Ur. 33. nbonnementS'Redlngungen: AboiinemimtS- Preis drSnumerando: Licrteljährl. 3,30 2RL, monatl. 1,10 Mü. wöchentlich 28 Psg, frei inS Hau?. Einzelne Nummer 5 Psg, Sonnlags- nunimer mit illulirierter SoimtagZ. Vellage.Die Neue Welt' 10 Pfa. Post- »ibonncmcnl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeilunas. Preisliste. Unter Kreuzband für Tculschland und Oesterreich. Unaarli 2'Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen lliit Belgien. Dänemarf, tolland. Italien. Luxemburg. Portugal, innämcn, Schweden und die Schweiz, 29. Jahrg. Me MeiÄm-Gedflhi' Brtrifgt für die scchsgespaltene Koloncl- zeile oder deren Raum 60 Pfg., sür politische und gewerlschaftliche Verein?. und Versammlungs-Anzeigei, 80 Pia. „Kleine Hnzeigen", das fettgedruckie Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellcnaii' zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes iveitere Wort S Pfg. Worte über löBuch- 'laben zählen für zwel Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis st- $ Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist bis 7 Uhr abends geossnet, krlchelnl lilgllch sullil Msiltilg». Vevlinee Dolllsblnkk. Tentralorgan der foziatdemokrati f eben Parte» Deutfchlands. Telegramm- Adresse: nSgzlsIlleiiisIllst Rerlln", Redaktion: SRI. 68, Lindcnstraese 69. Fernsprecher: Amt Morinplan, Nr. IS8Z. Expedition: SRI. 68, I,indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. ISSt» Keichstagsansang. Mittwochmittag fand unter Entfaltung des üblichen höfischen Zeremoniells die Eröffnung dcS neuen Reichstages statt— natürlich im Schloff des Monarchen und nicht in den Räumen des Parlaments. Der Kaiser verlas folgende Thronrede: Im Namen der Verbündeten Regierungen heiße ich den neu« gewählten Reichstag willkommen. Das feste Gefüge des Reichs und staatlicher Ordnung unversehrt zu erhalten, die Wohlfahrt dcS Volkes in allen seinen Schichten und Ständen zu mehren, die Stärke und das Ansehen der Nation zu wahren und zu erhöhen, ist das Ziel meines Handelns. In ihm weih ich mich mit meinen hohen Verbündeten eins, und ich lebe der Ucberzengung, daß auch Sie als die er- wählten Vertreter der Nation Ihre besten Kräfte an die gemeinsame Arbeit setzen werden. Seit einem Menschcnalter nimmt die soziale Fürsorge in der ReichSgcsetzgebung eine» hervorragenden Platz ein. Noch in der letzten Tagung des vorigen Reichstages sind die Wohltaten der Versicherung auf weite Kreise der Bevölkerung ausgedehnt tvorden. Derselbe soziale Geist, aus dem dies Werk hervorgegangen ist, muh auch fernerhin walten. Denn die Entwickclung steht nicht still. .✓Sfic Finanzen deö Reichs haben.festen Halt gewonnen. Auf der Grundlage bestimmt bemessener Matrikularbeiträge ist eS gelungen, das Gleichgewicht des ReichshaushaltS herzustellen und mit Hilfe der Ucberschüsse, die sich ergeben haben, den auherordentlichen Etat zu entlasten. Durch Festhalten an den bisherigen strengen Grund- sätzen wird das Reich binnen kurzem zu einer vollständigen G e- sundung seiner Finanzen gelangen. Mit Befriedigung erfüllt mich der Gedanke, welch hohe Leistungen der freie ll n t c r n e h»1 u n g S g e i st in Industrie und G e- lverbe, Handel und Verkehr vollbracht hat und wie bei steigender Vervollkommnung ihrer Technik die Landwirtschaft allmählich wieder einporgcblüht ist. Angesichts dieser glücklichen Fortschritte werden die Verbündeten Regierungen die Grundlage» unserer Zollpolitik auch künftig bei Vorbereitung und Abschluß neuer Handelsverträge nicht verlassen. Der Stärkung des Deutschtums im AuSlan d wird ein Ihnen alsbald zugehM�er Entwurf dienen, der die Reichs- und Staatsangehörigkeit n�Wn der Weise regelt, daß es den deutschen LandSieuten draußen erleichtert wird, Reichsangehörige, zu bleiben oder die verlorene ReichSangchörigkeit wieder zu erwerben. Das Gedeihen unserer Werke des Friedens daheim und über See hängt davon ab, daß das Reich mächtig genug bleibt, um seine nationale Ehre, seinen Besitz und seine berechtigten Jnter- essen in der Welt jederzeit zu wahren und zu vertreten. Deshalb ist meine beständige Pflicht und Sorge, die Wehrkraft des deutschen Volkes, dem cS an waffenfähiger junger Mannschaft nicht gebricht, zu Lande und zu Wasser zu erhalten und zu stärken. Gesetz- entwürfe, die diesen Zweck verfolgen, sind in Vorbereitung und werden Ihnen mit Vorschlägen über Deckung der Mehrkosten zugehen. Helfen Sie. geehrte Herren, diese hohe Aufgabe erfüllen, so werden Sie dem Vaterlande einen großen Dienst erweisen. Von unserer Bereitwilligkeit, internationale Streit« punkte gütlich zu erledigen, wo immer es der Würde und den Interessen Deutschlands entspricht, haben wir dt,rch den Abschluß der Vereinbarungen mit Frankreich einen neuen Be- weis gegeben. Neben der Pflege unserer Bündnisse mit der Oe st erreich- Ungarischen Monarchie und dem Königreich Italien bleibt meine Politik darauf gerichtet,- mit allen Mächten freundliche Beziehungen auf der Basis gegen» scitiger Achtung und guten Willens zu unterhalten. Im Vertrauen auf die gesunde Kraft des deutschen Volkes blicke ich mit Zuversicht, und auf GotteS gnädigen Beistand bauend, über die Kämpfe des Tages hinweg in die Zukunft des Reiches. So entbiete ich Ihnen, geehrte Herren, zum Beginn einer neuen Legislaturperiode nieinen Gruß in der Hoffnung, daß Ihre Tätigkeit dem Volke und dem Lande zum Heile gereichen werde! Aus dem dürftigen Inhalt dieser Rede tritt nur weniges, aber um so wichtigeres nlit Bestimmtheit hervor: Militarismus und Marinismus sollen neue Verstärkung erfahren und neue Steuern werden notwendig, um die Ansprüche Molochs zu befriedigen. Wie groff die Forderungen sein werden, darüber bewahrt die Thronrede Schweigen; der Bundesrat hat sich mit den Vorlagen noch nicht beschäftigt. Um so eifriger treiben dafür die Offiziösen ihr Spiel; Tag für Tag werden höhere Summen genannt. Hieß es noch vor kurzem, daß die Kosten der Hceresvorlagen 100 Millionen betragen werden, so wird jetzt die gleiche Summe und mehr als Erfordernis für die Flottenvermehrung bezeichnet. Und wer die Tradition unserer Regierung und der bürgerlichen Parteien kennt, wird keinen Moment daran zweifeln, daß ein flroffer Teil der neuen Lasten wieder durch indirekte Steuern den arbeitenden Klassen-werden auferlegt werden. So soll denn das W e t t r ü st e n verstärkt, der Steuerdruck vermehrt werden. Das ist die Be- grüffung, die dem neuen Reichstag von der Regierung zuteil wird. Und als selbstverständlich wird diese Botschaft rfon allen bürgerlichen Parteien aufgenommen. Während in England«eben der Arbeiterpartei� wenigstens ein Teil der Liberalen zu der auswärtigen Politik ihrer Regierung in Opposition getreten ist, zur Politik einer Regierung, die sie selbst bilden, wagen unsere Liberalen überhaupt kein Wort I des Widerspruchs mehr gegen die verderbliche Sinnlosigkeit des immer erneuten Wettrüstens. In der aus- lvärtigen Politik ist die Kriegervereinsstimmung die allein maßgebende und die bürgerlichen Parteiunterschiede völlig verwischt. Und dies zu einer Zeit, wo die internationalen Gegensätze so gefahrdrohend verschärft sind, daß nur die stete Wachsamkeit der Volksmassen die Explosion verhüten kann. Und doch sind all die Phrasen über die freundlichen Beziehungen zu allen Mächten, die in jeder Thronrede wiederkehren, völlig bedeutungslos, so lange nicht die Völker dem Spiel ihrer Regierungen ein Halt gebieten und sie zu wirklicher Verständigung, zur Aufgabe des Wettrüstens nötigen. Sodann verspricht die Thronrede das Festhalten an den Grundlagen unserer Zollpolitik. Die andauernde Teuerung ist für die Regierung kein Grund, an Abhilfe der Not zu denken, die schlechten Erfahrungen, die die deutsche Verfeincrungsindustric bei dem Abschluß von Handelsverträgen hat machen müssen, hat die Nutznießer der Schutzzollpolitik natürlich unbelehrbar gelassen. Und auch in diesem Punkte ist der Regierung die Majorität im Reichstage sicher. Wenn aber gegen die zwei verderblichsten Schädigungen, die der Kapitalismus über das Volk verhängt hat, wenn gegen Kriegsgesahr und Teuerung nichts geschehen wird, dann sind die wenigen und unbestimmten Versprechungen der Thronrede völlig entwertet. Die Thronrede spricht von sozialer Fürsorge. Aber wenn derselbe„soziale Geist" auch fernerhin walten" soll, der etwa in der Rcichsversicherungsordnung gelebt hat, dann muß gesagt werden, daß die Arbeiter dieses Landes von diesem Geist der Entrechtung und Bevormundung nicht das geringste wissen»vollen. Vor alletn aber: jede wirksame Sozialpolitik kostet auch Geld und das verschlingt doch alles der Militarismus. Die übrigen Sätze sind völlig farblos,>vie ja auch nicht anders zu erwarten. Das konservative Gekreisch nach Ausnahmegesetzen hat in der Thronrede natürlich kein Echo gesunden. Herr v. B e t h m a n n H 0 1 1 w e g weiß, daß die Stunde dafür augenblicklich nicht günstig ist. Sein Ziel ist die S a m m l u n g, die Gewinnung der Nationalliberalcn vor ollem fiir ein verläßliches Zusammenarbeiten mit Konservativen und Klerikalen. Deshalb hält sich die Thronrede von allem Politischen fern. Keine Ankündigungen einer be sonderen reaktionären Gelvaltpolitik, aber ebensowenig eine Rücksicht auf die gewaltige Kundgebung des Volkswillens bei den Wahlen. Herr v. Bethmann Holl weg hofft mit diesem Reichstag noch recht gut und möglichst lange auszukommen T«m die„Entwickclung steht ja nicht still", die die Nationalliberalen zu einem Bestandteil der reaktionären Arbeits- mehrheit, nach der der Sinn des Reichskanzlers steht, machen soll. Dann hofft Herr v.. Bethmann die schönen Pläne verwirklichen zu können, die er jetzt noch im Busen birgt. Ob der Plan, den der Reichskanzler mit solcher Zähigkeit verfolgt, wirklich gelingt? Wir warten es in Ruhe ab, denn die Entwicklung st c h t wirklich nicht still. Die Bröffninigsfitzung. AuS dem Reichstage, 7. Februar. Die erste Sitzung einer neuen Legislaturperiode ist zwar nur einigen Formalien gewidmet und nimmt nur äußerst kurze Zeit in Anspruch, sie erweckt aber doch großes Interesse bei den Abgeordneten wie beim Publikum. Die Tribünen waren dicht gefüllt und vor dem ReichStagSgebäude hatte sich eine dichtgedrängte Menschenmenge angesammelt, die die eintretenden bekannten sozialdemokratischen Abgeordneten lebhaft begrüßte. Im SitzungSsaale ist eine Veränderung der Sitze vorgenommen, um die Verschiebung der Fraktionsplätze infolge der Verstärkung der sozialdemokratischen und der Schwächung aller übrigen Fraktionen zu ermöglichen. Da die Sozialdemokratie über ein Viertel aller Mandate besitzt, hat sie die früher von den Fortschrittlern und einem Teil der Nationalliberalen besetzten Plätze gleichfalls mit Beschlag belegen müssen. Dadurch, daß die liberalen Parteien nun ganz bis zur Mitte des Saales hinüberwanderten, mußte das Zentrum einen Teil seiner Sitze abtreten und schob sich selbst weiter nach rechts hinüber. Die Polen, die in der letzten Legislaturperiode links vom Zentrum saßen, wurden gleichfalls auf der rechten Seite untergebracht. Aber ganz abgesehen von diesen Verschiebungen, hat der neue Reichstag ein ganz anderes Gepräge erhalten als sein Vor« gänger durch die vielen neuen Abgeordneten. Denn nicht nür hat sich die Zahl der Sozialdemokraten mehr als verdoppelt, auch die liberalen Fraktionen sind zur Hälfte neu zusammengesetzt, da sie viele alten Sitze, meist an die Sozialdemokratie, verloren und dafür neue Sitze gewonnen haben, so daß denn auch vielfach neue Männer an die Stelle der alten getreten sind. Geschäftlich war in der Eröffnungssitzung eigentlich nichts weiter vorzunehmen, als durch Namensaufruf die Beschlußfähigkeit des Hauses festzustellen. Da ein im Hause gewähltes Prä- sidium noch nicht besteht, hat das älteste Mitglied des Hauses dabei als Alterspräsident zu fungieren. Dieser Auf- gäbe unterzog sich diesmal mit Würde und Geschick der zweiundachtzig- jährige fortschrittliche Abgeordnete T r a e g e r. Nach allgemeinem Urteil hat er seine Sache besser gemacht, als da? früher je einem Alterspräsidenten gelungen ist. Zu provisorischen Schriftführern be- rief er die Abgeordneten: Frhr. Rogalla von Biebersteinau und gleichzeitig zu den Sommermanövern vollbeinunnten Schiffe der Reservedivisionen haben am 2ö. Juii planmäßig ihre Besatzungen vermindert und seitdem nichr wieder ausgefüllt. Die Dislozierung der englischen Schiffe während des letzten Sommers an der Südküste Englands, bei Schottland und bei Irland gibt durchaus keinen Anhalt für die Annahme, daß England«inen Ueberfall geplanr hatte. Die Schiffe übreu an den von Deutschland fast entfermesten Stellen der britischen Küste. Daß fie gefechtsbereit waren, ist nicht auffallend, sondern sür vollbesetzte Schiffe selbstverständlich. Wer sich die Mühe macht, selbst das Material zu prüfen, das die englische Presse über Schiffs- bewegungen und Hebungen bietet, kann nur zu der Ansicht gelangen, daß die englische Flotte ebenso wie die deutsche ihren Dienst genau wie im Frieden handhabte.... Die Zuschrift aus Marinekreisen führt dann noch weitere Einzelheiten an, die das Ueberfallsmärchen zerstören, und resümiert sich dann dahin, daß England überhaupt nicht daran denken könne, einen plötzlichen Flottenüberfall zu wagen. Die Pauzerplattenpresse und die sonstigen Flottentreiber mögen also mit ihren Gruselgeschichten aufhören. Viel wichtiger, als den Bau neuer Dreadnoughts zu gewaltsam zu beschleunigen, wäre es, wenn Regierung und Diplomatte alles daran setzten, friedliche Beziehungen zwischen Deutschland und England herbeizuführen. Die Arbeiterklasse beider Länder will schon lange nichts mehr von der Vermehrung der schwimmenden Panzerkolosse und deren Riesengeschütze wissen. politische(leberlickt. Berlin, den 7. Februar 1912. Schwerinstag im Dreiklassenparlament. Auf der Tagesordnung der Sitzung des Abgeordnetenhauses standen am Mittwoch eine große Reihe von Jnitiativanttägen, von denen allerdings nur ein Teil erledigt wurden. Zunächst drehte sich die Debatte um verschiedene Anträge bc- treffend Aufbesstrung der Altpensionäre, d. h. der vor dem 1. April 1998 in den Ruhestani» getretenen Staatsbeamten, Lehrer und Lehrerinnen. Sowohl die Stationalliberalen als auch die Fort- schrittler fordern die Einbringung entsprechender Gesetzentwürfe noch in dieser Session, während die Reckte die Pensionäre auf den Gnadenweg verweist, indem sie sie mit Unterstützungen abfinden will. Alle diese Anträge wurden, nachdem Redner aller Parteien Ich in Entgegenkommen gegen die in Frage stehenden Personen förmlich überboten hatten, der Budgetkommission überwiesen. Ob die Regierung den Wünschen des Hauses Folge leistet, ist bei ihrer bisherigen ablehnenden Haltung, die fie mit der Finanznot begründet, ich sehr zweifelhaft. Für die Sozialdemokraten erklärte Genosse Ströbel unter scharfer Verurteilung des Verhaltens der Regierung, das Ein- Verständnis mit den Anträgen; er schilderte die Not der Alt- Pensionäre und bezeichnete eS als Pflicht eines Staates, der sür die Erhöhung der Krondotation und fflt, ähnliche Zwecke stets Geld übrig hat, auch endlich einmal etwa« für seine ehemaligen Beamten und deren Hinterbliebenen zu tun, die sonst auf ein unwürdiges Betteln um Unterstützungen angewiesen seien. Sticht Almosen, meinte er treffend, haben die Altpensionäre zu verlangen, sondern Befriedigung ihrer Rechtsansprüche. Von zwei weiteren Anträgen, einem nationalliberalen auf Regelung der Berhälwifie der nicht richterlichen Beamten, und einem fortschrittlichen auf Regelung des Beamtenrechts, wurde der elftere angenommen, der zweite abgelehnt. Unserem Redner schnitt das HauS bei dieser Gelegenheit in belamtter Liebenswürdigkeit das Wort ab. Am Donnerstag stehen kleinere Vorlagen zur Beratung. Ausgediente Offiziere in der Verwaltung der Krankenkassen. Am 3. d. M. veröffentlichten wir ein Schreiben des Elberfelder Oberbürgermeisters an die dortige Krankenkasse, in dem ersucht wurde, verabschiedete Offiziere als Kafienbeamtenlehrlinge anzu- nehmen. Dies Ersuchen beruht ailf einer Anweisung des Ministers für Handel und Gewerbe! Diese an alle pretißischen Re- gierungSpräsidenten und den Oberpräsidenten in Potsdam ergangene Anweisung lautet wörtlich: f-,■■ 1811 J-Nr. in 8494.-ciPä'aer oiratze 2. ES ist in Aussicht genommen, bei einem Teile der Ver» sicheruiigsämtcr in den mit der Stellvertretung des Borsitzenden verbundenen Stellen solche verabschiedeten Offiziere als mittlere Beamte oder nebenamtlich zu beschäftigen, denen Allerhöchsten OrtS die Aussicht auf Anstellung im Zivildienste verliehen worden ist. Für die Erwerbung der Befähigung hierzu ist eine mehr- jährige VorbereitimgSzeit in Aussicht genommen, die teilweise auck, bei Krankenkassen zurückzulegen ist. Ich ersuche Sie, mir solche Krankenkassen des dortigen Bezirks bald namhaft zu machen, die geeignet und auch dereit sind, solchen verabschiedeten Offizieren Gelegenheit zu ihrer Ausbildung in Geschäfien der Kranlenversicherung zu geben In Vertretung: gez. Schreiber. Demnach soll die den Arbeitern auferlegte direkte Reichs- einkommeufteuer dazu benutzt werden, ausgedienten Offizieren ein- trägliche Stellungen zu verschaffen. Wir nehmen an, daß keine Kassenverwaltung dem Ersuchen um Ausbildung von Offizieren als Kafienlehrlinge entsprechen wird. Die Kassenbeiträge sind nicht zu diesem Zweck gezahlt. Kafienbeamte habe» kein Recht, die ihnen zur Verwaltung der Kaste anvertrauten Posten zur Ausbildung von Offizieren zu verwenden. Zur Besetzung von Vorsitzendenstellen von VersichernngSämtern gibt eS reichlich andere durch jahrzehntelange Tätigkeit befähigte, vom Vertrauen der Arbeiter getragene ehemalige Arbeiter. Weshalb glaubt die preußische Regierung, an solchen Posten statt fähige Arbeifer unfäbige Offiziere verwenden zu sollen, die heute keinen Schimmer Sachkenntnis besitzen? „Stupide und snobistische Minister!" In die Sammlung vom„guten Tone" der vaterländisch-christ- lichcn Presse verdient die folgende Aeußerung der„Germania" aufgenommen zu werden: „Die„Schwarzen" sind in ihren— der bayerischen Liberalen— Augen eine verächtliche Masse, unter derem„brutalen Druck" ganz Bayern ächzend„seufzt". Darüber ist„man" sich doch einig: Minister. Minister- frauen, Ministertvchter.Ministerialräte.Mtlitär, ein Teil deS D i e n st a d e l s CommiS-Voyageurs und ortsansässige Handlungsgehilfen;„man" weiß das ganz genau; es steht ja in den Neuesten und im SimplicissimuS dieser ausgewählten„GeisteSnahrung' jed-S„ge- bildeten" Bayern. Niemand unterschätze diese stupiden A u f f a s s u n g e n eines lächerlichen Snobistenlums, sie der Schlüssel für manche- politische Rätsel, beispielsweise für die bayerische Landtagsauflösung—" Wenn Worte überhaupt noch einen Sinn haben, so find nach dieser Aeußerung der„Germania"— Nr. 27— bayerische Minister, ihre Frauen und Töchter, Militärs, hohe Beamte. Dienstadel. Reisende und Handlungsgehilfen— alle, alle, die nicht so denken wie die„Germania", Leute, die in stupiden Auffassungen lächerlichen Snobistentuins befangen sind. Wir gratulieren zu dem Beitrag zum„feinen" Ton für unsere Agitationsmappe!_ Agrarier gegen Futtermittelzölle. Die fortschrittliche„Weserzeitung" verbreitet eine Meldung aus Nordhannover, nach welcher dortige agrarische Führer ein Gesuch an den Reichskanzler betreiben, in dem sie die Aufhebung des Zolls auf Futterger st e und Futtermais bis Ende August 1912, oder, falls finanzielle Schwierigkeiten dadurch entstehen würden, die Herabsetzung des Maiszollcs von 30 auf 13 Mark zu diesem Termin fordern. Trifft diese Meldnng zu, dann würde sich daraus ergeben, daß jener Teil der Agrarier, der vorwiegend Viehzucht betreibt, nunmehr die Wirkung bestimmter Wucherzölle am eigenen Leibe zu verspüren bekommt. Wenn das Gesuch der Agrarier in irgend einer Form den Reichstag beschästigen sollte, dann wäre es nicht uninteressant, zu hören, welche Gründe sür oder wider die Agrarier ins Feld führen würden. Slus dem sächsischen Landtage.. Bei der Fortsetzung der Debatte über die Reform der Volks- schule zerpflückte unser Redner, Genofie Lange, die rückständigen Bestimmungen des Volksschulgesetzentwurfs sowie die Argumente des Ministers unter dem Beifall der Linken und erklärte, daß unsere Fraktion dein Entwurf nicht zustimmen könne, wenn nicht die Klassen schule beseitigt würde.— Tamt sprach der freisinnige Bürgermeister Dr. Roth, für einen Freisinnigen ziemlich scharf, gegen die Regicrtmgsvorlage. — Der konservative Abgeordnete Schreiber begründete im Namen eines Teils der Konservativen den Antrag, die Lehrergehälter auf den Staat zu übernehmen. Er beklagte die große Belastung der Gemeinden durch die Schule, die noch größer würde, wenn der neue Entwurf Gesetz würde. Der Kultusminister kündigte eine Einkommensteuer an, wenn die Wünsche der Linken in Erfüllung gehen sollten. Genosse N i tz s ch e behandelte besonders die finanzielle Seite der Frage und ging des näheren auch ein auf die nationalen Bestrebungen, die die Regierung mit dem Entwurf verfolgt.— Der nationalliberale Fraktionschef Landgerichtsdirektor H e p n e r wandte sich gegen die Konservativen wegen ihrer reaktionären und gegen die Sozial« demolraten wegen ihrer radikalen Forderungen, trat aber doch für die Einheitsschule ein und erklärte namens seiner Fraktion, daß sie iür den Regierungsentwurf, wenn er nicht reformiert würde, nicht i» haben sein werde. Zum Schluß widerlegte Genosse Schultz« >ie Argumente der Gegner und faßte noch einmal unsere Forderungen zusammen. Trotzdem noch zirka 29 Redner auf der Liste standen, wurde die Debatte geschloffen. ES wurde eine besondere Kommission für die Beratung der Schulvorlage gewählt, die 13 Mitglieder umfaßt, darunter 6 Sozialdemokraten. DaS Sterbebett im Wahlkampf. In der bayerischen Lnndtagswahlbewegung hat der Pfarrer von Hundsfeld in Ilntcrfranken folgende Einladung zu einer Zentrumsversrnnrnlung ergehen lasten: „Geehrter Herr! Heute<2. Febr.) ist beim Gastwirt Schäfer Zenttums-Wählerversanimlung. Als christlich gesinnter treuer Bayer werden Sie ja ohnedies imt dem Bürgermeister von Kissingen, Hofrat Dr. v. FuchS, JhrqAttmme geben; denn Sie können doch keinen Liberalen oder Brnicriibündler wählen, da diese sich mit der Umsturzpartei t«ozi) verbündet haben. Es sind aber viele Lügen und unberechtigte Vorivürse gegen- die christliche Volkspartei, das Zentrum, im Umlauf. Diese werden heute abend besprochen. Bitte, kommen Sie unbedingt. Bringen Sie mich Ihre Frau und sonstige erwachsene Angebörige mit. Falls Sie nicht selbst kommen könnten, dann schicken Sie wenigstens jemand von Ihrer Familie.... Wählen ist Gewissenssachc. Schlecht wählen ist Sünde. Vaterland und Kirche verlangen, daß man wählt, und zwar richtig wählt. Wählen Sie so. daß Sie es auf dem Sterbebette verantworten können. Ergebenst grüßt für das Wahlkomitee des Zentrums Dümler, Pfarrer." Wer also nicht schwarz wählt, der muß es einst auf dem Sterbebett verantworten. Und so was läßt sich das Volk noch bieten I_ Im Kampfe mit der Mtlitärjustiz. Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm«. Febntar: Einen tiefen Einblick in das zuweilen geheime Walten der Mj�ttär- justiz gewährte eine Verhandlung, die heute vor dem hiesigen Kriegsgericht gegen den langjährigen Kriegsgerichtssekretär Adolf .Hoff mann von Torgau begann. H. wird der Beleidigung einiger Exzellenzen, mehrerer Kricgsgerichlscäte in Halle, Torgau und Magdeburg und der falschen Anschuldigung beschuldigt. Zu der Ver- Handlung, die mehrere Tage dauern wird, find t9 bis 69 Zeugen. Generäle, eine große Anzahl KriegSgerichtSrätc. Sekretäre usw., geladen. Der Angeklagte hat gegen die Justizbeamten sehr schwere Borwürfo erhoben, behauptet aber, den Wahrheitsbeweis erbringen zu wollen. Den Verhandlungsführer Dr. Müller und den nachher als Ersatzrichtcr hinzugezogeneu KriegSgerichisrat Kühne lebnic er als befangen ab. Die Herren, meinte er. könnten nicht un- parteiisch urteilen, weil sie mit den Personen, die er beleidigt haben toll, in einem koltegtalen, freundschaftlichen und g e- sellschastlichen Verkehr ständen. KriegSgerichtsrat Kübne, der mitentscheiden soll, ob Dr. Müller befangen ist, sei Müller zu hohem Dank verpflichtet, weil dieser einmal über Kühne zu Gericht gesessen und letzteren freigesprochen habe. In der Vorverhandlung. in der cS zuweilen recht erregt herging konnte cS ein a l s Zeuge geladener KriegSgerichtSrat nicht' Unterlasten, dem An- gellagten bei dieser Gelegenheit den Zuruf zu machen:„DaS ist eine neue Beleidigung". Der Vorfitzende schritt dagegen ein. KriegSgerichtSrat Kühne teilte dann,„um nichts zu ver- tuschen", mit. daß er allerdings einmal wegen fahrlässiger Freih-itSberaubuitg angeklagt gewesen, unter Leitung Dr. MüllcrS in erster Instanz freigesprochen dann aber von dem Ober- kriegSgericht auf Berufung zu zehn Mark Geldstrafe verurteilt worden sei. Als dem Angeklagten bedeutet wurde, daß der gesellschaftliche»nd kollegiale Verkehr unter den Stichlern doch kein Grund zur Besangen- beitserklSrung fein könne, klagte der Angeklagte bitterlich: Meine Herren, ich wlgere die Befangenheit aus folgender Tatsache: Ich stehe hier heute allein vor Ihnen, ohne Verteidiger. vier Hallesche Rechtsanwälte lehnten es ab. mich zu verteidigen, weil sie mit den Richtern, die ich beleidigt haben soll, in Verbindung ständen. Dann wandte ich mich au zwei Berliner Rechtsanwälte. Diese lehnten meine Berleidigung ab mit der Begründung: Wir sind Reserveoffiziere und können das nicht machen. Der Angeklagte schildert dann, der heutige Vertteter der Anklage habe ihm den Rat erteilt, auf sechs Wochen in ein Irrenhaus zu gehen. Sr habe den Rat I auch defolgt, aber nur aus dem Grunde, einen Verteidiger zu be- kommen zur Durchdrückung seiner Beweisanträge. Auf Grund alten« mStziger Beweise kiinne er aber nun darlegen, daß er voll- ständig gesund sei. Als der Angeklagte weitere schwere Be« schuldigungen gegen die Kriegsgerichtsräte erhebt, und dabei perma- uent unterbrochen wird, beantragt er. ihn einmal zehn tili i nuten unbeanstandet sprechen zu lassen. DaS Kriegsgericht zog sich merk- wllrdigerweise über den Antrag zur Beratung zurück und gewährte dem Angeklagten eine Redezeit von zehn Minuten ohne Unterbrechung. Der Angeklagte sagt, seit drei Jahren kämpfe er nun um sein Recht. Sein Verfahren sei von dem Gericht verschleppt worden. Schriftstücke seien beseitigt und Wahrheitsbeweise zurückgehalten worden. Bei einer un- begründeten Bllcherbeschlagnahme wären die Kriegsgerichtsräte Bredow, Bärensprung und General v. R o e h l nicht korrekt vorgegangen.— Die abgelehnten Richter erklärten sich schließlich für nicht befangen und die Ablehnungsanträge wurden ver- worsen.— Als nunmehr, nach vierstündigem Streit die eigentliche Verhandlung beginnen sollte, wurde vor Verlesung des EröffnungSbeschlusscs die Oeffentlichkeit für die ganze Dauer der Verhandlung aus- geschlossen! Ja, noch mehr. Es war sogar ein Antrag gestellt worden, den an der Verhandlung teilnehmenden Zeugen ein Schweige- gebot aufzuerlegen. Diesem Antrage ist allerdings nicht stattgegeben worden. Die Pressevertreter harren hinter der verschlossenen Kriegs- gerichtstür aus einem Treppenflur in der jetzigen kalten Jahreszeit der Dinge, die da kommen werden. Ihnen ein Zimmer anzu- weisen/ wurde abgelehnt. Trotz alledem und alledem werden wir aber einiges über den Verlauf der Dinge berichten können!_ Der lächerliche Wahlkampf. Der Bürgermeister von Bunzlau in Schlesien, jin konservativer Herr, hielt anläßlich der Neueinführung von Stadtverordneten, worunter sich auch einige neugewählte sozialdemokratische Vertreter befanden, eine Begrüßungsrede, in der er über den verflossenen ReichStagSwahlkampf folgendes sagte: .Wir haben in den letzten drei Monaten die Freuden und Leiden des Wahlkampfes genügend kennen gelernt. Für olle diejenigen, welche darin als Politiker tätig sind, mag dies ja einen eigenen Reiz haben. Aber im allgemeinen, zumal wenn man die Anzeigenseiten der Lokalblätter eingehend studierte, die in ihrer Gegenüberstellung die widersprechendsten Meinungen kundgaben, wirkte die ganze So.che lächerlich.' Ob der Wahlkampf, der daS ganze deutsche Volk, abgesehen dom Stadtoberhaupt in Bunzlau, gewaltig aufgeregt hat, auch lächerlich gewirkt hätte, wenn der konservative Kandidat in Bunzlau- Lüben gewählt worden wäre? Wir glauben nicht. Die Rache des Zentrums. Bei den diesmaligen Wahlen zum Reichstag hat bekanntlich das Zentrum mehrere seiner wertvollsten Besitze verloren, über acht Bischofsstädten weht die rote Fahne. Breslau, München II (früher auch München I), Mainz und Straß bürg waren allerdings schon früher durch Sozialdemokraten vertreten. Köln, Würzburg, Metz und H i I d e s h e i m aber find diesmal zum erstenmal dem sozialdemokratischen Ansturm erlegen. Nach Köln ist wohl Wiirzburg der schmerzlichste Verlust für das Zentrum; wer etwa bezweifeln wollte, braucht nur die räche- und wutschnaubende Zentrumspresse zu lesen, die in eine förmliche Rasedei verfallen ist. DaS.Fränkische Volksblatt', daS Organ des ReichStagSabgeordneten uyd Benefiziaten Liborius Gerstenberger, daS schon Mher die Sozialdemokratie nicht zü knapp mit den verschiedensten M.-Gladbacher Schwindelnotizen bedachte, widmet seine Tätigkeit jetzt in vermehrtem Maße ausschließlich de» Verdächtigung und Verleumdung' der Sozialdemokratie. Daneben fällt daS Blatt auch über den Liberalismus her, den es zwischen Haupt- und Stichwahl so sehr umschmeichelte. Scheut sich doch das Organ nicht, liberale Führer, die bei der Stichwahl mitgearbeitet haben und sich auch des Sieges freuten, öffentlich an den Pranger zu stellen, indem eS ihre Namen veröffentlicht, in der Absicht, die Betreffenden geschäftlich zu schädigen.(Es sind G e- schäftsleute und Beamte.) Ein Gynrnasiallehrer trug in einer losen liberalen Zusammenkunst(die Zusammenkunft wurde nicht einmal öffentlich bekannt gegeben, es fanden sich nur eine Anzahl der bekanntesten Parteiangehörigen zur Eni- gegennahme des Wahlausfalls ein) ein freiheitliches Gedicht vor. Die Folge davon war eine beispiellose gemeine Hetze und Denunziation. Mindestens eine Woche lang hetzte daS Blatt fast Tag für Tag an dem.Staatsbeamten", der Zweck der Hetze ist klar. Nach der Personenhetze ging das Blatt dazu über, seine Wut an den Würzburger Geschäftsleuten auszulassen und die Landbevölkerung gegen die Stadt aufzuhetzen. Wir lassen zu besseren Uebersicht einige solcher.— um der Verantwortung besser aus dem Wege gehen zu können im»Sprechsaal" erschienener— Notizen folgen. I. .Schon seit Jahren werden immer wieder Wünsche laut, es möchten für die der Stadt Würzburg zunächst gelegenen Dekanate eigene Firmstationen errichtet werden. Diesbezügliche Bittgesuche wurden jedoch von der oberhirtlichen Stelle stets ab- gelehnt, wohl in Rücksicht auf die Geschäftsleute der Stadt Würzburg. Eine solche Rücksichtnahme dürfte nunmehr für das bischöfliche Ordinariat in Wegfall kommen, nachdem die liberale Bürgerschaft Würzburgs einem erklärten Feind von Thron und Altar zum Siege verHolsen hat über einen altbewährten und bochangesehenen Mitbürger, nur weil dieser die christliche Weltanschauung im öffentlichen Leben vertreten hat. Es handelt sich um zehn Dekanale mit vielen hundert Firmlingen und Patchen, für welche unschwer je ein Firmungsort sich finden würde. Möge von den beteiligten Kreisen die Sache rasch und energisch in die Haird genommen werden. Der Augenblick ist günstig, denn die Erregung über das Vorgehen der Würzburger liberalen Bürgerschaft ist in länd- lichcn Kreisen allgemein und tiefgehend, zumal da für die Land- tagswahlen ein erneutes Zusammengehen der Liberalen mir den Sozialdemokraten in Würzburg beschlossene Sache ist. Die Würz- burger Geschäftsleute mögen sich dann vertrauensvoll an ihren neugewählten Abgeordneten und ihre hervorragenden politischen Führer Köhl, Mcmminger, Bockenmcyer(drei Liberale) usw. halten; sie lverden ihnen gewiß Ersatz'zu verschaffen wissen sür ihre finanziellen Verluste.' � „Aber daß die Würzburger„Besseren" Lhrer Stadt diese Schmach angetan haben, daß sie nicht eher.rot" vor Scham ge- worden find, zeigt deutlich, loie tceit Würzburg gesunken ist. Von dem. daß sie den größten Feind der Bauern, auf die Würzburg doch viel angewiesen ist, gewählt haben, soll gar nicht die Rede sein. Habe» doch sogar die Bauern ihren eigenen„Metzger" tvählen helfen. Bei unS ging ein Schrei der Entrüstung durch den Gau, Würzburg wird boykotliert, niemand darf mehr etwas in Würzburg kaufen noch dahin ver- kaufen. Wenn sie wieder einmal ein Volksfest mit Bauern- trachten abhalten wollen, um die Landleute. anzulocken, so mögen sie nur die Sozi einladen, von uns wird kein Mensch niehr kommen." Alf« weil der Sozialdemokrat gewählt wurde, werden die Geschäftsleute boykottiert, obendrein ohne danach zu fragen, ob die Geschäftsleute auch sozialdemokratisch gewählt haben. Der Un- schuldige mutz ebenso büßen, weil fteie Staatsbürger von der Wahl- freiheit Gebrauch machten! Und da soll ein Bischof, der berufenste Hüter des Christentums und der Nächstenliebe, die Hand- dazu bieten I Und da schreien die Zentrumsblätter das ganze Jahr über den TerroriSmuS der S o zia l d em o kr atiel Es wird ihnen wohl nicht möglich sein, auch nur einen so klaren Beweis über TerroriSmuS zu bringen, als er hier gegeben ist. Betrübte Lohgerber. Die„Deutsche A r b e i t g e b e r- Z e i t u n g" ist völlig trostlos über den Ausfall der ReichstagAvahlen. Der glänzende Vormarsch der Sozialdemokratie hat bewirkt, daß das Berliner Unternehmerblatt„alle Hoffnung fahren" läßt. Nicht mal der „magere Trostspruch jener Elemente", die da zu erklären nicht müde werden,„daß es erst noch viel schlimmer kommen müsse, ehe eS besser werden könne", werde sich rechtfertigen: „In Wahrheit ist es so schlimm gekommen, wie es überhaupt nur kommen konnte. Aber die erhoffte rettende Kata- strophe bleibt aus; wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch recht lange ausbleiben. In der Zwischenzeit aber dürste sich so manches ereignen, was jenen Trostspendern, was vor allein dem deutschen Unternehmertum so peinlich wie nur möglich� ist." Die verängstete Phantasie der„Deutschen Arbeitgeber-Zcitung" weiß schon,„daß von der so sehnlich erhofften Vermehrung des Schutzes der Arbeitswilligen keine Rede mehr sein wird". ' Nach längeren Haarspaltereien über dies Thema heißt es weiter: „Aber es ist völlig unnötig, sich mit solchen Begriffs- definitionen überhaupt abzuquälen: der zitierte ossiziöse Einwand ist eben lediglich als Ausfluß des ängstlichen Bemühens anzusehen, sich von vornherein in die kommende Aera einer Politik der Konzessionen gegenüber der Viermillionenpartei ein- zulcben, dje unS noch ganz andere Ueberraschungen bescheren wird, als etwa die behördliche Preisgabe des Rechtes der sozial- politisch Schwächeren auf die Inschutznahme ihrer Interessen gegenüber den sozialpolitisch Stärkeren, nämlich den gcwerk- schaftlich organisierten Arbeitern. Die Etablierung der sozial- demokratischen Fraktion als maßgebende Instanz der Gesetz- gebung wird des ferneren auch der weiteren Vermehrung ihres Einflusses auf die breite Masse um so mehr zum Vorteils ge- reichen, als die mit ihrer Hilfe bewirkt« Konstruktion neuer sozialpolitischer Gesetze jeder Art der sozialdemokratischen Klientel den denkbar besten Beweis dafür lieftrt, daß sie ihre Sache guten Händen anvertraut hat. Welchem Ziele eine solche ' Entwickelung schließlich zusteuern mutz, wenn derart die Herr- schaft der Roten erst unter freundwilliger Duldung der leiten- den Kreise vollkommen stabilisiert worden ist, das mag dahin- gestellt bleiben." „Der rechte Augenblick ward verpaßt!" Da» ist der„Deutschen Arbeitgeber-Zeitung" die Quintessenz- ihres Rück- blick? auf die ReichstagSwahl. W i r aber sagen: wenn noch irgendwo ein Arbeiter nicht weiß. wohin er gehört, dann gebe man ihm die Salbaderei des Berliner Unternehmerblattes zu lesen. DaS Klassengefühl wird da schon entscheiden, daß für die Arbeiter eine„Nachtigall" ist, wa» der „Deutschen Arbeitgeber-Zeitung" als„Uhl" erscheint. Gegen die Kölner Zentrnmsrichtung wird noch ein neues Blatt begründet. In Breslau werden die Werbe- schreiben auSgesandt für eine neue.religiöS-politische Wochen« zeitung", die„DaS katholische Deutschland" benannt ist und am 15. Februar zum ersten Male in einer Suslage von 10 000 er- scheinen soll. Mit den„PetruSblättern", der.Kölner Korrespondenz" und der.Wahrheit und Klarheit" sind also setzt vier neue Blätter geschaffen, von denen aus der Bachemschen Richtung'zü'Leibe ge- gangen werden soll. Auch von Rom au» wirb der Kölner Richtung arg zugesetzt. Die„Units. ostoUcs", daS bekannte Leibblatt des Papstes, brachte Dienstag drei Spalten lange Angriffe gegen die Kölner Richtung und gegen die„Kölnische VolkSzeitung" über das„schamlose Kölnische Gift". Darin heißt es:„Pius X. veröffentlicht Erlaß auf Erlaß über so viele Fragen, und im Deutschen Reiche schweigt man und erlaubt, daß die liberalen Protestanten und die Freimaurer die päpstlichen Erlasse bemäkeln. Die sogenannte katholische Presse des Deutschen Reichs aber verliert in ihrer Pflichtvergessenheit dar- über lein Wort und rührt mit wenigen Ausnahmen zur Verteidigung des Papstes keinen Finger._ Noch ein aufgedeckter Zentrumsschwindel. In W ö l l st e i n im Kreise Bingen- Alzey war während der Wahlzeit die Kirche beschmutzt worden. Diese Gemeinheit wurde dort vom Zentrum und Reichsverband genau so gegen den fort- schrittlichen Reichsiagskandidaten Korell zugunsten'deS national- liberalen Reichsverbandskandidaten Dr. Becker benutzt, wie in Bochum der Älostcrkirchenskandal gegen die Sozialdemokratie zugunsten des nationalliberalen Kandidaten Heckmann. IN Bingen-Alzey nahm sich aber die Staatsanwaltschaft der Sache an, und jetzt ist nach einer Mitteilung unseres Bochumer Parteiblattes ein Zentrums- anhänger als Kirchenschänder verhaftet worden. Die Wirtschaftliche Ber nigung. Die Wirtschaftliche Vereinigung hat in ihrer nach Schluß der heutigen Plenarsitzung abgehalteuen Fraktionssitzung be- schlössen, von einer Neukonstituierung Abstand zu nehmen. Die dreizehn Abgeordneten, welche man der Wirtschaftlichen Ver- einigung zurechnete, werden sich zum großen Teil der kon- servativen Reichstagsfraktion anschließen. Ein anderer Teil wird zu den Antisemiten Bruhn und Werner gehen. Der Rest wird wild bleiben. In der heutigen Fraltionssitzung der Fortschrittlichen V»lkspartei wurde, wie wir hören, beschlossen, dem Abgeordneten F i s ch b e ck den Vorsitz zu übertragen. OpperSdorff vom Zentrum ausgeschloflen. Graf OpperSdorff, der oppositionelle ZentrumSmann. hat, wie von gentrumsseite mitgeteilt wird, zur ersten Fraktionssitzung des Zentrums keine Einladung erhalten. Damit wäre Graf OpperS- dorff aus der Z e n t r u m S f r a k t i o n deS Reichstages aus- geschlossen._ Oertcmicb-Cingam. LandtagSmisere. In Kroatien wird wieder einmal russisch regiert. Der neu- gewählte Landtag wurde sofort aufgelöst, weil selbst das Aufgebot eines ganzen Armeekorps die Wähler nicht veranlassen konnte, eine dem.Banns"(Bizekönig) genehme Mehrheit zu wählen. Jetzt werden täglich fast alle Agramer Zeitungen konfisziert, so daß sie schon anfangen, Fischkochrezepte als Leitartikel zu bringen. Im mährischen Landtag bekämpfen die Sozialdemokraten — es find bis auf den Genossen' Eldersch tschechische Separatisten— die neue Dienstordnung für landwirtschaftliches„Gesinde" durch Obstruktion, nämlich durch Stellung möglichst vieler Abänderungs- antrüge und Dauerreden. Vänemark. Der entschleierte Patriotismus- In den neunziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts i strebte das konservative Ministerium Hörring danach, die dänisch-! westindischen Inseln an die Vereinigten Staaten zu per- kaufen; als dann aber im Jahre 1900 das liberale Ministerium Deuntzer ans Ruder gekommen war und der Handel abgeschlossen iverden sollte, entfalteten die Konservativen eine Bewegung gegen die„Verschachcrung vaterländischen Eigentums" und lehnten im Landsthing den Verkauf der Inseln ab, die übrigens für'Däncmark keinerlei Gewinn bringen, sondern nur Unkosten verursachen. Nun aber hat die dänische Regierung einen Gesetzentwurf eingebracht, wonach einer Kapitalistengruppe für die Anlegung und Aus- beutung eines neuen Hasens auf St. Thomas für die Dauer von 99 Jahren Konzession erteilt werden soll. DaS Unternehmen, von dem man erwartet, daß es sich nach Eröffnung des Panamakanals. rentieren wird, ist auf 20 Millionen- Kronen veranschlagt. Eigent- lich sollt« ja der dänische Staat das Werk ausführen, aber die Staatskasse ist leer, ausgebeutet durch den unersättlichen Mili- tarismus, und die Regierung scheint der Ansicht zu sein, daß es ihr infolge des Konkurrenzneides der anderen Mächte nicht mög- lich sein werde, für jenes Unternehmen eine Anleihe zweckmäßig unterzubringen. In Wirklichkeit ist die verlangte Konzession eine verschleierte Verschacherung der Inseln an den Kapitalismus, was auch von unseren Genossen im Folkething zum Ausdruck gebracht wurde. Uebrigens sind die Konservativen über da» Unternehmen in heftigen Streit geraten: ein Teil von ihnen preist eS als ein großartiges Werk, während ein anderer Teil es zu hintertreiben sucht unv vor sensationellen Enthüllungen nicht zurückschreckt, durch die die Heuchelei der„Patrioten" aufs grausamste bloßgestellt wird. ES ist ein dänischer Amerikaner, namens Grön. von dem die Sache ausgeht. Er war in den neunziger Jahren als Agent für den Verkauf der Inseln tätig und hatte sich von dem auf L Mil- lionen angesetzten Verkaufspreis 10 Proz. als Provision auSbe- düngen, die einem amerikanischen Komitee zufliehen sollten. Der Abschluß des Geschäftes scheiterte daran, daß der Krieg zwischen Amerika und Spanien ausbrach und man nun auf feiten der Ver- einigten Staaten kein« Zeit hatte, sich mit der Sache zu befassen. Mittlerweile wurde dem Grön daS Geschäft auS der Hand gewun- den, und der jetzt auch als Schriftsteller und Theaterdirektor be- kannte Kapitän Walter Christmas erhielt vom Ministerium Hörring Autorisation zum Verkauf der Inseln; dabei hatte er sich 500 000 Kronen Provision auSbedungen, die mit Wissen des Ministeriums zur Bestechung amerikanischer Kon- greßtnitglieder und der amerikanischen Presse dienen sollten. Als das Landsthing dann nach Verkauf einiger Jahre den Verkauf der Inseln ablehnte, unter viel Aufwand von patriotischen Phrasen, geschah das offenbar nur deswegen, weil man befürchtete, daß die BestcchungSgeschicht« unter dem liberalen Ministerium allzu lcichtz.offenbar werden könnte, perkien. DaS Doppelprotektorat. Wie jetzt auch von offiziöser russischer Seite zugegeben wird. nähern sich die russisch-englischen Verhandlungen über Persien ihrem Abschluß. Eine offene Teilung Persien» wollen die beiden konkurrierenden Bündnismächte vorläufig vermeiden, denn abgesehen von den internationalen Schwierigkeiten, würde da? zu fortwährenden Streitigkeiten und Reibungen zwischen Rußland und England führen. Jede der beiden Mächte hat außerdem ihre feheimen Absichten und Befürchtungen. England hat allen Grund, einen asiatischen Konkurrenten und jetzigen Bundesgenossen in möglichster Entfernung von der indischen Grenze zu halten, un: den llange gehegten Plan einer Brücke zwischen Indien und Aegypten durch das Vordringen Rußlands nicht vereitelt zu sehen. Rußland dagegen hat den Wunsch, nach dem Persischen Golf vor. zudringen, keineswegs aufgegeben und wartet nur auf eine günstige Gelegenheit, um das Abkommen mit England über den Haufen zu werfen und sich wie ein Keil nach den warmen Meere vorzuschieben. So stehen sich die beiden Bündnismächte gegen- über, zusammengeschmiedet durch das gemeinsame Verbrechen an dem wehrlosen Persien, voll Haß und Mißtrauen zueinander wegen der geheimen Pläne sür die Zukunft. ' Bvrlänftg' heißt es für die sbei den Staaten, eine angängige äußere. Form zu finden, die einerseits dem geschilderten Verhältnis gerecht wird und andererseits jedem der beiden Raubstaatcn das MaLunum an sofortigen Erfolgen garantiert. Dieses Ziel dürfte erreicht werden durch die P ro klam i er ung des russisch- englischen Protektorats über Persien, die, wie aus russischen und englischen Quellen übereinstimmend hervorgeht, nahe bevorsteht. Die„Nowoje Wremja" erklärt, der cnglisch-russische Vertrag' von 1907, der alles Unheil und alle Wirren in Persien heraufbeschworen habe, müsse jetzt abgeändert und durch einen anderen ersetzt werden. Das „Prinzip der Nichteinmischung"(welch ein Hohn!) könne gegenüber Persien nicht mehr eingehalten werden! Wie das offiziöse Blatt aus„sicheren" Quellen mitteilt, haben die Verhandlungen zwischen Rußland und England folgende Hauptpunkte zum Gegenstand: 1. Die genaue Festlegung der Rechte beider Staaten in ihren Ein- flußsphären; 2. die Anerkennung der entsprechenden Kontrolle der direkt interessierten Macht über die Handlungen der persischen Regierung in ihrer Einflußsphäre; 3. die endgültige Entscheidung der Frage betreffend den Exschah und 4. den Abschluß einer An- leihe zur Regelung des Verwaltung?- und Heerwesens in Persien. Wie aus diesen Punkten hervorgeht, soll das„Protektorat" Rußlands und Englands über die entsprechenden„Einfluß- sphären" auf sicherer Grundlage aufgebaut werden. WaS etwa in den diplomatischen Vereinbarungen fehlen sollte, wird durch die Militärmacht ergänzt werden, die sich in Persien heimisch ein- gerschtet hat. Die russische Regierung gibt sich zwar den Anschein, als ziehe sie ihre Truppen aus Kaswin nach der kaukasischen Grenze zurück. Zugleich dirigiert sie aber, angeblich zur Er- gänzung und Ablösung der jetzt in Persien stationierten Truppen, von neuem 2000 Mann von Transkaukasien nach Persien und macht nicht die geringsten Anstalten, ihre Besatzungen auS Täbris, Mesched und anderen wichtigen Städten zurückzuziehen. In der Gegend am Urmiasce macht sich ferner eine immer regere militärische Tätigkeit der Russen bemerkbar, die unter anderem Choi und verschiedene Punkte an der Straße nach Urmia besetzt haben. Die russischen Truppenkonzentrierungen in diesem von der Türkei angefochtenen Gebiet stellen, abgesehen von ihrem pro- vokatorischen Charakter, eine direkte Bedrohung der türki- schon Verteidigungslinie in der nördlichen Hälfte Kleinasicns dar, deren rechte Flanke jetzt äußerst gefährdet ist. Bon' diesem Standpunkt betrachtet, gewinnt das Vorgehen Ruß. lands in Rordpersien ein weit ernsteres Gesicht. Wie verschiedene Ereignisse der letzten Zeit gezeigt haben, ist die russische Diplomatie wieder eifrig daran, den Brand am Balkan zu schüren. Gehen dort im Frühling wieder die Flinten los, so dürsten die russischen Truppenansammlungen im Urmiagebiet eine Bedeutung«rlangen, die weit über die Grenzen Persiens hinausgeht. Petersburg, 7. Februar.