Kr. 45. HbonnementS'Redtngunstn: Abonnemente. Preis prSnumeranbo: Bierteljährl. 830 SKL, monolL 1,10 TOf., wöchentlich 28 Pfg, frei inS HauS. Einzelne Nummer S Pfg, SomitagS- »ummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Zlbonnemcnt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Unoarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnemeMS nehmen am Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. nänien, Schweden und die Schweiz. 559. Jahrg. »eile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VerfammiungS-Anzeigen 80 Pfg. vlchllit lZgstch außer tOontagt. Verlinev VolKsblerkk. Die TnfertlenS'Gebfllir KetrSgt für die fechSgefpaltene Kolonel- »eile oder dei"--------- politische und und Bersamm „Mein« Anreizen", däS'fettgedruckt Wort 20 Pfg.(jutäffig 2settgediuSte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werdem Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adreff« „Sulaldtoslirat Rerlia" Zcntratorgan der rozialdemokratifchen Parte» Deutfchlands. Redahtion» SRI. 68, Lindenstrase« 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Freitag, den Februar 19 CxpediridAk SM. 68, Idndenstraeoe 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. ■» würben aber die Nationalliberalen wirklich sich zu den Toten» g r ä b e r n einer freiheitlichen Entwicklung im Reich, für die beute die Vorbedingungen gegeben sind, herabwürdigen. Für ein derartiges Harikiri der nationalliberalen Partei liegt gegenwärtig kein zwingender Grund vor, auch wenn Herr Schiffer so sagt und Herr Bebel so." Dabei läßt der rechte Flügel der Nationalliberalen gar keinen Zweifel darüber, daß für ihn die Präsidentenwahl nur .ein V o r p o st e n g e f e ch t ist, dem die entscheidende Schlacht erst folgen wird. So erklären die„Hamb. Nachr.", daß sie sich auch mit einer künftigen Niederstimmung Scheidemanns durch die Nationalliberalen noch lange nicht zufrieden geben würden. Sie meinen: „Indes können wir nicht auf die Ansicht verzichten, daß da» . mit die K r i s i s in der nationalliberaleu Partei in keiner Weise aus der Welt geschafft wird. Sie ist zwar durch die Vorgänge bei der Präsidentenwahl akut geworden, aber sie bestand schon vorher und unabhängig von derselben. Sie wurde hervorgerufen durch den unter Führung des Herrn Bassermann erfolgten Abmarsch der Fraktion nach links hin und durch die von ihm bewirkt« Wahlgemeinschaft der Partei mit den demokratischen und sozialistischen Elementen der äußersten Linken. Diese Bor- gänge sind nichi dadurch ungeschehen zu machen, daß jetzt die- jenigen Elemente der nationalliberalen Partei, die für Herrn Scheidemann geslimmt haben, sich für die nächste Präsidentenwahl eines Besseren besinnen und den Sozialisten nicht wieder wählen, weil er nicht zu Hofe gehen will. Schon weil die mißverstandene Zusage von sozialdemokratischer Seite, die höfischen Pflichten zu erfüllen, von den Nationalliberalen überhaupt nicht als aus- reichender Grund hätte betrachtet werden dürfen, einen roten Vizepräsidenten zu wählen, Selbst wenn dieser wirklich aus taktischen Gründen höfische Pflichten hätte übernehmen wollen, blieb er immerhin ein Sozialdemokrat, also ein Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft. Für einen solchen zu stimmen aber ist, wie wir schon gestern sagten, niemandem erlaubt, der sich selbst zur bürgerlichen Gesellschaft rechnet und politisches Ehr- gefühl besitzt. Auch hat' die nationalliberale Partei doch nicht bloß für Herrn Scheidemann gestimmt, weil sie des Glau- benS war, daß er zu Hofe gehen werde, sondern auch für Herrn Bebel, noch dazu als Präsidenten deS Reichstages, obwohl sie von diesem doch ganz genau wußte, daß er sich jeder monarchischen Verpflichtung entziehen werde. Unter diesen Umständen ist die nationalliberale Fraktion deS Reichstages