Ur. 329. Erscheint täglich auser Montag«. DrsiZ prSnnmsrando: lgieriei- jährlich s.so Mar!, monailtch l,io M!, wöchentlich SS Psg srei ln'S Hau-. Sinzeine Nummer s Bfg. Sonnrag»- Nummer mit illuslr. SonnragZ- Beilage«Neue Welt" lo Psg. Poft-Zlbonnemen:: 3,20 Ml. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für da« übrig! Ausland s Ml.pr.Wonat. Singer:. tn der Post- Zeitung«- vre iSIisre für 1393 unter Nr.<708. 10. Jahrg. KnseriionZ-Sebühr beträgt für die sünsgespaliene Pslitzeils oder deren Raum io Bfg., für Vereins- UN» verfammlUugS- Anzeigen 20 Bfg Jnierare für die nächste Nummer müsisn dt!« Uhr Nachmittags in de: Ervedition abgegeben werben. Die Exvevilion ist an Wochen- tagen dr- 7 Uhr DbendS, an Sonn- und Festlagen bis 9 Uhr Bor- mittags geöffnet. Lrrnfprechrr r Zimt 1- 4186 Telegramm- Adresse r „Soiiatdemokrat Krrliui' VeMner VsWsbllllii. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Fledaktion: LV.lg. Reuth-Straße s. Freitag, den 29. September 1893. Spedition: 8V.!9. Aeuth-Straße 3. llllg. Mit dem 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement auf den „PorwKrts" Vevltner VoMsblnkt mit der illustrirten Sonntagsbeilage „Die Neue Welt". Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, sowie unsere Erpedition, Keuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monallichen Preise von l Merl lö Pftmigl srei ws wöchentlich 28 Pfennige. Zur außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements zum Preise von 3,3lj Mark für das Lmrtal entgegen. fEiugetragen in der Post-Zeitungs-Preisliste für 1893 unter Nr. 6708.) Wir ersuchen unsere Postabonnenten höflichst, das Abonnement rechtzeitig aufzugeben, damit die regelmäßige Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erleidet. Neu hinzutretenden Abonnenten wird der bisher erschienene Theil der Erzählung Der Anfrnhr in den Cevennen aus Verlangen gratis nachgeliefert. Die Redaktion und Expedition des „Uorwärts" Kerliurr UolKsbiatt. FUil,- SUlnkten Enqueke über die Somitagsrnhe im Gewerbebetriebe schreibt man uns: Was bei den Berathungen zwischen Regierung, Unternehmern und Pscndo-Arbcitervertrctcru in Berlin alles am Arbeiterschntz gesüitdigt wurde, das wird wohl aus den Akten nie vollständig bekannt werden. Deshalb heißt es bei Zeiten die Verantwortlichkeiten feststellen. Und in dieser Richtung muß von Anfang au e i u Punkt beachtet werden: die schivächliche Haltung der R e- qierung hat auch hier, genau wie beim preußischen Bcrgarbeirerschutz, die Reform durch Halb- Helten k o m p r o m i t t i r t. Die amtlichcrseüs vorgeschlagenen Vorschriften kamen den Unternehmern schon so weit entgegen und waren so wenig von dem festen Willen, im Interesse der Arbeiter zu reformiren, diktirt, daß die Unternehmervertreter leichtes Spiel hatten, mit den Iseuillekot». 120 Der Aufruhr in den Cevennen. Eine Erzählung von Ludwig Dieef. Edmund wollte ihm atiscinandersetzen, in welcher sNbsicht er gekommen sei, als die bärtige Gestalt das Gewehr, ohnejzu erwidern, auf ihn anschlug und eben abdrücken ivollte, indem kreischende Stimme hinter der Felsenecke hervorschrie:„Um eine Gottcswillen nicht, Bruder SRazel!" und zugleich zwei nackte braune Arme dem Schützen um die Brust sielen und ihm die Büchse niederdrückten.„Er ist kein Spion! kann es nicht sein!" rief der Halbnackte,„es ist ja der junge Herr von Beauvais!" Als Edmund sich umsah, stand der Kohlenbreimer Enstach vor ihm, den er sehr gut kannte.„Wie kommt Ihr nur zu diesem geheimen Ort?" fragte der Kranke, der hier verpflegt wurde. Edmund sah nun mehrere sonderbare Ge- stallen, die sich um ihn sammelten, um ihn niit neugierigen Blicken zu betrachten. Dem Jüngling war es seltsam, als er diese zerlumpten gemeinen Gestalten nnisterte, ihnen sagen zu müssen, weshalb er gekommen sei, und daß er als Bruder mit ihnen leben und ihre gekränkten Rechte verfechten wolle. Enstach schlug mit dem Ausdruck der böchsten Verwunderung die Hände zusammen und schrie: „Ich hätte mir eher den Jüngsten Tag vermuthct!_ Du glaubst nicht, Mazel, was der gnädige Herr hochmuthig Argumenten der Regierung selber deren Vorschläge abzn- weisen und alles beim alten zu lassen. Das Beispiel mit der IZstündigen Wechselschicht für den Hochofenbetrieb, welche die Unternehmer zu gunsten der bisherigen 24stilndigen verwarfen, ist dafür typisch. Es redet Bände. Die Regierung schlug für den Hochofenbetrieb eine 18stnndige sonntägliche Wechselschicht nur für die Gicht- arbciter, nicht etwa für die übrigen Beschäftigten vor, und that damit weiter nichts, als den Versuch zu machen, für diese eine Kategorie 6 Stunden Sonntagsarbeit abzn- streichen, noch dazu unter ausdrücklicher Hervor- Hebung aller möglichen Schwierigkeiten, welche diese kleine Verkürzung der Sonntagsarbeit wegen der Ablösungs- Mannschaften angeblich den Unternehmern machen werde. Dieser schwächliche Vorschlag war eben bereits ein Kom- promiß mit dem Unternehmerinteresse, wie es schlimmer nicht gedacht werden kann. Denn t h a t s ä ch l i ch i st an den Hochöfen eine ganz andere, wirk- liche Sonntagsruhe möglich, und es giebt sogar amtliche Materialien, mit denen man dies nachweisen kann! Bekanntlich veranstaltete Bismarck bereits im Jahre 1835 eine Sonntagsruhe-Enqucte, um die Sonntagsruhe todt zu machen. Die Behörden schrieben damals ein solches Durch- einander von Meinungen und Ansichten der Betheitigten nieder, daß Einer noch heute verrückt werden kann, wenn er den dickleibigen Band von amtlichem Bericht, ans dem Genosse Bebel s. Z. zur Wohlthat aller Interessenten einen lesbaren Ailszug gemacht hat, durchblättert. Es war ja die Absicht der damaligen Umfrage, die Frage der Sonntags- ruhe als so ungeklärt hinzustellen, daß eine Regelung vor- läufig„nicht thunlich" erschien. Trotzdem schlüpften eine Reihe von Mittheilnngen unter, welche auss deutlichste be- wiesen, wie leicht schon damals eine Regelung gewesen wäre, und solche Mittheilnngen bezogen sich auch aus den Hochofenbetrieb, der jetzt in der Schattenenqnete wieder zur Diskussion gestatlden hat und natürlich im Sinne des Unternehmers geregelt werden soll. Ucber die Sonntagsarbeit im Hochofenbetrieb wurde damals schon mitgctheilt, daß in den siebziger Jahren mehrere Hochöfen des Jndnstriebezirks Siegen während der 12 sonntäglichen Tagesstunden„mit dauernd gutem Erfolg" stillgelegt ivordcn seien, so daß eine Bedienung gar nicht nöthig war. Zwar hatte sich der Verein deutscher Eisen- hüttenlente beeilt, dieses sonntagsruhefrenndliche Experiment in der Enquete möglichst zu verdächtigen. Die Betriebs- Verhältnisse seien seit jener Zeit ganz andere geworden, ebcilso das zu verarbeitende Material u. s. w. Diese Verdächtigung der guten Siegencr Erfahrung mußte schon deshalb ein mitleidiges Lächeln bei allen Kundigen erregen, weil in England und Schott- land die„Bctriebsverhältnisse" gewiß nicht zurück- geblieben sind und dort nach wie vor die Stilllegung („Dämpfung" heißt der Kunstausdruck) am Sonntage möglich ist. Außerdem aber kam eine Bestätigung der Siegencr Erfahrung in die Bismarck'sche Enquete, wie sie schlagender und ungehalten war, wenn ich einmal ein bischen mit dem kleineil Fräulein Schwester sprach und spaßte! Ja, Abraham, das ist ein Zeichen von Gott, uns in unserer guten Sache zu bestärken. Wenn so ein Herr, dem nichts abgeht, dem Gott alles vollauf gegeben hat, was Ehre und Reichthum verschaffen kann, aufgewachsen und belehrt in ihrer Religion, wenn der zu uns übertritt und Wetter, Sturm, Hunger, Blöße und wohl schmählichen Tod um Gottcswillen erdulden will,— was sollen wir erst thun, die sie geplündert, gemißhandelt, denen sie die Kinder ge- schlachtet, die Priester ermordet haben? Ja, das sind Zeichen, wie vor dem Jüngsten Gericht." Im Augenblick sing er an, einen Psalm zu kreischen; aber Mazel sagte: „Laß das jetzt, guter Bruder Enstach, denn wir wissen noch gar nicht, ob ihn Bruder Roland annehmen wird, dem muß er erst vorgestellt werden; wir sind ncncrdingS einige Mal zu sehr betrogen worden, und das Ding mag auch diesmal seinen Haken haben, aber Roland und Cavalier, die wissen gleich, woran sie sind, und diese kann man nicht hintergehen." Edmund sah ihn mit einem großen, verachtenden Blick an und rief:„Führt mich zum Herrn Roland!"—„Bruder Roland, ivenn's beliebt," sagte kaltblütig der untersetzte Mazel,„bei uns giebl's keine Herren. Gott ist unser Herr.--- Etienne! Fävart!" rief er mit gebietenvem Ton, und aus der einen Höhle sprang ein junger, blondgelockter Mensch hervor, und hinter ihm schlich ein anderer her, den Edmund sogleich für jenen alten Jäger erkannte, den er in seines schweigend noch tiefer in die Einsamkeit des Gebirges hinein. nicht gedacht werden kann. Der königlich preußische Gewerberath zu Aachen gab damals(S. 71 des amtlichen Berichts) ausdrücklich folgendes zu Protokoll:„Wenn der Betrieb des Koaksöfen auch kontimürlich ist, so kann man denselben doch so führen, daß innerhalb einer gewissen Zeit, deren Dauer von der Größe der Oefen abhängt und bei Oefen großen Kalibers mit Leichtigkeit von 6(Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends betragen kann, eine Bedienung derselben nicht nöthig wird. Es läßt sich dieses dadurch erreichen, daß man einzelne Oefen überfüllt und die Breun- dauer künstlich verlängert, worin man bei Oefen mit großem Inhalt weiter gehen kann als bei kleinen, und das Ausdrücken anderer etivas verzögert, wodurch der nicht sehr in Betracht kommende Nachtheil erwächst, daß das Ausbringen etwas geringer wird und die Koaks sich ver- zehren. Der Einwand, daß es bei diesem Betrieb dem Hochofen an Koaks und den Maschinen an Dampf fehlen werde, ist nicht stichhaltig. Man kann in der Woche den Betrieb so leiten, eventuell am Sonnabend etwas forciren, daß für die S o n n t a g s p a n s e, in der die Oefen nicht gedrückt werden, hinlänglich Koaks vorhanden. Sollte sich wirklich bei einer Anlage ein Mangel an Dampf nach Einführung der Sonntagspause bemerkbar machen, so braucht man nur einen oder nach Bedürfniß einen zweiten Kessel, der ans Koaksofengase geht, mit einem Rost zu versehen und ihn Sonntags als Stochkessel zu betreiben." Mit anderen Worten: auch bei d e n H o ch ö f e n i st m i t g u t e m Willen geschickter Betriebsdisposition und einigen kleinen Opfern recht gut eine völlige Sonntagsruhe von mindestens 12 Stunden für die Arbeit esr einzurichten. Darüber gab es schon 1835 keinen Zweifel mehr, und in- zivischen haben die maschinellen Einrichtungen noch weitere Vervollkommmmgen erfahren. Dies eine Beispiel genügt, um die Haltung der Re- gicruilg bei der Schatten-Enqnete ins rechte Licht zu setzen. „Mit Leichtigkeit" hätte dieselbe auf die Einführung einer völligen, mindestens zwölfstündigen Unterbrechung der Hoch- osenarbeit für alle Hochosenarveitcr, von den Maschimsten, vielleicht abgesehen, bestehen können. Sie brachte es aber nicht fertig, den Unternehmern gegenüber diese Energie sozial- politischer Initiative zu zeigen. Aus Angst und Sorge vor etwaigen„Mißstimmungen" in den Kreisen der mächtigen Schlotbarone schrak man vor der 12stnndigen Sonntags- pause zurück, behielt die kontinuirliche Arbeit bei und suchte sie nur durch Einführung einer 18stnndlgen Wechselschicht (statt der bisherigen 24stündigen) etivas zu mildern, und auch dies nur für die Gichtarbeiter. Das war natürlich ein gefundenes Fressen für Stumm und Genossen. Die Regierung hatte ihnen den kleinen Finger gegeben, sie nahmen nun mit Leichtigkeit die ganze Hand. Sie konnten ja die Regierung mit ihren eigenen Waffen schlagen. Wenn man vor der obligatorischen Dämpfung der Hochöfen Favart schielte den neuen Gefährten seitwärts an, indem sie miteinander wanderten, endlich sagte er:„Neulich wär's bald schlimm ergangen, junger Herr, wenn's der-junge Bursche nicht that." „Wer war dieser?" fragte Edmund. „Weiß nicht," erwiderte der Jäger,„möcht' eS auch gern wissen; er that mich kennen, obwohl ich ihn nicht kennen that. Ich hatte die Brüder schon seit sechzehn Mo- naten wieder verlassen, nun bin ich wieder zu ihnen gegangen, hauptsächlich weil neulich der junge Bursche mir ins Ohr sagte, daß ich ein Abtrünniger nud Gottes- vcrräther sei, nun weiß ich auch, wie der Herr von Basville, der Intendant, denkt und die anderen gottlosen Menschen. Sie sind Blutmenschen." Der jnnge Etienne nahm eine kleine Flöte heraus und blies auf ihr ein geistliches Lied, das anmnthig iveit durch die Berge schallte.„Laßt das gottlose Blasen", sagte Favart.—„Warum gottlos?" fragte Edmund.