Ar. 36. HbonnenKtitS'ßedingungen: Wonnements> Preis vrümrmerando! Liciicljähri. g.M Ml, monatl 1,IV Ml. wöchcnllich 2S Pfg. frei ws HauS. Einzelne Nummer S Pfg. EonniagS- nimnner mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well' lv Pia Post. ilbonnemenu 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas- Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Unoarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dünemark, Holland, Italien Luxemburg. Portugal. Aiunünien. Schweden und die Schweiz. «»«litt lZg»» auf! er montaas. 89. Jahrg. Verlinev Vollcsblcttk. die snkertionZ'Ledah? beträgt für die sechsgespaltene Kolon ei- »eile oder deren Raum.«> Pfg,. sür politische und gewerkschaftliche Lerews- Und Versammllings. Anzeigen 30 Pfg. „Aletne»n-« gierung und die Schwarzblauen durchsetzen sollen, oder sie werden zu einem Anhängsel der Konservativen, was ja ihr rechter Flügel eigentlich schon lange ist. Ob die Partei, die nun von einer Krise in die andere gerät, diesen Zustand lange aushält, ist zunächst nicht unsere An- gelegenheit. Daß der neue Umfall bei ihren Anhängern nichts weniger als Begeisterung auslösen wird, sagt ja schon die „National-Zeitung", wenn sie schreibt: .Dieser Beschluß der nationalliberalen ReichstagSfraktton wirb bei einem großen Teil der Parteifreunde ebenso auf Widerspruch stoßen, wie eine Minder- h ei t sich gegen jede Beteiligung an dem.Großblock-Präsidium" ausgesprochen hat. Es wird nicht an Stimmen fehlen, die diesen Ausweg aus einer tatsächlich nicht zu bestreitenden Schwierigkeit als Ruckzug vor den Konservativen und dem Jen- t ru m bezeichnen werden, denen cS in erster Linie darauf an- kommt, die parlamentarische Lage zu verwirren, um Reichs- kanzler und Regierung gegen die Linke scharf zu machen und zur Anlehnung an die Rechte zu zwingen." Diese Stimmen haben jedenfalls recht, und mit einiger Neugier wird man sich fragen, ob unter ihnen nicht auch die des Abgeordneten Bassermann sein wird, des bisherigen Führers der nationalliberalen Partei. Die heutige Sitzung des Reichstages wird sicherlich ver- tagt werden. Mittwoch wird die Präsidentenwahl stattfinden. Bis dahin haben die Nattonalliberalen Frist— eine Galgenfrist, wenn sie nicht in letzter Stunde sich aufraffen. Die Präsidentenwahl hat erhöhte politische Bedeutung erhalten. Denn über die Eristenz der nationalliberalen Partei fällt zu- gleich die Entscheidung. Csndwlrte and Steuerveranlagung. In den Debatten des Abgeordnetenhauses über die neuen Steucrvorlagen hat die Frage, ob den Landräten der Vorsitz in den Veranlagungskommissionen abgenommen werden soll, einen breiten Raum beansprucht. Der§ 36 des Einkommensteuergesetzes besagt, daß für jeden Veranlagungsbezirk unter dem Vorsitz des Landrat» oder eine» von der Regierung zu ernenpenden Kam- missarS eine Vcranlagungskommission zu bilden ist. Hiernach führt � also der Landrat ohne weiteres dxn Vorsitz in der Veranlagungs- lommission. Daß daS bei der Stellung des Landrats und an- gesichts seiner sonstigen Geschäfte Mihhclligkeiten zeitigen würde. hatte bereits Miquel vorausgesehen. Daher sein Vorschlag im � Saljre I8Ö1, nicht den Landrat, sondern einen besonderen»Finanz- inspektor überall zum Vorsitzenden der Veranlagungskommission zu machen. Auch der Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben. dem doch wahrhaftig jede liberal« Anwandlung fernlag, hat die Be- denken gegen die heutige Organisation nicht verkannt. In seiner letzten Etatsred« vom 1k. Januar 1910 nahm er zwar die Landräte gegen die ihnen gemachten Vorwürfe in Schutz, aber er ließ be- reit» durchblicken, daß er bereit sei, die Landräte von den Steuer- geschäften zu entbinden, falls ihnen durch die VerwaltungSorgani- sation noch anderweitige Arbeiten zugemutet würden. Noch beut- ücher gab er diesem Gedanken am lg. Februar desselben Jahre» Ausdruck, als er darauf hinwies, daß, wenn man dem Landrat weitgehende Geschäfte auf dem Gebiete des Schulwesens überträgt, wenn man ihn in eine organische Verbindung mit den Meliora- tionsbaubeamten, mit den Kreisschulinspektoren bringt, sehr wohl die Gefahr eintreten kann,„daß, wenn man ihm auch noch die Steuergeschäfte überläßt, er viel zu sehr an den Schreibtisch ge- bannt ist". Und er fügte hinzu, wenn wir die Gestaltung der Ver- waltungsreform übersehen können, werden wir uns schlüssig zn machen haben, ob man besondere Veranlagungskommissionen ein» setzt oder welche sonstige Organisation in dieser Beziehung zu treffen ist. Nun ist ja die Verwaltungsreform noch lange nicht ab- geschlossen, wie niemand weiß, was dabei herauskommt. Das eine aber scheint festzustehen, daß den Landräten dadurch weitere Arbeit auf neuen Gebieten, vor allem auf dem des Volksschulwescns, er» wächst. Ist das der Fall, so muß ihnen nach Ansicht Rheinbaben» der Vorsitz in den Veranlagungskommissionen auf alle Fälle ab- genommen werden. Es ist ja auch ein offenes Geheimnis, daß Rheinbaben in der letzten Zeit seiner Amtsperiode cS für not- wendig gehalten hat, im Interesse einer richtigen Erledigung des Einschötzungsgeschäfts nicht nur die Landräte im Vorsitz der Ver- anlagungslommissionen durch besondere technisch geschulte Kom- missare zu ersetzen, sondern auch die zweite Instanz im Veran- lagungsverfahren von den Regierungen abzutrennen und die Ge- schäfte auf besondere, unmittelbar unter dem Finanzminister stehende Steuerdirektionen für die direkten Steuern zu übertragen. Er soll sich auch amtlich dahin ausgesprochen haben, und ebenso soll sich sein Nachfolger, der heutige Finanzminister Dr. L e n tz e, dieser Auffassung vollkommen angeschloffen haben. Um so un- erklärlicher ist, daß Herr Dr. Lcntze in den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses plötzlich eine andere Haltung eingenommen hat. Der von ihm geltend gemachte Einwand, daß wir zurzeit nicht die genügende Zahl hinreichend ausgebildeter Vorsitzender der Ver- anlagungSkommisswnen haben, um in allen Kreisen sofort neue Vorsitzende anstellen zu können, ist doch wahrhaftig nicht stichhaltig. Es müssen andere Gründe vorliegen, die das Staatsministerium veranlaßt haben, von einer Abänderung des 8 36 abzusehen. Wer diese„Gründe" kennen lernen will, dem empfehlen wir, die Rede des konservativen Abgeordneten Landrats von Bockelberg vom 3. Februar dieses Jahres genau durchzulesen. Der Eifer, mit dem Herr von Bockelberg seine Berufskollegen gegen den Vorwurf des parteipolitischen Mißbrauchs ihrer Stellung als Vorsitzende der Veranlagungskommissionen in Schutz nahm, ist höchst verdächtig. Um so mehr, wenn man damit die Ausführungen des Oberver- waltungsgerichtsrats Falkenhahn vergleicht, der vor nicht all- zulanger Zeit im„Tag" geschrieben hat: „Der Grund für die häufig nicht richtige steuerliche Erfassung von Einkommen und Vermögen in den Landkreisen liegt viel- mehr bei einer Reihe von Landräten an der Scheu, die Angaben derjenigen Personen, mit welchen sie gesellschaftlich berkehren, welche sie für die Kreisvertvaltixng brauchen, anzuzweifeln, teil- weise Wohl auch, besonders wenn die Landräte selbst Grund- besitzer oder mit solchen verwandt sind, in der Neigung, das- jenige Einkommen, welches bei Landwirten meist durch Schätzung gefunden wird, wie der Geldwert der für den Haushalt entnommenen Wirtschaftserzeugnisse und der Wert der Wohnung im eigenen Hanse, zu niedrig zu schätzen." Zweifellos wird diese Frage in dem weiteren Stadium der Beratungen der Steuergesctze noch eine große Rolle spielen. Wir können nur wünschen, daß endlich der Miquelsche Plan in die Tat umgesetzt wird und besondere Finanzinspektoren angestellt werden. Geschieht das, so wird die Regierung auch ohne eine Steuer- erhöhung die Mittel bekommen, die sie nach ihren Angaben zur Ge- sundung der Finanzen bedarf. Daran lassen die bekannten Ent- hüllungen Delbrücks und anderer Kenner der Verhältnisse keinen Zweifel aufkommen. Vas CekHendegänguls des Soldaten ilernoult. Paris, 11. Februar.(Eig. Ber.) Das Leichenbegängnis, da» das revolutionäre Paris heute dem Soldaten A e r n 0 u l t ge- rüstet hatte, wurde zu einer überwältigenden Kundgebung gegen die' Militärjustiz und gegen den Militarismus über- Haupt.— Aernoult war ein Soldat, der im Juni 1900 in eine Strafkompagnie in Dschenan-e-el-Sar geschickt wurde. Am Morgen nach seiner Ankunft war er tot. Der Militärarzt, der die Autopsie vornahm, erklärte, es liege anscheinend ein Gehirnschlag vor, der durch die außerordentliche Hitze verursacht worden sei. Der tödliche Ausgang könne allerdings durch die heftigen Kontusionen beschleunigt worden sein, die sich der Mann in einem Anfall von krankhafter Erregung selbst zu» gefügt haben könne! Die zahlreichen Aufschürfungen an den Handgelenken, den Ellenbogen und den Gliedmaßen seien anscheinend die Folge einer sehr starken Einschnürung, die durch die Mittel herbeigeführt worden seien, die man zur Bändigung des Disziplinar- s 0 l d a t e n habe anwenden müssen— Der Hauptmann AernoultZ schrieb drei Tage nach Aernoults Tod dem Vater des Soldaten einen Brief, worin er davon sprach, daß dieser trotz der erhaltenen guten Ratschläge am 2. Juli sich einem Zornausbruch hingegeben habe und dabei vom Schlag getroffen worden sei.... Aernoult wurde auf dem Friedhof von Bcni-Nuif mit„militärischen Ehren" begraben und mit ihm wäre die ganze Affäre begraben gewesen. wenn nicht der Strafsoldat R 0 u s s e t. der in einer Zelle neben Aernoult interniert gewesen war. mit der Anklage hervorgetreten wäre, daß Aernoult an den Folgen fortgesetzter Miß. Handlungen gestordeu sei. Andere Zeuaeu wurden ein. geschüchtert, zum Teil auch wegen„Verleumdung" mit Arrest be- straft. Rousset aber lieh sich nicht abschrecken. Der junge Soldat, der vordem ein leichtsinniger Bursche gewesen war, legte nun einen geradezu heroischen Wahrheitsmut an den Tag. Um vor Gericht gestellt zu werden und dort das Verbrechen offenbar zu machen, machte er sich einer Gehorsamsverweigerung schuldig. Am 19. JanuarWIO wurde er zu fünf Jahren Gefängnis ver- urteilt, ohne daß man ihm erlaubt hätte, seine Motive klarzulegen. Immerhin war von der Angelegenheit schon so viel in die Presse gedrungen und auch die Kammer hatte, infolge einer Intervention des Genossen Allemane so viel Interesse für sie gezeigt, dah man es für nötig hielt, die Beschuldigten reinzuwaschen. Im letzten September kam es vor dem Kriegsgericht zur Verhandlung gegen drei Chargen, vor allem den am schwersten bezichtigten Leutnant S a b a L i e r. Sie wurden freigesprochen. Die Belastungszeugen waren entweder verschwunden, auf Urlaub oder aus dem Heeres- verband entlassen oder sie„widerriefen". Rousset aber sollte seine Anklage noch schwerer bützen. In eineni Raufhandel war ein Soldat tödlich verwundet worden. Rousset wurde als der Täter in Untersuchung gezogen, trotzdem außer der Tatsache, daß er sich in der Nähe des Tatortes befunden hatte, nichts gegen ihn vorgebracht werden konnte. Der Sterbende selb st hat Rousset als nicht schuldig bezeichnet. Trotzdem wurde dieser zu 29 Jahren Zwangsarbeit ver- urteilt. Dieses Urteil hat die Erregung, die in der Arbeiterschaft seit dem Fall Acrnoult weitcrbebte, außerordentlich gesteigert. Broschüren, Affichen, Protcstvcrsammlungen machten die Oeffcnt- lichkeit mit den schmählichen Prozeduren bekannt. Das Prole- tariat, das seinerzeit für die Rehabilitierung des Bourgeois Dreyfus eingetreten ist, forderte, daß auch seinem Dreyfus Recht werde. Die radikalen und exsozialistischen Streber, die die berühmte„Affäre" hinaufgebracht hat, versagten freilich ganz; die bürgerliche Presse tat die Angelegenheit damit ab, daß Rousset, der ja sicher nicht aus dem empfehlenswertesten Milieu stamlnt, kein Interesse beanspruchen könne>— als ob ein Justiz- mord selbst an einem„Apachen" nicht Justizmord bliebe. Auch die„Intellektuellen" rührten sich kaum. Nur die„Liga der Menschenrechte" setzte sich schließlich in Bewegung. Um so stärkere Wellen schlug die Agitation im Proletariat. Die Pariser Erdarbeiter, zu denen Aernoult vor seiner Militär- zeit gehört hatte, beschlossen, seine Leiche kommen zu lassen und in einem großartigen Begräbnis den Willen der Arbeiterschaft zu manifestieren, dem Schrecken der Disziplinarkompagnien und der Standcsjustiz der Militärgerichte, die trotz Dreyfus— oder eher gerade weil Dreyfus frei ist— fortbesteht, ein Ende zu machen. Es dauerte, lange, bis die zahllosen Manöver und Schikanen, die der Ueberführung des Leichnams entgegengesetzt wurden, über- wunden waren. Aber schließlich konnte die Regierung ihren Widerstand nicht fortsetzen. Heute nachmittag kam der Sarg auf dem Lyoner Bahnhof an. Der Weg, den er zur Einäscherungshalle auf dem Pere Lachaise zurückzulegen hatte, führte durch die Straßen des äußersten Ostens, der Pariser Proletarierviertel, die im Heldenkampf der Kommune am längsten den Widerstand aufrechterhalten haben. Die Organi- sation des Leichenbegängnisses hatten das zumeist aus Anarchisten zusammengesetzte Komitee der sozialen Verteidigung, der Gewerk- schaftsvorstand der Seine und die sozialistische Scine-Föderation gemeinsam übernommen. Als Redner auf dem Friedhof waren Vertreter dieser Gruppen bestimmt: Thuilier sprach für das , /Komitee", S a v o i e und I o u h a u x für den Gewerkschafts- vorstand und die C. G. T. und R e n a u d e l für die Partei. Die Beteiligung war ungeheuer. Die Polizei selbst schätzt die Zahl der im Zuge Marschierenden und der bei seinem Vor- Überzug angesammelten und demonstrierenden Massen auf 150 009. Die Schätzung ist sicher zu tief gegriffen. Bevor noch die Tete des Zuges mit dem Leichenwagen den Pere Lachaise betreten hatte, waren um das Kolombarium gut 20 000 Personen versammelt und eine Stunde nachher standen vor dem Friedhofstor noch mindestens ebensoviel im breiten, dichtgedrängten Zug, die keinen Zutritt fanden, und zweimal soviel demonstrierende Zuschauer. Gewerkschafts- und Parteibanner und anarchistische Embleme leuchteten über den dunklen Massen, aus denen immer wieder die Töne revolutionärer Lieder und Protestrufe gegen den Militaris- mus in allen seinen Gestalten aufflogen. Die Polizei hatte sich diesmal lange mit ungewohnter Zurück- Haltung benommen und so schien alles gut abzulaufen. Herr Lepine selbst schien es als absurd erkannt zu haben, 200 000 Menschen in„kleine Pakete" zu teilen. Zum Schluß kam es indes doch am Friedhofsausgang zu einer beträchtlichen Schlägerei zwischen anarchistischen Gruppen und der Polizei, die noch den Kopf verlor und blind losgehend das Kampffeld nur er- weiterte. ver Krieg. Die italienische Kammer soll ihren Segen gebe». Rom, 12. Februar. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung der Kammer nach ihrer Wiedereröffnung am 22. d. Mts. steht die Gültigkeitserklärung des Dekrets vom b. No- v e m b e r vorigen Jahres, durch das Tripolitanien und dieCyrenaika dervollenSouveränität desKönigs- reichs Italien unterstellt werden. Ein falscher Lärm. Paris, 12. Februar. Wie der französische Konsular« agent in Hodeida bestätigt, hat das Bombardement von D s ch e b a n n a der Demenbahngesellschaft keinen Schaden zu- gefügt. vie Revolution In China. Tie Dynastie unterwirft sich der Republik. Peking, 12. Februar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Heute sind drei Edikte bekannt gegeben worden. In dem ersten nimmt der Thron die Republik an, in dem zweiten erklärt er sich mit den zwischen Juanschikai und den Republikanern festgesetzten Be- dingungen einverstanden, und in dem dritten werden die Vizekönige und Gouverneure davon unterrichtet, daß der Thron von der politischen Macht zurücktritt, um den Wünschen des Volkes zu entsprechen, und es wird an die Führer der Provinz die Weisung erlassen, das Volk ruhig zu erhalten. Ein republikanischer Gouverneur der Mandschurei. Tschisu, 12. Februar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) General Lantienwei hat schriftlich die Konsulate von seiner Ernennung zum republikanischen Gouverneur der Mandschurei benachrichtigt. Maßnahmen der„selbständigen" mongolischen Regierung. Urga, 11. Februar. Wegen der schwierigen Finanz- a g e hat die Regierung der Mongolei beschlossen, über 20000 Kamele und Pferde aus dem Besitze des chinesischen Kaisers zu verkaufen, den Außenhandel mit Zöllen zu belegen und den Transport der russischen Po st durch die Mongolei auf eigene Kosten zu übernehmen. Ferner sollen die Bodenschätze der Aus- beutung zugänglich gemacht werden. Englische Truppensendung nach der Schantunghalbinsel. London, 12. Februar. Wie die Zeitungen aus Tientsin melden, wird infolge von Unruhen in Weihaiwei morgen ein Detachement der Jnniskilling Füsiliers dorthin abgehen._ politifcbe CTcbcrlicbt. Verlin. den 12. Februar 1912. Agrarisches. Am Montag begann das Abgeordnetenhaus die zlveite Beratung des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung. Die agrarischen Hauptschreier waren nicht anwesend, sie haben außerhalb des Hauses zu tun. Wozu sollen sie sich auch erst nach der Prinz-Albrechtstraße bemühen? Wissen sie doch, daß Herr v. Schorlemer-Lieser ihre Interessen so gut vertritt, daß ihnen selbst zu tun nichts mehr übrig bleibt! Fern hinter uns liegen die Zeiten, wo die Agrarier mit der Abschwenkung ins sozialdemokratische Lager drohten, fern hinter uns die Zeiten, wo ein Chef der landwirt- schaftlichen Verwaltung, empört über die agrarische Dreistigkeit, einem Bundeshäuptling die Worte ins Gesicht schleuderte, daß das Tischtuch zwischen ihnen zerrissen sei. Die Agrarier haben es verstanden, in demselben Maße, wie ihr Anhang im Lande zurückgegangen ist, die preußische Regierung in den Dienst ihrer Sonderinteressen zu stellen, und die Regierung besorgt die Geschäfte der Agrarier ausgezeichnet. Ob die Gesamtheit der übrigen Bevölkerung darunter leidet, danach fragt sie freilich nicht. Angesichts dieser Situation konnte sich der konservative Abg. V.Arnim darauf beschränken, einige kleine Wünsche zur Sprache zu bringen und die Regierung scharf zu machen, damit sie nichts an dem System der Einfuhrscheine ändere. Auf den gleichen Ton war die Rede des freikonservativen Abg. v. Woyna gestimmt, der es als Hauptaufgabe der landwirt- schaftlichen Verwaltung bezeichnete, schon jetzt Vorsorge für die Aufrechterhaltung unseres„ bewährten� Zollschutzes gegenüber dem Ansturm der Massen zu treffen. Aus den Ausführungen des Landwirtschaftsministers ist als bemerkenswert hervorzuheben, daß der Entwurf eineK Fideikommißgesetzes im Ministerium nahezu fertiggestellt, daß aber seine Vorlegung in dieser Session nicht zu erwarten sei, da so viele andere wichtige Vorlagen ihrer Erledigung harren Den agrarischen Forderungen trat in wirksamer Weise Genosse Le inert entgegen, der das Märchen von der Not- wendigkeit der Grenzsperren aus sanitären Gründen nach allen Richtungen hin zerfleischte und den unzweideutigen Nachweis führte, daß es den Agrariern nicht darum zu tun ist, der Masse des Volkes gesundes Fleisch zu liefern, sondern daß es ihnen einzig darauf ankommt, ihrem Geldbeutel zu helfen, wo- bei die Regierung ihnen hilfreiche Hand leistet. Auch im übrigen übte Leinert scharfe Kritik an den Bestrebungen der Agrarier, deren Interessen mit denen der Kleinbauern nichts gemein haben. Unser Genosse war auch der einzige, der die Verhältnisse der Landarbeiter schilderte. Für den Minister ist es kennzeichnend, daß er während der Leinertschen Rede dem Hause den Rücken zuwandte. Erst als Hoffmann rief, der Minister„berücksichtigt" das Haus, besann sich Herr v. Schorlemer auf seine Pflicht, wenigstens äußerlich den Schein des Anstandes zu wahren. Vor Beginn dieser Debatte, die am Dienstag fortgesetzt wird, genehmigte das Haus den Staatsvertrag zwischen Preußen, Bayern, Württemberg und Baden zu Regelung der Lotterieverhältnisse. Dagegen stimmten nur die Sozialdemo- kraten, deren prinzipiell ablehnenden Standpunkt gegen das Lotteriespiel H o f f m a n n zum Ausdruck brachte. Das Ministerium Hertling. Die neue bayerische Regierung hat sich nunmehr konstituiert, und zwar in folgender Form: Justizminister: Reichsrat v. Thel e- mann; Verkehrsminister: Eisenbahnpräsident v. Seid lein; Finanzen: Staatsrat Breun ig; Kultusministerium: Ministe- rialrat Knilling; Ministerium des Innern: Freiherr v. Soden. Ter Posten des K r i e g s m i n i st e r s ist noch nicht desinitiv besetzt, doch kommt hierfür der kommandierende General des 3. Armeekorps, Freiherr Kretz v. Kre ssenstein in Frage. Das neue Ministerium trägt den ausgesprochensten r e a k t i o- nären Charakter. Es setzt sich aus Angehörigen des Zen- trums und der Konservativen zusammen. Das Zcntrumselement überwiegt, denn die Ztamen Hertling, Soden und Seidlein sind die dreier Ivaschechter Zentrumsmannen. Freiherr von Soden, der künftige Minister des Innern, repräsentiert die feudale bayerische Zentrumsaristokratie. Der neue Eisenbahnminister, der schon lange als Nachfolger des Herrn von Frauendorfer galt, war bisher Eisenbahnpräsident in Nürn- berg. Es scheint also, als ob dieser Herr jetzt berufen sein sollte, die Forderungen des Zentrums zu verwirklichen, den Süddeutschen Eisenbahnerverband zu boykottieren und die freie Gewerkschafis- bewegung unter den bayerischen Staatsarbeitern nach preußischem Vorbild zu unterdrücken. Daß ein so ausgesprochenes Ministerium der parlamentarischen Mehrheit zustande gekommen ist, klärt die Situation nur. Die „Münchner Post" stellt allerdings fest, daß das Ministerium, diese nur scheinbare Anerkennung des parlamentarischen Systems, eine Regierung gegen die Mehrheit des bayerischen Volkes ist. Sie schreibt: „So ist denn die schtvarze Garde beisammen, mit der Prinz Ludwig seine Regierung beginnt. Sic wird eine Regierung gegen die Mehrheit des bayerischen Volkes sein und da sie außer- dem ein Angstprodukt ist, trägt sie allen Keim der Zersetzung in sich. Den Minoritätsparteien und der freiheitlichen Presse im Lande erwächst auf Grundlage dieser Hof- und Rcgierungspolitik eine harte, aber auch eine dankbare Aufgabe, denn wir schreiben 1912 und nicht 1849." Wahlprotest aus Berlin l. Dem Reichstage ist jetzt gegen die Wahl des Herrn Kaempf ein Protest zugegangen. In speziellen Rügen be- anstandet der Protest 15 ungültige Stimmen. Sie sind von Nichtwahlberechtigten abgegeben worden. Darunter sind Aus- länder und Entmündigte. Diese haben gar unter der Leitung ihres Pflegers gewählt. Ferner wird festgestellt, daß für einzelne Wähler, die am Wahltage nicht in Berlin waren, ge- wählt worden ist, u. a. auch für einen Ausgewiesenen, �n einem Falle trat ein Bankdirektor an den Tisch des Wahl- Vorstandes heran, zeigte