Ur. 43. nbonnenKntS'ßedlngtingeo: Abonnements- Preis vrünumerando: Säicrleljährl. 3�0 Mt, monaü. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. SoimlagS- lunnmer mit illustrierler SomitagS- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post. Siboniiemenl: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitunaS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland Z Marl pro Monat. PoftabonnemeiuS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Ziumänien, Schweden und die Schweiz, ciMlttot tZgllch anSer montags. 29. Jahrg. Bit InferflonS'Gebflljr beträgt für die fechSgefpaltene KoloneZ- zeile oder deren Raum«0 Pfg. für Wort 20 Psg. szuläsfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buch- staben zählen für zwei Sorte. Inserate fiir die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedwon iit bis 7 Uhr abendS geosfnet, Vevlinev Dolksblntt. Zcntralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlands. Telegramm• Adresse: „SozialiKnigkrat Berllo". Redaktion: SM. 68, Lindcnetrassc 6g. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, I�indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Maristplatz. Nr. 1984. vie Lage im rheinisch- melMiilchen snüultriegebiet. L Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Nach langen Verhandlungen ist es dem Kohlensyndikat gelungen, mit den fiskalischen Zechen in Westfalen und den nichtsyndizierten Privatgruben einen Vertrag über den Verkauf der Förderung auch dieser Werke durch das Syn- dikat abzuschließen. Im preußischen Landtage war für diese Lertragsschließung die wichtigste Vorarbeit geleistet worden. Systematisch wurde dort von den Wortführern der kapi- talistischen Grubenausbeuter zunächst der fiskalische Betrieb gründlich heruntergemacht, um der im Lande sich verbreitenden günstigen Stimmung für die Ausdehnung des Staats» betriebes entgegenzuwirken. Damit er noch weiter in der öffentlichen Meinung diskreditiert würde, bohrte und trieb inan in der für die Untersuchung der Rentabilität der Staats- bergwerke eingesetzten Landtagskommission(deren Bericht» erstatter bezeichnenderweise der Syndikus Abg. Hirsch von der ganz in Händen der Großindustriellen befindlichen Essener Handelskammer war) unermüdlich hin auf einen Vertragsschluß zwischen den westfälischen Staatsgruben und dem rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat. Ein dahin gehen- der Kommissionsbeschluß war die Folge. Während die„Kol- nische Volkszeitung" den Fiskus noch beschwor, sich völlig un- abhängig von dem Kohlensyndikat zu halten, da dies allein im Volksinteresse liege, stimmten die Zentrumsabgeordneten in der Landtagskommission mit den Konservativen entgegen- gesetzt. Man stand ja im Zeichen der konservativ-klerikal- industriefeudalistischen Sammlung gegen den„liberal-sozial- demokratischen Großblock". Die wahltaktischen Verabredun- gen zwischen deu ostelbischen Großgrundbesitzern und den westdeutschen Großindustriellen heischten einen Frontwechsel der Konservativen zugunsten der. von ihrem Wirtschafts- theoretiker Grafen Kanitz immer lebhaft bekämpften Syn- dikalspolitik. Daß auch-der Schwenkung der Klerikalen in der Syndikatsfrage parteipolitische Erwägungen zugrunde liegen, hat allein das nicht mehr abzustreitende intime Zu- sammenwirken der Klerikalen mit den rheinisch-westfälischen Jndustriefeudalen bei der Reichstagswahl genügend be- wiesen. Die Konservativen und Klerikalen befürworteten den Anschluß der westfälischen Staatsgruben an das privat- kapitalistische Kohlensyndikat, dafür— und für andere, auf dem Gebiete der Sozialpolitik(Reichsversicherungsordnung) liegende Liebesdienste— hat der Zentralverband der Groß- industriellen die konservativ-klerikale Koalition für die Reichs- tagswahlen finanziell oder„moralisch" unterstützt. Nunmehr haben die Grubenbesitzer ihr Ziel erreicht: die im starken Aufblühen begriffenen zukunftsreichen westfälischen Staatsgruben sind kein Hindernis mehr für die vielseitig angefeindete Preispolitik des Kohlensyndikats und die Klagen der Kohlen-, Koks- und Brikettverbraucher müssen sich nun auch gegen die fiskalische Bergwerksverwaltung richten, wodurch der volkstümlichen Bewegung für die Grubenverstaat- lichung ein neues starkes Hindernis in den Weg ge- stellt ist. Daß die Zechenherren diese feine Situation sofort für eine tüchtige Preiserhöhung ausnutzen würden, war voraus- zusehen. Diese Preiserhöhung ist denn auch prompt in der vorletzten allgemeinen Zechenbesitzerversammlung ab 1. April in Höhe von durchschnittlich 50 Pf. pro Tonne beschlossen worden. Die gangbarsten Kohlensorten werden um 75 Pf.. einzelne um 1 M. pro Tonne verteuert! Dieser mit Z u st i m m u n g der fiskalischen Verwaltung gefaßte Syndikatsbeschluß bedeutet eine jährlicheneue Belastung desVolks mit50 bis «l0 Millionen Mark! Da sich die schlesischen. mittel- deutschen und linksrheinischen Kohlengrubenbesitzer er- fahrungsgemäß mit ihren Preisen den rheinisch-westfälischen „Richtpreisen" anpassen, so kann man ohne Uebertreibung die dem Volke durch die Preiserhöhung des rheinisch-west- fälischen Kohlensyndikats direkt und indirekt aufgebürdete Brennstoffverteuerung auf jährlich mindestens 100 Millionen Mark veranschlagen! Auch fiir diese enorme Neubelastung hat sich das Volk bei den konservativ- klerikalen Verbündeten der industriefcudalen Grubenbesitzer zu bedanken. Tonn ohne den drängenden Beschluß des preußi- schen Treiklassenparlaments hätte sich die fiskalische Berg- Werksverwaltung ihre vom Syndikat unabhängige Stellung bewahrt, weil sie genau weiß, daß die öffentliche Meinung auch im Ruhrbezirk einer Stärkung der Syndikatsmacht ab- geneigt ist. Die abmahnenden Artikel der die Syndikats- Politik scharf kritisierenden„Kölnischen Volkszeitung" haben ohne Zweifel der öffentlichen Meinung zutreffenden Ausdruck gegeben. Tie alsbald nach dem fiskalisch-syndikatlichen Vertrags- abschluß erfolgte Kohlenpreiserhöhung hat böses Blut erregt. Die Befürchtungen hinsichtlich der schlinunen Folgen des Ver- tragsabschlusses sind vollauf bestätigt. Das wissen die Zechen I erhöhungsbeschlusses mit ihr die L 0 h n f r a g e verkoppelte. l In bestimmter Form meldete aber erst am 2. Februar(!) (die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", es schwebten,„wie wir hören, bei den Zechenorganisationen(!) ernstliche Erwägun- gen über eine generelle Erhöhung der Bergarbeiterlöhne ab 1. März oder 1. April, zu dem Zwecke, um auch die Arbeiter an den besseren Verdiensten teilnehmen zu lassen"! Diese Meldung machte schnell die Runde durch die Presse, fand aber durchaus nicht überall den erwünschten Glauben. Haben doch die Zechenbesitzer stets bestritten, daß ihre Organisationen sich überhaupt mit Lohnfragen befassen: dies sei lediglich Sache der einzelnen Werke. Und dann: wann haben sich die Zechenbesitzer je verpflichtet gefühlt, entsprechend ihren höheren Einnahmen die Arbeiterlöhne zu erhöhen? Dazu kommt noch, daß die Zechenbesitzer schon selber versicherten, auf Grund ihrer Lieferungsverträge kämen höhere Verkaufs- preise erst für den nächstjährigen Geschäftsabschluß zur Gel- tung. Daraus erkläre sich auch, daß 1908 die Kohlen- und Kokspreise noch durchschnittlich höhere waren als 1907 und dennoch bereits nach Schluß dieses Jahres die Löhne stark herabgedrückt wurden. Die Nachricht der„Rhein.-Westf. Ztg." war für jeden Kenner der Gepflogenheit unserer Grubenherren unglaub- würdig. In der Tat erfolgte schon einen Tag später das formelle Dementi„von zuständiger Stelle"(Zechenverband oder bergbaulicher Verein) in der„Kölnischen Zeitung". Dort wurden ganz im Sinne der früheren werksseitigen Auslassungen die„Erwägungen der Zechenorganisationen" über eine„generelle Lohnerhöhung" energisch bestritten und gesagt, daß„einzelne Zechen" gewillt seien, mit Lohnerhöhun- gen vorzugehen. Das ist nichts Besonderes.„Einzelne Lohn- erhöhungen" kommen auf„einzelnen Zechen" auch in einer weniger guten wie der jetzigen Zeit vor. Es ist doch wahr- haftig nichts Besonderes, da nachweislich seit Monaten eine aufsteigende Konjunktur herrscht, so daß in der Beiratssitzung des Kohlensyndikats vom 16. Februar sogar berichtet werden konnte, die Lieferungen der Zechen seien schon im Januar „nicht immer ausreichend gewesen", es hätte deshalb„auf die vorhandenen Lagerbestände zurückgegriffen werden" müssen, wenn in einer solchen Zeit einzelne Lohnaufbesserun- gen eintreten. Es fragt sich dabei noch, inwieweit die er- höhten Lohneinnahmen nicht auf Ueberschichten zurückzu- führen sind! Tatsächlich ist in den letzten Monaten die Zahl der Ueberschichten im Ruhrbergbau stellenweise wieder so enorm gewachsen, daß die Bergarbeiterverbände im Interesse der Arbeitergesundheit dagegen Stellung nehmen! Nach unseren Ermittelungen ist seit vorigen Herbst auf einer großen Anzahl Zechen das Ueberschichtenverfahren wieder stärker in Gang gekommen. Auf anderen Zechen ist in letzter Zeit den Steigern gestattet worden, die Arbeiter „etwas mehr verdienen zu lassen", d. h. nicht so schnell wie in flauen Zeiten ein unvorhergesehen günstig stehendes Ge- dinge„abzubrechen". Die wirklich erfolgten Lohnzulagen sind bald aufgezählt. Andererseits haben auch noch in den letzten Tagen empfindliche Gedingeabrisse stattgefunden! Eine generelle, der neuen Kohlenpreiserhöhung ent- sprechende Lohnaufbesserung liegt also nicht in der Absicht der Zechenbesitzer. Die„zuständige Stelle" hat dies über- flüssigerweise bestätigt. Die von der Zechenpresse verbreiteten Lohnstatistiken aus dem Jahre 1911 zeigen zwar eine Auf- wärtsbewegung an, aber die zuletzt publizierte allgemeine Lohnstatistik(3. Quartal 1911) beweist, daß da die Hauer- löhne pro Schicht sogar noch 56 Pf�und die Gesamtdurch-. schnittslöhne immer noch 27 Pf. pro Schicht niedriger standen als im 4. Quartal 1907. Dieser Ausfall ist inzwischen sicher noch nicht wettgemacht worden, ganz bestimmt nicht durch direkte Lohnerhöhungen. Dazu sei aber auch festgestellt, daß allein bei 24 der bedeutendsten Ruhrzechen der Ueberschuß von 163,5 Millionen Mark im Jahre 1910 auf 182,6 Millionen Mark im Jahre 1911 gestiegen i st! Die letztjährigen Lohn Verbesserungen haben demnach den Zechenbesitzern ihre „Existenz" nicht nur nicht„erschwert", sondern ihre Gewinne sind 1911 so enorm gewachsen, daß damit die wirtschaftliche Notwendigkeit der neuen K 0 h l e n p r e i s e r h ö h u n g durchaus widerlegt i st. Sie ist aber beschlossen worden, und zwar ohne die Ab- ficht, die tatsächlich in wirtschaftlicher Notlage befindliche Bergarbeiterschaft für die ab 1907 erlittenen schweren Lohn- Verluste gerechten Ersatz zu leisten. Tie Zechenherren wollen auch die vielen Millionen Mehreinnahmen ihrem Bankgut- haben einverleiben, den Arbeitern nur eventuell einige Bro- samen zukommen lassen. Das steht außer Zweifel. Das aber mußte auch für die Taktik der arbeiterorganisationen, über die ein Artikel berichten wird, bestimmend sein. Probleme des TageS, verglichen mit den bürgerlichen Seichtbeutc« leien, die wir in diesen Tagen gehört haben, der ganze Gegensatz zwischen hüben und drüben, der in zwei ganz verschiedenen Welt» anschauungen zur Geltung kommt. Sichtlich war den Herren Junkern auf der rechten Seite des Hauses höchst unbehaglich zu Mut, als Genosse David ihnen das lange Register ihrer Sünden vorhielt und konstatierte, daß ihre Buschklepperpolilik eS sei, die auf gewaltsame Katastrophen loS- arbeite. Nicht minder glücklich war seine Widerlegung der übrigen Vorwürfe gegen die Sozialdemokratie und die Art, wie er aus dunklen Schächten den Republikaner Bismarck und den Kommunisten Miguel an das Tageslicht zog, war auch für parlamentarische Feinschmecker, die etwa Kosthappen aus dem eng- tischen und französischen Parlament gewöhnt sind, ein Genuß. Auch wie er uachivies, daß Posadowsky nichts als ein blendender Causeur sei, der über soziale und sozialdemokratische Probleme spreche, ohne auch nur ganz bescheidene Kennwisse in der einschlägigen Literatur zu befitzen, war eine Glanzstelle. Leider wurde die Debatte nach dieser Rede, der geschickte AuS- führungen des Polen S e y d a und ein paar platte Bemerkungen de? Reichsparteilers Schultz vorausgegangen waren, aus ihrer ursprünglichen Höhe herabgezogen in ein Gezänk, das einen Nachhall zu dem Kampf und zu dem Geschacher um die Präsidentensitze bildete. Als die Herren Schiffer und I u n ck von der national- liberalen Partei, Müller-Meiningen vom Fortschritt und G r 0 e b e r vom Zentrum ins Feld rückten und dem Genossen Bebel, den auch der erbittertste Gegner nicht einer Un- Wahrhaftigkeit zu zeihen wagt, ins Gesicht sagten, er täusche sich«nit seiner gestrigen Darstellung der Verhandlungen über die Präsidentenfrage und behaupteten, er habe höfische Ver- pflichwngen für den sozialdemokratischen Vizepräsidenten und sogar gegebenenfalls die Verpflichtung des KaiserhochS akzeptiert, da konnte man an einen wohl vorbereiteten Ueberfall aus dem Hinterhalt glauben. In Wirklichkeit aber war es nur die heillose Angst der Nationalliberalen davor, von ihren reaktionären Freunden noch weiter wegen ihrer.unpatriotischen Haltung" gestäupt zu werden, die fie diesen unnötigen Streit provozieren ließ. Mit kecken Be- Häuptlingen hofften sie auf jeden Fall eine Verdunkelung des Tat- bestandes zu erzielen. Und wenn auch Herr Müller-Mei- ningen in dieselbe Kerbe schlug, so beweist das nur. wie sehr man diesen bürgerlichen Herrschasten gegenüber, in deren Hirn sich die einfachsten Vorgänge seltsam verzerrt wider- zuspiegeln Pflegen, selbst mit harmlosen Scherzen auf der Hut sein muß. Daß Schiffers Behauptung grundfalsch ist, dazu braucht man sich nicht erst auf Bebels Wort zu berufen, nicht auf die Beschlüsse der sozialdemokratischen Fraktion und nicht auf die Traditionen der Partei; sondern es genügt darauf hinzuweisen. daß ja wegen Zurückweisung aller höfischen Ver- pflichtungen daS Zentrum sich ablehnend gegen den sozialdemokratischen Anspruch auf einen Präsidentenposten aussprach, und daß die National- liberalen gar nicht die Uebernahme höfischer Verpflichtungen ver- langten. Von allen Seiten wurde zugestanden, daß Bebel zum Schluß aller Verhandlungen erklärt hat, unser Vizepräsident werde nicht mit den anderen Präsidenten zu Hofe gehen. Nach diesem Gezänk wurde in die Besprechung kolonialer Rechnungssachen eingetreten, an der sich Genosse NoSke, Herr Erzberger und Unterstaatssekretär C 0 n tz e vom Reichskolonial» amt beteiligten. Heute Interpellationen über den Kartoffelzoll. Berg- weiterer ltoanli und Kiaicheit. Inhaltlich bildete zweifellos die Etatrede des Genossen Dr. David den Höhepunkt der gestrigen Sitzung. Der sozialdemo- kratische Redner wußte nicht nur mit weitem Schwung auszuholen, sondern er verstand es auch, AUdei' ein„großer tag" der Braunscßweiger Polizei Aus Braun schweig wird uns geschrieben: Am Sonntag, den 18. d. M., fanden vormittags 11 Uhr in neun Sälen an den verschiedensten Punkten der Peripherie Volksversammlungen statt, die von der Sozialdemokratie ein- berufen waren und sich mit dem Landtagswahlreformentwurf der Regierung beschäftigten. Die Versammlungen waren überfüllt. Die etwa 6000 bis 7000 Versammlungs- besucher nahmen einstimmig eine an den Landtag ge- richtete Petition an, in der die W a h l r e s 0 r m als Volks- Verhöhnung bezeichnet und das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Landtagswahlrecht verlangt wird. In jeder Versammlung wurden die Besucher aufgefordert, sich ruhig nach Hause zu begeben und von allem abzusehen, was als eine Straßenden, onstration angesehen werden könnte. Diese Parole wurde auch befolgt. Aber die Versamm- lnngsbesucher mußten selbstverständlich über die Straße gschen, um nach Hause zu kommen, und sie mußten dabei, da die Säle an der Peripherie liegen, auch die alte Innenstadt durchkreuzen. Es ist also selbstverständlich, daß die stark besuchten Versammlungen auch eine Belebung des Straßen- Verkehrs der Innenstadt zur Folge hatten: doch waren weder geschlossene Züge zu sehen, noch vereinigten sich die Teil- nehmer der verschiedenen Versammlungen zu einem Umzug. Es war nichts anderes, als die gewöhnliche Zunahme der Passantenzahl wenn gefüllte Säle, Theater, Kirchen und ähn- liche Räume sich leeren. Tie Braunschweigische Polizei bat es sich aber in den Kopf gesetzt, daß Vcrsammlungsbesucher sich nicht auf der Straße zeigen dürfen. So trieb sie, als der Bohlweg, die Bummelstraße Braunschweigs, durch den Heimgang einiger ......____- 1._________ tief zu gehen, und wenn er auch einer bentzer auch recht gut. Dies erklärt die Geschäftigkeit, mit Politik der äußeren Verschärfung der Gegensätze nicht das Wort. iiunorn veiianimiungsveiuairr eimas meyr velel der die Zechenpresse gleich nach dem Bekanntwerden des Preis-»redete, so zeigte sich doch schon an der Art dieser Behandlung der! sonst, die Passanten durch die Straße hindurch. Hundert Versammlungsbesucher rtwas mehr belebt wurde als � �'' Von einer Seitenstraße ber drana der Jührer des Erveditionskorps� em Polizeihauptmann v. Wobeier, mit einigen Tubend Poll- zisten und Nachttvöchtern in den belebten Bohlwcg ein. um die sonderbare Ausgabe zu erfüllen, eine der belebtesten Straßen der Stadt menschenleer zu nrachen. Mit blanken Säbeln und Gnmmiknütteln drängten die Polizisten die Passanten vom Bohltveq herw'-ter nach dem Langendanim zu, wo sich der Tainin, eine noch verkehrsreichere Straße als der Bohlweg, mit diescni kreuzt. Durch chieses Wegdrängen wurde natürlich eine dichte Mett.'chenmcwge angestaut. Sie konnte sich auch an dem Kreuzuugspunkt.licht zerstreuen, da hier eine a u d e r e P o l i z e i t r it p p e dsi Tamm gesperrt hatte, also der Menge das Auseinandergehen verwehrte. Trob dieses unsinnigen Vorgehens forderte der diese Truppe kom- mandierelidc Wachtmeister die Passanten auf. auseinander- zugehen, was diele selbstverständlich nicht plötzlich bemerk- stelligen konnten, da ja die Polizei von zwei verschiedenen Seiten her auf sie eindrang. Kaum war die Aufforderung zu dem von der Polizei selbst immöglich gemachten Aus- cinandcrgehen ergangen, da sausten auch schvn die Gummi- knüttel und die Polizeisäbel auf die Passanten. Tie Polizisten hieben so blind zu. daß ein Polizewoachtmeister vom Säbel seines Kollegen in das Gesicht getrofsem wurde und auf das Pflaster stürzte. Von den Passanten wurde ein junger Mann durch einen Säbelhieb über dem Auge verletzt. Auch ganz grundlose Verhaftungen nahm die Polizei vor. An anderen Punkten der Stadt waren ebenfalls Polizei- truppen aufgestellt mit der sonderbaren Aufgabe, die Straßen den Passanten zu versperren. Angesichts dieser Polizeiaktion muß mau sich fragen, ob die Polizei so nervös geworden ist. daß sie vernünftige Entschlüsse nicht mehr fasten kann, oder ob sie abstchtlich das Volk so reizen und erbittern will, daß es sich zur Notwehr gegen die Polizeibrutalitäten hinreißen läßt. Ruhig ihres Weges gcheiidcii Versainwlungsbesnchern die Straße zu verbieten, sie zusammenzutreiben und mit Mord- und Schlaginstru- uicntei! zu bearbeiten, das ist denn doch ein Versahren, das man nur noch in Barbarenstaaten für möglich halten sollte. Wir meinen, daß endlich einmal im Reichstage gegen das rücksichtslose Polizeiregiment in Braunschweig vorgegangen werden muß. Wenn auch jede Interpellation bei der Tick- felligkeit des Reichskanzlers erfolglos bleiben wird, so würden doch dadurch die Zustände in Braunschweig und das Verhalten der dortigen ultrareaktionären Regierung zur Kenntnis der weitesten Ceffentlichkeit gebracht. Die Braunschweiger Re- gicrnng steht etwa auf demselben Niveau wie die des letzten Kurfürsten von.Hesten zur Zeit Hassenpflugs. Tainals raffte sich sogar der Bundestag gegen die knrhessische Mißwirtschaft auf. Tie Brauuschrveigische Mißrcgierung findet keinen Bundestag, obwohl sie sich auch um Reichsgesetze nicht kiim- inert und znnl Beispiel das Rcichsvereinsgesetz, indem sie Umzüge und Bcrsainnihlngcn unter freiem Himmel grundlos verbietet, unbedenklich vergewaltigt. Ihevckebksnck im hintechsit. Am 26. Januar 1912. also uninittclbar nach dem Ab- schluß der Rcichstagspxrhlen, tagte in Breslau eine Kon- ferenz der konservativen Vertrauensleute der Provinz Schlesien, die von den Edelsten und Besten der Nation, von einigen Land röten und einem christlichen Arbeitersekretär besucht war. Tie Breslaucr„V o l k s w a ch t" ist heute in der Lage, das Pro- tokoll über die vertraulich geführten Verhandlungen zu veröffentlichen. Abgesehen von den allgemeinen Schmerzen über den Ausfall der Reichstagswahlen, von der Tatsache, daß im Kreise Hirschberg allein 125000 M. für konservative Wahlzwecke aufgebracht wurden, daß der Reichstagsabgeordnete Graf Carmer- Ziesewitz dem Reich sverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie Quertreibereien gegen die Konservativen z u in Vorwurf ii! achte, verdient eine Rede des Führers der Kon- s e r v a t i v e n, des Abg. v. H e y d e b r a n d, besondere Beachtung, weil sie mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit zeigt, worauf die Herren um Hcyde- brand warten, um ihre Herrschaft zu b e f e st i g e n. Ter Reichstagsabgeordnete v. Heydebrand sagte nach dem Protokoll.' „Tie Erregung des WahllainpfeS darf natürlich nicht so weit wirken, elnxi dem Sozialdemokraten die Stimme zu geben. Es ist nicht unbedenNich, eine zu scharf antisemitische Färbung dem Wablkampsc zu geben. Das Parteiprogramm erscheint für diesen Punkt andrcichend. Wichtiger indes als das täesagte ist cS, mit allenr Nackdruck auf den großen Ernst und die Bedenklich- keil der Situation hinzmoeifen. Die Ergebnisse der letzte» Stich- wählen sind Zeichen der Zeit, wie sie noch nie ni als da waren. Sonst müßte es unmöglich gclvesen sein, daß Frhr. v. R i ck t h o fr n, der sich um die RcichSsinanzrcform so hohe Verdienste crtoorvcn, und Geheimrat Beuchekt, trotz seiner persön- Iichcn großen Liebenswürdigkeit und seiner Humanitätsbrstrcbnn- gen, Sozialdemokraten gegenüber fallen konnten, und ferner, daß Herr v. Oldenburg, der einer der mannhaftesten Vertreter des agrar-kvnseravtiven Gedankens war. einer wüsten Agitation erliegen mußte. Es ist vielerorts sehr tüchtig gearbeitet worden, so- viel, wie bisher noch nie auf konservativer Seite, und die, die müde aus dem Aahlkampfc kommen, verdienen unsere Ancr- kcnnung. Es muß aber«och mehr getan werden. Aus dem Chaos der Stichwahlen haben wir versuche herauszuholen, was möglich war. es war dies aber sehr schwer, nachdem man sich überzeugen mutzte, daß die Reichs regirruug anscheinend von dem ganzen Ernst der Sache nicht diejenige Vor- stellung hatte, die sie hätte haben uiüssrn. Hätte die Regierung ihre P f l i ck t. in diesem Kampfe voranzugehen, erfüllt, dann wäre das Resultat der Stickwahlcn«in enideres gewesen. Das wir den Forlsckrittlern nachliefen, war ganz auS- geschlossen, wenn nicht entscheidende konservative Momente in Frage gestellt werden sollten. Diese(Fortschrittsj-Partei ist ein« andere Partei geworden. Was ist von ihrem Patriotismus, ihren Grund- sätzen noch übrig? Nachdem wir das Odium der Steurrbcwilligung auf uns genommen, nachdem dann noch der größte Teil der uns feindliche gefilmten Presse gegen uns gearbeitet Und schließlich noch die Regierung mit verschränkten Arme» dem >-ch au spiet zugesehen, da konnte eS nicht anders kommen, als es gekommen ist. Es ist jetzt, soweit man eS übersehen kann, c in� Mehrheit der Linken da, die aber zu zwei Drittel von der Sozialdemokratie und einem Drittel von deren Hörigen gebildet wird. Tic Enischcidung wird stets von Ivcnigcn Stimmen, d. l>. vom Zufall abbängen. und vom Zufall sollte Nichts in der Politik abhängen. Die Sock« liegt so. daßdieireUeMehrhcitalleS verhindern kann. ES gibt nichts Vernünftiges, das diese i'. iajorität nicht verhindern kann. TvZ eine scheint sicher: t s wird inrchtS geschehen, was der Sozraldemokra- tie Atibruch tun kann. Diese steht jetzt hinter einem Wall, hinter dem sie augenscheinlich unangreifbar ist. Wir haben ciine deutliche Entwickclung nach der Seite der parlamenta- rischcn Regierung hin. Zu einer Mehrheitsbildung in diesem Sinne würden eventuell auch die Nationalliberalen mitwirken. Die Regierung hat erklärt: eine Mehrheit für Erhaltung der gegen- wärtigxn Schutzzollpolitik— mit Einschluß der Polen und des rechten Flügels der Nationalliberalen— sei vorhanden und viel- leicht auch für die Wehrfragen, da die Freisinnigen mit ihrer bis- herigen Haltung in diesen Fragen im Volke sehr üble Erfahrungen gcmackt haben. Was die Mittel angeht, die dazu erforderlich sind, so wird auf eine nennenswerte indirekte Be- steuernng nicht mehr zu rechnen sein, nach den Er- fahrungen der letzten Jahre. Es werden voraussichtlich sich nur Mehrheiten finden für Steuern, die den Besitz sehr stark treffen. Hierbei steigt die Frage auf: War es richtig, daß die kanservative Partei so geführt wurde, daß sie in diese Situa- tion und zu diesem Wahlergebnis kommen mußte? Das ist eine schwere, verantwortungsvolle Frage. Ich bin dar festen Ueberzeugung, daß die Politik der letzten Jahre nicht ar'ders geführt werden konnte, als es geschah. Die Block- gemeinsthaft konnte nicht von Dauer sein, wenn dabei die konservative Partei nicht schweren Schaden nehmen sollte. Jedenfalls ist die Partei, das hat auch der Wahlkampf gelehrt, seit den letzten zwei Jahren stärker, einiger und fester geworden, als sie jemals war. Man kann jetzt Vertrauen haben zu den Leuten, die hinter uns stehen und auch zu denjenigen, die im Vordergrunde stehen. Eine Zukunft haben wir ganz gewiß, auch in diesem Reichstag. Irgendeine positive Arbeit ohne die konservative Partei kann gar nicht geleistet werben, und da hängt es nur von der Einigkeit, Kraft und geschickten Führung unserer Partei ab rmd in gewissen Situationen von den N e r- v e n, die wir behalten müssen, ob aus den Tingen etwas Schlimmes werden soll oder nicht. Wo aber wird und muß da? enden? Es ist»ur noch eine Stufe bis zur Revolution. Wir stehen ähnlich da, wie vor 1789 Frankreich. In dieser Situation kann man die Hoffnung nicht aufgeben, daß die Regierung trotz ihrer jetzigen heiteren Sorglosigkeit sich doch noch darauf besinnen könnte, daß die letzten Grundlagen unserer staatsbürgerlichen Existenz in Frage gestellt sind. Sollte die Regierung nicht auf- wachen, so würde die Sozialdemokratie sie schon aufwecken. Wenn die friedliche, harmlose Stimmung, die während der Wahlen zur Schau getragen wurde, vorüber ist. wird die M a s s e schon einen ganz anderen Ton verlangen. Tann wird den Hörigen der Revolutionäre himmelangst werden, ebenso manchen anderen, die jetzt noch untätig sein wollen. Tonn wird unsere Stunde da sein. Man weiß, daß man auf nns reckinen kann. Deswegen wollen wir diesen Tag in der Zu- kunft abwarten und bis dahin, wie gesagt, unsere?lrbcit in noch höherem Maße wie bisher weiter leisten, etwa in dem Sinne, wie das Herr General v. Carlowitz angeregt hat. Wehe uns, wenn wir nicht arbeiten! In der Zeit der Arbeit wollen wir dem Volke klarmachen, daß wir die Rechte des Bürgertums verteidigt haben und verteidigen werden, wenn es hart auf hart geht. Und ich bin überzeugt, daß sich dann viele Kreise, die jetzt zur radi- kalen Linken hinneigen, zu u n s finden werden, wenn die Ziele der Radikalen nicht mehr zu verkennen sein werden. Ich vermute, da ein Wandel in den Dingen dann ohne schwere Zuckungen de? StaatLkörpers nicht vor sich gehen wird. Au diesen Tag aber wird die konservative Partei stolz sein können, und es wird sich zeigen, daß auch aus solchen Zeiten, wie wir sie jetzt haben, einer Partei gute Früchte erwachsen können.' Das heißt mit anderen Worten: Herr v. Heydebrand hofft, daß Maschinengewehre und K l e i n k a I i- b r i g e die erschütterte Position der Konservativen wieder befestigen werden. Tie„schweren Zuckungen des ge- samten Staatskörpers' können aber auch einen anderen Verlauf nehmen. Der„ungekrönte König von Preußen' spielt mit solchen Drohungen ein sehr gefährliches Spiel._ Der Krieg. Kämpfe bei Derna. Ksnstantiooprl, 20. Februar. Nack einer beim KriegZmnnsterium eingelaufenen Depesche griffen die türkischen Truppen am 13. d. MtS. Derua an und drangen nach dreistündigem Kampfe in zwei Forts westlich vom Djebel rl Skabeh ein, die sie teilweise zerstörten. Die Italiener, die während des Kampfes von dem Feuer ihrer Schiffe unterstützt wurden, hatten beträchtliche Verluste. Zur Revolution in Lhins. Die chinesische Republik wird von Deutschland anerkannt. Hirschs Telcgraphenbureau erfährt von unterrichteter Seite, hm- sichtlich der Anerkennung der Republik China werde die Reichs- regiermig genau so verfahren, wie seinerzeit gegenüber Portugal. Sobald die konstituierende Nationalversammlung die Verfassung be- stätigt und den Präsidenten definitiv gewählt hat. werde man nach Verständigung mit de» übrigen Großmächten nicht zögern, die neue Swatsform China« anzuerkennen. Die Niederlage der Repnblikanrr in der Mongolei. Koschgar, 29. Februar. Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Aus U r u m t s ch i ist hier die Nachricht von einem glänzenden Siege der RcgierungStruppen über die Republikaner im Jligebiete eingetroffen. Die Verluste der Republikaner sollen mehrere hundert Manu betragen, die Regiernngstruppen machten über 199 Gefangene und erbeuteten viele Waffen und Pferde. Der Cbef des Stabes der im Osten befindlichen revolutionären Detache- mrntS wurde ebenfalls gefangen genoimnen und hingerichtet. politifcbe CUberlicbt. Berlin, den 20. Februar 1912. Ans dem Abgeordnctenhause. Das Abgeordnetenhaus überwies am Dienstag zunächst den Entivnrf eines Wassergesetzes an eine Kommission von 28 Mitgliedern. In der Debatte brachte Abgeordneter Dr. Beumer(natl.) nochmals die Wünsche der Industrie unter drastischen Ausfällen gegen den FiskuS zur Sprache. Unserem Genossen Liebknecht schnitt die Mehrheit in be- kannter Liebenswürdigkeit wieder einmal das Wort ab. Hierauf wurde ein Antrag Dr. S ch i f f c r e r(natl.) der Bndgetkommission überwiesen, der die Regierung auffordert, zur Hebung der durch die Sturmflut an der Westküste Schlcswig-HolstcinS angerichteten Schäden, soweit sie nach der wirtschaftlichen Lage der Betroffenen von diesen nicht getragen werden können, Staatsmittel für Gewährung nicht rück- zahlbarer Unierstutzungen ober zknSfreler Darlehen bereit zu stellen. Eine erfreuliche Uebereinftimmung trat endlich auch in den Debatten über den letzten Punkt der Tagesordnung herbor, der sich auf einen Antrag Sch medding(Z.) betr. Aenderung des K 1 des F ü r s o r g e e r z i e h u n g S- g e s e tz c s bezog. Die Frage hat das Haus schon wiederholt beschäftigt. Es handelt sich darum, daß nach der Recht- sprechung des Kammcrgerichts die Fürsorgeerziehung erst nach der Verwahrlosung des Kindes eintreten darf. Tie Folge davon ist die völlige Wirkungslosigkeit dieser Maß- nähme, und es ist deshalb zu verstehen, daß von maßgebender Stelle auf eine Aenderung des Gesetzes nach der Richtung hin gedrungen>vird, daß die- Fürsorgeerziehung zu einer vor- beugenden Maßnahme wird. Das verlangt der Antrag, der übrigens einem schon vor Jahren gefaßten Beschlüsse des Herrenhauses entspricht. Den grundsätzlichen Standpunkt der Sozialdemokrakie vertrat Genosse Hirsch, der eine Aenderung des Gesetzes nach der Richtung hin forderte, daß es seines polizeilichen Charakters entkleidet und zu einer sozialen Maßnahme uni- gestaltet wird. Vor allem wies unser Redner mit Nachdruck auf die Notwendigkeit einer energischen Bekämpfung des Alkoholismus und der Wohnungsnot, dieser beiden Grund- übel hin, zu deren Beseitigung die Regierung bisher nichts getan hat. Der Antrag wurde einer Kommission überwiesen. Am Mittwoch beginnt die Beratung des Etats der Justiz- Verwaltung._ Im Sem'orenkondent des Reichstages suchten die Freikonservativen nach, zu den Beratungen zu- gelassen zu werden, da in nächster Zeit die Fraktion wahr- schcinlich verstärkt»verde. Deshalb vertagte man die An- gclegcnheit. Tann wurde über die Einteilung der Geschäfte nach der Etatsbcratung in erster Lesung verhandelt. Zuerst sollen die Interpellationen Albrecht und Ablaß über die Kar tosfelzöllc und die Futerzölle auf die Tages ordnung gesetzt tverden. Es sind vorläufig zwei Tage als Beratungszeit in Aussicht genommen. Dann werden folgen das Gesetz über den Mädchenhandel, der Handels- v�c r t r a g mit der Türkei, der Gesetzentwurf über die Staatsangehörigkeit und das Schutztruppen- g e s e tz. Tie Brüsseler Zuckerkonvention wird wohl zurück- gestellt werden müssen, da am 1. März die zweite Lcstm: des Etats begonnen werden soll. Die zweite Lesung des Etats kann bis Ostern nicht fertiggestellt werden, aber eS sind in Aussicht genommen zunächst Beratungen des Etats des Reichsamts deS Innern, des Justizamts, der Reichscisenbahnen und des ReichLeisenbahnamts, Reichspost-, Reichbdruckcrci-, Reichstag?- und andere kleineEtats. Tann werden dieOsterfericn beginnen. Es wurde im Konvent dann weiter über eine eventuelle Erweiterung der Wahlpriisungskoinmission gesprochen. Der vorgetragene Wunsch, die Prüfungskommission von 14 auf 2l Mitglieder zu erweitern, fand keine Zustimmung. ES sollen andere Mittel ergriffen werden, um die Wahlprüfungcn zu beschleu- nigen. Vor allem sollen die zu einem gewissen Abschluß gelangten Prüfungen im Plenum schnell zur Verhandlung kommen. Ferner würde in Frage kommen, ob bei einer Be ratting der Geschäftsordnung eine Bestimmung getroffen tverden soll, die der Kommisston das Recht der selbständigen Beweiserhebung zuspricht. Diese Frage fand keinen Ab schluß. Natt'oualliberales. Arn Sonntag hielt Herr B a s s e r m a n n in Stettin tu einer nationalliberalen Vertranensmännerversammlung Pommerns eine Rede, worin er nach dem Bericht der.Stet- tiner Neuesten Nachr." sagte: „Die nationallibcrale Reichstagsfraktion war von Anfang an darin einig, daß sie weder an einem Großbkockpräsidium, noch an einem schwarzblauc» Präsidium tcilnrbmeu könnte. Sie war für ein reines Geschäftspräsidium und erkannte an, daß Zentrum und Sozialdemokraten als stärkste Parteien einen Anspruch auf Vertretung im Pr-äsidium bättcn. Was die prinzipiell. Seite der Frage. Beteiligung der Sozialdemokratie am Präsidium, betrifft, so sagten sich die Ratio, mlliberalen. daß. lvenn die«c- schäste des Reichstages ordnungsgcmääß geführt werden sollten, der Sozialdemokratie ein Sitz im Präsidium nicht verweigert werden könnte. Die Soziaidcmokratic ist übrigens im Reichstage bereits längst zur prakiiscken Mitarbeit herangezogen worden. In vielen Fällen babcn Sozialdemokraten den Vorsitz großer und wichtiger Kommissionen gcbaM. wie z. B. P. Singer, der lange Zeit Vorsitzender der GescKmSordnungZ- .Kommission war. Die Sozialdemokraten stellten schon frübcr einen Abteilungsvorsitzende», beute stellen sie zwei. Auch da? sind Stellungen, in denen die Sozialdemokratie genau so behandelt wird, wie die übrigen Parteien. Tic Verhandlungen zwischen den Parteien scheiterten. Als es zur Wahl kam, strebten die Nationallibcralen gemäß ihrer gruiw sätzlichen Stellungnahme ein reines Geschäftspräjitnum an: Zentrum. Sozialdemokratie. Nationallibcrale. Sie stimmten des- halb bei der Wahl des Präsidenten in der Stichwahl für S p a b n oder mit weißen Zetteln. Einzelne nationallibcrale Abacordnclc stimmten bei der allgeincinen Erregung allerdings für Bebel. ein bedauerlicher Fehle v. welcher von der Fraktion sicher mißbilligt worden wäre, wenn sie dazu bätto Stellung nebmcn können. Jedenfalls steht fest, daß es nur eine kleinere Anzahl von Parteimitgliedern war, d,e für Bebel gestimmt bat. Nack dem Spahn gewählt war. entsprach es dem gedachten ckirundiatz. daß bei der Stichlvahl zwischen Dietrich und Scheidemann die Mehrzadl der Nationalliberaien fur Tcheidemann stimmte, wob«, zu be- denken ist. daß jene«eußerungScheide mannS über unser Königshaus zu der Zeit der Fraktion noch nicht bekannt war. Nachdem dann noch als»weiter Vizepräsident ein Nationallibcralcr gewählt war, war das Präsidium in einer Weise zusammengesetzt, wie e« nach dem Ergebnis der Neichstogswahlen von einem remen Geschäftspräsidium nicht anders erwartet werden konnte. Da Präsident Spahn hatte nicht nur das Präsidium angenommen. sondern war offenbar auch bereit gewesen, dar. Präsidium zu be- ckaiteil. Er wurde dann aber von anderen Zentrumsführern zusammen mit den Führern der Konservativen dahin bearbeitet, daß er das Prädium niederlegte. ES war offenbar die Absicht dro Zentrums und der Konservativen, die Nationallibcralen dadurch in den Großblock hineinzuzwingen. Da die nationalliberale Partei im Reiche aber immer die Großblockidce auf daS entschiede, isie zurückgewiesen hatte, so konnte sie diese naturgemäß auch nickt in einem Präsidium verwirklichen und faßte daher nach der Nieder lcgung des Präsidiums durch Spahn und der lvcitrrcn Weigennv. des Zentrums, sich an der Bildung des Präsidiums zu brtciligcn, einen FraktionSdcschluß, daß der zweite Bizepräsisent. der national- liberale Abgeordnete Paaschc, sein Amt im Präsidium cbensiitls niederzulegen habe. Tie endgültige Regelung der Präsidenten- rage wird erst von jetzt in drei Wochen erfolgen: ihr Ausgang. vor olle», die Frage, wer in diesen kommenden Wahlen Präsiden: wird, ist noch gänzlich ungewiß. Zum c-ckluß skizgicrt« Bassermann die wichtigsten und entscheidenden Aufgaben, die der national- liberalen Partei harren und betonte dabei, daß die Zukunft dc» ?a:Z nur durch eine«atisnale und ehrlich liberale Politik gesichert sei." Die Versammlung nahm schließlich ein Vertrauensvotum für B a s s e r m a n n an. Ferner schreibt das Organ des sächsischen nationallibe- raleu Landesverbandes, die„Nationallib. Korresp.": „Die konservative Auffasssting ist unhaltbar. Der Reick>stag ist die Volksvertretung des Deutschen Reiches. Wenn eine Fraktion mit 11» Mann erscheint, so ist es ein nach der Ver- iassung parlamentarisch unmöglicher Gedanke, so �u tun, als sei sie überhaupt nicht vorhanden. Was könnte eine solche moralische Verfemung übrigens nützen? Gebessert wird damit nichts, und zu verstimmen ist genug, wenn beabsichtigt wird, die Sozialdemokratie zur Obstruktion zu reizen und den Reichstag lahm zu legen." Die nationalliberalen Vertrauensmänner von Leipzig haben dem Abg. Dr. I u n ck gleichfalls ein Vertrauensvotum ausgestellt und in einer Resolution erklärt: „Die Versammlung ist der Ileberzeugung, daß ein Zusammenarbeiten mit Sozialdemokraten in den Parlamuntsgeschäften und im Präsidium eine volitische Notwendigkeit ist. Die grundsätzliche Bekämpfung des sozialdemokratischen Verbandes und seiner Forde- rungen, die für jeden Nationalliberalen selbstverständlich ist, wird dadurch in keiner Weise beschränkt." Ob diese Erinutigungen aber auch ausreichen werden, die nationalliberale Reichstagsfraktion bei der neuen Präsi- dentenwahl vor einem neuen Umfall zu bewahren, steht noch sehr dahin._ Die erneute Präsidentenwahl wird im Reichstage voraussichtlich am 13. März stattfinden. Innerhalb der bürgerlichen Fraktionen sind nach der„Post" Besprechungen über diese neue Wahl bereits eingeleitet worden. Wermnths Stellung erschüttert? Tin fortschrittliches Blatt teilt mit, daß man in parlamentarischen Kreisen die Stellung deS Reichsschatzsekretärs Mermuth für er- schlittert Halle. Der Gmnd wird darin erblickt, daß die Erb- anfallsteuer er st im kommenden Herb st eingebracht werden soll. Daö wäre an sich kein Grund für den Staatssekretär, von seinen, Amt zurückzutreten, dieser Grund ist erst dann gegeben, wenn die Erbaufallsteuer abgelehnt werden sollte. Der Schatzsekretär hat mehrmals mit Bestimmtheit erklärt, daß eine Erb- schastssteuervorlage kommen wird, aber er hat— zu der Aechten und dem Zentrum gewendet— immer mahnend hinzugefügt, man möge doch erst einmal abwarten, wie di« Vorlage aussieht. DaS läßt die Vermutung aufkommen, daß der neue Entwurf so gestaltet ist, daß den Agrarier» weitgehende Steuerbefreiungen zu gestanden werden sollen. Der Schatzsekretär betont zwar stets, daß er an dem Grundsatz festhalten wolle: Keine Ausgabe ohne Deckung. Fst eS ibm damit so Ernst, wie eS den Anschein hat. dann muß er »ür die Wehrvorlagen und für die Deckung ein zusammenfassendes Mantelgesetz einbringen; damit stellt er dann die Konservaliven und das Zentrum vor die Alternative, entweder Militärvorlage und Erbschaftssteuer ,u bewilligen, oder beides abzulehnen. Für die Schwarzblauen und vielleicht auch für die Regierung wäre es wohl bequemer, in der Deckungsfiage freie Hand zu be- halten, aber man soll sich den preußischen Militärkonflikt zur Warnung dienen lasien, der sich auf der Bewilligung von Ausgaben ohne Deckung entspann. Wenn dann noch die Frage aufgeworfen wird, wa? der Reicht kanzler machen wird, so denkt man unwillkürlich an das Bild, das Graf Posadowskh am 16. Februar 1912 im Reichstage zeichnete „ES gibt Politiker, die auf dem Zaun sitzen. Dann kann man nämlich, je nachdem der Gegner naht, rechts oder links herabspringen.' Das Proportional-Wahlrccht für de« Reichstag fordert die sozialdemokratische Fraktion in folgendem, soeben dem Reichstage eingereichten Antrage: »Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage baldigst einen Gesetzentwurf zu unterbreiten, durch den bc stimmt wird: 1. daß die ReichstagSwahlen künftig nicht innerhalb ab gcgrcnzter Wahlkreise für je einen Abgeordneten, sondern nach dem Lerhältnisivahlsystcni stattfinden; 2. den Frauen unter den gleichen Bedingungen das aktive und Passive Wahlrecht gewährt wird wie den Männern; 8. der Wahltag entweder ein Sonntag oder ein Feiertag sein muß. Ferner ersucht der Reichstag den Herrn Reichskanzler, aus dem Verordnungswege Anordnungen zu treffen,»vonach die Wahlurnen im ganzen Reiche glcichtuiig gestaltet und auf Reichskosten deschafft werden." 1. iihb 4. fliaffe. Gedankenlos sitzt so mancher Proletarier in dem Wagen 4. K lasse, der vor Schmutz starrt, das heißt, wevn ihm über- Haupt ein Sitzplatz bei seinem(finftcigcn winkte. Schlechte Wagen, die noch schlcälster beleuchtet und immer überfüllt sind, laufen heute noch haufenweise auf unseren deutschen Eisenbahnen, die ja immer als Muster gegen die des Auslandes ausgcsviclt werden. Der Reisende 4. Klasse läßt sich auch gedankenlos in die überfüllten Abteile treiben. Anspruch ans Sitzgelegenheit hat er nicht, das weiß er auch und tröste! sich, daß so viele andere Leute mit ihm stundenlang in drang- voller Enge auch stehen müssen, weil eben der Eisenbahnfiskus auf d:e 4. Klasse„Geld drauflegen muß". Das Gegenteil ist natürlich der Fall. Der Eisenbahnfiskus legt viel Geld, sehr viel Geld alljährlich auf die 1. Klasse, nur damit die reichen Herrschaften dillig und so bequem reisen können, und zieht aus der 4. Klasse� fast alle Ueberschüsic, die er trotzdem er- zielen kann. Das wollen natürlich die reichen Leute auch heute noch nicht zugeben, ob schon die Statistik dies deutlich beweist. Deshalb ist ein Artikel der..Fraukiurter Zeitung", deren Leser doch melstcus nicht 4. Klasse fahren, von größter Bedeutung. Es ivird da erwähnt, daß der Personenverkehr heute sehr darunter leidet, daß die tote Last— das Wagcn- gewicht—. die nutzlos und unbezahlt mitgeschleppt werden muß, im Verhältnis zur Rutzlast. d. h. zum Gewicht der be- forderten Personen, außerordentlich hoch ist. Auf den ein- zelnen Platz beträgt diese tote Last von 200 bis 300 Kilogramm in der vierten Klasse bis zu 1100 Kilogramm in den großen Durchgangswagcn in der ersten Klasse. Rechnen wir das Diirchschnittsnewicht eines Reisenden zu 65 Kilogramm, so muß selbst bei voller Besetzung des Wagens mindestens das Drei- bis Siebzehnfachc der Nutzlast als tote Lost mitgeführt werden. Ist aber nur ein Teil der Plätze besetzt, so wird das Verhältnis natürlich noch ungünstiger. Man könne ober normalerweise mit der Besetzung aller Plätze nicht rechnen, weil eben der Lcrkchrsandrong nicht aLein nach Tagesstunden, Wochentagen oder Jahreszeiten � usw. schwankt. Für alle vorhandenen vier Klaffen muffe aber die Verwaltung noch gewisse Platzreserve sichern und von„den vorhandenen Plätzen werden im Durchschnitt nur a u s g e- n u tz t in der 1. Klasse rund einZehntek.in der 2. Klasse rund ein Fünftel, in der 3. Klaffe ein Viertel und in der 4. Klasse etwas über ein Drittel. In Wirklichkeit mutz also nicht nur das Zwei- bis Siebzehnfache, son- dern das Sechs- bis Hundertsiebzigfache der Nutzlast als toteLast in den Personenzügen mit- geschleppt werden. Darunter mutz natürlich das finanzielle Erträgnis leiden. Am schlechtesten ist die Platzausnützung in der 1. K l a s s e, mit der die Eisenbahnverwaltung das schlechteste Geschäft macht. Hier setzt sie das meiste Geld zu, während die 4. Klasse fast den ganzen Gewinn aus dem Personenverkehr aufbringen muß. Genauere Zahlen werden diese Behauptung noch besser beweisen. Die Selbst- kosten der Eisenbahn betragen für den Platzkilometer, d. h. für die Beförderung eines— besetzten oder unbesetzten Platzes einen Kilometer weit, in der 1. Klasse 1,423 Pf./ in der 2. Klaffe 0,953 Pf., in der 3. Klasse 0,611 Pf. und in der 4. Klasse 0,430 Pf. Nun wird aber nur für den kleineren, benutzten, Teil der Plätze bezahlt. Die Kosten für den wirk- lich bezahlten Platzkilometer sind also entsprechend höher; sie betragen in der 1. Klasse 13,68 Pf., 2. Klasse 4,64 Pf., 3. Klasse 2,52 Pf., 4. Klasse 1,18 Pf. Während also an sich ein Platz in der 1. Klasse nur etwa dreimal so teuer zu sein brauchte, wie ein Platz in der 4. Klasse, wird durch die ungünstige Platz- ausnützung die 1. Klasse fast auf das Z w ö l f s a ch e der 4. Klasse verteuert." „Ilm zu sehen, welches Geschäft die Bahn bei der Sache macht, müssen wir ihre«Älbstkosten mit dem vergleichen, was sie tatsächlich in den verschiedenen Klasien erhält. Der durch- schnittliche Erlös für den Personenkilometer betrug nun im Jabre 1908 in der 1. Klasse 7.49 Pf.. 2. Klasse 4,15 Pf., 3. Klasse 2,58 Pf. und 4. Klasse 1,87 Ps. Die Selbstkosten der Bahn für einen Personenkilometer sind in der ersten Klasse fast doppelt so hoch, wie der Fahrpreis; auch in der zweiten Klasse setzt die Verwaltung bei jedem Kilometer Vi Pf- zu, während der Fahrpreis der dritten Klasse einen ganz bescheidenen Gewinn läßt und die verachtete vierte Masse mit% Pf. Gewinn aus den Kilometer die allerwertvollste für die Eisenbahnfinanzen ist. Rechnen wir den Zuschuß oder Gewinn für den bezahlten Platzkilonieter auf die Summe der gefahrenen Personenkilo� metcr um, so ergibt sich, daß die preußische Eisenbahnverwab tung im Jahre 1908 zusetzte an der 1. Klasse rund 2 2 Millionen Mark, an der zweiten Klasse rund 16 Millionen Mark, zusammen also 38 Millionen Mark. Da gegen ergab die 3. Klasse rund 7 Millionen und die vierte rund 9 7 Millionen, beide zusammen also rund 104 Millionen Mark Ueberschutz." Mit anderen Worten: Der Eisenbahnfiskus macht den Reisenden 1. Klasse ein Geschenk von rund 22 Mill. M a r k, den 2. Klasse 16 Millionen Mark, also den reichen Leuten 38 Millionen Mark, die er auS der Tasche der armen Teufel holt, die alle Unbequem- lichkciten einer Reise 4. Klasse ertragen müssen, nur damit die 97 Millionen Mark Ueberschuß erzielt werden können. Und dabei sind die Fahrgäste 1. Klasse fast alle Nutznießer des Staates, während die Fahrgäste der verachteten 4. Klasse die Steuerlast zu tragen haben. So wirken auch die Zahlen der Eisenbahnverwaltungen direkt aufreizend! Eine fatale Feststellung! Die Bachcmitcn haben bös« Tage! Die ReichStagSwahl bereitet ihnen vielen, sehr vielen Kummer! Schon ihr Toben gegen die Sozialdemolratie ist ein Beweis dafür. Es soll als Ablenkung dienen! Die Antimodernisten lassen sich jedoch nicht bluffen. Von Rom au§. über Paris und Belgien, macht man eine für die Bachemiten sehr fatale Feststellung! Gerade in den Domänen der christlichen Gewerkschaftsbewegung, am Seuchenherde des Jnter- konfessionaliSmuS, habe der UltramontaniSmuS bei den Reichstags- wählen schlecht abgeschnitten.— Der Fall Kölns, die Schleifung der schwarzen Burgen Düsseldorf und Metz seien bedrohliche Zeichen der Verirrungen als Folge der verflachend wirkenden Kölner Richtung. Unwirsch streitet die„Kölnische Volkszeitung" die Berechtigung solcher Argumentation ab(in Nr. 14t). Sie spricht von„nichtswürdigen Verdächtigungen der christlichen Ar beitcrschaft", von„ungereimtem und verlogenem Zeug". Schließlich findet sie noch,„solche? Gebaren».. ist geradezu schandbar". DaS Poltern verrät ein schlechte? Gewissen� läßt ahnen, daß bei der Kölnerin ein wunder Punkt getroffen worden ist. In der fach» lichen Abwehr produziert sie einige nichtssagende Rechenstückchen. Aber schnell verläßt sie diesen Boden, und verweist mit edler Geste auf ihre— Wahlkompromißerfolge! Damit lenkt die Empörte die Aufmerksamkeit, ohne es zu wollen, auf eine andere ihrer schlvachen Seiten! Doch zunächst sei einmal untersucht, ob und welche Stütze die„nichtswürdige Verdächtigung" in der Wahfftatistik findet. Wir benutzen zu diesem Zweck die Ergebnisse aus einer Reihe von Kreisen, in denen die christliche Gewerkschaftsbewegung dominiert. Diese Bewegung setzte erst in den neunziger Jahren ein, daher bringen wir die Resultate der Wahl von 1898 mit den Ergebnissen der letzten in Beziehung. Es erhielten Stimmen in der Hauptwahl: Sozialdemokraten Zentrum 1893 1912 Zun. in«/, 1898 1912 Zun. in«/» Köln-Stadt. 9 008 18 866 107 12 821 17 343 35 Düsseldorf.10 712 36 769 243 17 874 31 544 76 Essen... 4400 40603 802 80 103 42832 42 Bockum.. 22 370 63 333 138 30 029 37 650 25 Duisburg I. 7 804 84 187 338 21 071 31 559 49 Dortmund.10 864 48 838 141 17 347 25 705 48 Hamm-Soest 2 168 9 023 336 10 308 13 422 29 Die gewaltige Stimmenzunabmc der Sozialdemokratie im Vergleich zu der winzigen deS Zentrums springt klar in die Augen. Von einer Sicghaftigkcit der christlichen Gewerkschaftsbewegung als Sturmbock gegen die Sozialdemokratie verraten die Ziffern nichts! Das um so weniger, wenn man berücksichtigt, daß der riesenhafte Zufluß von Arbeitermassen in das rheinisch-westfälischc Industriegebiet vorwiegend aus katholischen Gegenden stammt. Von dieser Seite aus betrachtet, kann man von einem erheblichen direkten Verlust des Zentrums reden! Es siegt sich zu Tode! Sehr deutlich tritt da? hervor, wenn man seine„Erfolge' in den siebe«- Kreisen mit den Ergebnissen im ganzen Lande vergleicht. Das Bild sieht dann wie folgt aus: Stimmen erhielten i» d-n�rbem-�estf. � Deutschen Reiche benSiit S(ntrUm bemohatie 1898..... 70 235 130 553 2 101 476 1 455189 1912..... 241 409 200 056 4 238 919 2 179 743 Der Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie war im Industrie» gebiet doppelt so groß wie im Reichsdurchschnitt. Beim Zentrum ist es umgekehrt. Sein Wachstum im Gcsamtdurchschnitt übersteigt seine Wählerzunahme in Rheinland-Westfalen. Dabei hat das Reich an diesen Bezirk sehr viele Katholiken abgegeben. Die Sozialdemokratie verzeichnet im Herrschgebiet der Bachemiten und christlichen Gewerkschaften die allergrößte Stimmenzunahme; das Zentrum erlitt relativ Verluste! Deshalb rühmten sich die Macher in der letzten Zeit jedenfalls so sehr der großen Erfolge der christlich-nationalen Arbeiterschaft. Man merkt die Absicht und — lacht! Das Abwirtschaften des Zentrums würde sich noch schärfer in den Ziffern abheben, wenn wir den Kreis Recklinghausen in die Statistik mit aufgenommen hätten. Hier, wo sich die Industrie in amerikanischer Weise entwickelt«� hatte die Sozialdemokratie 1893 noch gar keinen Resonanzboden� 1912 aber erhielt unser Kandidat 21 2 5 4 Stimmen. Das Zentrum mußte sich mit derselben ab- soluten Zunahme begnügen, obwohl der Hauptzuzug aus Katholiken bestand. Noch ein paar Worte zu der von der„Minischen Volkszeitung" selbst berührten schwachen Seite des Zentrums, seiner Wahl- kompromißstrategie. In Wahrheit ist das eine Tugend, die, von der Not geboren, das Zentrum im Industriegebiet vor der Liquidation bewahren muß. In der„Kunst des Erreichbaren" ist es schon so weit, daß es anfängt, auf eigene Kandidaten zu ver» z i ch t e n. So in Hagen und in Bielefeld; demnächst werden Do rtmund, Bochum und Duisburg folgen. Streng orthodoxe Katholiken in Bielefeld mußten diesmal in der Hauptwahl schon für einen„Wilden" eintreten! Das wird das katholische Bewußtsein langsam, aber sicher— heben! Und dann erst die Stichwahlkompromisse! Um Essen zu retten, mußten die katholischen Arbeiter für die bisher als gottlos verschrienen großindustriellen Nationalliberalen ins Feuer! Diese wühlten dafür Giesberts. So blieb Essen vor der Uebergabe an die roten Stürmer bewahrt. Bochum und Duisburg wurden an die Jesuitenfresser, Pfaffenfeinde und Scharfmacher ausgeliefert. Wahrlich: das find„herrliche" Erfolge des stolzen Zentrums! ES lebt nur noch kümmerlich von der Gnade der schlimmsten Arbeiter- feinde! DaS find die Siege deS Bachemitismus und der vielgepriesenen christlichen Gewerkschaftsbewegung! Die„Kölnische Volkszeitung" glaubt darauf in der Abwehr„schandbaren Gebarens" ihrer liebe» Glaubensgenossen auch noch extra stolz verweisen zu dürfen. Das steht fest: Es geht bergab mit der Temagogcnpartei? Kein Schimpfen und Toben kann das vertuschen! Zunahm« absolut. 165 174 • Prozent 263 68 503 4i 2 127 443 101 724 604 M Zentrmnsschwindel. Was in Zentrumskrcisen bei den ReichstagSwahlen angestellt worden ist, spottet der Beschreibung. Immer unglaublichere Bor- gänge werden nach und nach darüber bekannt. So hat der Zentrums- abgeordnete Erzberger, schreibt der.Confectionair', am 18. Januar d. I. in einer Versammlung zu Villingen folgenden, angeblich von Herrn Oskar Tietz sin Firma Hermann Tietz) in Berlin an seine Warenhausfreunde versandten Brief bekanntgegeben: „Werte Geschäftsfreunde! In diesem Jahre müßt Ihr tief und tiefer in die Tasche greifen, denn wen» es»ms jetzt nichr gelingt, durch den Hansabund den Weg für den Freihandel und damit auch den Weg für unsere Warenhäuser frei zu machen, dann ist es überhaupt auS, und dann können wir nicht mehr vorankommen, dann wird eine Konservativen-»q-d Zentrumsmehrheit kommen, welche den Mittelstand, den selbständigen, schützt gegen die gewaltige Ausdehnung unserer Warenhäuser, die von Jahr zu Jahr mehr um sich greift." Dieser Brief wurde, wie die Zeitschrift.Handel und Gewerbe' berichtet, noch vor der Stich- wähl in der ZernrumSpresse verbreitet, und sein Inhalt hat denn auch bei vielen Kaufleuten und Handwerkern den beabsichtigten Eindruck erzielt. Auf eine Anfrage de? Badischen Landesverbandes des Hansabundes ist ihm jetzt aus Berlin der folgende telegraphische Bescheid zugegangen:„Der Brief ist gefälscht. Herr OSkar Tietz beabsichtigt, gegen den unbekannten Fälscher wegen Urkundenfälschung vorzugehen.'