Kr. 50. BbonnementS'Bedlngnnseti: RBormnneiUS■ BrftS Dtflimmftanbo; «terteljährl. 530®H, monafl. 1,10 3X1, wöchenUich 28 Pfg. frei WS Haus. Sinzein» Nummer 5 Psg. SonnlagS. nummer mit Mustricrler SoimwgS- Beilag?.Die Neue Bell- 10 Pia, Posi- «bonnemenll 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen w die Post.ZeitungS- VrersiisuL Unter Kreuzband für Deulichiand und Oesterreich- Unaarn 2 Marl, für daS übrige RuSland g Marl pro Monat. PostabonnementS nebmen am Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal. nänien, Schweden und die Schweiz. Vlcheloi Kzllch suvel fflontaes, Berliner Volktsblnkt. 39. Jahrg. vle InfertionS'Gcbüljr bekigl für die fechSgefpallene Kowncl- zeile oder deren Rauni 60 Pfg., für politische und gewerlschafiliche Verein-?, und Versammlungs-Anzeigen M Pfg, „Kleine Hnitlgen", das fettgedruckie Wort 20 Pfg, szulässig Lfctlgedru-lte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellcnan. zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über löBuch- siaben zählen für zwei Worte. Jnscrr..- für die nächste Nummer müssen bis -j Uhr nachmittags in der Expedition tlbgcgeben werden. Die expedition ijl bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: uS»lalil(i»oknt Rerlio", Zcntralorgan der rozialdcmokratifchen parte» Deutfchlarids. Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplaq, Nr. 1983. Dienstag, den 0. Februar 1912. Expedition: ÖCQ. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moriffplatz, Nr. 1981» Sanck in ckie üugen. Mit einem komischen Eifer stürzt sich die„Deutsche Tagesztg." am Sonntag auf das neue Steuergesetz, das die preußische Regierung soeben dem Landtag vorgelegt hat. Nach Gerechtigkeit schreit des Agrariers Herz, und deshalb kann er es nicht vertragen, daß der preußische Finanzminister hinfort die Gewinne aus Spekulationsgeschäften, so- fern sie nicht gewerbsmäßig betrieben werden, st e u e r f r e i lassen will. Die höchsten Töne sittlicher Entrüstung findet das Agrarierblatt ob solchen Unrechts! „Ter einfache Verstand des werttätigen Mannes, der durch seine törperlickie oder geistige Arbeit das zu seinem und seiner Familie Unterhalt notwendige Einkommen erwirbt, wird eS nicht begreifen, sondern es als eine schwere Ungerechtigkeit empfinden, wenn man dieses besteuert, derartige„mühelose" Gewinne aber obne weiteres von der Steuer befreit." Zwar gibt der Minister(in der Begründung des Gesetz- entwurss) an, die Feststellung, ob in einem speziellen Falle ein Spekulationsgeschäft vorliegt oder nicht, sei stets so schwierig gewesen, daß doch nichts Rechtes dabei herausgekom- wen sei. Aber solchen Grund läßt der Gerechtigkeitsfanatis- inuS der„Deutschen Tagesztg." nicht gelten.„Im Gegenteil," meint sie,„sollte dies doch nur den Gesetzgeber anspornen, nach Mitteln und Wegen zu forschen, diese oft nur auf Kosten der nationasen Arbeit sich bereichernde, aber sich vorsichtig der Oeffentlichkcit entziehende Plusmacherei endlich auch in ge- rechter Weise zu den Lasten des Staates heranzuziehen." Da bleibt ja kein Auge trocken, sagt der Berliner. Wer wollte jetzt nicht der„Deutschen Tagesztg." bescheinigen, daß sie von einem wahren Fanatismus für gerechte Steuerzahlung beseelt sei! Nun liegt uns natürlich nichts ferner, als Steuerbe- trüget irgendwie in Schutz zu nehmen, die industriellkapita- listischcn ebensowenig wie die agrarischen. Aber um die Er- rezung der„Deutschen Tagesztg." richtig einzuschätzen, muß man wissen, daß die ganze Stcuersumme, die der preußische Staat bisher aus solchen Spekulationsgewinnen zieht, h ö ch- stens eine halbe Million Mark pro Jahr aus- macht. Und der Finanzminister meint, das sei die kolossale Arbeit nicht wert, die die Feststellung solcher Gewinne— bei dem bekannten Raffinement der Spekulanten— den Steuerbehörden macht. Mit anderen Worten: hikr sei die Elle länger geworden als der Llram, deshalb solle man lieber auf die halbe Million verzichten. Ob diese Ansicht des Finanzministers richtig ist oder nicht, wird das Abgeordnetenhaus nachzuprüfen haben. Wenn aber die„Deutsche TageSztg." wegen der halben Million Spekulationsgewinne einen so furchtbaren Radau schlägt, wie steht es dann mit den sehr viel größeren Steuer- Hinterziehungen, die den Besitzenden seit Jahr und Tag nach- gewiesen worden lind und die bei der jetzigen Regelung doch vor allen Dingen erfaßt werden müßten? Hier handelt es sich nicht um eine halbe, sondern um mehrere Hundert Millionen. Aber darüber schweigt des Sängers Höflichkeit! Kein Sterbenswörtchen davon findet man in der„Deutschen Tagesztg.". Und doch läge gerade bei den neuen Steuergesetzen Anlaß genug dazu vor. Unsere Leser werden sich erinnern, daß der Vorwurf der Steuerunterschlagung(im Betrage von etwa l2t1 Millionen Mark für den Umfang des preußischen Staates) allen Be- sitzenden gemacht und ziffernmäßig belegt und bewiesen worden ist. Kaum war das veröffentlicht, so meldete sich mit einer besonderen Wut die agrarische Presse, an ihrer Spitze die„Deutsche Tagesztg.", und wies für die ländlichem Besitzenden mit Entschiedenheit den Vorwurf zurück. Die Folge davon war. daß sich fortan die Diskussion vorzugsweise um den Steuerbetrug der Agrarier drehte, obwohl ursprllng- lich die Besitzenden aus den Dreisen von Industrie, Handel, Bank und Börse genau ebenso beschuldigt worden waren wie die Agrarier. Bei dieser Diskussion wurden Dinge bekannt- gegeben, die man bis dahin für unmöglich gehalten hätte. Man erfuhr, daß es Buchhaltungsbureaus gibt, die sich speziell damit beschäftigen, für große Grundbesitzer die Bücher zu führen und die Abschlüsse so einzurichten, daß gar kein oder nur ein sehr geringes Einkommen herausgerechnet wurde. Es wurden große Güter angeführt, deren Wert der Steuer- behörde viel zu niedrig ang--geben war: lo erzählte Prokessor Delbrück von einem Gut, das um die Kleinigkeit von einer Million„unterschätzt" ist. Endlich wurde mitgeteilt, daß die Landräte— als Vorsitzende der Einschätzungskommissionon 7— erstaunlich leichtgläubig seien, und daß gerade hierin die Hauptursache liege, warum der Steuerbetrug den großen Agrariern so leicht werde. Professor Delbrück ging sogar so weit, zu behaupten, daß ein Landrat, der es unternehmen wollte, die großen Herren seines Kreises richtig einzuschätzen, feine ganze Karriere aufs Spiel setze.„Das sind Dinge," schrieb Herr Delbrück,„die jedermann weiß, der einmal mit der preußischen Verwaltung Fühlung gehabt hat." Man sollte nun meinen, wenn heute ein agrarisches Blatt sich mit solchen: Eifer über die neuen Steucrgesetze hermacht, aufbesierungrn zu verwenden. Der Hinweis auf die Preis« dann läge es ihm am nächsten, einmal zu erörtern, was denn erhähung enihülli den Zweck der ganzen Uebung! Die die Regierung tun will, um die agrarischen Steuerbetrüger Ueberschwemmung der Presse mit Notizen über hohe und steigende hinfort besser zu fassen. Sollen die Landwirte zu einer! Bergarbeiterlöhne soll die unter fiskalischer Mit- richtigen Buchführung verpflichtet werden?iwirlung vorgenommene rigorose Vreissteige- l Soll den Landräten das Gesckiäst der Einschätzung a b g e- Wommen oder sollen sie wenigstens von den großen Grund- l hesitzern unabhängig gemacht werden? Das sind denn doch r weit wichtigere Fragen als die, ob der Staat die halbe Million aus Spekulationsgewinnen hinfort bekommt oder nicht. Die„Deutsche Tagesztg." weiß natürlich genau, weshalb sie an diesen Dingen vorübergeht. Sie müßte sonst nämlich der Oeffentlichkeit mitteilen, daß die Agrarier beim Steuer- zahlen in Zukunft genau so hartleibig bleiben werden wie bisher: sie haben es durchgesetzt, daß einfach alles beim alten bleibt! Ueber die Frage, ob die Landräte zur Einschätzung geeignet seien, äußert sich die Regierung überhaupt nicht. Sie läßt einfach den Paragraphen bestehen, der die Landräte in der Regel zu Vorsitzenden der Veranlagungskommissionen macht, ohne doch auch den Vor- Wurf Delbrücks mit einem Wort zurückzuweisen. Was aber die Buchführung der Landwirte betrifft, so meint der Herr Finanzminister ganz kühl: .Bislang ist man über die Grundzüge der landwirtschoft- lichen Buchführung noch keineswegs zu einer einheit- lichen und einwandfreien Auffassung gelangt." Deshalb könne man den Landwirten nicht— wie den Kausieuten— eine bestimmte Buchführung vorschreiben. Auch habe„die berufene Vertretung der Landwirtschaft", nänilich daS Landcsökonomiekollegiu m,„sich ausdrücklich gegen die Unter st ellung der Landwirte unter gleiche Veranlagungsvorschriften, wie sie für die zur Führung von Handelsbüchern verpflichteten Kaufleute gelten, ausge- spräche n." Wozu man wissen muß, daß zwei Drittel der Mitglieder des Landesökonomiekollegiums von den Land- Wirtschaftskammern gewählt werden, die ihrerseits nur aus größeren Landwirten bestehen. Was hier der Finanzminister anführt, sind also im wesentlichen dieselben Gründe wie bei den Spekulationsge- Winnen: man kann von den Agrariern nicht so viel heraus- holen, wie sie schuldig sind, weil wegen der unzureichenden Buchführung die Feststellung ihres Vermögens und Einkom- mens zu schwierig ist. Sollten hier nicht ebenfalls die Worte der„Deutschen Tagesztg." gelten, daß solche Schwierigkeit den Gesetzgeber erst recht anspornen müßte, nach Mitteln und Wegen zu forschen, um diese Besitzenden„endlich auch in ge- rechter Weise zu den Lasten des Staates heranzuziehen"? Und die Mittel und Wege dürsten gar nicht mal so schwer zu finden sein. Denn uns soll man nicht erzählen, daß für einen landwirtschaftlichen Betrieb keine geordnete Buchführung möglich sei. Solches Märchen mag der preußische Finanz- minister glauben: aber Leute, die das praktische Leben und die praktische Buchführung kennen, glauben es nicht. Wenn demnach das führende Agrarierblatt an den vielen, vielen Millionen stillschweigend vorübergeht, die der Staat alljährlich durch den Steuerbetrug der großen Besitzer verliert, wenn es ganz damit einverstanden ist, daß daran auch in Zukunst nichts geändert werden soll, dann steht es ihm wahrlich schlecht an, sich wegen der halben Million aus Spekulationsgewinnen die Haare auszurupfen. Das ist nur Sand in die Augen der Oeffentlichkeit. Auch wir sind selbstverständlich für die Steuerfreiheit irgend welcher kapi- talistischen Einkünfte nicht zu haben, und für die der Speku- lanten am allerwenigsten. Aber darum wollen wir doch nicht, daß die allgemeine Aufmerksamkeit von den sehr viel größeren Verlusten abgelenkt wird, die die Herren Agrarier dem Staat verursachen._ Die ßergacbeiteiiityne als Köder. Die Preßableilung des Vereins der rbeinisch-westfälischen Gruben- kapitalisten entwickelt eine fieberhafte Täligteit. In die gesamte bürgerliche Presse lancierte sie Notizen, laut welchen die Löhne der Bergarbeiter im Industriegebiet seit 1003 schon sehr stark gestiegen seien und die Steigerung trotzdem noch weiter anhalte. In den verschieden redigierten und mit versldiedenem, die Unternehmer herausstreicvendem Beiwerk versehenen Notizen wird gleichlautend folgende? über die Lohnentwickelung gesagt: .Während des dem Aufschwung des Jahres»907 folgenden Niederganges erreichten die Lödne der Bergarbeiter des Ruhr- bezirks im zweiten Viertel des Jahres 1903 mit 4,45 M. auf den Kops der Gesamtbelegschaft und 5,28 M. der Hauer ihren tiefsten Stand. Seitdem ist zunächst eine langsame, im abgelaufenen Jahre stärker hervorgetretene Aufwärtsbewegung der Löhne erfolgt. welche sie im dritten Viertel dcS Jahres 1311 auf 4,72 und 5.58 M. brachte. Für das vierte Quartal dürften sich Löhne von 4,83 und 5,70 M. ergeben." _ Nach einer Meldung haben viele Zechen bereits weitere Lohn- erhöhungen eintreten lassen, andere sollen bereit sein, auf dem be- tretenen Wege zu folgen. Ferner hört man, daß.bei An« halten' der jetzigen günstigen Konjunktur der höchste Stand vom Fahre 1907.demnächst" wieder erreicht werden soll? Man beachte:.bei Anhalten"— und, d e in n ä ch st!— In einer anderen Notiz wird mitgeteilt, die Zechen seien bereit, ungefähr die Hälfte der kürzlich beschlossenen Preiserhöhung für Lohn- aufbesserungen Lohn pro Arbeiter im Viertel- � Schicht rung rechtfertigen, die Empörung über die Maßnahme des Kohlenkapitals vielleicht gar auf die begehrlichen Arbeiter ablenken. Wie alle anderen, setzen auch die ultramontanen Blätter ihren Lesen: die Preßnolizen aus dem Unternehmerlager ganz un- kritisch vor. Der Wahlpakt der Ultramontanen mit den Scharf- machern verpflichtet zu solchen Liebesdiensten. Auffällig ist, daß die Unternehmer bescheiden verschweigen, in welchem Maße sie die Löhne von 1307 bis 1309 herabgesetzt hatten. Das Ausmaß dieser .sozialen" Täätigkeit rückt die Lohnsteigerungen erst in die richtige Beleuchtung und es läßt unter Berücksichtigung der veränderten Kohlenpreise erkennen, welche.Opfer' die Unternehmer bringen. DaS Versäumte sei hier nachgeholt. Nach den amtlichen Nach« Weisungen über die Ergebnisse de? Kohlenbergbaues im Oberberg- amtsbezirk Dortmund ergeben sich für daS dritte Quartal der auf- geführten Jahre folgende Zahlen: Gesamte Belegschaft Lohnsumme M. 292 309 120 904 583 323 303 126 730 096 827 003 114 843 804 829 967 119 050 918 337 091 126 764 170 Demnach waren die Löhne im 3. Vierteljahr 1911 noch um 22 Pf. niedriger als im Jahre 1907! Auf das ganze Vierteljahr be- rechnet macht das Weniger den Betrag von 38 Mark auS! So steht es mit den reklamehast in die Welt hinauSgeschrienen Lohn- erhöhungen! Auffällig ist, daß trotz fortgesetzter Zunahme der Belegscho,iSstärke die Gesamtlöhne stark zurückgingen. ES wurden mehr Leute eingestellt, dafür aber die Löhne so energisch beschnitten,- daß sür die g r ö ß e r e Zahl Arbeiter eine kleinere Lohn summe zu zahlen war. Da diese Entwickelimg zusammenfällt mit einer enormen Verteuerung aller Nahrungsmittel, bedeutet sie unstreitig auch eine erhebliche Verschlechterung der Lebenshaltung..Opscrbereitscbaft" und«Arbeiterfreundlichkeit" der Kohlensürsten kann aber erst dann vollständigt werden, wenn man die Ent Wickelung der Kohle»preise ebenfalls mit berücksichtigt. Nach den amtlichen Angaben kostete nämlich die Tonne: 1906 1307 1908 1303 1910 1911 M. M. M. M. M. M. 1307 1908 1903 1910 1911 jähr M. 414 392 351 361 376 M. 4.94 4,82 4,48 4,57 4,7 Z ab Werk ab Werk Stückkohlen, Dorimund. Puddelkohlen, Dortmund..... Fettkohlen, ab Werk Essen magere Kohlen, ab Werk Essen....... Seit 1906 sind die 11,80 12,50 12,80 12,80 12,80 12,75 10,- 10,30 10,80 11,10 11— 11,30 10,60 10.90 10,50 10,80 10,50 10,75 10,20 10,— 8,70 9,50 10,40 10,50 Preise sämtlicher Sorten gesteigert worden. Als die Löhne sanken, st i e g e n die Preise! So- gar im Vergleich mit dem Jahre 1907, in dem die höchsten Löhne gezahlt worden sind, ergibt sich für 1911 bei den wichtigeren Sorten noch ein höherer Erlös, bei Stückkohlen um 25 Pfennig, bei mageren Kohlen um 50 Pfennig. Demgegenüber fallen die Er- Mäßigungen für Puddel- und Fettkohlen weniger ins Gewicht. Zu alledem ist auch noch die Förderung der Zechen des Kohlensyndikats fast fortgesetzt gesteigert worden, von 80.1 Millionen Tonnen im Jahre 1907 auf rund 87 Millionen Tonnen im Jahre 1311. DaS Gesamtergebnis unserer Feststellungen über die SyndikatSpolitik wäre folgendes: Gesteigerte Prodnktto«, höhere Preise und niedrigere Löhne! Dieses Resultat erklärt die Sucht der Grubenbarone, durch irre- führende Pressenotizen gute Stimmung für sich zu machen! Friedensstimmen ans England. Man weiß, daß ein großer Teil der englischen Liberalen mit der Politik Sir Edw. G r e y S, die zu einem scharfen Gegensatz zu Deutschland geführt hat, sehr unzufrieden ist und mit einer Energie, die den deutschen Liberalen sehr zu wünschen wäre, gegen die ministerielle Politik Front gemacht hat. Es scheint, daß diese Opposition nicht ohne Erfolg geblieben ist, und gleichzeitig wird auS London gemeldet, daß zwischen Berlin und London gegenwärtig wichtige Verhandlungen schweben, um zu einer Vcrsländi- gung zu gelangen. In diesem Zusammenhang gewinnt auch ein Artikel der.Daily News", die zu dem linken Flügel des liberalen Kabinetts Beziehungen hat, an Bedeutung. Das Blatt schreibt: „Der gegenwärtige Augenblick verspricht große politische Möglichkeiten. Das deutsche Volk hat in einer über- wältigenden Kundgebung in den Wahlen seine friedfertigen Absichten dokumentiert. Wenn auch die deutsche Regierung nicht wie die englische der Ausdruck des Volkswillens ist, so kann sie ihn doch nickt vollständig ignorieren. Im Gegenteil, alle Anzeichen deuten darauf hin, daß das offizielle Deutschland die gleiche Friedensbereitschaft hat wie das demokratische. ES ist notorisch, daß der Kaiser hxn Frieden wünscht. Diese Haltung bringt ihn ständig in Konflikt mit der deutschen Jingopartei- Der Wunsch des Reichskanzlers, der ein einfacher offener Mann ist und dessen politische Aufrichtigkeit man nicht an- zweifeln darf, geht auf eine Verständigung mit England. Die Sympathien der deutschen Finanzwelt liegen in gleicher Richtung. Wir können also die Idee, Deutschland, sei es nun die Regierung oder da? Volk, wünsche uns anzugreifen, als falsch zurückweisen. Andererseits muß man zugeben, bafc vom Standpunkt der politischen Theorie betrachtet, die Deutschen wegen ihrer exponierten Lage Grund haben, selber Be« sorgnisse wegen eines etwaigen fremden Angriffes auf ihr Land zu hegen. Beide Staaten schreiben einander aggressive Ziele zu, obwohl beide in Wirklichkeit nur eine defensive Stellung einnehmen. Allenthalben in England wird heute zugegeben, daß die deutschen Wahlen einen radikalen Umschwung in der eng- lischen Stimmung verursacht haben. Das deutsche Schreckgespen st ist verschwunden, und sclbt die deutsch- feindliche Preffe ist zum Schweigen gebracht. Deutschland und Eng- land sind heute einer freundschaftlichen Verständigung näher, als sie eS je während der letzten zehn Jahre gewesen sind." DaS liberale Blatt rät dann zu einer Verständigung in der Bagdadbahnfrage. Ferner solle sich England mit einer deutschen kolonialen Expansion einverstanden erklären.„England," meinen die„Daily News", würde einen Besitz- Wechsel, derdte we st afrikanischen Kolonien Portugals untei deutsche Herrschaft brächte, nicht nur geduldig hin- nehmen, sondern geradezu begrüßen. Schließlich liegt eine gemeinsame deutsch-englische Balkanpolitik an- gesichtS der plötzlichen Krisen, die infolge deS italienisch- türkischen Krieges jeden Augenblick im nahen Osten auS- brechen können, im Jutereffe beider Mächte. Die Gegengabe Deutschlands könnte in einer Anerkennung des englischen RechtS auf maritime Ueberlegenheit bestehen." Man sieht, die englischen Liberalen wiederholen jetzl ihr altes Anerbieten. Die wellpolitische Konkurrenz soll beseitigt und durch eine Art Kartell abgelöst werden. In England schätzt man den Wert afrikanischer Kolonien immerhin etwas nüchterner ein als in den Kreisen deutscher Imperialisten. Die Geschäftsunkosten des NüstungS- Wahnsinns werden den Engländern zu groß und das Risiko eines Weltkrieges erscheint ihnen mit Recht zu ungeheuerlich. Die nächsten Tage oder Wochen werden zeigen, wie sich die deutsche R e- gier un g zu dieser Möglichkeit, die Steigerung der Rüstungslasten einzudämmen, verhalten hat. Der Krieg. General Caneva nach Italic» abgereist. Rom, 3. Februar. Der Oberbefehlshaber des italieni- fcheir KriegSheercS irr Tripolis, General Caneva, hat sich nach Rom begeben, um mit den Mitgliedern des Kabinetts an den Beratungen über die in Aussicht genommenen neuen Aktionen der Expeditionsarmee in Tripolis teilzu- nehmen. IN gut unterrichteten, der Regierung nahestehenden Kreisen wird versichert, daß in der nächsten Zeit energische Vorstöße gegen den Feind unternommen werden sollen. Zu diesem Zwecke sind neue Truppenverstärkungen für Tripolis beabsichtigt. Nähere Einzelheiten sind noch nicht bekannt gegeben, das Kriegsminifterium beobachtet über die pro- jektiertcn Maßnahmen das strengste Stillschweigen. Vom tripolitanischcn Kriegsschauplatz. Rom, 4. Februar. Die„Agenzia Stefani" meldet auS Tripolis: Nach den Berichten voä Kundschaftern hat sich eine Ma- halla von einigen Hundert Bewaffneten zwischen Gargaresch und Zanzur festgesetzt, um dem eventuellen Vormarsch der Italiener dorthin entgegenzutreten.— Aus Tobruk wird gc- meldet: Gestern führte eine Gruppe von etwa hundert Beduinen verschiedene Angriffe von Osten und Süden her gegen die Stellung der Italiener aus. Die Angriffe wurden durch das italienische Gewehr- und Artilleriefeuer, das den Angreifern bedeutende Ver- luste zufügte, zurückgewiesen. Die Italiener hatten einen Toten. Die Behandlung der türkischen Kriegsgefangenen. Konstantinopel, 4. Februar. Infolge der von. der türkischen Presse gebrachten Klagen über schlechte Behandlung der nach Caserta geschafften türkischen Kriegs- gefangenen hat die Pforte den t ü r k i f ch e n B o t s ch a f t c r in Berlin beauftragt, sich dafür zu verwenden, daß die Gc- fangencn nach einem besseren Platze gebracht werden. Der italienisch-sranzösische Zwischenfall bei Hodeida. Pari?, 4. Februar. Tie französische Regierung richtete eine Aiffrage nach Konstantinopcl, um Erkundigungen. über den Zwischenfall in Hodeida einzuziehen. Ferner gab die Regierung Befehl, daß ein Dampfer der Messageries maritimes, der eben yetzt das Rote Meer kreuzt, in Hodeida anlegen solle, um die Franzofen daselbst aufzunehmen. Paris, 4. Februar. Die mit dem Bau der Eisenbahn von Hodeida betraute Gesellschaft hat die Regierung ersucht, vor allem ein Kriegsschiff zum Schutze der dortigen franzö- fischen Ingenieure und ihrer Familien zu entsenden, die angeblich ohne Obdach seien. Paris, 3. Februar. In anscheinend offiziösen Zeitung?