einen Stimmzettel. lautend auf Düwell; er bat um Verabfolgung eines„richtigen" Zettels. Ein Mitglied des Bureaus erhob sich,„informierte" den Herrn, trotz sofort im Lokale erhobenen Protestes, und be- gleitete ihn bis zur Wahlzelle. Ferner ist einer Anzahl Wähler, denen im ersten Kreise in ihrer Arbeitsstelle Vertrags- mäßig Beköstigung und Logis zusteht-, nach Schluß der Wählerliste mitgeteilt worden, sie seien aus Grund „eines" Antrages in der Wählerliste des ersten Kreises gestrichen und einem anderen Kreise— wo sie anch eine Wohnung besitzen— überwiesen worden. Andererseits sind viele Großkaufleute, Geschäftsinhaber usw.. die ihren beständigen Wohnsitz auswärts haben, als angebliche Inhaber von— Schlafstellen in die Wählerliste des ersten Kreises eingetragen worden. Diese eigenartige Tatsache hebt der Protest unter Anführung einiger Fälle generell hervor. Er reklamiert für Düwell aus der Streichung von Wählern 4 Stimmen Plus. Ferner eine Stimme, weil ein Wahl- Vorsteher zwei in einem Kuvert befindliche, auf Düwell lautende Stimmzettel für ungültig erklärt hat. In dem Protest wird u. a. auch festgestellt, daß in einem Wahllokal bei der Auszählung 2 Stimmzettel mehr vorhanden waren als Kuverts. Entweder enthielten zwei Kuverts je 2 Zettel oder es steckten deren 3 in einem Kuvert, was bei der Heraus- nähme und vorläufigen Aufschichtung nicht bemerkt wurde. Herr Kaempf ist als mit 9 Stimmen Mehrheit gewählt proklamiert worden. Nach dem Protest scheint die Kassierung seiner Wahl notwendig, denn insgesamt ergibt sich nun eine Differenz von 20 Stimmen, für Düwell 5 mehr, für Kaempf 15 weniger._ Nationaler Rummel. Die Ausschreier der schwarzblauen Raritätenbude sind seit etlichen Tagen in wahres Nasen gekommen. Es will niemand mehr glauben, daß nur ausgerechnet bei ihnen die einzig richtige Nationalität zu finden ist. Die Sozialdemokraten sind gottlos» und vaterlandslos, sie sind Republikaner und Kaiser- reichsfeinde, und alle, die mit ihnen gemeinsam vorgehen, sind dasselbe— so schimpfen und klagen die Besitzer des so plötzlich leer gewordenen schwarzblauen Block- theaters. Dabei wollen die Leuie verschiedenes vergessen, was zu wissen sehr notwendig ist. Bekanntlich ist daS Deutsche Reich erst wenige Jahrzehnte alt und sein Vorgänger, der Norddeutsche Bund, war ein Ge- waltsprodukt, durch das der König von Hannover, der Kurfürst von Hessen und der Herzog von Nassau, also alles christliche Fürsten von Gottes Gnaden, von dem damaligen christlichen König von Preußen vom Thron gestoßen wurden! Und wie war es bei der berühmten Versailler Kaiser- krönung? Einen Tag vor der Krönung schrieb der nachmalige Friedrich Hl. eine Aeußerung seines Vaters in das Tagebuch» die also lautet: ,17. Januar 1871. Mein Sohn(Friedrich Hl.) ist mit ganzer Seele bei dem neuen Stand der Dinge, während ich mir nicht ein Haar daraus mache und nur zu Preußen halte." Gleichlautende und noch schärfere Junkeräußerungen, welche die Verachtung der Reichsherrlichkeit ausdrücken, die von diesen Leuten immer mit der Nation und mit dem national fei» ver- wechselt wird, lassen sich zu Hunderten anführen! Die Sozialdemokratie bleibt in ihrer Auffassung der Nation gegenüber so wie sie immer gewesen ist und wie sie am 20. Mai 1899 im Reichstage in ihrer Stellung zum Vaterland trefflich durch Bebel charakterisiert wurde: .Wir sind in Deutschland und somit als Deutsche ge- boren— und wir, die wir die deutsche Sprache sprechen, an der Kulturarbeit des deutschen Volkes uns ebenso beteiligt haben wie Sie und vielleicht in höherem Matze als die meisten von Ihnen, haben dasselbe Recht an unser Vater- und Heimatland wie Sie! Aber Sie können uns nicht ver- pflichten, die Institutionen, die Sie in Ihrem Interesse ge- schaffen haben, für gut und richtig zu halten. Hier kommt unier freies Bürgerrecht, unser Menschenrecht und unsere Ueberzeugung in Frage, die uns kein Kaiser, kein Kanzler und kein Reichstag nehmen kann, mag er Gesetze machen wie er will. Darum werden wir uns wehren mit allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, gegen diejenigen. die uns unser Menschen-, unser Bürgerrecht nehmen wollen. Und wenn wir in diesem Kampfe gehetzt und verfolgt werden und viel unangenehmes zu erdulden haben, dann zeigen wir viel mehr Patriotismus und Vaterlandsliebe als diejenigen, die im Rohre sitzen und sich Pfeifen schneiden, das heißtz als diejenigen, die aus den heutigen Staats- und Gesellschastszuständen d i e größten Vorteile für sich und ihre Klassengenossen heraus zu bringen wissen." DaS ist auch heute noch nicht nur unser Standpunkt, sondern der all' jener Menschen und Staatsbürger des Deutschen Reiches, die nicht schwarzblaue Sonderinteressen, sondern das StaatSwohl vertreten! Die Abgg. Hcyl und Dr. Becker kaltgestellt? Ein Konferenz hessischer Nationalliberaler beschloß am Sonntag in Frankfurl a. M., daß die Abgg. Heyl und Dr. Becker der n»-:onal- liberalen Partei fernzuhalten seien. Beide seien nicht national- liberal, und im Interesse der Partei liege es, wenn so scharf und so rasch als möglich die volle Trennung vollzogen werde. Die Technikerbewegung in den Marinebetrieben hat nunmehr mit einem Erfolge der Angestellten ihr Ende erreicht. Bekanntlich hatte im Sommer des vorigen Jahres das Reichs- marineamt den Technikern bei den Marineintendanturen und Gar« nisonbauämtern gekündigt, um sie auf Grund eines sehr ungünstigen Privaldienstvertrages wieder einzustellen. Die Angestellten jedoch weigerten sich, diesen Vertrag anzunehmen und erklärten, lieber auS ihren Stellungen scheiden zu wollen. Die übrigen bei der kaiserlichen Marine beschäftigten technischen Hilfsbeamten erklärten sich mit den Gekündigten solidarisch und be- schlössen, die Unterzeichnung dieses Dienstvertrages ebenfalls zu verweigern. Die beiden Technikerorganisationen, der Deutsche Technikerverband und der Bund der technisch-industriellen Beamten, versuchten damals mit dem Reichsmarineamt zu verhandeln, wurden sedoch schroff zurückgewiesen mit der Erklärung, daß da« Reichs- marineamt Verhandlungen mit außerhalb der Betriebe stehenden Organisationen.grundsätzlich" ablehnen müsse. Jetzt hat sich aber das Reichsmarineamt doch gezwungen gesehen, den Wünschen der Hilfsbeamten auf Abänderung seines unsozialen Privatdienst- Vertrages zu entsprechen. Kurz vor den Reichstagswahlen(I) ist den Hilfsbeamten ein neuer Vertrag vorgelegt worden, der zwar ebenfalls noch nicht allen Wünschen der Angestellten entspricht, sich aber doch vorteilhaft von dem ersten Vertragsentwurf unter- scheidet. Die Angestellten haben denn auch in Uebereinstimmung mit ihren Organisationen beschlossen, diesen Vertrag anzunehmen, und die Organisationen haben daraufhin die über die Betriebe der kaiserlichen Marine verhängte Sperre aufgehoben. Mit dieser äußerlichen Erledigung des Konflikts kann jedoch die grundsätzliche Seite der Angelegenheit noch nicht als abgeschlossen be- trachtet werden. Wie bereits erwähnt, hat das Reichsmarineamt zu Beginn des Konflikts Verhandlungen mit den beiden Organisationen grundsätzlich abgelehnt, obwohl der Reichstag am 16. Februar 1911 einen Antrag auf„Einrichtung von Beamtenausschüssen, Sicherung des Koalitionsrechtes und Anerkennung der Organisationen der in den Betrieben der kaiserlichen Marine beschäftigten technischen An- gestellten" dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen hat. DaS Verhalten des Reichsmarineamts läßt erkennen, daß der Reichstagsbeschluß bei der Negierung nur wenig„Berücksichtigung" findet. Die Organisationen gedenken deshalb dem neuen Reichstag eine Eingabe zu unterbreiten, in der gebeten werden soll, auf die Durchführung des Reichstagsbeschlusscs vom IS. Februar 1S11 zu dringen._ Bismarck für Scheidemann! Als im Jahre 189b die Beteiligung der Sozialdemokraten am Präsidium erörtert wurde, schrieb Fürst Bismarck in den „Hamb. Nachr.": „Uns erscheint dieser Verzicht(nämlich der Verzicht der Sozialdemokraten auf eine Vertretung im Reichstagspräsidiumi sehr begreiflich. Viel weniger begreiflich ist, weshalb die nicht- sozialistischen Parteien auf den Wunsch(!) der Sozialdemokratie, nicht.im Präsidium vertreten zu sein, so bereitwilligst eingegangen sind. Wir halten es fiir einen taktischen Fehler der übrigen Fraktionen, nicht darauf bestanden zu haben, daß die Sozial- demokratie als nächststärkste(!) Partei neben dem Zentrum eine Präsidentenstelle zu übernehmen habe. Es liegt unserer Auf- fassung nach in der Aufgabe der übrigen parlamentarischen Fraktionen, die sozialdemokratische Partei durch alle parlamcn- tarischen Mittel zur Entwicklung ihrer Zukunftspläne zu nöti- gen... In der Präsidialstellung können manche Situationen eintreten, durch welche ein sozialistischer Präsident gezwungen wird, die Maske, mit der er seine Zukunftspolitik verdeckt, einigermaßen zu lüften." Die Verpflichtung, unsere Zukunftspläne in aller irgend ge- wünschtcr Deutlichkeit und Ausführlichkeit zu übernehmen, würde die Sozialdemokratie auf Verlangen der bürgerlichen Parteien gern übernehmen. Zentrumsfraktion übergetreten. Wir teilten bereits mit, daß ein Teil der elsässischen Reichstags- abgeordneten dem Zentrum sich angeschlossen hat, um eine Vertretung in den Kommissionen zu haben. Es sind dies die Abgg. Ricklin, Thumann, Wenerlo, Will, Delsor und Hauß, sowie die lothringischen Abgeordneten Levocque, Dr. Schatz und Windeck. Konservative Staatsstützen im Wahlkampfe. Die Konservativen tun in ihren Blättern so, als seien sie die „vornehmsten Politiker", die nur mit den„lautersten Waffen" kämpfen. In ihren Domänen scheuen sie aber das schäbigste Mittel nicht, um ihre Macht zu behalten oder zu erweitern. Jetzt werden von ihnen Dinge bekannt, die alles bisher Dagewesene weit in den Schatten stellen. In Labiau-Wehlau gelang es den Konservativen, in der Stichwahl über die Liberalen den Sieg davonzutragen, obwohl unsere Genossen beschlossen hatten, für den Kandidaten der Fort- schritilichen Vollspartei einzutreten. Erst jetzt stellt sich heraus, mit welch infamen Mitteln die Konservativen den Erfolg an ihre Fahne geheftet haben. Mit Schnaps, Bier und Zigarren sind die ländlichen Wähler wie immer reichlich traktiert worden. Aber daraus allein haben sich diesmal die Konservativen nicht verlassen. Den Wählern wurden gefälschte Briefe mit einer unwahren Stichwahl- Parole in die Hände gespielt. Mit reichlichen Geldmitteln wurden Arbeiterwäbler bestochen. Drei gewerkschaftlich organisierte Wähler in Wehlau erhielten jeder öO M.; dafür gingen sie auf die Dörfer und machten bekannt, daß die sozialdemokratischen Äähler nicht liberal, sondern konservativ zu wählen hätten. Ein anderer erhielt 190 M. Judaslohn; er geht jetzt nicht mehr seinem Steinschlägcrgewerbe nach. In um Allenburg herumliegenden Ortschaften erhielten die Wähler, von denen man annahm, daß sie in der Hauptwahl sozialdemokratisch gewählt hatten, aus Königsberg adressierte Schreiben, die folgenden Inhalt hatten: .„Königsberg, den 19. Januar 1912. Geheim! Eilt sehr! Lieber Kollege und Vertrauensmann! Unsere Partei ist bei Euch nicht durchgekommen, die Stich- wähl ist morgen; deswegen schreibe ich noch heute, um Euch die richtige Parole zu geben. Wir sind übereingekommen und bitten Euch, sich der Wahl zu enthalten und keinen zu wählen, weder freisinnig noch konservativ, da hier die Sitzung unserer Partei heute geheim gehalten ist, so gehen für Labiau-Wehlau unsere Briefe. Mit kollegialem Gruß an alle Freunde Fr. Krause." Aehnlich gefälschte Briefe, die den Anschein erwecken sollten,. als hätte sie die sozialdemokratische Parteileitung an die Ver- trauenslcute verschickt, tauchten in den verschiedensten Ortschaften auf, und der konservative Wahlschwindcl hat seine Wirkung aus- geübt. In einem Ort kauften sich die Konservativen einen Ar- bciter, der mit Frau und sieben Kindern in den dürftigsten Ver- Hältnissen lebt und auch für unsere Partei tätig war. Er erhielt 29 bis 39 M. und machte überall bekannt, von Königsberg wäre die Parole gekommen, die Sozialdemokraten sollten in der Stich- wähl nicht liberal, sondern lonservativ wählen. Der Wahltrick wurde hier aber rechtzeitig durchschaut und der Verräter ist bei seinen Arbeitskollegen unten durch.— Das ist nur einiges von den echt„nationalen",„vaterländischen" Wahlwaffen, deren sich die Junker oder deren Helfershelfer bedient haben. Gegen die Wahl des Obersten a. D. v. Massow. der mit solcher Wahlhilfe gewählt wurde, haben die Liberalen Protest eingelegt. Ums Wahlrecht gekommen sind auch die wahlberechtigten Insassen der Heilstätte Sülzheim a.Harz, die sich nachträglich in unserem Erfurter Parteiblatt über die Ver- kümmerung ihres Wahlrechts beklagen. Dem Antrag der Kranken auf Eintragung in die Wählerliste wurde von der Ortsbehörde nicht entsprochen. Auf eingelegte Be- schwcrde antwortete am 27. Dezember der Landrat, die Insassen der Anstalt könnten in Sülzheim nicht wählen, weil sie dort leinen festen Wohnsitz hätten, denn ihren alten Wohnsitz hätten sie nicht ans- gegeben.� Hierauf wendeten sich 65 Beschwerdeführer an den Regie- rungspräsiventen in Hildesheini. Am 11. Januar, also einen Tag vor der Wahl, kam von dort ein Telegramm, das den ablehnenden Bescheid des Landrats bestätigte. Sofort ging hiergegen eine tele» graphische Beschwerde an den preußischen Minister des Innern ab. der umgehend antwortete, daß die Kranken wählen könnten, wenn sie— in die Wählerliste eingetragen seien; eine nachträgliche Ein- tragung sei ober nicht mehr zulässig. So hatten die Beschwerde- führ« wohl Reckit bekorpmen, aber ihr Wahlrecht konten sie trotzdem nicht mehr ausüben. Da die Jnsaiien von anderen Heilstätten die gleichen trüben Erfahrungen mache» mußte, erscheint es notwendig, daß in Zukunft der Minister an seine untergeordneten Organe Anweisungen ergehen läßt, damit nicht die Staatsbürger auf obige Art um ihr Wahlrecht kommen können._ Im Interesse der Disziplin! Ein Urteil, das die Unsinnigkeit der militärischen Disziplin kennzeichnet und mit dem Rechtsempfinden unvereinbar ist, ivurde vom Dresdener Kriegsgericht gesprochen. Der Soldat Schubert war am 7. Januar der Kasernenwache zugeteilt. Abends gegen 6 Uhr übergab der aufsichtführende Unteroffizier die Wache einem Gefreiten, der nun für einige Zeit nicht mehr Kamerad, sondern Vorgesetzter der Wachtmannschasten war. Darüber sind sich die Soldaten nicht in allen Fällen und Situationen im klaren. So war es auch hier. Schubert erhielt vom Gefreiten den Befehl, den in der Wachtstube stehenden Tisch zu � reinigen. Er dachte im Augenblick nicht an die Vorgesetztencigenschaft des Gefreiten und sagte:„Du hast es ja genau so weit wie ich!" Einige weitere Befehle des Gefreiten überhörte er wegen»ingetretener Differenzen mit einem anderen Kameraden. Erst als der Gefreite mit Meldung drohte, kam ihm zum Bewußt- sein, daß der Kamerad in dem Moment Vorgesetzter war. Sch. kam dem Befehlenach und äußerte dazu:„Den Gefallen werde ich Dir nicht tun, mich zu melden!" Dieses„schwere Ver« gehen" mußte, weil die Disziplin angeblich gefährdet war, gerochen werden. Man fuhr sogar das schwerste Geschütz gegen Sch. auf; er erhielt eine Anklage wege Beharrens im Ungehorsam und Achtungsverletzung vor versammelter Mann- s ch a f t! Die Ächtungsverletzung wird darin erblickt, daß Sch. seinen Kameraden„Du" genannt hat. Das Gericht erkannte auf die exorbitante Strafe von-- zwei Monaten Gefängnis— im Interesse der Disziplin!_ Hus der Partei. Taschenbuch der Reichstagswahlcn. In kurzer Zeit gelangt im Verlage der„Buchhandlung Vorwärts, Paul Singer G. m. b. H.", Berlin EW. 68, ein Taschenbuch zur Ausgabe, daß allen am politischen Leben Jnter- essierten gute Dienste leisten wird.—_ 11. a. wird das Buch eine genaue Uebcrsicht der Ergebnisse der Reichtagswahlen aller deutscheu Wahlkreise von den Wahlen 1993, 1997 und 1912 bringen, mit An- gäbe der Namen der gewählten Abgg., des Berufs und der Partei- stellung, ferner die neuesten Porträts und Biographien der 119 sozialdemokratischen Abgeordneten. Der Preis wird nur 3 9 Pf. betragen. Bestellungen nehmen jetzt schon die örtlichen Parteibuchhandlungen entgegen. Gemeindcwahlerfolg. Bei der Wahl von vier Gemeindever- tretern in der Gemeinde Elgersburg im Thüringer Wald(Gotha) erhielt die"sozialdemokratische Liste 55 � bis 68, die gegnerisch« 55 bis 92 Stimmen. Es ist ein Sozialdcmo- trat gewählt worden. Unsere Stimmenzahl hat sich seit der vorigen Wahl verdoppelt. Dem Ortsparlament gehören nun zwei Genossen an. Die Wahl hätte schon im Dezember v. I. Vorgenom- mcn werden müssen, denn die Amtszeit der Neugewählten hat be- reits am 1. Januar zu beginnen. polizeUicKes, ßcrichtllcstes ukw.■ Preßprozeß. Wegen Beleidigung des Pfarrers Seeland wurde Genosse Richard Wagner vom Braunschweiger„Volks- freund" zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Pfarrer Seeland hatte als Redakteur des„Braunschwciger Wochenblattes" fortgesetzt im bekannten Zentrumschristenstil auf die Sozialdemo- kratie losgeschlagen. Als ihm dafür Gen. Wagner verschiedentlich auf die Finger klopfte, lief Seeland zum Kadi. Die harte Strafe erfolgte, trotzdem in der Urteilsbegründung gesagt werden mußte, daß der Kläger den Angeschuldigten erst schwer gereizt habe durch Angriffe,-die in bezug auf Schärfe des Tones an die äußerste Grenz« des Erlaubten gingen._ Aus der italienischen Partei. Rom, den 19. Februar.(Eig. Bor.) Am 8. d. M. hat die sozialistische Parlamentsfraktion in Bologna eine Plenarsitzung abgehalten, an der 25 von den 36 Abgeordneten teilgenommen haben. Es handelte sich dckrum, noch einmal über die Stellung zum Ministerium schlüssig zu werden, ein Bedürfnis, das im Grunde überflüssig erscheinen mutzte, da ja bereits in einer früheren Fraktionssitzung ein antiministeriellez Votum zur An- nähme gelangte, ganz abgesehen von dem vorliegenden Parteitags- beschluß, der die systematische Unterstützung des Kabinetts aus- schließt. In Bologna machten sich drei Strömungen geltend. Die Frak- tion B i s s o l a t i war der Ansicht, daß man in der Tripolis- affäre gegen das Kabinett stimmen müsse, aber es in der Monopol- frage und bei der Wahlrcchtsdiskussion weiter zu unterstützen habe. Als�Eingänger vertrat Genosse Podrecca den Standpunkt, daß die tripolitanifche Expedition von der Fraktion nicht verworfen werden dürfte, wenn man auch mit der Art ihrer Durchführung nicht einverstanden sei. Unter allen heute möglichen Ministerien stellte das Ministerium Giolitti das geringere Uebel dar, und man müsse, deshalb fortfahren, für es zu stimmen. Die dritte Richtung wurde durch die Reformisten der Linken vertreten, mit denen der intransigcnte Abgeordnete A g n i n i gemeinsam stimmte. Diese Richtung will den Ucbergang zur Opposition und ist bereit, auch in Sachen des Monopols und des Wahlrechts gegen das Ministerium zu stimmen, falls dieses in dieser Frage ein Vertrauensvotum stellt. Die Mehrheit der Fraktion schloß sich den Ausführungen der Reformisten der Linken an und stimmte für die folgende TagcS- ordnung Ca Ida: „Indem sie noch einmal gegen die verspätete Einberufung des Parlaments Einspruch erhebt, beschließt die sozialistische Parlamentsfraktion, das für die tripolitanische Expedition und die Art ihrer Durchführung verantwortliche Ministerium zu be- kämpfen und hält dafür, daß diese Opposition nur folgerichtig und wirksam sein kann, wenn sie dem Kabinett jedes Vertrauensvotum verweigert, in welcher Frage es auch gefordert werde." Für diese Tagesordnung haben gestimmt: Agnini. Beltrami, Bentini, Ealda, Campanozzi, Turati, Montemartini, Prampolini, Ouaglino, Casalini) Giulietti, Pescetti, Treves, Mancini, Maran- goni, Samoggia, Sichel e Rondani. Dagegen stimmten: Bcrenini, Bissolati. Bcrtosi, Bonomi, G. Ferri, Graziadei, Podrecca, und Trapanese, also 18 gegen 8. Da aber die Abgeordneten Nofri, Cabrini und Cancpa sich brieflich für die Fraktion Bissolati aus- gesprochen hatten, steigt die Zahl der Bissolatianer auf 11. Die Mehrheit der Fraktion ist also noch zweifelhafter als bei dem vorigen Votum für den Uebergang zur Opposition, ohne Rücksicht auf Monopol und Wahlrecht. Auf der Zusammenkunft von Bologna wurde nun aber— und Zwar vor der entscheidenden Abstimmung— ein anderer Beschluß gefaßt, der der Bedeutung dieser Abstimmung wesentlich Abbruch tut: auf Antrag Bissolatis wurde nämlich der Minderheit das Recht zugestanden, im Parlament nach eigenem Ermessenzuhandeln, also abweichend von der Mehr» heit zu stimmen und zu reden. Diese Auffassung wurde von Pram- polini im Namen der Parteidisziplin bekämpft, aber von Turati (sie!) vertreten. Unter diesen Umständen war es offenbar zweck- los, überhaupt zu einer Abstimmung am Ende der Diskussion zu kommen, da das Votum der Mehrheit ja doch für die Minderheit unverbindlich sein sollte. Auf diese Art will man eine Spaltung verhindere aber im Grunde tut man nichts anderes, als diese Spal- tung als Tatsache zur Kenntnis nehmen und ihr den rechten Namen vorzubehalten. Durch den Beschluß von Bologna hört die Parlamentsfraktion auf, eine taktische Einheit in der Kammer zu kein: sie ist nur noch eine nominelle Einheit. 