_ Ein«ationaUiberalcr Musterknabe! Der naiionolliberale Abg. K l e y e rückt mit einem veniehm- lichen Ruck von seinen nationalliberalen Fraktionskollegen ab. Er erläßt nämlich eine Erklärung, in der er hervorhebt, er habe in der Fraktion die Erklärung abgegeben, daß er für einen sozialdemo- kratiscken Vizepräsidenten nicht stimmen werde, und er habe bitter empftniden und fasse es als eine unverzeihliche Handlungsweise gegen die Interessen der nattonalliberalen Partei auf. daß eine Anzahl Mit» glieder der Partei für den Abg. Bebel als ersten Präfidenten ihr« Stimm« abgegeben hätten. Wenn dieses Beispiel von FraktionSdiSziplin, das der mit Unter- stützung deS Bundes der Landwirte gewählte Abg. Kleye gibt, Nachahmung finden sollte, dann wird bald einwandSfrei festzustellen sein, welche Rationalliberalen für Bebel»md Echeidemann gestimmt haben._ Otitcmicb-Cingrarn. Der«cue Finauzminister. Wien, 29. Februar. Wie daS.Fremdenblatt' erfährt, fit Dr. Ritter v. B i l i n S k i zum gemeinsamen Finanzminister ernannt worden. franhmch. Die Greuzkommission für das deutsche Sougogediet. Paris, 20. Februar. Der Kolonialminister hat die Hauptleute der Kolonialartillerie Periquet und Crepet zu Leitern der au» Beamten und Offizieren Acquatorial-Afrikas bestehenden Kam» Mission ernannt, die im Einvernehmen mit Vertretern DeuschlandS auf Grund deS Abkommens vom 4. November 1911 die genaue Grenze des an Deutschland abgetretenen Kongogebietes bestimmen soll. Die AbgrenzungSarbeiten werden frühestens Ende März beginnen können. peffien. Guglisch-rnsfischc Bedingunge«. Trhereu, 20. Februar. Die gestern überreichte englisch, russische Note bietet Persien einen Borschuß do»i vier Millionen Mark zu 7 Prozent an. Dafür erwarten die beiden Mächte, daß Persien 1. sofort die Prinzipien des englisch-russischen Abkommens annimmt, 2. die Fidai und andere irreguläre Truppen entläßt, sobald der frühere Schah und sein Bruder Persien verlassen haben, 8. eine kleine effektive Armee organisiert und 4. sich mit Mohammed Ali auf Grund der mündlichen englisch-russischen Ver- träge vom 6. März vorigen Jahres verständigt. Teheran, 20. Febraar. Der Bachliarenführcr Khan Amir Mo- fakham ließ gestern den Minister des Innern, der sich ge- weigert hatte, eiinge verhaftete Reaktionäre freizugeben, gewaltsam durch einen Trupp Bachtiaren in sein Haus bringen, wo er insultiert wurde. Der Minister wurde indes bald wieder frei gegeben. »mir Mofakham wurde verbannt und soll morgen Teheran ver- lassen. GewerkfcbaftUcbce» Die|Murter-8durfitiacber. Einen interesianten Einblick in die vielseitige Tätigkeit eines Konsuls in Deutschland bietet ein Schriftstück, das uns durch Zufall in die Hand kam. Der Herr Major v. C o l d i tz in Düsseldorf wandte sich an den Geschäftsführer eines Unter- uehmerverbandes in Düsseldorf mit folgendem Schreiben: Die Adreffe des Arbeitgeberverbandes einer gefl. Mitteilung der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände verdankend, möchte ich Sie ergebenst um Uebersendung Ihres Jahresberichts(für Sommer 1910— dito 1911) höflichst bitten. Zur Molivierung meines Ansuchens bemerke ich, dah die argentinische Regierung grohes Interesse nimmt au der Bekämpfung von Streiks usw., welche dem jungen reichen Lande schon mehrfach sehr schweren Schaden zugefügt haben. Wenn nun auch selbstverständlich die hierzulande mit Erfolg angewandten Mittel zur Bekämpfung des erwähnten sozialen Hebels sich nicht ohne weiteres in ein fremdes Land mit Aussicht auf gleichen Erfolg importieren lassen, so ist es doch von grohem Nutzen, sie zu keimen. Aus diesem Grunde übersandte ich meiner Negierung 1911 die letzten Jahresberichte usw. des Arbeitgeberverbandes Dllssel- dorf, die man mir frenndlichst zur Verfügung gestellt hat. Der argentinislben Regierung ist diese Sendung außerordentlich nütz- lich gewesen, da sie ebenfalls der Ansicht ist. daß nur durch Or- ganisation der Arbeitgeber dem Uebel wirksam cngegengearbeitet werden kann. Ich gebe Ihnen schließlich die Versicherung, daß alle Daten, die sie mir diesbezüglich übersenden, in jeder Hinsicht geheim bleiben, und von mir direkt an meine Regierung unter Betonung ihres geheimen Charakters weitergegeben werden. Ich stehe Ihnen zu jeder Gegenleistung gern zur Ver- fügung und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung sehr ergebenst (gez.) Major v. C o l d i tz. Der republikanischen Regierung in Argentinien wird mit dem Rezept, wie die Unternehmer die Gewerkschaften in Deutschland bekämpfen wollen, ivenig gedient sein. Herr V.(Molbitz müßte schon andere„Mittel zur Bekämpfung des erwähnten sozialen Nebels" ausfindig machen. Aber be- zeichnend ist das Schriftstück dafür, daß Vertreter aus- ländiscker Regierungen die Art der deutschen Gewerkschafts- bekämpfung als Muster nach dem Auslande exportieren wollen. Zur Vervollständigung seines Berichts raten wir dem terrn v. C o l d i tz, seiner Regierung auch die Berichte der eneralkommission der deutschen Gewerkschaften zu über- senden, damit sie daraus ersieht, welchen Erfolg die Methode der Gewerkschaftsbekämpfung durch die Unternehmer in Deutschland erzielt hat. Dann würde die argentinische Regierung auf diese von den Unternehmern bezogenen In- formationen wohl verzichten können und zur Abwendung von Streiks bessere und vernünftigere Mittel im eigenen Lande ausfindig zu machen suchen, ohne erst die Hilfe ihres Vizekonsuls in Anspruch zu nehmen. Lerlin und Umgegend. Dir Stukkateure, Sektion de? Deutschen Bauarbeiterverbandes, besprachen in einer Mitgliederversammlung, die am Montagabend im Gewerkschaflshauie statlfand, den Stand ihrer Lohnbewegung. Am nächsten Tage, Dienstag, sollten die Verhandlungen vor der Schlichtungskommission über einen Tarifvertrag beginnen. Wenzels erläuterte in einem längeren Vortrage die einzelnen Punkte des jetzt zur Verhandlung stehenden Entwurfs und bemängelte, daß die Verhandlungen so lange verzögert wurden. Er legte den Ver- sammelten eine Resolution vor. die einstimmig angenommen wurde. Diese Resolution lautet: „Die Versammlung bedauert die Verzögerung der VerHand- lungen und erwartet von der Schlichtungskommission, daß sie ihre Arbeiten beschleunigt, damit im Anfang des Monats März der Tarifentwurf den Parteien zur Entscheidung vorgelegt werden kann. Die Versammlung erwartet, daß die Schlichtungskommission den veränderten Verhälwissen Rechnung trägt und neben einer angemefienen Lohnerhöhung eine Verkürzung der Arbeitszeit im Entwürfe vorsieht. Ebenso notwendig ist die Ausnahme neuer Arbeiten und die präzise Fassung der allgemeinen Bestimmungen. Ein Entwurf, der diesen Wünschen nicht in ge- eignerer Weise Rechnung trägt, wird schwerlich zur Annahme ge- langen können." Wenzels forderte zur eifrigen Agitation für den Verband auf; jedes Mitglied sollte im Dienst seiner Zahlstelle leisten, was es vermag. In der letzten Zeit habe man recht gute Erfolge erzielt, aber es sollte irr gleicher Weise weitergearbeitet werden. Man müsse die Werkstattarbeiter gut organisieren, die Hilfsarbeiter auf den Bauten sollten aus die Wichtigkeit der Organisation aufmerksam gemacht werden. Der Deutsche Bauarbeiterverband müsse in jeder Beziehung gestärkt werden, wenn er seinen Aufgaben gerecht werden soll._ Zum Abschluß der Lohnbewegung im Steindruck- gewcrbe. In einer öffentlichen Versammlung gab die Berliner Streib- leitung einen eingehenden Bericht über den Abschluß unseres großen Kampfes. Die Anwesenden, bereits durch die Fach- und Tagespresse genügend informiert, nahmen das Endergebnis mit großer Ruhe auf. So wenig Aufregung in diesen wohldisziplinierten Kampf- truppen das vorläufig Unabänderliche an diesem Abschluß auch her- vorzurufen wußte, um so stürmischer wurde die Entrüstung bei Bekanntgabe der Tatsache, daß gerade das Berliner Unternehmertum wieder den Versuch macht, die Vereinbarungen zu umgehen, ver- schiedcne Verschlechterungen einzuführen und dabei in einzelnen Fällen nicht einmal vor Matznahmen zurückschreckt, die geradezu einer direkten Verhöhnung der getroffenen Vereinbarungen ver- zweifelt ähnlich sehen. Z. B. wurde die Einstellung eines Ver- trauensmannes von einer Schutzverbandsfirma abgelehnt mit einer Begründung, die in einem direkten Widerspruch steht zu den Er- klärungen, nach denen die Wiedercinstellungen der Vertrauens- männer erfolgen sollten. Zu den nun einmal üblichen Berliner Schikanen scheint es auch zu gehören, daß man diesmal mit Vor- liebe die älteren, erfahrenen Leute draußen läßt, ohne die doch sonst die Geschäfte nicht glauben existieren zu können. Will man diese Leute erst noch extra mürbe machen, damit sie sich unter Austritt aus der Organisation später anbetteln? Das dürfte dem Unter- nehmertum doch wohl nicht gelingen! In der lebhaften Diskussion wurde, nachdem gebührend auf das geradezu erbärmliche Presse- treiben der Berliner„ultragelben Auchkollegen" hingewiesen tvar, besonders eine Extrafteuer angeregt. Sie soll einmal dazu dienen, die besonders in Berlin zahlreichen Opfer der Aussperrung in einer würdigen Weise weiter zu unterstützen, dann aber auch, die Kosten des Kampfes selbst allmählich zu decken und die Organisation wieder für alle Fälle zu kräftigen. Es gelangte ein aus der Versammlung gestellter Antrag zur Abstimmung, der den Hauptvorstand auf- fordert, eine obligatorische Extrasteuer für ganz Deutschland auszu- schreiben, und zwar M Pf. bei einem Wochenverdienst bis 30 M., 1 M. bei ein.�i solchen von 30—40 M. und 1,ö0 M. bei über M. Wocbenlohn. Ueber diesen Antrag stimmten nur die in Arbeit Stehenden ab; er fand einstimmige Annahme. Der Kampf um den Arbeitsnachweis. Eine Versammlung der arbeitslosen Stell- macher hatte der Holzarbeiterverband gestern vormittag nach dem Lokale von Hahn in der Rosenthaler Straße einberufen, um eine auf- klärende Aussprache über die Arbeitslosigkeit und die paritätische Lerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: LrbeitSvermittelung herbeizuführen. LsS Referent sprach H ü b u e r vom paritätischen Arbeitsnachweis, und seine Ausführungen wurden in der regen Diskussion bestätigt und ergänzt. Im Stellmacher- berufe ist der paritätische Nachweis jetzt seit ungefähr einem Jahr eingeführt, wird aber immer noch nicht von der Innung anerkannt, die ihren eigenen Nachweis aufrecht zu erhalten sucht. Daß trotz der Abneigung der Jnnungsmeister der paritätische Nachweis als die im Berufe am meisten zweckmäßige Form der Arbeitsver- Mittelung gelten muß, zeigte sich schon gleich nach dessen Gründung. Im ersten Quartal 1911 hatten sich 511 Arbeitslose eintragen lassen, es wurden 283 Stellen gemeldet und 183 davon besetzt; im zweiten Quartal, nach Einführung der Parität, war die Zahl der eingetragenen Arbeitslosen 803, die der gemeldeten Stellen 839, die der vom Nachweis besetzten Stellen 637. Es hat also gleich ein ganz bedeutender Aufschwung in der Tätigkeit des Nachweises stattgefunden. Wenn der Nachweis jetzt nicht zur Zufriedenheit der ArbenSlosen tätig zu sein vermag, so lkegt das, eben nicht am Nachweis selbst, sondern nur daran, daß nicht genügend Arbeit im Beruf vorhanden ist und demgemäß allzu wenig Stellen einlaufen. Es ist eben jetzt die schlechteste Zeit. Aber eine gerechte Verteilung der Last der Arbeitslosigkeit ist auch nur durch den paritätischen Arbeitsnachweis möglich, und nicht durch die Arbeitsnachweise der Unternehmer, die eigentlich nichts anderes sind als Maßregelungs- und Kontrollbureaus. Jeder Stellmacher muß es als seine Pflicht ansehen, den Nachweis der Innung, den man übrigens dem der Metallindustriellen angeschlossen bat, streng zu meiden und nur den paritätischen Nachweis zu benutzen.— Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die arbeitslosen Stellmacher sehen im paritätischen Arbeits- Nachweis die gerechte Arbeitsvermittelung und verpflichten sich, an dessen allgemeiner Durchführung mitzuhelfen. Der Jnnungs- Nachweis bleibt nach wie vor gesperrt und die Arbeitslosen ver- pflichten sich, dafür zu sorgen, daß diese Sperre streng durchgeführt und nach außen hin Aufklärung über die Sache verbreitet wird. Von den in Arbeit stehenden Kollegen wird in dieser Hinsicht die weitestgehende Unterstützung erwartet. Ferner verpflichten die Kollegen sich, soweit sie noch nicht Mitglieder sind, der zuständigen Organisation, dem Deutschen Holzarbeiter- verband, beizutreten, um so im Falle der Arbeitslosigkeit von der größten Not geschützt zu sein." Achtung, Musikschallplattenpresser! Die Differenzen bei der Finna Beka-Rekord, Heidelberger Str. 75, bestehen unverändert fort. Zu« zug streng fernzuhalten. Fabrikarbeiterband. Metallarbeiterverband. Achtung, Töpfer! Die Sperre über die Firma G. Dames, Oranienstr. 191, hat sich erledigt. Die Firma hat sich verpflichtet, keine Unorganisierten mehr zu beschäftigen und bei Bedarf an Ar- beitskräften die gemaßregelten Kollegen zuerst zu berücksichtigen. Die Verbandsleitung. OeutTches Reich. Achtung, Tabakarbeiter Brandenburgs! Wie uns mitgeteilt wird, tagte am Montag, den 12. d. M., in Finsterwalde im Hotel„Zum Brückenkopf" unter Führung des Zigarrenfabrikanten E. Schneider resp. seines Schwiegersohnes Wieser eine Konferenz der Niederlausitzer Zigarrenfabrikanten. Das Einladungsschreiben hierzu war als„streng vertraulich" bezeichnet. Anscheinend handelte es sich bei dieser Zusammenkunft der Herren Unternehmer um Mobil- machungspläne gegen die organisierten Tabakarbeiter. Nur eins erschien hierbei als störend: die Dahmer Fabrikanten fehlten. Da- her hielt man es für ratsam, nach Dahme zu fahren, um dort eine besondere Sitzung unter obengenannter Führung abzuhalten. Diese fand am Donnerstag, den 15. d. M., statt und zwar zu dem Zweck, auch die Dahmer Fabrikanten dem Scharfmacherbunde der Zigarrenindustriellen„zur Bekämpfung der organisierten Tabak- arbeiter" anzugliedern. Wenn man aber glaubt, durch Aussperrungsmanövcr, wie sie in Westfalen beliebt wurden, die Lohnausbesserungen der Tabakarbeiter in Brandenburg, insbesondere von Finsterwalde, Dahme und einigen anderen Orten, wo die Löhne niedrig stehen, verhindern zu können, so ist die Rechnung ohne den Wirt, d. h. die organisierte Arbeiter- schaft, gemacht, die sich durch den Beschlutz des Gewerkschaftskon- grosses in Dresden verpflichtet hat, an der Aufbesserung der er- bärmlichen Lage der Tabakarbeiter mitzuhelfen. An die Tabakarbeiter des 13. Gaues ergeht die Mahnung, auf der Hut zu sein und alle aus den Beschlüssen der Unternehmer sich ergebenden Vorkommnisse der Gauleitung in Berlin sofort zu be- richten._ Polizeiliche Neberwachung einer Werkstattversammlung. In der Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen von F l ö t h e r A.-G. in Gassen sollte eine Versammlung der beschäftigten Arbeiter ab- gehalten werden, die sich mit Mißständen bei der Firma und den dagegen zu treffenden Maßnahmen beschäftigen wollte. Die Ver- sammlung war einberufen vom Metallarbeiter-, Holzarbeiterverband ldkd vom Gewerkverein der Maschinenbauer. Zur Verteilung der Einladungszertel halte ein Arbeiter beim Bürgermeister die Ge« nehmigung eingeholt. Der Bürgermeister machte hierbei die Be- merkung, er müsse ja leider die Erlaubnis erteilen, werde der Firma aber sofort davon Mitteilung machen. Die Erlaubnis zur Verteilung wurde dann gegeben. Am Eingang zum Versammlungslokal wurde strenge Kontrolle geübt und jedem, � der nicht bei der Firma beschäftigt war, der Zutritt untersagt. Als bei Eröffnung der Ver- sammlung nochmals aufgefordert wurde, daß alle nicht bei der Firma beschäftigten Arbeiter den Versammlungsraum verlassen sollen, kam der in der Versammlung anwesende Polizeibeamte dieser Aufforde- rung nicht nach; alle Hinweisungen auf das Vereinsgesetz nutzten nichts, der Beamte blieb im Saale. Die Versammlung wurde nicht abgehalten. Gegen den Beamten wird Beschwerde erhoben werden. — Ein anderer Vorgang ist ebenso merkwürdig. Einige Arbeiter der Firma hatten Forderung auf Lohnerhöhung gestellt. Die Arbeiter wurden zur Begründung ihrer Forderung noch einmal ins Kontor bestellt, sie sollten hier unter Aufsicht eines Polizisten ihre Forde- rungen noch einmal vortragen._ Erfolgreiche Tarifbewegung der Tapezierer in Frankfurt a. M. Für das Frankfurter Tapezierergewerbe wurde ein neuer dreijähriger Tarifvertrag abgeschlossen, der wesentliche Verbesserungen für die Gehilfen bringt. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt künftig 52«lunden. Der Mindestlobn wurde erhöbt für Ausgelernte auf 41 Pf., nach zwei Jahren 43 Pf., ab 1. März 1913 49 Pf. Die sonstigen Stundenlöhne wurden um 3 Pf., ab 1. März 1913 um einen weiteren Piennig erhöbt. Ueberstunden werden mit 25 Proz., Nachtstunden mit 50 Proz., Sonntagsarbeil mit 33>/z Proz. Aufschlag bezahlt. Weitere Bestimmungen regeln die Zulagen bei auswärtigen Arbeiten, innerhalb und außerhalb des Stadtgebiets. Eine Schlich- tungskommission, bestehend aus vier Arbeitgebern und vier Arbeit- nehmern, soll alle aus dein Tarifvertrage entstehenden Differenzen regeln. Ausland. Die Rache der Unternehmer. Unser Brüsseler Korrespondent schreibt uns: Einige Gruben- besitzer des Borinage wurmt es offenbar, daß der siebcnwöchentliche Kampf den Bergarbeitern Sieg und Genugtuung gebracht hat. Hat die'Unternehmer eine gesetzliche Bestimmung zum Nachgeben veranlassen müssen, so wollen sie den Arbeitern zeigen, daß sie darum auch nicht weniger die wahren„Herren" sind. In ver- schiedenen Gruben sind den Arbeitern die Löhne reduziert worden, in einem Bergwerk zum Beispiel um 50 Centimes pro Tag, was bei einem Tagelohn von 5 Franken ein ganz netter Abzug ist. Im Ganzen sind von Lohnabzügen etwa 1800 Arbeiter betroffen worden, worauf diese neuerdings in den Streik geireteu sind. Außer direkten Abzügen suchten die Unternehmer die Bergarbeiter durch vexatorische Maßnahmen materiell zu schädigen. Dieses Bor- Zlh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u Verlagsanjtalt � gehen ist offensichtlich ein Racheakt, um die Arbeiter dafür zu strafen, daß ihr tapferer Kampf um ihr bescheidenes Recht allenthalben Sympathien gewonnen und fchleßlichdie Kammer und die Regierung von ihm über- zeugt hatten. Die Talsache, daß ein Bergarbeitersyndikat sofort nach dem Streik seine Mitgliederbeiträge erhöht hat, zeigt aber, daß die Arbeiter aus dem Kampfe die richtigen Lehreu ge« zogen haben und sich für künftige Angriffe besser wappnen wollen.— Das wäre der beste Gewinn aus diesem an schmerzlichen Episode? so reichen Streik, dem die Rachsucht der Unternehmer nur noch ein Schmerzenskapitel anhängen wollen. Ter drohende Riesenstreik in Euglnad. Die öffentliche Meinung drückt sich in entschiedenem Sinne zu- gunsten der Grubenarbeiter in dem drohenden Konflikte mit den Arbeit- gebern aus. Auch die Behörden scheinen die Forderungen der Arbeiter für gerechte zu halten. Die Behörden der großen Städte, die Handelskammer und sonstigen Handelsverbände haben an die Regierung duS Ersuchen ge- richtet, energisch auf die Beilegung des Konfliktes hinzuwirken. Die „Westminster Gazette" gibt den Grubendirekloren den dringenden Rat, nicht in ihrer gefährlichen Haltung zu verharren. Inzwischen machen sich bereits jetzt schon die Vorzeichen des AusstandeS unan- genehm bemerkbar. In den Gruben von SüdwaleS sind alle Vor- kehrungen für den Streik getroffen worden. Auf vielen Zechen werden die Grubeneingänge von Mauern umgeben, um den Zugang unmöglich zu machen, da man fürchtet, daß die Ausständigen ver- suchen werden, die Schichteinrichtungen zu demolieren. Ferner werden Vorbereitungen getroffen, die Gruben auch während der Ausstandsbewegung ventilieren und auspumpen zu können- In verschiedenen Häfen macht sich bereits ein Nachlassen der Kohlen- eingänge bemerkbar, da die Schiffszufuhr bedeutend abgenommen hat. Vor einer Woche lagen in den südlichen Häfen 438 Kohlen- schiffe, während am letzten Sonnabend nur deren 300 im Hafen vor Anker lagen. Mehrere Reeder haben beschlossen, die süd- englischen Häfen vorläufig zu meiden und transportieren ihre Güter nach anderen englischen Häfen und sogar nach ausländischen Plätze?:., Während die Kohlenzufuhr per Schiff nachgelassen hat, haben die Kohlentransporte auf der Bahn eine starke Zunahme erfahren, so daß augenblicklich keine Wagen zur Verladung mehr zur Verfügung stehen. Dies hatte zur Folge, daß verschiedene Gruben schon jetzt den Betrieb einzustellen gezwungen waren. Von dem Riesensireik, der in England auszubrechen droht, würden, wie die neuesten Feststellungen ergeben, nicht weniger als 1 Million Bergarbeiter, 850 000 Angestellte der Baumwollindustrie, 300 000 Arbeiter der Kupfer- und Eisenindustrie, 460 000 Mechaniker, 243 000 Transportarbeiter, 236 000 Arbeiter in Färbereien und Wäschereien, 112 000 Frauen aus der BiSquitfabrikation und 71 000 Ofenbauer betroffen werden. « �» London, 20. Februar.(P.-C.) Die heutigen Konferenzen zwischen den englischen Bergwerksbesitzern und den Vertretern der Bergarbeiter, denen auch die Regierungsvertreter beiwohnten, mutzten um 6 Uhr abends abgebrochen werden, da eine Ver- ständigung nicht zu erzielen war. Der Generalstreik der Berg- arbeiter muß nunmehr als eine beschlossene Tatsache angesehen werden. Die Regierung hat alles aufgeboten, um sowohl die Vertreter der Arbeitgeber, wie die Deputierten der Arbeiter zu?n Nachgeben zu veranlassen; alle ihre Bemühungen sind jedoch er- f o l g l o s geblieben. C-ctztc Nachrichten« Demonstrationen in Agram. Agram, 20. Februar.(P.-C.) Im hiesigen Nationaltheater kam es heute zu großen Te?nonstrationcn seitens der kroatischen Studentenschaft. Bei der heutigen Nachmittagsvorstellung in diesem Theater waren fast sämtliche Sitze und Logen von.Studenten ein- genommen. Sie verlangten stürmisch, daß die heutige Vorstellung zum Zeichen der Trauer anläßlich des Todes des bei den vor- gestrigen Demonstrationen in Sarajewo durch Schüsse verletzten Studenten Sahinagio abgesagt werde. Als die übrige» Theater- besucker die Gründe der Demonstration erfuhren, schlössen sie sich den Studenten an, indem mehr als die Hälfte von ihnen freiwillig das Theater verließ. Der Führer der Studenten begab sich darauf zum Theater-Intendanten, der sich entschloß, die Vorstellung ab- zusagen. Die Studenten zogen dann demonstrierend und unter Absingung von Liedern durch die Straßen, wobei es zu mehreren usammenstößen mit der Polizei kam. Ein Student wurde ver- astet. Auch die Abendvorstellung im Natio??altheater mußte wegen der angekündigten Demonstrationen abgesagt werden. Die europäische Mission in Marokko. Madrid, 20. Februar.-(P.-C.) Oberst A l d a v e hat gestern mit einer größeren Kolonne eine Straf expedition gegen die am Berge Ziata befindlichen Nomadenstämme unternommen. Die Mauren wurden von heftigem Artilleriefeuer überrascht und flohen nach allen Richtungen, nachdem sie eirre Anzahl Tote auf de?» Kampfplatz gelassen hatten. Die Spanier hatten 2 Tote und 20 Verwundete. Tanger, 20. Februar.(P.-C.) Nach einem hier eingetroffenen Radiotelegramm ist ein Kaufmannszug auf dem Wege von M e- kines nach Rabat in der Nähe von Suk-el-Nrbad von Berbern angegriffen worden. 3 Europäer und 1 Schütze aus Jenisci ivurden getötet. Oberst Brulard ist bereits mit einer Kolonnli nach Suk-el-Arbad unterwegs, um die Berber zu bestrafen. Reform des Oberhauses und Homerule. London, 20. Februar.(W. T. B.) Im Verlaufe der Debatte im Unterhause über das Amendement der Opposition zur Adresse, in dem der Regierung W o t t b ru ch vorgeworfen wird, weil sie die Reform des Oberhauses verschoben und für sich das Recht in An- spruch genommen habe, daS Ho?nerulegesetz vor der Reform einzu- bringen, wies Premierminister Asquith die Behauptung zurück, daß sich die Regierung eines Wortbruchs schuldig gemacht hätte. Die Regierung habe immer erklärt, daß sie zuerst die Erledigung des Homerulegesetzes sichern werde. Asquith bekannte sich zu der Verpflichtung, die Frage der Reform des Oberhauses noch im jetzigen Parlament vorzubringen; die Frage werde aber erst be- handelt werden, wenn das Homeruleprinzip verwirklicht worden sei. Der Präsident von China. Shanghai, 20. Februar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Tangschaoyi wird morgen mit anderen zusammen von hier nach Peking reisen, um Duanschrkai nach Nanking zu geleiten, wo dieser in das Aint des Präsidenten eingesetzt werden wird. Fünfzig Personen ertrunken. Kalkutta, 20. Februar.(W. T. B.) Das Schleppschiff Chinchow der Jrrawadly Company scheiterte gestern einig; Meilen von R a n g o o n. Ungefähr iöO Personen ertranken. Man glaubt, daß das Schiff in einen starken Strudel geraten ist._ Großes Schadenfeuer. Bombay, 20. Februar.(W. T. B.) Heute mittag brach auf dem Platze, wo viele tausend Ballen Baumwolle lagerter?, ein großes Feuer aus. Ter Schaden wird aus eine Viertelmillion Pfund Sterling geschätzt� KaulSingeräiCo., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen ü.Nnterhaltung-bl. Nr. 43. 29. Jahrgang. 1. Ifilnjc des Jmiitlö" Knlim Mitwoch, 21. mm 1912. Reichstag. 10. Sitzung. Dienstag, den 20. Februar, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. Delbrück, Mermuth, v. Her- ringen. Dr. Lisco. Erste Lesung des Etats. Sechster Tag. Abg. Dr. Seyda iPole): Unser Antrag auf Aufhebung des Sprache«Paragraphen aus dem VcreinSgesetz wird in diesem Reichstag zweifellos angenommen werden. Während der Wahlzeit hat sich ja auch gezeigt, daß die Abhaltung von Versammlungen in polnischer oder französischer Sprache durchaus keine Gefahr für das Deutsche Reich bedeutet. sSchr richtig I bei den Polen.) Auch das V erbot der Teilnahme Jugendlicher an politischen Versa»-.-nlu>:gen mutz beseitigt werden. Unsere Versammlungen werden fast ausnahmslos als politische angesehen. sHört l hört I bei den Polen.) Redner fübrt weiter Beschwerde über unglaubliche Manipula tionen der W a h l v o r st e h e r im Wahlkreise seines nicht gewählten Freundes v. Satz-JaworSki. Viele Stimmzettel würden für ungültig erklärt, weil Sah nur mit einem„S" geschrieben war, (Hört! hört I bei den Sozialdemokraten), andere deshalb, weil sie auf Abg. v. Sah-JaworSki lauteten, obgleich der Betreffende tat- f ach lich preuhischer Landtagsabgeordneter ist. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich erwarte, daß diese skandalösen Vorgänge, die man nicht anders denn als amtlichen Wahlschwindel bezeichnen kann, von der Wahlprüfungskommission sobald wie möglich geprüft werden. Ebenso ist es in diesem Reichstag wohl selbst- verständlich, dah der Korruptionsfonds der O st marken- Zulagen beseitigt wird.(Bravo I bei den Polen.) Abg. Schultz(Np.): Die Wahlzettel, von denen der Vorredner sprach, sind von lokalen Wahlvorständen für ungültig erklärt worden, nicht von irgend welchen amtlichen Stellen. Der Abg. v. H a l e m hat sogar auf eine Frage, ob Stimmzettel für Satz-JaworSki, die nur ein„S" enthalten, gültig sei» sollen, mit I a geantwortet, was ich für falsch halte. Es ist außerordentlich peinlich auf die Jnne« halwng der Bestimmungen geachtet worden, und Sie täten gut. alle Ihre Borwürfe zu sparen, bis die Wahlprüfungskommission ge- sprachen hat.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. David(Soz.): Ein paar Worte zur Finanzlage deS Meiches. Das wertvolle Ergebnis der Debatte ist die Konstatierung der Tatsache, dah die Konservativen und das Zentrum darauf beharren, einen Ausbau der Nachlahsteuer abzulehnen. Beide Parteien haben das ganz kategorisch erklärt und der Redner des Zentrums hat noch hinzugefügt, das Zentrum wolle auch keine Reichs- ei„kommen- und Vermögenssteuer. Dasselbe Zentrum. das sich im Wahlkampf gerühmt hat, es sei ihr Verdienst, dah das Reich leine Schulden mehr zu machen brauche, verweist jetzt selbst den Schatzsekretär auf den Weg des Schulden machen«. Wenn aber dieser Weg nicht betreten wird, welche Steuern will das Zentrum dann bewilligen? Die Antwort kann nur lauten neue indirekte Steuer»!(Sehr wahr! bei den Sozialdem.) Angesichts dessen glaube ich, dah der Kampf, den der Staatssekretär Mermuth für sein Prinzip fübrt: Keine Ausgabe ohne Deckung, schließlich zu einer Niederlage des Staatssekretärs führen wird. Er hat ja gekämpft wie ei» Löwe, ober wir haben schon gestern gesehen, dah der Reichskanzler sofort versucht hat, den EriSapfel der Erbschaftssteuer zurückzuziehen. Aber die Dinge sind schon so inS Rollen gekommen, daß sie weiter rollen werde». Man kann jede Hoffnung aufgeben, daß die Konservativen sich zu einem neuen Steuergrundsatz bekennen werden, zu dem Grundsatz, die Reichen heranzuziehen und die A r uren zu schonen. Graf Posado wsky hat ein schönes eng- lisches Wort vorgetragen, dah im Interesse des Vaterlandes jeder Opfer bringen müsse und Opfer bringen werde, selbst die Reichsten. In Preußen und in Deutschland glaube ich. wird dieses Wort auch kleines Feuilleton. Ter Wettbewerb für Arbeitermöbel.