Nr. 44. Hbonnementz-Kecklnglingen: Abonnements- Preis dränumeranda! «ierteljährl. SM Ml., jnonotL 1,10 Mk, wöchentlick 28 Pfg. frei ins Haus. Sinzeine Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcilungS- Preisiiste. Unter Kreuzband ,ür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 3 Mark, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luremburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. die snkerNonz-IZediih? beträgt für die sechsgcspaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg.. für v--------------- Crtdxlnt täglich außtr Iflontags. Verltnev Dolli5»blctkk. . fettgedruckt. Wort 20 Pfg. lzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ki Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ij« bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozlaldeiiiolirat Berlin". Zcntralorgan der rozialdemokrati leben parte! Deutfchlands. Redaktion: 85Q. 68, Ltndcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritiplat,, Nr. 1983. Expedition: 8Rl. 68» binden Strasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplah- Nr. 1984. Sie Lage im rheinisch- westfälischen ilnäultriegebiet. 11. Wir kiaben in unserem gestrigen Artikel bereits gesagt, wie die Ankündigung von Lohnerhöhungen nur eine Finte der Bergherren war, um die Aufmerksamkeit der Oeffentlich- keit von der erneuten Steigerung des Kohlenwuchers abzu- lenken. Für die Beurteilung des Verhaltens der christlichen Bergarbcitcrorganisation ist es aber von Wichtigkeit, festzu- stellen, daß diese Auffassung auch durchaus von der Zentrums- presse geteilt wurde. Tie„Kölnische Volkszeitung" schrieb ani 6. Februar, nachdem die Ankündigung der Lohnerhöhung durch die Presse gegangen war: „Nach dcr ganzen bisherigen Haltung des Zcchenvrrbandes ist anzunehmen, daß in der Tat eine allgemeine Lohnerhöhung nicht durchgeführt wirb; denn das ist das Merkwürdigste: man sieht ein, daß die Preise der Kohle gemeinsam fcstgeseht werden sollen, will aber nicht einsehen, daß es wichtiger ist, die Preise der Arbeitskraft gemeinsam zu regeln. In dieser Beziehung ist die Wirksamkeit des Zechenvcrbandes noch so rückständig wie früher. So sicher es ein gewaltiger'Fortschritt wäre, wenn in dieser Richtung eine Neuerung aus dem eigenen Antrieb des Zechen- Verbandes heraus erfolgte, so bestimmt kann man annehmen, dah eine ganze Reihe von Zechen einer derartigen Wendung in dem Verhalten den Arbeitern gegenüber de» größten Widerstand cnt- gegcnscbcn werden. Bis diese Politik betrieben wird, werden sich wohl noch heftige Kämpfe abspielen müssen, durch welche die Ar- bciterverbünde sich erst ihre Anerkennung erzwingen müssen.(!!!) Es ist bedauerlich, daß ein offensichtlicher Fortschritt zurzeit nicht anders zu erreichen ist. Daß infolge des Abkommens zwischen dem Kohlenshndikat und dem preußischen Staat auch die Loh»- frage brennend werden würde, war im Hinblick aus die gespannte Haltung zwischen Zechen und Bergarbeitern vorauszusehen. Wenn aber in Berichten, welche den Standpunkt der Arbeitgeber ganz einseitig vertreten, die Lcffentlichkeit damit beruhigt werden soll, daß die Löhne bald wieder dir Höhe des Jahres 1Sl>7 erreicht haben dürften, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß sich damit die Arbeiter wohl kaum zufrieden geben dürften; denn da gegen das Jahr 1!)07 die Kaufkraft des Geldes wieder gesunken ist, so würden die Löhne des Jahres 1W7 noch lange nicht be- deuten, daß die Bergleute sich schon wieder in dcr wirtschaftlichen Lage des Jahres 191)7 befänden. Um dieses Ziel zu erreichen. müßten die Löhne den Stand vom Jahre 1997 übersteigen." Tas fllhrcndc Zcntrumsblatt glaubt also auch nicht an die angekündigten Lohnerhöhungen. Es spricht klipp und klar aus, daß der Lohnstand von 1907(dcr noch immer nicht wieder erreicht ist) wegen der gesunkenen Kaufkraft des Geldes jetzt„noch lange nicht" die Arbeiter befriedigen dürfte und ist ferner dcr Meinung, ohne Kämpfe würde die Lohn- frage in einem die Arbeiter befriedigenden Sinne nicht gc- regelt werden! Tas ist festzuhalten mit Nücksicht auf das Verhalten dcr Leitung des Zentrumsgcwcrkvereins der Bergleute. Tas Zcntrumsblatt„Saarpost", Hauptsprachrohr der Zentrumsgewerkvereinlcr im Saargcbict, schrieb aiil 5. Fe- bruar zu der angekündigten Lohnerhöhung: „Jedoch will es uns zunächst scheinen, als wenn man mit der zitierten Notiz in erster Linie versuchen will, die Erhöhung der Kohlcnprcisc und das Abkommen des preußischen BcrgsiskuS an der Ruhr mit dem Kohlcnsyndikat schmackhaft zu machen. Die Bergleute tun daher gut, trotz aller Erwägungen mit aller Kraft an der Stärkung ihrer Gcwcrkschafk zu arbeiten, damit sie ihrer berechtigten Forderung nach höheren Löhnen, die auch in der Bürgerschaft volle Shmpathie findet, gegebenenfalls den crfordcr- lichen Rachdruck zu verleihen in der Lage sind. Wer sich auf die Arbeitgeber im Bergbau verläßt und wartet, bis daß dieselben aus eigener Initiative Lohnerhöhungen vornehmen, dem kann unseres Erachtens dcr Magen recht lange knurren." Tiefes Mißtrauen gegen Lohnversprcchnngen der Berg- Herren kann kaum übertroffen werden. Es ist aber durch vielfache Erfahrung*bcgreiflich und erst recht am Platze gegen- über einer Unternehmerschaft, die oft genug bewiesen hat, daß sie die Arbeiter, ob sie nun„schwarz, blau oder rot" orga- nisiert sind, mit ihren Forderungen stets schroff zurückweist. Tie Vorstände der drei seit 1905 fast ununterbrochen in allgemeinen bergmännischen Angelegenheiten zusammen- wirkenden Bergarbciterorganisationen(alter Verband, Polen, Hirsch- Dunckcr) hätten sich einfach lächerlich gemacht, wenn sie nicht mit mindestens demselben Mißtrauen dem„Lohnver- sprechen" begegnet wären. Bereits am 12. Oktober 1911 hatte auf Einladung des Hirsch-Tunckcrschen Gewerkvcreinsvor- standes eine Vorständekonferenz wegen der Lohnfrage statt- gefunden, an der auch Vertreter des Zentrumsgcwerkvercins teilnahmen. Tamals wurde ein aktives Vorgehen vertagt. Auf die interessanten Gründe kommen wir noch zurück. Die Einladung zu einer Vorständekonferenz für den 3. Februar beantwortete dcr Vorstand des Zentrumsgewerkvereins mit dem Ersuchen, sie einige Tage hinauszuschieben! Und just am 2. Februar, n a ch d c in die V 0 r st ä 11 d e k 0 n f e- r e n z auf den 5. einberufen war, erschien das berühmte„ L 0 h n v c r s p r e ch e n" in der„Rh.- Wests. Ztg."! Unter Berufung auf diese Zeitungsmeldung erklärten die Zentrumsgewerkvereinsvertreter in der Vor- ständekonferenz am 5. Februar, sie vertrauten auf die Er- füllung des Lohnversprechens und lehnten deshalb eine ge- meinsame Aktion zwecks Regelung der Lohnfrage in einem der Arbeiterschaft zuträglichen Sinne ab! Darauf haben die drei anderen Organisationsvorstände unterm 6. Februar an die Zechenbesitzerorganisationen eine Eingabe gerichtet, worin zunächst auf die schwierige Wirt- schaftliche Lage der großen Bergarbcitcrmasse infolge der seit 1907 erlittenen großen Lohnverluste und die seitdem einge- tretene Verteuerung der Lebenshaltung verwiesen wird. Hätten doch im Ruhrgebiet, nach eigener Angabe des Presse- bureaus der Zcchenbesitzer, 1908/09 auf tausend Mann Beleg- schaft 850, im Jahre 1909/10 aber 1400 Lohnbeschlag- n a h ni e n(wegen rückständiger Steuern, Warenschulden usw.) stattgefunden! Die drei Vorstände ersuchten deshalb um eine Lohnerhöhung, die den Lohn auf den Stand vom Ende 1907 plus eines Zuschlags zwecks Ausgleich dcr in- zwischen eingetretenen Verteuerung der Lebenshaltung bringt. Zur Begründung wird in der Eingabe angeführt, daß laut Preisliste der Kruppschen Konsumanstalt die Preise von 38 der meistverkauften Lebensmittel und sonstiger Bedarfsartikel von 1907 bis 1910 um 14 Proz. gestiegen seien! Da- nach müsse auch die notwendige Lohnerhöhung bemessen werden. Tie Eingabe der drei Verbandsvorstände beurteilt also die wirtschaftliche Lage der Bergarbeiterschaft, das Verhält- ins zwischen Nominallohn und Reallohn, im Sinne des oben abgedruckten Artikels der„Kölnischen Volkszeitung". Diese aber kann sich berufen auf die Petition(datiert 16. Oktober 1911) des Vorstandes des Zentrumsgewcrkvereins an die Reichsregicruug in Sachen der Lcbensmittelteucrung, die „ganz besonders für die Bergarbeiter und ihre Familien" drückend sei! In seinem Jahresrückblick klagte dcr„Berg- knappe"(Nr. 1, 1912), Organ des Zentrumsgcwerkvereins, sehr beweglich über die„niedrigen Löhne", die Bergarbeiter- läge sei durch„eine außerordentliche Teuerung(!) noch vcr- schlechtrrt" worden, so daß die„Zahlungsfähigkeit der Berg- leute in recht ungünstiger Weise" beeinflußt wurde! Ferner konstatierte der Bcrgknappcnredaktcur Jnibusch im„Zentral- blatt der christlichen Gewerkschaften Deutschlands"(Nr. vom 23. Dezember 1911):„Tie Ruhrbergleute hatten in den drei Jahren 1908, 1909 und 1910 gegen 1907 einen Minder- verdien st von 132 372048 Mark!" Die Bcrcch- tigung dcr von den drei Verbandsvorständen eingeleiteten Lohnbewegung wird demnach auch von der Seite zugegeben, die sich nicht nur gegenüber einer gemeinschaftlichen Aktion ablehnend verhält, sondern sich nun sogar direkt auf die Unter- nehmcrseite geschlagen hat durch einen im letzten„Berg- knappen" veröffentlichten Aufruf an die„Kameraden des Rtihrgebiets", der im Falle einer Arbeitseinstellung zum Streikbruch animiert! Dieser Aufruf hat natürlich im Unter- nehmcrlager helle Freude erweckt, der von den Werksbesitzern ausgehaltene gelbe„Wcrkverein"(Nr. vom 16. Februar) jubelt laut über die Aufforderung dcr Zentrumsgewerkver- einslcitung: „DaS find gesunde gelbe Gedanken, denen wir lediglich beipflichte» können!" Dieser Jubel des Gclbenorgans erhellt blitzartig die von der Zentrumsgcwerkvereinsleitung eingenommene Stellung. Ter„Werkverein" reklamiert den Zcntrumsgewcrkverein für die gelbe Bewegung! Tas Organ der Jndustriefeudalen. die„Rh.-Westf. Ztg.", konnte bereits am 14. Februar den Aufruf des Zentrums- gewerkvereins ankündigen! Und auf die Eingabe der drei Vcrbandsvorstände erfolgte denn prompt die ablehnende Ant- wort, die von uns bereits in Nummer 42 mitgeteilt wurde. Hiermit wird die Unrichtigkeit der Zcitiingsmeldung von angeblich die Lohnfrage betreffenden„Erwägungen der Zechenorganisationcn" auch offiziell bestätigt. Es hat sich nur um einen Bluff gehandelt, der der Zentrumsgetverkvereins- leitung den erwünschten Vorwand abgab, hohes„Vertrauen zu dem Wohlwollen der Arbeitgeber" zu mimen und sich zum „gesunden gelben Gedanken" zu bekennen. Kindereien. Wir sind bereit, Herrn Dr. Schiffer alles zu glauben nur nicht seine Naivität. Die Stellung der Sozialdcniokratic zur sogenannten Hofgängerei ist nicht erst seit heute so klar wie möglich: Wir lehnen es ab, andere als die in den Gesetzen vorgeschriebenen Handlungen gegenüber einem Monarchen zu erfüllen. Zum Ueberfluß ist diese Stellung- nähme von der sozialdemokratischen Fraktion noch einmal offiziell festgelegt und den anderen Fraktionen nntgetcilt worden, daß wir andere als die staatsrechtlichen Bedingungen nicht erfüllen werden. Herr Schiffer aber will partout der Ucbcrzcugung sein, daß in den Verhandlungen gerade von Bebel— weitere Zugeständnisse gemacht worden wären. Herr Schiffer hat da den schwierigen Fall konstruiert, was geschehen solle, wenn dcr Präsident(und offenbar doch wohl auck der zweite Vizepräsident) erkrankt wäre und gerade das Kaiserhoch fällig sei. Und er will absolut nicht ver- stehen, daß Bebel bei der Erörterung dieser hochwichtigen Frage nicht schrecklich ernst geblieben, daß er diese politische Spitalsfrage noch vertiefte durch die Aufwerfung der Möglichkeit einer Darmverschlingung, in deren Schlingen das„Hoch" ersterben würde. Nein, Herrn Schiffer war es wirklich ernst. Er wollte durchaus die Wahl des Sozialdemokraten, und nur ein ganz klein wenig wollte er uns abhandeln. So lange der Präsident gesund war, sollten es auch unsere Prinzipien bleiben, nur der Ansteckungsgefahr sollten wir sie nicht entziehen. Man muß sagen, für einen Reaktionär wie Herrn Schiffer waren es eigentlich sehr mäßige Bedingungen. Die„Deutsche Tages- zeitung" ist auch sehr unzufrieden, und setzt dem national- liberalen Handelsmann auseinander: Wir möchten nochmals mit aller Schärfe und Bestimmtheit hervorheben, daß es auf die sogenannten höfischen Ver- pflichtungen gar nicht ankommt und gar nicht an» kommen kann. Ob der sozialdemokratische PräsidcntschastS« kandidat sich bereit erklärt, die geschäftsordnungsmäßigen oder die sonst üblichen Verpflichtungen zu erfüllen, daS tut nichts zur Sache. Er ist und bleibt unter allen Um- ständen ein Gegner der monarchischen Verfassung. Als solcher kann er die erwähnten Verpflichtungen nicht übernehmen. Der Hohn, mit dem die Abgg. Bebel und Haase die Angelegenheit be- handelten, ist ungemein bezeichnend und überaus beschämend für die Parteien, die einen Genossen aus den Stuhl deS Vizepräsidenten mit geschoben haben. Die Sozialdemokratie hat keinen Augen- blick daran gedacht, dem von ihr gewählten Vizepräsidenten die Erfüllung irgend welcher höfischen Pflichten aufzuerlegen. Wenn sie cö aber getan hätte, so würde die Sache dadurch nur noch schlimmer. Wenn ein erklärter Feind der Monarchie, wenn ein Anhänger der Republik zum Kaiser gehen wollte, wenn er dadurch eine gewisse Anerkennung der monarchischen Verfaffung und Regierung bekundete, wenn er wirklich sich unterfangen sollte, ein Hoch auf den Träger der Krone auszubringen, so wäre das die unwürdigste Heuchelei, die man sich denken kviinte, und deren wir wenigstens die Sozial- dcmokratie nicht für sähig erachten mochten. Die Nationallibcralen scheinen über diesen Punkt anders gedacht zu haben; sie scheinen demnach die Ehrlichkeit dcr Sozialdemokratie niedriger eingeschätzt zn haben als wir. Daß sie nach ihrer, wenn auch irrigen Meinung eine solche Möglichkeit herbeiführten, dafür fehlt uns jedes Verständnis und jeder parlamentarische Ausdruck. National ist das nicht. Herr Schiffer sitzt also wieder mal zwischen zwei Stühlen. Und das ist recht so. Denn indem er der Sozialdemokratie, statt ihren Rechts anspruch anzuerkennen, Bedingungen stellen will, übernimmt er ja damit zugleich eine gewisse Ver- antwortung für die sozialdemokratische Stellungnahme. Das ist eben der Grundfehler all' dieser nationallibcralen Schlau- köpfe: statt ehrlich zu erklären, wir können die Sozialdemokratie nicht ausschalten, weil wir uns damit zugleich zu Hörigen dcr Konservativen und Klerikalen machen, möchten sie zugleich uns Bedingungen diktieren tittd doch wieder unsere Macht für ihre Politik in Anspruch nehmen. Das ist eine Politik, die den Liberalismus bisher uttmer tiefer in den Sumpf hineingetrieben hat und ihn auch in Zukunft wieder zum Spiclball der Junker und Klerikalen machen muß. Das weiß Herr Schiffer wenigstens so gut wie wir und will es auch. Für ihn ist das„Mißverständnis" nur der V 0 r w a n 2), uni seine Partei zu den Schwarzblauen zurückzutreiben. Aber die Herren, die ihm folgen, brauchen sich keinen Moment lang einzubilden, daß die Oeffentlichkeit dies Spiel nicht durchschaut. Wenn die Nationalliberalen Herrn Schiffer auf den Leim gehen, so spielen sie das Spiel der Rechten und werden auch so geweitet werden. Herr Lothein öder„freilinnioe Nahllügen". Zu den Ausführungen des Abgeordneten Gothein über die Stellung der Sozialdemokratie zum Endziel schreibt uns ein Partei- genösse, der den Wahlkampf in Neuborpommcrn, wo Herr Gothein gewählt wurde, mitgemacht hat: Nach dem Vorwärtsbericht hat Herr Gothein in seiner Etats- rede gesagt:„Nun ist es im Wahlkampf passiert, daß eine sozial- demokratische Lokalgröße erklärte, die Partei wolle ja gar nicht die Verstaatlichung der Produkt i>ons mittel, das sei nur eine freisinnige Wahllüge.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Ich Hab' es Ihnen ja erzählt, Herr Bebel, und Sie sagten: Solch Schafskopf kennt sein eigenes Programm nicht." Der Widerspruch der Sozialdemokraten ist auS diesem Berichte ebensowenig klar verständlich wie die berichtete Acußerung des Genossen Bebel, der ganz gewiß nicht gesagt haben lann, daß „die Vcr st a a t lichung dcr Produktionsmittel" das Ziel der Sozialdemokratie sei. Ich weiß nicht, wer die„sozialoemokratische Lokalgröße" ist, weiß aber, daß jeder sozialdemokratische Redner in jenem Bezirk alle Veranlassung gehabt hat, die wirklichen Ziele dcr Partei gegenüber solchen„freisinnigen Wahllügen", die auch unter Zitierung der Richterschcn„Zukunftsbilder" von konser« vativer Seite vertrieben wurden, klarzustellen. Hören wir, waS von freisinniger Seite verbreitet wurde: In einem vom Pommerschcn Provinzialverband der Fortschritt- lichen Volkspartei herausgegebenen, im Verlag des„Tageblatts für Vorpommern"(Herrn Gotheins Organ) erschienenen„Mahn- wort und Weckruf an die landwirtscktaftlichcn Arbeiter", der man- cherlci Zutreffendes über die Sünden der Agrarier und die Recht- losigkeit dcr Landarbeiter enthält, heißt es von der Sozialdemo- kratie nach den bekannten Tiraden von der„unfruchtbaren, reinen Verneinung gegenüber den nationalen Notwendigkeiten", der„inter- nationalen Republik", demgegenüber die Landarbeiter„gewiß gute Deutsche bleiben und in Treue festhalten am lieben deutschen Vaterlande, am angestammten Fürstenhaufe".„Ferner will die Sozialdemokratie, die sich selbst nicht genug als die„Arbeiter- JSftlet" turnen kann, Te|Tin Tnd'cZ die Vevitaallichnng der Produk- «tionsmittel, d. h. nichts anderes: sie will den Eigenbcsih air Haus und Hof, das Privateigentum an Grund und Boden beseitigen. Im sozialistischen Staat kann keiner von Euch eine eigene Echollc Landes seinen Kinoern eriverbcn oder sie veräußern: alles, selbst das Arbeits- und Ackergerät, soll dem Staat gehören." In einem forischrittlichen Wohlflugblatt zugunsten des Kan- didaten für Etralsund-Riigen, Herrn Pastors Heyn, hieß cS: „Sie wollen das Eigentum an Grund und Boden, an H a u b und Hof, an Bieh und Geschirr, an Handwerkszeug, Ackergerät und Maschinen abschaffen. Alles soll a l l e i n dem Staat gehören." Weiter in einer liberalen Wahlzeitung desselben Kreises:„Will die Sozialoeinokratie dem Arbeiter helfen? R c i)n! Sie»vill nur eine besitzlose Masse. der das Wasser bis zur Kehle reicht und die in ihrer Verzweiflung blind und zu allem jähig ist." Schließlich noäi ein Zitat aus dem „Tageblatt siir Borpommern" in einem Artikel: Die Büdner, die Häusler und die Sozialdemokratie. Da heißt es u. a.: „Deshalb muß darauf aufmerksam gemacht tverdeu, daß unter „Produktionsmitteln" nicht bloß die Aabrik nno der Großgrnnd- besitz, sondern ebenso gut auch die Werkftattund der Grund nnd Badender Häusler und Büdner zu verstehe» ist. Aber nicht das allein, ebenso gut wie die Maschinen ist auch allc� Arbeitsgerät, Hammer, Hobel. Pflug und Wagen, Spaten, Schaufeln. Forken, Karren risiv. zu vcr- stehen. Alles dieses gehört im Zukunftsstaate nicht den Arbeitern und den KlcinbSsitzern. sondern dem alles in Beschlag nehmenden Staate oder der Gesellschaft oder der Genossenschaft oder wie man sonst sagen will. Genau genommen sind auch die Stiefel, die Hosen, die Röcke und die Mützen zu den Produktions- Mitteln zu rechne».... Besonders gehören aber auch die Nah- rungSmittel, also Brot, Kartoffeln, Fleisch usw., zu den Produkt ioiismittelii." Selbst vom SoinUagsanzug und dergleichen wird es als höchst zweifelhaft bezeichnet, ob sie nicht auch Staats- cigcntum werden sollen. In demselben Artikel heißt es:„Diese sozialdemokratischen Autoritäten sagen: wenn wir nur erst den großen und den mitt- leren Grundbesitz in gemeinschaftliche Betoirlschaftung übernommen haben, so werden wir den Kleinbesitzern eine so scharfe Kon- k u r r e n z machen, daß sie nicht bestehen können. Wir werden die Kleinbesitzer„aushungern". Demgegenüber halte mau, was Sozialdemokraten wie Kautsky(aus den sich dieser Artikel ausdrücklich beruft) in Wahrheit gesagt habe». In der„Agrarfrage" heißt eS(3, 443): „Ein sozialistisches Regime wiro, schon im Interesse der Volks- crnährung, die Lage der Landwirte so vorteilhaft als niöglich zu gestalten suchen müssen.... Die Sozialdcmo- kcatle wird dem Laudmairn, anstatt ihn zu expropriieren, die vollkommensten Produktionsmittel zur Verfügung stellen, die ihm in der kapitalistischen Aera völlig unzugänglich sind.... Angesichts alles dessen ist es geradezu undenkbar, daß man die Methode gewaltsamer Enteignung wählen wird, um der Bauernschaft die Vortelle vollkommenerer Bctricbstoeiscn bcizu- bringen. Sollte es aber dann noch Zweige der Landwirtschaft oder Gegenden geben, in denen der Kleinbetrieb vorteilhafter als der Großbetrieb, so liegt nicht der mindeste Grund vor, sie einer Schablone zuliebe dem Großbetrieb zuzuführen.... Ob der Grund und Boden, den sie bebauen, privater oder staatlicher ist, idürfte ziemlich gleichgülUg sein." Derselbe in der Abhandlung„Am Tage nach der sozialen Revolution" S. 32/33:„Es ist nicht anzunehmen, daß alle privaten Kleinbetriebe verschwinden werden, vor allem nicht in der Landwirtschaft. Wohl werden jene Landwirtschaftsbetriebe, die heute schon zu kapitalisti- schen Betrieben geworden sind, am Lohnsystem scheitern und zu Staats-, Gemeinde- oder GcnossenschaftS- betrieben werden. Danelien werden auch viele unserer heutigen kleinen Zwergbaucrn ihre Existenz aufgeben und als Arbeiter in die industricllcn oder landwirtschaftlichen Großbetriebe gehen, die -ihnen ein auskömmliches Dasein sichern. Aber mau darf annehmen, daß immerbin Bauern genug übrig bleiben, die mit ihren eigenen Jamiliemiutgliedern oder mit höchstens einem Knecht oder einer Magd, die man mit zur Familie rechnet. ihren Keinen Betrieb weiterführen. Bei der heutigen konservativen Natur des Bauern ist es höchst wahrscheinlich, daß eine Reihe der- selben in der bisherigen Weise wird weiter wirtschaften wollen. Die proletarische Staatsgewalt wird auch gar keine Neigung haben, derartige kleine Betriebe zu-übernehmen. Noch kein Sozialist, der ernsthaft zu nehmen ist, hat je verlangt, das? die Bauern expro- priiert oder gar ihre Güter konfisziert werde» sollen. Es wird wahrscheinlich jedem kleinen Bauern gestattet bleiben, so weiter zu wirtschaften, wie er das bisher getan hat. Der Bauer hat von einem sozialistischen Regime nichts zu fürchten. Es ist sogar sehr wabrscheinlich, daß diese bäuerlichen Wirtschaften durch das neue Regime eine Stärkung erfahren werden." Woraus näher gezeigt wird, wie durch Beseitigung des Militarismus, Verstaatlichung der Schul-, Wege, und Armenlasten, der Hypotheken usw. und durch Maßnahmen zur Hebung der Pro- buktiou auch der landwirtschaftliche Kleinbesitzer gefördert wird. Ist es nach diesen Feststellungen eine Verleugnung unseres Endziels, wenn unsere Redner hervorhoben, daß unser Programm nur von der Vergesellschaftung(nicht„Verstaatlichung"— eS gibt außer dem Staat auch Gemeinden und Gcmeindeverbände, Produktiv- und Konsumgcnosscnschaftcii, die alle gesellschaftliche Betriebsweisen darstellen) des kapitalistischen Privatcigeu- tums an P r o d u k t i o» s Mitteln(die Herren.pflegten der Ein- fachheit halber gleich von der Verstaatlichung des„Eigentums" zu reden) spricht? Und ist' es danach unberechtigt, von„freisinnigen Wahllügcn" zu sprechen, wenn solche landläufigen Tatsachen immer und immrer wieder falsch dargestellt werden? Oder sollte cS sich wirflich nur um Unwissenbeit bandeln? Sollte Herr Gothein, den der„Vorwärts" den besten VolkSwirtsckzaftler der Fortschrittler nennt, bei seinen wirtschaftlichen Studien noch keine Zeit gefunden haben, sich mit den wirklichen Zielen der Bewegung zu befassen, deren Bekämpfung vom hohen Pfexde der Dkanchcsterlehre herab doch recht zu den Spezialitäten unserer liberalen Theoretiker gehört? Dann begreift es sich, wenn er ausdrücklich erklärt hat, daß er zur Bekämpfung jenes Endziels sich auch mit Konservativen und Zentrum verbünden-werde. Weniger aber, daß ein -führender Politiker zur Bekämpfung xinrr Gesellschaft sichre, die heute von vielen Millionen in allen Kulturländern anerkannt wird, sich auf den Abhub der Weisheit beschränkt, die schon vor einem halben Jahrhundert der Spott denkender Männer der Wissenschaft gewesen ist._ Das monarchllche Gefühl der deutschen Zentrnmspartes. Der zurzeit dein neuen elsaß-lothringlschen Landtage vorliegende LandeShauShaltSetat für ISIS enthält u. a. einen AuSgabeposten von 130 000 M. für den Dispositionsfonds de» k a i s« r- llchtn StatthalteS. Die Summe war früher sogar 200000 M. hoch; sie ist vom verewigten LandetanSschuß auf 130 000 M. herab- gesetzt worden, an welcher Summe die Regierung jetzt für t912 fest- hält. Die Sozialdemokratie ist natürlich gegen dielen Dispositions- fonds, erstens weil solche Fonds ein Mittel der Korruption in der Hand der Regierenden sind und eine republikanische Partei prinzipiell keinen Anlaß sieht, die Position der Monarchie durch Bewilligung solcher Mittel noch künstlich zu stärken, zweiten» weil sich schon bei der ersten flüchtigen Rechnungsprüfung im neuen Landtage heraus- gestellt hat, daß das Geld wirtlich in der einseitigsten Weise gegen die organisierte Arbeiterklasse Verwendung findet. Nun wäre den Herren vom elsaß-lothringen Zentrum diese Verwendung wohl recht, denn auch katholische Vereine erhielten aus diesem Fonds gelegentlich Zuschüsse: aber durch das neuerliche Liebäugeln mir dem einheimischen Nationalismus und die zunehmend scharfe Betonung des Partikularismus gerieten die braven clsäsi'ischen und lothringischen ZeiitrumZdeinagogen allmählich in immer schärferen Gegensatz zur Regierung. Jetzt sind sie so weit, daß sie sich bei der EtatSberawng stellenweise ganz rabiat gebärden und die Sozialdemokraten an Radikalismus zu übertrumpfen suchen. Schon in der Generaldebatte zum Etat im Plenum der Zweiten elsaß-lothringischeii Kammer kündigte der Führer der'Zentrums- fraktion, Reichstags- und LandtogSabgeordneter H a u ß, der ein wenig erstaunten Regierung an, daß die ZenlrumSfraktioii des Land- tages kein Finanzgesetz zustimmend veiabschieden werde, das nicht auch die Ziistimmiiiig der S o z i a ld e m o kra ten erhält. Die Ankündigung ging so weit, daß man an ihrem vollen Ernste gelinde zweifeln darf, denn die Sozialdemolratie wird, wie sie bei derselben Gelegenheit erklären ließ, dieser Regierung auf alle Fälle das Budget verweigern. Wer indessen glaubte, da» Zentrum werde alsbald zur Einsicht kommen, daß eS sich hierbei etwas zu weit vorgewagt hat, irrte sich: in der Budget- kominission der Zweiten Kammer hat seitdem derselbe Abgeordnete Haust die Drohung ausgesprochen, er werde, wenn eö mit dem„Paschawesen in der Forstverwaltiing" so weiter geht, in seiner Frakiion dahin wirken, dast sie den ganzen For st etat ablebnt. lind in derselben Sitzung ging man frischweg zu Taten über, indcni die ZentrumSabgeordneten mit den Sozialdemokraten und vereinzelten Stimmen der Liberalen und de» Lothringer Blocks— eine Dreivierlelmajorität der Budgelkommission— erstens eine Resolution annahmen, die von der Regierung die alsbaldige B e r- Pachtung der„sämtlichen noch administrierten Jagden"(Jagdreviere, die den Oberförstern, d. h. den Herren von der Regierung noch überlassen sind) fordert und indem man in einer zweiten Resolution von der Regierung verlangt, auch die sogenannte Kaiserjagd bei Oberhaslach(Unter- elsast) zu verpachten, ein mit Eiseugatter cingefastteS größeres Jagdrevier mit schönem Rotwildreichium. All die beweg- lichcn Ausführungen des Herrn UiitcrftaatSsekretärS Köhler und des Herrn LandforslmeisierS Pilz, die geltend machten, dast der Beschluß an allerhöchster Stelle„politisch mißver standen" werden könnte und dost er mindestens als„Akt der Un- freundlichkeit" aufgefaßt werden müßte, halfen nichts. Die Zentrumsredner erklärten trocken, daß sie gegen jede politische Deutung ihres Vorgehens Verwahrung einlegten, daß für sie nur rein praktische Erwägiiugen mastgebeiid seien und dast sie in diesem Sinne besonders darauf aufmerksam machten, daß der Kaiser persönlich von dieser sogenannten Kaiserjagd noch nie- mals Gebrauch gemacht habe und daß„nur der Kronprinz" einmal kurz darin jagte. Die sozialdemokratischen Ab- geordneten sprachen sich für die Verpachtung aus, weil sie in dem jetzigen Zustand ein durch nichts gerechtfertigtes Privilegium sahen, dessen Aufhebung sie als Republikaner fordern. Und nun kommt, um das monarchische Unbehagen über die räudigen Zeiitrumsschafe in Elsaß-Lothringen vollzuinachen, das ColniarerZentrumsblott, der„Elsässer Kurier", und verlangt kurz und bündig auch die Streichung des Dispositions- fondS des Statthalters durch die ZciitruniSfraktion des Landtages. Aus Rache natürlich, nicht etwa auS Prinzip: denn bei den letzten Laiiptagswahlen habe man'S erlebt, daß Beamte das Volk aufhetzten gegen den LandeSauSschust und gegen die Zentrumspartci, weil dem Statthalter solche Summen bewilligt worden seien zur freien Berfügnng. Ein kaiserlicher Amtsrichter und ein Lolksschullehrer hätten das Volk aufgehetzt mit solchen Reden, und:.DaS ist unerträglich. Dem muß ein Ende gemacht werden. Den liberalen Beamten nuist dieser Stoff zur Hetze auL den Händen genommen werden!" Diese kleine» Daten über die Z e n t r u m S p s y ch o l o g i e in Elsast-Lothringen sind von doppeltem Interesse i» diesen Tagen, wo daS R e i ch S t a g S z e n t r u in— immer mit dem kleinen elsast-lothringischen Zentriimsschwänzchen, nach welchem man sich allezeit die Finger leckt— eine Präside ntenkrise herauf- beschwört, um sein monarchisches Bewußtsein im Gegen- satz zu den vermaledeiten Roten in bengalischem Lichte erstrahlen zu lassen. Kein Zweifel, für die schwarzen Junkergenossen gilt immer noch ganz wie für die Blaublntigen selber der Wahlspruch: „Und der König absolut. Wenn er unser» Willen tut." Tut er ihn nicht, so hole ihn der Heuler I Dann verpachtet man die Kaiserjagden und streicht den Dispositionsfonds de» kaiserlichen Statthalters. Uns kann'S recht sein I Wir bleiben im Nahmen unserer Grundsätze l____ Der Krieg. Die bevorstehende Flottenaktion Italiens. Rom, 2t. Februar. Die Mailänder„Perseveranza' veröffentlicht in ihrer gestrigen Abendausgabe eine Information, die auf eine baldige Flottenaktion Italiens schließen läßt. Die Information fällt ziisanimen mit den gestern abend hier verbreitete» Gerüchten, daß alle vor Tarent liegenden Schiffe der italie- nischen Kr icgssloite den Hafen mit unbekanntem Ziel verlassen hätten. Die„Perseveranza" schreibt dazu: „Wie wir erfahren, wird in osfizielle» Kreisen viel davon ge- sprochen, daß im Kriegsministerium augenblicklich eine außergewöhn- liche Tätigkeit entfaltet wird. Man weiß zwar noch nicht mit Bestimmt- heit zu welchem Zweck, doch ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß die italienische Heeresleitung einen entscheidenden Schlag gegen die Türkei vorbereitet. Man ist in Regiernngö- kreisen der Ueberzeugiing. daß die augenblicktiche intcriiationale Lage für ein solches Vorhaben sehr günstig ist. Während man einerseits in Italien von der Notwendigkeit eines energischeren Vorgehens gegen die Türkei überzeugt ist, sind andererseits die großen Schwierig- leiten, die sich einem solchen bis jetzt in den Weg gestellt haben, geschwunden. Wir können un» im Augenblick natürlich nicht näher darüber äußern, glauben aber nicht fehl zu gehen, wen» wir an- nehmen, daß sich noch vor der P a r l a in e n t S e r ö f f n u u g oder wenigstens bei derselben Dinge abspielen werden, die die öffentliche Meinung im höchsten Grade interessieren." Em ilalienischco Dementi. Rom, 21. Februar.