Ur. 35. 8 donnements-keckinzungen: WonnementS- Preis vränumerando: ZZierleljährl. 3,30 äKt, monoil. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei WS Haus. Einzelne Nummer 5 Pkg, Sonniags. nummer mit illufirierier Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pia. Poft- WonnemcnU 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posr-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband ,üc Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnemews nehmen am Belgien, Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, , Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. Sie Insertion!-Lebilhf keträgt für die sechSgespallene Kolonel- z-Ue oder deren Raum 80 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- Und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Wein- Rlnreigen", das fettgedrulkte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etcllengefuche und Schlafstellenan- geigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Worts Pfg. Worte über ISBuch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis !- f CrfchtiDt tZgstch aaStr MsvtAgk. Verlinev Dolksblnkk. Zentralorgan der rozialdemokratifchcn parte» Deutfchlanda. Telegramm» Adreffe: „ZsÄZläewolirzl sikksts" R-edakrion: 8 AI. 68» �.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Expedition: 8M. 68» I�lndenstrssse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Spahns luilcwitt. Herr Spahn, der Präsident der Minorität, hat sein Amt niedergelegt. Die Herrlichkeit hat nicht lange gedauert, immerhin hatte er Zeit genug, um den Wahlgang zu leiten, der den ersten Sozialdemokraten ins Präsidium gebracht hat.' Herr Spahn hat so viel eher Aussicht, seinen Namen in der Geschichte einmal verzeichnet zu finden, als manche seiner Borgänger und Nachfolger, und das wird ihn sicherlich über die Kürze seiner Amtsdauer trösten.. War sie auch nicht quantitativ, war sie doch qualitativ hervorragend. Wir haben keinen Moment lang gezweifelt, daß das Zentrum auf seinen Zufallsfieg verzichten werde— aus dem »ehr einfachen Grunde, weil es ihn nicht behaupten konnte. Das Präsidium ist zunächst provisorisch gewählt, erst nach vier Wochen findet nach der Geschäftsordnung die definitive Wahl statt. Dem Zentrum die Stelle des Präsidenten aber dauernd zu belassen, dafür lag gar kein Grund vor. Die Sozial- demokratie hat ihren Anspruch als stärkste Partei auf die Nationalliberalen übertragen, und nachdem die National- liberalen für Genossen Scheideinann als ersten Vize- Präsidenten gestimmt haben, ist es klar, daß bei der Neu- wähl der nationalliberale Kandidat zum Präsidenten gewählt werden wird. Das Zentrum hat deshalb Herrn Spahn nicht erst vier Wochen lang warten lassen, sondern es vorgezogen, das Un- vermeidliche gleich geschehen zu lassen. Das brachte einmal den Vorteil, mit dem Anschein der Freiwilligkeit jetzt zu tun, was in kürzester Frist unter dem Zwange der Not geschehen wäre. Und dann gab es dem Zentrum Gelegenheit zu einer Demonstration nach oben. Es war ja so billig, zu erklären, daß man mit einem Sozialdemokraten nicht im Präsidium sitzen wolle, wenn man sicher war, neben ihm ohnehin sticht lange sitzten zu könne n. Und so versichert das Zentrum, däß es das große Opfer nur gebracht, weil es nicht neben einem Manne sitzen wolle, der höfische Ueber- Mssigkeiten ablehnt. Wer das Zentrunr auch nur halbwegs kennt, weiß, daß es die letzte Partei ist, die sich von solchen Bedenken abhalten Uetze, ein Stückchen Einfluß oder Macht zu gewinnen. War doch das Zentrum stets bereit, sich mit der„vaterlandsfeindlichen, religionslosen, republikanischen" Sozialdemokratie zu verbünden, sie bei Wahlen zu unter- stützen, wenn es dabei, seinen Vorteil tvahrnahm. Nur weil sie jetzt mit dem Ordnungsfanatismus bessere Geschäfte zu machen glauben,' find, die. braven Zentrumsmänner plötzlich so keusch geworden' und''tün, als ob sie noch die Jungfernschaft zu verlieren hätten.' Nur weil er ein Symptom dafür ist, wie stark die- rück- sichtSlos reaktionäre Richtung im Zentrum geworden, wie innig der Bund mit den Konservativen geknüpft ist, verdient der Rücktritt Spahns, politische Beachtung. Die Illusionen, die noch hier und da spuken, als ob noch das geringste von demokratischen oder sozialpolitischen Tendenzen im. Zentrum zu erwarten wäre,.sind wohl endgültig verflogen. Vom Standpunkt der Dömokkatiö wie der Sozialpolitik aus ver- dient das Zentrum keine andere Beurteilung als die Konser- vativcn..Deshalb die enge politische.Äcisteinschaft der Schwarzen mit den' Blauen, die es den Klerikalen gleichfalls geboten erscheinen ließ, den Konservativen-ihre Solidarität auch in der Präsidentcnfrage zu beweisen..-> Verlegenheiten wird der Rücktritt Spahns, weder deii Liberalen noch den Sozialdemokraten bereiten. Uns selbst kann es nur recht sein,' wenn die Schwarzblauen die Frage immer scharf aufs Biegen oder Brechen stehen und so den Liberalen demonstrieren, daß init Äompromisseleien nichts zu erreichen, jede Unsicherheit nur in den schivarzb'lauen Sumpf zurückführt. Und am wenigsten bangt uns. umchie Arbeitsfähigkeit des Reichstags, die im.' Gegenteil gerade dann gefährdet wäre, wenn ein verbissener Feind ftedes! politischen Fortschritts über die Macht des Präsidenten verfügte. Wenn aber gar die Herren der Autorität und Ordnung versuchen wollten, durch künstliche Herbeiführung- vmi.Poästdentcnkrisen Obstruktion zu treiben und die-Arbeitsfähigkeit, des Reichstages-lahmzulegen, so wäre das ein- so. lehrreiches Schauspiel,, würde so viel neue Äufttärung über die-Schwarz- blauen schaffen, daß wir die letzten zu sein. brauchten, um davor zu bangen. In Wirklichkeft hat die Präsidiumwahl die Ohnmdcht der Schwarzblauen deutlich enthüllt in dem Momente, als sich die Nationalliberalen entschlossen, energische und klare Politik zu treiben. Und so würde es auch bleiben, wenn nnd solange die Nationalliberalen.an solcher Politik festhalten. Aus diesem Gefühl der- Ohnmacht- erklärt sich ja auch das wütende Toben dem.'kierikalen und konservativen.Presse,- Die Fortschrittler.Kts.-�.M schon früher endgültig- der- loren gegeben.� daß ein Teil de.r.-National- liberalen zuerst für ÄJe.b.e I als Präsidenten und dann ein weit größerer für Scheidem.ann als Vizepräsidenten, gestimmt hat, versetzt die.Hxrr'en geradezu in Raserei.- Den National- liberalen, den emsigsiewBofürwprtern der Heeres- und Flytten- Vermehrung und der Kolonialpqlftik— was ja den Reattionären als einziger JnhM„ngtiqnalcr" Politik gilt—.'spricht die „Deutsche Tagesztg.7-rundweg jede nationale Gesinnung ab. und Herr Bassermcrnn-wjrd. in einer Weise beschimpft, als würde Herr v. Diest-Dsper die Schriftleitung aller reaMo- nären Organe übernommen haben. Da die Sozial- demokraten bekanntlich vaterlandslos. Fortschrittler und Zentrum nach Bismarcks Autorität Reichsfeinde sind, die Konservativen laut Bülows sachverständigen Urteil ein frivoles Spiel mit den Interessen des Reiches treiben, die Bündler schon einmal unter die Sozialdemokratie gehen wollten, so ergäbe sich daraus freilich die gräßliche Tatsache, daß es in Deutschland keine nätionale Partei mehr .gibt. Aper ist es dann nicht erst recht notwendig gewesen, der internationalen Partei endlich die Stelle im Präsidium des Reichstages eines so verderbten Volkes einzuräumen? Ernster wären schon einige Kritiken zu nehmen, die liberale Organe an der Taktik der Sozialdemokratie in der gestrigen Sitzung geübt haben, wären diese Kritiken nicht unbegründet und ohne völlig erschöpfende Kenntnis der wirk- lichen Vorgänge erfolgt. Zudem ist ihre Widerlegung von einigen fortschrittlichen Organen selbst besorgt worden. So schrieb schon gestern ftüh die„Vossische Zeitung": Die Sozialdemokratie, die stärkste Partei des Reichstags, hat die Stelle des Präsidenten nicht begehrt. Aber die Stelle des ersten Vizepräsidenten oerlangte sie. Sie verlangte auch, daß die n a t i 0- nalliberale Partei die bündige Erklärung abgebe, daß sie für den sozialdemokratischen Kandidaten Scheide mann stimmen werde. Sie hätte sich, wie mit einiger Sicherheit gesagt werden kann, mit einer solchen Erklärung begnügt, selbst wenn ihr Nicht sämtliche Mitglieder der nationalliberalen Partei später nach- gekommen wären. Sie wäre zufrieden gewesen und hätte ihre 110 Stimmen vom ersten Wahlgang beim zweiten Wahlgang dem Prinzen Schönaich-Carolath zugewandt, und der„rote Prinz" wäre Präsident geworden. Aber ein Fähnlein Nationalliberalcr unter Führung des Abgeordneten Schiffer war in der Fraktionssitzung nichtvonSonderbündelei abzubringen. Und folglich wurde der Sozialdemokatie die Botschaft überbracht, die national- liberale Partei werde zwar für den Genossen si-cheidemann stimmen, aber nicht einmütig. Die Wirkung blsieb nicht aus. Sicherlich hätten es Erwägungen praktischer Politik den Sozialdemokraten gebieten sollen,'nichtsdestoweniger zunächst die-- Niederläge des schwarz-blauen Blocks offensichtlich zu machen und für den Prinzen Carolath zu stimmen. Aber so weit sind die Dinge noch nicht ge diehen. Noch glaubte die Sozialdemokratie, Vergeltung üben- zu müssen. Sie brachte Herrn Bebel in die Stichwahl, der national- liberale Kandidat fiel, und Herr Spahn wurde gewählt. Aber selbst dieser Tarstellung gegenüber müssen wir durch- aus aufrechterhalten, daß nur durch den Anschauungsunterricht, der die Wahl Spahns lieferte, Herr Schiffer mattgesetzt wurde und der Plan gewisser Rcchtsnationalliberaler inißlang. die Sozialdemokratie schließlich doch noch auszuschalten. Daß diese Auffassung die allein richtige ist, bestätigt auch der fort- schrittliche Abgeordnete Dr. Haas, wenn er im„Berliner Tageblatt" schreibt: Nachdem die freiwillige Schaffung eines Geschästspräsidiums sich als unmöglich herausgestellt hatte, hätte die n a t i 0 n a l i b e- r a l e Partei den Präsidenten stellen können. Nichts war crforder- lich, als.die klare Zusage an die Sozialdemokratie, ihr den ersten Vizepräsidenten zu gewähren.' Dies« Zusage hätte erfolgen m ü s sc n' und die Leute des rechten Flügels der nationalliheralen Partei werden ihre Taktik als eine geniale heute wohl selbst nicht mehr betrachtend Keinen Sozialdemokraten fn�das Präsidium zu lassen, wäre ein falscher Stqndpunkt, aber es- wäre doch ein Standpunkt. Der Sozialdemokratie den ersten Vizepräsidenten nicht zuzusagen, den Zentrumspräsidenten dadurch— wider Wi l I e n— z u s ch a f f. cm, den sozialdemokratischen ersten Vizepräsidenten dennoch zu wählen und sich, mit dem zweiten Vizepräsidenten zu begnügen, das ist eine-Niederlage, die nicht die Gegner, sondern der eigene rechte Flüge.l der.Partei bereitet haben. Wir aber bedauern diese Niederlage: weil wir wissen, daß. die national- liberale Fraktion in' ihrer Gesamtheit für diese verfehlte Taktik nicht ohne weiteres verantwortlich gemacht werden kann. Hat der rechte Flügel der. Nätionalliberajen■ aus den folgen seines Verhalten», über die heute ganz. Deutschland lacht, gelernt, daß eipi; Politik der tausend.' Bedenken überhaupt-keine Poftik.ist, so ntzrd das ein Glück für die weitere Entwickclung sein.. Begreift er aber ferner, daß die S 0 z i a l d'e m 0 kr ati c eine Realität ist, mit der man rechnen'N(üß,'die man' nicht beiseite schieben kann,'die man sogar braucht im Kampfe für die deutsche Freiheit, so würden die Ersahrungen-von gestern ein Segen für morgen sein. Und diesen Segen hätte- die sozialdemokratische Taktik gestiftet... �... Aber das altes sind schließlich Reminiszenzen und drin- gendere Aufgaben. sind zu lösen. Tie Präsidentenfrage kann jetzt rasch und glatt gelöst werden und braucht keine Schwierig- ketten mehr zu schaffen.' Wichtiger ist, daß dann energisch an fruchtbringe nd e p 0 l i t i s ch e Arbeit gegangen wird. Erst da wird., sich erweisen, ob die Liberalen an der Durchführung ihres Programms energisch arbeiten und wie weit sie gehen' werden. prelZ stimmen. Wir haben die Urteile der Presse im allgemeinen schon skizziert und wollen nur kurz noch, folgende Aeußerungen wiedergeben. Die„Köln. Zeitung" schreibt, wie uns ein Privat telegramm meldet, über den Rücktritt Spahns: ..Es sprechen doch allzu gewichtige Gründe für den Rücktritt, als daß die Freude am Besitz darüber hätte Herr werden können. schienen— in feierlichster Forin erklärt, es wolle keinen seiner Leute neben einem Sozialdemokraten im Präsidium sitzen sehen. Wir wollen auf diese dem Zentrum ftüher nicht eigene so- zialdemokratische Scheu und ihre Gründe heute nicht näher eingehen: Es ist anzunehmen, daß die feierliche Ankündi- gung vielen Zentrumsherren nachträglich sehr ungelegen war. Das Zentrum hatte doch aber einen triftigen Grund zur Ablehnung in der unerbittlichen Haltung seiner Verbündeten, der Konservativen. Das Verhältnis zwischen dein Zentrum und den Konservativen hätte einen sehr bösen Stoß er- halten, wenn das Zentrum aus dem errungenen Platze sitzen geblieben wäre und die konservativen Freunde es im Stich gc- lassen hätten. Das Zentrum hält die konservative Freundschaft doch zu hoch, als daß es sie um eines Sitzes willen, auf dem es sich doch nicht recht wohlfühlen könne, verschmerzen wollte. Und auch die Furcht, daß die Wiederholung der Wahl ihn nicht mehr zum Präsidenten machen würde und daß er dann gezwungen abgeben ' müsse, während er jetzt freiwillig verzichten kann, wird Herrn Spahn in seinen Rücktrittsgedanken bestärkt haben." Als Präsidenten wünscht die„Kölnische Zeitung" den Prinzen zu Schönaich-Carolath. An Stelle Paasches soll man der- suchen, einen Freikonservativen ins Präsidium zu de- kommen, damit durch einen Vertreter der Rechten der Charakter des Reichstages gewahrt werde. Ein Vertreter der Rcichspartei könne außerordentlich zur Beruhigung der politischen Stimmung beitragen. Sehr ulkig ist die„Nordd.' Allgcm. Zeitung". Sie schreibt wörtlich: „Den Posten des Ersten Vizepräsidenten erhielt der sozial- demokratische Abgeordnete Scheidemann. Die„Tägliche Rund- schau" erinnert in ihrer Morgenausgabc an folgenden Ausspruch, den er am 10. Dezember 1009 im Reichstage getan hat: „Ich kenne die preußische Geschichte gut genug, um zu wissen, daß der Worthruch sozusagen zu den erhabensten Traditionen des in Preußen regierenden Hauses gehört/' DaS ist alles, so daß der Leser nicht einmal wissen kann, ob das Blatt, das doch auch für die Autorität deK bis jetzt einzigen Präss- denten de? Deutschen Reichstages-einzutreten verpflichtet ist. nicht diese Aeußerung zustimmend- wiedergibt. Auf jeden Fäll ist es von dem Blatt Herrn v. Bethniann Holllveg's recht unvorsichtig. gerade diese Aeußerung aufzugreifen. Denn der preußische M i n.i st c r p r ä s i-d e n t ist es ja, der durch die fortwährende Hinausschiebung der in der Thronrede versprochenen preußi- schen Wahlrcform unseren Genossen zu der Aeußerung ver- leitet hat. Sie Seussch-englilchen Hkziehimgen. Wir haben bor kurzem bei- Besprechung der Rede Lloyd Georges darauf Hingelviesen, daß zwischen der deutsckfen und englischen Regierung Verhandlungen schweben, die sich offen» bar zunächst um den Versuch einer Abgrenzung der kolonialen Interessensphären bewegen. Ob dabei auch über die Zustimmung Englands zu einer Abtretung portugiesischer Kolonien an Deutschland, d'c von unseren Kolonialschwärmern heiß ersehnt ftnrd, geredet wird, läßt sich bei der diplomatischen Geheimniskrämerei nicht er- kennen. Sicher ist es aber ein Wunsch der liberalen Regie- rung Englands, daß es auch zu einem U e b e r e i n k 0 m m c n über die gegenseitige Begrenzung der Flotte nr ü.st u n g e n käme. Dafür spricht auch eine Rede, die' der englische Marineminister C.h u r ch i l l in Glas- gow gehalten hat und in der er folgendes ausführte: Die britische Flotte ist nicht nur stark, sie' ist auch auSgezeich- »et vorbereitet, jedein plötzlichen Rufe sofort Folge zu leisten. Die britische Seemacht dient im wesentlichen Verteidigung?- zwecken. Wir bogen keine aggressiven Absichten und haben sie nie gehegt, und wir setzen solche Gedanken auch nicht bei anderen Großmächten voraus. Zwischen der englischen See- macht und der Seemacht des großen befreundeten Deutschen Reiches— und ich vertraue darauf, daß es lange ein großes und befreundetes Deutschland bleiben möge(Bei- fall)— besteht indessen der Unterschied, daß für uns die Flotte eine Notwendigkeit ist,.während sie von manchen Gesichts- punkten aus für die Deutschen mehr eine Art Luxus ist. Tic Macht zur See schließt die Existenz Großbritanniens in sich ein. Wir können weder den Frieden eines einzigen Dörfchens auf dem Festlandc-bedrohen) noch wünschen wi r das(Beifall), wie groß und' überlegen unsere Flotte auch werden möge. Auf der anderen Seite würden aber alle Güter unserer Nasse und unseres Landes, der ganze Reichtum. der durch jahrhundertelange Arbeit und Opfer aufgehäuft worden ist, untergehen und hinweggefegt werden, wenn unsere Ueberlegen- hcit zur See gefährdet würde. Es ist die britische Flotte, die Bri- tannien die Stellung einer Großmacht verleiht. Deutschland war eine in der ganzen Welt geachtete und ge- ehrte Großmacht, ehe es ein einziges Schiff bc- saß. Diese Tatsachen� sollte man sich klar vor Augen halten, da eS kein Zweifel ist, daß in verschiedenen Kreisen Neigung zu der Annahme herrscht, daß für Britannien und Deutschland, waS die Sorge für die Flotte betrifft, die gleichen Bedingungen gegeben seien. Diese Annahme ist ganz falsch. Di« Regierung ist ent- schlössen, die Suprematie zur See, die unser Land besitzt, aufrecht zu erhalten. Sie würde mich keinen einzigen Tag in der Admirali- tät dulden, wenn sie nicht die Ueberezugung hätte, daß alle Schritte in der Gegenwart und Zukunft getan werden, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Wir ersehen augenblicklich aus der Presse, daß weitere Flottenverstärkungeu bei den Mächten des Da? Acnftum hatte offenbar, weil ihm die Früchte zu sauer j Kontinents in Aussicht stehen., Dqs ist eine sehr ernste Sache'! da nicht-nur die Flotten an Große wachsen, sondern da olles, loa-5 mit der Flotte zusammenhängt, ebenfalls immer höhere Ausgaben erfordert. ES besteht gar kein Zweifel darüber, daß' d i e Nationen Enropas sich selbst. und einander vor. wärts drängen auf einen Weg von beinahe un. begrenzter AaiSoehnilng irnb unbegrenzten K o st e ii. Wir. mögen unsere eigene Äctnung darüber haben, inwieweit die zulünftigen Generationen dem gegenwärtigen Zeit- alter. wegen seines Ehrtstentums, seiner Weisheit und feiner Zivilisation ihre Anertennung zollen werden, das diesen traurigen, gesährttchen«ud unfruchtbaren Wetteifer'hervorgebracht hat. der so bezeichnend für unser Leben ist. Aber er ist �einmal vorhanden, und wir haben uns damit abzufinden. Ich freue mich, Ihnen heute mitteilen- zu können, daß kein Grund zur Be. unruhigung vorliegt. C h u r ch i l l- wies sodann den Eindruck zurück, daß Britannien finanziell-sich in-schwankender und geschwächter Lage befinde.'Die Hilfsquellen des Schatzkanzlers seien in vollem Umfange alle n- Erfordernissen de S Staates gewachsen. Mit denk Gedanken an eine große F l o t t e n a n l e i h.e könne er sich.n i ch t befreunden. England habe genug Schiffe erbaut, um seine Herrschaft zur See wirksam zu sichern, aber es wäre die reine Verschwendung, mehr Schiffe ziü-bauen, als für diesen Zwack in irgendeinem Jahre notwendig seien. Was- erforderlich sei, sei ein. schnelles B.auen nach' einem regelmäßigen Plan, aber für ein- sensationelles und plötzliches Abweichen von den bestehen-., den JRethoden sei lein Bedürfnis. Flotten könnten nickt in einem Jahre.geschaffen oder erweitert'werden. Ihr regelmäßiger Aus- bau könne am besten auf der Grundlage von reich! ich c n j äh r- lichen Bewilligungen durchgeführt werden, nicht in-will. kürlicher oder stürmischer Weise duvch„gryße Anleihen. Seiner . Ansicht nach sollt« indessen anstatt der Vorlegung eines-jährlichen Flottenetats dem Parlament eine B etzarfs n a chw e i su ng für einen Zeitraum vom meh r-e-r en- Iah r-en vor- gelegt werden. Man brauche keine Besorgnis zu haben, daß England nicht imstande fein werde, die notwendigen Schiffe zu bauen; dann darin stehe Eng».._ land unerreicht da. Auch die Personalfrage biete keine Schwierigkeit; Britannien habe 135 000 ausgebildete und langgediente Leute. Dazu komme die Marinereserve, von der in Zukunft mehr Gebrauch gemacht werden solle. Churchill schloß- seine Rede mit den Worten: Wir würden die erste Macht sein, die eine Verzögerung»der ein Nach. lassen der Rivalitäten zur See willkommen Hiesse, und wir warben ein solche? Nachlassen nicht mit Worten, sondern mit Taten begrüßen.(Beifall.) Falls aber Verstärkungen aus dem Kontmont stattfinden sollten, würden wir keine Schwierigkeiten haben, ihnen zu begegnen. Wenn der Wettstreit zur See stärker wird, svdkvbti.wir nicht-Nur die Zahl der Schiffe vermehren, die wir bauen/ sondern auch das Ler- hältniS ändern, in dem unsere Flotte zu denen anderer großer . Seemlöchte steht, so daß unsere prozeniualc Ueberlegenheit größer und nicht kleiner wird mit dem Anwachsen der Spannung, unddaß wir.sicher sein können, daß andere Seemächte, statt uns durch vermehrte Anstren. gungen zu übevslügew, noch weiter hinter uns zurückbleibe». Möge die Bevölkerung von GlaS- gow sein großes Dock am Clyde bauen und so die britische Flotte unterstützen, die es England er- möglicht, seine« Weg durch die Weist zu suchen oder zu fürchte». Die Rede ist jedenfalls?lar, die deutliche ein italienisches Fort, der durch italienisches Gewehrfeuer sofort zurückgewiesen avurde. Auf seiner Flucht wurde der Feind noch von Feldartillerie beschossen, die ihm Verluste beibrachte, während auf-italienischer Seite kein Verlast' zu verzeichnen war. Die Blamage des Tripolisfanatikers. Je langwieriger und kostspieliger der tripolitanische Raubzug für das italienische Volk wird, umso dringender wird das Verlangen dieses Volkes,, den vorausftchtlichen Gewinn, den ihm seine gegen- wältigen ungeheueren Opfer angeblich später einbringen sollen, zählenmäßig kennen zu lernen.' Die Kriegshetzer haben der au-- gehungerten Landbevölkerung so oft schon Tripolis als das Land gepriesen, wo Milch und Honig fließt, daß sie endlich einmal be- rechnet haben mochte, wie groß denn eigentlich die Ertragsfähigkeit jenes paradiesischen BodenS sei und wie schnell wohl dort der bettel- arme Kolonisator zu Glück' und Wohlstand gelangen werde. - Nun wird bekanntlich das-Nachbarland von Tripolis, nämlich das ihm in der Bodenschichtung ähnliche, wenn auch nicht so arg von Wüsteneien durchzogene T u n i S seit 20 Fahren von der franzö- fischen Regierung rationell'kolonisiert, und für die italienische Kriegs- journalistik lag, die Berssschung nahe, die Erfolge der tunesischen Wirtschaft als Maßstab für die Zukunstsaussichten in Tripolis zu verwerten. Dieser Versuchung ist denn auch der bekannte Publizist B e v i o n e, ein wütender Tripolisfanatiker, zu seiner großen Blamage unterlegen. In einem in der.Stampa' veröffentlichten begeistertZn Artikel, tn dem er in den hochtrabendsten Worten die .bewunderungswürdigen' Resultate der franzöfischen ProtektoratS- wirtschaft in den Himmel hob, benützte er als Beweis für die Be- rechtignng seine« Jubel« folgende Ertragsdaten der; tunesischen Bodenbewirtschaftung: Angebautes Land Weizen(1907).. Gerste(1907)... afer(1907)... eintrauben(1-907) Oliven(1907).. )6855 Hektar «9 453. «1000 1« 181 gßOOOO 9 9 0 Gesamtertrag 2 1«2 500 Hektoliter 2 153 000_ 168 000, 400 000. 70 000 sei, sei bereit» geschehe«. Die Regierung habe ihren Beistand.auch Personen zuteil werden lassen, die Juter- essen in China zu erwerben suchten, dies« Politik müsse jedoch aufgegeben werden oder sie würde zu Verwickelungen führen, da sie den Grundsätzen der Neutralität widerspräche. Japan habe sich geweigert, Kriegsteilnehmer auf der Mandschurischen Eisen- bahn zu befördern und habe den Revolutionären gegenüber gegen jede Veiletzung der Neutralität der Halbinsel Kwantung pro- testiert. Ueber Anleihen bestimmte Auskunft zu geben, lehnte der Minister ab.__ politische Ckbcrficbt. Berlin, den 10. Februar 1912. ' Gegen die Teuerung. Wie bereits gestern erwähnt, hat die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages eine Interpellation eingebracht, die sich auf die Aufhebung des Kartoffelzolles und des Zolles auf Futterger st e und Mais bezieht. Die Interpellation lautet: Ist der Herr Reichskanzler bereit, im Hinblick auf den un- gewöbnlich hoikn Preis der Kartoffeln und die in weiten Kreisen der deutschen Landwirtschaft herrschende Notloge, die durch den Mangel an Futtermitteln hervorgerufen wurde. zur Geltung d. M. wieder 1. die Aushebung de» am 15. kommenden Kartosselzolls, 2. die Aufhebung des Zolls auf Futtergersie und Rais beizuführen?_ her- vnd vas Stimmenverhältnis der Parteien im Reichstag von 1871-1912. Ben«.«»tt, K boten werde. Die deutschen Wahlen waren eine gewaltige Friedensdemonstration. Die deutsche Regierung wäre übel heraten, wenn sie diesem Friedenswillen nicht Rechnung trüge. Diese ganze Flottenfexerei ist ein ebenso gefährliches, wie nutzloses und kostspieliges Spiel mit dem Gut und Blut der Nationen. Ihr ein Ende zu bereiten, ist wirklich allerhöchste Zeit. Der Krieg. Gc»eral Cauevas Rückkehr«ach Tripolis. Rom, 10. Februar. Entgegen den Meldungen, wonach General C a n e v a nicht mehr auf seinen Posten nach Tripolis zurückkehre, oerlqutet aus guter Quelle, die Regierung habe im Gegenteil Pläne. welche General Caneva ausgearbeitet habe, gebilligt. Seine Rück- kehr nach Tripolis werde in den nächsten Tagen erfolgen. Die bis- herigen Operationen würden auf einer weit größeren Basis fortgesetzt werden, 120 Automobile werden dieser Tage nach Tripolis abgehen, wodurch die Verproviantieruug der vorgeschobenen Truppen bedeutend erleichtert werde. Andererseits heißt es, daß ein weiteres Armeekorps nach Tripolis abteilungsweise abgehen werde. In hiesigen amtlichen Kreisen glaubt man, daß demnächst ein BermittelungSvorschlag gemacht werden wird, dessen Initiative auf Deutschland, Oesterreich und Rußland zurück- zuführen sei. Gefechte i» der Cyrenaik». .®m,#' 10- Februar.(Meldung der«genzia Stefani.) Gestern früh bewegte fich eine bedeutende feindliche Truppen- r'fLUn£ in ber Dichtung auf ein im Bau befindliche» kleine« rtalremscheS Fort, wurde aber durch die italienischen Truppen ge- zwungen, sich ohne Erfolg zurückzuziehen. Towck. 10. Februar.(Meldung der Agenda Stefans.) Gestern vornnttag unternah» der Feind einen schwache» Angriff auf Diese absolut hohen Zahlen, von denen niemand ahnt«, woher sie Bevione hatte und mit denen dieser selbst fich scheinbar auch weiter keinen Rat wußte, stiegen dem Ehauvinisten so zu Kopf«, daß er ans ihnen die großartigsten Folgerunge« für die Zukunft von TÄpoliS zog. Um so abkühlender mag auf ihn der Artikel de» bekannten Nationalökonomen Lütge E i n an V i in dessen Revue.La Riforma soziale' gewirkt haben, in dem dieser Bevione» Zahlenmaterial praktisch verwettete, freilich nicht, ohne ein andere», nämlich da» de» Internationalen Instituts für Agrikultur zum Vergleich heranzu- ziehen. Nachdem Einandi berechnet hatte, wieviel nach Beviones Äufstellung die Erträge der einzelnen Fruchtarten pro Hektar in Tunis betrugen, arbeitet« er folgende höchst interessant« Tabelle aus, die da« Verhältnis dieser Erträge zn den italienischen klarstellt: Tunis Jtalie» »ach den Date« Bevione» de« Int. Inst. f. Agrik. 1910 ISN 1909 1910 1907-1909 Gemischte Weintrauben hl 9,6 4,6— Gewählte.. 81,8 16,0 24,8—— Gemischte Oliven, 0,75 0.48——— Gewählte. 2,10 1,38 0,19—— Gerste, Doppelzentner. 9.61 8.82 4.90 1,8— Hafer,..... 12,65 8,07 1,60 9.8— Weizen...... 10.9 8,8 4,36 2.4 4,2 Mai«...... 16,0 16,3— 3,1— Au» dieser. Tabelle ist ersichtlich, nach zwanzig Jahren schwerer Opfer, Brotsrüchten anlangt, verhällniSmäf' ein Drittel der ohnehin miserablen zeitigt hat. Hoffentlich vergeht dem dienten Blamage die Lust, weitere Beispiele für seine volksfeindlich« TripoliSogitation zu suchen. daß die tunesische Kolonisation was den Anbau von . äum di« Hälfte, ja oft kaum italienischen Hungeretträge ge- rrn- Bevione nach dieser der- Sie Revolution In China, lieber da» verhalte« Japa«» zur Revolatio» gibt ein Telegramm aus Tokio Aufschluß, da» über«ine Kammer« Verhandlung berichtet und dartut, daß eS in Japan Kreise' gibt, die in China sehr gern im Trüben fischen möchten, umsomehr als die Haltung der Regierung alle» andere als offen und unzweideutig ist: ToN», 9. Februar. Landtag. Bei der Besprechung einer Interpellation über die Lage in China wiesen die Nationali st en nachdrücklich darauf hin, daß gegenwärtig eine ausgezeichnete Gelegenheit sei, die jap«« ntf che« gttt'er essen i« Eht»a auszudehnen. Der Minister de« Aeußern, Vieomt« Uchida, erklärte darauf, alle», wa« unter den gegenvättige» Umstände» möglich Der Landwirtschaftsminister über die Mavl- Klnuensenche., Bor fast leeren Bänken unterhielt sich am Sonnabend das Preußische Abgeordnetenhaus über die Maul- und Klauenseuche. Anlaß dazu bot eine Interpellation der Ratio- nalliberalen, die sich zwar ihrem Wortlaut nach nur auf die Zustände in Schleswig-Holstein bezog, mit der aber die all- gemeine Besprechung über die Viehseuchen verbunden wurde. Aus der Erklärung des Land- wirtschaftsminister» Frriherrn donSchorlemerist hervor- zuHeben, daß die Matznahmen der Veterinärpolizei nicht ganz erfolglos geblieben sind. Der Vertreter der Regierung gab auch ohne weiteres zu. daß die Maßnahmen von kleinen Land- Wirten oft als hart empfunden werden. Im übrigen gestand er ein, daß es ein Abwehrmittel gegen Maul- und Klauenseuche noch nicht gibt und stellte in Ausficht, daß die Ausführungs- bestimmungen zum Biehseuchen- gesetz, die wahrscheinlich am i. April in Kraft treten, daS Recht-auf Tötung deS erkranken BieheS bringen werden. Die Debatte förderte neue Momente fo gut wie nicht zu- tage; eS war der alte Streit darüber, ob eS fich um rein vetertnärpolizeiliche Maßnahmen handelt, oder ob da- mit auch die Unterstützung agrarischer Interesse» der- Kunden ist. Den Ctandpmckf der Sozial» demokratte vertrat t»«cht ge- schickter und sachkundiger Rede Genosse Liebknecht, der vor allem auf die Notwendig» feit der Ergreifung vorbeugender Maßnahmen hinwies, die in erster Linie den kleinen Landwirten zugute kommen sollen, und sich mit Entschiedenheit gegen die heuchlerische Vorspiege- lung sanitärer Interessen wandte, wo es sich doch nur um agrarische Jnteressenpolittk handele. Auch die Art und Weise, wie die Verwaltungsorgane die Seuchengesetzgebung zur Be- kämpfung der Sozialdemokratie und des Freisinns durch Ver- sammlungsverbote mißbrauchen, erfuhr durch unseren Ge- nossen die verdiente Kritik. Am Montag soll nach Erledigung einiger kleiner Jnter- pellationen der Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung beraten werden. Tie Wahl der Schriftführer de« neuen Reichstag» hat folgendes Ergebnis gehabt: 1. Dr. Bärwinkel(natl.), 2. Neumann-Hofer ßfortfÄ«P.j. 8. 6 1 fltflen(Soz.). 4. d. MorawSki lPole). 5. Rogalla d. Bieberstein(l), 6. Engelen(Z.), 7. Dr. Beizer(Z.), 8. Fischer- verlm(Eoz.). Du Stimme nzi ff er», mitdenen die einzelnen Schriftführer gewählt wurden, entsprechen da vorstehende» Reihen- folge der Namen. verschiedene bürgerlich« Blätter teste« mit. daß die Schriftführer Dr. Beizer und Engelen(Z.), ferner v. vieberstetn(k.) ihre« e m t e r n t« d e r z u l e g e n g e d e n k e n. West auch zwei Sozialdemokraten al» Schriftführer gewählt worden find. Sollte fich diese Nachricht bewahrheiten, so würde da» allerdings nicht das schlimmste sein. da» dem Reichstage zustoßen könnte. Wenn die Getreuen de« SchnapSblockS keine Schriftführerposten annehmen wolle«, dann werden die drei Stellen einfach unter Sozialdemokrat». National- liberale«nd Fottschrittler vetteilt, und— es geht auch l» Agrarische Steuerklage«. Die aste Gruppe der zahlreichen agrarischen BaanstaSmigen, die alljährlich im Februar in der Reichshauptttadi unta dem Zei- chen der großen agrarischen Woche' stattfinden, hat am Sonn- abend einen würdigen Abschluß durch da» Austreten eines Ritter- gutSbesitzer» aus der nächsten Umgebung Berlin« gefunden. Dieser Herr, namen» Roeder— au« Lichtenberg gebürtig—, benutzte die Gelegenheit eine» Antrage« auf Erleichterung da Srnndtvettstener nach dem gemeinen Wert für gärtnerische und landwirtschaftliche Betriebe zur Erhebung da Forderung, die Grundsteuer nicht mehr. wie bisher, nach dem gemeinen Wert, sondern nach dem Ertrag zu erheben. Er nahm sich bei der Begründung der.notleidenden' Be. sitzer von Grund und Boden mit einem Eifer an, der einer besseren Sache würdig gewesen wäre, und klagte wehmütig über die Drangsalierungen. die sich diese unglücklichen Leute durch die. Notabene nach dem Dreiklassenwahlraht gewählten Gemeindevertretungen gefallen lassen müssen. Er sprach von da.Billkür' da Gemeindevertretungen und wollte es durchaus nicht als eine Uebertreibung angesehen haben, olS et sagie, daß die Grundbesitzer auZ den Ge- meinden heute»als Bettler" hinausgehen. Nebenbei leistete sich der Herr noch allerhand Verdächtigungen, ohne dafür Beweise bei- zubringen. So beschuldigte er rund und nett heraus die Berliner Stadtvettvaltung, sie habe 30 Jahre lang in eine Gegend des Ostens von Berlin leine Kanalisation legen lassen, nur weil dort einmal ein konservativer Stadtverordneter gewählt worden sei. Man kann hinter diese Behauptung ein Fragezeichen machen, ohne sonst von der Berliner Kommunalverwaltung besonders eingenom- vien zu sein. Und nun malte Herr Roeder mit HituvciS auf den demokratischen Zug, der gegenwärtig durch das Volk geht, die Zu- kunft der Grundbesitzer und ihrer Freunde schtvarz in schwarz. DaS Wahlrecht zum Abgeordnetenhaus wird radikalisiert werden. Zu den Gemeindevertretungen wird bald auf Grund des allge- nieinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts gewählt, den selbständigen Gutsbezirken der Garaus gemacht und der Grund und Boden den breiten Massen rücksichtslos ausgeliefert werden. Daß daS alle» in der allernächsten Zeit kommen wird, weiß Herr Roeder so genau angeblich von zwei Redakteuren des—»Bor« wärts", die daS allerdings zweifelhafte Vergnügen haben, mit ihm im Lichtenberger Stadtparlament zusammenzuarbeiten. Er schloß mit einer Apotheose des Grundbesitzes, der allein den Staat erhält. Dies« Dinge gingen selbst den Vertretern der preußischen Rc- gierung über die Hutschnur, die an agrarischen Sonderwünschen doch allerlei gewöhnt sind. Ein Oberfimmzrat aus dem Finanz- Ministerium schilderte die Lorzüge der Erhebung der Grundsteuer nach dem gemeinen Wert. Der hauptsächlichste Vorzug bestehe darin, daß durch diese Steuer die Spekulanten gezwungen würden, ihre Gelände nicht der Bebauung zu verschließen. Von ihrer Auf- Hebung hätten nur die Millionenbauern und Xerrainspekulanten den Vorteil. Auch einige der Mitglieder deS Kollegiums selbst rückten sichtlich von Herrn Roeder ab, wenn sie ihm auch im einzelnen recht gaben und die Beseitigung von besonders drückenden Härten forderten. ES wurde schließlich ein Antrag deS Bündlers Frhrn. v. Wangenheim angenommen, der für die Veranlagung von Grundstücken für land» und forsttvirtschaftliche Zwecke Erleich- terungen verlangt. Mit diesem Abschluß hatte sich daS Kollegium die sowohl staat- liehen wie stattlichen Reise- und Auscnthaltsspesen der ersten Woche erarbeitet, und unter der Firma de»»Deutschen Landwirtschafts- rates" wird das Volk in der nächsten Woche die alte Weise der agrarischen Schmerzen von neuem hören müssen. Wahkrechtskälilpfe i« Schwarzburg-Sondershausen. Die Regierung hat dem Landtage«ine Wahlrechtsvorlage zu- gehen lassen, die eine Verhöhnung des Volte» darstellt. Zum jetzigen Landtag wählt der Fürst auf Lebenszeit g Abgeordnete. die dreihundert Höchstbesteuerten wählen weitere sech» direkt und öffentlich, und das letzte Drittel wählt daS Volk indirekt und öffent- lich, d. h. wer Staats- und zugleich Gemeindebürger ist. Dieses niederträchtige Wahlrecht soll nun geändert werden. Nnzählige Petitionen der Parteiorganisationen sMvie von öffentlichen Volksversammlungen sind dem Landtage zugesandt worden. aber niemals hat die Regierung daraus reagiert. Selbst der Land- tag hat wiederholt den Beschluß auf Einführung der geheimen Wahl gefaßt, aber auch daS hat die Regierung bis zum Vorjahre unbeantwortet gelassen. Landtag und Regierung kannten sich zu gut. Hinter den Kulissen wird schon eine Antwort erfolgt sein. IM Vorfahre wurde wieder ein diesbezüglicher Beschluß vom Land- tagegcfaht, worauf die Regierung erklärte, daß sie die Einführung des geheimen Wahlrechte» für die allgemeinen Wahlen beabsich» tige. daß sie aber ebenso lange die Einführung deS allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechtes ablehne, solange eS von der Sozialdemokratie gefordert werde! Ein« solche Erklärung yab ein« Regierung, an deren Spitz« ein Staat»m»nifter steht, der m der anderen Hälfte seiner Tätigkeit mit einer sozialdemokrati» schen Lcmdtagtmehrheit zu tun hat, in Schwarzburg-Rudolstadt. Sine solche Erklärung gibt«in« Regierung ab. die auf ein« Ver- einiaung der beiden Sa, warzburger Länder hinarbeitet. Venn beide Länoer stehen schon unter der Obhut eines Fürsten und eines StaatSministerS. Außer diesen beiden Personen h«ben die Länder nichts gemein, da die Verfassung ganz verschieden ist. In Schwarz. burg-«onderShaus«n regiert außer dem Fürsten noch eine kleine Zahl von Großagrariern und Fabrikanten, waS in einem so kleinen Lande vielleicht noch drückender empfunden wird, als unter großen Vcrhälwissen. Trotz aller Bedrückung hat der Gedanke v«S Sozialismus schöne Fortschritt« gemacht. Die sozialdemokratische Stimmenzahl ist seit der vorigen Wahl von B702 auf 8522 gestiegen. Mit Zuversicht geht jetzt die Partei an die Arbeit, um den schwär- zcsteu Hort der Reaktion in der Mitte Deutschland» zu brechen, an die Erringung deS freien Wahlrechtes für den Landtag. In keinem der thüringischen Kleinstaaten ist noch ein solches Wahl- recht zu finden als in Schwarzburg-SonderShaufen. Es gibt auch keine,! Landtag, in dem nicht ein einziger Atbeitekvertreter zu finden wäre! Die Regierung gibt aber da» geheim« Wahlrecht nicht, ohne zugleich wieder eine Verschlechterung zu bringen: die Herauf» setzung des Wahlalters von 21 auf 2b Jahre. Gegen dies« reaktionären Anschläge gilt e» nun Sturm zu laufen, um der Arbeiterschaft zu ihrem Recht« zu verhelfen. In diesem Jahre finden noch die Wahlen zu dem Landtage statt und da muß«Z gelingen, trotz dcS Wahlrechtes einige Vertreter in dieses.Kränzchen für politisch« Rückständigkeit" hineinzubringen. Die Junker nehmen Rache! Der Rittmeister a. D. Rittergutsbesitzer Ackermann. Sa lisch gehörte früher zu den hervorragendsten Schreiern der Notleidenden, insbesondere auf den Bündlerparaden in Berlin. Jetzt arbeitet er nur noch in seiner engeren Heimat deS Kreise» Glogau für dw agrarische Sache und den blauschwarzen Block. Am Stichwahltage hat nun Herr Nckcrmann-Salisch eine schlvere Täuschung erlebt, weil der Wahlkreis Glogau nicht durch den Reaktionär v. Jordan, sondern durch den Fortschrittler v. LiSzt im Reichstage vertreten wird. Allerdings nur durch das geschlossene Eintreten der Sozialdemokratie. Da» müssen nun die Arbeiter de» Herrn Ackermann. Salisch büßen. Vor der Wahl erhielten alle beim Holzschlag beschäftigten Arbeiter 1,40 M. pro Tag» sofort nach der Stichwahl wurde allen pro Tag 20 Pf. abgezogen. Wird der Ueberschuß etwa zur Deckung des Dalles in der konservativen Partetkasse verwandt? So rächen sich die Agrarier für den Ausfall der Wahl. Auch im Löwenberger Kreise wollen sich die Agrarier für den Sieg des Fortschrittlers rächen. Dort hat die Nieder- läge des konservativen Kandidaten ebenfallt sehr enttäuscht und die Agrarier versuchen, die Löwenberger Geschäfts- leute die Schuld an der konservativen Nieder- läge m die Schuh« zu schieb«» unfc diese zu doykoltieren. Verschiedenen Geschäftsleuten wurde ganz direkt gesagt, man kauf« nichts mehr in der Stadt. Und dieser Tage kam eine adlige Grvhagrarierfrau in ein Löwenberger Geschäft, um Einkäufe zu besorgen. Vorher jedoch fragte sie die Frau de» Inhabers:.Wie hat denn Ihr Mann ge- wählt? Ich glaube: auch frei,— man kann in LSwenderg ja gar nicht» mehr kaufen." So unterstützen die Agrarier den Mittelstand und so beweisen fie ihre vor den Wahlen hoch beteuerte Städte» freundNchkeik. Aber Las hat man in den Kreisen der Agrarier und oberen Zehntausend immer so gemacht; davon wissen die Geschäftsleute, namentlich in den kleineren Städten, ein Lied zu singen. Die Kleinigkeiten kauft man zur Not groß- mutig am Ort und alle größeren wertvollen Gegenständ« werden aus den Großstädten, wenn nicht aus dem Auslände bezogen. Eine Rekrutentragödie. Dieser Tage machte durch die rheinische bürgerliche Presse eine aus Koblenz stammende Notiz die Runde, die diesen Wort- laut hatte: Im Kasernement der 1. Kompagnie deS Infanterieregiments Nr. 68 entlud sich auf bisher unaufgeklärt« Weise daS Gewehr eines Rekruten. Die Platzpatron« drang dem Mann in�dert Hals. Die Verletzung war so schwer, daß der Soldat nach fürchter- lichem zweistündigen Leiden in dem Garnison- lazarett, wohin man ihn bracht«, sein Löben aus- hauchte. Gegenüber diesen Behauptungen der bürgerlichen Presse nimmt ein Gerücht immer größeren Umfang an, daS besagt, der betreffende Soldat habe Selbstmord verübt, weil ihn ein Vorgesetzter fort- gesetzt mit seinen Ouälereien verfolgt habe. ES erscheint dringend notwendig, daß über den Fall ausreichende Aufklärung ge- geben wird._ Württembergischer Liberalismus. Im 10. württcmbergischen Wahlkreis Göppingen siegte in der Stichwahl der Kandidat der Fortschrittlichen Volkspartei, Gunßer, dem die Nationalliberalen Wahlhilfe leisteten, über unseren Ge- nassen Dr. Lindemann. Zentrum und Bauernbund, deren Kandidat nicht in die Stichwahl gelangt war, hatten Wahlenthaltung pro- klamiert. Dem heißen Liebeswerben de» VolkSparteilerS konnten si« aber schließlich doch nicht widerstehen, sie gingen in hellen Scharen zum Volksparteiler über und verhalfen ihm zum Sieg über den Sozialdemokraten. Der Wittum-Skandal in Pforzheim bringt nun auch allerlei Interna über die volksparteiliche Wahl- mache im Göppinger Wahlkreis an den Tag. Wie bereits berichtet, hat der volksparteiliche Kandidat und jetzige Reichstagsabgeordnete Gunßer in öffentlicher Versammlung in Schw.