- Mitteilungen wird ausgeführt, daß die Eisenbahn von Hodeida ein türkisches Unternehmen sei, a« dem nicht bloß französische, sondern auch italienische Kapitalien beteiligt sind. UebrigenS werde in dem bezüglichen von der türkischen Behörde unterzeichneten Vertrage ausdrücklich erklärt, daß die Verluste und Schäden, die dem Unter- nehmen durch eine». Aufstand oder einen Krieg verursacht würden, der türkischen Regierung zur Last fielen. Die Eisenbahngesellschaft müsse für die verursachten Schäden von der türkischen Regierung Ersatz erhalten. Es handele sich also nicht um einen französisch- italienischen, sondern um einen italicnisch-türkischcn Zwischenfall. Die Türken'könnten die Frage über daö Bombardement von Hodeida vor das Haagec Schiedsgericht bringen. Paris, 3. Februar. Die italienische Regierung hat dem Mi- nisterpräsidcnten Poincare mitgeteilt, daß sie das italienische B lo ck a d c g c schw a d c r im Roten Meer angewiesen habe, die den Postdawpsern der Messagerics maritimes erteilten Aufgaben tunlichst zu erleichtern, Die Revolution in China. Juanschikms ehrgeizige Bestrebungen. Peking, 3. Februar. lMeldung des Reuterschcn Bureaus.i Das Edikt, daS Juanschikai beauftragt, die Republik zu errichten, wird voraussichtlich- erst veröffentlicht werden. wenn die Vorbereitungen im Süden beendet sind. I u a n s ch i I a i versucht die republikanische Regierung in Nanking zu über reden, ihre Macht auf ihn zu übertragen, da- mit er ganz China regieren kann, bis der Notionalkonvent eine permanente Regierung eingesetzt und eine Verfassung gegeben hat. Es ist zweifclhast, ob die Republikaner auf diese Forderung eingehen werden. Man nimmt vielikiehr an. daß vorläufig zwei provisorische Regierungen nebeneinander regieren werden. Juan- schikai bekämpft die Verlegung der Hauptstadt und befürwortet die Berufung cincZ Nationalkonvents für Nordchina. Tie Republikaner wünschen, daß Nanking Hauptstadt werde. Augcnscheii'- lich besteht ein enges Einvernehmen zwischen Juanschikai und den Republikanern, die ihm von neuem die Präsidentschaft angeboten WfcW- Tie Uxber�ragung der Gewalt ist der Oesfegtlichkeit picht bekannt, aber die geschickte Art, wie sie ausgeführt wird, läßt keinen Raum für ernsthafte Befürchtungen. Viele der kaiserlichen Prinzen verlassen Peking. Die Prinzen Kung und Su haben sich nach der Mandschurei begeben, wie man annimmt, um die dortige Stim- mung zu ergründen. Der Vizekönig Tschaoershune ist bereit, die Republik anzuerkennen, aber Tschangtschunlin, der Befehlshaber der Truppen in Stärke von 12 000 Mann, bleibt unversöhnlich. Ein Anleihevcrsnch der alten Regierung? Peking, 3. Februar. Die kaiserlich-chinesische Regierung hat mit der deutschen Firma Arnhold Karberg einen Kontrakt abgeschlossen, wonach letztere der Regierung eine sechs- prozentige Anleihe in Höhe von 3 Millionen Pfund Ster- l i n g gewährt. Die Summe soll zu Aufträgen für Waffen und Munition während der nächsten fünf Jahre an die öfter- reichischen Skodawerke Verwendung finden. Man scheint jedoch dabei nicht in Betracht gezogen zu haben, daß solche Ab- kommen für die zukünftige chinesische Regierung nicht bindend sind, da den verschiedenen Gesandtschaften die Mitteilung zugegangen ist, mit der kaiserlichen Regierung in der kritischen Periode nicht in Anleiheverhandlungen einzutreten, da die Revolutionäre keine von der ehemaligen Regierung getroffene Finanzmahnahme anerkennen würden. politifcke(leberllckt. Berlin, den 5. Februar 1912. Ein reaktionäres Machwerk. Die braunschweigische Regierung hat den Abgeordneten die neue Wahlrechtsvorlage zugehen lassen. Da- nach soll die Landesversammlung aus 54 Abgeordneten bestehen(bisher 48), von denen 36(bisher 30) aus allgemeinen Wahlen und 18 aus besonderen Wahlen der Berufs st ände hervorgehen. Die Wahl der Abgeordneten ist unmittelbar und geheim. Wahlberechtigt ist derjenige, der die braunschlveigische Staatsangehörigkeit besitzt, das 25. Lebensjahr vollendet hat, mindestens drei a h r e im Herzogtum ansässig ist und zu mindestens Mark direkter Staats st euer n veranlagt ist. Wählbar ist derjenige, der das 30. Lebensjahr vollendet hat. Die von den Berufsständen zu wählenden Abgeordneten müssen außerdem dem Bcrufsstande angehören, der die Wahl vornimmt. Für die allgemeinen Wahlen werden im Herzogtum 12 Bezirke gebildet, von denen auf die Stadt Braunschweig drei entfallen, fcnicr drei für die Mittelstädte und sechs auf die Landkreise. In jedem Bezirk werden drei Ab- g eordnete gewählt. Die Wähler eines jeden Bezirks werden derart in drei Abteilungen geteilt, daß auf jede Abteilung ein Drittel deS Gesamt st euer- betrages aller Wähler entfällt. Jede Abteilung wählt einen Abgeordneten. Die B e r u f L st ä n d e, die für die Landtagswahlen in Betracht kommen, bestehen aus den Grundbesitzern, den Gewerbetreibenden, den evangelischen Geist- l i ch e n und den wissenschaftlichen Berufs- st ä n d e n. Die Grundbesitzer wählen insgesamt sechs Abgeordnete, die Gewerbetreibenden, welche zu einer Gewerbesteuer von mindestens 45 M. jährlich veranlagt sind, vier, die G e i st l i ch e n zwei und die Wissenschaft- ltchen Berufs st ände sechs. Man sieht, die Vorlage enthält alle nur möglichen Privilegien für die Besitzenden. Das Wahlrecht ist zwar direkt und geheim, aber die D r e i k l a s s e n- s ch m a ch bleibt bestehen und ebenso ihre Verschärfung durch ein niittelalterliches Ständewahlrecht. Um der Ar- beiterklasse ja keine Provokation zu ersparen, ist sie von einer Vertretung durch das bcrufsständige Wahlrecht ausgeschlossen geblieben. In Braunschweig gilt eben der„Arbeitcrberuf" nichts; der Arbeiter darf arbeiten, auf Rechte hat er keinen Anspruch! Und das soll sich eine kultivierte Arbeiterklasse auf die Dauer gefallen lassen? Die Begründung macht über die Vorenthaltung des gleichen Wahlrechts nur die üblichen nichtssagenden Phrasen. Interessanter ist. wie sie die Einfiihrung des direkten Wahlrechts begründet. Es heißt darüber: „Die Laudesregierung ist der Ueberzeugung. daß die in- direkte Wahl sowohl in der im Herzogwme bestehenden Eigenart als auch grundsätzlich eine überlebte Einrichtung ist und in fast allen Schichten der Bevölkerung des Herzogtums miß- billigt wird. Die Mißstimmung gegen die indirekte Wahl richtet sich einerseits gegen die in dieser Wahlart liegende Abschwäch nng des Willens der Wahlberechtigten, anderseits gegen die mangelhafte Folgerichtigkeit des Systems, nach dem wegen der Verschiedenartigkeit der Interessen au? den Wahlberechtigten drei Klassen zur getrennten Wahl der Wahlmämier gebildet, die Wahlmänner aber sodann trotz des Widerstreites der Interessen zu einem einheitlichen Kollegium vereinigt werden, so daß im Endergebnis trotz der Vcrschiedenartigkcit der Interessen keiner einzelnen Klasse ein selbständiges Bestimmungsrecht zukonunt. Bei der allgemein berechtigten Mißstimmung gegen die indirekte Wahl halten wir es im staatlichen Interesse für unbedingt notwendig, den bestehenden RcchtSstand zu ändern, damit nicht die infolge der LandtagSverhandlnngen neu befestigten Hoffnungen und Er- Wartungen auf Einführung dcZ direkten WahlverfahrcnS enttäuscht werden und die Gefahr ernster Unzufriedenheit in b ü r g e r- lichcn Kreisen heraufbeschworen wird." Diese Verurteilung des indirekten Wahlsystems durch eine stark reaktionäre Regierung sollten sich die preußischen Dallivitze gesagt sein lassen. Im übrigen dürfen«vir hoffen, daß die aufreizende Wirkung, die von dieser Schandreform ausgeht. der Sozialdemokratie in Braunschweig Scharen neuer Anhänger zuführen wird. Kulisseupolitik. Wir lesen in dcr rechtSnationalliberalen„Magdeburger Zeitung": „Bestimmte Teile der allgcmcinpolilischen Aussprache im Abgeordnetenhausc... haben uns einen Blick hinter den Vor- hang tun lassen und ciwaS verraten von ernsten und bcdeut- samcn politischen Kämpfen, die sich in den Reihen der Rechten und zwischen der Rechten und dcr Re« g i e r u n g vorbereiten.... Es geht um den Kanzler- Posten, es geht um den„starken Mann", es geht um die Erbschaftssteuer. Die Tinge liegen so: Herr v. Bethmann Hollwcg hat gegen- über deip neuen Reichstag eine außerordentlich glückliche Stellung. .. Der Reichskanzler ist in dcr Lage, sich von dcr großen Mehrheit der bürgerlichen Parteien die Heeres- und Flotte»vorläge n. von der gesamten Linken unter Zu- zua mindestens der Rcichspartci die Erbschaftssteuer als Hauptbestandteil der TcckungSvorlag« bewilligen zu lassen! Das ist es, n?gS die Konserpaliven so sehr io Harnisch gegen ihn bringt und waS weiterhin die in den LandtagSdebatten zum Ausdruck gekommene Spaltung der Rechten verursacht. Die Freikonservativen treten zum Kanzler nichr um des Herrn v. Bethmann willen, sondern in dcr Einsicht, daß nur über die positive Erledigung dcr Erbschaftssteuer hinweg der Weg gefunden werden kann zur Versöhnung dcr biirger- lichen Parteien. Sie. die doch wahrlich nicht in dem Verdacht stehen, der Sozialdemokratie freundschaftlich oder auch nur schonend gegenüberzutrcten, wollen daher zurzeit keinen Kampf mit Feuer und Schwert gegen die Inhaber der 110 roten Mandate, deren Träger augenblicklich gebraucht werden, um durch die Zustimmung zur Erbschafts st euermit- zuarbeiten an der späteren Aussöhnung ihrer Gegner. Die Konservativen aber, unter dcr Führung jener Männer, die diesmal in den Wahlen ebenso unterlegen sind, wie sie 1903 wegen ihrer feindseligen Haltung gegen den segens- reichen Zolltarif unterlagen, bleiben in dcr erbitterten Gegnerschaft gegen die Erbschaftssteuer stehen und wollen den Kanzler, der die für diesen Fall günstige politische Konstellation iin Reichstage zu ihrer Durchführung zu benutzen bereit ist, st ü r z e n. indem sie an der höchsten Stelle im Reiche alles Erdenkliche tun, um ihn wegen der Benutzung der Sozialdemokratie zu positiver Arbeit zu verdäch- tigen und unmöglich zu machen. Sie rufen nach dem starken Mann, dcr den Umsturz von unten mit dem Sch wert in der Faust niederringt durch den Umsturz von oben und der sie von dcr Erbschaftssteuer freihält. ... Wenn cS Herrn v. Bethmann gelingt, den jetzt gegen ihn von der äußersten Rechten her einsetzenden Treibereien ein Paroli zu bieten, dann wird er aus dem neuen Reichstage gleich in den ersten Monaten überraschend erfreuliche gesetz- geberische Resultate herauszuziehen vermögen. Aber es ist e i n Kampf aus Leben und Tod. den er mit Unterstützung der fortschrittlicheren Konservativen gegen die erbitterten Feinde der Erbschaftssteuer und gegen die Befürworter des Umsturzes von oben während dieser nächsten Monate zu kämpfen haben wird." Auf da? Treiben der„wahren Patrioten" werfen solche AuS- führungen ein immerhin bezeichnendes Licht. Aber schon schr naiv ist cs. wie die Herren dabei die Sozialdemokratie als Mittel für ihre Bestrebungen zu benutzen hoffen. Da werden sie aber wirklich die Rechnung ohne den Wirt machen. Die„anständigen Waffen" der Konservativen. Im Wahlkreis Löwenberg versuchte der konservative Maler- meister Weyinann bekanntlich unseren Vertrauensmann Alte durch 1300 M. zu bestechen, damit die Sozialdemokraten sich bei dcr Stichwahl zwischen Konservativen und Fortschrittlichen Volkspartci der Stimme enthalten sollten. Als er damit glatt abfiel, erschien kurz darauf folgendes Flugblatt ohne Angabe des Verlegers und Druckers: Arbeiter deS Kreises Löwenberg! Enthaltet Euch in der Stichwahl des Kreises Löwenberg am 20. Januar dcr Abstimmung. Hinweg mit der Partei, die für uns Arbeiter noch nie etwas getan hat und die unsere Kandidaten Schiller und Taubadel in Hirschberg-Schönau und Görlitz-Lauban so skrupellos bekämpft bat. Wir können den Kandidaten einer Partei nicht wählen, deren Vertreter in der Reichstagskommission für die Beratung der Reichs- verstchcrungsordnung gegen die Herabsetzung der Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre geredet und gestimmt hat.(!) Dieser Vertreter war Herr Mugdan. Mit den nachträglichen Anträgen im Reichstage wollte man nur unwissenden und urteilslosen Wählern Sand in die Augen streuen. Wir können einen Kandidaten nicht wählen, der unsere früheren ReichStagSkandidaten mit den Worten beschimpfte:„WaS sind Sie denn anders als ein hergelaufener Hand» Werksgeselle!" Fällt Kopsch in Löwenberg, dann ist sicher anzu- nehmen, daß die rechtsstehenden Parteien m den Kreisen Hirsch- berg-Schönau und La llban- Görlitz sich auch der Stimme enthalten werden. Nochmals fordern ivir alle Genossen(!) dringend auf, den volksfeindlichen Freisinn den Kampf mit den bürgerlichen Kandidgten allein führen zu lassei» und vollständigeStimm- e n t h a l t u g zu üben. Viele entschieden sozialdemokratische Wähler. Eine Anfrage der Breslauer„Volkswacht" an die rechtsstehenden Parteien, wo die„entschieden sozialdemokratischen Wähler" zu finden sind, blieb unbeantwortet. Jetzt ist unser Bruderblatt in der Lage. den Schleier über den Herausgeber des Flug» b l a t t e S z u l ü f t e n. Es ist die wegen ihrer skrupellosen Kampfes- weise bekannte klerikale Greiffenberger Zeitung.Der Greifs". Obwohl daS Blatt in einer eigenen Druckerei hergestellt. wagte man nicht, daS anonyme Flugblatt in dieser herzustellen. Man beauftragte damit die Druckerei des.Hirschberg. Tagebl.', sicher in dcr ganz bestimmten Erwartung, daß als der„aus Versehen' vergessene Herausgeber des„Hirschb. Tagebl." zeichnen würde. Der Besitzer deS- selben aber weigerte sich, seine Firma darunter zu setzen, und da der klerikale»Greift" auch nicht dazu anS leicht begreiflichen Gründen zu haben war, war zunächst Holland in Not. Schließlich ordnete der„Greiff" an. daß der Name einer klerikalen Druckerei auS Neisse unter das Flugblatt zu setzen sei. Aber auch die Neisser GcfinnungSgenoffcn waren mit der Lumperei nicht ein- verstanden und verweigerten telegraphisch die Zustimmung. Schließ!� blieb den klerikalen Herren nichts weiter übrig, als von den in« zwischen mit der Neisser Firma hergestellten Flugblättern die Firma wegzuschneiden und eS anonym verbreiten zu lassen. Der Bestechungsversuch, die anonymen Flugblätter und alle arderen Täuschungsmanöver haben zwar nichts genützt, unsere Gc- nassen stimmten geschlossen für den Fortschrittler. Aber jedenfalls sind die Vorkommnisse in Löwenberg wieder ein Beweis dafür, mit was für»anständigen Waffen" die Heydebrand und K o n s o r t e n k ä m p f e n._ Die klerikale„Westdentsche Arbeiter-Zeitung" «nd die Reichstagswahl. Die M.-Gladbachcr..Westdeutsche Arbeitcr-Zeitung" hat bor der ReichStagswahl in Exzessen gegen die verhaßte sozialdcme- tratische Arbeiterbewegung geradezu geschwelgt. Dutzende male wurde versichert, daß man der„roten Partei" bei der Wahl die ReichSvcrsichcrungscrdnung und diverse andere Sachen„um die Ohren schlagen" wolle, daß ihr Hören und Sehen vergehe. Jetzt nach der Wahl ist das Zentrumsarbeiterblatt recht kleinlaut gc- worden. Es spricht von einer..bangen Frage", die angesichts de? sozialdemokratischen Wahlsieges„auch manchem ZentrumSwähler auf die Lippen" gekommen sei: wohin das führen solle! lind der ganze mehr als fadenscheinige„Trost" aus dcr M.-Gladbacher Zentrale dcr Zentrumschristen lautet: „Nur ruhig Blut. Die Welt wird schon wieder vernünftig werden. Nur nicht erlahmen in der systematischen Anfklärungs- arbeit im Volke. Wer cS beute chrlick mit unserem Volke meint, dcr arbeite rüstig weiter, es zu polckischcr Reise und Verautwort- lickkeit zu erziehen, statt vom heutigen Zustande der Unreife die wildesten Konsequenzen zu ziehen. Die rote Flutwelle von heute ebbt wieder zurück." Diese„Trost"worte haben sich die Gegner der Arbeiter- beweg» ng seit den AttentgtSjahrev bei jeder ReichstagSivahl ein. geredet, und jede weitere Wahl hat die Prophezeiungen elend Lügen gestraft: Die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen ist ständig gestiegen. Das weiß natürlich auch die.Westdeutsche Arbeiter-- Zeitung" recht gut, ihre Schwindelpraxis erzeugt aber fortwährend neuen Schwindel. Was will man auch sonst den genasführten katholischen Arbeitern, die doch auch fürderhin noch weiter ein- geseist werden sollen, sagen? Ueberdem kann ja auch die„Westdeutsche Arbeiter-Zeitung" selbst ihre Angst nicht verbergen. Sie schreibt: ..Gewist, zunächst bekommen die bürgerlichen Parteien alle- samt den lieber mut der Sieger zu kosten. Was die Sozialdemokratie neuerdings unter so eigenartigen Umständen erobert hat, wird neue Begeisterung und Kampfeslust in den roten Heerscharen auslösen, wird das Riesenheer weiterbin be- leben und angriffslustig machen. Das werden insbesondere d i e christlich organisierten Arbeiter spüren. Was sie in den nächsten Wochen von siegestollen„Genossen" auszustehen babcn werden, kann man sich vorstellen. Aber sie sind gottlob Manns genug, sich zu wehren." Wir finden, daß diese Töne nicht gerade geeignet sind, die „Wchrhaftigkcit" und Dienstwilligkeit der zentrumschristlichen Arbeiter gegen den„roten Feind" zu stärken. Im Gegenteil steht zu erwarten, daß viele katholische Arbeiter, die sich bisher noch von der zentrumschristlichen Schwindelfirma einwickeln ließen, die Ge- folgschaft aufkündigen werden. Schlechte Ausfichten für die Regierung. Die Aussichten der preußischen Steuervorlagen, deren Beratung am Montag im Abgeordnetenhause begann, sind, nach dem ersten Verhandlungstage zu urteilen, recht schlechte. Zwar gab sich der Finanzminister Dr. L e n tz e in seiner ein- leitenden Rede große Mühe, die Notwendigkeit höherer Steuern zu beweisen und auch die sonstigen Bestimmungen des Gesetzentwurfs zu verteidigen, aber er fand dabei wenig Entgegenkonunen. Alle Redner brachten mehr oder weniger gewichtige Bedenken gegen die von der Regierung geplante Verewigung der Steuerzuschläge vor, Abg. Keil(natl.) vor allem erklärte, daß seine Freunde die dauernde Beibehaltung der Zuschläge glatt ablehnen würden, und der Redner des Zentrums, Abg. Graf S p e e, malte sogar das rote Gespenst an die Wand, indem er gegen die staatssozialistische Entwickelung des preußischen Steuerwesens donn«rte, die auf die Tauer zur Sozialdemokratie führen werde. Auch die Sprecher der beiden konservativen Parteien, Abgg. Dr. B r c d t(fk.) und v. Hennigs-Techlin(kons.), brgch- ten zahlreiche Bedenken vor. Die Konservativen vor allem wollen nichts von wirklich durchgreifenden Maßnahmen gegen die Steuerdefraudanten auf dem Lande wissen. Unseren Standpunkt vertrat mit eindringlicher Gründ- lichkeit Genosse Hirsch, der den sozial richtigen Grundge- danken der Miqnelschen Steuerreform klarlegte und unter großer Heiterkeit hinzufügte, daß diese Reform Anklänge an die Zeit aufweist, wo Miguel noch Kommunist gewesen sei. Genosse Hirsch ging weiter auf die Geschichte des Gesetzes ein und erinnerte daran, daß von einer Selbstlosigkeit der besitzenden Klassen, die der Minister so gerühint habe, keine Rede sein könne, angesichts des Umstandes, daß die Zustim- niung zu den neuen Steuern seinerzeit mit einer beispiel- losen Verschenkung von Staatsgeldern an die Gutsherren habe erkauft werden müssen. Redner wies ferner auf die gewaltige s Belastung der Arbeiter durch die indirekten Steuern und auf ihre verhältnismäßig viel zu starke Heranziehung zur Steuer 'ksin, er stellte die Notwendigkeit der Bewilligung neuer Steuern angesichts der günstigen Finanzlage Preußens in Achrede und verlangte statt dessen Erleichterungen für die Minderbemittelten, in erster Linie Freistellung aller Einkom- men bis zu 1590 Mk. Aus seinen Darlegungen ging deutlich hervor, daß es möglich sei, durch eine richtige Handhabung deS Gesetzes schon heute weit mehr Steuern herauszuholen, man brauche nur schärfer gegen die Steuerdrücker vorzugehen. Daß unser Genosse die Ausnahmebestimcklungen gegen die Arbeiter und gegen die Konsumvereine scharf bekämpfte, per- steht sich von selbst. Seine positiven Vorschläge, die er in großer Zahl machte, sind recht beherzigenswert und zeigen die Richtung an, die ein Gesetz nehmen muß, wenn es Anspruch auf den Namen eines sozialen Gesetzes erheben will. Am Dienstag wird die Beratung fortgesetzt. Wie in Ostpreufien gewählt wird. Gegen die Wahl des konservativen Reichstagsabgeordneten Frommer im Wahlkreise Heilige»beil-Pr. Eylau haben die Liberalen Protest eingelegt. Der Konservative ist mit einer Maio- rität von 472 Stimmen im ersten Wahlgonge gewählt worden. Der Protest ist begründet mit zahlreichen trasten Verstößen gegen die gesetzlichen Bestimmungen. So ist in zwei Bezirken amtlich nicht bekannt gemacht worden, daß die Wählerlisten ausliegen. I» einer Reihe Wahllokale sind Suppenterrinen als Wahlurnen benutzt worden. Die Kuverts mit den SMimzctteln sind, wie das in Ost- Preußen fast überall üblicb ist, beiWr Wabl sorgfältig aufeinander- gelclichiet worden, um die Wahl kontrollieren zu können. In einem