flfcenncmcntS'Bedingungen: Wonnements- Preis vränumerando: Pierteljährl. 3,30 Ml., monaü. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ms Haus. Sinzeine Nummer ö Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnemcntt 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung s- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonncmenls nehmen am Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Kumimeii, Schweden und die Schweiz. 29, Jahrg. Die TnfertionS'Gebüfjr beträgt für die scchsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg,, für 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellcmm- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lö Buch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate für Die nächste Nummer müssen bis ü Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, VftMut Wich außer niontass. Verlinev Volksblcrtt. Telegramm-Adresie: „SozIaMemekrat Rerlio"« Zentralorgan der Ibzialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SÄl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplah, Nr. 1988. Mittwoch, den 14. Februar 1912, Expedition: SM. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritiplatz, Nr. 1984. für die Jirbeitsfälsigkeit! Die Konservativen und Klerikalen, die sonst so für Ord- nung schwärmen und die pflichtgemäße Ausübung parlamen- tarischer Kritik oft genug als Obstruktion und Zeitvergeudung denunziert haben, treiben seit Eröffnung des Reichstags, in dem sie die Minorität sind, systematisch Sabotage. Zu diesem edlen Zweck allein hat Herr Spahn sein Amt niedergelegt und alles andere ist nichtsnutziger Vorwand. Daß die Führer der preußischen nationalliberalen Landtagsfraktion, die Herren Schiffer und Friedberg, sie dabei mit aller Kraft unterstützen, nimmt niemanden, der die Herren kennt, wunder. Daß aber die national- liberale Reichstagsfraktion sich einfach zum Werkzeug einer reaktionären Intrige her- gegeben und sich selbst und ihre bisherige Führung in so arger Weise bloßgestellt hat, erregt selbst in ihren eigenen Reihen Widerspruch und stürzt sie in die s ch w e r st e Krise, die den Bestand der Partei selbst bedroht. Unter diesen Umständen ist es die oberste Aufgabe aller derer, die nicht zu den geschworenen Feinden des Reichstages gehören, das Parlament davor zu ibehüten, daß es selbst durch diese Krise in Mitleidenschaft gezogen werde, der Konspiration gegen den Reichstag ein Ende zu machen und die Arbeitsfähigkeit der Volks- Vertretung sicherzustellen. Im erfreulichen Gegensatz zur nationalliberalen Schwach- mütigkeit hat die Fortschrittspartei sich der Erfüllung dieser Aufgabe nicht entzogen und wird an der Seite der Sozialdemokratie den Versuch machen, die Konstituierung des Präsidiums endlich zu vollenden. Das Wolffsche Bureau teilt folgendes mit: »Die Fortschrittliche Volkspartei hat in ihrer letzten Be- sprechung vor der heutigen Sitzung des. Reichstages in Erwägung gezogen, obwohl es gegen ihr Parteiintereffe sei, das Opfer zu bringen und den Präsidenten deS Reichstages zu stellen. Sie hofft weiter, daß der Abg. Paasch« das Amt des zweiten Vizepräsidenten nicht niederlegen werde. Sollte dies doch der Fall sein, dann ist die Fortschrittliche Volkspartei weiter bereit, auch den zweiten Vizepräsidenten zu stellen, immer ausgehend von dem Gedanken, den Reichstag für vier Wochen arbeitsfähig zu erhalten, um der Notwendigkeit einer Ver- tagung zu entgehen.' Der„Voff. Zeitung" zufolge wird als Präsident Herr K a e m p f in Aussicht genommen. Die nationalliberale Partei soll entschlossen sein. Herrn Kaempf zu unterstützen. Und fast scheint es, daß auch Herr P a a s ch e keine Lust hat, sich zu einer Puppe herabwürdigen zu lassen, die an den Drähten tanzt, die die Herren Schiffer und Friedberg im Auf- trage der Schwarzblauen ziehen. Er hat dem Ueberrumpelungs- versuch seiner übelberatenen Parteigenossen nicht nachgegeben und vorläufig sein Amt nicht niedergelegt. Seine endgültige Entscheidung will Herr Paasche erst nach der Präsidenten- wähl fassen. Bleibt er fest, so wird er sich mit Recht sagen können, daß er seiner Fraktion die Vertretung im Präsidium sichert, nachdem der rechte Flügel seine Partei innerhalb einer Woche zweimal um den Präsidentenposten ge- bracht hat. Sei dem aber wie immer, jedenfalls wird in der heutigen Sitzung von der Sozialdemokratie und der Fort- schrittspartei die Arbeitsfähigkeit des Hauses, soweit es an ihnen liegt, sichergestellt werden. Die Verantwortung für künftige Störungen fällt dann ganz auf die Klerikalen und Konservativen und ihre Helfershelfer. Die nationalliberalc Partei hat ihre plötzliche Weigerung, an dem Präsidium teilzunehmen, in völlige Ver- wirrung gebracht. Die reaktionären Organe weisen darauf hin, daß die Tatsache, daß der größte Teil der Partei für Bebel und Scheidemann gestimmt haben, nicht ungeschehen gemacht werden könne. Statt sich plötzlich ins Bockshorn jagen zu lassen, hätte die nationalliberalc Partei ruhig darauf ant- Worten können, daß das ganze schwarzblaue Gerede nichts als elende Heuchelei und nichts lächerlicher sei als das Geschrei über die Ablehnung der Hofgängerei. Denn in- dem die Natlonalliberalen für den Sozialdemokraten stimmten, übernahmen sie ebensowenig eine Verantwortung für das sozialdemokratische Programm, wie wir Sozialdemokraten für das nationalliberalc, als wir für Paasche stimmten. Denn daß die Unterlassung höfischer Formalitäten für die Konscr- vativen nur eine Ausflucht ist, gibt die„Kreuz-Ztg." selbst zu, wenn sie schreibt:„Auch roten Hofgängern gegenüber würden die Konservativen sich unter allen Umständen ablehnend ver- halten." Nicht um Anerkennung sozialdemokratischer Auf- fassungen, sondern nur um Anerkennung der parla- mentarischen Gleichberechtigung unserer Partei handelt es sich bei der Präsidentenwahl. Und das ist wohl eigentlich eine Forderung, deren Erfüllung Leute, die sich liberal nennen wollen, nicht versagen dürsten. Statt dessen haben die Nationalliberalen vorgezogen, vor den Drohungen der Reaktionäre und vor einem künstlich arrangierten Proteststurm einiger ihrer, in Wirklichkeit längst konservativ gewordenen, Organisationen zurückzuweichen. Das unausbleibliche Resultat ist die schwere Krise ihrer Partei, über die die»National-Zestung" folgendes sagt: „Die nationalliberale Partei macht gegenwärtig eine Krise durch, die ihre Anhänger mit schwerer Besorgnis für die Zukunft erfüllen muß. Es wäre unklug und auch zwecklos, in diesem entscheidenden Augenblick dies leugnen zu wollen und eine Politik des Versteckspielens zu»treiben. Da? ohne Wissen der Reichstagsfraktion gestern veröffentlichte „Communique hat die Lage nicht unrichtig gezeichnet, denn, wie zahlreiche Kundgebungen erkennen lassen, hat sich im Lande draußen lebhafter Widerspruch gegen die Art und Weise erhoben, wie die Reichstagsfraktion bei der Präsidenten- tvahl vorgegangen ist. Das ändert aber nichts an der Tiedauer- lichen und für die Reichstagsfraktion peinlichen Tatsache, daß hinter ihrem Rücken ein derartiges„Pronunziamento" veröffentlicht werden konte, dessen Absicht nur gewesen ist, die Fraktion vor aller Welt aus bestimmte Richt- linien festzulegen. Wir fragen daher: wer hat diese „Erklärung" verfaßt und wer hat sie dem„Wolsfschen Tele- graphen-Bureau" übergeben? Die offiziöse Telegraphen- agentur befleißigt sich gewöhnlich einer gewissen Zurückhaltung und hat die Veröffentlichung dieser„pardeioffiziösen" Note, deren feindlicher Charakter jedem auf den ersten Blick klar sein mußte, doch nur auf eine gewisse Auwrität hin vor- genommen. Wir meinen, daß die nationalliberale Fraktion alle Veranlassung hat, diese offenbaren Umtriebe zu enthüllen und ihre Hintermänner vor der Oeffentlichkeit nicht zu schonen. Vom Standpunkte der Parteidisziplin betrachtet, ist dieser Vorfall unerhört, denn die maßgebenden Führer haben, wie sie uns gestern abend versicherten und wir bereits gestern mitteilten, von der Sitzung der heimlichen„Ver- trauensmänner" und ihrem Beschluß nicht das geringste gewußt. Bis zur Stunde ist das Geheimnis immer noch nicht ge- lüftet. Es heißt, daß die„Vertrauensmänner" aus Schleswig- Hol st ein und aus W e st f a l e n stammten und daß die Landtagsabgeordncten Dr. Schifferer und Dr. Haarmann der Angelegenheit nicht fernstehen. Jedenfalls wird sich die nationalliberale Landtagsfraktion offiziell mit der Sache beschäftigen und denjenigen ihrer Mitglieder, die an dem Zustandekommen der„Erklärung" mit- gewirkt haben, klar machen, daß es nicht angängig ist, in schwieriger Lage in den Rücken zu fallen." Und die„Kölnische Zeitung" sagt: „Mag man ein Freund dieser oder jener Taktik sein, man wird auch nicht in Abrede stellen können, daß das Ansehen der nationalliberalen Partei im Reichstage und nach außen nicht durch Betätigung wechselnder Anschauungen ge- Winnen kann. Selbst wenn man nachträglich zu der Ueber- zeugung gelangte, daß ein einmal eingeschlagener Weg doch wohl nicht unter Berücksichtigung aller Umstände der richtige gewesen sei, so würde es doch häufig immer noch besser sein, bei dem ersten Entschlüsse zu verharren und einen Entschluß durchzuführen, statt der Außenwelt das immer bedenkliche Schauspiel eines Umfalles zu gewähren. Die neuesten Beschlüsse der nationalliberalcn Fraktion tragen wenigstens nicht dazu bei, die Lage zu er- leichtern. Da die Wahl eines sozialdemokratischen Vizcpräsi- dentcn zum mindesten für vier Wochen nicht ungeschehen ge- macht werden kann, da Konservative und Klerikale sich weigern, mit ihm im Präsidium zu sitzen, da ferner die Nationalliberalen nicht mehr mitstimmen wollen, so bleibt eigentlich nur noch die Möglichkeit, daß die erste und dritte Stelle des Präsidiums von der Freisinnigen Volkspartei gestellt wird, daß somit das Prä- sidium in ganz ausgesprochener Weise eine Minderheit vertritt. Auf solche Weise wird natürlich die Arbeitsfähigkeit des neuen Rechstages aufs bedenklich st e beeinträchtigt, das heißt, es wird ein Ergebnis herbeigeführt, das durchaus i m Interesse des schwarzblauen Blocks liegt. Daß das in der Absicht der Wähler lag, die bei den Wahlen gegen den schwarzblauen Block gestimmt haben, ist uns einigermaßen zweifelhaft." Die konservativen Elemente aber scheinen gewillt, den Erfolg ihres Vorstoßes mit aller Kraft auszunützen. Die scharfmacherischen„Hamb. Nachr.", die übrigens über die Belanglosigkeit der höfischen Pflichten der gleichen Meinung sind, wie die„Kreuzztg.", fordern bereits eine„reinliche Scheidung". Sie beschuldigen den linken Flügel der Felonie und fordern„die abtrünnigen Abgeordneten auf, aus der Fraktion auszuscheiden und endlich ihren Uebcrtritt zur Demokratie sozialistischer Richtung(I) zu vollziehen". Und im„Deutschen Boten" macht ein ungenannter„nam- hafter nationalliberaler Politiker" den Vorschlag, die nationalliberale Partei solle sich auf- lösen und der rechte Flügel solle zur Reichs- Partei, der linke zur Fortschrittlichen Volkspartei über- gehen, denn diejenigen Mitglieder der nationalliberalcn Fraktion. die sür, und jene, die gegen den„Präsidenten" Bebel gestimmt haben, können einander gar nicht verstehen; sie reden ganz verschiedene Sprachen. Die Blätter der Rechten aber haben für den national- liberalen Rückversicherungsversuch nur Spott und Hohn. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: „Jetzt sieht man, daß die Taktik die eigene Partei dem Ab- grund zutrieb— und nun läßt man den Karren im Sumpfe stecken, in den man ihn hineingefahren hat, und schlägt sich„seit- wärts in die Büsche": Pro gloria et patria!! Vergeblich wird man in der ganzen Parteigeschichte Deutschlands ein kläglicheres Bild finden, als daS dieser„großen Retirade" der Bassermann-Partei." Und allgemein ist die Forderung nach dem Rücktritt Bassermanns, dem nur die badischen National- liberalen zu Hilfe eilen. Sie fordern die Fraktion auf, an dem Zusammengehen der Linken unbedingt festzuhalten. Wie diese Krise ausgehen wird, läßt sich zurzeit noch nicht übersehen. Für die entschlossenen Reaktionäre bildet sie aber schon jetzt eine starke Ermutigung. Um so dringender ist es, die P r ä s i d i a l k r e zu b e- endigen. Mag dann kommen, was da wolle, wir sind bereit. Unter sozialdemokratischem Präsidium. Aus dem Reichstag wird uns geschrieben: Am Bundcsratstisch: Delbrück, Mermuth, LiSeo. Vizepräsident Scheidcmann eröffnet um 2 Uhr nachmittags die Sitzung und teilt zunächst das Ergebnis der in der vorigen Sitzung vollzogenen Schriftführcrwahl mit. Von 381 gültigen Stimmen haben erhalten Bär Winkel inatl.) 369, Neumann- Hofer(Vp.) 366, S t ü ck I e n(Soz.) 296, M 0 r a w s k i(Pole) 286, Rogalla v. Bieberstein(f.) 241, En g el en(Z.) 234, Beizer(Z.) 227, Fischer- Berlin lSoz.) 216. Diese Abgeordneten sind somit zu Schriftführern gewählt. Weiter teilt der Vizepräsident mit, daß Abg. Freiherr v. H e r t l i n g infolge seiner Ernennung zum baycrifchen Minister- Präsidenten sein Mandat niedergelegt habe, und fährt dann fort: Von dem Abg. Dr. Spahn ist folgendes Schreiben ein- gegangen: Berlin, den 12. Februar 1912. Dem Reichstagspräsidium teile ich ergebenst mit, daß ich das Amt deS Reichstagspräsidenten hiermit niederlege. (Lebhaftes Bravo I rechts. Schallende Heiterkeit links.) Es ist mir im Anschluß an diese Mitteilung ein Antrag von den Herren Abgg. Bassermann und Gröber zugegangen, die Sitzung nunmehr zu vertage». Dieser Antrag wird fast ein st immig angenommen. Auf Vorschlag des Vizepräsidenten findet die nächste Sitzung statt Mittwoch 2 Uhr mit der Tagesordnung: Wahl des Präsidenten; schleuniger Antrag A l b r e ch t(Soz.) wegen Einstellung schwebender Strafverfahren gegen die Abgg. Eberl, Fischer(Sachsen) und Feuerstein; Interpellation B a s s e r- mann(natl.) betreffend die Verhandlungen der Brüsseler Zucker-"1 konferenz; Interpellationen Ablaß(Vp.) und Alb recht(Soz.) wegen Aufhebung des Zolles auf Futterger st e und Mais und Suspendierung resp. Aufhebung des Kartoffel» z 0 l l e S; erste Beratung des Etats. Schluß 2 Uhr 26 Minuten. ver Krieg. Türkische Angriffe auf Drrna und Tobrnk. . Derna, 13. Februar.(Meldung der Agenzia Stefan!.) In der vergangenen Nacht führte der Feind zwei heftige Angriffe auf die italienische Südfront aus; beide wurden erfolgreich zurück- gewiesen. Der erste dieser Angriffe, der sehr heftig war, wurde abends gegen 11 Uhr durch eine Bewegung begonnen, die darauf abzielte, die vorgeschobene neue italienische Verteidigungslinie und die rechte Seite der älteren Linie, die sich weiter zurück befindet, einzuschließen. Zwei aufeinanderfolgende Angriffs mit Bajonetten trieben den Feind in die Flucht. Gleichzeitig warfen sich andere Abteilungen gegen den italienischen äußersten rechten Flügel und machten zweimal einen Angriff auf die Rcdoute, wurden aber beide Male nach heißem Kampf bei den Drahthindernissen vor der Redoute zurückgewiesen. Zu dem Erfolg der Italiener trugen nicht wenig das sehr wirksame und zur rechten Zeit erfolgende Eingreifen der fünf Forts, die sehr zweck- mäßige Verwendung der Hunde, die den Vormarsch der Feinde an- kündigten, und die großartige Wirkung der Scheinwerfer bei, die, trotzdem sie ganz besonders daS Ziel eines ständigen feindlichen FeuerS waren, ruhig und geschickt gehandhabt wurden. Um 2 Uhr morgens war der Feind vollständig zurückgeschlagen. Vor diesem Teil der italienischen Front wurden bei Tagesanbruch zahlreiche Zeichen sehr ernster feindlicher Verluste wahrgenommen. Außer sechzig Toten wurden ein Schwerverletzter und in weitem Umkreise zerstreute Stücke menschlicher Körper gefunden. Die Ver- luste auf italienischer Seite beliefen sich auf drei Tote und 22 Verletzte, darunter ein Offizier. Während dieser Kampf zu Ende ging, griffen andere Streitkräfte am rechten Ufer des Derna- flusses das kleine Fort Piemonte und die Schanzen an und drangen auch hier bis dicht an die italienischen Drahthindernisse und die dazu gehörigen Verteidigungswerke vor, von wo sie auf weniger als 266 Meter Abstand ein heftiges, aber richtungsloses Feuer eröffneten- Auch dieser Angriff war unter Mitwirkung der Artillerie gegen 3 Uhr vollständig zurückgewiesen. In diesem Kampfe hatten die Italiener keine Verluste. Tobruk, 13. Februar.(Meldung der Agenzia Stesani.) Heute früh eröffneten einige feindliche Gruppen ein Feuer gegen eine Ab- teilung Italiener, die einen Grabhügel besetzen wollte, wurden aber durch einige Schüsse aus den Kanonen des Forts vertrieben. Später begannen andere Gruppen aus großer Entfernung auf eine italienische Kompagnie zu schießen, die zur Erkundung einer kürzlich ein- genommenen Stellung des Feindes entsandt war. Die Kompagnie erwiderte, unterstützt von einigen Feldgeschützen, das Feuer. Aus Blutspuren, die an den: bisherigen Aufenthaltsort der Feinde vor- gefunden wurden, ging hervor, daß die Feinde empfindliche Verluste gehabt haben. Eine türkische Drohung. jkonfiautinopcl, 13. Februar. Wie die Blätter melden, hat die Pforte den Mächten mitgeteilt, sie werde alle Geschäfte von Italienern schliefen und noch andere Maßnahmen gegen die in der Türkei lebenden Italiener treffen, wenn Italien eine Aktion im Archipel oder in den Dardanellen nuternehme. Ein italienisch-englischer Zwischenfall. Malta, 12. Februar.(Meldung der.Agence HavaS".) Der italienische Postdampfcr„Eil na" ist hier mit drei in Ketten gelegten gefangenen Arabern an Bord ein- getroffen, die seit drei Monaten im italienischen Zellengefängnis zu Ustika interniert waren und nach Tripolis gebracht werden, um wegen Verrats an Italien abgeurteilt zu werden. Dir e n g l isch e ir Behörden zwangen den Kapitän, den Gefangenen die Ketten abzunehmen. Dann wurden die Araber vor den Richter geführt. welcher mit Rücksicht darauf, daß der Kapitän der„Enna" kein Dokument besaß, das die Festhaltung der Gefangenen rechtfertigte,. bestimmte, daß die Araber bis zum Eintreffen weiterer Jnforma- tionen im Gefängnis zu Malta verbleiben sollen. Eine sozialistische Tripolisintcrpcllation in der italienische» Kammer. Rom, den 13. Februar. In der von TreveS, Turati und B e l t r e ni i eingebrachten Interpellation über Tripolis verlangen die Sozialisten von der Regierung Auf- klärung über die Ursache deS Tripoliskrieges' und deS Ultimatums an die Türkei. Türkische Borbercituugeu für Konfliktsmöglichkeite« im Frühjahr.