(Ausgestellt im Gewerk- schaftihauie.) ES kommt uicht allzu oft vor, daß daS Ergebnis eines Wettbewerbes so einheitlich das Niveau einer gesunden Sachlichkeit und eines schlickte» Wohlgefallens erfüllte. Höhere Erwartungen als die nun verwirklichten, hätte auch der Optimist dieser Konkurrenz nicht entgegenbringen können. Das gerade ist sehr sympathisch. dah die durchschnittliche Leistung dieser Bewerber weiß: worauf es bei einem zeitgemäßen Möbel und einer charaktervolle» Ra»ni>.estal»ing ankommt. Wie oft hört man doch, dah der Kunst- gewerbezeichner der Künste Verderben sei. lind es ist gewiß auch richtig, dah die mangelhaft ausgebildeten Zeichner viel SlHlechies und UeberstüssigeS produzieren. Wobei freilich nie zu vergelsen ist, dah die unbegreifliche Ucberproduktion an Entwürfen nicht so sehr im Willen der Zeichner liegt, vielmehr bedingt ist durch den kapitalistischen, die Mode hetzenden Wirtschaflsprozeß. Gerade darum ist daS Ergebnis dieses Wettbewerbes so überaus befriedigend. Wir lernen, daf) die Kunstgewerbezeichner wohl etwas leisten kömien, wenn man ihnen nur die Möglichkeiten dazu gibt. Wie viele von denen, die bei dem Wettbewerb recht gut bestanden, werden ihren Tag mit unzulänglichen Stilkoiiiödien und sonstigen Geschniacklostg- keiien anssüllen müsse». Der Wettbewerb zeigt, dah eS falsch wäre, sie nach solcher Tagesleistung zu beurteilen: er zeigt de« weiteren, wie törickt die MöbeluntemeHmer sind, daß sie ihre MvdciveiSheit den Zeichnern als ein Joch auferlegen. Um ivieviel besser könnte es um den Durchichnitlsgeschinack der deutschen Möbelindustrie stehen, Nwnn die Unternehmer, um nur ein Beiipiel zu entwickeln, die stand- festen Teilnehmer des Wettbewerbes machen liehen, waö diese wollen und von inneil heran« können. Wir sehen toieder einmal deutlich, dah der unleugbare Tiefstand der deutsche» OualitätSvroduktion und dcS deutschen Geschmackes uicht an den fachlichen Arbeitskrästen liegt, Vielmehr an den mangelhaft informierten und iustinklarmen. oben- drein mit falschem Seli.stbeivuhlfein geladenen Dirigenten(sonderlich dem Reisenden ini Zylinder!. Rock eins ist es. ivorüber nachzudenken dieser Wettbewerb an- regt: über daS Problem, wie wirkt die Organisation der Arbeit« nehmer auf da? Verlangen nach Oualttäisarbeit Auch hier hört man oft die lluteruebmer stöhnen, daß die Organisation die Menschen nivelliere und geradezu verleite, so wenig und so leicki- fertig wie möglich zu arbeiten. OaS Unlogische solcher»»tisozialen Behanvtung zu widerlegen ist oieser Wetibeiverb ein treffliches Mittel. Die L-gauisation der Kuustgewerbezeichncr ist e« gewesen, die ihre Mitglieder überhaupt einmal in die Lage brachte. zu zeigen, Iva« sie können. Die Or miiisation vctväbrle sich geradezu als ein Lehrmeister und Führer zur Oualitätsarbe». Man spürt ganz deutlich die psychologischen Kräfte, die den einzelnen antrieben, sich als einen wertvollen Beiland der Gruppe, die Gruppe selbst als tüchtig zu erweisen. Dies Ergebnis ist sehr willkon, mcn dem, der in der Orgauisation der Arbeitnehmer eine unentbehrliche Basis der Oualitätsarbeit sieht. Die einzelnen Arbeite» des näheren zu besprechen erübrigt sich. und dürfte auch nicht schicklich sein für eine», der daS Vergnügen hatte. daS Beste aussuchen zu Helsen. R. Er. Die hohe Schule der Rechtschreibung. Die merkwürdige Recht- slhreibeübung, die kürzlich in Breslau stattfand und die Unhaltbar- weiter Lügen g e st r a f t werden. Die Konservativen wollen ihren Standpunkt aber verbrämen und diese Art der Politik als eine Politik der soziale» Gerechtigkeit hinstellen. Während die großen Massen des Volkes in schwerem Ringen um die Existenz es nicht weiter bringen, als zu»otdürrtiger physischer Existenz, sammeln sich aus der andern Seite Vermögen in ganz ungeheuerlichem Maßstäbe an. I» den Jahren von 18gö bis 1310 ist die Zabl der Millionäre und Multimillionäre in Preußen von 5300 auf 9300 gestiegen. Angesichts dieses Prozesses haben die Parteien der Rechten den Mut. jedes energische Zugreifen des Reiches in die großen Kassen dieser Millionäre abzulehne» und immer wieder die Massen des Volkes mit neuen Lasten zu beladen. Solche Politik im Namen dc§ C h r i st e n t u m s und der sozialen Gerechtigkeit vor den Wählern zu verteidigen, ist eine Heuchelei, wie sie nicht schlimmer gedacht werden kann.(Lebhafte Zustimmung bei den So- zialdemokraten.) Wir verlangen, dah endlich zu der Eilisührung direkter Steuern für daS Reich übergegangen wird, und die Regierung wird nicht darum herum- kommen, deim diese Forderung kan» nicht verschwinden, bis sie er- füllt ist. An Stelle der drnckeiidstcii indirekten Steuern verlangen wir schon jetzt die Reichseinkommen- und Vermögenssteuer sowie die Reichscrbschaftssteuer. Es gibt ja noch einen Ausweg aus der Reichsfinanzkalamität, in der wir uns trotz der Finanzreform schon wieder befinden, dieser Ausweg lautet Sparsamkeit. Aber woran soll denn daS Reich spare»? Soll etwas dabei heraus- kommen, so doch nur an den Ausgaben für Rüstungszwecke. Daran aber wollen Sie nicht sparen, Sie wollen sparen an den Ausgaben für soziale Zwecke, und dabei versagt auf diesem Gebiet das Reich schon heute die not- ivendigsten Ausgaben. Es war kein Geld da, um den Empfang der Altersrenten vom 70. auf das 0ö. Jahr herabzusetzen, es war kein Geld da für eine ordent- l i ch e S ch iv a n g ejr'e n-, Wöchnerinnen- und Säug- lingsfür sorge. Und ebenso wenig für eine einigermaßen auskömmliche Witwen- und Waisenrente: es fehlte an Geld für eine Aufbesserung der Löhne der Staatsarbeiter und Unterbeamten, es fehlte an Geld, un, die Löhne der Soldaten aufzubessern. Graf Posadowsky nannte die HeereSauSgabe eine Ver- fichcruiigsausgabe für den Frieden und fügte hinzu, also mühten auch die, die am meisten zu versichern haben, die g r ö h t e n Prämien zahlen. Das heißt doch, die Lasten mühten ausgebracht werden, nichr nach Köpfen, sondern nach der Größe des Geld- beutclS. Wenn aber die Regierung die regelmäßigen direkten Steuern den Einzelstaaten überlassen will, so könnte sie jedes- mal bei einer neuen Heeres- und Marinevorlage die Kosten als eine Kontribution auf die großen Vermögen ausschreiben. Man kann ja statt des Wortes Kontribution einen schöneren Namen wählen, z.B. N a ti o n a l st e u e r.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Man kann verkünden, dah die reichen Leute das Recht haben, auf die Rathäuser zu gehen und dort auf dem Altar des Vaterlandes ihre Versichernngspräniie niederziilegeii. Sie mühten ja das Bedürfnis haben, ihren Patriotismus auf solche Weise zu betätigen. Heute tun sie es nur mit dem Munde. Wen» sie es mit ihrem Geldbeutel tun sollen, ziehen sie die Hand zurück, als wenn sie heißes Eisen anfasfen sollten.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Gegenwärtig sind neue Webrvorlagen mehr als je keine Friedeiisstärkung, sondern eine Gefährdung dcS Friedens. iSehr wahr I bei den Sozialdeniokraten.) Ist cS doch in England offen ausgesprochen worden: das VerhällniS zur englischen Flotte werden wir durch keine Flottenvorlage ändern können, und wenn man es hier als unser nationales Recht pro- klamiert hat, dah wir einzig und allein die Grenzen der Gröhe unserer Secriistung zu bestimmen hätten, so ist das der Sache nach einfach unwahr und unmöglich: kein Land bestimmt die Grenzen seiner Rüstungen, an, wenigsten seiner See rüstungen allein von sich aus. Der englische Marineminister hat vor Jahren schon erklärt: wir machen nicht hier unsere Flotten- vorlagen, sondern darüber beschließt der Reichstag in Berlin.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und ganz in demselben Sinne haifauch neuerdings Minister Churchill sich geäußert; was die Deutschen machen, ist natürlich ihre Sache, aber auf jeden keit der bestehenden Orthographie so schlagend dartut, wird jetzt veröffentlicht. Da es manchen Leser locken wird, seine Stich- und Hiebfcstigkeit nachzuprüfen, geben wir sie hier wieder. Sie lautete: „Aus dem Testamente einer Mutter. Liebe Kinderl Heute nacht nahm ich mir vor, Euch diesen Morgen einige Lehren fürs Leben des nähern niederzuschreiben. Leset sie oftmals durch, so werdet Ihr Euch bei Gelegenheit des Nähern entsinnen und danach handeln. Zwar kann ich Euch nur etwas weniges hinterlassen, aber Euch etwas Gediegenes lernen zu lassen, dazu habe ich mein Bestes, ja mein möglichstes getan. Ihr seid alle gut im Stande, so dah Ihr imstande seid, Euch redlich durchzuschlagen. Sollte jedoch einer von Euch je in N ö t e n sein, so ist es durchaus v o n n ö t e n, dah Ihr Euch gegenseitig helft. Seid stets willens, Euch untereinander zu Willen zu sein. Irrt einer von Euch, so sollen die übrigen ihn eines andern und zwar eines Besseren belehren. Achtet jeder- mann, Vornehme und Geringe, arm und reich. Seid keinem feind, denn jemandes Feind sein, bringt oft Unheil. Tut niemand ein Leid an, so wird man auch Euch nicht leicht etwas zuleide tun. Euer seliger Vater sagte oft zu seinen Schülern:„Tut nie Böses, so widerfährt euch nichts Böses." Macht Euch eine abrnhamsche Friedfertigkeit zu eigen, indem Ihr nach dem Abrahc. mschen Wort handelt:„Gehst du zur Rechten, so gehe ich zur Linke n." Wer von Euch der klügste sein will, der handle nach dem Sprichwort:„Der K l ü g st e gibt nach." Tut nie unrecht, seid Ihr aber im Rechte, so habt Ihr recht, ja das größte Recht, wenn Ihr Euer Recht sucht, und Ihr werdet alsdann im allgemeinen auch recht behalten. Laßt' nichts auher acht, ja außer aller Acht, wenn Ihr Freundschaft schlicht: wählt nicht den ersten besten als Freund und sorgt, dah Ihr unter Euern Mitarbeitern nie die Letzten seid. Wollt Ihr Wichtiges zuwege brin- gen. so inüszt Ihr ernstlich zu Werke gehen. Zieht nie eine ernste Sache ins Lächerliche, denn etwas Lächerlicheres gibt es nicht. Verachtet nie das Leichte, dann wird es Euch ein leichtes, das Schwierigste zu überwinden. Es ist aber das s ch w i e r i g st e, daß man sich selbst bezwingt. Seid Ihr in einer Angelegenheit im dunkeln, so übt Borsicht, denn im Dunkeln stößt man leicht an. Seid auch im Geringsten nicht im geringsten untreu. Zum letzten rate ich Euch f o l- g e n d e s: Befolgt das Vorstehende, so braucht Euch nicht angst zu sein, ohne A n g st könnt Ihr dann zu guter Letzt auf das best« standhalten, auf das Beste hoffen und dem Schicksal Trotz bieten." Die Geheimnisse der großen und kleinen Anfangsbuchstaben liegen in dieser Schwierigkeitenanhäufung versiegelt. Wer will, mag seinen Scharfsinn daran üben und die Gesetze daraus ab- leiten. Aber der Unfug unserer Orthographie bleibt auch dann ein Unfug, wenn einer ihn beherrschen lernt. Humor und Satire. Höfischkeit ist keine Zier. Wisse du den Drang zu bänd'gcn, ob er noch so stürmisch sei, Zur submissest eigenhändigen Hofgangbauchkriechrutscherei. Fall werden wir daraus die Konsequenzen zieh e n u n o iln serer Flotte das Doppelle von dem hinzufügen, was Deutschland seiner Flotte hinzufügt.(Hort! hört! bei den Sozialdemokraten.) Also Deutschland tanzt vor, d», anderen Länder tanzen nach, und so ändern sich die VerhältniSzahlen doch nicht. Nur die Lasten werden für alle Nationen ungeheuer ge- steigert. Deshalb meinen wir. wenn jetzt Verhandluitgen stattfinden zwischen deutschen und englischen Staatsmännern über die Frage der Ausräumung der weltpolitischen Jiitcressengegensätze zwiichen beiden Ländern, so sollte man doch mehr überlegen, ob man m dies« Verhandlungen hinein mit einer neuen Marinevorlage kommt._, Wir haben diese Mitteilung des Reichskanzlers begrüßt, und wir stellen uns hinter diese Aktion und unterstützen sie mit unserm ganzen Einfluß im Volke. Wir wollen mit dem Reiche- kanzler, daß all die Punkte, an denen deutsche und englische Jnler- essen sich berühren, durchgesprochen werden. mit der ehrlichen Absicht auf beiden Seiten, eine Verständigung zu finden als Grundlage für vertrauensvolle Beziehungen zwischen beiden Ländern.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auf diese Notwendigkeit haben wir längst hingewiesen und wir können auch auf diesem Gebiete mit Freuden konstatieren, daß selbst die Regierung genötigt ist, schließlich doch den Weg zu wanoeln, auf den die Sozialdemokratie verweist. Wir wollen, wie gesagt, daß diese Verhandlungen zu einem Resultat kommen, durchgeführt werden.(Zuruf.) Auf beiden Seiten, jawohl, wir setzen auch voraus, daß man in England diese ehrliche Absicht hegt, und unsere Parteifreunde in England werde» dafür sorgen, daß man ehr- lich dabei vorgeht. Es sind leider in dieser Debatte von verschiedenen Seiten im Gegensatz zu dieser Verständigungsaltion Aeußennigen gefallen, die neues Mißtrauen erregen werden und sollen. Auch Herr Paaschs meinte: nur recht mißtrauisch, und andere haben die gewiß wenig glückliche Aeußerung eines englischen Ministers von dem Luxus unserer Flotte— die aber so, wie sie gemeint war, ganz richtig war— ausgenutzt. Dem- gegenüber verweise ich auf die Aeußerung des englischen Premierministers A s q n i t h, die mit dem Märchen aufräumt, daS im Wahlkampf eine große Rolle gespielt bat, daß die Engländer im verflossenen Sommer oder Herbst beabsichtigt hätten, uns mit ihrer Flotte zu überfallen. Asquith erklärte am 11. Fe- bruar im englischen Parlament:„Wenn eine Atmosphäre des Miß- trauens geschaffen ist, dann nehmen Fiklionen erfahrungsgemäß den Platz von Tatsachen ein, undLegeuden, die sonst als unglaubhaft verworfen würden, werden von weiten Kreisen geglaubt. So wird uns z. B. erzählt, daß eS in Deutschland viele Leute gibt, die fest glauben, daß wir eininal oder einige Male im Sommer oder Herbst des letzten Jahres einen Angriff ans ihr Land in Er- wägung zogen und sogar vorbereiteten, und daß die Bewegungen unserer Flotte mit Rücksicht hierauf sorgfältig berechnet Ware». I ch schäme mich fast, einer so wilden und aus- schweifenden Einbildungskraft zu ividersprechen. Die ganze Erzählung ist eine reine Erfindung."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sir Edward G r e y bat sich dann in Manchester in einer Versammlung ganz ebenso geäußert, indem er sagte:„Nichts war in unseren Schiffsbeivegungen. nichts in dem, was England damals tat, was zu dem Glauben berechtigt hätte, daß cö daran gedacht hätte, den Frieden zu brechen." Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nach diesen kategorischen Erklärungen der maßgebenden englischen Staatsmänner sollte man erwarten, man würde nun endlich aufhören, mit diesem Märchen zu krebsen! Wie man aber bei unS gearbeitet hat. dafür will ich nur zum Beweise auf eine Aeußerung de« Hcrrii Erzberger in Mainz hinweisen. Er hat dort in einer Versammlung gesagt:„Im September standen wir dicht vor dein Kriege, und nur die weise Zurückhaltung der deutschen Regierung hat den Ausbruch des Weltbrandes verhindert. Die englische Flotte war mobil gemacht und s i e fuhr in die Nordsee hinaus, um mit der deutschen Flotte zusammenzustoßen. Daß es nicht dazukam, hat darin seine» Grund, daß die deutsche Flotte in der Ostsee weilte." (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.— Abg. Erzberger: Das ist alles wahr!) Herr Erzberger, wenn Sie das jetzt „Jeder soll erniedrigt werden, der sich selbst erniedrigt"— so lautet praktisch hier auf Erden jenes Bibel-Ouidproquo. Näherst du dich untertänig,— „Danke,„ein I" bemerkt der Fürst, und du schämst dich gar nicht wenig, weil du so behandelt wirst. Freude herrscht in König« Hallen, weil man die Noture schnitt; leider schmeckt man bei dem allen auch ein Tröpfchen Wermut mit. Denn der Note hielt sich— schade l— diesem Bettelgange fem, und man hätte i h n gerade abgewiesen doch so gern! Ja—: erhaben ist'S, als Kaiser Fortschrittsmärmer zu verschmähiy doch crhab'uer noch und weiser, kecnen Fcrschtcn auzusehn. _ Franz. Notizen. — Vorträge. Die Diskussion über den Vortrag von Gustav Landauer(Judentum und Sozialismus) findet Mittwoch, abends 9 Uhr, in den„Augnste-Viktoria-Sälen", Lutherstr. 31. statt. — Kunstkapitalismus. Eine wie fruchtbare Spekulation sich in alten Meistern(und in Kunstloerken überhaupt) treiben läßt beweist die Auktion der Weberschen Sammlung, die eben in Berlin vor einem Forum internationaler Händler Sammler und MusciimSdirektoreii stattfindet. Ein kleines Bild des friihitalieiiischen Meisters Andrea Manie gn a (Maria mit dem Kinde), das 1303 noch für 50 300 M verkauft wurde, erzielte jetzt 530 000 M. Inzwischen ist freilich das Bild für einen„echte» Maniegna" erklärt und zwar von—©cirii Bode. Der Klnisthandet und die Sammler haben natürlich a» dem Inhalt des BildcS und der herben Art seines Malers tv gut wie kein Interesse. Die Hauptsache ist. daß die Ware selten und teuer ist. Der Kunstluxns ist zugleich eine KapitalSanlaqe, bei der mau mit Spekulationsgewinn rechnet. — Der Streit um die Schiller-Stiftung. Der Verwaltimgsrat der Schiller-Stiftung lehnt das von einem unab- hängige» Komitee vorgeschlagene Schiedsgericht ab. Zur Nach- Prüfung der Vertvaltung und Aenderung der Satzungen erklärt er allein die Generalversammlung für zuständig und rät allen die Reformen für notwendig halten. Mitglieder der Zweigstiftungen zu werden und dann auf die Einberufuiiq einer Gencralversammluna hinzuwirken.— Etwas sehr bnreaukratisch I ...~®in kartographisches Museum ist in dein Univcrptatspalast der Stadt Genf organisiert worden. Es steht in seiner Art bisher einzig da. Ein Hmiptschatz des noch jungen Unternehmens ist die nmfangreiche. mehr als 7000 Dokiimenle umfassende Sammlung von Schriftstücken und Karten, die Elisöe R e c l» s zu» sommcnbrachte, als er a» feiner großen Universalgeographie ttoclj fngen, nachdem ich Ihnen die Aenxermigen der englischen Minister vorgelesen habe, sollten Sie sich doch in Zukunft lieber Schcrzbcrger nennen. lHeiterkci:.) Ätan stellt eS häufig so hin, alS ob eine Berständignng zlvischen England und Deutschland gar nicht möglich sei, als ob eS ein Welt- geschichtliches Verhängnis sei, daß Deutschland und England eines Tages in Krieg geraten müßten. Wie wenig das berechtigt ist, er- sieht man daraus, daß England eine solche' Verständigung, wie sie jetzt mit Deutschland geplant ist, schon mit Frankreich zustande gebracht hat. zu dem es seit Jahrhunderten in weit schärferem Gegensatz geftandeit hat. ja sogar niit Rußland, mit dem es an allen Enden der Welt Reibuiigsplinkte hat. Die Stimme für eine Verständigung zwischen Deutschland und England ist in den weitesten Kreisen beider Völker vorhanden. Auch die Handelskammern beider Länder haben sich einmütig für freund- schaftliche Beziehungen ausgesprochen, weil beide Länder gegenseitig die besten Kunden sind. Der Führer der Konservativen Bonar L a!v hat ebenfalls erklärt:„Ich kann mir kaum ein s ch r e ck l i ch e r e s Unglück denken, als einen Krieg zwischen uns und der großen deutschen Macht, ivie auch imnier der Ausgang wäre. Ich glaube nicht an die Unvermeidlichkeit eines solchen Krieges. Wenn es jemals zum Kriege kommen sollte, so Ivird er nicht das unvermeidliche Ergebnis natürlicher Gesetze seht, sondern wahrscheinlich das Ergebnis inenschlicher Torheit." (Sehr lichtig! bei den Sozialdeinokratcn.) Gewiß, und wir fügen noch hinzu, das Ergebnis der Bemühungen gewisser kleiner, aber finanziell mächtiger Kreise, die ans de in Kriege ein Geschäft machen(Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten), die auf den Krieg hinarbeiten, um zu ihren Millionen neue Millionen zu hänfen. Die eigentlichen Kriegshetzer sind die Herren Kanonen- und Panzerplatten- und Bkunitions- f a b r i k a n t e n, sie bezahlen eine Presse, Korrespondenzen, die sie innsonst an die Zeitungen verschicken mit der einzigen Absicht, um fortgesetzt zum Kriege zu schüren. Solche Geschäftspatrioten gibt es in allen Ländern, ihnen das Handwerk zu legen, läge im Interesse der großen Masse des Volkes. Auch jetzt ist diese Industrie und ihre Presse wieder am Werk, die Verständigungsaktion zu durch- kreuzen. lHvrt! hört! bei den Sozialdemokraten.) Hat doch erst kürzlich die„Po st" unsere Diplomaten ermahnt, etwa nicht den menschlichen Regungen des Kaisers sich zu überlassen, der ja eine Frenndschaft mit England wolle, sondern recht mißtrauisch zu sein. Um dieser Kriegshetze zu begegnen, sollte man die ganze Militär- und Marineindustrie in Rcichsrcgic übernehmen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Bei unserer Friedenspolitik haben wir 90 Proz. des deutschen Volkes nicht etwa nur ein Drittel hinter uns und ebenso steht es in England und Frankreich. Die Massen sind überall friedliebend, sie beziehen freilich auch keine Kr i e g s p e n si o n e n und keine Dividenden aus den Panzerplattenfabrikeii. DaS Leben ist schwer genug für die Massen, schon im Frieden; die brauchen keinen Krieg. Deshalb hat es uns besonders gewundert, daß der Herr Reichskanzler, der bei seinen Verhandlungen mir_ England_ die Millionen sozialdemokratischer Massen gewiß hinter sich hat, gemeint hat, im Somnier hätten wir der Volksstimmung nachgeben müssen und hätten von unserer grundsätzlichen Stellung gegen den Militarismus etwas aufgegeben. Ja, hat denn der Herr Reichskanzler keine Zeitungen gelesen? Hat er sich in Hohe»-Finow nur philo- sophi scheu Betrachtungen hingegeben, daß er nicht weiß, daß wir in Deutschland, Eiigland, Frankreich damals gerade gegen den Krieg protestiert haben?(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Kiderlcn-Waechler hielt eS für richtig, einmal mit dem alldeutschen Kalbe zu pflügen.(Heiterkeit) Es ist bezeichnend für sein staatsmännisches Gcscbick, dabei einen Mann hcranzuzichen. der eine Broschüre geschrieben hat. die, wenn auch»iir ein kleiner Bruchteil des Volkes hinter ihr stände, dn; Weltkrieg entfacht hätte. Bei diesem Manne verschrieb sich der Herr Staatssekretär etwas chauvinistische Stimmung. Und dann hat er es erlebt, was dem Zauberlehrling passierte, die Geister, die er rief, die wurde er nicht mehr los. Herr v. Kinderle n-Waechter hat uns neulich erzählt, dreimal fei der Herr Claß bei ihm gewesen, dies und jenes hätte er zu ihm gesagt und wir möchten doch so freundlich sein, ihm daS zu glanbcu. Wirklich waren wir geneigt, ihm das zu glauben, aber da kam der Vorstand des Alldeutschen Verbandes und erklärte 1. eS nicht wahr, daß die erste Unterredung kurz vor der Entsendung des Schiffes nach Agadir stallfand; 2. es ist nicht wahr, daß eine dritte Besprechung mit Herrn Claß überhaupt stattgeflinden hat.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten) und 3. eS sind die Angaben des Herrn v. Kiderlen über das, waS er gesagt hat, in wesenllichen Punkren nicht wahr.(Hört! hört I bei den Sozial- demokraten.) Wem sollen wir jetzt glauben? Wir müssen vorläufig unser Urteil zurückhalten.— Nu» wird uns vorgeworfen, wir seien a n t i n a t i o n a l, weil wir international sind. Nach Herrn v. Kidcrlen-Waeckitcr sind diese beiden Worte identisch. Aber wenn alle inlcrnalionalcn Gruppen antinational wären, dann gäbe es viele Antinationale. Den» gibt es nicht eine schwarze Jntcriiationalc? lWidcrspruch im Zentrum.) Gibt es nicht eine kapitalistische Gold- iiltcrilationalc?(Widerspruch bei der Reichspartei und den Naiionalliberaken.) Und ist nicht die inlernationalste von allen Internalen die königliche Jiitcriiatioiiale der Höfe, diese höfischen Herrschaften, die alle miteinander vcr- lvandt sind.(Widerspruch bei de» Konservativen.) Wir aber sind international im Interesse der eigen eir Nation. Wir sind international auf der Grundlage der Selbständigkeit jeder einzelnen Nation.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Also mit diesem Vorwurf bleiben Sie uns vom Leibe. Der frühere Neichstagspräsident Graf Schwerin- Läwitz hat es für taktvoll gehalten, uns ähnliche jämmerliche Vorwürfe auf dem Festmahl des Deutschen Landwirtschaftsrats zu machen. Die 110 Sozialdemokraten seien Gegner des Vaterlandes. Aber das Vaterland ist doch»nscr eigenes Volk und wir sind doch gciviß nicht Gegner von uns selber. (Heiterkeit und Sehr richtig! bei. den Sozialdemokraten.) Was sind das für erbärmliche AgitalionSmittel, mit denen dieser Grand- seigncur gegen uns kämpft, einer jener Herren, denen noch der Fürst Hohenlohe 1898 nach der Ziisammenkunst im Jagdschloß Lippspringe ins Stammbuch geschrieben hat:„Wenn ich unter diesen preußischen Exzellenzen sitze, so wird es mir recht klar, wie schwer e-Z ist, bei diesen Herren die Idee der R eichSei nheit d u r ch z n s e tz e>,. All diese Herren pfeifen auf daS Reich." Und bei Gelegenheit der Beratung über die Reform des prcußi- scheu LandtagswahlrechtS da haben wir dieselben Töne gehört. Da sagten die Herren von der Rechten, das bisherige preußische Wahl- recht muß b e st e K e n b l e i b c u. und weil» selbst das Reich darüber zugrunde geht. Durch das Festhalte» an veralteten Privi- legten treiben Sie(nach rechts) den Keil zwischen Nord und Süd immer tiefer. Aber es wird Ihnen nicht gelinge», dafür sorgen die Millionen Stimmen der Sozialdemokraten, die ein starker Hort für daS Wohl des Reiches sind. Sie sehen darin nur das rote Gespenst, eine rätselhafte Sphinx, die im Gegensatz zur alten Sphinx imiiier größer wird. Im Jahre 1007 ging ein Hoffimiigs- ransch durch das gegnerische Lager, da glaubte niaii iins nieder- gezwungen zu haben. Die Hälfte der Mandate hatte man uns ab- genommen, damit tröstete man sich und sah über unseren S t i m m e» z u w a ch s h i u w e g. Eine Reminiszenz ist a»S den Berhaiidlniigeii vor sims Jahren intcresiaiit. Fürst B ü l o w stand als Tiiiimphator iin Glänze seines Sieges da und rief aus: Bei der ii ä ch st e n Wahl werde er uns noch ganz anders ausspielen.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich antwortete ihm, er solle nur zusehen, ob er bei der nächsten Wahl n o ch d a s e i ii w e r d e. So ist eS ja auch gekommen. Und nach den, Fürsten Viilow kam der Generalissimus des Reichs- berbaildes Herr v. L i e b e r t, der seine schöne Rede eines sieg- reichen Feldherrn mit den Worten schloß:„Der 25. Januar und der 6. Februar waren nicht nur riu Bolksgcricht, sondern ein Gottesgericht. Da Hub die Wage des Weltgerichts zum dritten Male der Herr des Lichts und ivnrf den Drachen voni güldenen Stuhl mir Donnerkrachen hinab zuni Pfuhl. Ter Drache ist die Sozialdemokratie, jetzt ist sie nur zur Hälfte besiegt, aber in fünf Jahren wird der Ritter Georg, das deutsche Volk, sich noch einmal regen und Ihnen den Rest geben. Schon heute rufe ich Ihnen für 1912 ein Vas victis!(Wehe den Besiegten!> zu und dazu wird der Reicksverbaud beitragen." Nun, der Lieichsverbaud hat sich ja auch die größte Mühe gegeben, uns niederzuringen. Aber nicht bloß die Wähler der Sozialdemo- kratie sind heute doch schon über die Kampfesweise des Reichs- Verbandes hinaus. Diese ordinäre Manier läuft nicht lange, die überlebt sich schnell, daran hat der Ritter Georg vor füilf Jahren nicht gedacht. Noch andere haben Ratschläge gegeben, wie man der Sozial- demokratie den GaranS m'acheit� kömile. Herr Gröber hat vor- geschlagen, vor allen Dingen mit der Volksbildung Einhalt zu tun, die Halbbildung— man weiß ja, was die Herren darunter der- stehen— sei das geftihrliäistc. Mögliclist tv e n i g Bildung, Schillreaktion, das sind Ihre Wünsche. Natürlich, je dünimer das Voll bleibt, umso bessere Geschäfte machen Sie. Aber Sie könneil die Volksbildung doch nicht aufhalten. Weiter meinte Herr Gröber, die R e l i g i o n sei da? belle Boll- iverk gegen die Sozialdemokratie. Meinen Sie etwa die Religion, Ivie sie im Wahlkumpf zu politischen Zwecken mißbraucht wurde? Fahren Sie nur so fort, davon werden nicht wir den Schaden haben, sondern die Religion. Kommen Sie uns aber mit wirklicher Religion und praktischem Christentum, so treiben wir das viel energischer als Sie.