Ur. 33. ?Idonnement5-keäingunsen: ?wo»nement?- Prri? vränllm�and»! Bierleljährl. S.A> MI., monatL 1,10 TOI., wöchentlich 28 Pfg, frei in? Hau?. Einzelne Kummer 6 Pfg, Sonntag?- tuimmet mit illustrierter Sonntag?- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Posi- »chonnemcnl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?. Preisliste, Unter Kreuzband- tiir Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da? übrige Ausland 8 Mark pro Monat, Poftabonnement? nebmen an:' Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Klmnänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Die MertionS'6ebüf)r tfträgl für die sechsgespallene Kolonelzeile oder deren Raum 60 Psg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins» Uitd Äersaiii>iilung?-!!üizeigeu 00 Pfg, „Kleine Hnreigcn", das setigedru-k!- SSorl 20 Pfg. fzulässtg 2 fettgedruckte Warte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenaii» zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort ä Pfg, Worte über 1? Buch laden zählen für zwei Worte, Inserate wen bis für die nächste Kummer»iL i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditwll ist bis 7 Uhr abend: geöffnet, Crfchtlnt täglich außer Rlentagt. Vevltnev Volksblntt. Zentralorgan der foztaldcmokratircbcti parte» Deutfcbtands. Telegramm-Adresse: „Sozialtttmolirat Rtrlia". Redaktion: 8Äl. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moristplati, Nr. 1S8Z. ver neue Keichsetat. Auch eine Priifung des soeben herausgekomiuenen Reichs- etats für das Jahr 191:2 bestätigt wieder die von uns so oft behauptete und erwiesene Tatsache, daß das Deutsche Reich im Grunde nichts i st als eine riefen- hafte M a st a n st a l t für unseren Militarismus in seinen verschiedenen Schattierungen. Die Etatsaufstellung gibt sich ja die möglichste Mühe, diese tief bc- schämende Tatsache zu verschleiern. Sie ist so im- übersichtlich geblieben, wie nur je. Ja, man hat sich Mühe gegeben, durch neue Methoden noch mehr Dunkelheit zu verbreiten. Die einleitende allgemeine Etatsübersicht hat ein ganz anderes Gesicht bekommen als im Etat 1911. Ein .Posten MilitärauSgabcn in Höhe von zirka 100 Millionen Mark, die Ausgaben für das b a v e r i s ch c Heer, sind an einer ganz anderen Stelle gebucht, als beim letzten Etat, so daß es nicht verwunderlich ist, wenn in Uebersichteu über die Ztostcn unseres Militarismus dieser doch wahrhaftig nicht kleine Betrag in der Eile völlig übersehen wird. Außerdem ist natürlich auch wieder kein Ncttoctat auf- gestellt, so daß man sich erst mühsam errechnen muß, was denn eigentlich an wirkichen Reichscinnahmen vorhanden ist. Da man endlich die unsinnige Gegenrechnung von Main- kularbeiträgen und llcbcrweisungru aufgegeben hat und au Einnahmen nur noch die wirklich geleisteten Matrikularbeiträgc bucht, so lvärc es doch endlich auch an der Zeit, dem Etat auch eine ganz klare Aufstellung der Nettocinuahmen beizufügen, aus der dann im Vergleich mit den Ausgaben abzüglich der im Bruttoctat sowohl unter Einnahmen als Ausgaben figurierenden Betricbspostcn usw. der wirkliche Stand tiuserer Rcichsfinanzen klar und deutlich zu ersehen wäre! Daß der Etat immer tvieder so unübersichtlich ist, daß sicki selbst unter den Abgeordneten nur eine Minzige Zahl einigermaßen auskeimen, ist ganz uuverlennbar der perfiden Absicht der Regierung zuzuschreiben. Man will eben keine Lilarheit schassen, damit man nach wie vor: Reichstag und Volk beschwindeln kann. Mau will je nach der Situation die Finanzlage möglichst glänzend oder auch möglichst traurig erscheinen lassen. Möglichst glänzend, wenn neue Heeres- und M a r i n e f 0 r d e r u n g c n der Volksvertretung zugemutet werden, möglichst traurig, wenn es gilt, einen recht umfangreichen Raub- zug gegen die Taschen der Steuerzahler zu unternehmen. Aber der Reichstag sollte sich diese Art Etatsausstrllung nicht länger gefallen lassen, sondern endlich einmal mit zwingendem Rachdruck Klarheit und Uebcrsichtlichkeit fordern. Eine solche Etatsaufstellung ist sehr wohl möglich. Das Sich-zurccht-finden in den Details der Einzeletats mag nach wie vor großen Zeit- aufwandcs bedürfen. Aber eine übersichtliche Gegenüber- stellung von Einnahmen und Ausgaben läßt sich mit Leichtig- keit bei den der Regierung zur Bersügung stehenden Kräften bewerkstelligen. Wir haben das von der Regierung Verabsäumte, soweit es die Zeit gestattete, nachzuholen versucht und geben folgende Gegenüberstellung der Iv i r k l i ch e n Einnahmen und der Ausgaben allein für Militarismus und Welt- Politik. Dabei ergibt sich folgendes Bild. Die Nettoeinnahmen setzen sich aus folgenden Posten zusammen: 1. Ordentlicher Etat llcberichüsse der Neichsposivcrwaltung.... Lg Mill. M. ll-berschüss: dcr Reich-sdruckerci....... 3„» Ileberichitsse der ReichZeisenbahnverlvaltung.. 23,7»„ Diverse Einnahmen.......... 25,3., Zölle, Steuer,,, Gebühren, Matrikularbciträge, Ausgleichungsbeträge, Bankwesen u. Sonstiges 1C80,6»» 2. Außerordentlicher Etat: Erlös auS dem Verkauf v. freiwerdenden Festungs» grundstiickeii imd FcstuugSbaulichkctlen... 3,8 Mill, M. Aus Anlaß der Expedition nach Ostasien(Eni- schädigungsraten von China usw.)..... 1,6,„ lleberschuß aus dem Mllnzwcsen—._2a2 ,. Gesamte Nettoeinnahme d. Reiches IS47.2 Mill, Di. Diesen Reichscinnahmen stehen folgende Ausgaben allein für Militarismus, Marinismus und Kolonial- Politik gegenüber. Verwaltung deS NeichshcereS.... 874,7 Millionen Mark Verwaltung der Marine...... 448,5 Allgemeiner PensionsfondS fabzuglich der Ausgaben für Zivilbeanue,.... 746,0 Reichszuschuß zu den Kolonien,,.. �„ Verzinsung der Reichs schuld..... 186,6„_ Ausgaben für militaristische Zwecke.. I67S,Z Vit ll tonen Marl Einer wirklichen Reichseinnahme vo» 1817 Millionen steht also eine Ausgabe�alleiii für militaristische und mari- uistHche Zwecke von 1675 Millionen gegenüber I Für alle übrigen Zwecke des Reiches bleiben also nur 172 Millionen der Nettoeinnahinc übrig I Mehr als neun Zehntel aller ivirküchen Reichseinnahmeii werden demnach für die Zwecke des Militarismus niid Marinismus vergeudet! Daß unier solchen Umständen von einer kräftigen Förderung von Kulturanfgaben iin Deutschen Reiche keine Rede sein kann, bedarf nicht erst eines weiteren Nachweises. Dabei stehen uns neue Heeres- und Flotten f orderungen bevor, die wahrscheinlich den kümmerlichen Rest der Reichseinnahmen auch noch verschlingen werden!� lieber das Kapitel der ch u! d c n t i l g u n g", dieses Schwindelmanövers unserer Blauschwarzen und dcr mit ihr solidarischen Regierung, werden wir uns später noch ein- gehender befassen. Hier sei nur hervorgehoben, daß auch für das Jahr 1912 eine Anleihe von 43 758 372 M. in Aussicht genommen ist. Zur„S ch 11! d e n t i l g 11» g" sollen 85 Millionen aufgewendet werden, aber, so beißt es in dem dem Etat beigcgebenen„llebcrblick":„Soweit hiermit Schuldverschreibungen angekauft werden, wachsen entsprechende Beträge der für 1912 zu begebenden Anleihe zu." Oder wie der§ 2 des Etats- gcsctzcs besagt: „Ter Reichskanzler wird crmächiigt, zur Bestrcihtng einmaliger attßcrordcntlichcr Ausgaben die Summe von 43 758 372 Mark im Wege des Kredits flüssig zu machen. Dcr Reickjskanzlcr wird ferner ermächtigt, die zur Tilgung dcr Rcich-schuld bestimmten Mittel zum Ankauf von Schuldverschreibungen zu verwenden. Soweit es sich hierbei um die im Kapitel 3 der Einnahmen des außerordcnt- kichcn Etats ausgebrachten Beträge von insgesamt 85 264 923 Mark handelt, erhöht sich die in Absah» bezeichnete Kredit- 1 11 in nt c n m die für diese Ankäufe verwendeten B e t r ä g e." Und noch deutlicher heißt es in dcr Denkschrift Seite 27 des ersten Bandes des Etats: „Tie Anleihe ist auf 43 758 372 M. gegen 97 566 606 M. im Vorjahre bemessen, und zwar in der Annahme, daß die vorgesehene Schuldentilgung durch Absetzung vom A n l c i H e s 0 l l erfolgt. Macht dcr Rcichskanzier von der Er- mächtigung Gebrauch, die zur Schuldcnlilgung bestimmten Mittel zum Ankauf von S ch 11 l d V c r s ch r c i b 11 n g c 11 zu verwenden, so muß die z u bewilligende Anleihe- summe um den entsprechenden Betrag erhöht werde n." Mit der Schuldentilgung ist es also Essig! Werden Schulden getilgt, das heißt, werden Schiildverschreibimgen ausgekauft, so ist es notwendig� zur Balqiiziening des Etats genau uni den gleichen Betrag mehr neue Schulden zu kontrahieren! In den verflossenen.bcjden Jahren hatte sich ja die Situation insofern günstiger gestaltet, als die Zölle und Verbrauchsabgaben Ivescntlich hölpere Beträge einbrachten, als im Etat angesetzt waren. Trotzdem war es aber nicht möglich, die vorgesehene Schuldentilgung vorzu- nehmen, 0 h n c neue Schulden z 11 mache 11. Im Jahre l912 werden die Einnahmen des Etatsansatzes voraussichtlich kaum wesentlich überschritten werden, da ja entsprechend der günstigen Konjunktur die zu erwartenden Einnahmen in an- gemessener Höbe angesetzt worden sind. Es werden deshalb nicht nur keine Schulden getilgt werden können, son- dern es wird auch noch eine ganz respektable neue Anleihe notwendig werden. Und diele Anleihe wird nickt nur kseibst nach der Definition der Regierung) zu„wer- bendeu" Zwecken gemackt werden, sondern auch für total unproduktive Zwecke. Heißt es doch in dem schon er- wähnten Ueberblick: „Das Ziel, nur Ausgaben zu werbende n Zwecken aus Anlcibemittcln zu bestreiten, hat sich noch nicht erreichen lassen, wohl aber ist man ihm näher gekommen. In der Anlcihesumme stecken noch Ausgaben zu nichtwerbcndeu Zwecken 12 619 572 M." Und trotzdem stehen dem Reichstag enorme M c h r- so r d-er u n gen f ü r M i l i t a r i s in u s u n d M a r i n is- mus bevor!» Die bürgerlichen Parteien ohne jede Aus- nähme haben sich mit der kutturwidrigen Reichspolitik längst abgcsundeU: aber die in so stattlicher Zahl in den Wallotbau eingezogene Vertretung des klassenbewußten Proletariats wird dafür sorgen, das? dem militaristischen Wahnsinn gegen- über die Äultiirsorderungen um so wuchtiger erhoben werden! llle Regierungskrise in Bayern. Aus München wird uns telegraphiert: Die Ministerkrise hat ihre Lösung noch nicht gefunden. Die geeigneten Männer haben sich bis jetzt noch nicht ermitteln lassen. Der Prinzregcnt hat den Freihern von H e r t l i n g tclegraphisch für morgen nach München bitten lassen. Freiherr von Hertling hätte die Sache gern etwas aufgeschoben. In einem Münchcner Zentrnmsblatt ließ er erklären, er sei vorerst in Berlin unabkömmlich und dürfte erst gegen Ende der Woche nach München abreisen können. Schließlich hat er sich doch zur Reise entschlossen und wird am Freitag vom Regenten empfangen werden. Offenbar hat Hertling keine Lust, ohne den Prinzen Ludwig in die weitere Erörterung dcr politi- scheu Lage in Bayern cinzutreten. Prinz Ludwig aber ist verreist. Er ist Donnerstag früh nach Wien zu einer Hochzeitsfeier abgereist und wird sich von da nach Kiel begeben, um einer Schiffstaufe beizuwohnen. Vor seiner Rückkehr dürfte irgendwelche Entscheidung jetzt nicht mehr gc- troffen werden, da der Versuch, die Krise noch gestern zu er- ledigen, gescheitert ist. Die ganzen Verhandlungen werden so geheim betrieben, daß nicht einmal eines dcr Mitglieder des zurzeit noch amtierenden Ministeriums ein Wort davon erfährt. Unter diesen Umständen begreift es sich auch, daß die Frage des Ministerwechsels noch keine offizielle Lösung ge- funden hat. Die amtliche Korrespondenz Hoffmann erklärte heute in einem sogenannten Dementi, daß die Gerüchte über Expedition: 8M. 68, Oindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 14)84. einen bevorstehenden Wechsel dcr Regentschaft in Bayern unwahr seien. Ein Rcgentschastswechscl sei in den letzten Tagen und Wochen nicht in Frage gekommen. Das ist natürlich ein Spiel m i t W 0 r t c n. Es steht fest, daß gestern auch an amtlichen Stellen die Ansicht festen Boden gc- faßt hatte, daß mit der Veröffentlichung der neuen Minister- liste auch die Nachricht vom vollzogenen Regentschaftswechsel erfolgt. Tatsächlich führt Prinz Ludwig bereits die Regentschaft oder>v c n i g st e n s die G c- s ch ä f t e dcr Regentschaft. Das andere kann mir eine Frage ganz kurzer Zeit sein und wird sich npch seiner Rückkehr sehr bald erledigen, wenn bis dahin die Auswahl unter der sehr geringen Zahl gc- eignetet konservattv-kleiikalcr Personen getroffen ist, die bereit sind, in das neu zu bildende Ministerium einzutreten. Die ganze Geschichte mit ihrer Geheimniskrämerei wird in der Mehrheit des bayerischen Volkes als eine lächerliche Affäre aufgefaßt. Eine Ministerkrise von ähnlicher Form und ähnlichen Begleiterscheinungen, hcrausgeboren aus der zitternden Angst vor dcr roten Gefahr, dürfte in einem Kulturstaat bisher noch nicht zu verzeichnen gewesen sein. Man kann nur sagen, diese Art, das scharfmacherische Regime vorzubereiten, macht den Eindruck dcr kompletten Hilflosigkeit._ Die„Wahireformvorlage" der braun- iciMigilchen Regierung. Aus Braunschweig wird uns unterm 6. geschrieben: Nachdem schon seit Jahren an einer Reform des braunschwei- gischcn Landtagswahlrcchles von Regierung und Landtag mit mehr Mißmut als gutem Willen herumgedoktert worden ist, nahmen endlich die von der Regkerting inspirierten Resormvorschläge des Landtags gerade vor Jahresfrist eine greifbare Gestalt an und am 24. Januar d.-J/ kündete endlich die Thronrede, mit dcr dcr nciigewähltc' Landtag eröffnet wurde, die Wahlreformborlage an. Heute ist nunmehr der Regierungseniwurf den Landtagsabgeord- neten zugegangen. Es ist ein trauriges Ding, das sich da als Wahlrcform Prä- sentiert. Die ganze Reform besteht in der Hauptsache nur in der Ersetzung der indirekten Wahl durch die direkte. An dem Drei- klassensvstem wird ohne jede Abschwächung festgehalten.„Tie Wähler eines jeden Wahlbezirks werden in drei Abteilungen dcr- art geteilt, daß ans jede Abteilung ein Drittel des Gesamtsteuer- bctrags aller Wäblcr entfällt," heißt es im§ 16 des Wahlresorm- gesetzentwurfcs. Das Drcitlassensystem wird also nicht beseitigt, womit die ganze Aktion das Recht verliert, sich Wahlresorm zu iienucn. Das Herzogtum wird in 12 Wahlbezirke eingeteilt. 3 ent- fallen ans die Stadt Braunschweig, 3 auf die übrigen Städte. 6 ans das Land. Dadurch wird die Stadt Brannschweig den kleineren Städten gegenüber und die städtische Bevölkerung überhaupt dcr Landbevölkerung gegenüber benachteiligt. In jedem Wahlbezirk werden drei Abgeordnete gewählt. Jede Klasse wählt ihren Abgeordneten direkt. Es entfallen also auf die erste und ziveitc Klasse 24, auf die dritte Klasse 12 Abgeordnete. Dazu kommen noch 18 von den bevorrechteten Berufszweigen, den Groß- grundbcfitzern, Großindustriellen, Geistlichen und hohen Beamten, gewählte Abgeordnete, die sich natürlich auch den Erwählten der ersten und zweiten Klasse anschließen, so daß die herrschenden Klassen 42 Mandate in sicherem Besitze haben und das Proletariat im günstigsten Falle höchstens 12 Landtagssitze erobern kann. Ein Wibsches Wahlrecht, das dem Großbesitz nicht nur von vornherein dit Mehrheit sichert, sondern ihm auch gleich eine mehr als Dreiviertelmehrheit garantiert. In dcr von den drei Minister« unterschriebenen Denkschrift, die dem Wahlreformentwurf beigegeben ist, wird die indirekte Wahl eine überlebte Einrichtung genannt. Bei dcr allgemeinen bcrcch- ligten Mißstimmung gegen die indirekte Wahl sei es im staatlichen Interesse notwendig, den bestehenden Rcchtszustand zu ändern, damit nicht die Hoffnungen der Bevölkerung auf Einführung des direkten Wahlvcrfahrens enttäuscht würden und die Gefahr ernster Unzufriedenheit in bürgerlichen Kreisen heraufbeschworen werde. Das ist natürlich eitel Geflunker. Die Bevölkerung ist selbstvcr- ständlich zu allererst und am meisten mit der Dreiklassen- wähl unzufrieden. Sic verlangt die gleiche Wahl. Das ist die Hauptforderung. Erst in zweiter Linie handelt es sich um direkte oder indirekte Wahl. Die Dentschrift zieht nur deshalb so heftig gegen die indirekte Wahl vom Leder und wacht nur deshalb die Nebensache zur Hauptsache, weil die Regierung mehr als die direkte Wahl nicht bieten will. Um über die Dürftig- keit dcr Reform hinwegzutäuschen, wird dcr Ersetzung der indirekten Wahl durch die direkte eine Bedeutung beigelegt, die ihr nicht zukommt. Die Beibehaltung des Drciklassensystems sucht die Denkschrift damit zu entschuldigen, daß das Rcichstagswahlrecht für die Bundesstaaten de-Zhalb nicht in Betracht kommen könne, weil dem Reiche andere Aufgalien als dem Einzclstaatc zugewiesen seien. Diese„Begründung" ist zu armselig, um ihr die Ehre einer Wieder- legung anzutun. Sic richtet sich selbst. Das Herzogtum Braunschweig erhält also an Siclle der gc. Heimen indirekten Dreiklasscnwahl die geheime direkte Dreiklasscn. Wahl.'Das ist alles. Bisher konnte die Sozialdemokratie gar feinen Abgeordneten in den Lemdlag hineinbringen, jetzt kann fi« einige Mandate erringen, aber ihre Zahl ist von vornherein auf eine einflußlose Minderheit beschränkt, Dazu kommen noch direkte Verschlechterungen des bisherigen Wahlrechts. Bisher konnte man nach einjährigem Aufenthalt im Herzogtum die Bedingungen zur Erlangung des Wahlrechts er- füllen. Der Wahlreformcntwurf dagegen macht die Wahlberechti- gung davon abhängig, daß man seit mindestens drei Iahren ununterbrochen seinen Wohnsitz im Herzogtum hat. Wird dadurch vornehmlich die fluktuierende Arbeiterschaft ent- rechtet, so wird gleich wieder ein Vorrecht für einen andern Stand geschaffen. Die Staats-, Gemeinde-, Kirchen- und Schulangestellte brauchen nämlich nur ein Jahr im Herzogtum Braunschweig ge- wohnt zu haben, um wahlberechtigt zu sein. Außerdem ist das Wahlrecht an die Zurücklegung des 26. Lebens- jahres, den Besitz der braunschweigischen Staatsangehörigkeit und die Veranlagung zur direkten Staatssteuer gebunden. Bisher war vom Wahlrecht ausgeschlossen, wer sich nicht im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befand, im Konkurs war, unter Kuratel stand oder mit der Gemeindesteuer vom letzten Jahre noch im Rückstand war. Jetzt muß man auch die Staatssteuern bezahlt und darf keine Armenunterstützung bezogen haben. Auch in dieser Beziehung eine Erschwerung der Wahlberechtigung. Wählbar sind nur die Wähler, die das 30. Lebensjahr über- schritten haben. Man kann also früher Reichstagsabgcordneter als braunschweigischer Landtagsabgeordneter werden. Speziell braun- schweigisch ist die Bestimmung, daß ein Abgeordneter sein Mandat verliert, wenn ihn der Landtag auf Grund der Geschäftsordnung von der Teilnahme an den Verhandlungen ausschließt. Die Beibehaltung der 18 Vertreter der bevorrechteten Be- rufsstände wird damit begründet, daß Braunschweig kein« erste Kammer habe und die Geschichte der Landtage gezeigt hätte, daß die Vertreter der Berufsstände wertvolle, nicht zu entbehrende Elemente in der Landesversammluug gewesen seien. Es würde unrichtig sein, eine so alte und bewährte Einrichtung aufzugeben. — Das ist auch eine so armselige Begründung, daß man sich die Widerlegung sparen kann. Eine Aenderung der berufsständischen Vertretung hat der Entwurf aber doch vorgenommen. Bisher wählten die evangelischen Geistlichen aus ihrer Mitte 2, die reichsten Unternehmer 3, die hohen Beamten 4, die reichsten Rentner 6, die reichsten Großgrundbesitzer 4 Abgeordnete. Die Gesamtzahl 18 bleibt beibehalten. Der Entwurf hat jedoch die 6 Vertreter der reichsten Rentner, über die am meisten gespottet wurde, hinaus- komplimentiert, ihr Reichtum käme ja bei der Dreiklasseneinteilung so wie so zur Geltung. Daß dasselbe für die reichsten Grotzgrund- bcsitzer und Unternehmer und auch für die hochbesoldeten Beamten und Geistlichen gilt, wird in der Denkschrift unterschlagen. Die 6 Mandate der reichsten Rentner hat man so verteilt, daß jetzt die Großgrundbesitzer 6, die großen Unternehmer 4, die hohen Beamten 6 und die Geistlichen 2 Abgeordnete ernennen. Bei dieser Umgestaltung der Vertretung der Berufsstände hat man es jedoch nicht für nötig, gehalten, den Handwerkerstand und die Arbeiter- schaft zu bedenken, auch die mittleren und unteren Beamten bleiben ausgeschlossen. Es ist alles in allem eine Wahlrcform, die den Namen Reform wahrhaftig nicht verdient. Der Landtag tritt am 27. d. M. wieder zusammen. Daß er die Regierungsvorlage annehmen wird, ist sicher, sicher ist aber auch, daß die braunschweigische Ar- b ei t er s cha f t sich durch diesen'Wechselbalg von einer Wahlreform nicht täuschen lassen, sondern den Wahlkampf weiter führen wird. Sek Krieg. General Caneva in Rom. Rom, 6. Februar.(Eig. Ber.) Der Kommandant deS Expedi- tionskorps und Gouverneur von Tripolis ist nach Rom berufen worden, offenbar zu dem Zweck, um dem Ministerpräsidenten münd- lich über die Situation in Tripoli tarnen Bericht zu erstatten. Tie Abwesenheit Canevas vom Kriegsschauplatze soll nicht länger als 13 Tage währen; allerdings ist auch der Verdacht ausgesprochen worden, daß Caneva ganz und gar abberufen werde, aber dieses Gerücht hat wenig Wahrscheinlichkeit. Den Zeitungen zufolge be- zweckt das Ministerium durch die Unterredung an erster Stelle die Klärung dreier Punkte. Einmal scheint es, daß man den General den Vorwurf macht, nach der Besetzung der Stadt nicht die geeig- neten Mittel ergriffen zu haben, um den Italienern die Sympathie der Araber zu sichern und diese von den Türken zu trennen. Dann will die Regierung genau über alle Einzelheiten unterrichtet sein, um bei der bevorstehenden Diskussion in der Kammer nach Mög- lichkeit die Angriffe der Opposition zurückzuweisen. Giolitti weiß ungefähr, welche Richtung dieser Angriff nehmen wird, da soll ihm nun der Gouverneur im voraus die Mittel an die Hand geben, um sie zu dementieren. Schließlich gilt es, sich über die Zweckmäßigkeit klar zu werden, einen Vorstoß ins Innere zu machen oder nicht. Wir haben wiederholt hervorgehoben, daß die Frage deS Vorstoßes bis zum Garian keine militärische und strategische, sondern lediglich eine politische Frage ist. Wenn man eine schnelle Beendigung des Krieges wünscht und gleichzeitig der Ucberzeugung ist, daß diese Beendigung sich durch Erweiterung des tatsächlich unterworfenen Gebiets erzielen läßt, dann ist die technisch-militärischc Frage des Vorstoßes schnell gelöst. Natürlich ist ein ungeheurer Kraftaufwand nötig:' ob er der Mühe lohnt, das zu entscheiden, ist Sache der Politiker und nicht der Generale. Der Zeitpunkt des Vormarsches ins Innere wird anch vorwiegend durch politische Erwägungen und namentlich durch die mutmaßliche Einschätzung des Eindrucks auf die europäischen Großstaaten bestimmt werden. Daß ein Vormarsch in der schlechten Jahreszeit gewaltige Schwierigkeiten bietet und vom rein strategischen Standpunkte aus absolut keine Rechtfertigung finden kann, liegt auf der Hand. Wie der„A v a n t i" meldet, soll das erste Resultat der Unter- redung des Generals Caneva mit der Regierung die A b s e n d u n g eines weiteren Armeekorps nach Tripolis sein. Diesmal sollen hierfür auch Truppenkontingente auS den Armeekorps Norditaliens, besonders Veneziens. genommen werden, aus denen man bisher mit Rücksicht auf die Nähe der österreichischen Grenze, mit Ausnahme des 8. Infanterieregimentes(Mailand)/ keine Truppen genommen hatte. Italienische Machenschaften in Arabien? Konstäntinovel. 8. Februar. Hier ist mau über die Haltung des Scheichs Jdris in einiger Sorge. Während Jman Jahaj *m Femen seinen Waffenstillstand mit der Türkei respektiert, zeigt der Herrscher von A s s i a offen türkenfeindliche Bestre. b u n g e n. In der Pforte glaubt man zu wissen, er habe m i t Italien eine Eentente abgeschlossen. Tatsächlich landeten die Italiener für Scheich JdriS kürzlich in Djizam 4 Gebirgskanonen und Munition, und man befürchtet, daß die Streitkräfte von Jdris in HedschaS eindringen werden. Der Kricgsminister hat dem in Hodeiha weilenden Chef der Streitkräfte im Femen, Jzzed Pascha, den Befehl erteilt, eine Expedition gegen Jdris auszurüsten. Gleich- zeitig beabsichtigt man von Mekka aus einen Feldzug gegen ihn zu unternehme«. Da» Echlaraffenlantz der Banco M Roma. Rom, den 6. Februar.(Eig. Ber.) Ueber eine neue und un- glaubliche Unredlichkeit der Banco di Roma berichtet der neue Kriegs- korrespondent des»Avant t". der Abgeordnete Genosse M u s a t t i, aus Tripolis. Ueber den Fall liegt dem General Caneva bereits ein Rapport vor, und man kann also mit boller Bestimmt- heit annehmen, daß er der Regierung in allen Einzelheiten bekannt ist. Bald nach der Besetzung von Tripolis schickte die italienische Regierung eine Schiffsladung Korn, um die Notlage der cinge- borenen Bevölkerung zu mildern. Es handelte sich um 23 0 Säcke Weizen zu je 64 Kilogramm. Von den Militärbehörden aus wurde die Verteilung in ordnungsmäßiger Weise unternommen; als aber etwa die Hälfte vergeben worden war, machte der frühere Konsul von Tripolis, Pestalozza, den Vorschlag, anstatt des KornS doch lieber Mehl zu verteilen. So wurde der Mühle der Banco di Roma der Niest der Ladung, rund 13 333 Säcke, zum Mahlen übergeben. Allerdings wurde das Korn tatsächlich zu Mehl ge- mahlen, aber nicht dieses Mehl ist unter die Armen verteilt worden, sondern verschimmeltes und verfaultes Zeug, das die Banco di Roma an Ort und Stelle aufkaufen ließ, und das trotz der Hungersnot von den Armen ungenießbar gefunden wurde. DaS gute Mehl aus dem von der Regierung gelieferten Korn hat dann die patrio- tische klerikale Bank der Regierung für die Verpflegung der Truppen zurückverkauft. Der„Avanti" fordert die Ernennung einer Paria- mentarischen Erhcbungskommisfion, die sich auch auf die Skandale der Proviantlieferungen und auf die Unterschlagung der Weihnachts- geschenke der Soldaten erstrecken soll. Die Parteisektion von Catania gegen De Felice. Rom, 6. Februar.