(Meldung der„Agenzia Stefani'.) Da» Reutersche Bureau hatte vor einigen Tagen gemeldet, daß 600 italienische Soldaten auf den Farsauinsel'n im Roten Meer gelandet wären. Diese Nachricht ist durchaus unrichtig. Weder ein Soldat noch ein Matrose ist auf diesen Inseln ol«r an einer anderen Oert- lichleit der arabischen Küste des Roten Mieeres ausgeschifft worden. Sie Kevolution in China. Die allgemeine Sag»1. London, 21. Februar. Die„Times" melden ans Peking vom 20. d. MtS.: Nach längerer Uuterbrechrrng ist die telegraphische Verbindung mit Tschungking in der Brouinz Szetschuan wieder hergestellt. Die Berichte über die Lage in de« inneren Provinzen lauten günstig. Dagegen Herrichen in der Mandschurei noch Unruhen, namentlich bei Charllln, wo gestern in der Chinesenstadt Fudjadjan ein Zusammenstoß zwischen kaiser- lichen und revolutionären Truppen stattfand, die anscheinend von der Einigung noch nichts gehört hatten. Auch ans Kuldscha werden wiederholt Unruhen gemeldet. Der Vizepräsident. Nanking, 21. Februar. Zum Vizepräsidenten der Republik wurde von der Nationalversammlung einstimmig Gen oral Liuan- h u ii g, der Kommandant der republikanischen Truppen von Wutchang, gewählt. Die konstituierende Nationalversammlung. Tientsi», 21. Februar. I u a n s ch i k a i wird die konstituierende Nationalversammlung den ihm von befreundeter Seite unter- breiteten Vorschlag gemäß nach T i e n t s i n einberufen. Der Präsident der Republik hat die Vertreter der Groß- mächte in Peking gebeten, ihre beheimateten Regierungen um Eni- sendung von Vertretern zu den Sitzungen der Nationalversammlung zu ersuchen.( In Tientsin erhält sich mit Hartnäckigkeit da? Gerücht, daß Peking in der kommenden Woche der Schauplatz ernster Aus- schreitungen sein wird. Juauschikai soll lveitgeheirde Maßregeln getroffen haben, um die Ordnung und Ruhe um jeden Preis auf- recht zu erhalten._ polirtfcbe Clcber ficht» Berlin, den 21. Februar 1912. Teuerung. Aus dem Reichstage, 21. Februar. Eine Kartoffel- debattc scheint nicht zu der steileu Höhe einPorJUleitcn. Ivo der Kampf um der Menschheit große Gegensätze auSgefochtcil wird. Franz DrakeS GcivächS hat nun ciniiml einen Stich ins Triviale und erinnert den naiven Betrachter zunächst an jenes Sprichtvort von den dicksten seiner Gattung, deren Nutz- iiicßcr gerade jetzt, im Zeichen der Landwirtswoche in Berlin rudelweise umherschwärnien. Aber gleichwohl war cs eine bitterernste Sache, die gestern ini Parlament verhandelt wurde und heute weiter verhandelt tvcrdcn wird. Es geht um nichts Geringeres als darum, daß dem Volke eines seiner Haupt- Nahrungsmittel nach der Preisauspeitschung des Fleisches nnd Brotes nicht auch noch von skrupellosen Profitjägern agra- rischer Couleur inchr und mehr verteuert wird, und daß für Deutschlands Massen, im Gegensatz zu Frankreich und Eng» land, die Kartoffel, die dort nur ein Surrogat ist, ein Hauptnahrungsmittel bildet, ist an sich schon ein beschämend trauriges Zeichen für den kulturellen Tiefstand des herrlichen Dcutschcil Reiches. Die Interpellation der Fortschrittlcr, die eine vorläufige Aufhebung der Futternlittelzöllc aus Mais und Gerste und eine Suspendierung des Kartoffclzollcs bis zum 1. Mai vor» ficht, begründete Dr. Mendorfs. In geschickter Weise, ge» stützt auf ein ansprechend gruppiertes Zahlenmaterial, de- handelte er die Materie sowohl vom stcuerpolitischen Stand» Punkt wie auch auf ihre Bedeutung für die Volkscrnährung hin. Besonders tat' er dar, wie durch ,6ic agrarische Zollpolitik auch der Mittelstand und der kleine Bauer schwer geschädigt werde. Die sozialdemokratische Jnterpellatton ging weiter und verlangte in Bausch und Bogen die Aufhebung der Futtermittelzölle und des Kartoffclzollcs. Des Genossen Bock Rede bildete eine wirkungsvolle Ergänzung zu den Ausführungen des Fortschrittlers: wie Zähne nnd Lücken zweier Zahnräder griffen sie ineinander. Genosse Bock wies darauf hin, daß der Kartoffelzoll in seinen verderblichen Wirkungen daS Maß der allgemeinen Teuerung voll mache und daß er zugunsten unersättlicher Agrarier eine— leider!— wichttge Nahrungsquelle dcS Volkes verschütte. Was vor acht Tagen der Staatssekretär Mermuth in der Frage des Kartoffelzolls angekündigt hatte, bestätigte jetzt sein Kollege Delbrück: die Regierung ist bereit, bis zum l. Mai den Kartoffelzoll zu suspendieren. Doch was die Futtcrmittclzölle angeht— hier wurde der Staatssekretär ein� mcnschgewordenes: Aber! Aber! und kam nach einigen Wen-' düngen' und Drehungen, in denen er den Tatbestand der Teuerung wohl oder übel zugeben mußte, zu dem Ergebnis, daß an eine Aufhcbling der Futtermittelzöllc nicht zu denken sei. Solange die Regierung am Nascnring des Agrariertunrs trottet, wird sie eben, selbst wider ihre eigenen Ueberzeugungen, nicht von dem Wege abweichen können, den ihr die Junker weisen. Die drei Redner des schwarzblauen Blocks, der Zentrumsmann Herold, der Konservative A r n st a d t und der Reichsparteiler Stubbendorff hieben so ziemlich in dieselbe Kerbe. daß nämlich die Teuerung — natürlich!— mit unserer„bewährten zollpolitifchcn Gesetzgebung" nichts zu tun habe, nur daß der Zentrums- mann noch mit der Aufhebung des Kartoffelzolls einverstanden war, während der Konservative mit bedenklich gefurchter Stirn selbst in dieser ach I so bescheidenen Maßregel eine Durch- löcherung dcS„Wirtschaftsschutzes" sah. Dann kam Herr W a m h o f f. Wenn nian betont, daß er sich alleweil um die eigene Achse drehte, bis er selbst nicht mehr wissen konnte, wo er stand und waS er wollte, so erhellt daraus, daß dieser Herr die nattonalliberale Partei vertrat. Was an Positivem sich aus dem krausen Gang seiner Sätze entnehmen ließ, war das fröhliche Bekenntnis zur Wucherzollpolittk. Nachdem noch zwei Herren von kleineren Frakttonen, der Pole G r a b s k i und der Elsässer Will, ihren Standpunkt dargelegt, verebbte die Debatte. Heute Fortsetzung in der Besprechung und Interpellationen. Abgeordnetenhaus. Die Erörterung des I u st i z e t a t s begann heute vor fast leeren Bänken. Die Debatte bewegte sich ans einem ziem- lich niedrigen Niveau. Die alten Klagen über die Konkur- renz, welche die Gefängnisarbeit den kleinen Gewerbetreiben» den macht, wurden, wie alljährlich, wieder vorgebracht. Ge- nosse Liebknecht vertrat mit Nachdruck die Ansicht unserer Partei, wonach die Arbeit den Gefangenen eben doch etlvas beibringen soll, was sie nach der Entlassung gebrauchen können, um sich wieder ehrlich zu ernähren. Es darf also nicht eine Arbeit sein, die nur im Gefängnis gemacht wird: sondern ini Gegenteil, es muß eine solche sein, die auch freie Gewerbe betreiben. Dann ist es aber immöglich, eine konkurrenzlose Arbeit auszuwählen. Nur sollen die Gefängnisse der freien Arbeit keine S ch in u h konkurrenz machen. Dafür gab aber Genosse Liebknecht einen anderen wertvollen Fingerzeig. Bis jeht gilt es als Grundsatz, daß in den Gefängnissen keine Maschinen verwandt werden. Infolgedessen gibt es dort nur Handarbeit, und die macht natürlich gerade den kleinen Leuten, Handwerkern wie Gewerbetreibenden, Konkurrenz. Statt dessen empfahl unser Redner die Einrichtung von Groß- betrieben in den Gefängnissen. Dadurch würde erstens die Konkurrenz auf die großkapitalistischen Kreise abgelenkt, die sie leichter ertragen können: sodann aber würde der Sträfling die hierdurch erworbenen Kenntiiissc und Fähigkeiten viel leichter im Leben verwerten können, weil er naturgemäß im Großbetrieb viel leichter eine Stelle findet, als im Handwerk. -- Ein Regierungskommissar hatte schon vorher mitgeteilt, daß die Gefängnisverivaltung dazu übergegangen sei, die Altmaterialien der Armee durch Gefangene sortieren zu lassen. Im übrigen kamen fast nur Wünsche und Beschwerden einzelner Gerichte und Beamtenkategorien zur Sprache. Auf einige Beschwerden des polnischen Redners, die hauptsächlich llebergriffe der Justiz gegen polnisch sprechende Angeklagte und Zeugen betrafen, antwortete der Minister Bcselcr in schroff ablehnender, fast verletzender Weise. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages hielt am Mittwochabend eine Sitzung ab. Es wurde mitgeteilt, daß die Fraktion für die Kommissionen, die 7 Mitglieder stark sind. 2 Ler- treter, bei 1t Mitgliedern 4 Vertreter, bei 21 Mitgliedern 6 Vertreter und bei 28 Mitgliedern 8 Vertreter erhalten wird. In die B u d g e t k o m m i s s i o n delegierte die Fraktion folgende Genossen: Ledebour, Lensch, Noske, Südekum, Schöpflin, Rod. Schmidt, Reitzhaus und Schulz. Als Mitglieder für die P e t i t i o n s k o m m i s s i o»i wurden bestimmt: Schwach, Sachse, WelS, Thiele, Giebel, König, Brey und Spiegel. In die G e s ch ä f t S- ordnu n gskom Mission wurden delegiert: Haase, David, Geyer, Frank, Hofmann- Saalfeld und Ebert: in die Wahl- prllfu n g«kom Mission: Fischer-Berlin, Stücklen, Gradnauer und Stadthagen: in die R c ch n u n g§ k o m m i s s i o n: Wurm, Ouarck, NoSke und Rühle.— Für den Vorsitz in der Geschäfts- ordnungskommission, der der Sozialdemokratie zusteht, wurde Genosse Haase bestimmt, als stellvertretender Vorsitzender der Budget- kommission Genosse S ii d e k u m. Ter Bund der legendären Dreimalhunderttausend. Wenn schon im Sportpalast am vergangenen Montag Kater- stimmung herrschte, in einem sind die Leute wie immer die alten geblieben: im Aufschneiden. Worte k o st e n nichts! Das war die Parole, und deswegen kam es auf ganze Hände voll mehr oder weniger schöner Redensarten nicht an. Eigentümlich ist nur, datz da, wo der Bund der Landwirte seine Stärke und seine wachsende Macht wirklich zeigen kann. in den Mitglieder- zifsern und den Beitrags einnahmen, trotz dreistündigem ununterbrochenen Redeflüsse, jede auch nur geringste Andeutung völlig fehlte. Im Geschäftsbericht finden sich einige schwache Ve- merkungen über den OrganisationLumfang.»Die Mitgliederzahl ist in stetigem Steigen geblieben und hat seit der vorigen Generalversammlung um Tausende zugenommen. Durch den Tod sind, soweit eS festzustellen war, 1767 Mitglieder ausgeschieden." TaS ist alles I Im Geschäftsjahre 1916 hat der Bund der Landwirte nach seinen eigenen Mitteilungen 10 8t0 Versammlungen abgehalten und 11 000 Mitglieder gewonneii. In jeder Versammlung gerade rund einen! Das Wahljahr brachte 13 892 Bündlerversammlungen, davon waren 9187 reine Wahlversammlungen, die Mitgliederzunahm« be- trug nur„Tausende"! Schon das Verschweigen des Mitglieder- znwachscS beweist, datz das Wachstum nicht einmal im Matze von 1910 vor sich gegangen ist. Dazu kommt aber auch, datz in den agrarischen Geschäftsberichten die Austritte nichtverzeichnct werden, mit Ausnahme der durch Tod verursachten. Eine andere Möglichkeit, die Bundesmitgliederziffer festzustellen. ergibt sich in der Auflageziffer des wöchentlich erscheinenden Bundes- organes. Die Auflage dieser Zeitung, die allen Mitgliedern un- entgeltlich zugestellt wird. betrug im Jahresdurchschnitt 1910 23S 000 Exemplare. Ini jllngstabgcschlossencn Geschäftsjahre ist die Ziffer auf 211 660 Exemplare gestiegen. DieS war ein Plus, das naturgemätz nur zum Teil einem entsprechenden MitglicderznwachS entspricht. Die Auflage der provinzialen, von Landesorganisationcii heraus- gegebene» Wochenblätter, die 1910 rund 100 900 betrug, ist diesmal mit 91 000 angegeben. Alles in allem, an einen nach.Tausenden" zählenden Zuwachs an Mitgliedern erinnert das alles gerade noch nicht allzusehr. Dabei darf nicht vergessen werden, datz die bündlerische Werbe- Methode mittels der auf Diäten und Prämien gestellten Agitatoren einen skrupellosen Mitgliederfang bedingt. Prominente Vorsitzende der KreiSorganisationcn und deren Stellvertreter sind mitunter schon so gewählt worden, datz sie mit der Mitteilung von ihrer Wahl zu» gleich ein Brieflein erhielten, in dem ihnen höchst schmeichelhaft nahegelegt wurde, nun rasch— Mitglied deS Bundes zu werde»! Den eigentllchcn Mitgliederfang charakterisierte der Führer des bayerischenBauernbundes, Anton Mcmniinger, einmal in seinem Blatte wie folgt: „Aus dem Schreiben- AnstellungSvertrag des Bundes mit einem seiner Agenten— ergibt sich, datz die Bundesleitung von ihren Agenten Ueberzeugung und Charakter nicht v e r l a n g l.... Was aber noch mehr in die Augen springt, ist d a S rein Geschäftliche deö Abkommens. ES kommt namentlich darauf an, neue Mitglieder zu werben, wird ohne Um- schweife gesagt. Wenn der Agent eine genügende Anzahl neuer Mitglieder erbält, so wird sein Diäten s ätz erhöht, auch winkt ihm ein festes Gehalt. Genau so machen es gewisse Versicherungsgesellschaften.... Wir können beispielsweise ein Schreiben einer Vi ehversicherungSgesellschaft ent- gegenstellen, worin den eventuell anzustellenden Agenten käst die gleichenBedingungen gestellt werden, mit dem Unter- schied« freilich, datz hier die feste Anstellung von dem aufgenom- mcnen Rindvieh abhängig gemacht wird.. Im demokratischen»Freien Volk" erzählte vor einiger Zeit ein früherer Bundesagitator, datz die einzelnen Agenten in kurzen Zwi- schenräumen vorgedruckte Fragebogen ausgefüllt an die Zentrale schicken müssen, in denen sich unter anderem folgende schöne Fragen finden: 1. Angabe von zuverlässigen Bundesmitgliedern. 2. Angabe von heimlichen Gegnern. S. Angabe von offenen Gegnern. ES handelt sich also hier um eine Art bundespolizeilicher Füh- rungSliste aller deutscher Bauern. Zur lückenlose» Auffüllung dieser Sammlung dienen die auf Diäten und im günstigen Falle auch fest angestellten Agenten. Und trotzdem wagt es der Bund der Landwirte nicht, seine Mitgliederziffer, geschweige denn seine Finanzgebahrung zu veröffent- lichen— trübe Zeichen bei den Machern der Bewegung all der von Aar und Halm._ Die Konservativen und der Kartosselzoll. Die„Konservative Korreipondenz" beschwört in dem Augenblick, da im Reichstage die Interpellation über den Kartoffelzoll verhandelt wird, noch einmal alle bösen Geister, sie vor der Aufhebung des Kartoffelzolles zu bewahren. Datz die Agrarier nicht für Aufhebung des Zolles schwärmen, ist erklärlich, sie sollten aber in der Ver- leidigmig ibrer Zollprofite wenigstens nicht zum plumvsteii Schwindel greifen. Die„Konservative Korrespondenz" hat den Mut, von „stetigem Rückgänge" der Kartoffelpreise sowie im Groh« als auch im Kleinhandel zu reden, angesichts der Tatsache, datz gegenwärtig in Berlin kein Pfund Kartoffeln unter acht bis neun Pfennig zu h a b e n i st I Je weiter das Früh- jähr vorschrcitet und je knapper die Kartoffeln werden, um so mehr wird der Preis steigen— wenn nicht der vom 15. Februar ob zur Erhebung kommende Zoll von 1 M. beseitigt wird. Das verlangen die Interpellationen und dagegen rennen die Konservativen Sturm. Warum? Doch nur, weil sie fürchten, datz die Preise gedrückt und der TeuerungSprofit der Junker beschnitten wird. Wahlproteste. Die Abteilungen des Reichstages traten Mittwoch zusammen, um die eiiigegaiigeneii Wahlproteste auf ihre Zu- lässigkeit zu prüfen und diejenigen Mandate, gegen die Wahlproteste nicht eingegangen sind, für gültig zu erklären. Zwei Abteilungen konnten wegen ungenügender Beteiligung nicht in Tätigkeit treten. Im übrigen wurden achtzig Mandate der Wahlprüf ungS- k o ni m i s s i o n überwiesen, gegen die zulässige Pro- teste vorliegen. Die Wahlprüfimgskommission hat entsprechend der Vereinbarung des Seiiiorenkoiivents die Absicht, ein st a r k e S Tempo in ihre Arbeit zu legen, und die von ihr behandelten Wahlprüfungen sollen dann möglichst sofort vom Plenum erledigt werden.__ Erhöhung der Unterbeamtengehälter. Tie Sozialdemokratische Fraktion des Reichstags brachte im Interesse der Ilnterbeamten folgenden Antrag ein: Der Reichstag wolle beschließen, die Verbündeten Regie- rungcii zu ersuchen: 1. eine Revision des Bcamtenbcsoldungs- g e s e tz e ö in dem Sinne vorzubereiten, daß eine an- gemessene Erhöhung der durüiaus unzulänglichen Be- züge der Unterbeamten eintritt; 2. die Unstimmigkeiten und Härten, die sich bei der Ein- teilung der Ortsklassen ergeben haben, baldigst zu be- seitigen._ Amtliche Nachprüfung der Stimmabgabe von Post- beamten bei Stadtverordnctenlvahlen. In H a l l e a. S., wo die Bürgerlichen bei den Stadtver- ordneteuwahleu die Beamten mit allen Mitteln des Terrorismus zur Urne trieben, um tveitere Siege unserer Genossen zu verhindern, ist jetzt nach den Wahlen vom Bürgerverein eine ausführliche statistische Feststellung darüber angefertigt worden, ob und wie die Beamten gewählt haben. In einer Veröffentlichung hierüber wird gesagt, datz 15 Reichs- und Staatsbeamte, darunter 6 aktive, öffentlich ihre Stimme für den Sozialdemokraten abgegeben haben- Diese Denunziation ist von der Postdirektion in Halle sofort richtig verstanden worden. Die bürgerlichen Blätter bringen jetzt«ine charakteristische amtliche Erklärung, in der es hcitzt:»Die inzwischen von der Postbchörde in bezng auf die akliven Beamten vor- genommciieii Feststellungen haben ergeben, datz die erwähnte Be- Häuptling, soweit Angehörige der ReichSpost« und Telegraphen- Verwaltung in Frage kommen, sich auf irrtümliche Aufzeichnungen stützt und unrichlig ist."— Mit dieser Schiiüffelarbcit wird sich der Reichstag zu befassen habem Fürstbischof Kopp als Bauernlegcr! Der»Wiener Arbeiterzeitung" wird aus Troppau geschrieben: »Vor einiger Zeit kaufte der Fürstbischof Dr. Kopp in Breslau, der auch in Oesterreich große Besitzlingen, hat in Wilmsdorf in Oester- leichisch-Schlcsien, neun B a u e r n w i rt s ch a f t e n auf. die in einen Wildpark umgewandelt werden sollen. Der Kauf tourde vor einem Jahre vollzogen. Aber bis heute ist der Kauf- schilling noch nicht bezahlt. Die früheren Eigentümer dürfen wohl den Boden noch bebauen, aber ihre Mühe trägt keine Früchte, denn die Hirsche fressen und trampeln alles nieder. Von den Klerikalen wird durch Worte und parlamentarische Anträge die iltettung deS Bauernstandes betrieben, aber einer der Höchst- stehenden von ihnen betreibt das Bauernlegen systematisch nnd ver- ivandelt Ackerland, das jahrhundertelang den dortigen GebirgS« bewohnern Nahrung lieferte, in unfruchtbare Jagdgründe, um sein und seiner Freunde Jagdvcrgnügen zu steigern. Die Umwandlung dieser neun Bauerngüter in Jagdgründe steht nicht vereinzelt da, es wurden schon viele flcitzige Landwirte auf diese Weise von der Scholle vertrieben. Dabei herrscht in Wilmsdorf die denkbar größte Not und im Bezirk Hancring geht die Bevölkerungszahl von zehn zu zehn Jahren um lausend infolge der Not zurück. Anstatt die Ernährungsmöglichkcitcn zu vermehren, wird sie von den frommen Herren vermindert. Dann gehen dieselben Herren hin und klagen über Landflucht und Auswanderung!" Die Reichstagserfatztvahl im Tiegkreis Waldbröl, wo der Zentrumsabgeordiiete Becker sein Mandat niedergelegt hat, um dem in Köln unterlegenen Zentrumskandidaten T r i m b o r n den Wiedereintritt in den Reichstag zu ermöglichen, findet am 1. M ä r z statt.___ Eine Kartenfragc. Eö ist üblich, datz durch baS Reichstags« burean die den drei Präsidenten gelieferten Karten alle» Bertrelern solcher Behörden, die amtlich mit dem Reichstage zu Inn haben, zugeschickt werden. Merkwürdigerweise wurden in dem Adresienver- zeichnis auch das H o f m a r s ch a l l a m t und daö Berliner Polizeipräsidium ausgeführt. Da daö ReichStagSpräsidium amtlich mit diesen Behörden nichts zu tun hat, bat Gen. Scheid�- mann, von der Uebersendung seiner Karten an diese Adressen ab- zusehen. DaS ist denn auch geschehen. Alle weiteren Behauptungen sind unwahr.__ Hfnha. Ein Kulturbild vom Kongo. Zweiundfünfzig Jahre, ein halbes Jahrhundert, ist es her, feit der holländische Dichter Mnltatuli(Eduard Douwes Detter) sein bekanntes Buch, den„Max Havelaar", erscheinen liefe, wodurch er seine geliebten Javanen von der Ausbeutung durch die hollän- difche Regierung zu befreien hoffte.„Es ging ein Schaudern durch das Land," schrieben die Zeitungen jener Tage,„als dieses Buch in die Oeffentlichkcit drang." Aber der erträumte Erfolg blieb aus. Holland fuhr fort. Java auszubeuten, lind wie in Java geht es in unzähligen anderen Kolonien her. Heute noch. Seltsam ist cS, wie die internationalen Zeitungen und Zeitschriften sich diesen Tatsachen gegenüber verhalten. Belgische Zeitungen klagen englische Kolonien an, englische Zeitschriften türkische Kolonialvcr- waltungen, evangelische Missionare katholische Regierung"!'und umgekehrt. Sie sehen alle miteinander immer den Spliti"c im Auge des Nächsten, aber nicht den Balten im eigenen Auge, ro entwickelt ein Missionar in der cvangelisch-Ihcologischen Mona-- schritt„Lehre und Wehre" nachstehende» grausiges Kongobils: „Beim Besuch einiger der größten Städte, die wir im Kongo go sehen haben, wurden wir wiederholt überrascht durch die AbWesen» hcit aller mamilichen Bewohner, ausgenommen kleiner Knaben, hinfälliger Greise lind einiger Häuptlinge und Aufseher. Auf unsere Anfrage sagte man uns, ihre Steuer bestände in Kautschuk und die Männer seien weit im llrivald, um das Produkt zu sammeln. Wir sahen streckenweise Dutzende, ja Hunderte wohl- gebauter Hütten im Verfall, weil die Männer gezwungen waren, ihre Steuer einzusammeln und die Frauen und Knaben die Feld- arbeit verrichteten und ihren Männern daS Essen in den Wald trugen. Wir entdeckten, datz die Männer zwei und drei Monate ununterbrochen in dem feuchten, unzugänglichen Walde zu arbeiten hatten, um die vorgeschriebene Kautschukmcngc zu gewinnen. Und wie leben sie während dieser gezwungenen Abwesenheit von der Heimat? In elenden Schutzhütten auL Stöcken und Blättern, von denen wir viele auf unseren Wegen sahen. Auf unserem Marsch durch den Wald lagerten wir eines Nachts nahe bei einer kleinen Gesellschaft von Kautschuksammlern: wir beobachteten, wie die Leute bis spat in die Nacht beschäftigt waren, die gewonnenen Flüssigkeiten zu koagulieren. Wie uns ihr Hcadnian sagte, waren sie drei Tagereisen von ihrer Heimat entfernt. Er erzählte uns auch, datz vor einigen Wochen eine Gesellschaft von 35 Leuten und 2 Headmen vor dem Weitzen die Flucht ergriffen hätten. Sie seien zuerst durchgeprügelt worden, weil sie zu wenig Kautschuk gebracht hätten, dann habe der Weiße sie in den Wald geschickt, um mehr zu holen. In einer Stadt, die erst vor kurzem wieder aufgebaut und ausnahmsweise groß war, berichteten uns die Eingeborenen. daß sie drei Monate ununterbrochen im Walde zu verbringen hätten, um Kautschuk zu finden. Tie Leute haben sechs Mo- nate und in c i n z e l n e n Fällen acht Monate harte Zwangsarbeit im Jahr zu leisten. Das gibt einen Durchschnitt nicht von einem Tage in der Woche, sondern von drei nnd vier, lind selbst dann ist es keineswegs sicher, daß sie den Rest der Zeit für sich verwenden können. Wenn man diesen Dingen gegenübergestanden und den hilflosen Notschrei dieses verzweifelten Volkes gehört hat, dann ist es mehr als schwierig, seine Gefühle zu beherrschen. Ihr habt gut reden von Freiheit und Gerechtigkeit! Wo sind sie für diese armen Sterblichen? Sie leben weit im Hintcrlandc. ihre Stimme verhallt Angehört nnd ihnen ersteht kein Fürsprecher. Sie können sich an niemand wenden, außer an den Weißen, dessen Pflicht e» ist, sie zur Arbeit zu zwingen, und dem daran liegen muß, so viel als möglick Kautschuk au? ihnen herauszuquetschen. Nicht in erster Linie die Beamten sind zu tadeln, sondern das entsetzliche Sv stein, da» solche Praktiken möglich macht! In der„London TimcS" verösfentlichtc der belgische Kolonialministcr Rcnkin, daß die Kolonialverlvaltung ein Kautschuklagcr(auch Elfenbein) im Werte von 610 090 Pfund Sterling habe. Der Fluch Leopolds kl., den der Papst mit seinen höchsten Ehren geehrt und den auch die römisifieii Würdenträger in Amerika gefeiert haben, wirkt immer noch im Kongo weiter." £Iiis Induftne und Ftandel Terrain- und Mietwucher in einer Hand. Im besonderen der Großbcrlincr Grund- und Bodenmarkt leidet ungeheuerlich unter der beispiellosen Bcwucherung durch Terraingesellschaften und Bauuiiternchmertum. Sänitliche Berliner Großbanken haben im rcichshauptstädtischen Boden riesig hohe Werte investiert. Deren Bedürfnis nach Ver- zinsung hat zu einem Mietwucher geführt, der jeder kulturellen WohnungSpolittk ins Gesicht schlägt, lind, Iva? nn liier bajondrrZ betont werden muß, cS ist durchaus nicht nur der feine Wohmöcstön und die lebhafte Geschäftsgegend, die zum Tcrrainwuchcr Gelegenheit gibt. In den nördlichen und östlichen Gebieten der Rcichshauptstadt sitzen die Großbanken genau so fest nnd ihr Gc« schüft ist gerade hier am r r n t a b c l st c n! Interessant ist, daß man jetzt in den interessierten Bankkreisen eifrigst mit dem Plane umgeht, großzügiger zu bauen. Die Methode, einzelne Häuser oder mehrere Häuser nebeneinander auf einmal zu bauen, ist heute schon in den neucntstchcndcn Stadt- teilen veraltet, dort wird gleich an ganzen Häuserblocks gearbeitet. Aber nicht nur das, die Terraingescllsaxiftcii Ivollen auch alle in der Regel entstchenden Unkosten, wie Stempel, Umsatz- stcuer. Reichs- und W e r t z u w a ch S st c u e r, vermeiden, sich von deren Bezahlung drücken. Man ist dabei auf den eigen» artigen, aber durchaus im Sinne großkapitalistischer Entwickclung liegenden Weg gekommen, zur Selbstbebnuung des eigenen Grundbesitzes zu schreiten. Da der Besitz- Wechsel das Moment der Steuererhebung ist, wird damit natürlich jede S t c u c r I e i st u u g V e r m i c d c n! Den so entstehenden Extragewinn können die Terraingcsellschaften in die eigene Tasche stecken. Der gemischte Betrieb, wie er heute in der Moutanindustric längst zur vorherrschenden Produltionsmethodc geworden ist, hat damit auch seinen offiziellen Einzug in das Terrain- und Baugeschäft gehalten. Inoffiziell besteht diese Methode schon lange. ES fei nur an die Verknüpfung der Boswau u. Knauer-Baugefell» schaft des FürftentrustcS mit Terraingefchäften erinnert. Aber die Handelsgesellschaft für 01 r n n d b e s i tz, die zum 20. Februar ihre Aktionäre zusammcnberuft, will da öffentlich die Durchführung von derlei Transaktionen beschließen. Die Verbin- dung der einzelnen Produktionsstadien auch im Häuserbau hat sicher seine volkswirtschaftlichen Vorteile. Sie werden hierbei, Iva» für die hinter den Terraiiigesellschasten stehenden Großbanken ausschlaggebend ist, aber noch überwogen durch die Gewinne, welche aus Steuerersparnissen entstehen, und zum anderen noch durch die Vorteile, welche sich bei gleichmäßig rascher Bebauung ganzer Häuser. viertel erzielen lassen, im besonderen was die Vermietung betrifft. Vorbild für diese Methode ist in Groß-Berlin dabei immer Koni- merziciirat Haberland gewesen, der, die Deutsche Bank hinter sich. erst kürzlich nach Wilmersdorf und Dahlem die Hochbahn hingelegt bekam— erklärlich durch die Verbindung zwischen Hochbahn und Deutscher Bank— und dann dort gleich im ganzen eine vornehme Wcstgartenstadt hinbautc. Rasch und sicher: i»i besonderen deS- wegen, daß die iieuentstehendc Tempelhoferfeldstadt nicht den Micterzuzug zuerst bekam, und die überteuerten westlichen Terrain» leer liegen blieben.