—„Ist doch halt nur ein weltliches Pfeifchen", sagte der schielende Säger,„kömmt doch alles von dem bösen Feinde her, unsere eelen und Herzen durch Sinnenlust zu verstricken; einfach sollen wir an den Herrn denken thun, und unser Mund allein soll ihn preisen und loben, aber auch nicht künstlich und lieblich, denn es ziemt sich auch nicht, in nuserm Jammer. jubiliren zu thun." „Ihr seid zu strenge", sprach Etienne,„die Vögel im Laube preisen den Herrn auch künstlich auf ihre Weise." „Thun keine Vernunft und keine Seele haben," sagte Favart,„ist armes Vieh, und wenn's selbst die Nachtigall wäre; ist auch kein Lob des Herrn, locken das Weibchen damit oder brüten im Nest; ist nur Lüge mit ihrer Gott- seligkcit". „Wie Ihr wollt," sagte Etienne, indem er die Pfeife zurückgeschreckt war ftm Interesse der Unternehmer, wie� durfte man dann die„bewährten" Einrichtungen anrühren, welche diese bisher bezüglich der Wechselschichten getroffen hatten? Und so verwarf man die„schädliche Neuerung" der ISstündigen Wechselschicht auch nur für Gichtarbciter� und ersetzte sie durch die„bewährte" 24stündige für alle Lohnsklaven auf den Hochöfen. Die Regierung hatte dem Uniernchmcrinteresse Bleiche geschossen; es nahm von seiner alten Position mit der gewohnten Un- verfrorenheit Besiy. So m u ß t c die Schatten-Enqucle ver- laufen, wie sie verlaufen ist, und so ist die Ver- antworttichkeit festzustellen:„DieSchwäche der gegen- wältigen Machthaber ist in erster Linie daran schuld, daß Millionen deutscher Arbeiter um ihre wohlverdiente, leicht durchführbare Sonntagsruhe be- trogen werden. Ein Exenipel uiehr für die Richtigkeit des sozialdemokratischen Satzes: keine Unternchmerregicrung, sondern eine Volksrcgierung— das ist es, was wir brauchen! VolittpHe Mevevstrhk. B e r lsi n, den 28. September. Zur Tabakfabrikatsteuer. Wie die„Volks- Zeitung" mittheilt, sind die Prozentsätze, die bei Ein- suhrnng der Fabrikatstcuer als Steuer von den verschiedenen Tabakfabrikaten erhoben werden sollen, in dem Regicrnngs- entwurs wie folgt festgesetzt werden: für Zigarren 40 pCt. vom Werth. für Zigaretten 100,, a für Rauch-, Kau- und Schupstabak 120„„„ Der starke Unterschied zwischen dem von Zigarren und dem von anderen Tabaken erhobenen Steuersatz wird damit gerechtfertigt, daß in dem Preise der Zigarren nicht nur die sehr bedeutenden Kosten für die Ausstellung, sondern auch ein hoher Prozentsatz an Arbeitslohn enthalten sei, und die Steuer nur den Tabak, nicht aber die Nebenspcsen und vor allem nicht den Arbeitslohn treffen solle. Daß dabei aber, wie die Regierung annimnit, keine irgendwie ivesentliche Abnahme im Konsum von Rauch-, Kau- und Schnupftabak eintreten sollte, ist doch sehr unwahrschein- lich; gerade den billigen Ranchtabak rauchen nur unbemittelte Leute, und für diese wird eine Vertheuerung, die sich, nach Abzug der fortfallenden Steuer, auf rund 80 bis 90 pCt. stellen wird, einem Verbot des Rauchens so ziem- lich gleichkommen. Herr Miqncl wird die kleinen Steuer- zahler schon zu fassen wissen.— Zollpolitisches. Wie der Reichskanzler bekannt giebt, hat ans grund des Reichsgesetzcs vom 23. März 1893 der Bundesrath beschlossen, daß vom 27. September d. I. ab die für die Einfuhr nach Deutschland vertragsmäßig be> stehenden Zollbefreiungen und Zoll-Er- Mäßigungen mit Ausschluß der in den Handels- vertrügen Deutschlands mit Oesterreich-Ungarn und Italien enthaltenen Zollbegünstigungen für Wein in Fässern der Tarifnummcr 25 s 1 zunächst bis einschließlich zuni 31. Ok tober d. I. auch den spanischen Boden- und Industrie� Erzeugnissen bei der Einfuhr in das deutsche Zollgebiet zugestanden werden.— Der neue preußische Landtag soll Mitte Januar einberufen werden.— Er tvill kein„stumuier Hund" sein, er will fortfahren zu knurren und zu kläffen(das beißen geht leider nicht mehr) auch nach der„Versöhnung",— so läßt er uns in den„Hamburger Nachrichten" mittheilen. Nun, nöthig war das nicht; daß er für die„Versöhnung" noch das richtige Gefühl haben ivürde, hatten wir erivartet und ge- hofft. Durch das Empfinden, Knurren und Kläffen, unter- scheidet sich ja ein„widerspänstiger Todter" von einem„stummen Hund". Wer übrigens rachsüchtig ist und sich an den Qualen eines Menschen— und sei er ein „widerspänstiger Todter"— erfreuen kann, dem muß das che des„Versöhnten" eine kochende Wuth und diese Wahrhaftig, der ist ge- Durchlesen der Antwortdepe himmlische Wollust sein. Die Grimasse höflichster Loyalitä straft!- Ein„schneidiger" Beamter. Einen Raufbold schlimmster Art besaß, wie der„Volks- Zeitung" aus Düsseldorf geschrieben wird, die Stadt M.- Gladbach einsteckte. Sie kamen an einen Verhack, und man rief von innen:„Wer da?"—„Zion!" riefen die beiden Begleiter, und einige große Balken schoben fich zurück und machten Platz auf dem engen Wege. Sie gingen hindurch.„Wo ist Roland?" fragten sie die Schildwachen.„Oben," antworteten diese,„unter der großen Apostelkastanie". „Bald sind wir da," sagte Etienne. Sie hörten schon Geräusch aus der Ferne, Sprechen und Gesang, auch Klirren von Eisen; und als sie nun auf die Höhe des waldigen Bergplans gekommen waren, sah Edmund viele Menschen in mannigfaltigen Gruppen versammelt, alle braun und von der Sonne verbrannt, die meisten in zerrissenen Wämsen; einige schienen zu beten, einige wenige lasen, andere ruhten im Grase, manche wetzten ihre schartigen Säbel oder putzten die Flinten, andere flickten ihre Kleidungsstücke, manche sangen Psalmen. Ein großer wilder Mann schritt ihnen entgegen, er wandelte verdrießlich auf und ab, die Hände auf dem Rücken, ein ungeheurer Knebel- bart hing von beiden Seiten des Kopfes herunter, die Haare waren aufgewickelt;„guten Tag, Brüder," rief er mit widerwärtiger Stimnie, die Edmund gleich für dieselbe erkannte, die er in jener Nacht aus der Ferne gehört hatte. „Held Catinat!" rief Favart und schlug in die kräftige Hand des riesengroßen Mannes ein.„Wie geht es Dir?"—„An- geklagt bin ich, Bruder," sagte jener,„und Roland will nicht mit mir reden, bis alle seine Offiziere, Cavalier und die übrigen über mich gesprochen haben." „Wo ist Roland?" fragte Edmund hastig. „Der dort ist es, der mit dem bloßen Halse unterm Kastanienbauni sitzt", sagte Catinat. Edmund sah an den Stamm des Baumes einen schlanken Mann von mittleren Jahren gelehnt, der ruhig auf den Boden blickte, indem er aus einer kurzen thönernen Pfeife Tabak rauchte; er hatte ein rothes seidenes Tuch ab- genommen, das neben ihm lag, und das Wams auf- geknöpft, so daß die ganze Brust frei war; sein Haupt war unbedeckt, sein Gesicht nur mit großen Backenbärten in ihrem Beamten Heinrich Bungard, der dortselbst seit drei Jahren eine Polizeisergeantenstellc bekleidete. Ohne die geringste Veranlassung hatte dieser ivürdige Beamte am Nachmittage des 13. April in einer Gladbacher Wirthschaft blank gezogen und niit dem Säbel dreingcschlagen. Einen von ihm zu Boden Geschlagenen bearbeitete er dann noch mit den Fäusten und trat ihm wiederholt mit aller Wucht aus die Brust. Einem zweiten Verwundeten war er auf die Straße gefolgt, hatte dort den Wehrlosen aufs Straßen- pflaster geworfen und mit dem Säbel derart auf ihn ein- gehauen, daß der Verletzte zehn Tage später seinen Geist aufgab. Dann war der Unmensch in die Wirthschaft zurück gekehrt, hatte seinen Säbel von dem daran klebenden Blute gereinigt und zu den anwesenden Gästen geäußert:„Von oben herab ist uns befohlen, flach zu schlagen, ich aber schlage scharf." Dieses Muster eines Beamten stand am 26. d. M. vor dem Schwurgericht in Düsseldorf. Die Geschworenen hatten die Zubilligung mildernder Umstände abgelehnt. Der Gerichtshof erkannte nur wenig über die gering st e zulässige Strafe, nämlich aus SVe Jahre G e f ä n g n i ß.— Die preußischen Staatsbahnen haben in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres eine Einnahme von 402,4 Millionen oder 16,1 Millionen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres erzielt. An dem Mehr sind der Personen- und Gcpackverkehr mit 2,3, der Güterverkehr mit 13,3 Millionen betheiligt. Aus sonstigen Quellen war eine Mehreinnahme von 0,5 Millionen geflossen. Wozu werden die Ueberschüsse benützt? Für das herrliche Kriegsheer. Kulturaufgaben bleiben liegen. Für die niederen Beamten und die Arbeiter der Eisenbahnverwaltung geschieht nichts. Man müßte denn Lohnherabsctzungen, Maßregelungen, Vereinigungsverbote und Entlassungen zu den Werken positiver Sozialpolitik rechnen.— Wie die Agrarier zu billigen Arbeitskräfte« kommen. Zu der auch von uns mitgetheilten Notiz aus Ostpreußen liefert folgende Nachricht aus der Rhein- Provinz ein Seitenstück. Der Landrath des Kreises Bergheim, Gras B e i s s e l, hat kürzlich eine Bekannt- machung erlassen, wonach mit Ausschluß der Mädchen der älteren Jahrgänge die gesammte Schuljugend aus vierzehn Tage vom Schulunterrichte zu dispensiren ist—„behufs Verwendung zu Rüben-Reinignngsarbeiten"! Da die kleinen Leute selbst keine Rüben bauen, so verschafft die Verfügung den größeren Besitzern billige Arbeitskräfte. Dein Ma„gxl an Arbeitern überhaupt ist die Verfügung nicht entsprungen, da dort Arbeitskräfte in genügender Zahl vorhanden sind— wenn sie menschenwürdig bezahlt werden. Daß die Verfügung auch in sittlicher Beziehung außerordent- lich bedenklich ist, mögen die folgenden Ausführungen der „Bergheimer Zeitung" beweisen: „Weiß denn der Herr Landrath nicht, wie es beim Rüben- reinigen herzugehen pflegt? Daß die 13jährigen Mädchen zwei bis drei Stunden durch den Schulunterricht dieser Arbeit fern- gehalten werden, genügt doch allein nicht. Vielmehr sollte es überhaupt den Schulkindern verboten sein, außer an der Seite ihrer Eltern sich beim Rübenreinigen zu betheiligen. Hier möchten wir nur erwähnen, daß gewissenhaste Gutsbesitzer das Singen bei der Arbeit aus naheliegenden Gründen verbieten — wir sind im Besitz einer Sammlung von„Rübenliedern", wie sie zwischen Erst und Gilbach beim Rübenreinigen gesungen zu werden pflegen, die geradezu das Unglaublichste an Scham- losigkeit leisten. Auch soll nicht unerwähnt bleiben, daß uns einmal ein braves Dienstmädchen, das der Vater zum Rüben- reinigen verdingen wollte, auf grund der im Vorjahre ge- machten Erfahrungen erklärte, lieber wolle es sich zum Krüppel schlagen lassen, als in diesem Punkte seinem Vater zu ge- horchen." Was sagen dazu unsere modernen Tugendwächter, welche die Sittlichkeit der Menschheit mit einer lox Heinze heben wollen? Des Profites wegen wird das körperliche, geistige und sittliche Wohl der Kinder geschädigt. Was sagt der Kultusminisicr Bosse dazu?— Das ist's ja gerade! In einem wuthsprühcnden Ar- tikel„gegen die Antisemiten" donnert der„Reichsbote" auf die„Staatsbürger-Zeitung" los, weil diese so frevelhaft war, den Konservativen in aller Form„den Krieg zr, er- klären", und ruft dem Katilinaricrblatt in Ciceronianischcm /s Uhr. Anfang 7V- Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag Nachm. 2�,2 Uhr: Volks» Vorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Gastspiel des königl. Hof- schauspielers Conrad Kaufmann vom Hoftheater in Stuttgart. Vildelm Toll. Wallner-Theater. Sonnabend, den 30. September 1893: Gastspiel des Schlirrsee Kaurrnthrater. Zum 1. Mal-: 's Liserl vom Schliersee Volksstück mit Gesang und Tanz von H. Neuert. Billetverkauf von 10—2 Uhr. Mchph Ernst- Theater. Charley's Tante. Schwank in 3Aklenv.Vrandon Tbornas. Vorher: Die Kajazzi. Parodistische Posse mit Gesang in 1 Akt v. Ed. Jacobson und Benno Jacobson. In Szene gesetzt von Adolpb Ernst. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. ventral-Theater. Kit«.Isleodsti»«»»« fio. 30. Freitag, 89. September 1893: Berliner Vollblut. Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten v. Jean Kren. Musik v. Julius Einödsboier. Tageskasse von 10 bis 2 Uhr und von 5 Uhr an- Anfang der Vorstellung 7>/e Uhr. Im dritten Akte: Bsjanni-?o>'osti« vorgetragen von Frau Joseiino Bora und Herrn Carl Meissner. Morgen: Berliner Vollblut. Arnerican-Theater. DreSdenerstr. 55. Direktion: H. Martin. Täglich: Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Neu: Zum 24. Male! Neu: Berliner in Chicago. Zeitbild von vscar Wagner. Kasseneröffnung: Sonntag 6 Uhr. Ansang 7 Uhr. Wochentags 6-/2 Uhr. Anfang 7-/2 Uhr.— Entree: Sonntag 75 Pf. Wochentags 60 Ps._ Vereinsz. z. verg. Jacob, Juselstr. l.* BereiuSzimmer Simeonstr. 23. Casfan's Panopticum. s Menilnite Allsßellnllg B oou Machsstgureu und Gruppen. Illnstonrn. Irrgarten. Schrechenskammer. Passage- Panopticum. Soeben ans Chicago eingetroffen: Der fclöiic Inn«. Die Wukm. 11-1 Uhr. 4-9 Uhr. Nene freie Volksbühne. „Die Weber" v. Gerhart Hauptmann. Sonntag, 15. Oktober 1. Abtbeilung. Sonntag. 22. Oktober 2. Abtheilung. Der Monatsbeitrag ist für diese außerordentlich kostspielige Vorstellung auf 1 M. festgesetzt worden. s410/12 " Alcazar." Dresdenerstr. 52/53(City-Pass.) Schönste und billigste Sehens- Würdigkeit der Residenz! Spezialitäten I. Ranges! Neu! Sensationell!|üu! Spreeniren! Anfana-) Wochentags 7-/2 Uhr. ' n9") Sonntags 6 Uhr. Entree Vocbentags 15 Pf. R. Winkler. Moritz. Etablissement Montz- » Buggenhagen. �lat Täglich: Gr. Instrumental-Konzert. Gr. Frühstiichs-«. Mittagvtifch. Spezial- Ausschank von pabenhofer Lagrrbirr, hell und dunkel. An den Wochentagen findet das Konzert in den unteren Restaurations- räume», Entree 10 Pf., Sonntag in dem oberen Saal. Entree 25 Pf., statt. Säle für Versammlungen, Kommerse, Festlichkeiten:c. Kaufmaiin's Variete Stadtbahn-Station Alezauderplatz. Täglich i Gross. Concert. Speriaiitätrn-Vorstrllung von nur Künstlern I. Ranges. 