- Ueskueb, 13. Februar. Laut strengsten Weisungen des K r i e g s- Ministers müssen alle angeordneten militärischen Vor- kehruugen chowie die Entscheidungen über den Landsturm, die Maßnahmen über die Anwerbung Freiwilliger und die O r g a n i- sation des Roten Halbmondes in betreff Einstellung der nötigen Anstaltsärzte und Chirungen b i S zum März unWider- ruflich beendet sein. Alle KeimakamS wurden aufgefordert, diese Vorbereitungen zu unterstützen.' Konstantinopel, 13. Februar. Ein heute veröffentlichtes Dekret gewährt dem Kriegs mini st eriunr unter Vorbehalt der nach- träglichen Bewilligung durch daS Parlament einen Kredit von einer Million Pfund für den Fall, daß außerordentliche Er- eigniffe im Laufe des Jahres eintreten. vie Revolution In China. Tic Republik. Das größte und bcvöltertste Reich der Welt hat nach halbjährigem Bürgerkriege die Fesseln einer veralteten Staats- forni von sich gctvorfen. Das Land, das seit Jahrtausenden von Dynastien beherrscht wurde, dessen Volt so durchdrungen schien von der Ehrfurcht vor der monarchischen Gctvalt, daß >es seine Herrscher wie Götter in unnahbarer Herrlichkeit über sich thronen ließ, hat in unglaublich kurzer Zeit die alte Re- gierungsform über den Hausen geworfen und geht daran, sich eine moderne Verfassung zu geben, moderner als die manches sogenannten Kulturstaatcs in Europa. Die Umwandlung des chinesischen Kaiserreiches in eine Republik ist am 12. Januar 1912 zur Tatsache geworden. Es ist ein weltgeschicht- licheS Ereignis von unabsehbarer Bedeutung, das sich vor unseren Augen vollzieht. Wer vor zehn Jahren eine der- artige Entwickclnng der Dinge in China vorausgesagt hätte, wäre als Phantast angesehen worden. Die Minierungsarbeit, die der europäische Kapitalismus und die aus ihn: resul- tierenden modernen Ideen geleistet haben, hat über alles Er- warten schnelle Wirkung gehabt. In welcher Weise die Führer der chinesischen Revolution diese Ideen der Eigenart und den Verhältnissen ihrer Heimat angepaßt haben, wird weiter unten dapgclegt. Ter jungen Republik stehen selbstverständlich noch eine Menge Kämpfe bevor, ehe die Dinge zur vollen Klärung kommen werden, che der Gegensatz zwischen Rord oder Süd und die territorialen Interessen der einzelnen ProVinz- republiken ausgeglichen sind, ehe die chinesische Bourgeoisie sich als erste Nutznießerin der Republik fühlen kann. Auch werden der neuen großen asiatischen Republik die Klassen- känipfe, da» Ringen zwischen Kapital und Arbeit nicht erspart bleiben. Da» hindert aber nicht, daß nian mit dem gegen- wärtigen Bruch mit der Vergangenheit, mit der Einführung der Republik eine ungeheuer wichtige Etappe in der geschicht- licheu Entivicfeliliig Ostasiens erreicht ist. Das Verhältnis der europäischen Staaten und Amerikas, die bisher China für ein großes Beutestück hielten, dessen Aufteilung auS gegenseitiger Eifersucht nur aufgeschoben wurde, ist durch daS Erwachen des RieseurcicheS ein ganz anderes geworden. Die Revolutionäre haben sich für die sehr bedingte Bei- beHaltung eines Scheinkaisertums entschieden. Auf die Staats- form und Staatsverwaltung werden die letzten Vertreter der Mondschudynastie nicht mehr den geringsten Einfluß haben. Wenn die revolutionären Konzessionen an den abdankenden Hof auch die Gefahr konterrevolutionärer Umtriebe zulassen, so ist die Nachgiebigkeit der Republikaner doch zu verstehen. Sie wissen sehr wohl, das jahrtauscndalte monarchische Tra- ditioneu im Bewußtsein der großen, politisch unreifen Masse sich nicht mit einem Federstriche beseitigen lassen, daß ein allzu radikales Vorgehen gegen die Dynastie dem Siege der Republik nur geschadet hätte. Inwieweit bei dieser Regelung der Dinge der Ehrgeiz und die Diplomatenkunst Juans cht- k a i s. des ersten Präsidenten der chinesischen Republik, eine Rolle gespielt haben, wird erst später bekannt lverdcn. Die Ziele der republikanischen Regierung. Im.Labour Lcader* berichtet Genosse A. S. D o v s o n von einer Unterredung mit dem Sekretär des Revolntionskomitees der chinefischen Republik L i u F n T s ch e n g. der als Dozent deS Chinesischen an der Universität und Student der Nationalökonomie in Paris lebt. Tscheng erzählte von der Borgeschichte der Re- Volution und zeigte,»vie die Tätigkeit SunjatsenS die Studierenden mit den revolutionären Ideen erfüllt und dadurch die Regierung des Haltes in ihrem eigenen Beamtenkvrper beraubt hat..Die Mandschutruppen werden nicht gegen die Revolutionäre fechten, weil ihre eigenen Führer revolu- t i o n ä r gesinnt sind." Dabei betonte er, daß die Volksbewegung keine eigentlich demokratische sei.»Das Voll haßt die Mandschu- Dynastie, aber die eigentlichen demokratischen Ideen finden bis jetzt noch außer bei den Gebildeten wenig Verständnis." Bemerkenswert war die Stellung zum Sozialismus..Tat- sächlich sind alle Republikaner— d. h. die durchgebildeten— Sozialisten, aber wir haben keine so gegliederten sozialistischen Organisationen, wie ihr in Europa. Rur ein« Partei treibt eine ausgesprochenere sozialistisch« Propaganda: die A g r a r s o z i a I i st e n. Augenblick- lich stl eS leider nicht möglich, die Armut sehr zu vermindern. Man verteilt große Mengen Reis usw., aber Sunjatsen weiß wohl, daß solche reinen Pälliativmittel unwirksam find. Er ist ein ent- schiedener Vertreter der Vergesellschaftung deS Bodens, de-r Bergwerke, Banken, Zweige der allgemeinen Ver« sorgung. Er will so bald als möglich Gesetze in dieser Richtung einführen." Hinsichtlich der politischen und VerwaltungS- r e f o r m e n bemerkte Tscheng, das Volk sei noch nicht vorbereitet auf volle Freiheit und Selbstverwaltung. Deshalb solle für einige Jahre eine diktatorische Gewalt,.ähnlich der deS englischen Kabinetts", bestehen, die, Hand in Hand mit Propagandagesellschaften wie der für die Emanzipation der Frauen, die Bevölkerung auf die volle Demokratie hinleiteu solle. Allgemeines Männer- st i m m r e ch t soll eingesührt werden, Frauenstimmrecht erst, wenn die weibliche Erziehung etwaS weiter vorgeschritten ist. Eine wirk- same Polizei anstatt, der ungenügenden und unfähigen, die jetzt besteht, soll zur Sicherung der ruhigen Bevölkerung geschaffen, der innere wie der Außen Handel gefördert werden. Ein Stück in der Richtung ist die Abschaffung des lästigen.Oktroi"-Systems in den 11 republikanischen Provinzen. Aber viel müsse noch geschehen. Die Frage der Erziehung werde ernsthaft im Auge de- halten, wenn sie auch zunächst hinter der Sicherung vor den An- schlagen der MandschuS zurückstehen müsie..Sobald die Republik auf einer gesunden und dauerhasten Grundlage befestigt ist, wird die erste Aufgabe die Schaffung eines obligatorischen, umfaffenden Unterrichts auf durchaus modernen Grundlagen sein." Tscheng sprach wiederholt den Dank seine? Volkes für die sympathische Haltung der englischen Sozialisten zu der neuen Republik auS. Seine Ausführungen beweisen, wie ernsthaft man sich in den Reihen der republikanischen Führer mit den sozialen Problemen befaßt, die ja durch die Fortdauer der ländlichen Gemcinwirtschaft und des Genossen- schaftsgedankens bei Gewerbetreibenden und Arbeitern dem Chinesen weniger fremd sind als dem.modern gebildeten" europäischen Bourgeois. Trotzdem wird abzuwarten sein, ob die mehr ideologisch begründete sozialistische Richtung der Studierten imstande sein wird, der sehr realen Macht des K a p i t a l i s m u S, die von Amerika her wie innerhalb der eigenen Bourgeoisie schon feste Wurzeln gefaßt hat, ernsthaft entgegenzuwirken oder, wie die agrarkommunistische Rich- tung, ähnlich jener Gruppe russischer Sozialisten, erstrebt, durch unmittelbaren Ilebergang vom patriarchalischen zum modernen Kollektivismus den Volksmassen den Weg durch die kapitalistische Hölle zu ersparen. Die Vermutung liegt nahe, daß es sich hier— ähnlich wie z. B. in Frankreich 1348 und in manchen Stadien der russischen Freiheitsbewegung— um den bloßen Ausdruck noch unentwickelter wirtschaftlicher und darum verwischter sozialpolitischer Gegensätze handelt. Auch dem chinefischen Bauern- Volk wie dem städtischen und Sandproletariat dürfte es kaum erspart bleiben, die Leiden der kapitalistischen Enteignung und Ausbeutung in einer vielleicht bei seinem ganzen wirtschaftlichen Tiefftande be- sonders furchtbaren Weise auszukosten— bis es ihm gelungen sein wird, aus eigener Kraft und mittelst selbstgeschaffener Klassen- organisation die Macht zu erringen und die Ilmgestaltung der Ge- -sellschaft durchzuführen. Doch muß man sich natürlich vor absoluten Prophezeiungen, hüten. Alle Vermutungen und geschichtlichen Ana- logien gehen zwar in dieser Richtung, doch wäre es ja auch einmal möglich, daß in jenem fremden und so wenig bekannten Volke die Entwickelung sich einmal in anderer Richtung vollziehen könnte. Möglich, wenn auch unwahrscheinlich. Das Abdanknugs-Edikt. Peking, 12. Februar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) In dem Edikt, daS dic Anerkennung der Republik aus- spricht, heißt es: Die überwältigende Mehrheit deS Volkes ist für die Republik. Es ist unmöglich, sich den Wünschen von Millionen .zu widersetzen um des RuhmS einer einzigen Familie willen. Darum übertragen die Kaiserin-Witwe und der Kaiser die Sou- veränität auf das Volk und beauftragen Juanschikai, eine provisorische republikanische Regierung zu organisieren und mit den Republikanern wegen der Gründung einer Union zu verhandeln, die den Frieden des Reiches sichern soll, und zwar in Gestalt einer großen Republik, die MandschuS, Chinesen, Mongolen, Mohammedaner und Tibetaner vereinigt. Die Edikte besagen ferner, daß daS Volk die Verantwortung dafür übernehme, daß die Opfer vor den kaiserlichen Ahnentempeln und Mausoleen immer dargebracht werden würden, und daß der Kaiser nur auf seine politische Macht verzichte, während der kaiser- liche Titel nicht abgeschafft werde. DaS Edikt erklärt auch, daß die kaiserlichen Verwandten, MandschuS, Mohammedaner und Tibetaner sich bemühen werden, mit den Chinesen zu verschmelzen und alle Naiienumerschiede und Rassenvorurteile zu beseitigen. Das vouJuonschikai erzielte Kompromiß ist für alle eine Erlösung. Ausländer und Chinesen glauben, daß die Edikte alle Parteien be- friedigen werden. Die Mehrzahl der Republikaner hat folgenden Bedingungen zugestimmt: Der Kaiser behält seinen Titel und erhält eine Jahresapanage von vier Millionen T a e l s, die nach der Durchführung der Währungsreform vier Millionen Dollars betragen wird. DaS Palastpersonal bleibt, doch sollen die Eunuchen nicht mehr ergänzt werden. Die Mandschu- Pensionen werden weiter bezahlt, bis Mittel für den Lebensunterhalt der Empfänger gefunden sind. Die Religionsfreiheit wird gewähr- leistet. Der Hof bleibt gegenwärtig in der verbotenen Stadt; in der Folge wird et im Sommerpolast in der Nähe Pekings residieren. Die Anleiheunterhandlungen werden wieder aufgenommen. Juanschikai am Sunjatsen. London, 13. Februar. I u a n s ch i k a i sandte am Tage der Ber- öffenllichung des Andankungsdelikts an Tangschacyi und Dr. Sunjatsen ein Begrüßungstelegramm folgenden Inhalt?: Die Idee, für die Sie seit Jahren gekämpft haben, ist zur Tat geworden. Die Monarchie China hat aufgehört zu existieren. ein neues Regim hebt an. Mit großer Freude schließe ich mich der Republik an, möge sich bis in die fernsten Zeiten das Land erhalten und entwickeln. Juanschikai. politilcke deberllebt. Berlin, den 13. Februar 1912. Ans dem Reichstage. Die gestrige vierte Sitzung des neuen Reichstages hatte eigentlich mir einen Inhalt: den großen historischen Moment, da das deutsche Parlament zmn erstenmal seit seinem Bestehen von einem Sozialdemokraten, eröffnet wurde. Als um 2 Uhr 1ö Minuten der Genosse Philipp Scheide- nl a n n die Glocke schwang, mag es den Herren auf der Rechten des Hauses zumute gewesen sein, als hörten sie das Totenglöckchcn der bürgerlichen Gesellschaft läuten, aber sie besaßen so viel Klugheit, nicht, wie es einige Blätter prophe- zeit hatten, demonstrativ den Saal zu verlassen, sondern ließe» ruhig die sozialdemokratische Geschäftsführung über sich ergehen und nur, als S ch e i d e ni a n n unter den ersten geschäftlichen Mitteilungen neben der Mandatsniederlegung des Frciherrn v. H o r t l i n g den Verzicht Spahns auf das Reichstags- Präsidium kundgab, machten sie ihrer Stimmung durch ein kräftiges Bravo Luft. Auf der Linken antwortete fröhliches Lachen. Mit Takt und Geschick waltete Genosse S ch c i d c m a n n seines Amtes. Mit Recht vermied er, in seine Haltung oder in seine Worte irgend etwas von einem herausfordernden Triumphgcfühl zu legen und wahrte zugleich durch die ruhige Selbstverständlichkeit, mit der er präsidierte, so gut die Würde seiner Stelle wie seiner Partei. Wenn sich irgendwer von der Präsidentcntätigkeit des Sozialdemokraten eine Sensation oder eine Entgleisung versprochen hatte, so sah er sich auf der ganzen Linie enttäuscht. Sachlich von Interesse war, daß Zentrum und Nationalliberale, wie zu erwarten, einen Antrag am Vertagung eingebracht hatten. Dem Antrage wurde ent sprachen und die nächste Sitzung auf Mittwoch 2 Uhr an- beraumt. Tagesordnung: Wahl eines Präsidenten, Interpellationen, erste Lesung des Etats. Nur wenige Minuten hatte die Sitzung gedauert, zu der auch der Bundesrat eine Reihe seiner Vertreter entsandt hatte, da verkündete die Glocke, von sozialdemokratischer Hand ue- schwungcn, Schluß. Sitzungssaal und Tribünen leerten sich, und auf manchem treuherzigen Antlitz las man das ehrliche Erstaunen darüber, daß das Deutsche Reich noch stand. Ultramontane Purzelbäume. Die ultramontane Presse hat eine schwere Zeit. Ter Wunsch, die Nationalliberalcn in das Lager der Schwarz- blauen zu bugsieren, beherrscht all ihr Tun und Lassen. Und in der Hitze deS Kampfes geht da leicht die Logik mit dem Eifer durch. Die mit allen Ränken der Rabulistik getvappnete, mit allen jesuitischen Oelen gesalbte, mit dialektischen Jongleur- künstcn vertraute„Köln. VolkSztg." schlägt die tollsten Purzel- bäume. Um des Zweckes willen, der die Mittel heiligt, vc- weist sie folgendes: die Sozialdemokratie ist am Ende ihres' Lateins, auf dem Beharrungszustand angelangt; ihre Werbe- kraft sichert kaum noch eine im Verhältnis zur Bevölkerungs- Vermehrung stehende Zunahme. Das Blatt schreibt— Nr. 125— unter anderem: „In der Arbeiterschaft hat die Sozialdemokratie wohl ihre prößte Ausdehnungsmöglichkeit erreicht. Die christlichnationale Arbeiterbewegung ist ihr mit Erfolg entgegengetreten und hat den Glauben an ihr unwiderstehliches Vordringen schwer erschütterl. Ihr Nnwachsen ist hier fast schon auf die natürliche Bevölkerungs- zunähme beschränkt. Selbst unter den ausnahmsweise günstigen Verhältnisscu der letzten Wahlen hat sie daher dort, wo die größten Arbeitermasien zusammengeballt find, im rheinisch-west- säliichen Industriegebiet, die geringsten Fortschritte zu ver- zeichnen...." Damit soll den Liberalen zu Gemüte geführt werden, daß es gar keinen Zweck habe, sich mit der Sozialdemokrattc zu verbinden. Aus eigener Macht werden sie nie mehr als 80 Mandate erringen können. Dabei dämmerte den Ratten- fängern der Gedanke auf, daß die Warnung vor der„ohn- mächtigen" Sozialdemokratie doch wohl nicht zugkräftig sei. Sie schlug daher einen unlogischen Saltomortale. In dem- selben Artikel, drei Absätze weiter, sieht sie die bürgerliche Gesellschaft unter dem Ansturm der Sozialdemokratie schon bald zusammenbrechen. Beschwörend ruft sie aus: .Die Sozialdemokratie faßt immer mehr auch in den Kreisen festen Fuß, die ihr früher verschlossen schienen. Angehörige „des neuen Mittelstandes" haben in weitem Umfange zunächst als liberale Ueberläufer in der Stichwahl rot gewählt und werden zweifellos der sozialdemokratischen Agi- tation immer zugänglicher werden. Diese Gefahr darf man nicht unterschätzen." Also ein Zusammenarbeiten mit der Sozialdemokratie ist zwecklos, die Partei stagniert. Stillstand ist natürlich Rück- gang! Kaum ist der Gedanke geboren, folgt der andere: Die unwiderstehliche Werbekrast der Sozialdemokratie bedroht die gottgcgebcne Staatsordnung, bedingt das Zusammenhalten aller bürgerlichen Parteien unter schwarzblaucr Diktatur! Wenn das nicht zieht: es wäre zum Schwarzärgern!-„ Deutscher Landwirtschaftsrat. Restlos sind die Gebäude der gesetzgebenden Körperschaften Preußens in diesen Tagen von echtem Agrariergeist erfüllt. Im Abgeordnetenhaus geht das graue Gespenst tödlichster Langeweile bei den Verhandlungen über den Landivirtschastsetat um, und im Herrenhaus versammelte sich heute unter dem Präsidium des Grafen Schwerin-Löwitz der- Deutsche Landwirtschaftsrar zu seiner 40. Plenarversammlnng. Der Präsident, dessen Wieder- wähl zum ReichStagSabgeordnetc n der Reichskanzler bekanntlich als ein gutes Omen bezeichnet hat, klagte über die unangenehmen poli- tischen Zeiten und fügte logisch ein Kaiserhoch daran. Mit einem ganzen Stabe von Regierungsmännern mar Staatssekretär Delbrück erschienen, der für den Reichskanzler um gut Wetter bat, weil eö doch eine Sünde wider den heiligen Agraricrgeist ist. wenn der Kanzler einmal nicht beim LandwirtschaftSrat anwesend ist. Nachdem noch mitgeteilt worden war, daß der zweite Vorsitzende Freiherr v. Soden wegen seiner Ernennung zum bayerischen Minister das Bizcpräsidium niedergelegt, wurde die Tagesordnung in Angriff genommen. Dr. Holl mann vom Generalkonsulat/, in St. Petersburg sprach über die landwirtschaftliche Entwickelung Sibiriens, wobei er das Ende der bäuerlichen Gütergemeinschaft in Rußland verkündete. Durch den Bau weiterer Bahnen könne Sibirien zu einem gewaltigen Exportland für Agrarprodnkte werden. Dann beschäftigte nian sich eingehend mit der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche und aus allen Reden klang es heraus, daß die Seuchenbekämpfung, die doch stets al» das Ilm und Auf aller deutschen Agrarpolitik bezeichnet wird, die Landwirte nicht genieren und vor allem nichts tosten dürfe. Die Re- gierungsvertrcter mußten sich ihrer Haut wehren und an die autoritäre Gesinnung der versammelten Agrarier appellieren, daß sie doch nicht durch solche unziemlichen und unsachlichen Angriffe die Durchführung des Seuchcnschutzcs draußen im Lande noch mehr schädigen. Der Domänenrat B rödermann kündigte sogar schon eine weitere Fleisch Verteuerung al« Folge der SeuchcnbckämpsungSmaßregeln au, genau so wie die sanitären Vorschriften der Städte für die Fleischer zu einer Verteuerung des Fleisches geführt hätten. Um Gründe für Lcbensmittelvcrtcuc- rung ist den Agrariern nicinals bange. Dr. Dam mann-Han- nover wies auf die ständige Abnahme der Seuche hin— die aber gewiß eine Bekräftigung der Notwendigkeit der Abwehnnaßregclu darstellt— und gab der Hoffnung Ausdruck, daß wir im kommenden Frühjahr die Maul- und Klauenseuche überhaupt los sein tverden. Aus der Versammlung wurde die Errichtung gemein- nütziger Rechts« nSkunftS st«llen auf dem Lande aefordert. die unnütze Prozesse vermeiden sollen, wie das durch die von den Städten eingerichteten SicchtshilfcburcauS geschehe. Von den Mitgliedern des Deutschen Landwirtschaftsrates kann man vielleicht nicht verlangen, daß sie die gewaltige Arbeit kennen. die von den Arbeiter setretariaten auf diesem Gebiet pc- leistet wird und die die Tätigkeit der städtischen Rechtsauskunsls- stellen völlig in den Schatten stellt. Immerhin könnten auch wir gegen die Errichtung ländlicher Rechtsauskunftsstellen dann nichts einzuwenden haben, wenn sie gegen Mißbrauch zu konservativen Agltationszwecken sichergestellt würden. Vielleicht entspringt ober dieses Verlangen nur der Sehnsucht nach einer RechtSdelehrung des Landvolkes, das die Leute davon abbringt, ehr gute» Recht gegen „patriarchalische" llebcrgriffe der Ju»?er zu suchen.