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Der russische Konsul in Asterabad meldet ernste Unruhen, Morde und Raubanfälle in der Provinz Masan- doran. Es herrscht dort volle Anarchie, da sich in diesem Gebiet der Kampf zwischen den Anhängern des früheren Schahs und den Verteidigern der Regierung abspielt. Die Ortsbehörden sind macht- los. Die Truppen des Schahs sind in großer Unordnung und eS fällt schwer, die Turkmenen und andere Anhänger deS Schahs da- von abzuhalten, Barferusch und Sari zu plündern. Der örtliche Handel ist deshalb ganz eingestellt worden und die Kauflente suchen aus Furcht vor dem Tode in großer Zahl ein Asyl in der russischen Konsularagentur in Barserusch. In Anbetracht der augenscheinlichen Gefahr für Leben und Eigentum der russischen Untertanen hat der Konsul um Verstärkung der Truppen(l) ge- beten, da die in Asterabad befindlichen zwei Sotnien Kosaken mit zwei Maschinengewehren unzulänglich sind. Zugleich haben die Vertreter von. Moskauer Firmen, die in Masandoran Handel treiben, das Ministerium des Aeußeren tclegraphisch um Schutz gebeten. Es sind deshalb zlvei Kompagnien Infanterie mit zwei Rtaschincngewehren und zwei Gebirgsgcschützen nach Asterabad eine Kompagnie mit zw» Maschinengewehren nach Barferusch und eine Kompagnie nach Meschediser abgeschickt worden. G-ewerkfchaftlicbcö. Die Lohnkämpfe der Capezier er im Jahre 1911. Ein rechtes KnmpfjnHr mit einer Anzahl stattlicher Erfolge hat der Verband der Tapezierer hinter sich. In 89 Orten wurden SS Lohnbewegungen geführt, die sich auf 1949 Betriebe mit 5993 männlichen und 73 weiblichen Beschäftigten erstreckten. Von diesen Bewegungen waren 49 Angriffsstreiks, 7 Aussperrungen, IS Abwehr- streiks und 32 Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung. Au den Angriffsstreiks waren in 599 Betrieben 2331 männliche und 79 Weib- liche Personen beteiligt. In 113 Betrieben mit 513 Arbeitern kam es zu Bewilligungen ohne Arbeitseinstellung: die Arbeit stellten ein 1379 Arbeiter. Es wurde errungen für 29S2 Arbeiter eine Arbeits- zeilverkürzung von 1 bis 6 Stunden pro Woche, insgesamt 4458 Stunden. An den erzielten Lohnerhöhungen partipiziercn 4979 Ar- beiter mit 1 bis 3 M. pro Woche, insgesamt wurden 8575 M. pro Woche erreicht. An den Lohnbewegungen ohne Arbeitsleistung waren in 913 Be« trieben 2539 Arbeiter beteiligt. Es erhielten 1797 Arbeiter eine Arbeitszeitverkürzung.von Va— 3 Stunden, insgesamt 8622 Stunden pro Woche. Lohnerhöhungen erzielten 2491 Arbeiter vckn 1— 4 M., insgesamt 5251 M. pro Woche. Daneben wurden eine ganze An- zahl sonstiger Verbesserungen erzielt, wie bessere Bezahlung von Ueberzeitarbeit, der Ueberstunden-, Nacht- und Sonntagsarbeit, Ver- gütung bei auswärtigen Arbeiten usw. In IS Orten hatte der Ver- band Abwehrstreiks zu führen, durch die die von den Unternehmern beabsichtigten Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen in 12 Fällen mit Erfolg abgewehrt wurden. An den Abwehrstreiks waren 113 Arbeiter und 2 Arbeiterinnen beteiligt: an den � sieben Aussperrungen nur 15 Arbeiter. Die Kosten für sämtliche Lohnbewegungen betrugen insgesamt 9S27S M.: davon ent- fallen auf die Hauptkasse 72 535 und auf die Lokalkaffen 23 741 M. Der Verlust an Arbeitstagen betrug für die Beteiligten 32 278 Tage, der entgangene Arbeitsverdienst 166 817 M. Im Tapezierergewerbe bestehen zurzeit 87 verschiedene Tarif- vertrage, die sich zum gröhten Teil über ganze Städte und Lohn- gebiete erstrecken, nur in wenigen Fällen sind mit Spezialfabriken Einzelverträge vereinbart. Diese 87 Tarifverträge regeln für zirka 11 599 Arbeiter und Arbeiterinnen die Lohn- und Arbeits- bcdingnngen. Im Tapezierergewerbe sind nach einer sehr genauen Statistik vom Jahre 1919, die sich auf 333 der gröhtcn Orte, wo überhaupt Tapezierer beschäftigt werden, erstreckte, 15 539 Gehilfen, 1441 Näherinnen und 4445 Lehrlinge beschäftigt. Von der Statistik erfaßt wurden 13 983 Gehilfen, 1417 Näherinnen und 2859 Lehrlinge. Danach betrug die Arbeitszeit im Tapezierergewerbe im Durch- schnitt 54,34 Stunden. 5425 Gehilfen hatten bereits eine Arbeitszeit von 8—8� Stunden täglich und 3753 bis 9 Stunden, also ins- gesamt hatten 8173 Arbeiter den 9 stündigen Arbeitstag bis zu acht Stunden herunter, 2434 arbeiteten noch 9'/, Stunden täglich und 2158 länger als 9t/z Stunden bis zu 69: nur 153 wurden ermittelt, die noch länger als 69 Stunden pro Woche arbeilen. Auch für diese letzteren ist im Jahre 1911 wieder eine Besserung herbeigeführt, die sich zahlenmäßig erst bei der nächsten statistischen Aufnahme nach- weisen läßt. Die Tapezierer find sehr schwer zu organisieren, da im Gewerbe noch der Kleinbetrieb vorherrscht und die Arbeiter meist zu zwei oder drei arbeiten, vielfach auch in Alleinbetrieben aufgesucht werden müssen. Trotzdem konnte der Verband seine Mitgliederzahl von 2999 im Jahre 1897 auf 9723 iin vierten Quartal 1911 steigern: damit umfaßt der Verband zirka zwei Drittel der in Betracht kommenden Organisationsfähigen. Im Jahre 1995 führte der Verband die Arbeitslosenunterstützung ein. Insgesamt wurden in den letzten sechs Jahren für Arbeits- losen-, Kranken-, Streikunterstützung und Sterbegeld 899 999 M. von der Verbandskasse ausbezahlt. Diese Leistungen des Verbandes be- lveisen, ivelche Stütze der Tapezierer an seiner Verufsorganisation, .„ an dem Verband der Tapezierer Deutschlands, findet. Berlin uncl Qmgegenck. Trotz der Teuerung keine Lohnzulagen. Die Packer und Lager- acbeiter der Allgemeinen ElektrizitätS-Gesellschaft beschäftigten sich kürzlich in einer BctriebSbesprechung mit einem Mißstande, von dem anscheinend die Direktion der Werke keine Kenntnis hat. ES handelt sich darum, daß genannten Arbeitern die bisher übliche Zulage verweigert wurde. Die Packer und Lager- arbeitcr erhalten in der A. E.- G., Ackerstraße, einen Anfangs- stundenlohn von 49 Pf., in dem Werk Brunnenstraße einen solchen von 42 Pf. Bisher wurde den Arbeitern nach jedem halben Jahre ununterbrochener Tätigkeit eine Lohnzulage von 2 Pf. pro Stunde gewährt. Beim diesmaligen Jahresschluß blieb die sonst übliche Lohnerhöhung trotz der eminenten Verteuerung der Lebens- mittel aus. Um nicht den Anschein zu erwecken, als ob seitens der Arbeiter deshalb eine große Aktion geplant werde, kam man überein, daß jeder der Beschäftigten einzeln bei seinem Meister vorstellig werden und um die Gewährung der üblichen Zulage ersuchen soll. Von feiten der Meister wnrde die Erklärung abgegeben, daß es in diesem Jahre eine Lohnzulage überhaupt nicht geben solle, diese viel- mehr erst wieder im nächsten Jahre gezahlt werden würde. Die Arbeiter nehmen an, daß diese Maßnahme einein.übertüchtigen" Abteilungschef zuzuschreiben ist, dem das OrganisationSverhältnis der Arbeiter(89 Proz. der Beschäftigten) ein Dorn im Auge ist. Die Arbeiter hoffen, daß die Direktion, wenn sie Kenntnis von der Sachlage erhält, die sofortige Auszahlung der Zulage, die im Interesse der Ernährung der Familien dringend benötigt wird, ver- anlassen wird. Die Berliner Bürstenmacher, die im Deutschen Holzarbeiter- verband organisiert sind, haben zu Ende vorigen Jahres eine Statistik über ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen aufgenommen. Voil den etwa 259 insgesamt Beschäftigten sind 214, darunter 29 Arbeiterinnen, von der Statistik erfaßt. Die Bürstenmacher arbeiten überwiegend in kleinen und kleinsten Betrieben. Nur in vier Werkslellen arbeiten mehr als 19 und nur in einer über 29 Personen. Dagegen gibt es 39 Betriebe mit 5 und weniger Arbeitern. Die Arbeitszeit ist vertraglich auf 52 Stunden fest- gelegt, tatsächlich arbeiten aber nur 36 Arbeiter in 8 Betrieben 52 Stunden und weniger. In einem Betriebe mit einem Arbeiter beträgt die'Arbeitszeit 40 Stunden, in einem Betriebe mit 29 Arbeitern wird 48 Stunden gearbeitet. In der Mehrzahl der Betriebe währt die Arbeitszeit zwischen 52 und 56 Stunden, es kommen aber auch längere Arbeits- zeitcn, bis 66 Stunden wöchentlich vor. Der befremdliche Umstand, daß die vertragliche Arbeitszeit nur so mangelhaft durchgeführt ist, findet seine Erklärung in dem un- günstigen Stand der Organisation. Sind doch nur 55 Bürsten- macher in ihrer zuständigen Organisation, dem Deutschen Holzarbeiter- verband organisiert: acht gehören der lokalistischen Bürstenmacber- Vereinigung und neun anderen Organisationen an. Von den Arbeite- rinnen der Berliner Bürstenindustrie ist keine einzige organisiert. Ein, wenn auch langsames Zurückweichen der Arbeitszeit ist aber immerhin zu konstatieren. Im Jahre 1897 betrug die durch- schnittliche Arbeitszeit noch 57,5 Stunden, im Jahre 1995 lvar sie auf 55,9 Stunden und bei der letzten Aufnahme auf 54,9 Stunden zurückgegangen. Ein ivenig erfreuliches Bild zeigt auch die Uebersicht über die Löhne. Diese umfaßt 68 Lohnarbeiter mit einem Durchschnitts- verdienst von 28,51 M. Unter den 126 Akkordarbeitern sind 29 Arbeiter mitgezählt, die im Verein für Unfallverletzte beschäftigt sind und durchschnittlich 12,19 M. wöchentlich verdienen. Läßt man diese außer Betracht, dann verbleibt für die übrigen 196 Akkordarbeiter ein Durchschnittsverdienst von 24,29 M. Der GesamtdurchschnittS- verdienst unter Ausschluß der beim Verein für Unfallverletzte Beschäftigten beträgt 25,88 M. Die bei jeder Lohnstatistik beobachtete Erscheinung, daß die niedrigsten Löhne dort zu finden sind, wo am längsten gearbeitet wird, weist auch vie vorliegende Statistik der Bürstenmacher aus. Berantw- Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantwl:� Die Branche der HauShalhingSbfirsten ist die am schlechtesten ge« stellte: sie hat mit durchschnittlich 55,43 Stunden die längste Arbeits« zeit und mit 24,62 M. den niedrigsten Durchschnittslohn. Hierbei fällt ins Gewicht, daß diese Branche mit 72 Arbeitern in 25 Be- trieben die am zahlreichsten vertretene ist. Die Arbeiterinnen ver- dienen im Lohn duritischnittlich 12,67 M., im Akkord duribschnittlich 14,57 M.. der Gesamtdurchschnittsvcrdienst beträgt 14 M. Bei einer im Jahre 1999 aufgenommenen Lohnstatistik wurde noch ein Durch- schnittsverdienst von 14,79 M. festgestellt. An dieser Tatsache ist deutlich zu erkennen, welchen Nachteil für die Arbeiter es bedeutet, wenn sie der Organisation ablehnend gegenüber stehen. In einem längeren Aufsatz in der„Holzarbeiter- Zeitung", dem wir die vorstehenden Daten entnehmen, wird aus- gejährt, daß eS schon lange das Bestreben der Ortsverwaltung und besonders der Branchenleitung der Bürstenmacher gewesen sei, Lohn und Arbeitszeit der Bürstenmacher auf die gleiche Stufe mit den Tischlern zu bringen. Können die Verhältnisse der letzteren auch keineswegs als übermäßig glänzend bezeicbnet werden, so stehen sie doch weit über denen der Bürstenmacher. Aber daß eS so weit gekommen ist, haben sie lediglick, ihrer Organisation zu danken. Wenn die Bürstenmacher in gleicher Weise vorwärts kommen wollen, dann müssen sie vor allen Dingen ihr volles Augenmerk auf den Ausbau ihrer Organisation richten._ Eine gelbe Niederlage. Bei den Wahlen zum Gesellenausschuß der Berliner Fleischer- Innung erlitten die Gelben trotz aller Unterstützung der Arbeitgeber eine Niederlage. Der Zentralverband der Fleischer erhielt 287, die Gegner 265 Stimmen. Durch die Geheimhaltung der Wahl bis zum 5. Februar glaubte man die Agitation des Verbandes unterbinden und den Sieg der Gelben sichern zu können. Deutlcbes Reich. Lohnbewegung der Holzarbeiter im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Bereits im Jahre 1998, anläßlich der damaligen Bewegung im Baugewerbe, versuchte die im genannten Bezirk maßgebende hinter« nehmerorganisation, der„Westdeutsche Arbeitgeberverband für das Baugewerbe" auch die Holzarbeiter in diese allgemeine Bewegung mir einzubeziehen, was jedoch an dem Widerstand der Holzarbeiter scheiterte. Im darauffolgenden Jahre 1999 kamen dann gesonderte Verhandlungen für das Holzgewerbe zustande, deren hervor« stechendstes Ergebnis darin bestand, daß das von den Unternehmern präsentierte Vertragsmuster eine Reihe für die Arbeiter sehr be- deutsamer Verbesserungen erfuhr. Auch erzielten die Holzarbeiter einen anderen Ablaufstermin fiir ihre Oerträge als den für das Baugewerbe festgelegten: die Verträge gelten bis 15. April 1912 mit'einvierteljähriger Kündigungsfrist. Nach voraufgegangener Verständigung der beteiligten Arbeiter- organisationen— Deutscher Holzarbeiterverband, Christlicher Holz- arbeiterverband und Hirsch-Dunckerscher Gewerkverein— sind die Verträge nun am 15. Januar 1912 vorschriftsmäßig für folgende Orte gekündigt worden: Ahlen, Bochum, Bottrop, Borbeck, Essen, Dortmund, Mengede, Gelsenkirchen, Gladbeck, Hagen, Haspe, Ham- born, Herne, Lütgendortmund, Recklinghausen» Lünen, Oelde, Letmathe, Waltrop und Wanne. AlS Vertragskontrahenten kommen auf Unternehmerseite außer dem bereits genannten„Westdeutschen Arbeitgeberverband für das Baugewerbe" der„Rheinisch-Westfälifche Tischler-JunungSverband". der„Arbeitgeber-Schutzverband fiir das deutsche Holzgewerbe" sowie eine Anzahl freier Innungen in Betracht. Es ist also an Organi- sationen kein Mangel. lieber den Stand und bisherigen Verlauf der Bewegung läßt sich gegenwärtig noch nicht viel sagen. Sowohl der Unternehmer« verband für da's Baugewerbe wie auch der Jnnungsverband haben sich nach erhaltener Vertragskündigung den Gewerkschaften gegenüber zu Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Vertrages bereit erklärt, was von den Arbeitervcrbänden natürlich nicht abgelehnt wird, lieber die Art und den Zeitpunkt solcher Verhandlungen wird augenblicklich eine Verständigung zwischen den Beteiligten angestrebt. Der Dank der Scharfmacher. In Nürnberg hat der Schutzverband der Lithographie- und Steindruckereiunternehmer das Bedürfnis empfunden, dem Magistrat von der Beendigung des Streiks in dem genannten Berufe Mit- teilung zu machen und bei dieser Gelegenheit auch der Polizei für die getroffenen„Anordnungen" beim Streik Dank abzustatten. Ter Oberbürgermeister als Polizeichef schien sich doch dieses Lobes ein wenig zu schämen und meinte, das sei ein„eigenartiger Fall der Dankeserstattung". Aber verdient ist dieser llnternehmerdank, denn die Polizei hat es sich ehrlich angelegen sein lassen, den Scharf- machern, namentlich durch ungehörige Beeinträchtigung der Rechte der Streikposten, gefällig zu sein. ZZusUnck. Der Hutmacherprozest vor dem Oberbundesgericht der Bereinigten Staaten. Der berühmte Prozeß gegen die a in e r i k a n i s ch H u t- macherorganisation scheint nun endgültig erledigt zu sein. Die Gegen die Hulmacherunion war wegen Boykott derDanbury Hut- fabriken Klage erhoben worden. Die Anklage nahm eine Verschwörung im Sinne des S h e r m a n s ch e n Gesetzes als vorliegend an. Das Appellationsgericht schloß sich dieser Ansicht nicht an. Die Anti- Boykott- Association brachte die Angelegenheit vor das Ober-VuudeSgericht. Der Hutmacherverband bat in seinem Stattlt einen Passus, der es seinen Beamten zur Pflicht macht, alles aufzubieten, die ungeregelten Be- triebe unter die Konttolle der Union zu bringen, d. h. zu erzwingen. daß die von der Gewerkschaft festgesetzten Löhne bezahlt werden. Deswegen, so folgerten die Ankläger weiter, sei jedes einzelne Mit- glied für irgend eine ungesetzliche Handlung irgend eines Beamten des Verbandes haftbar zu machen. Die erste Instanz hatte die Hutmachcr-Union zur Zahlung einer Entschädigung in der Höhe von 969 999 Mark verurteilt. DaS OberbundeSgericht hingegen schloß sich dem Spruche des AppellationSgerichtS an: dieser ging dahin, daß die Mitglieder einer Arbeitervereinigung zum Ersatz von Schaden, der dem Unternehmer in einem Kampfe mit der Arbeiter- organisation entstanden ist, nicht verpflichtet sind, auch dann nicht, wenn die Beamten der Union den Streik oder den Boykott angeordnet haben. Strafbarkeit kann nur dann eintreten, wenn dem einzelnen Mitgliede nachgewiesen wird, daß eS an„Gewalttätigkeiten"(Boykott) selbst teilgenommen oder sie ge- billigt habe. Die Wichtigkeit der Bestättgung dieser Entscheidung durch den höchsten Gerichtshof liegt für die Arbeiterschaft darin, daß, obgleich die Anwendbarkeit des Shermanschen AntitrustgesetzeS auf Arbeiter- organisationen aufrecht erhalten wird, kein Arbeiter auf Grund der einfachen Tatsachen hin, daß er Mitglied einer Arbeiter- orgamsalion ist, für Schaden verantwortlich und haftbar gemacht werden kann, der dem Unternehmer im wirtschaftlichen Kampfe entstand. Hätte däZ Ober-BundeSgericht im Sinne der Ankläger ent- schieden, so wäre ein Präzedenzfall geschaffen worden, auf Grund dessen eS jedem Unternehmer ein Leichtes gewesen wäre, irgend eine Arbeiterorganisation finanziell zu ruininren, falls er imstande ist nachzuweisen, daß ihm durch Boykott seiner Ware oder auch nur durch einen von der betreffenden Organisation unternommenen Streik ein Schaden entstanden sei. Diese Gefahr ist abgewendet. Bus Industrie und Handel. Fort mit dem Kartoffclzoll. Gelegentlich der letzten Teuerungsdebatten verlangte eine schlesische Sladiverwaltung auch die Aufhebung des Kar- t o f f e l z o l l e s. Darüber höhnten agrarische Blätter. Mit der sh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u VerlagSanftalt kühnen Behauptung. Kartoffeln könnten zollfrei eingeführt werden versuchten sie, die Antragsteller lächerlich zu machen. Das war ein frecher Bluff, denn in Wirklichkeit tragen Kartoffeln in der Zeit von 15. Februar bis 1. August einen Zoll von 19 M. pro Tonne. Bei der Beratung des Zolltarifs vom 25. Dezember 1992 verlangten die Junker einen Zoll von 25 M. Angeblich wollten sie damit nur die sogenannten Luxuskartoffeln treffen. Die Regierung wollte nichts davon wissen, sie betonte in ihrer ablehnenden Begründung, daß im Frühjahr sehr oft auch noch vorjährige Kartoffeln zu Speise», Futter- und gewerblichen Zwecken eingeführt würden. Trotzdem be- schloß die Zollwuchermehrheit den Zoll von 19 M. für die angegebene Zeit. Gerade jetzt hat er besondere Bedeutung: er ist geeignet, den Preis der Kartoffeln noch weiter in die Höhe zu treiben. Einmal infolge der nicht ausreichenden Ernte, dann aber auch durch die gegen früher wenig eingeschränkte Ausfuhr ist der Preis jetzt schon weit über den Satz in den Vorjahren Hinausgegangen. Im Jahre 1919 sind rund 8 M ill. D o p p e l z e n n tn e r ausgeführt worden, im vorigen Jahre, trotz der schlechten Ernte, 2 898 791 Doppelzentner. So konnte eS nicht fehlen, daß der Preis sprunghaft stieg. Es kostete eine Tonne Mark: 1996 1997 1998 1999' 1919 1911 Die Jahresdurchschnittspreise laffen die EntWickelung in deck letzten Monaten nicht scharf genug heraustreten. Die gefährliche Teuerung des leider für einen großen Volksteil wichtigsten und unentbehrlichen Nahrungsmittels laffen die Dezembernotierungen beffer erkennen. Es mußten nämlich für die oben stehenden Sorten be» zahlt werden, pro Tonne Mark: Berlin Breslau Magdeburg 1999.. 46.67 36.— 29.— 1919.. 44,17 38,— 27,— 1911.. 80,— 70,— 49,— Im letzten Dezember waren demnach die Preise für Speise- kartoffeln fast doppelt so hoch als im Jahre vorher. Und wie steht es jetzt? Die Kalamität ist noch ganz bedeutend schlimmer geworden! Viele Kleinhändler haben den Verkauf von Kartoffeln gänzlich eingestellt, entweder weil sie Ware über- hajvpt nicht bekommen können, oder aber weil der Großhändler un- erichwingliche Preise fordert. Sollen doch die Händler 6'/, Mark und mehr für den Zentner, also 130 Mark und darüber für die Tonne bezahlen. Im Kleinhandel werden bis 85 Pf. für 19 Pfund verlangt. Da sich eine Knappheit zeigt, rechnet man mit einem weiteren Steigen der Preise bis auf 10 Pf. pro Pfund! Zum Teil mögen dem Mangel an Ware im Kleinhandel Speku- lationsmanöver zugrunde liegen. Großhändler halten mit dem Angebot zurück,»m dadurch die Preise weiter in die Höhe zu treiben. Um so mehr läge für die Regierung Veranlaffung vor, durch die sofortige Aufhebung des Knrtoffelzollcs solchen Machinationen und der weiteren Teuerung entgegenzuwirken. ES läge daS auch im Jnter- effe der Viehhalter. Die Futternot hat die Viehbestände schon arg dezimiert, bei den wahnsinnig hohen Kartoffelpreisen kann daS Körnerfutter nicht sehr vorteilhaft durch Kartoffeln ersetzt werden. Die Z o l l a u f h e b u n g ist daS mindeste was geschehen muß. Darüber hinaus muß aber auch eine Tarifermäßigung die Einfuhr von Kartoffeln erleichtern. Bisher hat die Regierung noch nichts Wirkungsvolles zur Linderung der Kartoffelnot getan. Allerdings, aus Gefälligkeil für die Junker erlaubte sie, daß die landwirtschaftlichen Brennereien auch MaiS anstatt Kartoffeln zur Spritgewinnung verwenden dürfen. Diese Maßnahme, die vielleicht die Brenner tröstet, übte, wie sich zeigt, keinen Einfluß auf die all- gemeine Prcisentwickelung auS. War doch auch der Preis für Brennkartoffeln im Dezember 1911 schon um 22 M. höher als im Jahre vorher. Mit Redensarten und billigen Vertröstungen, die man schon aus der agrarischen Presse kennt, kann sich die Regierung nicht an der Pflicht vorbeidrückcn, durch die geforderten Maßnahmen dem Kar- toffelwuchcr wenigstens etwas zu steuern. L,ctztc Nachrichten. Schiffahrtsstörungen der Jtaliemr. Rom, 7. Februar. Die italienischen Blätter bringen heute eine Statistik der fremden Schiffe, die im Laufe de? Krieges von italienischen Kriegsschiffen angehalten und durch- sucht worden sind. Es sind im ganzen 25, nämlich 5 ägyptische. 7 türkische, 5 griechische, 4 österreichische, 3 französische und 1 rumä- nisches._ Der Ausstand im Borinage. Brüssel, 7. Februar.(W. T. B.) Die Führer der ausständigen Bergarbeiter im Borinagcbczirk haben beschlossen, am Freitag ein Referendum zu ver an st alten, um festzustellen, ob der Streik angesichts der Weigerung der Grubenbesitzer, den stif* quo bis zum 1. Juli aufrecht zu erhallen, fortgcsetztwerden soll. Gestern und heute griffen Ausständige an verschiedenen Orten Bauern an, die Lebensmittel zu Markt brach» ten; sie mutzten durch Gendarmerie in Schranken gehalten werden, jedoch hat sich ernstliches nicht ereignet. Im Eise eingebrochen. Breslau, 7. Februar.