8o2iales. Ein aufgeregter Unternehmer. Der Verein der Fuhrwerksunternehmer verhandelte im Herbst vorigen Jahres mit dem Transportarbeilerverbande wegen Abschluß eines Tarifvertrages. Zu diesem Zweck hielt der Verein der Unter- nehmer am 4. September in Lichtenberg eine Sitzung ab, zu der F r a n ck e und I b s ch e r als Verlreter des Transportarbeiter»«- bände« eingeladen waren. Während Franke über den zur Beratung stehenden Vertrag sprach wurde er von dem Fuhrwerks- u n t e r n e h m e r'H i n tz e unterbrochen durch die Worte:„Sie Lump. Sie Strolch." Als Frauke den Vorsitzenden des Vereins um Schutz gegen derartige Ausfälle ersuchte, wurde H. noch aufgeregt«. Er wandte sich nun auch gegen den zweiten Verbandsverlret« Jbscher, den er mit einer Flasche oder einem Glase zu schlagen drohte und ihm zurief: „Was wollen Sie Lump, Sie Strolch, Sie Plunder." Angesichts dieser Situation brach der Vorsitzende die Sitzung ab. Auch beim Hinausgehen schimpfte Hintze noch weiter auf die beiden Verbandsvertreler und packte Jbscher an der Schulter. Franke trat dazwischen und verhinderte dadurch, daß Hintze weitere Ausschreitungen gegen Jbscher begehen konnte. Dieser Vorfall gab Anlaß zu einer P r i v a t b e l e i d i g u n g s« klage, die Franke und Jbscher gegen Hintze ein« reichten. Die Sache hat schon einmal das Schöffengericht beschäftigt und ist nach längerer Verhandlung vertagt worden, weil noch weitere Zeugen für die Angaben der Kläger geladen werden sollten. Der Angeklagte Hintze hat Widerklage gegen Franke erhoben. Dieser soll in einer Kutschervcrsammluug, wo er über die Tarifverhandluug berichtete, gesagt haben, tu der Versammlung der Unternehmer sei es so hergegangen, als wenn man zn den Ochsen auf dem Viehhofe käme. Frauke bestreitet ganz entschieden, eine derartige Aeußerung getan zu haben. Ein von Unternehmern beauftragter Versammlungs« besucher will sie jedoch gehört haben. Gestern sollte die Sache wieder vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte verhandelt werden. Auf Anregung des Vorsitzenden kam vor der Beweiserhebung ein Vergleich zustande, worin� der Angeklagte Hintze erklärt:„Ich nehme die gegen die Kläger aus- gesprochenen Beleidigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück." Der Kläger Frauke erklärt:„Ich habe den Angeklagten nicht be- leidigt. Sollte ich ihn aber beleidigt haben, so nehme ich die Be- leidigung mit Bedauern zurück." Die Gerichtskosten übernimmt der Angeklagte Hintze._ Zur Verschmelzung der Dresdener Konsumvereine. Ein bedeutsamer Zusammenschluß auf dem Gebiete des Kou- sumgenossenschaftswesens wird gegenwärtig in Dresden vollzogen. Neben dem großen Konsumverein„Vorwärts" gab es die Konsum- vereine Potschappel, Striesen, Löbtau, Niedersedlitz und Pieschen, die alle auf ein langjähriges Bestehen zurückblicken. � Die Verschmelzung dieser Vereine mit dem„Vorwärts" wurde vor fünf Jahren erstmalig angeregt. Anfangs fand man in den kleinen Vereinen nicht das rechte Verständnis für die Verschmelzung. Die Frage des Zusammenschlusses wurde aber immer lebhafter benti- liert und verschwand, da sich mehr und mehr Anhänger dafür fanden, nicht mehr von der Tagesordnung. Es wurden in einigen kleinen Vereinen Resolutionen angenommen, in denen die Zweck- Mäßigkeit einer Verschmelzung anerkannt und gefordert wurde, in Unterhandlungen mit dem„Vorwärts" zu treten. Die Verschmel- zungsfrage ist nun im letzten Jahre so weit gefördert worden, daß der Verein Potschappel den Anschluß bereits vollzogen hat und der Anschluß der übrigen Vereine— mit Ausnahme des Pieschener— unmittelbar bevorsteht. Die in Frage stehenden Vereine werden sich laut Beschluß bis zum 1. Juli d. I. auflösen und mit Beginn des neuen Geschäftsjahres zum„Vorwärts" übertreten. Der letzt- genannte Verein zählte am Schlüsse des letzten Geschäftsjahres rund 34 999 Mitglieder; nach vollzogenem Zusammenschluß dürfte die Mitgliederzahl weit über 199 999 betragen. Ungerechte Eiukommcnbesteuerung. Die aufreizendste Einrichtung des Klassenstaates ist die unge- rechte Besteuerung. Die Lasten werden auf die schwachen Schultern abgewälzt, die starken geschont. Besonders provozierend tritt das bei der indirekten Steuer in die Erscheinung. Sie entzieht dem armen, nur auf seiner Hände Verdienst angewiesenen Arbeiter einen ungleich größeren Teil seines Einkommens als wie dem Be- sitzenden. Aber auch die direkte Steuer benachteiligt den Arbeiter und Angestellten. Daß die sogen. Selbsteinschätzer den Staat all- jährlich um Hunderte von Millionen Mark betrügen, ist eine von den Patentstaatsstützcn kaum noch bestrittene, allgemein bekannte Tatsache. Wird doch das Recht auf Steuerhinterziehungen bald als eine der legalen Liebesgaben frank und frei beansprucht. Agra- rische Blätter erteilen öffentlich Anweisungn wie sich Zinsenver- zehrer vor der Neugier der Steuerbeamten schützen können. Der Arbeiter ist aber auch gegenüber Gewerbetreibenden und Land- Wirten, die nicht deklarieren, ganz erheblich benachteiligt. Dank der Denunziationspflicht der Arbeitgeber und Hauswirte— die der Arbeiter, nebenbei bemerkt, dem Freisinn verdankt— wird das Lohneinkommen bis zum letzten Pfennig von der Einkommensteuer erfaßt.. Anders bei den Gewerbetreibenden und Landwirten. Beju diesen wird nämlich nach sogen. Normalsätzen bei der Steuerver- anlagung verfahren. Das führt zu sehr ungerechten Besteue- rungen. Darauf macht ein Landbürgermeister in der„WestdeutscheiT Arbeiterzeitung"— Nr. 6— aufmerksam. Das Verfahren sei zu schomatisch. Man müßte sich doch fragen:„Kann ein Ackersmann, der, wie eS manchmal vorkommt, 4, 5, ja noch mehr erwachsene Kinder in seinem landwirtschaftlichen Betriebe ausschließlich be- schäftigt, von 1599 bis 1699 M. Jahreseinkommen, entsprechend den Steuersätzen von 16 bezw. 21 M., mit seiner Familie überhaupt leben, kann er namentlich auch nur etwa so leben wie er lebt?—" Weiter meint der Mann, der Ackersmann, der mit all den HilfS- kräften nicht mehr verdiene, würde doch sicher seine Kinder lieber in die nächste Fabrik schicken, wo jedes Kind doch wohl 899 bis 999 Mark im Jahre erziele. DaS Unrecht liege darin, daß Gewerbe- treibende und Landwirte mit unbesteucrten Hilfskräften tätig sein könnten, fiir die Besteuerung des Arbeiters und Angestellten aber sein eigener Verdienst maßgebend sei, da die erwachsenen crwerbS- tätigen Kinder besonders besteuert würden. Der Bürgermeister hat mit dem Herausstellen diese?„Schön- heitsfehlers" in der Einkommensteuerveranlagung einen der Wunden Punkte berührt, an denen unsere ganze Steuerpolitik so überaus reich ist. So viel ist sicher: der Staat würde beträchtlich im Golde schwimmen, wenn die Bessersituierten und die Reichen ebenso scharf, auf Grund der bestehenden Gesetze, zu Steuerleistungen l?erangezogen würden wie die Arbeiter und die gering besoldeten Angestellten. Zu den eifrigst kultivierten Tugenden der Leute mit gefülltem Portemonnaie gehört die— Stcuerscheul Huö Industrie und Handel. Deutschlands Auszeichandel. Nach der amtlichen Statistik hat sich der Außenihandel Deutsch- lands im Januar 1912 weiter in aufsteigender Linie bewegt. Eine starke Veränderung ist in der Einfuhr von Eisenerz eingetreten; im Vergleich mit dem gleichen Monat des Vorjahres stieg sie von 264 794 Tonnen auf 815 967 Tonnen. Während die Einfuhr von Steinkohlen um rund 899 999 Doppelzentnern zurückging, stieg die Ausfuhr um rund 5 Millionen Doppelzentner. Auch die Ausfuhr von Roheisen und Halbzeug ist gestiegen. Bei Roheisen ergibt sich eine Steigerng von 595 327 auf 7 4 7 8 3 5 Doppelzentner, bei Rohblöcke von 188 742 Doppelzentner auf 31344 9 Doppcl» zentner. Die Rohmaterialien werden auf dem Außenmarkt zu niedrigeren als den Jnlandpreisen verkauft. Diese wurden in der jüngsten Zeit noch erheblich erhöht. Daher bedeutet die starke Ver- sorgung des Weltmarktes mit Kohlen und Eisen eine erhebliche Erschwerung der Konkurrenz der heimischen Weiterverarbeitung auf dem Weltmarkt. Diese Konkurrenz wird von den Kartellen sogar noch planmäßig gefördert, indem sie auf die Ausfuhr Prämien zahlen, um dadurch den Konsum ihrer eigenen Produktion zu steigern. Bisher bezahlte z. B. das Kohlensyndikat dem Roheisen. syndikat für ins Ausland gesandtes Eisen eine Prämie von 1,59 Mk. pro Tonne der dazu verbrauchten Kohlen. Jetzt, wo die Nachfrage stürmisch drängt, ist die Prämie auf 1 Mk. ermäßigt worden. Das nennt man auch: Schutz der nationalen Arbeit! Eine Millionenplcite. Das Bankgeschäft von Sohraucr u. Forster in Beuthen (Oberschlesien) hat seine Zahlungen eingestellt. Seine Verbindlichkeiten belaufen sich auf gegen vier Millionen Mark. Veranlaßt wurde der Konkurs durch die Zahlungseinstellung der Holzgroßhandlung A. G o l d st e i n in K ö n i g s h ü t t e. die mit drei Millionen Mark fallierte. Beteiligt sind bei dem Zusammen- bruch mehrere Brcslauer Großbanken, eine Berliner Großbank und eine Wiener Bank. Wie versichert wird, soll in den nächsten Tagen eine Zu- sammenkunft mehrerer Großbanken zu Beuthen und Königshütte stattfinden, um durch Fusion die Firmen Sohrauer u. Förster zu Beuthen und A..Goldstein zu Königshütte zu halten. Se�erklekaftUckes. Berlin und Umgegend. Die Bereinbarungc» für die Eifenkonstruktions« Werkstätten, die am 21. Juni 1311 abgeschlossen wurden, werden leider in sehr vielen Fällen und in den meisten Punkten von den Arbeitgebern durchbrochen, und hier und da tragen auch die Arbeiter mit Schuld daran, weil sie unterlassen, ihr schriftlich festgelegtes Recht unter ollen Umständen zu fordern. Diese Tatsachen sind bereits in einer Reihe von Gruppenversammlungcn besprochen worden, und am Sonntag beschäftigte sich nun eine allgemeine Branchenversamm- lung der Eisenkonstruktionsarbeiter mit den Feststellungen über die Jnnehaltung oder vielmehr Durch- brechung der Vereinbarungen. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht und tagte in den„Sophien-Sälen". Den Ausführungen des Referenten, die durch eine rege Diskussion be- stätigt und ergänzt wurden, ist zu entnehmen, daß die� vereinbarte Arbeitszeit von 3sh Stunden, Sonnabends 8sh Stunden, im all- gemeinen in allen Betrieben innegehalten wird, daß dies jedoch nicht überall gesagt werden kann von der weiteren Bestimmung, wonach Sonnabends für Aufräumungsarbeiten und Umkleiden eine halbe Stunde früher Feierabend gemacht wird. Diese Bestimmung ist so aufzufassen, daß die eigentliche Arbeitszeit an den Sonn- abenden 8 Stunden beträgt, und daß die Arbeiter nach Hause gehen können, wenn sie dann das Aufräumen und Umkleiden besorgt haben, ob sie nun eine halbe Stunde oder weniger Zeit dazu gc- brauchen. So wird die Bestimmung auch aufgefaßt von dem Syn- dikuS der Arbeitgeber, mit dem der Organisationsvertreter Maus vom Metallarbeiterverband kürzlich über diese wie über einige andere Fragen verhandelte. Im übrigen wird die festgesetzte Ar- beitSzeit durch ein alles Matz übersteigendes Ueberstundenwesen nur zu oft hinfällig gemacht. In vielen Fällen wird einfach am schwarzen Brett bekanntgegeben:„Ueberstunden werden bis auf weiteres gemacht", und irgendwelche Verständigung mit den Ar- beitern über Dauer und Zahl der Ueberstunden hält man nicht für notwendig. In einzelnen Betrieben hat man die Ueberzeit- arbeit sogar so weit ausgedehnt, daß die Umwohner sich wegen Störung ihrer Nachtruhe beschwerten, die Aufsichtsbehörde ein- greifen mußte und dann um 13 Uhr abends Schluß gebot. Ueber die Stundenlöhne wurde in den Vereinbarungen bestimmt, daß sie um S Proz. erhöht werden sollten, und daß eine Verringerung des Wochenverdienstes durch die Verkürzung der Arbeitszeit nicht statt- finden durfte. Die Stundenlöhne müßten also jetzt gegen früher gestiegen sein. Das aber ist leider nicht der Fall. Es ist festgestellt, daß die Kolonnenstihrer 55 bis 80 Pf. die Stunde erhalten. Für diese Leute, die für eine ganze Schar von Arbeitern die Verant- Wartung tragen, daß die Arbeit genau nach Zeichnung ausgeführt wird, wären 83 Pf. eigentlich das mindeste, was sie erhalten müßten, daß aber einige mit 55 Pf. abgespeist werden, ist geradezu ein Skandal. Die Löhne der Vorreitzer, die ebenfalls ein gut Teil Verantwortung zu tragen haben, belaufen sich auf 55 bis 73 Pf., und die Nieter sollen sich mit 55 bis 61 Pf. begnügen. Ihre Arbeit und ebenso die der Helfer in der Nieterkolonne, deren Stunden- löhne gar nur 43 bis 55 Pf. betragen, ist äußerst anstrengend und ncrvenzerrüttend, und der furchtbare Lärm, dem sie ausgesetzt sind, schwächt daS Gehör. Die Maschinenarbeiter haben Stundenlöhne von 43 bis 63 Pf., und der höchste Satz wird nur in sehr seltenen Fällen gezahlt. Die Schlosser erhalten 44 bis 55 Pf., ein kleiner Teil 62 Pf. Die kleinsten Schlossermeister, wie auch die Geld- schrankfabrikanten. müssen diesen Berufsarbeitern weit höhere Löhne zahlen, als sie in den meisten Fällen von den kapitalstarken Eisenkonstruktionsfirmen gezahlt werden. Die Löhne der Mon- tagemeister werden im allgemeinen als einigermaßen annehmbar bezeichnet; ihre Helfer aber erhalten nur 45 bis 63 Pf., und dafür müssen sie oft ihr Leben aufs Spiel setzen. Die Vereinbarungen besagen ferner, daß für Arbeiten außerhalb der Werkstatt eine Zulage von 5 Pf. die Stunde zu zahlen ist, und sie enthalten außer- dem noch verschiedene Bestimmungen über Fahrgeld- und Fahrzeit- Vergütung, sowie über eine Vergütung von 3 M. für Uebernachten am Arbeitsort. Auch diese Bestimmungen werden nicht inne- gehalten, und die Firmen Druckenmüller sowie Delschau suchen die v Pf. Zulage dadurch zu sparen, daß sie die Werkstattarbeiter, die zur Montagsarbeit gebraucht werden, erst entlassen, ihnen aber anheimgeben, sich sofort wieder als Montagearbeiter einstellen zu lassen, natürlich für ihren bisherigen Lohn. Eine andere Art Lohn- drückerei wird aus dem Betriebe der Firma Thi essen berichtet, die eS fertig bringt, Arbeiter, die es glücklich auf 48 Pf. Stunden- lohn gebracht haben, zu entlassen, um sie gleich darauf mit 42 Pf. wieder einzustellen. Ueber die Akkordpreise besagen die Verein- ibarungen, daß sie so bemessen sein sollen, daß der Stundenlohn erreicht wird, und ferner, daß Akkordüberschüsse gegen Unterschüsse verrechnet werden dürfen,«wenn die Ausführung der betreffenden Arbeiten zeitlich(wenn auch nur teilweise) zusammenfällt, also die Gefahr von Lohnverschiebungen vorliegt". Nun ist jedoch fest- gestellt, daß man Akkordkolonnen 4, 6 Wochen und noch länger auf erzielte Akkordüberschüsse warten läßt, ja darauf wartet, daß eine Arbeit vorkommt, die Unterschuß bringt.— Im allgemeinen sind die Zustände derartig, und die Mißachtung der Vereinbarungen hat einen solchen Umfang angenommen, daß es so nicht mehr weitergehen kann. Die Versammelten waren sich dann auch durch- aus darüber einige daß die Arbeiterschaft der Eifenkonstruktions- Werkstätten alles aufbieten muh und wird, um hierin Wandel zu schaffen, die bestehenden Vereinbarungen zur Geltung zu bringen und ferner für eine erträgliche Regelung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse zu sorgen. UcbrigenS ist die Organisation in der Branche jetzt so stark, daß die Unternehmer alle Ursache hätten, die Mißachtung der Vereinbarungen nicht so weit zu treiben, daß eine friedliche Regelung nicht mehr möglich erscheint. Achtung, Tapezierer! Wegen Tarifdifferenzen ist die Firma G r a s o p p. Elisabethstr. 3, für Polsterer gesperrt. Die Schlichtungskommission. Achtung, Töpfer! Hiermit verhängen wir über das Ofenbau- aeschäft F r. Jankowski, Berlin SO. 16, Köpenickerstr. 143, Bau Karlshorst, Stolzenfels- Ecke Andernacher Straße, wegen Lohnausfall die Sperre. Die Vereinsleitung. Maßregelung der organisierten Kellner im Cafe Jahn, Hasen- Heide. Die bisher im benannten Cafe tätigen Kellner wurden von dem Unternehmer Herrn Stiebitz lediglich deshalb entlassen, weil sie die Verbesserung ihrer Lage erstrebten und sich zu diesem Zwecke der Organisation anschlössen. Die Gcmaßregclten erhielten bisher keinen Lohn und keine Beköstigung. Dagegen waren sie verpflichtet, an Herrn St. noch Abgaben, durchschnittlich von 53 Pf. pro Tag, abzuführen. Alle Versuche, auf gütlichem Wege eine Einigung zu erreidhen, scheiterten. Die bescheidenen Forderungen der Kellner lauten: 1. Monat-Iohn von 15 Mk., 2. für HilfSkcllner pro Tag 2 Mk., 8. Abschaffung jeglicher Abgaben und 4. Anerkennung der Organisation. Einige Unternehmerlieblinge, wie z. B. ein gewisser S t e y e r- l e i t n e r, bekannt vom Streik bei Nagler, sowie der Kellner B a l l a s ch k c. welcher aus der Organisation ausgeschlossen wurde, sind augenblicklich bemüht, dem Unternehmer aus der Verleaenbcit zu helfen. Für organisierte Gastwirtsgehilfen ist selbstverständlich der Betrieb gesperrt. Verband deutscher Gast wirtSgehilfen Zweigverein der Cafe-Angestellten. DeutTches Reich. Ein polnisches Organ über die Haltung des„christlichen Gewerkvereins der Bergarbeiter". . linier her Ucberschrist:„Verrat des Bergarbeiter-Gewerkver- eins" beschäftigt, sich das in Herne erscheinende polnische Organ „Narodowiec" mit der Lohnbewegung der Ruhrbergleute und der Haltung des christlichen Verbandes. Das Blatt sucht in nicht un interessanter Werse die schmähliche Haltung der Christlichen poli tisch zu erklären. Es verweist darauf, daß bei der Reichstagswahl in Wahlkreisen des Ruhrgebiets die Zentrumsleute bei der Stich- Wahl die nationalliberalen Kandidaten durchHelsen mußten. Auch der Gewerlverein und sein Blatt haben wacker.mitgeholfen, für den Sieg der nationalliberalen Kandidaten zu wirken. Jetzt nun gegen die nationalliberalen Bergbcsitzer auftreten— das ginge nicht an. Das polnische Blatt sagt deshalb u. a.: „Der Gewerkverein hat erklärt, daß weitere Schritte nicht erforderlich feien, denn die Grubenbesitzer werden doch freiwillig die Löhne erhöhen. Die Nationalliberalen in Dortmund-Hörde und Düsseldorf haben den Zentrumsleuten ihre Unterstützung versprochen und haben sie beschwindelt. Der Zentrumsgewerk- berein will also, daß auch die Bergarbeiter jetzt von den natio- nalliberalen Grubenbesitzern sich an der Nase� so herumführen lassen, wie die Zentrumsleute in Dortmund-Hörde und Düffel- dorf. Alles nur deswegen, um die Nationalliberalen dafür zu belohnen, daß sie gnädigst die Zentrumsleute unter ihre Fittiche genommen haben und, um in Zukunft den Zorn der National- liberalen nicht auf sich zu ziehen. Seit Jahren warten die Bergarbeiter auf eine geeignete Gelegenheit, um ihre traurige Lage und ihre Existenz aufzu- bessern. Heut, wo die Gelegenheit da ist, will sie her GeWerk- verein nicht wahrnehmen und will sich den gemeinschaftlichen Schritten der Polnischen Berufsvereinigung und der anderen Bergarbeiterverbände nicht anschließen, sondern versucht ihre Bestrebungen zu vereiteln, einzig mit Rücksicht darauf, daß sich gegenwärtig. die Jen- trumsleute in der Rolle der nationalliberalen Knechte gefallen. Das ist Verrat von Arbeiter- i n t e r e s s e n, den die Bergarbeiter weder dem Gewerkverein noch den Zentrumsleuten nicht so»leicht vergessen werden." Aehnlich äußert sich der in Bochum erscheinende«WiaruS Polski"._ Ein eigenartiger Kampf ist in der mittclfränki scheu Spiegel rahmenindu- st r i e, die ihren Hauptsitz in der Stadt Fürth i. B. hat, entbrannt. Die Fabrikanten hängen vollständig von den Exporteuren ab, die ausnahmslos Kapitalisten sind und es trefftich verstehen, bei dem Geschäft ihren Nutzen zu finden. Sie drängen die Aufträge auf kurze Konjunkturen zusammen und suchen dann in der stillen Zeit die Preise möglichst herabzudrücken, wobei sie die kleineren Unter- nehmer als Preisdrückcr gegen die größeren Fabrikanten aus- spielen und zwar mit Erfolg, weil jene darauf angewiesen sind, unter allen Umständen Aufträge zu erhalten. Diese Verhältnisse sind auch für die Arbeiter sehr unangenehm, da von einer sicheren Beschäftigung niemals die Rede fein kann und zeitweise Hunderte von Arbeitern arbeitslos sind. Nun haben sich die Dinge soweit entwickelt, daß es zu einem Kampfe kommen muß. Da am 1. Fe- bruar in der Holzindustrie cin neuer Tarif mit erhöhten Löhnen in Kraft getreten ist, haben die Fabrikanten, den Exporteuren neue Preislisten eingereicht, in denen die Preise für vorläufig nur echte Rahmen um 2 bis 3 Proz. erhöht sind. Die Exporteure wollten sich darauf nur einlassen, wenn die Fabrikanten sich vertraglich für das ganze Jahr auf diese Preise verpflichten. Da aber die 2 bis 3 Proz. nicht ausreichend sind, um die Lohnerhöhungen auszu- gleichen, ließen die Fabrikanten sich auf dieses Ansinnen nicht ein, sie erboten sich aber, einen Preisauffchlag von 5 Proz. für das ganze Jahr festzusetzen. Darauf beschlossen die vereinigten Ex- porteure, alle Aufträge zurückziehen und keine weiteren Aufträge zu übermitteln, bis der neue Preiskurant zurückgenommen sei. Das bedeutet, daß die Unternehmer gezwungen sind, einen großen Teil der Arbeiter zu entlassen und einzelne Betriebe überhaupt stillzulegen. Deshalb sahen sich die Arbeiterorganisationen ge- nötigt, einzugreifen. In einer Versammlung der Arbeiter wurde der vom Holzarbeiterverband gemachte Vorschlag, daß alle Kollegen in den Betrieben, wo echte Rahmen gefertigt werden, an diesem Montag sich als arbeitslos melden sollen, angenommen. ES wird besonders an die Arbeiter der kleinen Fabrikanten appelliert, da die letzteren die Aufträge von den Exporteuren übernehmen und um 13 Prozent billiger liefern wollen. Die Versammlung nahm den Vorschlag ein- stimmig an, protestierte gegen die jetzige unsinnige Produktions- weise und verpflichtete sich, die gesamte Produktion lahmzulegen, bis der Kampf zwischen Fabrikanten und Exporteuren entschieden ist. In Betracht kommen zirka 733 Arbeiter. Zur Aussperrung in der Porzellanindustrie. Die oberpfälzischen Porzellanfabrikanten suchen sich eine gelbe Schutztruppe heranzubilden. So ist in der Porzellanfabrik Tirschen- reuth den Arbeitern laut Beschluß des Schutzvereins deutscher Por- zellanfabriken gekündigt worden, zugleich aber wurden die nicht- organisierten Arbeiter aufgefordert, sich auf dem Kontor zu melden, da sie während der Dauer der Aussperrung von der Fabrik unter- stützt werden sollen. Dabei sollen jedoch alle Nichtorganisierten, die auf die Unterstützung durch die Fabrik reflektieren, sich unter- schriftlich verpflichten, keiner Organisation beizutreten, so lange sie in der Fabrik beschäftigt sind. Eine erfiilgreiche Bewegung haben die Stukkateure in Bad Kissingen durchgeführt. Es gelang der Abschluß eines auf drei Jahre gültigen Tarifvertrags, der sofort eine Aufbesserung der Stundenlöhne um 3, in den nächsten beiden Jahren um je weitere 2 Pf. vorsieht, außerdem entsprechende Wehrbezahlung für Ueber- stunden, Sonntagsarbeit usw. Kuviand. Arbeitskämpfe in Böhmen. In der Prager Metallindustrie werden Verhandlungen zur Be- endigung der Aussperrung geführt. Die Unternehmer werden Lohnerhöhungen gewähren müssen. Unter der Führung tschechisch. sozialdemokratischer, aber auch nationalsozialer Abgeordneten ver- anstalteten die Ausgesperrten am Donnerstagvormittag einen Auf- marsch durch die Staot. Die Arbeiterpresse wird derart mit Kon- fiskationen verfolgt, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten beim Justizminister Beschwerde erhoben. Die Prager stadtischen Straßenbahnen haben jüngst die Personenfahrpreise erhöht, weil— für das Personal etwas geschehen müsse. Als die Angestellten aber einen Ausgleich für den Trinkgelderausfall forderten, lehnte man schroff jede Vor- Handlung ab. Der Streik ist nur eine Frage der Zeit, bielleicht owcht er zum großen tschechischen Landcswrnfest aus, wo ganz Böhmen nach dem„goldenen Mütterchen Prag" wallfahrtet. Tie wirtschaftlichen Kämpfe in Grofzbritannien. Hamilton(Schottland), 8. Februar 1912.(Eig. Ber.) Die Hoffnung, daß der Friede im Bergbau Großbritanniens erhalten bleiben werde, hat sich als trügerisch erwiesen. Die Konferenzen, die zu Anfang der Woche in London stattfanden und auf denen eine Einigung in der Minimallohnfrage Zustandekommen sollte, haben nicht den geringsten Erfolg gehabt. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Bergarbeiter und Unternehmer Mittel- cnglands, die den Schlüssel zur Lösung der Frage für das ganze Reich finden sollten, sind nicht von der Stelle gekommen. Man fühlte, daß die Frage nach den jüngsten Ereignissen nur noch durch ein allgemeines, zu gleicher Zeit für alle Länderteile abgeschlossenes Abkommen geregelt werden kann. Aber die Erreichung eines all- gemeinen Vertrages hat sich aus der am 7. Februar zu London abgehaltenen Konferenz der Vertreter aller Bergarbeiter und Kohlenbesitzer Großbritanniens als hoffnungslos erwiesen. Das größte Hindernis auf dem Wege zur Verständigung war nach wie vor die Unternehmerschaft Südwales, an deren Spitze der Haupt- scharfmachcr Thomas steht. Bis zu Anfang der Konferenz war es noch ungewiß, ob sich die südwalisischen Unternehmer an der gemeinschaftlichen Besprechung beteiligen würden. Die Herren erschienen jedoch, zogen sich aber sogleich zurück/ als der Vor fitzend« der Beogärbeiterföderation. Edwards, den Unter- nehmern die Forderungen der Bergarbeiter unterbreitete. Sie gaben die Erklärung ab, daß sie sich an den Verhandlungen nicht weiter beteiligen könnten, da die Arbeiter entschlossen seien, die bestehenden Verträge zu brechen.(Dies wird übrigens von den Bergarbeitern in Südwales und Schottland, deren Arbeitgeber die Arbeiter des Vertragsbruches anklagen, geleugnet. Die Schotten und die Südwaliser behaupten— und das mit vollem Recht—, daß die Minimallohnforderung die bestehenden Lohn- vertrage nicht berühre.) Die zurückgebliebenen Unternehmer setzten die Verhandlungen fort und boten den Arbeitervertretern die Regelung der Frage der„abnormen Stellen" an. Die Berg- arbeiter schlugen diese? Angebot ab, bestanden auf die Einführung des individuellen Minimallohns und erklärten sich bereit, weiter zu verhandeln, sollten die Unternehmer dazu geneigt sein. Hier ist vielfach die Ansicht ausgesprochen worden, daß sich die Kohlenbesitzer nur so halsstarrig zeigen, um noch länger von den herrschenden hohen Kohlenpreiscn zu profitieren, und daß sie am Ende des Monats ihren Widerstand gegen die Forderungen der Arbeiter aufgeben würden. Allerdings machen die Unternehmer seit einigen Wochen glänzende Geschäfte und erzielen für einen großen Teil ihrer Kohle 4 bis 5 Schilling mehr als zu Ende des letzten Jahres. Zwar macht dieser Preisaufschlag in bezug auf die langfristigen Kontrakte nichts aus. Aber sie verdienen doch gewaltige Summen durch den Schrecker? den sie dem Publikum eingejagt haben. Auch weigern sie sich an allen Orten, die ab- laufenden Lieferungskontrakte zu erneuern und verkaufen nur zu den Tagespreisen. Der Streik der Dockarbeiter in Glasgow nimmt immer drohendere Formen an. Der Vcrmittelungsverfuch Sir G. Asquiths ist fehlgeschlagen. Nach zweitägigen Verhandlungen haben die Arbeiter erklärt, daß das Angebot der Unternehmer eine Brleidi- gung fei und die Zustände wieder einführen werde, die glücklicher- weise ourch den Kampf im letzten Jahre überwunden worden seien. Es zeigt sich immer mehr, daß die Reeder die Arbeiter in den Kampf drängten mit der Absicht, in dieser ungünstigen Jahres- zeit die junge Organisation zu zertrümmern. Die Absicht dürfte jedoch durchkreuzt werden. Von verschiedenen Seiten ist deti Dock- arbeitern finanzielle Hilfe angeboten worden. Die Transport- arbeiter stehen ihnen bei und es ist leicht möglich, daß der TranS- portarbeiterverband feine Drohung, einen Generalstreik der TranS- Portarbeiter zu erklären, in die Tat umsetzen wird, sollte sich der Kampf am Clyde noch länger hinausziehen. Der britisch« TranS» portarbeiterverband umfaßt 24 Gewcrkschafte« mit 253 333 Mit- gliedern. Der Streik der Dockarbeiter. Glasgow, 9. Februar 1912.(Eig. Ber.) Der Streik der Dockarbeiter dauert unverändert fort und der Schiffsverkehr auf dem Clyde ist fast vollständig eingestellt worden. Hier und da ver- suchen einige Unternehmer die Arbeit von importierten Streik» blechern ausfiihren zu lassen. Da? hat jedoch schon an verschiedenen Stellen zu heftigen Szenen zwischen Polizei und Streikenden ge- führt. Die junge Dockarbeiterorganisation hat bis jetzt ihre Truppen gut in Ordnung gehalten. Die leitenden Genossen am Platze versichern, daß die Arbeiter fest entschlossen sind, im Kampfe auszuharren. Von den 8333 streikenden Dockarbeitern gehören 7533 dem Glasgower Zweig des schottischen Dockarbeiterverbandes an, obwohl die Organisation erst seit 7 oder 8 Monaten besteht. Unter diesen Umstanden sind die vorhandenen Gelder natürlich gering. Die Geldfrage spielt jedoch nach der Aussage eines der Leiter der Gewerkschaft keine große Rolle. Erst gestern wurden der Organisation 5333 Pfund Sterling angeboten. Wahrscheinlich wird daS Angebot jedoch nicht ange- nommen werden. Während der letzten Monate haben dre Glas- gowcr Schiffsherren glänzende Geschäfte gemacht und auch die Dockarbeiter haben gut verdient, so daß die meisten einen Spar, Pfennig zurücklegen konnten. Wie schon berichtet, handelt es sich bei diesem Kampfe, der sich leicht zu einem Generalstreik entwickeln kann, nicht um eine Lohnfrage. Die Dockarbeiter sind mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden. Namentlich protestieren sie gegen den Vorschlag der Reeder, die Kolonne von 16 auf 14 Mann zu reduzieren. Ferner bestehen sie auf die Abschaffung gefährlicher Einrichtungen. Nach Glasgow komtnt viel Eisenerz von Bilbao, das hier in den großen Eisenwerken verarbeitet wird. Beim Ausladen der'Erze werden in der Eile häufig zu viele Körbe auf einmal in den Schiffskörper hinabgelassen oder aus ihm heraufgezogen, waS die im Schiffs- inner» beschäftigten Arbeiter großen Gefahren aussetzt. Die Ar- bciter wollen nun die Zahl der in Verwendung kommenden Körbe festgesetzt wissen. Weiter verlangen sie, daß alle Vorarbeiter der Gewerkschaft beitreten sollen; sie wollen damit der Drangsalierung durch die Vorleute ein Ziel setzen. Den Vorarbeitern soll auch verboten werden, selbst praktisch zu arbeiten. �Die» ist ein sehr wichtiger Punkt in bezug auf das UnfallentschädigunaSgesetz. ES ist häufig vorgekommen, daß ein verletzter Arbeiter leine Unfall- rente beziehen konnte, weil ber Vorarbeiter zur Zeit des Unfalls anderweitig beschäftigt war und die Arbeiten nicht beaufsichtigte. Die Unternehmer haben dann vor den Gerichten mit Erfolg oie Verteidigung vorgebracht, daß der verletzte Arbeiter zur Zeit deS Unfalls keine ihm aufgetragene Arbeit verrichtete. Ein bemerkenswerter Erfolg der jungen Dockarbeitergewerk- schaft ist die vollständige Beseitigung der nationale» und religiösen Zwistigkeiten, die m vergangenen Jahren die Arbeiter- schaft am Clyde zersplittertem Heftige Fehden fanden in der Ver- gangcnheit statt zwischen Jrländern und Schotten, Katholiken und Protestanten. Seit der Gründung der Dockarbeiterorganisation hat man nicht da? geringste davon gespürt. Schotten und Jrlander. Protitztanten und Katholiken haben ,m gemeinschaftlichen Kampfe in einer einheitlichen großen Organisation ihre kleinlichen und manchmal lächerlichen Streitigkeiten vergesse». Ein gute» Zeichen für die Zukunft._ letzte Nachrichten« Frivole Aussperrung. «ubapest, 12. Februar.(W. T. B.) Die«ndapester Maschinenfabriken haben die Aussperrung sömtiicher Ar- beiter, deren Zahl sich auf etwa 23 303 beläust. beschlossen. Die Hauptursache sind Forderungen der Arbeiter betreffeud den Arbeitsnachweis._ Zum Unternehmer trutz noch Hohr». Brüssel, 12. Februar.(W. T. B.) Die Grubenbesitzer im Borinage haben den Vorschlag des Provinzialrate«.«wen dreimonatigen Versuch mit achttägiger Lohnzahlung S» machen, abgelehnt und schlagen jetzt ihrerseits den Bergarbeiter»«inen sechsmonatigen.Versuch mit vierzehntägiger Entlohnung vor. Dieser Borschlag verschärft dir Lage. *,» Der Unternehmertrutz wird durch die Regierun« bestärkt, wie folgende Depesche zeigt: Vriisiel, 12. Februar. Im Streikgebiet de» Borinage wurden nach Blättermeldungen 8 Soldaten des JägerbataillonS zu Fuß verhaftet, weil sie gegen Tumultnanten nicht scharf genug vor- gingen und sich zum Test sogar entwaffnen ließen. Der Schutzmann als Landesverräter. Wilhelmshaven, 12. Februar. Der entflohene Schutzmann Suhr ist bisher noch nicht ermittelt worden. Nachdem er sein Gut- haben auf der Sparkasse abgehoben hatte, trat er am Mittwochabend mit dem Schnellzuge von einer benachbarten Station die Reise nach dem Auslände an und hat vermutlich schon um Mitternacht die holländische Grenze erreicht. Hier war er. da gegen ihn nur Bei- Hilfe zum Landesverrat in Frage kommt, vor einer Auslieferung sicher. "'g lujntaqucpc Haftung Dct pöU* sitzende cct jüeDyuXüciieryooctcinon� vsoroaco», oen unter« ficyer. Berantw. Redakteur: Albert WachiTBcrlin�Jnseratenteil verantw.: Th.Glvcke. Berlin. Druck». Ber lag: Vorwärts Buchdr.» VertagSanstalt Paul Singer i Co« Berk» SW. Hierzu 2 Beilage» k. v«terb»ltuu«»tl. Nr. 36. 29. Jahrgang. 1. KkilU des Jm'iiiiitts" Stllim ilollislilntt. Dienstag, 13. kebtnar 1912. MgeoränetenKaus. 12. Sitzung vom Montag, den 12. Februar, vormittags 11 Uhr. Aln Ministertisch: Frhr. v. Schorle m er, Dr. L e n tz e. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation Engelsmann tnatl.) und Genossen betr. die Hagelschäden im Weinbaugebiet der Nahe. Abg. Engelsmaun snatl.) begründet, die Interpellation, die Staatsunterstützung für die betroffenen Winzer wünscht. Die Not- läge der Winzer sei um so größer, da eine Versicherung gegen Hagelschäden unter den jetzigen Bedingungen der VersicherungS- gesellschasten sehr schwer möglich sei und da durch den Hagel die Ernte eines ausnahmsweise guten Weinjahres vernichtet sei. Ein R e g i e r u n g s k o m m i s s a r erklärt, daß Untersuchungen über die Größe des Schadens stattgefunden hätten und die Ver- Handlungen über die Entschädigung noch schweben. ES sollen zur Unterstützung der kleinen Winzer 300 000 M. ä fonds perdu gegeben werden, die großen erhallen Darlehen. Abg. Dr. Crüger sVp.s kritisiert die Praxis der Regierung bei solchen Unterstützungen. Bedauerlich sei vor allem, daß die Hilfe so spät komme. Abg. Engelsmann snatl.) wünscht, daß die Unterstützungen in allen Fallen ii fonds perdu gegeben werden. Abg. Hoffmann(Soz.): Auch wir müssen bedauern, daß es erst einer Interpellation bedurft hat, um der Regierung Beine zu machen. Unerhört ist es, daß man von den Betroffenen verlangt, sie sollten Bürgschaft eines Bankiers stellen. Ich kann mir denken, daß es menschenfreundliche Bonkiers gibt, die sagen: Wiffen Sie, ich gebe Ihnen das Geld zinslos selber, da brauchen Sie nicht erst bei der Regierung zu betteln. In solchen Fällen muß der Staat schnell, ganz und richtig eingreifen. Damit schließt die Besprechung. Es folgt die einmalige Beratung des Staatsvertrages zwischen Preußen und Bayern. Württemberg und Baden zur Regelung der Lotterieverhältnisse. Die Abgg. König(Z.), Dr. Arendt ssk.), R o s e n o w(Bp.) erklären sich im allgemeinen mit der Borlage einverstanden. Abg. Hoffwann sSoz.): Wir werden natürlich gegen die Bor- läge stimmen, da wir das Lolteriespiel für ein Uebel halten, das so schnell wie möglich beseitigt werden müßte. Wenn eS dem Staate Millionen einbringt, so ist das erst recht bedenklich. ES ist dies nichts weiter als eine DummheitSsieuer.(Sehr gut I bei den Sozial- demokraten.) Den Zusammenhalt der deutschen Staaten zu be- weisen, gibt es wahrlich würdigere Gelegenheiten. Es handelt sich hier uni ein Hazardspiel, und der Staat darf sich nicht als Bankhalter eines solchen unsinlichen HazardspielS hergeben. Woher nimmt er sonst das Recht, das Hazardspiel zu verbieten? Freilich wissen wir ja, daß sich auch sehr hohe Herrschaften am Hazardspiel beteiligen, ich erinnere an die Eulenburgische ministerielle Lustige Sieben. sBei- fall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Winckler sk.) erklärt daZ Einverständnis seiner Freunde mit der Vorlage. Der Vertrag wird bewilligt. Hierauf wird die zweite Lesung des Etats beim Etat der Landwirtschaftlichen Verwaltung fortgesetzt. Abg. v. Arnim-Züsedom sk.): Die Spannung zwischen Vieh- und Fleischpreisen zeigt bei Schweinen eine zu große Differenz. Hier können die Kommunalverwaltungen durch geeignete Maßnahmen ausgleichend wirken. Ein schreiendes Mißverhältnis besteht auch zwischen den Kartoffelpreisen in den verschiedenen Städten. Eine Aendrrung des Systems der Einfuhrscheine liegt nicht im Jntereffe der Landwirtschast. Redner betont zum Schluß das Interesse der Landwirtschaft an einheimischen, seßhaften Arbeitern. Abg. Wallenbor»(Z.) bleibt auf der Tribüne unverständlich. Abg. Dr. v. Woyna(fk.): Eine wichtige Aufgabe des Staates ist die Schaffung mittlerer Fideikommisse. Zur Schaffung eines Stammes einheimischer Landarbeiter ist der Bau gesunder und auch schöner Arbeilerwobnungen notwendig. Leider sind die ländlichen Bauordnungen vielfach so übertrieben, daß viele Landwirte nicht in der Lage sind, eigene Arbeiterwohnungen zu bauen. Das ländliche Fortbildungsschulwesen muß ausgebaut werden. Eine Vermehrung der Kreisiierärzte ist dringend geboten im Interesse einer wirk- sanieren Bekämpsung der Seuchen. Landwirtschaftsminister v. Schorlcmcr teilt in Beantwortung kleines feuilleton. Joseph Lister f. In London ist der Chirurg Joseph Lister im hohen Alter von 84 Jahren gestorben. Er war der Arzt der aller- vornehmsten Schichten und ein Mann, der auf seinem Spezialgebiete manches geleistet hat. Aber durch eine Tat, die in den Dauerbesitz der Zivilisation übergegangen ist und fruchtbar weiter gewirkt und neue gezeugt hat. ist sein Name zu dem eines Wohltäters der Menschheit geworden. Alle Fortschritte der Medizin und der Chirurgie im besonderen hatten bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderls einem furchtbaren Feind, dem Schrecken der Aerzte und Patienten nichts anhaben können: dem Wundfieber oder Hospitalbrand. Selbst eine wohlgelungene Operation machte die tückische Infektion der Wunde zunichte. Nun hatte Pasteur Licht verbreitet über die Zersetzungs- und Fäulniserreger, die in der Luft und überall verbreitet sind und offene Wunden infizierten. Lister verwertete die Erkenntnis für die Praxis und schuf das nach ihm be- nannte Wundbehandlungsverfahren. Die in die Wunde gedrungenen Pilze und Keime mußten vernichtet werden und die K a r b o l s ä u r e war daS Mittel, das er dazu verwandte. Die Antisepsis, die Unter- drückung des Fäulnisprozesses, war die entscheidende Neuerung, die er einführte. Die Desinfektion der Wunde, ihrer Nachbarschaft, aller Stoffe, die mit ihr in Berührung kamen, sollte die Fäulnis- erreger vernid>ten. Karbol war das Schlachtgeschrei, und alle Krankenstuben und Lazarette waren von ihrem penetranten Geruch erfüllt. Selbst die Lust, mit der die Wunde in Berührung kam. wurde mit gestäubtem Karbol desinfiziert. Heute hat das Karbol seine Rolle ziemlich ausgespielt, bei frischen Wunden ist sie längst durch weniger reizende Stoffe ersetzt. Die ganze Listersche Methode ist-nicht nur verbeffert, sondern durch eine neue, die aseptische, ersetzt worden. Die Asepsis will alle Gefahren der Infektion fernhalten, indem sie alles, was mit der Wunde in Berührung kommt, keimfrei macht, während Lister die Keime in der Wunde selbst zu vernichten suchte. Aber der Segen und der Wert seiner Erfindung wird dadurch nicht beeinträchtigt, daß die heutige Medizin andere Wege einschlägt. Das Ziel, das Lister zuerst zeigte, ist dasselbe � geblieben: die Entzündung der Wunde, da» Wundfieber zu verhüten. Was wäre unsere ganze so hoch- enlwickelte Operationstechnik ohne das Hilfsmittel einer rationellen Wundbehandlung I »Per« Hyacinthe", mit seinem bürgerlichen Namen Hyacinthe L o y s o n, ist am Freitag in Paris im Alter von 55 Fahren ge- starben. Er war als junger Karmelrtermönch einer der gefeiertsten Kanzelredner Frankreichs. In der Madeleine und in der Notre Dame hat er gepredigt, bis ihn sein Liberalismus in Konflikt mit dem Vatikan brachte. Wegen eines offenen Protestes gegen die ultramontane Mochtpolitik exkommuniziert, vollzog er am Vorabend des vatikanischen Konzils seinen sensationellen offenen Bruch mit der Kirche. 1872 heiratete er. Später war er in der altkatholischen Bewegung tätig, erst in Genf, dann in London. In Paris, wo nach der Kommune der Klerikalismus obenauf war, durfte er 1877 � einer Anfrage mit, daß die Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin ' das verlangte Versuchsfeld erhalten werde. Die Fonds zur Förde- rung der Viehzucht sollen auch in Zukunft nach Möglichkeit verstärkt werden. Von der Einbringung des Fideikommitzgesetzes ist diesmal mit Rücksicht auf die Belastung der Session mit so großen Vorlagen wie dem Wassergesetz abgesehen worden. Eine Vermehrung der Tierarztstellen ist in Aussicht genommen. Abg. Heine snatl.) begrüßt die Vermehrung der Mittel für die Landesmeliorationen. Die Arbeileransiedlungen schreiten noch zu langsam vorwärts. Zu bedauern ist das fortgesetzte Zurückgehen der Vieh- zucht. In den Gütcrpreisen besonders im Osten ist eine ungesunde Steigerung zu verzeichnen. Abg. Dr. Crüger(Vp.>: Auch wir erkennen an, daß für die Viehzucht erhebliche Mittel eingesetzt sind; sehr wichtig ist aber auch die Obstzucht. Die Anregung des Ministers, daß die Kommunen die Lebensmittelversorgung mehr in die Hand nehmen sollen, wird de» Sozialdemokraten lehr gefallen. Ebenso wie die Kommunen könnte das ja auch gleich der Staat tun. Sehr mittelstandsfreundlich war ja diese Aeußerung nicht. Ich hoffe, daß man in Konsequenz dieses Standpunktes des Ministers in Zukunft eine andere Haltung in bezng auf die Besteuerung der Konsumvereine einnehmen wird. Auf dem Gebiete der inneren Kolonisation sind wir über die Versuche noch nicht hinausgekomnien. Man hat aber gar kein so großes Interesse an der Bildung von Bauerngütern, das hat auch Profesior Sehring im Landesökonomiekollegium ausgesprochen. In der Forderung- der- Seßhaftmachung von inländischen Arbeitern stimmen wir mit Herrn v. Arnim durchaus übcrein. Hier hat der Großgrundbesitz eine nationale Pflicht zu erfüllen. Nur muß bei der inneren Koloniiation alles vermieden werden, um das in sozioldemo- kratischen Kreisen bestehende Mißtrauen zu fördern, man wolle nur darauf hinaus, einen neuen Stand der Hörigen zu schaffen I Das Parzellierungs- und das Fideikommißgesetz sollte endlich veröffentlicht und zur allgemeinen Diskussion gestellt werden. Der ganze Osten wird bald fideikommissarisch gebunden sein, wenn nicht endlich der Bildung neuer Fideikommiffe Halt geboten wird. Das ist ein großer Widerspruch der inneren Kolonisation. sSehr richtig I links.) Wie groß noch die hygienischen Mißstände auf dem Lande sind, be- weist das häufige Vorkommen der Tuberkulose. Der Verlauf der Enischuldungsaktion hat unsere Bedenken gegen die Eintragung der Ver- schuldungsgrenze durchaus als gerechtfertigt erwiesen. Redner wünscht Auskunft, was bisher für die notleidenden Winzer geschehen sei und was für Fonds dazu vorhanden seien.— Herr v. Woyna sprach von schweren Kämpfen, die der Landwirtschaft beim Zolltarif bevorständen. Er hat nur nicht deutlich ausgesprochen, ob er wie Herr v. Heydebrand auch den lückenlosen Zolltarif will oder nur die Aufrechterhaltung der jetzigen Zölle. Für die Landwirtschaft ist die Hauptsache die gute Durchbildung der Gutsbesitzer. Die Großgrundbesitzer haben daS ja nicht so nötig, ihre Güter werden von Verwaltern geleitet. Die letzten Wahlen haben ja gezeigt, wo- hin die Reife geht, sie bedeuten den Zusammenbruch der Herrschaft der Großgrundbesitzer und zwar aus nationalen Gründen. iBravo l links.) Abg. Leincrt(Soz.): Es ist notwendig, genauer die Verwendung der Gelder durch daS Landwirtschaftsministerium zu kontrollieren, das beweist die Ausgabe von Geldern der Glogauer Fürstentumlandschaft für den Bund der Landwirte, die der Minister gebilligt hat.(Hört l hört l bei den Sozialdemokraten.) Interessant war die Erklärung des Ministers in der Kommission, daß die Einfuhr von 18 000 Stück Rindvieh aus Schweden keine Seuchengefahr für uns bedeute. Das beweist, daß die sonst immer wiederholte Be- hauptung, die Seuchen würden diirch ausländisches Vieh«ingeführt, nichts ist als ein Vorwand, um hier im Inland« die Biehpreise möglichst hoch zu halten. Be- dauerlich ist der Rückgang in der Rindviehproduktion, der 1910 durch die Viehzählung festgestellt worden ist. Auch der Bestand an Schweinen ist nicht gestiegen, wenn man die Steigerung der Be- völkerung in Betracht zieht, auotz alledem will die Rechte noch immer die Grenzsperren aufrecht erhalten und kein ausländisches Fleisch hercmlasien. 1911 sind 139 weniger Ochsen, 199 weniger Bullen, 27 Kühe. 207 Jungvieh, 107 Kälber. 97 Schafe weniger geschlachtet worden als 1909. Mehr sind nur Schweine, was aber den Verlust an geschlachtetem Rindvieh nicht aufhebt. Da braucht man sich über das ständige Steigen der Fleischpreis« nicht zu wundern.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) wieder öffentlich sprechen. Er gründete eine„gallikanische" Kirche, und seine Predigten fanden außerordentlichen Zulauf. Seinem Alter war die Genugtuung bcschieden, daß sein Sohn Paul Hyacinthe Loyson, Herausgeber der„Droits de rhomnie" und einer der wenigen ernsthaften Dramatiker Frankreichs, sein Werk, die Propaganda für eine unabhängige, nationale und republika- nische �Religion, weiterführte. Hyacinthe Loyson ist in vollkommc- nein Frieden mit seinem Gewissen gestorben. Mag man seine Bestrebungen für hoffnungslose Ideologie ansehen, so hat der merkwürdige Mann, der eben wegen seiner religiösen Leidenschaft in Konflikt mit der Kirche geraten mußte, durch die Standhastigkeit seines Charakters und seine Hingebung für ethische Aufgaben das Anrecht erworben, in der Gedenktafel der Kämpfer für freiheit- liche Ziele eingetragen zu werden. Theater. Deutsches Theater: Romeo und Julia von Shakespeare. Moissis Romeo mag in Zukunft nech gleichen Ruhm erwerben wie der des jungen Kainz in den achtziger Jahren. Er hat seit jener Zeit, da Reinhardt bald nach der Uebcr- nähme des Deutschen Theaters ihn zum ersten Male diese Rolle spielen ließ, eine erstaunliche EntWickelung durchgemacht. Damals schüttelte man die Köpfe. Was brachte dieser hohlwangig kränklich ausschauende Bursch für die leuchtende Gestalt von Slmkespeares Veronescr Helden mit, wie sollte man ihm Julias Liebe glauben? Wohl blitzte aus den Worten und Bewegungen Leidenschaft, doch eine neurasthenisch verzerrte, die abstieß, wo sie anziehen und ver- führen sollte. Der Wohllaut der Verse erlosch in einer wilden, manirierten Hast des Vortrags. Und heute? Wer Moissis Bahn verfolgt hat, wußte, daß ihm die Kraft gewachsen. Aber er über- traf noch die Erwartung. Sein neuer Romeo war eingetauscht in alle Schimmer der Poesie, bestrickend in der Anmut, fortreißend in dem Feuer des Gefühls, dabei in jedem Zug von lebensvollster Individualisierung. Gleich in der ersten Szene, wo der verwöhnte Knabe mit seinem Schmerz um Rosalinde spielerisch prunkt, ge- wann er sich die Herzen. Weich und eigenwillig, von jeder Hemmung, die sich seinem Begehren in den Weg stellt, zu maßloser Verzweiflung fortgerissen, knabenhaft ungestüm und in dem Un- gestüm bezaubernd, so führte Moissi die Rolle in einheitlichem Grundton durch. Mit der zartesten Lyrik paarte sich ironisch fein- sinniger Humor in der Darstellung des Liebenden, der im Ueber- schäumen seines Glücksgefühls wie eine Windsbraut um den fried- lichen Lorenzo wirbelt.