— Ter Gemischtbctricb, der jetzt bei der Berliner HandclSgcscll- schaft für Grundbesitz durchgeführt werden soll, t>etrifst vorerst ihren S ch m a r gc u d o r sc r Terrainbesitz. Es handelt sich dabei aber nur um ein Tochterunternehmen der Berliner Hau- delsgesellschaft. Dieses Bankinstitut kontrolliert in Groß» Berlin noch die folgenden Terraiiigesellschasten: Bahnhof Jungfern. Heide Aktien-Gesellscbaft, Bahnhos Lichtenberg Äktien-Gcsellschast, Jndustriegcländc Schöneberg A.-G., Wcstlickc Bodcnaktiengcsell- schaft, Terrain-Aktiengcsellschaft Bayerische Straße. Grundstücks- Aktiengesellschaft, Lichtenberger Tcrrain-Aktiengcsellschaft, Neue Berliner Grundstückgesellschafl. Grundcrwerbsgcsellschaft. Grund- stücksverwcrtungsgescllschast, Monbijou Grundcrwerbsgcsellschaft. Neben dem vornehmsten Westen ist hier das alte. Berlin und die Geschäftsgegend der City ebenso vertreten wie das Industrie- gebiet der Ringbahnhöfe und die Proletarierviertel. Wird die Methode des Gemischtbctricbes sich weiter ausbreiten— was schon jetzt sicher ist—, so bedeutet das eine Kapitalskonzentrierung, die einer ganzen Anzahl von Bauunternehmern, mittleren und klci- neren Handwerkern und Lieferanten, das Lebenslicht ausbläst. AuS dem persönlichen Wohnungsvermieter wird auf all diesen Kom- plcxcn der Hansverwalter, der Angestellte des Großunternehmens. Die Entpersönlichung des Besitzes wird auch aus diesem Gebiete so ein Stück weiter kommen. Der dabei erreichte Volkswirtschaft» licki« Fortschritt springt ohne weitere» in die Augen, er wäre un» schätzbar, wenn nicht seine Vorteile die Tcrraingesellschaften ein» steckten, das heißt Aktionäre und Großbanken l GewerkfcbaftUcbes. Die Forderungen der Ruhrbergarbeiter. Nachdem der Zechenverband für das Ruhrgebiet die Lohneingabe der drei Bergarbeiterorganisationen mit dem Bemerken abgelehnt, daß er in Lohnfragen nicht zuständig sei, sind unter dem 20. Februar den einzelnen Grubenverwal- tungen folgende Forderungen unterbreitet worden: 1. Erhöhung dcr Durchschnittslöhne für alle Arbeiter um 15 Proz. und Bescitigung der großen Lohnunterschiede für gleich- artige Arbeiter. 2. Die Abschlagszahlung hat spätestens am 25. des laufen- den, die Rcstlohnzahlung spätestens am 10. des folgenden Münats zu erfolgen- 3. Achtstündige Tchichtzeit, siebenstündige Schichtzcit bei 22 Grad Eelsnis Wärme, sechsstündige Schichtzeit bei 28 Grad Celsius Wärme. Vorstehende Schichtzciten verstehen sich inklu- stoc Ein- und Ausfahrt. 4. Ncber- und Ncbenfchichten dürfen nur bei Unfällen, Ve- triebsstörungen oder zur Rettung von Menschenleben und Pferden verfahren werden. 5. In den Kolonicwohnungen ist die sonst übliche einmonat- liche Kündigung einzuführen, den Mietern volle Bcwegungs- freiheit in bezug auf OrganisationSzngehörigkeit, Warencinkauf usw. zu garantieren. Ferner darf kein Zwang zur Haltung von Kostgängern ausgeübt werden. 0. Dafür einzutreten, daß Aufrechnungen der reichsgeseh- lichen Leistungen für Knappschaftsinvalidcn, Witwen und Waisen seitens des Knapp'chaftSvercins auf die KnappschaftS- leistungen nicht mehr stattfinden. 7. Umwandlung des bestehenden Arbeitsnachweises in einen paritätischen, Aufhebung des noch für Nachbarzechen bestehenden Spcrrsystcms. 8. Einschränkung des Strafwcscns! Strafen von über eine Mark bedürfen der Zustimmung des ArbeiterausschusseS. 9. Errichtung cineS paritätisch zusammengesetzten'Schieds- gerichts mit einem unparteiischen Borsitzendcn zur Schlichtung von Streitigkeiten. 10. Errichtung von Ausschankstätten für alkoholfreie Ge- tränke auf den Zcchcnplätzcn. Die Bergarbeiter werden am Sonntag, den 23. Februar, in großen Versammlungen zu der neuen Situation Stellung nehmen. Durch die gesamte Unternehmer- und Zentrumspressc gebt ein Artikel, betitelt:„Bergarbeitcrlöhne und Betriebs- Überschüsse". In diesem Artikel wird zunächst behauptet, die eingeleitete Bewegung habe nur reinen agitatori- fchen Zweck. Wenn sich die Unternehmer in dieser Hoff- nung wiegen, täuschen sie sich. Tie Bewegung ist sehr ernst- haften Charakters und die Organisationen und die in diesen vereinigten Bergarbeiter werden vor dcr letzten Konsequenz. wenn es die Notwendigkeit gebietet, nicht zurückschrecken. In dem Zechcnverbandsartikel wird dann weiter gesagt: „Da die von den drei Verbänden eingereichten Lohnforde- rungcn mit höheren Bctriebsüberschüssen der Werke begründet werden und die Forderung gestellt Ivird, die im 4. Vierteljahr des Hochkonjunkturjahres lS07 gezahlten Löhne als Grundlage für die vorzunehmende Lohnaufbesserung anzunehmen, so dürfte es angebracht sein, die in den ersten drei Vierteljahren 1907 im Ruhrbcrgbau erzielten Ucberschüsse mit denen des Jahres 1911 in Vergleich zu ziehen." Es werden dann anschließend die Gewinne von zehn „reinen" Kohlcnwerken aus den ersten drei Vierteljahren des Jahres 1907 denen des Jahres 1911 gegenübergestellt und dabei ein Mindergewinn von 7 330 319 M. festgestellt. Zu- nächst handelt es sich, wie schon erwähnt, bei dieser Zusammen- stellung um nur„reine" Kohlenzechen. Daß diese von einer Wirtschaftskrise empfindlicher getroffen werden, wie die„ge- mischten" Werke("Hüttenwerke), weiß jeder Bergmann des Ruhrgebiets. Daß dem so ist. ist nicht Schuld der Arbeiter, sondern liegt zum größten Teil an dcr Fördcrberechnung des Kohlensvndikats, bei der die Hüttenzechen bevorzugt sind. Der Selbstverbrauch der Hüttenzechen wird bei der Bercch- nung dcr Beteiligungsziffer nicht in Anrechnung gebracht. Dcr Zechenverband täte gut, wenn er*die Gewinne der Hütten- lverke auch als Vergleich heranzöge. Aber er wird sich hüten! Auch vergißt der Zechenverband in Erwägung zu ziehen. daß am 1. April d. I. eine Koblenpreiserhöbung von 0,23 M. bis 1,23 M. Pro Tonne in Kraft tritt. Selbst die„Kölnische Volkszeitung" schreibt hierzu: „Wie verlautet, rechnen sich einige aroße Zechen aus der Preiserhöhung schon Gewinne von vielen Millionen heraus. DaS ist doch ein Zustand, den man ganz und gar nicht verteidigen kann." Der Zechenverband wird also mit seiner Berechnung selbst bei dcr„Kölnischen Volkszeitnng" abfallen. Auch lastet der Svndikatsbeitrag schwer auf diesen Werken, was schon wiederholt von den Zechenorganen„Bergwerkszeitung",„In- dustrie" usw. anerkannt wurde. Kurzum, die Berechnung des Zechenverbandes hat ein großes Loch. Am wütendsten gebärdet sich aber die Untcrnehmerpress.' darüber, weil die Lohnbewegung der Bergarbeiter Te»tsch- lands mit der Lohnbewegung der Bergarbeiter Englands zusammenfällt. Mit frommem Augenausschlag schreibt die „Bergwerkszeitung" vom 18. Februar d. I.: „Die Belgier werden sich jedenfalls nicht anschließen,... bloß um den Engländern einen Dienst zu erweisen. Die -deutschen Bergleute aber werden auch nicht mitmachen, denn eine solche Kundgebung zugunsten einer Nation, die uns vor wenigen Monaten in so drohender Haltung gegenüberstand, würde die deutschen Bergleute um die Sympathie im eigenen Lande bringen." Hierzu sei bemerkt: Zunächst handelt es sich nicht um die gesamte englische Nation, sondern nur um einen kleinen Bruchteil derselben, um die englischen Bergarbeiter. Tie eng. tischen Bergarbeiter haben den Bergarbeitern Teutschlands noch nie drohend gegenübergestanden, sondern noch stets brüderliche Solidarität bekundet. Man denke an den Streik im Jahre 1903. Weiter wurde diese Belvegung nicht zugunsten der englischen Bergarbeiter eingeleitet, sondern die Berg- arbeiter Teutschlands wollen ihren eigenen Vorteil dabei er- zielen. Daß beide Bewegungen zusammenfallen, ist nur vor- teilhaft für die Bergarbeiter des einen Landes sowohl, wie für die Bergarbeiter des anderen Landes. Diesen Vorteil wollen die Bergarbeiter Deutschlands wahrnehmen. Sie wären Toren, wenn sie c? nicht täten. Berlin unct Olmgcgcncl. Achtung, Metallarbeiter! Dcr Betrieb der Firma Schon- he i m e r, NO., GreifSwalder Straße, ist wegen Steik für all« Me- tallarbeiter gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsvertvaltung Berlin. Zur Zigarrenarbeiterbewcgunü in Groh-Berlin. „Ich will mit meinen Arbeitern in Frieden leben." Das waren die Worte, mit denen Herr Zigarrcnfabrikant Sonnabend, Alexander- stroße 30, den Vertretern der Organisation gegenüber jede Ver- hchidlung ablehnte. Seinen Arbeiter» ist es allerdings nicht so leicht, zufrieden zu sein. Muß doch ein großer Teil von dem Bäcker- dutzend. die der Herr beschäftigt, sich mit Hausarbeit zu sage und schreibe 9,50 M. pro Mille abfinden lassen. DaS Manko an Lohn Verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.; ersetzt der Herr dann durch sozialpolitische Ansprachen, m denen ,e!ne eigene schlechte Lage und sein gutes Herz für die Arbeiter eine große Rolle spielt. Mit der Organisation aber will Herr Sonnabend nichts zu tun haben. Er, der seine Fabrikate hauptsächlich in Arbeiter- vierteln verkauft, wird mit der Zeit allerdings einsehen müssen, daß der Herr-im-Hause-Standpunkt seine ganz bedenklichen Schattenseiten haben kann. An Rücksicht sowie Entgegenkommen ihm gegenüber hat man es wahrlich nicht fehlen lassen. Arbeiter, Parteigenossen! Fragt bei Euren Zigarreneinkäufen nach den grünen Plakaten, die nur dann gültig sind, wenn der Name Alwin Schulze unterschrieben ficht. Kaust nur bei tariftreuen Firmen! Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Vertragsbrüchige Unternehmer. Der Zentralverband der Tapezierer hatte zu Dienstag abend eine öffentliche Versammlung der Kleber einberufen, die sich mit den fortgesetzten Tarifbrüchen der Unternehmer beschäftigte. Wie der Sektionsleiter Brunow eingangs seines Berichts erwähnte, ist der Tarif für die Kleber erst vor einem Jahre mit den Unternehmern vereinbart worden. Die Opposition, die der Tarifabschluß bei den Klebern fand, weil ihnen durch denselben zu wenig geboten wurde, hätte erwarten lassen, daß der Tarif zum mindesten in allen seinen Positionen eingehalten wird. Statt dessen hätlcn sich die Kleber demoralisierendem Jndiffcrentismus ergeben und den Tarifbrüchen der Unternehmer keinen genügenden Widerstand geleistet. Natür- lich ist dadurch die Schmutzkonkurrenz unter den Unternehmern wieder zur Blüte gelangt. Immer mehr Firmen sind vom Tarife abgewichen. Eine Bautenkomrolle, die kurze Zeit nach dem Ver- tragsabschluß vorgenommen wurde, ergab, daß 19 Firmen mit 135 Arbeitern den Tarif nicht einhalten. Im Lauf« des Jahres hat sich die Zahl der Tarifbrecher noch weiter erhöht. Bei der Bauten- kontrolle wurden nunmehr 28 Firmen mit 340 Arbeitern gezählt, die den Tarif nickt halten. Dabei macht das Gewerbe nicht etwa eine schlechte Konjunktur durch. So wurden kürzlich 407 Bauten gezählt, auf denqn Kleberarbciten auszuführen sind, davon allein 87 erstklassige. Es waren dann noch 174 Bauten zweiter und 140 Bauten dritter Klasse. Die Steigerung der besseren, der erstklassi- gen Bauten,' gegenüber früheren Jahren beweise, daß die Kleber einen günstigen Geschäftsgang zu verzeichnen haben. Es ist not- wendig, daß die Kleber auf allen Bauten, wo die Tariflöhne nicht bezahlt werden, schon am Mittwoch morgen vorstellig werden und tarifliche Bezahlung dcr Arbeiten fordern und wenn sich der Unter- nchmcr weigern sollte der Forderung zu entsprechen, müsse sofort die Verbandsleitung benachrichtigt werden. In der Diskussion wurde der Zustand im Gewerbe allgemein bedauert und sofortige Abhilfe für dringend notwendig erklärt. Im übrigen verlief sich dann die Debatte in eine nutzlose Polemik mit den anwesenden Lokalisten, die den Verband und Tarifvertrag kriti- sierten. Schließlich erklärte sich die Versammlung dahin, unverzüglich und wenn notwendig mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß der Tarif auf allen Bauten und bei allen Unternehmern wieder zur Geltung kommt._ Achtung, Fleischergesellen! Wegen Tarifbruch ist der Betrieb des Fleischermeisters Franz G e r i g k, Adalbertstr. 2, für unsere Mitglieder gesperrt. Alle Verhandlungen sind bis jetzt erfolglos verlaufen, da sich Herr Gerigk weigert, den Arbeitsnachweis für alle Gesellen anzuerkennen. Um die Organisation von ihrem Recht die Einhaltung des Vertrages zu verlangen, abzuhalten, droht Herr Gerigk mit der Staatsanwaltschaft. Ter Fleischwmeister K a s m i r s k i, Neukölln, Hcrmann- straße 210, der den Tarif im Dezember v. I. ehrenwörtlich anerkannt hat, weigert sich jetzt, den Arbeitsnachweis zu benutzen sowie die 12stündige Arbeitszeit einzuhalten. Dem Vcrbandsvcrtrcter erklärte er, er lasse sich von niemanden über die Arbeitszeit Vor- schritten machen, auch seien ihm die Käufer ganz gleichgültig. Ter Betrieb ist ebenfalls für unsere Mitglieder gesperrt. Ferner bemerken wir, daß dcr Fleischermeister H. I o ch m a n n, Neukölln, Ziethenstr. 41, den Tarifvertrag anerkannt hat. Zentralvcrband d«r Fleischer. Achtung, Tapezierer, Kleber! Wegen Tarifbruch gesperrt No- wack, Tilsitcr Str. 28, Bart Goldaper Stdaße, Ecke Braunsberger Straße. Die Schlichtungskommission Veutkcbcs Reick. Eine christliche Sclbstcharakteristik. Da?.Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften" leistet sich einen Rückblick auf die ReichstagSwahlen. Die Verlästerung der Sozialdemokratie, wobei den freien Gewerkschaften die üblichen christ- lichen Fußtritte versetzt werden, gibt der Epistel die Hauptnote. Sie soll aber auch eine Nutzanwendung haben. Der Trapezkünstler der Logik meint, sie hätten die Notwendigkeit einer starken christlich- nationalen Gewerkschaftsbewegung ergeben. Menschen, die nicht in der Luft herumzoppeln, sind entgegengesetzter Ueberzeugung. Doch ist interessant zu hören, lvas alles zur.christlichen GewerkschastS- bewegung" rechnet. Das Blatt bezeichnet als.Kollegen" unter den gewählten Abgeordneten: GiesbertS. Schiffer, Behrens, Schirmer. Becker, Schwarz und Heckmann! Kollege Heckmann, das ist reizend! Er wurde mit Zentrumshilfe in Bochum als Kandidat der berühmtesten Scharfmacher der Welt gewählt und er stand bisher auch bei den Christen auf der Liste der wegen Streikbrecherei Geächteten! Nun parodierter als— christlicher G'ewerkschaflSkollege! Die.Kollegenschaft" rührt zweifellos daher, daß die christlichen Ge- wcrkschaften nach ultramontancr Weisung mehr und mehr den Streik- bruch heiligen. Gleich und gleich gesellt sich gern! Achtung, Porzellanarbeiter! In dcr Porzellanfabrik von H e n t s ch e? u. Müller in Meuselwitz ist ein Symvathie- streik zugunsten der seit 7 Monaten streikenden Kollegen in Teltow, Roßlau und Margarcthenhütte am 3. Februar d. I. ausgebrochen. Die Firma macht die größten Anstrengungen, um Arbeitswillige heranzuziehen. So läßt sie in allen möglichen Zeitungen des In- und Auslandes Arbcitsgcsuche los und verspricht dabei hohe Löhne. Es fielen auch schon aus allen Himmelsgegenden Arbeiter darauf hinein, wodurch diese schweren Schaden hatten. Vor den Arbeiter- gesuchcn der Firma Hentschcl u. Müller s«i deswegen nachdrücklichst gewarnt. Die Versicherungsgesellschaft„Viktoria" hat es wieder auf ihre organisierten Angestellten abgesehen. Im Dortmunder Bezirk ist schon wieder eine Maßregelung vorgekommen. Der Vorsteher des Dortmunder Zweiggeschäfts will im Verlauf von drei Monaten alle alten Einnehmer hinauswerfen und durch junge Leute er- letzen,„die mehr einbringen müßten". Aber, wie gesagt, der Schlag richtet sich im Grunde genommen gegen die Verbands- angchörigkeit der alten Einnehmer. Die Gesellschaft vergißt immer wieder, daß sie auf die Arbeiter angewiesen ist. Und die Arbeiter lassen sich ein solches Vorgehen nicht gefallen. Aussperrungsankündigung in der sächsischen Tchuh- industrie. Ter Verband dcr Schuhfabrikanten trägt sich mit der Ab- ficht, einen partiellen Streik zum Anlaß einer Aussperrung zu machen. Bei der Firma A. Heller in Roßwein befinden sich die Wender seit längerer Zeit in Lohndlfferenzen. Die Ursache der Lohnstrcitigkciten liegt eigentlich in der Einführung von Ma- schinen, durch die die Handarbeit beseitigt wird, die Löhne aber sehr erheblich herabgedrückt werden. Gegen diese Lohndrückerei vcv- suchten die Arbeiter auf gütlichem Wege anzukämpfen, doch waren die verschiedenen Vermittclungsversuche, die von der Bezirksleitung des Verbandes der Schuhmacher unternommen wurden, vergeblich. Die Betriebsleitung ineinte, die Arbeiter hielten absichtlich mit ihren Leistungen zurück, die angesetzten Akkordlöhne seien genügend. Waren die Arbeiter über den durch die Betriebsleitung erhobenen Vorwurf der Faulheit schon sehr empört, so wurde eine Arbeits- niederlegung dadurch unvermeidlich, daß der Firmeninhaber er- klärte, wer für diesen Lohn nicht arbeiten wolle, könne aufhören. Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr: u. Lerlagsanstalt Die Arbeitsniederlegung dcr Abteilung Wenderei erfolgte dann am 12. d. M. Zwei Tage darauf trat dcr Bczirksverband dcr Schuhfabrikanten Sachsens zu einer Sitzung zusammen. Soweit wir aus zuverlässiger Quelle erfahren konnten, ist dort der Beschlutz gefaßt worden, die schwebende«ache zu einer Vcrbandsangclegen- heit zu machen. Mit diesem Beschluß steuern die Herren auf eine Aussperrung für das Königreich Sachsen los. Zunächst wird die Schiedskommission des Verbandes in Tätigkeit treten. Am Sonn- abend, den 17. Februar, ist eine Verschärfung der Situation ein- getreten. Da eine Einigung mit den Wendern nicht zu erzielen war, haben die übrigen Abteilungen die Kündigung eingereicht. Kommt die Firma in dcr Berechnung dcr Löhne nicht den Arbeitern entgegen, so iverden am 2. März 300 Arbeiter und Arbeiterinnen sich im Ausstand« befinden. Tie Firma scheint es auf einen Kampf ankommen lassen zu wollen. Im Annoncenteil einer Rotzwciner Tageszeitung werden Masscnquarticre für 100 Arbeiter gesucht, für Arbeitswillige, die die Firma jedenfalls hofft zu bekommen.— Die Arbeiter aller Orte werden ersucht, dafür zu sorgen, daß die Quartiere leer bleiben. Die Unternehmer im Leipziger Steinsebgewcrbe forderten die Steinsetzer auf, aus der Organisation auszutreten, anderenfalls sie keine Arbeit mehr erhalten könnten. Da sich die Steinsetzer selbstverständlich weigerten, dieser terroristischen Forderung nach- zukommen, erfolgte am«onnabend die Aussperrung dcr Steinsetzer zunächst bei zwei Firmen. Es handelt sich also um einen Kampf um das Koalitionsrecht. Rluslanck. ASquith als Vermittler im englischen Bergarbeiterstreik. London, 21. Februar. Premierminister A s q u i t h machte heute dem Untcrhausc unter großem Beifall die Mitteilung, daß seine Einladung an die Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Kohlen- bergbau, morgen zu einer Besprechung mit ihm im Auswärtigen Amt zusammenzukommen, von beiden Seiten ange» n o m m e n worden sei. Tie französischen Gewerkschaften zu Beginn' Frankreich ist da? Land der kleinen aber zahlreichen Gewerkschaften und Genossenschaften. Am 1. Januar 1911 gab es dort 6325 Gewerkschaften mit einem Mitgliederbestand von 1029 238 gegenüber 5200 Gewerkschaften mit 977 350 Mitgliedern am 1. Januar 1910 und 3097 Organisationen mit 014 238 Mitgliedern im Jahre 1902. Die Mitgliederzahl bat sich also in diesen neun Jahren um 415 034 oder 03 Proz., seit dem vorigen Jahre um 51 888 oder um 6 Proz. vermehrt. Aus dcr folgenden Tabelle ist die Stärke der organisierten Arbeit in den einzelnen Industrie- zweigen ersichtlich: Gesamtmitgliederbestand am 1. Januar Gewerbegruppe 1902 1911 Baugewerbe....»» 119033 122505 Bergbau und Steinbrüche.. 83 409 06 003 Metallindustrie...... 75 904 98 727 Textilindustrie...... 57 174 92 991 Bekleidungsindustrie mit Ausnahme der Schuh- u. Hand- fchubindustrie..... 17 121 28 493 Transport und Handel... 100 872 814 582 Landwirtschaft usw..... 15 515 01 013 Druckerei- und Papierindustrie 19 140 24 738 Holz- und Möbelindustrie.. 20 043 83 493 Chemische Industrie..., 24 010 85 444 GlaS, Töpferei..... 12 212 16 095 Nahrungsmittelgewerbe., 20 355 56 102 Häute- und Lederindustrie. 21 603 20 826 Andere Gewerbe..... 14 437_ 61 301 zusammen 614 204 1 029 288 Mit Ausnahme des Bergbau? und der Steinbruchindustrie hat also in allen Gewerbszweigc'n eine starke Vermehrung der organi» sierten Arbeiter stattgefunden. f*ctzU ftachricbtcti. Internationale Bergarbeiterkonferenz in Londo«. London, 21. Februar.(H. B.) Heute vormittag sind hier die Delegierten der Grubenarbeiter Englands, Frankreichs, Deutsch» lands, Oesterreichs und Belgiens zu einer Konferenz zusonrinen» getreten, um die Grundlagen einer Vereinbarung zu beraten, in welcher Weise die Bergarbeiter des Kontinents ihre englischen Kameraden, falls der Ausstand zum Ausbruch kommen sollt«, unter- stützen können. England ist durch vier Delegierte; di« übrigen Staaten durch zwei oder drei vertreten... SpionitiS. Ehristiania, 21. Februar. Wie„Aftenpofien" erfährt, ist heute ein Matrose des hier liegenden englischen Kanonenboote?„Fox- hound" unter Bewachung mit einem heute abgehenden Wilson« dampfer nach Hull geschickt worden. Wie das Blatt weiter mit» teilt, soll es sich um einen in England naturalisierten Deutschen handeln, der dcr Spionage zugunsten Deutschlands beschuldigt wird._ Fcrnflug Berlin— Wien. Wien, 21. Februar.(W. T. B.) Der Landtag nahm«inen An- trag an, 30 000 Kron«n als Preis für einen Fernflug Berlin— Wien, 20 000 Kronen für einen Rundflug in Niedcrösterreich und für sorf- ftige Ueberlandflüge zu bewilligen._ Folgenschwerer Fabrikbrand. Ncrdingen, 21. Februar. Durch Selbstentzündung entstand in der Uerdinger Baumwollspinnerei Akt.�es. ein Brand, der infolge des reichlich vorhandenen Zündstoffes bald sehr große Ausdehnung annahm. Die Ausgänge waren bald verqualmt und die Arbeiter und Arbeiterinnen konnten nur mit großer Mühe und Gefahr ins Freie gerettet werden. Drei Arbeiter werden noch vermißt, man befürchtet, daß sie in den Flammen umgekommen sind. Zwei Arbeiter und zwei Arbeiterinnen erlitten so schwere Brand- wunden, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Eine Barke gestrandet. Paris, 21. Februar.(P.-C.) Aus Privas wird gemeldet: Infolge dichten Nebels ist eine Barke, die mit 0000 Säcken Zement beladen war, an einen Felsen in der Nähe von Cette gestoßen und gestrandet. Von der achtköpfigen Besatzung sind drei Man« er» trunken, während die übrigen 5 Mann gerettet werden konnten. Blatternepidemie. Mailand, 21. Februar. Wie der„Avanti" meldet, ist in Eatan- ;aro eine heftige Blatternepidemie ausgebrochen. Bis jetzt find lö» Personen erkrankt und 1.1V qestorbcn. Eisenbahnkatastrophr:m Tunnel. New Jork, 21. Februar.(W. T. B.) In dem Hoosac-Tunnel im Staate Massachusetts, dem längsten amerikanischen Tunnel. ist es 2500 Fuß von der westlichen Einfahrt zu einem Z u s a m- menstoß zwischen einem Personenzug und einem Güterzug ge» kommen. Heftiges Feuer und schwere Explosion machte« eS un» möglich, bis zur Unglücksstellc vorzudringen, und die Be- Hörden glauben, daß das vor Sonnabend oder Sonntag nicht ge- lingcn wird. Bis dahin ist der Verkehr unterbrochen. Soweit bis jetzt bekannt ist. sind vier Personen getötet und fiebzdjn Güterwagen zerstört worden.__ WaulSingeraEo., Berlin L1V. Hierzu 3 Beilagen U-UnterhaltungSbl. ür 44. 29. 1.* w 1. Keilltge des.Fsmiilts" Kerlilttt NslksdlM. � Kbm«..9.2. --- Uli I—.........[�MIBMHIIII—H W■■■!»! IIT—inn---- Reichstag* 11. Sitzung. Mittwoch, den 21. Fekruar, nachmittags 1 Uhr. Km Bundcsratstische: Dr. Delbrück, Mermuth. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation Ablab und Genossen(Vp.), welche die sofortige zeitweilige Aufhcdung des Aolles ans Mais und Futtergerstc und die Suspcudierung des am 15. Februar eingetretenen Kartoffclzollcs bis zum 1. Mai fordert, sowie die I n t e r p e l l a t i o u A l d r e ch t u n d G e n o s s e n(Soz.), welche die Aufhebung des am 15. d. M. wieder zur Geltung gc- kommcnen Kartoffclzollcs sowie die Aufhebung des Zolles auf Futter- gcrstc und Mais verlangt. Staatsselretär Delbrück erklärt sich zur sofortigen Beantwortung der Interpellationen bereit. Zur Begründung� der ersten Interpellation erhält das Wort Abg. Dr. Wendorff lBp.): Der Staatssekretär hat vor acht Tagen erklärt, es schweben Erwägungen im Bundesrate über die Suspcndicrung des Kartoffclzolls. Hoffentlich haben die Erwägungen sich inzwischen zum Beschluß der- dichtet. Das Kopfnicken, das ich hier erwartet habe, ist leider aus- geblieben. Die Berteuerung eines so nolwendigen Nahrungs- mittels wie die Kartoffel um 5 Pf. pro 10 Pfund durch den Zoll ist nicht gleichgüliig.