—— Mittwoch stehen koloniale Frage« und dos RetchSmüchgesetz auf der Tagesordnung._ Landwirtschaftlich« fragen. Das Abgeordnetenhaus setzte am Dienstag die zweite Lesung des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung fort. Aus der Debatte, die sich in Einzelheiten verlor, ist das Ein- treten von Rednern aller Parteien, für die kleinen Fischer hervorzuheben. Während aber, wie daS besonders in den Worten unseres Genossen Hirsch Zum Ausdruck kam, die Sozialdemokraten für die Fischer um ihrer selbst willen ein- treten, verlangen die Konservativen als Entgelt, dah die Fischer bei Wahlen für sie stimmen. DaS ließ Abg. Freiherr v. M a I tz a h n nur allzuberrtlich durchblicken. Dieser Herr regte auch die Einführung eines Zolles auf Fische an, eine Anregung, gegen die sogar der Minister Bedenken hat, und die von unserer Seite natürlich sofort scharf bekämpft wurde. Ein Antrag, der die Regierung ersucht, Mittel bereit zu stellen zur Wiedcrbevölkerung der Gewässer, deren Fisch- bestände infolge der Dürre des vergangenen Jahres erheblich gelitten haben oder zugrunde gegangen, sind, wurde der Agrar- kommission überwiesen. Die weitere Debatte drehte sich um die Frage der Landesmcliorationen, namentlich der Nutzbarmachung der Moore, eine Frage, der von allen Seiten Sympathie ent- gcgengebracht wurde. Mittwoch: Fortsetzung und Etat der Gestütsverwaltung. Verteidigung der blauschwarzen Stichwahltricks. Die Zweite Sächsische Kammer verhandelte heute über folgende fortschrittliche Interpellation:.Kennt und billigt die Re- gierung die Gründe, die bestimmend gewesen find, die Reichstags- stichwahl für den 23. Wahlkreis Plauen auf einen späteren Tag als die Stichwahlen für die übrigen sächsischen Wahlkreise an- zuberaumen?' Der Abgeordnete Brodauf wies darauf hin, daß in Plauen von den Konservativen ein D i u ck auf die Fort- schrittler ausgeübt worden sei, um diese zu veranlassen, in den übrigen sächsischen Wahlkreisen für die konservativen Kandi- baten einzutreten. StaatSminister Graf Vitzthum v. Eckstädt erklärte, daS Ministerium des Innern habe die Wablkommissare a n» gewiesen, die Stichwahlen auf Sonnabend, den 2V. Januar anzu- beraumen, außer wenn besondere Um st ände die Wahl eines auderen Tages angezeigt erscheinen ließen. Der Wahlkommissar für Planen habe in seinem Bericht an daS Ministerium aus die große Ausdehnung des Wahlkreises hingewiesen, die ihn hinderte, die Wahlunterlagen rechtzeitig in die Hände der Wahl- Vorsteher gelangen zu lasten, einen anderen wesentlichen Grund habe der Wahlkommistar in dem Umstände er- blickt, daß am Sonnabend in Plauen Wochenmarlt und Börse stattfindet. Das Ministerium findet keine Ver- anlas f un g, die Maßnahme des Wahlkommissars zu miß- bilUigen. Mit der Anregung der Interpellanten, den Bundesrat zu veranlasten, die Stichwahltermine einheitlich festzulegen, würde die sächstsche Regierung w ohl kaum einen Erfolg erzielen. Ei» Vorstoß der Agrarier. Diu Agrarier in der Rheinprovinz find schon tüchtig am : Berte, u» die Landbevölkerung für weitere Zollerhöhungen bei den nächsten Tarifberatungen scharf zu machen. Die«otwendigsten Nahrungsmittel find den schwarzblauen Agrariern noch nicht teuer genug Z DaS kam zum Ausdruck in der Kreisverfammluug , das Rheinischen B a u er n de rein S für Aachen-Stadt und Aachen-Sand, in der Generalsekretär Dr. d. Kalden-Kvln die Mit- Glieder für den Kampf um weitere Zollerhöhungen auf- a rief..Damit in der deutschen Landwirtschaft nicht nur Viehwirt« ' schast uud Getreidebau, sondern auch die Nebcnbetriebe sich so ent- s Wickel», daß sie die Bedürfniste des heimischen Marktes befriedigen" , kSuuteu. sei.eine starke Verzollung von au»- .tSudischeu Feld- und Gartenerzeugutsseu, Obst, G-em 2 s e, Geflügel. Südfrüchten usw. notwendig"? ES scheint im Allgememinteresse geboten, auf die Umtriebe der Mtra-Schutzzöllner hinzuweisen. Das deutsche Volk muß wisten, loejsen es sich von dieser Seite zu versehen hat! Dir„Deutsche Tageszeitung" gegen die Geschäfts- ordwmg. Die.Deutsche Tageszeitung" schäumt vor Wut über den Durch- still ihre« Freundes, dcS Krokodiljägers Dr. Dietrich, bei der Prüsidenteuwahl. Sie macht ihrem Aerger durch Schimpfereien auf unseren Genossen S ch'e i d e m a n n und den Teil der National- liberalen Lust, der sich der Knute OertelS und des Zentrums noch nicht unterworfen hat. Die Anpöbelungen können bei einem Blatt, besten Schreibweise nach dem Zeugnis seines fähigsten Mitarbeiters, Dr. Liman, der.geistigen Schwerfälligkeit" seiner Leser angepaßt werden muß und bei dem Naturell des Dr. Oertel nicht Wunder nehmen uud ehren die Angepöbelten. An Scheidemanns Geschäfts- leitung, die selbst nach dem Zeugnis eifriger Sozialistenfresser eine geradezu musterhafte war, kann das Bündlerorgan nichts aussetzen. E» erfindet deshalb einen Verstoß des neuen Vizepräsidenten gegen die Geschäftsordnung. Diese soll verletzt sein, weil Scheide- mann.die Verlesung der Interpellation unterließ, wie eS die Geschäftsordnung eigentlich vorschreibt".� Mit diesem kauderwelschen Deutsch will Oertel offenbar das Gegenteil dessen ausdrücken, was ,s besagt. Richtig ist, daß Scheidemann die Interpellation nicht verlesen hat und daß dies" Unterlassen der Verlesung.die Geschäftsordnung eigentlich vorschreibt." Dr. Oertel, meint daS Gegenteil, nämlich, daß die Geschäftsordnung die Verlesung der Interpellation.eigentlich vorschreibt." Tat- sächlich schreibt die Geschäftsordnung nirgend eine solche über- flüssige Lesearbeit vor. Eine Verlesung ist nur dann erfolgt, wenn w a h ren d der Sitzung eine Interpellation überreicht war. Die Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion war aber allen Mit- gliedern dcS Reichstags schon vor einigen Tagen gedruckt zugegangen. Der Präsident handelte also durchaus korrekt und dem Herkommen entsprechend, wenn er die Verlesung nnterlich. Wünschte Dr. Oertel, daß mit Rücksicht auf die geistige Schwerfälligkeit der„Deutsche» TageZzcitungS"»Lcser eine Verlesung vorgenommen würde, so hätte es ihm obgelegen, einen dahin gerichteten Wunsch zum Ausdruck zu bringen. Der Reichstag und sein Vizepräsident hätten vielleicht die erbetene Rücksicht auf die Gedankenverfassung des Antragstellers ge- nommen._ Auf Schwindelpfaden. Die„Germania" gibt einen Bericht der nationallLbcralen „Mülheimer Zeitung"(Nr. 36 vom 12. Januar IvIS) wieder, der ein Referat über eine Rede darstellt, die der nationalliberale Pfarrer Dr. Wessel aus Mülheim lNuhrs im dortigen evan. geuschen Gesellcnvcrcin hielt. Nach diesem Bericht hat der Redner gesagt: -Fa, und was hätte gefehlt, was hätte gefehlt— dann hätte a» erster Stelle derselbe Bebel gestanden, der danmls. als unsere Landwirtschaftsminister v. Schorlcmer: Trotz der 440 Millionen, die der preußische Staat seit 1866 für Landesmeliorationen verans gabt hat, befand sich die Moorkultur bisher noch im Anfangs stadium der Entwickelung. Inzwischen sind wir durch die Möglich- keit der industriellen Verwertung der Moore in eine günstigere Lage gekommen. Vor allem gilt es, in die Nähe der Moore Kleinbahnen zu bauen und sie mit fahrbaren Wegen zu durchziehen. Sehr wichtig ist die Bildung von Genossenschaften der Interessenten zur Kultivierung der Moore.(Bravo I) Abg. v. d. Groeben(k.) erklärt sich mit den Mahnahmen zur Förderung der Moorkultur einverstanden. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch 11 Uhr(außerdem Gestüts» und Forstetat). Line soÄallitiiche silterzveksorgung!- vorläge vor«lein(Kongreß der Vereinigten Staaten. Der Gesetzentwurf des Genoffen Berger, wohl der um fassendste Plan derartiger sozialer Fürsorge, der bisher in einem Entwürfe dargelegt wurde, hat in der Hauptsache folgenden Inhalt: kleines feullleton. Dramaturgie der Aufmachung. Aus Paris wird uns geschrieben: Nicht über Schöpfungen mehr hat der Kritikerzu berichten, sondern über „Kreationen", über Kollektivausstellungen der bürgerlichen Jllusions- gewerbe vom gelernten Kunsttrödel bis zur hochfeinen Prdstitution, über faulen Zauber und brutale Selbstentblößung, über den Aus- lagenarrangeur als Regisseur, über königliche Damenschneider und bedienende Dramenschneider.... Eigentlich wird einem der Theater- direktor noch sympathisch, der im Vaudeville den Biihnenprospekt emporgezogen und die dahinter feilschende Licferantengesellschaft selbst zu Akteuren gemacht hat. Die Komödie„Rue de la Paix" ist die Taschenspielernummer, die das durch die Routine der Zauberkünstlerei gelangweilte Publikum mittels Enthüllung der der Tricks munter machen soll. Die wirkliche Rue de la Pair ist der Tempelbezirk des ModemolochS, der nicht nur Millionen verschlingt, die dem Proletariat der ganzen Welt ab- gepreßt worden sind, sondern eine tausendfältige Mädchenblüte, die dort bei empörenden Hungerlöhnen und fünf Monaten toter Saison früh verwelkt. Mit diesen Schrecken har der elegante Zyniker A b e l H e r m a u t der edlen Bourgeoisgesellschaft natürlich nicht die Verdauung stören wollen. Er' pinselte mit gleich gültigen HandwerkSgriffcn einen Hintergrund, auf dem lächelnde Probiermamsellen— in Kostümen der Firma Füi natürlich aufziehen. Ein.Konflikt" ist auch da: Zwischen der soliden, französischen, nationalen und der charakterlosen, exotischen, kosmopolitischen Eleganz Viel ernster haben sich die Herren Andrs Dumas und S. Eh. L e c o ni t e genommen, deren„E st her, Prinzessin von Israel", im Odeon im feierlichen Alexandrinerschritt über die Bühne stelzt. Das Drama behandelt das orientalische Märchen vom Judcnmädchen aus dem Königsthron mit allerhand romantischem Brimborium und dekadentem erotomanischen Aufputz. Einige Tiraden, die das Grausamkeitsmotiv von der sexuell-psychopothi- schen nach der rassenmäßig nationalistischen Seile hin wenden, schielen nach den Fanatikern und Interessenten der Judenfrage. «her der Direktor Antoine hat die ganze Reimerei nur als ein Gestell benützt, woran er die buntesten und teuersten Flicken aller Schwesteikünstc anhängt. Sein Dekorationsmaler könnt' einen Archäologen lehren, in farbcnglühenden Serailsorgien winden halb« nackte Tänzerinnen den Leib, Haremsfrauen steigen mondschcinüber- gössen inS Bad. eine Partitur, worin Rimsky-Korsakoff mir französischer Kapellmeisterbanalität zusammengeguirlt wurde, ist dem Orchester Colonne anvertraut... Wie niacht nian eine Theater- sensation? Man nimmt ein Loch und gießt Blech herum.... o. p. Ein Strinzeitsimd auf der Berliner Miiscumsinscl. Während sonst bei wichtigen Bauten wohl nach uralter Sitte ein Opfer in das Fundanient versentt wird, hat bei den Fundamentierungsarbeiteii sur das neue Deutsche Museum auf der Berliner Museumsinsel der Boden eine merkwürdige und interessante Gabe gespendet. Wie Professor Schuchardt in den amtlichen Berichten auS den königlichen «uiistsammliiugen mitteilt, kam dicht neben dem großen Erdspalt. der so viele Schwierigkeiten bereitete und schließlich überbrückt werden mußte, vier Meter unter dem Grundwasserspiegel ein st einzeitliches Tongefäß ans Licht. Die bauchige Aniphora von 16Vs Zentimeter Höhe und 19 Zentimeter größter Weite war sehr gut'erhalten: nur der Boden und ein Stück am Halse fehlten. Die fast kugelige Form ist mit Verzierungen bedeckt, die in breiten Strichen eingeschnitten sind. Sie stellen eine Umschnürung des Gefäßes durch Bänder dar. An zwei der sich gegenüberliegenden Bänder entivickeln sich die sehr kräftigen Henkel, die aber nur als Oesen zum Durchziehen einer Schnur bestimmt waren. Das Gefäß wurde nicht mit den Händen, sondern an einer Schnur getragen. Die Form der Amphora. die sich von der Steinzeit weiter verfolgen läßt bis in die Schacht gräbcr von Mykene, weist auf eine Herkunft aus Thsiringen hin. Thüringen und die Altmark, mit Nordwestdeutschland im Hintergrunde, haben in der letzten Steinzeit ihren Kulturstrom und wohl auch Volksstrom in die Havel- und Spreegegcnden und von da weiter nach Böhmen und Mähren geleitet. Dafür ist die Keramik und auch die neue Amphora ein Beweis-, sie stammt aus jener be- deutiamen Zeit, da die großen steinzeitlichen Kulturen von Mittel europa sich in jene Kultur- und Völkerwellen auflösten, die dann zur Solidergestaltung der einzelnen indogermanischen Völker führten. Musik. I» einem kleinen Klaviersalon hielt am Sonntag, mittags, Mary Wurm einen Vortrag mit Klavierdemonstrationen:„Die alten und neuen Methoden der Klavierspiel- technik" usw. Der Vortrag, lvextvoller als der Durchschnitt des täglichen Koiizcrltreibcns, gab eine Uebcrsicht über die Entwickelung des Klavicrspielcs seit zwei Jahrhunderten und gipfelte in einer Empfehlung der jüngsten Fortschritte auf Grund des seit 10 bis 16 Jahren erwachten Eifers für Theorie und Reform des Klavieranschlages. Sehen wir von den Einzelheiten ab, die auch nicht immer übersichtlich genug hervor traten, und suchen wir besonders nach den praktischen Folgerungen für die klavierlernende Jugend, so handelte es sich hauptsächlich um folgendes: Anfänglich spielte man nur mit den Fingern, dann mit der Hand, dann mit dem Unterarm, dann mit dem Oberarm, schließlich mit den gesamten Rumpf-, insbesondere mit den RnckcnmuSkel». Zwei Umstände bestimmen diese Entwickelung. Erstens der technische Fortschritt von den zarten Klavieren zu Bachs Zeit, bei denen es besonders auf ein nahes Dranhalten der Finger ankam, bis herauf zu den anspruchsvollen von heute. Zweitens das ältere Interesse für künstliche Einschränkung und das jüngere für hygienisch-natürliche Körperentfaltung. Von der jüngsten Periode, gekennzeichnet durch L. D e p p e(1824—1890) seit 1836 und durch seine an- scheinend bedeutendste, jetzt wohl den neuesten Stand ver tretende Schülerin E. C a l a n d. war der fortgeschrittenste Stand der H. R i e m a n n s, der dem Fingerspiel und dem Armspiel je das semige gab, die bewegliche Hand an Stelle der„ruhigen Hand" setzte und das längst als unsinnig zu erkennende„Lockern" des Handgelenks und das verführerische Spiel mit der Hand bei ruhendem Handgelenk überwand. Trotz aller Ueberzeugungskraft des modernen„Erschließens neuer Kraftquellen" und besonders der Jede Person, die seit 16 Jahren'das Bürgerrecht der Ver- einigten Staaten besitzt, keines Verbrechens und nicht der Ver- lassung eines Ehegatten oder unerwachsener Kinder schuldig ist, soll mit 6 0 Jahren, sofern sie kein Einkommen von wöchentlich mindestens 10 Dollar hat, eine Pension erhalten, die bei einem Einkommen von nicht mehr als 6 Dollar in der Woche 4 Dollar beträgt und mit steigendem Einkommen sinkt, bis sie bei S Dollar wöchentlich noch 1 Dollar pro Wollte ausmacht. Für zusammen- lebende Ehegatten soll zusammen die l�bfache Pension gewährt werden. Um das Gesetz der berüchtigten Rechtsprechung der Ge- richte zu entziehen, schreibt der letzte Artikel, bezugnehmend auf eine frühere Kongreßentscheidung gleicher Art, vor, daß kein G e- r i ch t das Recht haben solle, die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes seiner Prüfung zu unterziehen. Zur Ausarbeitung der Einzelheiten des Gesetzes beantragte Berger die Einsetzung einer Kommission. Zu beachten ist, daß der Entwurf keine Bei- tragsleistung vorsieht, vielmehr die im Laufe der arbcits- fähigen Jahre geleistete Arbeit als ausreichenden Grund zur In- anspruchnahme der Altersrente anerkennt. In der Begründung, die mehrfach von Beifall unterbrochen wurde und durch zweimaligen Beschluß über die geschäftsordnungS- mäßige Redezeit verlängert werden konnte, führte Bcrger in der Hauptsache ans: Innerhalb eines Jahres wird sich der Kongreß mit der Frage abfinden müssen; eine mächtige Bölvcgung werde durch das ganze Land gehen. Die amerikanische Arbeiterklasse sei mit einem Lohne von nicht über 400 Dollar nicht imstande, für ihre alten Tage zu sorgen. In anderen Ländern stehe sie nicht besser da, aber dort sei besser durch das Gesetz für sie gesorgt. Viele europäische Länder, Australien und Kanada haben bereits Altersversorgung. Hier wie sonst stehen die Vereinigten Staaten in Arbeiterfürsorge zurück. Das Wahlprogramm der Republikaner von 1900 enthielt eine solche Forderung. Aber die Partei tat nichts dafür und ließ sie dann wieder fallen. Heute werde aber die Forderung immer dringender durch die Entwickelung vom Ackerbau- zum Industriestaat. Auf dem Lande sei es noch möglich, alte Leute in der Familie zu ver- sorgen, dem städtische» Arbeiter nicht. So werden sie Gegenstand der öffentlichen oder Privatwohltätigkcit.