— Johanna T c r w i n, eine junge Schau- spielerin, die neulich in Nansens„Mücklicher Ehe" zum ersten Dkale in einer Hauptrolle hervortrat, war eine südländisch schöne Jnlia, reizvoll im Ausdruck hingebend-zärtlichcr Sehnsucht. Die leidenschaftlich-tragischen Momente gelangen nur zum Teil. Margarete Kupfer spielte Julias Amme mit derb karikierender schlagkräftiger Komik, und so durchaus im Sinne des Textes. Wassmanns mürrischer Peter akkompagnierte in gleichem Stil. Di egelmann cntivarf ein trefflich naturalistisches Porträt des alten brauseköpfigen Capulet. Mercutio und Tybalt, die beiden Haudegen, gelangten durch die Herren Mörz und Winter» Die Agrarier behaupten nun, die Schlächter machten so hohe Gewinne, daher stamme die Höhe der Fleischprcise. Es ist das eni Zelcheil für die angebliche Mittclstandsfrcundschaft der Rechten. Zweifellos würden die Preise erheblich heruntergehen, wenn man die Einfuhr ausländischen Fleisches zulassen würde. Nicht richtig ist, daß die Viehzüchter am Vieh nichts verdienen. Nur wird den kleinen Leuten die Anfzucht von Vieh sehr erschwert durch d i e Verteuerung der Futtcruiittcl.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Herr v. Arnim sprach wieder für Aufrechterhaltnng der Einfuhrscheine. Daß dies System eine Bereicherung der Agrarier im Osten bedeutet, ergibt sich aus der eigenen Denlscbrift der Rc- gierung über die"Eiiifuhrscheine. wonach es ihr Zweck ist, die durch den Zolltarif geschaffenen hohen Gelreidepreise zu halteir. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Seit 1906 sind über 400 Millionen aus den Einfuhrscheincn den Großgrundbesitzern zn- geflossen, die eigentlich den Witwen und Waisen der Arbeiter hätten zugute kommen müssen. Auch von dem lückenlosen Zolltarif. den man nunmehr verlangt, hat nur der Großgrundbesitz Vorteil, nicht aber der mittlere und kleine Grundbesitz. DaS hat Graf Hohenlohe seinerzeit selbst zugegeben. Die wenigen tausend Groß- betriebe haben 72,3 Proz. des gesamten Weizcnbanes. 66.9 Proz. Anteil an der Gerste usio. Sie haben also das erheblichste Geld- interesse an den Zollerhöhungen. Die kleinen Grundbestner werdeir »och außerdem schwer geschädigt durch die Bcrtcueriing der Fnttcr- mittel. Sie haben deshalb in großem Umfange Vieh vertaufcil müssen. Bei Verpachtung von Domänen sollte die Regierung die Bedinzung stelle», daß eine bestimmte Menge Vieh produziert ioirS, denn die geringe Viehproduktion muß-jeden mil schwerer Sorge erfüllen. Trotzdem ist inan der Meinung, die Fleischteucrung sei eine vor- übergehende Erscheinung. Die Gemeinden haben getan, was sie konnten, um hier Abhilse zu schaffen. Aber die Regierung hat ihre Pflicht nicht getan.(Sehr wahr! links.) Wir verlangen zunächst eine Aufhebung des Gcrstcnzolles zur Verbilliguiig der Futtermittel. Der Minister hat in einen» Erlaß auf die gute Heu- ernte in Steiermark hingewiesen und Staatshilfe bei der EmfüHruiig solchen Heues versprochen. Ich frage: wieviel ist denn vom Staat zu diesem Zwecke ausgegeben worden? Die Agrarier haben sich natürlich gegen diese Heueinfuhr ausgesprochen, weil angeblich in Steiermark Viehseuchen herrschten. Der Minister selbst mußte dem- gegenüber feststelle», daß Steiermark scuchcnfrei sei.(Hört I hört! bei den Sozialdeniokraten.) Bis heute haben ja die großagrarischen Bestrebungen, den kleinen Landwirten die Verbilligung der Futtermittel zu hintertreiben, bei dem Bundesrat ein williges Ohr gefunden. Den Konservativen kommt es vor allem, darauf an, zu verhindern, daß durch die Slispendierung der Futter- mittelzölle ein Loch in den lückenlosen Zolltarif gerissen wird. Der Wahlausfall hat die Empörung des Volkes über die Verteuerung nicht nur des Fleisches, sondern aller notwendigen Lebensmittel be- wiesen. Aber der Regierung fehlt es offenbar an gutem Willen. für die Arbeiter zu sorgen, sie bat nur Interesse für die groß- agrarischen Interessen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokrateil.) Kartoffeln, Butter, Milch steigen fortgesetzt im Preise. Die Milch- Versorgung wird eingeschränkt, was eine schwere Gefahr für die Ernährung des Volkes bedeutet.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wie viel Hunderttausende von Kindern bekommen in Deutschland kein warmes Mittag, wie viele müssen hungrig zur Schule gehen! Die Folge der rücksichtslosen agrarischen Politik ist eine vermehrte Säuglings- stcrblichkeit, ein Rückgang der Geburten. Und wenn sich die Ar- beiier gegen diese' Politik wehren, rufen die Konservaiiveu nach ZnchthauSgesetzen.— Ans die Not der Arbeiterklasse ist in der Thronrede mit keinem Worte hingewiesen, wohl aber ist gesagt, daß es der Landwirtschaft jetzt gut gebt. Selbst daS aber ist den Agrariern nicht genug, die„Deutsche Tageszeitung" meinte, es hätte noch erwähnt werden müssen, daß die Landwirtschaft augenblicklich notleide. Der Reichtum der Großagrarier wird erreicht unter Aufrechterhaltung der ungeheuerlichsten Unfteiheit der Arbeiter aus dem Lande, des Schandflecks der Gcsindeordnung. (Präsident Frhr. v. Erffa ruft den Redner wegen dieses Ausdrucks zur Ordnung.) Selbst Ministerialdirektor Dr. Thiel hat gesagt: „Auf dem Laude(im Osten) besteht vielfach»och das HöcigkeilS- verhältnis."(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Redner führt Fälle schwerer Mißhandlung und Beschimpfung von Laudaibeitcr» an. Solche Fälle beweisen am besten die Notwendigkeit des KoalitionSrechts für die Landarbeiter.(Sehr wahr l bei den Sozial- st e i n zu wirksamer Verkörperung. Die farbig inszenierten Straßenkämpfc der feindlichen Parteien gaben dem Ganzen einen malerisch eindrucksvollen Hintergrun!» dt. Notizen. — Ausstellungen. Im Lichthofe des Kunstgewerbe- Museums sind bis 24. März neuere Kunstschmiedearbeitcn, be- sonders aus Berliner Werkstätten, ausgestellt. — Die Klassikeraufführungen im Neuen kgl. Opern-Theater haben ein vorzeitiges Ende genommen. Wie der Pächter. Dr. Helmer, mitteilt, aus gewichtigen künstlerischen Gründen(Probenverhinderung), wie von anderer Seite behauptet wird, wegen mangelnden Besuchs.— Derselbe Helmer hat das ge- samte Krollsche Etablissement vom 1. April an gepachtet. In den Theaterkasten wird zum Sommer eine Operetten- oder Opern- gesellschaft einziche». — Rudolf Rittner. der ausgezeichnete Künstler, der aus der Schauspielerei ins Landleben geflüchtet war, wird in seine frühere Welt zurückkehren. Er ist als Sozietär und künstlerischer Beirat der Genossenschaft beigetreten, d,e sich aus Mitgliedern des Lessing- theaterS gebildet hat und nach BrahniS Rücktritt eine eigene Bühne gründen wird. Er will junge Kräfte für den Beruf heranbilden helfen, dem er selbst Valet gesagt hat. — Ein heimliches Theater ist im Werden begriffen. ES will den Schikanen und Tücken der Zensur entrinnen, indem es gänzlich umsonst vor geladenen Gästen spielt. Heinrich L a u t e n s a ck. selber ein von der Zensur Geknebelter, will die Idee verwirklichen und hat angeblich auch einen Mäcen gefunden für-Z Nötige.(Hoffentlich ist aber„der Mäcen" überflüssig.) Man plant eine Aufführung von W e d e k i n d s Totentanz und von anderen verbotenen Stücken. — E i n e deutsche Nationalbücherei, die alle Arbeite« zur germanischen StammeSsorschung. zur deutschen Landes- uno Volkskunde, zur Geschichte der Deutschen aller Zeiten und Stämme, zur deutschen Sprach- und Mundartenforsibung und zur deutschen Kulturarbeit umfassen soll, will man in Gotha errichten. Pro» fcfforen, Schriftsteller und Künstler erlösten einen Aufruf dafür. — Eine internationale Kun st ge werbe- Ausstellung wird 1915 in Paris stattfinden. Die für 1920 geplante Weltausstellung wird dafür ausfallen. — Der Notschrei eines Theaterdirektors. Der Direktor des Naumburger Theaters erläßt eine Proklamation an die 30000 Einwohner seines Wirkungskreises, worin er fich bitter über die Teilnahmlosigkeit des PnblikuniS beklagt und den Zu- sammenbruch seines 28 Personen beschäftigenden Unternehmens an- kündigt, wenn eine ebenso verehrliche wie undankbare Bürgerschaft nicht mehr Knnstintereffe betätigt. Besonders bemerkenswert ist. daß besagte Bürgerschaft nicht nur selber durch Abwesenheit glänzt. sondern auch„minderen Volksschichten" daS Theater verekeln möchte. Als das Gcwerkschaftskartell eine Vorstellung veranstaltet hatte, wurde das Gerücht verbreitet: dem Direktor muß gekündigt werden. Aber die Naumburaer Arbeiter wollen sich dadurch nicht abhalte» lassen, weitere Vorstellungen zu veranstalten. demokraten.) Wir müssen immer wieder die Unfreiheit der länd lichen Arbeiter vor der Oesfentlichkeit brandmarken und müssen Vev langen, daß sie in ihren Rechten mindestens den gewerblichen Ar beitern gleichgestellt werden. trieben, die insgesamt nur 61,7 Proz. der Gesamtbetriebe darstellten, waren 72,2 Proz. der Gesamtarbeiterschaft be- schäftigt. Laute Klage über die den Gewerbeaufsichtsbeamten seitens Unternehiner bereiteten Hindernisse erhebt auch diesmal der Bericht. Es heißt da u. a.: kleinere Gewerbeunternehmer- glauben nianchmal noch immer, sie dürftem ihrem Acrgcr über die Revision freien Lauf lassen. In einer Wert statt der Tabakindustrie erschwerte der Be- triebsinhaber trotz gütlichen Zuredens die Besichtigung durch grobe Ausfälle und bestritt, obgleich er genügend Aufklärung erhielt, das Recht des Beamten zur Revision. Ein Fabrikant »in Oberland kann sich nur Schritt für Schritt dem b e h ö r d lichen Zwange unterwerfen und zur Beachtung der erlassenen Bestimmungen angehalten werden. Bei der Revision eines Schulhausneubaues wurde der bauausführende Mauermeister so ausfallend, daß die Durch führung der Revision schwer fiel. Daher nahm der zuständige Gewerbeinspektor unter Zuziehung des technischen Assistenten u n d eines Gendarmen eine Er- g ä n z u n g s r e v i s i o n vor. Bei der Revision einer Bürstenfabrik suchte der Betriebsinhaber die Kontrolle der Desinfektion der Rohware durch offent- sichtlich unrichtige Angaben und unan- gemessene Antworten fortgesetzt zustören." Und so geht es weiter. Das badische Unter- nchmertum hat auch früher schon sich mit Händen und Füßen gegen die Revisionen gewehrt. Der verstorbene Dr. W ö r r i s- h o f e r wußte ein Lied davon zn singen und auch seinem Nachfolger, Dr. B i t t ni a n n, sind schwere Angriffe im Landtag. bei denen der jetzt in Pforzheim zum Reichstagsabgc ordneten gewählte Scharf- macher Äitt um sich besonders hcrvorgetan hat, nicht erspart geblieben. Die Regierung hat— wie das ja auch gar nicht anders erwartet werden konnte— sich in der Hauptsache auf die Seite des Unternehmer- t u m s g e st e l l t. Als unsere Genossen im Jahre 1004 im Landtage darüber Klage führten, daß die Zahl der Beamten bei der Gewerbeinspektion im Verhältnis zu den anderen Bundesstaaten zu gering sei, suchte der damalige Minister Dr. Schenkel das mit der Behauptung zu ver- teidigen,„den b a d i s ch e n U n t e r n e h n» e r n wohne ein starkes soziales Pflichtbewußtsein inne und es sei daher eine staatliche Aufsicht weniger notwendig als anderwärts". Wie grundfalsch der badische Minister das badische Unter- nehmertuni eingeschätzt hat, beweisen mit aller Deutlichkeit die Klagen der Gewerbeaufsichtsbeamtcn über den Widerstand, den das Unternehmertum der Durchführung der Arbeiterschutz- gesetze entgegensetzt. Das Unternehmertum ist in Baden nicht besser als anderwärts. Heilig i st ihm nur der Profit. Daher mußten zahlreiche Uebertretungen der zum Schutze der Arbeiterinnen und der jugendlichen Arbeiter und Arbeite- rinnen erlassenen Bestimmungen festgestellt werden. Mehrere Druckseiten nehmen die nur kurz angeführten Fälle in dem Berichte ein. Die Zahl der zu gewerblicher Arbeit herangezogenen Kinder ist namentlich in der H a u s i n d u st r i e an- gestiegen. ES wurden nicht weniger als 5730 Kinder ge- zählt, die zu getverblichen Arbeiten herangezogen wurden. Darunter waren sogar 178 Kinder, die das achte Lebensjahr noch nicht vollendet hatten. In 2173 Fällen wurden Zuwiderhandlungen gegen das Kinderschutzgcsetz festgestellt. Daß die Zahl der Uebertretungen viel-größer ist, liegt auf der flachen Hand. Ueber die Zahl der Unfälle und ihr Ort fehlen dem diesjährigen Bericht die zur Beurteilung notwendigen näheren Angaben. Es wird nur konstatiert, daß Ivieder eine Reihe Unfälle mit tödlichem Ausgange sich ereignet hätten. Beim Lesen niehrerer aufgeführten Einzelfälle drängt sich die Ueberzeugung auf, daß die Ziffer der Unfälle mit Leichtigkeit sehr erheblich heruntergedrückt werden könnte, wenn die Arbeiter aus die Durchführung der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen seitens der Unternehmer dringen könnten. Ueber die wirtschaftliche Lage der Arbeiter- bevölkerung brachte der vorjährige Bericht wertvolle Er Hebungen über 35 Mannheimer Fabrikarbeiterfaniilien, während der jetzige nur die Löhne in 11 Zigarrenfabriken behandelt. Danach betrug der durchschnittliche W o ch e n v e r d i e n st für männliche Arbeiter 1897 8,09 M. bis 11,57 M. und im Jahre 1911 11,96 bis 16,70 M. Für weib l i ch e Arbeitskräfte betrugen die Löhne 7,56 M. bis 10,3 M. und im Jahre 1911 7,92 bis 12,87 M. Diese miserablen Löhne können nur in Gewerben gezahlt werden, Ivo Frauen und Kinder mitarbeiten. Wenn der Bericht behauptet, die Tabelle ließe„deutlich eine Ver besserung der Lohnverhältnisse erkennen", so ist das eitel Schönfärberei. Denn die geringe Lohn steigerung wird zehnmal durch die allgemeine Geldentwertung ausgeglichen. Also ist die Lage der Zigarrenarbeiter effektiv nicht besser, sondern schlechter geworden. Ein sehr lehrreiches Kapitel widmet der Bericht den ausländischen A r b e i t e r n. Es waren nach der Betriebs Zählung vom Jahre 1907 23 872 Ausländer in badi schen Betrieben beschäftigt, davon waren 1 9 009 Männer und 4863 Frauen; von 100 insgesamt beschäftigten Arbeitern waren 7,5 Reichsausländer. Nach Gewerben gruppiert waren Ausländer beschäffigt: im Baugewerbe........ 8880 in der Textilindustie..... 5138 Industrie der Steine und Erden. 3281 Die meisten lieferte uns Italien nut 14 249, ent sprechend 60,4 Proz. aller ausländischen Arbeiter. In der Textilindustrie sind meist Frauen beschäftigt und von diesen entfallen auf je 100 Beschäftigte 32,0 Ausländerinnen. Ueber die Lebenshaltung und über den Grund der Zu- Wanderung niacht der Bericht sehr bemerkenswerte Aus- führungeu, die wir in ihrem wesentlichsten Teile hier folgen lassen: „Slawische und italienische Arbeiter wenden sich dem deutschen Arbeitsmarkte nicht dauernd zu: sie wollen nur Geld waren und wollen dann in ihre Heimat zurückkehren.... In gewissen Zeitabständen, gewöhnlich im Winter, besuchen die Ausländer ihre Heimat. Zwar im fremden Lande lebend, bleiben die Ausländer mit ihrem Denken und Fühlen, mit ihrer ganzen Lebensweise in der Heimat, streng abgeschlossen von jedem, der kein Landsmann ist... Polen und Italiener, auch wenn sie schon seit mehreren Jahren in Deutschland arbeiten, eignen sich kaum die notwendigsten deutschen Worte an... Die strenge Abgeschlossenheit macht eine Aufnahme deutscher Kulturelemente unmöglich. „Der Begriff der Reinlichkeit ist und bleibt bei den romanischen und namentlich bei den slawischen Arbeitern nach unseren Begriffen unentwickelt: die Wascheinrichtungen der Betriebe erfreuen sich bei ihnen zumeist keiner besonderen Beliebtheit: diese Darbielungen werden nur selten regelmäßig benützt. Da sie nicht unter Volks- 'chulzwang aufgewachsen sind, können die meisten höchstens ihren eigenen Namen schreiben, und auch dies geht schwer genug. An allen sozialen Einrichtungen gehen sie meist achtlos vorüber. Daß sie mit deutschen Arbeitern organisiert sind, konnte nur selten -estgestellt werden; doch finden sich Organisierte z. B. unter den Steinbrechern und Steinhauern. In Mannheim haben sich die Polen in Vereine zusamniengeschlossen, die Geselligkeit und Körper- Übungen pflegen. Die ganze Aufmerksamkeit ist auf GeldberdieNin- gerichtet; an Zahltagen kommt es nicht selten zu unliebsamen Austritten, nicht weil die Arbeiter Bedenken gegen Einzelheiten der Lohnberechnung haben, denn diese nachzuprüfen sind sie gar nicht in der Lage, son- dern weil sie hartnäckig erklären, sie wollten mehr Geld, was ihnen ausbezahlt werde, sei zu wenig. Mit dem Verdienste verfahren sie so sparsam als möglich; sie gönnen sich kein Vergnügen, das Geld kostet; ihre Nüchternheit verbietet Ausgaben für geistige Getränke. Nach Abzug eines Taschengeldes wird der Verdienst sofort in die Heimat geschickt oder, wie es z. B. in den Mannheimer Großbetrieben üblich ist, bei der Fabriksparkasse zur Verzinsung angelegt. Noch ein gemeinsamer Zug ist allen diesen Arbeitern eigen: das Bedürfnis, sich religiös zu betätigen. Je nach den, Heimatland gehören sie der römisch-katholischen oder der griechisch-katholischen Kirche an und nehmen regelmäßig an dem katholischen Gottesdienst der deutschen Kirchengemeinde t�il. Selbst beim Geldverdienen chieben sie religiöse Bedenken nicht beiseite. So können in einer großen Zellstoffabrik die Polen kaum zu Sonntagsarbeiten ver- anlaßt werden, obgleich die Firma Lohnzuschläge bis zu hundert Prozent gewährt." lieber die Tätigkeit der italienischen Regierung bezüglich !>er Arbeiterinnen heißt es im Bericht: „Die italienische Regierung wendet den Verhältnissen der im Ausland arbeitenden Landestöchter große Anfmerk- amkeit zn. Nach den Normen des Auswanderungsgesetzes vom 31. Januar 1901 sollen die italienischen Konsulate den zur Ein- ührnitg von Arbeiterinnen notwendigen Erlaubnisschein nur er- teilen, wenn die Gewerbetreibenden sich verpflichten, den Jtaliene- rinnen dieselben Löhne zu zahlen wie den einheimischen Arbeiterinnen und keine Anwerbungen in Italien zu machen, wenn bei ihnen� ein Streik ausgebrochen ist oder auszubrechen droht. Zur Verstärkung des den Arbeiterinnen in sittlicher und wirtschaftlicher Hinsicht zu gewährenden Schutzes erweiterte das italienische Aus- Wanderungskommissariat demnächst die Anweisung der italienischen Behörden im In- und Auslände dahin, daß der Erlaubnisschein nur zu erteilen sei. wenn folgende Bedingungen erfüllt werden: Vor der Abreise ist den Anzuwerbenden oder ihren Eltern ein voll- tändiger Arbeitsvertrag vorzulegen, au? dem hervorgehen muß: Dauer des Vertrages und der täglichen Arbeitszeit; garantierter Mindestlohn sowie Lohn für etwaige Ueberstunden; Lohnzahlungs- termin und Abzüge für Versicherung; Unterkuuftsmöglickkeit und Kosten für Verpflegung; Befugnis des italienische» Konsuls und des Auswanderungsmspektors. jederzeit die Arbeits- und Unter- kunftsräume der italienischen Arbeiterinnen zu besuchen; eine Be- timmung über die Schlichtung von Streitigkeiten. Des weiteren besliinmt das italienische AuSwandermigskommissariat. daß die Löhne der italienischen Arbeiterinnen nicht hinter den für die be- treffende Branche und Gegend üblichen Durchschnittslöhnen zurück- bleiben dürsten. DaS für Baden zuständige Italienische Generalkonsulat in Mannheim entwarf auf Grund der erlassenen Bestimmungen Normen, die es den Gewerbetreibenden ermöglichten, ihre Bertrage a zu gestalten, daß sie sich zur Vorlage an das italienische Ministerium eigneten. Die an Hand dieser Normen abgeänderten Arbeitsverträge haben, wie ans einer Anzahl von Verträgen in der Textilindustrie erhellt, im wesentlichen folgenden Inhalt: Die Vertragsdauer ist auf ein Jahr bemessen; der garantierte Mindestlohn für die Arbeits- tunde beträgt 13>/z und 14 Pf. für Untersechzehnjährige. 18. 16'/, und 17 Pf. für Uebersechzehnjährige:*) der Arbeitgeber berechnet ür Kost und Unterkunft täglich 50, 80, 65, 70 Pf.; bei Vertragsbruch erhebt der Unternehmer— zum Teil im Gegensatz zu früher — keinen Anspruch ans Rückvergütung der von ihm veraus- tagten Kosten der Reise zur Betriebsstätte; der Gewerbeunternehmer zahlt die Rückreisekosten bei Arbeitsunfähigkeit durch Erkrankmig oder infolge anderer vom Willen unabhängiger Umstände, bei Entlassung vor Ablauf deS Vertrages wegen Betriebseinschränkung oder wegen DieS sind die Anfangslöhne für ungeübte Arbeiterinnen; nach einiger Zeit erhalten die Arbeiterinnen Stücklohn, der— je nach Gefchickltchkeit— höheren Verdienst bringt. mehr als achttägiger Betriebsunterbrechung; bei Vertragsbruch btt' fällt ein Wochenlöhn; bei Arbeitsstreitigkeiten entschetdet der Generalkonsul endgültig.. Die weise Fürsorge, welche die italienische Regierung den Lande-« töchtern dadurch zuwendet, daß sie deren Gleichstellung mit den nn Beschäfligungsland einheimischen Arbeiterinnen fördert, kommt un- mittelbar auch letzteren zugute, indem sie den Lohndruck, die üble Begleiterscheinung der Einwanderung fremder Arbeitskräfte, zumal kulturell zurückbebliebener, möglichst auszuschließen sucht." Die Bedingung, daß den italienischen Arbeiterinnen kein niedrigerer Lohn gezahlt werden soll als den einheimischen, ist eine wertlose Dekoration. Denn ganz abgesehen von der wichtigen Frage, wer die Kontrolle übt, ist allgemein bekannt, daß in den hier in Betracht kommenden Fabriken fast nur Ausländerinnen beschäftigt sind, ein Vergleich mit den Löhnen der Eittheitnischen schwer zu ziehen ist. Was hier von Italienern und Galiziem gesagt ist, trifft auch im wesentlichen auf deutsche Arbeiter zu, die aus länd- lichen abgelegenen Gegenden in den Fabriken ihren Lebens- unterhalt verdienen. In den Textilfabriken Dürens im Rheinland werden die Arbeiter und Arbeiterinnen, die aus dem Eifelgebirge zur Wochenschicht kommen, genau so behandelt wie die Italiener und Galizier von den badischen Fabri- kanten. Auch die künstliche Abschließung besteht, die bei den der deutschen Sprache nicht mächtigen Fremden allerdings leichter und länger durchgeführt werden kann. Gerichts-Zeitung* Zur Ehrenrettung eines PolizeiwachtmeisterS hat die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt gegen ein schöffen« gerichtliches Urteil, welches den Billetthändler Günther von der Anklage, dem Polizeiwachtmeister Fleischmann bei'einer Sistierung Widerstand geleistet zu haben, frei gesprochen hat. Gestern fand die Berufungsverhandlung vor der fünften Straf« kammer des Landgerichts I statt. Sie ergab im wesentlichen den- selben Sachverhalt, den wir am 25. Oktober auf Grund der Schöffen- gerichtsverhandlung mitgeteilt hatten. In einem Bierlokal nahe am Zirkus Busch hielten sich mehrere Billetthändler auf, unter ihnen befand sich Günther. Polizeiwachtmcister Fleischmann, der den Billetthandel vor dem Zirkus zu beobachten hatte, betrat das Lokal und schritt zur Sistierung Günthers, der ihm als Verkäufer eines Zirkusbilletts bezeichnet worden war. Nach überemstimmender Angabe mehrerer Augenzengen hat Fleischmann den Angeklagten Günther ohne weiteres am Kragen gepackt, zur Tür geschoben und als er mit Günther hinter einem Schutzvorhang an der Ausgangstür angelangt war, hat er ihn mit der Faust ins Genick gestoßen. Nachdem Fleischmann mit Günther auf die Straße getreten war, zog Fleischmann den Säbel, steckte ihn aber, ohne geschlagen zu haben, wieder ein. Als Veranlassung des Säbelziehens gibt Ktiminalschutzmann Hargens an, Günther habe sich von dem ihn festhaltenden Fleischmann losgerissen. Davon hat jedoch keiner der übrigen Zeugen etwas bemerkt. Keiner von ihnen hat gesehen, daß Günther auch nur den Versuch gemacht hätte, dem Beamten Widerstand zu leisten. Günther selbst erklärt, er habe den Wachtmeister wiederholt ersucht, ihn los« zulassen, da er ruhig mitgehen wolle.