Ur. 26. Bbonnemenfs-BcdlftgongeB: Abonnements- Preis pränumerando! Nerteljährl. 3,30 Mk. monofl. 1,10 Mb. wöchentlich 28 Pfg. srei inS Haus. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags. nuinmer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemari, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, , Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Die TnfertlonS'Gcbüftr beträgt für die sechsgespaltene Kolones. zeile oder deren Rauni 00 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Verfammlungs-Anzeigen 30 Psg, „Uteinc Tinzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. tzuläfftg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellcnau- zeigen das erste Wort 10 Pfg„ jedes weitere Wort 0 Pfg. Worte über lö Buch- flaben zählen für zwei Worte. Inseraie für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag» in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. CrldKlnt Oglldi anStr Montag». Verltnev Volksblcrkk. Zentralonyan der fozialdcmokratf fchen parte» Deutfcblands. Delegramm> Adrefl« »Soaisllltinollkat Kerli»-. R,eciaKrion: 831. 68, Llndenetrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Donnerstag, den 1. Februar 1913. Sxpedibion: 631. 68, Litidenatraeae 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Die ersten Schritte. Der neue Reichstag wird es nicht leicht haben. In seiner eigenen Mitte sitzt sein mächtigster Feind. Die starke kon» servativ-klerikale Minorität wird alles daransetzen, um zu beweisen, daß dieser Reichstag für das deutsche Volk nichts zu leisten vermag. Und von draußen bedroht ihn die Regierung des Herrn von Bethmann. Mit einem Wust von Gesetzes- Paragraphen scheint sie jede vernünftige Arbeit obstruieren zu wollen. Von der„Faulbrut der Bienen" an bis zur„Un- sallfürsorge bei Arbeiten, die freiwillig zur Rettung von Personen und zur Bergung von Gegenständen in Notfällen vorgenommen werden", scheinen dieHerren Bureaukratenplötz- lich alles reformbedürftig finden zu wollen. Vergeblich wird man unter all den unzähligen Gesetzentwürfen, die halb- offiziös angekündigt werden, einen suchen, der der neuen politischen Konstellation Rechnung trägt. Als einzige sozial- politische Vorlage wird eine Neuregelung der Sonntagsruhe im Haudelsgcwerbe angekündigt: und auch da wird man natürlich abwarten müssen, ob es sich nicht um ein Danaer- geschenk handelt. Es ist natürlich kein Zufall, daß die Regierung so zu ver- fahren gedenkt. Wir haben ja keine parlamen- tarischeRegierung, und von jeher hat die herrschende Bureaukratie alles darangesetzt, um dem Reichstag möglichst wenig Selbständigkeit einzuräumen. Die ganze moderne Entwickelung der Gesetzgebung bringt es mit sich, daß die Zeit, die die Volksvertretungen zur Er- lediguug ihrer Arbeiten bedürfen, immer ausgedehnter wird. Nur ein weltfremder Professor kann darin einen„Verfall des Parlamentarismus" erblicken, und nur ein heuchlerischer Reaktionär über Zeitverschwendung und Vielrednerei klagen. Solange der bürgerliche Parlamentarismus in seinen An- hängen steckte, die mauchesterliche Lehre von der Nicht- einmischung des Staates in das soziale Leben die Politik be- herrschte, so lange konnte allerdings das Parlament der inter- essante Schauplatz geistvoller Rcdeturniere sein, in denen um Versassungsprinzipien und Weltanschauungsfragen heiß ge- stritten wurde. Heute aber sind so prosaische Dinge zu regeln wie die Unfallvorschriften in Eisenhütten, die hygienischen Be- stimmungen gegen die Vergiftung der Arbeiter und Arbeite- rinnen in chemischen Fabriken oder die Kontrolle der Löhne und Arbeitszeit in der Heimarbeit. Kein Wunder, daß es zu dieser komplizierten Regelung aller möglichen Tetailfragen der sozialen Beziehungen— um nur ein wichtiges Gebiet der modernen Gesetzgebung herauszugreifen— viel eingehenderer Kenntnisse und gründlicherer Erörterungen bedarf, als die alten Verfassungsstaaten sich je träumen ließen. So kommt es, daß die Zeit, die den Parlamenten eingeräumt ist, oft zu kurz wird, während zugleich diese nüchterne, aber für das Wohl und Wehe der arbeitenden Massen sehr bedeutsame Tätigkeit dem bürgerlichen Urteil schrecklich langweilig vor- kommt. Für die reaktionäre Regierung aber ist diese Entwickelung des Parlamentarismus in den modernen Staaten eine willkommene Gelegenheit gewesen, ihre Macht zu stärken. Nicht nur, daß die Steigerung des Klassen- gegensatzes von selbst diejenigen Tendenzen im Bürger- tum begünstigte, die eine Kräftigung der Regierungs- gewalt erstrebten, es war den Regierungen auch ein leichtes, durch geschickte Einteilung der parlamentarischen Arbeiten selbständige Regungen der Volksvertreter möglichst einzuschränken. Und keine Regierung hat davon mehr Ge- brauch gemacht als die deutsche. Von jeher wird der Reichs- tag für möglichst kurze Zeit versammelt und dafür gesorgt, daß ihm nur gerade so viel Zeit bleibt, um den Etat zu er- ledigen und die übrigen Regierungsvorlagen zu genehmigen. Das Initiativrecht des Reichstages ist vollkommen ver- kümniert, die Schwcrinstage fast ganz außer Uebung ge- kommen, der Reichstag zur reinen Bewilligungsmaschine her- abgesunken. Freilich, die Regierung ist nicht die allein Schuldige gewesen, die bürgerlichen Parteien haben diese Ent- Wickelung durch ihre Duldung mitzuverantworten.. Es ist aber klar, daß. wenn es so weiter geht, die Re- gicrung und die Konservativ-Klerikalen von vornherein ge- wonnenes Spiel hätten. Wieder würde der Etat bewilligt. Militärausgaben angenommen werden, und dann könnte sich der Reichstag nach getaner Regierungsarbeit wieder nach Hause trollen. Diejenigen, die bei den Wahlen gegen diese Politik protestiert haben, hätten wieder einmal das Nach- sehen. Deshalb werden die liberalen Parteien, die ja ver- fprochen haben, freiheitliche und volkstümliche Forderungen durchzusetzen, alles aufbieten müssen, um dem Reichstag Ge- legenhcit zu verschaffen, über diese Forderungen zu beraten. Dem Reichstag muß sein Initiativrecht zurückerobert werden. Venn daß die Regierung nutzliwe Gesetzentwürfe einbringt, daran ist ja nicht zu denken. Ten Parteien steht ja auch die nötige Macht zu Gebote. Solange der Etat und die Heeresvorlagen zur Beratung stehen, braucht d?r Reichstag sich vor keiner Vertagung zu fürchten. Es muß nur dafür gesorgt werden, daß während dieser Zeit ge- Nügend Raum für die Beratung der Volks- Notwendigkeiten geschaffen wird. Nur in diesem Zusammenhang wird auch die Frage des P r ä s i d i u ni s von einer gewissen Bedeutung. Gerade weil die Regierung sich allen liberalen Forderungen ablehnend gegenüberstellen wird, ist es nicht unwichtig, daß das Prä- sidium des neuen Reichstages nicht von vornherein dem Bunde gegen die Arbeitsfähigkeit angehört. Deshalb wird die Lösung der Präsidentenfrage eine erste Probe für den Ernst der liberalen Parteien sein. Ist es ihnen wirklich um die Durchsetzung der versprochenen Forderungen zu tun, dann werden sie sich nicht um das Geschrei der Klerikalen und Kon- servativen scheren und die Zusammensetzung eines Präsidiums ermöglichen, das diese Arbeit zu fördern und nicht zu be- hindern gewillt ist. Jedenfalls wird das Verhalten der Libe- ralen schon in dieser Frage zeigen, ob sie den reaktionären Einschllchterungsbestrebungen gegenüber standhalten. Dann aber wird es notwendig sein, ungesäumt mit der Durchsetzung liberaler Forderungen den Anfang zu machen. Im Vordergrund scheint uns da zunächst die Reform der Geschäftsordnung zu stehen. Dadurch würde es er- möglicht, dem Reichstag die nötige Zeit für seine Arbeit zu schaffen und durch Ausgestaltung des Inter- pellationsrechts für die so dringend nötige Kontrolle der Regierung und Verwaltung in wirksamer Weise zu sorgen und dem Reichstag erhöhten Einfluß zu verschaffen. Zudem ist die Reform der Geschäftsordnung die eigene Angelegenheit des Reichstages, in die ihm die Regierung nicht dreinzureden hat. Die Kommissionsberatungen des früheren Parlaments haben die Frage genugsam geklärt. Es braucht nur einigen guten politischen Willen, um diese kleine, aber nicht unwichtige Reform durchzuführen. Freilich ist dazu notwendig, daß die Nationalliberalen die Bedenken fallen lassen, die sie früher gegen eine wirksame Ausgestaltung des Jnterpellationsrechts erhoben haben. Zugleich ist die Reform der Geschäftsordnung gewissermaßen eine Ehrenpflicht, um die Vergewaltigung des Reichstages durch die Lex Kardorff endlich zu sühnen. Wenn die Liberalen diesen Weg wirklich beschritten, so könnten sie bald den ersten, wenn mich kleinen Erfolg dieser neuen Politik verzeichnen und die Bahn für andere, wich- tigere Reformen frei niachen. Die Wahlen haben gezeigt, daß die klerikal-konservative Herrschaft nichts weniger als fest verankert ist. Selbst bei. der jetzigen Wahlkreiseinteilung hätten sich die Konservativen noch weit mehr schwächen lassen, wenn am ersten Stichwahltage nicht in 16 Wahlkreisen die liberalen Wähler versagt hätten. Und die Macht des Zentrums vollends beruht ausschließlich auf der reaktiv- nären Wahlkreiseinteilung. Sie zu ändern ist vor allem das Interesse der Liberalen, und sind erst die ersten Schritte gemacht, so werden die folgenden schon leiefster. Von den Liberalen wird es dann abhängen, wie weit sie in diesem Reichstag kommen werden und ob der Weg, den sie gehen werden, nicht in den Sumpf der Reaktion zurück- führt. Die Sozialdemokratie wird natürlich alles daran setzen, um die Liberalen bei der Einhaltung ihrer Versprechungen zu unterstiitzen. Würden die Liberalen aber jetzt versagen, wo sie die Macht dazu haben, mit der Durchführung ihres Pro- gramms zu beginnen, so wären nicht die Sozialdemokraten die Verantwortlichen und ebensowenig die Leidtragenden. Dann wäre es aus mit dem. was die Liberalen einen Frühling und Skeptiker einen Altweibersommer nennen, und das Erbe des Liberalismus würde dann endgültig— nach gründlicher Sichtung des Nachlasses, versteht sich— von der Sozialdemo- kratie übernommen werden. � «leine BlabMorai in Preußen. Während die junkerlichen und klerikalen Blätter gegen Herrn v. Bethmann Sturm blasen und ihn als Sünden- bock für ihre Niederlage in die Wüste schicken möchten, ist der arme Mann desto mehr bemüht, sich ihr Wohlwollen zu er- werben. Er weiß, daß die Junker und das Zentruni den Fürsten Bülow nicht zuletzt deshalb zu Fall gebracht haben, weil er die Wahlreform in Preußen für unerläßlich erklärt hat. Und so sucht er eine Schonzeit zu erlangen, indem er die„wichtigste und dringlichste Aufgabe der Gegen- wart" immer wieder verschleppt. Herr v. Dallwitz, der Minister des Innern, hat im Abgcordnctenhause klipp und klar verkündet, daß die Regierung nicht daran denkt, in diesem Jahre eine Wahl- reform einzubringen. Die Gegensätze der Parteien in dieser Frage seien zu groß. Mit dieser famosen Begründung kann natürlich die Wahlreform auf den St. Nimmerleinstag vertagt werden. Aber die Herren machen da die Rechnung ohne den Wirt, das deutsche Volk. Die Wahlreform muß gemacht werden, so groß auch bei Herrn v. Bethmann und seinen Leuten die Angst vor der konservativen Ungnade ist. Und»venn die Herren meinen, daß sie mit den» Bruch des feierlichen Versprechens derThronrcde so leicht davonkommen werden, werden sie sich täuschen. Herr von Dallwitz hat heute die Beamten an- gepöbelt, die sozialdemokratisch getvählt haben. Sie hätten ihren„Treueid" nicht gehalten. Darüber wollen wir mit dem Mann, der sich so stellen muß, als ob er nicht wüßte, daß der Beamte dem Staat und dem Volke verpflichtet ist. nicht aber irgend einem absoluten Monarchen, nicht»veiter rechten. Aber die Frage»vird wohl nun nachdrücklicher ge- stellt»verden müssen, wie dann diejenigen zu bclverten sind, die dem preußischen Volke die Erledigung der Wahlreform als die dringendste Ausgabe feierlich gelobt haben, iu»d nun, wie die Herren v. Bethmann und Dallwitz alles daransetzen, um die Erfüllung dieses Gelöbnisses zu vereiteln. Neber den Verlauf der Sitzung»vird uns aus dem Ab- geordnetenhause geschrieben: Je schwerer die Niederlage ist, die die Junker und die Regierung bei den Wahlen erlitten haben, desto dreister tritt die Reaktion im Landtage auf, desto kecker hebt sie im Dreikkassenparlament ihr Haupt empor. Das zeigte sich besonders deutlich in ver Sitzung vom Mittwoch. Als erster Redner kam Abg. Dr. Friedberg(natl.) zu Worte, dessen etatstechnische Ausführungen auch für seine politischen Gegner äußerst lehrreich sind und zum Nachdenken Anlaß geben sollten. Mit uns stimmt der Führer der Nationallibcralen darin überein, daß die Aufrechterhaltung der Steuerzuschläge nicht nötig ist. Allerdings fürchten wir, daß er sich bei seiner ablehnenden Stellung von anderen Motiven leiten läßt, daß er vor allem das Portemonnaie der Besitzenden schonen will, denen eine ReichSvermögeussteuer droht. Was den allgemeinen Teil seiner Rede anbelangt, so fertigte er das Zentrum, an dem, wie er sagte, unser Genosse Hirsch das Scharf- richteramt bereits gründlich besorgt hat, mit ein paar kurzen, aber treffenden Bemerkungen ab. Während er sich einer Polemik gegen die Sozialdemokratie enthielt, ging er nach hakatistischer Manier desto schärfer gegen die Polen vor. Nun erhoben sich endlich die Herren, die in langer Reihe die Ministerbnnk zieren. Der Oberste von ihnen, Herr von Bethmann Hollweg, freilich war nicht zugegen, er begnügte sich damit, die „untergeordneten" Stellen abzuschicken. Zuerst sprach der Polizei- minister v. D a l l>v i tz, der Vater des Erlasses über die Jungsern- schaft, ein Erlaß, der so töricht ist, daß Herr v. Dallwitz es vorzog, seine Vaterschaft abzuleugnen. Zwei Punkte aus seiner Rede sind der besonderen Beachtung wert: einmal die bündige Erklärung, daß an eine Wahlreform in Preußen vorläufig nicht zu denken ist, und zweitens ein beispielloser Angriff gegen die Sozial- demokratie. Obwohl der Minister sich in nicht nüßzuversteheudcn persönlichen Beleidigungen gegen die sozialdemokratischen Abge- ordneten erging, schritt kein Präsident ein. Als aber Genosse Hirsch zur Selbsthilfe griff und Herrn v. Dallwitz gebührend antwortete, gab es den fälligen Ordnungsruf. Die übrigen Regierungsvertreter, der Finanzminister Dr. Lentze, der Eisenbahnminister v. Breitenbach und der Handclsminister S y d 0 w gaben lediglich sachliche Aufschlüsie über einige ihr Ressort betreffende Fragen. Ihnen folgte der freikonservative Scharfmacher, Abg. Frei« Herr v. Zedlitz, der nicht so plump zu Verfahren pflegt wie seine Gesinnungsgenossen, aber vielleicht gerade deshalb doppelt und dreifach gefährlich ist. Herr v. Zedlitz hat aus den Ver- lusten seiner Partei gelernt, er tadelt die Regierung wegen der vielen Fehler, die sie gemacht hat, er tadelt die konservativ-klerikale Mehrheit wegen ihrer Begehrlichkeit und ihrer Steucrdrückerei, er läßt an der preußischen Verwaltung kein gutes Haar, um dann, nachdem er so den Schein der Objektivität zu wahren gesucht hat, eine desto schärfere Attacke gegen die verhaßte Sozialdemokratie zu reiten und vor einer Wahlrechtsreform zu warnen. Derselbe Faden, wie der Minister, nur ein anderer, eine feinere Nummer. Nachdem dann noch der polnische Abg. v. TrompcinSki den leider nur allzu berechtigten Klagen und Beschwerden seiner engeren Landsleute Ausdruck verliehen hatte,»vurde die Beratung auf Donnerstag vertagt._/ politifcbe Gcberficbt, Berlin, den 81. Januar 1912. Wie in Oberschlefien Wahlen gemacht werden! Wie in Oberschlefien, Ivo das Zentrum vorläufig noch Trumpf ist, bei der Wahl für die Zentruinskandidaten von den Kanzeln unter Mißbrauch des Kanzelparagraphen agitiert »vurde, davon heute nur ztvei Beispiele. Ein Pfarrer aus dem Kreise Zabrze ließ die männlichen Besucher des Gottesdienstes bei dem lieben Gott und der heiligen Maria durch Handaufheben schwören. in der Stichwahl z»vischen Polen und Sozial- dcniokraten nicht für den letzteren zustimnien. Zulviderhandelnden wurden Höllen st rasen an- gedroht. Arm in Arm mit dem Zentrum gehen, wenn es sich um Unterdrückung der Arbeiter handelt, die Hüttenbarone. Auf einer großen Grube bei Kattoivitz wurde die ganze Belegschaft einer Schicht ins Zcchenhaus geführt,>vo sie sich nach einer Ansprache eines höheren Beamten unter- schriftlich verpflichten mutzten, nur für den Kandidaten der Hüttcnpartei zu stimmen. So wird es in Oberschlesien gemacht. Die Vcrlnmpnng des Zentrums! Die Zeit ist dahin, in der die ultramontanen Demagogen im rheinisch-westfälischen Industriegebiet die fanansierten kalholischen Arbeiter gegen den„gottlosen" Jndustrieliberalismus ins Feld führten. Damals gab es kaum ein schlimmeres Verbrechen wider die Kirche, als„liberal" zu wählen. Wer von den„besseren" und abhängigen Katholiken in dem Verdacht stand, eS politisch mit den Liberalen zu halten, den betrachtete jeder Kirchengläubige als ein Kind der Sünde. Die Wahlen wurden von den Ultramontanen unter der Devise'„Für oder wider die Kirche" ausgefochten! Und die Liberalen bekämpften den Ultramontanismus als die schlimmste nationale und kulturelle Gefahr, als den Todfeind der evangelischen Kirche l Auf beiden Seiten wurde an Aufhetzung, Verleumdung und Auslviihlung der konfessionellen Leidenschaften das Menschenmöglichste geleistet. Heute spiirt man nichts mehr davon! Von der Sozial- demokratie bedrängt, gilt den Ultramontanen heute der Jndustrieliberalismus als ein Scbützer der Kirchemnacht, den Liberalen das Zentrum als Säule kapitalistischer Herrschaft! Die feindlichen Brüder fanden sich im Haß gegen das auflvärtsstrebende Proletariat I Allerdings, der Gefolgschaft der Nationalliberalen fällt der MeinungS« und Empfindungswechsel nach Kommando etwas schwer. Darob ist die ultramontane Presse sehr erbost. Sie konstatiert, daß. wenn die liberalen Wähler der Parole der nationalliberalen Parteileitung so prompt gefolgt wären, wie die Zentrumswähler den Anordmlnx>en ihrer Parteileitung, dann hätte nicht Dortmund, Düsseldorf und Köln von der Sozialdeinotratie erobert werden können. Die„Köln. Volkszeitung"— Nr. 83— kann jedoch mit Genugtuung feststellen, dah die Nationalliberalen der Schwereisenindnstrie— da§ sind die verrufensten Scharfmacher— volle? Verständnis und durchaus guten Willen für den ultramontan- liberalen Pakt bekundet haben. In Essen würde es aber auch „kaum ein Beamter, besoudeS Akadenriker gewagt haben, offeit für den Sozialdemokraten einzu- treten".— Also lobt und preist das Zentrum seine neuen Bundes- brüder vom Zentralscharfmacherverband. ES verlangt nur, daß dieser Liberalismus die rosaroten Brüder— die Jungliberalen— endgültig abschüttele. So macht das Zentrum Scharfmacher scharf und nennt sich gottesfürchtig: Volkspartei. Tie Schweizer Unruhe». Ueber die Ursachen des polnischen Krawalls in Schwetz wird der „Germania" aus dem Wahlkreise Schwetz geschrieben: „Die ganz rechtswidrige Ungültigkeitserklärung von 700 pol- nifchen Stimmzetteln bestätigt sich. Am Montag fand auf dem Landratsamte die Wahlprüfung der Stimmzählung statt, und dabei stellte sich heraus, datz in einzelnen Wahlbezirken sämtliche aus den Kandidaten der Polen abgegebene Stimm- zettel für ungültig erklärt wurden. Zählt man die für ungültig erklärten Stimmen mit, dann wäre der Pole mit einer Mehrheit von 131 Stimmen gewählt. Die gesamten Stimmzettel des pol- nischen Kandidaten lauteten:„Abgeordneter von Sas- JaworSki- Berlin". Das hatte der Vorsitzende deS polnischen Wahlkomitees Wojnowski in einem besonderen Schreiben dem Wahlkommissar Herrn Gerlich- Bankau noch ausdrücklich mitgeteilt. Am Wahl- tage ging den einzelnen Wahlvorstehern von feiten des Landrats von Halem die Weisung zu, polnische Stimmzettel für ungültig zu erklären, auf denen das Wort„Abgeordneter" stehe, angeblich, weil es keinen Abgeordneten von Jaworski gebe. Nun ist aber Herr von JaworSki Landtagsabgeordneter für den Posener Wahlkreis Pieschen und hat folglich das Recht. sich Abgeordneter zu nenneir. Die Mehrheit der Wahlvorsteher hat vernünstigerlveise von der Anordnung des Landrates, der zu einem solchen Eingreifen in den Wahlakt nicht berechtigt war, keine Notiz genommen. In einer Anzahl von Ortschaften jedoch hat man diese Weisung befolgt, und so ist denn das Unbegreifliche geschehen. Es sind 8017 Stimmzettel a IS gültig anerkannt, während 720 ganz bis auf das Tipfelchen gleiche Zettel für ungültig er- klärt worden sind." Da in Schwetz zwölf Verhaftungen vorgenommen wurden und der Oberstaatsanwalt aus Graudenz in Schwetz bereits tätig ist, so wird die Schwetzer Wahl zunächst wohl eine gerichtliche Beleuchtung erfahren. Dann wird sich auch der Reichstag mit ihr zu beschäftigen baben; denn nach den Ausführungen der„Germania" ist in diesem Wahlkreise nicht der amtlich als gewählt proklamierte Landrat. sondern der Pole der Vertreter des 5. Marienwerder Wahlkreises im Reichstage._ Tic Auflösung einer Wahlvereinsversammlung betraf ein BerwaltnngSstreit des Parteisekretärs Linde in Königsberg in Preußen gegen den Regierungspräsidenten in Königsberg. ES handelte sich um eine Versammlung, die vom sozialdemokratischen Wahlverein des Kreises Labiau-Wehlau veranstaltet worden war und am 16. Juni 1911 am Vormittag stattfinden sollte. Mit Rücksicht auf die Verordnung des Oberpräsidenten über die äußere Hcilighaltung der Sonn- und Feiertage, welche vor Beendigung des HauptgotteSdiensteS keine öffentlichen Bersammlungrn zuläßt, konnte das nur eine Mitglieder- versamniluiig sein. Nun waren etwa 50 Personen erschienen, wovon 2V keine Mitglieder waren. Es wurde deshalb nicht eher in die Verhandlungen eingetreten, als bis 19 der erschienenen NichtMitglieder sich als Mitglied dem Verein angeschlossen hatten und der 20. das Lokal verließ. Die Türen wurde» dann giHlilossen und Partei- sckretär Linde begann seinen Vortrag. Die Polizeibeamten, welche jetzt zur Ueberwachung erschienen und die mit Rücksicht auf den Charakter der Versammlung als einer Mitgliederversammlung man nicht zulassen wollte, verhinderten die Weiteltagung, d. h. sie lösten auf. Linde beschwerte sich vergeblich beim Landrat und beim Re- gierungspräsidenten. Dann klagte er gegen den Regierungspräsi- deuten beim Obervcrwaltungsgericht und machte geltend, daß die Versammlung als eine Mitgliederversammlung de§ Wahlvereins habe gelten müssen, nachdem die Leute, die nach Eintritt in die TageS« ordnung anwesend waren, alle dem Verein angehörten. Der Regierungspräsident entgegnete, dasj entscheidend sei. daß NichtMitglieder überhaupt zugelassen wurden. Wenn sie vor Eintritt in die Tagesordnung zum Eintritt veranlaßt wurden, so sei das demgegenüber unerheblich. Im übrigen: Die Einladung zur VersammltMg habe auch NichtMitglieder umfaßt und die„Aufnahme neuer Mitglieder" habe erst als vierter Punkt, das heißt als letzter Punkt auf der Tagesordnung gestanden. Für die Polizei sei der Wortlaut der Tagesordnung maßgebend gewesen. Das Oberverwal'lungsgericht wies die Klage Lindes mit fol- gender Begründung ab: Uebereinstimmend mit dem Regierungspräsidenten nehme der Senat an, daß es sich bei der obwaltenden Sachlage nicht um eine Mir- glicderversammlung des Wahlvereins handelte, sonder» um eine ösientliche Versammlung. Daß eS eine politische Versammlung ge- Wesen sei, wäre unstreitig. Somit hätte den zur Ueberwachung er- scheinenden Polizeibeamten der Zutritt nicht verwehrt werden dürfen und die Auslösung sei gerechtfertigt. Die russische Reaktion und die Reichstagstvahleu in Deutschland. Der Wählsieg der deutschen Sozialdemokratie, der bei allen klassenbewußten russischen Proletariern stürmische Freude aus- gelöst hat, bereitet den Zarenknechten nicht geringes Kopfzerbrechen. Anfangs versuchte es die reaktionäre Presse mit dem bewährten Mittel der Lüge und der Vertuschung. Die gewaltige Bewegung im Nachbarreiche, der wohldisziplinierte Ansturm der Arbeiter- klaffe gegen die Feste der Reaktion existierte für sie nicht. Sie hatte wichtigeres zu tun: die Schürung der Reaktion und des Nationalitätenhasses im Inneren� die bestialische Hetze gegen die Finnländer, die Juden und die Perser nahm ihre ganze Kraft in Anspruch. Nun aber, da die Wahlschlacht in Deutschland ge- schlagen ist u"d der Sieg der deutschen Sozialdemokratie sich bereits durch eine veränderte politische Konstellation kundgibt, mußte das Schweigen gebrochen werden. Die„Nowoje Wremja", das führende Organ der russischen Bureaukratie. das während der ganzen Wahlkampagne geschwiegen hat. ergreift nun das Wort zu einer Würdigung der Wahlresultate. Geübt in allen Tücken und Schlichen des Staatsstreichs, empfiehlt das russische offiziöse Blatt der deutschen Reichsregierung, den Reichstag unverzüg- lich aufzulösen! Der Kuriosität halber sei die Argu- mentation des Blattes wiedergegeben: „Die Wahlkosten in Deutschland— schreibt es— sind sehr hoch.... Die Sozialisten, die ihre Kandidaten in allen Wahl- kreisen ausstellten, haben ihre Parteifonds sehr erschöpft und werden schlverkich imstande sein, eine zweite Wahlkampagne zu führen. Wie stark die Unzufriedenheit des deutschen Volkes mit der Regierungspolitik auch ist, kommt dennoch nicht so sehr diese Unzufriedenheit in Betracht, als die Art, wie sie ausgenutzt werden soll. Wird der Reichstag unverzüglich aufgelöst, so können die Sozialisten mit einer leeren Kasse schwerlich einen solchen Sieg wie jetzt erringen." Das ist aber keineswegs das einzige Argument des russischen Staatsstreichblattes. Es zieht diese Frage auch auf das Gebiet der auswärtigen Politik hinüber.