2aro, Engl. Akrob. Derington, 4 Personen, Radfahrer- u. 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Engler. Vermählte.[2236b Unserm Stammwirth und Genossen I Münzberg zu seinem heutigen Geburtstage em dreifach donnerndes Hoch! 2244b Julius merkst Du wat? H. F. R. (Genossen! Unterzeichneter Verein ladet die Ge- nossen hiermit zu seinem am Sonn- abend, den 30. September, im Böhmischen Vrauhanse, Lands- berger Allee stattfindenden Stiftungsfest ergebenst ein. Von 3—11 Uhr: Grosses Concert. Eintrittskarten 25 Pf. Nachher Ball. Musikverein Hoffnung. Das Comitee. 2243b I.A.: Pietzner, Kl. Andreasstr. 21. Grosses Fett-Gänse-Ausschieben u. -Trudeln jeden Sonnabend. Fr. Berger, Restaurateur, Klosterstr. 1, Ecke Neue Friedrichstraße.—49b Präuscher's||1)SEDM anatomisches"aw wjw vira Friedrichstraße 65a, Ecke Mohrenstraße. UiaI II aii am darunter der liel Neues, fünf Körper Geöffnet von früh 9—10 Uhr Abends für erwachsene Herren. Freitag: Damentag. Gutree 50 Pfg. Concordia-Festsäle C. Saeger, 64 Andreasstraße 64. Größtes it. schönst. Riefen-Pracht- Etablissement der Residenz. Sonntag, den 1. Gütober: Gr.Zchlmetltal-Kollzttt. Nach dem N«~WS: Konzert: Wi» Ddllj-MW bei stark besetzten Orchestern. Anfang 5 Chr. Entree 30 Pf. Familien- Billets von voriger Saison behalten ihre Gilrigkeit. Große und kleine Säle für Vereine und Hochzeiten zu den koulantesten Bedingungen. 64/7' C, Saeger. Bock-Brauerei Tempelhofer Berg. 2 Säle zu Festlichkeiten und Ver- sammlungen empfiehlt August Tiedemaun, 47841- Oekonom. Reßmant„zur Gleichheit", Andreasstr. Z6. Jeden Sonnabend und Sonntag: Familienkränzchen, verb. m. ernsten und heileren Vorträgen. Saal f. Ver- samnil., Vereine u. Festlichkeit, jed. Art, nebst verd. Kegelbahn, noch einige Tage frei. Jeden Sonnabend u. Sonntag: Gän s e- A usschieben. 40 in- und ausländische Zeitungen liegen aus in E. Wilke's WnrM ,,Z«r Gleichheit", Andreas str.S6. Allen Schaukelbrüdern, Gästen und Bekannten erlaub- ich mir anzu- zeigen, daß ich am Sonnabend, den 30. d. M., die Schaukel wieder er- öffne, wozu freundlichst einladet Ber Schaukelwirth, Adalbertstr. 1. Empfehle allen meinen Freunden u. Bekannten mein Restaurant u. Bier- Lokal. Kittagstisch m. Bier 50 Pfg. Jeden Sonnabend Abend: Ganse-Ausspielen. Bleuel, Jerusalemerstr. 66 49171,(Ecke Lindenstraße). 3 um bevorstehenden Quartalswechsel empfehle ich bei pünktlicher Liefe- rung den„Vorwärts". Kirsch, Zeitungs-Spediteur, 491 iL* Ritterstraße 107, Ecke Prinzenstraße 23. SSNOSSCIA vom Gesundbrunnen, Wedding und Moabit empfiehlt sich zur pünktlichen Lieferung des„Vorwärts" und sämmtl. Arbeiter-Literatur. 4915L' E. Stolzenbnrg. Zeitungsspediteur, 14. Wiesenstr. 14. Laden. Verband ber Sattler nnd Tapezirer Sonnabend, de« 39. September, Abends 8-/- Uhr: MM" Versammlung bei Wienecke, Alte JaKoblSr. 88. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Herrn. Weyl: Ueber vegetarische Lebensweise. 2. Diskussion. 3. Wahl der beantragten Kom- Mission. 3. Verschiedenes. 290/11 Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Grofte öffentliche Steinarbeiter- Versammlung Sonntag, den 1. Oktober, Vorm. 19-/2 Uhr, im Fokale des Herrn Geigmailer, Alte Jakobstratze Ur. 48a- Tagesordnung: 1. Lokalorganisation. 2. Festsetzung der Beiträge. 3. Wahl eines Vertrauensmannes und einer Agitations-Kommission. 4. Verschiedenes.. 293/3 Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist ein jeder Kollege ver- pflichtet, zu erscheinen. Der Cinberufer: H. Stoop, Greifswalderstr. 37. Freie Verei«. b.BlllM«-«.PWer-Arbeiter llMeitttinm. Sonnabend, 30. Sept., im neuen Saale der Unions-Brauerei, Hasenhaide 22—31: II. Stiftungsfest'HW Concert, Festspiel mit 6 lebenden Bildern und Seil. Präzise 9 Uhr, Anfang des Festspiels: 37/3 Im Morgenroth oder: Aussaat Ernte Sibiriens. Prosaische Erzählung mit 6 lebenden Bildern und entsprechenden Gesangs- und Musikstücken. Nach den Aufzeichnungen Vasziliy Jakszakov's, in Szene geseht von Guillanme Chassenr. Die Gesänge werden vom Gesangverein Allegro(M. d. A.-S.°B.) ausgeführt. Den Mitgliedern und event. Gästen zur Nachricht, daß Programme k 25 Pf. noch bei Frau G o l d a ck e r, Gneisenaustr. 63, Querg. 4 Tr., sowie in den mit Plakaten belegten Geschäften zu haben sind. Es ladet freundlichst ein Gaa Komitee. Große öffentliche Gewerkschafts- Versammlung sämmtlicher gelernten«nd nicht gelernte« Arbeiter Tchönebergs(ohne Unterschied) Sonntag» den 1. vktober, Vorm. 11 Uhr, in der Schloßbrauerei. Tages-Ordnung: 4. Vortrag des Genossen Nlassini über:„Die englische Arbeiter- bewegung in sozialer und politischer Bedeutung". 2. Diskussion. 422/13 I. A.: B. Köster, Grunewaldstr. 115. Charlottenhurg. Achtung Zimmerer! Sonntag, den 1. Oktober, Vormittags 19 Uhr: Große öffentliche Versammlung der sZimmerer in..Sismarstishöhe", Bismarckstraße 80. Tagesordnung: 1. Die Bedeutung und Nothwendigkeit der Organisation unserer Gewerkschaft. Referent: Genosse G. Antrick-Berlin. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliche Angelegenheiten und eventuell Gründung einer Fachorganisation resp. Anschluß an den Zentralverband. 4. Wahl eines provisorischen Vorstandes. 363/9 Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Einbernfer. Zeuthen, Haukels Ablage und Umgegend. Sonntag. 1. Oktober. Uachm. 3 Uhr. im Lokal des Herrn Knnzel: Leffentliche Volks-Bersammlung tr-___________ z us:....*... für Frauen und Männer. Tages-Ordnung: 4. Vortrag über Volksbildung in unserem Militär Referentin Frau Greifenberg. 2. Diskussion. im Arbeiter-Bildungsverein. 4. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten Entree 19 Pfennig. und Klassenstaat. Ausnahme von Mitgliedern 422/12 Der Vertrauensmann. t. 4) a n « o nx ■M O 3£ »s E •!8 3-* n v t-a ■a*. S.3 »ö 'S a « s. tc Brauerei F. Happoldt Berlin S., Hasenhaide 32)38. Empfehle 9 F. 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VÄvkeinnlckzviiOken. 3« einer in Bremerhaven abgehaltenen Parteiversamm« lnng wurde des Kostenpunktes wegen beschlossen, in diesem Jahre zum Parteitage nur einen Delegirten zu entsenden. Als solcher wurde Genosse Echmalfeldt einstimmig gewählt. Die Parteikonferenz des Wahlkreises Zauch- B e l z i g- I ü t e r b o g k- L u ck e n w a l d e, die am Sonntag in Löwendorf bei Trebbin abgehalten wurde, war von 14 Delegirten besucht. Genosse Gerischer sprach seine Freude über den Zu- sammentritt der Konferenz aus, welche die erste in diesem Umfang sei. Beschlosien wurde zunächst, den Genossen Gerischer auch bei der nächsten Reichstagswahl als Kandidaten aufzustellen. Tie Aufstellung wurde damit motivirt, daß den Genossen schon jetzt Gelegenheit geboten, werden solle, für den Kandidaten Propaganda zu machen. Als Telegirter zum Parteitag wurde ebenfalls Genosse Gerischer gewählt. Bezüglich der Agitation wurde beschlossen,«ine Zentralstelle zu schaffen, von welcher die Agitation im ganzen Wahlkreise einheitlich betrieben wird und als ein Uebelstand bei der letzten Wahl hervorgehoben, daß im Wahlkreise mehrere Parteiblätter gelesen werden. wodurch die Agitation erschwert worden sei. Die Genossen in Luckenwalde. Jüterbog! v. f. w. lesen die„Märkische Volksstimme", während diejenigen von Zauch, Beizig u. f. w. die„Brandenburger Zeitung" lesen. Da nun Brandenburg dem Wahlkreise näher I'.egt als Frankfurt, so wurde die„Brandenburger Zeitung" als offizielles Organ des Wahlkreises bestimmt. Es wurde dann weiter beschlossen, die Beschlüsse im„Vorwärts", der„Märkischen Bolksstimme" und der„Brandenburger Zeitung" bekannt zu geben. Eine Parteikonferenz des 17. hannoverschen Wahlkreises fand am Sonntag in Harburg statt. Nachdem Genosse Bärer einen Situationsbericht erstattet hatte, beschlos die von 44 Delegirten besuchte Versammlung, die beiden Genossen Bärer und Schulz einer demnächst abzuhaltenden öffentlichen Volks- persammluug als Telegirte für den Kölner Parteitag vorzu- schlagen. Den Delegirten wurden außer den Fahrkosten M. Diäten bewilligt. Die Presse betreffend wurde ein von Weniger gestellter Antrag angenommen, der besagt, daß für die Gründung eines den Bedürfnissen der Genossen entsprechenden Zentral- organs, einmal wöchentlich erscheinend, aus dem Kölner Parteitag eingetreten werden möchte. Die Erörterung der Lokalpresse wurde bis zum Freitag verschoben. Nachdem unter Verschiedenem noch einige innere Partei-Angelegenheiten ihre Erledigung fanden, wurde die Konferenz mit einem dreifachen Hoch aus die Sozial- dcmokratie geschloffen. ** Die dritte Landeskonferenz der sozialdemokratischen Partei Elsaß-LothringenS hat am vergangenen Sonntag in Straßburg stattgefunden. Die Abhaltung niußte, mit Rücksicht aus die Unlerdrückungspolilik der Regierung, auch diesmal wieder geheim gehalten werden. Jeder Theilnehmer erhielt eine Ein- ladung des Landesvorstandes, so daß die Versammlung ihrem Charakter nach den sogenannten reunions priv�es(Privatversammlungen) des hier geltenden französischen Vereiusgesetzes entsprach. Erschienen waren 33 Theilnehmer, die sich auf die einzelnen Orte wie folgt vertheilten: St. Ludwig schickte 1 Dele- girten, Mülhausen 6(5 Mitglieder des Landesvorstandes und I Kontrolleur). Gebweiler 1 Delegirten, Bühl 1 Delegirten, Colmar 2 Delegirte und 1 Kontrolleur, Markirch 2 Telegirte, Grafenstaden 3 Telegirte, Bischheim-Schiltigheim 2 Delegirte, Straßburg 8 Delegirte, Bischweiler 1 Delegirten, Metz 3 Telegirte, Lautermingen(Lothringen) 1 Delegirten; ferner aus St. Johann bei Saarbrücken der srührere Reichstags- Kandidat für den Kreis Saargemünd-Forbach, Redakteur Emmel. Ein beim Punkt„Organisation" gestellter Antrag, den Sitz des Vorstandes für das nächste Jahr von Mülhausen nach Straßburg zu verlegen, wurde mit 17 gegen ö Stimmen abgelehnt. Hierauf wurde bezüglich eines Antrages, Lothringen von der elsässischen Organisation abzutrennen folgendes beschlossen:„Die Partei- konferenz empfiehlt den Lothringer Genossen die Bildung von zwei Agitationskomilees in Metz und Saargemünd, welche die Agitation selbständig betreiben sollen unter Kontrolle des elsaß- lothringischen Landesvorstandes." Aus dxm sodann vom Partei- kassirer Hoffmann erstatteten Rechenschastsbericht heben wir hervor, daß die Gesammteinnahmen der Landeskasse im ver- flofienen Jahre 4481,02 Mark und die Gesamintausgaben 4192,15 Mark betrugen, so daß zur Zeit ein Kassen- bestand ron 281,87 Mark vorhanden ist. Zur Frage der Presse wurde bekannt gegeben, daß die Abonnenten- zahl der„Volkszeitung" vom September 1892 bis September 1393 um 2009 gewachsen ist. Die elsaß-lothringischen Delegirten zum Parteitag wurden in einer Resolution beauftragt, ihr Mög- liches zu thun, um die Mittel zum täglichen Erscheinen des elsaß-lothringischen Parteiorgans bewilligt zu erhalten. Zur Begründung der Resolution wurde aus die preßgesetzliche Au? nabmestlllung Elsaß- Lothringens(Erforderniß einer Kautions- leisiung u. f. w.) hingewiesen, die eine außerordentliche Unter stützuug der reichsländischcn Parteipresse durch die Gesammt- partei dringend erheische. Nachdem noch über die Arbeits Verhältnisse in der Druckerei der„Volkszeitung" in befriedigender Weise Ausschluß gegeben war, beschloß man, die Entsendung der Delegirten zum Kölner Parteitag den einzelnen Wahlkreisen zu überlassen. Nach Berathung einiger minder wichtigen Lokal angelegenheiten schloß die Konserenz ihre Berathung. Mit warmem Händedruck trennten fich die Delegirten, um in ihre Hcimath zurückzukehren, im Bewußtsein, einen neuen Schritt nach vorwärts gethan zu haben. ffür den Wahlkreis Calbe> NscherSleben tagte am 24. September in Aschersleben ein Parteitag, der indessen nur von zehn Ortschaften besucht war. Die Vertrauenspersonen brachten in ihren Berichten nichts Wesentliches vor; großer Druck und große Forlschritte unter der Landbevölkerung, das war die Signatur ihrer Mitlheikungen. Die Zeitungskommissson führte aus, daß die„Sonntags-Zeiiung" bei den viele» Strafen und Gerichtskosten nur durch die mit ihr verbundene Buchhand- lung bestehen könne; fie habe 6000 Abonnenten und 4400 Abnehmer des„Wahren Jakob". An Slrasen und Gerichtskoste» seien vom 1. Juli 1892 bis 1. Juli 1393 2287 M. gezahlt worden, zur Agitation seien 492 M. gegeben; ferner habe man zur Wahl 500 M. durch Mehreremplare aufgewendet. Zur Ver- lrauensperson wählte man den Genossen Greiner, zum Parteitags- Delegirten Hölzka-Calbe.� Nur immer vorwärts. In Dotzheim bei Wiesbaden erstattete in einer gut besuchten Slrbeiterversammlung Genosse Gustav Hoch aus Frankfurt Bericht über den internationalen Arbeiter- kongreß in Zürich. Redner fand die allseitigste Zustimmung bei seinem Referat und regte nach Beendigung desselben die Grün- dung eines sozialdemokratischen Arbeitervereins an. worauf sich 74 von den Anwesenden durch ihre Unterschrist zur Gründung und zum Eintritt in einen sozialdemokratischen Arbeiterverein verpflichteten. Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Vor dem Schöffengericht Zwickau stand am 20. Sep- tember der Redakteur des„Sächsischen Volksblatts", Genosse Wilhelm Trognitz, unter der Anklage der Beleidigung. Dies Vergehen wurde gesunden in einer Notiz des Blattes aus Hasel- brunn, in der vom dortigen Gemeindevorstand gesagt wurde, er nehme an Steuern von den Lebenden, was er von den Tobten nicht bekomme; es wäre nicht verwunderlich, wenn nächstens einmal ein Kind rm Mutterleibe einen Mahnzettel zugeschickt bekäme. Diesen Erörterungen war entsprechendes Material bei- gefügt, das auch in der Verhandlung vorgelegt wurde. Trotz- dem wurde aus 40 M. Geldstrafe, Tragung der Kosten und Ver- öffenllichung des Urlheils im„Sächsischen Volksblatt" erkannt. Als Charakteristikum unserer heutigen Lkulturzustände sei bc- merkt, daß der angeklagte Redakteur in Sträflings- k I e i d u n g aus der Strafanstalt vorgeführt wurde, wo er eine vicrmonatige Gefängnißstrafe wegen Beleidigung des Gemeinde- rathsmitglieds Fleischer zu Fraureuth verbüßt. Betreffs dieser Strafe war ihm ein Strafaufschub nicht dewilligt worden, trotz- dem er ein Wiedcraufnahmegesuch, gestützt aus das Zeugniß des Fleischer'schen Dienstknechts, der die Wahrheit des in dem ge- rügten Artikel Enthaltenen seiner Mutter und seinem Stiefvater erzählt habe» soll, eingereicht hat. Sonst pflegten, so bemerkt das„Sächs. Volksblatt", 4 Monate Strafe im Arresihaus ab- gebüßt zu werde». Warum man den Redakteur Trognitz in die Strafanstalt eingeliefert, ist uns unbekannt. — Wegen Beleidigung eines Ingenieurs war Parteigenosse H. Find eisen, Redakteur der Lokalbeilage des.Volksfreund" in Meißen, vom dortigen Amtsgericht zu 4 Wochen Gc- sängniß verurtheilt worden. Trotz vielfach günstiger Aussagen von Zeugen konnte Findeisen de» vollen Wahrheitsbeweis für die dem Ingenieur gemachten Vorwürfe nicht durchaus erbringen. Das Landgericht zu Dresden, 2. Strafkammer, woselbst Findeiscn Berufung eingelegt hatte, fetzte in gestriger Verhandlung die Strafe auf 14 Tage herab. — Die früheren Redakteure der Bergischen„Arbeiterstimme", die Genossen Huth und Laisiepen, sowie 5 Former von Solingen hatten sich gestern vor der Strafkammer in Elberfeld wegen Vergehens gegen§ 153 der G.-O.(Verrusserklärung) bezw. gegen § 20 des des Preßgesctzes zu verantworten. Die Verhandlung dauerte von Nachmittags s'/e Uhr bis Abends 9 Uhr. Der Staats- anwalt beantragte gegen Huth 2 Monate, gegen Laisiepen vier Wochen und gegen jeden der Former 14 Tage Gefängniß. Das Urtheil lautete für Huth aus 100 M. Geldstrafe, den Former Schreyer 30, Busch und Wittekamp je 15 M. Laisiepen, Kir- dorf und Waldmin wurden freigesprochen.— Bekanntlich wurde unser Genosse Laisiepe» wegen desselben Delikts in einem anderen Falle voriger Woche mit acht Tagen Gesängniß be- straft. Gegen dieses Urtheil wird Revision beim Reichsgericht eingelegt werden. — Freigesprochen von der Anklage, in einer Wahl- Versammlung unwahre Thatsachen(Z 131 des Str.-G.-B.) zum Zweck der Verächtlichmachung von Slaatseinrichtunge» wider besseres Wissen behauptet zu haben, wurde Genosse Lux aus Langenbielau am 22. September von der Strafkammer in G l a tz. Der Antrag des Staatsanwalts lautete auf 3 Monat Gesängniß. Die Freisprechung erfolgte, weil die Belastnngs- zeugen, zwei Gendarmen, d:e Behauptungen der Anklage nicht genügend erhärten konnten. Bemerkenswerlh ist, daß der Gerichtshof bei der Verhandlung die Oessenllichkeit ausschloß. Donnmumles. Stadtverordneten-Versammlung. Oeffentl. Sitzung vom Donner st ag, den 28. S e ptbr., Nachmittags 5 Uhr. Die Stadtv. V o r t m a n n und Gen. beantragen: Die Versammlung wolle den Magistrat ersuchen, die U r w a h l e n für die bevorstehende Landtagswahl dahin festzusetzen, daß diese Wahlen Nachmittags 5 Uhr stattfinden. Ter uns gleichgiltige Antrag wird nach einer inhaltslosen Diskussion abgelehnt. Weiler liegt der Versammlung folgender Antrag der Stadtvv. Weiß und Gen. vor: „In Rücksicht darauf, daß sich die Polizeiverordnung. Obst und Gemüse nur nach Gewicht zu ver- kaufen, bewährt Hai, ersucht die Versammlung den Magistrat, darauf hinzuwirken, daß noch folgende Lebens- mittel nach Gewicht verkauft werden müssen. Schwarz- und Weißbrot. Eier, Wild, geschlachtetes Geflügel und Krebse. Stadtv. K a l i s ch: Es ist eine eigenthümliche Gewohnheit des Publikums, die nothwcndigsten Bedürfnisse nicht nach Gewicht, sondern nach Schätzung oder nach Maaßen einzukaufen, welche eine Gewähr für Richtigkeit nicht bieten. Dieses Faktum existirt nicht zum Vortheil unserer Bevölkerung. Der Verkauf nach Gewicht würde die Händler in die Lage bringew, genaue Preise festzusetzen; der Käufer würde leichter einkaufen können und vor Uebervortheitung geschützt sein. Während Fleisch. Butter, Käse, fetzt auch Obst und Gemüse nach Gewicht gekauft werden, wird dies zum Nachtheil des Konsumenten für alle anderen Lebens- bedürsniffe vollständig vernachlässigt. Beim Verkauf nach Stücken bei Brot u. s. w. weiß in den meisten Fällen der Käufer gar- nicht. was er für einen bestimmten Preis zu fordern hat. Die amtlichen Verwiegungen haben seinerzeit er- geben, daß das verschiedenartigste Gewicht bei dem 50 Pfennigbrot vorkommt; bei der letzten Verwiegung differirte es zwischen SV« und 3V2 Pfund. Diese Ungleichheit, welche überdies gerade zu Ungunsten der Bevölkerung in den ärineren Stadttheilen sich bemerkbar macht, muß beseitigt werden. Das- selbe gilt von dem Weißbrot, speziell den Schrippen, ferner von den Etcrn. die bekanntlich, je älter sie werden, immer mehr im Gewicht verlieren(große Heiterkeit), ebenso Wild und Geflügel. Die Annahme des Antrages würde zum Bortheile der kon- sumirendcn Bevölkerung gereichen. Stadtv. Sachs I: Die Annahme des Antrages würde nicht den Bürgern nützen, wohl aber der städtischen Markthallen- Verwaltung und dem ganzen Verkehr schaden. Die Polizeiver- ordnung, welche den Verkauf nach Gewicht aus Obst und Ge- müse ausdehnte, hat nur den Zweck gehabt, zu verhindern, daß nichtflüssige Nahrungs- und Genußmillel in Hohlmaaßen ver- kaust würden. Um eine angestrebte Ausdehnung des Verkaufs aller Nahrungsmittel nach Gewicht handelt es sich dabei gar- nicht. Gerade bei den Eiern giebt es tausend Gründe, welche gegen den Verkauf nach Gewicht sprechen. Auch bei Brot würde der Verkauf nach Gewicht eine Maßregel von sehr zweifel- hastem Erfolge sein; sogenanntes„klietschiges" Brot wiegt gewiß schweren, ist aber doch in der Qualität minderwerthig. Jin weiteren verbreitet sich Redner ausführlich über die Unzweck- mäßigkeil des Antrages bezüglich der Rebhühner, Hasen und Krebse. Stadtv. Vortmann: Wir wollen die Maßregel, weil wir sie sür praktisch halten, und der Standpunkt der Polizei geht uns hier zunächst nichts an. Wir wollen auch nicht etwa sogenannte Brottaxen einführen; wir wollen nur, was sich bei den anderen Dingen bewährt hat, auch für Brot, Wild u. s. w. in Anwen- dung bringen. Ein Schaden kann doch damit nicht geschehen, wenn sich der Magistrat die Sache nochmals überlegt. Es wird von einer Seite Ausschußberathung beantragt. Stadtv. Meyer II: Was die Antragsteller beabsichtigen, ist mir bis jetzt nicht klar geworden. Sollen die angeführten Artikel unter allen Umständen nach Gewicht verkauft werden soll die Uebertrelnng strafbar sein, so wäre das ein Verlangen ohne jede Analogie in der Welt. Soll aber der Verkauf nach Gewicht freigestellt werden, so ist der Antrag überflüssig, weil diese Freiheit längst besteht. Wo der Verkauf nach Ge- wicht angemessen erscheint, findet er ohnehin statt. Wie soll man sich etwa ein Ei zuwiegen lassen? Bei Schwarz- brot den Bäcker zu zwingen, ein bestimmtes Gewicht beim Ver- kauf inne zu hallen, würde einen unverhältnißmäßigen Arbeits- aufwand erfordern. Aprikosen, Artischocken, Melonen, selbst Erdbeeren werden nach wie vor nach Stücken gekaust. Nach Anführung einer Reihe von ähnlichen Details schließt der Redner damit, daß von dem Antrage lediglich eine Menge von Be- lästigungen zu befürchten sei. Stadtv. Singer: Ich kann dieser Auffassung nicht zu- stimme». Der Gedanke des Antrages hat überhaupt bisher nicht die Würdigung gefunden, welche er verdient. Den: Publikum soll doch die Sicherheit geboten werden, daß es genau weiß, was es zu bezahlen hat. Der Verkauf nach Gewicht hat die Reellität des ganzen Handelsverkehrs unzweifelhaft gesteigert(Zu- stimmung). Aus diesem Grunde thun wir gewiß sehr gut, die Reihe der Gegenstände, welche nach Gewicht verkaust werden müssen, zu vermehren, um das Unreelle aus der heutigen Art des Betriebes mehr und mehr zu entfernen. Wenn Herr Meyer sagt, es müsse jedem freistehen, in der Art zu kaufen, wie er für gut hält, so muß doch ein Unter- schied gemacht werden in den Orten, wo gekauft wird. Für die Markthallen z. B. trägt die Verwaltung eine gewisse Verantwortlichkeit; es muß dort Vorsorge getroffen werden, daß dem Käufer gegenüber dasjenige Verfahrew beobachtet wird, welches die größte Gewähr für Reellität giebt und das ist der Verkauf nach Gewicht. Dem Antrage aus Ausschußberathung widersprechen wir nicht. Merkwürdigerweise ist hier in der Debatte vielfach von Artikeln gesprochen worden, welche für die große Masse nicht:n Betracht kommen. Für diese ist die Frage der Krebse und des Wildes zieinlick» gleichgiltig, nicht gleich- giltig aber ist es sür sie, ob Brot nach Gewicht sverkaust wird. Ein solches Versahren würde für die Ernährung der großen Masse des Volkes eine wesentliche Verbesserung bedeuten. Wir würden, wenn Ausschußberathung nicht deliebt wird, sofort für den Antrag stimmen. Der Antrag wird einem A u s s ch u s s e von 15 Mitgliedern überwiesen. Nach dem Etatsonschlag für 1893/94 stehen für Um- Pflasterungen im Ganzen 2 304 000 M. zur Verfügung. An dieser Summe werden infolge des Herabgehens der Steinpreise und der nachträglich beschlossenen Verschmälerung einzelner Straßendämme ca. 250 000—300 000 M. erübrigt werden. Der Magistrat schlägt vor, die noch vorhandenen Mittel zur Fort- fetzung von definitive» Umpflasterungen, namentlich von Asphal- rirungen, in Straßen zu verwenden, in welchen auf gewissen Strecken bereits Umpflasterungen stattfinden. In Betracht kommen hierbei Bülowstraße, Oranienstraße, Thurmstrahe und Grüner Weg. Stadtv. Meyer 1 beantragt, die Vorlage dem im De- zember zgewählte» Pflasterausschuß zu überweisen und diesem auch einen inzwischen eingegangenen Antrag Voglherr zu über- geben, welcher die Versorgung der Wiesenslraße von der Grenz- bis zur Hochstraße mit geräuschlosem Pflaster bezweckt. Stadtv. V o g t h e r r tritt dem Antrage Meyer bei und macht sür seinen eigenen Antrag besonders die Interessen der 73. Genieindeschule geltend. Diese Schule, die von 1000 Schülern und 350 Fortbildungsschülern besucht wird, leide ungemein unter den Störungen, welche der starke Verkehr mit seinen unvermeid- lichen Begleiterscheinungen sür den Unterricht bis in die Nacht hinein herbeiführe. Stadtv. S ch ö n f l i e'ß und Vortmann will die Vorlage sofort angenommen haben,' da doch seitens des Magistrats alles nöihige vorgekehrt sei. Mit geringer Mehrheit beschließt die Versammlung, die Vorlage mit dem Autrag Vogtberr einem Ausschüsse von 15 Mit- gliedern zu überweisen, in welchen sofort die noch vorhandenen 14 Mitglieder des Pflasterausschusses durch Zurus gewählt werden. Für den verstorbenen Stadtv. Herrmaun, der diesem Ausschnsse ebenfalls angehörte, wird dem Vorstand die Er- nennung überlassen. Der Vorstand einigt fich auf den Stadtv. Vogtherr. lokales. PerlenmdungShausirer.„Es ist nichts so dumm: eS findet doch sein Publikum", dachte der Klavierarbeiler Anarchist S p a r f e l d. Er verbreitete im Klavierarbeiler- Verein das Gerücht, unser Genosse, der Abgeordnete Fritz Z u b e i l habe im Jahre 1386 dreihundert Mark, die ihm nicht gehörten, nicht an die zuständige Stelle abgeführt. Wenngleich den älteren Genossen bekannt war, daß diese unwahre Behauptung aus ein albernes Gewäsch zurückzuführen, das dadurch entstanden war, daß Z u b e i l nicht mit der Regelmäßigkeit wie sonst seiner Zeit die Abführung des Geldes veranlasse» konnte, weil ihn sein vorübergehender Berus als königlich preußischer Staatsgefangener hieran hinderte, daß er aber sofort nach Aufgabe seiner unfreiwilligen Dienstwohnung regelrecht abgerechnet und abgeführt halte, verlangle doch Zubeil selbst, daß eine Kommission von sieben Mitgliedern eingesetzt würde, um die Sachlage gründlich zu prüfe». Am Mittwoch Abend erstattete die Kom- Mission im Verein Bericht und beantragte, einstimmig zu er- klären, daß die seitens Sparfeldt über Zubeil verbreitete Behauptung ein« verleumderische, und gemeiner politischer Rachsucht ihr Dasein verdankt. Dieser Antrag wurde von der Versammlung ein- st i m in i g angenommen. Wo war S p a r f e 1 d? In der Ver- sammlung fehlte er. Er wußte ja genau, wie der Bericht der Kommission lauten mußte Und, wohl weil er das wußte, halte er im Verein mit seinem politischen G e- sinnungsgenossen Herzberg am Tage vor der Versammlung folgende Spitzeluotiz in fast alle bürgerliche Blätter gegen Geld und gute Worte hinein- lancirt, die am Mittwoch Abend von den Sozisressern als angenehmes Nachtdessert verschlungen wurde:„Gegen den sozial- demokratischen ReichStagS-Abgeordneten nnd Stadtv. Frist Zubeil, der zetzt ein 6-chankgeschäft betreibt, von Prosession aber »lavierarbeiter ist. sowie gegen andere bekannte Gewerkschafls- führer haben die Berliner Klavier- nnd Instrumenten- Arbeiter eine Untersuchungs-Kommission eingesetzt. Es sind gegen die be- treffenden Persönlichkeilen in einer öffentlichen Versammlung der- ärtige Aiiichuldiginigen erhoben worden, daß deren weiteres öffentliches Auftreten, wenn sich die Angaben durch die Unter. suckung als wahr herausstellen sollten, uninöglich wäre und ein Zurücktreten von der politischen Arena die Folge sein müßte. Ueber die Ergebnisse der Untersuefmug, die im Geheimen geführt Wird, soll in der nächsten Woche öffentlich berichtet werden.