— Nun wurde Günther, immer von Fleischmann festgehalten, nach der Wache am Monbijouplatz geführt. Kurz vor der Woche rief jemand auS der nachfolgenden Menge— es soll der Kriminalschutzmann Brahm gewesen sein Fleischmann solle Günther loslafsen, denn er sei gar nicht der Ver« käuser deS fraglichen Billetts. Auf diesen Ruf drehte sich Günther um. In demselben Augenblick zog Wachtmeister Fleisch« mann den Säbel und schlug Günther mehrmal« über den Kopf.— Fleischmann behauptet, er sei hierzu ver« anlaßt worden durch das Verhalten Günthers, der sich plötzlich losgerissen habe und mit den Worten:»Sie dummer Kerl, Ihnen renne ick in die Ecke" zum Angriff auf ihn, den Wacht- meister, losgegangen sei. Mit dieser Darstellung steht Fleischmann aber ganz allein da. Keiner von den übrigen Augenzeugen de« Vorfalles hat eine Angriffsbewegung Günthers bemerkt. Selbst der in unmittelbarer Nähe befindliche Kriminalschutzmann Brahm hat nur gesehen, daß Fleischmann mit dem Säbel schlug, er weiß aber nicht, was ihn dazu veranlaßte. Jedenfalls hat auch Brahm nichts von einem Widerstände Günthers oder gar von einem Angriff auf Fleischmann bemerkt. Während also eine ganze Reihe von Zeugen unberechtigte Angriffe des Wachtmeisters Fleischmann auf Günther, aber nichts von einem Widerstände des letzteren gegen den erstcren gesehen haben, ist Wachtmeister Fleischmann— der an dem Vorgange persönlich leb- Haft interessierte Zeuge— der einzige, der behauptet, Günther habe sich des Widerstandes schuldig gemacht und sei von ihm zur Abwehr eines Angriffes mit dem Säbel geschlagen. DaS Schöffen- g e r i ch t war deshalb mit vollem Recht zu der Ansicht gekommen, daß die Aussage dieses Zeugen, die sich selbst mit seinen eigenen Kollegen in mancher Hinsicht in Widerspruch befindet, nicht ausreiche. um den Angeklagten zu verurteilen. � Vor der Strafkammer wurden auch durch den Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn, verschiedene Beweise da- für erbracht, daß Wachtmeister Fleischmann wohl kaum in der Lage ist. einen Vorfall der gedachten Art richtig zu beobachten und zu- treffend wiederzugeben. Fleischmann gibt selbst zu, daß er gegen die Billetthändler scharf vorgeht. Durch andere Zeugen wurden einige Momente des scharfen Vorgehens bekundet. So gab ein Billetthändler an. daß ihn Fleischmann wenige Tage vor dem in Rede stehenden Vorgang mit blankem Säbel vom Zirkus Busch bis an die Neue Friedrich st raße ver- folgt habe. Ein junger Mann, der im ZirkuS mit Schokolade handelt und am fraglichen Tage vor dem Zirkustor auf Einlaß wartete, ist von Fleischmann al» ei» Billetthändlcr angesehen und sistiert worden, dabei hat ihn— so gab der junge Mann an— Fleischmann auf die Füße ge- treten und mit Füßen gestoßen. Der Angeklagte Günther gab an, auf dem Wege nach der Wache habe Fleischmann zu ihm gesagt:„Sie Halunke, wenn ich die Macht dazu hätte, würde ich Sie ins Zuchthaus bringen". Alles das spricht dafür, daß FleischmannS Beobachtungen durch hoch- gradige Aufregung getrübt sein müssen.— Das Vorgehen gegen die Billetthändler stützt die Polizei im vorliegenden Falle darauf, daß der Verkauf während der Sonntagsruhe stattgefiinden haben soll. Der Staatsanwalt beantragte unter Hinweis auf das Zengnis Fleischmanns eine Geldstrafe von 30 Mark wegen Wider- standeS. Der Verteidiger ging davon aus, daß die Sistierung des Angeklagten an sich unberechtigt war. eine berechtigte Amtsausiibung demnach nicht vorliege und ein etwaiger Widerstand gegen dieselbe .nicht strafbar sei. Aber der Angeklagte habe gar keinen Widerstand geleistet. Die Angaben FleischmannS könnten nicht als objektiv wahr angesehen werden. Wie in erster Instanz, so müsse der Angeklagte auch hier freigesprochen werden. Das Gericht ging noch über den Antrag de« Staatsanwalts hinaus. Es verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von öv Mark. Das Urteil stützt sich--- wie in der Begründung ge« sagt wurde— nur auf die Äussage Fleischmann?. Mer— so hieß e» weiter— diese genügt. Tas Gericht hielt es für ausgeschlossen, daß der Beamte mit dem Säbel zuschlagen würde, wenn der Sistierte nicht Widerstand geleistet hätte. Alle Achtung vor dem starken Vertrauen des Gericht? in die Glaubwürdigkeit eines Polizeibeamten, dessen Angabe die Aussagen von acht bis zehn Zeugen gegenüberstehen. Aber daß die Säbel- hiebe, die ein Schutzmann austeilt, beweisen sollen, er habe Grund gehabt zu schlagen, das ist denn doch ein starkes Stück, nachdem im Moabiter Prozeß so viele Fälle festgestellt worden sind, wo Schutz- leute ohne jede Veranlassung Personen beschimpft, mißhandelt, mit Säbeln und Knüppeln geschlagen haben. Der nächtliche Ginbrecherkampf in der Wannseevill«. Der nächtliche Einbrecherkampf in der Pringsheimscheir Villa in Wannsee beschäftigte gestern das Potsdamer Schwur- gericht. Wegen versuchten Totschlags an dem Gendarmerie- Wachtmeister Wcrbach hatte sich der Hausdiener Franz D o u b e ck zu verantworten. Doubcck war am 14. Dezember mit dem Kellner Leonhard Lützenburg in die Pringsheimsche Villa eingedrungen. Ein Lichtschein aber hatte die beiden Einbrecher verraten, und der Sohn des zur Villa gehörigen Gärtners Arndt hatte sofort die Polizei verständigt. Tobcck und Lützenburg aber, die nicht ahnten, waS inzwischen vorgnrg, hausten in den Zimmern der Villa wie Vandalen, schnitten die wertvollen Bilder aus den Rahmen und ordneten ihre Beute in mehreren Bündeln. Als erster Polizei- Beantser erschien Werba'ch am Taforf urtS forberle die beiden Diebe auf, sich zu ergeben. Toubeck und Lützenburg aber zogen ihre Teschins und feuerten einen Schuß auf den Gendarmericwacht- meister ab. Mehrere Schrotkörner durchbohrten seinen Mantel und beschädigten seinen Koppclgurt und seine Revolvertasche. Nunmehr griff auch Werbach zu seiner Dienstwaffe. Er feuerte nach der Richtung, in der er die Einbrecher vermutete, jedoch ohne zu treffen. Durch die Schüffe war auch die weitere Umgebung der Villa auf die Vorgänge aufmerksam gemacht worden und eine Verstärkung von mehr als 20 Gendarmen war herangerückt. Ein Polizeisergeant forderte die Einbrecher nochmals zur Uebergabe auf, indem er mit lauter Stimme rief:„Wer hier ist ergebe sich, die Villa ist umstellt, eine Flucht ist ausgeschlossen." Aber er erhielt keine Antwort. Nur ein Schuß wurde noch gehört und dann war alles still ge- worden. Beim Durchsuchen fand man in dem Kampfzimmer den Kellner Lützenburg mit einer schweren Schußwunde im Kopf, und ein herbeigeholter Arzt konnte nur noch den inzwischen einge- treten«« Tod feststellen. Den zweiten Verbrecher, den heutigen Angeklagten Doubeck, fand man nach längerem Suchen platt auf dem Dach der Villa liegen. Er rief seinen Verfolgern zu:»Herr Wachtmeister, ich habe schon beide Hände hoch!", ergab sich sofort und wurde gefesselt abgeführt. Der erschossene Lützenburg war trotz seiner Jugend berests wegen Einbruchdiebstahls mit einem Jahr Gefängnis vor- bestraft und war in Einbrccherkreisen unter dem Namen Rafleff bekannt. In seinen Taschen fand man das folgende Gedicht: »Hier hausten Rafleff und Nannten, Die beiden großen Unbekannten. Wir brachen all« Böden auf.' Mit geladenen Revolvern zum Schutz und Flinlenlauf. Wir nahmen alles mit, was war, Und verkauften es in Berlin gegen bar. Das Essen verschafften wir uns auf andere Art: Wir gingen auf die Schrippenfahrt." Unter dem Namen„Nannten" war sein Komplice zu bcr- stehen, über dessen Personalien lange ein mysteriöses Dunkel herrschte. Erst nach vielen Mühen konnte festgestellt werden, daß man es nicht mit einem gewissen Peter Kozlowitsch zu tun hatte, wie er sich zuerst nannte, sondern mit dein Hausdiener Franz Doubeck, der am 10. März 1393 in der Präger Vorstadt Cyckow geboren ist und erst 14 Tage vor dem Einbruch nach Berlin ge- kommen war, wo er sich dem aus Ratibor gebürtigen Lützenburg zur gemeinsamen Ausführung von Einbrüchen angeschlossen hatte. Neben dem Einbruch in der Pringsheimschen Villa kommen sie auch für den dreisten Ucbcrfall in dem am Schlachtenfee liegenden Sanatorium des Rabbiners Dr. Stein in Betracht. Sie waren auch dort nachts eingestiegen und in das Zimmer eines Patienten eingedrungen, dem sie mit vorgehaltenen Revolvern zuriefen: „Hände hoch!" Sie hätten sich zweifellos auch an den übrigen In- fassen des Sanatoriums vergriffen, wenn sie nicht durch einen Wärter gestört worden wären. Ein kleines Gartenhänschen an der Krummen Lanke diente den Verbrechern als Schlupfwinkel. Die Verhandlung gegen Doubeck endete nach mehreren Stun- den mit der Verurteilung wegen versuchten schweren Diebstahls im Rückfall und wegen versuchten Totschlags zu K Jahren Zuchthaus, 6 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizei auf- ficht. 8inl> die besten! Mehr als 30 Sorten. Jede Sorte hat ihren natürlichen Eigengesc hrnack. Man verlange ausdrücklich MAGGl5 Suppen. M Schiller Jrida Schiller geb Schulz Vermählte. 1949L Charlottenburg, 12. Februar 1912. Todes-Anzeigen SGZialdemoiiratisebJäblfereiD für den i Herl. Reiebstacs-Mreis. Görliuer Viertel. (Bezirk 194). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maler Oskar Fleischer (Muskauer Str. 42) gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittags 4 Uhr, von der Halle de« Zenlral.FricdhoseS in Fried- richSselde auS slaN. 213/2 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Nerband der Maler, Fackierer. Anstreicher iisw. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Oskar Fleischer (Bezirk Südost) am 8. Februar verstorben üt Ehre seiuem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentlal-Friedhoses in Friedrichsseide aus statt, Um zahlreiche Beteiligung ersucht 128/7 Die Ortsverwaltung. Slm Sonntag, den 11. Februar, i-mittags II3/, Uhr. verschied ich langem, nuawollcn Leiden ein inniqgeliebtcr Mann, unser -»sorgender Vater.sohn, Bruder. ch Wäger, Lnkel. Schwicger- und rotzvater, der Stakcimcister und asvvirt Otto GroßKopi Kaiserin-Augusta-Allee 57 im 48. Lebensjahre. Um stille« Beileid bitten üie tmniieg Hintertllebenen. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 14. Februar, nach- smUagS 2>/, Uhr. von der Leichcn- w Halle des FriedhoseS der Luisen- l* Mtalt.' aw FürftenBranner Stg Deutscher iMetallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall- arbciter Wilhelm Steiner am 10. Februar an Brustfell- cntzündung gestorben ist. Die Beerdigung findet am DicnStag, den 13. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle dcS �eilands-KirchhoseS In Plötzensee an« statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser fori Seifert am 10. Februar. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. Februar,»ach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-FriedhoseS in FricdrichSfelde aus statt. Ehre ihrem Andenke» k Rege Beteiligung erwartet 112/7 Die Drtsrerwaltung Verband dar Sattler und Porleleuiller, Den Kollegen hiermit zur Nach- richt, daß unter MIglied, der Galanteriesattler Ott SpnuMa (Werkstatt H. L-wy) verstorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Miitivoch, den 14. d. Mts.. nach. mittags 4>,,Uhr, von der Leichen- Halle des Thomas-Ztirchhoses in Neukölln, Hermannsw., auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 150/5_ Die OrtsverwaHunfl. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und liebevollen Kranzipenden bei der Be- erdigung meine« lieben Manne« und unseres guten Vaters sagen wir allen Verwandten, Dekannten und Ge- nassen, sowie Herrn Schütte sür die trostreiche Rede unseren innigsten Dank. Wwe. Berta Wenke nebst Kindern. Danksagung. Für die rege Teilnahme bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Sohnes-uid Bruders sagen wir allen Freunden und Bekannten, sowie dem 532. Bezirk des 6. Berliner ReichStagSwahlkreiseS, dem Personal der Firma MattbcuS und den Gasten unseres LokalS unseren herzlichsten Dank. t940L Dia trauerndaii Hinterbliebenen Heinrich Hl&rtner nebst Frau ond Tochter. Deutscher Transportarbeiter- Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bier- jahrer Aufjusl Voigt am 10. d. MIS. verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. Februar, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- Halle deS Rirdorser Gemeinde- Friedhofes, Maricndorser Weg, ans statt. 01/20 Die BesIrksverwaltunB. ITITf-1— III i 1—illWIlHI 1111111 Am Freitag, den 9. d. MtS., nachmittags, ist unser Freund und Kollege, der Chauffeur Felix BorcKert al« Opscr seines BerusS tödlich verunglückt. 294öb Ehre seinem Andenken! vi« organisierten Kollegen der Neuen Automobil- Gesellschaft. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle deS Georgen- Kirchhofs, Landsberger Allee, au« statt. Verband der Koplersebiede DeDtsehlaflds. Filiale Berlin. Am 10. Februar verstarb unser Kollege Tiede im Alter von 36 Jahren an Lungenschwindsucht. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. d. Mts., nach- mittags 4Uhr. von der Halle des städtischen Friedhofe?, Friedrichs- selbe auS statt. Rege Beteiligung erwartet Der Filialrerstaml. Sonntag. den 11. d. MtS., mittags 12 Uhr, entschlief nach schweren Leiden meine innigst- geliebte Frau, unsere gute Mutter kos« Josisn geb. Spich». Dies zeigen tiesbetrübt an der trauernde Gatte 19502 Adolf Jostan nebst Kindern. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 14. Februar, nachmittags 1 Uhr, vom Trauerhaule. Sickingenstr. 50, auS nach dem städtischen Friedhos in der Seestraße statt. 0eul8eher Bnehhimter-Verhsmi. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern die traurige Mitteilung, daß untere Kollegin die Galanteriearbeiterm Margarete Buchholz am 8. Februar verstorben ist. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten, Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13, Februar, nachmittags>/,S Uhr, aus dem Heiligkreuzkirchhos in Mariendors statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 23/10 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise liebe- voller Teilnabine beim Heimgänge meines lieben Manne«, unseres guten Vaters, deS Tischlermeister« i�tixust Schulz sagen wir hierdurch allen unseren herzlichsten Dank. 2941b Witwe Auguste Bchule nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die überaus reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, Groß- und Schwiegervater« und Onkel« sage ich allen Teilnehmern, insbesondere den RauchklubS»Tabak zur Asche' und»Edles Kraut", Halensee-Grunewald, dem Gemeinde- und StaatSarbeiler- Verband sowie dem sozialdemokratischen Wahlverein zu Charlottenburg meinen herzlichsten Dank. 19470 Witwe Bertha Schmidt geb. Schttnchcrg. Danksagung. gär die zahlreiche Beteiligung und reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner lieben grau jgge ich allen Beteiligten sowie dem Deutschen Buchbinderverband meinen innigsten Dank. 31ax Damcck nebst Tochter. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2—4 .challplatten Verleih- Institut. Auch nach autwärt*. Prosp. gratis. Karl Borbs, Berlin 69 Neue Könlg»tr«»»e 38. Greifenhagen Rosenthalerhof, Inhaber: Ott« Scbllllne. I) Roacnthaleratr. 11/12. Säle m. Theaterbühne, 150—400' Pers., 9 Vereinszimmer, 2 Kegelbahnen an Gewerkschasien und Vereine unter kulanten Bedingungen zu vergeben. Amt Norden Nr. 2133. Sonnabende und Sonntage«och frei. �nr tifat jetzt große Auswahl! Gebbers. "m», Wirsruburg(Mary. 23/18* Einsegnung! Anzüge aus schwarzen Kammgarnstoffen l». 17. 19, 21 25, 28, 40 M Anzüge aus dunkelblauen Cheviotstoffen 10. 18, 20, 24 28,82.80°°« Priifiings-Anziige in gröOter Auswahl. H.Sehalmeister BERLIN SO* 26, Dresdenerstr* 4 _ Sonntag» Yerbanf nnr Ton 18—8 Chr. Orts- Krankenkasse der Schmiede und verwandten Gewerbe. Am Mittwoch, den 21. Februar 1912, findet im Lokal von Fröhlich, MuZkaucr Str. 1, die Wahl der Delegierte» für 19VS statt. 1. Abends 6 Uhr: Wadl von 19 De- legierten seitens der Arbett nehmer. Z. Abends S Uhr: Wahl von 9 De> legierten seitens der Arbei:geber. ZSadlbcrechttgt und wählbar find nur die großjährigen Mtglieder. 271/2 Vor'Vor»t»iui. _ Ad. Pllgrlm, Vorfitzender. Caramel Bier f Haut- n. Harn-+ leiden, Ehrlich- Hata, Schäden d. Quecksilb.— Konsultation frei! Blutuntersach., Fäden im Harn, etc. !! TeliBahlnnc sestattet!! Dp.BomejePl�e�Är.� ».d.Hochb. Spr 9-2, 4-8, Sonnt. 11-12 H.Pfau Dircksenstraße 20 zwischen Bahnhos Alexanderplatz und Polizeipräsidium.—Amt Hot. 3208. FVr Damen Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle«rankeukasse». fly Abonnenten erhalt. IQ'/, Rabatt. m a■ � pollmanns Sandagen Gefdiift, nebst Hrtihcl zur ßesundheits- u. Krankenpflege, /erbandstoffe, anmmiwareo etc. Berti» W., Lothrtuger Ttr. 60. 'lielerant liir Krankenkassen Eigene Werkstatt. Den„Vorwärts"-Lesern gewahre Rabatt. Inventur-Verkauf! Geletcnheltaäanil Schwere Sehlafdeehen SLI",!",«",«"!. Pferdedeebenl Str,ls,,45t,isoM. fBr dicke Porti«* ren alle Farben Meter 1,75,«,50 bis 4,5«. Abgep. Friesmäntel 2,25—8 M. Versand unter Nachnahme. LmilLestvre Berlin S., flranlenstr. 158. iDYentnr■ Extraliste enorm billiger Sonderangebote gratis u. franko. Engeiofer No. i4/is. RexifkSYermItlmg Groß-Berün. 7-1.-M°ritzpI.t.ZZ«. 4747. Mittwoch, den«. März, abends 8'/, Uhr: vraentl. Qenersl-VerssmmlunK in Kellers Nene Philharmonie, Köpenicker Stratze SS— V7. Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Jahresbericht: a) des Borfitzeude«, b) d-S Kassierers, o) des Arbeitsvermittlers, d) des Bibliothekars. 3. Neuwahl der Bezirksverwalwug und der Revifiouskommisfio«. 4. Anttäge. 5. Geschäftliches. Die gewählten Delegierten sind hieran freundlichst eingeladen. Legitimationskarte sowie Mitgliedsbuch find mitzubringen und zwecks Kontrolle am Eingang zur Bersammlung vorzuzeigen. _ Ohne Karte und Buch kein Zutritt!= Wer über acht Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstände ist, hat ebenfalls keinen Autritt. HS. Die allgemeine guuktionSrversammlnng findet am DonnerStag, de» SS. Februar, in den Andreas-FestsSle». Andreasftr.»1, statt.«,»««« 62/1 Die BezirkSverwaltuug. I. L.:«. Werner. für eleg. MaBanzQgo, Ulster, Paletots, Damenkostüme Mtr. 3,— 4,— 8,— M. Tuohlager Koch ft Seeland Q. m. b. H. Gertrandtenstr. 20-21,"�ctritirche! Kl»l»tN- nnd Kralnbindkm von Bovert»e?er,' n n r Warinnnkn-5trake 2. Verein franenwelii Krnk-Serlin. Mittwoch, den 21. Februar, abends 8'/, Uhr: vefienttieke Versammlung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58. Bortrag von Dr. Maorenbreelier über: Die sittlichen Grundlagen der Kolonialpolitik. Dtskusston. 286/18 I. A.: Minna Eauer, Dorfitzende, Worntser Str. S. aNcoholsroi, Arsitted«mpkohlea DiWücvez Oezullliveiüvtep WlMM-I»« 10 Pt Utberall Uotlloh. Oskar Wollburg Trauer> Magazin Berlin N., BrunnonstraSe 66. Große Aaswehl in schwarzer �Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, HDte etc. Anfertigung nach MaB in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Palmona (PflanzeN'Butter-Margarine) ist von feinster Süßrahmbutter durchaus nicht zu unterscheiden. Wer das nicht glauben will, streiche sich ein Palmona- Butterbrot und überzeuge sich selbst! Probieren geht über Studieren! Lassen Sie sich keine Nachahmungen aufdrängen! 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.®o, Berlin SW. 8,.36. 2. Keilage des Joniiärts" gerliiiet WlksdlM. Partei- Angelegenheiten. Dritter Kreis. Für die zweite Abteilung findet ein gemein« schaftlicher gahlabend mit einem Vortrag des Genossen F. Künstler im GewerkichaftShause, Saal 1. statt. Ebenso findet für die achte Abteilung ein gemeinschaftlicher Zahlabend mit Vortrag im Gewerkschaftshaufe, Saal 6. statt. Der Borstand. Eichwalde. Heute Dienstag abend von 7 Uhr ab: wichtige Flugblattverbreitung von Wittes.Waldschlößchen- aus. Kein Gc- nosse darf fehlen. Der Zahlabend findet über den ganzen Bezirk gemeinsam in Zeuthen am Mittwoch, den 14. d. M-, vor der Generalversammlung statt. Der Vorstand. Königs.Wusterhausen, Deutsch-Wusterhausen, Wildau nnd Hoher- lehme. Mitwoch, den 14. d. M., in allen Bezirken: Zahlabend. Stellungnahme zu den bevorstehenden Gemeindewahlen. Der Vorstand. Alt- Glienicke. Mittwoch, den 14. Februar, abends 8Vz Uhr, im Lokale des Genossen Petermann, Tcrrassen-Restaurant, Nudower Straße S4: Mitgliederversammlung des Wahlverein S. Tagesordnung: 1. Die letzte ReichstagSwahl. 2. Auf- nähme neuer Mitglieder. 3. VereinSangegenheiten. 