(W. T. B.) Heute nachmittag brachen drei Knaben im Alter von 19 bis 13 Jahren auf dem Eise der Oder zwischen Kaiser- und Lessingbrücke ein, gerieten unter die Eisdecke und ertranken. Ein Mann, der sofort RettungSver- suche unternahm, brach ebenfalls ein und wurde mit Mühe gerettet. Ein Kind verbrannt. KönigShütte, 7. Februar.(H. B.) Ein schwerer Unglücksfall hat sich heute vormittag hier zugetragen. In Abwesenheit der Mutter fingen die Kleider eines sechsjährigen Mädchens daS sich dem offenen Feuer zu sehr genähert hatte. Feuer, und im Augenblick stand das Kind in hellen Flammen. Als die Mutter nach Hause zurückkehrte, fand sie die verkohlte Leiche ihres TöchtcrchenS vor. In den Flammen umgekommen. Köln, 7. Februar.(W. T. B.) In Geldern bei Sonsbeck ist ein groß,» Bauernhof niedergebrannt. Der Bruder des Besitzers ist in den Flammen umgekommen. Drei Pferde, einundzwanzig Kühe, einundvicrzig Schweine und viel Geflügel sind verbrannt. Ein österreichisches Elektrizitätswerk vernichtet. Marburg(Steiermark). 7. Februar.(P. C.) Gestern ist das große Elektrizitätswerk bei Marburg vermutlich infolge Kurz. ichlutz vollständig niedergebrannt. Die im Gebäude anwesenden Arbeiter sowie der Besitzer konnten nur mit Mühe ihre Habsclig- leiten retten. Tic Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, die anliegenden großen Holz- und Kohlenvorräte zu schützen. Die be- ngchbarten Betriebe.'die aus dem Werk ihre Elektrizität bezogen, mußten den Betrieb ein stelle n.__ f lul Singer � Co., Berlin L W. Hierzu 2 Beilagen«.UntcrhaltungSbl. Nr. 32. A.ZahtMg. l. Keilet i>ts.Hmiirls" Kerlim MsM Mgeoränetenkaus. 7. Sitzung vom Mittwoch, den 7. Februar, nachmittags 1 Uhr. Am Minstertisch: K o n: m i s s a r e. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Beratung von Anträgen, betreffend Aufbesserung der Altpenfionäre. Der Antrag Dr. Schroeder- Kassel(natl.) und Gen. will die Regierung ersuchen, noch im Laufe dieser Session einen Gesetz- entwurf vorzulegen, welcher eine prozentuale Erhöhung der Pensionen der vor dem 1. April 1908 in den Ruhestand ge- tretenen Staatsbeamten, Lehrer und Lehrerinnen sowie der R e- liktenbezllge der Witwen und Waisen solcher Beamten und Lehrer vorsieht. Ein Antrag A r o n s o h n sVp.) und Gen. will dasselbe und zwar eine Erhöhung der Pensionen bis zu 3000 M. inkl. des Zuschlags. Von dem Abg. Dr. Arendt(fk.) und Gen. ist dazu ein An- trag eingegangen: die Regierung zu ersuchen, schon für 1912 unter entsprechender Bemessung der Fonds zur Unterstützung der Alt- Pensionäre des Beamten- und Lehrstandes deren Zweckbestimmung dahin zu erweitern, dag alle altpensivnierten Beamten und Lehrer. deren Gesamteinkommen den als auSkömnilich anzusehenden Betrag nicht erreicht, ohne weiteres als unter st ützungs- bedürftig anzuerkennen und ihnen entsprechende Beihilfen zu gewähren sind. Abg. Witzmann snatl.): Die Notwendigkeit der Erhöhung der Bezüge der Altpenstonäre ist nicht zu bestreiten angesichts der ge- stiegenen Kosten der LebenShallnng, die sich in den letzten 39 Jahren um die Hälfte erhöht haben. Wir halten an unserer Forderung der gesetzlichen Regelung dieser Bezüge fest. Leider hat sich Herr v. Pappenheim rm Gegensatz zu der Haltung der Konservativen im vorigen Jahre gegen eine solche gesetzliche Regelung ausgesprochen und hat auf den Unterstützungsfonds verwiesen. Der Finanz- minister� Dr. Lentze hat sich, wie nicht anders zu erwarten war, auf denselben Standpunkt gestellt. In der Tat aber haben die Lltpcnsionäre einen Rechtsanspruch aus Erhöhung ihrer Bezüge. Ich bitte Sie daher, unserem Antrag zuzustimmen. Abg. Dclius lVp.s: Ich kann mich den Ausführungen des Vorredners nur anschlichen. Die Pensionen der Altpensionäre sind auherordentlich niedrig, insbesondere die der Lehrer. Die Pensionen der vor 1891 pensionierten Lehrer betragen nur ein Drittel der heutigen Pensionen. sHörtl hört! links.) Die übrigen Pensionäre haben sich zu einem Zentralverband deutscher Pensionäre zusammengeschlossen. Wenn aber dieser Verband u. a. fordert, dah auch die Bezüge der Neupensionäre erhöht werden müssen und datz jedesmal bei einer Erhöhung der Beamtengehälter auch die Pensionen erhöht werden sollen, können wir ihm nur raten, seine Forderungen nicht allzu sehr zu überspannen. Die Pensionäre gefährden dadurch nur ihre berechtigten Forderungen.(Sehr richtig I rechts.) Wir wünschen, dah entsprechend den Teucrungs- Verhältnissen die niedrigen Pensionen aufgebessert werde». Wenn dazu, wie der Finanzmiuister sagte, 7>/z Millionen nötig sind, so wird diese Summe bei unserer glänzenden Finanzlage nicht schwer aufzubringen sein.(Sehr richtig! links.) Wir erwarten, dah die Regierung nun endlich die berechtigten Forderungen der Alt- Pensionäre erfüllt.(Bravo! links.) Abg. v. Goßler(k.>: Wir bringen dem Schicksal der Alt- Pensionäre das denkbar gröfcte Wohlwollen entgegen, sind auch der Meinung, daß die gesetzliche Regelung ihrer Bezüge auf die Dauer nicht zu umgehen sein wird, haben aber praktische Be- denken gegen die vorliegenden Anträge. Bei Gewährung pro- zentuoler Zuschläge würden gerade die Landlehrer sehr schlecht weg- kommen. Auch halten wir die Begrenzung des Antrags Aroniohn auf 3009 M. nicht für angebracht. Wir wollen keine schematische Regelung, sondern Zugrundelegung der tatsächlichen Verhältnisse der Pensionäre, etwa unter Ausschaltung derer, die ein bestimmtes Privateinkommen habe». Ein Antrag in diesem Sinne wird Ihnen noch zugeben.(Bravo! rechts.) Abg. König(Z.s erklärt das Einverständnis seiner Freunde mit den Anträgen Schroeder- Kassel und Aroissohn. Für die Unterstützungen müssen bestimmte Grundsätze festgelegt werden, vor allem mutz die Zahl der unversorgten Kinder berücksichtigt werden. Die Höhe der Unterstützungen darf nicht so gering sein, datz sie wie ein Trinkgeld oder Almosen aussehen.(Sehr richtig!) Abg. Krause- Waldenburg(fk.): Um den Lltpensionären so schnell wie möglich zu helfen, halten wir es für richtiger, Kleines feuilleton Eine Strindbcrgfeier veranstaltete die Neue Freie Volks- b ü h n e am Dienstag im N e u e n V o l k s t h e a t e r. In einem einleitenden Vortrage umrih Gustav Landauer den Menschen und Dichter. Warmherzig brachte er uns den unermüdlichen Kämpfer nahe, der stets die Wahrheit, seine Wahrheit suchte. Aber gcrewterweiie zeigte er ihn UNS auch als den modernen Romantiker. dessen Leben eine Reihe von Krisen ist, dessen Erlebenslust bis an die Grenzen des Wahnsinns führt. Strindberg die repräsentative Ge- stall unserer Zeitzcrrissenheit, Strindberg der Problemaliker und Paradore, Strindberg der Dichter der Wirklichkeit und der Sehnsucht. So charakterisierte ihn Landauer. Den tiefen Zwiespalt zwischen Geist und Sinnlichkeit deckte er in ihm auf und verhehlte nicht, datz dieser Erforscher aller Ab gründe im Menschen kein Lehrer und Führer sein kann und will, datz er Aergernis zu erregen gekommen ist. In seinem Schaffen stellt er sein eigen Erleben zur Schau, voller Widersprüche, voller Kämpfe und Krämpfe, unharmonisch und ungcmeistert.(Ob nicht ei» Teil der Zwieipälligteir in Strindberg durch seine Stellung zu den Klasicii zu erklären wäre? Als Sohn der Magd hat er den starken prole- tarischcn Klasieninstinkt, nie verleugnet. Aber in seinem schranken- losen Individualismus� in seiner völligen Isoliertheit hat er ebenso starke autldemokratrsche Tendenzen entwickelt. Der Ref.) Em Bild von Str'ndbergs Schaffen durch Vorführung von Einzelstücken zu geben, ist von äutzersler Schwierigkeit. Das Ge- sanilwerl ist riesig und imponierend, aber es ist wie eine höchst mannigfache und kontrastreiche Landschaft. Jede Einzelheit gehört daui aber keine gibt eine Vorstellung vom Ganze». Die Ver- onsialler de« Abends machten sich die Ausgabe leicht. Sie gaben uns nur den Strindberg der Nietzschephase und Strind- bera den Weiberfeind. Herr Karl Strecker las sehr un- glücklich Bruchstücke ans dem Roman.Am offenen Meer", der arotzen Tragödie dcS vom Leben losgelösten Jntellektmenschen, der P � v____•••»'s s. � oq.....__ f;__» der Künstler historischer Miuiauircu und vor allem der Selbst belenner und Selbslzerfleiicher Strindberg? Und doch dauerte die � Feier ,0 ichou bis 12 Uhr. D-e famose Szene Die Stärkere und die Abrechnung mit jenem Weibwesen, daS Strindberg behext zu haben scheint: Gläubiger zeigten uns den Dramatiker. Welch eine Kunst des Dialogs(oder Monologs), welche Schärfe der Beobachtung, welch eine bis znr Oual gesteigerte psychologische Sezier- und Analysierkunst! Rosa Bertens war für beide Stücke die gegebene Verireierin, in dem ersteren die liebende Frau, die ihrer Liebe olle Opfer bringt und so die überlegene Gegnerin über- windet; in dem ander», der lokelle Vainpyr, der die Männer aus- zunächst den Streit auszuschalten, ob die Regelung der Bezüge auf gesetzlichem Wege geschehen soll oder durch Er- yöhung der Beihilfen. Wir streiten uns sonst noch jähre- lang um Prinzipien mit der Regierung, womit den Altpensionären nicht geholfen ist.(Sehr gut!) Im übrigen glauben wir, datz unser Antrag einen praktischen Weg zur Regelung der Materie bietet. Dem Vorredner stimme ich darin bei, datz zu geringe Beihilfen nicht vor- kymmen dürfen. So wurde einem Rektor eine Beihilfe von L'l Mark pro Jahr gewährt!(Hört! hört!) Es müssen be- stimmte Grenzen festgelegt werden, innerhalb deren sich die Unter- stützungen zu bewegen haben. Eine Prüfung der persönlichen Be- dürftigkeit des Einzelnen halte ich im Gegensatz zum Vorredner bei Bemessung dieser Bezüge nicht für angebracht. Für Fälle besonderer Bedürftigkeit sind besondere Fonds da.(Bravo!) Abg. Ströbel(Soz.): Auch wir sind einverstanden mit den Anträgen Aronsohn und Schroeder-Kassel. Dadurch wird nur eine bedauerliche Lücke ausgefüllt, die bei der Besoldungsresorm gelassen wurde. Wir hätten selbst einen solchen Antrag gestellt, wenn uns das nicht infolge unserer geringen Zahl unmöglich iväre. Wir sind zwar die stärkste Partei im Lande, verfügen aber doch nnr über sechs Abgeordnete. Es ist selbstverständlich, datz eine Erhöhung der Bezüge der Altpenstonäre notwendig ist, nachdem inzwischen durch den Zollwucher auch ihre Verhältnisse so sehr verschlechtert worden sind. Selbst die.Kr e u z- Z e itun g" hat ja gestern zugegeben, datz in den letzten 1ö Jahren sich die gesamten Lebensverhältnisse um 28 bis 39 Proz. verteuert haben. Trotz der verschiedenen Versprechungen der Regierung, den berechtigten Wünschen der Altpensionäre und ihrer Hinterbliebenen Rechnung zu tragen, ist das bisher nicht geschehen. Schon 1999 wurde darüber geklagt, datz es Lehrerwitwen gäbe, die eine Pension von 2S9 Mark beziehen.(Hört! hört! links.) Ein Regierungsvertreter erklärte damals, datz in Zu- kunft jede alte Witwe mindestens 369 M. Pension im Jahre erhalten solle. Trotzdem mutzte 1997 erneut darüber Beschwerde geführt werden, datz eine 83 jährige fast erblindete Lehrer- witwe nur 229 Mark erhalten habe und mit ihrem Ge- such um Erhöhung der Unterstützung nach sieben Monaten a b« gewiesen worden sei.(Hört! bort!) 1998/99 wurde dann wieder versprochen, datz die Fonds entsprechend erhöht werden sollten. Trotzdem blieb die Notlage der Lehrerwitwen die gleiche. Noch am 39. März 1911 wurde in der Budgetkommission eine Erhöhung des Unterstützungsfonds beschlossen, und das Re- sultat war, datz am 21. Juni 1911 wieder Beschwerde darübergeführt wurde, datz zwei Lehrerwitwen. 82 und 87 Jahre alt, ganze 346 Mark Pension bezögen.(Hört, hört! links.) Das ist kein Ruhmestitel für Preutzen, das nach dem Worte des Fürsten Bülow in der Welt voraumarschieren soll. Nach der Absicht des Finauzministers soll nun abermals das System der Unterstützungen beibehalten werden. Das ist nach den gemachten Erfahrungen schon aus praktischen Gründen abzulehnen, aber wir sind vor allem auch aus prinzipiellen Gründen dagegen. Die Allpensionäre und ihre Hinterbliebenen haben ein moralisches Recht auf Pension und dürfen nicht mit Bettelpfennigen abgefunden werden. Der Finanzminister meinte allerdings, sie möchten sich vertrauensvoll. an die zuständigen Behörden wenden. Wenn aber solche Fälle sich er- eignen können, wie der von dem letzten Vorredner erwähnte, dann möchte ich wissen, woher daS Vertrauen zu der Regierung kommen soll.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch Herr F r i e d b e r g hat bei der Etatsberatung betont. datz die Alt- Pensionäre es als Demütigung empfinden, wenn sie sich als Vitt- steller an die Behörden wenden müssen. Auch Herr S i t t a r t vom Zentrum hat das früher zugegeben. Nicht Almosen haben die Alt- Pensionäre zu verlangen, sondern Befriedigung ihrer Rechtsansprüche. (Sehr richtig! links.) Der Finanzminister behauptete, es sprächen allerhand„staatsrechtliche" Argumente gegen die gesetzliche Regelung. Zunächst sagte er, sie widerspreche der Gepflogenheit. Da kann man mit dem Dichterwort sagen: Das ist ein Brauch, von dem der Bruch mehr ehrt als die Befolgung.(Sehr gut I links.) Und wenn der Minister weiter meinte, die Staatsfinanzen ertrügen die Belastung mit den dazu erforderlichen Mitteln in Höhe von 6,8 Millionen nicht, so erinnere ich nur daran, datz zur Erhöhung der Krön- d o t a t i o n 3 Millionen ohne weiteres bewilligt wurden.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Den Vorschlag der Konservativen, die Pensionen zu gewähren unter Berücksichtigung des Privat einkomnicus der Betreffenden, halten wir nicht für richtig. Es handelt sich eben nicht um ein Almosen, sondern tim einen Rechts- anspruch der Pensionäre.(Sehr wahr! links.) Und wenn hier, saugt, selber ein Nichts, das alles nimmt aber nie gibt. Sie wutzte diese mit den Augen des Hasses gesehene Karikatur lebendig zu machen.— r. Vom Pariser Blumenhanbel. Es herrschte in Paris dieser Tage keine geringe Aufregung, als Blumenhändler und Blumen- binder erfuhren, daß«in ministerieller Beschlutz den Schnittblumen von italienischer Herkunft den„Zutritt" zu den französischen Blumenmärkten untersage. Der Beschlutz war übrigens nur von kurzer Dnuer. denn die Matzregel wurde angesichts der Proteste der Blumenhändler vorläufig aufgehoben. Die Blume fpielt in Paris eine grotze Rolle. Daher kommt es, datz Paris ein. nein. der große Blunicnmarkt Europas geworden ist. Aus allen Gegen- den Frankreichs, hauptsächlich aber von der französischen Riviera, kommen alle erdenklichen Blumenarten in Hülle und Fülle nach der Seinestadt. Im Vergleich mit der Blumenproduition der Cöte d'Azur spielen die italienischen Blumen auf dem Pariser Blumen- markt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Trotzdem würde das ministerielle Einfuhrverbot die Blumenindnstrie in nicht ge- ringe Verlegenheit gebracht haben, da bei den Blumensendungen, die von Paris nach dem Ausland gehen und deren Wert jährlich mehr als drei Millionen Francs beträgt, die italienischen Blumen immerhin in Betracht gezogen werden müssen. Während die ita- lienischen Händler sich in Frankreich mit Rosen, Nelken, Levkojen, Reseden, Ranunkeln, Anemonen versehen, lassen sich die Blumen- züchter Südfrankrcichs aus den großen Blumenbezirkcn der ita- lienischen Ricviera bestimmte Roscnarten kommen, die in Frank- reich nicht gezogen werden. Bar und Alpes-Maritimcs sind die beiden Departements, die den großen Pariser Markt am meisten mit Blumen versorgen. Von tzheres bis Mentone sieht man ein einziges großes Blumen- feld, auf welchem Rosen, Veilchen, Nelken, Mimosen, Hyazinthen. Narzissen. Anemonen und Levkojen blühen. Die Blumenzucht bringt hier den Züchtern sehr viel ein; es wird z. B. erzählt, daß einem Bauern in Carquciranne sein Nelkenfeld— etwa zwei Hektar— durchschnittlich 59 999 Francs pro Jahr bringe. Man wird sich von der Bedeutung des südfranzösischon Blumenhandels einen Begriff machen, wenn man erfährt, datz Paris von November bis Ende April täglich im Durchschnitt 5999 Kolli Blumen erhält. Ein großer Teil dieser Sendungen wird sofort weitergeschickt: nach Deutschland, nach England, nach Rußland und sogar nach Schweden. Einer der besten Kunden ist Deutschland. Im Jahre 1999 erhielt Berlin etwa 4999 Tonnen frische Blumen: zwei Drittel kamen aus Frankreich und das andere Drittel aus Italien. Die Anzahl der Hektare, die in den Departements Var und Alpcs-Maritimes ausschließlich der Blumenzucht gewidmet sind, schätzt man auf achttausend. Hycres produziert fast ousschlietzlich Veilchen, die sehr gesucht sind. Die Saison beginnt iin November und endet Ende April. Nizza und Antibes liefern prächtige Nelken und auch das sogenannte Parmavcilchen. In Carquciranne baut man Nelken und eine bestimmte Narzissenart an. Pallauris liefert Rosen, Mi- dann müßte dieser Grundsatz doch auch bei den Pensionen im all« gemeinen berücksichtigt werden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Auch bei den Ministern I) Auch dem Antrag der Freikon, ervativen können wir nicht folgen. Aus den Ausführungen des Abg. König ging nicht klar hervor, ob das Zentrum für die gesetzliche Regelung ist oder nicht. Er sprach sich zuerst dafür aus, brachte aber nachher allerhand Gründe dagegen vor. Es scheint, als ob das Zentrum seinen späteren Umsall vor« bereiten und den Konservativen wieder Hilfe� leisten will. T ce Konservativen wollen ja. datz nicht nur die persönliche Bedürftigkeit. andern auch die persönliche Würdigkeit entscheiden soll. Gerade nach den Versuchen, die Beamten politisch zu entrechten, sind wir gegen die Gewährung von Unterstützungen, damit nicht auf diese Weise auch den inaktiven Beamten ihr Staatsbürgerrecht geraubt werden kann. Deshalb wollen wir von einem solchen Unter- stützungSfondS, der nur ein KorruptioiiSfondS fein kann, nichts wissen und verlangen eine balvige gesetzliche Regelung der Ansprüche der Altpensionäre. Der Vertreter der Frei- konservativen meinte, wir sollten uns nicht über Prinzipien streiten, dann bekämen die Altpensionäre gar nichts. Aber wenn die Mehrheit dieses Hauses geschlossen vorgeht und der gesetzlichen Regelung zustimmt, dann wird zweifellos die Regierung die Ver- antwortung dafür scheuen, datz die so dringend bedürftigen Alt- Pensionäre noch länger auf Erhöhung ihrer Bezüge warten müssen. Wenn die gesetzliche Regelung nicht zustande kommt, liegt die Schuld also allein an den Konservativen und dem Zentrum.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Strosscr(k.): Die Angriffe de« Abg. Ströbel gegen die Rechte waren ganz unbegründet. Wir stehen in unserer über- großen Mehrheit auf dem Standpunkt der gesetzlichen Regelung. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Pappenheim!) Ich bin überhaupt gegen die Unterstützungen; dies Wort hat nun einmal einen üblen Klang(Sehr richtig! links) und wie der von Herrn Krause-Walden- bürg vorgebrachte Fall beweist, mit Recht.(Abg. Hoffmann (Soz): Sehr richtig!) Deshalb bitte ich Sie. unserem Antrag zu- zustimmen, die Bezüge der Altpensionäre unter Berücksichtigung ihres Privateinkommens aufzubessern. Abg. Heine(natl.): WaS anderswo möglich ist, muß auch in Preutzen möglich sein. Man mutz auch berücksichtigen, datz sich unter den Altpensionären zahlreiche Kriegsteilnehmer befinden. Zwölf Prozent derselben haben sogar an allen�drei Feldzügen teilgenommen. Wenn für diese Altpensionäre so wenig gesorgt wird, wo soll da noch die Vaterlandsliebe herkommen!(Hört! hört! links.) Abg. Ernst(Vp.) tritt insbesondere für die Aufbesserung der Bezüge der pensionierten Lehrer ein. Damit schließt die Besprechung. Sämtliche Anträge gehen an die B u d g e t k o m m i s s i o n. ES folgen Anträge betreffend Regelung der Verhältnisse der nichtrichterlichcn Beamten. Abg. Fritsch(natl.) begründet den Antrag seiner Freunde, der die Regierung ersucht, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den gemätz Artikel 98 der Prentzischen Verfassung vom 31. Januar 1829 die Verhältnisse der nicht zum Richterstande gehörigen Staats- beamien einheitlich und den veränderten Zeitverhältnissen entsprechend geregelt werden sollen. Abg. Delhis(Vp.) befürwortet einen Antrag auf eine einheitliche, organische, erschöpfende und den veränderten Zeitverhältnissen ent- sprechende Neuregelung des gesamten Beamtenrechts. Die Schaffung eines modernen Beamtenrcchts ist zurzeit die wichtigste Frage sür die Beamten. Selbst Sachsen hat ein wesentlich moderneres Beanitenrecht als Preutzen. Vor allem mutz das Wahl-, PetitionS-, Verein«- und Versammlungsrecht der Beamten, sowie deren Recht ans freie Meinungsäutzerung durch Wort und Schrift gewährleiste werden. Eine dringende Forderung ist die B e s e i t i g u n g der Arrest strafe für Untcrbeamte.(Sehr richtig! links.) Ebenso notwendig ist eine Reform unseres Disziplinarrechts unter Einführung des Wiederaufnahmeverfahrens. Die Beamten müssen die volle Gleichberechtigung mit allen anderen Staatsbürgern ge« nietzen.(Bravo I links.) Abg. v. Grschcr(k.): Wir stimmen dem Antrag Fritsch zu, lehnen aber den Antrag Aronsohn ab. So schlecht wie man die Rechtslage der Beamten schildert, ist sie durchaus nicht. Abg. König(Z.) spricht sich ebenfalls gegen den Antrag Aronsohn und für den Antrag Fritscki aus. Abg. Rewoldt(fk.) äußert sich in demselben Sinne. Hierauf wird ein S ch l u tz a n t r a g angenommen. Zum Worte gemeldet waren noch die Abgg. Dr. S ch e p p(Bp.) und Dr. Lieb- k n e ch t(Soz.) mosen und Anemonen. OlliouleS bringt Narzissen, Hyazinthen, Anemonen und vor allem Immortellen hervor. Die Blumen von Grosse, die einen Weltruf genießen, dienen besonders zur Parfüm- fabrikation. Cannes und Golfe Juan widmen sich fast ausschließ- lich der Orangenblütenernte. Die Ernte ist eine Sehenswürdigkeit für sich. Dank den raschen Verkehrsmitteln kommen die Blumen deS Südens in ihrer ganzen Pracht und Frische nach Paris. In weniger als sechzehn Stunden ist die Fahrt von Nizza nach Paris voll- endet; für viele Blumen ist das aber noch lange nicht das Ende der Reise, denn sie gehen weiter in alle Länder. Wenn sie ge- schnitten sind, haben nicht alle Blumen die gleiche Lebensdauer. Die Rose kann zehn Tage leben, während das Veilchen nur sieben bis acht Tage erhalten bleibt. Kräftiger ist die Nelke, die vier- zehn Tage frisch bleiben kann. Aber das alles ist relativ und hängt von den meteorologischen Bedingungen, von der Kälte, vor» der Wärme, von der Feuchtigkeit oder Trockenheit dr Luft ab. Notizen. — Vorträge. Am Donnerstag, abends 8 Uhr. findet im Blüthner-Saal ein Vortrag von Prof. Werner S o m b a r t über das Thema:„Judentum und Antisemitismus statt. — D i e R ü ck st ä n d igkeitder kg I. Bibliothek in den technischen Fächern ist jetzt von der Verwaltung offiziell anerkannt worden. Der Direktor Harnack will sich durch den Verein Deutscher Ingenieure einen Techniker vorschlagen lassen, der zunächst eine Ilcbersicht über die vorhandenen Bestände aufstellen soll. Der Verein gibt einen Zuschuß zu dem Gehalt des technischen Assistenten. — Zeitschriften schau. Unter dem Titel„Die Ar- beitsschule" beginnt das Organ des Vereins für Knaben- Handarbeit mit stark erweitertem Programm seinen 26. Jahrgang. Das gesamte Gebiet der werktätigen Erziehung soll in Zukunft in der Zeitschrift gepflegt werden. m � t o m a t i s ch e Telephone sind von der Londoner Postbchorde nach längeren erfolgreichen Versuchen in Betrieb ge- nommen worden. Ein großer Fortschritt ist dadurch erzielt, zumal auch die Benutzung dieses Telephons billiger ist. Die Einschaltung geschieht ganz automatisch mittels einer kleinen Scheibe. Jeder ist imstande, sich selbst Anschluß zu verschaffen, zunächst an das be- treffende Amt und dann an die Nummer, mit der er zu sprechen wünscht. — William Ra m sah, der berühmte Entdecker des Argon und der anderen Edelgase der Luft, dem auch der weittragende Nachweis der Wandlungsfähigkeit der Elemente zu verdanken ist, will von seinem Lehrstuhl sür allgemeine Chemie am University College, den er gerade 22 Jahre innegehabt hat. zurücktreten. Da sich der Forscher erst im 69. Lebensjahre befindet, darf angenommen tverden, daß er seine Lehrtätigkeit nur aufgibt, um durch Ar- beiten im Laboratorium seiner Wissenschaft um so mehr di-n-ii zu können,'"' 4 Mg. Dr. Schepp(Vp.) lSchußwory: Es ist sehr bedauerlich, daß bei einem so wichtigen Antrage die Regierung unvertreten ist.