Gastwirtschaft unter Polizeiaufsicht. UnS wird geschrieben: Unter diesem Titel veröffentlichte» Sie in der Sonntagsnummer eine Notiz, die mich an eine ähnliche Begebenheit erinnert, die schon viele Jahre zurückliegt. Es war Ende der achtziger Jahre, als in der Weinstr. 22 ein Gastwirt Hauak ein Schankgeschäst betrieb, in dem zu jener Zeit ein Teil Genoffen des vierten und hauptsächlich des fünften Kreises, gelegentlich auch mit Familie, sich trafen- und bei einem Glase Bier die Begebenheiten des Tages besprachen und auch der Fröhlichkeit sich hingaben. Bei Schluß deS Geschäfts ging alles in fröhlicher Laune nach Hause. Diese gelcgeiillichen Zu« samnienkünste müssen es der in ihren Maßnahmen unerforschlichen Polizei wohl angetan haben, denn eines schönen TageS erschien eben- sallS ein polizeiliches Aufgebot mit der Anweisung, während der Dauer der Geschäflsstunden das Lokal zu bewachen. Dies wieder- holte sich täglich, jedoch wurden die Beamten des öfteren abgelöst, sodaß dieselben mit der Zeit den dort verkehrenden Gästen bekannt wurden. Waren zuerst die Besucher von der ständigen polizeilichen Aufsicht nicht angenehm berührt, so kam man doch bald zu der An- ficht, daß es eigentlich recht weise gehandelt wäre, die Schutzleute nach einem sozialdemokratischen Verkehrslokal zu senden, konnten dieselben doch nirgends besser als im ständigen Umaang mit den Roten mit deren Ideen vertraut gemacht werden. Ob die dort täglich postierten Schutzleute sich den sozialistischen Anschauungen angeschlossen haben, ist öffentlich nicht bekannt geworden. Wenn nun die Gäste des betreffenden Wirte?, vorausgesetzt daß Sozialdemokraten darunter sind, die Sache ebenso an- und ans- fassen würden, den anwesenden Schutzleuten gelegentlich die sozial- demokratische» Lehren unterbreiteten und zu Anhängern der Partei machen würden, so hätten die im übrigen unverständlichen An- ordnungen des Herrn Leutnants, für die Allgemeinheit wenigstens etwas Gutes geschaffen. Ein Opfer der Kälte ist in der Nacht zum Sonntaa�in un- bekannter Mann geworden, der wahrscheinlich aus einer" Anstalt entwichen war. Zwei Arbeiter fanden ihn am Sonntagmorgcn um 9 Ubr ,n einer offenen Laube auf dem Gelände an der Behmstraße im äußersten Norden der Stadt erfroren daliegen. Sie brachten ihn gleich mit einem Handwagen nach der Rettungswache rn der Gaudystraße. Hier gab er noch Lebenszeichen von sich und die Aerzte bemühten sich, ihn zu retten. Nach einer halben Stunde aber mußten sie feststellen, daß der Mann.geswrbei war. Die Le,che wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Der Tote ,st etwa 43 Jahre alt, hat spärliches blondes Haar und einen dunkelblonden Schnurr- und Kinnbart und trug eincn blauen Anzug, wie sie in Anstalten wohl getragen werden und Wäsche mit dem Stempel„St. I. A." Nachfragen in den hiesigen städtischen Irrenanstalten, an die man zunächst dachte, hatten noch kein Er- gebnis.