nicht von der Schuld reinzuwaschen, durch ihre ganze Haltung vor und bei der Prä- sidentenwahl aufs gröblich st e gegen die Pflichten einer nationalen, staatserhaltenden Partei verstoßen und die großen ruhmreichen Traditionen der Na- tionalliberalen aufs schwerste verletzt zu haben, In Erwägung alles dessen können wir, wie gesagt, nicht zu- geben, daß durch die gestern erfolgte Aufklärung über die Per. Handlungen zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokraten das Schuldkonto der erfteren irgendwie reduziert worden ist. Die nationalliberale Reichstagsmehrheit hat jedes politische Vertrauen verwirkt und kann es nicht dadurch wiedergewinnen, daß sie bei der nächsten Reichstagswahl notgedrungen antisozialistisch stimmt. Das verscherzte Vertrauen kann die Partei nur wiedererlangen, wenn sie sich gänzlich von Bassermann und dessen Einflüssen los- sagt und. reumütig zu den alten Prinzipien zurückkehrt. Dazu ist natürlich keine Aussicht vorhanden und deshalb muß es zu der„reinlichen Scheidung der Geister" kommen, die wir in der letzten Zeit immer wieder als unerläßlich bezeichnet haben, wenn die Zukunft der Partei ge- rettet werden soll. Es ist unseres Erachtens unzulässig, die Redensart vom Bau der goldenen Brücke über die nächste Prä- sidentenwahl hinaus dahin zu verstehen, daß Herrn Basser- mann und dessen Anhang die Möglichkeit geboten werden soll, in ihre alte Stellung wieder einzurücken. Diese ist ein für allemal verwirkt und kann nicht wiedergewonnen werden, ohne daß die nationalliberale Partei sich dem Vorwurfe unent- schuldbarer Vertrauensseligkeit,, wenn nicht Schlimmerem, aus- setzt. Die Scheidung in der nationalliberalen Partei darf durch die gestrige Aufklärung nicht verhindert werden," Dieselbe Stellung nehmen die Konservativen und Klerikalen ein. Auch sie verlangen völlige Unter- w e r f u n g, Verzicht auf jede selbständige Politik und vor allem die Beseitigung Bassermanns. Und dazu soll ihnen Herr Schiffer und seine Gefolgschaft verhelfen. Und sie alle sind energische Leute, die wissen, was sie wollen, während die armen Leutchen um Bassermann ängstlich schwanken, von einer Uncntschlossenheit in die andere fallen, bis sie schließlich taumelnd zu Boden stürzen werden und auf ihren Nacken der triumphierende Junker wieder seinen harten Stiefel setzen wird._ Die Eröffnung der Italienlichen Kammer. Rom, den 20. Februar. Wenn diese Zeilen in Druck gehen, hat die italienische Kammer bereits ihre Arbeiten wieder aufgenommen, und zwar wird diese Aufnahme ganz und gar im Zeichen des Hurrapatriotismus stehen. An Stelle der üblichen Mitteilungen der Regierung tritt diesmal einfach die Vorlegung des AnnektionSdekrets von Tripolitanien und der Cyrcnaika, das die Kammer zum Gesetz erheben soll. Die bürgerliche Opposition hat bekannt- gegeben, daß sie aus Patriotismus schweigen werde, und die Parla. mentsmehrheit hat auch ein Gerücht in Umlauf gesetzt, das den Der sozialdemokratische Vizepräsident in Oesterreich. • Aus Wien wird uns vom 21. Februar geschrieben: Angesichts der erstaunlichen Haltung, die den Parteien des Reichstages und dem Reichskanzler in Sachen der höfischen Verpflichtungen des sozialdemokratischen Vizepräsidenten be- liebt, wird es für die deutsche Oeffentlichkeit vielleicht von Wert sein, über die entsprechende„Frage" und ihren Verlauf in Oesterreich unterrichtet zu werden. Denn auch Oesterreich ist ein monarchischer Staat und was sich hier, ohne daß die Welt eingestürzt wäre, als ganz selbstverständlich eingebürgert hat, wird wohl im Deutschen Reiche kein Attentat auf die ge- heiligte Ordnung sein. Wie man sich erinnert, ist Genosse Peru er st orfer zum Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt worden. Bis zu dieser Wahl bestand das Präsidium des österreichischen