Bezirk ist die Wählerliste erst einen Tag vor der Wahl zur Kenntnis der Wähler gekommen. In einem Wahllokal hat die Frau Ol des Lehrers den Wählern, die mit konservativen Stimm- zetteln versehen waren, liberale Stimmzettel wieder abgenommen und gesagt:„Die richtigen Stimmzettel habt Ihr ja schon!" Das gleiche hat in einem anderen Wahllokal ein Inspektor getan. In einem Falle ist Boykott angedroht wor- den. Ein Pole hat auf Grund seines Paffes wählen dürfen, ob- wohl er gar nicht in der Wählerliste stand. In einem Wahllokal sind zwei Wähler erschienen, die beide nicht in der Wählerliste verzeichnet waren: der eine konnte wählen, der andere nicht. In einem Wahllokal hat der stellvertretende Wahlvorsteher, ein Ober- insp.ttor, den Wählern geholfen, die Stimmzettel in die Kuverts zu stecken. Ein Agrarier hat an seine Arbeiter Stimmzettel ver- teilt, auf die handschriftlich der Name..Frommer" gesetzt war und ihnen dann befohlen, nur diese Stimmzettel abzugeben. Tatsächlich fanden sich auch etwa 30 solcher Zettel in der Wahlurne. Da- durch, daß er selbst Wahlvorsteher war, konnte er genaue Kon- trolle über seine Leute ausüben. Nicht nur in diesem Wahlkreise, sondern in allen ländlichen Kreisen des Ostens, ist in dieser und vielfach in noch schlimmerer Weise bei der Wahl gcwirtschaftet worden. Tic Wahlrechtsvorlage in Anhalt. Dein anhaltinischcn Landtage, der in diesen Tagen zusammentritt, wird auch eine Vorlage über die Reform des anhaltinischen Landtagswahlrechts zugehen. Heber diese Vorlage wird jetzt berichtet, daß da« LandtagSivahlrecht geheim bleiben und— unter Wegfall des Wahlmännersystems- ein direktes Wahlrecht werden soll. Zu diesen beiden soll aber noch ein Drittes kommen: das System der Mehrsttmmen nach Alter, Bildung und Besitz. Die Grund- richlung des neuen Wablrecbts gehe dahin, ein P l u r a l w a h l- recht etwa nach dem Muster des Königreichs Sachsen einzufübren. Ob die Privilegierteninandate in ihrem heutigen Bestände ausrecht erhalten werden können, sei eine Frage, die gleichzeitig mit einer Aenderung des LandtagSwahlrechtS entschieden werden müsse. DaS werktätige anhaltinische Volk wird mit aller Energie dahin wirken, sich sein volleSundunverkürztesRechtzu holen. Wahlproteste. Aller Voraussicht nach werden dem Reichstage diesmal eine er- hebliche Zahl Wahlproteste zugehen, weil ziemlich viele Abgeordnete mit einer Mehrheit von nur wenigen Stimmen gewählt find. Nuter anderem ist auch gegen das Mandat des sreitoniervativen Abgeordneten v. Oertzen ein Protest eingelegt worden, der damit begründet wird, daß 412 Patienten der Heilanstalt Beelitz nicht in die Wählerliste der Stadt Beelitz ausgenommen worden find. Trifft das zu, dann wäre die Wahl des Herrn v Oertzen allerdings u n- gültig, denn er erzielte in der Stichwahl nur eine Mehrheit von 2M Stimmen, mit denen er über den Kandidaten der Sozialdemo- kralie siegte. Das Zentrum wird gegen die Wahl des Abgeordneten B a s s e r m a n n gleichfalls Protest erheben. Ersatzwahlen in Elsast-Lothringen. Infolge der Ungültigkeitserklärung der Landtagswahlen im 50. Wahlkreise fDiedenhofen-Großhettingen) und im 60. Wahlkreise kBitsch-Rohrbach-Wolmünster) waren für Sonntag Ersatzwahlen in beiden Kreisen ausgeschrieben worden. In Diedenhofen-Groß- Hetlingen wurde Zimmer(Lothringer Block) mit 2841 Stimmen wiedergewählt; aus den Gegenkandidaten Decker entfielen 1648 Stimmen. In Bitsch-Rohrbach-Wolmünster ist nach den bis jetzt vorliegenden� Ergebnissen die Wahl des Z e n t r u m s ka n d i- baten Hesse mann mit rund 3840 Stimmen erfolgt. Aus den Genenkandidaten entfielen rund 1710 Stimmen. Eine kleine Gemeinde steht noch aus._ Herr Gräfe, der antisemitische Reichstagsabgeordnete r Bautzen, der bisher mit den Abgeordneten Bruhn und e r n e r die Deutsche Reformpartei im Reichstag vertrat, wird sich im neuen Reichstag der konservativen Fraktion an- schließen, so daß diese insgesamt 44 Abgeordnete zählen wird. Hoffentlich wird man bald hören, daß sich Herr Bruhn dem Zentrum angeschloffen hat, denn er gehört ja in die Partei für ..Wahrheit"._ Verurteilter Offizier. Da? Kriegsgericht in T h o r N verurteilte Leutnant Wilhelm V o ß vom 176. Infanterieregiment wegen Erstattung einer falschen dienstlichen Meldung. Ungehorsam. Bestechung und anderer Bergehen zu zwei Monat Gefängnis, vier Monat Festungshaft und Dienst- entlaffung. Die Verhandlung fand einschließlich Verlesung der An- klage unter Ausschluß der Ocffentlichkeit statt. Boß erregte Mitte Dezember dadurch besonderes Aufsehen, daß er von einem Fort aus ohne Auftrag die ganze Garnison alarmierte. Er will gegen das Urteil Berufung einlegen._ Oeftermch. Ein machtvoller Protest gegen die Kriegshetze. Man weiß, daß das deutsche Zentrum dem König- reich Italien, das den Kirchenstaat so rücksichtslos ver- speist hat, nicht grün ist. Auf manchem Katholikentage hat die Feindschaft gegen die„Kirchenräubcr" ihren Ausdruck ge- funden. Weit größer aber ist der Haß gegen das moderne Italien bei den österreichischen Klerikalen, die auch den Verlust der italienischen Provinzen, die einst zu Oesterreich gehörten, nicht verwinden mögen. Dazu kommt die chauvinistische Hetze eines Bruchteils italienischer Schreier, die. statt sich um die dringenden Aufgaben jm eigenen Lande zu kümmern, lieber über die„unerlösten Brüder" im Auslände schreien und dabei— eben wegen der klerikalen Richtung der österreichischen Politik und der albernen Polizeihetze gegen die italienischen Nationalisten Oesterreichs— sich hauptsächlich gegen die österreichische Herrschaft in Trieft und Südtirol wenden. Seitdem nun seit einigen Jahren in den Kreisen des österreichischen Thronsolgers in Imperialismus gemacht wird, scheint das nicht. allzu starke Italien, das den bigotten Herrschaften ohnehin verhaßt ist, geeignet, als Objekt einer Auffrischung österreichischen Kriegs- ruhms zu dienen. Die Schwierigkeiten, die sich Italien durch seinen Raubzug nach Tripolis geschaffen hat, scheinen da als günstige Gelegenheit für kriegerische Gelüste dienen zu sollen. Diesem frivolen Treiben entgegenzutreten, war der Zweck einer von der niederösterreichischen Landrsparteivertretnng einberufenen, glänzend besuchten Protest Versammlung, in der Abgeordneter Dr. E l l e n b o g e n referierte. Er legte die Ursachen des Gegensatzes in der geschichtlichen Entwicke- lung beider Staaten, ihrer Handelskonkurrenz insbesondere ans der Balkanhalbinsel, ihrer verschiedenen Stellung zu Kirche und Jesuitismus und den Kriegshetzercien kleiner Cliquen in beiden Ländern dar und widerlegte die Meinung, daß jetzt die Gelegenheit zum Angriff für Oesterreich so günstig sei, wie die Kriegstreiber glauben. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die mit aller Entschiedenheit gegen die frivolen Friedensstörer protestiert, dem italienischen Volke Gruß entbietet und die Hoffnung ausspricht, daß es der italienischen Sozialdemokratle gelingen werde, die KriegsstimmungSmache einiger gewissen- losen Faktoren auch dort zum Schweigen zu bringen. Als Voraussetzung einer glücklichen Lösung aller zwischen den beiden Völker» schwebenden Juteressenfragen wird die vollständige Demokratisierung Oesterreichs und Italiens gefordert. ScKwel2. Die Kranken- und Unfallversicherung angenommen. Bern, 4. Februar. Das Schweizer Volk hat das Bundesgesetz betreffend die Einführung der Ver- sicherung der Arbeiter gegen Krankheit und Unfall mit 284 000 gegen 236 00Ö Stimmen angenommen. Alle deutschsprrchendcn Kantone außer Appenzell und Thür- gau stimmten dafür, alle französischsprechenden dagegen. Tie erste Vorlage war im Mai 1900 von allen Kantonen mit einer Mehrheit von nahez» 200 000 Stimmen abgelehnt worden. Portugal. Keine ParlainentSvertagnng. Paris, 6. Februar.„Matin" berichtet au« Lissabon: Die E o r t e S, die zu einem Kongreß zusammengetreten waren, haben den RegierungSvorschlag, das Parlament zu Verlagen, mit SO gegen 62 Stimmen abgelehnt. Dieser Beschluß, so fügt das Blatt hinzu. ist logisch, da eine Vertagung unter den jetzigen Umständen unerklär- lich gewesen wäre, um so mehr, als Ruhe und Ordnung zum größten Teile im Lande wieder hergestellt sind. Die Abstimmung hat aber neuerlich den Beweis gebracht, daß die republikanische Mehrheit keineswegs auf so festen Füßen stehc, wie von verschiedenen Seiten versichert wurde._ Unruhen in der Provinz. London, 5. Februar. Kaum, daß e« der Regierung gelungen ist. in Lissabon und Oporto die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen, kommen schon wieder Meldungen, die von schwerem Aufruhr in der Provinz wissen..Daily Telegraph" be- richtet in einem L i s s a b o n e r Telegramm aus SexaS. daß dort neue ernste Unruhen ausgebrochen sind. Die Regierung hat sofort Truppen in daS AufftandSgebiet entsandt. Auch in A l e n- uer sollen blutige Unruhen stattgefunden haben. I�uvlanck. Ein politischer Massenprozeß. Ein Hochverratsprozeß von riesigem Umiang ist vor dem Kaiser- lichen Senat in Petersburg unter Ausschluß der Oeffentlich- keit in Szene gesetzt worden. Er richtet sich gegen„Dachnakzutiun", die sozialistisch-revolutionäre Organisation Armeniens, von der 1S9 Mnglieder vor Gericht stehen. Verhaftet hatte man zuerst 700 Per- sonen, von denen man nahezu ein Viertel seit drei Jahren in den un- gesunden Kerkern von Tiflis in Haft gehalten hat. Unter den zahl- reichen Erkrankten, von denen infolge der scheußlichen KerkerverhäU- nisse ein Teil zugrunde gegangen ist, meist Leuten von hoher Fu- telligenz, war auch der meistgeschätzte Dichter des heutigen Armeniens, Aharonian, der in der Haft tuberkulös wurde. Infolge einer von Anatole France und anderen inszenierten Protestbewegung wurde der gefangene Dichter gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Auf den Rat seiner Freunde brachte er sich in Europa in Sicherheit. Aber die große Masse seiner Leidensgefährten muß sich jetzt wegen ihres Mühens um menschliche Zustände im russischen Schlächterreiche vor dem Ausnahmegericht verantworten. Das Urteil, meist lang- fristige Verbannung in die Kerker und Einöden Sibiriens, dürfte gegen die meisten im voraus gesprochen sein. Hua der partcü AuS den Organisationen. In Chemnitz<16. sächsischer ReichStagswahlkceiS) wurde die erste Parteiversammlung nach unserem Wahlsieg am Sonntag ab- geHallen. Der Vorsitzende, Genosse Max Müller, wies bei der Er» öffnung auf den erfolgreich geführten Kamps hin und bemerkre, daß für vre Parleigenossen nunmehr erhöhte Verpflichtung besteht. weiter zu arbeilen und Parleiangetegenheiten freundschaftlich und sachlich zu beraten. Jedenfalls würden die Gegner alle An- strengungen machen, um Mittel zu gewinnen zum Zwecke der Nieder- werfiing' der Sozialdemokratie. Demgegenüber müsse von allen Parleigenossen verlangt werden, daß sie in bezug auf Organisation und Agitation in Zulunst noch mehr tun als bisher schon ge- schehen sei. An Stelle des vor kurzem verstorbenen Genossen Emil Riemaun wurde Genosse Bernhard Weber als Mitglied der Preßkommiision gewählt. Die Berichterstattung vom Schiedsgericht in Sachen Fischer- Mitlweida hatte Genosse Roberl Krause übernommen. Der Spruch des Schiedsgerichts, das von den Genossen Molkenbuhr, Schippet und Schulzc-Cossebaude gebildet worden war, wurde nach lebhafter Aussprache von der Versammlung zur Kenntnis genommen. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an der Mitteilung des Vor- sitzenden an. daß der Vorstand mit dem Ausschuß sich im Anschluß an die Reichstagswahlen mit der Enlwickelnng der Organisation und der Zeitung beschäsiigt habe. Die Verbandlimgen halten das Er- gebnis, die jetzige Zeit als die günstigste zur Agitation für die Presse und für die Organisation zu verwenden und die Partei- genossen zu kräftiger Mitarbeit heranzuziehen. Die Aussprache ließ erkennen, daß allentbatben die Bereitwilligkeit und Lust zu der nötigen Arbeit vorhanden ist. Auch wurden noch verschiedene be- achtenswerte Anregungen und Hinweise für die praktische Arbeit aus der Versammlung heraus gegeben. Dir Sozialdemokratie NiederSstcrreich» hielt in Men ihren LandeSparteimg ab. Wie der Sekretär, Abg. Genosse Bretschneider berichtete, beträgt der Stimmengewinn im Lande bei den RcichsratSwahlen 1911 gegen die von 1907 26 000 Stimmen. Die Zahl der Parteimitglieder in Wien war Ende Juni 39 617, Ende Oktober schon 42 655, dazu kommen 7400 Partei- Mitglieder in der Provinz Niederösterreich, was eine Organisations- störte von 3?,J Prozent der sozialdemokratischen Wahlstimmen be- deutet. Die Koalition der Deutschfreiheillickeu und Christlichjoziele» brachte uns um manchen Gemeindewahlerfolg. Die Reichsrats- wählen, die der Partei in Niedervsterreich 26 Mandate brachten, kostete» nur 2l 150 Kronen; die. meiste Arbeit wird ehrenamtlich geleistet. Zu den Landesfinanzen trug das obligatorische Parteiwochcnblatt „Bolkstribüne" lAuslage 60 000) 16 000 Kronen bei. Es ist über- Haupt eine der stärksten Einnahmequellen der deutschösterreichischen Partei, ist aber, wie Austerlitz und Bauer ausführten, der Ber- breilung der„Arbeiterzeitung" nicht allzu förderlich. Die Jugend- organisationen vermehrten sich in dem einen Jahre von 37 auf 64. Abg. Gen. Schuh meier wandte sich dagegen, daß mit dem .Volk", dem vierzehntägigen Organ für die Landagitation, der „Volkstribüne' Abbruch getan werde, namentlich wenn es achttägig ericheine. Die Debatte hierüber dauerte fast einen Tag. Der Ver- Walter des Zenträlorgans, Gen. E m m e r l i n g. berichtete, daß der Absatz der„Arbeiterzeitung" 1911 um 4500 gesteigert werden konnte und die Auflage der„Arbeiterinnen-Zeitung" auf 27 000. Der Parteilag beschäftigte sich noch mit der Landtagspolitik, den Baugenossenschaften usw._ Das Archiv der dänischen Sozialdemokratie. Am Donnerstag wurde in Kopenhagen da« Partei« und Gewerkschaftsarchiv unserer dämschen Genossen eröffnet, dessen Gründung schon im Jahre 1908 vom Parteitage wie vom GeWerk- schaftskougreß beschlossen worden war. DaS Archiv erstreckt sich sowohl auf die politische, gewerkschaftliche und genossenschaftliche Bewegung in Dänemark, wie auf die politische und gewerkschaft- liche Arbeiterbewegung im Auslände und enthält außerdem eine Sammlung sozialpolitischer Literatur vom In- und Auslände. Es umfaßt jetzt schon 8000 Nummern und ist in der Kompagni- sträde 14 untergebracht, wo auch das Kartell der Arbeiterorgani- sationen Kopenhagens sein Bureau und seinen Lesesaal hat. Das Archiv ist zu Studienzwecken vorläufig-Mittwochvormittags und Donnerstagabend» geöffnet. Als Archivar ist der Genosse Karl Kiefer tätig._ Der Sozialismus in Kanada. In das Provinzialparlament von O n t a r i o, der an die alten Weststaaten der Vereinigten Staaten grenzenden Provinz Süd- kanadas, wurde der Sozialist Allan S t u d h o l m e, Kandidat der Unabhängigen Arbeiterpartei, gewählt. Die Stimmenzunahme war in der ganzen Provinz so groß, daß die bürgerliche Presse von einer„sozialistischen Sturzwelle" spricht. polirelUcdeg. ScricktUcdea ukv. Der Zeugniszwang gegen ein Parteiblatt. Die„Bielefelder Volkswacht" brachte seinerzeit einen Bericht über eine Schwiirgericdtöverhandlung, die am 21. Juni 1911 in Detmold gegen den Holzbildbauer Maurer in Lage statt- fand. Maurer wurde bekamittich zu zwei Jahren Zuchthaus»ud drei Jahren EhrenrechtSverlust verurteilt, Iveil er in einer Schöffen- genchiSverhandlung in Lage am 22. Februar einen Meineid ge- leiftec haben follte. Der Meineid sollte darin liegen, daß er zu- guusten eines wegen Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung Angeklagten erklärte, eine beleidigende Aeußerung des Angeklagten �'öe' �bcitSwilligen Frauen nicht gehört zu haben. Maurer hatte durch Rechtsanwalt Hcinemann Revision ein- gelegt und das Urteil wurde vom Reichsgericht aufgehoben. In der Verhandlung gegen Maurer hatte sich ein Geschworener selbst als befangen bezeichnet und der Vorsitzende des Gerichts hatte diesen emlnsien. Diesem Formfehler war es zu danken, daß die Angelegenheit erneut vor das Schwurgericht kommt. Jctzl wurde nun der die.Volkswacht" verantwortlich zeichnende Redakteur. Genoffe Schädlich, als Zeuge über den Verfasser de« Berichts vernommen. Natürlich verweigerte er die Aussage obgleich prcßgesetzlich Verjährung eingeireteu ist. Das Gericht verurteilte ihn deswegen zu 70 M. Geldstrafe oder sieben Tagen Hast denn- „aus den Umständen des Falles könne ein Grund der Zeugnis- Verweigerung nicht entnommen werden."— Man Wird abwarten müsse», wie sich die Sache iveiter entwickelt. Wahltag und Ministerkrise in Bayern. An demselben Tage, an dem das bayrische Volk, be> hindert allerdings durch eine den Zentrumsinteressen an> gepaßte Wahlkreiseintcilung, über die künftige Politik des Landes entscheiden soll, hat das bayrische M i n i st e r i u m seine Demission gegeben. Und fast scheint es, daß mit dieser Demission der Entscheidung des Volkes vorgegriffen werden soll. Das Zentrum hat in den letzten Tagen noch all seinen höfischen Einfluß aufgeboten, um die Regierung zu einer Stellungnahme zu seinen Gunsten zu bewegen. Der Erlaß, der die Staatsbeamten gegen die Wahl von Sozialdemokraten scharf zu machen versuchte, war ein Erfolg dieser Zentrumseinflüsse. Jetzt ist das ganze Ministerium zu Fall gekommen. Wird auch das Urteil über die politische Bedeutung dieser Demission erst feststehen, wenn die Zusammensetzung des neuen Ministeriums be- kannt sein wird, so erscheint es doch wahrscheinlich, daß gerade die dem Zentrum weniger freundlich gesinnten Minister ausgeschaltet werden sollen. Wenigstens meint die „Frankfurter Zeitung", Herr v. P o d e w i l s, der bisherige Ministerpräsident, der ein getreuer Diener des Zentrums ist, werde mit der Neubildung des Kabinetts betraut werden, die dem Zentrum verhaßten Mitglieder aber, der Finanzminister von P f a f f und der Verkehrsminister von Frauendorffer würden zurücktreten. Das Ministerium würde danach im Sinne einer reaktionären konservativ-zentrums- freundlichen Politik zusammengesetzt werden. Bestätigt sich diese Vermutung, dann hätte das Zentrum mit Hilfe einer höfischen Kamarilla sich auf jeden Fall gegen einen ihm ungünstigen Wahlausfall zu sichern gesucht. All- zuviel würde es ihm aus di: Dauer nicht nützen.� Zur Beurteilung seiner im Inner st en volksfeindlichen Natur wäre dieses Ausspielen der Krone gegen den Volkswillen allerdings nicht uninteressant. Bis zur Stunde liegt das endgültige Resultat der Wahlen noch nicht vor. es läßt sich also auch nicht beurteilen, ob der Zweck des Wahlabkommens erreicht und das Zentrum aus der Majorität geworfen ist. Sicher ist aber die erfreuliche Tat- sache, daß die sozialdemokratische Fraktion er- b e b l i ch v e r st ä r k t in den neuen Landtag einziehen wird. Geht sie dort schweren Kämpfen mit einer reaktionären Re- gierung entgegen, so schrecken Sozialdemokraten diese nicht. Je unverhüllter die Reaktion, desto rascher werden wir ihrer Herr werden. Das Gcsammtergcbnis. München, 3. Februar. Bis 12 Uhr nachts waren Wahlrcsultate bekannt. Gewählt sind 83 Zentrum, 137 Liberale und bekannt. Deutscher Bauernbund, 83 Zentrum, 34 23 Sozialdcmo- k r a t c n, 4 Bayerischer Baucrnbund, 7 Bund der Landwirte. Das Zentrum gewinnt zwei und verliert 13, die Libe- ralen gewinnen 13 und verlieren 4, die S o z i a l d e m o- k r a t e n gewinnen 8, der Bayerische Bauernbund gewinnt 3 und verliert 2, der Bund der Landwirte gewinnt 2 und ver° liert 11. Aus sechs Wahlkreisen ist das Resultat noch nicht bekannt. Bamberg, 5. Februar. lPrivattelegramm des„Vor- wärts".) Im 1. Bamberger Wahlkreise wurde der bekannte Zentrumsführer Domkapitular Dr. Schädler hin- ausgewählt. Sein bisheriges Mandat wurde durch den Liberalen Heß erobert. » Ueber den Ausgang der Wahlen liegen bisher folgende Mel- düngen vor: München t. Gewählt: Schön, Blockland.(Lib.). Bisher Lib. München 2. Gewählt: P i ck e l m a n n, Blockkand.(Soz.). Bisher Soz. Gewählt: L ö w e n e ck, Blockkand.(Lib.). Bisher Lib Gewählt: Dr. Quid de, Blockland. lLib.). Bisher Lib Gewählt: Dr. G ii n t h e r, Blockkand.(Lib.). Bisber Lib Gewählt: Schmitt, Blockkand.(Soz.). Bisher Soz. Gewählt: Roßhaupter, Blockkand.(Soz.). Bisher Gewählt: Müller, Blockkand.(Soz.). Bisher Soz. Gewählt: Auer, Blockkand.(Soz.). Bisher Soz. Gewählt: Timm, Blockkand.(Soz.). Bisher Soz Gewählt: Schmid, Blockkand.(Soz.). Bisher Soz. Gewählt: v. Bollmar, Blockkand.(Soz.). Bisher Nimmerfall, Blockkand.(Soz.). München 3. München 4. München 5. München 6. München 7, Soz. München 8. München 9. München 10. München 11. München 12. Soz. München-Land. Gewählt: Bisher Zentrum. Augsburg 1. Gewählt: Dr. Dirr, Blockkand.(Lib.), Bisher Lib. Augsburg 2. Gewählt: Roll.wagen, Blockkand.(Soz.). Bis- her Zentrum. Augsburg 3. Gewählt: Wörle(Zcntr.). Bisher Zcntr. Nürnberg 1. Gewählt: Säckler, Blockkand.(Soz.). Bisher Soz. Nürnberg 2. Gewählt: Haeberlein, Blockkand.(Soz.). Bis her Zentr. Nürnberg 3. Gewählt: Süßheim, Blockkand.(Soz.). Bisher Soz. Nürnberg 4. Nürnberg 5. Nürnberg 0. Bisher Würzburg 1. Zentrum. Würzburg 2. Gewählt: Würzburg 3. 2. Abg. Ludwigshafen Soz. Ludwigshafen 2. Gewählt: Körner, Blockkand.(Soz.). Bisher Soz. Kaiserslautern. Gewählt: l. Abg. Hoffmann, Blockkand. iSoz.). Bisher Soz. 2. Abg. K l e m e n t Blockkand.