„Nach einem nutzbrin- genden Leben werden die Männer und Frauen, die allen Reichtum schaffen, gewöhnlich Gegenstand der Entwürdigung, des Schmutzes und Elends im Armenhaus oder der Armenpflege. Männer und Frauen von feinerem Empfinden ziehen dieser Erniedrigung den Tod vor. Es gibt kaum ein tragischeres Elend als das Geschick des Arbeiters, der sein ganzes Leben um seinen Unterhalt gerungen hat und nun mit 60 Jahren dem Armcnhause entgegensieht. Für den schwarzen Sklaven gab es keine solche Tragödie. Sie ist dem freien Arbeiter vorbehalten geblieben im„freiesten Lande der Welt". Diese Arbeiter haben das Recht auf anständigen Unter- halt. Jedermann erkenne das Recht des alten Soldaten auf Pension an. Aber die Gefahr des Arbeiterlebcns ist weit größer. Jedes Jahr falle etwa die gleiche Zahl Arbeiter den Betriebs- gefahren zum Opfer, als ein Jahr des großen Bürgerkrieges ge» kostet hat. Und die Arbeit im Dienste der Industrie, ohne die unsere Zivilisation keine Stunde bestehen kann, ist unendlich nütz- lichcr als die des Soloatcn. Jeder Arbeiter, der ehrlich 20 Jahre oder länger für einen mageren Lohn gearbeitet hat, hat ipchr Wohlstand geschaffen, als eine Alterspcnsion ihm wiedergeben kann. Das Wort„Pension" ist eigentlich unzutreffend. Es sollte heißen:„teilweise Wiedererstattung" oder„Entschädigung für un- bezahlte Arbeit". Es handelt sich daher um eine Maßregel ein- facher Gerechtigkeit. Es ist ein Ausdruck des Verlaitgens, daß Amerika nicht länger hinter der übrigen gesitteten Welt in der Fürsorge für die Veteranen der Arbeit zurückstehe." Hinsichtlich der K o st e n rechnet Berger, daß etwa 6 800 000 Personen über 60 Jahre im Lande seien. Davon sind abzuziehen: rund 1 Million, die nicht seit 16 Jahren Bürger sind, IVs Millionen, die ein höheres Einkommen haben. Von dem Rest sind 2%. Millionen verheiratet, also je 2 nur als iVi zu rechnen. imponierenden Künste des vibrierenden WiederholungsanschlageS usw. scheint es uns doch, daß die Vollkommenheit eine Beherrschung aller bisherigen Weisen, soweit sie sich nicht evident als verkehrt erwiesen haben, verlangt. Aber eines kann uns als Ergebnis aus all dem sicher leiten: wir sind auf falschem Lernweg, wenn wir statt Leichtigkeit Unnatur und Steifheit und Ermiidinig oder gar Krampfartiges spüren, und wenn wir mit einem ausgedehnten mechanischen lieben gequält werden. Ein Lehrcr, der nicht von voriihcrcin die Spieltechnik in den Dienst der Musik stellt, mög' uns fernbleiben. sz. Notizen. — Die Große Berliner Kunstausstellung 1912, deren Leiter der Maler Max Schlichting ist. wird als besonderen Anziehungspunkt eine Sammlung deutscher S t ä d t.e b i l d e r in einem der Hauptsäle vereinigen. Im Gegensatz zur vorjährigen Ausstellung sollen die ganzen Räume der zeitgenössischen Kunst gewidmet fein. Eine kleine ausgewählte Sammlung wird über die Kunst des Auslandes informieren. — Vorträge. Im L e s s i n g- M n s e u m(Brüderstr. 13) spricht Donnerstag, abends 8 Uhr. Prof. Max Herr m a n n über „Lesfings wissenschaftliche Tätigkeit und ihre Bedeutung für unsere Zeit". — In der Humboldt-Akademie spricht Prof. Harry H o l I a tz(Ncuchatel) über„Probleme des L u f t r c ch t S" am Sonnabend, abends 8 Uhr, im Französischen Gymnasium, NeichStagSufer 6. — M a S c a g n i s„ I s a b e a u", sein neuestes Werk, daS in Amerika die Uraufführung erlebte und dann über einige italienische Bühnen ging, wird die erste deutsche Aufführung im München er Festspieltheater erleben. — Zur Erforschung der höheren Luftschichten soll in Rostock eine besondere Anstalt gegründet iverde», deren Leitung Professor Kümmel und Dr. Hildebrandt übernehme». Die Mittel dazu werden von Privaten dargebracht, die Stadt soll einen Platz überlassen. — Franz Heids Werke gedenkt Ernst Kreowski in sorgsamer Auswahl und mit einer einleitenden Studie über sein Leben und Schaffen bei E. Frvwcin, Wilmersdorf, herauszugeben. Der markante Vertreter der jüngstdeutschen Sturm- und Drang- cpoche, der Dichter der sozialen Tragödie„Manometer auf 99!" und des von der Freien Volksbühne aufgeführten Revolutionstrauerspiels „Ein Fest auf der Bastille", der soziale Lyriker verdicist es in der Tat, daß seine vielfach unzugänglichen Werke in guter Auswahl zusammengefaßt werde» und nicht' wie Spreu im Winde vergehen. — Die Schillerstifiung stand die letzten Wochen im Mittelpunkte einer scharfen Polemik. Der Schriftsteller Hans Kyser hatte ihre Verwaltung lebhaft angegriffen(sie verschwende ihre Mittel an Unwürdige) und eine Neuorganisation verlaugt. Die Verwaltung entgegnete ebenso heftig. Ein Prozeß steht nun vor der Tür. Ein Aufruf von Schriftstellern und Künstlern schlägt anstatt seiner die Einsetzung eines aus beiden Parteien gebildeten Schieds- gerichts vor. das„die für die deutsche Kultur wichtige Angelegenheit" untersuchen soll. Herr Kyser ist damit einverstanden, wünscht aber. daß das Gericht in voller Oeffentlichkeit verhandle. Sftefiot 8675 000 volle Pensionen, die mit Rückficht auf die W-> züge bei höherem Einkommen als 6 Dollar auf durchschnittlich 2V6 Dollar berechnet werden. Macht auf das Jahr rund 347 Mil» lionen Dollar(1558 Millionen Mark).»Diese Summe mag manche guten Leute stutzig machen, die auf»billige Regierung" und»Jeder helfe sich selbst!" schwören. Aber wenn wir jährlich für Heer, Flotte und Kriegsveteranen 381 Millionen ausgeben können, soll- ten wir wohl auch imstande sein, den gleichen Betrag für unsere Aöbeitsveteranen zu zahlen. Tatsächlich zahlen wir sogar weit m e h r für den gleichen Zweck heute, alle Aufwendungen von Bund, Staat, Bezirk, Getiveinde und Privaten für die Versorgung der Alten gerechnet. Rur tun wir es heute in einer unwirksamen. vergeudenden und grausamen Weise. Es ist Zeit, die Frage in wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Weise zu lösen." Berger legte dann noch die Mißstände dar, die mit dem Pen sionSkassen Wesen der großen Industrie verbunden sind. Sie begründen eine neue Art von Leibeigenschaft und haben dabei stet? den Beigeschmack der Gnade.»Um semer Pension nicht verlustig zu gehen, muß der Arbeiter mit Lohn, Arbeitszeit und Bedingungen des Unternehmers immer einverstanden sein. Diese Unterordnung macht ihn tatsächlich zum Sklaven und erzeugt einen neuen Feudalismus." paHameutarilcKes. Zentrumsanträge. /j Nach dem Rezept: Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen! scheint das Zentrum seine staatsrechtlichen und sozial- politischen Anträge für den neuen Reichstag zusammengestellt zu haben. Eine große Anzahl der vom Zentrum gestellten Anträge wäre schon längst Gesetz, wenn eS dem Zentrum ernstlich um ihre Annahme zu tun gewesen wäre. Während es in der Theorie für Erweiterung und Ausbau der Volksrechte eintritt, versteht das Zentrum es in der Praxis vorzüglich, sozialpolitische oder der- fassungsrechtliche Verbesserungen zur Ablehnung zu bringen.— Unter den Anträgen befindet sich an erster Stelle ein Antrag, der die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers und seiner Stellvertreter regeln will. Das kaiserliche Verordnungsrecht soll durch Abänderung des Schutzgebiets. gcsetzes eingeengt und die Mitwirkung der Reichsgesetzgebung in entsprechender Weise erweitert werden. Ein anderer Antrag verlangt, daß die Geschäftsordnungskommission des Reichstages mit der Revision der Geschäftsordnung beauftragt wird; ein weiterer Antrag fordert einen Gesetzentwurf, durch den die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des Reiche? geregelt, ein Rechnungshof errichtet und die Mit- wirkungbes Reichstags an der Kontrolle des Voll- zugS des Reichshaushaltsetats umschrieben und sichergestellt wird. Weiter wird ein Gesetzentwurf gewünscht, der das Reichsver- cinsgesetz in freiheitlichem Sinne abändert und insbesondere den Sprachenparagraph aufhebt, das Verbot der Teilnahme jugendlicher Personen an politischen Vereinen und Versanunlungen beseitigt, das U e b e r- wachungsrecht der Polizeibehörden in einschränkendem Sinne klarstellt, die Polizeistunde für Versammlungen aufhebt und Erleichterungen in der Bekanntmachung von Versammlungen gewährleistet. Ein anderer Antrag verlangt von der Regierung eine erschöpfende Denkschrift über die Gesamtsteuer- belastungdesdeutschen Volkes und über die V e r w e n- bung der Steuereinnahmen für die einzelnen Zweige der Vettvaltung. Für die beurlaubten Soldaten wird in einem Antrage Freifahrt auf den deutschen Eisenbahnen und das Verbot der Einberufung von Reservisten und Landwehrmännern zu Saat- und Erntezeiten ver- langt. Für Geschworene undSchöffcn fordert ein Antrag sofortige Gewährung von Reisekostenentschädigung und Vergütung für Zeitversäumnis. Um die Vorbereitung � der künftigen Handelsverträge zu erleichtern, wird vom Reichskanzler eine umfassendere Produktions st atistik für die einzelnen Erwcrbsgruppen, Erhebungen über die Pro- duktionSverhält nisse und Hinwirken auf eine größere Gleichmäßigkeit in der sozialen Gesetzgebung m den an den Handelsverträgen beteiligten Ländern erbeten. Tun- lichst bald soll dem Reichstag ein Gesetzentwurf betreffend die Kar- telle, Trusts und ähnliche Vereinigungen vorgelegt werden. AlS Zielpunkte der Regelung werden zur Erwägung emp- fohlen; Errichtung eines Rcichskartellamts, Festsetzung von Min- oesworschriften betreffend die Zulassung von Schiedsgerichten, Ver- pflichtung zur Anzeige der Errichtung derartiger Vereinigungen, Aussicht des Kartellamts über die Geschäftsführung der Kartelle und Auskunftspflicht derselben. Wieder ein Antrag verlangt Er- Hebungen über die Monopolbc strebungen der Elektri- zitätsunternehmungen. Weiter werden Gesetzentwürfe gefordert, uin den Altpensionären das Ruhegehalt in an- gemessener Weise zu erhöhen und um die Ausbesserung der Gehalts- sätze oer Postschaffner und Postassistenten durchzu- führen. Ferner sollen die in der R e i ch s p o st v e r w a l t u n g beschäftigten Personen eine den örtlichen Lohnverhältnissen ent- sprechende Bezahlung erhalten. Auch zur Erhaltung und Förderung des Handwerkerstandes werden Gesetz- entwürfe verlangt, durch die eine genauere Umgrenzung von Fabrik und Handwerk geschaffen und dem Handwerkerstande ein größerer Schutz gewährt wird. Ebenso soll der kaufmännische Mittel- stand erhalten und gefördert werden durch verschiedene gesetz- geberische Maßnahmen, wie Verbot der Wanderlagcr, Ausbau der Konkursordnung und dergleichen mehr. Ein weiterer Antrag verlangt einen freiheitlichen Ausbau des Beamtenrechts. Natürlich hat das Zentrum auch den dringenden Wunsch, die Verhältnisse der P r i v a t b e a m t e n, technischen A n g e- st e l l t g n und Arbeiter zu verbessern. Vom Zentrum früher konsequent abgelehnte Forderungen dieser Arbeitergruppen werden jetzt als Anträge des Zentrums eingereicht. Als Freunde des Koa- litionsrechts der Arbeiter verlangt das Zentrum Ausbau des Koalitionsrecht auch dahin, daß Vereinbarungen oder Matz- nahmen zur Verhinderung des Gebrauches des Koalitionsrechtes unter Strafe gestellt werden. Ja, selbst der A ch t st u n d e n- tag ist in das Programm des Zentrums aufgenommen worden. In dem Verlangen nach einem einheitlichenBergrecht wird die Einführung der achtstündigen Schicht für die Arbeiter unter Tage mit kürzerer Bemessung bei Nässe und höherer Temperatur verlangt. In demselben Antrage werden von den Arbeitern gewählte Sicherheitsmänner für die Grubenkontrolle, das allgemeine, geheime und direkte Wahlrecht der Knappschaftsmitglieder nach den Grundsätzen der Verhältniswahl und Sicherung lei- stungsfähiger Knappschaftskassen gefordert. Auch für die Großeisenindustrie wird die achtstündige Arbeitszeit für die am Feuer beschäftigten Arbeiter und eine regelmäßige Dauer ver Arbeitszeit vonhöchstenszehnStunden für alle anderen Arbeiter gefordert. Für das Baugewerbe sollen neben bcson- deren Beamten für die Baukontrolle gewählte Vertreter der Arbeiter zu der Kontrolle zugezogen werden. Schließlich beschäftigt sich ein Antrag mit der Besser st ellung der Gehilfen der Rechtsanwälte, Notare und Gerichtsvollzieher. Bei Beratung aller dieser Anträge wird es sich zeigen, ob es dem Zentrum ernst ist mit der Durchführung staatsrechtlicher und sozialpolitischer Reformen. Auf die tatkräftige Unterstützung unserer 110 Mann starken Fraktion kann das Zentrum bestimmt rechnen. Ob aber beim Zentrum zwischen Antragstellen und Be- schließen nicht eine gewaltige Kluft sich auftut, wird die Zukunft lehre». Hus der parte!* Erklärung. Es wird mir mitgeteilt, daß etliche sogenannte parteilose Blätter einen Artikel aus meiner Feder über die Probleme des neuen Reichs- tageS mit einem Zusatz veröffentlicht haben, der den Glauben er- weckt, es sei der Artikel von mir auf Bestellung der betreffenden Redaltionen speziell für sie geschrieben worden. Da Parteigenossen dadurch irregeführt wurden, sehe ich mich veranlaßt festzustellen, daß der Artikel von mir für die von Dr. R. Dämmert herausgegebene Korrespondenz»Kulturbeiträge" verfaßt wurde, irgendwelche direkte Beziehung zwischen mir und jenen Redaktionen aber nicht besteht. Berlin, 18. Februar 1S12. Ed. Bernstein. Wir sind der Ausfassung, daß Parteigenossen über politische Fragen nur in der Parteiprefle schreiben sollten,(Die Red. des „Vorwärts".)_ Eiu Glückwunsch aus Sibirien. Aus Sibirien ist der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion folgendes Schreiben zugegangen: Rußland, Oestl. Sibirien, 27/1. 1912. Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! Teurer Genossel Wir verschickten Sozialdemokraten in einer Bärenecke Sibi- riens bitten Sie, der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch- lands unsere tiefen und heißen Glückwünsche zu ihrem Siege bei den Wahlen zum Reichstag zu übermitteln. Eure Siege— find unsere Siege, die uns neue Kraft geben im Kampfe für eine lichte Zukunft. ?Z. Aus guten Gründen mußten wir von Unterschristen Ab stand nehmen._ Vom Fortschritt der Parteipresse. Die.Breslauer Volkswach t", die schon während des verflossenen Wahlkampfes über 2500 neue Abonnenten gewann, nahm durch eine am Sonntag in Breslau vor- genommene HauSagitation abermals um 1200 neue Abon- n e n t e n z u. An den nächstfolgenden Sonntagen soll die Agitation für die.Bolkswacht" in gleicher Weise in der ganzen Provinz fort- gesetzt werden.. Unser Bahreuther Parteiblatt, die»Fränkische Volks- tribüne", gewann in den Wahlmonaten nahezu 1000 neue Abon nenten. In den letzten 3% Jahren hat die„Fränkische Volkstribüne" ihre Abonnentenzahl verdoppelt. Unser Parteiblatt bezieht am 1. Juli wegen Erweiterung des Betriebes und wegen Uebergangs zum Rotationsdruck einen Neubau. Das englische Ardeitertageblatt. Man schreibt uns aus London: Die Frage des Arbeiter tageblatts steht vor der Entscheidung. Die Birminghamer Konferenz der Arbeiterpartei bat beschlossen, eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 150 000 Pfd. Sterl. sofort ins Leben zu rufen, wovon bis zum14. März mindestens 50 000 gezeichnet sein müssen. Die Konferenz selber hat 0000 Pfd. aus der Kasse der Partei zu dem Zwecke bewilligt. Gleichzeitig begann die Agitation in den großen Gewerkschaften, damit diese einen Teil ihrer Gelder in dem Unternehmen investieren. Der erste Erfolg ist bei den Maschinen- dauern und Mechanikern erzielt worden, deren Organisation soeben mit 15 148 gegen 11 402 Stimmen— keine besonders erhebende Mehrheit— beschlossen hat, 5000 Pfd. anzulegen. poli-eilllstes. Sericbtlicbes usw. Aufhebung eines Aufzug-BcrboteS. Im Auftrage des GewcrkschaftskartellS Sagan hatte im April 1911 der Arbeiter Leuthoff zu Sagan die Erlaubnis zu einem öffentlichen Umzüge nachgesucht, der am Sonntag, den 7. Mai, in Form eines Spazierganges mit Musikbegleitung statt- finden sollte. Er sollte vom Lokal„Deutsches Reich" in Sagau ausgehen, sich durch einige Straßen und über ein Stück Landstraße bewegen, um wieder an dem Lokal zu enden, wo nachher ein Fest stattfinden sollte. Die Behörde verbot den Umzug und die Beschwerden benn Re- gicrungspräsidenten und beim Oberpräsidenten der Provinz Schle- sien hatten keinen Erfolg. Die im Laufe des Verfahrens von den Behörden geltend ge- machten Erwägungen lassen fich folgendermaßen zusammenfassen: Zwar handele es sich nicht um einen Umzug am ersten Mai, aber doch um einen solchen, der im Anschluß an den ersten Mai statt- finden sollte und den Charakter einer sozialdemokratischen Demon- stration gehabt haben würde. Es sei mit einem aufreizendem Verhalten der Teilnehmer zu rechnen gewesen, wodurch wieder die öffentliche Sicherheit hätte gefährdet werden können. Daß das Gewerkschaftskartell der Veranstalter gewesen sei, wäre belanglos im Hinblick aus den innigen Zusammenhang zwischen GeWerk- schaften und Partei. Dazu käme, daß der Platz an der Kaiser-Wil. helm-Brücke, der berührt werden mußte, sehr verkehrsreich sei.— Zudem zogen die Behörden kurioserweise zur Rechtfertigung der Annahme einer Gefährdung der Sicherheit noch die„Erregung" heran, welche sich angeblich einiger christlicher Jünglings- und Jungsrauenvereine und eines Pastors darüber bemächtigt habe, daß bei einer sozialdemokratischen Beerdigung einmal rote Kranz- schleifen mitgcsührt worden seien. Leuthoff focht den Bescheid des Oberpräfidenten durch die Klage beim Oberverwaltungsgericht an, vor dem ihn R.-A. Senglier vertrat. Eingehend wurde geltend gemacht, daß seitens der Behörden konkrete Tatsachen, welche die Annahme einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit rechtferttgen könnten, nicht hätten geltend gemacht werden können. Alle von den Behörden geltend gemachten sogenannten Gründe machten den Eindruck des Vorwandes. Daz Verbot sei, wie feststehe, tatsächlich ja nur aus einen, die Maiumzüge betreffenden generellen Erlaß des Ministers des Innern zurückzuführen. Das Oberverwaltungsgericht gab der Klage stall. Es ging davon aus, daß die Befürchtung der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, die allein nach§ 7 des Vereinsgesetzes das Verbot recht- fertigen könnte, durch konkrete Tatsachen örtlicher Natur gestützt sein müßte. Es könne aber nicht angenommen werden, daß hier diese Voraussetzungen gegeben seien. Eine Gefährdung der öffent- lichen Sicherheit könne nach dem, was die Behörden vorgebracht hätten, nicht angenommen werden. Das Verbot sei außer Kraft zu setzen. Soziales. Wohnungselend in Stuttgart. Mit einer kurzen faßlichen Darstellung der Wohnungsver- Hältnisse in Stuttgart, richtet Genosse Westmeyer den Scheinwerfer der sozialen Kritik auf das in allen Großstädten mehr oder minder scharf hervortretende Wohnungselend. Stuttgart genießt den zweifelhaften Ruf, eine der Städte mit den teuersten Wohnungs- mieten zu sein. Schon diese bekannte Tatsache läßt darauf schließen, daß hier der wirtschaftlichen Notwendigkeit stählernes Muß den Armen und Aermften elende, dumpfe, licht- und luftlose Löcher als Wohnstätten anweist. Daß es so ist, finden wir in der vom Sozialdemokratischen Verein Stuttgarts herausgegebenen Bro- schüre vollauf bestätigt. Bei der Betrachtung der Abbildungen aus Arbeiterquartieren könnte man- sich nach den berühmten Gefilden Ostelbiens versetzt fühlen. Bei einzelnen Bildern drängt sich un- willkürlich die Frage auf: Ist das ein Stall oder eine Wohnung? Sicher gibt es viele Ställe, die viel besser sind, als die hier fest- gehaltenen Arbeiterwohnungcn aus Stuttgart und Cannstatt. Ein Slrbeiterheim in Cannstatt(1,80 Meter hoch) läßt deutlich das Schönheitsbedürfnis der Bewohnerin erkennen, um so empörender wirkt die Wirklichkeit des Elends. Ueber 90 Proz. der Einwohner Groß-Stuttgarts find auf Mtet- Wohnungen angewiesen. Die Wohnungspolitik der bürgerlichen Parteien begünstigte den Bodenwucher als die Hauptursache der Preissteigerung für Mietwohnungen. So skrupellos traten Zen- trum, Volkspartei und Deutsche Partei für die Grundstücksspcku- lauten ein, daß die Niederstimmung der sozialdemokratischen Anträge bei der Beratung einer neuen Bauordnung im Landtag am 15. April 1910 den Vertreter der Regierung, Ministerialrat v. Reif, empört ausrufen ließ:„Es handelt fich darum, für die Wirtschaft- lich Schwachen Wohnungen zu schaffen, welche gesund und menschen- würdig sind. Es ist im Ausschuß und bei früheren Beratungen wiederholt darauf hingewiesen worden, daß der Schutz der Schwachen die Ausgabe des Hohen Hauses sei bei Aufnahme und Festsetzung derartiger Bestimmungen,' und ich möchte insbesondere diejenigen Parteien, die den Schutz der Schwachen auf ihre Fahiu geschrieben haben, daran erinnern, daß hieq die Gelegenheit dazu gegeben ist, den Schutz der Schwachen zu betätigen... Die Wirt- schaftlich Schwachen leiden am meisten darunter, wenn Sie zu nach- sichtig und zu rücksichtsvoll gegen die Grundbesitzer und deren etwaige entfernt mögliche Schädigung sind. Für die Grundbesi�er habe ich ja auch viel übrig, aber alles hat seine Grenzen!"