� Wieviel Sold den Herren für dies saubere Stückchen Arbeit gezahlt ist, entzieht sich unserer Keuntniß. Schon früher nahmen Viele an, diese Herren„Anarchisten" hätten de» Befähigungs- Nachweis geliefert, als Meister in d i e Schmiede einzutreten, deren Eingang die Inschrift zieren sollte:„Hier werden für Lumpen zeder Art die höchsten Preise gezahlt". Friedrich Engels hat gestern nach zehntägigem Aufenthalt Berlin verlassen, um sich nach England zu begeben. Wiederholt gab er dem Ausdruck, daß fein Aüfenthall in Berlin in ihm den denkbar beste» Eindruck über das Zielbewußtsein und die opser- willige Pflichttreue unserer Genossen hervorgerufen hat. Daß wir Berliner wissen, was unserer Vorkämpfer und Mitstreiter für den Befreiungskampf des Proletariats bedeutet. zeigten die brausenden Stürme des Jubels und der Begeisterung, die bei seinen Worten in der Konkordiaversammlung den Saal durch- tosten. Möge er in derselben wundervollen Frische, die er sich erhalten hat, noch weit mehr Fortschritte in dem Befreiungs- kämpf als bisher erleben! Ter Herr Minister nnd das Gesetz. Dürfen Falzerinnen im Fabriken in der Nachtzeit von 8t/, Uhr Abends bis 5>/s Uhr Morgens beschäftigt werden? Nach tz 137 Gewerbe-Ordnung: Nein! Und dennoch sind im„Lokal-Anzeiger", wie von uns mitgetheilt, Falzerinnen eingestellt. Artikel 9 der Novelle von 1891 gestattet für Betriebe, in welchen vor Verkündung der Novelle von 1891 Arbeiterinnen beschäftigt waren, daß die Landes- Zentralbehörde die Ermächtigung mittheilen kann, längstens bis zum 1. April 1394 solche Arbeiterinnen dann zu gestatten, w e n n die Fortführung des Betriebes im bis- herigen Umfang bei Beseitigungen der Nachtarbeit Betriebs- äuderuugeu bedingt, welche ohne un verhält» iß mäßig« Kosten nicht früher hergestellt werden können. Die Bedingungen zur Ertheilung der nnnisteriellen Erlaubniß, Arbeiterinnen statt männlicher Arbeiter zu beschäftigen, liegen mithin weder nach dem ökonomischen, sittlichen und politischen Zweck, noch nach dem Wortlaut der lliovelle vor. Und dennoch hat der Kaffeehaus Berordrningsaufhebungs-Minisier diese Erlaubniß ertheilt— er ist also anderer Ansicht. Ob er sie so schnell ändern wird, wie die Verordnung zurAcnderungder aufMenschenfleischbörscn ausgehoben ist? Immer deutlicher zeigt sich, welch' williges Ohr Ersuchen reicher Unternehmer im Ministerium des Innern finden. Tille Falzer sollten aus solchen Ersahrungen wenigstens die Lehre ziehe».! soweit sie noch keiner Organisation angehören, schleunigst dem Verein der Buchdruckerei- Hilfsarbeiter(Vorsitzender iJtto Bleich, Sorauer- straße S) beizutreten, um ihre Lebenshaltung wenigstens nicht noch mehr herabsetzen zu lassen. Einigkeit macht stark. Ueber die Fabel von der Harmonie zwischen Arbeiter und Unternehmer und über die Existenz der Harmonie zwischen Ar- beitgeber und Arbeitnehmer belehren so Manchen diese Vor- gänge. Unsere Schilderung wird durch folgende Zuschrift des Verlegers des„Lokal-Anzeigers" vollinhaltlich bestätigt, der wir, ohne hierzu verpfiichtel zu fein, gern Raum geben. Dieselbe lautet: Die verehrliche Redaktion ersuche ich um gefällige Ausnahme folgender Berichtigung des in der Nummer 2L3 des„Vorwärts" enthaltenen, meine Falzerei und mich betreffenden Artikels. 1. Es ist unrichtig, daß in meiner Druckerei„Hungerlöhne" gezahlt werden. Abgesehen davon, daß in allen Abtheilungen meiner Druckerei, wie auch i» Arbeiterkreisen allgemein bekannt ist, recht hohe Löhne gezahlt werden, bemerke ich insbesondere zur Erklärung der an die Falzer gezahlten Löhne, daß mit Rücksicht aus die Leichtigkeit der Falzarbeit, welche noch dazu fast täglich durch stundenlange Pausen»interbrochen wird, regelmäßig nur jugendliche Arbeiter als Falzer von mir beschäftigt werden. Der jetzt einheitlich für sämmtliche Falzer festgesetzte Wochenlohn von 15 M. erscheint daher um so mehr angemessen, als die Arbeil fast allen Einzustellenden erst beigebracht werden muß. 2. Es ist unrichtig, daß ich weibliches Personal dauernd und wegen des billigere» Lohnes eingestellt habe. Für die Haupt- arbeitszeit, d. h. während der Nacht beschäftige ich— abgesehen von der gegenwärtig ausnahmsweise behördlich fgestalteten Beschäftigung weiblichen Personals— nur männliches Personal. Ueberdies ist ja die dauernde Beschäftigung von Arberlerinnen während der Nachtzeit gesetzlichlverboten. Gerade mit Rücksicht auf die Beschwerde meiner bisherigen Falzer wegen der langen Dauer der Arbeitszeil habe ich für die Tagesarbeit weibliches Personal ivieder eingestellt, zahle demselben aber einen höheren Lohn, als das männliche Personal für dieselbe Arbeitsleistung vorher verlangt hatte. 3. Unrichtig ist es endlich, daß die Entlassung der Falzer ohne jede Veranlassung geschehen ist. Die entlassenen Falzer hatten vielmehr trotz Bewilligung der von ihnen gewünschten einheitlichen Lohnfestsetzuug nachträglich noch in ihren Versamm- lungen mit plötzlicher Arbeitsniederlegung verschiedentlich gedroht, so wenn die Tagesarbeit der Falzerinnen beibehalten würde, wenn irgend welche Entlassung stattfände, wenn ihnen eine weitere in ca. 6 Wochen zu fordernde Lohnerhöhung nicht de- willigt werden würde ec. Unter diesen Umständen verlangte es das Interesse meiner Zeitung, mit einem Personal zu wechseln, bei dessen Beibehaltung zum mindesten die pünktliche Fertig- stellung der Zeitung jeden Tag gefährdet erschien. Hochachtungsvoll August Scherl, Verleger und Eigenthümer des„Berliner Lokal-Anzeiger". Hat der Militärfiskus kein Meld zum Besprengen seines Staubfeldes? Gewaltige Sandwolken treiben die gegen- wärtig herrschenden starken Winde aus dem dem Militärsiskus gehörigen Tempelhofer Felde in die Höhe und weit nach Osten hin; besonders ist es die zwischen der Wißmann-, Karlsgarten- und Wanzlickstraße belegene Ecke des großen Exerzierfeldes, wo der knieliefe lose Sand den Windwirbeln das nöthige Material liefert. Der durch die Lüfte getragene Sand wird über Rixdorf bis nach der Treptower Ablage getragen und ist auch in der Gegend von Schönweide an der Obcrspree noch deutlich be- merkbar, wo er eine Plage der dortigen Gärtner bildet, denen er Blumen- und Gemüsepflanzen verdirbt. Aus„erster Hand" empfangen die Rixdorfer bei starkem Winde diesen Staub und man muß sich einmal dort in einer Wohnung aufgehalten haben, deren Fenster nach dem Tempelhofer Felde zu gerichtet sind, um zu verstehen, was der Berliner mit der Bezeichnung einer „windigen Gegend" ausdrücken will. Von den dichten Sand- wölken werden die Zimmer am hellen Tage vorübergehend völlig verdunkelt und durch die feinsten Ritzen der Fenster und durch die Schornsteine dringt der Sand in die inneren Räume der Häuser. Warum läßt der Militärfiskus nicht sprengen? Ein Berliner Schustergeselle meinte: weil er bei der Sprengung des Doms schlechte Erfahrungen gemacht hat. Znm Stande der Cholera wird von der Saniläts-Kom- Mission mitgetheilt. daß heul Morgen die Eheftau des Arbeiters Oertner. Rosalie. geborene Heintze. aus der Lübb-nerstraße als choleraverdächtig in das Moabiter Krankenhans eingeliefert worden ist. Sie kam auf der Ringbahn auf dem Potsdamer Bahnhof an, wurde von Krämpfen besallen und hatte Erbrechen. Der Geheime Sanitätsrath Wolfert wurde hinzugezogen und ordnete die Uebersührung der Kranken nach dem Barackenlazareth an. Die Eifenbahnoerwaltung hat die sofortige Desuifizirung des Wagens, in dem Frau Oertner gefahren ist, wie auch die Reinigung eines zweiten Wagens, in dem sie vorläufig unter- gebracht worden war, veranlaßt. Ob Cholera in der That vor- liegt, bleibt abzuwarten. Haftung eineS VetricbSuiiternehmerS für die Sicher- hei: von Leben und Gesundheit der von ihm be- schäftigten Arbeiter zu sorgen. Viele Gewerbetreibende gehen von der Ansicht aus, daß diese Verpflichtung sich nur ans die Herstellung und Ueberwachung der in dieser Beziehung crforder- lichen Einrichtungen, nicht aber auf die Ueberwachung der von ihnen angestellten Aufseher erstrecke. Sie sind oft der Ansicht, daß ein größerer Unternehmer, welcher nach der Natur seines Betriebes in verschiedenen Orten oder Stadtgegenden Arbeiten übernommen habe und nicht in der Lage sei, überall in eigener Person seine Unternehmungen zu leiten, seiner Pflicht genügt habe, wenn er geeignete Ausseher einsetzte, so daß er selbst straf- und zivilrechllich für die Folgen eines auf Vcr schulden dieses Betriebsleiters zurückzuführenden Unfalls nicht verantwortlich gemacht werden kann. Dem gegenüber verweist die„Baugewerks- Zeitung" auf neuere Reichs- Gerichtserkentnisse. welche eine entgegengesetzte Rechrsauffassnng ausdrücken. Danach hat nach§ 120a der Gewerbe-Ordnung und den Grundsätzen über den Dtenstmiethvertrag jeder Gewerbe- treibende daiür zu sorgen, daß alle zum Schutze der Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit»othwendigen Ein richtungen so hergestellt und unterhallen werden, wie es die be- sondere Beschaffenheit des Gewerbes und der Betriebsstätte er- heischt. Dieser Verpflichtung müsse der Gewerbetreibende ohne Rücksicht darauf nachkommen, od er einen tüchtigen Aufseher be stellt hat oder nicht, und ob sein Gewerbebeirieb einen größeren oder geringeren Umfang hat. Grundsätzlich sei davon auszu gehen, daß der Gewcrbeunternehmer selber die durch die Um- stände gebotenen Vorsichtsmaßregeln treffen müsse. Daß das Reich-gencht das erst durch Urlheil besonders aussprechen mußte, wirft auf die Fürsorge der Unternehmer ein Helles Licht. Ein Lebensretter mußte seine aufopfernde That mit dem Tode biißcu. Der Arbeiter Earl Reinicke, Kollbuser Damm wohnhast, war am Dienstag Mittag in Nieder-Schön weide bei Berlin anwesend, um Arbeit zu suchen, und befand sich nach vergeblichem Bemühen auf dem Rückwege nach Bahn Hof Johannisthal, als eine wild gewordene Kuh, die sich beim Verladen ans der Station von ihren Treibern los- gerissen hatte, die Straße entlang rannte. Das wüthende Thier stürmte von der Lehmann'schen Wollwaarenfabrik auf eine Schaar dort spielender Kinder los und hätte daselbst ei» furchtbares Unglück unter den wehrlosen Kleinen anrichten können, wenn nicht R. sich der Kuh cntgeaengeworfen hätte, um dieselbe von den Kindern abzulenken. Das wild gewordene Thier aber spießte den Arbeiter, der sich nicht schnell genug dem Angriff entziehen konnte, mit den Hörnern auf und brachte dem Un- glücklichen derartig entsetzliche Wunden am Unterleib bei. daß R. sofort verstarb. Das Thier, welches dann auf ein Gehöft lief, ließ sich widerstandslos einsangen. Selbstmord. Bei einem aufregenden Rettungswerke haben sich vorgestern der Milchbändler Briinnert und der Schiffer Schlag vergeblich abgemüht. Nachmiltags um 6 Uhr war eine etwa 30 Jahre alte Frau unweit Haselhorst in selbstmörderischer Ab- icht in den Spandauer Schiftfahrlekanal gesprungen und hatte durch die im Kampfe mit den Wellen ausgestobenen Laute die Aufmerksamkeit des zusällig vorüberfahrendcu Milchhäudlers auf ich gelenkt. In Gemeinschaft mit dem Schiffer machte er den Schecrdaum von seinem Gefährt los und reichte ihn der Er- trinkenden zu. Sei es, daß diese die sich ihr bietende Hilfe ver- chmähte, sei es, daß sie nicht mehr Herrin ihrer Sinne war. das Werk gelang nicht, und die beiden Männer konnten nur noch eine Leiche an das Land bringen. Brünnert legte die Tobte aus seinen Wagen und bejörderte sie in das hiesige Leichenschau- haus, wo sie zur Feststellung der Persönlichkeit öffentlich aus- gestellt ist. Tie Frau, die blondes Haar hat, ist ohne Kopfbedeckung, trug ein türkisches Umschlagetuch, eine blau und weiß bedruckte Küchenschürze mit den Buchstuben C. N. in rother Farbe, ein blaues Kleid mit weißen Blumen, eine schwarze Unrertenlle, einen brauen mit Blumen durchwirkten und einen blauen Unterrock, roch und blau gestreifte baumwollene Strümpfe und hatte ein mit I. C. gezeichnetes Taschentuch, einen Fingerhut und einen Korridorschtüssel bei sich. Sie scheint danach kurz vor der That aus ihrer Wohnung sortgegangen zu sein. Crst bcstohleu, dann selbst Dieb. Ein Reisender berührte am Mittwoch