(Leb- Haftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dann kam Graf Posadowsky und sagte, nicht mit Solinger Klingen, sondern mit soloni scher Weisheit muß man der Sozialdemokratie beikonimen. Das ist ja ein ganz nettes Wort. Etwas lieberes als Kampf mit geistigen Waffe» können wir uns gar nicht wünschen. Aber die Waffen, die Posa- dowsky ini Wahlkampfe führte, waren nicht besonders sein geschliffen. In einer Versammlung führte er nach einem steno- graphischen Bericht ans: Das Erfurter Programm verlangt, daß das gesamte Privateigentum in das Eigentum des Zukuuftsstaates übergehe, selb st das klein st e Häuschen wird Staats- e i g e n t n in. Ich will ihm nachher eilt Erfurter Programm aus- häudigeii?(Heiterkeil.) Von Eigentum an Produktions- Mitteln ist dort die Rede. Das ist doch nicht das gesamte Privateigentum. Und auch nicht von allen Produktionsmitteln wird da gesprochen, sondern von den kapitalistischen. Nur wenn man daS nicht liest und nicht versteht, kommt man zu dem geistvollen Schluß: wir wollten dem armen Mann auch das k l e i n st e Häuschen wegnehmen, dem Bauer die letzte Kuh, den» Schreiner seinen Hobel, dem Zimmermann die Axt und dem Schreiber die Feder. So sieht die Aufllännig des Grafen Posadowsky aus. Alle ZilkiiiiftsstaatSarbeiter, so führte er weiter aus, sollten in gleicher Weise bezahlt werden. Die Leuchte der Wissenschaft und der Kaualarbeiter erhalte» den gleichen Lohn. DaS V e r« mögen aller muß gleich sein. DaS kann nur durch die ictilimniste Schreckensherrschaft verwirklicht werden. Der Bericht ver- zeichnet hier stürmische Heiterkeit; vermutlich haben die Leute über den Grafen Posadowsky gelacht, nicht aber über die Sozialdemokratie. In geistvoller Weise sagt er: Vielleicht muß der Landarbeiter an» Morgen bei dem Präsidenten des ZllknnftsstaateS in Berlin anfragen, ob er an dem Tag pflügen oder dreschen soll. Ich hätte es nicht für möglich gehalic», daß Graf Posadowsky, der unter den Staats- selretären keine üble Figur spielte, sich aus Grund solcher ober- flächlicher Orientierung mit der sozialistischen Theorie besaßt. Be- vor er seine Wähler über die Sozialdemokratie weiter auiklärt, soll er s i ch z u n ä ch st selber aufklären.(Lebhaftes Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Er schien mir nicht übel Lust zu haben eine Znkiinftsstaatsdebatte heraufzubeschwören. 1893 hat man sich hier sechs Tage lang über den Zukunflsstaat gestritten, und ivir haben die Verhandlungen im Stenogramm, und zwar in Rede und Gegenrede als A g i t a t i o n S b r o s ch ü r e in Hmiderttauseiideii von Exemplaren ins Volk geworfen, um es über unseril Zukuiiflsstaat auf« zuklären. Wir stellen m,S für eine solche Debatte lvicder zur Ver- fügimg, und wenn Posadowsky als erster in die Arena springt, so empfehle ich ihm zur Juformatioir ein Büchlein eines Partei- genossen, nicht eines Revisionisten— man hat ja den Versuch ge- niacht, Revisioilisteii und Radikale gegeueiiiaiidcr zu hetzen, damit wir uns in die Haare geraten. DaS ist vergeblich, wir sprechen hier als Vertreter der Sozialdemokrat i e.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich empfehle ihn» also ein Büchlein von Kautsky:„Soziale Revolution� II. Teil. Am Tage nach der Revolution". Das interessiert ihn ja besonders. Da mag er sich informieren, loie Kautsky über die vcr- ichiedenen Arten des Eigentums und über die verschiedenen Lohn- forinen spricht. Dam» wird er unS niit so hlihnrbiichcnc» Vcrsimpelungcn der sozialistischen Theorie verschonen. In den Zukuiiststaatsdebatteii hat B e b e l ausgesprochen, daß wir uns nicht Dogmen geben könnten, sondern daß wir eine Partei der Wissenschaft find, nicht eine Sekte mit Dogmen unveränderlicher Art. Jederzeit, wenn Wissenschaft, Er- fahrung, Vernunft uns zeigen, daß diese oder jene Auffassung irrig ist, sind wir bereit, sie zu revidieren. Bebel hat auch in seinem Buch über die Frau eine Tefiuilion des Sozialismus gegeben, die wir alle untcrsctireiben: Die mit klarem Bewußtsein und voller Erkenntnis auf alle Gebiete mensch- licher Tätigkeit angewandte Wissenschaft, das i st der Sozialismus.(Lebhafte Zustimmmig bei den Sozialdemokraten.) Eine dritte Art unserer Belämpfmig hat Graf W c st a r p empfohlen. DaS sind die Mittel, wie sie sich in einem Polizei- Hirn malen, die Mittel der Gewalt und des Niederschlagen?. Sie wollen den sozialdemokratischeir TerroriSinuS beseitigen. Wenn diese Herren das Wort„Terrorisnins" in den Mund nehmen, wundere ick mich immer über ihren Mut, da doch ihr ganzes System ans dem Terrorismns beruht. Rücksichtslos greifen sie alle Gcsckäftslcntc. alle Arbeiter an(Zuruf bei de» Sozialdcmo- kraten: lind die Beamten), die nickt nach ihrem Willen wählen. Warum halten Sie denn bei der ü f f e n t li ch e u Stimm- abgäbe bei den Wahlen zum preußischen Abgcordncteuhause fest, wenn nicht, lim Terrorismns ausüben zu können. Bei jedem Studium der Akten der Wahlproteste kamt man Ihren T e r r o r i s m u s mit Händen greifen. Seien Sie imr ruhig vom TerroriSinnS, Ste haben nickt das Reckt, Ihre Gegner terroristischer Mittel zu beschuldigen.(Lebbafte Zustimmung links.) Aber sckon einnial wollte jemand die Sozialdemokratie mit Gewalt unterdrücken, ein Stärkerer als Graf Westarp, Fürst Bismarck. Er veriuchte c?, die Sozialdemokratie mit Ausnahmegesetzen, mit Polizei und Staatsanwalt niederzuschlagen. Als aber 1890 das AnSnahincgesctz aufgehoben wurde, waren wir die st ä r k st e Partei geworden. Bismarck scheiterte an diesem Versuck, als die Sozialdemokratie noch eine Sekte war. Und jetzt, ivS wir eine Wählerschaft von Millionen haben, kommt Graf West a rp und stellt sich hier als starker Mann vor. Er meinte, Verstand war immer nur bei Wenigen, und war so bescheiden, sich von den Wenigen nicht auSziuiehmen. Da handelt eS sich doch um den Verstand, gegen den Götter selbst vergebens kämpfen. Das Hauptargument, mit.dem man die Regierung und die Krone gegen uns stark zu machen sucht, ist die wachsende Revolution» die ihre Maffen schon aus der Straße einexerziert. Dieser Gedanke ging ja gestern auch durch die Rede des Herrn v. Putli'tz. Das ist nicht Zufall, sondern das ist Ihre Taktik. Ich habe hier Einblick in ein Protokoll einer vertraulicken Besprechung einer konservativen Vereinig uirg, einer Delegierienversammlung der schlesische» konservativen Vereine. Am 26. Februar schütteten die Herren sich ihr Herz aus. Da sagte Herr v. Heydebrand, es steigt die Frage auf. ob die kon- servative Partei in den letzten Jahren richtig geführt worden s-i, und er antwortet daraus mit einem„Ja", die Führung und die Partei sei fester gelvorden. Man könne jetzt Vertrauen zu den Leuten haben, die hinter uns stehen und zu denen, die im Vordergrunde stehen. Irgendeine positive Arbeit, fährt er fort, ist ja im Reichstage ohne die konservative Partei nickt möglich. (Heiterkeit links.) Natürlich, die Verfassung von Elsaß-Lothringrn und auch die Caprivischen Handelsverträge waren ohne die Konservativen nicht möglich. Doch das nur nebenbei. Herr v. Heydebrand fährt fort:.Wo aber wird und muß das enden. Es ist nur noch eine Stufe bis zur Revolution. (Huhu! bei den Sozialdemokraten.) Wir stehen ähnlich da, wie Vor 1789 Frankreich.(Erneutes Huhu! bei den Sozialdeinokrateu) In dieser Situation kann man die Hoffnung nicht aufgeben, daß die Regierung trotz ihrer jetzigen heiteren Sorglosigkeit sich doch noch dacailf besinnen könnte, daß die letzten Grundlagen unserer staatsbürgerlichen Existenz in Frage gestellt find. Sollte die Regierung nicht aufwachen, so wird die Sozialdemokratie sie schon aufwecken. Wenn die friedliche harmlose Stimmung, die während der Wahlen zur Schau getragen wurde, vorüber ist, wird die Masse schon einen ganz änderen Ton verlangen. Dann wird den Hörigen der Revolutionäre Angst werden und mancken anderen, die, jetzt noch untätig sein wollen. Dann wird unsere Stunde da sein. Man weiß, daß man auf uns rechnen kann."(Hört I hörU links.) Und später heißt es dann noch:„Aus diesen Tag wird die konservative Partei stolz sein." DaS ist es, was Sie wünschen und was Sie in Ihren engsten Kreisen oft aussprechen. Sie wollen rS zu blutiger, gewaltsamer Revolution treiben. Deshalb das Klagelied des Herrn v. P u t l i tz. daß man die Sozialdemokratie nicht harmlos auffassen sollte. Daß eS dahin nicht kommt, darauf können Sie sich verlassen. DaS könnte Ihnen passen. Ivenn wir die Arbeiter Ihnen zu Gefallen vor die Klein- k a l i b r i g e n führen. Nein, wir haben unsere Methode und unsere Taktik oft genug von dieser Stelle aus klargelegt. Ich will noöh einmal vortragen, was Bebel darüber schon am 31. März 1881 sagte: ..Wir haben stets erklärt, wir wollen den Weg der sogenannten Reform. Wir wollen den Versuch machen, auf dem Wege der Gesetz- gebung und der organischen EntWickelung allmählich unsere Ziele zu erreichen, und Sie können nicht bestreiten, daß wir im Laufe der Jahre eine ganze Anzahl von Anträgen eingebracht haben. die alle darauf hinziele», die Lösung wichtiger sozialer Fragen auf iriedlichem Wege zu versuchen." Und wenn Ihnen diese Erklärung zu alt ist, so will ich Ihnen eine vom Januar 1906 aus dem „Vorwärts" vorlesen:„Es gibt nur ein Mittel für den Klasseiiftaat, dem plötzlichen Zusammenbruch vorzubeugen: die ver- nünftige, weitsichtige Politik der Konzessionen, die Erfüllung der dringenden Forderungen des Proletariats. Man braucht nur die Arbeiterklasse, die Mehrheit des Volles, auf sozialem Gebiete zu gleichberechtigten Vollbürgern zu machen, um dein ■riedliche» kulturellen Fortschritt der Nation freie Bahn zu schaffen". Wenn eS anders geht, tragen die Verantwortung nicht wir, sondern Ihr Unverstand und Ihre Herrschsucht. Auch der K e i ch S k a» z l e r scheint sich ja in solchen Gedanken- gängen zu bewegen. Wir haben es da mit unheilbarer Einfichts- losigkeit zutun. Doch gehe ich daraus nicht ei», sondern nur auf seinen Samnrelritf. Seid einig, einig, einig! ertönt sein A n g st r u f oder wie der„Lolal-Anzeiger" sagt, der Sammelruf des einsichtigen und weitsichtigen Führers(Große Heiterkeit links), des Führers, der alles versteht, nur nicht seine eigene Zeit. Mit wie beweglichen Warten rief er dem Abg. P a a s ch e zu:„Her- maiin, kehre zurück, eS ist Dir alles vergeben."_(Schallende Heiterkeit.) Das war ein ebenso rührendes wie komisches Bild. Er sollte sich dock einmal fragen, warum denn die liberalen Parteien ans seinen Sammelrnf nickt anbeißen. Wie die Dinge liegen, können sie diesem Loblied nicht Folge leisten, wenn sie nicht ihre eigene Existenz als Partei aufs Spiel setzen wollten. Die Regierung verfolgt eine Wirtschaftspolitik, die eine Bertcucrungspolitik ist(Lebhaftes Sehr richtig! links), die nur wenige bereichert, aber die breiten Massen bis tief in den Mittelstand schwer bedrückt und belastet, die den Gegensatz zwischen Stadt und Land tief und tiefer aufreißt, ebenso den Gegensatz zwischen groß und klein, eine Politik, die den Mittelstand zur Verzweiflung treibt.(Leb- hafte Zustimmung links.) Graf Westarp will den Mittelstand retten. Wenn Sie eine Ahnung hätten, wie viele von den kleinen Handwerksmeistern und Bauern schon in unseren Reihen mar- schieren, gingen Ihnen die Augen über. Ihre Wirtschafts. und Steuerpolitik ist das Gegenteil der Mittelstands- Politik. Sie belastet den kleinen Geschäftsmann, dem sie alles verteuert und dessen Kundschaft sie schwächt. Der Mittelstand weiß ganz genau, daß diese Politik gegen ihn gerichtet ist. Und da wollen Sic uns als den Feind des Mittelstandes hinstellen, ir. wie ein brüllender Löwe umgeht, um irgendwo einen kleinen Hand- werker zu verschlingen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb können die Liberalen nur um den Preis ihrer eigenen Existenz Ihrem Sammelruf folgen; denn in den 3Vi Millionen liberaler Wähler stecken eine große Menge kleiner Leute.(Lebhafte Zustimmung links.) Die liberalen Parteien sind im Interesse ihrer Wähler genötigt, den Ausbau der Reichs» Verfassung zu fordern. Die Verantwortlichkeit der Mini st er, das parlamentarische Regiment usw. sind alte liberale Fordeningeii. Die Massen der liberalen Wähler können sich nicht zufrieden geken mit der Fortdauer der Privilegienwirtschaft, die in Preußen und im Deutschen Reich geführt worden ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie haben das größte Interesse daran, endlich einmal Gleichberechtizung, den Zutritt zu den leitenden Stellen in der Verwaltung und Diplomatie und bei den Wahlen in Preußen zu erhalten,(«ehr wahr! links.) DaS wäre also die Voraus- setzung zur Sammlung. Was aber antwortet der Reicks- kanzler auf die Anträge der Liberalen? Verfassungsrcform— Nein! Wahlrcform— Nein! Keine Einschränkung der Rechte der Krone, das heißt keine Einschränkung der feudalen Bureaukratic. keine Eingriffe in die Grundlagen der Verfassung, das heißt, es bleibt beim Junkerrcgiment. Das ist seine Antwort und das nennt er dann die Politik der mittleren Linie.(Heiterkeit links.) Man greift sich an die Stirn, wie es in dem Kops dieses Staatsmannes aussieht, hoffnungslos, kann man sagen, weicht der Mensch der Götter st ärke.(Heiterkeit.) Das ist wirklich der Gipfel der Berstänbnislosigkcit, das ist die Politik der mittleren Linie, auf der Herr von Heydebrand marschiert.(Sehr wahr I und Heiterkeit links.) Da war denn doch der Vorgänger des Herrn v. Bethmann ein anderer Kerl, er hatte denn doch die Dinge etwas tiefer durchschaut. Als er das Experiment der Paarung vom Kaninchen und Karpfen machte, da wußte er, daß er die Liberalen nur dafür geivinncn könnte, wenn er Ihnen Konzessionen machte. Weit- her waren sie ja nicht. Herr v. Pahcr, der damals bei ihm war, sagte: Na ja, das sind' V o r g e r i ch t e, aber wo bleibt daS Fleisch?(Heiterkeit.) Die Abschwächung des Majestätsbescidi- gungSparagraphen, das Vereinsrecht lvar ja etwas, Ker die Haupte fache war das Versprechen der Reform des preuhi- s ch e n Landtags Wahlrechts und ihre Erwähnung in der Tchronrcdc. Tas war das große Lockmittel, mit dem er diese Kom- binationen zustande brachte. Aber als er ernst damit machte, da war es auch mit der glücklichen Ehe vorbei. Nicht an der Erb- schastssteuer allein, sondern in erster Linie an diesem Versprechen der Thronrede auf Acnderung des Wahlrechts ist B ü l o w gefallen. Da hatte er die Konservativen an ihrem Heiligsten gefaßt. Herr v. B e t h m a n n, der wieder sammeln will, versucht gar nicht erst, Versprechen überhaupt zu geben, denn er steht ja offen- bar nur noch auf seinem Platz, weil er sich gebunden hat, das Ver- sprechen in die Versenkung verschwinden zu lasten; er weiß ganz genau, in dem Moment, wo er sich erkühnte, dies Versprechen her- vorzuholen, wäre die Freundschaft mit der Rechten, die sowieso schon sehr klapprig ist, ganz zu Ende. Wenn er die Sammlung aber wirklich ctjist betreiben wollte, so müßte er schon den Spuren Bülows folgen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Die schrecken ihn!> Darum i st eben die Sammlung un- möglich. Und wenn die Liberalen sich trotzdem nnt der Rechten sammeln, dann würden wir Sozialdemokraten all die l i b e- ralcn Wähler sammeln, die sich dann nach links revidieren. lSchr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler hat es dann für pastend gefunden, Angriffe zu richten gegen die Person des von. unserer Partei ge- stellten c r st c n Vizepräsidenten. Er hat auf eine Aeuße- rung Scheidemanns gegen das Hohcnzollcrnhaus Bezug gc- nommcn, die man ausgegraben hat. Aber er hätte dann doch zum mindesten die Pflicht gehabt, auch daran zu erinnern, daß die harten Aeußcrungen eigentlich auf Gegenseitigkeit beruhen, und daß von der anderen Seite Acußerungcn gefallen sind, so scharf, so hart, daß ihnen gegenüber diese Worte Scheidemanns sich doch noch schwach ausnehmen. Und viel schlimmer als diese Aeuße- rung Scheidemanns ist die Hetze der konservativen Preste gegen Bülow und gegen den König von Preußen gewesen, die daraus hin- wirkte, daß das Versprechen der Thronrede nicht gehalten, also ein Wortbruch begangen wurde.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und Herrn Mumm, der sich auch über die Aeußerung Scheidemanns entrüstete, erinnere ich an den Schciterhaufenbrief des ihm ja recht nahestehenden verstorbenen Abg. S t ö ck e r. Dann hat der Reichskanzler auch darin eingegriffen, daß dem Präsidenten und dem zweiten Vizepräsidenten die nachgesuchte Audienz verweigert worden ist. Ich hoffe, die Herren werden sich darüber trösten. Als es zuerst hieß, es sei ein persönlicher Akt des Llaisers, dachte ich an das Wort Bülows, der Kaiser sei nicht so kleinlich.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Verweige- rung der Audienz soll ja nun offenbar eine Pression sein, die man auf den Reichstag ausübt. Ich frage, entspricht es der Un- abhängigkcit des Reichstags als einer souveränen Körperschaft, daß er derartigen Pressionsvcrsuchen nachgibt?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) An der republikanischen Gesinnung der Sozialdemokratie soll ihre Zulassung zur Mitarbeit scheitern. Nun bei der elsaß- lothringischen Verfassungsreform hat.man danach nicht gefragt, und auch nicht, als es galt, die vom Kaiser als rettende Tat bezeichneten Caprivischen Handelsver- träge zustande zu bringen; da war unsere Mitarbeit will- kommen. Tas theoretische Bekenntnis zur Republik haben schon ganz andere Leute abgegeben, selbst Bismarck. (Lachen rechts.) Tann haben Sie eben seine„Gedanken und Er- innerungcn" nicht gelesen. Da heißt es auf der ersten Seite:„Als normales Produkt unseres staatlichen Unterrichts verließ ich Ostern 1832 die Schule als P a n t h e i st, und wenn nicht als Re- publikaner, doch mit der Ueberzeugung, daß die Republik die vernünftigste Staatssorm sei."(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Und Johannes Miguel hat ja sogar den T Y r a n n e n- mord propagiert und starb doch als preußischer Staats- minister. Also so�ganz unerhört sind solche Anschauungen nicht. All das, was Sic gegen uns vorbringen, ist ja auch gar nicht der Grund Ihrer Schmerzen. Der wahre Grund ist, daß unser Einfluß in der Sozialpolitik von denen Opfer heischt, die opfern können, die aber nicht an ihren Geldbeutel herankommen lassen wollen. Die Ratschläge, die Sie geben, laufen darauf hinaus, die Monarchie in Deutschland zu einer Minder- hcits Monarchie zu machen. Wenn aber eine Staatsform in Zukunft immer weniger möglich wird, so sind es Minderheits- nionarchien oder auch Minderheitsrepubliken. Die Konsequenz der allgemeinen Schulbildung, der allgemeinen Wehrpflicht führt mit eherner Nottorndigkeit dazu, daßderWille der Masse des Volkes höchstes Gesetz wird. In diesen Tagen erst ist ein« Minderheitsmonarchie zusammengebrochen, die Tausende von Jahren bestanden hat, in China. Und warum? Weil sie nicht verstanden hat, sich den Notwendigkeiten der Zeit an- zu passen.(Sehr gut! links.) Die preußischen Mandschus suchen ebenso die Monarchen allein als Instrument ihres Willens zu benutzen. Sic sollten daran denken, daß die Revolution in China nur durch die chinesischen Junker zustande gekommen ist(Lachen rechts), die durchaus an dem Ucberlcbten festhalten wollten. 19(17 hieß es, der Wahlausfall sei ein Gottesgericht. Dann ist doch aber wohl der jetzige Wahlausfall eben so ein Gottesgericht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Da sollten Sie mal nachdenken, ob Sie nicht daran schuld sind, daß er jetzt gegen Sie ge st an den ist. Das Wort vox populi, vox dei(Volkes Stimme ist Gottes Stimme) sollten Sie doch auch gelten lassen, wenn es Ihnen unbequem ist. Sehr dankenswerter Weise veröffentlicht heute die„Vossische Zeitung" die Ratschläge, die Stein und Hardenberg 1897 dem König von Preußen gaben in einer Denkschrift, worin von den Grundsätzen der französischen Revolution gehandelt wurde. Da heißt es, es sei ein Wahn, daß man der Revolution am sicher st en durch Festhalten am Alten begegne.... Tie Gewalt dieser Grundsätze ist so groß, daß der Staat, der sie nicht annimmt, entweder seinem Untergang oder der erzwungenen Annahme entgegengeht.... Man schrecke ja nicht zurück vor dem, lvas als Hauptgrundsatz ge- fordert wird: M ö g l i ch st e Freiheit und Gleichheit. Graf Schwcrin-Löwitz hat neulich gefragt: Wo ist der Geist von 1997? Ich stelle die Gegenfrage: Wo sind die Staats- m ä nn er, die heute dem König solche Ratschläge geben?(Sehr richtig!) Ein einsichtiger Staatsmann muß sich sagen, daß eine Versöhnung mit der Monarchie heule nur dann denkbar wäre, Ivenn man dem Volke in Reich, Land und Gemeinde eine moderne demokratische Verfassung gibt, so daß alle Staatsbürger sich als gleichberechtigt fühlen. Als in England vor ein paar Jahren sich die Gegensätze zuspitzten, da hat siel, der Monarch nicht auf die Seite der Lords gestellt, sondern auf die Seite der Mehrheit des Volkes. Diesen Rat sollten unsere Minister auch unserem Monarchen geben. (Sehr gut! linfs.) Hinter den Anträgen auf Ausbau der Ver- fassung steht die große Mehrheit dieses Hauses und die über- wältigendc Mehrheit der Wählerschaft. Die ab- lehnende Haltung des Kanzlers bedeutet daher die Kriegs- erklär ung an den Willen des Volkes.(Sehr gut! links.) Wir sind bereit zur positiven Mitarbeit, aber die Haltung des Herrn von Belhmann bedeutet die absolute Nega- tionspolitik, die reine Verneinung. Wenn die Abgeordneten, die auf dem Boden dieser Anträge stehen, geschlossen zusammenhalten, dann werden sie auch imstande sein, die Forderungen durch- zusetzen, und die Wählerschaft erwartet dies von ihnen. Gc- lingt es trotz des geschlossenen Zusammengehens nicht, den Wider- stand der Regierung zu überwinden, dann haben wir ein gutes Gewissen, dann wird es Neuwahlen geben und ein neues Volksgcricht. Versagt der Liberalismus aber diesmal, dann kann er sich als Liberalismus begraben lassen, dann wird die Sozialdemokratie um so schneller wachsen, bis sie allein stark genug ist, dem Willen des Volkes in diesen Fragen Geltung zu verschaffen. Natürlich ist hiermit die soziale Frage nicht gelöst, aber es ist die Voraussetzung gegeben für eine friedliche Weiter- und Umgestaltung der ökonomischen Verhältnisse. Die Sozialdemokratie ist der Ausdruck der aus der Tiefe der Gesellschaft auf- wärts strebenden Kräfte. Die Millionen, die heute unten bei schwerer, erschöpfender Arb.it um ihre Existenz kämpfen, die so gut wie ausgeschlossen sind von all den höheren Kulturgütern, mit denen Wissenschaft und Kunst das Leben des Menschen ver- schönen können, die Millionen, die bedrückt und bevormundet sind, die sich überall als Bürger zweiter Klasse behandeln lassen müssen, diese Millionen wollen aufsteigen zu einer menschenwürdigen Existenz. Beseitigung des Zwanges zur Massen- armut, Entfaltung aller Kräfte und aller Glücksmöglichkciten, das ist das große Ideal, das große Entwickelungsziel, dem die Sozial- demokratie lebt. Darum ist sie unüberwindlich, und mit ihren verrosteten und vermoderten Waffen wird die Regierung die Sozialdemokratie an der Er- füllung dieser welthistorischen Mission nicht z u hindern i m st a n d e sein.(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Schiffer(natl.): Ich habe niich lediglich zum Worte gemeldet, um das verlangte Zeugnis abzulegen über die Vor- gänge vor der Präsidentenwahl. Ich kann nur die Darstellung meines Freundes Paasche als zutreffend bestätigen. Herr Bebel mutz sich geirrt haben.(Hört, hört! rechts.) Seine Dar- stcllung, soweit sie reicht, mag zutreffend sein; sie reicht aber nicht bis zu dem Moment, auf den es hier ankommt, nämlich bis zu den Erklärungen, die bei der letzten Besprechung mit dem Zentrum, der Freisinnigen Volkspartci und uns von ihm abgegeben worden sind. Die Aeußcrungen des Herrn Bebel bei dieser Besprechung konnten nicht anders aufgefaßt werden als dahin, daß der sozial- demokratische Vizepräsident im Falle der Behinderung des ersten Präsidenten bereit sein werde, den Besuch bei Hofe zu machen und das Kaiserhoch auszubringen.(Hört, hört! rechts.) Herr Bebel mag die anderen Teilnehmer bei der Besprechung fragen, er wird die Antwort bekommen, daß sie genau denselben Eindruck gehabt haben. Außerdem habe ich damals noch ausdrücklich zum Schluß festgestellt, daß diese Aeußerung gefallen ist.(Abg. Bebel: Das ist nicht wahr!) Das habe ich ge- tan, ohne irgcndwelehen Widerspruch zu finden. Wenn Herr Bebel sich daran nicht erinnert, so wird er sich vielleicht an eine scherz- hafte Bemerkung erinnern, die er selbst gemacht hat, indem er sagte, er könne allerdings nicht hafur garantieren, daß an dem entscheidenden Tage der sozialdemokratische Vizepräsident wegen einer Darmverschlingung(große Heiterkeit) die Leitung nicht über- nehmen könne. Herr Bebel muß das also vergessen und sich geirrt haben. Im übrigen muß ich ja jetzt annehmen, daß diese Er- klärung dem Willen seiner Partei nicht entspricht. Das halte ich für eine sehr erfreuliche Klärung, von der ich annehme, daß sie geeignet ist, unsere politischen Entschließungen für die Zukunft außerordentlich zu erleichtern.(Lebhaftes Hört, hört! rechts.) Abg. Bebel(Soz.): Ucber die Erklärung des Herrn Schiffer bin ich einfach starr.(Bewegung und Zurufe: und Gröber?) An der ganzen Darstellung ist fast kein wahres Wort.(Stürmische Heiter- keit. Große Bewegung. Rufe: Na, na!) Der Abg. Schiffer ist erst am zweiten Tag abends zu den Verhandlungen gekommen, und in dem Augenblick, wo er erschien, verschwand der Abg. Bas s ermann.(Hört, hört! und Heiterkeit rechts und im Zentrum.) Die Verhandlungen mit den Herren Bassermann, I u n ck und, wie ich glaube, Prinz Schönaich-Carolath fanden am 7. Februar statt und seitens der nationalliberalcn Herren wurden wir gefragt, ob wir die staatsrechtlichen Vcrpflieh- tungen für den von uns beanspruchten ersten Vizepräsidenten über- nehmen. Wir erklärten: Selbstverständlich; worauf die Herren meinten, mehr zu fordern hätten sie keinen Anlaß.(Hört, hört! rechts.) Damit war für uns die ganze Frage der Hofgängerei entschieden. Auch die Herren der Freisinnigen Volkspartci, die ebenfalls zugegen tvaren, haben dieser Erklärung zugestimmt. (Hört, hört! rechts.) In den dann folgenden Verhandlungen mit dem Freihcrrn v. H e r t l i n g erklärte dieser, seine persönliche Ansicht sei, von der Stellung des Präsidiums A b st a n d zu nehmen, über die Stellung der Fraktion könne er ein Urteil nicht abgeben; ihm sei es wesentlich, daß derjenige, der auf eine Präsidcntenstelle Anspruch mache, auch die höfischen Verpflichtungen übernehme; einen nationalliberalen Präsidenten würden sie unter keinen Umständen wählen. Auf seine ausdrückliche Frage, wie wir uns zum Kaiserhoch verhalten werden, erwiderten wir: es würde in dieser Beziehung eine Acndcrung unserer Haltung nicht eintreten. Das erklärte ich Herrn v. Hcrtlina am Vormittag des Tages, an dessen Abend die Besprechung mit Herrn Abg. Schiffer war. Danach bin ich zu den nationalliberalcn und freisinnigen Herren hinge- gangen und habe ihnen diese Unterhaltung Wort für Wort erzählt, auch daß wi: weitergehende Ansprüche ablehnen. Und das soll ich am gleichen Abend feierlichst widerrufen haben! Kein wahres Wort a» der Sache!(Lachen rechts.) In einer Bc- svrcchuna an jenem Mittwochnachmittag, die wir mit den liberalen Herren hatten, hieß es, es sei der Plan aufgetaucht, 4 Präsidenten zu wählen, die äußerste Rechte und Linke sollten dabei ausscheiden. Wir erklärten: Darüber ist nicht zu reden. Auch von einem Vrä- sidium Zentrum-Volkspartci-Nätionallibcrale könne keine Rede sein, darüber verhandelten wir nicht. Tarauf erklärten die Herren, dann e x i st i e r e der Plan für sie ebenfalls nicht. Bei einer weiteren zwanglosen Unterhaltung wurde die Frage des Zuhofegehens sehr unseicrlich in Scherzen über Wadenstrümpfe usw. besprochen.(Heiterkeit.) Auf die dabei gestellte Frage, wie wir zu den höfischen Vcranstaltunaen ständen, sagte ich: Davon k a nn k e i u e R e d e s e i n. Und jetzt gibt Herr Schiffer— icst bin wieder swrr vor Erstaunen— die Erklärung ab. ich speziell hätte erklärt, wir würden, wenn der Präsident verhindert sei, das Kaiserhoch ausbringen. Ich babc nur am Vormittag zu Herrn v. Hcrtling gesagt: wenn der Präsident verhindert ist, die offiziellen Verpflichtungen zu erfüllen, weil er krank ist, dann versteht es sich von selber, daß der Vize- Präsident da eintreten muß.