-Gmünd den Kampf gegen den.schwarzblauen Block" feierlich abgeschworen, die Stich- Wahlparole der Volkipartei»entschieden gemihbilligt" und den Kampf gegen den Umsturz als heiligste Pflicht jedes deutschen Manne» proklamiert. Nun kommt Herr Wittum von Pforzheim her und verschönt da» Bild de» württembergischen Liberalismus noch ein wenig. In setner RcchtfertigungSschrift, in der er seine Mogelei mit dem Zentrum zu beschönigen sucht, teilt er auch diese» Geschichtchcn mit: „Im 10. württembergischen Wahlkreis Göppingen-Gmünd stand der fortschrittliche Kandidat Gunßer in Stichwahl mit dem Sozialdemokraten Dr. Lindemann. DaS Zentrum, welches den Ausschlag gab. proklamierte Wahlenthaltung und damit wäre Gunßer gefallen. Am Abend vor der Wahl wurde ich dringend nach Gmünd berufen, um dort zu sprechen. Die Ver- sammlung war überfüllt, mein Vortrag wurde beifällig auf- genommen. Ein ZentrumSredner trat nach mir auf und suchte den Beschluß auf Wahlenthaltung zu rechtfertigen. Nun richtete ich nochmals einen warmen Appell an die Versammlung, nicht aus einer Nachcpolitik heraus die vaterländischen Jnter- essen zu verletzen und den Wahlkreis damit an die Soztaldemo- krati« auszuliefern. Am anderen Abend erhielt ich folgende» Telegramm:„Gunßer gewählt, gedenken dankbar Ihrer groß- artigen, wirkungsvollen Mitarbeit am gestrigen Abend. Die � vereinigten Lib e ra! e n." Von einem Tadel, daß ich die Zentrumsleute bat, für den volksparteiftchen Kandidaten zu stimmen, stand Nichts in dein Telegramm." Dazu bemerkt der natiönallibevale ,S ch w 2 b. Merkur" in Stuttgart: »Die württembeigischen Liberalen im 10. Wahl- krei» einschließlich der Demokraten haben wahr- haftig den Ernst der Lage besser erfaßt als die leitenden Männer an der Spitze der b a d i s ch e n Natwnalliberalen, die sich nicht scheuen, jetzt nach der Wahl ihrem verdienten Parteiveteranen eine Art Mißtrauenvotum zu erteilen. ES Ist geradezu erstaun» lich. welche Blüten die Großblockpolitik in Baden heutzutage treibt 1" Da» ist der württembergische Liberalismus in Reinkultur! Ei« von der Rotsche« befallener Nationaviberaler. Der rheinische Großindustrielle, Geheimrat V. V o e t t i n- ger, Mitglied des Preußischen Herrenhauses und einer der Hauptgeldgeber für die Altboff-Stiftung und die Kaiser- Wilhelm-Akademie, ist aus Anlaß der Präsidentenwahl im Reichstage auS der nationalliberalen Partei ausgeschieden. Er läßt durch ein Telegraphenbureau an die gesamte bürger- liche Presse ein Telegramm nachfolgenden Inhalts versenden: „Nachdem, wie ich soeben auS Berlin höre, eine große Zahl nationalltberalcr Mitglieder bei der ReichStagSpräsidentenwahl für den sozialdemokratischen Kandidaten gestimmt haben, bin ich genötigt, auS der nationalltbcralen Partei auszutreten." Den Nationalliberalen wird der Verlust Boettingers bielleicht weniger seiner politischen Bedeutung, als seines Geldes wegen nicht ganz angenehm sein. Er ist einer der Leiter des rheinischen Farbwerks und gehört einer ganzen Reihe großindustrieller Unternehmungen an.— Ob er freilich so freigebig gegen die nationalliberale Partei gewesen, wie gegenüber gewissen Wünschen von oben, ist eine andere Frage. Tie Nationalliberalen haben ja weder Titel noch Orden zu vergeben._ Die Analphabeten im Heer nnd in der Marlne. Nach der im neuesten Heft der Statistik de» Deutschen Reiche» veröffenilichten Uebersicht über die Schulbildung der in das Heer und in die Flotte im Jahre 1910 Einaestellien ist die Zahl der Analphabeten, d. h. derjenigen Mannschaften, die keine Sprache ge- nügend lesen oder ihren Vor- und Familiennamen nicht leserlich schreiben können, gegenüber den Vorjahren wiederum zurück gegangen. Für da» ganze Deutsche Reich ergeben sich folgende Prozente: 1S10 bei 267 554 Eingestellten 0,02 Proz. Analphabeten 1900. 26B 408. 0,07, 1890. 101744. 0.64,, Der Zahl noch waren e» 1910: VI, 1000: 180, 1890 dagegen noch 1035. Dem Geburtsorte nach kamen auf 100 Eingestellte söhne Einjährig-Freiwillige): Preußen Bayern Sachsen® Baden Hessen Elsaß 1910.. 0,02 0,01— 0,02 0,04 0,06 0,03 1900.. 0,10 0,01 0,02— 0,01 0,02 0,07 1890.. 0,88 0,08 0,07 0,04 0,03 0,08 0,28 Trotz allem Rückgang der Analphabeten ist der noch vorhandene Prozentsatz noch immer em sehr traurige» Zeichen für die vorhandene ungenügende Sorge um die Volksschule. Die wirtschaftliche Bereinigung hat sich nun doch als selbständige Fraktion konstituiert. Behren» wurde zum ersten, Lizentiat Mumm zum zweiten Vorsitzenden und Dr. W e r n e r(Gießen) zum Schriftführer gewählt. Die Meldung, die Wirtschaftliche Vereinigung habe sich aufgelöst, war also unzutreffend. E« dürften aber einige Antisemiten und wahrscheinlich auch die Württemberger Bogt» zu den Konservativen gehe». fratikreicb. Annahme deS Marokkovertrages durch den Senat. Paris, 10. Februar. Der Senat hat das deutsch- französische Abkommen mit 222 gegen 48 Stimme» angenommen. Die Annahme erfolgte nach einer Rede deS Mnister- Präsidenten Poincarrö, die die mehr als eine Woche währende Redeschlacht abschloß._ Die Pariser Wohnungsnot. Genosse Fr. Brunei vom Pariser Gemeinderai weist in einer in der»Human itö" erscheinenden Anikelreih« die Berechtigung seine» Antrages auf Bewilligung von 200 Mill. Frank zur Er- richtung städtischer Wohnungen nach. Er fordert, daß diese zu einem Mietpreise von 6 Proz. des Kostenpreises, einschließlich aller Lasten und Unkosten vermietet werden, während heute eine Verzinsung von 8—9 Proz. erzielt wird. Dazu käme der Vorteil gesund- heitlich mustergültiger Wohnungen für eine Bevölkerung, die heute durch die Tuberkulose dezimiert wird. Wie sehr sich die Wohnungsnot zugespitzt hat, geht hervor auS der Aufstellung der Zahl von leerstehenden Wohnungen. Während eS im Jahre 1898 noch 42 571 solche gab. darunter 26 226, fast 61 Proz., zu einem Mietspreise von weniger alS 500 Fr., waren e» 1910 nur noch 10 795, wovon 6182 58 Proz. für weniger als 500 Fr. Am 81. De- zember aber waren eS unter 742 960 Wohnungen unter 500 Ft. nur 3663, einschließlich der überhaupt nicht bewohnbaren. DaS sind knapp ein halbes Prozent, während für den normalen Wohnung»- austausch in der Regel 3 Proz. leerstehende Wohnungen gefordert werden. CUfhci Die Sozialisten und die Parlameutswahle«. Dem aufgelösten türkischen Parlamente gehörten 7 Sozialisten an, davon sechs Armenier, fünf von der revolutionären Fraktion .Dachnakzutiun", einer von der.Hentschak" und der Bulgare Vlakow von Saloniki, die sich kürzlich zu einer Fraktion im Parlament ver- einigt hatten. Wie Vlakow in der Zeitung»Der Jungtürke" mitteilt, haben die drei Gruppen, die beiden armenischen und der Sozialistische Arbetterverband von Saloniki, Schritte zur Auf- stellung einr» gemeinsamen Programm» getan, dem die Programme der Gruppen und die Beschlüsse ihrer Kongresse zu- gründe liegen. Von einem Zusammengehen mit einer der jung- türkischen Fraktionen, der»Liberalen Vereinigung" oder dem alten Komitee»Einheit und Fortschritt" sei keine Rede.— Genosse L o n g u e t, der diese erfteuliche EintgkeitSbewegung berichtete, knüpft daran den Wunsch, daß auch die Genossen türkischer und arabischer Nationalität sich anschließen, damit die neue ottomanische Sektion der Internationalen die Zusammensetzung de» sozialistischen Proletariat» de» Türkenreich« vollkommen widerspiegele. Soziales. Nnfaklvcrsicherung der Warengeschäfte. Nach der Bekanntmachung de» Reichsversicherungsamte» vom 15. Januar 1912 haben die Unternehmer eine» Betriebes oder von Tätigkeiten, die durch die Reichsversicherungsordnung der Unfall. Versicherung neu unterstellt worden sind, die Verpflichtung, die An- Meldung ihres Unternehmens bis spätesten» zum 15. März.1912 zu bewirken. Die Anmeldung hat bei dem zuständigen Versiche- runaöamt bezw. bei der örtlich zuständigen Behörde zu erfolgen (b. i' in der.Regel.der Magistrat, das Vürgertneisteramt usw.— In Berlin ist' die Anmeldung bei der Gewerbe-Deputation des Magistrats, C. 2, Stralauer Straße 3/6, zu bewirken�. Für die Anmeldung kommen insbesondere die Warengeschäfte in Betracht, soweit sie nicht bereits bei der Lagerei-BerufSgenossenschaft ver- sichert sind. Jedes Warengeschäft ist von jetzt ab anmeldepflichtig, sobald ein gewerblicher Angestellter oder zwei kaufmännisch« Angestellte in demselben dauernd daS ganze Jahr hindurch beschäftigt werden. Ein Kampf um die HinterbNebenenrente. Der Dreher Wilhelm Sch. erlitt am 4. November 1910 im Betriebe der Daimler-Motoren-Gesellschaft dadurch einen Unfall, daß er an seiner Bank, als er einen zirka 50 Pfund schweren Kolben trug, über danebenliegende Maschinenteile stolperte und hinfiel. Sch. schlug mit voller Wucht mit dem Kopf auf Zement- boden, der Kolben schlug ihm auf die Brust. Von Stunde an klagte Sch. über heftige Schmerzen; da der nächste Tag nach dem Unfall ein Sonntag war, glaubte Sch., die Beschwerden würden durch die Ruhe an diesem Tage wieder nachlassen. Am Montag muhte sich Sch. jedoch zum Arzt begeben, dieser konstatierte Quetschungen und Hautabschürfungen am linken Schienbein, bläuliche Verfär- bung der linken Brustseite und deS linken Oberarms. Am Hinter- köpf Hautabschürfungen und eine Beule, der Schädel sei auf Druck äußerst empfindlich gewesen. Am 8. Dezember wurde Sch. in der Kgl. Eharite aufgenommen, wo Symptome de« Säuferwahnsinns festgestellt wurden. Im Verlauf dieser Erkrankung trat dann Lungenentzündung hinzu. Am 27. Dezember»erstarb Sch. Der von der Witwe des Verstorbenen bei der Nordöstlichen Eisen, und Stahl-BerufSgenoffenschaft S. I. gestellte Antrag auf Gewährung der Hinterbliebenenrente wurde abgelehnt, weil nach Anficht der Genossenschaft der Tod nicht mit dem Unfall i» Zu- sammenhang stände. Der Unfall sei keineswegs so schwer gewesen, wie ihn die Witwe geschildert; der Vertrauensarzt der Genossen- fchaft erklärte auf Grund der Akten, daß die Ansicht gurückzu- weisen sei, daß der Unfall daS später aufgetretene Delirium tremens ausgelöst habe. Die Witwe legte gegen den ablehnenden Bescheid der Genossen- fchaft beim Schiedsgericht für Arbeiterverficherung Reg.-««». Potsdam Berufung ein. Durch Bescheinigungen der Hausbewohner, die den Sch. feit 5 Jahren kannten, wurde der Nachweis geführt. daß Sch. ein durchaus ruhiger Mensch war, daß keine Red« davon sein kann, daß Sch. ein Säufer sei. DaS Schiedsgericht erhob zu- nächst über die Art deS Unfalls Beweis durch Vernehmung eine« Mitarbeiters des Sch. Dieser, Eisendreher Gr, sagte au», daß Sch. am Unfalltage so gut wie gar nicht mehr gearbeitet habe; Sch. habe jedoch gleich über heftige Kopfschmerzen geklagt. Vom Nervenarzt Dr. L. wurde dann ein Gutachten eingeholt. Der Gutachter hielt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Zusammenhang de» Todes mit dem erfolgte» Unfall de» Sch. für gegeben. Das Schiedsgericht verurteilte die Genossenschaft zur Zahlung der Hinterbliebenenrente. In der Begründung sagt da« Schieds- gericht u. a.:„daß der Unfall erheblich schwerer gewesen ist, als es von den Vorgutachtern hingestellt worden",„daß Sch. mit dem Hinterkopfe auf Steinboden aufgeschlagen ist und daß er in den Armen einen 50 Pfund schweren Kolben hielt, der die Wirkung de» Aufschlagens erhöhte".„Vor allem fällt in» Gewicht, daß die tödliche Erkrankung durch eine lückenlose Kette von KrcmkheitS- erfcheinungen mit der Betriebsverletzung verbunden ist. Sofort nach dem Unfall klagte Sch. über Kopfschmerzen. Erst allmählich gingen diese bloß körperlichen Verletzungsfolgen w die Geistes- störung über, während das gewöhnliche Delirium tremens des Säufers plötzlich, in Stunden, höchstens in Tagen zum Ausbruch kommt;, doch sind weder die körperlichen noch die geistigen Begleiterscheinungen de» Säuferwahnsinns auch nur in annähernd voller Ausbildung in der Charitä festgestellt worden." Mit dieser Entscheidung gab sich die Genossenschaft zufrieden. Die Witwe erhielt die Rente nachgezahlt. � Wttwen, GewerkfchaftUchea. Der Hnfang vom 6nde, Dra größte christliche Gewerkschaft, die der Bergarbeiter, ist zum Stehen gebracht, mehr noch, es geht bergab mit ihr. Diese Tatsache wird von jedem ehrlichen Arbeiterfreunde mit Genüge tuung aufgenommen werden. Gibt es doch keine Organisation, die sich im Laufe der letzten Jahre so schamlos aufgeführt hat, wie der Gcwerkverein christlicher Bergarbeiter, der sich allmählich zu einer Schutztruppe des rheinisch-westsälischen Grubenkapitals entwickelt hat und der alles getan hat, einem Teil der Ruhrbergarbeitcr dem Hohn und Spott ihrer Feinde zu überantworten. Die Bergarbeiter im Ruhrbecken sind seit Jahren zu einer gewissen Ohnmacht ver dämmt. WaS sie auch unternommen haben in den letzten Jahren, um ihre Lage zu heben, ist durch den Gewerkverein durchkreuzt wot den— zum Gaudium der Unternehmer und zum Gaudium der schwarzen Zcntrumspartei, die den Gewerkverein fleißig benutzt hat, ihre Parteisuppen zu kochen. Selbst in rein bergmännischen Fragen störte der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter in den letzten Jahren stets die gemein schaftlichen Aktionen der Bergarbeiter. So in der Frage des Bergarbciterschutzes, in der Knappschastsfrage, bei der Lohnbewe gung usw. Auch da, wo der Gewerkverein anscheinend mit den übrigen Verbänden zusammenging, in der Frage des ArbeitSnach weises, hat es sich später herausgestellt, daß der Geweriverein seine Verbündeten, und damit auch die Bergarbeiter, zum besten hielt, Schließlich ging diese Organisation gar so weit, sich mit den Werks kapitalisten gegen die gegnerischen Verbände zu verbünden. Davon legen Zeugnis ab die Knappschaftsältesten, und Sicherheitsmänner Wahlen. Daß der Gewerkverein auch bei den politischen Wahlen keine rühmliche Rolle gespielt hat, ist ja noch zu frisch in aller Erinnerung. Ueber eines hat man sich wundern müssen. Daß dem Gewert verein nicht die Mitglieder in hellen Scharen schon längst entlaufen sind. Aber man kennt ja die Zusammenhänge und die Ursachen, warum sich Arbeiter noch christlichen Organisationen, zum eigenen Schaden, anschließen, besser gesagt, zum Anschluß an diese bewogen werden. Zum Glück haben die christlichen Gewerkschaften nicht die Be deutung erlangt, die sie gerne haben möchten. Sie haben ihre Auf gäbe, die deutsche Arbeiterschaft zu zersplittern, zwar zum Teil lösen können, aber ihren Zweck, den Aufstieg der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung aufzuhalten, haben sie nicht erreicht. Die freien Gewerkschaften haben innerhalb der zwei letzten Jahre 550 llIXt Mitglieder gewonnen, die sozialdemokratische Partei inner- halb der letzten 5 Jahre rund eine Million Stimmen. Wie jämmerlich sieht es dahingegen im christlichen Gewerkschafts- lager auSI Doch darüber wollen wir uns hier nicht näher auslassen Vor uns liegt der Gewerkschaftsbericht des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter für die Jahre 1909 und 1919. ebenso das Protokoll über die Verhandlungen der Generalversammlung dieser Organisation in Köln im Juli 1911. Uns interessieren hier einige Stellen aus der Rede des christlichen Generalsekretärs Vogel- sang, der auf dem Jahrestag des Gewerkvereins über den Ver- waltungsbericht sprach. Wir lesen in dieser Rede: „Heute(im Juli 1911) stehen wir mit einer festgeschlossenen Masse von 85 000 Mann zusammen, wir haben in allen Orts' gruppen tüchtige, aufgeklärte Mitglieder, haben tausende opfer willige Vertrauensleute, ausgebildete Führer und eine starke Kasse. Warum sollte uns da vor der Zukunft bangen? Gewiß haben wir unsere Ziele noch nicht erreicht, es stehen noch hundert- tauseirde außerhalb unserer Bewegung, noch viele Wünsche harren der Erfüllung. Große Hindernisse müssen noch überwunden werden. Aber es geht vorwärts. Nichts kann uns zurückhalten, wenn wir einig find und vorwärts wollen, wenn wir alle an der Beseitigung der uns entgegenstehenden Hindernisse, besonders der Unwissenheit und Gleichgültigkeit, mitarbeiten. Eine neue Hoch- konjunktur, die uns bevorsteht, wird vielleicht schon den letzten Bergarbeiter zwingen, zur Gewerkschastsfrage Stellung zu nefy men. Sie wird bestimmt darüber entscheiden, ob der Gewerfc verein christlicher Bergarbeiter Deutschlands und die gesamt« christliche Gewerkschaftsbewegung Deutschlands stark genug wer- den wird, um eine dauernde selbständige Mission in der deutschen Arbeiterbewegung zu erfüllen. Wir rufen deshalb alle unsere Mitglieder und Funktionäre auf zur Arbeit I Auf zur Klein- und Hausagitation! Jeden Monat muß jede Zahlstelle mit einer Hausagitation einsetzen, und alles muß sich daran beteiligen. Kein Vertrauensmann, kein Funktionär, kein strebsames Mitglied darf dabei zurückbleiben. Es gilt neue Positionen zu erobern und alte zu stärken. Der Gewerkverein mutz am Schlüsse dieses JahreS 100 000 Mitglieder überschreiten." Also 85 000 Mitglieder zählte die größte christliche Gewerkschaft im Juli 1911 und über 100 000 sollte sie am Jahresschlüsse haben. Diese Blütenträume sind dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter nicht gereift! Jetzt ver öffentlicht der Gewerkvcrein in seinem Organ, dem„Bergknappen", den Kassenbericht für das Jahr 1911. Und wir kommen bei Durch ficht dieses Berichts zu folgenden Ergebnissen: Der Gewcrkverein zählte am Ende des JahreS 1909 81 734 und Ende 1910 82 855 Mitglieder. In der Mitte dieser Ziffern be- wegte sich die Durchschnittsmitgliederzahl im ganzen Jahre 1910. Anfangs 1911 setzte eine lebhafte Agitation für den Gewerkverein ein und es gelang ihm, seine Mitgliederzahl bis um die Mitte des Jahres um 2000— 3000 zu steigern. Dann konnten wir verschiedent- lich lesen, daß der Gewerkverein sich weiter erfreulicherweise ent wickele. Bis 100 000 Mitglieder wollte der Gcwerkverein kommen, dem lag wohl nichts weiter im Wege als der Kassenbericht, den man der Oeffentlichkeit doch unterbreiten muß. Wäre eS anders, der Gewerkvcrein hätte längst die 100 000 und die christlichen Ge- werkschaften längst eine Million Mitglieder überschritten. So aber weisen die Kassenabschlüsse aus. wie die Dinge stehen. Aus dem veröfentlichtcn Bericht des Gewerkvereins ersehen wir, daß er 1911 bei gleichen Beiträgen nicht mehr einnahm als im Jahre 1910. ja noch etwas weniger. Und das trotz aller pompösen Ankündigungen über die große Mitgliederzunahme. Es betrugen die reinen Beitragseinnahmen: 1910: 1 138 806,25 M., 1911: 1 138 549,75 M., das sind weniger 316,50 M. Hatte der Gewcrkverein schon 1910 gegen 1S09 Zuwachs und hielt dieser 1911 an. so konnte man erwarten, daß der Jahres- beitrag sich um 100 000 M. und mehr steigern müßte. Waren doch Mitte 1911 schon 85 000 Mitglieder vorhanden, rund 4000 mehr als im Jahresdurchschnitt 1910. Und nun sehen wir statt Mehr- einnahmen eine Mindereinnahme, die sich nur erklären läßt, wenn in der zweiten Hälfte deS Jahres 1911 dem Gewerkverein 5000 b i s 6000 Mitglieder fortgelaufen sind. Vielleicht noch mehr, da der„Bergknappe" inzwischen nichts davon erwähnt hat, daß der Gewerkverein auf eine bessere Zukunft in nächster Zeit hoffen kann. Somit steht fest, daß der Gewerkvercin christlicher Berg- arbeiter nicht nur zum Stillstand gekommen, sondern daß es mit ihm bergab gegangen ist. Hoffen wir, daß er sich von dieser Schlappe nicht mehr erholt, er hat es verdient. Der Rückgang ist noch bemerkenswerter, wenn man bedenkt, daß der Gewerkverein seine Agitation auf das höchste anspannt. Das ersieht man aus den Ausgaben für Agitation. Diese betrugen Berantw. Redakteur: Albert LSechs, Berlin. Inseratenteil verantw.: 1909 62 192.60 M., im Jahre 1910 98 797,64 und im Jahre 1911 126 305 M. Das sind Summen, die sich sehen lassen können. Der Einnahme gegenüber steht eine Gesamtausgabe von 1099 126,18 M., darunter für Verbandsorgan 118 511 M. und für Streik- und Gemaßregeltenunterstützung 168 965 M., Arbeitslosenunterstützung 4356 M., Krankengeld 214 950 M., Sterbegeld 75 630 Mark, Rechtsschutz 67 822 M. Das andere ging auf für Agitation, Verwaltung usw. Man kann gerade nicht sagen, daß diese finanzielle Wirtschaft eine günstige ist. Obwohl der Gewerkverein größere Streiks nicht zu bestehen hatte, sind ihm 1911 beinahe seine ganzen Beitrags- einnahmen draufgegangen. Das ist kein gutes Zeichen für den innerlichen Aufbau der Organsation. Wie es werden wird, wenn der Gewerkverein in größere Kämpfe verwickelt wird, kann sich jeder denken; aber davor hütet er sich. Lieber predigt er Streik- bruch und es müssen schon Ausstände eintreten, wie in D i e u z e, wenn der Gewerkverein in den Beutel faßt; vornehmlich, um seine geübte blamable Streiktaktik zu verdecken. Doch mag er machen, was er will, uns gereicht zur Genugtuung, daß dem Gewerkverein das Schicksal erreicht, daß ihm jeder ehrliche Arbeiter wünscht. Es ist bergab mit ihm gegangen, hoffen wir auch in der Zukunft das Beste von ihm!.., Berlin und Omgcgcnd. Die Lohnbewegung in der Kartonbrauche. Am Freitagabend versammelten sich im großen Saale des Gewerkschafrshauses die Arbeiter und Arbeiterinnen der Karton- branche, um zu den Antworten der Unternehmer auf ihre Forde- rungen Stellung zu nehmen. Bis auf den letzten Platz war der große Saal besetzt. Würzberger, der Bevollmächtigte des Buchbinderverbandes, berichtete, daß die Lohnkommission, nachdem die Arbeiterschaft am 18. Januar der ihr von der Kommission vor- gelegten Tarifvorlage zugestimmt hat, die Vorlage in Druck ge- geben und am 26. Januar an 112 Arbeitgeber versandt hat. Tie Antworten waren bis zum 5. Februar erbeten worden. Doch nur 15 Arbeitgeber haben sich bemüßigt gefühlt, der Arbeiterschaft eine Antwort zukommen zu lassen. 13 Arbeitgeber teilten mit, daß sie die Angelegenheit dem Schutzverband der Kartonfabrikanten zur Erledigung übertragen haben, der dem Buchbinderverbande als- bald nähere Antwort geben wird. Einer der Arbeitgeber ant- wartete, daß er den Tarif anerkennen wird, der mit dem Schutz- verbände vereinbart wird, und«in anderer Arbeitgeber er- klärte sich zu Zugeständnissen an seine Arbeiter bereit. Daraus erhellt, daß der schon längst totgesagte Schutzverband der Arbeit- geber durch das Vorgehen der Arbeiterschaft zu neuem Leben er- weckt worden ist. Schon am 27. Januar ließ dieser dem Buch- binderverbande die Antwort zugehen, daß ihm von seinen Mit- gliedern die Angelegenheit übertragen worden sei und er sich der- selben angenommen habe. Nähere Mitteilungen wurden für die nächsten Tage in Aussicht gestellt. Am 3. Februar teilte er dann mit, daß eine Kommission gewählt worden sei, deren Mitglieder er gleichzeitig benannte, und seinerseits um Mitteilung ersuchte, welche Arbeitnehmervertreter an den Verhandlungen teilnehmen werden. Dem ist entsprochen und um baldige Ansetzung eines Termins für die Verhandlungen gebeten worden. Gleichzeitig wurde um ein Verzeichnis der dem Schutzverbande angehörenden Arbeitgeber ersucht, damit der Buchbinderverband in die Lage ge- setzt wird, gegen die außerhalb des Schutzverbandes stehenden Fabrikanten, die sich zu den Forderungen noch nicht erklärt haben. vorzugehen. Ter Redner warnte dann noch vor vorzeitigen Ar- beitseinstcllungen und ersuchte die Versammelten, dafür zu sorgen, daß auch die letzten dem Verbände noch fernstehenden Arbeiter und Arbeiterinnen für denselben gewonnen werden, damit die Arbeiter- schaft notwendigen Falles in voller Bereitschaft ist, um ihren For- derungen den gehörigen Nachdruck verleihen zu können. In der Diskussion gaben mehrere Redner unter dem tosenden Beifall der Versammelten ihrer Ansicht dahin Ausdruck, daß der Schutzverband anscheinend auf eine Verschleppung der Angelegen- heit hinarbeite, denn es hätte wohl erivartet werden können, daß der Schutzverband klipp und klar seine Stellungnahme zu den For derungen der Arbeiterschaft zu erkennen gegeben hätte. Der Um stand, daß zurzeit die Tagespress« voller Stellenangebote wimmele, deute darauf hin, daß sich die Arbeitgeber für den Fall eines Streiks Arbeitswillige sichern wollen. Die Lohnkommission sollte deshalb auf eine schnelle Erledigung der Angelegenheit drängen. Schließlich stimmte die Versammlung einer Resolution zu, durch die dl« Bereitwilligkeit des SchutzvecbandeS, durch Verhandlungen über die Forderungen sich gegenseitig zu verständigen, anerkannt und der Lohnkommission zu solchen Verhandlungen und eventuellem Vertragsabschluß Vollmacht erteilt wurde. Deutsches Reich- Die Bildhauer, Drechsler, Polierer und Maschinenarbeiter der Firma Z i e g l e r in D r i e s e n a. N. sind ausständig, um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erzielen. Auch in anderen Orten der Massenartikelfabrikation streiken Angehörige obiger Branchen, und bemühen sich die Unternehmer in Berliner Blättern um Arbeitswillige, zum Teil auch unter Deckadresse. Wir ersuchen deshalb, diese Inserate im Arbeitsmarkt bürgerlicher Blätter sämtlich unbeachtet zu lassen. Firmen, die sich nicht mit den Arbeiterorganisationen in Konflikt befinden, erhalten Arbeits- kräfte jederzeit kostenlos durch den paritätischen Arbeitsnachweis in der Holzindustrie, Gormannstratze, oder den Nachweis des Zentralvereins der Bildhauer und haben nicht nötig zu inserieren. Deutscher Holzarbeiterverband, Gauleitung. Zentralverein der Bildhauer. Durch die Staubentwickelung entsteht beim Hcchler da? sogenannte Hechelfieber. Die Arbeitszeit ist fast allgemein 10 Stunden pro Tag. In München arbeitet man 9 Stunden. Gleich hoch sind die Löhne in allen übrigen Zweigen der Branche.. Von den Roßhaarspinnereien hatten sich 16 Orte mit 21 Be- trieben an der Statistik beteiligt. Tarin wurden 168 Spinner bc- schäftigt, 74 davon sind organisiert. Neben den 168 Spinnern werden noch 348 Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, von denen 92 organisiert sind. Die Arbeitszeit beträgt in 19 Betrieben 10 Stunden pro Tag und weniger. Der Lohn der Spinner schwankt zwischen 3 M. und 5,50 M. Der Lohn der Hilfsarbeiter zwischen 2 uich 5 M., der Lohn der Arbeiterinnen zwischen 1.20 M. und 2,60 M. pro Tag. Geklagt wird über mangelhafte DeS,nfektion der Haare, über die dem Gesetz nicht entsprechende Reinhaltung der Wände und der Fußböden, über mangelhafte Staubabsaugungs- Vorrichtung. Nur in 6 Betrieben werden Wände und Decken all- jährlich getünscht. Sehr geklagt wurde auch über durchaus un- genügende Revisionen. Tie Konferenz trug einen mehr ,nformator,ichen Eharakter. In einer Resolution wurde beschlossen, folgenden Antrag dem Bundesrat zur Ergänzung der für Rotzhaarspinnereien erlassenen Vorschriften vom 22. Oktober 1902 zu unterbreiten: 1. Sämtliche Haare und Borsten. e»nlchl,eßlich der aus Deutschland stammenden, dürfen nur lose und nicht, wie eS bis- her vielfach geschieht, in gepreßten Ballen desinfiziert und ge- waschen werden.....-......... 2. Das Flechten der Prehdeckel ,n der Heimindustrie ,st zu verbieten..- Des weiteren wurde beschlossen, durch Agitation und öffentliche Aaitationsversammlungen für den Verband zu wirken. Bemerr: sei noch, daß in den Jahren 1910 und 1911 ,n, uns Betrieben 12 Milzbranderkrankungen, die in fünf Fällen zum Tode führten, festgestellt wurden._ Der Streik der Schlepper auf der fiskalischen KSnigia-Luise- grübe in Oberschlesien ist. wie schon telegrapbisch gemeldet, am Freitag früb beendet worden. Die Einfahrt erfolgtck wieder vollzählig. Durch das geschlossene Zusammenhalten der Ausstan- digen wurde erreicht, daß die geplante Verkürzung des Gedinges von der Verwaltung zurückgezogen wurde. Hoffentlich macht die Verwaltung in der Zeit, wo me Lebens- und Gebrauchsmittel ungeheuer im Preise steigen. nicht wieder solche Experimente; immer gehen nicht so glualich av. Zündstoff zu einer allgemeinen Arbeitseinstellung ist m Oberschlesien leider nur zuviel vorhanden. Versammlungen. Konferenz der Teiler, Reepschläger«nd Ro�haarspinner. Eine vom Deutschen Textilarbeiterverband einberufene Kon- ferenz der in Seilereien, Reepschlägereien, Bindfadenfabriken und Roßhaarspinnereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen tagte in Halle a. S. Tie moderne Technik hat auch im Seilergewerbe um- wälzend gelvirkt. Der Handwerksbetrieb hat volkswirtschaftlich jede Bedeutung verloren. Trotz alledem hat sich in fast jeder Stadt noch ein Seilermeister, der sein Handwerk in althergebrachter Weise ausübt, erhalten. An Stelle des oft einen Teil seines RohhanfeS ebbst bauenden Seilers, der auf eigener Bahn aus seiner Schürze heraus den Hanf spinnt, ist die Maschine getreten. Die Bindfaden- 'abrikation wurde losgelöst von der Seilerei. Sie konzentrierte ich in besonderen Großbetrieben. Die Fabrikation der schweren Taue wurde verlegt in die Tauwerkfabrite» und Reepschlägercien des Nordens. Wäscheleinen und ähnliches stellt man in thüringi- chen und süddeutschen Etablissements her, und die Netzfabrikation befindet sich in großen Betrieben in Itzehoe. Nur wenig blieb dem voeilerineister; er wurde Händler. Im ganzen sind in Seilereien, Reepschlägercien und Bindfadcnfabriken 4591 Hauptbetriebe vor- handen. Davon sind 1970 Alleinbctciebe, 2621 Betriebe arbeiten mit Gehilfen oder mit Niotoren. Beschäftigt werden in den Be- trieben 12 113 männliche, 4501 weiblich« Personen. Betriebe, die über 20 Personen beschäftigen, sind 63 vorhanden. Tie Umwand- lung der Werkstatt in die Fabrik brachte eine größere Arbeits- teilung mit sich. So gibt es in der Bindfadenfabrikatiön Hanf- drticrer, Handreiber, Hanfschneider, dann Spitzer, Maschinen- bechler, Feinhechler, Trockenspinner, Naßspinner, Zwirner und Zwirnerinnen, Polierer, Seiler, Seilcreihilfsarbeiter, Knüpferinnen und Magazinarbeitcr. An Stelle gelernter Arbeiter traten viel- ach ungelernte. An der Statistik über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in Bindfadenfabrikcn sind 13 Orte beteiligt. Ter Lohn entspricht in einer Höhe dem in der Textilindustrie allgemein üblichen. So er- halten die Hanfsortierer 22 bis 31 Pf. pro Stunde, die Sanfteiber 20 bis 31 Pf. usw. Nur der Lohn der Hechlcr ist im allgemeinen etwas höher; er beträgt 18 bis 25 M. pro Woche. Die Hechler haben sehr unter einer ganz enormen Staubentwickelung zu leiden. Zentralverband der Schmiede. Die ordentliche Genercckver- sammlung der Zahlstelle Berlin fand am Donnerstag abend bei Boekcr, Weberstrahe. statt. Der Kassierer H«nsch«l erstattete zuerst den Bericht für das 4. Quartal 1911. In der Hauptkasse bilanzierten Einnahmen und Ausgaben mit 23 665,20 M. Unter den Ausgaben stehen verzeichnet für Reiseunterstützung 52,50 M.. Arbeitslosenunterstützung 3996 M., Krankenunterstützung 3618,88 Mark. Streikunterstützung 1088,10 M.. Gemaßregeltenunterstützung 9305,70 M.. Umzugsunterstützung 150 M.. Hinterbliebenenunter. stützung 210 M.. Rechtsschutz 909.56 M. Die Lokalkasse buchte eine Einnahme von 37 357,33 M. Die Ausgaben betrugen 8184,47 M. Demnach ist ein Bestand von 29 172,88 M. vorhanden. Unter den Ausgaben befinden sich 2269 M. für Streik- und Gemaßregelten- Unterstützung. 100 M. für die Tabakarbeiter und 328,60 M. für Extraunterstützungen.«< Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf d,e Stellungnahme zum Vcrbandstag, der im Juli in Düffeldorf zusammentreten wird. S i e r i n g besprach die Aufgaben des Verbandstages und betonte, daß im Vordergrunde des Interesses die Verschmelzung mit dem Deutschen Metallarbeiterverband stehen witd. — Eine lebhafte Diskussion setzte sofort über dies« Frag« ein. Die meisten Redner machten scharfe Opposition gegen den Vorschlag der Verschmelzung, nur wenige verteidigten ihn. Da» Verlangen nach einer Urabstimmung wurde laut und auch von einem Freunde der Verschmelzung unterstützt mit der Begründung, daß dadurch der Uebertritt. wenn die Mehrheit sich dafür erklärt, ge- schlössen stattfinden würde.— Auf der anderen Seite traten die Freunde der Verschmelzung energisch für den Vorschlag al» durch. aus zweckmäßig und das Interesse der Arbeiter fördernd ei»; sie wiesen darauf hin, daß heute schon die Zahl der Schoned« im Deutschen Metallarbeiterverband sehr groß ist und die Verschwel- zung dringlich geworden sei. Eine Resolution lag der Versammlung vor.»ach der die Wahl einer Kommission zur Beratung von Aenderunge» der Statuten als überflüssig erklärt und die Notwendigkeit der Verschmelzung anerkannt werden sollte. Diese Resolution wurde abgelehnt und die Wahl einer Kommission von fünf Mitgliedern, die sich mft den ev. Anträgen an den Perbandstag. die Statuten betreffend, zu beschäftigen hat, vorgenommen. letzte Nachrichten. Aus dem belgischen AusstandSgebiet. Brüssel, 10. Februar.(W. T. B.) Im Streikgebiet des Bon- nage kam es heute nachmittag �an verschiedenen Orten zu Zu- sammenstößen. Mehrere Soldaten wurden durch Steinwürse verletzt, worauf das Militär verschiedene Salven abgab. Die Un- ruhe wuchs zusehends und auch die R»t. Fast sämtliche Geschäfte im Streikgcbiet haben heute ihre Läden geschlossen, weil sie Plünderungen befürchten. Heute nachmittag find nun auf Veranlassung des Provinzialrates der Probinz Hennegau Delegierte der Grubenbesitzer und Streikenden zu- sammengetreten. um zu beraten, ob ein Vergleich möglich ist. Pro- visorisch haben die Delegierten sich darauf geeinigt, daß die achttägige Lohnzahlung für drei Monate versuchsweise beibehalten wird und daß der Provinzialrat die Kosten für die er- wetterte Buchführung tragen soll, die durch die Einführung der neuen AlterSpension hervorgerufen wird. Diese provisorischen Vorschläge werden nunmehr den zuständigen Organisationen der Grubenarbeiter und Grubenbesitzer zur Genehmigung unterbreitet werden. Möns. 10. Februar. Als heute etwa 500 Ausständige einen Güterwagen plündern wollten, schritt eine Abteilung Jäger ein. die. als sie zurückgedrängt wurden, einen Bajonettan- griff machten und später eine Salve abgaben. Hierbei wurden zwei Ausständige getroffen. Die Menge drang neuerlich auf die Soldaten ein, die sich zurückziehen mußten, und dann wiederum feuerten, wobei eine Frau verwundet wurde. Eine Fabrik abgebrannt. Libau, 10. Februar.