Berlin, um sich nach den Rheinlanden zu begeben und lernte in einer Herberge einen Mann kennen, mit dem er ich bald befreundete. Beide fuhren nach Charlottenburg vom Potsdamer Bahnhof aus, und als der Reisende in Charlotten- bürg angekommen war, vermißte er seine Börse mit 250 M. und ein goldenes Medaillon mit 2 Bildern. Der Verdacht fiel aus einen Begleiter, der festgenommen wurde, aber wieder entlassen werden mußte, weil er mangels des angeblich gestohlenen Geldes nicht überführt werden konnte, und weil sich herausgestellt hatte, daß der Bestohlene noch in Gesellschaft mehrerer Personen aus Schöneberg in der Eisenbahn gesessen hatte. Aller Mittel ent- dlößt, begab er sich noch an demselben Abend in eine Gärtnerei am Tegeler Wege, wo er unter dein Vorwande, Arbeit zu suchen, jetzt seinerseits eine Geldtasche mit 18 M. entwendete. Jetzt wurde er sestgenommen und dem Amtsgerichtsgejängniß ein- geliefert. Selbstmord? Eine frische blutige Verletzung am Halse trug eine Leiche, die am 23. d. Mls. aus dem Spandauer Schiffahrls- kanal gelandet wurde. In dem Tobten ist inzwischen der 87 Jahre alte früher- Kassendiener Friedrich Frühauf aus Moabit festgestellt worden. Trotz der frischen Wunde scheint es sich um einen Selbstmord zu handeln; da die Kleidung und Wäsche Blutflecke nicht aufweist, so kann nur angenommen werden, daß die Ber- letzung erst entstanden ist. nachdem Frühaus bereits in das Wasser gesprungen war. Ferner spricht hierfür, daß der Hut des Tobten unter den Rock geknöpft war, �endlich der Umstand, daß die Uhr des Verstorbenen und. eine Summe von 50 M. bei ihm vor» gefunden wurden. Ueber den Beweggrund zum Selbstmord ist noch nichts bekannt. HochzeitShinderniß. Froh und freudig ging vor einiaen Tagen ein innig sich liebendes Paar zum Standesbeamten des 13. Bezirks um deutlich und vernehmbar Ja zu sagen, sobald er an sie die Frage richte,„ob sie erllären, daß sie die Ehe mit einander eingehen wollen." Aber der Standesbeamte richtete keine Frage an sie, sondern theilte ihnen mit, daß ie leider, trotzdem alle Urkunden in Ordnung, alle onftigen Erfordernisse zur Eheschließung vorhanden, noch nicht getraut werden können, weil— er das Auf- gebot vergessen hatte. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob das Aufgebol am„rolhen Hause" sich befindet. Denn zwischen Lipp' und Kelchesrand— da schivebl der dunklen Mächte Hand. Eheglück. Ein Plakat eines Schaufensters in der Brunnen- lraße lautet wie folgt:„Da die gerichtlich von mir geschiedene �rau, resp. deren jetziger Mann, mich ausgemielhet, so verlege ,ch mein Geschäft vis-ä-vis. Meine geehrte Kundschaft, die meine„gewesene Gattin" kennt, wird mir auch fernerhin treu bleiben." Polizeibericht. Am 27. d. M. Vormittag? wurden ein Kaufmann in seiner Wohnung, in der Oranienstraße. und Nach- mittags ein Tischler in der Hasenhaide erhängt vorgesunden. Vor dem Hause Schöneberger Ufer 1—9 fiel Nachmittags ein Arbeiter von einem in der Fahrt befindlichen Kohlenwagen herab, gerieth unler die Räder und erlitt sehr schwere Verletzungen am topfe, an den Armen und Beinen.— Im Laufe de» Tages anden drei Brände statt. Urkundenfälschung anS Liebe und auS Roth. Um ihrer alten Mutter.der Wiltwe Kühne, eine Allersversorgungsrentezuver- schaffen, haben sich deren beide Töchter, die Arbciter-Ehefranen Krugmann und Hugdorf zu einer Reihe von Urkundenfälschungen verleilen lassen, die sie gestern auf die Anklagebank der vierten Strafkammer des Landgerichts I führten. Die Angeklagten haben eine Anzahl Zeugnisse gefälscht, worin der Wiltwe Kühne bescheinigt wurde, daß sie während einer bestimmten Zeit bei dem Aussteller bedienitet gewesen sei und sich gut geführt habe. Als diese gefälschten Scheine der Behörde unler Gellendmachung einer Altersversorgungsrente zur Bescheinigung vorgelegt wurden, wurde die plump ausgeführte Fälschung sofort entdeckt. Das Gericht billigle den beiden Angeklagten mildernde Umstände zu und verurtheilte sie zu einem Monat G e s ä n g n i ß. Grober Unfug? Der Gebrauch der Triller- pfeife seitens einer Zivilperson ist als grober Unfug anzusehen. So entschied die 139. Abtheilung des Ber- liner Schöffengerichts im Gegensatz zu dem Antrage des Amts- anwalts v. Glau. In der Nacht zum 28. Mai cr. ging der «tudiosus B o s q u e mit einer Flasche Rum in der Hand durch die Koppenstraß? und bot mehrere» Passanten einen Schluck an. Als später aber ein strolchartig gekleideter Mensch an ihn heran- trat und mit ihm trinken wollte, lehnte B. jede Gemeinschaft mit demselben ab. Dies hatte zur Folge, daß der Strolch ihm die Flasche aus der Hand schlug und gegen den anderen eine drohende Stellung einnahm. Da auch noch andere unheimliche Gestalten auf ihn eindrangen, ließ Bosque mehrere Pfiffe aus der im Besitz habenden Trillerpfeife ertönen, was zunächst die Flucht der Angreifer, alsdann aber das Erscheinen zweier Nachtwächter herbeiführte. Dieselben fühlten sich durch die Pfiffe mit der Trillerpfeife in ihrer amt- lichen Eigenschaft belästigt und ststirlen den Pfeifer zur Wache. Gegen das ihn zu 10 M. verurtheilende Polizeimandat erhob Bosque Widerspruch. Nach Feststellung des vorstehenden Sachverhalts beantragte der Aintsanwalt die Freisprechung des Angeklagten, da dieser sich in einem Nothstande befunden habe und mit dem Gebrauch der Trillerpfeise nur einen Wächter zu seinem Schutz herbeirufen wollte; der Gerichtshof hingegen verurtheilte den Angeklagten zu 3 M. ev. 1. Tag Haft.— Das Urtheil erscheint durchaus unzutreffend. Ein grober VcrtranenSbrnch führte gestern den Buch- Halter Ludwig Walter unter der Anklage der wiederholten Unterschlagung vor die 3. Strafkammer hiesigen Landgerichts l. Der Angeklagte hatte in dem Jjiesigen Speditionsgeschäft von C. F. Witte eine bevorzugte Stellung inne und erfreute sich des vollsten Vertrauens seines �Chefs. Eine mit seinem Ein- kommen nicht zu vereinbarende Schwärmerei für dns weibliche Geschlecht hat den jungen Mann auf den Weg des Verbrechens gelockt. Er hielt sich seine Maitresse, besuchte fleißig das Theater auf den besten Plätzen und spielte überall den großen Herrn. Seinen näheren Bekannten, welche sich über seinen zunehmenden Aufwand wunderten, erzählte er. daß er von einem Verwandten, einem hohen kalholrschen Geistlichen, 40 000 M. geerbt habe. In Wirklichkeit hat er sich aber die Mittel zu seinem luxuriösen Lebenswandel durch fortgesetzte Ver- untreuungen, welche die Gesammthöhe von ca. 15 000 M. erreicht haben, verschafft. Als die siatastrophe über ihn hereinbrach, ver- schwand er aus Berlin, wurde aber in Breslau festgenommen. Im gestrigen Termin gestand er unter Zeichen wirklicher Reue sein Unrecht unumwunden zu und bat nur um eine milde Strafe. Der Gerichtshof bemaß dieselbe aus 3 Jahre 3 Wochen e j ä n g n i ß unter Anrechnung von 3 Wochen aus die Unter- suchnngshast. „Gelinde Züchtigung" mittels Schrubbers. Nach der Gesindc-Ordnung steht im Falle störrischen Verhaltens der Dienst- boten der Diensthercschaft leider zwar das Recht einer gelinden Züchtigung zu, dasselbe wird aber durch eine Benutzung des chrubbers als Angriffswaffe überschritten und die betr. Haus- frau läuft in solchen Fallen Gefahr, wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges angeklagt zu werden. Frau D. hatte sich eine solche Anklage zugezogen. Sie war durch das angeblich unpassende Betragen ihres Dienstmädchens zum Zorn gereizt worden und hatte schließlich mit einem irdene» Kochtops und einem Schrubber aus das Mädchen losgeschlagen. Sie schilderte in be- weglichen Worten dem Schöffengericht den Zustand der Auf- regung, in welchen sie durch das Dienstmädchen versetzt worden sei und meinte, daß sie sich„ein derartiges Auftreten" nicht ge- fallen zu lassen brauche. Ter Gerichtshof hatte volles Mitgefühl mir rhrev Qualen, mußte sie aber doch dahin belehren, daß eine derartige Katzbalgerei mit dem Dienstmädchen das nach der Ge- sinde-Ordnung der Herrschaft zustehende bedingte Züchtigungs- recht überschreitet. Frau D. wurde aber nur in«ine Geldstrafe von 10 M. genommen. Welche Blüthe« die wirthschaftliche Abhängigkeit der Arbeiter und die Furcht vor Hunger und Arbeits- losig keil zu trerben vermag, zeigt folgende Verhandlung, welche am 26. September am Mainzer Schwurgericht stattfand. Gegen die 22 Jahre alte Fabrikarbeiterin Magdalena Forg von hier war Anklage wegen Meineid erhoben worden. Am 7. Juni dieses Jahres hatte eine Verhandlung wegen Nothzucht statt- gesunden, bei welcher die Forg als Zeugin auftrat; während ihrer Aussage fragte sie der Vertheidiger, ob sie nicht bereits ge- richtlich bestraft ser? Als sie die Frage verneinte, hielt ihr der Präsident vor, daß eine Magdalena Forg wegen Unterschlagung eine allerdings geringfügige Strafe erhalten habe, woraus die Angeklagte aber meinte, da müsse eine Verivechselung vorliegen. In der gestrigen Verhandlung gab die Angeklagte die Vor- destrafung unumwunden zu und erklärte, sie hätte damals ihre Arbeit zu verlieren gefürchtet, wenn sie zu- gegeben hätte, schon bestraft gewesen zu sein, da der Fabrik- anfseher in der Verhandlung zugegen gewesen sei. Die Geschworenen sprachen das Schuldig und die An- geklagte, welche sich aus Furcht vor Arbeitslosigkeit zum Meineid treiben ließ, wurde zu sechs Monaten Gefängniß ver- urtheilt. Die Ehre deS UnteroffizierkorpS Instanzen. Im Februar o. I., einige Zeit nach dem Bekanntwerden des Erlasses des �Prinzen Georg von Sachsen bezüglich der im sächsischen Heere vorgekonimenen Soldatenmißhandlungen, wurde im„Neu- salzer Stadtblatt" jener Erlaß zum Gegemtande einer Betrach- lu»g über Soldatenmißhandlungen gemacht. Der bleireffende Verfasser exemplisizirte unler anderem auch auf eine Stadt in Oberschlesien, in deren Garnison menschenunwürdige Behandlung von Soldaten vorgekommen sein sollte. An diese Behauptung von Thatsachen schloß sich eine CharakteriNrung derartiger Be- Handlungsweise an, in welcher das Generalkommando des 6. Armeekorps, dem die ob erschle fischen Garnisonen unterstehen, eine Beleidigung des Unteroffizierkorps im genannten Armee- korps erblickte. Gegen den Werantwortlichen Redakteur des Neusalzer tztadtblatles". Buchdruckereibesitzer Max Siltz. wurde Strajantrag gestellt. In der seiner Zeit geführten VerHand- lung vor der Glogauer Strafkammer wurde Siltz freige- 'prochen. Auf die seitens der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision hob das Reichsgericht das Urtheil auf und verwies die Angelegenheit zur nochmaligen Verhandlung an das Glogauer Landgericht. Der Angeklagte machte geltend, daß die Charak- terisirnng der Soldatenmißhandlungen keii»esivegs auf da? ver- meintlich beleidigte Unteroffizierkorps sich beziehe, sondern daß vielmehr diese Eharakterisirung ein« Beleuchtung der Vorgänge in der sächsische» Armee, welche den prinzlichen Erlaß hervor- gerufen hatten, darstellen sollte. Deshalb erachtete der An- geklagte das Generalkommando des VI. Armeekorps zur Stellung einc3 Strafantrages nicht legitimirt. Was die angezogene» Miß- Handlungen in einer oberschlefifchen Stadt(Neisse) betrifft, so wurden diese bewiesen durch eine Verhandlung vor der Straf- kammer zu Ratibor gegen den verantwortlichen Redakteur der „OberschL Volks-Zeitung� in Leobschütz. der am 12. März vorigen Jahres von einer Anklage der Beleidigung ver- schiedener Unteroffiziere freigesprochen worden war. Die Glogauer Strafkammer erachtele zwar das Generalkommando des VI. Armeekorps zur Stellung des Strafantrages für berechtigt, erkannte jedoch auch diesmal wieder auf Freisprechung, da� eine Beleidigung des Unteroffizierkorps nur dann vorliegen würde, wenn dieselbe so gewählt wäre, um alle Unteroffiziere zu treffen, das sei hier nicht der Fall, da nur die vberschlesischen Unteroffiziere gemeint seien. Auch könne sich ein Einzelner einer Kategorie von Menschen nicht beleidigt fühlen, wenn beleidigende Ausdrücke über eine Gesammtheit gefallen seien. Von den anderen beleidigenden Bezeichnungen in dem Artikel nahm der Gerichtshof an, daß sie sich aus die Vorkomm- nisse beziehen, welche in dem Erlaß des Prinzen Georg zur Sprache gekommen sind. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte�sSv M. Geldstrafe beantragt. Leider wird jedoch seine Revision beim Reichsgericht auf freundliches Engegenkommen zu rechnen haben. Hat es doch z. B. vor etwa einem Jahre in dem Prozeß wider den Handschuhmacher Weber die selbst von Juristen früher stets getheiligte Ansicht, welcher jetzt mit Recht die Glogauer Strafkammer Raum gegeben hat, als irrig be- zeichnet und deshalb den vom Landgericht I. Freigesprochenen vor das Landgericht II. verwiesen. Dort erhielt Weber drei Monate Gefängniß.l weil er alle dem Kriegs- minister unterstellten Soldaten beleidigt habe. Weber's gegen die Verurlheilung eingelegte Revision hatte aus formellen Gründen Erfolg. Das Reichsgericht nahm mit dem Bertheidiger an, daß inhaltlich des Protokolls die Verhandlung kaum verständlich sei und zweijellos in Widerspruch mit den Fnndamentalsäyen der Strwprozeß-SDrdnnng stehe. Das Reichsgericht verwies die Ent- scheidung nunmehr nach dem an Gardelieutenants reichen Potsdam. jDorl hat die Verhandlung noch nicht stattfinden können, weil der Angeklagte so lässig in der Angabe seiner neuen Wohnung war, daß ihn die Staalsanwalischaft steckbrieflich sucht. Dieses Treiben durch verschiedene Instanzen hat den großen Nachtheil für den Angeklagten, daß für den Fall seiner schließ- lichen Verurtheilung alle Kosten ihm auferlegt zu werden pflegen. Solche Jnstanzenzugsreise erweckt aber auch die Er- mnerung daran, daß schon früher in Preußen in politisch be- wegte» Zeiten Aufhebungen von Urteln aus grund Manchen über- laschender Auffassung der höchsten Instanz an der Tagesordnung waren und daß das Berussrichterthum niemals aus die Dauer dem Druck anderer Ansichten widerstanden hat. DurlmtmtUmgen. Ter sozialdemokratische Wahlverein für den zweite« Berliner Wahlkreis hielt am 26. September eine Versamm- lunz ab, in der Genosse A n t r i ck an stelle des am Erscheinen verhinderte» Genoffen Richard Fischer einen Vortrag über: »Das preußische Landtags-Wahlrecht" hielt. Der Referent gab zunächst in knappen aber trefflichen Ausführungen ein Bild von der Entwickelung konstitutioneller Verfassung tn Preußen, um dann das„elendeste aller Wahlsysteme", das in Preußen noch bestehende Dreillassen-Wahlsystem, kritisch zu beleuchten.. Als mißlungen kennzeichnete er die neuerdings gemachten Versuche, durch Reformen dieses Wahlrecht" dem Volke annehmbar zu machen und wies die Unmöglichkeit nach, daß die Sozialdemokratie durch die Betheiligung an den Wahlen zum Landtag Voriheile irgend welcher Art erzielen könne, ohne Kompromisse zu schließen. Redner kam sodann auf die auch im„Vorwärts" be- sprochenetr Anregungen des Genossen Ed. Bernstein zu sprechen. Sachlich aber scharf polemisirte er gegen den Bernstein'jchen Aussatz in der„Neuen Zeit", worin der Verfasser die Betheiligung der Sozialdemokratie an den Landtagswahlen in Preußen anregt. Einige Abgeordnete, meint Redner, würde die Sozialdemokratie besten Falles dann durchbringen, oder vielmehr durchgebracht erhalten, wenn bald der einen, bald der anderen gegnerischen Partei mit der Stimmabgabe der sozialdemokratischen Wahlmänner für den Gegner betreffender Partei gedroht würde. Solche Kompromisselei müsse aus jeden Fall verworfen werden, überhaupt sei jeder Kompromiß zu ver- urtheilen. Wenn der Gedanke an die anempfohlene Wahl- betheiligung in weitere Genossenkreise eindringen würde, wäre er. Redner, der erste, welcher dagegen Protest einlegte. Das Reserat wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Eine Diskussion fand nicht statt. Die Klavierarbeiter hielten am 27. September eine öffent- liche Versammlung ab, die sich mit der Frage beschäftigte:„Wie denken die Kollegen über ihre wirthschaftliche Lage?" Wustrow nahm hierzu als erster Redner das Wort und führte aus. daß in fast sämmtlichen Fabriken in der letzten Zeit Anzüge zu de- merken sind, was sicher nur eine Folge davon ist. daß jetzt die meisten Kollegen uiiorganisirt machtlos dastehen. Redner empfahl eine Lokalorganisation der Klavierarbeiter zu gründen, da der Holz- arbeiterverdand unter den Kollegen einer zu großen Abneigung begegnet. Eine Anzahl Redner diskutirten hieraus eifrig die Frage, ob der Holzarbeiterverband einen Werth für die Klavier- ardeiter habe oder nicht. Nachdem die Debatte über diese Ange- legeuheit bis IlVe Uhr gedauert und gegen 18 Redner dazu ge- sprachen hatten, wurde mit großer Majorität beschlossen, einen Fachverein zu gründen und zur Vorbereitung eine Kommission von 7 Milgltedern gewählt. Namens der Kommission, welche in der Versammlung vom 13. September bei Joel gewählt worden ist. um die Vorwürfe zu untersuchen, welche damals S p a r s e l d gegen Zubeil erhoben hatte, reserirte Paul. Das Er- gebniß der Untersuchung, zu der Sparfeld hinzugezogen wurde, ist. daß der Vorwurf. Zubeil habe 300 M. unterschlagen, lediglich auf Erfindung beruht. Sparfeld war nicht in der Lage gewesen, den geringsten Beweis für seine Behauptung zu erbringen. In der Diskussion bemerkte Zubeil, daß Spar- selb, so lange er ihn kenne, sein persönlicher Feind war. Es sei immer seine Ansicht gewesen, daß Sparfeld in der poiilischen wie in der gewerkschaftlichen Bewegung nnr Unheil gestiftet habe. So lange er. Zubeil, in der gewerkschaftlichen und poli- tischen Bewegung stehe, könne ihm Keiner eine Untreue nachweisen. Mit Sparfeld werde er noch in anderer Weise ab- rechnen. In der weiteren Debatte äußerten noch verschiedene Redner ihre Entrüstung über dieses Verhalten Sparseld's, Die Versammlung nahm hierauf einstimmig folgende Reso- lution an: „Die heutige Versammlung spricht ihre Entrüstung über die tendenziöse Berichterstattung der bürgerlichen Presse über die letzte Klavierarbeiter- Versammlung aus. Nach Anhörung der Kommission ist festgestellt, daß die Behauptung Sparseld's gegen ubeil von Anfang bis Ende erlogen und ein Akt politischer ache ist. Die Versammlung fordert sämmtliche bürgerlichen Blätter auf, eine diesbezügliche Berichtigung zu bringen." In der Debatte war es u. a. als höchstwahrscheinlich be- zeichnet worden, daß die Notizen, welche am letzten Mittwoch die bürgerlichen Blätter über diese Angelegenheit gebracht haben, von Sparseld selbst herrühren, der sie dem bekannten Bericht- erstatter Herzberg gegeben hat.— Die Versammlung erörterte hierauf die Abzüge, welche den Zusammensetzern tn der Piano- fortefabrik von Schleifer u. Ko., Wienerftr. S7a, gemacht wurden, sowie das Verhalten dreier Kollegen, die dort Arbeit genommen haben, obwohl sie wiflen mußten, daß die anderen Kollegen dort streikten. Zwei dieser Zusammensetzer. die Herren Hürde und Busch, vermochten sich auch in der Versammlung noch nicht zu entschließen, die Arbeit rvieder niederzulegen. Die Empörung der Versammlung über solches Verhalten machte sich in einigen scharfen Ausdrücken gegen die Beiden Luft. Die Versammlung beschloß, den einen Ausständigen, der verheirathet ist, zu unter- stützen und verhängte für Zusammensetzer die Sperre über die genannte Werkstatt. Eine öffentliche Metallarbeiter-Bersammlnng tagte am 25. September bei Gratweil. Wegen des schlechten Besuches der Versammlung wurde von einem Vortrag abgesehen. Man er- örterte hierauf die Frage, ob die Versammlung einen Delegirten zur Gewerkschaftskommission wählen solle. Glück befürwortete die Wahl, weil die Angehörigen des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes in der Gewerkschastskommission keinen Vertreter hätten. Verschiedene Redner sprachen sich dagegen aus, und lehnte die Versammlung mit Stimmengleichheit die Wahl ab. Eine Anfrage wegen der Handhabung des Arbeitsnachweises wurde von Pätzold befriedigend beantwortet. Daran schloß sich dann eine Diskussion über den Werth der Zentral- und der Lokalorganisation der Metallarbeiter. Die am SS. September in Grattreil's Saal tagende öffentliche Versammlung der Uhrmacher, welche sich eines überaus starken Besuchs, namentlich auch seitens der Meister er- freute, war vom Genossen Näther einberufen, um den„Meistern" auch vom sozialdemokratischen Standpunkte aus die Pläne der Regierung in bezug auf Organisation des Handwerks zu be- leuchten. Genosse Rüther referirte über erwähnten Gesetzentwurf und wies in längeren Ausführungen nach, daß auch dies Mitteickien ebensowenig, als alle anderen, wie Befähigungsnach- weis, Verbot des Hausirhandels u. s. w. im stände sein werde, das„Handwerk zu heben". Im weiteren Verlauf seiner Rede kam Genosse Näther auf das Uhrmachergewerbe speziell zu sprechen und betonte, daß die„Künstler" heute nichts weiter seien als Uhrenflicker. Von Reparaturen aber könnten sie nicht existiren, sondern nur vom Handel und da der Handel mit Uhren und Goldsachen ein ganz ungeheures Kapital erfordere, so sei die„Hebung des Handwerks" für die Uhrmacherei geradezu ein Nonsens. Eine Statistik habe ergeben, daß hier in Berlin nur 13 Uhrmacher existiren» welche 4— IS Gehilfen, das ist ein Drittel sämmtlicher Gehilfen, beschäftigen, während S00 Kleinmeister ohne jedwede Hilfe arbeiteten; diese alle befänden sich in der Schuldkuechtschaft der Grossisten. Redner unterzog sodann die Lehrliugszüchterei und die Arbeitsverhältnisse der Gehilfen einer eingehenden Kritik. Er schloß seinen zirka zwei Stunden währenden Vortrag mit dem Appell an die Anwesenden, namentlich an die Meister, sich, da aus diesem Dilemma ein Entrinnen doch nicht mehr möglich sei, den Bestrebungen der Sozialdemokratie anzuschließen. Der allgemeine stürmische Beifall bewies, daß auch die zahlreich ver- tretenen Meister nicht umhin konnten, den Ausführungen zuzu- stimmen. Nur zwei Meister, Herr Müller und Herr Buhuke, meldeten sich in der Diskussion zum Wort; beide tnußten aber zugeben, daß das Kleingewerbe immer mehr zurückgehe und dem schlieblichen Untergange geweiht sei. Herr Müller verwahrte sich dagegen, daß im Zentralverband deutscher Uhrmacher es nur„Schwachköpfe" gebe. Die Vor- kommnisse in der letzten Versammlung, wo man Rüther geschlagen habe, verwerfe er entschieden. Im Vortrag habe Näther nur Phrasen und Schlagwörter vorgebracht; daß die Klein- meister von dem Großkapital vernichtet würden, wüßten sie, Näther solle doch„positive Vorschläge" machen, wie dem ab- zuhelfen sei. Näther widerlegt eingehend die Einwendungen des Vorredners und weist die Uuhallbarkeit dieser Zustände nach, die es mit sich bringen, daß die Kleinmeister nur existiren können durch die andauernde Ausbeutung der Arbeitskräfte. Genosse Wagner besprach in eingehender Werse die Vorkommnisse in der letzten Meisterversammlung. Eine Resolution, durch welche die Versammlung verspricht, für die Ziele der Sozialdemokratie einzutreten, wurde gegen zwei Stimmen angenommen. Die zweite, welche ihre tiefste Ent- rüstung ausspricht über die brutale Behandlung, die dem Genossen Näther in der Versammlung der Prinzipale zu Theil geworden, fand einstimmige Annahme.— Zu Punkt 3 schilderte Genosse Näther die Arbeitsverhältnisse beim Hos-Uhreumacher Felsing. Dort könnte noch ein gut Theil Gehilsen mehr beschäftigt werden, wenn die Sonntagsarbeit und die Ueberstunden in Wegfall kämen. Am Sonntag vor Weihnachten müßten die Gehilsen umsonst arbeiten. Jeder Arbeiter erhalte am Ende eines jeden Monats eine Zensur über seine Leistungen in sein Lohnbuch ge- schrieben, gleich den Schulknaben. Näther schloß mit der Auf- forder ng, daß alle Gehilfen der Organisation beitreten möchten, damit derartige Zustände für die Zukunft unmöglich werden. KnmmerSdorf bei Zossen. Hier tagte am 24. September die erste sozialdemokratische Versammlung in der Wohnung des Schneidermeisters Wisianowski. Die Versammlung war von ungefähr 200 Personen besucht und folgte mit regem Interesse den Aussührungen des Reichstags-Abgeordnelen Fritz Zubeil, der eine eingehende Schilderung über die letzte ReichSlagssesston gab. Besonders ausführlich besprach Redner die neuen Sleuer- projekte der Regierung. In der Diskussion empfahl K ö r st e n den Anwesenden das Abonnement de» Teltower„Volksblattes" und beleuchtete des Nähere» die landwirthschaftlichen Verhältnisse und die Lage der Landarbeiter. Nach einem Schlußwort des Referenten, das eine eingehende Erläuterung des Wahlgesetzes darbot, stimmte die Versammlung begeistert in ein Hoch aus die Sozialdemokratie ein. Achtung,«chüfteerbettev und-Arbeiterinnen! Sonnabend, den so. Eepiemder,«dends 8 Uhr, Wollftr. 20 bei Maines: LerktnS. Versammlung. Arb»it-r-Kitd»»e«tch»te. Jneilag, Abends von gj— lOiUfti: 3üb< Schule, Mariendorferftr. s del Grube. Süd-Ost-Schule, Aeichenberger- siraße 188. Unierrichi uberSeseyeslunde und Nationalökonoinie O st- S ch u l e, Ma tuSstr. Sl. Unierrlchl tn Äeschichie(alte), Nord-Schule, Mstller- stvoße i:ea; Unierrichi In Physiologie und Buchfuhruim. Ja allen Unier- rtchiSfachern, ml» Ausnahme von Malhemalil und Buchführung, lomie» noch Schüler und Schülerinnen, auch jetzl im Laufs des Semefter« eintreten. Kefr-»nd piekutirstlud». Lr-etisg. Karl Marx. AvendS»>; Uhr, bei Äruber, Marlendorferstr. 8.--Westen, bei H. Werner, Bülowstc. 69. — Lese- und DiStutirklub Otto Reimer, AbendS«K Uhr, WilhelmShavcner- ftraste«8 bei Kuba.— DiSlutirllub August Selb Abends 6£ Uhr tm Restaurant Zubeil. Arbeiter- Kangrrbuttd Perlitt* und Umgegend. Dorsihender Ad. Neumann, Brunnenstratze I8v, 8 Zr. Alle Aenderunge» im Vereins- lalender sind zu richten an Friedrich Korium, Manleuffelur. 70. Freitag. UedungSstunde AbendS 9 Uhr. Aufnahme von Milgliedern. Kaiser- scher Männerchor, Schönhauser Allee 29, bei Kuhlmey.— Nord, Berg- straste 88, bei«eller.— w orivär iS i, S.O. AdalderMr.», bei Noll.— Kummer'scher Gesangverein, Langestrabe 88, bei Tempel.— Buchbinder-Männerchor Berlins. Holzmarltiirabe 8, bei Deier.— Ma t- g tö eichen, Hochstr. 82a, bei fflllte.— Gemüthtichteit Puger, Seydelftr. 8«.— Palme, in Bellen, bei Schröder.— Morgenrolh«, «öpenich, Müggetheimerstr. 8 bei Held.— KarlhauS'lcher Gesang- verein, Ltchiendergerstr. 