(Sehr richtig! links.) Aber wir verlangen die Verbilligung der Kartoffeln nicht nur in Rücksicht auf ihren hohen Preis, sondern vor allem mit Rücksicht auf die allgemein herrschende Teuerung in allen notwendigen Lebensmitteln sSehr richtig! b. d. Bp.), daß eine solche Teuerung vorhanden ist, bewerft ja auch die Mehrforderung von 16 Millionen Mark für Naturalvervflegung beim Heere. Der Zusammenhang dieser Teuerung mit der Reichsfinanzreform ist ja gar nicht zu bestreiten. Für die Konsumenten ist die Suspendierung des Kartoffelzolls bis zum 1. Mai eine unbedingte Notwend, gleit. Aber auch die L a n d iv i r t s ch a f t ist heute mehr Käufer von Kartoffeln als Verkäufer, denn der Ver- brauch an Brenn-, Fabrik- und Futterkartoffeln übersteigt heute den an E'�kartoffeln. � Es steht auch noch nicht fest, wie viel Kartoffeln die Landwirtschaft wird kaufen müssen. Um nur Erreichbares zu fordern, verlangen wir nur die Sus- pendierung des Kartoffelzolls bis zum 1. Mai: denn dadurch kann die Landwirtschaft in keiner Meise S ch a den haben.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Man darf dieser Forderung auch nicht entgegenhalten, ihre Erfüllung würde nichts nützen, weil auch im Ausland keine Kartoffeln vor- banden seien: in Frankreich z. B. ist Ueberfluß an Kartoffeln. .°"deren Teil unserer Interpellation wollen wir auch nicht wlt Kanonen nach Spatzen schießen und verlangen nur die zeitweilige Aufhebung des Zolles auf Mais und Futtergerste. Mit dieser Forderung befinden wir uns in sehr guter Gesellschaft. Der Landwirtschaftsrat hat in Gegenwart eines königlichen Prinzen dieselbe Forderung erhoben, freilich nicht der preußische Landwirtschastsrat, sondern der bayerische. Auch aus dem Norden kommt das gleiche Verlangen: so haben die viehhaltenden Land- Wirte in Hannover diese Erleichterung verlangt. Und sie sollte der viehhaltcnden Landwirtschaft gewährt werden, denn der weitaus größte Teil des VieheS in Deutschland wird von Bauern ge- halten. �(Sehr richtig! links.) Zu alledem kommen die Schä- digungen für die kleinen und mittleren Bauern durch die Maul- und Klauenseuche, die kaum erlöschen wird, ehe das Vieh wieder auf die Meide getrieben wird. Diese Schäden find noch größer als aus der amtlichen Statistik hervorgeht, da erfahrungS- gemäß viele Fälle der Seuche verschwiegen werden. Diese Tatsache hängt zusammen mit den vielfach falschen Sperrmaßegeln.(Sehr richtig I links.) Die Regierung sollte alles zur Bekämpfung dieser Seuche tun; das ist ebenso dringend wie die zeitweilige Aufhebung der Futtermittelzölle. Diese unsere Forderung findet in der bäuerlichen Bevölkerung volles Verständnis, und die Konservativen sind bereits auf dem bestem Wege, diese Mitläufer zu verlieren. Soweit sie sehen können, sind sie ihnen schon verloren gegangen. Daß der Groß- Rieines feuillcton* Eine neue Expedition quer durch Grünland wird von dänischer Seite während dieses und des nächsten Jahres unternommen wer- lden. Die wichtigste Neuerung an der Durchführung ist die, daß diesmal der erste Versuch gemacht werden soll, statt der üblichen Hunde isländische Pferde zu verwenden. Aus diesem Grunde geht die Fahrt zunächst im Mai d. I. nach Island, wo die Pferde aus- gewählt und erprobt werden sollen, unter gleichzeitigen geologischen Untersuchungen. Um den 1. August hofft man in Tanmarks Havn in Llönigin-Luisc-Land an der grönländischen Ostküste einzutreffen, wo auch seinerzeit der auf der letzten Reise verunglückte Mvlius- Erichscn zuerst landete. Dort wird überwintert und um den 1. Mai 1gl8 die Fahrt quer über das Landeis angetreten. Von den mit- gesührien 16 Pferden werden 9 vorher als überflüssig getötet; vor dem Endpunkt an der Wiestküste, Upernivik, ist diesen Sommer ein Depot mit Pferdefutter errichtet worden. Der Proviant der Reise über das Eis ist auf 3 Monate berechnet, doch hofft man schon am 1. Juli am Ziel zu sein. Die Route geht ungefähr im Zuge des 77. Breitengrads: Nansens berühmte Hundeschlittenfahrt vom Jahre 1888 führte über den 66., Pearvs zwei Reisen 1891/92 und 1893/95 über den 78. und 81. Grad. Führer der neuen Expcdi- tion ist F. P. 5toch, Kartologe und Hauptmann im dänischen Generalstab, der bereits 1999 mit Amdrup in Grönland war und Iggg— 09 an der Mylius-Erichscn-Expedition teilgenommen hat. Seine Begleiter sind der deutsche Mineraloge Dr. A. Wegener, Privatdozent in Marburg, der dänische Botaniker Lundager und der Isländer, der für die Pferde zu sorgen haben wird. Die Rück- kehr erfolgt nicht sofort nach der Ankunft an der Westküste, sondern erst im Oktober 1913. Theater. Llöniggrätzer Theater: Königin Christine. Schauspiel von August Strindber�(Die Buchausgabe er- schien im Verlag von Georg Müller in München.) Dies nach- träglich zur Strindbcrgfeier gespielte Drama enttäuschte noch ärger als der neulich aufgeführte„Sck�iterl)aufen". Bei aller Berwor- renheit inr einzelnen, war der Dichter hier in seiner Auffassung der Hauptperson, der schuldigen Mutter, bis zum Ende treu ge- iblieben. Christine aber, die Tochter Gustav Adolfs, wird erst als eine Hirn- und herzlose mannstvllc Pulste dargestellt, um dann am Schlüsse des Stückes in bengalischer Belcuchlung als unverstandene Individualität zu paradiere.:. Die beißende Ironie schlägt um:n einen Ton bewundernder Verliebtheit, die hinter zerfahrener Flach- heit allerhand verborgene Tiefen sehen, will. Dem psychologischen Interesse an der Schilderung eines zur Kokottenlaufbahn vorbe- stimmten Weibchens. daS ein boshafter Witz des Schicksals auf einen Thron verschlägt, bricht dieser pathetisch prätentiöse Schluß die Spitze ab. Vielleicht, daß dem Verfasser Zweifel kanwn. ob er mit seiner Ivpisch Stmdbergschen Charakteristik der Königin nicht die Geschichte allzusehr vergewaltigen und daß er nun, um die Sache hinterher ins Gleichgewicht zu rücken, sich zu der wunder- lichen Reverenz herbeiließ. Das Drama spielt vor dem Uebertntt Chrlstmens zum Katholi- «ismus, zur Zeit, da sie zugunsten ihres Vetters Gustav Karl, des Bwteren Karl X. aus die Krone verzichtete. Lose reihen sich die grundbesitz in größerem tlmfange zur Viehhaltung übergehen könnte, ist ausgeschlossen. Ich als Großgrlmdbesitzer weiß am besten, daß das alte Wort zutrifft, daß das Auge des Herrn das Vieh mästet. Diese genaue Kontrolle ist eben dem Großgrundbesitzer nicht möglich. Daher muß der sür die Viehhaltung hauptsächlich in Be- tracht kommende Bauernstand geschützt und vermehrt werden. Der Regierung möchte ich zurufen, daß auch hier das alte Wort gilt: bis äat, gut cito dat(doppelt gibt, wer schnell gibt).(Leb- hafter Beifall links.) Abg. B-ck(Soz.): Als 1992 der Zolltarif beschlossen wurde, feierte die agrarische Selbstsucht und der agrarische Eigennutz wahre Triumphe, die Stimme der Vernunft drang nicht durch. Die Folgen haben sich inzwischen gezeigt. Der Landwirtschaft geht es sehr gut, aber d i e Lage des Volkes ist von Jahr zu Jahr eine trübseligere ge- worden. Wir stehen jetzt vor einer Zeit, die fast zur Hungersnot ausartet. (Sehr wahr! bei den Sozialdemolraten.) Einen ganz besonderen Geniestreich haben sich die Herren Zöllner mit der Ein- fllhrung des Kartosfelzolls geleistet, den sie trotz des Widerspruchs des Fürsten B ü l o w, der sich doch selbst als agrarischer Reichskanzler bezeichnet hat, beschlossen haben. Dabei gibt es im Deutschen Reiche große, weite Distrikte, in denen die Be- völkerung von weiter nichts lebt als von Kartoffeln, und für die der Kartoffelzoll und die gegenwärtige Kartoffel- teuerung geradezu ein Unheil ist. Des Mittags werden die Kartoffel als Suppe, als Brei, als Puffer genossen, des Abends als Pellkartoffel mit ein wenig Leinöl. Daher das Verschen: Kartoffeln in der Früh', Des Mittags in der Brüh', Des Abends in ihrem Kleid, Kartoffeln in alle Ewigkeit. 29 Millionen Menschen in Deutschland haben einEinkommen unter 999 Mark, Für diese ist die Kartoffel die vorwiegende Nahrung, und es gibt nichts Härteres, als diesen Maffen das so dringende Nahrungsmittel zu verteuern. Die Agrarier haben in der Vorahnung des steigenden Kartoffelkonsums auch den Anbau außer- ordentlich gesteigert: eine Mißernte in Kartoffeln ist deshalb für einen großen Teil des deutschen Volkes als das größte Unheil zu bezeichnen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten,> Denn die Leute können sich keine anderen Nahrungsmittel kaufen, sie sind bereits auf den" niedrigsten Nahrungsmittckerfatz angekommen, Hülsenfrüchte und Gemüse können sie gar nicht mehr bezahlen. Die Arbeiter, die kleinen Beamten, die kleinen Bauern und Tagelöhner leiden daher auf das aller- schwerste unter den gegenwärtigen Zuständen. Nun sagt man, die Löhne sind ja auch entsprechend gestiegen, und will die Linke mit dein Schlagwort beruhigen: teures Brot, hohe Löhne, Die Löhne sind aber keineswegs tu dem Maße gestiegen wie die Nahrungsmittel- preise.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich sehe einvn der Herrn Agrarier mit dem Kopf schütteln. Nun, die sicherste, unan- fechtbarste Lohnstatistil wird im Deutscheu Reich von den Berufs- genossenschaften geführt, in deren Listen jeder Unternehmer die Löhne seiner Arbeiter eintragen muß. Nach diesen Listen hatten wir im Jahre 1996 rund 7 613 999 Arbeiter mit einer Lohnsumme von 7729 Millionen Mark. Im Jahre 1997 war die Zahl der be- schäftigten Arbeiter 7 899 999, deren Lohusumme 8418 Millionen Mark betrug. Im Jahre 1919 war die Zahl der Arbeiter auf 8 291999 gestiegen, die Lohnsumme betrug 9187 Millionen. In diesen drei Jahren betrug daher der durchschnittliche Lohn des Arbeiters 1927 M. resp. 1969 M. und zuletzt 1108 M. In den letzten drei Jahren war der L o h n also nur um 39 M. gestiegen, also um 3,85 Proz., und gegenüber dem Lohn im Jahre 1996 um 3 Proz. Die Nahrungsmittelpreise sind aber um weit über 29 Proz., ja im letzten Teuerungsjahr um 25 Proz. gestiegen. Man hat daS letzte Jahr ja als Notjahr bezeichnet und von hoher Stelle aus von einer Fügung des Himmels gesprochen. Unsere Bevölkerung wird aber viel schwerer geprüft, als durch den Himmel, denn der Himmel kann gar nicht so mitleidlos sein, wie unsere Agrarier. Die.Deutsche Tages- Bilder aneinander. In der Kirche bei der Gedenkfeier ihres ver- storbenen Vaters, fällt ihr der junge Tott auf. Und während die anderen der Predigt lauschen, amüsiert sie sich damit, den Neuling «ingufangcr« für ihre Günstlings-Mcnagerie. Ihr liebster Zeit- vertreib ist es, die Herren, die in ihren Ketten schmachten, gegen- einander auszuspielen und sich an ihrer Eifersucht zu weiden. Kö- niglich lohnt sie solche Dienste und streut das Geld für Pomp und Feste mit vollen Händen aus. Ihr Kauzler, der berühmte Oxen- stjcrna, hält ihr vor, daß sie Millionen aus dem Staatsschatz unter- schlage.„Klein Christel" gebärdet sich dabei, wie überall, wenn die Rede auf ihre haarsträubenden politischen Verbrechen und Torhci- ten kommt, wie ein schwachsinuigcr Backfisch, der von dem Ernst der Dinge keine blasse Ahnung hat. Wichtiger als der Skandal- Prozeß, in dem die gegen sie erhobenen Anschuldigungen geprüft werden, ist ihr die Sorge um das neueste Ballet und um die Ge- schenike, mit denen sie den schwärmerischen Tott erfreuen möchte. Des Jünglings LirbeSenthusiasmus steckt sie selber an. Unbedenklich verspricht sie Gustav Karl, der auch einmal ihr Liebhaber gewesen, wenn er die nötigen Summen schaffe, abzudanken. Diese Szene, in der Christine spaßhaft mit dem Vetter kokettierend das königliche Erbe lachend wegwirst, ist eine der markant charaktcrisiischstm Denn bald nach diesem Höhepunkt wird das Drama ein reines Melodram. Als Pandora verkleidet führt Christine mit Tott in ihrem Pavillon deklamatorisch geschwollene Licbesszenen aus, in deren Verlause der Verehrer plötzlich, weiß Gott, warum, die Rolle wechselt und die Angebetete vor allem Volk als Dirne tituliert. Die Kokotte verklärt sich zur armen Dulderin und brennt, als ob eS damit nicht genug wäre, auch noch ein Feuerwerk historisch schillernder geputzter Phrasen ab:„Ich bin eine— Brandenburgerin, Einmal dachte ich mich mit dem großen Kurfürsten zu ver- heiraten... denn dort an der Spree liegt die Zukunft... Ich appelliere an den Geist meines großen Vaters, der sein Leben nicht für Glaubcnszwang. sondern für Glaubensfreiheit und Toleranz hinzegeben hat", usw. usw. Gustav Karl muß, von so viel Weis- heit übermannt, allen Ernstes erklären, daß Schweden sür seine schöne Kusine, deren maßlos enges Köpfchen uns der Dichter eben noch so überzeugend demonstrierte, zu eng gewesen sei! Hätte nicht Irene T r i c s ch den lockenden Leichtsinn und die boshaft eigensinnige Tücke in den ersten Aufzügen zu so wunder- bar lebendigem Ausdruck gebracht, dann würde die Gesamtbilanz des Abends mit einem mächtigen Defizit geschlossen haben. Nur daß in dem gegebenen Nahmen sich Gelegenheit zu einer solchen schauspielerischen Leistung bot, kann den Versuch entschuldigen, ein Werk von so unheilbaren organischen Gebrechen der Bühne zuzu- führen. Der Beifall blieb gering. dr. Schillertheater Charlottenburg: Kyritz- P Y r i tz von H. W i l k e n und O. I u st i n u s. Es hat eine Zeit gegeben, da der anheimelnde Toppclname dieser lustigen Gesangs- posse schlagwortartig durch ganz Deutschland ging. Das ist genau 39 Jahre her. Nun ist sie wieder aus der Thcaterbücherei hervor- geholt worden. Ob mit Veredingung oder nicht bedarf keiner Untersuchung mehr, da das Werkchen anläßlich seiner Wieder- aufführuug selbst seine Unverwüstlichkeit bctvicscn hat. Aller Alt- jungfernrunzeln und„Krähenfüße" zum Trotz! Denn es muß doch gesagt werden, daß das Berlin von 1881 bis zum Einbruch der „Moderne" noch sehr anspruchslos war und recht spießbürgerlich zeitung" schreibt allerdings, sie würde die Aufhebung des Kartoffel- zolles'auf das lebhafteste bedauern. Es würde auch nichts nützen, die Kartoffelpreise würden dadurch nicht sinken, und sie versteigt sich jetzt schon zu der Behauptung, daß die deutschen Arbeiter nicht nur kein ausländisches Obst und kein ausländisches Fleisch, sondern auch keine ausländischen Kartoffeln essen wollen. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Was kümmert denn auch die Agrarier das Elend der Hunderttausende, sie verteuern zu eigenem Vorteil noch das Nahrungsmittel der Aermste». Die Kar- toffel ist ja das armseligste Nahrungsmittel, daS cS gibt, und doch sind Millionen darauf angewiesen. Die Kartoffelnahrung steht noch hinter der Reisnahrung der Japaner und Chinesen zurück. Aber dort entschließen die Regierungen sich wenigstens zu einem Verbot der Aus- fuhr dieser Volksnahruug, bei uns befindet sich die Regierung im Zustande der Erwägung, und sie wird auch noch im Juni in diesem Zustande sein. Unsere Regierung weiß lediglich die Wünsche der Agrarier zu erfüllen.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) In England entfällt auf den Kopf der Be- völkerung ein Kartoffelverbrauch von 114 Kilogramm pro Jahr, in Frankreich 134 Kilogramm, in Oesterreich 248 Kilogramm, in Deutschland aber 605 Kilogramm. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Engländer und Franzosen sind also Brot- und Fleischesser, die Deutschen aber find Kartoffelesser. Trotzdem bringen es die Agrarier fertig, noch Maffen von Kar- toffeln auszuführen, in diesem Jahre L'/.j Millionen Kilogramm. (Hört I hört 1 bei den Sozialdemolraten.) Hier gilt auch das Wort: „Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit". Ich kann nur bestäiigen, was der Vorredner über die Stimmung der bäuerlichen Bevölkerung gesagt hat. In meinem Kreise ist die Hälfte der Bevölkerung bäuerlich und ich habe dieses Mal eine ganz außerordentliche Zunahme bäuerlicher Stimmen erhalten. Keineswegs etwa, weil wir unser Programm auf den� Lande in die Tasche gesteckt hätten. Hätten wir das getan, da»» hätten schon die Agrarier dafür gesorgt, in die Welt zu poiaunen, was wir für schreckliche Leute sind, die die Zölle abschaffen wollen usw. Wir haben den Bauern selbst ausdrücklich erklärt, daß wir Gegner der Zölle sind, aber wir haben ihnen auch nach- gewiesen, daß die Zölle den Kleinbauern nichts nützen. Wir konnten uns dabei auf eine Statistik stützen, die unsere Staats- regierung 1994 auf Antrag des Landtags veranstaltet hat, um fest- zustellen, wie viele von der landwirtschastlichen Bevölkerung Nutzen von de» Agrarzöllen haben, und wobei die R e g i e r u n g zu dem Resultat kam, daß von 190 Landwirten 81 keinen Nutzen von den Zöllen haben, neun einen minimalen Nutzen und zehn von hundert einen bedeutenden Nutze».(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich konnte in meinem Kreise nur in 66 Dörfer kommen, hätten wir alle 166 Dörfer, die der Kreis zählt, so bearbeiten können, so wären die Agrarier voll st än big zurückgedrängt worden.j Wie groß die Teuerung im allgemeinen ist, beweist die Tat- fache, daß bei uns in Thüringen das Pfund Sauer- kohl vor zwei Jahren 6 bis 8 Pfennige kostete, heute kostet es 16 bis 18 Pfennige.(Zuruf im Zentrum: Der ist ja zollfrei!) Ich rede von der Teuerung, um Ihnen zu zeigen, daß die Leute jetzt genötigt sind, zu dem minder- wertigen Nahrungsmittel der Kartoffel zu greifen. Viel teurer ge- worden sind auch Linsen, Erbsen, Leinöl, Schmalz und Milch. Für eine Fainlie, die in einer Woche 4 Pfd. Kartoffeln, 2 Pfd. Linsen, 1 Pfd. Erbsen, 1 Pfd. Oel, 1 Pfd. Sckrnialz verbraucht, beträgt die Verteuern ng beim Konsuln» verein feit 2 Jahren 3,28 M. pro Woche. Die K a r t o f f e l n sind gestiegen von 2,69 bis 2,89 M. auf 8—6 M., im Laufe der letzten Wochen auf 8 M. Sie werden an die armen Leute, die keinen Keller haben, pstmdweise verkauft, das Pfund 8—19 Pf. Wenn ich auch nur 6 Pf. Verteuerung rechne, so macht das bei 4 Pfund bei 6—6 Köpfen 1,49 M. diq Woche aus. Das ist also im ganzen 4 Mark 89 Pfennig Verteuerung pro Woche für eine kleine Zahl unentbehrlicher Lebensmittel.(Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie wundern sich über die 119 Sozialdemokraten, der Reichs- dachte. Was damals als Satire empfunden wurde, mutet uns an wie Sammetpfötchen, die nicht kratzen. Und die Gcfühlchen oder Jntercsschen, die zwischen den Sprecathenern und märkischen Klein- städtern hin und her gingen, kommen uns desgleichen etwas tvald- ursprünglich vor. In diesen Pfahlbürgerhirnen zuckt noch kein Blitz des Selbstbewußtseins auf. Aber der Humor, ja das warA doch was anderes: ein wirklich dem Gemüte entsprossenes Kräut- lein, wird man entgegnen. Und wir wollens gelten lassen. An der Musik von Gustav Michaelis zumal kann man sich auch noch jetzt erlaben. Schließlich sind die Stürme von Heiterkeit, die wir da mit den Kyritzern und Pyritzern erleben, auch noch etwas wert. Ob freilich„dunnemals" nock? die Weibsen in Rcisenröcken und langen Hosen paradierten, mag dahingestellt bleiben: jedenfalls besteht zwischen jenen„Bcinvcrstcckcrn" und„Beinzeigern" kein auffälliger Unterschied. Herr Roeren— sittlichkeitschnüffcligen Angedenkens— muß daran seine Freude haben. Die Erweckring der Posse mit allem Altväter Hausrat, mit aller stimmungsvollen Anheimeligkeit des Dekorativen und Szeni- scheu ist vortrefflich gelungen. Dazu bewegen sich die Darbietungen aller Mitwirkenden getreulich im altgegebenen Rahmen. Karl Elzer als Bäckermeister Rux, Marie G u n d r a als dessen Frau Ulrike, Max Gülstorfs als Barbier Nauke mit dem hohen„A" und Direktor Max Pategg als baßgröhlender Stadtinusitus Klobig sind einig komisch. Fesch führte sich Käthe Lieb an als süßholzraspelnder Sekundaner ein. Nicht zu vergessen sind zwei originelle und witzig pointierte Couplets aus Herrn v. Jagows Kassa- tionsukas(die Pferdedroschkcn zweiter Güte betreffend) und auf die rote„Hundcrtzehn" mit unserem„Vize". Das übervolle Haus „krieschte" vor Lachen von Anfang bis zum Schluß. e. lc. Notizen. — Bühnen chronik. Lucie Höflich, die sich vor zwei Jahren vom Deutschen Theater verabschiedete, um Familienmutter zu werden, ist dort am Dienstag wieder aufgetreten. Sie spielte unter dem Decknamen Linda Reyem das Gretchcn. — Das R a u ch- M u s e u m in der Klosterstraße. daS die Originalmodclle zu Rauchs Denkmälern und Büsten enthält, soll nach den Vorschlägen seines neuen Direktors Mackowsky erweitert werden. In einem Neubau, der wegen der Untergrundbahn er- forderlich wird, soll die Berliner Skulptur in ihren führenden Meistern, besonders aber Schadow, eine Stätte erhalten. — Theatersürst en und Theaterköniginnen. Felix Schtveighofer soll zwei und eine halbe Million Mark hinterlassen haben, selbst für einen erfolgreichen Komiker eine schöne Summe. Das„Berliner Tageblatt" bespricht den Fall und knüpft daran die Bemerkung:„Heute gibt es Thcaterfürsten und Theaterköniginnen, die so tun, als ob vom Leben der Bühne auch das Leben des Landes abhinge. Sie haben ihren Hofstaat, ihre Schmeichler, ihre offiziöse Presse, sogar ihre Gelehrten. Sic gewinnen Reichtümer, um sie zu verschwenden; eine Million ist ihnen wenig.... Bei dieser Steigerung der Bedürfnisse und Impressionen ist es schwer, nach alter Krämersitte noch etwas zurückzulegen, wie Felix Schweig- hoscr es getan hat." Der Mimenkultus wird natürlich von den Kreisen des„Tage- blatts" verabscheut, und es selber ist nicht die offiziöse, sondern schon die offizielle Presse dieses neuen Heroenkultus, Winzler war ganz untröstlich darüber, da? liegt einfach daran, weil .ihnen das Verständnis abgeht für die Wirkung Jbres eigenen Tuns auf die Bebölkerung. Wir brauchen nicht zu Hetzen oder scharfe Reden zu führen, wir brauchen den Leuten nur zu sagen: so steht eS, das sind die Ursache», das hat die Gesetzgebung zur Folge gehabt Tas genügt, um die Leute gegen die agrarische Gesetzgebung mobil zu mächen- Natürlich, ein hoher Bureankrat, der 20—30000 M. Einkommen hat, spürt von der ■ttartoffelnot, von der Linsen- und Erbsennot nichts. Aber ein Arbeiter im Thüringer Wald, der mit 1 ö M. pro Woche eine Familie von ö— 8 Köpfen zu erhalle» hat, empfindet es sehr drückend, wenn die Nahrungsniittel um 4 M. verteuert iverden, denn das ist fast der dritte Teil seines Verdienstes. Der preußische Staat läßt seine Steuerzahler unter V00 M. steuerfrei, aber er überläßt sie den Agrariern, die ihnen uni so gründlicher die Taschen leer niachen. Die zeitweilige Auf- Hebung des KartosfelzolleS, wie sie die Volkspartei verlangt, g e- nügt nicht, denn vom 1. Mai bis August ist gerade die Zeit, wo für die ärmeren Klasse» der Karloffelverbrauch a m ii o t iv e n d i g st c n ist. Deshalb verlangen wir, daß der Kartoffelzoll als ungerechtester aller Zölle für immer beseitigt wird. Daß die Teuerung keine nur vorübergehende ist, beweist die Begründung der gothaischen Re- gierung zu ihrer Vorlage betreffend Erhöhung der Beamten- besoldung, worin eS heißt, es sei nicht anzunehmen, daß die bisherigen Preise für die notwendigen LebenS mittelbedürfnisse in absehbarer Zeit wieder eine fühlbare Minderung erfahren würden. (Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Durch die Unterernährnng des Volkes wird die Verbreitung der Tuberkulose immer größer. Man schreibt Bücher über die Tuberkulose, gibt Merkzettel heraus zu ihrer Bekämpfung, aber an das wichtigste Mittel, eine gesunde, kräftige Ernährung für die Bevölkerung zu ermöglichen, denkt man nicht, dem steht die agrarische Wellauschanung im Wege. lSchr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Was die Aufhebung der Autterinittelzülle anbelangt, so hat der Vorredner durchaus recht, daß ein großer Teil der landwirtschaftlichen Bevölkerung an eine Verbiüigung der Futtermittel iuteressiert ist. Selbst der preußische kouservätive Abg. v. A r n i m- Z ü s e d o m meinte, eS sei zu befürchte», daß sich die Folgen der Dürre erst in den nächsten Jahren durch Verteuerung der Futtermittel zeigen werden, Freilich Herr Ger st en berger vom Zeiitmin hat vor einigen Jahren geschrieben: Ja, wenn das Fleisch teurer wird, ißt man eben weniger Fleisch,(Hört! hört! bei den Soz.) Und ein Nürnberger ZentmmSblatt schrieb, daß einige Leute von großem Leibeönmfauge infolge der großen Hitze natürlich ihren Fleiich- verbrauch eingestellt hatten. So behandeln diese Herren die Not des Volkes. In der Kirche beten sie: Unser täglich Brot gib uns heute. Das li»i sie in dem Gefühl, daß, wenn sie nach Hause komme», ihr Tisch gut gedeckt ist. Aber sie lassen den Herr- gott nicht allein dafür sorgen, sondern greifen wirksam ein durch die Zollgesetzgebung. Den ärmeren Klasse» aber hilft da- Beten nichts zur Beschaffung des täglichen Brotes. Sie(nach rechts) nennen sich die besten Stützen des Staates und des Reiches. Aber eine Partei, welche die große Masse der Bevölkermig zur Unterernährung zwingt, raubt dem Reiche die beste Kraft des Volkes.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Reichstag tvird eine heilige Pflicht erfüllen, tvenn er beweist, daß er an dic Aermsten der Armen, die mit der Kartoffelnahrung Beglückten denkt. Wenn die Regierung endlich aus dem Znstand der Erwägungen heraustreten und das erlösende Wort sprechen, den Kartoffelzoll aufheben würde, zumal sie ihn ja 1902 gar nicht beabsichtigt hat, so würde sie damit großen Streisen der Bevölkerung Erleichterung gewähren, die der Erleichterung dringend bedürfen. Die Tatsache, daß wir NO Sozialdemokraten hier find, beweist, daß das Volk sich»ach Erleichterung seiner drückenden Lage sehnt.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Die Interpellationen nehmen einen ? taden auf, den wir vor einigen Monaten hier eingehend ge- p o n n e ii haben. Sie wissen, daß die Regiernng schon vor jenen Erörterungen alle Maßnahmen zur Bekämpf""« der Folgen der Folgen der Dürre ergriffen hatte, die notwendig waren. Sie war aber auf Grund eingehender Erwägungen zu dem Er- gebnis gekommen, daß eine zeitweilige Aufhebung der Futtermittel- zölle grundsätzlich bedenklich und nicht von dem erwünschten Erfolg begleitet gewesen wäre. Ich kann eS verstehen, daß Sic trotzdem auf diese Dinge wieder zurückkommen und auch die Regierung hat inzwischen eingehend gcprüsl, ob einei Aenderung der Verhältnisse eingetreten ist, ob sich neue Wege zeige», um die von Ihnen be- klagten Mißstände zu beseitigen und ob früher erhobene Bedenke» etwa hinfällig geworden seien. Nun möchte ich aber feststellen, daß seit dein vorigen Herbst cigcntlch nichts geschehen ist, waS die Situation wesentlich verschoben hat oder ivaS die damalige Beurteilung der Dinge durch die Regierung al« unzutreffend erscheinen lassen könnte. M Im Jahre 1910 verfügten wir an Ernte und Einsuhr iiber 16 Millionen Tonnen Brotgetreide, im Jahre 1911 über 16.9 Millionen Tonnen; entsprechend ergab sich auch ein Plus von Gerste und Haser trotz der schlechten Ernte bei uns und im Auslände. An Mais ist trotz der schlechten Ernte mehr eingeführt als im Vor- jähre. Ebenso ist es mit de» zollfreie» Futtermitteln. An Kar- toffeln sreilich waren 1910 43.ö Millionen Tonnen vorhanden, 1911 nur 34.9 Millionen Tonnen(Lebhaftes Hört! hört! links». doch sind die Schätzungen unsicher, und der Ausfoll wird wohl erbeblich geringer sei». Weiter tritt zu diesem Kartoffel. ousfall auch ein erheblicher Ausfall an Weide sulter und Raubfutter. Der Handel hat herangcschaffl, was nach Lage der Dinge inöglich war; natürlich konnte das nicht zu normalen Preiien geschehen. Die Kartoffelpreise sind in diesem Jahre außer- ordentlich hoch, aber die st e i g e n d e Tendenz i st keine altgemeine, wir habe» in anderen NahrimgS- Mitteln auch weichende Preise. Die Fleischpreise haben gegen den Herbst des vorigen Jahres eine wesentliche Aenderrnig nicht erfahren. Von einer Fleisch not kann gar keine Rede sein.