(Eig. Ber.) Veranlaßt durch ein Festessen, das von verschiedenen Seiten dem Abgeordneten De Felice während seiner vorübergehenden Rückkehr vom Kriegs schau- platze in Catania angeboten wurde, hat die Parteisektion dieser Stadt ein Flugblatt veröffentlicht, das heftige Angriffe gegen den Abgeordneten enthält.»Um der Würde unserer Partei willen," heißt es darin,»wollen wir unsere Stimme erheben und den prole- tarischen Organisationen die Augen öffnen, damit sie sich nicht künftighin für den Sieg eines Kandidaten verwenden, der den Krieg und das Heer verherrlicht und nicht Sozialist ist.... Die sozialistische Parlamentsfraktion hat in dieser Sache daS letzte Wort zu sprechen. Man wird ihr ein Memorandum vorlegen und ein schnelles und offenes Urteil fordern. Die bis- herige Zweideutigkeit muß ein Ende haben. Schon bei den letzten Wahlen hat sich die Bourgeoisie der Industrie und de? Handels für De Felice ins Zeug gelegt. Der frühere Revolutionär ist nicht mehr einer der Unseren: seine Seele ist bürgerlich geworden." Alle Sozialisten von Catania, dessen zweiten Wahlkreis De Felice vertritt, sind dem Bqnkett ferngeblieben, auch der Korrespondent des„Avanti", dem eine offizelle Einladung zuteil geworden war. Merkwürdig ist, daß B i s s o l a t i ein Sympathieschreiben sandte, in dem von„kränklichen Sektierern" gesprochen wird, womit Bissolati die Parteimehrheit meint, deren Mißbilligung sich gegen alle wendet, die sich Sozialisten nennen und für den Kolonialkrieg und Militaris- mus schwärmen. Die(Revolution in Glssna. Eine amerikanische Note zur chinesischen Revolution. Berlin, 8. Februar. Die deutsche Regierung hat sich vor kurzem an die Regierung in Washington mit der Anfrage gewandt, welche Haltung die amerikanische Regierung gegenüber den Ereignissen in China einzunehmen gedenke. Hierauf ist dem deutschen Botschafter in Washington die nachfolgende Note des Staatsdepartements zu- gegangen: „In Beantwortung Ihrer Note vom 81. v. M., in der Sie mich um eine Mitteilung über die Haltung der Regierung der Vereinigten Staaten gegenüber den Verhältnissen in China ersuchen, beehre ich mich festzustellen, daß diese Regierung seit dem Beginn der gegenwärtigen Unruhen von Zeit zu Zeit bei sich bietender Gelegenheit mit den übrigen interessierten Mächten, insbesondere mit Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Rußland ebenso wie mit der Kaiserlich Deutschen Regierung«inen MeinungS- austausch darüber gepflogen hat, welche Haltung dem Schutz« der gemeinsamen Interessen entspricht. Aus diesem Gedankenaustausch hat sich deutlich ergeben, daß alle in Betracht kommenden Mächte darüber einig waren, daß es unter den gegenwärtigen Umständen zweckentsprechend sei, an einer Politik des gemeinsamen Handelns festzuhalten. Diese Einstimmigkeit hat konkreten Ausdruck in der identischen Note gefunden, die von den Vertretern Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Japans, Ruhlands und der Vereinigten Staaten am 23. Dezember v. I. gleichzeitig den Friedenskommissaren in Schanghai überreicht wurde, wie auch in den Maßnahmen gemein- schaftlichen Zusammenwirkens, die die Mächte zum Schutz ihrer gemeinsamen Interessen in China ergriffen haben. Die dieser Regierung zugegangenen Nachrichten lassen überdies erkennen, daß die übrigen beteiligten Regierungen gleichfalls einen ähnlichen Meinungsaustausch gepflogen haben und daß in den öffentlichen Organen verschiedener Länder amtliche Verlautbarungen über eine die gleichen Ziele anstrebenden Politik erschienen sind. Dieser Regierung erscheint es daher offenkundig, daß sich alle Mächte bisher in gemeinsamer Uebereinstimmung nicht nur von Sonderaktioncn und von einem Eingreifen in die inneren Angelegenheiten Chinas ferngehalten, sondern auch in vollem Einklang gehandelt haben mit ihren Wechsel- seitigen Zusicherungen, daß sie die Integrität und Souve- ränität Chinas achten würden. Glücklicherweise hat bisher für ein Eingreifen der fremden Mächte kein Anlaß vorgelegen, indem sich sowohl die Kaiserlichen als die Republikaner für Leben und Eigentum der ausländischen Bevölkerung verbürgt haben; auch sind die jüngsten Nachrichten dazu angetan, die Auffassung zu be- stärken, daß es unwahrscheinlich ist, daß die künftige Entwickelvng ein solches Eingreifen notwendig machen wird. Falls sich jedoch wider alles Erwarten irgend- welche weiteren Schritte als notwendig erweisen, so ist diese Regie- rung der festen Ueberzeugung, daß die Politik eines gemein- samen Vorgehens nach eingehender Beratung der Mächte aufrecht erhalten werden sollte, um von Anfang an die Möglichkeit jeglicher Mißverständnisse auszuschließen. Abgesehen hiervon betrachtet es diese Regierung als eine Folge der strikten Neutralität, die bisher infolge allgemeiner Ueberein- stimmung bezüglich etwaiger Anleihen an China befolgt worden ist, Anleihen seitens ihrer Staatsangehörigen nicht zu b e- günstigen, sofern nicht die Gewißheit besteht, daß solche Anleihen im Verhältnis zu den streitenden Parteien rein neutrale Zwecke verfolgen. Ebenso erachtet diese Regierung im gegenwärtigen Zeit- Punkt die Beobachtung des Prinzips für besonders angezeigt, daß ihre Staatsangehörigen davon abzuhalten sind, Anleihen zu ge- währen, die nach den allgemeinen politischen Gesichtspunkten von der eigenen Regierung nach Benehmen mit den übrigen interessierten Mächten nicht gebilligt werden." Die MdankuNgSiedingmige«. London» 8. Februar. Die„Times" melden aus Peking vom 7. d. M.: Die Bedingungen über die Behandlung der Mandschus nach der Abdankung wurden der republikanischen Re- gierung in. Nanking unterbreitet, die gewisse Aenderungen vorgenommen hat. Sie sind jetzt dem Palast zur endgültigen Genehmigung vorgelegt worden. Tie Abänderungen sind so ge- mäßigt und die Bedingungen so liberal, daß eine Einigung darüber als sicher gilt. Die Bedingungen werden von Ver- tretern der beiden Parteien den Gesandtschaften in Peking unter- breitet werden. poUtileke(leberllcbt. Berlin, den 8. Februar 1912. Aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die Frattion bestimmte als Redner zum Etat die Genossen Scheidemann, Dr. Frank, Ledebour und Dr. David. Ferner wurde beschlossen, eine. Interpellation einzubringen, in der von der Regierung die dringend notlvendige Aufhebung des Kartoffelzolles und der Zölle auf Futtergerste und Mais ge- fordert wird. Redner hierzu sind die Genossen Bock und Antrick. Als erster Initiativantrag soll die Reform der Geschäftsordnung des Reichstages zur Verhandlung gebracht werden. Die Fraktion wird wieder eine größere Anzahl Initiativanträge einbringen, darunter den Antrag auf Ein- führnng der Ministerverantwortlichkeit; den Antrag auf Ab» änderung der Verfassung, wonach zu einer Kriegserklärung die Zustimmung des Reichstages erforderlich ist; den Antrag auf Einführung des Proporzes, des Frauenwahlrechts; Fest- legung eines Sonntags als Wahltag; Lieferung amtlicher Wahlurnen. Die sozialpolitischen Anträge wurden einem Ausschuß von 21 Mitgliedern zur Vorberatung überwiesen. Festgefahren. AuS dem Reichstage. 8. Februar. Der Reichs- karren ist festgefahren. Er kommt nicht vom Fleck. DaS ist das Ergebnis zweitägiger Beratungen und Verhandlungen über die Präsidentenwahl. Kein Präsident, kein Verhandeln, keine Geschäftserledigung irgend welcher Art. Als um 3','4 llhr die zweite Sitzung wieder durch den Alterspräsidenten Traeger eröffnet wurde, waren die Reichs- boten schon zahlreich versammelt und auf den Tribünen drängte sich ein schaulustiges und hörbeflissenes Publikum. Die hoch- gespannte Erwartung wurde in der Blüte geknickt. Herr Bassermann stand schon auf der Treppe und erhielt das Wort zur Geschäftsordnung. Er teilte mit verlegenem Lächeln mit. die Verhandlungen zwischen den Fraktionen über die Besetzung der Präsidentenposten hätten bisher zu keinem Ziele geführt. Er beantrage daher die Ver- tagung des Hauses bis auf Donnerstag 2 Uhr. Allgemeine Heiterkeit erregte es. als Herr Gröber von der mittleren Konkurrenzfraktion den Antrag Bassermanns unterstützte und in schöner Einmütigkeit beschloß das Haus demgemäß. i Da ernste Handlungen zur Lösung der Präsidialftage nfcht vorgenommen werden konnten, ergötzten sich die Abgeordneten an allerhand phantastischen Vorschlägen. Die einen waren dafür, die drei Präsidialposten auszuknobeln. Ändere regten an, die Abgeordneten in alphabetischer Reihenfolge den kurulischen Sessel erklimmen zu lassen. Dann würde am ersten Tage der Fortschrittler Ablaß den Vorsitz führen und am 397. Tage. also etwa am Ende der Legislaturperiode, Genosse Z u b e i l die Reihenfolge der Präsidenten schließen. Löst die Regierung nicht vorher auf, so könnte noch einmal von vorn angefangen werden. ES wurde auch ins Auge gefaßt, den morgigen Tag als dreitägiges Alterspräsidentenjubiläum festlich zu begehen, da eS seit Bestehen des Reichstags noch niemals vorgekommen ist, daß die Amtsdauer eines Alterspräsidenten festlich begangen wurde. Jedenfalls würde dann der Jubel- greis einen Toast ausbringen können auf daS, was dem Reichstag noch dringend fehlt: die Frauen. Parlamentarische Kleinarbeit. I DaS Abgeordnetenhaus erledigte am Donnerstag bor fast leerem Hause eine Tagesordnung von nicht weniger als 12 Punkten, von denen allerding« nur einige wenige ein allgemeines Interesse bean- spruchen. Der Gesetzentwurf betr. die Bewilligung weiterer Mittel zum Ausbau der neuen staatlichen Doppelschochtanlagen in Westfalen wurde der Budgetkommission überwiesen, nachdem u.a. Genosse Hoff- mann unseren prinzipiellen Standpunkt zu der Frage der Ueber- nähme von Betrieben auf den Staat kurz dargelegt hatte. In die Gemeindekommission verwies das Haus den Gesetzentwurf über die Reinigung öffentlicher Wege. Genosse Lieb- k n e ch t übte in der Debatte Kritik an der Zagheit, mit der die preußische Regierung mit altem Plunder aufräumt, und warf die Frage auf, wie lange es unter solchen Umständen danern werde, bis einmal mit dem alten Spinngewebe aufgeräumt ist. von dem die Verwaltung erfüllt ist. ganz zu schweigen von der Wahlrciorm. . Ein alter Bekannter begrüßte uns in dem Antrage Gott- schall(notl.) und Genossen betreffend gesetzliche Regelung der Schulpflicht und der Strafen für Schulversäumnisse. Fünfmal hat sich in den letzten Jahren daS Haus im Sinne dieses Antrages aus« gesprochen, aber die Regierung hält es nicht für nötig, mit einem Gesetz hervorzutreten. Das ist um so bedauerlicher und unverständ- licher, als eigentlich nur das Zentrum Schwierigkeiten macht. Aber was tut die Regierung nicht alles dem Zentrum zu Liebe 7 Trotz- dem die Frage längst spruchreich ist. beschloß das Hon« doch wieder KommissionSberatnng. Der zustimmenden Haltung unserer Fraktion zu dem Antrage gab Genosse Hirsch unter gleichzeitiger Per- urteilung der Hollung des Zentrums und der Regierung Ausdruck. Endlich beschäftigte sich das HauZ noch mit zwei Anträgen der Fortschrittlichen Volkspartei, die die Erweiterung der Befugnisse der Arheiterausschüsse und die Sicherung deS Arbeitsverhältnisses der Mitglieder der Arbeiterausschüsse in staatlichen Betrieben bezwecken. Auch mit dieser Materie hat.sich das HauS schon wiederholt beschäftigt. aber irgendwelche greifbaren Resultate im Interesse der Staatsarbeiter sind dadurch nicht gezeitigt worden. Wenngleich der erste Antrag diesmal nach kurzer Debatte, in der Ge- nosse Lein er t mit großer Sachkunde die Forderungen der Arbeiter vertrat, an eine Kommission gegangen ist. so ist doch angesichts der ablehnenden Haltung der Regierung und der Rechten ein Wandel zum Besseren kaum zu erwarten. Den zweiten Antrag lehnte die arbeiterfeindliche Mehrheit gleich im Plenum ab. Am Freitag beginnt die zweite Lesung des Etats. Voraussichtlich wird es aus Anlaß des mit zum Etat gestellten Antrages der Nationalliberalen über das Motu proprio zu einer Kulturkampf- debatte kommen. mtwm. Der blamierte Zentrumsschützling Wittum sucht sich durch eine gewundene Erklärung um die Tatsache herumzudrücken, dag er durch unehrliche Mittel seinen Abgeordnetensitz er- warben hat. Er kann aber folgenden Sachverhalt nicht be- streiten: Das Zentrum hatte verlangt, dag Wittum um die klerikale Hilfe bitte und daß er sich öffentlich als Gegner der von seiner Partei vertretenen Grogblockpolitik bekenne,.— nach Erfüllung dieser beiden Bedingungen werde das Zentrum ihn unterstützen. Es steht jetzt fest, dag Wittum am ÄD. N o- v e m b e r 1911 an einen Zentrumsführer schrieb: »Da Sie nun einmal mein Vertrauensmann bei der Zentrumsparlei sind, möchte ich Sie höflichst bitten, in meinem Namen bei Ihrer Parteileitung zunächst noch vertraulich.um Unter- stützung meiner Kandidatur zu bitten",— und am 23. November: »Sobald ich öffentlich sprechen werde, werde ich klar und bündig meine entschiedene grundsätzliche Gegnerschaft zum Grotz- block in Baden und im Reich zum Ausdruck bringen." Auf Gruitd dieser Briefe wurde dem „liberalen" Herrn die Zentrum shilse. zu- gesagt. Ter nationalliberalcn und fortschrittlichen Partei- leitung verschwieg er diese Dinge. Er duldete, dag in den liberalen Zeitungen und Versammlungen wiederholt offiziell versichert wurde, das Zentrum habe freiwillig und ungesucht die Unterstützung Wittums versprochen.— Vcr- Handlungen mit dem Zentrum oder den Konservativen hätten nicht stattgefunden. So gestaltete sich denn die Sitzung der Zweiten badischen Kammer vom 1. Februar zu einer moralische il und politischen Hinrichtung des neuen Abgeordneten für Pforzheim. Genosse Dr. Frank, der die erst später auch von der Zentrumspresse veröffentlichten Briefe verlesen hatte, sagte sein Urteil in folgenden Worten zusammen: „Meines Erachtens ist es unter diesen Umständen Pflicht der Parteileitungen, der Nationalliberalen wie der Fortichrittlichen Volkspartei, nicht nur offen zu erklären, datz sie diese Dinge mitz- billigen und bedauern, ihre Sache wird es sein, zu verlangen, datz Herr Wittum sein erschlichenes Mandat niederlegt." Der Abgeordnete V e n e d e y gab für die Fortschritt- liche Volkspartei die Erklärung ab: „In der. Tat hat der Herr Abg. Wittum, wenn dieser Brief echt ist, seine Wähler getäuscht und etwas getan, was sich mit der Ehrlichkeit und Offenheit in der Politik nicht verträgt, mit der Ehrlichkeit und Offenheit, die notwendig ist, wenn die Politik nicht zum Spiel platz der persönlichen Leidenschast und des persönlichen Ehrgeizes herabsinken soll... Dann hat er auch meine engeren politischen Freunde dadurch in gewissem Sinne düpiert, denn auch sie waren aus Grund von Erkundigungen, die sie noch kurz vor der Wahl tingezogen haben, der Meinung, und zwar auf Grund der Versicherung, die von der nationalliberalen Seite gegeben war, datz derartige Verhandlungen nicht gepflogen worden sind und datz eine derartige Bitte— an da? Zentrum nicht gestellt worden sei.— Wenn sie diesen Sach- verhalt gekannt hätten, so würden sie ihre Sti mm e dem Herr n Wittum nicht gegeben haben. Ich sage also, daß der Herr Abg. Dr, Frank mit seiner Kritik dieser Sache und mit den Konsequenzen, die er daraus gezogen haben will, durchaus recht hatte." Und der Abg R e b m a n n muß im Namen der National- liberalem zugeben: Der Brief„steht in vollem Widerspruch nicht bloß mit der- —ieniaen Linie, die wix uns iv Baden für den Wahlkamps vor- ��ezMffet�haben.'sikktbern äüch in" Widerspruch itftT öffentlichen Erklärungen unsererParteileitung". Ob Herr Wittum geht oder bleibt— er ist ein gezeichneter Mann: s e l n M a n d a t i�t n i cht erkämpft, sondern erschwindelt._ Allzu zudringlich. Der Unterstaatstekretär W a h n s ch a s f e, die rechte Hand des Reichskanzlers, war am Donnerstag im Reichstage eifrig bemüht, mit' den einzelnen bürgerlichen Parteien über die Präsidenten- frage zu unterhandeln. An einer der Verhandlungen nahmen teil die Abgg. v. Normann, Graf Westarp, v. Gamp. Schulz und v. Kröcher. Später stattete Herr Wahnschaffe auch den National- liberalen einen Besuch ab. Da möchten wir denn doch wissen, waS eigentlich dem Herrn Reichskanzler diese durchaus interne Angelegenheit des Reichs- tags angeht.__ Die Woche der Agrarier. Die agrarischen Veranstaltungen, die in jedem Februar in Berlin stattfinden, nahmen heute in der Tagung des kgl. preußischen LandeS- ökonomiekollegiumS unter Vorsitz deS früheren ReichstagSpräjidenten Graf v. Schwerin-Löwitz ihren Anfang. Selbstverständlich war auch der LandwirtschastSminister Freiherr v. Schorlemer-Lieser zur Stelle und mit ihm zahlreiche Regierungsräte ans seinem Ministerium, dem preußischen Finanzministerium, dem Ministerium des Innern, dem Reichsamt des Innern und anderen Reichs- behörden. um die gottgewollte Abhängigkeit der Regierung von den Agrariern zu bekunden. Herr v. Schorlemer-Lieser hielt dann auch gleich eine Rede, in der er sich darauf berief, datz das Nichtstun der Regierung angesichts der furchtbaren Teuerung durchaus die Zustimmung der Agrarier gefunden habe. Er dankte den preußischen Landwirtschaflskammern. datz sie die Regierung in ihrer Stellungnahme so eifrig unterstützt und dazu beigetragen hätten, auch ihrerseits den unbegründeten und übertriebenen Be- hauptnngen über eine Teuerung und über mangelnde Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch und Brotgetreide entgegenzutreten. Dann schilderte er die erfreuliche Entioickclung, die die Land- Wirtschaft auf dem Gebiete der Nutztierzüchtung im letzten .Jahre genommen. Gegen ISIV ist die Zahl der Pferde um 42 834, die Zahl der Rinder um 7S 096 und die Zahl der Schweine um 731 118 gestiegen. Nur die Zahl der Schafe ist weiter zurück- gegangen, ter Minister schloß aus diesen Zahlen, datz die Land- wirffchaft wisiande sei. den wachsenden Bedürfnissen der Bevölkerung in bezug auf Fleischversorgung zu genügen. Er hoffte dann weiter. daß im kommenden Frühjahr und Sommer von einer Lieh- knappheit uicht die Rede sein werde. In dieselbe Kerbe hieb dann der Vorsitzende Gras v. Schwerin- Lövsitz. Ein Landrat v. Klitzing-Kleinsprottau sah in seinem ahnungs- vollen Gemüt dennoch das Fleischnotgeschrei wieder kommen und er- kundigte sich fürsorglich, ob man ihm nicht nüt amtlichen Zahlen über die Spannung zwischen den Schweinepreisen und den Schweinefleischpreifen entgegentreten könne. Ministerialdirektor Dr. Schröter erwiderte: »ES werden fortlaufend. Aufftellungen über dies Spannungsverhältnis gemacht. Allerdings mutz darauf hingewiesen werden, datz die Fleischer mit großer Bestimmtheit behaupten, unsere Methode sei nicht zuverlässig." Das bestritt der Ministerialdirektor natürlich, aber er will jetzt Statistiker in eine Reihe von Klein- städten schicken, um die Kleinhandelspreise für Schweinefleisch fest- zustellen.— In den weiteren Verhandlungen de» heutigen TageS wurde dann sehr ausführlich über die Viehversicherung gesprochen. Wieso der LandwirtschastSminister zu dem Dementi seiner «igenen früheren Behauptung kommen konnte, daß für dieses Jahr keine Fleischnot zu befürchten sei, bleibt unS gänzlich unklar. Denn die Ergebnisse der Viehzählung im Dezember 1311 lasten, nach den vorliegenden Teilresultaten zu schließen, eine erhebliche Abnahme der Viehbestände erkennen. Das war ja auch nach den Vor- gängen am Viehmarkte, nach der starken Zunahme des Austriebs, nicht anders zu erwarten. Damit ist aber eines gewiß, datz nämlich die Fleischversorgung im laufenden Jahre überaus knapp ausfallen mutz und datz die F l e i s ch P r e i s e mehr oder weniger stark in? ganzen Gebiete des Deutschen Reiches anziehen werden. Die Frage der Fleischversorgung wird damit zu einer der wichtigsten Fragen für die öffentliche Erörterung und man kanu nur hoffen, datz da der Reichstag ein energische? Wort sprechen wird, daS auch von der verstockten preußischen Regierung nicht überhört werden kann. Erprestte Mandate. Die klerikale„Märk. Volks-Ztg." schreibt über die Wahl- Prüfungen im Reichstag u. a.: Alle Parteien haben ein Interesse an der schnellsten Erledigung der Wahlproteste: dies wird auch heilsam wirken gegen terroristische Wahlbeeinflussungen und Verstöße gegen das Gesetz. Wer ein erpretztes Mandat hat, gehört nicht in de»Reichstag oder schnell wieder hinaus. Sehr richtig! Aber wie viel Zentrumsmandatc müßten dann annulliert werden? Wie die„geheime" Wahl in Oberschlesien aussieht. Nirgends tritt das Verhältnis zwischen der geheimen und öffent- lichen Wahl auffälliger zutage, als in Oberschlesien. Die Parteien, die bei der geheimen Wahl fast gar nichts zu bedeuten haben, wie zum Beispiel die H ü t t e n p a r t e i, ein Gemisch von Liberalen, Nationalliberalen, Ostmärkern und Konservativen, wie auch das Zentrum, sind bei der öffentlichen Wahl im Besitze aller Mandate zum Landtag, zu den Gemeinden und Kreisverwaltungeu. Selbst das in Oberschlesien mächtige Polentum ist in keiner Gs- meinde' durch einen öffentlichen Anhänger vertreten, und die beiden Landtagsmandate Pletz-Rybnik und Ratibor, die die Polen besitzen, verdanken diese auch nur dem Zentrum. Der oberschlesische Arbeiter mutz bei der öffentlichen Wahl heucheln. Geht er nicht zur Wahl, wird er entlassen,— geht er und wählt nicht so, wie es die Grubcnmagnaten und Hüttenbarone vorschreiben, wird er ebenfalls entlassen. Zu dieser politischen Heuchelei wollen die allgewaltigen kapita- listischen Machthaber in Oberschlesien die Arbeiter auch bei der ge- Heimen Wahl zwingen. Bei der Stichwahl in Kattowitz-Zabrze zwischen Polen und Sozialdemokraten, hatte die Hütlenpartei Stimmenthaltung proklamiert. Trotzdem ließ sich ein großer Teil der Arbeiterwähler nicht abhalten und machte von seinem Staatsbürgerrecht auch in der Stichwahl Gebrauch, was natürlich den Zorn der Macher der Hüttenparlei hervorrief. Diese rächen sich an den Arbeitern nun dadurch, datz in fast allen Betrieben deS Kreises Massenkündigungen von Arbeitern vorgenommen werden, womit in zahlreichen Fällen ein sofort.ig.eS Räumen der Werkswohnungen verbunden ist Bei den oberschkesischen freien Gewerkschaften haben sich in den letzten Tagen nicht weniger als 320 Mitglieder genieldet, denen gekündigt Ivurde. Die Gesamt- zahl der Gekündigten dürfte bis jetzt tausend überschreiten. Merlwiirdigerweffe haben alle Gekündigten in der Stichwahl ge- wählt. So sieht die geheime Wahl in. Oberschlesien aus, sie wird durch ein zahlreiches Beamtenheer, das in den Wahllokalen postiert wird, schlankweg aufgehoben. DaS' ist ein glatter Mißbrauch der wirtschaftlichen Macht, also Terrorismns der allerschlimmsten Art. Steuregelung der Toun- uud Feiertagsruhe im Handels . geweröe. Die„Tägliche Rundschau" erfährt über die offiziös angelündigte gesetzliche Neuregelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe von em- geweihter Seite:„Die gesetzliche Neuregelung erfolgt nicht als Novelle zur Gewerbeordnung, sondern als selbständiges Gesetz, entsprechend der in den letzten Jahren entstandenen Uebung, gewisse Materien aus der G.-O. herauszunehmen und durch eigene gesetzliche Bestimmungen zu regeln. Die wichtigste Neuerung ist die Herabsetzung des gesetzlichen Arbeits maxim ums an Sonntagen von fünf auf zwei Stiln den. Unberührt bleibt die Bestimmung, die.den Gemeinden daS Recht verleiht, durch Ortsstatut die Sonn- tagSarbeit im Handelsgewcrbe überhaupt zu verbieten. Gewiste Ansnahmebestimmungeil sMilch für Säuglinge, Eis für Kranken- zwecke u. ä. in.) werden durch das neue Gesetz nicht geändert." Folgen der Fleischteuerung. Die Folgen der wahnwitzigen Zoll- und Steuerpolitik und der dadurch bedingten Verteuerung aller Lebensmittel, besonders aber deS Fleisches, machen sich in allen Jndustrieorten bemerlbar. Charakteristisch ist hierfür folgende Meldung aus Augsburg: Nachdem dort' schon für das Jahr 1310 ein bedeutender Rück- gang des Fleischkonsums(um rund 3 Kilogramm pro.Kopfj zu ver- zeichnen war, konslaiiert der soeben von dem königl. Medizinalrat Dr. Böhm veröffentlichte Bericht über die Bewegung der Bevölkerung der Stadt Augsburg und die öffentliche Gesundheitspflege einen weiteren Rückgang des Fleischkonsums von 75,7 Kilogramm im Jahre 1910 auf 68,8 Kilogramm im Jahre 1311, also um 6,9 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung. Interessant ist in dem Bericht auch die Behauptung,„datz nach der Erfahrung bei den hohen Einkaufspreisen mehr als sonst minderwertige Nahrungsmittel in den Handel kommen".— Teures Fleisch, schlechte und verfälschte Nahrungsmittel zu unerschwinglichen Preisen— das ist der Segen, den die schwarzblaue Mehrheit des alten Reichstages dem. deutschen Bolle gebracht hat._ Tie Zentrumsfraktion des Reichstages hat sich Donnerstag vormittag konstituiert und ihren bisherigen Vorstand wiedergewählt; als Vorsitzenden den Freiherr» v. Herl- ling und als stellvertretende Vorsitzende die Abgg. Dr. Schädler, Spahn und Gröber._ franhmeh. Aus den Geheimnissen des Panzerplatteu-Patriotismus. Paris, B. Februar.(Eig, 33er.) Anläßlich der heute be- ginnenden Verhandlung des neuen Flottenprogramms, das dem Marinemoloch bis zniil Jahre 1918 an zwei Milliarden in den Rachen werfen will, hat Genosse M o r i z e t in der „Gnerre Soziale" eine Artikelserie begonnen, die an der Hand von geheimen Dokumenten nachweist, wie der Trust der Märinelieferanten die öffentliche Ausschreibung zu einer Farce macht. Die heutige„Humanitä" reproduziert das entscheidende Schriftstück. Es enthält den Schlüssel für die Aufteilung der Aufträge für die verschiedenen Panzerkategorien unter die sieben Finnen Schneider u. Cie,, Saint-Etienne, St. Chamond, Ehütillon-Commentrv, Marrel,.Holtzer und Finning. 1907 hat der Marinereferent Henri Michel die Ueherzeugung geäußert, daß solche Abmachungen bestehen, aber bedauert, daß sie nicht zu b e>v e i-s e n seien. Nun liegt der Beweis für die Kontingcntienmg vor und damit ist nachgewiesen, daß der Staat von den großen Lieferanten schmählich anS geplündert wird.