(W. T. B.) Die Korkenfabrik von Wiekonder Larson ist heute abgebrannt. Zwanzig Häuser find zerstört. 2000 Arbeiter sind ohne Arbeit, 200 Familien obdachlos. Ter Schaden beziffert sich auf 1)4 Millionen Rubel. Dreiundzwanzig Mann ertrunke«. Lissabon, 10. Februar.(P.-C.) Da« portugiesisch« Gegekschiff „Silva Guerra" ist in der Nähe der Azoreninseln durch eine FeuerSbrunst vollkommen vernichtet worden. Der Kapitän und die aus 22 Mann bestehende Besatzung sind ertrank e.u. Tynamitexplosio«. Ottawa, 10. Februar.(P.-C.) Aus Winnipeg(jfanada) wird gemeldet: Eine Dynamitexplosion an Station Rainh Lake der Eanadian Northern Railway tStete gestern 12 Arbeiter, in der Mehrzahl Oesterreicher; viele andere wurden schwer verwundet. Th. Glocke, Berlin. Twucku. SBeiUtg: Vorwärts ffluebbt. u. LerlagSanftali Paul Singer k To, Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen. »»->«»-» 1. KcilM ilrs Jowilrtü" Knlian NilksdlR Die Reichstagswahlen in Graß-Berlin van IS(><— 1!>13. (Siehe auch den gleichlautenden Artikel auf der nächsten Seite.) Zur Pcachtung. Hinter der Zahl der abgegebenen gültigen Stimmen befindet sich der Prozentsatz aller gültigen Stimmen von den Wahlberechtigten. L und E vor den sozialdemokr. Stimmen bedeuten Lasialleaner bezw. Eisenacher.— Unter.Prozent� find angegeben der Prozentsatz der sozialdemokr. Stimmen von allen gültigen Stimmen, m[] dazu der Prozentsatz der sozialdemokr. Stimmen von allen Wahlberechtigten.— In runden Klammern() befinden sich die Zahlen von Ersatz- und Nachwahlen. Die KeichitsgMshien in Groß-ßerlio 1867 bis 1912. Die deutsche Hauptstadt konnte sich deS Siege? im Januar d. I. freuen. In fünf Kreisen lohnte Erfolg im ersten Waffengauge die Arbeit aller vergangenen Jahre. In einem Kreise entriß nur der Zufall den Preis. Auch in den Nachbarkreisen Teltow-BeeZkow und Niedcrbaruim. die wirtschaftlich und organisatorisch zu Groß-Berliu ge- hören, verließen wir im ersten Kampf das Feld als Sieger. Die Erfolge der Sozialdemokratie in Groß-Berliu werden aber erst voll verstand- lich durch das Studium ihrer Geschichte. Gegenüber dem abge- schmachten bürgerlichen Gerede von den Mitläufern, die das Heer der Sozialdemokratie zum Anschwellen bringen sollen, weisen die Zahlen deS stetigen Wachstums der sozialdemokratischen Ziffern auf die eigentlichen Wurzeln unserer Kraft. Gewiß scharen sich in den einzelnen Wahlperioden zu dem festen Stamm klassenbewußter Proletarier«Mitläufer", die ihre eigene soziale Lage, ihre wirtschaftliche Not zu unseren Fahnen zieht, die protestieren wollen gegen die Politik der augenblicklichen Machthaber. Aber jede neue politische Situation, jeder neue Wahl- kämpf zeigt die alte, die erhöhte Not; und aus dem„Mitlaufen des einzelnen wird ein Marschieren der Masten. Die Entwickelung deS modernen Großkapitalismus schafft die großen Proletarierheere, verursacht auch ihre elende Lage. Die Politik der herrschenden Klassen treibt sie immer wieder in das Lager der allein befreienden Sozialdemokratie. Unsere bürgerliche Gesellschaft selbst macht von Wahlperiode zu Wahl- Periode aus Mitläufern bewußte, aufgeklärte Anhänger uiiserer Partei. Wie der Kapitalismus mit gesellschaftlicher Notwendigkeit sich entfaltet, sich immer mehr ausdehnt, die bürgerliche Welt revo- lutioniert, so verstärkt er auch notwendig in gleichem Maße unsere Anhänger, revolutioniert die Köpfe der Proletarier, macht immer größere Massen reif für die Ideen und die Ziele des Sozialismus. Dieses Gesetz des Wachstums zeigt plastisch die umseitig abgedruckte Tabelle der Reichstagswahlen in Groß-Berlin von 1867 bis 1912. Auch der vorsichtigste Statistiker wird der Tendenz sozialdemo- kratischer Stimmcnzunahme nicht den Charakter der Regel absprechen können. Nicht die einzelne Situation ist für dieses Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmen ausschlaggebend. Wir brauchen nicht die Namen der einzelnen Kandidaten, nicht die wechselnden Wahl- Parolen zu wissen. In jedem der Kreise steigt die Zahl der sozial- demokratischen Stimmen fast ohne jeglickie Schwankung. Dem Wachs- tum der Sozialdemokratie entspricht die Stagnation und die Abnahme der Stimmen aller bürgerlichen Parteien. Diese Tatsache wird zum Teil durch die Zunahme der Wahlberechtigten und Wähler verdeckt, so daß die Zahlen der bürgerlichen Stimmen absolut größer geworden sind, trotzdem sie im Verhältnis zu den Wahlberechtigten, Wählern und sozialdemokratischen Stimmen abgenommen haben. Die Stimmen für die Sozialdemokratie wachsen dann prozentual schneller als die der Wahlberechtigten, der Wähler und der bürgerlichen Parteien. Im ersten Kreise nahm die Zahl der Wahlberechtigten von 1867(1871: 1« 268 Wahl- berechtigte) bis 1884(21676) zu. um dann infolge der Citybildung bis auf 13 467 im Jahre 1912 zu fallen. Die Sozialdemokratie zeigt dennoch einen Stimmenzuwachs bis zum Jahre 1963, trotzdem gerade Proletarier durch die Entwickelung des Wahlkreises zum Geschäfts- viertel und Wohnbezirk der Begüterten hinausgedrängt werden Fast 46 Proz. aller Wähler waren im Januar 1912 Sozialisten. Der ' Fortschritt erreichte schon 1878 seine höchste Ziffer, um stetig zu fallen und in der Haupt- und Stichwahl 1912 kaum mehr Anhänger als die Sozialdemokratie aufzubringen. Die Nationalliberalen haben im ersten Kreiö nie Bedeutung gehabt, während die Konservativen die ihre in raschem Abfall seit 1887 verloren. Der zweite Kreis verdreifachte die Zahl feiner Wahlberechtigten von 1874 bis 1912. Die Zahl der sozialdemokratischen Wähler stieg dagegen in der gleichen Zeit von knapp 1266 auf 38 166. 66 Proz. aller Wähler stimmten 1912 für den Sozialdemokraten. Der Zuwachs des Fort- schrittS hielt mit dem der Wahlberechtigten gerade Schritt. Die Konservativen— ihnen sind auch die Stöckerschen Antisemiten der Jahre 1881 und 1884 zuzurechnen— tragen auch in diesem Kreise die Hauptkostcu des bürgerlichen Verlustes. Die Zahl ihrer Wähler sinkt trotz der Verdreifachung der Wahlberechtigten absolut. Der dritte Wahlkms zeigt von 1874 bis 1912 eine Zunahm« der Wahlberechtigten um etwa ein Drittel. Die Zahl der Sozialdemokraten verzehnfacht sich aber in der gleichen Zeit(von 1667 auf 16 656). Mehr als 66 Proz. aller gültigen Stimmen fallen Februar 1912 auf den sozial» demokratische:, Kandidaten. Mehr als die Hälfte aller Wahlberech- tigtcn, nämlich 55 Proz., stimmen für unseren Kandidaten. Der Fortschritt zeigt absolute und prozentuale Abnahme seiner Wähler- 1867 vereinigt er etwa Dreiviertel aller Stimmen, 1873 etwas mehr als die Hälfte; und 1912 bekennen sich nicht viel mehr als ein Viertel der gülligen Stimmen zur Fahne des Fortschritts. Konservative, Nationalliberale und Antisemiten kamen nie ernsthaft in Frage. Im vierten Kreis bringen die Sozialdemokraten bereits 1877 66 Proz. von 19263 Wählern auf. Im Jahre 1912 stellen sie 82,4 Proz. von 163 656 Wählern. Seit 1884 gehört der Kreis zum unbestrittenen Besitzstand der Partei. I» den Wahlperioden steigt ihr Slimmenanteil von 66 über 57. 73, 72. 73. 77. 76 bis auf 82 � Proz. bei der letzte» Wahl. Seit 1963 verfügt die Partei über mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten. Januar 1912 wählten 66,9 Proz. aller Wahlberechtigten sozialdemokratisch. Die Zahl der fortschrittlichen Wähler sank dagegen von 1807 bis 1913 von 75 Proz. aus 11 Proz. Im fünfte» Kreis verdoppelte sich die Zahl der Wahlberechtigten von 1674 bis 1912 Die sozialdemokratischen Stimmen stiegen in dieser Zeit von 1641 auf 18 1 66. Seit 1337 ist der Zuwachs ein regelmäßiger, von 22 Proz. aller Stimmen bis auf 76 Proz. im Januar 1912. Auch hier umfaßt die Sozialdemokratie mehr als 56 Proz.(genau 51,9 Proz.) der Wahlberechtigten. Der sechste Wahlkreis, der zweitgrößte deS ganzen Reiches, mehrte seine Wahlberechtigten von 23 256 im Jahre 1874 bis auf 219 782 im Jahre 1912. Die abgegebenen Stimmen wuchsen von 9717 im Jahre 1867 auf 176 469 in diesem Jahre. Die Zahl der sozialdemokratischen Wähler wuchs schneller, von 11 Proz. im Jahre 1874 auf 86,8 im Jahre 1912. Seit 1967 wählten mehr als 56 Prozent aller Wahlberechtigten den Vertreter der Sozialdemokratie(1912: 64,8 Prozent). Insgesamt vereinigten 1912 in Berlin I bis VI die Kandidaten der Sozialdemokratie von 667 943 Wahlberechtigten und 468 561 ab- gegebenen Stimme» 807 762 Stimmen auf sich. Etwa 66 Prozent aller Wahlberechtigten und etwa 75 Prozent aller Wähler stimmten für die Sozialdemokratie. Die Entwickelung der Wahlziffern in Teltow-BeeSkow ist der in Berlin ganz ähnlich. Auch hier das rapide Aufsteigen der Wählerzahl von 17 175 im Jahre 1867 bis auf 279 649 im Jahre 1912. Die ländlichen Bezirke dieses größten Wahlkreises im Reiche drücken noch etwas den Prozentsatz der Sozialdemokratie bei den Wahlen. Aber 1912 geben auch hier insgesamt 48,4 Proz. aller Wahlberechtigten und 58,7 Proz. aller Wähler sozialdemokratische Stimmen ab. In Niederbarnim ist das StiminenberhältniS für die Sozialdemokratie noch günstiger. Bon 152415 Wahlberechtigten stimmten 66,7 Proz. für die Partei. Die Reihe der sozialdemokratischen Stimmen in der Tabelle zeigt auch hier anschaulich die Hineinbeziehung Niederbarnims in das ent- wickelte Wirtschaflsgefüge Berlins und die daraus folgende Ansammlung von Proletariermassen und die zunehmende Erkenntnis ihrer Klassenlage. In welcher Weise diese Entwickelung die politischen Verhältniste der Provinz Brandenburg über Groß-Berlin hinaus gestaltete, werden wir später in weiteren Tabellen verfolgen. Die SoÄsIäemolii'atie bei«leti lachMchen ßcichstagswahlen. Mit einem Gewinn von 10 Mandaten gegen das Wahljahr 1967 ist die sächsische Sozialdemokratie diesmal aus den Haupt- und Stichwahlen hervorgegangen. Aber diese Gegenüberstellung der 19 Sitze, die sie jetzt inne hat, mit den 9 von 1967 ist nicht der richtige Vergleichsmaßstab. Wir dürfen den Fortschritt dieser Wahl nicht an dem Tiefstand der Niederlage im Jahre deS Hotten, tottenrummels messen, wenn wir uns nicht selbst betrügen wollen. Wir müssen vielmehr zurückgehen auf die Zahlen deS großen Sieges jahres 1963. Erst aus solchem Vergleich läßt sich erkennen, ob wir von einem Aufstieg der Sozialdemokratie Sachsens bei den Reichs tagswahlen sprechen dürfen. Wenn wir die Mandate ansehen, so könnt' eS scheinen, als sei noch ein tüchtiger Abstand bis zur Höhe von 1963 zu überwinden. Denn damals fielen uns alle sächsischen Wahlkreise bis auf einen zu, nur ein Sitz verblieb den bürgerlichen Parteien. Diesmal haben sie vier behauptet: Aber die Mandate sind ein sehr unsicheres Zeichen der Parteistärke. Denn in den Stichwahlen hängt ja zw meist die Entscheidung weniger von der Kraft der um das Mandat ringenden Parteien ab, als von der Haltung der in der Hauptwahl ausgefallenen. Das Mandat von Leipzig-Stadt gewannen wir 1963, weil ein Teil der damaligen Freisinnigen in der Stich- wähl den Ausschlag gegen den alldeutschen Professor Hasse gab Wir verloren es diesmal, weil die Fortschriitler schon im ersten Wahlgang für den angeblich linksnationalliberalen Dr. Junck eintraten und der Ausschlag in der Stichwahl von den vereinigten Konservativen, Antisemiten und Mittelständlern ge- geben wurde. die im Gegensatz zu 1963 im ersten Wahlgang einen eigenen Kandidaten aufgestellt hatten. In Oschatz« G r i in m a und Borna-Pegau war 1993 die Sache ebenso; ein Teil der Wähler der Freisinnigen Bereinigung, die ja 1962 den Kamps gegen den Wuchertarif tapfer an der Seite der Sozialdemo- kratie mitgeführt hatte, ging auf unsere Seite über. Diesmal hat der Fortschritt versagt, weil er nach Plauen schielte, wo der Fort schrittler Günther das einzige Mandat, das seine Partei in Sachsen eventuell halten konnte, gegen die Sozialdemokratie in der Stichwahl zu verteidigen hatte, die als einzige in Sachsen auf den 22. Januar anberaumt war. Half der Fortschritt am 26. in Oschatz-Grimma und Borna-Pegau die Konservativen und Fceikonservativen fällen, so mußte er die Rache der Reaktionäre am 22. in Plauen befürchten. Und da ihm das Plauener Mandat höher stand als die Rücksicht auf die allgemeine politische Lage, so ließ er den Kampf gegen den schwarzblauen Block Kampf sein und umging eine reinliche Entscheidung. Was ihm allerdings in Plauen dann doch nichts geholfen hat. Bautzen ist der Wahlkreis, den wir auch 1963 nicht eroberten. Auch hier gab diesmal der Fortschritt den Ausschlag. Seinen allerdings zu einem erheblichen Teil erst neu gewonnenen Wählern war viel- fach der Antisemit lieber als der Sozialdemokrat.— UebrigenS find die Majoritäten, mit denen die Gegner in Oschatz-Grimma und Borna-Pegau gesiegt haben, sehr klein. Im letzteren Wahlkreise ist der Reichsverbandögeneral v. Liebert mit nur 23 Stimmen Mehrheit durchgeschlüpft. In Bautzen ist der Abstand von der Stichwahl- stimmenziffer des Antisemiten erheblich geringer geworden als 1963. Der Ausfall der Stichwahlen und die Mandatszahl sind also keine Momente, die den Fortschritt der Sozialdemokratie in Sachsen ver- kleinem könnten. Die Stimmenzahl der sächsischen Sozialdemokratie stellt sich nach den amtlichen Feststellmigen als noch etwas größer heraus. als wir in dem Artikel„Die Wiedereroberung Sachsens"(Nr. 16 des„Vorwärts") auf Grund der vorläufigen Wahlergebnisse be- rechneten. ES ergeben sich 613 216 sozialdemokratische Wähler. Die bürgerlichen Stimmen betragen 420 333, der Vorsprung der Sozial- demokratie ist also 92 883. während sie 1967 um 26 943 gegen den bürgerlichen Haufen zurückstand. Sie hat ihre Stimmenzahl von 1967 um 94 646, die von 1963 aber um 71452 überschritten. Freilich ist sie im Verhältnis zur bürgerlichen Wählerschar nur im Vergleich mit 1967 gewachsen, hat aber den Stand von 1963 noch nicht ganz wieder erreicht, wie wir schon in dem erwähnten früheren Artikel hervorhoben. In absoluten Zahlen stellt sich das so dar: 1903 betrug der Vorsprung der sozialdemokratischen Stimmen vor den bürgerlichen 132 732, bei den jetzigen Wahlen 92 883. In Prozenten ausgedrückt besagt e». daß die sozialdemokratische» Wähler 1903 58,84 Prozent aller Abstimmenden aus- machten, 1912 aber 54,97 Prozent. DieieS Fallen des Prozentsatzes ist indes, wie die Wählerbcwegung zeigt, kein Zeichen zurückgebender Werbekraft unserer Partei. Hat sie doch seit 1967 mehr Stimmen gewonnen, als in dieser Zeit die Wahlberechtigtenzahl gewachsen ist. Denn während deren Steigerung 96 253 beträgt, beläuft sich die Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen, wie oben angegeben, auf 94 646. Das Fallen des Prozentsatzes ist vielmehr auf das Steigen der Wahlbeteiligung zurückzuführen, das seit den Hottentottcn- wahlen eingetreten ist. Den Hochstand von 1967 hat sie allerdings diesmal nicP ganz behaupten können. Er betrug damals 89.7 Pro- zent, diesmal 88,41. Der Rückgang ist nicht erheblich. Jedenfalls übertrifft die Wahlbeteiligung von 1912 die von 1963 wesentlich. denn in jenem roten Siegesjahre stimmten nur 83 Prozent der Wahlberechtigten ab. Der Umstand, daß sich die Wahlbeteiligung nur um ein Weniges gegen 1907 gesenkt hat, daß sie erheblich höher steht als 1963, ist ein sehr erfreuliches Zeichen für die steigende politische Reife des sächsischen Volkes. Sie zeigt gleichzeitig, daß die Siege von 1912 schwerer wiege» als die von 1963. Sie sind gesicherter al« diese eS waren, denn den Gegnern blieben keine nennenswerten Reserven mehr, nicht mehr jene Sturmkolonnen Indifferenter, die auf den wüsten Trommelschlag irgendeines blöden,> national ausgeputzten Rummels hinter dem Ofen herborstnrzen, nm durch Niederstimmen der Sozialdemokraten das Vaterland zu retten. Diese Spezies ist jetzt„bis zur Bedeutungslosigkeit zusammen- geschrumpft. Die Schichten, die der Hottentottenschwindel aus dem polirischen Schlaf erweckte, sind nicht wieder eingeschlafen. Und so darf die Sozialdemokratie stolz behaupten, daß sie diesmal ihre Siege gegen die ganze Macht der Gegner erfochten hat, daß ihre Stellung heute fester gegründet ist als 1963. Die Statistik weist nach, daß die Sozialdemokratie jetzt 48,66 Prozent der Wahlberechtigten umfaßt, 1967 machten ihre Wähler nur 43,34 Proz. der Wahlberechtigten aus, 1963 war der Prozent- satz 48,53. Der jetzige steht also noch um ein Kleines höher als selbst der von 1963. Nun zeigt freilich ein Prozentsatz von 48,66 noch nicht die Mehrheit der Wahlberechtigten an. Aber zieht man die Verstorbenen, Schwerkranken und Verzogenen ab, so ergibt sich, daß die Sozialdemokratie Sachsens nahe daran ist, die Mehrheit der Wahl- berechtigten zu werden oder daß sie es womöglich schon ist. Von der festen Stellung, die die Sozialdemokratie in Sachsen errungen hat, von dem Einfluß und der erzieherischen Arbeit ihrer Organisation und Presse redet ferner die Tatsache, daß auch in sogenannt bombensicheren Wahlkreisen ein hoher Grad der Beteiligung festzustellen ist. So gingen in dem Wahlkreise Leipzig« Land, wo Genosse Geyer mehr als 36 666 Stimmen Mehrheit hat, 83,33 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne, in Stollberg-Schnee- berg, wo der Genosse Schöpflin erst knapp vor dem Wahllermin mit Ach und Krach noch einen Gegenkandidaten bekam, 86,12 Prozent, im Wahlkreise Glauchau-Meerane, wo Genosse Molkenbuhr beinahe Zweidrittelmehrheit erzielte, 87,72 Prozent. Und im Wahlkreise Dresden-Land. wo Genosse Horn selbst im Hottentottenjahr 1967 noch über 7666 Stimmen Mehrheit hatte, diesmal über 13666, wurde gar eine Wahlbeteiligung von 91,65 Prozent erzielt. Fcstgegründet steht also der rote Sieg des 12. Januar in Sachsen. Und die sächsischen Genossen werden ihre jetzige Stellung nicht nur zu behaupten wissen. Vorerst aber dürfen sie sich mit hoher Befriedigung sagen, daß diese Stellung den Vergleich mit der von 1903 nicht zu scheue» braucht. parlamentarifcbee. Uebcrgangsbestimmungen zur Reichsversicherungsordnung sind dem Reichstage zugegangen. In ihnen wird bestimmt, daß die eingeschriebenen Hilfskassen vorläufig noch so lange als Er- satzkassen weiterbestehen sollen, bis die ihnen ausgestellte amt- liche Bescheinigung; ungültig geworden ist. Bis zur Errichtung der Oberversicherungsämtcr sollen ferner die Kosten der Schiedsgerichte nach den bisher geltenden Vorschriften des§ 167 deS Invaliden» Versicherungsgesetzes und des 8 � des Gesetzes betr. Abänderung der UnfallvcrsicherungSgesetze getragen werden. Schließlich wiro bestimmt, daß bis zum 1. Juli 1912 die oberste Berwaltungs- behörde Aufgaben des Versicherungsamtes auch Organen von Knappschaftsvercinen übertragen kann, wenn die versicherten Ver- treter in den Organen auf Grund der bisherigen für den Knapp- schaftsverein oder die Knappschaftslasse geltenden Bestimmungen in öffentlicher Wahl gewählt worden sind. Fortschrittlich- Anträge. Die Fortschrittliche Voltspartei des Reichstage» hat eine größere Anzahl Anträge dem Reichstage eingereicht. Unter den An- trägen ist an erster Stelle zu nennen ein Antrag, der ein Reichs- gesetz betreffend die Verantwortlichkeit de» Reichskanzlers und die Errichtung eines Staats» gerichtshofes für das Deutsche Reich fordert. Ein anderer Antrag wünscht, daß bei der Besprechung von Jnter. pellationen Anträge gestellt werden können, die dahin gehen, daß der Reichstag sich über die Billigung oder Nichtbilligung des Verhaltens des Reichskanz» lers aussprechen möge. Weitere Anträge verlangen Aus» Hebung der Besteuerung der Zündwaren, Er» höhuna der Pensionen der vor dem 1. April 1963 in den Ruhestand getretenen ReichSbeamten sowie der Bezüge der Witwen und Waisen solcher Reichsbeamten, Abänderung der Scheck- und Ouittungs st empelsteuer, Regelung der Rechtsverhältnisse zwischen den landwirtschaftlichen und forstwirt» schaftlichen Arbeiterin dem Gest nde und deren Arbeit» g c b e r n. Für die Beamten verlangt ein Antrag, daß die ver, fassungsmäßige Ausübung der staatsbürgerliche» Rechte der Reichs» beamten an sich niemals als ein Verhalten angesehen toird, durch das der Beamte sich der„Achtung, die sein Beruf erfordert, un- würdig zeigt". Ferner verlangt der Antrag die Einrichtung von Beamtenausschüssen und daß die Dienstverhältnisse der vom Reich auf Vertrag angestellten Personen mindestens den» jenigen Bedingungen entsprechen, die durch gesetzliche Bostimmun» gen den Privatunternehmern vorgeschrieben sind. Für die Arbeiter verlangt ein Antrag Aufhebung der dein KoalttionSrecht noch entgegenstehenden Beschränkungen des§ 152 der Gewerbeordnung und Erweiterung des§ 163 dahin, daß auch die Verhinderung am gesetzmäßigen Gebrauch des KoalitionSrcchtS unter Strafe gestellt wird. Ein Antrag bcschäf» tigt sich mit dem R e i ch s t ag S w a hl r e cht; er verlangt, daß die Wahlen nur an Sonntagen vorgenommen weri�u dürfen, und daß die im deutschen Strafgesetzbuche zum Schutze des Wahl- rechts getroffenen Bestimmungen erweitert werden. Zur Sicherung der geheimen Wahl sollen wirksamere Vorschriften er- »• S* C»»»» Sto W fl/t tl 31 1 Tl rt Jno*» OT? a 1_ t•» r<..r___*— Schließlich verlangt ein Antrag der Fortschrittlichen VolkSpartm noch eine Verhinderung oder mindestens Erschwerung der Neu- b i l d u n g v o n F, d e 1 1 o m m i s s e n und eine Erletchteruna der Auflösung bestehender Fideikommisse. IZug der Partei, UcScr BcvclS Befinden waren gestern in Berlin ungünstige E rächte verbreitet. Wir sind in der erfreulichen Lage mitteilen können, daß Genosse Bebel einen leichten Katarrh hat, der zu ik denken nicht den geringsten Anlaß gibt. Kordmacher Fischer. Im Jahre 1897 erschien das bekannte Pamphlet„Der Wert k Sozialdemokratie für die Arbeiterschaft" von Korbmacher Fische Im Reichstage wurde unmittelbar nach Erscheinen der Broschil festgestellt, daß sie von Fischer und einem Herr» Fink, dem inzwisch wegen Wechlelfalichung. Scheckfälschung und Lügen Vom Fs> Herrn von Stumm entlassenen Sekretär der freikonservativ » dem Lügenragout bchaupt, gemeingefährlichen Beslrediing oki �uuimutnioituiie' in Gerichtsaften gekennzeichnet sein. Er sei für einen Postbeamten, der mit einem Hau schlllssel geschlagen habe, eingetreten, sei deshalb unschuldig ve urteilt; Stadthagen habe ihn verteidigt und unbarmherzig t Gebühren von ihm beigetrieben. Auch Singer habe ihn trotz sein Verdienste um die Partei in Not gelassen. Alle diese wie sonst der Broschüre aufgestelltei, Bebaupmngen sind faustdicke Unwas Helten. Der Vorfall, weshalb Fischer zu einem Jahre Gefängn verurteilt wurde, war folgender: Er versetzte am 8. November 188 morgens gegen 6'/, Uhr. dem Schlächtermeister Hagedorn in Verl ohne Veranlassung' mehrere Messerstiche in den Hinterkopf und die Hand. Seine Begleiter prügelten mit und entflohen. Se damaliger Verteidiger Stadthagen erklärte ihm— der udrigenZ in der Sozialdemokrane, wenn er überhaupt ihr angehört hat, nie eine Rolle gcipielt hat und der keineswegs in den Akten als Sozial- demokral oder als Agitator derselbe» gekennzeichnet war— er würde zweifellos eine schwere Strafe erleide» und sollte seine Lage nicht durch offensichtlich unwahre Angaben verschlimmern. Fischer wurde wegen seiner an den Tag gelegten Roheit im Jahre IKLÜ zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Stadthagen lehnte wegen AuSsichts- losigleit die Einlegung der Revision ab. Die Gebühren und Auslagen bis auf den letzten Pfennig ist Fischer heute noch Stadthagen schuldig. Fischer ist oft bestrast worden: wiederholt wegen Körperverletzung, wegen M e s s e r st e ch e r e i, wiederholt wegen Betruges. auch wegen Urkundensälschung und gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs. Den Korbmacher Fischer, dem aus- fällige Begünstigungen nach polizeilicher Fürsprache im Gesängnis zuteil wurden, kennzeichnet folgender Brief, den er an seinen Schwager, eine» kleinen Handwerker, als Antwort auf die Bitte, ihm doch ein Darleben von 45 M. zurückzuzahlen, schrieb: „Weißt Du Lump noch, daß Du mir arme» Menschen vor dem Palais des Kaisers senden wolltest, um dort eine Dynamit bombe zu werfen? Mir armen Menschen wolltest Du zum Werk- zeug Deiner anarchistischen Pläne benutze». In Brandenburg an der Havel hast Du Lump Deine Wohnung zu geheimen sozialdcmo- kratischc» Bcrsamwlnngcn hergegeben. Dich Lnmp bringe ich auf das Zuchthaus." Tie Sudelbroschüre dieses Mannes wurde trotzdem in den Wahlen 1338. 1333 und 1337 verbreitet. Als auch bei den letzten Wahlen im Jahre 1312 die alte Sudelbroschüre neu herausgegeben und verbreitet wurde und Stadthagen hiervon Kenntnis erhielt, k l a g t e er, der ewigen Darstellungen des wahren Sachverhalts müde, beim Landgericht ll Berlin gegen die Heraus- geberin der Broschüre, die Firma Hermann Walther, Verlagsbuchhandlung G. m. b. H. zu Schöneberg, Motz st raste 73, auf Unter- lassung der Weiterverbreitung der Broschüre durch die Rechtsanwälte Heinemann und Skolh. In der Klage war auf die Akten, die den wahren Sachverhalt enthalten, Bezug ge- nommen. Termin war auf den 23. Februar angesetzt. Die b e- klagte Firma hat nun sofort nach Zustellung der Klage den Klageanspruch unter Ueber nähme aller Kosten anerkannt und sich verpflichtet, die Broschüre sowie etwaige Stadthage u betreffenden AuS- z ü g e daraus fortab weder feilzuhalten, noch anzukündigen oder zu verbreiten. Im Falle einer Zuwiderhandlung gegen diese Verpflichtung hat sie sich ver- pflichtet, für jeden Kontraventionsfall eine Kon» ventional strafe von 1333 M. an Stadthagen oder eine von ihm zu bezeichnende Person zu zahlen. Eine solche Zivilklage ist zwar immer mit Umständen verknüpft. Aber welches Mittel bleibt schließlich übrig, um der Wiederholung zehnmal widerlegter Unwahrheiten durch den Licichsverband und andere Feinde der Wahrheit zu verhindern? ES ist daS ein Weg, der östers gegen hartnäckige Verdächtiger eingeschlagen werden sollte. poliieilicbes, Ckncbtticbes uftv* Ein Preßprozeß. Ein reicher Privatier in dem Städtchen Zuffenhausen bei Stuttgart, Schäfer heistt der Mann, halte seinen nerven- und rückcnmarkskranken Sohn in einem Schuvpeii untergebracht, der zur Aufbewahrung alter Möbel und als Automobilichuppen diente. Der Zustand des Aufenlhallöraumes veranlastte die Gebäudebrand- emschätzungskommiision, die den Kranken zufällig in dem Verschlag entdeckte, Anzeige gegen den Vater zu erstatten. Das Ergebnis der Untersuchung veranlastte die bürgerlichen Kollegien der Stadt, «ine Stiftung des Mannes zurückzuweiseil. Das Stuttgarter Partei- organ hatte die Behandlung des kranken Sohnes durch den reichen Vater getadelt. Tie Folge war, wie daS so die Regel ist, eine Beleidigungsklage des Herrn Privatier gegen die. S ch w ä b. Tagwacht". Das Urteil des Stuttgarter SchöffengericbtS gegen den verantlichcn Redakteur K. Sauerbeck lautete auf 13 M. Geld- strafe. ES sei festgestellt, sagt die Begründung des Urteils, dast der Privatkläger seinen Sohn tatsächlich in einer Weise untergebracht habe, die nicht zu billigen sei. Festgestellt sei auch, dast der Raum zur Unterbringung eines Menschen absolut ungeeignet war. Die Verurteilung müsse aber wegen formaler Beleidigung erfolgen. Eine mißglückte Aktion gegen einen Arbciterturnvcrcin. Die Freie Turnerschast an der Kieler Förde hatte sich schon seit längerer Zeit der besonderen Aufmerlsamkeit de« Kieler Polizei- Präsidenten zu erfreuen. Endlich im Mai 1311 glaubte der Polizei- Präsident, dast er soviel Material gegen den Verein zusammen habe. um mit Erfolg gegen ihn vorgehen zu können. Der Vorsitzende, Karl Schulz, erhielt die Aufforderung. Statuten und Verzeichnis der Vorstandsmitglieder bei der Polizeibehörde einzureichen. Die Ab- ficht war. den Verein zu einem politischen zu erklären und ihm dann die Jugend— alle Personen unter achzeh» Jahren— zu nehmen. Der Borsitzende lehnte es ab, der Aufforderung de« Polizei- Präsidenten iiachzulommen, denunzierte sich aber sofort selbst bei der Staatsanwaltschaft wegen Ueberiretung de« Vereinsgesetzes. um so den Polizeipräsidenten zu zwingen, den Beweis für seine Be- dauptung, dast der Verein ein politischer sei. zu erbringen. Am Donnerstag wurde vor dem Kieler Schöffengericht gegen den Vereinsvorsitzenden wegen Ueberiretung des Vereinsgesetzes verhandelt. Die Polizei rückte mit ihrem Material heraus. Hier eine Blutenlese. daraus, um die Kombinationskunst der Polizei zu beleuchten. n,- Der„Vorwärts" soll bei der Gründung de« Arbeiter» TurnerbundeS diesen eine sozialdemokratische Gründung genannt haben. In der„ S ch l e s w i g- H o l st e i n i I ch e n V o l ks- z e i t u n g" hat einmal eine Anzeige der Freinen Turnerichaft gestanden, in der zu einer Versammlung eingeladen wurde, ,n der Genosse Katzenstein über ein Abstinenzthema sprechen sollte. Die Anrede Genosse soll den Schlust zulassen, dast sich die Arbeiter- turner mit der Sozialdemokratie eins fühlen. In einer Anzeige des früheren sozialdemokratischen Vereins Gaarden war mitgeteilt, dast eine Abteilung der Freien Turnerschaft bei einem Sommerfest mit- wirken werde. In dem Berichte der„Volkszeitung" über die Mar- fcier war gesagt worden, dast die Arbeiterturnerschaft mitgewirkt habe. Die Polizei hatte dann auch gezählt, wie viel Turner m fedem Lokal mitgewirkt haben. Bei einem Kreislurnfest und einem HallenschauluciKir seien Ansprachen gehalten worden von zwei be- kannten Sonaldeniokraten. In einer Nummer der„Mitteilungen" der Freien Turnerschaft an der Kieler Förde hat es am Schlüsse -»res Artikels über eine Wanderfahrt nach Dänemark geheihen:„Mögen die Bande die in diesen Tagen zwischen SchlcSwig-Holstein und Dänemark geknüpst sind, zu Nutz und Frommen des kämpfeiiden VroletarioiS hüben und drüben gedeihen." Der Turngenosse Ferster in Hamburg soll aus einem Turntage gesagt haben, Poltttk dürfe in d r Turnerschast nicht getrieben werden, aber jeder Turngenossc müsse auf dem Soden der modernen Arbeiterbewegung stehen. Die sozialdemokratisch« Tendenz der Frc.e,. Turnerschan spreche auch aus den ZeitunqSnotizcn, m denen die Arbeiler aufg-fordert werden. nickt den büraerlichcn Turnvereine», sonder» dem Ärbeilerturnverein beiultreten Für die politische Tätigkeit spreche auch der Umstand. dast der Verein nur in der„Schleswig-Holsteinischen VolkSzeitung" inseriere und in dem Gewerkschastshaus Bersanimlungen abhalte. Auf Grund diese» famosen Beweismatenals beantragte der Amts- anwalt eine Geldstrafe von 23 M. oder 4 Tage Haft weil der Bor» sitzende Schulz das Vereinsgesetz ubertreten habe, denn die„Freie Turnerschast" sei ein Verein, der eine Einwirkung aus politische An» gelegenheilen bezwecke. DaS G e r i ch t_ i p roch den Angeklagten aber frei. Es sei mäit nachgewtesen worden, dast der Verein eine Einwirkung auf polrttlche.lngelegenhelten bezwecke. DaS ergebe sich weder aus den Statuten, noch aus dem, was sonst vielleicht geschloffen werdest, dast der Verein sich in den Dienst der I Sozialdemokratie stellte. Das sei aber nicht bewiesen worden. Auch 1 die Tatsache, dast Vereinsmitglieder bei den Maifeiern mitgewirkt haben, sei kein Beweis, dast der Verein eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezwecke, eS seien immer nur einzelne Mitglieder gewesen, die mitgewirkt hätten, ein Vereinsbeschlust habe nicht vor- gelegen. Wenn auch die Möglichkeit bestehe, dast durch den Verein das Zusanrmengehörigkeitsgesühl der Mitglieder mit der Sozialdemo- iratio gestärkt werde, tonne daS doch nicht als Zweck des Vereins an- gesehen werden. So ist der Kieler Polizeipräsident also vorläufig abgeblitzt. Die Schliellbshn GdupdbruuncD-Bixdorf ist nun von der Stadtverordnetenversammlung Berlins mit einer nochmaligen Abänderung des Projektes, die als wirklich und unwiderruflich allerletzte angesehen wird, genehmigt worden. Nach einem Beschlust vom 18. Januar soll außer dem vom Humboldt- Hain bis zum Oranienplatz reichenden Hauptstück der ganzen Linie, das selbstverständlich nur Untergrundbahn werden durfte und so geplant war, auch noch die südliche Endstrecke vom Oranienplatz bis Rixdorf als Untergrundbahn gebaut werden, dagegen soll für die nördliche Endstrccke auf dem Gesundbrunnen es bei einer Hoch- bahn verbleiben. In der Sitzung vom 1. Februar wurde ein er- ncuter und letzter Versuch der sozialdemokratischen Fraktion, auch bei dieser Schnellbahn den Bau ulü> Betrieb doch noch der Stadt- gemeinde zu sichern, von der freisinnigen Mehrheit zurück- gewiesen, und der ganze Entwurf des zwischen der Stadtgemeinde und der„Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft" abzuschließenden Vertrages wurde dann angenommen. Die Bevölkerung wird hiernach sich mit der Tatsache abzufinden haben, dast wieder einmal ein für das Verkehrswesen Berlins über- aus wichtiges Unternehmen aus 93 Jahre hinaus einer privaten Erwerbsgesellschaft überlassen worden ist, die be- greiflicherweise dem Verkchrsintereffe nur so weit dienen will, wie ihr Verlangen nach Profit es erlaubt. Es bleibt nun nur noch zu wünschen, daß mit der Ausführung des Baues dieser Schnell- bahn, die in das vorläufig leider noch recht weitmaschige Netz der schon bestehenden nud der erst geplanten Schnellbahnen Berlins als ein wichtiges Stück sich einfügt, in nicht zu serner Zeit be- gönnen werden könnte. Bis zum rechtsgültigen Bollzug des Ver- träges in der jetzt von der Stadtverordnetenversammlung geneh- migseil Fassung ist freilich immer noch eine Strecke Weges, auf der vielleicht noch irgendein unerwartetes Hindernis liegt. Und da gegenüber solchen Verkehrsunternehmcn alle zum Hineinreden berechtigten Verwaltungsstellen und Aufsichtsbehörden sich der um» ständlichsten' Gründlichkeit zu befleißigen pflegen, so kann eS nach, her guch b i.s z.u m e r st e n Spatenstich noch eine reich- l i ch e Weile dauern. -Von dem anfänglichen Projekt, das die„Allgemeine Elektrizitäts- Gesellschaft" bereits im August 1937 dem Magistrat einreichte, weicht das'e ndgültrge Projekt in einigen sehr wesentlichen Punkten ab. Nach den wiederholten Aenderungen, die im Laufe der Ver- Handlungen nötig geworden sind, wird unseren Lesern eine die Einzelheiten zusammenfassende Darstellung erwünscht sein. Im Zusammenhang mit der Entscheidung der Streitsrage„Hoch- bahn oder Untergrundbahn?" ist man dazu gelangt, auch die Linienführung nochmals zu ändern. Nach den letzten Be- schlüffen ist für die Schnellbahti Gesundbrunnen�-Rixdorf nunmehr folgende Linienführung festgesetzt: von der Christianiastraste durch die Schwedenstraste, die Badstraste, den Humboldthain, die Brunnen- straste zum Rosenthaler Tor, durch die Rosenthaler Straße, die WLinmeister-, die Münz-, die Kaiser-Wilhelm-, die Neue Friedrich- straste bis zur Stralauer Straste. unter der Spree hinweg zur Brückcnstraste, weiter durch die Neander-, die Prinzen-, die Dresdener Straste zum Oranienplatz, von hier in neuer Linienführung zum Kottbuser Tor und schließlich durch die Kottbuser Straste und den Kottbuser Damm zum Hcrmannplatz. Wie die Frage„Hochbahn oder Untergrundbahn?" entschieden worden ist, das wurde schon erwähnt. Für die nördliche Endstrecke ist die Ausführung als Untergrundbahn abgelehnt worden, iveil die technischen Schwierigkeiten, besonders die einer Unterfüh- rung der sehr tief liegenden Ringbahn bei Bahnhos Gesundbrunnen. zu groß schienen. Auch die Baukosten wären hier erheblich höher geworden, und überdies hätte die notwendigerweise sehr tiefe Lage einer Untergrundbahn-Haltestelle bei Bahnhof„Gesundbrunnen" den Verkehr erschwert. Die Klagen über die Verunstaltung des Stadt- Hildes durch eine Hochbahn, die hauptsächlich aus den Kreisen der Hausbesitzer kamen, wurden mehr als aufgewogen durch die Be- denken über die Vcrkehrserschwerung, die der Bevölkerung des Ge- sundbrunnens sehr unbequem geworoen wäre. Die Strecke auf dem Gesundbrunnen wird somit als Hochbahn gebaut werden, die von der Christianiastraste bis zum Humboldtbain reicht und in ihm mittels einer Rampe zur Untergrundbahn sich absenkt. Untergrundbahn wird dann die Strecke vom H u m- boldthain bis zum Hermannplatz, die der gröhte Teil der ganzen Linie ist. Dabei müssen drei Wasserläufe unterfahren werden, die Spree zwischen Waisenbrücke und Jannowitzbrückc, der Luisenstädtische Kanal in der Gegend des Oranienplatzes, der Land- wehrkanal an der Kottbuser Brücke. Auherdem wird die Schnellbahn Gesundbrunnen— Rixdorf einige andere Schnellbahnlinien kreuzen, im Zuge der Neuen Fricdrichstraste die im Bau begriffene Fort- sctzung der alten Hoch- und Untergrundbahn, die hier schon in ihre beiden Zweigstrecken nach Schönhauser Allee und nach Frankfurter Allee gegabelt ist, ferner am Oranienplatz die von der Stadt geplante Schnellbahn Moabit— Rixdorf, die nun vom Oranienplatz ab oft- wärts nach dem Görlitzer Bahnhof und nach Treptow geführt werden soll, und dann am Kottbuser Tor die alte Hochbahnlinie. Die Haltestellen sind gegenüber dem anfänglichen Projekt vermehrt worden. Hinzugekommen ist eine Haltestelle an der Prinzenallee, auch ist der Stadt das Recht vorbehalten, innerhalb bestimmter Frist noch eine Haltestelle an der Neuen Friedrich- und Stralauer Straste zu fordern. Vorläufig sind folgende Haltestellen 'estgesetzt: Christianiastraste, Prinzenallee. Bahnhof„Gesund- brunnen". Voltastraste, Bernauer Straste, Rosenthaler Tor, Wein- meisterstraste, Königstratze, Reanderstraste. Oranienplatz, Kottbuser Tor. Boeckhstraste, Hcrmannplatz. Für die Kreuzungen der Untergrundstrecke mit anderen Unter zrundbahnen sind unterirdische Verbindungsgänge vorgesehen, die >aS U m st e i g e n erleichtern, ein Gang von der Haltestelle Neue Friedrich- und Königstraste zu der Haltestelle Alexanderplatz der im Bau begriffenen alten Untergrundbahn, ein Gang von der Halte- telle Oranienplatz zu der Haltestelle Moritzplatz der von der Stadt geplanten Linie Moabit— Görlitzer Bahnhof. Auch am Bahnhof „Gesundbrunnen" soll zwischen der Hochbahnstrecke und der Ringbahn eine bequeme Umsteiaemöglichkeit geschaffen werden. Die Fahrpreise sind nicht billig; eine Ermäßigung durchzusetzen, ist leider nicht gelungen. Es bleibt dabei, dast zu zahlen sind: bis zur 4. Haltestelle 13 Pf., bis zur 8. Haltestelle 15 Pf., darüber hinaus 23 Pf. An Werktagen werden Früh- karten für 15 Pf. ausgegeben, die für die ganze Strecke gelten und auch zur Rückfahrt an demselben Tage berechtigen. Morgens ollen sie leider nur bis 7 Uhr nach den vorläufigen Beschlüssen gelten. Den Wunsch einer Ausdehnung Ins 8 Uhr will der Magistrat erst nochmal der Gesellschaft vortragen. Zwischen der Schnellbahn Gesundbrunnen— Rixdorf und der alten Hoch- und Untergrundbahn wird für den U m st e i o« v e r k e h r des Kreuzungspunktes König- traste.Alcxanderplatz vereinbart, daß Billetts für 15 Pf. abgegeben werben, die auf jeder der beiden Bahnen zu einer Fahrt von drei Stationen berechtigen. Eine weitere Gemeinschaft war nicht zu erreichen. Auch über die Bauausführung find in dem Vertrag selbst- verständlich bestimmte Abmachungen festgesetzt. Hier ist«s unseren Genossen gelungen, eine Berücksichtigung der Arbeiterinter- essen zu erreichen. Der Vertrug bedingt au«, dast die A. E. G. bei Vergebung von Arbeiten und Lieferungen an Dritte dies vorher mit dem Magistat zu vereinbaren hat. Eingefügt ist hier der wichtige Zusatz, dast die an dem Bau beschäftigten Arbeiterkategorien j nach den in diesen Berufen bestehenden und vom Magistrak akS allgemein gültig auerkannten Tarifverträgen zu entlohnen � Die staatliche Genehmigung zum Bau und Betrieb der Bahn muß von der Gesellschaft nach Vollzug des �ertrages sofort nachgesucht werden. Ist die Genehmigung� nicht mindestens 1 V? Jahre nach Vertragsbollzug erteilt, so darf die Stadt vom Vertrag zurücktrete». Spätestens 5 Jahr? nach der Genehmigung muß die Bahn betriebsfertig sein, und spätestens 3 Monate nach Fertigstellung ist der Betrieb auszunehmen. Ein Halbdutzend Jahre wird es wohl mindestens noch dauern, ehe man mit der Schnellbahn vom Gesundbrunnen nach Rixdorf fahren kann. Eine Scherzfrage wäre noch zu beantworten. Der Vertrags» entwurf kennt natürlich noch kein„Neukölln", sondern spricht ltt seiner Ueberschrift noch von„Nixdorf". Als die Stadtverordneten ihn annahmen, war inzwischen die Umtaufe bereits vollzogen, aber in dem Vertragsentwurf blieb„Rixdorf" stehen. Ohne weiteres ..Neukölln" einzusetzen, kann der Magistrat nicht für zulassig halten. Wird er zum Zweck der Berichtigung den Stadtverordneten noch eine ergänzende Vorlage machen? Oder soll„Rixdorf" wenig- stens in der„Schnellbahn Gesundbrunnen— Rixdorf" verewigt bleibend_. Soziales» Bon der Amtszeit der Borstandsmitglieder einer Ortskrankenkasse. Die Ortskraiikenkasse der Tuchmacher- und Walkergesellen, so- wie der Tuchweber in Kottbus hat gleich einer Anzahl anderer Ortskrankenkassen in ihrem Statut Bestimmungen, wonach die auf die Arbeitnehmer entfallenden Vorstandsmitglieder von der aus Delegierten bestehenden Generalversammlung aus deren Mitte auf drei Jahre zu wählen sind und aus dem Vorstand ausscheiden. wenn sie ihre Wählbarkeit verlieren, während andererseits die Delegierten zur Generalversammlung nur auf ein Jahr gewählt werden. Es entstand die Frage, ob ein Vorstandsmitglied, das vor Ablauf der dreijährigen Amtsperiode als Vorstandsmitglied nicht wieder zum Geueralversammlungs-Dolegierten gewählt wird, auch gleich aus dem Vorstande ausscheiden mutz. Auf diesen Stand- Punkt stellte sich die Generalversammlung der genannten Kasse vom 21. Januar 1913. Sie wählte deshalb an Stelle der drei Vor» standsmitgliedcr giösler. Bohl und Jenschen, die nicht wieder zu Generalversammlungs-Delegierten gewählt worden � waren, drei andere' Delegierte in den Vorstand, obwohl die dreijährige Frist seit der Wahl der Genannten zu Vorstandsmitgliedern noch nicht abgelaufen war.