(Zuruf von den Nationalliberalcn.) Von.Hofgängcrci und K a i s e r h o ch war dabei gar nicht die Rede. Tas war keine Verhandlung, sondern eine Unterhaltung vor der Zusammenkunst mit den Zentrums- Herren, zu der wir nicht eingeladen waren und an der wir uns nicht beteiligen wollten. Als in diesem Stadium der Unterhaltung die Zentrumshcrren kamen, fragten wir sie, was ihre Fraktion über unseren Anspruch auf den Vizepräsidenten beschlossen babe. Daraus gab uns. wie ich glaube. Herr G r ö b rr die Antwort, seine Fraktion hätte beschlossen,' keinen nationalliberalcn Präsidenten zu wählen, aber auch keinen sozialdemokratischen, weil sie die Erfüllung der höfischen Verpflichtungen fordern müsse. In Schiffers Gegenwart hat er dies erklärt und nun soll aus ein- mal das Gegenteil gesagt worden sein! Es ist doch menschen- unmöglich, daß ein Mensch mit gesunden Sinnen Aich derartiges zuschulden kommen läßt. Als dann gefragt wurdet was denn die Verhandlungen eigentlich noch für einen Zweck hätten, erklärten die Herren vom Zentrum, sie seien nur hier, um mit den Vertretern der bürgerlichen Parteien zu verhau- dein und darauf haben wir uns entfernt, ebenso die frei- inen und nationalliberalen Herren.(Heiterkeit rechts.) Als die entscheidende Stunde gekommen war, war eine Ver- einbarung über einen Präsidenten nicht vorhanden, und jetzt bc- gönnen die eigentlichen Verhandlungen im Fraktionszimmcr der Nationallibcralen und da ist von Hofgängrrri usw. kein Wort geredet worden.(Zurufe rechts.) Herr Schiffer war dabei, Herr Basscrmann nicht mehr. Wir sagten: Wir sind bereit, Ihren Kandi- baten als ersten Präsidenten zu wählen, wir sind ferner bereit,. einen Freisinnigen als zweiten Vizepräsidenten zu wählen, dafür verlangen wir aber, daß die Nationalliberalcn ausdrücklich erklären, daß sie unseren Kandidaten zum ersten Vizepräsidenten wählen. Gegen diese Erklärung sträubte sich Herr echisfcr ganz gclvaltig. Wir erklärten, daß wir uns ohne diese Erklärung auf nichts ein- lassen können. Wir haben kein Hehl daraus gemacht, daß� wir wissen, daß der rechtsstehende Flügel der Nationallibcralen unseren Kandidaten nicht wählen wird, aber um so mehr müßten wir auf einer solchen Erklärung bestehen. Als Herr Schiffer fragte, warum wir auf einer Erklärung bestehen, die seine Leute doch nicht binde, sagten wir: Wenn Sie keine Erklärung geben, wählen wir Ihren Präsidenten und Sie lassen uns dann im Stich. Das war das Ende der Beratung. Die Nationallibcralen erklärten, die Wir waren unterdes übereingekommen, selbständig vor- zugehen und unseren Präsidentenkandidaten durch alle Wahlgänge durchzuwählen. Tas wurde von unserer Fraktion ein st immig beschlossen. Am Wahltag kamen die nationalliberalen Herren zu uns und er- klärten: Sie würden den Prinzen Schönaich-Carolath als Präsi- dcntenkandidatcn präsentieren, eine Mehrheit für einen sozialdemo- kratischen ersten Vizepräsidenten sei in ihrer Fraktion nicht zu haben, dagegen habe sich eine große Mehrheit bereit erklärt, der Sozialdemokratie den zweiten Vizepräsidenten elnzu- räumen; aber als ehrliche Männer könnten sie uns eine Ga- rantie, daß alle ihre Parteigenossen unseren Kandidaten wählen werden, nicht geben. Darauf sagten wir, wir werden bei un- screm Beschlutz bleiben, und die Herren sagten: nun können sie ja machen, was sie wollen. Als ich nun zu unser aller Uebcrraschung im dritten Wahlgang 175 Stimmen erhielt, sagten wir: da haben sicher eine Anzahl Nationalliberaler Bebel gewählt.(Heiterkeit rechts und im Zentrum.) ' Na, wir haben uns gefreut; Sie können sich das borstellen. Bei der Wahl des ersten Vizepräsidenten hat offen- bar im Gegensatz zu der uns gegebenen Erklärung eine bedeutend größere Zahl Nationalliberaler Scheidemann gewählt und darauf hat Dr. Paasche unsere sämtlichen 119 Stimmen bekommen. Tas hierdurch hervorgerufene ungeheuerliche Aufsehen wurde vermehrt, als die nationallibcrale Partei ihren Vizcpräsi- deuten moralisch zwang, auf seinen Sitz zu verzichten. Durch die Proteste im Lande tvaren die nationalliberalen Herren in einer sehr unangenehmen und peinlichen Lage. Das war aber nicht unsere Schuld(Sehr richtig! und Heiterkeit rechts und im Zentrum) und nun scheint mir, daß sie die üble Lage dadurch aus- zugleichcn suchen, daß sie sich irgendeinen Sündenbock suchen. Und der soll ich sein.(Heiterkeit.) Zu einer derartigen Rolle habe ich aber mein Lebenlang nicht gepaßt und dazugebe ichmichauch jetztnichther. Der Sachverhalt war so, wie ich eben geschildert habe und ich muß jede anders gc- artete Schilderung als unrichtig zurückweisen.(Bravo! bei den Äizialdemokraten.) Abg. Haase(Soz.): Ich will eine Erklärung abgeben, die es bielleicht plausibel macht, wie Herr Schiffer zu seiner Auffassung gelangt ist. Er hat den grundlegenden Verhandlungen gar nicht beigewohnt und kannte deshalb die Erklärungen seiner Freunde bei dieser Gelegenheit nicht. Diese haben unumwunden erklärt: wir können den Anspruch der Sozialdemokraten auf den ersten Vizepräsidenten anerkennen, da die Sozialdemokratie die staats- rechtlichen Verpflichtungen übernimmt, die luit diesem Amte verbunden sind; mehr zu fordern haben wir keinen Anlaß. Damit war eine klare Grundlage für die Verhäng lungen gegeben. Erst als Herr Schiffer auf der Bildfläche erschien, wurde diese Grundlage wieder in Zweifel gezogen und eine Verwirrung hineingetragen. Er wird sich erinnern, daß ich ihm erklärte, die Frage der höfischen Verpflichtungen sicri* längst erledigt, weil seine eigenen Freunde uns gesagt hätten, daß sie solche Bedingungen nicht stellten. (Hört, hört! rechts.) Er meinte, das müßte ein Mißverständ- n i s sein, worauf ich erwiderte, davon könne keine Rede sein, seine Parteifreunde hätten aus eigener Initiative in zweifcl- freier Weise erklärt, daß sie an uns keine solchen Bedingungen stellten. Es wurde von nationalliberaler Seite sogar erklärt, es könne doch niemand der starken sozialdemokratischen Fraktion, die einen so großen Machtfaktoc im öffentlichen Leben darstelle, zu- muten, daß einer ihrer Angehörigen zu Hofe gehe, man müßte Rücksicht nehmen auf die Gefühle der Sozialdemokratie. (Hört, hört! rechts. Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Es kann nun sein, daß dann zum Schluß, als Herr Schiffer dabei war, mein Parteifreund Bebel auf die Frage, was dann wird, wenn der Präsident krank ist, die Erklärung abgegeben hat: Nun, dann wird eben unser Vizepräsident die durch die Geschäftsordnung begründeten Bcrpflichtnngen erfüllen. Er hat dabei ausdrücklich auf§ 12 der Geschäftsordnung verwiesen, der die Anzeige der Konstituierung durch den Präsidenten vor- schreibt. Es ist auch vom Kaiserhoch bei dieser Gelegenheit noch nebenher gesprochen worden.(Aha! bei den Nationallibcralen.) Ohne weiteres zugegeben. Aber es konnte niemand darüber im Zweifel sein nach dem, was vorher erklärt war, daß kein So- zialdeniokrat ein Kais er hoch ausbringen würde. Was hat denn sonst die von Herrn Schiffer erwähnte scherzhafte Aeußerung Bebels für einen Sinn, als die: es ist nicht Aufgabe eines sozialdemokratischen Vizepräsidenten, die Mehrheit des Hauses daran zu hindern, ein Hoch auf den Kaiser auszubringen; das wäre eine Taktlosigkeit. Es versteht sich aber von selbst, daß er dann die Führung der Geschäfte dem zweiten Vizcpräsi- deuten überläßt oder, wie eben scherzhaft gesagt wurde, «ine Darmverschlingung vorschützt. Jedenfalls hat Bebel bis zum letzten Augenblick hervorgehoben, daß ein sozialdcmokra- tischer Vizepräsident nicht mit den beiden anderen Präsidenten zu Hofe gehen wird, um sich vorzustellen. Ich meine, man könnte wirklich dies Kapitel schließen. Es wäre gar nicht aufgeschlagen worden, wenn die Verhandlungen mit denselben Herren von der nationalliberalcn Partei bis zum Schluß geführt worden wären, mit denen sie eingeleitet worden sind. Die Herren haben sich sehr klar aus- gedrückt. Herr Schiffer allerdings wollte, um den rechten Flügel seiner Fraktion zu stärken, offenbar irgendein« Erklärung haben, auf die er sich mit seinen Freunden im Gegensatz zu den An- hängern des linken Flügels st ü tz e n konnte. Ich glaube, der Wunsch ist bei ihm Vater deS Gedankens gewesen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Weil er wünschte, daß die Sozial- demokratcn in dem von ihm dargelegten Sinne eine Erklärung abgaben, hat«r die scherzhafte Bemerkung Bebels in scincni Sinne gedeutet, das heißt mißdeutet.(Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Gröber(Z.): Ich habe nur der einen Sitzung bei- gewohnt, die damit endete, daß die Vertreter der anderen Parteien das Lokal verließen. Herr Bebel täuscht sich aber wohl darin. daß es in dieser Sitzung so kurz zugegangen ist, wie er es darstellte. Es gelangte damals ausdrücklich zur Feststellung, wie weit die Herren von der Sozialdemokratie zu gehen bereit wären. Dabei hat sich die Erklärung des Herrn Bebel nach nieiner Erinnerung mir dem gedeckt," was Herr Schiffer hier angeführt hat: Wir würden bereit sein, wenn der erste Präsident verhindert sein würde, in seine Funktionen einzutreten und den Gang zu machen, sowie auch das Kaiscrhoch auszubringen. Dagegen haben die Herren ausdrücklich erklärt, könnten wir uns nie damit ein- verstanden erklären, ohne eine solche Zwangslage mit den beiden anderen Mitgliedern des Präsidiums den Besuch zu Hof zu machen. Das ist meine Erinnerung.(Bravo!) STfcg. Schiffer(nötU: Hcrr G r ö b e r bat voll bestätigt, was ich gesagt habe. Herr Bebel hat sich im grötztcn Teil seiner Rede gar nicht mit dem Punkt beschäftigt, auf den es ankommt, nämlich mit der einen Sitzung, der ich beigewohnt habe. Was das Plädoyer des Herrn Haase betrifft, so hat er lediglich die Tatsachen, die er nicht in Abrede stellen konnte, ausgelegt, und darauf paht das Wort:„Legt Ihr nicht aus, dann legt Ihr unter!" lSehr gut! rechts.) Mit dem Wunsch des Herrn Haase, nun Schluß zu machen, bin ich ganz einverstanden, die Tatsachen sind voll aufgeklärt. Jedenfalls wissen wir für alle Zukunft ganz genau, was wir nun von den Herren Sozialdemokraten zu erwarten haben. lBravo! rechts.) Abg. Dr. Junck lnatl.): Nach meiner Erinnerung, die mich nicht trügt, hat Herr Bebel gesagt, ein sozialdemokratischer Vizepräsi- dent werde sich der Verpflichtung, ein Kaiserhoch auszubringen, nicht entziehen, falls dies bei Behinderung des Präsidenten nötig sei. Anwesend waren dabei Herr Gröber und von den Freifinnigen Herr Heckscher und M ü l l e r- Meiningen. Als Scherz habe ich das nicht auffassen können. Ich bin aus der Verhandlung ge- schieden mit dem Eindruck, daß von feiten des sozialdemokratischen Vizepräsidenten eine Brüskierung der bürgerlichen Parteien nicht zu befürchten sei. Abg. Bebel(Soz.): Das letztere ist vollkommen richtig. Wir sind keine Rüpel, Herr Kollege Junck. Dieser Brüskierung würden wir uns niemals schuldig gemacht haben. Ich b e st r e i t e aber auf das ent- schiedenste, daß Ihre Darstellung richtig ist. War es nicht Abg. Junck selber mit seinem Freunde Bassermann, die ausdrücklich im Eingang unserer Verhandlungen erklärt haben, daß, nachdem wir uns bereit erklärt hatten, die staatsrecht- lichen Verpflichtungen zu erfüllen, sie erklärten, nicht notwendig zu hoben, weiteres von uns zu verlangen. Haben Sie lzu den Nationalliberalen) das erklärt oder nicht?(Zurufe bei den Nationalliberalen.) Aha, das bestreitet er nicht. Nun, was haben wir für einen Grund, nach dieser positiven Erklärung unserer ersten Verhandlung diese Konzession nachher zu geben (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), nachdem unsere Fraktion auf Grund unseres Berichtes diese Stellung genommen hat? Und wie konnte ich mich denn zu einer so feierlichen Zurücknahme meiner Worte am Abend desselben Tages herbeilassen, an dessen vorigen Tag ich dem Abg. Frhrn. v. Hertling erklärt hatte: Wir lassen uns auf nichts ein, wir können keine höfischen Verpflichtungen über- nehmen, wir können uns am Kaiserhoch nicht be- t e i l i g e n. Ich bedaure, daß Frhr. v. Hertling nicht hier ist, er würde das bestätigen und hat ganz gewiß in diesem Sinne der Fraktion berichtet. Darauf hat die Fraktion den Beschluß gefaßt, unter solchen Umständen keinem sozial- demokratischen Vizepräsidenten ihre Stimme zu geben. Ich frage Sie alle, meine Herren, wie nach einem solchen Verhalten unsererseits und speziell meinerseits ich einige Stunden später das über den Haufen werfen und die gegenteilige Erklärung abgeben könnte. Ich kann nur sagen, ich verstehe das nicht. Das eine aber will ich den Herren erklären: Mit den Nationalliberalen lassen wir uns nie mehr in Verhandlungen ein. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.— Große Heiterkeit und leb- haste Zurufe.) Abg. Müller-Meiningen(Vp.): Mir ist es ungemein peinlich, daß ich als Zeuge aufgerufen worden bin. Ich glaube, daß es ein rraurigeS Bild ist, da? das deutsche Parlament gegen- wärtig der Welt bietet. Ich halte eS für einen traurigen Zustand, daß solche vertraulichen Besprechungen überhaupt in dieser Weise ausgebeutet werden.(eShr richtig!) Vor allem be» daure ich, daß es soweit gekommen ist, daß gewissermaßen die Glaubwürdigkeit des einen oder anderen Mit- gliedes des Hause» bezweifelt worden ist. Ich bedaure das um so mehr, wenn es sich um ein so hoch ange- sehenes Mitglied wie Herrn Kollegen Bebel handelt. Es ist vom Menschlichen Standpunkt immerhin unangenehm, einem Mann von der Stellung und dem Alter des Kollegen Bebel sagen zu müssen. daß er sich täuscht. Aber nach meiner Erinnerung kann ich lediglich das bestätigen, was Herr Gröber hier ausgesagt hat. ES entspricht vollkommen dem, was ich mir hier auch genau notiert habe über die betreffenden Bemerkungen des Herrn Bebel. Damit hoffe ich, daß für uns die Sache heute abend abgeschlossen ist. Damit schließt die Debatte. Abg. Erzbcrger(Z.) persönlich: Die von Herrn Dr. David angeführte Rede über den Weltkrieg, der im vorigen Jahre zu er- warten war, habe ich gehalten auf Grund von Mitteilungen, die mir wie vielen anderen Reichstagsabgeordneten, auch Partei- freunden des Herrn Dr. David, von deutscher amtlicher Stelle aus gemacht worden sind. Für mich ist die Frage gelöst, ob ich amtlichen Mitteilungen deutscher Staatsmänner oder Mitteilungen englischer Staatsmänner mehr Glauben beizumessen habe. Ter Etat geht an die Budgetkommission. Die Anträge der Sozialdemokraten, Fortschrittler, National- liberale und des Zentrums auf Acnderung der Geschäftsordnung werden auf Antrag de» Abg. Spahn(Z.) an die Geschäfts- ordnungskommission überwiesen. Es folgt die Beratung von kolonialen Rechnungssachen. Abg. Noske lSoz.): Ter unhaltbare Zustand, daß der Reichs- tag sich mit Rechnungen befassen mufv die fünf, sechs Jahre alt sind, muß endlich aufhören. In einer Reihe von Schutzgebieten ist bis in die neueste Zeit, wie die Rechnungen ergeben, ganz unge- niert gewirtschaftct worden. Leider gibt es gar keine Möglichkeit, die betreffende» Beamten wegen der Etatsüberschreitungen zur Rechenschaft zu ziehe»! das muß der Reichstag als Herabsetzung empfinden. Der Rechnungshof muß hier bestätigen, wie recht wir früher mit unserer Kritik über die Wirtschaft in den Kolonien gehabt haben. Um einen Dampfer um 6 Meter zu ver- länger», hat man tausend Mark mehr verbraucht, als der Dampfer überhaupt gekostet hat. Redner führt eine Reihe von Beispielen solcher Misiwirtschnft an. Es wird uns natürlich auch hier nichts anderes übrig bleiben, als die Rechnungen an die Kommission zu verweisen. Abg. Erzberger(Z.) äußert sich im selben Sinn« wie der Vor- redner. Unterstaatssckretär im Reichskolonialamt Contze meint, daß� die Finanzvcrwaltung nicht mit den Rechnungen im Ruck- stände sei und ebenso wenig die Kolonialverwaltung. Die er» hobcnen Vorwürfe beruhten meist auf Mißverständnissen. Abg. Erzberger(Z.): Das Rcichsschatzamt sollte uns ein Komptabilitätsgesetz borlegen, dann würden eine ganze Reihe Schwierigkeiten fortfallen. Das wäre ein trauriger Staats- sekretär, der nicht ein paar tausend Mark Mehrausgabe zu begründen wüßte. Aber der Rechnungshof müßte damit ein Ende machen. Ein Regierungskommissar sagt zu, daß die im Reiche bestehendc Art der Rechnungslegung auch in den Kolonien«ingeführt werden soll. Der Rechnungshof wird in Zukunft seine Bemerkungen viel eher dem RcichStag�zugeben lassen können dank dem vom Reichstag beschlossenen vereinfachten Rechnungsverfahren. Tie Rechnungssachen gehen an die Rechnungskommission. Das Haus vertagt sich. Mittwoch 1 Uhr: Interpellationen Ablaß(Vp.) und Al- brecht(Soz.), betr. die Aufhebung der Zölle auf Kar- toffeln und Futtermittel. Schluß S Uhr.__ parlamentarisches. Anträge der bürgerlichen Parteien im Reichstage. Am 17. Februar lief die lOtägige Frist ab, bis zu wclcher�bei "beginn jeder Legislaturperiode Anträge eingereicht werden müssen, Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für de wenn sie als gleichzeitig eingebracht gelten und den Vorzug genießen sollen, in der Reihenfolge der Parteien und nach der Auswahl der Antragsteller verhandelt zu werden. Deshalb ist kurz vor Ablauf dieser Frist noch eine Flut von 31 Anträgen— darunter allein 21 von den Polen— eingereicht worden. Das Zentrum beantragt: 1. Sicherung des Wahlgeheimnisses, dergestalt, daß die vor- sätzliche Verletzung des Wahlgeheimnisses durch Mitglieder des Wahlvorstandes mit Kriminalstrafc bedroht wird, daß die Wahl- urnen während der Wahl geschlossen gehalten und die Wahl- umschlage vor der Entleerung gemischt und daß Normativbestim- mungen über Wahlurne und Jsolierraum erlassen werden; 2. Gesetzliche Maßnahmen zur Linderung der Leutenot in der Landwirtschaft; 3. Regelung der Arbeitsverhältnisse fremdländischer Land- arbciter; 4. Uebernahme der Fleischbeschau kosten auf den Staat und AuSdehming der Entschädigungspflicht des Staates bei Viehseuchen; 5. Schutzmaßnahmen gegen die„Zigeunerplage". Die Elsah-Lothringer(Hauß und Genossen) beantragen: 1. Ein Gesetz, wonach die elsaß-lothringer Verfassung durch Landesgesetz abgeändert werden kann; 2. Anderweite Regelung der Entscbädigung der Bundesstaaten für Erhebung und Verwaltung der Zölle und Reichsstcuern. Die Fortschrittliche Volkspartei beantragt: 1. Aufhebung der bundesstaatlichen Koalitionsverbote für land- und forstwirtschaftliche Arbeiter und Gesinde, sowie Einführung einer Rcichsgesindeordnung; 2. Erlaß eines deutschen AuslieferungSgesetzeS; 8. Vorlegung eines Gesetzentwurfes über Acnderung des Ge- richtSverfassungsgesetzeS und der Strafprozeßordnung, um ein be- sonderes Verfahren für Jugendliche zu ermöglichen. Die Polen beantragen: 1. Zusatz zu Artikel 14 der Verfassung:„die Berufung des Reichstages muß erfolgen, sobald sie von einem Drittel der Mitglieder verlangt wird"; 2. Wahlbeeinflussung, die unter Mißbrauch des Ansehens, der Gewalt und der Dienststellung erfolgen, unter Strafe zu stellen; 3. Aufhebung der§§ 12, 17, 18 Ziffer B und 6,§ 19 Ziffer 3 des Vereinsgesetzcs; 4. Unbeschränkte Haftpflicht der Beamten und ausschließliche Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte für Schadenersatzklagen; B. Reichsgesctzliche Regelung des Rechts der Ausländer; 6. Reichsgesetzliche Regelung des Wohnungswesens; 7. Gesetzliche Untersagung des Ausschenkens don Branntwein und des Kleinhandels mit Branntwein und Spiritus an Sonn- und Festtagen und von B Uhr ab an vorhergehenden Werktagen; 8. Vorlage eines Arbcitslosenvcrsicherungsgesetzes; 9. Beseitigung aller Beschränkungen des Koalitionsrechts; 19. Reichsgesctzliche Regelung des Koalitionsrechts der Land- arbeiter; 11. Gesetzliche Regelung der Verhältnisse der Hauswirtschaft- lichen Arbeiter und Arbeiterinnen unter Aufhebung der Gesinde- ordnung; 12. Errichtung eines ReichSarbei tSamdes und einer Arbeits- kammer; 13. Gesetzliche Regelung des Abschlusses don Tarifverträgen durch Arbeiter- und Unternehmerorganisationen, denen die Rechte von juristischen Personen zu verleihen sind, und Errichtung eincS ReichSeinigungSamtcs; 14. Uebernahme des Bergrechts auf die Reichsgesetzgebung; IB. Einsetzung einer Reichsbehörde zum Zwecke der Unter- suchüng don Unfällen insbesondere dej Massenunfälle beim Bergbau; 16. Einführung d«S achtstündigen Arbeitstages für Zink- und Eisenhütten, Hochöfen. Walzwerke und die Chemische Industrie; 17. Einführung der achtstündigen Arbeitszeit für Frauen in Fabriken und Bergwerken; 18. Errichtung von Süttenknappfchasten; 19. Zuziehung von Arbeitern bei der Baukontrolle; 20. Zuziehung von Arbeitern zur Kontrolle der Betriebe durch die Gewerbeinspektion; 21. Gewährung der Altersrente bei Vollendung dcS 69. Lebens- jahres. Aus dem preußischen Dreiklasienhanse. Die Budgetkommission d«S preußischen Landtages be- schäftigte sich am Montag mit dem preußischen Bergwerks- etat und im Zusammenhange damit mit einer nicht uninter- essanten Vorlage über die Beteiligung des preußischen Staates an der Rhein- und Seeschiffahrtsgcscll- scha ft i n Köln und der Mannheimer Schleppschiff- fahrtsgesell schaft. Der preußische Staat will sich insofern an diesen Gesellschaften beteilkgen, daß von jeder Gesellschaft B1 Prozent der Aktien erworben wurden, um sich in der Gesellschaft die Majorität zu sichern. Die Aktien werden erworben bei der Kölner Gesellschaft mit 199 Proz., bei der Mannheimer mit 65 Prozent des Nennwertes, zusammen sind 3 259 999 M. hierfür an- zulegen. Irgend einen Einfluß auf die Zusammensetzung der Ge- sellschaft will sich der Fiskus nicht sichern eS handle sich für ihn lediglich darum, die im staatlichen Bergbau gewonnenen Kohlen unabhängig nach Süddeutschland verfrachten zu können. Weder ein Preisdruck auf die Frachten, noch eine Mono- polisierung der Schiffahrt sei in Aussicht genommen. Ein mit den Gesellsckaften abgeschlossener Vertrag sieht lediglich vor, daß die Hälfte der Kohlen zum Preise von 21 M., die andere Hälfte zum Tagespreise verfrachtet werde. Durch diesen Bertrag glaubt der Staat frei gegenüber dem Kohlensyndikat zu werden, er könne jederzeit aus Gründen dcS öffentlichen Wohles aus dem Syndikat' austreten, ohne um die Versendung seiner Kohlen besorgt sein zu müssen. In der Kommission wurden kapitalistische Bedenken geltend gemacht. Man fürchtete, der Staat könne als Kohlcnproduzent niedrigere Frachten festsetzen, als es mit den Interessen der anderen Aktionäre in Einklang zu bringen sei. Der Minister sollte sich nun ausdrücklich verpflichten, gebührende Rücksicht auf die Minderheit der Aktionäre zu nehmen. Er sagte das zu und versicherte auch, daß die 5ftnifleute, die gegenwärtig die Gesellschaft leiten, nicht durch Beamte verdrängt werden sollen. Aber auch damit tvar die Kommission noch nicht zufrieden; da Minister„stcrb- lich" sind, wollte man eine Bindung der Regierung auch für die etwaigen Ministernackfolger. Unter der Heiterkeit der Kommission verwies der Minister indessen lediglich auf die Macht dcS Parlaments, die in Preußen ja kein« geringe sei. Die Vorlag� der Regierung wurde angenommen. Bei tzer Beratung de? BcrgctatS wurde darauf hingewiesen, daß etwaige höhere Verkaufspreise der Kohlen durch E r- höhung der Löhne ausgeglichen werden. Besonders in W c st- f a l e n»verde man um Lohnerhöhungen nicht herumkommen. Die Kommission, die erst die Einnahmen höher einstellen wollte, trat dann von dieser AMjcht zurück. Im wetteren Verlauf wurde Be- schwerde geführt Über den Betrieb des Salzbergbaues in Hohensalza. Die Stadt sei dadurch gefährdet, denn ein Haus nach dem anderen stürze ein oder werde so beschädigt, daß es unbewohnbar sei. RegicrungSvertreter erklärten, die Sckjuld liege nicht am Bernbau, die Stadt fei auf Gips gebaut, es befänden sich im Boden Hoblräumc, wie beispielsweise auch in Sanaerhausenz�das fei die Ursache jener� Bodcnscnkunaen.-Ehe Entschädigung gezahlt werden könne, müsse also ein Verschulden des Fiskus im Prozeßwegc nachgewiesen werden. Die Parteien behielten sich vor. diese Angelegenheit im Plenum erneut zur Sprache zu bristze».__ Soziales. Heimarbeiterausbeutung. Die Firma E. Ruhemaun u. Co.. Straußfedernfobrik, be- schäftigte gestern wieder einmal stundenlang da» Gewerbegericht. i Jnjeratenteft verantw.: Th. Glocke, Berftn. Druck u. Verlag: Vorwärt» Sie trat zunächst als Klägerin auf. Das Ehepaar Mallok hatte mit ihr am 24. Okotbcr v. I. einen Vertrag geschlossen, nach dem es bis zun» 1. Mai d. I. mit mindestens 29 Arbeiterinnen Knüpf- arbeiten für die Beklagte auszuführen hatte und während der Ver- tragsdaucr für Dritte nicht arbeiten durfte. Die Firma hatte sich verpflichtet, den beklagten Eheleuten für mindestens 29 Arbeite- rinnen Arbeit zu den im Vertrage festgesetzten Löhnen zu geben. Die Löhne waren niedrig. Zuschläge für den Unterhalt, die Heizung und Beleuchtung des Arbeitsrauincs wurden nicht gewährt. Ver- sicherungsbeiträge für die bei den Beklagten beschäftigten Arbeite- rinnen zu zahlen, lehnte die Klägerin ab. Die Kosten für Inserate, die benötigt wurden, um Arbeiterinnen zu finden, hatte die Firma Ruhemann u. Co. zu tragen. Wegen der Niedrigkeit der Löhne hielten die Arbeiterinnen nicht lange aus. Das Malloksche Ehe- paar stellte schließlich seine Tätigkeit für die Klägerin ein. Diese llagte darauf beim Gcwcrbegericht auf Fortsetzung des Vertrages. Das Streitobjekt gab die Klägerin vorläufig auf 299 Mk. an. Da die Beklagten ausschließlich für die Klägerin gearbeitet hatten, waren sie unzweifelhaft Arbeitnehmer der Klägerin und nicht selb- ständige Gewerbetreibende. Das Gericht erklärte sich deshalb fj�r zuständig. Die Beklagten wendeten u. a. ein, daß die Niedrigkeit der an sie gezahlten Löhne die Erfüllung des Vertrages unmöglich gemacht habe. Uebcr die Angemessenheit der Löhne werden mehrere Putzfedcrnsabrikanten als Sachverständige vernommen. Uebercin- stimmend bezeichneten diese die Löhne, die die Klägerin zahlt, als zu niedrig. Ter Vertreter der Klägerin, Mitinhaber Ruhemann, suchte die Niedrigkeit der Löhne damit zu rechtfertigen, daß die Arbeiterinnen, die mit der Anfertigung von Pleureusen(so werden die geknüpften Straußfedern genannt) beschäftigt werden, diese Arbeit nur als Nebenbeschäftigung haben wollen. Das Gericht, unter Vorsitz des Magistratsnssessvrs Dr. Maguhn, wies die Klage mit folgender Begründung ab: Die im Vertrage vorgesehenen Löhne sind so niedrige, daß sie als gegen die guten Sitten verstoßend bezeichnet werden müssen. Da die Löhne aber den wesentlichsten Bestandteil des Vertrages bilden, läuft der ganze Vertrag den guten Sitten zuwider. Er ist deshalb nichtig. Irgend welche Ansprüche können somit aus ihm nicht hergeleitet werden. Bald hinterher klagte eine auf eigene Rechnung für die Firma, E. Ruheman» u. Co. tätig gewesene Heimarbeiterin. Ihr war der für vier Straußfcdcrn vereinbarte Lohn von 11,75 M. nicht gezahlt, worden, weil die Arbeit mangelhaft sei. Der gerichtliche Sachverstän- dige, Putzfcdernfabrikant Tobias, gab sein Gutachten zugunsten der Zahlung._ Ein Mangel der BetriebSkrankcnkassen. Als ein entschiedener Ucbelstand ist eS schon wiederholt k>c- zeichnet worden, daß die Anstellung der Aerzte der Betriebstranken- lassen wesentlich in den Händen der Betriebsinhaber zu liegen pflegt. ES ist dann recht wohl erklärlich, daß manchmal ein neu angestellter Arzt, dem es an der Erhaltung der Stell« liegt, den Gesundheitszustand der Kassenmitglieder möglichst günstig darzustellen sich bemüht und Bezeichnungen wie chronisch« Bleivergiftung, die der Betriebschcf nicht gerne sieht, vermeidet, damit der Chef sieht, wie tüchtig der neue Arzt ist. Er glaubt es schließlich selbst, daß die Kolikschmcrzcn des Blei» oder Zinkhüttenarbeiters von saurem Brote, alter Wurst oder dergleichen, aber nickt Bleiver- giftung herrührt. So bemerkte schon im Jahre 1992 der Gewerberat für den Regierungsbezirk Oppeln, RcgierungSrat Böhmer, daß eS sich wohl seiner Beurteilung entziehe, ob und in wie weit das auf- fallend günstige Ergebnis der seit dem 6. Februar 1919 burchgc- führten Verbesserungen der Hütteneinrichtung zuzuschreiben sei. Es liege aber der Gedanke nahe, daß bei der Schwierigkeit einer ganz scharfen Auscinanderhaltung verwandter Krankheiten der eine oder der andere Hüttenarzt gern das dem Hüttenleiter unbequeme Wort„Bleitrankheit" in den Krankcnbüchern vermeidet. Auf- fallend fei jedenfalls gegenüber dem Rückgange der BleierkrankungS- fälle eine bedeutendere Vermehrung der Nierenerkrankungen und der Blutarmutfälle. Prof. Dr. Sommerfeld in Berlin hat e» daher schon vor Jahren als eine im Interesse der Arbciter unbedingt zu stellende Forderung bezeichnet, daß die Betriebsleiter keinen Ein- fluß auf die Anstellung und Entlassung der bei den Vetricbskranken- lassen tätigen Aerzte haben dürfen. Wie berechtigt diese Forderung ist, zeigt das Resultat einer unlängst von dem Kreisarzt in Katto- witz in einigen der bedeutendsten Zinkhütten desselben oben schon erwähnten Bezirks vorgenommenen Untersuchung, in dem seit Jahren in den behördlich vorgeschriebenen Kontrollbüchern für die durch die BundesvatSvcrordnungen vorgeschriebenen periodischen Untersuchungen keine Bleivergiftungen mehr verzeichnet worden waren. Von den durch ihn untersuchten 333 Arbeitern zeigten, wie AbeldSdorf und Kamp in der„Concordia" mitteilen, 182:= 205 Prozent Anzeichen von Bleivergiftung. Hierau.S kamt man ersehen. wie wichtig die vollständigste Unabhängigkeit de» untersuchenden und bclhindelnden Arztes von der Betriebsleitung ist. Lehrverträge? Achnliche Institute wie in der Krawattcnbranche die söge- nannten Krawattcnakadcmien. trifft man in maiichem anderen Gewerbe an. In ihnen wird versprochen, gegen Entgelt erwachsene Leute in den Arbeiten des jeweiligen Berufs in kürzester Zeit aus- zubildcn. Tie ganze Lehrzeit dauert nicht länger. alS die vom Gesetz vorgesehene Probezeit bei ordnungsmäßigen Lchrvcrträgen ist.