— Werden die bürgerlichen Deputierten aus dieser Enthüllung die Folgerungen ziehen? Ilm davon Jider- zeugt zu sein, müßte man die ungeheure Macht des Trusts vergessen, die bisher die bürgerliche Presse verhindert hat, von den Artikeln der„Gnerre Sociale" Notiz zu nehmen. , Eine Mdikaliftische Demonstratio». Paris, 8. Februar. Der revolutionäre allgemeine Arbeiterverband erließ einen Aufruf, in dem die Arbeiter- schaft aufgefordert wird, anläßlich deS Leichenbegängnisses eines Soldaten der Strafkompagnie, namens Acrnoult, der in Algerien infolge von erlittenen Mißhandlungen gestorben ist, am nächsten Sonntag eine große Straßen kund- g e b u n g zu veranstalte», die einen Protest gegen die Kriegs- gerichte und eine Kundgebung für die Abschaffung der Anarchisten- gesetze bedeuten soll. Sozialisten»nd Wohuungsreform. Die ungeheure Wohnungsnot, die in Paris wie in anderen ausländischen Großstädten zur Gründung einer KampfeSorganisation der Mieter und zu gewaltsamen. Konflikten geführt hat, veranlaßt die sozialistischen Fraktionen zur Aufstellung durchgreifender Forderungen. Die Gemeinderatsfraktion hat die Vorlage deS' Genosten Brune t, die eine Anleihe von 209 Millionen Frank zur Errichtung städtischer Arbeiterwohnungen fordert, sich zu eigen gemacht, unter Vorbehalt weiterer Diskussion der zu bestimmenden Art der WohnungSnutzung. Um auch die bürgerlichen Gcmeindevcrtreter und die Seinepräfektur zur Pflicht- erflillung auf diesem Gebiete zu veranlassen, soll eine plan- mätzige Agitation entfaltet werden. Ein Petitionssturm soll in zahlreichen Bezirks- und größeren Versammlungen eingeleitet werden, in denen mit Hilfe von Lichtbildern die Wohnungsfrage be- handelt wird. Eine Artikelserie in der„Humanitö" aus der Feder Bruneis wird die Bewegung unterstützen. In gleichem Sinne wird die Kammerfraktion durch Jnter» pellationen und Gesetzentwürfe wirken. Das Elend der französischen Arbeiterpolitik. Die ganze Kläglichkeit der bürgerlichen Sozialpolitik und zu« gleich des französischen Gewerkschaftswesens geht hervor aus einer Darstellung des Standes der sozialpolitischen Gesetzentwürfe, die L a u ch e in der„ H n m a n i t s" gibt. Da ist daS Verbot der K i.n d e rna ch tär b e i t, das unglaublicherwcise in der von „Radikalen und Sozialistisch-Radikalen" beherrschten Republik noch immer im Bereiche der Forderungen liegt. Die Kammer hat die entsprelbcnde Vorlage schon lange angenommen. Aber der Vater der Hinderniste, der Senat, in dem der Grohkapitalismus noch viel unverschämter vorwiegt als in der Kammer, hat noch nicht ge- sprochen. Trotz der erschütternden Enthüllungen über' die langsame Abschlachtung der Kinder namentlich in den Glas- Hütten hat das Unternehmertum den traurigen Mut, selbst gegen diese bescheidene Vorlage Sturm zu laufen. Und die Re- g i e r u n g, wie gewöhnlich in den Fragen, in denen es sich nicht um Konzessionen und ähnliche Geldquellen für die ihr nahestehenden Finanzcliquen handelt, tut nichtS. So scheint das Schicksal der Re- form, zum Schaden der Raste und zur Schande der Republik, be- siegelt zu sein, DaS Schimpflichste aber ist die G l e i ch g ü I t i g- k e i t der Gewerkschaften.„Während Unternehmerverbände und Handelskammern so wirkungsvoll ihre Interessen vertreten, bleiben die Arbeiterorganisationen, die zahlreich die Unterdrückung der Kinderarbeit gefordert haben, gleichgültig. Der/ Protest der Ar- bciter kommt nicht, um der Aktion der Unternehmer, die den Erfolg ihres Drucks schon vorwegnehmen, entgegenzuwirken." Nicht anders mit dem.Zehn stund engesetz, das die Kammer noch zu beraten hat, und der Festsetzung eines Mindest- l o h n e s für Heimarbeiterinnen. Auch hier die vcr- ffchrKrMen'lMken'Md' PättbeMerbänM' ber'Mstffnehmer und' ihre Handelskammern in lebhaftester Bewegung, um durch Eingaben und Delegationen die Regierung und die Abgeordneten zu be- einflussen. Und die� Ar b e iterorgani sat.i onen?»Nur einige Gewerlschaften sind bei der Arbeitskommission zu- gunsten der Gesetze vorstellig geworden. Nützlich, aber im- genügend. Das ermöglicht der Regierung, sich zu drücken und abzuschwenken und den Abgeordneten, allzu gefällig den Weisungen des Ministers zu folgen. Wie grotz auch die Wachsamkeit und Zähigkeit der sozialistischen Abgeordneten sei, ihre Be- mühungcn werden vergeblich sein, wenn nicht die GewerkschastZ« organisationen denselben Eifer entfalten wie die Unternehmer« verbände. DaS Grotzunternehmertum hat nichts Unterlasten, um die bescheidene Reform zu Falle zu bringen, die auf sein Drängen lebendig im Parlament verscharrt werden wird. Die Gleichgültig. kcit der Gewerkschaften ermutigt diesen Widerstand» der vergeblich wäre gegenüber einem Druck der Arbeiterklasse." Rüßlaucl. Wie in Rußland Wahlen gemacht wirdett. Die Vorbereitungen für die in. diesem Jahre bevorstehenden . Dumawahlen werden von den Regierungsbehörden schon.seit län- gcrcr Zeit mit besonderer Sorgfalt getroffen. Jeder Provinzsatrap sucht in dieser Beziehung den anderen zu übertrumpfen und sich vor der Petersburger Zentralregierung als zuverlässiger„Wahl- macher" in Empfehlung zu bringen, und über allen diesen Machen- schaffen schivebt fördernd und anspornend der Geist des mit allen Tücken und Schlichen vertrauten Ministers deS Innern, Maka� r o.f s. Eine besondere Energie entfaltet der Gouverneur dort Nishni-Nowgorod, E.hwostoff, ein Liebling der Petersburger Höfkreise, der sich besonders durch seine offene Pogromagitation hervorgetan hat. Die ruffischen Zeitungen berichten schon seit längerer Zeit von den Machenschaften dieses Satrapen, der im Gegensatz zu seinen Kollegen auf seinen Plänen kein Hehl macht uad so die sauberen Wahlgeschäfte der Zentralregierung nngescheut ausplaudert. Besonders kratz sind nun die Mitteilungen, die über seine letzten„Wahlvorbereitungen" in die Presse gedrungen sind. Schon im November vorigen Klhres versandte Herr Chwostoff an die Landhauptleute'„seines" Gouvernements ein geheimes Rundschreiben, das.Vorschriften-für die Wahlagitation enthielt. Aber bereits im Dezember verlangte er, datz ihm die Rundschreiben sofort zurückgeschickt' lmirden. Zugleich verfügte er, datz von jedem Kreis zwei Laiidhauptlciite nach der Gouvernementsstadt kommen und seine Anweisungen persönlich entgegennehmen sollten. Dieser Versammlung erteilte Herr Chwostoff folgende Anweisungen für die Wahlen:.. 1. Jeder Laudhauptmann mutz in seinem Bezirk ein Vcr- zcichnis der„unzuverlässigen", d. h. nicht regierungstreuen Wähler feststellen, es fortlausend durch geheime Ueberlvachung ergänzen ulid die Ergebnisse der Gouvernementskanzlei be- richten. Jedes Mittel ist hierzu erlaubt, besonders empfiehlt' es sich aber, eine möglichst grotze Zahl von„Mitarbeitern", d. h. Spitzeln heranzuziehen. 2. Währud der Wahlen mutz um jeden Preis der Sieg eines Kandidaten durchgesetzt' werden, der den Anforderungen der Re- gierung in jeder Hinsicht entspricht. Erweist sich der Landhaupt- mann unfähig, dieses Ziel zu erreichen, so mutz er sich eiüen anderen Wirkungskreis suchen. 3. In den Dörfern, nutz dem Gcmeindeschrciber stets der Zutritt zum Wahllokal gewährt werden. Siegen die„zuver. lässigen" Wahlmänner, so bleibt diese Tatsache unberücksichtigt Dringen aber„unzuverlässige" Wahlmänner durch, so mutz der Eintritt des Gcmeindeschreibers zu Protokoll genommen und als Vorwand zur Kassierung der Wahlen benutzt werden. � GewerkrcbaftUcbcs. Berlin und Umgegend. ttm die Rückerstattung der vom Lohn gekürzten Beiträge für den gelben NntcrstötzungSverei» dreht sich ein Prozcsi, dcr schon seit September v> I. das Berliner Getverbegericht beschäftigt und gestern erneut zur Verl?andlung ge- kommen ist. Obwohl das Objekt mit 11,84 M. nur ein geringes ist, dürfte der Ausgang dieses Prozesses aus prinzipiellen Gründen sehr interessieren. Tie beklagte Firma Siemens u. Halske, A.-G., die durch einen ihrer angestellten Juristen sich vor dem Gewerbe- geeicht vertreten täsit, trägt ihrerseits dazu bei, die Rechtslage so kompliziert wie möglich zu gestalten. Bisher hatte sich die Firma noch stets am Berliner Gewerbegericht verklagen und die anhängigen Prozesse auch dort entscheiden lassen. In diesem Falle erhob sie jedoch den Ginwand der örtlichen Unzuständigkeit des Berliner Gewerbegerichts, den sie damit begründete, dag das Wernerwerh in dem der Kläger beschäftigt war, sich aus Spandauer Gebiet be findet und demzufolge auch nur das Gewerbegericht in Spandau für die Entscheidung des Rechtsstreites zuständig sei. Ter Kläger der durch den Bevollmächtigten des Metallarbeiterverbandes Adol Cohen vertreten wird, vertritt die Ansicht, daß das Berliner Gewerbegericht zuständig sei, weil die Beklagte ihre Hauptmeder lassung in Berlin hat und das Werneriverk am Nonnendamm nur eine unselbständige Zweigniederlassung wäre. Tie Beklagte be hauptet jedoch, daß das Wernerwerk eine vollkommene selbständige Zweigniederlassung sei, so daß die Zuständigkeitsfrage nur nach ein gehender Beweigausnahme zu entscheiden ist. Eine solche wurde jedoch noch nicht angeordnet. Es soll zunächst auch den Beisitzern die Möglichkeit des Aktenstudiums, das sich infolge des umfangreichen Schriftwechsels der Parteien erforderlich macht, gewährt werden Deshalb wurde die weitere Verhandlung vertagt. In den englischen Gasanstalten Grost-Bcrlins macht sich seit längerer Zeit eine immer mehr anwachsende Iln Zufriedenheit bemerkbar, weil es der Arbeiterschaft dorr unmöglich gemacht wird, ihre Wünsche, seien sie auch noch so berechtigt, der Direktion gegenüber irgendwie zur Geltung zu bringen. Allerdings bestanden noch im vorigen Jahre Arbeiterausschüsse, aber die Tätig- keit dieser Ausschüsse suchte inan von feiten der Direktion gänzlich lahmzulegen, wenigstens in allen wichtigen Fragen. Wenn es galt untergeordnete Angelegenheiten zu regeln, da wurden sie wohl hinzugezogen, handelte es sich aber um Wünsche der Arbeiter hin- sichtlich der Löhne, der Arbeitszeit und dergleichen, dann fand die Direktion allerlei Ausslüchte, um es zu keiner wirklichen VerHand- lung kommen zu lassen, und überdies verstand man es auch, die Ausschußmitglieder, die sich der Interessen der Gesanitheit mit einigem Eifer annahmen, zu schikanieren und zu maßregeln. Die Mitglieder der Arbeiterausschüsse kriegten es schließlich satt, sich so behandeln zu lassen, als wären sie nur Tekorationsfiguren, und dann J)or ihre Auftraggeber hintreten, und immer wieder sagen zu müssen, daß alles abgelehnt war. Ans diesem Grunde legten sie im Herbst vorigen Jahres ihre Aemter nieder, und zwar im Einverständnis mit der Arbeiterschaft der Werke wie mit ihrer Organisation, dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter Von. feiten der Arbeiterschaft und ihrer Organisation wurden dann Vorschläge zur Neueinrichtung und zu einem neuen Reglement der Arbeiterausschüsse der Direktion übersandt, und darauf erhielt die Ortsverwaltung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter unterm 28. November folgende Antwort: Wir bestätigen mit verbindlichem Dank den Empfang Ihres werten Schreibens vom 2. d. M. und werden nicht ermangeln, zu der Frage der Neueinrichtung der Arbeiterausschüsse Stellung zn nehmen, falls die Arbeiter unserer Betriebe mit einem der- artigen Antrage an uns herantreten sollten. Hochachtungsvoll gez. E. Körting. Dem Wunsche der Direkiton, daß die Arbeiter selbst kommen solltem wurde Rechnung getragen, indem die bisherigen Arbeiter auSschüsse die Vorschläge von neuem einreichten. Die Antwort, die sie erhielten, war nicht minder höflich, aber auch ebenso nichts sagend wie die der Organisation gegebene. Sie lautete: Für Ihre Eingabe vom 16. Dezember danke ich bestens und mache Sie ergebenst darauf aufmerksam, daß nicht ich die Arbeiter ausschüsse ausgelöst habe, sondern daß vielmehr ein Teil der Arbeiterschaft die Ausschußmitglieder seinerzeit veranlaßt hat, ihre Aemter niederzulegen. Ich habe gar nichts dagegen einzu wenden, daß die Ausschüsse wieder da anknüpfen, wo sie ausgehört haben, und nach den alten Satzungen ihre Tätigkeit wieder auf nehmen. Den Arbeitern derjenigen Betriebe, die Verlangen nach Wiedereinrichtung der Ausschüsse haben, stelle ich anheim sich mit ihren Vorgesetzten in Verbindung zu setzen. Ich über- lasse es den Herren Direktoren und Betriebsleitern, Neuwahlen anzuordnen, wenn ihnen das nach den örtlichen Verhältnissen zweckmäßig erscheint. Hochachtungsvoll gez. E. Körting, Es ist selbstverständlich, daß die Arbeiter sich mit dieser Ant- wort, die ja eine glatte Ablehnung ihrer Vorschläge bedeutet, nicht zilftieden geben konnten. Um von neuem zu der Sache Stellung zu nehmen, hielten sie am Mittwoch vier Versammlungen ab, und zwar bei Gliefing in der Wassertorstraße, serner in schöne- berg bei Großer, in Mariendorf bei Preuß und in Oberschöneweide bei Warnecke. Als Referenten schilderten die Verbandsvertreter Dittmer, Zabel, StaMer und Volkmann die Lage der Dinge und brachten im Namen der Vertrauensmänner und der Organisation folgende Resolution in Vorschlag, die dann in allen Versammlungen einstimmig angenomnien wurde: „Die am 7. Februar 1912 zahlreich versammelten Hand werker und Arbeiter aller Betriebe der Imperial Continental Gas-Assoriation Berlins und Umgegend haben von der ablehnen den Antwort des Herrn Generaldirektors-Körting betreffend Neueinrichtung der Arbeiterausschüsse aus Grundlage des ein gereichten Regulativs Kenntnis genommen. Tie Versammelten bedauern, daß der erste Beaiuje der I. C. G. A. kein Interesse für das Wohl und Wehe der Arbeiter empfindet und es den einzelnen Werkdirektoren überläßt, über eine der wichtigsten Fragen im Arbeitsverhältnis— die Arbeiteransschüsse— zu be- stimmen. Das Ansinnen, an die Werkdirektoren mit der„Bitte" um Wiedereinrichtung der Ausschüsse nack den alten, von der Arbeiterschaft abgelehnten Bestimmungen heranzutreten, lehnen die Versammelten ab. Um das Interesse der Kollegenschaft zu wahren, beauftragen die Handwerker und Arbeiter der Englischen Gasanstalten die Ortsverwaltung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter alle in den Betriebsversammlungen gestellten Anträge der Direktion zu übermitteln. Wenn eine Abstellung der Mißstände nicht erfolgt, sollen diese der Oeffentlichkeit unter- breitet werden. Um den Einfluß der Organisation zu erhöhen. verpflichten sich alle Anwesenden für di« Ausbreitung des Ver- bandes einzutreten." Die Versammlungen beschäftigten sich weiter mit der Frage, wie es den Außenarbeitern und den Arbeitern der Ammoniakwerke mög- lich gemacht werden kann, sich den Koks zu dem üblichen er- mäßigten Preise zu verschaffen, nachdem die Koksauslieferung an den Sonntagen aufgehört hat. Auf dem Gaswerk in Schöneberg ist die Sache so geregelt, daß die Arbeiter, die dort sowieso Sonntags vormittags tätig sein müssen, ihren Kollegen vom Außen- dienst den Koks anweisen. Diese Regelung wünscht man nun auch in den anderen Gaswerken durchgeführt zu sehen, was in folgender Resolution ausgesprochen wird: „Tie am 7. Februar versammelten Handwerker und Arbeiter,................ der I. E. G. A. stellen den Antrag, die Direktion wolle den Gesetzes aus dem _ Koksverkauf für die bei der Firma Beschäftigten so regeln, wie I Recht, in Fällen, Berantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. �nieraLenteil vrrantw.: - e? im Werk Schöneberg bereits geschehen ist. Die Versammelten beauftragen die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Ge- meindearveiter, diesen Antrag der Verwaltung zu unterbreiten." Deutlckes Reich. Lohnbewegungen in dcr Steinindustrie. Die Granitwerksbesitzer in Bautzen stellen an ihre Arbeiter ein eigenartiges Ansiicheii. Die Steinarbeiter hatten eine Tarif- Vorlage eingereicht und niit Mühe niid Rot konnten die Uuleniehmer zu Verhandiungen gezwungen werden. Der Tarif ist nun so ziemlich dlirchberatcn, da kommen ans einmal die Iliileriiehmcr niit dem Wmiiche, daß anstelle des bisher frei gewährten Werkzeug? Prozente gewährt iverden sollen. Aber die Auszahlung dieser Prozente soll erst am Jahresschluß geschehen. Wer unter der Zeit sein Arbeits- Verhältnis löst oder zn lösen gezwungen ist, soll die Prozente, also einen Teil des verdienten Lohnes, nicht erhallen. Die Stein- arbeiter haben eine solche Zumutung zurückgewiesen. Wie man hört, planen die Uiiteriiehmer eine Aussperrung, weil die Arbeiter diese sonderbare„Sozialpolitik" nicht mitmachen wollen. Der Streik im Granitwerk Korb u. Töpelmann- Gera geht un- geschwächt weiter. Die Firma will iit Schlesien und Bayern Arbeits- willige anwerben. Tie Graiiitarbeiler mögen dies beachten. In M a n n b e i in konnte für etwa hundert Sandsteinmetzen ein neuer Tarif abgeschlossen werden. Die Erhöhung des Stundenlohnes beträgt innerhalb zwei Jahren 5 Pf. „Wilder" Bergarbeiterstrcik auf einer fiskalischen Grube in Oderschlesien. Auf dem O st f e l d e der dem Fiskus gehörigen Königin- L n i s e g r u b e in Z a b o r z e ist es nach den Berichten der bürgerlichen Presse am Mittwoch zu einem frivol in- szenierten Ausstand der Füller und Schlepper gekommen. Tie Ausständigen fordern eine zehnprozentige Lobn- erhöhung. Es handelt sich um unverheiratete junge Burschen, die nach der„Kattowitzer Zeitung" das wärmere Wetter und den Markttag in Zaborze zum Bummeln benutzen wollten. So vie bürgerliche Presse über den Ausstand. Es handelt sich aber nicht, wie uns geschrieben wird, um einen frivol vom Zaun gebrochenen streik, sondern um die A b- wehr einer Lohnkürzung. Als Ende vorigen Jahres der Handelsminister in Oberschlesien weilte und die fiskalischen wie auch einzelne Privatbetriebe besichtigte, wurde ihm vom Ar- beiterausschuß der Königin-Luisegrube die Bitte um eine zehn- prozentige Lohnerhöhung vorgetragen. Ter Minister sagte wohlwollende Prüfung zu. Seit dieser Zeit ist ein halbes Jahr verflossen, ohne daß die Wünsche der Arbeiter in Erfüllung gegangen sind. Im Gegenteil, es wurde den Schleppern eine Gedingeverkürzling, gleichbedeutend mit einer zehnorozentigen L o h n v e r k ü r z n n g, in Aussicht g e st e l l t. Das sdstug natürlich dem Faß den Boden ans und war die alleinige Ursache zur Arbeitseinstellung. Schon am Freitag voriger Woche -fuhren 83, am Sonnabend SO und Montag 60 Schlepper nicht ein, bis dann am Mittlvochmorgen löst und am Mittwoch- abend löst Schlepper der Arbeit fernblieben. Tie gleiche Zahl fehlte auch am D o n n e r s t a g m v r g e n. Das ist wieder einer von den periodisch in Oberschlesien ausbrechenden„wilden" Streiks, die man früher durch Waffen gewalt und behördliche Maßnahmen zu unterdrücken versuchte. Mit der bisherigen Gepflogenheit, mit den Ausständigen nicht zu verhandeln, hat man aus Grund der früheren Erfahrungen gebrochen. Da ans Grund der Verhandlungen, die Herr Berg- rat Drescher mit den Führern der Ausständigen führte, die Zurückziehung der Gedingeverkürz nng in Aus- ficht gestellt wurde, steht zzi hoffen, daß weitere Kreise der Belegschaft nicht in Mitleidensehaft gezogen werden und der Streik der Schlepper beendet wird. Da die Ausständigen fast durchweg unorganisiert sind, fällt auch diesmal das Argu- ment von der„sozialdemokratischen Verhetzung" für die bürger- lichen Blätter weg. Man bevormunde die Arbeiter nicht in geradezu sträflicher Weise, mache die staatlichen Betriebe zu wirk- lid)en Musterbetrieben, und die Streiks werden ein Ende nehmen. unterm HusUnd. Zum Kohlengräbcrstreik im Borinage. Unser Brüsseler Korrespondent schreibt uns 7. d. M.: Im Borinage herrscht Hunger, bitterste Not.... Nur die Hälfte der Streikenden sind organisiert und damit vor dem Aeußersten geschützt. Aber die anderen ziehen bettelnd umher; trocken Brot wird in Wasser geweicht, um als„Mahl" zu dienen, ausgelesene Kartosselschalen werden mit Salz gemischt, um die Hungernden zn sättigen. Hunderte und Hunderte aber haben nicht einmal dies, können den Hunger nicht stillen, fallen zusammen. Eine Bergarbeitersfrau, Mutter von 4 Kindern, zog mit einer Manifestation. Während des Marsches brach sie zusammen— vor Hunger.— Und die Fälle mehren sich.... Und gestern hat eine Truppe von 200 Streikenden einen Brotwagen angefallen, ge- plündert....„Ein Diebstahl um Brot ist kein Dieb- tahl", erklärte der bürgerliche Demokrat Janson.... Dennoch: mit Ausnahme dieses einen Gewaliaktes, den die letzte Verzweiflung des Hungers eingegeben, hat sich während de§ sechs Wochen andauernden Streiks, der 30 OstO Arbeiter umfaßt, von denen wiederum nur die Hälfte durch die Disziplin des organi- satorisch Geschulten, gegen Ausbrüche des Temperaments und der Erbitterung gewappnet ist— kein empörtes und durch die Zurück- Weisung aller Anerbietungen gedehmütigtes Arbeitergewisse» gewaltsam Lust gmacht. Ein Klerikaler hat es fertig gebracht, schon den Ausruf:„Es lebe der Streik", als eine revolutionäre Auf- forderung in der Kammer zu tadeln! An bunderttausend Menschen sind durch den Streik in Mit- leidenschast gezogen; vier Millionen Arbeiterlöhne ind dahin; der Industrie, die an Kohlenmangel leidet, wird immenser Schaden zugefügt; und schließlich: der kleine Handel, der von der Arbeiterkundschaft lebt, kommt in immer größere Be- drängnis. lieber alle dem aber breiten sich die dunklen, unmetz- baren Gefahren, die die ansteigende Not. Besinnung ertötender Hunger verzweifelter Mütter im Schöße birgt. � lind was erklärt uns die Regierung angesichts dieser drohenden Situation 7 Es ist nichts mehr zu machen! Die Regierung hat angeblich ihre Mittel erschöpft, indem sie den�llnternehmern das einemal den Vorschlag aus Einberufung eines Schiedsgerichtes oder Verlängerung der Frist für die Erhaltung des Statusquo bis 1. Juli vorgelegt bat. Tie Antwort des Arbeitsministers auf die Darstellung der Gefahren durch die bürgerlichen und sozialisti- scheu Deputierten in der Dienstag-Jnterpellation reduziert sich auf den Spruch: bedingungslose Arbeitsaufnahme vor der Hand! Der Herr Minister verspricht dann ein Gesetz für �ie Einführung obli- gatvrischer Schiedsgerichte.— Alle von den Sozialisten gemachten Vorschläge für ein handelndes Eingreifen der Regierung lehnte der Minister ab und dies, obgleich ihr ein G e s e tz s e l b st die Möglichkeit böte, die Kohlenbarone zur Raison zu bringen. Es muß dabei immer wieder gesagt werden, daß es sich in der äugen- blicklichen Phase des Streiks um nichts anderes handelt, als den alten achttägigen Zahlungsmodus bis zum 1. Juli nufrechtzu- erhalten, um bis zu diesem Termin zu einer Lösung zn kommen, -ür die die Arbeiter von vornherein Bereitwilligkeit zugestehen. Man mag willig zugeben, daß die Regierung„alles getan hat", um den Streik zu dem Ende zu führen— wenn„alles tun" heißen lvürde, durch gute Worte den Herren Grubenbesitzern eine Konzession abzuringen. Was aber beute notwendig ist. wäre eine Tat der Regierung durch das Machtwort, das sie mit der Anwendung eines Gesetzartikels sprechen könnte. Ter Artikel des Jahre 1810'"" wo durch triesie?-öffentliche Jnkeresfen tu k?esahr� kommen, d i e Konzessionen zurückzuziehen. Daß die Regierung diesen Vorschlag des sozialistischen Deputierten� D e l- parte als unannehmbar zurückweist, hat nicht nur schlecht- hin den Grund darin, daß Regierungen den mächtigen Vertretern des industriellen Kapitalismus nirgends mit strengen Repressalien — und zwar um ein Recht des Arbeiters zu schützen— zu Leibe gehen; sondern aus besonderer Schonung für die belgische Hochfinanz, vor allem jener„Soeieie General c", die Besitzerin von Kohlengruben im Borinage ist und in deren sorg- lichem Schöße fetter Pfründen alle gefallenen und eypedierteir klerikalen Minister enden. Wie der sozialistische Deputierte H u b i ir sagte: Was vermögen die armen Minister gegenüber der allmächtigen„Societe Generale!" Nicht die Regierung und auch nicht die Direktoren, die nur Angestellte der Finanzgesellschast sind, ent- scheiden über das Los der 30 000 Hungernden, sondern die Aktienbesitzer, die in den meisten Fällen die erwähnte Ge- sellschaft ist. So muß denn im Borinage weitergekämpft, weiter- gehungert werden. Möge die Arbeiterschaft um so mehr ihre Solidarität beweisen und mit doppelter Hilfe den Kämpfenden beistehen!_ Hus Induftrle und ftendeL Eine gefährliche agrarische Forderung. Unsere Junker, in ihrer unübertrefflichen Bescheidenheit, sor- dern bekanntlich eine Erhöhung und Erweiterung der Schutzzoll mauer für Gemüse. Was die Gemüsezölle be- deuten können, lehrt ein Blick aus die Außenhandelsstatistik. Im vergangenen Jahre bezogen wir vom Auslände 3 369 272 Doppel- zentner Gemüse im Werte von 26 Millionen Mark, dagegen sank die Ausfuhr von 243 843 Doppelzentner im Werte von 6 862 000 M. aus 324 942 Toppezentner im Werte von 6 342 000 M. Es sii�d demnach nur noch sehr teure Gemüsesorten ausgeführt worden. In Deutschland ist der Preis für Gemüse um fast das Doppelte gestiegen, für nianche Sorten macht die Steigerung sogar über 100 P r o z. aus. Daß die Steigerung auf den Auslandsmärkten nicht dieselbe Höhe erreichte, beweist die Wertangabe der Einfuhr. Während nämlich, der Menge nach berechnet, die Mehreinnahme im Vergleich mit dem Vorjahre 33,2 Proz. ausmacht, beträgt sie dem Werte nach nur 29,8 Proz. Daraus kann man schließen, daß im Auslaiide recht billige Gemüse zn haben waren. Welche Höhe würden die Inlandspreise wohl erreicht haben, wenn nicht die Einfuhr das Angebot verstärkt hätte, oder wenn ein Zoll nach den Wünschen der Junker das eingeführte Gemüse entsprechend verteuerte? Hier erkennt man die Gefährlichkeit des agrarischen Vorstoßes— er muß abgeschlagen werden. Die Verteuerung der Milch, die mit der Verminderung der Vieh- bestände durch Maul- und Klauenseuche und mit dem Mangel an Viehfutter motiviert wird, hat allmählich einen recbt bedenk» lichen Grad erreicht. Vergleicht man nämlich die Milchprcise an zirka 130 größeren Orten in den verschiedenen Teilen Deutschlands, so zeigt sich, daß der höchste Preis mit 24 Pfennigen pro Liter gezahlt wurde. Dieses hohe Preisniveau lourde an 22 Orlen erreicht. Unter diesen befinden sich u. a.: Berlin mit Vororten, Frankfurt a. M.. Wiesbaden, Ludgwigshasen. Plauen i. V.. Stuügart und fast alle größeren Städte des Großherzogtunis Baden. An 22 Orten kostete ein Liter Milch 22—23 Pf. Darunter befanden sich die meisten Slädte der Rheinproviiiz, Westfalens und Bayerns. Am billigsten war die Milch in Ost- und Westpreußen sowie Pommern. So kostete ein Liter in Königsberg. Danzig. Stralsund und Thorn 18 Pf.. in Allenstein, Jnsterburg. Memel, Tilsit. Elbing, Kolberg, Stolp usw. ging der Preis auf 16 Pf. und in Köslin sogar ans 12 Pf. herunter. Bon besonderem Interesse ist ein Vergleich der jetzigen Preise mit denen des Vorjahres. Im Januar 1911 erreichte der Milchpreis in keiner der genannten 130 Städte ein höheres Niveau als 22 Pf. An 80 Orten kostete ein Liter Milch sogar nur 18 Pf. oder weniger. Auch im Vorjahre war die Milch in Berlin, Frankfurt a. M., Stull« gart und im Großherzogtum Baden am teuersten. Die Roheisenerzeugung. Nach Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahliudustrieller betrug die Roheisenerzeugung in Deutschland und Luremburg während des Monats Januar 1912 insgesamt 1 372 749 Tonnen gegen 1378526 Tonnen im Dezember 1911 und 1 320 686 Tonnen im Januar 1911. Die Erzeung verteilte sich auf die einzelnen Sorten wie folgt, wo» bei in Klammern die Erzeugung für 1911 angegeben worden ist: Gießereiroheisen... Bessemerroheisen... Thomasroheisen... Stahl- und Spiegeleisen Puddelroheisen.... 