2i, bei Heise.— Gesangverein Morgenrolh 2, illharloltenburg, BiSmarctstr. u.— Tqpographia, Gesangverein Berliner Buchdrucker u. Lchrisigießer, Kommandanlenstr. 20.— wesangv. St o r 0 w a ch l, Müilerftr 7, bei Reicherl.— Gesangveretn Schmargendorf in Schmargen. dors, WtrthShauS.— Zukunst>. Sieglitz. Ahornstraße, im GambrinuS- — Gesangveretn Gollegia 1, Manteusselstr. 9 bei NowiackS.— Gesang- verein Freiheit Moabit, Kronen-Brauerei. AU-Moabtr Nr. 47/69. —„B eretnt e SangeSbrüder M oabit" Stromstrabe 28 bei Lange.—„Sängerverein sorg en frei" Metchtorstr. 16 bei Slehmann.— Sefangv.„Rosalia" Gr. Franlsurterstr.»i b. Müller.—„Nord-'West- Stern", Altonaerslraße 27 bei Liple.—„Binela", Swinemünderstr. 86 bei Oueilsch.— Freie Ltedertafel, Neue«önigftr. 78 bei Hahn.— Brandenburger Männer-Gesangveretn in Brandenburg a. H., Metigert'S BoilSgarien.— Rothe Fahne, Sörlttzerftr. 62 bei Bogel.— Sängerchor der Töpfer, Neue Frtedrtchstr. 44 bei Rölltg.— Brauer- Gesangverein Gerstenähre, Alte Jalobstr. 88 bei Wienocke.— Männer- G-iangverein S t e t n n e 1 1 e, KöSlinerstr>7 bei Wsndi.— I o h a n n i, Am Lstdahnhos 7 bei W. Schulze.— Einigteit 8, Groß-Ltchlerseide bei GrieS, Giesensdorf.— G e se llt gt e it, HennigSdors, Böhmerl'S Gasthaus. — M atonaruß, Köpenick, tm Lotale von Kitz, Neue Srünstraßen-Gcko. Hund der geselligen Arbeitervereine Hcriin» und ztingegend. Alle Zuschrisien sind zu senden an P. Hentel, Bergmannslr. 21, Hof 8 It. Freitag: BergnügungSverein Frisch aus, AbendS» Uhr, Ohmgasse 2 bei KrebS. vetang-,?urn-«nd gesellig» Perettt». Frettag. Männer-Gesangverein Union, Abend« 9 Uhr, Berliner Bockvrauerei.— Ouarlellverein W e d d t n g, Abend« gji Uhr, bei Schäsec, Reue Hochstr. 49.— Männorchor Waldesrauschen, AbendS 9 Uhr, bei Weiat, Piarkgrasenstr. 87.— Privat- Theaterverein ilreScendo, AbendS 9 Uhr, bei Schulz, Punnuserstr. 86.— Musts-Dileltantenverein„Tonika", AbendS«X Uhr bei Schenk, KmUstr. 89, UedungSstunde.— Mustkvereln Frischauf. Restaurant Schröder, Reichen- bergerstr. 24. Berliner Turngenossenfchaft. Die erste Männerabthotlung turnt Freitag und Dienstag Abend von sjj— lvü Uhr in der Turnhalle des Lesstng-Gpmnastums Pankftr. 9— lo.— Turnverein Gesundbrunnen die I. Männer-Abtheiluna turnt heute Abend von»ü— ioX Uhr In der Turnhalle des Lefstng'Gymnasium«, Pankstr. 9— w. Vergnügungsverein Veilchen, Abends»ss Uhr, bei Brauns, Oranienstr. üss p.— Geselliger Arbeiterverein Wraphia, Abends sü Uhr, Wie Jakobstr. 129 iLogenhaus).— Unierhaltungsklub Schiller, AbendS 9 Uhr im Restaurant Holzbächer, Dreysestraße 8.— Lepidopt. Vereinigung Orion, Abends 9 Uhr Sitzung Schützenstr. 29.— Mustlverein Hoff- nung, Abends von 9—11 Uhr Uebungsftunde ProStauerstr. 86—87 bei Schneider.— Slatllub Kairo Abend« s Uhr bei Flick, Stmeonstr. 28. BergnügungSoerein B erolina, Abends 0 Uhr im Restaurant„Zur Gleich- heit", Andreasstr. 28, Sitzung. Nach derselben Tan,. Tanzlehrer-Beretn Solidariint. AbendS o* Uhr im Lotale von Ehrenberg, Annenstr. 18, Sitzung.— Rauchtlub RoiheFahne, Freitag Abends 0 Uhr, Cuvrystr. 48 bei Krichelboisf— Ruderv eretn„Vorwärts", Sitzung Abends s Uhr, in der Spreeierraffe, Jannowitzbrücke. SngUsk Conversafional Club Shakespeare. Meeting every Friday at 9 p. in. at Behrens Restaurant Königstr. 62. Leoturer Mr. J. Bloch. Guests are welcome, Vorntislhkes. Die Cholera. Da» Kaiserliche Gesundheitsamt macht fol- geude Cholerafälle bekannt: In H a m b u r g wurden vom 27. bis 23. September, Morgens, 4 Nenerkrankungen. darunter eine mit tödllichem Ausgange, festgestellt. Heber den Verlauf der Krankheit in Hamburg wird von dort Folgendes mitgetheilt: Seit den letzten Tagen ist ein Nachlaß in der Zahl und der Schwere der Erkrankungen unverkennbar. Bemerkenswerth ist außerdem, daß die Fälle über verschiedene Theile der Stadl verstreut vorgekommen sind und daß sich nirgends ein Herd gebildet hat. Zwar sind in einigen Wohnungen mehrere Personen gleichzeilig erkrankt, aber in keinem einzigen Falle ist eine weitere Ueber- tragnng vorgekommen. In Cuxhaven zwei tödtlich verlaufene Erkrankungen. In Altona, Sladitheil Oltensen, 2 Erkran- tungen. In B 0 d e n w e r d e r, Kreis Hameln, eine Neu- erkranlung(Ehemann der in Nr. 229 des„Reichs- Anzeigers" gemeldeten Kranken). In Kirchborgum. Kreis Weener, Rc- gierungsdezirk Aurich, ei» tödtlich verlaufener Krankheitsfall. Stockholm, 28. September. Die Verordnung zur Ver- hüiung der Einschleppung der Cholera, welche die ärztliche Unter- suchung aller aus Finnland und Dänemark nach Schweden kommenden Reisenden anordnet, so lange respektive Petersburg oder andere russische Ostseehäsen und Hainburg oder unterhalb Hamburg an der Elbe belegene Orte, Lübeck oder Orte in Schles» wig-Hoistein oder Meckienburg-Schwerin für choleraverseucht er- klärt sind, tritt Morgen in Kraft.— Cuxhaven, 23. September. Bei zwei Hetzern eines von See hierher zurückgekehrten Dampsers ist Cholera konstatiri worden. Beide Fälle sind lödtlich verlaufen.— Bukarest, 27. September. In den letzten 24 Stlinden sind in Braila 6 Erkrankungen an Cholera und 2 Todesfälle vor- gekommen, in Galatz eine Erkrankung, in Sulina 4 Erkrankungen und cm Todesfall.— Rom, 27. September. In den letzten 24 Stunden sind in Palermo 24 Personen an Cholera erkrankt und II gestorben, i» Livorno 33 erkrankt, 16 gestorben. In ven Ortschaften Patti und Marina in der Provinz Messina ist die Cholera wieder aufgetreten. Es sind daselbst 4 Erkrankungen und 2 Todesfälle vorgekommen.— Petersburg, 27. September. Vom 21. bis 26. d. M. sind, in Petersburg 263 Erkrankungen an Cholera und 118 Todesfälle vorgekommen, vom 19. bis 24. d. M. in Älloskau 12 Er- kraukmigen und 9 Todesfälle, vom 21. bis 24. d. M. in Krön- stadl 14 Erkrankungen und 6 Todesfälle, von, 10. bis 16. d. M. in Warschau 1 Erkrankung und 1 Todessall, in derselben Zeit in den Gouvernemeiits Wolhynien 330 Erkrankungen und 140 Todesfälle, Jekaterinoslaw 414 bezw. 175, Kalisch 10 bezw. 5, Kiew 548 bezw. 223, Kursk 248 bezw. 117, Mohilew 229 bezw, 76, Radom 15 bezw. 11, Samara 115 bezw. 50, Smolensk 7 bezw. 5, Tschernigow 177 bezw. 55, Vom 17. bis 23. d. M. erkrankten in dem Gouvernement Minsk 83 Personen nnd starben 31, vom 2. bis 16. d. Bt. in Podolien 1704 bezw. 652, vom 13. bis 19. d.M. inSjedlez 3 bezw. 4, vom 19. bis 20. d. M. in Ljublhi 1 bezw. 1. Preisvertheilnng in Chikaao. In Gruppe 158 der Welt- ausstellung(Musik und Mnsik-Jnstruineiite) erhielt Deutsch- land 34, Oesterreich 26 Preise; für Präzisions-Jnstrumeute und Photographien ic. wurden Deutschland 36 und Oesterreich 5 Preise zuerkannt. Ein Eisenbahnzng fuhr, wie der„Voss. Ztg." ans Burbach berichtet wird, am Donnerstag Morgen bei offener Barriere in einen Straßenbahnwagen. Die Größe des Unglück» ist noch u»- übersehbar. Ei» zweites Pompeji? Eine verschüttete Stadt mit gut- erhalienen Häusern, Mauern und Straßen wurde, wie aus Athen berichtet wird, in Therika bei Lanrion aufgesunden. Die End- deckung erregt allgemeines Aussehen. ©ejrefzfteni sWolff'S Telegravßeu-Burea«.) Pest, 27. September. Das Abgeordnetenhaus nahm den Gesetzenlivurf betreffend den Schutz der Arbeiter gegen Unfälle und betreffend die Gewerde-Jnspekloren in zweiter Lesung an. Alsdann wurde der Gesetzentwurf betreffend die Steuer ans Mineralöl angenommen. Pest, 23. September. Heute und gestern wurden in den Straßen Proklamationen sozialdemokratischen und kommunistischen Inhalts in großer Menge verbreitet. Die Polizei konfiszirte die Druckschriften. Paris, 28. September. In den Kohlenbecken der Deparle- ments du Nord und Pas de Calais herrscht Ruhe. Viele Grubenarbeiter verlangen, die Arbeit wiederaufzunehmen. Die Bergwerksgesellschaflen werden die Einfahrten wieder eröffnen, sobald sich die Arbeiter in binreichender Zahl einstellen. In Bernicourt wurde in der letzten Nacht vor dem Hause eines nicht ausständigen Arbeiters eine Tynanntpatrone gesunden. London, 23. September. Der Verband der Grubenbesitzer von Großbritannien hat eine Bekanntmachung erlassen, in welcher es für unmöglich erklärt wird, eine Lohnherabsetzung zu vermeiden. Ferner wird darin die Haltung der Bergarbeiter wegen ihrer Weigerung, die Lohureduklion zu erörtern, getadelt »nd schließlich die Ernennung eines besonderen Komitee's an« gekündigt, welches bereit sein'würde, mit den Vertretern der Bergleute zu verhandeln, um ein Mittel zur Herbeiführung einer Verständigung zu finden. (Depeschen deS Burean Herold.) London, 28. September. Aus Rio de Janeiro wird be- richtet, daß der Belagerungszustand auf 14 Tage verlängert worden sei und daß die Aufständischen Rio Grande erobert hätten. Die Aufständischen von Santa Fe sollen geschlagen und die An» führer gesangen geiioinmen sein. Dviefkakken Vvv VedaTtfitm. Z. S. 3� Depesche ist Nacht» nach Schluß der Redaktion eingelaufen un Fim Depeschentheil abgedruckt worden. Nur nicht kleinlich nörgeln! Fritz S. Daß ein Vastor seinem Herzen in der von Ihnen geschilderten. Leidtragenden beleidigenden Weise Lust machte, ist um so weniger auffallend, als die Wittwe seine Begleitung er- beten hatte und nach seiner Behauptitiig der Verstorbene in seinen letzten Stunden aus einem Gottlosen«in tSottvoller ge- worden sein soll. M. B. W. 65. Stellennachweis für Schneider und Schneiderinnen ist Schützenstr. 13, Restaurant Freyga tg. Um Mißverständnissen vorzubeugen, wiederholen wir hiermit, daß für Restauratenre und Kieruerleger der Preis unseres «ßunßden Bieres nach wie vor 22 Mark 50 Pfg. pro Tonne und der unseres ketten Lagerbieres 20 Mark pro Tonne beträgt. Berlin, den 35. September 1893. t48872' Aktien-Brauerei-Gesellschaft Friedrichshöhe, vorm. Patzenhofer. „Verglas", Weinhandels-Gesellschaft mit beschränkt. Haftung Verlin SW., Zimmerstraße Nr. 3-4. Lpeeialität: Kinder- und Kranken- Weine. Unter standiger chemisch-analytischer Kontrolle de» Kgl. Gericht«» Chemikers nnd vereid. 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Ernst Woywod, Fehrbellinerstr. 78. Oscar Zemke, Chausseestr. 16. 6. Zuckerriedel, Prenzlauer Allee 229. M. Scholz, Prinzen-Allee 89. NO. Fr. B. Busse, Weberstr. 29. Emil Dada, Greifswalderstr. 226. Oscar Körte, Landsbergerstr. 43. J. P. Lehmann Nachfl., Greifswalder- straße 9. Richard Loose Nachil., Inhaber Carl Ullrich, Neue Königsir. 19/20. J. Streich, Gr. Franlsurterstr. 33. NW« Gebr. Albrecht, Stephanstr. 59. Hermann Elias, Louisenstr. 64. Max Musack, Louisenstr. 60. Paul Winkler, Birkenstr. 10. S. Berthold& Schanker, Mathieustr. 1. Otto Beug, Boeckhstr. 54. Richard DorahuECh, Gräfestr. 20. Wilhelm Ebel, Prinzenstr. 6. Hermann Engel, Alexandrinenstr. 82a. Paul Gotlschlich, Ritterstr. 30 a. Albert Grothe, Gräfestr. 83. Wilhelm Hetze, Lachmannstr. 6. A. F. Kind, Brandeuburastr. 64. W. Koennecke«iL, Jnh. A. Schulz, Prinzenstr. 74. Gustav Nenmann Wwe., Neue Roßstraße 14. H. Schreiber, Kommandantenstr. 36. Otto Schari, Gräfestr. 65. SO. Otto Eltner, Waldemarstr. 40. � F. Heyda, Reichenbergerstr. 35. C. Ä. Hirte, Lausttzerstr. 50. Otto Jacubzick, Skalitzerstr. 29a. A. Jahnz, Reichenbergerstr. 55. R. Kalle, Neanderstr. 3. Carl Kurtz, Cuvrystr. 24. Otto Moszeick, Skalitzerstr. 129. Paul F. Schmidt, Dresdenerstr. 9. F. Stange, Waldemarstr. 69. Heinrich Wollt, Schlesischcstr. 35. Bruno Jllmann, Manteusselstr. 70. Fritz Maortons, Admiralstr. 20. SW. E. Beckershofl, Fürbringerstr. 7. F. A. H. Däbne, Markgrafenstr. 95. E. Deichsel, Möckern str. 63. E. Drewitz, Zimmerstr. 95. Max Fischer, Alte Jakobstr. 43. Paul Geisler, Gneisenaustr. 85. E. Groehn, Simeonstr. 2. Hochhäusler& Judis, Königgrätzer- straße 33. Reinhold Kohl, Chamisso-Platz 7. E. Lasswitz Nacht., Hedemannstr. 1. Carl Liebe, Halleschestr. 15. Carl Rausch, Möckernstr. 83. H. Richter, Tempelhofer Ufer 3a, R. Rohloif, Großbeerenstr. 64a. Richard Sachsse, Lankivitzstr. 7. M. Sommer, vorm. Paul Gottschlieb, Wilhelmstr. 27. Paul Sprenger, Lichterfelderstr. 4. S. Senss, vorm. R. Tiede, Blücher- Platz 3. Otto Garnatz, Hafen-Platz 2. Georg Kirste, Schönebergerstr. 27. Wa Fritz Ambos, Potsdamerstr. 97. 6. F. Böhmer, Kronenstr. 76. Kopp A Joseph, Potsdamerstr. 122c. Alired Marsch, Culmstr. 37. J. Hottek, Humboldt-Apotheke, Potsdamerstraße 69. Richard Reinhard, Dennewitzstr. 34. C. Schreiber, Potsdamerstr. 69. J. C. F. Schwartze, Leipzigerstr. 112. Jul. Strietzel, Winterfeldstr. 12. Carl Grunow, Katzlerstr. 5. Joh. Scharnke, C. F. Hanne«acht., Dennewitzstr. 22. O. Otto Bock, Andreasstr. 5. Carl Burchardi, Frankfurter Allee 77. August Korb, Blnmenstr. 63. P. Kuhnigk, Blnmenstr. 76. F. Wollt, Konigsbergerstr. 17. C. Adolph Collin, Spitielmarli 15. Frau Clara Freier, Linienstr. 41. Ä. Kolbe, Stralauerstr. 57. Otto Krotzschmer, Rosenthalersir. 6/7, E. Kunzendori, Rosenthalersir. 42. Emil Lange, Seydelstr. 18. Richard Loose, Kaiser Wilhelmstr. 11. G. Schroeder, Prenzlauerstr. 48. Kein Ladenll Kein |Laden I Damen-Mälltel-Fabrik A. Henemann Oranienstraße 40|41, am Oranienplatz, I. und II. Etage. 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