— Die Rafssucht aber nicht. Die Jnteressenvertreter der Besitzenden und der aus- beutenden Gruppen pfeifen darauf, wenn ein Minister sie mit sozialen Moralreden traktiert. Profit! So lautet ihr wahres Evangelium! Die Errichtung von Wohnungen hat in Groß-Stutt- gart mit der Bevölkerungszunahme nicht gleichen Schritt gehalten. Von den 65 000 gezählten Wohnungen standen am 1. Januar 1911 nur 1 Proz. leer. Das ist viel zu wenig, wenn man berücksichtigt, daß immer ein Teil der Wohnungen nicht beziehbar ist und durch plötzlichen Verzug, Todesfälle usw. stets eine gewisse Anzahl Räume frei werden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß im Jahre 1910 und 1911 die Bautätigkeit verhältnismäßig sehr lebhaft war, weil eine neue Bauordnung in Aussicht stand, die mehr den Ansprüchen der öffentlichen Hygiene entsprach. Die übermäßige Ausnutzung der Grundstücke sollte etwas gehemmt werden. Das reizte dazu, durch schnelle Erbauung von Häusern die alte Bauordnung und die spätere bessere Konjunktur für Mietpreissteigerungen ausnutzen zu können., Das Steigern hatte man aber auch bisher schon ausgezeichnet ver- standen. In der Zeit von 1903— 1907 stieg der Preis für eine Wohnung von 3 Zimmern im Gesamtdurchschnitt Grvß-Stuttgarts von 466 aus 517 M., der Preis einer Zweizimmerwohnung stieg von 304 auf 337 M. und für 1 Zimmer hob er sich von 163 auf 183 M. Dabei ist zu beachten, daß die Küche als ein Zimmer rechnet. Die kleinsten Wohnungen sind relativ am teuersten und ihr Preis ist am meisten gesteigert worden. In der angegebenen Zeit wurden die kleinsten Wohnungen um 12,2 Proz., die größeren um 10,9 Proz. verteuert. Der Wohnungswucher trifft die Aermsten am allerhärtesten. Auf Grund der Löhne städtischer Aröeiter bc- rechnet Westmeyer, daß ein Arbeiter für eine Wohnung von zwei Zimmern 27 Proz. seines Einkommens aufwenden muß. Wie eine kinderreiche Familie unter solchen Verhältnissen wohnt und schläft. und wie bei solcher Ausgabe für die Wohnung und der allgemeinen Teuerung die Ernährung bestellt sein mag, das läßt fich denken. Es Hausen da„Männer und Frauen, Greise und Kinder, Gesunde und Kranke, Familienangehörige und Fremde dichtgedrängt bei- einander. Zwei, drei Personen schlafen in einem Bett, eine wackc- lige Pritsche, mit Lumpen bedeckt, dient als Lagerstatt. Der Fußboden ist angefault, die Wände feucht, der Kalkbewurs zum Teil abgefallen, die Möbel verstockt, die Luft voll Moderduft. Brut- stätten der Tuberkulose und anderer Seuchen. So steht eS mitten in der Residenz Stuttgart aus"! Was wunder, daß< der Gesundheitszustand der Schulkinder außerordentlich schlecht ist. Bei Gelegenheit einer ärztlichen Unter- suchung von 14 325 Kindern wurden nur 2761 als„gut genährt" befunden. Bei 5149 Kindern konstatierten die Aerzt« eine»mitt- lere" Ernährung, als„gering" bezeichnet der Befund den Srnäb- rungSzustand von 1641 Kindern und als„gering mit Anämie" bei 1553 Kindern. Bei 989 Kindern wurde ausgeprägte Rachitis, bei 1225 Wirbelsäulenverkrümmung, bei 1893 Drusen, bei 1850 Augenleiden, bei 929 Lungenleiden und bei 51 Tuberkulose aller Organe festgestellt. Andere Kinder waren mit den verschiedensten Gebruhen und Leiden behaftet: Hautleiden, Ungeziefer, Adenoiden, Ohren- leiden, Herzkrankheiten und Albumea. Gesunde VolkSschulkindcr gibt es demnach in der Residenz Stuttgart nur bitter wenige. Was für ein Geschlecht soll da heranwachsen? Wie nach dem Gesagten kaum anders zu erwarten, hält der Tod in den Arbeiterquartieren Stuttgarts reiche Ernte. Das Ver- hältnis zwischen der Wohngegend der Befitzenden und den Prolc- tariervierteln bei der Gesamtsterblichkeit ist außerordentlich groß; dort kommen auf 1000 Einwohner 9,37 Sterbefälle, hier aber 19,41. Bei der Kindersterblichkeit ergibt sich das Verhältnis von 6,4 zu 28,2 pro 100 Geburten. Der Verfasser erörtert die Frage: was mutz zur Abstellung der Wohnungsnot geschehen? Eigenheime sind zwar sehr nett und erstrebenswert, aber einmal stehen die Boden- preise der Verwirklichung des Jdealwohnens entgegen und dann bildet ein.Hausbesitz oft genug eine Fessel für den Arbeiter, der seine Arbeitskraft verkaufen muß, bald hier, bald dort. Westmeyer plädiert für eine umfangreiche gemeindliche Bautätigkeit, gemäß der von der Sozialdemokratie programmatisch, und von den dar- tigen Genossen im Rathause erhobenen Forderungen. Baugenossen- schaften und gemeinnützige Gesellschaften sollten unterstützt werden. Der Durchführung dieser Forderungen soll ein Fonds dienen, dem zunächst ein Betrag von% Million Mark aus dem vorjährigen Etat zuzuweisen ist; außerdem soll das nächste Anleiheprogramm für den gleichen Zweck 5 Millionen Mark fordern. Diese Anträge 4 sind einer Kommission zstr Vorberatung überwiesen worden. Die Durchsetzung des Programms wird noch harte Kämpfe kosten. Die Interessenten, denen Westmeyer mit gewichtigen Argumenten ent- gegentritt, versteifen sich auf die Phrase, wirtschaftliche Unterneh---> mungen jeder Art müßten der Privatinitiative überlassen bleiben, die Gemeinde habe sich davon fernzuhalten. Das Schriftchen schließt mit einer Darstellung der günsttgen Erfahrungen, die man in Frei- bürg i. B. mit dem gemeindlichen Wohnungsbau gemacht hat. Dem Sozialpolitiker gibt es wertvolles Material an die Hand, Hus der fraiienbewegimg* Ultramontane Frauenorganisation. Große geschichtliche und soziale Umwälzungen werfen ihre Schatten voraus, sie vollziehen sich in Etappen. Dem Miterlebcr kommen sie oft gar nicht zum Bewußtsein. So geht ei auch mit der Fr auenemanzipation als politische Erscheinung. In der Sozialdemokratie hat die Frau als gleichberechtigte Mil- streiterin längst Heimatsrecht. Anders bei den Bürgerlichen. Bon Hehdebrand bis Mugdan wollte man bis vor kurzem von der politischen Frau überhaupt noch nichts wissen. Der Liberalismus lehnt die Gleichberechtigung der Frau ausdrücklich ab, aber er macht doch einige Konzessionen. Man will der Frau in der kommunalen sozialen Tätigkeit ein größeres Feld einräumen. Dafür rechnet der Liberalismus auf ihre Mitarbeit bei Wahlen. Bei den letzten Wahl- kämpfen haben die bürgerli chen Damen denn auch mit einer bewunderungS- würdigen Selbstverleugnung für den sie verleugnenden Liberalismus ick eingesetzt. Die konservativen Damen werden nun ebenfalls schon polittsch— gegen die Sozialdemokratie gedrillt! Bei ihnen hat das Hereinzerren in die Politik offen ausgesprochen nur den Zweck, den Vormarsch moderner Bestrebungen, wozu auch die Gleichberechtigung der Frauen gehört, nach Möglichkeit zu hemmen. Diese Damen inben ihre wirtschaftlichen und soziale» Interessen bei der.Männer- Herrschaft" besser vertreten, als wenn die Damen des Bürgertums durch die Eroberung der Privilegien der Männer ihrer Klaffe, den Herren der Schöpfung Konkurrenz machen. Trotzdem: daß die Ent- Wickelung die Konservativen zwingt, die Frauen politisch zu»schulen". ist immerhin ein Fortschritt und ein Beweis fürdieSieghaftig- keit der proletarischen Klassenbewegung. In noch groherem Mähe gilt das von der beränderten Haltung den Ultramontanen den Frauen gegenüber. Auch sie, die Vertreter des Grundsatzes, daß.er'.ihr' Herr sein soll, holen nun die Frau aus dem Hause, reihen sie ein in das Heer der politisch Kämpfenden. Allerdings, die ultramontanen Frauen sollen und dürfen ebenfalls nicht für eigen- Rechte und für Gleichberechtigung kämpfen. Der Ruf der Kirche treibt sie in das Getümmel des politischen Kampfes nur als Verteidigerinnen der alten Ordnung und der Machtstärtung des Klerus! Daß man die Frauen nur als Mittel zu diesem Zwecke betrachtet, geht schon aus der Art ihrer Heranziehung zur politischen Arbeit und der Abgrenzung dieser hervor. Sie stehen überall unter geistlicher Aufsicht und sie dürfen nur Handlanger- dienste für Zentrumsbestrebungen verrichten. Nicht das Wohl und Interesse der Frauen veranlaßt die Klerikalen, sie politisch zu organisieren. Der Umstand, daß man nur dort die Frauen in die politische Arena fordert, wo der Zentrumsturm gefährdet ist, oder schon erstürmt wurde, beweist das. Wo klerikaler Einfluß und Reli- gionsmißbrauch die ultramontane Herrschast garantiert, da ist die politische Frau streng verpönt, da heißt es unbedingt: die Frau ge- hört ins Haus! Genau so verhält sich das Zentrum ja auch den Wirtschaft- lichen Organisationen der Arbeiter gegenüber. Wo die Sozialdemokratie siegreich vordringt, gründet der Ultramontanis- muS christliche oder katholische Gewerkschaften angeblich im Jnterefle der Arbeiterschaft, in Wirklichkeit zum Schutze des Kapitals. So lange ein Revier von den freien Gewerkschaften noch nicht bedroht erscheint, denkt kein Pfäfflein an die Organisierung der Arbeiter. Dasselbe Spiel mit den ultramontanen Frauen- organisationen. Die Parteikonstellation erklärt cS, daß für diese Schutzgarde gegen Frauenrechte und den Vormarsch des Proletariats hauptsächlich in Rheinland-Westfalen ein dringendes Bedürfnis vorhanden ist. Der neue Zentruniskultus soll die ge- schleiften schwarzen Burgen Köln und Düsseldorf dem Zentrum zurückerobern helfen. In Düsseldorf hat man gleich nach der Wahl mit einer Reorganisation der F r a u e n o r g a n i s i e r u n g be- gönnen. Sie zählt bereits Sllllll Mitglieder. In nächster Zeit sollen in den letzten noch ausstehenden Bezirken Abteilungen der Zentralorganisation gegründet werden. Diese Tätigkeit inuß ein Ansporn für unsere Genossen und Genossinnen sein, die proletarischen Frauen unseren Vereinen zu- zuführen. Wir müssen sie dem klerikalen Einfluß entreißen, sie zu freien Kämpfer! nnen, zu Streiterinnen für Gleichberech- tigung und gegen Klasienherrschaft erziehen. Was den Gewerkschaften die christlichen Zersplitterungsorganisationen geworden sind, das sollen der Sozialdemokratie die unter geistlichem Einfluß stehenden ultramontanen Frauenorganisationen werden. Intensive Agitation und Aufklärungsarbeit unter den proletarischen Frauen muß den Schwarzen das Wasser abgraben. jftiis aller Alelt. darum man ftieblt. Der Direktor des Kopenhagen er Gefängnisse», Grundvig, hat bei 600 wegen EigentumSvergehenS bestraften männ- lichen Personen festgestellt, ob sie bei Begehung der Tat a r b e i t S- los oder sonst i n N o t befindlich gewesen waren und ob sie i m Rausch gehandelt hatten. Die Ergebnisse der Statistik sind recht intereflant und zeigen deutlich, wie die wirtschaftlichen Verhältnisse den Menschen und sein Handeln beeinflussen. 62 Proz., also nahe zwei Drittel aller Verurteilten waren bei Begehung des Diebstahls nach den Feststellungen des Gerichtsurteils ohne Arbeit gewesen, darunter 4b Proz. die sich in offenbarer Not befanden. Dazu kommen weitere b Proz., die zwar Arbeit hatten, bei denen aber gleichfalls eine R o t l a g e konstatiert wurde. Nur 33 Proz. der Verurteilten hatte Arbeit gehabt und keine Not gelitten. Aber auch der Alkohol spielt eine Rolle. Es zeigt sich, daß von den Arbeitslosen oder in 5tot Befindlichen 46 Proz., von den in Not befindlichen Arbeithabenden sogar 63 Proz. die Tat im Rausch begangen hatten. So bleiben km ganzen nur etwa 13 Proz. übrig, die weder arbeitslos, noch in Not befindlich, noch berauscht gewesen waren, denen man also die Verantwortung für ihre Tat voll zuschreiben könnte, wenn nicht auch hier Ent- schuldigungsgründe, die vielleicht nur nicht so offen auf der Hand liegen, vorhanden sein mögen.— 660 Diebe wurden verurteilt, da- von hatten 522 offenbar und eine Reihe weiterer möglicherweise unter dem Einfluß ihres wirtschaftlichen und sozialen Milieus ge- handelt. Trotzdem trifft auch sie die ganze Strenge des Gesetzes, das leider nicht auf das Bibelwort aufgebaut ist: Richtet nicht, auf daß Ihr nicht gerichtet werdet!_ Einsturzkatastrophe in San Remo. Ein furchtbares Unglück hat sich nach emer telegraphischen Meldung aus San Remo am Dienstagmorgen dort zugetragen. Auf den Kais am Meeresufer machten etwa vierzig Volks- schüler ihren Morgenspaziergang, als plötzlich ein Teil der Kaimauern einstürzte. Zwanzig Knaben wurden unter den Trümmern begraben. Trotz der sofortigen Rettungsarbeiten konnten fünf Kinder nur als Tote unter den Schuttmaffen hervorgezogen werden; acht Kinder wurden schwer verletzt geborgen. Die übrigen Verunglückten liegen noch unter den Trümmern; eS wird befürchtet, daß auch sie nur als Leichen geborgen werden können. Untergang zweier japanischer Dampfer. In den japanischen Getväffern hat sich nach einer Meldung aus Nagasaki ein schwerer Schiffszusammenstoß ereignet. der den Untergang zweier Dampfer herbeiführte. Es handelt sich um die japanischen Dampfer„Ryohamaru" und„M o r i m a r u", die in voller Fahrt so heftig gegen- einander rannten, daß sie nach wenigen Minuten sanken. Von der Besatzung und den Passagieren der„Ryohamaru" sind 32 Personen, von der„Morimaru" 14 Personen ums Leben gekommen. Auf der Spur von Falschmünzern. In Dortmund wurden seit einiger Zeit falsche Mark- stücke in den Verkehr gebracht, ohne daß es gelingen wollte, den Falschmünzern auf die Spur zu kommen. Gestern wurde bei der Ausgabe von falschen Geldstücken ein Schloffer Kern festgenommen. Die sofortige Haussuchung in der Wohnung des Verhafteten brachte eine wohleingerichtete Falschmünzerwerk st att mit Instrumenten zum Prägen verschiedener Münzen zutage. Die Polizei hofft binnen kurzem auch die Helfershelfer des Verhasteten festnehmen zu können._ Auch ein Unzufriedener. Seine Unzuftiedenheit mit der Haltung des deutschen Kaisers im Burenkrieg demonstrierte am Montag in Haag ein Eisenbahnbeamter aus Transvaal, indem er einige Fenster- scheiden der deutschen Gesandtschaft z ertrümmerte. Der Mann namens Dempers gab als Grund seines sonderbaren Treibens an, daß er durch den Burenkrieg seine Stellung verloren habe. Er wollte mit seinem Attentat auf die Fensterscheiben dagegen Protest einlegen, daß der deutsche Kaiser im Burenkrieg nicht inter- veniert hat. Da der Verhaftete etwas meschugge zu sein schien, wurde er auf seinen Geisteszustand untersucht, jedoch keine Störung gefunden._ Kleine Notizen. Gekränktes Ehrgefühl. Am Montagabend ließ sich zwischen Zerbst und Jütrichau der Sekundaner Voigt aus Zerbst von einer Rangiermaschine überfahren, die ihn auf der Stelle lötete. Die Tat soll aus gekränktem Ehrgefühl begangen worden sein, weil der Penfionsvater des Voigt diesem wegen einer Kneiperei eine Ohrfeige gegeben hatte. Zwei Kinder verbrannt. Auf dem pommerschen Gute Heil- g ei sthof hatten die zwei und drei Jahre alten Kinder des Ar- bciters K u r e I in Abwesenheit der Eltern mit Streichhölzern ge- spielt. Dabei gerieten die Betten in Brand und schließlich fingen die Kleider der Kinder Feuer. Als NachdarSleuie, durch Qualm aufmerksam gemacht, gewaltsam in die Wohnung drangen, fanden sie am Fußboden die verkohlten Leichen der beiden kleinen Kinder. Schiffszusammenstoß in der Elbemündung. Fünf Meilen vom Feuerschiff„Elbe 1' stieß am Montagnachmittag bei dichtem Nebel der e n g l i s ch e Dampfer„ H u m b e r', der von Goole nach Hamburg unterwegs war, mit den: von Afrika kommenden beul- scheu Dampfer„Answald' zusammen.„Humber" wurde mitschiffs getroffen und sank; die Besatzung wurde teils vom Dampfer„Answald", teils vom Fischdampfer„Senator Holt- Husen" gerettet. Unstimmigkeiten. In P a l a i s e a u bei Paris kam e§ während eines Konzertes zu einer blutigen Schlägerei zwischen Sol- baten des 22. K o l o n i a l r e g i m e n t s und den Mitgliedern eines Turnvereins. Mehrere Soldaten und ein Gen- darm wurden schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine strafrechtliche Untersuchung an. Die Militärbehörde beschloß, die Besatzung des Forts von Palaiseau zu wechseln. In den Flammen umgekommen. In einem von Arbeitern be« wohnten Quartier in Moskau kam in der letzten Nacht Feuer aus. Drei Arbeiter kamen in den Flammen um, fünfzehn erlitten schwere Brandwunden. Berbaud der Friscurgehilfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Vororte. Heute Donnerstag, abend? Oy. Uhr, Rosenthalcr Str. 11/12: Versammlung._ Briefkaften der Redaktton. Die{uriflMAt C»rcchstundc findet Lindenstraße LS, vorn vier Trevve» — Fahrstuhl—, wochcntiglich von iVi bis 7Vj Uhr abends, Sonnabc ads, dou tsd bis K Uhr abends statt. Jeder für den Bricflasicn bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertcflt. Anfragen, denen keine AbonnementSqnittnng beigefügt ist» werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der SPrechftnnde bor. B. Pr. Pr. Ivo M. in bar und 2,66 M. in Briefmarken erhalten. Quittung crsolgt in der Februarquittung der Parteikasse, die im Monat März veröffentlicht wird. Braun. Tantalos 18. 1. Für die Zeit bis einschl. Dezember 1911. 