— Daß Mais geeignet ist, andere Futtermittel und die Kartoffel zu ersetzen, ist zweifellos, aber dock mir unter der Voraussetzung, daß Mais in genügender Menge herbeigeschafft werden köime. Das kann aber durch die Susvendierung des MatSzolleS angesichts der schlechten Maisernte i» Amerika nicht geschehen. Nicht einen Sock Mais mehr würden wir hereinbekomnien, sondern die Futtermiltelpreise würden durch die gesteigerte Skachfrage steigen, und den Borteil davon würden nicht die Vichhalter haben, sondern er würde sitzen bleiben in den Hände» des Handels.(Sehr richtig! rechts.) Auch die französische Deputierleiikainmer hat beschlossen, den Antrag ans Aufhebung des MatSzolleS abziilehnen. da das keine Wirkung habe» würde. Wir bleibe» also ans d t m Stand- Punkt st ehe n, daß aus grundsätzlichen Gründen und wegen der ziveifelhasten Wirkung die Aus- Hebung des Maiszolles nicht in Frage kommt, und ebensowenig die deS Zolles auf F u t t e r g e r st e. Der Kartosselz o ll ist bei uns der Saisonzoll. Er soll die Kartoffel nicht bei uns verteuern und die Einfuhr erschweren. Er soll nur die ausländischen Frühkartoffel» treffen, die als Malta- lartoffel usw. eingesührt werden und ei»»leiiier Ansicht nach sehr zweifelhaftes LuxuSobjekt bilden. Der Zoll soll aber nicht treffen die ausläudischen Kartoffeln vorjähriger Ernte, die unter normalen Verhältnissen bis zum IS. Februar bei uns eingeführt find. Aber bei den abnormen Witterung«- Verhältnissen dieses Jahres ist das nicht möglich gewesen, und daher haben die beteiligten Ressorts dem Bundesrat vorgeschlagen, für die ausländischen Kartoffel» vorjähriger Ernte den Zoll bis zum 30. April zu erlasse».(Bravo! links.) Ich nehme an. daß ein entsprechender Beschluß dcS Bundesrats tnorgen gefaßt wird. Ich betone ober, daß es sich hierbei nicht um eine Durchlöcherung deS Aolltariss handelt, und nicht um eine Abweichung von dem Grundsätzlichen Standpunkte der Regierung, sondern es handelt sich «in eine Maßnahme in, Sinne einer korrekten Handhabung unseres Zolltarifs. Welchen Einfluß diese Maßnahme haben wird, muß ich dahingestellt sein lassen, hoffentlich wird sie eine Erleichterung bringen nn Preis dieses für die Viehhaltung und für die Ernährung so außerordentlich wichtigen Mittels.(Bravo! links.) Aus Antrag des Abg. Stadthagen(Soz.) wird die Be- s p r e ch u u g der Jiiterpellatioiien beicblossen. Abg. Herold(Z.): Die Gesetzgebung kann die PreiSverhältniffe nicbt regulieren: Herr Bock will unsere Gesetzgebung sogar ver- antwortlich machen für die Dürre deS letzten Sommers.(Wider sprach bei den Sozialdemokraten.) Herr W e n d o r f f sprach auch von der Maul- und AlmieitseuKe. Die wird doch nicht eingeschränkt durch die Uushebung der Zölle.(Zuruf bei der Boikspartei: Wer hat daS gesagt?) Nun, es schien doch so, als ob Herr Wendorff das meinte.(Zuruf bei der Volkspartei: Es schien!) Nun, wenn es keinen Zusammenhang hat, so war es nicht »ölig, darauf cinzugeheii.(Sehr richtig! im Zentrum.) Die haupo sächlichste» Futlermitlel find bei unS zollfrei.(Zuruf links: Mais.) Heu, Stroh, die Abfallprodukte der Müllerei, der Zuckerfabrilation sind zollfrei.(Zuruf links: Das find Surrogate.) Das ist ist ganz etwas Neue«.(Heiterkeit im Zentrum und rechts. Zuruf links: Lassen Sie sich doch von Dr. Heim belehren.) Der Gerstenzoll beträgt nur 1,30 M.(Zuruf links: Nur.) Zur Zeit der Caprivischen Handelsverträge war er größer. Der Preis für Futtergerste bat ja eine Höhe erreicht, die auch vom Standpunkt der Landwirtschaft zu beklagen ist.(Zuruf links Na also!> Aber durch die Aufhebung der Zölle tritt eiue Ermäßigung der Preise nicht ein, dadurch wird nicht ein Pfund mehr eingeführt, und der Preis sinkt auch nicht um einen Pfennig. Bei der ge steigerten Nachfrage würde den Nutzen lediglich daS Ausland und der Handel haben. Beim Mais liegen die Verhältniffe ebenso, wenn der Zoll da auch 3 Mark beträgt. Bei der Einführung des KartoffelzollS wollte man nur für Frühkartoffeln Schutz gewähren. Meine politischen Freunde sind deshalb auch mir der Erklärung des Staatssekretärs in betreff der Verschiebung des Termins für den Kartoffelzoll einverstanden. Freilich werden dadurch nicht mehr Kartoffeln eingeführt werden, und der Preis wird nicht sinken, den Stutzen werden auch hier das Ausland und der Handel haben. Aber ein sehr erheblicher Ausfall für die Reichstasse wird nicht entstehen, im Vorjahre sind nur eine Million Doppel-entner Kartoffeln eingeführt worden, der Ausfall für die Reichskasse wird also nur eine Million Mark be< tragen, aber die Bevölkerung wird an diesem Beispiel erkennen, daß eine solche Maßregel wirkungslos bleibt. Würde eine Wirkung ein- treten, was ich nicht glaube, so würden wir das begrüßen, denn dringend wünschenswert ist eine Erniedrigung des KartofsclpreiseS. Freilich ist er nicht überall gleich hoch, in manchen Gegenden ist der Doppelzentner selbst für 6,60 M. nicht an den Mann zu bringen.(Hört I hört! rechts und im Zen- trum.)— Hohe Futlermittelpreise gehen keineswegs Hand i» Hand mit hohen Bisbpreiien. Wir haben gegenwärtig z. B. recht hohe Futtermiltelpreise, während die Viehpreise, besonders die Schweine preise keineswegs zu hoch sind.(Beifall im Zentrum.) Abg. Arnstadt(k.): Wir haben gar keine Futtermittelzölle, alle für die Aufzucht des Viehes in Betracht kommenden Futtermittel gehen zollfrei ein.(Zuruf links: Surrogate!) Darauf hat Ihnen ja schon der Abg. Herold geantwortet. Mais kommt als Futter itur für Mastvieh in Betracht, im übrigen ist der Maiszoll ein Ge- treidezoll, der Mais machtauch unserem Brotgetreide Kon- kurrcnz. Wir muffen aber den Gerstenbau unserer Bauern schützen, ivenil wir die Bauern existenzfähig halten wollen. Die Interpellationen sind keineswegs so harmlos wie sie aussehen, sie wollen vielmehr eine Bresche in unseren Schutzzoll legen.(Sehr richtig! rechts.) Beim Kampf um den Zolltarif haben wir Konservativen bewiesen. daß wir die Jiiteressen der Bauern vertreten.(Widerspruch links.) Der Gerstenzoll ist zu niedrig, um zu einem gesteigerten Anbau der Gerste zu führen, und deshalb sind die Ostelbier, die selbst kein Jntereffe an einem hohen Gerstenzoll haben, iin Interesse der Bauern dafür eingetreten.(Zustinimung rechts.)— Würde der Zoll auf Futter- gerste und Mais aufgehoben, so würde das Reich einen Ausfall von 60 bis 70 Millionen Mark erleiden. Soll zur Deckung desselben vielleicht eine neue Finanzreforni durchgeführt werden? Diesem Ausfall der Reichskasse ftände kein Sinke» der Preise gegen- über. Das beweisen uns auch die Erfahrungen bei den Fracht« ermäßigungen.(Zustimmung rechts.) Wollen Sie etwa die Bich- preise herabdrücken? DaS läge wenig im Interesse der Bauern. Schon heute arbeitet der Bauer bei seiner Viehhaltung mit Ber- l u st. Den Vorteil von solchen Maßnahmen haben nur die großen industriellen Mastanstalten.(Sehr richtig I rechts.) Nun zum K a r t o f f e l z o l l. Der Speisekartoffelbau liegt zu 88 Proz. in den Händen der kleinen Bauern. In Frankreich hat man einen Kartoffelzoll für das ganze Jahr, für den auch die Sozialdemokraten gestinnnt haben. Gewiß sind die Preise für Speüekartoffeln infolge der schlechten Ernte von 1911 jetzt b e- sonders hoch. Aber ich bin überzeugt, daß der Preis sehr bald zurückgehen wird. Sogar Kartoffelgroßhändler haben sich gegen die Aufhebung des Kartoffelzolls gewandt. Wir halten diese Aushebung für zwecklos und derselbe» Anschauung schien ja auch der Herr Staatssekretär zu sein. Wir sehen in dieser Maßregel eine Schädigung der Reichskasse und einen Dienst an den Großhandel. (Lachen links.) Die Interpellationen bedeuten einen Ansturm gegen unsere Zollpolitik, an der hoffentlich unsere Re- gierung festhallen wird.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. Wemhoff(natl.): Wir waren bereit, eventuell für eine SllSpendierung des Maiszolles bis zur Hälfte einzutreten. Nach den Ausführungen deS Herr» Staatssekretärs müssen wir diese Frage als eine offene behandeln. Andererseits war ein kleiner Teil meiner Freunde bereit, auch für die SuSpendicrung des Gersten- zolles einzutreten: die überwiegende Mehrheit meiner Freunde ist d a g e g e u. Wir halten nach wie vor fest an der Ausrcchlerhaltuitg des jetzt bestehenden Schutz» zollsystems, zumal unter diescin Schutz der nationalen Arbeit ein wirtschaftlicher Aufschwung in Stadt und Land zu verzeichnen gewesen ist. Mit der Su spendier»ng des KartosfelzolleS sind wir einverstanden. Hoffen wir, daß das neu angefangene Jahr sowohl für die Landwirtschaft wie für die gesamte Bevölkerung ein segensreiches werden möge.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Stubbeudorf(Np> erklärt sich gegen die Anihebung der Futteriiiittelzölle, bleibt aber im einzelnen auf der Tribüne unver- stäiidlich. Abg. v. GrnbSki(Pole) erklärt sich im Jntereffe der auf Kar- roffelnahrung angewiesenen BevölkerungSschichlen für die Auf- Hebung de- KartoffelzolleS. Abg. Will(Elf.): Bei der Preisbildung find nicht allein die Zölle maßgebend, sondern auch andere Faktoren. Deshalb sind wir gegen die Suspendierung der Fultermiltelzölle. Der Suspendierung des KartoffelzolleS stimmen wir zu. Die weitere Besprechung der Interpellation wird hierauf auf Donnerstag 1 Uhr verlagt. Schluß S'/z Uhr._ parlamentanfcbeOs Die preußische Steuerkommission beendete am Dienstag die Generaldebatte. Alle Parteien stimmten darin überein. daß eine gesetzliche Einarbettung der Steuerzuschläge zu verwerfe» sei. Die bürgerlichen Parteien waren der Ansicht. daß bei einem so günstigen Stand der preußischen Finanzen eine gesetzliche Festlegung überflüssig sei. wobei wohl die Abneigung gegen das Zahlen höherer direkter Steuern, wie eS namentlich auch durch die daim eiiitreteiiden kommunalen Zuschläge sich er- geben würden, de» Ausschlag gegeben haben»rag! Deshalb wollten Zenttum und Nalionalliberale es bei dem provisorischen Charakier der Zuschläge bewenden lassen, während der Freisinn die Notwendigkeit der Zuschlage überhaupt bezweifelte und fie lebig« lich als Bedürfnissteuer angesehen wissen wollte. Der sozialdemokratische Vertreter lehnte gleichfalls nicht nur die Festlegung der Zuschläge, sondern auch deren Weiter- erhebung ab, zugleich aber forderte er, falls es bei dem Provisorium bleibe, eine Befreiuilg der Einlommen biS zu ISOO M. von den Zuschlägen. Die Spezialdebatle wird am Donnerstag beginnen. Hus der parte!* Genosse Bebel ist am heutigen Tage 72 Jahre alt geworden. Wir wünschen an seinem Geburtstage, daß Genosse Bebel noch lange der Partei in geistiger und körperlicher Frische erhalten bleiben möge!_ polizeiliches. Gerichtliches utW. Ein Plakatprozeß. Man berichtet uns aus Halle a. S.: Unser einheitliches Wahl« Plakat mit der Empfehlung der zu wählenden sozialdemokratischen Kandidaten, das am Hauptwahitage fast im ganzen Deutschen Reiche linbeanstandet herumgetragen und au-gehängt wurde, hatte bei der hiesigen Polizei am 12. Januar Anstoß erregt. Nach der Beschlag- »ahme erhielten mehrere Genossen Strafmandate auf Grund deS preußischen Preßgeseyes vom 12. Mai 1851. Am Dienstag kam der erste Fall vor dem Schöffengericht zur Entscheidung. Das gelbe Plakat trug hier die Susschrist:.Wählt Fritz Kunert!— Kampf den Volksausbeutern!— Für billige Lebensmittel 1* usw. Der Inhalt der Aufschrift soll unzulässig sein, da der§ 9 deS Gesetz nur Ge- schästsankündigungen usw. gestatte. Zum Aufhängen oder Herum- tragen jener Plakate an oder vor dem Wahllokale sei eine besondere Erlaubnis erforderlich gewesen. Unser angeklagter Genosse Klemm, der das Plakat auf der Brust getragen hatte und dafür 15 M. bezahlen sollte, berief sich auf den Absatz lll des §43 der Gewerbeordnung, nach dem zur Verteilung von Druckschriften usw. zu Wahlzwecken eine Polizei- iiche Erlaubnis nicht erforderlich sei. Das Gericht verurteilte unseren Genossen jedoch dem Strafbefehl gemäß. In der Urteilsbegründung hieß es, das preußische Preßgesetz vom 12. Mai 1851 werde durch andere Landesgesetze nicht berührt. De»§ 9 deS Gesetzes schreibe vor, welchen Inhalt solche Ankündigungen haben dürfen. Auch für die Zeit der Wahlen gestatte das Gesetz keine Aus- nähme, also könnten auch die Bestimmungen der Gewerbeordnung hierbei nicht in Frage kommen.— Gegen das Urteil wird Berufung eingelegt werden, denn es kann gar nicht zweifelhaft sein, daß den Bestimmimgen der Reichs gewerbeordnung mehr Gewicht bei- zulegen ist als den landesgesetzlichen Bestimmungen dcS alten Preß- gesetzeS._ Sozialea* Gast- und Schankwirtschaste». Nach einer Zusammenstellung in der Zeitschrift deS kgl. preußischen Statistischen LandesamlS sind im Jahre 1909 im Königreich Preußen insgesamt 220 378 Gast- und Schankwirtschaste» aller Art betrieben worden, gegen 218 448 im Jahre vorher. 18 669 Betriebe waren nur vorübergehender Natur. Die ständigen Betriebe verteilen sich wie folgt: Betriebe 1906 1908 1909 ohne Ausschank geistiger Getränke..... 7 270 8 136 8 363 mit Ausschank geistig« Getränke..... 189 117 193 358 194 342 davon ouSscbl. Branntwein im Kleinhandel 21 617 22 828 23 021 Trotz der absoluten Zunahme ist doch eine relative Abnahme zu verzeichnen. Während z. B. im Jahre 1908 auf 197 Personen ein Betrieb entfiel, gehörten dazu im Berichtsjahr 199. Die Abnahme hält schon seit einer Reihe von Jahren an, 1905 kam schon auf 194 Personen ein Betrieb. 1905 kam weiter auf je 169, im Jahre 1908 auf je 174, im Jahre 1909 auf je 172 Städter ein Betrieb. Auf dem Lande stieg die entsprechende Kopfzahl von 221 auf 225 und dann auf 227. Bei Würdigung dieser Ziffem darf allerding« nicht vergessen werden, daß sie gewissermaßen nur die Gelegenheile». sich „gelstig" oder alkobolsrci anzuregen, darstellen. Die sozialen Ber- änderungen, die sich vollzogen haben, kommen darin weniger zum AnStrag. In den letzten Jahren find immer mehr Gastwirtschaften in den Besitz von Brauereien übergegangen, auch Weingroßhandlungen und Brennereien unterhalten nun in großem Umfange eigene Be- triebe. In Berlin z. B. haben einige Firmen mehrere Kundert AuSschankstellen für Branntwein errichtet. Der wirklich selbständige Gastwirt stirbt immer mehr auS. Tausende, die auf eigenen Namen eine Wirtschaft führen, sind in ihrer vollständigen Abhängigkeit als Hypolhekengläubiger nur Schankknechte einer Brauerei. Die Steuer- Politik im Reich, in Preußen und in manchen Kommune» hat dies« Entwickelung gefördert._ 6encbt9- Zeitung. Der Wert von Zeugenaussagen durch Polizeibeamte•*-• wurde wieder eiiuual beleuchtet in einer Verhandlung, die am Mittwoch in der BeruftliPSinstaniz vor dem Landgericht ll ver- handelt wurde. Auf die Aussagen mehrerer Schutzleute hat daS Schöffengericht Rixdorf die Kaufleute Zirngiebcl und Schwandt wegen groben Unfugs, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beamteubeleidigung zu Geldstrafen verurteilt, wogegen die Au- geklagten Berufung eingelegt hatten. Wenn man die Angaben der Schutzleute hört, die fie in der gestrigen Verhandlung machten, so muß e« scheinen, als hätten sich die Angeklagten wie echte Rowdies benommen. Sie sollen nachts auf der Straße laut gelärmt und den Schutzleuten, die fie deshalb sistietten, tätlichen Widerstand geleistet und fie durch Schimpfworte beleidigt haben. Vor der Wache angekommen, soll einer der An- geklagten einen Schutzmann, der ihnen die Tür öffnete und noch gar nichts mit ihnen zu tun hatte, vor die Brust gestoßen haben. daß er taumelte. Dann sollen die Angeklagten sowie ihre Frauen, die sie begleitet hatten, in der Wachtstube gelärmt haben, daß die Feststellung unmöglich gewesen sei und Zirngiebcl deshalb in die Zelle habe gesperrt werden müssen, von wo aus er dan» die Be- amten als Lumpe», Strolche und Spitzbuben ausgeschimpft habe. Vergleicht man mit diesen Angaben der Schutzleute die An- gaben der Angetlagten, die durch mehrere eii, wandfreie Zeugen bestätigt wurden, dann bekommt man folgendes Bild des Bor- ganges: Die Angeklagten traten nachts um 1 Uhr aus einem Bier- lokal und begrüßten ihre Frauen, die schon vorher hinausgegangen waren, mft einem freudigen Jodler. In der Nähe befanden sich die Schutzleute Jurich und Leuschnrr. Sie hielten den Jodler, der den grauen der Angeklagten galt, für eine Freudenkundgebung dar- über, daß ihnen, den Schutzleuten, soeben ein Nianu entlaufen ivar, den sie festnehmen wollten, weil sie ihn für den Berüber eines Unfugs in einer Bedürfnisanstalt hielten. Nun stürzten sich die beiden Schutzleute auf die Angeklagten, nahmen fie fest und wollten sie nach der Wache bringen. Die Angeklagten wollten sich durch den Wirt dcS Lokals, das sie soeben verlassen hatten, legitimieren lassen. Auch ein Freund der Angeklagten machte den Schutzleuten Vor- stellungen in diesem Sinne. Doch die Beamten wollten davoir nichls wissen, sie bestanden darauf, daß ihnen die Angeklagten zur Wache folgten. Nun gingen auch die Frauen und ein Freund mft. Schutz. mann Jurich hielt den Angeklagten Zirngiebel fchr fest am Ar«. ZirngiSel sagte, er geh« auch ohnedem mit, eS sei nicht nötig, ihn so anzupacken, eS fehle ja nur noch, dah er gefesselt werde.„Auch das können Sie haben," antwortete der Schutzmann, zog eine Fessel miS der Tasche und schlang sie Zirngiebel um den Arm. Bor der Wache angekommen, verlangten die Schutzleute, die Frauen sollten draußen bleiben, als aber diese sowie die Männer darauf bestanden, daß die Frauen mit in das Wahllokal gingen, erklärten die Schutzleute:„Dann sind Sie alle arretiert."(Tic beiden Frauen sind auch wirklich angezeigt und vom Schöffengericht wegen Beamtcnbeleidigung zu einer geringen Geldstrafe verurteilt worden, wogegen sie keine Berufung eingelegt haben.) Zirngiebel stolperte über die Haustürschwelle und stieß dabei ohne Absicht einen dritten Schutzmann an, der die Tür geöffnet hatte. In der Wachtstube schrien mehrere Schutzleute die Sistierten an. Die Bc- amten brüllten förmlich, sagte eine der als Zeugin vernommenen Frauen. Nicht wir, sondern die Beamten haben den Lärm verursacht. Infolge dieses Spektakels kam der Polizeileutnant auS seiner Wohnung herunter und fragte, wer hier so lärme. Da sagten die Schutzleute, da» seien die Sistierten. Zirngiebel wollte sich bei dem Leutnant beschweren. Aber der fuhr ihn an: Halten Sic den Mund, sonst lasse ich Sie einsperren. Als Zirngiebel dann noch ein paar Worte sagte, befahl der Leutnant, ihn einzusperren. Vier Schutzleute packten Zirngiebel und beförderten ihn sehr unsanft in die Zelle. Als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, rief Zirn- giebel:„Ich blute ja, lassen Sie mich hinaus, ich bin doch kein Lump, kein Strolch, kein Spitzbube." Zirirgiebel wurde denn auch bald freigelassen. Als er aus der Zelle kam, hatte er über dem Auge eine blutende, 2% Zentimeter lange Wunde.— Die Schutzleute behaupten, Zirngiebel habe eine zum Wacht- zimmer führende Tür mit dem Fuße aufgestoßen, und beim Zu- rückschlagen müsse ihn die Tür getroffen und verletzt haben. Dem widerspricht aber die Tatsache, daß die Wunde in wagercchter Rich. tung verlies, während eine Türkante doch nur eine senkrechte Wunde verursacht haben könnte.— Zirngiebel selbst ist der Ansicht, einer der Beamten müsse ihn beim Hineinstoßen in die Zelle mit einem Schlagring verletzt haben. UebrigenS hat keiner von Zirngiebels Begleitern vor seiner Ein- sperrung in die Zelle eine Verletzung an ihm bemerkt.— Nach Angabe eines Entlastungszeugen hat der Polizeileutnant, als der Angeklagte Schwandt sich auf der Wache an ihn wandte, gesagt: „Sie versoffenes Schwein, halten Sie den Mund, Sie stinken ja nach Schnaps." AuS dem Ergebnis der Beweisaufnahme zog der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Halpert, den Schluß, daß die Anklage und die Verurteilung in erster Instanz auf irrtüm- lichen Angaben der Beamten beruhe, gegen die ein Disziplinar- verfahren schwebt, welches nach Abschluß dieses Strafprozesses er- ledigt werden soll. ES scheine, daß sich der Richter erster Instanz ganz auf den Standpunkt der Beamten gestellt und ihnen trotz der entgegenstehenden Zeugenaussagen Glauben geschenkt habe, eben weil sie Beamte sind. Deshalb besinde sich denn auch im Urteil erster Instanz ein Passus, der moniert werden müsse. Das Urteil sage, eS sei strafschärfend anzurechnen, daß der Angeklagte Zirn. giebel eine Beschwerde gegen die Schutzleute eingereicht habe. Weiter sage das Urteil, es sei eine Dreistigkeit, daß Zirngiebel be- Haupte, er müsse seine Wunde durch den Schlagring eines Schutz- mannS bekommen haben. Ein Richter, her sich auf einen solchen Standpunkt stelle, beweise, daß er voreingenommen sei gegen den Angeklagten, und daß er sich lediglich auf den Standpunkt der Be- amten stelle, die doch in der Sache Partei seien, wenn sie auch als Zeugen erscheinen und unter Eid ihre Aussage gegen die Gegen- Partei niachen können. Hier steh« Aussage gegen Aussage. Die Angaben der Beamten dürften nicht höher bewertet werden wie die Aussagen der anderen Zeugen. Di« Bcamtcn hätten den An- geklagten gegenüber einen Mißgriff begangen, ihre Aussagen könnten nicht ausreichen zur Verurteilung der Angeklagten. Auch der Staateanwalt erklärte es für bedenklich, die Ange« klagten auf Grund der heutigen Beweiserhebung zu verurteilen, da die Zeugenaussagen in schroffem Widerspruch ständen. Er be- antragt« Vertagung und Ladung des Polizeileutnants, der als Un- beteiligter die Sache vielleicht aufklären könne. Das Gericht lehnte diesen Antrag ab. Das Urteil ging dahin: Die Festnahm« der Angeklagten durch die Schutzleute Jurich und Leuschner war nicht berechtigt, aber sie handelten in einem ent- ,'chuldbarcn Irrtum.(!!) Von einem strafbaren Widerstand kann demnach keine Rede sein, denn es lag keine rechtmäßige Amts- auöübung vor.— Die Angeklagten lvurdcn von der Anklage des groben Unfugs und des Widerstandes freigesprochen, aber wegen Beleidigung jeder zu III M. Geldstrafe verurteilt. Nachspiel einer Wahlrechtssäbelri vor dem preußischen Oberverwaltungsgericht. Bei der Polizeiattacke auf Wahlrechtsdemonstranten in Neu- münster(Schieswig-Holstein) am l3. Februar 1910, die seinerzeit starke Erregung und großes Aufsehen erregte, erhielt de: Fabrik- arbeiter W. Tichmann durch den Säbelhieb des städtischen Schutz- manns Horn eine Rückenwunde, die von der rechten Schulter quer über den Rücken bis zur linken Hüfte fich zog und dazu führte, daß T. zusann eenbrach. 24— vierundzwanzig— Wochen lang war er arbeitsunfähig. T. verklagte de» Schutzmann Horn auf Zahlung von Schadeneizatz in Höhe von 4,78 M. Der Kläger machte folgendes geltend: Er sei mit anderen Versammlungsteilnehmern aus der„Tonhplle" gekommen, wo eine von den drei Protest- Versammlungen stattfand, welche am 13. Februar 1919 in Neu- münster sich injit der dem Landtage zugegangenen Wahlrechts- Vorlage beschäftigte. Quer über die Straße hinweg sei eine Schutzmannskette aufgestellt gewesen, die eS verhinderte, nach der inneren Stvdt zu kommen. Die Massen sollten nach außen abgedrängt werden. Kläger habe sich in einem Trupp befunden, der von dem beklagten Schutzmann Horn verfolgt worden sei. Kläger sei hinten gewesen und habe vergeblich versucht, an den Häusern entlang, vorbei an der Masse, nach seiner Wohnung zu gelangen. Die Leute seien ein- gekeilt gewesen, jedenfalls sei es unmöglich gewesen, vorbei« zukommen oder twrwärts zu kommen. So habe er, Teßmann, hinten bleiben müs�n. Er habe, wie auch die anderen neben ihm, keinerlei Widerstand geleistet. Plötzlich habe der Schutz- mann Horn auf die Menschen eingehauen. Nachdem er bereits einen anderen verletzt hrötte, habe H. dem Kläger jenen wuchtigen Hieb über den Rücken vernetzt, ohne daß Kläger sein Kommen bemerkt habe. Bevor es in diesem Zivi Istreit zu einer gerichtlichen Ver« Handlung kam, erhob» die Regierung zu Schleswig zugunsten des beklagten Schutznranns den Konflikt und verlangte Einstellung de? Prozeßverfahrens, weil der Schutzmann nur in Ausübung seiner Amtsbefugnisse gehrmdelt habe. Es habe nämlich der Polizei- kommissar Gutzmann, als die Menge einer dreimaligen Aufforderung zum Auseinandergehen nicht gefolgt sei, den Schutzleuten den Be- fehl gegeben, einzulernen. Die Schutzleute, darunter Horn, hätten den Befehl befolgen müssen. Für den Befehl selbst sei nur der Kommissar vtrantworllich. Hinsichtlich der E.ttwickclung der Dinge wurde im Konflikt Be- zug genommen auf dkis Urteil des Landgerichts Kiel, durch das im Strafprozeß Landorf und Genossen Strafen bis zu 50 M. und von fünf Tagen bis zu>:mem Monat aus Anlaß der Wahlrechts- demonstratio» ausgesprochen wurden. Danach hat der Kommissar, der von seinem Vor gesetzten die Anweisung hatte, einen etwaigen Demonstrationszug naös dem Innern der Stadt und zur Wohnung des Bürgermeisters zu i»erhindern, den Befehl zum Einhauen gegeben, weil die Menge trotz dreünaliger Aufforderung sich nicht nach dem Süden zu zerstreut habe.