Abgeordnetenhauses, ebenso wie des Reichstages, aus einem Präsidenten und zwei Vizepräsidenten, welche drei Stellen, wenngleich nicht ausnahmslos, so doch in der Regel auf die drei großen Nationen in Oesterreich(Deutsche, Polen, Tschechen) verteilt wurden. Als nun die Sozialdemokraten im Jahre 1907 den großen Wahlsieg erkämpft hatten und 87 Mann hoch, als zweitgrößte Fraktion, ins Haus einrückten, erhoben sie den Anspruch auf eine Vizepräsidentenstelle: bei Willfahrung ihrer Forderung wäre nun jene ursprüngliche Verteilung, da sie einen internationalen Verband repräsen- tierten, gestört worden. Aber ihr Anspruch ist allgemein als durchaus berechtigt erkannt worden und um ihn die Erfüllung zu ermöglichen, wurde eben dieVermehrungderVize- Präsiden t e n stellen beschlossen und die in jeder Hin- ficht sinnlose Hierarchie der Vizepräsidenten beseitigt; es gibt nun im Oesterreichischen Abgeordnetenhause keinen ersten und zweiten(usw.) Vizepräsidenten, sondern sie sind alle Stellvcr- treter des Präsidenten in gleichem Range, was in der Geschäftsordnung folgendermaßen ausgedrückt wird:„Ter Präsident vereinbart mit den Vizepräsidenten die Reihenfolge der Vertretung im Falle seiner Verhinderung und ordnet den Wechsel im Vorsitz." Obwohl es nun auch in Oesterreich ein ausnahmsloses Herkommen war, daß sich ein neues Präsidium zur Audienz melde und dem Kaiser vorstelle— welchem Herkommen in Oesterreich eigentlich eine größere Bedeutung zu- kommf als im Deutschen Reiche: weil die Geschäftsordnung ein Mitteilen der geschehenen Wahl an den Kaste: nicht vor- sieht, ihre persönliche Vorstellung, also die einzige Form der Verständigung des Monarchen ist— trotz jenes Herkommens hat sich keine Partei herausgenommen, an die Wahl des Sozialdemokraten irgend welche Bedingungen zu knüpfen, hat die Sozialde- mokratie natürlich keine Verpflichtungen übernommen. Es ist nun richtig, daß Pernerstorfer an der Vorstellung des ersten Präsidiums teilgenommen und mit seinen Kollegen in Audienz beim Kaiser erschienen ist.(Wo- bei zu erwähnen wäre, daß Franz Josef die Situation sehr richtig durchschaute, wie es sich in seiner beglaubigten Be- merkung nach der„Audienz" zeigt:„Herr Pernerstorfer war recht gnädig mit mir.") Man erinnert sich nun weiter, daß dieser Schritt Pernerstorfers, der auf einem mit Majorität ge- faßten Beschlüsse der Fraktion beruhte, in der Partei sehr ge- teilte Aufnahme fand, wenig gebilligt, aber von vielen Seiten und sehr energisch getadelt wurde, obgleich die Umstände, unter denen er sich vollzog— man vergesse nicht, daß es knapp nach der großen Wahlreform war, bei der der alte Kaiser eine sehr anerkennenswerte Haltung angenommen hatte— ihn, wenn auch nicht begründen, so doch begreiflich erscheinen lassen konnten. Wie war nun aber der weitere Verlauf der Frage? Obwohl die Parteien des Abgeordnetenhauses infolge der er- regten Debatten innerhalb unserer Partei, die sich auf dem Reichenberger Parteitag(1909) zu einem förmlichen Beschlüsse verdichteten, nicht im Zweifel sein konnten, daß der sozial- demokratische Vizepräsident fürderhin nicht bereit sein werde, das besagte Herkommen als für sich verbindlich anzu- erkennen, bei der nächsten Aendcrung des Präsidiums fehlen werde, wurde Pernerstorfer auch im nächsten Hause zum Vizepräsidenten glatt gewählt. Und als bei der! Neuwahl nach vier Wochen die Christlichsozialen gegen Pcrner- storfers Wahl eine Intrige anzuzetteln suchten,— keineswegs aus dem Grunde, weil er nicht zu Hof gehen werde, sondern als Demonstration gegen das Tags zuvor verübte „Attentat" des Njegusch auf den Justizminister— fielen sie bei allen Parteien schmählich ab. Denn trotzdem im Oester- reichischen Abgeordnetenhause der Haß gegen die Sozialde- mokratie nicht gering ist, an wütigen Gehäßigkeiten beträcht- liche Teile der Ehristlichsoziolen und der Nationalverbändler gegen die Sozialdemokraten hinter dem. wessen Konservative und Zentrum im Reichstage fähig sind, nicht zurückbleiben werden, drang durch alle Bvrurteile die politische Erkenntnis durch, wie gefährlich es iiir die Arbeit des Parlaments wäre, wenn eine so große, im Volke zu tiefst verankerte Partei, wie eS eben die Sozialdemokratie ist, von der Gleichberechti- g u n g i m P a r l a m e n t e, zu der die Vertretung im Prä-, sidium unzweifelhaft zu rechnen ist, abgeschnitten werden sollte.