(Soz.). Bisher Soz. Bamberg 1. Gewählt: Heß, Blockkand.(Lib.). Bisher Zentr. Bamberg 2. Gewählt: 1. Abg. v. M a l s e n(Zentr.). Bisher Zentr. 2. Abg. S o f f e r(Zentr.). Bisher Zentr. Speyer. Gewählt: Profit, Blockkand.(Soz.). Bisher Zentrum. Landau. Gewählt: Eckerle, Blockkand.(Lib.). Bisher Zentrum Memmingen. Gewählt: Kohl, Blockkand.(Lib.). Bisher Zentr. Traunstein. Gewählt: Eisenberger, Blockkand.(Bauernb.). Bisher Zentrum. Eggenfelden. Gewählt: Steiner, Blockkand.(Bauernb.). Bis- her Zentrum. Sulzbach. Gewählt: K l i e g e l, Blockkand.(Lib.). Bisher Zentrum. Kempten. Gewählt: 1. Abg.: Haug, Blockkand.(Lib.). Bisher Zentrum. 2. Abg.: Gölzer, Blockkand(Soz.). Bisher Zentrum. Frankrnthal. Gewählt: 1. Abg.: Kopp, Blockkand.(Lib). Bisher Lib. 2. Abg. Keidel. Blockkand.(Soz.). Bisher Bund der Landwirte. Bayreuth. Gewählt: 1. Abg.: Casselmann, Blockkand.(Lib.). Bisher Bd. d. Landw. 2. Aog.: Winsauer. Blockkand. (Lib.). Bisher Lib. Gewählt: Dorn, Blockkand.(Soz.). Bisher Soz. Gewählt: Simon, Blockkand.(Soz.). Bisher Soz. Gewählt: Schneppeyhorst, Blockkand.(Soz.). Soz. Gewählt: EndreS, Blockkand.(Soz.). Bisher Köhl, Blockkand.(Lib.). Bisher Lib. Gewählt: 1. Abg. Stang,(Zentr.). Bisher Zentr R e u ß(Zcntr.). Bisher Zentrum. 1. Gewählt: Huber, Blockkand.(Soz.). Bisher Giesen, Blockkand. Scheu, Blockkand. (Lib.). (Lib.). Kirchheimbolanden. Gewählt: 1. A Bisher Bd. d. Lanow. 2. A Bisher Lib. Kitzingen. Gewählt: Hartmann, Blockkand.(Deutsch.Bauernb.). Bisher Bd. d. Landw. Kulmbach. Gewählt: 1. Abg.: Meuhdörffer. Blockkand.(Lib.). Bisher Lib. 2. Abg.: Gentner. Blockkand.(Soz.). Bisher Bd. d. Landw. Neustadt a. Aysch. Gewählt: Bogel, Blockkand.(Deutsch. Bauern- bund.). Bisher Bd. d. Landw. Wasserburg-Günzburg. Gewählt: D i r n r e i t e r(Zentr.). Bis- her Bayer. Bauernbd. Ziis Induftric und Handel« Eine Genosscnschafts-Zuckerfabrik. Mehrere hundert schwedische Zuckerrübenproduzenten haben sich zur Errichtung einer genossenschaftlichen Zuckerfabrik zu- sammengetan, deren Hauptabnehmer der Kooperative Verband, d. i. der Verband der A r b e i t e r k o n s u m g e n o s s e n- schaften, sein wird. Die Vertreter der Kapitalinteressen bieten alles auf, die Rübenbaucrn durch Sozialistenschreck von dem Unter- nehmen fernzuhalten. Wie es scheint, vergeblich. Die Fabrik soll schon im Herbst den Betrieb aufnehmen; das notwendige Kapital von rund 1 600 000 Kronen ist gesichert. Es werden Anteile von 100 Kronen ausgegeben/ In dem Ausschutz, der die Gründung be- treibt, ist der Kooperative Verband durch seinen Geschäftsführer G. W. Dahl vertreten. Dieser Verband, der auch als Großem- kaufsgefellfchaft tätig ist, wurde im vorigen Jahre auf Betreiben der Kleinhändler von den verbündeten Zuckerfabriken Schwedens boykottiert, hat aber trotzdem 2,2 Millionen Kilo Zucker umgesetzt. In diesem Jahre wird der Umsatz voraussichtlich auf 4 Millionen Kilo steigen, und weitere Steigerung ist bei dem unaufhörlichen WackStum der Konsumgenoffenschaftsbcwegung zu erwarten. Da die Produktion der neuen Fabrik für den Anfang auf 6 Millionen Kilo berechnet ist, wird der größte Teil der Erzeugung seinen Ab- sah im Kooperativen Verband finden. der gc- Papicrmangel als Kriegsfolge. DaS Schutzzollsystem hat in den letzten Monaten in italienischen Papierindustrie eine ganz eigenartige Situation schaffen. Durch den Krieg haben fast alle italienischen zeitungen ihre Auflage wesentlich erhöht, was im Verein mit der Ausgabe von Extrablättern den Papierverbrauch ungefähr ver- doppelt hat. Jede Industrie, die gezwungen wäre, mit der inter- nationalen Konkurrenz zu rechnen, hätte natürlich diesen neuen Anforderungen Rechnung getragen und die Produktion entsprechend gesteigert. Die italienische Papierindustrie ist aber durch den Schutzzoll von 12,50 Lire pro Doppelzentner Zeitungspapier der- artig leistungsunfähig geworden, daß sie gar nicht über die nötigen Maschinen verfügt, um mehr Papier hervorzubringen. Bei dem hohen Schutzzoll konnte sie auck mit ihren rückständigen Maschinen bestehen, und heute, wo man ihre Produkte in höherem Maße be- ansprucht, ist sie außerstande, diesen Ansprüchen nachzukommen. Sic hat sich einzig dadurch an die neue Situation angepaßt, daß sie die Preise erhöht und die Qualität verschlechtert hat. Ter Ver- band der Herausgeber italienischer Tageszeitungen hat angesichts dieser Umstände beschlossen, eine energische Agitation für die Ab- schaffung des Einfuhrzolls ins Werk zu setzen. Ter Fall zeigt, wie sehr der„Schutz der nationalen Industrie" auf einen Schutz der Parasiten und eine Hemmung der technischen Entwickelung der Industrie hinausläuft. Lerantw. Redakteur Rückgang beim Stahltrust. DaS Erträgnis der größten amerikanischen Stahlgesellschaft im vierten Quartal 1911 zeigt einen nicht unwesentlichen Rück- gang. Die Reineinnahmen beliefen sich auf nur 23,1 Millionen Dollar gegen 29,5 Millionen Dollar im dritten Quartal 1911 und 25,9 Millionen Dollar im vierten Quartal 1910. Der Reingewinn beläuft sich nach den üblichen Abzügen auf 19,9 Millionen Dollar gegen 22,7 Millionen Dollar im dritten Quartal 1911 und 20,4 Millionen Dollar im vierten Quartal 1910. Wie stark der Rück- gang ist, kann man am SürpluS erkennen, daS diesmal nur 90 000 Dollar gegen 2,7 Millionen Dollar im dritten Quartal 1911 und rund 400 000 Dollar im vierten Quartal 1910 beträgt. Auf die Stammaktien wird eine Dividende von 114 Proz., auf die Vorzugs. aktien eine solche von 1% Proz. zur Verteilung gebracht. Was sagen die Optimisten zu diesem Abschluß, der die Konjunkturverhältnisse in den Vereinigten Staaten doch lange nicht so glänzend erscheinen läßt, wie jene glauben? Rückgang der Viehbestände. Der Rückgang der Viehbestände als Folg« der Fuiternot und der Viehseuchen findet schon in den Austriebzahlen seinen scharfen Ausdruck. Nach dem Gewicht berechnet ergab der Auftrieb in den letzten drei Monaten an 40 Viehmärkten in 1000 Kilogramm: 1909 1911 1911 weniger Rindfleisch.... 839 473 305 649 33 824 Kalbfleisch.... 58 412 52 702 5 710 Schafe..... 26 348 23 213 8111 Dieser außerordentliche Ausfall konnte im vergangenen Jahre zwar noch durch einen Mehrauflrieb von Schweinen ausgeglichen werden. Aber gerade darin liegt die schlimmste Gefahr. In den letzten Monaten sind schon sehr viele unreife Tiere an den Markt gelangt. Weil das Körnerfutter durch Zölle verteuert wird, haben die Viehhalter ihre Bestände sehr reduziert. Jetzt sind die Ställe leer und nicht lange dauert eS, dann schnellen die Schweincpreise erneut hinauf!_ Hus der frauenbewe�ung. Der neue Reichstag und die Frauen. Die Bedeutung des neuen Reichstags für die Frauen wird in einem Artikel des„Berliner Tagebl." Unter der Frauen-Rundschau erörtert. Hierzu schreibt, uns eine in der Agitation stehende Genossin: „Genau so inkonsequent wie die ganze bürgerliche Franenbe- wegung ist auch dieser Artikel. Die Verfasserin freut sich, daß die Wirtschaftliche Vereinigung und die Rcichspartci derart schwere Verluste erlitten haben. Tie Wirtschaftliche Bereinigung habe besonders den Frauen im Kaufmannsberuf das Leben erschwert, weil sie im Dcutsch-nationale» Handlungsgehilfen-Verband ihre Hauptstütze hat. Warum aber sind die bürgerlichen Frauen im Kaufmannsberuf so oft mit diesem deutsch-nationalen antisemi- tischen Verband zusammengegangen, wenn es galt, etwas gegen dte frei organisierten H a n d u n g s g e h i l f e n zu unternehmen. Wir denken nur noch an die Kranken- k a s s e n w a h l e n in Hamburg, wo dieselben Personen, die von den Antisemiten als„homosexuell veranlagte Weiber" bczcich- net wurden, mit den Antisemiten Arm in Arm gingen, um einige Vorstandssitze zu erobern. Den liberalen Frauen geht es eben wie dem Liberalismus überhaupt: Theorie und Praxis ist immer zweierlei. Bedauerlich ist nur, daß die Herrschaften immer von sich auf andere schließen. So ist es auch wieder in dem angeführten Artikel, wo es an einer Stelle beißt:„Wenn wir uns den neuen Reichstag ansehen, finden wir neben einigen treuen Freunden unserer Sache 110 Männer, die durch die Satzungen ihrer Partei verpflichtet sind, auch für unsere politische Gleichberechtigung einzutreten. Ob sie es in jedem Falle tun werden, bleibt freilich abzuwarten." Tic liberalen Frauen hätten alle Veranlassung, die 110 sozial- demokratischen-Abgeordneten nicht derart zu verdächtigen, denn selbst eine liberale Frau weiß heute schon, daß bisher nur die Sozialdemokratie für die Gleichberechtigung der Krauen eingetreten ist und wohl auch in Zukunft die ein- zigc Partei bleiben wird. Wenn die Frauen auf die Hilfe der Liberalen warten wollen, können sie lange warten, da können auch die„paar treuen Freunde" nicht helfen. Tie Verfasserin sagt selbst, daß diese 110 Abgeordneten nach den Satzungen ihrer Partei verpflichtet sind, für die poli- tische Gleichberechtigung der Frauen einzutreten. Das hindert sie aber nicht, zu behaupten, daß es fraglich sein wird, ob sie es in jedem Falle tun werden. Wann hat je die Sozialdemokratie Kandidaten aufgestellt, die nicht auf dem Boden ihres Partei- Programms standen? Selbst liberale Frauen sollten wissen, daß die Sozialdemokratie nur zuverlässige Manner auf solche Posten stellt. Anstatt diese Abgeordneten zu verdächtigen, sollten die bürgerlichen Frauen lieber dafür sorgen, daß die Sozial- demokratie im Reichstag an den„treuen Freunden" der bürger- lichen Frauenbewegung eine wirkliche Unterstützung finden würde, wenn es sich darum handelt, Frauenforderungen durchzusetzen. Dabei sieht es bis auf wenige Ausnahmen recht trübe aus. Charakteristisch ist es auch für die bürgerliche Frauen« bewegung, wenn sie selbst einen erfreulicherweise bei den letzten Wahlen unterlegenen Dr. Mugdan zu ihren„treuen Freunden" rechnet. Die Verfasserin ist der Meinung, daß bei künftigen De- batten über Arbeiterinnenschutz, Wöchnerinnenschutz und Säug- lingsfürsorge die Frauen sein(Mugdans) fachmännische? Urteil und sein„energisches Eintreten für die Frauen" entbehren werden. Die proletarischen Frauen sind allerdings anderer Meinung. Sie erinnern sich noch sehr gut daran, daß nur der alte Träger eS war, der für die sozialdemokratischen Anträge: chwangerengcld, Hebammenhilfe, ärztliche Behandlung, Stillgeld, Verpflegung usw., gestimmt hat. Die proletarischen Frauen haben aber auch nicht vergessen, daß eS Dr. Mugdan war, der sich am schärfsten gegen die Selbstverwaltung der Arbeiter in den Kranken- lassen gewandt hat. Die erwerbstätige Frau hat ein großes Interesse an der Selbstverwaltung der Krankenkassen, und sie wird den als ihren Gegner betrachten, der Front gegen die Selbst- Verwaltung macht. Wenn irgend jemand, so hat Dr. Mugdan die Niederlage verdient. Wenn man diesem Manne eine Träne nach- weint, so beweist daS nur, wie politisch unreif die bürgerliche Frauenbewegung noch ist und daß sie vor allem nie eine Ver- tretung der erwerbstätigen Frauen sein kann. Der Dilettantismus hat und behält die Oberhand in dieser Be- wegung. Für die erwerbstätige Frau darf aber die Politik nicht ein angenehmer Zeitvertreib sein, für sie gilt eS, mit Hilke der Politik menschenwürdigere Zustände zu schaffen. Für sie gilt nickt nur die Forderung des FraucnwahlrechteS, für sie gilt die Erringung des gesetzlich festgelegten Achtstundentages, AuS- bau der Arbeiterschutzgesctzgcbung. Schaffung anständiger Versiche-- rungsgesetze, Sckntz des Koalitionsrechtes usw.. In diesen Fragen versagen aber ständig die Leute, die der bürgerlichen Frauen- bewegung nahestehen. Deshalb kann es für die erwerbstätige Frau in jedem Beruf, auch den bürgerlichen Berufen, nur die eine �osung geben: Hinein in die Sozialdemokratie. letzte Nachrichten. Zu dem Zwischenfall in Hodcida. Rom, 5. Februar.(Meldung der Agenzia Stefani.) Die französische Botschaft hat die italienische Regierung um freie u r ch f a h r t eines Dampfers der MessagcrieS Maritime» ge- beten, der nach H o d e i d a gehen soll, um dort 25 französische Staatsangehörige an Bord zu nehmen. Die italienische Regierung ist diesem Ersuchen gern nachgekommen und hat dem italienischen Konsul in Port Said die Weisung erteilt, dem in Frage stehenden Dampfer einen Gelcitbrief auszustellen, der ihn ermächtigt, die italienische Blockadelinie zu passieren. Die türkischen Behörden in H o d e id a haben die europäischen Staatsangehörigen daran gehindert, Waren auf den Dampfer zu schaffen, der sie auS den blockierten Städten fortbringen sollte. DaS italienische Kriegs- ichiff„Piemonte" hat einstweilen Befehl erhalten, die Europäer an Bord zu nehmen, damit sie nichH, unter den Folgen der Blockade zu leiden brauchten._ Ein zur Disposition gestellter Bürgermeister. Goch, 5. Februar. Bürgermeister Duetz-Josun ist vorläufig eine? Amtes enthoben worden. Er wurde durch Verfügung des Regierungspräsidenten vom 1. Februar zur Disposition gestellt und gegen ihn die Einleitung eines Disziplinarverfahrens wegen nicht ordnungsmäßiger Führung der AmtSge- chäfte beantragt._ Fünf Kinder erstickt. Lycken, 5. Februar.(H. B.) Bei dem Gute Annenwalde, Kreis Templin. sind gestern abend fünf Kinder eine» Arbeiter» an Rauchvergiftung gestorben. Die Eltern holten abends gegen 8 Uhr in dem aus Lehm gebauten Qfen, der allerdings schab- baft gewesen sein soll, Feuer angezündet und die Kinder alsdann ik kurze Zeit allein in der Wohnung gelassen. Als sie zurück- kehrten fanden sie die Kinder bewußtlos in der mit Rauch an- gefüllten Wohnung vor. Ein sofort herbeigerufener Arzt vermochte die Bewußtlosen nicht wieder ins Leben zurückzurufen. Die Kinder tanden im Alter von 1 bis 6 Jahren. Brand eines HoftheaterS. Detmold, 5. Februar.(W. T. B.) Da« fürstlich« Theater ist heute abend völlig niedergebrannt. Inmitten der Vorstellung.Der Bettler von Syrakus" ertönte plötzlich der Ruf:„Feuer! Die Besucher konnten, ohne Schaden zu nehmen, das Theater verlassen. Der Brand soll durch einen Schornstcindefekt entstanden sein. er- Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.n Verlagsanstalt Ehcdrama. Straßburg, ö. Februar.(H- V.) In Orsch Weiler ch o ß der Winzer Schnell seine Ehefrau und tötete sich darauf elbst durch einen Revolverschuß. Das Motiv zu der Tat ist in zerrütteten Familienve rhältnissen zu suchen. PaulSingerä:Eo.,BerlinSW. Hierzu 3 Beilagen U.UnterhaltungSbl. Nr. 30. 29. Zahrgavg. 1. ßfiliijt iltg jDtmlrtö" Kerlim öolliülilntt. Dleustag, 6. Febraar 1912. Hbgeordnetenbaus» Sitzung vom Montag, den k. Februar, vormittags 11 Uhr. Äm Ministertische: Dr. Lentze. Aus der Tagesordnung steht die erste Beratung der Novelle zur Einkommen- und Ergänzungssteuer. Finanzminister Dr. Lentze: Die Vorlage beruht bekanntlich auf »in« gesetzlichen Vorschrisl. Zur Deckung deS Defizits infolge der 'Beamtenbesoldungserhöhung wurden 1909 Steuerzuschläge provisorisch lbewilligt bis zu einer organischen Aenderung der Einkommensteuer, Idie innerhalb drei Jahren vorgelegt werden sollte. Es ist eingehend .berechnet worden, ob das Steueraufkommen der Zuschläge entbehrt werden könne. Die Resultate sind Ihnen in einer Denkschrift vorgelegt. Diese Denkschrift ist keine Milchmädchen- oder Schneider- rechnung, wie Herr Gystling meinte, sondern eine sehr wichtige und grundlegende Arbeit. Es steckt eine sehr große Ge- dankenarbeit in ihr; erst durch sie haben wir erkannt, von welchen Gesetzen und Vorbedingungen die Entwickelung unseres Staats- Haushalts abhängig ist. Die Arbeit hatte durchaus nicht die Tendenz, von vornherein nachzuweisen, daß die Erkaltung der Steuerzuschläge notwendig ist, sonder» untersucht die EntWickelung der Finanzen ganz objektiv. Bei der Etatsberatung hat nun Herr Gyßling gesagt, unsere Finanzlage sei eine geradezu glänzende und man hat auf stärkere Heranziehung der Eisen- bahneinnahmeu zur Deckung der Verwaltungsausgaben hin- gewiesen. Daß Preußen in seiner Finanzgebarung durch- aus gesund dasteht, ist richtig(Bravo I rechts), aber von einer glänzenden Finanzlage kann keine Rede s e i n. Der Ausgleichfonds ist gerade geschaffen, um für Wirtschaft- lich schlechte Jahre eine Rücklage zu haben, daher beweist eine besonders hohe Dotierung dieses Fonds nichts sür die augenblick- liche Ftnanzlage.— Der Minister polemisiert des weiteren gegen die Vorschläge des Herrn v. G w i n n e r im Herrenbause zur Ge- staltung des Etats. Das Ertraordinarium zum Ersatz der Steuer- Zuschläge heranzuziehen, halte aber auch Herr v. Gwinner nicht für angebracht. Was die Vorlage selbst anlangt, so haben wir an dem bisherigen bewährten Steuersystem festgehalten und eS «ur in einigen Punkten verbessert und ausgestaltet. Die Vorschläge zur Aenderung des Steuersystems selbst sind aber auch •eingehend geprüft worden, haben sich jedoch, wie die hierüber vor- liegende Denkschrift erweist, nicht als verwertbar erwiesen. Mit der Progression wollte» wir nicht weiter als liiS 5 Prozent bei über 100 lXX) Mark gehen, um eine Abwanderung der großen Kapitalien zu ver- hindern und mit Rücksicht darauf, daß die S t a a t S st e u e r auch die Grundlage zur Genieindeeinkomnlenstcuer bildet. Die Einkommen von 1200—1900 M. sind von den Zuschlägen freigelassen »vorden, dagegen war es unmöglich, die Grenze der Einkommen- steuerpflicht von 900 auf 1200 Mark zu erhöhen. Es sind aber noch eine Reibe von Erleichterungen für die unteren Steuer- stufen vorgesehen. Die Hauptsache ist, daß sämtliche steuerpflichtige Einkommen auch wirklich herangezogen werden. Diesem Zweck dienen eine Reihe Bestimmungen der Vorlage. So werden sür vorsätz« liche Steuerhinlerziehung Gefängnisstrafen fe st- gesetzt. ES ist indes ein sogenannter Gcneralpardon vorgesehen, wonach diejenigen, die für 1913 wahrheitsgemäße An- gaben machen, keinerlei Konseqnenzen für die Vergangenheit zu befürchten haben. Was den Vorschlag anlangt, statt der Land- r ä t e besondere Veranlogungskom missare einzusetzen, so läge eS wohl im Interesse einer einheitlichen Veranlagung über die ganze Monarchie(Hörtl hörtl links), aber ihm stehen doch so erheb- liche Bedenken gegenüber, daß wir davon abgesehen haben, ihm zu folgen. Doch sind durch einen Erlaß sämtliche Vorsitzenden der Veraulagungs« kommissioncn auf daS nachdrücklichste auf die sorgfältigste Be- a ch t u n g der Vorschriften der Steucrge setze hin- geiviese» worden. Die Diirchsührung des Erlasses soll durch mög- lichst häufige Revisionen durch die Vorsitzenden der Berufungsinstanz »vie durch die Zentraliiistanz überwacht werden. Sollte sich im Einzelfalle die Notwendigkeit herausstellen, so soll ein besonderer Kommissar bestellt lverden und zwar nicht bloß in städtischen und gemischten Bezirken, sondern auch aus dem platte» Lande.— Angesichts der wesentlichen Verbesserungen, die die Vorlage bringt, hoffe ich, daß Sie ihr freundlich gegenüberstehen und sie verabschieden werden.(Bravo! rechts.) kleines feuiUeton. Georg Brande?, lange Jahre hindurch der Berater und führende Kritiker der dänischen Literatur, ist an, Sonntag 70 Jahre alt ge- worden. Mau hat ihm zu Ehren in Kopenhagen allerlei Ehrungen Veranstalter und u. a. auch ein BrandcS-Ärchiv in der kgl. Bibliothek eingeweiht. Brandes' Bedeutimg liegt darin, daß er dem slagnie- reiiden, von Ondodorie und Romantik beherrschten geistigen Leben Täncmarls das Fenster nach Europa öffnete und frische Lust herein- ließ. AIS Jude von der»aiional-dänischen Altertümelei frei und geschul» in der radikalen bürgerlichen Philosophie Eng- lands und Frankreichs, konnte er mit Erfolg— nach ansänglichen Niederlagen— den Vermittler zwischen Westeuropa und Dänemark spielen. DaS Werk, das seinen Namen machte:«Die Haiivlströninngen in der Literatur des 19. Jahrhunderts", hat auch in Deittschland dank der Klarheit ii»d Schärfe seines Urteils ans- Ilärcnd und befreiend gewirkt. 1877 bis 1883 bat Brandes in Berlin gelebt und hier u. a. sein Buch über Lassalle gcschri.ben, das uns Sozialdemokraten cilltäuscht. Als Litcrar- kritlker und Bermiiiler radikalbürgerlicher Anschauungen konnte Brandes der rcaliftiichcn dänischen Literatur die Wege � ebnen und sie in Könner mit der ansländischen Literatur, insbesondere der iraiizösischen erhalten. Dieses Verdienst ist in Dänemark all- gemein auerkamit. Aber die Rolle als Literaturpavst hat Brandes schon lange wieder eingebüßt. Die jüngere dänische Literatur, die Hcimatlileratur wie die proletarische, ist ihre eigencii Wege gegaugeil. zum Teil ohne Brandes, zum Teil gegen ihn. Sie ist wieder durch- aus dänisch, aber in sreierem und auch ticserem Sinne als die Notioiial-roniantisch ausgeputzte, die Brandes überwinden half. Die Schule ohne N-ligionsunterricht. Auf Grund eigener An- kchauuna gibt der Münchencr Schulrat Georg K e r s ch e n jt e i n e r u" Februarheft der..süddeutschen Monatshefte" einen lleberblick über das Volksschulwesen in den Vereinigten Staaten. �u Nutz und Frommen all der Wortchristen, die bei uns die vieliaicn zu ihren politisdhcli Unterdrnckungszwecken mißbrauchen, mollcn wir aus diesem Bericht die Stelle hersetzen, die von dem Minael an ich-n Religionsunterricht in der amerikanischen Staat*- schule handelt. Ter liberale Schulrat bemerkt- „Bei aller Verschiedenheit der Lchrplane in den verschledi.ncn icm Profanunterricht gewidmet; der Rel.g.oiisuntcrrtcht!,t den Kirchen aller Konfessionen überlasten-der ickplsreie e-amSta-g steht diese,» Unterricht zur Verfügung,-uese Erfchemnng ,st n.cht d.e Folge einer willkürlichen Gesetzgebung, sondern hat ihre histo- rische Grundlage. Nicht Gleichgültigkeit gegen die Religion hat den Religionsunterricht aus der Schule ausg-schlosten..ondern jiie Hochachtung gegen oaS religiöse Bekenntnis de-(.mgelnen. Abg. Dr. Bradti«»de»»ra»e KS, vorn vier Txew* — z a l> e st u o l—, wockientigriiii vo» 414 vis 744 Nhr avcnvs, Similadend», vv« 444»i» 6 lUlt-dendS ftatt Jeder für den«tteftaiten belitmmlc»«usraae >«-tu'„udiiiabe nut etat Zahl«I» SHerMetaien deljuiiige»,«rtefU-ve Tlntwutl wir» nicht erirUt,«nirage». denen keine ZlbonnemriilSquiitung deigestig« ift. werde» nicht dcautworirt. Eilige Fragen trage mau in»er Svrlchftuudc vor. M. 3. 