„.. m, Der Vorsitzende beanstandete die Neuwahl und der Magfftrat als Aufsichtsbehörde trat ihm darin bei, indem er sich auf den Standpunkt stellte, dast die alten Vorstandsmitglieder bis zum Ab- lauf der drei Jahre im Vorstaude zu bleiben hätte», ohne Rücksicht darauf, dast sie innerhalb der Zeit nicht wieder in die Generalver« sammlung delegiert worden seien. Di« Herren Wittig. Gösch und Zander, deren Wahl beanstandet worden war, fochten die Beanstandungsverfügung des Magistrats durch die Klage an. Der Bezirksausschuß zu Frankfurt a. O. entschied jedoch im Sinne des Magistrats und wies ihre Klage ab. Das Lbcrverwaltungsgcricht, vor dem die Revision der Kläger durch den Arbeitersekretär Wissest vertreten wurde, gab der Revi- sion statt, hob die Vorentscheidung auf und setzte die Beanstandungs- Verfügung außer Kraft. Das Gericht— 3. Senat— ging von folgenden Erwägungen aus: Die Entscheidung hänge davon ab, ob das Erfordernis der Stimmberechtigung in der Generalversammlung(die Delegierten- eigenschaft) nach den Bestimmungen des Statuts nur zur Zeit der Wahl vorliegen brauchte oder ob das nachträgliche Ausscheiden aus der Zahl der Generalversammlungs-Delegierte» auch das sofortige Ausscheiden der Vorstandsmitglieder aus dem Vorstande zur Folge habe. Ter Senat nehme das letztere an. Nach 8 23 des Gesetzes müsse das Statut über die Bildung des Vorstandes Bestimmungen treffen und nach 8 34 werde der Vorstand von der Generalversammlung gewählt. Nach weitem gesetzlichen Bestimmungen erfolge die Wahl der Arbeitnehmermitglieder des Vorstandes aus der Mitte der Kassenmitglieder. Es sei aber auch anerkannten Rechts, daß das Statut außer der Mitgliedschaft noch weitere Voraussetzungen auf- stellen und namentlich bestimmen könne, dast die Wahl aus der Zahl der Delegierten zur Generalversammlung stattzufinden habe. Hier sei nun kein Zweifel, dast nach dein Statut der Kasse die Delcgierteneigenschaft(Eigenschaft eines Vertreter in der General. versammlungj eine Voraussetzung der Wählbarkeit zum Borstands, mitglicde sei. Sie müsse mithin zur Zeit der Wahl vorhanden sein. Wenn es nun im Statut weiter heitze:„Mitglieder des Vorstandes, die die Wählbarkeit verlieren, scheiden aus", so könne diese Be- stimmung, wenn ihrem Wortlaute nicht Zwang angetan werden solle, nur dahin verstanden werden, daß das Mandat zum Borstande mit dem Fortfall der Bcrtretercigcnschaft in der Gcneralvcrsamm- lnng erlösche. Da solche Vorschrift dem Gesetz nicht widerspreche und somit Geltungskraft habe, so habe die Generalversammlung mit Recht daS Vorstandsmandat der Herren Liösler, Bohl und Jenschen für erloschen erachtet und mit der Wahl der Herren Witttg, Gösch und Zander zu Borstandsmitglicdern gesetzmäßig und statutenmäßig gehandelt. Die Beanstandung ihrer Wahl sei ungerechtfertigt. Lmflulten der KedahUo«. Tie lurlsttlche Spreaistunde findet Sitnde» strafte 09, dorn vier Treppe» — F a 1) r N u l, I—, wochcutaiilich oo« 4Mi»i» Uli« adendS, Eonnadends, uou 4V4 bis ö Utzr abends statt. Jeder Iii» den«nie,'tasten bestimmten Anfrage ist ei»«uchftabr und eine Zayl alS Merlzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird»ich« rrtrilt. Anfrage", denen kein» Adauuruientsgnittnng beigefügt tft, werden nicht»eantwartet. Eilige Fragen trag« mau in de» Sprechstunde bor. A. Z. 39. Sprechen Sie mit einem Kammerjäger.— M. Eüntber. N-in. Das ist ei» Jrrlum.-I<5. 27. 1. Durch Sombenanlchlaa. 2. und 3. Unbekannt.— E. W. 50.«und für Mutterschutz, Wilmersdorf Zios- beritzerstr. 8.— E.«. III. Wachposien. ja.— Jofuit. 1. und 2. Nein 3. Es iollie möglich fein.— M. H. 87. sie müssen sich an einen Musik. meiter wenden.- O.«. 25, Pmifoly. Sie mühten Mitglied eines Nthlctenoereins werden. L-iehe Adreßbuch II. Teil.— Streitende Mark, grafenstr. 8«. 1. Januschau. 2. Muß Preuße sein. 3. 3003 M 4 Ja —«. M. 30. Nein. ,0 oft der BundrSrat zustimmt.— N. Richard Woldt. Karlshorst. Hcntigltr. 23.- B. lOO. Nein. Fragen Sie den Arzt — tt. H. 140. Wir halten den Beitritt zur Össenbacher Fraucnlnsse(Hinze, Prinzenitr. 66) für rat am.— A.®. 17. Turnverein Sirfilc «eschSitsstelle Kappenftraße �_ I. N. 20. 1 Sechs Monate.' 2. New. 3. Es kann ein Bezirk niigcwicsen werden.—<9. R. 4. 1. und 2. Leider za.— P.«tzj. In_ O 41 ff- l"'d zur Erslattung der Kosten o-rvflichtet. Eine besondere Klage ist NM fuv Soll der Psändung intervenieren. arui. 5<15 k Vcrsichcrnng bczw. Ihr Zeugnis reichen aus.— Köhler 107, Leider nein. T.(£. 59» Das bezüaiicke iinnländiicke 1» Ä»- bekannt— 49.?» 1. Oktober bereits in Arbeit gestanden haben.— a o oj® 1»,« Iffens ia, da Lohnabzug unzulässig war. La.- 91.«. 50. 1 Mark.— H. H. 100. Aus Antrao iJ?« g Cl,n mi»'~ Äein. Die Erklärung ist beim Amts- B"icht abjiiaebe».— M. H. 100. Sie müssen das Kind bis Oktober in die Cchtile schicken.— K. 000. Nichten Sic ein Gesuch um Steuererlaß an die eonngelische Klrchengrineinde.— 91. S. 72. Für Berlin an die Jiwalidenabteilung de» Magistrat», Am Köllnilchrn Part 8.— E. R 50 Bei ordnuiigsmäßig-r Kündigung nein.—«. 47. 1. Netn. 2. Wegen " Bucherangclegenheit haben wir Ihren Brief der Buchhandlung Vor. Ihnen dm, n°dw.N m®ie � mitteilen wolle,.. Antwort' geht M. S. 20. Erkundigen Sie sich bei dein ölteweichischen Konsulat M. 13. Bcrstcigcruug durch einen Gerichtsvollzichcr nach vorheriger«nl drohung unter gristsetzuna zulässig. Ort. Tag und Stunde des Ver steigcrungtlermlns, der nicht früher als ein Monat nach Androbuna Itatt. smden dar!, dem Schuldner mitteilen.- I. e. 600. iCoi i k anscheinend Rückstände bestehe».—»l. H. 88. Wenden£ie fi*„„'k? Vormundschaslsgericht.— 44—44. Ihre briellicken 15* Beurteilung der Rechtslage nicht ans.— 9l. 2 90. �n der �-all � Wem nicht ein Lohnzahlungstermin zwischen liegt und ein Abma nickt erjolgt ist.- M. H. 28. Nach DizpenseNejstmg �urch den Justizm°!nK Ldpzfflcrstn 132-57 Montag, Dienstag, Mittwoch: Königstrasse 31-32 Kosenwaierstr. 28-31 Extra-'Preise vranienstrasse 62 55 Montag, Dienstag, Mittwochs Porzellan Spe!s€lener?ferf�,18,fl»chl3 Pf. Dessertteller fenppt... 10 pt Kompotteller........ 7 Pf. JerrioeD rfppt 1.50, 1.95, 2.35 Kartoffelscfaüsselii g�pUForn� 90 Pf, 1.05 Sanciereo gerippt« Pom. 65 pf. Brateoschösseln ot*i36 bu80 pi Bratenschöss. nmd 70 pt k 1.05 Salatieren nmd.. 20ptk 1.05 Kaffeekannen 20 bu 80 pt. Uilcbtöpfe koaieoh. 8 bis 48 Pf. 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Weingläser........ 25 pl Komponieren... 27 bi» 95 PL Kompotteller..... 20, 23 pl Sturzflascben mit oia. 40, 50 pl Montag und Dienstag: Soweit Vorhanden: Italien. Tafeläpfel.» pw 35 pl Zitronen......... Dt». 25 pl Mandarinen...... Pfund 23 pl Blut-Apfelsinen Q r? Origiarikist« ca.£* O C Dtz,«30 PL 100 and ISO StUck 0«m0 In der Lebensmittel� Abt eilung Frische Bratwurst.. Pfund 70 pr. Hammeldünnung... Pfund 60 pl Dicke Rippe...... pro-d 70 pl Schweinekamm u. Schuft 75 pr. Schweinekotelettes. Pfund 85 pt. Keule Rück. Blatt Ragout Rennlierdeiscb 85 75 55 25 pl Zervelatwurst..... Pfand 1.15 Salamiwurst...... Pfand 1.15 Mausschinken �r3 pftSd IIS Landschinken& 120 Rollschinken �Äand 120 Schinkenspeck i?Äa|!f5np?£ 95 pl Gänsebrust � 2 �'Ö 1.45 Feine Leberbrust.. Pfand 95 pl Landleberwurst.... 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Iahrgavg. 2. Stillt ks Jornitts" ürtlitn WMl. ZottutG. 11. keblllar 1912. Hbgeordnetenbaus» 11. Sitzung vom Sonnabend, den 10. Februar. vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. Schorlemer. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation der Nationalliberalen betr. die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche an der Westküste Schleswig-Holsteins. Abg. Schifferer inatl.) begründet die Interpellation. AnS den Abwehr- und BelämpfungSmastregeln gegen die Maul- und Klanen- senche sind für die Landwirtschaft und den Handel an der Westküste Schleswig-Holsteins schwereSchäden einstanden. Man must bei solchen Maßnahmen Rücksicht nehmen auf die Wirtschaft- lichen Interessen und- mutz sie auf das unumgänglich notwendige Mast beschränken. Die Art wie solche Mast- regeln bei uns zur Ausführung gelangen, hat in der betroffenen sonst ruhigen Bevölkerung eine gewisse Er- r e g u n g hervorgerufen, an der wir nicht achtlos vorübergehen dürfen. Es herrscht eine gewisse Willkür in der Handhabung der gesetzlichen Bestimmungen, die in den einzelnen Bezirken ganz verschieden ist. Die Untersuchungen des BicheS müssen schneller und gründlicher erfolgen. Eine Milderung deS Bich- f e u ch e n g e> e tz e s ist notwendig. Landwirlschaftsminister Frhr. v. Schorlemer gibt einen Ueber- blick über die Ausbreitung der Seuche. Sie ist in der letzten Zeit erheblich zurück gegangen. Das beweist wohl die Güte unserer veterinärpolizeilichen Mastnahmen. 90 Proz. des Viehes sind überhaupt von der Seuche verschont geblieben. Erfreulich ist die graste Vermehrung des Bestandes an Schweinen trotz der Seuche, der Dürre und trotz der grasten Zunahme der Schlachtungen. In Schleswig- Holstein ist die Seuche seit August vorigen JahreZ auch erheblich zurückgegangen, d. h. also seit der Zeit, wo der Weidegang des Viehes aufhörte und eine strenge Kontrolle in den Ställen möglich wurde. Gewist sind für die kleinen Landwirte die Bekämpfungsmastnahnren sehr empfindlich, aber wo ihnen mit Verständnis begegnet wird, haben sie sich doch als sehr wirksam erwiesen. Das wirksamste Mittel ist die Abschlachtung des erkrankten Viehes. Von diesem Mittel wird auf Grund des neuen Viehseuchcngeietzes, dessen Ausführungsbestimmungen hoffentlich am 1. April in Kraft treten werden, ausgiebig Gebrauch gemacht worden. Eine schablonenhafte Anwendung der Bestimmungen wird von uns ab- sichtlich vermieden. Auf das Bedürfnis der Märkte wird niöglichst Rücksicht genommen. Hoffentlich gelingt es den bewährten Mast- nahmen der Veterinärpolizei die Seuche bald so einzudämmen, dast ihre völlige Beseitigung nur noch eine Frage kurzer Zeit ist. Das Löfflersche Serum ist ein sehr wirksames Mittel, aber so teuer, dast seine allgemeine Anwendung unmöglich ist. Solange das Vieh im Stalle ist, müssen die veterinärpolizeilichen Mastnahmen mit aller Strenge durchgeführt werden. sBravo I) Auf Antrag de? Abg. Wallenborn sZ.) wird die B e- fprechung der Jntergellation beschlossen. Abg. Duus sVp.): Wir sind mit dem Viehseuchengesetz durchaus einverstanden. Doch darf es nicht schikanös behandelt werden, wie dies zum Teil in SckleSwig-Holstein geschieht. Die Hauptsache ist die wissenschaftliche Erforschung der Maul- und Klauenseuche und die strenge Durchführung der Stallkontrolle. Abg. Brütt sfk.j betont auch die Notwendigkeit der wisienschaft- „lichen Erforschung des Erregers der Maul- und Klauenseuche. Die Beobachtungsgebietc müiien möglich klein sein. Abg. v. Kessel sk.Z Bei den Sp-rrmastregeln müssen die ort- lichen Verhältnisse berücksichtigt werden. Im übrigen müssen die Bckämpfungemastnahmen streng durchgeführt werden; doch darf der dadurch den Landwirten zugefügte Schaden nich. gröster sein als der Schaden durch die Seuche selbst. Der Hausierhandel sollte in verseuchten Gebieten verboten werden. Abg. Hocvclcr(Z.) legt an, den Landrätcn die Leitung der Bc- kämpfungsmastrcgeln zu übertragen und wünscht entsprechende Be- kämpfung der Seuche am Niederrhein. Landwirtschaftsniinister v. Scherlcmcr sagt dies zu. Der Wunsch nach Verbot deS Hausierhandels in den verseuchten Gebieten ist ge« rechtfertigt. Wenn gesagt worden ist. dast die Beobachtungs- gebiete eine Goldgrube für Händler und Tierärzte sei, so halte ich �kleines feuUleton. Ein politischer Fastnachtsscherz. Es sind jetzt fast SO Jahre her, da trat auf einem Maskenball zur Fastnacht in Koblenz, mitten in das wimmelnde dichte Treiben und Gewirr, plötzlich mit starkem Schritt ein ungeschlachter Bursche mit deutschem Skock und Flatterhaar. Auf dem schwarzen Barett mit dem heiligen Drei-Eichcn-Blatte prangte in grohen Buchstaben: Zeitgeist; die mächtige Nase be- deckte ein Pflaster mit der Devise: Lohn des Kriegers; den schwarzen Judenbart umgab das Motto: Finanzverwaltung. Die ganze Vorderseite deS Rockes mit der Aufschrist:-Feld der Ehre, bildete zwei Abteilungen, rechts: Zivildienst, links: Militärehre. Zahllose Sterne und Kreuze, Bänder von allen Farben und Gattungen, auch das Erostkrcuz des Schcllenordcns mit tönender Klingel bei jedem Schritt des damit Geschmückten erregten den Neid und das Staunen der Anwesenden. Unter diesem Firmament standen rechts die Worte: Abgaben, geheime Polizei. Edikte. Versprechungen; links: Einquartierung. Kontribution, Hosenschnitt, Parademarsch, und die großen Erwartungen verloren sich auf dem Rücken im Spiel des flatternden Haares. An der rechten Tasche hingen eine Menge Zerret in buntem Durcheinander, worauf zu lesen war: Adressen, politische Schriften, Meinungs- und Thronwechsel, Handel und Patriotismus, Schimpfreden, Turnanstalt, Wartburgseier, Jesuiten, Religionsschwärmerei usw. Ter linken Tasche war ein leerer Geldsack angenäht mit den Aufschristen: Oeffentlicher Staats- schätz. Kredit. Anleihen, frohe Aussicht in die Zukunft. Ein Kantschu, vom Zeitgeist derb geschwungen, war kaum imstande, der ihm fol- genden schwachen, schmächtigen, mageren Dame im schwarzen Trauerklcide und von einem halben Schleier verhüllt, Platz und Achtung zu rerschafscn. Nach dem Schnitte ihres Gewandes mußten viele Künstler an demselben beschäftigt gewesen sein; nur mit Mühe und unter kräftiger Unterstützung ihres Führers schleppte sie sich langsam und unsicher weiter. Die blonden, etwas vcr- wirrten Locken des schönen Kopfes waren von Vergißmeinnicht bekränzt, die sich um eine goldene Mauerkrone mit der Aufschrist Konstitution wanden. Tie Fülle des jugendlichen Busens war von Prcüsreiheit und Lcfscntlichkeit beschirmt. Auf dem Herzen standen die Worte: Gleichheit vor dem Gesetz, vor der Brust: Liberalität; darunter' Au'bebung des Feudaladels; auf dem Leibe: Volks- Meinung' darunter: Verminderung des stehenden Heeres; dann: freie Schiffahrt; endlich unterhalb der Knie: Vertretung des Volkes. Ein kleiner Höcker verunstaltete die Schöne und trug des Motto: Glcickw Verteilung der Staatslastcn; darunter las man: Volk, und auf der freien Schulter: Privilegierte. Auf dem Rücken standen die Warle: Verantwortlichkeit der Minister, darunter war der öffentlichen Gerichtspflcge und miter dieser der öffentlichen Volksstimme ein Plätzchen angewiesen. Kammer der Pairs(Standes- Herren) und Tcputicrtentammcr prangten groß auf dem noch freien Teil des Körpers. Endlich las man auf den Aermeln: Ge- werbesreihcit und Handelsfreiheit und auf dem Kopfe: Abzugs- freiheit. Es ist unmöglich, die Teilnehmer aller maskierten und unmastierten Anwesenden beim Erscheinen dieser seltsamen Gestalt zu beschreiben. Sank sie vor Schwäche in die Knie, strauchelte sie, war sie dem Fall nahe, was öfter geschah, so ertönte ein lautes-' es dem gegenüber für meine Pflicht, die Tätigkeit der Tierärzte bei der Bekämpfung der Seucheugesahr voll anzuerkennen.(Bravo!) Eine llebertragung der Seuche durch Tierärzte oder durch Militär» Personen bei Manövern ist in keinem Falle nach- gewiesen. Abg. Mcyer-Rottmannsdorf sfk.) spricht für besondere Berück- sichtigung der verseuchten Gebiete in Westpreußen. Abg. Dumrath kritisiert, daß Beschwerden der Gutsbesitzer öfters zu spät beautworlet und dann zu strenge Strafen ivegen gering- fügiger Uebectretungen der Bekänipfuugsmaßregeln erfolgen. Abg. Dr. Liebknecht sSoz.): v Wir erkennen durchaus an, dast eine gesunde und leistungsfähige Landwirtschaft die Grundlage jedes Wirtschaftslebens ist, und wir haben auch stets mit allen Kräften an der Seuchengesetzgebung mit- gearbeitet. Diese positive Mitarbeit hat man auf dem Lande auch sehr gut verstanden. Aber wir wenden uns entschieden gegen die heuchlerische Vorspiegelung sanitärer Interessen, wo es sich doch nur um eine agrarische BcrteucrungSpolitil handelt. Unh wir protestieren weiter gegen die Ausnutzung der Seuchengesetzgebung zur Bekämpfung der Sozialdemo- k r a t i e und auch des Freisinns durch Versammlungsverbote. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Hier zeigt sich wieder, wie die preußische Verwaltung aus allen Blüten Honig zu saugen ver- steht. Ebenso ist die tendenziöse Ausnutzung der Seuche zur Förde- rung einer verstärkten Grenzsperre zurückzuweisen. Es liegt in diesen Versuchen eine Irreführung der öffentlichen Meinung zu dem Zweck, Kapital zu schlagen für agrarische Sonderzwecke. iSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)— Tatsache ist, daß sich in ländlichen Kreisen vielfach auszerordentliche Miststimmung zeigt übet die Art der Ausführung des SeuchengesetzcS. Man spottet über die sinnlos bureaukratische Wirtschaft. Ein wenig Verständnislosigkeit gegenüber den harten Notwendigkeiten der Seuchenbekämpfung mag dabei mitspielen, aber sicher ist, dast wir geradezu eine Stimmung von revoliitioiiärem Charakter in manchen Dörfern gefunden haben. In einem Dorfe hat sich die gesamte Bauernschaft. gegenüber dem Verbot, das Vieh auf die Weide zu treiben, vcoschwören, und die Leute haben wie ein Mann ihr Vieh trotzdem auf die Weide getrieben- DaS hängt' damit zu- sammen, daß die Leute angesichts deS Futtermangels vor der Situation stehen, entweder ihr Vieh im Stalle verhungern zu lassen oder eS auf die Weide zu treiben. Es zeigt sich hier wieder, wie schwer es ist. eingreifende Mastnahmen sanitärer Art einfach vom grünen Tisch zu treffen, ohne Berücksichtigung der Wirtschaft- lichen Durchführnngsmöglichkeit. Alle diese Mastnahmen setzen eben eine gewisse Leistungsfähigkeit der Landwirtschast voraus, die vielfach nichl vorhanden ist. ES müssen eben die Wirt- schaftlichen Voraussetzungen zur Seuchenbekämpfung, soweit sie nicht gegeben sind, durch das Gesetz geschaffen werden. Für die schikanöse Arl, wie das Gesetz zum Teil durchgeführt wird, ist charakteristisch der bekannte Fall, wo eine Magd sofort entlassen wurde nur um deswillen, weil ihr Lieb st er auf einem verseuchten Gut w a r. Sie sehen, daß selbst Gott Amor zuweilen sein Haupt ver« hüllen nmst, wenn die prcustische Regierung an die Seuchen- bekämpfung herangeht. sHeiterkeii.) Die Hauptsache ist auch hier die Prophylaxe. Dazu ist nötig eine gewisie Kenntnis des Wesen« der Krankheit. Wir wissen heute noch gar nicht, ob die Maul- und Klauenseuche eine einheit- liche Krankheit ist, oder ob sie sich aus verschiedenen Krankheiten zu- sammengesetzt. Die Regierung syllte größere Fr e i g e b i g k e i t beweisen in der Unterstüyuilg aller Bestrebungen aus Erforschung der Seuche. Im übrigen'findet die Seuckie nicht so leicht guten Boden, wenn im allgemeinen die sanitären Zustände in der Land- Wirtschaft vollständig auf der Höhe sind.(Sehr richtig! links.) Ich erinnere an die Bekämpfung der Cholera durch Verbesserung der Wohnungsverhältnisse. Wir werden nie dagegen sein, wenn für solche Zwecke allgemeine Mittel verwandt werden. Wir wünschen aber, dast solche Mittel vor allem den kleinen Land- Wirten zugute kommen und nicht leistungsfähigen Landwirten. Bei dieser Art der Prophylaxe könnte sich das sozialistische Prinzip des Einftehens aller für einen sehr gut bewähren, und die landwirt- swaftliche Bevölkerung würde erkennen, wie wenig daS sozialistische Prinzip im Wideispruch steht mit den Interessen der kleinen Land- Wirte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Natürlich ist auch Ach! im weiten Saal. Ein Fläschchen, das ein Etikett mit der Aufschrift: Gemeingeist, welches die trauernde Dame wegen ihrer schwächlichen Gesundheit bei sich trug, schien die stärkende Wirkung beinahe schon verloren zu haben. Doch gelang es dem unermüd- lichen raschen Führer und der nachschiebenden jubelnden Menge, trotz aller Hindernisse und Anstöße die Geliebte glücklich durchzu- bringen, die sich endlich den raschen Tanzreihen anschloß, dann sich aber auf Nimmerwiedersehen plötzlich aus der Gesellschaft verlor. Die Blüten einer Feucrsbrunst. Schon vor einigen Jahren wurde einmal der merkwürdige Fall berichtet, daß in der Nähe eines niedergebrannten Hauses, ohne Zweifel durch die Wirkung der Hitze eine Anzahl von Gartengewäckisen trotz einer weit vorgcschriltenen Jahreszeit Blüten getrieben hatte. Im letzten Spälherbst ist dies sonderbare Ereignis zum zweitenmal vorgekommen, wie der Sitzungs- bericht der Pariser Gesellschaft für Biologie bezeugt. In den Gärten, die der Brandstelle zunächst lagen, war eine Reihe von Bäumen durch die Hitze völlig vernichtet worden, und erst die Stämme, die wenigstens fünfzig Meter Absland hatten, waren erhalten geblieben. Emen Monat später be- deckten sie sich mit einem vollen Btütenflor, als ob der Frühling begonnen hätte. Es muß ein höchst sondcrdarer Anblick gewesen sein, diese Blüteninsel in einer fast winierlichen Umgebung, denn nicht nur Apfel- und Birnbäume, sondern auch Flieder, Kastanien, Ebereschen und Weißdorn prangten im Blütenschnmck. Dr. Laurent übernahm es, eine wissenschaftliche Erklärung dieses Wunders herbeizuführen. Man konnte zunächst annehmen, dast die Blütenknospen selbst, die schon vor dem Brande als solche ausgebildet waren, durch die Wirkung der Wärme ein beschleunigtes Wachstum und damit eine Entfaltung erführen. Der Nalutforscher beobachtete aber, daß an Apfelbäumen auch die einfachen Augen oder Holzlnospen vergrößert, zu Fruchlknospen umgewandelt und enlsallet waren. Die Erklärung liegt wahriweinlich in einer auherordentlichen Vermehrung der Zellen, die sich bei den Geivächsen zeigt, wenn sie stark ausgerrocknel waren und dann wieder Feuchiitzkeil erhielten. Da die Auslrocknung von oben her ersolgle, die Wuizel» aber weiter Wasser aus dem Boden zogen, so zeiglen sich die Folgen zuerst an den Holzknoipeu. UebrigenS benutzen die Blnteuzüwter mir Absicht' bereits ähnliche Einflüsse, wie sie hier zufällig durch einen Brand hervorgebracht wurden. Sie nehmen Slräticher schon während des August aus der Erde, lassen»sie an offener Luft trvckiien, setzen sie dann wieder in den Boden und geben ihnen reichlich Wasser. Humor und Satire. Ordenspracht. Hei, Preußen in der Welt voran. Auch weiin's»iwt blutig zuhaut l Die Friedensgütcr, die's gewann, Die geh'n ans keine Kuhhaut! Und mögen aud're glänzen doch, Durch kriegerische Ebrcn Und mögen wieder aud're noch Durch Heirat sich vermehreii, Dem grünen Lorbeer Preußens weicht Der Süden und der Norden. durch die Therapie mancherlei zu erreichen. Ferner ist not« wendig, die Suspension der Zölle auf Futtermittel, die es den kleine» Landwirten erleichtern würde, die Stallfüttcrung durchzuführen. Vor allem müssen wir entschieden dagegen pro- testieren, daß man die Seuchenbekämpfung ausnutzt zu einer erneute» Verteuerung deS Fleisches durch Erweiterung der Grenz- sperre. Es wäre erwünscht, wenn die Negierung zu erkennen geben wollte, ob sie die Berechligulig dieser allgemeinen Gesichtspunkte an- erkennt.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Heine(natl.) wünscht Grenzsperre gegen Rußland, weil von dort die Seuche eingeschleppt wäre. Abg. Ehler?(Vp.) iveist auf die schwere Schädigung des B i e h» Handels durch die Schließung des Berliner Viehhofes hin. Abg. Hoff(Vp.): Wenn die Seuche in Preußen zurückgegangen ist, so liegt da» an ihrem natürlichen Erlöschen und nicht an dem Erfolg der Regierungsmastnahmen. Tatsache ist, dast vielfach die Schädigungen durch die Seuchenbekämpfung schwerer waren als die durch die Seuchen selbst. Damit ist die Besprechung erledigt. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr (Interpellation Eugelmann(natl.) über Hagelschäden im Weinbergsbau, Land wirtschaftsetat). Hu9 Industrie und FtandeL Löhne nud Teuerung! Mit dem Wirksamwerden der tieuen Zölle und der höheren Verbrauchsabgaben, die das ReichSfinauzwerk des schwarz-blauen Blockes dem deutschen Volke bescheerte, ist die Lebenshaltung der Lohnarbeiterschoft um mindestens IS Proz. verteuert worden. Wie sieht es dagegen mit der Lohnentwickeluiig aus? Nach den Klagen der Unternehmer zu urteilen, müßten die Löhne weit über die ein- getretene Verteuerung hinaus gestiegen sein! Das ist aber durch- aus nicht der Fall I Die relativ einwandfreieste Lohnstatistik, die »ns zur Verfügung steht, ist die der Berussgenosscnschaften. In ihren Nachweisen werden die gezahlten Lohnsummen annähernd genau angegeben und dazu für je 300 geleistete Arbeitstage ein sogenannter Vollarbeiter. Haften den Feststellungen auch noch Mängel an, so liefern die nach der gleichen Methode ermittelten Gesamtresultate doch sichere Vergleichswerte. Wie sich die Löhne gestaltet haben, veran« schaulicht diese Uebersicht. Es betrug: <• 0„,r. die Gesamtlohn- der Jahresdurch« die Zahl der fumme in schnittslohn eines Vollarbeiter Millionen Mark Vollarbeiters in Mark 1903. 7 512 729 7720 1027 1907. 7 869 421 8413 1069 1908. 8 291 936 9187 1108 Der Durchschnittslohn war demnach im Jahre 1910 um ganze 89 M. oder um Z.öS Proz. höher als wie im Jahre 1907. Zieht man das Jahr 1906 zum Vergleiche heran, dann ergibt sich eine Lohnsteigerung von nicht 8 Proz. Auch diese Lohnzunahme bleibt hinter der Verteuerung der Lebenshaltung zurück. Die Notwendig- keit einer allgemeinen Lohnerhöhung ist mit dieser Tatsachen- konstatierung zweifellos erwiesen. Tie Feinde der Landwirtschaft! Die Agrarier spielen ihre einseitige Interessen Politik als Schutz der Landwirtschaft aus. Wie wenig Berechtigung sie dazu haben, das müßte jetzt jedem Viehzüchter klar werden. Die Politik der Großgrundbesitzer verteuert ihnen nämlich die Produk- tion so sehr, daß sie ihre Bestände reduzieren, die Aufzucht ein- zuschränkcn gczivungen sind. Die beste Demonstration über die Schädlichkeit der Zollpolitik ist der Hinweis auf die in- und aus- Saudischen Preise. In Amsterdam kostete im Dezember ein Doppelzentner Hafer 149,80 M., in Berlin 185,63 M.; Futter- gerste notierte in Liverpool 147,05 M., in Leipzig 179,13 M.; Mais in Breslau 175 M.» in Liverpool 146,73 M. Könnte der deutsche Viehzüchter das Futtergetreide zu den auf Auslands- Märkten notierten Preisen haben, dann brauchte er kein halbreifes Vieh auf den Markt zu bringen, und wir hätten nicht demnächst mit einer großen Vieh- und Fleischnot zu rechnen. Die Junker und ihre Trabanten verteidigen die Futtermittelzölle und sind so die Feinde der kleinen Landwirte I'. Denn Preußen— ha, es ist erreicht! Es gründet neue Orden. Gern zählte ich den Ordensschatz Für jeden auf und jede, Dow haben sie nicht alle Platz Hier in gebundner Rede. Ich denk' der Orden spät und früh, Ein umgekehrter Posa; Doch aus Platzmangel nenn' ich sie Hier nur in schlichter Prosa: Krone vom Roten Adlerorden, Eichenlaub zum Eisernen Kreuz, Wilhelmorden, Verdienstkreuz der preußischen Krone, Kreuz deS Allgemeinen Ehrenzeichens, Rote Kreuzmedaille in drei Klassen, Rote Adlerorden-Medaille, Kroneuordcn-Medaille. Verdienstkreuz in Silber. Verdienstkreuz in Gold. Allgemeines Ehrenzeichen in Bronze. Er- innerungsmedaille an den Chinafcldzug. Erinnerungsmedaille an den Herero-Anfstand, Zentenarmedaille, Spange für die ErinnerungS» mcdaille 70/71— alles Dekorationen, die seit der Thronbesteigung Wilhelms II. gestiftet worden sind. (F r i d o in der. I u g e n d Notizen. — Der Verein für Frauen und Mädchen feiert Sonntag, den 18. Februar, sein 13. Stiftungsfest in Kellers Neuer Philharmonie, Köpcnicker Straße 96/97, als Mozart- Abend. Billetts zu 56 Pf. bei Horsch, Engelufer 15. Schulz, Admiralstr. 40, bei Frau Klotzsch, Fichtcstr. 1, und an der Kasse. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde spricht Dienstag Dr. K. Wenke über Tierstudien auf Mcllum, Freitag behandelt Dr. A. Merz das Thema: Auf einem Kabeldampfer durch die Tropen des Atlantischen Ozeans.— Auf Einladung der Modernen Akademie häil Frau Grete M e i s e l- H e ß am 18. d. M.. abends 3 Uhr, im Vitlorin-Lyceum, Potsdamer Str. 39, einen Vortrag»Ans meinem Leben, aus meinen Werken". — Das Münchener Künstlertheater wird diesen Sommer anstatt Reinhardts Direklor Halm vom Berliner Neuen Swauspielbause zum Spielleiter haben. Das Repertoire bringt als Neuheit Calderoirs„C>rce" mit den groieskcn Zwischenspielen und Kisniet" von Knoblauch. Der Musik-Zyllus bringt als wichtigste Uraufführung.Dichlerliebe" von Richard Strauß. — Zur Organisation der geistigen Arbeit hat Prof. Wilhelm O st w a l d aus dem ihm 1909 zngefallcnen Nobel- preis 100600 M. gestiftet. Die von ihm begründete Bereinigung „Die Brücke", die„dem geistigen Arbeiter durch umfassende und gründliche Vorarbeiten auf den einzelnen Gebieten das Arbeiten erleichiern. ihm Mühe und Zeit ersparen will", verwaltet das Kapital. — Der Deutsche Reichstag hat bei seiner neuesten Präsidentenwahl die Farben der 1848er Revolutionäre, die Fahne der einigen großen deutschen Republik, wieder zu Ehren ge- bracht. Schwarz-Rot-Gold ist sein Präsidium, und die Farben sind in der richtigen Reihenfolge eingestellt. Die schwarze. die rote und die goldene Internationale ist oder war im Reichs- tagspräsidium vertreten. Ein guter Witz der Weltgeschichte, □□□ DDÖ □□□ Thealer und Vergnügungen nun (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne: Sonntag, 11. Februar, nammittags 3 Uhr. NeueZ Schauspielhaus. 2. Abteilung (Wruppe fi— 8): Ueber unsere Straft, II. Seil. Thaliatheater. 5./6. Abt.(Gruppe 21—25): Die Thurnbacherin. Hcrrnseld-Thcater. 13. Abt.(Gruppe 06/57): Simson und Delila. Residenziheater. 9./1<1. Abt.(Gruppe 10/41): Die arme Löwin. Montag, 12. Februar: abends 8 Uhr: Neues Schauspielhaus. 14.(I.) Abend- abt.: I'iat �ustitia. Probe- Nene Freie Volksbühne. Sonntag, 11. Februar 1312, nachmittags 2'/2 Uhr: Deutsches Theater: Judith. Kanimcrspielhaus: Lanzclot. Nachmittags 3 Uhr: Schiller-Thealer 0.: Der kandidat. Schiller-Theater Charloiicnb. Maria Stuart. Theater in der Königgrätzer Straße: Ein Fallissement. Mctropol-Theater: Miß Helyet. Neues Operetten- Theater: Der Gras von Luxemburg. Kleines Theater. Angele.— Erster Klasse. Trianon-Tbeater: Francillon. Nmes Volks-Theater Frißchen. Der zerbrochene Krug. Hochschule in Chart. Geographie und Liebe. Abends 8 Uhr: � Neues Volks-Theater. Fritzchen. zerbrochene Krug. Abends 8'l2 Uhr: Neues Volks-Thcater. Montag, Don- nerstag, Sonnabend: Fritzchen. Der zerbrochene Krug. Dienstag, Mittwoch: Nathan der Weise. Freitag: Leidenschaft. Hochschule in Charloltenburg: Sonn- abend: Des Pastors Ricke. Der Lediiler-IlieAlerü Theme? Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Probeknndiilat. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Plarrcr von Kirchfeld Montag, abends 8 Uhr: l>ie Wildente. Dienstag, abends 8 Uhr: Der KlIoinctcrfrcBser. Schiller-Theater Sonntag, nachm. 3 Uhr: IHaria Üitnart. Sonntag, abends 8 Uhr: ZZer Probepfeil. Diontag. abends 8 Uhr: Der KlioincterfrcHSor. Dienstag, abends 8 Uhr: __ Kmiiia Oalotti._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augnstin. Etertinef Theater. " Abends 8 Uhr:' Große Nosinen Abends 8 Ubr: vie h Frankfurter. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Unwiderruflich letztes Gastspiel des krnd>»i!i>ehen UallettH. Kleopatra— Karneval— Geist der Rose— Poloweteer Tänze. Heute 3'/, Uhr: Walzertraum. Montag 8 Uhr: Wiener Blut. Nesidenz-Theater. Direktion Richard Alcrander. Abends 8 Ubr: Alles für die �irma. Schwank in 3 Akten von M Hennequin U. G. Mitchell. In Szene gesetzt und für die deutsche Bühne bearbeitet von Boltcn-Baeckers. Morgen u. folg. Tage: Alles f. dl. Firma. Delle- Allianee-Theater. j/24 Uhr: Bon Stufe zu Stufe. 8 Uhr: Gastspiel Ferd. Bonu in „Napoleon Vouaparte und seine Fraueu«. 08e-in�7c Unsnis. �iLSerlSLQallUctrss lüsalsr. 8 Lllrr: 0er Großglockner, Gastein und die Salzburger Alpen. Montag 8 Uhr: Der Großglockner, Gastein nnd die Salzburger Alpen. Hörsaal 8 Uhr Ingen. A. Keßner: Herstellung guBeiserner u. schmiedeeiserner Röhren. Sternwarte. Invalidenstraße 57— 62, (71/,— 10 Uhr) Saturn, Orionncbel nsw. Das Londoner Mirakel Die Frau.,. iito Kanne! Befreiung aus d. Wassergrab. l-ebend! Liebend! Fakir=Truppe 15 Personen in ihren religiösen SIttrtyrcr-Prodaktionen Wochentags 4— 7 Uhr; Lichtspiele Ohne Extra-Entree. Passage-Theater. Heute Sonntag 2 Vorstellungen, nachm. 3—7 Uhr(kl. Preise), abends 8—11 Uhr. Schneider-Duncker Carl and Lotty die berühmt. Exoentr.-Tänzer. Luise Schäfer Vortragskünstlerin. The Hevaldos Truppe d. best. Schleuderbrett-Äkrob. und d. Febr.-Qlanzprogr. 14 erstkl. Spezialitäten. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Ansang 8 Uhr Der gröstte Dheatcrersolg: Täglich ausoertaust. Der Kampf ums Dafkin. Alluell! Dem heutigen Leben ent- nommen.— Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Der selige Hollschinskp. Theafep Neuer graßer Erfolg! Wie man Männer " bessert. 2 Akte von Anton u. Donat Herrnseld mit den Autoren in de» Haupirollen und Der ftanstenfeL Famitienschwank in 1 Akt v. Pohlmann. Ansang 8 Uhr. BIllettvorverkäus 1t— 2(Theaterkasse). Große FrankiuNei Str 13-4. Nachmittag 3 Uhr: „J Satan und Kloster. Volksschausviel in 5Akt.v. GcorgHorn. 'Abends 8 Uhr: Ter Spielteufel. LolVstück in 4 Alten vonJuliuSKnops. DHntag: Ter Spielteufel. Luisen-Theittcr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ter Ber- schwender. Abends: Zopf uns Schwere. Montag: Ter Verschwender. Dienstag: Zopf und Schwert. Voigt-Theater. Gesnndbrunnen Baditraße 58. Heuie Sonntag,'den 11. Februar, nachmittags 3 Uhr: Pfcffer-Röscl. Abends 7 Uhr: Sin armer Sdeltnann. Kassenerässnung 10 Uhr. Freitag, 16. Febr.: Benefiz F. Rühle: Dai Geheimnis des Königshauses. Admltölspalast Am Dahtdxtf Fdcdrhliüthssc lElssAr ena.l 1 Heute"W 2 VorstcUnngen 2 j 1 nachmittags und abends Das prachtv. Eis-Ballett Alpenzauber. Außerdem abends; l>le Xovltiiten ■ Täiixc uut dem EImC, j j Kheinlünder, Kus- j stach. Englisch, Alt- AVlener Walzer und Der norwegische Meister Barry Paulsen . Bis 6 Uhr u. von 10'/, Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Ranges. | Tlittagg v.'