— Ein zweiter unbekannter Mann wurde gestern in der Oberförsterei in Grünau im Jagen 50 tot aufgefunden. Er hatte sich dort die Pulsader aufgeschnitten und war verblutet. Er ist etwa 38 bis 40 Jahre alt. hat blondes Haar und einen kurz. geschnittenen Schnurrbart und trug einen grauen Ileberzichcr. einen schwarze» Gehrock, dunkle Beinkleider und Gummizngstiejel. Ein Sclistmordversuch crrcgte gestern in der MtuTOdle ou bot Lindcnstrake Aufsehe». In dein Keller des ft-lcischermeistcrS Florenz Haspel aus der Siuiconstraße 12 wurde dieser von cinci» Kutscher mit durchschnitlenc», Halse aufgefunden. Der Schwerverletzte war noch bei Besinnung und redete von einem schwarzen Manne, der ihm die Treppe heruntergeholt habe. Ein Arzt, den der Kutscher rief, legte dem Verwundeten einen Notverband an und ließ ihn nach dem Krankenhaus am Urban bringen. Das Opfer einer verhängnisvollen Gasvergiftung wurde die lZZjährige Maria Bialki, Schmidstr. 10. Das junge Mädchen hatte sich Sonntagabend schlafen gelegt und anS Versehen den Gashahn im Schlafzimmer geöffnet. Gestern Morgen wurden Hausbewohner durch starken Gasgeruch aufmerksam gemacht und als man das Zimmer der B. betrat, tvar dieses vollständig mit giftigen Gasen angefüllt. Die B. lag leblos auf ihrem Bett. Wohl gelang es mit Hilfe dcS SauerstoffapparatcS die Bclvngllose ivicdcr etwas zur Besinnung zu bringen, doch ist der Znstand deS bcdauernSwcrlcn jungen Mädchens, das ini Krankcnhanse am Urban Aufnahme fand, hoffmingSit.. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich am Montagnachmittag in der Möbelfabrik von Griinthal, Passoth u. Co., Frankfurter Allee 161/62. Dort geriet der an der Fräsemaschine tätige Arbeiter Hermann Minuth mit der Hand in die Maschine und erhielt dadurch schivere Verletzungen. Aus dem Handteller ivnrde dem Verunglückten ein ctlva 4— g Ouadratzentimcter grojzeS Stück Fleisch heraus- gerissen. Wie uns weiter mitgeteilt ivurde, soll kein Verbandszeug in dem Betriebe vorhanden geivesen sein, wie dies vorgeschrieben ist, um ctlva Dcrnngliickte» sofort einen Notverband anlegen zu können. Statt dessen habe ein Meister ein Handluch, das noch dazu schmutzig war, genommen und dem Verletzten um die Hand gewickelt. Dann sei der Verunglückte zur Unfallstation geleitel worden. Auch sonst scheint in dem Betriebe der Firma nicht alles in Ordnung zu sei». So soll im Keller eine Kreissäge aufgestellt sein, was ebenfalls den gesetzlichen Vorschriften nicht entspricht. � 200 Zentner Holzmehl in Flammen. Wegen eines jfefähr- liehen Brandes wurde die Feuerwehr in der Nacht zum Sonntag nach der Pcsener Str. 27, im Osten Berlins, gerufen. Im Erd- geschoß befindet sich dort die Fabrik für Kieselgur-Wärmeschutz- rnasse von Horn u. Taube. Mit der Fabrik ist ein großes Lager verbunden, in dem über 200 Zentner, Holzmehl aufgestapelt waren. Das Mehl wird als Wärmeschutzmassc um Dampflcitungsrohrc und Dampfkessel gelegt, um d!e Wärme festzuhalten. In diesem Holzmchllager brach das Feuer aus. Die Gefahr wurde erst bc- merkt, als schon mehrere große Kollis in Flammen standen. Bei Ankunft des ersten Löschzugcs brannten dann bereits nahezu zwei- hundert Zentner der Masse, so daß Brandmeister Gcmpp schleunigst noch einen zweiten Zug zu Hilfe holen mußte. Der Löschangriff erfolgte mit zwei Schlauchleitungen, doch zogen sich die Lösch- arbeiten über zwei Stunden hin, da die zusammengepreßtcn Mehl- masscn größtenteils auseinandergcrissen und auf den Hos geschafft werden mußte», um Neuentzündungen zu vermeiden. Die Fabrik selbst konnte geschützt lv erden. Ueber die Ursache des Feuers ist nichts ermittelt.— Gleichzeitig hatte die Feuerwehr noch in der Lindeuslr. 