49. 1. Entweder Aussonderung des eigenen Vermögens oder die Hülsie deS Gesgullguies 2. Ja. 3. Alles zulässig.— 4.'W.®. Venven Sie sich an das Arbeitersctrelarlat, Engeluser 15,— E. K. 27. I. Nach Beendigung des tk, Lebensjahres durch einjährigen Wohnsitz. 2. Ja, innerhalb des letzten Jahres vor der Entbindung K Monate, wem, auch bei bei verschiedenen Ortskrankenkassen, 3. Nein. 4. Kommt aus die sür den bctrcssenden Verein getrossenen Bestimmuiigeii a». die nicht ei». heillich sür Berlin find,— 147. Z. Wenn Jrwabdität Ihrerseits bereits vor dem 1. Januar d, I. vorlag, nein,— Steinmei». Eine Ver. p s l i ch t u n g zu höheren Leisluiigeit hat die Versicherungsanstalt nicht, jedoch lönneu höhere Beiträge geleistet werde», stelle« Sie eine» ent- sprechenden Antrag,— H. 31. Reichen Sie Beschwerde an das Reichs« vcrsicherungsnmt, Königin-Augusta-Straße ein,— G. L.-17. Falls Sie bis spätestens am 15, Januar die Hofränme gekündigt haben, lind Sie zu weiteren Zahlungen sür diese nicht verpflichtet, andervsalls noch sür Februar. — L. 0>. 66. Klage mutz vorausgehen,— 61. W. I. DaS Auilösungs- recht deS Bundcsrals ist durch Gesetz nicht bcschrünlt.— F. H. Steiu- iiietzstr. 2,50 M. ist der richtige Satz,— F. B. 34. Verlangen Sie vom Vermieter Leseiligung unter Fristsetzung, Falls ersolglos, Klage, Ihre Behauptung müssen Sie aber beweisen können.— T. No. 4. Das ist kein stichhälliger Grund,— H.<8. 106. Sie sind zur Räumung des Bodens nicht verpflichtet,— ST. B. Der das Drilteil übersteigende Be- trag fällt bei der Berechnung aus,— B. 97. Die Bestellung eines Ver- teidigers erscheint, wenn irgend möglich, zweckmätzig, mit dem Sie die An- gelegenheit mündlich beraten. Die Höhe der Kosten vereinbaren Sie mit dem Anwalt,— F. P. Karlshorst, 1, und 2, Erst dann, wenn die Mutter Brmenunterstützung bezogen hat, bei der Staatsanwaltschast des Landgerichts I Berlin,— A. A. 19. Nach den in Berlin üblichen Miels- vertrügen nein.— 91. B. am 29. o. Mts, im Alter von | 28 Jahren verstorben ist. Den Mitglieder» zur Nachricht. datz unser Kollege, der Hausdiener Max Reinhard Görlitier Viertel. (Bezirk 224 II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, | datz unsere Genossin, Frau khilippme Jung Licgmtzcr Str. 40 gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet honte Dienstag, den 6. Februar, nach» mittags 3»/, Uhr, von der Halle dcö Friedhofes der Martha- Ke. > meinde in Ahrenssclde aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. SozialiieinokpatisclierWalilvereiii für den S. Berliner Reictislags-Wahlkreis. Abteilung la. Am Donnerstag, den I.Februar, verstarb infolge UnjallS unser Mit- gtied, der Fensterputzer Kar! Krause. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3 Uhr, ans dem Bartholomäus- Kirchhof, Falkenberger Etratze, statt. Um rege Beteiligung ersucht 223/5 Der Vorstand. Am Sonntag, 4. Februar, starb mein lieber Rlan», unser guier Vater, Schwicger», Grotz« und Urgroßvater, der chemalige Bier- sahrtr und Gastwirt .August Höhr im 74. Lebensjahre. Im Namen aller um ihn trauern- den Hinterbliebenen: Gastwirt HOhr, Brückenslr. la. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung nieiner lieben Frau und guten Mutter Luise Schubert, geb. Poeplow sagen wir allen Verwandten, Fremi- den und Bekannten sowie den Sängern der.Typographla" für den erhebenden Gesang unseren tiesgesühlten Dank. SS3?d Eduard Schubert und Sohn. von I am 1. d. Mts. im Alter 1 21 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andeiike»! | 61/15 Dia Bezirksverwaltung Deutscher Holzarbeiter-Verbands Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, I datz unser Kollege, der Einsetzers �ugusi Pietz am 3. Februar tm Alter vonl 59 Jahren gestorben ist. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet amj Mittwoch, den 7. Februar, nach-! inittags 2 Uhr, von, Trauerhause,| Hause, Charlottenburg, EraSmus- stratze 16, aus aus den, Luisen- Kirchhos, FürstenbrumicrWeg.statt.I 78/12 Die Ortsvarwaltung. I Allen Verwandten und Be- kannten zur Nachricht, datz unser Vater, Schwiegervater und Groß. \ vater, der Schlosser Gustav Rdhixer am 4. Februar verstorben tft Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. Februar, nachmittags 4 Uhr, von derLetchen. balle der Golgatha- Gemeinde, Barfusstraße, auS statt. 2840b Die Kinder. Todesanzeige« Allen Freunden und Bekannten die traunge Nachricht, datz mein lieber, herzensguter Mann, Vater und Grotzvater August Pietz nach kurzen, aber schweren Leiden am Sonnabend verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 2 Uhr vom Trauerhause, Erasmusftratze 16, aus nach dem Lutsen-Kirchhos, Fürstenbrunner Weg, statt. Dies zeigt tiesbetrübt an Marie Pietz 18612 nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise der herz- lichen Teilnahnie bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter, insbesondere den Kollegen der Ma- schinensabrik Fritz Werner und den Genossen und Funliionären der 5. Abteilung des 4. Kreises sage hier» durch meinen besten Dank. Ücrniann Wleeerl 2836b und Sohn. Deutseher Helzarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin. Morgen Mittwoch, den 7. Febrnar 1912, abends 8� Uhr: Uertranensmanner-Uersammlnngen der Kezirke und Krauchen. Tagesordnung: 1. Aufstellung der Kandidatenliste für die Delegierten zur Generalversammlung. 2. Bericht des Obmannes. 3. Bericht der Werlstatt-Vertrauensleute. 4. Verbandsangelegenheiten. !pi|p Jede Werkstatt«ms; vertreten sein. Mitgliedsbuch und Bertrauensmännerkarte legitimiert. Versammlungslokale: Oilckler. .fiüdwestcn: in Habels Brauerei, Bcrgmannstr. S— 7. Süden: bei Gliesing, Wassertorstr. 68. Südosten I. u. II: in den Nauuyu FcftsSlen, Naunhnstr. S. Osten I: bci Kluge, Lange Slr. 53. Osten II: bei Ziet», Warschauer Str. 60. Osten III: bci Bergmauu, Boxhagener Str. 26. OestlFeiie"Vororte: bei W. Schulz, UcKtenberg, Kronpriuzen- strahe 47, liefe Scharnwcbcrftrahc. Wordoston: bei Mcrkmaun,®v. Fraulsurter Slr. 16. Jede Sargtischlcrei mutz einen Vertrauensmann nach dieser Versamm- lung senden. �osentknler nnd Schönhauser Torstadt: bci Obigla, Schwedter stratzc 23. TVeddlngx nnd Zloahtt: bei Kaezorawski, Navensftr. 6. WeiUensce: im Pralateu, Lchdcrsttatze 122. Abends 61/, Uhr. IVcnkölln: im Ideal-Kasino, Weichselstr. 8. Ächönchcrg: um 5'/. Uhr bci Kuschkc, Mcininger Stratze 8. Kautisckler. Ike�irk I: Südwesten, Süden, Südosten bei Graschoff, Adnnr.ilstr. Ibo. Ile�Irh 2: Osten bei Bratuer. Weidenwcg 85. Hestrlc 3: Xordcn nnd nördliche Tororte bei Glicsche, Kopcnhagencr Str. 74. Ilezil.'.'k 41: tüesnndhrnnnen, Weddlng nnd Aloahlt bei Sachse, Lindower Str. 26. Xer:hölln: bei Scheut, Nosenstr. 24. L ackndnrtcbtungs- und Kontormöbclbrancbe im„Englischen Warten", Alexanderstratze 27o. 92/18 Kücbcmnöbclbrancbc bei Lehmann, An der Stralauer Brücke 3. JVIöbel- u. StublpoUercr sowie)VIagazinarbciter. Osten Bei Bweker.«eberstr. 17. Südosten im„Niärkischen Hof", Admiralstr. 18o. Xordei»>s.ei Günther, Brunnenilr. 26. sVlasebmenarbeiter �ni0Vrad,tmen snt,®"rfn' Die in Tischlereien beschästigten Maschinenarbeiter sowie die Werfstätten in Weitzensee müssen ebensalls vertreten sein. Drechsler, Treppengeländer- und Ouxusmöbel Kranebe. Vörden bei Tithling, Brunnenstr. 79. Osten bei Schneider, Friedenstr. 67. Südosten nnd Südwesten bei Peinert, Ritterstr. 123. Einsetzer im Gewertschastc-hause, Engewser 14/15, Saal 11. Modelltischler bci WalM. Pflugstr. 5. Pünftlich 8 Uhr. Lodenleger im Gewertschastshause, Saal 2. Ltellmacber Nosenthaler Stratze 57. Jalousiearbeiter bei Walter. Adalbertstr. 62. Vergolder im Gewertschastshause, Engeluser 14/15, Saal 5. Listen- und Koffcrmacber»ei«mu Madsch, KrauPr. 24 Lorbmacber bei Krause, Musfauer Str. 20. Lürstenmacber bei Preuh, Holzmarftstr. 85. Lammacber bei Preusi, Holzmarftstr. 65. Ltockarbeiter um S Uhr bei Lehman», An der Stralauer Brücke 3. Perlmutt-, Dorn- u. Steinnullarbeiter um« Uhr bei Ernst Thomas, Mclchiorstr. 5. Branchenversammlung 6>/,Uhr im Englischen Hof, vcmrmmacner Neue Rotzstr. 3. im Gewerkschaftshause, Engelufer 14, Zimmer 4 ftlavierarociter(Arbeit sl-sensaal). Wenn nicht la geliefert, auf weil � Kosten geg. Nachn. retour. � Ztüeks AgI ' Dose 40 Heringe in Milchsauce, ff, Brathering, ff. Rollmops, Kiste 40 Fottbücklinge, ff., Geleehering, ca. 30 Sprotten, ff. Rauchlachs und noch " Raucli-Aale*"$,£'■ AlicO leckere Sorten zusam 3.U5 M. E. Xapp, Altona-Sttense» 62. _ Verleih- Institut. 1 Auch nach auswärii, Prosp. gratis, | K�.rl Borbs, Berlin 69 Neu® Königstrasse 38. Oeffentliclier Vortrag von Adolf Hoffmann, Landtagsabgeordneter Der„alte Fritz" nnd die nm v. Dallwitz Im Eichte der Religion. Am Sonntag, den II. Februar, abends? Uhr, in den Andreas-Festsälen, Andreasstraße. Nach dem Vortrag: Geselliges Beisammensein. Eintritt IO Pf 55/ l Oer Einbernfcr. A. Harn dt. Pappel-Allee 15— 17. . V, rm'- » San Zwcigrerein JBerlin. Sektion der Gips- nnd Zementbranche ..... Betonbaubranche. S�tientkrer, Sinschaler und Kil|sarbeifer L?Uttwoch, den 7. Februar 191:4, abends 8 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstraste 19, > Gipsbaubranche � Ksdii�putLsr. Träger und Babitzspanner An itag, den 9. Februar 191:4, abends 8 Uhr, bei Jannascht, Jnsclstraste 19: WUtglieder- Versammlungen. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Vranchenvorstandes. 2. Vorschläge zum Sektionsleiter. 3. Branchenailgelegenheite». Zahlreichen Besuch aller im Gips- und Betonbaugcwerbe beschäftigten Kollegen erwartet 136/17" Oer Scktiensvorstand. Zentralverein der Bildhauer. Verwaltung Iterlin. Dr'S.nerStag, den 8. Februar, abends 51/, Uhr, Im.Fürstenhof". Köpcnicker Stratze 137: General-Versamiulnng. Tagesordnung: 1. Bericht der Verwaltung. 2. Neuwahl des Vorstandes und zweier Revisoren. 3. Die Anfertigung von Bildhaucrarbeitcn sür Berlin im Ausland. 20/2 SUF- Mitgliedsbuch legiiimiect. Die Versammlung wird pünktlich 6 Uhr eröffnet. Das Bureau bleibt am betreffenden Abend geschlossen und werden Beiträge in der Versammlung entgegengenommen. Oer Torstand. Ii.& P. Uder. Iterlin SO. 16, � 0ngcl-Clfcr 5. Tabak-OroUhandlung und Rauch-, Kau-, Schnuplfabake, Zigarren, Zigaretten. yorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Grollte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. ksna teil arken Li.IÄvLttLN ��ai�sen. Vorsicht! Die glänzende Einführung von Palmin(Pflanzenfett) und Palmona(Pflanzenbuttec. Margarine) hat zahllose Nach- ahmungen hervorgerufen. Achten Sie deshalb in Ihrem eigenen Interesse beim Einkauf darauf, daß Sie tatsächlich Palmin und Palmona bekommen und daß man Ihnen nicht Fabrikate aufdrängt, die Sie nicht kennen. Weisen Sie alleNachahmungen unbedingtzu- rück. Dann gehen Sie ganz sicher! H. Schlinck&(Sie. Aktiengesellschaft waMwawiMiiMawwllizuBPAagtweM'iiKe ZentrafrerMderSebmiede Zahlstelle Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis: Linienstr. 73.— Telephon: Amt Norden, 9711. DonnerStag, den 8. Februar 191L, abends S'l, Uhr, im Lokale von B ö k e r, Weberstr. 17: örüentliel«e Kenergl-Verssmmlmg. Tagesordnung: 1. Kassenbericht für das 4. Quartal 1911 und Bericht des Vergnügungs- komitees. 2. Stellungnahme zum Verbandstag. 3. Anträge und Verschiedenes. 176/2" Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne Mitgliedsbuch keinen Zutritt. Kollegen l Wir erwarten zu dieser sür alle Mitglieder äutzerst wichtigen Versammlung einen vollzähligen Besuch.— Alle Anträge zum Verbandstog bitten wir, der Verwaltung vorher einzureichen. Die Ortsverwaltnng. Sei Mckgral- oerkrämmang gWazenäste mit meinem weltberilhmten regallerbarea Redression*» Apparat— Patent Li aas— tür Erwachsene nnd Kinder. Mein Apparat wnrde anf d. 10. Aerxte-Kon- Ktess mit d. 1. Preis anseezeichnet n. erhielt auf der International. Hygiene- Ansäte Hang in Dresden 1911 die silberne Medaille. Prospekt n. fachmänn. Berttang kostenlos- F. Menzel, OrtÄ8t<0hM Berlin W. 35, Scbüneberger Ufer 23. W Carmen 5 ■ Ml» Cigaretten' Beste Qualitäten Buchhandlung Vorwärts — Lindenstr. 69, Laden— Wichtig für jeden preußischen Wiks Führer durch das preußische WM Vom Arheitersekrelär Rud. Wissell mit 19 Formularen für Reklamationen Frei« 30 Pf. pollmanna ij�Baudagen Oefchäft, neblt Hrtihel zur Gesundhsits- u. Krankenpflege, /erbar.dftoffe. 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Partei- JJngelegenKeiten. Neukölln/z Uhr. im Lokale des Herrn Wöllstein, Bismarlkstr. 24: Oeffentliche Ber» samiiilung für Männer und Frauen. Tagesordnung: Der letzte Zteichslagsivahlkonipf und welche Lehren haben wir daraus zuziehen? Referent: Redakteur D ä u m i g. Potsdam. Am Mittwoch, den 7. Februar, abends L'/z Uhr, im Saale Kaiser-Wilhelm-Str. 38: WahlvereinSverfammlung. Vorher Kassierung der Beiträge. Der Vorstand. berliner I�admcbteti. Eisbahnfreuden. An älteren Berlin sah es mit den Winterfreuden wesent- lich anders aus als heute. Die Spreemetropole war noch kein schier endloses Häusermeer. Große Komplere lagen im Win- ter brach, boten zur Anlage künstlicher Eisbahnen vorzügliche Gelegenheit. Dazu kamen viele inzwischen eingegangene große Restaurationsgärten, auf denen„gegossen" wurde. Zwar war das Eislaufen hier durch die vielen Laternen- pfähle stark beschränkt, wenn auch für Anfänger recht ange- nehm, aber man war eben damals noch ziemlich anspruchs- los in solchen Dingen. Auch auf den im Laufe der Jahre zugeschütteten Spreeabzweigungen wurde gern gelaufen, so aus dem Königs, und Katzengraben. Wo in der Nähe der Weichbildgrenze ein See vorhanden war, lief man ungehin- dert. wenn auch auf eigenes Risiko, völlig gratis, denn die richtige Zeit, in der aus allem und jedem durch Verpachtung Gold gemünzt wurde, war noch nicht angebrochen. Von großen Wasserflächen war nur die Toureneisbahn nach Tegel, die damals schon am Nordhafen anfing, verpachtet, und die „königliche" Eisbahn auf den Tiergartengewässern, wo für die Mitglieder des Hofes, ganz wie noch heute, ein reiche liches Stück abgesteckt wurde. Das Volk hätte ja sonst al£ färben können. Vielleicht fürchtete man auch das Byzantiner- pack, das vor einer schlittschuhlaufenden Prinzessin wie ein Eiszapfen in der Sonne zusammenschmolz. Trotz alledem zeigte der Eislaufsport nicht entfernt die heutige Bedeutung und Ausdehnung. Zum Teil mag das an den Fortbewe- gungsmitteln selbst gelegen haben. Es gab nur ganz primi- tive Schlittschuhe auf Holzschicnen oder Eisenunterlage mit Lederkappen. Eine halbe Stunde und mehr brauchte man, um diese ungefügigen Dinger an den Füßen laussicher zu be- festigen, was oftmals nur mit Bindfaden geschah und mit Hilfe eiserner Dorne, die bc'd das Schuhzeug ruinierten, worüber die altberliner Schuster nicht unzufrieden waren. Die ersten amerikanischen Schlittschuhe mit dem Namen Halifax, die das Befestigen durch Hebeldruck in wenigen Se- künden gestatteten, kamen erst Anfang der 80er Jahre auf den Markt. Seitdem hat es diese Industrie zu hoher Vollendung gebracht. Mit der Zeit sind die Stahlschuhe so billig ge- worden, daß die Anschaffung für Kinder zu den leicht erfüll- baren Wünschen gehört. Sichere und große Freieisbahnen innerhalb der Stadt gab es natürlich noch nicht. Das ist erst eine Errungenschaft des„Jahrhunderts des Kindes", nach- dem auch die widerstrebenden Stadtväter zu der Einsicht ge- bracht sind, daß die Begünstigung des Wintersports durch die Stadt ein soziales Erfordernis ist. Erst in neuerer Zeit haben auch die komplizierteren Nebenarten des Eissports sich mit gutem Erfolge durchgerungen. Auf dem Müggel-, Tegeler, und Wannsee kann man jetzt in ruhigen Stunden, wenn nicht die feiernde Großstadt Zehntausende nach der Winterpracht der Vororte lockt. Motorschlitten mit fabelhafter Schnelligkeit über die Eisfläche sausen sehen. Lange nicht die gleiche, aber auch noch sehr große Geschwindigkeit erreichen, wenn es gut bläst, die Segelschlitten. Einen wunderhübschen Anblick gewähren die immer zahlreicher auftauchenden Schlitt- schuhläuier mit Handsegeln. Freilich gehört zum Eissport aller Art auf Gewässern, die nicht polizeilich abgenommen sind, große Vorsicht. Selbst bei stärkstem Frost ist man niemals sicher vor Stellen, an denen warme Quellen die Tragfähigkeit des Eises verhindern. Wie das Wasser auch unter dem Eise seine gewaltige Kraft zeigt. sieht man jetzt charakteristisch auf der Müggel, wo sich an der Grünauer Seite vor der Bismarckivarte eine mehrere Meter hohe Eismauer, die die Dampferstege zu vernichten droht, zusammengeschoben hat. Vielen Menschen wird ihre Wage- halsigkeit und eine förmliche Sucht, sich an verbotene Stellen zu begeben, zum Verhängnis. In diesem Winter, der seine Visitenkarte nach kurzer Pause recht aufdringlich abgibt, hat der Eissport schon so viele Opfer wie selten zuvor gefordert. Bedauerlich ist eine stark eingerissene eigenartige„Strand- räuberei". Nicht wenige Schlsttschuhläufer und Spazier- ganger plündern den aus dem Eise hervorragenden Schilf- bestand. Wer die Natur lieb hat. lasse doch die Finger weg von den Schilfstengeln, die bald achtlos auf das Eis geworfen werden und hier häufig Unheil anrichten. Man soll auch nicht den„Grii»goldenen", die nach Strafmandaten in der Nähe der Eisflächen Jagd machen, zu tun geben. Wir Eislfnifer nentppt werden, geht aus dem Umstände hervor, daß aus dem Wannsce ein Eintrittsgeld von 50 Pfennig erhoben wird. Eine Gegenleistung soll, wie uns versichert wird, nicht ge- leistet werden. Die 50 Pfennig sollen selbst von Personen erhoben worden sein, die als Fußgänger über den See gehen wollten, um sich den Weg abzukürzen._ Die Kälte. Die letzte Nacht wies seit Beginn des Winters die höchste Kältetemperatur auf. In der inneren Stadt sank an den Thermometern die Quecksilbersäule gegen 3 Uhr morgens auf Ist Grad unter Null: in Westend wurden um diese Zeit 23 Grad registriert. Die Spree, die noch am Sonnabend offene Rinnen zeigte, ist seit Sonntag morgen völlig zuge- froren, und die schmalen Fahrstraßen, die von Eisbrechern hergestellt worden waren, sind ebenfalls wieder unpassierbar geworden. Nur der Landwehrkanal, der durch Fabrikabwässer ständig warmen Zustrom hat. zeigt hier und da offene Stel- len. An den Hafenplätzen hat jedoch auch sein Eis eine Stärke erreicht, daß die Schiffer über weihe Fläche hinweg bequem ans Ufer gelangen können. Das Eis der Seen weist durchschnittlich 14 bis 16 Zoll auf und besitzt eine Tragkraft von 80 bis 00 Zentnern, so daß man am Sonntag das merk- würdige Schauspiel hatte, über den Müggel- und Wannsee nicht nur Pferdeschlitten, sondern auch schwere Automobile fahren zu sehen. Besonders fühlbar ist dieser harte Winter für die Arbeits- und Obdachlosen Berlins, deren Erwerbsaussichten durch die Einstellung der Bautätigkeit und die hierdurch sich vergrößernde Zahl der Arbeitslosen besonders schlecht sind. Die Obdachlosenasyle waren denn auch in den letzten vier Tagen bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, da man niemanden abweisen wollte, der um ein Nachtlager bat. Während die Zahl der Besucher sonst zwischen 3500 und 4000 schwankte, fanden seit dem 1. Februar täglich über 5200 Personen Auf- nähme, am letzten Sonnabend sogar 5346. Auch das Familien- obdach war völlig besetzt und beherbergte durchschnittlich 180 bis 100 Familien, am Sonntag sogar 204. Auch die Wärme- hallen sind außerordentlich stark besucht. Weit über 2500 Personen finden dort täglich Unterkunft und Nahrung. Berliner As»l-Berein für Cbduchlnse. Im Monat Januar nächtigten im Männerasyl 15 292 Personen, wovon 7139 badeten, im Frauenashl 2134 Personen, wovon 857 badeten- Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer: Wiesenstr. 