„Die deutsche Reichs- regierung— so schreibt es— habe im verflossenen Sommer das Manöver von 1906 wiederholen und einen patriotischen Rümmer inszenieren wollen. Zu diesem Zweck sei ein Kriegs- schiff nach Agadir entsandt und der Streit mit Frankreich an- gezettelt worden. Indessen habe man dieses Unternehmen zu früh eingeleitet und es deshalb vor den Wahlen liquidieren müssen. Käme es nun zu einemKonflikt mit dem Reichs- tag, so werde die Regierung, um ihre Gegner bei den Wahlen schlagen zu können, zu wirk- sameren äußeren Aktionen greifen müssen, als das vor den letzten Wahlen der Fall gewesen ist."„Darin— so schließt das Blatt— liegt für Europa die Gefahr der soeben ab- geschlossenen Parlamentswahlen in Deutschland." Diese Kund- gebung des russischen offiziösen Blattes dürfte für die deutsche Regierung kaum sehr angenehm sein. Die Konkurrenten im imperialistischen Expansionskampfe pflegen mitunter eine recht feine Nase zu haben. Und was im Busen der einheimischen „Staatsmänner" noch als frommer Wunsch für die Zukunft schlummert, wird zuweilen von auswärtigen Freunden und Feinden laut in alle Welt hinausgeschrien. Einen anderen Charakter tragen die Aeußerungen des Minister- blattes„R o s s i j a", das nach der Art der„Norddeutschen All- gemeinen" die politischen Ereignisse langsamer wiederkäut. Zu einer Würdigung der Gesamtresultate der Wahlen hat es sich noch nicht aufgeschwungen und behandelt erst die Ergebnisse der Haupt- Wahlen. Auch dieses Blatt»artet sehnlichst auf den Anbruch der „unvermeidlichen, gesunden Reaktionsbewegung in Deutschland". Indessen entbehren seine Ausführungen hinsichtlich der Parteien des schwarzblauen Blocks nicht des Interesses, da sie von einer plötzlichen politischen Erleuchtung des russischen Moniteurs Zeugnis ablegen. Hinsichtlich der Konservativen schreibt das Blatt: „Wenn man berücksichtigt, daß für die Unzufriedenheit der breiten Schichten des deutschen Volkes mit der Richtung der Wirtschaftspolitik, die in den letzten Jahren vorzugsweise den Wünschen der konservativen Agrarier entspricht, solche ernsten Gründe vorhanden sind, wie die unmäßige Verteuerung der notwendig st en Bedarfsartikel in den letzten Jahren,— so muß man sich noch über die außerordentliche Lebendigkeit der konservativen Parteien wundern, die bei diesen Wahlen etwa ein Sechstel aller Stimmen auf sich vereinigt haben." Nach diesem„Kompliment" an die Adresse der Konservativen wendet sich das russische Regierungsblatt dem Zentrum zu: „Im Hinblick auf die Gesamtzahl der Katholiken in Deutsch- land(23 Millionen von insgesamt 65, d. h. über ein Drittel der Bevölkerung) kann die Zentrumspartei, die etwa ein Sechstel aller Stimmen erhalten hat. keineswegs mit ihrem ausschließ- lichen Einfluß auf die katholische Bevölkerung prunken, denn ungefähr die Hälfte aller katholischen Wähler haben am 12. Januar nicht für das Zentrum g e st i m m t." Fürwahr, die Reaktionsparteien in Deutschland haben nach diesen„Komplimenten" der befreundeten russischen Reaktion keinen Anlaß, ihr für ihren Bärendienst sonderlich zu danken. Der Reichstagswahlkampf in Schwarzburg-SonderS« hausen. wurde von unseren Gegnern mit den schärfften und verwerflichsten Mitteln geführt. Saalabtreibungen waren an der Tagesordnung. Versammlungen unter freiem Himmel wurden aus nichtigen Grün- den nicht genehmigt, und Versammlungen, die nicht verhindert werden konnten, wurden von den Gegnern gestört. In Niederspier erschien in der Versammlung, in welcher der Reichstagskandidat Genosse Dr. Rosenfeld sprach, eine große Anzahl Bauern,„Deutsch- land, Deutschland über alles" singend und brüllend, um die Ver- sammlung zu stören. Den Höhepunkt aber erreichte das Treiben der Gegner in Abtsbessingen. Dort verweigerte der Gast- Wirt unserem Genossen Dr. Rosenfeld das Nachtquartier, obwohl er es ihm vorher zugesagt hatte, als er erfuhr, daß er den sozial- demokratischen Reichstagskandidaten beherbergen sollte. Als man sich an den Bürgermeister wandte und von ihm verlangte, daß er für Obdach sorgen sollte, erklärte er: Der Herr Rosenfeld kann ja im Stall übernachten. Schließlich fand sich eirr Handelsmann namens Erdmann be- reit, dem Genossen Rosenfeld ein Nachtquartier zu geben, und nur hierdurch wurde dieser davor bewahrt, obdachlos zu bleiben. Die Wut der Gegner stieg aufs höchste, als bekannt wurde, daß der Sozialdemokrat doch noch ein Nachtquartier gefunden hatte. Die Rache hat jetzt den Handelsmann erreicht: Ter Kriegerverein hat ihm folgendes Schriftstück zugesandt, das wert ist. in seinem vollen Wortlaut der Nachwelt überliefert zu werden. Abtsbessingen, den 27. Januar 1912. Nach den Satzungen der unter dem Protektorat Sr. Durch. laucht deS Fürsten Günther zu Schwarzburg-Sondershausen stehenden Schwarzburger Kricgerkameradschaft Sondershausen und im Einverständnis mit dem Präsidium, dem Bezirksvor- sitzenden des Ebeleber Bezirks H. Bürgermeister Fleischauer, Holzsussra, beschließt der Vorstand des hics. Kriegervereins nach dem K 7b und§ 48 obenerwähnter Satzungen vom heutigen Tage und Stunde ab dieser Zustellung die Ausweisung des Handelsmann Hermann Erdmann Hierselbst aus hies. Krieger- verein, da derselbe in offenkundiger Weise die Bestrebungen der Sozialdemokratie unterstützt hat, indem er den aufgestellten Reichstogs-Kandidaten der Sozialen Partei Herrn Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld-Berlin Nachtquartier gewährt hat. ES wird hiermit zugleich bekannt gemacht, daß dem AuS- geschlossenen p. Erdmann binnen einem Monat nach Mitteilung des Beschlusses Berufung an das Schiedsgericht zusteht, dessen Entscheidung im Rechtswege nicht anfechtbar ist. Alfons Heinze, Vorsitzender. Fr. Kellermann I. Schriftführer. H. Wichenhagen II. Kassierer und Bürgermeister. Ultramoutane Arbeiterfreundschaft. Als Beispiel echt sozialdemokratischer Gimpelfängerei gibt die..Mark. Volksztg." folgende Notiz eines sozialdemo- kratischen Blattes wieder: Vermögen werden nicht besteuert. Die Ergänzungssteuer in Preußen ist so gering, daß man sie getrost einen Hohn auf eine Besteuerung der Vermögen nennen kann. Sie beträgt bei einem Vermögen von 190 000 bis 200 000 Mark erst— 125 M. 40 Pf.! Aber dafür muß der arme Teufel schon bei 900 Mark Einkom- men Steuern zahlen, und die indirekten Steuern— welch« Ge- recktigkeit!— treffen den Arbeiter mit denselben, ja infolge der größeren Kinderzahl sogar noch höheren Beträgen wie die Reichen. Und da verlangt die Regierung, daß das Volk für die Aufrecht- Erhaltung, ja Verschärfung solcher Zustände stimme! Was aber hat die„Mark. Volksztg." darauf zu entgegen. Das folgende: Es wird die Vermögenssteuer abgegeben, aber«kokt Set®itf« kommensteuer des Vermögensbesitzers vollkommen geschwiegen- Hat jemand 190 000 Mark Vermögen, so bezieht er. wenn er wirk. lich sein ganzes Vermögen zu 4 Prozent anlegen kann, eine Rente von 7600 Mark. Davon muß er aber 224 Mark Ein- kommensteuer bezahlen. Zusammen mit der Ergänzungssteuer, die ja den Zweck haben soll, das furtdierte gegenüber dem Arbeits- einkommen stärker zu belasten!, ist dieser Rentner mit 349,40 M. Staatsstcuern belastet. Acht Arbeiter, von denen jeder 1000 M. Einkommen hat, haben zusammen 8000 M. Sie haben also die gleiche, ja noch eine höhere Einkommenssumme wie der Rentner. Welche Einkommensteuer aber entrichten sie dem Staate? Diese ist nicht 349,40 M., auch nicht 224 M.. sondern 48 M. Der Ren- tenbezieher ist also siebenmal so stark belastet, als die 8� Arbeitet mit einem gleich hohen Gesamteinkommen. Diese Tatsache ver- schweigt die wahrheitsliebende„rote" Presse ihren geduldigen und unkundigen Lesern. Durch die eigenartige Zusammenstellung der „roten" Blätter wird in ihnen die Meinung erzeugt, als ob der Rentner mit 190 000 M. Vermögen nur 125.40 M. Steuer zahlen müsse. Echt sozialdemokratisch! Es ist höchst bezeichnend, daß das Zentrumsorgan übest die indirekten Steuern, die doch die Hauptbe- l a st u n g des Arbeitereinkommens ausmachen, sich sa völlig ausschweigt. Wir wollen das Versäumte nach- Halen. Zunächst freilich wollen wir auch die Berechnung der direkten Steuern noch ein wenig ergänzen. Ein Be- sitzender mit 7600 M. Rente(4 Proz. Verzinsung sind übrigens eine sehr niedrige Verzinsung) zahlt 224 M. Einkommensteuer. Wir wollen dazu auch noch 150 Proz. kommunaler Steuern rechnen, also 336 M. Dadurch würdeni sich die direkten Steuern auf 560 M. erhöhen. Addieren wir noch die 125,40 M. Ergänzungssteuer hinzu, so kommet 685,40 M. heraus. Bringen wir nun auch noch die indirekten Steuern für eine fllnfköpfige Durchschnittsfamilie mit 100 M. in Anschlag, so ergibt sich für den Rentier mit 7600 M- Einkommen eine Gesamtsteuerbelastung von 785,40 M. Wie steht es nun mit den acht Proletariersamilien, bis sich in das Einkommen zu teilen haben, das der einzige mittlere Rentier zu verzehren hat? Sie haben schon bei 900 Mark Jahreseinkommen 8 X 6— 48 M. direkte Staats- steuer zu zahlen. Dazu 72 M. kommunalen Zuschlag— 120 Mark. Da wir die indirekten Steuern pro Familie nur mit 100 M. in Anschlag gebracht haben, wollen wir sie auch fllv die acht Arbeiterfamilien nur mit je 100 M. in Anrechnung bringen. Die acht Arbeiterfamilien haben also 800 M. an indirekten Steuern und 120 M. an direkten Steuern zu zahlen, zusammen 920 M.. pro Familie also 115 M. Die eine Rentierfamilie behält nach Abzug ihrer Steuern demnach eine Summe von 6885 M. übrig, für die acht Arbeiterfamilien mit 7200 M. Einkommen verbleibt jedoch nur eine Summe von 6280 M. Das macht pro Kopf der P r o l e t a r i e r f a m i l i e 157 M. jährlich, auf den Kopf der Rentierfamilie jedoch 1617 M., also mehr als das Zehnfache? Und da findet die„Märk. Volksztg.", daß die sozialdemokratische Kritik dieses Steuersystems eine zu scharfe ist? Durch ihre grundverlogene Beschönigungsnotiz konnte die„Märk. Volksztg." ihre Kriecherei vor dem Geld- s a ck und ihre brutale Verhöhnung des Prole- t a r i e r l o s e s allerdings nicht krasser zum Ausdruck bringen!_ Die feuchtfröhliche« Rednerknrse des Reichsverbandes. Der Reichsverband, der in vielen Geyenden total äbgewirt» schaftet und bei den ReichStagSwahlen eine ganz elende Nieder» läge erlitten hat, geht jetzt nach dem Osten, um hier Unterschlupf zu suchen. In Königsberg hat er dieser Tage eine Rednerschule eingerichtet, und der erste Abend des Kursus ist in der Form einer f eu cht- fr öh l i che n Ka i se rg e bu r ts t a g s fe i er veranstaltet worden. Ter reichsverbändlerischen Presse wird mit- geteilt, daß eine überaus zahlreiche Beteiligung aus allen Ständen, Berufen und Schichten der Bevölkerung� besonders auch aus Ar« beiterkreisen, zu verzeichnen gewesen sei. Bis nach Mitternacht wären die Erschienenen zusammengewesen, und gemeinsam ge» sungcne patriotische Lieder hätten zur Erhöhung der Fest» stimmung wesentlich beigetragen. Einen derartigen Apparat muß also der Reichsverband in Szene setzen, um überhaupt eine Veranstaltung zustande zu bringen. Wo es etwas zu trinken und zu singen gibt, da finden sich schließlich auch Gäste ein, fraglich ist nur, ob der Reichsverband dabei auf seine Kosten kommt. Die Festrede hat Landrat a. D. Burggraf zu Dohna, ein Mit- glied des Hauptvorstandes des Reichsverbandes, gehalten. Er hat erklärt, er habe noch in voriger Woche an einer Sitzung des Haupt- Vorstandes in Berlin teilgenommen, und er könne versichern, daß dieser und die Geschäftsleitung sichdurchdieletztenWahl» erfolge der Sozialdemokratie nicht entmutigen ließen. Man wolle den Kampf unentwegt bis zum endgültigen Siege durchführen, denn die Sozialdemokratie sei und bleibe die Partei des Umstürze/ usw. Der Reichsverband vertrete den großen schönen Gedanken der Einigung innerhalb der bürgerlichen Par- tcien. Der Wohlstand habe sich in allen Schichten der Bevölkerung stark gehoben. Reich, Staat» Kommune und Private wetteiferten in sozialer Fürsorge, und trotz- dem erlebe man als die Kehrseite einen starken Verlust an idealen Gütern— weitgehende Gottentfremdung, Begehrlichkeit und vor allem erbitterten Klassenhaß. Daß der Reichsverband trotz seines Fiaskos sein Treiben fort- fetzen wird, ist selbstverständlich, sind doch zu viele Personen materiell an dem Rummel interessiert! Die staatsbürgerliche Gleichberechtigung in Bayern. Wieder ist ein Attentat auf die Gleichberechtigung der Staats- bürger in Bayern zu verzeichnen. Diesmal ist es der Bezirks- amlmann von Bayreuth, der dem zum Beigeordneten(zweiten Bürgermeister) in«lienplos bei Bayreuth gewählten Genossen Schreiner Johann Hübner die Bestätigung versagt hat. weil er bei.seiner grundsätzliche» Stellung zu dax bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung eine volle Gewähr für eine den staatlichen Vorschriften und den Jnteresien der Gesamt- einwohnerschaft der Gemeinde entsprewende Amtsführung nicht bieten könne. Als Grund für diese Annabme komnit für das Bezirksamt zunächst in Betracht, daß Hübner nicht nur Mit- glied der sozialdemokratischen Partei ist, sondern auch das Vertrauens- amt eine? SekiionsleiterS bekleidet, als welcher er statutengemäß eine den Grundsätzen der sozialdemokratischen Partei entsprechende Agitation zu entfalten und sein Amt in' steter Fühlung mit dem Gesamtvorstand auSzunben habe.. Das ist aber noch nicht alle?. ES kommt noch viel schöner. Genosse Hübner ist nämlich früher einmal Mitglied des Soldaten- und Beteranenverein» Alteiiplos gewesen, dessen erster Zweck die .Erstarrung des monarchischen Prinzips, der Liebe und Treue zu Kaiser. König und Baterland ist": als er aber klüger wurde, trat er aus dem Verein aus. ein Schritt, der für das Bezirksamt bei seiner Entscheidung besonders ins Gewicht gefallen zu sein scheint. denn es äußert sich in der Begründung folgendermaßen:„Sie haben auch zum amtlichen Protokoll erklärt, daß ei» überzeugter An- Hänger der Sozialdemokratie überhaupt� nicht Mitglied eine» derartigen Vereins sein könne und daß,� als Sie seinerzeit vor die Frage gestellt wurden, ob Sie dte Bestrebungen des Soldaten- und Veteranenvereins AltenploS oder die Bestrebungen der Sozialdemokratie höher einzuwerten haben, gemätz Ihren Anschauungen Ihre Entscheidung zugunsten der sozialdemokratischen Sache ausfallen lassen. In Anbetracht dieser Umstände kann das kgl. Bezirksamt die Ueberzeugung nicht gewinnen, das} Sie imstande und gewillt sind, in jeder Lage die Pflichten des Amtes über die Anforderungen zu stellen, die sich siir Sie aus den Verhältnissen zu Ihrer Partei ergeben usw." Auch gegen diesen Gewaltakt wird Beschwerde durch alle In- stanzen geführt werden; der neue Landtag wird sich hoffentlich diese Polizeimenschen einmal ordentlich vornehmen. Die Rache der Lübecker Liberalen. Im Wahlkreis Lübeck sind die Liberalen bei der MeSjährigeii ReichStagSwahl glänzend in den Sand gesetzt worden, obwohl sie sich der schofelsten Kampfesweise gegenüber der Sozialdemokratie bedienten. In der grenzenlosen Wut über diese verdiente Niederlage wird jetzt von ihnen öffentlich gefordert, die Geschäftsleute, die bis- her in unserem Parteiorgan inserierten, sollten den.Lübecker Volksboten" boykottieren und diejenigen Leute, die am Lübecker Gewcrkschafisbans Gelder hatten, ihre Hypotheken kündigen. Auf solche Weise hoffte man, die Sozialdemokratie schädigen zu können. Natürlich war der ganze Racheakt nur ein Schlag ins Wasser, denn kein Geschäftsmann rcsp. Geldgeber kümmert sich darum. Er beweist aber, mit wie verwerflichen Mitteln die Liberalen ihre Gegner bekämpfen. Ganz besonders ärgert es sie aber, daß auch zahlreiche Beamte sozialdemokratisch gewählt haben. Ein pensionierter Oberpostsekretär, von dem die Liberalen herausgcschnüffclt hatten, daß er sozialdemokratisch gewählt hatte, wurde mit ausdrücklicher Zustimmung des durchgefallenen liberalen Reichstagskandidaten destvegcn öffentlich in der Zeitung beschimpft. Es sind doch wackere Kerle, diese hanseatischen„Liberalen"! Noch ein Wahlprotest. Gegen die Wahl des Konservativen Dr. Oertel ist von der Fortschriitlilben Volkspartei ein Protest beschloffen worden. Dr. Oertel hat eine Mehrheit von nur 383 Stimmen. frankmcb. Keine Amnestie. Paris, 29. Januar.(Eig. Ber.) Herr Polncar'6 bleibt dabei: er will keine Amnestie. Heute hat er einer Abordnung der sozialistischen Fraktion wiederum erklärt, er sei bereit, „interessante" Fälle mit Wohlwollen zu prüfen und„Gnade" zu üben, aber eine allgemeine Amnestie für Preßvergehen lehne er ab und werde sie gegebenenfalls in der Kammer be- kämpfen.— Für die gemäßigte Presse aber ist dies eine wahre Regierung der nationalen„Beruhigung". Italien. Vor der Parlamentscröffnung. Rom, 29. Januar.(Eig. Ber.) Die Kammereröffnung wird jetzt offiziös für den 2 0. Februar in Aussicht gestellt, nachdem nicht nur die Sozialisten und Republikaner, sondern sogar einige Kle- rikale angefangen haben, gegen die Diktatur Stellung zu nehmen. Am 2. Februar ist die sozialistische Parlaments- fraktion in Bologna einberufen und wird sich bei dieser Gelegenheit über ihr Votum schlüssig werden. Als Fraktions- redner dürfte man den Genossen T u r a t i bezeichnen, der sich durch seine heftige Gegnerschaft gegen die tripolitanische Expedition hervorgetan hat. Nachdem die Kammer dann das Dekret der Annektierung Tripolitaniens undderCyrenaika zum Gesetz erhoben hat, was natür- lich mit großer Mehrheit geschehen wird, soll dann sofort die Diskussion über das Regierungsm onopol der Lebensversicherung beginnen. Die interessierten Kreise arbeiten init Macht, um Unterschriften für eine Petition zu sammeln, die sich gegen das Monopol ausspricht. Bei dieser Sammlung geht es dem Genueser„Lavoro" zu- folge nicht allzu ehrlich zu. Die mit dem Sammeln der Unter- schriften betrauten Personen bekommen für jede Unterschrift so und soviel, und es ist nicht zu verwundern, daß auf diese Weise eine Unzahl Unterschriften aufgetrieben wird. Wenn die Leute auch nicht verstehen� um was es sich handelt, so werden sie doch je nach ihrer Stellung durch Reden für oder gegen den Krieg zum Unterzeichnen gewonnen. Tie Versiche- ruiigsgcsellschaften wehren sich eben mit allen Mitteln um die Aufrechterhaltung ihres Profits. Es ist leicht einzusehen, daß unter den heutigen Umständen Giolitti keineswegs daran denkt, die Existenz seines Kabinetts von der Annahme des Monopols abhängig zu machen. Heute muß alles den Bedürf- nissen des Krieges untergeordnet werden. Man darf neu- gierig sein, wie sich die parlamentarische Situation bei der Einbringung der Wahlrechtsvorlage gestalten wird. ßclgien. Tropenkoller in der Kammer. Brüssel, 28. Januar.(Ei-,. Ber.) Vanderbelde. immer auf der Wacht der Missetaten im Kongo hat in seiner letzten Auslese anläßlich einer Interpellation in der Kammer auch eines gewissen Unterleutnants namens d e l'Epine Erwähnung getan, der bei Gelegenheit einer polizeilichen Operation gegen die Häuptlinge im Stanleyvillegebiet im belgischen Kongo sechs wehrlose Gefangene mit seinemRe- volver niedergeknallt hat. Vandervelde stützte sich bei der Darlegung des Sachverhalts— wie bei allen Anklagen übrigens— auf offizielle Dokumente, in diesem Fall auf den Bericht des Staatprokurators Detry. in dem auch die Worte wiedergegeben sind, mit denen der Unterleutnant seine Schreckens- tat begleitete: sie(die Gefangenen) haben einen Soldaten getötet, eine» verwundet, der ihnen nichts tat. Ich werde die Opfer rächen!" Und so geschahs. Bondervelde erzählte, immer nach dem Bericht des staatlichen Funktionärs, daß man in der Unterdrückung der Affäre so weit gegangen ist, den schwarzen Soldaten, der den Fall angezeigt hatte, mit acht Tagen zu be- st r a f e n. Ebenso wurden zwei Soldaten bestraft, w'e i l sie gegen denUnterleulnantaussagten. Dieser selbe Herr Unterleutnant und Baron dazu begab sich letzten DonnerStag in die belgische Kammer, lauerte dem Genossen Vandervelde im Spreckiaal auf und versuchte seine durch die Kritik de» sozialistischen Deputierten— nicht etwa durch seine Schandtaten — besäimuyte Ehre durch einen tätlichen Angriff zu rächen. Er benutzte diesmal ein Zeitungsblatt— das mit der Rede VanderveldeS—»u dem Rachezweck und keinen Revolver, wie in Slanleyville. wohl mit Rücksicht auf dre üunierhin etwas zivilisicrteren Verhältnisse des Mutterlandes... Ein klerikales Blatt, der„Patriote" gibt auf Grund von E r- k u n d i g u n g e» aus d e m K o l o n l e n m, n, st e r i u m einige Ausschlüsse über die psychische und- Gehirnbeschaffenheit des Herrn Baron l'Epine. Danach ist der Mann im Kongo von drei Aerzten untersucht worden, die erklärt haben, daß er den sechsfachen Soldatenmord im„Zustande der nervösen Ueverreizt» heit" begangen, sodaß—„sodaß" ist sehr hübsch— er für seine Tat nicht verantwortlich gemacht werden könne. Die Herren Aerzte im Kongo folgerten nicht auf Wahnsinn,„das wäre übertrieben!" wie die Erkundigung aus dem Departement besagt, sondern nur auf Unzurechnungsfähigkeit während einer„bestimmten Periode." Was aus der Kongolesischen Medizinsprache in die allgemeinverständliche heißt: daß sich der Herr Baron nur während seiner Revolverübungen a�f wehrlose Neger im„Zustande der UnVerantwortlichkeit" befindet. — Jedenfalls gehl der„zeitweise" Unverantwortliche Herr Baron frei in Belgien herum(für die Herren im Kolonialnnnisterium ist er so harmlos oder so„erledigt", daß eS von seiner Anwesenheit in Belgien gar nichls wußte) und so konnte eS geschehen, daß er in die Kanimer drang, mit der Absicht, den wärmsten Verteidiger miß- handelter Eingeborener zu„züchtigen". Vandervelde hat ihn übrigens mit einer krästigen Armbewegung abgewehrt und da der Genosse nicht die Absicht bat, den„nervös Ueberreizten" vor die Pistole zu fordern, chat der Schritt für die Reinwaschung der Ehre des Barons nur den einen Effekt, daß sich das Gericht mit der Angelegenheit beschäftigt. Vandervelde tritt übrigens in der Sache nur als Zeuge auf, da er nicht selb st Klage führt, vielmehr das Gericht die Initiative übernommen hat. In der Kammer hat der Präsident sowohl wie der Justizminister im Namen des Parlaments den Akt des Herrn Barons, der die parlamentarische Immunität und die Freiheit der Tribüne verletze, schwer getadelt. Bleibt nun zu erwarten, welchen Spruch das Gericht fällen wird. perNen. Armenierversolgungen in Sicht. Die armenischen Deputierten in Konstantinopel erhielten aus Täbris folgendes Telegramm: „Die letzten Ereignisse haben die Lage der Armenier sehr kritisch gestaltet, obwohl diese keinen Anteil an dein Widerstand gegen die Russen nahmen. Es mehren sich die Fälle der Provo- kation, die das Leben der ganzen armenischen Bevölkerung in Gefahr setzen. So hat der Dragomvn des russischen Konsulats Babayeff aus seinem Haufe im armenischen Viertel auf das russische Konsulat gefeuert. Er wurde aber gesehen und mußte infolgedessen verhaftet werden. Indessen, 24 Stunden später wurde er wieder freigelassen und befindet sich jetzt wieder in seinem Amte, als wenn nichts geschehen wäre. Der russische Konsul droht, ein Blut- öad zu errichten, wenn jemand aus der russischen Garnison von Armeniern getötet oder verwundet werden sollte. Zugleich gibt er armenische„Drohbriefe" bekannt, die offenbar gefälscht sind." Seit mehreren Monaten wird von unterrichteter Seite darauf aufmerksam gemacht, daß die Russen einen Massenmord der Armenier in Persien vorbereiten, denen sie den mutigen Kampf für die Freiheit, den das Häuflein armenischer Revolutionäre führte, nicht vergessen können. Der blutige Augen- blick naht, und Europa, das dessen müßiger Zuschauer bleibt, wird auch der Mitschuldige dieses furchtbaren Verbrechens sein. Jiiis der Partei. 