76 zu tun, wo Nutzhölzer in einer Tischlerei brannten. Eine Ehetragödie, die loahrschcinlich mit dem Tode beider Ehe- leutc enden wird, spielte sich gestern nachmittag im Hause Lowe- straße 17 ab. Dort wohnt im vierten Stock seit 6 Jahre» der 09 Jahre alte frühere Kasse»böte Julius Sonntag mit scincr zwei Jahre jüngeren Frau Marie und seinem einzigen. 28 Jahre alten Sohn. Als dieser gestern nachmittag um 4%, Uhr die elterliche Wohnung aufsuchte, bot sich ihm im Schlafzimmer ein schrecklicher Anblick. Im Bette lag die Mutter mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe, dicht daneben saß, auch aus einer Wunde am Kopfe blutend, auf cincui Stuhle der Vater. Beide hatten die Besinnung verloren.. Cr benachrichtigle durch Nachbarn Bcainie des 96. Polizei- rcvicrs in der Zorndorfer Straße, die gleich darauf mit einem Kraft» wagest kamen und die Eheleute ins Krankenhaus am Friedrichshain brachte!» Hier liegt der Mann- in sehr bedenklichem- Zustande da- nieder, auch die Frau ist schiver verletzt, doch hofft mau sie noch am Leben erhalten zu können. Tie Ursache der Tragödie ist in Krank- keit beider Eheleute zu suchen. Luiscnthratcr. Wenn unsere Vorstadibühnen von Zeit zu Zeit das Bedürfnis nach g e s u n d e n Tendenzstücken zum Aus- druck bringen, so kann das für'das Publikum unter Umständen von Nutzen sein. Am Donnerstag kam nun ein Drama aus der Sphäre der Rechtsprechung zur erstmaligen Aufführung. Es führt den bezeichnenden Titel:„Aus Mangel an Beweisen" (non liquet) und hat eilten bekannten Berliner Verteidiger, näm- lieh den Justizrat Richard Wolfs zum Verfasser. Es wird darin eine sehr ernste Materie behandelt. Ost geschieht es ja, daß wegen irgendeines Verbrechens Angeklagte freigesprochen werden, entweder» weil sich ihre Unschuld klar herausgestellt hat, oder weil es au Beweisen mangelt. Nun kann aber gerade eine Freisprechung auS Mangel an Beweisen von eiuschneideuder Bedeutung, ja, wie der Verfasser durch die Handlung seines Dramas dartut, vou tragischen Folgen begleitet sein; denn die absolute Unschuld des Tclin- quenten wird mit einem„non Iiguet"-Urteil nicht erbracht. Die staatliche Anklagebchörde operiert nur mit logischen BewciStümern; sie konstruiert auf Grund der vorhandenen oder einschlägigen Para- graphen des Strafgesetzbuches ihre Anklage, ohne psychologische Momente auskommen zu lassen. Letzten Falles ist auch der Straf- richter bei Ausmessung seines Urteilstenors an den starren Buch- italben des Strafgesetzbuches gebunden. Und selbst der Verteidiger, der mit dem ganzen Gewicht beredsamer Gegenbeweise für die Freisprechung seines Klienten eingetreten ist, kann angesichts eines auS Mangels an Beweisen ergangenen Freispruchs ins Schwanken geraten darüber, ob der Freigesprochene nun auch wirklich schuld- los ist. Diesen Konflikt hat Richard Wolfs zur Handlung für lein„Drama eiucs Tages" erhoben. Nur-verfährt auch er ein- scitig; er konslruierie sich eine Tragödie, die den von ihm ge- wollten Ausgang nehmen muß. Es ist nämlich nicht mit den Tatsachen des täglichen Lebens vereinbar, daß ein aus Mangel an Beweisen Freigesprochener nun auch zugrunde gehen muß. Ter lVcrsasser operiert lediglich mit dekadenten Anschauungen der bürgerlichen Gesellschaft. Ec hätte seinen Helden ja nur in den Kamps um eine Existenz zu stellen brauchen, anstatt ihn tat los enden zu lassen. Hierin liegt der Kardinalfehler seines im übrigen sehr geschickt und sehr wirkungsvoll