55/59, für Frauen: Colberger Straße 39._ Vom Kamps um die Jugend. lieber die Jugendpflege und die Turnvereine unterhielt man sich in einer Versammlung, die der Ausschuß der Berliner Turngaue der Deutschen Turnerschaft am Sonn» tag nach dem LehrervereinshauS einberufen hatte. Neben Turnern waren Vertreter der in Betracht kommenden Staats» und Stadt» behörden sowie des Militärs eingeladen worden und erschienen, um an den Erörterungen über die Stellung der Turnvereine zur Jugendpflege sich zu beteiligen. Nachdem in den Kampf um die Jugend die Regierung Preußens mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln eingegriffen hat, ist in den ihr geistesverwandten Kreisen ein wahrer Feuereifer entstanden, auf diesem Gebiet sich zu betätigen. Die von der Regierung gefüllte Millionen» krippe für Jugendpflege würde bald leer werden, wenn alle berücksichtigt werden sollten, die zu ihr sich drängen. Durch den Wettbewerb der neu enlstandetien Organisationen zur Förderung der Jugendpflege und namentlich durch die allerneueste Idee einer Mit» arbeit auch des Militärs fühlt die deutsche Turnerschaft sich ins Hintertreffen gedrängt, sie, die bisher sich eingebildet hatte, in dem Kampf um die Jugend eine führende Rolle spielen zu können. In der Versammlung wurl» von dem städtischen Turnlehrer, Ober» tnrnwart Max Preuß, derbem einleitendes Referat gab, die Be» sorgnis der enttäuschten Deutschen Turnerschaft ziemlich unverhohlen zum Ausdruck gebracht. Seine Ausführungen übet Jugendpflege und Turnvereine gipfelten in einem Hymnus auf deutich-turnerschaftliches.Verdienst' um die Jugend, das offenbar durch die ganze Veranstaltung in empfehlende Erinnerung gebracht werden sollte. Bei dem Worte.Jugendpflege' wird, das bob der Referent hervor, nur an die aus der Volksschule entlassene Jugend ge- dacht, wie ja der ganze Kamps um die Jugend bekanntlich weiter nichts als ein Kampf um die Arbeiterklasse ist. Eine Beein- flusiung der schulentlassenen Jugend ist schon seit langem versucht worden, teils von dem Staat und den Gemeinden durch das Mittel der Fortbildungsschule, zum größeren Teil von Vereinigungen, die die jungen Leute um sich sammelten zur Pflege der Geselligkeit, der Belehrung, des Turnens, der Spiele. des Manderns usw. Von der Fortbildungsschule verspricht Herr Preuß sich einen rechten Erfolg ihrer Arbeit erst dann, wenn sie auch die.körperliche Ertüchtigung' in ihren Lehrplan auf- genommen und einen Turnunterricht mitBeteiligungs- zwang eingeführt haben wird. Bekannt ist, daß die Deutsche Turnerschaft sich der Hoffnung hingibt, man werde dann denjenigen Fortbildungsschülern, die ihr angehören, den Zwang zur Teilnahme am Turnen der Fortbildungsschule erlaffen. Das wäre, so kalkuliert deutsch-turnerschastliche Pfiffigkeit, ein probates Mittel zur Hinein- lreibung auch des Nachwuchses der Arbeiterklasse in die Deutsche Turnerschaft. Herr Preuß behauptete, die Deutsche Turnerschaft sei seit Jahrzehnten eine Hauptträgerin der Jugendpflege gewesen, und er fand, daß sie von oben noch nicht genügend unterstützt werde. lieber die Vereine zur Jugendpflege, die in neuester Zeit aufsprießen wie Pilze auö der Erde und im Kamps um die Mlllionenkrippe sich nicht blöde zeigen, äußerte Referent sich nicht gerade freundlich. Viel Verdruß macht ihm die Konkurrenz des „Jungdeutschland-Bunds", der im vorigen Jahr unter Führung des Generalfeldmarschalls v. d. Goltz zusammengetrommelt worden ist, um— wie man das so nennt— die„Wehrkraft des deutschen Volkes" zu fördern. Aber noch weniger sym- pathisch sind ihm selbstverständlich die Bestrebungen und Organi- sarionen, die aus der Arbeiterklasse entstanden sind: das Jugendturnen der Arbeiterturnvereine, deren Eifer in der Pflege des TurnenS er im übrigen anerkannte, und vor allem unsere Jugendbewegung, die trotz allen Verfolgungen fröhlich gedeihen, die er mit großer Sorge immer weiter wachsen sieht. Herr Preuß wies hin aus den raschen Ausschwung, den"diese Bewegung in kürzester Zeit genommen hat. und beklagte, daß hier schon bei den Jugendlichen eine Scheidung in feindliche Klassen sich vollziehe Demgegenüber müffe die Jugendpflege bürgerlicher Vereinigungen jeden Schein der Hmeinzichung von Politik zu vermeiden suchen, meinte er. Er hatte den Mut, von sozialdemokratischem T e r r o- rismus zu sprechen, der den bürgerliche» Organisationen ihre Tätigkeit auf dem Gebiete der Jugendpflege erschwere, sie aber doch nicht hindern werde. Wie wenn nicht das, was die Jugendpflege- bestiebungen der Arbeiterklasse bisher an Verfolgungen durchzumachen gehabt haben, dem schlimmsten„TerroriSmuS' gleichkäme! In der Diskussion wurde von dem als Vertreter des Ministeriums erichienenen Regierungsrat Felsch hervorgehoben, daß es dem Oberpräsidenten stets eine große Freude ge- wesen sei, der deutschen Turnerschaft die Wege zu ebnen und ihr die Unterstützung der Gemeinden zu erwirken. Von dem Jung- deutsch land-Bund erwarte die Regierung� sehr viel, weil die be» teiligten Offiziere infolge ihrer Füdrereigen- schaften der Jugendpflege einen großen. Elan' geben würden. Professor Reinhardt als Vertreter des Kreises Brandenburg der Deullchen Turnerschaft pries es als einen Gewinn, daß jetzt der„Wehr stand" die Jugend- pflege fördern helfe. Daß aber auch die Foribildungsschltle „in diesen Betrieb huieiiigestellt" werde, sei dringend zu wünschen. Der Schöneberger Stadtverordnete Zobel erivartet von der Be- tätigung der Offiziere in der Jugendpflege eine Milderung des Klassengegensatzes, der nicht nur von der Sozialdemokratie genährt werde, sondern auch in bürgerlichen Kreisen sich immer noch be- Haupte. Er sieht eine„Annäherung des Offizier st andes an das Bürgertum" voraus. Generalleutnant v. I a c o b i. der an dem Zustandekommen des Jungdeutschland-Bunds tätigen Anteil gehabt hat. suchte die deutsch- lurnerschastliche Konkurrenz- turcht zu zerstreuen. Auch er verspricht sich eine„gegenseitige Annäherung von Offizier und Volk". Direktor D i e b o w, der Vorsitzende der Berliner Turnerschaft, riet, sich hinter Arbeitgeber und Eltern zu stecken, um ihnen den Nutzen für die Jungen begreiflich zu machen. Der Berliner Stadlverordnete Max Schulz erinnerte daran, daß die Turnerei früher einmal gegen allerlei ihr von oben her bereitete Hemmnisse sich habe durchsetzen müssen.„Jetzt aber", sagte er,„lassen wir uns die Unter» stützung gefallen, auch die materielle." Ganz be» sonders die malericlle, das läßt sich denken I Durch die neuen Unter- nehmungen, fuhr er fort, dürfe nicht etwa die deutsche Turnerschaft beiseite geschoben werden; lieber sollten die Offiziere in die Turnerschaft eintreten. Gegenüber dieser Naivität eines Freisinnsmannes mag es den anwesenden Offizieren schwer geworden sein, ernst zu bleiben. Der Eifer, mit dem all diese guten Leute sich um die„körper- liche Ertüchiiguiig' der arbeitenden Jugend sorgten, könnte beinahe rührend wirken. Wir sehen im Geiste schon, wie so viel heißes Bemühen sich belohnt macht, wie der Jungdculschland-Bund den Nachwuchs der Arbeiterklasse um sich schart. Er wird jetzt spielend mit seinem aus der Kaserne geholten Zuckerbrot erreichen, was mit der Peitsche der Verfolgungen unserer Jugendbewegung nicht durchzusetzen ist. Der zu den Kindern des Volkes „herabsteigende" Leutnant— der schafft's I So denken es sich wenigstens die bürgerlichen„Jugendfreunde" DaS Ende eines Veteranen. Eine Lokalkorrespondenz meldet:.Nahrungssorgen haben den 69 Jahre allen Schuhmacher Moritz Kaynig aus der Wilsnacker Straße 43 in den Tod getrieben. Seine schlechte Lage machte den allen Mann seines Lebens so überdrüssig, daß er beschloß, ihm ge« waltsam ein Ende zu machen. Sonntagvormittag um 19� Uhr fanden ihn Hausgenossen tot in seiner Wohnung liegen. Ohne daß jemand es gehört hatte, hatte er sich im Laufe der Nacht er» schoflen.' Wie uns berichtet wird, hat der alte Mann die Feldzüge 1894 und 1879/71 mitgemacht und ist auch verwundet worden. Das dank- bare Vaterland gedachte des alten Kriegers insofern, als es ihm den horrenden Sold von 19 Mark pro Monat zukommen ließ. Von dieser„großen" Unterstützung konnle aber der alte Mann nicht existieren und er suchte durch Zettelverteilen einiges hinzu zu ver- dienen. Die morschen Knochen ließen aber ständige Arbeit nicht mehr zu: Arbeitslosigkeit kam hinzu und trieben den Veteranen zur Verzweiflung. In diesem Zustande griff K. zum Revolver und machte seinem elenden Leben ein Ende. Sein Vermögen bestand aut 45 Pfennigen._ Berstauung von Zuschauern im ZirkuS Sarrasani. Ans dem Publikum gehen uns sortgesetzt Beschwerden zu über die Art, wie im Zirlus Sarrasani die Galeriebesucher verslaut werden. Wenn man es einem Unternehme» auch nicht verdenken kann, recht viele Personen in seinem Schaustellungsraum unterzubringen, so sollte aber von der Direktion doch daiauf geachtet werden, daß die Placierung des Publikums sich in einer Weise voll sieht, die nicht Unwillen erregt und Zur Schulmeisterei ausanct. Soweit die Galeriesitzplätze in Betracht kommen, trifft das im Zirkus Sarraiani zu. Männer, die durch keinerlei Abzeichen als Angestellte des Zirkus kenntlich sind, nehmen die Ankommenden in Empfang und weisen ihnen den Platz an. Dagegen wäre ja nichts einzuwenden, wenn die Platzanweiser sich damit begnügte». Aber sie schieben mit mehr oder weniger sanftem Druck die einzelnen Personen aus den langen, nichts nummerierten Bänken so eng wie möglich zusammen, und damit die Menichenkelte nicht etwa wieder„auseinanderschnellen" kann, setzen sie sich— ein lebendiger Schlußstein— als letzter auf die Banl, bis wieder neue Besucher kommen und das Spiel von vorn beginnt. Die Sache wäre an sich noch nicht so schlimni, es kommt nur darauf an. wie das Zusammenrücken geübt wird und wie es der einzelne Gast ausfaßt. Und so geichiebt es denn öfter, daß der Platzmajor mit seiner Methode an den Unrechten gerät und Auseinandersetzungen folgen, die sogar schon zu Tällichkeiten ausgeartet sein sollen. Aber auch wenn gerade nicht das Aeußerste eintritt, so fühlen sich doch selbst ruhige und friedliche Besucher durch die daielbst Herrichende Gepflogenheit, erwachsene Personen wie kleine Kinder zu betreuen, peinlich berührt. Die Platzanweiser sind nach unserer Meinung völlig überflüssig und es iväre für die Direktion ein leichtes, für richtige Raumansnutzung ohne diese Helfer zu sorgen, sie brauchte bloß an den Bänken laufende Nummern anzubringen und jeder wüßte, wieweil sein Platz reicht. Jedenfalls ist das System, wie eS heute geübt und vom Publikum als lästig empfunden wird, nicht gutzuheißen und paßt auch nicht für uniere Berliner Verhällniffe, wo man nichts mehr haßt, als das ewige Reglementieren und Bevormunden. Ein tödlicher Automobilunfall ereignete sich am Sonntagabend auf dem Schloßplatz. Dort wollte das 29 jährige Dienstmädchen Minna Micke, die in der Wangenheimstr. 4 in Grunewald in Stel- lung war, den Damm überschreiten, ohne auf die Hupensignale einer herannahenden Kraftdroschke zu hören. Der Chauffeur ver- suchte noch im letzten Augenblick seinen Wagen zum Stehen zu bringen, doch rutschte das Gefährt auf dem fcstgefrorenen Schnee weiter und brachte die M. zu Fall. Das Mädchen trug mehrere Rippenbrüche und innerliche Blutungen davon, denen sie trotz sofortiger ärztlicher Hilfe auf der Unfallstation am Spittelmarlt erlag. Eine Razzia auf Eisenbahnreisende wurde in voriger Woche auf Bahnhos Gesundbrunnen veranstaltet. Die verschiedenen Bahnsteige dieses Bahnhofs haben an ihren Zugangstreppen von der Bellermannstraße her nicht jeder feine eigene Sperre, sondern sind untereinander durch eine sie überbrückende Galerie verbunden, die nur oben an dem gemeinsamen Eingang eine Sperre hat. Dadurch wird es ermöglicht, daß bei dem llmsteigeverkehr zwischen den Zügen der Ringbahn und der Vorortzüge der Nord-, der Stettiner und der Kremmener Bahn, der auf Bahnhof Gesundbrunnen sich vollzieht, man über die Galerie ohne nochmalige Billettkontrolle von einem Bahnsteig zum andern gelangen kann. Diese Galerie war am Mittwoch in den Abendstunden zur Zeit des stärksten Verkehrs von einer beträcknlichen Anzahl Eisenbahn- beamten besetzt, zu deren Unterstützung man xtvch ein starkes Aufgebot von Polizisten herangezogen hatte, wie wenn einer der vielen von der Polizei noch immer nicht gefundenen Mörder erwartet würde. Jeder, der die Galerie durchschritt, um nach einem anderen Bohnsteig zu gehen, mußte hier Halt machen und seine Fahrkarte vorzeigen. Anscheinend war infolge irgendwelcher Be- obachtungcn der Verdacht rege geworden, daß ein Fahrkarten- schwinde! verübt werde, und ihm wollte man wohl durch eine aus Bahnhof Gesundbrunnen vorgenommene Zwischenkontrolle auf die Spur kommen. Uns wird gemeldet, daß dabei etwa 15 Per- fönen angeholten und zur Feststellung ihrer Personalien fistiert worden feien. Unter ibnen war auch ein Mann, der von einer weiter zurückliegenden Slalion kam. aber nur eine Wochenkarte Gesundbrunnen— Pankow hatte. Als er erklärte, die bis Gesundbrunnen reichende Karle verloren zuhaben, wurde von einein Eiienbahnbeamten eine genaue Durchsuchung seiner Kleider vorgenommen. Der Mann muhte alle Taschen ausräumen, und der Beamte griff dann noch selber hinein, um sich zu überzeugen, ob nicht etwa« darin stecken geblieben sei. Auch eine Tasche niit Papieren würde sorgfältig durchsucht, und mit gleicher Gründlichkeit wurde der Inhalt des Portemonnaies geprüft. Es fand stch bei dem Msiliercn weder die vermihte Fahrkarte, noch irgend etwas, was seine Angabe widerlegt hätte. Schliehlich griff ein Beamter sogar noch unter das Futter des Hutes, wie wenn hier die Fahrkarte stecken könnte. Gegen die Zumutung, ohne weiteres 6 Mark Strafe zu zahlen, wehrte der Sistierte sich. Darauf wurde ihm angekündigt, dah bei gerichtlicher Entscheidung die Sache noch teurer werden würde. Er zahlte nicht, und eS blieb nur übrig, ihn zu entlassen. Noch' an demselben Abend fand er dann die vermihtc Fahrkarte in einem Handschub, in den sie hineingeglitten war, als er sie in die Paletot- tasche gesteckt hatte. Als- er an einem der nächsten Tage aus Bahn- hos Gesundbrunnen dem Stationsvorsteher die Fahrkarte übergeben wollte, wurde er abgewiesen. Er ist neugierig darauf, ob man auch noch den Versuch machen wird, ihm die ü M. abzuknöpfen. Eine schlichte Gedenkfeier zu Ehren des vor Jahresfxist ver- storbenen Genossen Stadtverordneten Emil Voigt fand Sonn- tagmittag an dessen Grabe auf dem Zentralfriedhof in Friedrichs- fclde statt. Trotz der schneidenden Kälte hatten sich zahlreiche Ge- nossen des vierten Wahlkreises. Stadtverordnete sowie sdnstige Freunde eingefunden, um den einfachen Gedenkstein der Oeffent- lichkeit zu übergeben. Etwa 60 Sänger des Berliner Männerchors eröffneten unter Leitung ihres Dirigenten die einfache Feier mit dem stimmungsvollen Liede„Freundschaft und Liebe". Der Refrain:„Wahret die Flammen, auswärts die Blicke" gab dem Stadtverordneten Waldeck Maria sse einen An- knüpfungspunkt, um in warmen Worten der Verdienste Voigts für die Partei und seine Familie zu gedenken. So wie Frau und Kind nach dem Tode ihres Ernährers mutig den harten Kampf ums Dasein aufgenommen haben, rief er die Anlvesenden auf, nicht zu trauern und zu klagen, sondern im Sinne bis Verstorbenen weiter zu arbeiten und zu kämpfen für unsere gerechte Sache.— Hermann Rintorf richtete im Namen der Familie Worte des Dankes an die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion, Freunde und Ge- nassen für die Errichtung des Gedenksteins, der ein äußerliches Zeichen für ein dauerndes Andenken bildet. Wieder setzten die Sänger ein; wehmütig und begeistert zugleich klangen die Weisen über die winterlichen Gräber, und nachdem die letzte Strophe de? BardcnchorS„Ein Sohn des Volkes" verrauscht war, erreichte die eindrucksvolle Feier ihr Ende. Ein Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen, bei welchem zwei Personen verletzt wurden, ereignete sich am gestrigen Sonn- tagabend am Kottbuser Damm, Ecke der Schinkestraße. Dort fuhr der Motorwagen 1530 der Linie 20 El auf den an der Haltestelle stehenden Anhängcwagen IS eines Zuges der Linie 58 El auf. Bei dem Zusammenstoß der beiden Wagen wurden zwei Personen durch Glassplitter im Gesicht verletzt, konnten jedoch ihren Weg weiter fortsetzen. Im Bett erstickt. Ein schweres Brandunglück hat sich am Sonn- tag früh in der Turmstraße 84 zugetragen. In seiner Wohnung in einem kleinen Häuschen auf dem Hofe wurde dort der 52 Jahre alte Kaufmann Josef Kazmirski, der von seiner Frau ge- trennt lebte, erstickt im Bett aufgefunden. Alle WiederbelebungS- versuche mit einem Sauerstoffapparat waren vergeblich. Di« Leiche wurde von der Revierpolizei beschlagnahmt. Wie vermutet wird. ist Kazmirski in der Nacht angeheitert nach Hause gekommen und hat dabei einen kleinen eisernen Känonenofen umgestoßen. Während er tmnn im Bett schlief, hatte die Glut aus dem Ofen den Fuß- Hoden und die Balkenlage des Zimmers in Brand gesetzt. Das schwelende Feuer entwickelte einen derartigen Qualm, daß der Mann erstickte. Erst in den Vormittagsstunden wurde dann der Unfall bemerkt. Der Brand konnte von der Feuerwehr schnell ge- löscht werden, doch kam bei dem verunglückten Kaufmann jede Hilfe zu spät. Panik bei einem Brande. Gleichfalls durch einen angetrunkenen Mann wurde in der Nacht zum Sonntag auch in der Großen Frank- furter Str. 84 ein Wohnungsbrand verursacht, der eine P a n i k unter den Mietern zur Folge hatte. Das Feuer entstand im dritten Stock des zweiten OuergcbäudeS und wurde erst be- atcrkt, als gegen 5 Uhr morgens die Wohnungen der beiden Ober» aeschoss« verqualmten. Als dann die aus dem Schlaf aufgeschreckten Mieter sich über die Treppe in Sicherheit bringen wollten, war auch diese schon in dichten Rauch eingehüllt, so daß ein Passiere» un- möglich war. Männer und Frauen zeigten sich an den Fenster» Her dritten und vierten Etage und schrien um Hilfe, als die Feuer- wehr anrückte. Rettungsmannschaften eilten sofort nach oben und riefen den Bedrängten zu, noch ein wenig auszuhalteii. Ein schnelles und entschlossenes Eingreifen war nötig, da die Flammen aus den Fenstern des dritten Stocks hell hervorschlugen. Aus dem vierten Stock wurden von den Sappeuren seckzs Personen über die Treppe ins Freie geschafft. In der brennenden Wohnung im dritten Stock hielt sich nur der angetrunkene Mann auf, der auf dem Korridor aufgefunden wurde. Er war noch nicht nüchtern und wußte nicht, was geschehen war. Rein durch ein Wunder ist er dem Tode«nt- rönnen. Die Wohnung brannte zur Hälfte anS. Vernichtet wurden Betten. Kleidungsstücke und Möbel, die der Mann unvorsichtiger- weise in Brand gesteckt hatte „Der Großglockner, Gasteia und die Salzburger Alpen" lautet ein neuer Lichtbildervortrag, der am Sonnabend zum erstenmal im wissenschaftlichen Theater der Urania in der Taubenstraße zur Au- schauung und zu Gehör gelangte. Von vielen, zum Teil recht klaren Lichtbildern veranschaulicht, schilderte der Vortragende Herr Wagner in seinem ersten Teile die landschaftliche» Reize vom Kaisergebirge zum Großglockner. während wir im zweiten Teil des Vortrages von Gastein nach Salzburg geführt werde». Gletscher, himmelanstürmende Felsen, pralblvolle Seen, prächtige Städtchen und Oertche» wechseln miteinander ab. So mancher berr- liche Sommeraufenthalt der Hautevolee zieht an unserem geistigen Auge vorüber. Auch manche geschichtliche Erinnerung wird wach- gerufen, wobei die Belanglosigkeiten über Kaiser Wilhelms Aufeiithalt in Gastein ruhig fortbleiben tonnten. Jeder Naturfreund wird bei einem Besuch dcZ BortrageS zu seinem Rechte kommen und nur bedauen«, daß nur wenigen es vergönnt ist, all daS Schone selber schauen zu tonnen. Schwere Brandwunben erlitte» haben in der Sonnabendnacht bei einem Brande in der Willibald-Alexis-Str. 3 der Schneider Adolf Buchholz und seine Schwester Margarete Buchholz. Diese wollte abends einen Maskenball besuchen. Als die B. mit ihrer Garderobe fertig war. kam sie mit ihrem großen Hut der brennenden Lampe zu nahe. Im Nu stand das junge Mädchen in Flammen und brannte lichterloh. Bei dem Bemühen, die Flammen zu löschen, erlitten der Bruder Adolf und die Eltern Verletzungen. Die Ge- fchwister wurden nach dem vrbankrankenhause gebracht. An dem Aufkommen des Mädchens wird gezweifelt. Adolf Buchholz dürfte mit dem Leben davonkommen. Die Eltern sind leichter verletzt und zwar an den Händen. Die Flammen loiinten bald von der Wehr gelöscht werden. Zu der Großduchbinderei von C. Metschke u. Co,. Ziinmerstr. 04, verunglückte gestern vormittag der Beschneider Wilhelm Mark- warbt. Er geriet mit der rechten Hand in den Dreischneider, wo« durch ihm der Daumen glatt abgeschnitten wurde. Wie uns mit- geteilt wird, soll es in der Buchbinderei an Verbandsmaterial ge- fehlt haben, so daß M. erst auf der Unsallstation verbunden werden konnte. 4. Berliner Sechstagr-Rennen. 8. bis 9. Februar im„Sportpalast", Potsdamer Straße. Wohl selten hat eine sportliche Per- anstaltung solch unerquickliche Vorgeschichte gehabt, als dieses Rennen, so daß noch am Vorabend die ganze Geschichte im Un- gewissen war. Tie beteiligten Parteien, Rennfahrerverband sowie der Verband deutscher Radrennbahnen, erließen Startverbote und hoben dieselben dann wieder auf, daß kein Mensch mehr klug daraus wurde. Endlich gelang es doch, eine Einigung herbcizu- führen und konnte somit das Rennen am Sonnabend, 12 Uhr nachts, seine» Anfang nehmen. Die teilnehmenden Fahrer, 15 Paare, setzen sich größtenteils aus Ausländern, besonders Amerikanern, zusammen, die schon fast alle an New Dorker Sechstagerennen tcilgenomcn haben, also praktische Erfahrung besitzen. Diesen gegenüber haben unsere Vertreter einen schweren Stand und wird hauptsächlich nur der Mannschaft Rütt-Stol Aussicht auf Erfolg zugesprochen.