242 333(272 1141 Tonnen 28 525( 20 081) Tonnen 867 371(819 397) Tonnen 186510(144 775) Tonnen 44 971( 55 368) Tonnen. eine Der Steinkohlenbergbau in Bulgarien hat in den letzten Jahren wesentliche Steigerung erfahren. Während die Staatskohlen- begwerke im Jahre 1879 nur 914 und 1889 nur 17 628 Tonnen förderten, war der Ertrag 1899 auf 102 555, 1904 auf 144 600 und 1909 auf 216 000 Tonnen gestiegen. Dazu kommen feit 1893 noch Privatbergwerte, die 1909 eine Förderung von 11 360(i. V.: 12 365) Tonnen aufwiesen. Insgesamt wurden von 1879 rund 214 Millionen Tonnen zutage gebracht, im letzten Berichtsjahre allein also über ein Zehntel der gesamten Menge. Hetzte Nachrichten. Ter Zehnstuudentag in der französischen Kammer. Paris, 8. Februar.(W. T. B.) In der Deputiertenkammer begann heute die Beratung des Gesetzes, durch das der Arbeitstag auf zehn Stunden beschränkt werden soll. Der Deputierte Jules Roche bekämpfte den Entwurf im Namen der Interessen der Industrie. Lauche verteidigte ihn im Namen der Arbeiter, die durch Tuberkulose und Alkoholismus, den Folgen des langen Ar» beitstages, stark mitgenommen würden. Von einer Lawine verschüttet. Innsbruck, 8. Februar. Im Gebiet de? Lünersees bei Bludenz wurden die Touristen Schulrat Barbisch aus Wien und Gastivirt Keßler au? Vandans von einer Lawine überrascht und in die Tiefe gerissen. Keßler blieb tot, Barbisch konnte gerettet werden. Dcr drohende englische Äohlengräberstreik. London, 8. Februar.(W. T. B.i Die Konferenz der Kohlen- grubenbesitzer und der Bergleute ist heute wieder zusammengetreten, hat sich aber vertagt. Es ist sogar kein Anzeichen dafür vorhanden. ob die Konferenz überhaupt wieder zusammentreten lrnrd. Man hegt starken Zweifel, ob der Ausstand jebt noch abgewendet werden kann. Ermordung einer deutschen Familie i« Rußland. Warschau. 8. Februar. lP E.» In dem Dorf« Lazh. bei Lodz drangen vorgestern Nacht fünf maskierte Banditen in das Haus eines deutschen Kolonisten ein Sie töteten die beiden Ehegatten und raubten� hierauf die Wobnung auS. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Ein Torf abgebrnnnt. Konstantinopel, 8. Februar.o würde sie in dein Lande ein kolosiales Terrain besitzen, das einen ungleich wert- volleren Besitz darstellt als alles, waS sie in letzter Zeit verloren bat. Was einst der Garten des arabischen Reiches gewesen, präsentiert sich heilte in jammervollem Zlistande einer versandeten, von Gestrüpp bedeckten Wüstenei, das kiilinrfähige Land beschränkt sich auf einen schmalen frilchtbaren Streifen am Persischen Golf. Und doch war diese verwahrloste Wüste nach den Berichten der Historiker vor langer Zeit einmal ein Land mit einer großen Zahl blühender Städte, die von einem weitgcdehnten Gürtel üppig grünender Fluren eingefaßt waren.„Mesopotamien wieder zum Lande der Gärten" umzuwandeln, gilt der Bewässerungsplan Sir Willcocks, der ver- sichert, datz sich der Durchführung des Unternehmens hier viel leichtere Bediiigungen des Erfolges bieten, als sie bei der Aus- führung des ähnlichen Kulturwerks in Aegypten vorhanden waren. Notizen. — Vorträge. 2im Freitag spricht in der Deutschen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Herr Weiße über„Die Geschichte der Zahnheilkimde und der Zahntechnik" im Hörsaal Brunnenstr. i8l. 8. Quergeb. 1 Tr.—„Im Paradies der Urwelt" lautet das Thema von Wilhelm B ö l s ch e s letztem Vortrag, den er am Sonnabend abend 8 Uhr im Blüthner» s a a l hält(mit farbigen Lichtbildern). — D a s D e u t s ch e Schauspielhaus wird vom 1. Sep» tembcr ab die bisherige Komische Oper heißen. Direktor Lanz will es mit einer Aufführung von G r a b b e s.Don Juan und Faust" eroffnen. � Der Tollen sc sce, der nach der„Umschau" nie zu- friert, ist schnell seines Nimbus cnlkloidct worden. Wie aus mehre- reit Zuschriften Lotaltundiger hervorgeht, friert er allendingS stlüver zu(wegen seiner großen Tiefei, aber lang anhaltender Frost bezwingt ihn auch. Während der letzten beidcn Kälteperiodcn ivar er völlig zugefroren. D i e e t r u S k i s ch e S p r a ch e hat bisher zu den Rätseln der Sprachforschung gehört. Die erhalteneit Texte waren unverständlich. In der letzten Sitzung der Pariser„Aoacieimis des inscriptions et belles-lottres" hat min Pros.M a r t h a Beweise für seine Theorie vorgelegt, wonach die etruSnsche Sprache mit der magyarischen und finnischen verwandt sei. Mit Hilfe seiner Methode übersetzte tind kommentierte er verschiedene Inschriften, besonders einen Schiedsspruch, eine Befragung einer heilenden Gottheit und deren Antwort und ein Gebetritual für Seeleute. auch die Akgeordueten Schröder von den Nlitionallikeralen und L i e r e ck von den Frcikonservotiven verlangt, dab die Arbeiter» auSschllfse periodisch über die Lohnhöhe gehört werden. Das stimmt wenig mit der Haltung des Abg. Wagner überein. So ist es ja immer: Man spricht theoremch sich sür Arbeitersordernngen aus, aber im praktischen Falle lehnt man Anträge, die diese Arbetterfordernngen verwirklichen wollen, ab.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Auch Herr Eckert hat anerkannt, dag die ArbeiterauSschugmitglieder Furcht haben, gematzregelt zu Iverden. Dann müssen wir eben gesetzliche Magnahmen schaffe», die solche Maffregelungen unmöglich inachen. Aber die Herren Konservativen begnügen sich auch hier mit Worten, denen keine Taten folgen. Im vorigen Jahre hat der Minister ausdrücklich erklärt, die Arbeiteransschüsse hätten sich nur mit den Lohnfragen eine-Z ganzen DicnstbezirkeS zu beschäftigen. Damit ist aber den Arbeitern nicht gedient, zumal eine freie Aussprache gar nicht garantiert ist. sSehr richtig I beiden Sozialdemokraten.) Die Regierung sollte lieber rund herniis sagen, sie will nicht, dag die Arbeiter irgendwie mitbeteiligt sind an den Einrichtungen dc-Z Betriebes, das heiszt, sie teilt ganz den Standpunkt des Zentralverbandes der Industrielle».(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Am 28. August 1909 ist eine Verfügung des Ministers ergangen, die im Gegensatz steht zu der Erklärung, die heute der Vertreter des Ministers abgab. Nach dieser Verfügung von 1909 über die Festsetzung der Akkordpreise sollen die Betriebsleiter zuverlässige Leute zum Ausprobieren heraussuchen, ein Anhören der Arbeilerausschüsse vor Herabsetzung der Stückpreise erscheine nicht angezeigt, weil sie n i ch t s a ch v e r st ä n d i g genug seien.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.)— Um die Mitglieder der Arbeiteransschüsse vor Mahregelungen zu schützen, sind die für die Sicherheitsinänner erlassenen Bestimmungen das mindeste, was verlangt werden musz. Freilich bieten auch diese Bestimmungen keine genügende Garantie gegen Mahrcgelungen, und wenn Sie selbst diesen geringen Schutz ablehnen wollen, so be- weisen Sie damit nur, dah Sie auch in den staatlichen Betrieben der Willkür der Borgesetzten Tür und Tor öffnen wollen. Der Schutz der Arbeiterausschuhmitglieder gegen Willkür« liche Entlassung ist dringend notwendig. Die Mitwirkung der Direktion ist nur Dekoration, denn die Direktion richtet sich natürlich nach den Angaben der unteren Justaitzen. sSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herrn v. d. G r o e b e n criimere ich daran, dah die Bestimmungen über die Sicherheitsmänner k o n s e r« V a t i V e n Anträgen eiltsprungeil sind: heute aber behauptet Herr V. d. Groeben, solche Bestimmungen lägen nicht im Interesse der Arbeiter.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Wir müssen vom Reichstag verlangen, daß alle Arbeiter, staatliche und private, einen wirksamen Schutz gegen Entlassungen erhalten, wenn sie ein Ehrenaint bekleiden. Die Arbeiter werden ans diesen Verhandlungen ersehen, dag sie von diesem Hause gar nichts, von dem Reichstage aber alles zu erwarten haben.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Spinzig(sk.): ES liegt im Interesse deS guten Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, wenn auch Lohnfragen i» den ArbeiterallSschüsse» behandelt werden. Daher stimmen wir für Ueberweisung des ersten Antrages an die Kommission. Damit schlicht die Debatte. Nach einem kurzen Schluhwort des Abg. Fl e s ch(Vp.) wird der erste Antrag an die Budget« k o m m i s s i o u überwiesen, der zweite abgelehnt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Freitag 11 Uhr.(Kleinere Etats in zweiter Lesung: Interpellation über die Maul» und Klauenseuche.) Schluß 4'/« Uhr.__ parlamcrätanfcbcs. Ein besseres Wahlrecht. Die sozialdemokratische Fraktion des preuhischen Abgeordneten» Hauses hat den Antrag gestellt, für die Stadlverordnetenwahlen und Landvertreterwahlen das gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für alle großjährigen Einwohner ohne Unter« schied des Geschlechts einzuführen. Huq der parteü Der Streit in Württemberg. Die S t u ttg arte r Part ei l eitun g hat an den württem» Bergische» Landesvorstand das Verlangen gerichtet, gegen die Angriffe, die die Parteiblätter in Mannheim, Heilbronn und Ulm auf die Leitung des Göppinger Wahllrcises und Parteiblattes erhoben haben. Stellung zu nehmen. Der Landesvorstand veröffcnt« licht in der„Tagwacht" nunmehr folgende Erklärung: „In den drei Partciblättern„Freie Volkszeitung",„Neckar- Echo" und„Donauwacht" sind im Anschluß an den Aussall der NeichstagSwahlcn in einzelnen Wahlkreisen Ausführungen ver- öffenllicht worden, die nicht geeignet sind, den bedauer» liche n Partei st reit zu beendigen. Gegen eine fach» liche Besprechung etwa gemachter Fehler ist nichts«in- zuwenden. Die jetzige Art der Anscinandcrsetztmg kann aber die gewünschte Klärung nicht herbeiführen. Die Parteiorgane haben für die Ausbreitung unserer Partei- grundiätze und für die Festigung unserer Organisationen tätig zu sein. Gegenseitige Beschuldigungeit führen aber nur zur Schädi- g it n g unserer Partei. Für verfehlt halten wir die Ein« Mischung auswärtiger Parteiorgane in iiiterne Angelegenheiten einzelner örtlicher Organisationen. Wir fordern alle Parteiorgane, insbesondere die Redaltionen auf, den Weg fiir� die weitere gedeihliche Porteienlwickelung zu ebnen und gegenseitige verletzende AilSciiiandersetzungen einzustellen." Man kann nur hoffen, daß diese Mahnung zum Frieden be» herzigt. und daß beide Richtungen die nun einmal vorhandenen prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten in sachlicher Form und parte!» genössischem Geiste austragen. Vor allem darf wohl auch erwartet werden, daß keine Versuche unternommen werden, den Vertretern der einen oder der anderen Richtung das Wirken in der Partei unniög« lich zn machen. Die bevorstehenden Landtags wählen machen eS allen württenibergischen Genossen zur Pflicht, alles zu unterlassen, was die Differenzen in der würltembergischcn Partei verschärscn konnte.____ AuS der italienischen Partei. Rom, den S. Februar.(Eig. Ber.) Da sich Giolitti endlich ent- schlössen hat, daS Parlament am 22. Februar wieder zusammentreten zu lassen, hat die italienische Parlamentsfraklion beschlossen, ihre für den 2. Februar angesetzte Zusammenkunft in B o l o g» a auf den 8. d. MrS. zn vertagen. Zuerst war die Zusammenkunft auf den 21. d. Mls. sestgescyl worden, um in üblicher Weise den FraltionS- redner zu bestimmen und Vereinbarungen über die parlamentarische Tätigkeit zu treffen, wie am Vorabend jeder Wiederausnahme der Arbeilen. Die Einberufung zum 8. deutet vielleicht darauf hin, daß die Fraktion trotz deS Beschlusses deS Ministerrats noch nicht recht daran glaubt, daß die Kaminer wirklich am 22. ihre Arbeiten wieder beginnt. Es wird sich darum handeln, im Hinblick ans mögliche weitere Vertagungen eine Agitation zu beschließen, die die Kammer- eröffnung erzwingen soll._ Der italienische Partcivorstand an Genossen Ellenbogen. Nach der Versammlung in Wien, in der Genosse Ellen- boyen für die Aukrechter'haltung friedlicher und frenndschafllicher Beziehungen zwischen dem österreichischen und italienischen Volke ge- sprockcn hat. bat der italienische Partcivorstand diesem Abgeordnelen daS folgende Telegramm übersandt:„Von denselben Gefühlen be- seelt, die die Sozialisten Wiens gegen die verbrecherische österreichisch- italienische Kriegshetze ausgesprochen haben, danken die italienischen Sozialisten und verpflichten sich, initzuarbeiten an dein hohen Ziele der Befestigung der Freundschaft beider Völker und des iuter- nationalen Friedens. Für den Parieivorstand. Ter Sekretär: Ciotti Sozialistische Gcmeindcvcrtreter in Amerika. Wie rasch M i l w a u k e e Schule gemacht hat, zeigt eine von gegnerischer Seite aufgestellte Berechnung, wonach im November nicht weniger als 25 sozialistische Bürgermeister und 150 Stadträte und sonstige Vertreter gewählt worden sind. Im ganzen amtiert jetzt aber die doppelte Zahl: rund 50 Manors und 300 Räte oller Art.— Einen eigenartigen Späh haben sich die alten Vertreter von L o r a i n in Ohio geleiffet, ehe sie unseren am 1. Januar antretenden Genossen Platz machen mußten. Sie beschlossen kurzerhand, mehrere Aeinter in der Sladlvcrwaltnng ganz abzuschaffen, den übrigen die Gehälter beträchtlich herabzusetzen. Nun ist die Wiederherstellung der Aemter jederzeit möglich, aber eine Erhöhung der Gehälter darf nach dem Gesetze erst nach Ablauf von zwei Jahren erfolgen. Da der in Deutschland manchmal belieble Weg, vor Anbruch der sozio- listischen Mehrheitsverwaltung noch rasch einige bürgerliche Beamte ans Lebenszeil anzustellen, drüben ungangbar, hilft man sich auf eine Weise, die zwar den Bürgerlichen nichts nützt, aber die Sozialisten etwas belästigt. Ernstlich Eintrag tun natürlich auch solche ebenso originelle wie boshafte Praktiken unseren Genossen nicht. poHzeiUcbes, Gericbtlicbes ufw. Picßprozcsse. Unser neues Waldenburg er Parteiblatt hat in seinen aller- ersten Prozessen schnell einen Geschmack von der schlesischc» Justiz bekommen. Der verantwoNliche Redakteur des Blattes, Genosse Lascher, wurde wegen Beleidigung eines Fabrikdirektors zu 309 M. Geldstrafe und wegen Beleidigung des Waldenburger Polizeikominissars zu 50 M. verurteilt. Beide Prozesse waren wirkliche Bagatellprozesse. Iii dem einen Falle war der Selbstmord eines Webers mit Vorwürfen eines Fabrildirektors in Verbindung gebracht. Im anderen Falle waren von einem Polizisten zu Unrecht Flugblätter konfisziert worden. Die, Berg iv acht" sprach die Verniututig aus, der Polizist habe im Auftrage seines vor- gesetzten Kommissars gehandelt. Der Schutzmann sagte als Zeuge aus, daß er von den gerade aus der Grube kommenden Beamten des fürstlich Plehschen BahuschachteS auf- gefordert worden sei, dem Zettelverteiler die Zettel abzunehmen.— Auch ein eigenartiges schlesticheS Jndustrie-Jdhll. Genosse Jmwolde, verantwortlicher Redakteur der„DreS- d e u e r B o l k S z e i t u u g", wurde wegen formaler Beleidigung deS veraiitwortlichcii Redakteurs der„Dresdener Rundschau" vom Schöffengericht zu 39 Mark Geldstrafe verurteilt. Unser Genosse hatte das Verhalten des.Ni»ldschali"-Ncdakteurs, das dieser bei Zurücknahme einer gegen ihn schwebenden Klage zutage trete» lieh, kritisiert. Das Gericht nahm selbst an, daß der Kläger nicht seiner persönlichen Würde und der Würde seines Standes gemäß gehandelt habe, und daß sein Verhalten nicht korrekt gewesen sei. Trotzdem die Verurteilung. Soziales. Ter Ausschuß des Berliner Kausmannsgcrichts beschäftigte sich am Mittwoch mit der Frage der PflichtfortbildungS- schulen. Im vorigen Jahre brachte die preußische Regierung im Abge- ordneterchause eine Novelle mit folgenden vier Forderungen ein: 1. Gemeinden mit 10 000 und mehr Einwohnern sind verpflichtet, für die in ihnen beschäftigten männlichen Arbeiter unter 18 Jahren Fortbildungsschulen zu errichten. Die Errichtung von Fortbil- dungsschulen für weibliche Arbeiter sollte ihrem freien Einschlüsse überlassen sein. 2. Gciueinden mit geringerer Einwohnerzahl bleibt die Errichtung von Fortbildungsschulen freigestellt. 3. In Ge- meinden mit 10000 und mehr Einwohnern sind die in öffentlichen privaten Diensten beschäftigten männlichen Personen unter achtzehn Jahren gesetzlich borpflichtet, die Fortbildungsschule zu besuchen; die weiblichen Arbeiter können durch statutarische Bestimmung zum Schulbesuch verpflichtet werden. 4. In Gemeinden mit geringerer Einwohnerzahl kann die Schulpflicht für männliche wie für Weib- liche Personen unter IL Jahren durch statutarische Bestimmung eingeführt werden. Ter Entwurf der Regierung wurde in den Sitzungen vom 29. und 30. März vorigen Jahres im Plenum des Abgeordnetenhauses beraten und dann einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Die Konservativen und das Zentrum im Abgeordnctenhause ver- langten, daß in den Fortbildungsschulen die Schüler in erster Linie auch noch mit Religionsunterricht beglückt werden sollten, während die Regierung auf dem Standpunkte bcharrte, Religion über die Dauer der Volksschule hinaus fei Sache der Religionsgemein- schaften. Man könne die jungen Leute über 14 Jahre hinaus nicht zum Religionsunterricht zwingen. Daran scheiterte der Entwurf und die Regierung zog denselben zurück. Die Hniidlungsachilsenbeisitzer des ZentralverbanbeS stellten im Mai 1911 zu dem Rcgierungsentwurf folgende Anträge: 1. Zwangsweise Errichtung der Pflichtfortbildungsschulen den Ge- meinden von 5000 Einwohnern an vorzuschreiben. 2. Tie Schul» Pflicht auch auf die weiblichen Personen, insbesondere die Hand- lungsgehilfinnen, ouszudchncn. Die Antragsteller fiihrtcn zu diesen jetzt zur Beratung gestellten Anträgen aus, ihre Anträge kämen nun allerdings post kestum. Da aber in der neuesten Thronrede zum Landtage angekündigt wurde, daß demselben erneut eine Gesetzcsvorlage zur Bcschluhsaisung vorgelegt werden soll, die die Verpflichtung zum Besuche von Fortbildungsschulen bezweckt, so sollten die Anträge an den Minister für Handel und Gewerbe sowie an das Abgeordnetenhaus gerichtet werden. Die Notwendig- keit zur Errichtung vvn Pflichtfortbildungsschulen dürfte dadurch bereits erbracht sein, daß die preußiscbe Regierung im allgemeinen dieselbe schon für notwendig hält. Die Einrichtung derselben sei aber nicht nur eine Notwendigkeit für die in das HandclSgcwerbe eintretenden Lehrlinge, sondern komme auch den Prinzipalen zu- gute, indeni diese dadurch ein besser geschultes Personal erhalten, als es bis heute der Fall ist. Tie Grenze von 10 000 Einwohnern sei zu weit gezogen. Gerade aus den kleinen Orten unter 10 000 Einwohnern kommen jährlich eine ganze Anzahl Gehilfen mit mangelhafter Ausbildung nach den Großstädten, und deshalb müsse dafür gesorgt werden, daß diesen der Nutzen der FortbildungS- schulen zugute kommt. Tie bürgerlickxn Kaufleutebeisitzer bestritten zum Teil den Nutzen der Fortbildungsschulen und traten sür den Besuch der ein- jährigen Handelsvorschule ein. Ihnen wurde entgegnet, daß durch den Besuch der Handclsvorschulcn sehr viele intelligente junge Leute dem Kansmaniisberus ferngehalten ivürdcn, weil die Eltern über 14 Jahre hinaus nicht mehr für ihren Unterhalt sorgen könnten. Von den Beisitzern des Teutschuarioiialc» Gehilfcnvcrbaitdcs wurde noch folgender Unterantrag eingebracht: „Genieinde», die nach der letzten Boliszählung außer den aktiven Militärperionen 5000 und mehr Einwohner zähle», sollen verpflichtet sein, für alle weiblichen Personen, die nach den Be- stimmungen des Pslichtsortbildungsschulgesetzes schulpflichtig sind, eine HauslmltungSschule zu errichten." Für diesen Antrag stimmten nur die drei Beisitzer des Deutsch- nationalen Handlungsgchilsenverbandes, dagegen alle übrigen Handlungsgehilfen und sämtliche Kausleutcbeisitzer. Bei der Abstimmung, ob prinzipiell Pflichtfortbildungsschulen zu fordern sind, stimmten sämtliche Gchilfenbcisitzcr dafür. 1 bür- gerlichcr Kaufmann enthielt sich der Stimme, alle übrigen stimmten ebenfalls dafür. Ter Antrag des Zcntralvcrbandes, in allen Orten über 5000 Einwohnern PslichtfortbildnngSschulen zu errichten, wurde mit sämtlichen Stimmen der Gehilfenbeisitzer sowie der Stimme des sozialdemokratischen Kaufmanns gegen die Stimmen von sämtlichen bürgerlichen Kaufleutebeisitzern angenommen, Dadurch tvar ein Eventualantrag der bürgerlichen Kauflente» beisitzcr gefallen, welcher die Errichtung in Gemeinden von 10 000 Einwohnern verlangte. �.. Für den Antrag, die Schulpflicht auch auf die weiblichen Per» sone», insbesondere die Hcmdlungsgehilfinnen, auszudehnen, stimmten 8 Kausleutcbeisitzer(«in bürgerlicher Kaufmann enthielt sich der Stimme) sowie 6 Gehilfenbeisitzer. Ein deutschnationaler Gehilse stimmte dagegen, zwei deutschnationale enthielten sich der Stimme. Der Antrag wurde also mit großer Majorität angenommen.__ Ein weiterer Antrag der Gehilfenbeisitzer,„daß in den Pflicht» fortbildungsschuleit der Unterricht unter allen Umständen in die Tagesstunden fällt und nicht nach 6 Uhr abends ausgedehnt werden darf", wurde einsninmig angenommen. Nur ein bürgerlicher Kauf- leutebeisitzer enthielt sich auch hier wieder der Stimme. Ein weiterer Antrag aus Gchilfenkreisen verlangt, daß Ge- meinden und Gutsbezirke, welche nahe aneinander liegen und 5000 Einwohner zählen, verpflichtet sind, sich zwecks Errichtung einer Pslichtfortbiloungsschule zu verbinden. Des weiteren verlangt der Antrag, daß auch in die zu errichtenden Schulvorstände ein Arbeit- nehmer hineinkommt und, falls Fortbildungsschulen nach Berufen eingerichtet werden, aus den Berufen ein Arbeitnehmer in den Schulvorstand kommt; eventuell für Handlungsgehilfinnen auch eine Gehilfin. Bei der Abstimmung hierüber stimmten 6 Kauf- leutebeisitzer dagegen, 2 dafür, einer enthielt sich wiederum der Stimme. Tie Gchilfenbeisitzcr stimmten geschlossen dafür, so daß der Antrag mit 11 Stimmen angenommen wurde. Welches Gericht ist für Angestellte von Kino-Theatern zuständig? Angesichts der großen Ausdehnung und Verfeinerung des Lichtbildtheatergewerbes ist die Beantwortung vorstehender Rechts- frage von nicht zu untersckKtzender Bedeutung. In einem gestern vor der 2. Kammer des Berliner Kausmannsgcrichts verhandelten Rechtsstreit klagte die Kassiererin eines im Osten der Stadt etablierten kleinen Kino-Thcaters gegen den Besitzer des Theaters. Der Beklagte wandte Unzuständigkeit des Gerichts ein, denn ey sei gar kein Kaufmann, sondern Gewerbetreibender. Die Klägerin dagegen Ijob hervor, daß der Beklagte auch im Besitze der Schank- konzession sei. Das 51ausmannSgcricht müsse im übrigen auf alle Fälle zuständig sein, da sie selber kaufmännisch: Angestellte sei. Das Kaufmannsgericht erklärte sich für unzuständig und ver- wieS die Sache an das Gewerbegericht. Der Ausschank spiel« beim Beklagten nur eine untergeordnete Rolle, die Hauptsache sei der Theaterbetrieb. Allerdings könnten auch Lichtbildthcater kauf- männische Unternehmungen sein, Ivie z. B. die großen Lichtspiel- bühnen, die als Gefellschiften m. b. H. oder Atticngescllschaften an und für sich schon zu den kaufmännischen Betrieben zählen. In Fällen wie dem vorliegenden liege dagegen ein reiner Gewerbe- betrieb vor. In der in der Rechtsprechung strittigen Frage, ob in solchen Fällen die Angestellten vor dem ordentlichen oder vor dem Gewerbegericht klagen müssen, stellte sich das KaufmannSgerW auf den Standpunkt, daß das Gewerbegericht zuständig fei. Serickts- Leitung. Gegen Erweiterung der Majestät der Polizei. Bekanntlich hat das Kammergericht die rechtswidrige Be- Hinderung des Streikpostenstehens durch die seltsame Judikatur unterstützt: nicht das Gericht, sondern des Schutzmanns Majestät allein habe darüber zu befinden, ob z. B. in einer menschenleeren Straße durch einen Streikposten der nicht vor- handene Verkehr gestört werden könne. Des Schutzmanns Majestät suchte die ihr leider eingeräumte Macht zu erweitern. Sie deduzierte logisch ganz richtig: ist mein Ausspruch für das Gericht bindend, ein nicht vorhandener Verkehr in einer menschenleeren Straße wird durch die Anwesenheit eines Streikenden gestört, so muß auch mein„ Erniessen darüber entscheiden, ob ein Streikposten überhaupt jemals die Straße betreten darf, ja, ob er in der Stadt oder vielleicht auch sich in Preußen aufhalten darf. Ein Polizei- lichcs Hausarrestrecht und Ausweisungsrecht— allein durch des Kammcrgerichts Hochachtung vor den: Polizeihelm geschaffen— so zeigt sich, daß in Preußen die Polizei regiert. Den An- fang zur Ausweitung dieser Polizcimacht machte die Polizei in Altona. Das Landgericht anerkannte auch das Recht. Jedoch selbst dem Kammergericht und selbst der Oberstaats- anwaltschaft war das des Poltzeiguten zu viel. Am Montag hoben sie das Erkenntnis des Landgerichts auf. Der Sach- verhalt war folgender: Adami, der bei einem Tischlerstrcik in Altona Streikposten ge- standen hatte, war der Ausforderung eines Polizeibeamten, die Gegend der bestreikten Werkstatt zn verlaffen. gefolgt. Am andern Tage kam er wieder, entfernte sich aber gleich, als er den Beamten wieder sah. Als er am dritten Tage wieder erschien und beim Erscheinen deS Beamten sich wieder eniferncn wollte, eilte ihm der Schutzmann nach und stellte seiue Person fest. Adami erhielt dann eine Anklage wegen Uebertretung der Vorschrift der Straßen- polizeiverordnung, wonach den Anordmingen der Sicherheitsbeamten, die zur Erhaltung der Sicherheit, Leichtigkeit und Bequemlichkeit des Verkehrs auf der öffentlichen Straße ergehen, unbedingt Folge zu leisten ist., Die Strafkammer in Altona als Berufungsinstanz verurteilte auch den Angeklagten mit der Begründung, daß /r der Aufforderuilg des Beamten im Sinne der Verordnung zuwider gehandelt habe dadurch, daß er an den nächsten Tagen wieder gekommen sei. Der Angeklagte legte Revision ein und machte geltend, jene Anordnung des Polizeibcamlen könne für die nächsten Tage über» Haupt keine Wirkung mehr haben. Der Oberstaatsanwalt am Kammergericht schloß sich Auffassung des Angeklagten an und machte geltend, daß eine Anordnung im Sinne der Straßcnpolizeiverordnungen nur dem augenblicklichen Verlehrsbedürfnis genügen solle. Auf keinen Fall könne eine Fortwirkung für den anderen Tag an- genommen iverden. Die entgegengesetzte Auffaffung würde ja dazu liihre», daß bei einein jahrelang dauernden Streik die Aufforderung jahrelang wirken würde. Wirken könne die Anordnung nur für die uunültelvar darauf folgende Zeit. Ein alsbaldiges Wiederkommen des Weggewicsenen würde allerdings eine Uebenrelung sein. Die Feststellung darüber wäre Sache deS Einzelfalles. Auf jeden Fall müsse hier Angeklagter freigesprochen werden, da er frühestens am nächsten Tage lviedergekonmien sei. Das K a m m e r g e r i ch t gab der Revision statt uu- sprach den Angeklagten frei, indein es sich den Ansfübrungen des Oberstaatsanwalts in allen Pnnkte» anschloß und ebeniallS betonte. daß eine solche Anordnung aus Grund einer Straßen« Polizei. Verordnung nur dazu da sei. die Gefährdung eines augenblick- lich eil Berkchrsbcdürsniffcs zu bcsciligcn, nicht aber sür alle Tage gellen kann. Graf v. Oppersdorfs als Kläger. Eine Privatklage des Reichstagsabgeordneten und Herrenhaus- Mitgliedes Grafen v. Oppersdorfs gegen den verantwortlichen Re- daktcur deS„Westfälischen Volksblattes" Hermann Abels in Päd«. dorn stand gestern vor der 147. Abteilung des Amtsgerichts Berlin- Mitte unter Vorsitz des Amtsrichters Wachler zur Verhandlung. Graf v. Oppersdorfs wurde durch Rechtsanwalt Dr. Philipp per- treten, der Angeklagte durch Rechtsanwalt GörreS verteidigt. Als die bekannte Broschüre deS Grafen v. Oppersdorfs unter dem Titel „Ist Martin Spahn Zentruinemann?" erschienen war. veröffcnt- Uchte das..Westfälische Volksblatt" einen Artikel, in welchem das Vorgehen des Privatklägers scharf getadelt wurde. Ter Artikel führte u. a. aus. daß Graf Oppersdorfs als Wortführer einer Reihe von Zentrumsabgcordvcten einige Tage vor der Wahl in Warburg. Höxter versucht habe, Herrn Spahn brieflich zum Rücktritt von ber Kandidatur zu bewegen. Es hätte gewiß im Parteiinteresse gelegen, von dieser Agitation abzulassen, Graf Appersdorfs aber habe aus Spahns Schriften alles mögliche zusammengesucht, daß Prof. Rtartin Spahn kein Zentrumsmann sei. Dabei sei Graf Oppers- dorff aber absolut nicht objektiv vorgegangen, denn die von ihm aus den Spahnschen Schriften zusammengesuchten, angeblich bedenk- lichen Stellen, haben bei näherem Zusehen einen ganz anderen Sinn. Das sei nicht mehr Polemik, sondern Verdrehung. Der Vorstand der Zentrumspartei in Paderborn verdiene volle Aner- kennung dafür, daß er von der„skandalösen" Broschüre Kenntnis genommen und der Zentrumsfraktion des Reichstages eine ent- schiedene Resolution unterbreitet, in welcher ersucht wird, dafür Sorge zu tragen, daß solche Dinge nicht mehr vorkommen. Graf Oppersdorfs sei im Kampfe gegen Martin Spahn unterlegen; wer die Disziplin nicht zu halten verstehe, tue besser, die Konsequenzen zu ziehen. Taraufhin hat Graf v. Oppersdorfs die Privatklage angestrengt.