aufgebauten Dramas, das zu den besseren seiner Gattung zählt und dem zu einer überraschend straffen Aufführung mit vorzüglichen solistischen Leistungen vcrholsen zu haben, sich die Leitung des Luisen- thcaters wie besonders die Darsteller zur Ehre rechnen dürfen. Alex Siückert. Erncsto Promoli, lliichard Gsell, Georg Wald, Paul Jencnsch, Herbert d' Estree und Toris Krause sind mit Auszeichnung zu nennen. Der starke Erfolg des Dramas zwang den Verfasser nach mehreren Aktschlüssen immer wieder, dankend vor die Rampe zu treten. Vorort- Naebriebtm Ter heittige Tienötag ist der leiste Tag an btiit die Gemeiudewählerliste zu jcdcrmauus Ein- ficht öffentlich anslicgt. Wer der Pflicht, sich zu vcrgewiffcr» ob er auch in der Liste verzeichnet, bisher nicht nachgekommen ist, tne dies heute noch. Tas"Wahlrecht bestist nur derjenige, der auch in der Liste steht!_ Charlottenburg. Städtische Kochkmse in Charlottcnbnrg. Zum Unterricht in der Herstellung gesundheitlich und wirtschaftlich zweckmäßiger Nahrnngs- Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für den mittel veranstaltet der Magistrat von Charloiienburg u n e n t g e l t- liche Kochkurse. Die Kurse finden im Februar und März lvcrktägkich von 6 Uhr abends ab in den Küchen von sechs Gemeinde- schulen durch städtische Fortbilduiigsschullehreriimen statt. Jeder Kursus umfaßt drei je durch eine Woche getrennte Abende. Jede Teilnehmerin erhält ein Buch mit Kochrezepten unentgeltlich verabfolgt. Auf Wunsch werden Proben der verwendeten Rohstoffe san-Zschließlich Kartoffel», Fleisch und Gemüse) zum Selbstkostenpreis in der Küche ausgegeben. Die Speisen könnn an Ort und Stelle verzehrt oder nach Hause mitgenommen werden. Teilnehmerkarten sind auf mündlichen oder schriftlichen Antrag durch de» Magistrat Stelle III sRathmis Berliner Straße 72/73, I, Obergeschoß, Zimmer 24) zu erhalten. Die Stadtvcrorductcnwahl am Sonntag brachte der Sozialdcmo- kratie den Sieg in den beiden zur Neuwahl stehenden Bezirken. Im 3. Bezirk erhielt unser Genosse Hermann Scheel 2742 Stimmen. Obwohl lein Gegenkandidat ausgestellt war, wurden 53 gegnerische Stimmen abgegeben. Für den Genossen Wilhelm A h r e n s, der im 6. Bezirc randidierte, stimmien 1436 Wähler, für den von den Gegnern aufgestellten Herrn Haak 7S8. Ikccht cnttäiischt mußten am Sonnabend, den 27. Januar, eine große Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen ivieder von dannen ziehen, die allwöchentlich die Badeanstalt in der Danckelmannstraße besuchen. Die von der Arbeit Kommenden hatten nicht damit gerechnet, daß am Sonnabend zu Kaisers OicburtStag auch die Badeanstalt geschlossen ivar. An der Tür lvar zu lesen, daß die Anstalt Sonnabends von 8 Uhr früh bis 9 Uhr nachmittags geöffnet sei. Erst als die Zahl der Eiiilaßbegehrcndcn eine immer größere Ivurde, dachte man daran, daß doch eigentlich Kaisers Geburtstag und die Badeanstalt deshalb geschlossen sei. Bon einer Mitlcilnng der städtischen Behörden war den Wartenden nichts bekannt. Nenkökl». Die byzantinische Raserei, die die Mitteilung des Kaisers von der Genehmigung der Umwandlung des Namens Stixdorf in Neu- kölln bei den versammelten Hnrrapatrioten am Sonnabend au-löste, scheint auch die beiden OrtSblättcr ergriffen zu haben. Zu dieser Meinung»miß man kommen, wenn man sich vcrgegenlvürtigt, in lvelcher Breite die