/jIä— 4 Uhr:| Korso bei Musik. I Dinar.'."rEis-Arenal Couvert a M. 3 oder M. 5 einschlieBI. Eintrittspreis. 1 Zentralverband ä. Hausangestellten Ortsgruppe Berlin veranstaltet Sonntag, den 11. Februar, abends S Uhr» im»Deutschen Hof«, Luckauer Str. 15. ein Kostümfest in den Alpen. — Dekorierte Säle.— Ball.— Sonstige Belustigungen.— 1 HF m ♦HS WHüMehuMWöM«» Sonntag, 18. Februar, in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Str. 96/07; :: 13. Sliflungs-Fesl- Mozarl-Abend:: Mitwirkende: Wall! Zcpler(Ansprache); Elisabeth Ohlhoff(Gesang); Kestenberg-Trio: Leo Kestenberg(Klavier), Louis van Laar(Violine), Mari« Loewen- sohn(Violoncello); Göttlich Kntschha(Viola). ■ Nach dem Konzert: TAJfiÄ, Eröffnung 5 Uhr. 53/2_ Anfang 6 Uhr. Billetts a 50 Pf. sind zuhaben hei Horsch, Engelufer 15; Gottfried Schulz, Admiralstr. 40; Frau Klotzsch, Fichtestr. 1; Frau Jordan. Lübecker Str. 43; Frau Kulicke, Prinzenstr. 102; Frau Köhler, Schreinerstr. 58; Frau Panzeram, Pappelallee 76; Frau Guhn, Zorndorfer Str. 39; Frl. Petereif, Naunynstr. 5; Frau Hannemann, Hixdorf. Pontanestr. 25; Frau Jacobey, Wiesenstr. 10; Frau Pohl, Rostocker Str. 27. ÜH ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 27. � ülS Jk 99 CLOU" Zirkus Mr. Sonntag, 11. Febrnar: 1 püe ßala-Vorstellunp l nachm. 3'/, Uhr n. ab. 71/s Uhr. Um 3'/, Uhr zahlen Kinder unter 10 Jahren auf allen Sitzplätzen halbe Preise. Galerie volle Preise. Nachmittags 3'/, Uhr: Auf vielseitigen Wunsch: u20 in voller Aufführung. In beiden Vorstellungen: Die japanischen Sportspiele und Ringkämpfe, In beiden Vorstellungen: Clown Armando mit dem boxenden Känguruh. In beiden Vorstellungen: Vorführen und Reiten der bestdressierten Schul-, Freiheits- und Springpferde. Abends 7-/, Uhr: IM6 Hexe. Gr. Volks-Manege- Schauspiel des Zirkus Busch in 7 Bildern. Berliner Konzert«Haus. Mauerstr. 82 Zimmeratr. 90/91. Blütlmer Ha al. Heute Konzert des Heute: Großes Konzert gner-Orchetfm 3 Kapellen! I!! Zillerthaler und Tegernseer Sänger, Plattler und Jodler! Anfang 4 Uhr._ Anfang 4 Uhr. Luna=Park. Ausschank von jTriumphator" dem Münchener Bürger» BrSu. „Wintersportfest" Orig.» Oberlandler* Kapelle, Orig.-Dachauer Bauern-Kapelle, Orig.-Tiroler Tänzer und Sänger, Humoristische Szenen, Volkskomiker Volksbelustigungen, sensat. Attraktionen. MIDGETS TOWX Hauptstadt von Liliput mit Ihren T O Bewohnern Friedrichstraße 165, in den Räumen von Castans Panoptikum. Geoffn. von 2 Uhr nachm. bis 10 Uhr abenda. Entree 1 Hark. Kinder die Hälfte. JW" Im Liliput-Zlrkut große Ringkampf-Konkurrenz."MS Brauerei Friedriclisliain am Königstor. Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Heute Sonntag: Auf der Alm. GröBte» bayer. Bockbierfest. Schorsch Ehrengrnber und Joset Welnzlerl mit ihrer Truppe 100 Oberbayern. 4 Kapellen. Ueberraschungen. Gaudy. Kirmes. Schneetreiben. Anf an g 5 Uhr. Entree 50 Pf. Exeelsior-Lietitspielhaus Neukölln ÄiÄiS Passage r* Vom 10. bis 16, Februar 1912 einschlieBlich: Auferstehung. Sittendrama in 3 Akten. rwW Neue Weit.»««» � Arnold Scholz. Hasenheide 108-114. Hente Sonntag, den 11. Febrnar 1018, in sämtlichen Fest-Sälen, 8000 Personen fassend Sockbierfest in den bayer. Alpen. _ Im neuen Saal: Großer Ball. Anfang 4 Uhr. Entree 50 Pf. 5 Kapellen. 30 bayerische MadT. Dienstag, den 13. Februar 101%: »•.. Prämiiert wird: Die stärkste MäflneM. J. Der Umfang wird gemessen. 3 bare Geldpreise: 50,—, 30,—, 20 Mark. «M» Anmeldungen bis 10 Uhr abends an der Kasse. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. K�kum' Br. Weyersberg. Sol. Landesmann, Klav., Snoer, Harfe Anfang V/, Uhr. Entree 75 Pf. s SeböDhauser Allee. Telephon: Nord 4100.| Sonntag, den 11. Febr.: arrasam Nachmittags zahlen Kinder auf allen Plätzen, Militärs bis zum Wachtmeister auf allen Sitzplätzen halbe Preise. Galerie 40 Pf., III. Platz 70 Pf., II. Platz 1.20 M., I. Platz 2 M., Parkett j 3 M., Logensitz 4 M. Metropol-Ttieater. .Nachmittag 3 Uhr: Mist Heltzett. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Dia Nacht von Berlin! Große Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Heute zwei grotze Vorstellungen. nachmiltags 3'/,Uhr(halbe Preise) und abends ab 8 Uhr. In beiden Vorstellungen die sensationellen Attraktionen mit Beckers Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger, STen! Ken! Pantoffel-Helden. Burleske v Rcichardt. Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Das kleine Cafd. Köuigstadt-Kasino. Ecke Hol, markt- u. A! exanderstraße Täglich BarielS und Theater. Vom].— 10. Febrnar Riesrnprograinin. In jeder Vorstellung: H i\n dunkler Punkt. H Burleske mit Gciana in 2 Bildern. kolies tapriee. Täglich 8',. Uhr: Losgelassen. VVgffenühung. MandkldlüthS Polterabend. Zirkus A. Seil mii sin ii Sonntag, 11. Febrnar; 3 Uhr nachm. u. abends 7'/, Uhr Ä s In beiden Vorstellungen gleich reichhaltiges Programm. In beiden Vorstell, das neueste, größte, nicht zu Bbertrettende Ausstattungsstück Das Motorpferd. Die große Schlußapotheose. DI» 100 Fuß hohe Fontaine lumineuse. Nachmittags hat jeder Erwachsene ein eigenes Kind unt. 10 Jahren frei auf allen Sitzph Ted. weitere Kind halben Preis. Nachmittags endet die Pantomime mit dem 4. Akt. T beater des Weddings Stffillerstr. 182/83 Ecke Sellerstr., am Weddingplatz. Vom 10.-13. Februar wieder 12 Neuheiten. Huf keine SetiwiegenMtter. Eine Komödie. Das Opier für die Mutter. Dramatisch. Quelle und Geiälle des Cenlomp. Nieder-Alpen. Willi SiS Eisbär. Homoreeke. Weitspiegeibild. Tontolini zwischen 4 Fenem Hochkomisch. Die«UM Aufregende Kämpfe m«inem Tiger. Die Klatsehschvestern. Amerik. Komödi*. Deller der Hertleit. Ein Lebensbild in 2 Abt. «Nur bei uns za sehen; 1 Damen- Boxkampf um die VeKmeistersehaft ausgefochten von 8 Hamen. Www www. I Das Theater ist zu erreichen mit der Stadtbahn(Station Weddingplate), Kraftomnibus: 2, 4, 4A und 4B, Straßenbahn: 3, 5, 8, 23, 24, 25, 26, 28, 29. 32, 34, 43, 68 und Städtische 5. flT Nißles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Sonntag: CanzkränzcßcD 27526 o. UTlßle. dermania-prachtsäle N., Chausseestr. 110. Karl Richter Jedea Sonn tag Paul Manttieys, _lDstigeSängep1 Anf. ev, Uhr. Eintritt 50 Pf. J Anschließ.: Familienkrönzchen. J Im weißen Saale von 5 Uhr ab| SOT Großer I Montag: Heilerer KOnstlerabend.> Alhambra Lallner-THeaierftraße 15. Großer Ball Große» Orchester. Ansang Sonntag» 5 Uhr. A. Zumeitat. Für de» Inhalt der Jnierare üverni.nmi die Revaktion dem Pnditkum gegenüber teiuerlet Verantwortung. Markgrafen-Säle 34, Ilarksrafen-Dainm 34. == Sin dcr istvalauer Allee.- Im Restaurant täglich mnsikalische Unterhaltung. Vorzügliche Küche, ft.Bierc u. Wcme, Billard».Kegelbahn Konkordia-Festsäle. Jnh.: M. Wendt und A. Schütze. Andrcasstr. 64. Jeden Sonntag: Militär-Streieli- Konzert und die beliebte» Hotans Sänger, Direvion Fr. Fanther. Jede Woche neues Programm.— Heute: EiaMusterbursche. Lustspiel in 1 Alt. Slnsang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 1 Uhr. Im oberen Saale von Z Uhr an: Großer Ball. ?aul petris Testsäle, XcukUlin. Knesebeckstraße 113. Sonntag, den 11. Februar: Kr. KoeM-M- llvll MM. Ue?e«W»7en. Um 11 Uhr Prämiierung d. kleinsten Damcnfutzes und des kleinsten Herren- suges. Tanzleitung: M'. Schellin. Ansang 5 Uhr. Entree ÄO Pfennige InlL Garderobe.* Wein grober Saal mit Bühne ist für Sonnabend, 23. März, zu vergeben. tfohenstanfen-Säle KottbuHcr Damm 76. Jeden Sonntag 7 Uhr: sZrslle hnmoi-lst. Soiree der beliebten Leipziger Sänger. Neues Schlager-Programm I Einirilt 50 Pf. Nachdem: Tanz. Cafe Meyer Dresdener Str. 128/129. Kaffee 1 0 u. 1 5, Bier, hell. u. dunk. 1 0 Pf. ca. 50 Zeitungen; Billard std. 40 Ps Zahlstelle der Freien Volksbühne. Burgtbeater-Kino und facfcälo ScbOnhanser reSlditlC, Allee 120 Säle für Hochzeiten u. Vereins- vergnügen. 4 hocheleg. Kegel- bahnen. Hndolf Merz. (tfoße 7irma Teppiche, Gardinen, Stores, Steppdecken, Portieren auf Teilzahlung ohneAnzahlung. Keine Kassierer. Cbifsrc L. 100, ,Vor> wärtß'-Spedition, Auguststr. 50.' Ardeitsr-Nläungssekule. Sonntax, den 11. Februar, abends 7 Uhr, im KOnigstadt-Kasino, Holzmarktstraße 72: Torirag des Geh. M öler inarie oder Repott. Eintritt 20 Pf. Garderobe frei. Nach dem Vortrage: Gemütliches Beisammensein and Tanz. Nene nnenfgelfliche Anfängerknrse In der leicht rn erlernenden Koliertgehen Stenographie beginnen: lIontagB abends S'/s Uhr in der Bockbrauerei, Berlin N., Chausseestr. 64, nahe Liesenstraße, Dienstags abends BVj Uhr im Berliner Klubhaus, SO., Ohmstr. 2, nahe Köpenicker Straße. Donnerstags abends 8'/» Uhr im Eiysium, Berlin 0., Landsberger Allee 40, nahe Petersburger Straße. Donnerstags abends 8'/, Uhr Berlin N., Drontheimer Straße 4, bei Fritsch. Freitags abends 8'/, Uhr in den Armlnlushallen, Moabit, Bremer Str. 72/73, nahe Turmstraße. Freitags abends 8 Uhr, Berlin N., Hussitenstr. 41, bei Ferd. Palm. Die Lehrmittel kosten 2.50 M., für Jugendliche nur 2 M. Der Kursus dauert 10 Stunden.— Anmeldungen erfolgen am besten in den einzelnen Lokalen zu Beginn des Unterrichts. WeitereÄuskunft erteilt Bich. Wolf, Pankow, Nordbahnsfr.S Vierter Wahlkreis _(Qörlitzer Viertel). Am Sonntag, den 11. Februar 1912, abends 5 Uhr, im Lokale von Grauma nn, Naunynstr. 27: Oeff entliehe Versammlung. Tagesordnung: 212/20* 1. Vortrag des Landtagsabgeordneten«luHan Borchardt über: „Was haben wir vom neuen Reichstag zu erwarten?" 2. Diskussion. Nachdem: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. _ Die Vicrtelsleittmg. Gemeiusamt Ortskranken- für Nowllwts und Die in der Generalversammlung vom 6. November v. I. beschlossene Statutenänderung(§ 45 Abs. 2) ist vom Bezirksausschuß genehmigt worden und tritt mit dem heutigen Tage in Kraft. Druckexemvlare find im Kassenlokal erhältlich. NowaweS, den 11. Februar 1312. 270/20 Der Vorstand. Vi. Kerstan, Vorsitzender. ZSekerei-l;eno88en8edsst Lerlin. Eingetragene Genossenschaft mit be- schränkler Haftv sticht. Glogaucr Straße 28. Sonntag, den 18. Februar 1912, mittags 2 Uhr, im Rcstaur. Krone, Licgnitzcr Str. 18: keversl-VersBmmIllvg. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht und Bericht des Aossichtsrates. 2. Bcschlußsasfung über die Bilanz. 3. Neuwahl sür die ausscheidenden Vorstands- und Aus- sichtsratsmitglieder. 4. Verschiedenes. Dsr Vorstand. 102/15 Richard Linder. Ludwig Ertl. Verwaltung Berlin. passive Candhäuser von 5000, 00 Mk. an, Gbernehme Hypothekenregnlierung. VertreterbesnchjSkizzen kostenlos. «x.i— Prenzlauer Allee 90 Siein, VII. 6672. „Märkischer Hof", Admiralstraße I8c. Empsehle meine Säle: Sonnabende März, April zu Festlichkeiten, Hochzeiten, Versammlungen.* — Jeden Sonntag: Tanz. Bocktrnbel und Jabel. K. Graumanns Testsäle Tlieaterbuhue. KäUNyNStr. 27. 3 Kegelbahnen. [,fgir Sonnabend, der 2. Alärz er., ist frei geworden.*99 ]flaschinenarR>eiter. Montag, den 12. Februar 1912, abends 8 Uhr, in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21: Kranchen-Uersammlung. Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht der Kommission vom Jahre 1911. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. Ü. Wahl eines Obmannes. 4. Branchenangelegenheiten.. Die Branchenkommisfion. Sonntag, den 11. Februar, vormittags 9'/z Uhr, finden die Keiirks- Uersammlungen in folgenden Lokalen statt: 78/15 1. Bezirk: Merkowski, Andreasstraße 26. 2.„ Gliesche, Kopenhagener Straße 74. 3.„ Lausch, Bredowstratze 21. 4.„ Schenk, Neukölln, Rosenstraße 24. 5.„ Wiemers, Bülowstraße 58. 7. ff Thunack, Charlottenbnra, Wielandstr. 4. 8. ff Melzer, Wiesenstraße 29. Die Kollegen des 6. Bezirks gehen nach der Andreas- strafte 20._ Die Bromhenkommission. ZenMraiiUB der Hairer, Gipser, Müder ein Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 18. Februar, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause: Mitglieder-Vers ammlnng Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 4. Quartal ISll und Jahresbericht. 2. Wahl des ersten Kassierers, zweiten Bevollmächtigten, zweiten SchriftsührerS und zweier Revisoren. 3. Kassenangelegenheiten. 1�/3 Die Ortsverwaltnng. Allgemeine Ortskrankenkasse für Neukölln. Bekanntmachung. Wir setzen die beteiligten Arbeitgeber sowie die Kassenmitglleder hier- durch in Kenntnis, daß, nachdem durch Allerhöchsten Erlaß vom 27. Januar 1912 der Name der Stadlgemeinde Rixdors In.Neukölln' umgewandelt worden ist, das Kassenstatut der Allgemeinen Ortsfranlenlasse hierdurch in .Neukölln« berichtigt wird. � Neukölln, den 9. Februar 1912. 271/1 Der Kassenvorstand. gez. Fiedler, Vorsitzender. gez. Walter, Schriftführer. „Frisch auf" zum Frühjahr empfehlest wir allen Radfahrern unsere prima Patent-Kapselgeiriebe(Deutsches Reichspatent 100 596). Lauf und sind unverwüstlich im Fahren. Außerdem offerieren wir prima Pneumatiks und Fahrradteile vorzüglicher Qualität zu billigsten Preisen. Neue Modelle für Saalmaschinen. Lenkstange wie Sattel sind während des Fahrens leicht herauszunehmen. Dieselben können auch für Kunstfahrer empfohlen werden.„Frisch auf-Nähmaschinen sind anerkannt beste Marke. Um zu räumen, haben wir einen „Frisch auf'-Fahrräder mit dem ausziehbaren„Frisch auf"- Dieselben haben einen eleganten Bau, spielend leichten sowie alle Radfahrer-Bekleidungsgegenstände in Sozialisten! Achtung*! Änarehislen! Oeffentliche NolksottsnmliW a« Montag, den 12. Februar, abends 9 Uhr, in Franke? Festsilen, Gesundbrunnen, Badstraße 19. Tagesordnung: f Was lehre« uns die iieichstagsuiahlen. BertiI«wo*hn. - 2. Freie Aussprache.—— Zahlreiches Erscheinen erwartet 4.«s«- and Dlskntlepklnb„Worden**. 2873b I. St.: Richard Jacinsky, N. 3t, Hussitenstraß« 88. Arbeitsnachweis; H°s 1 Amt Norden, Nr. 1239. Iferwaltungsstelie Berlin GharitHstraste 3. Hauptbureau: tz°s in. Amt Norden, Nr. 1987. Die nächste ordentliche General-Versammlung findet am Sonntag, den 24, März, statt. Die Ortsverwaltang. Montag, den 12. Februar 1912, abends 8'/, Uhr: 6 öffentliche tr- „Arminhallen", Kommandanten- straße 57/58. Graumann, Naunynstr. 27. Sirgel, Gr. Frankfurter Str. 30. in folgenden Lokalen: „Brunnensäle", Brunnenstr. 15. „ArtuShof", Perleberger Str. 2(5. Charlottcnburg,„ST Rosinenstr. 3. Ausverkauf arrangiert und werden dieselben, solange Vorrat reicht, zu 33'/, Prozent in Ledersandalen und Segeltuchschuhen unter Katalogpreis verkauft. SV Man beachte unsere Schaufenster am hiesigen Platze Brannenslraße 35 und Kottbnser Straße 9. Tagesordnung: Sttnungnahuit im Fohnbkuikgimg � HtMNMßbranche. Referenten: Kollegen BUrkel, Fanstmann, Knnssc, Sabath, Sttthmer, Weicker. 1 Freie Aussprache. Die Gefchästszufammcnkünste fallen dicferhaib am 12. Februar au?. Kollegen! Sorgt für Massenbefuch, damit sich diese Versammlungen zu einer mächtigen Kundgebung gesialle». 162/8 Die Kommission der Herrenmaftbranche. Verband der Lcbneider Filiale Berlin I. Achtung! Achtung! Am Montag, den 12. Februar, abends 8'/, Uhr, in den Königssälen,?Ecue Königstr. 26(Eingang Wabzeckstr.): Versammlung sämtlicher bei ZVischenmrijitrn licschästigt. Kollegen u. Kolleginvev. Tagesordnung: 1. Der 7tand unserer«ewegung und unsere weitere Stellung. nähme. Sicfcrent: Kollege Krienke.— 2. Der Arbeitsnachweis. _ L Kollegen und Kolleginnen s Wollt Ihr Lber den Gang der Dinge untcrrichict sein, so erscheint in Massen in dieser Versammlung. Eine Eutschuldigung gibt es nicht.'VV Folgende Zwischenmeister Berlins haben de« Tarifvertrag anerkannt: P. Baltist. Joachimstr. 15 Birken, Ehorinerstr. 73. Breßler, Hirtenstr. 21, Portal 6 Braiv, Metzer Str. 29 Beitsch, Liiiienitr. 47, Seitenfl. II Bier, Neue Königstr. 23, II. Quergeb. Danncnbaum, Hirlcnstr. 20, H Fartas, Höchstcstr. 26 rlscher, Zionsfirchstr. 33 lischcr, Ehorinerstr. 16 Fclschcr, Lottumstr. 9 sranfenstein. Jablonsfistr. 7 Sottehrcr, Linicnslr. 244 Grzyb, Hirtenstr. 21 Guthermaun, Wörthcr Str. 14 Hirsch. Hirtenstr. Ll, Porlal 5 Hirsch. Neue Königstr. 6. Quergeb. I FahrracUflaus«Frisch auf" Offenbach am Main. 102/19» Kloppholz, Choriner Str. 66, vorn I Liemann, Linienstr. 244 Lachmann, Hirtenstr. 20, vom I Leibu, Grenadicrstr. 17 Losser, Linienstr. 217 Lippcr, Choriner Str. 6 Manasse, S., Prenzlauer Str.<8 Motteck, Straßburgcr Str. 24 Manasse, Jafob, Keibelstr. 3, v. pari. Micke. Wilhelm. Keibelstr. 6 Myslowitz, Jablonslistr. 8, Portal I Neugeboren, Lothringerstr. 16 Pfennig, Bartelstr. 8a Politzer. Hirtenstr.. 20 Rcichenthal. Straßburger Str. 37 Silberstein, Palisadcnstr. 11 Spitz, Prenzlauer Str. 37, II Sawadi, Hirtenstr. 21 Schuldenirci, Mendclssohnstr. 9, Asg. 3 Meiner, Gollnowstr. 44, Quergeb. IV Wasserlaus, Mcyerbeerstr. 7, vom IV Bahrt, Weinstr. 28. Zimmermann, Mendclssohnstr. 13 ucker, Saarbrückcr Sir. 7 virsch, Mendelsiohiistr. 12 Kirsch, Georgenkirchstr. 14' erzbcrg, Choriner Sir. 55 Hackbarlh, Keibelstr. 7/8 Joseph, M.. Barnimstr. 11. II Joseph. H., Gollnowstr. 13 Jafobowitz, Linienstr. 214 Kallmann, Neue Königstr. 30. Kleinmann, Straßburgcr Str. 24, II Alle übrigen Zwischenmeister haben den Taris bisher nicht bewilligt. Gesperrt ist die Werkstatt: Frank ensteln Saardrücker Str. 30, vorn 3 Treppe«. 182/9 Die Kommission der Stapeltonsektion. jydowcr, Georgenkirchstr. 66 _» - mtmm* -)■■---L'�;■ ■ M Ein modernes Märchen. Es war«inmal eine arme Waise, die schon in Irühester lugend Vater und Mutter verloren hatte. Ihre einzige Zuflucht war eine alte, geizige Frau, bei der sie von Irüh bis spät schwere Hausarbeil verrichten mußte, um ihr bischen Brot zu erwerben. Eines Hbends, als sie gerade etwas früher wie sonst fertig war und schon hoffte, zeitiger ins Bett zu kommen, wurde ihr aulgetragen, noch einen großen Kessel sehr schmutziger Wasche bis zum nächsten Morgen lerlig zu waschen, anderenfalls sie mit Schimpf und Schande aus dem Hause gejagt würde. Willig machte sich das Mädchen an die Rrbeit! Rber kaum hatte sie die nötigen Vorbereitungen zum Waschen getroffen, überwältigte sie die Müdigkeit, sie sank auf einen Schemel und schlief ein. Da erschien ihr im Traum eine gütige Fee: diese sprach:.Fürchte Dich nicht und schlafe ruhig; ich bin die Fee.Persila* und werde Dir hellen. Wenn Du aulwachest, wird die Wäsche fertig gewaschen sein." Bei diesen Worten entleerte sie eine kleine Schachtel weißen Pulvers in den Waschkessel, tat die Wäsche hinein und kochte sie unter mehrmaligem Umrühren. Dann entschwand sie. Als das brave Mädchen nun erwachte und die Wäsche aus dem Kessel nahrp. sah sie mit Erstaunen, daß jedes Stück blütenweiß geworden und aller Schmutz wie lortge- llogen war. Da erinnerte sie sich ihres Traumes und sie pries die gütige Fee, die ihr so wundersam geholfen. Von nun an aber hatte sie es in ihrem Dienst stets gut, denn wenn sie wieder waschen mußte, gebrauchte sie fortan das Zaubermittel, dessen Namen sie später auf der Schachtel, welche die Fee auf dem Boden liegen gelassen hatte, entdeckte. Dieser aber lautete "■ das selbstfäfige Wasch mittel Ein Zaubermittel nennen es entzückt die Hausfrauen und mit Recht, denn schier unbegreiflich erscheint ihnen die wunderbare Wirkung von Pcrsil. Fast unzählig sind seine Vorzüge' en Wäschestücke— vöw schonende Behandlun] Stickereien etc.— Wesenl ig atii er che Verkürzung der Waschzeit— erhebliche Ersparnis an Waschmaterial, Feuerungskosten, Waschlobn usw. und bedeutende Verringerung der Arbeitsleistung. Aber auch für Kinder- und Krankenwäsche gibt es nichts besseres, als Persil, da es stark desinfizierend wirkt, Krankheitskeime tötet und alle scharfen Gerüche beseitigt Dabei ist Persil garantiert unschädlich. Kein Wunder, daß die Verwendung von Persil immer mehr zunimmt, sehen doch die Hausfrauen sehr schnell ein, wieviel sie dabei gewinnen.- Erhältlich nur in Original-Paketen, niemals lose. HENKEL.& CO., DÜSSELDORF. Allmnig« Fabrikanten auch dar allbeliebtan njj m kels Bleith-Soda. Verkaufsstellen durch Plakate kenntlich* rnbrlk-NlederUfe für Berlin und Vororte: Job. Scbmnlor, Berlin N. 4, TleckstruBc 11. MSSSMOAMAar Redatteur: Ulbert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil dzrantw.: TH. Sil, cke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt»«uchdruckeret u.«ertagHanftalt Paul Singer»«», dKüsTC""" nt. 35.-s.zchtM,. 3. Aeüllgt!lts JoriDirto" Dtlüiltl PolteMiitt. s-«°i.s.ll.i.dmtw!Z. Riterarifcbc Rundfcbau. Dr. Anton Acht, Der moderne französische Syndikalismus.(Drittes Heft des neunten Bandes der„Abhandlungen des staats- wissenschaftlichen Seminars zu Jena", herausgegeben von Prof. Dr. Pierstorff.) Jena» Gustav Fischer, 1311. VII u. 185 S. Preis 4.80 M. Der revolutionäre Syndikalismus erfährt jetzt eigentümliche Schicksale. In seinem Heimatland Frankreich macht er eine schwere Krise durch. Unter seinen literarischen Wortführern herrscht Spaltung, zwei seiner bekanntesten literarischen Vertreter, Sorel und Verth, sind mit fliegenden Fahnen in das monarchistische Lager übergegangen. Doch das würde an sich noch wenig bedeuten; denn der Syndikalismus ist nicht, wie Sombart glaubt, die Erfin- dung einiger dekadenter Literaten, sondern er ist in den Wirtschaft- lichen, sozialen, politischen und geistigen Verhältnissen Frankreichs tief begründet. Aber jene theoretischen Streitigkeiten sind nur ein besonders auffallender Ausdruck des inneren Zwiespalts, der sich in der Bewegung geltend macht. Ter reformistische Syndikalismus erstarkt immer mehr und macht seinem revolutionären Bruder die Herrschaft streitig, und zugleich wird es immer deutlicher, das; sich die„revolutionäre Akrobatik", wie sie von den Führern des Zentralverbandes(Lonkeckeration Lenersle du Travail) propagiert und gepflegt wurde, bereits überlebt hat, dast man mit leeren Kasten trotz aller revolutionären Gebärden keine großen Lohnkämpfe durchführen kann, daß es dem revolutionären Geist nicht sehr förderlich ist. wenn Wohl und Wehe aller gewerkschaft- lichen Einrichtungen von der Gnade bürgerlicher Stadtverwal- tungen abhängt, die Subventionen gewähren oder verweigern, daß große gewerkschaftliche Organisationen einen besoldeten Beamten- körper brauchen, daß große Worte allein auf Unternchmerverbände keinen Eindruck machen, daß wirtschaftliche Kämpfe nicht durch Stroßenkrawalle entschieden werden können. Während aber der revolutionäre Syndikalismus so in seiner Heimat um sein Leben kämpfen muß, erweckt es zugleich den An- schein, als ob er die Welt erobern wollte. Nach Italien war er schon lange übergesprungen; in Deutschland hatte der Versuch der „Lokalisten" allerdings nicht viel Erfolg aufzuweisen, aber gerade in allerletzter Zeit, in der der Jahrzehnte dauernde Stillstand des politischen Lebens der Welt gebrochen zu sein scheint, erstarkt der revolutionäre Syndikalismus in Amerika, in Australien, neuestens auch in Oesterreich und in England. Tom Mann, der einst viel gefeierte Führer im berühmten Dockerstreik des Jahres 1889. gibt von Australien nach England zurückgekehrt, seit Oktober 1910 ein Neues Blatt heraus, den„Jndustrial Syndicalist", in>dem er mit begeisterten Worten das Vorgehen der französischen Syndikalisten preist, und es ist bekannt, welch große Rolle diese syndikalistischen Gedankengänge in den letzten gewaltigen Lohnkämpfen Englands gespielt haben. Fordert schon diese eigenartige Erscheinung, der mit der inneren Krise gleichzeitige Sieg im Auslande, unser Interesse her aus, so wird dieses auch noch durch eine Reihe anderer Momente V gefesselt. Die Lehre des Syndikalismus ist heute die einzige Jdeo- �.logie neben dem Marxismus, hie große Massen des klassen- vchewußten Proletariats beherrscht; sie behauptet, die wahre Fort- setzerin des Marxismus zu sein und seine Ueberwindung darzu- stellen. Die syndikalistische Bewegung beansprucht die einzig rich- tige, zukunftssichere Gewerkschaftstaktik zu besitzen, im Gegensatz zu den veralteten, rückständigen Methoden der englischen und beut- schen Arbeiter. Bisher existierte über den französischen Syndikalismus kein zusammenfassendes Werk in deutscher Sprache. Wohl wurden ein- zelne Fragen in Artikeln der„Reuen Zeit" und des„.Kampf", aus- führlicher auch im„Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik" behandelt; diese Abhandlungen geben aber doch kein geschlossenes Bild, und auch das dem Syndikalismus gewidmete Kapitel in Sombarts„Sozialismus und soziale Bewegung"(6. Aufl. Jena. 1908), ebenso feuilletonistisch-schöngeistig geschrieben und oberfläch- lich wie das übrige Buch, füllt diese Lücke nicht aus. Auch Diehl widmet in seinem Buch„Ueber Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus"(Jena, 1911) dem Syndikalismus nur wenige Seiten. In französischer und italienischer Sprache gibt es aller- dings bereits eine reiche Literatur über den Syndikalismus, und sie zählt auch einige gute Werke; aber auch die Uebersetzung der besten unter ihnen wäre noch kein Ersatz für ein deutsches Buch. Der Syndikalismus kann nur verstanden und gewürdigt werden auf Grund der Kenntnis der Geschichte der Jndustrieverhältnisse. der Gewerkschaftsbewegung und der politischen Vergangenheit und Gegenwart seines Landes. Die staatssozialistischen Theorien Frankreichs haben negativ, die anarchistischen positiv auf ihn ein- gewirkt: er hat den Marxschen Gedanken des Klassenkampfes mit Bakunins Revolutionsromantik, mit Proudhons kleinbürgerlichem Individualismus und modernen Modephilosophien unter einen Hut zu bringen gesucht. Er vereinigt in sich die Abwendung von aller Politik, wie sie die ältere Richtung der englischen Gewerk- schaftSbewegung propagierte, mit dem revolutionären Schwung und dem unbegrenzten Glauben an die moralische Macht revolutionärer Minderheiten, wie sie den Blanquisten Frankreichs eigneten, jenen politischen Verschwörern, für welche gerade der politische Gewalt- streich das Entscheidende war. Ein Werk, das alle diese Zusammen- hänge darstellte, gibt es bisher überhaupt nicht. Gerade für den deutschen Leser, der mit der Geschichte Frankreichs und seinen Wirt- schaftlichen, sozialen und politischen Verhältnissen nicht vertraut ist, wäre aber eine solche Darstellung um so notwendiger. Man durfte daher dem unter der Patronanz-des Professor Pierstorff erscheinenden Werk Dr. Achts mit frohen Erwartungen entgegensehen. Leider sind sie bitter enttäuscht worden. Alle die höchst interessanten Probleme, die uns der heutige Syndikalismus stellt, existieren für den Verfasser gar nicht. Er verzichtet überhaupt von vornherein völlig darauf, uns diese Be- wegung historisch und psychologisch begreiflich zu machen. Er will uns lediglich eine möglichst objektive Darstellung und Kritik des modernen französischen Syndikalismus geben, wie er heute auf- tritt und wie ihm seine berufensten Wortführer Ausdruck der- leihen. Nun wäre gewiß auch das ein verdienstliches Werk, zum min- besten könnte es eine brauchbare Borarbeit zu einer umfassenderen Tarstellung und zur Information dienlich sein. Sehen wir zu, ob Dr. Achts Buch auch nur diesen Anforderungen entspricht. In der Anordnung des Stoffes schließt sich Acht eng dem Büchlein von Fclicicn Challahe,„L�ndiealiame revolutionnaire et Syndicalisrne rdformiste", Paris 1909, an. Nach einer kurzen Einleitung über den jetzigen Stand des Syndikalismus führt er die Theorie des revolutionären Flügels des Syndikalismus vor, daran schließt sich deren Kritik, und dann folgt die Schilderung des reformistischen Syndikalismus, der einer besonderen Kritik offenbar nicht bedarf. Die von Acht geübte Kritik des revolutionären Syndikalismus sucht ihn nicht historisch zu begreifen, sie untersucht auch nicht, worin sich seine Auffassung und Taktik etwa von der des theoretischen Marxismus oder der deutschen oder englischen Gewerkschaften unterscheidet, sondern er legt einfach den Maßstab seiner bürgier- lichen Weisheit an und teilt dann Noten aus wie an Schuljungen. Nun tut allerdings Ehallaye auch nichts anderes, und gerade hierin zeigt sich seine bürgerliche Beschränktheit; aber Dr. Acht geht gerade hier über sein Vorbild weit hinaus und bietet die schönsten Proben eines Gcnnschs von kindlicher Einfalt und korpsburschenhafter Schnodderigkeit. „In der bekannten Art und Weise", heißt eS z. B. S. 119, „wird lediglich die materielle Arbeit als Produktionsfaktor an- gesehen und der Unternehmergewinn als unrechtes Gut betrachtet. „Ausbeutung des Menschen durch den Menschen" ist das revolutio- näre Schlagwort, das die Kurzsichtigkeit seiner Vertreter genügend kennzeichnet." Zehn Seiten später eifert Dr. Acht gegen das Verlangen nach Gewinnbeteiligung(diese Forderung stellen übrigens in Frank reich die Gelben und nicht die Roten, wie Herr Dr. Acht glaubt):„Hat der Arbeiter seine Gewinnbeteiligung erhalten, so genügt ihm das bald nicht; er will auch prüfen, ob die Berechnung richtig ist und verlangt Einsicht in die Buchführung, obschon er nichts davon versteht und diese interne Angelegenheit ihn absolut nichts angeht." Nach diesen eindringlichen Untersuchungen, die sich, wie man nach dem Titel des Büches und nach den Kapitelüberschriften glauben sollte, gegen die Theorie des Syndikalismus rich- ten, darf daher der Verfasser mit ruhigem Selbstgefühl schließen: „So erkennen wir unmer klarer, wohin die Arbeiterwelt getrieben wird durch die Theorien des wissenschaftlichen Sozialismus." Eine ungefähre Ahnung, daß diese beide« Begrifft, Syndikalis- muS und wissenschaftlicher Sozialismus, nicht ganz identisch sind, scheint Dr. Acht aber doch zu haben. Freilich sind seine Vor- stellungen darüber etwas— eigentümlich. So sagt er(S. 90) wörtlich:„Mit dem Anti-Militarismus tritt der Syndikalismus in Gegensatz zu den sozialistischen Theorien, die eine Eroberung der öffentlichen Gewalt anstreben." Herr Dr. Acht scheint also an- zunehmen, daß die deutschen Marxisten sich einmal an die Spitze der Armee stellen und mit ihr„die öffentliche Gewalt erobern" wollen. Aehnlich tiefgehend wie des Autors Verständnis für den Sozia- lismus sind auch seine Erkenntnisse auf gewerkschaftlichem Gebiet. Unsere Bauarbeiter werden sich gewiß freuen, wenn sie von Dr. Acht erfahren(S. 129):„Beim Baugewerbe ist wohl am leichtesten eine Lohnstcigerung durchzusetzen, da keine Konkurrenz von außen her besteht und alle Menschen wohnen müssen." Nun könnte man vielleicht noch immer meine«, daß wenig- stens die objektive Wiedergabe der Tatsachen im Buche Achts von Wert sein könnte, besonders da der Autor verspricht(S. 70), die beiden Richtungen des Syndikalismus nach den Aeußerungen ihrer eigenen Vertreter zu schildern. Mit der Genauigkeit steht Herr Dr. Acht offensichtlich nicht auf dem besten Fuß. Daß er Professor Grünberg konsequent Grüne- berger nennt, mag noch hingehen. Bedenklcher ist schon, baß er lS. 33) Millerand, Viviani und JaureS als Führer der politischen Partei der Gucsdisten auftreten läßt. Da könnte man noch weit eher etwa die Genossen Vollmar, David und Bernstein als Ver- treter des Radikalismus in der deutschen Partei bezeichnen. Aber auch das verschwindet gegen die Leistung, die Herr Dr. Acht auf S. 22 seines Buchs zustande bringt. Es heißt dort:„Einen voll- ständigen Umschwung brachte das Jahr 1848. Die provisorische Regierung gestand den Arbeitern die Erlaubnis zu, s i ch z u v e r- sammeln, um den Arbeitsgewinn aufzuteilen." Was kann wohl dieser dunklen Rede Sinn sein? Am 2b. Februar 1848 verkündete die eben eingesetzte provisorische Regierung:„Die Regierung der französischen Republik verpflichtet sich, die Existenz der Arbeiter durch die Arbeit zu verbürgen. Sie macht sich an- hcischig, allen Staatsbürgern Beschäftigung zu gewährleisten. Sie erkennt an, daß sich die Arbeiter assoziieren müssen, um den gebührenden Ertrag ihrer Ar- beit zu erhalten." Diesen letzten Satz, der die Aufhebung des Koalitionsverbots ausspricht und der, Wort für Wort übersetzt, heißt:„Sie erkennt an, daß sich die Arbeiter assoziieren müssen, um den Ertrag ihrer Arbeit zu genießen", hat Herr Dr. Acht in so sinnreicher Weise übersetzt. Aber selbst das ist noch nicht das schlimmste, waS dieser„For- scher" geleistet hat. Auf S. 82 seines Buches liest man mit Staunen von„Arbeiterheimen, die durch Beiträge der Unternehmer und der Arbeiter fundiert werden sollten", deren Gründung aber von den Syndikalisten bekämpft wurde. Was mögen das für merkwürdige „Arbeiterheime" sein? Nach der Lektüre von 81 Seiten des Buches ist man schon ziemlich orientiert, wie man Herrn Dr. Achts Kennt- nisse der französischen Sprache und Verhältnisse zu werten hat, und so kommt man auf den erlösenden Gedanken, daß diese Ar- bciterheime nichts anderes sind als— die Altersversicherung. Diese heißt nämlich in französischer Sprache„Ketraite Ouvriere". Nun sah Herr Dr. Acht, der Historiker der französischen Arbeiterbewe- gung, der offenbar von all den Kämpfen, die sich an das Gesetz über die Altersversicherung der Arbeiter vom 5. April 1910 knüpften, nie etwas gehört hat, im Wörterbuch nach und fand dort für retraite u. a. als Uebersetzung angegeben„Zufluchtsort".„Aha", dachte er,„Zufluchtsort der Arbeiter, das heißt Arbeitcrheim." Ebenso gut hätte er retraite mit„Abtritt" übersetzen können. Nun ist aber merkwürdig daß Dr. Acht Aeußerungen Pougeis in der„Voix du Peuple" zitiert, die diesen ablehnenden Stand- Punkt der Syndikalisten begründen. Wenn Herr Dr. Acht diesen Artikel gelesen hat, wie konnte er dann noch glauben, es handle sich um Arbeiterheime und nicht um Alterspensionen? Auch dieses Rätsel löst sich recht einfach: Herr Dr. Acht hat eben jenen Artikel Pougets nicht gelesen, sondern er hat einfach die ganze Stelle, ein- schließlich des Zitats, ohne Quellenangabe aus Challahcs Buch— „entlehnt", wo sie sich auf S. 22 findet. Das ist aber nicht die einzige derartige„Entlehnung". Herr Dr. Acht hat das Buch Challayes oft seitenweise einfach in ein allerdings oft fürchterliches Deutsch übersetzt. Die zahlreichen Zitate aus den verschiedensten französischen syndikalistischen Blättern, die Acht beibringt, sind fast durchwegs dem Buch Challayes entnommen. Herr Dr. Acht hat einfach dessen Anmerkungen in den Text übernommen, in der Anmerkung aber den Hinweis auf die betreffenden Blätter stehen gelassen. Doch nicht nur im Plan und Aufbau seiner Darstellung, in der Anführung von Tatsachen und in der Wiedergabe von Beleg- stellen hat Herr Dr. Acht Challahe einfach ausgeschriebein meist ohne ihn zu nennen; selbst sein Urteil über den Syndikalismus und dessen beide Richtungen hat er, allerdings mit einigen oben gc- kennzeichneten Zutaten eigenen Geistes versehen, Challahe„cnt- lehnt" und nur etwas breiter ausgepatscht. Von den vielen bc- zeichnenden Stellen hier nur eine; Challahe, S. 189 fg. Für die Umgestaltung der Gesellschaft, für die Befreiung des Proletariats, reformistische Syndikalis- muS im Bewußtsein der Arbeiter vermischen. Auf der einen Seite die Leiden- schaft, die Kühnheit, ein großartiger Enthusiasmus; auf der andern Seite die Ueberlegung, der gesunde Menschenverstand, eine bc- strickende Klugheit. Diese moralischen Kräfte sind alle zugleich notwendig. Acht, S. 177. Schließlich sei noch bemerkt, daß der Syndikalismus zwar„keine Panacee, son- � dern nur ein Moment der Entwicklung des ist es von Vorteil, daß sich Staates ist", daß er aber die Arbeiter- der revolutionäre und der bewegung in Frankreich mächtig gefördert hat, und daß er einen sozialen Faktor darstellt, der nicht mehr einfachhin aus« zuschalten ist. Seine Gliederung in die beiden Methoden möchte man gerade für einen Vorteil halten, der seinem Bestand und seiner Wirksamkeit Leben und Gedeihen verleiht. Der revolutionäre Syndikalismus imponiert zweifellos der jüngeren Arbeiterwelt mehr durch sein kühnes Auftreten, seine Begeisterung, die sich bis zur Leidenschaftlichkeit steigert. Für den älteren, ruhiger denkenden Ar- beiter wird die„bezaubernde Weisheit" des reformistischen Syndikalismus init seiner besonneneu Ueberlegung und seinem wohlvorbereiteten Handeln von größerer Anziehungskraft fein. So wie hier die klare und präzise Ausdrucksweise des Fran- zoftn in ein plattes und geschmackloses Deutsch übersetzt wird, wobei noch der Unsinn unterläuft, daß die Zugehörigkeit zu einer der beiden Richtungen des Syndikalismus einfach vom Alter des betreffenden Arbeiters abhängt, ebenso verhalten sich die beiden Bücher überhaupt. Hätte Herr Dr. Acht eine brauchbare Ueber- setzung von Challayes zwar etwas hausbackenem, aber sehr gewissen» haftem und brauchbarem Buch geliefert, so hätte er zwar noch lange nicht das erfüllt, was man von einem deutschen Werk über den französischen Syndikalismus erwarten darf und mutz, aber er hätte doch immerhin nützliche Arbeit geleistet. Statt dessen hat er ein„eigenes" Buch fabriziert, das in jeder Hinsicht bollkommen unbrauchbar ist. Dieses Machwerk hätte eine so ausführliche Besprechung nicht verdient, wenn nicht gerade heute die Lücke in der deutschen Litera- tur, das Fehlen eines Buche? über den französischen Syndikalis- mus, besonders schmerzlich empfunden würde, und wenn nicht in- folgedessen die Gefahr bestände, daß mancher Arbeiter oder Redak- teur zu Achts Buch als einer Informationsquelle greift. Zugleich zeigt dieses Buch aber auch, bis zu welchem Niveau heute die Universitätswissenschaft über Fragen dcS Sozialismus und der Arbeiterbewegung in manchen Fällen gesunken ist. Achts Buch ist nicht nur bei einer der besten Verlagsfirmcn erschienen, der Verfasser dankt im Vorwort„Herrn Geheimrat Professor Dr. Pierstorff für die gegebene Anregung und für die Aufnahme der Arbeit in die Abhandlungen des staatswissenschaftlichen Seminars". Dem Herrn Professor kann man zu seinem Schüler und zu dessen Werk nur gratulieren. G. Eckstein. Huö der frauenbewegunef» Gemeiudewahlrecht für Frauen in Oldenburg. Oldenburg, 10. Februar. Im Landtag wurde gestern mit 22 gegen 19 Stimmen ein Antrag angenommen, wonach allen Frauen über 24 Jahre daS passive Gemeinde- Wahlrecht verliehe» wird. Die Regierung verhielt sich dem Antrag gegenüber ablehnend, gegen ihn stimmten daS Zentrum und die Rechte. Lei der Beratung eines Antrages zur Revision der olden- burgischen Gemeindeordnung kam es im Landtag zu einer sehr bewegten Frauen st i mm rechtsdebatte. Der Antragsteller und gleichgesinnte Abgeordnete be- gründeten die Forderung nach Ausdehnung der Staatsbürgerrechte des Mannes auf die Frauen damit, daß das. Frauen st immrccht den Staat vorwärtsbringt, wirtschaftlich und sozial, weil eS ihm alle Kräfte nutzbar macht. Nachdrücklich wurde auch darauf hingewiesen, daß zahlreiche Frauen für die Allgemeinheit schon wertvolle Dienste auf dem Gebiete der Kranken-, Waisen- und Armenpflege leisten. Die Gegengründe der geschworenen Feinde des Frauenstimmrechtes erzielten zeitweise schallende Heiterkeit wegen ihrer Hilflosigkeit. So meinte ein„fürsorglicher" Volksvertreter:„Die Verleihung des Wahlrechtes an die verheirateten Frauen würde zu— Ehescheidungen führen. Es könnte dann vorkommen, daß die Mehrheit des Gemeinderates aus Frauen bestände". Welch ein furchtbares Unglück! Ein besorgter Agrarier sagte:„Die Frau ist viel zu gut für die wüsten Wahlzänkereieu". Diese Zärtlichkeitsanwandlung ist aber eine oberfaule Ausrede dieses Herrn vom Lande, und keineswegs etwa ein ehrlicher Ausdruck seiner Achtung vor der Würde der Frau. Denn derselbe Herr leistete sich auch die abgeschmackte Witzelei:„Der Frau im Hause meinet- wegen drei Stimmen aber außerhalb des- selben kein e." In dieser Aeußerung zeigt sich wieder der echte der- bissene Agrarier, der den Frauen langschäftig zu kommen gc- wohnt ist, wenn sie ihm nicht parieren. Die oldenburgische Regierung ließ ihre frauenstimmrechtsfeindliche Haltung durch zwei Vertreter kund tun, einem von ihnen entschlüpfte die famose Bemerkung:„Oldenburg hat auch nicht die Aufgabe, damit(mit dem Frauenstimmrecht) in Deutschland voranzugehen." Außer den Sozialdemokraten gibt es nur ganz vereinzelte Anhänger des vollen Fraucnwahlrcchts im oldenburgischcn Landtage. Für folgenden Vermutelungsantrag fand sich aber eine geringe Mehrheit(22 gegen 19 Stimmen): „Das passive Wahlrecht zu den Körper- schasten der Gemeinden ist allen im Vollbesitze der bürgerlichen Ehrenrechte befindlichen weiblichen Ge- ni e i n d e a n g e h ö r i g e n zu verleihen, die das 24. Lebens- jähr vollendet, seit drei Jahren der Gemeinde angehört haben, und entweder verheiratet' sind oder als s e l b st ä n d i g steuerpflichtig drei Jahre zu den Gemeindclastcn bei- getragen haben." Obgleich dieses Wahlrecht noch weit entfernt von den Forderungen der Sozialdemokratie ist, so bedeutet es immerhin einen kleinen Fortschritt gegen 1907, wo ein Frauenstimmrcchtsantrag vom oldenburgischen Landtage noch g l att a b g c l c h n t wurde.