4. Verschiedenes. _ Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Aus der Armenverwaltung. In der letzten Sitzung der Armendirektion wurden wieder neun Kommissionsvorsteher bestätigt und eingeführt. Die sozial- demokratische Fraktion ist jetzt durch die Genossen Duvont, Ewald, Hintze und Rosenfeld vertreten. Ueber die Lieferung von Naturalien durch Mitglieder von Armenkommissioncn berichtete Genosse Hintze. Es werden durch die Vorsteher durchschnittlich jährlich für 100 000 M. an Milch, Fleisch, Brot' usw. verschrieben: an den Lieferungen sind 143 Mit- glieder beteiligt. Um unliebsamen Erörterungen vorzubeugen, wurde beschlossen, an dem bisherigen Modus festzuhalten und Mit- glieder von Kommissionen zu den Lieferungen nicht zuzulassen. Die Kommissionen sollen erneut auf§ 54 der Geschäftsanweisung hingewiesen werden. Zu einer umfangreichen Debatte gab ein Antrag des Vor sitzenden Veranlassung, eine Avmenpflegerin aufzufordern, ihr Amt niederzulegen, weil ihr Ehemann infolge Krankheit aus Wohl- tätigkeitsfonds unterstützt wurde. Unsere Genossen bekämpften den Antrag. Die Frau selbst sei nicht unterstützt, aber auch die Gewährung von Stiftungsmitteln sei nicht als Armenunterstützung anzusehen. Bor allem habe jedoch die Armenverwaltung kein Recht, die Frau chres Amtes zu entheben, dies könne nur durch die Stadtverordnetenversammlung auf Antrag des Magistrats ge- schehen. Trotzdem stimmte die Mehrheit dem Antrage zu und dürfte sich die Stadtverordnetenversammlung noch mit dieser Angelegen heit zu beschäftigen haben. Den Kommissionsbericht über die schwarze Liste der Armen Verwaltung erstattete Stadtrat Franz. Die Liste hat im Laufe der Jahre einen bedeutenden Umfang angenommen; über 50t) Per- soncn sind auf Veranlassung der Armenkommissionen, und zwar oftmals aus sehr kleinlichen Gründen, eingetragen. Männer und Frauen im Alter von 20 bis 80 Jahren finden sich verzeichnet, denen die Unterstützung in offener Armenpflege verweigert wird; sie sollen, wenn sie in Not geraten sind und Ansprüche erheben, dem Obdach und Arbeitshaus in RummclSburg überwiesen werden. Viele von ihnen werden schon 10 bis 15 Jahre in der Liste geführt. Als Gründe für diese Miaßnahmen werden angeführt: Trunkenheit. Arbeitsscheu, Faulheit, Prostitution, Betru-A unwahre Angaben, ungebührliches Benehmen gegenüber Kommissionsvoo steh er usw. Namentlich die letzten beiden Punkte hatten der Kom Mission erhebliche Bedenken zur Aufnahme in die Liste gegeben. Es wurde darauf hingewiesen, daß viele Vorsteher außerordentlich empfindlich seien, wenn einmal ein Bedürftiger sein Gesuch nicht mit der gewünschten Unterwürfigkeit vortrage und bei Ablehnung ein scharfes Wort gebrauche. Es sei notwendig, daß nach dieser Richtung hin eine gründliche Reinigung der Liste vorgenommen werden müsse. Neuaufnahmen sollen nur mit Zustimmung der von der Armendirektion eingesetzten Kommission erfolgen. Die Auf- nähme erfolgt stets nur auf ein Jahr; danach hat eine Neuprüfung durch Armenkommission, Armenkreis- und Plenarkommission statte zufinden. Ten in der Lifte eingetragenen Personen darf ohne Ge� nehmigung der Armendirektion keine Unterstützung verabfolgt weO den. Die Kommifsionsvorsteher sollen aber verpflichtet sein, einen Schein für das Obdach auszustellen. Steht der Ehemann, der von seiner Familie getrennt lebt, in der Liste, so soll der Familie die Unterstützung nicht vorenthalten werden. Die neuen Beschlüsse bedeuten eine wesentliche Verbesserung deS bisherigen Zustandes und fanden deshalb auch die Zustimmung unserer Genossen. In di« eingesetzte Kommission wurde Genosse Ewald gewählt._ Die Berliner Stadtsyuode hat mit dem Ankauf von drei Zentral- friedhöfen in Stahnsdorf, Ahrensfelde und Mühlenbeck keine glän« zenden Geschäfle gemacht. Der von Mühlenbeck ist, obgleich das Gelände schon vor Jahren gekauft worden ist. heute noch nicht er- öffnet und wird vermutlich auch in den nächsten Jahren nicht eröffnet werden. Das Gelände liegt nämlich tief und steht häufig und stellenweise unter Wasser. Augenblicklich kann man dort in nächster Nähe wohl Kahnfahren und Schlittschuhlaufen, nur keine Leichen beisetzen. Außerdem fehlt es an jeder bequemen Verbindung nach Mühlciibeck. Man gelangt zehnmal schneller nach Potsdam als nach dem hinter Schildow belegenen Müblenbcck an der.Heidekraut- bahn' nach Groß-Schönebeck. Es ist erklärlich, daß die Stadtsynode mit ihren Zeiitralfriedhofen keine Geschäfte machen kann. Da soll nun die Stadt Berlin helfen, indem sie keinen neuen Fried- Hof errichtet und den kirchlichen Friedhöfen alle.Zahlleichen- zu- weist. Wir glauben sogar, daß in der Lage, in die das Konsistorium durch seine verfehlte Terrainspekulationen sich selber gebracht hat, heute auch bereit wäre, selbst Dissidenten auf ihren Friedhöfen zu beerdigen, sofern für dieselben die entsprechenden Gebühren an die Kircheukassen gezahlt werden. Vielleicht reserviert dann die Kirche den Dissidenten einen Platz am Zaun, wo sie beigesetzt werden Wir glauben nur. daß die Kirche die Rechnung ohne die Disst- denten mawen wird. Sie werden eS sich bei Lebzeiten verbttten. auf den kirchlsschen Friedhöfen beigesetzl zu werden. Das Verlange» der KuchenbeHördei, an die Stadt Berlin, die kirchlichen Interesse» durch Zurückweisung von Zahlleichen zu wahren, ist für die Kirche so charakteristisch, daß die Kirchenauslritisbewegung dadurch nur neues zugkräftiges Material erhält. Bcrzögerte Postbcstellung durch Druckfachcu. Eine Leserin schreibt uns: Kürzlich erbielt ich die erste Tagespost eine volle Stunde später als ionst, erst um 9% Uhr. Mein Briefträger ist ein außer- ordentlich sorgfältig arbeilender Beamter, also mußte die Sache einen Haken haben. Es konnte festgestellt werden, daß eine Bulter- firma die ganze Nachbarschaft mit Drucklachen überschwemmt hatte, zu deren sofortiger Bestellung allerdings die gewöhnliche Bestellzeit nicht ausreichte. Unter dieser Papierflut, die zum größten Teil doch nur in den Papierkorb wandert, hatten also ganze Straßcnviertel gleichmäßig zu leide». Sollte es �nicht angebracht sein, solche Drucksachenbriefe auf mehrere Bestellgänge zu verteilen! Sie haben keine Eile. eS ist daher ziemlich gleichgültig, wenn sie dem Adressaten ein paar Stunden später behändigt werden. Die Post vermag ja auch aus den offenen Sendungen leicht zu ersehen, daß es sich nur um eine ganz unwichtige Sache, um eine Geschäfisreklame handelt. Reklamationen vom Militärdienst. Es wird in Wiederholung der im Januar d. I. erfolgten öffentlichen Bekanntmachung noch einmal besonders in Erinnerung gebracht, daß Reklamationen sAn- tröge auf Zurückstellung bezw. Befreiung von der Aushebung in Be- rücksichtiguug bürgerlicher Verhältnisse— Z 32, 2a— g der deutschen Wehrordnung—) bezüglich aller Militärpflichtigen, auch der Ein- jährig-Freiwilligen, vor dem am 26. Februar d. I. beginnenden MusterungSgeschäft, spätestens aber im Musterungstermine bei den Ersatzkommissionen anzubringen sind. Nach der Musterung angebrachte Reklamationen haben eine Be- rücksichtigung nur dann zu erwarten, wenn die Veranlassung zu den- selben erst nach der Musterung entstanden ist. Verkauf von schwedischem Rindfleisch. Durch den städtischen Verkaufsvermittler gelangte gestern morgen in der Zentralmarkthalle schwedische« Rindfleisch(100 geschlachtete Rinder) zum Verkauf. Der Preis betrug 40 bis 60 Pf. für das Pfund. Die Vorräte waren schnell geräumt._ Ans der Krankcnhausverwaltung. In der jüngsten Sitzung der Krankenhausdeputation wurde der von unseren Genossen gestellte Antrag,.der Magistrat möge die Verstadtlichung des BiktoriahauieS für Krankenpflege in Er- wägung ziehen-, einstimmig angenommen. Gegenwärtig sind im Virchow- und im Moabiter Krankenhause städtische Schwestern be« schäfligt, die in einer der beiden städttschen Schwesternschulen au«- < gebildet find. In absehbarer Zeit wird eine größere Anzahl I städtischer Swestern auch für die anderen städtischen An- 'stalten zur Verfügung stehen, in denen Biktoriaschwestcrn tätig sind. Ein Nebeneinanderwirkcn von städtischen und Viktoria schwestern ist nach den Satzungen des Viktoriahauses nicht statthaft. Andererseits übernimmt die Stadt siir die in ihren Schulen aus- gebildeten Schwestern eine Verpflichtung sie zu beschäftigen. Diese Erwägungen mußten den Gedanken der Verstadtlichung naljc. legen. In derselben Sitzung wurde eine Statistik borgelegt, die seiner zeit von unseren Genossen beantragt war und alle Genesende, Leichtkranke, Sieche und ch'r o n i s ch B r u st k r a n k e für die Zeit vom 1. Mai 1910 bis 30. April 1911 umfaßt. Es sollte der Beweis erbracht werden, daß die städtischen Krankenhäuser mit Kranken belegt sind, die von Rechtswegen dort nicht hingehören, wenn nur den Krankenhäusern Anstalten zur Verfügung ständen, in welche die Kranken unmittelbar überwiesen werden könnten, wie die Genesenden und die Siechen. Chronisch Brustkranke gehören in eine Pflegestätte für Tuberkulöse; Leichtkranke sind Kranke, die nach der Art ihrer Krankheit eine Behandlung und Pflege in einem all- gemeinen städtischen Krankenhause nicht bedürfen, zurzeit aber mangels einer anderen zu ihrer Unterbringung geeigneten Anstalt aufgenommen werden müssen. ES handelt sich um rund 27 Proz. aller Kranken, die besser in Heimstätten, Siechenanstalten, Lungen- Heilstätten usw. untergebracht wären. Schwerkranken werden dadurch Betten entzogen. Der Magistrat ist nunmehr ersucht worden, mit tunlichster Beschleunigung Einrichtigunaen zur Aufnahme der oben- genannten Kranken zu schaffen und die vorhandenen Einrichtungen dieser Art auszubauen._ Familirndrama in Charlottenburg. Eine erschütternde Familien tragödie hat fich gestern vormittag kurz nach 11 Uhr in Charlotten bürg abgespielt. In dem Hause am H o r st w e g 24 erschoß der 33 Jahre alte Schutzmann Karl M e e ß seine um einige Jahre jüngere Ehefrau und tötete sich dann selbst durch einen Schuß in die Schläfe. Das Motiv der Tat ist in ehelichen Zwistigkeiten zu suchen Meeß, der seit mehreren Jahren bei der Schutzmannschaft zu Charlottenburg tätig war. lebte in letzter Zeit von seiner Frau ge trennt, da er den Verdacht hatte, daß seine Frau mit einem anderen Manne ein Liebesverhältnis unterhalte. Die Frau versah zuletzt eine Aufwartestelle. Gestern morgen hat sie Meeß unter einem harmlosen Vorwand nach seiner Wohnung am Horstweg 24 bestellt. Di« Frau erschien auch, und als sie kaum die Korridortür ge schloffen hatte, richtete der Mann einen Revolver gegen sie. Es fielen kurz hintereinander drei Schüsse. Die ersten beiden Kugeln drangen der Frau in den Kopf und führten den sorfortigen Tod herbei. Durch den dritten Schuß hatte sich Meeß selbst getötet. Die beiden Leichen wurden von der Revierpolizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein gewerbsmäßiger Kautionsschwindler wurde von der Kriminal- Polizei wieder unschädlich gemacht. Ein früherer Buchhalter Richard Müncheberg, der wegen Kautionsschwindels schon wiederholt bestraft ist, wurde im Juli vorigen Jahres nach Verbüßung seiner letzten Strafe auS dem Gefängnis entlassen. Er fand Beschäftigung in einem Nachrickitenbureau, das Geschäftsleute mit ZeitungSaus- schnitten, die für sie Wert haben, versteht. Nachdem er sich einige Kenntnisse ans diesem Gebiete erworben hatte, beschloß Müncheberg sich selbständig zu machen und mit seinem bisherigen Arbeitgeber in Wettbewerb zu trelen. Er gründete in der Arndlstraße 43 ein Bureau, das er Eilbotendienst nannte. Er versprach den Geschäftsleuten in seinen Anpreisungen, ihnen binnen 5 Stunden nach Erscheinen der Zeitungen die Ausschnitte durch besondere Boten zustellen zu wollen. Müncheberg hatte aber nicht damit gerechnet, daß zu einem solchen Unternehmen nicht nur einige Kenntnisse, sondern auch Geld gehört. Weil er selbst keinS besaß, so kam er wieder auf den Gedanken sich auf dem Wege des KautionS- fchwindelS, der ihm so oft schon die Taschen gefüllt hatte, zu ver- schaffen, was er braucbte. Er fand auch drei Männer, die sich von ihm als.Kontorbotcn- gegen Bürgschaft anstellen ließen. Dem einen nahm er 500 M., dem ztoeiten 150 ab, bei dem dritten begnügte er sich schon mit 30 M., weil der Mann nicht mehr hatte. Die Leute hatten weiter nichts zu tun, als Münchebergs An- preisungen an die Geschäftsleute auszutragen. Weil aber keine Auf- träge eingingen, so hatte der Schwindler auch kein Geld, ihnen Gehalt zu zahlen. Als sie jetzt ihre Bürgschaft zurück verlangten, verschwand der Gauner aus dem Bureau und aus seiner Wohnung. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Sonntagmorgen in der Elektrizitätszcntrale des BergmannhofeS. Alte Jakobstr. 20/22. Dort sollt« am Morgen die Sauggasanlage der Gasmotoren, die die Dynamomaschinen antreiben, geprüft werden und die Arbeiter Franz Nowack und Karl Wittkowski begaben sich deshalb in den Gaso- mclerraum, um die Leimngen und die Anschlüsse gehörig zu prüfen. Obwnbl die Anlagen vollständig in Ordnung waren, herrschte in dem Raum doch ein so starker Gasgeruch, daß die beiden Arbeiter schon nach wenigen Minuten bewußtlos zu Boden sanken. Den anderen Arbeitern, die in der Maschinenhalle beschäftigt waren, fiel schließtich das Verschwinden ihrer Kameraden auf und man fand die beiden in dem gaserfüllten Raum bewußtlos am Boden liegen. Ein sofort hinzugeruiener Arzt vermochte die Verunglückten erst nach mehrstündigen Bemühungen ins Leben zurückzurufen. Zur Steglitzer Familientragödie. Die beiden überlebenden Opfer dcr� Familientragödie in der� Feuerbachstraße 9 zu Steglitz, der 34jährige Privatier Felix Rosenthal- Boitin und sein fünfjähriges Töchterchen liegen im Krankeuhause zu Groß-Lichterfelde. Während das Befinden des Vaters den Umständen nach befriedigend ist, gibt das des Kindes noch zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Erschossen aufgefunden wurde vorgestern im Plänterwald die Leiche eines Mannes, dessen Persönlichkeit sich bis jetzt noch nicht fest- stellen ließ. Es ist ein ungefähr 30 Jahre alter Mann, der 1,63 Meter groß ist, einen braunen Schnurrbart, ein längliches Ge- ficht und eine hohe Stirn hat und einen dunUen Paletot, einen dunklen Rock, eine grau-grlln-rot-karierte Samtweste, eine grau- gestreifte Hose, graue Strümpfe, schwarze Schnürschuhe, schwarze Krawatte und ein rot- und weißgestreiftes wollenes Hemd trug. Auf einen Kindesmord läßt die Auffindung einer kleinen Leiche schließen. In einem Müllkasten am Schlesischen Güterbahnhof fand man die Leiche eines neugeborenen Mädchens. Sie wurde beschlag- nahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein Speichcrgcbäude iu Flammen. Ein großes Schadenfeuer kam in der Nacht zum Sonntag in der Krautstr. 36 im Osten Berlins zum Ausbruch. Auf dem vierten Hofe befindet sich dort ein etwa 25 Meter langer l'/zstöckiger massiver Speicher der Spe- ditionsfirma Adolf Koch u. Ziemen darf, in dem große Posten Waren und Futtervorräte lagerten. Das Feuer entstand im ersten Stock und wurde erst beineikt, als um Mitternacht die hellen Flammen hervorschlugen. Bei Ankunft des siebenten Löschzuges aus der Memeler Straße brannte dann der erste Stock des Speichers schon lichterloh, so daß Verstärkung herangezogen werden mußte. Die Flammen gefährdeten auch, da der Hof sehr eng ist, die dem Speicher gegenüberliegenden Stallungen, in denen secks Pferde standen. Durch kräftiges Wassergeben gelang es aber der Wehr, das Feuer auf den Speicher zu beschränken. Der erste Stock brannte vollständig aus und auch der Dachstuhl ist größtenteils zerstört. Verbrannt sind u. a. dreißig Fässer Grätzin- Metallfadenlampen, ein Posten wasserdichte Pläne, Geschirre und über hundert Zentner Stroh. Heu und Hafer. Aber auch im Erd« geschoß des Speicher« ist durch Wasser viel Schaden angerichtet. So wurden rund achtzig Zentner Maggi und eine Menge Automaten von der Deutschen Post- und Eiscnbahnverkehrswesen-Akttengesell- schast unbrauchbar oder entwertet. Der Gesamtschaden dürfte nach Angabe der Speditionsfirma 25 000 M. betragen; ein Teil ist durch Versicherung gedeckt. Die Ursache des FeuerS konnte nicht mehr ermittelt werden. doch wird Brandstiftung vermutet. Der Speicher war zum letztenmal am Sonnabendnachmittag 5 Uhr von einem Stallmann betreten worden. Die Lösch- arbeiten hielten die Feuerwehr fast drei Stunden am Brand- platze fest.— Ein zweiter größerer Brand beschäftigte die Feuer- wehr am Sonntagvormittag in der Adalbertstr. 26, wo eine Drechslerei�mit Holzvorräten in Flammen stand.— In der Philharmonie in der Bernburger Straße geriet am Sonntag früh 3 Uhr der Fußboden auf einem Heizungsrohr in Brand. Die an- wesende Sicherheitswache der Feuerwehr schritt sofort ein und be- seitigte die Gefahr in kurzer Zeit. Arbeiter-Bildungöschule, Grenadierstt. 37. Der Unterricht in Literaturgeschichte findet deS Zahlabends wegen heute Dienstagabend statt._ Vorort- Nachrichten. Nenkölln(Rixdorf). Aus der MagistratSsitzung. Für den Erweiterungsbau de» Rat» Hauses soll ein Kostenüberschlag aufgestellt werden und ein Modell des Bauteils an der Berliner Straße nebst Platzanlage angefertigt werden.— Für neue Schulbauten werden die Grundstücke am Mariendorfer Weg und in der Kopfstraße in Aussicht genommen, es sollen die bestehenden Schulhäuser um je 18 Klassen erweitert, außerdem soll eine neue Turnballe in der Kopfstraße errichtet werden. Das Hocbbauamt wird mit der Aufstellung der speziellen Entwürfe und Kostenanschläge beauftragt.— Dem Polizeipräsidenten in Berlin soll eine Beteiligung der Stadtgemeinde Neukölln an den durch Einrichtung eines gentralfnndbureaus in Berlin entstehenden Polizeimehrkosten für den Fall erklärt werden, daß diese Mehrkosten auf sämtliche beteiligten Vorortgemeindcn nach Maßgabe ihrer Ein- wohnerzahlen verteilt werden.— Der Magistrat genehmigt 1. die Aenderung der Grundsteuerordnung, 2. die Gewerbesteuerordnung für die Stadt Neukölln, 3. die Lustbarkeitssteuerordnung der Stadt Neukölln in der von der Kommission vorgeschlagenen Fassung.— Von der Erhöhung des Marktstandgeldes wird abgesehen.— Die Gründung eines Vereins zum Schutze der städtischen Garten« und Parkanlagen wird genehmigt. Den Vereinsmitgliedern soll eine amt» liche Legitimationskarte ausgehändigt werden. Die Tageszeit für die AbHattimg der bevorstehenden Stadtverordneten-Ersatzwahlen wird für die I. Wähler- abteilung auf die Stunden von 1 Uhr mittags bis 7 Uhr abends und für die II. Wählerabteilung auf die Stunden von 11 Uhr vorm. bis 8 Uhr abends festgesetzt.— Gemäß 8 22 der Städteordnung wird bestimmt, daß bei den bevorstehenden Stadtverordneten-Ersatzwahlen in der I. Wählerabteilung mindestens 1 Hausbesitzer, in der II. Wählerabteilung im 1., 2., 3., 4. und 6. Wahlbezirk je 1 HauS« besitzer und in der III. Wählerabteilung im 10., 14. und 24. Wahl- bezirk je 1 Hausbesitzer zu wählen ist.— Behufs Bildung der Wahl- vorstände soll der Stadtverordueten-Versammlung wegen Wahl von Beisitzern und Beisitzer-Stellvertretern eine Vorlage gemacht werden. Aus Anlaß der Namensänderung der Stadt soll denjenigen Knaben und Mädchen, welche als erste in Neulölln geboren sind, ein Ehrengeschenk in Form eines Sparkassenbuches mit je 100 M. ge- stiftet werden. Die beiden Sparkassenbücher find bis zur Kon- firmation der Bedachten zu sperren. Sollten die Inhaber der Spar- bücher vor ihrer Konfirmation sterben, so tritt hinsichtlich deS Eigentum» das gesetzliche Erbrecht ein und ist alsdann die Sperrung bei Vorlegung der Sterbeuriunde aufzuheben. Von der Regelung des KartoffelvcrkaufS wird Kenntnis ge- nomine». Die Verteilung von Seefisch-Kochrezepten soll nicht durch die Zeitungen, sondern durch die Schulkinder erfolgen. Es wird generell bestimmt, daß alle im Krankenbause in Buckow beschäftigten und dort wohnhaften Personen als Einheimische im Sinne der die Höhe der Kurkosten regelnden Bestimmungen anzu- sehen sind.— Gegen die Benennung der Straße 167»(von der Oderstraßenbrücke bis zur Gottlieb- Dunkelstraße) mit. EscherS- heimerstraße- werden Einwendungen nicht erhoben.— Der königlichen Eisenbahndirektion soll für die bisherige Ningbqhnstation Rixdorf sowie für den bisherigen Güterbahnhof Rixdorf der Name »Neukölln- ohne Zusatz in Vorschlag gebracht werden. Der Vorführer Max Puchcrt, der— wie wir berichtet— bei einem Braudungtück in dem Kincinatographentheater am Böhmischen Play schwer verunglückte, ist jetzt seinen Verletzungen erlegen. Ehnrlottenburg. Eltcrnvrrei» für freie Erziehung. Bon Mittwoch, den 14. Februar. ab finden unsere Spielnachminage jeden Mittwochnachinittag von 3 bis 6 Uhr im.Volksbaus-, Rosinenstr, 3, statt. Besonderer Ver- anstattungen wegen ist daS Erscheinen der Teilnehmer um 2% Uhr erwünscht. Sonntag, den 18. Februar, vormittags IO'/z Uhr, findet unter fachmännischer Leitung eine Besichtigung des Postmusums sfctt. Treffpunkt!>>/., Uhr an der Straßenbahnhaltestelle am Knie, für Itach- ziigler lO'/j Uhr vor dem Museum Leipziger Str. 15. Auch Nicht- niüglieder und deren Kinder können an den Besichtigungen teilnehmen. Kinder unter 10 Jahren dürfen nicht mitgebracht werden. Der Vorstand. Tempelhof. Iu der Gcmeindevertretersitzung wurde an Stelle des Rechnung?« rats Jung der in der zweiten Klasse mit 69 Stimmen gewählte Dr. med. Richter eingeführt.— Bei der Neuwahl des Kommunal- stcuer-Ausschusses wurde von sozialdemokratischer Seite der Versuch gemocht, auch einen Vertreter der Arbeiter in den rein bürgerlichen Ausschuß hineiuzubelommen. Jedoch wurden die vom Bürgermeister beliebten Personen wieder« und an Stelle de» verstorbenen Rentier» Noack Schöffe Jung neugewählt.— Durch eine Reihe von Beschwerden sind Mißstände in den hiesigen Kinos festgestellt worden� Nicht nur, daß größere Kinder bis jgmi Schluß zahlreich anwesend waren, auch ganz kleine Kinder sind dort biö gegen Mitternacht gesehen worden. Eine dies- bezügliche Polizciverordnung soll die Auswüchse beseitigen: die Ver- ordnung setzt eine Geldstrafe von 9 M fest, wenn Kinder unter 14 Jahren»ach 9 Uhr auch in Begleitung der Eltern sich im Kino aufhalten. Von den Genossen Fr nutz und Schmidt wurde aus die schädlichen Einflüsse hingewiesen, die diese Kinos auf ein Kindergemül haben können. Kinder können am Nach- mittag eigens für Kinder eingerichtete Borstellungen besuchen. Dieselben bürgerlichen Herren, die die Schundliteratur bekämpfen und so viel in Jugendbewegung machen wollen, lehnten aber die eriveilertcn Vorschläge der Sozialdemokraten ab. — Das Ortsstatul über Einschränkung der Sonntags« arbeit in den offenen Verkaufsstelle» hat eine Verzögerung er« litten. Es sollte am 1. Januar in Kraft treten, ist aber bis beute noch nicht veröffentlicht worden.— Bei der Bewilligung von 1909 M. für die zweite Gemeindeschule zur Anschaffung von Bänken und Tischen, die durch eine Klappoorrichtung sich in Zeichentische um« Wandel» lassen, brachte Genosse Schmidt die Verweigerung der Aulas zu den von der Zentralkommission der Krankenkassen Berlins veranstalteten hygienischen Vorträgen zur Sprache und bemerkte, daß selbst Mariendorf die Aula des Nesormgymnosiums hergegeben habe. Erwarten können die Mitglieder der Kraukenkasse doch nicht, daß Professoren und Aerzte im Wirtshaus bei Bier und Tabak hygienische Vorträge halten, bei denen übrigens jede Politik ausgeschlossen sei. Erwarten könne aber jeder Bürger, daß er auf eine Eingabe an die Behörde auch eine Antwort erhalte. Dies sei in viele» Fällen in Teinpelhof nicht der Fall. Der Ortsgewaltige verschanzte sich ob dieser Angriffe hinter die Schuldeputation. Diese habe die Ent« scheidung bezüglich Hergabe der Aula zu treffen und welche Gründe zur Ablehnung führten, seien ihm selbst nicht einmal bekannt I Die bürgerlichen Herren schwiegen zu dem einseitigen tief- traurigen Vorgehen. Zwei Einsprüchen der Direktoren der Racbcl-Werke gegen die Wählerliste wegen zu niedriger Beraulaginig wurde stattgegeben.