um die Gunst des lesenden Publikums buhlenden Blätter über die Kaisersgeburtstagsfeier einiger Dutzend Spießer berichten. Fast drängt sich die Vermutung auf, als suchten sich beide Blätter auf diesem Gebiete den Rang abzulaufen, dieselben Blätter, die, wenn es sich um lvichtige die Arbeiterinlercssen berührende Vor- gäiige handelt, sich eine auffallende Reserve auferlegen. Ost schon tat die„Rixdorfcr"— pardon„Neulöllncr Zeitung" so, als wisse sie die Interessen ihrer Leser— nicht etwa die ihren— ganz anders zu vertreten wie ihr unliebsamer Konkurrent, das dem Herrn Glasemann gehörige„Rixdorser"— jetzige„Neuköllner Tageblatt". Doch wer ein Freund von GeburtStagsberichten ist, der kann sich auch in diesem Blatt ganz gelvissenhaft informieren. Vielleicht hat die neugebackene„Neuköllner Zeitung" mit ihrem wundervollen Festbericht die Wurst nach der Speckseite werfen lvolle», um endlich das. 11. Tausend Abonnenten voll zu macheu. Daß das mit dciP demokratische» Toga sich immer gern schmückende Blatt durch eine solche gewissenhafte und den patriotischen Größen deS Ortes schmeichelnde Berichterstattung den Neid deS„Neu- köllner" Tageblattes hervorrufen muß, ist ohne Zweifel. UebrigenS benutzen die Redaktionen beider Ortsblätter„den denkwürdigen Tag in der Geschichte dcS OrteS", um zu betonen, daß nunmehr auch für sie die Pflicht erwachsen sei, ihrem Blatt einen neuen Namen zu geben. Und nachdem sie das getan, geloben sie, es auch für die Zukunft als ihr heiligstes Bestreben betrachten zu wollen, sich die Gunst der Bürgerschaft weiter zu erhallen.— Die armen Abonnenten. Sonntag, den 4. Februar, nachmittags von 12— 4 Uhr, findet die Gewerbegerichtswahl der Arbeitnehmer am hiesigen Orte statk Als Wähler gilt jeder am Ort beschäftigte oder wohnhafte gewerb- liche Arbeiter, welcher am Tage der Wahl das 23. Lebensjahr- vollendet. Die am Orte beschäjtigtcn Arbeiter haben sich von ihrem Arbeitgeber darüber eine Bescheinigung geben zu lassen und die hier wohnhasten Wähler haben sich, gena» wie in den Vorjahren, diese Bescheinigung von den zuständigen Polizeirevieren im Lanse dieser Wocke zu besorgen, dieselben werden dort kostenlos ausgestellt. Ohne Legitimation kann niemand tvahlen. Die Wahllokale Ivo ein jeder zu wählen hat, werden an den Anschlagsäulen sowie durch Aushang in den Geschäften bekannt gegeben. Sollte auch, wegen der beendeten RcichStagswahlen, eine großzügige Agitation bisher nicht stattgefunden haben, so erwarten wir doch von den Partei- genossen, daß an, Tage der Wahl ein jeder einzelne seinen Mann steht und sein Wahlrecht ausübt. Berliner Gcwerkschaftskommission. Friedenau. Welche Zeitungen die Eltern lesen, danach hat in der Knaben- G e m e i n d e s ch n l e sAlbcstraßc) in K l a s s e IVa M eine Lehrerin Fräulein v. Rabenau ihre 0- bis 10jährige» Zöglinge gefragt. Solche Wißbegier hat schon öfter sich bei VolkSschulpädagogcii gezeigt, so daß wiederholt im„Vorwärts" darüber belichtet werden mußte. Die Frager könne» zur Begründung sich darauf berufe», daß ein Erzieher sich auch über die Umgebung seiner Zöglinge und über die von ihr ansgeheuden Einflüsse unterrichten müsse. In der Bevölkerung, die siir ihre Kinder ans die Volks- schule angetoiesen ist, wird mancher Valcr und manche Mutter geneigt sein, noch andere Gründe zu vermuten. Wundern muß man sieb, daß Schulpädagogen, die nach der ZeitmigSlcktiire dcr Eltern forschen, nicht immer sich mit der bloße» KenutiiiSnahme be- gniigeii. Wenn sie lediglich über die in der Familie wirkenden Ein- flüsse sich belehren wolle», so haben sie dock, wahrlich keinen Anlaß, hinterher noch ihre eigene Meinung über diese oder jene Zeitung ihren Kleinen knndzutun. Auch Fräulein v. Siabenati hat. nach- dem mehrere Schüler vorscbiedene Zeitungen— z. B.