— Rechtsanwalt Philipp erklärte vor Eintritt in die Verhandlung: Der Privatkläger fühle sich durch den Vorwurf der „Verdrehung" und des„skandalösen" Vorgehens beleidigt. Nun werde in den Schriftstücken des Angeklagten darauf hingewiesen, daß das Wort„Verdrehung" nur objektiv gemeint sei und mit dem Worte„skandalös" nur angedeutet werden sollte, daß das� Vor- gehen des Privatklägers ärgerniserrcgend sei. Wenn dies auf- recht erhalten werde, dann würde die Basis zu einem friedlichen Ausgleich gegeben sein.— Rechtsanwalt Görrcs erklärte dcmgcgen- über, daß er für den abwesenden Angeklagten eine solche Erklärung nicht abgeben könne. Auf Antrag des Verteidigers wurde eine Stelle aus Spahns Werk über Papst Leo XIII., die das Ende des Papstes behandelt, verlesen und damit das Zitat in der Bro- schüre des Privatklägers verglichen. Der Verteidiger behauptete, daß der Privatkläger auf Grund falschen Zitats zu falscher Charakterisierung Martin Spahns gekommen sei; dasselbe sei be- züglich des Zitats aus Spahns Werk über die Jesuiten der Fall.— Graf Oppersdorfs widersprach diesen Ausführungen entschieden. Das bloße Herausgreifen dieser beiden Stellen aus seiner Broschüre sei doch nicht angängig. Martin Spahn sei doch selbst nicht ganz der Ansicht des Verteidigers, denn er habe selbst anerkannt, daß manche seiner Stellungnahmen schief oder unhaltbar seien.— Rechtsanwalt Görrcs beantragte die Freisprechung des Angeklagten, weil diesem der Schutz des§ IvL St.-G.-B. zustehe und der Wahr- heitsbeweis gelungen sei.— Rechtsanwalt Dr. Philipp bestritt letzteres durchaus.— Auch Graf Oppersdorfs wandte sich selbst noch in längeren Ausführungen gegen die Darlegungen des gegnerischen Rechtsanwalts. Tatsächlich habe sich seinerzeit ein erhebliches Er- staunen und Befremden über die Kandidatur Spahns in Zentrums- kreisen kundgegeben. Er selbst habe seinerzeit dem Führer der Zentrumsfraktion Frhr. v. Hertling nahegelegt, ob er nicht zweck- mäßigerweise eingreifen könnte. Frhr. v. Hertling habe ihm aber geantwortet:„Wenn ich die Autorität eines Windthorst besäße, so hätte ich eingegriffen!"— Das Gericht kam zur Freisprechung des Angeklagten. Der Artikel sei aus der Gesamtsituation erklärlich und in ruhigem und sachlichem Tone gehalten. Das Gericht nimmt an, daß mit dem Wort„skandalös" nur die Bedeutung„ärgernis- erregend" verbunden werden sollte. Was den Vorwurf der„Vcr- drehung" betrifft, so sei dieser Ausdruck auch nur so zu verstehen, daß dem Privatkläger nicht etwa eine subjektive, sondern nur eine objektive falsche Zitierung vorgeworfen werden sollte. In dieser Beziehung sei der Wahrheitsbeweis nach Ansicht des Gerichts ge- sührt worden. Bei dem Lesen der hier besonders behandelten beiden Stellen müsse jeder unbefangene Leser den Eindruck erhalten, daß falsch zitiert worden sei. Gegen das Urteil legt der Privatkläger Berufung ein._ Ein netter Arzt. Wegen Beleidigung und Körperverletzung eines Arztes wurde am Mittwoch gegen den Maurer Sch. aus Rixdorf vor dem Schöffengericht in Rixborf verhandelt. Die Verhandlung gestaltete sich zeitweise derart, daß man an- nehmen konnte, nicht der Maurer Sch., sondern der Arzt, der sich beleidigt und mißhandelt fühlte, sei der Angeklagte. Sie ergab folgendes: Am 27. Mai v. I. bemühte sich der Angeklagte um einen Arzt für seine unterlcibskranke Frau. Der Arzt, der die Familie des Angeklagten schon öfter behandelt hatte, war nicht anwesend. Sein Verlreier, der prakt. Arzt Dr. Heruiun» Roscnthal II in Rixdorf, Berliner Str. 5l>/v7, kam nach telcphonischer Unterhaltung mit dem Mädchen des Vertrauensarztes des Angeklagten und nach- dem ihm dieser telcphonisch mitgeteilt hatte, daß seine Frau an rasenden Unterleibsschmerzen leide. Ueber die Vorgänge in der Wohnung des Angeklagten wich die Darstellung des Arztes von der der übrigen Zeugen ab. Dr. Rosenthal gab zu, die Frau habe fiebernd und schwerkrank dagelegen, er habe eine sofortige Opera- tiou mit einem Rnsieriiicsscr des Ehemannes vorgenommen und die beigebrachte Wunde mit einem Hälclhaken oder einer Stricknadel vertiefen wollen. Ferner habe er mit dem Ehemann Sch. einen scharfen Zusammenstoß gehabt und mit diesem gerungen, auch zu ihm geäußert, er könne ihm— dem Arzt— den Buckel runter- rutschen. Ter Angeklagte habe ihn schließlich hinausgeworfen. Ter Ehemann Sch. soll dann noch den Arzt Strolch tituliert und ihn auf das Bett geworfen haben, worauf der Arzt mit den Füßen gestoßen hal>e. Von der Ehefrau des Angeklagten wird bekundet, daß der Herr Doktor ohne Gruß und ölige sich vorzustellen das Zimmer betreten habe. Als die Frau bei der Operation vor Schmerz heftig aufschrie, habe der Arzt laut gerufen: Halten Sie das Maul. Als der Ehemann sich solche Redewendung verbat, habe der Arzt gesagt: Sie haben mir einen Dr... zu sagen, Sie sind bcs...... Sie können mir den Buckel runterrutschcn. Daraufhin habe der Mann den Arzt zum Verlassen der Wohnung aufgefordert, dieser habe sich dessen geweigert, worauf der Angeklagte den Arzt hinaus- geworfen habe. � Diese Darstellung der Frau Sch., die sich mit der Aussage bei Ancgklagten deckt, wird uiitersiiitzt durch die Aussagen eines Zeuge» E. und des Hausverwalters K. Zeuge E., der vom An- geklagten ein Zimmer abgemietet hatte, bekundet, daß er �von seinem Zimmer aus wiederholte Schmerzcnsschrcie der Frau Sch. gehört und unmittelbar darauf die Aeußerung gehört liabe: Halten Sie das Maul. Diese Aeußerung könne nur von Dr. R. her- rühren. Kurze Zeit darauf sei er— Zeuge— von dem Angeklagten in das Zimmer gerufen. Tort habe der Angeklagte von dem Arzt die Nennung seines Namens gefordert. Das habe dieser verweigert und erklärt: Sie können mir den Buckel riiiitcrrntschen. Auf die Aufforderung des Angeklagten, der Arzt solle die Wohnung ver- lassen, habe dieser erklärt: Das brauche ich nicht. Alsdann habe der Arzt feine Sachen �gesondert; der Angeklagte habe erwidert: Tie gibt'S erst, wenn Sie Ihren Namen genannt haben. Beide haben daraufhin gcriiiigcn, der Arzt sei überS Bett gefallen. worauf er wiederholt mit den Füßen gestoßen habe. Dann habe der Angeklagte den Arzt gepackt und hinausgeworfen. Auf die Frage bcs E. und des inzwischen hinzugekommenen Verwalters K.. was nun aus der Frau werden solle, habe der Arzt geäußert: Das gebt Sie gar nichts an»der, nach anderer Bekundung, das geht Sie einen Tr... an.„ �, Der Angeklagte erklärt noch, daß er an demselben Abend einen anderen Arzt besorgt habe, der die sofortige Ueberführung in eine Klinik angeordnet habe; dort wurde die Frau in der Narkose ope- riert und wochenlang behandelt._ Ter AmtSamvalt hält trotz dieses Sachverhalts Beleidigung und Körperverletzung auf feiten des Angeklagten für vorliegend und beantragt eine Gesamtstrafe von 50 M Er meint, der An- «eklagte, der Maurer sei, sei an dem sraglichcn Abend wohl a». getrunken gewesen und habe den Auftritt verschuldet. In der Verhandlung war von den Zeugen bekundet, daß der Angeklagte nicht angetrunken gewesen ist, daß er vielmehr bereits um 5 Uhr zu Hause gewesen, die Wirtschaft besorgt und den Atkdern zu essen gegeben habe. Auch Dr. R. hatte erklärt, daß er bei dem Ringen einen Mkoholgeruch nicht wahrgenommen habe. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Tr. Kurt Rosenfeld, bezeichnete den Arzt als einen solchen, wie er nicht sein soll. Der Arzt, der wisse, daß es sich um eine schtoerc Erkrankung handle, erscheine ohne jedes Instrument. Er habe nicht einmal einen Gruß für die schwerkranke Frau übrig, traktiere sie infolge der Schmerzens- schreie, welche die Frau, durch die eigenartige Operationsmethode 'veranlaßt, ausgestoßen habe, mit groben Beleidigungen. Dieses ungewöhnliche Verhalten des Arztes sei die Ursache des ganzen Auftritts; der Ehemann habe nur seine Pflicht als Ehegatte und sein Hausrecht ausgeübt. Sollte eine Beleidigung für erwiesen erachtet werden, so sei diese mit den Beleidigungen des Arztes zu kompensieren. Dann zerpflückte der Verteidiger noch das Argument des AmtSantvaltS, daß ein Maurer am Sonnabendnachmittag um 5 Uhr betrunken fein müsse. Er beantragte Freisprechung. Das Gericht verurteilte den Angeklagien wegen Beleidigung und Körperverletzung zu einer Gesamtstrafe von 20 M. Ter Vor sitzende erklärte, es bleibe dahingestellt, ob der Arzt oder der An- geklagte die Schuld trage. Jedenfalls erscheine die Aussage des Tr. R. soweit glaubwürdig, als der Angeklagte geäußert habe: Strolch, Sie wollen ein Arzt sein. Auch in dem Werfen auf das Bett liege eine Beleidigung. Gleichviel, ob das Urteil, wie zu erwarten, in der Berufungs- instanz ausgehoben werden wird— erfreulich ist, daß der Sachvcr- halt vor Gericht aufgerollt ist und tief bedauerlich, daß die Staats- anwaltschaft„im öffentlichen Interesse" Anklage wegen Beleidi- gung eines Arztes erhoben hat, dessen Verhalten sicherlich kein ehrenvolles für seinen Stand war und geeignet ist. die durch das Verhalten einzelner Aerzte hervorgerufene Abneigung gegen Aerzte überhaupt lebhaft zu verstärken. Hus aller Alelt. Cm pochenbcrd in öcblcficn. Aus Liegnitz werden amtlich mehrere Erkrankungsfälle an schwarzen Pocken gemeldet. Bisher sind sieben Erkrankungen zu verzeichnen. Erkrankt sind Regierungsrat Schmidt, drei Arbeiter, ein Invalide, eine Diakonissin sowie die E b e f r a u eines Eisenbahnschaffners a. D. Ueber hundert Personen, die mit den Erkrankten in Berührung ge- kommen sind, stehen nnter Beobachtung und sind geimpft worden. Sämtliche ErkrankungSfülle sind l c i ch t e r e r N a t ur und geben zu Velorgnisien keinen Anlaß. Es sind Maßnahmen getroffen, um die weitere Pcrbreiumg der Krankheit zu verhindern. Auch in Laura- h ü t t e erkrankte e i n e F r a u au schwarzen Pocken, die, wie ver« mutet wird, durch Ankauf von Federn auS Rußland ein- geschleppt wurden._ Die Ueberschwemmungen auf der Pyrenäen-Halbinsel. Die heute ans Spanien und Portugal vorliegenden Nach- richten über die Ueberschwemmungen schildern die Lage in den be- troffenen Gebiete» als äußerst trostlos. In Spanien dehnen sich die Ueberschwemmungen fast über das ganze Land ans. Zahl- reicheFlüssesindüberihre Ufer getreten und haben die anliegenden Dörfer, die sich in dringender Gefahr befinden, unter Wasser gesetzt. Die eingetretenen Verkehrs- schwierigkeitcn hindern Hilfeleistungen. In vielen Gegenden steht die bittere Not vor der Tür. Besonder» in den Provinzen Sau- l u c a r und C a d i x ist daZ Elend groß. Eine große Anzahl von Fischern, deren Bente infolge der starken Winde eine sehr erbärmliche ist, überfielen zwei Bäckerwagen und setzten sich in den Besitz der Brote, um ihren Hunger zu stillen. Auch in Portugal hat das Hochwasser furchtbare Ver- heerungen angerichtet. Infolge des SturmeS ist der Verlehr nach den Azoren unterbrochen. Der T e j o ist über die Ufer getreten. Zahlreiche Lastschiffe find gesunken. Die Strömung führt Brückenteile. Bäume, Vieh und T e l e g r a p h e n stange» mit sich fort. Leichen, Güter, Möbel und Wracks ver- schicdener Art treiben im Wasser. Die Ernte ist vernichtet. Der Schutzmann als Wahlhelfer. Ein heiteres Stückchen ereignete sich wie erst jetzt durch die „Neusalzer Ztg." bekannt wird— anläßlich der ReichstagSstichwahl in Neusatz. Kommt da am Tage vor der Stichwahl ein Rad fahret in der Nähe des Marktes wie ein„Ungewitter" gefahren. unter dem Arm eine Tafel mit der Aufschrift: Wählt Davidsohu! Von einem Polizeibeamten wird er angehalten und nach der Karte gefragt. Der Radfahrer steigt ab und sucht nach dieser. Da e» aber nicht gut gebt, weil er die Tafel unter dem einen Arm und in der anderen das Rad hält, bittet er den Beamten, ob er nicht die Tasel halten wolle. Dieser erklärt sich bereit. Der Rad- fahrer benutzt diesen Augenblick und jagt davon, ohne Tafel, diese mutz ja der Beamte halten. Da nun aber gerade Passanten vorüber gingen und die vielsagende Aufschrift lasen, soll eS ver- schiedene„Randbemerkungen" gegeben haben. Z?r«h krümmt sich..» Eine drollige Geschichte hat sich in N o w D o r k in den letzten Tagen abgespielt. Ein fünfzehnjähriger Schulknabe und ein drei- zehn Jahre altes Mädchen waren ihren Eltern entlaufen, um in der Fremde einen eigenen Haushalt zu gründen. Nachdem sie jedoch drei Tage lang ohne Mittel umhergeirrt waren, kehrten sie reumütig ins Elternhaus zurück. Der Junge, Namens Fitzpatrick. erzählte dem Vater des Mädchens, datz er mit feiner Freundin ans- gerückt wäre, um sich m i t i h r t r a u e n z u l a f f e n. Den Plan zu ihrer Flucht hatten sie bei dem Kirchgang am letzten Sonnlog entworfen. Mit 3>/z Dollars in der Tasche machten sie sich auf den Weg und fuhren zunächst nach Nelvhaven in der Nähe von New Vorl. Es gelang ihnen dort auch, zwei Zimmer zu finden. Am nächsten Tage begaben sie sich aufs Standesamt, um sich trauen zn lassen, doch wurden sie mit einem spöttischen Lächeln zurückgewiesen.__ Kleine Notizen. Durch Kohlcngas vergiftet. Drei Handlungsgehilfen, die bei dem Kaufmann Pech in B elgard(Pommern) in Stellung waren, wurden gestern morgen in ihrem Zimmer tot auf- gefunden. Der Tod mar durch Einatmung von K o h l e» g a s e n herbeigeführt worden. Das Unglück ist auf Ueberheizuna des OfeuS zurückzuführen. Vom Eiseubtlhiizug getötet. Von dem Schnellzug Danzig-Stolp wurde auf der Slrecke Stolp-Laucnburg der Arbeiter Leo Kustok aus Griinhof überfahren und sofort getötet. Er war mit Schneeschanfeln beschäftigt und hat das Heraimahen des Schnellzuges nicht bemerkr. Beraubter Eiseubahnzug. Am Donnerstag früh hielten maS- kierte Räuber eine» Zug der nardamerikanischeir Rock Island- Bahn auf, kuppelten die Post- und Expreßwagen ab, sprengten den Geldschrank und entfernten sich mit einer Beute, die bis auf 240 000 Marl geschätzt wird. Passagiere wurden nicht verletzt._ Marktbericht von Berlin am 7. Februar lSlS, nach Ermittelung bei königl. Poltzeiprästdiuins. Marktdallenpreise.(Kleinhandel: 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36,00—50,00. Sl>cilcbohncii weiße. 40,00—60,00. Linien 40,00—80,00, Kartosseln 11,00—15,00. 1 Kilo. oramm Rindfleisch, von der Keule 1,00—2.40, Rindfleisch, Bauchstcilch l,30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,50. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butler 2,60—3,20. 60 Stück Eier 4,50— 8,00. i Kilogramm Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,20—2,80. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,20—2,60, Barsche 1,00-8,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40. 80 Stück Krebse 4,00-30,00- Witterungsübersicht vom 8. Februar 1913. Stationen swinemde, Hamburg Berlin Frankf.a.M, München Wien fl Wetter I m 1 Dunst �wolkig Schall) bd 2 Nebel 1 heiter Nebel -�il L-Ä wS 0 3 1 3 -3 — 1 Stationen : S ;s öS £2 13 Haparanda!75g 3 Petersburg 762 SO Scilly Aberdeen Paris 7röjSO 740SSO 748. SO I Wetter 4�Schnee 1 mollenl öchedeckt Zbcdeckt Ibcdeckt tsss c � #11 Ha» wä —13 —9 10 6 10 Wetterprognose für Freitag, de» 9. Febrm'»' I.91L. Zunächst ziemlich heiter, am Tage mild bei lebhaslen süolichen Winden, später zunehmende Bewölkung und etwas Regen. «WM frmmmvnrtm................. im 1 11■iu Todes-Anzeigen| Sozialdeniokralisclier Wateein für deu 5. Berliner Reiehsligs-Waliikreis. Am Montag, den 5. Februar, verstarb unser Mitglied, der Fenster- Putzer doknnnes Wiftk (II. Abteilung.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10, Februar, nachmittags>/z5 Uhr, von der Leichenhalle des St, Georgen- Kirchhofes, Weißensee, Rötlc« strage, aus statt. 8 Um zahlreiche Beteiligung er- sucht 223/6 Der Borstand. Melier Transportarbeiter-Verband, Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Fenster- Putzer «Jobalm W irth verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10, Februar, nach- mittags 4V, Uhr. von der Leichen- halle des Georgen- Fricdhoses in Weißcnsee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 61/18 Die Bezirksverwaltung. Deutscher floIzarbeiter-VerbaDd! Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, j daß unser Kollege, der Kisten- macher Otto tte>ne Pücklcrstraße 33, im Alter von 52 Jahren gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 9. Februar, nach. mittags 4 Uhr, von ver Halle des Emmaus-Kirchhose« in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschincnarbeitrr �einlwlä Wenks im Sntcr- von 43 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung sindct am Sonnabend, de» 10, Februar, nachmittags!>/, Uhr, vom Trauer- hause, Schliemaimstr. 26, aus nach dem Zenwal» Friedhos tn FricdrichSsclde statt. Um rege Beleiligung ersucht 18/14 Tie Ortsverwaltuug. TanksnFuniz. Für die vielen Beweise herzlicher Tcimahme anläßlich desTodcs unseres lieben Bruders LvöSb •Adolf Wachmann lagen wir allen Freunden und Be- kannten sowie den Kollegen der A, E,-A, unseren herzlichste» Dank, Die trauernden Geschwister. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei dein Hinscheiden meiner lieben Frau, unserer herzensguten Mutter Minna Schmidt verwitwete Manie geb. Fleischet sagen wir dem 606, Wahlbezirk, soivie dem Herrn Chcs und dem Fahrpcrsonal der Berabrauerct, allen Verwandten und Bekannten hiermit unseren herzlichsten Dank, Im Namen der Hinterbliebenen: Wilhelm Schmidt. Jflai'K. iUuuckc. Kurl Ulauclic. 2561b Geutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unicr Mitglied, der Dreher IBrnst Janisch am 6. Februar an Nervenleiden gestorben ist, Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10, d, Mts,, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde- Friedhoics in Ober-Echöneweide aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. btaebruk. Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleifer Fritz Morgenstern gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 112/2 via Ortsverwaltung Todesanzeige. Allen Verwandten und Bekannten zur Nachvicht, daß mein lieber Mann, unser guter Bater, der Maschinciiarbeiter i�einholä Wenke am 7. Februar verstorben ist. �Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10. Februar, nachmittags l'/,Uhr, vom Trauer- Hause, SchUcmannstraße 26, aus nach dem Zentral- Friedhof in Friedrichsfelde statt. 1S95L Dies zeigt tiesbetrübt an Herta WcnhQ nebst Kindern. ?l Heute verschied plötzlich und unerwartet unser lieber Kollege und ehrenwerter Mitarbeiter, der Setzcrinvalide und jetzige Korrektor Otto Göärinei* im Alter von 31 Jahren. 2868b Wir verliere» in ihm einen braven Kollegen, dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. Berlin, den 7. Februar 1012. Das Personal drr Xaucleschen Druckerei. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 10. Februar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des neue» Rixdorser Gcmelnde-Friedhofes am Marien- dorser Weg aus statt. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und liebevollen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManucS und gulen Vaters sagen wir allen Teilnehmern, insbesondere den Bezirks- genossen des 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises, demGesangverein Morgen- grauen und dem Deutschen Transport- arbeitcr-Verband unseren tiesgcsühlten Dank. 18942 Witwe Anna Müller _ und Tochter._ Danksagung. Allen Freunden, Bekannten und Genossen sage ich hierdurch für die Beteiligung an der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes Lmil Kiekeber insbesondere dem Redner für die trostreiche Rede, meinen innigsten Dank. Ww. Klara Kiekeber. [challplalten Verleih- Institut." I Auch nach auawürts. Protp. gratis. I Karl Bertis, Berlin(»U Neu» KSnigstrass« 38. Reinickendorf-West. Rotz-Tchliichtcrci«. Wnrst-Gcschiift Eichborustr. 9, Ecke Wachholderstr. Eröffnung Donnerstag. Artnr Enderlein. Am heutigen Togo ist der Leiter unserer Flasohcnbie1' Abteilung Herr J?panz 8aMU seinem schweren Leiden erlegen. 2871h Der Heimgegangene hat seit 16 Jahren im Dienste unserer Gesellschalt gestanden und sich jederzeit als ein zuverlässiger Beamter erwiesen, der trotz fortschroitender Krankheit seines Amtes bis zuletzt mit Pflichttreue uad Gewissenhaftigkeit waltete. Sein Andenken wird bei uns in Ehren bleiben. Berlin, den 8. Februar 1912. Die Direktion der Brauerei Königstadt A.-Q. - %\» j' ''�■■■■■Hi � ü. Verweim O.M.B.H ■-�•'>'---•••''•■,•{■ tS;-... ,» >Z? 32 Versand-Abteilwngi Berlin W. 66. Leipziger Str. 132/37 Die Firma A. 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Vorsteher Micbelet eröffnet die Sitzung nach 5'A Uhr.— Vor Beginn ivcr Sitzung hat die Wahl von vier A u s s ch ü s s e n statt- gcfnltden. Dem Ausschuh für die Vorbereitung der Neuwahl eines besoldeten Stadtrats gehören als Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion an: Dr. A r o n s, Bruns, H e i m a n n, P f a n n- kuch, Dr. Wetzl, dem Ausschuh für die Vorlage wegen Zu- sammenlegung von Armen kommissionen Tupout, Ewald, Hintze und Ho ff mann, dem Ausschutz für die Vorlage wegen Erbauung der brci südlichen Strahcnbahnlinicn B a s n c r, Brückner, Fröhlich, Glocke, Woldersky. Verstadtlichung des Rcttungswesens. Tie städtischen Verträge mit dem Aerztevercin des Berliner Rcttungswesens und mit dem 5turatoriuni der Berliner Unfall- stationen sollen zum t. April llllZ gekündigt werden und das gc- samte Rettungswesen soll zum gleichen Termine auf die Stadt übergehen. Zur Verwaltung des gegenwärtigen RettungS- tvescns und zur Festlegung der Grundzügc und Bedingungen der Verstadtlichung sowie des Uebcrgangcs der gegenwärtig bestehenden Einrichtungen auf die Stadt soll ein Kuratorium eingesetzt werden, bestehend aus 2 Magistratsmitgliedern, 4 Stadtverordneten und 3 Bürgcrdcputicrten. Stadtv. Sachs(A. L.) beantragt Ansschuhbcratung. Nicht aus prinzipiellem Widerspruch, sondern weil wesentliche Punkte der Begründung noch weiterer Klärung bedürften. Dazu gehörten gc- wisse Fragen mehr pcrsönlickxr Natur sowie auch die Kostenfrage. Man möge den Ausschuh schon heute ernennen lassen. Stadtv. Dr. Jsaae(N. 2.) bcgrüht die Vorlage als die Er- füllung eines alten Wunsches sciucr Fraktion. Die jetzige Form des Rettungswcsens sei immer nur als Provisorium gedacht gc- Wesen. Dieses habe seine Verdienste, aber eine Acndcrung, die Schaffung eines Definitivums, sei jetzt unumgänglich, nachdem auch Mißerfolge zu konstatieren gewesen seien. Stadtv. Prof. Dr. Landau(A. L.) spricht sich ebenfalls für Ausschuhberatung aus. Stadtv. Dr. Wevl(Soz.): Daß wir die Vorlage mit aufrich- tiger Freude begrühcn, kö.