- Auch bei der zweiten Wahl wurde Pernerstorfer zum Vize- Präsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt. Wie verhielt sich nun der Kaiser, wie verhielt sich die Re- gierung zu der„Frage" der Audienz? Die Sache, aus der man im Reiche ein welterschütterndes Ereignis machen möchte, und an die sich, was jedenfalls kein Zeugnis besonderer Reife der Politik ist, ein ganzes Bündel von Fragen angesetzt hat, verlief in Oesterreich herzlich einfach: Pernerstorfer teilte dem Präsidenten ganz schlicht mit, daß er an dem„Gang zum Hof" nicht teilnehmen könne, und so erschien beim Kaiser das ganze Präsidium eben mit seiner Ausnahme: und damit war die Sache auch schon abgetan. Franz Josef hält selbstverständ- lich auch viel auf sich und von sich, ist ja auch kein Zaunkönig auf dem Balkan, ist, wenn man so sagen will, schließlich der Kaiser einer Großmacht. Aber man hat nichts davon gehört, er sei darob, daß der Sozialdemokrat nicht gekommen ist, außer Fassung geraten. Vielleicht ist dieser alte Kaiser, dem ein langes Regentenleben über den wahren Gehalt der auf- gedonnerten Servilität der sogenannten Patrioten die Augen geöffnet haben wird, sogar fähig, in der Zurückhaltung der Sozialdemokraten eine Ueberzeugung, zu erkennen und zu respektieren: eine Ueberzeugung, die auf dem Grunde einer Weltanschauung beruht, darum aber keine persönliche Krün- kung ist, noch sein will. Aber wie immer der Kaiser das „Ausbleiben" der Sozialdemokraten persönlich beurteilt haben mag— politisch hatte es nicht die geringsten Folgen. Jeder- mann begriff— nicht zuletzt der Monarch— daß zu der (schriftlichen oder mündlichen) Verständigung von der erfolg- ten Wahl im Hause der Volksvertretung nur der P r ä s i- d e n t verpflichtet ist, daß aber das Mitgehen der Vizcpräsi- denten ihre Privatangelegenheit sei, bezüglich derer niemand Vorschriften zu machen habe und niemand Vor- schriften entgegennehmen müsse. So ist es auch in jeglicher Hinsicht geblieben: der sozialdemokratische Vize- Präsident nimmt an höfischen-Deputationen niemals teil und jeder findet das nun als selbstverständ- lich. So erschien gestern bei dem Erzherzog Rainer, der seine diamantene Hochzeit feiert, das Präsidium des Herren- und des Abgeordnetenhauses, um dem Mitgliede des Kaiserhauses zu gratulieren: Pernerstorfer war natürlich nicht dabei. Wo käme man auch hin, wenn man sich als eine„staatsrechtliche Verpflichtung" das Vorstellen und Gratulieren aufschwatzen ließe? Da käme man bald in das Dickicht des Servilismus, wo jede mannhafte Gesinnung untergeht! Es muß weit gekommen sein mit den Parteien des Bürgertums, wenn sie unvermögend werden zu erkennen, daß man einem Vizepräsidenten, der zur Wahl ausschließlich wegen der Größe und Macht seiner Partei gelangt, zu etwas zwingen will, was außerhalb des Rahmens der der- fassungsmäßigen Verpflichtungen liegt, daß darin nicht weniger als die Frage nach den Rechten des Reichstages steckt. Welchen Einfluß hat der Reichstag auf die Zusammensetzung des Bundesrates, auf die Nach-' folgerschaft im königlichen Hause, welche Rechte hat d e n n e r durch ein Herkommen? Keine! Und er sollte gewillt sein, seine eigensten Rechte einem Brauch zu opfern, von dem der Bruch mehr ehrt als die Befolgung? Man