— Der Besuch des ersten Tages war schwächer als der der früheren Veranstaltungen, Nach der Vorstellung der Fahrer, die unter den Klängen ihrer Nationalhymnen eine Ehrenrunde zurücklegten, ertönt der Startschuß und das Rennen beginnt. Die erste stunde bringt zahlreiche Reifendefekte; dann wird die Bahn glatter und das Tempo schneller, so daß die frühe- rcn Leistungen überboten werden. Aber dieser Schnelligkeit fallen die schwächeren Fahrer zum Opfer und verschiedene Paare liegen mit mehreren Runden Abstand zurück, der 14. Stunde stürzt der Amerikaner Wilcv schwer und muß ins Krankenhaus gebracht werden. Später scheiden Sonntag und Thomas aus, so daß am Schluß des ersten Tages noch 13 Paare im Rennen sind,— Wir werden am Schluß des Rennens noch eine kurze Uebersicht über den Verlauf bringen. Ein Schutzmann von einem Kameraden angeschossen. Sonntag nachmittag entlud der Schutzmann Gebhardt nach der Rückkehr vom Patrouillengang auf dem 196. Polizeirevier seine Dienstpistole. Beim Herausziehen des Magazins machte er die sogenannte Schlittenbcwegung und drückte dabei ab. Plötzlich ging ein Schuß los und traf den neben Gebhardt stehenden Schutzmann Kotzmeh! am rechten Oberschenkel, wo die Kugel die Fleischteile durchdrang, ohne den Knochen zu verletzen. Den Verletzten bracht« man nach dem Krankenhause am Friedrichshain, von wo er nach Anlegung eines Verbandes nach semer Wohnung gebracht werden konnte. In Srävipfe gefallen ist am Sonnabend, den 3. d. M. der Sandelsmann Gülzow, Krautstraße 38 bei Reichel wohnhaft, abends zwischen 11— 12 Uhr, Ecke Lange- und Krautstraße. Als er wieder zu sich gekommen, tvar sein Handelskorb mit Ware und Papieren int Werte von zirka 12— 13 M. nicht mehr an seiner Seite. Der ehrliche Finder wird unter obiger Adresse um gütige Mitteilung gebeten._ Vorort- Nacbricbtett. Neukölln(Rixdorf). t Wahlrcchtsantrag in der nächsten Stadtverordnetenversammlung. Der am Donnerstag, den 8. Februar, nachmittags 5 Uhr, stattfindenden Stadtverordnetenversammlung hat die sozial- demokratische Fraktion folgenden Antrag unterbreitet: Antrag auf Erlaß eines Ortsstatuts über die anderweitige Zusammen- etzung der Wählerabteilungen bei den Kommunalwahlen. Ortsstatut. Auf Grund des§ 3 des Gesetzes vom 30. Juni 1900 betreffend Bildung der Wahlörabteilimgen bei den Gemeindewahlen wird bestimmt daß bei der Abgrenzung der Wählerabteilungen auf die erste Wählerabteilung*/„, auf die zweite 4/ts und auf die dritte Wählerabteilung'/,z der Gesamtsumme der im Z 1 des Gesetzes bezeichneten Steuer- betrage aller Wähler fallen, eine höhere Abteilung aber nicht mehr Wähler zählen darf als eine niedrigere. Von der übrigen Tagesordnung interessiert namentlich Punkt 6. der von der Abgabe von Kartoffeln an die ärmere Bevölkerung handelt._ „Die Borteile der Organisation für den Gastwirt" war die Tages- Ordnung einer vom Verband der freien Gast- und Schankwirte ein- berufenen öffentlichen Versammlung, in der Stadtverordneter O b st- Schöneberg referierte. Eingehend erörterte er die Lage im Gast« wutSgewerbe und legte die Notwendigkeit einer straffen Organisation dar. Vor allem müsse der Gastwirt sein Augenmerk auf die Ge- uossenschastsbewegung richten; die EinkaufSlominission der freien Gastwirte bringe jedem große Vorteile. In einer Stadt wie Neu- kölln, wo die Gastwirte lediglich auf die Arbeiterschasl angewiesen sind, sei es hockst sonderbar, daß so viele Kollegen der politischen Bewegung noch interesselos gegenübei stehen. Diesen JndiffcreniiSniuS zu bei eiligen sei Aufgabe der Gegenwart.— In der Diskussion wurde die bestehende KonzessionSsteuer einer scharfen Krink unterzogen und lebhaft üderBerufssragen debattiert. Polizeiliche Willkür lind Uebergriffe, unter denen besonders die Gastwirte zu leiden haben, boten Stoff zu eingehenden Aussprachen.— Der Vorsitzende erläuterte»och die Ziele und Bestrebungen der Organisation und forderte zlim Beitritt auf. Ein schweres Brandungliick hat sich am> gestrigen Montag nach- mittag-in Neukölln zugetragen. Die Frau des in der Lenau- straße 27 wohnenden Lageristen Küfer hatte siir kurze Zeit ihre beiden vier und drei Jahre alten Knaben allein in der Wohnung zurückgclassc». Die Kinder machten sich während der Abwesenheit der Mutter an dem Kochherde zu schaffen und dabei singen ihre Kleidung Feuer. Bald standen die bedauernswerten Kinder m hellen Flammeir. Auf die gellenden SchnierzenSsthreie der Kleinen eilten Nachbarn hinzu, denen es durch Aufwerfen von Betten und Decken gelang, das Feuer, zu ersticken. Leider hatten die Knaben bereits erhebliche Brandwunden davongetragen. Am, schwersten verletzt wurde der ältere Gerhard Küser, dem beide Oberschenkel und der Unterleib erbbelich verbrannt waren, während Otto Küser Brand- wunden im Gesicht und an den Händen davongetragen hatte. Die beiden Kinder wurden nach der Unfallstation in der Steinmetz- straße geschafft, wo ihnen die erste Hilfe zuteil wurde, und von dort nach dem städtischen. Krankenhaufe in Buckow Übergeführt. Lankwitz. Daß die Kirche BnberSbenkenden gegenüber keinerlei Toleranz übt, wurde am Sonntag«den Leidtragenden eines verstorbene» Tischlers Rähein erneut in Erinnerung gerufen. Die Kollegen des Verstorbenen hatten den Dahingeschiedenen dadurch zu ehren für notwendig erachtet, daß sie seinem Sarge mit einem Kranz mit roter Schleife folgen wollten. Da sie wußten, daß am Grabe des Verstorbenen ein Prediger zugegen sein würde, hatten sie die Schleife bereits schwarz umflort. Aber auch dieses matte durch- schimmernde Rot schien den Küster in Aufregung versetzt zu haben. Denn als die Kollegen des Verstorbenen kaum den Friedhof be- treten hrtten, kam auch schon der Küster auf sie losgesteuert, um sie um Entfernung der Jlranzschleife zu ersuchen, wenn anders sie nicht den Friedhof verlassen wollten. Um nicht wieder umzukehren, kamen die so in Empfang Genommenen der Aufforderung des Küsters nach. Durch dieses Beispiel der Unduldsamkeit Anders- denkenden gegenüber sind der Beioegung zum Austritt aus der Kirche wieder einige Streiter zugeführt worden. Teltow. Bei der am Montag fiattgefunbene» Stadtverordneten-Rach- wähl wurde der Genosse Schlombach mit 149 Stimmen ge- wählt. Ein gegnerischer Kandidat war nicht aufgestellt, Lichtenberg. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich am Sonnabend nach- mittag in der Alteisenlagerei von Schweitzer u. Koppler in der Ritlergutsstraße. In dem Fallwerk der Lagerei sollten Eisenbahn- räder von den Achsen gelost werden und waren deshalb in eine Maschine eingespannt worden. Seltsamer Weise war vergessen worden, die Türen, die das Fallwerk von den übrigen Arbeits- räumen abgrenzen und die dazu bestimmt sind, die durch daS Fallwerk fortgeschleuderten Eisentcile aufzufangen, zu schließen. Beim Losreißen deS Rades von der Achse wurde der Verschlußstöpsel mit so großer Gewalt emporgeschleudcrr, daß er den 29 Meter von dem Follwerk entfernt arbeitenden Schlosser Karl Lemke, Kammmer Straße 18 wohnhaft, am Kopf schwer verletzte. Der Arbeiter, der einen komplizierten Schädelbruch davongetragen hatte, wurde in das RummelSburger Krankenhaus geschafft, wo er bald nach seiner Einlieferung verstarb, lieber die Schuldfcage schwebt noch die Unter« suchung. Nieder- Schönhaufen. Die BerschmelzungSfrage zwischen Nieder-Schönhausen u»8 Pankow bildete den Hauptpunkt der Tagesordnung. Bürgermeister Abraham wies zunächst daraufhin, daß im September vorigen Jahres eine Kommission zur Vorberatung der Vereinigung beider Gemeinden gewählt worden sei. Diese Kommission habe sich ein- gehend mit dieser Frage beschäftigt und ihre Beschlüsse in einer Denkschrift niedergelegt, sie habe beschlossen, die Eingemeindung nach Pankow abzulehnen. Gcmeindcvcrtreter Becker stellte hierauf den Antrag, die Angelegenheit zu vertagen, da bei der Wahl der Kommission zugletch beschlossen worden sei, daß mit den Vertretern von Pankow verhandelt werden soll, was jedoch nicht geschehen sei. Genosse Breitmann unterstützte den An- trag, die Gegner der Eingemeindung lehnten jedoch mit großer Mehrheit den Antrag ab, da über diese Angelegenheit schon genug gesprochen worden sei. Durch eine Vertagung werde die Unruhe in der Bürgerschaft nur noch weiter fortgepflanzt, außerdem sei zu befürchten, daß die Eingemeindungsfrage bei den kommenden Gemcindevertreterwahlen in einer das Wohl der Gemeinde gerade nicht fördernden Art agitatorisch ausgenutzt werde. Hierauf wurde die Denkschrift verlesen, die deutlich zeigt, daß die Kommission die Frage nur von dem Standpunkt aus geprüft hat, welche Vor- teile die Eingemeindung den Einwohnern, besonders den Hausbesitzern bietet. Wären die später eintretenden Vorteile ge- nügend berücksichtigt worden, so hätte eine solche schroffe Ablehnung nicht erfolgen können. In der Denkschrift wird zunächst daraus hingewiesen, daß die Steuerverhältnisse der Gemeinde günstiger seien wie in den meisten Vororten des Kreises Niederbarnnn. Die Schulverhältnisse werden ganz besonders gelobt, indem in Pankow auf eine Lehrkraft 44,4 Kinder kommen, dagegen in Nieder- schönhausen nur 43. In Wirklichkeit sind die«chulverhältnissc nicht so zufriedenstellend, baben doch anfangs dieses Jahres.die Bewohner des Wilhelmsruher Ortstcils den Gemeindevorstand ganz energisch ersucht, für bessere Schulverhältnisse Sorge zu tragen, da sie sich sonst an die Regierung wenden mühten. Weiter wird ausgeführt, daß die Armenlasten zu einer Ablehnung der Einverleibung zwingen. Die Armenlasten betragen nach dem Etat 1911/12 in der hiesigen Gemeinde pro Kopf der Bevölkerung 1,26 M.; in Pankow 1,85. Bezüglich der Kanalisation ist Nieder- schönhauscn vertraglich noch berechtigt, bis zum Jahre 1926 von der Stadt Berlin die Aufnahme ihrer Abwässer in die Berliner Kanalisation zu verlangen. Die Stadt Berlin will nach dem aahre 1926 den Vertrag nicht mehr verlängern. Es sind daher erHandlungen zum Anschluß an den Kanalisationsverband Reinickendorf-Mttenau, der über umfangreiches Rieselterrain per- äigt, angebahnt worden. Somit sei auch diese Frage kein Grund >ur Eingemeindung. Auch die Hochbahn habe in den öffentlichen Lersaininluiig.cn eine erhebliche Rolle gespielt. WaS konnte abist in dieser Beziehung von Pankow verlangt werden? 1. Daß eS dqc Weiterführung der Hochbahn nach Niederschönhausen nichts in den Weg legt; 2. baue Pankow die Bahn bis nach Niederschönhausen und behandele die hiesigen Bürger im Punkte der Bezahlung der Kosten ebenso wie die Pankower. Die Hochbahnangelegenheit sei somit für die Verschmelzung völlig gleichgültig. Bürgermeistxr Kühr in Pankow hat jedoch in einer Sitzung der dortigen Gc- meindevertretung ausgeführt: Komme die Verschmelzung nicht zu- lande, so würde Pankow die Hochbahn an der Stettiner Bahn enden lassen, wolle Niederschönhausen die Bahn weiter bauen, so habe die hiesige Gemeinde für die Strecke von der Stettiner Bahn bis zur Grenze von Niederschönhausen zirka 899 999 M. zu zahlen. Zum Schluß wird in der Denkschrift noch auf die Nachteile bei einer etwaigen Vereinigung hingewiesen. Zunächst würden die hiesigen Bürger das Recht aufgeben, ihre Verwaltung selbständig zu führen, lieber ihr Wohl und Wehe würde dann eine auS Personen zusammengesetzte Majorität beschließen, die nicht dem Orte Niederschönhausen angehören und daher naturgemäß bei einer Kollision deS Pankowcr und des Schönhauser LrtSteils die Jnter- essen des ersteren wahrnehmen werden. DaS Schlußergebnis aller dieser Betrachtungen der Kommission ist: Die Eingemeindung nach Pankow muß abgelehnt werden! In der dreistündigen Debatte übte Gemeindevertreter Haeger scharfe Kritik an der Denkschrift. Redner vertrat die Auffassung, daß eine Eingemeindung nichts Ungünstiges bringen könne, er sehe nur Vorteile, wenn zwei in ihren Finanzen gleiche Gemeinden sich zu einem Gemeinwesen zusanimentun. Ganz energisch verwahrte er sich gegen den Vor- wurf, als ob sein Eintreten für die Eingemeindung etwas Un- rechte» wäre. Auch die Furcht einer Majorisierung sei unbegrün- dei; welchen Grund sollte auch Pankow haben, den hiesigen Ort schlechter zu behandeln. Den Borwurf werde die Vertretung nicht loS werden, daß in dieser Frage einseitig geurteilt worden sei. Herr August Kuhlmann hielt eS für notwendig, mitzuteilen� daß Pankow vierstöckige Hinterhäuser baue, deren Bewohner die größten Anforderungen an die Armenverwaltung, die Polizei und die Schulen stellen und dabei die wenigsten Steuern zahlen. Genosse B r e i t m a n n trat dieser Behauptung mit gebührender Schärfe entgegen. Nachdem noch ein halbes Dutzend Redner gegen die Eingemeindung gesprochen, wurde der Vorschlag der Kommisston, den Antrag Pankows auf Eingemeindung abzu- lehnen, mit 19 gegen die Stinimen der Vertreter Becker, Breit- mann. Häger und Äoa angenommen. Dem Verein Kinderhart wurde ein Zuschuß von 199 M. zur Unterhaltung einer Suppen- küche für arme Schulkinder gewährt. Hierauf folgte eine geheime Sitzung. Potsdam. Ans der StaMverordiietenversommlung. Zunächst wurde her Ein" fübrung einer besonderen Gewerbe st euerordnung zn- gestimmt. Bei der Veranlagung soll das Betriebskapital zugrunde gelegt werden. Man hat dasselbe aiif 1 Million Mark sentgegen dem Magistratsvorschlag von l'/2 Millionen Mark) festgesetzt und hofft diirw diese Gewerbesteuer vor allen, die Filiale» auS- wärtiger Firmen zn tieffen. Es dürfte daher auch eine Mehrein- »ahme, die aus 10 999 M. geschätzt wird, zu erwarten sein. Die Vorlage über die Neuregelung der Löhne für daS städtische Feuer- wehr- und ArbciterkorpS wurde zurückgezogen; dem st-llvertretendei, Betriebsleiter der stäMiscben Straßenbahn dagegen wurde sein Gehalt von 3499 M. auf 3699 M. erhöht. Der Laaerbuchhalter, der bei acht- stündiger Arbeitszeit 1659 M bezog, soll jetzt bei zehnstündiger Arbeitszeit 199 M. Zulage erhalten. Bei GeholtSerböhungen der Unterbeamten scheint keine große Freigicbigkeit vorzuberrschen. Für ea. 509 Stmiden Mehrarbeit eine Zulage von 199 M., das macht pro Stunde zwanzig Pfennig. Aehulich sollten auch die Feuer- wehrleute bedacht werden. Nach neunjähriger Dienstzeit tollten sie gegen setzt 2 Mmk lzwei Mark) Zulage pro Monat mehr, also von 123 M. auf 125 M.. erhallen und nach zwölfjähriger Dienstzeit 5 M. Zulage(von 125 M. auf 139 M.).— Den städtischen Arbeitern. die mit 2.7 5 Mark pro Tag(der ortsübliche Tagelohn beträgt 3.59 M.) entlohnt werden, sollten die Abzüge für Alters- und Jnvalidengeld erlassen werden und damit soll diq Lohnaufvesierung«riebigt fetn. Tin« langete Debatte rief der«n, trag des Arbeiterturnvereins„Frisch auf' um Ueberlassung einer städtischen Turnballe zu seinen Uebungsstunden hervor. Aach wiederholt abgelehnten Gesuchen an den Magistrat hatte diesmal der Verein das erneute Gesuch auch gleichzeitig an die Stadtverordneten gerichtet. Als nun der Magistrat den ab» lehnenden Bescheid in der vorigen Sitzung zur Kenntnis der Stadtverordneten gab, beantragte Stadtv. Keimes die Besprechung in der nächsten Sitzung. Der Berichterstatter führte aus, daß nach Auskunft des Magistrats der Verein sich politisch betätige, ob- wohl in dem beigefügten Statut jede politische Tätigkeit ausdrücklich ausgeschlossen sei. Da aber die Recherchen deS Magistrats das Gegenteil bewiesen hoben, beantragte er Uebergang zur Tagesordnung. Stadtv. Kennes beruf sich ebenfalls auf das Statur und bestritt den politischen Charakter des Vereins. Man könne doch nicht auf eine politische Tätigkeit schlichen, wenn vielleicht einzelne Mit- gliedert sich politisch betätigen. Stadtv. Krämer trat ebenfalls für den Antrag ein. Es half nichts. Erst der Stadtrat Dr. Aver und dann der Oberbürgermeister VoSberg versuchten aus dem— Liederbuch den politischen Charakter des Vereins nachzuweisen. Als.Beweis' diente letzlerem dazu der Schluhfatz des Vorwortes des Liederbuches der freien Turnerschaft:.So möge denn unser rotes Liederbuch in seinem neuen Gewände in die Welt hinausgehen,' sowie einige Lieder. Schließlich glaubte der Oberbürgermeister den Stadtverordneten noch das Milbestim« »lungsrecht zu verweigern..Ich bitte zu bedenken, so betonte er. daß wir die Herren der Gebäude sind; so be st i in men wir > st I-4- Würze Suppen Bouillon-Würfel sind die besten! „Für den Allagen ist nur das Beste gut genug!" Müll fch'r ,)Frostikon"-B3lsani flcficn Frostbeulen, Froströte. »ch'.1' Jrostikor-Salbe geg. Froüwunde». offene Frost- Schäden. Preis S» Ps..7ZPs., IM sPorto 20 Pf.) Erfolg überraschend I Prompier Beisand nach auswärts Ott« Reichel, Berlin«,, Eisenbahnstraße 4. Kliimrn- nnd �rnniliinbfrfi von Roberl Meyer,' nur iflqtiflUiifU'Slrtilif 2. SÄNGER REDNER: OrtMvcrwaUnns Berlin. Bureau: Berlin C., Rosentbalerstr. 11/12, Restaurant Schilling. 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Nach dem Konzert im großen Saal Tanz* ' Kinder unter 4 Jahren haben keinen Zutritt.' m ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ ♦51 iccadtlltf BESITZER HEINRICH BRAUN 'Ab 8 Ubr: Bollständig neues Programm. l0 Uhr: Noch nie dagewesener Lacherfolg das „vrixlnal". Potsdamer cpiaiz MMil iS,.. sitraiim der Novitäten Gr Öffnung näcßsfer �age Noa Voigt. Die Bettlerin und ihr Kwd. Geschloffen. Ansang 8>/, Ubr. Neues Volkstheatcr. Strindberg- Geschlossene Vor- A Feier. Belle-Sllliauee. stellung. Sternwarte, Jnvalidcnstr. 57—62. 8edlller-7!ieslef0.�em-n Dienstag, abends 8 Uhr: Der IVeg aar Hülle. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Probepfcll. DonnerSlag, abends 8 Uhr: Der Weg r.ur Hülle. Scöiller-Thealer Chabrü?r Dienstag, abends 8 Uhr: Der Prubepfeil. Mittwoch, abends 8 Uhr: Enillla Oulottl. DonnerStaa, abends 8 Uhr: _ Der Probepfell._ Berliner Theater. AbcndS 8 Uhr: Grotze Rosmen 8 Uhr: vie 8 lTsukrurter. Neues Theater. AbcndS 3 Uhr: Der liebe Auguftin. Theater des Westens. 8 Ubr: Bbschiedsgaftsptele dcS lllnssisohen likullctts. Heute: Karneval— Geist der Rose Polowetzer Tänze— Kieop'atra. Nesideaz-Theater. Direktion Richard Alerander. Abends 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in ll Akten von M.Hcnncqiiin u. G. Mitchell. In Szene gesetzt und für die deutsche Bühne bearbeitet von Bollen-BaeckerS. Morgen u. folg. Tage: Allesi.d. Firma. Luisen-Theater. Dienstag: Baroiieffe Elatre. Mittwoch: Sommerspuk. Donnerstag: Benefiz für den Ober- regiffeur Georg Waid. Premiere: Zopf und Schwert. 2 Alle von Anton u. Donat Herrnseld. Personen: Sally Kumpel: Anton Herrnfeld Ruth, seine Frau: Poldi Rust Wenzel Wichel: Donat Herrnfeld Adeline, dessen Frau: Helene Tlchopik Walter Selig: Artur Franzetti Elle», seine Frau: Martha Schlöffer Dr. Christian Cohn: Hugo Döblin Sabine, seine Frau: Frida Levennann Dr. Jeffelsohn: Leovold Gndiel Wendeborn: Ernst Eckstein Hiriekorn: Jacques Morwah Orlosska: Martha Mayerhoser Alma: Lucie Rudolph Betty, Dienstmädchen bei Gumpel: Marz. Meilicke Erna, Dienstmädchen bei Orlosska: Ella Marion. Uer Hzuslensel. Familienschwank in 1 Akt v. Pohlmann. Ansang 8 Uhr. Billettvorverlaus l l— S(Theatei kaffe). Passage-Tiieatar. Scimeider-Duncker Carl and Lotly die berühmt. Excentr.-Tsinzer. Luise Schäfer V o itra gskünstlerin. The Hevaldos Truppe d. best. Schleuderbrett-Akrob. und d. Febr.-GIanzprogr. 14 erstkl. Spezialitäten. [am Potsdamer Platz I Köni�rätzer Straße Ecke Köthener Straße |Hles n. elepnleslesj lltl-H Das sensationelle Eröffnungs-Programm gespielt vor Mitgliedern jes�Kgl. 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Täglich« Uhr: j Das berühmte, pantomi- inenfreie, unverfälschte CirCUS-ProgFaim Mittwoch, nachm. 3 Uhr und abends 71/j Uhr; 2 Vorstellungen 2 Vorverkauf a. d. Circus- kasse und an sämtlichen BUlettverkaufss teilen von A. Wertheim. Casino-Theafep Lothringer Str. 37. Ansang 8 Uhr Ter qrvftte Tbcatcrcrfolg k Täglich ausoertaust. Der Kampf ums Dascin. Attuell I Dem heutigen Leben cnt- nommen.— Sonnlag nachm. 3st, Uhr: Ter selige Hollschinsly. Folies Caprice. Täglich 8'/. Uhr: Losgelassen. �Vakken üdunz. MandeldlüthS Polterabend. Voigt-Tljcater. DienStag, den 6. Februar 1912: Gastspiel im Moabiter Winter- Garten, siüher .Ai-tuwbok, PeAeberger Str. 26. Von Stnse zu Ttufe Lebensbild mit Gesang in 6 Bildern von Dr. H. Müller. Kasseneröftnung 7, Ansang 8'/« Uhr. Berliner Konzertafkuis. Mauerstr. 82 Zirnrnerstr. 90/91. Großes Konzert»• Anstich von 3 Königsbräu, dem kßstlichsten aller Münchener Doppelbiere. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachmittags; ©r. 