nbennementS'Bcdingungen: Abonnement«- PretS brinumeranbo: «icrteljShrl. S£0 SKI., monotL 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ws Haus. Sinzeine Nummer S Pfg. Sonntags- nummer nnt illustrierter Sonntag«. Beilag«.Die Neue Weit" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Mar! pro Monat. Eingekagen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband ,ür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen am Belgien, Dünemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und vie Schweiz. GrfchtlDt»glich atlBer tncntags. 29. Jahrg. Die Tnfert1onS'Geti(lf)r betrSgt für die sechsgespaltene Koloncl- zeUe oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Verein«- und VersaminlungS-Anzeigen M Pfg. „RUinc Hnzelgcn", das settgedruille Wort 20 Pfg. fzulässig 2 fettgedruckte Worte), fedeS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllenan- zeigen daS erste Wort 10 Pfg,, jcdeS weitere Wort S Pfg. Worte über löVuch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müstcn bis ü Uhr nachmittags in der Expedition llbgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend« geöffnet. Berliner Volksblnkk. Zentralorgan der fozlaldemokratifcben parte» Deutfchlands. Telegramm- Adress« uSozi3lil»Bi»krat BtrUo"« Redaktion: 8W. 68, Lindcnstraae« 69. Fernsprecher: Amt Morichplatz, Nr. 1S83. Donnerstag, den 15. Februar 1912. Expedition: GM. 68» lUndenstrasse 69, Fernsprecher: Amt Moritzplah, Nr. 1S84. Aeg mit dem Kartoffelzoll. Heute tritt der Kartoffelzoll wieder in Kraft. In der nächsten Woche wird die Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion über die Aufhebung des Kartoffelzolls und die der Fortschrittlichen Volkspartei über die Suspendierung des Kartoffelzolles bis zum 1. Mai d. I. zur Verhandlung kommen. Infolge der starken Verteuerung aller Lebensmittel durch die Zoll- und Steuerpolitik der agrarischen Parteien muß bei den arbeitenden Massen der Genuß der wertvolleren Nahrungsmittel, Fleisch, Hülsenfrüchte, Brot, Butter) hinter dem der weniger nahrhaften Kartoffel stark zurücktreten. Wäh- rend die wasserhaltige Kartoffel nur einen Bestandteil der Mahlzeit bilden sollte, ist sie in vielen, den untcrernährten Schichten des Volkes zum Haupt- oder alleinigen Gericht ge- worden. Eine Preissteigerung dieses Nahrungsmittels wirkt daher nicht nur für alle Konsumentenkreise drückend; sie ist geradezu als eine Gefahr für den schon durch Unterernährung geschwächten Teil unseres Volkes anzusehen. Die Kartoffelpreise sind aber im vergangenen Jahre infolge der ungünstigen Sommerwitterung stark gestiegen. Bereits im Juli 1911 mußte man im Kleinhandel in den städtischen Markthallen Berlins für neue Speisekartoffeln 13 bis 25 Pf. pro Kilogramm bezahlen, während die entsprechenden niedrigsten und höchsten Preise im Jahre 1919 nur 7 und 19 Pf. be- trugen. Im Jahresdurchschnitt 1911 wurden für 1999 Mo- gramm guter Speisekartoffeln in Berlin 59,79 M., in Magde- bürg 58,98 M„ in Breslau 59,79 Dt. gezahlt. Der Jahres- durchschnitt für 1919 dagegen stellte sich in Berlin auf <19.99 M., in Magdeburg aus 37,58 M., in Stettin auf 49,93 M. Der Preisunterschied zwischen beiden Jahren betrug also pro 1999 Kilogramm 29 M. Inzwischen sind die Preise infolge mangelnden Angebots noch höher ge- stiegen. Bereits im Dezember 1911 kosteten die genannten Sorten.Kartoffeln pro 1999 Kilogramm in Berlin und Stettin 89 M.(gegen 44,17 M. im Dezember 1919).. Im Februar d. I. wurden in Berlin für 1999 Kilogramm 119 M. gegen 59 M. im Vorjahr notiert. Seit 1999 hat damit der Kartoffelpreis seine höchste Höhe erreicht. Man zahlte: in Berlin in Breslau Für die Monate bis zur Sommerernte ist eine weitere Steigerung zu erwarten. Sie wird um so sicherer eintreten. da am heutigen Tage der Kartoffeleinfuhrzoll als neue Ursache in Kraft tritt. Während vom 1. August bis 14. Februar die Einfuhr von Kartoffeln zollfrei ist, wird sie in der Zeit vom 15. Februar bis zum 31. Juli mit einem Zoll belastet, der 2,59 M. pro 199 Kilo beträgt, durch die Handelsverträge aber auf 1 M. herabgesetzt worden ist. Zur Begründung dieser Zollbelastung wurde von den Agrariern geltend ge- macht, daß er nur die aus südlichen Ländern im Frühjahre eingeführten frischen Kartoffeln treffen solle. Nur die„Malta- kartoffeln"— Malta, Cypern, Algerien und Gibraltar liefern die ersten teuern Kartoffeln— würden als Luxusware den Zoll zu tragen haben. Tatsächlich sind die genannten Länder nur in geringem Maße an der Einfuhr beteiligt. Im Jahre 1919 wurden insgesamt 3 196 529 Doppelzentner ein- geführt. Gibraltar, Malta und Cypern lieferten davon nur 52 579. Algerien nur 5199 Doppelzentner. Im Jahre 1911 betrug der Anteil Gibraltars, Maltas und Cyperns(dcr�ver- schwindend kleine Algeriens ist noch nicht bekannt) nur 97 998 Doppelzentner von insgesamt 7 941896 Doppelzentnern. Die Hauptmengen liefern vielmehr Länder, deren Klima sich von dem Deutschlands nicht so wesentlich unterscheidet und deren Ernten daher ebenfalls in den Sommer fallen. So wurden aus den Niederlanden 3,875 Millionen, aus dem europäischen Rußland 2.185 Millionen, aus Belgien 9,979 Millionen Doppelzentner im Jahre 1911 eingeführt. Diese Mengen enthalien durchaus keine Luxusware, sondern Speise- und Futterkartoffeln in Sorten, die denen Deutsch- landS ganz ähnlich sind. Würden nur die LuxuStartoffeln aus südlichen Ländern vom Zoll getroffen, so hätten 1919 nur 57 69l) Doppclzentner, 1911 nicht viel mehr als 199999 Doppelzentner besteuert werden dürfen. Tatsächlich wurden aber 1919 952 457 Doppelzentner und 1911 genau 1949 484 Doppelzentner Kartoffeln bei der Einfuhr mit Zoll belegt. Nicht die Luxusware allein, auch noch neun- bis zehnmal so große Mengen mehr sind also verzollt worden. Der Zoll verteuert den Preis aller, auch der einheimischen, Kartoffeln. Er bedeutet nichts anderes als eine Belastung des großen Konsums, eine Schädigung gerade der ärmsten Teile unseres Volkes. Einer Einfuhr von Kartoffeln vor dem 15. Februar be- gegnete im vergangenen Jahre, abgesehen von den sonstigen wirffchaftlichen und verkehrstechnischen Hindcrungs- gründen, noch der niedrige Wasserstand der Flüsse, der den vor allem in Frage kommenden Wassertransport unmöglich machte oder stark verteuerte, sowie der starke Frost, der die Kartoffeln beim Eisenbahntransport der Gefahr des Erfrierens aussetzte. Schon abgeschlossene Lieferungen konnten daher nicht realisiert werden; sie lagern noch außerhalb Deutschlands. Die Kartoffel kommt auch als wichtiges Futtermittel in Betracht. Die Landwirte werden sie in diesem Jahre weniger als je aus dem Auslande beziehen können und noch mehr zur Verfütterung von Roggen greifen müssen. So wird der Kartoffelzoll auch weiter die Preis st eigerung von Fleisch und Getreide befördern. Schließlich bedürfen wir, da bereits jetzt die Kartoffel- Vorräte in Deutschland fast ganz aufgebraucht und die im Ausland auch nicht bedeutend sind, ungehinderte und sofortige Einfuhr der südlichen Frühjahrs- kartoffeln. Regierung und bürgerliche Parteien werden wiederum vor die Frage gestellt, ob ihnen die Gesundheit des Volkes höher steht als die Gewinnsucht der Agrarier. Der Wille des Volkes ist deutlich genug bei den Wahlen kund geworden. Schon bei dieser gegen die gesamte Zollpolitik verhältnismäßig geringfügigen Angelegenheit wird sich beweisen, ob Regierung und Reichstag geneigt sind, diesem entschiedenen Willen des Volkes zu folgen._ Die LSlung der PräfidentenMe— Beginn der Etatsberatung. Aus dem Reichstag wird uns geschrieben: Die Maschine, die Zentrum und Konservative am liebsten nie unter Dampf sehen möchten, läuft nach acht Tagen endlich. Ueber die Obstruktionsgeliiste der schwarzblauen Blockbrüder, die heute wieder in der Abgabe weißer Zettel bei der Wahl eines Präsidenten und Vizepräsidenten zur Geltung kamen, hat das Haus sich eine, freilich nur provisorische, Arbeits- fähigkeit geschaffen. Als habe er sein halbes Leben lang dem Parlament präsidiert, so gelassen und sicher eröffnete Genosse Scheidemann diese zweite Sitzung unter sozialdemo- kratischer Geschäftsführung und erledigte die ersten Aufgaben. Das Schreiben des Herrn Paaschs, in dem er seinen Rück- tritt von dem Posten eines zweiten Vizepräsidenten ankündigt, wird von der Linken mit einem verständnisvollen und ironischen Aha! zur Kenntnis genommen. Gegen die sofortige Neubesetzung dieser Stelle hat das Haus nichts einzuwenden, und so vollziehen sich ohne Zwischen- fälle unter dem zweimaligen ermüdenden Namensaufruf der Dreihundertsiebenlindneunzig die Wahlen des Präsidenten und des zweiten Vizepräsidenten. Das Resultat überrascht niemand, und Herr K a e m p f übernimmt das Präsidium. Herr D 0 v e tritt an P a a s ch e s Platz, so daß die Fraktion, die in der Hauptwahl nicht einen Mann durchbrachte, jetzt mit zwei Mitgliedern im Präsidium vertreten ist. Mit einem gewissen inneren Uff der Erleichterung wird nun an die regelmäßige Erledigung der Tagesordnung ge- gangen. Die Interpellation Bassermann über die Zucker- konvention soll nächste Woche verhandelt werden, zur sozial- demokratischen Interpellation A I b r e ch t und Genossen über Aufhebung des Kartoffelzolles bemerkt Staatssekretär Wer- m u t h, daß bei der Regierung„Erwägungen schweben", Kar- toffeln vorjähriger Ernte von dem Zoll auszunehmen. Dann beginnt die erste Lesung des Etats. Der Staats- sekrctär des Reichsschatzamtes bietet dem Hause seine Rede als eine kühle, nüchterne und sorgfältig polierte Bureau- kratenarbcit dar, die weder im Guten noch im Schlimmen ge- eignet ist, politische Leidenschaften zu entfesseln. So bleiben denn Beifall und Widerspruch recht spärlich. In seinem historischen Ueberblick über die Reichsfinanzen gedenkt Herr Mermuth mit leiser Wehmut der fetten Jahre nach 79, als die Bundesstaaten noch gutgefütterte Kostgänger beim Reich waren Von der Finanzreform spricht er nicht mit der Begeisterung, wie sie wohl dem schwarzblauen Block genehm wäre und läßt auch durchblicken, daß das System der Einfuhr- scheine den finanziellen Ertrag der Getreidezölle nicht gerade zu heben geeignet sei. Im Zusammenhang mit einer bevor- stehenden Stärkung der Wehrmacht weist der Staatssekretär dann auf die kommenden neuen Steuern hin, ohne ihr Wesen im einzelnen zu umreißen. Ein inzwischen eingegangener Vertagungsantrag der vier größten Parteien wird angenommen und die Sitzung auf Donnerstag 1 Ui�r vertagt. Heute beginnt die Etats- debatke. Erster Redner ist Genosse Dr. Frank. Die Zuschauer auf den reich besetzten Tribünen, die irgendein Ereignis erwartet hatten, gingen enttäuscht von dannen. Sogar Bethmann Hollwegs Sitz war, wider Brauch und Gepflogenheit, leer geblieben. Sie Hetze gegen ßallermann. Der Sabotageversuch der Klerikalen und Konservativen ist mißlungen, der Reichstag hat sich sein Präsidium gegeben und ist in die Etatsbcratung eingetreten. Die Abstimmung bei der Präsidentenwahl hat wieder gezeigt, daß Sozialdemo- kratcn und Liberale zusammen über die Mehrheit verfügen können. Nur diellnzuverlässigkeit der National- liberalen, bei denen der rechte Flügel nichts davon wissen will, was der linke tut, ist schuld daran, wenn es den Konservativen und Klerikalen überhaupt gelungen ist, eine solche Verwirrung anzurichten. Deshalb sind auch die Nationalliberalen mit der ganzen Verantwortung belastet, wenn in diesem Reichstag die bei der Wahl Ge- schlagcnen wiederum zu Macht und Einfluß gelangen. Die Krise, in die die schwankende und haltlose Politik, die Quertreibereien der schwarzblauen Agenten Schiffer, Friedbcrg, Schiffercr und Konsorten die nationalliberale Partei gestürzt haben, dauert fort. Die„Nationalzeitung", die zu- gleich den kindlichen Dementierungsversuchen der Parteiamt- lichen Korrespondenz entgegentritt, sagt darüber: Wir befinden uns im Einvernehmen mit den maßgebenden Parteiführern des rechten und de» linken Flügels, wenn wir feststellen, daß schwere Disziplinwidrigkeiten, die In keinem Parteiverbande geduldet werden dürfen, geschehen sind. Das ist kein Geheimnis, denn sie haben sich leider— und das ist gerade das Gravierende— vor der Oeffentlichkeit vollzogen. ES wäre eine traurige Vogel-Strauß-Politik, wollte man das Offenkundige leugnen, daß die Partei nach außen hin in diese» Tagenein wahrlich wenig erquickliches Bild dar»! geboten hat. Um so unerquicklicher, als die Meinungsverschieden- heiten auch eine persönliche Zuspitzung, die in dieser heiklen Situtation doch unbedingt hätte vermieden werden müssen, erfahren haben. Wenn aber das nationalliberale Organ hinzufügt, daß die Erfahrungen der letzten Zeit bei den Nationalliberalen so stark gewirkt haben, daß eine baldige Ueberbrückung der „Kluft zwischen links und rechts" nicht zu erwarten sei, so ist das Verhalten der Partei bei der Präsidentenwahl nichts weniger als eine Bekräftigung dieser Ansicht. Und die Rechts- nationalliberalen setzen alle Kraft ein, um die Partei zum An- schluß an die Schwarzblaucn zu zwingen. Namentlich gegen B a s s e r m a n n richtet sich der Sturm. Es ist ein kleines, aber bezeichnendes Detail, das die Auffassung dieser Kreise drastisch und roh, aber richtig wiedergibt, wenn Herrn Basser- mann aus Eisenach ein Bricfchen zugeschickt wird, das eine seidene Schnur enthält und ein Begleitschreiben:„Nach rich- tigem Gebrauch wird die politische Lage geklärt sein." Die konservative Presse sucht ihrerseits alles für diesen richtigen Gebrauch vorzubereiten. Die„Kreuzzeitung" der- höhnt den„großen" und„nationalen" Führer Bassermann folgendermaßen: 1. Unier der„genialen" Führung Bassermanns beschloß seine Fraktion, keinen Sozialdemokraten zum ersten Vize- Präsidenten zu wählen, sondern nur zum zweiten. Trotzdem haben von seiner Fraktion mindestens die Hälfte sogar für Herrn Bebel als Präsidenten gestimmt, und fast die ganze Fraktion hat für Herrn Scheidcmann als ersten Vizepräsidenten gestimmt. 2. Die nationalliberale Fraktion hat es abgelehnt, ein Präsidiuni zu bilden aus Spahn, Dietrich und Paasche, also aus einem ZentrumSmann, einein Konservativen und einem National- liberalen, obwohl ein solches Präsidium kein Präsidium der Rechten gewesen wäre. Trotzdem haben die Herren eö nicht der- schmäht, hinter dem Sozialdemokraten Scheide- mann den Posten des zweiten Vizepräsidenten anzunehmen. 3. Nachträglich erklärten die Nationalliberalen, das Prä- sidiüm Spahn. Scheidemann und Paasche wäre ihnen ganz recht gewesen. Wie reimt sich das damit zusammen, daß sie fast sämtlich gegen Spahn gestimmt und ihm zu einem er- heblichen Teile sogar Herrn Bebel vorgezogen hatten? 4. Die Nationalliberalen geben sich als die größten Feinde des Zentrums, trotzdem erklären sie jetzt, an einem Präsidium nicht mehr teilnehmen zu können, weil Herr Spahn, gegen den sie doch selbst gestimmt hatten, den Präsidentenposten nieder- gelegt hat. Kann man sich eine kopflosere Haltung vorstellen? Wie war das möglich unter der Führung eines Mannes, der nach seiner Ueberzeugung nur in einem Atemzuge mit Bismarck genannt werden kann? Derselbe Hohn in der„Deutschen Tageszeitung", die Herrn Bassermann beschuldigt, Deutschland vor Europa blamiert zu haben. Und die„Post" verlangt den Anschluß an die Rechtsparteien, damit„die Farce ein Ende" habe Diesen Anschluß verlangen eine ganze Anzahl national- liberaler Organisationen und Blätter, denen nur wenige lungliberale Stimmen entgegentreten. Und überall ist das Mißtrauen gegen Bassermann— bald stärker, bald schwächer— herauszuhören. Wie diese Krise ausgehen wird, ob die geforderte Ein- berufung des Zentralvorstandes oder eines Vertretertages sie beenden kann, ist noch nicht abzusehen. Klar ist aber wohl das eine, daß die Wankelmütigkeit und Uncntschlossenheit die Fortexistenz der Partei immer mehr gefährdet. Die unter nationalliberaler Maske verborgenen Freikonservativen for- dern die Unterwerfung unter ihre Diktatur und scheinen ent- schlössen, lieber die Partei zu spalten, als auf die Durchsetzung ihres Willens zu verzichten. Von außen aufs ärgste bedrängt, von innen bedroht, hängt das Schicksal der Nationalliberalen von der Fähigkeit und Kraft selbständigen Handelns und energischer Politik ab. Aber wer wollte die Frage, ob Nationalliberale solche Energie aufbringen können, nach den letzten Erfahrungen noch immer bejahen? Sie englische Ihronrecke. Mittwoch wurde das Parlament mit einer Thronrede er- öffnet. Im Gegensatz zu Deutschland gehen dabei nicht die Abgeordneten ins Schloß, sondern der Monarch ins Parlament. Die Thronrede hat folgenden Wortlaut: Unsere Beziehungen mit den fremde« Mächten sind andauernd freundlich. Der Kriegszustand zwischen Italien und der Türkei dauert leider noch fort. Meine Re- gierung ist bereit, sobald sich eine günstige Gelegenheit darbieten sollte, sich mit anderen Mächten an jeder Vermittelung zu beteiligen, die dazu beitragen könnte, die Feindseligkeiten zu beenden. Die Lage in P e r s i e n fährt fort, unsere ernste Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen. Meine Minister, die in ständiger Verbindung mit der russischen Regierung sind, erwägen, welche Mittel am besten die persische Regierung in den Stand setzen könnten, Ordnung und Ruhe in Persien wiederherzustellen. Dem Parlament werden bald- möglichst die auf die persischen Angelegenheiten bezüglichen Do- komente vorgelegt werden. Ich hege die Zuversicht, datz die Krisis in China durch die Einführung einer dauernden Re- gierungSform.die den' Ansichten deS chinesischen Volkes entspricht, bald in befriedigender Weise beendet werden wird. Meine Regierung fährt fort, eine Haltung strikter Nichteinmischung zu beobachten, während sie zugleich alle notwendigen Schritte tut, um Leben und Eigentum der britischen Untertanen zu schützen. Ich erkenne in vollem Maße an, daß die Führer beider Parteien in China jederzeit bestrebt gewesen sind, das Leben und die Interessen der Fremden in China sicher zu stellen. Dem Parlament werden die auf China bezüglichen Schriftstücke zu- gehen. Der König teilte ferner mit, daß im Haag ein Abkommen zur Regulierung des Handels mit Opium und ähnlichen Er- Zeugnissen abgeschlossen worden sei. Der König be- rührte sodann den KrönungSdurbar in Delhi. Er betrachte mit schwerer Sorge die in Aussicht stehenden Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Ar- b eitern, hege jedoch die feste Zuversicht, daß eine vernünftige Auffassung auf beiden Seiten vorwalten und eine EntWickelung hint- anhalten werde, die den Handel des Landes und die Wohlfahrt des Volkes ernstlich berühren würde. In der Thronrede werden schließ- lich Maßnahmen für eine bessere Verwaltung von Irland angelündigt, ferner Gesetzentwürfe über die Entstaatlichung der Kirche in Wales, über die Abänderung des Wahl- rechts, über die Verbesserung deS Gesetzes über die britische Staatszugehörigkeit gemäß den Empfehlungen der Reichskonferenz und über gewisse soziale und gewerbliche Reformen. Die von manchen Seiten gehegte Erwartung, daß schon in der Thronrede über das Verhältnis zu Deutsch- l a n d nähere Ausführungen gemacht würden, hat sich nicht erfüllt. Doch besagen weitere Meldungen aus London, daß Sir Edw. G r e y gelegentlich der Adreßdebatte auf den Er- folg der Reise Haldancs einige Mitteilungen machen werde. Die Gerüchte, daß Asquith demissionieren und durch Grey oder Lloyd George ersetzt werden sollte, werden dementiert. Die von den Panzerplatteninteressenten ausgehaltene .♦Post" ist übrigens über die Möglichkeit einer Besserung der deutsch-englischen Beziehungen sehr bestürzt. Sie will gehört haben, daß an den angekündigten deutschen Heeres- und Flottenvorlagen Abstriche vorgenommen würden, mißbilligt solche Geschäftsstörung aufs allerschärfste und versteigt sich zu folgender Drohung:„Wir glauben, daß. wenn sich diese Be- fürchtung bestätigt, die Regierung einen Sturm der Ent- r ü st u n g erleben wird, gegen den die Erregung des vorigen Jahres ein wahres Kinderspiel gewesen ist." Dieser Kasus von Größenwahn macht uns wirklich lachen. Tie Adreßdebatte. London, 14. Februar.(Unterhaus.) In der Adreß- debatte zur Thronrede erörterte Bonar Law, der Führer der Konservativen, die Geheimdiplomatie und sagte: Unsere Diplomatie hat sich in letzter Zeit in einer Weise betätigt, wie sie mir bisher nicht vorgekommen ist. Lord H a l d a n e hat in irgendeiner geheimnisvollen Mission in Berlin zu tun gehabt. Ich hätte geglaubt, daß wir genug gehabt hätten von der Amateurdiplomatie im letzten Sommer. Ich selbst glaube nicht daran. Wenn es notwendig war, daß irgendein Minister nach Berlin(jing, würde meiner Ansicht nach der Staatssekretär des Auswärtigen der geeignete M i n i st e r gewesen sein. Wie ich sehe, ist angegeben worden, daß Haldanc den Vorzug besitze, deutsch zu sprechen; aber das ist eine nicht ungewöhnliche Kenntnis. Ich nehme an, daß auch unser Botschafter in Berlin deutsch spricht, und daß dieser Grund also keine ausreichende Erklärung ist. Diese jüngste diplomatische Leistung scheint mir von einer außergewöhnlichen Art zu sein: Haldane ging nach Berlin, vermutlich mit dem Gedanken an eine bessere Verständigung mit Deutschland. Dennoch hielt gleichzeitig Churchill seine Rede, die mir nicht darauf berechnet zu sein schien, Haldane den Weg zu ebnen. Was diese Rede selbst anbetrifft, so freue ich mich, sagen zu können, daß ich nicht nur mit ihrem Geiste, sondern mit jedem Worte einver- standen bin.(Beifall bei der Opposition.) Bonar Law fuhr fort: Wenn das der Geist und das der Weg ist, so kann er sich auf die unbedingte Unterstützung jedes Unionisten verlassen. Niemand ist mehr für ein gutes Einver- nehmen mit Deutschland besorgt als ich und niemand würde mit größerem Entsetzen einen Krieg zwischen den beiden Völkern sehen. Ich freue mich, diese Gelegenheit zu haben, das noch einmal zu sagen. Churchill ist kritisiert ivvrden. weil er gesagt hat, Deutschlands Flotte sei ein L u x u s für Deutschland, unsere Flotte sei eine Notwendigkeit für uns. Diese Worte sind wahr. Sie sind nur eine Rechtfertigung für unsere Entschlossen- h e i t, eine solche Flotte zu unterhalten, wie wir sie zu unterhalten beabsichiigen. Die Stellung der beiden Nationen ist nicht dieselbe. Vor- ausgesetzt, daß wir in einen Krieg mit Deutschland verwickelt wer- den— lvas, wie ich hoffe und glaube, nie gesöhchen wird— mögen wir wohl imstande sein, die deutsche Flotte zu zerstören, aber wir würden niemals an das Herz Teutschlands gelangen können. Wenn wir aber den Fall setzen, daß die deutsche Flotte die Herr- schaft im Kanal zwei oder drei Wochen oder kürzere Zeit behält, Ivürde die deutscke Armee, mit der wir in keiner Hinsicht in Wettbewerb treten können, uns vollständig Niederschlägen. Jeder im Hause stimmt dem im Herzen zu, daß eine überlegene Flotte für uns unbedingt notwendig ist und, mag es kosten, was es wolle, erhalten werden wird. Ich hoffe aufrichtig, daß, während ich dieses sage, das gute Einvernehmen erreicht sein möge. Wenn wir es klar machen, daß wir in dieser Weise zu handeln im Begriffe sind, so wird es auch klar sein, daß eine Steigerung der Rüstungen die Lage nicht ver- ändert und eine reine Geldverschwendung ist. Redner schloß, er billige die Worte, die Sir Frank Lascelles über die für ein gutes Einvernehmen notwendige Geduld geäußert habe, und hoffe, daß die Regierung diese Eigenschaft bei dieser Gelegenheit zeigen werde. politilcbe CUberlicht* Berlin, den 14. Februar 1912. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages hiell am Mittwoch eine weitere Sitzung ab. Der Vorstand gab bekannt, daß von ihm eine chronologische Darstellung der Vor- gänge bei der Präsidentenwahl ausgearbeitet worden ist. die auch der Parteipresse zugehen solle. Weiter wurde beschlossen, noch folgende Initiativanträge einzubringen: Aenderung der Geschäftsordnung des Reichstags; Regelung des Arbeitsrechts der Privatangestellten; Aufhebung der Salz-, Zündholz- und Leuchtmittelsteuer, dafür Einführung einer Besteuerung der Nachlässe von 20(XX) M. aufwärts und Einführung einer Reichseinkommensteuer ab 6000 M.; ferner obligatorische Versicherung gegen Schäden der Viehseuche; Beseitigung des§ 12 des Vieh- und Fleischbeschaugesetzes, um die Einführung von Gefrierfleisch aus dem Auslande zu erleichtern; Vorlegung eines Reichsschulgesetzes; Reform des Reichsvereinsgesetzes; Bildung weiterer Ausschüffe zur Vorberatung größerer gesetz- geberischer Materien._ Aus dem Abgeorduetenhause. Im Abgeordnetenhause wurde auch am Mittwoch die ganze Sitzung mit der Beratung de« Etats der land- wirtschaftlichen Verwaltung ausgefüllt. Trotz der wieder in Funktion getretenen Wort-Abfchneide-Maschine, die eS unter anderm unserem Genoffen Hoffmann unmöglich machte, die Bedeutung des Obstbaues für die Laubenkolonien deS näheren darzulegen, kommen die Verhandlungen nicht recht vom Fleck. ES gibt immer noch zu viele Abgeordnete, die eine Rede, auf die sie sich für die General- debatte vorbereitet batten, die sie sich aber dort verkneifen mußten, bei irgend einem Spezialetat an den Mann bringen zu müssen glauben. Besonders war es der konservative Abg. v. d. O st e n, der die Generaldebatte wieder eröffnete und über Latifundien, innere Kolonisation, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, hygienische Maßnahmen auf dem Lande und wer weiß was sonst noch alles sprach. In der Form milde, aber in der Sache um so schärfer, sang er ein Loblied auf die Großgrundbesitzer, die, wenn es sich wirklich so verhielte, wie ihr Vertreter ausführte, die besten Menschen von der Welt und die sozial einsichtigsten und selbstlosesten Arbeitgeber wären. Die ländlichen Arbeiter werden sich wundern, aus dem Munde des Herrn v. d. Osten zu hören, wie gut sie es haben, fast so gut wie im Paradiese. Schade nur, daß die Wirklichkeit mit dieser agrarischen Schilderung nicht übereinstimmt. Es war eine etwas verspätete Wahlrede, die Herr v. d. Osten hielt, eine Wablrede mit den allertollsten Behauptungen, von denen wir nur die eine hervorheben wollen, daß die Sozialdemo- kraten selbst darüber klagen, daß sie an die Landarbeiter nicht heran- kommen können. Daß das mit den Tatsachen nicht in Einklang zu bringen ist, wissen die Konservativen, aber eS macht sich schön, wenn so etwa? gesagt wird, und noch schöner, wenn ihm niemand wider- spricht. In derselben Sitzung war das infolge eines angenommenen Vertagungsantrages nichl möglich, aber in der nächsten Sitzung wird es von unserer Seite nachgeholt werden. Im übrigen ist aus den Verhandlungen die Anregung deS Ab- geordneten F l e s ch(Fortschr. Vp.) hervorzuheben, an Stelle der laud- wirtschaftlichen Spezialarbeitsnachweise die ArbeitSvermittelung auf dem Lande einheitlich zu regeln und die Krankenpflege auf dem Lande zu ordnen. Charakteristischerweise schwiegen die Vertreter der Regierung zu dieser Anregung still. Donnerstag: Fortsetzung der Etatsberatung. Die Fortschrittspartei und das Reichstagspräsidium. Ueber die Motive, die die Haltung der Fortschrittspartei bei der Wahl des Präsidiums geleitet haben, besagt eine parteiamtliche Verlautbarung folgendes: „Die demonstrative Weigerung der zunächst be- rufenen Parteien, in das Reichstagspräsidium einzutreten, hat zu einer Präsidentenkrisis geführt, welche die Geschäftstätig- keit des Reichstages aufzuheben droht und damit eine Notlage geschaffen hat. Angesichts dieser Gefahr hält es die Fortschrittliche Volks- Partei für ihre Pflicht, in die Bresche zu treten und die for- mellcn Voraussetzungen für den endlichen Be- ginn der sachlichen Verhandlungen zu schaffen. In der erfolgten Erwählung eines Vertreters der stärksten, die größte Wählerzahl vertretenden Fraktion zum Vizepräsidenten kann die Fortschrittliche Volkspartei keinen Grund erblicken, das Amt des Präsidenten abzulehnen, auf das sie einen An- spruch nicht erhoben hat. Für die spätere Zeit nach Beseitigung der gegenwärtigen außerordentlichen Lage behält sich die Fortschrittliche Volkspartei ihre Entscheidung vor. Aus diesen Gründen hat die Fraktion ihre Mitglieder Kaempf und Dave dringend und einmütig ge- beten, sich für das parlamentarische Amt des Präsidenten und zweiten Vizepräsidenten zur Verfügung zu stelle n."_ Das ziffernmäßige Ergebnis der bayerischen Landtags- wählen. Die Regierung veröffentlicht jetzt endlich die amtlichen Wahlziffern für die letzten bayerischen Landtagswahlen. Es wurden im ganzen 969 325 Stimmen abgegeben; das sind 81,7 Proz. der Wahlberechtigten. Das Zentrum, der Bund der Landwirte und die Konservativen erhielten 463 631 Stimmen, die Sozialdemokraten, Liberalen, der deutsche und bayerische Bauernbund 489 746 Stimmen. Das Zentrum und seine Verbündeten erhielten demnach 48 Proz., die Sozial- demokraten, Liberalen und Bauernbündler 50,8 Proz. der Stiminen. Trimborn als Nachfolger Hertlings. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Becker(Köln) braucht nun- mehr sein Mandat nicht niederzulegen, um Herrn Trimborn Platz zu machen, da durch die Mandatsnwderlegung des Frhrn. v. Herl- ling ein absolut sicherer Zentrumskreis frei geworden ist. Be- sondere Aufregung wird dieser Wahlkampf Herrn Trimborn nicht bringen, denn v. Hertling ist dort— in Münster-Coesfeld— mit 25 728 gegen etwa 6000 Stimmen der Gegner gewählt worden. Ter Schutz der nationalen Arbeit. Der Wahlsieg der Sozialdemokratie in Bremen ist'nicht zu- letzt der zunehmenden Industrialisierung der Handelsstadt zu danken hatte doch die Zahl der Wahlberecktigten wesentlich dank dem Zuzug von Industriearbeitern gegen 1907 um 13 500 zugenommen, von 60 963 auf 74 449. Das Resultat der Wahl bringt die Bürgerlichen natürlich zum Nachdenken. In der Bremischen Monats- schrift„Die Güldenkammcr', übrigens einem Reklame- unternehmen einer Kaffcefirma, untersucht Dr. F. Gehrke die „Industrialisierung der Seestadt" und empfiehlt u. a.� den liberalen Bremer Unternehmern(von denen sich die Arbciterwähler jetzt nicht mehr so leicht einseifen lassen), ein bißchen arbeitersteundlicher zu werden. Gehrke meint: „Der Handelsherr der Seestadt herrschte bisher als König im eigenen Reich. Da verliert er gar häufig den Sinn für die außerhalb seines begrenzten Gesichtskreises liegenden Verhält- niffe. Und da soll er jetzt plötzlich auf etwa» ihm so fern Liegendes wie die Psyche des Industriearbeiters Rücksicht nehmen I Das scheint eine gewagte Behauptung und ,st doch im letzten Grunde richtig. Im Großbetriebe ist der einzelne Arbeiter— wie übrigen? auch der kaufmännische Angnstellte I— allerdings nur eine Nummer, und es geht keinesfalls an, daß er, außer in ganz bestimmten Fragen, seinen divergierenden Willen zur Geltung kommen lassen dürfte. Der brutal scheinende Grund- satz:„Wer nicht Order pariert, fliegt", ist da durch- aus berechtigt. Aber trotzdem wird eine kluge Verwaltung ihre Arbeiterschaft unter Umständen � sogar „poussieren" müssen. Ja noch mehr: wo die Kräfte der privaten Verwaltungen nicht ausreichen, mutz die Kommune hilfreich einspringen, besonders wenn und weil sie selbst die Heran« ziehung industrieller Betriebe begünstigt." Da nun ferner die starke Beschäftigung ausländischer Arbeiter natürlich nicht dazu beitragen kann, die einheimischen Arbeiter versöhnlich zu stimmen, so liest Gehrke den Bremer Unter- nehmern folgendermaßen die Leviten: „Jeder Erwerbsbetrieb hat naturgemäß das Bestreben, mög- lichst billig zu arbeiten, u. a. also möglichst gering entlohnte Arbeiter zu beschästigen. Der deutsche Arbeiter, in Kultur und Lebenshaltung verhältnismäßig weit vorgeschritten, ist teuer. Also sucht man, besonders in der Schwerindustrie mtt ihren Massen un- qualifizierter Arbeitskräfte, ihre Kraft billiger verkaufende Leute heranzuziehen und findet sie— in den Polen und anderen ftammessremden Elementen. Ein Bremer Grotznnter- nehmen stellt sogar, wie ich von der Verwaltung erfuhr, wenn möglich nur slawische Arbeiter ein. Dieser starke, noch dazu künstlich begünstigte Zufluß nicht- germanischer Arbeiter ist eine sehr unerfreuliche Begleiterscheinung der Industrialisierung." Gehrke zählt dann seine Gründe für die Notwendigkeit, die nationale Arbeit zu schützen, auf. Das oben erwähnte Moment— die Sorge um die Wählerstimmen— vergißt er natürlich. Er will nur verhüten, daß sich ein neues Polackenzentrum in Bremen bildet, er will ferner„schon aus Vaterlandsgefühl" nur deutsche Arbeitet eingestellt sehen, er fürchtet die Belastung der Krankenkassen, und er fürchtet endlich die Belastung der Gemeinde. Dabei erzählt Dr. Gehrke eine nette Geschichte, die es verdient, allgemein bekannt zu werden, weil sie zeigt, wie es gewisse Leute anfangen, die „nationale Arbeit" zu„schützen" und obendrein die ausländischen Arbeiter zu prellen: „Bei der Einstellung größerer Mengen fremder Arbeiter Wieb auch der Umstand wichtig werden, daß dieselben nach ge- wiyer Zeit hier den sogenannten„Unterstützungswohn- s i tz" erlangen und damit in der Lage sind, der Kvmmunalkasse unter Umständen empfindlich zur Last zu fallen. Die bremischen Unternehmungen würden gut daran tun, dagegen Vorsorge zu treffen, denn das können sie verhältnismäßig leicht. Mir ist ein interessanter Fall aus Oberschlesien bekannt. Eine dor- tige bei Myslowitz gelegene Grube hat die Einrietz- tung getroffen, daß ihre ausländischen Ardeiter, bevor sie den Unter st ützungs wohnfitz erlangen, offi- ziell gekündigt werden. Sie ziehen dann ein» fach während einiger Zeit ins Oesterreichische hinüber(zur Grube können sie über eine von der Gesellschaft ausschließlich für diesen Zweck über den Grenzfluß, die Przemsa, geschlagene eiserne' Brücke kommen), wo sie in großen im Eigentum der Grube stehenden Logierhäusern solange Unterkunft finden, und werden dann wieder herübergeholt, um einer anderen auszuwechselnden Kolonne Platz zu machen."— Myslowitz liegt mitten im Zentrums- und Polenparadies. Die deutsche Kultur wird durch je ein Denkmal Wilhelms I. und Frie- drichs III. vertreten. Beide können es nicht verhindern, daß die erwähnte Grube solcher Art die„nationale Arbeit schützt". Viel- leicht wenn man noch ein Denkmal für Wilhelm II....? Ein zentrümlicher Klageruf aus dem westfälische» Sauerlaud. Ueberall wackelt es in den„festesten" Zentrumsburgen. Auch aus dem„katholischen Sauerland" berichtet die„West- deutsche Arbciter-Zeitung" in M.-Gladbach, daß„deS Lebens ungemischte Freude keinem Irdischen zuteil" werde. Zwar ist der Wahlkreis, in dem früher Fusangel gewählt wurde, dem Zentrum erhalten geblieben, aber„auch den Sauer- ländcrn, insbesondere den katholischen Arbeitern im Sauer- lande wird die Freude über die wiedergewonnene Einigkeit wesentlich geschmälert durch das starke Anwachsen sozialdemokratischer Stimmen insbesondere in jenen Orten, in denen wir größere Massen katholischer Arbeiter haben". Es heißt, daß die„gewiegten sozialisttschen Agitatoren" „die schwachen Seiten der Sauerländer bald herausgefunden" hätten. Die„Westdeutsche Arbeiter-Zeitung" schimpft, was das Zeug hält, weil die„roten Hetzapostel" nicht gegen den „religiösen Sinn" der Sauerländer losdonnern- Dafür wird erklärt, daß der„oft noch schlecht entlohnte" sauerländische Arbeiter„leicht gewonnen" sei, wenn der sozialistische Agitator mit geheuchelter Entrüstung(daß sie geheuchelt ist, glaubt die „Westdeutsche" ja selber nicht, diese„Geberden" gehören aber zum M.-Gladbacher Schwindelgeschäft. Red. des„Vorwärts") über die„unerhörte Lebensmittelteuerung" oder über„Volks- ausbeutung" wettere. Dem demokrattschen Empfinden des Sauerländers entspreche das radikale Schlagwort von Volks- rechten und Volksfreiheit, heißt es von M.- Gladbach aus, und es wird„dringend" gehofft, daß„man" nun aus dem Verlaufe des WahlkampfeS die»rich- tigen Lehren" ziehen werde. Denn es brennt: „Möglich st bald müßte man sich allent- halben mit der Gründung von katholischen Arbeitervereinen befassen, nicht warten, bis überhaupt nichts mehr zu retten ist." Das also ist der„feste ZentrumSturm!" fast ist schon „nichts mehr zu retten" I Dem„demokratischen Sauerländer" wird es ja ein Vergnügen sein, von den„roten Hetzaposteln" zu hören, daß die M.-Gladbacher Zentrumszentrale B o l k s- rechte und Volksfreiheit als radikale Schlag- Wörter bezeichnet. Es wird, so glauben die Schwarzen wohl noch gar, dazu beitragen, den wackeligen Turm zu schützen?!_ Graf Oppersdorff. Es ist schon mitgeteilt worden, daß Graf OpPerSdorff, der in Lissa mit Hilfe der Polen gewählt wurde, obwohl die offiziellen Zentrumskreise alle Register zogen, den gegen die Kölner Richtung eifernden schlesischen Grafen vom Reichstage fernzuhalten, nicht in die Zentrumsfraktion aufgenommen wurde. Graf Oppersdorfs veröffentlicht nun in seiner katholischen Wochenschrift„Wahrheit und Klarheit" den Brief. den er über seinen Ausschluß an den Vorsitzenden der Zentrumsfraktion, jetzigen bayerischen Ministerpräsidenten Freihcrrn v. Hertling, geschrieben hat. Dieser Brief ist für das Zentrum und für die Schärfe des Gegensatzes zwischen der Kölner und der Berliner Richtung so charakteristisch, daß wir ihn hier wörtlich wiedergeben wollen: „Berlin, 3. Februar 1912. Euer Exzellenz habe ich folgende Mitteilung zu machen: Noch vor der Wahl, während ich in Fraustadt-Lissa von den dort allein zuständigen Zentrumsinstanzen auf Grund deS Zen- trumSprogrammS als Zentrumskandidat aufgestellt und von den allein entscheidungsberechtigten Wählern als Zentrumsabgeordneter unter denkbar schwierigsten Verhältnisien in den Reichstag gewählt wurde, erklärten Euer Exzellenz meinen politischen Gegnern, daß meine Zentrumskandidatur unerwünscht sei; erklärte die maßgebende Parteipresse, daß meine Kandidatur nicht an« erkannt würde, erklärte, endlich, Herr Geheimrat P o r s ch einem der führenden Mitglieder der Posenschen Zentrumspartci, daß ich, nach seiner Vermutung, nicht in den Fraklionsverband deS Reichs- tages aufgenommen werden würde. Nach der Wahl erklärte mir der Direktor beim Reichstage, Herr Geheimrat Jungheim, daß er von maßgebender Seite beauftragt sei, mich zu der konstituierenden Fraktionssitzung des Zentrums im neuen Reichstage nicht einzuladen, Auch von anderer zuständiger Seite wurde mir die sonst jedem anderen, auf Grund einer Zemrumskandidawr Gewählten zugegangene Einladung zu der konstituierenden Fraktionssitzung vorenthalten. Tatsächlich fand denn auch am Mittwochabend die erste Sitzung der neuen Fraktion des Zentrums statt, ohne daß mir davon auch nur eine Mitteilung, geschweige denn dazu eine Einladung geworden wäre. Endlich wurde mir mein bisheriger Sitz in den Reihen des Zentrums, wie mir Herr Direktor Jung« heim mitteilte, aus fraktionsmaßgebenden Wunsch hin entzogen. Auf Grund dieser jeden Zweifel ausschließenden Tatsachen sehe ich mich veranlaßt. Euer Exzellenz, als dem derzeitigen Vor« sitzenden der Fraktionsgcmeinschaft des Zentrums, Mitteilung davon zu machen, daß ich den gegen mich auf diese Art voll- zogenen Ausschluß meiner Person von der neuen Fraktions- gemeinschaft des Zentrums im Reichstage als vollzogene Tat- fache hinnehmen mutz und werde. Ich habe mich dazu ent- schlosten mit Rücksicht auf die— auch mir nicht weniger wie irgendeinem anderen— am Herzen liegenden Interessen der Zentrumspartei. Denn die Zentrumspartei ist es, auf deren grundsätzlichem historischen Boden ich, unbeirrt von dem Wechsel der Konstellationen des Tages, seit fast zwanzig Jahren im öffent- lichen politischen Leben gestanden habe, noch heute stehe und auch künftighin, unter Mißachtung der mir gewordenen persönlichen Er- fahrungen, stehen werde. Rügen aber muß ich die nicht von mir beeinflußten Formen, unter denen meine Ausschließung von der neuen FraltionS- gemeinschaft des Zentrums im Reichstage sich vollzogen bat. Dieses ganze, in den Annalen des Zentrums ohne Präze- denz dastehende Vorgehen, das ich im Interesse der Partei nur aufs lebhafte st e bedauern kann, ist der Vergangen. heit, der Tradition des alten Zentrums und der derzeitigen ver- anttgortlichen Personen des neuen Fraktionsverbandcs nicht würdig. Graf v. Oppersdorf, M. d. N. Ein neues Kriegsluftschiff. In Kiel wird, so teilt die„Tägl. Rundschau' mit, ein Stahlluftschiff nach einer Konstruktion des Ingenieurs Unger in Hannover erbaut, das die Form einer glatten länglichen Röhre ohne Gondel hat. Die angewandte Querschnittsform des Schiffes ergibt so günstige Verhältnisse, daß die Betriebs- mittel und Motoren sowie das gesamte Personal und die Passagiere innerhalb der Luftschiffröhre untergebracht werden können. Die Länge des Luftschiffes beträgt 150 Meter, die größte Höhe 22, die größte Breite 16 Meter, die Hebekraft beträgt 26 466 Kilogramm, das Eigengewicht 19 764 Kilo- gramm, das Gasvolumen 24 666 Raummeter, die Nutzlast zirka 6636 Kilogramm; Raum ist für 56 Passagiere. Ausge- rüstet ist das Schiff mit 5 Motoren ä 166 Pferdestärke. Ein Spitzen- und vier Flankenpropeller sorgen für die größte Schnelligkeit des Luftschiffes. Als Kriegsluftschiff wird es etlva 666 bis 766 Pferdestärke Antriebskraft haben und mit zwei Schnellfeuergeschlltzen System Ehrhardt ausgerüstet sein. Bald wird man hören, daß ein Luftflottenverein Forde- rungen an den deutschen Michel stellt. Im Kampfe mit der Militärjustiz. Ueber den Prozeß zjegen den KriegSgerichtSsckretär Hoffmann aus Torgau, der sich seit vier Tagen vor dem Halleschen Kriegsgericht hinter verschlossenen Türen abspielt, berichtet man uns weiter: Obwohl der eine Lerbandlungsführer bei einer Nebensächlichkeit betonte:»Hier gibt es nichts zu ver« tuschen', wird die Presie peinlich ferngehalten. Ja, der Anklage- Vertreter bedauerte sogar, daß eS ihm erst so spät möglich gewesen sei, zu beantragen, die Oeffcntlichkeit aus- zuschließen. Ter bedauernswerte Angeklagte, der in der Verband- lung mit großer Energie— ohne Verteidiger— für sein Rech: und seine Existenz kämpft, war am ersten Verhandlungstage derartig erschöpft, daß die Sitzung schon am Nachmittage ab- gebrochen werden mußte. An den anderen Tagen konnte infolge Ermattung des Angeklagten nur bis Mittag verhandelt werden, Der Angeklagte, der in Beziehung auf Kriegsgerichtsräte und Gerichtsherren meist von Gegnern spricht, will sich durch folgendes die Feindschaft seiner Vorgesetzten zugezogen haben: Als er in Graudenz Kriegsgerichtssekretär war, wurde auf seine Anzeige hin der dortige Kriegsgerichtsrat Koch wegen dienstlicher Vergehen zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Hoffmann wurde dann nach Torgau versetzt und will dort auf Grund der Vorgänge in Graudenz von Kriegs- gerichlsrälen schikaniert worden sein. Gelegentlich eines Schrift- Wechsels über den Militärgefangenen Brack will Hoffmann von seinen Borgesetzten den Befehl erhalten haben, eine Akten« änderung vorzunehmen. Er weigerte sich, den Befehl aus- zuiühren, weil er darin eine Verleitung zur Urkundenfälschung er« blickte. Hoffmann, der einen schwerkranken Sohn hat. für den er zur Behandlung in einer Anstalt große Summen aufbringen muß. hatte, um elwaS nebenbei zu verdienen, mit Genehmigung des Kriegsministeriums die Verwaltung der Kassengeschäfte der Bau- genossenichaft für Unterbeamte und Arbeiter der Militär- und Zivilverwallung übernommen. Diese Geuossenschaftsbücher ivurden beschlagnahmt; die von den KricgsgerichtSrälcn angeordnete Be- schlagnahme wurde vom KriegSminislerium aber für ungerecht- fertigt erklärt. Als Hoffmann in seiner Notlage gelegentlich ein Unterstützungsgesuch einreichte, wurde die Unterstützung von den Vorgesetzten mit dem Hinweise abgelehnt, Unter st ützung er- hielten nur solche Personen,.die sich gut führten'. Die Unstimmigkeiten zwischen Hoffmann und den Miliwirrichtern führten schließlich dabin, daß eineS Tages der aussichltührende Kriegsgerichtsrat von Halle in Erfurt wegen ver- suchler Nötigung unter Anklage stand. Es handelte sich dabei um die Abänderung des ProlokollS. Hoffmann trat gegen den Vor- gesetzten als Zeuge auf. Gegen den Rat wurde eine Woche Ge- sängnis beantragt, das Gericht kam aber zur Freisprechung, da man annahm, dem Kriegsgerichrsrar habe das Bewußtsein der Rechts Widrigkeit gefehlt. Einige gegen Kriegsgerichtsräle erhobene Vorwürfe gipseln darin, sie bänen unzulässige teure Dienstreisen veranlaßt. Wiederholt hat Hoffmann gegen Vorgesetzte Slrafanirag gestellt. Darauf folgten Disziplinarverfahren gegen ihn. Auf einen von Hoffmann erhobenen Vorwurf der Nechlsbeugung wurde ihm mitgeteilt, daß wohl ein Verstoß gegen die Prozcßvorschristen, aber keine Rechtsbeugung vor« liege. Am Sonnabend wurde die Verhandlung schließlich vor- läufig abgebrochen. um dem Angeklagten einen O f f i z i a l- »erteidiger zu stellen. Die Zeugen wurden vorläufig entlassen. Wann die Verhandlung wieder ausgenommen wird, darüber schweigt die kriegsgerichtliche Höflichkeit. Die Preßvertreter halten sich auf der Treppe auf, weil die Militärdienst lichen Interessen gefährdet sein sollen.— Nach den Worten des einen Verhandlungsführers:.Hier gibt es nichts zu vertuschen', läge eS im Interesse der Militärjustiz selbst, wenn die erhobenen schweren Vorwürfe im vollen Lichte der Oeffentlichkeit und in der Preffe widerlegt werden könnten I Warum schloß man die Presse während der ganzen Dauer der Verhandlung aus? Und warum verlas man nicht einmal die Anklage öffentlich? Die Herren von der Militärjustiz können versichert sein, daß man im Volke die weit« gehendsten Kombinationen über diese Fragen aufstellt, bei denen die Militärjustiz alles andere als gut wegkommt. Die Neutralität der evangelische« Arbeitervereine. Die Lrbeitersekretäre der evangelisch« nationale« Arbeiter« bewegung Mitteldeutschland» hielten dieser Tage ihre Quartals- konferenzen in L ei p z i g und Chemnitz unter Leitung des bekannten Führers der nationalen Arbeiterbewegung, Pastor R i ch t e r-KönigS- walde ab, bei der die Besprechung der Reichstagswahlen und der Tätigkeit der Arbeitervereine gelegentlich der Wahlen einen breiten Spielraum einnahmen. ES wurde aus diesen Konferenzen erklärt, daß die Arbeitervereine überall eifrig in die Wahlarbeiten eingegriffen haben. Durchgängig sei in den Orten, in denen die evangelischen Arbeitervereine vertreten seien, ein Anwachsen der nationalen Stimmen gegenüber den sozialdemokratischen zu beobachten ge« wcsen.— Folgende Resolution fand bei diesen Tagungen einstimmige Annahme: «Die Sekretärkonferenz stellt fest, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten durchaus nicht alle, ja nicht einmal in der Mehr« zahl dem Arbeiterstande direkt angehören, obwohl die Sozial« demokratie ihrerseits sich als die einzige Arbeiterpartei hinstellt. Andererseits hält es die Konferenz für direkt notwendig, daß der Arbeilerstand durch Angehörige im Reichstage vertreten wird. Der Arbeiter ist in allen Arbeiterfragen, die einen breiten Spielraum der inneren Politik einnahmen, Sachverständiger, ist er zugleich auch der gegebene Vertreter der breiten Masse des Volkes, Die Sekretärkonferenz erkennt dankbar an, daß nationale politische Parteien ernstlich bemüht gewesen sind, Vertreter des Arbeiter« standes als ihre Kandidaten zum Teil mit Erfolg in den Reichs- tag zu bringen. Sie hält es aber für notwendig, daß in Zukunft mehr als bisher der Versuch gemacht wird, der nationalen Arbeiterbewegung Vertretung im Reichs- und Landesparlament zu schaffen.' Gewiß, dem pflichten wir bei. daß Arbeiter die gegebenen Vertreter und Sachverständigen für ihre politischen Interessen find. Doch meinen wir damit nur klassenbewußte, aufgeklärte und freie Arbeiter und nicht religiös versimpelte christlichnationale Arbeiter. Die Konferenz liefert aber wieder einen neuen Beitrag, wie eS mit der Neutralität der evangelischen Arbeitervereine aussieht. Ocftordcb. Blutige Demonstrationen in Agram. Agram, 13. Februar. Heute nachmittag und heute abend fanden wiederholt Studentendemonstrationen statt, an denen auch Sozialdemokraten teilnahmen, weil die für heute ein« berufene Demonstrationsversammlung.mit Rücksicht auf die öffent« liche Ordnung' polizeilich verboten worden war. Zahlreiche Re- volverschüsse und Steinwürf« der Demonstranten veranlaßten die Polizeibeamten, mit blanker Waffe die Menge auseinanderzutreiben. Ein Polizeibeamter wurde schwer und achtzehn leicht verletzt; auch einige Demonstranten erlitten Verwundungen. 25 Verhaftungen wurden vorgenommen. franhmcb. Rüstungsfieber des Wasser- und LuftmilitanSmus. Paris, 13. Februar. Bei der Beratung deS Flottenpro- g r a m m s in der Deputiertenkammer wies Marinemini st er D e l c a s f 6 auf die Notwendigkeit hin, neue Schiffe zu bauen und erläuterte die Einzelheiten de» Flottenbauprogramms, dessen Ausführung bis Ende 191g gesichert sei. Die Regierung sei ver- pflichtet, die Rüstungen der fremden Mächte zu beachten, habe eS jedoch als nicht unbedingt notwendig erachtet, da? Programm zu erweitern, sie habe vielmehr nur die Ausführung um zwei Jahre beschleunigt. Die Gesamtausgabe werde sich auf 13 9 8 Millionen belaufen. Im Jahre 1929 werde Frankreich zwölf Docks für Panzerschiffe von mehr als 23 lXX> Tonnen haben. Der Minister wies auf die Anstrengungen Oe st erreich- Ungarns, Italiens und Deutschlands hin. Die Thronrede des Kaisers lasse erkennen, daß Deutschland, dessen Flottenprogramm im Jahre 1911 seinen Höhepunkt erreicht habe, im Jahre 1912 nicht nachlassen werde. Frankreich müsse nicht eine bestimmte Zahl Panzerschiffe bauen, nur weil andere Mächte eine bestimmte Zahl bauen wollten. Die französische Flotte müsse aber überall furchtbar sein, und dort die Uebermacht bilden, wo die Hauptinteressen des Landes lägen. Für Frankreich sei nichts an Wichtigkeit vergleichbar mit dem Mittelländischen Meer. In der eigenen Kraft finde jede Macht die Gewähr für ihre Würde. Die Klugheit gebiete, daß Frankreich immer imstande sei, die seine zu wahren. Delcasse kam sodann auf die Verteilung der Seestreitkräfte zu sprechen und führte aus, im Kanal und auf dem Ozean könne Frankreich sich mit Torpedo- bootszerstörern und Unterseebooten begnügen und die Defensive be- obachten. Eine solche Haltung würde aber im Mittelmcer verhäng- nisvoll sein. Die französische Flotte müsse darauf vorbereitet sein, sich gegen jede Flotte zu wenden, die Frankreichs Verbindungen mit Nordafrika bedrohen will.(Lebhafter Beifall.) Delcasse wies darauf hin, daß er im Mittelländischen Meer gegenwärtig über ein mächtiges Geschwader verfüge, das für jede Eventualität ge- wappnet sei; das andere Geschwader sei in Brest gebildet. Das Rekruticrungsgcsetz für die Marine müsse sofort nach Bewilligung des Flottenprogramms angenommen werden. Es werde Frankreich mit der größtmöglichen Beschleunigung und einem Minimum von Kostenaufwand die. wirkungsvollsten Ergebnisse sichern. Eng- l a n d, dessen Lage einzigartig sei, verlange die Suprematie zur See und halte zwischen seiner Flotte und denen des Aus- landes immer den Abstand inne, den es sich festgesetzt habe. Das sei sein Gesetz und es bleibe ihm treu. Deutschland verdanke seinen Rang, dessen Erreichung man ihm nicht zugetraut habe, den Anstrengungen, die es seit erst sieben Jahren gemacht habe. Ein höherer Wille habe sich gegenüber der zunächst widerstreben- den öffentlichen Meinung durchzusetzen gewußt. Frankreich könne im Interesse der Nationalverteidigung eine ähnliche Kraftanstren- gung machen; es habe die Pflicht, sich ihr nicht zu entziehen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung forderte Goude, daß diejenigen Metallindustriegesellschaften, die an die Marine lieferten und die Interessen des Staates schädigende Ver- abrcdungen getroffen hätten, verfolgt würden. Ferner verlangte er, daß die Zahl der ständigen Arsenalarbeiter auf 25 900 festgesetzt werde. Marineminister Delcasse legte dar, daß er bedeutende Preisermäßigungen für die Panzerschiffe erzielt habe, und erklärte, er werde die Zahl der Arscnalarbeiter festsetzen, sobald das Flotten- Programm angenommen sei. Der sozialistische Abge- ordnete Brizon warf der Regierung vor, daß sie die Zwischenfälle mit Deutschland, Italien und Spanien dazu ausnutze, um ruinöse Rüstungs- Vermehrungen zu verlangen. Die Deputierienkammer hat den von Goude gestellten Antrag mit 465 gegen 73 Stimmen abgelehnt und das Flottenprogramm mit 452 gegen 73 Stimmen angenommen. Paris, 13. Februar. Senat. Bei der Diskussion deS Kriegsbudgets erklärte der Berichterstatter vkillitv- L a c r o i x, die bi» jetzt eröffneten Kredite für das Flugwesen betrügen zwölf Millionen; sie würden noch ergänzt werden durch Nachtragsforderungen. Die Ausgaben würden sich in diesem Jahre auf 2 2 Millionen und in den folgenden Jahren auf 25 Milli. onen belaufen. Kriegsmini st er Millerand führte aus, man gehe der Schaffung einer fünften Waffe entgegen. Augenblicklich sei man allerdings erst bei der Schaffung einer technischen Sektion für Luftschiffahrt. Man werde den Offizieren alle Erleichterungen gewähren, damit sie sich mit den Flugzeugen vertraut machen könnten. Auch die Lenkluftschiffe werde man nicht vernachlässigen. Fünfzehn Luftkreuzer verbesserten Systems würden gebaut werden, doch werde man seine Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die Flugzeuge richten. Die Flugzeugeinheit, da» Luftgeschwader, werde acht Flugzeuge mit einem, zwei und mehr Sitzen, umfassen, ferner zwölf Auwmobile und einen Werkzeug- wagen. Heute schon könnten 13 Luftgeschwader gebildet werden. Man besitze 298 Flugzeuge. Für jedes Luftgeschwader bestehe ein MobilisationSplan. Der Kriegsminister fuhr fort: Gegen Ende dieses Jahres werden wir 27 Feld« und fünf FestungSgeschwader, bestehend auS 344 Flugzeugen, mobilisieren können. Im Jahre 1912 werden 39 Zentren für daS Flugwesen eingerichtet sein, wozu noch die selbständigen Flugplätze kommen. JedeS Flug- geschwader wird 7 Piloten und Mechaniker aufweisen; im ganzen werden wir 234 Offizierpiloten, 219 Beobachter, 42 Mechaniker, 119 Offiziere, 169 Korporale oder Sappeure und 559 Soldaten auf« zuweisen haben. Ferner wird ein Luftschifferregiment mit sieben Kompagnien gebildet werden. Millerand betonte sodann, daß zur Verwirklichung dieses Programms 22 Millionen nicht ans» reichen würden. Er werde sofort nach Annahme des Budgets einen besonderen Gesetzentwurf einbringen, durch den 11 Millionen für Material und eine Million für Personalausgaben ausgesetzt werden. Andererseits sollen zu den für das Luftschiffwesen vorge- sehenen fünf Millionen Franks noch drei Millionen für die Her- stellung von Luftschiffen und Luftschiffhäfen hinzukommen. Reh- mond sprach die Befürchtung aus, daß die Lage weniger gut sei,«IS Millerand annehme. Unter den 298 Flugzeugen Frankreich» seien kaum hundert, die ernstlich dienstbereit seien; eS sei nötig, den ErkundungS. und Zerstörungsdienst von Aeroplanen zu organisieren und Werkzeuge zu erfinden, um die deutschen LenkballonS zu ve» nichten. Portugal. Die Republik will ihre Kolonie« nicht abtreten. London, 12. Februar. Zu den wiederholten Nachrichten, daß über die Möglichkeit der Abtretung portugiesi. scher Kolonien an eine airdere Macht und über die Be» stimmungen des deutsch-englischen Abkommen» von 18 9 8 betreffend den möglichen Verkauf portugiesischen Kolonial- besitze» Besprechungen stattgefunden hätten, teilt die portugiesische Gesandtschaft dem Reuterschen Bureau mit, daß Portugal nicht im gering st en die Absicht habe, über irgend« welche seiner Kolonien zu verfügen. Ebenso spricht die Gesandt- schaft der Nachricht, daß Portugal an den Abschluß einer auS- wältigen Anleihe denke, bei der seine Kolonien die Garantie bilden sollten, jede Berechtigung ab. Aufhebung de» Belagerungszustandes. Lissabon, 14. Februar. Die Kammer nahm die Regierung». vorlag«, mit welcher der Belagerungszustand über Lissabon aufgehoben und die konstitutionellen Garantien wieder hergestellt werden, an. Die Verhaftungen und Ver« urteilungen vor dem Kriegsgericht nehmen aber noch immer ihren Fortgang. England. Der Miuisterwechsel wird dementiert. London, 14. Februar. Der parlamentarische Korrespondent der .Daily New»' bezeichnet auf Grund von Mitteilungen auS der besten amtlichen Quelle das G e rächt von dem Rücktritt deS Premierministers ASquith für falsch. Er erklärt, eS beständen keinerlei Meinungsverschiedenheiten zwischen ASquith und Finanz- minister Lloyd George; Sir Edward G r e y bleibe Minister deS AuSwättigen. Ferner teilt der Korrespondent mit, der Erste Lord der Admiralität Churchill habe seine Rede in Glasgow ohne Sanktion des Kabinetts gehalten: die Rede habe in amtlichen Kreisen unzweifelhaft Ueberraschung erregt. Httimha. Der Kampf gegen die Lebensmittelverteuerung. Präsident Taft hat dem Kongreß eine Botschaft übersandt, die eine internattonale Untersuchung der Teuerung, ihrer AuS« dehnung, Ursachen, Wirkungen und etwa möglicher Heilmittel vor« schlägt. Da der Präsident selbst dem nächstliegenden Hilfsmittel: der Herabsetzung der Zölle, für die sich die Wähler ausgesprochen haben. ablehnend gegenübersteht, und eine Zweidrittel- Mehrheit zur Außerkraftsetzung seines Veto im Kongreß nicht vorhanden ist, kann vor dem Prästdentenwechsel, das ist vor Frühjahr 1913, von einer Aenderung der Zoll- Politik nicht die Rede sein. Inzwischen sucht man nach anderen Mitteln, um wenigstens'Erleichterung zu schaffen. So Haider Bürgermeister von Indianapolis es unternommen, Lebens« mittel unmittelbar bei den Farmern aufzukaufen und sie an die Konsumenten zu versteigern, und ein Geistlicher in New York ahmt sein Beispiel nach. In Wisconsin geht man einen anderen Weg. Dort ist eine Staatsbehörde für öffentliche Ge- schäfte errichtet worden, die eine Volksbewegung zur Errichtung von Konsumvereinen nach englischem Muster zu schaffen sucht. Bisher ist die konsumgenossensckiaftliche Bewegung in den Bereinigten Staaten noch in den Anfängen. Derselbe Notstand besteht in Kanada. So schreibt der „Toronto Globe':.Heute ist die HauSftau hilflos. Sie sieht die Kosten der Ernährung ihrer Familie ins Unerschwingliche steigen. Im vorigen Jahre sind die Kleinhandelspreise für Butter, Eier. Zucker und andere Bedürfnisse um 29 Proz. über die schon un< geheuerlichen Preise des vorhergehenden Jahres gestiegen..Es gibt keine billigen Waren mehr', sagt sie..Sogar gewöhnliches Gemüse und Obst sind fast nicht mehr zu bezahlen..Unser Fluch ist die Menge und Schwere der Steuern auf die Nahrung de» Volkes. Jede Beschränkung, die die Schwierigkeiten der Lieferung landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu den Haushaltungen erhöht, ist eine Lebensmittelsteuer. Außergewöhnlich hohe Fracht- sätze sind Steuern. Künstliche Beschränkung der Zufuhrquellen ist Besteuerung. Zölle auf Nahrungsmittel sind wohlüberlegte Steuern der Regierung.