�.cn Sie schon daraus entnehmen, daß wir, seitdem hier eine sozialdemokratische Fraktion besteht, immer und immer wieder die V c r st a d t l i ch u n g desRcttungs- w e s c n s gefordert haben, so schon 1885 die Verstadtlichung der Sanitätsivache». Prinzipiell stehen wir immer auf dem Stand-- Punkt, bah Wohlfahrtseinrichtungen, die im Interesse der Allge- meinheit liegen, auch von ihr eingerichtet und bezahlt werden. Aber auch rein praktisch genommen ist die Maßregel notwendig, und es ist gar nicht zu verstehen, warum so lange Jahre dieser Forderung widerstrebt wurde. Natürlich sind wir bei aller Genugtuung über p>ie Verstadtlichung damit noch nicht zufrieden;>vir halten sie für den e r st c n schritt, dem bald der zlveite folgen muh, ein Groß-Berliuer Rcttungswesen zu schaffen. So wichtig der Verkehr, so wichtig die Htzgicne des Verkehrs. Das neue Kuratorium wird es als eine seiner ersten Aufgaben zu betrachten haben, diese Frage in Erwägung zu ziehen. �Auch die Vereinheitlichung und Verstadtlichung des Kranken- T r a n s p�o r tw e s e n s muh energisch angestrebt werden. Der Verband für erste Hilic" hat jg seine Aufgabe gut erfüllt; aber ein solches Transportwesen muh alle Anforderungen einer Groß- stadt erfüllen, und das ist nur möglich, wenn eine kapitalkräftig? Verwaltung dahinter steht. Noch immer kommt es vor, daß Droschken, Omuklmsse usw. mit ansteckenden Krankheiten Behaftete in die Krankenhäuser überführen; welcher Schade der Allgemein- heit damit droht, brauche ich nicht auszuführen. Das Kuratorium muß verstärkt werden, mindestens um zwei, besser um vier Stadtverordnete; das nähere wird der Ausschuh zu er- wägen haben. In das Kuratorium gehört auch noch eine Instanz hinein, an die noch gar nicht gedacht ist, das ist die Zentralkom- Mission der Krankenkasien. Diese haben das größte Interesse daran, daß die erste Hilfe in geeigneter Form geleistet wird; von ihrer Gestaltung hängt die sonstige Organisation des Rettungstvesens ab. Wir stimmen zu, daß der Ausschuh schon heute ernannt wird. Die Frage des ärztlichen Dien st es bcdsrs im Ausschuß, vor allein aber im Kuratorium, ernstlicher Erörterung. Ohne weiteres kann zugegeben»Verden, daß bei so häufigem Dienstwechsel und bei einer so vielköpfigen Acrztczahl Unzuträglichkeiten und Berspütun- gen sich ergeben müssen. Das ist für die Bevölkerung äußerst bc- dauerlich, und es wäre zu wüstscheu gewesen, dah der Magistrats- komniissar schon früher mit eiserner Hand eingegriffen hätte, denn der betreffende Vertrag läuft ja doch. über 1 Jahr; mit bloßem lieoeitswürdigem Entgegenkommen dringt man da nicht durch. Unrer allen Umständen wollen wir daran mitarbeiten, das Retlungsivescn so zu gestalten, dah wir ab 1. April 1913 eine für alle Teile der Bevölkerung annehmbare Verbesserung gewährleistet bekommen. Der Verlauf dieser ganzen Angelegenheit hat gezeigt, ein lvic kolossaler Umschwung über die Bedeutung des Rettungs- Wesens im Laufe von 25 Jahren sich bemerkbar gemacht hat; selbst die enragiertestcn Manckesterlcute haben dem Gedanken des Muni- zipalsozialismus auf Andrängen der Sozialdemokratie Konzessionen gemacht. lWidcrspruch und Zustimmung.) Auch wir sagen i„Die EntWickelung steht nicht still."(Beifall.) Bürgermeister Dr. Reicke: Ich habe die Erinnerung nicht, dah eS so liegt, wie der Vorredner meint, daß noch 1907— 1909 bei den andern Parteien prinzipielle Einwendungen gegen die Berstadt- lichung bestanden hätte». Ohne jede Voreingenommenheit bin ich in der Aerztcfrage je gewesen, bin ich es heute; aber ich bin doch etwas aus einem S a u l u s zum Paulus geworden. Ich bin dem schönen Gedanken, möglichst alle Aerztc zu dem Rettungs- Werk heranzuziehen, nachgegangen; ich muh auch bestreiten, dah nach außen hin ein Mißerfolg eingetreten sei. Wenn nicht alles zum rechten bestellt war, so liegt das daran, dah eine große Per- waltung nicht zulassen darf, daß eine solche Maschinerie ungcwöhn- lich schwer zu drcben ist; das ist aber der Fall gewesen. Die V c r b c s s c r u u g s m ö g l i ch k c i t sehe ich darin, daß man von jenem in der Theorie schönen Prinzip abgeht und lieber versucht, eine nähere Verknüpfung des einzelnen Arztes mit der Wache, die ihm zunächst liegt, herbeizuführen. So ist der Magistrat zu seinen Andeutungen gckomiucn, in welcher Richtung vorgegangen werden soll. Tie Angriffe in der Presse gegen den Vierstundendicnst er- scheinen mir nicht begründet, ebensowenig daß das, was die stadt bietet, zu gering ist. Das Angebot von 1 M. pro Stunde haben die Äerzte 1907 uns selbst gemacht; vorher haben sie 50 Pf.. 65 Pf. und 70 Pf. fiir die Stunde erhalten. Wenn man Aerztc mit 4 Stunden ü I M. beschäftigt, kommt jährlich etwa ein Betrag von 1500 M., unter Hinzunahme des Nachtdienstes etwa 2225 M. heraus. Daß überall und genau 4 Stunden innegehalten werden sollen, ist nirgends vorgeschrieben. Eine Reihe von Aerzten haben daraus sich eine gewisse Existenzmöglichkeit geschaffen; das darf auch nicht übersehen werden. Mit„eiserner".Hand einzuschreiten, verbot sich, so mir Verträge haben. Absolut fälschlich ist auch in den Zeitungen behauptet worden, dah hier irgendwie der Geldpunkt für den Magistrat eine Rolle spielt. Mit der Vcr- gröherung des Kuratoriums sollte man doch etwas vorsichtig sein. Sehr erwünscht wäre uns, wenn die Versammlung beute schon das Grundprinzip, dah verstadtlicht Iverden soll, a n- nahm«. Dem Krankcntransportwcsen wendet der Magistrat fortgesetzt seine volle Aufmerksamkeit zu. Die Wirksamkeit der Sanitätswachcn, die sich zur Verstadtlichung schon zum 1. April 1912 zur Verfügung gestellt haben, kann ich hier nur als eine sehr hoch anzuerkennende bezeichnen. iBcifall.) Stadtverordneter Koblenzer(Soz.): Wir sind mit dem Bürger- meistcr der Meinung, daß das Prinzip der Verstadtlichung noch beute festgelegt iverden kann. Bereits 1909 habe ich darauf hingewiesen, dah der Aerztevercin sein damals gegebenes Ver- sprechen nicht würde halten können. Der Aerztevercin selbst hat ein ganz gewaltiges Fiasko gemacht, der mit seinen 1100 Aerzten nicht einmal die 170 Aerztc beschaffen konnte, die im Rettungs- dienst sich betätigen sollten. Man bat Aerztc, die nichs zu tun hatten, aufbiete» müssen, schließlich sogar zu Aerzten von außer- halb seine Zuflucht nehmen müssen. Daß der Magistrat in dieser Frage den Mut seiner Meinung gehabt und sortdauernd bekundet hat, kann ich nur als einen Fortschritt begrühcn. Ich hoffe und wünsche, dah man in den Ausschuß geht mit einer gewissen Voreingenommenheit in dem Sinne, daß es so wie bisher n i ch t"w e i t c r gehen kann. Wir werden den Magistrat in der Durchführung der Sacke nach Kräften unterstützen.(Beifall.) Stadtverordneter Dr. Ritter(Fr. Fr.) protestiert gegen den Vorwurf, dah der Aerztevercin Fiasko gemacht hat. Nicht dieser, sondern das bisherige Prinzip habe Fiasko gemacht. Stadtverordneter Geh. Sanitätsrat Dr. Herzbcrg(A. 2.) bleibt bei der großen Unruhe der Versammlung unverständlich. Stadtverordneter Dr. Knauer(N. 2.) freut sich der strafferen Organisation, die die Verstadtlichung unzweifelhaft im Gefolge haben werde. Auf seine Frage, was mit dem Nachtdienst der Sanitätswachen werden solle, lvenn diese am 1. April 1912 auf- hören, erwidert Bürgermeister Dr. Reicke, daß darüber eben im Ausschüsse zu verhandeln sein werde. Stadtverordneter Dr. Wetzl beantragt, über die prinzipielle Frage sofort zu entscheiden. Die Versammlung ist damit einverstanden. Die Verstadtlichung ivird im Prinzip einstimmig be- schlössen; im übrigen wird die Vorlage einem Ausschuß über- wiesen, den der Vorstand sofort ernennt. Stadtverordneter Licbcnow(A. 2.) hat den Ausschußbcricht über die Vorlagen wegen Einstellung erhöhter und neuer Zuwendungen an gemein- nützige Vereine usw. in den Etat für 1912 erstattet. An den Magistratsvorschlägen sind nur geringe Abänderungen vorgenommen ivorden. Die Er- höhung der Subvention für das„Zentralkomitee für Auskunft- und Fürsorge st eilen für Lungen- kranke und A l k o h o l k r a n i e in Berlin" soll nicht von 30 000 auf 50 000, sondern nur auf 40 000 M. erfolgen, der Ma- gistratsantrag, der Landesversicherungsanstalt Berlin gegenüber die Bereitwilligkeit der Stadt zur Haftung für 3'4 prozentige Grund- stückszinscn für den Neubau des Zcntralvcrcins für Arbeitsnachweis in der Rückcrstratze zu erklären, soll abge- lehnt werden; die erhöhte Subvention für den Verein ist zur Bc- willigung empfohlen. Die Beihilfe an den„Verein zum Schutz der Kinder gegen Ausbeutung und Mißhandlung" wird auf Antrag Cassel von 1000 auf 3000(statt 2000) M. erhöht. Von zwei Seiten wird die unverkürzte Bewilligung von 50 000 M. an das Tuberkulose- Zentralkomitee bc- antragt. Stadtrat Namslau verwendet sich lebhaft fiir die Bewilligung der 50 000 M. Man könne dem Komitee für seine humanen Be- strcbungcn gar nicht dankbar genug sein. Stadtv. Jacobi(A. L.) spricht gleichfalls für Wiederherstellung der Vorlage. Durch Einschreiten des Komitees, durch Isolierung der Kranken würden jährlich 2000 Tuberkulöse unschädlich gemacht, das bedeute gerade für Berlin einen außerordentlichen Vorteil. Nachdem Stadtv. Dr. Knancr speziell den Vorivurf der Iln- Wirtschaftlichkeit gegen den Verein zurückgewiesen hat, führt Stadt- verordneter.Koblenzer aus, daß es mit dem Wohlwollen des Aus- schusscs allein nicht getan sei. Der vom Ausschuh vorgeschlagene starke Abstrich sei hier am allcNvenigsteN am Platze. Ucber die großen Verdienste des Komitees sei nur eine Stimme. Fast einstimmig werden nunmehr die 50 000 M. bewilligt. Ein Antrag Dupont(Soz.) geht auf Ucberführung des Arbeitsnachweises beö ZentralverrinS in städtische Regie. Stadtrat Namslau bittet dringend um die Zustimmung zu der vom Magistrat beantragten Haftung, die die Versammlung im Prinzip schon früher zu übernehmen beschlossen habe. Sadtv. Tupont: Unser Antrag ist nichts Neues, und ich beab- sichtige auch nicht, den ganzen Verlauf der ganzen Angelegenheit hier wieder aufzurollen, schon deshalb, iveil ein großer Teil der Versammlung mit uns den Arbeitsnachweis als eine öffentliche Angelegenheit und einen solchen städtischen öffentlichen Arbeitsnachweis als notwendig erachtet. Im vorigen Jahre wurde bei der Etatsbcratung ein gleichartiger Antrag von uns nur mit ganz geringer Mehrheit ab- gelehnt. Der einzige Einwand, der immer noch erhoben lvird, daß es dann noch teurer Iverdc als jetzt, ist an sich richtig; die Sache muß teurer werden, die Stadt muß tiefer in den Säckel greifen, wenn sie einer solchen großen sozialpolitischen Aufgabe gerecht iverden will. Sich durch eine solche Subvention an einen Privat- verein loszukaufen, ist einer Kommune wie Berlin nicht würdig. Wir sind nun einmal die Schrittmacher der positiven Sozialpolitik im Gegensatz zu denen, die Stadtrat Professor Prcuß als nega- tivc Sozialpolitiker bezeichnet; die sehen wir recht häufig namcnt- lich bei Arbeiterfragen. Grundsätzliche Gegner eines städtischen Arbeitsnachtveises können Sie nicht sein. Die Gebühren, die an gc- Ivcrbsmäßige Stellcnvermiltler gezahlt werden müssen, sind noch immer ungemein hoch, für städtisches Haus- und Dienstpersonal bis zu 20 M., nicht bloß von dem, der das Personal benötigt, sondern auck von denen, die sich„vermieten" wollen. Der Verkauf der Arbeitskraft sollte völlig frei sein; auch der Zentralverein aber er- hebt eine Gebühr(Stadtv. Ladcwig:„Nur eine kleine!"). Daß dieser Einwurf gerade von Ihnen kommt, wundert mich, lvcil Sic dock» sonst immer der etwas weitsichtigere Sozialpolitiker sind. (Grohe Heiterkeit.) Der bloße Umstand, daß Berlin seine Subvention immer hat erhöhen müssen, beweist schon die Notwendigkeit, hier einmal ganze Arbeit zu tun. Auf die Schaffung einer Arbeitslosenversicherung gehe ich heute nicht ein; die brennt Ihnen ja nicht auf den Nägeln; nach Jbrcr Meinung gehen wir einer Hochkonjunktur entgegen. Sic wissen ganz genau, daß auch heute Arbeitslose vorhanden sind; ich lasse das avcr ans sich beruhen, um Ihnen die Annahme unseres An- träges zu erleichtern. Im vorigen Jahre haben»vir Ihnen zu- gleich den Entwurf eines städtisckie» Arbeitsnachweises- unter- breitet; die gemischte Deputation, die dafür eingesetzt ist, hat sich damit noch immer nicht besaht. Darum müssen„wir aus den Magistrat auch hier einzuwirken suchen, dah möglichst bald eine Sitzung stattfindet, geben aber die Hoffnung noch nicht auf, daß in der Versammlung sich eine Mehrheit für unseren Antrag finden wird entsprechend dem soeben entgegen dem Ausschuhvorschlag gc- faßten Beschluß. Sic sehen also, welches Zutrauen wir zu Ihnen haben. Raffen Sic sich ans und machen Sie aus der großen Minderheit des Vorjabrcs eine Mehrheit fiir einen graßzügig ein- gerichteten und geleiteten städtischen Arbeitsnachweis. Betreffs der gewünschten Haftung sind auch»vir der Meinung, daß es sich hier um eine Konsequenz früherer Vorgänge und Persammlungsbeichlüsse handelt. Jedenfalls muß, wenn unser Prinzipalantrag nicht angc- Wommen wird, das Vorhandene soweit wie möglich ausgebaut werden, und dazu gehört auch die Sicherung des neuen Gebäudes. Gegen den Versuch, städtische Subventionen der Schenknngssteuer zu unterwerfen, protestieren wir auf das allercntschicdciiste.(Zu- stiminung.) Stadtv. Goldschmidt(R. 2.) tritt für die Zustimmung zu der Zinsgarantie ein, die tatsächlich von der Versammlung schon früher gegeben sei. Die Verstadtlichung des Arbeitsnachweises kann er nur akzeptieren, wenn die Arbeitsvermittelung auch durch städtische Beamte erfolge; so allein sei absolute ll n p a r rc i I i ch k e i t verbürgt. Die 20 Pf. Einschrcibegcbühr dürften von der Stadt nach der evtl. Verstadtlichung nicht mehr erhoben werden. Die Arbeit der„negativen" Sozialpolitiker sei doch gerade im Hinblick .auf den vorhandenen Arbeitsnachweis nicht zu unterschätzen. Stadtv. Ritter t(Soz.): Die Landcsvcrsichcrung selbst kann die qu. Zinsgarantic nicht übernehmen. Wenn die Mitglieder der freien Gewerkschaften den Arbeitsnachweis in der Gormannstraße nicht unterstützt hätten, wäre nichts ans ihm geworden. Stadtv. Owldschmidt: Das ist doch ein merkwürdiger Einwand. Wenn die Arbeiter einen für sie bcstimintcn Arbeitsnachweis nicht benutzen, so ist er eben überflüssig und tritt nicht ins Leben. Die erhöhte Subvention für den Zcntralvcrcin für Arbeits- Nachweis wird bewilligt. Ter Antrag Dupont auf baldmöglichste Vorlegung eines Magistratsantrages behufs Ucberführung des Arbeitsnachweises in städtische Regie wird abgelehnt, die Zinsgarantie dagegen bewilligt. Die Subvention van 1000 M. für einen„Hanshaltungs» g e h i l f i n n c n v c r b a n d" beantragt Stadtv. Ritter abzu- lehnen. Man habe Bedenken gegen diese Sonderorganisation, und Berlin habe keine Veranlassung, ihr für die Stellenvermittelung noch eine städtische Unterstützung zu geben. Stadtv. Goldschmidt ist auch gegen diese Unterstützung einer Organisation, die sich kaum gegründet und noch nicht im geringsten bewährt habe. Das müsse ja geradezu zu solchen fragwürdigen Gründungen verführen. Stadtv. Dr. Ritter(Fr. Fr.) empfiehlt die Bewilligung, während Stadv. Cassel seinem Befremden darüber Ausdruck gibt. daß man von Stadtwcgen dem Zentralvcrcin für Arbeitsnachweis, der in der Linkstraßc eine Filiale für weibliche Dienstboten unter- halte, ganz in der Nähe eine solche Konkurrenz auf den Hals setzen wolle. Die 1000 M. werden entsprechend dem Antrage Ritter abge« lehnt. Im übrigen werden die Magistratsanträge, auch die Subvention von 12 600 M. für die Benutzung des Schülerdootshauses in Niedcrschöneweide, genehmigt. Die Vorlage wegen Festsetzung von Fluchtlinien für zwei neue Straßen 30c und 30t auf dem ehemals Borfigfchcn Villen- Terrain an der Straße A l t- M o a b i t ist vom Aus» schuß nach eingehender Beratung mit 9 gegen 6 Stimmen ange- nommcn worden. Von den Stadtvv. Stapf(A. 2.) und Baumann(fr. Fr.) wird nochmalige Ansschußbcratung befürwortet, ebenso voni Stadtv. Ladcwig(N. 2.), der ausführt, daß die Meinungen dc�; Architekten über die Zweckmäßigkeit der vom Magistrat beabsichtigten Auftei- lung des Terrains doch sehr geteilt seien, und wie die Vorredner auf das Samtcrschc Gutachten Bezug nimmt. Cs sei doch stets der magere Vergleich dem fetten Prozeß vorzuziehen. Stadtrat Düring konstatiert, er müsse sich mit der neuen Sach» läge abfinden, erklärt aber die Bezugnahme der Redner auf das Rechtsgutachten für nicht schlüssig und bedauert die erneute Vcr- schlcppung dcr Beschlußfassung. stadtv. Leid(Soz.): Wir betrachten die Vorlage vom Stand- Punkt einer gesunden Wohnungspolitik; wir begrüßen, daß der Magistrat auf den Wohnungsbau auf diese Weise einzuwirken unternimmt, und bedauern nu r, daß das erst so verspätet geschieht. Wenn wir auch vor allem wünschen müssen, daß für den Bau von Kleinwohnungen Sorge getragen wird, so würdigen wir doch auch das Bedürfnis nach Mittclwohnungcn, wie es hier behauptet wird. Ter Magistrat will verhindern, daß Hinterlvohnungen gebaut werden. Ist die Vorlage zur Erreichung dieses Zweckes geeignet? Im Ausschüsse haben die Sachverständigen dazu eine verschiedene Stellung eingenommen. Stellt man das Interesse dcr Gesellschaft in den Vordergrund, so kann man sich nicht wundern, dah sie d.ie Ausführung oder Vorlage verhindern will; aber für uns soll das' allgemeine Interesse, nicht das Interesse einer Erwcrbsgesellschaft entscheidend sein. Di« Vertreter der Gesellschaft haben alles mögliche versucht, alle mög- lichen Machinationen haben ihre Direktoren ins Werk gesetzt, um die Vorlage zu hintertreiben; immerfort baden sie uns mit Plänen behelligt. Wenn man weiter weiß, dah weiterhin geradezu Drohungen ausgesprochen worden sind, dah beim Ministerium die Nichtgenehmigung der Fluchtlinie durchgesetzt werden würde, muh man wirklich dringend wünschen, dah wir bier zur Klarheit kommen. Nach unserer Meinung ist der Zeitpunkt da, der Vorlage z u z n st i m m e n; wir sollten uns schon mit Rücksicht auf da» Ansehen der städtischen Verwaltung nicht länger derart hinhalten lassen. Wir sehen das erwähnte Gutachten nicht als geeignet an, die Vorlage irgendwie zu erschüttern; die nochmalige Ausschnh- beratung wird also irgendwelchen Wert nicht haben. Nehmen Sir den Ansschuhantrag an!(Beifall.) Stadtv. Cremer(A. L.) legt dem Gutachten eine Bedeutung nicht bei, ist aber auf Grund eigener Anschauung dcr Meinung, daß cs genüge, nur eine Strahc durchzulegen und die zweite geplante kleine Querstraße wegfallen zu lassen. Stadtv. Sonncnfcld(A. L.) steht auch auf dem Standpunkte des Magistrats, hält aber eine Prüfung des durchaus ernsthaft zu nehmenden Gutachtens des Justizrats Samtcr in einem Ausschuß für unerläßlich. Stadtv. Stadtliagcn(Soz.): Neues sagt uns das Samterfche Gutachten nicht. Von allem Brimborium entkleidet besagt es nur: „Wenn durch Festsetzung neuer Fluchtlinien jemand geschädigt ist, findet nach dem Gesetz eine Entschädigung statt." Dazu brauchten wir das Samterfche Gutachten nicht.(Heiterkeit.) Sollten Sic wirklich einen Ausschuh nochmals für nötig halten, so bitte ich dringend, dessen Arbeit zu beschleunigen, denn je länger die Sache aufgeschoben wird, desto höher wird auch die Entschädigung. Nach mehrmals wiederholter Abstimmung wird schließlich mit geringer Mehrheit die Z n r ü ck w c i s u n g dcr Vorlage an den Ausschuh beschlossen. Zur Unterbringung der „Freileichcn" muh dcr A n st a l t s f r i c d b o f in Buch herangezogen werden, da dcr Fricdrichsfclder Friedhof fast gefüllt ist und der neue Gemeindcfricdhof in Buch-Karow noch immer nicht polizeilich genehmigt ist. An Geldmitteln fiiii. die in Buch auszuführenden An- und Neubauten sind 8290 M. erforderlich. Die Summe wird bewilligt. Zur Vorlage, betreffend die Ilebertragung des Eigentums, der Unterhaltung und der Verwaltung der B e r l i n- S ch ö n h a n s e r Chaussee auf die Gemeinde Pankow und zu dem dazugehörigen mit Pankow abgeschlosscncn Vertrage bemerkt Stadtv. Koblenzer(Soz.): In dem Vertrage ist seitens unserer Juristen gute Arbeit geleistet, und wir bitten, diese wichtige Vorlage wenn möglich ohne Ausschuß anznncbmcn. Tie Vorlage wird ohne weitere Debatte genehmigt. Schluß%d Uhr. Buq der Frauenbewegung. Die Statistik über das Frauenstudium. "Jiidcr Zeitschrift für höffereS Schulwesen wird"eine Statistik über das F r a u e n st u d i u in an den p r e u K i s ch e n U n i v e r- sitäten im laufenden Wintersemester veröffentlicht. An allen Preußischen Universitäten studieren danach 2832 Frauen, das bedeutet gegen das gleiche Semester im Vorjahre eine Zunahme von 253. Sie verteilen sich auf die Fakultäten folgendermaßen: Theologie 43 sim Vorjahre 41), Jurisprudenz 23(17), Medizin 329 (326). Philosophie 2497(2256). Bon den im laufenden Winter- semester studierenden 2892 Frauen waren 1986 immatrikuliert, die übrige» 906 als Gastzuhörerinncn zugelassen. Die 1986 immatriku- ' lierten verteilen sich auf die Fakultäten ivie folgt: Theologie il, Jurisprudenz 18, Medizin 312 und Philosophie 1645._ Das Fräueuwahlrecht in Amerika. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat Senosse Viktor L/B erg er. der einzige sozialistische Abgeordnete im Bundes- Parlament, dem Kongreß eine Porlage zugunsten des Frauenwahl- rechts unterbreitet. Berger fordert einen Zusatz zu der Verfassung. dahin lautend, daß keiner Person auf Grund des Geschlechts das Wahlrecht versagt werden darf. Diese Forderung soll unterstützt werden durch eine M a s s e n p e t i t i o n, zu der Unterschriften von der Sozialistischen Partei gesammelt werden. Dieser Vorstoß wird der allgemeinen Frauenbewegung für das Wahlrecht wieder von großem Nutzen sein; er zeigt zugleich, daß die Bewegung in der Sozialistischen Partei ihre beste Stütze findet. Wie weiter berichtet wird, werden bei der A b st i mm u n g über die nächste Präsiden tschafts-Kandidatur vier weitere Staaten den Wählern die Frage unterbreiten, ob das Wahlrecht auf dir Frauen ausgedehnt werde» soll. Es sind das die Staaten Oregon, Wisconsin. Nevada und Kansas. In allen diesen Staaten herrscht eini recht günstige Stimmung für eine AuS« Dehnung des Wahlrechts auf die Frauen. eingegangene Druckschriften. Von der„Neuen jleit» ist ioeben das 19. Hest des 30. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heile« beben wir hervor: Einschüchterungk» versuche.— GoldvrodukttoN und Preisbewegung Von I. v.se v« Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das cilizelne Hest kostet'25 Pf. Vom„Wahren Facob« ist soeben die 4. Nuntmer des LS. Lahr- ganges im Umfang von 16 Seiten erschienen, in der der Wahll-eg der deutschen Sozialdemokratie in zahlreichen Beitragen gefeiert wird,.lu-* ihrem Inhalt heben wir folgendes hervor: � Bilder: Der Hoflakai. Von Emil Erl.- Germawens Lieblmge.— Neuer Korkzieher.— Beklemmungen. Von Emil Erl— Ter Trauerzug. — China und Preußen. Von M. Engert.- Em Schuß in« Schwade. Von M. Engert.— Schwarzblauer Katzenjammer. Von O. Delling usw. T° x t:.1 10!- Kurzer Fasching. Von? E.-»..«rnim�nodber- bcim au v. Below-Pleiienburg.— Wahlmarterw.— aeber■-?,°n Jotthils Nauke.— Bürgerlicher Faichingszug. Von Tobnes.— x.a« �undcn- babel an der Knatier. Faschingsgeschichte von?. kl. mw. Der Preis der 16 seiten starken Nummer ist 19 Pf. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dietz Nachs. G. m. b. H. in stutt« gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Generalversaiiiiiiliing des Polnischen Sozialdemokratische» ver« eins(P. P. S.) sindct am Sonntag, den II. Februar, nachmittags 4 Uhr im Lokal des Genossen 21. Kubaczewski, Engeluser 2, statt. Der Vorstand Thealer und Vergnügungen Freilag, u rf.ebruar lv12. Allsang 7'/, Uhr. Kgl. Opernhaus. Der Rosen- kavalier.. Kgl. Schauspielhaus. Der Bettler von Syrakus. DeuticheS. Faust. 1. Teil. Haverland. Spezialitäten. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Schnmaun. Gala»Vor« stcllung. Zirkus Sarrasant. Gala»Vor« stellung. Kleines. LoltchcnS Geburtstag. Hockenjos. Ansang' 8 Mr. Urania. Tailbenftraste 48/49. Der Großglockner, Gastein und > die Salzburger SIlpeN. Neues. Ter liebe Auguftin. Kauimerspiele. Eine glückliche Ehe. Lessliig. 6>udrun. ReucS Schauspielhaus. Fiat iustitia!. Residenz. Alles für die Firma. Kiirfurstelioper. Ticsland. «romiievr Oper. Fra Diavolo.. Weste». Wiener Blut. Lustipiclhaus. Die Damen des . Regimenis. Berliner. Große Rosinen.. Neues Operetren. Eva. Schiller O. Don Carlos. Sch iit"!-(fliarl Ottenburg. Der Kllomelersresser. Kriedr.. Wilh. Schauspielhaus Keldherrnhügel. Luisen. Sommerspuk. Rose. Der Spielteafcl.' � Röniggraiier Straße. Die sün � Frankfurter. Metroi o.. Die Nachh von Berlin. Drianon. Da« kleine Cass. Thalia. Polnische Wirtschask. ktafino. Der Kainps umS Dasein. Apollo. Ivezialitäien. Baiiape. SveziaiitSten. Herrnfeld. Wie man Männer bessert. Der Hausleusel. NeichSbaUe». Stettiner Sänger. Königstadt-Kastito. Ein dunkler Punkt. Spezialitäten. Wintergarte». Spezialitäten. Ansang 8ll, Uhr. yolteS(Pap rice. Mandewlülh'S Polterabend. Losgelassen. Wassens Übung. Walhalla. Tcusel, daS hat ewge- schlagenl Voigt. Ein armer Edelmann. Anfang 8'/a Uhr. NeneS Volkstheater. Leidenichast. Belle-Allianee. Napoleon Bona- parte und seine Frauen. *■* Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Urania. Wissenschaftliches Thealer. Freitag 8 Uhr: Der GroBglockner, Gastein und die Salzburger Alpen. Theater des Westens. Heute 8 Uhr: Wiciter Blnt. Sonnabend und Sonntag: Letzte Gastsptele bcS ltnsninvkvn Ualletts. Luisen-Theater. Freitag: Somnierspuk. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Hansel und Gretel. Slbends 3Uhr: Zopf und Schwert. »«II«. Kiliane«-Tltvktter-. 8'/. Uhr: Gastspiel Ferd. Bon» in „Napoleon Bonaparte und feine Frauen«. Sensatioiis-SluSstaitungs- stück v. W. G. Wills. Musik o.