2. Mit dem 31. März. Für das letzte Quartal des laufenden Steuerjahres sind Sie nicht mehr zahlungspflichtig. Sic müssen aber reklamieren. 3. Antrag aus Aufnahme in den preußischen StaatSverband an das Polizeipräsidium in Berlin. 4. Liszt.— I. Dch. 88. Allgememe Schwächlichkeit infolge zurückgebliebener körperlicher Entwickelung oder Schwäche nach unlängst uberstandencr Krankheit.— P. B. 85. 1. Es muß Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliegen. 2. Mindestens 200. Die Anzahl reicht also aus. 3. 139,12 M. jährlich.— P. D. 166. 1. Nein. 2. Ja. Klage aus Herausgabe.— M. 2. 5. Sie können die Aufforderung abivartcn. — H. D. 23. Kommen Sic mit dem etwa geschlossenen schriftlichen Vertrag in die Sprechstunde.— Würdig, Willdenowstr. 7. Machen Sie dem Poiizewräsidium Mitteilung.— H. 8. Ja, sofern nicht etwa Verzicht angenommen werden kann.— Patent. 1. Ja. 2. Nicht seststellbar. Fragen Sie beini Obcrprösidcnten an.— M. Z. 100. Erinnern Sie an Bescheid. Event. Beschwerde beim Finanzminister.— G. H. 37. Sie haben Anspruch auf Befreiung. Richten Sie einen Antrag an den Vorsitzenden der Ver- anlagungskommission.— W. G., Lichtenberg. Die Armenoerwaltung deckt die Anstaltskosten. Bei dem Terviin beantragen Sic die Ileberlassung der Invalidenrente. Die notwendigen WirtschastSsachen sind Ihnen zu belassen. — H. L. 103. 1 M.—«. 2. 34. 1. Das AuslösungSrccht des Bundesrates ist durch Gesetz nicht beschränkt. 2. Ja. 3. Die 16 M. tonnen Sie kürzen, falls Sie die behauptete Abrede beweisen können. Den ver- bleibenden Betrag müssen Sie bezahlen.— H. F. 28. Ja; nicht Polizei- strafe, sondern AusfertigungSgcbühr.— F. H. 30. Ja.— W. K. 98. Der Vertrag bleibt rechtSwirflam.— F. M. 999. 1. Ja. 2. Antrag au das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Verstorbene zuletzt gewohnt hat, auf Vermittellliig der AuScinandcrsctzmig. 3. Sic können Erstattung aus der Nachlaßmasse fordern,— Stettin 15. 1. 2 M. sür das Kalenderjahr. 2. Ja.— O. M. 99. 1. Die eine Hälfte sällt an die Schwester des Vater«, die andere Hälfte an die Geschwister der Mutter. 2. Nein. Die Halbgcschwister der Mutter erben nur je'/,, deS GcsamInachlasseS.— O. Ä. 11. Leider nein.— F. M. 23. Ihr Stnndpunlt erscheint unbegründet, josern es sich nicht etwa um eine geschlossene Gesellschast im Sinne des Gesetzes gehandelt hat.— H. R. 55. 1. Es kann ihre Vor- sührung zum nächsten Termin erfolgen. 2. Ja. 3. In der Regel erfolgt Vcrlagung.— R. St. Moabit. 1. Nein. 2. Ja, josern eigenhändig ge- schrieben, mit OrtSbezeichnung und Dawm versehen. 3. Nein.— O. Ja. — K. B. 30. In Nr. 36 am DienStag, den«. Februar, unter K. B. 166 beantwortet.—®t. ft. 100. Die Fraltionen machen die Vorschläge. — P. K. F. Ein solches Urteil des Amtsgerichts ist nicht zu finden. Gewerbegerichte haben öfter ähnlich geurteilt, und babcn wir zu verschiedenen Malen darüber berichtet.— L. L. Nein. K. R. 12. Die Firma ist zur Klage berechtigt.— Z. 7. Sie sind zur Rückgabe der Geschenke und zum Schadenersatz verpslilytct. Der Anspruch verjährt innerhalb Jahresfrist nach Aushebung des Verlöbnisses.— Hu. Ja. Arbeitsnachweis: Amt 3lot?ui, Nr. 1239. Verwaltuiipielie Berlin (LharitEflrasie 3. Hauptbjureau: Hos III. Amt Norden. Nr. 1987. Donnerstag, den l». Februar lUIS, abends 8'/, Uhr, in den kornssig.LZlen, Ackerstr. 6/7: VerfatnmUing der �lafchlneiif ormer* Tagesordnung: 1. Bericht über die Lage in unseren Betrieben. 2. Vorschläge von drei Kollegen sür die Brancheniommission. 8. Bcrussangelegonheiten. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Wie schon am Sonntag im„Vorwärts" veröffentlicht war, findet unsere nächste ordentliche Gciicralversavimliing am Sonntag den 24. Mörz statt. Anträge für diese Generalversammlung muffen spätestens bis 24. Februar in den Händen der Orts- Verwaltung sein. 112/19 Iii« Oi-tnvci-ivwltaiiß:. Verband der IRaler, SacUierer, Unslreieher etc. Bureau: Melchiorstr. 28, pari. ri|io|0 Dnnlin Arbeitsnachweis: Rücke, str. 9, Fernspr.: Amt Moritzplatz, 4787. rllmlC DClIlli. Fernspr.: Amt Norden, S768, Donnerstag, den 15. Februar 1912, abends 8'/, Uhr: 5'tktil»lSitrsWiilIlilig dkl Lackierer in der Aeuen pdilbarmonie, Köpenickcr Straße 96/97. Tagesordnung: 1. Jahresbericht und Neuwahl der SektionSlcitiing. 2. Dil- wljion. 3. Verbandeangelegenheiten. Wir erwarten, baß die Kollegen vollzählig erscheinen. 127/2 Die Sektionsleitung. Oknv Zvdv Unzahlung 5 verkaufe ich Pianos erstklassiges Fabrikat (9iual prämiiert Staatsmedaille) in allen Holz- und Stilarten von wunderbarer Tonfülle. 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Dem möge nun sein, wie da»volle: vorliegend, könne nach'ptn'tatsächlichen Feststellungen von einer öffentlichen Versammlung nicht die Rede fein Es habe sich lediglich um eine Mitgliederversammlung des kleinen Zweigvereins Filehne gehandelt und nur 15 Mitglieder seien anwesend gewesen. Wenn das Landgericht mit Rücksicht auf die örtlichen- Verhältnisse in dieser nur von Mitgliedern, und zwar nur von 15 Mitgliedern, besuchten Versammlung dieses kleinen Zweigvereins keine öffentliche Berfmnmlung sehe, dann liege darin kein Rechtsirrtum. Mit Recht sei Angeklagter freigesprochen worden.______ l Jnspektorprügel. Wegen gefährlicher Kürperverletzung war der Gutsinspektor Karl Kerstcn aus S.terbenin, Kreis Lauxnburg, angeklagt. Er war am 14. November v. I. mit einem Gutsarbeiter in einen Wort? Wechsel geraten und als dieser sich wegen einer Beschuldigung wörtlich vertesdigte, schlug ihn der Inspektor kurzerhand mit dem Jnspcktorknllppel auf den Kopf, so dqß er Boden fiel. Als nun der Arbeiter ausstand und Miene machte sich zu verteidigen, warf der Inspektor ihn zu Boden, kniete auf seiner Brust, würgte de» Arbeiter und. beärbeitete ihn mit den Knien und den Fäusten. Dann sprang der. Inspektor auf, ergriff eine. sKartoffelhacke und schlug auf /den am Boden liegenden Arbeiter ein, so daß der zwei Finger starke Stiel zersprang. Für diese, rohe Handlungsweise hatte das Schöffengericht in Lauenburg nur auf 200 Mark Geld- strafe erkannt. Gegen das milde Urteil legte der Inspektor gar noch Be- rufung ein. In der Berusungsverhandlung versuchte er darzu- legen, datz er sich in Notwehr befunden habe. Die Beweisauf- nähme ergab das Gegenteil; der geschlagene Arbeiter ist ein ruhiger, besonnener Mann, der dem Inspektor nicht die geringste Ursache zu seiner brutalen Handlungsweise gegeben hatte. Die Berufung wurde verworfen. Marktbericht von Berlin am IS. Februar ISIS, nach Ermittelung deS lönigl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreis«.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Koche» 35.00—50,09. Speisebohncn weihe. 36.00—«0.00. Linsen 40.00—80,00. Kartosseln 10,00-15.00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch l, 40— 2,50. Hammelfleisch l.30— 2,20. Butter 2,60-3,20. 60 Stück Eier 4.50—7,00. 1 Kilogramm Karpscn 1,20—2,40. Aale 1,20—3,00. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,20—2,60, Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 4,00-30,00._ WitterungSübcrsicht vom 13. Februar ISIS. Etationen o'S = 2 »=8 Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien £§ c 3 ONO OSO 762 761 762;D 760Still 764!« 762-W Wetter 2 bedeckt «Regen 2 bedeckt Nebel 2balb bd. 2! heiter B»S! d* »II LZ- HiO 0 2 1 3 — 1 5 Etattonen Scilly Aberdeen Paris Ein wenig kälter, zeitweise ausklarend, vorwiegend nebelig oder wollig, bei mäßigen nordöstlichen Winden; leine erheblichen Nied»schläge. Berliner Wetterbureau. Wafferstands-Nachrichte» ber LandeSanstakt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Detterbureau. Wasserstand Memel, Tilfit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor . Krossen . Franksurt Warth«, Schrimm „ Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leituieritz » Dresden » Bcrby » Magdeburg Wasserstau» Saale, Trochlitz Havel, Spandau») , Rathenows Spree, Spremberz») Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximllianSau , Kaub „ Köln Neckar, Heilbronn Main, Wcrtheim Mosel, Trier am 12.2. om 128') 52-) 100») 72 48») 200 264«) 378 169 214 120 140 161 'ett 11.% ein1) -i-10 0 +2 +2 —6 +29 —14 +22 +U +10 +20 +8 -2 •)+ bedeutet EiSstei. >.- 3«ll.-*) Unterpegef.•) Eisstand. SÄNGER: REDNER: «MMR- EpKälllicK in allen.?lpotKßker\ ynd Drogerien. Preis!Mklra scKülzen. Sie vor. HUSTEN HEISERKEIT KATÄRRH Mittwoch. 13. Februar 1912. Anfanq 3 Uhr. Zirkus Sarrasant. Große Vor- stellung. Ansang 3'/, Uhr. RtueS Sa»spieldau«>. Ucber unsere Sh-oft.(II. Teil.) Anfang 3',, Uhr. Berliner. Torquato Tasso. Anfang 4 Ubr. Urania. Taubenftrafte 48119, Bon Meeran zum Ortler. Ansang T/, Uhr. U»l. Schanspielhauö. Zar und Zimmermann. Deutsches. Hamlet. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Ztrku« Schumann. Gala> Vor- stellung. Zirkus Sarrasani. Gala> Vor- stellung. Haverland. Spezialitäten. Anlang S Mr. Urania. Taubenftraste 48/49. Prof. Penck: Hebungen und Senkungen der Küste». Mgl. Opernhaus. Der große König. Neues. Der liebe Augustin. tstainmersptele. Eine glückliche Eh«. Lessing. Das weite Land. NeueS Schauspielhaus. Fiat iustitia! Residenz. Alle? für die Firma. Kurfürstenoper. Der Schmuck der Madonna. Komische Oper. Der Freischütz. Westen. Wiener Blut. Lnstipielhaus. Die Damen des Regiment». Kleine». LottchenS Geburtstag. Gentz und Fanny Elßler. Hocken- ■ jo». Berliner. Große Rosinen. Neue« Overetten. Eva. Schiller O. Der Prvbepseil. Sch itr,-Eharlottendurg. Gräsin Lea. Kriedr.- Willi. Schauspielhaus. Alt-Heidelberg. Luisen. Der Verschwender. Rose. Der Spielteusel. «öniggräner Strasse. Die süns Franksurter. Me»r->'o>. Die Rächt von verlin. Trianon. Da» kleine Casö. Thalia. Polnische Wirtschaft. Cafino. Der Kamps umS Dasein. Apoll«. Svezialitäten. Vastage. Svezialitäten. Herrnsrld. Wie man Männer bessert. Der Hausteusel. ReichSIiallen. Stettiner Sänger. Königstadt-Kastno. Ein dunkler Punkt. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Ansang 8'lt Uhr. Nolles Eaprice. Mandewlüth'S Polterabend. Losgelassen. Massen- Übung. Walhalla. Teusel, das hat ewge- schlagen! Voigt. Hotel Klingebusch. Ansang 8'f, Uhr. Neue« Boltötheater. Nathan der Weise. Belle-Alliaiicc. Napoleon Bona- parte und seine Frauen. Sternwarte, Jnvalideustr. S7— 62. SediIIer-fdesler0.Z.°a7.? Mittwoch, abend» 8 Uhr: Vcr Probepfeil. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Weg zur Hülle. Frcilag, abends 8 Ubr: Per Probepfeil. Sehiiler-Tliealer c™n' Mittwoch, abends 8 Uhr; Zum erstenmal; Grafin E,ea. Donnerstag, abend» 8 Uhr: Der Probepfell. Freitag, abends 8 Uhr: Gräfin Lea._ NeneA' Theater. Abends 8 Uhr: Ter liebe Augustin. Sonnt. S'U Uhr: Der tickst» Bauer. Theater des Westens. Abend» 8 Uhr: Wiener Blut. Sonnt. 3'/. Uhr: Ein Walzertraum. Belle- Alliance-Theater. Abends h'l3 Uhr: »Napoleon Bonaparte und seine Frauen«. SensationS-Ausstattungs- stück v. W. G. Wills. Musik v. eulliPflit OSE=THEATE Große Fräntjurler Str. Uill. Abends 8 Uhr: Der Spiklteufel. LollSstück tu 4 Akten von Julius Knopf. Donnerstag: Salon und Kloster. Eterliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. Abend» 8 Uhr: Die S fraHkMi'. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: Alles für die Mrma. Schwank in 3 Akten von M.Hcnnequin u. G. Mitchell. In Szene gesetzt und sür die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-Baeckcrs. Morgen u. folg. Tage: ätiost. ck. ssiema. Luisen-Theater. Mittwoch: Der Verschwender. Donnerstag: Sommerspuk. Freitag: Der Berichwender. «Sonnabend nachm/4 Uhr: Schnee- weistchen und Rosenrot. Metropol-Theater, Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Die Nacht von Berlin! Große Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Das kleine Lake. Passage-Theater. SelineideF-Duncker Carl and Lotty die berühmt. Excentr.-Tänzer. Luise Schäfer Vortragskünstlerin. The Hevaldos Truppe d. best. Schleuderbrett-Akrob. und d. Febr.-Glanzprogr. 14 erstkl. Sperialitäten. „CLOU" u. Berliner Konzert» Haus. Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90191. Zillerthaler und Tegernseer Sänger, Plattler u. Jodler!! Anstieb von 3 Königsbräu, dem köstlichsten aller Münchener Doppelbiere. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Ubr. An allen Wochentagen nachmittags: Gr. Promenaden-Konzert bei freiem Eintritt. Großes Konzert Brauerei Friedrichshain am Künlgstor. Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Heute Mittwoch: Elite»Tag:. Oratisverteilg. von 200 Wertgegenständen. GröSter Bock-Jubel u. Trubel. Auf der Alm. Die berühmtesten Festwirta Ebrengrnber und Welnzlerl. 4 Kapellen. 100 Oberbayern. Anfang 5 Uhr. Entree 50 tf. 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Akt: Im Berk Schlächterladen. 2. Akt; Leben und Treiben vor einem Warenhaus. Aufziehen d. Begimentsmusik. 3. Akt; Im Innern des Warenhauses. 4. Akt: Auf d. Trabrennbahn in Weißenseo._ Reiehshallen-Theater. fStettinsr Sänger. Ken! Wen! Pantoffel-Helden. Burleske v Reichardt. € Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Folies Capriee. Täglich 8'l4 Uhr: Losgelassen. Waffenübung. Mandelbliiths Polterabend. Walhalla-Theater Am Rosenlhaler Tor. Direktion: James Klein. Weinbergsweg 18. Premiere: 16. Februar 1912 abends 8'/« Uhr« Menschenrechte Großes soziales Volks-Ausstattungsstück mit Gesang und Ballett in fünf Akten von Max Reichardt. In Szene gesetzt vom Direktor James Klein. 1. Akt: Die Geheimnisse im Privatkomtoir. 2. Akt; Die Massenprotestversamm- lung. 3. Akt: Im Ballsaai Am Bande des Abgrundes. 4. Akt; Arbeit nieder! 5. Akt: Ein Gottesgericht. 2963b Die Kasse ist von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends ununterbrochen geöffnet. Uranian Wisaenschaftliches Theater. 4 Uhr: Von Mcran znm Ortlcr. 8 Uhr: Prof. Penck: Hebungen und Senkungen der KU«ten. Sternwarte, Invalidenstraßo 57— 62, (7'/.— 10 Uhr) Saturn, Orionnebcl usw. Oasäno-Theaiei* Lothringer Str. 37. Anfang 8 Uhr Der aröstte Theatererfolg! Täglich auSoerlaujt. Der Kampf«ms Dnftin. Attuell! Dem heutigen Leben ent» nommen.— Sonntag nachm. 3'/» Uhr: Der selige Hollschinskti. Germania-Practiisäle» N., Chaussoestr. 110. Carl Richter. Jeden Mittwoch: Paul Mantheys lustige (Sänger. , 8 Uhr. Eintritt 30 VI- -achdem Freitanz. — VorzugSkarten gelten.— Morgen Donnerstag: Militär-Streichkonzert. Anschließend: kamilienkeänrohen ohne Nachzahlung. »»»»»»», llnsang Na arrasaml SehöDbaiiser Allee. Telephon: Nord 4100.1 Mittwoch, 14. Februar: IÄ| 2 ?'/z Uhr Das Londoner Mirakel in der KSOiiel Befreiung aus d. Wassergrab. Lebend! Lebend! PakiraTruppe 15 Personen in ihren religiösen Märtyrer- Produkt lonen Wochentags 4— 7 Uhr: Lichtspiele Ohne Extra-Entree. 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Ein gesliiickter Arbeittr für Rnnchpfelfkufabrikatioll wird sür Schweden gesuchL Mel» düngen an Hotel.Wikinger Hos-, Berlin, den 14. Februar, von 12 bis 2 Uhr. 23/19 Monotyp-GieBer z« baldigem Antritt gesucht. Mel- düngen an das Silesia-Hotel in Berlin. tchlnna! i|; Wegen L o d n d i s s er e» z e n find die Mühenfabrikeu <*. A. Hoffmanu, Gneis enau- straße 33, � .- Th. Glocke. Berlin. Druck lt.«kriag-.Llzrwärt» KtiSdräslerei u. VtrlsgfaLltglt MÄSiLgtt U, Sfi-, Lttliv SW. Urs?,».wt,.«,. Z. Keilllge des„Wnlilirts" Aerliller Nslksdllltt. Ww-ch tä Heute Mttwoch �ahlabenä in Lrok-Kerlin. Partei-)Zngelegenkeiten. Zweiter Wahlkreis, Fricdrichstadt. Mittwoch, den 14. Februar, abends Uhr. bei Jul. Meyer. Oranienstr. 103: Zahlnacht für Bucbdrucker, Stereotype»«, Kino-Operateure. Donnerstag, den IS. Februar, früh 5 Uhr Zahlmorgen für Druckerei« Nachtarbeiter. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Erinnerungen auS der Zeit des Sozialistengesetzes. Referent: Genosse Karl Scholz. Sechster Wahlkreis. Die Genossen des Gesundbrunnens der- anstalten am 22. Februar im Voigt-Theaier, Badstrahe 58, einen Thealerabend. Zur Aufführung gelangt Halbes„Jugend". Billett- preis 30 Ps. inkl. Einsührungshest. Die Billetts gelangen am heutigen Zahlabend zur Ausgabe. Groß-Lichtcrfelde. Der Zahlabend findet diesmal in folgenden Lokalen statt: Osten: 1., 2. und 3. Bezirk im Kaiserhof; 4. Bezirk bei Erpel? Bezirk 5 und 5a mit Bortrag bei Junicki, Heinersdorfer Strohe 18. Westen: ö., 7., 10. und 12. Bezirk bei Wrotnicki, Ring- strahe 17: 8a. Bezirk mit Vortrag bei Wahrendorf, Bäkestr. 7: 8. Bezirk bei Lenski. Chausseestr. 55: 9. und 11. Bezirk bei Borchardt, Hortensienstr. 11, am Bahnhof Botanischer Garten. Der Vorstand. Johannisthal. Der Zahlabend fällt heute Mittwoch umstände« halber aus. Dienstag, den 20. d. Mts.: Mitgliederversammlung. Der Vorstand. Grünau. Heute Mittwoch, abends: Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins. Die wichtige Tagesordnung(u. a. Auf- stellung der Kandidaten zur Gemeindewahl) erfordert das Erscheinen sämtlicher Mitglieder. Der Vorstand. Franz.-Buchholz. Unsere Zahlabende fallen diesmal aus, dafür Mittwoch, abends S1/» Uhr: Generalversammlung im Restaurant Kähne, Berliner Strahe 39. Tagesordnung: Bericht« erstatwng vom Bezirk. Aufstellung eines Kandidaten zur Gemeinde- Wahl. Vereinsangelegenheit und Verschiedenes. Kaulsdorf a. d. Ostbahn. Die Bezirksleitung macht besonders darauf aufmerksam, dah der Zahlabend wieder regelmähig an dem für Groh-Berlin bestimmten Tage stattfindet. Heute abend 8Vz Uhr bei Bobey am Bahnhof. ßerllmr JVachncbten. Im Pfandhaus. Es ist so und nicht anders: Der Weg zum Pfandhaus, oder zum„Leihgeschäft" vulgo„Versatzamt", ist mit Dornen bepflanzt. Man wählt ihn nur, wenn keine andere Rettung aus monentaner Not mehr übrig bleibt, mir anderen Worten, wenn einem das Messer an der Kehle sitzt oder das Wasser bis an den Hals geht. Das Leihamt bildet oft am treibenden Lebensschifflein den allerletzten Anker. Reiht auch dieses Ankers Kette dann ist oft nicht abzusehen, ob nmu jemals wieder landen werde.... Aus solchen Beweggründen mag es wohl kommen, dah viele Leute im Pfandhaus die einzig zweckliche Wohltätigkeitseinrichtung erblicken. Sie wären imstande, auf den ganz hollenzollerisch-borussischen Staat mitsamt Herrn Kohlweg von Bethmann. den Philo« isophen von Pinnow und Kanzler des preuhisch-deutschen Reiches zu verzichten— nur nicht aufs Versatzamt. Und sie tun recht daran: denn Preußen ist kein Gib-, nur ein Nimmstaat: während doch aus einem Leihhaus etwas herausgeholt werden kann— sofern man etwas So- kides hineinträgt. Hierauf kommt es an! Kein Ver- setzer der Welt wird Dir einen Ziegelstein für einen Dern- burgschen Diamanten abnehmen und beleihen: keine Tombak- uhr für einen Goldchronometer, keinen weihen Schafspelz Kür einen Hermelinmantel. Die Verpsänder kann man in verschiedene Klassen teilen. In solche, die der 9t o t, nicht dem eigenen Triebe ge- horchen müssen. Und sie sind„die Mehreren". Ständig schrillt da die dissonierende Melodie des Hammers und der Verzweiflung. Auf beinah Wertloses, was zuletzt hin- getragen wird, kann doch kein Pfandleiher bares Geld her- geben. Er soll allen und jedem beispringen. Aber geht das? Der Mann setzt zu viel aufs Spiel. Leben will er, und darum darf er sich nicht ruinieren lassen. Was Wunder also, dah ihn jede Klage„kalt" läßt! Mache, lieber Leser, falls Du einmal in die verzwickte Lage kommst, die kein ehrlicher Kerl seinem Todfeind wünschen wird, nämlickf etwas versetzen zu müssen, die Probe aufs Erempel. Die Herren Beamten in den beiden „königlichen" Leihämtern essen so heiter und vergnügt ihre Zweitfrühstiickstulle, als sei das versetzende Publikum nur für f i e da, als gäbe es kein Elend.... Dann die zweite Kategorie. Es sind„Bessersituierte" Beamte, Geschäftsleute usw. Sie haben dringende Zah- lungen zu niachen und helfen sich durch Verpfändung oft be- deutender Wertsachen über die momentane Insolvenz hinweg. Tie dritte Sorte sind die große Familie der„Gebrüder Leichtfuß"— zumeist bei Musensöhnen, Artisten und„Intellektuellen" überhaupt beheimatet. So mancher würde solide bleiben, wennis keine Wirtshäuser, Weiber und— Leihämter gäbe. Zumal in Faschings- monatcn und Faschingsgegenden.