„Morgen- Post",„Lokal-Anzeiger".„Vorwärts"— genannt hatten, sich nicht hieran genügen lassen. Sie fügte eine Bemerkung hinzu, die dahin verstanden ivnrde, die Eltern sollten die „M o r g e n p o st" o d e r d e n„Lokal-Anzeiger" lesen. Ein Vater. der ein sokckteS Verhalten einer Lehrerin als ungehörig empfindet, macht entrüstet uns Mitteilung davon. In der Tat ist eo ein sonderbarer Einsall. Schulkindern z» sagen, welche Zeitung die Eltern lesen sollen. ES ist möglich, daß Fräulein von Rabenau ant- worte» ivird, sie sei mißverstanden worden. Auch dann wird die ihr vorgesetzte Dienstbehörde gut daran tun, sie zu belehren, daß jm Interesse der Schule sie sich a l l e r B e m e r k u n g e n über d i e Z e i t u u g s l e k t ü r e d e r E l t e r u zu e u t h a l t e n h a t. Wilmersdorf. Ein schwerer Unfall hat sich hier beim Untergrundvahnbau zu- getragen. In dem sich unter dem Wiüenbergerplatz entlang ziehenden Bahntnitnel war Sonnabend nachmittag gegen 4 Uhr der 21 jährige Monteur Hermann Böhme ans der KnobelSdorsfstraße in Charloitenburg mit der Fertigstellung der BeleitchiungSanlage be- schäjtigt. Infolge einer plötzlichen seitlichen Bewegung stürzte B. von der Leiter herab und zog sich einen Bruch deS rechten ArtneS und beider Oberschenkel sowie schwere inucre Verletzungen zu. Der Veruuglüaie wurde in besinnungslosem Zitsiaitde nach dem Kranken- Hause Westend gebracht. Obcr-Tchöneweide. Wege» schlechter Vchandlullg hat, wie man u»S mitteilt, die Waisenverwaltung den WUHelmiiteiihofstr. 47 wohnhaften Papcufuß- schen Eheleuten das dort befindliche Waiseitpflegekiitd entzogen. Znseratenleil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Weitze»»see. Der Kartoffelverkauf durch die Gemeinde ist bor Wethuachtett vorläufig eingestellt worden, da der Absatz immer weiter zurückging. Als Hauptabnehmer sollen die im alten OrtSteil wohnenden Ein- wohn er i» Frage gekommen fein, was erklärlich erscheint, da die Verkaiifsstelle sich am Jiidustriebahnhof befand. Weitere Verbin- düngen zu Kartoffelabschlüssei, konnten der Kälte wegen nicht geführt werden, jedock, ist das Wohlfahrtsamt beauftragt worden, neue Ab- schliisse z» treffe», damit beim Eintreten gelinden Wetters der Vcr- kauf wieder aufgeuommei, iverden kann. Die Preise iür Kartoffeln sind so beträchtlich in die Höhe gegangen, daß der Zentner unter 4.30 M. nicht zu haben ist, während man vor Weihnachten noch den Zentner für 3.33 M. abgeben konnte. Der Fischvcrkauf wird gänzlich eingestellt, da der Absatz angeblich zu gering war. Zeligengesuch. Personen, die gesehen haben, wie am Freitag, den 19. Januar, abends 8 Uhr, vor de», Hause Streustr. 2 ein Mann infolge der Glätte hinfiel und den rechten Fuß brach, iverden gebeten, ihre Adresse an Franz Schulze, Streustr. 