(Sehr richtig I linlS.) Wenn eine Reform des gesamten Beamtenrechts in dieser Legislaturperiode nicht mehr möglich ist, so sollte zum »lindesten die seit 30 Jahren geforderte Refonn deS Disziplinarrechts noch diesem Landtag vorgelegt werden. ES muß dafür ge- sorgt werden, daß unrichtige Berichte in den Personalakten berichtigt werden können. sBravo! links.) Der Antrag F r i t s ch wird hierauf angenommen, der Antrag A r o n s o h n gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten abgelehnt. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Donnerstag 11 llhr(kleinere Vorlagen und Anträge.) Schluß o'Aj Uhr._ parlaiuetitanfcbea* Reichstagseingänge. Im Reichstage eingegangen ist der Etat für 1S12, die Rechnungen über den Etat von 1310, und über die Etats der Schutzgebiete für ISO«, ferner der Entwurf eines Reichs- und Staatsangchörigkeits- gesetzes, der Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Reichs- militärgesetzes sowie des Gesetzes betreffend Aenderung der Wehr- psticht vom 11. Februar 1888 und eine Uebersicht über die Ent- schlietzungen deS Bundesrats auf Beschlüsse deS Reichstages. Der Krieg. Die Italiener wollen Hodeida nicht beschossen habe». Rom. 7. Februar.(Meldung der Agenzia Stefani.) Nach einem hier eingetroffenen Bericht des Kommandanten des italienischen Ge- schwadcrs im Roten Meer hat in diesen Gewässern lediglich eine Beschießung des türkischen Lagers in Djebana und der Hütten in seiner Umgebung stattgefunden. Es bleibt daher das Dementi der Nachricht auswärtiger Blätter, italienische Kriegsschiffe hätten Hodeida beschossen, in vollem Umfange bestehen. AuS dem Bericht des Kommandanten geht hervor, daß der Eisenbahn» gesellschaft, die den Bau der Bahn bei RaS cl Ketib übernommen hat, niemals eine Andeutung, die Arbeiten einzustellen, gemacht worden ist und daß gegen die Gebäude dieser Gesellschaft kein Schuß gefallen ist. Zm Revolution in China. / Das Abdauknngscdikt veröffentlicht? Petersburg. 7. Februar. Die„Nowoje Wremja' meldet aus Peking, daß heute das Abdankungsedikt des kaiser- lichen Hauses veröffentlicht lvordcn ist. Im russischen Außenministerium lag eine Bestätigung der Nachricht allerdings noch nicht vor. Tins der parte!« Die überflüssigen Danksagungen. Wie angebracht unsere Notiz über die verschiedenen Danksagungen sozialdemokratischer Abgeordneten war. beweist gerade der Umstand, daß diese Fälle nicht vereinzelt waren. So hat z. B. auch in Köln Genosse Hofrichter eine solche Ueberflüssigkeit für nötig gehalten. Damit solche Sitten sich in Zukunft nicht noch mehr ein- bürgern, war es wirklich an der Zeit, dagegen Einspruch zu erheben._ Stockholms Arbeiterbibliothck_ konnte dieser Tage ihr LOjähriges Bestehen feiern. Den Grundstock bildete die Bibliothek des Sozialdemokratischen Vereins. Aber schon im ersten Jahre schlössen sich die Gewerkschaften größtenteils an, so daß man die Bibliotheken von 40 Vereinen, die damals 2600 Mitglieder zählten, zentralisieren konnte. Heute sind dem„Ar- beiterbibliothckverband" 130 Vereine mit rund 20 000 Mitgliedern angeschlossen. Die Bibliothek zählte anfangs nur 400 Bände und war in einem elenden MictSraum ohne Fenster und ohne Heizung untergebracht. Jetzt hat sie 26 000 Bände und schöne helle Räume mit Lese- r�rd Schreibzimmer im Volkshause sowie zwei Filialen in anderen Stadtteilen. Ferner sind 18 Wanderbiblio- t h e k e n von 40—60 Bänden vorhanden, die auf Wünsch dtr Organisationen auf bestimmte Zeit nach anderen Orten versandt werden. 1892, im ersten Jahre der Bibliothek, war die Zahl der Ausleihungen 3003, 10 Jahre später 62 000. Den Höhepunkt stellte das Jahr 1909, als die Arbeiter durch die große Aussperrung und den Generalstreik viel Zeit zum Lesen hatten, mit 173 000 Aus- lcibungen dar. Seit 1901 zahlt die Stadt einen Zuschuß, der jetzt 12 000 Kronen(13 S00 M.) beträgt, seit 1907 auch der S t a a t. jetzt 1000 Kronen._ Jugendbewegung. AuS der österreichischen Jugendbewegung. Zu den schon bestehenden deukschen, tschechischen und italieni- schcn Organen der Proletarierjugend ist nun„Die Freie Jugend" getreten, die im äußersten Osten der Monarchie, in Ezernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, erscheint. Das Blatt ist für die in entsetzlichstem Elend l)cranwachs«nde jüdische Arbeiterjugend bestimmt und deshalb im jüdischen Jargon ge- schrieben und mit hebräischen Lettern gesetzt. Der Staatsanwalt hat gleich die erste Nummer an mehreren Stellen konfisziert. Soziales. Ostelbische Armenfürsorge. Mit 1074 Hektar Flächeninhalt ist das Dorf Wcßlinkcn in Wcstprcußen, nahe an Pommerns Grenze, eine der größten Ge- mcindcn. Zudem ist es ein fruchtbares Land. Der Besitzer braucht dabei wahrlich nicht Not zu leiden. Anders der Arbeiter. Ihm geht es wie überall: In der Jugend rackert er sich für seine ..Brot"geber ab und wenn das Alter naht, sieht er, wie überflüssig er eigentlich auf dieser Welt ist. In diesem Dorfe lebt ein Land- arbriter, der sich 64 Jahre lang durchs Leben schlug, so gut cS eben gehen wollte. Als er alt wurde, fiel ihm die Arbeit immer schwerer, immer seltener gelang es ihm, Beschäftigung zu finden. Der Mann war leidend. Er ging zum Arzt, um dort zu hören, er müsse eine andere Lebensweise führen, müsse sich kräftiger nähren, sonst sei er dem Tode verfallen. Lieber Himmel, wo- von? In seiner Not bat der Greis die Gemeinde um Hilfe. Vier lange Wochen vergingen in Hangen und Bangen. Dann kam nicht die Hilfe, sondern folgendes Schreiben: Ecmeinde-Amt. J.-Nr. 96. Auf Ihr Gesuch an das König!. Landratsamt betreffend eine Unterstützung, teile ich Ihnen mit. daß der hiesige Ortsarmen- verband es ablehnt, Ihnen eine laufende Unterstützung zu zahlen. Gründe: 1. erhalten Sie jährlich 166,60 M. Renten, auch sind Sic körperlich noch so rüstig, daß Sie leichte Arbeiten sehr gut aus- führen können und sich zu dem angegebenen Betrage eine nette Summe hinzu verdienen können; 2. haben Sic eine sehr rüstige, tätige Frau, welche ja, wie ich weiß, fast täglich in Arbeit ist und einen sehr guten Ver- dienst hat; 8. haken Sie einen 16 Jahre alten Sohn, welchen Sie zur Erlernung des Schuhmacherbandwerks in die Lehre gegeben haben und in den ersten 4 Jahren nichts verdient. Es ist daher auch in erster Linie Ihre Pflicht, Ihren Sohn in eine derartige Stellung zu geben, wo er gleich einen Verdienst hat und Pflicht- gemäß, so weit es möglich ist, für Sie, wenn eine Bedürftigkeit vorhanden ist, eintritt. Solche Jungen werden gerade hier von den Besitzern sehr gesucht und erhalten hohen Lohn; 4. ist Ihre Wohnung viel zu teuer; Sie können, da Sie keine Kinder haben im Hause, eine kleine Wohnung beziehen und auch hierbei mit Leichtigkeit 30— 35 M. sparen. Ihr ganzes Gesuch ist stark übertrieben, ich habe wiederholt festgestellt, daß es Ihnen durchaus nicht schlecht geht, sondern im Gegenteil Sie ein ganz gutes Leben führen. Gegen diesen Bescheid steht Ihnen frei, die Beschwerde beim Kreisausschuß zu erheben. Der Gemeindevorsteher. Schwartz. Die Antwort des Gemeindevorsteherz zeigt, welche Auffassung im kapitalistischen Staate über Armenfürsorge vorhanden ist. Nie- mand darf auf Hilfe hoffen, so lange er nicht auf den tiefften Grund des Elends gekommen ist. 156,60 M. Invalidenrente das ganze Jahr! Und dann könnte der Mann sich auch noch eine„nette Summe" dazu verdienen. Er könnte! Der Arzt denkt darüber anders, wie der Gemeindevorsteher. Und wer auch nur einen Blick auf den durch jahrelange Arbeit verbrauchten Proletarier geworfen hat, weiß, daß die Behauptung des Gemeindevorstehers nicht zu trifft. Der Mann ist vollkommen arbeitsunfähig. Die Frau ist 49 Jahre alt. Sie gab 16 Kindern das Leben. Gewiß, sie geht auch arbeiten, aber ihr Verdienst ist höchstens 5 M. monatlich. Dann der Schuhmacherlehrling, der von 16 Kindern am Leben blieb. Er sieht das Elend eines Landarbeiters in seinem Vater verkörpert und um sich davor zu bewahren und seinen Eltern später beispringen zu können, lernt er ein Handwerk. Aber was braucht ein Arbeiterkind zu lernen und zu streben! Es genügt, wenn es im Alter genau so im Elend verkommt. Die Wohnung, die„viel zu teuer" ist, besteht aus einer Stube mit 4,66 mal 4,05 Meter Flächeninhalt und 2,34 Meter Höhe und hat ein Fenster. Der Mietspreis beträgt 7 M. monatlich. Der Mietspreis der dortigen Armenwohnung, denn eine billigere gibts nicht, beträgt 5 M. monatlich. Also nur eine Preisdifferenz von 2 M. Der Bescheid verrät eine für ostelbische Anschauungen typisch rückständige Auf- fassung._ Nnfallrente und Steuern. Als die deutschen Brauereiarbeiter nach langen Kämpfen endlich die Ablösung des Freibieres erreicht hatten, freute sie diese Kulturtat, die ihnen eine Mehreinnahmc pro Jahr von 2- bis 300 Mark brachte und ihre Gesundheitsverhältnisse heben mutzte. Sehr interessant ist es nun, daß derselbe Staat, welcher jede Lohn- bewegung der Arbeiter mit scheelen Augen ansieht, sich sofort dieser Mehrcinnahme der armen Brauereiarbciter zu Gemüte führte. Er schickte seinen Nimmersatt, den SteuerfiSkus, vor, welcker den Braucreiarbcitern genau vorrechnete, daß sie jetzt laut Tarif eine viel größere Lohneinnahme jährlich zu erwarten haben und daher auch eine höhere Einkommensteuer zu zahlen haben. Laut Tarif müsse ja das Liter Freibier mit 15 Pf. vergütet wer- den, also bei täglich 7 Liter Freibier eine Jahreseinnahme von 315 Mark. Wohl oder übel mußten sich die Brauereiarbeiter dies gefallen lassen. Natürlich verlangten jetzt die Brauereiarbeiter, daß auch die Bcrufsgenvssenschaft rm Falle eines Betriebsunfalles diesen Be- trag der Rente zugrunde zu legen habe. Sei ihre Einnahme um 315 M. laut Steuerveranlagung pro Jahr erhöht, so niüsse dem- gemäß auch ihr Jahrcsverdienst bei Berechnung der Unfallrente erhöht werden. Da sich die Rente nach der Höhe des Jahres- arbeitsvcrdienfteS bekanntlich richtet, so haben dann die Verletzten wenigstens einen Vorteil aus dieser Erhöhung. Doch die Berufs- genossenschaft kümmerte sich nicht um die Maßnahmen des Steuer- fiskus, sondern faßte den Beschluß, daß täglich nur 4 Liter Frei- bier mit 60 Pf. oder 180 M. pro Jahr in Anrechnung zu bringen seien. Auf den Protest der Verletzten wurde ihnen nur der Be- scheid: „Bezl. der Anrechnung deS Freibieres teilen wir Ihnen mit, daß laut Beschluß der GenossenschaftSversammluna zu Lindau vom Jahre 1909 nur 4 Liter Freibier täglich der Rcntenbcrechnung zugrunde zu legen sind." Punktum. Ter Staat ninimt die ganze Summe bei der Steuerberechnung an und die Berufsgenossenschaft nur 180 M. Geschädigt sind also wieder die Arbeiter.__ Gerichts-Zeitung. Ein konservativer Ochsenprozeß. Gegen die Ansbacher Konservenfabrik, eine konservative Grün- dring, an deren Spitze u. a. der inzwischen verstorbene konservative Abgeordnete Jungwirth, der frühere Reichs- und Landtagsabge- ordnete Hufnagel standen, hat die bauernbündlerische„Bayerische LandeSzeitung" in Würzburg seinerzeit einen heftigen Kampf ge- führt. Die schiveren Vorwürfe, die gegen die Fabrik erhoben wurden, bezogen sich namentlich auf die Lchsenlieferungcn an das Militär, und es war u. a. behauptet worden, daß jahrelang ver- sucht worden sei, minderwertig« Ochsen zu liefern, einmal sei ein abgewiesener Ochse andern TagS nochmals vorgeführt worden, man habe den den Ochsenlieferanten nicht willfährigen Ansbacher Schlachthofdirektor von Ansbach weggeekelt usw. Der frühere Ab- geordnete Hufnagel und der Ockonom Schuster als Vorstandsmit- glieder der Gesellschaft verklagten den Chefredakteur Memminger deö genannten Blattes wegen Beleidigung und erzielten beim Schöffengericht auch dessen Bestrafung mit 75 M. Aber das Würz- burger Landgericht als Berufungsinstanz hat nunmehr das Urteil aufgehoben, den Beklagten vollkommen freigesprochen und den Klägern die sehr erheblichen Kosten auferlegt. Das Urteil erklärt, es stehe fest, daß die Behauptungen als wahr erwiesen sind, daß die Lieferungen an das Militär sehr mangelhaft waren, daß jahrelang versucht wurde, der Militärverwaltung schlechtes Mate- rial zu liefern und daß der Versuch von Personen gemacht wurde, die als Abgeordnete in der Vorstandschaft tätig waren. Das Urteil und feine Begründung ist«ine schwere Niederlage der konservativen Häuptlinge und Junkergenossen in Mittel. franken._ Feine Sitten. Wegen eines rohen Auftrittes im Kriminalgerichtsgebäude standen gestern zwei unversöhnliche Gegner, der Pravatier und Hauptmann d. L. a. D. Johannes Hahn und der Apotheker und. Oberapothcker d. Ref. Paul Rüben unter der Anklage der Körper- Verletzung bezw. der Beleidigung gemeinsam vor der 5. Straf- kaminer des Landgerichts I. Beide traten zugleich als Neben- kläger gegeneinander arif. Herr Rüben hatte für Herrn Hahn eine geschäftliche Vermittclung übernommen und glaubte Anspruch auf eine Provision in Höhe von 13 000 M. zu haben. Dieser An- spruch wurde bestritten und eS kam zu einem Zivilprozeß. Wegen mehrerer Anwürfe, die Rüben im Verlaufe dieses Prozesses seinem Gegner machte, schickte ihm dieser eine Forderung zu, die nicht an- genommen wurde, dann aber zur Kenntnis der Staatsanivaltschast lam. Der Angeklagte Hahn wurde wegen Herausforderung zum Zweikampf zu einer Woche Festungshaft verurteilt. Am 8. Juli trafen die beiden Gegner im Sitzungssaale der 5. Strafkammer zusammen, da sie init mehreren» anderen als Zeugen in einer Strafsache wider Klecmann geladen waren. Da soll nun Herr Rüben so laut, daß es Herr Hahn und mehrere andere gehört haben, vor sich hin gesprochen haben:„Die Leute» die hier als Zeugen geladen sind, sind reif für den Staatsanwalt, es sind faule Jungen und dje richtigen Meinripsbrüderf" Als l bann die Zeugen nach ihrem Aufruf den Saäk wieder Lerkassen hatten, wurde es draußen auf dem Wandelgang außerordentlich laut: Herr Hahn hatte seinem Gegner einen so derben Schlag ins Gesicht versetzt, daß diesem grün und gelb vor Augen wurde und er eine geschwollene Nase und, da auch sein Kneifer von dem Schlage getroffen wurde, eine blutende Wunde an der Backe davon- trug. Er mußte sich im Krankenhaus« Moabit verbinden lassen und hat dann 14 Tage lang krank zu Hause zugebracht. Tie Folge dieses Auftrittes war die jetzige Anklage gegen beide Angeklagte. Das Schöffengericht kam nach Prüfung der Sach- läge zu dem Urteil, daß es de» Angeklagten Hahn zu 50 M. Geld- strafe und 20 M. Buße, den Angeklagten Rüben dagegen zu 200 M. Geldstrafe verurteilte. Das Schöffengericht ging davon aus, daß die von dem letzteren ausgestoßenen Beleidigunaen so schwer waren, daß der Angeklagte Hahn durch diese aufs äußerste gereizt werden muhte.— Gegen das Urteil war von beiden Seiten Be- rufung eingelegt worden, die jedoch keinen Erfolg hatte. Tie Strafkammer hielt das Urteil des Schöffengerichts für durchaus zutreffend._ „Tie schwarze Bande". Gemeingefährliche Erpressungsversuche, durch welche das Opfer bald dem Wahnsinn nahe gebracht worden war, beschäftigten gestern die 5. Strafkammer des Landgerichts III. Aus der Unter- suchungshaft wurde der Hausdiener Roman Olendcreck vorgeführt, um sich wegen versuchter schwerer Erpressung(Bedrohung mit Mord) zu verantworten. Ter Angeklagte war bis vor einiger Zeit in einem Pensionat in Charlottenburg als Diener angestellt ge- wescn. Als er hier entlassen worden war und kein Geld hatte, schrieb er an eine in dem Pensionat wohnende Russin, ein Fräulein Nadetschka, einen Brief, der die Unterschrift„Die schwarze Bande" trug. In diesem Briefe, welcher mit gezeichneten Totenköpfen, Dolchen, Revolvern und Bomben versehen war, drohte er der zw Tode Erschrockenen an, daß sie sofort 500 M. an das Postamt am Hackeschen Mark senden müsse, wenn ihr ihr Leben lieb sei. Am nächsten Tage erhielt Fräulein N. einen zweiten Brief ähnlichen Inhalts, in welchem ihr mitgeteilt wurde, daß sie von der über die ganze Erde verzweigten Bande schon von Rußland aus verfolgt werde und das dort ansässige Zentralkomitee ihren Tod beschlossen habe, wenn sie sich weigere zu zahlen. Die Empfängerin der Briefe geriet durch diese Drohungen nach ihrer eigenen Angabe in einen de», Wahnsinn nahen Zustand und fürchtete sich, ihre Wohnung überhaupt zu verlassen. Als sie noch einen dritten Brief mit den fürchterlichsten Todcsdrohungen erhielt, setzte sie endlich die Polizei hiervon in Kenntnis. Von dieser wurde ,hr geraten, an die angegebene Chiffre ein Kuvert mit Zeiwngspapier zu schicken. Als der Angeklagte dann auf dem Postamt erschien und den Brief abholen wollte, wurde er von Kriminalbeamten ver« haftet. Vor Gericht behauptete der Angeklagte, daß er eS mit deck Drohungen überhaupt nicht ernst genommen habe. Er habe das Fräulein N. nur ängstigen wollen, um sich an ihr dafür zu rächen, weil sie ihm während seiner Tätigkeit kein Trinkgeld gegeben habe. Staatsanwalt Dr. Linde beantragte, den Angeklagten mit Rück- ficht auf die außerordentliche Gemeingefährlichkeit derartiger Er- Pressungen die mildernden Umstände zu versagen und ihn zu Jahren Zuchthaus zu verurteilen. Das Gericht billigte ihm jedoch mit Rücksicht auf seine Jugend noch einmal mildernde Um- stände zu und erkannte auf 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust._ Hus der frauenbewegung« Franenkonferenz und Gemeindewahlrecht. Am 1. Februar hielten die Genossinnen Niederösterreichs ihre Landeskonferenz ab, zu der über 60 Genossinnen, davon 19 au» der Provinz und 11 von gewerkschastlichen Zentralverbänden erschienen waren. Reichspartei, Landespartei und sozialdemokratische LandtagSsraktion waren ebenfalls vertreten. Die Zahl der organi- sterten Sozialdemokratinnen hat sich im Berichtsjahre von 3438 auf 4879 erhöht. 10 neue Organisationen wurden gegründet. Die Einführung des vom JnnSbrucker Parteitag beschlossenen Wahl« f o n d s wird auch von den Genossinnen durchgeführt und werden zu diesem Zweck die Beiträge vom 1. Juli 1912 an erhöht. Anfangs März werden Massenversammlungen mit der Tagesordnung: Weg mit dem 8 30— heraus mit der politische» Gleichberechtigung der Frauen veranstaltet. Denn noch immer ist die vom früheren Parlament beschlossene Aufhebung dieses Para« graphen vom neuen Reichsrat nicht durchgeführt. Die Lorlage schlummert im VerfassungSauSschuß und die Genossinnen wollen ver« suchen, sie zu wecken. Der Frauentag wird gemeinsam mit den deutschen Ge« nossinnen vermutlich am 12. Mai stattfinden. lieber die kommenden Gemeinderatswahlen in Wien wurde vom Genossen WinarSki ein Referat erstattet und darauf hingewiesen, daß die GemeindcratSfraktion am 31. Januar den Bürgermeister interpelliert hat, wann er den sozialdemokratischen Antrag zu verwirklichen gedenkt, der die Einführung d e S all- gemeinen Wahlrechts für Männer und Frauen ver« langt. Die Konferenz faßte den Beschluß, bei den kommenden Versammlungen zur Agitation für die Gemeinderatswahlen überall folgende Resolution zu unterbreiten: »Die Frauen der arbeitenden Klassen in Oesterreich, die die doppelte Bürde der Lohnarbeit und der Hauswirtschaft zu tragen haben, erheben Protest, daß sie nur als gleichberechtigt gel'.er, wenn d i e L a st e n a u f g e t e r l t werden, daß sie aber als Minderwertige behandelt werden, wenn Rechte ver« liehen werden. Die Frauen der arbeitenden Klassen protestieren, daß sie zwar in der Gemeinde wie im Staate alle Steuern entrichten müssen. Lebensmittel-, Berzehrungs- und Haus- zinösteuern, ebenso wie Einkommer- und Erwerbsteuer, daß sie aber von der Verwaltung und Mitbcratung in der Gemeinde ausgeschlossen sind. Die Frauen, die als Arbeiterinnen, Mütter und Gemeinde- bürgeriniien ihre volle Pflicht erfüllen, fordern, daß ihnen auch ihr volles Recht eingeräumt werde. Die Frauen der arbeitenden Klassen verlangen das Wahlrecht für die Frauen in der Gemeilide, wie in Staat und Land, und erklären, mit allen Milteln tätig zu sein, daß nur Männer in den Gem'einderat ge- wählt werden, die bereit sind, mit allem Nachdruck für das gleiche und allgemeine, aktive und passive Wahlrecht der Frauen ein- zutreten. Dem Landesparteitag wurde folgender Antrag zur Beschlußfassung unterbreitet: „Der 19. sozialdemokratische Landesparteitag beschließt: Bei Einbringung aller selbständigen Anträge auf Eriverbung deS Wahl- rechts ist nicht nur im Landtag und in der Reichshauptstadt Wien, andern auch in allen Gemeinden die Ausdehnung des Wahlrechts aus die Frauen ausdrücklich zu fordern und zu begründen." Zu diesem Antrag wurden die Genossinnen bewogen, weil eS üblich ist. bei Wnhlrcchtsanträgen nicht direkt vom Frauen- Wahlrecht zu sprechen, sondern daS Wahlrecht für alle Staats- b ü r g e r zu verlangen. Bei der Geringschätzung, die den Frauen im öffentlichen Leben noch immer zu teil wird, fällt aber nur wenigen Menschen ein, unter Staatsbürger auch die Frauen zu verstehen. Beim Landesparteitag, der vom 2. bis 4. Februar tagte, wurde dieser Antrag eingebracht, der vom Referenten zur Annahme empfohlen wurde, nachdem er sich entschieden für da» Frauenwahlrecht ausgesprochen hatte. Die Sprecherin der 24 Ge- nossinnen, die den Antrag gestellt hatten, führte in der Begründung aus, dah auch in Oesterreich das Frauenwahlrecht nichts Unerhörtes mehr sei. In L a i b a ch Ist daS direkte Gemeindewahlrecht für die Frauen eingeführt, ebenso in Vorarlberg, wo es allerdings auf Witwen und Unverheiratete beschränkt ist. Kürzlich in der Stadt Steyr und in Klagenfurt wurde da« Frauenwahlrecht von der Meinung der Regierung ab- hängig gemacht. In Wiener- Neustadt wählen die Frauen mit Vollmachten und die dem Landtags von Ober- österreich vorliegende Gemeindewahlreform enthält das direkte Wahlrecht für alle Frauen, die irgend eine Steuer ent- richten. Die Redncrin appellierte an die Vertreter in allen Gemeinden, überall die Forderungen nach dem Frauenwahlrecht zu erheben, um den Frauen, die in der Sozialdemokratie den einzigen Schutz und Hort gegen die Ausbeutung haben, zu zeigen, daß auch ihre politische Rechtlosigkeit von der Sozialdemokrrtie bekämpft werde. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Versammlungen— Veranstaltungen. Der Zentralverband der Hausangestelltcu, Ortsgruppe Berlin, Michael- kirchplatz 1, veranstaltet am Sonntag, den 11. Februar, im .Deutschen Hof". Luckauer Str. 15, ein K o st ü m f e st in den Alpen(dekorierte Säle und vielerlei Unterhaltung). Wir bitten die Arbeiterschaft, alle ihr bekannten Hausangestellten, Dienstboten usw. auf dieses Fest aufmerksam zu machen und auch selbst daran teilzunehmen. Hus aller Älelt. Tragischer Unfall bei einer Hochzeit. Die„Ostdeutsche Rundschau" meldet aus Szmamarzewo an der russischen Grenze: Als die Teilnehmer an einer Bauern- Hochzeit in einem geschmückten vierspännigen Leiterwagen zur Kirche fuhren, prallte der Wagen an einer Wegegabelung in voller Fahrt gegen einen Chausseestein, so dast er zerschmettert und die Insassen mit groger Wucht auf das Pflaster geschleudert wurden. Bier Personen waren sofort tot, die übrigen In- fassen erlitten Arm- und Beinbrüche. Nur der Kutscher blieb unbeschädigt. Schweres Unwetter in Portugal. Wie ein Telegramm aus S a n t a r e m meldet, ist durch heftige Regengüsse der Tejo so stark angeschwollen, dast das Hochwasser alle früheren Hochfluten zu übersteigen droht. Zahlreiche Ortschaften, die abgeschnitten sind, bitte» um Lebensmittel. In Santarem reicht das Wasser an mehreren Stellen bis an das erste Stockwerk der Häuser. Die Mauer eines Kirchhofes ist eingestürzt, die Gräber sind verwüstet, Särge, Gebeine und Leichen liegen verstreut im Schlanin,. Der Verkehr auf den Landstraßen ist durch Trümmer aller Art ge- hemmt. In M e r t o l a wurde ein Landhaus von den Fluten hinweggerissen. Eine Familie, bestehend aus sieben Köpfen, fand dabei ihren Tod in den Fluten. Meuterei in einem französischen Militärgefängnis. Im MilitärgefängniS zu Barraux brach Dienstag abend unter den Strafgefangenen eine Meuterei aus, die schon seit langer Zeit von den Sträflingen vorbereitet war. Die Gefangenen versuchten, das Gefängnis n i e d e r z u b�r e n n e n, indem sie i h r c Betten in Brand steckten. Sie schlugen dann die Türen ihrer Zellen ein, überfielen die Wärter und versuchten, aus dem Gefängnis zu entkommen. Der Fluchtplan mißlang aber, da die Tore des Gefängnishofes geschlossen waren. ES wurden Truppen requiriert, um die Ruhe wieder herzustellen. Die Meuterer ver- anslalteten einen regelrechten Kampf gegen die einschreitenden Soldaten und verwundeten einen Hauptmann durch Revolverschüsse. Schließlich gelang cS den Truppen, die Meuterer festzunehmen. Die Rädelsführer wurden in Ketten gelegt. Kleine Notizen. Zwei Professoren erfroren. Die Grazer Gymnasialprofessoren Schrol und Haas hatten vor einigen Tagen eine Skitour auf die Koralpe unternommen und wurden seitdem vermißt. Jetzt hat man die beiden erfroren aufgefunden. Ein betrügerft'chcr Kaufmann. Der Inhaber der in Konkurs geratenen Getreideimportfirma Heinrich Sträter in Duisburg ist auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wegen Verdacht des Betruges und der Untreue verhaftet wvrden. Feuer im Gcrichtsgcbäude. In der ftanzösischen Stadt A l e n? o n brach während einer Schwurgerichtssitzung im Gerichtsgebäude eine Feuersbrunst aus. Die Verhandlung wurde unter großer Panik aufgehoben. Bald darauf stürzte die Decke desSchwur- gerichtssaales ein. ohne jemand zu verletzen. Der an- gerichtete Schaden ist ziemlich bedeutend. Ins Meer getrieben. Am Hafen von Taganog am Asow- s ch e n Meer löste sich gestern eine Eisscholle, auf der sich 20 Fischer befanden. Die Eisscholle wurde bei heftigem Sturmwetter ins Dkeer getrieben. Alle Versuche, die Fischer zu retten, waren erfolglos._ Briefhaftcn der Redahtion. Die lutlftltdie evrechftunde findet LindenstraS« 69, vor» vier Drrvvrn — Fahrstuhl—, ivochentögiilii von tg,»is 7% Uhr adend«, Sonnabends, von ihi bis 6 Uhr abends statt. Jeder fit den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche ZlnNvori wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnemcnisguitwng beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in ber Sprechstunde bor. F. S. G. 3i». 1 Ouadratrute— 14,184 Quadratmeter. 2. gleichgültig.— S. P. 78. Vdrein gegen Verarmung, Kaiser-Friedrich- Straße 64 II. Ohne Begrenzung.— 0,40. Zwei Wettende. Unverständlich. Nennen Sie die Art der Stellungen.— H. S. 13. Wenn denn? — K. B. 43. Keine der bestehenden Organilationen steht aus unserem Standpunkl. Wenden Sie sich an den Metallarbeiter-Verband, Charitsstr. 3. — W. F. 777. Sie können Auscinandcrseeung verlangen. Antrag an das Amtsgericht, in dessen Bezirk die Mutter verstorben ist.— A. P. 11 268. 1. Ja. 2. Die Klage ist bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Möhelhändler domiziliert.— W. W. 87. 1. Ja. 2. Geld- strase. 3. Drei Monate.— Zt. K., Harburg. l!s empfiehlt sich, daß der Bater ein Testament errichtet, in dem er Ihre Kinder cvent. Ehefrau als Erben einsetzt.— 8. B. 110. 1. Nein. Meldung muß aber innerhalb einer Woche nach Aufhören der Versicherungspflicht erfolgen. 2. Ja, soscrn sie innerhalb des letzten Jahres vor der Niederkunst mindestens 6 Monate Kassenmitglied— wenn auch nicht derselben Kasse— gewesen ist. 3. Nur in der Klasse, die das Statut vorsieht.— C. M. 23. Für die Zeit bis Ende Kalenderjahr 1312.— H. Z. 213, 1. Nur dann, wenn Einkommen Ihrer Frau mit veranlagt ist. 2. Die Schwiegermutter bleibt hastbar.— E. M. IL. Die notwendigen Sachen müssen belassen werden. Die Kosten betragen pro Person etwa 3 M., abgesehen von dem etwaigen Hast« Vorschuß.— B. 100. 1. und 2. Abzug unzulässig, sosern daS Geld aus eigenen Ersparnissen herrührt.— Erich 100. 1. Nicht bekannt. 2. Nur dann, wenn eS im gewerblichen Betrieb tätig gewesen ist, sonst Amtsgericht. 3. Strafbar. ES ist ein Erlaubnisschein der Ersatzkommission einzuholen. — Puttkamer 8. Ob das Attest ausreicht, kann erst nach Kenntnis des Inhalts gesagt werden.— M. B.» Lber-Schoneweide. Nein, sallS die KündigungSsrift iuncgehallen ist.— P. O. 127. 1. u. 2. Ja. 8. Die klage ist aus Sinn und Inhalt des Abzablungsvertrages zu stützen. Sie lassen die Klage nin zweckmäßigsten durch einen Anwalt erheben.— R. W. 2. In der Regel nein, salls nicht der MietZvertrag etwas anderes besagt.— H. B. Kommen Sie in die Sprechstunde; so allgemein läßt sich die Frage nicht beantworten.—®ch. 94. Ueberhaupt nicht, falls daS Kind nach dem 1. Januar 1900 geboren ist.— Wegener, Neukölln. Der Vermieter ist zur Renovierung verpflichtet.— Jnvalidenverstchernng. 1. Die bezüglichen Bestimmungen sind verblieben. Sie können also weiter 2. Ikoi'---'....... flach 10 Monaten, von der Rechtskraft des UrtellS llS gerechnet. mit RechtS- tleben. Zusendung des Urteils erfolgt in etwa 14 Tagen. DaS llrtell krastattcst verschen, ist vorzulegen.— 14. H. Kl. Nein.— B. 100. Sie sind zahlungspflichtig. Der Umtausch mußte im Januar erfolgen.— S. 41. 1. u. 2. Ja. 3. Vorsitzende der Veranlagungskommission.— A. 000. 1. u. 2. Nach dem bisher Geltung habenden Gesetz nein.— E. O. 68. 1. Nein. 50 Pf. pro Kalenderjahr. 2. Sie können die Sachen nach vorheriger Androhung durch einen Gerichtsvollzieher versteigern lassen. Vom VersteigerungSlcrmin, der nicht srüher als einen Monat nach er- solgter Androhung stattfinden darf, muß Schuldner Kenntnis erhalten. — B. A. 42. Nein. Beantragen Sie bei dem Amtsgericht die Bestellung eines Pflegers für da? Kind. Der Pfleger kann dann die AlimentationS- klage erheben.— R. R. 43. Ja.— Ä. B. 10. U. E. nein, salls nicht der MietSvcrtrag etwas anderes bestimmt.— M. Tch. 13. Ja, sür die Dauer von 14 Tagen. Der Arbeitgebern, machen Sie davon Mitteilung. — H. H. 3000. ES fehlt noch die Angabe, wie hoch die Wohnungs- dezw. wie hoch die Lokaliniete ist.— B. 1880. Am zweckmäßigsten vorher zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll.— Schlittschuhläufer auf dem Müggelsee. Wir raten, gerichtliche Entscheidung zu beantragen.— A. B. III. Wenn die Eltern nicht mehr leben, sind die Geschwister zur Sälfte erbberechtigt.— Steglitt 49. In der Regel nein.— K. 21. Der crmicter.— Schach 100. i. Nein. 2. Ja.— 2123 Fr. R. 1. Die Verhältnisse von Privatpersonen im Briefkasten zu besprechen, lehnen wir ab. 2. Sprechen Sie am zweckmäßigsten schon jetzt mit dem Rektor.— F. H., Kolverger Strafte. 1. Dos AuslöjungSrecht des Bundesrat« ist durch Gesetz nicht beschränkt. 2. Preußen.— Hoffnung 42. Nein. Sie könnten wegen öffentlicher Beleidigung verklagt werden. — 21. B. 110. Die Mietssteuer beträgt 2,56 M. für das Kalenderjahr.— M. G. 84. Ihre Ansragen sind im Bricskastcn der Sonntagsnummer bcaniwortet.— G. 58. 33. Nach§ 8 deS Gesetzes über den VersicherungS- vertrag ist eine solche Vereinbarung, wie Sie sie angeben, nichtig, soweit sich die Verlängerung aus inehr als ein Jahr erstreckt. Nach Artikel 3 des Ein- sührimgsgesetzes können Sie aber vor dem Jahre 1916 keinen Gebrauch machen, da die Verlängerung schon begonnen hatte, als daS Gesetz in Kraft. getreten ist(1. Januar 1910).— X. 10. Minister des Innern, fall« Sie imstande sind, Ihre Behauptung zu beweisen. Borsicht ist angebracht; eS kann eventuell eine Anklage wegen Beamtenbeleidigung erfolgen.— P. 100. 1. April. Benachrichtigen Sie den Hausivirt nochmals.— L. W. 125. Nein. Tie Klage ist bei dem Amisgericht, in dessen Bezirk Ihr Schwager jetzt wohnt, anhängig zu machen.— T. M. 12. Die Fragen lassen sich nur nach Einsichtnahme in den Mictsvcrtrag beantworten.—®. 8. 32. Für die länger als 4 Jahre zurückliegende Zeit kann der VerjShrnngS- einwand erhaben werden.— S. W. Den Vertrag müssen Sie einsehen. '■, Cigareües Jpeciolmarken Abbas Dandy Gibson GM ..........on«""..,'..l'irnilnlll.tfl l'IIM,!,,.,................"'Ol,............■»»'> dkn�immwteC'MoityHifflim' MaiieSti� CjftUnC. // Unsere diesjährige Fastnachtsreklame HBchste Auszeichnung der Branche Jnt. Hygiene« Ausstellung Dresden 1911 «Sie schmeckt wie frische Molkerei- lütter" so lautet das allgemeine Urteil der Haustrauen über unsere uMilka exquisit". Da es aber viele gibt, die sie noch gar- nicht gekostet haben, so veranstalten wir eine grosse Reklame, um alle Hausfrauen zu veranlassen, einen Versuch zu machen. Bei dieser Reklame bieten wir besondere Vorteile gegenüber den regulären Verkaufs« preisen und verabfolgen: BOLDEHE MEDAILLE Donnerstag, 8., Freitag 9., Sonnabend, 10. Februar 1 Pfd. MILKA exquisit Butter- Ersatz, feinste Tafel-Margarine, und '/- Pfd. SELLA- Block- Schokolade Pfd. KAKAO im Paket oder nach Wahl zusammen fUr 90 Pfennig Durch die täglich frische Herstellung mit Zusatz von süsser Sahne aus nur besten Zutaten Ist der Unterschied zwischen Ihr und feiner IMaturbulter nicht mehr zu erkennen. Die Her� Stellung geschieht In unserer Fabrik In Pratau In der Goldenen Aue, wo es viele und gut« Milch gibt, und wo von ausgezeichneten Rasse-Kühen eine hygienisch einwandfreie gesund« Milch erzeugt wird. Unseren verehr liehen Abnehmern ist durch diese Einrichtung gewährleistet, dass Ihnen durchaus bekömmliche Erzeugnisse von hohem Nährwert geboten werden Wir machen besonders auf die ausserordentlich leichte Verdaulichkeit unserer Milka aufmerksam. Die sämtl. Verkaufsstellen sind durch nebenstehende Schilder und Plakate gekennzeichnet scaw Milka-Nähpmittel-Fabrik G. m. b. H., Pratau a. E. Das geehrte Publikum wird höf-| da diese Beigaben nicht liehst gebeten an den erwähnten SP g S" i g II CT 0 11 nur den alten, sondern Tagen die Schokolade od. Kakao zu � J an alle, also speziell auch an neue Kunden in den sämtlichen Verkaufsstellen verabfolgt werden sollen. ;€€€€«««*«SSSSSSS� Unserem Genossen Ä kraiu Richter � die besten Glückwünsche« Zur K K silbernen Hochzeit. � Die Genossen"des Bezirks G Sft Erkner-Woltersdorf.(j> Todes-Anzeigen SozialdemokratiseliJalilfereiii Charlottenburg. (Gruppe III.) Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse V ilkelm Zckmillt verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frcitagnachinittag Z Uhr von der Leichenhalle der Luisengcmeinde, Fürstcnbruniier Weg, aus statt. 250/6 Der Vorstand. SozialdemoMeiiJaiilvereiD Nieder-Baruim. Bezirk WaidnianDslust u. Dmg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Genossin Käthe Albrecht Hohen-Neucndorf am Montag, den S. d. Mi»., durch den Tod von ihren Leiden erlöst worden ist. Ehre ihrem Andenkeu: Die Beerdigung findet in Berlin statt. Die Bezirksleitung. Völbslid deutsch. Gastwirtsgehilfen. Abt. Eafeangestellte, Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kellner Hieronxnius Szwed am 5. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den S. Februar, nach- mittags 3 Uhr, aus dem Kirchhose derPiuS-Gemeinde,Hohen-Schön> Hausen, statt. 31/2 Fahrverbindung: Straßenbahn Kurze Straße. Um rege Beteiligung ersucht Der Borftand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unsere Kollegin, die Boten- srau Selms psech am 3. d. M. im Alter von 24 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Februar, nach, mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Gethsemane-FriedhoseS, Nordend, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 61/17 Die Bezirksverwaltung. ÄllQeni.Kraßken-D.Stei1iekasse d. msleriLBerofsgenosseiL Verwaltungsstelle Berlin D. Nachruf. Am 31. Januar verstarb unser Mitglied l£»rl Bendim Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung hat am Sonn- abend, den 3. Februar, statt- gesunden. 286/12 Die Drtsverwaltung. Sage hiermit allen Freunden und Bekannten, sowie dem Metallarbeiter- verband, insbesondere den Kollegen der Firma Hugo Härtung sür die zahlreiche Beteiligung bei der Be- erdigung meines lieben Mannes meinen herzlichsten Dank. Wwe. Marie Germersdorf 1884L nebst Kindern._ Tanksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes 28576 Heinrich Pries sage ich allen Freunden und Be- kannten, sowie den Kollegen der Firma Typograph, dem Metallarbeiter. verband, dem 4. Berl. ReichStagSwahl- kreise und dessen Bez. 376(Teil I), auch dem Genossen Melle sür seine trost- reichen Worte meinen herzlichsten Dank. Wwe. franzlska Pries und Tochter. Den„TorwÄrts"-Lesern gewtfhrc Rabatt. Invenlur-Eitraprelse! Nur einmal jahrlich im Spezlajhaus Linil fiefeure Berlin, Oraulenslr. 158 Abgepaßte Fenster, weiß nnd crSmc p. Fenster 2S5, 8,4-20m. 635 l85 J25 365 jes 385 650 Brise-Blse(Soheibenschloier) 25, 35, 40, SO Pfennig. Nach auswärts p. Nachnahme. Imit. Point-lace-Kilnstler- Gardinen, p. Fenster H. Elegante Sezessions-TQH- Stores...... M. Gestickte echte Spachtel- Stores..... M. Goldfarbige reichgestickte Band-Stores... M. TDIIbettdecken, Größe 160/215 cm... M. Reiehgest. Erbstllll-Bett- decken..... M. 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I ♦ �ü«\ Ausschneiden! iil w-dll-timecklnd. cuketfl n-bih-lt und klopl« nicht, v-st-«raftn-diunii dii M-gtn, und Darmtaiarrd. b-i Schwächeiul>änd«n. dei Nnierernährung und«»»osilä,. ilnqen-dm»«« grühNOckSd-liSn! für©efunbe und Prunk« P»k««« Pfund l Pi. s Pukrle 4 7S M.. lu Puk-I« 8 M. Z» habrn t» eintchläpintn Grfckäflen oder dir«»»°n o. Hader, Berlin S, Prinzenslrasse 37. ■W Nusführltch«.«tflSitnbe Preislist«— über beivährl«. vorzüglich? «ährmitt-L tkrölligunzimiuel und w-lränf« für«ront- und«f-sund-, Kind«« und Eiwachfen«— diu« zu verlang«». WM- Man sehte darsnl. den echten Dr. Und. Well*» Nahreali'Bansncn-Kakao rn erhallen. Arbeiter-Sildwigsschiile. Sonntag, den 11. Februar, abends 7 Uhr, im KOnlgstadt-Kaslno, Holzmarktstraße 72: Mag des Gen. Pieck ler MoDarie oier Republik. Eintritt 20 Pf. Garderobe frei. 6/5- Nach dem Vortrage: Gemütliche» Beisammensein und Tanz. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Kartonbranclie. Freitag, de» 9. Februar 1913, abends 8'/, Uhr, im graste« Saale des Gewerkschastshanses, Engelufer 15: Große Branchen- Versammlung:. Tagesordnung: „Die Antwort der Unternehmer." Diskussiou. Kollegen uud Kolleginnen! Wir erwarten, daß in dieser wichtigen Versammlung alle in der Kartonindustrie beschästigten Werkstatt- und Heimarbeiter und-arbeiterinnen erscheinen. 23/9 Die Ortsverwaltung. Die Darifkommission. »» Zw«igver«!n Berlin. Oruppe der Putzerträger. Sonntag, den 11. Februar, vormittags 10>/, Upr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27c: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Neuwahl desselben. 3. VerschtedeneS. Cwruppe der Staker. Sonntag, den 11. Februar, vormittags 10 Uhr, im «Englischen Garten", Alexanderstr. 27c: Mitglieder- Versammlung. Zektioll der Gips- md Zementbranchk, Gipsdaubranche. Rabitzputzer, Träger und Rabitzspanner. Freitag, den 0. Februar, abends 8 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstraße 10: AkitgUeüer-Verssmmlung. Pflicht aller der betreffenden Grupve angehörenden Kollegen ist es, ihre Versammlungen zu besuchen und wünscht zahlreichen Besuch 136/18'_ Ter Zweigvereiusvorstand. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, MdÄ 10—2. 6—7. Sonntags 10—12. 2—4 Buchhandlung Vorwärts SW. 68, Lindenstr. 69(Laden). In den nächsten Tagen erscheint: Fraktionsbild der sozialdemokratisch, Reicbstags- 247/3* Abgeordneten. Kunstdruck auf gutem Karton. Preis 50 Pf. Parteilokal � mit;mi Sälen. Alters- und krankheitshalber ver- kause ich meinen Gasthof sofort. Großer Fremdenverkehr und vielUebemachlen. AiieS Keschäsi, seit über 30 Jahren im Besitz, über 400 To. Bier Umsatz, über viel Ausspann, über 300.— M. Miete. Gas und elektrisches Licht, an zwei KreiSstraßen gelegen. Hypotheken sest. Bedingungen günstig. 2880b Offerten an die Sauptexpedition des .Vorwärts-. Zahnarzt Freund IVcakUlln, BoddinstraGe 66. Zahnziehen, Plomb., Gebisse billigst. Fnutane-Nromtnadt 10 Eckrestaurant mit 3 Zimmern u. 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Januar. a b e n d s 8 Vz U h r. bei H a b e r l a n d, L i n i e n st r. 73, stattfindet. Da besonders wichtige Mitteilungen vorliegen, ist es Pflicht aller taubstummen Wahlvereinsmitglieder, dort zu erscheinen._ Der Zentralvorstand. Nieder-Schönhausen-Nordend. Am Sonnabend, den 10. Februar, feiert der Wahlverein sei» Winterfest im Etablifiement Neu-Carlshof, Beuth-, Ecke Eharloltenstrahe. Mitwirkende: Berliner Sinfonie- orckiester, Ulk-Trio, Gesangverein.Zukunft und Artistenklub„Voran". Anfang 8'/, Uhr. Eintritt 30 Pf. Nach dem Konzert findet Tanz statt. Der Saal ist gut geheizt. Die Bezirksleitung. Bernau. Heute, Donnerstag, abends 8Vz Uhr, Zahlabend in den bekannten Bezirkslokalen. Röntgental. Heute, Donnerstag, 8. Februar, 8 Uhr abends: ELtra-Zahlabend bei Marx. Die Bezirksleitung. berliner JVachricbtem lieber Schwierigkeiten der neuen pödtischcn Fricdhofsanlege in Buch wird geichrieben: „Die Stadt Berlin besitzt zurzeit drei Gemeindefriedhöfe(außer verschiedenen Anstaltsfriedhöfen der Irrenanstalten usw.) und zwar den Friedhof in der Gerichtstraße, den Friedhos in der Seestraße und den Friedhof in Fricdrichsfelde. Der erstgenannte Friedhof diente früher zur Beerdigung der Leichen von Armen, bis der Fried- Hof in Friedrichsfelde— im Mai 1881— eröffnet wurde. Seit dieser Zeit werden diese Leichen(zurzeit jährlich über 4000) nur noch in Friedrichsfelde beigesetzt. Ten Friedhof Gerichtstraße wollte man allmählich als solchen eingeben lassen und ihn in eine öffent- liche Parkanlage umwandeln. Neuerdings hat man beschlossen, diesen Friedhof, auf dem sich bereits eine Urnenhalle be- findet, in einen Urnenhain umzugestalten, in dem die Aschen- reste der in dem auf diesem Friedhos errichteten Krematorium ver- brannten Leichen beigesetzt werden können. Aus dem zweiten innerhalb Berlins belegenen Gemeindefriedhof in der Scestraße läßt die Stadt nur noch Beerdigungen gegen Be- zahlung der tarifmäßigen Gebühren zu. Es finden jährlich etwa 800 Beerdigungen statt. In drei bis vier Jahren wird der Friedhof vollständig belegt fein. Auf dem Gemeindefriedhof in Friedrichsfelde können, wie von der Verwaltung schon vor längerer Zeit festgestellt worden ist, bei normaler Sterblichkeit Armenleichen nur noch bis April oder Mai untergebracht werden. Selbst wenn man die Teile des Friedhofes, welche als Wahlstellen. Reihenstellen, FamilienbegräbniSplätze usw. gegen Zahlung von Gebühren erworben werden können, noch für die Freileichen in Anspruch nehmen wollte, würde der Platz nur noch einige Monate länger ausreichen. Die Stadt hat deshalb vor einigen Jahren ein 300 Morgen großes Gelände bei Buch- Karow, da? für Friedhofszwecke geeignet ist, zur Anlage eine? neuen Gemeindestiedhofes erworben. Am 4. August 1910 ist bei dem AmtSvorfteher in Buch die vorgeschriebene ortSpolizeiliche Genehmigung der Friedhofsanlage beantragt worden. Die Ortspolizeiverwaltung bedarf zur Erteilung der Konzession der Genehmigung deS Regierungspräsidenten. Diese Genehmigung blieb indessen bisher auS. Mehrfache Erinnerungen an die Orts- Polizei, den Regierungspräsidenten, den Oberpräsidenten, zuletzt An- fragen an die Minister deS Innern und der geistlichen Angelegen- heilen führten bezüglich der Genehmigung zu keinem Erfolge, ob- gleich von der Stadt immer dringender darauf hingewiesen wurde, daß sie in Friedrichsfelde nur noch auf wenige Monate die Frei- leichen bei normaler Sterblichkeit unterbringen könne, daß sie aber im Falle einer starken Erhöhung der Sterblichkeit durch eine Epidemie, die doch nicht außerhalb des Bereichs der Möglichkeit liegt, die Unterbringung der Leichen nicht mehr gewährleisten könne. Inzwischen hat sich die Stadt genötigt gesehen, für die Unterbringung der Armenleichen von April ab den eigentlich nur für die Irren- und Siechenanstalten in Buch bestimmten so- genannten.Anstaltsfriedhof" in Buch in Aussicht zu nehmen. Die Herrichtung der»öligen Einrichtungen(Leichenhalle, Warteräume ufw.) verursacht natürlich besondere Kosten, deren Bewilligung zurzeit bei der Stadtverordnetenversammlung beantragt ist. Und worin liegt der Grund, daß die geplante Friedhofsanlage i» Buch-Karow noch nicht genehmigt ist? Ein Bescheid des Ober- Präsidenten, der jetzt bei der Stadt Berlin eingegangen ist. gibt die Antwort. Das Konsistorium der Provinz Brandenburg erhebt Ein- Ivände gegen die neue Anlage. Es bestreitet u. a. die Bedürfnis- frage. ES berechnet nach der Größe der Landfläche der drei vor- handenen Gemeindefriedhöse. daß nach Abzug eines Drittels der Fläche für Wege und Anlagen bei Fortlas sung der be- zahlten Beerdigungen sowie durch Freiwerden belegter Stellen jährlich über 10 000 F r e i l e i ch e n beigesetzt werden könnten, ivcnn die drei bisher bestehenden Gemeindefriedhöfe nur für solche Freileichen in Anspruch genommen würden. Zunächst sei hierzu bemerkt, daß die Unterlagen der Berechnung dur-bauS willkürlich sind. Für die parkartigen Anlagen des Fried- hofeS in Friedrichsfelde ist fast die Hälfte des Geländes zu diesem Zwecke verwendet worden, und bei den beiden anderen Friedhöfen ist jedenfalls mehr als ein Drittel der Grundfläche in Wege und Anlage» umgestaltet worden. Ueber die Ausgestaltung der Friedhöfe hat die Gemeinde allein das Recht zu entscheiden. Auch ist auf das Freiwerden jedes Platzes nach 20 Jahren(bei »indergräbern rechnet das Konsistorium sogar nur 10 Jahre, ob- gleich eine zwanzigjährige Liegefrist auch für Kindergräber besteht), bei