„Grüah di Gott Oberbctt, s Unterbett kimmt scho oa", rief einmal auf der Sendlinger Strahe in München ein maskiertes Weiblein ihrem ihr be- gegnenden Gatten zu, der am Morgen das Oberbett zum Ver- setzer getragen hatte, um abends„auf die Redoute" gehen zu können. Das ist der Gipfel aller karnevalistischen Leiden- fchaften! Daneben geben die Sprossen der„blanbliitigen" Kaste eine interessante Folie ab.„Man" ist es der„Usance" schuldig, jährlich mindestens einmal bei sich einen Gesell- schaftsabcnd zu geben. Andern morgens schleppen dann die Domestiken ganze Waschkörbe voll Silbergcräten wieder den alten Weg zum Pfandhaus. lSie transit gloria rnundi! Neulich sah ich einen noblen Bezylindertcn und Benerzpelzten an die Bank treten, hinter der die königlichen Pfandbeamten gemütlich ihre Butterbröter verputzten. Einen kostbar schillernden Damenring gab er hinüber. Ein prüfender Kennerblick des Tarators— und:„Leider Similisteine, mein Herr!" mit ärgerlicher Miene schwebte der ab. War's etwa ein Geneppter oder gar ein Nepper? Ein anderer zog einen anscheinend schwergoldenen Chronometer aus der Westen- tasche. Hundert Mark wollte er haben.„Leider nur Schweizergold— fünf Mark können Sie haben." I Der Mann trug sich gleichfalls höchst nobel und schick. Aber Schweizergoldplattierung? Wie ein begossener Pudel nahm er seine Nummer, um, sobald er gerufen wurde, die fünf Märker entgegenzunehmen.... Hähmische Schmunzler, Schadenfrohe sind sogar in den Vorhallen zum Heiligtum des Leihamts anzutreffen. Und wer kann sagen, ob es ihnen in der nächsten Minute nicht selber so geht? Immerhin, wer noch was Versetzbares hat, der mag sich als wie ein Krösus vorkommen. Wirklich arm ist nur der, der niemals ein Beleihbares besessen hat. Ist er darum aber schon glücklich zu nennen? Wahrhaft glücklich halte sich jeder. der sämtliche Versatzämter als— Luft betrachten kann. 110 Proz. Gemeindesteuern. Der Magistrat von Berlin hat gestern beschlossen, der Stadt- verordnetenversammlung vorzuschlagen für 1912 statt 100 Proz. Gemeindeeinkommensteuer 110 Proz. Zuschlag zur Staats- einkommensteuer und außerdem statt 150, 16a Proz. Grund- und Gebäudesteuer zu erheben. Im letzten Jahre wurden 3,20 pro Tausend Grundwertsteuer in Berlin erhoben. Durch die Wertsteigerung der Grundstücke und die Neueinschätzung nach dem gemeinen Wert ermäßigt sich dieser Satz von 3,20 auf 3,10 pro Tausend._ Tie Erkrankungen an Diphtherie haben in Berlin im Jahre 1911 eine sehr beträchtliche Zu- nähme gehabt. Besonders vom Herbst an stieg die Zahl der Er- krankungen so rasch und sie erreichte zu Beginn des Winters eine so außerordentliche Höhe, daß man geradezu von einer Diphtherie Epidemie sprechen konnte. Wir haben damals über die Aufwärts bewcgung der Erkrankungsziffern berichtet und auch gezeigt, wie stark die vorwiegend von einer Arbeiterbevölkcrung bewohnten Stadtviertel daran beteiligt waren. Die vom Statisti- schcn Amt der Stadt veröffentlichten Zusammenstellungen über die amtlichen Meldungen von Infektionskrankheiten liegen jetzt bis zum Jahresschluß vor, und man kann nun die Bewegung der Diphtherie-Erkrankungsziffern durch das ganze Jahr verfolgen. In den zwölf Monaten des Jahres 1911 wurden aus Berlin 592. 514. 603. 502. 562, 531. 391, 460, 709, 992, 1123, 1119 Er- krankungen an Diphtherie gemeldet, das ergibt für das ganze Jahr 8098 Erkrankungen, gegenüber 6041 Erkrankungen im vorhergehenden Jahr. Die Erkranknngsziffer war im Jahre 1911 um 2 057 höher als in 1910, d. h. um ein volles Dritte! der für 1910 ermittelten Ziffer. Schon vom Februar 1911 ab wies jeder Monat ein Plus gegenüber dem entsprechenden Monat des Vorjahres auf, aber der Hauptanteil an dem Gesamt- plus des Jahres 1911 entfällt auf das letzte Jahresdrittel, das eine ganz außerordentliche Zunahme der Erkrankungen brachte. Diphtherie-Erkrankungen wurden in den vier Monaten September, Oktober, November, Dezember gemeldet in 1910: 485, 555, 621, 634, zus. 2295, in 1911; 709, 992, 1123, 1119, zus. 3943, so daß allein das letzte Drittel des Jahres 1911 ein Plus von 1648 Erkrankungen hat. Ein Rückgang der Erkrankungsziffer ist erst wieder im Januar 1912 eingetreten, doch ist sie auch jetzt noch recht hoch. Auch die Diphtherie- S t e rbe fä l l e waren in 1911— das ist bei der Mehrung der Erkrankungen ohne weiteres begreiflich— zahlreicher als in 1910. Das Mehr an Sterbefällen ist aber doch nicht so groß, wie man nach den oben mitgeteilten Erkrankungs- ziffern es erwarten könnte. In den zwölf Monaten des Jahres 1911 starben an Diphtherie 80, 55, 63, 82, 58, 56, 43, 54, 70, 92, 119,108 Personen, das sind zusammen 380 Diphtherie- Sterbefälle, gegenüber 697 Diphtherie-Sterbefällen des Vorjahres. Das Plus in 1911 beträgt 183 Sterbefälle, etwas mehr als ein Viertel der Zahl aus dem Vorjahr. Auch bei den Sterbe- fällen war in 1911 erst vom Herbst ab die Aufwärtsbewcgung be- sonders stark._ Die Mieltschincr Prügelaffäre hat bekanntlich auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung zu dem Beschluß geführt, die in Mieltschin durch die hiesige Waisen« Verwaltung untergebrachten, dort aber ausgepeitschten Fürsorge- zöglinge auS der Anstalt zurückzuziehen und neue Zöglinge nicht mehr in diese Priigelanstalt zu überweisen. Mit der Leitung der Anstalt bestand ein Vertrag, nach welchem die Stadt Berlin sich auf zehn Jahre verpflichtete. Durch die skandalösen Vorkommnisse, die auf alles andere nur nicht auf eine Erziehung hindeuteten und die durch die gerichtliche Verhandlung erwiesen wurden und mit der Verurteilung des Hauptschuldigen, deS Pastors Breithaupt, zu der recht milde» Strafe von acht Monate» endeten, war die Stadt Berlin ihrer Verpflichtungen gegen die Leitung des Stiftes enthoben. Letztere aber wollte nicht so ohne weiteres in die Lösung des Vertrages willigen und es kam zum Prozeß. DaS Gericht kam zu einem abweisenden Bescheide der Stistsleitung. Im Urteil ist ausdrücklich anerkannt worden das Recht der Stadt. den Vertrag ohne weiteres zu lösen; mit großer Schärfe hat das Gericht ausgesprochen, daß der Stadt Berlin nach den bekannten Vorkommnissen die Erfüllung der vertraglich eingegangenen Ver- pflichtung nicht mehr zugemutet iverden konnte. Mit dieser gerichtlichen Entscheidung wird nur bestätigt, was unsere Genossen seinerzeit in der Stadtverordnetenversammlung dar- gelegt haben. Die Wahrnehmung der Strom- und SchiffahrtSpolizci auf den Berliner Wasserstraßen, soweit sie bisher von den Polizei- Schiffahrts-Bureaus in Berlin und Charlottcnburg ausgeübt wurde, geht vom 21. Februar 1912 ab auf die Wasserbauämter Berlin I und II über. Die genannten Polizei-Schiffahrts-Burcan? werden zu demselben Zeitpunkt aufgelöst. Für die polizeiliche Mc!- dung der Schiffer, die Zuweisung der Liegestellen, die Erhebung der SchiffahrtSabgabcn und die Annahme der Zählkarten für die Reichsstatistik werden drei Schiffermeldestellen eingerichtet und zwar: 1. eine an der Oberschlcuse des Landwehrkanals, 2. eine an der Plötzensccr Schleuse. 3. eine an der Charlottenburger Schleuse. Die Meldestelle an der Oberschlcuse wird dem Wasser- bauamt l, die beiden anderen werden dem Wasserbauamt II zu- geteilt._ Berkanf einer Markthalle an den PostfiSkus. Die Markthalle IV am Reichstagsufer und der Dorothccn- straßc 29 ist vom Magistrat Berlin für rund 3,8 Millionen Mark an die Reichspost verkauft worden. Tie Auflassung und Ilcbcrgabe der Halle, die auch bisher den Obstzüchtern in Werder als Ablade- und Vcrkaufsplatz diente, soll schon im April d. I. erfolgen. Der Erlös für die Halle soll auf Anleihekonto vereinnahmt werden. 2000 Gcmeindcschulkinder Berlins werden im März d. I. an vier Sonntagen im Zirkus Busch, wie in früheren Jahren, vier« stimmige Lieder vortragen. Der Reinertrag soll wieder Jugend- fürsorgevereinen zufließen. Bor den Augen seiner Geliebten erschossen hat sich in der ver- gangenen Nacht in einem hiesigen Hotel in der Nähe des Anhalter Bahnhofes der 20 Jahre alte Schuhmacher Wladislaus Wojszak aus Oesterreich, der sich schon einige Zeit in Berlin aufhielt. Wojszak kehrte mit seiner Geliebten Helene Mücke aus Roßlau Montagabend um 10 Uhr ein und sagte, daß er zwei Tage im Hotel bleiben wolle. In das Fremdenbuch irug sich das Paar als Wladislaus Wojszak und Frau, geborene Mücke, ein. Bald nach der Ankunft ging es aus und kehrte erst um 2 Uhr nachts zurück. Kaum hatte es sein Zimmer betreten, als der Hotelwirt einen Schuß fallen hörte. Er eilte hinzu, drang durch die unverschlossene Tür ein und fand Wojszak, der sich eine Kugel in die rechte Schläfe geschossen hatte, tot auf dem Fußboden liegen. Neben der Leiche stand regungslos das Mädchen. Der Wirt führte es sofort von der Leiche weg, brachte es in ein anderes Zimmer, schloß es dort zu seiner eigenen Sicherheit ein und holte die Polizei. Diese be- schlagnahmte die Leiche und ließ sie nach Aufnahme des Befundes nach dem Schauhause bringen. Das Mädchen nahm sie in Schutz- baft mit nach der Wache. Beweggrund zu der Tat des jungen Mannes sind unüberwindliche Schwierigkeiten, die sich der ehelichen Verbindung des Paares in den Weg stellten. Nachdem die beiden ihre Ersparnisse aufgebraucht hatten, griff Wojszak zum Revolver und machte, nach einem kurzen Wortwechsel mit seiner Geliebten, seinem Leben ein Ende. Ein schwerer Automobilunfall, dem ein achtjähriger Knabe zum Opfer fiel, ereignete sich am gestrigen Dienstag morgen in der Schwedenstraße. Als der 8jährige Max Weltmann, dessen Eltern in der Schwedenstraße 12 wohnen, sich zur Schule begeben wollte, wurde er vor dem Hause Nr. 18 von einer herannahenden Automobildroschke erfaßt und so unglücklich zu Boden geschleudert, daß ihm das linke Vorderrad über die Brust hinwegging. In schwerverletztem Zustande wurde das Kind nach der Unfallstation in der Badstrahe gebracht, wo der Arzt eine Gehirnerschütterung, Verletzung des Brustkorbes und innere Blutungen feststellte. In hoffnungslosem Zustande wurde der kleine W. nach dem Kinder- krankenhaus gebracht. Von einem Eisenbahnzug zermalmt wurde gestern ein unbe» kannter, angeblich aus Berlin stammender Mann, der sich in der Nähe der Station Seelow(Mark) vor einen Kleinbahnzug warf. Es handelt sich anscheinend um einen Geschäftsreisenden, der Pro- spekte einer Berliner Firma bei sich führte. Der Unbekannte, der von der Lokomotive des Zuges total zerstückelt wurde, hatte schon am Tage vorher einen gleichen Selbstmordversuch unternommen, konnte jedoch noch gerettet werden. Die Personalien des Lebens- müden konnten bisher noch nicht ermittelt werden. Opfer der Spitzhacke. In kurzer Zeit werden wieder zwei alte Moabiter Gebäude vom Erdboden verschwinden, die auf eine inter- essante Vergangenheit zurückblicken. In der Straße Alt-Moabit soll das ehemalige Chausseehaus und das alte Hollmachsche Ge- bäude abgerissen werden. Das Chaussechaus blickt auf das statt- liche Alter von fast 100 Jahren zurück. Lange Zeit hindurch diente es den Schlagbaumwärtern zum Aufenthalt, die dort an der Chaussee von den vorüberfahrenden Wagen das Chauffeegeld ver- langten. Mit Aufhebung der Wegezölle wurde aus dem Chaussee- Haus ein Tanzlokal und später ein Variete-Theater. Das zweite Gebäude ist nicht ganz so alt wie das Chausseehaus und war ständig im Besitz der Moabiter Familie Hollmach. Bis in die letzte Zeit hinein wurde dort ein Kolonialwarengeschäft unter dem Namen der Gebrüder Hollmach betrieben. Auf einer Eisscholle abgetrieben und ertrunken ist gestern nach« mittag ein ungefähr 10 Jahre alter Knabe, dessen Persönlichkeit noch nicht ermittelt Iverden konnte. Der Unglückliche spielte in der sechsten Stunde mit mehreren anderen Knaben auf dem Eise des Spandauer Schiffahrtskanals, der zum Teil schon offen ist, in der Nähe der Feimbrücke. Plötzlich löste sich eine kleine Scholle von der Eisdecke und trieb ihn ab. Sie konnte ihn aber nicht lange tragen und ehe Hilfe zur Stelle war, ging der Knabe unter und kam nicht wieder zum Vorschein. Seine Leiche ist bis jetzt noch nicht ge« borgen. Man weiß deshalb auch noch nicht, wer der Ertrunkene ist weil seine Spielkameraden, die auf dem Kanal mit ihm„schlitterte»"� ihn auch nicht kannten. AuS der Gegend der Unfallstelle scheint er nicht zu sein. Denn alle Nachfragen dort blieben erfolglos und auf dem Revier ist auch kein Knabe als vermißt gemeldet worden. Sexuelle Erziehung. Die von der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten einberufene, am 9. Februar im Bürgersaal des Rathauses tagende Versammlung gestaltete sich insofern zu einer bedeutsamen Kundgebung, als zum erstenmal die Direktoren und Lehrer unserer höheren Schulen auS ihrer Reserve heraustraten und durch eine rege Teilnahme an der Diskussion ihr Interesse für die Erörterung der Frage bewiesen, inwieweit die Schule und das Elternhans die sexuelle Er- ziebung �übernehmen sollen. Herr SanitätSrat Dr. Heiden» hain-Steglitz legte in feinem Referat die zwingende Notwendigkeit einer solchen Belehrung dar, die, wenn sie für die Abiturienten auch vielfach zu spät komme, doch auch hier noch von größter Bedeutung sei. Jedenfalls müsse die Belehrung unter starker Betonung der ethischenKSeite allen' zuteil werden. Daß das Elternhaus sin dieser Sache so wenig tue. sei darauf zurückzuführen, daß viele Eltern selbst unwissend seien und namentlich nicht genügend pädagogisches Geschick zur Bewältigung dieser Aufgabe besäßen. Ist erst eine Generation herangewachsen, die rechtzeitig und von fachmännischer Seite die nötige Ausklärung gefunden hat, dann wird vielleicht auch das Elternhaus fähig sein, der Schule diese Aufgabe wieder abzunehmen. Die Diskussion, an der berufene Vertreter höherer Lehranstalten teilnahmen, gestaltete sich sehr lebhaft. Es wurde von verschiedenen Seiten betont, daß man der Jugend das Ideal der Keuschheit immer wieder als Ziel hinstellen und jdancben auch an den Egoismus des einzelnen appellieren müsse. Solange das Elternhaus nicht eine Aufklärung Übernimmt, hat die Schicke die Pflicht, helfend ein- zugreifen. Unter den zahlreichen Gesichtspunkten, Re entwickelt wurden, fei besonders die Forderung hervorgehoben, daß der Schul- Unterricht eine biologische Grundlage schaffen müsse und so den Boden vorbereite für die notwendige Belehrung, die dann sicherlich ein starker Schutz werde. Es gelangte zum Schluß folgende Reso« lntion einstimmig zur Annahme: �„Die von der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten einberufene Versammlung erkennt die Not« wendigkeit einer Reform der sexuellen Jugenderziehung an; als nächste Aufgabe betrachtet sie die Einführung der schon in viele«! deutschen Städten regelmäßig und mit bestem Erfolg gehaltenen Abitiirientenvorträge, bei denen sowohl der hygienische als auch der sittliche Gesichtspunkt, zu betonen ist und hofft, daß seitens der staat- lichen und städtischen Unterrichtsvertoaltungen die erforderliche» Mittel hierzu zur Verfügung gestellt werden." Die freie Volksbühne hielt am Donnerstag, den 8. Februar, im großen Saale des GelverkschaftShanseS ihre regelmäßige Quartals« Versammlung av. Nach einem Vortrag von Theodor Heuß iiber Ludwig Pfau gab der Kassierer Winller den Vorstands- und Kassen berichl. Dem Kassenberichl ist zu entnehmen, dah im 4. Quartal 1811 einer Einnahme von 57 742,70 M. eine Ausgabe von 69,966,65 M gegenübersteht. Die Abteilungen weisen noch Lücken auf und sei es dringend notwendig, dah noch neue Mitglieder gewonnen werden. Die Mitglieder müßten versuchen, ihre Freunds und Bekannten zum Eintritt in die Freie Volksbühne zu veranlassen. Einwendungen gegen das Repertoir und die Geschäftsführung wurden nicht erhoben. Deutscher Arbeiter-Sänger-Bund, Gau Berlin und Umgegend. In der Ausschutzsitzung am letzten Sonntag wurde der Gesang verein„Vorwärts"-Belzig aufgenommen. Sodann erfolgte die Wahl der Revisoren und Kontrolleure. Dieselbe hatte folgende Resultat. Zu Revisoren wurden die Sangesbrüder Nätebusch, Schmidt und Timme, zu Kontrolleuren die Sangesbrüder Fischer, Gaffke. Hahn, Przibilla, Richter, Roggemann und Störzer ge� wählt. Dom erstattete die zur Vorbereitung der Wahl des Bundesdirigenten gewählte Kommission ihren Bericht. Es haben sich sechs Herren gemeldet, von denen zwei zur engeren Wahl stehen. Die Wahl selbst findet am Sonntag, den 25. Februar, in der nach der Uebungsstunde stattfindenden Ausschußsitzung statt. Als Lokal für das nächste Sängerfest wurde nach längerer Debatte, in welcher auch die Orte Friedrichshagen und Grünau in Vorschlag gebracht wurden, Schloß Weihensee gewählt. Ein Fahrradmarder stahl am Sonnabend früh zwischen 4 und 5 Uhr aus dem Restaurant von Koch, Zimmerstr. 34. ein Fahrrad, Marke„Anker", Nr. 26605, Torpedo-Freilauf mit Rücktrittbremse, schwarz emaillierte Felgen. Etwaige Mitteilungen wolle man an Otto Winkler, Schriftsetzer, Neukölln, Falkstr. 