13, Ausg. III, ge- langen zu lassen. FriedrichShagen. Die Gemeiudewählerliste weist in der 1. Abteilung 53 Wähler 11903 47 Wähler), in der L.Abteilung 576 sö33) Wähler) und in der 3. Abteilung 2726(2691) Wähler ans. Der höchste Steuerzahler in der 1. Abteilung ist die Stadt Berlin mit einem Steuerbetrage von 62 443.60 M. Die 1. Abteilung schließt mit einen, Steuerbetrage von 933,40 M., die 2. Abteilung mit 163,40 M. Bei der im März stattfindenden Wahl ivird über den ganzen Ort gewählt. Spandau. Stitdiverorditetenversitmiiilmtg. Eine Reihe von SpezialetatZ waren der Versammlung zur Genehmigung vorgelegt, von denen aber nnr ein geringer Teil erledigt werden konnte. Der Schul» etat schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 1336 033,90 M. gegen 1 249 133,93 M. im Vorjahre. Da in diesem Jahre die Oberrealschule fertig ausgebaut sein ivird(Michaelis 1912 ivird die Oberprima eröffnet), so sind die Ausgaben derartig ge- stiegen, daß man mit dem jetzigen Schulgeld nicht mehr aus-« zukommen glaubt, zumal auch die Stadt trotz des erhöhten Schul- geldeS für jeden Schüler der Realschule noch einen Zuschuß von 120.27 M. zu leisten hat. Es iverden jetzt folgende Schulgeldsätze vorgeschlagen: Vorschule 100 M.(früher 80 M.), Sexta bis Untersekunda 120 M.(früher 100 M.), Obersekunda bis Oberprima 140 M.(früher 100 M.>. Auch bei der höheren Mädchenschule sind erhöhte Schulgeldsätze vorgesehen und zwar 10. bis 8. Klaffe 100 M.(früher 84 M.j. 7. bis l. Klasse 120 M. iftüher 100 M.). Interessant ist eine Zusammenstellung über die städtischen Zuschüsse pro Schüler und Jahr. In der Debatte sprachen verschiedene Stadtverordnete gegen die Erhöhung der Schulgeder. Auch unsere Genossen ließen durch den Genossen Pieck erklären, daß sie gegen die Erhvhnng stimmen würden, und schlugen vor, das Schulgeld auch für die ge- hobenen Schulen ganz falle» zu lassen, damit jeder be» sähigte Schüler in der Lage ist, die gehobenen Schulen be- siichei, zu können, oder aber,»tan möge die Vorschule fallen lassen. Die Magistraisvcrtreter und auch einige Stadtverordnele iviesen auf die schlechte Finanzlage der Stadt hin und erschreckten die SladlverordiictenZ mit einer Erhöhung der Kommunalzuschlägc. Oberbürgermeister K v e l tz c ging sogar so weit, zu bedanern, d a ß nicht anch für die G e m c i n d es ch u l e n Schulgeld erhoben werden dürfte. Wenn es möglich lv ä r e. das Schulgeld da ivieder einzuführen, böte er als e r st e r s e i n e H a n d dazu. Die Versammlung stimmte schließlich für die Erhöhung des Schulgeldes. Bei der weiteren Debatte über den Schuleiat beantragte Genosse Pieper, in jedes neue Schul- lim,« ein Brausebad einzlibanen Ferner solle die Jubiläums- Turnhalle, die von dem Gelbe sämtlicher Steuerzahler erbaut ist, sowie die übrigen städliichen Turnhallen auch der freien Turner schalt zur Verfügung gestellt werden. Weiter bat Redner, festzustellen, wie viel Kinder morgens in die Schule komme», ohne ein warmes Frühstück genösse» zu haben. Die Jugendpflege, wie sie jetzt geübt werde, sehe eö nur auf„lilitärischen Drill ab. Vor allem sollten von den Kindern dazu keine Beiträge erhoben werde». Redner ersuchte um Annahn, e der Anträge. Die 11000 tozialdeinokratischen Wähler in Spandau würde» sicher damit einverstmidcn sein, wenn dtefelben abgelehnt würden. Trotz dieses Hinweise» und trotzdem sich die Genossen Pieck und Beiler iür die Anträge einlegten, lehnte die Bersaimnluiig sotvohl den Einbau der Brausebäder wie die Freigabe der Turnhallen an die freie Turnerschaft ab. Gegen diese Anträge stintinten auch sämtliche nettgewählteit Stadtverordnete», die wieder einmal zeigten, daß sie bei wichtigen Arbeiterfragen versagten und denen der Stadtverordnete Pieck mit Recht zurief:„Nette Arbcitcrvertretcr." Angenommen ivnrde die Vornahme von Erhebungen über warmes Frühstück und ein Antrag des Dr. Baumert', Brausebäder üi die Turnhallen cinzu- richten. Jm übrigen wurde der Etat unverändert an- genommen.