(8 126b G.-O.) So klagte gestern der Hutmacher R. beim Gcwerbcgericht. Er hatte sich durch ein Inserat in der Tagcsprcssc verleiten lassen. mit dem Inhaber einer Büglcrwerkstatt Ztabcrnack einen lediglich mündlich vereinbarten Lchrvcrtrag einzugehen. Danach sollte er gegen 19 Mk. Lehrgeld in 19 bis 14 Tagen im Bügeln aus- gebildet werden. Am Schluß des zweiten TageS. nach Bezahlung des Lehrgeldes, wurde er veranlaßt, auszusetzen. Damit war er nicht einverstanden. Nun forderte der Beklagte den Kläger zur so< fortigcn Fortsetzung des Lchrvcrhältnisscs schriftlich auf. Dieser aber hatte an der Fortsetzung deZ Lehrverhältnisse» kein Interesse. sondern nur an der Wiedererlangung des Lehrgeldes. Er klagte auf Rückzahlung dcS Lehrgeldes. Das Gcwerbcgericht unter Vorsitz des SNagistratSrats Dr. Leo hielt es für gleichgültig, welche von den beiden Parteien die Lösung dcS Lehrvcrhältnincs vollzogen hat, da während der ersten vier Wochen das Lehrverhältnis ja zederzeit gekündigt werden kann. Da aber das LehrvcrhältniS übcrbaupt nur etwa zehn Tage dauern sollte, aber nur zwei Tage gedauert hat. so müsse es verteilt werden. Da der Beklagte in den ersten Tagen sich mehr mit dem Kläger zu schaffen machen muh, wie in den letzten, so könnten für die ersten beiden Tage 1,59 M. pro Tag bereehnet werden, 7 M. müssen aber dem Kläger zurückgezahlt werden. Der Beklagt« verpflichtete sich, im Vergleich-wege dem Kläger die 7 M. zu zahlen, um sich die Kosten dcS Verfahrens zu ersparen.. Tic Ansicht, daß auf ein für zehn Tage berechnetes Lehrver- hältnis die Vorschrift der Gewerbeordnung zutreffe, nach der inner- halb vier Wochen einseitiger Rücktritt gestattet ist. dürfte fehl- greisen. Im vorliegenden Falle hätte geprüft werden sollen, ob in der Tat ein Lehrvcrbältnis auf scitcn des Beklagten ernstlich bcab- sicktigt war. Tie Kürze der Lehrzeit und die Aufforderung, m dieser noch auszusetzen. HSttcn zu der Annahm« berechtigt, daß dies nicht der Fall war. Danach hätte das volle Lehrgeld zurückgezahlt werden müssen. Vergleiche in solchen Tingen befördern nur die durchaus zu bekämpfende Unsitte solcher„Lchrvcrtrage. ßnefharten der Kedahtton. Die t»rIftNchc e»»il>!i»»!>i gndct jj« nd c II st» a»« SV. vor» dtcr Irrvoe» — galirstniii—, wochenla glich von dt» Ndr adcndö, Connovtnbl, von«tc, 018(i Uhr abrnvö ftntt. grttt fit den»ricil-ftru»cfitmmicn«»frag« Ist tln Zinchstadc und eint Zahl als McNjctcheu»rtzufstgen. Sriestichr«uiwort wird»t«i rricllt.«nfragrn. denrn lrtnc AvoiincmcnlSqnUlvng drigrfüg,»ft, «rrden nicht drintwortet. Eiitgc Fragen«ragr man t» dcr eprcchftund« vir. F. P. Leider nicht zum Abdruck geeignet, obgleich wir sachlich damit einverstanden find. Sir habe» uns auch schon ost in gleichem«inne ge- äußert.____ Buchdruckerei u. BerragSanstalt Paul Singer u. Co, Berlin SW. Nr. 43. 29. Jahrgang. 2. SeilM Ks Jonuirts" ßttliiitr 21. itimi 1912. Abgeordnetenhaus. 18. Sitzung vom Dienstag, den 20. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Schorlemer. Das Wassergesetz. (2. Tag.) Abg. Dr. Beumcr(natl.) betont, daß dieses Gesetz nur auf der Parität zwischen Landwirtschaft und Industrie beruhen könne. Fürchte den Fiskus, auch wenn er Geschenke gibt. Die Privatbäfen und-Liegestellen am Rhein werden im Gesetz gar nicht erwähnt, weil man ihre Entwickelung nicht gern sieht. Für die Zwangs- genosseuschaflen müssen Rechiskontrollen nach Art des Zweckverbands- gesetzeS geschaffen werden; bedenklich ist es doch, Zwangsgeiiossenschaften auch gegen de» Willen sämtlicher Beteiligten zu schaffen. Was heißt das »angenieffene Entschädigung'? Die Minister sollen R i ch t e r. i n ihrer eigenen Sache sein. Die Wafferstratzenbeiräte führen ein Schattendasein. Sie haben nix to seggenl Bei der Beratung des Gesetzes müssen wir auf der Hut sein' Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Abg. Krausc-Waldenburg sfk.) ist mit dem Gesetz im ganzen zu- frieden. Abg. Dr. Flesch sVp.): Das Gesetz gibt nicht die Hoffnung auf Lösung der Abwäfferungsschwierigkeitcn, sondern dürfte sie vielmehr nur vergrößern. Der Bureaukratie gibt das Gesetz zu- viel, den Selbstverwaltnnqskörperschaften zu wenig. Es ermangelt der Gerechtigkeit. Der Redner bekämpft auch die Bestimmung, wonach die Einteilung der Gewäffer durch königliche Verordnung nach Anhörung des Provinziallandtages ge- ändert werden kann./g Uhr, in Villa Kahl. Vortrag des Genossen L ü d k e- Baumschulcnweg über: Was erwarten die Frauen vom neuen Reichstag. Versammlungen. Tie Ortsverwaltung' OIross-Verlin des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins hielt am 12. Februar ihre Generalversammlung ab. Tie Versammlung wurde eingeleitet durch ein Referat des Reichstagsabgeordneten Thiele- Halle. Der Jahresbericht lag den Mitgliedern gedruckt vor. Kwasnick als Borsitzender und. Steinberg als Kassierer gaben darum nur einige Erklärungen zum Jahresbericht. Die Nemvahlen zum Vorstand ergaben folgendes Resultat: 1. Vorsitzender: Kwasnick, 2. Vorsitzender: Bäckers, Kassierer: Steinberg, Beisitzer: Stahl, AuraS, Falk, Krauß. Als Revisoren wurden gewählt� Perl-Neukölln, Kridde-Charlottenburg und Kindel-Stcglitz.' Verband der Friseurgehilfrn. In der Jahresversammlung wurde der gedruckt vorliegende Jahresbericht durch Blinzig. Kranz und L i e r e erläutert. Von den 4223 Betrieben beschäftigen 1916 gar kein Personal. Die Agitation ist durch den Umstand sehr er- schwert, daß selten mehrere Gehilfen zusammen arbeiten. Im Be- richtsjahre ist trotzdem ein Aufschwung zu verzeichnen. Die Beitrags« leistungen stiegen von 13 848 auf 21 447. Der Arbeitsnachweis ver- zeichnet 9085 Vermittelungen gegen 8590 im Vorjahre. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 807. Besondere Aufmerksamkeit ist den Stelleiivermitllern geschenkt worden. Eines guten Besuches erfreute sich die Damenfrisierschule, die uuter Leitung tüchtiger Lehrer gut floriere. Zu Lohndisscrenzen kam es in 23 Fällen, die in 2V Fällen durch Verhandlung beigelegt werden konnten. Die Klage des Arbeit- geberS Steinbock wegen Entschädigung von 200 M.. weil sein Betrieb gesperrt worden war, ist in allen Instanzen abgewiesen worden. Die Beteiligung an der Maifeier sowie au den Delegimen- Wahlen zur Orlskasie war gut. Der Versuch der Rixdorfer Zwangs- innung, eine JnnungSkasse zu gründen, ist durch eingelegte Be- schwerde vereitelt worden. Die Lehrlingsversannnlungen wurden recht interessant dadurch, daß Fachschullehrer und Meister den Besuch der Versammlungen zu verhindern suchen. Die Bibliothek wurde 219 mal in Anspruch genomnien. Die Einnahme betrug 6001,91, die Ausgabe 6662,68 M. An Unterstützung wurden 2231,42 M. verausgabt. In den Vorstand wurden gewählt: Liere, Bergmann, Gräber. Kranz, Krüger, Hering, Langer. Lese- und Tiökutierklub»Südost". Heule Mittwoch, 8>/, Uhr, Be' Neidhardt, Görlitzcr Str. 28: Vortrag. Gäste Willkomms». Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzeustr. 41,„t« 10— 2. 5—7. Sonntags 10—12. 2— 4 Zigarren- tyf Herbst Fabriken 11*"V1 gegr. 1862. Tel.: Moritzplatz 3873. BEJBIillWSW., Klttorstr. 83 Erstklassige Waro. Zigarren- handlem bestens ompfohlan. It.- Ta ri färbe 1 Haben Sie Stoft? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach AtaSs, schick, dauerh. Zutaten von 25 Mark au. Moritz Laban d Neue Promenade 8, II.(Stadtb. Bort. lo*| iten 1 i) Achtimg! JavasUmblatt und Einlage, leicht und(lott brennend, per Pfd. 1,30 M. Uürger RotitaM-te Filiale: Berlin N., BrunncnstraBo 33. 272/4* Jttassive Eandhäuscr von 5000,00 Mk. an, übernehme Hypotbekonregulierung. 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Durch den Zusatz von„Kufeke» zur Kuhmilch wird die Ge- nnnung derselben im Magen des Kindes eine seinflockige, leichter verdau- uchc und der Nährwert der Milch durch die in dem»Kufekc* enthaltenen Mineral- und Eiweißstoffe bedeutend erhöht. Vorsicht! Die glänzende Einfuhrung von Palmin(Pflanzenfett) und Palmona(Pflanzenbutter- Margarine) hat zahllose Nachahmungen hervorgerufen. Achten Sie deshalb in Ihrem eigenen Interesse beim Einkauf darauf. daß Sie tatsächlich Palmin und Palmona bekommen und daß man Ihnen nicht Fabrikate aufdrängt, die Sie nicht kennen. Weisen Sie alle Nachahmungen unbedingt zurück. Dann gehen Sie ganz sicher! H. Schlinck& Cie. Aktiengesellschaft Bolkslänger. Gesellschaft Henry I Komtker Schwartz, Köpenicker- Balzb, Manteuffelstraße 41.-jlZ*[ straße 147. 27796 (Wichtig- lesen!) Das selbsttätige Waschmittel. Nicht kochen, nur waschen in handwarmer Persillauge von 30— 40#. Heine weitern Waschzusätze nehmen. 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Nach einer umfangreichen Debatte über Gehälter wurde der Ruf nach besserer Straßenpolizei und cinein geregelten Nachtdienst laut. Es wurde denn auch außer zwei neu anzustellenden Bollziehungsbeamten, deren Geschäfte bis- her Polizisten versahen, noch ein Polizeisergeant bewilligt. Bei dem Kapitel Gehälter, welche 186 324 M. betragen, wünschte Genosse Schmidt eine Ueberficht der 32000 M.. die für H i l f S k r ä f te verausgabt werden, damit man erfahre, wie die Hilfskräfte bezahlt werden.— Ein Sachverständiger wies hierauf die Notwendigkeit einer strengeren Untersuchung der Nahrungsmittel namentlich auf den Privatmärkten nach. Er deutet auf Fälle, wo tuberkulöses Fleisch beschlagnahmt, vergraben und später wieder von Händlern aus- gegraben und auf den Markt(Neukölln) zum Verkauf gebracht worden ici. Für einen öffentlichen Wochen markt, der reinlich und hygienisch einwandfrei sei, trat Genosse Schmidt ein.— Bei dem Tuet: Gerichtslosten wurde von unseren Genossen der Vorwurf er- hoben, daß die Vertretung durch leichtfertige Prozesse hohe Kosten verursacht hätte, die jetzt die Steuerzahler zu tragen haben.— Der Antrag auf unentgeltliche Desinfektion, sobald dieselbe auf behördliche Anordnung geschieht, wurde ab- gelehnt.— Die Errichtung einer Fortbildungsschule wurde beim Bau des— nächsten SchulgebäudeS in Aussicht gestellt. U. a. wurde eine beffere und schnellere Reinigung der Straßen ge- wünscht. Bei dein letzten Schneefall habe man den Schnee an die Bordschwellen gekehrt und nur einige Fuhren weggeschafft. Dem Einwand, daß Mangel an Hilfskräften die Schuld an dieser Kalamität trage, wurde von unseren Genossen entgegengehalten, daß das nicht zutreffen könne, denn Arbeitslose seien genug vorhanden, die eine solche Arbeit machen würden. DaS Realgymnasium erfordert einen Zuschuß von 11386161 und die höhere Töchterschule exklusive der Kosten für Grund- stück und Gebäude einen solchen von 23 712,94 M. Trotzdem die Zahl der Schüler m Beiden Anstalten zugenommemm und dem- zufolge auch die Einnahmen aus dem Schulgeld gröstere geworden sind, erfordern beide Ansinlien einen um»och 81 OW M. größeren Zuschust wie im Vorjahre I Süt die etwa 346 Schülerinnen der Töchterschule leistet demnach die Gemeinde einen Zuschuß von 83 M. pro Kopf und für die 41V Schüler des RealgymnasiuinS und der Vorschule einen solchen von 282, SV Vi.— Für Anschaffung einiger Geräte für die F e u e r w c b r wurden 30V0 M. gefordert; eine Dampfspritze, die etwa 2S0V0 M. kostet, erhofft man von der Feld- gesellschast. Auch hier verlangte Genosse Schmidt ein der Neuzeit entsprechendes Depot an Stelle der jetzigen Rümpel- kammer, sowie an Stelle des jetzigen Meldesystems m o- Verne A l a r m n a ch r i ch t e n.— Von anderer Seite wurden Klagen gegen den Armenarzt erhoben, der es an Gewissen- hafligkcit und Sorgfalt gegenüber den Armen hätte fehlen lassen. Für die Eemcindcbibliolhck werden 900 M. mehr und zur Förderung der Jugendpflege 1V0V M. verlangt.— Anträge des Genosse» Müller auf Beseitigung der Lustbarkcitssleucr sowie der Biersteuer, welche namentlich die Gastwirte hart treffe, wurden von der bürgerlichen Mehrheit niedergeslimmt. In sozialpolitischer Hinsicht ist im neuen Etat von der rosigen Finanzlage bitter wenig zu spüren. Hcincrsdorf. In der letzten geheimen Sitznng der Gemeindevertretung wurde beschlossen, dem Genieindcvorsleher Herrn Krause� in Anbetracht seiner Verdienste um die Förderung der Heinersdorfcr Kanalisation und Wasserversorgung eine einmalige besondere Anerkennungszulage von 2000 M. zu gewähren und die Gehaltsskala um zwei Alters- Zulagen zu erhöhen. In Einwohncrkrciscn ist man der Meinung, daß die„aufopferungsvolle" Tätigkeit des Gemeindevorstehers etwas sehr reichlich entlohnt ist, zumal sein Gehalt im Vergleich zu den Ortsverhältnissen als ganz annchnibar zu bezeichnen sei. Ferner wurde den Herren Krüger sStcuererheberl und Grünwald sSckretär) eine Gratifikation von 500 resp. 300 21!. bewilligt. Da die Herren Gemeindevertreter gerade beim Bewilligen sind, denken sie hoffentlich auch an die Gcineindearbcitcr. Weihensce. Zu heftigen Auftritten kam cS in der letzten Gemeindevertreter- sitzung. Am Schluß derselben nahm Genosse Taub mann Bezug auf ein in einer Versammlung der Gewerbetreibenden verbreitetes Gericht, daß die Industriellen dem Orte den Rücken kehrten. An Hand von statistischem Material wies unser Genosse die Haltlosigkeit dieser Behauptung nach. In der betreffenden Versammlung hatte ein Fabrikant noch mitgeteilt, daß es Arbeiter, denen er Zeit und Geld zur Verfügung gestellt, um nach Weißensce zu ziehen, abgelehnt hätten mit der Begründung, daß sie in Weißensce keine guten Ein ziinmerwohrnmgen finden könnten. Den Herren Hausbesitzern wurde durch dieses Beispiel klar gemacht, daß auch die Arbeiterschaft sich nach guten Wohnungen sehne; ferner seien die sozialen und Wohl- fahrtseinrichtungeu eines Ortes niaßgebcnd, nin den Zuzug zu fördern, daher dürfe ein Stillstand in der Sozialpolitik nicht ein- treten. Der Vorfitzende des GewcrbevcreinS wünschte, daß unsere Genossen diese Aufklärung im Verein wiedergeben sollten, während Herr Teichcrt(Alte Fraktioni die Gelegenheit wahrnahm, um unseren Genossen zu beweisen, daß sie es gerade seien, die den Ort schlecht machen. Die Hausbesitzer müßten die Kosten der sozialen Ein- richtungen tragen und daher würden sie es sich noch sehr überlegen, weitere Mittel auszubringen. Auch Herr Becker schloß sich dem an. Zugleich nahm der Siedner Bezug auf die Kanalisationsbeiträge»sw. 2!u» war mit einem Male die schönste Wahldebatte inr Gange. Die Sozialdemokraten waren an alleni schuld, nicht weniger die fortschrittliche Fraktion. Genosse T a u b m a n n legte ein Zirkular vor, worin behauptet wird, daß die Sozialdemokratie mir den Fortschrittlichen KirchturmSpolitik treiben. Herr Könitz, als Verfasser des Zirkulars an die Forensen, suchte einen Fall von.Kirchturmspolitik" anzuführen,>vas bei dem Beigeordneten Dr. Klamroth ein Lächeln auslöste. Das brachte Herrn Könitz so iir Harnisch, daß er sich an Herrn Klamroth persönlich wandte und ihm in gehässigem Tone zurief:„Wenn Zeitungsartikel vorgelegt werden, dann sind Sie der Bulldogge, der die Sachen vorlesen muß!".Wenn ich nicht in Dresden gewesen wäre, danit säßen Sie nicht ans dem Platze!" Skachdem Herr Könitz noch etwas von Wahlagitation mit verteilten Rollen gestammelt hatte, brach er zusammen. Nach diesem Intermezzo nahmen die Verhandlungen wieder ruhigere Formen an; insbesondere wurde Herrn Könitz von unseren Genossen noch ein besonderer Schwindel nachgewiesen, wo- nach er sich beim Genossen Fuhrmann bitter beschwerte, daß er bciin Antrage auf Einführung von Wabllegitimationen uns tat- kräftigst unterstützt habe, bei der Wahl des Gewerbegerichtsvorsitzcnden aber heruntergefallen sei. Wannsee. Ter Zuschlag zur Gcmcindceiukommcnstcucr ist im neuen Etat auf 92 Proz. festgesetzt, gegenüber 90 Proz. im Vorjahre. Zur be- vorstchenden G e m e i n d e v e r t r c t e r w a h l ist für die 3. Klasse eine Ersatzwahl notwendig. Die bürgerlichen Parteien sind sich anscheinend über die Ausstellung eines Kandidaten nicht einig. Ilm so mehr muß es Aufgabe jedes denkenden Arbeiters sein, dafür zu sorgen, daß endlich auch in unser Gemeindeparlament ein Vertreter der Arbeiterklasse einzieht. Dies muß gelingen, wenn man bedenkt, daß bei der letzten ZieichStagswahl unser Genosse Zubeil 371 Stimmen erhiest, der konservative Kandidat aber nur 97. Nowatves. Die Ortskrankenkasse veranstaltet am Freitag, den 23. d. M., in der Valksschulaula, Scharnhorststr. 1, einen Vortrag über.Die erste Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen". Der Referent, Herr Dr. Wienccke auS Neukölln, wird das namentlich für die Arbeiterschaft wichtige Thema durch zahlreiche Demonstrationen erläutern. Der Vortrag, an dcns jedermann unentgeltlich teilnehmen kann, beginnt pünktlich SV-j Uhr. Hus Induftnc und Handel. 1736 284 M. Tantiemen! Die Nationalbank für Teutschland verteilt für das letzte Jahr auf 90 Millionen Mark Zlkticnkapital 6 309 090 M. gleich 7 Proz. Dividenden. Ganz abgesehen von den durch die verschiedenen ficht- baren und unsichtbaren Abzugskanäle abfließcitden Kapitalgc- Winnen, weist der Geschäftsbericht der Bank auch noch 1 730 284 M. Tantiemen auf. Diese machen, auf das Aktienkapital verrechnet, nochmals 2 Proz. Zinsen aus. Von der Gesamtsumme entfallen 780 000 M. auf oic Beamten. Den Löwenanteil heimsen die ohne- hin schon mit sehr hohen Gehältern beglückten Prokuristen ein. Den Rest, in Höhe von 950 284 M. teilen sich die Direktoren und AussichtSräte. Es erhält im Durchschnitt: Jeder Direktor und stellvertretende Direktor 51005?)!., jedes ZlufsichtSratsmitglied 34 740 M. Die Direktoren beziehen außerdem fürstliche Gehälter und die Zlufsichtsräte erhalten die Kleinigkeit für einige Konvcr- sationen mit nachfolgendem Tiner, eine Tätigkeit, die sie bei einer großen Anzahl in- und ausländischer Unternehmen ausüben. So ziert ein dem Zlussichtsrat her Nationalbank angehörender Herr Schuhlcr 10 Tantiemcposten und ein Regierungsrat a. D. Ernst Magnus gar 15. Mancher dieser AuSerwählten diniert sich so Millionen im Jahre zusammen!_ 6mcht9-Zeitung. Verleumdung im Wahlkampfe. In einer Versammlung, welche die Demokratische Vereinigung während des Rcichstagswahlkampfes im ersten Berliner Kreise ein- berufen hatte, sagte ein Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei, Bruno Cohn, seine Partei, beziehungsweise ihr Kandidat, der jetzige Reichstagspräsident Kaempf, sei im Besitz eines Strafregisters des demokratischen Kandidaten, Oberst a. D. Gacdke. Wenn Me Fork- schrittliche Volkspartei dies Strafrcgistcr veröffentlichen wollte, das würde Herrn Gaedkc sehr unangenehm sein. Herr Kaempf sei aber zu anständig dazu. Er habe seine Parteimitglieder vcran- laßt, keinen Gebrauch von dem Strafregister zu machen. Wegen dieser völlig unwahren Behauptung hat Oberst a. D. Gaedkc durch Rechtsanwalt Dr. Holpert eine Privatbelcidigungs- klagc gegen Cohn eingereicht, die gestern vor dem Schöffengericht verhandelt werden sollte. Es kam aber schon vor der Verhandlung zu einem Vergleich, in welchem der?lngeklogte erklärt:„Diese Aeußerung gemacht zu haben muß ich lebhast bedauern, da ich nicht den mindesten positiven Anholt hatte, noch weiß, der mich zu einer derartigen, vollkommen unmotivierten Nachrede hätte bewegen können, so muß ich zu meiner teilweisen Entschuldigung annehmen, daß mich die Erregung im Wahlkamps zu dieser falschen Behaup- tung verleitet hat. Ich bitte Herrn Oberst a. D. Gaedke um Eni- schuldigung und ermächtige ihn, da die von mir ausgestoßene Be- lcidigung bekannt geworden ist, diese Erklärung auf meine Kosten in fünf Tageszeitungen zu publizieren." Tie Zugentgleisung auf der Untergrundbahn. Ucbcr die Gerichtsverhandlung gegen den Zugfahrer Gicse und dem Zugbegleiter Jastcr wird uns von der Hochbahngescllschaft mitgeteilt, daß Giesc nicht behauptet hat,„daß es auf der Hoch- und Untergrundbahn bei der schnellen Zugfolge üblich sei, in voller Fahrt an dem auf„Halt" stehenden Signal vorbeizufahren, da dieses gewohnheitsgcmäß stets in dem Augenblick der Vorbeifahrt auf„freie Fahrt" gestellt werde". Solche Behauptung würde auch mit den tatsächlichen Verhältnissen nicht übereinstimmen. Nach der Fahrdienstvorschrift sei es selbstverständlich verboten, an einem auf„Halt" stehenden Signal vorbeizufahren; etwaige Ucber- trctungen werden auf das allcrstrcngste, eventl. mit Dienstentlassung, geahndet. Auch die Aufsichtsbehörden überwachten ständig die Pein- lichste Befolgung der von ihnen genehmigten Fahrdienstvorschriften. Keineswegs sei aus der Hoch- und Untergrundbahn eine Nicht- beachtung der Signale üblich._ Raffiniert ausgeführte Veruntreuungen wurden dem Handlungsgehilfen Otto Hcnnig zur Last gelegt, der gestern aus der Untersuchungshaft der 3. Strafkammer des Land. gerichtS I vorgeführt wurde, um sich wegen fortgesetzter Unter. schlagung, Betruges und schwerer Urkundenfälschung zu vcrant- Worten. Der Angeklagte war seit dem Jahre 1908 bei der Firma Oiiet schel u. Hcnncbcrg angestellt, bei der er die Lohnlisten zu führen hatte. Er bezog zuletzt ein Gehalt von 130 M. Er verbrauchte weit mehr. Um die zu seinem Lebenswandel erforderlichen Mittel zu erlangen, schrieb er in die Lohnlisten fingierte Namen hinein und steckte dann die hierdurch erzielten Mehrbeträge in seine Tasche. AlS schließlich von der Firma ein Manko von 800 M. entdeckt wurde, verlangte man von dem Ilngeklagtcn irgendeine Sicherheit Dieser verstand einen bei seinen Eltern wohnhaften Inspektor Neumann zu bewegen, ihm hierzu sein Sparkassenbuch über 1300 Mark zur Verfügung zu stellen und sich bereit zu erklären, mit 500 M. für den Angeklagten zu haften. Als sich dann herausstellte, daß der von Hcnnig veruntreute Betrag höher war, richtete die Firma an 2!cumann einen eingeschriebenen Brief, in welchem sie diesen aufforderte, sich bereit zu erklären, mit der ganzen Summe für den Angeklagten zu haften. Ter Angeklagte sing diesen Brief ab und fälschte auf der beigelegten Erklärung den Namen des Neumann. ?lls die Verfehlungen des Angeklagten schließlich zur Entdeckung kamen, ergab es sich, daß er insgesamt über 10 000 2'!. unterschlagen hatte. Der Staatsanwalt beantragte IM Jahre Gefängnis. Das Gericht erkannte jedoch auf zwei Jahre Gefängnis, da der Angeklagte einen sehr schwer liegenden Vcrtrausbruch begangen habe. Dienstbotcnbehandlung. Aus Halle a. S. berichtet man uns:„Ein bitteres Klagelied stimmte die 19 jährige Dicnstmagd Elise Krückcmcyer, die von ihrer „Herrin", einer Fabrikbesitzcrsfrau Lange, wegen Diebstahls de- nunzicrt worden war, vor dem Schöffengericht an. Das bisher un- bcscholtcnc Mädchen, das aus guier Familie stammt, sollte der Frau L. eine goldene Brosche entwendet haben. Mit Tränen in den Slugen beteuerte die K. ihre Unschuld. Die?lnzeige könne nur auf Haß und Ziache zurückgeführt werden, weil sie, Angeklagte, den Dienst habe vorzeitig verlassen müssen. Die Herrin, die auch schon einmal ihre goldene Uhr verloren, dann wiedergefunden, habe die Mädchen auch zu Unrecht beschuldigt, Gelder entwendet zu haben. Bei der geringsten Kleinigkeit habe Frau L. mit dem Kleiderbügel schlagen wollen. Zu essen bekommen habe sie, die K., Speckschwarte mit Grieß. Das Essen sei nicht zu genießen gewesen und das Triezen war nicht zu ertragen. Justizrat Alander, der die Ver- teidigung des Mädchens übernommen hatte, gab einen Brief be» kannt, in dem die Unglückliche den Eltern klagte:„Ich halte eS hier nicht mehr aus, wenn Ihr mich nicht holt, dann gehe ich in das Wasser." Auf die Frage des Verteidigers, daß der Dienstboten- Wechsel im Hause Lange wohl sehr stark sei, und wieviel Mädchen Frau L. wohl im vergangenen Jahre gehabt habe, entgegnete Frau L.:„Das weiß ich nicht." Ter Verteidiger bezeichnete die Anzeige als höchst frivol. Die Angeklagte sei getriezt, mit Schlägen bedroht worden und schließlich habe man auch noch ihre Ehre angetastet. Das Gericht sprach die Unglückliche kostenlos frei. Das Gesindegcseh gegen einen Maschinenmeister. Der Maschinenmeister Becker war auf dem Gute des Herrn v. Gröben als Führer des Tampfpfluges angestellt. Er sollte das Gesetz über die Dienstvergehen des Gesindes und der ländlichen Arbeiter vom 24. April 1834 übertreten haben. Und zwar wurde ihm„hartnäckiger Ungehorsam" vorgeworfen. Der Tatbestand war kurz folgender: Der Oberinspektor Hoffmann hatte den Auge- klagten eines Tages aufgefordert, zu ihm zu kommen, damit er etwas mit ihm besprechen könne. B. ging aber nicht zu ihm und befolgte auch eine zweite, ihm ebenfalls, wie im ersten Falle, durch einen Angestellten übermittelte Aufforderung gleichen Inhalts nicht. Darauf hatte der Oberinspektor Strafantrag auf Grund des gc- nannten Gesetzes gestellt. Die Strafkammer in Braunsberg verurteilte auch den Ange- klagten wegen„hartnäckigen Ungehorsams" zu einer Geldstrafe, indem sie ausführte: B. gehöre nach seinem Vertrag zu den länd- lichcn Arbeitern im Sinne des 8 2 c des Gesetzes von 1854, da er gegen einen im Voraus bestimmten Lohn und gegen freie Woh- nung in einem auf dem Gute befindlichen oder sonst dem Besitzer gehörigen Gebäude zur Bcackerung des Bodens(Führung des Tampfpfluges) angenommen worden sei. Er hätte der Aufforde- rung des Oberinspektors Folge leisten müssen. Da er dies zwei- mal verweigerte, so sei darin ein hartnäckiger Ungehorsam gemäß dem Gesetze von 1854 zu sehen, denn ein hartnäckiger Ungehorsam im Sinne dieses Gesetzes liege auch dann schon vor, wenn eine Aufforderung, die dieselbe Angelegenheit betreffe, zweimal ergehe und beide Male nicht befolgt werde. Der Oberinspektor sei auch berechtigt gewesen, an Stelle der Dienstherrschaft den Strafantrag zu stellen, da er Generalvollmacht gehabt habe, Leute anzunehmen und zu entlassen. Das Kammergericht verwarf dieser Tage die gegen das Urteil vom Angeklagten eingelegte Revision mit der Begründung, daß das Landgericht ohne RcchtSirrtmn hartnäckigen Ungehorsam angenommen habe. Wenn das Landgericht den Vertrag des Airgc- klagleck dahin auslege, daß« ein ßnMBHef Ktfiett« ta der int§ 2 c angegebenen Kennzeichen sei, dann sei daA tatsächltcheii Natur, denn ein Vertrag sei keine Rechtsnorm, Dal RevistowS« gericht sei an diese Feststellung gebunden. Daß ein Maschinenmeister ein„ländlicher Arbeiter" fei, ist eine starke„tatsächliche Feststellung". Das Kammergericht hätte den Rechtsirrtum, der in dieser falschen Feststellung liegt, entdecken sollen. Oder wäre es auch wehrlos, wenn ein Landgericht bei Vem letzung von Arbeiterschutzvorschriften in einem gewerblichen Betrieb? etwa„tatsächlich feststellt", der Gewerbebetrieb ist ein landwird- schaftlicher Betrieb?