kann wirklich neugierig sein, ob der deutsche Reichstag, die Vertretung eines Volkes von 65 Millionen Menschen, in der Frage seines Vor- sitzcs, also in einer Lage, in die keine außen st ehende Gewalt dreinzureden hat, zurücktreten und Wrück- weichen werde vor einem Druck des höfischen Zeremonielles, ob er also unter das Maß von bürgerlicher Tapferkeit sinken will, als sie selbst dem Oesterreichischen Abgeordnetenhause eigen ist._ vorn nationalliberalen Krankenlager. Man kann wirklich nicht behaupten, daß Herr Schiffer mit seinen Winkelzügen der nationalliberalen Partei viel Nutzen gebracht hat. Auf der Rechten höhnt man mit Recht über diesen Prozentpatriotcn, der von seiner„monarchischen Ueberzeugung" so gern bereit war etwas abzulassen, ivenn nur die Sozialdemokratie ebenso nationallibcral gewesen und nur ein ganz kleines Event ualkai serhoch zugestanden hätte. Und auf der bürgerlichen Linken durchschaut man den Herrn, der so gern für einen Schlaukopf gelten möchte, ohne weiteres. So schreibt das„Berliner Tageblatt": „Für die Linke des Reichstags, wenigstens soweit dabei die Fortschrittliche Volkspartei in Betracht kam, hat es genügt und muß es noch heute genügen, daß sich die sozial- � demokratische Fraktion bereit erklärt hat, die verfassungs-� mäßigen Pflichten auch dem Kaiser gegenüber zu über- nehmen. Daran hat sich nichts geändert.... Die Fort-. schrittliche Volkspartei hat bei der ersten Wahl des Reichstags- 1 Präsidiums aus guten Gründen für einen Sozialdemokraten als ersten Vizepräsidenten gestimmt, und sie würde sich selbst des- avouieren, wollte sie bei der Wiederholung der Wahl in vier Wochen anders handeln. Ob die Nationalliberalen auf die schwankende Brücke treten wollen, die Herr Schiffer ihnen nach recht» hinüber gebaut zu haben glaubt, das wissen wir nicht und müssen ihnen die Verantwortung für einen solchen Schritt überlassen. Aber sie sollten sich sagen, daß sie sich da- mit sogleich wieder in die Hörigkeit der Rechten be- geben würden, die ihnen vor drei Jahren in unschöner Form das Blockverhältnis aufgekündigt hat. Die Möglichkekt haben sie dazu bei der Zusammensetzung des neuen Mchstags. Zugleich. sozialistischen und republikanischen Rednern die Tchwelgetaktik entpfiehlr ES heigt, die bürgerliche DÄchrheit würde Mittel finden. um den Alycordneten Turati am Reden zu verhindern! aber diese Drohung ist kaum ernst zu nehmen. Wahrscheinlich ist Giolitti selbst klug genug, um Radau�zepen zu verhüten, die kein anderes Endresultat haben könnten als Jvts, die Zahl der sozialisti. sehen Redner zu vermehren. Auf alle Falle beginnt die Diskussion de» Dekrets erst am Freitag. Tic ministeriellen Blätter rechnen darauf, sie spätestens am Sonntag durch namentliche Abstimmung zu Ende zu bringen. Rein parlamentarisch gesprochen hat diese Diskussion geringes Interesse. Die Mehrheit wind in patriotische Krämpfe verfallen und die Stimmen der Opposition werden sicher nur im Lande, aber nicht in der Kammer eine» Nachhall finden. Für. die Iinke"Fraktion der Sozialisten wird Genoffe Turati. für die rechte Voraussicht lich Genosse Bifsolati das Wart nehmen. Der ausserhalb der Parlamentsfraktion stehende Sozialist Ettore Ciccotti findet sich ebenfalls auf der Rednerliste. Für die Republikaner wird der Abgeordnete Chiesa gegen und Barzilai sür den Krieg sprechen. � Bei den Republikanern setzt die Scheidung in zwei Flügel schon früher ein als bei den Sozialisten. Die sozialistische Fraktion ist geschloffen gegen den Krieg, obgleich Turati seine Kritik wesentlich anders begründen wird als Bissolati die feine. Tie Differenz in der Parteifraktion beginnt erst, wo es sich um die Stellung gegenüber dem Mini.steoium handelt. Ter linke Flügel. in dem augenblicklich Linksreformisten im Einvermhmen mit den beiden im«iistgenten