den bezahlten Plätzen nicht bestimmt zu rechnen, da hier sehr oft von dem Recht auf Verlängerung der Ruhefrist Gebrauch geinacht wird. Da-Z Konsistorium wünscht anscheinend durch Vermittelung der Regierung die Stadt Berlin dahin zu bringen, daß sie aus ihren Friedhöfen nur Armcnlcichen beerdigt und dem Publikum keine Be- gräbnisplätze zum Erwerb gegen Entgelt zur Verfügung stellt, so daß dieses sich lediglich auf den Friedhöfen der Kirchengemeinde» ankaufen kann. Das Konsistorium geht bei seinen Ausführungen von dem Stand- Punkt aus. daß die Stadtgemeinde die Benutzung der Gemeinde- friedhöfe auf die Beerdigung von Armenleichen allein beschränken könne. Diese Ansicht ist aber mit den Vorschriften des Allgemeinen Landrechts nicht in Einklang zu bringen— denn nach dem Gesetz kann jedes Mitglied der Gemeinde ohne linterschied der Religion auf da? Begräbnis auf dem GemeindefriedHof Anspruch machen. Im übrigen ist es nicht zu verstehen, daß die Beanstandungen. »die das Kosistorium gegen die Anlage eines Gemeindefriedhofes in Buch-Karow hat, erst 14 Monate nach der beantragten behördlichen Genehmigung vorgebracht werden, obwohl die Entscheidung in der Angelegenheit der größten Beschleunigung bedarf." Zu diesen offiziellen Mitteilungen möchten wir folgendes be- merken: Zunächst muß es befremden, daß erst nach l'/z Jahren, nachdem der Antrag auf Genehmigung der Friedhossanlage ein- gereicht worden ist, eine Antwort erteilt wird. Und auch dieke Ant- Wort ist erst erteilt worden, nachdem im Oktober eine neue Mahnung erfolgte und, nachdem auch diese ohne Erfolg blieb, eine Beschwerde an den Oberpräsidenten eingereicht werden mutzte. Bemerkt sei, daß der Antrag der Stadt Berlin auf Genehmigung der FriedhofSanlage in Buch an den Minister des Innern und von diesem wieder an den Kultusminister weitergegeben wurde. Letzterer wieder hat sich erst mit den kirchlichen Behörden, dem Konsistorium der Provinz Brandenburg, in Verbindung gesetzt, um deren Meinung zu hören. Die Ansicht der Kirchenbehörde ist aber so charakteristisch, daß wir doch noch einiges dazu sagen müssen. Das Konsistorium glaubt bei Anlegung deS städtischen Fried- HofeS besonders auf Berücksichtigung der kirchlichen Jnter- essen Sorge tragen zu sollen. Als Wahrung kirchlicher Interessen wird angesehen, daß die Stadt Berlin gemäß ihrer gesetzlichen Ver- pflichtung alle verstorbenen Mitbürger der Stadt auf ihren Fried- Höfen aufnimmt, deren Angehörigen Anspruch daraus erheben, und nicht Verstorbene zurückweist, die der Kirche zuzählen. Man muß fragen: Welches kirchliche Jntereffe kommt dabei in Frage, wenn die Stadt ihre gesetzlichen Verpflichtungen erfüllt? Die Antwort auf diese Frage erhält man, wenn man weiß, daß das Konsistorium in seinen Einwänden auf die großen kirchlichen Zentralfriedhöfe in Stahnsdorf und Ahrensfelde hinweist. Also das ist des Pudels Kern. Die Kirche bebaut ihre unter großem Widerspruch der eigenen Kirchenangehörigen errichteten großen Friedhöfe nicht voll und sie will unter Vorgabe der angeblichen Wahrung kirchlicher Interessen die Stadt Berlin nötigen, ihre gesetzlichen Verpflichtungen unerfüllt zu lasten, nur damit die in Berlin verstorbenen Bürger auf den kirchlichen Friedhöfen beerdigt werden und damit die Kirche recht reichliche Gebühren einstecker kann. Die Wahrung der kirchliche» Interessen besteht also in recht realen Dingen. Dagegen mutz aufs schärfste Protest erhoben werden, auch dagegen, daß die Regierung diesem kirchlichen Bestreben noch besonderes Entgegenkommen zeigt. Das Verlangen der kirchlichen Behörden, nur Armenlcichen und Dissidenten auf den städtischen Friedhöfen aufzunehmen, aber Ver« storbene, die einer Konfession angehörten, zurückzuweisen, ist um so ungeheuerlicher, nicht allein deshalb, weil dasselbe rechtlich keine Stütze findet, sondern auch weil das Verlangen erhoben wird in einem Augenblick, wo eS sich zeigt, daß die Kirchengemeinden durch die Anlegung von großen Zentralsriedhöfen sich verspekuliert haben. ES kann natürlich der Stadt im Ernste nicht zugemutet werden, die Zutreiberin der Kirche zu werden. Es liegt nicht der geringste An- laß vor. von den von der Stadt Berlin seit Jahrzehnten geübten Grund- sätzen abzugehen und ihre Friedhöfe den in Berlin verstorbenen Bürgern, die einer Konfession angehören, zu verweigern. Was aber das ungereckitfertigte Verlangen des Konsistoriums zur Folge haben muß, und sicher ouck, haben wird, ist. daß die Zahl der Personen, die der Kirche den Rücken gekehrt haben, sich durch diese KirchbofSpolitik gewaltig steigern wird. Immer größere Kreise werden erkennen, daß die Kirche selbst noch die Toten in ihren Bann zwingen, will und sie werden sich abwenden von einer Gemeinschaft. die bei jeder Gelegenheit ihre Kulturfeindlichkeit in so greller Be- leuchtung erscheinen läßt. ES ist gut so, daß an dem vorliegenden Falle diese Tatsache in offenkundige Erscheinung tritt. Ob die Kirchengemeinden von dieser Art der.Wahrung der kirchlichen Interessen" sonderlich erbaut sein werden, möchten wir sehr bezweifeln. BuS der Gcdankcnfabrik der Reaktion veröffentlicht in seiner neuesten Nummer der Scherische.Allgemeine Wegweiser", desten Natur wir wiederholt gekennzeichnet haben, den folgenden.be- sonderen Rar" eines Generalleutnants z. D. Leo in Kastel: .Poche nicht auf dein Recht, sondern erfülle deine Pflicht I Der Mensch tritt ohne sein Zulun in die Well und bringt keine Reckte als Erbgut mit; er muß sie sich erst erwerben durch Be« täligung zum Besten der Umwelt, in der er lebt, d. h. durch Pflichterfüllung. Erst aus der Pflichterfüllung erwächst das Recht; es gibt kein Recht ohne Pflichten... darum prüfe sich jeder, be- vor er Rechte fordert, ob er auch seine Pflichten erfüllt bat. Die Neigung der Menschen, auf ihr Recht zu dringen, aber die eS begründenden Pflichten gering zu schätzen oder nicht zu beachten, ist eine Quelle der Unzusriedenheit und der Unbolmäßigkeit im häus- lichen, im Erwerbs- und im staatlichen Leben." Sich mit dem Herrn Generafleutnant in einen näheren Disput über Rechte und Pflicklen einznlasten, wäre wohl eitles Beginnen. Wir möchten nur bemerken, daß in seinem Spracklexikon ein Wort zu fehlen scheint: das Wort .Menschenrecht". Und für solchen volksfeindlichen Rat zahlt Sckerl, der ja allerdings längst an demselben Strange zieht, das hübsche Sümmchen von 300 M.! Hoffentlich bleibt der Herr General- leulnant in seinen Ansichten wenigstens konsequent und überweist die drei schönen blauen Lappen nicht etwa dem konservativen Haupt- wahlfonds oder dem Verband zur Bekämpfung der Sozialdemo- kratie, wo man allbekanntlick auf Reckte als Erbgut pocht und der Pflichterfüllung möglichst aus dem Wege geht. Unter Mordverdacht verhaftet. Die Lichtenberger Kriminalpolizei bat gestern morgen den Kassierer Karl Schabe! in Berlin, Rigaer Str. 37 wohnhaft, wegen dringeuden Verdachts des Mordes verhaftet. Bekanntlich ist die Schlächterfrau Nickel am 1. Mai v. I. in Lichtenberg in ihrer Wohnung,. Mainzer Str. 24, erschlagen aufgefunden worden. Die Ermitte- lungen der Kriminalpolizei waren längere Zeit vergeblich, da in der Wohnung der Erscklagenen keine Spuren ansgesunden wurden, die auch nur die geringste Handhabe zur Ergreifung des Täters hätten geben können. Auch hatte niemand am 1. Mai eine Persönlichkeit aus dem Hause Mainzer Str. 24 herauskommen sehen, die als Täter hätte in Betracht kommen können. Vielfach war die Meinung verbreitet, daß die Ermittelungen der Lichtenberger Kriminalpolizei als ergebnislos aufgegeben worden feien. Dies entsprach aber nicht den Tatsachen. Die Kriminalpolizei und ihr Dirigent, Polizeirat Boesel, verfolgten vielmehr eiftig weiter alles, was noch vielleicht zur Aufklärung deS Verbrechens dienen konnte, so daß sich schließ- lich immer mehr Verdachtsmomente gegen eine bestimmte Person häuften. Gestern hat die Kriminalpolizei den Verdächtigen fest- genommen und in das Lichtenberger Polizeipräsidium eingeliefert. Sckabel wird der Staatsanwaltschaft vorgeführt werden. Der gegen den Ehemann der Eimordelen laut gewordene Verdacht, an dem Morde beteiligt zu sein, ist nach Auffassung der Kriminalpolizei un- begründet. Zu dieser Meldung wird uns von glaubwürdiger Seite mit- geteilt, daß sich der Verhaftete eines guten Rufes erfreut und ihn niemand einer derartigen Tat für fähig hält. Es wird vielmehr an« genommen, der Lichtenberger Kriminalpolizei sei ein Irrtum unter- laufen, was ja in Berlin auch schon dagewesen ist. Plötzlich und unerwartet verstarb am Mittwoch, den 81. Januar, nach eintägigem Krankenlager ein alter Parteiveteran und Mit- begründer des ehemaligen Fachvereins der Steinträger Berlins Emil K i e k e b e r, Palisadenstr. 52. Er war es, der den Grund- stein mit legte zu der Bauhilfsarbeiterorganisation in Berlin. S it 1885 organisiert, nie rastend, nie ruhend, von früh morgen? bis spät abends finden wir ihn im Dienste der Gewerkschaft sowie der Partei. Obgleich bis in sein spätes Alter auf dem extremen Flügel stehend, war er schließlich auf der Seite zu finden, die bei den EinigungSverhandlungen der zentralen und lokalen Gewerkschaften für einen Zusammenschluß der Kräfte lebhaft eintraten. Agitatorisch im großen wie im kleinen tat er seine Schuldigkeit. Keine Ver- sammlung verfehlend, jede Sitzung besuchend, war er einer von denen, die immer nur das Beste im Auge hatten. Wie in der Gewerkschaft, so stellte er auch in der Partei seinen Mann, wenn eS hieß, für die Partei tätig zu sein. Daß er gerade hier seine Pflichten erfüllt hat, das bewies die großartige Beteiligung der Genossinnen und Genossen des 4. Wahlkreises am Tage der Be- erdigung. Einem Riesenschwindcl im Zuckerhandel, mit dem sie sich schon seit einem halben Jahre beschäftigte, hat gestern die Kriminalpolizei durch die Verhaftung des 38 Jahre allen Kaufmanns Edwin Ohland, des Leiters der„Berliner Zucker-HandelS-Union- Kommandit-Gesellschaft". ein Ende gemacht. Ohland gründete seine „Union" lediglich zu dem Zwecke, um Schlußscheine zu fabri- zieren, diese an den Mann zu bringen und durch ihren Verkauf die Preisunterschiede im Zuckerhandel auszunutzen, ohne über irgend welche Waren zu verfügen. Er arbeitete zusammen mit einem gewissen Schumann, einem kleinen Agenten aus der Zucker« brauche, der ihm bekannt geworden war. An diesen verkaufte er zu- nächst die gefälschten Schlußscheine, um nur erst einen Namen darauf zu bekonimen. Dann kaufte er sie von ihm zurück, um sie nunmehr an Geschäftsleute abzusetzen. Schumann, sein Werkzeug, spielte so den Käufer, ließ sich auch einen Gewinn auszahlen, und er- möglichte erst den Vertrieb der Schlußscheine. Sobald er erst eine Unterschrift hatte, ging Ohland mit den Schluß- scheinen hausieren und spiegelte seinen Abnehmern vor, daß er alles von seinem Käufer. zurückerworben habe. Das„Geschäft" bestand darin, daß Ohland die Preisdifferenz, 4 Mark und mehr für den Zentner, die feine Käufer sofort bar auSzablen mußten, in feine Tasche steckte, ohne daß er Ware besaß. Erst wenn der Käufer die Waren von den Fabriken, bei denen sie stehen sollten, geliefert haben wollten, erfuhren sie, daß sie betrogen waren. Auf diese Weise haben hiesige Geschäftsleute nach den bis- berigen Ermittelungen wohl 100 000 M. zusammen eingebüßt. Die Kriminalpolizei befaßte sich schon seit längerer Zeit mit diesen Gc- schästen und hatte schon im Oktober v. I. Material gesammelt. ES genügte aber noch nicht, den Schwindler zu fassen. Nachträglich wurde jetzt durch die Telephonnummern auf den Schluß- scheinen festgestellt, daß diese vordatiert waren, daß Ohland die Scheine schon im März vorigen Jahres hatte anfertigen lassen, um im Juni. Juli, seine Schwindelunion zu gründen. In der letzten Zeit fühlte er sich in seinen Räumen in der Kanonier« straße 2, wohl nicht ganz sicher mehr. Seine Opfer fingen an, ihm mehr„aus die Bude zu rücken", als ihm lieb war. Ganz heimlich verlegte er deshalb die Geschäftsräume der„Union" nach der Linkstr. 24. Hier richtete er sich im Vergleich zu der bescheidenen Ausstattung in der Kanonierstraße erheblich reicher ein, nahm aber fast alles auf Abzahlung. Die Kriminalpolizei durchsuchte gesten: die neuen Räume und beschlagnahmte alle Schriftstücke, im ganzen 11 große Kolli. um sie der Staatsanwaltschaft zuzustellen. Einen Teil seines schrift« lichen Materials hatte Ohland einstweilen noch bei dem Pförtner in der Kanonierstr. 2 niedergelegt. Auch diese Sacken wurden, ebenso wie einige andere, aus der Wohnung des Verhafteten in der Urban- straße, in Beschlag genommen. Auch bei Schumann fand eine Haus« suchung statt. Sie förderte noch eine Menge Schlußscheine zutage, die schon fertig ausgeschrieben waren und nur noch der Unterschrift harrten. Ohne Zweifel plante Ohland mit ihnen noch einen größeren Zug. Elend zugrunde gegangen. Eine gräßliche Entdeckung machte man Dienstagabend in dem Hause Baruther Str. 8. Dort bewohnte seit zwei Jahren die 33 Jahre alte Stickerin Agnes Habel für sich allein zwei Stuben und Küche. Das Mädchen war. wie Hausgenossen wußten, seit längerer Zeit in anderen Umständen.(Während es soust oft ausging, kam es seit Montag nicht mehr zum Vorschein. Dienstagabend hörte der Wirt in der verschlossenen Wohnung ein jämmerliches Kindergeschrei. Er benachrichtigte die Revierpolizci, und als diese nun öffnen ließ, fand man die Mieterin in einer Blutlache, nur halb bekleidet, vor dem Bette tot auf dem Fußboden liegen. Im Bette lag ein neugeborenes Mädchen, das durch fein Geschrei die Aufmelksamkeit des Wirtes erregt hatte. Nachdem ein Arzt festgestellt hatte, daß die Mutter an Verblutung gestorben war, wurde die Leiche nach dem Schauhause und daS Kind nach dem Waisenhause gebracht. Interessante Dynamit« und SchießwillesprengnugSarieiten werden zurzeit von einem Kommando von Pionieren der Eisenbahnbrigade in Schöneberg ausgeführt. Dort gilt es. die gewaltigen, seinerzeit in Stein- und Zement- beton hergestellten Auflagepfeiler der schon vor Fahren abgebrochenen alten Ringbahnbrücke zu beseitigen, die nach durchgeführter Verlegung der Ringbabntrace nach Norden der Verbreiterung des Straßen- geländes im Wege find. Mit Hilfe einer Dampfmaschine werden deS Vormittags zwei Meter tiefe Stollen in dos harte Gestein vor« getrieben, die dann mit Dynamit und Schießwolle, je nach der er- forderlichen Gewalt geladen und deS Nachmittags, während der Zeit des geringeren Verkehrs, auf elektrischem Wege zut Entladung ge- bracht werden. Mit dumpfem Knall fliegen die mit Rücksicht aus die nahen Gebäude und die Nähe der Ringbahn nur schwach geladene» Minen auf. Die östliche Seite des Gemäuers liegt bereits größten- teils in Trümmern. Mit der Beseitigung der ganzen Anlage glaubt man in etwa 14 Tagen fertig zu sei». Eine sechsköpfige Einbrechcrdande ist am gestrigen Mittwoch von der Scköneberger Kriminalpolizei verhaftet worden. Seit Monaten wurden in Verlin und in den westlichen Vororten verwegene Ein- bräche in kaufmännischen Geschäften ausgeführt, ohne daß es bisher gelang, den Tätern, die mit großem Raffinement arbeiteten, auf die Spur zu kommen. Aus den über fünfzig Diebstählen, die der Bande in den letzten Monaten nachgewiesen werden konnten, haben die Gauner an Geld und Geldeswert zirka 100 000 M. erbeutet. Als Anfübrer der Bande kommt der 27 jährige Artist Fritz Stein in Betracht, der seiner Zeit zu der berüchtigten Weddingdande de? Ein- brechcrkönigs Kirsch gehörte und mit demselben zusammen über drei Jahre lang in Herzberge gesessen hat. Die beiden ständige» Be- gleiier St.S waren der Schlosser Franz Engeling und der Händler Wilhelm Mihliö. Der vierte im Bunde war der Fuhrwcrksbcsitzer August Michaelis, der mit seinem Wagen die Beute meist fort- schaffte. Die Schöneberger Kriminalpolizei hatte schon seit einiger Zeit beobachtet, daß der genannte Kutscher stets zur Nachtstunde zwischen 3 und 4 Uhr mit seinem Fuhrwerk von seiner Siallung aus fortfuhr. Man beobachtete ihn nun und so gelang es durch ihn die anderen Mitglieder der Bande kennen zu lernen und zu ver- haften. Eine Bande von Taschendieben tritt gegenwärtig in Groß-Verlin auf. Die Spezialisten suchen sämtliche Wochenmärkte in Berlin sowie in den Vororten heim. Ihr besonderes Augenmerk haben die Diebe auf die Märkte in den westlichen Nachbarorten gerichtet. Sie lechnen damit, daß die Besucherinnen dieser Märkte tvohlgefüllte Geldbörsen bei sich fähren. In ungemein freister Weise geben die Burschen zu Werke. Während einer von ihnen den Aufpasser und „Ablenksr' spielt, führt der Komplice den Diebstahl auS. Mit einem geschickten kühnen Griff langt er die Portemonnaies aus den Taschen der Frauen heraus. Wird einmal einer der Diebe ertappt, so tritt der Komplice sofort in Aktion. Er sucht den Dieb zu decken und Berwirrung hervorzurufen, so daß dem Erwischten die Möglichkeit zur Flucht gegeben ivird. Allerdings wird den Dieben ihr Hand- werk auf den Wochemnörkten dadurch erleichtert, daß die Hausfrauen ihre Geldbörsen leichtsertigerweise oben auf ihre Handtaschen oder auf die eingekauften Waren zu legen pflegen. Im Herrnfeld-Theatcr in der Kommandantenstraße herrscht zur- zeit JubiläumS-Stimmung. Seit zwanzig Jahren führen oie Gebrüder Herrnfeld das Kommando. Und fast so lange find sie auch als bewährte Hausdichler tätig. Ihre Spezialität: die jüdische Posse, nach dem Muster der in Pest und Wien heimischen .KlabriaS-Partie' hat ihnen niemand streitig machen können. Liegt diese Spezialitnt auch jenseits der Grenze aller eigentlichen Literatur, so kann doch nickt gesagt werden, daß sie deshalb keiner Beachtung wert gewesen wäre. Für Berlin war sie neu— und fremd- artig zugleich. Wollte sie hier heimisch werden, so mußte sie in ihrem AuSiehen wenigstens Veränderungen erfahren. Und diese An- Passung an gänzlich anders gelagerte Verhältnisse vollzogen zu haben, ist das besondere Verdienst der Brüder Herrnfeld. Das sind zwei Spaßmacher von eigener Art, obwohl ihrem Humor ein konservativer Starrsinn anhaftet; denn das Judentum. das sie in ihren Schwänken verulken und dem sie durch ihre pcri'ön- liche Darstellung einen so unnachahmlichen Charakter aufprägen. existiert— bei uns wenigstens— längst nicht mehr. Dadurch nun, daß sie, als Possendichter, sich zu allernächst die beiden Hauptfiguren „auf den eigenen Leib" schreiben, ist natürlich auch die eigentliche „Handlung" veräußerlicht worden. Man kann nicht mehr fragen: WaS geht in dem Stück vor'i Man kommt nur, um zu sehen, w i e Donat und Anton Herrnfeld sich wieder in.neuen" Rollen— die recht besehen, bloß immer den alten Bestand variieren— zeigen werden. Auch ihr neuester JubiläumS-Zweiakter:»Wie man Männer bessert", ist nichts anderes. Von einem Inhalt läßt sich schwerlich reden. Der Kernpunkt besteht darin, die verschiedensten Judentypen über die Bühne zu führen, Schwiegervater, Eidam und Schwager, daneben die ganze„Mischpoche", wie sie kreucht und fleucht, um die Gunst einer.Löwenbändigerin" am Kurfürstendanim — versteht sich, hinter dem Rücken ihrer teueren Ehehälften!— als verliebte Schwerenöter werben zu sehen. Natürlich kommt das reinste HanSwurstspiel zum Vorschein, den, es Partie weise nicht an Langweiligkeit, doch aber auch nicht an drolligen, sich fortwährend überbietenden Situationen gebricht. Jedenfalls steht fest, daß die beiden Dichter-Direktorcn mit ihrem „Bindfaden" noch ziemlich lange reichen und die Zuschauer witzig unterhalten werden. In einem vorausgeschickten Schwankeinakter: „Der HauSteufel" von H. P o b l m a n n wird die Ab fübrungspillenkur beinahe für den Durchfall entscheidend. Gelacht wurde indes auch hier recht reichlich— dank dem ausgezeichneten Spiel aller Mitwirkenden. Es war also, wenn nicht ein Saison schlager, so doch ein fideler Premierenabend, der viel Fortsetzungen haben dürfte. Arbeiterliildungsschule, Grenadierstr. 37. Die Teilnehmer des Unterrichts in Geschichte werden darauf aufmerksam gemacht, daß am nächsten Sonntag der Uirterricht schon um Vz9 Uhr bc> ginnt. Tie Ortsgruppe Berlin vom Arheiterradsahrerbund„Solidarität' hielt am 31. Januar bei Borgmann, Andreasstr. 31, ihre ordentliche Generalversammlung ab. Bevor in die eigentliche Tagesordnung eingetreten wurde, gedachte der Borsitzende der an demselben Tage zur letzten Ruhe bc, tatteren Mitglieder und erinnerte besonders an die allezeit opferfreudige Mitarbeit des verstorbenen Genossen A. Petrmchke. Die Partei und der Bund verlieren in ihm einen tüchtigen Agitator, der stets bereit war, feine ganze Person in den Dienst der großen Sache zu stellen. AuS dem Jahresbericht geht hervor, daß vier Generalversamm lungen und vier öffentliche Versammlungen stattgefundei, haben. An Unterstützungen wurden gezahlt: Unfallunterstützung an 20 Mitglieder 455 M, Notfa llunterstützung 80 M., Sierbefälle waren im vergangenen Jahre keine zu verzeichnen. Grenzkarten für zollfreie Ueberichreitung der Grenzen wurden 10 ausgestellt fJtalien, Schweiz und Oesterreich). Die Agitationskommission berichtet, daß 4 Agitationstouren gefahren und 10000 Flugblätter verbreitet wurden. Aus dem Bericht de? Kassierers ist zu entnehmen, daß die Bilanz in Einnahme und Ausgabe die Summe von 2165,70 M. auf- weist. Das in, FahrradhauS angelegte Barvermögen beträgt zur zeit 8490,52 M. Die rege Beteiligung der Mitglieder bei den RcichStagswahlen wurde von den Parteigenossen allseitig an- erkannt. Alle für den Verein bestimmten Sendungen sind nach wie vor an den Vorsitzenden Rich. Karras, L. 59, Schönleinstr. 11, vorn I, zu richten. Derselbe erteilt bereitwilligst Auskunft über alle Vereins- und BuiideSangelegenheite». Die Arbcitcr-Samaritcrkolonne Groß-Berlin hielt am 23. Januar ihre ordentliche Generalversammlung ab. AuS dem Jahresbericht des Vorsitzenden ist zu entnehmen, daß das vergangene Jahr für die Mitglieder der Kolonne ein sehr arbeitsreiches gewesen ist. lagen doch im ganzen 222 Dienstausträge vor, bei denen 386 Samariter tätig waren. Nicht miteinbegriffen in diese Zahlen sind die Beerdigungen der Äenoflen Singer und Borgmann sowie die große Versammlung in Treptow am L. September, an welchen Tagen die Kolonnenmitglieder vollzählig erschienen waren. Rechnet man hierzu noch die zahlreichen Volksveriammlungcn aus Anlaß der Wahlen, so ist es leicht erklärlich, daß sowohl die Zahl der in der ersten Hilfeleistung Behandelten erheblich gestiegen ist, ebenso wie der Materialverbrauch. Für Verbandstoffe und Medikamente wurden ausgegeben 436 M., für die Ausrüstung der Samariter 463 M. Die Zahl der von den Samaritern behandelten Hilfeleistungen ist nach der genau geführten Statistik 1081 Verletzungen, 1167 Erkrankungen, ärztliche Hilf« wurde tn 63 Fällen nötig, während ins Krankenhaus 15 Transporte aus- geführt wurden. Zu dem im September 1911 begonnenen neuen Lehr- kurius meldeten sich 422 Teilnehmer, unter ihnen eine große Anzahl Frauen. Die ärztliche Prüfung für Teilnehmer des Kursus 1910/11 bestanden 97 Genossen. Alle Gesuche um Stellung von Samaritern zu irgendwelchen Veranstaltungen sind zu richten an den Vorsitzenden P. Krause, Neukölln, Okerstr. 