«ullivan. Ledj!!er-7desler0.Hh.°a7er' Freitag, abends 8 Uhr: von Onrioa. Sonnabend, abends 8 Uhre Vvi- iFrodepfetl. Sonntag, nackim. 3 Uhr: Der Probekandidat. Sonntag, abend« 8 Uhr: Der Plorrervon Klrchfcld Schüler-Thealep Chabru?Ben Freitag, abends 8 Uhr: Der KiKometertreimer. Sonnabend, abend« 8 Uhr: Der Weg eur Httlle, Sonntag, nachm. 3 Uhr: Daria Stnart. Sonntag, abends 8 Uhr: _ Per Probcpfctl. Berliner Theater. ] Slbends 8 Uhr: Große Rosinen. 8 Uhr: Zum 50. Male: Die S Frankfurter. Nenes Theater. •• AbendS 8 Uhr: Der liebe Angustin. Refidenz-Theater. Direktion Richard'Alexander. Abends 8 Uhr: Alles für die �irma. Schwank In S AktiN von M. Hennequin u. G. Mitchell. In Szene gesetzt und für die deutsche Bühne bearbeitet von Böltcn-Bacckers. Morgen u. folg. Tage: glloz t.«. Firma. OSE=THEATE Große FranklnNri Str. 132. Ansang 8 Uhr. Der Spieltenfk!. VolkSstück in 1 Akten von Julius Kn'ops. Sonnabend 4 Uhr: Schneewittchen. 8 Uhr: Der Spielteusel. 1 ypoQimin t Mittwoch, den 14. Februar, im großen Saale der Kgl. Hochschule für Musik, Charlottenburg, Fasanenstr., Ecke Hardenbergstr.: Volkslieder-Abend. Mitwirkende: Frau Paola Weinbaum Herr Allred Wittenberg Anfang 8 Uhr. Karten zu 75 Pf. und 1 M. sind zu haben bei HopscH, Gewerkschaftshaus; Gottfried Schulz, Kottbuser Tor; Bote & Bock sowie A. Werthelm, Leipziger Straße. ■■■■■ IB■| Metrspol-Theateb Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. vis Nacht von Barlin! Große Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ab 8 Uhr: Bollständig neues Programm. 10 Uhr: Noch nie dagewesener Lacherfolg Pm»1 Beckers das „Original4*. HfflMI Neuer großer Erfolg! Wie mn Männer bessert. 2 Akt« von Anton u. Donat Herrnfeld mit den Zlutoren in de« Hauptrollen und Der Kanstenfel. Familienschwanl in 1 Akt v. Pohlmann. Ansang 8 Uhp. Billcttvorvcrlaus 11— 2 sTheaterkasse). VOBVX Hauptstadt von Liliput mit Ihrea Bewohnern FriedrichstraSe 165, in den Räumen von Castans Panoptikum. Geöfin. von 2 Uhr nachm. bis 10 Uhr abends. •■•St.•-•" Entree•■.-■;••, I Mark. Kinder die Hälfte. DM- Im Liliput-Zlrkua groBe Ringkampf-Konkurrenz. fago-Bennen im Sportspalast Letzter Tag. Entscheidung. Alleiniger Vorverkauf bei A. Wertheim, seinen Theaterkassen und Filialen. CLOU" Berliner Konzerts Haus. Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90/91. Großes Konzert». ZZZZ Ä Anstich von 3 Königshräu, dem kSstlichsten aller Münchener Doppelbiere. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachmittags: ÖP. Pronicnaden-Konnert bei freiem Eintritt. Zirkus A. �chnmann Freitag, 6.' Febr., abends 8 Uhr: ,, Jeder mann". Aufführung des Deutschen _. Theaters._ Morgen Sonnabend 7'/, Uhr: 8olrce High-Illc. „Momv I.uj der Affenmensch vom ICohgp. Sämtl. Attraktionen u'. um 9 Uhr das neueste, größte Ausstattungsstück Das Motorpferd' in 5 Akten/ Dieses große AusstattmigestQok zü Übertreffen ist unmöglich!' Sonntag. 3 Uhr. ü. 7?/, jLThr in bejiten Vorstell, i„Das Motor- pferd". Jfachra. endet das Ausstattungsstück mit dem 4. Akt. arrasaml Seiiiobanser Allee. Telephon: TCord 41Q0.| Zirkus Bnsch! Freitag, den g Februar 1912, abend«?>/, Uhr:. Komischer/, Uhr; übernimmt die Ncdaktiuu dem Publikum gegeirstbet tttstttlei Verantwortung. Vierter Wahlkreis (QörUtzcr Viertel). Am Sonntag, den 11. Februar 1912, abends 5 Uhr, im Lokale von Graumann, Naunhnstr. 27: ÖekfeirtHcKe Versammlung. Tagesordnung: 212/20* 1. Vorrrag des Landtagsabgeordneten»Julian Borchardt über: Was haben wir vom neuen Reichstag zn erwarten?" 3 Diskussion. _ Nachdem: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. roJLXJüunuuuuc 99 >» Arbeitsnachweis: Amt SBoSeit,J9!r. 1239. Verwaltungsstelle Berlin EharitSstraße 3. Hauptbureau: Hos III. Amt Norden. Nr. 1987 Sonntag, den lt. Februar, vormittags tv Uhr: SraneKen- Versammlung der Eisen-, Metall- und Revolverdreher sowie Rnndschleifer===== in den Mufiker-Festsälen(gr. Saal), Kmser-Wilhelm-Str. 18m. T-a g c S o r d n u n g: Fortsetzung der Versammlung vom 21. Januar. Ohne mtgliedabnch kein Zntrltt. Sonntag, den lt. Februar, vormittags 10 Uhr: SZ'aneken-' Versammlung in den Eisenkonsirnktiotts- Werkstätten beschästigten Arbeiter in den Sophicn-Sälen, Sophienstraße 18. T a g c S o r d.n u n g: 1. Vortrag be« Kollegen Wuschick über:„Unsere nächsten Aufgaben". 2. Feststellung über die Einhaltung der Vereinbarung von 1919. 3. Wahl der Kommis'ion. 4. Verschiedenes. Es ist Pflicht aller Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Metallarbeiter- Notizkalender find im Bureau und. bei den B e z i r k s k a s s i e r e r n zu haben 112/1 Ote OrtsverwaUnnj;. ------ Vcrwaltnng llerlln.===== Heute, Freitag, abends 8'/, Uhr, i« GewerkschaftShause, Engel- ufer 14/15, Saal 4(Arbeitslosensaal/: Tilgung der Ortsverwaltung. Ulafschinenarbeiter. Montag, den 12. Februar 1912, abends 8 Uhr, in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21: Branchen-Versammlung. Tagesordnung: 1.' Tätigkeitsbericht der KomHisfion von, Jahre 1911. 2. Wahl der>Delegierten jur Generalversammlung. 3. Wahl eines ObManueS. 4. Branchenangelegenhciten.' Die Branchenkommisfion. Wf Einsetzer.-WZ Sonntag, den 11. Februar, vormittags v'/z Uhr, finden die.'- Kezirks- Uersammlnugen in folgenden Lokalen statt:'' 76/1� 1. Bezirk: Merkowsti, Andreasstraße 28. 2,„ Gliesche, Kopenhagcucr Straße 74. Or Lausch, Bredowstraße 21. 4.„ Schenk, Neukölln, Rosenstraße 24. 8.*' Wie U' W WW ?.»W U 8. ,, , Wiemers, Bülowstraße 58. . Thunaik, Charlottenburg, Wielandstr. 4. , Mclzer, Wiesenstraße 29. Die Kollegen des 0. Bezirks gehen nach der Andreas- straste 20. Die Brauchenkommission. Achtung! Stapelkonfektion! Achtung! Folgende Zwischenmeistcr Berlins haben den Taristiertrag anerkannt: P. Ballist. Joachimstr. 15 Breul«. Hirtenslr. LI. Portal« Braw. Meyer Str. 29 V« tisch. Anienllt. 47, Seiten st. II Vier, Neu««öniailr. 23, II Camgeb. Tannenbaum. Hlrtcnstr. 20, IX fiarfn« Höchstcslr. 26 'iiichcr, Aiontkirchstr. 33 Felsche;, Lottumsir. 9 Ototlehrcr, Limenstr. 244' ' 9l>: Hirtenstr. 21. hernunm, VIrthcr str. 14 �rzvb. Hirtenstr. 21 «t'Ulhernurnn, WIrche Hirsch. Hirtenstr. 21. Portal S pirsch,-Neue Känigstr. 6. Quergcb. I Hulch. MendelSIohnstr. 12' -perzberg, Ehchrincr Ztr. bS vackbartb. Ketbelstr. 7/S Jo eph. M.. varnimltr. 1,. II 0 r(Lollnowstr. 13 Iakobowitz, Linienslr. 214 Slragburgcr SP. 24, II �lemann, Limenstr. 244- l/achmann, Hirtcnstr. 29, vorn I iteiou, öreirnbiarftr. 17 Golfer. Linienstr. 217 Lipper. Cboriner Str. 6 Manassc, S.. Pr«izlauer Str. 49 Mottcck, Tlrasiburger Str. 24 Mauasie, Jakob,.steibclstr. 3, p. Part. Micke, Wilhelm, Keibchtr. 6 Neugeboren, Lothringcrstr. 16 Psennig. Barietstr. Sa Rcichcnthal. Strazburger Ztr. 37 Silbcrslcin, Palisadenstr. 1t �pitz, Prenzlauer Str. 37, II Sawadt, Hirlcnstt. 21 Weiner, Gollnowstr. 44, Ouergeb. IV Wasierlaus. Meyerbeerstr. 7, non, IV Zimmermann. Mcndeis'ohnstr. 13 MnSlowttz. ilablonsttstr. 8. Portal I Kloppholz, llhoriner Str. 66� vorn I Frankcnstein,.aiblvnökiilr. 7 Zchutdcnsrei. Mendcissohilslr.9, Asg. 3 Eesperrt ist die Firma: Fi-usk�nnteln Saarbriickrr?tr. 30, vorn III Arbeiter- Raflfalirer- Buoii Solidarität. Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, de» 11. Februar: t. Abt.: 2 Uhr: HermSdors(Forst- hauS). 2- Abt.: 1 Uhr: Streifzüge duich den Grunewald.(Elldzteb: PtchcIS. werder(Alter Freund). 3. Abt.: 12-/» Uhr: Schmöckwitz (Noack). 4. und 9. Abt.: Ii/, Uhr: AdlcrsSos (Wöllstein). S. 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Fe- bruar, morgens 8 Uhr, wichtige Flugblattverbreitnng von den Be- zirkslololen ans. Die Parteigenosien von Wildau- Hoherlehme ver- teilen die Flugblätter am Sonnabend, den 10. Februar er., abends «'/» Uhr. vom Bezirkslokale aus. Der Vorstand. Berliner �aclmckten. Aus der Stadtverorduetenversammlung. , Verstadtlichung des Rettun gswesens, die längst nötig war, kommt nun endlich zustande. Der Magistrat hat erkannt, daß sie nicht weiter hinausgeschoben werden kann, und die Stadtverordneten stimmen ihm jetzt bei. Zu deni die Verstadtlichung fordernden Magistratsantrag, der gestern vorgelegt wurde, stellte Genosse W e y l fest, daß die e r st e A n r e g u n g auf diesem Gebiet schon vor einem reich- lichen Vierteljahrhundert von der Sozialdemokratie ausgegangen ist. Bereits im Jahre 1885 beantragten in der Berliner Stadtverordnetenversammlung unsere Genossen die Verstadtlichung der Sanitätswachen, die damals in Berlin die einzige Institution für Rettungswesen waren. Als Wetzl von den Zugeständnissen sprach, die der Stadtfrcisinn sich schließlich doch habe abringen lassen, antworteten die Frei- sinnigen mit abwehrendem�Lärm. Es läßt sich denken, daß sie solches„Lob" immer wieder als sehr peinlich empfinden. Ter vor einigen Jahren geschaffene Zustand des Rettungs- Wesens, der als große„Reform" hingestellt wurde, bedeutete nicht viel mehr als ein Forttvursteln. Gestern wollte Bürger- meister R e i ck e glauben machen, daß das ein Uebergang zur Verstadtlichung gewesen sei, der sich ganz gut bewährt habe. Genosse Koblenzer erwiderte mit einem Hinweis auf das vollständige Fiasko, das dabei der Acrztevercin gemacht habe. Der grundsätzliche Beschluß, das Rettungswesen nunmehr zu v e r st a d t l i ch e n, wurde schon gestern gefaßt. Nur über den Magistratsantrag, baldigst ein Kuratorium zu wählen, das die Ausführung vorbreiten soll, wird noch ein Ausschuß beraten. Zu einer Vcrstadtlichungsdebatte kam es auch im Rah- men der Verhandlungen über die an Vereine zu zahlenden Beihilfen der Stadt. Sehr bcträcht- lickze Summen mußten wieder dem Zentralverein für Arbeitsnachweis bewilligt werden, damit er seine Ans- Jabe einigermaßen erfüllen kann. Tie sozialdemokratische iroktion beantragte erneut, den Arbeitsnachweis in Verwaltung der Stadt zu übernehmen, weil— wie Genosse D u v o n t zur Begründung ausführte— nur so die notwendige Ausgestaltung zu erreichen sei. Tuponts Wort, daß die Sozialdemokratie hier wioder mal Schrittniachcr für positive Sozialpolitik ist, ver- droß begreiflicherweise den stadtv. G o l d s ch m i d t. Er antwortete in dem wichtigtuerischen Ton, den man an ihm kennt. Genosse Ritter fertigte ihn gebührend ab. Ter Antrag auf Verstadtlichung wurde auch diesmal wie- der abgelehnt, aber er gehört zu denen, die wiederkehren. Hoffentlich kommt in nicht zu ferner Zeit der Tag, wo wieder- um dem Stadtfrcisinn„lobend" attestiert werden kann, daß er zur Einsicht gelangt ist. Noch um ein paar andere Vereine wurde wegen der ihnen zugedachten Unterstützungen gestritten. Ten Für- s o r g e st e l l e n für Lungenkranke und für A l k o h o l i k er wollte der Ausschuß weniger geben, als der Magistrat beantragt hatte. Genosse Koblenzer wies hin auf die Notwendigkeit dieser Bestrebungen, und es wurde dann die vom Magistrat beantragte Unterstützung bewilligt. Dem Verband Deutscher Haushaltungs- g e h i l f i u n e n die ihm zugedachte Beihilfe zu versagen. forderte Genosse Ritter, der diese Sonderorganisation als keineswegs bcdenkensrei schilderte. Die Unterstützung wurde abgelehnt.... Im letzten Teil der Sitzung wurde über ein Straßen» Projekt für Moabit verhandelt, durch das eine Ter- raingesellsckmft sich in ihren Erwartungen getäuscht sieht. Sie will dem Magistrat die Schuld an ihrem Reinfall aufbürden und setzt olle Hebel in Bewegung, um Berücksichtigung ihrer Wünsche zu erlangen. In dem Ausschuß, dem die Vorloge überwiesen worden war, hat sich keine der Gesellschaft gün- stige Mehrheit gefunden: ober gestern im Plenum kam es anders. Für die Magistratsvorlage trat fast nur die sozial- demokratische Fraktion ein. Genösse Leid leuchtete in das Treiben der Gesellschaft hinein und legte vor aller Ceffentlich- keit bloß, mit welchen Mitteln sie ihre Ansprüche dnrchzu- setzen suchen. Als Stadtverordneter S o n n e n f e l d ein der Gesellschaft günstiges Gutachten einer„Autorität" erwähnte, trat Genosse Stadt Hägen ihm entgegen. Die Vorlage wurde dem Ausschuß zurückgegeben. Tie Gesell- schaft wird die so gewonnene Zeit zu nützen wissen. Bolksschüker im Theater. Das war vorgestern wieder mal ein erquickendes Bild im Schiller-Thcater des Ostens, daß den wenigen betreuenden Großen das Herz im Leibe lachte: ein dichtgefülltes Parkett von jugeudfrischen Mädchcnknospen und auf den Rängen bis zur Galerie hinauf Kopf an Kopf die männliche Proletarier- jugend. Wie in einem Bienenkörbe summte es oben, wie ans dem Gänsemarkt schnatterte eS lustig unten. Aber mit einem Schlage trat Mäuschenstille ein, als der Vor- hang sich hob, uni den Kindern in lebendigen, sprechenden, packenden Gestalten vor Augen zu führen, was sie in der Schule aus Schillers„Wilhcm Tell" nur gelesen hatten. Gibt's ein aufmerksameres, dankbareres Publikum als ein Parterre von Kindern? Schon nach dem ersten Aufzug brauste es orkanartig von bcifallspcndenden kleinen Händen durch das weite Haus. Und von Szene zu Szene stieg die unverhülltc, lebenswarme Begeisterung, das Verständnis für eine geschicht- Itche Handlung,'die dem Volke und seinen Kindern tief ins Herz geschrieben ist. Umvillkürlich ballte sich wohl manche «nabensaust da oben beim ergreifenden nächtliche» Nütli- schivur, und die großen edlen Volksgestalten, die der Dichter das hohe Lied der Freiheit singen läßt, mögen in mehr als einem Proletarischen Feuerkopf, der noch zu großen Dingen berufen ist, den ersten Keim des Ehrgeizes, der befreienden Tat leise geweckt haben. Den Mädels taten es mehr die herzigen Lockenbuben Tells an, zwei prächtige goldblonde Theatcrkindcr, die bekanntlich alle auf den undeuischen Namen Müller hören. Man fühlte es ordentlich,>me das Kinder- Auditorium mitbangte um den vom vertierten Despoten be- fohlenen Apfelschuß, und wieder, immer wieder erscholl nach dem glücklichen Treffer auf das Herz des grausamen Volks- feindes dröhnender Jubel. Die Haltung der Volksschüler, auch in den Garderoben und Foyers, war ausgezeichnet. Kein Drängen. Lärmen. Hasten. Alles ging wie am Schnürchen, fast besser wie bei Erwachsenen, die im Theater zu Hause sind. Und im Tunnel legten die dank mütterlicher Fürsorge mitgebrachten Futter- nickel in die zu billigsten Preisen bereit stehenden Kaffee- und Kuchenvorräte während der Pause mächtige Breschen. Bloß ein Gedanke trübt die reine Freude. Müssen nicht noch Hunderttausende anderer Kinder nach ähnlichen Genüssen darben? Es wird auch bei ihnen Licht werden und mit den Worten des sterbenden alten Attinghansen wiederklingen: Das Alte stürzt... und neues Leben blüht aus den Ruinen I 50 Jahre Statistisches Amt. Am gestrigen Tage waren fünfzig Jahre vergangen, seit bei der städtischen Verwaltung von Berlin ein zunächst provisorisches «statistisches Bureau errichtet wurde, nachdem die erste Anregung schon 6 Jahre vorher durch einen Antrag des damaligen Vorsitzenden der Armendirektion. Bürgermeisters Naunyn, im Jahre 1856 gegeben worden war. Anläßlich dieses Tages hat der Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin Prof. Dr. Silbcrgleit im Auftrage.der Deputatton für Statistik eine Denkschrift verfaßt, in der er die Geschichte des Amtes und die von diesem geleisteten Arbeiten in kurzem Abriß darstellt. Wohl alle Gebiete des öffentlichen Lebens der Rcichshauptstadt sind in den vielfach unter kurzer Inhaltsangabe hervorgehobenen Schriften des Statistischen Amtes behandelt, und wir verfolgen an der Hand dieser Arbeiten die Entwickeluny der Bcvölkerungs- crscheinungen in ihrem weit ausgedehnten Gebieten in tatsächlicher Beziehung wie in methodologischer Hinsicht, in welcher Richtung namentlich der zweite Direktor des Statistischen Amtes Geheimer Regierungsrat Univcrsitätsprofcssor Dr. Richard Böckh in einer 28 Jahre umfassenden Tätigkeit unvergängliche Grundlagen ge- schaffen hat, zunächst unter Anlehnung an die vortrefflichen, durch philosophisch-volkstümliche Darstellung ausgezeichneten Schriften seines Amtsvorgängers, des Universitätsprofessors Dr. Hermann Schwabe, der 1874 im Alter von nur 44 Jahren dahinschied. Wir lernen aber auch weiter in den außerordentlich zahlreichen und umfassenden Arbeiten, die das Statistische Amt in diesen 50 Jahren veröffentlicht hat, die Wirkungen der Reichs- und Landes- gesetzgebuna, die Schaffung der in aller Welt mustergültig gc- wordenen kommunalen Einrichtungen im Gebiet der Hygiene, der Fürsorge für Kranke und Gebrechliche, für Schule und Bildung, für Lebensmittelversorgung, für den Ausbau der öffentlichen Ver- kehrswege und ihre Unterhaltung, sowie der Korporation und privaten Veranstaltungen im Gebiete des Verkehrs und der öffent- jichen Wohlfahrtspflege, andererseits auch die EntWickelung der städtischen Finanzverhältnifse kennen. Dabei wurden aber auch die Aufgaben der Verwaltung in immer größerem Umfange zu er- füllen gesucht, so daß das Amt mit vollem Recht für sich in Anspruch nehmen kann, daß es den vielgestaltigen Erscheinungen auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens der Reichshaupt- stadt, wie uuter seinen beiden ersten Direktoren, so auch unter dem schon im Alter von nur 47 Jahren im Jahre 1906 ver- storbenen Prof. Dr. Ernst Hirschberg und unter dessen Nachfolger alle Zeit seine tätige Anfmerksam!e:t zugewandt hat. Wie der Verfasser in der Denkschrift hervorhebt, sind die Erfolge der Arbeit deS Statistischen Amtes aber auch auf die Förderung zurückzuführen, die es von der Deputation für Statistik und vom Magistrat stets erfahren hat. Tie«chrift ist init den Bildern der drei verstorbenen Direktoren, sowie des langjährigen Stadtverordneten Dr. S. Neu- mann, des eigentlichen Begründers der Bcrliiwr Statistik, ge- schmückt. Beigegeben iit ihr ferner eine geschichtliche Darstellung der Entwickclung der Bibliothek des Amtes vom wissenschaftlichen Assistenten Dr. Moritz, sowie eine vom Volontär Dr. Ergang hergestellt« Ucbersicht über die vom Statistischen Amt für zahlreiche Ausstellungen und Kongresse angefertigten graphischen Darstellungen. Bewegungsspiele an den Gcmeindcschulen. In der letzten Sitzung der Depntalion für das städtische Turn- und Badewescn erstaltete linter anderem der städtisckc Oberturnwart Dr. Luckow Bericht über die Bewegungsspiele an Gcmeindcschlilen im Sommer 1911. Wir entnehmen dem Bericht folgende Einzelheiten: Für die Knabenspiele stehen diesen jetzt, nachdem auch die Spielwiese im Schillerpark freigegeben ist. 11 Spielplätze zur Verfügung. Für die Mädchen- spiele find 6 Spielplätze vorhanden. Die Plötze verteilen sich über die ganze Stadt: sie befinden sich am Schlesischen Tor, im Friedrichshain, am Urban, im Humboldthain, am Kreuzberg, an der einsamen Pappel lSchönhauser Allee) in der Wiesen- und Bremer Straße, im Treptower Park, auf dem Moabiter Infanterie-Exerzierplatz und im Sckiillerpark, außerdem wird auck aus zwei Schulböfen gespielt. Die Spiele fanden in der Zeit von Anfang Mai bis Ende September statt, und zwar nachmittags von 4— 6 Uhr. Mittwochs und Sonnabends für Knaben zwischen 4 und 6 Uhr, Montags und Donnerstags für Mädchen. Der Sommer war mit seiner an- haltenden Hitze und Trockenheit und der nicht zu dämpfenden Staubentwickelimg dem Spielverlehr nicht � günstig. Wenn sich der Besuch der Plätze gleichwobl auf der Höhe der Vorjahre gehalten, ja. im ganzen sogar gesteigert hat. so darf man diesen Erfolg wohl dem Umstände zugute schreiben, daß die Wert- schätzung des B-wegungsspieles breite und liefe Wurzeln in Kinder- und Elrernherzen zu schlagen beginnt. Uiizwciselhaft haben die mit Recht berühmt gewordenen Ferienspiele der Stadt Berlin ihren wesentlichen Anteil daran. Es spielten in den angesetzten Zeiten auf den von der Stadt in Letrieb�gehaltenen Spielplätzen rund 126 000 Kinder, das macht pro Spielnachmittag 3600 Kinder, das heißt etwa 1,30 Proz. unserer gesamten Gemeindeschulkinder. Ist die Teilnahme auck durchaus noch nicht befriedigend. so ist dock erfreulicherweise eine Steigerung der Teilnahme be- merkbar. Und jede, auch die geringste Steigerung bedeutet für die Großstadt mit ihren ungeheuren Schwierigkeiten in der Entwickelung einer guten Sache einen dankenSlverten Fortschritt. Neben den vslichtmäßigen Spielkursen lief ein lebhafter privater Betrieb einher. Viele Lehrer und Lehrerinnen zogen mit ihren Klassen einzig ans Begeisterung für die Sacke und aus Liebe zur Jugend hinaus ans die von den städtischen Behörden für diese Zwecks gern zur Ver« süguug gestellten Plätze und hielten einen regelmäßigen und regel- rechten Spielverkehr aufrecht. ttcbcr den Direktor des ZweckvcrbandcS ist man sich noch nicht im klaren. Gestern trat ein Ausschuß zusammen, der mit der Vor- bereilnng der Wahl betraut ist, er kam aber zu keinem Resultat und vertagte sich dann. ES haben sich aus die Ausschreibung der Stelle eine ganze Anzahl Bewerber gemeldet, von denen aber keiner ernst- baft in Frage zu kommen scheint. In einigen Blättern wurden dieser Tage verschiedene Namen genannt, darunter Oberbürgermeister Voigt-Barmen, früher in Nixdorf, Bürgermeister Neike und Kämmerer Steiniger. Scharfschießen bei 20 Grad Kälte. Eine Aufsehen erregende Meldung wurde gestern abend von einer hiesigen Lokalkorrespondenz verbreitet. Danach sollen anr Montag gelegentlich einer aus dem Tegeler Schießplatz abgehaltenen Scharf schießübung Massenerkrankunge» bei dem in der Blückerstraße liegenden Kaiser-Franz- Grenadier-Regiment ein- getreten sein. Etwa 50 Mann sollen an jenem abnorm kalten Tage bei einer Temperatur von über 26 Grad unter Null bereits auf dem Schietzplatz und nach Rückkehr in die Kasernements gezwungenge- Wesen sein, sich krank zn melden: dieMehrzahl wegen crfrorrncrGlirdmaßcn. Man spricht von 22 Mann, die inS Garnisonlozarett 2 zu Tempel- Hof, zum Teil von Tegel aus mit der Bahn eingeliefert werden mußten und von zwei Mann, die besonders schwer betroffen sein sollen. In den beiden letzten Fällen wird sich voraussichtlich eine Amputation von Fingern der rechten Hand kaum un, gehen lassen, lieber die verhängnisvolle Uebung, die Wohl ohne Schädi- gung ihres militärischen Werte's auch bei milderer Witterung hätte vorgenommen werden können, werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Das 2. Bataillon des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-RegimentS Nr. 2 hatte schon am Sonntag, den 4. Februar, Befehl erhalten, keinerlei Urlaub zu erteilen, eine Anordnung, die wohl schon mit Rücksicht darauf getroffen war. die Mannschaften für die am folgenden Montagmorgen stattfindende Schießübung möglichst widerstandsfähig zu erhalten. Es sollte kompagnieweise geschossen werden. Als erste verließen deshalb gegen o'/z Uhr morgens bei scharfer Kälte die 6. und die 7. Kompagnie die Kaserne, um si ch nach Tegel zu begeben. Die berittenen Offiziere ließen ihre Pferde, wie ver- lauter, mit Rücksicht auf die Kälte im Stall zurück. So lange alles in Bewegung blieb, soll der Marsch auch ohne Zwischenfälle ver- laufen sein, erst bei der ersten Gefechtspause klappten einige Leute, von der Kälte übermannt, zusammen. Zwei Mann, deren Finger, wie ihre Kameraden erzählen, schwarz aussahen, sollen direkt mittels Bahn ins Lazarett überführt worden fein. Die Krankmeldung der übrigen Leute erfolgte nach Rückkehr in die Kaserne. Wie weit dieser seltsame Vorgang in allen Einzelheiten genau den Dtisachen entspricht, läßt sich bei der Verschwiegenheit der in Frage kommenden Stellen zurzeit nicht mit Bestimmtheit sagen. Es verlautet jedoch, daß am nächsten Tage gelegentlich einer anderen Uebung im Süden Berlins das Fehlen der großen Zahl von Man»- schaften des 2. Bataillons von leitender Stelle mißfällig bemerkt und als vermeidbar bezeichnet worden ist. Dringende Pflicht der Militärbehörde ist es jedoch, unverzüglich Aufklärung über den wirklichen Grund der gemeldeten Massen- erkraniungen zu verbreiten, denn die gesamte Oeffentlichkeit hat ein Recht darauf._ In der Lichtenberger Mordsache haben sich nach den bisherigst Mitteilungen Momente, die den in Haft genommenen Kassenboten Karl Schabe! des Mordes zu verdächtigen geeignet sind, nicht er» geben. Schabe! hat dem Untersuchungsrichter gegenüber seine Ua- schuld beteuert. Darüber, welcher Art das von der Lichtenberger Kriminalpolizei zusammengestellte Beweismaterial ist, fehlen bisher weitere Angaben. Inzwischen sollen sich bereits eine ganze Anzahl Zeugen gemeldet haben, die den Nachweis erbringen wollen, daß Schabe! unmöglich mit der Mordtat etwas zu tun gehabt hat. Der Selbstmordversuch eines Dienstmädchens erregte gestern in dem Hause Alt-Moabit 78 und in der Nachbarschaft großes Auf» sehen. Bei dem Hauseigentümer Rechnungsrat Nicolai, der im zweiten Stock wohnt, diente seit 14 Tagen«ine 19 Jahre alte Emma Eickstädt, die aus Eberswalde nach Berlin kam. Gestern morgen um S'/z Uhr hörte ein Bäckermeister aus demselben Hause auf dem Hof einen schweren, dumpfen Fall. Er eilte hinaus und fand die junge Eickstädt besinnungslos unter dem Fenster ihrer Küche liegen. Er holt« einen Schutzmann und dieser brachte die Schwerverletzte mjt einer Droschke nach dem Krankenhause Moabit. Wie dort festgestellt wurde, hatte sie sich beide Beine gebrochen und außerdem auch innerlich schwer verletzt, so daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Ali sie wieder zu sich kam, gab sie an, sie habe sich auS Furcht vor ihrer Dienstherrin das Leben nehmen wollen und sei aus dem zweiten Stock hinaus- gesprungen. Zu Nachbarinnen hatte das Mädchen schon vorher ge- klagt, daß«S geschlagen worden sei. Die Hausfrei bestreitet eist- schieden jede Mißhandlung und behauptet, sie habe das Mädchen nicht gebraiiche» können und ihm kündigen wollen. In der Nachbar- schast erregt das Geschick des Mädchens und sein VerzweiflungS- schritt lebhafte Teilnahme, um so mehr, als auch stüher Mädchen wiederholt über die Behandliiiig gellagt haben, die ihnen zuteil ge- worden seien. Der Vorfall bedarf jedenfalls noch weiterer Auf- klärung. Schlechter Geschäftsgang hat die 49 Jahre alte Schankwirtin Witwe Emilie Klinger in den Tod getrieben. Nachdem dieselbe früher schon einmal eine Wirtschaft betrieben hatte, eröffnete