„Warum dürfen solche Steuern das Leben in Kanada erschweren?'—.Man sieht', sagt der Korrespondent der „Daily News' dazu,„sowohl die Bereinigten Staaten als Kanada stellen dieselbe Frage: Weshalb Zwischenglieder vervielfachen auf Kosten sowohl de» Produzenten als de» Konsumenten?' GeweHtfcbaftlicheö. Der§ 193«les 8tr.-G.-B. und die Gewerhfdjafte- prcffc. Wegen Beleidigung des Töpfermeisters Peter in Gleiwitz ist der verantwortliche Redakteur der Fachzeitschrift«Der Töpfer" in der Berufungsinstanz vor dem Gleiwitzer Landgericht wiederum zu 50 M. Geldstrafe und zur Tragung der Gerichtskosten ver- urteilt worden. Im„Töpfer" waren im vergangenen Jahre Be- richte erschienen, worin auf die mangelhafte Lieferung von Material zum Ofenausbau durch Peter an die Ofensetzer hin- gewiesen wurde, datz er Dachziegel in ungenügender Weise und Schamotteplatten oft gar nicht zur Verfügung gestellt habe. In Tatischau mußte ein Ofen nach drei Jahren wieder umgebaut werden� wobei sich erwies, daß zu se-nem Ausbau statt mindestens 120 nur 6 halbe Dachziegel Vertvendung gefunden hatten. Die Lohnzahlung fand bei Peter nicht regelmäßig nach Arbeitsschluß statt, vielmehr mußten die Leute öfter Sonnabends bis 9 und 10 Uhr abends auf ihr Geld warten, und dann erschien Peter noch hin und wieder in angetrunkenem Zustande. Sogar am Weihnachtsabend vor drei Jahren mußten die Leute bis zirka 10 Uhr abends auf ihren Arbeitslohn ivarten. Ueber alle diese im„Töpfer" erhobenen Anschuldigungen wurde vom Verklagten ein umfangreicher Wahrheitsbeweis an- getreten. Auch wies er nach, daß er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe. Der schlechte Ofenausbau der Kachel- öfen sei geeignet, diese beim Publikum in Mißkredit zu bringen und durch andere Heizsysteme zu verdrängen. Dadurch würden die Ofensetzer und Ofcnformer, deren Organ der„Töpfer" ist, in ihrem Erwerb geschädigt. Außerdem beständen im Ofensetzgewerbe in einer Reihe von Orten Deutschlands heiztechnische Kom- niissionen und Versuchsstationen, die aus Meistern und Gesellen zusammengesetzt sind und vor allem auch die Pfuscherei im Ge« werbe bekämpfen. Zur Unterstützung der genannten Zwecke ge. währe auch der Töpferverband jährlich an die genannten Kom- Missionen 2000 M. aus Verbandsmittcln. Das Gericht hielt den Wahrheitsbeweis für im wesentlichen er- bracht und b i l l i g t e dem Verklagten auch den Schutz des§ 193 zu. Jedoch kam es wegen formaler Beleidigung zur Verurteilung. Weil der Verklagte in einer Betrachtung über das Gebaren des Peter diesen einen„merkwürdigen Förderer des Gewerbes" genannt hatte und einige weitere noch unerheblichere Wendungen als den Kläger beleidigend erachtet wurden, wurde die vorn erwähnte Strafe ausgeworfen. Auf diese Weise wird es Redakteuren einfach unmöglich gemacht, irgendwie vorhandene Mißstände straffrei zu kritisieren. Die Kritik wirkt, obwohl wirklich scharfe Worte vermieden werden, auf den Kritisierten stets beleidigend und die Bestrafung wegen „formaler Beleidigung" ist fertig! Was nutzt da der lückenlose Wahrheitsbeweis und die Zubilligung des§ 1931 Sie stellen nur einen moralischen Erfolg dar, verhindern aber nicht die Ver- urteilung des Kritikers und die Publikationsbefugnis des seiner Schuld wohl überführten, aber immerhin„formal" beleidigten Klägers. Berlin und Qmgegend. Herren-Stapelkonfektion. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Werkstatt Feldmesser, Prenzlauer Allee 2, haben wegen Nicht- anerkennung des Tarifs die Arbeit eingestellt. Diese Werkstatt ist gesperrt. Frankenstein, Saarbrücker Str. 80, hat den Tarif an- erkannt und ist die Sperre über diesen Betrieb aufgehoben. Verband der Schneider. Filiale Berlin I. Tie Ortsverwaltung. Tapezierer! Wegen Tarifbruchs sind für Polsterer und Deko- rateure gesperrt die Firmen Grasopp, Elisabethstr. 3, und Spindler, Bernauer Str. 80. Die Schltchtungskommission. Spindler, Bernauer Str. 80. Die Schlichtungskommission. veutkckea Reich. Zum Kampf um den Arbeitsnachweis im Baugewerbe. Die Arbeitsvermittelung im Baugewerbe ist heute noch genau so ungeregelt wie vor zehn und mehr Jahren. Immer noch fragt in der Regel der Arbeitslose in der Kleinstadt im Hause des Meisters und der in der Großstadt beim Polier oder Unternehmer auf der Baustelle um Arbeit nach. Herrscht gute Konjunktur, dann wird auch ein älterer Arbeiter bald Arbeit finden; ist dagegen die Konjunktur schlecht, so daß die Arbeitslosen scharenweise vor den Bauzäunen stehen, dann kann der eine wochenlang vergebens von Bau zu Bau laufen, während ein anderer vielfach auch dann schon nach einigen Tagen Arbeit finden kann. Vielfach haben die Poliere ihre Freunde, die natürlich immer zuerst Arbeit erhalten und die auch am längsten beschäftigt werden. Ehe die Organisationen er- stärkten, war es vielerorts die Regel, daß sich die von den Polieren bevorzugten Gesellen und Arbeiter diesen gegenüber durch Geschenke in Geld oder Lebensmitteln erkenntlich zeigten. Heute ist Ineses Schmierwesen durch die Tätigkeit der Arbeiterorganisationen stark eingedämmt; doch steht die Vetternwirtschaft mancherorts auch heute noch in hoher Blüte. Nicht selten geht die Arbeitsvermittc- lung auch so vor sich, daß sich befreundete Arbeiter gegenseitig in Arbeit zu bringen suchen. Gelegentlich sucht der Unternehmer wohl auch durch Inserate in den Tageszeitungen Arbeitskräfte. Auf diese Weise vollzieht sich heute noch in den weitaus meisten Fällen die Arbcitsvermittclung im Baugewerbe. Daneben suchen noch die von den Kommunen errichteten oder unterstützten öffent- lichen Arbeitsnachweise Einfluß auf die Arbeitsvermittelung im Baugetverbe zu bekommen. Ties ist ihrtvn aber bis heute nur in sehr geringem Maße gelungen. Von den 1,1 Millionen Stellen, die von den 475 kommunalen Arbeitsnacblveisen im Jahre 1910 vermittelt wurden, entfielen nur 54 920 oder knapp 6 Proz. auf das Baugewerbe. Berücksichtigt man, daß im Baugewerbe über eine Million Arbeiter beschäftigt sind, die ihre Arbeitsstellen zum großen Teil alljährlich mehrmals wechseln, so erscheinen die 54 920 vermittelten Stellen fast bedeutungslos. Für die baugewerblichen Arbeiter ist die heutige Art der Ar- beitsvermittelung äußerst unangenehm. Daher muß ihnen eine vernünftigcie Regelung der Arbeitsvermittelung sehr erwünscht sein. Einer solchen Regelung widersetzen sich aber die Bauscharf- macher mit aller Macht. Zwar sind auch sie mit der heutigen Art der Arbeitsvermittelung unzufrieden, aber nur. weil sie dabei nicht die Möglichkeit haben, die mißliebigen Arbeiter nach Belieben zu drangsalieren und von der Arbeit auszuschließen. Um diese Mög- lichkeit zu bekommen, suchen sie die Arbeitsvermittelung ganz in ihre Hände zu bringen. Sie haben schon vor Jahren die Ein- führung von einseitig durch Unternehmer geleiteten ArbeitSnach- weifen beschlossen und dabei offen ausgesprochen, daß diese Nach- weise Mittel zur Stärkung der Unternehmerorganisation sein sollen. Sie wollen sich durch ihre Arbeitsnachweise„eine wirksame Waffe" gegen die Arbeiter schaffen, mit der sie unliebsame Ele- mente von den Arbeitsplätzen fernhalten können.— Diese Forderung der Bauunternehmer war bekanntlich einer der Punkte, zu deren Durchführung 1910 die Aussperrung vorgenommen wurde. Als bei den damaligen Verhandlungen die Vertreter der Arbeiter den Unternehmern anboten, sie wollten gemeinsam mit ihnen paritätische Nachweise errichten, da wiesen die Unternehmer dieses Anerbieten weit von sich. Vorher schon hatten sie beschlossen, die von den Kommunen errichteten Arbeitsnachtveise mit allen Mitteln zu bekämpfen, lveil diese für die entschiedene Wahrung der Unter- nehmerinteressen nichts taugten. Als der große Kampf 1910 zu- gunsten der Arbeiter verlaufen war, wurde die Arbeitsnachweis- Berantw� Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: frage in dem abgeschlossenen Vertrage nicht geregelt. Die Un- parteiischen erkannten zwar an, daß die Arbeitsvermittelung im Baugewerbe zurzeit unbefriedigend sei und daß die Errichtung paritätischer Nachweise die geeignete Lösungsmöglichkeit wäre. Da aber die Verhältnisse für eine solche Regelung noch nicht reif seien, so bleibe nur übrig, daß sowohl die Arbeiter wie die Unternehmer ihre einseitigen Einrichtungen zur Arbeitsvermittelung weiter- betreiben. In Uebereinstimmung damit entschied später das Zentralschiedsgericht, daß die Arbeitsnachweisfrage außerhalb der Verträge und der Entscheidungen steht, und daß die Organisationen der Arbeiter und der Unternehmer Arbeitsnachweise in beliebiger Form errichten und betreiben können, soweit sie dabei nicht mit dem Gesetz oder dem Vertrag in Widerspruch geraten. Unter der gleichen Bedingung kann die Gegenpartei geeignete Gegenmatz- regeln ergreifen. Auf Grund dieser Entscheidungen suchten die Unternehmer nach der Aussperrung in den verschiedensten Orten ihre einseitigen Nach- weise weiter zu betreiben bezw. neue zu errichten. Das ließen sich natürlich die Arbeiterorganisationen nicht stillschweigend ge- fallen, sondern sie griffen zu Gegenmaßregeln. Tie Nachweise der Unternehmer in Bielefeld, Bremen. Cuxhaven, Tortmund. Eniden, Naumburg a. S., Nordenham, Nürnberg, Oldenburg, Schleswig. Vegesack und Wilhelmshaven wurden gesperrt und so den Unter- nehmern an diesen Orten die Einstellung von Arbeitslosen durch ihre Maßregelungsinstitute ganz oder teilweise unmöglich gemacht. Das hatte zur Folge, daß z. B. die Unternehmer in Bielefeld ihren Nachweis am 1. Januar 1912 schlössen und die Arbeitsvermittelung völlig einstellten. Ihr Nachweis, der noch im Monat Mai 1911 210 Arbeiter vermittelte, vermochte einen Monat später nur noch ganze 4 Personen„umzusetzen". Damit war der Arbeitsnachweis wertlos, und die Unternehmer sparten sich durch seine Aufhebung lediglich die vordem nutzlos ausgegebenen Kosten. Zäher als die Bielefelder Unternehmer sind deren Kollegen in anderen Orten. Obwohl auch dort die Vermittelungstätigkeit fast ganz aufgehört hat. halten sie doch ihre Nachweise aufrecht, um wenigstens den Beschlüssen der Unternehmer-Generalversammlung Rechnung zu tragen. Daß diese Nachtveise jemals die Bedeutung erlangen könnten, die die Unternehmer einmal von ihnen erhofft haben, das wird von diesen heute wohl selbst die naivste Seele nicht mehr glauben. Aber man muß sich doch den Anschein geben, als wäre der einseitige Arbeitsnachweis für die Krauter vom Bau wirklich eine Lebensfrage. So entschloß man sich in Norden- ham, wo, abgesehen voin Industriegebiet, die tolpatschigsten und anmaßendsten Bauscharfmacher ihren Wohnsitz haben, mitten im Winter unter Vertragsbruch zur Aussperrung, um den Widerstand der Arbeiter zu brechen und dem famosen Maßregelungsinstitut der Bauscharfmacher Anerkennung zu verschaffen. Daß dieses saubere Plänchcn nicht gelingt, dafür müssen die Bauarbeiter ganz Deutsch- lands sorgen, indem sie mit aller Strenge den Zuzug nach Norden- ham fernhalten. Die Unternehmer geben sich alle erdenkliche Mühe, durch Inserate und Agenten, sowie mit Hilfe anderer Nach- weise Arbeitskräfte nach Nordenham zu schleppen. Da schon ein- zelne Arbeiter auf diese Lockversuche hereingefallen sind, die angeb- lich von der Aussperrung in Nordenham nichts gewußt haben, so ist Aufklärung in Bauarbeiterkreifen über das Bestreben der Nordenhamer Bauscharfmacher eine dringende Notwendigkeit. Also: Aufgepatzt, Bauarbeiter, daß kein Mann nach Nordenham kommt! Ter Streik der Maurer und Bauarbeiter auf der Insel Borkum, der im Juni v. I. begann, wurde durch die Badesaison unterbrochen. Nach Beendigung der Badesaison mutzte die Bau- tätigkeit wieder aufgenommen werden, und die Unternehmer ver- suchen mit allen Mitteln. Arbeitskräfte heranzuziehen. Da wegen des strengen Winters die Arbeit längere Zeit gänzlich ruhte, sie zum 1. Juli(Anfang der Badesaison) aber beendigt sein mutz. wird die Anwerbung von ArbeitSivilligen in ganz Deutschland für Borkum mit aller Macht betrieben. Die dortigen Unternehmer lehnen es nach wie vor ab, über die gestellten Forderungen ruit dem Bauarbeiterverband zu verhandeln. Die Unternehmer sind der Meinung, für 50 Pf. Stundenlohn genügend Maurer zu be- kommen; Arbeiter erhalten nur 40 Pf. die Stunde. In Helgoland werden ftir Maurer 80 Pf. und für Hilfsarbeiter 65 Pf. Stunden- lohn gezahlt. Ehrensache eines jeden Bauarbeiters muß es sein, Borkum zu meiden._ Organisation der Bauherren auf dein Lande. Zu einem neuen Mittel, ihre schlvankende Position zu be- festigen, haben die Junker in Pommern gegriffen. Sie wollen die Landwirte zu einer Organisation der Bauherren ver- einigen mit der Verpflichtung, nur solchen Unternehmern Bau- arbeiten zu übertragen, die keine„sozialdemokratisch organisierten" Arbeiter beschäftigen. Als Leiter ist der Landschaftsrat von Hertzberg- Loitin tätig, ein neuer Sozialistenfresser. Recht groß« sprecherisch tritt diese Bewegung an die Oeffentlichkeit: „Eine Anzahl Männer aus hinterpommerschen ländlichen Kreisen steht ihm zur Seite mit der Ueberzeugung, daß es hohe Zeit ist, durch Zusammenschluß dem sozialdemokratischen Ueber- mut und Terrorismus entgegen zu wirken und zu verhindern, daß das sozialdemokratische Gift in die ländliche Arbeiterbe. völkerung eindringt." Man sieht, diese edlen Don Ouichotegestalten haben aus der letzten Bewegung nichts gelernt, sondern nehmen den Kampf mit den Windmühlenflügeln auf. Während sie über TerrocismuS schreiben, üben sie selbst den größten Terror auS. Eine bemerkenswerte Organisationseinrichtung auf gcwerk- schaftlichem Gebiete ist am Sonntag im ManSfelder Kreis getroffen worden. Die beiden bisher im Kreise bestehenden GeWerk- schaftskartelle in Eislebcn und Hettftedt haben sich aufgelöst und oafür ist ein Kartell geschaffen, das die ganzen organisierten Ar- beitcr im Kreise in sich vereinigt. Dadurch genießen auch die auf den Dörfern wohnenden Arbeiter die Vorteile des Kartells, die bisher davon ausgeschlossen waren, da dort die Möglichkeit eines gewerkschaftlichen Zusammenschlusses in Form der Kartelle meist nicht gegeben ist. In Frage kommen bei der Neubildung 12 Ge- wcrkschaften mit zirka 5000 Mitgliedern. Hoffentlich nehmen die übrigen Organisationen im Kreise recht bald Veranlassung, ihren Anschluß an das Kreiskartell zu vollziehen. Möge die neue Or- ganisation eine gute Waffe in der Hand der ManSfelder Arbeiterschaft werden! Miihlenarbciterstreik. Die Arbeit niedergelegt haben am 13. Februar sämtliche Arbeiter der Reis- und Grützmühle A. O p p e n h e i m e r u. Co. zu Hamburg.— Zwischen der Firma und der Arbeiterorganisation bestand ein Tarifvertrags- Verhältnis, das am 31. Dezember 1911 sein Ende erreichte. Die Arbeiter reichten einen den heutigen Zeitverhältnissen entsprechen- den Tarifentwurf an die Firma ein. Diese lehnte jegliche Per- besserung ab, erklärte sich aber bereit, den bisherigen Tarif unver- kürzt für weitere drei Jahre anzuerkennen. Das lehnten die Ar- beiter ab. Nachdem jeder Versuch der Vertreter des Verbandes der Brauerei, und Mühlenarbsiter, eine gütliche Einigung zu er- zielen, an dem ablehnenden Standpunkt der Firma scheiterte, ließen die Arbeiter die Arbeit ruhen. Tie Firma beschäftigt 90 Per- sonen. Es wird ersucht, den Zuzug von Müllern, Handwerkern, Heizern und Mühlenarbeitern nach diesem Betrieb streng fern- zuhalten. Achtung, Schuhmacher! Infolge des 16 Wochen dauernden, vor kurzem beendeten Streiks in Schwenningen a. N. ist. noch eine größere Anzahl Schuhmacher ohne Beschäftigung. Auf Grund der getroffenen Vereinbarungen müssen die Unternehmer bei Bedarf an Arbeitskräften in erster Linie die Ausständigen berücksichtigen. ES liegt deshalb im eigenen Interesse der Schuhmacher, Schwcnnin- gen bis auf weiteres zu meiden, um sich unnütze Reisekosten zu sparen, da Aussicht, Arbeit zu bekommen, nicht vorhanden ist.__ Hh. Glocke, Berliai. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Lerlagsanstalt t{ HusUnd. Streik der Budapester Maschinenbauer. Auf die Aussperrung durch den Verband der Maschinenfabri- ken haben die Arbeiter nunmehr mit dem Streik geantwortet. 20 000 Mann haben bereits die Arbeit niedergelegt. Das„Geständnis" der Gebrüder Mae Namara hat zu weiteren Verhaftungen geführt. Außer dem Vorsitzenden des Jnternatio- nalen Verbandes der Brücken- und Eisenarbciter Ryan sind noch einige andere Arbeiterführer verhaftet worden. Letzte Nachrichten, Fortsetzung der englischen Adreßdcbatte. London, 14. Februar.(Unterhaus.) Nunmehr ergriff Asquith das Wort. Er gab im Verlaufe seiner Rede eine be- dcutsame Erklärung ab über die deutsch-englischen Beziehungen. Er bezog sich auf einen Zwischenruf, den ein Mitglied der unionistischen Partei während der Rede Bonar Laws getan hatte, daß nämlich Haldane auf seiner Mission in bengalischem Lichte nach Berlin gegangen sei, und fuhr fort: Der allgemeine Vorwurf gegen uns und besonders gegen den Staatssekretär des Aeußeren ist der, daß Geheimniskrämerei und eine unterirdische Politik getrieben worden sei. Die englische Regierung nehme, so erklärte Asquith demgegen- über, ihre diplomatischen Schritte geradezu in bengalischem Lichte vor.(Heiterkeit.) Aber das ist, führte er weiter aus, eine sehr ernste Angelegenheit, und ich möchte mit bezug auf sie eine ernste Sprache gebrauchen, aber auch, ich freue mich, das sagen zu können, eine hoffnungsvolle Sprache.(Beifall.) Es ist eine unbezweifelte und höchst beklagenswerte Erscheinung, daß die traditionellen Gefühle der Freundschaft und des guten Willens zwischen Deutschland und unserem Lande während doj letzten Monate ernstlich getrübt waren. Asquith fuhr fort: Wenn eine Atmosphäre des Argwohns ge- schaffen ist, nimmt die Fiktion, wie die Erfahrung zeigt, den Platz der Tatsache ein, und Legenden, die sonst als unglaubhaft ver- warfen werden würden, werden von weiten Kreisen geglaubt. Uns wird zum Beispiel erzählt, daß es in Deutschland viele Leute gibt, die fest glauben, daß wir einmal oder einige Male im Sommer oder Herbst des letzten Jahres einen Angriff auf ihr Land in Er- wägnng zogen und sogar vorbereiteten, und daß die Bewegungen unserer Flotten mit Rücksicht hierauf sorgfältig berechnet waren. Ich schäme mich fast, einer so wilden und ausschweifenden Einbil- dungskraft zu widersprechen. lBeifall.) Die ganze Erzählung ist eine reine Erfindung(Beifall) und es gibt, ich brauche es in diesem Hause kaum zu versichern, nicht den Schatten einer Be- gründung dafür. Ebenso lag nirgends und zu keiner Zeit irgendein aggressiver oder provokatorischer Charakter in den Bewegungen unserer Schiffe. Aber schon die Tatsache, daß derartige Gerüchte Glauben finden konnten, nicht bei der Deutschen Regierung, aber bei einer großen Zahl von intelligenten Leuten in Deutschland, ist sicherlich an und für sich ein bezeichnendes und höchst bedauerliches Symptom. Beide Regierungen waren und sind von dem aufrich- tigen Wunsche beseelt, eine bessere Verständigung herbeixuführe», und im letzten Monat hatten wir Anzeichen dafür, daß der Besuch eines britischen Ministers in Berlin nicht unwillkommen sein (Beifall bei den Ministeriellen) und die Erreichung unseres gemeinsamen Zwecke? erleichtern würde. Wir hielten eS für gut, daß Haldane seinen Besuch dazu benutze, in freundschaftlichen und vertraulichen Mitteilungen mit denen Fühlung zu nehmen, die verantwortlich sind für die Leitung der deutschen Politik. DicZs schloß— ich gebe es zu— auf beiden Seiten' ein Abweichen von den hergebrachten Methoden mit ein, aber auf beiden Seiten fühlte man, daß Freimütigkeit in der Erklärung und Mitteilung im ersten Augenblick leichter fallen würde, wenn sie eine Frage nicht formal und nichtbindender Unterhandlungen war, als auf der Grundlage dessen, was ich„kull clress" der diplomatischen Verhandlungen nennen möchte.(Beifall.) Diese Unterhandlungen sind vollständig zustande gekommen.(Erneuter Beifall.) Es herrschte vollkommene Erklärungsfreiheit und die Möglichkeit vollkommen freimütiger Auseinandersetzung über ein weites Diskussionsgebiet. Englischer Einspruch wirkt. Malta, 14. Februar.(Meldung der Agence HavaZ.) Die drei gefangenen Araber aus Tripolis, die vorgestern von Bord des italienischen Postdampfers„Enna" ausgeschifft worden waren, sind heute mittag in Freiheit gesetzt worden. Sunjatsen gegen Juanschikai. Nanking, 14. Februar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Sunjatsen hat an I u a n s ch i k a i ein Telegramm folgenden Wortlauts gesandt: Ich habe von dem Edikt und von Ihrem Briefe, in dem sie sich als Anhänger der geeinigten Republik bezeichnen, Kenntnis genommen und mich über beide sehr gefreut. Indessen ist die geeinigte Republik außerstande, die Ernennung eines Organisators der Republik durch einen Kaiser der Tsching-Dhnastie anzuerkennen. Wenn man auf diesen Punkt bestehen will, so können sich ernste Folgen daraus ergeben. Ich bitte Sie, sofort nach Nanking zu kommen, um die Hoffnungen des Volkes zu er- füllen. Wenn Ihre Anwesenheit im Norden zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Leitung der Verwaltung notwendig sein sollte, ernennen Sie einen Vertreter mit unbeschränkter Vollmacht und warten Sie alsdann die Entscheidung der Nationalversamm- lung ab.— Nach Empfang dieses Telegramms hat I u a n s ch i k a i Tangschaoyi telegraphisch angewiesen, mit den Republikanern im Süden über die noch strittigen Punkte zu verhandeln. Arizona als Staat aufgenommen. Washington, 14. Februar.(W. T. B.) Präsident Taft hat heute vormittag einen Erlaß unterzeichnet, durch den Arizona als achtundvierzigster Staat in die Union aufgenommen wird. Aufnahme der Arbeit im Borinage. Brüssel, 14. Februar. Tie streikenden Bergarbeiter im Borinage werden morgen vormittag die Arbeit wieder aufnehmen, nachdem die Grubenbesitzer sich mit dem gestern angenommenen Zusatzgesctz zum Pensionsgesetz c i n v e r st a n d e n erklärt haben. Gelandete Schriffbrüchige. Hamburg, 14. Februar.(H. B.) Von der aus 27 Mann be- stehenden Besatzung der vor einigen Tagen bei Falmauth gestrande- ten Hamburger Viermastbark„PindoS" sind heute mit dem Dampfer„Präsident Lincoln" 17 Mann hier eingetroffen. Die übrigen sind einstweilen in England zurückgeblieben. Folgenschweres Unwetter in Marokko. Casablanca, 14. Februar.(H. V.) Durch den anhaltenden Regen sind hier große Schäden verursacht worden. In Suani Osti sind acht Eingeborenenhäuser eingestürzt. Fünf Persoae» sind getötet worden, eine Anzahl wurde verletzt. qulSinger& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen«. UnterhaltungSbl. Nr. 38. 29. Jahrgang. 1 Stiliißt kü„ " Sftlintt Solblilait. Donnerstag, 15. kebrnar 1912. Reichstag ö. Sitzung. Mittwoch, den 14. Februar, nachmittags 2Uhr.» Am BundeSratstii'che: Lisco, Mermuth. Vizepräsident Schcidemnnn eröffnet die Sitzung bei voll- besetztem Hause. Er lätzt zunächst den Eingang einiger Rechnungs- fachen durch den Schriftführer Abg. Neumann-Hofer(Bp.) verlesen und fährt dann fort: Der Herr Abg. Paaschs hat an das Präsidium des Reichs- tages folgendes Schreiben gerichtet(Ironische Ah!- Rufe rechts.): «Dem Präsidium teile ich hierdurch ergebenst mit, daß ich mein Amt als zweiter Vizepräsident hiern, it niederlege."(Bravo! rechts. Große Heiterkeit bei den Sozial- demokraten und Freisinnigen.) Ich schlage dem Hause vor. die nunmehr notwendig gewordene Wahl des zweiten Vizepräsidenten heute sofort nach der Wahl des Präsidenten vorzunehmen.(Sehr richtig! links.) Das ist nur zu- lässig, wenn kein Mitglied des Hauses widerspricht. Ich frage des- halb die Mitglieder des Hauses, ob Sie mit meinem Borschlage ein- verstanden sind? Es erfolgt kein Widerspruch, wir werden also nach der Wahl des Präsidenten die Wahl des zweiten Vize- Präsidenten vornehmen. Wir treten dann in die Tagesordnung ein. Erster Gegen- stand ist die Wahl des Präfidenten. Der Namensaufruf ergibt die Anwesenheit von 374 Ab- geordneten. Abgegeben sind 173 weiße Stimmzettel, 1V3 auf den Namen des Abg. Knempf(Vp.). Ferner sind abgegeben je ein Stimm- zettel auf die Namen der Abgg. Z u b e i l(Soz.), Simon(Soz.), K r e t h(k.), Dr. Will so kleinen Station die Fahrgeschwindigkeit derart verlangsamte, daß der Zug wie eine Sckvuecke dahin kroch. Herr Giolitti kam infolge- dessen regelmäßig halb taub und mit einer Stunde Verspätung in Rom an. Der kleine Scherz lag klar zutage, aber man konnte gegen den Lokomotivführer und gegen den mit ihm in Verbindung stehen- den Maschinisten nicht vorgehen, da sie sich darauf berufen konnten, daß sie mit seltener Gewissenhaftigkeit die Dienstvorschriften be- folgten. Um nun aber der unangenehmen Geschichte ein Emde zu machen, hat jetzt die römische Eisenbahndirektion den gewissenhaften Lokomotivführer— befördert, um ihn aus dem Dienst der Bahn Frascati-Rom auf anständige Weise entfernen zu können. Theater. Neue Freie Volksbühne(im Neuen Volkstheater): „Nathan der Weise" von L e s s i n g. Mit der szenisch wie dekorativ überaus schönen Aufführung der gleichen Dichtung im Neuen Schanspielhause, der ja die Mitglieder unserer Freien Volks- bühne teilhaftig geworden sind, kann die von der Neuen Freien Volksbühne veranstaltete in keiner Weise verglichen werden. Schon deshalb nicht, weil die Putzbrettl-Bühne im weiland Wolzogenschen Musentempel einer reichen, dabei räumlichen Inszenierung im Wege steht. Der„Palmenwald", hier verbaut, fiel primitiv aus, wie das Innere des Sultan- und des Judenhauses. Mit sotaner Aerinlichkeit steht alsdann eine prunkvolle Gewandung der Personen im offenen Widerspruch. Aber auch die Darstellung' an sich war nicht gar weit her. Es kann darüber, daß August M o i» b e r als Tempelherr eher ein schmachtlappiger Bonvivant, dem, ein schwäbisch-ranhbeiniger Ritter war, und daß auch Weder Otto M o n t u a als Sultan, noch Elisabeth H u ch als Sittah ihren Rollen gerecht wurden, kein Zweifel nehmen, heißt nichts anderes, als die Fürsorge für die Existenz der Nation zum Teil ans die nachkommende Generation abwälzen und dieser die Fürsorge doppelt schwer machen. Spät, fast zu spät hat man diesen Fehter erkannt und ist dazu über- gegangen, neue Steuerquellen zu beschaffen, nickt ohne schwere poli- tische Erschütterungen.(Sehr richtig! rechts) Die Anleihe hat da- durch ein wesentlich besseres Aussehen erhalten. M-t einem SRuü läßt sich ihre Beseitigung nicht erreichen, aber es ist doch beruhigend, daß die Anleihe diesmal nur 44 Millionen beträgt, nur 12 Millionen mehr, als der Betrag der werbenden Ausgaben. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß der Betrog von 86 Millionen Schuldentilgung diesmal seiner wirklichen Bestimmun g zugeführt iverdcn kann. Ans dem Gebiete der Matrikularbeiträge lassen sich große Ex- perimente nicht mehr anstellen, die Leistungsfähigkeit der Bundes- stallten gegenüber dem ungeheuer gestiegenen Reichsbedarf ist keines- ivegs unbegrenzt, wir müssen vielmehr unser eigenes Gebiet bearbeiten, das der Zölle und Reichsabgabe n. Was den Etat von 1911 betrifft, so haben die neu eingeführten Zölle ein Mehr von 64 Millionen ergeben.(Hört I hört I rechts.) Voran steht der Branntwein, dann folgt der Tabak, die Börsen st euer, die Leuchtmittel st euer mit 3 Millionen mehr, die Zünd waren st euer mit 2,/a Millionen, das Bier mit 2 Millionen mehr. Die sonstigen Einnahmen entwickeln sich durchaus normal. Post und Eisenbahnen haben er- freuliche Ueberschüsse zu verzeichnen. Bei den Ausgaben haben wir einige Ersparnisse zu erwarten, wenn auch nicht ganz so wie 1910. Im Etat für 1912 fällt beim Heer das Mehr von 16 Millionen für die Naturalvcrpflegung auf, das sich aus der Preissteigerung der Lebensmittel erklärt. Die Finanzen der Kolonien gehen im allgemeinen gut vorwärts, mit Ausnahme von Südwest- a fri ka, weil dort eine vermehrte Schwierigkeit der Diamantenpro- duktion zusammentrifft mit einer ungünstigen Lage des Diamanten- inarktes. Dagegen zeigt O st a f r i k a sehr erfreuliche Forlschritte. Was die Kosten für das jüngst erworbene Gebiet Nen-Kamerun an- geht, so läßt sich daS jetzt noch nicht mit Bestimmtheit übersehen. Zunächst werden die Kosten der Grenzermtttclungsarbeiten zu be- streiten sein.— Vermehrte Kosten machen sich notwendig für neue Beamte, denn auf die Dauer läßt sich die Personalvcrmehrnng nicht ganz hintanhalten. Im allgemeinen beruht der Etat ans den- selben Grundlagen wie seine beiden Vorgänger. Er bestreitet die Ausgaben mit den sich weiter entwickelnden Einnahmen und SO Pf. Malrikularbeiträgen. Er vermindert die Anleihe um 63 Mill. Naiür- lich ist aber davon keine Rede, wie schon behauptet worden ist, daß wir wieder in Gold schwömmen.(Heiterkeit links, Zuruf: Ihre Rede vom Dezember!) Wir sind ein gutes Stück vorwärts gekommen, indem wir die laufenden Ausgaden ans laufenden Mitteln bestreiten. Unsere Finanzkraft beginnt sich wieder zu regen. Soll aber der Erfolg der noch nickt ganz vollendeten Wiedergesnndung uns erhalten bleiben, so müssen wir auch bie Mittel weiter anwenden, mit denen wir so weit gekommen sind. Entsteht ein neuer zwingender Mehrbedarf, Anlaß sein, den heilsamen Wahrspruch: Deckung, das heißt ohne Golddeckung' „keine Ausgaben ohne Papierdeckung". des Vaterlandes ein Opfer erheischt, werden. Die Finanzen sind auch ein keit des Reiches, auch sie müssen gut einexerziert sein, müssen vör dem In- und Ausland untadelhaft dastehen und dürfen nicht, wenn auch aus Mißverständnis, als morsch und gebrechlich bezeichnet werden.(Sehr richtig! rechts.)' Sind sie so beschaffen, daß sie Mt- trauen verdienen und wird ihnen das Vertrauen auch wirklich zuteil dann dienen sie dem Ansehen Deutschlands- und damit einer gMich» lichen friedlichen Entwickelung unseres gesamten Staatswesen- (Bravo!) DaS HauS vertagt sich. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr.(Schleuniger Antraz A I b r e ch t auf Einstellung eines Strafverfahrens gegen den Abg. Giebel(Soz,) und Fortsetzung der er st en Lesung dcks Etats.) Schluß 6 Uhr._ so darf das nicht der „keine Ausgaben ohne zu verwandeln in: Wenn das Wohl so muß es gebracht Teil der Wehrtüchtig- bestehen. Ungleich besser gab Robert Müller den Nathan, Martha A n g e r st e i n war als Recka so schön als liebreizend. Fritz Freister brachte die Zappeligkeit des Derwisches etwa« grotesk, aber recht wirksam. Der Uebereifer der alten Doja wurde durch Agnes Werner-Wagner drollig gegeben; und den Klosterhxude.r stellte Emil R a m e a u gleichfalls sicher hin. Mehr läßt st«« vcn dieser Vorstellung nicht sagen. c. k. Humor und Satire. Lieber„Vorwärts"! Du meinst, ich soll ein Gedicht dichten auf daS Präsidium, daS bald da ist, bald nicht?— Ach Gott! Ich tue ja seit einer Woche nicht« anderes! „Und ich seh' mich suchend um: Wo ist daS Präsidium?"— So weit war ich schon Sonnabend, aber gerade als ich de» Schlußsirich machte, kam die Nachricht. Peter Spahn ist gewählt und alles ist in Ordnung. Worauf ich mein Werk als Schreibunterlage benutzte und ein neues baute, sehr witzig(ganz gegen meine Gewohnheit), es hätte Dir sicher gefallen. Aber sieh mal. der Himmel(G. m. b. H.) hat eS anders ge- wollt, und Peter Spahn dankte ab. Lieber Vorwärls I— was ich die letzten Tage ausgestanden habe, das ist nicht zu blasen!— Kaum hatte ich einen Reim auf Paasch? gefunden(Kleidage), so hieß es, Scheidemann ist derjenige, welcher, und wenn ich dann meine SiegcStrompete ölte, so wurde Kaempf auf den Schild gehoben. Du meinst, die Herren ließen ja sonst auch alle Arbeit den Sozialdemokraten?— Tja... l Aber welche Gelegenheit, sich wichlig. eine Mücke zum Elefanten. Kaempf zum Präsidenten zu machen I— Und denk' mal, wenn Scheideman» Ocrtel» zur Ordnung ruft— die Schmach überlebt der Dicke nicht! Nein, es wird weiter geschachert. Und wenn ich daS 26. Gedicht habe— das schicke ich Dir. Jetzt muß ich arbeiten:„Spahn— nimmt mcht an— Scheidemann— den meide man— sonst kommt Paasche— m Rasche.. Herzlichst Dein Kurt. Notizen. ..~ große Winterblnmen-Schau veranstaltet die De utsche Gartenbau gesell schaft gelegentlich ihres 90. Sttftungsfcstes im Landwehrosfizier-Knsino in Charlotlenburg, am Bahnhos Zoologischer Garten, am 15. Februar. Die Eröffnung eriolgt um 2 Uhr und dauert bis 8 Uhr abends. Eintritt 2 M. Dw zurzeit in den Berliner Treibereien herangezogenen Treib- straucher. wie Flieder, Schneeball und Rosen werden mit hervor- ragenden Tiilpcnsortimentcn, mit Maiblumen, Hyazinthen, Azaleen und Orchideen in einen ftiedlichen Wettbewerb treten. — W i e i e„F e r s ch t e n" die Kunst fördern. Dos Bureau des Berliner Theaters teilt mit: In den let-i u Wochen wurde das Theater, zum Teil Wiederholt, durch den Besuch folgender Fürstlichkeiten ausgezeichnet: Prinz Heinrich der Nieder- lande. Herzog Ernst Gunther von Schleswig- Holste m. Prinz Sigismund von Preußen nird die söhne des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen.- Im Berliner Theater wird bekanntlich cm AuS- stattungsjtuck:„D.e großen Rosinen" gegeben. fort mit dem gleichen Nshlrecht! Die scharfmacherischen„Berliner Neuesten Nachrichten" haben wieder einmal das Radikalmittel entdeckt, durch das die rote Ge- fahr gebannt werden kann. In einem Artikel„Die Wurzel alles Uebcls" fordern sie, dag das allgemeine gleiche Reichs- tagswahlrecht beseitigt werde, damit dem unaufhalt- samen Wachstum der Sozialdemokratie an Stimmenzahl und poli- tischem Einfluß endlich ein Ziel gesetzt werde. Die Fehler dieses unseren Scharfmachern begreiflicherweise so tierhatztcn Wahlrechts erblickt das Organ der Panzerplatten- Patrioten in zwei Umständen: Zunächst würden durch das An- schwellen der roten Stimmenflut die liberalen Parteien in eine immer größere Abhängigkeit von der Sozialdemokratie gebracht. Nicht nur der Freisinn sei darauf angewiesen, auf sozial- demokratischen Krücken in das Parlament zu humpeln, sondern auch der Nationalliberalismus hänge je länger je mehr von der sozialdemokratischen Stichwahlhilfe ab. Verdankten nicht 14 bis 16 nationalliberale Abgeordnete sozialdemokratischer Wahlhilse ihre Mandate, Herr Scheidemann wäre vielleicht nicht erster Vizepräsident! Dieser„korrumpierende" Einfluß müsse aber mit der Zunahnie der sozialdemokratischen Stimmen von Wahl zu Wahl wachsen. Schon seien es iVt Millionen, das heißt über 34 Proz. aller abgegebenen Stimmen, und das Ende sei noch nicht abzusehen. Und diese Zunähme sei eben dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht geschuldet! Existiere es nicht, so wäre die Sozialdemokratie auch nicht in der Lage, auf zahlreiche bürger- liche Kandidaten einen starken Druck auszuüben. Unsere Scharfmacher um jeden Preis möchten also auch noch jenes Ventil schließen, das bisher wenigstens die furchtbare Er- bitterung der Massen über die schamlose Steuerausplünderung durch eine kleine besitzende Minderheit vor Ueberdruck bewahrt und explosive Ausbrüche verhütet hat. Diese politischen Desperados sind ungefähr so schlau wie ein Ingenieur, der die Gefahr von Kessel- cxplosioncn dadurch verhüten zu können glaubte, daß er den Tampfdruckanzeigcr und jedes Notventil beseitigte. Denn daß durch einen Wahlrechtsraub die Massenempörung besänftigt werden könnte, kann doch kein Mensch mit normalen Sinnen glauben. Im Gegenteil: die Erbitterung würde noch furchtbarer um sich fressen, die Spannung ins Ungeheuerliche steigen. Und je rücksichtsloser die von sozialdemokratischer Unterstützung unabhängig gemachten Geldsackvertreter ihr Mandat zur Massenausplünderung miß- brauchen würden, einen desto gefährlicheren Grad müßte die poli- tische Spannung erreichen. Vielleicht aber spekulieren ja gerade die Scharfmacher vom Schlage der„Berliner Neuesten Nach- richten" auf explosive Ausbrüche der Volksempörung, um dann den Säbel hauen und die Flinte schießen zu lassen. Aber auch sie sollten sich doch nachgerade sagen, daß ein solches Spiel doch gar zu riskant wäre. Nur Geistesverwirrte könnten ein solches Risiko auf sich nehmen. Von nicht geringerer Geistesverwirrung freilich zeugt das andere Argument, das das Scharfmacherblatt für einen Wahlrechts- raub geltend macht. Es schreibt nämlich: „Man weiß, wie sehr die Sozialdeniokratie den Parka- m entarismus lediglich als M i t t e l zum Zweck ihrer außerparlamentarischen Ziele ansieht. Ganz logisch nimmt Bebel den Verlust von 36 Mandaten für einen Stimmenzuwachs von 1 Million in Kauf. Aber um solchen Stimmenzuwachs zu erreichen, muß den Massen ein greifbares Ziel gezeigt werden, um das sie mit der Aussicht um einen, wenn auch fernen Erfolg kämpfen können. Und dieses Ziel ist die sozial- demokratische Parlamcntsmehrheit, die dann— wird der Hergang in einfachster Weise konstruiert— die Staatsmaschine zum Stillstand bringt und so die Aufrichtung des sozialdemokratischen Staatswesens erzwingt. Ist dagegen eine sozialdemokratische Mehrheit ausgeschlossen, die Partei darauf angewiesen, ständig in der Minderheit zu bleiben, so ist sie gezwungen, den Massen an Stelle der Aussicht auf die Ueberwindung und Vernichtung des verhaßten Gcgcnwarts- staatcs etwas anderes zu bieten. Sie kann sich dann nicht mehr auf die mephistophelische Rolle des Neinsagcns, nicht mehr auf die reine Opposition beschränken, sondern ist z u positiver Mitarbeit gezwungen. Dann erst ist die Möglichkeit einer Umwandlung der Revolutions- in eine Resormpartci ge- geben. Das allgemeine, gleiche Wahlrecht also i st c�s, daß das radikale revolutionäre Wesen der Sozialdemokratie bedingt, weil es den Massen die Aussicht auf den endgültigen Sieg ihrer Sache eröffnet. Und in dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht liegt der Kern der sozialdemokratischen Gefahr, weil es der Sozial- demokratie die Möglichkeit gibt, in der vorteilhaften Stellung der reinen Oppositionspartei die Massen mit sozialdemokra- tischem Geist zu erfüllen und weil es die bürgerlichen Parteien zwingt, mittelbar und unmittelbar den sozialdcmo- kratischen Zielen dienstbar zu werden." Tie„Berliner Neuesten Nachrichten" wollen also die Sozial- demokratie dadurch zur positiven Arbeit zwingen und ihres revolu- tionären Charakters entkleiden, daß sie ihr jede Möglichkeit zur positiven Betätigung rauben. Andere bürgerliche Abgeordnete haben ja dasselbe Ziel verfolgt. Aber sie haben gerade geglaubt, dadurch die Sozialdemokratie zur„positiven" Mitarbeit erziehen zu können, daß ihr ein größerer Einfluß auf die Politik eingeräumt und dadurch ein„größeres Maß von Verantwortlich- kcit" aufgebürdet wird. Uebcr das Illusionäre dieser Hoffnungen ist so oft gesprochen worden, daß wir uns heute damit nicht ein- gehender zu beschästigen brauchen. Aber-diese Auffassung besitzt in ihrer Art wenigstens ihre Logik. Die Auffassung der„Neuesten Nachrichten" dagegen ist so b l i tz d u m m, daß man sich wirklich darüber wundern müßte, wenn nicht der eine EntschuldigungS- grund vorläge, daß die Wahlerfolge der Sozialdemokratie und ihr offensichtlich wachsender Einfluß auf die Gestaltung der politischen Dinge den Scharsmachern, Panzerplattenpatrioten, Zollwucherern und Steuerdrückebergern eben das l e tz t e Restchen von Ver- nunft geraubt hat. Jmnierhin wird diese freche Aufputschung zum Wahlrechts- raub für die Volksmassen ein Ansporn mehr sein, ihre Anstren- gungen zu verdoppeln und alle Energie dafür einzusetzen, daß vor allen Dingen auch das Hauptbollwerk der Reaktion, die preußische Dreiklassenfestc, endlich gestürmt wird. Die Parole„fort mit dem Reichstagswahlrecht" beant- warten die Millionen der preußischen Wahlrechtsheloten mit dem Ruf: Nieder mit dem preußischen Dreiklafsenwahlrecht! ver Krieg. Tie Reaktion in Italien. Rom, den 12. Februar.(Eig. Ber.) In Pisa hat soeben der Prozeß gegen die Demonstranten von Poggibonsi statt- gesunden, die bei Gelegenheit der Abfahrt von Soldaten nach dem Kriegsschauplatz den Zug angehalten hatten, um die Abfahrt zu verhindern. Das Urteil ist von unerhörter, schandbarer Härte. Von 38 Angeklagten wurden 27 verurteilt, darunter 7 Frauen und ■2 halbwüchsige Burschen. I m ganzen wurden 36 Jahre und 3 Monate Gefängnis verhängt, und zwar ein Maximum von 26 Monaten und ein Minimum von 7 für die Minderjährigen. Von einem ähnlichen Urteil hat man seit der Zeit der schwärzesten Reaktion nichts mehr gehört. Tie heutige Aera der Demokratie und des Liberalismus rehabilitiert die Zeit der Crispischen Ausnahmgesetze. De Felice für de» Vormarsch ins Innere. Rom, den 12. Februar.(Eig. Ber.) In einem Leitartikel des„Messaggero" vertritt der Abgeordnete De Feliee mit größtem Eiser die Notwendigkeit, einen Vormarsch ins Innere zu unternehmen. Nur bei einem solchen Vormarsch käme die Ueberlegenheit der italienischen Artillerie zur Geltung, die bei den Angriffen der Araber, bei denen diese sich heimlich zur Nachtzeit bis an die Verschanzungen schleichen, nicht in Frage kommt. Er weist weiter auf die Gefahr hin, die das müßige Lagerleben für die Disziplin haben müsse. Die Redaktion des„Messaggero" nimmt gegen den Artikel Stellung und tritt dem Gedanken entgegen, daß der Vormarsch ins Innere die Friedens- chancen erhöhen könne. Was die Verweichlichung des Lagerlebens betrifft, so möchten wir darauf aufmerksam machen, daß es nicht gerade verweichlichend ist, monatelang Tag und Nacht, bei Sonnen- schein und Regen in den Verschanzungen zu liegen. Nach dem, was der„Avant i" berichtet, ist die Disziplin keineswegs milde, sondern durchaus barbarisch. Sind doch wiederholt Soldaten wegen Trunkenheit zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Tie- selbe Strafe erhielt ein Soldat, der in den Verschanzungen... eingeschlafen war. Ein anderer, der eine Orange nach einer Schildwache geworfen hatte, ist zu sieben Jahren Gefängnis ver- urteilt worden und bereits in Italien interniert. Ist es nicht ge- nug mit diesen„Menschenopfern unerhört", die der Disziplin fallen, soll man noch, der Kriegszucht zuliebe, einen Vorstoß in die Wüste wagen, um die Truppen den Seuchen und der Unbill der Witterung zum Opfer fallen zu lassen, während der Feind sich nach dem Garian zurückziehen würde, um dort das erschöpfte Heer zu er- warten? Daß die Diplomaten am grünen Tisch mit Menschen- leben spielen wie mit Schachfiguren, ist widerwärtig genug. Daß aber ein Mann wie De Felice, der seit Monaten die Schrecken des Krieges und die Mühsal des Lagcrlebens mitangesehen hat, den Mut findet, zum Vormarsch zu raten, das legt geradezu Zweifel an seine Geisteskräfte nahe. Sie Revolution in China. Tic Wirkung der Abdankungsedikte. Shanghai, 14. Februar. Die Veröffentlichung des Abdankung-?- cdikts wurde in allen Teilen des Landes mit grogcr Ruhe und Ge- nugtuung aufgenommen. Die republikanischen Führer von Nan- king können sich mit dem Wortlaut des Dekrets nicht in allen Teilen einverstanden erklären, da sie unter anderem vor allen Dingen bemängeln, daß in dem kaiserlichen Erlaß das Wort„Abdankung" nicht enthalten ist. Andererseits äußern sie jedoch ihre Befriedi- gung darüber, daß der Sturz der Mandschudynastie nun endgültig besiegelt ist. Mit gewisser Besorgnis blickt man auf Juan- s ch i k a i, der jetzt im Besitz der unumschränkten Herrschergewalt ist. Das Mißtrauen, das man dem mächtigen Staatsmanne schon früher entgegenbrachte, kommt immer mehr zum Ausdruck. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wird ein Antrag eingebracht werden, der Juanschikai zu der Erklärung verpflichten soll, seine Machtbefiigiiisse nicht eigenmächtig und auf 51osten der Republikaner zu erweitern. Man wird versuchen, die in Petschili stehende N o r d a r m e c, die Juanschikai ergeben ist, auf feiten der Republikaner zu bringen. Die Entwaffnung der re- publikanischen Südarmee soll vorläufig nicht unter- nommen werden, da es noch ganz unsicher ist, wie sich durch die Stellungnahme Juanschikais die zukünftige Lage gestalten wird und man sich durch die Erhaltung der Truppen auf dem Kriegsfüße gewisse Garantien gegenüber den eventuellen Aktionen des Dikta- tors schaffen möchte. Die republikanischen Führer haben beschlossen, Nanking unter allen Umständen als Hauptstadt beizubehalten. Dr. Sunjatsen hat gestern noch einmal offiziell seine Bereit- Willigkeit ausgesprochen, zugunsten Juanschikais auf die Präsident- schaff zu verzichten. Die größte Anzahl der Republikaner ist jedoch vorläufig mit einem Wechsel der Präsidentschaft nicht einver- standen, sondern will eine abwartende Stellung einnehmen, bis man sich über die Person und Haltung Juanschikais klar ge- worden ist. Juanschikais erste Regierungsmastnahmen. Peking, 14. Februar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) In einem heutigen Manifeste nimmt Juanschikai den Titel„Bevollmächtigter Organisator der Republik" an und befiehlt den Zivilbeamten, dem Heer und der Polizei, ihre Obliegenheiten weiter zu erfüllen und die Ordnung aufrechtzuerhalten. Manifeste sind jetzt an Stelle der kaiserlichen Edikte getreten. Tie chinesische Presse veröffentlicht heute in rotem Druck die gestrigen drei Edikte. Die Blätter bezeichnen die Art, wie die Republik begründet wurde, als eine„wundervolle" Leistung und betonen die Schnelligkeit des Umschwunges und den geringen Verlust an Menschenleben, den er gekostet hat. ein englischer Gewerkschaftsführer über die deutsche Arbeiterbewegung. London, 12. Februar. Vor einiger Zeit besuchte Genosse Ben Titlet Deutschland, um die deutsche Arbeiterbewegung zu studieren. Ueber diese Studienreise hat der Generalsekretär der Dockarbeiter einen Bericht versatzt, den er an die Beamten seiner Gewerkschaft verschickt hat. Tie frische Schilderung der deutschen Verhältnisse, die er wohl während der Reise oder unmittelbar nachher niedergeschrieben hat, wird den beabsichtigten Eindruck nicht verfehlen und einzelne Stellen werden auch fiir den deutschen Leser interessant sein. Ueber die Wirksamkeit der zentralisierten Gewerkschaften in Deutschland schreibt Ben T i l l e t: „Wir haben mehr Gewerkschaften für Transportarbeiter allein in England als die Deutschen für alle Industrien haben. Der Zusammenschluß der Fuhrleute. Lichterführcr, Seeleute, Heizer, Krahnarbeiter, Lagerarbeiter und Transportarbeiter jeder Art ist schon von mächtiger Wirksamkeit gewesen und verbürgt gewaltige Fotschritte für die Zukunft." Sein Vergleich zwischen den Gewerkschaftshäusern Deutsch- lands und Englands fällt sehr zuungunsten seiner Heimat aus. Ueber ein Bureau des Transportarbeiterverbandes im Westen führt er aus: „Diejenigen, die früher am zurückhaltendsten waren, treten heute am begeistertsten nicht nur für große Zentralbureaus, sondern auch für lokale Bureaus ein, die einige der besten unserer reichsten Gewerkschaften in den Schatten stellen. Das Gebäude ist prächtig und die Arbeiter, die es besitzen, was auch ihr Beruf sein mag, führen sich mit Würde auf und erscheinen gut gekleidet, viel besser gekleidet in der Tat als einige unserer gutbezahlten Handwerker in England." Ueber die Arbeitszeit und Lebensweise der deutschen Arbeiter heißt es an einer Stelle: „Was das Leben der Arbeiterschaft anlangt, so ist die Arbeits- zeit in vielen Fällen länger als bei uns, aber die Arbeit ist, wie es scheint, nicht so intensiv: die Ankreiberei und das Tempo der Arbeit ist nicht so groß. 9% Stunden wird etwa der Durchschnitt sein; natürlich hört die Arbeitswoche erst Samstag abends auf, da man keinen kurzen Arbeitstag kennt. Das Volk wohnt in Mietshäusern(oder Etagen); es lebt mehr von konserviertem Fleisch und billigen Fischen; es versteht aber, diese Nahrungsmittel zu kochen und in schmackhafterer Weise zuzubereiten, als man glauben sollte." � Weiter heißt es: .Obst und Gemüse scheint nicht so gewöhnlich und billig zu sein wie bei uns. Das Wurstfleisch scheint den Vorteil zu besitzen, daß es sich langer hält und infolgedessen einen sparsameren Ver- brauch gestattet. Der Deutsche kann viele Meter Wurst aufspeichern und sich in der Weise für den Tag. die Woche oder den Monat mit Fleisch versorgen. Ich beneide die Deutschen nicht um diesen Vorteil." Ueber den Charakter der deutschen Arbeiter schreibt Ben Tillet: „Der Berliner steht den Zeremonien des Königtums ganz indifferent gegenüber, wie es dem Bewohner der Reichshauptstadt ge- ziemt. Ueberhaupt finde ich, daß der deutsche Arbeiter in seinem Denken und feinen Ueberzcugungen ein viel unabhängigerer Mensch ist als unser eigener Arbeitsbruder zu Hause. Er ist besser unter- richtet, hat mehr gelesen, nimmt das Leben ernst genug, um zu beobachten, wann und wo er bestohlen wird, widersetzt sich praktisch jedem Versuch, seine Lebenshaltung herabzusetzen und versteht es, wirkungsvoll zu boykottieren, daß es sich sogar die großen Geschäfte und Arbeitgeber wohl überlegen, ehe sie die organisierte Arbeiter- schaft zum Kampfe herausfordern, da diese eine Presse und eine Organisation besitzt, mit der sich kämpfen läßt." Besonders fiel dem britischen Genossen das enge und brüder- liche Zusammenarbeiten zwischen gelernten und ungelernten Ar- beitern in Teutschland aus.„Beim Vergleich zwischen den prak- tischeren deutschen Gewerkschaften und den unseligen," so bemerkt er an einer Stelle,„befällt einem ein großer Kummer, wenn man zusehen muß, wie scharf die Trennung zwischen den Gewerkschaften der gelernten und denen der ungelernten Arbeiter in unserem' Lande ist. In der Vergangenheit hat der gelernte Arbeiter sein Bestes getan, um das Wachstum der Gewerkschaften der ungclern- ten Arbeiter zu verhindern, während andererseits die gelernten Arbeiter Deutschlands die ungelernten Arbeiter zu sich in dieselbe Gewerkschaft berufen haben." Während seines Besuches in Deutschland befaßte sich Ben Tillet nicht nur mit der Organisation seines Berufes, sondern studierte auch die Einrichtungen der anderen Gewerkschaften und der Partei, worüber er ausführlich berichtet. Bei der Betrachtung des ganzen Gebäudes der deutschen Arbeiterorganisation ruft er aus:„Wahrhaftig, dieses Volk sichert sich den eroberten Boden mit einem klugen Verständnis seiner Interessen!" Zum Schluß mögen noch einige beachtenswerte Stellen des Be- richts angcsührt werden: „Ich bin überzeugt, daß derselbe Geist der Organisation, der die deutschen Arbeiter so schnell vorwärts gebracht hat, sie dazu führt, mit den vorhandenen mächtigen Angriffs- und Verteidigungs- Waffen in der Hand einen entschlossenen Kampf für den vollen Besitz aller Produktionsmittel zu unternehmen. Diese deutschen Arbeiter haben ihre Methoden, ihre Pläne für Erziehung, Belusti- gung, Literatur, Volkswirtschaft und hundert andere gesellschaft- liche Funktionen, die sie den Kapitalisten aus der Hand genommen haben, so eingerichtet, daß das Ganze nur eine Bedeutung haben kann: die Revolution auf dem Wege der Ordnung.... Ich bin mir vollständig bewußt, daß die Regierungsform in Deutschland reaktionärer Natur ist. Die herrschenden Klassen Deutschlands haben mit dem Schwert regiert. Sie haben keine andere Waffe, und wo nicht brutale Gewalt zur Anwendung gebracht werden kann, verliert der Junker das Spiel. In unserem Lande ist es anders. Unsere hervorragenden Parlamentarier, Pastoren und Arbeitgeber operieren mit heuchlerischen Reden und selbst Gebeten. Unsere herrschende Klasse ist grausamer und brutaler; sie verbirgt den Dolch und schwätzt Plattheiten, wodurch nur zu oft die Arbeiter in unserem Lande betrogen werden. Der deutsche Arbeiter hat es mit einem Raufbold zu tun, der ihm zu verstehen gibt, daß er ihn umbringen möchte, dies aber nicht tut, weshalb der Arbeiter die regierende Klasse haßt und fürchtet. In diesem Lande(Eng- land) erzählt die herrschende Klasse den Arbeitern, daß sie ihr Freund sei; sie redet ihnen gütig zu. Wenn das keinen Erfolg hat, mordet sie die Arbeiter wie in Featherstone, Belfast, Liverpool und Südwales." In den Schlußbetrachtungen heißt es:„Ich bin überzeugt, daß diese sicheren, langsamen Deutschen nicht nur gründlicher und kompetenter in ihren Methoden sind; sie sind auch aufrichtiger und sich ihrer Macht wie ihrer Pflicht mehr bewußt als unser eigenes Volk." Bus Induftnc und Handel. Tie Linke darf nicht wissen, was die Rechte tut. Es ist klar, daß unsere deutsche Regierung die Weisheit ihrer Maximen aus der Bibel holt, es ist ja das älteste Buch, alle später geschriebenen sind Deutschlands Ressortministern zu modern und zu umstürzlcrisch, was bei ihnen dasselbe ist. Die Linke darf nicht wissen was die Rechte tut! Deswegen verkündet die„Nord-, deutsche Allgemeine Zeitung" feierlichst in einer Gesamterklärung aller Ressortminister die schärf st e Bekämpfung der Mo- nopolbcstrebungen großer Elektrokonzerne im Ueberland- und sonstigen Kraftzentralenwesen soweit der Staat damit zu tun hat und verkauft auf der anderen Seite jetzt 126 Hektar hochwertiges Braunkohlenfeld an Pri- v« t l c u t e, damit diese ein Elektrizitätswerk bauen, das für die Staatsbahnen— Elektrizität zu liefern hat! Tie knappe Tatsache wirkt zu unwahrscheinlich als daß sie nicht durch Einzelheiten unterstützt werden müsse. Bekanntlich sind die Klagen der mittleren und kleineren In- stallationsfirmen ebenso wie die der unabhängig gebliebenen Elektrounternehmungen nicht abgerissen, daß ihnen durch die Großen im Deutschen Elcktrizitätsgewerbe— im besonderen A. E.-G. und Siemens u. Halske-Schuckert— jede Existenzmöglichkeit abgeschnitten werde. Wirklichkeit ist dies in er st er Linie dadurch, daß nicht nur die deutsche, sondern auch alle einzelstaat- lichcn Regierungen durch ihre unglaublich naiven Verträge init diesen �iicsenkonzcrnen der Elektroindustrie erst solche Praktiken crmögllckstcn. Wenn der A. E,-G. oder Siemens u. Halske oder irgend einer ihrer Dutzenden von Tochtergesellschaften beim Bau von Ucbcrlandzentralcn das absolute und unkontrollierte Recht der Allcinbenutzung aller Staatsstraßen eingeräumt wird, ohne daß Gegenleistungen verlangt werden, dann ist's kein Wunder, wenn die private Monopolisierung des deutschen Elek- trizitätskraftmarktes Riesenfortschritte macht. Die Regierung wurde wegen dieser gemeinschädlichen Maß- nahmen mit Anklagen und Beschwerden schon seit Jahren bestürmt. lind die Antwort? Sie erließ Erklärungen, daß I n st a l l a- t i o n s m o n o p o l c, also Monopole in der HausleitUngsver- legung, auf keinen Fall geduldet würden. Bedeutung hat solche Maßnahme natürlich nur soweit für die unabhängigen J:£L-lla- tionsunternehmungen, als sie neben den Ueberlandzentralen- besitzern und den Großleitungsberlegern, die alle selbst auch In- stallationsgeschäftc sind, geduldet werden! Ganz abgesehen davon, daß die Fälle sich Ijäufen, wo behördliche Stellen— wie im Kreise Teltow, in Oberschlesien usw. usw.— direkt dafür sorgten, daß keine Konkurrenz aufkommen kann. Sicher hat die Zentrali- sierung der Energieproduktion den volkswirtschaftlichen Vorteil für sich, aber nur dann und so lange als sie nicht in den unkontrollierten Händen einzelner Privataktiengesellschaften liegt! Der Staat hat die Verpflichtung, wenn er Monopole gewährt, sich dabei das Kon- trollrecht zu sichern, das hat er aber bis jetzt nicht getan. Den neuesten Anstürmen gegenüber ist wieder, wie schon erwähnt, die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" gekommen, und fordert jetzt, daß nicht nur die unmittelbaren sondern auch die mittelbaren Mo- nopolbestrebungen iin Jnstallationsgewerbc streng geahndet werden sollen. Die mittelbaren Monopole sind gleich gar nicht erkennbar. Damit die Klagen über die Monopolbestrebungen aber nicht aufhören, verkauft jetzt der preußische Forst fiskus sein in der Königlichen Oberförsterei Rothehaus bei Gräfenhainichen liegendes Riesenbraun kohle nfeld von 126 Hektar öffentlich an den Vi ei st bietenden! Die Regierung von Merseburg hat bereits die entsprechenden Bekanntmachungen er- lassen. Es handelt sich hier um ein Braunkohlenflöz, daß nur 15,5 Meter unter Tage in einer gleichmäßigen Stärke von 10 Me- tern liegt. Da in jener Gegend ein großes Ueberlandelektrizitäts- werk errichtet werden soll, welches die Kraft zur Eisenbahnelektri- fizierung herzugeben hat, so erscheint diese.Maßnahme zur Jllu- strierung des Wertes der Antimonopolerlasse recht geeignet. Verdächtig ist dabei auch, daß die„Deutsche Tageszeitung", die sich sonst um derlei Dinge sehr wenig kümmert, eifrigst bemüht ist, die Handlungsweise des Fiskus zu verteidigen. Sie begründet die unglaubliche Maßnahme des Forstfiskus, seinen unbezahlbaren Besitz zu veräußern— erst vor kurzem kaufte z. B. das Königreich Sachsen notgedrungen großen Braunkohlenbcsitz für seine Elektri- fizierungszwecke!— damit, daß so dem Staatssäckel eine wunder- schön große Einnahme zufalle! Daß es viel richtiger wäre, den Braunkohlenbesitz zu benutzen um der unseretwegcn auch privaten Krastzentrale die Zügel nicht allzuselbständig in der Hand zu lassen, darauf scheinen die regierungserlaßfrcudigen Minister nicht zu kommen. Noch verwunderlicher niuß aber erscheinen, wenn die „D. T." erklärt, die öffentliche Versteigerung an den Meistbietenden müsse erfolgen,� damit das Brauntoblenlager nicht zu billig an den— Eisen bahn fiskus oder an Privathände verkauft wird! Daß der Eisenbahnfiskus nicht mit den privaten Bietern nm die Wette rennen kann, wenn die letzteren es wollen, ist jedem �cbnljungen klar. Wenn aber der Eisenbahnfiskus wirklich an dem Felde interessiert ist. was ja auch tatsächlich unbestreitbar richtig ist, was soll dann die Versteigerung? Es sind Rätsel über Rätsel. Sie sind gelöst in dem Moment, wo man daran denkt, daß bei unserer Regierung der oberste Grundsatz ist: die Rechte darf nicht wissen was die Linke tut! Kohlenwucher. Die Bcrgherrcn des Steinkohlenreviers von K l a d n o(Böhmen) verteuern die Tonne Kohle um 1 Krone bis 1 Kr. 50 H. Selbstverständlich faseln sie von Lohnerhöhungen. Nun ist aber der Durchschnittsjahrcslohn von 1908 auf 1909 von 903(!) auf 869(H Tonnen gefallen, was aber eine Verteuerung der Kohle um 87 Proz. nicht hinderte. Bon, Stahlwcrksverband. Der Versand des Stahlwerksver- handes an Produkten A betrug im Januar 1912 insgesamt: 478 587 Tonnen(Rohstoffstahlgewicht) gegen 468 272 Tonnen in- Dezember und 404 479 Tonnen im Januar 1911. Hiervon ent- fielen auf Halbzeug 182 568 Tonnen gegen 175 089 bezw. 140 252 Tonnen. Eisenbahnmaterial: 177 810 Tonnen gegen 170 547 bezw 161 056 Tonnen. Formeisen: 118 709 Tonnen gegen 122 686 bezw. 108170 Tonnen. .(Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) schließlich noch, wenn sie sich zur Einstellung der Arsiei! berasireden. f Und nach NieSerlegMg her Nrcheik Me uSersiaüsi? kein Versräz Auf Antrag des Dienstherrn oder Gutsbesitzers erfolgt ohne Aus- mehr vorgelegen, so daß weitere Schlüsse sich erübrigten, �cr •--—.- �„v ,, sgegnff der Erzielung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen sei richtig gewürdigt worden. Ohne Rechtsirrwm sei auch die Angeklagte Franke auf Grund des§ 153 der Gewerbeordnung verurteilt worden, da ohne Rechtsirrtum angenommen worden sei, daß sie durch Ehrverletzung, nämlich durch den Ruf„Streik» brecher", die Arbeitswillige habe zur Teilnahme am Streik be» wegen wollen.— Bezüglich der anderen beiden Angeklagten sei aber das Urteil aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuverweisen, weil in ihrem Falle Nötigung oder versuchte Nötigung in Frage komme. Nach der neuesten Judikatur des Kommergerichts komme§ 153 der Gewerbeordnung überhaupt nur subsidiär in Frage, das heißt, wenn ein anderes Strafgesetz nicht in Frage komme. Deshalb schon könne, wenn der Tatbestand der Nötigung und versuchten Nötigung in Betracht komme, nur das Strafgesetzbuch zur Anwendung kommen.(Z 240.) Das sei bezüglich der Müller und der Höft der Fall. nähme prompt die Zustellung des Strafmandats durch den Amts- Vorsteher. Bei Antrag auf gerichtliche Entscheidung, der bei der Gesetzesunkenntnis der Landarbeiter übrigens selten genug gestellt wird, bestätigt das angerufene Schöffengericht in der Regel die Strafe. Um so angenehmer bebt sich eine Ausnahme von der Regel ab, weshalb sie als Ausfluß einer vernünftigen Anschauung eines ostelbischen Gerichts hier Platz finden soll. Der Gutsbesitzer Schwanke in Ncuwilhelmshof bei Tempel- bnrg in Pommern hatte gegen eine seiner Gutsarbeiterinnen Strafantrag gestellt, weil sie im Herbst v. I. an einigen Tagen ihren Dienst„ohne gesetzmäßige Ursache versagt" habe. Prompt erfolgte natürlich der Strafbefehl. Das zur Entscheidung ange- rufene Schöffengericht in Tempelburg kam dieser Tage aber zu einem anderen Urteil. Es erachtete, daß die Frau sich nicht strafbar gemacht habe, als sie an den fraglichen Tagen nicht zu der ihr gesetzlich obliegenden Arbeit kam.„Denn sie war gesetzlich auch verpflichtet, ihre drei Kinder zu beaufsichtigen, zumal dann, wenn bereits geheizt wurde. Geschah während ihrer Abwesenheit irgendein Unglück, so hätte sie oder ihr Ehemann dafür verantwortlich gemacht werden können, falls irgendwelche sonstige Aufsicht für die Kinder, wie festgestellt, nicht vorhanden war. Sie hatte somit einen gesetzlichen Grund, die Arbeit zu versagen. Zumindest konnte sie sich für berechtigt zur Weigerung halten. Deshalb mußte Freisprechung erfolgen." So selbstverständlich das Urteil, so widersinnig ist der Zustand, daß heute ivegen einer solchen Arbeitsversäumnis noch eine Strafe über Arbeiter verhängt werden kann. Soziales. Schikanierung von Heimarbeiterinnen erblickte daS Jnnungsfchiedsgcricht in einem Gebaren des Kon- scktionsschneidermeisters Wilhelm Hanncman». Zwei der für ihn beschäftigten Heimarbeiterinnen hatten ihre Arbeiten dcS Sonn- abends nachmittags gegen 4 Uhr liefern und den dafür verein- barten Lohn in Empfang nehmen wollen. Obwohl der Sonnabend der Lohnzahlungstag ist, wurde den beiden Arbeiterinnen weder die Arbeit abgenonnnen, noch ihnen der fällige Lohn gezahlt, weil, wie der Beklagte behauptet, Sonnabends bei ihm schon um 2 Uhr Ar- beitsschlutz und bis dahin nur Lieferzeit ist. Tic beiden Arbeite- rinnen sollten sich ihren Lohn am nächsten Sonnabend holen. Das taten sie jedoch nicht, sondern erhoben.Klage beim Jnnungs- schiedsgericht auf Zahlung des rückständigen Lohnes mit 3,70 M. bezw. 11,60 M. Sie behaupteten, daß ihnen nicht bekannt gewesen sei, daß des Sonnabends nur bis 2 Uhr Lieferzeit ist. Einem Arbeitgeberbeisitzcr fiel es als seltsam auf, daß der Beklagte mit solchem Vorgehen den fälligei. Lohnzahlungen aus dem Wege zu gehen suche. Das Schiedsgericht vertrat einstimmig die Ansicht, daß der Beklagte verpflichtet sei, wenn die Arbeiterinnen des Sonn- abends um 4 Uhr liefern, da die Zeit eine durchaus geschäftsübliche ist, auch die Arbeit abzunehmen und die Arbeiterinnen zu ent- lohnen. Da die Arbeiterinnen doch nur von der Hand in den Mund leben, komme das Gebaren des Beklagten auf eine schika- nöse Behandlung der Arbeiterinnen hinaus. Zahnschmerz— Arbeitsverweigerung? Gegen de» Fleischermeister Paul Techen klagte am Dienstag beim Jnnungsschicdsgericht der Geselle G. auf Zahlung von 10 M. rückständigen Lohnes, der ihm wegen angeblichen Kontraktbruchs cinbehaltcn worden ist. Der Kläger hatte am 28. Dezember unter heftigen Zahnschmerzen zu leiden, so daß er nicht wie üblich zur Arbeit antrat. Während der bei den Aerztcn üblichen Sprechzeit suchte er einen Zahnarzt auf und ließ sich den schmerzenden Zahn entfernen. Infolge der Kiefervereiterung hatten sich aber heftige Kopfschmerzen eingestellt. Deshalb begab sich der Kläger nicht sofort nach seiner Rückkehr vom Zahnarzt an die Arbeit, sondern blieb auf seinem Zimmer. Schon des Morgens war der Beklagte über die Untätigkeit des Klägers sehr ungehalten. Er sagte ihm, entweder arbeite er, oder er melde sich krank. Als nun der Kläger nach seiner Rückkehr vom Zahnarzt noch nicht an die Arbeit ging, herrschte ihn der Meister an, er solle arbeiten, wenn er faulenzen wolle, solle er gehen. Der Kläger löste hierauf das Arbeitsver- hältnis. Vor dem Schiedsgericht vertrat der Beklagte die Ansicht, daß der Kläger Zahn- und Kopfschmerz nur simuliert hätte, da er von den Feiertagen her noch müde sei und wahrscheinlich nicht aus- geschlafen hätte. Er fand jedoch damit beim Schiedsgericht keinen Glauben, mußte sich vielmehr dahin belehren lasten, daß bei Zahn- schmerzen selbst der stärkste Mensch mitunter nicht arbeiten kann und wenn der Kläger wegen der Feiertage nicht genügend geschlafen hätte, so mußte sich der Beklagte doch selbst sagen, daß er dann nicht zum Vergnügen zum Zahnarzt gehe und sich einen Zahn ziehen laste. Aber selbst wenn der Beklagte mit seiner Ansicht im Rechte wäre, so sei doch der Lohnabzug gesetzlich unzulässig. Nach längerem Zureden erkannte der Beklagte schließlich die Forde- rung an. Aus dem Gesindcrcchk. schlimmste Feste! für die Lanöarbciier und das Gesinde iit in Preußen das Gesetz voin 24. April 1854. Hiernach werden Surdarbeitcr und Dienstboten bestraft, wenn sie sich Ungehorsam «er Widerspenstigkesi gegen die Befehle der Herrschast oder der Aufsichtspersonen zuschulden kommen lassen» oder wenn sie ohne gesetzmäßige Ursache den Dienst versagen oder verlassen, und Serickts- Deining. Krankenkasse und Terminsstunde. Die Berufuugskammer des Landgerichts III hatte sich gestern mit einer für Kassenpatienten wichtigen Frage zu beschäftigen. Der Arbeiter Gcricke war von dem Schöffengericht Spandau lvegcn Be- lcidigung zu einer Geldstrafe verurteilt worden und hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. Zu dem vorgestrigen Termin vor der Strafkammer war er unter der üblichen Vermahnung, daß im Falle seines unentschuldigten Ausbleibens seine Beufung verworfen wer-- den würde, geladen worden. Inzwischen war G. jedoch an Rheu- matismus erkrankt und war von dem Kassenarzt„krank geschrieben" lvorden. Er schickte deshalb seine Ehefrau mit dem Krankenschein auf das Gericht, in welchem ausdrücklich vermerkt war, daß er außer den ihm angegebenen Stunden nicht-das Haus verlassen dürfe, an- dcrenfalls ihm die Krankcnnnterstützung entzogen würde. Da nun die Terminsstunde gerade in die Zeit fiel, während der er nach dem Krankenschein zu Hause bleiben mutzte, glaubte er der gerichtlichen Vorladung nicht Folge leisten zu müssen. Das Gericht stellte sich jedoch auf den Standpunkt, daß er der gerichtlichen Vorladung hätte Folge leisten müssen, da er ja nicht' an das Bett gefesselt sei. Die Berufung wurde deshalb verworfen. Der Arbeiter befand sich bei der Annahme, es könne ihm in solchem Falle die Krankcnnnterstützung entzogen werden, in einem bedauerlichen Irrtum. Solche Entziehung lväre ebensowenig zu- lässig gewesen, wie in dem Fall, daß er etwa als Zeuge geladen, als Angeklagter vorgeführt oder verhastet wäre. Der Flugplatz Johannisthal vor dem Reichsgericht. Die Gesellschaft Flug- und Sportplatz Berlin-Johannisthal hatte für ihre Flugwoche im Herbst 1909 den französischen Flieger Sanchcz-Besa engagiert. Dieser verpflichtete sich vertraglich, nach den Regeln der internationalen äronautischen Vereinigung an der Fluglvoche mit mindestens einem Apparat teilzunehmen und nach besten Kräften zu fliegen. Er sollte dafür als Gage erhalten: 5000 Mark nach dem ersten Flug von zwei Minuten Dauer, weitere 2500 Mark, wenn er bis zum vierten Tage des Wettbewerbs fünf Flüge von 10 Minuten Tauer ausgeführt hatte und schließlich 2000 M. am Ende der Veranstaltung. Dem Flieger gelang es aber nur am vierte» Tage einen Flug von zwei Minuten auszuführen, weitere Erfolge der gewünschten Art hatte er nicht. Die Flugplatzgesell- schaftstveigertc jede Zahlung, weil der Flieger außerhalb der ersten drei Tage keinen Flug vollführt hatte. Sauchez-Besa erhob Klage auf Auszahlung der versprochenen 5000 M. Dieser Betrag wurde ihm vom Landgericht Berlin und vom Kammergericht zu Berlin zugesprochen. Das Kammergericht führte zur Begründung der Entsck>eidung aus: Die Zahlungsverweigerung der Gesellschaft ist ungerechtfertigt, da der Flieger einen Anspruch auf die 5000 M. erwarb, wenn er nur überhaupt zwei Minuten flog. Sauchez-Besa war kein erstklassiger Flieger. Es war der Gesellschaft auch gar nicht darauf angekommen, in ihm einen solchen zu engagieren; er sollte mehr zur Füllung der Fliegerliste dienen und an der ganzen Flugwoche teilnehmen. Der Kläger hat sich auch ernstlich bemüht, an der Flugwoche teilzunehmen. Für die zustande gekommenen Leistungen gebühren ihm deshalb die zugesicherten 5000 M. Das Reichsgericht billigte die Gründe des Kammergerichts und wies am Dienstag die Revision des Flug- und Sportplatzes zurück. Vom§ 153 der Gewerbeordnung. Der vorjährige Streik in den Bergmannschen Elektrizitäts- werken hatte zu einer Anklage gegen die Metallarbeiterinnen Müller, Franke und Höft geführt. Das Landgericht Berlin vcr- urteilte sie wegen Vergehens gegen 8 158 der Gewerbeordnung, weil sie versucht hätten, eine arbeitswillige Arbeiterin durch körperlichen Zwang beziehungsweise Ehrvcrletzung und Androhung körperlichen Zwanges zu bewegen, sich einer Vereinbarung zur Er- zielung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen anzuschließen. Das Gericht führte aus: Als festgestellt sei folgendes anzusehen: Im April vorigen Jahres habe die Direktion des Bergmannschen Elektrizitätswerkes bekanntgemacht, daß von einem bestimmten Tage an die näher bezeichneten Äkkordlöhne herabgesetzt würden. Darauf hätten die meisten in Betracht kommenden Personen, meistens Arbeiterinnen, die Arbeit niedergelegt. Zu denjenigen, die weiter arbeiteten, gehörte die Zeugin Nischmann. Als sie die Fabrik verließ, sei von den vor dem Werke versammelten Arbeite- rinnen geschimpft worden. Tie Angeklagte Müller habe ihr Bor- Haltungen gemacht, sie Streikbrecherin genannt und sie zweimal gestoßen. Die Frank habe sie ebenfalls Strcikbrecherin geschimpft und die Höft habe gerufen:„Haut sie!" Die Handlungen der Angeklagten hätten offenbar, wie die ganze Ansammlung der Streikenden, den Zweck verfolgt, einschüchternd auf die Arbeits- willigen zu wirken, um sie zu bewegen, sich dem Streik an- zuschließen. Bei diesem habe es sich auch um eine Vereinigung zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen ge- bandelt, nämlich zur Erlangung günstigerer Bedingungen, als die Fabrik für die Zukunft gewähren wollte. Richtig sei, daß der 8 153 der Gewerbeordnung da nicht Anwendung finden könne, loo Arbeiter lediglich erstrebten, worauf sie ein Recht hätten. Der Fall liege--bcr hier nicht vor. Es habe nur eine eintägige Kündi- gung in dem Betriebe bestanden. Wenn die Arbeiterinnen die Arbeit niederlegten, dann habe also hier überhaupt kein Dienst- Verhältnis mehr bestanden, so daß von einem Anspruch auf be- stimmte Löhne keine Rede sein könnte. Tie Angeklagten legten Revision ein, die von Rechtsanwalt Dr. Ruhm vertreten wurde. Das Kammcrgericht hob dieser Tage die Borentscheidung be- züglich der Angeklagten Müller und Höft auf und verwies die Sache insoweit an die Vorinstanz zurück. Die Revision der An- geklagten Franke wurde zurückgewiesen. Begründend wurde ausgeführt: Zunächst seien die Einwände der Revision zurückzuweisen, die da>'auf abzielten, darzutun, daß die Streikenden um etwas ihnen Zustehendes kämpften. Wenn es sich auch um Akkordarbeit handelte, so stehe doch fest, daß nach dem Vertrage die Arbeiter und Arbeiterinnen sofort(von einem Tage zum auderen) entlassen werden konnten. Sie hätten des- halb kein Recht gehabt, zu denselben Löhnen weiterzuarbeiten. Hus der frauenbewegung*• Ausbeutung weiblicher Dienstboten. Es muß in der Tat eine kolossale Dienstbotennot fjeff« schenk Die Herzen der Bourgeoisdamen schäumen über von Für- sorge und Wohlwollen für ihre„Untergebenen". In der Sonntag- nuinmer des„Vorwärts" konnten wir die geniale Idee des Mün- chener„Vereins für hauswirtschaftliche Frauenbildung" beleuchten, wie die Heranbildung weiblicher Dienstboten vor sich gehen soll und wie diese zur Folgsamkeit, Treue, zu Fleiß und s i t t- l i ch e m B e t r a g e n erzogen werden sollen. Dieser wohlklingende Sirenengesang der Münchencr Damen, der doch nur der Züchtung eines modernen Sklaventums gewidmet ist, hat bereits einen be- geisterten Widerhall gefunden. In ähnlicher, vielleicht noch viel raffinierterer Weise möchte die Zeitschrift„Volks wohl" zu dem gleichen- Ziele gelangen wie der Münchener Frauenverein. In der letzten Nummer bespricht sie zunächst den Militärdienst, dem jeder gesunde deutsche junge Mann genügen muß und meint dann, als Voraussetzung für die staats» bürgerlichen Rechte der Frau müsse die zwei» jährige oder einjährige Dienstpflicht des weib- lichen Geschlechtes in Betracht gezogen werden. Allerdings schreibt„Volkswohl":„Es wäre für alle jungen Mädchen außerordentlich nützlich und für Körper, Geist und Seele heilsam, wenn diese im Alter von 14 bis 16 Jahren, in der wichtig- sten Periode ihrer Enttvickelung, zwei Jahre lang in Stellung als Dienstmädchen gehen müßten, um sich nach der Schulzeit durch dauernde und geregelte Bewegung und Beschäftigung in Haus, Hof, Feld und in der Familie zu kräftigen. Es würde namentlich für blcichsüchtige und nervenschwache Mädchen der Großstadt eine wahre Wohltat sein, wenn sie nach der Schulzeit auf das Land oder in kleinere und mittlere Städte in dienstliche Stellung kämen, um das Kochen und Haushalten, sowie die Kinderpflege und Gartenpflege zu erlernen und die frische Landluft genießen zu können. Ilmgekehrt würden kräftige Mädchen vom Lande vor allem in guten bürgerlichen Familien der Großstadt weit zweckmäßigen als in Fabriken und Werkstätten untergebracht und vor Vcrsuchun- gen bewahrt. Es ist dringend nötig, die Standesunter» schiede und die Gegensätze zwischen Stadt und Land auszugleichen und Hochmutund Feindselig- keit der Volkskreise untereinander durch gegen- fettiges Dienen zu überwinde n."> Dies klingt zwar sehr verlockend, aber der reaktionäre Pferde- fuß folgt auf der Stelle. Weiter heißt es:„Zur Erreichung ditzscs hohen Zwecks müssen besondere Vereine entstehen �nd in der Männer- und Frauenwelt Helfer und Helferinnen heran- gebildet werden, welche allen beteiligten Herrschaften und Dienst- boten in Stadt und Land beistehen, um geeignete Dien st Verträge abzuschließen und i h r e g.e w i s s e n h a f te ?l u s f ü h r u n g im allgemeinen Interesse zu überwachen. Es vcr- dient weiter Erwägung ein weibliches Dienstjahr in sozialer Arbeit oder die praktische Erlernung der Lurankenpflege. des Haushalts, der Kinderpflege, des Lehrfachs und anderer Weib- licher Beschästigaingen für Friedens- und Kriegszeiten als Vor» bcdingung zur Erlangung staatsbürgerliche!; Frauenrechtc. Hier wird schon der Unterschied zwischen einjährigem und zweijährigem Dienen betont; ein sogenannter Bildungs- strich wird gezogen. Natürlicherweisel Glaubt vielleicht jemand. daß ein Generals- oder Bankdtrektortöchterlein bei einem Kuhhirt auf dem Lande dienen könnte? Und wer ist dafür bestimmt, die köstliche Auslese unter den Töchtern des Landes zu treffen? Die geeigneten Dienstverträge, ihre gewissenhafte Ueberwachung und alles übrige stimmt mit den Münchener Frauenvereinsvorschlägen seltsani übcrein. Man merkt die Absicht. Auch mit diesem Speck wird man die Töchter der Arbeiter- klaffe nicht in die Netze der Dämchen von„Besitz und Bildung"' locken. Da muß man denn doch schon andere Register aufziehen, Leseabende. Mariendorf. Besonderer Umstände halber(Krankcnkassenvorträgelj fällt diesen Monat der Lescabcnd aus. Eisen-, Metall- Mittwoch, den Versammlungen. Erklärung. In dem Bericht über die Versammlung der und Revolverdrcher, welcher im„Vorwärts" vom 14. d. M. im Hauptblatt letzte Seite zu lesen ist, wird ist dem letzten Absatz mitgeteilt, daß eine Resolution Annahme fand, wo- nach besonders das Verhalten des zweiten Bevollmächtigten.'Handle verurteilt wurde. Dazu habe ich folgendes zu erklären: An der ersten Versammlung, welche vor zirka 4 Wochen statt- fand konnte ich nicht teilnehmen, da ich an diesem Tage für die Reichstagswahl außerhalb Berlins tätig war. In der letzten Ver- samnilung konnte ich auch nicht anwesend sein, sondern war zu einer anderen Metallarbeiterversamnilung, wo es sich um Abwehr von Akkordpreisreduzierungen handelte, bestellt, und mußte dort zugegen sein. Wenn nun trotz meiner Abwesenheit die Versamm- lung resp. die Mehrheit derselben es für richtig befunden hat. die Resolution anzunehmen, in der besonders mein Verbellten ver- urteilt loird, so kann ich das nur bedauern. Es war bisher i» Partei- und Gewerkschaftsversammlungen nicht üblich, den Vc- schuldigten in seiner Abwesenheit zu verurteilen. Aufgeklärte Ar- beiter, und das wollen doch jedenfalls diejenigen Kollegen sein. welche zu der Resolution ihre Zustimmung gaben, denken und handeln eben nicht so. Otto Hau dke, 2. Bevollmächtigter des D. M.-V. Ortsbcrwaltung Berlin. eingegangene DruchPchnften. Preissteigerung und Reallohiipolitik. Von Prof. Dr. Kj. Bauer und Prof. Jrowg-Fifhcr.(Annale« für Soziale Polilik und Gesepoeduna) I. Soruiger, Bcrüu.*''' Das Statistische Amt der Stadt Berti» lKNÄ-ISIS. Dara-stellt von Pro,. Dr. ö. silbergleit. 81 Seilen. Druck; Gebr. Gruner!, Berlin . Das Krcdithaus. Entgegnung auf die Broschüre des Amtsgerichts� t Dr. O. Hein. Von«. Li-htcnthal. 5 M. Maetzig n. Co., Berlin V. S. p—— Mcmer lieben«Äenolsin R'r»» Not � w Tempelhos zum Geburtstage dreimal Halleluja: ! 2S8kb' liorl ltrSKer. Todes-Anzeigen SoziaitekratiSElier Wablverein für den Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß unser Genosse, der Kassen- I böte 206/7 Otto Hoftmnrm 13. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen I Freitag, den 16. Februar, nach- mittags 3�/, Uhr, von der Halle des Marien-FricdhoseS, Prenzlauer | Allee 7, aus statt. Der Torstand. Tambour-Verein„Berolina" Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dafi unser langjähriges, treues Mitglied Otto Hoffmann nach kurzem, schwerem Leiden verstorben ist.* 29716 Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet Freitag, den 16. Februar, nachm. 3>/« Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Marien- Kirchhoscs, Prenzlauer Allee 7, aus stall._ ßeutseler Transportarbeiter- Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi unser Kollege Otto ttoftmann am 12. d. MtS. im Aller von 28 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Februar, nach- mittags 3'/, Ubr, von der Leichen- Halle deS Marien- Kirchhofes, Prenzlauer Allee 7, aus statt. 62/2 vi« Bezirksverwattung. Allen Freunden und Bekannten dte traunge Nachircht, daß meine liebe Frau und meine gute Mutter Xxnes lettlakk _ geb. Schwandt am 12. Februar im Virchow- Krankrndause sanst entschlafen ist. Tl'lllielm TVtzlalT. Georg TetzlalT. Die Beerdigung findet Freitag, den lS. Februar, nachm. ' alle deS städtischen 4 Uhr, von der Fricdhoscs in statt. ;riedrichsselde aus 29816 8v!iaii!e!iiaIii'aM.W?eTei!! für den Z. BerL Reiebstaiswahikreis. (4. Abt.. 84. Bezirk) Am 12. Februar verstarb unsere Genossin Frau Agnes Tetzlaff Cbarlottcnstr. 89. Ehre ihrem Andenke» Z Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Fricdhoscs in Friedrichsselde aus statt. Ä>7/7 Der To,-stand SozialdemokratiscfterWalilYereli] für den i. BerL Beiehstags-ffahlkreis. (®trolaacr Biertel) Bezirk 325. Ten Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Zimmerer Ntsnl Giebel Müblenstr. 8, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Februar, nach. mittags 3 Uhr, von der Halle des Zentraliricdhoss in Friedrichs- selbe aus statt. Uin rege Beteiligung ersucht 213/00 Ter Vorstand. Zentrai-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstolle Berlin und Umgegend. Bezirk 4. Den Berussgcnossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied Karl Giebel am 12. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. d. Mts.. nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS Stadl. Zentrai-Fricd- hoscs in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Den Genossen und Kollegen die traurige Nachricht, datz am Dienstag, den 13. Februar, mein herzensguter Mann, der Gürtler pau! Oüntker im 32. Lebensjahre sanst ent- schlascn ist. Tiesbetrübl Wwe. Marie Günther. Ladcburg bei Bernau. Die Beerdigung findet am Frei- s lagnachmittag 4 Uhr vom Roll- j bcrg bei Bernau aus nach dem Kirchhos in Ladeburg statt. s5üZ!aIl!eW!tratise!!.MI?kre!!i kreis Nieiierharä Bezirk Bernau. Den Mitgliedern datz unser Genosse, zur Nachricht, der Gürtler Paul Günther aus Ladcburg am 13. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Februar, nach- mittags 4 Uhr. vom Rollberg ab, aus dem Gcmeinde-Fricdhoj zu Ladcburg statt. Wir bitten um zahlreiche Be- teiligung. 240/9 Die Bezirksleitung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Vernallungssleile Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Metall- arbeiter -Alex HelsitiJ am 10. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet Heute, Donnerstag, den 15. Februar, nachmittags i'l, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-Fried- Hajes in Lichtenrade aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Gürtler Paul Günther am 13. d. MtS. an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Februar, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause in Ladeburg bei Bernau auS aus dem Üllmeinde-Friedhos in Lade- bürg statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 112/10 die Ortsverwaltung. Oeuischer Holzarbeiter-Verband Branche der Drechsler. Unseren Kollegen zur Nachricht, dafi unser früheres KommisswnS- Mitglied und Branchenobmann Hermann Werner an den Folgen eines Unglückssalles verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 16. Februar, nach. mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Treptower Gemeindesriedhoss, Neue Krugallee, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/19 Die OrtSverwalenng. Deutseber I Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Einsetzer Fritz König Dennewitzstrahe 2t, im Alter von 61 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Februar, nach- mittags 3>/, Uhr, von der Halle des Luther- WrchhoseS in Lank- Witz aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Drechsler Hennaim Werner im Alter von 31 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der falle des Trepiotver Gemeinde- riedhoseS, Neue Krug- Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/18 Oie Ortsverwaltung. «>nsTiMfiiwiniwifmT»n m i ms—— Am Montag, den 12. Februai. verstarb nach langer Krankheit unser Kollege, der Zurichter Paul Ifasemann. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 16. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Gemeinde-Friedhoses Tenrpelhof, Germaniastratze. auS statt. 2972b Oes Personal der SchrittgieBerei Wilhelm WSIImer. Verein Arbeiterjugendheim Treptow-Baumschulenweg. Am 9. Februar verschied infolge Unglücksjalles unser Kassierer, der Gastwirt 286/19 ttermaim Werner. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Frei- tag, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des Gemeinde-Fried- boseS, Neue Krug> Mee, aus statt. Am 11. d. M. verschied Plötzlich unser lieber guter Bater und Schwiegervater, der Töpfer Lmil IWusolt im 74. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Tlax Musolt Klara Tellä geb. Musolt Felix Teils Ilinna ülusolt geb. Leander. Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 16. d. M., nachmittags 3 Uhr, in Wilhelmsberg aus dem Kirchhof der St. Markus- und AndreaS-Gememde statt. 2983b Am 12. Februar verstarb nach langem Leiden unser lieber Kol- lege, der Mechaniker heul Rosemann im Alter von 56 Jahren. Wir werden sein Andenken in Ehren halten! Berlin, 14. Februar 1912. Der Zurichterverein der Berliner Schriftgießereien Tauksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und vielen Kranzspenden bei der Seerdi- gung meines unvergetzlichen ManneS. unseres lieben Vaters, Ichwieger- und Grotzvaters sagen wir allen Freunden und Bekannten, insbeson dere dem Wablverein Berlin III. dem Bauarbeiterverband, der 3. Männer- abteilung deS Turnvereins.Fichte" sowie den Sängern hiermit unseren herzlichsten Dank. 2985b Witwe IB. Thiele nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die überaus reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines tieben ManneS, Vaters, Sohnes, Bruder» und Schwager; Felix Borebert sagen allen Teilnehmern, da es uns nicht möglich ist, jedem einzelnen unseren persönlichen Dank abstatten zu können, aus diesem Wege unfern verbindlichsten Dank. Insbesondere der Direktion der Neuen Automobil-Gesellschast, den Herren Beamten, den Kollegen des Verstorbenen, dem Gtwerk- verein der Maschinenbauer und Metallarbeiter. 2984b Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Bekannten meinen tiesgesühlten Dank. 19662 Emma Vogt geb. Winkler. Danksagung. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders Karl Kahn lagen allen Betelligten, besonder» der freien Jugend, dem Männerchor, Wahlverein und Melallarbeiter-Ber- band sowie den Personalen der Firmen Lewin und C. P. Goerz unseren herzlichsten Dank. 1967L Frau Witwe Rahn kÄ. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen ManneS und unseres guten Paters, lagen wir allen Freunden und Bekannten sowie dem Wablverein und den Sängern des 4. Wahlkreises, dem Holzarbeiterverband, dem Lands- mannoerein der Gassener und Um- gegend und Herrn Waldeck Manasse jür die tröstenden Worte am Sarge des Entschlafenen unsere» herzlichen Dank. 2997 b Luis» Günther und Kinder Wiener Strafie 21. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die überaus reiche» Kranzspenden bei der Bestattung unserer inniggeliebten guten Mutter sagen den besten Dank. 2991b Geschwister Mücke. Lichtenberg, Ritlergutstr. 23. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄX 10-2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Vorurteile zu haben, ist nicht mehr zeitgemäß. Das geben Sie zu?!— Und doch hegen Sie noch ein Vorurteil gegen Palmin?! Prüfen Sie Palmin, indem Sie einen Pfann- kuchen damit backen— dann urteilen Sie! Ihr Vorurteil wird sich in Bewunderung verwandeln. Lassen Sie sich keine Nachahmungen aufdrängen! chten Sie* tat des Kamen WIMM Warum? Aulkltnina morsen! Buchhandlung Vorwärts = Lindenstr. 69, Laden— Wichtig für jeden preußischen TZplüf Führer durch das preußische itenen eine hochfeine, sehr nahrhafte Speise, unübertroffen im Geschmack , J*# ans den Cabak-Tabriken 3. QÜotdfoib jZreiiss. Stargarst asoaa gegründet 183 9. Tabac russe ä priser. gout de ttowno. |ü!| Prawdziwa tabaka do °H zazywania»Kownoep* □•□•□•□•□•Q-a-O-OD-OO Buchhandlung Vorwärts SW. 68, Lindenstraße 69. Neuerscheinung; Die Sozialdemokratie und die Wahlen zum Deutschen Reichstage. Von Paul Hirsch und Bruno Borchardt. 311t einer farbigen Ueberslchtskarte. Preis: I AflciPlCs 217/5 Vom irbeitersekretär IM Wissell mit 19 Formutarea ISr Reklamationen Preis»0 PI. Den,,Torwlirts"-ljC»epn gewahre Babatt. Nur einmal jährlich zum InTenturpreis! 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Mcn der Minister des Innern und der Finnnzininister durch den Oberpräsidenten den Städten mit mehr als 10 OVO Einwohnern folgenden Erlaß zugehen lassen: „Die fortwährend steigende Zunahme des kommunalen Schul- denstandes, und das damit verbundene Anschwellen der kommu- nalen Ausgaben zu Zwecken des Sckiuldendienstes hat sich zu einer so bedrohlichen Erscheinung ausgewachsen, daß die staatlichen Auf- sichtsbehörden vor die Aufgabe gestellt sind, mehr als bisher sich die Vermeidung einer Vermehrung und die Verminderung der bestehen- den kommunalen Schuldenlast angelegen sein zu lassen. Die Erlasse vom 1. Juni t89l sMin.-Bl. f. d. i. V. S. 84), vom 23. August 1907 sMtn.-Bl. f. d. i. V. S. 261 und vom 2. Juni 19lO (Min.-Bl. f. d. i. V. S. 170) haben bereits auf die Notwendigkeit hingewiesen, jeder nicht durch die Verhältnisse unbedingt gebotenen Aufnahme von Schulden durch die Kommunen entgegenzutreten und bei unverineidlichen Anleiheaufnahmen eine ausreichende Tilgung herbeizuführen. Es ist aber nicht zu verkennen, daß die Genehmi- aungsbehörden es vielfach an strenger Beachtung der dort gegebenen Weisungen fehlen lassen. Bei den hierher gelangenden Anträgen auf Genehmigung der Ausgabe von Jnhaberpapieren finden sich in den ihnen zugrunde liegenden Genehmigungen der Anleihe- beschlüsse durch die Bezirksausschüsse vielfach erhebliche Verstöße gegen die in den erwähnten Erlassen niedergelegten Grundsätze. Obwohl ferner die daselbst angegebenen Tilgungssätze ausdrücklich als Mindestsätze bezeichnet werden, unterbleibt in der Regel die Forderung Höherer Tilgungssätze auch dort, wo die Verhältnisse eine solche angezeigt erscheinen lassen. Euere Hochwohlgeboren ersuchen wir daher ergebenst, künftighin nachdrücklichst darauf hin- zuwirken, daß die Genehmigungsbehörden die bestehenden Vorschrif- ten über die Zulässigkeit von Anleiheaufnahmen und über die Til- gungsgrundsätze strengstens beachten und, namentlich bei Ausgaben unproduktiver Art, nach Lage der Verhältnisse höhere Tilgungssätze fordern, als dort als Mindestsätze angegeben sind. Die Erfahrungen lassen ferner erkennen, daß vielfach zurzeit der Genehmigungserbittung die Maßnahmen für die durch Anleihe zu deckende Anlage bereits über das Vorbereitungsstadium hinaus gediehen sind. Oft ist die Anlage schon in Angriff genommen, und die Ausgaben sind ganz oder zum Teil vorläufig aus laufenden Mitteln, schwebenden Schulden, Dispositions- oder zeitweilig ver- fügbaren älteren Anleihefonds bestritten, so daß eine Versagung der Genehmigung große pekuniäre und sonstige Unzuträglichkeiten Jür die beteiligt« Gemeinde nach sich ziehen würde. Dadurch wird ie staatliche Aufsicht�, oder Beschlujzbehörde in eine gewisse Zwangslage versetzt und in ihrem freien Ermessen von vornherein beschränkt. Der Zweck der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen staatsaufsichtlichen Genehmigung wird in diesen Fällen wesentlich beein- trächtigt. Um ihm in Zukunft größere Geltung zu verschaffen, er- scheint eS notwendig, daß die Aufsichtsbehörden Beschlüsse der kommunalen Organe über neue Anlagen bereits in einem früheren Stadium, als ei seither zumeist geschah, auf ihre finanziellen Fol- gen hin prüfen. Die Herren Regierungspräsidenten und die Herren Landräte Werden daher veranlaßt, in Zukunft ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten und ihren Einfluß dahin zu verwenden, daß in allen Fällen, in denen größere kommunale, nicht aus laufenden Mitteln aufzubringende Ausgaben beabsichtigt werden, zwar nicht vorzeitig während lediglich vorbereitender Verhandlungen, aber doch späte- stens zu dem Zeitzpunkte. wo die Gemeindevertretung die Her- stellung der Anlage grundsätzlich beschließt, ein genauer Plan über die Finanzierung des Unternehmens aufgestellt wird. Wird dabei eine Anleihe vorgesehen, so ist es Sache der Aufsichtsbehörde, dahin zu wirken, daß die Entscheidung der Genehmigungsbehörde nach- gesucht und abgewartet Ivird, ehe irgendwelche mit Geldaufwendungen verbundene oder kontraktliche Verpflichtungen nach sich ziehende Schritte zur Durchführung des Beschlusses erfolgen. Dem Antrage auf Genehmigung der Anleihe wird eine eingehende Darstellung der Finanzlage der Kommune beizufügen sein, aus der sich insbesondere ersehen läßt, wie sich ihr Verwaltungs- und ihr Finanzvermögen zum Schuldenbestande verhält, und ob die kommunale Steuerlast eine durch die neue Anlage vermehrte Anspannung verträgt oder nicht. Vielfach sind es staatliche Behörden, die durch Anforderungen an die Kommunen, namentlich an Städte, den Anlaß zu VerHand- lungen über kostspielige Anlagen geben. Handelt es sich dabei um Stellen, die zum Ressort der Regierungspräsidenten oder der Re- gierungen gehören, so wollen die Herren Regierungspräsidenten dafür sorgen, daß in allen solchen Fällen der Kommunaldezernent bei den Verhandlungen in einem mögliehst frühen Stadium mit- beteiligt, und daß die Frage der Finanzierung von vornherein mit zur Erörterung gestellt wird. Die 5lommunalaufsichtsbehörde wird es sich aber auch angelegen sein lassen müssen, daß sie dort, wo Anforderungen seitens anderer Ressorts gestellt werden, möglichst bald Kenntnis davon erhält, um in eine Prüfung der finanziellen Folgen eintreten zu können. Ergibt diese Prüfung, daß der An- forderung nur mit Hilfe einer Anleihe genügt werden kann, und stellen sich begründete Zweifel über die Zulässigkeit weiterer Be- lastung des kommunalen Budgets durch die geplante Anleihe her- aus, so wollen Euere Hochwohlgeboren bereits zu einer Zeit, wo von Aufsichtswegen noch mit Erfolg in die vorbereitenden Handlungen eingegriffen werden kann, an die unterzeichneten Minister berichten, welche sich vorbehalten, nötigenfalls direkt mit dem Herrn Chef der anderen beteiligten Ressorts sich in Verbindung zu setzen. ES ist selbstverständlich, daß mit der nebenbezeichneten Anwei- sung nicht beabsichtigt ist, das den Gemeinden gesetzlich zustehende Selbswerwaltungsrecht einzuschränken, sondern nur, das dem Staate zustehende Aufsichts. und Genehmigungsrecht bei Kommunal- mleihen praktisch so wirksam auszuüben, als eS dem Sinn der ortreffenden gefetzlichen Vorschriften entspricht. Wenn in Zukunft eine Kommune trotz der von der Aufsichtsbehörde erhobenen Be- denken mit der Herstellung von Anlagen oder dem Abschlüsse von Verträgen vorgeht, bevor die zur Aufnahme der erfor- derlichen Anleihe gesetzlich vorgeschriebene Ge- n e h m i g n n g erteilt ist, wird kein Anlaß mehr vorliegen, an den Antrag auf Genehmigung der Anleihe aus Rücksicht auf die ge- schaffenen Tatsachen einen weniger strengen Maßstab zu legen." Der vorstehende Erlaß richtet sich gegen die heute von vielen Gemeinden geübte Schulden- und Anleihewirtschaft: er entbehrt nicht einer inneren Berechtigung, zeigt aber auch, daß es mit der so viel gerühmten Selbstverivaltung der Gemeinden nicht weit her ist. Die Aufsichtsbehörde will in Zukunft den Anleihebedarf strenger kontrollieren und mit Hilfe ihres Genehmigungsrechts über die Finanzierung bestimmter Anlagen auch materiell in d'e Geschäfte der Gemeinden eingreisen. So wünschenswert es ist, daß in vielen Gemeinden mehr Ordnung in die Finanzen gebracht werde, so wün- schenSwert ist es aber, daß die Gemeinden eine wahre Selbswerwal- tung erhalten. Denn nur diese wird in der Lage sein, die Gemein- den aus eine gesunde finanzielle Basis zu stellen. Dazu gehört aber die Beseitigung des heutigen privilegierten Dreiklassenwahlrechts und die Einführung des allgemeinen gleichen geheimen und direkten Wahlrechts für die Gemeinden. stellung 2 Uhr. Billetts inkl. Garderobe a 60 Pf. sind noch in ge» niigender Anzahl beim Kassierer Schmidt, Kirchbachstr. 14, vorn hoch- parterre, zu haben. Britz. Freitag, den 16. Februar, abends 7 Uhr: wichtige Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen au«. Der Vorstand. Nieder-Schöncweide. Am Sonntag, den 18. d. MtS., vormittags 3 Uhr: Flugblattverbreitnng von den Bezirkslokalen aus. Der Vorstand. Groß Lichterfelde. Diejenigen Parteigenossen und Gewerkschaftler von Groß-Licvterfelde Ost und Süd, welche sich für die Errichtung einer Verkaufsstelle der Berliner Konsumgenossenschaft interessieren, werden ersucht, zu einer Vorbesprechung am Freitagabend L'/g Uhr im„Kaiserhof" zu erscheinen. Trebbin. Sonnabend, den 17. Februar, abends 8% Uhr, im „Schiitzenhaus"(W. Fromm): Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag über„Die gegenwärtige politische Situation". L. Partei» angelegenheilen. Röntgcntal. Heute Donnerstag, den Ib. Februar, abends 8 Uhr, bei Marx: Zahlabend. Bezirk Waidmannslust und Umgegend. Sonntag, den 18. Februar, nackrnnttags 3 Uhr, im Schweizerhaus, Waidmannslnst: O r d e n t- liche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Berichte. 2. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Staaken. Sonnabend, den 17. Februar, abends 8Vz Uhr, in Gnädigs Gasthof: Generalversammlung des Wahlvereins" Tagesordnung: 1. Abrechnung vom vierten Quartal 1911. 2. Wahl eines Delegierten zur Kreisgeneralversammlung. 3. Vortrag de« Genossen Mühl über:„Freimaurertum". 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Partei- TJngelegenkeiten. Aweiter Wahlkreis. Am Sonntag, den 18. Februar, findet eine Uramavorstellung statt. Zum Vortrag gelangt:„Bon Meran bis zum Ortler". Eröffnung des Physiksaales 1 Uhr, Beginn der Vor» Berliner Nacbncbtern Das Leben der Straße. Von Charles Dickens weiß man, daß er den Straßen- lärm notivendig zu seinem Schaffen brauchte. Das hastende, lärmende Getriebe Londons tvar ihm die Quelle neuer Gedanken und Formen. Mancher wird das für eine groteske Schrulle halten. Vielleicht mit Unrecht. Die Großstadt mit ihrer Bevölkerung, in der der einzelne nichts ist, wo jeder sein eigenes Ich zugunsten eines vollkommeneren Massenwescns aufgibt; dieses scheinbar so wirr durcheinander flutende Menschengewühl ist sehr wohl der rechte Ort, den modernen Menschen zu studieren. Was einer auch aus seinen ländlichen oder kleinstädtischen Verhältnissen mit sich bringt, hier, wo rein wirtschaftliche Funktionen neue Typen prägen, fällt das alles bald ab. In dem Gewühl der Hunderttausende kümmert man sich nicht mehr um den krügerischcn Schein, der in der Kleinstadt so manchen elend verkümmern läßt. Unter den Zahllosen dennoch allein, gibt sich jeder, wie er wirklich ist. Und Züge, die den ein- zelnen eigen sind, werden unendlich oft wiederholt, zu Merk- malen der Gesamtheit. Des Morgens in der fünften, sechsten Stunde fluten dunkle Menschenmassen hastig durch die Straßen: die Arbeiter. Und fast ist's, als ob dort draußen am Rande der Metropole sich mächtige Magneten befänden, die jene immer dichteren Scharen anzögen. Erst waren es nur wenige, dann aber wurde es eine wogende, unabsehbare Menge; mächtige Menschenströme münden in die Tore der großen Fabriketablissements oder in die Eingänge der zahlreichen Stadtbahnhöfe. Selten nur ein kurzes, verlorenes Auflachen. Eine gedämpfte Stimmung schwebt über der dahinwogenden Masse. Und der tägliche Anblick jener Abertausende mit ihren großen Bewegungen läßt auch in dem Stumpfesten unter ihnen eine dunkle Ahnung ihrer Zusammengehörigkeit aufdämmern. Das„Ich" ist nicht mehr der kaum beachtete, feiner Arbeitsstätte zu- eilende Arbeiter: sondern eine große Prozession der Arbeit selbst, ist ein gewaltiges, tausendfiißiges Wesen, das sich alle Morgen von neuem aus unzähligen Teilchen zusammensetzt. Einige Stunden später betritt eine andere Kategorie Schaffender den Schauplatz: die große Menge der Handlnngs- gchilfen, der Burcaubeamten, Privatangestellten und der zahl- reichen Vcrläuferinncn und Kontoristinnen. Meist sind's auch nur„Proletarier im Stehkragen", aber... Ja, hier hat die Welt des Scheins noch sehr viele Anhänger. So mancher hat öde Bourgeoismanicren glücklich abgeguckt und läuft nun als mitleiderrcgende Knltnrkarikatnr herum. Die Welt der Moden, dek trivialsten Nichtigkeiten ist der armselige Stroh- Halm, an den sich noch so manches kleine,„individualistische" Scelchcn klammert, während der soziale Knlturstrom unserer Zeit an ihm vorüberranscht.— Nicht als einheitliches Ganzes fühlen sie sich. Bewahre.— Jeder auf sich selbst gestellt; jeder eine„Persönlichkeit", das heißt in unserer Zeit: ein Nichts. Dessen ungeachtet muß man aber immer„so dun". Da fährt dann die Verkäuferin, die Kontoristin auf der Stadt- bahn in der zweiten Klasse, statt sich einmal ordentlich satt zu essen. 8 Uhr ist vorüber. Die große Wirtschaftsmaschine hat ihre Kohlen— lebende Menschenleiber— verschluckt. Jeder schafft und wirkt, jeder hat seine Funktionen... Gegen Mittag schwärmen die Drohnen aus: jene Tagediebe, die an dem großen Schaffen nicht teilnehmen und doch genießen. Gelangweilt flanieren sie bei gutem Wetter durch die Straßen. Doch ängstlich hüten sie sich, die Prachtstraßcn zu verlassen. Sie müssen ihr fensibles Gemüt vor dem Anblick der Arbeit bewahren, die ihnen weiter draußen oft so unverhüllt in den Weg tritt... Und wieder andere suchen daS ärgste Großstadt- gewühl auf, um zu— vergessen, daß sie ohne Arbeit sind. Längst haben diese abgehärmten Gestalten das ewige An- fragen um Arbeit aufgegeben. Nur nicht mehr an ihr Elend denken. Stumpf und müde trottet man dahin oder bleibt stehen, wo es ctivas zn sehen gibt, nur um zu vergessen. So wird es Abend. Jene Ströme vom Morgen fluten nach und nach wieder zurück. Doch ohne scharfe Trennungen. Nur die jüngeren Elemente verweilen noch auf ihrem Heim- Ivege. Dann kommen die traurigsten Stunden der Weltstadt, jene, die die lustigsten heißen: Stunden, in denen junge, eitle Mädchen, die nach Licht und Freude dürsten, an der Seite echter oder angeblicher Kavaliere ihr besseres Selbst verlieren, und Männer mit schiverem Kopfe die Straßen entlang taumeln. Ein Trupp Arbeiter, die au? einer Versammlung zurück- kehren, bringt einen kraftvollen Rhythmus mit sich, lieber- laute Worte wirbeln herüber. Worte, die hart, aber doch zu- klinftssroh sind. Brustkinder und Flaschenkinder unter den Schulrekruten. «Dem Kinde die Mutterbrust!" fordern seit langem und immer dringender die Aerzte. Planmäßig wird die„Still- Propaganda" besonders von den Säuglingsfürsorgestellen getrieben, die seit mehreren Jahren in Berlin und einigen Vororten bestehen. Zugunsten der natürlichen Ernährung mit Muttermilch wird nicht nur hervorgehoben, daß sie leichter über die Gefahren mancher Krankheiten des Säuglingsalters, namentlich der sommerlichen BerdauungSkrankheiten, hinweghilft. Den Brustkindern wird oft auch nachgerühmt, daß sie sich überhaupt kräftiger entwickeln als Flaschenkinder und auf lange Zeit hinaus einen Vorsprung vor ihnen behalten. Diese Meinung wird anscheinend nicht bestätigt durch die Er- gcbnisse von Untersuchungen, die in Berlin durch Schul- ä r z t e gemacht worden sind. In den letzten Jahren haben ein paar Schulärzte festgestellt, mit welchen Anteilziffern die Brust- kinder und die Flaschenkinder unter der Zahl der von ihnen unter- suchten sechsjährigen Schulrekruten und im besonderen unter der Zahl der dabei als kränklich und schwächlich befundenen Kinder vertreten waren. Der neueste Gesamtbericht über die Tätigkeit der Schulärzte Berlins, den wir bereits besprochen haben, teilt mit, lvas im Schuljähr 1910/11 der Schularzt Dr. Wallenstein bei seinen Schulrekruten über den Anteil der Brust- und der Flaschenkinder ermittelt hat. Dr. Wallenstein hatte 446 Kinder zu untersuchen, deren Entwickelungs- und Gesundheitszustand beim Eintritt in das schul- Pflichtige Alter geprüft werden mußte. Bei der Gruppierung in Brust- und in Flaschenkinder zählte er zu den Brustkindern nur diejenigen, die mindestens sechs Monate mit der Brust genährt worden waren. Das Ergebnis war, daß unter den 446 Schul- r e k r u t e n sich 147 Brustkinder und 299 Flaschenkinder fanden, d. h. 33 Proz. Bru st kinder und 67 P roz. Flaschenkinder. AuS der Gesamtheit der 446 sonderte Dr. Wallenstein 173 Kinder aus, die wegen Mängel der Entwickelung oder der Gesundheit zunäcksst noch vom Schulbesuch zurückgestellt oder nach erfolgter Einschulung in besondere ärztliche Ueberwachung ge- nommen werden mutzten. Unter Viesen 173 Kränklichen und Schwächlichen waren 55 Brustkinder und 118 Flaschenkinder, d. h. 32 Proz. Bru st kinder und 6 8 Proz. Flaschenkinder. Man sieht, daß hier nahezu dasselbe Per- hältnis zwischen Brust, und Flaschenkindern besteht, wie in der Gesamtzahl der untersuchten Kinder. Diese Untersuchungen sind in der inneren Luisenstadt, in Schulen der Wassertor-, Brandenburg-, Stallschreiber- Annen- straße, ausgeführt worden. Ihr Ergebnis deckt sich überraschender- weise ziemlich genau mit den Feststellungen, die schon in den Schuljahren 1907/98 bis 1999/10 der Schularzt Dr. Schäfer in Berlin-Ost, in Schulen der Petersburger Straße, des Peters- burger Platzes, der Straßmannstraße, zum Teil auch der Rigaer Straße und der Frankfurter Allee, an einer größeren Zahl Kinder gemacht hatte. Dr. Schäfer fand unter 2796 Schul» r e k r u t e n, die er zu untersuchen hatte, 834 Brustkinder und 1912 Flaschenkinder, d. h. 31 zh Proz. Bru st kinder und e8'A Proz. Flaschenkinder, wobei wieder nur bei mindestens sechs Monaten Ernährung mit der Brust die Kinder den Brustkindern zugezählt sind. Aus der Gruppe der vom Schul- besuch zurückgestellten oder nach Einschulung in Ueberwachung ge- nommenen Kinder hat Dr. Schäfer nur diejenigen berücksichtigt, deren Gesundheitsmängel sich zu der Art der Ernährung des Säuglings in eine Beziehung bringen lassen. Unter 2?! zurück, gestellten oder in Ueberwachung genommenen Kindern waren 73 Brustkinder und 143 Flaschenkinder, d. h. 33 Proz. Bru st kinder und 67 Proz. Flaschenkinder. Hier sin-d die Brustkinder sogar noch etwas stärker beteiligt, als nach ihrem nur 31 A Proz. betragenden Anteil an der Gesamtzahl der Kinder zu erwarten wäre. Was kann aus diesen Zahlen gefolgert werden? Der Bericht über die Tätigkeit der Schulärzte in 1910/11 enthält keine Schluß. folgerung aus den Ergebnissen der Untersuchungen Dr. Wallen. steins. Der Bericht für 1909/10 hatte den Ergebnissen der Unter- suchungen Dr. Schäfers dessen Schlußfolgerung angefügt,„daß am Ende des sechsten Lebensjahres jedenfalls der Einfluß der Ernährung im Säuglings- alter seine Bedeutung verloren hat, und daß die an sich durch die natürliche Mutterbrusternährung gewonnenen Vor- züge im späteren Kindesleben durch andere, mächtige Faktoren über- kompensiert werden, wodurch sich die Ernährungsunterschiede wieder verwischen". Somit hätte man anzunehmen, daß die Ernährung mit der Brust einen dauernden Gewinn eigentlich nicht bringt. Mancher wird den Wert dieser Ernährungsweise� deren Wirkung so wenig vorzuhalten und schon bei den Sechsjährigen verwischt zu sein scheint, in der Tat nicht sehr hoch anschlagen wollen. Vielleicht sind aber die auf den ersten Blick allerdings recht befremdenden Untersuchungsergebnisse doch noch anders zu er- klären. Fest steht, daß die Ernährung mit der Brust dem Säugling einen weitgehenden Schutz gegen die sommerlichen Verdauungs- krankheiten bietet und daß andererseits diese Verdauungskrank- heiten sich zahlreiche Todesopfer aus den Flaschenkindern holen. TaS hat aber die Nebenwirkung, daß bei Ernährung mit der Brust auch manches schwächliche Kind durch die Fährnisse der Ver- dauungskrankheiten hindurchgerettet wird, während bei Ernährung mit der Flasche die schwächlichen Kinder diesen Erkrankungen meist rettungslos««liegen. Den Brustkindern bleiben viele ihrer Schwächlinge erhalten, so daß deren Anteil an der Gesamtzahl der Brustkinder sich in einer sonst nicht zu erwartenden Höhe behauptet. Unter den Flaschen. lindern dagegen hält) schon früh der Tod seine furchtbare Auslese, durch die er die Reihen ihrer Schwäch- linge lichtet. Wenn dann die S chu lä rz t e bei der Untersuchung der Sechs. jährigen ebenso viele Kränkliche und Schwächliche unter den Brustkindern wie unter den Flaschen. lindern finden, so beweist das nichts gegen den Nutzen der Er. nährung mit der Brust. Die schwächlichen und kränklichen Kinder unter den mit der Brust ernährten wären wahrscheinlich noch schwächlicher geblieben und hätten sich noch weniger Widerstands- fähig gezeigt, wenn sie mit der Flasche ernährt worden wären. Und die widerstandsfähigen und kräftig entwickelten unter den Flaschenkindern wären vielleicht noch widerstandsfähiger und kräftiger geworden, wenn man sie mit der Brust hätte ernähren können. Nichtig ist aber, daß bei dem Nachwuchs der Arbeiter. klaffe, mit dem ja die Schulärzte es zu tun haben, die Körper- entWickelung durch noch mächtigere Faktoren beeinflußt wird. Mächtiger als alles, was eine stillende Mutter ihrem Säugling mit auf den Lebensweg zu geben vermag� sind Dürftigkeit Lgd Entbehrung und Nst, iu die daz Kind hineinwächst. Der Stadthaushaltsplan der Stadt Berlin für das Etatsjahr 1912 schließt in Einnahme und Ausgabe mit rund 329 958 500 M. gegen 309 832 000 M. im Vorjahre ab. Mehreinnahmen &e&(;n,v£t,H£rtet°us Grundeigentum und Berechtigungen 13 071 600 M.(im Vorjahre 12 604 400 M.), bei den städti' schen Werken 9 971 100 M.(im Vorjahre 9 856 900 M.). aus Steuern 93593 800 M.(i. V. 90 229 000 M.). aus der- schiedenen Einnahmen 1791500 M.(i. V. 2 478800 M.); andererseits sind Mehrausgaben(Ausgaben nach Ab- aug der Annahmen) vorgesehen beim Unterricht 35 406 400 M. (i. V. 32 929 400 M.), beim Armenwesen 18 343 300 M.(i.V. M.). bei der Kranken- und Gesundheitspflege �8<9 600 M.(t. V. 13 205 500 M.), beim Kapitel Polizei, Gericht. Standesämter usw. 10448 800 M.(i. V. 10466 900 Mark), bei der Beleuchtung, Straßenreinigung, Park- und Friedhofsverwaltung 9 943 000 M.(i. V. 9 050 600 M.) beim Bauwesen 4904 500 M.(i. V. 5058 300 M.). für Museen und Bibliotheken 390 680 M.(i. V. 375 400 M.). für Ver- waltungskosten 18 835 000 M.(i. V. 18 406 600 M.), für die Kapital- und Schuldenverwaltung 7 276 700 M.(i. V. 8 077 700 Mark). Die Wahl des Zweckverbands-DirektorS im Ausschaß. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner trat gestern der Ausschuß für die Vorbereitung der Wahl eines Verbandsdirektors für den Zweckverband von Groß-Berlin im hiesigen Rathause zusammen. Nach einstündiger Beratung wurde über die Kandidaten abgestimmt. Oberbürgermeister Voigt-Barmen erhielt 11 Stimmen, Bürgermeister Dr. Reicke- Berlin 3 Stimmen. Außerdem wurden l0 weiße Zettel ab- gegeben, so daß von einer Mehrheit für Voigt vorerst nicht gesprochen werden kann. Anwesend war der Oberpräsident v. Conrad-Potsdam und der Oberpräsidialrat v. Röder. Von den 25 Mitgliedern fehlte der Stadtkämmerer Dr. Steiniger. Wie sich der Wahlausfall in der Plenarsitzung am Dienstag, den 27. d. M.. gestalten dürfte, kann angesichts dieses Er- gebnisses noch niemand sagen. Die Fluchtlinienfepsetzung für das Borfigsch« Gelände in Moabit beschäftigte gestern abend den Stadtverordnetenausschuß. Mit zehn gegen zwei Stimmen wurde beschlossen, die Magistratsvorlage zur Annahme zu empfehlen mit der Maßgabe, daß die früheren von der Tiefbaudeputation festgesetzten Fluchtlinien hergestellt werden. Der Polizeipräsident hatte erklärt, wen» innerhalb drei Tagen kein Ge- meindebeschluß in der Sache vorliege, sehe er sich genötigt, ein ihm vorliegendes Baugesuch zu genehmigen. Aus dem Grunde beschloß der Ausschuß, bei der morgigen Stadtverordnetenversammlung die Dringlichkeit zu beantragen. Ein Gewächshausneubau für die städtische Parkverwaltung und ein städtischer Schulgarten sollen auf dem städtischen Gute in Blankenfelde errichtet werden. Anfänglich sollte der Neubau des Gewächshauses in der Stadtgärtnerei im Humboldthain erfolgen. Es hat sich aber herausgestellt, daß einmal der zur Verfügung stehende Platz nicht genügt und daß ferner durch die neuerliche Errichtung eines neuen großen Fabrikgebäudes von 25 Meter Höhe mit drei Turmbauten von etwa 30 Meter Höhe, das durch die A. E.-G. errichtet worden ist, die Besonnung des Ueberwinte- rungshauses durchaus ungenügend wird. Ueberhaupt leidet die Pflanzenzucht in der städtischen Gärtnerei im allgemeinen darunter, daß wegen der hohen Giebel des Fabrikgebäudes der A. E.-G. den Pflanzen wenig Sonne zugeführt werden kann; außerdem leidet die Pflanzenzucht in zunehmendem Maße unter Rauch, Ruß und Kohlenstaub. Wiederholt hat die Gartenverwaltung bei der A. E.-G. Vorstellungen erhoben und Abhilfe verlangt, leider ohne Erfolg. f CTa Opf« seine» Beruft« ist der 47 Jahre alte VauwZchter Hermann Buchholz aus der Schivelbeiner Straße 25 geworden. Der Mann zog sich vor vier Jahren im Dienst eine Beinverletzung zu, die ihn lange Zeit erwerbsunfähig machte. Nach seiner Wieder- Herstellung nahm er den Dienst wieder auf. Bald traf ihn, vor zwei Jahren, ein neues Unglück. Als er seinen Revolver putzte, den er als Bauwächter brauchte, ging ein Schuß loS und eine Kugel drang ihm durch das rechte Auge in den Kopf ein. Sie konnte daraus nicht entfernt werden. Nach vierteljährigem Krankenlager aus der Anstalt entlassen, blieb der Verunglückte sehr nervös und fand nur noch gelegentlich als Bauarbeiter Beschäftigung. Den Lebensunterhalt mußte feine Frau verdienen, die in einer Laternen- fabrik arbeitet. Während sie gestern auf ihrer Arbeitsstelle war, er- hängte sich der Verzweifelte im Klosettraum an einem Nagel. Bei der Rückkehr der Frau war er tot. Auf den Tisch hatte er einen Zettel gelegt mit den Worten:.Mein Leben»si aus'. Arbeiter-Bildungsschule, Grenadierstr. 37. Der Unterricht im Gewerkschaftswesen fällt am Freitag aus, derselbe wird am Dienstag, den 20. Februar, nachgeholt Mit Leuchtgas vergiftet hat sich der 34 Jahre alte Kaufmann Johann Zeier, der in der Blumenstraße 100 ein möblierte? Zimmer bewohnte. Der Mann verlor vor Jahren durch eine Blutvergiftung den linken Fuß. Jetzt wurde er auch noch unheilbar magenkrank und verfiel deshalb in Schwermut. Gestern abend öffnete er im Kontor seines Bruders in dessen Gold- und Silberscheideanstalt in der Neuen Friedrichstraße, wo er beschäftigt war, den Gashahn und legte sich dann auf das Sofa, um den Tod zu erwarten. Als man ihn gestern morgen auffand, war er tot. Einen schaurigen Fund machte gestern abend die Feuerwehr bei einem Schornsteinbrand auf dem Grundstück Köpenicker Straße 163. Unten in dem Schornstein entdeckte sie die Leiche eines neugeborenen Kindes, die durch Ruß, Hitze und Verwesung zu einer unförmlichen Masse zusammengeschrumpft war. Das Geschlecht konnte deshalb nicht mehr festgestellt werden. Mit dem Schornsteinbrande hat die Leiche nichts zu tun. Das Gerücht, daß das Feuer angelegt worden war, um ein Verbrechen zu verdecken, ist haltlos. Der Berliner Schwimmverein„Welle", Mitglied des Arbeiter- Schwimmerbundes, veranstaltete am Sonntag, den 11. Februar, in der städtischen Volksbadeanstalt an der Schillingsbrücke sein gut besuchtes 19. Internationale? Schwimmfest. Die Resultate waren 'olgende: Knabenschwimmen, 60 Meter. 1. A. Probst 1,14. 2. P. Reinhold 1.10.— Vorführung einiger letztjähriger Schwimmschüler: a) Knaben. 30 Meter. 1. A. Plaschke 0,32«. 2. P. Reinhold 0,40. b) Jugend. 30 Meter. 1. W. Probst 0,322. g. A. Wagner 0.32«. o) Männer, 30 Meter. 1. H. Richter 0,40. 2. K. Streit 0,43'.— Vorgabeschwimmen für Männer. 90 Meter. Schwimmart beliebig. 1. W. Markow(bei 10 Meter Vorgabe) 1,11«. 2. P. Vogel(Mal- mann) 1,142.— Tellerlauchen. 20 Teller, a) Männer. 1 O. Neumann, 11 Teller, 0,223. 2. A. Preuß junior..5 Teller, 0,25. b) Jugend. 1. E. Althau«. 16 Teller, 0,30. 2. 6. Cohn. 14 Teller, 0,382._(j5t0ße Stafette, 4 X 45 Meter. Brust, Rücken. Seite, Spanisch. 1. Berliner S.-C..Neptun 94' 2.25«. 2. Berliner S.-V.„Freiheit' 3,66.— Jugendschwimmen. 90 Meter. Schwimm- arl beliebig. 1. P. Portz 1,202. 2. E. Richter 1,29«.— Wasser- ballspiel, 2X7 Minuten. 5 Mann. Berliner S.-C.„Neptun 94* gegen S.-V.„Neptun'-Weißensee. Sieger: S.-V..Neptun'-Weißen- see, 3: 1 Goal.— Männerbrustschwimmen, a) 45 Meter. 1. M. Neumann l.S2. 2. E. Richter 1,8. b) 90 Meter. 1. P. Sämann 1,36«. 2. H. Nitschke 1,50.— Damenschwimmen. a) 60 Meter. 1. Frl. S. Wolle 1.32«. b) 90 Meter. 1. Frl. H. Siebert 2.6«. Wer ist der Tote? Laut Mitteilung der Polizeiverwaltuna zu Spandau wurde am 11. 2. 12 nachmittag? 4 Uhr in der Jnngfern- Heide im Jagen 16 die Leiche eines etwa 40 bis 42 Jahr« alten, dem Arbeiterstande ungehörigen Manne« erhängt aufgefunden. Er hatte Papiere der Allgen,. ElektrizitätS-Gefellschast bei sich, aus denen der Name und die Nummer entfernt ist, sowie eine silberne Remontoir � Verwaltung nicht energischere Mittel angewandt hat. j„hr Nr. 270 279 mit der Firma F. A. Kehler, Berlin SW. um Wiste zu schaffen'st unverstandltch. Wäs die Anlegung; � fst 1.70 Meter groß, hat dunkle, zum Teil ergraute Haare, vorn des Schulg«rtens n, Blankenfelde betriff:, so sind fa schon in! sowie starken dunklen, zum Teil ergrauten Schnurrbart. früheren fahren Mittel zu diesem Zweck in den Etat eingestellt graubraune Augen, vollständige Zähne und war bekleidet mit dunkler worden. Der Schulgarten ist dazu bestimmt, den Gemeindeschulen und den höheren Schulen die zum Unterricht nötigen Pflanzen zu ziehen und zu liefern. Eigene Fuhrwerke besorgen den Trans. Port. Die Borgänge bei der Unterbringung der Baumeisterswitwe Rothenburg in der Dalldorfer Irrenanstalt, worüber auf Grund von amtlichen Schriftstücken berichtet wurde, werden uns von dem Hausverwalter des Hauses Lehrter Straße 48b und noch einem Hausbewohner in anderem Lichte dargestellt. Hiernach soll Frau R. am 23. Oktober 1911 nicht„entführt", sondern auf ihren eigenen Wunsch von der Flurnachbarin Frau Ziegler in einer Droschke nach Dalldorf gebracht worden sein, wo sie allerdings schon am nächsten Tage den, Sohn, Referendar R., zurückgegeben wurde. Aus diesem Zugeständnis geht klar hervor, daß die Hausbetvohner ein in keiner Weise zu billigendes, höchst bedenkliches abgekürztes Verfahren ein- geschlagen haben. Es fehlte ihnen jedes Recht, dem Verlangen der Greisin, wenn ein solches überhaupt geäußert worden ist, zu will- fahren. Die Hausbewohner wußten, daß die alte Frau jahrelang rm Hause Lehrterstraße 43b mit ihrem Sohn zusammenwohnte. Zum mindesten hätte also, wenn eine Gefahr für die Frau zu er- kennen war, was aber nicht der Fall gewesen ist, die zuständige Behörde benachrichtigt werden müssen. Solche Zustände, eine alters- schwache Hausnachbarin während der Abwesenheit der Angehörigen ohne weiteres nach der Irrenanstalt zu verbringen und hier ohne ärztliches Attest die Aufnahme zu beantragen, wollen wir doch lieber nicht einreißen lassen. Mit dieser Einmischung in sehr ver- wickelte fremde Verhältnisse haben die beteiligten Hausbewohner, die übrigens mit dem Referendar R. seit langem aus gespanntem Fuße stehen, sehr leichtfertig gehandelt. Wenn nach dieser heim- lichen Fortschaffung, die dock einer Entführung sehr ähnlich sieht, der Sohn von nun an die Wohnung sicherte, um gegen ähnliche Einmischungen während seiner beruflicken Abwesenheit geschützt zu sein, so ist das nur verständlich, lieber die zweite Jnternicrung am 26. Januar wird behauptet, daß sie, wieder während der Ab- Wesenheit des Sohnes, auf Veranlassung von Hausbewohnern, die die verschlossene Wohnungstür erbrechen ließen, und im Einver- ständnis mit behördlichen Organen erfolgt sei. Ein hinzugezogener Arzt soll ein auf„Verfolgungswahn und Angst" lautendes Attest ausgestellt haben. Aufallend bleibt doch aber, daß mau sich in Dalldorf der mittels Krankcnautomobils eingelieferten Frau R. sofort wieder entledigt hat. Man sieht hier von neuem, was durch übergroße Nervosität und durch häuslichen Klatsch entsteht. Ohne ganz triftige Gründe soll man nicht in fremde Kochtöpfe sehen. Bei den Nnchforschniigcn über den dreifachen Raubmord in der Alten Jakovstraße ist eS jetzt anck gelungen, die Angaben des Auto- omnibnsichaffners aufzuklären, der. wie damals bericktet wurde, an- gab, daß am Tage des Mordes drei vcrdäckiige Leule an der Ecke der Alten Jakob- und Sebastiaustraße in de» Autoo»i»ib»S eingesti ge» uirv ois zur Endtiallestelle am Görlitzer Bahnhos mitgesahren und. Sie fielen ihm durck ihr Benehme» auf und er wollre auch Vlii'flecke an dem Mantel des einen der drei Fahrgäste gesehen haben Dieie drei Leute die wie zuerst angenommen wurde, anck tatiäcklick vom Görlitzer Babu'bof'abgefahren sind, konnleii jetzt-rmiltelt werden. Es sind drei Arbeiter, die in einem Orle an der Görlrtzerbahnstrecke zu tun gehab, haben. Der Schaffner kannte sie bei der Geg-niiberstellung bestimmt als diejenigen drei jungen Männer wteder, die an dem Tage mit ihm gefahren sind. Bei ihnen wurden auch die von dem Schaffner beschrieöenen Kleidungsstücke vorgefunden. Auch wurden Blutflecke in dem Mantel des einen entdeckt. Für die Tat kommen ste aber, wie durch Ermittelungen festgestellt werden konnte, nicht m Frage. Die Blutflecke stammen daher, daß der Trager deS Mantels sich kurz vorher emer Nasenoperation hatte unterziehen müssen, Sportmütz«, grauem Jackett, grau-schwarzer Joppe mit gelb-grau gestreiftem Fulter, grauer Weste, blau-schwarz gestreiften Holen, schwarzen Gamaschen, rot-braunen Strümpfen, Trikothemd« und Unterhose, grau- und weißkariertem ScklipS, weißem Chemisett und Kragen und schwarz-gelb gestreiften Hosenträgern. Nachricht über die Person des Toten erbittet die Kriminalpolizei Berlin zur Nummer: 592. IV 50. 12. Vorort- ISadrncbtcn. Charlottenburg. Zur Friedhofsnvt in Eharkottenburg. Die Gründe, warum die Kirchensynoden und-Konsistorien so eifrig darauf bedacht sind, die Anlage neuer Gemeindesriedhöfe zu verhindern und wobei sie so tatkräftig von den Regierungsorganen unterstützt werden, sind recht deutlich aus den Kaffenberichten zu erkennen, welche die Kirchenvorstände ihren Gemeindemitgliedern vorlegen, und in denen die Verwaltungen ihrer Friedhöfe in finanzieller Hinsicht die Glanzpunkte bilden. Die Charlottenburger„Neue Zeit" ist in der Lage mitzuteilen, welche Beträge der dort�cn Luisen- kirchengemeinde im Jahre 1910 aus ihrer Friedhofsverwaltung zugeflossen sind. Danach waren im Etat der Luisengemeinde für 1910 an Einnahmen im ganzen gesetzt: 158 52 5 M. Diese Einnahme ist zusammengesetzt von direkten Kirchhof- gebühren, als Grabstellen 30 000 M., Gruftansertigungen 6600 M., Stolgcbühren(für geistliche Handlungen im Ornat) 11 000 M., Benutzung des Teppichs bei Aufbahrung des Sarges 1100 Mk., Brennen der Kandelaber und Aufstellen der Dekoration 7300 M., Benutzung der Leichenhalle von Nichtparochianern 480 M., Heizung der Leichenhalle 200 M.. reservierte Grabstellen 6000 M., Epitha- phicn(Grahsteine und Inschriften) 12 000 M., Gräberpflege 53 000 Mark. Hierzu kommen: für Leichenfuhrwerk 8700 M., Trägerlohn 12 300 M.. Bestellgeld 700 M.. ferner Zinsen 6845 M. und ins- gemein 200 M. Dieser Gesamtcinnahme von 158 525 M. stehen Ausgaben im Betrage von auch 158 525 M. gegenüber. Darin sind enthalten: Besoldungen, Löhne, Instandhaltung der Grundstücke, Gräberpflege, Leichenfuhrwerk und Träger sowie für Instandhaltung der Legats- gröber, aufgeführt mit den jeweiligen Beträgen, die auch tatsächlich zu zahlen gewesen sind. Aber zuletzt figuriert unter diesen Aus- gaben auch ein Posten„insgemein" mit 75 717 M. Dieser Titel „insgemein" sei hier spezialisiert: Gemcindeeinkommcnsteuer 21 M., für unvorhergesehene Ausgaben 500 M., an die Kirchenkasse ge- zahlter Ucberschuß der Kirchhofsverwaltung 75 196 M. Die Kirchhofsverwaltung der Luisengcmeinde hatte also im Jahre 1910 einen Ueberschuß von 75 717 M., also von der Gesamt- jahreseinnahme von 158 525 M. einen Reingewinn von 47,7 Proz. Die„Neue Zeit" bemerkt zu diesem Reingewinn:„Da ist es klar, daß das Konsistorium den geldbringenden Friedhossbetrieb den Kircheugcmeinden nach Möglichkeit zu erhalten bestrebt ist. Aber da die Kirchengemeindcn bei dicsein„geldbringcndcn' Friedhofs- betriebe nur Interesse für die Beerdigung von Leichen zahlungs- fähiger Hinterbliebenen haben, die Armcnleichen aber herzlich gern den Kommunalfricdhöfen überlassen, wendet sich die Bevölkerung immer mehr von dieser„frommen" Gesellschaft ab. Rummelsburg. Zu scharfen Auseinandersetzungen kam eS in der letzten Ge- meindevertretersitzung zwischen unseren Genossen und einigen bürgerlichen Vertretern sowie dem besoldeten Schöffen Dr. Maretzky bei Beschlußfassung üsser Kassierung von Straßen km BessalluRg?- plan zwischen Schlesischer Bahn und Fischerstraße. Berlin beabsichtigt hier ein Krankenhaus für Ge- fchlechtskranke(hauptsächlich für Prostituierte) zu errichten. Rummelsburg hatte deswegen schon 1907 den Bebauungsplan so angelegt, daß es für Berlin bei Genehmigung dieses Planes un- möglich sein würde, das geplante Krankenhaus an dieser Stelle zu errichten. Nachträglich ist noch hinzugekommen, daß durch die Ministerialverfügung, nach der alle neu zu errichtenden Kranken- anstalten ihrer Bettenzahl entsprechend auch genügend Freifläche haben müssen, ein größeres Terrain für das Krankenhaus erforder- lich geworden ist. Berlin hatte demzufolge Einspruch gegen den Bebauungsplan erhoben und dadurch auch erreicht, daß die Ge- nehmigung desselben noch immer aussteht. Im verflossenen Jahre fanden nun mehrfach Verhandlungen mit der Stadt Berlin statt, die bezweckten, Rummelsburg zu veranlassen, den Protest gegen die Errichtung dieses Krankenhauses aufzugeben und einzuwilligen, daß der betreffende Bebauungsplan entsprechend abgeändert wird. Berlin besitzt in Rummelsburg genügend Terrain und kann dort nach Herzenslust bauen, ohne mit dem Bebauungsplan in Kon- flikt zu geraten. Die Gemeinde Rummelsburg besitzt also keine rechtliche Handhabe, den Krankenhausbau zu verbieten. Von diesen Erwägungen ausgehend haben auch Bau- und Finanzausschuß be- schlössen, daß Rummelsburg sich mit der Errichtung deS Kranken- Hauses an der geplanten Stelle einverstanden erklärt, wenn die Stadt Berlin mehrere noch näher zu bezeichnende Terrains zu einem angemessenen Preise an Rummelsburg verkaust. Der Platz vor dem Bahnhof Rummelsburg-Ost soll etwa zur Hälfte unentgelt- lich, und der andere Teil zu einem mäßigen Preise Rummelsburg überlassen werden. Weiter war zur Bedingung gemacht, daß vor den Einfriedigungsmauern des Krankenhauses ein mit gärtnerischen Anlagen versehener breiter Streifen angelegt wird. Auch Hinsicht- lich der Einlieferung wie des Abgangs der Kranken war verlangt worden, daß dies in Berlin zu geschehen hat. Alle diese Bedin» gungen hatte Berlin akzeptiert, und kam es eigentlich nur noch darauf an, daß auch die Gemeindevertretung die notwendige Ab- änderung des Bebauungsplanes guthieß. Neben diesen Bedin- gungen war von Rummelsburg auch noch der Wunsch ausgesprochen worden, Berlin möchte seine umfangreichen Rummelsburger Terrains der Bebauung erschließen. Diesen Wunsch hatte Berlin bisher unbeantwortet gelassen. Dies gab den Gegckern des Kranken- Hauses, insbesondere Dr. Maretzky, Veranlassung, den Wunsch zu einer Bedingung zu machen; weiter forderte er, daß Berlin den Platz am Bahnhof Rummelsburgt-Ost voll ständig unent» g e l t l i ch hergeben müsse. Unsere Genossen wandten sich mit Entschiedenheit gegen diese neuen Bedingungen, da dieselben in ihrer Wirkung nur darauf hinauslaufen, die Sache zu verschleppen, wenn nicht gar zu Fall zu bringen. Auch würde ein solches Verfahren die Gemeinde gegen- über Berlin so in Mißkredit bringen, daß jü>e fernere ernsthafte Verhandlung ausgeschlossen erscheint. Bei der ganzen Sachlage ist noch besonder? zu beachten, daß die jetzt für das Krankenhaus von Berlin in Aussicht genommene Stelle auch für die Interessen der Gemeinde Rummelsburg die allergeeignetste ist, da diese vom Verkehr vollständig abseits liegt. Auch würde durch die Errichtung des Krankenhauses an dieser Stelle ein vollständig wüstes Viertel der Bebauung erschlossen wer- den, woran sonst in absehbarer Zeit gar nicht zu denken ist. Wenn man hierbei weiter in Betracht zieht, daß bei Errichwno des Krankenhauses an anderer Stelle für die Gemeinde die ihr bereits von Berlin zugestandenen Vergünstigungen fortfallen, so muß das Vorgehen von Dr. Maretzky und seiner Gefolgschaft als höchst be- dauerlich bezeichnet werden.— Von der Mehrheit wurde schließlich beschlossen, der Abänderung deS Bebauungsplanes nur zuzustimmen. wenn Berlin auch die neuen Bedingungen akzeptiert. Bei der Wahl von Armenkommissionsmitgliedern wurden auch die Vorschläge unserer Vertreter akzeptiert. Der höheren Mädchen- schule wurde auf Antrag dcs Kuratoriums für die höheren Lehr- anstalten der Name„Pestalozzi-Schule und Höheres Lehrerinnen. Seminar" gegeben. Schöneberg. Ein heiterer BolksunterhaltungSaiend findet am Sonntag, den 18. d. M., abends S'/z Uhr, in der Aula der Hohenzollernschule, Belziger Str. 48, statt. Mitwirkende sind: Frau Professor Seeger- Jahn, Frau Hertha Sckmid-Kayser, Herr HanS Schmid-Kayser und Herr Otto Wiemer. Eintrittskarten zum Preise von 30 Pf. sind in den Konsumläden Apostel- PauluSstr. 40, EberSstr. 26, in der Spedition Martin-Lutherstr. 69 und an der Abendkasse zu haben. Köpenick. Zu einer Aussprach« über Gründung einer Konsumgenossenschaft waren am letzten Donnerstag die Vertreter der Partei und der Ge« werkschaften versammelt. Nach einer regen Debatte wurde beschlossen, unverzüglich mit den notwendigen Vorarbeiten zu beginnen. Von der Gründung eines selbständigen Vereins soll Abstand genommen werden. Zur Vornahme der erforderlichen Arbeiten wurde eine Kommission von fünf Genossen gewählt, ferner sollen in jeder Vor« stadt noch Bezirkskommissionen gewählt werden. Von der werk- tätigen Bevölkerung Köpenicks wird erwartet, daß diese nun der Genossenschaftsbewegung ein rege? Interesse entgegenbringt. Tempelhof. Die erste UebungSstunde der nsugegründeten Damenabteilung deS ArbeitergesangvereinS SangeSlust III findet heute abend 8>/, Uhr bei Becker, Berliner Str. 41/42, statt. Frauen und Mädchen, welche der Abteilung beitreten wollen, können sich daselbst noch melden. Markgrafpieske. In der letzten Gemeindeverstcterfitzung wurde beschlossen, daß diejenigen Ortseinwohner, die die ortsüblichen Bekanntmachungen nicht weiterbefördern oder in der Weiterbeförderung eine Verzögerung eintreten lassen, mit einer Geldstrafe belegt werden können. Der Gemeindevorsteher fordert in emem Antrag eine Entschävigung als Schiedsrichter, weiter will er die unnötigen Arbeiten bei der Jagd- Verpachtung entschädigt haben. Die Anträge wurden abgelehnt, da- gegen wurde dem Gemeindevorsteher die jährliche Entschädigung von 495 aus 600 M. erhöht. Der frühere Gemeindevorsteher hat das Amt des SteuererhcberS und des Standesbeamten mitverwaltet. Diese beiden Aemter werden jetzt gesondert verwaltet und verursachen der Gemeinde 300 M. Ausgaben. Der jetzige Gemeindevorsteher will beide Posten bei einer weiteren Erhöhung seiner Entschädigung um 200 M. mit verwalten. Um dies zu ermöglichen wurde be- schlössen, eine Petition an den Kreisaiisschuß. versehen mit sämtlichen Unterschriften der Gemeindevertreter, zu richten. Ob dem stattgegeben wird bleibt abzuwarten. Birkenwcrder. Dem grenzenlosen Unfug, der seit langem auch am hiesigen Ort mit den Forensen-Vollmachten getrieben wird, soll, wie es scheint, jetzt' etwas entgegengetreten werden. Schon vor 9 Jahren war der damalige Gemeindevorsteher darauf aufmerksam gemacht worden, daß die Wahlvollmachten stempelpflichtig seien. Unsere Ortsobrigkeit wollte aber nichts davon wissen. Jetzt muh wohl gelegentlich einer Revision der Steuerfiskus dahinter gekommen sein, daß man ihm hier immer ein Schnippchen geschlagen hat. Jedenfalls hat dieser Tage der Gemeindevorsteher, der für gewisse Kandidaten nie genug Wahlvollmachten bekommen konnte, an die diversen Wahlbcvollmachtigten der letzten Jahre eine Aufforderung ergehen lassen, die versäumten Stempelgcbühren(1,50 M. für jede Wahlvollmacht) nachzuzahlen. Bei der am 3. April 1911 stattge- fundencn Ersatzwahl zur hiesigen Gemeindevertretung hatte der Fabrikbesitzer Barton 90 Wahlvollmachtcn in der Tasche, die der Gemeindevorsteher Kühn unbesehen bei der Bildung des Wahlvor- standes mit in die Wagschale warf und die dadurch entscheidend für den Ausgang der Wahl wurden. Hoffentlich sind diese 90 Wahl- vollmachten bei der jetzt inszenierten Treibjagd auf Stempelsteuer- rückstände nicht übersehen wordw, Bernau. In der letzte« Stadtverordnetenversammlung wurde die Beschluß» fassung über den Ankauf des Bach-Drescherschen Terrains in einer Größe von HO Quadratmetern bis zur Abgabe eines entsprechenden Preisangebotes vertagt.— Die den D'Heureufefchen Erben ge- hörigen Wiesengrundstücke in einer Größe von 46 Ar 46 Quadrat« meiern sollten zum Preise von 3906 M. von dem Gärtnereibesitzer Busse erstanden werden. Da dieselben in unmittelbarer Nähe des Wasserwerkes gelegen find, beschloß die Versammlung, von dem ihr zustehenden Vorkaufsrecht Gebranch zu machen.— Bei den Ergänzungswahlen der städtischen Deputationen und Kommissionen wurden als Stadtverordnete in die Baudeputation Genosse H e I b i g, in die Feld« und Wegedeputation Genosse Knöschke, in die Beleuchtungsdeputation Genosse Salzmann, in die EinquartierungS« und Feuer« sicherheitSkommission Genosse Swabina gewählt. Als Bürger wurde in dieForstdeputation Genosse Wünsche gewählt. NowaweS. Eine gemeinsame Konferenz deS KartellauSschusseS mit den Gowerkschaftsvorständen, dem Wahlvereinsvorstand sowie dem Aufsichtsrat und Vorstand des Konsumvereins fand am Montagabend im Hiemkeschen Lokal statt, um über verschiedene den Konsumverein berührende Fragen eine Klärung zu schaffen. Es handelte sich vor allem um Prüfung der in letzter Zeit in den Kreisen der Arbeiter- schaft gegen den Konsumverein und dessen Geschästsführer vielfach erhobenen Angriffe und Verdächtigungen. Die sehr sachlich ge- führte Debatte ergab die völlige Haltlosigkeit der kursierenden Ge- rächte. Das Urteil der Konferenz fand in der nachstehenden Re- solution seinen Ausdruck:„Die am 12. Februar 1912 bei Hiemke tagende Konferenz der Gewerkschaftsvorstände, des Kartellaus- schusses, des Wahlvereinsvorstandes und des Aufsichtsrats des Kon- sumvereins für Nowawes und Umgegend untersuchte eingehend die im Umlauf befindlichen Gerüchte gegen die Leitung(speziell des Geschäftsführers) des Konsumvereins. Nach gründlicher Dar- legung der Sache durch den Aufsichtsrat des Konsumvereins zer fallen alle erhobenen Anschuldigungen in ein Nichts. Die Ursache des einen Falles, der zwar nicht völlig geklärt erscheint, jedoch in einer langjährigen Geschäftsführung kaum zu vermeiden sein dürfte, liegt aus rein verwaltungstechnischem Gebiet. Es liegt deshalb für die Funktionäre der Arbeiterschaft am hiesigen Orte kein Anlaß vor, der Konsumvereinsbewegung mit Mißtrauen zu begegnen. Die Konferenz beschließt daher, allen im Umlauf be findlichen Gerüchten mit der nötigen Energie entgegenzutreten und alle Kräfte einzusetzen, um der Genossenschaftsbewegung die ihr gebührende Größe zu sichern."— Allgemeine Befriedigung rief die Mitteilung des Aufsichtsrats hervor, daß die Verschmelzungs- frage mit dem Potsdamer Konsumverein so weit gediehen ist, daß ein dahingehender Antrag bereits der nächsten, im Frühjahr statt- findenden außerordentlichen Generalversammlung des hiesigen Vereins unterbreitet wird. Zwecks Werbung neuer Mitglieder soll ferner möglichst noch vor Ostern eine Warcnausstellung arrangiert werden. Zwei Unfälle ereigneten sich am Montagnachmittag beim Eisen- bahnbrückenbau im Zug« der Eisenbahnstraße. Infolge Abgleitens einer Eisenstange beim Hochdrehen einer Winde stürzten zwei Ar- beiter aus 4 Meter Höhe hinab und erlitten zum Teil schwere Ver- letzungen. Der eine der Verletzten, der Arbeiter Martin aus Pots- dam, soll sich eine Schlüsselbeinverrenkung und einen Schädelbruch zugezogen haben und mutzte deshalb in das Oberlin-Kreislranken- haus übergeführt werden. Potsdam. Die Berufsvormundschaft wurde vor etwa Jahresfrist eingeführt. Ihr sind alle unehelichen Krnder unterstellt. Nach dem Bericht deS Dezernenten für das Armenwesen, Stadtrats Jänicke, betrug die Zahl der Mündel in dieser Zeit 135. die durchschnittlich im Monat einmal vom Berufsvormund besucht werden. Die Zahlungsver- pflichtung des Vaters wurde in 71 Fällen erreicht, in 34 Fällen allerdings erst auf dem Klagewege. Ein Viertel der Väter aller unehelichen Kinder gehört demSoldaten- stände an; hier ist die Erlangung von Zahlungen besonders schwierig. In 9 Fällen konnten die Väter wegen des liederlichen Lebenswandels der Mütter nicht festgestellt werden. Im ganzen er- laugte der Berufsvormund 5953 M. Zahlungen für die Mündel, von denen etwa die Hälfte für diese sichergestellt werden konnte. Hiid aller Gleit Cln frommes Rezept. Man schreibt der Wiener.Arbeiter-Zeitung': Der unerträgliche Druck der Teuerung hat bei der Arbeiterschaft Hunger und Eni- behrung in erschreckendem Maße gezeitigt und zu ihrer Abwehr führt die Arbeiterschaft seit langem einen schweren politischen und wirk- schaftlichen Kamps. Aber das liegt nur, wie wir nun einsehen müssen, daran, daß die Arbeiter schnödestem Unglauben und schnöderer Völlerei verfallen sind. Vor uns liegt das Januarheft des.Christ« liehen KinderfreundeS'. einer.Zeitschrift zur Förderung christlicher Erziehung und Rettung der Jugend'. Auf Seite 20 steht zu lesen: Alle Welt klagt über teures F l e i s ch— nur wir Benedik« tiner vom katholischen Verein der Kmdersreunde regen unS gar nicht darüber aus; wir spüren nämlich von der ganzen Teuerung nichts. Wieso? Ganz einfach: Wir essen kein Fleisch. Die Welt ißt nicht nur zu viel Fleisch, sie ißt überhaupt zu viel. Wenn statt vierzigtägiger Fastenzeit 3k5tägige wäre — eS stünde unendlich besser um die Welt.... Der heilige Asratus. der im Jahre 300 starb, genoß täglich nur ein Stück Brot nach Sonnenuntergang. Um das Jahr 371 lebte St. Hilarian i'ech�Jahre lang von täglich fünfzehn Feigen und 3 Jahre von trockenem Brot. Eine ganze Reihe solcher Hunger« kiinstler lebte von Wasser und Brot, andere von Brot und Kräutern, der hellige Karl BonomäuS begnügte sich mit Schwarzbrot und Kastanien... Der.Kinder- sreund'-Lcser hat diese Beispiele dem ausgezeichneten Büchlein: .Die Kunst, mit sechzig Heller täglich auskömmlich zu leben' entnommen. Leser, kauft es! Probieren geht über Sludieren! Den klerikalen Mäßigkeitsaposteln fällt eS wohl nicht ein. nach dicker asketischen Leiste selbst zu leben; die haben sie nur für die Arbeiter als Rezept bereit, wenn diese über ihr elendes Dasein klagen I_ DaS Grubenunglück in Oberschleste«. Wie die Verwaltung der Litandragrube bei Antonien- Hütte mitteilt, sind noch zwei Bergleute auf der Litandra- grübe, die nachträglich als vermißt gemeldet sind und von der PauluS- grübe stammen, zu Tode gekommen. Die Zahl der Toten erhöht sich dadurch auf acht. Bisher war eS unmöglich, sie zu bergen, da die Grube vollständig verqualmt und ein Damm um den Brandherd gelegt werde» muß. Es wird daher bereits mit dem Unterwal' serfetzen der Grube begonnen. Die Unter- s»ch»ng Hai ergeben, daß der Brand durch Unvorsichtigkeit zweier Bergleute entstanden ist._ Schwere Folgen eines Selbstmordes. Eine furchtbare Gasexplosion ereignete sich am Montag in einem größeren Wohuhause in Gotha. Als das 20 jährige Dienstmädchen Karoline Völker morgens in die Küche kam und Licht machte, er- folgte eine gewaltige Detonation, wodurch die ganze Wohnung völlig demoliert und das HauS schwer beschädigt wurde. Die Frau des Reisenden Knaufs hatte sich nachts in der Küche mit Gas vergiftet, das kostete leider auch dem armen Dienst- Mädchen da» Leven; sie ist schwer verbrannt inS Krankenhau» ge- bracht worden, aber nach einigen Stunden unter gräßlichen Schmerzen g e st o r b e n. Knauff selbst ist alsbald wahnsinnig geworden. Zwei Arbeiter, die zuerst als Retter an der Unfallstelle erschienen, sahen durch eingestürztes Gebälk daS Mädchen brennend am Boden kauern, aber es mußte erst ein Weg zu ihr gebahnt werden. Die Milch der frommen Denkungsart. In dem pommerschen Dorfe S ch ö n e ck erhielt der Arbeiter Rein- holdWestphal vom Rittergutsbesitzer Höhne täglich einen Liter Milch. Weil er nun bei der Reichstagswahl nicht konservativ gewählt hatte, wie die Kontrolle ergab, hat man ihm die Milch- Zuwendung entzogen. Bei so schwerer Unbotmäßigkeit kann sich schon die Milch der frommen Denkungsart m gärend Drachengift verwandeln. Ein Finanzskandal mit politischem Hintergrunde. Unser römischer Korrespondent schreibt: In Florenz wird zurzeit über einen Millionenkrach verhandelt, der das ungeheuere Vermögen eines Graben Bastogi verschlungen hat. Bastogi war als freigiebiger Mann und Kunstmäcen seit langem bekannt, und um ihn hatten ssich zahlreiche Schmarotzer geschart, die von seiner Freigebigkeit und Geschäftsunkenntnis lebten. Unter diesen befand sich auch der ministerielle Abgeordnete Tar- giont, der in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt sich im Jahre 1902 erboten hatte, die Vermögensverhältnisse des Grafen zu ordnen. Damals hatte Bastogi rund 200 000 Lire Schulden, heute ist er durch Mitwirkung deS Abgeordneten Targioni so ausgewuchert worden, daßdasPassivum mehrere Millionen übersteigt. In- zwischen ist allerdings der Abgeordnete, der vor zehn Jahren gar nichts hatte, ein wohlhabender Mann geworden und besitzt eine Villa, die auf über eine Million taxiert wird. Der Prozeß, bei dem neben dem ministeriellen Abgeordneten mehrere mehrere Wucherer unter der Anklage des Betruges auf der Anklage- bank sitzen, erregt in ganz Italien großes Interesse. Kleine Notizen. Eisenbahnunfälle. Auf dem Bahnhofe Deutzerfeld bei Köln entgleiste am Mittwochmorgen ein Leerzug infolge falscher Weichen- stellung. Ein Eisenbahnbeamter wurde schwer, ein zweiter leichter verletzt,— Aus D e v i l s Lake(V. St. V. N.) meldet ein Telegramm, daß bei einem Eisenbahnunglück auf der Great Northern Eisenbahn zwanzig Personen verletzt worden sind. Wie man reich wird. Der Londoner Großkapitalist und Millionär H o o l e y wurde zu einer mehrjährigen Ge- fängniSstrafe wegen Betruges verurteilt. Hooley ist ein Associü des bekannten Millionärs F r e i g h t, der seinerzeit durch seine gewagten Spekulationen berühmt wurde. An einem Tage hatten die beiden eine Summe von zehn Millionen Dollar» verdient. Kesselexplosion auf hoher See. Der Kapitän des in Antwerpen eingetroffenen englischen DampferS»City of Lincoln' berichtet, daß sein Schiff auf hoher See von einer Kesselexplosion betroffen wurde. Sechs Mann der Besatzung haben bei dem Unglück ihr Leben verloren. Folgenschwerer Irrtum. DaS vor kurzem in Augustfehn (Oldenburg) zugezogene Ehepaar B u ch h o l z hat sich am Dienstag- abend im Nebel auf dem Wege nach seiner Wohnung verirrt und ist i» einen Kanal geraten und ertrunken. Die Leichen wurden geborgen. ßriefkaften der Redaktion. dt luristilqe e»»»siunde findet Liu»enstra»e KS, vor» vier rrevve» — F a d r ft u h l—, ioolvenia glich von vi? ly, Uhr adendS, KonnadrndS, von Ith vi» K Uhr abcndS ftat«. Jeder für den vricsfaften hrftimmtea Anfrage ist ein Buchfiade nnd eine Zahl als Merfzeichen detzufügen. Briefliche Antwori wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AbonnementSquittnng drtgefügt ist, werden nicht dcantwortet. Eilige Fragen«rage man tn der Sprechstunde vor. F. G. 51. Nein. Ncklamieren Sie.— H. K. 39. Ihre Schwieger- mutler soll sich a« die Versicherungsanstalt wenden. Der Hausbesitzer hat sür die letzten zehn Jabre nachzuklebcn.— E. H. 35. 1. Wenn die ge- schiedene Frau zustimmt, bat das Dispensgesuch, über das der Justiz- minister entscheidet, Aussicht aus Ersolg. 2. Die Inanspruchnahme wäre möglich. Der Ebevertrag ist anl zweckmäßigsten vor der Eheschließung beim Notar zu schließen.— ReichötagSwahl 1912. 1. Nein. 2. ES können noch Monate vergehen. Sie können erinnern. 3. Krankenkasscnleistungen sind eventuell abzugssähig. 4. Rentensestsetzung aus bestimmte Jahre er- solgt nicht.— F.(?. 101. Der Zinsbetrag allein unterliegt nicht der Ver- steuerung, ist aber dem etwaigen sonstigen Einkommen zuzurechnen. Nach- Veranlagung ist zulässig.— G. F. 56. Der Stempel beträgt 1 M.— M. H. 100. Ihr Sohn ist zum weiteren Schulbesuch verpflichtet.— —®. 33. Welche?— F. P. 103. Wenden Sie sich an das Bureau der Lithographen und Steindrucker, Engeluscr 15.— O. M. 1000. Heil- mittel im Bricskasten zu cmpschlen, wäre gewissenlos. Vertrauen Sie sich einem Arzt sür Nervenleiden an.— O. W. H. 1. lieber Privat- unternehmen geben wir keine AuSkunst. 2. Dies sind Fragen, die Sie mit einem Arzt besprechen müssen.— H. M. 18. Zentrale sür Auswanderer, Berlin W., Karlsbad 9/10.— L. W. Im Waisenhaus, Alte Jakobstraße 33/35.— N. K. 77. Biewald 1906.— N.®. 27. An daS Einwohner-Meldeamt in Breslau.— W. 91. 83. Naturalisieren.— P. 3. 200. In einem Spczialgeschäst sür Arbeitskleidung. � O. St. 60. Ja, es muß eine letztwillige Anordnung vorbanden sein, am zweckmäßigsten in Form eines Testaments.— F. N. 50. Fordern Sie vom Vermieter Nbhilse unter Setzung einer Frist. Nach etwa ersolg- losem Abiaus der Frist hat eine Klage aus Vertragslösung Aussicht aus Ersolg, sallS Sie Ihre Behauptungen beweisen können.— G. W. 1864. Nein.— P. L. 2. Nein.— W. 47. Antrag zunächst an den Landes« direktor, am zweckmäßigsten schriftlich. Gegen einen etwa ablehnenden Be- scheid können Sie die Entscheidung des VorinundschastsgerichtS anruscn.— Treptow 21. A. D. DaS Rauchen halten wir sür unzulässig. Sie können sich beim aussichtssührenden Richter des fragl. Amtsgerichts beschweren.— (8.®. 1*86. Die Armenverwaltung bat das Recht der Beschlagnahme.— Tegel, Schliepcrstr. 1. Leider ja. 2. DaS Ausbleiben von Besprechungen hat mit den Anzeigen nichts zu tun; die Stücke waren ohne �Interesse. � 9JI. ft. Kann nur nach Einsicht in den MietSvertrag beantwortet werden.— F. D. 11. 1. Ist davon abhängig, welche KündigungSsrist ver- einbart ist. Die vorzeitige Kündigung ist wirksam. 2. Nein. Die löschungs- sähige Quittung kann von einem Notar beglaubigt werden.— K. R. 100. 1. Ja.— 2. Nein.— H. L. 74. Nein/- Kunold 45. 1. Ja. 50 Ps, 2. 3000 M. sür jede Session. Für jeden Tag, an dem der Abgeordnete sehlt, werden 20 M. gekürzt. 3. Nicolai-Kirche.— I. R. 32. 1. und 3. Nein. 2. Ja.— 49 I. M. Sie können bei der Verheiratung durch Er- klärung vor dem Standesbeamten dem Kinde Ihren Namen geben. Die Unterhaltungspflicht des Erzeugers bleibt bestehen.— ll. 100. Nein— M, I. 23. Sie können, unter Setzung einer Zahlungssrist, die Ver- steigerung androben. Nach ersolglosem Abiaus der Frist kann ein Gerichts- Vollzieher mit der Versteigerung beaustragt werden.— Alfred 1. 1. Ja. 2. Nein.— 91. 8. 1. Anfrage beim lÄrundbuchamt. 2. Nein. Sie können Aushebung deS EinstellungSbeschlrrsses nach Ablauf der Frist beantragen. —». 21. 1. Ja. 2. Auch an Sic.- C. M. 1872. 1. und 3. Ja. 2. Nein. — 91. K. 13. 1. 50 Pf. 2. Nein.— P. S. 80. Für jedes Kalenderjahr 2 M., insgelamt, da aus 50-Ps.-Äeträge abgerundet wird, 4 M Fälligkeit tritt alljährlich nachträglich im Januar ein. falls im Mietsvertrag nichis anderes bestimmt ist.— 91. F., Neukölln. 1. Falls der Leihvertrag untcrschiicbcn ist, ist er bindend. 2. Die Grenze ist bei UnterhatlS- betrügen nicht maßgebend. ES kommt aus die Höhe Ihres Verdienstes und die Anzahl der unterhaltSberechtigten Famstienangehörigen an.— — Adlerssiof. Martha. I Ja, sofern der Frau nicht ein Scheidungs- grund zur Seite steht. 2.-ein, da die Tochter älter als 13 Jahre. —<9.37. S c, soscrn nicht Lieferung ins HauS vereinbart.— R. 54. Nein. Erni, Schmidt. FamUiensragen kümmern ups nicht. Unseres Wissens bei keinem Abgeordneten.— N->00. Der Zeitansang ist unS nicht be- kannt.— P. B. 1. l. Reichstagsabgeordnete bezicben 3000 M. jährlich Aliswandsgclder, LandtagSabgcordnete Sitzungsgelder 15 M. 2. Nein.— 90. B. 88. Direktion der Hoch-»ud Untergrundbahn Verlin, Kötbener Straße 11/42.— Iah» 260. Das kommt wesentlich aus die Fähigkeit des Knaben an. Sie spreche» am besten mit seinem Klassenlehrer.— 3. 3. 100. Ohne Kenntnis Ihres früheren Schreibens und unserer Antwort nicht ver- ftändlich.— Ernst 44. Ja.— E. M. 1. Sie persönlich sind nicht »hlungspflichtig.— W. 42. Lateinische, Ueberbleibsel aus dem römischen öntgtum Das Aujlöjungsrecht des Blindesrats ist durch Gesetz nicht be- Ichränlt. Marktbericht von Verlin am 13. Februar 1312,»ach Ermittelung deS köntgl. PolizetprästdiumS. Markthallenpretse.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36,00— 50,00. Speis ebohnen weiße. 36,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 10,00—15,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40— 2,50. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 4,50—7,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,00-2,40. Aale 1,20—3,00. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40—2,60, Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 4,00—30,00._ WittcrungSübersicht vom 14. Februar 1912. Stationen Swlriemde, Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien 763 761 »§ c E if OSO SO 762 O 760' Still 76238 762>NO Wetter 2 bedeckt 3 Nebel 2'bcdcckt Nebel halb bd, bedeckt w« ft!! Wio — 1 1 0 1 0 2 Stationen Haparanda Petersburg Scillh Aberdeen Paris Wetterprognose für Donnerstag, de« 15. Februar 1912. Vorwiegend nebelig ober wolkig mit leichten Schneefällen und ziemllch frischen süddwestlichen Winden; Temperatur wenig verändert. Berliner W e t t e rb u re au. Waffcrstands-Nachrichte» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel.—•) Eisstand. H Eisfrei. MM der Sattler u.Poi1efeuiller Ortsverwaltung Serlin. ReiscilMtl- nnii Porteftuillesbraiilht! Heute Donnerstag, den IS. Februar. abendS 6 Uhr. im Lokal Dresdener Str. IIS: Vertrauetisttiätmer-VersantinUmg. Tagesordnung: Die neue Arbeitsordnung der Fabrikantenvereinigung z WM- Jede Werkstatt muß vertreten sein. 156/6_ Die Branchenlettnng. Orts- Krankenkasse der Möbelpolierer. Den Mitgliedern und Arbeitgebern zur Kenntnisnahme, daß die Zahl- stelle Osten, Blumenstr. 48, nach Große Frankfurter Straße 16 bei jlterkniann verlegt ist. 871/3 Der Toratand. Stoffe Paletot Mir. 3— Loden"sür Pelerinen Mir. 1,50, 2,50. Tuchlager Kech 4 Seeland G. m. b. H. Reste z. Anzug, ler Oerlramtaslr. 20/21 Petrikirohe. Dr. Felix Taenöler, Frauenarzt, 24/8 jetzt: Rankestraße 3, Z. a. d.KaiB.-Wilh.-Gedäohtn.-Kircho. Sprachst. 4-51/,. Tel. Charlttbg. 743. Ämbul.Landsbrg.St66/67,wie bish. t große Auswahl! Gebbers, esendnrg(Mark). 23/>8' Willi Ernst, Kipenicker StraSe 65 b, I. Amt Mpl. 14089. Gr. Auswählt Bill. Preise! 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Charlotltnbiirg. 27, Januar bis 17. März Eintritt frei! Donnerstag: Großes Militär-Konzert Theater und Vergnügungen D»nn«rstag, 14. Februar ISIS. Ansang 7 Uhr. ftgl. Schauspielhaus. Hamlet Ansang 7*/, Uhr. Sgl. QPernhauS.©tt jonielonjett Deutsches. Faust. 1. Teil. 2jirkuS Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Schumann. Gala-Bor- stelluna. Havcrland. Spezialititten. Ansang 9 Ubr. Urania. Danbcnstrasse 48/49. Der Groszglockner, Gastein und die Salzbnrgcr Alpen. ReueS. Der itebe Auguftin. Uammerspiele.' Sine glückliche She. Lcsjing. Erde. Komtesse MIzzi. Neues Schauspielhaus. Ueber unsere Krast. 2. Teil. Residenz. Alles für die Firma. Kur fürfteuaper. Der Schmuck der Madonna. ttomtiche Oper. Rigoleit». Westen. Wiener Blut. tsustspielhaus. Die Dame» de» Regiments. Kleines. LottchenS Geburtstag. Gcntz und Fanny El stier. Hocken- jos. Berliner. Grost« Rosinen. Neues Lverrtren. Eva. Schiller V. Der Weg zur Hille. Schlller. lsharlottrnvurg. Der Probepscil. flriedr.. Will». Schauspielhaus. 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Sonntag, nachm. 8 Ubr: Der ProbcbandlaAt, Sehiller-Tbealer Ch~" Donnerstag, abend» 8 Uhr: Der Probepfeil. Freitag, abends 8 Uhr: Orftfln Lea. Sonnabend, abend« 8 Uhr: Der Probepleii. Sonntag, nachm. 8 Uhr: Don Carlos. Berliner Theater. Abend» 8 Uhr: Große Rosinen. Abend» 8 Uhr: Die 6 Frankfurter. Nenes Theater. Abend» 8 Uhr: Der liebe Augvsti«. Sonnt. 3'/. Uhr: Der fidel* Baier. Theater des Westens. Abend» 8 Uhr: Wiener B l«t. Sonnt. 8'/. Uhr: Ein Walzertramn. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in 3 Akten von M.Hennequin it(ö. Mitchell. In Szene gesetzt und jür die deutsche Bühne bearbeitet von Boiten-BaeckerS. Morgen u. jolg. Taget Silo» s.d. firm». Lnisen-Theater. Donnerstag: Tomnierspuk. Freitag: Der Verschwender. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Schnee- weiftchen und Rosenrot. Abend»: Sommcrspuk. OSE-THEATE Graste Franksurtcr Str. 132. Abend» 8 Uhr: Salon und Kloster.!� Vollslchauspiel w b Akt.v. Georg Horn. Freitag: Der Spielteufel. Konnabend nachm. 4 Uhr: I» Zanbcrtaude Rübezahls. Urania. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Der Großglockner, Gastein und die Saizburger Alpen. Sternwarte, Invalidenstraße 57— 62, (71/,— 10 Uhr) Saturn, Orionnebel usw. BelJe-Ällianee-Tiiealer. S'l, Uhr: Drittlefttes Gastspiel Ferd. Bonn in„Napoleon Bona- Parte und seine Frauen.« Metro pol-Tlieater, Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Die Nacht von Berlin! Grost« JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ab 8 Uhr: Ein sensationeller Erfolg des neuen komisch. Programms 8 für Berlin neue DcbutS mit dem Tagesgespräch von Berlin: ]*aiiK Beckers Grotesk-Komiker. UM Ein neuer Sensationserfolg �Aie man� Männer bessert. L Akte mit den Autoren tn den Hauptrollen. Hierzu die Novität: Der Ifjausteufcl. Ansang 8 Ubr. Billettvorverknus 11—2 sTheaterkaffcl Passage-Thoater. Schnelder-Duncker Carl and Lotty die berühmt. Exoentr.-T&nzer. Luise Schäfer Vortragskünatlerin. The Hevaldos Truppe d. best SohleuderbreU-Akrob. und d. Febr.-Qlanzprogr. 14 erstkl. Spezialitäten. Das LoDdoner Mirakel Die Frau.,. Ntt Kanne! Befreiung aua d. Wassergrab. Lebend! Lebend l Faklr-Truppe 16 Personen in ihren religiösen Hartyrer-Prodnktlonen Wochentags 4— 7 Uhr: Lichtspiele Ohne Extra-Eniree. Triauon-Theater. Täglich abendS 8 Uhr: vlls kleine Cai£. „CLOU" \ Winterfest � Sonntag;, den 25, Febrnar, abends 7 Uhr, in Kellers STener Philharmonie. Beethoven- Konzert ausgeführt von der Berliner Sinfonievereinigung Leitung: Leo Schratter.holz. Pestmarken a 60 Pf. sind in allen Zahlstellen erhältlich. fessing- Theater 8., 14., 21. April: Wenn der junge Wein blüht Thalia-Theater Greinz: DieTtiurnbaclierin jlbendabteilnngen Hebbel: Hsiligenwald. Neues Schauspielhaas Bjömson: Ueber unsere Krafl 2. Toll. Besidenz-Tbeater Emil Augier; Die arme Löwin. Jfermfeld-Theater Sven Lange Simson und Delila. pflf Die Mitglinder d. Nachmittags ab teil nngren können zu den Wontafifabendvorstellnn�en im Neuen SchauspieUbause Gastkarten a 1.30 M. beim Obmann im Theater(7— 8 Uhr) erhalten. 242/6 -»—■■ UM!■ AmDobnbockl_____ K i s- A r e n a. Nachmittags: MUltftp- Konzert. Kunstlauf- Produktionen. Abends die Novitäten; Tänze a. d. Eise, Rheinländer. Russisch, Engl, , Alt-Wiener Walzer und■ Die kleine Charlotte.l Der norwegische Meister f Harry Punlacn sowie d. prächt. Eisballett Alpenzanber. /Bis 6 Uhr und von 10*/, l I Uhr halbe Kasscnproise. j Restaurant I. Ranges. Berliner Konzert'Haus. Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90/91. Großes Konzert« S" Ä Anstich von 3 Känigsbräu, dem käetllcheten aller MOnchener Doppelbiere. Anlang 8 Uhr. Anlang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachmittags: Gr. Promenaden-Konzept bei freiem Eintritt. Hippodrom' Palast. Potsdamer Str. 72. Früher Sportpalast. IGrößte Schau Berlins! IGrößte Schau der Veit! Eröffnung Mittwoch, 21. Februar, 8 Uhr abensls* Foiies Caprice. Täglich 81/, Uhr: Losgelassen. Waffen Übung. MandelblüthS Polterabend. 3� 3�C Zentral-Verband lerZimtnerer Zablftelle ßerUn und Qmgcgetid. Sonnabend, den 17. Februar, in den festlich dekorierten Sälen der„Aktien-Brauerei Friedrichshain'4(am Königstor): Großer Wiener Maskenball 4 Musikkapellen.— Die neuesten Vorführungen. _ 254/3* Alle Mitglieder, deren Angehörige sowie Freunde u. Bekannte sind hiermit frenndl. eingeladen. r'nlaRkarfon a RH Pf(Kinder unter 14 Jahren sind frei) sind in den Bezirkslokalen sowie LlllldDnollcll Q 0U ri, im Verbandsbureau in Empfang zu nehmen. Der Vorstand. 3�C Walhalla-Theater Zirkus A. Hchnmann AUabendlich 71/, Uhr: Gala-Voratellnng mit reichhaltigem Programm u. a: Auftreten von Dir. A. Schumann.— Gebr. Webb.— FrL Dora Schumann u. sämtliche Attraktionen.— Das neueste, grollte, nicht zu übertreffende Ausstattungsstück Das Motorpferd in 5 Akten. 1. Akt: Im Berl. Schlächterladen. 2. Akt: Leben und Treiben vor einem Warenhaus. Aufziehen d. Regimentsmusik. 3. Akt; Im Innern dos Warenhauses. 4. Akt: Auf d. Trabrennbahn in Weillensee. Zirkus Hasch Donnerstag, den 15. Februar 1912, abends l1/, Uhr: GaIa-8port- Abend. Forteetzung der japanischen Sportspiele. Jln-Jitaa und Ringkämpfe. Um den Unterschied der japanischen Kampfmethode su zeigen, werden vor den japanischen von jetzt ab auch griechisch-rimische Ringkämpfe ausgeführt werden!(Die jeweiligen Namen der Ringer im Programm.) Um 9'/, Uhr; Die Hexe. Gr. Volks-Manege-Schauspiel. Am Rotenthaler Tor. Direktion: Jamea Klein. Weinbergsweg 18. Morgen abend S1]* Uhr: Premiere des gewnlilp/sten nnd afctnellsten Stückes der Hegenwart Menschenrechte Großes soziales Volks- Ausstattungsstück mit Gesang und Ballett in fünf Akten von Hax Heicliardt. In Szene gesetzt vom Direktor James Klein. 1. Akt: Die Geheimnisse im Privatkomtoir. 2. Akt: Die Massenprotestversamm- lung. 8. Akt: Im Balls aal Am Rande des Abgrundes. 4. Akt: Arbeit nieder! B. Akt: Ein Gottesgericht. 2980b Die Kasse ist von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends ununterbrochen geöffnet. Ca sino-Theater Voigt Theater. Lothringer Str. 37. Attsang 8 Uhr Der gröftte Dheatererfolg! Täglich ausoerkanst. Drr Kampf nms Daftin. Aktuell! Dem beutigen Leben ent- nommen.— Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Ter selige Hollschinsky. Donnerstag, den 15. Februar: Gastspiel in FBllmantis Theater. Madame Bonivard. Volksstilck in 3 Akten von visson. Kassencröffnung 7, Ansang 8>/, Uhr. ,oi3ww«i Neue Welt.— �l arrasaml Schönhauser illee. Telephon: Nord 4100.1 Allabendlich T Arnold Scholz. llascnhcide 108-114. 2 Uhr: Bente Donnerstag, den 15. Februar 1912: WM" Elltctag."WD Mamcnprämiicrnng. Prämiiert wird: Das kleinste Ohr. _ 3 bare Geldpreise 50,—, 30,—, 20,— Mark. DM- Anmeldungen bis 10 UW abends an der Kasse. 30 bayHsehe Madl. 5 Kapellen. Ä Ä:| Das berühmte pantomimenlose CirCUS-Prograim Galerie 40 Pf., III. Platz 70 Pf., II. Platz 1,20 M., | I. Platz 2 M., Parkett j 3 M., Loge 4 M. Vorverkauf a. d. Circug- J kasao und an sämtlichen. I BUIettverkaufsstcllen von| A. Werthelm. ! Der Vorverkauf b. Sonnt. emsohL beginnt beute. Königstadt-Kasino. Ecke Holzmarkt- u. Alcxanderstrahc Täglich BarietA und Theater. Vom I.— 1«. Februar Riesenprogramm. In jeder Borstellung: O Dn dunkler Punkt. O Burleske mit Gesang in 2 Bildern. Relebsballen-Tbealer. Stettinor Sänger. Weak Mcn) Pantoffel-Helden. Burleske v Rcichardt. Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. MIüds Fest-Säle DennewitzstraBe 13. Jeden Donnerstag: Canzhränzcben und Vodbiertrnbcl. bei freiem Enirec. C. MlBIe. Concordla- Festsälp.. Inh.: M. Wendt 4 A. Schütze. 64 Andrcosstraße 64. Jeden Donnerstag; Große Soiree d. allgemein beliebten und bekannten Hofimaiios Säuger. Direktion Fr. Fanther Heute: Die beiden Herren Leutenants. Sohwank in 1 Akt. Anfang 8 Uhr. Ä.'.": Jrei-Tsiit Verzugekartea haben 8Qltigkelt Leranlwortlicker Redakteur: Albrrt Wachs. Berlin. Für den Inseratenteil oerantw.: Th. Glocke, Berlm. Druck u. Verlag: Vorwärts ivuchdruckere» u. Verlagsanstalt Paul Singer u-To, BerUoLW. ZK. 38. 29. IahrglMg. 3. KkilW des„Poniiirli" ßrrlinrt{lnlliütilaft. Donuerslag. 15. Februar 1912. Hus der parteL Aus den Organisationen.. Der sozialdemotratislbe Wahlverein Mr den 12. sächsischen Wahlkreis iL e ip z i g- S t a d t) hielt am Dienstag im Bolkshause seine Halbjahrs-Generalversammlung ab. Aus dem Borstandsbericht ist hervorzuheben: Die Anstellung eines besoldeten Hauskassierers hat sich bewährt. Für die grauen wurden Leseabende geschaffen. Die Bibliothek zählt gegenwärtig 8000 Bände. 600 M. wurden für Bibliolhekzwecke aufgewandt.«Der Jugendverein nahm einen erfreulichen Aufschwung. Dem Wahlverein gehören 3900 Mitglieder an, darunter 54 weibliche. Die Kaffs hatte im zweiten Halbjahre 1911 eine Einnahme voii 18 323,17 M. und eine Ausgabe von 7688,92 M. Zur Agitation wurden 16 große Versammlungen innerhalh des Stadlgebiets abgehallen, 27 verschiedene Flugblätter in einer An- zahl von 850 000, ferner 155 000 Handzettel, 18 verschiedene Plakate in einer Auslage von 26 350, 22 000 Broschüren und 417 986 Druck- fachen, Zirkulare, Karten usw. verteilt. Die Gesamtkoslen der Reichstagswahl betrugen für den 12. Kreis 13 344,72 M., die vom Berzirkswahlfonds und zum Teil aus der Kreiskasse gedeckt wurden. Wenn trotzdem der Wahlkreis nicht erobert wurde, so dürste dies auf die brutale Kampfesweise unserer Gegner zurückzuführen sein, die es sogar fertig brachte, unseren Genossen Cohen wegen seiner Kandidatur aus zwei Geschäften zu maßregeln, jedenfalls in der Erwartung, ihn dann abgetan zu haben. Die Stimmenzahl bei den Reichstagwahlen stieg von 14 366 im Jthre 1907 ans 17 525 im Jahre 1912._ Das sozialdemokratisch-fortschrittliche Stichwahlabkommen. Mit dem bekannten Stichwahlabkommen beschäftigte fich am Sonnlag eine Konserenz der Parteifunktionäre des Wahlkreises Merseburg-Ouerfurt. In einer einstimmig angenommenen Resolution wurde gegen das Stichwahlabkommeu Protest erhoben, .das den Kreis Merfeburg-Querfurt über dem Kopf des Kreis- Vorstandes hinweg den Gegnern auslieferte'. Weiter beschloß die Konferenz die Anstellnng eineS Sekretärs für die Kreisorganisation. Kommunal wahlerfolg. Bei der Gemeindevertrete rw cht in Kloppenheim Bei Wiesbaden siegte in der dritten Klasse die sozialdemo- kratische Partei, trotzdem die Wahlzeit von 2 bis 4 Uhr nachmittags festgesetzt war und viele unserer Arbeiter dadurch! einen halben Tag versäumen mußten. Als die Bürgerlichen sahen, daß die Arbeiter Mann für Mann anrückten, beteiligten fie sich gar nicht mehr an der Wahl._ Der Rastatter DenkmalfondS. Im Jahre 1911 vermehrte sich der Bestand dev Fonds, der für die Grabstätte der Standrechts opfer bestimmt ist, nur um den Zinsbetrag des Kapitals, da keine neuen Beiträge gespendet wurden. Die Ausgaben waren die üblichen. Der Saldovortrag bezifferte sich am I.Januar 1912 auf 1086,22 M. gegen 1067,02 M. im Borjahre. Ausgegeben wurden für Bckränzunz des Denkmals und für Unterhaltung des lebenden PsianzenschmuckeS 20 M. Wir empfehlen den Parleigenoffen, welche dem Fonds etwas zuwenden wollen, die Märzfeier dafür zu benutzen. Zahlung« sind zu richten an Herrn Franz Peter in Achern(Baden), der den Fonds ver- wallet. Adolf Geck. Eine französische AgitationSschule., Die Sozialistische Schule in P a r i S hat einen Unterricht für Agitatoren eingerichtet. Er wird von besonderen Leiwen, von Ab- geordneten und Journalisten erteilt und zerfällt in einen theoretischen und einen prokliswen Teil. Der erste liefert das AgitaiionS- Material: Geschichte, Tätigkeit, Organisation der Partei, Ge« werkschastS- und Genoffenschastswefen, die entgegenstehenden Bor- urteile, die gegnerischen Theorien. Der zweite, der sich an einen engeren Kreis zur Mitarbeit verpflichteter Genoffen wendet, be- handelt die Methode: Beschaffung von Material, Disposition von Artikeln und Referaten, Diskussion. Die Schüler, sollen hier eigene Arbeiten liefern, deren Kritik und Erörterung in den Unterrichtsstunden erfolgt. Die Kurse, deren theoretischen Teil Ge- noffe M. R o l d e s. den praktischen E. P o i s s o n übemommen hat, umsaffen 15 Abende, die auf 5 Wochen verteilt sind. Parteiliteratur. Soeben ist im Berlage der Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H., Berlin SW. 68, erschienen: Die Sozialdemokratie und die Wahlen zum Deutschen Reichstage von Paul Hirsch und Bruno Borchardt. Das Werk gibt zunächst einen geschichtlichen Ueberblick über die gesamten Wahlen vom Jahre 1867 bis zum Jahre 1912 unter besondererer Berücksichtigung der sozialdemokratischen Beteiligung und Erfolge. An der Hand von fünf übersichtlichen Tabellen wird über das Slimmenverhältnis, die Parteiverteilung, die Abgeordnetenzahl usw. Aufschluß gegeben. Daran schließt sich ein Verzeichnis aller Wahlkreise, die zurzeit sozialdemokratisch vertreten sind oder schon einmal im Besitz unserer Partei waren, ferner ein Verzeichnis der jetzigen sozialdemokratischen Abgeordnelen und ihrer Wahlkreise. Eine vergleichende Uebersicht der Reichstagswahlen von 1903, 1907 und 1912 für alle Wahlkreise zeigt die Verschiebung der einzelnen politischen Parteien: die Ersatz- wählen seit 1907 haben besondere Berücksichtigung gefunden. Dem Werk ist eine Karte Deutschlands beigegeben, die in verschiedenen Farben den Besitzstand der Parteien im Reiche angibt. Das Buch ist jedem, der sich über die politische Struktur Deutschlands informieren will, ein zuverlässiger Ratgeber. Der Preis beträgt 1 M. Jugendbewegung. Die Christlichen auf dem Jugeudfaug. Die Ausbreitung der proletarischen Jugendbewegung hat die geistigen Häupter der christlichen und nationalen Vereinchen in nicht geringen Schrecken versetzt und so suchen fte denn mit den ver- zweiseltsten Mitteln ihre Schäfchen vor der neuen Erscheinung zu retten und die Existenzberechtigung der bürgerlichen Jünglingsvereine zu beweisen. Herr Lizentiat Mumm, der Schwiegersohn StöckerS und Erbe des antisemitischen Parteigerümpels, ist besonders sieberhaft tätig, die Jugend der Arbeiterschaft für seine Zwecke zu ködern. So halte er denn am Dienstag wieder eine Versammlung nach dem G e- werkschasthaus am Engelufer einberufen mit der TageS- ordnung:»Christliche und sozialistische Jugendbewegung'. Trotz ihres großen Apparates, der ihnen zur Verfügung steht, konnten die Christlichen noch nicht einmal den dritten Teil des Saales füllen. Darum mochten sich die Beranstalter auch steuen, daß ein Teil der freien Jugendlichen so gutmütig war, durch, seine Anwesenheit über die gähnende Leere des Raumes hinwegzuhelfen. Wer aber geglaubt hatte, eine übersichtliche, großzüge Darstellung der Ursachen und Entwickelung dieser beiden Richtungen in der Jugendbewegung zu vernehmen, der wurde kläglich enttäuscht. Der Referent, ein Herr Inspektor I l g e n st e i n, hatte einen prall gefüllten Zitatensack mitgebracht, den er im Verlauf von 1'/« Stunden über die geduldigen Zuhörer ausschüttete. Aussprüche von bekannten Sozialdemokraten, Parteitagsbeschlüffe und Resolutionen, Auszüge aus Broschüren und aus der„Arbeiter- Jugend' sowie Gedichte und Lieder sollten beweisen, daß die»rote' Jugendbewegung, wie der Herr sie ständig nannte, antireligiös, revolutionär, sozialdemokratisch, ja selbst nihilistisch(I) sei. Dieselben Leute, die ihre Zusammenkünste mit den christlichen und nationalen Jugendlichen ständig mißbrauchen zu ausgesprochen politischen Zwecken, jammern über die schlechten Sozis, deren Aufgabe eS an- geblich sei, die proletarische Jugend politisch zu verseuchen. Trotz aller Zitate und Aussprüche gelang es aber dem Referenten nicht, den Nachweis zu führen, daß in den Versammlungen der steien Jugendbewegung Tagespolitik getrieben werde. ES hals auch nichts, daß Freiligrath, Henckell, ja jelbst der arme Schiller als Aufrührer und Fürstenmördverberrlicher aufgeführt wurden, bei un'erer an- wesenden Jugend löste dies nur ein spöttisches Hu�hu und eine unbändig« Heiterkeil aus. Daß die Interpreten und Nachfolger des sanstinüligen Nazareners den Krieg verherrlichen, ist selbstverständlich. Sagte doch der Referent mit Emphase: ohne den Krieg 1870 wäre unsere glänzende wirtschaftliche Entwickelung nicht zu verzeichnen I Auch die»blutige Rosa', die vor 3000 Jugendlichen im Walde ge« sprachen habe, kam an die Reihe und die Folgen dieses Vorganges wurden in den düstersten Farben geschildert. Daß die glänzend redigierte»Arbeiterjugend' und Heinrich Schulz' s prächtige Broschüre nicht bester wegkamen, versteht sich. Der alte Trick, nur 15 bezw. 10 Minuten Redezeit zu ge« währen, verhinderte, daß den Herren eine gründliche Abfuhr zu- teil werden konnte. Immerhin mußten sie auch in dieser kurzen Zeit manch schmerzhaften Hieb in Kauf nehmen, die ihnen von einigen Genossen und Jugendlichen verabfolgt wurden. Ein nicht neues, aber wertvolles und bezeichnendes Zugeständnis entschlüpfte einem der christlichen Führer;' auf eine» Zwischenruf entgegnete er:„Ja, wir schießen auch auf Vater und Mutter, wenn die von Gott eingesetzten Autori- täten bedroht werden!" Der Herr hat sicherlich nur wenig geschichtliche Kenntniffe, sonst müßte er wissen, daß nicht nur Christus und seine Anhänger die von Gott eingesetzten Autoritäten bedrohten und darum büßen mußten, sondern auch die Kirche schon den Fürstenmord gebilligt hat und die jüngere Geschichte zeigt, daß selbst fromme Parteien zeitweise sich des Vorwurfs, Feind: der irdischen Autorität zu sein, zu erwehren hatten. Was sonst noch an Unsinn von den Christlichen produziert wurde, wollen wir übergehen. eS wäre schade um den Raum. Hervorheben wollen wir aber noch den Ausspruch des Herrn Mumm, daß die Jugendbewegung der„Roten" eine großartigen Entwickelung auf- zeige. Zuletzt stellte sich einem unserer Genossen ein alter weißbärtiger Herr, der bei der Aufzählung all der Schandtaten der roten Jugend- bewegung immerfort„Hört! hört!" gerufen und sich als treuer Antisemit zu erkennen gegeben hatte, als Bruder unseres in Amerika verstorbenen Genoffen Sorge vor, dessen Briefwechsel mit Marx und anderen Altmeistern der Sozialdemokratie bekannt ist. Der Herr zeigte damit, wie weit zwei Brüder nicht nur räumlich, sondern auch geistig und politisch auseinander kommen können. Versammlungen. Für alle bei der Auergesellschaft Abteilung A. R. Feuer- und Exportgesellschaft beschäftigten Personen fand ein- Versammlung in den„Comeniussälen" statt. Hauptsächlich wäret! es weibliche Besucher, die dem Rufe gefolgt waren, zumal ja auch in dieser Branche sehr viel Frauen beschäftigt sind. Die Löhne dieser Arbeiterinnen sind im allgemeinen nichts weniger als gläu- zend. Löhne von 9 M. an pro Woche sind zu verzeichnen. Die hygienischen und sanitären Zustände in den Betrieben lasten in der Regel viel zu wünschen übrig, um so mehr, als einzelne Be- schäftigungen äußerst ungesund und schädlich sind. Die Tempera- tur in bestimmten Arbeitssälen beträgt oft bis 65 Grad. Die Re- ferentin führte den Anwesenden mit beweglichen und eindrinz- liehen Worten all diese Tatsachen vor Augen und wies auf die uu- umgängliche Notwendigkeit hin, sich gewerkschaftlich zu organisieren, sich in die Kampfesorganisation einzureihen, als den einzigen Weg, ihre mißliche Lage zu verbeffern. In der Diskussion wurden noch mancherlei Mißstände be- sprachen. Der Besuch von Betriebsversammlungen wird von den Betriebsleitungen durch die verschiedensten Maßnahmen zu hinter- treiben versucht. Auch wurde geklagt, daß den Leuten nicht vorher gesagt wird, wie lauge an den folgenden Tagen gearbeitet wird. Die Kantinenverhältniffe wurden ebenfalls einer scharfen Kritik unterzogen. Die Speisen sollen manchmal in einer nicht gerade appetitlichen Perfassung sein und auch nicht mit den sonst üblichen Preisen in Einklang stehen. Gefragt wurde fernerhin, was mit den nicht unerheblichen Strafgeldern geschehe, die abge- zogen werden. Des weiteren wünschen die Beschäftigten zu Wiste». warum sie jeweilig bestraft worden seien, damit sie sich gegen un- berechtigte Bestrafungen zur Wehre setzen können. Die BeHand- lung der Arbeiterinnen durch einzelne Vorgesetzte soll derartig sein, daß es kaum wiederzugeben ist. Eine Monopolisierung geht zurzeit in der Glühstrpmpfbranche vor sich, indem die Auergesell- schaff einen Glühstruwvfbctrieb nach dem anderen aufsaugt. Isi#, so mehr müßten die Arbeiter und Arbeiterinnen ihre BerufSorgani. sation ausbauen und für den verband werben. Wenn einzsft«!- Meister den Arbeiterinnen erklären, sie würden sofort ent- lassen, wenn sie sich organisieren, so sollten sie sich dadurch nicht abhalten lasten, ihre Pflicht zu tun, durch straffe Einigkeit könnten sie am besten solchen Drohungen begegnen. Eine Arbeiterin führte aus und die Versammlung bestätigte es, daß von jeder Arbeiterin, ganz gleich was fie verdiene, jeden Sonnabend ein„Scheuer- groschen" abgenommen werde. Der Versammlungsleiter er- klärte den Anwesenden, daß sie zu dieser Abgabe nicht verpflichtet seien. Die Arbeitsräume zu reinigen sei Pflicht der Unternehmer. Ärbeiter-Samarlter-Kolonne Friedrichshagcn. Heute, Donners- tag, den 15. Februar, abends 8'l, Uhr. Friedrich slr. 60(Fugendheim): Vortrag über:»Pbvfiologie-. Neue Teilnehmer können noch eintreten. eine neuartige fjaiiöbaltfeife von fabelhafter Maschkraft. Die Kavon-Seife wird nach einem ganz neuen Verfahren gewonnen. Bekanntlich sind die Seifen, die jetzt meistens zur Wäsche benutzt werden, mit Hilfe von Natronlauge oder Soda hergestellt. Es sind das die sogenannten Kernseifen. Die Kavon- Seife ist dagegen eine Kaliseife. Schon seit undenklichen Zeiten ist den Seifensiedern bekannt, daß Kaliseifen die weitaus besten für alle Haushaltzwecke sein würden, nur gelang es lange nicht, solche Seifen in festen Stücken zu erzeugen. Nach langjährigen Versuchen ist es uns nun endlich gelungen, reine Kaliseife ohne fremde Zusätze in dauernd festen Stücken herzustellen, und wir bringen unsere Seife unter dem Namen Kavon-Seife in den Handel. Ler ungeheure Vorzug der Kavon-Seife besteht darin, daß sie die Wäsche absolui nicht angreift nnd die Tarben schont, nnd was erstannlich ist, daß man auch alte empfindlicheren Sachen, wie Wollsachen, feinere Spitzen nnd Gewebe, Gardinen usw. mit der Kanon- Seife waschen kann, ohne daß das sonst immer so ärgerliehe Tarbevertieren, Sinlaufen, Verfilzen oder Verbleichen eintritt. Dabei ist die Seife von einer sehr großen Ausgiebigkeit, die sich schon bei ganz leichtem Aufstreichen in der mächtigen Schaumbildung zeigt. Starkes Aufdrücken wie bei anderen Seifen ist unnötige Verschwendung! Bei richüger Behandlung muß man mit halb SO viel Seife wie sonst auskommen. Es ist jeder Hausfrau aufs dringendste anzuempfehlen, unbedingt einmal einen Versuch zu machen, und sie soll zu diesem Waschversuch empfindlichere oder besonders verschmutzte Sachen nehmen. Alan wird die Wäsche nicht wiederorkennen, so sebön ist sie geworden. Ein Stück Kavon-Seife(Preis 20 Pfennig) genügt zu diesem Versuch vollständig. Mt einem Stück Kavon-Seife kann man einen ganzen Haufen Wäsche und. andere Sachen waschen. Wer mit Kavon-Seife einmal gewaschen hat, nimmt keine andere Seife wieder. PloyQ opiAfwJV /ßnvtüvi-tv�v awA (fiot�tfni�tufT *&vw CfrfcM Atuytt�i/£} Verkäufe. Tcppiche(Karbensehler) CSelegeit« heitskmls. gabviflager Mauerbafi. Nur Große �ranisurteritrahe 9, Flur- cingnng. Gegründet 1874. Vorwörts- lejern 10 Prozent. Lonntags geöfinel. Ttcppdeckc» billigst Fabrik. Große Franksurleritratze 9, Flureingang. «Sardinenhaiis. Gtoge Frank« furlerilratze 9. Flureingang. 2491K' Glossen zu Aves Guoots und Sigismund Lacroix'.Die wahre Ke- stalt des Christentums', von August Bebel. Preis 75 Ps., billige Ausgabe 30 Ps. Expedition Lindenstraße KS Laden._ ÄorivartSlescr erkalten süni Prozent Sxrrarabatl. selbst bei Ge- legenheitskäusen. Teppich. 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