4000 neue Abonnenten hat der Wahlkampf in Elberfeld-Barmen unserem dortigen Parteiorgan, der„Freien Presse" gebracht. Seit dem Tage nach Weihnachten bis zum Tage noch der Stich- wähl wurde die„Freie Presse" in Elberfeld-Barmen in doppelter Auflage verbreitet. Annähernd 2000 neue Leser traten während des WahlkampfeS hinzu und eine am Sonntag in beiden Wupperstädten stattgehabte Hausagitation zeitigte ein gleiches Resultat. Zehn neue Stadtratsmandate, ein Reichstagsmandat und viertausend neue Leser der Arbeiterpresse geben Zeugnis von der Schlagfertigkeit unserer Organisation. poli-eilicbes, Sericbtlicbes ulro. Ein Opfer des Militarismus und der sächsischen Justiz wurde der verantwortliche Redakteur der„Chemnitzer Volks- stimme", Genosse Hermann Müller. Er war vom Chemnitzer Schöffengericht am l. Dezember 1911 wegen Beleidigung des Chefs des 104. Infanterieregiments m einem Monat Gefängnis verurteilt Ivorden. Eine Notiz in Nr. 204 der„Volksstimme", überschrieben „Bürgerfrcuden und Arbeiterblut" hatte dem Kriegsministerium Veranlassung gegeben, Strafantrag gegen Genossen Müller zu stellen. In der Notiz war darauf hingewiesen worden, daß am 2. September gelegentlich der Anwesenheit des Königs von Sachsen in Chemnitz wegen befürchteter Unruhen durch die damals aus- gesperrten 8000 Metallarbeiter die 11. Kompagnie des 104. Jnfan- terieregimcnts konsigniert gewesen sei. In der Notiz wurde davon geredet, daß der Militarismus mordbereit auf Arbeiterblut gelauert habe, während sich die Reichen hochpatriotisch den Bauch füllten. Obwohl in der Notiz nur vom Militarismus die Rede gewesen, keine Person genannt und nur eine Einrichtung der heutigen Ge- sellschaftsordnung scharf kritisiert worden war, hatte das Schöffen- gericht die Ueberzeugung gewonnen, daß der Befehlshaber des ge- nannten Regiments von dem Artikelschreiber gemeint und nur aus Vorsicht der verschwommene Begriff Militarismus gewählt wurde. Die Gefängnisstrafe war auch damit begründet worden, daß be- kannt sei, daß sozialdemokratische Redakteure Geldstrafen nicht aus eigenen Mitteln zu bezahlen brauchten und deshalb von solcher nicht getroffen würden. Gegen dieses Urteil hatte Genosse Müller Berufung ein- gelegt. Aber auch die Fünfrichter-Kammer des Chemnitzer Land- gerichts schloß sich der Beurteilung des Falles durch die Vorinstanz an und erkannte auf Vertverfung des Rechtsmittels, so daß das Urteil vollstreckt werden wird. In der Begründung wurde aus- gesprochen, daß die Offiziere der 11. Kompagnie durch die Notiz beleidigt worden feien, daß die Notiz aufreizend zum Zwecke der Aufhetzung geschrieben sei und deshalb von einem Schutze des ß 193 objektiv und subjektiv keine Rede sein könne. Ein preußischer Landrat terrorisiert nicht. Am Montag besetzten zwei Preßsünder die Anklagebank de« Bremer Schöffengerichts, der Genosse H o l z m e i e r als Ver- antwortlichcr der„Bremer B ü r g e r- Z e i t u n g" und der Maschinenarbeitcr Franz H ö p s n e r aus Hemelingen. Beide wurden der Beleidigung des Laiidrats des Kreises Syke sProvinz Hannover) beschuldigt. Höpfner hatte im Juni v. I. in der„Bremer Bürger- ZsiUiiig" einen Artikel veröffentlicht, der mit seinem vollen Namen unterzeichnet war und in dem er behauptete, daß der Landrat des Kreises Syke den Gewerkschaften systematisch die Umzüge zu den Gewerkschaftsfesten verbiete und daß er dem Wirt Warnke in Syke Daumschrauben aussetzte, als dieser den Sozialdemokraten sein Lokal zur Abhaltung eines Sommer- festes zur Verfügung stellen� wollte. Ferner wurde Höpfner beschuldigt, am 19. Juni in Syke zur Verbreitung eines Aufrufs beigetragen zu baben, in dem gesagt wurde, daß sich die Saalinhaber in Syke willig vor den Mochtgelüsten des Landrats beugen. Auch von der Willkür des Landrats war die Rede. Der Herr Landrar war sich aber keines Mißbrauchs seiner Amtsgewalt bewußt. Er hatte ja„nur" die Mitteilung in der„Bremer Bürger- Zeitung", wonach das Lokal von Warnke für die Sozialdemokratie freigegeben war.„zur Kenntnisnahme" an den Borsitzenden des Kriegervereins in Syke weitergegeben. Aber nicht etwa ans poliiischen Gründen, bewahre, lediglich zu dem Zwecke, damit die Feite des KriegervereinS und des sozialdemvlratischen Vereins nicht am selben Tage stattfinden sollten. Das weitere ver- anlaßte der Vorsitzende des Kriegervereins. Er ging zum Eigen- tümer des Gasthofs, den der Wirt Warnke gepachtet hatte und machte es ihm plausibel, was es zu bedeuten haben«vürde, wenn in Zu» kunfl Sozialdemokraten in dem Lokal verkehrten, wo bisher nur Veranstaltungen des Kriegervereins und Militärkonzerte abgehalten wurden. Der Eigentümer des Gasthofs hat Warnke dann so lange zugesetzt, bis er sich entschlossen hatte, in der„Bremer Bürger- Zeitung" zn erklären, daß er sein Lokal für sozialdemo- kratische Veranstaltungen nicht freigebe. War da? etwa die Folge eines landrätlichen Terrorismns? Der Verteidiger bejahte eS. Das sei gerade das, so meinte er, waS nicht nur bei der Sozial« demokratie, sondern bis weit in nationalliberale Kreise hinein über die Behandlung durch preußische Landräte beklagt werde. Ein Landrat werde niemals direkt eingreifen, er werde vielmehr auf feine diplomatische Weise versuchen, die Ausbreitung und die Agitation der linksstehenden Parteien zu verhindern. DaS Gericht kant in ollen Fällen zn der Ansicht, daß der Wahrheitsbeweis nicht erbracht sei. Das Urteil lautete gegen Höpfner auf 80 M. Geldstrafe, gegen Holzmeier unter Hinweis auf§ 21 Abs. 2 deS Preß- gefetzes auf Freisprechung._ Und wieber die Breslauer Justiz. Am Dienstag fällte die 1. Strafkammer des Breslauer Land- gerichts gegen den Verantwortlichen der„Volkswacht", Genossen Reinhold Darf, ein Urteil, das allgemein Kopfschütteln er- regen muß. Bekanntlich führt die Polizei seit etwa 8 Monaten einen heißen Kampf gegen die roten Kranzschleifen bei Beerdigungen von Sozialdemokraten. Wieder- holt kam es deshalb zu Störungen bei Leichenbegängnissen, weil die Polizei entweder die Kranzträger zwang, mit den Kränzen in Wagen Platz zu nehmen oder aber kurzerhand die Schleifen abschnitt. In den roten Kranzschleifen sieht die Polizei ein außer- gewöhnliches Begräbnis, zn dem nach dem Reichsvereinsgesetz die Genehmigung einzuholen ist. So aucb am 19. Oktober v. I. bei der Beerdigung der 70jährigen Genossin Ida Kaiser. Kaum hatten die Kranzträgerinnen vor dem Leichenwagen Platz genommen, als auch schon ein Polizei- kommissar mit mehreren Schutzleuten und Kriminalbeamten er- schien, und die Entfernung der roten Kranzschleifen forderte. Die Kranzträgerinnen weigerten sich, nahmen aber in zwei Wagen Platz und fuhren dem Trauerzuge voran, begleitet von Polizisten, die streng darauf achteten, daß die staatsgefährliche rote Farbe nicht zum Vorschein kam. Das Verhalten der Polizei erregte natürlich bei den Leidtragenden als auch bei den zahlreichen Zuschauern gerechte Empörung, die sich in kräftigen„P f u i I- Rufen Luft machte. Die Breslauer„Volkswacht" brachte über diesen empörenden Vorgang einen Bericht, in dem das Verhalten der Polizei kritisiert und diese als Störerin des Leichenbegängnisses bezeichnet wurde. Die„Volkswacht" hatte berechtigten Grund, von einer Störung des Leichenbegängnisses durch die Polizei zu sprechen, als wenige Tage vorher einige Genossen von der Anklage, durch das Tragen von Kränzen mit roten Schleifen ein' außergewöhnliches Leichen- begängnis veranstaltet zu haben, freigesprochen wurden. Trotzdem fühlte sich der Breslauer Polizeipräsident v. Oppen durch den Artikel bejeidigt und stellte im Namen seiner Unter- gebenen Strafantrag. Die Verhandlung, die vom Landgerichtsrat M n n d r y geleitet wurde, war reich an dramatischen Zwischen- fällen. Dem einen Zeugen wurde eine Ordnungsstrafe angedroht, weil er das Verhalten der Polizei als„ft ö r e n d" bezeichnete. Einem anderen Zeugen, dem Prediger T s ch i r n> Vor- sitzenden des Deutschen Freidenkerbundes, wurde eine Behandlung zuteil, wie sie sonst bei gebildeten Leuten vor Gericht nicht üblich ist. Als Herr Tschirn sagte, nach seinem Empfinden war das Vorgehen der Polizei geeignet, bis Menge zu erregen, fiel ihm der Vorsitzende ins Wort:„Das sind Ihre Ansichten. und die interessieren das Gericht nicht. Ueber die Polizei waren Sie erregt! Daß die roten Kranzschleifen dort waren, hat Sie nicht auf- geregt; aber daß die Polizei pflichtgemäß ein» schritt, das hat Sie erreg tl" So und in ähnlicher Weise wurden die übrigem Entlastungs» zeugen behandelt. Die Zuschauer beim Leichenbegängnis wur- den vom Vorsitzenden als arbeitsscheu und als Janhagel bezeichnet. Daß nach dieser Art von Verhandlung der Antrag des Staats- anwalts nicht gering sein konnte, war zedem klar, aber dennoch waren alle sprachlcis, vor Entfetzen, als 6 Monate Gefängnis und sofortige Verhaftung beantragt wurden. Selbst- verständlich war das Verhalten der Polizei korrekt, und der Artikel sei nur geschrieben wordem um die Leser gegen die Polizei aufzu- hetzrn Genosse Darf ging in seinem Schlußwort den Ausführungen des Staatsanwalts scharf zu Leibe. Wir wollen nichts weiter, a l s gleichesRecht für alle. Wer stiehlt, Urkunden fälscht, Mein» eide schwört und wer Staatsbürgerrechte vertritt, wird eingesperrt. Für alles hat der Staatsanwalt nur eine Medizin, nämlich Gefängnis. Für dieSozial- demokratie hilft die Medizin nicht.dashaben die letzten Woche Nl bewiesen. Wir lassen nicht locker, bis wir die Gleichberechtigung erkämpft haben. Der Vorsitzende unterbricht: Politik und Wahlen gehen uns nichts an. Genosse Darf fortfahrend: Es handelt sich aber hier doch um Politik, denn die Polizei schreitet doch nur gegen unsere Beerdigungen ein, weil wir Sozialdemo- k r a t e n s i n d. In Breslau bleiben Morde ungesühnt, die Un- sicherheit in den Straßen nimmt zu. Das ist kein Wunder, wenn vor jedem Hause ein Schutzmann steht, um aufzupassen nach roten Kranzschleifen Nach kurzer Beratung verkündet das Gericht: Drei Monate Gefängnis. Von Verhaftung wegen Fluchtverdacht wird ab- gesehen. 'Ueber die Art der Verhandlungsführung durch den Vorsitzenden. Landgerichtsrat M u n d r y, der gelegentlich einer früheren Ber- Handlung gegen einen„Volkswacht"redaktcur Offiziere und Beamte, die bei der„Volkswacht" Schutz suchten, als„ehrlose Schweinehunde" bezeichnete, und der auch bei dem dies- maligen Prozeß seine Voreingenommenheit gegen Angehörige der Arbeiterklasse dadurch dokumentierte, daß er diese als„J a n h a g e l" und„arbeitsscheu" bezeichnete, wird an anderer Stelle ein sehr ernstes Wort zu reden sein. Schon einmal war die Geschäfts- führung dieses Herrn Gegenstand der Erörterung im Reichstag und schon einmal ist dieser Herr wegen Befangenheit von Redakteuren der„Volkswacht" abgelehnt worden, Eue Industrie und Kandel. DaS Steigen der Petroleumpreise. Seit einigen Monaten stehen die Petroleumpreise im Zeichen der Aufwärtsbewegung. Das ist eine Folge der Verständigung unter den konkurrierenden Firmen. Der seit mehreren Jahren tobende Kampf um die Herrschaft auf den umstrittenen Märkten hielt die Preise auf einem relativ niedrigen Niveau. Das soll nun anscheinend anders werden; die Petroleumgesellschaften schicken sich an, die Kosten ihrer Krieg- fübruiig, und noch einige? mehr, von den Konsumenten wieder ein- zuziehen. Schon nach dem Durchschnitt für das ganze Jahr 1911 besonders aber an dem Preise im Dezember läßt sich die Preis- steigerung konstatieren. Es kostete nämlich ein Doppelzentner mit Faß, 20 Proz. Tara, amerikanische Standart White, Berlin, i» Mark: 1909 1910 1911 Jahr....... 21,93 20,02 22,54 Monat Dezember... 21,80 22,40 24,10 Im Januar sind die Preise in New Dork wiederholt, insgesamt um ca. 10 Proz erhöht worden. Da sich die Steigerung nach hier überträgt, ist für die nächste Zeit mit einem Preise von ca. 20 M. zn rechnen. In Hamburg war Ende der vorigen Woche der Preis bereits um 1,80 M. höher als im Dezember v. I. Da sich unsere Einfuhr von Petroleum auf ca. 9'/- Millionen Doppelzentner pro Jahr beläuft, bedeutet die Verteuerung eine ganz erhebliche Mehr» belastung sür den Konsum, GewerhfcbaftUcbes. Der Generalstreik in Portugal« Ueber die Lage in Portugal, speziell in Lissabon, laufen 'die verworrensten Nachrichten ein. Kein Wunder! Die Re- gierung der bürgerlichen Republik übt dieselbe Taktik, die von monarchischen Regierungen ebenfalls immer als die richtige angesehen wird. Man versucht, durch Depeschenzensur und Verbreitung falscher Nachrichten die Oefientlichkeit über die wahre Lage zu täuschen und täuscht sich schließlich selbst. Tatsächlich wird folgendes gemeldet: Lissabon, 31. Januar 1312. Der Ministerrat trat gestern abend noch einmal zu einer längeren Sitzung zusammen, in der über die gegenwärtige schwierige Lage in Portugal beraten wurde. Es wurde der Beschluß gefaßt, über Lissabon den Belagerungszustand zu verhängen. Demgemäß wurden am Abend an den Häusern und Straßen- ecken Bekanntmachungen der Regierung angeschlagen, die den Belagerungszustand bekanntgeben und die Bevölkerung auf- fordern, die Ruhe zu bewahren und ihrer gewohnten Arbeit nachzugehen. Bald hatten sich um diese Regicrungserlasse große Menschenmengen versammelt, die eifrig die Plakate studierten und über die jetzige Lage in Portugal debattierten. Die Polizei hatte wieder einen umfangreichen Sicherheitsdienst vorgesehen. Wo die Bevölkerung in zu dichten Massen vor den Regierungs- erlassen sich zusammengctan hatte, wurde sie von Polizisten, die von Militärpatrouillen in jeder Beziehung unterstübt werden, auseinandergetrieben! Die Hauptquartiere der in Lissabon zu- sammengezogenen Truppen befinden sich auf dem Rocio- und Commerceplatz. Auch an den Straßenecken sind kleine Militär- nbtcilnngcn stationiert, denen die Ueberwachung der in ihrem Bezirk liegenden einzelnen Straßen obliegt. Die Gebäude der Ministerien, sowie die anderen öffentlichen Gebäude und auch Häuser zahlreicher hoher Staatsbeamten sind von starken Kaval- lerie- und Jnfanterieabtcilungcn besetzt. Die meisten Läden hatten schon am frühen Nachmittag ihre Pforten wieder geschlossen. Im Innern der Stadt herrscht vollständige Ruhe, da durch starke Militärkordons das Innere der Stadt vollständig isoliert ist. Lissabon, 31. Januar 1912. Gestern abend versuchten große Mengen streikender Arbeiter durch die Straßen der portugie- sischcn Hauptstadt einen Dcmonstrationszug zu veranstalten. Die Polizei trieb jedoch die Menge auseinander und verhaftete ihre Anführer. Die polizeilichen Ermittelungen ergaben, daß alle Verhafteten Anarchisten l?!) sind. Mehrere Briefträger, die sich dem Streik bereits angeschlossen hatten, versuchten gestern ihre Kollegen ebenfalls zum Ausstand zu bewegen. Sie wurden jedoch in Haft genommen und an Bord der im Hafen liegenden Kriegsschiffe gebracht, wo sie ihrer Aburteilung vor einem Kriegs- gericht entgegensehen. Die Behörden haben alle Gebäude in der Nähe des Hauses deS Arbeitcrsyndikates schließen lassen. Die Gas- und Elektrizitätswerke stehen unter dem Schutze starker militärischer Bedeckungen. Die Zeitungen konnten auch gestern abend und heute früh nicht erscheinen. Die Drucker der Ratio- nal-Buchdruckerei haben sich dem Streik angeschlossen und auch die Drucker der Privatdruckercicn haben gestern abend in einer Versammlung den Beschluß gefaßt, ebenfalls in den Ausstand zu treten. Auf dem Gebäude des Direktoriums der elektrischen Straßenbahn ist die englische Flagge gehißt. Die Zahl der vorgenommenen Verhaftungen wird der- schieden angegeben. Während es in einer Depesche heißt: „Einhundertfünfzehn Personen sind festgenommen und an Bord des Kreuzers„Adamastor" gebracht worden," gibt ein anderes Telegramm die Zahl der Verhaftungen in der Nähe des Arbeitersyndikates rund und nett auf tausend an. """Auf welches Recht sich diese Verhaftungen stützen, darüber zer- bricht man sich anscheinend nicht den Kopf. � In einem Telegramm wird berichtet:„Der Administrator der Provinz Alemtejo, de Moita, ist durch Beilhiebe getötet worden." Kein Wort darüber von wem und aus welchen Ursachen, so daß man nicht einmal weiß, ob dieser Vorfall mit den Streikvorkommnissen irgendwelchen Zu- sammenhang hat. Man kann daran zweifeln, wenn man sieht, wie offiziös ganz a la Moabit— na, sagen wir, gefabelt wird. Eine Depesche meldet: Lissabon, 31. Januar. Als gestern nachmittag die Wagen der elektrischen Straßenbahn thre Depots verlassen wollten, wurde eine Bombe gegen einen Wagen geschlendert, der voll- ständig zertrümmert wurde. Ein Kavallcrieoffizicr versuchte den Attentäter festzunehmen, der aber die Flucht ergriff. Der Offi- zier setzte ihm nach, und als er fich ihm bereits beträchtlich ge- nähert hatte, wendete sich der Attentäter plötzlich um und warf eine zweite Bombe auf den Offizier und verschwand unter der Volksmenge. Man muß zunächst erstaunt sein, zu erfahren, daß eine Bombe, die einen Straßenbahnwagen zu zertrümmern der- mochte, dem Attentäter s e l b st keinen Schaden zufügte. Weiter wird man das Schweigen des Telegraphen bedauern, der uns nichts über das Schicksal des von der Bombe ge- troffenen Offiziers berichtet.— In einem anderen Telegramm heißt es aber glücklicherweise: „Auf dem Rocioplatz und in der Vorstadt Aliantara wurden Bomben auf Kavallerie- und Gendarmericabteilungen geworfen. Diese zerstreuten die Menge mit blanker Waffe." Danach sind anscheinend die Soldaten in Portugal wider- standsfähiger gegen„Bomben"-Würfe als die Straßenbahn- wagen. Schließlich klärt uns aber eine dritte Mitteilung über den Eharaktcr der Bomben auf. Das französische Blatt „Matin" berichtet nämlich aus Lissabon: „Knallboniben wurden an verschiedenen Punkten der Stadt zur Explosion gebracht. Eine der Bomben geriet unter die Hufe der Kavallericpferde, ohne jedoch Unheil anzurichten." Also um Knallbombcn handelt es sich, um Feuerwerks- körpcr, wie sie von Bubenhänden seinerzeit in Moabit durch Auflegen auf die Straßenbahnschienen zur Explosion gebracht wurden! Das sind die„Gewalttätigkeiten" der„Aufrührer"! Hoffentlich steht auch der von ihnen angeblich ermordete Unterpräfekt wieder von den Toten auf. Tie Gewalttätigkeiten und Ungefetzlichkeiten der portu- giesischen Bourgeoisregierung sind leider' n i ch t aus der Welt. zu schaffen! - T" Berlin und Qrngegend. Achtung, Böttcher? Die Differenz wegen des Böttcher-Tarif- Vertrages zwischen dem Essigfabrikantcn W. T i m n e r, Büsching- straße 3, und dem Böttcherverband ist durch Verhandlung zu beider- feitiger Zufriedenheit erledigt. Der Arbeitsnachweis für Böttcher ist anerkannt, die Arbeitszeit ist geregelt. Infolgedessen ist die Sperre über die Essigfabrik für die Böttcher aufgehoben. Zentralverband der Böttcher, Weintüfer und Hilfsarbeiter. I. A.: L. Klapschus. Oeutlchca Reich. Der Streik der Fleischergesellcn in der ersten Stettiner Fleisch- warenfabrik, Inhaber Emil Krüger, hat mit einem vollen Erfolg der Gehilfen geendet. Es kam zu einem Tarifabschluß zwischen der Firma und dem Zentralverband der Fleischer. Erreicht wurde außer der zehnstündigen Arbeitszeit eine sofortige Lohnzulage von 2 M. Verantw. Redakteurx Albert Wachs, Berlin, Jnferatenteil verantw.:� pro Woche für sämtliche SS Gesellen. Ferner soll nach Möglichkeit der Arbeitsnachlveis des Verbandes benutzt werden. Die Fleischer- organisakion kann mit diesem Erfolg zufrieden sein. Kämpfe und Erfolge deS Lederarbeiterverbandes im Jahre 1911. Im Jahre 1911 hatte der Lederarbeiterverband insgesamt 86 Streiks, Aussperrungen und Lohnbewegungen zu führen, die sich auf 232 Betriebe mit 6320 Beschäftigten verteilten. Von den M20 Beschäftigten waren 4404 Personen an den Bewegungen be- teiligt. Bei 79 Bewegungen in 225 Betrieben mit 4372 beteiligten Personen handelt- es sich um Forderungen der Lederarbeiter an die Unternehmer, und bei 7 Bewegungen in 7 Betrieben mit 131 be- teiligten Personen handelte es sich um die Abwehr von Verschlechte- rungen der bestehenden Lohn- und Arbeitsbedingungen. Von den 86 Bewegungen mit 4404 beteiligten Personen waren IS Angriff- streiks mit 1344 Beteiligten, 5 waren Abwehrstreiks mit 118 Be- teiligten, S Aussperrungen mit 907 Beteiligten, S9 Bewegungen ohne Arbeitseinstellung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen mit 2022 Beteiligten und 2 Bewegungen ohne Arbeitseinstellung zur Abwehr einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen mit 13 Beteiligten. Die Streiks und Aussperrungen erforderten von der Hauptkasse eine Ausgabe von 20S 307 M., außerdem wurden noch 12186 M. aus den Lokalkassen der Streikorte dafür aus- gegeben, so daß die Gesamtausgabe 217 493 M. betrug. Von den 15 Angriffstreiks waren 13 Streiks mit 878 Beteiligten erfolgreich und 2 Streiks mit 466 Beteiligten erfolglos. Die 5 Abwehrstreiks mit 118 Beteiligten waren alle erfolgreich. Von den 5 Aussperrun- gen waren 3 mit 857 Beteiligten erfolgreich und 2 mit 50 Be- teiligten erfolglos. Die 59 Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen mit 2022 Beteiligten waren alle erfolgreich, desgleichen die 2 Abwehrbewcgungcn ohne Arbeitseinstellung mit 13 Beteiligten. Erreicht wurde durch diese Bewegungen eine Verkürzung der Arbeitszeit für 1131 Personen um 2567 Stunden pro Woche und eine Erhöhung des Lohnes für 2758 Personen um 4296 M. pro Woche. Im Durchschnitt gerechnet also eine Arbeitszeitverkürzung von 2% Stunden pro Person und Woche und eine Lohnerhöhung von 1,55 M. pro Person und Woche. Außerdem erhielten noch 464 Personen eine Lohnerhöhung von 320 M. pro Woche durch die bestehenden Tarifverträge. Durch die Abwehrbewcgungen wurden für 76 Personen eine Verkürzung des Lohnes um 114 M. pro Woche, oder im Durchschnitt 1,50 M. pro Person und Woche, abgewehrt. Alles in allem kann gesagt werden, daß der Lcdcrarbcitervcrband auch im Vorjahre die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Gerber und Handschuhmacher erheblich der- bessert und hierfür erhebliche Opfer gebracht hat. Schutz vor Llrbeitswilligen. In den Lübecker Grützmiihlen von H. u. I. Brüggen sind seit Wochen die Müller wegen Maßregelung eines Verbandskollegen ausständig. Herr Brüggen ist nun bemüht, so gut cS geht, den Be- trieb mit Arbeitswilligen zweifelhaftester Art aufrecht zu erhalten. Wie diese»nützlichen Elemente" beschaffen sind, zeigt ein Vorfall, der sich am letzleu Sonntag in der Wirtschaft»Zum alten mccklen- burgischen Landkrug" in Lübeck zutrug. Dorl erschienen abends sechs der Streikbrecher, brllstctcn sich ohne Veranlassung damit, daß sie»internationale Streikbrecher" seien und brüllten, als der Wirt Luckmann Feierabend gebot:»Wir wollen morden, morden, morden!" Daß die Schützlinge des Unternehmer- tums mit dieser Drohung keinen Spaß machen wollten, bewiesen die dann von ihnen verübten Heldentaten. Sie demolierten das Mobiliar der Wirtschaft, zertrümmerten das Büfett, denVicrapparat, den Speise schrank und schlugen endlich den Wirt mit einem Dolch messer über den Kopf, so daß eine 1% Zentimeter lange Wunde entstand, die sofort ärztliche Hilfe verlangte. Darauf begaben sich die Streikbrecher in die Wohnung de? Wirtes und setzten dort ihr vandalisches Treiben fort. Die Gäste der Wirtschaft, meistens Frauen, waren inzwischen geflüchtet. Als die.nützlichen Elemente" keine Leute mehr im Hause fanden, an denen sie ihre Wut auslassen konnten, stahlen sie zwei Paletots, einen Hut und einen Kragenschoncr und verschwanden. Es gelang, die arbeitswilligen Banditen festzunehmen.— Dieser Hunnenzug der Arbeitswilligen zeigt wieder einmal so recht deutlich, wie sehr jene nützlichen Elemente des Schutzes bedürfen, nach dem die Scharf- macher so sehr schreien. Anständige Leute find sich vor ihnen ihres Lebens und Eigentums nicht mehr sicher. Bus der frauenbewegung, Hungersnotpreise für Kartoffeln. Jahr für Jahr, wenn der Winter mit seinen Folgeerscheinungen, Frost und Schnee, ins Land gezogen ist, hat für Tausende von Arbeiterfamilien eine traurige Zeit gleichfalls Einzug gehalten. Starke Kälte zwingt unzählige Bau-, Erd- und andere Arbeiter, die im Freien ihr Brot verdienen müssen, zur Einstellung der Arbeit. Je hartnäckiger und grimmiger der Winter, desto schlimmer sind die unheilvollen Wirkungen. Der gegenwärtige Winter hat sich schon ganz besonders fühlbar gemacht, die eventuellen Ersparniffe vieler Familien sind bereits stark zusammengeschmolzen, und dort, wo im Sommer keine Ersparnisse gemacht werden konnten, sieht es traurig um die Beschaffung des Notwendigsten zum LebenSunter- halt aus. Aber nicht nur bei den Genannten, bei denen die Arbeits- losigkeit mit ihrem Ausfall an Lohn im Winter zu den ständigen Erscheinungen gehört, ist das Elend eingezogen, auch Arbeiter mit regelmäßiger Arbeitsgelegenheit vermögen in diesem Notjahr die Sorge aus der Familie nicht fernzuhalten. Durch die Verteuerung der Lebensmittel und anderer Gebrauchsgegenstände ist schon seit Jahr und Tag fast die ganze Einnahme verzehrt worden, ja, sie hat nicht einmal überall gereicht, um die gewohnte Lebensweise fortzuführen. So mußte bei vielen Schmalhans Küchenmeister werden, andere mußten sich nach neuen Einnahmequellen umsehen, waS meistens darin bestand, daß Frauen dort, wo es bisher noch nicht der Fall war, für den Erwerb zu arbeiten begannen. Nur in den seltensten Fällen ist die Mehrausgabe durch eine entsprechende Lohnerhöhung weit- gemacht worden. Besonders, wenn maix den letzten Umstand im Auge hatte und an die sich noch immer steigernde Teuerung dachte, konnte man ermessen, wie sehr sich das Elend noch vermehren würde. Es war vorauszusehen, daß die Teuerung nicht zuletzt durch die abnorme Dürre im letzten Sommer einen hohen Punkt erreichen müsse, wenn der Frost einsetzen würde. Er hat ziemlich lange auf sich warten lassen, als er dann aber doch einsetzte, trat das Borausgesehene ein. Alles Gemüse, soweit überhaupt noch etwas zu haben war, erreichte eine nie geahnte Preishöhe. Die Kartoffelpreise sind der- artig gestiegen, daß sie von den Proletariern kaum noch bezahlt werden können. Preise wie 65—70 Pf. für zehn Pfund Kartoffeln lasten furchtbar auf den Arbeiterfamilien. Das sind Hungersnotpreise! Kartoffeln sind trotz ihrem geringen Werte nahezu als Leckerbisten anzusehen. Davon merken freilich nur die Armen etwas. Die wohlweisen Hausfrauen mit den gefüllten Geldbeuteln konnten im Herbst, als die Kartoffeln noch verhältnismäßig billig waren, ihren Bedarf an Kartoffeln im großen decken. Sie sitzen nun vor den gefüllten Vorratskammern und vollen Kartoffelkisten und ziehen über die unWirtschaft- öh. Glocke, Berlin. Druck u..Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt 5] lichen Arbeiterfrauen her. Dabei sind gerade die Arbeiterfamilien auf die Kartoffeln als Nahrungsmittel in erster Linie angewiesen. Vor mehreren Wochen hat eine ärztliche Autorität einen Vortrag über »Ernährung" vor den Krankenkassenvorständen gehalten. Der Vortragende betonte dabei, daß die gegenwärtige Teuerung der Kartoffeln deshalb nicht so sehr ins Gewicht falle, weil sie als Nahrungsmittel ziemlich gegen st andslos sei, ihrer »geringen Nahrkraft halber". Der Mensch empfindet wohl ein Gefülltsein deS MagenS, aber der Körper bekommt durch die Kartoffel wenig Kräftezufuhr. Der Mann hat von seinem Stand- punkte aus gewiß recht, aber muffen denn Taufende von Menschen nicht froh sein, wenn sie den knurrenden Magen zum Stillschweigen gebracht haben? Alle die Armen, bei denen die Kartoffel das Hauptnahrungsmittel bildet, können sich eine Menge Speisen vorstellen, die besser munden und ihrem Körper zuträglicher wären, als diese ewige Kartoffelspeise. Wer hat aber den Leuten, die nun selbst die Kartoffeln, dieses minderwertige Nahrungsmittel, nicht mehr bezahlen können, einen Ersatz für sie geboten? Wie wenig ist dafür gesorgt worden, daß hier und da billige Nahrungsmittel erhältlich sind! Als im Herbst von unseren Genossen in unzähligen Gemeinden die ent- sprechenden Maßnahmen zur Linderung der Teuerung gefordert, als die sich noch verschlimmernde Situation, die nun eingetreten ist, ge- schildert wurde, da waren es die Vertreter der bürgerlichen Parteien, die meist alles ablehnten was durchschlagend hätte wirken können und unsere Genossen als Schwarzseher hinstellten. Viele dieser Herren, die die Verhältnisse der Arbeiterklaffe, besonders die Plage der Hausfrauen nicht beurteilen können, werden auch jetzt noch mit dreister Stirn die Not bestreiten. Viel von dem bor- handenen Elend hätte abgewendet werden können, wenn, wie gesagt, die bürgerlichen Parteien in den Kommunen, vor allem aber im Reichstage auf unsere Vorschläge ein- gegangen wären, die Zölle zu beseitigen und billige Nahrungmittel ins Land zulassen. Weil das nicht ge- schehen ist, ist dem verflossenen Reichstage mit Recht mancher Fluch zugerufen worden. Mancher rote Stimmzettel ist in die Wahlurne gewandert, der unter anderen Umständen nicht hineingesteckt worden' wäre. Aber noch ein? steht fest, hätten die Frauen das Wahl- recht, hätten die Frauen mit dem Stimmzettel in der Hand ver- gelten können, so wäre, besten sind wir gewiß, bei der letzt- verflossenen Wahl noch mehr Rache geübt worden. Die Empörung der Masten hat zwar den schwarzblauen Blockreichstag zertrümmert, aber WaS dieser gesät, müssen wir leider noch auf lange Zeit in unsere Scheunen tragen. Viel ist zu beseitigen von dem, was dem Volke Schaden bringt. Sammeln wir uns des- halb zu neuer Agitation und Organisation und durch beides zu weiteren Erfolgen. letzte Nachricbtcn. Frankreich und der belgische Kongo. Paris, 31. Januar. Die Senatskommission zur Prüfung des Gesetzentwurfs betreffend da? Vorkaufsrecht Frankreichs auf den belgischen Kongo hat dem von der Kammer angenommenen Gesetzentwurf zugestimmt, in welchem dje Aufrechterhaltung des Vorkaufsrechts festgesetzt wird, nachdem zwischen den beiden Regierungen über eine Anzahl noch schwebender Fragen eine Verständigung erzielt worden ist. Ein neuer Korruptionsfall in der französischen Marine. Paris, 31. Januar.(W. T. B.) Der Morineminister hat eine strenge Untersuchung bezüglich gewisser Maschinen- lieferungen angeordnet, da nach einer jüngst eingelaufenen Anzeige die Abnahmestcmpel nicht von dem Ueberwachungsaus- schusse, sondern vou den Arbeitern der Lieferanten herrühren. Die Schreckensherrschaft in der Mandschurei. Mulden, 31. Januar.(Meldung der Petersburger Tele» graphenagentur.) Aus Anlaß der Verhaftung mehrerer Japaner, die der Rcvolutionspropaganda verdächtig sind, ist eine japanische Truppenabteilung zum Schutze von Leben und Eigentum der Japaner in Mulden einmarschiert. Gestern und heute sind 37 Revolutionäre hingerichtet worden. In der Stadt herrscht große Erregung. Die Geschäfte sind zum Teil geschlossen, viele Ein- wohner verlassen Mulden. Saccharinschmuggel im Elsaß. Mülhausen i. Elf., 31. Januar.(P. C.) Die Grcnzbcamten sind einem großen Saccharinschmuggel auf die Spur gekommen. Sie fingen gestern einen Wagen ab, auf dem sich etwa 100 Kilo- gramm Saccharin befanden. Mehrere Verhaftungen wurden bereits vorgenommen, doch führen die Spuren der Saccharin» schmuggler nach dem Badischcn, so unter anderem nach Freiburg im Breisgau._ Die belgischen Grubenbesitzer gegen die Regiervng. Brüssel, 31. Januar.(W. T. B.) Die Grubenbesitzer im Borinage haben heute die Vermittelungsvorschlägc des Minister- Präsidenten zur Beilegung d e S B e r g a r b e i t, r st r e i t S abgelehnt._ Blutige Verbrccherjagd.< Paris, 31. Januar. Eine aufregende Vcrbrechcrjagd, bei der drei Personen getötet und mehrere andere schwer verwundet wurden, spielte sich in der verflossenen Nacht auf dem Bahnhof von Orleans ab. Drei Verbrecher hatten sich in das Bahnhofs- gebäude einschließen lassen, nm die Kasse zu berauben. Hierbei wurden sie jedoch von mehreren Beamten überrascht. Auf die Hilferufe eilten noch mehrere Personen herbei und es entspann sich nun ein aufregender Kampf. Plötzlich zog einer der Verbrecher einen Revolver und feuerte mehrere Schüsse ab. Der Unterchcf des Bahnhofs wurde durch einen Schuß in die linke Wange schwer verwundet, ein zweiter Schuß verletzte einen Hilfsbeamten schwer. In der Verwirrung gelang es jetzt den Verbrechern zu entkommen und den nach Paris abgehenden Zug zu erreichen. Sofort wurden alle Stationen telegraphisch von dem Vorgefallenen benachrichtigt mit der Bitte, den Zug nach den Verbrechern absuchen zu lassen. Als der Zug sich kurz vor der Station Angerville befand, sprangen plötzlich während der Fahrt zwei Männer aus demselben und ent- flohen über die Felder. Sie wurden jedoch in Guillerval von den sie verfolgenden Gendarmen erreicht. Als die Gendarmen jedoch zur Verhaftung schreiten wollten, streckte der eine Verbrecher den Gendarmericwachtmeister durch eine Rvolverkugel nieder. Dann tötete sich der Möider selbst durch eine Kugel in den Kopf. Der zweite Verbrecher wurde verhaftet. Unterdessen hatten verschiedene andere Beamte in Angerville den Zug durchsucht. Sie entdeckten in einem Coupe erster Klasse einen Reisenden mit einer Fahrkarte dritter Klasse. Als man auch zu seiner Verhaftung schreiten wollte, zog er plötzlich einen Revolver und tötete sich durch einen Schuß in die linke Schläfe._ Untergang einer Bark. Bergen, 31. Januar.(W. T. B.) Gestern ist beim Skellomgcn- Leuchtturm die Bark„Eline" aus Kristiansund untergegan- gen. Von der fünfzehn Mann starken Besatzung sind elf Mann ertrunken, vier konnten gerettet werden. Sieben Leichen wurden bisher an Land getrieben. Die Besatzung bestand aus Angehörigen verschiedener Nationen., crnlSinger �Co.,Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 26. 29. Jahrgang. 1. KilM des Jgrmttf Iniinn lollisliklt. Donnerstag, t. Febrvar 1912. )Zbgeoränetendaus. 4. Sitzung vom Mittwoch, den 81. Januar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. Lentze, v. Dallwitz, v. Bretten- bach, Sydow. Die erste Lesung des Etats wird fortgesetzt. Abg. Dr. Friedierg inatl.): Herr Herold hat eS geleugnet, daß 1907 ein förmliches Abkommen zwischen dem Zentrum und der Sozialdemokratie bestanden hat. Dazu gehört allerdings Mut.(Sehr wahr! links.) Aber es ist der Mut des Mamelucken, nicht der Mut des Christen, der aufrichtig das Streben nach Wahrheit hat. Es war ja nicht schwer, ihn aktenmäßig zu widerlegen und Herr Hirsch hat dies Scharfrichteramt gründlich genug besorgt. Wenn Herr Herold darauf verwies, daß Konservative und Zentrum gleich im ersten Wahlgang eine größere Anzahl Mandate errungen haben, so kennt er ja auch sehr gut den Grund. Er weiß genau, daß die Kons er- v a t i v e n ihren Schwerpunkt im wenig industriellen Osten und das Zentrum in den überwiegend katholischen Gegenden hat, während die anderen Parteien in beruflich und konfessionell ge- mischten Bezirken um Mandate ringen müssen. Vor allem kommt es auf die Gesamtzahl der Stimmen an, und da wird er finden, daß seine besonderen Schützlinge die Konservativen, wenn man ihnen die 200 000 Stimmen abzieht, die das Zentrum ihnen sofort auf dem Präsentierteller entgegengebracht hat, recht schlecht abgeschnitten haben. Nicht schön war es, wie Herr Herold über die Vertragstreue der Nationalliberalen sprach. Er wird wissen, daß wir 1907 mit seinen Freunden in Bochum genau die- selben Ersahrungen gemacht haben, auch haben wir diesmal das Zentrum nicht im Unklaren darüber gelassen, daß es zweifel- baft sei. ob unsere Wähler speziell in Düsseldorf allerer Parole für das Zentrum folgen würden. HerrHerold sprach von der schlechten Presse. Aber gerade ein Teil der Zentrumspresse hat in der alleruiederträchti gst en Weise gekämpft, indem sie daS Allerheiligste, was der Mensch nach Herrn Herold besitzt, die Religion,, im Wahlkampfe als Borspann benutzte, lim politische Geschäfte zu machen.(Sehr Ivahr! links.) Im übrigen stand die Rede des Herrn Herold im schneidendsten Gegensatz zu seinem Appell an die bürgerlichen Parteien zum gemeinsamen Znsammenarbeiten. Er war ja in der Debatte noch gar nickt angegriffen und auf unserer Seite bestand nicht die mindeste Absicht, auf das Niveau seiner Ausführungen herabzu» st e i g e n. sSehr gut I links.) Gestern triefte Herr Herold von Pa- triotismuS gegenüber der Sozialdemokratie. 1907 klang es anders aus den Reihen des Zentrums, damals schrieb Herr Müller- Fulda an Herrn Singer: Nachdem der Freisinn sich der Reaktion angeschlossen bat, müssen wir. Zentrum und Sozialdemo« kratie. znsam mengehen.(Hört l börl I links.) Wenn Herr Herold wirklich ein Zusammenarbeiten der bürgerlichen Parteien will, ninß er einen ganz anderen Weg einschlagen und darf nicht nur den Splitter im Auge des anderen sehen. sBravo! bei den National- ltberalen.) Was den Etat anlangt, so begrüßen wir die formalen Ver- besserungen in seiner Aufstellung. Die Aufrechterhaltung der Steuerzuschläge halten wir nicht für nötig. V'�rn ziehen eine �ndere�LerWjiebuiig, t�?i�ba�jwllabmen vv�. Redner ni längeren e Uu?? e ch m uge n Äusfuyrun�en 6tc Porteile der Uebernahine werbender Ausgaben auf Anleihen und �ehz, gus die einzewgn.Etats, ein. Bei! den direkten Steuer» wäre eine veränderte Organisation des Per a-n lagungSverfahrens am Platze. An der Spitze sollte nicht wie bisher der Landrat stehen, sondern ein technisch vorgebildeter Beamter.(Sehr richtig I links.) Man darf bei den direkten Steuern nicht zu weit gehe», zumal auch im Reich möglicherweise eine ReichsvermögenSstcuer eingeführt wird.— Bei den Eisenbahnen ist der Wagenmangel noch immer sehr groß. Die deutsche Wagengemeinschaft hat sich als für Preußen nicht besonders vorteilhaft erwiesen und sollte durch eine Cisenbahnbetriebsgemeinschaft ersetzt werden. Eine wirksame Ent- lnstung der Eisenbahnen ist inöglich durch baldigen Ausbau der Wasserstraßen. DaS letzte motu proprio war ein Schlag ins Gesicht für uns Protestanten.(Sehr wahrl links.) Der Schrift- veaisel der Regierung mit dem Vatikan darüber sollte veröffentlicht werden. Von der kleines feuiUeton. Die Venus von Lauficl. Unsere Kenntnis von der Kunst prä- historischer Zeilen und von dem weiblichen Schönheitsideal der vospeschichtlichen Menschheit erfährt eine bedeutsame Ergänzung durch einen interessanten Fund, der dem französischen Forscher Dr. L a l a n n c in den berühmten Grotten von Laussel in der Tordogne geglückt ist. In der Poriser Akademie der Inschriften hat soeben Professor Cainille Jullian über diese wichtige Entdeckung ausführlichen Bericht erstattet: er nannte den Fund dabei den bedeutendsten und wichtigsten, der in den letzten fünfzig Jahren der Wissenschast geglückt ist. Es.ist die älteste künstlerische Darstellung des menschlichen Körpers, die bisher gefunden worden ist. Die Arbeit ist ein Flachrelief von etwa -ig Zentimeter Höhe und enthält die Darstellung eines Frauen- körprrs. Tie Gestalt ist unl>ckleidet und ermöglicht uns außer- ordentlich interessante Schlüsse auf das Schönheitsideal der frühen Steinzeit. Für das moderne Empfinden ist die Gestalt, von der unbeholfenen rohen Art der Ausführung ganz abgesehen, sehr unschön, zeigt sehr kurze gedrungene Beine, aber auffallend sind die überrasck»end kleinen Formen der Hände und der Füße. Das Relief gewährt die Vorderansicht des Körpers, während der Kopf zur Seite gewandt ist und das Profil zeigt. Tie rechte Hand ist erhoben und die linke hält ein Horn: der vorgeschichtliche Kiinstlcr wollte allem Anschein nach die Frau trinkend darstellen. Die Ge- lehrten sind der Ansicht, daß das Relief der Aurignac-Epoche ent- stammt, also der Zeit, da der Feuerstein der Menschheit noch Waffen»nd Handwerkszeug schenkte. Man nimmt an, daß das Werk auf ein Alter von mindestens 20 000 Jahren zurückblicken kann. Ein Strindbcrg-Dcnkmnl in Stockholm. Als Epilog zu den Dtrindbergfeicrn beschäftigt sich Stockholm jetzt mit dem Plan, in der Hauptstadt Schwedens eine Statue des Dichters aufzustellen. Hjalinar ürantinz hat einen darauf abzielenden Antrag im Reichs- tag bereits eingebracht und begründet seinen Vorschlag damit, daß auch die Nachwelt sehen möge, daß Strindbergs Zeitgenossen seine dichterische Größe zu erkennen und zu würdigen vermochten. Bei der Strindbergfeier im„Berns Salonger' wurde eine neue Strind- bergstatue des begabten Bildhauers Karl Eldh festlich enthüllt, und diese Statue soll jetzt in Bronze gegossen und in Stockholm aufgestellt werden. VrantingS Antrag im Reichstage will dieses Denkmal vor dem schwedischen Nationaltheater aufgerichtet sehen. Die Kosten sind verhältnismäßig gering und werden auf nur 22 000 Mark veranschlagt; die Hälfte der Summe würde die Stadt Stock- Holm übernehmen. Das Standbild Eldhs stellt den Dichter im jugendlichen Alter dar. Da» gesündeste Land der Welt ist Neu-Seeland. Im Jahre 1909 starben dort 8999 Perjonen, was auf je 1090 Enwohner Reform des Wahlrechts ist eS bedauerlicherweise ganz still geworden. Wir fordern diele Reform nach Maßgabe der von uns aufgestellten Grundsätze. Sie wird nur zustande kommen auf Grund von Kompromissen. Die Regierung darf nicht warten, bis eine Mehrheit für die von ihr gewünschte Reform vorhanden ist. Damit würde sie sich unter die Parteien stellen, während sie doch über den Parteien stehen will. (Sehr gut! links.) Redner kritisiert weiter die Ausführungsbestimmungen zum FeuerbestattungSgesetz und die späte Einberufung des Landtages. Unsere Zollgesetzgebung, die der Landwirtschaft solche Vorteile gebracht hat, muß unter allen Umständen bei- behalten werden. Für ein großes Unglück würden wir es halten, wenn im Gegensatz zu der bisherigen Ostmarkenpolitik wieder eine Versöhnungspolitik eingeschlagen würde.(Bravo I bei den Natl.)— Der Staat Friedrichs des Großen steht festgefügt da. Im schärfsten Gegensatz zum Abg. Hirsch behaupte ich. wir leben nicht in einem Polizei st aat, sondern im großen und ganzen in einem geordneten Rechts st aat, nur Reste des Polizei- staates sind noch vorhanden. Wir wünschen, daß dieser Staat wie «in roohsr de bronoe bestehen soll und hoffen, daß sich ein neuer Frhr. v. Stein findet, der in Anknüpfung an das Vorhandene diesem Staate neues, frisches Leben einzuhauchen versteht.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) Minister des Innern v. Dallwitz: Die späte Einberufung des Landtages ist vor allem mit Rücksicht aus dieWahlen erfolgt. Vor Weihnachten hätte es dem Hause bald an Beramngsstoff gefehlt, zumal der Etat nicht früher vorgelegt werden konnte. Ein Wechsel m dem Kurse der Polenpolitik ist keineswegs beabsichtigt. Was die Wahlrechtsreform anlangt, so habe ich im vorigen Jahre die Gründe dargelegt, welche nach dem Scheitern der �Vorlage von 1910 eine Wiedereinbringung als untunlich erscheinen ließen. Ich habe darauf hingewiesen, daß bei den weitgehenden Meinungsverschiedenheiten innerhalb der bürgerlichen Parteien über Art und Umfang einer Wahlrechtsreform keine Möglichkeit gegeben sei. die bestehenden Gegensätze zu über- brücken und eine Verständigung über eine auch für die Regierung annehmbare Wahlreform herbeizuführen. Ich kann nicht anerkennen, daß sich die Verhältnisse in dieser Beziehung geändert haben, vielmehr haben die Verhandlungen über den Antrag Aronsohn am Schluß der letzten Session ganz deutlich bewiesen, daß eine Klärung und Annäherung der Parteien nicht stattgefunden hat(Sehr richtig I rechts), daß sogar die bestehenden Gegensätze sich eher verschärft haben. Ich glaube, daß die Reichstags- Wahlen die Richtigkeit dieser Auffassung bestätigt haben.(Sehr wahrl rechts.) Daher würde eine Wiederaufnahme der Wahlrechts� reform zwecklos sein. Die Aussübrungsbestimmungen zum FeuerbestattungS� a e s e tz haben nur die notwendigen Kauteln enihalten, um Ver- schleierungen von Verbrechen zu verhindern. Die wieder zurück- gezogene Bestimmung über die Feststellung der Viroinität war in dem Ministerialentwurf nicht enthalten und ist erst auf Grund von Gut« achten bedeutender fachmännischer Autoritäten hineingenommen;— Der in der Debatte erwähnte Erlaß, durch den die Regicrungs Präsidenten aufgefordert wurden, etwaige Angriffe gegen die Regie rungspolitik an mich zu berichten, ist nicht auf die Wahlzeit beschränkt, sondern bedeutet eine ganz allgemeine An- Weisung. Es liegt in ihm keine einseilige Parteinahme zugunsten einzelner Parteien, auch keine Mobilmachung der Landräle oder gar Anregung zum VertrauWsbruch und zur Korruption�, wie man gesagv hat, sondetn etz'ksi eine selbstverständliche Pflicht des Ministers, sich über' die Angriffe zu vri'cntierrn, im Lande gegen die Regie- rungspickttkl erhöbell werden, glelchgültig,''welcher Parteirichtung die Urheber der Angriffe angehören. Entgegnungen der Regierungen gegen solche Angriffe sind namentlich notwendig angesichts der Verdrehungen und Entstellungen, deren sich die Sozial- demokratie bei ihren Kämpfen gegen die Staatsordnung viel- fach bedient.(Lachen bei deu Sozialdemokraten. Bravo I rechts.) Sie müssen namentlich den Kreisen zugänglich gemacht werden, die jetzt noch im Banne der Sozialdemokratie stehen, alle? fernhält, was den Köhlerglauben an die Unfehlbarkeit der sozialdemokratischen Führer irgendwie erschüttern könnte.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Sozialdemokratie ist ängstlich be- müht, ihre Anhänger auf die geistige Kost zu beschränken, welche ihnen in Form von sozialdemokratischen Volks-, Flug- und Witzblättern nur zu oft gegen ihren Willen aufgedrängt werden.(Zuruf bei den Sozialdemokralen: Reichsverband!) Es ist nicht zu leugnen, daß dieser Erlaß veranlaßt worden ist durch die zunehmende 9,22 Sterbefälle bedeutet. Auch die übrigen australischen Staaten haben eine sehr niedrige Sterberate, so Südaustralien eine solche von 9,3, OueenSlanid von 9,7, Neu-SüdwaleS von 9,8, Victoria von 11,2 pro 1000 Einwohner. Demgegenüber starben in Deutschland von je 1000 Einwohnern im Jahre 1909: 17,1, in Frankreich 19,3, ind England 14,9 und in Rußland 29,9. Die niedrige Sterberate der australischen Länder beruht zu einem erheblichen Teile auf ihrer geringen Säuglings st erb- l i ch l e i t. In Neu-Seeland starben im Jahre 1909 von 100 lebend geborenen Knaben 7,09 und von 100 lebend geborenen Mädchen 9,24, im Durchschnitt 6,16 Proz. aller Kinder vor Erreichung des ersten Lebensjahres. Neu-Seeland wird in dieser Beziehung sogar noch von Südaustralien übertroffen, das in dem genannten Jahre eine Säuglingssterblichkeit von nur 6,12 Proz. hotte. Man ver- gleiche mit diesen ungemein niedrigen Ziffern die Säuglingssterb- lichkeit des„zivilisierten" Europa. In Deutschland sterben gegen- wärtig verhältnismäßig noch dreimal so viel Säuglinge wie in Neu-Seeland, nämlich 17,0 pro 100 Lebendgeborene. In Oesterreich lautet die Ziffer 20,9, in Frankreich 14,3, in England 19,9, in Ruß- land 27,2. Nur Schweden und Norwegen kommen mit einer Säug- lingssterblichkeit von 8,9 und 7,6 Proz. der der australischen Staaten nahe. Theater. Lessing-Theater: Erde, Komödie von Karl Schön- Herr; Komtesse Mizzi, Komödie von Artur Schnitzler. Der außerordentliche Erfolg von SchönherrS Glaube und Heimat im Lessing-Theater gab wohl den Anstoß, seine ein paar Jahre ältere, früher vom Hebbel-Tbeater gespielte Tiroler Bauernkoinödie in neuer Inszenierung herauszubringen. Die bäuerliche Liebe zum eigenen Grund und Boden in jenem Stücke ein Motiv, das sich dem Eintreten für den vom Landesherrn verfolgten Glauben, als mächtigste von allen Hemmungskräften entgegenstemmt— wird hier, rein zusländlich als Seelenstinimung dargestellt. Sie äußert sich in ollem; sie lebt in dem alten Grutz, der unverwüstlich zäh, so lange er die Hand noch rühren kann. Herr seines Hofes bleiben will; in dem alternden Sohne, der jede Demütigung lieber in Kauf nimmt, als daß er daS Stück Land, auf de», er einmal Erbe sein soll, verließe; in der verblühten Magd, die zehn Jahre wartet, daß der Hannes Bauer wird und sie heiratet, wie in der egoistisch robusten Mena, der Nebenbuhlerin. Die einzelnen Personen sind naturalistisch scharf ge- sehen und geschickt um die meisterhaft charakterisierte, ebenso originelle wie typisch repräsentative Gestalt des Alten als Mittel- Punkt geschickt gruppiert. Er ist in der Unzerstörbalkeit seiner Energie verwoben und verwachsen mit der ihn umgebenden Natur, fühlt sich eins mit ihr. Ehe ich njcht schlafen geh, zieh ich mein Kleid nicht aus— so weist er seines Sohnes Bitten, sich auf daS Altenteil zurückzuziehen, höhnend ab. Auch als er meint, nun habe ihn der Tod erwischt, geht ihm kein weiches Wort, keine Klage über die Lippen. Nach drei Wochen Ununterbrochenen Schlaf», als die Maßlosigkeit der Angriffe, deren sich die Sozialdemo- kratie in ihrem Kampf gegen den preußischen Staat und die be« stehende Staatsordnung befleißigt. Dieser verhetzenden Tätigkeit so« weit als möglich entgegen zu treten, ist Pflicht der Staatsregierung. (Lebhaftes Bravo I rechts.) Herr Hirsch hat sich gestern bei Besprechung eine» patriotischen Wahlaufrufs von Beamlenvereinigungeu zu dem Ausspruch ver- stiegen, daß die Wahl eines Sozialdemokraten mit dem Beamteneid wohl vereinbar sei und daß eine� ab- weichende Auffassung zur Erziehung der Beamten zur Heuchelei iühr?� Meine Herren, ein Beamter, der seinem Landesherrn den Treueid geleistet hat, bricht diesen Eid in dem Augenblick, in dem er mittelbar oder unmittelbar die Bestrebungen einer antimvnarchischcn Partei zu fördern untcrnmlmt.(Bravo! recht«. Lebhafter Wider- spruch bei den Sozialdemokraten.) Wenn ein Beamter Anstand und Gewissen hat, so wird er in dem Augenblick, wo er glaubt, sich der Sozialdemokratie anschließen zu müssen, daraus' die Konsequenz ziehen und aus seinem Amte ausscheiden.(Bravo rechts.) Tut er daS nicht, dann wird er zum Eidbrecher und Lügner. (Bravo rechts. Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Das darf nicht geduldet werden im Interesse des Staates, der eid- vergessene Beamte nicht brauchen kann, im Interesse de? Volkes, das andere Begriffe von Treu und Glauben hat. als sie leider nach den Ausführungen des Abg. Hirsch bei einem Teil der ihm näher- stehenden Kreise vorhanden sein mögen, und im Interesse der Beamtenschaft, die mit Lügnern und Heuchlern nichts zu tun haben wifl.(Zurufe bei den Sozialdemokraten. Lebhaftes Bravo I rechts.)» Präsident Freiherr v. Erffa: Herr Abg. Liebknecht, wie mir mitgeteilt worden ist, haben Sie dem Herrn Minister zugerufen: „Unglaubliches Zeug!" Ich rufe Sie dafür zur Ordnung. (Bravo I rechts.) Finonzminister Dr. Lentze polemisiert gegen die finanztechnischen Ausführungen des Abg. Friedberg. Eine gesetzliche Erhöhung der Bezüge der Allpensionäre sei nicht durchführbar. Eisenbahnminister v. Breitenbach: Die Frage der deutschen Eisenbahngemeinschaft wird in der Kommission gründlich erörtert werden. Ich werde dort den Nachweis liefern, daß die preußische Eisenbqhnverwallung stets die allgemein deutschen Interessen gefördert hat. Zur Vermehrung der Güterwagen sind erhebliche Mittel eingestellt. Die Elektrisierung der Berliner Stadt- und Ringbahn wird eine Erhöhung der Fahrpreise bedingen, die aber vorsichtig gehalten werden wird. Abg.. Handelsminister Dr. Sydow schildert die Verhandlungen der Bergverwaltung mit dem Kohlensyndikat. Die Interessen des FiskuS sind dabei in jeder Richtung gewahrt, auch ist ihm ein Rücktrittsrecht vorbehalten. Abg. Freiherr v. Zedlitz(fk.): Bei der günstigen Finanzlage kommen die Kulturausgaben im vorliegenden Etat knapp fort. Eine Erhöhung der Einnahmen ist zur Förderung der Kultur- aufgaben nicht nötig. sondern eine Verminderung der unnötigen Ausgaben und eine Verbesserung der OrgaNi- sation.