sie am lS. Juni wieder eine solche in der Hennigsdorfer Str. 6. Die Wirtschaft ging so schlecht, daß die Frau schon seit zwei Monaten keine Miete inehr bezahlen konnte. Gestern morgen sollte sie die Räume verlassen. Als um 8 Uhr die Reinemachefrau kam, fand sie die Wirtin tot am Schankltsch sitzen. Sie hatte die Hähne des Gas- kocherS und der drei Lampen geöffnet und sich mit Leuchtgas ver- giftet. Wiederbelebungsversuche, die Samariter der Feuerwehr an- stellten, blieben erfolglos. Zwei Personen durch Äohlendunst vergiftet. Ein schtvereS Unglück hat sich in der letzten Nacht in der Odcrberger Straße 41 zugetragen. Seit mehreren Jahren befindet sich dort die Gastwirtschaft von M ä r t n e r. Die Wohnung der Familie liegt unmittelbar hinter dem Laden und besteht aus zwei Zimmern. In dem einen schläft Märtner mit seiner Frau und in dem zweiten pflegt der 21 jährige Sohn Wilhelm und ein Schloff- bursche Fritz Lewin zu übernachten. In der Nacht hatten sich die Leute wie gewöhnlich nach Gcschäftsschluß zu Bett begeben. Als gestern früh Frau Märtner ausstand, fand sie ihren Sohn und den Schlafburschen bewußtlos im Bett vor. Das Zimmer war mit Äohlendunst angefüllt, der aus einem schadhaften Ofen aus- geströmt war. Man alarmierte sofort die Feuerwehr, die zwei Mann mit Sauerstoffapparaten an die Unfallstelle schickte. Es wurden sofort Wiederbelebungsversuche angestellt, doch kam bei dem jungen Märtner jede Hilfe zu spät, da der Tod schon eingetreten war. Bei den« Schlafburschen Lewin waren die Bemühungen ersoljj- reich, denn der junge Mann erholte sich nach längerer Behandlung wieder. Er mußte aber nach dem Mrchowkrankenhaus gebracht werden. Das Unglück trifft das Ehepaar Märtner um so schwerer. als der plötzlich verunglückte Sohn das einzige Kind war. Mit Leuchtgas vergiftet bat sich die 28 Jahre alte Ehestou Ella des Telegraphenarbciters Tamek aus der Buchholzer Straße 2. Trotzdem der Mann einen guten Verdienst hatte, arbeitete die Frau noch in einer Fabrik. Während dieser Zeit brachten sie ihr Kind, eine 6 Jahre alte Tochter, bei den im selben Hause wohnenden Großeltern unter. Bis Anfang Januar litt die Frau an heftigem Gelenkrheumatismus, der eine starke Nervosität der Frau zur Folge hatte. � Besonders in den letzten Tagen bekam sie oft schwere Anfälle. Gestern, als ihr Mann zur Arbeit gegangen war, brachte ihre Tochter wie sonst zu ihren Eltern, gmg kann aber nicht I an ken Finanzau? schütz. Aus de» Erörterungen etlicher Finanz- die Fabrik, sondern wieder in ihre Wohnung. Hier schleppte s kundiger, wie der Sladlv. Härtung und Leidig, klang die Be- fürchrung hervor, das; auch für Wilmersdorf von ferne die Zeit st- .... ��W�WWWI sie eine Bettstelle aus dem Schlafzimmer in die Küche, drehte den Hahn der Gaslampe und des Kochers auf und legte sich auf die Bettstelle nieder. Abends um KM- Uhr fand ihr Mann sie dort tot liegen. Ein Arzt stellte fest, datz der Tod bereits vor mehreren Stundeit eingetreten war. Tie Leiche wurde beschlagnahmt und dem Schauhause überwiesen. Der bestohlenc NcichstngSabgcorbnete. Böse Erfahrungen hat der Neichstagsabgeordnete Amtsrichter Fritz W. in Berlin machen müssen. Ter neugebackene Abgeordnete war Mittwoch in Berlin eingetroffen, um der Eröffnung des Reichstags beizuwohnen. Am Abend wohnte er einer Vorstellung in einem Theater in der Linien strotze bei. Als Herr W. nach beendeter Vorstellung die Garderobe aussuchte, wurde ihm im Gedränge von einem dreisten Marder die Brieftasche gestohlen. Die Tasche enthielt mehrere Hunderb- markscheinc, eine Eisenbahnfreikarte für ganz Deutschland und einige Zehnmarkscheine. Es sit nicht ausgeschlossen, datz der Täter den Versuch Machen wird, mit Hilfe der Karte Reisen zu unternehmen. Der Diebstahl war so geschickt ausgeführt worden, datz der Abge- ordnete nicht das geringste davon bemerkt hatte. Das Treiben der Theaterdiebe nimmt seit einigen Tagen wieder überhand. Autzer dem oben angeführten Fall müssen wir noch über zwei weitere Diebereien berichten. So wurde im Neuen Theater ein Besucher um seine goldene Uhr im Werte von 600 M. gebracht. Er hatte sich während der Pause nach dem Foyer begeben, wo ihm das Wertstück entwendet wurde. Schwer geschädigt wurde ferner ein Fräulein L., Schöneberger Ufer 10 wohnhaft. Fräulein Ä. hatte einem Konzert in der Philharmonie beigeivohnt, und während sie sich im Saale dem Genutz der Darbietungen hingab, wurde ihr in der Garderobe ein Pelzjackett im Werte von 2000 M. gestohlen. Auch in diesem Falle war der Diebstahl völlig unbemerkt zur Ausführung gebracht worden. Mlinlvng. Der Polizeipräsident teilt mit: Im Anschluß an meine vffeutliche Warnung vor dem wertlosen, unter gewissen Um ständen gesundheiisschüdlichen Triiiiksuchtsmittel„Alcola" vom 13. Juni 1911— 1654 I. 10/11— mache ich daraus aufmerksam, daß dieses Präparat auch unter der Bezeichnung„TrnnksuchtSmittel der Frau Anderson in Hillbuni N. D." in den Handel gebracht und öffentlich angepriesen wird. Gleichzeitig warne ich hiermii allgemein vor dem Bezüge von Miltcln zur Heilung der Trunksucht. Die. Erfahrung hat ge- lehrt, datz bisher keinerlei Arznei für die Entwöhnung vom Trunk sich als wirksam erwiesen hat, vielmehr mir Entziehung aller olkoho- lischen Gelränkc, nötigenfalls unter Ucberführung des Trinkers in eine geeignete Heilcrnslalt, bei der Behandlung der Trunksucht Erfolge liesern kann._ Torort-sVadrncbtcn. Charlottenburg. Eine iilicrfüllle Dcrsamnilniig städtischer Arbeiter nahm am Mitt- tvoch, den 7. Februar, im grotzeu Saale des„VolkshauseS"' zur Ab- lehnung der Teuerungszulage durch den Magistrat Stellung. Saal und die Galerien vermochten kaum die Erschienenen zu fassen. Im Oktober vergangenen Jahres hatten die städtischen Arbeiter den An- trag auf Zahlimg einer Teuerungszulage gestellt. Wie ja aus der Presse schon bekannt ist, hat der Magistrat diesen Antrag, der auch Von der Stadtverorducteuversammlung»nterstützt wurde, abgelehnt. Der Referent, Genosse Stadtv. Wille, entwars ein Bild der Ver- Handlungen über diese Angelegenheit. Er legte dar. wie die sozial- demokratische Fraktion als erste aus dem Plan erschienen sei mir An- tragen aus Beseitigung der Folgen der Teuerung. Besonders scharf kritisierte Redner die Begründung der Ablehnung durch den Vertreter des Magistrats, den Bürgermeister Matling, der erklärte, datz erstens keine so gewaltige Teiierung ciilgetrelen sei' und zweitens das Normal- einkommen der städtischen Arbeiter ein derartiges sei, datz ein Anskommen möglich sei. Wie es in Wirklichkeit mit dem Einkommen bestellt ist, zeigte in der Diskussion Kollege Polenske. Trotzdem am 1. Dezember die Mindestlöhne der nichtständigen Arbeiter von 8,60 M. ans 4,03 M. erhöht wurden, befinden sich unter den ständigen Kämmereiarbeitern eine große Zahl, deren tägliches Ein- kommen noch weniger als 4 M. beträgt. Im übrigen macht bei der Ablehnung das reiche Charlotteiiburg eine unrühmliche Ausnahme in Grotz-Berlin. Berlin, Weitzensee, Tempelhof, Treptow, Rummels- bürg haben Teneruligszulagen, Schönederg, Pankow, Steglitz, Wilmersdorf Lohnerhöhungen eintreten lassen. In der weiteren Diskussion wies Kollege Sleinberg besonders auf die mißlichen Ver- Hältnisse in der Parkverwaltung hin. Einstimmig nahm die Versammlung folgende Resolution an: „Die am 7. Februar im„Volkshauie" versammelten 1000 Arbeiter und Handiverker aller städtischen Betriebe Tharlottenburg-Z erhebe» schärfsten Protest gegen die Ablehnung ihres Antrages auf Gewährimg einer Teuerungszulage. Die Versammelten bedauern diese Ablehnung um so mehr, als in einer Anzahl Gemeinden Groß- Berlins, unter Verücksichrigung der antzerordenllickien Teuerung, Teuerungszulagen, in einzelnen Gemeinden Lohnerhöhungen gewährt wurde», yiir Charlottenburg mit seinen teuren Existenzbedingungen ist eine Berücksichtignng der Verhältnisse besonders notwendig. Die Versammelten richten daher das dringende Ersuchen an den Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung, erneut zur Frage einer Teuerungszulage Stellung zu nehmen nrd erwarten von einer nochmaligen eingehenden Prüfung die Gewährung ihres Gesuckies. Tie Versammelten beauftragen daS Bureau der Versaminlung, diese Resolution dem Magistrat und dem Stadtverordneteukollegium zu überreichen." In seinem Schlußwort legte Genosse Wille den Versammelten noch einmal den Zusammenschliitz in gewerkschaftlicher Hinsicht dringend ans Herz. Mit einem bransenden Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung schloß die imposante Versammlung. hervor, daß auch für Wilmersdorf von fiuauzicller Kalamitäten heranrücken wird. Bei der Etats- b c r a t u u g, die in der nächsten Sitzung erfolgen soll, wird näheres hierüber zu sagen sei». Für die Erhebung von Standgeld auf den Wochen- Märkten will der Magistrat eine neue Gebührenordnung ein- führen, die den 1889 eingeführten Satz von 10 Pf. Tageömiete für de» Quadratmeter Raum im wesentlichen bestehen läßt. In Rück- ficht auf die setzhaften Gewerbetreibenden verlangte der Stadt- verordnete L e h m a n n ein möglichst hohes Standgeld. Ihm trat unser Parteigenosse Schröder entgegen, indem er auf die Inkonsequenz einer Mittclstandspolilik hinwies, die gerade den kleinen Händlern das Leben schtver machen will. Auch warnte Schröder vor der von Lehmann gegebenen Anregung, die Wochenmärkte an den Meistbietenden zu verpachten. Die Angelegen- beit ging an einen Sonderausschuß; ebenso wurde die Magistrats- Vorlage betreffend die Austvahl der im Jahre 1912 zu asphaltierenden Straßen einem besonderen Ausschuß überwiesen. Beiden Ausschüssen gehört u. a. der Sozialdemokrat Schröder an. Zehlendorf(Wannseebahn). Sichert Euch das Getiiciiidewahlrecht! Nehmt, soweit eS noch nicht geschehen ist, sofort Einsicht in die Gemeindetvählerliste, die nur noch heute, Freilag, den 9. und morgen, den 10. d. Mis., im Gemeindeamt. Hauptstr. 38, Zimmer 8, zu jedermanns Einsicht ausliegt. Wer nicht in der Liste eingetragen ist, darf nicht wählen. Wilmcrsdorf-Halensee. Mit seinen sozialpolitischen Maßnahinen hat der Wilmersdorfer Magistrat Unglück. Von allen Notstandsmaßnahmen, zu denen im vorigen Herbst Vorschläge gemacht waren, blieb als einziger der einer Volksküche übrig. Diese sollte noch im Monat Februar zur Tatsache werden: jedoch hat im letzten Augenblick der Wirt dcS in Aussicht genommenen Hanfes, Berliner Straße 37, das Bedenken gehabr, das; durch eine Wohlfahrtseinrichtung sein Haus in Mißkredit gebracht werden könne. Einer so sinnigen Aeußming sozialen Empfinden» trug der Magistrat Rechnung: und die Sladlverordnetenveriammlimg nahm am Mittwoch schweigend von der geschäftlichen Mitteilung ihres Vorstehers KeimluiS, daß der Magistrat den Wirt vom Mi-lsverlrng enthunden habe. Gegen daS Ortsstatnt über die S o n n r a g S r n h e hatten die Saifen Händler Protest erhoben, weil sie dadurch, daß den Kauflcuten an Sonntagen noch das Oeffncn der Läden gestattet ist, Schädigungen befürchteten. Die Versammlung beschloß dem An- trage des PetitionsauSschiisseS gemäß, über die Beschiocrde zur Tagesordnung bimoegzugehen. Eine längere Erörterung rief eine BezirksvereinSpetition hervor, die auf Errichtuug einer höheren Knabenschule in H n l e n s e e abzielte. Tie Petition wurde dem Magistrat zur Beiucksichtigimg überwiesen, nachdem der Ober- biirgermeisler den Petenten empfohlen hatie, sich»och ein Jahr zu gedulden. Nachdem etliche Ueberschreitungen des Voranschlages für 1911 sowie die Mittel zum Bau der 7. Gemeinde-Doppelschule betvilligt waren, kam eine für daS Finanzwesen Wilmersdorfs bc- langreiche Angelegenheit zur Erörterung. ES handelte sich nämlich darum, elue Anleihe in der Höhe von rund 23 Millionen Mark zu bewilligen. Hiervon sind 20 Millionen Mark für Bauten und Grnndstückseriverbungcn zu verveuden, die bereits von der Stadtvcrordiietenversammluug genehmigt sind, während acht Millionen Mark für formell noch nicht genehmigte Bauten, wie daß Krankenhaus, die V o I k s b a d e a n st a l t und etliche Schul- Häuser vorgesehen sind. Die Borlage ging den gewöhnlichen Grost-Lichterfelde. Wege» drohender Diphtherie und Scharlachepidemie ist die Gemeiudeschule im Gicsensdorfer OrtSteil geschloffen worden. Stralau. Der letzten Gemeindcvcrtretcrsihimg lag ein Antrag des Gemeinde- Vorstandes vor, statt der bisherigen drei Waisenbezirke deren vier zu bilden und dementsprechend einen vierten Waisenrat hinzu- zuwählen. Als geeignete Person für diesen Posten empfiehlt der Gemeiiidevorstand den Drogisten Hanke. Genosse Wessel bemängelt, daß aus der Tagesordnung nicht hcryorgehe, daß ein neuer Waisen- rat gewählt werden solle. Obwohl er gegen die Person des vom Vorstand Vorgeschlagenen nichts einzuwenden habe, so wäre es doch richtiger gewesen, wenn man seine frühere Anregung, zu solchen Posten auch Arbeiter und Arbeiterfrauen heranzuziehen, berücksichtigt bätte. Vom Gcmeitidcvoisteher wurde entgegnet, daß die Arbeiter für einen derartigen Posten nicht die genügende Zeit hätten, da die Arbeiten nicht allein dcS Abends erledigt werden köiiiitcn. Es Halle ohnehin schon schwer, Leute für diese Posten zu gewinnen. Genosse Gebe! meime, daß, wenn er und seine Freunde vorher gewußt hätten, daß es sich um die Neuwahl eines Waisenrates handle, wäre auch eine geeignete Person für den Posten gefunden worden. Der Neneinteilung der Waisenbezirke wurde hieraus zu- gestimmt und der vom Gemeiudevorstand vorgeschlagene Drogist Hanke gewählt. Hierauf wurde über den Punkt:„Abänderung des Gemeindebeschlusscs vom 18. Januar 1910 betr. Wiedereinziehuug der Dcsinfeklioilskosten" beraten. Nach dem erwähnten Beschluß sollen die Desinsektionskosten von allen Einwohnern, die ein Ein- kommen von über 1500 M. versteuern, Vorkommendensalls wieder eingezogen werden. Von unseren Genossen ist bereits früher angeregt worden, von der Einziehung der Desinfektionskosten überhaupt abzusehen, da die Desinfektion im Interesse der Allgemeinheit vorgenommen wird. Der Gemeilidevorstaud hat über diese Frage Erkundigungen über die Handhabung bei verschiedenen Gemeinden eingezogen. Er beantragt jetzt, datz— abgesehen von Fabriken und Werkstätten— alle polizeilich angeordneten Pflichldesinsektionen frei sein sollen. Wer dagegen freiwillig desinfizieren läßt, soll die Kosten zurück- erstatten. Zu diesem Antrage bemerkte der Gemeindevorsteher noch, daß man bei Annahme desselven auch denjenigen, die selbst desinfizieren lassen, tunlichst entgegenkommen werde. Genosse Gebel begrüßte es, daß die Wiedereinziehuug der DesliifektionSlosten bei Zioangs- desinfektionen fallen gelassen werden soll; er hoffe, daß der Gemeindevorstand seiner Zusage hinsichtlich des Eiltgegenkommens denjeitigen gegenüber, die freiwillig desinfizieren lassen, in liberaler Weise nachkommen werde. Die Gemeindevertretung beschloß hieraus einstimmig gemäß dem Antrage des Vorstandes. Gleichzeitig wurden die DeSinfeitionSsorderungen an vier Einwohner, deren Einziehung vom Gemeindevorstand vorläufig zurückgestellt worden war, nieder- geschlagen. Als Schul- und Armenarzt wurde der bisherige Arzt. Dr. Sonntag, wieder zu den bisherigen Bedingungen auf ein Jahr bestellt. Genosse Wessel betonte, daß die Anstellung des Schul» und Armenarztes eigentlich bei der EtatSberatiiug hätte erledigt weiden müssen. Auch habe er schon früher angeregt, die schulärztliche Tätig- keit auch auf die Zahnvflege auszudehnen, wie das in anderen Gc- meinden bereits der Fall sei. Gerade die Zahnpflege sei für die Ernährung und Gesundheit der Kinder von großer Wichtigkeit. Ueberhaupt habe er loiederbolt angeregt, zur �eingehenden Vor- kwratiing solcher wichtigen Gegenstände Kommissionen zu bilden. Weiter sei es nicht richtig, die Neuwahl des Schularztes vorzunehmen, bevor er seinen Bericht erstattet habe. Auf die Einwände des Genossen Wessel erwidert der Gemeinde« Vorsteher, daß er diesen Punkt von der Elatsberatung abgetrennt habe, um diese abzukürzen. Kommiisioiisbildungen hält er nach der Landgemcindeordmmg nickit für zulässig. Der Schularzt könne ja später»och über seine Tätigkeit berichten. Dkit Zahnärzten solle Rücksprache genommen werden; über die Anstellung eines solchen konnte sich die Vmtretimg in einer späteren Sitzung nitterhalten. Zum Schluß machte der Gemeindevorsteher noch die Mitteilung, daß am Schlnffe des Jahre? 1911 6900 M. Steuerreste ausstanden. Jedenfalls ein Beweis, daß die Anfhebtliig der niederen Sleuerstufen notwendig ist. Vom 1. April ab darf sich unser Ort»Berliu- Stralau" nennen. Pankow. Mit der Uchernahme der Berliner Straße hatte sich die letzte Gemeindevertretuugsitzung zu beschäfligcn. Der Vertretung lagen die hieraus bezüglichen Verträge mit der Stadt Berlin und der Großen Berliner Straßenbahn zur Genehmigung vor. Stadtrat S t a w i tz wies in seinen AuSsührungen zu der Angelegenheit unter anderem darauf hin, daß eS sich hier um die Erledigimg einer mit langen und schwierigen Verhandlimgen einhergehendeii Sache handle, in der die ersten Schritte im Jahre 1904 von Berlin ans getan wurden. Die gelegentlich in der Kommission aufgeworfene Frage, ob es nicht besser getvesen wäre, noch zu warte», bis der Zweckverband die Sache in die Hand nehme, müsse verneint werden. Hierdurch wäre nur noch ein dritter Kontrahent hinzugekommen, von dessen Eingreifen kein Vorteil für Pankow zu erwarten stand. Ebenso wäre ein Eingreisen durch ein besonderes Gesetz bei den Verhältnissen in Preußen für die Gemeinde ebenfalls nicht sehr aussichtsvoll gewesen, nach Errichtung des ZiveckvcrbandeS übrigens auch nicht mehr»löglich. Der Hanpmachtcil für Pankow sei die Verlragsbestimmmig, wonach Berlin die Rente vom Brutto- ertrag der Straßenbahn— schätzungsweise 30 000 bis 40 000 Mark— ohne Gegenleistung erhält. Unter anderem fei auch zu bedauern, daß Berlin das alte Chouffeebaus veräußert habe, dessen eventuelle Nückerwerbung der Gemciude Pankow größere Opfer auferlegen dürfte. Wenn auch im großen u»d ganzen gesagt werden, nüsse. daß Berlin den Banin recht träslig geschüttelt habe, bevor eS denselben Pankow überließ, so sei doch der Stamm immer noch gesund genug geblieben und werde hoffentlich noch reichlich Früchte tragen. Redner geht dann im einzelncn auf die Bestim» inimgen des Vertrages mit Berlin ein, soweit sie für Pankow Vorteile bedingen. Danach zahlt Berlin an die Gnncinde Pankow eine einmalige Summe von 125 000 M., ferner führt Berlin von der ihm auf Grund des DotaliousgesctzcS vom 8. Juli 1875 gezahlten Rente jährlich den Betrag von 11900 M. an Pankow ab. Weiler wird die nach dem Vertrage in Berlin zu zahlende dauernde Rente aus der Bruttoabgabe der großen Berliner Straßenbahn aus dem Ergebnis des Jahres 19lS/l3 ermittelt und dieser Betrag als scstltehendcr Satz für die Rente festgelegt, so daß beim Steigen der Brultoabgabe der Ueberschuß Pankow verbleibt. WaS den Vertrag mit der, Groden Berliner Straßenbahn anlangt, so sei davon Abstand genommen, durch eine kurze Vereinbarung die Rechte aus dem Vertrage der Straßenbahn mit Verlin ohne weiteres auf Pankow zu über- tragen: es sei zweckmäßiger gewesen, einen bis aufs einzelne ausgearbeiteten Vertrag abzuschließen. Finanz- und Tiefbau- kommission empfehlen, der Vertretung den Verträgen zuzustimmen.— Die Debatte war»ur unerheblich und beschränkte sich darauf, daß gewünscht wurde, in der Oeffentlichkeit die Legende zu zerstören, daß die Pankower Gemeindevertretung an der jahrelangen Hrnzögerung der Angelegenheit die Schuld treffe. Diesem Wunsche wurde durch Verlesung eine? Briefes de» ehe- maligen Landrats v. Rödern an den Oberbürgermeister von Berlin in dieser Frage Rechnung getragen. Aus dem Schreiben ging hervor, daß die Verschleppung auf feiten Berlins zu suchen sei.— In seinen Sch lußbemerlinigen schlug Bürgermeister Kühr eine versöhnliche Note gegen Berlm an. Man müsse anerkennen, daß Berlin im Ver- Hältiiis zu früher im letzten halben Jahre in der Sache mit Bolldampf gearbeitet habe. Außerdem müsse berücksichtigt werden, daß Berlin doch auch viel aufgebe und deshalb nicht so ohne weiteres und un- besehen in die Uebergabe der Berliner Straße willigen konnte. Wenn der vorliegende Vertrag die Zustimmung der nächsten Berliner Stadt- verorduetenversammlniig finde, was zu erwarten sei, habe Pankow viel erreicht. Eventuell hätte sich Pankow auch mit noch un- günstigeren Bedingungen zufrieden geben müssen.— Hierauf wurden die Verträge, auf die später noch zurückzukommen sein wird, ein- stimmig genehmigt. Nen-Zittau(Kreis Beeskow). „Ucbcr Selbstverwaltung und Gemeinde" referierte am Sonntag vor gut besuchler Versammlung in Wernsdorf, Gasthof zum Oder- Spree-Kanal, Genosse Reichardt-Mariendorf. Nach dem beifällig aufgenommenen Referat wurden als Kandidaten für die bevorstehende Gemeindevertreterwahl in der dritten Klasse die Genossen Hackbarth und Jatscbke aufgestellt.— In Neu-Zittau kandidieren die Genossen Schulz und Fiedler in der dritten Abteilung, für die zweite Ab- tcilung Wiczorik und Mattutis. Dem Aufstellen der letzten Kandi- baten ging gleichfalls ein Referat vom Genossen Reichardt voraus. FricdrichShagen. In der Sitzung des GcwcrkfchaftSkartells erstattete der Obmann in eingehender Weise Bericht über die Arbeiten des verflossenen JahreS. Zur Erledigung derselben fanden 11 Sitzungen, darunter zwei mit Hinzuziehung der Vorstände der hiesigen Gewerkschaften, und drei öffentliche Gewerkschaftsversammlungen statt. Der Unter- kommission sind 13 Gewerkschaften mit 820 Mitgliedern angeschlossen, welche durch 15 Delegierte vertreten werden. Die Jahresrechnung ergibt an Eimiahinen 70,20 M., an Ausgaben 55,74 M. Als Ob- mann wurde wiederum Genosse August Breunig gewählt. Weiftensee. Ein Wintervcrgniigen veranstaltet der„Männerchor Weißensee' am Sonnabend, den 10. d. Mts., abends 8'/, Uhr, in den Räumen der Gcmciiidetnrnhalle. Eintrittsgeld(inkl. Billeltsteucr) 55 Pf. Die Genossen werden ersucht, den Verein, der sich der organisierten Arbeiterichaft Weißeusees bei jeder Aktion zur Verfügima stellt, r««e zu lluterstützen. Versammlungen. Verband der Hut- und Filzwarenarbeitcr und-arbciterinne» Teutschlands. Die Generalversammlung der Ortsverivaltung Berlin fand am. Mittwochabend bei Wilke, Sebastianstraße, statt. Der Vorsitzende Bahlke und der Geschäftsführer Möckel er- statteten den Geschäftsbericht für das Jahr 1911. An Vcrsamm- lungen und Sitzungen Halen stattgefunden: 16 engere Vorstands- und 10 Vorstands- und Delegiertcnsitzungcn, 5 Mitglieder-, acht Agitations-, 2 öffentliche, 62 FabrikS- und Betriebsversammlungen, Konferenzen der Gauleiter, Sitzungen für die Meister, die Klein- und Mittelbetriebe, die Zichcr, die Fertigmacher usw. 49 Vorhand. lungen mit den Unternehmern Ivaren notwendig: es gelang nicht nur, manche geplante Verschlechterung abzuwehren, sondern auch manche Verbesserung durchzusetzen und Maßregelungen abzuwehren. Der Jahresbericht für die Hauptkasse zeigt eine Einnahme von 35 302,(53 M. und eine Ausgabe von 32 617,59 M. Unter den Aus- gaben stehen verzeichnet für Unterstützung an Arbeitslose 13 724,80 Mark, an Kranke 6134,10 M., als Reiseuntcrstützung 94,40 M., alz Umzugsunterstützung 205,10 M., für Rechtsschutz 42,70 M. Ter Jahresbericht der Zuschußkasse, der nur drei Quartale umfaßt, zeigt eine Einnahme von 9749,88 M. und eine Ausgabe von 8508,70 M., somit einen Ueberschuß von 1241,18 M. Ter Jahresbericht der Frauensterbekasse zeigt eine Einnahme von 1276,72 M., eine Ausgabe von 1120 M., somit ein Mehr von 156,72 M. Ter Jahresbericht der Lokalkasse zeigt eine Einnahme von 3709,31 M., eine Ausgabe von 2939,88 M., somit bleibt als Bestand für das nächste Jahr 769,43 M. Unter den Ausgaben stehen ver- zeichnet als Unterstützung an notleidende Mitglieder 807,40 M.. an die Hinterbliebenen verstorbener Mitglieder und Ausgaben bei Begräbnissen 195 M., an streikende Kollegen des Auslandes 200 M.» an Streikunterstützung in anderen Berufen 300 M. Die Jnvalidenkasse, für die die Abrechnung für das 4. Quartal 1911 vorliegt, hatte eine Einnahme von 404,90 M. und eine Ausgchio von 312 M. Der Kassenbestand beträgt 92,90 M. Die Gesamt- einuahinen betrugen 50 443,44 M., die Gesamtausgaben 45 498,17 Mark, der Ueberscb-uß betrug demnach 4945,27 M. In der Mitgliederbewegimg ist während des Geschäftsjahres ein Zugang von 133 männlichen und 226 weiblichen Mitgliedern. dagegen ein Abgang von 185 männlichen und 268 weiblichen Mit- gliedern, somit ist bei den männlichen ein Verlust von 52, bei den weiblichen aber ein Gewinn von 13 zu verzeichnen, so daß am Schluß des JahreS 1079 Mitglieder vorhanden waren. Die Arbeitsloscnstatistik zeigt 953 Fälle der Arbeitslosigkeit mit 29 929 Tagen oder Z1i4 Tage pro arbeitsloses Mitglied im Jahre. 414 offene Stellen wurde» für männlicbe und LI für weib» liehe Arbeiter gemeldet. Die ersteren wurden sämtlich besetzt, aber nur 21 von den letzteren, weil es au 60 Arbeiterinnen mangelt«. Eine Diskussion entspann sich über den Geschäftsbericht nicht. Die Wahl des Vorstandes, die dann erfolgte, hatte folgendes Rc- sultat: 1. Vorsitzender Max B a h l k e, 2. Vorsitzender Max G ö d d e, Schriftführer Richter und Mündt, ferner wurden fünf Bei» sitzer gewählt._ WnsferstandS-Nachrichtc» der LandcSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Detlerdureau. Wasserstand M e IN e l. Tilsit Pregel, Jnslerburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krossen . Franksiirt Warthe, Schrimm LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmerltz m Dresden , Berby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau') Ratbenow') Spree, Sprcmbcrg') , Beeslow Weser, Münden , Minden Rhein, MaxlniilianSan , Kaub Köln Neckar, Hellbronn Main, Wcrthcim Mosel. Trier '1-s- bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unlerpegel.•) Elistand. —') EiSti-cibtn.') Schwaches Elötreiben._ Buchdruckere; u. Verlagsanstatl PaulSmger u. Eo., Berlin Lerantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für des Jnseratentetl verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts