Nr.«. 39. 1-Hrg. fllwnnemeitlS'lkdinsuneen: A�JI.„,, JlfionncmentS>?iri4 DtiteuBuranio! W B B M M s � «ikttkljährl. S.M Mk., Mona«, l.io MI�.>> M B B � B B B B B YS Bp' politisch- und gewerkschaftlich- Verein-.. wochenillch W P'g. frei-nsHau?.>«»-SWKZ W W■>§) H| H M M— M IL W---'// und Versammlungs-Anzeigcn 30 Pfg. ».nzelne Nu�n«° Wg. Somüags. /M« IgW W HB B�BBB Bfl W V■ B //„Kleine Hnoetgtn", baofcttgebrurftc «In�T ÄeÄrr�O BB rrB BB B BBB BB Bv-�B Bi aL Wort SZ Plg.(zulässig 2f-ttg-druckt- �onnemenu 1.10 Mark lwo M�iat. I B B B■& B B Swllengesuche �unb" Schlafstellman- IST s-cSi'ö I I MnHI■M» 9 H1' I. xH rgy�fsrac 1_ T-M>/■i r�-srsssn.üKs LTmcn�cm®0nacI9kf l~rf: 4®�� � Oba�ebmÄf Sie�Än ist SSÄSS'Ä'eTÄ-�N-VAL'-NS"« erlflttBt Haue Mlltf SOBtaifc � � � �„ioK.Wfns.trai R.fÜi". Zcntralorgan der rozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands._ Redahtion: SM. 68, Lindcnatrassc 69, Fernsprecher: Amt Morinplatz, Nr. 1983. Sie Antwort auf Rethmann. Ter Kapitalismus ist der Feind! Und mag er— trotz aller seiner abscheulichen Begleiterscheinungen und Folgen— als Wirtschaftssystem notwendig und unumgänglich gewesen sein: jetzt, da er sich zum Jmperalismus auswächst, wird er von Tag zu Tag gemeingefährlicher. Deshalb muß der Kampf gegen ihn mit größerer Energie geführt werden als seither. Nieder mit dem Kapitalismus— es lebe der Sozialismus! Das war das Leitmotiv der mehr als zweiundeinhalb- stündigen Rede, die Genosse Ledebour am Sonnabend im Reichstage gehalten hat. An Hand einer schier erdrückenden Fülle von Tatsachenmaterial wies er die Richtigkeit obiger These nach. Das zeigt die Lektiire seiner Ausführungen klärlich. Er begann mit der Anführung teils kindlichen, teils widerlich-demagogischen Unsinns, der bis auf den heutigen Tag wider die Sozialdemokratie vorgebracht wird. Tot, wenn die Sozialdemokratie tot gelogen werden könnte, so wäre sie längst begraben und vergessen. Als Demonstrationsobjekt für die Gewissenhaftigkeit, mit der die patentierten Sozia- listentöter operieren, führte Ledebour den Schwiegersohn und Erben aller christlichsozialen Weisheit des selig entschlafenen Hofpredigcrs Stöcker vor: den Lizentiaten Mumm. Der kann als erledigt angesehen werden nach der Stäu- pung durch unseren zweiten Fraktionsredner. Die Stöckersche Politik hat kein geringerer als Wilhelm II. als Unsinn bc- zeichnet. In der Munnnschen Aufmachung ist der Unsinn zum Mumpitz geworden. Unser Redner wandte sich dann größeren Widersachern zu: den Philosophen Posadowsky und Bethmann Hollweg. Den ersteren zupfte er wegen seiner Freitags-Bußpredigt der- maßen am Barte, daß seine„Freunde" dos schlimmste be- fürchten mußten. Diese„Freunde" kolportieren nämlich das Wort: Nehmt ihm den Bart, und es bleibt nichts mehr von ihm übrig. Und dann der Herre Kanzler! Ihn behandelte Ledebour mit überlegenem Spott. Erst schwänzt er die Sitzungen über- Haupt, dann„huscht er wie ein Irrlicht einmal durch den Saal", um wieder zu verduften. In zwerchfellerschütternder Weise wies Ledebour nach, wie dieser„bureaukratische An- gesrellte" die Welt sieht. Er ist entsetzt über die kolossale Zu- nähme der Sozialdemokratie und fragt erstaunt, was hat sich eigenUich seit 1907 begeben, das die Sozialdemokratie derart hat fördern können? Ter ahnungslose lange Engel kennt weder die allge- meinen noch die besonderen Gründe, die auf die sozialdemo- kratischen Mühlen fleißig Wasser leiten. Er versteht die Be- deutung der wirtschaftlichen Entwickelung nicht; er hat die Entgleisungen des persönlichen Regiments vergessen; er be- greift bis auf den heutigen Tag nicht, wie seine sogenannte Finanzreform die Not von Hunderttausenden vergrößert hat; wie immer neue Massen infolgedessen zum Nachdenken und auf diesem doch gar nicht ungewöhnlichen Wege schließlich zur Sozialdemokratie gekommen sind. Und dieser Herr Bethmann auf dem Holzweg maßt sich dann an, im Tone eines Bußpredigers die Parteien zu kriti- sieren, die den Kampf aufgenommen haben gegen seine fchwarzblaue Politik der Hilfslosigkeit und Bedrückung! Dieser„bureaukratische Angestellte", der lediglich von der Gnade einer„übergeordneten" Persönlichkeit abhängt, niischt sich sogar in die ureigensten Geschäfte des Reichstages, wagt es, Zensuren zu erteilen wegen des Verhaltens der liberalen Parteien bei den Präsidentenwahlen—„das ist eine unerhörte Anmaßung, die wir alle zurückweisen sollten!" Bis weit in die Mitte des Hauses hinein wurde dieser -Protest des sozialdenwkratischen Redners durch lebhafte Zu- stimmung unterstützt. Da sowohl der schon kaltgestellte, wie auch der noch halb warm gehaltene Bureaukrat allerlei kindliche Scherze über die verschiedeneu Richtungen innerhalb der Sozialdemokratie vorgetragen hatten, stach ihnen Ledebour auch dieserhalb und dessentwegen gründlich den Star: In allen Fragen der prak- tischen Politik und wir einig. Und die Hoffnung, daß wir uns zu einer„bürgerlichen" Partei durchmausern könnten, kann ich im Einverständnis aller meiner Genossen zerstören! Unser Redner besprach dann eine Menge im Bericht nachzulesender Einzelausgaben dringlichster Natur und wies nach, wie und wo gespart, wie und wo das Volk von den drückenden Lasten befreit werden könnte. Ten Höhepunkt erreichte unser Genosse, als er auf die auswärtige Politik und die imperialistischen Bestrebungen zu sprechen kam, die bei den verschiedenen Marokkoaffären in so abscheulicher Weise in die Erscheinung getreten sind. Er be- sprach den alldeutschen Prozeß gegen die„Grenzboten" und warf die Fragen auf: Ist es wahr, was da behauptet worden ist? Hat Herr v. Kiderlen-Waechter zwei Lockspitzel nach Agadir geschickt, damit sie plausibel erscheinende„Gründe" für die Entsendung des„Panthers" schaffen sollten? Im Zusammenhang mit dieser Frage wies Ledebour auf die russischen Zustände hin. bei deren Vergleich mit dem an- geblichen Verhalten Kiderlens freilich selbst im schlimmsten Sonntag, den 18. Februar 191Ä. Falle die beiden angeblichen �.gents provocateur» noch als Waisenknaben erscheinen. Redner appelliert unter Hinweis auf die Pogrome, die Schuftereien des Asew, den Justiz- mord, der an den Mitgliedern der Zweiten Duma verübt worden ist, an das Gewissen Europas.„Wenn angesichts dieser entsetzlichen Tatsachen das Bürgertum versagt— ich protestiere hier namens vieler Millionen Prole- tarier gegen die Greuel des Zarismus!" Mit einem feurigen Appell zum Kampfe gegen den Kapitalismus und dem Hinweis auf den Erlöser Sozia- lismus schloß Ledebour unter dem lebhaften Beifall der Sozialdemokratie. Auf besonders scharf pointierte Partien der Rede hatte der Präsident Kämpf durch Glockenläuten und Ordnungsrufe besonders aufmerksam gemacht. Herr Kiderlen-Waechter, den man während der Ledebour- scheu Rede schnell herbeigeholt hatte, suchte sich zurechtfertigen — er will keine Lockspitzel nach Agadir geschickt haben. Dann bleibt ein bitterer Rest trotz alledem: die eidlichen Aussagen der Männer aus den alldeutschen Kreisen, mit denen der Herr Staatssekretär nachgewiesenermaßen in inniger Fühlung ge- standen hat. Herr Gröber vom Zentrum, der schwächer war als sonst, enttäuschte erheblich. Seiner Rede fehlte jede Groß- zügigkeit. Immerhin lockte er den Reichsschatzsekretär noch einmal heraus, dem er in nicht gerade übermäßig freund- licher Weise heimzuzahlen versucht hatte, was dieser kürzlich dem Abgeordneten Speck aufs Kerbholz schrieb. Tann kamen noch zwei Staatssekretäre: der der Kolonien, Herr S o I f, machte mißglückte Versuche, Ledebours schwere Anklagen, in denen das nötige im Bericht gesagt worden ist, zu entkräften. Herr Delbrück will sich auch nichts gefallen lassen. lind dann zum Schluß kam wieder Herr Mumm, der Lizentiat, um seinen Mumpitz zu retten. Ledebour deckte ihn zum zweiten und dritten Male gründlich zu. Am Montag geht die Etatsdebatte weiter. SoÄsIiIemolirstiiche Antrage im keichstsge. Dem Reichstage ging folgende weitere Serie sozialdemokrati- scher Initiativanträge zu: 1. Der Reichstag wolle beschließen: zur Prüfung seiner Geschäftsordnung eine besondere Kommission einzusetzen mit dem Auftrage, dem Hause geeignete Abänderungsvorschläge zu machen. 2. Der Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Re- gierungen zu ersuchen, dem Reichstage einen Gesetzentwurf bor- zulegen, durch welchen-im Reichsvereinsgesetz vom 19. April 1908 1. die Anmeldepflicht für politische Versammlungen(§ 56,6) aufgehoben wird; 2. öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel von der Genehmigung der Polizeibehörde unabhängig gemacht werden (s V; 3. die Vorschrift über den Gebrauch der deutschen Sprache in öffentlichen Versammlungen 12) beseitigt wird; 4. da Recht der Polizeibehörde, Beauftragte in Versamm- lungen zu entsenden(§ 13), aufgehoben wird; 5. die Beschränkung des Vereins- und Versammlungsrechts der jugendlichen Personen beseitigt wird(Z 17); 6. die Ausübung des Versammlungsrechts über die Polizei- stunde hinaus sichergestellt wird; 7. unter Aufhebung des§ 24, Ziffer 3, die Einschränkungen des Vereins- und Versammlungsrechtes der ländlichen Arbeiter und Dienstboten durch Landesrecht beseitigt werden. 3. Der Reichstag wolle dem nachstehenden Gesetzentwurf be- treffend Aenderung des Strafgesetzbuches seine Zu- stimmung geben:(folgt ein Gesetzentwurf, der eine Reform der Bestimmungen über Hausfriedensbruch, über Beamtennötigung, Pfandentzichung, Freiheitsberaubung, Seuchenspcrren, über Jugend- schütz, Mundraub, Betrug, Bettel, Sicherung des Depeschendienstes und über Anfertigung von Nachschlüsseln anstrebt). 4. Ter Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Re- gierungen zu ersuchen, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vor- zulegen, durch welchen die zum Schutze der Arbeiter und An- gestellten und zur Regelung des Arbeitsvertrages bestehenden Ge- setze und Verordnungen zu einem einheitlichen Arbeiter- recht vereinigt und ausgebaut werden. 5. Der Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Re- gierungen zu ersuchen, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vor- zulegen, wonach für alle gegen Lohn oder Gehalt beschäftigten Personen, soweit sie nicht dem Gewerbe- oder Kaufmannsgericht unterstehen, bei Streitigkeiten aus dem Arbeits- vertrag ein Arbeitsgericht zuständig ist, das im organisatorischen Aufbau den Gewerbegerichten entspricht und je nach Bedarf besondere Kammern und Abteilungen für größere Berufsgruppen enthält. 6. Der Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Re. gierungen zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Arbeitslosenversicherung durch Zuschüsse aus öffent- lichen Mitteln an die Arbcitslosenkassen der Gewerkschaften regelt. 7. Der Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Re- gierungen zu ersuchen, dem Reichstage sobald als möglich einen CxpedMon: SM. 68. Lindcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt Moritiplatz, Rr. 1984. Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen der Arbeitsnachweis im Reiche einheitlich geregelt wird. Der Gesetzentwurf mutz enthalten: 1. daß für alle Bezirke des Reiches ArbeitsnachSweisstcllcn errichtet werden; 2. daß in größeren Orten der Arbeitsnachweis nach In- dustrie- und Erwerbsgruppen gegliedert wird; 3. daß die Arbeitsnachweisstellen unter Leitung eine? Vor- standes stehen, dessen Mitglieder in gleicher Anzahl von Ar- beitern und Unternehmern auf Grund des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts mit geheimer Abstimmung gewählt werden; 4. daß der Arbeitsnachweis unentgeltlich ist; 5. Strafbestimmungen gegen Einrichtungen von Unter- nehmern, die zur Maßregelung von Arbeitern und Angestellten dienen. 8. Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage tunlichst bald den Entwurf eines Reichsberggesetzes vorzulegen, in welchem unter anderem auch die Arbeiterschutzbestimmungen und das Knappschaftskassen- Wesen einheitlich geregelt werden. 9. Der Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Re- gierungcn zu ersuchen, dem Reichstage baldigst den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, durch welches unter Aufhebung der landesgesetzlichen Gesindeordnungen das Vertragsverhältnis zwischen den in landwirtschaftlichen oder forstwirt- schaftlichen Betrieben beschäftigten Arbeitern und ihren Arbeitgebern sowie das Vertragsverhältnis des Gesindes und deren Arbeitgeber durch reichsgesctzlichc Vorschriften geregelt wird, welche insbesondere 1. alle landesgcsetzlichcn Vorschriften, welche Strafbcstim- mungen gegen ländliche Arbeiter oder gegen das Gesinde wegen Nichtantritts oder wegen Vcrlasscns des Arbeitsverhältnisses oder wegen Vertragsverletzungen, Ungehorsams oder Wider- spenstigkeit, weflen Verabredung oder Vereinigung zum Behuf der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, ins- besondere mittels Einstellung der Arbeit oder wegen Auffordc- rung zu solchen'Verabredungen, enthalten, aufheben; 2. den in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben be- schäftigten Arbeitern und dem Gesinde das Recht gewährleisten, zur Wahrung und Förderung von Berufs- und Standesinteresscn, namentlich zur Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeits- bedingungen, insbesondere mittels Einstellung der Arbeit, Ver- einigungcn zu bilden und Verabredungen zu treffen; 3. die Zeit, die Dauer und die Art der Arbeit so regeln, wie es die Erhaltung der Gesundheit, die Gebote der Sittlichkeit, die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Arbeiter und ihr Anspruch auf gesetzliche Gleichberechtigung fordern; 4. die Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis zwischen ländlichen Arbeitern und deren Arbeitgebern sowie aus dem Ge- sindcverhältnis Gerichten überweisen, die nach Art und in An- lehnung an die Gewerbe- und Kaufmannsgerichtc zu er- richten sind; 5. die zur Anrechnung der für Pacht- oder Dcputatland aufgewendeten Arbeit und des Nutzwertes des Ertrages bei der Lösung des Arbeitsvertrages durch eine Entschädigung in Geld- wert sicherstellen. 19. Der Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Re- gierungen zu ersuchen, baldigst eine Novelle zum Hausarbeits- g e s e tz vorzulegen, wonach die Einführung von Lohn- kom Missionen geregelt wird.(Es sollen Gewerbege richte oder Kommissionen zuständig sein, die Lohnsätze für eine bestimmte Dauer festzusetzen, und zwar dürfen diese nicht niedriger fest- gesetzt werden, als die in Fabriken und Werkstätten für ent- sprechende Arbeit gezahlten Löhne. Sie sind von den Einigungs- ämtern bczw. den Kommissionen zu veröffentlichen und sind nach ihrer Veröffentlichung für Gewerbetreibende und Hausarbciter der betreffenden Branche während der Dauer, für welche sie fest- gesetzt sind, rechtsverbindlich.) 11. Der Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Re- gierungen zu ersuchen, dem Reichstage einen Gesetzentwurf bor- zulegen, wonach die für die Sicherheit der Bau- ausführungen und zum Schutze der Arbeiter notwendigen Vorschriften durch ein Reichsgesetz einheitlich geregelt werden. * Durch ein Versehen ist unter den gestern veröffentlichten An- trägen unserer Reichstagsfraktion der Schulantrag nur teilweise wiedergegeben. Wir geben daher den Antrag noch einmal im richtigen Wortlaut. Der Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Negierungen zu ersuchen, dem Reichstag baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, der das gesamte Schulwesen des Deutschen Reiches auf der Gr�nd- läge der Einheitlichkeit, der Unentgeltlichkeit und der Weltlichkeit und nach den Richtlinien einer zeitgemäßen wissen- schaftlichcn Pädagogik regelt. psrlamenkeMmmo. London» 15. Februar. Die Thronrede, mit der der König von England am 14. Februar das Parlament eröffnete, deutet auf eine Session voller Arbeit und Kämpfe hin. In diesem Jahre will der englische Liberalismus die Ernte einbringen, die er von dem Parlaments- gesetz erwartet hat. Nicht weniger als drei große Vorlagen von erster Wichtigkeit werden das Parlament beschäftigen: eine Home- rulevorlagc, die Entstaatlichung der Kirche in Wales und� eine Wahlrechtsvorlage. Unter gewöhnlichen Umständen wäre eS kaum möglich, drei Probleme von dieser Bedeutmig in einer Sesswn zu bewältigen. Aber die Situation ist kerne gewöhnliche. Äill der englische' Liberalismus die Früchte seines Sieges über die Lords- Mit Sichcrbcit ernten, so»mh er sich sofort. an die Arbeit machen und gemäß den Bestimmungen des Parbamentsgesetzes noch in diesem Iabrc seine tvichtigstcn Forderungen im Unterliause zum ersten Male zur Annähme bringen. Die Lords können alsdann von ihrem beschranrtrn Vetorecht Gebrauch machen, wenn sie wollen; sie werden den Sieg der Begicrung in der dritten Session nicht verhindern können. An erster Stelle steht die Homcrulevorlage für Irland. Für die Arbeiterklasse Großbritanniens ist diese Frage von nicht ge- ringcr Aedeutung. iWarr wie? schon im Jahre IKbg darauf hin, wie schwierig der Äampf des Proletariats in Großbritannien sei, solange die irische Frage- nicht gelöst und die Hn-ion vom Jahre 1801 rückgängig gemacht. Die Richtigkeit seiner Beobachtung tvird noch heute von jedem aufmerksamen Betrachter englischer Vor- bältnisse bestätigt werden. Das irische Proletariat gibt üi vielen Wahlkreisen Großbritanniens den Ausschlag bei Parlamentsivahlen. Ter irische Arbeiter in Lancashire und Schottland mag ein guter Gcwerkscktaftlcr sein; vielleickit bat er mich Interesse für die Ideen des Sozialismus und unabhängige Arbeitcrvcrtrctuug. In vielen Fällen arbeitet er sogar für den Kandidaten seiner Klasse, verteilt Flugblätter, agitiert. Kommt es aber zur Wahl, so folgt er dem Rufe der nationalistischen Partei und wäblt liberal, um die Chancen der Hoinerule nicht gu gefährden. Das ist die Erfahrung der meisten, wenn nicht aller Arbeiterlandi baten in diesem Lande, und es ist daher leicht verständlich, wenn alle politischen Organisationen der britischen Arbeiterklasse stets energisch für die Sclhstverwal� tnng Irlands eingetreten sind. Seit der lchtc» Arbeiterrevoltc ist der Einfluß des Nationalismus auf die irischen Arbeitermassen zwar etwas zurückgegangen. In Dublin gelang es unseren Ge- nassen gar vor einigen Wochen, den Nationalisten fünf Sitze im Gemeinderat abzugewinnen. Die endgültige Lösung der irischen Frage würde diesen Prozeß der politischen Gesundung jedoch mäch- tig beschleunigen. Bon geringerer Bedeutung als die Homerulcfrage ist das Pro- jckt, die anglikanische Kirche in Wales zu entstaatlichen. Auch diese Frage liefert Wasser aus die Mühlen des Nationalismus, und ihre Lösung könnte nur dazu dienen, die politische Lage in Wales zu klären. Ueberdies ist die Forderung ein Gebot der elementarsten Gerechtigkeit. Die Staatskirchc in Wales ist nur eine kleine Sekte, die an der Staarskrippe ein fettes und faules Leben führt; die große Mehrheit des walisisch n Volkes steht ihr feindlich gegen- über. Tic dritte liberale Maßnahine, die Erweiterung des Wahl- rechts, entspringt in erster Linie dem Bedürfnis, den Vorsprung aus der Welt zu schaffen, den das bestehende Pluralwahlrechi den Konservativen gibt. De Liberalen rechnen, daß die Pluralwähler den Konservativen in etwa 30 Kreisen das Mandat sichern. Zuerst bestand die Absicht, nur das Pluralwahlrecht abzuschaffen. Später entschloß man sich jedoch, ein größeres Stück abzubeißen. Die ver- sprochne Borlage wird wahrschinlich nach dem alten radikalen Prinzip„sne mun. onc vate"( je der Bürger eine Tlimmc) zu- geschnitten sein. Auf alle Fälle wird ein Amendement über daS Frauenstimmrecht eingereicht werden. Es scheint jedoch wenig Aussicht auf Annahme zu haben. w"" Tie Thronrede spricht noch von. verschiedenen soziale» und industriellen Resormeu, die in der Session eingebracht werde« würden, ohne dies« Ätaßuabmcn näher anzudeuteu. Das Äabinetl bat sich ei» Loch gelassen, aus dem es in der Not e»rrL.nmen kann. 'Es hält sich den Rücken frei, um, wenn nötig, die unzufriedene und unruhige Arbeiterschaft versöhnen zu tonnen. Denn daß die Unzufriedenheit und die Unruhe anhalten und größer werden wird, ist offenbar. Damit rechnen auch die Minister. In der Thron- rede kommt der bezeichnende Satz vor:.Ich detrachte mit großer Besorgnis die bevorstehenden Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern und hoffe zuversichtlich, daß der Geist der Pernunit auf beiden Seiten obwalten und EntWickelungen verhüten wird, die Handel und Industrie des Landes und die Wohlfahrt incin- Volkes, ernsthaft schädigen würden," Leider kann keine Thronrede den südwalisischen Schorfmacher» Vernunft beibringen, und die Wahrscheinlichkeit ist, daß das Jahr 1912 weniger durch die politischen.Kämpfe, als durch das bevorstehende gewaltige Ringen zwischen Kapital und Arbeit in der Geschichte bekannt fein wird. ver Krieg. General Caneva kann keine glänzenden Siege versprechen. Ter militärische Spaziergang nach Nocdafrika, dessen Ruhm die Kolonialenthusiasten schon vorweggenommen hatten, erweist sich immer mehr als eine ausgedehnte und nicht sehr amüsante Unternehnrung. Alle Kenner der asrika- irischen Verhältnisse waren sich von Ansang an darüber klar, daß in absehbarer Zeit nicht auf größeren Erfolg zu rechnen ist. Diese Auffassung wird bestätigt durch die Erklärungen, die der koininandierende General der Eroberungsarniec, Caneva. bei seinem jüngst erfolgten Besuche in der Heimat der Re- gicrung abgegeben, hat. und die in der Mailänder„Perse- v e r a n z a", wohl weniger zur Freude der unternehmungs- lustigen Minister als zur Ernüchterung der vom Kriegs- taumcl fanatifierten Volksmosse, veröffentlicht find. Danach hat Caneva in einer Konferenz mit dem Ministerpräsidenten Giolitti, den speziell beteiligten Ministern und dem Chef des Generalstabs, die feine Taktik allzu zögernd fanden, die kolossalen�Schwrnrigkeiten seiner Aufgabe dargelegt. Auf die Frage;„Sind Sie in der Lage, mit deg jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln und allen weiteren, die die Regierung ohne Zögern gewähren würde, den unzweifelhaften und endgültigen Sieg zu garantieren, dessen Italien bc darf, um der Türkei einen bedingungslosen Frieden aufzn erlegen?" antwortete er mit einem glatten„Nein!" Tarauf habe er die Bedenken, die gegen jedes Ein- dringen ins Innere sprechen, dargelegt und geschlossen;„Ten Sieg, den die Nation haben muß. um der Türkei den Friedeil aufzuerlegen, kann ich ihr nicht geben. Alles, was ich ver- sprechen kann, sst die langsame und stückweise Eroberung des ganze« Gebiets von Tripolis und Cyrenaica. Wenn Sie einen glänzenden Erfolg brauchen, müssen Sie ihn anderswo suchen als in Libyen. Denn in einem Kriege von wesentlich kolonialein Charakter, wie er mir anvertraut ist, könnte keine Armee einen glänzenden Erfolg erzielen— weder im Augen- blick, n«h in Monaten, noch in einem Jahre: Niemals! Für die glühendsten Patrioten; die Armeeliese- r a n t e n, die an der Not der elend bedienten Asrikakarapfer glänzende Profite machen, wird diese Erklärung eine Wonne sein.� Können fte nun doch hoffen, recht lange noch ihr ver- dienstvolles vaterländisches Gewerbe zu betreiben. Bei ehr- lichen Vaterlandsfreunden wird sie zur Ernüchterung bei- und auch manchem das durch Kriegsfanaiisums ein- gefchläferte Gewissen wecke» Helsen. Jedenfalls kommt dieses Zugeständnis ans berufenstem Munde(das höchstwahr. scheinlich als„erfunden" dementieich werden wird, ohne da- durch seinen Ausdruck innerster Wahrscheinlichkeit zu ver- lieren) unseren Genossen, die für diesen Sonntag eine kraft- volle Kundgebung gegen den Krieg in Mailand planen, gerade zur rechten Zeit. So druckt sie auch „A va n t i" m auffälligster Schrift ans der ersten Seite ab. Die kommenden Kämpfe. J» der neuesten Nummer des„Milit�rwochenblattes" schreibt Generalmajor z. D. Jmhoff. der als Jnsiruktionsofstzier in der Türkei gewirkt hat und daher über die militärische Lage der Türkei sehr orieniiert ist: „In Italic, r scheinen ruhigere Auffcssiungen in betreff des Krieges zu tage getrete», und der„Secolo" bezeichnet diesen Kolonialkrieg als einen der schivierigsteir, der jemals gekämpst worden sei. Jedenfalls werde man den Vormarsch in das Innere nur nach Beendigung aller erforderlichen Borbereitungen antreten imd dazu noch weitere Verstärkungen heranziehen. Das in Algier von den Franzosen geübte Verfahren, nur gemischte Streiskorps in das Innere zu senden, hat sich seinerzeit als fehlerhaft erwiesen, die bisherige Defensive der Italiener ist daraus erklärlich. Beginnt der Vornzarsch der letzteren, so lverden voraussichtlich bald Kämpfe um die Zugänge zum Gebirg s lande und um gut befestigte Feld» st e l I u n g e» zu erwarte» sein, die euormeOpser sor- der» und interessante Moiiiente ergeben werden. Bei der uatür- lichen Anlage deS türkischen Soldaten gerade für diese Kampfesart, darf man auf den zähesten Widerstand gefaßt sein und muß bc- denken, daß die ruhmvolle Verteidigung bei Plewna in der türkischen Armee fortlebt und Offiziere wie Manisichasten begeistert.,..* Das sind angenehme Aussichten für da? italienische Volk, dem der Krieg bis jetzt schon 200 Millionen Lire gekostet hat. Deut- licher und fühlbarer können die Folgen der imperialistischen Politik, die zu iveltpolitischen Abenteuern im Interesse einiger beutelst steriler Kapitalisten führt, gar nicht demonstriert werden, Ei» italienisches Dementi. Rom, 16. Februar. Die„Agenzia Stefani" veröffentlicht fol- gende Note: Die nn Auslände verbreiteten Rachrichten, daß italienische Torpedoboote«ine tunesische Bark in den Territorialgewässern von Tunis durchsucht hätten und daß dies den Kommandanten des französischen Panzerkreuzers„Henri IV." veranlaßt hätte, Maßnahmen dagegen zu ergreifen, sowie die Nach richt, daß italiensiche Schiffe den französischen Dampfer„Provence", der sich auf der Fahrt noch Biserta befand, durchsucht hätten, ent- Behren jeder Begründung. Tie Italiener im Roten Meere. London, 17. Februar.(Meldung des Reuterschen Bureaus h Ein Kriegsschiff hat heute ftnh die türkischen Forts nahe Perim zwei Stunden lang beschossen und ist dann iu nörd- licher Richtung abgedampft. Italien und die Kämpfe in Arabien. Konstantinopel, 17. Februar. Wie„Sabah" erfährt, hält der Jinam Jahia ein vollständig ausgerüstetes Korps bereit, um gegen Said Jdriß zu marschieren. Die von den Italiener» im Hafen von Dschisan für Said Jdriß gelandeten Waffen solle» in fünf Maschinengewehren. 7 Kanonen, 4000 Gewehren und 50 Kisten Munition bestehen. Mehrere Stämme hätten die Annahme der Waffen verweigert.___ Sie Revolution In China. Der Umschwung in Peking. Peking, 17, Februar. Ganz Peking befindet sich augenblicklich in einem Freudenrausche, lleberall verschwinden die alte» Drachen banner, um der neuen republikanischen Flagge Platz zu machen. Für die nächsten Wochen werden große Festlichkeiten vorbereitet. I u a n sch i ka r bat sich gestern seinen Zopf abschneiden lassen. Der neue Präsident der Republik erklärte, daß damit auch das letzte Zeichen seiner Vasallitäl gegenüber der Mandichudynastie ge schwunden sei, daß er nur so lange beibehalten habe, um die Höf- lichkeit gegenüber dem Kaiserhaufe während der Abdankungsver- Handlungen zu wahren. Auf der Schantunghalbinsel wird noch gekämpft. Weihriwei. 17. Februar. Zwischen den kaiserlichen Truppen und den Revolutionären hat auf der Schantunghalbinsel ein hef liger Kampf stattgefunden. 150 Revolutionäre wurden getötet. Die britischen Behörden bemühe« sich, eine Konferenz, zu der beide Parteien Delegierte entsenden sollen, ciuzuberuseol. um die bc- stehenden Streitigkeiten bei zulegen. Japanisches Mißvergnügen. Tokio, 17. Februar. Tie japanische Presse greift die neue chinesische Republik scharf an wegen des Borgehens der repabiikani scheu gegen die Reste der kaiserlichen Truppen in der neutralen Zone von Wafang Tien. Trotz heftiger Proteste der japanischen Konsuln werden die Kaiserliche« bis über die Grenze in neutrales Gebiet verfolgt. Tie Blätter fordern daber die japanisch« Regie- ruug auf, wegen dieses Borgehens der Chinesen in Peking oder Nanking vorstellig zu werden und gegebenenfalls energische Maß- regeln zu ergreifen. Suujatse« Gesandter in London. Peking, 17. Februar. Dr. Sunjatsen wirst aller Voraussicht nach als Gesandter der chinesischen Republik nach London gehen. Dieser Posten ist Dr. Sunjatsen gestern offiziell angeboten worden, doch steht feine definitive Antwort noch aus. politifcbe Ucbcrticht. Berlin, den 17, Februar 1912. Parlameutarier-Jubilae«. Heute feiert der freisinnige Abgeordnete Johannes Kaempf seinen 70. Geburtstag. An» 21. Februar kann der Zentrums- abgeordnete Adolf Gröber auf eine 2Sjährige Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter zurückblicken. Kaempf ist in den Kreisen der Hochfinanz, als Direktor, dann als Ausiichtsrat der Darmstädter Bank, als AufsichtSratsmitglied zahlreicher Gefellschaften, ab» Mitglied deS AeltestenkoklegiumS der Berliner Kaufmanuschaft und als Präsident deS Deutschen Handels- tage» von seinen Berufsgenossen geschätzt. Der Berliner Gemeinde- Verwaltung gehörte er 1887 bis 1302 und 1806 bis IMS als uu- besoldeter Stadlrat, seit 1301 als Stadtverordneter am Seit 1003 ist er Reichstagsmitglied. Trog der Gegensätzlichkeit der ZSelt- anschauung, die uns von dem in den Gedanken des Manchestertums Aufgewachsenen und den Zielen und Streben der Arbeiterklasse fremd Gegenübefftehenden trennt, wünschen wir dem rüstigen Jubilar noch lange Fortdauer seiner körperlichen nnd geistigen Frische. Der Ab- geordnete Gröber gehört zu den arbeitsamsten, klügsten Main»«» des Zentrums. Leider ist dies« demokratisch veranlagte Alan», den alle Parteien insbesondere als Staatsrecht!« und Juristen hoch- schätzen, in dem letzten Jahrzehnt dem Zuge des Zentrums nach rechts gefolgt. Aber auch der politische- Gegner wird an Gröber gern die Selbstlosigkeit seines Strebens, sehne Arbeitskraft und ArbeiiSfreudig- keit anerkennen.__ Inr Präsidentcnfragc. lieber die Haltung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion in der Präfidenienftage lverden in bürgerlichen Blättern noch immer ganz irreführende Darstellungen verbreitet. Wir haben in unserer DonnerStag-Nummer ausführlich die Stellung der Fraktion in allen Phasen der Verhandlungen dargelegt und möchten heuie nur noch- malS darauf verweisen, daß entgegen allen anderen Falschmeldungen di« Fraktion die Uebernahme anderer Verpflichtungen als solcher, die- sich aus der Geschäftsordnung ergeben, abgelehnt hat. Die Stipendiaten der Scharfmacher. Tie vom Hansabund abgesplitterten Scharfmacher haben bc- kauntlich einen eigenen Wahlfonds gegründet, über dessen Ver- Wendung nunmehr den Spendern Rechnung gelegt worden ist. Der der bürgerlichen Presse zugestellte Bericht gibt natürlich über die Zahlen keinerlei Ausschluß, bemerkt aber, daß Kandidaten aller bürgerlichen Parteien', die sich zu den Grundsätze!» der Scharfmacher beiannt haben,»nterststtzi worden sind. Das„Berliner Tageblatt" beziveifclt, daß ein forff.chrittlichcr Kandidat sich zu diesen Grund- sätzen bekannt haben könoc, und wenn sich die Scharfmacher nicht den Vorwurf zuziehen wollen, daß sie die Lesfentlichkcit irregeführt haben, dann werden sie wohl oder übel mit den Namen der Stipcn- diäten herausrücken müssen._ Zum �all Jatho. Ter Protest Jathos gegen iüc Entscheidung des Synodalvor- siandes über die Wahl Jathos zum Presbyter der evangelischen Gc- meind« in Köln ist von der Provinzlaisynode ohne nähere Begrün- düng zurückgewiesen worden. Der c- eine weitere Beschwcrdcinstan; nicht gibt, ist der Eintritt Jathos in daS Prcsbytcrtum endgültig unmöglich gemacht. In diesen Tagen klagte ein Pfarrer in der„Bosiischen Zei- tnng", daß die Begründung der vor Jahresfrist erfolgten Amts- cntsetznng Jalhos jetzt noch iricht veröffentlicht: worden sei, obwohl die Frist hierfür gesetzlich festliege und läncht verstrichen jci. Die . Begründung scheint bedenkliche Lücken zu haben. Keine Einmntigkeft. Unter dem Titel„Eine Täuschung der Oeffent- lichkeit" veröffentlicht die„Post" folgende Zuschrift von parlamentarischer Seite über die„angebliche" Vertrauens- kuudgebuug der uationallibcralcn Reichstagsfraktion für Baffcrniann: „Die Meldung des Parteiorgans der nationalliberaleu Partei, der.Nationalliberalen Korrespoudeuz". daß.auf eine aus der Mitte der nationalliberalen Reichstagsfraktion gegebene Anregung mit allseitiger freudiger Zustimmung dein bewährten Führer das einmütige unerfchütterlichc Vertrauen und Einverständnis" aus- gesprochen worden fei, hat die allergrößt« Urb er raschung bei Mitgliedern der nationalliberalen Reichs- tagSfraktion hervorgerufen, die doch unbedingt an einer solchen einmütigen BeriraueirSkundgebung hätten beteiligt oder von der Absicht, dem FralnonSführer daS Verlrouen der' geschlossenen Fraktion zu votieren, hätten unterrichtet sein müssen. Nationalliberalen Reichstags- abgeordneten, die bereits im alten Reichslage gesessen haben, ist aber von einer FraktionSsttzung, in der Herrn Bassermann das Vertrauen der gesamten Fraktion ausgesprochen worden ist, erst durch die Mitteilung des offizielle« Partciblattee etwas bekannt geworden." Das ist ja allerdings ein merkwürdiges Vertrauensvotum, das nur dadurch zu stände kommen kann, daß man die etivaigen Opponenten von vornherein nicht einlädt. Ist der Lehrcrmangel in Preußen beseitigt? Die Unt«richtSverwaltung beantwortet im ÄnDusctcrt für 1012 diese Frage mit„Ja". Denn sie fordert darin die Wittel für nur ein neues Lehrerseminar und zwei Praparandenanffaltc», sie setzt die für die Errichtung außerordentlicher Seminarkurse ausgeworfen« Summe gegen das Vorjahr um 170000 M. herab, sie bemerkt aus- drücklich, daß„von der Eröffnung außerordentlicher Präparanidcu- kurse abgeschcn werden lairn", und sie Hai den Fonds zur Errichtung neuer Schulstellen nur um 10671 M.«höht» Tie große Sparfan:- keit, die man an fast allen Stellen des neuen Etats findet, mccki sich hier also ganz besonders beinerllxrr. So muß bau der Ver- Minderung der gesamten außerordentlichen Ausgaben um fast Millionen Mark das„Elenientarunterrichtswesen" allein mehr als die Hälfte, nämlich 1,123 Millionen Marl tragen. Ob aber der Zustand deS preußischen Volksschulwesens eine solche Herabsetzung vertragen kann, das mögen folgende Tatsachen beantworten; Das amtliche Schulblatt für den Regierungsbezirk Arnsberg weist 93 neu zu besetzende Lchrcrstcllc» nach, die „Posener Lehrerzeitung" nannte kürzlich eine stattliche Reihe von Orten ihrer Provinz, in denen ei« Lehrer ISO bis 200 Schüler unterrichten maß, nnd die Provinz Ära ndcnburg besaß im Jahre 101 1 noch 06 Volksschule ns in denen auf einen Lehrer 100 und mehr Schüler ent- fielen. Sollte also wirklich der Mangel an Lehrern für die vor- handenen Stellen beseitigt sein, so besteht eben unbedingt noch cm großer Mangel an Lehrer stellen. Er»st zum Teil darauf zurück. zuführen, daß in der Zeit deS größten Lehrermangels die Reu gruudung von Stellen unterbleiben mußte; daher ist es um so mcbr zu bedauern, daß die Regierung jetzt nicht dran geht, dies« Per. äiumiis nachzuholen. GrofteS„Reinemachen". Aus dem Kriegerverein„H o h e n l o si e 9 u k? c" in Oberschlesien wurden 9ti Mitglieder auf einen Ruck ausgeschlossen, die entgegen der Parole der Haupt- linge, bei der Stichwahl in Kattowitz-Zabrze zwischen Sozial- demokraten und Polen sich der Stimme zu enthalten, doch zur Wahl gegangen waren. Beide Stichwahlkandidaten waren Reichsfeinde" und durften nach Ansicht der Patrioten nicht gewählt werden. Ein unglaubliches Spionagesystem nach solchen Ztickiroohlpurolesündern bestellt augenblicklich in Oberschlesien owohl in den Krieger- und sonstigen patriotischen Vereinen als bei den großen Fnduftriewerken. Tie Maffregc- lungtn wegen der Wahl wtrde« von Tag z« Tag immer grösser?_ Tie Konservativen gehe« unter daS Voll! W«r hätte das noch vor einem halbe« Jahre für möglich ge- halte»? Hochvornehme Konserdative, di« bis jetzt im Arbeiter nur ein Nutz objelt sahen, wolle« sich plötzlich höchstpersönlich.um die- Einzeksorgen des kleinen Mannes kümmern". Ja, wemi die Wahl vom Januar 1012 nicht gewesen wäre. sie erklärt auch dies l Es müssen Bersammlungen auch außer der Wahlzeit möglichst oft abgehalten werden— so schreibt in der„Kreuz-Zeitung"«in Konservativer— nach dem Referat müssen di« Bcranstalier ich zu den Einzelnen hiafetz«» mid sagen: Die Zeiwngen wolle» wir einmal ganz vergessen, und jeder unser« «igen« Meinung sage» Und nun kommt wieder eine» der de« rühmten konservativen Rezepte, mit denen daS Volk vom SozialiS» mu« befreit werden kann:„Es gehört geWitz dazu, b a tz man den LolkSton trifft, aber das lernt man nur da- durch, datzmanunterdas Vollgehtundde« Leuten richtig ei» Genosse wird. Der Wahlverhetzung, auf welcher das Wahlrecht fast zugeschnitten ist, kann nur so die Spitze abgebrochen werden..' Die Konservativen im Volk! DaS kann ja gut werden!! Ueberdies ist das Rezept schon reichlich alt. Erst vor den Wahlen erklärten sächstsche Reichsverbandshäuptlinge am Biertisch ganz ungeniert, man müsse dem Arbeiter eben hin und wieder einmal die Hand schütteln. Konservative und Reichsverböndler, was ja zumeist dasselbe ist, in den Arbeiterversammlungen, unter den„kleinen Leuten' fitzend und ihnen die Hand schüttelnd— ein herrliches Bild! Nun, die Leutchen mögen komme», wir werben dafür sorgen, datz immer und in jeder Zusammenkunft jemand da ist, der den konservativen.Volks- freunden" etliche Fragen vorzulegen hat. Noch dümmer als das dümmste bayerische Zentrumsblatt gibt sich daS christlichsoziale„Volk". Es schreibt im Briefkasten: „O. in R. Der ve irrliche Vorfall gelegentlich eineS Kaiser- g-burtStagsefsens in Köln, worüber daS„Zentrum" berichtet, scheint noch nichr genügend onfgellärt zu sein. Auffallend ist, datz der »cugewählte Reichstagsabgeordneie für Köln. Genosse Hofrichter, sich in Schweigen hüllt. Er hätte doch wohl alle Veranlassung, sich zu dem Artikel im„Zentrum" zu äutzern." Der bekannte Versuch im„Zentrum", eine Satire über den Genossen Hosrichter auf einer liberalen KaijergeburtStagsfeier zu- sammenzudichre», war schon eine Woche vorher von hinterwäldlerische« Zentrums blättern als Satire erkannt worden. Entweder ist also der Brieslastenonkel des..Voll" ein„Genie", der seinesgleichen sucht, oder, was wahrscheinlicher, der gute Mann wcitz ganz gut, wie die Sache sich verhält, zieht eS ober vor, seinen Lesern chimborassohohe Duminheit anzuerziehen._ Tvldatcnqualereien. Der Unteroffizier Max D a u m a n n vom Regiment 63 in Oppeln war vom Kriegsgericht wegen Mitzhandlung, vorschrists- widriger Behandlung, Beleidigung eines Untergebenen zu drei Wochen Mitlelarrest verurteilt worden. Der Gerichtsherr legte Be- nisung ein und forderte höhere Strafe. Im November 1911 hatte der Musketier Hermann Würfel einen Sandsack nicht wie der Unter- oifizier ihm besohlen, zugenäht, fondern nur zugebunden. Der Unteroffizier wars den acht Pfund schweren Sandsack dem Mann ins Gesicht, datz ihm daS Zahnfleisch blutete. Ein andermal reinigte Würfel daS Gewehr nicht richtig. Der Unter- oinzier sagte:»Tu Schwein, leg da? Gewehr hin", Würfel mutzte nun zweimal onterS Bett kriechen und sich binlege«. dann zehnmal in Kniebeuge Gewehr strecken. Würfel klagte, ich kann nicht mehr, ward be- s i n n u n g S l o S, der Unteroffizier stieg ihn noch und Würfel taumelte ansein Spind. Der Pater hei Musketiers schrieb an den Oberst, sein Sohn werde drangsaliert, wenn die Quälereien nicht geahndet würden, werde er fie einem Abgeordneten unterbreiten zur Mitteilung im Reichstage, Der Angeklagte ist Unteroffizier- schüler, disziplinarisch' vorbestraft, seine Fährung ist dienstlich wenig befriedigend. Der Vertreter der Anklage, Ober- kciegsgerichtSral Laub, hielt die vom Kriegsgericht er- kamue Strafe von drei Wochen Mittelarrest auch zu niedrig und beantragt sechs Wochen Mitlelarrest. Das Ober kriegszcricht erkannte auf vier Wochen Mittelarrest. -nv.>,■■■...■ Von den Kameraden„aufgehängt". i�zAntcreffantc Mouientbilder aus dem Sodaienlcben wurden gestern in einer Verhandlung vor dem Llxrkriegsgericht des Iii. Armeekorps anfgerollt. Unter der Anklage des tätlichen An- grisfS gegen einen Vorgesetzten mittels gefährlichen Werfzeugs Balte sich der Trainsoldat Maltzahn zn verantworten. M., dessen Kameraden heute bereits wieder vom Militär entlassen worden sind, hatte bei diesen so manches auszustehen. Man trieb mit ihm allerhand Allotria iind verbittert e ihm dadurch etwa- das Soldatenlebcn. M. mutzte vor seinen Kameraden Tänze aufführen und lebende Bilder darstellen. Eines Tages erlaubten sich oie anderen Trainsoldaten einen besonderen„Spatz" mit ihm. Der Angeklagte wurde im Stall während des Dienstes von den Leuten ergriffen und aus„Scherz" erhängt. Einige Zeit später wurde M.. oer infolge Wachdienstes erst in der Morgenstunde zu Bett gehen konnte, allzu frühzeitig unsanft au? dem Schlaf gcrisien. Als er aufwachte, standen einige Kameraden vor seinem Bett und forderten ihn auf, nach der.Küche zu gehen und Kasse zu holen. Die Leute hatten Stall- dicistt gehabt und fie glaubten, den Angeklagten zum Kasfeeholcn anhalten zu können. M. war aber gar nicht mir dem Begebren seiner Kameraden einverstanden. Er tat ihnen nicht den Gefallen lind als auch der Stubenälteste, der Gefreite Krüger, hinzukam 11 iw ihm den Befehl gab, auszustehen und den Morgenkaffee zu Bolen, weigerte sick M. ebenfalls. Er meinte, er habe feinen Stubendienst und K. Bäbe ihm gar nichts zu sagen. Schließlich erhob er sich von seinem Lager und nun sollte es zu einem verhängnisvollen Rcnkontrc zwischen ihm und dem Stnbenälienen, der sein Vorgesetzter war, komme». Auf die wiederholten Befehle des K. gehorchte M. nicht und als der Ge- frciie an ihn heranging und ihm die Kanne reichen wollte, er- griff M. die Waschschüssel und schleuderte fie mit solcher Wucht gegen den Vorgesetzten, datz sie in stücke ging. K. hate am Hals und im Gesicht mehrere-Mutige Verletzungen davongetragen. Um weitere Tätlichkeiten zu vermeioen. sprangen mehrere Kameraden dazwischen und trennten die beiden. Auf den Antrag des Per. teidigers�nahm das Gericht zugunsten des Angeklagten den K S8 des M.-Tt.-G--B. an und erkannte auf die mildere Strafe von rinrm Jahre Gefängnis. Oelto'mcMIngai'N. Aehreuthals Nachfolger. Wie». 17. Aebruar. Durch ein kaiserliches Handschreiben vom heutigen Datum ist dem Minister des Aeutzeren Graf A e h r e n t h a l mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand die erbetene Enthebung vom Amte genehmigt worden. Wie verlautet, wurde der Botschafter in Tisponiblität Graf Leopold Berchtold zum Minister des Aeutzeren er- nannt. Portugal. Und immer wieder die Kolonien. Paris, 17. Februar. Tie Frage derAufteilun-gderpor- tugiesischen Kolonion in Afrika will noch immer nicht zur Ruhe kommen. DaS»Echo de Paris" lätzt sich auS Lissabon melden, datz die deutsche Regierung die portugiesische Re- gierung vor kurzer Zeit davon verständigt habe, datz D c u f f ch• l a n d und England demnach st an die Aufteilung des afrikanischen Kolonialbesitzes Portugals gehen werden. Snglancl. Die parlamentarischen Aufgaben der Arbeiterfraktion. Tie anlätzlich der Parlamentseröffnung zusammen- getretene Arbeitorfraktion bestellte in einer stark besuckiten Sitzung als Vorsitzenden wieder Ramsan Maedonald, als Stellvertreter I. Parker, als Sekretär Ch. D u n c a n. Die Fraktion wird folgende Anträge einbringen: 1. Ge- w er kschaf t s an tra g �Aufhebung der gerichtlichen Be- schrönkimg politischer Betätignngsfreiheit). 2. Recht auf Arbeit,'S. Erzieh nngswesen �behördliche Bor, kehrungen), 4. Achtstundentag, 5, Eisenbahnverstaatlichung, 6. Wiege Vorschrift in gewissen Gewerben(zur Kontrolle der Lohnberechnung), 7. Verbot der A u s t r e i b u n g aus A r b e i t e r w o h n n n g e n während Arbeitsstreitigkeiten, 8. Blindenhilfe. Einige weitere Punkte sollen als Resolutionen eingebracht werden. Davon zuerst: 1. Allgemeiner Mindest lohn von 3(1 Schilling, 2. Siche, rung der Anständige-Lohnklaufel in Regierungs- kontrakten, 3. Verstaatlichung von Eisenbahnen und K S- n ä l e n. Eine Resolution wurde angenommen, die den Willen der Fraktion ausspricht, mit der Bergarbeiterver- einigung von Südwales zusammen auf eine Milderung dex gegen eine Anzahl Bergleute von den Geschworenen zu Cardisf anlätzlich der Streikunruhen gefällten U X» teile hinzuwirken. ---- f Grev über die deutsch-euglischen Beziehungen. London, 16. Februar. Staatssekretär Greh hielt heute in Manchester eine. Rede, in welcher er auf den Bcfilch des Kriegs in ini st ers Haldane in Berlin und ans die Reden des Premierministers Asquith und des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg Bezug nahm. Der Staatssekretär sagte: Ich hoffe, Sic werden aner- kennen, datz die Sprache, welche der Premierminister hier ge- braucht hat, in demselben Tome und Geiste in Berlin cowide� worden ist. Sie werden auch zugeben, datz in beiden Fällen eine wohlüberlegte Zurückhaltung und Wortkargheit zu beobachten war, das heißt, datz die Reden kurz waren. Nun, auch ich mutz dieselbe Zurückhaltung beobachte«. Aber ich kann auch sagen, datz, wenn eine strikte Zurückhaltung gegenwärtig notwendig ist, diese keinen Mangel an Herzlichkeit in sich schließt. Ich glaube zuversichtlich, datz etwas getan worden ist, was bleibend zum Guten ausschlagen wird, nämlich, datz die Offenheit den Himmel heller und klarer gemacht und den Nebel des Argwohns und Mitztrauens zerstreut hat, der infolge von unbegründeten Gerüchten und Berichten sich erhoben hatte. Wir in England sind ein großes industrielles Volk, das sich einer großen industriellen Entwicklung erfreut und einer noch größereil industriellen Entwicklung entgegengeht,. Dasselbe gilt von Teutschland. Auch die Deutschen sind«in großes industrielles Volk, das sich einer großen industriellen Entwickelung erfreut und noch einer größeren industriellen Entwicklung entgegengeht. In beider Interesse mutz Frieden herrschen, und ich fürchte nicht, datz ptrifchen der össenllichcn Meinung beider Länder eine dauernde Entfremdung entstehen wird, vorausgesetzt, daß die Wahrheit zu ihrem Rechte kommt. Es ist nicht schwer, die Wahrheit zu sagen, die Schwierigkeit ist, der Wahrheit Glauben zu verschaffen. Es liegt so sehr in der menschlichen Natur, lieber etwas zu glauben, was airfrsgend wirkt, als etwas, was beruhigen» wirkt. Zch hoffe, der Premierminister hat neulich in seiner Rede im Unterhause ein fiir alle Male eine große Unwahrheit erledigt, nämlich die. datz wir im letzten Jahre einen nichtprotwzierten Angriff auf Teutschland geplant hätten. Es hat niemals die geringste Be- gründniig für einen solchen Verdacht gegeben. Es lag weder in in den Bewegungen unserer Schiffe, noch in irgendeiner unserer Taten etwas, was den Glauben rechtfertigen kannte, datz wir je- mals daran dachten, selber zuerst den Frieden zu brechen oder jemand anders zum Friedensbruche z» ermutigen oder zu pro- dozieren. ... Ter„M>rn.che ste.r G na.rdi an" schreibt m diesen Ausführungen: Dir Edward Greys Rede war besonoers bemerkens- wert wegen der Wärme in ihren Ausführungen über Deutschland. Die Reden isit Edward Grehs habe» selten zu einer Kundgebung für die englisch-dcutschc Freundschaft Anlaß gegeben. Gestern war das der Fall. Deshalb darf man der gestrigen Versammlung eine besondere Bedeutung beilegen. Er hat jetzt getan, was er im letzten Herbst unterlassen hat imd dem deutschen Reichskanzler mit gleicher Herzlichkeit geantwortet. pcrTkru Der russische Galgen. Es vergeht kaum ein Tag. da der Telegraph nicht neue Nach- richten über Hinrichtungen und Eretutioneu in der russischen„Ein- flntzsphare" PerfienS bringt. Seit etwa zwei Monaten Hausen die russischen„EtrafexpedUionen"— obgleich Rußland keinen Krieg gegen Pcrstcn führt— in de» nördlichen Provinzen und fahnden auf alle, die etwa wegen ihrer russenfeindlichcn Gesinnung als verdächtig erscheinen. Mit Stolz verkündet der Korrespondent der .Nowoj« Wrmja", die früher so hochmütige Bevölkerung von Tö- bris habe sich nun vor der kriegerischen Macht Rußlands gebeugt. Ein anderer Korrespondent der„Nowvje Wrcmja" schildert mit fach- kundiger Au-sührlichkeit die ersten Hinrichtnngen in Täbris, denen der oberste geistliche Würdenträger Sikeb-ul-Jslam und noch einige angesehene Bürger zum Opfer fielen. Diese Schilderung verdient festgehalten zu werden— als Musterbeispiel der russischen Hunnen- Herrschaft in Persien, als Deckmantel der unauslöschlichen Schmach, die die Regierung Nikolaus II. vor der ganzen Welt auf sich ge laden hat. ..Der erste Fang— so heißt es in dem genannten Bericht— war besonders ergiebig.... Mit Ausnahme eines einzigen, der wegen Mangels an Beweisen freigesprochen wurde, wurden alle zum Tode durch den Strang verurteilt. Danach wurden die Verurteilten i.ach«-arbas-Ehane gebracht, wo der Galgen hergerichtet war. Der Vorsitzende des Kriegsgerichts verlas zum zweiten Male das vom Ehef des Tetachcinenls bestätigte Urteil. Das Antlitz einiger Ver- nrteilter wurde dunkler, fie hatten offenbar bis zum letzten Augen- blick aus Begnadigung gehofft... Weiter schildert der Korrespondent mit Behagen die Einzel- heilen des vom russischen Kriegsgerichte sanktionierten Massen- nwrdes:„Während die Vorbereitungen zur Hinrichtung getroffen werden, stehen die Verurteilten in der Nähe des Galgens; sie be- finden sich offenbar unter einer Art Hypnose, das Hirn arbeitet nicht mehr, die Gegenwart erscheint wie in einem Nebel. Einer von ihnen, wie es scheint Sija-nk-kllema(der Borsitzende des hoch- stcn Gerichtshofes in Täbris. D. Red.) beginnt mechanisch Gebete zu murmeln; er bricht aber plötzlich ab und wendet sich mit Flüchen an die Henker. Siket-ul-Jslom(der oberste geistliche Würden- träger in TäbriS) bewegt sich wie ein Automat auf demselben Fleck. Endlich wird den Henkern gestattet, ans Werk zu gehen. Als erster ist der Scheich Selim an der Reihe. Zwei Henker stürzen sich voll Wut aus ihren früheren Gebieter; fie werfen ihn zu Boden, legen ihm eine Schlinge um den Hals und ziehensiez u, indemsie sich mit den Beinen gegen die Brust des Scheichs stemmen. Eine Minute— und der frühere Inspirator der Be» wegung baumelt in der Luft. Tie Schlinge— begeistert sich der Korrespondent des ossiziöscn Blattes— ist offenbar von sachkundiger Hand angelegt worden; noch zwei— drei Minuten verläßt die Seele des Scheichs seinen sterblichen Körper." „Weiter folgen zwei Brüder, Fidais. Tie übrigen haben offenbar ihren Mut verloren, sie knien nieder und beginnen zu beten; die Lippen flüstern zusammenhanglos die Namen des Pro- pheten und des Jmams, die Augen starren sinnlos in die Ferne. Tic Reihe kommt an Sija-ul-Ulema; er wendet sich an den nächst- stehenden Henker und spricht:„Uebergib der Volksversammlung in meinem Namen.. Aber die Hand de» hinter ihm stehenden Soldaten schließt ihm den Mund und er verstummt. Unter de« Henkern entsteht schließlich Streit. Einer von ihnen hat sich entferntj um zu rauchen, und die anderen wollen nickst ohne ihn an Sikc-ul-JSlams Hinrichtung schreiten. Endlich ist aber alles zu Ende..." Es hieße den Wert dieser offiziösen Schilderung verringern, wollte man auch nur ein Wort des Kommentars daran knüpfen. Im Widerspruch zu allen bürgerlichen Dementi» und schönfärbe ri- scheu Berichten der Regierung berauscht sich daS einflußreichste Or. gan der Bureautratie au den Bluttaten, die die russischen Truppen in Persicn verübe». EZcnso begeisterte sich vor einem Jahrzehnt für das Blutbot, das russische Offiziere unter Tausenden von wehr- losen Ehinesen in Blagowcschtschenvk.au richteten. Die Chinesen haben diese Blutschuld zum Teil bereits im russisch-) apunis che» Kriege beglichen. Auch das persische Volk wird das.Mutregiment, das die Russen unter der stillschweigenden Zustimmung der euro- päischcii'„Kulturstaaten" in Pcrsien etabliert haben, nicht unge- sühut Igssen. Die russischen Machthaber habe« dort dieselbe blutig« »saas ausgestreut ivie in ihrem eigenen Kande, und können sicher sein, daß sie hadurch ihren.Untergang pur he-schleupigen. parlamentarLlcbes. Aic Stciiervorlagc im der Kommission. Die Kommission des Abg c o rd,ne>t>e n>ha»us.e s hat am Frciiügabcnd die Beratung des Gchetzentwiirscs chetr. hie Muche» rung des Einkömmens, teuergesetzes und des KrgänzunHSsteucwgosetzeS begonnen..Es hauticit sich bekanntlich cht.der Hauptsache dnru.m. ob die bisherigen Stcucrzuschläge, die seit 1909 bestehen, in.den Tarif hincingealbeitet werdeii sollen. Uip diese jMfjfe'jfich Sen» auch fast ausschließlich die Generaldebatte, Ter Minister betonte einleitend, daß die Regierung Mach ? rundlicher, eingehender Beratung zu der Uebcrzeugung gefontmen ch/dafe sie den Betrag hon chv Millionen.picht.entbehren kchvic; sie müsse das'Geld unbedingt aus d.«-' Einkogimensteue.r bichen� KU» Eisenibachiüöcrschüffe-n kömi-c sie es.nicht nehmen. Dein stimufte ,cni kons crvat ib.c r Redner zu. Der Etat könne heute die Gesamt- s um mc der Zuschläge nicht entbehren. Anders liege die Krage,.ob wir dA Zuschläge heute d a u.c r nd bchoilljgen sollen, Aic hier- ß, icu vorliegenden Bedenken habe-wohl auch die Rcgicruna aner, kann.'- aber sich in einer?~ ...... 1 1 WWMWWWWWWWWWe bgsltnden, stzx Mche $cv Gesetzes ihre dchringest zchsietz. Die Eiseriibahstuherschiissc seien so.schlvankcnder Aalut, daß man sich darauf nnA,' verlassen könne. Für die von der Linken verlang:« Onotifieruna w�ev sseinc Freunde nicht zu.haben, denn dannt seien auch politische Aktive ,verknchft..Einen wesentlich.anderen Ägud, Punkt nahm ein t.' l ch e,r� r.Redner azn: ----• Mipiogen dauernde Mshr- .,.„nst<......_____... nicht auf ewige Zeiten beiü�wW bäbe setzt schon 200 Millionen, er werde Haid, giss öch Millionen.e.n"«ch>cw Wenn man ferner bedenke, fc* e.ne«echsvermogenchteu« und eine Aenderung des KommniMt.A�che,lljgewtzcs in Auchicht stehe und daß auch ans der anderweRic?» Organilation her-Per- anlagungsbehörden bcträcksttiche Mehi�u'ahmen zu erwavte.�stnch so sei es das Richtigste. Beute nur ein �»V�num auf drei Jahre zu beschließen. Die Einarbeitung der tn den Taris i nützten seine Freunde ablehnen. Achniich ,lA.hertc sich etn frei» konservativer Redner.. Im Gegensatz dazu bezweifelte der Fi riatiiß�tstt st.«r, daß die Eiscnbahnüberschüsse dauernd so hoch seien, daß'wan böst»QNcr Thesaurierungspolitik sprechen könne. Man wisse nst-, t, wie.lange die guten Jahre dauern. Ter Ausgleichsfonds verfügd allarvtngs über A>9 Millionen, aber ein einziges schlechtes Jahr könne ertrage bei den Eisenbahnen bringen, die weit über 200 MvHPsten betragen. Di« Regierung müsse unbedingt darauf bestehen, ayie jährliche Dotation von den Eisenbahnen in bestimmter Höhe zu if--' kommen, denn sonst würde sie wieder von den Eisenbahnen abhängig werden, und es könnte event. einmal ein riesige» Defizit entstehen. «ollte sich später herausstellen, datz die Eisenbahncn mehr abwerfen, so könnte man ja eine Acndcrnng eintreten lassen� aber zurzeit sei es ausgeschlossen, daß die Eisenbghnsv mehr abwerfen.. Ein Vertreter des Zentrums bezeichnete das jetzige Systvft der Zuschläge als besser, er wandte sich gegen eine Einarbeitung der Zuschläge in den Tarif. Ein j o r t s ch r i itl i.chr r Redner führte aus, wenn man 1909 die Besserung der Finanz«» hält« voraussehen können, so hätte man nicht beschlossen, datz die Zuschläge so lange gelten sollen, bis das Steuergcsetz organisch geregelt ist. Angesicht« der großen Mehrbelastung mit indirekten Steuern durch das Reich dürfe man die Steuerzahler nicht mit 00 Millionen dauernd weiter belasten. Zum mindesten sei eine Ouoki sie rung angebracht, die Volksvertretung müsse bestimmen können, wieviel Quoten jährlich erhoben werden sollen. Darin liege zugleich auch eine bedeutende Stärkung des Einflusses der Lolkst)cr tretung. Große Bedenken habe er dagegen, datz die Zuschläge den Kommunen zuteil werden sollen. denn dann würden manchen Gemeinden die besten Steuerzahler verloren gehen. Durch eine richtige Handhabung des Veranlagung s« geschüfts würde die verlangte Summe ohne weiteres aufkommen,. Nach kurzer weiterer Debatte vertagte sich die Kammisiion auf Dienstag abend._ Hud der Partei. Bildungsarbeit. Der BezirkSbildungsauSschutz für Hessen und Hessen-Nassau wendet sich an die BildungSausschüsse, Ge- werkschaftshänser. Partcidriickereien, Genossenschaften usw. mit der Bitte, ihm vorhandenes Bildermaterial, wie Darstellungen an» dem Inneren der Betriebe, wie sie gelegentlich in den JahreS» berichten, Festzeitschriften usw. verwendet werden, zu übersenden. Besonders find Ansichten der Parteidruckerei, des Gewerkschafts- Hauses und photographische Ausnahmen bei Demonstrationen, Mai- fcstzügen usw. erwünscht. Die eingesandten Bilder sollen zur An- fertignng von Lichtbildervorträgen über die � deutsche Arbeiter- Bewegung verwandt werden, die von ausländischen Genossen an- geregt wurden. Im Interesse einer möglichst vielseitigen und zu- verlässigen Darstellung ist es deshalb gelegen, wenn recht viel An- schanungsmaterial zur Verfügung steht. Der Frankfurter Aus- schütz wird auf diese Weise in die Lage kommen, den ausländischen Genossen ein einwandfreies Material zu übermitteln. Die Scn- düngen sind zu adressieren: An den ArbeiterbildungSausschntz Frankfurt a. M., Eckenheim Nr. 30l. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Die Göppinger Genosse» nahmen in zwei stark besuchten Versammlungen am 8.»nd 14. Februar Stellung zu den in der„Dona-Wacht", Ulm, und im„Neckar- Echo". Heilbronn, erhobenen Anschuldigungen gegen die KreiSver- einsleitüng des 10. Württembergischen Wahlkreises und das Göp- Pinger Parteiorgan, die, wie berichtet, verantwortlich dafür gemacht werden sollten, datz das Mandat nicht erobert wurde. Der Kandi» dat Genosse Dr. Linde mann, der der zweiten Versammlung beiwohnte� kritisierte Vereinsleitung und Rebaktion im Sinne der „Donau-Wacht" und des„Neckar-Echo", die von rund 200 Genossen besuchte Versammlung nahm jedoch einsfimmig folgende Rcsolu- tion an: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von der im verflossenen Wahlkampf im 10. Wahlkreis geleisteten Arbeit und anerkennt, datz seitens der Kreisorganisation nichts versäumt wurde, um ein für die Partei günstiges Resultat zu erzielen. Die Versammlung an- erkennt insbesondere, datz die„Freie Volkszcitung" während des Wahlkampfes durch prinzipielle Aufklärung und Ausbreitung unserer Grundsätze autzerordentlich zur Stärkung und Festigung unserer Organisation beigetragen hat. Mit der Haltung der „Freien Volkszeitung" erklärt sich die Versammlung ganz einver- standen. Sie protestiert mit aller Entschiedenheit gegen die Art, ivie das„Neckar-Echo" und die„Donau-Wacht" gegen den Redak- teur, Genossen Thalheimer, zu polemisieren beliebten und spricht demselben das volle Vertrauen aus. Mit Genugtuung konstatiert die Versammlung, datz auch die im Wahlkampf agitatorisch tätig gewesenen Genossen die Ausklärung im Sinne der Prinzipien alz ihre Hauptaufgabe betrachteten. Die Versammlung erwartet, daß im 10. Wahlkreis auch in Zukunft im gleiche» Sinne gearbeitet wird." GewerfefchaftUcbes. Zur Lohnbewegung der Bergarbeiter. Der Borstand des Bergarbeiterverbandes richtet an die Arbeiter- schuft Deutschlands folgenden Aufruf: Die Bergarbeiter des Ruhrgebiets stehen in einer Be- wegung zur Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeits- bedingungen. Die Berechtigung dieser Bewegung wird von keinem sozial und gerecht denkenden Menschen bestritten Iverden können. Gerechtigkeit und soziales Denken war aber bisher bei den Bergbauunternehmern nicht zu finden. Die Ver- gangenheit �at dafür Beispiele genug. Es ist darum sehr wahrscheinlich, daß die Bergarbeiter, um ihre billigen For- dcrungen z�r Geltung zu bringen, leider gezwungen sein werden, zum Kampfe ausholen zu müssen. Nicht aus Lust zum Kampfe machen die Bergarbeiter sich mit diesem Gedanken vertraut, sondern weil ihnen keine andere Möglichkeit bleibt, ihre billigen Forderungen durchzubringen. Jedenfalls rechnen auch die Unternehmer schon mit dem Ausbruch eines Kampfes. Es wird nämlich dem Berg arbeiterverbande gemeldet, daß sich in verschiedenen Teilen Deutschlands Agenten aufhalten, um Arbeitskraft fürs Ruhrgebiet anzuwerben. Diese Agenten geben an, die geworbenen Leute sollen zu Erdarbeiten verwendet werden. Glänzende Versprechungen bezüglich des Lohnes werden ihnen gemacht. Hat ein Agent einen Trupp Leute zusammen gebracht, dann geht die Fahrt nach dem Ruhrgebiet. Unter Wegs verschwindet der Werbeagent und ein anderer übernimntt die weitere Begleitung des Transports. In der Regel ist der neue Begleiter ein Grubenbeamter, der die Leute bis zur Grube bringt, wo die„Erdarbeit" verrichtet werden soll. Von den gemachten Versprechungen wird nichts gehalten. Die Agenten sind den Gruben Verwaltungen meistens„unbekannt". Was diese gesagt haben. davon nimmt sich keine Verwaltung etwas an. Mittellos und allen Launen Preisgegeben, stehen die Leute da. Man denke sich nun den Ausbruch des Kampfes! Es wird dann von den Leuten verlangt, daß sie Streikbrecher werden. Wir können nur allen Arbeitern Teutschlands dringend raten, sämtliche Bergbaureviere, vor allem aber das Ruhr gebiet, zu meiden. Man beachte das und übe Solidarität! Alle arbeiterfteundlichen Blätter werden um Abdruck ge beten. Verlin und Nmgegend. Verband der Topeziercr. Die Sperre über die Firma Sprndler Bernauer Straße. 80, ist hiermit aufgehoben. Die Tarifdifferenzcn find beigelegt. Die Schlichtungskommission. Ter Streik in der Mützenbranche erfolglos beendet. Dev 10 Wochen dauernde Abwehrstreit in der Mützenbranche der sich gegen die Wiedereinfiihrung der Akkordarbeit richtete, wurde am 15. Februar von den«streikenden abgebrochen, ohne daß ein Zugeständnis erreicht werden konnte. Das llnternehmevtum be harrte bis zum Schluß des Kampfes auf dem Stundpunkte, in eine Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht einzugehen, ob- gleich die Ortsverwaltung des Kürschnervcrbandes nochmals ver- sucht hatte, die Differenzen durch Verhandlmtgen beizulegen. Die schlechte Konjunktur kam dem Arbeitgeberverband bei seinen Ab- sichten zustatten. Mitte Februar ist für die Mützenbranche der Zeit. Punkt der Hochsaison; doch von Woche zu Woche zeigte es sich, daß die Arbeit mehr ab- als zunahm. Die Reisenden, die im Dezember und nach Neujahr aus der Tour waren, kamen mit so wenig Orders retour, wie man es seit 10 Jahren in der Branche nicht kennt. Logisch wäre es ja nun nach diesen Wahrnehmungen, daß man erst recht auf ein gutes Frühjahrsgeschäft rechnen müßte. Aber dazu spielt auch für die Mützenbranche die Mode schon eine zu große Rolle. Weil die bisherigen Ml>belle überholt sind, Neues aber nicht geboten wird, konnten sich die Detaillisten und Warenhäuser nicht entschließen, wesentliche Bestellungen zu machen, obgleich die Lager eigentlich geleert sind. Man wartet allgemein auf neue Schlager. Ans diesem Grunde hielten es die Streikenden für angebracht, keine weiteren Opfer zu bringen. Soviel steht aber fest: der Arbeitgeber verband hatte sich die Einführung der Akkordarbeit einfacher gedacht. Die Arbeiter aber behalten freie Hand, zu jeder Zeit zu handeln, wenn es die Umstände bedingen. Maßregelung von organisierten Kellnern im Besuv III,„Hacke Peter", Schönhauser Allee 72, Inhaber Willy T r o ch c. Am gestrigen Sonnabend, nachmittags 2 Uhr, entließ Herr Trochc, ohne jede Veranlassung, die bei ihm beschäftigten vier organisierten Kellner. Der Stellenvermittler Krüger. Sophien st r. 8/9, lieferte fünf Streikbrecher. Herr Troche erklärte:„Ehe ich den Vertrag unterschreibe, mache ich lieber die Bude zu, ichlassemichauf nichts ei n." Bei diesem Vertrag, den die Organisatton abschließen wollte, bemängelte Troche einen Passus, der bezüglich etwaiger Maßregelungen die Interessen der Kellner wahrnimmt. Dieser.Passus ist in allen bisher abgeschlosse neu Verträgen enthalten und wurde erst kürzlich, unter anderem auch von dem Gastwirt Scholz,„?keuc Welt", ohne daß es zur Arbeitsniederlegung kam, anerkannt. Eine merkwürdige Rolle spielte der frühere Inhaber des oben genannten Lokales, der Gastwirt Paul Seliger, jetziger Inhaber vom Weltrsstaurant„Zum Vesuv", Kott- buser Straße 28. Dieser Herr, der anfangs Januar mit dem Verband deutscher Gastwirtsgehilfen für seine Betriebe genau den- selben Vertrag, wie ihn jetzt Troche unterschreiben sollte, anerkannt bat, hetzt nunmehr seinen Nachfolger gegen die Organisation auf. Er ist der Urheber dieser Maßregelung. Er versuchte in Gemein- schaff mit Troche die Polizeibeamten, die sich übrigens sehr reser- viert verhielten, zu veranlassen, die Vorbandsvertreter zu verhaften. Das ist ihm aber vorbeigelungen. Der erstgenannte Betrieb ist für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt. Deutfehes Reich. Die Organisation der Seeleute, Binnenschiffer und Flößer macht erfreuliche Fortschritte. Das Verbandsorgan dieser Berufs- gruppe, das nach Uebertritt des Verbandes der Seeleute zum Trans- Portarbeiterverband weiter erscheint, hat eine Auflage von 25 000 erreicht. Im Jahre 1897 gegründet, erschien„Der Seemann" bis zum Jahre 1899 in einer Auflage von 1000 Exemplaren; 1897 bis 1-�8 monatlich einmal, ab 1899 monatlich zweimal. Von 1899 bis 1907 stieg die Auflage des„Seemann" allmählich auf 10 000 und erst nach Schaffung der heute festgefügten Einheitsorganisation, also ab Juli 1910, stieg die Auflage des ab 1. März 1011 gemein- b-«es Organ der Seeleute, Binnenschiffer und Flößer gewordenen „Seennmn" schneller und hat nunmehr eine Auflage von LS 000 Exemplaren bei vierzehntägigem Erscheinen erreicht.— In dieser Zunahme der Auflage des„Seemann" spiegelt sich zugleich der leb- hafte Fortschritt der Organisation wider. Abschluß der Tarifbetvegung in der Holzindustrie. Nachdem die unter Assistenz von Vertretern der beiden Zen- tralvorstände an den einzelnen Vortragsorten geführten Verhand- lungen zu einer endgültigen Einigung nicht geführt hatten, trat am 0. Februar verabrcdungsgcmäß die zentrale Schiedskommission in Tätigkeit, um die übriggebliebenen strittigen Punkte durch Schiedsgericht zu erledigen. Diese Arbeit nahm eine volle Woche in Anspruch; am 15. Februar fällte die Kommission den letzten Schiedsspruch. Naturlich unterliegt die definitive Entscheidung über Annahme oder Ablehnung der Schiedssprüche der Beschluß- fassung der beiderseitigen örtlichen Versammlungen. Aber nach- dem die Zentralvorstände sich rückhaltlos auf den Boden der Schiedssprüche gestellt v auch in jedem Falle örtliche Vertreter bei dem Zustandekommc: der Schiedssprüche mitgewirkt haben, dürfte die Annahme der Schiedssprüche so ziemlich gesichert sein. Die materiellen Verbesserungen, die den Arbeitern durch die getroffenen Entscheidungen zuerkannt wurden, dürfen sich denen früherer Jahre an die Seite stellen. Eine genaue Uebersicht hier- über wird das bestätigen. Es»varen aber neben den materiellen auch mehrere prin- zipielle Streitpunkte vorhanden. Besonders die Unternehmer aus Südwestdcutschland, unter der„bewährten" Führung eines Aka- demikers, hatten eine Anzahl Vertragsbestimmungen, die in den meisten Verträgen des Holzgewerbes bereits vertreten sind, prin- zipiell verworfen. Tic Vertreter des Holzarbeiterverbandes ließen sich in ihrer Haltung dadurch keinen Augenblick beirren, und so schien es zeitweise, als ob jede friedliche Verständigung unmöglich sei, da keine Partei Nachgiebigkeit zeigte. Wären die Unternehmer auf ihrem Standpunkt stehengeblieben, dann wäre an jenen Orten unweigerlich der Kampf entbrannt, da der Holzarbeiterverband es als ganz selbstverständlich betrachtete, die bisher erzielten Fort- schritte in dem Vertragswesen auch den Scharfmachern aus Süd Westdeutschland gegenüber mit allen Mitteln zu verteidigen. Ali nach tagelangen, teilweise sehr scharfen Verhandlungen dann aber die Kommission zur Entscheidung schreiten mußte, fiel diese Eni- scheidung fast ausnahmslos im Sinne der Arbeitcrforderungen aus. Das Resultat der Bewegung in materieller Hinsicht ersieht man aus folgender Tabelle, wobei zu berücksichtigen ist, daß die Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen fast ausschließlich in den ersten beiden Vertragsjahren erfolgen, während für die Ver- träge selbst eine vierjährige Dauer vorgesehen ist. Die Arbeitszeit wird verkürzt Der Lohn steigt Ort um Stunden von auf um Pf. von aus Brieg.... 2 53 56 6 38 44 Kassel.... 1 54 53 6 47 resp. 49 55 Eilenburg.. 1 55 54 6 40 46 Frankfurt a. M.— 52 52 6 57 63 Heidelberg.. 2 56 54 6 48 54 Karlsruhe.. 1 54 63 6 45 54 Lauba»... 3 59 56 6 34 40 Mannheim-L.. 1 53 52 6 50 56 Neustadt a. O.. 1 53 57 6 38 44 Nordhausen.. 2 53 56 6 41 47 Nürnberg... 1 53 52 7 48 55 Pforzheim.. 1 55 54 6 44 50 Sckönlanke.. 3 59 56 5 40 45 Würzburg.. 2 56 54 6 40 46 Neben diesen Verbesserungen sind erzielt worden ebensolche Erhöhungen der Akkordpreise, Aufschläge für Montagearbeiten Sicherung des Lohnes beim Arbeitswechsel. Ausschließung Zivilrecht- licher Ansprüche aus den Verträgen an die Verbände, Regelung der Akkordarbeit und Vereinbarung der Akkordtarife durch die Vertrags- Parteien sowie eine Reihe allgemeiner Verbesserungen, durch die die Rechte der Arbeiter besser gewahrt und der einzelne Arbeiter im Betriebe im höheren Maße des Schutzes der Organisation teil- haftig wird. Im ganzen betrachtet, bedeutet die diesjährige Tarisbewegung der Holzarbeiter wiederum einen bedeutsamen Fortschritt auf dem Wege zu halbwegs geregelten und annehmbaren Arbeitsbedingun gen, und ebenso beweist dieses Resultat, was eine gute Organi sation für ihre Mitglieder zu leisten vermag. Immerhin wäre es grundfalsch, wenn die Tatsache deS friedlichen Abschlusses der dies jährigen Bewegung die Arbeiter der übrigen Vertragsorte in den Glauben versetzte, daß es nun in Zukunft immer so glatt abgehen werde. Wer weiß, was die nächste Zukunft schon in ihrem Schöße birgt. Manche Anzeichen deuten darauf hin, daß der friedlichen Aera der letzten Jahre sehr bald wieder Kampfesstürme folgen werden. Wer also weitere Fortschritte erreichen will, muß bereit sein, weiter zu rüsten._ Lohnbewegungen in der Steiuindustrie. In Wiesbaden konnte die Lohnbewegung der Marmorarbeiter soeben mit gutem Erfolge durchgeführt werden. Die Stunden- löhne der Steinmetzen werden in drei Staffeln insgesamt um 7 Pf. erhöht, die der Schleifer und Poliseure um 9 Pf. Der Streik der Sandsteinmctzen im Vorjahre hat recht erzieherisch auf die Marmorwerksbesitzer eingewirkt In Zell-Reinersreut sFichtelgebirgc) wurde am 14. Februar mit dem Granitwerksbcsitzer Dr. Erwin Goller ein umfangreicher Tarif erstmalig abgeschlossen. Herr Goller, der ehemalige liberale Reichstagsabgeordnete, wollte sich allerdings um die Unterschrift des Tarifs herumdrücken,>vas ihm aber nicht gelang Wegen Lohnreduzierung haben die Pslastersteinarbeiter der Firma Wolf in Kilchberg /Sachsen) die Kündigung eingereicht. Die Firma bemüht sich. Arbeitswillige anzuwerben, die Granitarbeiter eien deshalb auf diese Differenz besonders hingewiesen Die Granitwerksbesitzer in Demitz-Thumitz /Sachsen) wollen beim Tarifabschluß den Brechern die Akkordsätze bedeutend kürzen. Die Herren sagen, der Tarif müsse der Konkurrenz halber einheit- lichc Lohnsätze bringen. Dabei ist aber zu bedenken, daß die Stein- bräche in der Gesteinslagerung recht verschieden sind. Bisher gab es für den Kubikmeter zu brechen 6, 7 und 8 Mk. Jetzt soll der Satz auf 5,50 Mk. für die großen Quader festgesetzt werden, wäh rend bisher die meisten Firmen den Satz von 7 und 8 Mk. bezahlten. Die Unternehmer, die den Arbeitern so etwas bieten, liefern vor- wiegend für den Staat. Tlusland. 10 Jahre Wirtschaftskämpfe in Oesterreich. Das arbeiis- statistische Amt im k. k. Handelsministerium hat soeben eine sta- tistik über die Streiks und Aussperrungen im Jahrzehnt 1901 bis 1910 erscheinen lassen. Die Zahl der Streiks ist danach von 270 im Jahre 1901 auf 657 im Jahre 1910 gestiegen, 1907 waren es sogar 1086. Es streikten Arbeiter 1901: 24 870, 1907: 176 789, 1910: 55 474, was natürlich nur die wirtschaftliche Konjunktur �wider- Wiegelt. Die Statistik beweist, daß die längerdauerndcn Streiks von Jahr zu Jahr zahlreicher werden; während 1909 erst 0,8 Proz. aller Streiks über 60 Tage währten, war das zuletzt schon bei 78 Proz. der Fall. Ebenso gewinnen die größeren Streiks an Boden gegenüber den kleineren, die Einzelstreiks sinken, die Gruppenstreiks wachsen, es steigt auch die Beteiligung der unge- lernten Arbeiter an den Streiks. Die amtliche Statistik weist endlich aus, daß fast ohne Unterbrechung von Jahr zu Jahr die Zahl jener Streiks gewachsen ist, an denen eine gewerkschaftliche Organisation beteiligt tvar: von 35,6 Proz. in 1901 auf immerhin erst 58,8 Proz. in 1910. Leider fehlt eine Feststellung der Beteiligung der Unter- nehmerorganisationen. Auch so aber zeigt die amtliche Statistik die gewaltige Verschärfung der Kämpfe zwischen Kapital und Arbeit, die immer größere Volksmassen betreffen und ihnen den Beistand der Gewerkschaft unentbehrlich machen. Soziales. Entschädigung wegen Richtherausgabc des Arbeitsbuches. Der minderjährige Erdarbeiter Z. verlangt von dem Tiefbau- Unternehmer Gramens die Herausgabe des Arbeitsbuches bzw. die Neubeschasfung eine- solchen und für die Zeit vom 8. Januar ab bis zum Erhalt des neuen Arbeitsbuches pro Tag 3,40 M. Entschädigung. DcwBeklagtegibtzu�daß das Buch durch den damals bei ihm beschäftigten Schochtmeister abhanden gekommen oder auch der» loren gegangen sein kann. Im übrigen ist er der Meinung, daß der Kläger, da er schon 18 Jahre alt ist, das Arbeitsbuch gar nicht mehr benötigt. Der Kläger habe sich auch nicht sehr um die Besorgung eines neuen Arbeitsbuches bemüht. Er hatte, ihm mindestens sagen können, daß sich die Polizei geweigert hat, ihm ein Ersatzbuch aus- zustellen, und aus welchen Gründen die Weigerung erfolgte. Dann würde er seinerseits sich ebenfalls um die Beschaffung eines neuen Arbeitsbuches bekümmert hchben. Das vtewerbegericht belehrte den Beklagten dahin, daß der Kläger bis zur Vollendung des 21. Lebens- jahres das Arbeitsbuch benötigt und ohne dasselbe überhaupt nicht beschäftigt werden darf. Andererseits müßte aber der Kläger sich mehr um ein neues Arbeitsbuch bemühen und etwaig« Entschädi- gnngsansprüchc deshalb innerhalb vier Wochen geltend machen. Da diese Ansprüche abex erst nach Ablauf der vier Wochen geltend gemacht wurden, sind dieselben nach£ 112 der Gewerbeordnung erloschen. Das Gericht hielt aber«inen mätzigen Vergleich für gerecht und billig. Ein solcher kam auch zustande, indem sich der Beklagte verpflichtete, sich mit dem Kläger und dessen Vater gemein- sam bei der Polizeibehörde um ein neues Arbeitsbuch zu bemühen und noch 12 M. an Kläger zu zahlen. Bus Induftrie und FtandeL Eine Elektro-Trenhand-Aktiengesellschaft. Die von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft und dem Siemens-Schuckert-Konzern seit längerer Zeit geplante Elektro- Treuhand- Aktiengesellschaft ist nunmehr mit dem Sitz in Hamburg errichtet worden. Das Aktienkapital beträgt 30 Millionen Mark, von denen 25 Proz. bar eingezahlt werden. Zu Vorstandsmitgliedern sind ernannt Direktor Dr. Berliner, Vorstand von Siemens u. Halske A.-G., und Sie- mens-Schuckert-Werke G. m. b. H., und Geh. Kommerzienrat, Deutsch, Allgemeine Elektrizitätsgcsellschaft. Den AufsichtSrat werden bilden Dr. Walter Rathenau, Vorsitzender; Wirklicher Ge- heimer Rat Oberbürgermeister a. D. v. Becker, Generaldirektor Dr. Ballin, Direktor Fürstenberg, Geheimer Kommerzienrat Kloenne und Bankdirektor Mommsen. Bogel frisi oder stirb! Der durch seine umfassenden Expansionspläne bekannte Troßin- dustrielle Aug. Thyssen sen. hat dieser Tage wieder ein Unternehmen an sich gebracht! Die Handelspresse meldet, er habe die Gewerkschaft „Die Lippe" zum Preise von 1500 M. pro Kux erworben. Dieser Er- werb hat aber einen ganz eigenartigen Beigeschmack. Unter anderen Verhältnissen angewandt, würde die Erwerbsform unter den Er- pvessungsparagraphen fallen, beispielsweise, wenn Arbeiter sie bei Lohnforderungen Unternehmern gegenüber anwendeten. Jede GeWerk- schaft umsaßt 1000 Kuxe. Von den Anteilen hatte Thyssen im freien Verkehr 570 erworben, er besaß daher die Majorität. Die übrigen Kuxeninhaber widerstrebten dem Verkauf. Das Unterneh- mens welches zwei Kohlenfeldcr und große TerrainS besitzt, gilt als sehr lukrativ für die Zukunft. Was machte Thyssen? Er erklärte, er werde die Einziehung einer Zubuße von zwei Millionen Mark beschließen, zwecks weiterer Landankäufe und Tilgung einer Schuld an ihn. Weiter schreckte er durch die Erklärung, an einen Schachtausbau sei vorläufig nicht zu denken. Da die Gewerken ein- sehen mutzten, daß sie der Diktatur Thyssens ausgeliefert feien, ak- zeptierten sie schließlich sein Angebot. Der Kapitalismus bedarf nicht mehr der Pistole als Mittel der Aneignung fremden Eigen- tums. Dafür leben wir aber auch in der Gesellschaft, die den Schutz des privaten Eigentums als Fundament der Staatsordnung pro- klamiert und den kleinesten Diebstahl mit den Härtosten Strafen belegt._ letzte Nachrichten. Graf Aehrenthal gestorben. Wien, 17. Februar.(W. T. 83.) Der Minister des Aus- wärtigen Graf Aehrenthal ist heute abend 9.45 Uhr g e- st o r b e n.,_ Au« der Mandschurei. Mukben, 17. Februar.igen stürmischen Beratung endgülttg mit erdrücken- der Mehrheit gegen den Antrag, den GesamtauSstaud a» 1. März zu verkünden, aus. Dafür stimmten nur die revolutionären Schieferbrucharbeiter. Zum Schlüsse wurde der Nationalausschuß des ivergarbeiterverbandes beauftragt, im geeignete» Augenblick alle den Entschlüssen des Kongresses entsprechenden Maßncchmen zu treffen, damit die der Regierung mitgeteilten Forderuugen der Bergarbeiter durchgesetzt werden, falls sie vom IsZarlammt«mer- halb einer billigen Frist nicht bewilligt werden sollten, Fliegerrckord mit fünf Pasiagierea. München, 17. Februar. Einen deutschen Reckord mtt fünf Personen als Passagiere hat der Flieger Rendzel in München aufgestellt. Das Gewicht der Passagiere belief sich auf nahezu 860 Kilogramm. Die Fahrt dauerte allerdings nur S Minuten 8 Sekunden._ Revolte in einem französischen FraueugefängniS. Paris, den 17. Februar. /P. C.) Aus Perpignan wird gemeldet: In dem hiesigen FraueugefängniS hat heute eine M e u- t e r e i stattgefunden. Die weiblichen Sträflinge waren mit der angeblich zu strengen 53ehandlung unzufrieden und zettelten daher eine Verschwörung an. Es gelang den Frauen, durch eine weniger bewachte Tür zu entkommen und schon waren unge- fähr 30 von ihnen auf die Straße gelangt, als die Frau des Pfort- ncrs sie bemerkte. Die auf ihr Geschrei herbeieilenden Polizisten nahmen sofort die Verfolgung der unterdessen geflohenen Frauen auf. Nach einer Stunde wilder Jagd durch ganz Perpignan war es den Polizisten gelungen, sämtliche Ausreißer tmeder einzufangen und dem Gefängnis wieder zuzuführen. Die Frampr indessen. keineswegs durch das Mißlingen ihres Planes entmutigt, begannen einen ungeheuren Lärm im Gefängnis zu veranstalten, so daß sie von den Aussehern in Einzelhast untergebracht werden mußten. Eisenbahnzusammenstosi in Nordamerika. Fort Wayna(Indiana), 17. Februar.(SB. T. 58.) Bei einem hier erfolgten Zusammenstoß zwischen einem Zug der Pcnnsyl- vaniabahn und einem Güterzug wurden vier Personen getötet und 15 verlet?t. l?erantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Betf-n. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdr.u Verlagsanstalt Paul Singer ch Co, Berlin ZW. Hierzu 5 Beilage» Ar. 41. 29. IahWng. 1. Seilaze des Jmntto" Itrlintt UMIck. Sonktag. 18. Februar 1912. Rexcbstacf. & Sitzung vom 17. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Bundesratstisch: Delbrück. Mermuth. Tirpitz. V. Hexr ingen. 5t raette, Lisco.- Erste Etatberatung. (Vierter Ta g.)� Abg. Ledcbour(Soz.): Drei Bußprediger sind gestern hier hintereinander auf- getreten, die den Reichstag in larmoyanten Reden über patriotische und Wahlpflichten belehren wollten. Ter eine davon, Graf Posa- dowsky, hat wenigstens versucht, seine Bußpredigt in objektive Formen zu kleiden und hat sich bemüht, seine Ermahnungen nach allen Seiten auszustreuen. Die anderen beiden, der Reichs- kanzler und der Lizentiat Mumm(Zurufe rechts: Abgeord- neter Mumm)— ja gewiß„Abgeordneter Mumm"— mir war vorzugsweise seine frühere Tätigkeit in Erinnerung.(Zuruf rechts: Das ist nicht üblich!) Ich danke, Herr v. Bohle n dorff, ich freue mich, daß Sie wieder hier sind.(Heiterkeit.) Also Herr Mumm und Herr v. Bethmann Hollweg haben sich bemüht, gerade diejenigen Parteien mit Ermahnungen zu überschütten, die mit einem gewissen Selbstgefühl auf den Wahlkampf zurück- blicken können. Im allgemeinen sind aber Bußpredigten bei den- jenigen Leuten bester angebracht, die durch die Tatfachen schon darüber belehrt sind, daß sie auf falschen Wegen waren. Herr Mumm—(Zurufe rechts: Abgeordneter Mumm!— Unruhe bei den Sozialdemokraten) das grenzt ja fast an Obstruktion(Heiter- keit); es entspricht dem Brauch des Hauses, die Abgeordneten bloß mit dem Namen anzureden— Herr Mumm also machte auf mich den erfreulichen Eindruck, wie ein Posaunenengel, der am Tage des jüngsten Gerichts aus seinem Instrument die armen Sünder in die ewige Verdammnis hineinbläst.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich und meine Parteifreunde würden iiber diese Büßpredigt vielleicht zerknirscht sein, wenn nicht leider der Inhalt seiner Worte zum Teil in einem recht peinlichen Gegensatz zu der moralischen Salbung geraten wäre, von der das Gedröhn seiner Rede triefte. Herr Mumm hat es erstens für angebracht gehalten, eine gegnerische Zeitung, die ihm vermutlich unbequem geworden ist, ein liberales Blatt, bei den Behörden zu denunzieren und sie aufzufordern, dieses Blatt, das er im Tone der antisemitischen Agitatoren das„Jerusalemer Blatt" nannte, von den Bahnhöfen zu verbannen. Er sucht also einen politischen Gegner durch Aufhetzung der Behörden materiell zu schädigen. Nicht, daß er damit Erfolg haben wird, im Gegenteil, das„Jerusalemcr Blatt" wird nur Vorteil davon haben. Aber das lag nicht in seiner Absicht. Was er sagte, war eine Denunziation(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), und eine Denunziation galt bisher unter allen anständigen Politikern als etwas sehr Scbäbiges. Da möchte ich einem Volksvers folgende parlamenlarische Form geben: Ueberall im ganzen Land, Gilt als minder achtbare Persönlichkeit der Denunziant. '(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dann hat Herr Mumm mit ungeheuerer Entrüstung die Bc- hauptung aufgestellt, mein Freund S e v e r i n g habe im Wahl- lampf in einem Dorfe des Landkreises Bielefeld eine Wahl- Versammlung mit einem Choral eröffnet— eine abgrundtiefe Heuchelei nach Herrn Mumm. Schon im Januar dieses Jahres hat Sevcring in der Bielefelder„Volksmacht" die Sache richtig gestellt.(Hört! hört! links.) Ganz allgemein möckste ich bemerken, daß es auch in der Sozialdemokratie christlich gesinnte und glaubende Leute gibt. Wir schließen sie nicht aus, und kommen sie zu uns, nehmen wir sie auf. � Es sind zweifellos wenige, aber es kommt vor, z. B. im Erzgebirge. Was den Fall im einzelnen anlangt, so bezieht er sich auf ein Wahlflugblatt der Gegner, in dem diese Mummerci(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Dieser Mumm— Pitz— Heiterkeit) bereits gegen Severing ver- breitet wurde.«Ävering teilte mit, als der Besitzer der Diele, auf der die Versammlung abgehalten wurde, also ein Bauer,'der nicht zu unserer Partei gehört, die Versammlung aufforderte, mit ihm einen Vers eines Kirchenliedes zu singen, habe er aus Takt- gefühl zunächst geschwiegen, in der Versammlung jedoch seinen politischen Freunden erklärt, diese eigenartige Einleitung sei Georg LUcdner. Zur 7 S. Wiederkehr seines Todestages am 19. Februar 183 7. Drei Namen, die vor drei Vicrtcljahrhunderten im Kampfe der Zeit gegolten hatten, stehen im Buch des Todes hart neben- einander. Der Februar 1837 sichelte sie mit drei schnellen Schlägen bin: am 15. sank L u d w rg B ö r n c. der älteste von den Dreien. der Wecker des politischen Bewußtseins der Deutschen seit zwanzig Iahren: er starb in Paris im Exil; am 23. riß der Tod den Pfarrer Ludwig Weidig hin, den Vertrauensmann und Kopf der geheimen revolutionären Organisation in Hessen: er starb zu Tarmstadt im Kerker, ein blutiges Opfer reaktionärer Unter- suchungspein; und zwischen den beiden Männern fällte der Tod den 23jährigen Jüngling Georg Büchner, den landfliichtigen Kampfgefährten Weidigs: am 19. Februar fiel er einem Nerven- ficber zum Opfer im Exil zu Zürich, aufgerieben von übermenschlich großem Wollen und Quälen, und in den Stunden des Sterbens hetzte ihn die Not um die Freunde, die in der hessischen Heinitit in schlverster Gefangcmschast darbten, und seine Not schrie aus: „In jener französischen Revolution, die wegen ihrer Grausamkeit so verrufen ist. war man milder als jetzt. Man schlug seinen Gegnern die Köpfe ab. Gut! Aber man ließ sie nicht Jahre lang hinschmachten und hinsterben." Im Schicksal der drei Toten vom Februar 1837 ist das düstere Los von Tausenden jener Zeit ge- spiegelt. Die Reaktion des alten politischen Regiments, getauft aus den Schmachnamen Metternich, feierte damals m unbeschrankter Willkür die Feste ihrer knechtenden Gewalt. Aber die Namen der drei Opfer ihrer Zeit sind nicht nieder- gestampft worden, und keiner leuchtet so hell in unsere Tage herein, wie der Georg Büchners. Die revolutionäre Masse Deutschlands weiß, daß dieser Jüngling einer der ersten war, die ihre politische Bedeutung fühlten. Sie hört aus seinem Namen das Aufwort der ersten Flugschrift heraus, die aus dem ungeheuren sozialen und politischen Elend der verarmten Masten den Kriegsruf ablas, der das nachfolgende Jahrhundert erschüttern sollte. Der hessische L a n d b o t e! Sie weiß, daß Büchners Name, Wesen und Schicksal aus tiefstem Blute verbunden ist mit einer dramatischen Dichtung, die wie keine vorher und keine später riesiges Geschehen aus dem Leben der großen französischen Revolution schöpferlich nachgestaltete, und an der die Wucht des Gefühls mitschu). die revolutionär aufgewühlte Masse in ihrer Beivegung zu vergegen- wältigen: Dantons Tod. Büchners Altersgenoste. der zunge Hebbel— beide waren 1813 geboren— war hingerissen von den ersten Szenen, die Gutzkow 1839 veröffentlichte. Deutlich stellt sich uns heute die dichterische Vorläuferichast Büchners dar: dieser Jüngling drang in die geheimsten, ver- zweigtesten Gänge menschlichen Seelenlebens ein und fand die Wittel, ihren Inhalt mit realistischer Künstlerkraft auszuprägen. Zwlnec klarer auch ist erkknnbar geworden, daß recht eigentlich ohne seine Zustimmung und gegen seinen Willen erfolgt. Aus dieser loyalen Haltung die Behauptung abzuleiten, er lasse Wahlversammlungen mit Kirchenliedern einleiten, sei doch wohl der Gipfel der Unverfrorenheit.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten und Rufe: Mumm— Pitz ist's!) Uebcr die Wahlvcr- sammlung, in der Severing angeblich das Kirchenlied hat singen lassen, hat auch das christlichfoziale Organ jener Gegend berichtet (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), das Herr Mumm doch wohl zu lesen pflegt, und auch in diesem Bericht steht, daß der B e- s i tz e r des Hauses mit Bibel und Gesangbuch erschien und an die Anwesenden die Aufforderung richtete, ein Lied, das er anstimmte, mitzusingen. Es heißt weiter, daß Herr Severing anscheinend in unbehaglicher Stimmung am Feuerherde lehnte(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), daß der Herr sich� als Sänger schließlich ganz allein sah und bald aufhörte. (Hört! hört! und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Und jetzt erinnern Sie sich, was uns Herr M u m m gestern hier vor- salbadert(Heiterkeit links), vielmehr salbungsvoll hier vorgetragen hat.(Erneute Heiterkeit.) Ein Urteil über Herrn Mumm brauche ich nicht zu fällen, aber ich möchte ihn fragen, wie er eine solche — gelinde gesagt— Leichtfertigkeit in der Verdächtigung politischer Gegner mit seiner Abgcordnctenvcrpflichtung zur Wahrhaftigkeit vereinbart.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich wende mich nun zum zweiten Bußprediger, zum Reichskanzler. Am ersten Tage der Debatte, die nach einem beispiellosen Wahlkampfe unter außerordentlichen politischen Um>- ständen einsetzte, fehlte der Herr Reichskanzler. Am zweiten Tage huschte er wie ein trübseliges Irrlicht auf 5 Minuten durch die Verhandlung.(Heiterkeit.) Am dritten Tage hielt er seine Bußpredigt und heute ist er wieder nicht da, trotzdem er ganz genau weiß, daß auf die heftigen Angriffe, die er speziell gegen meine Partei geschleudert hat, sofort eine Antwort erfolgen wird. Das entspricht nicht den Verpflichtungen des lei- tenden Staatsmannes in solchen Situationen.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Er hat hier anwesend zu sein und seine Politik zu vertreten.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Er darf das nicht einem Grafen W e st a r p überlassen, so gut oder schlecht es dieser kann. (Sehr richtig! und Heiterkeit h. d. Soz.) Nun, wir sind das ja ge- wöhnt. Es ist das eine üble Gewohnheit der deutschen Reichskanz- ler nach dem Vorbilde des Fürsten Bismarck, der zuerst, wenn er mit dem Reichstage in Konflikte geriet, für mehrere Monate einfach verschwand, trotzdem er und seine Nachfolger die einzigen verantwortlichen Beamten im Deutschen Reichstag sind.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Wenigstens dem Namen nach verantwortlich. Aber die Herren haben bei solchen Gelegenheiten noch nicht ein- mal die moralische Verpflichtung gefühlt, die Verant- wortlichkeit in Rede und Antwort auf sich zu nehmen. Daß der Reichstag sich das früher hat gefallen lassen, selbst von einem Bis- marck, finde ich für das Ansehen des Reichstages nicht för- dernd. Wir Sozialdemokraten wollen jedenfalls dafür sorgen, soweit es an uns liegt, daß der Reichskanzler dieser staats- männischen Pflicht sich mit größerer G e wi s s en h a f t i g k e i t unterzieht. Der Reickskanzler Für st B ü l o w hat es übri- gens genau so gemacht. Wenn diese Herren glauben, durch Jmi- tation solcher wenig erfreulichen Eigenarten des Fürsten Bismarck in seine Kürassier st iefel hineinrlettern zu können und dadurch vielleicht in Ansehen zu kommen, so irren sie; auf die Herren paßt denn höchstens das Schillerwort:„Wie er sich räuspert und wie er spuckt, das habt Ihr ihm glücklich abge- guckt."(Sehr richtig b. d. Soz.) Daß der Reichskanzler jetzt bei der Antwort eines Sozialdemokraten nicht anwesend ist, wundert mich nicht. Soviel Courage bringt er nicht auf, eine Kritik anzuhören, nachdem er selber die Kritik in unerhör- ter Weise provoziert hat.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Vor allem muh ich Verwahrung einlegen wegen einer Aeußerung, die sich der Reichskanzler erlaubt hat. Wenn irgendein Mitglied dieses Hauses mit den Präsidentenwahlen unzufrieden ist, so ist es sein gutes Recht, dieser Unzufriedenheit den schärfsten Ausdruck zu geben. Wenn aber ein bureaukratischer Angestellter des Deutschen Reiches, ein Mann, der jederzeit durch die über- geordnete Persönlichkeit von seinem Posten entfernt werden kann, ein Mann, der nicht kraft seiner eigenen Ueberzeu° gung, kraft seiner Betätigung im öffentlichen Leben, sondern nur infolge höfischer Gnade auf seinem Posten steht(Sehr wahr! b. d. Soz.), ein Mann, der selber sür sich das Recht in Anspruch er die Brücke zwischen uns und jener Zeit von„Sturm und Drang" schlägt, in der sich einem Goethe die Urschrift des Faust aus der Seele losrang. Und in ihm wird sichtbar, wie sich die neue Wirk- lichkeitsdichtung loslöste von der Phantasiewelt der Romantik. Der Kampf, der das Wenige, was von Büchner auf uns gekommen ist, erschütternd anfüllt, ringt auf der letzten Schwelle und läßt schon die sprengende Axt krachen gegen das schwerverriegelte Tor, hinter dem eine neue Zeit sich auftut. Büchner ist der Ausdruck für die höchstgcspannte Kraft, die den Weg sucht, um befreit durch- zubrechen zum Sozialismus der Klassenkampfmasten, zum monisti- schen Entwickelungsprinzip der Naturerkenntnis und zur modernen dichterischen Menschendarstellung, die in Natur und Gesellschaft wurzelt und heute noch auf den Großen harrt, der erfüllen wird, was sie fordert. Die Enttäuschungen, die in Frankreich die mit dem Bürger- königtum ans Ruder gekommene liberale Geldaristokratie den re- volutionär Gesinnten bereitete, lernte Bückj>er in Straßburg kennen. Seit 1331 studierte er hier, um Arzt zu werden wie sein Vater. Straßburg nahm, wie nach 1789, so auch jetzt wieder die Sache der Revolution energisch ernst und trotzte den neuen Gewalt- habern Frankreichs mit erbitterter Ausdauer. So konnte Büchner das Spiel und den Wert der streitenden politischen Kräfte in guter Schule an der Quelle beobachten. Er kam in Berührung mit Send- boten der Saint-Simonistischen Lehre und erlebte in der Nähe den Eindruck der großen revolutionären Ereignisse von 1831 und 1832: des Hungeraufstandes der Lyoner Scidenweber, und der blutigen Niederwerfung der Republikaner in Paris. Diese Ereignisse be- deuten die Vernichtung des revolutionären Vertrauens auf den Liberalismus und den offenen Ausbruch des Klassenkampfes zwischen arm und reich. Freilich galt ihm die Zeit nicht als geeignet für eine re- volutionär« Bewegung, und er mochte auch nicht die Verblendung derer teilen, die in den Deutschen ein zum Kampf für sein Recht bereites Volk sahen. Solche Ansichten äußerte er im Frühling 1833 nach dem mißglückten Sturm auf die Frankfurter Konstablerwache. an dem er nicht beteiligt war. Ein paar Wochen später aber fällt das entscheidende Wort:„Ich habe in neuerer Zeit gelernt, daß nur das notwendige Bedürfnis der großen Masse Umänderungen herbeiführen kann, daß alles Bewegen und Schreien der einzelnen vergebliches Torenwerk ist." Ge- waffnet mit diesem starken Ergebnis geschichtlicher Einsicht, kehrt er im Sommer 1833 ins Hestenland heim. Georg Büchner war eine gärende Natur. Aus allen Gängen seines Wesens drängten schäumende Kräfte herauf, die entfesselt sein wollten. Sein Lebenswille war glühendster Freiheitsdrang, der alles seinem Wesen Fremde, alles Halbe, Unklare, Unlautere mit sicherem Instinkte mied und abstieß. Ueberall aber schloß ihn Enge ein, starrten ihm Grenzen von unüberwindlicher Höhe entgegen, und nicht bloß die wieder übermächtig herrschende politische Reaktion stürzte sein Leben in schwerer Tragik. Die hessische Reaktion scheuchte jede radikal-politische Betäti- gung in die Enge heimlicher Schlupfwinkel, und die Zurückge- nimmt, keiner Partei anzugehören, von keiner Partei abzuhängen; — das ist natürlich eine Illusion— wenn dieser amtierende Bureaukrat, der in sein Amt gekommen ist mit allen möglichen Künsten, mit denen ein strebsamer Beamter sich die Gunst der Vorgesetzten erwirbt, wenn der sich erlaubt, den Deutschen Reichstag herunterzuputzen, weil er diesen oder jenen in das Präsidium gewählt hat, der ihm nicht paßt, so ist das eine unerhörte Anmaßung. (Lebhafte Zustimmung links, Lärm rechts und Rufe: Unerhört!) Präsident Kaempf: Das überschreitet die Grenzen des parlamentarischen Maßes.(Große Verwunderung links.) Abg. Lcdebour fortfahrend: Nun, es ist eine Handlung, die wohl die Abgeordneten aller Parteien von dem Gemeingefühl aus, das uns in unserer politischen Tätigkeit beseelen muß, samt und sonders energisch zu- rückweisen müssen.(Lebhaftes Sehr richtig! b. d. Soz.) Daß der Abg. Arendt gestern dieser Handlung des Reichskanzlers zuge- stimmt hat, wundert mich.weiter nicht von diesem s e l b st b e st a l l- ten Verteidiger des„Teutschtums" in den Ostmarken.(Leb- hafte Heiterkeit und Sehr gut! links.) Aber ich appelliere jetzt air die Herren Konservativen; für uns gibt es sehr wenig Ge- meinschaft(Sehr richtig! rechts) zu gegenseitiger Befriedigung (Heiterkeit), aber Sie selber haben sich gerühmt, ein selbst- sicheres Ges.chlecht zu sein, und von einem Manne, der zu einem selbstsicheren Geschlecht gehört, und der den Stolz und das Selbstgefühl eines unabhängigen Mannes in seiner Brust hat, er- warte ich, wenn ihm die Ehre zuteil wird, als Reichstagsabgeord- netcr hier das deutsche Volk zu vertreten, daß er ebenso wie wir Sozialdemokraten und hoffentlich auch die Mitglieder anderer Par- teien mit aller Energie einen derartigen U e b e r g r i f f eines Beamten gegenüber einem Abgeordneten zurückweist.(Leb- Haftes Sehr richtig! b. d. Soz.) Ich warte ab, ob die folgenden Redner Gelegenheit nehmen werden, meinen Appell zu bejahen: oder zu verneinen. Der Reichskanzler hat Kübel voll Entrüstung über die Sozialdemokraten ausgeschüttet. Er hat die f r e i s i n n i gel Partei wegen ihrer Stichwahlparole mit noch größerem Grimm angegriffen. Die Freisinnigen haben in der Stichwahl auch gegen uns gestimmt. Die Gelegenheit wird sich bald bieten, durch die Einführung des Proporzes die Stichwahlen aus der Welt zu schaffen. Das sollte allen Parteien willkommen sein, besonders denjenigen, die über die Haltung anderer in den Stich» wählen räsonnieren. Der Reichskanzler hat alle die große'.; Pa r t e i kä m p f e, die sich hier abgespielt haben, als gnerella allemancke», ganz gleichgültige erbärmliche Zänkereien, bezeichnet- Ein Beispiel für eine ganz kleinliche querelle allemande hat sicher der Reichskanzler in höchsteigener Person geliefert, indem er der Fortschrittlichen Volkspartei vorwirft, imß sie in dem Wahlkreis, in dem er wohnt, durch ein Flugblatt an den Patriotismus gegen die Sozialdemokratie appelliert hat. Der Reichskanzler hat sich darüber aufgeregt, daß ihm so etwas und noch dazu in g e s ch l o s s e- nem Kuvert zugestellt wird.(Heiterkeit links.) Da sieht man doch endlich, was in großer Zeit die Seele des leitenden Staats- mannes des Deutschen Reiches durchwogt, daß irgendeine Partei statt einer 3-Pf.-ZNarke eine 5-Pf.°Marke auf einen Brief klebt. (Große Heiterkeit b. d. Soz.) Und er hat mit dem ausgesuchten Zartgesiihl der preußischen Bureaukratie diese querelle allemande in dem Augenblick vorgebracht, wo derjenige Kandidat, sür den zwei Pfennig zuviel angewandt wurden, auf dem Präsidenten- st u h l s a ß. Dadurch wollte der Reichskanzler dem Herrn 5t a e m p f und seiner Partei zu verstehen geben, wie ungnädig er eS empfunden hat, daß die freisinnige Partei, als die übrigen bürgerlichen Parteien durch ihr Verhalten bei der Präsidentenwahl die Ge- schäfte des Reichstages ins Stocken zu bringen suchten, in die Bresche gesprungen ist und dafür gesorgt hat, daß die Geschäfte des Reichs- tages ordnungsgemäß weitergeführt werden. Das ganze deutsche Volk aber, soweit es nicht durch die querelies allemandes des Reichs-, kanzlerS und seiner Gesinnungsgenossen vollständig der Gehirnverkleisterung verfallen ist, wird dieser Tat der Freisinnigen Partei seine Anerkcn» nung nicht versagen.(Sehr wahr! links.) Die Absicht des Reick)skanzlers kann nur gewesen sein, die Nationalliberalen durch Bedrohung mit der Ungnade der höheren Behörden dahin zu terrorisieren, daß sie bei der Neuwahl des Präsidiums nicht wieder sozialdemokratisch wählen.(Heiterkeit.) Man soll aber niemals die Hoffnung auf die Mannhaftigkeit und Selbstän- bliebenheit der sozialen Verhältnisse trotzte steinern unfruchtbar der revolutionären Saat, die Büchner ausstreuen wollte. Aus den Reihen der Kampfgenossen selbst wuchs ihm der Widerstand ent- gegen. Die Flugschrist, die er 1834 in glühender Leidenschaft zu bovtvärtstreibender Tat niederschrieb—„D e r h e s s i s ch e L a n d- böte"— wurde in den wichtigsten Punkten durch Abänderungen entstellt und der Stoßkraft gegen die besitzende Klasse beraubt. Pfarrer Weidig, der hier entschied, ließ sich nicht aus dem Kampf um rein politische Ziele auf die Bahn sozialer Revolution reißen, und wenn dieser Mann den jungen Dränger hemmte, so versagten nun die seit dem blutig erstickten Aufstande von 1839 gänzlich eingeschüchterten Bauern ganz und gar. Sie beantworteten den Aufruf des Landboten, sich zu erheben, mit der eiligen und frei- willigen Auslieferung der gefährlichen Schrift an die Polizei. Empört und bitter enttäuscht stand Büchner unter dem Eindruck des Geschehenen. Und ehe noch die Verbreitung der in einer ge- Heimen Druckerei zu Offenbach hergestellten Schrift recht in Fluß gekommen war, griff die Polizei«in. Sie wußte bon dem Unter- nehmen und fing einen Freund Büchners, der mit Paketen von Offenbach kam, bei der Einfahrt in Gießen ab. Verrat aus den eigenen Reihen her hatte sein Judaswerk begonnen. Verhaftungen lichteten und erschütterten die Geheimorgantsation, die Büchner nach dem Vorbild und mit dem Namen der französischen Gesell- schaft für Menschenrechte in Gießen und Darmswdt aus Studenten und Handwerkern gegründet hatte. Büchner selbst entzog sich, entschlossen handelnd, der schon nach ihm geworfenen Schlinge und blieb auch in Darmstadt, wohin der Vater ihn, bon den Ereignissen erschreckt, zum Abschluß der Studien übersiedeln ließ, cinsttveilcn von unmittelbarer Gefahr uniberührt. ?lber enger und enger zog sich das Netz um Büchner zusammen, furchtbar lastete auf ihm das Doppelspiel den Eltern gegenüber, immer furchtbarer wuchs die seelische Qual, die das Los der ein- gekerkerten Freunde und das gespannte Erwarten des eigenen Elends ihm auflud. In der fiebernden Not, dem ungeheuren Er- leben dieser Wochen brach sich der Dichter in ihm Bahn. In ra- sender Hast warf er sein Danton-Drama heraus, diese Tragödie vom Scheitern der gewaltigen Einzelpersönlichkeit, deren Wille heute dey Geschichte gebeut und morgen aller Vernunft zuwider machtlos in das verschlingende Kreisen ihres Chaos niedergerissen wird. Das eigene Erleben als Verfolgter strömte der Dichter in dem Schicksal Dantons und seiner Gefährten aus: dies gigantische Trotzen voll Mut und Stolz wider das nahende Verderben. Nach dieser Schreckenszeit schrieb er. einmal:„Für Danton sind die Darmstädter Poltzeidiencr meine Musen gewesen." Grauenbolle Wahrheit barg das leicht spielende Wort. Geldmittel zur Flucht besaß Büchner nicht, das Drama sollte sie ihm erst verschaffen. Nun enolich, nach fünf Wochen wilder Arbeit, schloß er das Werk ab— Ende Februar 1335— und an Gutzkow nach Frankfurt wurde es geschickt. Aber ehe noch eine Antwort eintreffen konnte. mußte der Dichter Tarmstadt flüchtend den Rücken kehren. Das Drama„Dantons Tod" ist der Schlüssel, nicht nur zum Verständnis dex seelischen Opfek. die dM Dichter der politische digkeit bei elftem Reichstagsabgeordnelen aufgeben, jxelchex Parle! tt auch angehören mag! Die Wahl hat gelehrt, daß die Parteien der schärfsten Oppo- fition gegen das bestehende Regierungsshstem, seine Träger und Helfershelfer den allergrößten Vorteil gehabt haben. Unser Stimmengewinn von einer Million, der frei» sinnige von 320 000, beweisen, daß die von uns sowie von der freisinnigen Partei vertretenen Hauptforderungen entschie- » e n st e Unterstützung im Volte gefunden haben, Daher muß auch der Reichstag diesem Aolkswillen gesetzgeberischen Ausdruck geben, wozu ihm die Verfassungsanträge von unS, den Freisinnigen und Rationalliberalen Gelegenheit bieten. Wenn dann der Reichskanzler fragt, was sich zwischen 1907 und 1912 denn ereignet habe, daß man mit solchem Ansinnen kommt, so scheint es. als ob er nicht bloß hier im Reichstag die Politik des Vogel Strauß befolgt und den Kopf in den Sand gesteckt hat, sondern auch in der allgemeinen Politik. Die Fi nanzreform und die Entgleisungen des persönlichen Regiments haben diesen Umschwung im Volke herbeigeführt. Schon 190h hätte der Reichstag bei pflichtgemäßer Ausnutzung seiner Machtmittel die damalige Regierung wegfegen und mit dem ganzen ver- hängnisvollen, verderblichen, für unsere Zeit nicht mehr passenden bureaukratischen Regierungssystem brechen können.(Sehr richtig! links.) Der Reichstag hat aber statt dessen das deutsche Volk aber nials mit einer Fülle neuer Steuern belastet. Ueber unsere Anträge ist in der liberalen Presse und auch von dem Abg. v. Payer gesagt worden, da sehe man den Revtsio. n i s m u s- Unsere Anträge zur Verfassung und zur Geschäfts ordnung liegen zum Teil jahrelang z u r ück, sie haben ihre letzte Faffrmg 1908 erhalten, und ich. den Sie doch zu den Radikalen rechnen, habe mir bei Vertretung dieser Anträge di grüßte Mühe gegeben, Sie. meine Herren Liberalen, zu einem entschiedenen Vorgehen an unserer Seite zu bewegen, Die Rechte machte in der Kommission Obstruktion, das Zentrum Mar zunächst auf unserer Seite, als aber der IZrthmann-Block kam, unterstützte es die Obstruktion und es kam so gut wie gar nichts heraus. Mit den Liberalen sind wir in diesen Fragen voll- kommen einig.(Sehr richäig! b. d. Soz.) Aber wie kommen Sie dazu, immer zu behaupten, daß wir mit Bezug auf die praktische Politik, die wir hier treiben wollen, in irgendwie wesentliche Diffe- renzen geraten? Ich bin überzeugt, das einmütige Urteil aller meiner Parteigenossen, welcher Richtung sie auch angehören, aus- zusprechen: daß alle mit Entschiedenheit de« Verdacht zurückweisen, als ob irgendwelche Sozialdemokraten» zu einer Rückwärtsrevidierung der Sozialdemokratie in eine bürgerliche Partei die Hand bieten würden, sLebhafte Zustimmung b. d. Soz.) Weil wir eine proletarische Kampfespartei sind, der der politische Kampf ein Lebenszweck, ein ideales Streben ist, werden die Meinungsverschiedenheiten zwi schen uns bis zum endgültigen Beschluß mit größter Energie durch- gc fochten. Nur die Partei PysadowSkh tritt in diesem hohen Hause geschlossen auf(Große Heiterkeit), aber ich glaube nicht, daß es in dieser Partei ol)ne Kampf abgehen wird. Graf P o s a d o w s k y hat sich gestern ,n so vielen Punkten in flagran- ten Widerspruch zu seiner früheren Amtstätigkeit gesetzt, daß die Vermutung nahe liegt, daß. wenn er zu einer bestimmten Frage Stellung nehmen soll, der Posa und der D o w S k Y sich sehr stark widersprechen werden.(Lebhafte Heiterkeit.) Nach dem Reichskanzler soll das deutsche Volk von der BureaukratU regiert werden. Aber der den Konser vativen doch gewiß als Autorität geltende Staatsrechtslehrer Stahl hat geschrieben,..daß diie Männer, von denen man sagt, sie stehen über den Parteien, meästens unter den Parteien stehen*. Es sind nämlich solche, welche sich rechts und links nach den Parteien umsehen, weil sie selbst keinen sicheren und unWandel- baren Matzstab der Ucberzeugung in dem Herzen tragen und des- wegen sorgsam abzirkeln, wohin man treten müsse, um gesichert und unangefochten in der guten Mitte zu stehen. Die Regierung ist im Wahlkampfe vor allem ein dienstwilliger Helfer der konservativen Partei gewesen.(Zuruf rechts: Nanu!) Sie, Herr Dr. Oertel, haben durch strammen Zuruf stets sich bemüht, die Dienstbeflissenheit des Mannes, der an der Spitze der Regierung steht, für die konser- bative Partei hervorzurufen, er hat nur nicht immer Order pa- riert, aber sich bemüht, soweit es seine Courage erlaubte, hinter dem Wandschirm der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" hervor verblümte und unverblümte Mahnungen zur Sammlung »m Interesse der konservativen Richtung ertönen lassen. In Deutschland regiert das Junkertum und SU der Hof und diese Miuderheitsparkei konnle nur dadurch eine parlamentarische Mehrheit gewinnen, weil immer irgendeine bür- gerliche Partei so töricht war. den Konservativen den Steig- bügel zu halten, die Sie aber doch immer nur als Ersatzreser- visten zweiter Güte behandelt haben.(Heiterkeit.) Ich begrüße es mit Freuden, daß in Bayern nun die Partei der Mehrheit die Minister stellt. Wir müssen dahin arbeiten, daß auch im Reiche diejenigen Parteien, die eine Mehrheit um sich sammeln können, auch die Regierungsgeschäfte in die Hand nehmen. Das ist der einzige würdige Zustand eines großen Kulturvolkes.(Zu- stimmung h, d. Sozialdemokraten,) Dem Grundsatz des Scha tz s e kr e tä rs, daß keine Ausgaben ohne Deckung gemacht werden sollen, stimmen wir zu. Aber ein Staatsmann auf finanziellem Gebiete hätte noch ganz andere Aufgaben zu erfüllen. Alle bisher eingeMrten Steuern sind für den Schatzsekretär ein Kräutlein Rührmichnichtan, weil für ihn die Ausgaben für Militär und Marine unantastbar sind. Jetzt sollen ja wieder für das Heer 48 Millionen, für die Marine 26 Millionen mehr aufgebracht werden. Gras Posadowsky bat gestern er- klärt, da der Reichstag nicht sachverständig ist, müßte er entweder vertrauensvoll alle Heeres- und Flottenforderungen bewilligen oder alles ablehnen. Wir tun dies ja; aber die andere Zumutung ist doch ganz unglaublich.(Sehr richtig! links.) Danach durfte ja nicht einmal der Reichskanzler und die anderen Staatssekre- täre irgend etwas gegen die Forderung des Kriegs- und Marine- Ministers sagen. In allen parlamentarisch regierten Staaten sind wiederholt Zivilisten an die Spitze der Militärverwaltung ge- stellt worden, in England z. B. Lord Haldane. Und Herr Churchill ist von Beruf ein ganz gewöhnlicher Journaliste. (Heiterkeit. Zu dem während dieser Ausführungen eingetretenen Staatssekretär Mermuth): Graf Posadowsky hat gestern dir Theorie aufgestellt, daß der Schatzsekretär, wenn der Marino- minister oder Kriegsminister eine Forderung an ihn stellt, stramm mit den Händen an der Hosennaht dazustehen und zu sagen hat Zu Befehl, Exzellenz!(Heiterleit.j Wir verlangen eine i' Gesundung unserer Finanzen zunächst dadurch, daß die Ausgaben für Heer und Marine anz erheblich reduziert werden. Durch allgemeine tolksbewaffnung nach Art des Schweizer Systems würde die Verteidigung unseres Vaterlandes gegen jeden möglichen An- griff besser gesichert als durch das gegenwärtige stehende Heer. Wir könnten dann die jetzt übermäßig erhobenen Steuern reduzieren. Alle indirekten Abgaben auf Le bens mittel und Verbrauchsartikel, seien es Zölle oder indirekte Steuern, drücken die breiten Massen des Volkes und schonen die Reichen und Wohlhabenden. Unsere Partei wird jede Gelegenheit benutzen, um dieses unheilvolle Steuersystem zu beseitigen. Wir wissen, daß wir mit einem Schlage nicht alles erreichen können. Wir wollen da? indirekte SteuerMeu auch deshalb beseitigen, weil es den Konsum der breiten Volks massen und die ganze wirtschaftliche Entwickelung hindert. Wir wollen auch bei Ersetzung der indirekten durch direkte Steuern diese zu labilen, quotisierbaren Steuern machen. Der Reichstag soll, um ein wirkliche? Budgethewilligungs recht zu bekommen, alljährlich die Höhe der Quote festsetzen, nach der die Einkommensteuer von einem bestimmten Einkommen angefangen erhoben werden soll.(Sehr richtig! bei den Sozial demokraten.) Dieser Gesichtspunkt müßte auch für die Libe- ralen und namentlich für das Zentrum maßgebend sein, da es doch früher dem Reichstag wenigstens eine beschränkte Hand» habe für das Budgetrecht geben wollte. Wir würden natürlich eine CrbschaftS-, Einkommen- oder Vermögenssteuer iir das Reich nur dann annehmen, wenn dafür drückende i n- »irekte Steuern ausgehoben werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Würden nur die Agrarzölle aufgehoben. dann könnten die Agrarier sagen: Ja. Ihr bürdet unS die ganzen Lasten der Jndustriezölle auf und nehmt uns die Schuhzölle. Nach unserer Auffassung ,st für die Gesundung unserer Volkswirtschaft der lückenlose Abbau der ganzen Schutzzölle notwendig.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Mit den Ausführungen PosadowskyS über unser Ver hältniS zu den fremden Ländern stimme ich überein. Seine kräst tigen Worte über die absolute Unzulänglichkeit un« 'erer Diplomatie sind wahrscheinlich aus Ersahrungen ge jründet. Wir verlangen eine Auslandspolitik, die nicht fremde Völker und Staaten einzuschüchtern sucht, sondern die in F r i e- den und Freundschaft mit allen Staaten und Völkern der Welt die großen Probleme der nächsten Zukunft zu bewältigen sucht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) China, das letzt in die kapitalistische Periode eintritt, sollten wir auch dadurch entgegenkommen, daß man ihm den Hafen Kamps im Hessenlande kostete, er öffnet auch den Weg zu den Nöten des werdenden Denkers. Schwer rang Büchner mit dem Rätsel der geschichtlichen Bewegung. AuS Gießen hatte er 1833 an die Braut in Straßburg geschrieben:„Ich studlerte die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem gräß- lichen Fatalismus der Geschichte. Ich finde in der Menschennatur eine entsetzliche Gleichheit, in den menschlichen Verhältnissen eine unabwendbare Gewalt, allen und keinem verliehen. Der einzelne nur Schaum auf der Welle, die Größe ein bloher Zufall, die Herr- schaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen «in ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, eS zu beherrschen unmöglich" Dieser„gräßliche Fatalismus" lastet auch im Danton noch auf ihm wie ein düsterer Alp. Bis zum Wahnsinn getrieben, schreit die geistige Not in der Novelle„Lenz" auf, zwischen ruhe- seligem Gottesglauben und wildestem GotteShaß schleudert er die Seele aus und nieder.„Die Welt, die er hatte nutzen wollen, hatte einen ungeheuren Riß." Die Frage nach dem Wesen jener geheimnisvoll das Schicksals schwert führenden Hände hat den Dichter nie verlassen, diese mächtige Frage der Zeit, die den Sozialismus zur Wissenschaft veinschmelzen sollte. Die jungdeutsche Auffassung Gutzkows,„die Gesellschaft mittels der Idee, von der gebildeten Klasse aus. zu reformieren", wies Büchner ab mit einem bündigen:„Unmöglich! Unsere Zeit ist rein materiell... Ich habe mich überzeugt, die gebildete und wohlhabende Minorität, so viel Konzessionen sie auch von der Gewalt für sich begehrt, wird nie ihr spitzes Verhältnis zur großen Klasse aufgeben wollen." Er sah den Hunger der Massen als geschichlliche Macht, sah in dem Klassengegensatz von arm und reich das Mittel, die Gesellschaft mit ausgleichender Gerechtig- Jfeit neu zu ordnen.„Friede den Hütten! Krieg den Palästen!" hieß es vornan im„Hessischen Landboten". Von 183S stammt Büchners Wort:„DaS Verhältnis zwischen Armen und Reichen! st daseinzigrevolutionäreElemcnt in der Welt", und dieser Gedanke ist ihm in allen, Schaffen «ah. Wie in TantonS Tod, so taucht daS klagende, anklagende Hungergespenst auch in den dramatischen Arbeiten auf, an denen Büchner im Exil zu Straßburg und Zürich schuf. Düstergewaltig erhebt er sein Haupt der Not im„Wozzek", aber auch in den heiteren Szenen von„Leonce und Lena" bleibt rS nicht fern. Und die nicht mehr als zwei Zeilen lange Vorrede dieses Lust- spiels setzt unter die Frage deS Tragödiendichters Alfieri:„Und der Ruhm?" als Gegenfrage das Wort deS Komödiendichters Gozzi:„Und der Hunger?" ES ist Büchner nicht beschieden gewesen, die Frage, die er ver- nahm, lösend zu Ende zu denken. Die zwei Jahre, die ihm nach der Flucht von Dacmstadt noch beschieden waren, sind angefüllt mit wissenschaftlicher Arbeit. Der Flüchtling mußte sein Dasein auf festen Boden bringen. Mit Studien der vergleichenden Anatomie und der Philosophie steuerte er auf das Ziel der Do- zentenlaufbahn loZ. Auch in dieser naturwissenschaftlichen Ar» Veit bewährte sich feine klar sichtende Genialität. Sein Drang. »aS Wirkliche zu erfassen, führte ihn au» eigener Kraft auf die Bahi, Goethescher Naturanschauung, und kein anderer al» Oken felf ttz« begeistert dk« Weg zu; Dozenten scha st M der Züricher Universität ebnen. Am politischen Kampfe beteiligte sich Büchner während dieser Zeit nicht. In Frankreich wie in der Schweiz hielt die allmächtig gewordene Reaktion die politischen Flüchtlinge charf im Auge. Wenn Büchner sich nach den hessischen Erlebnissen >er revolutionären Bewegung fern hielt, so wirkte mehr al» dir Rücksicht auf die eigene Zukunft die Ucberzeugung. es sei nicht im entferntesten an di« Möglichkeit einer politischen Umwälzung zu denken: jeder, der im Augenblick sich aufopfere, trage seine Haut wie ein Narr zu Markte. Es gibt heute in der Literatur Stimmen, die aus dem politischen Schweigen Büchner» in den Jahren des Exil» schließen möchten, der Dichter habe, seit er deiner Dichterschaft bewußt geworden, die Zeit de».Hessischen Landboten" wie eine jugendliche Verirrung hinter sich gelassen. Aber von einer solchen Wandlung zeugen weder die dichterischen Werke noch die Brief« der Exilzeit, und sie würde auch in nichts i u dem tief mit den Leiden seiner Zeit verwachsenen Wesen der ■ iersönlichkeit des Dichters passen. Diesen Wesen wird— auch zur Abwehr jeder ästhetelnden Schmälerung seiner herrlichen Kraft— am bestzkn die Frage gerecht, die Büchner auf seinen müde gewordenen Danton münzte:„Glaubt ihr, er könne die Finger davon lassen, wenn es zum Handeln kommt?" Fr. v. kleines femUeton. Musik. DI« Singakademie ragt auch im zweiten Jahrhundert ihre» Bestehens wie»in fester Turm inmitten des Berliner Konzert- treiben« auf. In den 11 Jahren freilich, feit denen Georg Schumann sie leitet, versteht sie auch den Fortschritt. Run hat sich durch eine Ausslihrung am Freitag und durch eine Vorausillhriing am Donnerstag(die wir besuchten) einem bisher wenig beachtetenKomponisle» die Ehre einer vollständigen Ausslihrung seines anspruchsvollen Haupt- wertes erwiesen. Friedrich EKoch. geb 1863, durch symphonische und vokale Kompositionen kein Neuling mehr, hat mir eine», Ora- torium„Bon den Tageszeiten" versucht, die bisherige Entwickelung dieser nicht leicht vorwärts kommenden Mustkgattung ortzusetzen. Wir erinnerten uns an Hahdn».Jahreszeiten" mir ihrem machtvollen Zusammenklang von Meuich und Natur; wir hörten manchmal von Berlioz'„Requiem" mit seinen wuchtigen Ein- drücken vom Todesschicksal und mit den eigentümlichen Wirkungen seiner in die vier Saaleckr» verteilten, da» jüngste Gericht markierenden Bläser- grupper:. In dieser Linie schreitet mm Kock weiter. Die Zeiten de» Tage« behandelt er fast als Jahreszeilen und al» AlterSstuten. Zum Menschenleben und Naturwalte» fügt er in jedem der vier Teile eine biblische„Legende" hinzu, die von einem besonderen entfernten Frauenchor gesungen werden soll(und diesmal von dem Dom- knabenchor ausgeführt wurde). Die Verse sind von dem Komponisten selbst; häufig zeichnen sie sich dadurch auS. daß der Reim von einem ganz kurzen Versbruchstück aufgenommen wird. Wie sie, so ist auch ie Kompositioi, in, ganzen gediegen, vernünftig, nicht unoriainell; die Chöre gewinnen einen plastischen Eindruck dadurch, daß die ver- schiedenen Stimmen, di« ohnehin kunstvoll selbständig find, häufig den Text untereinander verschieben. DaS Orchester wird in Berlioz Kiauf scholl töiedei! öBIrifk, Sei? ffitp zMkllgMsise dSssa» pachtet haben, um einen Platz an dar Sonne zu erwerben. Die Bülowsche Sonnenpolitik hat Fiasko gemacht. Die Ruckgabe Kraut- schous, für die die Chinesen wahrscheinlich die Kosten tragen werden, würde uns dieses große Volk zu Freunden machen. Leider sind ja Sie alls auf die imperialistische Politik e,n« geschworen, die uns in diesem Sommer erst wieder in Ma-> rokko in die größte Gefahr gestürzt hat.(Sehr richtigt bei den Sozialdemokraten.)„„ Herr v. Kiderlen ist zu mernem Erstaunen mchk an» Niesend— sollte er sich vielleicht auf den Reichskanzler vorbereiten und die Fähigkeit zu erwerben suchen, den Debatten fernzubleiben"/ Er hat in der Budgetkommission es so dargestellt, als ob die Reichs- regierung niemals die Absicht gehabt hätte, irgendwelche Gebi ete in Marokko zu erwerben, und daß die gegenteiligen Behauptun.gen der Alldeutschen und des Rechtsanwalts Claß nntichtig Die Clatzsche Idee, daß Deutschland sich nach einem stegreiöben Kriege in Marokko die Rhonemündung abtreten lassen solle, ist allerdings hirnverbrannt. Aber es ist durch Zeugen» aussagen festgestellt, daß mit diesem Conquistadore der Nhone* mündungen i">crt v. Kiderlen-Waechter vertraute Zwiesprache gepflogen und ihm sein alldeutsches denken gestanden hat. In dem„Grenzboten"-Prozeß ist mitgeteilt»oorden� Kiderlen-Waechter habe zu Claß gesagt, das alldeutsche Verlangen auf Marokko sei durchaus berechtigt, die Regieruwz werde in der marokkanischen Frage durchhalten, Cambon krümme sich vor ihm wie ein Wurm, Claß könne sich auf Kiderlen verlassen, er würde an der Marokkopolitik seine Freude haben. Und Unter« staatssekretär Zimmermann hat nach den Erklärungen in» diesem Prozeß Herrn Claß mitgeteilt, daß die Regierung zwei! Agentsprovocateurs nach Agadir geschickt habe, die ihre Sache sehr ut gemacht hätten(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten); deutschö firmen seien veranlaßt worden. Hilferufe um den Schutz der Regierung nach Berlin zu schicken.(Hörtl hört! bei den Sozial- demokraten). es sei die Absicht der Regierung, Hand auf dieses Gebiet zu legen und es nicht herauszugeben. Noch niemals istj unter Zeugeneid gegen einen deutschen Staatssekretär eine ihn soi' schwer kompromittierende Bezichtigung erhoben worden, die ihnl anklagt verbrecherischer Umtriebe, die das Deutschs Reich in einen Krieg hätte verwickeln können.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich fordere hiermit die Reichsregierung und insbesondere Herrn v. Kiderlen-Waechter auf, klipp und klay zu erklären: ist vor Gericht die Unwahrheit gesagt Morde« oder hat ee l Lockspitzel nach Agadir Seschickk, um derartige verbrecherische Dinge irt bis Welk zu schicken? Unruhe rechts.) Statt sofort nach dem Panthersprung der Welt zu erklären, eS ist nicht wahr, daß wir Ansprüche auf Marokko erheben, hat sich die Reichsregierung erst durch das Ausland drängen lassen, um drei Wochen später eine solche Erklärung abzugeben. Nach all diesen Tatsachen ist entweder die patriotische Bewegung, an die uns der Reichskanzler in seiner gestrigen Trauer- und Trüb- s a l s r e d e drohend erinnert hat. vollkommen sinnlos gewesen oder durch verbrecherisch« Veranstaltungen der deutschen Regierung erhöht worden. Präs. koempf: Ich bitk« Sie. sich t« Ihren Ausdrücken SN mäßigen. Abgc Ledebour(fortfahrend): Ich komme nun zu dem Beweise dfür, daß dem Herrn Reichs» kanzler diese patriotische Bewegung damals sehr willkommen g«o Wesen ist. Ich erinnere an das Duell Bcthmann— Hehdebrantz. Einzelne Herren der Linken haben geglaubt, er habe öamrk Sem Konservativen den Fehdehandschuh hinwerfen wollen. In Wirklich» k«it war es nur derAngstkampfeinesManneS.der seinen Schemel unter seinem Sitze wanken fühlt. Bei dieser Attacke hat aber der Reichskanzler gesagt:„Wir haben Monate durchlebt, wie wir eS kaum jemals in Deutschland erlebt haben. Ein Grundton dieser Stimmung ist der Will« Deutschlands, sich mit all seinen Kräften in der Welt durchzusetzen. Das war die erhebende Erscheinung, die mich gestützt hat, auch wenn sie sich in Worten gegen mich wandte, und ich empfinde Dank für die Gefühle, die im deut- schen Volke geherrscht haben." Also Dank für die Gefühle, dio einem Mißverständnis erwachsen sind, dem nicht sofort vom Reichskanzler bekämpften Mißverständnis, daß er auf Marokko die Hand legen wollte. In diesen Worten deS Kanzlers liegt eine indirekte Bestätigung der von mir verlesenen eidlichen Aussagen. Wie man in Wirklichkeit über diese Dinge urteilen soll, hat der ahrrungsloso Reichskanzler— sein« Ahnungslosigkeit ist eine der wenigen m i l- dernden Umstände für ihn— in den nämlichen Ausführun- gen gegen den Abgeordneten v. Heydebrand selber treffend gesagt:„Um utopistischer ErobrrungSpläne und um Parteizwecko Art mit weicher Oekonomi« behandelt. Die Kompofition als Ganzes ist keine Erzwingung von Künstlichkeiten und zeigt, daß man auch ohne eine solche Eigenes bieten kann. Nur wo sich der Künstler doch ein paar mal ins harmonisch oder sonstwie Verblüffende wagt, dort glaubt man's ihm nicht recht. Interessant ist er nahezu immer. so daß man auch die Breite und Länge (nahezu zweieinhalb Stunden) ertragen kann und Wohl nicht näher ftagt. ob die große Berstandesbefriedigung. die un« geboten wird, auch«in« Herzensbesriedigung ist. An Me- lodiösem fehlt'« nicht, an großen Themen eher; ein Schnitter- und ein Tanzchor sind Musterstücke. Gegen Schluß drängt sich doch das Görtchen„Kapellmeistermusil" auf, zumal da hier das, was keine solche ist. auf Wagners.Parsifal' zurückweist., Alles in allen, jedenfalls eine Bereicherung und von den dielen wackeren Mitwirkenden ein allseits anerkennenswertes Verdienst. S2. Notizen. Im Jnstituk Boriräge. Im Jnstituk füe MeeltilutiÜ# spricht Montag Prof. P. K r a i n e r über� Bau und Betrieb der Schifssmaschinen, Dienstag Korvetten-Kapitän H. Dominik über dy Jahre Mitarbeit der preußischen und deutschen Marine an der Entwickelung der deutschen Schiffahrtskunde. Freitag Dr. H. M i ch a e l s e n über die niederländischen Wftthäfen und Hamburgs Handel. — Die Freie Volksbühne feiert ihr Winterfest am Sonntag, den 2B. Februar, in Kellers Neuer Philharmonie(Beginn abend» 7 Uhr). Das Programm bildet ein Beethoven. Kon, z e r t von der Kapelle der Berliner Sinfonievereinigung(70 Künst, ! er) unter Leitung von Schrattenholz. — AlsNachfolger M u ck« an der König!. Oper ist Emil P a u r(aus Czernowitz) ausersehen worden. Er ist in der ganzen Welt als Dirigent tätig gewesen, besonders in Amerika. Während Muck den Dollarlockungen folgt, kehrt Paur ihnen den Rücken. Er ist übrigen» auch al» schaffender und ausübender Künstler hervor- getreten. Als Neunzehnjähriger trat er im Jahre 1874 bereits m Berlin al» Dirigent auf bei der Aufführung von Adalbert V. Gold, schmidts„Sieben Todsünden". — Monismus und Weltkultur. Am 20. Februar, Uhr, sprechen im Blüthner-Saal auf Veranlassung des„Deut. chen Monistcn-BundcS" Prof. Dr. Ludwig Stein über„Die Entwickelung de» weltbürgerlichen Gedanken« von der Antike bis zur Gegenwart" und Wilhelm Ostwald üter �)ie Kultuw orgamsation der Erde". — Die Ausstellung„Stätten der Arbeit«, die demnächst in Dresden«in Bild moderner Kunst vorführen wird» soll am 1. März ihre Pforten öffnen. Die besten deutschen Künstler haben Werke eingesandt und auch da««uSland wird gut vertreten ein. vor allem Belgien, die Heimat MeunierS, de» großen SchildererS der modernen Arbelt. — Da« Deutsche Museum in München kwi eine neue wertvolle Bereicherung durch die Ueberweisung von 1600 Porträt» der berühmtesten Botaniker aller Zeiten erfahren, die von Profesior KrauS in Würzburg seit vielen Jahren gesammelt wurden. tetflett fite twhünaljn Leidenschaften bis zur Siedehitze zu bringen, Hecht den Patriotismus kompromittieren' und ein wertvolles Gut vergeuden." sSehr richtig! links.) Und diese Worte lassen ftch mit Recht auch gegen ihn selbst und seinen Feld- -jug gegen die Sozialdemokratie im Jahre 1307 anwenden. Alles, was damals die Vertreter der Regierung und der bürgerlichen Parwen an patriotischen Angriffen gegen die Sozialdemokratie ge- leistet haben, war der p Mißbrauch des Patriotismus z» Parteizwecken. YSechr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So hat der Reichskanzler cn I'? diesen �Zor-ten em- für alleTlml die Verwendung des Patriotismus zu Parteizwecken, insbesondere im Kampf gegen die Sozialdemolratie. diskreditiert. u. Wie sehr die Mvralität der herrschenden Klassen in Europa in den letzten Jahrzehnten heruntergekommen ist, je mehr wir in den Imperialismus und Kntutal'.sinus hineinkommen, betveist ein 1Iai]et:cr �"Äandspolitik. Früher gab es in Europa eine ossentliche Memu� die gegen Raubstaaten, gegen Tyrannen in allen ändern mit Erfolg kräftigen Protest einlegte. Ein tol�xx Erfolg tourde z. B. erzielt, als 18SS Glad- stone einen gli'�qenden Protest gegen die scheustlichen Regierungs- pralliten eir��te, die der Bourhonenkönig von Neapel, Re Bomba, �l-kertanen gegenüber anwandte. Das hatte den Erfolg, dav o'�K scheuhliche Regierungsshstem in Neapel zusammen- tz'lach. Was aber Re Bomba in Neapel getrieben hat, ist Kinder- shiel gegen das, was der Zar und seine Schergen in 'ttustland tun. Dabei schließt die heut weit liberalere englische Aegierung mit diesem Zaren Bündnisse zur Beraubung un d Unterdrückung fremder Staaten wie Per- s i e n. Mit demselben russischen Zaren steht auch unsere Regie- rung auf freundschaftlichem Fuß. Und das Empörendste ist, während in Rußland Pogroms gegen die Juden veranstaltet werden, während die 5 Millionen Juden dort als eine mindettvertige Rasse behandelt werden, geben die großen jüdischen Bankhäuser in der gan�n Welt dem Zaren das Geld zur Aufrechterhaltung seiner Mißwjrt- schaft. Erst neuerdings haben wir erfahren, daß die angebliche Verschwörung der sozialdemokratischen Abgeordneten der ersten Duma, von denen etwa 20 wegen Hochverrats zu langjähriger Katorga verurtelt wurden, die zum Teil irrsinnig wurden, zurückzuführen ist auf eine von der russischen Regierung veran- staltete Lock spitzelarbeit.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Aus djesen Gründen halte ick es als Sozialdemokrat für mein« Pflicht, in derselben Weise wie früher bürgerliche Polt- tiker gegen fremde Tyrannei protestiert haben, so auch hier zu protestieren gegen diese unwürdige Unterdrückung des eigenen Volkes durch den Zaren und seine Schergen. >Bravo! bei den Sozialdemokraten— Zuruf rechts.) Jawohl, im Deutschen Reichstag; es soll auch im Deutschen Reichstag die Stimme des europäischen Gewissens gegenüber Brutalität und Barbarei ertönen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aus der K o l o n i a l p o I i t i k möchte ich nur festnageln, daß von dem neuen Staatssekretär vor kurzem ein UkaS für Samoa crlgssen worden ist, der zweifellos der allgemein an- erkannten Moral widerspricht. Wir haben Herrn Dr. Solf. als er sich in der Budgetkommission gegen Angriffe, die von agrarischer «eise gegen ihn als Gouverneur in Samoa erhoben wurden, der- teidigtc, energisch unterstütz,, weil er sich nicht dazu gebrauchen lassen wollte, die Einozwoxenen zu willenlosen Aus- b eu tu ng S o b i e kt Pflanzer zu machen. Herr Solf hat auch stets warme'-Sorte für die hohe Zivilisationsfähigkeit der Samoaner fanden. Um so unverständlicher ist, daß er jetzt »in Eheverbot erlassen zwischen Samoancrinnen und Weißen. Bon weißen Anstedlern sind beute verheiratet mit Samoanerinnen 81 Männer; es ist bei d«n sogenannten Klcinsiedlern fast allgemeiner Brauch, Samoane- rinnen zu heiraten, da es nur ivenig weiße Frauen gibt. Diese Weißen werden durch da» Verbot ins Konkubinat gezwungen, die famoanischen Frauen werden gewissermaßen zu einer Herde von Prostituierten für die weißen Beamten und Pflanzer de- gradiert. Das ist die notwendige Folg« eine» solchen barbarischen Erlasses. Wie kommt die Regierung dazu, der von ihr so gerühmten christlichen Moral derart ins Aestcht zu schlagen. Die Erfinder diese» Zwange» zur Prostitution waren übrigen» Herr De r n- bürg und Herr v. S ch u ck m a n n, der sogar die Weihen, die in Südwestafrika mit eingeborenen Frauen ,m Konkubinat lebten, entrechtete. Derselbe Herr v. Schuckmann hat seinerzeit im Preußi- kchen Abgeordnetenhause eine große Rede gegen da» sündhafte Treiben aus der Friedrichstrahe gehalten. Als ich die Sache damals hier vorbrachte, hat keiner von den Herren im Zentrum den Mund gufgetan. Ich hoffe, daß wir nunmehr aus den bürgerlichen Par- teien Bundesgenossen in der Bekämpfung dieser obrigkeitlich er- zwungenen Unsittlichkeit gewinnen werden. Da wäre auch Herr Roeren am Platz(Sehr richtig! und Heiterkeit), der gegen Un- sittlichkeit in Bild und Schrift so oft geeifert hat. Zeigen Sie hier Ihre EHristlichkeit. hier ist das Rhodos, wo Sie tanzen können. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Können Sie sich dazu nicht aufraffen, dann bitte ich mir an», daß Sie nicht mehr im Reichstag den Mund aufmachen und für Sittlichkeit und Christen- tum eintreten. Ich komme nun auf die Angriffe des Reichskanzlers, des Grafen V. Pofadowsky und des Grafen Westarp gegen uns. Die sozialdemokratische Gefahr scheint den Herren etwa? die Besinnung geraubt zu haben. Graf Westarp hat zwischen den Scheuklappen seiner polizeilichen Anschauungsweise weiter nichts vorzureiten gewußt, als die beiden abgetriebenen Klepper des polizeilichen Ausnahmegesetzes und Mißbrauch« der Amtsgewalt. AIS Begründung dafür hat er Von dem angeblich bekannten Terrorismus der Sozialdemokratie geredet. Er meinte: soll sich ein Unternehmer das gefallen lassen, wenn ihm die Fortsührung des Geschäft» durch Streik und Boykott unmöglich gewacht wird? Allerdings, der Streik und Boykott ist das gute Recht der Arbeiter. Jeder, in welchem Beruf er auch steht, streikt, wenn er es ablehnt, unter den bisherigen Be- dingungcn für den, der ihn beschäftigt, weiter zu arbeiten, und er übt Boykott, wenn er es ablehnt, bei Geschäften zu kaufen, die ihm nicht bequem sind. Im Boykottieren und Terrorist e- ren stehen die bürgerlichen Parteien an der Spitze, und zwar mit Unter st ützung der Behörden. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten,) Und die Behörden terrorisieren die Arbeiter in der unerhörtesten Weise. iSchr wahr! bei den Soz.) Ist das kein Terrorisieren, wenn Eiscnbahnarbcitern verboten wird, sich BerufSvercinen anzuschließen, wenn im Dienst« dcS Staates stehende Leute, die sich der Sozialdemo- kratie anschließen, wirtschaftlich geschädigt oder aus ihrem Amte geworfen werden? Ich erinnere auch an die "er Arons.(Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten.) Aus der Fülle des Materials solcher Terrorisierungen will ich Fhnen nur weniges mitteilen. Im konservativen Anzeiger von Bolkcnheim in Schlesien stand am 17. Januar:.Zieht bei der kommenden Reickstaasst'chwahl der Sozialdemokrat statt des Kon- servativen in den Reichstag, dann dürften noch viele Landleute ihre acschäftlichcn Beziehungen mit der Stadt abbrechen und sich saa«n: warum sollen wir in dem roten Reste kaukcn� Also lernet, Ihr seid gewarnt!"(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Daß der S p. r> t u s t r u st die Spiritus- Händler und Geschäftsleute terrorisiert, ist gerichtsnotorisch. In einem Aufruf des V-reinS deutscher Spintusfabnlanten heißt eS: .Ein Außen,'tchender wird miftamt seinen Abnehmern gehetzt werde n w i e e i n S t ü ck W' l d. Denn Gnade kennen wir nicht. Für uns gilt die Parole, daß sich ein jeter Kollege mit uns in Reih und Glied stellen muß. oder er wird als Feind behandelt und zugrunde gerichtet."(vorl. Hort, bei den Soz.) Noch nie find bei deutschen Gewerkschaften ,olche brutalen Terrorisie. rmrgsbestrebungen zutage getreten w>t hier von loniM reuen und konserpstipen Leuken. Und ds stellt sich Graf Westarp hm und verlangt Ausnahmesesehe gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften wegen irgendwelcher Bergehen, die, wenn sie überhaupt Nachweis- bar sein sollten, nicht entfernt heranreichen an das, was hier gtr schiebt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Ich weih nicht, ob Graf Westarp noch einmal den Mut haben wird, mit solchen Angriften auf die Sozialdemokratie zu kommen. Wir werden jedenfalls darauf hinarbeiten, daß durch die Ausgestaltung des Koali- t i o n s r e ch t s, durch die Sicherstellung der Arbeiter gegen jeden behördlichen Druck dem Arbeiter das volle Recht zur Verfügung über seine Arbeitskrast gegeben wird, des einzigen Ka- pitals, das er hat.(Bravo! bei den Soz.) Der Reichskanzler hat nun persucht, der Sozialdemo- kralle noch auf andere Weise beizukommen. Aber er ist kein Freund von einem klaren Ja und Nein, darum hat er den Angriff auf das allgemeine Wahlrecht nur verblümt erhoben. Wir fordern die Gleichheit der Wahlkreise in Ausführung der Reichsverfassung, die vorschreibt, daß auf 100000 Einwohner ein Abgeordneter entfallen soll. Die von den Kon- servativen abhängige Reichsregierung erhält die skandalös un- gerecht gewordene Wahlkreiseinteilung bis zum heutigen Tage aufrecht. Hie in der Hauptwahl gewählten 27 konservativen Abgeordneten haben zusammen etwa so viel Stimmen er- halten, wie mein Freund Zubeil und ich.(Hört! hört! bei den Soz.) Das ist gesetzwidrig und verfassungswidrig. Und wer es systemaiisch hindert, daß diese Vcrsassungsbestimmung aus- geführt wird, ist ein Verfassungsbrecher. Der Herr Reichskanzler zeigt durch sein Perhaltem daß er diese Bestimmung nicht ausführen will. Präsident Kaempf: Sie dürfen dem Herrn Reichskanzler im deutschen Parlament nicht Verfassungsbruch vorwerfen-; ich muß Sie dieserhalb zur Ordnung rufen. Abg. Lcdebeur(fortfahrend): Der Reichskanzler hat ange- deutet, daß es ihm lieb wäre, daß an die Stelle des bestehenden gleichen Wahlrechts irgendein Wahlrocht gesetzt würde, das nicht auf der Zahl beruht. Ich finde es u n e r h ö r t, daß ein zur finn- geinäßen Ausführung der Gesetze und der Verfassung berufener Reichskanzler Andeutungen macht, deren Durchführung auf die Bertiimmerung eine» der wichtigsten BolkSrechte Hinauskommen würde. Ich Hab« so eine Ahnung, daß es sich viel- leicht nicht mehr lange lohnen wird, über den Reichskanzler zu sprechen.(Heiterkeit.) Graf Pofadowsky sagte, man könne nicht mit Gewaltmaßregeln allein der Sozialdemokratie bei- kommen.(Ab«. Graf Posadowsky: Nein, das hcckie ich nicht gesagt l) Sie haben sich gestern so häusig widersprochen, daß es sehr leicht möglich ist, daß Sie„ach einer Viertelstunde nicht mehr gewußt haben, was Sie vorher sagten.(Heiterkeit; Abg. Graf v. Posa- dowKky: Ich habe gesagt, man kann die Sozialdemokratie nicht mit Gewalt unterdrücken. Zurufe bei den Sozialdemokraten: „Nicht al leint") Es haben es verschiedene Ohren gehört! Abg. Graf Pofadowsky hat weiter gemeint, man soll sich bemühen, die Arbeiter zu belehren, zu bessern zu vernünftigeren bürgerlichen Anschauungen. Diese Absicht dürft« Graf Posadowsky schon als Staatssekretär gehabt Habrn Aber gerade zu jener Zeit, 1903, hat die Sozialdemokratie einen kolossalen Aufschwung ge, nommen und 993 000 Stimmen gewonnen. Da haben Sie doch auch schon ethisch gewirkt.(Heiterkeit.) Das hat nicht» genützt. Sie scheinen in der Wahlbewegung ein« neue Methode gelernt zu haben� denn mit einem gewissen Selbstgefühl erklärten Sie, Sie würden mit der Sozialdemokratie sprechen, wie Sie da» in der Wahlbewegung gemacht hätten. Soviel mir erzählt wurde, hat Gras Pofadowsky in seinen Wahlversammlungen keine freie Diskussion gestattet, höchstens Zehnminutenbrennerreden. (Heiterkeit und Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Da Graf Pofadowsky schweigt, scheint es richtig zu sein, was mir erzählt wurde. E» ist aber keine Kunst, ein« Menge zu beeinflussen, wenn man die Gegenrede nicht zuläßt. Wenn Sie, Herr Graf, mir die Ehre einer Diskussion erzeigen wollen, die Berliner Parteigenossen toerden mit größter Freud« Ihnen die größten Säle zur Ver- fiigung stellen, so konzediere ich Jhnen zwei Stunden. ich will nur eine Stunde sprechen. Da haben Sie die schönst« Gelegenheit, hier an der Brutstätte des Umsturzes die Sozialdemo- krati« ethisch zu beeinflussen.(Abg. Graf Posa- d o w s k y: Ich habe mit der Arrangterung der Versammlungen gar Vichts zu tun gehabt.) Ich würde es mir sehr verbitten, wenn meine VersammlungÄeiter nur 10 Minuten Diskusston gestatteten, denn eine solch klägliche Rolle läßt sich kein Sozial- demokrat bieten.(Beifall hei den Sozialdemokraten. Zuruf des Grafen Pofadowsky: Ich bin kein Sozialdemokrat!) (Große Heiterkeit.)) Ja, eben darin sieht man den Unterschied der politischen Moral.(Unruhe.) Präsident Kaempf: Ich bitte nun doch, die Zwiegespräche zu unterlassen. Abg. Ledebeur(fortfahrend): Zu Zwiegesprächen gehören immer zwei.(Heiterkeit.) Graf Posadowsky meint, die Revisionisten hätten die welthistorische Aufgabe, die Sozialdemokratie allmählich zu läutern, bis sie eine bürgerliche Partei im Sinne der Liberalen oder der Nationallibe- ralen oder des Zentrums oder der Rechten oder, ich weiß nicht welcher Partei, geworden sind. Der Mann, der eine solche Idee hier ausspricht, ist der größte Phantast, den man sich vor- stellen kann. Und er wirft uns phantastische Ziele vor. Er faßt die sozialdemokratische Ideenwelt als eine Art entarteter Bureaukratie auf, die auf ein große» Reichszuchthaus hinauslaufe. Für uns ist es eine Offenbarung, daß Graf Posadowsky absolut nicht einzudringen vermocht hat in die sozialistische Ideenwelt. Ich hoffe. eS ist außer ihm niemand im Hause, der derartiges glaubt. Und ich habe deshalb nicht nötig, weiter darüber zu reden. Di« Sozialdemokratie ist ein Produkt unserer Eni- Wickelung, nicht etwa ein Produkt irgendwelcher Hetzarbeit (Heiterkeit im Zentrum), auch nicht irgendwelcher gehler der Re- gierung oder der bürgerlichen Gesellschaft. Diese fördern die Eni- Wickelung zur Sozialdemoiratie, aber die treibende Kraft ist die kapitalistische Entwickelung, die die großen Massen des Volkes proletariiiert und in ihnen den Freiheitsdrang, das Klassenbewußtsein und das Streben erzeugt hat, sich von aller Unterdrückung und Ausbeutung zu befreien. Die praktische Be. tätigung dieses Strcbens ist auf politischem Gebiet die Sozialdemokratie und auf w i r t s ch a f t l i ch e in die G e- werkschaftsbewegung. Ties«. Bewegung wird fort- Wachsen und fortgedeihen, ihrem Ziel entgegen, ganz gleichgültig, was Regierung. Unternehmer oder die bürgerlichen tarteien dagegen unternehmen. Sie können vielleicht an einzelnen tellen die Bewegung hemmen— aber die Sozialdemokratie wird diesen Widerstand schließlich mit einem gewaltigen Ruck überwinden. Denn in diesen Kämpfen der Sozialdemokratie klärt sich das Volk auf über seine Aufgaben und Ziel«; eS festigt seine Ucberzeugungen, seine Eni- schlüss«, seine Tatkraft und seine Fähigkeit, das Ziel der�Soziali- sierung der Gesellschaft zu erreichen. Wir sind nicht so töricht, zu glauben, daß da» ganze Klassenkämpferheer des Proletariat» an sich au» edleren, besseren oder klügeren Menschen bestehe al» die anderen Parteien; wir sind urrS der der langen wirtschaftlichen Unterdrückung und der Zurückdrängung der geistigen Entwickelung des Proletariats geschuldeten Mängel vollkommen bewußt. Aber das Proletariat streift sie von Jahr zu Jahr mehr ab, eS macht sich von Jahr zu Jahr reifer für die große Ausgabe. die seiner in der sozialistischen Gesellschaft harrt. Die Aufgabe der Vertreter der Sozialdemokratie ist es nur. diesem Wunsch und Willen als Wortführer zu dienen und dafür zu sorgen, daß dieser entschlossene Wille der Proletariermassen an denjenigen Orten, wo wir als Vertreter d«S Volke» aufzutreten haben, in die Tat umgesetzt werde.(Braw I bei de« Sozialdemokraten.). Seien Sie überzeugt, das in der Sozialdemokratie zu- sammengcsschlossene deutsche Proletariat wird mit seinen Bruder- Parteien in den anderen Ländern fortschreiten von Entwickelung»- stuse zu Entwickelungsstusr, bis die Zeit gekommen ist, da die wirt- schaftliche Entwickelung selbst soweit gediehen sein wird, daß der Uebergang der kapitalistischen in die sozialistische Ordnung eine zwingende Notwendigkeit geworden ist. Wir sehen mit Freude, wie das klassenbewußte, klarsehende Proletariat in diesen Kämpfen stets und ständig mehr die feige Knechtsgebärde der frühe- ren Zeiten abstreift, wie es sich zu dem Selbstbewußtsein freier Männer und der Kämpfer für ein großes Ideal durchringt und wie alle diese Proletariermassen sich mit dem stolzen Bewußtfein er- füllen und dafür kämpfen! in unseren Händen, in den Händen der deutschen Sozialdemokratie, der internatio- nalen Sozialdemokratie ruht die Zukunft und das Wohl unseres Vaterlandes und der ganzen Welt!(Stürmischer Beifall b. d. Sozialdemokraten.) Präsident Kaempf: Stach dem mir vorliegenden Stenogramm haben Sie gesagt:„Ich fordere insbesondere Herrn v. Kiderlen- Wa echt er auf. hier vorzutreten und klipp und klar zu erklären: ist da ein Meineid geschworen, haben die Herren vor Ge- richt die Unwahrheit gesagt ober hat er Lockspitzel nach Aga- d i r geschickt, um derartige verbrecherische Dinge in die Welt zu schicken." Sie haben ferner gesagt:„Ja, nach allen Tatsachen ist doch dies« so patriotische Bewegung entweder vollkommen sinnlos gewesen oder durch verbrecherische Veranstaltungen von der deutschen Regierung erhöht worden." Das sind nicht nur hypothetische Unterschiebungen, wie ich angenommen hatte, sondern Sie haben die Vertreter der Verbündeten Regierungen ver- brecherischer Umtriebe bezichtigt. Ich rufe Sic dieserhalb zur Ordnung. Abg. Ledebour: Ich habe gesagt: Entweder habe« die Herren einen Meineid geschworen oder... Präsident Kaempf: Es bleibt Jhnen unbenommen, schriftlich Beschwerde gegen den Ordnungsruf einzulegen, die dann ge- schäftsordnungsmäßig erledigt wird. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Kiderlen-Waechter: Der Abg. Ledebour hat Angriffe gegen die Regierung unseres großen Nachbarreiches, mit der wir in Frieden und Freundschaft leben, gerichtet, Angriffe, wie iie in diesem Hause wohl noch nicht gehört worden sin v. Er hat dieser Regierung ver- brecherische Absichten und Taten so ziemlich in der ganzen Welt vorgeworfen. Ich kann diese Angriffe nur auf das lebhafteste bedauern und muß sie auf das energischste zurückweisen. Ich bin überzeugt, daß die große Mehrheit dieses Hauses mein Be- dauern teilt.(Bravo! rechts. Zuruf b. d. Soz.: Nein!) Weiter geben seine Ausführungen über die Marokko-Angelegen- y e i t mir die erwünschte Gelegenheit, einmal mit einem Märchen aufzuräumen, das sich schon lange in der Presse herumtreibt, wo- nach ich gewisse Kreise aufgehetzt hätte, indem ich gesagt hätte. wir wollen Teile von Marokko nehmen. Da möchte Ich historisch zurückgreifen auf die Zeit, ehe wir da« Schiff nach Agadir geschickt haben. Es ist damals ein ausführliches Programm ausge- arbeitet worden. Die» Programm habe ich dem Herrn Reichs- kanzler vorgelegt, der es gebilligt und auch die Genehmigung Seiner Majestät dazu erhalten hat. Wir haben schon lange mit Frankreich verhandeln wollen, weil die Sache nicht so weiter ging, wie sie sich durch den Zug nach Fez gestaltet hatte. Wir haben da» Schiff nach Agadir geschickt. umdieSacheinFluß zu bringen. Wir haben dadurch feststellen wollen, daß die Franzosen kein Mandat hatten, für Europa in Marokko vorzu- gehen, und daß wir, wenn unsere Untertanen irgendwo in Mo- rokko gefährdet wären, dasselbe Recht hätten, sie zu schützen. Wenige Tage, ehe das Schiff nach Agadir ging, habe ich mit Herrn Dr. C l a h gesprochen. Ich möckste hier noch einschieben, dajtz all die Bemerkungen immer auf Unterredungen mit Dr. Claß, dem Führer der Alldeutschen zurückgehen. Indessen hat Dr. Claß diese Aeußerungen nirgends getan, auch nicht in dem Prozeß, denn da ist er gar nicht gehört worden. Ich habe damals zu ihm gesagt: demnächst werden wir etwas tun. um die Marokko-Angc- Icgenheit in Fluß zu bringen. Ich bitte aber, daß darüber nicht soviel Geschrei gemacht wird, seien Sie vorsichtig, es ist nur der Eingang zu Verhandlungen." Das ungefähr ivar die Sprache, die ich gefuhrt habe. Darauf bin ich nach Kissingen ge- gangen und habe mit dem französischen Batschafter Cambon bereits die erste Aussprache über Kompensationen gehabt, und zwar ausdrücklich über Kompensationen außerhalb Marokkos- Ich habe ihm dort zugeschoben, daß er mir solche nennen möge. Es war nach dieser Unterredung im Juni, da wollte Dr. Claß mich sprechen. Er kam hierher, ich war nicht anwesend und statt meiner hat Unterstaatssekretär Z k.m m e r m a n n mit ihm gesprochen. Er hat ihm ausdrücklich auseinandergesetzt, daß wir nicht Teile von Marokko haben wollen und hat ihm dafür die be- kannten Gründe angegeben, warum wir dort keine SiedelungSkolonie einrichten können und keinen Kriegshafen haben wollen, der unS nichts helfen könne. Da hat Dr. Claß zum Schluß selber gesagt: „Ach. da? ist schade". Dafür, daß ich Dr. Claß gesagt hätte, wir wollten Teile von Marokko, liegt von Dr. Claß selber keine authentische Aeuherung vor, und sie wäre auch nicht berechtigt. Tann ist behauptet worden, ich hätte einem Abgeordneten, der, glaube ich, n i ch t m e h r h i e r i st(Heiterkeit), einmal ausführlich gesagt, daß wir Teile von Marokko nehmen müßten, und er hätte sich sofort stenographische Aufzeichnungen darüber gemacht. Mit diesem Märchen ist viel krebsen gegangen worden. Ich war mir aber ganz genau bewußt, daß ich in dieser Unterredung ausdrück- lich die Gründe auseinandergesetzt hatte, warum wir nicht Teile von Marokko haben wollen. Nachher hat sich herausgestellt, daß ein kleines Versehen vorlag, es waren zwei stenographische Auf- Zeichnungen verwechselt worden, die, worin stand, baß wir Ma- rokko nehmen sollten, wa» mit einem Journalisten gewesen.(Hei- terkeit.) Dann habe Ich eine dritte Unterredung mit Dr. Claß im September gehabt, wo ich schon ziemlich über das reine Marokko- abkommen mit dem französischen Botschafter einig war und wir kleine Pausen machten. Wie sollte ich dazu kommen, in dieser Unter- redung zu sagen, wir wollen Teile von Marokko nehmen! Es war damals allerdings eine chauvinistische Stimmung in der französischen Presse, und es war uns ganz erwünscht, wenn man jenseits der Grenzpfähle sah, daß bei uns eine patriotische Stimmung dafür vorhanden ist, für unser Recht einzutreten. (HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Da habe ich Dr. Claß, der mich zu sprechen wünschte, weil er sagte, es käme nachher eine große Versammlung der Alldeutschen, was er da sagen solle (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten)— er hat mich gefragt, welches die Absichten der Regierung seien, daraus kann man ihm keinen Vorwurf machen und mir auch nicht, tvenn ich geantwortet habe. Ich habe ihm gesagt, so und so liegen die Dinge, wir wollen Kom- pensatro neu, setzt ist noch nicht das Stadium, daß wir sagen können, die Sache ist fertig; es ist ganz gut, wenn sich bei uns eine patriotische Stimmung zeigt, äußern Sie sich etwas reser» viert, so schadet das nichts.— Ich glaube, das ist kein Ver. brechen.(Sehr richtig!) Ich will das nicht weiter zurückweisen, daß wir Lockspitzel nach Slgadir geschickt hätten. Was die da hätten tun sollen, weiß :ck nicht. Ich glaube aber, die Herren werden aus dem, was ich gesagt habe, erkannt haben, daß eS unwahr ist, daß ich irgend lemand gesagt hätte, wir wollten Teile von Marokko nehmen, man mächte dafür Propaganda machen. Die Bewognng ist gekommen ohne unser Zutun, da» mögen Sie daraus ersehen, wie ich gerade vo» dieser Seite angegriffen worden bin. Irgendeine Aeußerung. wie sie im Prozeß von Spitzeln usw. gefallen ist— das möchte ich ausdrücklich betonen—, ist nicht von den Herren, mit denen ich gesprochen habe, gekommen, sondern sie mögen ge- kommen sein von irgendeinem Dritten. Die betreffenden Herren, mit denen ich gesprochen hatte, sind bedauerlicherweise in dem Prozeß nicht gehört worden(Bravo l) Mg. GrSker(3.) f Graf Posadowskh wandte sich ebenso wie der Reichskanzler gegen die Initiativanträge über ein Ministerverantwortlichkeitsgesey und meinte, der Tatbestand der Pflichtverletzung fei objektiv gar nicht festzustellen. Fehlt es denn etwa in Württemberg, wo wir ein solches Gefctz haben, an dieser Möglichkeit? Wenn das richtig wäre, stände es schlimm auch um das Disziplinar- recht.(Zustimmung im Zentrum.) Ein Ministcrverantwort- lichkcitsgesetz würde prophylaktisch vor allem wirken.(Sehr richtig!) Dem Wunsche des Abg. Junik, dast die Stichwahlen auf einen Tag gelegt werden, schließen wir uns an. Dagegen können wir nicht seinem Wunsche zustimmen, die Wahlprüfungen dem Reichstage abzunehmen und einem irgendwie zusammen- gesetzten Gerichtshof zu überweisen; wir wollen auf das wichtige Recht des Reichstages, auf die selbständige Prüfung der Wahlen, nicht verzichten. Weggegeben ist solches Recht sehr leicht, wieder- Zugewinnen ist es sehr schwer.(Sehr richtig! im Zentrum.) Für eine Abänderung der Wahlkreise ist die Ungleichheit der Wähler in ihnen angeführt; man könnte diese Ungleichheit mildern, man darf daraus aber nicht so weitgehende Aenderungen ableiten, um der städtischen Bevölkerung das Uebergewicht über die ländliche zu geben. (Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum.) Wir müssen bei einem Wahlgesetz auch auf den Schutz des Landes und die Er- Haltung der Bevölkerung achten, und nur der ländlichen Bevölkerung danken wir es, daß die Geburtenziffer bei uns nicht so stark zurückgeht wie in anderen Ländern.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.)— Daß der Bundesrat dem Wunsche des Reichstages nach Gewährung von Frcifahrkarten seiner Mit- glieder für die Dauer der ganzen Legislaturperiode Widerstand leistet, ist bedauerlich; es bewirkt, daß Vertagungen nach anderen als rein sachlichen Gesichtspunkten beschlossen oder abgelehnt werden. Der Antrag wird wiederkehren und hoffentlich beim Bundesrat Zustimmung finden.— Um dem Wettlauf der Initiativ- antrage zu begegnen, sollten wir den Fraktionen daS Recht geben, nach der Reihenfolge ihrer Stärke an den Schwcrinstagen Initiativanträge einzubringen. Ueberhaupt sollten wir die Geschäftsordnung zeitgemäß revidieren. Mein Freund Speck forderte zum Schluß seiner Rede die Frak- tioncn zu gemeinsamer Arbeit auf. Aber natürlich doch nur auf gemeinsamem Boden. Deshalb war der Einwurf, wir hätten das bei der Präsidentenwahl nicht getan, ganz unberechtigt. (Zustimmung im Zentrum.) 1907 fehlte es den Liberalen an der Erleuchtung, daß die stärkste Partei den Präsidenten zu stellen habe; auch waren 1907 auf Zentrum und Sozialdemokratie mehr Stimmen gefallen als auf die Blockbrüder. Tro�dem wurde der Anspruch des Zentrums nicht anerkannt, wie ja auch in den siebziger Jahren dem Zentrum ein Vizepräsident verweigert wurde, lange nachdem es nach seiner Stärke schon Anspruch darauf hatte. Die L i b e r a l e n sind so bescheiden, sich stets als die Führer hinzustellen, obwohl sie immer geführt und geschoben werden, und zwar(hinweisend daraus, daß die Bänke der Liberalen jetzt weiter nach rechts gedrängt sind) immer mehr nach rechts.(Sehr gut! und Heiterkeit im Zentrum.) In der F i n a n z- frage ist selbstverständlich an der gesetzlichen Bestimmung festzu- halten, daß 1 Proz. der allgemeinen Schulden zu tilgen ist. Was aber mit den weiteren Uebcrschüssen zu geschehen hat, ist natürlich nach den Verhältnissen jedes Jahres in jedem Jahr gesondert zu beurteilen und zu entscheiden.(Sehr richtig! im Zentrum.) Heute drohen bedeutende Mehrausgaben für Heer und Ma- r i n e, und außerdem handelt es sich um sehr bedeutende Ucber- schösse aus dem Jahre 1911. Bei einem Ucbcrschuß von 20 Millio- nen haben wir kein Bedenken, sie zur Schuldentilgung zu der- wenden. Wenn die Ucberschüsse aber 100 Millionen übersteigen, können wir doch das Volk nicht mit neuen Steuern be- lasten.(Sehr richtig! im Zentrum.) Große Ucberschüsse sind gewiß kein Verbrechen, Herr Staatssekretär, aber sie legen nicht Zeugnis ab für eine sehr sorgsame Etatsausstcllung(Sehr richtig! im Zen-. trum), und wir werden deshalb sehr sorgfältig die A u s st e l l u n g des neuen Etats zu prüfen haben. Ter Abg. Junck meinte, die Massen seien erregt worden durch die Ablehnung der Erbanfall- stcucr. Ach nein! Diese berührte die Massen so wenig, wie die Talonsteucr. Die Erregung der Massen ist hervorgerufen worden durch die Steuern, die auch die Liberalen zu be- willigenbereitwaren.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Wir werden also das gesamte Material prüfen und uns nicht aus den Standpunkt des Grafen Posadowskh stellen, daß wir die Heeresausgabcn und ihre Bewilligung lediglich als eine Vcr- trauensfrage für die Heeresverwaltung auffassen.(Lebhafte Zu- stimmung im Zentrum und links.) Das lassen wir uns weder vom Hause aus, noch vom Bundcsratstische aus sagen.(Erneute Zustim- mung im Zentrum und links.) Der Reichskanzler forderte die bürgerlichen Parteien zur Einigkeit auf; im selben Augenblick aber deutete er an, die Heeresforderungen sollten gedeckt werden durch eine Erbanfallsteuer, über die doch gerade die bürgerlichen Parteien uncins wurden. So einigt man die bürgerlichen Parteien nicht, sondern v e r u n- einigt sie erst recht.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Der Redner wendet sich in längeren Ausführungen gegen eine Aus- dchnung des Erbrechtes des Reiches und betont lebhaft, daß die jährliche Festsetzung der Matrikularbeiträgc als einziger beweglicher Faktor im Finänzgcsctz notwendig sei. Direkte Reichssteuern würden die finanzielle Selbständigkeit der Bundesstaaten beseitigen.(Sehr richtig! im Zentrum.) Sozialpolitik sind wir vcrpflichtck zu treiben und fortzusetzen, aus Gründen der Gerechtigkeit, und zwar ohne Rücksicht auf die Zahl der sozialdemokratischen Wähler. Das hat das Zentrum von jeher getan.(Lebhafte Zustimmung im Zen- trum.) Diese Politik muß auch vor allem gerichtet sein auf Hilfe für den selbständigen Mittelstand. Aber wertvolle Jahre sind im Äulturkampf vertrödelt(Lebhaftes Sehr richtig! im Zentrum), che man sich sozialen Fragen zuwandte. Graf Posa- dowsk» wünscht die Vollsmassen zu belehren und hofft auf eine Rückbildung der Revisionisten. Dabei hat er selbst das wahre Wort zum Schluß seiner Ausführungen den Liberalen zugerufen, daß die radikalere Parte? stets die weniger radikale überwinde durch ihre unerfüllbaren Ueberbietungen. Die Aufklärung allein genügt daher nicht, die Erziehung und vor allem die Religion muß hinzutreten. Alle Verfolgung der Religion und der Ordensgemein- schaften ist deshalb falsch.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Schon zwei Ordensbrüder sind vom preußischen Kultusminister als eine Niederlassung erklärt worden.(Zurufe bei der Volkspartei.) Wenn schon zwei eine Niederlassung ergehen, dann hat die frei- sinnige Volkspartei ja gegenwärtig eine Niederlassung auf dem P r ä s i d e n t e n st u h l.(Schallende Heiterkeit. Zuruf bei der Volkspartei: Vorübergehend.) Auf die Dauer kommt es nicht an, es gibt auch vorübergehende Niederlassungen.(Erneute große Heiterkeit.) Die innere Ueberwindung der Sozialdemokratie kann nur geschehen durch Staat und Kirche, durch Schule und Staatsverwaltung, durch Regierung und Kirche, die sich gegenseitig stützen und unterstützen müssen.(Leb- hafter, anhaltender Beifall im Zentrum.) Kolonialstaatssekretär Dr. Solf verteidigt den in Samoa gegen die Mischehen gerichteten Erlaß. Besonders dankbar für diesen Erlaß werden die Eingeborenen sein, denn in Sanum gibt es weniger Frauen als Männer. Weiße heiraten Samoanerinncn dort nur, weil diese sich dank der Tätigkeit der Missionen nicht mehr zum Konkubinat hergeben(Bravo! im Zentrum), oder um eine Haushälterin und bequeme und billige Wäscherin zu bekommen, oder um durch eine Häuptlingstochter zu samoa- nischem Landbesitz zu kommen.(Zuruf bei den Soz.: Ganz wie bei uns.) Auf die hiesigen Verhaltnisse kann ich nicht ein- gehen, ich habe hloß die Kolonien zu vertreten.(Große Heiterkeit.) Reichsschatzsekretär Mermuth verteidigt die Ucbernahme der Ausgaben für den Festungsbau vom außerordentlichen auf den ordentlichen Etat und will unbedingt an der gesetzlichen Verwen- dung der Ueberschüsse zur Schuldentilgung festhalten. Man darf doch nicht zu der alten Anleihewirtschaft zurückkehren, eigentlich nur, weil man die Erbschaftssteuer perhorresziert. Zur Bewilligung neuer indirekter Steuern wird gegenwärtig kaum G e- n e i g t h e i t im Hause vorhanden sein(Lebh. Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), die Vermögens- und Erbschaftssteuer wollen die Regierungen nicht in Anspruch nehmen. Wenn wir nun das Gebiet, das in der Mitte liegt, beschreiten wollen, und noch ehe w,r d«n Fuß auf dieses Gebiet gesetzt haben, wird am Eingang eine War- nungstafel aufgestellt: BrüSIierung strengstens untersagt.(Heiterkeit links.) Soll denn wirklich die Erbschaftssteuer für immer und ewig als tiefer Schatten auf unserem politischen Leben liegen, soll die ganze Anleihewirtschaft aus diesem Anlaß aufs neue eröffnet werden? Es ist gesagt, die Nation soll alles an ihre Ehre setzen. Wollen Sic hinter„alles" ein Fragezeichen setzen, indem Sie die Bereitschaft zu Opfern abhängig machen wollen' von der Form, in der die Opfer sich kleiden? (Beifall und Sehr gut! bei der Vp.) Hierauf wird die Debatte vertagt. Persönlich bemerkte Abg. Mumm(chr.-soz.), der Abg. Lede- b o u r hätte in der Ravensberger Affäre das bestätigt, was er gestern gesagt habe. Mumm beschwert sich ferner darüber, daß der Abg. Lcdebour mit Anspielung auf seinen Namen von Mumpitz geredet habe und stellt fest, daß er nicht in Bielefeld, sondern in Berlin im Wahlkreise des Abg. Ledebour, wohne. Im übrigen finde er es begreiflich, daß Abg. Ledebour dem Organ in der Jeru- salemer Straße heute seinen Dank abgestattet hätte. Abg. Ledebour(Soz., persönlich): Es ist n i ch t wahr, daß ich das Wort„Mumpitz" ausgesprochen habe. Vielmehr waren das Zwischenrufe aus dem Hause. Ich erkenne an. daß ich mich in einem Punkte geirrt habe, nämlich in bczug auf den W o h n o r t. Ich er- fahre zu meiner Genugtuung, daß er in meinem Wahlkreise wohnt, und hoffe, daß er mit der Zeit mein Wähler wird. Nun l>at Abg.Jlliumm den Versuch gemacht, meinen Nachweis, daß mein Freund S e v e r i n g oder ein anderer Sozialdemokrat sich in keiner Weise an dem Choralgesang beteiligt haben, dadurch zu entkräften, daß er behauptete, ich hätte seine Behauptungen b e st ä t i g t. Ich stelle fest, daß nach dem Bericht des..Ravensbergers", einem christ- lichsozialen Blatte, der Besitzer des Grundstücks, ein christlich- sozialer Mann, den Choral gesungen hat, und daß sich Sozialdemokraten daran in keiner Weise boteiligt haben, weswegen sie von den Christlichsozialen sogar angegriffen worden sind.— Wenn dann der Abg. Mumm behauptet, ich hätte dem Organ in der Jerusalcmer Straße meinen Dank abgestattet, so bestreite ich das, wüßte auch nicht, wofür.(Zurufs rechts: „Nana!") Ich habe nur die Tatsache, daß dieses Blatt von den Be- Hörden boykottiert wird, um es zu schädigen, an den Pranger gestellt. Ich freue mich, daß ich in der sittlichen Beurteilung eines solchen Falles von der Meinung des Abg. Mumm so sehr ab- weiche.(Beifall lieks.) Abg. Mumm wiederholt in einer persönlichen Bemerkung seine Behauptung in dem Ravensberger Fall. Als der Abg. Ledebour hierauf erwidern will, erschallen zahlreiche Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten: Laufen lassen! Abg. Ledebour(persönlich): Meine Darstellung des Vorganges ist, wie ich wiederhole, genau aus dem christlichsozialen Blatte ent- nommen, und sie enthält das genaue Gegenteil von dem, was der Abg. Mumm hier nochmals glaubhaft zu machen versucht. Nächste Sitzung Montag. 2 Uhr. Die ll{ranltenkontrolle,.w]e fle ist, und wie fie fein iollte. D»es Thema wurde in der von der Zentralkommission der Krankenkassen am Freitag abgehaltenen Versammlung eingehend erörtert.—- Der Referent Albert Kohn, Geschäftsführer der Orts- krankenkasse der Äaufleute begann mit dem Hinweise, daß sich 1903 die Jahresversammlung des Zentralverbandes der Ortskranken- lassen mit der Krankenkontrollc beschäftigte und infolgedessen der Zciftralvcrband einen Entwurf einer Dienstanweisung für Kranken- kontrollcure ausgearbeitet hat, der den Kassen zur Beachtung cmp- fohlen wurde. Trotzdem— so führte der Referent weiter aus— sind auf dem Gebiete der Krankenkontrollc außerordentlich wenig Fortschritte gemächt worden. Das steh! nicht im Einklänge mit den bedeutenden Fortschritten, welche die Krankenkassen auf anderen Gebieten, besonders Krankheitsverhütung, gemacht haben. Die Krankenkontrolle ist heute noch das Stiefkind der meisten Verwal- tungen. Bei manchen Verwaltungen besteht noch die Ansicht, daß der dümmste Kerl, der in keinem Zweige der Verwaltung zu ge- brauchen ist, innner noch gut genug ist zum Krankenkontrolleur. Das kennzeichnet den Wert, der diesem Verwaltungszweige bei- gemessen werd. Die meisten Verwaltungen befolgen die Tendenz: die Kontrolle soll uns Krankengeld ersparen. Auf diesen Stand- Punkt ist es zurückzuführen, daß der Kontrolleur von den Kranken mit Mißtrauen betrachtet und als Polizist, nicht aber als Freund des Kranken betrachtet wird. Es ist sehr interessant, daß sich in den Schriften einer auswärtigen Bctriebskasse der beherzigenswerte Satz findet:„Der Kontrolleur soll sich nicht als Polizist, sondern als Freund der Kranken fühlen."— Ist die Verwaltung kleinlich, dann ist zu erwarten, daß sich diese Eigenschaft in noch höherem Matze dem Kontrolleur überträgt. Wird der Kontrolleur nur daraufhin betrachtet, wie viele Besuche er täglich macht oder wie viele Uebertretungen er zur Anzeige bringt, dann ist nicht zu er- warten, daß sich der Kontrolleur zum humanen Menschen aus- bildet. Dann wird er immer mehr den Stempel des Spitzels auf die Stirn gedrückt bekommen. Schlechte Krankenkontrollcure sind immer nur da zu finden, wo eine schlechte Verwaltung ist. Von vornherein ist darin gefehlt worden, daß� man glaubt, es sei die Hauptaufgabe der Krankenkontrollcure, Simulanten zu entdecken. Darunter haben die wirklich Kranken, die doch die überwiegende Mehrzahl bilden, am meisten zu leiden.— Der Redner zeigte hierauf im einzelnen, welche Aufgaben den Kontrolleuren zu über» weisen sind, damit sie ihre Funktion ausüben sowohl im Interesse der Kasse wie der Kranken. Niemals dürfe die Kontrolle kleinlich sein. So brauche man doch nicht immer auf peinliche Jnnehaltung der den Kranken bewilligten Ausgehczeit zu achten. Wenn ein Kranker, der bei schlechtem Wetter tagelang zu Hause war, bei gutem Wetter die Zeit ein wenig überschreitet, so könne wohl ein Auge zugedrückt werden. Mit der Verhängung von Strafen, die sich ja nicht ganz vermeiden ließen, müsse rech: vorsichtig vey- fahren werden. Auf keinen Fall dürfe eine Verwaltung die Straf. gelber als Einnahmequelle für die Kasse ansehen. Zu den wich- tigsten Aufgaben des Kontrolleurs gehöre es, daß er auf Grund seiner Beobachtungen der Wohnungs- und Lebensverhältnisse des Kranken Borschläge in der Hinsicht macht, ob KrankcnhauSpflege notwendig sei. Wenn die Reichsversicherungsordnung es immer noch in das Belieben der Kassen stellt, ob sie Krankenhauspflege gewähren wollen oder nicht, so sei das ein falscher Standpunkt. Aufgabe der Kassen sei es, die Kranken so schnell wie möglich wieder erwerbsfähig zu machen. Zweifellos werde dies Ziel in vielen Fällen durch Krankenhauspflege eher erreicht als wenn der Kranke in seiner Wohnung bleibe, die ja oft nicht einmal für Gesunde als Ausenthaltsort taugt. Wenn beispielsweise ein Schwindsüchtiger in einem Raum, vielleicht in denselben Bett mit anderen Fa- milienangehörigen schläft, dann sei schon mit Rücksicht auf diese Krankenhauspflege geboten. Die Kasse dürfe nicht denken, was gehen uns Frau und Kinder des Kranken an, fie sind nicht unsere Mitglieder, für sie haben wir nicht zu sorgen. Das sei ein falscher Standpunkt. Die Kinder der Proletarier würden ja, sobald sie erwachsen sind, auch Kasscnmitglieder. Also habe die Kasse wohl ein Interesse daran, bei Zeiten Vorsorge zu tröffen, daß das heranwachsende Geschlecht nicht schon krank in die Kasse cintritv und ihr dann dauernd zur Last liegt. Auch hinsichtlich der Wäch. nerinnenunterstützung würde es sich oft nötig machen, Frauen aus einer ungesunden, beschränkten, durch Heimarbeit in Anspruch ge- nommencn Wohnung zu entfernen und in eine Entbindung»- anstalt zu überweisen. Alles das müsse durch den Kontrolleur beob. achtet werden, der deshalb nicht nur aus den Kranken, sondern auch auf dessen Umgebung zu achten und danach der Verwaltung Vorschläge zu machen und für weitgehendste Krankenfürsorge zu wirken habe. Solcher Ratschläge, die dem Gebiet des ArzteZ an- gehören, habe sich der Kontrolleur natürlich zu enthalten. Tie Kassen müßten sich ohne Ausnahme gute und humane Kontrolleure. auch weibliche, heranziehen, die ihren Aufgaben in jeder Hinsicht gewachsen sind. Das gelte sowohl für freiwillige als auch für Berufskontrolleure. Da das Gesetz den Krankenkassen leider nicht das Recht gibt, alles zu tun, was sie im Interesse ausgiebigster Krankenfürsorge für erforderlich halten, so könnten in geeigneten Fällen auch die außerhalb der Kassen bestehenden Fürsorgeeinrich- tungen in Anspruch genommen werden. Mit diesen Einrichtungen müßten die Kontrolleure vertraut sein, damit sie deren Benutzung den Kranken empfehlen können. Wenn die Krankenkassen die Forde» rungen der Zeit verstehen, dann würde es ihnen nicht an Kon- trolleuren fehlen, die das Herz aus dem rechten Fleck haben und mit Freude ihren Beruf erfüllen. Der Vortrag fand allgemeinen Beifall. Auf Vorschlag de» Vorsitzenden Simanowski beauftragte die Versammlung die Zentralkommisston, eine Anleitung für die Krankenkontrollcure im Sinne des Referenten auszuarbeiten und den Kassen zu- zustellen. Schließlich teilte SimanovSki noch mit, daß die Spandauer Apotheker den Krankenkassen die bisher gewährten Vergünsti- gungen gekündigt haben und Verhandlungen hierüber im Gange sind. Das Vorgehen der Spandauer Apotheker lasse erkennen, daß die Apotheker in den Vororten den Kassen den Krieg erklärt haben. Deshalb müßten die betreffenden Kassen, sobald sie von der Zen- tralkommisswn eine entsprechende Mitteilung erhalten, den ihnen von der Zentralkommission namhaft gemachten Apothekern die Kassenlieferung von einem bestimmten Zeitpunkt ab entziehen. In der Versammlung waren vertreten aus Berlin 39 Ort?-. 4 Betriebs-, 3 Jnnungskassen. Aus den Vororten 25 OrtS- und 3 Betriebskassen. Außerdem 17 Hilfskassen. Marktbericht va« Berlin am 1«. Febrnar»SIS. nach Ermittelung des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00—50.00. Speis ebohnen weitze, 36.00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 10.00—15,00. 1 Kilo- qramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindflciich, Bauchfleisch 1,30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1.40—2,50. Hammelfleisch 1,30—2.20. Butler 2,60—3,20. 60 Stück Eier 4,50—7,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,20—3,00. Zander 1,60—3,60. üechte 1,40—2,60, Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 4,00—30,00. avonDeife eine neuartige k)auskaltfeil� von fabelhafter Waschkraft. Es ist jeder Hausfrau aufs dringendste anzuempfehlen, unbedingt einmal einen Versuch zu machen, und sie soll zu diesem Waschversuch empfindlichere oder bssondsrs vsrsekmulÄe Sachen nehmen. ZKsu wird die Wäsche nicht wieder* erkennen, so schön ist sie geworden. Em Stück Kavon-Seife(Preis 20 Pfennig) genügt zu diesem Versuch vollständig. Mit einem Stück Kavon-Seife kann man einen ganzen Haufen Wäsche und andere Sachen waschen.(Aehtttttg! Die Kavon-Seife gibt sofort Schaum. Starkes Aufdrücken wie bei anderen Seifen ist unnötige Verschwendung! Bei richtiger Behandlung muß man mit hsih SO viel Seife wie sonst auskommen.) ___ Wer mit yaoon-Seife einmal gewaschen hat, nimmt keine andere Seife wieder. 201/a verantwortlicher Redakteur» Zllbrrt Wach», Berlin. Für de» Jnjeraterueil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Lorwärtß jvüchdruckcrei u. Verlagsanjtalt Paul Ämger u-Eo� Berlin SW. Dr. 41. 29. Jahrgang. 2. KrW des Jotirätü" Sttliiift iloltelilntt. Sonntag. 18. Febrnar 1912. Jugenäbeikvegung. Eine Staatsaktion in Vorbereitung? Durch die bürgerliche Presse geht jetzt eine Mitteilung, nach der ein Mitarbeiter der.Braunschweigischen Landeszeitung* erfahren haben will, datz das preußische Ministerium des Innern die generelle Schließung der ncugcbildctrn sozialdemokratischen Jugend- ausschüffe in Preußen beabsichtigt. Bekanntlich sind Gerichtsurteile ergangen, die einige Jugend- ausschüsse mit einer Begründung, die alles andere denn juristisch stichhaltig ist, für politische Vereine erklären.' Mit diesen merk« würdigen Urteilen will die preußische Regierungen ihren Gewalt- streich gegen die Bildungsbestrebungen des Proletariats den Schein des Rechts verleihen. Auch in Sachsen ist Aehnliches geplant. Aber der freien Jugendbewegung, die allen Stürmen bisher trotzig widerstand, soll nun endlich der Garaus gemacht werden. Daß unsere Gegner so nie belehrbar sind! War es doch gerade die wahnwitzige Verfolgung der Behörden, die unsere Jugendbewegung so erfreulich gekräftigt hat. Nur weiter so! Nicht nur die Jung- Mannschaft des Proletariats wird durch diesen politischen An- schauungsunterricht an Einsicht in die politischen Zusammenhänge unseres Klassenstaates gewinnen, auch ihre, die proletarische Jugend- bewegung wird bei dieser Bekämpfung recht gut gedeihen. Voraus- gesetzt natürlich, daß die klassenbewußte Arbeiterschaft ihren bedrohten Nachwuchs tüchtig unterstützt! SericKts-Leitung. Ein sehr schlechter Scherz. Ein unüberlegter Streich, der sehr fatale Folgen gehabt hat, kag einer Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung zugrunde, welch« gestern unter Vorsitz des Amtsrichters Feldbahn die 132. Ab- teilung des Amtsgerichts Berliu-Mitte beschäftigte. Angeklagt war der Arbeiter Richard Grohmann. Der Angeklagte wohnt noch jetzt in der Naunynstraße mit dem Schneider Neborowsky zusammen. Am Abend des 6. November vorigen Jahres kaufte er in der Friedrichstraße von einem Händler «inen in Stanniol eingewickelten Feuerwerkskörper, vor dessen Gc- fährlichkeit später von dem Polizeipräsidenten öffentlich gewarnt wurde. Es handelte sich hierbei um ein metallisches Natrium, welches sich bei der Berührung mit Wasser von selbst entzündet, wobei die einzelnen glühenden Teilchen mit explosionsartigem Zischen und Knallen umhergeschleudert werden. Diesen gcsähr- lichen Stoff legte der Angeklagte, um seinem Schlafkollegcn Nebo- rowski einen Schreck einzujagen, in ein verschwiegenen Zwecken dienendes Geschirr. Er ging dann zu Bett und stellte sich, als N. erschien, schlafend. Als dieser dann ahnungslos das Geschirr seiner Benutzung entgegenführte, gab es plötzlich einen donnerartigen Knall, wobei gleichzeitig eine große gelbe Flamme emporschoß. Er schleuderte jenes Gefäß mit einem lauten Schreckensschrei zu Boden, um sich dann im nächsten Moment selbst vor Schmerzen am Boden zu winden. Tie umhergeschleuderten glühenden Na- triumteile hatten ebenso wie die erzeugte Flamme an allen mög- lichen Stellen Verbrennungen hervorgerufen. Insbesondere hatte N. durch glühende Metallteile schwere Verletzungen an den Augen erlitten, so daß er fünf Wochen arbeitsunfähig war. Gegen den Angeklagten, der offenbar mit derartigen Folgen nicht gerechnet hatte, wurde auf die Anzeige des Verletzten hin An- � klage erhoben. Zwischen beiden hat inzwischen eine Aussöhnung stattgefunden. Neborowsky bat sogar vor Gericht, den Angeklagten nicht so hart zu bestrafen.— Ter Amtsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 30 M., da es sich doch um einen recht rohen Scherz handele, während Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld geltend machte, daß es sich um einen weniger rohen als wie unüberlegten Scherz handele. Das Gericht erkannte auf 20 M. Geldstrafe. Die Bluttat in der Boyenstraße lag einer Anklage wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange zugrunde, die gestern nach mehrfacher Vertagung des Prozesses vor dem Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz des Land- gcrichtsdirektors Splettstösser zur Verhandlung kam. Aus der Untersuchungshaft wurde der 22jähcige Gießereiarbeiter Fritz Voigt aus Tegel vorgeführt. Der Anklage liestf jenes Verbrechen zugrunde, welchem am 19. März v. I. die in der Boyenstraße wohnhafte Prostituierte Martha Schramm zum Opfer gefallen war. Der Angeklagte, welcher seinerzeit in der Gießerei der Borsigwerke arbeitete und bei seinen Eltern in Tegel wohnte, war am 19. Marz v. I. nach Berlin gc- fahren um hier seine Braut zu besuchen. Als er diese nicht antraf, besuchte er einen„Kientopv" in der Chausseestraße. Auf der Straße wurde er dann von der Schramm angesprochen, der er nach deren Wohnung in der Boyenstraße folgte. Hier kam es wegen'des Geld- Punktes zu einem Streit, bei welchem der Angeklagte, wie die An- klage behauptet, plötzlich mit seinem langen Dolchmcsser auf die Schramm einstach. Ter Angeklagte behauptet, daß die Schramm zuerst mit dem Dolch, den sie zufällig bei ihm gesehen habe, auf chn eingestochen und ihm eine tiefe Wunde an dem Oberschenkel beigebracht habe. Tatsächlich wies Voigt auch eine derartige Wunde auf, die er seinen Eltern damit erklärte, daß er an einer Schlägerei an der Gotzkowskhbrücke hineingeraten sei. Er wurde deshalb auch in dem Reistickendorfer Kranienhause aufgenommen. Hier erfolgte seine erste Verhaftung, da von der Kriminalpolizei festgestellt wurde, daß Voigt an jenem Abend mit der Schramm zusammengeweseu war. Er wurde jedoch bald wieder auf freien Fuß gesetzt, da fest- gestellt wurde, daß tatsächlich um jene Zeit an der Gotzkowskhbrücke eine Schlägerei stattgefunden hatte. Erst später erzählte Voigt seinem Vater, wie er in Wirklichkeit zu der Verletzung gekommen Sei und auf dessen Rat hin stellte sich der Angeklagte freiwillig der Zehördc.— Tie Anklage nimmt an, daß der Angeklagte, während er auf die Schramm losstach in seiner Wut daneben geschlagen und sich selbst in den Schenkel getroffen habe. Die Leiche der Schramni weise nicht weniger als 19 tiefe Stichwunden auf, die sich zum Teil auch in dem Rücken befanden, so daß die Angabc des Angeklagten, er habe auf die Sch. nur so lange eingestochen wie sie auf ihn ein- geschlagen habe, sehr zweifelhaft erscheine. Nach langer Verhandlung wurde der Angeklagt« wegen gefähr- licher Körperverletzung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Sechs Monate wurden auf die erlittene Untersuchungshaft angerechnet. Zus der Frauenbewegung. Frauen im Staatscisenbahndienst. Im preußischen Staatseisenbahndienst sind gegenwärtig 85W weibliche Personen beschäftigt, darunter 3S00 im unteren Dienst. Die Zahl der e t a t s ni ä ß i g e n Stellen ist demgegenüber sehr klein: sie beträgt nur 8l)0 und hat sich in den letzten drei Jahren um 97 vermehrt. Bewerberinnen um diese Stellen müssen unverheiratet oder kinderlose Witwen sein und dürfen nicht über 30 Jahre zählen. Auch während der Probe- und Dienstzeit ist für die Beamtinnen das Zölibat vorgeschrieben: Verheiratung löst so- fort das Dien st Verhältnis auf. Die Bewerbe- rinnen müssen entweder das Reifezeugnis einer höheren Töchterschule, einer Handelsschule oder einer Fortbildungs- schule vorlegen können: anderenfalls müssen sie sich, einer Vor- Prüfung iiber ihre Kenntnisse und Fähigkeiten im deutschen Aufsatz, Geographie und Rechnen unterziehen. Vorbedingung ist ferner eine gute körperliche Gesundheit, Gewandheit und tadellose sittliche Führung, Wie die„Deutsche Beamtenzeitung" mitteilt, haben die Bewerberinnen eine Probezeit von 7 Monaten durchzumachen, von denen 2 in der Fahrkartenausgabe und Ge- päckabfertigung, 3 im Telegraphendienst und 2 in der Güter- abfertigung zu absolvieren sind. Danach erfolgt die Prüfung als Eisenbahngehilfin, die im Falle des Nichtbestehens inner- halb 6 Monaten zu wiederholen ist. Die Anstellung erfolgt innerhalb der festgesetzten Beamtenkopfzahl zunächst als Eisenbahnanwärterin im diätarischen Verhältnis mit einem Anfangsgehalt von&U1 M., das bis zu 1080 M. steigt. Bei Freiwerden von etatsmäßigen Stellen rücken die Gehilfinnen. die ein Dienstalter von 7 Jahren hinter sich haben, in diese ein. Das Anfangsgehalt beträgt hier 1100 M. und steigt bis zu 1600 M. Dazu tritt der Wohnungsgeldzuschuß der Unter- beamten. Eigentlich müßte die preußische Eisenbahnverwaltung für ihre Beamtinnenstellungen erst eine Generation geschlechts- loser Arbeitsbienen heranzüchten, denn ihre Forderung des Zölibats auf der einen und der„tadellosen sittlichen Fichrung" auf der anderen Seite dürfte doch nur von solchen Wesen wirklich zu erfüllen sein._ Leseabende. RummelSburg. Montag, den 19. Februar, abends 8 Uhr bei Krüger. Turrschmidrstraße. Genosse G ä b e l spricht über„Die Frauen und die Gemeindepolitik." Frirdrichshagen. Montag, den 19. Februar, abends SV2 Uhr, im Jugendheim. Friedrichstr. 60, 2. Hof parterre links. Vor- trag der Genossin Wurm über das Thema:„Welches Interesse haben die Frauen an de» bevorstehenden Gemeindewahlen." Steglitz. Montag, den 19. Februar, abends Sh, Uhr bei Heitzmann, Florastr. 2». Vortrag der Genossin Else Wold t über: „Militarismus und Sozialdemokratie.' Huö Industrie und Kandel. Gewaltige Preissteigerung! ®'n5 gewaltige Preissteigerung für die vorwiegend bei der Viehproduktion m Betracht kommenden Produkte sowie für Hülsen- srüchte und Kartosteln ergibt die amtliche preußische Statistik. Sie erfaßt. die Preise von 50 Marktorten. Danach ergeben sich folgende Dlirchichmttsprerse m Mark für 1000 Kilogramm: Januar Futtergerste Safer.. eu... Richtstroh. Krumm- und Preßstroh 1909 155,3 165,3 60,3 47,3 85,4 Eßkartoffeln...... 61,7 Erbsen........ 288,8 Linsen........' 332,6 Bohnen....... 302,1 Trotzdem behaupten die Agrarier noch, eine v«t Futternnttelzolle fet nicht mehr erforderlich, für eine Fleischteuerung jehlten sachliche Gründe. Sie beweisen damit, daß ihr Porte monnaleinteresse jede Rücksicht auf das Allgen, einwobl ausschließt! 1912 180.9 197,7 90.5 57,4 48.3 86,5 341,3 465,0 394,4 Steigerung in Proz. 16.5 19,6 50.3 21,3 36,4 40.2 17.4 31,3"" 30.5 Aufhebung der 7� �POÜ-0' nalif nach ENDLICH! der Frühling und mit ihm das Sehnen der Damenwelt neuer, der Jahreszeil entsprechender Garderobe. K RUtljAHR' Saison ;BRENmNKM< V "whiiu i, Po'- 1.'IIl'.'i —«W Vi« ü jr Unsere 11 Schaufenster geben]hnen schon seht ein klares Bild davon, was die neue Mode bringt. Und unsere Läger sind in gewohnter Auswahl reich an all dem Schönen und Schicken, was Meister in ihrem Fach diesmal für Sie geschajjen habere Da sind die beliebten Blaukammgarn- Kostüme, Phantasie- und Ueber- gangs-Paletols, Röcke und Blusen nebst ganz entzückenden Frühjahrs- Kleidern.— Vor allem sogenannte ENGLISCHE KOSTÜME die in diesem]ahre besonders reizvoll gearbeitet sind— zwar zuerst durch einseifigen Schnitl und einseilige Garnierung verblüffen— dann, angezogen, um so fescher und kleidsamer wirken, Und doch so preiswert! lA�HV Nv Spezlalhaus für Damen-, Backfisch- und Kinder- Konfektion Königstrasse 33 Bahnhof Älexanderplatz □□□ ODO □□□ Theater und Vergnügungen □□□ □□□ (Siehe Wochen Spielplan.) Freie Volksbühne: Sonntag, 18. Februar, nachmittags 3 Uhr. ZieueS Schauspielhaus. 11. Abteilung lWruppe 45— ab); lieber unsere Krast. II. Teil. Thaliatheater. K./7. Abt.(Gruppe 26—30): Die Thurnbacherin. Herrnseld-Theater. 4/5. Abt. lGruppe 17/20): Simson und Delila. Refidenztheater. 1. Abt.(Gruppe 1): Die arme Löwin. Montag, IS. Februar» abends 8 Uhr: AeueS Schauspielh. 16.(III.) Abendabt.: Fiat Justitia. Reue Frei- BoUSbühue. Sonntag, 18. Februar 1312, mittag? 12 Uhr: Neues Volks-Theater: Josef Ettlinger Gedächtnisseier. nachmittag» 2'/, Uhri Deutsches Theater: Judith. KammcrspielhauS: Lanzelot. Nachmittags Z Uhr: Schiller-Theater O.t Der Probe kandidat. Schiller-Theater Charlottenbg. Don Carlos. Theater in der Königgrätzer Straße Ein Fallissement. Ifrsnis. Wissenschaftliches Theater. Sonntag und Montag 8 Uhr; Der GroBglockner, Gastein und die Salzburger Alpen. I. 4 Vorträge über Naturdenkmalpflege. H. Die naturwissenschaftl. Grundlagen der Kinematographie. HL Die mechan. Technologie der Metalle. IT. Bedeutung der Astronomie für die moderne Bildung. Beginn demnächst. Prospekt kostenlos. Metropol-Theater: Miß Helhet. Neues Operetten- Theater: Der Graf von Luxemburg. Kleines Theater. Angele.— Erster Klasse. Trianon-Tbeater: Francillon. Neues Bolls-Theatcr. Frttzchen. Der zerbrochene Krug. Hochschule in Chart Des PastorZ Rieie. Abends 8 Uhr: Neues Bolls-Theater. Leidenschast. Abends S'/j Uhr: Neues Volls-Theateri Montag und «onnabend; Nathan der Weise Dienstag: Der zerbrochene Krug. Fritzchen. Mittwoch und Donnerst tag: Geographie und Liebe. Ire! tag: Leidenschaft. Hochschule in Charlottcnbura: Sonn abend: Geographie und Liebe. 8eWIIer-Ibe»ter0.UiS?r. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Probckandldat. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Probepfell. Montag, abend» 8 Uhr: Der Probepfell. Dienstag, abends 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schiller-Thealer Sonntag, nachm. 3 Uhr: Don Carlo«. Sonntag, abends 8 Uhr: Grftfln Lea. Montag, abend» 8 Uhr: Gräfin Lea. Dienstag, abends 8 Uhr: Zum 1. Male: Kyrlt»-Pyrlt» Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. Wends 8 Uhr: vis 8 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augusti«. ronnt. 3'/. Uhr: vor tldolo Bauer Idester öes �Vesteos. Abends 3 Uhr: Wiener Blut. Sonnt. 3'/4 Uhr: Ein Walzertranm. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in 3 Akten von M.Hennequin und G. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-vaeckers. Morgen u. sola. Tage: Alle» t. d. Firma. Sonntag, 25.12., 3 U.: Der Prinzgemahl. Belle- Allianee-Theater. V,4 Uhr: Die DoIlärprlnaeaBla. 8 Uhr: Wilhelm Teil. Luisen-Theater. Sonntag 4 Uhr: Maria Stuart. Abends 3 Uhr: Sommersput. Montag: Zopf«ud Schwert. OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Nachmittags 3 Uhr:' Der Glöckner von Notre-Dame. Abends 3 Uhr: Der Spielteufel. Volksstück in 4Mten von Julius Knops. Montag: Salon und Kloster. 1 Reiehsballeo-Theater. Stettiner Sänger. Ifen! Vcn! Pantoffel-Helden. Burleske v. Reichardt. Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Metropol-Tiieater. Nachmittags 3 Uhr: Mist Hclhett. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. vis Nachi« Min! Große Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. rTXZZglgzzSSZSXgSSXSSXKZZSXSZSaaXSSl BorleUter Tonntag! Heute zwei grofte Borstellungcn nachmittags 3'/, Uhr(halbe Preise) und abends ab 8 Uhr. In beide» Borstellunge« die sensationellen Attraktionen mit am Rosenthalcr Tor. Allabendlich 8'/« Uhr: Größtes soziales Ausstat- ! tungs-Volksstück mit Ballett und Gelang in 5 Akten von | Max Reichardt. In Szene gesetzt v. Dir. JameS Klein, i 1 1. Akt: Geheimnisse im Prlbatkontor. 2. Akt: Die| große' Ptotestversammlung. 3. Akt: Im Ballsaal. Am! > Rande des Abgrundes. j 4. Akt: Arbeit nieder. 5. Alt:\ Ein Gottesgericht. Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Die größte Sövde. Trianon-Theater. Täglich abendS 8 Uhr: vlls Kleine Cafe. Theater Ein neuer Sensationserfolg Nie man Iffönner bessert. 2 Akte von Anton u. Donat Herrnseld mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: ver ßausttufel. Ansang 8 Uhr. Billettvorverkauf 11— 2(Theaterkasse). Passap-Panopffii. Das Londoner Mirakel in der Kanne! Befreiung aus d. Wassergrab. Lebend! Lebend! Faklr>Truppe 15 Personen in ihren religiösen Ufirtyrer- Produktionen Wochentags 4—7 Uhr: Lichtspiele Ohne Eztra-Entree. Passage-Theater. Heute Sonntag 2 Vorstellungen, nachm. 3— 7 Uhr(kl. Preise). abends 8—11 Uhr. Sebneider-Duneker Carl and Loltj die berühmt. Excentr.-Tänzer. Luise Schäfer The Hevaldos Trappe d. best. Schleuderbrett-Akrob. and d. Febr.-Glanzprogr. 14 eretkL Spezialitäten. Sonnabend, 24. Februar, in der Heuen Welt, Haaenheide 108-114; Gr. AlpensPest. Eröffnung abends 8 Uhr. Eintri»« 60 Pf.(inkLTanz). Uitwirlroniip, Salzburger Alpenbänkler-Terzettfurkomisoh. Trio); Baronesse Sissi mit ihrer ausgez. Oberlandler-Truppe; D* Defreggers, berühmte Jodler- u. Schuhplattler-Gesellschaft; Mitglieder des Turnvereins „Fichte"; Reigenmannscbait der Ortsgruppe. BALL. Zwei Orchester 0 Alpenzauber, wundervolle einzig dastehende Gebirgsdekoralion, die romantische Vergnügungsalm, Rodelbahn,„Sarofli"-Schol(oladen- Tombola u. dergl. m. 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Februar 1912 einschließlich; Sensationsdrama in zwei Akten. 1 Geldgier U. a.; Der Sebiffsbrand auf boher See und die, lebende brennende Fackel. Neue Welt. Arnold Scholz. Hasenheide 108-114. Heute Sonntag, den 18. Februar 1912: Wanderbare Alpendekoratlon. Anfang 4 Uhr. Entree SO Pf. 5 Kapellen. 30 bayerische Mad'l. Sorgen Hontag, den IS. Februar 191S; Bockbierfest in den bayrischen Alpen. Voranz eige! Dienstag, den£0. Febrnar 191%: Großer Fastnaebts-Bail. Herren- Prämiierung. Prfimiiert wird: Der größte Dtckkopp! 3 bare Geldpreise 50,—, 30,—, 20,— Mark. Anmeldungen bis 10 Uhr abends an der Kasse. 30 bayrische Madl. 4 Kapellen. �«5 ä Zirkus Busch. 8onntag. 18. Februar: 2 pße Gala-MIlüDp 2 nachm. 31/. Uhr u. ab. 71/, Uhr. Um S1/, tlhr zahlen Kinder unter 10 Jahren auf allen Sitzplätzen halbe Preise. Galerie volle Preise. Infolge immer noch zahlreich einlaufender Gesuche aus dem Publikum in Kinderkreisen: Nachmittags S1/, Uhr: Die große phantastische Untersee- boot-Pantomime! U20 ohne Kürzung, in voller Aufführung. In beiden Vorstellungen: Die japanischen Sportspiele, Jiu-Jitsu und Ringkämpfe, In beiden Vorstellungen: Clown Armando mit dem boxenden Känguruh. Vorführen und Reiten der bestdressierten Schul-, Freiheits- und Springpferde. Sämtliche Clowns mit neuen Witzen. Abends 71/, Uhr: Die Hexe. Gr. Volks-Manege- Schauspiel. Voigt-Theater. Gefundbrunnen Badftraße 58. Heute Sonntag, den 18. Februar, nachmittags 3 Uhr: Ein armer Edelmann. Abends 7 Uhr: Hotel Klingebusch. Orig. Volksstück mit Ges. in 5 Bildern. Kasseneröfin. 10 Uhr. Ans. 3 u. 7 Uhr. arrasaml Schönhauser Allee. Telephon: Nord 4100.1 Sonntag, den 18. Febr.: 3 Uhr 7 Uhr 2 Gala-Vorstellungen. Nachmittags zahlen Kinder auf allen Plätzen, Soldaten bis zum Feldwebel auf allen Sitzplätzen halbe Preise. Galerie 40 Pf.. III. Platz 70 Pf., II. Platz 1,«0 M., I. Platz 2 M., Parkett 3 M., Loge 4 M. Markgrafen-Säle 34, narkgrafeu-Damm 34 — An der Ä tralauer Allee. �-=- Im Restaurant täglich musikalische Unterhaltung. Vorzügliche Kilche, ff.Bierc u. Deine. Billard U.Kegelbahn Adnütebpalast Am Brihobol tocSrkhÜcaMc lEissArena.l IM" Heute-Mg 1 2 Vorstcllnngen 2 j nachmittags und abends Das prachtv. Eis-Ballett Alpenzauber. AuÖerdem abends: Die bf o v 1 1 a t e n 1 Tänze auf dem Eine, I Rheinländer. Raa-( | aiach, Engllach, Alt- 1 Wiener Walzer und Der norwegische Meister Harry Pauisen Bis 6 Uhr u. von 10'/, 1 Uhr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Ranges. | mittags v.'/,lS— 4 Uhr:| Korso bei Musik. ; Diner.: Eis-Arenal Couverf a M. 3 oder M. 5 einschlieBI. Eintrittepreis. Dienstag, den 20. Februar: 3. Admirals- Redoute (F astnac hts-Bedonte). Zirkus A. Hchnmann Sonntag, 18. Febrnar; 3Uhr nachm. u. abends 7'/, Uhr 2 große Vorstellungen 2 In beiden Vorstellungen gleich reichhaltiges Programm. In beiden Vorstellungen: Das neueste, größte, nicht zu übertreffende Ausstattungsstück Das Motorpferd. Die grofie SchluBapotheose. Die 100 FuB hohe Fontaine lumineuse. Nachmittags hat Jeder Erwachsene ein eigenes Kind unt. 10 Jahren frei auf allen SitzpU Jed. weitere Kind halben Preis. Nachmittags endet die Pantomime mit dem 4. Akt. Folies Capriee. Täglich 8-/. Uhr: Losgelaffe«. >Vsfkenübulix.� Mandelblüths Polterabend. köa!g5lsdt-5s8jao. Ecke Holzmarkt- u. Alexanderstraße Täglich Variete und Theater. Bom 1.— 1«. Februar Ricseuprogramm. In jeder Vorstellung: O l\n dunkler Punkt. O Burlesk�nt�Gesang in 2 Bildern. Lothringer Str. 37. Anfang 8 Uhr Der größte Dheatererfolg! Täglich ausoerkaust. Der Kampf ums Dafeiu. Aktuell I Dem heuttgen Leben entnommen.— Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Der selige Hollschiuskh. kkrmsuis.?rsedkSle\ N., Chausseestr. 110. Karl Riehteri | rS fSf*1 Sonntag:{ Paul(äaiutieysj " Anf. 6'/, Uhr. Eintritt 50 Pf. � Anschließ.: Familienkrinzcheo i Im weißen Saale von 5 Uhr ab SM- Großer Ball. Monte Ion tag: Heiterer KOnstlerabsnd. t Alhambra Lallner-Theaterstraße 15. Großer Ball Großes Orchester. Anfang Sonntag« Uhr. A. Zameltat. Jeden Sonntag: Konkordia-Festsäle. Jnh.: M. Wendt und A. Schütze. Andreasstr. 64. Jeden Sonntag: � Wilir-Meb-koilieil und die beliebten Hottmanns Sänger. Direktton Fr. Fenther. Jede Woche ueues Programm.— Heute: Siagnogtu. Lustspiel in 1 Akt. Ansang de» Konzerts 6 Uhr, der Varste llu<, 7Uhr. Im oberen Saale von 5 Uhr an: SP- Großer Ball. Nißles Fest-Säle Dennewitzstrafi« 13* Jeden Sonntag: CanzfträDze�en. 2975b C. JTlfile. ?aul petris Testsäle, Xcukälln, Knesebeckstrate IIS. Sonntag, den 18. Februar: Cr. BüEktiier-Jiiliel-i.fniliel-Fest im ite-Bt».»A?-.. Um 11 Uhr Prämiierung d. kleinste» Damenohres und des lleinfteu Herren- ohres. Tanzleitung: W- Schellln. Ansang 5 Uhr. Sntree«0 Pfennige inkl. 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Debitoren-Konto 1804.05 576.01 2 393.89 5 397.50 1228.04 30.— 368.— H. 9 417.43 Per Kreditoren-Konto.» „ Darlehns-Konto...... „ Zinsen-Konto....... „ Genossenschafts-Anteil-Konto _ Gewinn- und Verlust-Konto. 80.52 6 483.— 17.90 1 719.— 1 117.01 M. 9 417.43 Gewinns An Vortrag aus 1910.... , Debitoren-Konto.... , Kassa- Konto..,,. „ Zinsen-Konto..... „ Lohn-Konto...... „ Hdlgs.-Unkosten-Konto. „ Utensilien-Konto.... 20»/„ für Abschreibungen� „ Kapital-Konto: Gewinn........ und 868,91 60.93 66.10 320.93 4 743.20 3 001.09 307bl 8 499.26 Verlust=Konto. Per Genossenschafts-Anteil-Konto „ Kreditoren-Konto,,... „ Waren-Konto....... Bruttogewinn....... 200.— 2.60 10 28268 1 117.01 M. 10 485.18 iTllDGETS TOW.V Hauptstadt von Lüiput mit Ihren 7G Bewohnern FriedrichstraBe 165, in den Räumen von Castans Panoptikum. Geöffn. von 2 Uhr nachm. bis 10 Uhr abends. Entree 1 Hark. Kinder die Hälfte. Im Lilipnt-Zirkus große Ringkampf-Konkurrenz.-MW 99 CLOU" Berliner Konzerts Haus. 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M. 246.50 und beträgt nun......„1 719.— Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1911 9, eingetreten 0, ausgetreten 0. ausgeschieden 0, Mithin verblieben am 31 Dezember 9 Mitglieder. Die Haftsumme beträgt Der Vorstand: Bruno Fleischer. Josef Moistnor. M. 1 800.- - 103/3 Produkfiv-undVerkaufs-GenossenscIiaft Berliner BandagUten E G m b H SO. 16, Köpenicker Straße 98b (zwischen Keander- und Neue Jakobstraße). Gegründet am 1. Juli 1907 von organisierten Bandagisten. Empfiehlt sich allen Arbeitern und Parteigenossen zur Anfertigung von allen Arten Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, kimstl, Gliedern, Orthopäd. Apparaten, Stützkorsetts, Suspensorien sowie Lager von sämtlichen Artikeln zur Krankenpflege. 103/2 Alle Arbeiten werden in eigener Werkstatt ausgeführt. DM- Für Damen weibliche Bedienung.-7WG Lieferant der Krankenkassen Berlins u. Vororte und der Konsum-Genossenschaft Berlin n. Umgegend(E.G.m b.H.). WWW»««MM lid igpd. Aktiva. (E. G. m. b. H.) in Liquidation. Llqaidationa.Bilans. An Waren-Konto... 42 746,— „ Jnoentar-Konto,. 19 089,20 „ Guthaben-Konto., 2 498,35 „ Wechselfassen-Konto. 460,— „ Kreditverein Köpenick 1 000,— „ Kautionshinterlegungs- Konto..... 2 884,84 „ Haus-Konto.... 170978,66 „ Kassa-Konto.... 75,75 Bank-Kowo G.-E.-G. 40,67 „ Gewinn und Verlust- Konto: Verlust.. 5 025,48 Per Sparmarfen-Konto „ Hausanteil-Konto. ,. Darlehens-Konto. „ Hypothefen-Konto. „ Geschäslsanteil-Konto „ Preßfohlen-Konw, „ Sparkassen-Konto. ,, Spar-Konto... „ Kautions-Konto. „ Kreditoren-Konto. Passiva. M. 163,— . 8 855,— 450,— 107 000,— 42 721,59 586,60 53 194,75 26 226,25 3 384,84 2 216,92 Summa 244 798,95 Summa 244 798,95 AdferShof, den 31. Dezember 1911. 102/16 Die liiqnidatoren; Wilhelm Kohl. Karl Jngnor. Wilhelm Zabel. DaS den gesetzlichen Vorlchristen entsprea, ud eingebraute Dornssia-Malzbier ist nahrhast und appetitanregend und darum sür Frauen und Refonva- tescenten von Aerzten vielfach empfohlen. 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Ein kleines Nachspiel zu den Futterdiebstählen aus� dem städti- scheu Vieh- und Schlachthof beschäftigte gestern die Strafkammer des' Landgerichts I. Auf der Anklagebank hatten Platz zu nehmen die Obertreibcr Paul und Otto Heinrich und drei Treiber, welche Betrug bezw. Diebstahl dadurch begangen haben sollten, daß sie dielfach in den Schweineställen Reste von Schweinefutter, die in den Trögen benachbarter Buchten noch übrig geblieben waren, mit Futter aus den eigenen Vorräten vermischten und auf diese Weise tatsächlich geringere Quantitäten verbrauchten, als ihren Kommissionsfirmen in Anrechnung gebracht wurden. Nach der Behauptung der Anklage sollen letztere im Laufe von 5 Jahren um mehrere Tausend Mark geschädigt worden sein. Rechtsamvalt Dr. Schwindt hatte einen umfangreichen Beweis dafür angetreten, daß die Angeklagten nichts getan haben, als was bis dahin all- gemeiner Usus war und daß die Verwendung solcher Futterreste in der Eile, die die Geschäitsabwicklung auf dem Viehhof oft er- fordert, sich oft als notwendig ergab und im übrigen dabei das Prinzip der Gegenseitigkeit obwaltete. Der Staatsanwalt be- anlragte gegen Paul H. 5 Monate, gegen Otto H. K Monate und gegen die übrigen Angeklagten je 4 Monate Gefängnis. Das Gericht sprach jedoch die Angeklagten nach dem Antrags des Ver- teidigers von der schweren Anklage frei und verurteilte sie nur zu je 30 M. Geldstrafe, weil sie eine Polizeiverordnnng über- schritten hätten, wonach die Verwendung solcher Futterreste un- statthaft ist._ Gewerbliche Kinderarbeit. Eine Verhandlung über gcwerbliche�Kinderarbeit fand gestern in der Berufungsinstanz vor der 1. � Strafkammer des Landgerichts II statt. Nach dem Gesetz über Beschäftigung von Kindern im Gerwerbcbetriebe ist es bekanntlich verboten, Kinder von 12 bis 14 Jahren länger als drei Stunden täglich und später als bis 1 Uhr abends zu beschäftigen. Der Butterhandler D., welcher seine Waren per Wagen an die Detailkundschaft ver- treibt, bedient sich dazu eines Kutschers, dem er zur Bewachung des Wagens, namentlich auf den Bahnhöfen, den Knaben H. mitgab. Dieser ersetzte also eigentlich die Tätigkeit des sogenannten Wachhundes, den man oft auf den Geschäftswagen sieht. D. wurde nun airgeklagt, die Tätigkeit des Jungen zu lange in Anspruch genommen zu haben und neben ihm hatte der Vater auf der An- klagebank Platz zu nehmen, weil er diese ausgedehnte Besckäfti- gung geduldet habe. Das Schöffengericht hatte auf Freisprechung erkannt, der Staatsairivalt legte aber aus prinzipiellen Gründen Berufung ein und beantragte gestern gegen beide Angeklagte je 10 M. Geldstrafe, weil der Knabe als Zeuge zugab, daß er hin und wieder länger auf dem Wagen geblieben sei; dies habe er aber getan, weil er bei schönem Wetter nicht so früh nach Hause gewollt habe. Der Kutscher habe ihm sein Geld um 1 Uhr gegeben, damit er nach Hause gehe, er habe es aber vorgezogen, noch zu seinem Vergnügen umherzufahren. Die Sache war da- durch zur Anzeige gekommen, daß der Schutzmann den Knaben eines Abends gegen �0 Uhr auf dem Wagen schlafend gesehen hatte, nachdem er von Passanten darauf aufmerksam gemacht worden tvar. Rechtsanwalt Dr. Werthauer machte geltend, es sei durch die Verhandlung nicht dargetan, daß eine Beschäftigung des Knaben nach 1 Uhr stattgesunden habe, denn dessen berufs- MäMe Tätigkeit sollt« im Wachen bestehen, nicht aber im Schlafen oder Spazierenfahren. Die Strafkammer schloß sich dem an: die Ausübung einer gewerblichen Tätigkeit des Knaben nach 1 Uhr sei nicht festgestellt, insbesondere fehle es an dem Nachweis, daß er zur fraglichen Zeit sein Amt als Wächter ausgeübt habe. Da dies aber die Voraussetzung zur Anwendung des Spezialgesetzes vom 30. März 1003 sei, so müsse es bei der Freisprechung der beiden Angeklagten bleiben. Die Freisprechung dürfte schwerlich in der Revisionsinstanz Bestand haben._ CClocbcn-Bplelplati der Berliner Cbeater. Köuigl. Opernhaus. Sonntag: Carmen. Montag, nachmittags 3 Ufw: Aus Allerb. Befehl: Der große König. Abends: Der große König. (Ansang 8 Uhr.) Dienstag: Die Zauberflöte. Mittwoch: Der Rosenkavalier. Donnerstag: Margarete. Freitag: Der große König.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Der Rosenkavalier. Sonntag: Die Meistersinger von Nürn- berg. lAnsang 7 Uhr.) Montag: Rigoletto. lAnsang 7'/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Kricmbilds Rache. Montag: Die Entführung auS dem Serail. Dienstag: Goldflsche. Mittwoch: Der Bettler von Syrakus. Donnerstag: 1812. Freitag: Boheme. Sonnabend: 18tS. Sonntag: Der große König.(Anfang 8 Uhr.) Montag: Die Jour- nalisten.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Romeo und Julia. Montag: Ein SonmiernachtSwaum.— Im Zirkus Schumann: Jedermann. Dienstag: Faust, t. Teil. Mittwoch: Penthesilea. Donnerstag: Turandot. Freitag: Kiel Lärm uni Nichts. Sonnabend: Romeo und Julia. Sonntag: Viel Lärm um Nichts. Montag: Romeo und Julia.(Ansang 7'/, Uhr.) Kammerspiele. Sonntag bis Sonnabend: Eine glückliche Ehe. Sonntag: Der Arzt am Scheidewege. Montag: Eine glückliche Ehe. (Ansang 8 Uhr.) Lefsiiig-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Frau vom Meere. Abends: Komtesse Rtizzi. Anatol. Montag: Gudrun. Dienstag: Glaube und Heimat. Mittwoch: Erde. Komtesse Mizzi. Donnerstag: Gudrun. Freitag: Der Bund der Jugend. Soimabend: Komtesse Mizzi. Anatol. Sonntag: Erde. Komtesse Mizzi. Montag: Glaube und Heimat.(An- sang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Bummelstudenten. Abends bis Montag: Große Rosinen.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch» und Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Torquato Tasso. Neues Schauspielhaus. Sonntag: DaS Familienkmd. Montag: ?iat justitia. Dienstag: DaS Famibenkind. Mittwoch: lieber unsere Krast. I. Teil. Donnerstag und Freitag: DaS Familienkind. Sonnabend- nachmittag 3 Uhr: Agnes Bernaucr. Abends: Heiligenwald. Sonntag: DaS Famikienkind. Montag: Fiat justitia,(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Troubadour. Abends: Die Zauberflöte. Montag: Undine. Dienstag: Die Zauberflöte. Mittwoch: Der Barbier von Sevilla. Phantasietänze. Donnerstag: Undine. Freitag: La Traviata. Sonnabend: Rigoletto. Phantasietänze. Sonntag: Die Zauberflöte. Montag: Der Freischütz.(Ansang 8 Uhr.) Kurfürsten- Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Allabendlich:«Zuo Vadis?(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Angele, l. Klaffe. Abends: Und das Licht scheinet in der Finsternis. Montag, Dienstag, Freitag, Sonntag und nächsten Montag: Lottchens Geburtstag. Gentz und Fanny Elßlcr. Hockenjos. Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend: Und daS Licht scheinet in der Finsternis.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Sonntagnachmittag 3st. Uhr: Der fidele. Bauer. Abends bis aus weiteres: Der liebe Äugustin.(Anfang 8 UhrF Schillcr-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Probekandidat. Abends und Montag: Der Probepfeil. Dienstag: Wilhelm Tell. Mittwoch: Der Kilometerfresser. Donnerstag: König Heinrich. Freitag: Der Kilomctersresscr. Sonnabend: Die Wildente. Sonntag und Montag: Gräsin Lea.(Anfang 8 Uhr.) Schiller-Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Don Carlos. Abends und Montag: Gräsin Lea. Dienstag: Kyritz-Pyritz. Mittwoch: Gräsin Lea. Donnerstag: Kyritz-Pyritz. Freitag: Gräsin Lea. Sonnabendnachmmittag 3 Uhr: Prinz Heinrich von Homburg. Abends sowie Sonntag und Montag: Kyritz-Pyritz.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntagnach- mittag 3'/, Uhr: Taifun. Abends: Der Feldherrnhügel. Montag: Alt- Heidelberg. Dienstag: Taifun. Mittwoch: Der Feldherrnhügel. Donners- tag: Alt-Heidelberg. Freitag: Geschlossene Vorstellung. Sonnabend: Der Feldherrnhügel. Sonntag und Montag: Alt-Heidelberg.(Ansang 8 Uhr.) Rcsidenz-Theater. Täglich: Alles sür Sie Firma.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Königgräüer Straße. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Fallissement. Täglich: Die' fünf Frankfurter. Dienstag, den 20.: Königin Christine.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 31/« Uhr: Em Walzertraum. Allabendlich: Wiener Blut.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Thcater. Allabendlich: Polnische Wirtschast.(Ansang 8 Uhr.) Lustspiclhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das große Geheimnis. Allabendlich: Die Damen des Regiments.(Ansang 8 Uhr.) Neues OPeretten-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Allabendlich: Eva.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Francillon. All- abendlich: Das kleine Cafe.(Ansang 8 Uhr.) Rose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Glöckner von Notre-Dame. AbendS: Der Spielteufel. Montag: Salon und Kloster. Dienstag: Der Spielteuscl. Mittwoch: Zwillinge. Donnerstag bis Sonntag: Bonaparte und seine Frauen. Montag: Der Kamps gegen den Kuß. (Ansang 8 Uhr.)., Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Sommerspuk. Montag: Zopf und Schwert. Dienstag: AuS Mangel an Beweisen. Mittwoch: Maria Stuart. Donnerstag: Der Verschivcndcr. Freitag: Sommerspuk. Sonnabend: Der Verschwender. Sonntag und Montag: Eine leichte Person.(Anfang 8 Uhr.) Belle-Zllliance-Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Die Dollar- prinzesfin. Abends: Wihelm Tell.(Anfang 8 Uhr.) Montag: Der Trompeter von Säkkingcn. Dienstag: Wilhelm Tell. Mittwoch: Zapfen» streich. Donnerstag: WallensteinS Tod. Freitag: Wilhelm Tell. Sonn- abend: WallensteinS Tod. Sonntag: Die Dollarprinzesjin. Montag: Der Trompeter von«äkkingen.(Slnfang 8'/2 Uhr.) Neues Volkstheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag 3Uhr: Der zerbrochene Krug. Fritzchen. Abends: Leidenschast. Montag: Nathan der Weise. Dienstag: Der zerbrochene Krug. Fritzchen. Mittwoch: Nathan der Weise. Donnerstag: Geographie und Liebe. Freitag: Leidenschast. Sonnabend: Nathan der Weise. Sonntag: Leidenschaft.(Ansang 8l/2 Uhr.) Casino-Tticatcr. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Der selige Holl« schinsky. Abends täglich: Der Kampf ums Dasein.(Ansang 8 Uhr.) Metropol-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Miß Helhett. All- abendlich: Die Nacht von Berlin.(Ansang 8 Uhr.) Folieo Capricc. Allabendlich; MandelblüthS Polterabend. Waisenübung. Losgelassen.(Anfang 8'ft Uhr.) Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Wie man Männer bessert. Der Hausleusel.(Ansang 8 Uhr.) Apollo- Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und abends täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Die größte Sünde. All- abendlich: Menschenrechte.(Ansang 8'/, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3>/z Uhr: Große Vorstellung. Täglich: Gala-Vorstellung.(Ansang Tj, Uhr.) ZirkuS Schumann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Große Vorftellung. Allabendlich: Gala-Vorstellung.(Ansang 7>/. Uhr.) ZirkuS Sarrasani. Mittwoch-, Sonnabend- und Sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Vorstellung. Allabendlich: Gala-Vorstellung.(Ansang VI, Uhr.) Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Täg- lich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Reichshallen-Theater. Täglich: Stettiner Sänger.(Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Köiiigftadt-Kasino. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Carl-Havcrland-Theater. Täglich: Spezialitäten.(Ansang VI, Uhr.) Intimes Theater. Täglich: Der Brandstijter.(Ansang 8ll, Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Urania- Theater, Tanbeiistr. 48/49. Bis aus weiteres täglich: Der Großglockuer, Gasiern und die Salzburger Alpen.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenilr. 57—62. □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ a> I Sinsepungs.jlnssteiierVoehe Günstige Gelegenheit Zu enorm billigen Einkäufen VW,�VWAV�rtV,.VAVrtW�AV�M,VWU,.V.%Wla".V.V.VJVVAV«WyViWW,��VWiV."AWWAWV,�W,AW.%V/.W%SV%WJVUWWrtVWWVW.%VU,WW □ □ □ □ n □ □ □ □ □ □ 0) ti I « c s c 81 5 e e 5 □ □ □ □ □ P für Sraaiamtattuma! 5emclcntucl) SO cm breit, Stück von 10 Meter....... 2.45 fertige Bettbezüge Deckbett und iwei Kissen,,,,, 2.75 lüellje Bettlaken ohne Niht, fertig gesäumt....... 90 PI. DamaStoBettbeZÖge Deckbet: u. rvei Kissen, Icrtig genäht 5.00 fertige Bettinlette rot oder rosarot gestreift 2.95 Damast Tischtücher kertig gesäumt 1.25 Ltubenhandtücher kräftiges Drel!gewebe... Vi Dulzend 1.48 engl. 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Allee 147; Wirtshaus zum Strauß, Pappel- Allee 23; 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. Konzerthaus Süßmilch, Born- holmer Str. 7; 17. Guiard(früher Rath), Schön- 18. hauser Allee 134»; Swinemünd. Gesellschaftshaus, 19. Swinemünder Str. 42; 20. Wernicke. Ackerstr. 123: 21. Humboldt-Säle, Hussitenstr,40; 22. Tagesordnung, 11. Abteilung: Oranienburger Festsäle, Chausseestr. 16; 12. 13. 14. 15. 16. Artushof. Perleberger Str. 26; Moabiter Bürgersäle, Beussel- straße 9; Moabiter GesellschastshauS, Wiclefstr. 24; Brauerei Patzenhofer, Turm- straße 26(weißer Saal); Funkes Gesellschaftshaus, Trift- straße 63; Cranz Festsäle, Kösliner Str. 8; Phönix- Brauerei, Hochstraße Nr. 21/24; Frankes Festsäle. Badstr, 19; Pharus-Säle, Müllerstr. 142; Pharus-Säle. Müllerstr. 142; 136. Sachon, Müllerstr. 225/18* ,. Wahl der Dtlesinle« zur NerMs-GemoIonsmmhittg. 2. Vortrag. 3. Diskussion. Referenten: 9Iax Barth, Bobert Bahn, Adolf Bnhl, Engen Brückner, Dr. Oskar Cohn, Wilhelm Dentzer, Bobert Fendel, Bax C>ranwald, Bich. Henachel,.Wilhelm Kubig, Karl Koblenzer, Karl Leid, Berta Lnngwitz, Anna Batschke, Heinrieh Metzke, Adolf Bitter, Dr. Kurt Bosenfeld, Wilhelm Siering, Georg Schmidt, Emil Enger, Georg llcko, Hans Wober. Mitgliedsbüch legitiMlert.-- Der Vorstand.' ttr ii Terwaltnng Berlin. Stellmacher. DienStag, den SO. Februar, vormittags 10'/, Uhr, im Restaurant Hahn, Rosenthaler Straße 57: Versammlung aller arbeitslosen Stellmacher. Tagesordnung: 1. Die Arbeitslosigkeit und die Borteile des paritStischen Arbeits- Nachweises. 2. DiSkussio». WWr Jeder arbeitslos« Stellmacher ist verpflichtet. In dieser Bersammlung zu erscheinen. Die Branchenbommlsslon. Jal oasi earlbeiter. Montag, den 19. Februar. abendS S'U Uhr, bei A. W i e m e r S, Biiiowstr. S8i Große Versammlung. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage und der Wert der gewerkschast- lichen Organisation. 2. DiStuision. WAM- Die Kollegen der Werkstätten Wohlfahrt u. Co.. Kotz u. Möller, Steen u. Droste!, Schätzler. Götze« Friedenau. Weichert. Friedenau, Bentltn usw. sind ganz besonders eingeladen. Auch ist der Besuch der Frauen erwünscht. Die Kommission. mssckltienardelter. Bezirk Norden, Moabit und Charlottenburg. Donnerstag, den SS. Februar, abend? 7 Uhr, in ObigloS Fcstiäle, Schwedt«« Strafte SS/S4: Bezirks- Versammlung VW Alle Betriebe müssen vertreten sein; speziell die Kollegen, die nicht im Besitz einer Berlraucnsmännerkarte sind. 70/3 Die Branchenkommlsslon. Verband der Sattler o.Poi1efeuiller Ortsverwaltung Berlin. Mitivoch. den 21, Februar, abends 8Vi Uhr. im großen Saal der„Anninhnllen", Kommandantenstr. 58/59: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Berwaltung. 2. Neuwahl der Revtsoren. � 3. Bericht des VergnügungStomiteeS«nd Neuwahl des Bor- sitzenden sowie des Kassierers vom BergnügnugSkomitee. 4. Die Nufgaden unseres Münchener Vervandstagrs. Referent: Kollege Schulze. S. BrrschledcneS. mtgliedsbncli legitimiert. Isar tenaehwe,,: Wll rden, Nr. 1239. CHarttHstrafte 3. Arbeltsnachweit; Amt Nor! Hauptbureaj: H°I m. Amt Norden. Nr. 1907 Dienstag, den SO. Februar 1912, abends 6 Uhr. in den Rittersälen, Ritterstraße 75: Versammlung aller in den Ketrieben der Kijantkrie- nnd SchnaSeu- brauche beschäftigten Kollegen nnd Kolleginnen. Tagesordnung: 1. Bericht über die Ausnahme der Statistik. sied" 3. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet 112/11 Die Ortsverwaltang. Kleber! Dienstag, den SO. Februar, abends 8 Uhr: Oeffentliehe Versammlung bei Meyer, Oranienstraße 10S. Tagesordnung: 1. Welche Maftnahme» ergreifen die«leber. mn den fort- währenden Darifvrüchen der Unternehmer entgegenzntreten. 2. Diskussion.. VW Psttcht eineS jeden Klebers ist e» zu erfcheinen.-MU Der Einberufer: M. Brunow, Stolpifcheftr. 11. llentselier kürectiner-Verband. Filiale verlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: NO. 13, Weinstr. 8. Fernspr.: Königstadt 0739. Mittwoch, de« S1. Februar, abends pünktlich 8 Uhr: Mitglieder-Bersammlung in den Mustkersälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 18«. Tagesordnung: 1. BorlragSzyNuS der Genossin Frl. Idtl üb«:„Die deutsche Literatur".»»1-�0... 3. Wahl der Delegierten zum BerbandStage. 4. Beratung der Anträge zum BerbandStage. ö. Bericht über Beendigung des Streiks in der Mützenbranche. 6. BerlchiedeneS. 100/6 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. V 3" Anbetracht der reichhaltigen Tagesordnung wird ■ die Versammlung unbedingt um«'/, Uhr eröffnet. Wir«warten, daß die Kollegen recht zahlreich, aber auch recht pünlllich erscheinen. Die Ortsvem-nltnng. NB. Dir Vertrauensleute werden ersucht, die gedruckten Jahresbericht« > Bureau abzuholen. 158/7 Die reellsten nnd billigsten Möbel nnd Polstcrwaren erhält man zu Kassapreisen in der seit 33 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. Schnls, Reiohenbarger StraBe S. Größte Auswahl in allen Holz- and Stilarten mit zehnjähriger Garantie.(S Pros. Ksssaakonto.) Ev. aal Ratenzahlung. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Aebtung! Putzer und Putzerträger! Mtling! Am Wlvoeti, den 2\. Jebruar, abends piinktlieb 8 llbr» finden in«ntenstchenden Bezirkslokalen SeÄrKsvsrssmmwngen statt, in welchen eine sehr wichtige flfrage diskutiert werden soll, die beide Berufs- gruppen mit gleichem Interesse berührt. Wir müssen von allen beteiligten Mit- gliedern verlangen» daß sie sich durch nichts vom Besuch der Versammlungen ab- halten lassen. Bezirk Wedding bei Preppernau, Pasewalker Straße 3. „ Gesundbrunne» bei Tausch, Prinzenallee 17. „ Norden I und II bei Obiglo, Schwedter Straße 23/24. Schönhauser Vorstadt bei Schmidt, Pappelallee 64. „ Osten bei Hoffmann, Königsberger Straße 28. „ Nordosten bei Sachse, Greifswalder Straße 37. „ Südosten bei Daly, SkaMer Straße 51. Westen und Süden bei Wiemers, Bülowstraße 53. „ Moabit bei Bachstein, Salzwedeler Straße 16. „ Neukölln bei Bartsch, Hermannstraße 48. „ Schöneberg bei Obst, Martin-Lutherstr. 51. „ Charlottenburg im Volkshaus, Rosinenstr. 3. „ Steglitz bei Liebske» Mommsenstr. 6. „ Wilmersdorf bei Potschies, Aachener Str. 40. „ Pankow bei Jtteritz, Florastr. 90. „ ftriedrichshagen bei Lerche, Fnedrichstr. 112. „ Grost-Lichtcrfelde bei Wahrcndors, Bäkestr. 22. Weißensee bei Peukert, Berliner Allee 251. Dienstag, den AO. Februar: „ Lichtenberg bei Pieckenhagen, Scharnweberstr. 5. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Beratung über Anträge der Pntzerträger. 2. Interne Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Recht zahlreichen Besuch erwarten Die Obleute. SeMtm der Stukkateure! Montag, den 19. Februar 1912. abends 8 Ahr, im Gemerksschastshause Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: � 1. Der Stand unserer Lohnbewegung.— 2. DtSIussion.— 3. Verschiedenes. Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten Dl« Scktlonnleltanc. £--— Gruppe der Rohrer. Sonntag, den 18. Februar, vormittags 10 Uhr, im Gemerkschastshanse(Saal 11) iußerordentliehe Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: Die Differenzen bei der Firma Arend. _ Die Grnppenlcltung. Sonntag, den 10. Mär; 1912, vormittags 10 Uhr, im Gemerkschastshanse(Saat 1) Generalversammlinig des Gesamtzweigvereins. Tagesordnung: 135/11* 1. Geschäfts- und Kassenbericht für daS Jahr 1911.- 2. Anträge. Der Zwelgverclnsvorstand. Deutscher Tabakarbeiter-Verband Zablatcllc Berlin. Mittwoch, den 581. Februar 1913, abends'/°9 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstr. 11. oberer Saal: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1. Zldrechnung. 2. Jahresbericht. S. Bericht über die Tarif- res». Lohnbewegung. S. Wahl der Orlsv erwallung. S. Wahl deS Hiljskalsierers S. Verschiedenes. 1S7/5* Zahlreichen Besuch erwartet Dl« OrtsFerwaltnng. Mitgliedsbuch mit 3 erfüllten Beiträgen im laufenden Jahre legitimiert. Beitrüge werden am Saaleiugang entgegengenommen Lxti-a.�vtSlIun� 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren- SlraSe37a(2. Haue ran der| Jerusalemer Slrale). |ll. Gesch.: Berlin NO. Grote 1 Frankfurt. Str.>15(2. Haus[ von der Andreasstraße). 1 Sehr gr.Ausw.fort. Kleider, I J Hüte, Handschuhe, Schleier Uetc.V. einfachsten bis zum 1 hochelegant.Genrez.&ußerut, niedrigen Preisen. Sonder-Äbteilung: HaUuiifertigniig 1° 10 bis 12 Stunden.< Ich habe meine Wohnung verlegt von SV.. Friedrichfir. 42 nach »MT., Anhaltatr. 5. Laboratorium verbleibt Friedrich« slrahe 125. Dr>. v.«. Lna«!. Innere Krankheiten. Spez.: Herz- und Bluikrankheiten. Kliimtn- und Krambindttti von iug. Meier, lwafskrthorftrafte 87». Allen denen, die unserer teuren Toten die letzte Ehre erwiesen haben, insbesondere der Genossin Wurm sur ibre erhebenden Worte, sagen wir unseren innigen Dank. 50b W. Tetzlaff«"«>«»dn. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben BaierS und Schwiegervaters. des TöpserS 2017L Emil Musolt sagen wir allen Freunden und Be- kannten sowie den Mitgliedern deS Zeniral-BerbandeS der Topjer unseren berzllchsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Unze BIiiHolt. Klara\elle geb. Musolt. Felix»Teile. _ Wilma Wnwolt geb. Leander. f Haut- u. Harn- f leiden, Ehrlich• Hata, Schäden d. Quecksilb.— Konsultation frei! Blutuatersuch., Fäden im Harn, etc. !! Teilzahlung gestattet k! tkiowjerläeteh.®� 8,d.HochD. Spr. 9-2,4-8,Sonnt.t1-I2. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung memeS lieben Mannes sage ich allen Freunden und Bekannten sowie oem Wahlverein, dem Meiallarbeiierverband und den Kollegen deS Verstorbenen meinen herzlichen Dank. 51b Witwe Marie Günther. Tanksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sagen wir allen Ver- wandten, Kollegen, Freunden und Bekannten unseren tiefgesühltesten Dank. 5Sb Klara Resemann und Kmaer. Danksagung. Für die viele» Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManncS sage ich allen Freun- den und Bekannten meinen tiesge- sühlien Dank. Nert»lS«I,i>eiSergeb. Kren?, Reinickendorf, Herbstftr. 26. Todes-Anzeigen SoiiMmaHeberWenibi für den 4. Herl. Reiebstags-Wählkreis. (Stralauer Viertel) Bezirk 344. Den MUgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Kerta I�üpricd Memeler Str. 45, gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle dcZ ZeniralsriedhosS in Friedrichs- selbe anS statt. Um rege Beteiligung ersucht 213/7 Der Borstand. Todesanzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach. richi, datz meine liebe Frau, meine gute Mutter Herta Löprieh geb. I-ang« am 15. Februar, vormittags 11 Uhr, nach kurzem Krankenlager ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Montag, 19. Febr., nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle deS Zentral- FriedhoseS in Friedrichsfelde aus DieS zeigen iiesbetrübt an Wlheim(.Sprich und Tochter. Deutseber Holzarbeiter-Terband Den Mitgliedern zur Nachricht, das) unser Kollege, der Vergolder Emil Nietsch Boxhagener Chaussee 8, im Alter von 35 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke»; Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des RuminelSburger Gemelnoe-Fried- Hosts in der Lückstrahe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 79/4 Ost Ortsverwaitung. Nleder-Baraim. Bezirk Lichtenberg. Den Genossen zur Nachricht, datz unser Mitglied pran?(Ifutwald verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonntag. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle m Marzahn aus statt. 14/4 Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. Abfahrt vom Bahnhos Lichten, berg-FnedrichSselde 3 Uhr 20 Min. Vösbanll der Fabrikarbeiter Deutschlands. (Bezirk Ober.SchSneweide.) Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mtglied Vilbelm Yillvock am 16. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung sindet morgen Montag, den 19. Februar, nach. mittags 3 Uhr, von derLeichenhalle deS Gemeinde, FriedhoseS in Ober- Schönewrtde aus statt. 57/5 Zahlreiche Beteiligung erwartet Ost Bezirkeleitung. Für Teil Danksagung. die vielen Beweise her, S' es Teilnahme anlätzlich des meines geliebten ManneS Wllkvlm Back sage ich aus diesem Wege meinen herzlichsten Dank. Dl« tranerad« Witwe. Nachruf. Unser Ohof, der Fabrikant Her, Lmst Schiegnitz ist nach kurzem Krankenlager im Alter von 72 Jahren am 16. Februar gestorben. Er war uns ein gerechter, humaner Arbeitgeber, und wir bedauern hiermit aufrichtig sein Hinscheiden. Das Qesamtpersonal der Firma Fabrik hygienischer Bade-Apparate E. Schiegnitz. Skalitzer Straße 10. 16b SozialdemokratisehJablYereiiil für den 4. Bert. Belebstags-Iah».j Frankfurter Viertel. (Bezirk 308) Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unser Genosse, der Packer Heinrich Blaudsebun Palisadenstr. 69 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mon> tag, den 19. Februar, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Aus- erstebunci-Z-KirchhoseS in Weitzeu- see aus statt. 213/8 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. ÄÄlillleWki'älisebei'VMslüliliij des 6. Herl. Reictistags-WaWkrases.j Todesanzeige. Am Donnerstag, den 15. Fe- bruar, verstarb unser Genosse, der Dreher KsH Holst, Gerichtstratze 63. Ehre seinem Andenke» 1 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. Februar. nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des DankeS-Kirch- Hosts, Reinickendors-West, Blanle- stratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Dez» Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzelgen. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Dreher Kar! Holst am 15. d. M. an Lungenentzündung gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonntag, dm 18. Februar, nachm. 2 Uhr, von der Leichen- Halle des DanleS-KirchhoseS in der Blankestratz« anS statt. Femer starb unser Mttglied, der Schlosser Vram Örunwald Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. Februar, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen. Halle des FriedhoseS in Marzahn aus statt. Femer starb unser Mtglied, der Schlosser Franz Steffen Di« Beerdigung findet am Sonntag, den 18. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Rummelsburger Ge- meinde-FricdhoseS in Rummels- bürg anS statt. Femer starb der Schmied unser Mitglied, Lorenz Graß Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. d. MS., nach. mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle deS St. Sebastian-KirchhoseS in Neinickendors, Humboidlstratzc, anS statt. Fem« starb unser Mitglied, der Fräser �uxust Krüßkaver Die Beerdigimg findet am Sonntag, de» 18. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des städtischen Friedhofes in Haselhorst aus statt. Femer starb die Arbeiterin unser Mtglied, Mixnste Gleiter am 16. d. MtS. an Lungenentzündung. Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Februar, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Zmtral.griedhoseS tn Friedrichsfeloe anS statt Ehre ihrem Andenke«; Rege Beteiligung erwartet 112/13 Ole Ortsverwaitung Allen Verwandten, Bekannten und Genossen die traurige Nach- richt, datz meine liebe Frau Unna Jentsch geb. Ilttcor am 16. Februar, im 37. Lebensjahre, nach langem schweren Leiden sanft entschlasen ist. Um stille Teilnahme bittet' im Namen der Hinterbliebenen Oskar Jentsch, Schankwirt, Clisabethuser 26. Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Februar, nach- miilagS'/,3 Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhofes in de» Kisseln in Spandau au» statt. 57b Am 17. Febmar, morgens 5 Uhr, H J verstarb unser lieber Freund und H Kollege, der langjährige Metteur der„Norddeuljchen Allgemeinen �Zeitung", Herr Schriftsetzer . NAxiuritinii Jfccgcr im Alter von 70 Jahren. ' Erst am 28. Januar d. I. In- valide geworden, war cS ihm zu unserm Leidwesen nicht v«gömit, den verdienten Lebensabend lange zu genietzen. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen einen uns«« Besten, dessen laut«« Charalt« ihm ein ehrendes und dauerndes Gedenken in mijcrcu Reihen sich«t. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 20. Febmar, nach. mittags 4'/. Uhr, auf dem Ge- meindcsricdhoj in Steglitz, Berg- istratze, statt._ Am gleichen Tage ritz der Tod nach nur sechstägig« Krankheit aus unserer Witte einen lieben Kollegen, den Schristsetz« Herrn Eficll GOftll im 50. Lebensjahre. Auch dieser Heimgegangene hat sich durch seine stets bewiesene wahre Kollegialität einen immer- währenden Denlstein tn unserem Herzen gesetzt. Die Beerdiguna wird«och be- kannt gegeben. Berlin, den 17. Februar 1912. Die Kollege» der Miieutscheii BuehMerei. Zentralverband der Töpter u. Berufs genossen Deutsch). Filiale GroB-Berlin. Den Kollegen zur Kenntnis, datz am 14. d. MtS. unser Mit- glied, der Kollege Rudolf Unfug (Bezirk Köpenick) im All« von 58 Jahren an Lungenentzündung verstorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdiguna findet heute Sonntag, den 13. Febmar, nach- mittags 4 Uhr, von d« Leichen- halle des Köpenick« Gemeinde- Friedhofes. Rudow« Strotze, aus statt. 192/3 Der Vorstand. Bcutsebcr Bauarbeiter-Verband Zwcigvercln Berlin. Am 13. Februar verstarb unser Mtglied Hermauu Buehholz (Bezirk Norden I). Ehre seinem Andenken 1 Die Be«digtwg findet am Montag, den 19. Februar, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Geihsemane-Kirchhoses, Nieder« Schönhausen, Nordend, au« statt. Um rege Beteiligung ersucht 137/2 Der Vorstand. In der Nacht von Freitag zu Sonnabend entschlief sonst, Plötz- lich und unerwartet mein lieber Mann, uns« gut« Vater, Groh- vater und Bruder, der frühere Kassierer und Nestaurateur WUbeim Schrepffer im vollendeten 71. Lebensjahre. Namens der Hinterbliebenen 11 er in an ii Schi'opflTcr. Die vcxrdigmig findet am Dienstag, om 20. Febmar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle de« Neuküten Gemeinde. Friedhofe« in Tencheftos, Gottlicb- Dunkel-Stratze früher Marien- dors« Weg, anS statt.— Straßen. bahn 7. 58b Am Donnerstag, den 15. Fe- bruar, starb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Süwieger-, und Grotzvat«, der Wekermeijt«, Herr Linü Häuf Kl. MarkuSstr. 18 im 68. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitte» ilugast« Hanf geb. Blhre, Kinder, Schwieger- u. Enkelkinder. Die Beerdigung findet am Montag, den 19. d. MlS., nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des St. Georgen-KirchhoseS, LandSb«ger Allee, aus statt. Danksagltng. Sagen allen Bekannten, Verwandten, auch den Kollegen des Metallarbeiter. Verbandes sowie der Firma Leh» mann u. Schröder für die Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meine« lieben Mannes, unseres guten Vaters, BmderS und Schwagers �ctoii Eisenberg unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Groß-Berlin. jg" Bitte, diese Liste aufzubewahren:'Wk Qrok-BerlZn. sißt impip WÄmp die iien Jolntmif der Hmemdriln oon CrchKerli« bewilligt, sowie derjenigen Fabrikanten, die sich mit ihren Arbeitern im Einverständnis mit der Organisation geeinigt haben. Parteigenohen» Arbeiter, Interehenten, Uaucher!' Wer die Tabakarbeiter in ihrem schweren Kampfe zu unterstutzen gewillt ist, beziehe seine Waren von nachstehenden Zigarrenfabrikanten. UsM Solidarität! Osteu. »Otto Ichirmer. Frankfurter Allee 7. »Wilh. Klein. Am Oberbaum 1. »Schulze. FriedrichSfclder Straße 23. i 201. Hannemonn. Breslauer Str. 8. M. Fricke, LaNZcftr. 29, IV. »Paul Watschte. AndreaSstr. 16. »Hermann Tavld, Weidenweg 3. Helene Kolberg. Memelcr Str. 34. »Paul Peterson, Wcidenweg 83. Hermann Kasrlow, Friedenstr. 74. Kranz Kruger. Pmencr Str. 25. »Joh. Heiden, Weidenweg 26. »Ernst Post. Boigtstr. 6. »Euftav Brösel, Frucktstr. 83. Max Lerche, Tilsiter Str. 44- »August Körtin, Nigacr Str. 46. E. Tornow, Weidenwcg 8. »Johann Liebich- Memeler Str. 7. Otto Koglin. Schreinersst-. 55. Anton Fröhlich. Langestr. 56. Fr. Schubert» Romintener Str. 3V. »B. Spenkoch. Tilsitcr Str. 90. Robert Kisowski. Tilfiter Str. 76 II. . Rndolf Pohl, KopernituSstr. 3 I. Adolf Löschte. Kl. Andreasstr. 6. »Wilh. Göse. Markusstr. 27. »Friedrich Kürschner, Fruchtstr. 61. »Gesttngs, Grüner Weg 66. Otto Sternte. Kraulsir. 1a. 'Schetiermann, Proskauerstr. 39. Südosten. Adolf Domann. Lausitzer Str. 7. »Zlugnft Lefövre, Adaibertstr. 18. »PH. Baehr, Naunynstr. 24. Emil Gabler. Cuvrvstr. 48. »Louis Fischer. Wiener Str. 57b. »Gustav ZiNich. Farster Str. 8. »Robert Kcstler, Mariannenstr. 37. »Jean Brunn, Wrangeistr. 15. »Frit« Lobbes. Adalbertitr. 58. 'Wilhelm Friebel, Forster Str. 39. »Wilh. Stübner, Eitenbahnstr. 33. »Kämmler, Ncichenbergcr Str. 157. »Paul Reichelt. Wrangeistr. 62. »Adolf KunNe, Grünauer Str. 4. »Robert Fränkc, Britzer Str. 20. Bernh. Müller, Reichenbergerftr.141 »August Bogel. Admiralstr. 23. Koelpist. Admiralstr. 9. Wolfs. Görlitzer Str. 57. Süden. »Wilh. Boerner. Ritterstr. 15. »August Zech. Gitschiner Str. 53. »Gustav Schmidt, Gräsestr. 68. 'Gustav Lochmann, Wäfsertorstr.49. Südwesten. Wwe. Lütte, Möckcrnstraße 116. Stordwesten. »Richard Kiepert, Zwinglistr. 29. Otto Bornkessel. Waldstr. 39, HI. 'Wilhelm Bundschuh. Birkcnftr. 48. »Robert Kern. Stromstr. 25. Richard Schoppan, Wiclcsstr. 46,1. »H. Hagedorn. Emdener Str. 47. »Böscnbcrg, Rostoiker Str. 21. »Paul Müller. Beussclstr. 28. Julius Löbel. Beusselstr. 62. Norde». »Wilh. Blanck. Ackersir. 119. »I. Dtabrcy, Gleimsw. 10. Rudolf Runge. Jnvalidenstr. 20. »Emil Herforth. Rügeim Str. 7, Eingang Putbuser Straße. 'Fran Luise Ruft. Soldiner Str. 69. »Wachsmuth. Freienwald er Str. 9. Schübert, Norweger Str. 4. August Bansdorf, Soldiner Str. 14. »Deglow, Hochslr. 2a. »Paul Mazanke, Pankstr. 24. 'Hermann Kornehki. WollinerSt. 23 Kempers. Fehrbelliner Str. 57. *A. Lindemann. Rheinsberg. Str. 37. »Frit« Sperber. Ruppiner Str. 44. »B. Moritz. Bernauer Str. 18. Liebrecht. Wcißenburgcr Str. 83. »JiilinS Nicke. Saarbrücker Str. 7. »Wilh. Klein. Müllerstr. 184. »Paul Opitz. Lynarstr. 2. 'B. Robrahn. Greifenhag-nerStr.16. »Engelhardt, Schönhauser Allee 50a. Hellmann. Schönhauser Allee 40a II. »Frau Krause. Biet entHaler Str. 9. »Oskar Klose. ReinickcndorserStr.36. H» Bongardt, Gleimstr. 40. F. Zimmermann. Tresckowstr. 13. »Kricdemann, Stargarder Str. 74/ »Franz Fritz. Triststr. 4. Panl Roa, Malplaquetstr. 24, I, »Wilhelm Ruft, Antonstr. 2. »W. Göppner. Maxstr. 13a. August Schirmer. Jnvalidenstr. 2. »E. Gobien, Freienwalder Str. 22. »Louis Hoffman». Gaudhstr. 5. »Robert Eckert. Kolberger Str. 15. »Robert Grewe. Wiesenstr. 19. »P. Goriwoda, Stolpische Str. 44. »Aschenbrenner. Schliemannslr. 4. »Ad. Kramer. Schwedter Str.18/19. »Friedrich Schulz. Wiesenstr. 60a. Albert Haspel, im Humboldthain. »August Beutel, BieIcnthalcrStr.24. »Eduard Möhl, SchönholzerStr. 11. »H. Herberg. Gleimstr. 65. »Karl Habersaath, Graunstr. 40. »Gustav Hennig, Koloniestr. 12 9 »W. Pollwitz, schliemannstr. 47. »A. Kaerger, Prenzlauer Allee 169. »Paul Kneifel. Ackerstr. 131. »Schlösscrs Rachf., Gcrichtstr. 2. Jakob Götting.Liebenwalder Str. 5. »G. Stahlberg, Dunckerstr. 12. Paul Roack, Schönhauser Allee 56. »Ernst Schulz, Bernauer Str. 2. »Willy Jcrre, SwincmiindcrStr.55. »Gustav Henze, Stetlincr Str. 61. Otto Braun. Ruppiner Str. 14. »Rob. Genzkow. Lortzmgstr. 24. »W. Balzer, Ramlcrstr. 12. Prager. Ruppiner Str. 25 I. Friedr. Berlin. Ackerstr. 130. »Pflug. Reinickendorfer Str. 71. E. Hildebrandt. Rügener Str. 26. »H.Junghans.ReinickcndorfcrSt.106 »H. Zieht». Bernauer Str. 48. »Semmler, Brunncnstr. 103/104. »Schnhmann, Boyenstr. 18. »Zöllner. Stettincr Str. 20. «Weidner, Hochstr. 48. »Hübner. Rügener Str. 18. «Fröhlich. Reinickendorfer Str. 87. Marie Tulla, Gleimstr. 53. »Scheering. Brunnenstr. 90. Schubert. Norweger Str. 4. Nordosten. Marie Klotz, Palisadenstr. 101 pt. B. Loewindorff. Weinstr. 6 II. W. Eckenbrecht. Höchstestr. 7 HL Otto Better, Höchstestr. 32. »Jos.«robisch. Büschingstr. 20. »Max Poleft. FriedrichsbergerSlr. 1V »Jakob Reul. Barnimstr. 42. »Karl Müller, Rykestr. 38. »A. Dierbach, WinSstr. 25. »Th. Bernhöft, Greisswaldcr It. 207. »Gustav Pinner, Tresckowstr. 36. Georg Bürger. Tresckowstr. 38. »Heinrich Olle, Metzcr Etr. 22. »Wolter.?.>iarienburgcr Str. 32. »Ziichter, Landsberger Allee 145. »Gustav Wittenberg, Barnimstr. 15. »M. MoewuS, Weinstr. 29. »Hugo Wache, Koppcnstr. 46. »Aug. Kley, Friedrichsberger Str. 19. Blauzwirn, WoldcnbcrgerStr. 12 II. Galka, Elbinger Str. 41. Zentrum. A. Ehaim. Mulackstr. 11, L »Otto Probst. Linienftr. 25. Vororte. Karl Jancke, Adlershos, Fricdenstr.16. »Rud. Otto. Adlershos, Sedanstr. 29. Benkert, Adlershof, Bismarckstr. 58». Albert Schumacher. Lichtenberg, Wartenbergstr. 68. »Frii, EHIert, Britz, Rudower Str. 5. »H. Trompa, Lichtenberg, Scharn- iveberstr. 44. »Harting. Lichtenberg, Ziummels. burger Str. 18. »Kaiser, Lichtenberg. Möllendorff- slraßc 15/17. »Joh. Bobrowski. RummelSburg, Croffener Str. 17. »Maferkopff. Borhagen, Weferstr.35. «Schütze. Rirtorsi Wißmannstr. 22/23. »Schulze, Rixdorf, Steinmetzstr. 110. Gustav Becker. Rixdorf, Jnnstr. 29. »Alb. Schuster, Rixdorf, Fuldasir. 15. I. Gans, Rixdorf, Friedclstr. 3 HI. «F. Ehlert.Rixdorf, Hermannstr. 226- »Gustav Earl. Rixdorf, Prinz- Handjerh-Str. 59. «Bortmann, Rixdorf, Emser Str. 90. »Klei», Wilmersdorf, Uhlandstr. 128. •Potst Witt, Steglitz. Düppelstr. 5. »Rob.Stübner.Steglitz.Schloßstr. 115 Lehma»», Reinickendorf-Ost, Thuner- slraße 5. »Pieper, Spandau, Metzer Str. 12. »Frau Ella Moos.Spandau, Falken- Hagener Str. 18. 'Otto Wilke. Spandau, Mrkenstr. 4. »Wilh. Klemmer, Spandau, Schön- walder Str. 82. Max Nölte.Spanda«,SchuIzeustr.14. »Durst.Spandau, PichelZdorfer Str.28 Otto Kloose. Spandau, Feldstr. 5. 'Wilh. Klein. Tegel. BerlinerStr. 84 »Krüger. Tegel, Berliner str. 39 pt. Milius. Pankow, Berliner Str. 90. Alb. Janike. Pankow, Mühlenstr. 38. «Hudosch', Pankow, Kaijcr-Friedrffh- Straße 74. »Jacobi, Weißensee, BerlinerAllee 179 Werner. Weißenfee, Sedanstr. 19 I. »Hugo JürgaS, Weißenfee, Heiners- dorfer Str. 55. 'Zirkel. Rixdorf. Jbealpaffage 6. Moritz. Friedrichshagen, Wilhclm- straße 59. »H. Herzog, Lichtenberg, Blumen- thalstraßc 9. »Rischewoff, Lichtenberg, Gürtelstr. 12 »Neuhoff. Reinickendorf- W., Eich- bornstr. 54. »Beständig. Retnickendors-V-, Eich- bornstr. 94. «Adelt. Reinickendorf- 0., Kopenhagener Str. 1. »Arnold Hamacher, Köpnicker Str. 155/156, H. Krebner. Mariannenplatz 15, St. Rcudschmidt, Kastanien-Allec 103 I, Kunkel, Manfleinstr. 14 I,«Heinr. Beyer, Elbinger Str. 13,»Schachmann. WinSstr. 12, H Kurnicker. Neue Königstr. 17. Max Otto, Templiner Str. I2part.. Laser, Landsberger Str. 91, Puttlii,. Schliemannstr. 28 I. Paul Juhl, Bcrlin-Pankow,«Roman Roste. Chorincr Str. 5. Götzer. Melanchtonftr. 13, I. Blanzwirn. Lothringer Str. 66/67 II,»Eypra, Carmcn-Shlva-Str. 2,«Behrend. Weißens«, Gustav-Adolf-Str. 17, Rethwisch. Wolliner Str. 42 II, Goreüka. Christinensw. 34. Max Jacoby, Strelitzer Str. 52 part. «AhrenS, Köpenicker Str. 165. Birchow, Krautstr. 26o.«Schulz, Libauer Str. 13.»Albrccht. Hagenauer Str. 2.«Fiebig. Ritterstr. 55. Förster, Ober-Schöneweide, Siemensstr. 20 L G. Beyer, Palisadenstr. 95. Gärtner. Boxhagen-Riimmclsburg. Sonntagstr. 3. Wigand,"Lychener Str. 13. Blaurock. Heinersdorser Str. 15.»Geuserowski, Steinstr. 16. Autzrrdem sämtliche Berkaufsstellen der Grotzeinkaufsgesellschaft Hamburg sowie der Konsnmgenoffenschast Berlin u. Umg.— WM- Alle mit einem* versehenen Firmen haben Ladengeschäfte. RaiRvI»«!'! Kauft nur m solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: Vvn Vei'ti'suviismsnn. Alwin Schulze, Große Hamburger Straße 18/19, befindet. Obigen Tariffirmen zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11—12 Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lassen, welche neben den im„Vorwärts" veröffentlichten Namen, Tarife mit unserem Verband abgeschlossen haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie, sofern sie von Tariffirmen beziehen, diese grünen von h>---nd,°hm-n rönnen. Der vertraurnsmaun.». G.-i>-»-Mb»,«,. Sir. l»„9. An alle Bewohner öroß-Berlins! Noch sind die Wunden nicht geheilt, welche die sogenannte„Finanzreform" dem gesamten Wirtschaftsleben geschlagen hat, und schon wieder macht sich ein bitterer Feind bemerkbar,„die allgemeine Teuerung". In solchen harten Zeiten wird es gewiß von jedermann, der nicht gerade mit Giücksgütern idch gesegnet ist, als eine Wohltat empfunden werden, wenn ihm Gelegenheit geboten wird, bedeutende Ersparnisse zu machen.—————— Die Herren-Kleider-Vertriebs-Gesellschaft m. b. H., kurz H. K. O. genannt, bietet diese Gelegenheit, Die H. K. G. betreibt den Einzelverkauf von fertigen Herren-, Jünglings-, Knaben-, Sport- und Berufskleidern jeder Art zum Selbstkostenpreis+ I00/o Provision »eispiei: Ein Umli-Iwlig, der 30 M. selbst kostet, wird mit 33 M., ein Knaben-Anzug, der 8 M. selbst kostet, mit 8.80 M. verkauft, Im Selbstkostenpreis sind die Geschäftsunkosten schon mit einbegriffen, so daß der Gesellschaft als einziger Nutzen nur 10% Provision verbleiben; irgend welchen anderen Nutzen hat die Gesellschaft nicht. Durch dieses Verkaufssystem ist die H. K. Q. nicht nur die billigste Bezugsquelle für Herren- und Knaben- Konfektion, sie ist auch In bezug auf Reellität unübertroffen, weil jede willkürliche Preisforderung oder jeder willkürliche Gewinnaufschlag ausgeschaltet wird und daher jedes Interesse an minderwertiger Ware fehlt. Um dieses Verkaufssystem nicht nur durchzuführen, sondern auch darauf bedacht zu sein, große Ersparnisse für das kaufende Publikum zu erzielen, mußte die H. K. G. von vornherein darauf verzichten, ihr Heim in teuren Läden oder großen Geschäftspalästen aufzuschlagen, die Unsummen an Mieten oder Zinsen verschlungen hätten. Die Verkaufsräume der H, K. Q, befinden sich in der ca. 1000 qm großen 1. Etage des kürzlich neu erbauten Eckhauses Neue Schönhauser Straße 1, Ecke Weinmeisterstraße und Münzstraße. Die Verkaufsräume sind modern aus- gestattet, auch stehen dem Publikum zwei Fahrstühle zur Verfügung. Die H. K. Q. führt alle Artikel für Herren-, Knaben-, Sport- und Berufs- Bekleidung in allen Größen und Preislagen. Der Selbstkostenpreis ist auf jedem Etikett deutlich angegeben. Herren= KI ei der=Vertriebs= Gesell schaft m. b. h. Nur Neue Schönhauser Straße 1 Ecke Münz� und Weinmeisterstraße Deutschlands größtes EtagensGeschäft dieser Art.„n. K. G." gesetzlich geschützt. HT Eröffnung: Montag» den 19. Februar, früh 9 Uhr. Kronen-Suppen« Kronen-Vouillon sind unerreicht, sie bedürfen keiner marktschreierischen Reklame. Lossen Sie sich keine andere Marke aufreden! verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Lnseratenteilverantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.Co., Berlin SW. yr. 41. 29. Jahrgang. 1. KeilW des Jotmüifs" letlinet Nslksdlsll Zannlag, 18. Febraar 1912. parte!- Hngelegenbeiten* Zur Lokalliste! In Rcinickendorf-Ost steht uns das Lokal„Seebad". Kaiser- Friedrich-Garten, zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. Am Sonnabend, 27. Februar, veranstaltet der Raucherverein „Grüne Eiche" in Zehlendorf(T.-B.) einen Maskenball im„Kaiser- Hof". Da uns dieses Lokal und ebenso außerdem die Lokale„Für- stenhof" und„Lindenpark" zu Versammlungen nicht zur Verfügung stehen, ersuchen wir die organisierte Arbeiterschaft, diese Lokale mit den dazugehörigen Stehbierhallen streng zu meiden. Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Heute abend gl/z Uhr spricht im großen Saale des GewerkschaftshauseS Reichstagsabgeordneter Georg Davidsohn über:„Was haben wir vom neuen Reichstag zu erwarten?" Nach dem Vortrage: Gemütliches Beisammensein. Entree inkl. Garderobe 20 Pf. Wilmersdorf-Halensee. Die Generalversammlung des Wahl- Vereins findet bereits am Mittwoch, 21. Februar, abends s'/h Uhr, im G'esellschaftshause, Wilhelmsaue 112, statt. Tagesord- nung: Fortsetzung der Beratung der Geschäftsordnung, Erledigung der in der letzten Versammlung zurückgestellten inneren Vereinsangelegenheiten, eventuelle Anträge zur Kreisgeneral- Versammlung, sowie Wahl der Delegiert e�n hierzu und zur Grotz-Berliner Verbandsversammlung. Das Mitgliedsbuch ist zur Legitimation mitzubringen. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Dienstag, den 20. Februar, abends 8 Uhr Volksversammlung im„Kaiserhof". Tagesordnung:„Die bevor stehende Gemcindewahl". Referent Stadtverordneter Genosse W. Conrad, Neukölln.— Montag, den 19. Februar, abends 7 Uhr: Handzettelverteilung. Der Vorstand. Friedenau. Am Dienstag, den 20. Februar, abends pünktlich 8Vi Uhr, bei Mcchelke, Handierystraße 60/61: Mitglredcrversamm- lung des Wahlvereins. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vor- trag des Reichstagsabgeordneten Genossen Dr. Erdmann über:„Die christlichen Gewerkschaften". Der Vorstand. Lankwitz. Morgen, Montag, abends 814 Uhr, beginnt der Vor tragskursus bei Schülz, Mühlenstraße. Genosse Säumig spricht über: Kapitalistische Wirtschaftsform und Klassenstaat. Teilnehmer- karten a 20 Pf. sind noch zu haben. Der Bildungsausschuß. Btariendorf. Am Dienstagabend 8 Uhr bei Preuß, Kurfürsten« straße 44: Generalversammlung des Wahlvereins. Tages- ordnung: 1. Bericht über das verflossene Halbjahr. 2. Die ReichStagswahl 1912. 3. Diskussion. 4. Stellungnahme zur nächsten Gemeindeverordnelenwahl und Erledigung der Kandidatenfrage. b. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Tcmpelhof. Dienstag, den 20. d. M., abends 8% Uhr, bei Becker, Berliner Straße 41/42: Generalversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes, Gemeindewahlcn, Anträge des Vorstandes usw. Johannisthal. Dienstag, den 20. d. M., abends 8 Uhr, bei Bicler, Friedrichstraße 6: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Aufnahme neuer Mitglieder. Unsere Stellung zur Gemeindewahl, Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralversammlung und zur Generalversammlung Groß-Berlin. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand, Ober-Schönewcide. Am Dienstag, den 20. Februar, abends 8s4 Uhr, im„Wilhelminenhof": Volksversammlung. Tagesord� nung: Bericht aus dem Gemeindeparlament. Referenten: Genossen I. G r u n o w und G. M u t h. Diskussion. Die Bezirksleitung. Rieder-Schöneweide. Die Flugblattverbreitung findet nicht am Sonntag, sondern umständehalber am Dienstag, den 20. d. M., von 7 Uhr abends an von den Bezirkslokalen aus statt. Der Borstand, Friedrichsfelde. Dienstag, den 20. d. M., 8'4 Uhr abends: Mitgliederversammlung bei Micklitz, Cafe Kohlhase. Tagesord nung: I. Geschäftsbericht. 2. Aufstellung eines Kandidaten zur Gc meindevertreterwahl. 3. Vereinsangelegenheiten. Königs-Wustcrhausen und Umgegend. Am Mittwoch, den 21. Februar, abends 8 Uhr, im Wedhornschcn Lokale: Wahlvereins Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht von der Reichstagswahl. 2. Unsere bevorstehenden Gemeindewahlen und Aufstellung der Kandidaten zu denselben. 3. Stellungnahme zur Kreis-General- Versammlung und Wahl der Delegierten. 4. Ergänzungswahlen zum Vorstand, b. Verschiedenes. Der Vorstand. Tahdorf, Rüdersdorf, Kalkberge. Sonntag, den 18. Februar, nachmittags 3>4 Uhr: Mitgliederversammlung bei Rcnneberg, Heinitzstraße 19(Gasthof zur Linde). Tagesordnung: 1. Wahl der Bezirksleitung. 2. Unsere Agitation in den Bezirken. 3. Gründung einer Bibliothek und Verschiedenes. Pankow. Am Dienstag, den 20. Februar, abends 8 Uhr, bei Roczycke, Kreuzstraße 3/4, und bei Röslcr, Kaiscr-Friedrich-Str. 12: Lefstntliche Wählerversammlungen. Tagesordnung in beiden Ver- sammlungen:„Die bevorstehenden Gemeinderatswahlen". Refc- reuten sind die Stadtverordneten Genossen Gebert- Charlotten- bürg und D u p o n t- Berlin. Parteigenossen, sorgt für guten Be- such dieser Versammlungen.. Das Sozialdemokratische Wahlkomitee. Tegel. Dienstag, den 20. Februar, abends 814 Uhr, bei Gamm (Trapps Fcstsäle), Bahnhofstr. 1: Mitgliederversammlung, Tages: ordnung: 1. Vortrag des Genossen Kurt Hcinig über„Verfassungs- fragen". 2. Ernennung der Gcmcindevertreterkandidatcn. 3. Ver- einsangclegenhcitcn. Tie Bezirksleitung. Borsigwaldc-Wittenau. Dienstag, abends 814 Uhr: Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins in den Borsigwalder Festsälen. Tagesordnung: u. a. Vortrag. Ricder-Tchönhausen-Nordenb. Dienstag, den 20. Februar, abends 814 Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvercins im Etablissement„Neu-Carlshof", Bcuthstraße, Ecke Charlottcnstraße. Tagesordnung: 1. Wahl des Vorstandes. 2. Bericht der Gemeinde- Vertreter. 3. Aufstellung der Kandidaten zur Gcmeindcwahl. 4. Vercinsangclegenheit. S. Verschiedenes. Tie Bezirksleitung. Wilhclmcruh-Nicderschönhausen-West. Dienstag, den 20. Fe- bruar, abends 814 Uhr, bei Milbrodt, Kronprinzcnstraßc 15/16: Außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Auf- nähme neuer Mitglieder. 2. Bestätigung des Vorstandes. 3. Vortrag des Genossen W. Pieck-Berlin über das Erfurter Programm. 4. Diskussion. 5. Vereinsangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Reinickendorf-Oft. Dienstag, den 20. Februar, abends 8 Uhr, im„Seebad", Rcsidenzstratze 49: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: 1, Kommunalpolitik. Referent: Genosse A. Tomnick. 2 Bericht aus der Gemeindevertretung. Referent: Genosse K. Köhn. 3. Aufstellung des Kandidaten zur Gemeinde- ver:rcterwahl. 4. Vereinsangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Spandau. Die ordentliche Generalversammlung des Wahlver- eins findet am Dienstag, den 20. Februar, abends 814 Uhr, im Lokal von Gustav Borchardt, Seeburgcr Straße 26, statt. Tages- ordnung: 1. Viertcljahrsbcricht des Vorstandes. 2. Bericht von der Rcichstagswahl. 3. a) Stellungnahme zu der am 26. Februar in Nauen stattfindenden Kreisgcneralversammlung. b) Anträge zu der- selben, c) Wahl von drei Delegierten.— Am Freitag, den 23. Fe- bruar, abends 814 Uhr, beim Genossen Schubert, Kurstraße 21, für die Mitglieder der zweiten Abteilung: Allgemeine Abteilungsver- sammlung. Der Vorstand. berliner JVacbncbtem Die Ferien der Gemeindeschulen 1912/13. Die Gemeindeschulen haben im Jahre 1912 im ganzen 72 Tage Ferien, während die höheren Schulen 79 Tage für die Erholung ihrer Schüler nötig haben. Die Differenz rührt von der Ungleichheit der Öfter- und Weihnachtsferien her. Die Osterferien der Volksschüler dauern 11 Tage und die der höheren Schüler 16 Tage. Bei den Weihnachtsferien ist der Unterschied 2 Tage. Die Ferienordnung der Volksschulen ist folgende: Osterferien: Schluß des Unterrichts: Sonnabend, den 39. März. Beginn des Sommerhalbjahres: Donnekstag, den 11. April. Pfingstferien: Schluß des Unterrichts: Freitag, den 21. Mai. Beginn des Unterrichts: Freitag, den 31. Mai. Sommerferien: Schluß des Unterrichts: Freitag, den 5. Juli. Beginn des Unterrichts: Dienstag, den 13. August. Herbstferien: Schluß des Sommerhalbjahres: Sonnabend, den 28. September. Anfang des Winterhalb- jahres: 1912/13: Montag, den 7. Oktober. Weihnachtsferien: Schluß des Unterrichts: Mon- tag, den 23. Dezember. Beginn des Unterrichts: Freitag, den 3. Januar 1913._ Aus der Kunst-Deputation. In der gestrigen Sitzung der Kunst-Deputation wurde u. a. bc- schlössen, auch in diesem Jahre 12 000 M. für die Große Berliner Kunstausstellung und 6000 M. für die Ausstellung der Sezession zur Verfügung zu stellen. Diese Beträge sollen nach Wahl der Kunst- Deputation zur Erteilung von Ehrenpreisen oder zum Ankauf aus- gestellter Kunstwerke Verwendung finden. Die Ehrenpreise sollen nicht unter 3000 M. betragen. Hohenzollernspiele vor Schulkinder«. Am Montag, den 19. d. M., nachmittags 3 Uhr, findet im Opern- Hause eine Vorstellung für Schüler und Schülerinnen Berliner Lehranstalten statt. Es wird„Der große König" von Laufs aufge- führt werden. Das Provinzial- Schulkollegium hat der städtischen Schul-Deputation für 196 Gemeindeschulen je 5 Billetts zur Ver- fügung gestellt. Eine weitere Vorstellung soll an einem noch nicht näher bestimmten Zeitpunkte demnächst im Königlichen Schauspiel Haus stattfinden, zu der weitere Billetts für die übrigen Gemeinde schulen angekündigt sind. Die Vorstellungen finden auf Befehl des Kaisers statt. Die Schulkinder sollen durch Hohenzollernspiele zu guten Patrioten er zogen werden. Ob's hilft? Nach Mitteilung des Stastistischcn Amts der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 4. bis einschlich- tich 10. Februar 1912 862 Lebendgeborene, 285 Eheschließungen, 31 Totgeborene, 689 Sterbefälle, darunter III Sterbcfälle der Kinder im Alter bis zu einem Jahre zur Anmeldung gekommen. Die Heimstätte Blankenburg wieder eröffnet. In der Voraus setzung, daß wie in früheren Jahren auch jetzt wieder bei Beginn des Frühjahrs Aufnahmcanträge für die Heimstätten in größerer Zahl zu erwarten sind, wird die Heimstätte Blankenburg, welche am 1. Dezember v. I. wegen des Rückgangs der Meldungen geschlossen worden ist, am 1. März d. I. wieder eröffnet werden. Die Heim- stätte wird, wie vor der Schließung, für Frauen mit ge- fchlossencr Tuberkulose sowie für Wöchnerinnen in Be- Nutzung genommen werden Genosse Oskar Fleischer, ein alter Parteiveteran des vierten Wahlkreises, ist am Mittwoch zu Grabe getragen worden. Von Beruf Maler, stand er schon während des Sozialistengesetzes treu zur Fahne der Partei und hat nach besten Kräften alle Kleinarbeit mitverrichtet. Infolge seiner Pflichttreue und Zuverlässigkeit wurde er zum Bezirks- und später Abtcilungsführer der 7. Abteilung des vierten Kreises ernannt, welches Amt er bis kurz vor seinem Tode mit großem Eifer bekleidete. Besondere Verdienste hat sich Fleischer um die Erstarkung der Frauenbewegung erworben und in den Lese- abenden war er stets ein gern gesehener Freund und Berater. Die Genossinnen und Genossen, die den Verstorbenen kannten, werden ihm auch über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken bewahren. Die bestohlcne Gcneral-Ordcns-Kommisston. Ein anstehen- erregender Diebstahl beschäftigt seit einigen Tagen die Kriminal- Polizei. Am 9. Februar wurde ein vor einem Hause in der Pots- damer Straße haltendes Dreirad gestohlen, auf dem sich drei Bände Akten der Gencral-Ordcns-Koliimission befanden, die deshalb von besonderem Wert sind, weil in ihnen zahlreiche Schriftstücke mit der Namensuntcrschrift Kaiser Wilhelms l. enthalten sind. Der Bote hatte den Austrag, die Akten bei einer Firma in der Potsdamer Straße abzuliefern, von der sie eingebunden werden sollten. Wäh- rcnd er sich auf einige Minuten entfernte, um die Bestellung bei der Firma auszurichten, wurde das Rad mit den in ein grünes Tuch gewickelten Akten und dem Bestellbuch von der Straße weg cnt- wendet. Wahrscheinlich war es den: Dieb nur um das Dreirad zu tun. Bon der Wichtigkeit der Akten hat er, wie angenommen wird, wohl kaum eine Ahnung gehabt.' Bis jetzt hat man weder von dem Missetäter, noch von seiner wertvollen Beute eine Spur cnt- decken können. Hochgradige Nervosität haben den 66 Jahre alten Ingenieur Fritz Schmidt, der als Junggeselle für sich allein eine Stube im vierten Stockwerk des Hauses Langcnbeckstraße 11 bewohnte, zum Selbstniord veranlaßt. Als gestern nachmittag eine Verwandte ihn besuchen wollte, fand sie die Tür verschlossen. Da auf ihr Klopfen nicht geöffnet wurde, ließ sie die Stube durch den Haus- Wirt gewaltsam Öffnen. Hier fand man nun den alten Mann tot auf. Er hatte sich mit einer Zuckerschnur am Fensterkreuz er- hängt. Nach der Feststellung eines herbeigerufenen Arztes ist er bereits vor drei Tagen gestorben. Dies bestätigte auch ein Brief, der vom 14. d. M. datiert ist, und die Mitteilung enthielt, daß er sich das Leben genommen habe, weil er zu nervös sei und immer überaus starke Kopfschmerzen habe. Am Rande des Grabes hat der 83 Jahre alte frühere Schneider- geselle Gottlieb Münchebcrg aus der Rüdersdorfer Straße 14 Hand an sich gelegt. Der Greis wohnte seit sechs Jahren bei einem ver- heirateten«ohne und bekam, seitdem er arbeitsunfähig war, Ar- mcnunterstützung. In der letzten Zeit litt er sehr schwer an einer Blascnkrankheit. Das Leiden quälte ihn endlich so sehr, daß er in der Verzweiflung beschloß, seinem Leben ein Ende zu machen. In der vergangenen Nacht stand er heimlich auf und erhängte sich mit seinem Halstuch am Fenstcrkreuz. Als seine Schwiegertochter ihn gestern morgen auffand, war er tot. Wegen Arbeitslosigkeit versuchte sich gestern der 35jährige Fabrikarbeiter Hermann H. das Leben zu nehmen. Der Lebens- müde hatte vor einiger Zeit seine Beschäftigung verloren und seit- dem bemühte er sich vergeblich wieder Arbeit zu erhalten. In der Verzweiflung legte der Niedergeschlagene schließlich Hand an sich. H. erhängte sich im Treptower Park an einem Kastanienbaum. Ein Polizcibeamter, der bald darauf hinzukam, befreite den Selbstmord- kandidaten und sorgte für schleunigste ärztliche Hilfe. H. wurde auch wieder ins Leben zurückgerufen und nach einem Krankenhaus gebracht- Das Opfer einer Verwechselung ist die 28 Jahre alte Ehefrau Johanna Weiß geworden, die getrennt von ihrem Manne eine Stube für sich allein im Hause Christinenstraße 39 bewohnte. Vor 14 Tagen trank die Frau aus einem Glase, in dem sie Kaffee ver- mutete, eine Sublimatlösung, die sie als Heilmittel für eine Krank- heit benutzte. Von Bekannten wurde sie einige Zeit darauf röchelnd auf dem Fußboden liegend aufgefunden, und nach dem Kranken- Haus Friedrichshain gebracht. Dort ist sie jetzt an Vergiftung ge- starben. Nach Aussagen von Verwandten und Hausgenossen kann hier nur eine Verwechselung vorliegen und sei ein Selbstmord der Frau ausgeschlossen._. � Die Fabrikordnung im Kaiserliche« Statistische« Amt ist seit kurzem von dem Herrn Dr. Zacher eingeführt worden. Daß die Beamten rechtzeitig ihren Dienst antreten, wie eS eine Verfügung vorsieht, dagegen dürfte kaum etwas einzuwenden sein. Empörung hat es aber unter den Beamten ausgelöst, daß folgende Verfügung erlassen wurde: Verfügung. Im Anschluß an meine Verfiigung vom 14. d. M.— I A 853—, nach welcher alle der Dienstordnung unterstehenden Beschäftigten im Kaiserlichen Statistischen Amte um 8 Uhr auf ihren Dien st Plätzen sich zu befinden haben, bestimme i ch, daß die Eingangstüren Lützowufer 6 und 12 spätestens 5 Minuten nach 8 Uhr zu schließen sind. In Vertretung: gez. Dr. Zacher. Diese Verfügung war am 15., 16. und 17. d. MtS. an der Außenseite sämtlicher drei Tore des Kaiserlich Statistischen Amts angeheftet, so daß jeder auf der Straße Vorübergehende sie lesen konnte. Die Erbitterung unter den Beamten ist aufs höchste ge- stiegen, zumal ihnen zugemutet wird, bei der geringsten Abwesenheit vom Dienstplatze sich in eine Liste eintragen zu lassen, die den Vor- gesetzten eingereicht wird. Klingelfahrer sind wieder einmal, nachdem sie längere Zeit nichts mehr von sich hatten hören lassen, in Charlottenburg aufge. treten. Sie drangen dort am hellichten Nachmittag, während der Abwesenheit der Inhaber, in eine Wohnung in der Herderstratze ein und stahlen eine große Anzahl wertvoller Schmucksachen. So erbeuteten sie eine Brosche aus Kaprubinen, die von Brillanten um- geben und von Gold umrankt ist, eine goldene Damenuhr, deren Rückseite mit 5 Brillanten besetzt ist, ein goldenes Armband, einen goldenen Ring mit Rubin und zwei großen Brillanten und mehrere in Platin gefaßte Brillantringe. Auf die Wiederherbeischaffung dieser Kostbarkeiten sind 100 M. Belohnung ausgesetzt. Die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Bor. orte veranstaltet auch in dieser Woche wiederum hygienische Vor- träge, die nachstehend aufgeführt sind. Der Zutritt zu diesen Vor- trägen ist für jedermann unentgeltlich. Am Donnerstag, den 2 2. Februar er., sprechen in den Aulen der nachbenannten Gemeindeschulen über das Thema „Die geschlechtliche Ansteckung und ihre Folgen" Herr Dr. Adler in der 247./252. Gemeindcschule, Rigaer Straße 81/82; Herr Dr. Bodländer in der 240./254. Gemeindeschule, Waldenserstr. 25/26; Herr Dr. Hirsch in der 117./178. Gcmeindeschule, Ebqrs- walder Straße 10, und Herr Dr. E. Levin in der 115./237. Ge» meindeschule, Skalitzer Straße 55/56. Am Freitag, den 2 3. Februar er., sprechen über das Thema„Schutz und Pflege des Auges" Herr Dr. Tobias in der 31./109. Gemeindeschule, Tilsiter Straße 4/5; Herr Dr. Hamburger in der 118./127. Gemeindeschule, Pankstr. 18; Herr Dr. E. Cohn in der 228./279. Gemeindeschule, Pasteurstr. 5, und Herr Dr. Maschkc in der 133./149. Gemeindeschule, Bergmannstr. 28/29. In Boxhagen-Rummelsbug spricht am D i e n S- tag, den 2 0. Februar er., Herr Dr. Loewenbcrg in der Neuen Schule, Marktstr., über das Thema„Frauenkrankheiten und ihre Verhütung".(Nur für Frauen.) � In Charlottenburg spricht am Mittwoch, den 2 1. F e b r ü a r er.. Herr Dr. O. Kaiserling in der 12. Gemeinde- schule, Sophie-Charlottenstr. 69/70, über das Thema.Wasserheil- verfahren"(Hydrotherapie). In Köpenick spricht am Dienstag, den 20. Fe« bruar er., Herr Dr. Lilienthal in der Dorothcenschule(Freiheit) über das Thema„Verhütung von Geschlechtskrankheiten". In Friedenau spricht am Montag, den 19. Fe- bruar ct., Herr Dr. G. Glücksmann im Gymnasium am May- bachplatz über das Thema„Mißverständnisse in der ärztlichen Sprechstunde, ihre Bedeutung und Beseitigung". In Lichtenberg spricht am Donnerstag, den 2 2. F e b r u a r er., Herr Dr. B. Hirschfeld in der Gemeinde- schule Kronprinzenstr. 10 über das Thema„Ucber einige alltägliche Verstöße gegen die Hygiene". In Martendorf spricht am Donnerstag, den 2 2. Februar er., Herr Dr. O. Kaiserling im Gymnasium, Kaiserstr. 17/21, über das Thema„Wasscrhcilverfahrcn"(Hydro- therapie). In Pankow spricht am Donnerstag, den 22. Fe» bruar er., Herr Dr. Jacobsohn in der 2. Gemeindeschule» Grunowstraße, über das Thema„Geschlechtskrankheiten und deren Verhütung". In Reinickendorf spricht am Mittwoch, den21. Fe- bruar er., Herr Dr. Rosen in der 3. Gemeindcschule. Letteallce 26/27, über das Thema„Der- Kampf gegen die Tuberkulose". In N e u k ö l l n(R i x d o r f) spricht am Freitag, den 23. Februar er., Herr Dr. Fuld in der 9./10. Gemeindcschule, Kaiser-Friedrich-Straße 4, über das Thema„Prophylaxe und erste Regeln bei Magen- und Darmkrankhciten". In Schönebcrg spricht am Dienstag, den 2 0. Fe- bruar er., Herr Dr. Holdhein in der 10./11. Gemeindeschulc, Feurigstr. 57, über das Thema„Ursache und Verhütung der Lungenschwindsucht". In Steglitz spricht am Mittwoch, den 21. Fe- bruar er., Herr Dr. G. Levinsohn in der Gcmeindeschule Plan- tagenftr. 8/9, über das Thema„Gesundheitspflege des Auges". In Tegel spricht am Dienstag, den 20. Februar ct., Herr Dr. O. Kaiscrling in der Gemeindcschule Tresckow» straße 26/31 über das Thema„Wasserhcilvcrfahren"(Hydro- therapie). In Weißensec spricht am Freitag, den 2 3. Fe- bruar er., Herr Dr. Jacobsohn in der Gemeindeschule Lang- hansstr. 120 über das Thema„Geschlechtliche Ansteckung und ihre Folgen". Sämtliche Vorträge beginnen pünktlich um 8 Uhr abends. Neber die Dächer gingen Geldschrankknacker, die in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend in die Mützenfabrik von G. A. Hoff- mann in der Gneisenaustraße 33 und in der Gertraudtenstraße 24 die Hutfabrik von M. W. Traube und das Tuchwarengeichäft von Jakobsohn heimsuchten. In. der Gneisenaustraße liehen sie sich in das Nachbargrundstück einschließen, stiegen durch eine Luke auf das Dach hinauf, kletterten dann auf den Feuerwehrhaken auf das Nebenhaus hinab, erbrachen eine Bodentür und drangen im zweiten Stock in die Räume der Mützenfabrik ein. Hier fanden sie in dem Privatkontor das Geldspind, das zufällig nicht ver- schlössen war. Sie erbeuteten aus den einzelnen Fächern, die sie erbrechen mutzten, 500 M. in bar und für 800 M. Schecks. In der Gertraudtenstraße machten sie es ebenso. Hier muhten sie sich aber, weil sie keine Stcigehakcn fanden, an einem Seil, das sie um den Schornstein schlangen, hinablassen. Vom Lichtschacht aus stiegen sie dann erst in die Räume der Hutfabrik im ersten Stock ein. Obwohl jre hier alle Pulte erbrachen, fanden sie nichts, was für sie geeignet gewesen wäre. Auf zwei Leitern, die sie in den Räumen fanden und zusammenkanden, stiegen sie jetzt durch den Lichtschacht nach dem zweiten Stock hinauf, erbrachen bei Jakobsohn wieder alles und er- beuteten hier für 120 M. Kleingeld und Briefmarken. Dos Walhallathcater wartete am Freitag abend mit einher Neuheit auf.„M e n s ch e n r e ch t e" lautete der vielversprechende Titel, den das neueste Produkt des Hausdichters des Wälhallatheatcrs, des Herrn Max Reichardt, trug und das als soziales Ausstattungs- Volksschauspiel mit Ballett und Gesang angekündigt war. Ter In- halt des Stückes ist kurz folgender: Als Direktoren einer grosten Liscngiesterei treten zwei Fabriklcitcr auf, von denen der eine der alte Kommerzicnrat Tohnat— in echt patriarchalischer Weise nur für„seine" Arbeiter„lebt und strebt". Der andere— Hans Rommer—, der als Sohn des verstorbenen früheren Mitinhabers d.er Firma den inneren Betrieb leitet, ist der brutale Fabrikpascha, der die„begehrliche Arbeiterbande" durch Rücksichtslosigkeit im Zaume halten will, sie aber zur Verzweiflung treibt. Die Arbeiter beschweren sich ohne Erfolg. Der alte Kommcrzienrat, an den die Arbeiter vertrauensvoll wenden, kann nicht helfen, weil ihn der schneidige Rommer durch Hinweis auf eine frühere Verfehlung, die im Interesse des verstorbenen Rommer senior geschehen war, zu seinem willenlosen Werkzeug macht und dabei von der lebenslustigen Frau des alten Kommerzienrats unterstützt wird. Die Entlassung eines alten Arbeiters, dessen Tochter der seine FaSrikherr verführt hat, schlägt dem Faß den Boden aus. Die Arbeiter treten zu- sammen, um in einer Versammlung die Sache zu besprechen. Eine Streikversammlung tut sich auf der Bühne auf, deren Aufmachung geradezu eine Beleidigung der Arbeiter darstellt. Arbeiter mit roten Knüpftüchern erscheinen da als Arbciterthpen. Sic Höchen auf den Kommerzienrat. Der Verlauf der Versammlung ist zum Teil ein wüstes Durcheinander, wie wir es noch in keiner Versammlung, selbst in der erregtesten, wahrgenommen haben. Man verhandelt in Gegenwart der beiden Direktoren und der alte Kommerzienrat wird von dem jungen Fabrikpascha gezwungen, die von letzterem an den Arbeitern begangenen Brutalitäten zu verteidigen und zu entschuldigen, wobei die Arbeiter dem Kommerzienrat reinen Wein einschenken über das Liebesverhältnis des Kompagnons zu der Frau Kommerzienrat. In einem anderen Bilde lernen wir HanS Rommer im Ballsaal kennen, wie er in Gesellschaft von Weibern das Geld verjubelt. Die noblen Passionen des Herrn bringen die Fabrik an den Rand des Abgrunds. In einer Aufsichtsratsversammlung der Aktionäre kommt der Zusammenbruch. Rommer wird als Fälscher entlarvt und endet schließlich durch eine Kugel. Der alte Kommer- zienrat, der bis dahin sich zurückgezogen, erscheint wieder auf der Bildfläche bei„seinen Arbeitern" und singt das hohe Lied von der Leistungsfähigkeit der deutschen Arbeiter. Die Tugend hat gesiegt und des Beifalls ist kein Ende. Um den Erfolg des Abends machten sich die Herren Garcisen, Bartels, Rothe-Klein, Wehling und die Damen Frl. Bluschke und Alberty besonder? verdient. Wie immer, hatte die Direktion großen Wert auf glänzende Ausstattung gelegt. Im Zoologischen-Garten ist eine Anzahl zum Teil sehr seltener indischer Vögel eingetroffen, die sämtlich im neuen Vogelhause untergebracht sind. Ein Glaskäfig ist bevölkert mit je einem Paare Schopfmeisen, Bergmeisen und Zimmetkleiber, die alle an Lebhaftigkeit ihren deutschen Verwandten nicht nachstehen. Ein indischer Rotschwanz ähnelt unserem europäischen Hausrotschwanz, ist aber an seiner rostroten Unterseite leicht kenntlich, der Mango- Pirol ist leuchtender gefärbt als sein hiesiger Gattungsgenosse, und ein Blauschnäpper hat seinen Namen von dem fast einfarbig blauen Gefieder erhalten. Kinderschutzkommission. Am Mittwoch, den 22. d. M.. abends 8V1 Uhr, findet im GcwerkschaftShauS, Saal 11, ein« Sitzung der Kontrolleurinnen der Kinderschutzkommission von Groß-Berlin statt. Arbeiter-Samaritcrkolonne Groß-Berlin. In dieser Woche finden folgende Lehrabende statt: Am Montag abend Uhr 1. Abt. bei Dräsel, Neue Friedrichstr. SS(Herr Dr. Grunach); am Mittwoch, g Uhr, S. Abt. in Neukölln, Erkstr. 8; am Donnerstag, g Uhr, 3. Abt. in Schöneberg, Vorbergstr. 0. In allen Abteilungen Vorträge über Vergiftungen. Gäste willkommen. Vorort- JNacb ncbtem Neukölln(Rixdorf). Eine überaus zahlreich besuchte Bcrsammlung der städtischen Arbeiter fand am Freitagabend in den Passagefestsälen statt. Die Versamnilung befaßte sich mit der ablehnenden Haltung des Ma- gistrats und der Stadtvcrordnetenmehrhcit gegenüber dem Antrage oer Arbeiter auf Gewährung einer Teuerungszulage. Die sozial- demokratische Fraktion hatte eine Anzahl Genossen delegiert, von bürgerlicher Seite war der Vcrsammlungseinladung niemand ge- folgt. Im„Deutschen Wirtshause" beim Skat ist'S ja auch ange- nchmer als im Kreise von Arbeitern, besonders wenn man letzteren die Hoffnung auf Besserung ihrer Lage geraubt hat. An der Hand der Arbeiterpolitik des Magistrats und der Stadtverordnetenmehr- heit zeigte der Referent, Stadtverordneter Genosse Emil W u tz i y, mit welchen Schwierigkeiten der Kampf um Besserung der Lage der städtischen Arbeiter verknüpft ist. Mit dem Munde seien die Herren stets bereit, wenn es aber zum Handeln kommt, versagten sie schmählich. Auch in der Teuerungsangclcgenheit habe die Stadt- vcrordneteniversanimlung einstimmig beschlossen, etwas zu tun. In der Kommission habe man diesen Beschluß vergessen, und nach monatelangen Beratungen habe man für die städtischen Arbeiter nur ein glattes Nein gehabt. Die einzige wirkungsvolle Vertretung fänden die städtischen Arbeiter bei der sozialdemokratischen Fraktion. Diese und vor allem eine gute Organisation der Arbeiter seien die Vorbedingungen für die Erfüllung der Wünsche derArbeitcr lStürmischer Beifall.) Nach kurzer Debatte faßt« die von 600 Arbeitern besuchte Versammlung einstimmig eine Resolution, in der das Verhalten des Magistrats verurteilt und an die städtischen Körperschaften das Ersuchen gerichtet wird, die Anträge der Ar- beiter einer neuen Prüfung zu unterziehen und größeres Eni- gegenkommen zu zeigen. Zur Behebung des Platzmangels im städtischen Krankenhanfe zu Buckow sollen, wie in der letzten Magistratssitzung beschlossen wurde, diejenigen Leichtkranken, deren Behandlung nicht«ine dau- ernde ärztliche Ueberwachung erfordert, dem städtischen Siechen» Hause überwiesen werden. Die Kosten für die erweiterte Aus- stattung des SiechenhauseS zur Aufnahme von Kranken sollen, a) soweit es sich um Jnventarien und sonstige Gegenstände handelt, aus Mitteln des Hauptextraordinariums für den Erweiterungsbau des Krankenhauses, b) soweit es sich um laufende Ausgaben handelt, aus Kapitel VI des StadthaushaltSvoranschlages unter Heber- schreitung der in Betracht kommenden Etatspositionen entnommen werden. Tie Aufstellung einer Baracke auf dem städtischen Krankcnhausgrundstüik oder die Belegung der Tageräume in den . Kraiikenpavillons wird nicht für zweckmäßig erachtet.— Mit der Feststellung der Wahlergebnisse in den AbstimmungSbezirken der zweiten Wählerabteilung wird in jedem einzelnen Wahlbezirk der Wahlvorstand des Abstimmungsbezirks beauftragt.— Der Ma- - gistrat genehmigte das OrtSstatut über die Errichtung einer städtischen Hypothekenanstalt in Neukölln und erklärte sich damit einverstanden, daß die zuin Betriebe der Anstalt aufzunehmende Anleihe von 20 Millionen Mar? mit Vi Proz. jährlich getilgt wird, die Tilgung jedoch erst nach Ablauf der ersten ö Jahre nach Auf- nähme der DarlchnSbeträge beginnt. Schwere Ausschreitungen gegen Beamte sollten nach einer vvr einigen Tagen von einer Korrespondenz verbreiteten Nachricht der Gastwirt Gronau, Wanglickstr. 1b, dessen Ehefrau sowie einige Gäste begangen haben. Nach der in einer Anzahl Blätter wicdergegebenen Dar- stcllung sollte sich der Vorgang folgendermaßen abgespielt haben: „AIS bei Gronau noch sehr spät Musik gemacht wurde, vcranlaßtc der Hausverwalter einen Schutzmann, Feierabend zu gebieten. Als der Beamte den Schankiaum betrat und kaum seine Aufforderung hatte ergehen lassen, warf ihm der Wirt ein BicrglaS an den Kopf, griff ihn an und zerriß ihm den Mantel. Der Schutzmann zog blank und versetzte ihm einen Schlag auf den Kopf, zog sich aber dann zurück, um Hilfe zu holen, weil auch die Gäste sich gegen ihn wandten. Bei seiner Rückkehr mit zwei Kameraden wurde er von dem Wirt, dessen Frau und einem Gast, dem Maurer Mcchler aus der Melchiorstraße, sofort wieder angefallen. Die drei entrissen ihm mit vereinten Kräften auch den Säbel. Jetzt zog der Schutz- mann seine Tienstpistole, sie entlud sich hierbei von selbst, die Kugel traf aber zum Glück niemand. Tic drei Beamten überwältigten jetzt das Wirtspaar und Mechler, während die anderen Gäste sich in dcr allgemeinen Verwirrung zurückzogen und verschwanden. Tic drei wurden nach der Wache gebracht." Der betreffende Gastwirt bittet uns, mitzuteilen, daß diese Darstellung nicht den Tatsachen entspricht. Er habe nur bis 10 Uhr Konzession. Um Z�IO Uhr seien 4 Wandermusikanten in sein Lokal gekommen und hätten einige Stücke gespielt. Kurz nach 10 Uhr hätte der über seinem Lokal wohnende Verwalter� von der Polizei wache einen Schutzmann geholt. Ein solcher sei auch sofort er schienen und habe ihm, dem Wirt, Feierabend geboten. Da die Musikanten bereits ihre Instrumente eingepackt hatten, habe er dem Beamten erwidert, daß sowieso Feierabend sei und es seiner Auf- forderung nicht mehr bedurft hätte. Der Aufforderung an den Beamten, das Lokal zu verlassen, sei letzterer nicht nachgekommen, weshalb er denselben zur Tür hinausgeschoben habe. Vor der Ladentür habe der Beamte plötzlich blank gezogen und ihm eine klaffende Kopfwunde beigebracht. Da der Beamte erneut habe auf ihn einschlagen wollen, hätten seine Frau sowie die noch anwesen- den drei Gäste demselben die Waffe zu entwinden gesucht; hierbei habe sich der Revolver des Beamten entladen. Kurz darauf wären noch zwei Schutzleute herbeigeeilt und hätten ihn schwer blutend zur Wache gebracht. Von letzterer sei er auf Bitten seiner Frau entlassen worden, so daß er sich in ärztliche Behandlung begeben konnte. Von einem wie oben geschilderten gewalttätigen Vorgehen gegen die Beamten könne überhaupt keine Rede sein. Zwecks billiger Abgabe von Kartoffeln an die ärmere Bevölke rung läßt die hierfür eingesetzte Kommission, angeblich um jede Schädigung der kleinen Geschäftsleute zu vermeiden und um die Stadtgememde selbst vor den vielen Unzuträglichkeiten zu schützen, welche mit dem direkten Bezug und der Abgabe von�Kartoffeln ver- Kunden sind, durch die Bezirksvorsteher Gutscheine für je 25 Pfund Kartoffeln an Einwohner mit einem Einkommen von weniger als 1800 Mark verteilen. Diese Gutscheine werden an einem bestimmten Tage in der Woche von einer größeren Anzahl von Kartoffelkleinhänd'lern, welche sich dazu auS dem ganzen Stadtgebiet erboren haben, in der Weise in Zahlung genommen, daß bei Abgabe des Scheines nur 45 Pf. für 10 Pfd. Kartoffeln zu zahlen sind. Die Differenz mit dem Marktpreise, der wöchentiich von der Kominission und zwar zuletzt auf 60 Pf. für 10 Pfd. festgesetzt ist, wird den Händlern auf den Gutschein von der Stadthauptkasse ver- gütet. Gleich in der ersten Woche sind 1400 Gulscheine ausgegeben worden. Bei einem erheblichen weiteren Nachlassen der Markrpreise wird die Abgabe der Gutscheine wieder eingestellt werden. Die Aufführung des„Probekandidat" findet, wie der Bib dungsausschuß besonders mitteilt, am nächsten Sonntag, den 25. Februar, im Neuköllner Theater statt. In der gestrigen Notiz fehlte die Angabe des Datums. Lichtenberg. Durch die Ucverführung dcr Wahlvereinsbibliothek in eigene dazu gemietete Räumlichkeiten im Hause Kronprinzenstr. 47. Hof parterre, ist bereits ein regerer Zuspruch als bisher zu verzeichnen. Die Bibliothek ist durch Anschaffung größerer Werke vervollständigt, sodaß dem LesebediirfniS der Genossinnen und Genossen nunmehr in umfangreichstem Maße Rechnung getragen ist. Es sei deshalb darauf hingewiesen, daß die Bibliotheksräume Mittwoch? und Sonnabends von 7— S Uhr abends geöffnet sind, Tchöneberg. Der für den Barbarossaplatz geplante Schmuckbronnen wird nun demnächst zur Ausführung gelangen. Aus dem Kreise der Teil- nehmcr an einem allgemeinen Wettbewerb wurde seinerzeit unter drei Preisträgern, den Bidhauern Rcnker(Berlin), Starck(Wilmers dork) und Wcnck(Dahlem-Grunewald) eine engere Konkurrenz ver anstaltet, deren Ergebnis nunmehr vorliegt. Für geeignet erklärt und zur Ausführung bestimmt wurde die Arbeit des Bildhauers Starck. Dcr Entwurf zeigt ein achteckiges Brunnenbecken, auf dessen Rande acht Bronze-Putten sitzen. In dcr Mitte des Beckens erhebt sich, von Schnecken getragen, eine achteckige Schale. Da? über den Rand dcr Schale fließende Wasser ergießt sich in das Becken hinab, außerdem zielen aus jedem Schncckenkopfe zwei Wasserstrahlen nach der Richtung dcr Kinder. Die Gesamtkostcn dcr Ausführung betragen zirka 25 000 M. Ter Entwurf Renkers zeigt eine sitzende männliche Figur mit einer Muschelschale in der Hand. Dcr Wencksche Entwurf zeigt in einer mächtigen Schale ein niedriges Postament, und darauf die Figur eine» liegenden Mannes auf einem Fisch. Um dcr inter- essierten Bürgerschaft Gelegenheit zur Besichtigung der Entwürfe zu geben, werden dieselben vom IS. Februar bis zum 2. Märß im Vor räum zum Magistratssitzungssaal, im ersten Stockwerk des Schöne bergcr Rathauses, am Kaiser» Wilhelm- Platz 3, werktäglich von 10 bis 3 Uhr, ausgestellt. Charlottenburg. Morgen Montag, den 19. Februar, abends 8'/, Uhr, sindet die am 5. Februar vertagte Generalversammlung des Vereins Arbeiterjugendheim Charlottcnburg im Volkshause, Rosinenstr. 3, statt. Zahlreichen Besuch der Mitglieder erwartet Ter Vorstand. Treptow-Baumschulenwcg. Ein braver Genosse wurde am Freilagnachmittag in Hermann Werner auf dem Gcmeindcfriedhof zur letzten Ruhe bestattet. Sowohl die hiesigen Parteigenossen wie auch die Kollegen von« Deutschen Holzarbeiterverband hatten sich zahlreich eingefunden, um dem Verstorbenen das letzte Geleit zu geben. Da eine Gedächtnis- rede auf dem Friedhofe nicht gehalten werden durfte, fanden sich die Teilnehmer nach der Beerdigung im Saale von Lehmann ein, wo die Genossen Dahlke vom Holzarbeiterverband und Freigang vom Wahlverein die Verdienste, die sich der Verstorbene in un- ermüdlichcr Arbeit um die Sache der Arbeiterklosse erworben, in zu Herzen gehenden Worten würdigten. Weistensee. Zur Regiearbeit gezwungen wurde die hiesige Gemcindcver- waltung dadurch, daß der bisherige Pächter dcr Eisnutzung auf dem Weißen See auf eine Weitcrpachtung nicht einging, weil er in den letzten Jahren wenig oder gar kein Eis gewonnen hat. Auf die Aus- schreibungen zur Wiederverpachtung meldeten sich keine Reflek- tauten, weshalb die Gemeindc, um die drei großen Schuppen nicht unbenutzt liegen zu lassen, selbst die EiSgewinnung übernehmen mußte. Es sind nunmehr 150 000 Zentner Eis gewonnen. Da die Meinung vorherrscht, daß die Gemeinde den Einzelverkauf de» Eises nur unter schwierigen Verhältnissen ausführen kann, soll dasselbe an einen Reflektanten abgegeben werden. Tpandnu. Tie Jugendweihe der freien Gemeinde Spandau findet am 24. März d. I. im Lokal von Gustav Vorchard, Secburger Str. 26, nachmittags 3 Uhr, statt. Eltern, deren Kinder an dcr Weihe teilnehmen wollen, melden sich beim Vorsitzenden Karl Liedtkz, Kurstraße 21, Mittelhaus 3 Tr. NowaweS. Ein Unfall ereignete sich am DonnerStagbormittag auf dem Hofe der Knabenschule in dcr Pricsterstraßc. Beim Spielen während der Pause wurde dcr elfjährige Schüler Alfred Groch von cinein anderen Knaben mit solcher Wucht angerannt, daß er zu Bodcü stürzte und außer Verletzungen im Gesicht eine Gchirnerschüttcrung erlitt. Nach eingehender Untersuchung durch den hinzugcrufcnen Arzt wurde der Verletzte durch Mitglieder der Samariterkolonne nach der elterlichen Wohnung gebracht. Es ist dies, wie uns mikgeteilt wird, bereits der dritte Unfall, der sich innerhalb kurzer Zeit in der.Schule während der Pausen ereignet hat._ Jugendveranstaltunge«. Nowawes. Die Freie Jugendorganisation besichtigt am Sonntag die cS a s a n st a l t. Treffpunkt: 2 Uhr bei Singer. Wir bitten unsere junge« Freunde, recht zahlreich und pünktlich zp erscheinen. Der Vorstand.; Tempethof. Martendorf. Die Arbeiter- Samariterkolonne hält Montag, den 19.. abends S'/, Uhr, bei Löwenhagen, Mariendors, Chaussee- straße 27. eine UebungSstunde ab. Gäste willkommen. Friedrichshagen. Arbeiter-Samariterkolonne. Jeden Donners« tag, abends 8'/, Uhr, im Jugendheim, Friedrichstr. öv. Teilnehmer können noch eintreten._ Hud aller Kielt, Sin nationaler Rüpel. Wie die agrarische„Deutsche Tageszeitung" über die Berliner Arbeiterschaft denkt, verrät sie in einem Artikel„Rasse in Berlin" in ihrer Sonnabendnummer. Nachdem der Schreiber de? Artikels entdeckt hat, daß fast alle Schichten der Berliner Be- völkerung durch Kreuzung mit dem Judentum den germanischen Typus verloren haben, urteilt er über die Arbeiter- schaft wie folgt: Das Fabrikarbeitervolk ist ein heillose» Ge- misch, hauptsächlich zwischen germanischer und slawischer Art. ?lber auch die jüdischen Einschläge sind außerordentlich zahlreich; die meisten dieser Gestalten werden wohl ihre Väter niemals kennen gelernt haben. Für diese Zwischenerscheinungen sorgen die Verhaltnisse in Warenhäusern und großen Handelsgeschäften hauptsächlich. Sie sind wohl die innerlich unglücklichsten Fi- guren, die man sich denken kann; aber sie geben die beste» sozialdemokratischen Agitatoren und liefern die meisten der„K a s ch e m m e n t y p e n". Natürlich ist unter der Masse der Arbeiterschaft auch noch reines und ziemlich r e i- neS Germanentum zu finden. Das sondert sich aber un» willkürlich ab und sucht sein Genüge am Familienherd. Radau macht es nicht. Um des Druckes willen, der gegen diese Leute angewendet wird, sind natürlich auch sie sozialdemokratisch. Aber sie sind es nur mit Wochenbeiträgen und Wahlzettel. Im übri- gen sind ihre Lebensideale anders geartet. Sie wohnen mit Vorliebe draußen in den Vororten, auch wenn sie weit in die Stadt hereinfahren müssen zur Arbeitsstelle, und wenn sie draußen ein winzig Gärtchen erlangen können, so sind sie ko zufrieden, wie das eben unter den obwaltenden Verhältnissen möglich ist. Am schlimmsten bestellt ist es mit dem Volke im B e r- liner Norden. Tort flieht alle» in einen einzigen Brei zusammen, dessen Bestandteile kaum noch zu erkennen sind. Dort findet sich auch hauptsächlich die große Schar jener Elemente, die ihren Verdien st in aller Eile durch die Gurgel zu jagen ver st ehe n, die für jede Aufwie- g e l u n g ohne weiteres zugänglich sind, und die ein besseres Innenleben überhaupt nicht kennen. Dort finden sieb aber auch in Massen die Wirtschaften mit den roten Lichtern vor dem Haus; dort sind die Straßen am schmutzig- sten, und manche Distrikte wird man nach Einbruch der Dunkelheit immer nur gezwungen und mit innerem Un- behagen durchwandern bis zur nächsten Straßenbahnhaltestelle. Muß sich der Urtypus des Germanentums, Herr v. Hehdebrand, beim Lesen de« Artikels gefreut haben I New Aorker Straftenräuber. Ein Straßenraub von unerhörter Kühnheit wurde am Freitag- abend von unbekannten Männern in einer der belebtesten Verkehrs- stvaßen New Dorks ausgeführt. In der 35. Straße, zwischen der Fifth Nveune und dem Broadway, dicht vor dem Eingang zum Garrick-Theater und in Gegenwart von Hunderten Theaterbesuchern kam kurz vor Beginn der Vorstellung ein elegantes Auto- mobil angefahren, aus welchen« zwei Herren sprangen, die den bekannten Diamantenhändler Heath, der auch der Vorstellung beiwohnen wollte, mit einem Eisen st ock niederschlugen und ihm eine Tasche, die für 50 000 M. Diamanten enthielt, raubten. Kaltblütig und ohne daß jemand der Theaterbesucher sowie der Passanten sie aufzuhalten wagte, fuhren die frechen Strahenräuber in ihrem Automobil davon. Da kein Polizist in der Nähe war, wird es schwer fallen, die Räuber zu ermitteln. Heath hat eine schwere Kopfverletzung und Gehirnerschütterung er- litten und wurde bewußtlos in das naheliegende Bellevue-Hofpital gebracht. � Meine Notizen. Tödlicher Absturz. Dcr englische Flieger Graham Gilmour ist auf einem Fluge von London nach R i ch m o n d mit seinem Flugapparate abgestürzt. Mit zerschmetterten Gliedern wurde er t o t aufgefunden. Tchülcrsclbsimord. Der Schüler Leder, Sohn eine» Polizei- kommissars in Kiel, der sich vor einigen Tagen wegen angeblicher ungerechter Behandlung seitens eines Lehrers durch einen Re» volverschuß schwer verletzte, ist heute nachmittag gestorben. Tozialdrmokratischer Zentralwablverein für de» Reichstag»- Wahlkreis Züllichau-Schwiebus- Krassen. Tonimcrkeld.(LrtSverein Berlin.) Mittwoch, de» LI. Februar, abends 8'/, Uhr, Mitglieder- iicrsammlimg bei Geßncr, Koppenstr. 47. Da« Erscheinen aller Mitglied«» ist notwendig, WitteriingSübcrsicht vom 17. Fkebruar 191». »K all Zu» t-iS- — 1 8 1 — 1 1 —2 Stationen Q~ � 2 Ii Z« M Haparanda 752.0 Petersburg 759|SB .cillh Abcrdcen Paris 760� 758 SS« 7S7SSO Weller 2 bedeckt Ibcdeckt 2.bedeckt «halb bd. 1 heiter *5, -10 -4 11 7 ( Mild und zeitweise ausklarcnd, vorwiegend nebelig vder wolkig bei schwachen südlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. B ritner W e tt e r b u r« au. Wasierstands-Nachrichten der Landesansialt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Beritner Wetterbureou. Wasserstand M c m e l. Tilsit P r e g c I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Nalibor , Krassen Franksurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leilmeritz , Dresden . Berbp , Magdeburg .') 4- dedeutet Wuchs,— Fall.— s) Unterpcgcl.— � ElSstand. —') Strom ia der Mitte eisfrei.—') Eisfrei. OeMictier Vortrag von Adolf Hoffmann, Landtagsabgeordneter Die Religion muß dem Volke erhalten werden. Am Mittwoch, den 21. Februar, abends 8 Uhr, in Hoppes Festsälen, Rixdorf, Hermannstraße 49. Nach dem Vortrag; Diskussion. Eintritt 10 Pf.»er Blnbernfer. 55/3». A. Harn dt, Pappel- Allee lo— 17. Berliner kröhei Verein|Gorp.) Kinderpfleflermneü-Sehule' uSbildung zur Kröbelschen Kindcrpslegerin. Einjähriger Kursus. Prospekte im Vereinsburenu SW., iobannilerstr. IS(3—5 Uhr). Q. Graumanns testsäle Thcaterbuhne. DiaUN�NStr. 27. 3 Kegelbahnen. ray Sonnabend, der S. März cr.. ist frei geworden.-WnZ_ w m Zahn-Praxfisl Carl Rudolph 1 1. Praals: Elsasser Str. 17118. 2. Prax.: Oranienstr. 61. 3. Prax. 1 Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 1 17. 4. Prax.: Lichtenberg,| | Frankfurter Allee 169. 5. Prax.: Spandau, Neuendorfer Str. 10 6. Prax.: Potsdam, Charlottenstr. 86 1. = Tellzalilnng= Elsasser Str. 17/18. Wöchentl. u. monatl. Teilzahlungen zugelass. Verlang. Sie kostenlos Besuch ein. Vertret! Sophie Heymann-Enyel, erstklaff. Ausbildung für Konzert n. Lper— Schriftliche Anmeldung: <)I>»u!4»«e»ti'. S.(Tel. Anii Norden 535Z.) 246/3 Heinrich Pranck Tel.: Amt Ndn 4352. Bfunnenstraße 2Z. 8 bis 7 Uhr geSfinet. 105 Pfg. rcr*. Jm- Einlage er�r�if__ garmen-ümblatt viel biHiger; von 1,20... Samatra-Deeke, VoHbl. I. Länge M. 2,10. ich kaufe Rippen za höchsten Tagespreisen! 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Verkauf im Fabrikgebäude■ Kein Laden• Eigene Werkstätten• Besichtigung erbeten• Musterbuch gratis AUUEft BUDOLF MOSSE „Ein notwendiges vedei" so klagen wohl die meisten Frauen, wenn der Waschtag mit seinen teuren Ausgaben, Mühseligkeiten und Störungen aller Art vor der Tür steht, und allerdmgB bedeutet der ihrer althergebrachten eigenen Vorstellung nach erforderliche Gebrauch von Seife, Soda, Waschpulver etc., sogar Chlor mit dem damit verbundenen Reiben und Bürsten der Wäsche einen in doppelter Hinsicht schweren wirtschaftlichen Rückstand, dem abzuhelfen gewiß ein zwingendes Gebot jeder mit der Zeit vorwärts schreitenden Haushaltsführung sein sollte, denn es braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß jene alte, umständliche und kostspielige Methode sehr zeitraubend ist und die Wäsche außerordentlich angreift, und dort, wo die Wäsche aus dem Hause gegeben wird, sind die Unkosten noch weit höher und der baldige Zerfall der Gewebe nur um so sicherer. Nun hat es seit einer Reihe von Jahren an Versuchen, diese hochwichtige hauswirtschaftliche Frage zu lösen, nicht gefehlt, und die bereits viel verbreiteten Sauerstoff-Präparate(„selbsttätige Waschmittel") sind das Ergebnis derselben. Doch sie bedeuten eine akzeptable Lösung des Problems schon deshalb nichty weil sie— ailSViahlVISlOS!— durch eben diese Beschaffenheit eine das Gewebe und Farben schädigende Wirkung ausüben, mithin weder als frei von scharfen Stoffen noch als der Wäsche unschädlich gelten dürfen!-- j d- u Zwar kein„Feengeschenk" und„Zaubermittel", aber IN JCuBP PeZieHling ideal-vollkommen ist hingegen I1UI* das einzigdastehende neue, selbsttätige Waschmittel PERGOLinr welches von einem genialen Siedemeister auf Grund eines nach fast 30jähngem Ringen mit der Materie gefundenen neuen, auch keinem einzigen Fachmann der Welt faßbaren Herstellungsverfahrens ohne jeden Zusatz irgendwelcher Chemikalien — selbstverständlich auch gänzlich chlorfrei!— lediglich iBilfIg*hd*Ut«C»n II BIckinhlrnoM- aber als reines erstklassiges Seifenprodukt mit tHiMgviRVUU'vi' WWascn iie OieiCilKPaTX gewonnen wird und trotz mehr als doppelten Gehalts an Fettsäure wie besagte"Sauerstoff-Präparate das Pfund-Paket HUI* M kostet Nur und einzig PERGOLinr mit seiner gänzlich beispiellosen phänomenal selbsttätigsten Waschkraft ist absolut frei von jeglichen scharfen Stoffen— nur 65 eliein überwindet, tmd und zwar gänzlich, die eingangs besagten Uebelstände und bringt anstatt Plage, Störung und Aergemisse aller Art die Freude am Waschtage und horrende Ersparnisse an zeit, Muhe und— Geld ms Haus!: Als Beweis aber, daß vorstehende Tatsachen auch nicht die geringste Uebertreibung enthalten, hier eines der vielen übereinstimmenden, auf gründlichster Wissenschaft!. Analyse beruhenden Zeugnisse von autoritativster Seite: „OeSentl. ehem. Laboratorium Dr. Braun& Krühn. Die Untersuchung des Pcrgolln hat ergeben, daß freies Chlor sowie aktiver SauerstoS und Silikate oder auch freies AlVali nnd fiberbanpt Irgend» welche Rtzende Beatandteile nicht darin enthalten sind. Praktische Versuche besthtlgten die Angaben auf der Verpackung, Von der nach Vorschrilt behandelten Wäsche lOste sich der Schmutz ohne Reihen. Das Aussehen der Wäsche befriedigte nach Jeder Hinsicht. gez. Dr. Karl Braun, öffentL angestellter Sachverständiger der Potsdamer Handelskammer, Sita Berlin." Die denkbar einfachste Anwendung des PERGOLIN, selbsttätigstes Waschmittel, ist jedem Paket aufgedruckt, doch wir empfehlen, und zwar der außergewöhnlichen Fetthaltigkeit der Lauge wegen, an Stelle des warmen Ausspülens einmal kurzes Klarkochen(also vor der Ausspülung in reinem, kaltem Wasser). Die feinsten Toiletten, Spitzen, Gardinen, Blusen und überhaupt alle die empfindlichen Gewebe und Farben wolle man IHlf IlOCh III Pcr�OHfl waschen(freilich ohne sie zu kochen!). Gewebe und Farben bleiben allein bei dieser Behandlung vollständig geschont; ja, letztere erhalten erst durch das Wascheq mit PERGOLIN eine geradezu erstaunliche Frische.' x Für Küchenwäsche u. dgl. kann die bereits einmal gebrauchte Pergolln-Lauge nachträglich noch mit gleichem überraschenden Erfolge gebraucht werden und alsdann noch zum Scheuern von Geräten aller Art. Verlangen Sie daher stets nur PERGOLIKT Erhältlich bereits— zum Originalpreise von nur 25 Pf. das halbe Pfund— in den ehemals Schröderschen und vielen hundert anderen, durch Plakate oder sonstwie kenntlich gemachten Seifengeschäften; und wo in der Nähe es noch nicht geführt ist, beliebe man sich an die unterzeichneten Generalvertreter zu wenden, die bereitwilligst nächste Verkaulsstell« angeben, außerdem auf Wunsch direkte Zusendungen seitens nächstbelegener Verkaufsstellen gern und prompt veranlassen. General'Vertretung und Lager: Süskind A Fischer, W,, Marburger Str. 7. Telephon Amt Charlottenburg 9151. Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs« Berlin. Zur den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. VerlägSanjtalt Paul Singer u. Ca, Berlin SW. iämimm- Name ges. ges Gegründet 1879 fEl Rl£LS S begründet 1379 Oranienstr.(Moritzplatz) 58 Specialitat: ««%•—-—*-- Im-u 1 Zimmer und Küche M. 234.— M. 336.— M. 409.— M. 496.— M. 566.— M. 618.— M. 655— bis M, 1000— 2 Zimmer und Küche M. 448— M. 571— M. 660— M. 773— M. 867— M. 991.— M. 1044— bis M. 2500. I Nr. 41. 29. Iahrgaug. 5. feiliip i>cs.Awiirls" Inlinn MsblÄ Zsllutag, 18.|elir«(ir 1912. Verkaufe. Tevviche(Farbenlehler) Gelegen heitSkaus. Fadnllager Mauerboff, Nur Große Frantsurlc�tratzc 9, Flur- eingang. Gegründet 1S74. Vorwärts- lesern lv Drozcnt� IonntagS geöffnet. Ttrviideckeu billigst Kabrit Große Kranksurl erilraße 9. Flureingang. GardinenhauS, Groge furteritraße 9, Flureingang. Frank- 2»91K' Hernianilpia« S VtandleibbauS. Jedermanns allcrbilligster Waren- einkauf. Riesenauswahl Pelzsachen. Hcrrenvaletots. JackeNanzüge. �eo- rockanzüge. Oerrenboien. Damen- sachen. Extrabilliger Bettenverkaus. Aussleuei betten. Vermielungsbelt. Slusileuerwäsche. Bettwäsche. 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