(Sehr richtig!) Die Thronrede zeichnet sich mehr durch das aus, was sie nicht erwähny als durch das, was sie ausführt. Eine Wiedereinbringung der Wahlrechtsvorlage hat keiner, der die Verhälinisse kennt, erwarten können. Nach den Erfahrungen des letzten Wahlkampfes ist eine Verständigung über eine solwe Vorlage g a n z. n u s s i ch t Sck o s. Im übrige» ist das .Bersprechen-ider. Thronrede.von lbSS-.dneÄ-'die VorIngo vou.lMi voll erfüllt wordew Die Durchführung dieses Versprechens WStsß�M>e»M Emst'ihrnn� des RMH- tagSwahlrechis«»Preußen fordern, an die die Thronrede me gedacht hat.(Sehr richtig! rechts.) Die Früchle deSZusammengehenö derLiberalen mit der Sozialdemokratie bei den ReichStagswahlen sind in der Hauptsache der antimonarchischen Sozialdemo- kratie zugute gekommen. Als Sündenbock hat man die Re- gierung hingestellt. Aber man wird ihr mildernde Umstände zubilligen müssen; sie war durch Rücksichten auf die auswärtige Politik behindert. Doch war die Art wie Herr v. Bethmann H o l l w e g gegen Herrn v. Heydebrand Stellung genommen hat nur-geeignet, den Gegnern Wasser auf ihre Mühlen zu führen.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Verkehrt ist es, wenn von der Regierung die Landräte immer als politische Beamte stigmatisiert werden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten.) A b s o- lutisinus gibt es in Preußen nicht— außerhalb der Sozialdemokratie.(Große Heiterkeit bei den Sozial- Frühlingssonne wärmt, feiert er seine Auferstehung, ergötzt sich schadenfroh am Schreck der andern und tritt sein Regiment von neuem an. Indes trotz der Gediegenheit der Charakteristik löst diese Schilderung, der das Element der Handlung fast völlig abgeht, auf der Bühne nicht genügend Spannung und intensive Anteilnahme aus. Bei aller wechselnden Beleuchtung verändert sich die Konstellation im Grund zu wenig. Auch die mit größter Sorgfalt ausgefeilie Vorstellung des Lessing-Theaters konnte dem nicht abhelfen. Die beiden ersten Akte fanden mäßigen Äpplaus und der starke Beifall am Schluß schien mehr eine Demonstration für den Dichter von „Glaube und Heimat". Die beiden rivalisierenden Mägde waren durch Elfe Lehmann und Mathilde L u s s i n trefflich vertreten. Kurt S t i e l e r brachte den gutmütig- schwachen Hannes, Forest das charmlose EiShofbäuerlei», Margarete A l b r e ch t das streitbare Totenweibel zu. lebensvoller Anschauung. Reicher in der Figur deö Grutz gab einen neuen Beweis von der eminenten Vielieiligkeit seines Könnens. Freilich, seine Gestalt war für den Alten nicht knorrig, nicht wurzelfest genug, aber bewunderungswürdig glückte ihm der Ausdruck der grillenhafteil Einfälle und Empfindungen. Scknitzlers Einakter„Komtesse Mizzi' spielt in der« selben Wiener Welt vornehm-galanten MüßggangeS wie das„Weite Land". Der gar nicht mädchenhaften Komtesse wird von ihrem ersten Liebhaber, einem HerrenhäuSler, der in der Kammer klüglich nie den Mund auftut, nach achtzehn Jahren der Junge, den sie ihm geboren, vorgeführt. Sie hat nie etwas von dem Kinde wissen wollen. da der Bater nicht hielt, was ibre romantische Jugendschwärmerei erhoffte. Wie das standesgemäß erzogene frechdachstge Bürschchen ühr zu gefallen anfängt, wie sie von dieser neuen Neigung ein wenig auf den eilist Geliebten, der um sie anhält, übertrögt, das bildet, gekreuzt von Liebesaffären des eigenen Papa, den Inhalt der kleinen Plauderei. Das Spiel war glänzend. Die drei Hauptrollen hatten Irene Triesch, Reicher und M o n n a r d inne. dt. Notizen. — Vorträge. Im Arbeiter-Wanderbund„Die Natur- freunde" spricht am Freitag, abends 8>4 Uhr.(Prachtfäle„Alt- Berlin" in der Blumenstraße) Engelbert Graf über:«Ter bor- geschichtliche Mensch"(mit Lichtbildern). Eintritt frei. — Der erste städtische„Kientopp" wird demnächst in Altona eröffnet. Die Stadt Mona übernimmt das Lichtspiel- theater. allerdings nicht, um sich eine neue Einnahmequelle zu ver- schaffen; das Theater soll vielmehr als Musterstätte derartiger Unternehmen dienen. Man will durch dieses städtische Kwematho- graphentheater einen gewissen Druck auf die privaten Unternehmen dieser Art ausüben und diese veranlassen, ebenfalls neue und lehrreiche Bilder dem Publikum zu bieten. icmoltafcn.) Nichtig ist, dah die Beamten durch ihren Treueid Ver- pflichtet sind, sich von allen autimonarchischen Bestrebungen fern- zuhaltein Wenn Herr Hirsch von Heuchelei sprach, so frage ich: wie steht es mit denen, die durch Entziehung der Kund- schaft zur sozialdemokratischen Wäblerschaft gezwungen werden? (Bravo! rechts. Abg. Hoffmann sSoz.s: Glauben Sie das selbst?> Ein Grund für den Ausfall der Wahlen liegt auch in derAblehnung der Erbschaftssteuer und der Aufrechterhaltuug der B r a n n t- w einliebesgabe.(Lebhaftes Sehr rickuig! links.) Daran knüpft sich die Unterstellung, daß der Großgrundbesitz sich bei der Reichs- finanzreform besondere Vorteile ausbedungen habe und sich der Steuerdrückerei schuldig mache.(Sehr wahr I links.) Diese Momente der Verhetzung werden wir nach Kräften beseitigen müssen. Wir werden die Veranlagung zur Einkommen- und Vermögenssteuer so ausbauen müssen, daß dem Volke volle Gewähr geboten ist, daß die Großgrundbesitzer ebenso wie die Großkaufleute und Rentiers voll nach ihrem Einkommen und Vermögen herangezogen werden. Die aus diesen Angriffspunkten folgende allgemeine Ver- hetzung gegen den Großgrundbesitz wird auf ihren berechtigten Kern zu prüfen sein, wo man Wunden erkennt, wird rücksichtslos die bessernde Hand anzulegen sein. Bei der Besetzung von Stellen in der Verwaltung wird noch immer das entscheidende Gewicht auf die soziale Stellung des Vaters, nicht auf die Tüchtigkeit gelegt.(Hört! hört! links.) In den Kreisvertretungen hat der Großgrundbesitz einen zu weitgehenden Einfluß. Wir brauchen ein Fideikommiß- und ein Parzellierungsgesetz. Die Polenpolitik muß energisch und konsequent fortgeführt werden.(Bravo I rechts.) Abg. v. Trampczynski(Pole) wendet sich gegen di- dauernden Steuerzuschläge. In den Ostmarken ist bereits über eine Milliarde zum Fenster hinausgeworfen. Der Ostmarkenverein kompromittiert Preußen. Redner protestiert gegen die Praxis der Bauernbank und der Ansiedelungskommission und bezeichnet die Kassierung einiger Stimmen in S ch w e tz, wo- durch Herr v. Saß-Jaworski in die Stichwahl gedrängt wurde, als unrechtmäßig.»(Bravo! bei den Polen.) Das Hans vertagt sich. Abg. Hirsch(Soz.) spersönlichs: Der Minister des Innern hat in Erwiderung auf meine gestrigen Ausführungen über die Kund- gcbung der Beamten gesagt: Wenn ein Beamter Anstand und Gewissen hat, so wird er in dem Augenblick, wo er glaubt, sich der- Sozialdemokratie anschließen zu müssen, daraus die Konsequenz ziehen und aus seinem Amte ausscheiden. Er hat hinzugefügt:„Das darf nicht geduldet werden im Interesse des Volkes, das andere Begriffe von Treu und Glauben hat, als sie leider nach den Ausführungen des Abg. Hirsch bei einem Teile der ihm näherstehenden Kreise vorhanden sein mögen, und im Interesse der Beamtenschaft, die mit Lügnern und Heuchlern nichts zu tun haben will." Wenn die Worte der Ministers überhaupt einen Sinn haben sollen— nach der Geschäftsordnung muß ich das ja annehmen(Heiterkeit)— so kann damit nichts anderes gemeint sein, als daß er mir vorwarf, daß ich niedrige Begriffe von Treu und Glauben habe und der Lüge und Heuchelei das Wort rede. Sollte das so gemeint sein, so kann ich nur erklären: Würde ein solcher Vorwurf außerhalb des Hauses gegen mich erhoben, so würde ich das als junkerliche Frechheit bezeichnen.(Unruhe rechts, Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Präsident Frhr. v. Erffa: Wenn Sie auch diese Aeußerung konditionell gemacht haben, rufe ich Sie doch deshalb zur Ordnung.(Bravo! rechts.) Nächste Sitzung: Donnerstag 1t Uhr(Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß 4�/« Uhr._ Der Krieg. Ein türkischer Erfolg bei Derna? * London, 31. Januar.„E v e n i ng Standard" berichtet au? Konstantinopel: Enver Bey teilt in einem Telegramm mit, daß durch einen energischen Angriff der Türken bei Derna die Italiener gezwungen worden wären, ihre Stellungen unter Zurück- lassung von 200 Toten zu räumen. Den Türken ftelen eine große Anzahl Geschütze sowie Kriegsmunition in die Hände. Das Geld, das in den Taschen der getöteten italienischen Soldaten gefunden wurde, ist dem italienischen Kriegsminister zugestellt worden, damit es unter die Familien der Gefallenen verteilt werde. Die 29 Türken der„Manuba". Paris, 31. Januar. Wie aus Marseille gemeldet wird, haben die türkischen Reisenden die Prüfung als Aerzte, Krankenwärter oder Verwundetenträger erfolgreich bestanden. Nach dem E r g e b- nis der Prüfung können die Türken in drei Kategorien ein- geteilt werden: drei Aerzte; sieben oder acht Krankenwärter, die eine ziemlich sorgfältige Ausbildung genoffen haben; der Rest sind Vertvundetenträger, durchweg Leute aus dem Volke. Eine französische Demonstration in den tunesischen Gewässern. Paris, 31. Januar.„Matin" meldet aus Bizer ta: Ein Torpedobootsgeschwader wird sich demnächst nach der Südküste von Tunesien begeben, um dort verschiedene Ucbungen vorzunehmen. Wieder eine Bombenafsäre in Mazedonien. Saloniki, 31. Januar. In R a d o w i st a wurde im Hause eines Kaufmanns Selim eine Dhnamitbombe entdeckt, die, wie be- hauptet wird, von Mitgliedern des revolutionären bulga- r i s ch e n Komitees versteckt worden war. Als die Bombe von Soldaten untersucht wurde, explodierte sie, tötete acht S o l- daten und einen Offizier und verwundete acht andere Soldaten. Ter Krieg und die internationale Situation. Rom, den 29. Januar.(Eiy. Ber.) Vom Kriegsschauplatz er- fahrt man so gut wie gar nichts mehr. Alles scheint eingeregnet und ins Stocken geraten. Von Gefechten ist wenig zu berichten, obwohl namentlich in der Cyrenaika Tag für Tag Scharmützel geliefert werden. Ter Krieg ist in ein Stadium getreten, das für die Soldaten unendlich mühselig ist und gleichzeitig den nationali- stischen Journalisten wenig Genugtuung gewährt. Unter diesen Umständen, unter denen man als einzige Zeugen deS Krieges die Transporte Verwundeter und die königlichen Dekrete hat, die neue Llriegsausgaben autorisieren, flaut die tripolitarnsche Begeisterung mit jedem Tage mehr ab. Seit Dezember hat sich ein großer Umschwung in der öffentlichen Meinung vollzogen, und dieser Umschwung wird sicher seinen Rückschlag in der Kammer finden. Bei dein völligen Mangel an Notizen vom Kriegsschauplatz liefer.t die Energie, mit der die italienische Regierung auf einmal den Waffen- und Proviants ch in uggel von Tune- sicn aus zu bekämpfen anfängt, eine hochwillkommene Ableitung. Wunderbar ist nur, warum sich die italienische Regierung gerade jetzt so scharf ins Zeug legt, wo doch der Schmuggel schon seit Beginn des Krieges andauert und der Regierung durchaus nicht verborgen war. Man fängt an, die französischen Kauffahrteifahrer zu belästigen, gerade in dem Augenblick, wo die französische Regie- rung selbst sich zu einer schärferen Ueberwachung der Grenze ent- schloffen hat. Merkwürdig ist auch, daß man gerade Frankreich so scharf aufs Korn nimmt, während man dem Waffenschmuggel von Aegypten aus große Toleranz bezeugt, und das gerade zu einem Zeitpunkt, wo die englisch-ägyptische Regierung Bestimmungen ge- troffen hat, die die Ueberwachung der Grenze immer lässiger werden lassen. Das heutige Verhalten der italienischen Regierung muß also seinen Grund mehr in politischen als in militärtechnischen Erwägungen haben- Der„Avant i" gibt dem Gedanken Ausdruck, daß die italie- nische Regierung die Sympathie der Franzosen auf die Probe stellen wolle, in der Hoffnung, durch das in Frankreich übliche überfcharfe Hervorkehren des nationalen Selbstgefühls eine Ent- sremdung zwischen Frankreich und Italien zu erzielen, die die italienische öffentliche Meinung von der Notwendigkeit überzeugen soll, den Dreibund zu erneuern. Ob die Regierung wirklich so weit ausschauende Pläne hat, mag dahingestellt bleiben. Sicher ist, daß die französische Regierung bis heute ein großes Entgegen- kommen an den Tag gelegt hat, während die. französische Presse in üblicher Weise über die Stränge gescklagen hat. In politischen Situationen wie den heutigen ist eine Mißstimmung zwischen zwei Völkern leicht zu provozieren. Die nationalistische Presse in Italien, die sonst schon wegen ihrer Dreibundantipathien franzosenfreund- lich ist, ändert mit einem Schlage ihre Stellung, seit sie glaubt, durch Frankreichs Verhalten das nationale Prestige angetastet zu sehen. Auf der anderen Seite ist das Anhalten neutraler Schiffe, die Kriegsmaterialien befördern, durchaus dazu angetan, die neutralen Mächte davon zu überzeugen, daß es auch in ihrem Interesse liegt, für den Friedensschluß zu wirken. Die Londoner Abmachung vom Jahre 1909, die die Beschlagnahmung von Kriegsmaterial auch auf der Fahrt zwischen zwei neutralen Häfen autorisiert, hat diesmal eine vorläufige Anerkennung gefunden, obwohl sie von keiner der beteiligten Mächte ratifiziert worden ist. Ehe nun das internatio- nale Haager Schiedsgericht über diesen Fall zu einer Entscheidung kommt, dürfte die italienische Regierung sich für berechtigt halten, alle Schiffe, die sich in der Lage der„Manouba" befinden, au�- zuhalten, was zu einer reckt angenehmen Kette von Zwischenfällen Anlaß geben kann. Den ersten Vorgeschmack haben wir in der Be- schlagnahmung der„Favignano", bei der es allerdings nicht ge- lungen ist, Kriegsmaterial zu konfiszieren. Der Skandal der Militärlieferungen. Rom, den 29. Januar.(Eig. Ber.) Die Voruntersuchung über die Betrügereien bei den Militärliefeningen für das tripolita- nische Expeditionskorps sind noch nicht zu einem Abschluß gelangt. Trotzdem ist bereits die Verhaftung des Majors Raganeschi und' des Leutnants B a r b a t o verfügt worden, welche beiden Offiziere mit der Inspektion der Lebensmittel betraut waren. Uebev die strafrechtliche Untersuchung verlautet nichts Näheres. Die militärische Untersuchung soll ergeben haben, daß in den ersten Monaten eine ungeheure Konfusion bei dem Einschiffen der Waren herrschte, weil das Kommando die Lebensmittel sehr dringend brauchte, so daß sie gleichzeitig auf viele Dampfer verladen werden mußten. Vom Anfang Dezember an sei aber alles sorgfältig kon- trvlliert und gewogen worden. Da man inzwischen auch dahinter gekommen ist, daß sich die Unternehmer, die Teigwaren, Mehl und Kaffee lieferten, den Ein- fuhrzoll von der Zollbehörde haben zurückerstatten lassen, obwohl der Preis unter Einschluß dieses Zolls angesetzt worden war, wurden die Offiziere auch wegen dieser Unregelmäßigkeit zur Rede gestellt. Sie erklärten sämtlich, mit dieser Sache nichts zu tun zu haben und auch nichts von ihr zu wissen. Die Zollbehörde ihrer- seits gibt an, daß die Rückzahlung des Einfuhrzolls bei Ausfuhr aus dem italienischen Zollgebiet den Gesetzen entspricht, was objektiv richtig ist. Wenn wirklich die Militärbehörden bei der Ver- einbarung des Preises und die Zollbehörden bei der Rückerstattung des Zolls in gutem Glauben gehandelt hätten— was allerdings nicht für einen großen Scharfsinn ihrerseits spräche— so ist es dach zweifellos, daß die Submissionsunternehmer sich ihrer Gsiunerei klar bewußt waren. Sie haben rund eine Million durch dip Zurückerstattung des Ausfuhrzolls profitiert. Uebrigens scheint man noch längst nicht am Ende der fkanda- lösen Enthüllungen. Nach dem Neapolitaner„Mattino" hätte oin Kaufmann aus Neapel, der gleichzeitig Mitglied des dortigen Provinzialrats ist, in Tripolis 9000 Ochsenhäute aufkaufen lassen zum Preffe von 6 Lire das Stück. Sie wurden dann nach Neapel gebracht und»für 70 Lire das Stück an da? Mlitärkonnnando ver- kaust, was einen Profit von mehr als einer halben Million aus- macht. Die Spekulanten werfen sich wie die Geier auf die öffent- lichen Kassen,'und es hat nickt den Anschein, als ob die zu ihrer Hut bestellten Beamten ihre Pflicht täten. So erzielt die Bour- geoisie ihre Siege und bringt ihre Schäfchen ins Trockene, welchen Ausgang auch der Krieg nehmen möge. Die Kevolutioo in China. Der Hof gibt nach. Peking, 31. Januar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Das Auswärtige Amt teilt mit, die Kaiserinwitwe habe das Kabinett davon unterrichtet, daß sich der Thron für den Frieden entschieden habe, und sie habe die Minister an- gewiesen, entsprechende Maßnahmen zu treffen. Die Haltung Juanschikais. Brüssel, 31. Januar. Die„Agence l'extreme Orient" erfährt, daß I u a n s ch i k a i entschlossen ist, in der Defensive zu verbleiben. Er hat 20 000 Mann im Süden stehen, 20 000 Mann bei der Stadt Chaokon, 30 000 Mann vor Hankau und 10 000 Mann an der Grenze von Hupe. Der Rest der Truppen befindet sich in den nördlichen Distrikten und soll vor allem dem Räuberunwesen ein Ende bereiten. Den Süden scheint Juanschikai sich selbst über- lassen zu wollen. Die Lage der Städte Hankau und Hanyang ist jetzt geregelt. Die kaiserlichen Truppen verlassen diese Städte, da während des Waffenstillstandes ein Abkommen zwischen den beiden kriegführenden Parteien getroffen worden ist, wonach diese Städte für neutral erklärt wurden. Der englische Konsul hat die Bürg- schaft für die Aufrechterhaltung der Neutralität übernommen. Die übrigen Konsuln haben sich diesem Abkommen angeschlossen. Die chinesischen Zivilbehörden werden für Ruhe und Ordnung sorgen und dabei von einer Polizeitruppe unterstützt werden. Juanschikai und der Führer der Rebellen, Wuting Fang, haben das Abkommen durch ihre Unterschrift bestätigt. Die Japaner halten jetzt eine Flotte von 23 Kriegsschiffen in den chinesischen Wässern und haben somit die weitaus stärkste Flotte von allen Mächten zur Stelle. Soziales* Jnnungsprinzipie». Während in manchen Berufen sich die Meisterinnungen mit den Arbeitnehmerverbänden nickt nur vertragen, sondern auf gewerb- lichem Gebiete zusammenarbeiten und sogar Tarifverträge, die die Entlohnung der Arbeiter regeln, miteinander abgeschlossen haben, steht noch die Mehrzahl der Innungen den Bestrebungen der Arbeiterverbände feindlich gegenüber. So auch die Berliner F l e i s ck e rinnu n'g, die durch ihre Beschlüsse zuweilen ihren Mitgliedern arge Verlegenheiten bereitet, wie ein am Dienstag- abend vor dem Jnuungsschiedsgericht verhandelter Rechtsstreit wieder zeigte. Der Fleischergeselle B. verlangte von dem Fleischermeister Paul Richter 6,75 M. Entschädigung. Er war von dem Sprechmeister Draebert im Fleischer-ArbeitSnachweiS für den Beklagten engagiert worden, wurde aber nicht beschäftigt, weil er auf Beftogen der Wahrheit entsprechend angab, daß er Mitglied deS Zentral- Verbandes der Fleischer sei. Nach Prüfung der Zeugnisse erklärte ihm der Beklagte, er würde ihn gern einstellen, wenn er(Kläger) nicht Mitglied des Zentralverbandes wäre, aber als Mitglied der Innung dürfe er Verbandsmitglieder nicht beschäftigen. Das Schiedsgericht kam nach Prüfung der Zeugnisse zu dem Ergebnis, daß der Kläger eine ganz brauchbare Kraft für den Beklagten sei, und sagte dem beklagten Meister, daß die Zugehörig« keit des Klägers zum Verbände kein Grund sei, um ihn nicht zu beschäftigen. Obwohl der Beklagte noch seiner Befriedigung darüber Ausdruck gab, daß der Kläger der einzig ehrliche gewesen sei. der ihm gegenüber seine Mitgliedschaft im Verbände nicht verleugnet hat. was ihn(Beklagten) sehr gefreut habe, bedauerte er doch, den Kläger nicht beschäftigen zu können. Es sei prinzipieller Beschluß der Innung, Verbandsmitglieder nicht zu beschäftigen, und die JnnungS- beschlüsse halte er hoch. Das Schiedsgericht riet zum Vergleich auf 5 M., der Kläger er- klärte sich jedoch schon mit 4 M. zufrieden. Nach einigem Hin und Her nahm der Beklagte auf Zureden des Schiedsgerichts den klägc- rischen Vorschlag an. Wenn die Innung einen Beschluß gefaßt hat, Mitglieder des Zentralverbandes dürfen von ihren Mitgliedern nicht angenommen werden, so ist solcher Beschlutz null und nichtig, weil er einen gröb- lichen Verstoß gegen die guten Sitten enthält. DaS ist im Jahre 1896 bei Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuchs von den verbündeten Regierungen und allen Pasteien deS Reichstages anerkannt. Die Mitglieder der Innung, die solchen Beschluß gefaßt haben, find über- dies neben dem Jnnungsmitglied, daS dem Beschluß fich fügt, für allen aus dem Beschlutz Gesellen erwachsenden Schaden persönlich nach Z 826 B. G.-B. voll verantwortlich. Aus den Ergebnissen ber Arbeiterverficherung 1910. Bei einer mittleren Gesamtbevölkerung von 64 568 126 Per- sonen, und zwar 31 859 969 männnlichen und 32 708 157 weiblichen, ivaren im Deutschen Reiche 1910 überhaupt gegen Krankheit ver- sichert 13 953 900 Personen, davon 10 290 300 männliche und 3 663 600 weibliche. Für die Knappschaftskassen sind bei dieser dem„Reichsarbeitsblatt" entnommenen Zusammenstellung die Er- gebnisse für das Jahr 1909 eingesetzt, weil diejenigen für 1910 noch nicht feststehen. Ueberhaüpt tätig waren im Jahre 1910: 23 356 Krankenkassen, durchschnittlich tätig 23 011 Krankenkassen, und zwar: 7974 Gemeindekrankenversicherungen, 4749 Orts-, 7886 Betriebs-(Fabrik-), 40 Bau-, 802 Jnnungskrankcnkaffen. 1256 eingeschriebene und 136 landesrechtliche Hilfiassen sowie, 168 KnPzpschaftskassen. Die Gesamtzahl der gegen Unfall versicherten Personen betrug — nach Abzug der auf rund 3,4 Millionen zu schatzenden, in der Gewerbe-, Bau- und Sec-Unfallversicherung und der Unfallver- sicherung für Land- und Forstwirtschaft doppelt versicherten— im Jahre 1910 rund 24 153 600, darunter 15 095 100 Männer und 9 058 500 Frauen. Träger der Unfallversicherung waren 66 ge- werbliche Berufsgenossenschaften, 48 landwirtschaftliche Berufs- genossenschaften und 546 staatliche, Pcovinzial- und Kommunal- Ausführungsbe Hörden. Die Invalidenversicherung umfaßte 1910 rund 15 659 700 Per- sonenn, davon 10 856 400 Männer und 4 803 300 Frauen. Als Träger dieses Versicherungszweiges bestanden 1910: 31 Versichc- rungsanftalten und 10 zugelassene Kasseneinrichtungen. In der Krankenversicherung(einschl. Knappschaftskassen für 1909) kamen 1910: 5 712 293 mit Erwerbsunfähigkeit verbundene Erkrankungsfälle vor, die 113 530 003 Krankheitstage umfaßten. In der Unfallversicherung wurden 1 017 570 Unfälle(Verletzte) entschädigt, davon 132 064 zum ersten Male. Die Zahl der In- validenrenten(einschl. Krankenrenten) betrug 1039 011, wovon 126 924 neu bewilligt waren. Die Zahl der Altersrenten belief sich auf 113 974, darunter 11 612 neue Renten. Die Summe der ordentlichen Einnahmen stellte fich in der gesamten Arbeiterversicherung auf rund 956 755 600 M., hiervon machten die Beiträge der Arbeitgeber 427 988 900 M., die der Versicherten 365 870 600 M. aus. Der Zuschuß des Reichs betrug 52 538 200 M. Die ordentlichen Ausgaben erreichten die Höhe von ruud 803 821 700 M., ohne die Rücklage zur Bermögensbildung. Die Summe der Entschädigungsleistungen ist für die Kranken- Versicherung(einschl. Knappschaftskassen) auf rund 356 791 200 M., für die Unfallversicherung auf 164 425 400 M',' und für die In- validenversicherung auf 196 825 500 M. berechnet. Am Schluß des Jahres 1910 belief sich das BermSgen der Jnvalidenversicherungsanftalten auf 1 662 158 740,52 M. Zu dieser Summe von über 1662 Millionen tritt noch der Buchwert der Jnventarien mit 6 666 869,12 M. hinzu. Gericbts-Leitung. Auch eine Hilfskrankenkaffe. Das Schöffengericht in Gotha verurteilte den„Direkkor" der „Mitteldeuffchen Versicherungsanstalt", Wendelmuth. zu 100 M. Geldstrafe wegen falscher Angaben bei der Behörde(betr. Ausschluß von 800 Mitgliedern), während der Mitangeklagte zweite Vorsitzende dieser Kasse, Rechtsanwalt Dr. Essiger, freigesprochen wurde, da er angab, daß all die vielen Unregelmäßigkeiten ohne sein Mitwissen vom Direktor allein ausgeführt worden sind. Es wurde festgestellt. daß die Kasse(E. H.) seit zwei Jahren besteht, eine Einnahme von 37 000 M. hatte und davon 3000 M'an erkrankte Mitglieder und 14 000 M. als Gehälter verausgabte. Nur in seltenen Fälle» wird Krankengeld gezahlt, jedoch wird daS Mitglied verpflichtet, die„Beiträge mindestens auf die Dauer von zwölf Monaten ohne Widerrede zu entrichten, und wird aus irgendeinem Grunde die Zahlung verweigert, die restlichen Beiträge des laufende» Jahres sofort fällig und zahlbar" sind! Der freiwillige Austritt kann nur am 31. Dezember erfolgen I Das Direktorium und der Gesamtbor- stand besteht aus drei Mann. Das Statut enthält drei verschiedene Tarife, ohne den Wächnerinnenentschädigungs- und Sterbegeld- tarif. Sieht man sich das Ding aber genau an. so ist nur unter de» größten Schwierigkeiten etwas zu kriegen. Es sind deshalb eint große Anzahl Beschwerden bei der Behörde eingegangen, auch schweben noch mehr Prozesse, u. a. auch einer wegen Betrug gegen die in der Gegend von Gotha völlig unbekannte.Kasse. Der Ge- schäftsführer Jäger ist ein wegen Adressenschw-indel in Dresden bestrafter junger Mann, der bis vor kurzem eine gleicktvertige Kasse in Eisenach hatte, die von der weimarischen Behörde geschlossen werden mutzte. Hoffentlich wird die genannte gothaische„Hilfs"- lasse bald von dem gleichen Schicksal ereilt. ES mag aber doch energisch vor dieser„Anstalt" gewarnt werden. Sie wurde nach Aussage des Direktors deshalb nach Gotha verpflanzt, weil Gotha bereits Sitz großer Versicherungsanstalten seil Habt acht bei Kautionsstellung! Daß der Kautionsschwindel trotz aller Warnungen in den Zeitungen immer noch blüht, zeigte wieder einmal eine Verhand- lang, welche gestern die 4. Strafkammer des Landgerichts I be- schäftigte. Wegen Betruges, Unterschlagung und verleumderischer Beleidigung war der Hhpothekenmakler Franz Kubial angeklagt. während sich der Bureaugchilfe Maximilian Grundmann unter der Anklage der Beihilfe zum Betrüge zu verantworten hatte. Der Angeklagte gründete im Jahre 1906 in Gemeinschaft mit dem später ausgeschiedenen Kaufmann Paul Peiser die„Gesell- schaft der HauS- und Grundstücksbesiber Groß-Berlins" m. b. H., die sich hauptsächlich mit An- und Verkäufen von Grundstücken, Beschaffung von Hypotheken. Einziehung von Mieten usw. be- schäftigen sollte. Da diese Gesellschaft, die nur auf einer sehr schwachen finanziellen Basis gegründet war, sehr häufig mit der bekannten und kapitalkräftigen„Wirtschastsgenossenschaft der Haus- und Grundbesitzer Groß-Berlins" verwechselt wurde, wurde der Angeklagte später durch Gerichtsbeschluß gezwungen, die Firma abzuändern. Er tat dies auch und nannte di« Gesellschaft von nun an„Gesellschaft für die Interesse» der Haus- und Grund- bescher Berlins". Das Bureau verlegte er nach der Kaiserstr. 