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Die Manidschndhnastie scheint nunmehr den Kampf gegen die übermächtige Revolution aufgeben zu wollen. Das Abdankuugs dokument ist unterzeichnet. Bei dieser Gelegenheit wird wiederum bewiesen, mit welch feinem Instinkt der Kapitalismus aus- gestattet ist. In allen fünf Erdteilen verhält sich die kapitalistische Presse den Vorgängen in China gegenüber mit wohlwollender Passivität: selbst für das bedrängte Gottesgnadentum der Mand schus zeigt sie kein besonderes Interesse. Dies aus dem einfachen Grunde, weil sich von dessen Konservierung nichts Vorteilhaftes für ihre Interessen erwarten läßt. Die Beseitigung des mittelalterlich-feudalen Plunder von Eiw richtungen eröffnet dem internationalen Kapital Aussichten, die einen Freudenrausch erzeugen können. Denn eS gibt heute kein Land, das dem Ausbeutertum günstigere Chancen böte als das Reich der Mitte. Freilich wird dessen Bourgeoisie wenig Neigung zeigen, sich mit ausländischen Kapitalisten in die Beute zu teilen Allein ihre gigantischen Pläne lassen sich ohne die Erfahrung und die finanzielle Hilfe des Westens nicht realisieren. So werden sie wohl oder übel ihre Wünsche auf gänzlichen Ausschluß des Aus landes von der Teilnahme am Gewinn zurückstellen müssen, wenn auch nur so lange, als China Erfahrung und Kapital genug ge sammelt hat, um ohne fremde Unterstützung fertig zu werden. „Wenn Japan eine Nation des Westens(Rußland) durch An- Wendung einer nach westlichem Muster organisierten Armee und Flotte besiegen konnte, weshalb sollte China nicht daS gleiche tun können und, die japanische Methode nachahmend, den Westen da» vonzuhalten?" SLos hier ein sogenannten Fortschrittsmann er klärt, ist nur ein milder Ausdruck der Gefühle, die die Brust der chinesischen Bourgeois bewegen. Freilich wird es mit der Nealisic rung dieser Hoffnung ohne Eintausch von Nachteilen noch seine Schwierigkeiten haben. Auch Japan hat von dem Moment an, wo es den Weißen seine Tore öffnete(1854) das gleiche gehofft, und hat seitdem alles getan, um hinter das Geheimnis den Ueber legenheit des Westens zu kommen, aber der Erfolg ist weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Gewiß hat es sich die staatliche Unabhängigkeit geschaffen, eine westliche Macht besiegt, aber dafür eine Schuldenlast eingetauscht, unter der es zusammenzubrechen droht, und wirtschaftlich und finanziell kann es das Ausland wem gcr als je entbehren. Wie man sich auch nun zu dem japanischen Beispiel stellen mag, jedenfalls wind sich die siegreiche Bourgeoisie nicht mit Er wägungen über die problematische Beschaffenheit ihrer Hoffnungen abgeben, sondern alle Kraft für die Realisierung derselben ein- setzen. Das heißt, es wird eiligst an dem Ausbau von Heer und Flotte gehen und nicht zögern, sie gegen jeden anzuwenden, der ihr das Recht auf Ausbeutung des Landes und des Volkes schmälern sollte. Die wirtschaftliche Erschließung des Landes und de? Ausbau von Heer und Flotte sind Aufgaben, denen der in der vermoderten Bahn des Mittelalters sich bewegende Agrarstaat nicht gewachsen ist. Er will sich, wie Japan, in einen Industriestaat umwandeln. AuS dem seit vielen Jahrhunderten politisch, kulturell und wirt- schaftlich stillstehenden Riesenreich wind allgemach ein modern- kapitalistischer Industriestaat werden. Die 5hiliS und Bauern wer- den zu Fabrikarbeitern werden und mit ihren Klassengenossen der übrigen Welt konkurrieren. Ob oder wann sich die Jndustrialisie- rung Chinas zu einer gelben Gefahr für das Wirt- schaftsleben des Westens auSwächst, wird von dem Tempo der industriellen EntWickelung und besonders von der Verwendbarkeit der Kulis für die Fabrikarbeit wesentlich abhängen. Auf pol'- tischem Gebiet wird sich die gelbe Gefahr allerdings eher suhl- bar machen, als es unserer Diplomatie lieb sein mag. � China ist für einen Industriestaat unendlich besser prädestiniert alS das nachbarliche Japan: nirgends findet der moderne KapitahS- mus die Vorbedingungen für einen glanzenden Aufstieg bollstandi- acr erfüllt. Es birgt in herrlicher Fülle icne Rohstoffe, die für den Aufbau des Industriestaates unerläßlich sind. Daneben hat es ernc Anbeiterschaft. die als die bedürfnisloseste auf Gottes werter ��DW�Rohstoffvcrhältnisse sind über das ganze Land verteilt. In den siidlichen Provinzen Kweichow, Kwangsi,_ Uunnan un Hunan weck-seln Braunkohlenlager mit Stcinkohlenftötzen ab. Menge dieser Kohlenvorräte wird auf 30 Milliarden Tonnen ge- sckxitzt. Auch der Norden ist mit Kohlen genügend versehen. Die Kohlenberge der Provinz Schansi allein könnten die gooze We auf viele Jabrhunderlte, wenn nickt auf Jahrtausende mit �rcnn- Material versorgen. Nack Rickuhofen beträgt der Vorrat an Stein» kohlen nickt weniger als 830 Milliarden Tonnen, om' ebenso häufig wie die Kohle ist das Eisen anzutreffen. Erzberge und Kohlenfeldcr liegen zuweilen eng beieinander. Dazu birgt der Boden Silben, Zinn, Kupfer. Salpeter, Zink und Queckulber in großen Mengen. Ter Abbau wird für die Technik wenig oder gar keine Schwierigkeiten machen. Diese riesigen Erdsckätze sind prak- tisch noch nicht angetastet. Denn was will eine jährliche Kohlen- förderung von nicht zwei Millionen Tonnen neben der ungeheuren Vorratsmenge besagen? Für die Baumwollkultur ist das Klima der ausgedehnten Aangtseeben: und das Chingkings und Kweichows vorzüglich geeignet. Es werden jetzt sckon mit den von den Vorvätern über- kommcnen Arbeitsweisen jährlich über 300 000 Tonnen erzeugt. Wissenschaft und rationeller Abbau werden nicht nur die Quantität um das Vielfache steigern, sondern auch die Qualität derart ver- bessern können, daß sie der langfaserigen Baumwolle Amerikas gleichkommt. Das gleiche gilt auch von der uralten Scidenkultur. Ausgezeichneter Weizen gedeiht im Nangtsetal und in der Mand- schüret. Hier allein schon ist Humusboden genug, um die ganze Be- völkerung reichlich zu ernähren. Und wenn der Mangel an Dung- Mitteln durch Verwendung von Salpeter behoben wird, so ist für die Verarößerung der Anbaufläche für Kornfrüchte und die Er- höbung ihrer Entrogfäbigkeit gute Aussicht vorbanden. Neben diesen Erdschützcn und klimatischen Vorzügen hat China, wie zum Ueberfluß, vier ausgedehnte Stromsystcme, deren Hauptadern bis weit in das Land hinein mit großen Seeschiffen befahren werden können. Auf diesen Wasserwegen können die Rohstoffe in die � Industriezentren zur Verarbeitung, und von da hinaus aufs offene Meer, zum Export, gebracht werden. Aber die Aussichten des Kapilasismus auf Riesenprofite steigern sich noch unendlich, wenn jene Gaben der Natur im Verein mit dem vorhandenen Menscheumatcrial betrachtet werden. Der � chinesische Arbeiter ist das idealste Ausbeutungsobjekt, das sich denken läßt. Er ist willig und billig, ausdauernd und fleißig, und von einer Bedürfnislosigkeit, die ihresgleichen sucht. Im amcrika- nischen Westen wird behauptet, der chinesische Kuli bringe seinem Arbeitgeber eine dreimal größere Arbeitskraft als«in Weiher Kollege, und verlange zehnmal weniger Lohn dafür. Das mag [übertrieben sein, ist es aber lange nicht in dem Maße, als man gemeinhin anzunehmen geneigt ist. Er schleppt unverdrossen Lasten rlwn einer Schwere, die einem Maultier nicht aufgeladen werden dürften, wenn sich sein Besitzer nicht der Beschuldigung der Tier- quälerei aussetzen will. Stundenlang trappt er wie ein Droschken- gaul mit einer vollgeladencn Rikscha; meilenweit trögt er rastlos Sänften; weit übers Land fährt er auf seinem von den Vorfahren geerbten Schicbekarren eine drei-, vier-, fünf-, ja selbst sechsköpfige Familie. Weder die Hitze des Sommers, noch die Kälte des Winters scheint ihn anzufechten. Immer sieht man ihn in seiner dünnen, nicht selten aus elenden Lumpen zusammengehefteten Gewandung, wenn er in puncto Kleidung nicht überhaupt dem biblischen Adam nachstreben sollte. Ueber die Löhne der Arbeiter im Innern des Lande? liegen nur spärliche Angaben vor. Nach dem Aeußern der Behausungen und dem Inhalt der Eßtöpfe zu urteilen, müssen sie selbst nach asiatischen Begriffen sehr gering sein. In den europäischen Kon- Zessionen an der Küste ist der Verdienst durch die Bank höher als im Innern. In Shanghai erhalten die von der(europäischen) Stadtverwaltung augestellten Bauarbeiter 71 bis 92 Pf. den Tag. In den Baumwollspinnereien der Nachbarschaft werden den Frauen und Kindern pro Tag 12 bis 33 Pf. gezahlt. Maschinenschlosser in einer chinesischen Fabrik sollen 180, Tagelöhner 50 Pf., auf den Werften die gelernten Leute„sogar" 4 M. erhalten. Als Tagelohn der Lasten- und Sänftenträger im Innern des Landes wird in der Hauptsache die Summe von 60 bis 100 Pf. genannt. Hier ist aber die unbeständige Beschäftigung in Rechnung zu stellen. In den Bergwerken Chihlis wird den Kohlengräbern 55 bis 70, den Kulis 35 bis 55 Pf. gezahlt. Die chinesischen Kohlengruben in Kansu zahlen an Hauer 15, an Schlepper 12 Pf., nebst Kost und LogiS. Man kann, ohne zu riskieren, der Unrichtigkeit geziehen zu werden, behaupten, daß es unter den chinesischen Industrie arbeitern herzlich wenige gibt, die einen dauernden Tagesverdienst von über 70 Pf. haben. Tie vielen Millionen ungelernte Arbeiter in den Städten, Häfen und auf dem Lande würden sich glücklich schätzen, wenn sie nur die Hälfte des Einkommens ihrer in den Fabriken stehenden Genossen hätten. Um die Niedrigkeit der Löhne in milderem Lichte erscheinen zu lassen, wird oft auf die Billigkeit des Lebesnunterhaltes hin- gewiesen. Es ist ja richtig, daß der Kuli mit 4 bis 5 Pf. seinen Tagesaufwand an Nahrungsmitteln bestreitet, auch kann er für 10 Pf. eine nach asiatisch-proletarischen Begriffen genügende Mahl- zeit in einem Restaurant erhalten. Allein diese Billigkeit ver-, mindert sich sofort in nicht geringem Matze, sobald man Qualität und Quantität der Kost des Kulis etwas näher betrachtet. Nur ein Menschenschlag von der UnvcrwüsUichkeit der chinesischen Kulis, kann sich damit erhalten und bei der Verzehrung den Appetit bc- wahren. Der bedürfnisloseste Arbeiter Europas würde, wenn sein Magen nicht schon beim ersten Versuch revoltierte, nach einigen Tagen an Entkräftung leiden. Die Freude des Ausbcutertums über die Billigkeit und den Fleiß des chinesischen Arbeiters wird mit einem Tropfen Wermut gemischt. Er sei zur Fabrikarbeit wenig geneigt und befähigt. Bei Verrichten, wo rohen Kraftaufwand und einfache Hantierungen verlangt werden, wie in den Kohlenbergwerken, beim Eisenbahn- und Häuserbau, habe er Zeugnis von seiner Verwendbarkeit ab- gelegt; aber in dem industriellen Unternehmen, wo Intelligenz, geistige Beweglichkeit und hohe Geschicklichkeit vonnöten seien, ver- sage er. Seine Sparsamkeit verschwinde, sobald er mit fremdem Material zu wirtschaften habe; für die Maxime: Zeit ist Geld! zeige er schon gar kein Verständnis. Sein Arbeitseifer lasse be- dcnklich nach, wenn der Aufseher ihm den Rücken zuwende. Kämen diese Klagen nur aus den Bureaus der paar Fabriken und Werften der chinesischen Küste, so könnte man sie übergehen. Aber sie werden auch von anderer, nicht direkt interessierter Seite gemacht, so daß ihnen ein gutes Stück Wahrheit nicht abgesprochen werden kann. Aber wenn dem so ist, wenn erst einige Generationen von chinesischen Fabrikproletariern durch die industrielle Tretmühle gegangen sein müssen, ehe ihre geistige und berufliche Qualifikation an die unserer Fabrikarbeiter heranreicht, dann scheint die gelbe Gefahr fiir die Industrie des Westens in nicht gerade beängsti- gender Nähe. Wie dem nun auch sei, jedenfalls ist die sich jetzt in China voll- ziehende Umwälzung so tiefgreifend und für das sozialistische Proletariat so bedeutungsvoll, daß sie die volle Aufmerksamkeit erheischt._ p. k. Gerichts- Zeitung. Die schwarze Liste der Armendirektio». Die Armendirektion der Stadt Berlin führt eine schwarze Liste unterstiivnngsiichcndcr Personen. Der Zweck dieser Einrich- tung ist nicht der, die Armenpflege vor unbegründeten Ansprüchen von nicht Hilfsbedürftigen zu schützen. Gegen sie schützen die Organe der Armenverwaltung sich durch eingehende Prüfung der Lage, in der vie Bittsteller sich befinden. Im übrigen wäre eine schwarze Liste, die bestimmte Personen ein- für allemal als nicht hilfsbedürftig hinstellt, gesetzlich unzulässig. ES muß ja iti jedem Falle aufs neue geprüft werden, ob nicht doch inzwischen eine Not- läge eingetreten ist. Die schwarze Liste der Armendirektion könnte den Zweck haben, diejenigen aufzunehmen, denen auf Grund bestimmter Erfahrungen nur geschlossene Armenpflege statt barer Unterstützung zuteil werden soll. Daß in der schwarzen Liste auch solche Personen Aufnahme finden, die gegniüber Organen der Armenverwaltung„sich nngcbiihrlich benommen" haben, wurde gestern vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(Abteilung 2) festgestellt in einer Klage, die ein Kaufmann K. gegen die Armendirektio» ang. strengt hatte. K.. der früher sich mit Bittgesuchen an die Armenpflege ge- wandt hatte, gehört zu den Personen, die auf die schwarze Liste gesetzt worden sind. Er klagte gegen die Armendirektion mit dem Antrag, ihn von der schwarzen Liste zu streichen. Kläger führte aus, daß er ohne zureichenden Grund in die Liste hineingebracht worden sei. Durch diese unbegründete Maßregel werde er schtner geschädigt, da er seitdem keine Unterstützung mehr bekomme und Schulden machen müsse. Die Armendirektion gestatte ihm nicht. sich zu rechtfertigen, und der Bezirksausschuß habe eine von ihm eingereichte Klage abgewiesen. Daß auch vom Amtsgericht die Klage abgewiesen werden müsse, führte der Rechtsbeistand der Armendirektion aus. Gegen jene Maßregel den Rechtsweg zu beschreiten, sei überhaupt l icht angängig. Höchstens könne im Verwaltungswege durch eine Beschwerde die Aufnahme in die schwarze Liste angefochten werden. In diese bringe man solche Personen hinein, die sich ungelührlich benommen haben und daher keine Varuntcrsiübnng mehr erhalten sollen. Die Armenverwal- tung lasse aber die so gekennzeichneten Bittsteller nicht verhungern, sond xn gebe im Notfall eine Anweisung auf Lebensmittel oder gewähre auch Aufnahme im Familicnobdach. Der Richter ließ sich nicht daraus ein, durch Beweisaufnahme zu prüfen, ob K. zu Recht oder zu Unrecht auf die schwarze Liste der Armendirektion gesetzt worden sei. Die Klage wurde ohne weiteres aus den vom Rechtsbeistand der Armendirektion vor- getragenen Gründen abgewiesen. Nachspiel zu den Methblvergiftungen. Die strafgerichtliche Aktion, die sich an die Mafsenvergiftunget» im städtischen Asyl anschließt, ist in den Vorbereitungsstadien so weit gediehen, daß die Eröffnung des Hauptversahrens unmittel- bar bevorsteht und die Ansetzung des HauptverhandlungsierminS für Ende dieses oder Anfang nächsten Monats zu erwarten ist. Dem Vernehmen nach werden sich außer dem Drogisten JuliuS Scharmach aus Charlottenöurg, der bekanntlich den Methylalkohol- Schnaps an die verschiedenen Schankwirte geliefert haben soll, noch die Reisenden Karl Zastrow und Bruno Meyen zu verantworten haben. Die Strafsache wird vor der 10. Strafkammer des Land- gerichts I unter Vorsitz des Landgcrichtsdirebtors Criiger zur Ver- Handlung kommen. Scharmach wird außer wegen Betruges auch noch wegen Vergehens gegen§ 12 des Nahrungsmittelgesetzes zur- Verantwortung gezogen werden. Dieser bedroht mit Gefängnis, denjenigen, der„vorsätzlich Gegenstände, welche bestimmt sind, anderen als Nabrungs- und Genußmittcl zu dienen, derart her- stellt, daß der Genuß derselben die menschliche Gesundheit zu be- schädigen geeignet ist, ingleichen wer wissentlich Gegenstände, deren Genuß die menschliche Gesundheit zu beschädigen geeignet ist, als Nochrungs- und Genußmittel verkauft, feilhält oder sonst in Ver- kehr bringt. Ist durch die Handlung eine schwere Körperverletzung, oder der Tod eines Menschen verursacht worden, so tritt Zuchthaus-, strafe bis zu 5 Jahren ein." W� erinnerlich, wird behauptet, daß durch den Genuß des von Schopmach fabrizierten Methylalkohol-Likörs bei mehreren Personen der Verlust des Sehvermögens verursacht und bei etwa 90 Personen der Tod eingetreten sei. Gegen die beiden Mitangeklagten Reisenden mird nur der Fahrlässigkeitsparagraph 14 des Nahrungs- mittelgesetzes in Anwendung kommen. Schwrmnch bestreitet nach wie vor, daß fün Fabrikat das entsetzliche Unglück verschuldet habe. Er ist der eigentliche erste Drogist, der mit der Verwendung des Methylalkohols Mr Likörfabrikation an Stelle des teuereren echten Sprits im Große« begonnen hat. Er beruft sich auf ein Handbuch. in welchem diese Art der Likörfabrikation angegeben worden sei; er will daraus sei«c Kenntnis geschöpft haben und bestreitet unter Berufung auf die eiflenen Erfahrungen, die er und einige Freunde mit dem" Genutz voy, Methylalkohol gemacht haben, daß diesem s» verheerende giftige Eigenschaften innewohnen. Es scheint, als ob von der Verteidigung die Möglichkeit einer anderen Ursache der Masscnorkranku,:gen �um Gegenstände der Erörterung gemacht loerden soll. Jpdenfells wird sich zur Hauptverhandlung ein ganzer Areopag pon Sachverständigen im Gerichtssaale versam- mein und es werden sich lebhafte Debatten entwickeln, an welche» zahlreiche Aerzte inzd Chemiker teilnehmen werden. (Vegen Priigellchrer. In Königshütte sind t.'ehrere Volksschulen. Eine dieser Schulen, besuchte der Knabe Przykr.'lla. Dieser erhielt vom Rektor KroU, der einer andern Volksschule, vorsteht, eine Ohrfeige in der St. Bar- barakirche, als er nach einer Messe, an der er in Gesellschaft seines Vaters teilgenommen hatte, dlp Kirche verlassen wollte. Der Rektor, der den Knaben gar nicht kavnte und auch von der Begleitung seines Vaters nichts wußte, haüte geglaubt, der Knabe wolle sich vordrängen, und in der Annahme, cu könne über alle Volksschüler des Orts Schulzucht ausüben, ihn geschlagen. Der Vater erstattete Strafanzeige und der Rektor wurd« darauf auch vom Schöfcngericht zu einer Geldstrafe wegen Körperverletzung verurteilt. Bevor es zur Verufungsverhandlung kam, erhob die Regierung zu Oppeln zugunsten deS Rektors den Konflikt. Sie teilte hinsichtlich der Scheilzucht aller Lehrer aller Volksschulen des Qris gegenüber allen Volksschülern desselben Orts den Standpunkt des Rektors und ma'chte geltend, daß somit der Rektor in Ausübung von Amtspflichten gehandelt habe. Eine Ueberschrcitung dieser Pflichten liege auch nicht vor, denn er habe die Schulzucht auch außerhalb der Schule ausüben können. Wenn er glaubte, der Knabe wolle sich beim Verlassen der Kirche in un- gehöriger Weise vordrängen, dann habe er ihn mit Recht ge- schlagen. Diese verwunderliche Auffassung der Regierung vermochte da» Qberverwaltungsgericht nicht zu teilen. Es erklärte vor kurzem den Konflikt der Regierung mit folgender Begründung für unzulässig: Es liege überhaupt keine befugte Amtshandlung vor. Das Gericht könne nicht anerkennen, daß ohne eine besondere Anordnung der höheren Behörde der Lehrer einer Volksschule befugt sei, gegenüber Schülern anderer Volksschulen desselben Orts die Schulzucht auszuüben. Eine solche Anordnung habe aber nicht vorgelegen. Somit müsse schon deshalb der Konflikt als unzulässig verworfen und dem gerichtlichen Verfahren gegen den Reltor Fortgang ge- geben werden. Versammlungen- Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie verwandter BerufSgcnossen. Die Verwaltungsstelle Berlin hielt am Sonntag- nachrnittag eine außerordentliche Generalversammlung in den „Arminhallen" ab. Schwittau erstattete Bericht von der Gau- konfcrenz, die am 28. Januar in Wittenberg stattfand. Die Ent» Wickelung der Organisation im Gau war befriedigend, nur in bezug aus Berlin wünschte man bessene Resultate zu sehen und regte an, daß Berlin als Geschäftsstelle einige Beamte fest anstellen sollte. um das Agitationsfeld besser bearbeiten zu können. Die Gau- konfercnz erklärte sich auch für eine Erhöhung der Verbandsbei» träge um 10 Pf. pro Woche. Diese beiden Punkte, besonders aber der Vorschlag der Er» höhung der Beiträge, bildeten nun in der Generalversammlung den Gegenstand einer sehr ausgedehnten Diskussion. Die große Mehr» zahl der Redner sprachen sich sehr entschieden gegen eine Erhöhung der Beiträge aus. Man wollte auch von festangestellten Beamten fiir Berlin nichts wissen. Ebenso erhob sich gegen die wöchentliche Herausgabe des Fachorgans, die von der Gaukonfcrenz gewünscht wurde, der hohen Kosten wegen Opposition. Eine eingebrachte Protestresolution gegen die Erhöhung der Beiträge wurde aber doch schließlich abgelehnt. Tie Gaukonfercnz gilt als Vor- läufer des Vevbandstages, der zu Pfingsten in München zusammen- treten wird. Darum wurde den Vorschlägen der Gaukonferenz bc- sondere Bedeutung beigemessen.— Für den Berbandstag lagen der Gencvalversammlung nun einige Anträge vor, durch die man Wege zur Sparsamkeit weisen und der Erhöhung der Beiträge mit anderen Vorschlägen begegnen wollte, und zwar durch Acnderung der Statuten, die Unterstützungen betreffend. Diese An- träge wurden von den Vensanimelten angenommen. Ein Antrag, die Tätigkeit der Preßkmmnijsion regelnd, fand ebenfalls die Zu- stimmung der Versammelten. Ein Antra® des Bezirks Schöneberg betraf die Wahl der Revisoren und verlangte, daß die Wahl in der kombinierten Versammlung evfolge, welche die Ergänzungswahl des Vcrbandsvorstandcs vorzunehmen hat. Ein anderer Antrag des. selben Bezirks lautet:„Ein Mitglied, welches einer zweiten Or» ganisation angehört, hat keinen Anspruch auf Unterstützung (.Kranken-, Erwerbslosen-, Streik- und Maßregelungsunter- stützung)." Diese Anträge an den VerbandStag in München wunden von der Versammlung ebenfalls angenommen. Ntarktbrricht von Berti» am!!. Felirnar 1012. nach Ermittelung deS königl. Polizeipräsidiums. M a r t l l> a 1 1 e n v r e i s c. lKleinbandelt 105 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum.Kochen SK.OO—SO.OO. Spcitebohucn wcige, 40.1>0— 00,00. Linsen 40,00— 80,00. Kartosscln 10.002-14,00. 1 ililo- «ramm Rindfleisch, von der Keule 1,00—2,40. Rindfleisch. Bauchflcitch 1 30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,50. Hammelfleitck 1,30—2,20. 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