11 II, gelangen lassen. Vorort- JVacbricbtem Schöneverg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurden die neugewählten und bestätigten Stadträte Bartelt, Finke, Prof. Dr. Franke, Rosenberg, Was- mannSdorff, Jhberner, Dr. Kriege! und W i k a n d e r unter den üblichen Formalitäten eingeführt. Alsdann nahm der Käimnerer M a ch o w i c z daS Wort, um zu dem vorliegenden Etat einige Ausführungen zu machen. Er führte aus, datz die Etatslage für 1912 keine besonders günstige sei. Ursache und Wirkung liegen aber nicht auf lokalem Gebiete; auch die übrigen Gemeinden Groh-Berlins verzeichnen eine ungünstige Wendung oder einen Stillstand ihrer Etatslage und ihrer steuerlichen LeistungS- fähigkeit. Beides komme zum Ausdruck in dem Beschluß sämtlicher Magistrate Groh-Berlins, den Zuschlag zur Einkommensteuer von 166 auf 116 Proz. zu erhöhen. In diese Lage habe die Gemeinde in erster Reihe die Ungunst der Verhältnisse auf dem Grundstücksmarkt geführt. Auch die langsame bauliche EntWickelung ist auf den un- günstigen Stand des Marktes zurückzuführen. Der Ausgleichsfonds »nüsse in einem Mahe in Anspruch genommen werden, datz selbst nach der Annahme der beantragten Steuererhöhung für 1912 zur Balanzierung des Voranschlages noch ein Bekrag von 315 666 M. aus dem Ausgleichsfonds genommen werden mutz. Nutzer der Er- höhung der Gemeindesteuer von 166 auf 116 Proz. schlage der Magistrat ferner eine Erhöhung der Grundwert st euer von 2,25 auf 2,7 Promille deS Wertes der bebauten und von 4,5 auf 5,4 Promille des Wertes der unbebauten Grundstücke vor. Die Schöne- berger Hausbesitzer werden aber keine Veranlassung haben, sich durch die Erhöhung allzusehr belastet zu fühlen. Der Schöneberger Hausbesitz nimmt auf die Höhe der Steuerausfälle in Grotz-Berlin überhaupt eine so hervorragend günstige Stellung ein, datz demgegenüber die höhere Steuerbelastung weit zurücktrete. Der Wert der' bebauten Grundstücke betrage»ach dem neuen Etat in Schöneberg 861 Millionen Mark, in Wilmersdorf 766 Millionen Mark. Bei der Gewerbesteuer beantrage der Magistrat die Erhöhung, der Zuschläge für die Klasse III von 166 aus 156 Proz., für die Klasse IV von 166 auf 125 Proz. Ungünstig beeinflutzl würde der Steueretat durch die Mehrausgabe an Provinzialahgaben; der Etatsansatz hat von 636166 auf 732666 M-, also um 162 500 M. erhöht werden müssen. Zobel(Lib. Frakt.) sprach dem Kämmerer seinen Dank aus für das rechtzeitige Einbringen des Etats, obwohl derselbe gegen das Vorjahr ungefähr drei Wochen später eingebracht wurde. Redner bedauerte das Ausscheiden aus dem Brandenburgischen Städtetag und meinte, die bisherige Verärgerung dürfe nicht zurückschrecken. Die geplante Erhebung eines Schulgeldes für die Fortbildungsschule müsse abgelehnt werden. Die Volksschule müsse achtstufig ausgebaut werden, da eine Weiterentwickelung unbedingt erforderlich sei. Die Jugendspiele müssen mehr gefördert werden. Sparsamer sollte gewirt« schastet werden beimStratzenbau, dort wo nur die Postkutsche, der Milch- wagen und des Nachts die Autos verkehren, sollte man kein vor- nehmcs Pflaster beziv. Asphalt legen, sondern die Strotzen chaussieren. Dem Steuersatz auf 116 Proz. wird die Liberale Fraktion zustimmen. Datz die Werlzuwachssteuerordnung für ungültig erklärt wurde, darf den Liberalen nicht zur Last gelegt werden, sondern den Herren, die vordem die Mehrheit hatten. Schöneberg hat die geringste Zahl leer- stehender Wohnungen. Der jetzigen schwierigen Situation könne nur durch Weiterführen der Untergrundbahn abgeholfen werden. H e p n e r skommunalfortschr.s erklärte i Der Kämmerer und Magistrat dürften sich nicht auf die ungünstige Lage anderer Städte berufen, sie seien für die eigene Stadt verantwortlich. Mit dem Berliner Ortsteil war auch die Bebauung beendet. Früher lvar immer Geld da. jetzt soll plötzlich äutzerste Sparsamkeit herrschen. Der Ueberschutzfonds betrug, als die Unabhängigen die Mehrheit besahen 2 Millionen Mark, jetzt, da die Gruppe Zobel die Mehrheit bilder, nur 466 666 M. Die Schuldigen sollte man in den Reihen der Liberalen suchen. Die kommunalfvrtschrittliche Fraktion lehne die neuen Steuern ab. Genosse Bernstein führte aus: Die Ausführungen des Kämmerers klangen aus: Wir sind zwar nicht bankrott, aber Geld haben wir auch nicht. Im allgemeinen sei die Lage in Schöneberg gar nicht so ungünstig, sie sei nur etwas böse dargestellt worden. Ein Steuerausfall sei eingetreten, weil im Vorjahre die Steuer- betröge zu hoch angesetzt waren. Leider war der Magistrat der Hinaussetzung der Steuerfreiheit nicht beigetreten. Ein Einkomnien von 1266 M. bedeute in Wirklichkeit nicht mehr als vor einigen Jahren 966 M. Man könne auch für die Besteuerung der kleinen Einkonimen sein, wenn keine indirekte Steuern erhoben würden; solange letzteres der Fall ist, mutz die Grenze für Steuerfreiheit hinaufgerückt lverden. Der Erhöhung der Gemeindeeinkommensteuer auf 116 Proz. stimme die Sozial- demokratie zu, dagegen lehne sie ab, die Kleingeioerbetreibenden noch stärker noch belasten. Die Erhöhung der Gebäudesteuer ent- spreche dem allgemeinen Gebrauch. Zu bedauern sei nur, datz bei Beratung dcd Zweckverbandes die Kommunen nicht energischer für ein Grotz-Berlin eingetreten seien. Für die Volksschulen seien mir 5000 M. mehr eingesetzt, dagegen für die höheren Lehranstalten 64 666 M. Es müsse bezüglich de« Schulgeldes eine Einheitlichkeit über Grotz-Berlin geschaffen werden. In der von uns geforderten E i n h e i t s- schule soll es sich zeigen, ob das Kind füroas praktische Leben oder für die höhere Laufbahn sich eignet. Die neue Mittelschule müsse ihre Existenz erst beweisen. Der obligatorische Ausbau der Fort- bildungsscbule auf die ungelernten Arbeiter sei zu begrützen. Der Etat belaufe sich auf 18 Millionen Mark, davon werden für gemeinnützige Zwecke nur 659 666 Mari verausgabt, eine immerhin ziemlich minimale Summe. Die Arbeitslosen- Versicherung sei billig davongekommen, da der aus- gesetzte Betrag bei weitem nicht verbraucht wurde. Aufgabe des Reiches sei es, die Arbeitslosenversicherung selbst in die Hand zu nehmen. Die bestehende Badeanstalt reiche für das Bedürfnis nicht aus. es fragt sich, wann endlich Geld vorhanden sei. um eine vollständige Badeanstalt zu erbauen. Nach wie vor verlange die sozialdemokratische Fraktion die Unentgeltlichkeit der Lern- mittel. Die P o l i z e i k o st e n seien lviederum um 76666 M. in vier Jahren von 193 886 M. auf 342 000 R. gestiegen und doch Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. habe die Stadt nichts dreinzureden. Die Polizei last« an Parität viel zu wünschen übrig, besonders den Arbeitern gegenüber. Not- wendig sei, die Anleihen zu reduzieren und alte Anleihen schleunigst zu tilgen. Linicus(Hausbes.-Frakt.) erklärte, daß seine Fraktion ebenfalls für die 110 Proz. stimmen würde. I a tz o wdes Innern zu senden, ferner die Ver> Handlungen mit dem Kreise Teltow zwecks Ausscheidung wieder aufzunehmen, wurde vom Gemeindevorstand abgelehnt, aber schließ- lich wurde doch noch das Versprechen erreicht, in der nächsten Woche eine außerordentliche Sitzung einzuberufen, die sich aus- schließlich mit der Stadtwerdungsfrage befassen soll. Als letzter Punkt kam noch ein Antrag unserer Genossen zur Verhandlung: „Die Gemeindevertretung möge beschließen, den Gemeindevorsteher zu ersuchen, die Gemeindewahlen der dritten Abteilung auf einen Sonntag anzubraumen." Genosse Aß mann wies an der Hand von Zahlenmaterial nach, daß es bei der großen Wählerzahl ein» fach unmöglich sei, an einem Wochentage gültige Wahlen zu er- zielen. Nur der Sonntag, an dem sich das Wahlgeschäst gleich- mätziger auf alle Stunden verteile, biete vielleicht die Möglichkeit, allen Wählern die Ausübung ihres Wahlrechts zu ermöglichen. Die Berechtigung des sozialdemokratischen Antrages wurde von allen Seiten anerkannt und ihm von der Mehrheit zugestimmt. Zu der gegnerischen Minderheit gehörte bezeichnenderweise der gesamte Gemeindevorstand. Daraus könnte man folgern, daß dem Gemeindevorstand gar nichts an dem Zustande- kommen von gültigen Gemeindewahlen liegt. Vortragskursus. Am Freitag, den 16. Februar, abends 8Vj Uhr. beginnt im Lokale von Schellhaie, Steglitz, Ahornstr. 15», der auf sechs Abende berechnete BortragSkursuS des Genossen Ernst D ä u m i g über Deutsche Literaturgeschichte. Ein- t rittS ka rt e n(56 Pf. für alle sechs Vorträge) sind im Vortrags- lokal zu haben. Der Bildungsausschuß. Lichtenberg. Der arme Rittergutsbesitzer. Der Rittergutsbesitzer Roeder-Lichtenberg stimmt im Landes- ökonomiekollegium ein bewegliches Klagelied über die Erdrosselung der Grundbesitzer durch hartherzige und ungerechte Besteuerung an. Er denunzierte die Hausbesitzer, datz sie, im Bunde mit den Sozial« demokraten, den unbebauten Grundbesitz einseitig belasteten, so datz die arm werdenden Grundherren den Wanderstab ergreifen müßten. Allerdings, Herr Reeder hat den Staub Lichtenbergs von den Pan- löffeln geschüttelt. Im reichen Westen wohnend, brütet er burleske Reden aus, mir denen er bei allen passenden und unpassenden Ge- iegenheiten über das Steuerzahlen lamentiert. Trotzdem ist er Stadt- vater von Lichtenberg, sogar stellvertretender Stadtverordneten- Vorsteher und er" weis; hier daS Gruudbesitzerprivilegium sehr gut für seine Interessen auszunutzen. Die vor zwei Jahren eingeführte Wertzuwachssteuer deichselte er mit den von ihm verleumdeten Freunden so, datz sie ihn nicht treffen konnte. Uebcrhaupt ist er der sprechende Beweis für das Armwerden der Gutsherren. Er übernahm vor zirka 36 Jahren das Rittergut Lichtenberg für zirka 266 666 M. Einen Teil des Ge- ländes teilte er für die industrielle Bebauung aus. Diese förderte er durch Anlegung einer Industriebahn. Gern sei anerkannt, daß er sich bei der Verwertung als ein geschickter und fleißiger Mann er- wieS. Aber er konnte auch reichlich ernten I Seine Aufwendungen für Slratzenbau. Kanalisation und die Eisenbahn kann man auf zirka 3 Millionen Mark veranschlagen. Er hat aber auch schon schätzungsweise für«— y Millionen Mark Terrains verkauft. Und vor iV-j Jahren bot er den Rest für insgesamt 70 Millionen Mark an. Da ihm nur 16 Millionen geboten wurden, verzichtete er; bei weiteren Einzelverkäufen will er noch weit über 26 Millionen Mark herausholen. So sieht es mit dem Verarmen aus! Aber die Steuern? Kürzlich hat seine Terraingesellschaft eine Reklameschrist herausgegeben; darin wird mitgeteilt, datz auf dem ehemaligen Gutshof bereits 51 grotzindustrielle Anlagen domizilieren, und unter den Vorzügen Lichtenbergs wird angeführt: Niedrige Steuer- s ä tz e I ES ist nicht bekannt, datz Herr Rocder gerade unverschämt sei bei der Festsetzung der Pachtmieten für Laubenland, aber man weiß doch, daß die Pachten seine Steuerleistung aufbringen. Nach ihm ist der feste Grundbesitz da? festeste Bollwerk gegen Revolution und Umsturz und er kennt kein größeres Sehnen, als fich dieses Bollwerkes auf Kosten der Allgemeinheit recht teuer zu entledigen und vom Steuerzahlen verschont zu bleiben. Der arme Mann I Ober-Schöneweide. Sittlichkcitsvergchen. Der Tischlermeister P. sowie der Bäcker- meister L. von hier sind verhaftet worden, da ihnen zur Last gelegt wird, fick, an 12- bis 13jährigen Schulmädchen vergangen zu haben. Bei P. sollen die Vergehen schon drei Jahre zurückliegen.— Auch der Gastwirt B. ist angeblich wegen eines Notzuchtvergehens Plötz- lich verhaftet worden. Er soll sich an einem in seinem Lokal ver- kehrenden Mädchen vergangen haben, nachdem er die Getränke mit einem Betäubungsmittel vermischt hat. Königs-Wnsterhausen. Mit unliebsamen Vorgängen in der gemeinsamen Ortskrankenkasse Königs-Wusterhausen und Umgegend beschäftigte sich etne von etwa 266 Mitgliedern besuchte Versammlung. Unter den Kaffcnmitgliedern hat eine ziemliche Erregung Platz gegriffen, weil dem bereits 2 2 Jahre als Kassenarzt tatigen Stabsarzt Dr. Z i in m e r m a n n ab 1. Januar d. I. die Praxis entzogen wurde. Am 6. Januar ging den Generalvertretern der Kasse vom Rendanten Marwitz ein Schreiben zu. das diese Mitteilung überbrachte.„Gründe, warum Herr Z. als Kassenarzt entlassen wurde, können und dürfen nicht öffentlich klargelegt werden, obgleich wir es gern möchten," schrieb der Rendant den Bertretern. Ein seitens deS „gemaßregelten Kassenarztes" an die Vertreter gerichtete? Memo- rändum forderte, die gegen ihn sprechende Gründe öffentlich bekannt zu geben. Der Vorstand der Kasse rückte mit den„Gründen" jedoch nicht heraus und auch in der Versammlung erfuhr man nichts, so datz die Kaffenmitglieder sich beute noch vergebens fragen, warum denn Herr Zimmermann nicht mehr Kassenarzt ist. Der treibende Keil sollen angeblich die Herren Aerzte Hahn, Opitz und Wagner sein, wenigstens konnte man dies den Ausführungen entnehmen, die der stühere Kaffenvorsitzende in der Versammlung machte. Große Ent- rüstung rief es hervor, als einige Kaffenmitglieder Beschwerden über die ihnen vom Rendanten zuteil gewordene unpassende Behandlung vorbrachten.— Am Schlutz der Versammlung wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der gefordert wird, dem bestehenden Aerztemangel Abhilfe zu tun. Weiter wird ver- langt, datz die Generalvertreter in einer baldigst einzuberufenden Generalversammlung den Beschlutz des Vorstandes umstoßen, damst Herr Zimmermann wieder Kasienarzt wird. In einem ebenfalls an« genommenen Antrage wird die Entlassung des Rendanten Marwitz zum 1. Juli d. I. gefordert. Potsdam. Stadwerordnctenversammlung. Bei Beginn der Etats» beratungen teilte der Oberbürgermeister mit, daß die Balan- cicrung des Etats für das nächste Jahr sehr schwierig sei. Eine Erhöhung der Einkommensteuerzuschläge(116 Proz.) sei nicht notwendig, aber mit einer gewissen Sorgfalt sei bei den einzelnen Etats das Augenmerk darauf zu richten, datz bei den Ausgaben Er- sparnisie gemacht werden. Ob man aber dazu die richtige Stelle ausgesucht hat, erscheint fraglich, denn in voriger Sitzung wurde die Vorlage' über die Erhöhung der Löhne der Feuerwehrleute und deS Arbeiterkorps vertagt; in dieser Sitzung ereilte die Anrechnung der Mililärzeit auf das BesoldungSdienstalter der Beamten und die Bewilligung von Ortszulagen an die technischen Lehrerinnen das gleiche Schicksal. Kapitel Polizeiwesen er- fordert einen städtischen Zuschutz von 132 666 Mark. Ueber die rstsetzung des Zuschusses für 1969 schwebt noch ein treitverfahren. Potsdam besitzt im Verhältnis zur Einwohnerzahl eine sehr grotze Menge von Schutzleuten und anderen Polizeibeamten, infolgedessen ist der von der Stadt geforderte Zu- schütz ganz besonders hoch. Der Bezirksausschuß hat den Beilrag der Stadt schon um 29 969 M. ermäßigen wollen, die Stadt hielt auch diese Summe noch für zu hoch und klagte beim Ober» Verwaltungsgericht»oeiter. Da der Reubau eines großen DirektionSgebäudes in Aussicht steht, fragte Stadtv. Winzler an. ob die jetzt schon pro Einwohner betragenden Kosten von 2 M. sich dadurch vielleicht auf 3—4 M. erhöhen würden. Bürgermeister R o d i g flab zu, datz die Kosten steigen werden, da ja die Stadt ein Drittel der Kosten der Polizeiverwaltung zu tragen habe, bezweifelt aber die Höhe von 3—4 Mark. Beim Kapitel Grundbesitz(Einnahme 89 636 M., Ausgabe 4316 M.) wird angeregt, die städtischen Ländercien in der Brandenburger Vor« stadt für die Einrichtung von Laubenkolonien in Aussicht zu nehmen. Ebenso soll ein Spielplatz eingerichtet werden. Kapitel Badean st alten schließt in Einnahme mit 3666 M. und in AuS» gäbe mit 2750 M. ab. Die Anstalten sind erst vor zwei Jahren er- richtet: man versucht aber, was zuerst bestritten wurde, auch hier Ueberschüsse zu erzielen, nachdem man jeden Antrag auf Gewährung von Ermäßigungen irgendwelcher Art für die minderbemittelte Be- völkerung abgelehnt hat. Kapitel Armenverwaltuna hat 35 566 M. Einnabmeu und 232 900 M. Ausgaben, erfordert also einen Zuschntz von 197 466 M. Der Posten für Pflege- kosten der Geisteskranken ist um 6666 M. gestiegen. Kapitel Ber- sorgungSheim schließt bei 13 866 M. Einnahmen und 79 400 M. Ausgaben mit einem Zuschuß von 65 666 M. ab. Kap. Auguste-Viktoria-KrankenbauS(erste und zweite Klasse) in Einnahme und Ausgabe 26 456 M.; Kap. Spar- kassenverwaltung setzt die Kosten aus 67 675 M. fest. Der Erwerb des Zentenschen Grundstückes„Auf dem Kiwitt" 7(Fluß- badeanstalt und Restauration) ist an«ine Kommission verwiesen. DaS Kaufangebot beträgt 75 666 M. Zur Klageerhebung gegen den früheren Stadtv. Baumeister Enders gab die Versammlung ihre Zu- stimmung. Zur Stratzenregulierung in der Weitzenburger Stütze soll ein 131 Quadratmeter großer Streifen enteignet werden. Ueber den Preis war eine Einigung mit dem Besitzer nicht zu erzielen. Durch Beschlutz des Bezirksausschusses ist der Wert auf 5582,36 M. festgesetzt worden. Ein Sachverständiger der Stadt hat demgegen- über den Wert auf nur 1652,36 M. taxiert. EingeFangene Drucfcrdmftoi. Univerfal-Bibliothek. 5366 Die Berliner Märztage. Von K. Frenzel— 5367— 70. Tchlefifche Gedichte. Bon K. v. Holtet.— 5371. Schillers Fiesko. Von Dr. 31. Zipper.— 5372. DaS Familienkind. Von F, Friedmann-Frederich.— 5373/74. Nebe« der Welt. Erzählungen von B. Wildberg.— 5375. Puppentheater. Von F. Pocci.— 5376. Novellen. Von A. v. KIlnckowström.— 5377— 80. Die Familie Polaniecki. Roman von H. Sienltewicz, Einzelnummer 20 Pj. PH. Reclam, Leipzig. wiiii um ii Iii■«— g»m————— SozialdemokratiselierWablvereln für Treptow-Baumsctiulenweg. Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unser Genosse, der Gastwirt Hennsrm Werner (Harzerstr. 117, Bez. 12) ehemaliger Beisitzer resp. Bezirks- sührcr unseres Wahlvereins, am g. d. MlS., im Alter von 3t Jahren plötzlich und unerwartet durch Unglückösall gestorben ist. Ehre seinem Andenkcn k Di« Beerdigung findet am Freitag, den IS. Februar, nach. mittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindc-Fried- hoscs. Neue Krug.3lllee. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Vorstand. Buchhandlung Vorwärts SW. 68, Lindenstr.69(Laden) In nener Auflage ist er- schienen: r Eine Anleitung zum Erwerb des sür die sozialdemokratische 3lgi. talionsläligkeil notwcn- digenWissenSu-KönnenS Von Ednard David. 4. durchgesehene Auslage. Preis I.Sv Mar!. Lieferwagen und alle Sorten Räde», Palisadenfttahe t0t. 2S27b Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Ve rlagSanjtalt Paul Singer u. Co, Berlin SW.