11/12 und zwar in der unmittelbaren Nähe der„Virtschaftsgenosscn. 'chaft". Wie die Anklage behauptet soll dies deshalb geschehen ein, um durch alle möglichen hinterlfftigen Kunstgriffe den An. schein zu erwecken, als handele es sich um eine besondere Abteilung der„Wirtschastsgenosscnschaft". Ter Angeklagte selbst legte sich dann den Titel„Direktor" zu, während der Mitangeklagte Grund- mann von den übrigen Angestellten mit„Sekretär" angeredet werden mußte. Von dem Jahre 1909 an erließ Kubiak dann in verschiedenen Zeitungen Inserate, in denen„ein Hausbesitzer- verein" kautionsfäliige Kassenliclimten suchte. Den sich meldenden Personen wurde gesagt, daß eine Kaution von mindenstens 39 M. erforderlich sei. da sehr große Beträge, namentlich Mieten, durch ihre Hände gingen. Knbiak gab ferner an, die Kaution werde bei der„Dresdner Bank" hinterlegt. Um die Leute sicher zu macken wurde ihnen serner gesagt, daß sie die Kaution nicht an ihn, sondern an die G. m. b. H. direkt senden sollten, da diese dann in ihrer Gesamtheit dafür hafte. Wie sich später herausstellte, hatte der Angeklagte als„Direktor" der Gesellschaft die einzelnen Depots sofort abgehoben und zu Geld gemacht. Außerdem der- stand er es, seine Angestellten noch anzupumpen. So erzählte er u. a. dem Wachtmeister a. D. K., daß er für den Polizcileutnant Rcymann von dem Polizeirevier in der Magazinstraße einen Wechsel bezahlen müsse, wozu er schleunigst 600 M. brauche. Er äußerte dabei zu K.. daß dieser ihm ja keinen Gefallen tue. sondern nur dem Polizeileutnant, dem er eigentlich nicht helfen sollte, da er ihm beim Mauscheln das Geld abgenommen habe. Die ganze Erzählung von dem Wechsel des Polizeileutnants war von dem Angeklagten einfach aus der Luft gegriffen, um den K. zur Her- gäbe des Geldes zu bewegen. Die Folge war, daß gegen K. auch noch Anklage wegen Verleumdung erhoben wurde. Als Kubiak auf diese Weise etwa 22 000 M. an Kautionen eingeheimst hatte, ergriff er die Flucht nach Paris, von wo er später ausgeliefert wurde.— Vor Gericht beantragte der Staats- anwalt gegen Kubiak Z Jahre und gegen Grundmann, der sich an den Betrügereien beteiligt hatte, 0 Monate Gefängnis. Rechtsan- Walt Dr. Fürle hielt bei Kubiak, der übrigens das Geld nur dazu verwandt habe, die Gesellschaft in die Höhe zu bringen, aus tat- sächlichen und rechtlichen Gründen die Freisprechung für geboten, während im übrigen eine weit mildere Strafe angebracht erscheine. Das Gericht kam in einigen Fällen zur Freisprechung. Kubiak wurde zu 2l4 Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 6 Monaten der Untersuchungshaft, Grundmann zu 4 Monaten Gefängnis vcr- urteilt._ Hohe Strafe wegen Beleidigung eines Rechtsanwalts. Am 23. März v. I. fand vor dem Zivilgericht ein Termin statt, in welchem der jetzige Angeklagte Kaufmann Moritz Arendt aus Schlachtensee einen Eid leisten sollte. Ehe A. hierzu kam, wurde er von dem gegnerischen Anwalt, Rechtsanwalt Ber, mit den Worten:„Wenn Sie diesen Eid leisten, so bleiben Sie gleich hier!" bedroht. Diese Aeußerung wurde auch von dem Vorsitzenden zurückgewiesen. Auf dem Korridor kam es zwischen Arendt und dem Anwalt nochmals zu einem heftigen Zusammenstoß, der damit endete, daß Arendt schwere Beleidigungen gegen Ber ausstieß, die sich aus dessen Familien- und finanzielle Verhältnisse bezogen. Das Schöffengericht ahndete diese Beleidigungen, wie unseren Lesern erinnerlich, mit einer Gefängnisstrafe von 0 Monaten mit Rücksicht darauf, daß ein Anwalt in der Ausübung seiner Berufs- pflichten gegen derartige Beleidigungen energisch in Schutz ge- nommen werden müßte. Gegen dieses Urteil legte A. Berufung ein. In der gestrigen Verhandlung vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsrats Bienutta wurde mitgeteilt, daß A. sich verpflichtet hat 1000 M., die schon hinterlegt sind, für wohltätig« Zwecke zu zahlen. Rechtsanwalt Ber erklärte, daß er kein Interesse an der Berhängung einer Gc- fängnisstrafe habe.— Das Gericht erkannte unter Aufhebung des ersten Urteils auf 600 M. Geldstrafe. Strafbarkeit von Nachschubsverkäufe«. Eine Plenarentscheidung des Reichsgerichts über das Wett- bcwerbsgesev wird demnächst zu erfolgen haben, da der 2. Straf- senat sich am Montag mit Rücksicht auf die Ansicht eines anderen Senates außerstande erklärt hat, eine Entscheidung zu fällen. Es handelte sich um ein Urteil des Landgerichts II in Berlin, durch welches der Eisenwarenhändler Gerhard Schröder in Rixdorf-Neu- kölln auf Grund des 8 8 des Wettbewerbsgesetzes wegen Nach- schiebens beim Ausverkauf zu 30 M. Geldstrafe verurteilt worden ist. Er hatte eine Konkursmasse angekauft und für diese im selben Lokal einen Ausverkauf veranstaltet. Der Abgesandte eines Kon- kurrenten verlangte im Ausverkaufslokale zwei Rollen Draht- geflecht. Der Verkäufer gab ihm eine und erklärte, die zweite Rolle könne am Abend abgeholt werden. Sie wurde dann aus dem eigentlichen Geschäft des Angeklagten geholt und dem Besteller gc- liefert.— In seiner Revision machte der Angeklagte geltend, er habe die zweite Rolle gar nicht zum Zwecke des Ausverkaufs her- beigeschafft, sondern er habe sie lediglich auf vorherige Bestellung geliefert.— Der Senat faßte den Beschlutz, den vereinigten Straf- senaten folgende Frage vorzulegen: Wird nach§ fi des Wettbewerbsgesetzes bestraft, wer im Falle der Ankündigung deS Ausverkaufs eines bestimmten Warenvorrates solche Waren zum Vcr- kauf stellt, die nur zum Zwecke des Ausverkaufs aus einem anderen Lager des Ankündigenden an di». Ausverkaufsstelle geschafft wor- den sind? 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Den Parteigenossen zur Nach- richt, dag unser Mitglied, der Bauarbeiter Eimst Gerecke Hermannplatz 4 verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neu- löllncr Gemei, de>FriedhoscS am Mariendorser Weg aus statt. Vor- Vorstand. SozialtlemokraiisctiJatilvereiii Nieder-Bamim. Bezirk Weißensee. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Kellner Gottfried Brossat am 30. Januar nach langem Leiden, im Alter von 28 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Tie Beerdigung findet am Freitag, den 2. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des GcmeindefriedhoseS in der Rülckestrasse aus statt. 13/3 Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Bezirksleitung. Verband deutsch. Gastwirtsgehilfen. OrtSverwaltuug Berlin I. Am 80. Januar verstarb nach längerem Leiden unser Mitglied Lollfried Brossal (Wcitzcnsee). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Gemeinde-FriedhoseS zu Weissen- see aus statt. 31/1 Um rege Beteiligung ersucht Der Boritand. Beulseder Bauarbeiter-Verband Zweigverein Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Bau- arbeiter Emi! Kiekeber (Bezirk Osten I) am 30t Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. Februar, nach- mittag« 2'/. Uhr, vom Trauer- Hause, Palisadenstr. KL, au« aus dem Städtischen Friedhos in FrledrichSselde statt. Rege Beteiligung envartet 136/13 Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht dah unser Mitglied, der Metall. arbeiter Albert Gräben am 27. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. Februar, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- 'alle de« Lichtenbcrger Gemeinde- 'ricdhoseS in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Ferner starb unser Mtglied, der Werkzeugmacher Albert GQntber. Ehre seinem Andenken 1 111/15 Hie Ortsverwaltune Atllmrn- ii Nii f»rftuiüiiibrrri von Robert Meyer,' bbi Mlmnll»tn-5tra|je 2 Zentralverhand der Sehmiede Deiitschla Eds Iktiiitlle Le Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass der Kollege Josopk NsnAlg (Bezirk Spandau) am 27. Januar im Alter von 32 Jahren an Lungentuberkulose verstorben ist. Wir werden dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren. 176/1 Die Lrtsverwaltnng. Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale Groß-Berlln. Durch den Tod ist uns unser Kollege Max KQbnitzseh von der Sektion Revierinspeklionen (7. Revier) entrissen worden. Wir werden ihm ew ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet äm Freitag, den 2. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen. Halle des Nazareth- Kärchboses, Reinickendors-West, Kögclslrasse, aus statt. 33/7 _ Die Ortsverwaltung. Am Montag, den 29. Januar, verschied plötzlich und unerwartet mein lieber Mann und guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Kastwirt Karl Redlich im kaum vollendeten 44. Lebens- jähre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Berta Bedlich und Tochter Gertrud, Dreibundstr. 6. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. Februar, nach- mittag 3>/, Uhr von der Leichen- balle des Hcilig-Kreuz-KirchhofcS. Marien dors, Eiscnacher Strasse 62, auS statt. 2755b Am 30. Januar starb nach langem, schwerem Leiden meine liebe, herzensgute Frau und Tochter .JoGepbine Lichtblau geb. Iii 2759b im Alter von 42 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt, um stilles Beileid bittend, an Georg llickiblau, Stukkateur, nehst Mutter Frau Anna Url. Die Beerdigung findet' am Sonnabend, den 3. Febrluar, nach- mittags. Z Uhr, von der Leichen- balle des St. Michael-KirchhofeS. Mariendorfer Weg, aus statt. Tantsagung. r die liebevolle Teilnahme und ahlrcichcn Kranzspenden bei der ?eccdigung unseres lieben JBruders, Schwager» und Onkels, des Schlossers Hermann Reichel sage» wir allen Freunden und Be lannten, sowie den Kollegen der Firma W. Müller, Cuvrystrasse, und der Allgem. Kranken- u. Sterbekasse der Drechsler und Berussgenossen(E. H. 86 Hamburg) unseren herzlichsten Dank. Familie Grat und Gusl. mmmammmmamam Danksagung. . ür die herzliche Tellnahme und ahlreichen Kranzspenden bei der Zeerdigung unserer lieben Tochter Cltarlotte sagen wir allen Äe- teiligten unseren herzlichsten Dank. Karl franke nebst Bau. Orts- Krankenkasse für das l zu Berlin KkblMlltmadjmrg. Zur Vornahme der Wahl von Vor- standSmilgiiedeni der Ortskranken- lasse für daS Bäcker- u. Konditor- gewerbe zu Berlin werden die in 'en Wahl- Berfammlungen am 3«. Januar d.'J. gewählten Tele- gierten zu der am Montag, den 5. ftfe&r. er., abends 7 Vi Uhr, ....„OewcrkHchartahanae" hier. Engelufer 15, staltfindenden Versammlung eingeladen, und zwar 270/6 a) die Herren Arbeitgeber-Ber- treter zur Wahl von 4 Vorstands- Mitgliedern aus ihrer Mitte uach Saal 5» b) die Herren Arbeitnehmer-Vcr- treter zur Wahl von 8 Vorstands- Mitglieder» aus ihrer Mitte nach Saal 4. Im Anschlug hieran findet«we Oenieintichaftllcbe General-Versammlung im Saal 4 statt. Tagesordnung: 1. Beschlusssassung über den Beitritt zum Gewcrkskrankcnvcrein. .Kasscnangclcgcnhcitcn. Der Koiuinissar für die Errichtung der vrtS- krankenkasse für das Bäcker- und Kouditorgcwerbe. Wille. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Sezirksrerwaltung GroB-Bvriin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kolleg«, der Haus- diener Hermann Elgel am 28. Januar im Alter von 62 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. Februar, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- halle des Friedhofes der St. MarkuSgemeinde, WilhelmSberg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 61/14 Bio Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die liebevolle Tellnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines Mannes Lrnsi Franke sage ich allen Verwandten und Be- kannten, den Kollegen, dem Zentral- verband der Steinarbeiter meinen herzlichen Dank. 27ö6b r-ncle Franke nebst Kindern. Heute, 1. Febr., beginnt mein diesjähriger Inienlnr- Yerkaiif zu beispiellos billigen Preisen. Teppich-Spezialhaus efövre BERLIN 5. Seit.1882 nur Orattiettsh*. 158. Räumungs-Eitraliste (enorm billiger Angebote) mm gratis n. franko, wm Nur einmal jährlich! findet dieser Inventar- Verkauf bei mir statt. ä KauIgeU______ | iür Hotels, Pensionate usw. -ojnwwdJJ'.0 rS�HC 0£tt£at£4> ■.......'............" ü'ii'iiniinnniwmtwtmij,,, � .0'"' � � � l �. ftanöH Ci�areiies Jpecialmarkcn Abbas Dandy Gibson GM e . if.TT r•—*"tl"71iMWr*llM""Ttt1'"....... l............. liiillllll�*4"llM||plir"*'", Prinzcniir. 31. F. Gutschmidt. Kottbuier Damm 8. ««. Paul Böbi». Laussy-r Plap 14,15. P. Harsch, llngelus« 16. �.dleruliet. Karl Schwarzlose. Hossmannstr. 9. Itaanischnlonweg. H. Hornig, Marienthal erstr. 13. I. B«r»lg« aide. Paul Kicnast. Räuschstr. 10. Charlottenburg. Gustav Scharnvcrg, Sesenbeimer Str. 1. Frledrlel>»liagen. Ernst Lüerkmanu, Köpenickcr Str. 18. Qrünnn. stzrauz«lein. Friedrichstr. 10. dekannlalkal. Pielickr, Kaiser-Wilbelm-Platz 6. Karlsliorst. Richard Küter, Rödclstr. 9. II. Kttucnick. Emil»Äistler, Kietzersir 6, Lade». I.lektenberg. Otto Seikel, Wartenbergstr. 1. Xleder-Sekiinevelde. Gehrt, Britzer Str. 6. Noti'trWeii. Wilhelm Joppe, Frietrichstr. 7. «der-SokttneHselde. Alfred Bader. Wllhelminenhofpr. t? Fanksrv. Otto Ristmann, Mühleuslr. 30. Beinickendorf. P. Gursch, Provinzstr. 5«, Laden. Ulxdorf. M. Heinrich, Neckarstr. 2. Conrad, Hermannstr. 50. C. Rohr. Siegjriedstr. 28/29. Bnmmeluknrg. Sl. Rosenkranz. Alt-Borhagen 5«. Sscköiiedcrg. Bjilhctm Bäumler, Äarttn-Luther-Str. 69 im Laden. Spandan. Koppen. Breitcftr. 64 Steglitz. H. Bcrnsce, Atscnstr. S. Denipelkof. Frany, Berliner Str. 76, Laden. Treptow. Robert Gramcnz. Kiesbolz/tr. 412. Laden. 44 esltenuee.«»uhrmann. Sedanstr 105 Schillert. Känig-Thaussee 39� 4V iilmerudorf. Paul Schubert. Wllbelmsaue 26. Hos parterre n. Lpe�ialitAt: iWdkauser KautJ�ak von G. A. Kanewacker, Qrimtn a TriepeL ~—~~ Stets frisch zu den SaOersten Engrospreisen.- Amt IY, 801A. Verantwortlicher lfiedalteur: Albert Wachs. Berlin. Für den Anseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwart» Buchdruckerei u. VerlagSanftalt Paul Singer u.i&o� lüetlm SW. 91.26. 29.i« 2. Deilllze des LmMg" Kerlimr AldsdlM. Mugvlattv erbreitung für Berlin und größere Bororte findet am Freitag, den Ä. Februar, abends 7 Uhr von den bekannten Stellen aus statt. Partei- Angelegenheiten. Boxhagen-RummelSburg. Freitagabend 7 Uhr von den bekannten Stellen aus: Flugblattverbreüung. Die Bezirksleitung. Stralau. Am Freitag, den 2. Februar, abends 8 Uhr: Vor- wärtsagitation. Am Sonntag erfolgt die Einholung. Treff- Punkt in den Bezirkslokalen. Bezirk Borsigwalde- Wittenau. Heute Donnerstagabend 8 Uhr in den Borsigwalder Festsälen: außerordentliche Mitgliederversamm- lung des Bezirkswahlvereins. Die Bezirksleitung. Tegel. Am Freitag, den 2. Februar, abends 7 Uhr: Flugblatt- Verbreitung. Die Bezirksleitung. WilhclmSruh-Niederschönhausen-Wcst. Freitag, den 2. Februar, abends 7 Uhr: Flugblattverbreitung.— Sonntag, den 4. Februar. morgens 8 Uhr: Hausagitation. Die Genoffen des 1., 3., 4. und S. Bezirks holen ihr Material von den Zahlabendlokalen ihres Be- zirks ab, die des 2. Bezirks aus der Wohnung des Genossen Zühlke, Linden-Allee 10 I._ Die Bezirksleitung. Berliner Nachrichten. Auf die Gestaltung des Städtebaues Einfluß auszuüben ist seit einiger Zeit die Absicht des Magistrats. Diese Absicht ist eine sehr löbliche. Kommt ihre Ausführung bei der in Berlin vorgeschrittenen Bebauung auch etwas spät, so sollte wenigstens jetzt keine Gelegenheit mehr vorübergehen, um regelnd auf die Gestaltung des Städtebaues einzuwirken. Im Augenblick beschäftigt die Stadtverordnetenversammlung sich mit einer Vorlage, nach welcher auf dem Gelände des ehemaligen Borsigschen Grundstückes in Moabit Fluchtlinien zur Her- stellung zweier neuer Straßen festgelegt werden. Diese Maß- nähme soll verhindern, daß das Gelände in der üblichen Weise baulich ausgeschlachtet wird und Gebäude hergestellt werden, die auf Errichtung von Hinterhäusern oder Fabrik- gebäuden hindrängen und die«. Licht und Lust vermissen lassen. Die durch die Fluchtlinienfestsetzung entstehenden Baublocks lassen nur die Errichtung von Mittelwohnungen zu, für die dann auch genügend Licht und Lust vorhanden ist. Gegen diese Magistratsvorlage wandte sich mit aller Energie und mit allen Mitteln die Besitzerin des Geländes, die Bau- gescllschaft„Union", die sich in ihren privaten Interessen ver- letzt fühlt. In dem Ausschuß der Stadtverordneten, der sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen hatte, wurden die Machi- Nationen der Vertreter der Gesellschaft durchschaut. Zwar gab es eifrige Verfechter der Privatinteressen jener Gesellschaft, die die Magistratsvorlage bekämpften. Trotz ckller Drohungen, die Gesellschaft habe schon bei den Dezernenten des Polizei- Präsidiums wie bei den Dezernenten im Ministerium für Nichtgenehmigung der zu beschließenden Fluchtlinien- festsetzung vorgearbeitet, fand sich doch eine Mehrheit, die der Magistratsvorlage als im Allgemeininteresse liegend, zustimmte. Mit 9 gegen 6 Stimmen beschloß der Ausschuß, der Stadt- verordnetenversammlung die Annahme der Magistratsvorlage zu empfehlen. Es ist zu erwarten, daß nach allem in der Stadtverordnetenversammlung die Angelegenhest ein neues Redegefecht entfesseln wird. Dir Berstadtlichung deS RettungswesrnS, die der Magistrat plant und der zu diesem Zwecke bereits den Stadtverordneten eine Bor« läge hat zugehen lassen, beschäftigt auch lebhast die Aerztewelt. Sie sieht ihre persönlichen Interessen bedroht und hat deshalb in einer Versammlung bereits zu der Sache Stellung genommen, die in folgender Resolution niedergelegt wurde: „Der«erzteverein des Berliner Rettungswesens steht grund- sätzlich der Verstadtlichung des Berliner RettungSwesenS sympathisch gegenüber. Er bedauert jedoch lebhaft, daß ihm nicht Gelegenheit gegeben worden ist, sich vor Bekanntgabe der Vorlage über deren Inhalt zu äußern. Insbesondere erklärt er die aus einzelnen Mängeln der jetzigen Dienstleistung gezogenen Schlußfolgerungen für unrichtig und hält den vorgeschlagenen AnstellungSmodus wegen der Länge der Dienstzeit und deren unzureichender Bewertung für nicht gangbar und geeignet, die städtischen und ärztlichen Interessen in gleicher Weise zu schädigen." Schulonfang im Sommer. Mit Zustimmung des Provinzial- Schulkollegiums soll der Unterricht in den Berliner Gemeindeschulen im Sommer 1912 wie bisher um 3 Uhr morgens anfangen. Den Rektoren bleibt es überlassen, für die untersten beiden Klaffen den Schulanfang auf 9 Uhr festzusetzen. Die byzantinische Krankheit. Ferdinand Avenarius schreibt im„Kunst wart": „AuS meinen Kinderjahren erinnere ich mich noch sehr deutlich daran, wie oft in Berlin vor Weihnachten der Wagen Wilhelms I. vor einem Hoflieferanlenladen hielt. Der Leibjäger stand vor der Tür, der alte Herr selbst kaufte mit einem Adjutanten drinnen ein; wer vorüberging, warf einen schnellen Blick zu ihm, aber selbst wir JungenS hätten es unter unserer Quintaner« und Quartanerwürde ge- hallen, stehen zu bleiben und zu warten. Und wie treibt maiVs jetzt um die Weihnachtszeit? Eine Menschenstauuna von Hunderten, Diener, Schutzleute, um wenigstens eine enge Gasse von der Laden- tür zum Wagen frei zu halten. Nicht des Kaisers wegen; dem hat man das Kaufen in Läden schon verleidet. Schon irgend eine? Prinzleins oder einer Prinzessin wegen. ES ist nicht nur byzantinisch-umvürdig. es ist auch sehr läckerlich-klein- st ä d t i s Ä. scheint mir. Aber diese kleinstädtisch'byzantinische Mischung ist nicht nur auf Berlin beschränkt. Sie wird auch durch die löbliche Presse seit rund fünfzehn Jahren geradezu systematisch gezüchtet und oerbreitet, so lange ungefähr, wie durch die Verbindung von Momensthotographie und Auto- typie die„aktuelle Illustration" aufgekommen ist. Man mutzte sich im Bebildern überbieten, und ganz äußerlich bleiben mutzte man auch— alio heran, ihr Heimauinahmen von Mimen, Literaten. Malern, Adligen, Fürsten, ihr Hochzeiten und Verlobungen bei Hof und in der„Gesellschaft", ihr Gleichgültigen, ihr Nichtigkeiten! Wer seinen Magen nicht zu jlbonen braucht, suche einmal einen Viertel« jahrgang„Woche" daraufhin zu genießen. Wenn fich Erbgraf Alix zu Leim-Keim-Reimburg mit Komtesse Eulalia zu Schweinichen verlobt, so bekommen wir nicht nur die beiden Hochgeborenen, sondern auch noch die sämtlichen Festteilnehmer im Bildnis vorgesetzt. Es scheint, als wen» die byzantinische Krankheit von der Partei ziemlich unabhängig wäre. Was in Berlin nicht fortschrittlich ist. ist ja nieistens sozialdemokratisch, trotzdem sind bei jedem .höheren" Ladeneinkauf die unentwegt Wartenden und sind bei jedem Ritt des Kaisers durch die Straßen in dieser hastenden 3«» die Mengen da, die Zeit haben, neben ihm her- zulaufen. Bon den Zeitungen find freilich die sozial- demokratischen am Byzantinismus, soweit er die„Ge- sellschaft" anbetrifft, ohne Mitschuld. Aber die Grenze nach rechts ist sehr bald erreicht, schon im„Berliner Tageblatt" blüht die heimliche Ehrfurcht vor allem Adeligen und Reichen nicht bloß veilchenmätzig, sondern in Beeten. Auf der Rechten wird der Byzantinismus bekanntlich besonders gern mit Patriotismus verwechselt. Man braucht nur an so bedeutende Kon- servative wie Lagarde zu denken, um sich daran zu erinnern, daß es auch in dieser Partei stets Männer gab, die mit Entschiedenheit gegen diese Mesallianz der Gefühle wirkten. Mag sein, eS liegt mehr beim Blendenden und Suggerierenden jeder Ausnahmestellung, was das allgemeine Byzantineln heute unterstützt." Ueber den Bau des Krematoriums wird aus dem Rathause be- richtet: Die städtischen Behörden haben bekanntlich beschlossen, die aus dem Friedhof in der Gerichtstratze befindliche Urnenhalle des Vereins für Feuerbestattung in ein Krematorium umbauen zu lassen. Auf Grund der Ausführungsbestimmungen zum Feuerbestattungs- gesetz wurden seitens des Polizeipräsidiums zahlreiche Anstände gegen die geplante Anlage oder einzelne Teile derselben er- hoben. Die Arbeiten kamen deshalb nicht vorwärts. Nach einer Besprechung der Angelegenheit zwischen dem De- zernenten des städtischen Bestattungswesens und den Ver- lretern des Polizeipräsidiums fand gestern eine Besichtigung der Anlagen statt. Danach besteht die Hoffnung, daß die polizeiliche Genehmigung alsbald erfolgen wird. Sobald diese eingetroffen ist, wird es möglich sein, das Krematorium in zirka S— 8 Wochen fertigzustellen und seinem Bestimmungsziveck zu übergeben. Die Fixigkeit bei der Armenverwaltung wird beleuchtet durch eine Erfahrung, die der Vormund eines u»! ehelichen Kindes gemacht hat. Da der Vater seine Unterhaltspflicht nicht regelmäßig erfüllte und die sonstigen Unterhaltsniittel für Mutter und Kind dem Vormund unzu- länglich schienen, so rief dieser die Hilfe der Armenpflege an. Er führte die Mutter seines Mündels zu dem Vorsteher der Armen- kommission ihres Bezirks, doch wurde hier sein mündlich vorge- brachtes Ersuchen um Unterstützung für sie in einer Form beantwortet, die nicht sehr verheißungsvoll klang. Der Vormund richtete infolgedessen etwa eine Woche später an die Armcndirektion eine schriftliche Eingabe, um dort für Mutter und Kind eine Unterstützung zu erwirken. Dabei machte er nun den Fehler, auch Schriftstücke beizufügen, die er zur Verfolgung des Unterhalts- anspruches der Mutter gegen den Vater brauchte. Diese Papiere, seine Bestallung zum Vormund und eine gerichtliche Ausfertigung zur ZwangA?ollstreckung. wurden nicht etwa dem Vormund schleu- nigst zurückgeschickt, sondern blieben bei den Akten. Die Sache nahm