_.-* Hu9 aller Melt. Tie Autoraserei. In der Nähe des rheinischen Dorfes Osterath stieß das Automobil eines Tierarztes in voller Fahrt gegen einen Prellstein. so daß eS umkippte. Von den Insassen wurden der Tierarzt und seine Frau schwer verletzt, ihr vierjähriges Kind ge« tötet.— Ein anderer schwerer Automobilunfall ereignete sich in der spanischen Ortschaft S a r r i a. Das Automobil des Groß- industriellen B e r t r a n, in dem sich dessen drei Söhne befanden, stieß in voller Fahrt mit einem Straßenbahnwagen zu- sammen. Tie drei Insassen des Automobils wurden auf die Straße geschleudert, der älteste der Brüder war sofort tot, die beiden anderen erlitten so schwere Verletzungen, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürften. Ein Senator als Erbschaftsschtvindler. Der ftühere Senator Frank Gardener und ein Kranken- Wärter namens Georg Decker wurden gestern in New York verhaftet unter dem Verdacht, dem Millionär H a x l o tt, der vor kurzem verstarb, ein gefälschtes T e st a m e n t zur Unterschrift vorgelegt zu haben, das die beiden Verhafteten zu Universal- erben seines Vermögens einsetzte. Der Advokat beS Millionärs namens Lord entdeckte jedoch die Fälschung und brachte sie der Staatsanwaltschaft zur Anzeige. Gardener war bis zum Jahre 1911 Mitglied des Senats, mußte aber, da er in eine ähnliche Schwindelaffäre verwickelt wurde, sein Mandat niederlegen. Einsturz eines Neubaues. Ein schwere? Bauunglück hat sich am Montag in Brüssel zu« getragen. Ein im Neubau besindliches HauS stürzte ein, während zehn Arbeiter darauf beschäftigt waren. Die Rettungsarbeiten wurden sofort in Angriff genommen und zwar unter Mitwirkung von Soldaten einer in der Nähe gelegenen Kaserne. Nach einiger Zeit konnten die Arbeiter aus den Trümmern geborgen werden. Zwei von ihnen waren bereits Leichen, drei waren schwer verletzt, während die übrigen fünf mit leichteren Verletzungen davongekommen waren. Kleine Notizen. Vom Zug siicrrascht. Ein schwerer Eiienbahnunfall ereignete sich Dienstag inorgeii auf der Eiseiibahnstrecke Homburg-Fried- borg tit der Nähe der Station R o d b e i m. Der Personenzug 920 fuhr in eine Rotte italienischer Arbeiter, von denen einer getötet. zweischtvcr verletzt und mehrere leicht verletzt wurden. Ter Personenzug hatte an der UnglückSsielle eine Kurve zu passieren. BiSlier waren die Arbeiter durch Läutefignale gewarnt worden, waS heute morgen anscheinend unterblieben ist. Grubemnifall. Auf dem Hohenthalschacht bei EiS- leben wurde in der letzten Nacht durch zu frühes Losgehen eines Sprengschusses einem Bergmann der Kopf vom Rumpf gerissen; zwei Bergleute wurden schwer und vier leichter verletzt. Tic Liebe. Aus Eifersucht hat am Dienstag vormittag in Wien ein junger Mann Namens Spanninger seine Braut, eine Kontoristin Fiedler erschossen. Als drr Attentäter sah. waS er angcrichtc! hatte, jagte er sich eine Kugel in die Schläfe, was leinen Tod herbeiführte. Das Drama auf der„Libertö". Bei den HcbungSarbeiten an dem Wrack des französischen Kriegsschiffes Liberlö wurden am Montag noch zwölf Leichen entdeckt, die furchtbare Ver- stümmelungen aufwiesen. Da die Körper bereits stark in Verwesung übergegangen find, wird die Persönlichkeit der Toten kaum noch fest- gestellt werden können. Furchtbarer Selbstmord einer Geisteskranken. In der St. Poli- karpuökirche in L y o n verübte eine etwa 30jäbrige Frau, die auS einer Privatirrcnanstalt entflohen war, Selbstmord, indem sie sich eine Flasche Essenz über den Lkopf und die Kleider goß und d i« Flüssigkeit a n st e ck t e. Im Nu glich die Unglückliche einer lebenden Fackel. Auf ihr Geschrei eillen Leute herbei, jedoch war jede Hilfe vergeblich; die Frau verschied nach wenigen Minuten._ Marktbericht von Berlin am 1«. Februar 1912. nach Ermittelung de? königl. Polkzeipräiidiums. Markthallcnpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36,00—50.00. Sveücbohncn weiße, 30.00— 60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 10,00—15,00. 1 Kilo- »ramm Riiidsleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch. Bauchflcisch 1,30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Z-aiiimclffcijch 1.30— 2,20. Butter 2,60-3,20. 60 Stück Eier 4,50—7,50. l Kilogramm Karp'eu 1,20—2,40. Aale 1,20—3,00. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,40— 2, 60f Barsche 0.70-2,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 4,00-30,00.__ Witterungsübersicht vom KO. Februar 1912. Etattonen SS Z E iE sf Detter t»« c *11 5? hS> Swlnemdc 752 SSW 3bedeckt Hamburg 752 SW! 3bcdeckt Berlin 753 s firanks.a.M. 755 sW München Wien 750 SW i lo»,__,,»» m j757®3!2S. Iswolkig 2.woltig 4 wolkig 4bcdcckl Stationen SE s S ?-2 Sc *= -- 3 ÄS Detter c» 5« k? h2> 4 tvolkenl—33 Haparanda 770:51 Petersburg—!- Scilla>754«NB 7balbbd.! 8 Abcrdecn 746SRL 4 Regen s 4 Pari» 1756S3S 4 wolkig 6 Wetterprognose für Mittwoch, den 21. Februar 1912. Etwas kubler. vorherrschend wolkig mit leichten Sicoensällen und ziem- lich frischen westlichen Wuiden. B-rliner Wetterbureau. der » v. n T..1.�".kst�ands.Nachrichten m... LandeSanflalt für Gewassertunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterbi Wasserstand M emel. Tilsit P r e g« l, Jn sterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krosscn , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz Dresden . Berbp , Magdeburg am seit 19. 2. 18. 2. cm entfl •127», 0 -40»)|+2 92»)+16 184 177»)l lol»), 86»,; 51») 42») 142! -100 1 230») —6 +18 +8 +8 — 1 —16 —6 —4 —86 378»),+194 Wasserstand Saale, Kroifflltz H-o-l, Spandau») Rathenow») Spree, Spremberg») Bccskow Weser. Münden Minden Rhein, MaximilianSau Kaub s Köln Neckar. Heilbronn Main. Wert heim Mosel. Trier '1+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) llnterpegel.—•) EiSstaud. —*) eisfrei.—») mähiger Eisgang, um 2 Uhr nachts höchster«äffet- stand: 209 cm—•; um 91/* Uhr vormittags Eiiaujbntch. i Malcbower Kautabake! 5 Vrtr cht, wenn mit Zettelcinlage 1 Johann Dannehl, Malchow. • Generalvertrieb durch CaM RÖCkGPi H Kst 8361. Derlin 0 27, Grüner Weg 119. 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Softiiretp Taffo. «Ininstg�'/, Nbr. Ztgl. OveruhMS. Der Rolenknvallcr. «gl. Schauspielhaus. Der Bettler von Svrakus. Neues«. Operutheater. Egmont. Teutiches. Penthesilea. Zirkus Bulch. Gala-Vorslclliing. Zirkus Sri,»mau». Gala> Vor. stellung. Zirkus Sarrasani. Gala. Vor- stellung. Haverlanv. Spezialitäten. tlniam« 8 Uhr. Urania. Tnubeuitraste 48/49. Der Großglockner, Gastein und die Salzburgcr Zllpen. KSniggrätier Strasse. Die süns Franksurter. Rri.es Sri nniPlelbanS. Ueber unsere tlrost. I. Teil. Neues. Ter liebe Zlngustin. «ainnicrspirle. Eine glückliche Ehe. Lesung. Erde. Slointcsse Mizzi. Residenz.?lllcS silr die Firma. «oiniiche Ever. Der Barbier von Sevilla. Phanlnsicläiize. Kursürsteuoper. Guo Vackis? Lvcsten. Wiener Blut. Luftipiclbaus. Di« Damen deS Reginiciits. Kleines. Und das Licht scheint in der Finsternis Berliner. Große Noflnen. Neues Lveretie». Eva. Schiller O. Ter Slilometcrfvcffcr, Scti n-El arlotteubur«. Gräfin Lea. Friedr.. Wilh. Schanfpiclhans. Der Fcldhcrrnhügel. Luise». Morig Sluart. Rose. Zwilling«. 4N»tri>i u Tic Nacht von Berlin. Trianon. Das kleine Ense. Thalia. Polnisch« Wirtschast. Casino. Dcr.KaiHpf ums Dasein. Avauo. Svezialitäten. tvallnge. Sveziniitälen. Hcrriifrld. Wie inan Männer bessert. Der Hauiicusel. Reiltis> iirn. Stcttiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Königs, adt- Kasino. Das Modell. Die letzte Zlojc. Spezialitäten. «nsang 8'/, Uhr. FolieS ktaprirr. AandelblütH'S Polterabend. LöSgclassen. Wasscni Übung. Walhalla. Menschenrechte. Boigt. DaS Geheimnis eines jlönigShanscS. Ansang S>/, Ubr. Neues Bolkstheatcr. Nathan der Weise. Belle-Sllliance. Zaplenftreich. '.' Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. Leiiiiles-Itiesier 0.�' Mittwoch, abendS S Uhr: vor liiloiMetertresner-. SEominätug, abends 8 Uhr: König Heinrlcb. Frei mg. abends 8 Uhr: Der KilonietCPffCMNcr. Schiller-Tlieaier ChCen Mittwoch, abends 8 Uhr: GrUfln l.ea. Donnerstag abends 8 Uhr: Kyi'litf P�'pit*. Freiin�abc�s 8 Uhr: Gritllii l-e»._ Nettes- Theater. NbendS 8 Uhr, Ter liebe Augustin. SonnL 3� Uhr: Der tldele Bauer Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Wiener Ä l u t. Sonntag 3'/, Uhr: Fin Walzertraum Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Ubr: Alles für die Firma. Schwant in 3 Alten von M.Hennegnin und<». Mitchell. Für die deutsch- Bühne bearbeitet von Bolten-Baeckers. Morgen u. solg. Tage: Alles t. 0. Firma. Sonulag, 25.12., 3 U.: Der Prinzgemahl. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. fKMiiiilei'Wggi'ätMZti'M Abends 8 Uhr: Die 5 Fraukfurler. Lnisen-Theatcr. Miltwoch: Maria Stuart. Donnerstag: Ter Brrichwendek. Freitag: Tominerspuk._ Belle- Älliance-Thealer. «'/- uhr- Zapfenstreich. Donnerstag: WallcnsteinS Tod. Große FrantstlNer Str. 132. Ansang 8 Uhr. Zwillittge. Drama in 5 Akten v. H. W. Tannhciin. Donnerstag: Ziini erste» Male: Napoleon Bonaparte u. seine Frauen. -1! it Metropol-Ilteataf, AbendS 8 Uhr: Rauchen gestalte!. Die Nacht von Berlin! Große Jahresrevue in 7 Bildern von SViiI. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir.!>t. Schultz. BorlcUie Woche des große» komischen Programms. Lachen ohne Ende über ]*!u»K lieckers den populären sächs. Grotesk-Komlker. MM» ein neuer Zeuzsliollsersoig �Aie man� Männer beszert. 2 Alle von Anton». Donat Hcirnfeld mit den Autoren in den Hauptrolle». Hlci'zn die Novität: gel' iliaustcufel. Ansang 8 Ubr. Billcttvorvcrkaut 1 1—2(Theaterkasse). „cuotl" Berliner Kon?ert-Nau8. klauerstr. 82 Limmers tr. 90/91. Großes Konzert und III ZMIerlhaler«nick Tegernsee«- Sänger, Plädier und Jodler!!! An allen Wochentagen nachmittags: Großeit Proinonnden-KoiiBert bei freiem Eintritt. Neue Weit, l Arnold Schols, Haiscnhelde 108-114. llcntc Mittwoch, den 21. Fcbrnar 1912: __ Elitetag/. Bockbierfest in den bayrischen Alpen. Im neuen Saal: GROSSER BAI-E. Voranzeige! DounerHtag, den 22. Eebruar 1912: j pramiieru«'9 grön(eii Pleureuseii-Dameii-FeileF. 3 bare Goldpreise: 50,—, 30,—, 20 Mark. Anmeldungen bis 10 Ubr abends an der Kasse. 30 bayrische Madl. 5 Kapellen,! Trinnon-Theatcr. Täglich abends 8 Uhr: Das kleine Cafö. Das Londoner Mirakel Die Frau,,, in der KBIin8! Befreiung aus d. Wassergrab Lebend! liebend! FaktraTruppe 15 Personen in ihren religiösen nttrlyrcrProdiihtloncn Wochentags 4— 7 Uhr: Lichtspiele Ohne Eitra-Entree. am Roscnlhalcr Tor. Allabendlich Hll, llhr: Größlcs soziales AuSftat- liings-Voltsslück mit Ballett und Gesang in 5 Akten von ! Map Rcichardt. In Szene gesetzt v. Dir. JaincS Klein. 1. Akt: Geheimnisse im! Privaltonlor. 2. Alt: Die! große Protestocrlainmlung. 3. Akt: Im Balliaal. Am! Rande deS Abgrundes. 4. All: Arbeil nieder 5. Akt: Ein Gottesgericht. Somilsg nachm. S'/i Uhr: pif größtf Sünde. Casino-Theater Lotbringcr Str. 37. Ansang 8 Uhr Ter grösite Thcatercrsolg! Täglich ansvcrkaust. Der sinmpf ums Dasein. Allucll I Den« heutigen Leben ent- »online,«.— Sonnlag nachin.3st»Nhr: Der selige Hollschiuökll. Mjermanla-PraelilLale N., Chausseestr. 110. Carl Richter. Jeden Mittwoch: Paul Mantheys lustige _ Sänger. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Nachdem Freitanz. — Vorzngslartcn gelten.— i Morgen Donnerstag: ( Militär-Streichkonzert. Anschließend: Familienkränzchon ohne Nachzablunq. k 1 rww\Mww*wi*wmwwmmmmvmi3 Königsiadt-Kaslno. Ecke Holzniarkt- u.?l exaiiderstraße Täglich abends 8 llhr Theater und Varictd. Außer den Spezialitäten z»vci Theateritiide: „va, 8olteII-- von E. Alki/ander. „Die letzte Roee" von O. Nichter. 1 Admii�spalast ! 4in Bohnbcl hlcdildiliross« 12it>-Arena. Kachmittags: Militär- Konzert. Kunstlauf• Produktionen. , Abends die Novitäten: | Tänze a. d. Eise, Bhoin- länder, Russisch, Engl., ■ Alt-Wiener Walzer und I Die kleine Charlotte.! | Der norwegische Meister f 1 Harry Paulsen | sowie d.privcht. Eisballett Alpcnzanbcr. Bis 6 Uhr und von 10«i Ubr halbe Kassenpreise. Restaurant I. Ranges. Zirkus A. 8clmiiiaiiii Heute Mittwoch 7'/, Uhr: Elite> Abend mit gr. Sportsprogramm. Auftreten von Direktor Alb. Schumann mit seinen neuesten Kreationen. Gebr. Wobb. Fräul. Dora Schumann, die beliebte Schulreiterin. Um 9 Uhr: Das neueste, größte, nicht zu übertreffende Ausstattungsstück Das Motorpferd in 5 Akten. Besonders hervorzuheben: 3. Akt: Im Innern des Warenhauses. Die prachtvolle Schlußapotheose. Die 100 FuB hohe Fontaine lumineuse. Urania. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Der Großglockner, Gastein und die Salzburger Alpen. I. 4 Vorträge über Naturdenkmalpflege. II. Die naturwissenschaftL Grundlagen der Kinematographie. III. Die mechan. Technologie der Metalle. IV. Bedeutung der Astronomie für die moderne Bildung. Beginn demnächst. Prospekt kostonlos. Passage-Theater. Schneider-Duncker Carl and Lotty die berühmt. Excentr.-Tänzer. Luise Schäfer The Hevaidos Truppe d. best. Schleudorbrett-Akrob. und d. Febr.-Glanzprogr. 14 erstkl. Spezialitäten. Zirkus Busch Mittwoch, don 21. Februar ,912, abends 7'/, Uhr: Großer Galn-Abcnd! Debüt! Debüt! Debüt! OV Berlin* grö&te Sensation: Der Bär auf Rollschuhen. Der Höhepunkt der Tierdressur. Ferner die japanischen Sportspiele. Clown Armando mit dem boxenden Känguruh usw. Um O'/j Uhr: Die Mexe. Gr. Volks-Manoge-Schauspiel] des Zirkus Busch in 7 Bildern Alcxanderplatz Unter den Linden Iii der berühmte holländische Schauspieler in dem realistischen Drama: „Oeldgier" II die„Duse der Kinokunst* in der Tragödie: „im großen Augenblick" Moritzplatz Hasenbelde in nrii „Kameiiendame' WEDDINQ Roinlckendorferetr 14 in„Die Macht des Goldes" Schauspiel in 5 Akten. Außerdem in all. S Etablissements die übrigen Novitäten. Boigt-Theater. Geiinidbrnnncn Badftraße 58. Mittwoch, den 21. Februar 1912: Das Geheimnis eines Königshauses. Schauspiel in 9 Bildern. Kasscncrössnung 7, Ansang 8'/, Uhr. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Von! Ken! Pantoffel-Helden. Burleske v Rcichardt. Anfang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Freitag, 23./2.: Fest-?oiree für die WitNie» u. Waise» des Vereins Berliner Feuerwehr- niänner, nnter Mitwirkung der gesamten Fcucrlvobr- Kapelle unter Leitung ihres Dirigenten E. Schulz. Der volle Erlrag, ohne Abzug irgendlvelchcr Iliikofte». kommt dem wohl- tätige» Ztveck zugute. FoIies Caprice. Täglich 8>/. Uhr: Losgelassen. Waffen Übung. MandelblüthS Polterabend. Für den Jupat« der Jnierare „bernlulmt die Redaktion Zdcm Publikum gegenüber keinerlei Bcraniwortung. Todes-Anzeigen a Am 19. d. Mts. verschied infolge Herzschlags mein innigst geliebter I Mann Berthold Händschke im 39. Lebensjahre. 271/6 Dies zeigt liefbetrübt an Frau geb. Müller, Niederschöneweide. Die Beerdigung sindel am Donncrslag, den 22. Februar er.. nachmittags-l Uhr. von der Leichenhalle des Niederschöneweider Friedhofes zu Alt- Glienicke bei AdlerShof ans statt. 1 1. Berliner Reiclistags-Wahlkreis. Am Montag, den 19. d. Mts., früh 9'/, Uhr, entschlies unser Parteigenosse, der Kassenbeamte Bertbold Händschke im 39. Lebensjahre. Ehre seinem Nndeuken: Die Beerdigung sindel am Donnerstag, den 22. Februar, nachmillags 4 Uhr, von der' Leichenhalle des Friedhofes Nie» derschöneweide(Alt- Glienicke) aus statt. 206/3 (Die Genossen treffen sich i-/f Uhr Bahnhof Jannowitz- Brücke.) MBdUreauaDgesieliten Ortsgruppe Grost-Berlin. Den Kollegen zur gefl. Kenntnis, da» unser Mitglied, der Kassenbeamte Berthold Händschke (O.-K.-K. der Bureauangestellten) an Herzschlag plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. Februar, nachmittags 4 Uhr, von derLeichen- halle des Nieder-Schöneweider Friedhoses in Alt-Glienicke bei Adlershos aus statt. 47/2 Zahlreiche Beteiligung erwartet Tie Ortsverwaltung. ZiacKraO Am Montag, den 19. d. M. ver- schied plötzlich am Herzschlag der Kassenaiigeftellte. Herr Berthold Händschke. Wir verlieren in dem Eni- schlasenen einen treuen Mitarbeiter und lieben Kollegen und sichern ihm bleibend ein ehrendes An- denken. 271 /S Berlin, den 20. Februar 1912. Der Aorstand und die An- gestellten der OrtSkrankenkaffe der Bureauangestelllen zu Berlin. Die Beerdigung sindet am Donnerstag, de» 22. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Niederschvneweider�Fried- hoseS(Alt-Glienicke) aus statt. RuÄWMiAMMverelo des 6. Bert. Reielislags-WaiilkreisBS. Am 19. Februar verstarb unser Genosse, der Gastwirt Eiclljarcl Lemke Schlegelstrahe 5. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 22. Februar, nachmittags 4 Uhr. aus dem städ- tischen Friedhos, seestrage, Ecke tlllüllerstrahe, statt. 225/20 Um rege Beteiligung ersucht Vvr Voruteend.. Oeutsciier iMotallarbeiter-Verband Verwaltungsslelle Berlin, Todes-Anzdsen. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Presser Lmtl Laaß gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. Februar, nach- mittags 3>/z Uhr, von der Leichen- Halle des Kirchhofes in Ahrens- selde aus statt. Ferner starb am 19. Februar unter Mitglied, der Dreher E&usi'ißlLvnHlCv Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. Februar, nachmillags 2'/, Uhr. von der Leichenhalle des städtischen Kirch- Hofes in der Müllerstrage, Ecke Seestrage, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Xaolii-sik'. Ferner starb ani 15. Februar unser Mitglied, der Former Otto Lckerrner. Ehre ihrem Andenken: 112/17 Bis Ortsverwaltung SozialdeBiokrat. tfablverein NeukölBn. Den Parteigenossen zur Nach- richt. dag unser Mitglied, der Metallarbeiter Schnell Olerstr. 10(16. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute, Mittlvoch, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi» I' Kirchhofs, Hermannslrahe, aus statt. _ Per Torstand. Vkrlmud der Maler, Lackierer, AnSreicheraslo. Filiale Berlin. Unseren Kollegen zur Nachricht, dag der Kollege Unns Neddermeyer am 17. Februar 1912 verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. Februar, nach- mittags'/U Uhr, von der Halle des Auferstehungs-Friedhoses in Weihensee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 128/3 Bis Brisvsrwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler Riräolk Bitzer Grohe Frantsurter Str. 63, im Alter von 41 Jahren ver- storbe» ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 21. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Markus- Kirchhoses in Wil- Helmsberg aus statt. 79/7 Tie OrtSvertoaltung. Am Montag, den 19. d. Mts., verstarb nach langen, schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater, Bruder, Schwager und Onkel Waldemarkabrovsky im 56. Lebensjahre. 1046 Bio trauernden Hinterbliebenen: Anna rabrawsky nebst Kindern. Die Beerdigung sindel Donners- tag, nachmittags 2'/, Ubr, von der Leichenballe des städtischen Fried- hoss, Müller-, Ecke Seestrahe, statt. Nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb unsere liebe Tochter lb'i-ld». DieS zeigen tiesbetrllbt an dlaUuN Sieber nebst Frau. Die Beerdigung findet am Donilerstagnachinitlag 2 Uhr aus dem Petri- Kirchhos, Frieden- slrahe �4. statt._ 1095 SozialdEiRokratisetiWalilYereiD Neukölln. Den Genossen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Kohlen- Händler >VilKelm Krause (Weserstr. 49, 6. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neu- löllner Gemeinde- Friedhoses, Mariendorscr Weg, auS statt. Der Borstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dah meine liebe Frau, meine gute Mutter, unsere gute Schwester, Schwieger- lochter und Schwägerin Knns Raczek geb. Hillniann, am 13. Februar, vormittags 9 Uhr, plötzlich verstorben ist. Dies zeigen tiesbetrübt au Itisri Raczek und Sohn. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 22. Februar, nachmittags 3'/. Uhr, von der Kapelle des Sudwesl-Kirchhoses in Stahnsdorf aus statt. 2033L 8g!iMeWkrätize!ierVMei'eiii Lksrlottenburx. Sonntag, den 18. Februar, starb an Herzschlag unsere Genossin Anna Raczek (1. Gruppe). Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. Februar, nackmittags 3'/» Uhr, in Stahns- dors statt. Absahrt: 2.07 vom Lahnhos Charlottenburg. 250/10 Um rege Beteiligung ersucht Per Vorgtand. na Am 19. Februar, nachmittags 5 Uhr, verschied sonst nach langen, schweren Leiden mein innigst- geliebter Mann, unser treu- sorgender Bater. Schwieger- und Grohvater, der Gastwirt Heiiiricli Horsimann im 52. Lebensjahre. Dies zeigen ttefbetrllbt an Bis trauernden Hlntarbliobsnon. Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. Februar, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle des St. Andreas-Kirchboses in Ailhelmsberg aus statt. 2031L Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, sage» wir allen Freun- den und Bekannten unseren herzlichen Dank. 2035L Rax Werth. Frau Muasimann. Reizende MftkR-lMK tn Kostümen u. Paletots Celegenheitsköiife pB�"de,!cni•eh Paris. Orig.-Modello, z.T. schon für die«ZMel— ROSlÜlMiSSlS, II, 24,30-15111 •aal Ischen Charakters flik'is. Seide 1 KOStflffle SÄ 15,18,23, 28-6519. Ulster iT"""""; 9,12,15, 18 551 28.32,36.45-20061. Zu ledern Preise verkaufe ich die Restbcslände aus der lelztcn Inventur; ca."150 PlCschmSntol X ca. HO Pelzmäntel ca. 4O0 Abondmfiutel X ca. 150 Pclzhtolen ca. 200 St. schwarte Konftkt.'on X ca 50 Astrauhanmantel ttr.ahrenstrasse 37a nahe Jcrusalcmcrair.— Gr. Franklurter Str. 115 — nahe Aodrcasstrassc,— HBtaM Filiale 0s*oß-3erlin. Freitag, den 23. Febrnar, abends 6'/s Uhr: Ordentliche General- Versammlnng im Gewerkschaftshause, Engelufer 13, grostcr Saal. Tagesordnung: 1 Bericht des Gesamtvorstandes vom 4. Ouartal 1911 und Diskusfiou über de» Jahres. bericht des Gesamtvorstandes, der Revisoren und der heiztcchnischc» Kommisston. 2. Diskussion über die in den Bezirken aufgestellten Kandidaten z« dem Borstande, de» Revisorr» und dem Zlrbettsnachwciskuralorinm. 3. Wahl eines Beisillcrö zum Zentralvorstaud. 4. Verschiedenes. Mltgtiedsbnch ttgitimlert. Erslheinen alitr Kollegell vowendig. 192/5 Pvr Vorstand. Verband der Maler, Zackierer, Bnstreicher Filiale Serlin. Melchiorstraße 28, Part. llSlv. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Tonnerstag, den ÄS. Februar 1912, abends 8Va Uhr: mr Große Versammlung"»! in Mörncrs Fcstsälen sfrüher Keller), Koppenftr. 29. Tagesordnung: 1.„Unsere Organisation und ihre Erfolge unter dem Zeichen der Tarifverträge.' Vcrbandsvorfitzendcr Kollege A. Tobler, Hainburg.— 2. Diskussion. Kollegen! Agitiert für einen guten Besuch, kein Kollege darf in der Bersammlung fthle«! Die Ort�verwaltuug Zteserent: 123/9 Mnl ier Brauerei- miil nieuarlieiler KUSlSS Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah am 16, d, Mts. nach zwei- tägigem Krankenlager infolge Un- falls unser Kollege, der Bicrsahrer �uzust vraxer (Löwenbrauerei, Abt. HI) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. Februar, nachmittags 4'/, Uhr. von der Leichenhalle des AuserftehungS« Kirchhofes, Weihensee, Lichten- berger Str. 110—123, aus statt. Ferner verstarb im«ranken- bausc in Fllrstenwalde unser Milglied, der Mühlenarbriter kriediich Fleischer im Alier von 29 Jahren an der Proletarierkrankheit. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. Februar, nach. mittags 5 Uhr, in Fürstenwalde statt. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht, Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die überaus reiche» Kranzspenden bei der Beerdigung meiner iicben Frau sage hiermit allen, insbesondere den Kollegen der Firma Vonhoff u. Ta» ncrt. dem Personal der Firma A, Nürnberg, dem Verband der Schneider und Schneiderinnen, der Bauiiichlerkommissioii Groh< Berlins, den Genossinnen de» Leseabends der 20. Abteilung, dem Bezirk 783a des 6. Wahlkreises, sowie de» Sängern meinen herzlichsten Dank. 2034L t'rlodricli ViehBtUdt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnabme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters, des Sicindnickers Perui OrUttc, sagen wir allen Teilnehmern der Lc- crdigung unsere» bellen Dank. 102b Ernestine Grfitte nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines liebe» Mannes, unseres Sohnes und Bruder« sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bc- kannten sowie deni Wahlvcrrin Nieder- Barnim, Bezirk Lichten- bcrg, dem Deutschen Metallarbeiter- Verband Berlin, dem Rauchklub „Lhne Pfeife", dem Gesangverein Lichtcnberger Männcrchor, ins- beiondcre dem Genossen Jaffk« für die trostreichen Worte am Sarge des Entschlafenen unseren innigsten Dank. Witwe Ulwri, Cirnnsvuld nebst Kindern und Verwandten. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner geliebten Frau sage ich allen Ver- wandten. Bekannten und Genossen meinen ttesgeiüblteiten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen. 107b Oskar Jentsch, Schankwirt, Elifabcthuser 26. Dank fage Ich allen Kollegien und Kolleginnen meines Vaters und dem Zcniralverbaiid der Hutmachcr für die rege Teilnahme an der Lccrbigung. 103b Oertrud Hndlcr. ölllmu-»ud ßrambludem von Aug. Meier, Wafiertliorstrahe 37 ILBerllandtags-Wahlkreis NNttwoch, den 21. Februar, abends 8'/, Uhr: Zivkl öffklltlilhk MählniittsmmlWt» in den Lokalen: Schuhmacher-Jnnungshans, l Julius Meyer» Fischerstr. 25.| Oranienftr. 103. Tonnerstag, 22. Febr.: Kreuzberg-Festsale, Krenzbergstr. 48. Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Landtagswahl. 2. Diskusfion. Z. Aufstellung der Lahlmänner. 4. Berfchiedenes. 204 Zahlreichen Besuch erwartet L. ß* Dan Wahlkomitee. A.: H. Schröder, Bergmannstr. K. Mittwoch, den Jll. Februar, S'/s Uhr, in den Araninhallcn, Kommandantenstraste Nr. 58: Bellentliehe Versammlung. Vortrag von Dr. Max Maurenbrecher: ittn Mlam der Müs 286/18 Diskussion. Eintritt frei für jedermann. Pinna Cauei-, Vorsitzende, Wormser Straffe K. Maschinen arbeiter. Bezirk Norden, Moabit und Charlottenburg. Donnerstag, den SS. Februar, abcndS7Uhr. tn ObigloS Festfüle», Schwedtcr Ätraffc SS Sl: Bezirks- Bersammlung PW Alle Betriebe muffen vertreten fein; speziell die Kollege», die nicht im Besitz einer Bertrauensmunnerkarle sind. LinsetDer. Donnerstag, den SS. Februar, abends 8 Uhr, bei vorker, Weberftr. 17: Kranchen'Rersammlnng. Tagesordnung: 1. Nutzen des Nachweiies. Referent: Kollege Neumauu vom Haichtvorstand.— 2. Branchcnangelegenhciten und Be�chicdenes. Um zahlreiches und pünltlichcs Erscheinen wird gebeten. 79/6 Äcinimg! Bäckerei-Boykott. Aeinung! Tie Differenzen, die ich mit dem Vertrauensmann des Bäcker- und Kondiiorenverbandes gehabt habe, sind jetzt zur beiderseitigen Zufriedenheit beigelegt, und liesere dem Publikum von jetzt ab boylotlsrcie Ware. Achtungsvoll I>enkewUz, Jabl-nskist.. 14. Brstättqt durch den Tlertraucnsmann des Bäcker-«. Zkonditoren. Verbandes Berlins u»d Umgegend. tMAW Danksagung. Für die überaus zahlreiche Je- iciligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meines nnvcrgefflichen Mannes, des Ziestaurateurs Ernst Greulich. insbesondere dem Gesangverein.vn- verdrossen", dem Aeddinger und Freien Gastwirtc-Verein, den Arbeitern der Finna Seniler, den Genossen und Genossinnen der Stadtbezirke 76d und 763 de» soziaidemokraiiicheii Wahlvercins des 6. Kreises sowie dem Borfiädtischen Theotervorein.Klee- blait" mcmcp ticsgcsühlleii Tank. Die trauernde Witwe Marie iZreulich 20322 geb. 'AeMäBBZlMRwilgzziB r-xtra-�htellun« I gssob.: Berlin«-. Nobren- S,rsSe S7a