- -!—-- Ausbeutung werblicher Dienstboten, Um der Dienstbotcimot abzuhelfen, ist der Verein für Haus- wirtschaftliche Frauenbildung in M ü n ch c n auf eine geniale Idee gekommen. Das jetzt so sehr beliebie Schlagwort Jugend- fiirsorge ist das Mittel, mit dem die bürgerlichen Dämchen die schulentlassene weibliche Jugend fernerhin an- werben wollen, um sie auf eine fürsorgliche Art auszubeuten. Zur Heranbildung weiblicher Dienstboten hat der Verein eine Kommission von Damen eingesetzt. Sie nimmt die schulentlassene Jugend vom Lande und aus der Stadt, sofern sie gesund ist, in ihre„Obhut", indem sie ihr Gelegenheit bietet, eine„Lehre" in einem Haushalt durchzumachen. Die Kommission hat die Lehrzeit für Mädchen» die mit 14 Jahren eintreten, auf zwei Jahre, für Mädchen» die mit IS bis 17 Jahren eintreten, auf ein Jahr festgesetzt. Sie behält sich vor, dies« Lehrzeit je nach Be- fähigung za verkürzen oder zu verlängern. Die Vermkttelung dieser„Lehrlinge" erfolgt auf Grund von Lehevcr trägen, die von der Lehrfrau und den Eltern zu unterschreiben sind. Die Lehrverträge sind im„Geiste der Fürsorge, mit. der sich die Kom- Mission der jungen Mädchen annimmt, abgefaht". Sie verpflichten die„Schützlinge" zur Folgsamkeit, Treue, zum Fleiß und zu sitt- lichem Betragen. Nichteinhaltung dieser Verpflichtung zieht die Entlassung der Mädchen aus der Obhut der Kommission nach sich. Auster der gründlichen Unterwerfung in allen häuslichen Ar- beiien, in der Herstellung schnratkhafter und preiswerter Haus- mannskost und in den notwendigen Nadelarbeiten wird voraus- gesetzt, daß dem Lehrmädchen ausreichend« Nahrung, ein den gl- sundheltlichen und sittlichen Ansprüchen entsprechender Schlaf- räum sowie eine Nachtruh« von mindestens 8 Stunden gewährt wird. Di« Lehrfrau hat sich zu verpflichten, dem Mädchen nur solche Arbeit zu übertragin, die seinem Alier und seinen Körper- kräften angemessen sind, auf seine Treue, Wahrhaftigkeit und Sittlichkeit erzieherisch einzuwirken.■•' Di« Eltern haben sich zu verpflichten, nicht selbst in daS Lehr- derhältnis einzugreifen. Die Entscheidung über Zuläfsigkeit der Kündigung vor Ablauf der festgesetzten Lehrzeit behält sich die Kommission vor. Auch den„Lohn" ordnet die Kommission: Mädchen, die mit 14 Jahren eiste Lehrstelle antreten, erhalten im ersten Lehrjahre 7 M., im zweiten Lehrjahre 8 M. pro Monat? Mädchen, welche mit IS Jahren«ine Lehrstell« antreten, erhalten den Lohnsatz des zweiten Lehrjahres, also 8 M. Wie. fürsorglich doch die Herzen der..H«rrschaften' schlagen. Wci löstündiger täglicher ArbeiiSzejt 84 M. Lohn im Jahre, und dazu noch das Recht, die Mädchen zivei Jahre oder noch länger ausbeuten zu dürfen! Und die- Eltern dürfen in das Lehr- Verhältnis- nicht- eingreifen l Wer wollte von den jungen Mädchen noch mehr verlangen? Di- Dlenstbotennot ist beseitigt, wenn die «rbeitereltern so dumm sind, auf diesen Köder hineinzufallen und ; ihre schulentlassenen Kinder fremden Menschen als Sklaven über- lassen. Di« überschlauen Dämchen haben.hier die Rechnung ohne 'die Acbeitmltern ge mächt! Bersammlunge«— Yeranstaltunge». Bernau. Dienstag, den 13. Februar, abend, 8 Uhr, beim Genossen Salzmaim. BaSdorfer Siraste i O« f f- n t l i ch» Frauen- Versammlung. Vortrag der Genossin Regina Fried- l ä n d e r- Berlin. Der Bund für Mutterschutz veranstaltet Dienstag, den 13. Februar, abends 8 Uhr, im WcchitekteNhauZ einen Vortragsabend über: „Für und wider die sexuelle Abstinenz". Als Referenten werden Dr. med. Julian M a r cuse- Parten- lirchen und Dr. med. Heinrich Körber- Berlin g-nannt. Für die Diskussion sind bereit««ine Reihe namhafter Mediziner sowie Mitglieder des Bundes für Mnlterschutz vorgemerkt. Zu dem Vorlrag wird allerdings ein Eintrittsgeld von— 3, 2 und 1 M. erhoben., Leseabende. «r.'fijchterfefbe. Dienstag den 18. Februar, abends pünktlich %t. med. j�mftrey°( 0t6pIa6): �trag de» Herrn Serickts- Leitung. Wk« lang« darf ein Angestellter auf der Toiletie verweilen? Diese hochnotpeinliche Frage spielte«ine nicht Unbedeutende Rolle in einer Verhandlung, die vor der 1. Kammer des Berliner Kaiifmaiinsgerichts stattfand. Klägerin war die Kassiererin Herta F., der von der Beklagten, der Zigarrenfirma F. Hagedorn, das Gehalt für Dezember v. I. vorenthalten wurde, obgleich sie noch den ganzen Monat Dezember in Stellung war. Die. Firma will sich an dem Monatsgehalt von 140 M. für«in angebliches Kassenmanko von 1L00 M.. das durch Verschulden der Kassiererin entstanden sein soll, schadlos halten. Im Einklang mit der Krimi- ualpoliz«!. die eine eingehende Untersuchung anstellte, vermutet die Firma, dast ein Mitangestcllter die Kasse beraubt bat. während die Kassiererin sich entfernte; die Schuld der Klägerin soll aber näch Ansicht der Beklagten darin liegen, dast»rstrre sich öfter unerlaubt von der Kasse fortbegab, Die Klägerin führt« in der Verhandlung aus. dast sie in der ganzen Zeit.ihrer Däkigkcit im Hause der Be- klagten nur einig« Male auf ein bis zwei Stunden die Filiale ver- liest, nicht ohne vorher den ersten Verkäufer mit ihrer Vertretung zu betrauen. Sie mustte indessen auch fast täglich, und zuweilen zweimal täglich, zur Verrichtung eines Bedürfnisses die Kasse ver- lassen. Da die Filiale im Palasthotel-liegt und ihr nur eine Toilette-im Hotel zur Verfügung stand, so war das tmnierhin mit Hin», und Rückweg eine Versäumnis von einer Binttlstunde. Dcm- geMüber meinte der Beklagte, eine Nachkontrolle bei den anderen Angestellten hätte ergeben, daß die Erledigung«Ines Bedürfnisses in S bi« 7 Minuten zu bewerkstelligen sei; das Kontrollbuch legte der Vertreter dem Gerichtshof vor. Der Vorsitzende, Magistrats- rat Techow, hob herbor, daß sich eine„Normalzeit" für Verrichtung eine» Bedürfnisse» schwerlich fixieren lasse, und daß auch schtietzlich wenige Minuten genügen, eisten Raub aus«'»er schlecht bewachten Kasse zu«rniöglichen. SS sei Sache der Firma, de» Kassiererin für die Zeit der Verrichtung der Notdurft eine verantwortliche Ver. ttttung zu stellen. Odgletch es det Vertreter der Firma für unmöglich erklärte, einer Kassiererin eine Vertretung aus dem Hauptgeschäft kommen zu lassen, hut damit die erftere ein Bedürfnis verrichten könne. teilt« käß Beifitzerkollegtuist selbstLerständlich dt« Ansicht des Vor sitzenden. Die Beklagte könne die Klägerin für das Manko nicht haftbar machen und müsse ihr darum das Gehalt zahlen. �--- Vorsicht vor Bauernfängern. Das Mißgeschick eines Provinzlers, der»wn Mi Bauern- fäilgern ausgeplündert worden war, kam in einer Verhandlung zur Sprache, welche die 11. Strafkammer des Landgerichts I beschäf» iigtc. Aus der llnicrsuchungshaft wurde der„Töpfer" Willi Walter vorgcsühri, um sich wegen Betruges im strafschärfenden Rückfalle zu verantworten.— Der in Ostpreußen gebürtige Arbeiter B. hatte zwei Jahre lang in den tvestfäiijchcn GrübeiMzirkeN' gearbeitet und sich dort eine Summe Geldes gespart, mit dem er in feiner Heimat ein Geschäft aufmachen wollte. Zu seinem Unglück geriet er in die Hände des mehrfach wegen Bauernfängerei vorbestraften Angeklagten, der den Trick brauchte, abends nach Spandau zu fahren und dort den um 4 Uhr morgens eintreffende» Arbeiterzug aus Hannover zu besteigen. In dem Zuge machte sich der Ange- klagte unter dem Vorgeben, ebenfalls nach Königsberg zu reisen, mit B. bekannt. In Berlin verschleppte er ihn dann in eine Kaschemme i» der Kleinen Akexanderstraste. Hier kam der Ange- tlagle mit einem„zufällig" anwesenden Mann« ins Gespräch, der ihn schließlich zu einem kleinen Spielchen einlud. Zu seinem Er- staunen sah B., dast sein Begleiter in kurzer Zeit mehrere hundert Mark goivann. Als ihm dieser dann zuflüsterte, er solle nicht dumm sein und ebenfalls sein Glück versuchen, liest sich B. verleiten. mitzuspielen. Als er zu Anfang gewann, wurde er kecker und setzte größere Beträge, bis ihn der Spielteufel völlig in den Krallen hatte. Im Handumdrehen hatte er plötzlich seine gesamten Erspar- nisse verloren, so dast er ohne jegliche Mittel in der Großstadt fest- saß. In seiner Not wandte er sich an einen Schutzmann, der ihn erst darüber aufklärte, dast er Schwindlern in die Hände gefallen sei. Auf dem Polizeipräsidium wurde ihm dann von dem Kriminal- Wachtmeister. Sandtie das Verbrecheralbum vorgelegt, in welchem er den„guten Bekannten aus Königsberg" in der Person des An- geklagten wiedererkannte.— Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die Gemeingcfährlichkeit deS Angeklagten auf 2 Jahre Zuchthaus, 600 M. Geldstrafe und 5 Jahre Ehrverlust. Mittelalterliches aus Bayer», In einer in Aschasfenburg verhandelten Beleidigungsklage kam ein krasses Stück Aberglauben zutage. Die Beklagte war eine Frau, die den Ruf genießt, daß si« Hexen bannen taust und der- gleichen. Zu ihr kam auch einmal eine TaglöhnerSfrau, die siebst ihrem Kinde stärk mit Läusen behaftet war. Die„weise" Frau gab ihr Diktum dahin kund, dast die Läuse„angehext" seien, und zwar durch die eigene Schwiegermutter oer„Behexten",«ine Bahn- bedienstetenfrau. Da die Sache ruchbar wurde, mußt« die Pro- pheti-n vor Gericht, wo sie ihr Läuseverttlgungsrezcpt preisgab: Man müsse drei Läuse mit einem Hammer totschlagen, drei andere Läuse ins Feuer Wilsen und außerdem einen Zettel Mit. den KreuzeSbuchstaben„MKt" am Leibe tragen. Das sind die Früchte der unter zentrumsgeistlicher Acgide stehenden VolkSschulbildung. Mocken-Spielplan der BerUncr Cbeatcr. König!. Opernhaus. Sonntag: Ter aroße König.(Ansang S Uhr) Mcutlag: Lohengrln.(Ansang 7 Uhr) DicNSIcig! Der Rosenkavaller Mllwoch: Der grobe König.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: GlnsonU« Konzert. Freitag: DI« tgaltllre.(Aistang 7 Uhr.) Sonnabend! Der Rosenkavaller Sonntag: Carmen. Montag: Der große König.(An- sang 8 Uhr.) Königs. Schauspielhaus. Sonntag: Mignon. Montag: Götz von Berlichingeii.(Anfang 7 Uht.) DleNSlagk Dt« Schlagbaum. Mltiwoch: tar und Zimnirrmann. Donnerstag: Hamlet.(Ansang 1 Uhr) Freilaa; er Bctller von Syrakns. Sonnabend: Gehörnter Sieqsrled. Siedsrlebs Tod. Sonntag: KricmhlldS Rache. Montag! Die Enlsöhrung aus dem Serall.(Ansang TU Uhr.) Teuischrs Theaier. Gonylaa: Don SarloS. Montag: Faust. L.Teil. (Ansang Kst, Uhr) DienSIag t Romeo und Julia. Mttlvoch.: Hamlet. DotiiieMag:-Wlstk. 1. Test. Fl'elfaq: Nostied»st 6. Julia Sonnabend: Don Earlo«. Sonntag: Romeä UNd Jiillal MoNwg: Ein Sonnnerfiachts- träum.(Ansang?'/, Uhr.) Montag, IS. Februar! im ZirkuS Schümann: Jedermann.- Kamnierspiele. Sonntag und Montag: Eine glöckllche Ehe. Dienstag: Osfizier«. Bom Miiiivoch ab töglich: Eine glockliche Eh«.(Ansang 8 Uhr) Lesstng. Theater. GonniaannchmIItag 3 Uhr: Nora. Abends: Erde. Konitess« Mizzi. Montag: Glaube und Heimat. Dtenslag: Gudrun. Mlilwoch: Das welle Land. Donnerstag! Erde. Komtesse Mizri. Freitag: Die Statten. Sonnabend und Sonntag: Komtesse Mizzi. Anatol. Montag- Gudrun.(Ansang 8 Uhr.) verliner Theater. Sonntagnachmlltag 3 Uhr, Bummelstudenten. Abend« bis Montag: Groß» Rosine».(Ansang 8 Uhr) Mittwoch- und SounaSendnachnstttaa 3 Uhr! Torquato Tasso. vieneS«chausptelhauS. Sonntag: Heillgenwald. Mosttag: k'iat jusüHm Dlensiag! Heiligenwaid. Mittwochnachmmiltag 3 Uhr, Ueber unsere Krast. ll. Teil. Abend«: Fiat justitia. DomierStagnachmiitag S Uhr: PristlMg der Schauspielschule. Abends: Ueber unsere Krast. Freilag: Fiat justitia. Sonnabend und Sonntag! Das gamillenklnd. Montag: undeliimmi.(Ansang 8 Uhr.) Komilche Oper. Sonntagnachmlltag gsUhr: Der Frelschtitz. Abend«: Undine. Montag: Der Vamphr. Dienstag: Ustdine. Mittwoch: Der Freischütz. DönncrSiag: Rigole»». Freilag: Der vamphr Sonnabend und Sonniag: Die Znubersioii. Montag! Der Vampyr.(Ansang 8 Uhk.) Kurfürsten- Lwer. Sonnlagnachmiitag 3 Uhr: Tiesiand. Abends! Der Schinna der Madonna. Montag: Tieslaiid. DieNötag: Die lustigen Weiber von Windsvr. Mittwoch und Donnerßiag: Det Schmuck der Madonna. Freitag: Geschlossen.. Sonnabend: QuoVadis?(Ans. 7'/, Uhv.) Eonntag und Montag: Quo Vftdia?(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sotuitagnachmiltag 3 Uhr: Angele. 1. Klasse. Abends. Miilwoch, Freilag und Soimidg: Und das Licht scheinet in ver Finsternis. Montag, Dienstag, Donnerstag, Sonnabend und tiöchllen Montag: LoitchenS GediiriStag. Gentz und Fanny Eijjlet. HockenjoS. (Ansang 8 Uhr.) ÄeurS Theater. Sonntagnachmlltag 3'/« Uhr: Der fldele Sauer. Casino-Theatee... schinSkq. Abends täglich: Der Kamps umS '' Vietropol-Thcnter. Sonntagnachmittaa 3 Uhr: Miß Helhett. b: Die Stacht von Berlnt.(Ansang 8 Uhr.) , Uhr! Vir heSge Hollew.(Ansc«i 8 Uhr.) Allabendlich: Die Nacht Folirs Capricr. Übung. Losgelassen.(Anfang S'l, Uhr.) Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Allabendliche Mandelblüths Polterabul». Baffen- Wie man Rönner bessert. Der Häüsstcuscl.(Ansang- 8 Uhr.) 'Apollo- Tbeater. Eonntagnachmitlag 3'/, Uhr und abends täglich: Spezialitäten.(Aniang 8 Uhr.) Walhalla. Sonnlagnachmitiag 3'/, Uhr- Die größte Sünde. All- abendlich: Teufel, das hat eingeschlagen!(Ansang 8'/« Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Große Vorstellung. Täglich: Gala-Vorstellung.(Anfang 71/, Uhr.)-~ Ztrkns Schumann. Sonntagnachmitlag 3'/, Uhr: Große Vorstellung. Allabendlich: Gala-Vorstellung.(Ansang TU Uhr.) ZirkuS Sarrasant. Mittwoch-, Sonnabend- und Sonntagnachmittag 3 Uhr i Große Vorstellung. Allabendlich: Gala-Berstellung.(Ansang TU Uhr.) Passage. Theater. SonniagnachmMag 3 Uhr: Spezialitäten. Tag- lich: Spezialitäien.(Ansang 8 Uhr.) Reichsdallen-Theater. Täglich: Stettkner Sang«.(Ansang» Uhr, Sonntags? Uhr.) Könlgstadt-Kasln». Täglich: Carl-Haverlanb-Theater. Intimes Theater, Täglich. o-uium»»--. �-.niuiiy o-(j umt.} Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag- nachmittag 3 Ubr: Spezialitäten. Ilranta- Theater, Taubenstr.«8/43. MS aus weiteres täglich: Der Grohgkockner, Gastein und die Salzburg« Alpen.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. Abend« bi« aus weil eres: Der liebe Äugusstn. W W Schtllrr-Theater v. Sonntagnnchmiltng 3 Uhk: Der Probe- kandidat. sibends! Der Pjmrer von Kirchscld. Montag! Die Wildente. Dienstag: Der kilomelerstesser. Mlitiboch: Der Probebseil. Donnerstag: Der Weg zur Hölle. Freilag: Der Probepieil. Sonnabend: Die Wilden». Sonniag und Montag: Der Probcpseil.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater Charlottendnrg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Sluari. Abend«: Der Probepieil. Montag: Der Kilometersiejser. Dienstag: Emilla Galpttl. Mittwoch: Gräsin Lea. Donnerstag: Der Probevseil. Freitag: Gräsin Lea. Sonnabend: Der Probtpscil. Eonntag und Montag: Grafin Lea.(Ansang 8 Uhr.) Rcsidenz-Thcater. Täglich: AllcS für die Firma. Mnsang 8 Uhr.) Theater in der KöniggräUcr Dtrasie. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Fallissement. Täglich! Die süns Frantiurter.(Ansang 8 Uhr.) Theater de» Weftruv. Somilngimchmlttag 3'/, Uhr: Ein Walzer- iraum. Abend«: Rttststche« Ballett.(Ansang VI, Uhr.) Allabendlich: Wiener Blut.(Ansang 8 Uhr.) Thalta-Thrnter. Aöabcnblich: Polnische Wirlschatt.(Ansang 8 Uhr.) Liistiptelhnno. Sotmtaannchmittag 3 Udr: Da« große Geheimnis. Allabendlich: Die Datmu de« Regiment«.(Ansang 8 Uhr.) Nene« Operetten-Tdrater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Allabendlich: Eva.(Ansang 8 Ubr.) Trianon-Thratcr. Sonnlagnachmitiag 3 Uhr: Francillon. Allabendlich! Das kleine Casö.(Ansang 8 Uhr.) Rose- Tbcater. Sonntaonachmiitaa 3 Uhr: Salon und Kloster. MenbS und Montag: Der Spietteuset. Dlenölag: Des Meeres und der Liebe Wellen. Millivoch: Der Svieiieistel. Donnerstag: Salon Ustd Mosier. Freiing, Sonnabend und Sonntag: Der Spirtleusel. Montag: Salett und Kloster.(Ansang 8 Uhr.) LUlseu-Thcater. Sonntagnachmittag s Uhr: Der Verschwender. Abends: Zopf und Schwert. Montag: Der Verschwender. DlenSlag: Zopf und Schwert. Mittwoch: Der Verschwender. Donnerstag, Sommersvuk. Freilag, Der Verschwender. Sonnabend und Eonntag: Sommerspuk. Montag! Zops und Schwert.(Ansang 8 Uhr.) «ellr-Elllianee-Theaker. Sonniagnachmittag 3'/, Uhr: Von Stufe zu Stufe. AbetidS! Bonaparte und leine Frauen.(Ansang 8 Uhr.) Man- tag: Der Troubadour. Dienstag bis Sonnabend: Bonaparte uns seine Frauen. Sonntag: Wihelm Zell.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Der Trompeter von Sällingeu:(Ansang S'L Uhr.) NeueS Bvlkothcatcr.(Nene Freie Volksbühne.) Söstniagstachmiltag, abends und Msntag I Der zerbrochene Krug. Fritzchcst. Dieustng und Mittwoch: Nathan der Weise. Donnerstag: Der zerbrochene Krug. Fritzchen. Freitag: Leidenschaft. Sonnabend l Der zcrbroche»« Krug. Fritzchen sonnlag: Leidenschaft.(Ansang 8'/, Uhr.) Em aller Melt. Geburtst-kgsfeicr und Kaiserhoch«it MaggiwSrze. Wie alle wahrhast echten Patrioten feierte auch der TvangeliscU BLrsiervrrein zu Hagen i. Weslf.(Bezirk Wehringhausen) seine KaisedgeburtstagSfeier. Die Festrede hielt natürlich ein Dienet des Herrn, Herr Pastor Kah ser, der— nach dem„ikvang. Gemeinde- blatt"— deS HahenzollernhauseS gedachte und zum Schließ selbst- versländlich das unvermeidliche Hoch ausbrachte. DaS alles gehört ja zum guten Ton der bürgerlichen Gesellschaft und verdiente keine besondere Erwähnung. - Aber das Programm dkfer KaisergeburtStagSfcler wurde noch mit einer besonderen Glanznummer„gewürzt". Der Bericht des „Tvang. Gemeindeblattes des Kirchenkreises Hagen' besagt darüber folgendes k Die Maggi-Gefellschaft Berlin hatte einen Lichtbilder- Vortrag übernommen und zeigte in klaren Bildern den Werdegang ihrer Fabrikate. Der Vertreter der Gesellschaft Herr Katzmann gab zu den Bildern recht verständliche Und interessant« Erklärungen. Nachdem die Musikkapelle noch einige Weisen hatte ertönen lassen, waren die Vorbereitungen beendet und eS begann das Pro- bierest derWürze. Dies war wohl eine der beliebtesten Nr. des Prag« am m»; es machte den Sindruck, als ob ein regelrechtes Nbendessen stattfinden sollte; man war erstaunt über diese Darbietungen. Herr Vastor Kayser nahm denn auch ver- anlassung, der Maggi-Gesellschast sowie ihrem Herrn Vertreter im Naniew des Verein» ganz besonder» für dies« Bewirtung zu danken. Also die veltevtest« Nummer des Programms war uicht da» An- hochtit einer hohen Person, sondern daS Probieren der Maggi-Wllrze. DaS hat gewiß den Reiz der Neuheit für sich und eS ist garnicht abzusehen, ob nicht in Zukunft überall der ver- flachung anheimgefallene Feiern auf dieselbe Art ustd Weis« gebührend gehoben werden._ Gevatter Hein im Spielsaal« . Sin tragischer Zwischenfall«eignet« sich am Freitagabend im -Kä f in o von Monte Carlo. Sin au« Budapest zugereist« H«r Klein, der fich Mit seiner Familie tn Mentone zu Besuch anfhielt, huldigte tn einem dn Säle des Spielpalastes dem Tränte et quafafite-SpItl. Er hatte soeben 5000 Fr. auf Rouge g e« wannen, als er sich plötzlich auf seinen Rachbar lehnte und starb. Er wurde aus dem Saal getragen, wo festgestellt wurde, daß er etnem Schlaganfall«legen«st. Der Bor fall verursacht« ewiges Aussehen, dgS jedoch bald vorüber war. WaS ein Alibi ist... Ein lustiges Erlebnis aus einem irischen Gerichtssaal erzählt Mr. William H a r v e y tn einem soeben erschienenen Buch, da» Er- innerungen an Harvey» Tätigkeit in Irland enthält und dabei eine Fülle von Episoden bringt, die von dem Witz und dem Humor des irischen Volke» Zeugnis ablegen. Der irische„Pat", der kleine Mann au? dem Volle, hat fast immer eine ziemlich klare Vorstellung von dem Sinn und dem Wesen eine? Alibis wenn e» ihm auch sibwer fällt, seine Vorstellung sprachlich in«ine Formel zu bringen. Wäh- rend einer Gerichtsverhandlung, die vor einig« Zeit in Belfast staltfand, fragte der Richter einen Zeugen, ob« auch wisse, was «in Alibi zu bedeuten babe. Der biedere Ire antwortete prompt: „Aber ficherlich. Euer Ehrwürden l�„So sagen Sie mir, wa« Sie darunier verstehen," fragt d« Richter. Der gute Pat nimmt all seine Geisteskraft zusammen und sucht nach Worten und sckilteßlich produziert er folgende prächtig« Definitionen eine» Alibis:„Das ist, Euer Ehrwürden, da» ist, wenn ick: nachher beweise, baß ich nicht dort war, wo ich war, als ich ein verbrechen beging, so daß ich die Tat schließlich gar nicht begangen habe.. Gin Gemütsmensch.. /v In einem zu Würzvurg verhandelten Prozeß gegen«inen Cisenbahnsekretär, der sein« nervöse Frau fortgesetzt schwer miß» bandelt hatte, begründete der Rechtsanwalt des Angeklagten seinen Antrag ans Freisprechung damit,„der Man« al« Herr de» Hanse» habe da« Recht, seine Frau, wenn sie nicht Frieden gibt. solange zu prügeln, bis sie ruhig ist."— Hoffentlich ist der Herr Rechtsanwalt nicht verheiratet. Kleine Nottzen. Verhaftung eines Berliner». Die Leipziger den aus dem V i rch o w- Kr a n ken h a usr in sprungenen Handlungsgehilfen Walter Gott schall der sich in Begleilung einer mit ihm aeflückiteten lOsiT gebilfin de« KronkenbailseS unter dem Namen Ri •Ii«ll hat erlitt eitt- festgenommen, StationS- ard Haupt und Frau in Leipziger Gasthäusern eingemietet hat und Kredit- schwinbeleten verübt hat. Die Schwiegermutter erschlagen. Ein Stjährlg« Tagelöhner brachte in München am Freitagabend nach vorausgegangenen Streitigkeiten zwischen seiner Ehefrau, seiner Tochter und seiner 71 Jahre alten Schwiegermutter letzterer mit einem Besenstiel mehrere Hiebe gegen die Schläfe bei, so daß sie bald darauf starb.. Der Täter wurde sofort festgenommen. Neue Pockcnfälle in Licgnitz. Wie die„Schlesische Zeitung» ous Liegnitz meldet, find dort zwei neue Pockenerkranlungen vorgriommen. Di« Bewohner dn Häuser, in denen die Erkrankten wohnten,«beni'v sämtliche Soldaten des Grenadittregiments Nr. 7 sind g« im v f t worden. Im ganzen sind bisher neun Personen erkrankt., Arieit für den Nachricht«. D« 24 jährige Tagelöhner Johann P Z l l m a n n, der mit einem Kameraden im Dezember 1910 im Walde bei Griesheim den Agenten Wilhelm Bittter ermordete «nd ausraubte, ist heute früh im Hofe de» Strafgefängnisses Preungesheim enthauptet worden. Betrtig-r-Ien eines franzSsischen Zahlmeister». Der Leutnant- Zahlmeister g e r l i c o t des S7.«rtiUerteregimentS in T o u l o n ist, mit. Hinterlassung eines Defizits von«wanziatausend rank verschwunden. Ferlkvt soll dg» Geld mit leichtlebigen amen durchgebracht habe». Bettwäsche-Hauswäsclie" Markt 1634 Vderlsltvn aus OrünleldsWSachetuch Nr.2; m. dreireihig Stibchen- Hohlnaht, Or. 160X260 Stück Markt 2434 Kisseftbezüge zu den Oberlaken passend: mit Doppel- knopfschluß, Qröße 83X83, Stück M. Weiße Bettbezüge Obertett I30xJOO\ , ll Oberbett ISOxJOOX \ 2 Kissen 81x83/ Marke n J76 ■4 Sjtjftiit! Harke 30 06B Oaulaa' Daulaa 0 Harke VF Hamdeabiah.. 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Klemmer, Spandau, Schon- ivaldcr Str. 82. Max Rölte, Spandau, Schulz enstr.14. »IDurft, Spandau, Pichclsdorser str.28 Otto Kloose, Spandau, Fcldsir. 5. »Wilh. Klein, Tegel. Berliner Str. 84 »Krüger, Tegel, Berlmer Str. 39 pr. ivtilius, Pankow, Berliner Str. 90. »Alb. Janike, Pankow, Müblenstr. 32 »Hudosch, Pankow, Kaiser-Fricdrich- Straße 74. »Jacobi, Weißensee.verltnerBlleetTg Werner, Weißensee, Sedanstr. 19 I. »Hugo Jürgaö, Weißens«, Heiners« dorser Str. 55. »Zirkel, Rixdors, Jdealpassage 0. S.'toriti, Friedrich» Hägen, Wilhelm- slraße 59. »H. Herzog, Lichtenderg, Blumen- tbalilcaß« 9. »Nischewoff,Lichtenb«g,Gartclstr. 12 »Neuhoff, Reinickendorf-V., Eschborn str. 54. »Beständig, Reinickendors-V., Eich- bornstr. 94. -Adelt, Reinickendorf» O., Kopen- Hagener Str. 1. 13.-Schachmaun» Wlnsstr. 12, horiner Str. 5, Götzer, Mclanchtonstr. 13, t. Max Jacoby, Sirclitzer Str. 52 Part. .._____________ ,...---_------------------....-Albrecht, Ha genauer Str. 2.-Ftebig. Ritlcritr. 55. Förster,' Ob«>Schöncwtide, SiemeuSstr. 20 I. G. Beyer, Palisadenstr. 95. Gärtner, Boxhogen.Rummclsburg, Sonnlagstr. S. Wigand, Lychen« Str. 13. Blaurock, Helnersdorser Str. 15.— Außerdem sämtliche Verkaufsstellen der GrofteinkaufSgeseNschaft Hamburg. DWO' Alle mit einem- versehenen Firmen haben Ladengelch äst«.-MW ItaAKvlRvi'! Kauft nur in solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: Der VertpaMensmann. Alwi« Schulze, Große Hamburqer Straße 18/19, befindet. .... Obigen Tariffirmen zur Kenntnis, dafi Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11—1:2 Uhr von Unterzeichneten! ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im.Vorivärts" veröffentlichten Namen, Tartfe mu unserem Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit ste, sofern sie von Tarifirmen beziehen, diese grünen tSt Sta Der JMMtwwnwtw.«.»»»... Sw »Karl Habcrsaath, Graunflr. 40. »Gustav Heuuig, Kolomestr. 12-9 »W. Pöllwitz, Schiiemannstr. 47. -A. Kaerger, Prenzlauer Allee 109, »Paul Kneifet, Ackerstr. 13t. »Schläffers Nachf., Gerichtftr. 2. Jakob Gätting.Liebenwalder Str. 5. »G. Stahlberg, Dunckerftr. 12. Paul Noack, Schönhauser Allee 50. »Grnft Schulz, Bernauer Str. 2. »Willy Srrre. SwinemündcrStr. 55. »Gustav Henze, Stetiiner Str. 01. Ott» Brau», Ruppiner Str. 14. »Rod. Geuzko», Lortzingstr. 24. »W. Balzer, Ramlerstr. 12. Träger, Rupviner Str. 25 I. .riedr. Berlin. Ackerstr. l30. Pftng. Reinickendorser Str. 7t. G. Htldebrand», Rügen« Str. 20. »H.JunahauK.RetnlckendorserSt.ioO »H. Zieh«, Bernauer Etr. 48. »Semmler, Brunnenstr. 103/104. »Schuhmann. Boyenstr. 18. »Zöllner, Stetiiner Str. 20. -Weidner, tzochstr. 48. -Hübuer, Ruaener Str. 18. -Fröhlich, Reinickendorfer Str. 87. Marie Tnlla, Gleimstr. 53. »Schccriug. Brunnenstr. 90. Schubert, Rorweg« Str. 4. Nordosten. Marie«lost, Palisadenstr. 101 pt. B. Loewindorff. Weinstr. 0 II. fö. Eckenbrccht, Höchslcstr. 7 lU. Otto Better. Höchslestr. 32. »Jos. Rrobisch. Bllschingstr. 20. »M ax Polest, Friedrichsberger Str. 10 »Jakob�Reul, Barnitvstr. 42. *K0'"' kdierbach. Winßstr. 28. »Sh. Bernhöft, GrelfßwaIder Tt.207. 'Gustav Piuuer, TreSckowstr. SO. Georg Bürger, TreSckowstr. 88. »Heinrich Olle, Metzer Str. 22. »Wolter, Maricnburger Str. 32. »Richter, Landsberger Allee 145. »Gustav Wittenberg, Barnimstr. 15. »M. Moewu«, Weinstr. 29. »Hugo Wache, Koppenstr. 40. »Aug. Kley, FricdrichSberger Str. 19. Blauzwtr«, WoldenbergerStr. IL II. »Galka, Elbinger Etr. 41. Zentrum. «. Thaim. Mulackstr. 11, 1. »Otto Probst, Lintenstr. 25. Bororte. Karl Jancke, Adler, hos. Friedenlir.lS. »Rud. 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Das große Lager befindet sich Brunnen- straße 95 auf dem 2. Hof in 5 Etagen und wird um gefl. Besichtigung gebeten. Die an jedem Gegenstande vermerkten sehr billigen Preise sind noch nie geboten worden. Gegr. 1873 Verantwortlicher� jtedatkeur: Äldert Wachs, Berlin, gut de? JnjeratenteU verantw.: Z�i.Gt«te,öerltn. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdrucierei u. Verlagsanstalt Kant Singer u. Co, Berlin SW. .. ss 4. ßfilinr iitü„Jotiuirls" ßttliiitt öolblilntt. Mittwoch, den Partei- Hngclegenbeitcm Zur Lokalliste! In Lankwitz(T.-B.) steht uns das Lokal von Josef Dohn, Kaiser- Wilhelm- Str. 34, zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. _ Die Lokalkommisfion. Zweiter Kreis(6. Abteilung). Heute abend S Uhr in der Brauerei Habel, Bergmannstr. S— 7: Gemütliches Beisammensein. _ Lankwitz. Am Mittwoch, den 14. Februar, abends 8V, Uhr: Oeffenrliche Wählerversammlung in Dohns Festsälen, Kaiser-Wtlhelm- stratze 34. Tagesordnung:»Die Sozialdemokratie in der Kommune'. Referent Genosse Zietsch.— Der Skandal der Etatberalung. Auf- stellung des Kandidaten zur Gemeindevertreterwahl. Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Am Mittwoch, den 14. Februar, abends 8 Uhr: Gemeinsamer Zahlabend für sämtliche Bezirke im Ober- Schöneweider Vereinshaus. Bortrog des Redakteurs Genossen Ernst Däumig über:.Die Lehren der Wahlen und die Arbeilen deS neuen Reichstags'. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. NowaweS. Mittwoch, den 14. Februar, abends pünktlich 8Vz Uhr. im Lokal von Schmidt, Wilhelmstr. 41— 43. Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Die Sozialdemokratie nach den Reichs- tagSwahlen. Referent Reichstagsabgeordneter Genosse Silber- s ch m i d t. 2. Geschäftliches. 3. Die bevorstehende Ersatzwahl zur Gemeindevertretung und Aufstellung des Kandidaten. 4. Stellung- nähme und Anträge zur Kreisgeneralversammlung und Wahl der Delegierten. 5. Wahl einer Lokalkommission. Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Eichwalde, Zeuthen, MierSdorf. Mittwoch, den 14. Februar, abends 8'/� Uhr. im Lokale von Lindemann in Zeuthen: Generalveriammlung._ Der Vorstand. Berliner INfachricbtens Das Ende der Droschke«„zweiter Güte". Unser genialer Polizeipräsident sucht seinen Ehrgeiz darin, mangels anderer hervorragender Betätigung sich in kleinen Dingen groß zu zeigen. Nach den fast zur Berliner Unsterb- lichkeit gelangten Erlassen über die Theaterhüte, die Auto- färben, die Hutnadeln und ähnliche Nadelstiche ist jetzt am Alexanderplatz eine neue„großzügige" Reform ausgeknobelt worden. Herr von Jagow, der„Reformator des Großstadt- Verkehrs", veröffentlicht folgende Bekanntmachung: .Da die wenigen noch vorhandenen Droschken 2. Klaffe eine gänzlich veraltete Bauart aufweisen, so können sie nicht mehr längere Zeit im öffentlichen Verkehr belaffcn werden. Um den Eigentümern die Außerbetriebsetzung zu erleichtern, bin ich bereit, im Landespolizeibezirk Berlin bis zum 1. April dieses JahreS für je zehn aus dem öffentlichen Betriebe gezogenen Droschken 2. Klasse einen neuen Erlaubnisschein zum Betriebe einer Benzin- Kraftdroschke zu erteilen. Da aber die Eigentümer der Droschken 2. Klasse meistens nur im Besitz einer Droschke sind und eS ihnen nicht immer gelingen wird, sich eine hinreichende Zahl zu ver- schaffen oder sich zu vereinigen, so hat sich auf mein Ersuchen Herr Kommissionsrat Thien, hier, Roonftr. 1, bereit erklärt, eine dies- bezügliche Vermittclung in der Art zu übernehmen, daß er für jede Droschke 2. Klasse, deren Entstempelung durch die zuständige Polizeibehörde ihm durch eine Bescheinigung nachgewiesen wird, den Betrag von SM M. in bar an den Eigentümer zahlt; der letztere behält außerdem das Eigentum an der entstempelten Droschke. Ich mache schon jetzt darauf aufmerksam, daß vom 1. April ab einige Droschkenarten, die nur noch in geringer Zahl vorhanden sind, oder sich für den Reiseverkehr wenig eignen, auf den Bahnhöfen nicht mehr Aufstellung nehmen dürfen. Hierzu werden auch die Droschken 2. Klasse gehören. Berlin, den 8. Februar 1912." Es ist richtig— schön nahmen sich die Droschken„zweiter Jüte" nicht mehr aus. Man erfreute sich an ihren, Anblick nur noch, wie man ein altes liebes Andenken betrachtet. Gleichwohl hätte sich der Polizeipräsident diesen neuesten Feldzug gegen Windmühlenflügel getrost schenken können. Das halbe Hundert der noch betriebenen vorsintflutlichen Droschken wäre in wenigen Jahren auch ohne Polizei-Ukas von der Bildfläche verschwunden. Es sollen viele Beschwerden eingelaufen sein. Das können nur Provinziale veranlaßt haben, die zu Hause doch wahrhaftig nicht verkehrsverwöhnt sind. Eine bureaukratische Härte von der Sorte, die man gegen das Erwerbsproletariat vom AlexandcrPlatz her schon kennt, liegt in der äußerst kurz bemessenen Beseitigungsfrist, soweit der Bahnhofsverkehr in Betracht kommt. Die betreffenden Droschkenkutscher, durchweg Veteranen vom Bock und für an- deren Erwerb nicht mehr anpaßbar, sind in der Hauptsache auf Jahrgelegenheit vor den Bahnhöfen angewiesen, wo bc- kanntlich ohne vorherige Auswahl der einzelnen Droschke vom Verkehrsschutzmann Fahrkarten an Reisende verabfolgt werden. und allenfalls noch auf seltenere Nachtfahrten. Der Betrieb ist daher von, 1. April ab so gut wie lahmgelegt, und außer- dem haben diese kleinen vernichteten Existenzen auch noch den Mictskontrakt für Stallung und Remise auf dem Hals. Die obigen 600 M. sind nur eine versüßte Pille. Die Mißstände im städtischen Jrrenwesen werden von den maßg�Senden städtischen Instanzen, vom Magistrat und von der Deputation für Jrrenpflcge, fast schon prinzipiell niemals zu- gegeben. Man ist um Ausflüchte niemals verlegen, um die Ver. antwortung von der Verwaltung abzuwälzen. Wir köimen un- möglich jeden skandalösen Einzelfall an die große Glocke der Lcffenilichkeit hängen, aber mitunter ist man doch zur Erörterung gezwungen, wenn die Mißstände allzu grell hervortreten. Eine jetzt 72jährige Baumeisterswittve R., deren langjährige Jnter- nierung vor Jahren äußerst lebhaft in der Berliner Stadtverord- nctcnversammlung und sogar im Reichstag besprochen wurde, so dag schließlich das Kultusministerium eingriff und nach Person- licher Revision der Irrenanstalt Herzberge durch den inzwischen verstorbenen Ministerialdireftor Dr. Bartsch die Freilassung der Internierten direkt befahl, ist innerhalb der letzten Monate zwei. mal auf sehr durchsichtige Art aus ihrer in der Lehrter Straße bc» lcgcnen Wohnung entführt und nach der Irrenanstalt Dalldorf geschleppt worden. Hier nahm man beide Male die selbst- redend altersgeschwächte, aber geistig einwandfreie Greisin, die mit hoch mögenden Verwandten seit Jahren um eine große Erbschaft prozessiert, ohne jcdeS ärztliche Artest aus! Die erste erneute Jnternierung nach langjähriger Pause erfolgte am 23. Oktober 1911 und schon 24 Stunden später auf Anordnung des sofort angerufenen Oberbürgermeisters Kirschner die Entlassung. Die Anstaltsdirektion ließ sich damals .februar: JSahtobend gegenüber dem Sohne der FreiheitSberanbten zu einer Art Eni. schuldigung herbei, der Magistrat aber vericpanzte sich hinter einem ausgegebenen Reglement, wonach Personen, die schon einmal intcr. niert waren, auch ohne kreisärztliches Attest von neuem der Irren- anstalt zugeführt werden können. Dieses Reglement hat keine Rechtsgültigkeit mehr, eine derartige Jnternierung ist also eine krasse Ungesetzlich- k e i t. Am 26. Januar 1912 wurde Frau R. abermals entführt, und wieder fand sie der Sohn in Dalldorf vor. Ehe aber noch der Entlassungsbefehl des Oberbürgermeisters eintraf, war Frau R. nach dem Virchow-Krankenhause weitergeschoben worden. Hätte nicht die Dalldorfer Anstaltsleitung nach der ersten groben Fahr- lässigkeit ganz besonders vorsichtig sein, die Aufnahme ohne Kreis- arztattcst ablehnen und die überführenden Personen polizeilich festnehmen lassen müssen? Bei solchen unerhörten Zuständen, die kein Ende nehmen wollen, ist ja kein Mensch mehr, namentlich wenn er Geld oder Geldansprüche hat, vor Freiheitsberaubung sicher. ES wird Zeit, daß in dieses jedem Rechtswesen höhn- sprechende Verfahren der neue Reichstag durch Schaffung des seit Jahrzehnten begehrten Reichsirrengesetzes kräftig Bresche legt. Da� Fernsprechnetz der Berliner Vororte zählt nach dem Stande vom 1. Januar dieses Jabres 60 722 Anichlüsie. Davon entfällt mehr als ein Drittel auf Charlottenburg mit 23 161 Haupt- und Nebenanschlüssen. In Betracht gezogen sind dabei nicht einmal die zu dem Fernsprechamt 6 gehörigen Charlottenburger Anschlüsse im postalischen Berlin W. Immer näher rückt jedoch jetzt Wilmersdorf mit 16 446 Anschlüssen. Beide Netze. Charlottenburg und Wilmers- dorf, hoben im letzten Jahr um etwa 13 000 Anschlüsse zugenommen. Kein anderer Vorort bringt es auch nur über 10 000 Anschlüsse. Die meisten hat Neukölln mit 4381 Anschlüssen. Es folgt Steglitz mit 3327, Groß-Lichterfelde mit 2S78, Tempelhof 1772, Pankow 17S1. Lichtenberg 1735, Ober-Schöneweide 1454, Wcißcnsee 1326, Reinickendorf 1194. Tegel 1075. Verhältnismäßig kleine Netze mit weniger als 1000 Anschlüssen sind Adlershof mit 322, Hoppegarten mir 139, Müblenbeck mit 37 und das kleinste, Großbeeren, mit 22 Anschlüssen. ES sind hier immer Haupt- und Nrbenanschlüsse zu- sammengerechnet. Ueber 1000 Nebenanschlüsse haben Charlottenburg mit 9307, Wilmersdorf mit 5920, Neukölln mit 2101 und Sieglitz mit 1350 Nebenanschlüssen. Alle Bororte haben insgesamt 36 030 Haupt- und 24 710 Nebenanschlüsse. I« der SäuglingSfürsorgefielle I findet von Mitte Februar an wieder unentgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege mit praktischen Uebungen statt, wöchentlich einmal. Meldungen schriftlich oder mündlich von 2—4 Uhr, im Bureau deS Kinderhauses, Blumen- straße 97. Eine neue umfangreiche Baupolizeiverordnung für die Lorortr von Berlin ist vom Potsdamer Regierungspräsidenten erlassen worden. Die Verordnung umfaßt 78 Paragraphen. Dazu kommen umfang- reiche Anlagen über den Geltungsbereich und die Bauklassen- Verteilung für die Kreise Teltow. Niederbarnim, Osthavelland und Zauch-Belzig, soweit sie in den Bereich der Verordnung gezogen sind. Im allgemeinen ist die neue Verordnung eine einheitliche Zusammen- stellung der verschiedenen Verordnungen. Zu dem Selbstmordversuch eincs Dienstmädchens, über den wir au§ dem Hause Alt-Moabit 78 berichteten, wird uns noch mitgeteilt, daß Frl. Eichstädt über den Dienst bei Frau Rech- nungSrat Nicolai schon bald nach ihrem Antritt zu klagen begonnen hat. Am 19. Januar zog sie zu und schon am 28. Januar erklärte sie ihrem Bruder, sie wolle sich vergiften oder sich auf- hängen, weil sie es in dieser Stelle nicht aushalten könne. Daß ihr die Behandlung nicht gefalle, klagte sie auch in der Nachbar- schaft, wobei sie weinend erzählte, Frau Nicolai habe sie geschlagen. Nachdem sie dann am 7. Februar früh um 146 Uhr sich aus der im zweiten Stock gelegenen Nicolaischen Wohnung auf den Hof hinabgestürzt hatte und schwerverletzt nach dem Krankenhaus Moabit gebracht worden war, wiederholte sie hier diese Angaben. Zu unserer in Nr. 33 veröffentlichten Notiz schickt jetzt Herr Nicolai uns eine Zuschrift, in der er mit Bezug auf Frl. Eichstädt sagt:„Die Furcht vor ihrer Dienstherrschaft war ganz unbc- gründet." Am Abend des 6. Februar habe Frau Nicolai ihr gc- sagt, daß sie sich nach einem anderen Mädchen umtun werde, weil Frl. Eichstädt krank war und ihre Leistungen nicht genügten. Frau Nicolai habe aber die Absicht gehabt, sie nicht sofort zu entlassen, sondern sie noch bis zum nächsten Ziehtermin zu behalten. In dem sehr ausführlichen Schreiben äußert Herr Nicolai sich mit keinem Wort zu der Behauptung, daß seine Gattin das Mädchen geschlagen habe. Ihm wird bekannt sein, daß sie in der Tat gegen- über einem Dienstmädchen ein„Züchtigungsrecht" zu haben glaubt und auch nicht davor zurückschreckt, eS anzuwenden. Bei dem ver- zweifelten Sprung aus dem Fenster hat Frl. Eichstädt einen Bein- bruch und Verletzungen im Gesicht erlitten. Eine Lebensgefahr scheint nicht zu bestehen, doch wird das bedauernswerte Mädchen durch eine tiefgehende Spaltung der Unterlippe wohl dauernd ent- stellt bleiben._ Eine Familientragödie in Steglitz. Der Verzweiflungsakt eines Ehepaares rief gestern früh im Haufe Feuerbachstr. 