— Der Kläger ist nicht angeklagt worden. Das OberverwnltungSgericht beschäftigte sich am Dienstag mit der Sache.. Der Privatklägcr Tußmann war persönlich erschienen. Er be- tonte, es sei schon wegen der von der Polizei freigelassenen engen Straßen unmöglich gewesen, daß sich die Menge von 309V bis 4000 Menschen zerstreuten, wie man es wollte. DaS OberverwailtungSgericht erklärte den Konflikt der Regierung für begründet, so daß daS Verfahren gegen den Schutz- mann Horn endgültig: einzustellen ist. Begründend wurde ausgeführt: Daß Klägeit durch den Befehl dcS Kommissars in ganz bedauerlichier Weise zu Schaden gekommen sei, darüber sie ja kein Zweifel. DaS glaube er(der Präsident v. Bitter) nicht nur für seine Person, sondern auch für den Gerichts- Hof aussprechen zu dürfen. Hier sei aber nur die Frage zu ent- scheiden, ob dem bekla.aten Schutzmann eine von ihm vertretbare Schuld ireffe, d. h. eine Ueberschreitnng seiner Amtsbefugnisse vorliege.'Das sei zu verneinen, weil Horn lediglich dem Befehl seines Vorgesetzten gefolgt sei. Den Befehl seine? Vorgesetzten habe er befolgen müssen. Wenn dabei jmand unschuldig zu Schaden kam, dann könne der Schutzmann nicht haftbar gemacht werden. Und wie stehts mit der SchadenScrsatzpflicht des Kommissars? Hus IndulVric und Handel Bankfusszvn in Amerika. Aus New D o r k wird die Verschmelzung der Bankers T r u st Company gemeld»ft, zweier Geldinstitute, die zu der Interessensphäre der Morgangwrppe gehören. Der Bankerstrust, der im'Fahre 1903 gegründet wurde, ist seit der im Vorjahre erfolgten'Aufnahme des Mercantiletrust den Depositen nach daS zweitbedeutendste Institut deS Landes und wird nur übertroffen von der Nation tilcitybank. Die Depositen der neuen Kombination betragen 200 Millionen. daS SurpluS IS Millionen Dollar. Wie daS„Berliner Tageblatt� dazu erfährt, find die Konzentrationen im Morgantrust damit nicht als ab- geschlossen zu betrachten, da in naher Zeit auch die Guaranty Trust Company der neuen Kombination an- gliedert werden soll. Dhese wurde im Jahre 1909 aus dem Nachlaß Harrimans von Morgan aufgekauft und nahm kurz darauf den Mortontrust sowie den Afthavenuetrust auf, womit ihre Depositen aus 150 Millionen Dollor stiegen. Der Bank�rstrust wird sein Kapital von 6 auf 10 Millionen Dollar erhöhen. Der augenblick- liche Kurs der Aktien des Bankerstrust beträgt 750 Prozent. Der Kurs der Aktien des Manhatlantrust 375 Proz. Die nunmehr unter der Kontrolle Morgans stehenden Banken und Trustkompagnien verfügen insgesamt über 1214 Millionen Dollar Ressourcen bei K8 Millionen Kapital und 934 Millionen Depositen. Gegen diese beispiellose Geldmacht, der eine willkürliche Beherrschung sowohl des Geldmarktes als auch einer großen Reihe von Jndustrteunternehmunxen vorgeworfen wird, ist eine jetzt vor dem Kongreßausschuß anhangige Untersuchung gerichtet, die voraus«- sicktlich ebenso wenig wne frühere Versuche irgend ein greifbares Resultat ergeben wird. Wallstreet kreise sehen in der neuesten Amal- gamiernng einen Beweis dafür, daß die Regierung angesichts der Wahlkampagne weitere Drangsalierungen aufgegeben hat. Hus der Frauenbewegung. Eine öffentlikje Frauenversammlung. welche die Genossen des vierten Wahlkreises am DicnStag nach Graumanns Saal in der Ntiunhnstraße berufen hatten, war äußerst stark besucht, und zwar zum großen Teil von Frauen und Mädchen, die dem Vortrage der Genossin Luise Z i c tz über das Thema: „Was haben die Frauen vorm Reichstage zu erwarten?" mit leb- haftem Interesse folgten. Die Rednerin begann mit einem Hin- weis darauf, daß unser Wafhlerfolg berechtigte Freude in unseren Reihen, Bestürzung und Verwirrung in bürgerlichen Kreisen er- regt hat. In dem Wunsche, den Ausstieg der Sozialdemokratie zu hindern, sind alle bürgerlichan Parteien einig. Wir aber wissen, daß sich unser Ausstieg nicht hindern läßt, und daß die Sozialdemokratie weiter von Erfolg zu Erfolg schreiten wird. In der Thronrede wurde angiflündigi, die Sozialreform solle so wie bisher weitergeführt werden. Das ist keine vertrauenerweckende Verheißung, denn seit Jahren ist die Sozialreform verschlechtert worden. Wenn sie in dieser Richtung weitergeführt werden soll, dann danken wir dafür. Wir verlangen einen derartigen Ausbau der Sozialreform, daß sie den vnter der kapitalistischen Ausbeutung leidenden Arbeitern und Arbeiterinnen eine Stütze bietet. Wenn wir hören, daß die Thronrede von der Notwendigkeit einer Verstärkung der Wehrmacht spricht, so wissen wir, daß diese Verstärkung der Kolonial- und Weltpolitik dienen soll, gegen die wir entschieden protestieren. Die Frauen haben ganz besonders Ursache, sich diesem Protest anzuschließen, denn ihre Söhne und Männer sind es, die die Gut- umd Blutopfer bei den Kriegen, in die uns diese Politik stürzt, zu tragen haben. Mit der größten Entschiedenheit haben die Frauen auch gegen die herrschende Zoll- Politik zu protestieren, die schuld ist an der gegenwärtigen Tcue- rung, die daS Volk aussaugt und den Agrariern die Tasche füllt. Was haben wir von diesem Reichstage, falls er nicht aufgelöst wird, zu erwarten? Unsere Parteigenossen haben bewiesen, daß sie, wie bisher so auch in Zukunft, die Interessen deS Volkes mit aller Macht vertreten werden. Die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, die schon am ersten Tage Anträge eingebracht hat, die sich auf die Rechte der Frauen be- ziehen. Die Fortschrittler rühmten zwar die Hilfe, welche ihnen die Frauen bei der Wahl, besoirdcrs im ersten Berliner Kreise, geleistet haben, aber sie denken nicht daran, das Wahlrecht für die Frauen zu fordern. Die Frauen unserer Partei haben bei den verflossenen Reichs tagswahlen ein so große? Maß von Arbeit geleistet wie nie zuvor. Sie haben damit bewiesen, daß sie politisch reif sind und daß sie Anspruch haben auf daS Wahlrecht, welches unsere Genossen fiir sie fordern, damit sie gemeinsam mit den Männern den Kampf für die Ziele unser«: Partei führen können. Die proletarischen Frauen haben die Pflicht, zu bekunden, daß sie hinter dieser Forderung stehen und sich der Organisation der Sozialdemokratie an- zuschließen. Wir betrachten den großen Wahlsieg der Sozial- demokratie als eine Etappe zur Erobenarg der politischen Macht der Arbeiterklasse, zur Beseitigung der ungerechten Wirtschafts- ordnung und ihrer Ersetzung durch die sozialistische Gesellschaft, die jedem ein menschenwürdiges Dasein garantiert.— Der wirkungsvolle Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen., Versammlungen— Veranstaltungen. Für alle Hausangestellten findet Sonntag, den 25. Februar, abends 7 Uhr, in den„Corona-Festsälen", Kommandantenstr. 72, eine große Versammlung statt..Herr Max Grunwald spricht über:„Was erwarten wir vom neuen Reichstag?"— Nachdem gemütliches Beisammensein und Tanz. eine neuartige Hausbaltleife von »elisafter Maschkraft. Das ist eben der ungeheure Vorzug der Kavon-Seife, daß alles, was im Hause überhaupt zu waschen ist, mit dieser Seife ohne jedes weitere Waschmittel gewaschen werden lann: Die einfachen Wäschestücke, wie Hemden, Taschentücher, Bett- und Tischwäsche, Schürzen usw. selbstverständlich,— ader vom erstaunlich Ist, das ist, daß mau auch alte empfindlieheren Sachen, wie Wollsachen, feinere Spitzen und Gevrcho, Gardinen usw. mit der Kavon-Seife waschen kann, ohne daß das sonst immer so ärgerliche Tarheverlieren, Sinlanfen, Verfilzen oder Verhteiehen eintritt. Ss ist einfach eine Tracht. Es ist jeder Hausfrau aufs dringendste anzuem-pfehlen, unbedingt einmal einen Versuch zu machen, und sie soll zu diesem Waschversuch empfindlichere oder hesonders verseikmufzte Sachen nehmen. Zkan wird die Wäsche nicht wiedererkennen, so schön ist sie geworden. Ein Stück Kavon-Seife(Preis 20 Pfennig) genügt zu diesem Versuch vollständig. Mit einem Stück Kavon-Seife kann man einen ganzen Haufen Wäsche und andere Sachen waschen.(Achtung! Die Kavon-Seife gibt sofort Schaum. Starkes Aufdrücken wie bei anderen Seifen ist unnötige Berschivendunc.'! Bei richtiger Behandlung muß man mit halh 80 Viel Seü'e wie sonst auskommen.) Wer mit Kavon-Seife einmal gewasehen hat, nimmt keine andere Seife wieder« Seutseher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Sonntag, den Ä3. Februar vormittags 10 Uhr, finden in untenstehenden Lokalen Sezirksuersammlungen Gatt, zu deren Besuch die in dem Bezirk wohnenden Mitglieder eingeladen find. Adlershof hei Baschiu. Metzer Straße 1. Alt-Glienicke bei Dürre, Köpenicker Straße 6. Charlottenburg im„Volkshaus". Rosinenstraße 8. Friedrichsfelde bei Sommerfeld. Miquelstratze 70. Friedrichshagen bei Lerche, am Rnndteil. Friedenau vei Stein. Rönneberastraße(Ecke Handjerystraße). Grost-Lichterfelde bei Wahrendorf, Bäkestraße 22. Johannisthal bei Gobin, Raonstraße 2. Köpenick bei Stippckohl. Schönerlinder Straße 5. Lankwitz bei Schulze. Mühlenstraße 23. Lichtenberg bei Pickenhagen, Scharnweberstratze 60. Mahlsdors, Berliner Straße. Mariendorf bei Löwenhagcn, Chausseestraße 27. Marienfelde bei Schuster. Kirchstraße. Neukölln in„Bartsch Jestsälen", Hermannstraße 41, Ober-Schöneweide bei Berger. Wilhelminenhofstraße 79. Pankow inr„Türkischen Zelt". Breitestraße 14. Reinickendorf bei Anders, Hauptstraße 51. Schmargendorf bei Bartcl, Warnemünder Straße K. Schöneberg in den„Neuen Rathaussälen". Meininger Straße 8. Steglitz bei Hcitzmann, Florastraße(Ecke Dünterstraße). Tegel bei Kinzler, Schlieperstraße 64. Teltow bei Bonow, Berliner Straße 16. Tempelhof bei Becker, Berliner Straße 41. Wilmersdorf im„Viktoriagarten". Wilhelmsaue 114. Wcistenscc bei Peukert. Berliner Allee 151. Zchlendorf bei Mickley, Potsdamer Straße 125. Moabit in der„Patzcnhofer Brauerei", Turmstraßc 25/26. Norden l und II bei Obiglo, Schwedter Straße 23/24. Nordoste» bei Spacth, Gcorgenkirchstraße 65. Osten l in den„Andreas Jestsälen"(oberer Saal), Andreasstr. 21. Osten II bei Schröder, Frankfurter Allee"127. Südosten bei Wollenberg, Naunynstraße 6. Süden im„Märkischen Hof". Admiralstraße 18«. Südwesten bei Maatz, Bcrgmannstraße 97. Oranienburger Vorstndt bei Bruder, Schlegelstraße 9. Wcdding bei Preppcrua». Pasewalker Straße 3. Westen bei Nißle, Dennewitzstraßc 13. in/k* Tagesordnung in allen Versammlungen: Wahl des Zweigvereinsvorstandes, der Revisoren, der Beschwerde- kMNMissioN UNd der Schiedskommission.»er Zweleverelnsvorstand. Manoli Cigareiies Jpecialmarken Abbas Dandy Gibson GM • i'Hiii,.. 11''J'li!,.,.■I.iiii:(.||ni[[,„,: �i iuii„..i-'i'"""|mih,|.iiirmubi>,l,,ritiHii!iii,,:i).1.;tlif.!nnll,,> L Palmona (Pflanzen-Butter-Margarine) ist von feinster Süßrahmbutter durchaus nicht zu unterscheiden. Wer das nicht glauben will, streiche sich ein Palmona- Butterbrot und überzeuge sich selbst! Probieren geht über Studieren! Lassen Sie sich keine Nachahmungen aufdrängen! 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Saal: Flaschenkeller-Arbeiter und Verschiedene. Tagesordnung: 1 Vortrag, 2. Wahl der Gruppenleitung. 3. Verbandsangelcgenheiten, Donnerstag, den 29. Februar 1912, abends 7\'.2 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 1, Engelufer 15: Fahrpersonal, Hosarbeiter n. Stallente. Tagesordnung: t Vortrag, 2. Wahl der Gruppenleitung. 3. VcrbandSangelcgcnhcitcn Kollegen! Die wichtige DageSordnung macht es Euch allen pa strengf�n Pflicht, Mann für Mann in diesen Versammlungen g» erscheinen.* _______ Die Ortsverwnltnng. Mobcl-Hngcbot. Solides Möbelgeschäft liefen bürgerliche Wohnungseinrichtungen sowie ein- zelne Möbel gegen mäßige Zinsvergütung bei kleiner Anzalilung u. geringen Uwnailichen Teilzahlungen, Anfragen unter Posllagerkartc 35, Poslanil 103. Kein Hbzahlungögefchäft. 1266* Knorr- Hahn- Maccaroni eine hochfeine, sehr nahrhafte Speise, unübertroffen im Gescknack. «««»»» nberger<9 %*•— eefchäftQ-Bröffnung! f Sonnabend, den 24. d. 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Ei» Regierungskommifsar erklärt, daß durch die PrüfungS- gebühren der Zugang zur Beaintenlanfbahn nicht gelitten hätte. Die Abgg. Bell(Z.) und Dr. Wagner sfk.) bedauern, dah durch die Praxis der Oberrechnungskannner die Gefangene»arbeit begünstigt werde. Es wäre zu wünschen, datz die Konkurrenz, die die Gefangenenarbeit dem Gewerbe macht, etwas mehr ein- geschränkt würde. Geheimrat Blaschke: Die Gefangenen werden jetzt mit der Per- arbeitung von aufgesammeltem Altmaterial beschäftigt, wodurch fast niemandem Konkurrenz gemacht wird. Abg. Dr. Liebknechte Richter müssen ihren Urlaub hintereinander, nicht gleichzeitig erhallen. Der Assessor soll auch das kaufmännische GeschäftSlcbcu kennen lernen. Abg. Dr. v. Campe(natl.) bespricht den Andrang zur Richterlaufbahn, vor der man die Referendare warnen sollte, damit sie nicht nach zwölf Jahren Vorbcreitungsarbeit in ihrer Hoffnung auf Anstellung enttäuscht werden. Das gibt der Sozialdemokratie neue Nahrung. Die Referendare müssen auch etwas lernen wollen, wenn wir tüchtige Richter haben sollen. Der Redner wendet sich gegen das Einpaukerwesen, das zukünftige Richter nicht benutzen dürften. Vor Gericht sollten die Zeugen geschont, nicht aber ganz ausgequetscht werden, wie z. im Prozeß M e t l e r n i ch. Schlietzlich tadelt der Redner die sensationslüsterne Prozetzberichter stattung eines Teiles der Presse.(Beifall.) Abg. Bicrcck(sk.): Die Richter- und Staatsanwaltsstellen müßten vermehrt werden, wenn die Assessoren versorgt werden sollen. Wenn Besichtigungen industrieller Anlagen durch Richter, Staats- und Rechtsanwälte stattfinden, so siebt man, datz wir nicht wellfremd sind, sondern Interesse am Erwerbsleben haben: dadurch können wir das Vertrauen gewinnen, das wir nötig haben. Mit noch mehr Statistik dürfen unsere Gerichte nicht belastet werden. Der Redner bespricht dann Gchaltsfragen und schließt mit der Hoffnung, daß der Justiz das Vertrauen des Volkes auch weiter erhalten bleiben werde.(Beifall rechts.) Abg. Caffcl(Vp.) klagt über die l�fache Erhöhung deS Zesstons- stempels und verlangt bessere Bezahlung der Sekretäre und Kanzletbeamten. Die Militäranwärter sollten mögllchst bald angestellt werden, aber wir wünschen auch Berücksichtigung der Wünsche der nicht vom Militär kommenden Kanzleigehilfen. Das Gerichtsverfahren ist jetzt gar nicht langsam, die Zivilkammern arbeiten manchmal sogar zur a f ch. Die Vermehrung der Richter- stellen hat hier sehr günstig gewirkt. Die Handelssenate zeigen.JBie segensreich die Mitarbeit von Laien in der Justiz ist.(Sehr richtig! links.) Einzelne Urteile und Vorgänge haben gewiß eine Wellsremdheit der betreffenden Richter gezeigt: verallgemeinert wird dieser Vorwurf gewiß nicht. Die Uebereinstimmung zwischen Recht- sprechung und Volksbewutztsein macht die Mitwirkung des Laien- elements nötig.(Zustimmung links.) Ein Richter, der den Dialekt oder die Ausdrucksweise'der betr. biegend nicht kennt, mutz weltfremd er- scheinen und kann zu vollkommenen Mißverständnissen gelangen. (Sehr richtig! links.) Solche Richter sollen zunächst den VerHand« lungen vor ihren Rollegen zuhören, um in den Geist der Volkssprache einzudringen.(Erneute Zustimmung links.) Die beste Ausbildung der Studenten wird gesichert durch die richtige Auswahl de'r Professoren nach ihrer VortragSkunst. Was nützen die Leuchten, wenn sie so langweilig vortragen, datz niemand ihnen folgen kann.(Zustimmung links.) Juslizminister Bcsclcr äußert sich über einige an ihn gerichtete Fragen, wobei er erklärt, datz SlZ Proz. der Amtsrichter der größeren Amtsgerichte mindestens 5 Jahre in ihren Stellungen waren. Die Studiendauer soll nicht verlängert werden, in ihrem Verlauf können sich die Studenten alle erforderlichen Kenntnisse aneignen. Auf die Vorbildung der künftigen Richter usw. hat die Justizverwaltung nur indirekt Einfluß. Aber im Vorbereitungsdienst sollen die Referendare alle Diensizweige kennen lernen. Durch eigene Kurse besonders be- fähigter Richrer für eine größere Anzahl Referendare wollen wir die Vorbercilungsarbeit verbessern.„Besuchsübungen" der Referen- dare usw. in Industriebetrieben usw. bewähren sich durchaus. Alle Oberflächlichkeir soll vermieden werden, darum kann die Zahl der Unterrichtsgegenstände nicht allzu sehr vermehrt werden. Unsere Justizprüfungskommissionen erfüllen sicher ihre Aufgaben. Die A s s e s s o r e n können, da ja die Richter die Arbeit tun müssen und nicht die Assessoren(Sehr richtig!), nur sehr dürftig durch wenige Stunden beschäftigt werden. Wir wollen sie auf mindestens ein Jahr beurlauben, damit sie sich weiterbilden und dann den Beruf ausführen können. Sie sollen sich ein Bild vom Leben machen, damit sie wissen, wie sie später als Richter die einzelnen Aussagen zu werten haben. Wir müssen im Interesse des Staates die besten gewinnen. Jeder mutz werden können, was er nach seinem Können verdient.(Beiiall.) Abg. Dr. Scyda(Pole): Diese Anschauungen des Ministers haben durchaus unsere Billigung. Warum schickt man polnische Refe- rendare nach dem Westen? Das kostet sie viel Geld. Die Selbständig- keit und politische Freiheit der Richter sollte doch wichtiger sein als ihre„Auszeichnung" durch Ostmarkenzulagen. Wenn schon Dialektverschiedenheiten als Schwierigkeiten bedauert werden, warum nicht noch viel mehr Sprach Verschiedenheiten. Es kommt wieder- holt vor, datz Personen, die erklären, nicht genug Deutsch zu verstehen, um sich Deutsch zu verantworten, im Gerichtssaal v e r- haftet und disziplinarisch mit Haftstrafen bestraft werden. (Hört! hört!) Wiederholt hat sich herausgestellt, datz solche Leute wirklich nicht Deutsch konnten. Justizminister Bescler: Wahrscheinlich hat man deshalb die Ein- führuug getroffen, Referendare aus den polnischen Landesteilen in rein deutsche zu schicken, weil es ihnen ganz gut ist und sie dann nicht Gefahr laufen, in Bestrebungen hineingezogen zu werden, die mit ihrem Bcamtencharakrer nicht vereinbar sind.(Sehr wahr! rechts und bei den Nalionalliberalen.) Die Ostmarkenzulage be- kommen die Richter gar nicht. Danach, wie sie gewählt haben. habe ich nie Richter gefragt, soviel ich mich erinnere.(Bravo! rechts.) DaS Haus vertagt sich. Donnerstag, 1t Uhr: Fortsetzung. Schluß gegen Uhr. fraiKöiiicher Parteitag. Lyon, 18. Februar.(Eig. Ber.) Der französische sozialistische Parteitag— der 9. seit der Einigung— hat heute hier begonnen. Lyon, die zweitgrößte Stadt Frankreichs, ist von altersher auch eines seiner bedeutendsten In» dustriezentren. In der Geschichte der proletarischen Klassenbewe- gung spielt es eine grotze Rolle. Schon das 13. Jahrhundert hat hier einen mächtigen Aufstand der Seidenweber gesehen, der für einige Tage die Stadt in die Gotvalt der Insurgenten brachte, und berühmter noch ist jene zweite Erhebung, die den Kampfruf: „Arbeitend leben oder kämpfend sterben!" erkoren hatte. Die erste Internationale hat in Lyon eifrige Anhänger gefunden, und daß die Arbeiterschaft der Sache der revolutionären Befreiung treu- geblieben ist, spricht sich darin aus, datz sie drei sozialistische Depu- tierte ins Parlament schickt. Die Organisation ist allerdings noch weit davon entfernt, diesem starken Einfluß der sozialistischen Idee zu entsprechen. Der„unabhängige" Sozialismus hat eine Zeitlang grotze Verwirrung angerichtet— hier war ja Herr Augagneur, der spätere Vizekönig von Madagaskar,„Kaiser" der Gemeinde—, auch an anarchistischen und syndikalistischen Quer- treibcreien hat es nicht gefehlt, und es fehlt auch heute noch nicht daran. Indes hat die sozialistische Parteibswegung in den letzten Jahren doch ansehnliche Fortschritte gemacht, und der Sekretär der Föderation des Rhüncdepartements, Genosse Darme, konnte in seiner Begrüßungsansprache mit Genugtuung darauf hinweisen, datz die Genossen von Lyon es erreickst haben, den Parteitag in einem eigenen Heim, dem bescheidenen, aber für mittelgroße Versamm- lungen hinreichenden Saal des„Unitaire" beherbergen zu können. Dem Kongreß gingen dem Brauche gemäß Abendvcrsammlungen in wichtigen Jndustrieorten des Departements voran. Das meiste Interesse erweckte natürlich die in Lyon selbst. Hier sprachen die bekanntesten Führer der geeinigtcn Partei: I au res, Vaillant, Sembat, Compere-Morel u. a., und unter besonderem Beifall die Delegierten der Jnternatio- nale: Gciwsse Müller vom deutschen Parteivor- stand, Keir Hardie(englische Arbeiterpartei), sowie der tschechische Separatist N e m e c. In der heute vormittag abgehaltenen konstituierenden Sitzung wurden die Formalitäten erledigt. Gegen die Zulassung der Presse erhob sich diesmal kein Widerspruch, es wurde auch beschlossen, für die Drucklegung des stenographischen Protokolls zu sorgen, trotzdem nur 299 stenographische Berichte vom letzten Kongreß verkauft worden sind. Am Nachmittag versammelten sich die Parteitagsdelegierten auf der Place Bellccour im Stadtzentrum, um von dort unter Gc- leite einiger Tausend Parteigenossen in einem Zug mit Musik, roten Fahnen und einer singenden Kindergruppe nach dem Kon- greßlokal zu ziehen. Die Nachmittagssitzung wird von Sembat präsidiert. Zu Bei- sitzern werden die Vertreter der Internationale berufen, die nach- einander das Wort ergreifen. Als erster spricht Keir Hardie: Er schildert die großen Erfolge der eng- lischcn Arbeiterschaft im letzten Jahre auf politischem und Wirt- schaftlichem Gebiet. Sie sind der Vereinigung der direk- ten Aktion mit der Politik zu danken. Der Fortschritt der einen schließt den der anderen nicht aus. Wir kämpfen mit den zwei Waffen: Streik und Stimmrecht und machen keinen Streik gegen das Stimmrecht.(Brausender Beifall.) Der Kampf um die politische Macht ist notwendig. Die Aktion der Arbeiter- klasse mutz zugleich deftruktw und konstruktiv sein. Redner spricht dann vom brvorstchrnbcn großen Kampf der Bergarbeiter. Er wird eine Probe für internationale Solidarität sein. Die Berg- leute Englands rechnen auf die Unterstützung ihrer französischen, deutschen und belgischen Brüder. Keir Hardie spricht zum Schluß noch vom KampfgegendenKrieg, den er mit dem General» streik zu verhindern auffordert.(Großer Beifall.) Müller(Deutschland) wird mit minutenlaitgem Applaus emp- fangen. Er führt aus: Der deutsche Parteivorstand sendet Ihnen durch mich die herzlichsten Grüße der deutschen Sozialdemokratie. Zwischen dem klassenbewußten Proletariat Deutschlands und Frank- rcichs haben niemals Gegensätze bestanden. Wir sind zusammen- geschweißt durch ein gemeinsames Programm und durch eine ge- meinsame Taktik im Kampf gegen den gemeinsamen Feind, den Kapitalismus. Dieses Band ist fester als diejenigen, die durch die Geheimbündnisse der Diplomaten geknüpft werden. DaS haben die vergangenen Monate der Krise gezeigt. Die Verhält- nisse haben sich merklich zu unseren Gunsten gewendet. Vor sieben Jahren noch konnte man Jaures verhindern, in Berlin zu sprechen. Bülow sagte damals, daß die auswärtige Politik Deutschlands nicht in der Hasenheide gemacht werde. Heute ist es eine Selbstverständ- lichkeit, daß die Vertreter des internationalen Proletariats in Berlin reden dürfen. Heute wird es von den herrschenden Klassen selbst anerkannt, datz das internationale Proletariat den Frieden aufrechterhält. Ich erinnere Sie an die Debatte vom 5. Dezember 1991 im Reichstag, wo Bebel die furchtbaren Folgen eines Krieges für die Besiegten wie für die Sieger darstellte. Bülow gab damals zu, daß das richtig sei und daß die Vertreter des Staates die Völker unmöglich in einen Krieg hineintreiben könnten. Heute ist die Friedensmacht der Sozialdemokratie in das allgemeine Be- wußtsein eingetreten. Nach den großen Friedenskundgebungen der Internationale in Deutschland, Frankreich uiro England kamen die deutschen Reichstagswahlen— diese grüßte Manifestation des deutschen Proletariats für den Frieden.(Stürmischer Beifall.) Denn die Frage des Imperialismus war eS, die die Wahlen beherrschte. Die Regierung hatte keine andere Parole als die der chauvinistischen Stimmungsmache. 1887 hat Bismarck den Gegensatz zwischen Deutschland einerseits und Frankreich und Ruß- land andererseits benutzen wollen, um die Sozialdemokratie in einer Wahlkampagne niederzuwerfen. Diesmal sollte der Gegen- sah zwischen Deutschland und England herhalten. Unsere Erfolgs zeigen, was diese Schlagworte gefruchtet haben. Wir haben 119 Ilbgeordncte im Reichstag. Dazu kommt aber der Einfluß unserer Presse, die mit ihren täglichen l�h Millionen Blättern eine wir- kungsvolle Kraft der Friedenspropaganda ist.— Der Jmperialis- mus aber ist noch auf einem anderen Gebiet geschlagen. Die R e- volutioninChina zeigt, daß es heute keine inferioren Rassen mehr gibt und keine Möglichkeit zur Unterdrückung einer Rasse. Es ist so, wie es die Thronrede bei uns gesagt'hat: Die Enttvickc- lüng steht nicht still. Und wir Sozialdemokraten werden alles daran wenden, daß sie mit Riesenschritten vorwärts schreitet.— Wenn die deutsche Sozialdemokratie hier vertreten ist. so ist es aber auch, weil wir von Ihnen lernen wollen. Wir haben schon im preußi- scheu Wahlrechtskampf romanische Methoden zum Schreck der Bour- geoisie angewendet. Und wir freuen uns Ihrer Fortschritte, weil es auch die unseren sind. Darum wünschen wir Euch von Herzen weitere Erfolge— Erfolge für die europäische Revolution.(Lang- anhaltender Beifall und Hochrufe.) Es sprechen weiter der tschechische Separatist N e m e c(in deutscher Sprache) für den Zusammenschluß aller Nationen, Ciotto(Italien), der die chauvinistische Tollheit bet Bourgeoisie charakterisiert und unter großem Beifall daran erinnert, daß just heute in Mailand, der moralischen Hauptstadt Italiens und, der Hauptstadt der itasicnischcn Arbeiterbewegung, ein großes Meeting gegen den Krieg stattfinde, Genossin Jnessa(russische Sozial- demokratie) und Einar Lie(Norwegen), der besonders durch den Hinweis, daß in Norwegen die Gewerkschaften an die Partei angeschlossen seien und durch Ertvähnung des dort durchgeführten FrauenstimmrechtS lauten Beifall auslöst. Nach Verlesung von Begrüßungen der Parteien in Bulgarien. Dänemark, Belgien und Deutsch-Oesterreich und einer feurigen Ansprache Sembats, der den Widerhall der Treptower Mani- festation in der öffentlichen Meinung Frankreichs und die Fric- densliebe des französischen Volkes hervorhebt und die Bekämpfung des Krieges mit Deutschland mit ollen Mitteln verkündet, beginnt der Parteitag sofort die eigentlichen Beratungen. Die Mandatprüfung ergibt, daß 2575 Mandate(ein Mandat entfällt aus 25 steuernde Parteimitglieder) von 299 Delegierten vertreten werden. 89 von 84 Föderationen haben Delegierte entsendet. Es entspinnt sich eine lange und sehr heftige Debatte über die Frage, ob die Föderationen oder die Delegierten das Recht der Stimmenabgabe haben sollen. Schließlich wird dieses Recht gegen den Antrag der Verwaltungskommission und entsprechend den Wünschen des Nord den Föderationen zugeteilt. Die Sitzung wird erst um L!4 Uhr unter starker Erregung geschlossen. Versammlungen. Zusammenschluß der Aktiengesellschaft Siemens u. Halske und der Berliner elektrischen Straßenbahn-Aktiengesellfchaft lautete das Thema einer Straßenbahner-Versamm- l u n g. Das Referat hatte O r th m a n n vom Transportarbeiter- verband übernommen. Einleitend wies er daraus hin, daß die Straßenbahn von Siemens u. Halske nicht, wie vielfach an- genommen werde, in städtischen Betrieb übergehe, fondern daß die Gesellschaft sich nur in eine andere verwandle und in Zukunft den Namen führen wird: Berliner elektrische Straßenbahw-A.-G. Die Angestellten brauchten sich jedoch darum nicht zu grämen, da auch in städtischen Diensten den Angestellten die gebratenen Tauben nicht in den Mund flög>enr Allerdings werde die Pensionskasse wieder in weite Ferne gerückt, aber wenn das Personal der neuen A.-G. eine solche bald haben wolle, müßten die Angestellten es machen wie ihre Kollegen bei anderen Gesellschaften, nämlich: sich straff und geschlossen organisieren und sich dieselbe erkämpfen. Die Unterstützungskasse, die heute rund 359 999 M. umsaßt, ist geschaffen worden, um ihren Angehörigen in Notfällen, bei Arbeits- Unfähigkeit und dergleichen Anlässen beizustehen, doch hat auch sie in einzelnen Fällen versagt und die Arbeiterausschuß-Mitglieder seien nur Statisten, müßten es sein, wenn sie nicht in kürzester Zeit entlassen werden wollen. Immerhin sei zu erwarten, daß die Verhältnisse bezüglich der Unterstützungen bei der neuen Gcsellscyaft ebenere werden. Was die Pensionskasse anbelange, so kämen von hundert Angestellten kaum zehn in den Genuß einer Pension, da nur die wenigsten zur Zeit der Pensionsberechtigung noch im Be- trieb sein dürften. Viel wichtiger wie die Pensionskasse sei die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Im übrigen müsse abgewartet werden, bis die Umwandlung der Gesellschaft sich ang vollzogen hat, dann werde die Organisation— und nicht nur ei dieser Gesellschaft— Forderungen auf Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen stellen. Diese Ausführungen fanden star- ken Beifall. Ein Diskussionsredner versuchte den Referenten in einigen un- wesentlichen Punkten zu widerlegen Der Herr, ein Vorgesetzter, löste bei seinen unglücklichen Versuchen, die Maßnahmen der Gesell- schaft zu verteidigen, aber nur ironische Heiterkeit aus. Gleich der nächste Redner, Genosse Cohen vom Deutschen Metallarbeiter- verband, diente ihm sehr treffend, indem er erklärte, daß der Herr in seiner Stellung ja gut klug reden könne. Ferner bedauerte Red- ncr, daß von den eingeladenen Stadtverordneten keiner vertreten sei. Des weiteren verteidigte Redner den verstorbenen Stadtvcr- ordneten Paul Singer in Frage der Pensionskasse gegen den An- griff des Vorgesetzten. Die Stellungnahme Singers sei nicht nur völlig korrekt, sondern durchaus im Interesse der Straßenbahner gewesen. Hauptsache sei jetzt, daß die Jahre, die die Angestellten bei der Gesellschaft gedient, feei einer spqtereg Uebernahwe durch bi« Stadt voll und ganz ongercchnct werden. Das Wrisse man der Stadtverordnetenvcrsannnlung dringend vor Augen führen. Nach- drücklich unterstrich Cohen noch die Ausführungen des Referenlen, daß e» unumgänglich notwendig sei, eine Verkürzung der Arbeits- zeit und im Anschluß daran bessere Löhne zu erstreben. Weiter müsse gefordert werden anständige Behandlung, was voraussehe, daß auch die Arbeiter gegeneinander anständig handeln und ferner ausreichender Schutz für Leben und Gesundheit der Arbeiter. Um diese vier gewerkschaftlichen Grundfordcrungcn duchzudrücke», dazu bedürfe es einer geschlossenen Einigkeit. Diese mache stark, darum sei sie auch den Unternehmern unangenehm und darum versuchten dies« stets mit allen Mitteln, die Solidarität der Arbeiter zu zer- stören. Ein christlicher Straßenbahner griff die Sozialdemokratie an und entwickelte dabei so krause Ideen, daß sich der Versammelten eine umviderstehliche Heiterkeit bemächtigte. Der liebe Gott habe den Kapitalisten das Kapital zur Verwaltung übergeben, und dar- auS sollte man ihnen keinen Vorwurf machen lü!)