— Die 7 Kilometer lange S Ä m u tz w a s s e r k a n a l i s a t i o n auf dem Tempelhofer Felde wird auf 184 599 M. veranschlagt. Während die Materialien hierzu von der Gemeinde selbst beschafft werden, sollen die Arbeiten in zwei Losen im beschränkten Submissionswege vergeben werden Schmidt plädierte für U e b e r n a h m e a u ch der Arbeiten in eigener Regie. Inspektor Radbruch trat dem Vorredner entgegen und bat, die Arbeiten dem freien Gewerbebetrieb zu überlassen. So wurde denn auch in diesem Sinne beschlossen und alles der Baukommission überlassen. Bei der Uebernabme der durch die Terraingesellschaft neu angelegten Alarich«, Ottokao Wolfram- und Konradinstraße wurden noch Mängel verlautbar. Da fehlten bei der einen Straße die Baumschützer, bei der anderen haben sich die Bordschwellen gesenkt und bei der Wolframstraße habe noch das Wasser auf der Straße gestanden, doch wurde deren Abnahmetähigkeit heute empfohlen. Genosse Schmidt nahm hierbei Gelegenheit, auch einmal auf eine alte Straße mitten im Dorf hinzuweisen. Während man in den entlegenen Straßen auf gutes Pflaster halte, müsse man im Dorf. z. B. in der Kaiser-Wilhelm-Straße, durch Sumpf waten. Nachdem der Vorsteher eine lahme Erwiderung brachte, erfolgte Schluß der öffentlichen Sitzung. In der hierauf folgenden nichtöffentlichen Sitzung wurden die Anstellungsbedingungen der anzustellenden Gemeindebaumeister fest gelegt. Ein tZdllcher Betriebsunfall ereignete sich am Montagabend in der hiesigen Eisenbahnhauptwerkstatt. Dort waren acht Arbeiter mit dem Transport eines Materialienspiudes beschäftigt. Dabei zerbrach der dazu benutzte Tragestock und das Spind fiel zu Boden.'Der beim Transport tätige Hilfswerksührer A. Brendler aus der Katzler- straße 13 wurde von dem fallenden Spinde mit zu Boden gerissen und mit einer spitzen Ecke desselben so unglücklich am Kopf getroffen. daß sein sofortiger Tod eintrat. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe mit drei unmündigen Kindern. Gosen. Ein tüchtiger und zuverlässiger Beamter ist nach der Meinung seiner Vorgesetzten der Herr Gemeindevorsteher Taeger aus Gosen. Die Ortseingesessenen haben vielfach eine andere Auffassung über die Oualifikation ihres Dorfoberhauptes. Diese Stimmung kam recht deutlich zum Ausdruck in einer öffentlichen Vcrsainmluug, die im vergangenen Sommer stattfand, bei welcher die Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit des Gemeindevorstehers allerdings eine sonderbare Beleuchtung erfuhr. Die Bevölkerung hoffte durch diese öffent- liche Darlegung der zur Krilik Veranlassung gebenden Gc- schäftsführuug eine baldige Abhilfe. Diese Auffassung wurde noch dadurch gestützt, daß zwei Gendarmen anwesend waren, die über die erhobenen Beschuldigungen der vorgesetzten Behörde doch sicher Bericht erstattet haben' werden. Ob eine Vernehmung des Beschuldigten auf Grund dieser öffentlichen Anklagen statt- gefunden hat, ist nicht festgestellt worden. Sicher ist das eine, daß ein Disziplinarverfahren nicht eingeleitet und die Ankläger nicht vernommen wurden. Da die vorgesetzte Behörde allem Anschein nach sich nicht ver- anlaßt fühlte, etwas zu unternehmen, wurde das zur Verfügung stehende Belastungsmaterial der Staatsanwaltschaft unterbreitet mit dem Antrage um Einleitung des Strafverfahrens wegen Unter- schlagung im Amte. Begründet wurde diese Beschuldigung auf eine Reihe von Un- regelmäßlgkeiten, die der Gemeindevorsteher Taeger sich im Amte habe zuschulden kommen lassen. Der Staatsanwalt lehnte die Einleitung deZ Strafverfahrens ab. Die Gründe für die Ablehnung dieses Antrages sind nicht ohne Interesse. Es muß noch bemerkt werden, daß einige Mitglieder der Gemeinde nichts unversucht ließen, um Aufklärung� und Abhilfe zu schaffeil und endlich den formellen Antrag an die zuständigen Stellen auf Einleitung des Disziplinarverfahrens richteten. Auch dieser An- trag wurde abgelehnt. Die Staatauwaltschaft endlich stellte fest, daß bei der Kaffen« revision sich Unstimmigkeiten ergeben hätten, die auf Versehen oder ungeschickte Buchungen zurückzuführen sind. In einem Falle handelt es sich nach den Angaben der Staatsanwaltschaft„nach den unwider- legten Angaben des Beschuldigten um versehentlich unterlassene Buchungen". Der Gemeindevorsteher � wird von dem Ankläger beschuldigt, widerrechtlich für seine„Tätigkeit" als Schulvorstand Gelder aus der Gemeindekasse entnommen zu haben. Die Staatsanwaltschaft erkannte an, daß diese Angaben den Tat- fachen entsprechen; dem Gemeindevorsteher war jedoch nicht„ b e« wüßt", daß er kein Recht dazu halte. Auch für die Tätigkeit der Verwaltung der Kasse der Jagdgenoffenschaft entnahm er aus der G e m e i n d e k a s s e für sich eine Remuneration, ohne dazu befugt gewesen zu sein.„Daß der Beschuldigte dies bewußt unbefugt getan hat, ist auch in diesem Falle nicht festzustellen gewesen." Trotz alledem kommt die Staatsanwaltschaft zu dem Resultat, daß der Gemeindevorsteher Taeger nach dem Zeugnisse seiner Vorgesetzten ein durchaus tüchtiger und zuverlässiger Beamter ist. Wir glauben nicht annehmen zu können, daß die konservative Gc« sinnung des Beschuldigten maßgebend für das Zeugnis seiner Vor- gesetzten vor. Wie oft aber Lbeu'.Behörden bei Beschuldigten, die noch erheblich geringere Verdachtsgründe gegen sich haben, viel weniger Nachsicht. Potsdam. Der verschwundene Sarg. Ende vorigen Jahres erhängte sich hier der Arbeirer F. Seine Leiche wurde mittels eines einfachen schwarzen Sarges, wie sie die hiesige Feuerwehr vorrätig hält, nach der Kirchhofshalle des neuen Friedhofes gebracht. Mittlerweile hatte die Witwe des Verstorbenen einen anderen Sarg besorgt und bettele ihren Mann in der Halle um. Am 6. Dezember fand dann die Beerdigung statt. Zu dieser erschien ein besserer Herr, der an- gab, von der Regierung zu sein und bat die Witwe, zu ge- statten, daß er von ihrem Manne das Herz und die Lunge entferne, da diese zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden sollten. Die Witwe verweigerte dies und tvurde die Leiche beerdigt. Mitte Januar erschien nun bei der Witwe zu ver- schiedenen Malen die Polizei und erkundigte sich, wo der Sarg von der Feuerwehr sei, denn dieser sei verschwunden, siesolle ihn herbeischaffen oder bezahlen. Auch zu dem Magistrat wurde sie be- stellt, der ebenfalls nach dem verschwundenen Sarg recherchierte. Die Witwe wußte natürlich nicht, wo der Sarg geblieben ist. Dieser Tage wurde sie abermals nach dem Magistrat bestellt, und ihr er- öffnet, daß die Sache erledigt sei, der Sarg sei mit verbuddelt worden oder er sei verbrannt, l!) Die Witwe will sich jedoch hier- mit nicht beruhigen, sie nimmt mit ziemlicher Bestimmtheit an, daß man ihren Mann wider ihren Willen auS dem Grabe entfernt und mit diesem verschwundenen Sarge weggebracht hat. Die Staatsanwaltschaft wird sich mit dieser dunklen Sache noch zu be- fassen haben._ Hu 9 aller Melt. Schwere GrubcnunfäUe. Ans derLitandragrube bei Antonienhütte hat sich am Sonntagnachmittag ein schweres Grubenunglück, dem sechs Menschenleben zum Opfer fielen, ereignet. Durch einen Grubenbrand, der auf Fahrlässigkeit beim Umgehen mit der Gruben« lampe zurückgeführt wird, sind ein Steiger, ein Ober» Häuer, ein Maschinenwärter und drei Arbeiter zu Tode gekommen. Die zuerst auftauchenden Gerüchte, daß noch über zwanzig Mann an der Brandstelle eingeschlossen sein sollten, haben sich glücklicherweise nicht bestätigt. » Auch aus Gelsenkirchen wird ein größerer Grubenunfall gemeldet. Auf der Zeche Rheinelbe erfolgte bei dem Aufbrechen eines Ouerschlages eine Explosion, durch die ein Arbeiter getötet und ein anderer schwer verletzt wurde. Mehrere betäubte Arbeiter konnten durch die Rettungsmannschaften wieder ins Leben zurückgerufen werden. »» » Ein drittes schweres Grubenunglück meldet der Telegraph aus dem Saorgebiet. Im Westschacht der Grube Reden bei Friedrichsthal riß am Montagnachmittag während der Förderung das Führungsseil der Förderkübel. Die Kübel überschlugen sich und der Gesteinsinhalt entleerte sich auf die untenstehenden Arbeiter; drei von diesen wurden getötet, drei schwer und zwei leichter verletzt._ Sechsfacher Mord. Eine furchtbare Bluttat hat sich am Montagmorgen in Reichenbach im Vogtland zugetragen. Der dort wohnende Korbinachergehilfe Heinrich' D i l l i n g c r hat seine Familie, bestehend aus Frau und fünf Kindern im Alter von 3 bis 13 Jahren, ermordet. Die Leichen wurden in den Betten liegend mit Schuß wm n d e n in den Köpfen aufgefunden. DiMnger wurde auf seiner Arbeitsstelle festgenommen. Er hat die Tat bereits ein- gestanden. Man fand bei ihm noch einen Revolver und ver- 'chiedene Patronen vor. Die Leichen wurden in das städtische Krankenhaus gebracht. Bei der Uebcrführung gab das jüngste Kind noch schivache Lebenszeichen von sich. Was den Mann zu der Tat getrieben hat, ist noch nicht ermittelt. Die Unwetterverheerungen in Portugal. Die aus Lissabon einlaufenden Nachrichten über das Hoch» wasier lauten immer furchtbarer. Nach den bisherigen Schätzungen hat die Wassersflut einen Sachschaden in Höhe von 42 Millionen Mar! angerichtet. Ueber 299 Meilen Eisenbahnstrecke ist voll- kommen zerstört, und noch immer nimmt die Ueberschwemmung in den verschiedenen Landesteilen zu. In meilenweiten Gebieten ist der Verkehr nur auf Booten möglich; ganze Dörfer in der Nähe der Flußläufe stehen unter Waffer. Bei der Ueberschwemmung des Dorfes C a p a r i c a ist ein großer Teil der Einwohnerschaft er- trunken. Zahlreiche Leichen schwimmen im Waffer umher. In dem Dorfe M i r a n d e l l a haben die ununterbrochenen Regeusälle Erdrutsche verursacht, durch die zwei Häuser eingestürzt sind. Acht Menschen wurden dabei getötet. Schiffskatastrophe an der französischen Küste. Während eines starken Nebels ist am Sonnabend an der französischen Küste in der Nähe von Marseille der österreichische Dreimaster„Maria Theresia" gescheiter r. Die ganze aus 20 Köpfen bestehende Besatzung hat den Tod in den Wellen gefunden. Kleine Notizen. Eine Ehctragödie. In München hatte sich die 55 Jahre alte Kaustnannsfrau F r i t i s i n g durch Aufschneiden der Pulsader und Einalmen von Leuchtgas das Leben genommen. Aus Kun-.mer über den Verlust seiner Frau hat tags darauf auch ihr 13 Jahre jüngerer Mann Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas verübt. Zwei Menschenleben um zwei Kronen. Wie aus Maria- z e l l gemeldet ivird, überfielen unbekannte Täter in der ver- gangenen Nacht einen Bauernhof und töteten den Bauern u n d d i e B ä u e r i n. Es fielen den Mördern nur zwei Kronen bare§ Geld in die Hände. Hohe Rente. Die Pariser Bankfirma Legroux-Pradel bat Hunderte von Einzahlern, unter denen sich insbesondere zahl- reiche kleine Beamte und Unteroffiere befinden, unter der Borspiegelung eines zehn bis zwölfprozentigen ZinSerträgnisses um ihre gesamten Ersparnisse geprellt. Es laufen bei der Behörde fortgesetzt Strafanzeigen gegen die Firma ein._ Lese, und-DiSkutierNub„Wilhelm Liebknecht". Sibnn-,' Dienstag, den 13. Februar, abends 9 Uhr, bei Eichham, Danziger Sw. 33/34' Tagesordnung: Vortrag.— Gäste willlommcn. O. Z. S. Von uns nichts bekannt. ßHeffeaften der Expedition. einer Sperre der Firma.seitens der Arbeiterschaft kst Marktbericht von Berlin a» 10. Februar ISIS, nach Ermlttelmig deS königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 199 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00— 50,00. Spelsebobnen weiße. 40.00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 10,00—15,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—3,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,89 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—3,59. Hammelfleisch 1,39-3,29, Butler 2.09-3,20. 69 Stück Eier 4,50—8,09, 1 Kilogramm Karpsen 1,20-2,10. Aale 1,20—3,00. Zander 1,60-3.69, Hechte 1,29—2,60. Barsche 1.00-2,00. Schleie 1,69-3,20. Bleie 0,89-1.40. 60 Stück Krebs- 4,00—30,00. WitterungSnbersicht vom IS. Februar ISIS. Stationen a a Si«H Ö= s s 8? Swinemde. Hamburg Berlin___ Franff.a M. 757 Still München 760 A Wien(7ö5-W 754 M 750'SSO 755,9! SB Vetter 1 bedeckt 2Dunst 2!bcdcckt INebel 3 bedeckt 2, Regen »s b» «ill m5> Stationen tS II lS 2 £ 5 c 5 I >-771« Petersburg 1 759 ONO -cilly| Abcrdeen Paris 756|SD 752SW Vetter 4 wolkeul �bedeckt 3bedeckt 3Rcgen 'bedeckt C* 5» sr t» 1A —24 —8 s 4 v Wetterprognose für Tienötag, de« I». Februar ISIS. Langsam aufklarend, etwas kälter, bev ziemlich frischen nördlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wettertnrrau, Wasscrstands-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgctcllt vom veriwer Wetterbureau. Wasierstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnftcrbmg Weichsel, Thom Oder, Ratibor . Krossen . Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Berby . Magdeburg Wafferstand Saal«. Grochiltz Havel, Spandaus . Rathenow') Spree, Sprcmberg') _. Beeskow Weser, Münden . Minden Rhein, MarimilianSau . Kaub . Köln Neckar, Hcilbron» Main. Wcrthei» Mosel. Trier ')-ff bedeutet Wuchs,— Schwaches EiStrciben. Fall.—») Unterpegel.—•) Eisstand. 1R Suppen-Wüpfel 1 Würfel= S Teller Suppe lO Pf.- Über 40 Sorten. Knorr-Suppen sind anerkannt die besten im Geschmack. Schnelle und bequeme Zubereitung. f Theater und Vergnügungen Dienstag, 13. Februar 1212. Ansang 71/, Ubr. Sgl. Opernhaus. Der Rosen- kavaliet. Sgl. Schauspielhaus. Der Schlag- bäum. Deutsches. Romeo und Julia. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Schumann. Gala» Vor« stcllung. Zirkus Sarrasant. Gala-Vor- stcllung. Havcrland. Spezialitäten. Ansang 8 Ubr. Urania. Taubenstraste 48/49. Der Grotzglockniu, Gastcin und die Salzburger Alpen. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Berndt: Die Abstammung des Menschen. ?leues. Der liebe Augustin. Saminerspielc. Offiziere. Leksiug. Gudrun. Neues Schauspielhaus. Heiligen- Wald. Residenz. Alles sür die Firma. Kiirsürstcuopcr. Dielustigen Weiber von Windfor. Koiuischc Over. Undme. Westen. Wiener Blut. Lusispiclhaus. Die Damen des Regiments. Kleines. Lottchens Geburtstag. Gcntz und Fanny Elstler. Hocken- jos. Berliner. Graste Rosinen. Pienes Operetten. Eva. Schiller O. Der Kilometerfresser. Sa,-(kbarlotteudur,. Emilia Galotti. Friedr.- Wilh. Schauspielhaus. Taifun. Luisen. Zopf und Schwert. Rose. Des Meeres und der Liebe Wellen. Söniggräper Strafte. Die fünf Franksurter. Mekt. u Die Nacht von Berlin. Drianon. Das kleine Cass. Polnische Wirtschast. Der Kampf ums Dasein. Svezialitälen. Svczialitätcn. Herrnfcld. Wie man Männer dessen. Der Hauslcujel. RcichSbnNcn. Stcttiner Sänger. Königstadt-Kasino. Ein dunkler Punkt. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Ansang 8»s. Uhr. FolicS Gapricc. Mandelblüth'S Polterabend. Losgelassen. Waffen- Übung. Walhalla. Teufel, daS hat eingc- schlagen! Boigt. Geschlossen. Ansang 8'/, Uhr. Neues Bolkstheater. Nathan der Weise. Belle-Alliance. Napoleon Bona- parte und sein« Frauen. Sternwarte, Jnvalidenstr. S7—«2. Tlialia. Gasino. ptpuno. Basiage. 8e!iji!er-7!lesler0.U°a7°A Dienstag, abends 8 Uhr: Vor sttlv»iiotvrk>-on«er. Mittwoch, abends 8 Uhr: Vor VroKopten. Donnerstag, abends 8 Uhr: Vor Weg xur Httllc. Schiller-Theater Dienstag, abends 8 Uhr: Emilia Galotti. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Gräfin Lea. Donnerstag, abends 8 Uhr: __ Vor Probepfeil. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Grosse Rosinen. Abends 8 Ubr: Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. Snnnt. 3'/, Uhr: Der fidele Bauer. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Wiener Blut. Sonnt. 3'/. Uhr: Ein Walzertraum. Residenz-Theater. Direktion Richard Alerandcr. Abends 8 Uhr: Alles für die �irma. Schwank in 3 Akten von M.Hennequin u. G. Mitchell. In Szene gesetzt und für die deutsche Bühne bearbeitet von Boiten-Bacckers. Morgen u. solg.Tage: /Uleet.ck. firma. Luisen-Theater. Dienstag: Zopf und Schwert. Mittwoch: Ter»crichwcnder. Donnerstag: Tommerspuk. -I e- A llianoe-Th eater. Abends d's, Uhr: apoleon Bonaparte und seine >ueu--. Scnsalions-AusstattungS- v. W. G. �Sills. Musik v. Sullivan. losc-inc/iie Graste Frankfurter Str. 132 Abends 8 Uhr: Des Meeres und der Liebe Welle«. TranersPiel in S Akten°. Grillparzer. Mittwoch: Der Spielteufel. ilnsms. Wissenschaftliches Theater. 8 ühr: Der Großglockner, Gastein and die Salzburger Alpen. Hörsaal 8 Uhr; Dr. Berndt: Abstammung des Menschen. Sternwarte, Invalidenstraße 57— 62, (71;,— 10 Uhr) Satarn, Orionnebel asw. Metropol-Theater. Wends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Die Nacht von Berlin! Graste Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. 99 CLOU" Berliner Konzerts Haus. Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90/91. Großes Konzert«. sK'�r Xr,; Anstich von 3 Königsbräu, dem köstlichsten aller Mtinchener Doppelbiere. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachmittags: Gr. Promenaden-Konzert bei freiem Eintritt, Neue Welt.»•••«••••! Ab 8 Uhr: Ein sensationeller Ersolg des vturn komisch. Programms 8 für Berlin neue Debüts mit dem Tagesgespräch von Berlin: iPanl Beckers Grotesk-Komiker. MMI« Herrnfelds neueste Sensation! Der Höhepunkt stürmischen LacherjolgcS: = Nie man— Männer bessert. 2 Akte mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: See lhausteufel. Ansang 8 Uhr. Billcttvorverkaus 11—2(Theaterkasse). .Arnold Scholz. Uasenheide 108-114. Hente Dlenatag, den 13. Fcbrnar 1918: Elite-Tag Wniiienmader stärkten Mkinerkruz! Der Umfang wird gemessen. 3 bare Geldpreise: 50,—, 30,—, 20 Mark. den?"pebrnar- Elite-Tag. Großer Ball. Voranzeige! Donnerstag, den 15. Februar 1912: Bas kleinste Ohrl _ Z bare Geldpreise 50,—, 30,—, 20,— Mark. Anmeldungen bis 10 Uhr an der Kasse. 30 bayrische Madl. S Kapellen. lÄ lopt i Kammer- Liclit- Spiele --------- am Potsdamer Platz.------- Das sensationelle Programm u. A.: Giampletro als Roland von Berlin» Beginn: Täglich 4 Uhr. Bis 6 Uhr: Kinder halbe Preise.— Preise der Plätze; 75 Pf., .'. 1,—, 1,25, 1,50, 2,—, Logen 3,— Mark.... Berlinerl IIK-Trlo Ui Bixdorl-Berüs. mff Lahastr.74.i-i Passage-Theater. Schneider-Duncker Carl and Lotiy die berühmt. Excentr.-Tänzer. Luise Schäfer V ortragskünstlerin. The Hevaidos Truppe d. best. Schleuderbrett-Akrob. und d. Febr.- Glanzpro gr. 14 erstkl. Spezialitäten. Das Loudouer Mirakel Die Frau,., in der Kdültö! Befreiung aus d. Wassergrab. Lebend! Lebend! Fakir»Truppe 15 Personen in ihren religiösen Mttptyrer- Ppodnktionen Wochentags 4— 7 Uhr: Lichtspiele Ohne Extra-Entree. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Das kleine Caf6. AmBohobotf I Kiti-Arena. Nachmittags: Militär- Konzert. Kanstlauk• Produktionen. Abends die Novitäten; Tänze a. d. Eise, Rheinländer, Russisch, Engl., Alt-Wiener Walzer und Die kleine Cbarlotte.l Der norwegische Meister) Harry Panlsen[ sowie d.prächt. Eisballett| Alpenzauber. Bis G Uhr und von lO'U| Uhr halbe Kassenpreise. Restanrant L Ranges. Walhalla-Theater Am Rosenthaler Tor. Direktion: James Klein. Weinbergsweg 18. Premiere: 16. Februar 1912 abends S1/« Uhr: Menschenrechte Großes soziales V olks- Ausstattungsstück mit Gesang und Ballett in fünf Akten von Max Ketchardt. In Szene gesetzt vom Direktor James Klein. Die Kasse ist von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends ununterbrochen geöffnet. z/t"1;■->''' Hill llmott- Sfteatet Heute Dienstag MMMM Programm- Wechsel Unter den Linden Alexanderplatz Moritzplatz Helfer der Menschheit I Schauspiel aus dem Leben eines Arztes. Ihr Ehemänner. Eine Oeschichte aus der Jägerstraße.| Kurz vor Redaktionsschluß. Amerikanisches Sensationsdrama. Ein Held im A. Schnmaim Heute Dienstag?1/, Uhr: Auftreten von Dir. A. Schumann.— Gebr. Webb.— Frl. Dora Schumann u. sämtliche Attraktionen.— Das neueste, größte, nicht zu Ubertreffende Ausstattungsstück Das Motorpferd in 5 Akten. Besonders hervorzuheben: 3. Akt: Im Warenhaus. Das Spielzeug.— Ballott. Vorher: Das große Gala-Programm. Zirkus Bnsch Dienstag, den 13. Februar 1912, _ abends 71/, Uhr: IMT Gala-Abend."VB Fortsetzung der japanischen Sportspiele, Jln-JUzn und Ringkämpfe. Um den Unterschied der japanischen Kampfmethode zu zeigen, werden vor den japanischen von jetzt ab auch griechisch-römische Ringkämpfe ausgeführt werden!(Die jeweiligen Namen der Ringer im Programm.) Um 9'/, Uhr: Die Hexe. Gr. Volks-Manege-Schanspiel. Hasenheide Unterseeboot. I\3ffBSani| Realistische Schilderung aus der ameri-| kanischen Marine. Die Tierbändigerin. Pariser Original-SchanspieL AnBerdem ein roIlsUlndis nenez, dberaaz reichhaltiges Bepertotr. Schönhauser Allee. Telephon: Nord 4100.1 Wedding Reinickendorfer Str. 14. Asta Nielsen- Zyklus. Täglich wechselnder Spielplan. Dienstag Udr: i°" so.iaÄjj Galaabend. I Mittwoch, 14. Februar: 2 Vorstellungen. Nachmittags zahlen Kinder auf allen Plätzen halbe Preise. Vorverkauf a. d. Circus- kasse u. an allen Billett- J Verkaufsstellen von A. Wertheim. Voigt-Theater. Heule Dienstag, den 13. Februar: Gastspiel im Moabiter Winter- Garte», srüher Artnahof, Perleberger Str. 26 Hotel Klingebusch. Original- Volksstück mit Gesang in 5 Bildern von. Kneisel u. Jacobson. Kasscnerössnung 7, Ansang 8'/, Uhr. Casino Theater Lothringer Str. 37. Ansang 8 Uhr Der gröftte Dheatererfolg! Täglich ansocrkaust. Der Kampf ums Dasein. Aktuell I Dem heutigen Leben ent« nommcn.— Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Der setige HollschinSky. Königstadt-Kasino. Ecke Holzmarkt- u. Al exanderstrahe Täglich Variets und Theater. Vom 1.— 1(5. Februar Riesenprogramm. In jeder Vorstellung: G Ein dunKIer Punkt. O Burleske mit Gesang in 2 Bildern. kolies Capriee. Täglich 8-/. Uhr: Losgelassen. Waffenübung. MandelblüthS Polterabend. Reichskallen-Theater. Stettiner Sänger. Ken! Ifen l Pantoffel-Helden. Burleske b. Reichardt. Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. verlioer Prater Kastanien-Allee 7/9. Jeden Dienstag, S1/, Uhr: flolains Slp Hcate: Feindliche Brüder. Alle Verzugskart, gelten. Nach d. Soiree: Frei tanz. 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