9 in Steglitz ungeheure Aufregung hervor. Tort fand man den Kaufmann Felix Rofenthal-Bonin, dessen Ehefrau Margarete und deren Töchter Eleonore und Irmgard in der vollständig mit Gas angefüllten Wohnung leblos vor. Zwei sofort herbeigerufenen Aerzten gelang es nach längerem Bemühen, den Ehemann und die 7 Jahre alte Irmgard ins Leben zurück- zurufen, während bei der Frau und der 12jährigen Eleonore nur noch der bereits eingetretene Tod konstatiert werden konnte. Ueber das Vorkommnis wird noch berichtet: Das Ehepaar entstammt angesehenen Familien und lebte früher in den besten Vermögensverhältnissen. Der Mann, ein strebsamer Kaufmann, hatte in den letzten Jahren in seinen geschäftlichen Unternehmungen so wenig Glück, daß er vollständig in Vermögens- versall geriet. Zuletzt betrieb das Ehepaar in der Kochstr. 56 in Berlin ein Verlagsgeschäft mit Kunst-Schreibmappen; die Ehefrau zeichnete als Inhaberin, ihr Ehemann als Geschäftsführer. Auch dieses Geschäft konnten die Eheleute auf die Dauer nicht halten, und sie gerieten in eine so große Notlage, daß sie beschlossen, mit ihren beiden Töchtern gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Daß die Frau mit dem Plan völlig einverstanden war, geht aus einem zwei Seiten langen Schriftstück hervor, das man in der Wohnung vorgefunden hat und in dem auch die letztwilligen Anordnungen wegen der Beerdigung enthalten sind. Gestern früh wurden Haus- bewohner durch einen sich immer mehr verbreitenden intensiven Gasgeruch darauf aufmerksam gemacht, daß in der Rosenthalschen Wohnung nicht alles in Ordnung war. Sie benachrichtigten die Polizei, die eine gewaltsame Oeffnung der Wohnung vornahm. Hier fand man die vier Familienmitglieder leblos in ihren Betten vor. Aus einem geöffneten Deckenauslaß entströmte GaS. Feuer- ür Groß--Berlin. wehr und Aerzte wurden sofort alarmiert. Leider kam die Hilfe für die Frau und die älteste Tochter zu spät. Auch iei Zustand des Ehemannes und der jüngeren Tochter, die ins Leben zurück- gerufen werden konnten und in das Grotz-Lichterfelder Kreis- krankenhaus übergeführt wurden� gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Die Leichen wurden beschlagnahmt. Einen traurigen Abschluß fand eine Reise, die ein KönigSbergcr Arzt mit seiner 29 Jahre alten Gallin nach Berlin machte. Das Ehepaar wohnte in einem Hotel der Dorolheenstadt. Nachdem der Mann gestern allein ausgegangen war. machte die Frau, die schwer nervenkrank war, in einem Anfalle plötzlich ihrem Leben ein Ende, indem sie sich am Bettgestell erhängte. Bei seiner Rückkehr war sie schon tot. In schwere Lebensgefahr gerieten in der vergangenen Nacht zwei Dienstmädchen durch eine Leuchtgasvergiftung. Die Wirtin der Nestauration„Zur Klause" am Koilbuser Damm wunderte sich gestern morgen, daß ihre beiden 20 und 22 Jahre alten Dienst- mädchen, Martha Pink und Klara Meißner, nicht zum Vorschein kamen. Der Hausdiener, den sie nach dem Schlafzimmer hinauf- schickte, nahm wahr, daß ein scharfer Gasgeruch durch die Türritzen herausdrang, öffnete und fand die Mädchen besinnungslos daliegen. Der Hahn des Gasautomaten war aufgedreht, ohne Zweifel durch irgend ein Versehen, und der ganze Raum war mit GaS angefüllt. Die beiden Mädchen wurden sofort nach dem Krankenhause am Urban gebracht, wo sie zunächst»och nicht zur Besinnung kamen. AuS der Untersuchungshaft entlassen wurde der Arbeiter Julius Ackermann aus der Scestr. 110. Der junge Mann war am 24. Januar an einem Auftritt beteiligt, bei dem der 22 Jahre alte Schankwirt Saroschewski aus der Scestr. 106 um das Leben kam. Als dieser um 11 Uhr in seinem Lokal Feierabend gebot, weigerten sich fünf Gäste, zu denen auch Julius Ackermann und sein Bruder Hermann gehörten, hinauszugehen. Julius Ackermann wurde dabei tätlich und schlug mit der Faust auf den Wirt ein. Dieser brach, nachdem er eben einen Schlag erhalten hatte, neben dem Ladentisch zusammen und starb nach kurzer Zeit unter den Händen eines Arztes. Die beiden Brüder Ackermann wurden in ihrer Wohnung verhaftet. Hermann wurde gleich wieder frei» gelassen, weil er sich an den Tätlichkeiten nicht beteiligt hatte. Jetzt ist auch Julius vom Untersuchungsrichter wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Obduktion hatte nicht feststellen können, ob Saroschewski an den Folgen eines Faustschlages oder eines natür- lichen Todes gestorben ist. Der Mann litt an epileptischen Krämp- fen und es ist wohl möglich, daß dieses Uebel infolge der Auf- regung zu seinem Tode geführt hat. Die Zentralkommission der Krankenkasse« Berlin? und der Bororte veranstaltet auch in dieser Woche wiederum hygienische Vorträge, die nachstehend aufgeführt sind. Der Zutritt zu diesen Vorträgen ist für jedermann unentgeltlich. Am D o n n e r S t a g, den 15. Februar d. I. sprechen in den nachbenannten Gemeindeschulaulen über daS Thema:„Gesundheits- pflege von Nase und Ohr" Herr Dr. Brunk in der 247./252. Ge- meindeschule, Rigaer Straße 81/82, Herr Dr. Haike in der L40./254. Gemeindeschule, Waldenserstr. 25/26, Herr Dr. M. Halle in der 117./178. Gemeindeschule, EberSwalder Straße 10, Herr Professor Dr. Grabower in der 115./237. Gemeindeschule, Skalitzer Straße 55/56. Am Freitag, den 16. Februar d. I., sprechen über das Thema:„Die geschlechtliche Ansteckung und ihre Folgen" Herr Dr. Bab in der 81./109. Gemeindeschule, Tilsiter Straße 4/5, Herr Sanitätsrat Dr. A. Nathan in der 118./127. Gemeindeschule, Pankstr. 8, Herr Dr. L. Lilienthal in der 228./279. Gemeindeschule, Pasteurstr. 6 und Herr Dr. ChajeS in der 133./14g. Gemeinde- schule, Bergmannstr. 28/29. In Boxhagen- Rummelsburg spricht am D i e n S- tag, den 13. Februar d. I., Horr Dr. L. Lilienthal in der neuen Schule, Marktstraße über das Thema:„Gebiet der Ge- schlechtskrankheiten". In Charlottenburg spricht am Mittwoch, den 14. Februar d. I., Herr Dr. Bodenstein in der 12. Gemeinde- schule. Sophie-Charlottenstr. 69/70, über das Thema:„Entstehung und Verhütung von Frauenkrankheiten".(Nur für Frauen.) In Köpenick spricht am Dienstag, den 13. Februar d. I., Herr Dr. Meyer in der Dorotheenschule(Freiheit) über das Thema:„Ursachen und Verhütung der Schwindsucht". In Friedenau spricht am Montag, den 12. Februar d. I., Herr Dr. G. Segall im Gymnasium am Mahbachplatz über das Thema:„Geschlechtskrankheiten und ihre Verhütung". In Lichtenberg spricht am Donnerstag, den 15. F e b r u a r d. I., Herr Dr. Adler in der Gemeindeschule, Kronprinzenstr. 10, über das Thema:„Geschlechtskrankheiten, ihre Entstehung, Verhütung und Bekämpfung". In Mariendorf spricht am Donnerstag, den 15. Februar d. I., Herr Dr. Jacobsohn im Gymnasium, Kaiser- straße 17/21, über das Thema:„Geschlechtskrankheiten und ihre Verhütung". In Pankow spricht am Donnerstag, den 15. Fe- b r u a r d. I., Herr Dr. Kaiserling in der 2. Gemeindeschule, Grunowstraße, über das Thema:„Wasserheilvcrfahrcn(Hydro- therapie)". In Reinickendorf spricht am Mittwoch, den 14. Fe- b r u a r d. I., Herr Dr. Saudberg in der 3. Gemeindeschule, Lette- Allee 26/27, über das Thema:„Schutz für Magen, und Darm- krankheiten". In Rixdorf(Neukölln) spricht am Freitag, den 16. Februar d. I., Herr Dr. Baum in der 9./10. Gemeinde- schule. Kaiser-Friedrichstr. 4, über das Thema:„Die Gefahren der Geschlechtskrankheiten In Schöneberg spricht am Dienstag, den 13. Fe- bruar d. I.. Herr Dr. O. Kaiserling in der 10./11. Gemeinde- schule. Feurigstr. 61/62, über das Thema:.Wasserheilverfahren (Hydrotherapie)". In Steglitz spricht am Mittwoch, den 14. Februar d. I., Herr Dr. Friedeberg in der Gemeindeschule, Plantagen- straße 8/9, über das Thema:„Tuberkulose und Lungenkrankhciten". Jn� Tegel spricht am Dienstag, den 13. Februar d. I., Herr Sanitätsrat Dr. Dorn in der Gemeindeschule, TreS- ckowstr. 26/31, über das Thema:„Herzleiden und Erwerbsfäbigkeit". In W e i ß e n s e e spricht am Freitag, den 16. Februar d. F., Herr Dr. O. Kaiserling in der Gemeindeschule, Langhaus- straße 120, über:..Wasserheilverfahren(Hydrotherapie). Sämtliche Vorträge beginnen pünktlich um 8 Uhr abends. Arbeiter-BildungSschule. Heute abend 7 Uhr, im Königstadt- Kasino, Holzmarklstr. 72: Vortrag deS Genossen Pieck über: Monarchie und Republik. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern auf einem h'ressgen Neubau ereignet. Der 62jährige Wächter August Krenzke aus der Amendeftraße in Reinickendorf hatte während der letzten Nacht einen Neubau in der Nähe des Bahnhofes Charlottenburg zu beaufsichtigen. Als er auf einem Rundgange durch das Gebäude in der zweiten Etage auf einen bereiften Balken trat, glitt der alte Mann auS und stürzte kopfüber in die Tiefe. Er schlug im Kellergewölbe so heftig mit dem Kopf auf einen Mauerborsprung auf, daß er blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. In dieser hilflosen Lag« mußte der Bedauernswerte bis zum nächsten Morgen zubringen. Gestern früh wurde der Berunglückte von Bauarbeitern aufgefunden und nach dem Krankenhause Westend geschafft, wo festgestellt wurde, daß der Krenzke einen Schädelbruch und schwere innere Verletzungen er- litten hatte. Ermäßigte Eintrittskarten iLS Pf.) zur juryfreicn Ausstellung, Potsdamer Straße 39/39», sind im Bureau des Gewerk schafts- Hauses und im Zigarrengeschäst von Horsch, Engel-Ufer 15. zu haben. Unter dem Verdacht des Mädchenhandels wurden kürzlich in Altona ein angeblicher Emanucl v. Laurent und Ehepaar Sunde festgenommen. Die airgc stellten Ermittelungen haben ergeben, daß es sich nicht um Mädchenhandel, sondern um einen groß angelegten Heiratsschwindel handelt, den die Beteiligten seit vielen Jahren unter der Devise»Die ganze Welt ist unser Feld!" betrieben. Herr v. Laurent entpuppte sich als Bruder des Sunde; er heißt August Sunde, stamnit aus Rußland und ist gelernter Schlosser, hat sich jedoch im Lause der Jahre ein elegantes Auftreten angewöhnt und spricht fließend mehrere Sprachen. Er trat als Assckuranzdirektor auf, wählte für seine Schwindeleien nur einfache Mädchen, denen er durch sein nobles Auftreten imponierte, und nahm ihnen, nach- dem er durch das Versprechen, sie zu heiraten, ihr Vertrauen er- worbcn hatte, ihre ersparten Groschen ab. Bruder und Schwägerin dieses Schwindler? spielten dabei die Pfadfinder, und so lebten sie viele Jahre herrlich und in Freuden, bis ihnen endlich das Hand- Werk gelegt werden konnte. Bis jetzt sind 19 betrogene Mädchen ermittelt worden, doch ist ihre Zahl viel böher. Kriminalkommiffar Dr. Kopp vom Polizcipräsioiuni Berlin bittet alle Betrogenen, ihm Mitteilung zukoimnen zu lassen, damit diese internationalen Ver- brecher ihre wohlverdiente Strafe erkalten können. Die Unter- suchung gegen das Gaunerklceblatt führt die Staatsanwaltschaft in Lüneburg. Der Schuhmansrevolver am Nosentaler Tor. Wir berichteten gestern kurz, daß am Freitag gegen Mitternacht in der Linienstraßc ein betrunkener Mann von einem Schutzmann niedergeschossen wurde. Da dies in der Nähe des an der Ecke der Nosentaler Straße liegenden„Rosencafes" geschah, versuchte man die Sache mit dem Streik der Kellner in Verbindung zu bringen, der un- gefähr um dieselbe Zeit stattfand. In Wirklichkeit hatte sie aber nichts damit zu tun. Die streikenden Kellner befanden sich zur selben Zeit im„Rosentaler Hof", und ihre Organisationsvcrtrctcr verhandelten gerade mit dem Eafetier, als sich auf der Straße die Schießerei und Säbclhauerei abspielte. Ucbrigcns dauerte der Streik nur eine Stunde, und da hatte der Cafctier die Forderungen anerkannt. Auch sind, wie uns versichert wird, keine Handzettel oder Flugblätter auf der Straße verteilt worden. Allerdings klebten ein paar an den Fensterscheiben des Cafes und es hatte sich wohl auch eine Anzahl von Menschen angesammelt. Da kam der Lvjahrige Kutscher Willi Hacker mit ein paar Kameraden dort vor- bei. Er war jedenfalls stark betrunken, denn er hatte de» ganze» Tag lang gekneipt, obgleich er sonst, wie seine Mutter versichert, ein arbeitsamer Mensch und kein Herumtreiber ist. Er blieb stehen und wurde dann gleich darauf verhaftet und gefesselt die Linien- straße hinauf transportiert. Nach den Berichten bürgerlicher Blätter soll er sich gewaltsam widersetzt haben Und er und sein Kamerad sollen mit Messern auf den Schutzmann Bock losgegangen sein. Auch wird in den Berichten teils von Hunden, teils von einer Dogge erzählt, die man auf den Beamten gehetzt haben soll. Nach den Mitteilungen, die uns von Augenzeugen zugegangen sind, ist von alledem nichts wahr. UnS wird vielmehr mitgeteilt, daß' der junge Mann, der übrigens nur schwächlich gebaut ist, dem sehr starken und korpu- lebten Schutzniann Bock, dem übrigens in der Linienstraße noch zwei starke Schutzmänner zur Seite standen, keinen Widerstand yclcistct, ihn aber gebeten habe, die Fessel etwas zu lösen; er wolle ja so mitgehen. Tarauf, so wird uns berichtet, habe der Schutz- mann Bock ans ihn geschossen und ihn obendrein dreimal mit dem Säbel über den Kops und ins Gesicht gehauen. Hacker sei zu Boden gefallen, habe sich, gleich wie im letzten Todeskampf, noch- rnals zu erheben versucht und da habe Bock, der ihn gefesselt hielt, noch zwei Schüsse auf den am Boden liegenden Menschen abgegeben. Darauf hätten ihn die Schutzleute auf eine Droschke geworfen und seien alle drei mit ihm davongefahren, ihre Revolver hintcnaus auf die Menge gerichtet, die natürlich ihre Empörung in wenig schmcichclfaftcn Worten kundgab. Daß der Sckmtzmann Bock wirklich irgendwie ernstlich verwundet gewesen sein soll, daran zweifeln unsere Gewährsmänner; sie behaupten vielmehr, daß sein Gesicht von dem emporspritzcnden Blut besudelt war aus den tiefen Wunden, die er dem Hacker beibrachte. Ter junge Mann war gestern nachmittag noch am Leben, lag aber ziemlich hoffnungslos danieder. Eine Kugel ist ihm in den linken Lungenflügel einge- drungen, eine andere in die Brust über der Lunge und eine dritte ins Schlüsselbein. Nach den oben wiedcrgegebcncn Mitteilungen von Augenzeugen lag also kein Grund vor, den jungen Mann niederzuschießen oder auch nur mit Säbelhieben niederzuschiagen. Danach scheint es sich wieder einmal um eine der traurigen Folgen zu handeln, die die der Jagolvsche Schießcrlaß hervorgerufen hat. Im übrigen wird uns noch mitgeteilt, daß die Mutter des Niedergeschossenen auf der Wache des IL. Polizeireviers auch eine sehr schlechte Behandlung erfahren habe. Sie habe vort keine Aus- kunft über das Schicksal ihres Sohnes erhalten können, ja nicht einmal das Warten auf der Wache sei ihr erlaubt worden; man habe sie vielmehr hinauSgewicscii, so daß sie weinend lange draußen auf der Straße stand, und als sich vorübcrkommende Leute ihrer erbarmen wollten und von neuem die Klingel des Rcvicrlokals in Bewegung setzten, sei ein Schutzmann herausgekommen mit der Nachricht, daß man noch nichts wisse, und sie sei auch dann nicht eingelassen worden. Viertes Berliner Sechstagerennen. 3. bis 9. Februar im Sport» Palast, Potsdmnerstroße. Preise: 5000, 4000, 3000, 2000 und 1000 Mark.— 1. Paar: R ü t t- S t o l. 3890,000 Kilometer(bisher 3805,700 Kilometer, Weltrekord 4403 Kilometer); 2. Fogler-Moran; 3. Hill-Noot; 4. Halstead-Drobach; 5. Öicör. Suter, 3 Runden; b. Schallwig-Elcrt. 4 R. zurück.— Der letzte Tag brachte noch eine Sicbung des Feldes,� indem Notlnick-Nowack und Zander-Esser den wiederholten Angriffen nickt standhalten konnten und als aus- sichtslos auSilbieden. Auch Walthour-ComeS kamen in arge Be« drangnis, abgehängt zu werden und, um einer lleberrundung vorzu« beugen, toll sich der Franzose eines unlauteren Mittels bedient baben. was dem Paare eine Strafrunde eintrug, worauf beide das Rennen aufgaben. Die Gebr. Suter konnten gegen Abend der Manii?chafl«challwig-Ehlert eine Runde abnehmen und rückten an zwette Stelle hinter der Spitzengruppe. Die letzten Runden ver- liefen ruhig. Unter großer Spannung der tausendköpfigen Menge iifllcit dann Rült, Fogler, Hill und Drobach zum Endspurt über 10 Rimdcit aii, der unter rasendem Beifall von Mit ae- looiiiien wurde. Alle sechs Paare traten bekränzt zur Ehrenrunde an und ernteten lebhaften Beifall. Der Ver- lauf des Rcinieiis war reich an Zwischenfällen aller Art. Die zahlreichen Stürze verliefen meist glimpflich, trotz mitunter sehr gefahrlichen AuSschciiS. Am fchlversten wurden der Amerikaner Wilcy, der Franzose Brocco und der Deutsche Hofimann betroffen, deren Zustand eine Ueberführung in ein Krankenhaus notwendig machte. Wileh und Hoffmanii erlitten eine Gehirnerschütterung, wahrend Brocco erhebliche Gcsichtsvcrletzungen davontrug. Auch der Amerikaner Drobach trug bei einem Massensturz eine Verletzung im Gesicht davon, die genäht werden mußte; aber der Fghrer blieb trotzdem im Rennen. Einen eigenartige» Unfall erlitt Kudela; dieser . k'® Umzäunung des Jnnenrauincs, fiel auf eine» Tisch mit Glanrn und zerschnitt sich den Arm, so daß auch er zum Auf- geben gezwungen wurde. Die anderen Teilnehmer gaben teils wegen U-berrundung. teil» wegen Schwäche auf. Da» Tempo war rm abgememen ein schnelleres als bei den früheren Sechstagerennen, so daß die deutschen Rekords gedrückt wurden. Die Paare Schallwig- Ehlert, Gebr. Suter und Wegener-CollinS hielten sich ihren Gegnern gegenüber sehr achtbar; es gelang ihnen sogar, dem Felde eine der verlorenen Runden zurückzugewinnen, doch bei späteren Angriffen büßten sie diese wieder ein. Die französischen Mannschaflen Polledri, Jacquelin und Georget streckten schon frühzeitig die Waffen. Der Besuch war meist ein sehr guter, zeitweilig sogar sehr stark. Arbeiter-Samariterkolonnc Groß-Berlin. In dieser Woche finden folgende Lehrabende statt: 1. Abt. bei Dräsel, Neue Friedrichstr. 35, am Montag, Vortrag des Augenarztes Herrn Dr. Cohn; 2. Abt. bei Dase, Brunnenstr. 154, am Montag; 4. Abt. Lichtenberg, Scharrn- weberstr. 60, am Donnerstag; 5. Abt. Neliköll», Erkstr. 8, am Donnerstag, Vortrag des Nervenarztes Herrn Dr. Zacharias.— Die Lehrabende beginnen pünktlich 9 Uhr. Gäste willkommen. Vorort- �admcbten. Lichtenberg. Gewcrbegcrichtswahl! Heute Sonntag, von 10—2 Uhr, finden die Arbeitnehmerwahlen zum Gewerbegericht statt. Wer noch nicht im Besitz einer vorgeschriebenen Legitimation ist, kann dieselbe noch heute auf jedem Polizeirevier erhalten. Am Montag, den 12. Februar, von 10—1 Uhr, finden die Arbeitgeberwahlen statt. Es wird von jedem mit uns sympathi- sierenden Arbeitgeber erwartet, daß er sein Wahlrecht ausübt. Die Genossen werden ersucht, sich zur Wahlhilfe am Sonntag und Montag, vormittag« um 9 Uhr, bei W. Schulz, Kronprinzen- straße, Ecke Scharnhorststraße, einzufinden. Wir erwarten von den Arbeitslosen, daß sich dieselben zahlreich zur Verfügung stellen. Berliner Gewerkschaftskommission. Abteilung Lichtenberg-Stralau-Rummelsburg. Charlottenburg. Das Charlottenburger Kaufmannsgericht hat im Geschäftsjahr 1911, dem 7. seit seiner Errichtung, 505 Sireitsachen erledigt. Trotz- dem die Zahl der Streitsackien sich seit 1905 annähernd vcrdreisachtc, wurden durch häufigere Anberaumung von Terminen an 70 Proz. aller Prozesse in einer Woche erledigt. In ähnlicher Weise nahm die Zahl der Bergleiche von 189 im Vorjahre aus 207 im Berichts- jähre zu. Kläger waren in 545 Fällen Gehilfen, in 20 Fällen Kaufleute. Bei den Handlungsgehilfen hatten rückständiges Gehalt, Provision oder Spesen zum Gegenstand 305 Maßen. Vergütung wegen vorzeitiger Eni- lassung 195, Rückgabe von Zeugnissen oder Aendcrnng deren Inhalts 14, Antritt, Fortsetzung und Dauer des Dienst- oder Lchrverhältnisses 31 Fälle. Der Wert des Streitgegenstandes betrug in 33 Fällen bis 20 M.. in 00 Fällen 20—50 M., in 88 Fällen 50—100 M.. in 193 Fällen 100—300 M., in 119 Fällen mehr als 300 M. Die höchste Klagesumme betrug 12 455 M. Bei mehr als der Hälfte aller Streitsummen betrug mithin der Wert mehr als 100 M. Mit der Zunahme der höheren Werte wuchs auch die Schwierigkeit der Feststellung des Sach- und Streitgegenstandes und der richterlichen Entscheivmig. Durch Zurücknahme fanden 84 Klagen, durch Anerkenntnis 12, durch Vergleich 207. durch rechtskräftiges VcrsäumniSurteil 30, durch Endurteil 52 Klagen ihre Elcdigung. Von diesen 52 Endnrteilen lauteten auf Verurteiluna 7, aus Ab- weifung 30, auf teilweise Verurteilung und Abweisung 15. Die von Gegnern der Sondergerichte hin»nd wieder geäußerte Anficht, beim Kaufmannsgericht bekänien meist die Gehilfen recht, trifft hiernach für den hiesigen Gerichtsbezirk in keiner Weise zu. Wenn angängig, wurde versucht, Prozesse zu vermeiden; dies geschah durch die Gerichtsschreiberei, die durch Fernsprecher oder, wo solcher nicht vorhanden, durch persönliche Verhandlung mit den Parteien und Rechtsbelehrung Streitigkeiten schlichtete. Als Einigungsamt ist das Kaufmannsgericht nicht in Tätigkeit getreten. Gutachten über Fragen des kaufmännischen Dienst- und Lehr- Verhältnisses wurden im Berichtsjahre nicht erstattet, Anträge nicht gestellt. Tempelhof. Nicht auf allzugrossc Gewissenhaftigkeit der hiesigen Steuer- bchörde läßt ei» Fall schließen, über den uns folgendes berichtet wird: Bereits im November v. I. erhielt eine Frau, die drei Kinder zu ernähren hat, einen Mahnzettel auf Zahlung von Hunde- sieuer. Die Frau begab sich sofort auf das Ainl, um dem Beamten auseinanderzusetzen, noch nie einen Hund besessen zu haben. Das wurde der Frau bestritten, da es sa in den Akten stehe. Hierau ging die Frau zu dem Wirt deS Hauses, bei dem sie etwa sün Jahr« wohnt, und lieh sich von ihm bescheinigen, noch nie Eigen- tümerin eines Hunde» gewesen zu sein. Da sie ihre Beschäftigung nicht wieder versäumen wollte, sendet die Frau die Bescheinigung der Slenerverwalmng ein. Prompt erfolgte abermals eine amt- liche Aufforderung, auf dem Amt zu erscheinen. Wieder ging die Frau hin und gab zum Ueberfluß die Erklärung ab, das in der Bescheinigung Mitgeteilt« aufrechtzuerhalten. In wenigen Tagen lief ein weiterer Mahnzettel ein. Wiederum sandle die Frau durch ihr Kind einen Brief an die„hochwohllöbliche Steuerbehörde". Wenn nun die Frau geglaubt hatte, daß die Sache aufgeklärt sei, so hatte sie sich getäuscht. Kurze Zeit darauf erschien der Gerichtsvollzieher, der Bilder versiegelte. Wiederum lies die Frau ousö Amt und klagte tränenden AugeS, daß man ihr soeben die letzten Erinnerungen aus einer besseren Jugend— es war ihr Hochzeitsgeschcnk— ge- pfändet habe, an deren Ursache sie vollkommen unschuldig sei. Un- befriedigt verließ die Frau das Haus, wo sie Schutz erhofft hatte. Auf Zureden von befreundeter Seile ging die Frau nach einigen Togen nochmals auf das Amt. um den Bürgermeister selbst zu sprechen. LeytereS war leider nicht möglich. Dennoch scheint durch einen Beamten das Gemcindeobcrhaupt auf die Gewissenhaftigkeit der Steuerbehörde aufmerksam gemacht worden zu sein, denn am nächsten Tage lief ein Schreiben ein, worin der Frau mitgeteilt wurde, daß sie von der Hundesteuer befreit sei. Eine Entschuldi- gung, daß man der Frau so mannigfache Ungelegenheiten bereitet hatte, enthielt das Schreiben natürlich nicht. Den in vorstehender Zuschrift geschilderten Vorgang sollte man eigentlich nickt für möglich halten. Lankwitz. Ter BildungsauSschuß veranstaltet an drei aufeinanderfolgenden Montagen einen LorlragszykluS deS Genossen Däumig über.Ziel« und Wege des Sozialismus". Erster Vortrag Montag, den 19. Februar, bei Schulz. Mühlenstraße. Karten a 20 Pf. für die drei Abende sind bei den Bezirkssiihrern und Mitgliedern des Ausschusses zu haben. Kalkbcrge-Riidersdorf. Ein verhängnisvolle« Unglück hat sich vorgestern gegen Abend auf der Chaussee Berlin— Kaikberge ereigne:. Ein Automobil einer Berliner Firma sollte einer Probefahrt unterzogen werden. Außer dem Chauffeur Harlmann saß noch der Ingenieur Lange im Wogen. Als das Automobil nach Kalkbergs zu steuerte, versagte plötzlich die Leiikvorrichtung, und bei dein schlüpfrigen Chausseepflasler raste das Gesäbrt gegen einen Prellstein. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt, daß daS Automobil vollständig zertrümmert wurde. Die beiden Insassen wurden unter den Trümmern begraben und schwer verletzt. Sie hatten komplizierte Knochenbrüche. erheblich« äußere und anscheinend auch innere Verletzungen erlitten. Beide wurden nach dem Rüdersdorf« Krankenhaus gebracht. Adlershof. In der letzte« Sitzung der Unterkommission des Kartells gab der Obmann einen ausführlichen Bericht über die rege Tätigkeit im Jahre 1911. Auch für dieses Jahr ständen dem Kartell große Auf- gaben bevor und zwar gelte«s, eine Erhöhung des ortsüblichen TagelohneS, welcher hier noch 2,50 M. beträgt, in die Wege zu leiten; ferner seien die Wahlen zum KoustnannSgericht vorzunehmen. Die Bureauangestellten entsenden jetzt auch einen Delegierten.— Der Tabakarbeiierbewegung soll am Orte jetzt ganz besonders Rech- nung getragen werden.— An Stelle des Genossen Zabel wurde Kronewald, Hoffmannstr. 17, zum Obmann gewählt. Welche Lehren ziehen wir aus dem Wahlsieg der Sozialdemolratie so lautete da? Thema, über das in einer öffentlichen, gut besuchten Versammlung Genoge Däumig referierte. Der Referent ging u. a. in seinem Inständigen Vortrage auf die Zusammensetzung des neuen Reichstages ein und kam zu dem Resultat, daß die Partei sich wohl über den Wahlsieg freuen könnte, daß es aber nun mit aller Kraft zu arbeiten gelte, die 4'/« Millionen sozialdemokratischer Wähler an die Fahne der Partei zu fesseln und zu organisieren. Erst wenn dies geschehen, hätten wir ein festes Bollwerk hinter unseren 110 Abgeordneten stehen, das der Reaktion, sowie auch der Regierung einen gewaltigen Respekt einflößt. Außerdem müsse die Jugend, nach denen alle bürgerlichen Parteien gierig die Hände aus- strecken, aufgeklärt und zu künftigen Kämpfern für unsere gute Sache erzogen werden. Dem Redner wurde am Ende seines Vortrages großer Beifall gespendet. In der Diskussion forderte Genosse Erw. Neumann die Versammelten auf, nicht eher zu ruhen bis die 1800 sozialdemokratischen Wähler organisiert seien und kämpfend in unseren Nethen ständen. Hierauf schloß Genosse E. Klodt mit einem Mahnwort zur Pflicht die Versammlung. Herzfelde. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurden zunächst die Fliesenarbeiten zum SchulhauSneubau der Firma Kohl hier zum Preiie von 750,50 M. und die Beschlagarbeiten der hiesigen Firma Otto Grabert für 1873,81 M. übertragen.— Daraus kam die An- gelegenheit betresicnd Abschluß eines Vertrages mit der Märkischen Elcttrizitätswnk-Aktiengcsellschaft zur Sprache. Die Versammlung faßte noch keinen endgültigen Beschluß; in zwei Wochen soll noch- malS hierüber eine Beratung anberaumt und der Direktor des Werkes zu dieser Sitzung geladen werden.— Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1912 schließt mit derSumme von 75000M.; die geplante Besprechung des Voranschlages wurde bis zur nächsten Sitzung zurück- gestellt. Der Antrag des hiesigen sozialdemokratischen Wah�vereinS, im Interesse der Wähler der 3. Klasse die im März stattsindendcn Gemeindevertreterwahlen auf einen Sonntag zu verlegen, wurde gegen drei Stimmen abgelehnt. Der hiesige Amtsvorsteher und Gemeindevorsteher Max Behne bezeichnete den Antrag als eine unverschämte Forderung und empfahl, es bei den bisberigen Verhältnissen zu belassen. Die Antwort darauf werden die Wähler der dritten Abteilnng, die sich doch fast ausschließlich aus Arbeitern zusammensetzen, dem Herrn Behne u. Gen. hoffentlich bei den demnächst stattfindenden Gemeindevertreterwahlen geben, indem sie nämlich sämtlich den beiden sozialdemokratischen Kandidaten ihre Stimme geben. Pankow. J» der letzten Gcweindcvcrtretcrsitzung gab der Bürgermeister zunächst die MandatZniederlegung unseres Genossen Hirsch meier bekannt.— Wie in anderen Vorortgemeinden foll nunmehr auch der von unseren Genossen bei der vorjährigen EtatSberawng verlangte Haushaltungsunterricht an den Gemeinde« schulen Pankows zur Einführung gelangen. Zu diesem Zweck soll in dem Erweiterungsbau der höheren Mädchenschule ein ge- eigneler Raum mit den erforderlichen WirtschastSgegensländen und Utensilien bergericktet werden, wo die Schülerinnen der obersten Klassen obligatorisch wöchentlich ein- bis zweimal durch eine geeignete Lehrkraft Unterweisung in den wichtigste» häuslichen Verrichtungen, wie Kochen, WinschastSkenntniS, Gesundheitspflege, Einkaufen usw. erhalten sollen. Die erste Einrichtung wird etwa 3000 M. erfordern und die laufenden Ausgaben(Lebrkrast und Lehr- Materialien) zunächst für da« erste halbe Jahr etwa 1500 M. Nach unwesentlicher Debatte, in der Genosse K u b i g auf die außer- ordentliche Wichtigkeit und Notwendigkeit einer solchen Einrichtung in Anbetracht der immer umfangreicheren Bcschäfligung weiblicher Arbeitskräsle in Industrie und Handel hinwies, stimmte die ver« tretung einstimmig dein Projekt zu und bewilligte die geforderten Mittel.— Die Tätigkeit der hiesigen Schulzahnärzte beschränkte sich bisher auf das Nachsehen und eventuelle Ziehen von Zähnen bei den Kindern. Da aber eine zweckmäßige Zahnpflege auch Zahnfüllungen notwendig macht, sollen letztere in Zukunft eben- falls ausgeführt werden, was eine Erhöhung der bisherigen Remu» neration der Zahnärzte von 750 auf 1600 M. erfordert. Nachdem von unserer Seite noch gewünscht, daß für die Füllungen die gleichen oder ähnliche Sätze wie bei den Krankenkanen berechnet werden sollen und vom Bürgermeister eine solche Vereinbarung mit den Zahnärzten herbeizuführen zugesichert worden, wurde der Forderung zugestimmt. Ebenso wurde die Vergütung für den Schulaugcnarzt von bisher 300 aus 400 Mark erhöht.— Die geforderte Erhöhung der Remuneration für Erteilung des katholifchcnReligio ii s Unterrichts an den höheren Schulen von 1000 auf 2000 M. wurde von unserem Redner leider ohne Erfolg bekämpft und gegen die Stimmen unserer Genossen ge« nebmigt.— Sodann stimmte die Vertretung der Einführung der B e r u f s v o r m u>i d s ch a f t sowie der Generalvormund- s ch a f t und dem Erlaß des hierfür notwendigen OrtSstawtS zu und dewilligte die hierzu erforderlichen Mittel in Höhe von 500 M.— Bei der Regelung der Lohn- und GehaltSverhältiiisie der Gemeindc- arbciter und Unterbeamten in letzter Sitzung ivar gewünscht worden, daß auch die Krankenhausangestellten sowie einige andere Angestellte in ihren Bezügen er- höht werden sollten. Dem ist Rechnung getragen worden. — Die kartellierten Kabelwerke haben der Gemeinde daS Angebot gemacht, bei vertraglicher Bindung bis zum Jahre 1916 eine Preisermäßigung von 5 Proz. sowie eine Umsatzvergütuna— bei sofortigem BertragSabschluß bis zum 30. Juni rückwirkend'— zu gewähre». Nach unwesentlicher Debatte wurde dem sofortigen Per- tragsabschluß zugestimmt.— Eine längere Debatte zeitigte dann die Forderung der hiesigen Sanitätskolonne, den ihr bisher gewährten Beitrag von 400 M. auf 450 M. zu erhöhen. Für die Gewährung des Beitrages war seiner- zeit die Ausübung des SanitätS nacht diensteS übernommen, dann aber im letzten Jahre— wie sich aus Anlaß eines auch im .Vorwärts" berichteten recht unangenehmen Vorkommnisses heraus- stellte— fallen gelassen worden und dafür nur noch eine TageS- wache in Bereilschaft gehalten. Der hierdurch verursachte unhalt- bare Zustand im hiesigen NachtsanitätSdienst wurde in der Debatte allseitig auf« schärfste gerügt und von unseren Genossen verlangt, daß für bestimmte Zwecke hergegebene Mittel auch in diesem Sinne Verwendung finden müßten. Die Vertretung bewilligte denn auch die 450 Mark mit dem ausdrückliche» Hinweis, daß dafür von der Sanitätskolonne eine Tages- und Nachtwache bereitzustellen sei.— Dann erledigte die Ver« tretung eine Reihe von Einsprüchen gegen die Nichtigkeit der Wähler- liste.— Zu Beisitzern für den Ausschuß der Rechtsauskunftsstelle und des Arbeitsnachweises bestimmte die Bertretuiig al« Vertreter der Arbeitgeber Herrn Holtkötter, der Arbeitnehmer Genossen K ii b i g.— Der Bürgermeister gab noch auf eine Anfrage bekannt. daß die Gemeindewahleu in der dritten Abteilung diesmal an einem Sonntag und auch die notwendig ge- wordene Ersatzwahl in dieser Abteilung am selben Tage vorgenommen werden sollen.— Hierauf geheime Sitzung. Marienfelde. „Die sozialen Zustände im alten Rom" war da» Thema, daß Genosse Kaliuowsli in der Generalversammlung behandelte. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage gab Genosse Greulich den Tätigkeitsbericht. Es haben im letzten Halbjahre acht Mitgliederversammlungen und drei Agitotionstouren stattgefunden; außerdem wurden sechs Flugblätter, davon drei im Außeiibezirl ver- breitet. Der Kassenbericht des Genossen Robert Dretzki weist eine Einnahme von 238.15 M. und eine Ausgabe von 202,81 M. auf. Am Jahresschluß waren 87 Mitglieder vorhanden.'.Vorwärts'- Leser waren 96. Nach dem Bibllotheksbericht des Genossen Kreutz- berg wurde die Bibliothek insgesamt 1Y4 Mal« in Anspruch ge- nommen. Genosse Fritz Greulich wies sodann noch auf die ü» März stattfindende Gemeindewahl hin, dabei betonend, dast wenn die im Oktober stattgefundene Wahl uns auch nicht den erwünschten Erfolg gebracht hat, so müßten doch jetzt alle Hebel in Bewegung ge- setzt werden, um daS Mandat den Bürgerlichen zu entreißen. In dem am Mittwoch, den 14. Februar, staltfindenden Zahlabend wird Genosse Hermann Neichhardt-Mariendorf über die Technik der Gemeindewahl referieren. Zur Aufnahme in de» Wahlverein meldeten sich zwei Genossen. Reinickendorf. Die Beschäftigung eines Soldaten im Postdicnst, ruft, wie man uns mitteilt, bei den zum Postamt Reinickendorf-West gehörenden Bewohnern lebhaften Unwillen hervor. Augenscheinlich verrichtet der Soldat an der Luftschifferabteilung AusHilfsdienst für einen be- reits seit vierzehn Tagen krank gemeldeten Besteller. Warum muß ein Soldat diesen Dienst verrichten; hat die Postverwaltung noch nicht daran gedacht, daß zahlreiche arbeitslose Personen sich zu einem solchen Bestelldienst eignen. Es zeigt sich an diesem Beispiel wieder, daß die militärische Dienstzeit eine viel zu lange ist. denn sonst könnte der Soldat nicht wochenlang zu solchem Dienst frei- gegeben werden. Hermsdorf i. M. Am Sonnabend, den 17. d. M., veranstaltet der Arbeitergesang- verein Nordische Klänge, M. d. A.-S.