- In seinem Schlußwort erklärte Orthmnnn, daß es nicht sehr tapfer von dem Vorgesetzten, Herrn Z i p p c r I i n g, sei, erst anzugreifen und dann schleunigst zu verschwinden. Im übrigen war «S(hm ein leichtes, den Herrn abzuführen. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: Tie heute, am 20. Februar 1912, in den Sophiensälcn ta- »ende Versammlung der Ängestellten, Handwerker und Arbeiter der Berliner elektrischen Straßenbähn-Akticn-Gcscllsäxaft sind mit den Ausführungen des Referenten einverstanden. Die Versam- weiten sind der Ansicht, daß die Namensänderung des Betriebes nicht den gehegten Hofftrungen des Personals entspricht, weil die Betriebsveränderung fast keinerlei Vvrtcilc für die Arbeitnehmer mit sich bringt. Die Versammelten sind ferner der Ansicht, daß ihre gerechten Wünsche betreffs Umwandlung der Untrrstützungskasse in eine Penfiouskassc, sowie Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhäll- uisse nur durch festen Zusammenschluß in den zuständigen Or- ganisationrn erzielt werden könuen. Die Versammelten ber- pflichten sich deshalb, für den Ausbau derselben Mit allen Kräf- ten Sorge tragen zu wollen, damit zu geeigneter Zeit die schon jahrelang schwebenden Verhandlungen endlich zum Nutzen des Personals geregelt werden. Ucbcr die politische Loge sprach am Dienstag der Reichstags- abgeordnete für Frcibcrg, Genosse Wendel, in einer Mitglieder- Versammlung des Sozialdemokratischen Wahlvercins für den fünften Berliner Reichstagswahlkreis, die in den„Musikcrsälen" stattfand. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vor- sitzende Friedländer den seit der vorigen Versammlung verstorbenen elf Mitgliedern einen ehrenden Nachruf. Sodann schil- dertc Genosse Wendel in einem etwa änderst, albstündigen Vortrage, wie sich die politischen Verhältnisse in letzter Zeit entwickelt und gewissermaßen umgestaltet haben. War der Deutsche Reichstag früher»ach dein Ausdruck Bismarcks nichts weiter als ein Feigenblatt des Absolutismus, so liegt die Sache heute so. daß die ganze Politisch bewegte Welt nach dem Deutschen Reichstag schaut und leb- Haftes Interesse an den Vorgänge» nimmt. Alle großen stampfe werden sich auch in Zukunft um den Imperialismus drehen. � Der Redner gab sodann in großen Zügen eine umfassende Kritik der imperialistischen und weltpolitisckei�Bestrebuirgcn. zeigte, welche empörenden Kulturwidrigkeitcn und Schandtaten mit dieser Politik verbunden sind, die ja übrigens auch für die europäische» Völker immer von neuem oic Gefahr des Weltkrieges mit sich bringt. Durch da? Erwachen der asiatischen Völker wird das Gebiet, das der europäische Imperialismus sich zu eigen machen kann, immer mehr eingeschränkt, und dtr Kapitalismus kommt allmählich dahin. sich wie ein von Zöllwut crgrisscncr Riese zu gebärden. Unter diesen Umstäliden inuß es unsere Aufgabe sein, ihn an Armen und Beinen festzuhalten, damit er kein Unheil anrichtet. Für uns g:lt es. dieses ganze wahnwitzige Svstcm zu bekämpfen und dafür zu sorgen, daß das deutsche Volk sein Vaterland erst einmal gewinnt. Der Redner wandte sich sodann den neuesten Vorgängen im Reichstage zu und hob mit aller Bestimmtheit hervor, daß die Sozial. demokratic nicht gewillt ist, im Reichstage etwa eine Großblock- politik„ach badischem Muster zu betreiben. Sic hat ihre Siege nuö eigener Kraft errungen und wird demgemäß auch ihre Kampf« im Reichstage aus eigener Kraft führen. Demgemäß lyit stc auch bei der Präsidenteiiwabl die höfischen Verpflichtungen abgelehnt, die nach den Gepflogenheiten der bürgerlichen Parteien mit solchen Stellungen verbunden sind, aber weder in der Geschäftsordnung des Reichstags noch in der Versassung des Reichs vorgesehen sind. — Ter Redner schloß init den Worten: Die Sozialdemokratie wird mit Ehren aus diesen Wirren hervorgehen, und die Tatsache läßt sich nicht aus der Welt schassen: Es geht geradeaus zum Ziel, und das Kommando beißt Volldampf voraus!— Der Vortrag fand lebhaften Beifall.?tach Erledigung einiger VcreinSangelegcn� heitcn wurde die Versammlung geschlossen. Die öffentliche Versammlung für das Stralaucr Viertel, hie am Dienstagabend für den vierten Wahlkreis nach den„Mark- grasensälen", Markgrafendamm, einberufen war, fand unter außer- ordentlich starkem Besuch statt. Kaum ein Stehplatz war noch zu haben, bis an die Ausgänge drängte sich die Menge. Mit großer Aufmerksamkeit folgten die Versammelten dem Vortrage des Reichs- tagsabgeordnctcn Otto Büchner, der ein Bild von den jetzigen Verhältnissen im Reichsparlamcnt cnttvarf und den glänzenden Aufstieg der Sozialdemokratie feierte, die als stärkste Fraktion aus den Wahlen zum Schrecken aller Gegner hervorgegangen sei. Der Redner ging auf den Kampf»in das Präsidium ein und er- klärte unter dem lauten Beifall der Versammelten, daß die anderen Parteien sich drehen und wenden mögen, wie sie wollen; sie würden die Sozialdemokratie nicht mehr los, die mit 4M Millionen Stimmen hinter sich eine Macht bedeute, die respektiert werden müssx. Der Vortragende wandte sich dann den Anträgen der sozialdemo- kratischen Fraktion zu, die er begründete und erläuterte; er be- sprach auch die Möglichkeit der Auflösung des Reichstag?, die in unserer Partei nur neuen, frischen KampfeSmut auslösen würde. Mit einem frohen Ausblick auf die weitere Entwickeluny der Partei schloß der Vortrag, der mit stürmischem Beifall eufgenommen wurde.— Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Der Vorsitzende mahnte in seinem Schlußioort zur Stärkung der Parteiorganisation durch Beitritt zu den Wahlvercinen und brachte ein dreifaches Höcht auf die Partei aus. in das die Versammelten begeistert ein- stimmten.> eSHEOSESSHSE« Unserem Genossen«. Sänger >u seinem 70. StburtStage ein donnerndes Hoch! Die Genoss. a. b. früh. 7. Walilv. »»»»SSKSNSSKHKK geeee«**««»ssKss gf Unserem Wer Unserem Werksllhrcr I; Heinrich Wier vi, nebst Krau Gemablin die r eiii Danksagung. : die vielen Beweise hc Seweisc herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unsere? innig gcllebteii Sohne? und Bruders vnuno Goffke sagen wir allen Freunden und Be- Zäunten unseren tiesgesühliesten Dank. Die tiefbetrübten Eltern und Schwester. 1256 fSozialiieinoMciiJätilvereiiil Nieder-Barnici. Bezirk Lichtenberg. Den Genossen zur Nachr daß unser Mitglied, der Arbeiier| Karl Kröger Kronprtnzenstr. 15 verstorben Ist. 14/5 1 Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung sindet Sonn- abend, den 24. Februar, nach. mitlag? 4 Uhr, von der Leichen- Halle in Marzahn au? statt. Rege Beteiligung erwartet Tie VezirkSlcitung. Turnverein„Fichte" G Allen Tunigenossen, Freunden und Bekannten die traurige Mit- teilung, daß unscr langjähriges Mitglied und treuer Turnkamerad �arl Hai-Medc am Montag früh plötzlich und nn» erwartet verschiebe» ist 117b Ehre ihrem Zlndenkcn k Die Beerdigung wird noch de- kanntgegeben. 8. Männer Abteilung. Deutscher Motallarbeiter-Verbanii Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. dag unser Mitglied, der Werk- zcugmacher >Vilkelm Lcliüti am 19. d. Ml?, an Bauchfell- entzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an, Freitag, den 23. Februar, nach- miltags 4 Uhr, vo» der Leichen- halle des Heilands-KirchhoseS in Plötzensee au? statt. Rege Beteiligung erwartet 112/18 Die Ortsvarwaltung Anna Weber Am DicnStag, den 20. Februar, verschied nach schwerem Leiden meine klebe Frau und gute Mutier 123b geb. Ikl»vl»or DicS zeige» ticsbelrübt an stiedard Weber nebst Kindern, Schivelbeiner Str. 18. Die Beerdigung findet am rcilag, nachnüllags 3 Uhr, vom ielhwmakie'- Kirchhos(Nordend) aus statt. Deutsches tepostgsbeltüs-Vssbaiilj. Bezirktvsrwaltung GroD-Berlln. Nachruf. Den Mllgliedern zur Nachricht, I daß Unser Kollege, dir BiersaHrrr s Albert Pommerenke am 17. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenke» 1 Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied. der Privatkutscher vom Müttchener Brauhaus Mus Köhler von [nm 20. d, Ml?, im Alter | 47 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! ! Die Beerdigung findet am 1 Freitag, den 23. Februar, nach. miltags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Lohannis-FriedhoseS, Barsusslraße, auS statt. 62/5 Die Bezirhsverwaltung. | Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale GroB Berlin. Durch den Tod ist un? unser Kollege Bermaoa Gimdtaeb Ivon der Sektion Parkverwallung enwlssen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenke» bewahren. Die Bestattung findet am Donnerslag, d. 22. Februar, nach- miltags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Aazareth-Kirchhose? in Reinickendori, an der Berliner und Kögelstraße, aus flatl. �>t�»»�N�MMUMWW»MWWWöei rSbu yfyowfomms A&W£ j Unerwartet verschied am Dien?- lag, den 20. Februar, nach kurzem Krankenlager unser lieber Kollege, der Schristsetzer Lrnst �Veintiold im 63, Lebensjahre. Sei» allezeit kollegiale?, lieben?- würdiges Wesen sichern ihm ein treues Gedenken über den Tod hinaus! Das Setzer-Personal der „Bossische« Zeituug". Die Beerdigung sindet morgen Freitag, den 23. Februar, nach- mittag? 5 Uhr, von der Leichen- Halle de? Petri-Klrchhose?, Frieden- straße, aus stalt, Zwei kl. Wohnhäuser f neu, vollvermietet, b. HoppegaAen- Berlin, f. d. Feuerlalse v. 90 000 UM. bei 8— lOOOOM, Anzahlung sos.zu verlausen. Offerten unter F. X Haupt» e�pedition des»Vorwärt?"." ILIb Am Dienstag entschlief nach langem, schwerem, geduldig er- tragenem Leiden unser Herzens- guter Sohn, Bruder, Schwager, Lnkel und Bräutigam, der Zu- schneider Bruno Briogmauu Kottbuser Damm 32 im 20. Lebensjahre. Ties zeigen tiejöetrübt an Wild. Bringmann und prau nebst Gescdwisiorn und Braut Berlin-Elberfeld. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Februar, Nachmittags'Li Uhr, von der Leichenhalle de? städtischen Fried« boses�n�nedr�Sstld�usstM� BerlvlRkRSUnx. Die Beerdigung de? Genossen Eiduaed Lemke findet nicht um 4 Uhr, sondern uni X'lf Uhr aus dem städtischen griedhoie,:>Nüllerstraße, Ecke See- straße statt. Danksagung. Für die zahlreiche BeteUigmig und die überaus reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage hiermit allen, insbesondere den Kollegen der Firma Gelßler, sowie dem Zigarrenhändleroerein zu Rixdorj meinen herzlichsten Dank. 28/16 lm\ Rieseheck nebst Kindern. Tanksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau �uxuste Gleiter sage ich allen Teilnehmern meinen herzlichsten Dank. Gottlob Oleltcr. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine? lieben Manne?, unseres guten Vater? lagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Firma Zeher u. Drechsler, oer Firma Schelter, iowie dem Deutschen Bauarbeiter-Verband unseren besten Danl. Unna Biastoff nebst Kindern. Ntofte Reste z. Anzug, Paletot Mir. 3,— M. Loden für Pelerinen Mir. 1,50, 2,50. Tuchlager Koch& Seeland G. m. b. H. Geptfaudtfiöstr. 20/21 ,""Ä'vi3der Petriklrche. Ich bin rem Elberfelder Stt-aBe 17 nach Wiclefstr. 42 Ecko WaldstraBo verzogen. Teleph. wie bisher Amt Moabit 4710. Sprechstunden 8-10, 4-6. Dr. Moses, prallt. Arzt. Klnmen- und Krnnchmdml Aug. Heier, Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄÄ 10—2. 5—7. Sonntags 10— 12. 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LerlagSanitalt Baul Sing» lt. Eid, Lüriill SlL, Nr. 44. 29. Iahrgaag. 3. StilnoE dkg JgtmSrtö" Iftltet MllislklM. Donnerstag. 22. Febrvar 1912. Partei- Hngelegenbeitcn» Zweiter Landtags-Wahlkreis. Heute. Donnerstag, abends Z'/z Uhr, findet eine öffentliche Wahlerversammlung im Lokal Kreuzberg-Festsäle. Kreuzberg. stratze 48. statt. Der Reichstagsabgeordnete Georg Da v i d s o h n sGrünberg-Schl.) referiert über das Thema:„Preußen in Deutschland voran". Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Schöneberg. Die Genossinnen und Genosien wollen zu der heute. Donnerstag, abends 7 Uhr, stattfindenden Flugblatt- Verbreitung in den bekannten Lokalen zahlreich vertreten sein, da die Wichtigkeit der Arbeit dieses erfordert. Der Vorstand. Stcglitz-Fricdenau. Morgen Freitag, den 23. Februar, abends »Vs Uhr. findet bei Schellhase, Steglitz. Ahornstr. loa, der zweite Vortragsabend des vom Genossen E. D ä u in i g abgehaltenen Vortragskursns nber:„Deutsche Literaturgeschichte" statt. Billetts find noch am Eingang des Lokales zu haben. . Der Bildungsausschuß. Eichwalde. Am Freitag, den 23. Februar, abends 9 Uhr, im Lokal von Witte: Extrazahlabend. Tagesordnung: Die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. /Dreiklaffentollheiten des Landtagswahlrechts. Der Landtagswahlkreis Berlin II, der wegen des Todes seines bisherigen Vertreters, des freisinni- gen Abgeordneten Gerschel, jetzt eine Ersatzwahl vorzu- nehmen hat, ist besonders reich an wahrhaft grotesken Blüten des Treiklassensystems unseres preußischen Landtugswahl- rechts. Die schroffsten Gegensätze finden sich nebeneinander gerade m diesem Kreis, der— die Stadtbezirke 6—30. 50—53, 57—60, 62— 65 umfassend— sich von der Schloß- und >,Linden"-Umgebung über das Banken- und Ministerviertel südwärts durch die Friedrichstadt und weiter durch die Tem- pelhofer Vorstadt bis zum Rand des Tempelhofer Feldes er- streckt. Zu seinen Wählern gehören die höchsten Würden- Träger und die leistungsfähigsten Steuerzahler, aber auch ihr Gegenstück ist in diesem Landtagswahlkreis vertreten, die Wähler proletarischen Charakters, die besonders in den Straßenzügen der Außenviertel wohnen. Für die Wahlmännerwahlen, die zunächst in den 104 Wahlbezirken des ganzen Kreises von den Urwählern vollzogen werden sollen, hat der Magistrat wieder die vorge- schriebene Uebersicht über die einzelnen UrWahlbezirke mit ihren nach den Steuerbeträgen der Wäh- ler fe st gesetzten Abtei lungs- oder Klassen- grenzen aufgestellt. Wie das Gesetz es vorschreibt, sind in jedem UrWahlbezirk für sich die sämtlichen Wähler des Bezirks nach der Höhe ihrer an Staat und Gemeinde zu zahlenden direkten Steuern zusammengestellt und danach in drei Klassen so eingeteilt worden, daß auf jede Klasse ein Drittel des gesamten Steueraufkommens des Bezirkes ent- fällt, wobei— nebenbei bemerkt— der dritten Klasse auch *«e zu keiner Staatssteuer veranlagten, aber dennoch zur Teilnahme an der Landtagswahl berechtigten Personen zu- gewiesen worden sind. Das Ergebnis dieser Drittelung ist das übliche: es wirkt wieder wie eine tolle Verhöhnung des Dreiklassenwahlrechts, wie das Produkt der ausschweifenden Phantasie eines Wahnwitzigen. Aber alles ist dabei mit rechten Dingen zugegangen, alles nach den Vorschriften des Gesetzes, das den Geldsackbesitzern ihren über- mächtigenEinflußaufdieZusammensetzung der„Volksvertretung" des Dreiklassenhau- feS zu sichern sich bemüht. Wo in einem Wahlbezirk inmitten einer großen Zahl minderbemittelter Wähler ein paar schwerreiche Protzen wohnen, da führt die Drittelung der Wählerschaft immer wieder dazu, daß die ganze erste Klasse von den paar reichsten Wählern, ja, unter Umständen von einem einzigen aller- reichsten Wähler ausgefüllt wird. Im Landtagswahlkreis Berlin II finden wir diesmal unter seinen 104 UrWahl- bezirken 13 Bezirke mit je einem Wähler er st er Klasse, 11 Bezirke mit je zwei Wählern er st er Klasse, so daß allein in zusammen 37 Bezirken, einem reichlichen Drittel aller Bezirke dieses Kreises, die erste Klasse nur bis zu drei Wäh- lern enthält. Ueber zehn geht die Zahl der Wähler erster Klasse nur in 8 von den 104 Bezirken hinaus, und die über- Haupt höchste Zahl, die hier— in zwei Bezirken am Tempel- hofer Feld— erreicht wird, ist 26. Auch die Wähler zweUer Klasse sind in manchen Bezirken überaus dünn gesät. Wir sehen hier zwei Bezirke mit je zwei Wählern, zwei Bezirke mit je drei Wählern, zwei Bezirke mit je vier Wählern, zwei Bezirke mit je fünf Wählern, vier Bezirke mit je seD Wäh- lern, das macht zusammen 12 Bezirke, in denen die zweite Klasse nur bis zu sechs Wählern umfaßt. Nur in einem Drittel aller Bezirke geht die Zahl der Wähler zweiter Klaffe über 25 hinaus, und als Höchstzahl finden wir 99, wieder m einem Bezirk am Rand des Tempelhofer Feldes. Desto zahl- reicher sind dann die Wähler dritter Klasse, die diesen Pri- vilegierten des Geldsacks gegenüberstehen. Bei- spielsweise gibt es im 32. Wahlbezirk(Umgebung des Gen- darmenmarkts) in der ersten Klasse 1 Wähler, t n der zweiten Klasse 5 Wähler, in der dritten Klasse 262 Wähler. Jede Abteilung wählt hier zwei Wahlmänner, mithin hat hier ein Wähler er st er Klasse 262 mal soviel Wahlrecht, wie jeder Wähler dritter Klasse. Ein Beispiel ans emer minder„noblen" Gegend ist der 181. Wahlbezirk(Teil der Kreuzbergstraße), wo z u d e r e r st c n K l a s s e 1 W ä h l e r, zur zweiten Klasse 14 Wähler, zur dritten Klasse'2 91 Wähler gehören. Der ganze Bezirk wählt fünf Wahlmänner, zwei in der ersten Klasse, einen in der zweiten, zwei in der dritten, mithin hat hier ein Wähler er st er Klasse 291 mal soviel Wahlrecht wie jeder Wähler dritter Klasse. Die Ehre, einziger Erstklassiger zu sein, ist da draußen, wo Berlin aufhört, sehr viel billiger als z. B. in dem Bankenviertel der Friedrichstadt. Wie unter Blinden der Einäugige den König mimen tann, so kann in einem Prolc- tariervicrtel schon ein mäßig begüterter Mann mit seiner Steuerleistung die ganze erste Klaffe ausfüllen, während in einer„nobleren" Gegend selbst ein Millionär noch zweitklassig bleibt. Das ist nämlich das L u st i g e a n d i e s e m t o l l e n Dreiklassensystem, daß es gelegentlich selbst einen Reichen nicht zu dem„Recht" kommen läßt, aus das er nach seiner Steuerleistung einen Anspruch zu haben meint. In der Kritik, die der Liberalismus an dem Dreiklassensystem des Landtagswahlrechts übt, wird auf diese„Ungerechtigkeit" der Hauptton gelegt. Je nach dem Zufall der Abgrenzung eines Bezirkes kann man mit einer recht hübschen Steuerleistung, nur weil ein paar reichere Wähler die erste und die zweite Klasse ausfüllen, ganz respektswidrig in die dritte Klasse hinabgeschoben werden, während man schon ein paar Häuser weiter in einem Nachbarbezirk, wo zufällig die reichen Leute rar sind, mit sehr viel weniger Steuern sich in dem Glanz eines Erst- klassigen sonnen darf. Am teuersten ist die Erstklassigkeit diesmal im 41. Wahlbezirk(Umgebung vom Wilhelmplatz und vom Leipziger Platz), wo der einzige Wähle r ersterKlassefürsichalleinnichtwenigerals 313 055,07 Mark Steuern aufbringt. Die zweite Klasse besteht hier aus drei Wählern, deren„ärmster" noch 8885,79 Mark Steuern zahlt. Wer weniger hat, muß sich als„Plebejer" betrachten und mit den 145 Drittklassigen wählen. In dem dicht angrenzenden 42. Wahl- bezirk(vom Leipziger Platz südwärts) kommt man mit 3145,20 M. Steuern noch in die erste Klasse, die hier vier Wähler hat. 3145 M. im 42. Bezirk, das ist nicht viel mehr als ein Hundertstel von jenen 313 055 M., die im benachbarten 41. Bezirk der eine Erstklassige aufbringt! Des Zufalls Tücke schafft manchmal die merkwürdigsten Zusammenstellun- gen, die für einen Wähler die ärgerlichsten Folgen habey können. Im 29. Wahlbezirk(Umgebung des Pariser Platzes) gehören zur ersten Klasse zwei Wähler, deren minderreicher noch 152 197,46 M. Steuern zahlt. Infolgedessen endet mit 34 335,20 M. hier schon die zweite Klasse; wer weniger zahlt, ist schon simpler Wähler dritter Klasse. Da- gegen haben wir in der Tempelhofer Vorstadt die Bezirke 190 und 191(Teile der Arndtstraße usw.), in denen man mit 1 0 4 M. schon Wähler er st er Klasse, mit 4 2 M. noch Wähler zweiter Klasse ist. Im Bezirk 189(Teil der Fidicinstraße usw.) sind 5 2 M. Steuern erforderlich, um Wähler zweiter Klasse zu sein, aber zur e r st e n Klasse gehört man hier schon mit 9 6 M. Billiger ist im ganzen Landtagswahlkreis Berlin II diese Ehre nirgends zu haben. Zu den Wunderlichkeiten des Dreiklassensystems gehört noch die, daß Wähler mit gleicher Steuerleistung je nach dem Anfangsbuchstaben ihres Namens noch in die eine Klasse hin- einkommen oder wegen bereits erfolgter Füllung dieser Klasse in die nächsttiefere verwiesen werden müssen. Ten: Zufall ist hier eine weitere Gelegenheit geboten, seine Tücken zu üben. Der Zufälle tollster war allerdings wohl der, den wir bei den Landtagstvahlen von 1908 erlebten. Im Landtags- Wahlkreis Berlin II war's, wo damals hohen Würden- t r ä g e r n das Vergnügen wurde, mit ihren Lakaien zusammen in der dritten Klasse zu wählen— nicht trotz dem Dreiklaffensystem, sondern just wegen des Dreiklassensystems. Geldsacksbesitzer aus Handel und In- dustrie machten sich in der ersten und der zweiten Klasse breit, so daß selbst für sonst ganz respektable Zierden der Gesell- schaff hier kein Platz mehr blieb und sie in die dritte Klasse hinabrutschten. Fürst Bülow, der Reichskanzler, brachte es in seinem Bezirk nur bis zum Wähler zweiter Klasse, und bei dem Herrn von Bethmann Hollweg, der damals noch nicht Reichskanzler war, langte es gar nur für die dritte Klasse. Wir hoffen, daß wir diesmal im zweiten Landtagswahlkreis an ähnlich amüsanten Blüten des Drei- klassensystems unseres Landtagswahlrechts uns freuen dürfen. Die Vcrstabtlichung deS Rettungswesens. Nachdem die Stadtverordnetenversammlung die Berstadt- l i ch u n g des Rettungswesens im Prinzip gutgeheißen hatte, verblieb dem Ausschuß, der zur Beratung der Magistrats- Vorlage eingesetzt war, nur die Aufgabe, die Zusammensetzung des zur Verwaltung des städtischen Rettungswescns einzusetzenden Kuratoriums und gewisse Richtlinien für den ärztlichen Dienst zu bestimmen. Nach beiden Richtungen wurden die hierauf bezüglichen Anträge unserer Genossen einstimmig zum Beschluß er- hoben. Das Kuratorium soll sich nicht aus zwei Magistratsmit- gliedern, 4 Stadtverordneten und 3 Bürgerdeputierten zusammen- setzen, sondern aus 4 Magistratsmitgliedern. 8 Stadtverordneten und 4 Bürgerdcputicrten. Ein Bürgerdeputierter soll als Vertreter der Berliner Krankenkassen auf Vorschlag der Zentralkommission in Vorschlag gebracht werden.— Was den ärztlichen Dienst angeht, so soll sich das künftige Kuratorium nicht an die über die beste Art des ärztlichen Dienstes sich in den Haaren liegenden Parteien wenden, an die Aerzte der Rettungsgesellschaft und die Aerzte der Unfallstationen. Es soll sich an eine neutrale Stelle, an die ofsi- ziclle Vertretung der gesamten Aerzteschaft, die Aerzte- k a in m e r, wenden. Diese soll ersucht werden, zu einer gemein- samen Beratung mit dem Luiratorium eine Kommission von Aerzten vorzuschlagen, welche Verständnis für die Forderungen des Rettungswesens besitzen und nicht der Acrztckammer selbst anzugehören brauchen. Diese Kommission müßte sich etwa zu- sammensetzen aus Leitern öffentlicher Krankenhäuser, Spczial- ärzten, die nicht an öffentlichen Krankenhäusern wirken und schließlich aus praktischen Aerzten, die nicht am Wachdienst teil- nehmen. Nach einem Vorschlag, den der um das Berliner Rcttungs- Wesen verdiente Sanitätsrat Dr. William Levy in einer Denk- schrift gemacht hatte, kann man annehmen, daß eine derartige Kommission, in welcher alle Interessen vertreten sind, die für die Organisation des ärztlichen Rettungsdienstes in Betracht kommen, über die Vorteile und die Mängel der einzelnen Systeme ein fach- gemäßes Urteil» abgeben kann. Wie schon oben hervorgehoben, schloß sich der Ausschuß dieser unserer Auffassung vollintbalilich an. Im städtischen Schulmiisciim, Stallschreibcrstr. S4, findet vom 24. Februar bi-5 zum 21. März eine Ausstellung von Lehrmitteln für den Ailschauuugs- und deutschen Unterricht statt. Damit ver- blinden ist eine Ausstellung moderner chinesischer und japanischer Lehrmittel. Das Museum ist geöffnet am Montag, Mittwoch und Soniiaheud von 4—7 Uhr. Um den Jnselspcicher. Die Tiefbaudcpntation beschloß in ihrer gestrigen Sitzung, die Dringlichkeit der Enteignung des Jnselspeichers. Schon einmal hat die Deputation diesen Beschluß gefaßt, er wurde aber vom Magistrat abgelehnt. Jetzt scheint sich aber auch der Magistrat nicht länger der Ansicht verschließen zu wollen, daß die Enteignung dringlich geworden ist, weil Gelände für einen notwendig werdenden Brücken- bau gebraucht wird. _ Das Verkehrs- und Baumuseum an der Jnvalidenstraße soll dmch einen Erweiterungsbau vergrößert werden. Propaganda für das„Blaue Kreuz", die bekannte Antialkohok- Vereinigung auf religiöser Grundlage, macht die in der Königlichen Charite unter Leitung des Charitedirektors. Geheimrats Pütter stehende Fürsorgestelle für Alkoholkranke. Es wird uns mitgeteilt. daß hier Interessenten, die Hilfe erbitten, in recht auffälliger Form an das„Blaue Kreuz" verwiesen werden, während man um andere Vereinigungen gegen den Alkohol nicht entfernt so eifrig besorgt ist. Insbesondere soll es den Beamten der Fürsorgestelle auf die Nerven fallen, wenn eine der Fürsorge'bedürftige Person erklärt, dem Arbeiter-Mstinenten-Bund beitreten zu wollen. Wir möchten der Meinung sein, daß mit der Heilung von alkoholischen Erkrankungen weder die Religion noch die Politik das geringste zu tun hat. Das„Blaue Kreuz" erfreut sich keines de- sonders guten Rufes, weil hier Proselyten für die Kirche gemacht werden." Der Guttemplerorden mit seinem halb ffeimaurerffchen Ritus sagt auch nicht jedem zu. Es ist also nur natürlich, daß gerade Arbeiter den Wunsch hegen, einer gegen den Alkoholmiß- brauch gerichteten Vereinigung beizutreten, in der sie unter ihres- gleichen sind und für ihre Lage auch weitestes wirtschaftliches Ver- ständnis finden. Die Fürsorgestclle für Alkoholkranke bei der Charite sollte es also ohne jegliche Einwirkung den Interessenten selbst überlassen, welcher Antialkoholvereinigung sie beitreten wollen. Hohenzollernbcgeistcrung soll, wie wir bereits mitteilten, lber den Berliner Gemeindeschulkindern durch Aufführung des Lauffi- schen Stückes:„Der große König" geweckt werden. Dieser Tage hat im Opernhaus auf Befehl des Kaisers die erste Aufführung dieses von Patriotismus triefenden an sich schlechten Stückes statt-. gefunden. Es wird berichtet, daß auch der Kaiser anwesend war.. Den. Schulkindern war befohlen worden, erst nach Schluß dc~ Aufführung Beifall zu spenden, die Kinder hätten sich aber iw ihrer Begeisterung nicht halten können und hätten schon nach dem ersten und zweiten Akt geklatscht. Am Freitagnachmittag findet im Schauspielhause eine Wiederholung statt, zu der der Schuldepu- tation auf Befehl deS Kaisers wieder 1000 Billetts für die Schub» kinder übersandt worden sind. Zur Aufklärung in der Schulzeschen Mordsache. Der Schlosser Oswald Trenklcr wurde vorgestern abend nach Berlin übergeführt und bald nach seiner Ankunft in das Polizeipräsidium eingeliefert. Nach der bisherigen Untersuchung hielt man eS nicht für unmöglich. daß Trenkler sich alle Mühe gibt, sein furchtbares Verbrechen nicht als Mord, sondern in dem milderen Lichte einer Tötung bei der Ueberraschung bei einem Diebstahl erscheinen zu lassen. Nach« gewiesen ist, daß Trenkler mit 25 M. in der Tasche von Klein- Schönau aufbrach, angeblich wollte er nur nach Görlitz fahren, um einen Arzt aufzusuchen, weil er seit Juli v. I. stark lungenschwindsüchtig ist. Auf der Bahn klagte er einem jungen Gürtler und Tapezierer sein Leid und auf dessen Rat fuhr er mit nach Berlin. um sich in der Charite behandeln zu lasten. Dieser junge Mann, der sich in Berlin von ihm trennte, ißt auch heute noch nicht ernnttelt. Er wird ersucht, sich unverzüglich bei der Kriminalpolizei zu melden. Ein zweiter wichtiger Zeuge ist noch der Mann, der nach Trcnklers Darstellung diesem auf daS Buch des Hausdieners Schulze, das über 1200 M. lautete, 150 M. von der Sparkasse holte. Auch dieser wird dringend ersucht, gleich zur Kriminalpolizei zu kommen. Der Vorgang mit dem Sparkassen- buch fällt auf den 17. Januar, nachmittags zwischen 12� und l'/a Uhr. Der Mann ist etwa 35—40 Jahre alt, 1,60—1,63 Meter groß, hat einen blonden, starken Schnurrbart und trug einen grauen Ueberzieher und eine Sportmütze. Als Trenkler nach Berlin kam, besaß er nur noch 15 M. Er gibt zu, den Juwelier Schulze früher gekannt zu haben. Ueber seinen Aufenthalt und seinen Zustand in der Heimat nach Verübung des furchtbaren Verbrechens macht Trenkler folgende An» gaben: Als er ganz durchfroren nach Hause kam, versteckte er seine Beute, die sich in einem Karton befand, in einer Remise auf dem Gehöft des Vaters. Dann ging er nach seiner Dachkammer hinauf und legte sich zu Bett. Schlaf fand er nicht. Immer sah er die schimmernden Brillanten vor sich. In der Angst, daß sie in der Remise nicht sicher sein könnten, stand er mitten in der Nacht wieder auf und holte sie zu sich in die Dachkammer herauf. Hier sah er sich nach verschiedenen Verstecken um, bis er sich endlich wieder schlafen legte. Drei Tage lang traute er sich nicht den Karton zu öffnen und sich die Schmucksachen anzusehen, weil er fürchtete, ihren Anblick nicht ertragen zu können. Am Tage nach der Tat befand er sich im Kreise seiner Familie. Als nun seine Schwester wie immer die Zeitung zur Hand nahm, ihrem alten Vater vorlas und dabei auch auf das furchtbare Verbrechen in der Alten Jakobstraße zu Berlin kam, hielt er eS nicht mehr aus. Er konnte den Zeitungsbericht nicht weiter mit anhören, nahm seine Mütze und ging trotz der strengen Kälte hinaus und lief planlos umher. Das wiederholte sich, so oft in den folgenden Tagen die Schwester beim Borlesen wieder das Verbrechen berührte. Er selbst vermied eS' ängstlich, die in der Behausung gehaltenen Zeitungen auch nur an- zufassen, geschweige denn die Berichte über den dreifachen Raubmord zu lesen. Mit seiner Beute an barem Gelds ging Trenkler sehr haushälterisch um. Er hatte erst wenige Mark ausgegeben, als die Kriminalpolizei ihn festnahm. Die Uhren und Schmucksachen machten ihm, wie er sagt, viel Kopfzerbrechen. Lange Zeit dachte er daran, sie von einem Orte aus wieder nach Berlin zu schicken, ohne zu einem klaren Bild zu kommen, wie er das anfangen könne. Nach langem Zaudern entschloß er sich endlich, sich mit dem Althändler in Dresden in Verbindung zu setzen. Trenkler wird heute vom Erkemumgsdienst photographiert werden. Mit Hilfe des Bildes soll versucht werden, festzustellen, ob er nicht schon früher in Berlin gewesen ist, und etwa Einbrüche und Dieb- stähle verübt hat. Die geraubten Sachen werden zur Förderung der Untersuchung von Zittau nach Verlin gebracht werden. Der Ricsenschwindel im Znckcrhandel, über den wir wiederholt berichteten, hat nach den weiteren Aufdeckungen durch die fort- laufende Untersuchung einen noch größeren Umfang gehabt, als man bisher annahm. Immer neue Geschädigte sind ermittelt worden, aber auch jetzt sind ohne Zweifel noch lange nicht alle be- kannt. Diejenigen, die noch keine Anzeige gemacht haben, werden dringend ersucht, sich bei der Gerichtsschrciberei des Untersuchungs- richtcrs beim Landgericht I, Turmstr. 