46. vorn IV. Vorort- l�ackricbtern Neukölln(Nixdorf). Mit de» bevorstrhciibcn Stadtverordnctenwahlen bcschäftigle sich der sozialdemokratische Wahlverein am Dienstag in einer zahl. reich besuchler: Generalversammlung. Der Referent, Stadtverord» netcr Alfred Scholz, wies zunächst auf das Urteil des Ober- landesgerichts vom 23. Januar hm, durch das die Mandate der im November 1910 gewählten 28 Stadtverordneten für ungültig er- klärt wurden, weil die damaligen Wählerlisten ungültig waren. Mit dieser Entscheidung sei das letzte Unrecht, das die bürgerliche Stadtverordnetenmchrheit durch ihren Wahlrechtsraub der Wähler. schaft im Jahre 1908 angetan hat, beseitigt. Wenn den Wählern nun wieder das Wahlrecht gegeben sei, das ihnen� laut Gesetz zustehe, so sei das der Tätigkeit der Sozialdemokratie zu verdanken, die als einzige Partei den Wahlrechtsraub energisch bekämpfte und dem Gesetz Geltung verschaffte. Den Vorteil davon habe auch ein großer Teil der Beamten; daß sie sich der Sozialdemokratie dafür dankbar erweisen werden, sei bei der Abhängigkeit, in der sie gc- halten werden, nicht zu erwarte», vielmehr sei damit zu rechnen, daß sie im bevorstehenden Wahlkampf gegen uns ausmarschieren. Für uns gelte e» nun. die Agitation zg den Stadtverordneten« »xchlcn einzuleiten. Die bürgerlichen Parteien hätten mit ihrer Wahlagitation bereits begonnen, und schon während der Reichs tagswahlbewegung fei der aus je zwei Vertretern der alten und der neuen Fraktion gebildete kommunale Wahlausschuß ziemlich tätig. Die alte Fraktion sei die der Grundbesitzer, und sie ist gewiß die rückständigste und reaktionärste Stadtverordnetenfraktion, die man jemals kennen gelernt hat. Das einzige, was sie zum Wohle der Allgemeinheit und offenbar aus Wahlrücksichtcn getan hat, sei der Beschluß, Heilserum an Unbemittelt« abzugeben. Die neue Fraktion nenne sich jetzt„kommunalfortschrittlich", und eine neue „fortschrittliche Arbeitsgemeinsck)aft" soll alle fortschrittlichen El« mente von den Liberalen an umfasicn.' Was von diesem neuen Fortschritt zu halten sei, zeige schon das Programm der Arbeits gemeinschast, das u. a. besagt:„Es gilt der alles niederringenden Sozialdemokratie ein Paroli zu bieten." Außerdem haben wir noch im Wahlkampf die Demokraten, mit denen die Sozialdcmo- kratie im Jahre 1910 gemeinsame Kandidaten aufstellte. Damals habe es sich um einen Ausnahmefall gehandelt, diesmal werde die Sozialdemokratie in der Hauptwahl auch gegen sie den Kampf zu führen haben.— Nachdem der Redner noch weiter auf die Ein- Wendungen und Verdächtigungen der Gegner eingegangen Ivar, for- derte er die Genoffen und Genossinnen zu eifrigster Beteiligung an der Wahlagitation auf, damit die Wahlen, die am 14. April für die dritte, am 16. für die zweite, am 19. für die erste Klasse anberaumt sind, der Sozialdemokratie einen schönen Erfolg bringen. In der Diskussion sprachen die Genossen P r e u ß und Engel- meier im Sinne des Referenten. Sodann machte� der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß die Sache mit dem Heilserum nickt die einzige„Errungenschaft" der bürgerlichen Stadwerordnetenmehrbeit sei, sondern daß sie auch der Stadt einen neuen Namen verschafft habe. Demgemäß müßten nun wohl auch die Genossen den Namen ihre? WahlvereinZ der neuen Stadtbenennung anpassen und ihn von jetzt ab als Neuköllner Wahlverein bezeichnen.— Die Sache erregte allgemeine Heiterkeit in der Versammlung, aber die Namensänderung wurde selbstverständlich gutgeheißen.— Die ersten öffentlichen Versammlungen zur Einleitung der Wahlbewegung finden am 20. Februar statt. Ferner wurde noch bekanntgegeben. daß die nächste Generalversammlung, in der der Geschäfts» und Kassenbericht vorgelegt wird, Anfang März stattfinden soll. In seinem Berufe schwer verunglückt ist gestern morgen der 37 Jahre alte Heizer Valentin ManciejewSki, der bei derHolzmofaih fabrik von W. König in der Kaiier-Friedrichstratze 218 beichäftigt ist, ManciejewSki schippte gestern früh im Heizraume Holz und Kohlen in die Feuerung. Plötzlich schlug eine große Stichflamme heraus und verbrannte ihn schwer am Gesicht und an der Brust.� Man brachte ihn mit einem Kraftwagen nach der Unfallstation in der Steinmetzstraße und von hier, nachdem ihm die erste ärztliche Hilfe zuteil geworden war, nach dem Krankenhause, wo er schwer da niederliegt. Schöneberg. Die Wahl der neuen acht Stadtröte ist am gestrigen Mittwoch von der Regierung in Potsdam bestätigt worden. Die neuen Stadt- räle werde» bereits am Montag, den 12. Februar in ihr Amt ein- geführt werden. Damit ist der Konflitt im Schöneberger Magistrat, der mit der Amtsniederlegung der sieben Stadträte vor fünf Wochen ausbrach, zum Abschluß gelangt. Lichtenberg. Gewerbegrrichtswahl! Sonntag, den 11. Februar, vormittags von 10 bis 2 Uhr, finden die Wahlen für die Arbeitnehmerbeifitzer zu»! hiesigen Gcwerbegericht statt. Wahlberechtigt ist jeder 25 Jahre alte Arbeiter, der entweder am Ort arbeitet oder wohnt. Als Legitimation dient eine Vescheinigung des Arbeitgebers oder des Einwohner-McldeamtS, Stcuerzettel oder Mietskontrakt. Zur schnelleren Abfertigung bei der Wahl empfiehlt c? sich, daß die Arbeiter eines Betriebes möglichst geschlossen zur Wahl kommen und alsdann als Legitimation eine vom Arbeitgeber ausgestellte List« für sämtliche Wahlberechtigte vorlegen. Ferner sei noch darauf hingewiesen, daß diejenigen, welche am Ort wohnen und arbeiten, in dem Bezirk wählen, wo ihre Arbeitsstelle gelegen ist Alles Nähere ist noch aus den in jedem Arbciterverkchrslokal aus- hängenden Plakaten ersichtlich. Berliner GewerkschaftSkommisfion, Abteilung Lichtenberg-Stralau-Rummelsburg. Weißensee. Eine Gcmrindewählerverfamuilung nahm am Dienstag zu den im März siattnndendcn Wahlen Stellung, An Stelle des ver- binderten Genossen Groger referier« Genosse Denzer-Berlin über„Kommunale Polilik". An der Hand von Beispielen zeigte der Redner, wie das Verhalten des R a t h a u s f r e i s i n n s, da wo er die Mehrheit hat, stets im Widerspruch mit den hocktönenden Reden im Reichs» und Landtag steht. Diese Unzuverlässigkeit habe sich nicht nur in der Frage deS Wahlreckts zu den Gemeindevertretungen, sondern auf allen Gebieten der kommunalen Sozialpolitik, des Sckul- wesenS.dcr Armei,-und Waisenpflege usw. gezeigt. Demgegenüber sei es Pflicht der organisierten Arbeitersckaft durch die Wahl von Sozial- demokraten für Besserung der Verhältnisse zu sorgen. Nachdem die Genossen Taub mann und Fuhrmann die Tätigkeit des Grund besitzervereinZ in da» rechte Licht gerückt hatten, erfolgte die Auf stellung der Kandidaten. Für die dritte Abteilung wurden die Genossen Taub mann, Fuhrmann und Schlem minger (letzterer an Stelle des geschäftlich verhinderten Peukert) und für die zweite Wäylerklasse die Genossen Content. Frahm, G r a u e r t und K o h l e i n st i m m i g als Kandidaten nominiert. Köpenick. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde der Etat für 1912 beraten. Derselbe beziffert sich in Einnahme und Aus- gäbe auf 1 926 337,83 M. Stadtverordneter Dr, Schulze erklärte als Berichterstatter des EtatsausschuffeZ, daß von den vielen An- rcgungen und Anträgen bei der Vorberatung nur sehr wenige im Ausschuß zur Annahme gelangt seien, und zwar in Rücksicht auf das Festhalten an dem Gemei'ndeeinkommensteuerzuschlag von 163 Prozent; er. Redner, empfehle die Annahme des Gesamtetats. Von unseren Genossen wurden bei Beratung der einzelnen Kapitel noch verschiedene Beschwerden borgebracht und der Maoistrat energisch um deren Abstellung ersucht. Unter anderem wurde auch die un- gleichmäßige Belwndlung der von den Arbeitern gegründeten Ver» eine gerügt. Während dem Turnverein„Eiche" nicht gestattet wurde, beim Marsch von der Turnhalle bis zu' seinem Festlokal ein Lied zit singen, können bürgerliche Vereine noch nachts um 1 Uhr mit voller Musik durch die Straßen der Stadt ziehen, ohne von den Sichcrheitsbeaniten zur Ruhe verwiesen zu werden. Weiter wurde auch die ungleichmäßige Handhabung der Polizeistunde ge- rügt und verlangt, daß für alle Gastwirtschaften die Polizeistunde gleichmäßig auf 12 oder 1 Uhr festgesetzt wird. Bei der Abstimmung wurde der Etat gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Zum Schluß wuroe noch nach kurzer Debatte der Antrag unserer Genossen auf Gewährung einer einmaligen TeuerungS- zulage von 20 M. für diejenigen städtischen Arbeiter und Angc- stellten, welche verheiratet sind, mindestens ein Kind haben und unter 1500 M. Einkommen beziehen, mit 14 gegen 13 Stimmen angenommen. Von den Bürgerlichen stimmte nur ein Vertreter für den Antrag. Treptow-Baumschulenweg. Neuwahlen zur Gemeindevertretung finden für unsere am 31. März ausscheidenden Genossen Gerisch und Karow im ersten und zweiten Kommunalwahlbezirk statt. Im ersten Bezirk kann ein Nichteingesesiener, im zweiten muß ein Angesessener ge- wählt werden. Der erste Bezirk umfaßt das Gebiet, welches be- grenzt wird vom Flulgraben, der Spree, der Südgrenze der Eier- Häuser, dem Tammweg und der Kiefholzstraße. Der zweite Bezirk umfaßt da» Gebiet, welches begrenzt wird vom Dammweg, der Süd- grenze der Eierhäuser, der Spree. Niederschöneweide und der Kiefholzstr. Auffällig ist, daß die beiden ersten Bezirke schon vor vier und zwei Jahren regelmäßige Ergänzungswahlen hatten und jetzt noch durch den konservativen Gärtnereibesitzer Nickel und durch unseren Genossen Hartmann vertreten werden, wohingegen im dritten und vierten Wahlbezirk nur Verstärkungswahlen aber noch leine regelmäßige Er- gänzungSwahlen vorgenommen wurden. Der Grund ist leicht zu erraten'; sind es doch die für uns ungünstigsten Wahlbezirke. Für unsere Genossen wird eS ein Ansporn sein, in diesen beiden Bezirken ihr möglichstes zu tun, damit wir im März beide Mandate wieder erobern. Temprlhof. Eine Tamcngesangabteilung beabsichtigt der Arbeitergesangverein„Sangeslust III" jM. d. A.-S.-B.) einzurichten. Sanges- freudige Frauen und Mädchen werden daher gebeten, Sonntag. den 11. Bebruar, nachmittags 5 Uhr, im Lokal von Wilhelm Paetsch, Germaniastr. 150, zu erscheinen. Rummelsburg. Einer Botenfrau der„Vorwärts"- Spedition Rummelsburg ist am 5. Februar nachmittags der von ihr am Sonntag kassierte Bc- trag der Ouittungen, der sich in einem Beutel befand, auf dem Wege von der Kronprinzenstraße, Weserstraße bis Gürtelstraßenecke verloren gegangen. Ta die Frau ersatzpflichtig ist. wird der ehrliche Finder gebeten, fich Kronprinzenstr. 33, Seitenflügel HI, bei Behrendt zu melden. Ober-Schönettieide. Ter Bau des Realgymnasiums hat nach der nunmehr erfolgten Abrechnung einen Kostenouswand von 515 254,33 M. erfordert, wo- von aus die Gebäude 438 862,04 M. und für innere Einrichtung 76 392,20 M. entfallen; gegen den Voranschlag ist eine Minder- ausgäbe von 16 115,67 M. zu verzeichnen. Es hat sich bei diesem Bau aufs neue ge zeigt, daß der Gemeinde durch die Vergebung der Arbeiten in Einzellose wesentliche Vorteile zufallen.— Nachdem die Gemeindevertretung die Rcuherstellung der SiemenSsttaße beschlossen hat, wird geplant, die ebenfalls äußerst mangelhafte Frischensttaße in Slampfasphalt neu zu befestigen; als Ersatz der zu beseitigenden Vorgärten ist die Anlegung eines RasenstrciseiiS neben der Lord- kante vorgesehen. Spandau. Eine von etwa 2500 Personen besuchte Volksversammlung tagte am Montagabend in der Brauerei Pichelsdorf. Das Referat hatte der Abgeordnete des Kreises Genosse Dr. Karl Liebknecht übernommen. Redner gab zunächst einen Ueberblick über die Reichs« tagswahl im Kreise. Trotz der schäbigen Kampfesweise der Gegner sowie der Behörden einzelner Ortschaften, sei eS gc- lungen, mit einer erheblichen Majontät zu siegen. Große Empörung rief unter den Versammelten der Fall Hornig in Gatow a. d. Havel hervor. WaS den neuen Reichstag bettifft, so werde es die Aufgabe der Sozialdemokratie sein, für die breite Masse de? Volkes das möglichste herauszuschlagen. Besonder» stell« der Referent das Ersuchen an die Beamten und Arbeiter auS den Staatsbetrieben, ihm die vorhandenen Uebelstände wahrheitsgetreu umgehend mitzuteilen, damit er in der Lage sei, für deren Be- seitigung sorgen zu können. Dann würden auch sie einsehen lernen, daß die wahre Verttetung ihrer Jntcr- essen nur allein durch die Sozialdemokratie geschehe. Pflicht eines jeden sei es nunmehr auch, fich polittsch wie gewerk- schaftlich zu organisieren und die Arbeiterpresse, den„Vorwärts", zu lesen, damit hinter dem Abgeordneten nicht nur die Wähler, sondern eine stark organisierte Masse stände. Nur dadurch werde es möglich sein, den Kreis zu einer Hochburg für die Sozialdemokratie zu ge- stalten. Nach einem kurzen Appell des Vorsitzenden wurde die Ver- sammlung geschlossen. Tegel, Borfigwalde» Reinickendorf. Der vom BildungsauSschuß für Sonntag, den 11. Februar, nach Borsigtvalde angesetzte technische Vorttag kann umständehalber nicht stattfinden. Eggersdorf. Der Bebauungsplan für die hiesige Gemeinde sollte, wie wir in Nr. 275 de-Z.Vorwärts" vom 24. November des vorigen Jahres in einem Gcmeindebericht mitteilten, vom LandratSamt genehmigt worden sein. Wie un» jetzt nach 2>/, Mona«» in einem vom Ge- meindevorsteher beglaubigten Schreiben de? Grundbesttzerverein» EggerSdorf-Hohenfließ mitgeteilt wird, bedarf der Bebauungsplan noch der Umänderung der vom LandratSamt genehmigten Eiasprüche der betreffenden Besitzer. In der gleichen Sitzung hatten unsere Genossen Buchholz und Lehmann an den zweiten Schöffen Rügcr die Aufforderung gerichtet, sein Amt niederzulegen, weil er einein Gemcindebeschlusse zuwider gehandelt haben sollte. Da» Landrats- amt hat, wie auS demselben Schreiben zu entnehmen ist. fich dahin ausgesprochen, daß eS keinen Anlaß hätte, � gegen Rüger etwas zu unternehmen. Damit ist natürlich nicht gesogt, daß unser« Genossen nickt eine andere Auffassung über den zweiten Schöffen haben können wie das LandratSamt.__ Marktbericht von Berlin am S. Februar ISIS, nach Srmilteluna dcs königl Polizeipräsidium». Martthallenvreife.(Kleindaiidet! 100 Kilogramm Erbsen, gelb«, zum Kochen 36.00— 60,00. Speis ebohnen weiße. 40.00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 11,00—15,00. 1 Kilo- »ramm Rindfleifch, von der Keule 1,60—2,40. Slindflcifch, Bauchfletsch 1,30 bis 1,80 Echweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40— 2,50. Hammetfleifch 1,30—2,20. Butter 2,60-3,20. 60 Stück Eier 4.60—8.00. 1 Ktloaremm Karpfen ILO— 2.40. Aale ILO— 2,80. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,20—260, Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,40, 60 Stück Krebse 4,00—30,00._ Witterungsübersicht vom 7. Februar 1918. «tattonen Ii «H iE if Swincmde. 751 Hamburg! 747 Berlin 761 Franks.a,M! 761 München>766 Wien>767 �SO TO S SV S still Setter 4 Regen 3, Nebel !»wolkig »Nebel Ichalb bd.!—3 fNebel 1—2 Mo — 0 2 2 4 Stationen iE II »f Hapara»da!756 ZV Petersburg'766 TO scilly 737 sO Aberdecn 7S8!«R« Paris 751 TS!»bedeckt Setter »i> !? «i 2 Schnee 1-16 llwoltenl—16 7chedeckt bedeckt Wetterprognose tür Donnerstag, den 8. Februar 1918. Ziemlich mild bei mähigen südlichen Winden und veränderlicher Be- wölktmg, ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Setterbureau. WaflerstandS-Rachrichte« der LandeSanflakt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom BerNner Setterburean, Wasserstand M e m e I. Tilsit P r e g c l, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor „ Krassen , Frankfiirt a r t h c, Tchrimm , Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden . Berby . Magdeburg am! seit 6. 2., 6. 2. cm f cm1) 129-)!-2 38')+9 78') 132') 146', 126») 26') 60-) 34-) 48 -fl« — 1 -1 —6 —4 —6 —6 +•2 -121')—16 ; 142')—14 __ I HO*))—12 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.. - EiStteiben. Wasserstand Saale. Srochlitz Havel. Spandau-) Rathenow-) Spree, Spremberg-) BeeZkow W e s'» r, Münden m Minden Rhein, Maximilian?«, , Kaub Köln Neckar, Heilbronu Main. Wertbeim Mosel, Trier -) Unt-rp-zcl.—') Eiisiaud. Donnerstag. 8. Februar 1312. Ansang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Die WaNüre. Ansang VI, Uhr. Sgl. Schauspielhaus. Viel Lirm unl nichts. Deutsches. Hamlet. Haverlaud. Spezialitäten. Zirkus Busch. Gala-Vorfielltmg. Zirkus Schumann. Gala« Vor- stelluna. ZirkuS Sarrasaui. Gala- Vor. sicllung. Kleines. Und daS Licht scheint w der Finsternis. Ansang 8 Uhr. Urania. Daubeustraste 48/4S. Der Grohglockner, Gastein und die Salzburger Alpen. Hörsaal 8 Uhr: Pros. Marcus«: Lustschistahrt. Neues. Der ltede Augustin. Rrnnmerspiele. Sme glückliche Ehe. Lessina. Erde. Komtesse Mizzi. Neues Schauspielhaus. Alt-Hcidel- berg. Residenz. Alle« sür die Firma. Kurfürftenoper. Der Schmuck der Madonna. Komiiede cvrr. Der vamphr. Westen. Russisches Ballett. Lustspielhauö. Die Damen des Regiments. Berliner. Grosie Rosinen. Neues Operetten. Eva. Schiller O. Der Weg zur Hille. Sch i»..?darlot»rnvurq. Der Probepscil. Friede.. Wild. Schauspielhaus. Feldherrnbügel. Luisen. Zopi und Schwert. Rose. Der Spielteusel. Röniggrätzer Strasic. Di« süas Franksurter. Metror«.. Die Nacht von verlin. Drtano«. DaS kleine Cass. Tlialia. Polnische Wirttchast. <5asin». Der Kamps umS Dasein. Npulio. Spezialitäten. Vanage. Gvezialitäten. Herrnfeld. Wie man Minner vefferi. Der HauSteusel. Reichst, alt rn SleMner Sänger. Königstadt-Kafiuo. Ein dunller Punlt. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Anfang 8'/. Uhr. Folie« tkaprice. Mandelblüth'S Pollerabend. Losgelassen. Waffen- Übung. Walhalla. Teusel, da» hat ewge- schlagenl Noack. Die Bettlerin und ihr Kind. Boigt. Ein armer Edelmann. Ansang 8'/, Ubr. Reue« Bolkstheater. Fritzchm.-- Der zerbrochene Krug. Belle-Alltanre. Napoleon Bona- parte und seine Frauen. »» Sternwarte, Invalid enstr. 67—62. Schiller-Thealer OÄ«: Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Wejj nur Httlle. Freitag, abend» 8 Uhr: Don Carlos. Eonnabend, abends 8 Uhr: Der Probepfeil. Sonntag, naibni. 3 Uhr: Der Probe kandidat. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Plarrervon Klrehfeld Sehiller-Thealep Donnerstag, abend« 8 Uhr: Der Probepfell. Freitag, abends 8 Uhr: Der Kilometerfresaer. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Wen aar Hülle. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Harla Stuart. Sonntag, abends 8 Uhr: _ Der Frobeptell._ Berliner Theater. Abend« 8 Ubr: Grotze Rosinen MlerliterWgMrAnll!« 8 Uhr: Die S Frankfurter. Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Der liebe Au guftin. Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Drei letzte«astspiele de« IluBSlseben Uailetta Donnerstag, Sonnabend u. Sonntag. Residenz-Theater. Direktion Richard tllexander. Abend« 3 Uhr: Alles für die �irma. Schwant in 3 AfU« V°N M. Hennequin » G. Mitchell. In Sz-ni g-I«ht und sür die deutich« Bühne bearbettet von Boiten-Baecker«. Mopgen u. solg. Tage�*iiMÜ«■ Firm«. Luifen-Thcater. Donnerstag: Benesiz lür den Obcr. regiffeur Georg Wald. Premiere. Zopi und Schwert. Freitag:«ommersvuk. Belle- AI I innre-Theater. 8V. Ubr: Gastspiel Ferd.»«««<" .Napoleon Bonaparte und seine Frauen». SenIalionS-AuSstatlungS- stück o. W.G. Bills. Musil o. Sullivan. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Das kleine Caf£. Urania. Wissenschaftlichee Theater. Donnerstag 8 Uhr: Der Großgiockner, Gastein und die Salzburger Alpen. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Marcuse: L/uftscbi(fahrt. OSE=ThEATE Grotze Franksurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Zum 1. Male: Der Spifltrnffl. VolkSstück in 4 Akten von Juluts Kiiops. Morgen u solg. Tage: Der SpiUteusrl. Sonnabend 4 Uhr: Schneewittchen. Metropol-Tiieater. Abend« 8 Uhr: Rauchen gestattet. Die Naclit von Berlin! ffirosie JahreSrevue in 7 Bilden, von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz Ab 8 Ubr: Vollständig neues Programm. 10 Uhr: Roch«ie dagewesener Lacherfolg ]>aiil Beckers da» „Original4*. Passage-Tkater. Sehnelder-Duneker Carl and Loltj die berühmt. Excentr.-Tänaer. Luise Schäfer Vortrags künstlerin. The Hevaldos Truppe d. best. Schleuderbrett-Akrob. und d. Febr.-Glanzprogr. 14 erstkl. Spezialitäten Das Londoner Mirakel Die Frau.., in der KBIUIGi Befreiung aus d. Wassergrab. Lebend! liebend! FakirrTruppe 15 Personen in ihren religiösen Httrtyrer-Prodnktlonen Wochentags 4—7 Uhr: Lichtspiele Ohne Eitra-Entree. MnM llpiift grokrr Erfolg! 'wie man Wnner " bessert. 2 Alle von Attion u. Donat Herrnseld mit de» Stutoren in de« Hauptrollen und Ler Zlsusteufel. Famüienschwant in 1 Akt v.Pohlmaiin. Ansang 8 Uhr. Billettvorverkaus t 1—2 sTheaterlaffe). JU i a• A r e n au Nachmittags: Hllitfir- Konzert. Kunstlauf• Produktionen. Abenilt die Novitäten: Tänze a. d. Eise, Khein- iänder, Russisch, Engl., Alt-Wiener Walzer und t>le kleine Charlotte.! 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Parteigenossen, die diesen Anjorderungen genügen und aus die Stelle reflektieren, wollen ihre Bewerbungen mit Angabe ihrer bisherigen Tätigkeit bis zum 20. Februar er. an den Bezirkssekretär Schrtiris, Leipzig. Tauchaer Straffe 19 21, einreichen. 286/13* Die Anstellungsbedingungen sind die des Vereins Arbeiterpresse. Lenrhsvorfliliid der Aorialdkmohratisdjen purtei Lripjigs. öeiuiW! Cafö-Ängeslellte! Meinung! Die nachbenannten Casvs haben den Lohntarif der organisierten Casö- kellner noch immer nicht anerkannt und beschäftigen gelbe Gehilsen. Es sind deshalb für organisierte Gehilfen gesperrt: Lüden: Cafd Gerber, Haienheide 39 Jahn, Hafenheide 19 Neukölln t Offen: Norden: 9f 9t 99 Schwedler, Bergftr. 66 Rathaus, Bergftr. 7 Leitmeyer, Petersburger Str. 91 Reunion, Rofenthaler Str. 68. Festen Lohn verdienen Frauen in allen Stadtgegendcn bei einigen Stunden täglicher Arbeit. Meldungen mit Legitimation 10— 4 Uhr. Koch- straße 53, Hos rcchlS._ 28536 Aufwartefrau, vormittags. 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Wegen Ttreit oder Lohn- differenzen sind gesperrt: Pianofabrik Peektuteiii, Grünauer Str. u Johannisstraffe für alle Brauchen. Ttockfabrik Bouchwltn, Brunnenstraffe 181. Bernftivercln der Berliner Parkcttg;eHchftlto, Ehar» lottenbnrg, llhlandftraffe. Schirmgeichäfte E. I-lchten- «teli>,ReurFriedrichstr.it8,4(), Leipziger Str. 78. Müller- straffe 3a, Rosenthalerstr. 10, Tchönbauser Allee 101, Stört« buser Damm 3, Wilmers» dorfcr Strafte 37, Berliner Straffe 4 in Tegel. Zudnch, Dresdener Ttr. 39, Stenger, Qranieustrafte. Kohn, Türmst raffe 57.,—-. Für Hartgummi- Arbeiter die die Firma Ulatthaez', achic. fische(Ztr. 32, Das Berliner Arbeitswillige». vermittetungsburra» d. gelben .Haudwerkerfchutzverdandes». Arbeitsnachweis d. Stellmacher. innung und der Wagenfabri- kante«, Kaifer-Franz-Grenadier» Platz. Zuzug ist streng fernzuhalte«. Die Ortsverwaltung Berlin 4es Deutschen Holzarbeiterverbandea. Kerantwortlicher Nedsstteur: ßlibert Vachs. Perfin. Sür den Hnseratemeil oerantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck>». Perlag: Pyrlvätt» Puchdruckerei u. PerlagSanstalt Paul Singer u. So, Herim �