-B., in den Germania-Prachl- sälen in Wittenau ein Winterfest. Da derselbe sich bei allen Partei- Veranstaltungen rege betätigt, rechnet er auf die Unterstützung der organisierten Arbeiterschaft. Oranienburg. Eine außerordentliche Stadtvcrordnetcnsiyung fand Mittwoch- nachmittag statt. Nachdem einige nebensächliche Anträge erledigt waren, entspann sich über den Anlauf eines Teiles des Daßlerschcn Grundstücks �ur Erbauung de« Realgymnasiums eine lebhafte De- batte. Genoste Karl Schumann wandt« sich scharf gegen die Art des geplanten Projektes und bezeichnete die für den Ankauf des Grundstücks geforderten 40 000 M. als weggeworfenes Geld. Da keine Einigung erzielt werden konnte, wurde die Angelegenheit einer Kommission, der auch Genoffe Köhricht angehört, überwiesen. Ein sozialdemokratischer Dringlichkeitsantrag ersucht den Magistrat, im Interesse der ärmeren Bevölkerung den Versuch zu machen, billige Lebensmittel anzukaufen. Zur Begründung des Antrages wies Genosse Köhricht auf die schier unerschwinglichen Preise für die wichtigsten Nahrungsmittel hin und machte auf die große Arbeitslosigkeit aufmerksam. Seine Ausführungen wurden noch von den Genossen Garlipp und Schumann wirkungsvoll unter- stützt und der Antrag schließlich angenommen. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Acht Spezialetats lagen der Versammlung zur Beratung vor. Der Gasetat schließt ab in Ein« nähme und Ausgabe mit 1 300 000 M., gegen 1 178 000 M. im Vorjahre. Ein Ucbcrschuß von 108 338,70 M. soll an die Stadthauptkasie abgeliefert werden. Bei der nun einsetzenden längeren Debatte wurde, wie in den Vorjahren. Klage über das schlechte Brennen des Gases geführt. Ter GaSanstaltSdircktor führt da» schlechte Brennen des GaseS auf die ungenügende Reinigung der Leitung und Leuchtkörper zurück. Unser Genosse Pieper führt die er- freulichen Uebcrschüsse auf den flotten Koksverkauf zurück. Er be- mängelte. daß man den Großabnehmern von KokS billigere Preise be- rechnet als den Kleinabnchmcrn und beantragt, daß für Koks ein Einheitspreis festgesetzt wird. Dieser Antrag wurde von der Ver- sammlung angenommen.— Ter Stiftungskassenctat schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 15 290,43 M. und wurde ohne Debatte genehmigt.— Eine längere Debatte zeitigte der Etat der städtischen Badeanstalten. Dieser Etat balanciert in Einnahme und Ausnahme mit 84 000 M. Er erfordert einen städtischen Zufchuß von OSöOOM. Da» neu erbaute Hallenschwimmbad erfordert eine Ausgabe von 79 400 M. und einen städtischen Zuschuß von 05 000 M. Die Bade- austalt in der Wröbmänncrstraße erfordert eine Ausgabe von 4500 M. und einen städtischen Zuschuß von 500 M. Tie Badeanstalt an der Schäferstraße(sogenannte öffentliche Frcibadeanstalt) er« fordert keinen städtischen Zuschuß. Sie hat eine Einnahme von 1000 M., welche durch die Pacht aufgebracht wird. Die Ausgabe ist in gleicher Höhe bemessen. Bei der Debatte wurde beklagt, daß in dem Etat nichts vorgesehen ist für eine Badeanstalt in der Wilhelm- stadt. Neuerdings ist ein Projekt für eine Badeanstalt im Grimnitzsee ausgetaucht. Das Projekt hat aber nicht die Zu- stimmung der Versammlung gefunden,; man wünscht die Bade- anstalt für die Wilhelmstadt an der Scharfen Lanke. Genosse Pieck spricht für eine Verbilligung der Badcpreise im Hallen- schwimmbad. Der Stadtbaurat Paul wendete dagegen ein, daß man mit den Preisen nicht heruntergehen könne, weil man sonst die Privatbadeanstaltsbesitzcr schädige. Diese rückständige Ansicht fertigte Genosse Pieck durch den Hinweis ab, daß die Allgemein- hcit vorgehe. Schließlich wurde der Etat genehmigt und der Be- schluß gefaßt, im Hallenschwimmbad einen Aufcnthaltsraum ein- zurichten.— Der Schlachthoskassenetat balanciert in Einnahme und Ausgab« mit 157 225 M.— Der Friedhofsetat zeigt eine Ein- nähme von 11 208 M. und eine Ausgabe von 2025 M. Bei der Debatte über diesen Etat stellte Genosse Pieper die Anträge: 1. Die Redehalle jedem Redner, auch Richtgcistlichen, für einen Nachruf des Verstorbenen zu Verfügung zu stellen� und 2. die Leichen, die ohne Geistlichen beerdigt werden, nicht direkt aus dem Keller der Leichenhalle zur Gruft zu tragen, sondern sie auch von der Redehalle aus zu bestatten. Beide Anträge wurden von der Versammlung mit großer Majorität angenommen,— Der Straßenbeleuchtungsetat, welcher auch eine größere Dekxftte hervorrief, weist eine Ausgabe von 77 570,61 M. auf. Eine Einnahme ist bei diesem Etat nicht vorhanden. In der Debatte wurden meist Wünsche nach besserer Beleuchtung vorgebracht.— Der Gebdetat der Rittergutsforst Wansdorf für die Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1012 wurde in Einnahme mit 3600 M. und in Ausgabe mit 3100 M. festgesetzt.— Nach Erledigung der Spezialetats nahm Genosse Pieck das Wort zu folgenden Ausführungen:„Aus der Klage gegen den Professor Eberstadt wegen seiner angeblichen Angriffe auf den Magistrat ist nichts geworden, wie wir es voraus- gesagt haben. Früher wurde diese Angelegenheit in breitester Oefsentlichkeit verhandelt; �jetzt ist die Magistratsvorlage auf Zurücknahme des Strasan träges gegen den Professor Dr. Eber stadt mit einem Male in die geheime Sitzung verwiesen worden. Ich bitte und beantrage, über diese Vorlage jetzt in öffentlicher Sitzung zu ver- handeln, und zwar in der nächsten Sitzung." Mit diesem Antrage hatte der Genosse Pieck den Magistrat und die mit ihm sympathi- sierendcn Stadtverordneten in eine arge Klemme gebracht. Ter Vorsteher Lüdicke unterbrach nusercn Genossen wiederholt, der sich jedoch nicht stören ließ. Um schließlich aus der Patsche zu Helsen, stellte der Stadtverordnete Matthias den Antrag, alle übrigen Nummern der öffentlichen Sitzung bis auf eine dringende zu ver- tagen und dann in geheimer Sitzung zu beraten, oh die An- gelegenheit Dr. Eberstadt in öffentlicher oder in geheimer Sitzung erledigt werden sollte. Dieser Antrag fand eine Mehrheit. Nach- dem die Versammlung die Vorlage betreffend Aufhebung der Aus- schreibung für die Maurer- und sonstigen Roharbeiten zum Kühl- hallcnbau auf dem Schlachthof angenommen hatte, wurde in die geheime Sitzung eingetreten. Hier zog nun plötzlich der Magistrats- Vertreter, nach etwa halbstündiger Debatte, die Vorlage, Rücknahme des Strafantragcs gegen Professor Eberstadt zurück. Die Geschichte ist dadurch noch weit zerfahrener geworden. Schließlich muß der Magistrat doch mit dieser Vorlage wiederkommen und man darf wirklich gespannt sein, inwieweit diese Angelegenheit blamabel für den Magistrat auslaufen wird. Nowatves. In der letzten Gcwcrkschaftskartellsitzung machte der Kartell- auSschuß auf ein bisher unbekanntes Adressenschreibbureau am hiesigen Orte, Firma Bauunternehmer Hönicke, Wilhelmstraße, auf- mcrlsom. Die Arbeiterschaft wird ersucht, etwaige Mitteilung über daS Geschäflsgebahren desselben an den Genossen Reinfeld. Groß- Veeren-Str. 04, gelangen zu lassen.— Die freiorganisierten Gärtnergeh i Isen haben den Anschluß an das Kartell vollzogen.— Die am Anfang des vorigen Jahres vom Kartell mit Hilfe der Gewerk- I schasten ins Leben gerufene Srbeiter-Samariter-Kolonne zählt 23 aktive und 11 passive Mitglieder. An die Gewerkschaften, welche die Hilfe der Kolonne bei ihren Veranstaltungen beanspruchen, wird das Ersuchen gerichtet, dies mindestens 4 Wochen vor dem gegebenen Zeitpunkt dem Vorsitzenden, Genossen Max Höpfner, Wallstr. 20, mit- zuteilen. Die Aufwendungen des Kartells für die Samariter- Kolonne betrugen einschließlich 123,50 M. an � freiwilligen Beiträgen der Gewerkschaften und geselligen Vereine 241,73 M.— Dem Kartell angeschlossen sind 23 Gewerkschaften mit 2522 mann- liehen und 217 weiblichen Mitgliedern, welche durch 40 Delegierte vertreten werden. Im Vorjabrc: 2t Gewerkschaften mit 2301 mann- liehen und 108 weiblichen Mitgliedern.— Die Kartellkasse hatte einschließlich des Kassenbestandes vom vorigen Jahre von 478,68 M. eine Einnahme von 2480,70 M., die Ausgabe betrug 2030,33 M. Um den steigenden finanziellen Anforderungen des Kartells gerecht zu werden, wurden ab 1. Juli die Beiträge der Gewerkschaften von 40 Pf. auf CO Pf. pro Jahr und Mitglied erhöht.— Der vom sozial- demvkratischen Wahlverein und vom Kartell eingesetzte Bildungs- ausschutz veranstaltete im verflossenen Jahre zwei Theaterabende, einen Lichtbildervortrag und eine Jugendschriften- und Wandschmuck- ausstellung. Die vom Kartell gemachten finanziellen Aus- Wendungen betrugen 320 M.— Die Organisationen der Friseure und Handlungsgehilfen bedurften zur Agitation unter ihren Berufskollegen der iatkräftigstcn Unterstützung des Kartells, Leider nicht mit befriedigendem Erfolg. Zur Unterstützung der streikenden und ausgesperrten Tabakarbeiter wurden 533,50 M. abgesandt.— Die Neuwahl des Kartellausschusses ergab folgendes: 1. Borsitzender: Rcinfeld, Holzarbeiter; 2. Vors.: Buchmann, Maler; Kassierer: Förster, Holzarbeiter; Schriftführer: Gruhl, Metall- arbeiter; Revisoren: Rosenau, Kupferschmied, und Schmidt, Schmied; Lokalkommission: Gerth, Metallarbeiter, und Rose, Schmied.— Die Transportarbeiter teilten mit, daß die Unternehmer im Fuhrgewerbe den Tarif wegen eines strittigen Punktes gekündigt haben, doch hätten sie ciiien neuen Tarif anerkannt, welcher für die Arbeiter noch manche Verbesserung verbürgt. In schwerverletztem Zustande wurde am Donnerstag, nachts gegen 12 Uhr, in das hiesige Oberlin-Kranketihaus der am 10. März 1880 in Berlin geborene Arbeiter Georg Schöpfer, der zuletzt im Asyl für Obdachlose in Berlin genächtigt hatte, eingeliefert. Er hatte sich auf der Strecke zwischen Grunewald und Nikolassee vor einen Stadtbahn- zug geworfen, um seinem Leben gewaltsam ein Ende zu machen. Ueber die Veranlassung zu der unseligen Tat konnte nichts ermittelt werden, da der Schwerverletzte kurz nach seiner Einlieserung im Krankenhause verstarb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben._ Marktbericht von Berlin am S. Ztzcbruar 1912, nach Ermittelung dcS königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) IVO Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36,00—50,00. Speisebohncn weize, 40,00—60,00. Sinsen 40,00—80,00. Kartoffeln 11,00—15,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,50. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 4,50—8,00. 1 Kilogramm Karpsen ILO— 2,40. Zlale 1,20—3,00. Zander 1,60-3,6(4 Hechte 1,20—2,60, Barsche 1,00-2,00, Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 stück Krebse 4,00—30,00. Wttterungsübersicht vom 19. Februar ISIS. "i? n- lil 2 —5 8 6 3 Wetterprognose für Sonntag, de« 44. Februar 4S4S. Zeitweise heiter, viclsach nebelig oder wolkig, am Tage mild bei meist schwachen veränderlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. B-rliner Wette rburcau. Für die Einsegnung besonders vorteilhafte Angebote Schwarze Kleiderstoffe breite, gewebte und gestickte auf UUlti Ui Cll Voile-, Eolienne-, Popeline- etc. Grundstoffen in hübschen Mustern, 110 bis___ o m 120 cm breit.,. Meter M. 6.80, 5.50, 4.80, J.DU Voile, Marquisette, Chichinette, P f a m i n durchsichtige, leichte Gewebe in glalt und mit U-Lcl IlC aparten Seidenstrcilcn.-t-wz-i es. 110 cm breit........ 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 68 387 766 1324 65 81 758 67 2130 247 350 698 3038 247 357 559 708 803[2001 84 4069 869 5295 99 •450 684 97 607[200] 11 712 0004 7398 402 644 945 8306 634 9210 53 600 618 22 767 19083 333 88 417 610 11052 455 832 95 950 ; 12504 741 13004 35 45 80[400] 113[200] 83 357 894 316 44 14335 99 498 506 75 77 600 71 927 72 ; 15269[200] 437 893 952 16210[200] 830 17001[200] 628 955 1 8037 129 575 931 19111 314 608 797 609 20251 782 883 906 2 1360 681 87 744 2 2457 629 67 23022 26 48 187 450 681 915 24079 108[200] 238 90 4 29 760 873 2 5 233 632 74 758 2 605 6 75 903 2 7 083 [200] 226 49 314 39 571 99 604 751 945 28136 41 333 632 917 72 2 9041[200] 691 769 86 825 58 39300 560 31066 70 71 222 679 649 32265 358 447 750 79 33190 441 79 629 667 704 09 902 69 34136 695 704 15[400] 35028 331 853 95 972 3 6387 629 [600] 636 53 73 730 843 99 37774 36 809 75 38159 327 507 57 884 922 39033 283 308 30 62 663 40343 67 565 832 41079 100 261 367 427 713 SZS 42013 55 308 94 403 687 991 43213[300] 472 631 017 822 88 4 4029 178 247 54 61 380 486 798 4 5 273 317 37 48 530 767 88 971 46199 308 815 36 47170 [200] 602 97[200] 48171 632 93 828 920 26 49191 602 11 788 940 50221 683 685 5 1 234 627 703 5 2027 348 633 747 53242 611 63 629 709 5 4022 184 291 508 989 55189 626 672 953 65 58192 464 83 509 67295 308 26 456 619 820 924 58075 484 521 43 924 42[400] 59243 411 599 638 745 69 935 66 60143 SO 63 224 648 98 769 85 884 61064 339 332 783 89 880 907 6 2043 353 514 658 725 938 6 3044 256 887 6 4203 718 6 5010 56 893[200] 978 66085 III 219 59 327 705 86 94 6 7 266 461 86 6 8008 45 365 607 673 830 929 69012 577 821 912 38 79002 315 621 745 809 22 71119 239 783 818 72360 683 95 843 87 73158 220 327 400 84 963 74115 412 60 900 75045 166 248 83[200] 330 71 412 76098 262 385 541[200] 70 705 90 77171 217 373 76 451 630 898 78139 63 80 904 40 79124 486 577 763 817 [300] 22 90168 213 97 737 631 81151 252 373 622 735 37 •85 910 37 8 2055 409 768 8 3671 889 972 94 8 4208 820 692 96 790 901 85016 20 502 69 716 29 33 86577 TIO 864 997 87161 79[300J 291 361 441 553 677 747 917 88134 96 211 402 61 72 589 863 71 89017 395 621 981 90211 34[400] 499 821 01182[200] 270 4SI 827 920 49 92160 75 289 403 6 8 554 9 3428 708 881[200] 975 94324 619 673 810 919 78 95095 162 411 603 87 [200] 622 822 98108 240 60 639 61 798 07183 92 204 29 81 353 566 72 943 98083 108 64 511 842 90113 98 282 622 660 773 871 199027 70 191015[3000] 372 1 92418 641 701 866 193027 39 97 144[509] 79 194242 65 682 772 841 195116 276 487 825 1 96350 972[300] 197159 388 789 1 98456 62 1 99365 857 119358 72 771 1200] 923 64 111054 344 57 92 439 523 79 060 112015[300] 83 276 77 310 56 77. 450 82 762 89 113.59 508 52 114401 505 742 947 115079 287 496[200] 118636 863 83 914 117027 146 69 98 239 485 973 94 118230 48 704 61 119426 [200] 602 724 120060 302 691 688[300] 088[200] 95 1 21 059 383 544 827 885 122460 687 822 995 123211 65 322 867 954 1 24430 615[200] 98 857 900 125044 81 250 466 765 818 126022 141 45 201 65 470[200] 802 929 127005 194 253[400] 306 717 46 81 924 128122 50 88 661 Sil 96 97 775 1 29109[200] " 130097 121[600] 279 592 824 810 86 131085 372 456 525 607 712 1 32181 223 302 61 444 584 813 15 [200] 133267 830 1 34439 1 35055 88 141 89 930 136160 299 342 709 78 925 79 137012 211[200] 485 581 94 666 61[300] 138000 72 458 527 817 29 1 39204 601 993 140532[200] 691[200] 94 842 1 4 1062 100[5000] 88 210 337 402 68 571 608 734 142240 58 848 1 43049 428 607 715 803 1 44036 314 641 42 737 48 958 1 45288 88 394 477 511 630[200] 787 868 86 907 146128 324 655 68 683 701 3 1 47 035 68 287 410 687 943 148350 690 734 149035 175 208 60 346[400] 560 731 70 915 150055 126 271 400 919 1 5 1 322[200] 448 63 549 152434 631 61 94 815 73 90 163001 159 84 261 723 854 989 1 5 4221 360 640 948 1 55 479 898 1 58077 452 747 96 995 157193 237 481 687 790 158150 23* 675 159497 533 902___ 160026 268 522 642 764 1 6 1 833 95 1 62055 94 240 737 869 163000 23 621 713 966[200] 164867 165018 230 443 614 39 812 977 1 66218 67 310 1 67252 92 691 168198 324 401 5 544 669 783 1 69245 385 605 64 883 17 9082 284 344 778 SOS 171018 236 493 519 812 927 1 7 2014 199 219 883 973 1 73045 139 88 215 401 517[200] 718 828 41 174127 806[1000] 905 43 175013 152 222 467 763 900 56 176135 654 748 829 37 177429 774 1 7 8008 332 484 816 953 1 79179 312 71 474 785 99[200] 954 65 180009 38 159 93 249 477 789 77 885 962 62 18 1 045 1 82034 75 167 380 657 903 4 1 83172 233 47 99 330 690 619 802 920 1 84152 711 185068 775 [3000] 837 947 186139 652 86 87 701[300] 40 1 87014 172 348 549 970 1 88096 139 543 676 773 976 1 8833S 46« 76 632 674 871 2. Ziehung 2. Kl. 226. Kgl. Preuss. Lotterie. _ Ziehung vom 10. Februar 1912 naebmittnga Anf Jede geiogeme Itnnuier sind ml gleich hohe Gewinne gefallen, nnd nwnr Je einer ,»f die Loee gleicher b'nmmer In den beiden Ahtellnngen I nnd II Nur die Gewinne Uber M Mark»ind den betrellenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 33[200] 136 56 291 622 669 758 84[200] 974 1359 503 2329 779 802 3227 698 889 993 4635 5215 882 961 6379 95 848 904[2001 67[300] 7205 615 713 8103 336[500] 484 668 618 9524 63[ 200] 612 757 60 809 94 913 10404 073 76 737 62 11081 658 12022[ 400] 139 433 542 632 37 13375 663 9ä 731 818 926 38[200] 14055 282 648 608 89[300] 15088 153 294 304 493 009 13 913[490] 87 18145 362 639 798 987 17103 863 73 471[300] 707 18031 178 222 047 19452 637 720 30 902 20103 19 88 222 773 21148 422 982 2 2283 605 23129 35 484 822 25 928 39 24171 222 55 65[200] 408 1300] 919 87 25009 143 565 614 20 780 96 959 26000 198 746 93 873 27085 127 222 558 737 873 28148 247 70 340 648 838[200] 982 29217 68 925 [200] 63 80114 215 380 412 75 707 984[400] 3 1 043 370 726 814 77 3 2102 287 542 63 90 891 922 3 3 013 ISO 277 326 402 741 34172 243 773 821 35024 216 405 [200] 14 615 76 893 963 70 3 6342 457 600[200] 69 37218 590 699 952 8 8013[200] 171 73 218 62 940 39373 923 48060 478 633 713 872 4 1 232 583 989 4 2006 66 117[400] 396 407 613 4 3333 407 623 13000] 89 44333 625 62 627 66 79 4 5020 69 192 253 584[2Ö0] 627 945 4 8043 183 233 37 341[200] 410 793 840 948 47029 140 48157 70 154 766 4 9325 39 433 56 708 99 800[200] 50530 5 1 084 413 855 871 915 5 2058 72 HS 24 004 781[200] 837 5 3 237 84 332 71 402 93 572 91 64303 853 968 5 5603 686 862 94[1000] 56106 91 870 742 57052 62 129 311 31 634 635 713 49 935 68372 923 59906 67 60217 364 462 555 771 842[200 44 985 61180 205 19 610 711[500] 971 62163[200] 399 402 61 97 882 63098 234 82 477 88 523 663 88 708 841 60 84030 94 319 1200] 84 495 648 799 612 29 46 6 5553 729 6 8004[200] 37 186 249 394[200] 444 829 67137 76 374 825 997 88613 6 9315 498 683 812 53 904 60 7 0230 550 71112 205 687 723 086 7 2060 422 603 700 868 98 924 7 3 028 348 403 604 82[200] 72 725 51[300] 74767 90 973[400] 84 7 5048 2-7 367 672 639 705 76175 77176 455 603 93 78678 79-85 541 80055 334 810 81005 447 648 721 839[300]»2085 [300] 452 687 94 781 88054 638 683 817 23 901 84350 607 8 5430 69 8 8060 128 240 396 IB000) 615[200] t40 665 8 7070 60 210 406 64 67 90 535 968 8 8004 •74 297 422 20 8 9000 266 323 91 658 90084 280 327 471 875[200] 973 9 1062 202 41? 42 65 407 30 545 605 773 948 92472 730 941 83210 390 581[2001 083 884 94135 64 262 366 805 TO|900] 936 95195 263 301 509 64 797 996 98300«90 85li 687 757 73 97141 328 674 98121 231 98 305 722 971 99003 296 98 349 68 644 71 809 28 952 100129 342 417 24 34 1 0 1 054 67 168 98 2691 648 763 1 02401 683[200] 91 844 87 963 108173 87 393 682 742 544 104054 101 79 466 78 86 931 105090 197 400 1 06428 706 1 07190 645 736 834 931 94 108065 123 39 75 98 239 84 830 905 109103 [300| 201 33 110117 302 447 514 718 827[200] 921 lllOOi 112095 202 522 42 90 856 113010 172 280 516 78 79 822 114095 147 221 57[300] 785 819 941 115521 050 116121 30 265 337 651 841 65 917[2001 117000 62 281 384 559 118070 79 457 594 753 684[4001 119443 64 819[500] 35 SSO 120269 460 726 845 1 21185 69 390 T1T 929 122004 76 219[200] 307 8 470[1000] 694 1 23034 407 725 801 124100 1 276 417 643 94 734 38 ST 831 125392 625 646 816(2001 129261 426 067 769 75 851 953 1 27146 463 918 1 28113 581 675 1 29097 104 80 81 767 858 130580 95 676[300] 86 803 901 13 1 071 U4 [2001 87 98[1000] 369 447[200] 86 649 761 MI 132063[200] 1S9 266 97 334 935 133762 949 134144 562 1 35164 264 622 1 3S081 224 310 24 651 779[300] 137t 2[200] 73 102 227 726 826 44 138006[1000] 702 97 139270 564 782[400] 140228 322 548 687 7,1 891 011 71 141183 986 339 773 843[200] 914 1421C0 233 567 601 601 743 143032 147 84 216 314 472 82 1 44473 010 1 45109 47« 619 963 89 148303 425[200] 08 91 621 643 888 92 147322[2001 688 778 840 1 48089 106 039 783 95 827 3S[400] 149389 735 830 026 49 69 120104 18 460[200] 15 1 232 609 54 1 3 2027 [200] 40 142 351 80 417 563 752 153007 137 745 85 852 154132 41 274 440 99 155061 137 574 829 939 166383 432 87 726 864[300] 157493 608 943 158320 452 681 710 15833t 93 622 Ol 724 ___ 169053 173 475 680 711 899 867 181150 438 162132 70 86 282|200| 676 973 163009 16 224[2001 368 417 33 71 556 604 14 29 757[200] 315 972 184151 288 568 682 843 63 1 65249 385 988 1 66020«2g 029 [3001 701 167042 168 216 420 029 47 856 1 88114 322 468 502 532 49 713 32 886 1 69315[200] 635 830 700 823 17 0490 647 71 788 982 1 7 1227 89 342 59 432 34 37 708 172210 63 37 50 85 624 874 178040 75 378 435 604 711 73 880 83 1 74133 604 44 728 Sil 175003 147 420 2J 620 28 828 176359 177256 302 731 173171 240 71 345 503 1 7 9220 814 180068 133 380 567 PI IblOlO 45 1 82300 [200] 699 705 853 60 967 183020 210 19 355 463 604[500] 724 1 84007 311 701 185153 291 633 700 [200] 2 845 1 86380 1 87029 196 634 606 740 1 88174 358 495 665 678 844£31 189054 297 658 97 767 701 963 78 Die Ziehung tu L KUz— badet am 1. und t, März 1912 atatt. SetontiDortltgei ftetaltuii; Ulbert«ach», Berlin. Aur tat Jnjeratenteil verantw.j TH.BlHckc, Berlin. DriiS S. vertag: Sorwart« Kuchdruckerci u. Be rlagSanswit Paul Singer Berlin SW. Nr. 35. 29. Jahrgang. 5. Ktilm des Joniiiirts" Kerlm Bolliülilott Zanntag, 11. Febrnar 1912. AIMHaMchei' Vochenberlcht. Berlin, 10. Februar. Der hoffnungSfrehe Landwirtschaftsminister.— Wer sind die Preis- treiber?— Die vorweg freigesprochenen Agrarier.— Die Bieh- zählungsergebnisse.— Berminderung in der Flcischversorgung.— Zölle und Einfuhrscheinsqsiem als verteuerungsmechanismus. Der ultramontane Landwirtschaftsminister, Freiherr v. Schor- lemer-Licser, ist voll und ganz der Mann der Agrarier. Vor einigen Monaten ließ er eine dringliche Warnung an sie ergehen, für eine Förderung der vernachlässigten Viehzucht Sorge zu tragen. Wahr- scheinlich werde im Sommer 1912 mit einer größeren Viehnot und mit einem scharfen Anziehen der Preise zu rechnen sein. Die Agrarier erachteten das als eine unberufene Mahnung. Hatten sie doch immer behauptet, die Ställe ständen voll Vieh, das Angebot sei so groß, daß die Züchter mit unzulänglichen Preisen sich be- gnügen müßten. Für die Teuerung seien einzig und allein die Händler Und das Geschrei der Liberalen und Sozialdemokraten vcantwortlich. Wie konnte es da ein Minister wagen, von Vieh- mangel, gar von dem Auftrieb unreifen Viehes zu reden! Eine Wolke des Unwillens stieg auf. Der Minister war gewarnt! Nun ist er wieder Hahn im Korbe. Er bekehrte sich zu einem frohen Optimismus. Es gibt keine Viehknappheit und keine— gerechtfertigte Fleischteueruna! Also sprach er am Donnerstag im Preußi- sehen Landesökonomickollcgium, dessen Tagung der großen land- »oirtschaftlichen Woche, der Parade des Bundes der Landwirte, vorausgeht. Der Landwirtschaftsminister berief sich zur Begrün- dung seiner revidierten Auffassung auf die' Ergebnisse der Vieh- z«hlung vom 1. Dezember 1911. Demnach hat sich die Zahl der Pferde gegen 1919 um 42 834, die Zahl der Rinder um 76 996 und die Zahl der Schweine um 731 118 vermehrt. Die Bündler quittierten über die Rede de? Ministers mit— 'ebbaftem Beifall. Ein Stichwort war ausgegeben. Landrat von »Slitzing-Kleinsprottau wußte mitzuteilen, daß es im kommenden Lämmer wieder ein Fleischnotgeschrei geben werde. Er forderte Auskunft, wie weit die Erhebungen über die Spannung zwischen Schweinepreisen und Schweinefleischpreisen gediehen seien. Also man weiß: es gibt wieder ein„Teuerungsgcschrei"! Aber jetzt schon hat ein Minister konstatiert: die Teuerung ist nicht gerecht- fertigt! Durch diese Vorschußvertcidigung sind die Agrarier auf alle Fälle gedeckt. Allerdings, Ministerialdirektor Dr. Schrocter mußte erklären, daß man über eine einwandfrei« Methode der Preisfeststellungen nicht verfüge, aber darauf komme es weniger an, als auh die Ermittelung der Spannungsverhältnisse. Großes Vertrauen zu der Arbeit des Landwirtschaftsministeriums, dessen Urteil bereits festgelegt ist, werden wohl nur die Agrarier auf- bringen. Doch wie steht es mit der Behauptung über die ausreichende Viehproduktion? Zunächst weiß man noch nicht, ob es sich bei der schlachtreife oder nur um sunge Tiere handelt. Der !ann größer geworden sein, bei gleichzeitiger Ab- s schlachtreisen Viche«. In den letzten Monaten sind sehr diele unreife Tiere aufgetrieben worden. Das hat der Herr Land- Züchter reife? Vieh Markt bringen, ist nicht anzunehmen. Daher liegt die Vermutung nahe, daß der Bestand an jungen, unreifen Tieren sich erheblich vergrößert hat. Damit verlieren die angegebenen Zahlen schon bedeutend an Wert. Aber auch dann, wenn das Verhältnis zwischen reifen und ganz iungcn Tieren keine ungünstige Veränderung erfahren hätte, be- beutete die absolute Zunahme eine relative Verschlechterung d«s Zunahme um Gesamt «nme wirtschaftsminister selbst konstatiert. Daß die im Stalle lassen, junge leichte Tiere auf den nicht anzunehmen. Daher liegt die Vermut Viehbestandes. Ein Vergleich mit früheren Zählungen beweist taS. Unberücksichtigt lassen wir die Pferde, deren Fleisch als Nahrungs- mittel ja doch weniger in Betracht kommt. Es wurden gezählt: 1900 1904 1907 Rinder... 18 939 692 19 331 568 20 630 K44 Schweine... 16 807 014 18 920 666 22146 532 Von 1900 bis 1904 ist die Vermehrung der Schweine hinter dem Bedürfnis zurückgeblieben, daher auch die hohen Fleischpreise in den nächsten Jahren. Von 1904 auf 1905 gingen die Schweine- preise um 30 M. oder 30 Proz. in die Höhe und sie stiegen im nächsten Jahre nochmals um 5,70 M. Die Rindviehpreise anvan- cierten in den 2 Jahren, als Folge des Mangels an Schweinen, um 16,20 M. oder 12,3 Proz. Nckhh den Zählungsergebnissen beträgt die Jahresdurchschnittszunahme: von 1900 bis Von 1904 bis von 1910 bis 1907 1907 1911 bei Rindern... 241 550 432 992 76 696 , Schweinen., 762 789 1 075 288 731118 Diese Zahlen lassen keinen Zweifel darüber, daß die absolute Zunahme des letzten Jahres ungenügend ist. Sie erreicht bei weitem nicht die Durchschnittszunahme der früheren Jahre. Und selbst diese konnten uns nicht einmal vor einem Vieh- und Fleisch- mangel schützen. Da die letzte Bevölkerungsvermehrung über die in den voraufgegangenen Jahren hinausgeht, mußte in demselben Ausmaß auch die Viehproduktion wachsen. Anderenfalls bleibt, ohne Erleichterung der Einfuhr, die Fleischversorgung immer weiter hinter den zur Gesund- und Leistungsfährgerhaltung der Bevölkerung erforderlichen Quantitäten zurück. Zu beachten ist auch noch, daß, wie der Minister hervorhob, die Zahl der Schafe wiederum erheblich abgenommen hat. Daraus ergibt sich eine weitere Verschlechterung der Situation. Ueber diese Tatsache kann der Optimismus des Landwirtschaftsministers nicht hinweg- täuschen. Er ist noch weniger berechtigt, wenn man die EntWicke- lung in Preußen allein betrachtet. Hier hatte sich z. B. der Be- stand an Rindern von 1906 auf 1910 um 64 856 Stück vermindert, der Bestand an Schweinen um 1 125 699 vermehrt. Die Vcr- mehrung entspricht ungefähr dem Bevölkerungszuwachs. Diese be- rücksichtigt, hätte der Bestand an Rindern um rund 700 000 zu- nehmen müssen. Wenn daS Verhältnis für ganz Deutschland günstiger ist, dann doch nicht als Erfolg der preußischen Junker. Es war daher sehr deplaciert, als in den Verhandlungen des Landesökonomiekollegiums das stolze Wort fiel, man werde bald die vollständige Versorgung des Inlandes mit Fleisch garantieren können. Die Bemerkung entsprach wohl weniger tiner Ueber- zeugung als der Absicht, damit gegen die Forderungen auf Er- leichterung der Einfuhr zu argumentieren. Die Verhandlungen im LandeSökonomiekollegium sind weiter darum bemerkenswert, weil man wohl den Mangel an Futter. Mitteln und deren Teuerung beklagte, aber über die Frage der Abhilfe durch Aufhebung der Zölle sich ausschwieg. Wollte man dadurch vielleicht gegen eine solche Forderung demonstrieren? Dann schlüge man zwei Fliegen mit einer Klappe. Man hätte vorweg die Verantwortung für eine spätere Vieh- und Fleisch- Verteuerung auf den Handel abgewälzt und den Großgrundbesitzern die hohen Futtermittelpreise gesichert, die den kleinen Biehhalter so schwer belasten. Die Verhältnisse am Getreidemarkt fordern aber zu einer Kritik geradezu heraus. Unsere Getreideernte hat einen guten Erfolg geliefert, dagegen ließ die Ernte des Futter- getreides zu wünschen übrig. Die Brotgetreidcernte sicherte unL aber keine niedrigen Preise. Aber die knappe Ernte in Futter- Mitteln ließ den Preis hierfür enorm in die Höhe schnellen. Die Preisbewegung, wie sie sich gestaltet hat, war jedoch nur möglich, indem unsere Zölle und das Einfuhrscheinshstem nach dem Wunsche der Agrarier„regelnd" eingriffen. Wir werfen Roggen ins Aus- land, lassen uns das Vergnügen viele Millionen Ausfuhrprämien kosten und treiben damit die Inlandspreise über die des Welt- Marktes hinaus. Es fehlt uns an Futtermitteln, Hafer, Gerste und Mais sind auf dem Weltmarkt zum Teil teurer als wie Roggen. Die wunderbare Mechanik unserer Einfuhrverteuerung und Ausfuhrverbilligung sorgt nun dafür, daß man im Auslände deutschen Roggen verfuttern kann. " ich amtlichen Notierungen kosteten 1000 Kilogramm Mark: Hafer Mutter. andere 185,66 Berlin.. Breslau. Wien.. Budapest. Amsterdam London. Liverpool. Roggen 184,70 gerste Gerste Mai» 177,10 166,76 182,87 169,63 162,23— — 149,30 155,60— — 154,50 184,00 183,21 160,05— 176,00 161,84 155,30 153,04 — 189,35— 147,05— 146,73 Da die Ausfuhrprämie für Roggen 50 M. ausmacht, kann er auS Deutschland mit Gewinn ins Ausland als Viehfutter gebracht werden. Und auch die Ausfuhr von Hafer ist lohnend. Ist es doch schon passiert, daß ausländische Reflektanten auf deutschen Märkten einheimische Kauflustige überboten. Sie konnten höher bieten, weil sie bei der Ausfuhr in der Form deS EinfuhrscheinS die Prämie erhielten, die den Preis ja wieder entsprechend er- mäßigt. Die Aufhebung der Zölle auf Hafer, in der Höhe von 50 Ml. auf Futtergerste, 13 M., auf MaiS, 30 M., würde den Viehhaltern die Preise erheblich ermäßigen. DaS wäre daS beste Sicherheitsmittel gegen eine Vernachlässigung der Viehproduktion, gegen eine Verschärfung der Teuerung und gegen eine weitere Gefährdung der Ernährung des Volkes. Nur die Grohgrund- besitzer, die Futtermittel verkaufen, sind an der Erhaltung des be- stehenden ZustandeS interessiert. Und da ihr Wunsch, Wille und Portemonnaieinteresse ausschlaggebend sind, darf an den Zöllen und Ausfuhrprämien nicht gerüttelt werden.£>. Wasserftands-Nachrichte» der LandeSanstalt fllr Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berllner Detterbureau. Wasserstand M e m e I, Tllstt P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Franliurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmcritz , Dresden , Berby , Magdeburg J) bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel.— � Tlsstand. *) Schwaches ElStreiben.—•) RandeiS. DaS Eis der oberen Oder tst tn Bewegung gekommen. Nach tclegrnphischen Meldungen ist der Strom dabei heute morgen um 7'/, Uhr aus 409 om am Pegel Ratibor gestiegen, daS Ist 40 om über Aus- uscrungshöhe, aber 90 ein unter Mittelhochwaffer, bald daraus ist die Oder wieder unter AuSuforungShöhe gefallen.— Die Mosel lst clt dem 8. c i s s r c i. Wasserstand Saal«, Grochlltz Havel, Spandaus . Rathenow*) Spree, Spremberg*) . Becskow Weser, Münden , Mlnde« Rhein, MaximilianSau » Kaub . Köln Neckar, Helllron« Main, Wcrtheim Mosel, Trier am S. 2. om 118«) 65«) 94') 70 69«) 186 340«) 836 147 161 80 122') feit 8. 2. orn1) +10 11 0 +1 +37 — 38 +6 I [JUUÜUUI-JLI III I n 1 1»J 1 1 1»« II II» U 118 UJLLI I.ULULU U 1 O l.11 1 rru IT I Ii m Ii u m a ii« in i u m u m i unseres diesjährigen Inventur-Verkaufs Gffinstfge Gelegenheit zu enorm hfilligen Elnhaufen Für SratmsMtmml yemäentuch»«m m««, w***....... 2.4e> feNige Bettbezüge D*kb»ti»>o mi Kimm,,,.,• 2.75 fDel�e Bettlahen oim« Nim, lerfg....... 90 pt Damast-Bettbezüge Dwkbena i«« kiwb, i««»»emM. 5.00 Fertige Betttnlette n»«o» muoi geotnut ,,,,,,, 2.95 Damast-Tlscbtüeber innt.......... 1.25 Stubfnbandtflcber itriftii»« Dr»Bg*»»b«.«, z, 1.46 Stoße Posten mestaubte Wäsche onS«tnnlne ßzamplir. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Tischler Psial Günther Wiener Strafe 21 gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet Dienstag, den 13. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral- Fried hoscs in Friedrichsjelde aus statt. 213/1 Uni rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, dag mein lieber Mann und guter Vater Faul Günther verstorben ist. Dies zeigen tiesbelrübt an I.uise Güntfiel' und Kinder Wienerstr. 21. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichs- selde auS statt. (Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern Hierdurch zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler Faul Gunther Wiener Str. 21, im Wer von 46 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Februar, nach- mittags 4 Uhr. von der Halle des Zentral-FriedhosS in Friedrichs- selde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/16 Die Ortsverwaltung. I SozialdemokratiseherWahlvereiD des 6. Berl. Reiobstags-WaMkreises. Am 8. f Genossin, Zebruar verstarb unsere Frau Hartha Lorenz StargarderStr. 39. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen FriedhoseS in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/11 Her Vorstand. SozialdeniokratisetiJatilvereifl Cbarlottenburg. Am Donnerstag, den 8. Februar, verstarb unser langjähriger Ge- nosse, der Zimmerer IKsx ürhe. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Sonntagnachmittag llJ2 Uhr von der Leichenhalle des Friedhofes am Fürstenbrunner Weg, West- end, aus statt. Brr Vorstand. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 28. Den Berussgenossen zur Nach- richt, dag unser langjähriges Mit- glied Utax Urbe am 8. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 11. d. M.. nach- mittags l1/, Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes am Fürstenbrunner Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/2 Ter Vorstand. Deutscher Bauarbeiter-Verband Zweigverein Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranche Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Rabitz. spanner Fmil Düsterhofl nach langem Leiden im Alter von 48 Jahren am 8. Februar ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute sonntag, den 11. Februar, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- balle des neuen Luisen-Kirch. Hofes in Neukölln, Hermann- strage, aus statt. 136/20 Rege Beteiligung erwartet Der TektionSvorstand. Dodes-.4nselue. Hierdurch die traurige Nach- richt. dag mein lieber Mann unser guter Bruder, Schwager und Onkel, der Zimmermann Nax Urbe Rönnestr. 8 am 8. Februar verstorben ist. Dies zeigt tiefbetrübt an Wlvt. Ida Drbe, geb. Stessen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 11. Februar, nach- mittags'l£ Ubr, von der Halle des Luisen-KtrchhoseS, Fürsten- brunner Weg, aus statt. Sozialileniolfrat Wahlvereiii Neukölln. Den Parteigenossen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Arbeiter Eirnil Düsterhoff Karlsgartenstr. 18(24. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisen- städt. Kirchhofs, Hermannstrage, auS statt. Ferner verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Paul Wasmund Richardhlatz 7(10. Bez.). Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle deS Neutöllner. Ge- meinde-FriedhofS, Rudower Str., aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Am Donnerstag, den 8. Fe« bruar, verstarb unser Mitglied Paul Msmull«!. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Neuköllner Gemeinde-Fried- hoses in Britz, Rudower Strage, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 57/4 Oie Ortsverwaltung. ZcmldemcMchei'Mvei'eln liankwitz. Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unsere Genossin Martha Moese geb. Wittig am 8. Februar verstorben Ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, Grog-Lichter- selde, Langeitrage. statt. Um rege Beteiligung ersucht 201/9 Der Vorstand. Äckldemuki'atizeh.Mvrä Nieder-Barnim. Bezirk Rummelsburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag ani Freitag, den 8. Februar, unser Genosse, der Tischler �nxnst Hemp Seumestr. 19(17. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Rummelsburger Ge- meindesriedhofes, Lückstrage, au» statt. tj/g Tie Bezirksleitung.' Am 8. Februar verschied plötzlich und unerwartet durch einen Un- glückssall das langjährige Mitglied meines Hauses »err Wilhelm Märtner im 22. Lebensjahre. Ich verliere in ihm emen treuen und zuverlässigen MiMrbeiter. dessen Andenken ich stets in Ehren hatten werde l Berlin, 9. Febr-uar 1912. SSOlb Emil natheus. Am 8. Februar entrig unerwartet der Tod unseren lieben Kollegen 2902b Wilhelm Märtner. Wir rusen ihm ein ehrendes Andenken nach. Das Personal der Firma Emil Iiiathens. XXuv Äjl-awv wftijW jOUw /VWwjifVW MoUcfi rShw Ojitßoißd'£ l Unterzeichnete erlauben sich die tiesbetrüble Anzeige, dag unsere inniggeliebte, gute Mutter Frau Flise Mücke geb. Wohl brück im 74..Lebensjahre am 9. Februar d. I., früh 5 Uhr, nach einer schweren Lungenentzündung sanst entschlasen ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des Heiligkreuz- Kirchhofes in Mariendors aus statt. Um stilleS Beileid bitten •Jobanna Bücke Karl Bücke Barle Bücke Bargarete Bücke Theodor Bücke. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Arbeiter .Johannes Garske am 8. d. Mts. im Aller von 32 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Februar, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Seichen- halle des Kreuz- KirchhoseS in Mariendors aus statt. 61/19 Oie Bezirksverwaltung. Saal frei: Sonnabend, den 2., 23., 30. März 1912. Sfencs Klnbhans,* Neukölln, Hermannstrahe 166/167. Dr. med. Schaper, Berlin. Die Harnleiden Ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung. a 8. Tausend. □ Preis Verlag Max Richter Trankfurt a» Oder, Buschmühhref. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄplSz 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2— 4 � Gneisen austraße 10, A S. Gran, billigste u. beste{ Bezus-sauello für• f Haut- n. Harn- f leiden, Ehrlich• Hata. Schäden d. 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