01, Zimmer 238, zu den Aktenzeichen 23.). 1279. 11 mündlich oder schriftlich zu melden. Die Durchsuchungen und Sichtungen des beschlagnahmten Materials_ haben noch eine Vollmacht zutage gefördert, die den Helfershelfer des Verhafteten Ohland, den Agenten Otto Schu- mann, der ebenfalls hinter Schloß und Riegel sitzt, ermächtigte, für die„Berliner Zuckcr-Handels-Commandit-Gesellschaft" Gelder in Empfang zu nehmen. Die Vollmacht ist am 1. Juli v. I. aus- gestellt und mit der Unterschrift eines bekannten hiesigen Justiz- rals beglaubigt. Diese Unterschrift hat sich als gefälscht er- wiesen. Ohland und Schumann bchaupen, sie hätten die Vollmackt nur zum Scherz angefertigt, aber keinen Gebrauch davon gemacht. Ein netter Scherz! Warnung an die Hausfrauen. Neuerdings mehren sich wieder die Klagen über das Treiben gewissenloser Reisender, die den HauS» fraven sogenannte GaSspaier verkaufen. Diese Apparake. die an- qcblich durch Regulierung des Gasdruckes den Verbrauch an Gas herabsetzen, ohne die Helligkeit des Lichtes oder die Hitze der Kocherflamme zu mindern, sind jedoch nichts lveiter als einfache ilicgulier-Düsen oder Schlauchzwischenstücke mit einem Drossel- ventilche», und der materielle Wert der angeblichen Gassparer beträgt höchstens 70 Pf. Die Käufer der Apparate, fast ausschlietz- lich Frauen, müssen jedoch stets den drei- bis vierfachen Preis der Herstellungskosten bezahlen, ohne daß der gewünschte Zweck erreicht Ivrrd. ES kann daher nicht dringend genug davor gewarnt werden, derartige wertlose Apparate zu kaufen und die Hausfrauen täten gut, den Reisenden, die vielfach vorgeben, im Auftrage der Gas- anstatt zu kommen, energisch die Tür zu weisen. In neuerer Zeit haben auch die verschiedensten Gerichte, um den Unfug, der mit dem Verkauf des sogenannten Gassparers betrieben wird, ent- gegenzutreten, empfindliche Strafen gegen betrügerische Reisende verhängt. So wurde in Hamburg ein Reisender zu 4 Monaten, ein anderer in Breslau zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Vermißt wird seit Sonntag früh die elfjährige Tochter. El friede des Kaufmanns R. Brock in Lichtenberg, Dosse- straße 15. Dieselbe war zu einer Besorgung fortgeschickt und ist seitdem nicht zurückgekehrt. Sie ist etwa 1,35 Meter groß und war mit einem blauen Kleide, graubraunen Paletot und rotbrauner Mütze bekleidet, trägt Segeltuchschuhe und hat braune Augen, langes dunkles Haar in zwei Zöpfen sowie einen Ohrring mit zwei roten Korallen. Alle, welche über die Verschwundene Aus- tunft geben können, werden gebeten, sich an das nächste Polizei- ibureau zu wenden oder den Eltern direkt Mitteilung zu machen. Vorort- P�acK richten. Tharlottenburg. Ein entsetzliches Vrandnnglück ereignete sich am Montagabend in der Sesenheimer Straße ö in der Wohnung des 31jährigen Arbeiters Wilhelm Rochelmeyer. R., der bei der Firma Siemens u. Schlickert am Nonnendamm beschäftigt ist, war am Montagabend nach der Rückkehr von der Abeitsstelle mit dem Reinigen seines Anzuges be- schäftigt. Obwohl er dazu Benzin verwandte, stellte er sich in der Nähe des Küchenfensters, auf dem eine brennende Lampe stand. Plötzlich fingen die Gardinen Fener, ohne daß der Arbeiter etwas davon merkte. Die Flammen griffen weiter um sich und schlugen schließlich infolge der sich entwickelnden Benzindänipfe auf den Arbeiter über. Im?!u stand R. in seinen mit Benzin getränkten Kleidern in hellen Flammen. Hilferufend eilte der Bedauernswerte aus dem dritten Stockwerk auf den Hof hinab, wo er besinnungslos zu Boden sank. Bon Hausbewohnern wurden die Flammen durch Aufgießen von Master gelöscht und der Verunglückte nach dem Krankenhause Westend gebracht. Rochelmeyer hatte sehr schwere Brandwunden am ganzen Körper, namentlich im Gesicht, Hals, Brust und am Rücken erlitten. Die Lehrstellenvermittelung des städtischen Arbeitsnachweises ist in Verbindung mit der Schule und den Organen der Jugend- fürsorge neu organisiert worden. Bei sämtlichen Knaben, die eine Lehrstelle annehmen wollen, wird die körperliche und geistige Eig- nung festgestellt. Lehrmeister, die zu Ostern 1912 noch Lehrlinge einstellen wollen, können ihre Gesuche an die Geschäftsstelle, Berliner Straße 81, einsenden. Die Vermittelung ist kostenlos. Zum Unterricht in der Herstellung gesundheitlich und Wirtschaft- lich zweckmäßiger Nahrungsmittel hat der Magistrat von Char- lottenburg bekanntlich unentgeltliche Kochkurse veranstaltet. Die Kurse werden sehr gut besucht, besonders auch aus den Kreisen der minderbemittelten Bevölkerung. Die ersten sechs Kurse, die am 1. Februar begonnen haben und bis zum 13. März dauern, sind bis auf einen, der in der Schule Kastanienallee stattfindet, vollbesetzt. Die Teilnebmerinnen bringen dem Unterricht großes Interesse entgegen und auch die Proben der für die gekochten Gerichte ver- wendeten Rohstoffe werden zum Selbstkostenpreise gern abgenommen. Am Schlüsse deS Kursus erhalten die Teilnehmerinnen unentgeltlich ein Buch mit Kochrezepten. Die nächsten Kurse, in denen neben anderen Gerichten auch Seefische gekocht werden, sollen am 11. April beginnen. Die Teilnehmerkarten für diese Kurse können schon jetzt im Rathause, Zimmer 24, unentgeltlich in Empfang genommen werden. Schöneberg. Ein Meerwimder in Schöncbeig. In der städtische» Fischhalle Schöneberg, Feurig st r. 4 ist ein großes Meer- Wunder eingetroffen und liegt dort zur Ansicht aus. Es ist ein zirka 1>/z Meter breiter und 2Vz Meter langer Seerochen, der das stattliche Gewicht" von 1 Zentner aufzuweisen hat. Die Besichtigung dieses eigentümlichen FischeS, der die Gestalt eines großen Schmetterling? hat, ist frei. Tempelhof. Der Voranschlag der Gemeinde für das Jahr 1912 setzt sich in den Hauptkapiteln wie folgt zusammen: Einnahme: AmtSverlvaltung 19720 M.(Baugebühren 5000 M. mehr), Grundvermögen 25 790 M., FriedhofSverwaltung 3650 M., Volksschulen 35 787,-50 M., Armen« Verwaltung 750 M., Gemeindeverwaltung 18 750 M., Benutzung der Gemeindeslraßen 30 542,72 M.(20 000 M. Bruttoeinnahme der Vorortselektrizitätswerle), Kanalisation 114 900 M.(29 900 M. mehr), Straßeureinizung 25 000 M., indirekte Gemeindesteuer 194 100 M. (45 600 M. mehr), davon Lustbarkeitssteuer 3100 M., Hundesteuer 13000 M.(2000 M. mehr), Umsatzsteuer 117 000 M.(42000 M. mehr). Biersteuer 21 000 M.(1600 M. mehr) und Anteil an der ReichSzuwachs- fteuer 40 000 M., Genieindeeinkommensteuer 340 000 M., Geworbesteuer 85 000 M.. Gnmdwcrtstcuer 410 000 M.. BerriebSsteuer 1000 M.. Zinsen aus Kapitalien 21239,80 M.(Kapitalien: 375 768,23 M.).— Die Ausgaben betrage»: Kreissteuer 186 900 M.. Verwaltung 212 572,50 M.. Volksschule» 246 328,97 M.. Höhere Schulen 144 574,55 Mark, Beleuchtung, Bau und Unterball der Straßen und Plätze 95 908,53 M.. Bedürfnisanstalten 2312 M.. Straßenreinigung 74 500 Maxk, Gärtnerei 19 423 M., Grundstücke 22 190 M., Feuerlöschwesen 7290 M.. Verzinsung und Tilgung der Schulden 148 336 M.(die Gesamtschulden belaufen sich auf 4 677 476,24 M.), Friedhofs- Verwaltung 4450 M., Armenverwaltung 36 100 M., Kanalisation 114 900 M.(darunter 28 000 M. für die Förderung der Abwässer. die bisher gebührenfrei war), Anschlagwcsen 350 M., Wohl- fahrtseinrichtungen 5100 M., Insgemein 5759,45 M. Der Boranschlag des Ordinariums balanziert mit 1 327 000 M.— Die außerordentlichen Einnahmen setzen sich aus folgenden Posten zusammen: Einmaliger Beitrag zu den Kosten der Kanalisation 25 000 M.. von der Feldakriengesellschaft 1000 000 M., Bau der Kanalisation und sonstige Beiträge 1 006 000 M., Darlehn zur Rückzahlung einer Hypothek 30 000 M. Unter den Ausgaben für 1912 befinden sich folgende Posten: erste Rate für den Ausbau des Rieselfeldes in Telz 528 000 M,(Ankauf, Etat 1911: 988 612 M.), Neu- und Umbau der Pumpstation 330 000 M.(Etat 1911: Bau der Druckrohrleitung 998 880.10 M.). Abfiudungsgelder(Druckrohr) 100 000 M., Geyälter, Miete, Steuerbeträge 48 000 M.— 20000 M. für den Ratbauswettbewerb werden später durch eine für den Rat- Hausbau aufzunehmende Anleihe gedeckt werden. Boxhagen- Ruuimelsburg. Die Gemeindevertrrterwahlen, welche für die dritte Klasse das erstemal an einem Sonntage und zwar am 10. März von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 6 Uhr und für die zweite Klasse am Mon- tag. den 11. März, von 10 Uhr vormittags bis abends 8 Uhr statt- find-'., sind diesmal von ganz besonderer Bedeutung. Einmal sind es die letzten Wahlen, die Rummelsburg als selbständige Gemeinde vollzieht, anderseits gelten die NeiigewäHlten bei dem Zusammenschluß mit Lichtenberg gleichzeitig als Stadtverordnete. Ferner kommt in Betracht, daß die Rummelsburger Gemeindevertretung nach dem BereinigungSbertrag mit der Stadt Lichtenberg berechtigt ist— für das vereinigte Groß- Lichtenberg selbst vier un- besoldete Stadträte(Magistratsmitglieder) auf die Dauer von sechs Jahren zu wählen. Da von 24 Gemeindevertretern für 9 Vertreter Neuwahlen stattfinden, so sind natürlich die Resultate dieser Neu Wahlen von nicht zu unterschätzendem Einfluß für die Wahl der vier Stadträte. Der Hauptwahlkampf wird sich in der zweiten Klasse abspielen, denn hier arbeitet der Bürgerverein mit Hochdruck, um au? eigener Kraft die Grundbesitzervertreler abzuhalftern. Aber auch unsere Parteigenossen werden diesmal die zweite Wählerklasse, be- sonders aber den Boxhagener Bezirk tüchtig bearbeiten und ist dann auch auf einen guten Erfolg für unsere Partei zu hoffen. War bisher die zweite Wählerklosse aus- schließlich eine uneinnehmbare Domäne der Grundbesitzerpartei, die ohne große Mühe ihre Kandidaten durchbrachte, so werden aber aller Voraussicht die diesmaligen Wahlen in der zweiten Klasse ein ganz anderes Bild als wie in den Vorjahren zeigen—, da durch den Einspruch unserer Gemeindevertreter die diesjährige Gemeinde- Wählerliste auf anderer Grundlage als wie in den Vorjahren auf- gestellt worden ist. Wurde bisher bei der Aufstellung der Gemeinde- Wählerliste(ebenso wie bisher in Rixdorf) nur derjenige Wähler der zweiten Klasse zugeteilt, dessen Sieuerbetrag den Durchschnitt der auf den einzelnen Wähler entfallenden Steuerbeträge übersteigt, so sind in der diesjährigen Wählerliste alle diejenigen Wähler in die zweite Klasse eingereiht worden, deren Steuersatz noch in das zweite Drittel der Gesamtsttmme der Steuern fällt. Wie einschneidend die Aenderung wirkt, kann man daraus ersehen, daß bei der diesmal aiigewaiidten Drittelimg die Wählerliste in der zweiten Klasse 1429 Wähler auf- weist— wohingegen nach dem bisher angewandten Durchschnitts- Prinzip nur 1187 Wähler zur zweiten Klasse wählen würden. Die dritte Wahlklaffe zählt 9800 Wahler und die erste Klaffe 60 Wähler. Zur Aufstellung der Kandidaten findet heute, Donnerstag, abends 8 Uhr, im..Cafs Bellcvue, eine öffentliche Genieindewähler- Versammlung mit Frauen statt, in welcher die sozialdemokratischen Gemeindevertteter über ihre Tätigkeit Bericht erstallen werden, auch wird über die Verschmelzung mit der Stadt Lichtenberg debattiert. In Anbetracht der Wichligkeil der diesmaligen Wahlen wird erwartet, daß die Parteigenossen vollzählig erscheinen. Weistensee. Ihr zehntes Stiftungsfest feiert die hiesige Ortsgruppe deS Arbeiter-Radfahrer-Bundes Solidarität am kommenden Sonnabend, den 24. Februar, im Schloß Weißensee(Ball champslre). Da der Verein für ein gutes Arrangement Sorge getragen hat und sich zur Mitwirkung bei Parteifestlichkeiten zur Verfügung stellt, werden die Genoffen um Unterstützung des Festes ersucht. Reinickendorf. Ein schwerer Unglücksfall, der durch leichtfertiges Hantieren einer Schußwaffe herbeigeführt wurde, ereignete sich vorgestern in dem Hause Scharnweberstr. 123. Der dort wohnhafte Schloffer Berner hatte den Besuch seines 21jährigen Vetters Ecnst B. aus Nowawes erhalten, dem er den Mechanismus einer ungeladenen Browning- Pistole erklärte. Während der Vetter dann auf einige Zeit das Zimmer verließ, lud der Schloffer die Waffe und legte sie dann aus das Vertiko. Als Ernst B. wieder ins Zimmer trat, machte er sich, da er die Waffe ja ungeladen glaubte, nochmals an der Pistole zu schaffen. Ehe ihn sein Vetter warnen kounte, war er dein Hahn zu nahe gekommen, der Browning entlud sich und die Kugel drang dem jungen Mann in den Unterleib. In schwer verletztem Zustande wurde der Verunglückte nach dem Paul-Gerhardt-Stift übergeführt. Potsdam. Beim Aufspringen auf einen fahrende» Sttaßenbahnwagen der U-Linie hat sich vorgestern Nacht der Dachdeckergeselle Seift. Junker- straße 59 wohnhaft, schwere Verletzungen zugezogen. Bei dem Ver- such, auf einen fahrenden Wagen aufzuspringen, verfehlte S. das Trittbrett, wurde zurückgeschleudert und erlitt eine schwere Kopf- Verletzung. Der Verunglückte mußte nach dem städtischen Kranleu- Hause gebracht werden._ Hus aller Alelt. Hrbeiter und Gentleman. Gelegentlich des ersten Debüts unseres Genoffen Scheide- mann als Reichstagspräsident erzählte die Zentrumspreffe Wunder- dinge von diesem„eleganten" Präsidenten. Einen«Bourgeois auf dem Präsidentenstuhl" hätte man da gesehen: „Wir sahen an dieser Stelle schon den reichen Grafen Balleftrem, den nicht arme» Grafen Stolberg, den aus seiner Pferdezucht viel Geld ziehenden Grafen Schwerin, den Bankier Büsing, das vielfache AussichtSratSmitglied Paaschs, den ungemein reichen Grundstückspekulanten Kaempf; sie alle waren ordentlich ge- kleidet. Aber sie alle hat ausgestochen der„Vertreter aller Proletarier", Herr S ch e i d e m a n n. Wie Herr S ü d e l u m der eleganteste Schriftführer am Tage der Reichstagseröffnung war, Herr Scheidemann, der sich auf vier Wochen im Glänze des Vize- Präsidenten sonnen darf, ist und bleibt der elegante st e aller Präsidenten, die je der Reichstag haben wird. Man könnte nur wünschen, daß alle die vier Millionen Wähler, die am 12. Ja- nuar rot gestimmt haben, diesen„Vertreter der armen Leute" ge- sehen hätten; das würde vielen die Augen geöffnet haben. Doch wird man von dieser Eleganz nicht überrascht sein, wenn man sich fragt, wer sind denn jene, die dieses parlamentarische Gigerl auf den Präsidentenseffel gesetzt haben? Es ist die internationale Kapitalistenwelt: die Fortschrittler, drei Viertel der National» liberalen. Sie sind die Heloten dieses eleganten Präsidenten." Der Hanswurst, der diesen Klischeeartikel verbrach, scheint nun doch auch den geduldigen Zentrumsarbeitern etwas zu dick ans« getragen zu haben, viele von ihnen wissen ja aus Erfahrung, daß ein Becker an Aufgeblasenheit und ein GieSberts. wenn er will, an Eleganz kaum zu übertreffen fein dürften. Die„Trcmonia" in Dortmund hatte von Scheidemanu geschrieben, er mache incht den Eindruck eines aus dem Arbeiterstande hervorgegangenen Mannes, sondern eines vollendeten Gentlemans, nicht nur in der Kleidung, sondern auch in Haltung und Geste. Ob diese Gegenüberstellung von Arbeiter und Gentleman nun bei Lesern der. Trcmonia" verschnupft hat,— kurz, das Blatt bringt am 13. Februar 1912 eine„tiefgründige" Untersuchung über daS Verhältnis zwischen Arbeiter und Gentleman, die zu dem Ergebnis kommt, daß nicht der Geldsack oder das AdelSdiplom den Gentleman mache, sondern die p e r s ö n- lichen Eigenschaften. Nicht nur könne aus dem Arbeiter- stand ein Gentlenian hervorgehen, sondern der Arbeiter könne auch ein wirklicher Gentleman sein. Für Dutzende ZentrumSblätter war also, wie da? oben mit- geteilte Zitat zeigt, unser Genosse Scheidemanu ein Erzhcuchler, der durch sein Austreten seine proletarische Abkunft und Gesinnung Lügen strafte, für den„Tcemonia'gelehrten war er ein wirklicher, wahrer Gentleman, der Mann, dem im selben Atemzuge seine historische Reminiszenz über Wortbruch und Hohenzollerntum als fürchterliches Verbrechen angekreidet wurde. Mal links, mal rechts, wie's gerade paßt! Das Seinebabel. Lustig gelebt und selig gestorben! scheint am FasinachtdienStag die Parole der Pariser gewesen zusein. Während des FastnachtS- treibens auf den Straßen wurden wegen Unfugs 970 Personen festgenommen und etwa 60 wegen des Besitzes verbotener Waffen oder wegen anderer Vergehen in Hast behalten. Im Polizeikommiffariat der Rue Thorel schnitten die Verhafteten die GaSröhren durch, so daß der GaSmeffer abgesperrt werden mußte, damit eine Explosion vermieden werde. Der Leiter des PolizeiamtcS sah sich schließlich genötigt, die Verhafteten, etwa 250 an der Zahl, sofort frei zu lassen. i Beraubung eines amerikanischen ExpreftzngeS. Ein maskierter Bandit bestieg am Montagabend im Allighanh- gebirge in der Nähe von Piedmont in Westvirginien den St. Louis- Expreß. Er bedrohte den Kondukteur und Schaffner sowie einen schwarzen Bedienten des Pullmanwagens mit dem Revolver und zwang sie, vor ihm herzugehen, um die schlafenden Paffagiere zu wecken. Er forderte sodann von den erschreckten aus dem Schlafs gestörten Reisenden die Wertsachen, die ihm auch ohne weiteres aus- gehändigt wurden. Silberne und goldene Uhren und andere Wertgegenstände fielen dem Räuber in die Hände. Sobald sich ein Passagier weigerte, ihm seine Wertgcgenstände auszuliefern, schoß er in die Decke des Wagens, um die Passagiere einzuschüchtern. Sechzehn Reisende wurden von dem Banditen ausgeraubt. Mir dem Revolver in der Hand zog sich der Maskierte in den hinterm Wagen zurück und verschwand bald darauf in der Dunkelheit. Kleine Notizen. Soldatcnselbstmord. Ein während der Fasinachtstage in T r i e r zu Besuch weilender Kanonier vom 8. Artillerie-Regiment hatte die Absicht, zu desertieren. Als er in einer Wirtschaft, wahrscheinlich um sich Geldmittel zur Flucht zu verschaffen, seinen Mantel verkaufen wollte, wurde seine Absicht verraten. Er sollte daher� verhaftet werden. Auf der Flucht sprang er in voller Uniform in die Mosel und konnte nur als L e i Ä e geborgen werden. Ermordung einer Bürgcrmcistersfrau. In Ellerstadt(Pfalz) drang der 47 jährige Schuhmacher Martin Weilbrenner am Dienstagnachmitlag nach dem Besuch eines Wirtshauses in das Haus des Bürgermeisters Mein Hardt und verlangte ein Obdach. Der Bürgermeister wies Weilbrenner zum W achtlokal, dieser war aber damit nicht zufrieden und eS entspann sich ein Wort- Wechsel, in dessen Verlaufe Weilbrenner der Frau Meinhardt einen D o l ch st i ch versetzte, der die Schlagader traf. Die Frau st a r b bald darauf, der Täter flüchtete, wurde aber in Lambsheim verhaftet. Tmineldurchstich. Vor etwa vier Jahren wurde der Bau der letzten Strecke der I u n g f r a u b a h n in Angriff genommen. Die ganze Strecke mußte in Form eines Tunnels durch da« Urgestein des Berges geführt werden. Gestern morgen gegen 6 Uhr erfolgte der Durchschlag des Tunnels bei der künftigen Station Jungfraujoch, die 3457 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Eiu Ricseubrand. In Houston(Texas) brach am Mittwoch ein Großfeuer aus, das sich auf eine Fläche vvn einer Meile Länge und einer Breite von sieben Häuserblocks aus« dehnte. Viele Wohnhäuser, Fabriken und Kirchen fielen dem Brande zum Opfer. Unter anderem wurden auch 50 000—60 000 Ballen Baumwolle vom Feuer verzehrt. Gegen tausend Per- sonen sind obdachlos. Der Schaden wird auf fünf Millonen Dollar geschätzt._ Bncfliarten der Redaktion. Tie lurlstttche eprntiftunbt ftnbc« Linden straße 69, vorn vier Trepve» — Fahrstuhl—, wochrntSgli» von«th bis 7H Uhr abends, Sonnadends, von 4■..j bis 6 Uhr abends flau. Jrdrr für den vricflnften dcfttinmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mcrijeichen dctzufhqrn. Brtestlche Antwort wirb nich» crlcilt. Anfragen, dcnrn leine Abonnementsgutttung beigefügt tf«, werden nicht beantwortet. EUige Fragen trage«an in der Sprechstunde vor. K. 77. Anwesenheit nicht notwendig.— Bohnstedt. 1. Siehe Adreß- buch, II. Teil.„Vereine-. L. Die Klage, die durch einen Rechtsanwalt zu erheben ist, fall» nicht etwa länger als sechs Monate nach Entscheidung den Verwaltungsbehörde verstriche» sind.(§ 2 des Preusiischen Geseres vom 24. Mai 1861.)— Seehafer. Rum melsburg. Falls Unterstütz, mgs» bedürstiglcit zu erwarten ist, können von der Gemeinde Schwierigkeiten gemacht werden. Anspruch ans Invalidenrente besteht, wenn die Wartezeit von mindestens 200 Beitragswochen erfüllt ist und Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliegt.— St. W. 17. Dazu find Sie verpflichtet.— Nr. 1989. 1. Ja. 2. Nein. Zur Herausgabe sind Sie jedoch verpflichtet. , liegt Verjährung vor.— 100 8. 81. >iark. 2. Bei Jahresmiete von mehr 2800. Sie find auch nach erfolgter Wiederverheiratung alimeiilationspslichlig. Die von der zweiten Frau eingebrachten Wirtschastssachen hasten nicht. Zu sagen, aus welche Weise Sie Ihrer Zuhlungspslicht„vorbeugen" können, lehnen wir ab.— Klara 30. 1. und 2. Unbekannt. 3. Falls die Töchter In günstigen Ein» kommens- oder VennögenSverhältnissen leben, sind auch sie unterttützungS« pflichtig. DaS Einkommen oder Vermögen der Schwiegersöhne bleibt auger Bettacht.- Vielfrager. Köp. 1. Ja. 2. 10. Februar>34? zu Milan im Staate Obio. Mechaniker. 3. Prinz Handjery. Zubeil lest 1893. — Walter Slyutz. So allgemein nicht zu beantworten.— A. B. 1« In Berlin erhalten Sie Auskunst bei der städtischen Slistungsdeputation. In Ebarlottenburg besteht ein« Stiftung wie angefragt nicht.— W. W. 300. Spenersche Stiftung. Verwaltung: I. Marchand, Magde- burger Straße U.— Wiclessträste 9. ZellengesängniS.— Rudolf Hofer. Uns ist über die'Ausstellung oder Literatur in angesragter Sache nichts bekannt. Der Name des Schneiders war Dowe.— Ä. Z. 49. Bitte legen Sie die Fragen dem Verein oder der Leitung des Arbeiter- Sängerbundes vor.— England. 1. Blähung. 2. An die königt. Münze, Untcrwasseritraße. 3. Das kommt daraus an, was der Wink wert sein kann. — N. O. 8. 1. Diese Schulen find in der Regel Privatunternehmunge» gewerbsmäßiger Stcllenvermitiler. Wenden Sir sich an den Verein Ber- liner Hausdiener, Alte Leipziger Sttaßc 1. 2. Finden Sie im Adreß. buch.— R. S. 33. Gehen Sie einfach tti eine Annoncenexpedition fMosse) mid bringen Sie dort Ihr Anliegen vor. Solche Blätter erscheinen in jedem Orte._ Marktbericht von Berlin am 29. Februar 1912. nach Ermittelung deS tönigl Polizeipräfidiums. Markthallenpreise.(Zttlcinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36,00—50,00. Spetsebohnea weiße, 36,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 10,00—15,00, 1 Kilo- »ramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40, Rindfleiich, Bauchfteisch t,30 bis 1,80 Schiocinefleisch 1,30— 1,80, Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,60-3,20. 60 Stück Eier 4,50—7,50. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2,40. Aale 1,20—3,00. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,40—2/ Barsche 0.70-2,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück~ r 4,00—30,00.___ Wittern iigsubersicht vom LI. Februar 1912. E. F. 79. Soweit ersichtliä 1. Für das Kalenderjahr 1 5 als 360 Mark.— Franz Stationen Swlnemde. Hamburg Beristi Franks a M. München Wien Wetter 1 wollig 1 Stiegen 1 bedeckt llwolkig 4|reolfia 2�wollig »85 ä II i? w5> Stationen S-- Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris 768© 768 StM 758 6® 755-3 761 SSW Wetter �wollen! Nebel chwolkig Äwolkig 2bedeckt U wj, -38 —29 10 ä 3 Wetterprognose für Donnerstag, de« 22. Februar 1912. Etwas kubier, zeitweise ausllarcnd, vorwiegend trübe und nebelig mit genügen Niederschlägen und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wettrrbureau. WasserstandS-Nachrtchten der LandeSanflalt für Gewässerkunde, mttgetcilt vom Berliner Wetterburean. Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandaus Rathenow*) Spree, Sprcmbergft . Bceslow Weser, Münden . Minden Rhein, Maximilians«, » Kaub . Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wcrthclm Mosel, Trier ') 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—*) — eisfrei.—') Eisgang. Unterpegel.—•) Eisstanh. Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Zar des Jnjeratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag-Vorwärt» Sttchdruckerei u, Ve clasSanftalt Pcmi Singer ikSo« S&UsSIK,