— Der Hase»etat wurde nach längerer Debatte mit 213 062 M. festgesetzt. Der städtische Zuschuß beträgt >08 05(143 M. Es ist gleichzeitig beabsichtigt, um die städtischen Zuschüsse herabziiiniiidcr». baureifes Gelände des Hafens zu ver- kaufen.— Ter Elektrizitätskassen»Etat schließt tn Ein- nähme mid Ausgabe mit 420 300 M. ab und wird in dieser Höhe festgesetzt.— Der F o r st ka s s cn- Eta t zeigt eine Einnahme von 63 412 M. und eine Ausgabe von 44 267,30 M.. sodass ein Ueberichnss von 21 144.30 M. verbleibt. Er wurde nach längerer Debatte genehmigt.— Ein dringlicher Antrag betreffend die Wahl von Bürge, deputierten in die Deputationen wurde einer ge- mischte» Konimission überwiesen.— Das OrtSstatut über die Sonn- tagSruhe i», Handelsgewerbe soll deihü, abgeändert werden, daß dm Handelsgeschäfte im Soiiiincr SomitagS nur in der Zeit von'/.ß bis V-10 Utir, in, Winter von Vel- bis Uhr geöffnet sein dürfe». Ans den Handel mit NahrnngS- und Geiiußmilteli, sowie mit Blumen soll diese Einschränkung leine Anwendmig finden. Genosse Pieck hatte vollständige Sonntagsruhe der Angestellten beantragt. Der Antrag lvurde abgelehnt und die Magistratsvorlage angenommen. Die übrigen Nummer» wurden vertagt. Potsdam. Ein Tag der Erinnerung für die Ai-beiterdewegiing wird die Versa», niluiig auf de», Grundstück des Molkereibesitzers Ärnhold am vergaugeuei, Sonntag bleiben. LicichSlagSabgeordueter Dr. Lieb» k„ e ch l sprach vor eliva 3500 Personen, die trotz des Schnee« stöbers mit Begeisterung seinen Ausführungen lauschten. Mau hat, so führte Redner». a. ans, gegen iinö gekämpft in einer Weise, die ohne gleichen dasteht. In Potsdam hat mau der Arbeiterschaft den einzigen Bersaimiiluiigösaal vor der Wahl abgetrieben. Eö sind aber trotz der Winterszeit in Potsdam unter freien, Himmel Ver- saiinnluugen zustande gekommen, die sonst niemals möglich waren. Potsdam, die Stadt der Beamte». Rentiers und Hoflieferauteu, hat sich in diesem Wahlkampse überaus glänzend gcsckflagem In der Hauplwahl Rückgang der konservativen Stimmen»nd Zunahme der Stimmen der Sozialdemokratie, die damit zur st ä r l stjen Partei in Potsdam geworden ist. In der Stichwahl blieb die Sozialdemokrane nur um 700 Stimmen hinter den, koiiservativcu Kandidote», dem Oberbürgermeister der Stadt, zurück. Nun heißt cS: weiter arbeiten. Stärkung der potitischel, und gewcrkschaft» lichen Orgamsation. Vermehrung der Abonnenten auf die Partei- presie: das ist unsere nächste Aufgabe. Diese mit lebhaftem Beifall aufgenouinicne Ansforderung wird bei den zahlreichen VersaminlungS- teilnehmerii wohl nicht ohne Erfolg geblieben sei». Se,c- und Tiskutierklub„Wilhelm Siebkuecht". Sitzunq: Dienstag, den 30. Januar, abends 8-/, Uhr. bei Eichhorn. Dauziaer >stratze 93/91. Tagesordnung: Vortrag.— Gäste willkommen. Buchdruckerei u. VerlngSnnstalt Pau' Singer u. Co., Berlin SW,