Abgeordneten vorgehen, bekämpft das Mini stcrium: d« Turatianer. weil sie es für den Krieg verantwortlich machen, die Jntransigenten, auf Grund ihrer prinzipiellen Stellung; der rechte Flügel dagegen begnügt sich damit, sich gegen den Krieg zu wenden, will aber das Ministerium schonen, das für den Krieg verantwortlich ist. Die Bissolatianer sind noch immer unter der Hypnose des Vcrficherungsmonopols und der Wahlrechtserweiterung und sind fest entschlossen, das Ministerium Giolitti um dieser beiden Gesetze willen weiter zu Unterstufen. Wenn also Giolitti in Sachen des Versichernngsmonopols, dessen Diskussion für die nächste Woche in Aussicht genommen ist. ein Vertrauensvotum fordere sollte, so werden die Bissolatianer für und der linke Flügel gegen daS Ministerium stimmen. Nicht die Diskussion über daS Annektionsdekret, sondern die nachfolgende über das V e r s i ch' e- r u n g s m o n o p o l wird zur faktischen Spaltung der Parlaments fraktion führen. Wenn die Regierung in der TripoliSafsäre einer ungeheuren Mehrheit sicher ist, so sieht sie der Diskussion über das Monopol mit einiger Besorgnis entgegen, obwohl sie bereit ist, dem Per sicherungskapital bedeutende Zugeständnisse zu machen. Wie bei allen Fragen, bei denen grosse Interessen im Spiel sind, wird im stillen seit Monaten gegen das Monopol gearbeitet. Eine Gruppe von Abgeordneten, die sich unter dem Namen einer Volkswirtschaft lichen Partei vor fast zwei Jahren gebildet bat, gibt in einer offiziellen Veröffentlichung zu. daß sie für die Unterschriften, die für eine Petition gegen das Monopol gebammelt worden sind, den Sammlern Geldentschädigungen gewährte. Was die Stellung der Partei zum Kriege betrifft, so hat die Mailänder Massenversammlung vom vorigen Sonntag deutlich dm Willen deS Proletariats zum Ausdruck gc- bracht. Zu dieser Versammlung waren von dem Mailänder Komitee alle proletarischen Organisationen Italiens, so weit sie gegen den Krieg und gegen das Ministerium sind, aufgefdrdert worden, ihre Bcrtreter zu senden. ES waren viele Hunderte von . Sympathieschreiben auS allen Teilen Italiens eingelaufen, und vor einer Menge von mehr als 15 000 Personen-halben 12 Redner den Abscheu des Proletariats vor dem Kriege macht- vollen Ausdruck gegeben. Neben den Linksreformisten, für die Turati, Bentini, Bussi und andere sprachen, ergriffen Giovanni Lerda und der Abgeordnete Musatti für die Jntransigenten, Rigola für die Konföderation der Arbeit und der Arbeiter Faggi sür die Syndikalisten das Wort. Die Per- sammlung gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung gegen den Krieg und gegen das Ministerium. Am Vorabend der Kammcreröffimng hat die Partei durch diese Massenversammlung ihre Abgeordneten noch einmal an die Pflichten erinnern wollen, die sie dem Proletariat gegenüber haben. Für die Partei selbst hatte die Versammlung und noch mehr die ihr vorangehende Zusammenkunft von Sozialisten auS verschiedenen Teilen Italiens insofern eine grosse Bedeutung, als iie einen Appell an die Disziplin und eine Mißbilligung des Parteivorstandcs und der Fraktion einschloß. Man kann sagen, daß die italienische Partei die Schäden der Autonomie der Fraktion am eigenen Leibe gründlich erfahren hat und jetzt gleichsam auS Selbsterhaltungstrieb zur Disziplin zurück- strebt, nachdem die Parlamentsfraktion bis zum äußersten gegangen ist und ihren Mitgliedern freigestellt hat, nach eigenem Ermessen zu stimmen und zu sprechen. Das Vertrauensvotum, das Giolitti in der Monopolfrage fordern wird, wird die Reformisten der Rechten in die Zwangslage versetzen, zwischen dem Ministerium und der Partei zu wählen. Heute einigt die Diskussion über den.Krieg jedes der beiden Lager und zieht eine klare Scheidelinie. Morgen wird die Monopol- frage Spaltungen und neue Gruppierungen