dann den üblichen, langsamen Gang— diesmal sogar einen noch langsameren, als es im allgemeinen üblich ist. Nach einiger Zeit kam zu dem Vormund ein Herr, anscheinend ein Mitglied der Armenkommission, um den Fall nach Vorschrift erst mal gründlich zu„recherchieren". Er schrieb sich alles gewiffenhast auf und besuchte darauf auch die Mutter, bei der das Frage- und Antwortspiel sich wiederholte. Wieder nach einiger Zeit wurde die Mutter vor das Armenamt geladen— ihre Wohnung liegt im Gebiet des Armenamtcs Moabit — und bestiedigt nahm man das Ergebnis des hier nochmals mit ihr angestellten Verhörs zu den Akten, die dadurch um ein neues Stück bereichert wurden. Dann aber blieb alles still. Ver- geblich wartete der Vormund, daß die Mutter seines Mündels ihm die Freudenbotschaft bringen würde, ihr sei die erbetene Unier- stützung endlich bewilligt worden. Nebenbei bemerkt: die Mutter ist verheiratet mit einem Arbeiter, der nicht der Vater ihres unehelich geborenen, jetzt vierjährigen Kindes ist. Einige Wochen nach Einreichung jenes Gesuches an die Armendirektion wurde der Mann erweÄslos, und da der Winter herankam, so sah die Fa- milie schlimmen Tagen entgegen. Der Vormund hätte gern dem unehelichen Vater den Gerichtsvollzieher auf den Hals geschickt. doch seine Papiere waren ja bei den Akten der Armenverwaltung. Als er schriftlich darum mahnte, kam keine Antwort, und auch seine mündliche Anfrage beim Armen- amt brachte keine Aufklärung. Die Bestallung zum Vormund wurde ihm vom Vormundschaftsgericht auf seinen Antrag ausge- fertigt, aber mit ihr allein konnte er nichts anfangen. Nochmals fand sich bei der Mutter wie bei dem Vormund ein anscheinend von der Armenkommission beauftragter Herr ein, um zu rccher- chieren. Auf des Vormundes Frage nach den Papieren erklärte er, die habe er bei den Akten. Und da-blieben sie weiter. Ein volles Vierteljahr hatte der Vormund gewartet, dann riß ihm endlich die Geduld. Er wandte sich an einen sozialdemo- kratischen Stadtverordneten, der in der Armenverwaltung tätig ist. Auf dessen Rat mahnte er unter Ueberreichung einiger von dem Stadtverordneten aufgeschriebenen Zeilen nochmals das Armenamt, und nun geschah das Unerwartete, daß schon am andern Tage jener oben erwähnte ArmenkommissionsvoiffteHer persönlich dem Vormund in die Wohnung kam und ihm die ver- mißten Schriftstücke überreichte. Gleichzeitig teilte der Vorsteher ihm mit, daß der Mutter des Kindes 8 M. bewilligt worden seien, die man ihr am 1. Februar auszahlen werde. Im Oktober hatte der Vormund jenen Besuch bei dem Armenkommissionsvorsteher gemacht, noch vor Ablauf deS Oktober hatte er sich auch an die Armcndirektion gewandt— und erst Ende Januar sah er seine Papiere wieder und erhielt zugleich die Mitteilung, daß der Frau geholfen werden solle. Diese im Zeitraum von drei Monte» zustande gebrachte F i x i g k e i t s l e i st u n g ist so ungewöhnlich, daß man Aufklärung darüber fordern muß, wem sie zu danken ist. Wer den bei solchen Untcrstützungssachen üblichen Geschäftsgang kennt, wird an- nehnien wollen, daß die Akten bei der Armenkommission gelegen haben müssen. Diesmal aber erscheint uns das deshalb nicht glaubhaft, weil der Kommissionsvorsteher, ein im Hause Beussel- straße 35 wohnender Herr Storreck, in seiner Berufstätigkeit das Amt eines expedierenden Sekretärs und Kalkulators bekleidet und daher zweifellos die hohe Wichtigkeit von Akten zu würdigen weiß. Vielleicht äußert sich die A r m e n d i r e k t i o n selber darüber, wer sich das Verdienst dieses Fixigkeitsrekords erworben hat. Ein verärgerter Gcheimrat scheint Herr Ravens zu sein, der eine von seinem Großvater angelegte Gemäldegalerie besitzt. Der Mann hat die Absicht kundgegeben, seine Kunstschätze zu veräußern, weil er sich über die Stadt Berlin geärgert hat. Einem Mitarbeiter des„Lokalanzeiger" gegenüber hat sich der Herr wie folgt offenbart: „Ich wollte die Angelegenheit nicht in die Oeffentlichkeit bringen. Da sie nun aber einmal angeschnitten worden ist, möchte ich Ihnen in aller Offenheit ihren Hintergrund mitteilen. Zwischen der Stadt Berlin und mir schwebt seit 13 Jahren ein Expropriationöprozeß wegen des väterlichen Stammhauses in der Wallstr. 92/93. In erster Instanz gewann ich den Prozeß, in zweiter Instanz dagegen war die Stadt siegreich, weil sie de» Einwand der Verjährung erhob. Das gab den Anlaß, daß ich die Galerie für das Publikum schloß und mich mit dem Gedanken trug, sie zu veräußern, während ich früher die Absicht hatte,, sie der Stadt zu überlassen. Der an Kunstschätzen reiche Besitzstand sollte auf diese Weise allgemein zugänglich bleiben, da seine bisherigen Räume über kurz oder lang doch wohl zu geschäftlichen Zwecken werden herangezogen werden müssen. Das Gerücht, daß bereits Angebote an mich gerichtet worden seien, besonder» wertvolle Gemälde, wie z. B.„Friedrich der Große auf Reisen" von Menzel. zu verkaufen, beruht auf Richtigkeit. Ich habe sonderS von englischer Seite mehrfach Angebote bekommen. Eine Entscheidung habe ich jedoch noch nicht getroffen." Der Herr Geheimrat kann mit seinem ihm überkommenen Eigen- tum machen was er will. Daß er aber so offen aus Aerger handelt, zeigt die Schädlichkeit des privaten Besitzes. Eine neue selbsttätige Schutzvorrichtung an Straßendahnwagen. Auf Anordnung der Aufsichtsbehörden werden gegenwärtig 90 Trieb- wagen der Großen Berliner Straßenbahn mit einer neuen selbst- tätigen Schutzvorrichtung ausgerüstet. Sie besteht im wesentlichen aus dem vorderen Tastbrett oder„Taster" und dem unter der Plattform belegenen Fangkorb. Sobald ein Verunglückter den Taster berührt,'wird der Fangkorb selbsttätig ausgelöst und fällt mit seinem vorderen Ende auf das Straßenpflaster, um den Ver- unglückten aufzunehmen. Nach Befreiung einer unter den Wagen geratenen Person wird der Fangkorb und Taster durch Anziehen einer Kette, die auf der Plattform in der Nähe deS Führerstandes angebracht ist, wieder in Aufnahmebereitschaft gesetzt. Zunächst sind einzelne Wagen der Linie 61 mit der neuen Vorrichtung ausgerüstet worden. Die allgemeine Bücherdesinsektio» hat die Stadt Charlotten- bürg in ihrer städtischen Desinfektionsanstalt eingeführt. Die Gebühr beträgt für einen Korb, der etwa 100 Bücher gewöhnlichen Formats enthält, 2 M., für jeden weiteren Korb 1 M. Bis auf weiteres sollen die Bücherdesinfektionen am ersten Donnerstag jeden Monats ausgeführt werden. Die zur Desinfektion bestimmten Bücher sind bis zum vorhergehenden Mittwochabend 6 Uhr mit einem Verzeichnis an die Desinfektionsanstalt in der Mollwitzstraße ab- zuliefcrn, von wo sie am Freitag wieder abgeholt werden können. Innerhalb CharlottenburgS erfolgt die Abholung und die Rücksendung auf Wunsch auch durch Angestellte der Desinfektionsanstalt gegen die tarifmäßige Gebühr. Sendungen durch die Post dürfen nur unter Berücksichtigung der sanitätspolizeilichen Vorschriften aufgegeben werden und müssen portofrei eingehen. Nähere Auskünfte erteilt die Desinfektionsanstalt(Fernsprecher Amt Charl. 427). Mit der Eckhausfalle legen Gauner immer und immer wieder vertrauensselige junge Leute hinein. Ihr Trick ist immer ein anderer. doch das Haus mit seinen zwei Ausgängen spielt immer die Haupt- rolle. So neppte ein Schwindler auf diese Weise wieder einen jungen, erst vor kurzem aus Oesterreich nach Berlin gekommenen Hoteldiener um einen erbeblichen Betrag. Der Gauner sprach den Hoteldiener auf dem Bahnhof Alexanderplatz an und bat ihn. ihm gegen ein gutes Trinkgeld behilflich zu sein bei der Abholung feine» Gepäcks. Der Hoteldiener erklärte sich bereit, ging mit ihm nach dem Eckhaus Dircksenstraße-Alexanderplatz und ließ ihn hier warten mit der Be- merkung. er werde sein Gepäck selbst herunterholen. Nach kurzer Zeit kam er wieder und sagte, seine Wirtin verweigere ihm die Heraus- gäbe, weil er die Miete noch nicht bezahlt habe. Er könne dies aber augenblicklich nicht, weil er kein flüssiges Geld habe. Durch das sichere Auftreten des Fremden ließ sich der Hoteldiener bewegen. ihm dieses Geld auf kurze Zeit vorzustrecken. Dieser ging nun wieder in da? HauS hinein, kam aber nicht mehr zum Vorschein, wenigstens nicht auS der Tür, durch die er in das HauS hinein- gegangen war. Als der Hoteldiener schließlich Verdacht schöpfte, gingen ihm die Augen auf, als er den zweiten Ausgang an der anderen Seite des HauseS bemerkte. Zu dem Unfall in der Möbelfabrik von Grünthal, Paffoth u. Co. schreibt uns die Firma: Ordnungsgemäß ist das Verbandzeug in gutem, reinem Zustande vorhanden gewesen und hat der Arbeiter das Handtuch nur über den Verband gewickelt. Was die An- gelegenheit mit der Kreissäge betrifft, so ist diese eine Borrichtung, wie sie absolut den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Vorort-Nachrichten. Neukölln(Rixdorf). De» Sammelpolitiker zu de« kommenden Stadtverordnetenwahlen mimt im hiesigen„Tageblatt" unter der Rubrik:„Oeffentliche Meinung" bereits ein„Wähler der 2. Abteilung". Daß dem Pseudonym die Interessen der jetzt aus der 2. Wählerabteilung hinausbugsierten Vertreter in gleicher Weise am Herzen liegen, zeigt der Erguß, den wir schon seiner Originalität halber wiedergeben, klar und deutlich. Er lautet: Mitbürger Neuköllns k Dank der Einigkeit der bürgerlichen Parteien de» Stadt- Parlaments ist die schivungvolle Aenderung des Stadtnamens zu- stände gekommen. Neukölln, ein stolzer, ein schöner, ein klangvoller Name I Ihn unbefleckt und glänzend zu erhalten, muß daS Bemühen aller gutbürgerlichen Kreise des OrteS sein. Ob die Bürgerschaft hierzu fähig ist, daS wird fich schon in der nächsten Zeit bei den Stadtverordnetenwahlen ergeben. Da gilt es zu verhindern, daß die Sozialdemokratie die Oberhand in nnserem Orte gewinnt. Mitbürger Neuköllns, treugesinnte Bürger aller Stände! Ver- fallt nicht in den verhängnisvollen Fehler der Zersplitterung, der den Deutschen schon sö oft geschadet hat, sondern seid einig— diesmal seid einig I � Stellt alle Eure kleinen und großen persönlichen Wünsche hintan und gebt der Welt ein leuchtendes Beispiel bürgerlicher Schwungkraft und Größe I Einen Selbst- mord am Bürgertum der Stadt begeht Ihr, wenn Ihr anders handelt. Seid nicht verzagt, Ihr Bürger alle, seid nicht bequem, seid nicht gleichgültig, seid vielmehr selbstbewußt, mutig und stolz, und tretet ein für die Ehre des jungen Namens Eurer Stadt! Wenn eS uns gelänge, die zweite Wählerklasse dem Bürgertum zu erhalten— und Aussicht dazu ist vorhanden—, dann hätten wir die erste Großtat vollbracht im kommunalpolitischen Leben Neu- köllns. Ein Wähler der 2. Abteilung. Jntereflant an dem Auftuf ist der Satz, daß e» das Bemühen aller gutbürgerlichen Kreise des Orts sein müsse, den Namen Neu- kölln unbefleckl und glänzend zu erhalten. Dann hätte sich aber der Wähler der 2. Klasse an eine andere Sdresse wenden müssen. Denn die Schändung des früheren Ortsnamens durch den bekannten Ge- waltstreich der bürgerlichen Mehrheit zeigt, daß die bisherigen Ver- treter in der zweiten Klaffe die ungeeignetsten sind, einen klangvollen Namen glänzend und unbefleckt zu erhalten. Was eS im übrigen mit der bürgerlichen Schwungkraft aus sich hat, von der die treu- gesinnten Bürger aller Stände bei den Wahlen ein leuchtendes Bei- spiel geben sollen, beschränken wir uns darauf die Ergebnisse der späteren Wahlen abzuwarten. Ein leuchtendes Beispiel bürgerlicher Schwungkraft werden sie, dafür wird die Aufklärungsarbeit unserer Genossen sorgen, sicher nicht geben. Interessant ist noch die Anmerkung, die die Redaktion diesem Auftuf anhängt:»Früher als zu erwarten war, scheint man diesmal in die Wahlbelveguug eintreten zu wollen, wie obige Zuschrift be weist. Streng unserem Prinzip getreu, auch im Wahlkamps neutral zu bleiben, stellen wir hiermit allen Parteien in unserer Stadt die Spalten uiiseres Blattes zur Verfügung, um ihre Stellung bei den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen zum Ausdruck zu bringen. Es klingt recht sonderbar, von Neutralität im Wahlkampfe zu reden, wenn man weiß, daß der Besitzer des„Tageblatts" der durch das Erkenntnis des Oberverwaltungsgerichts mit auf die Strecke gebrachte Vertreter der zweiten Abteilung, Herr G l a s e m a n n ist. Schöneberg. Der Etat Schönrbcrgs für das Geschäftsjahr 1912/13 liegt im Rathause gegenwärtig öffentlich zur Einsicht aus. Der Etat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 22181839 M. ob; davon fallen auf das Ordinarium 18 464 932 M., auf das Extroordinarium 3 717 757 M. Im Etatsjahre 1911/12 betrug die Endsumme des Gesamtetats über 27Vz Millionen Mark; das Weniger des neuen Etats gegenüber dem alten um rund 6 Millionen Mark ist in dem Nachlasse der Anforderungen für Kanalisation, Untergrundbahn und Kapital- und Schuldenverwaltung zu suchen. Das Mehr der ordentlichen Verwaltung gegeir über dem letzten Jahr beträgt rund 1 299 999 M. Millioncnetats in Ausgabe weisen auf der Etat der allgemeinen Verwaltung(2 238 479 Mark), der Bauetat<2 199 485 M.). der Schuletat<3 662 977 M.). der KrankenhauSetat(i 233 865 M.), der Etat für die Untergrund bahn<1 956 459 M.), der Steueretat(1 195 699 M.) und der Kapital und Schuldenetat(4 487 629 M). In Einnahmen weisen auf der Bauetat 1 812 159 M., der Untergrundbahnetat 1 956 459 M. und der Steueretat 8 577 314 M. Charlottenburg. Eltcrnverei» für freie Erziehung. Sonntag, den 4. Februar, vormittags 19'/z Uhr, findet unter fachmännischer Leitung eine Be- sichtigung des Verkehrs- und BaumuseumS statt. Treffpunkt: pllnkt lich 9'/z Uhr Straßenbahnhaltestelle am Knie. Jedes Kind hat 29 Pf. Fahrgeld mitzubringen. Auch NichtMitglieder und deren Kinder können an den Besichtigungen teilnehmen. Für Nachzügler 19� Uhr vor dem Museum Jnvalidenstr. 59/51. Kinder unter 19 Jahren sind von der Beteiligung ausgeschlossen. Der Vorstand. Lichtenberg. Aus Liebesgram versuchte sich das 16jährige Dienstmädchen Lina Nichter aus der Simplonstraße 2 das Leben zu nehmen. Die R. hatte Meldung zufolge vor einigen Wochen auf einem Tanzvergnügen einen jungen Kaufmann kennen gelernt, zu dem sie eine tiefe Nei- gung faßte, die jedoch nicht erwidert wurde. In der Nacht zum gestrigen Mittwoch gegen 12 Uhr stürzte sich das Dienstmädchen aus dem Fenster ihrer in dem zweiten Stockwerke belegenen Schlaf- kammer auf den Hof hinab, wo sie blutüberströmt und besinnungs« los liegen blieb. Die R., die schwere äußere und innere Verletzungen erlitten hatte, wurde in bedenklichem Zllstande nach dem Rummels« burger Krankenhause übergeführt. Zehlendorf(Wannseebahn). Massenräumungen von Wohuungen fordert ein in Hunderten von Exemplaren an die Einwohner Zehlendorfö sowie Schlachten- see§ ergangenes Schreiben des Aintsvorstehers. Von'dieser Maß- nähme sollen, wie man uns mitteilt, jene Einwohner be- troffen werden, deren Wohnungen im Dachgeschoß liegen oder die im Kellergeschoß Bureaus oder sonstige zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmte Räume inne haben. Die Anordnung stützt sich auf eine für die Vororte von Berlin am 23. Mai 1997 er- lassene Bauordnung sowie den Z 132 des Gesetzes über die all- gemeine Landesverwaltung vom Jahre 1333, die das Bewohnen solcher Räume verbieten. Da nun eine große Anzahl der von dieser Maßnahme betroffenen Bewohner bereits jahrelang die Räume inne haben und nicht selten langfristige Verträge mit dem Haus- eigentümer abgeschlossen haben, so werden dieselben natürlich in eine recht eigenartige Lage versetzt umsomehr, als in dem Schreiben die Räumung der betreffenden Wohnungen bis spätestens 1. Juli dieses Jahres angeordnet ist. Ein Mieter des Hauses Adalbert- straße 33, der gleichfalls ein solches Schreiben erhalten hat, zahlt für die im ersten Stockwerk liegende Wohnung, bestehend aus vier Zimmern, 1999 M. Jahresmiete. Ueber seiner Wohnung befindet sich noch eine vermietete Kammer. Im gleichen Hause hat derselbe Mieter zu Bureauzwecken eingerichtete Räume inne. die von der Behörde als im Kellergeschoß liegend bezeichnet werden. Da dieser Mieter in der Küche seiner Wohnung nur Kochgas und in den Bureau- räumen zu Heizzwecken Warmwasser-Heizkörpcr verwendet, glaubt derselbe, daß ein Anlaß zur Räumung beider Räumlichkeiten auf Grund der angezogenen Bestimmungen nicht vorhanden ist. Zudem befindet sich seinem Bureau gegenüber ebenfalls im Kellergeschoß das Einwohnermeldeamt. Ob auch letzteres nach anderen Räumen übersiedeln muß, ist noch nicht bekannt. Dieses angezogene Beispiel zeigt jedenfalls, wie' diese plötzliche Anordnung, die auch bereits in anderen Orten, wenn auch nur in vereinzelten Fällen angewendet worden ist, für eine große Anzahl Mieter eine Härte bedeutet. Groft-Lichterfelde. AuS der Gemeindevertretung. Auf der Tagesordnung befand sich ei» Nachtragsvertrag init der Eisenbahndirekliou Berlin betreffend die Unterführung der Wilhelmstraße. Gemeindevertrcter Meyer nahm sofort zur Geschäftsordnung das Wort und wies darauf hin, daß diese Vorlage erst die Bau- und Etatskommission zu passieren habe. Der Gemeiudevorstand ivics indes nach, daß die Kominission bereits im Juli sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt habe und die Vor- läge u n t e r M i t w i r k u n g des Herrn Meyer ausgearbeitet worden sei. Danach soll die Lichtweite der Unterführung aus 21 Meter vergrößert werden. Die erforderlichen Kosten betragen 4999 Mark. Dieselben wurden genehmigt. Außer« dem wurden weiter entstehende Kosten bis zum Betrage von 5599 Mark bewilligt, falls der Eisenbahnfiskus für die Ueberführung von weiteren vier Geleisen eine nochmalige Verbreite- rung der Ueberführung vornehme» muß. Ten Erlaß einer Polizei- Verordnung betr. die Genehmigung des Reibenhausbaues für das von der Drake-Richard-Hedwigsiraße und der Wannseebahn begrenzte Gelände wurde zugestimmt. Außerordentlich erfreulich ist der Pe- schluß, den Ort uni eine weitere Kirche zu bereichern, die am Friedrich- platz zwischen Pfleiderer- und Ringstraße postiert werden soll. Nach den Ausführungen des Gemeindevorstehers Schulz wird nach Fertig- ftellung des Baues eine Schonzeit von acht Jahren bewilligt; macht sich »ach dieser Zeit das unabweisbare Bedürfnis nach einem neuen Gotteshause geltend, dann sollen die politische Gemeinde zwei Fünftel, die Kirchengemeinde drei Fünftel zu den Kosten beitragen. Gemeinde- Vertreter I a e g e r glaubte, das Bcdürsuis für den jetzigen Kirchen- bau bestreiten zu müssen, da Groß-Lichterfclde ein„sreigeisliger" Ort und eine weitere Kirche wohl nicht nötig sei. Herr Jaeger ist aber ein konsequenter Nationalliberaler und demzufolge st i m m t c er auch für die Borlage, die Kirche zu bauen I Das beweist auch wieder einmal, wie bedenklich es ist, einen Staatsbeamten als Gemeindevertreter zu wählen. Gemeinde- Vorsteher Schulz gab seiner.großen Freude" Ausdruck über die einstimmige Annahme der Vorlage, was ihm oben hoffentlich nicht übel genommen wird. Für das Schülerrudern bei den höheren Schulen wurden wiederum 4299 M. und gleichzeitig weitere 4999 M. für die Einrichtung eines Räderkastens im Real- gymnasium bewilligt. Diese Einrichtung soll den Zweck haben, den Sckinlern der höheren Schulen Ruderübungen z» ermöglichen. damit sie dann als vollendete Sportsmcu ins große Wasser sich begehen können. In den Soitterrain- räumen des Gymnasiums wird also ein See en rnhiiaturo geschaffen. Gemeindeschöffe Lenzner verteidigte diese für Groß- ' hterfelde neue und absolut notwendige Einrichtung mit durch- schlagenden Gründen und hinreißender Beredsamkeit, denen sich nur die Gemeindevertreter S o u ch o n und Engelmann zu entziehen vermochten. Sie stimmten gegen dieses wässerige Projekt. Eine wesentliche Verbesserung der Verkehrsverhältnisse soll geschaffen werden durch die Verlängerung der Straßenbahnlinien E und F vom Schloßplatz in Steglitz durch die Straße„Unter den Eichen" nach der Knesebeckstraße an der Dahlemer Grenze. Nach dem genehmigten Vertragsentwurf wird der Westlichen Berliner Vorortbahn die Zustimmung zum Betrieb dieser beiden Liniengegen eine einmalige Entschädigung von 75 999 M. bis zum 31. Dezember 1939, und für den Fall, daß sie den Betrieb ihrer Bahn in Berlin über die,rn Zeitpunkt hinaus weiterführen ,ollte, bis zum Endpunkt der Betriebssührung, aber nicht über den 31. Dezember 1949 hinaus erteilt. Friedenau. Die Freie Turnerschaft Friedenau(M. d. A.-T.-B.), welche wegen Lokalmangel seit dem 1. Oktober 1911 ven Turnbetrieb einstellen mußte, hat denselben wieder eröffnet. Der Verein turnt von jetzt ab Dienstag und Donnerstag von 8>/z— 19'/, Uhr im Kaiser- Wilhelm-Garten, Rheinstr. 65. Freunde und Gönner der Turnsache sind hierzu eingeladen. NowatveS. Kaufmannsgerichtswahlen. Nachdem die Vorbereitungen für die Errichtung des Kaufmannsgerichts zum Abschluß gelangt sind, werden nunmehr die Wahlen der Beisitzer ausgeschrieben. Zu wählen sind je sechs Beisitzer aus den Kreisen der Kaufleute und Handlungs gehilfen auf die Dauer von drei Jahren. Die Gehilfen wählen ihre Beisitzer am Donnerstag, den 14. März, von 5 bis 9 Uhr nach- initlags, die Prinzipale am Freitag, den 15. März, von 5 bis 7 Uhr nachmittags im Sitzungssaale des Rat- Hauses, Priesterstraße 82. Für die Wahlen der Prinzipale werden Listen aufgestellt; in diese werden alle wahlberechtigten Kaufleute, deren Eintragung vom 1. bis 13. Februar beantragt wird, eingetragen. Während dieser Eintragungsfrist liegen die Listen in den Bureauräumen, Zietenstraße 1, parterre rechts, zu jedermanns Ansicht aus. Für Kaufleute, die bis zum Tage der Wahl nicht eingetragen sind, ruht das Stimmrecht. Für die Wahl der Handlungsgehilfen werden Listen nicht aufgestellt. Zur Teilnahme an den Wahlen, die nach den Grundsätzen der Verhältnis wähl erfolgen und unmittelbar und geheim sind, sind berechtigt: a) solche Kaufleute, die das 25. Lebensjahr vollendet und im Bezirke des Kaufmannsgerichts ihre Handelsniederlassung haben, b) solche Handlungsgehilfen, die das 25. Lebensjahr vollendet haben und im Bezirke des Kaufmannsgerichts beschäftigt sind. Zum Mitglied des Kaufmannsgerichts soll nur berufen werden, wer das 39. Lebensjahr vollendet hat, im Bezirke des Kaufmannsgerichts seil mindestens zivei Jahren seine Handelsniederlassung hat oder beschäftigt ist und in dem der Wahl vorangegangenen Jahre für sich oder seine Familie Armenunterstütznng nicht empfangen oder die empfangene Unter- stützung zurückerstattet hat. Die Wahlhandlung ist öffentlich. Als Legitimation genügt für Kausleute eine amtliche Bescheinigung über ibre Eintragung in die Wählerliste, für Handlungsgehilfen ein Zeug- niS des Prinzipals oder der Polizeibehörde. Vordrucke zu diesen Zeugnissen werden vom Gemeindevorstand ausgegeben. Volks-Theatcrabend. Am Sonnabend, den 3. Februar, gelangt im Singerscben Saale durch das Berliner Theaterensemble sDircktion Heuser u. Sohn) das vieraktige Schauspiel„Zapfenstreich" von Beyerlein zur Aufführung. Eintrittskarlen kosten an der Kasse 59 Pf., im Vorverkauf 49 Pf., Kinderkarten zum halben Preise. Be- ginn 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung Tanzkränzchen. Spandau. Bon einem tragischen Schicksal ist die 18jährige Fabrikarbeiterin Frida Berger von hier betroffen worden. Das junge Mädchen war vor längerer Zeit schwer erkrankt und mußte mehrere Wochen im Spandauer Krankenhause verweilen. Vorgestern wurde die B. aus der Anstalt entlassen und machte sich sofort auf den Weg, um wieder Beschäftigung zu suchen. Beim Passieren der Potsdamer Straße er- litt das Mädchen jedoch plötzlich einen Schwächeanfall und stürzte auf den Straßenbahngleisen zu Boden, wobei sie sich eine klaffende Kopfwunde zuzog. Während die Verunglückte emporzurichten sich bemühte, nahte ein Straßenbahnwagen heran, dessen Führer es trotz energischer Bemühungen nicht mehr gelang, den Wagen rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Die B. wurde von dem Motor- wagen erfaßt und eine kurze Strecke mit fortgeschleift. Die Bedauern- werte, die außer verschiedenen äußeren Wunden auch innere Ver- letzungen davongetragen halte, wurde wieder in das städtische Krankenhaus eingeliefert. Potsdam. Schwerer Betrieisunfall. Vorgestern abend verunglückte in einer Dampfwäscherei zu Neu-Fahrland der Waschmeister Albert Schwahn, ein 52 jähriger Mann, der im Betriebe beschäftigt ist. Sch. kam dem Treibriemen mit dem linken Arm zu nahe. Die Transmission er- aßte den Arm und riß ihn aus dem Ellbogengelenk. Man schaffte sofort den Schwerverletzten nach dem St. Joseph-Krankenhause, wo der Armstummel amputiert werden mußte. )?iis aller dielt. Hlles auf den Kopf gestellt! Recht originelle mathematische Berechnungen veröffentlicht nach Abschluß der Wahlen ein Genosse in der Wiener„Arbeiter-Zeitung": Das sind doch Kerle, die deutschen Genossen I Die haben ja bei diesen Wahlen alles auf den Kopf gestellt I In der Hauptwahl holen sie sich 64 Mandate und Umstürzler, wie sie schon sind, stellen sie die Zahl 64 auf den Kopf und holen 46 Mandate bei den Stichwahlen. Natürlich vollzog sich dieser Stichwahluinsturz in drei Raten. Da die Sozialdemokraten alles an der Wurzel anfaßten, so war es klar, daß sie für den ersten Stichwahltag aus dem Er- gebniS der Hauptwahl die Wurzel ziehen mutzten. Die Quadratwurzel aus 64 ist 8 und acht Mandate haben sie sich am ersten Stichwahltage auch pünltlich geholt. Nun ging die Umstürzerei schon leichter. Sie hatten jetzt 72 Mandate und brauchten die Zahl 72 nur den Kopf zu stellen, um zu wissen, datz sie sich am zweiten Stichwahltage 27 Mandate holen müssen. Das haben sie auch redlich getan und hatten nach dem zweiten Stichwahltage ins- gesamt 99 Mandate. Die Zahl 99 durch blotze Unlstellung der Ziffern auf den Kopf zu stellen, hat seine Schwierigkeiten; denn stellt man die zwei Neuner um, so bleibt wieder 99 und 99 Mandate am dritten Stichwahltage zu holen, ist selbst für unsere deutschen Genossen etwas schwer, wenn nur 33 Stichwahlen sind. Doch unsere Genossen wutzten sich zu helfen: die Zahl 99 besteht aus zwei Neunern, wenn man diesem Paar der höchsten Ziffer ein Paar der kleinsten Ziffer gegenüber stellt, so hat man die Zahl 11, und das ist auch ein ganz hübscher Umsturz. Die 11 Man- date haben sich unsere Genossen auch am dritten Stichwahltag ge- holt und damit die Stichwahlmandote auf 46 gebracht, wodurch die 64 der Hauptwahl ganz ordnungsmäßig auf den Kopf gestellt war. Da sie damit 119 Mandate erreicht hatten, so stand auch schon der ganze Reichstag auf den Füßen, während er vorher auf dem Kopfe gestanden hatte. Die fortschrittliche Majorctlrt ist jetzt oben und der schwarzblaue Block liegt unten. So kommt eS eben, wenn eine Um- stnrzpartei an der Arbeit ist, die mit solch' n, athematischer Präzision arbeitet wie unsere Bruderpartei im Reiche. Schwere Bluttat in Prenzlau. Von zwei Einbrechern— wahrscheinlich Berlinern, die sich auf einer Gastspielreise in der Provinz befanden— wurde am Dienstagabend in Prenzlau ein schweres Verbrechen verübt. Die beiden hatten einen Einbruch in das Prenzlauer Amtsgericht geplant und wurden durch den patrouillierenden Kastellan Dehn gestört. Während der Verfolgung der Einbrecher zog einer von ihnen einen Revolver und streckte den Kastellan durch einen Schuß zu Boden. Die Kugel war dem Kastellan in den Unterleib ge- drungen und hatte ihn schwer verletzt. Kurz darauf feuerten die Verbrecher einen zweiten Schuß ab, der dem Schneidermeister Leon- Hardt den linken Oberarm zerschmetterte. Schließlich gelang es den Attentätern, im Dunkel der Nacht zu entkommen. Die Explosionskatastrophe in Nürnberg. Das schwere Brandunglück im Nürnberger Betriebe der Maschinenbau- Aktiengesellschaft Augsburg- Nürnberg, über das wir bereits in unserer vorigen Nummer berichteten, hat im Lause der Nacht zum Mittwoch noch mehrere Todesopfer gefordert. Außer den drei sofort getöteten Schlossern Fabritz. Petreschka und Fässer sind im Krankenhause ihren Verletzungen erlegen: der Meister Jobst, die Monteure Kropf, Geyer und B r i n ck- mann und der Schlosser Klieber. Es liegen im Krankenhause mit leichteren Verletzungen noch der Oberingenieur Schwarz, der Ingenieur B l o ck e r, der Techniker Seifert und die Schlosser Weiler und Clemens. Die bisherige Untersuchung der Ursache des Brandunglücks hat folgendes ergeben: Bei einer Maschine, die schon seit Monaten als Versuchsmaschine lief, war in der Luftzuführungsleitung, die nur unter niedrigem Druck stand, durch ein Zusammentreffen ver- schiedener unglücklicher Umstände eine Schmierölexplosion eingetreten. Die Luftleitung erhielt hierdurch verschiedene Risse, aus denen die Flammen gleichzeitig herausschlugen und auf die nächste Umgebung und auf die entfernter stehenden Brennstoff- behälter übersprangen. Der Unfall war deshalb so furchtbar, weil gerade an diesem Tage außergewöhnlich viel Personen an der Maschine und in der Umgebung beschäftigt waren und die Kleider des Versuchspersonals soflie die brennbaren Stoffe in der Umgebung infolge der Versuche zum Teil mit Oel getränkt waren. Dadurch wird es auch erklärlich, daß fast alle Ver« letzungen auf Verbrennung zurückzuführen find. Kleine Notizen. Entwischt. AuS dem Gefängnis in Köln ist in der ver- gangenen Nacht der von der Strafkammer wegen Diebstahls in Luxuszügen zu 2'/z Jahren Gefängnis verurteilte Gärtner Otto Balliger aus Düsseldorf ausgebrochen. Schlffsuntergang. Der kleine Dampfer„La Plata", der mit einer Ladung Austern von Le Verdon nach Royan unterwegs war, ist am Dienstag bei der Mündung der Gironde im Atlantischen Ozean gescheitert. Die aus vier Mann bestehende Be- satzung ist ertrunken.» Bier Kinder verbrannt. Eine große FeuerSbrunst zerstörte am Dienstag eine der bedeutendsten Tischlereien der Stadt Lyon. Das Feuer griff auf ein Nachbarhaus über, das innerhalb einer halben Stunde vollständig eingeäschert wurde. 4 Kinder, die sich in einem verschlossenen Schlafzimmer befanden, erlitten in den Flamnien den Tod. Die Mutter der Kleinen, die nur mit großer Mühe gerettet werden konnte und schwere Brand- wunden erlitt, wurde wahnsinnig. Marktbericht von Berlin am 39. Januar ISIS, nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreife.(Kleinhandel, 109 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.99—59,99. Speisebohneu weiße, 49.99—69,00. Linsen 40,00—80,09. Kartosfeln 10,09—14,00. 1 Kilo- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,69—2,49. Rindfleisch, Bauchslcisch 1,39 bis 1,89 Schweinefleisch 1,39—1,89. Kalbfleisch 1,49—2,59. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,60-3,20. 60 Stück Eier 4,20—7,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,00—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1,60-3,60. Hechte 1.20—2,60, Barsche 1,09-2,00. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 3,00—24,00._ Witterungsübersicht vom 31. Januar 1912. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin ftranks.a.M. München Wien J>§ c 3 i? � 2 ||| |B= 7521®® 753WSW 750 ZW 761SW 766SW 765sW Detter 7Schnee 5bedickt 3b-deckt 5 Nebel 4 wolkcnl ichciter all 1? hS, —3 — 1 _ 0 —3 —10 8 Stationen »= c 5 Bf Haparanda 767N Petersburg i 752 SO Scilly 76öSlill Abcrdcen Paris 762NW 765 SM Setter 4 wölken! 4 Schnee Jiuolfenl 4, mollig llbedeckl C* e" =» —32 — 15 3 1 0 Wetterprognose für Donnerotag, den 1. Februar 1912. Ein wenig kälter, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mst Schnee- sällcn und ziemlich starten nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserftands-Ztachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilfit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen . Frantsurt a r t h e, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden „ Berbh . Magdeburg am 30. 1. om 128») -34-) 76°) 172°) 153°) 138°) 48°) 78°) 56°) 98 -68°) 191°) 185°) seit 29 1. cm') 0 -s-15 _ 2 —2 +2 +3 —8 -2 —8 +5 0 —9 —2 Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau . Rathenow') Spree, Sprembcrg') , Becskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau » Kaub . Köln Neckar. Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am 30. 1 cm 130°) 58°) 97 70 69°) 158 224 354 176 216 72 seil 29. J. cm') 0 —1 0 +1 0 —6 —12 —23 — 18 116—9 >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel.—•) Eisstand. -\ Bnefkartcn der Redaktion. SU(«irtttifle eprechstundc sindet Ltndenftr-Yevs, vorn„er Trcvve» — F-hrftnhl—. mocheiilSfla« von 4V4 bis 714 u»r abends, Sonnabend». d-n«)-> bis 6 Uhr abend» statt. Jeder stir den«rtcfkaftcn»estimmun Hnfragc t« ein«n-bsiabe und eine Sab« al» Mertzeiaien betznsSgcn. Brieflich« ttntworl wird nicht erteilt,«nfragen, denrn keine«bonncmentSqutttnng»eigctiig« ist, werden nicht dcantwortc». Eiltae Fragen«rage man tu der Sprrchftnndr bor. M. H.. Neukölln. Das läßt sich nicht voraussagen.— M. N. 1k. 1. Schliegen Sie einen sogen. Sicherungsübereignungsvertrag 2. Dagegen läßt sich nichts tun.— St. 9. Die Abkömmlinge treten an Stelle des ein- gesetzten Erben. sallS dieser verstorben oder die Erbschaft ausgeschlagen bat. — W. L. Soweit ersichtlich, kann der Verlährungscinwand erhoben werden.— A.<«. 8. 1. u. 2. Nein.— I. R..«ort. Nur dann, wenn sich durch Sachverständige nachweisen läßt, daß eine erbebli.t« Gcsundbcits. gcsährdimg ciutrelen wurde.— h. ft. 7. Das vorherige Hertomnien ist nicht crsorderiich. Im übrigen setzen Sie sich mit dem dortigen Standes. amt in Verbindung.— A. B.«3. 1. Rein. 2 Das kann jeder Deutsche tun. ohne Ruckficht aus die Z-itdauer seiner Ansässigkeit. 3. Geringsügig 4 Nein. 5. u. 6. Ja.-«. 17. Derartige Recktsslrcitigkeiten sind äußerst zweiselhast, da sich der Beweis der wiederholten Ruhestörung schwer sührcn läßt. In Ihrem Falle ist die Sache um iq mehr zweiselhast. als Sie schon Kündigungstermine haben verstreichen lassen, ohne von Ihrem vertraalichcn KündigungSrccht Gebrauch zu machen.— R. H. 1001. Die Bewcispflicht jür den Wert liegt Ihnen ob. Kann derselbe nicht geführt werden, so kann der Richter aus de» Bcglcitnmslünden den Wert ermessen, wobei er die Er. klärung des Beklagten berücksichtigen lann. Der Beweis für den Wert läßt sich auch durch andere Zeugen als durch den Berläusir führen.— 8, 52. Sechs Wochen zum Kalenderquartal.— Zt. tt. 1886. 1 Ig 2. Zu notariellem Protokoll. 3. Gleichgültig. 4. Zehn bis sünszehn Mark' — B. 8. 99. Nach Ihrer Schllderung können Su e« aus die Klage an� kommen lafsen. Den Umtaufch gegen die bestellten Sachen müsse» Sie sich jedoch gefallen lasten. Fordern Sie unter Setzung einer Frist anderweite Lieferung unter der Androhung, datz Sic nach erfolglosem Ablauf der Frist die Abnahme verweigern.— Kaufmann. Nein.— W. Ä1!.. Nr. btv. Vierteljährliche Kündigung, und zwar bis zum dritten Tage des Quartals. — 104. M. Z. Ja, sofern Sie im Prozeß unterlegen sind.— P. G. 41. Beantragen Sie bei der Versicherungsanstalt die Ausstellung von Duplikaten. — R. S. 20. Ja, bis zur Dauer von sechs Wochen.— M. W., Nieder- Schönhaufen. Sie persönlich sind nicht haftbar, wohl aber nach über- wiegender Rechtsprechung Ihre Frau.— E. K. 32. Das Auslösungsrccht des Bundesrats ist durch Gesetz nicht beschränlt.— I. ,'»00. Nur nach Kenntnis des Inhalts der Statuten zu beantworten möglich.— N. 85. Ein Recht zum Verkauf haben Sie nicht. Sie können aber Ihre Forderung ausklagen, alsdanttz die Sachen psänden und versteigern lassen.— O. St.. Gesundbrunnen. Ja.— W. I. 100. Der Grundstückseigentlwter ist schadenersatzpflichtig.— C. K. 33. Nach der mitgeteilten Vertrags- bcstimmring hat Ihr Neffe Anspruch aus Zahlung des Gehalts ohne Abzug. — H. L. 1. Nein.— B. 100. Befreiung vom gesetzlichen Eheverbot kann durch den Justizmmistcr bewilligt werden. Der Antrag ist an das Landgericht, das in erster Instanz entschieden hat, zu richten. — P. 88. R. Gl. 777. St. 1001. L. H. 79. Beliebig oft. I. R. 30. 1. Arbeitcr-Samariterkolonne, E. Stein, Charlottenbu g, Kaiscr-Friedrich-Stratze 40. 2. Nicht bekannt.— W. H.. Rixdorf. Im „Vorwärts" ausgiebig behandelt und Material mitgeteilt.— Friedr. (Siemen. Nein.— K. 30. 1. So oft er will. 2. Nein, keinerlei Verpflichtung.— M. Bahr. Wenden Sic sich an den Bildungsausschutz der P wici Lindensir. 3.— E. D. 11. Engclufer 16.— 31. D», Kiautschou- straste 4. Fragen Sie im Bureau deS 6. Wahlkreises Neue Hochstr. 23. - G. H. Im Adreßbuch nachschlagen.- Th. Neubauer. Lindenstr. J. — O. L. 1883. Direkt an eine solche Firma.— Werdohl. Elwa acht Stunden.— R. S. 22. An die Zentralkommisston der Krankenkassen Engeluser IS.— E. G. 47. Wenden Sie sich an die Güter- kasse der betreffenden Eisenbahn.— 31. J> 31. �ragm an bei der Buchaandlung Vorwärts, Lindcnstratze 6g— W. Ja- M. Klaiber 100. Wenn künstlerischer Wert in Frage kommt, lawohl. — 3l. H. 100. Bettemburg. Ein solches Institut besteht nicht Wenden Sie sich an den Berliner Gewerbesaal.— S. P. 140. Uns nicht Bekannt, aber Vorsicht I— G. Z. 24. In jedem Bankgeichast.- P. G. 20. Ohne Kenntnis der Dinge nicht zu beantworien.— G. 50. Sie(vagen am besten bei einer der Schisssgesellschasten, Unter den Linden an. Donnerstag, 1. Februar 1312. Ansang 7>,, Uhr. K. Opernhaus. Carmen. Kgl. Schauspielhaus. Kriemhilds Rache. Deutiches. Don Carlos. Havcrland. Spezialitäten. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Schumann. Gala- Vor- Itellung. ZirkuS Sarrafani. Gala. Vor- stellung. Ansang 8 llbr. Urania. Taubenstraffe 48/49. Von Meran zum Ortler. Hörsaal: Pros. Marcus«: Lust- schiffahrt. Kammerspiele. Eine glückliche Ehe. Lesung. Komtesse Mizzi. Erde. Neues Schauspielhaus.?ia.t justibia! Residenz. Alles für die Firma. Kurfürsteuoper. Der Schmuck der Madonna. Koiuiiche Over. La Traviata. Westen. Russisches Ballett. LustspielhauS. Die Damen des Regiments. Berliner. Große Rosinen. Neues Overerien. Eva. Schiller O. Der Probepseil. Schill«--Gharlottenbiirg. Emilia Kalotti. Friedr.- Wilh. Schauspielhaus. Zwei glückliche Tage. Neues. Das Mädel von Moni- martre. Luise». Sommerspuk. Rose. Heimiit. Kouiggraffer Straffe. Die fünf Frankfurter. Kleines. Lottchens Geburtstag. Geutz und Fanny Elßler. Hocken- jos. Bieteavol. Die Nacht von Berlin. Trianou. Das kleine Case. Thalia. Polnische Wirtschast. Gasiuo. Der Kamps umS Dasein. Stpolto. Svezialitälcn. Vaiiage. Svezialitälcn. Hcrrnseld. Schmerzlose Behandlung. Das Kind der Firma. Akeichsballe». Stettiner Sänger. «önigstadt-Kasino. Im Taumel des Glückes. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Folies(pnvrirr. Mandelblüth'S Polterabend. Losgelassen. Waffen- Übung. Walhalla. Teufel, daS hat emge, schlagen! Noack. Tie Bettlerin und ihr Kind. Boigt. Pseffer-Nösel. Ansang S'/i Uhr. Neues Slolksthenter. Fritzchm.— Der zerbrochene Krug. Belle-Alliauce. Trilby. �.** Sternwarte. Jnvalidenftr. 57—62. Schiller-Theater OÄ«: Tonuerstag, abends 8 Uhr: Der Ppobepfoll. Freitag, abends 8 llbr: liiiniff Heinrich. Souuabcua, abends b Uhr: Der Probepfcil. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Probekandidat. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Probepfcil. Schiller-Theater"C Donnerstag, abends 8 Uhr: Pnillla Cialottl. Freitag, abends 8 Uhr: llaHkerade. Sonnabend, nachm. 3>/, Uhr: ?rinr strieclricb von Hoiudurz. Sonnabend, abends 8 Uhr: Eniilia Galotti. Sonntag, nachm. 3 Uhr: llaria Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: _ Die Wildente. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Grotze Nosinen Mei'iiillei'WgMi'Me 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Neues Th-atcr. -DaS Mädel Von'Montmartre. Sounabeno TU Uhr zum 1. Male: Ter liebe Augnsti». Son»tag3sisillhr: Der stdeleBauer. Theater des Westens 8 Uhr: KuHBiKChet) Ballett. Karneval, Sylphiden, Schcherazadc. Zlornnzcige! Sonnabeud, 3./2.: Sylphiden. Polowetzer Tänze, Geist der Rose, Klcopatra. Sonntag 3'/4 Uhr: Fatinitia. Luisen Theater. Donnerstag 8 Uhr: Premiere: Soiuu.erspnk. Freitag: Aus Mangel an Beweisen, Sonnabend 4 Uhr: Was L-anS und Liesel im Zauberwald erlebten. Abends ö Uhr: Sommerspuk. WmLSirsotra.klHcfrss 8 Uhr: Von Meran zum Ortler. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Marcus«: _ Enf tschiffahrt. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Alles für die �irma. saline des femmes.) Schwank in 3 Akten von M.Hcnnequin u. G. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolteu-Bacckers. Morgen u. folg. Tage: Alles k.il. Firma. Belle- Älliance-Theater. S'/j Uhr: Vorletztes Gastspiel Ferd. Bonn m„Trilby". Ab Sonnabend, 3. Februar, täglich: ttapeleon öonaparte unä seine Frauen. Gastsp. Bonn als Napoleon Bonaparte. lOSE-THEATE Große Frankfurt er Str. 132. Abends 8 Uhr: Heimat. Schauspiel in 4 Alt. v. H. Sudermann. Freitag: Des Meeres und der Liebe Wellen. ItoopftäterT Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. vis Nacht von Berlin! Große Jahrcsrevuc in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Donnerstag, den 8. Februar, abends S'/a Uhr: Oeneralversammiung im Gewerkschaftshanse. Der Eintritt ist mir Mitgliedern gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. Tagesordnung: 1. Vortrag: Herr Theodor HeuB:„X-ndwIg Pfnn, der Konfiszierte". 2. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. 3. Bericht der Kevisoren. 4. Diskussion und Verschiedenes. \ minterfcst. � Sonntag, den 25. Fcbraar, abends 7 Uhr, in Kellers Mener Philharmonie. Beethoven- Konzert ausgeführt von der Berliner Sinfonievereinigung Leitung: Leo Schrattenholz. Festmarken a GO Pf. sind in allen Zahlstellen erhältlich. iür die Resldcnztheater- Vorstcllang am 4. Februar, nachm. 3 Uhr, sind im Theater bei den Obleuten a Mk. 1.30 zu haben. Extravorstellungskarten Für die Nachmittags- Rltglleder sind _ in den Abendabteilungen an den Montag übenden im Meuen Schuusplclliaase Karten a Mk. 1.30 zu haben. Neue Mitglieder allen Zahlstellen melden für die Kachmittaga- nnd Abendabteilungen. 242/4 Ab 8 Uhr: BOV Premiere des Vollst, uciten Programms. 8 für Berlin neue Debüts! 10 Uhr: Der Gipfel»er Komik keekers _ das„Original"._ WMIS Nur noch bis Montag, 5. Febr.: Das Kind der Firma und Schmerzlose Behandlung. Dicntitag, den O. Februar: Premiere der Novitäten: Wie man Männer bessert. Komödie in 2 Akten von Anton und Donat Herrnfeld, und Der JCausteufel. Schwank in 1 Akt v. H. Pohlmann. Billetts ab heute zu haben. Passage-Theater. Heute Premiere; Sehnelder-Duneker Carl and Lotty die berühmt. Excentr.-Tanzer. Luise Scliärer V o rtragskünstlerin. The Hevaldos Truppe d. best. Schleuderbrett-Akrob. und d, Febr.-ölanzprogr. 14 erstkl. Spezialitäten. „CLOU" Berliner Konzerts Haus. Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90/91. Großes Konzert u. Zillerfhaler and Tegernseer Sänger, Plattler u. Jodler! Anstich von 3 Känigsbräu, dem kfistlichsten aller MOnchener Doppelbiere. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachmittags: Gr. Promenaden-Konaert bei freiem Eintritt. fage-Bennen im SportsPalast 3.-9. Februar. Alleiniger Vorverkauf bei A. Wertheim, seinen Theaterkassen und Filialen.• Neue Welt. Ii Das Loudoner Mirakel Die Frau in der fCSIIHS! Befreiung aus d. Wassergrab. Lebend! Lebend! FakiraTruppe 16 Personen in ihren religiösen Slilrtyrer-Prodnktionen Wochentags 4— 7 Uhr: Lichtspiele Ohne Extra-Entree. Arnold Scholz. Husenheide 108-114 Heute Donnerstag, den I. Februar 1912: Sitte- Tag. —_ Damen-Pramnerung. Prämiiert wird: Der linoste echte Zopi. Chinesinnen nicht ausgeschlossen. 3 bare Geldpreise: 50,—, 30,—, 20,— Mark. 4 Kapellen. 30 bayerische MadT. Anfang 7 Uhr.— Entree SO Pf. Zirkus A. �clminann Donnerstag, den 1. Februar, abends 1'l2 Uhr: Debüt! Der AITenmensch vom Kongo Uomy I. arbeitet ganz selbständig, ohne menschliche Assistenz U. a.: Momy als Rollschuhläufer. Um 9 Uhr das große Ausstattungsstück in 5 Akten: Das Motorpferd Weiter geht es nicht mehr! Dieses große Ausstattungsstück zu übertreffen ist unmöglich! Vorher das gr. Galaprogramm. arrasaml Sehönbaiiser lllee. Telephon: Nord 4100.| Täglich Uhr Das berühmte, unverfälschte, pantomimenfreie CirCUS-Prograim Vorverkauf a. d. Circus- kasse und an sämtlichen Billettverkaufsstellen von A. Wertheim. Der Vorverkauf bis Sonntag beginnt heute. Kabarett nnd Theater. Jeden Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Theater Alt- Berlin Blumenstr. IQ. Ansang 8';. Uhr, Sonntags 7 Uhr. Reichsliallen-Theater. Stettiner Sänger. Bfea! IVeu! Pantoffel-Helden. Burleske V Reichardt. Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Noacks Theater. Direllion: llobort Dill. Berlin N., Brunneitstraße 16. Pif Kettlmn imb ihr Kind. Schauspiel in 5 Akten von Meißner. Ansang 8'/« Uhr. BonS usw. gültig. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Voigt-Theater. Donnerstag, den 1. Februar 19l2: Gastspiel in M\mm Theater, ilfÄ? Pfeffer- R ösel. Schauspiel in 5 Alten. Kasteneröffnung 7, Ansang ö'/« Uhr. folies Caprice. Täglich 8'/, Uhr: Losgelaffen. Waffen Übung. Mandrlbliiths Polterabend. CoDCordia- Festsäle. Inh.: M. Wendt& A. Schütze. 64 AiÄreasstraße 64. Jeden Donnerstag: Große Solree d. allgemein beliebten und bekannten Hoßmanns Sänger. Direktion Fr. Fanther Heute; Alte Kriegskameraden. Burleske in 1 Akt. Anfang 8 Uhr. Sofre©1": Köl-TSN?. Verzugskarten haben Gültigkeit. Kirkns Bnscb! Heute Donnerstag, 1. Februar, abends T'/j Uhr: Große Galavorstellung, j Zum 1 Male in Deutschland! Beginn der groß, japanischen j Ringkämpfe. 20 Teilnehmer der besten) japanischen Ringerklasse 20. Nähere Einzelheiten Uber den| Ringkampf und die Teilnehmer) im Programm. Debüt! Debüt! Debüt!) Clown Armando mit seinen dressierton Tieren, j Besonders hervorzuheben: Das boxende Känguruh j Um 91/, Uhr: Gastspiel Gertrud Arnold: Die Hexe. Vorher das gr. Galaprogramm. 1 Casino-Theatei* Lothringer Str. 37. Ansang 8 Uhr Der gröffte Theatererfolg! Täglich ansverkanst. Der tilimpf«ins Dasein. Aktuell! Dem heutigen Leben cnt- nommen.— Sonntag nachm. 31/., Uhr: Der selige Hollschinsky. Königstarit-Kaslno. Ecke Holzmarkt- u. Ai exanderstraße Täglich Variete und Theater. Boin i.— 1«. Februar Riesenprogramm. In jeder Vorstellung: G Ein dunkler Punkt. O Burleske mit Gesang in 2 Bildern. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Das kleine Lskö. K i s■ A r e n a. Nachmittags: lnilitilr- Konzert. Kunstlauf- Produktionen. Abends die Novitäten: Tänze a. d. Eise, Ehein- ländor, Eussisch, Engl., Alt-Wiener Walzer und | Die kleine Charlotte.! (Der norwegische Meister) Harry PaulHen | sowie d.präoht. Eisballett| Alpcnzanber. I Bis fi Uhr und von 10'/, I Uhr halbe Kassenpreise. I Restaurant I. Ranges. Nißles Fest-Säle Dennewitzstraße 13« Jeden Donuertstag: CanzkränzciKO und Bockbi-rtrubel bei freiem Entrce. C. Ufißlc. cvim Willi Kr, ist, E/ßsL KSpenicker Straße 55b, I. Amt Mpl. 14089. Gr. Auswahl! Bill. Preise! Vorzeiger dieser Annonce er- hält IV Proz. Preisermäßigung. k Amt m, Berliner »mor-fluartet! i Gg. Trener �KKastanienaJlee lt Für Scu Jnliatt der Juierate übernimmt die Rebaktiou dem Publikum gegenüber keinerlei Berantlpprtnng. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt Norde», 9!r. 1239. Iferwaltunysstelle Berlin Charitvstraste 3. Hauptbureau; Hos III. Amt Norden, Nr. 1987. Sonntag, den 4. Februar ISIS, vormittags Ä'/s Uhr: WW" Versammlung"WU sämtlicher Monteure n. Helfer der Konstruktionsoetriebe Groß-Berlins im Lokale von Wollschläger, Adalbcrtstr. 21. Tagesordnung: t. Bericht der Kommission über die Einhaltung der Vereinbarung von 1911. 2. Verschiedenes. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung tst das Erscheinen aller Kollegen unbedingt notwendig. 1U/11 Die OrtsTerfvaltang. Ii An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen «INGER Nähmaschinen verkauft werden. nostergUItlsr in Konstruktion nnd Ansttthrnng:, gleich vorzüglich für Hansgebranch n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. —| BERLIX, Lieipziger Straße 98. r— 4 1 Läden in den verschiedenen Stadtteilen. I ♦ Zentralkrankcnkaffe der Maurer Grundstein zur Einigkeit 2aklstollo Ckarlottonburx. Sonntag, den 4. Februar, vormittags 10 Uhr, im»Volkshaus�, Rosinenstr. 3: J�itgUcdcr-Vcrfammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1911 u. Jahresbericht. 2. Vorstandswahl und Verschiedenes. — � fflitgliedsbnch legitimiert 149/2 Der Vorstand. I. 9t.: Wilhelm Strahl. ir üi Sektion der Stukkateure. Am 8. Februar, abends 8 Uhr, in untenstehenden Lokalen: Bezirks- Versammlungen. Sie Stellung" äer'Äoternehmer zu unserem Caiifablauf. Für Charlottenburg, Rixdorf. Steglitz, Wilmersdorf, Westen, Moabit und Wedding in den alten Zahlstellen. Für den Norden bei Oblglo, Schwcdter Str. 23/24. Für den Osten und Südosten bei �letz, Warschauer Str. 61. 136/11* Jeder Kollege agitiere sür guten Besuch._ Würzburger tiühneraugenmittel Hansextralt.) Dr. H. Unger Verlin(20 Ps.): Salomen• Apotheke, Apotheke, Barnimstr. 33.— Wo nicht, zu haben in Würzldiirg. Charlottenstrcche 54.— 6 reit- Rosen-Apotheke, WDrzburg. I.(Solöfatb PmWSKlrgM gegründet 1839. i n n»■ i 1 Tabac russe a priser. gout de Kowiw. o.acM>04>o»0'D'0-n'QigggoO'Q SÄ Prawdziwa tabaka do� zazywanla«KownoeK* □ □ b'Li*a.o*0'a'a«o,oü't>a'aH>CM3'a'ö Dp. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, mXiSz 10—2. 5—7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Große 7irms 0�. Teppiche, Gardinen, Stores, Steppdecken, Portieren auf Teilzahlung ohne Anzahlung., Steine Kassierer. 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Februar erbeten an bei Vorsitzenden der Pccßkoinmiffioil 236/8* <1. Xiiiiiticrinunn, Frankfurt a. M., Allerhetligenftr. Sl(Maler-Butean). �rbeitsmarkt. Stellengesuche. Junger Maler, mit allen Arbeiten im Fach vertraut, sucht Stellung. Eventuell wird auch Arbeit selbständig ausgesührt. Gefällige Offerten er» beten unter G. P. 120, Postamt 1. Neukölln.-j46 Stellenangebote. Handelsleute, auch Frauen, er» zielen den höchst denkbaren Verdienst durch Vertrieb von prämljerten Tee und Hicnsong- Essenz. LabenSti. Strclitzerstraßc 39._ tl04* Schloffer, selbständige, Gitter und Banbclchlag. verlangt Heinrich», Tcmpelhos, Ringbahnslraße 42. Drahtformen- Arbeiterinne», tüchtige, im Hause, sucht Reinhold Naeder, Splittgerbergassc 1—2, an der Wallstratze. 2750b sofort Zeitungsfrauen Schiffbauerdamm 1. verlangt 15/20* Künstliche Blumen. 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