bringen, zwischen denen das Ministerium lavieren mutz. Inzwischen trägt der Krieg seine bitteren Früchte, die aller hurrapatriotische Klimbim dem Lande nicht erspart. Und dann wird sich Giolitti zum ersten Male einer Opposition gegenübersehen, mit der er im Ernst wird rechnen müssen. Tie Begründung des AnncxionSdekretS. Rom, 22. Februar. Dem heute der Kammer vorgelegten Ge- setzentmurf, durch welchen das Königliche Dekret vom S. November 1811 über die volle und uneingeschränkte Souve- r ä n i t ä t Italiens in Tripolis und C y r c n a i k a in ein Gesetz umgewandelt wird, ist eine Begründung beigegeben, in der eS heißt: „Italien hat stets daS Gleichgewicht der politischen Einflüsse im Mittelmeer als sein LcbenSintercsse betrachtet und als wesent- liche Bedingung dieses Gleichgewichts die freie und volle Eni- faltung seiner wirtschaftlichen Tätigkeit und seines Einflusses in Tripolis und Cvrenaika festgehalten. Dabei hat cS sich stets be- müht, freundschaftliche Beziehungen mit der Türkei zu erhalten, und es würde nicht zu. dem äußersten Mittel eines Krieges gegriffen haben, wenn nicht iede andere Lösung unmöglich gemacht worden wäre, wenn nicht jede Form italienischer Tätigkeit in Libyen bei der ottomanischen Regierung auf eine hartnäckige und systematische, bald versteckte, bald offene Opposition gestoßen wäre, die nach der Einrichtung der konstitutionellen Regierung der Türkei, die zuerst soviel Hoffnung und soviel Sympathie erweckt hatte, noch stärker und oft provokatorisch wurde. Jeder Versuch, die ottomanische Regierung zu einer Aenderung ihrer Haltung zu bewegen, erwies sich als vergeblich. Jeder versöhnliche Schritt wurde von der Türkei als ein Beweis der Schwäche betrachtet und führt« lediglich zu einer Verschärfung der Feindseligkeit, und wäbrend man zu offen bedrohlichen Rüstungen schritt, wurde die Bevölkerung andauernd >'m Zustand der völligsten Barbarei erhalten. Wir hätten gegenüber Italien und ganz Europa eine schwere Verantwortlichkeit auf uns genommen, wir hätten die Zukunft Italiens und den. europäischen Frieden ernsten Gefahren ausgesetzt, wenn wir eine Situation die unser Ansehen und unsere Lebensinteressen schädigte, auf die Tauer hätten bestehen lassen. Außerdem war eS klar, daß die .Herrschaft der Türkei in Gegenden, die mit den zivilisiertesten Nationen in Berührung standen und in welchen sie selbst nichts zur Besserung der Lebensverhältnisse tat, ja in denen sie sogar den Sklavenhandel aufrecht erhielt, nicht von langer Tauer sein konnte. Die Haltung der ottomanischen Regierung diesen Gebieten gegenüber mußte unvermeidlich zu deren Trennung von dem übrigen Reiche führen und sicherlich hätte ein historisches Gesetz andere europäisch« Völker veranlaßt, diese zivilisatorische Mission auf sich zu nehmen, wenn Italien es versäumt hätte. Italien hätte den schwersten Fehler begangen, wenn es auf eine Mission, die ihm durch seine Geschichte, seine geographische Lage und seine sozialen Verhältnisse auferlegt wurde, verzichtet hätte. Der unvermeidlich gewordene italienisch-türkische Krieg brach in einem Augenblick aus, wo die ZLahrschcinlichkeit gefährlicher internationaler Erschütterungen möglichst gering war, und er ist bis jetzt in einer Weise geführt worden, welche solche Möglichkeiten tunlichst ausschloß. Tie der Kammer vorgeschlagene Lösung ist die einzige, welche solche Erschütterungen auch für die Zukunft zu verhindern vermag. Jede Lösung, die nicht jede politische Herr schaft der Türkei ausschließen würde, hätte einen äußerst gefähr- lichen internationalen Zustand geschaffen, indem sie unsichere juristische und diplomatische Verhältnisse zwischen Italien und den übrigen Mächten geschaffen, Italien gegenüber der einheimischen Bevölkerung alle? Ansehen geraubt, neue Konflikte mit der Türkei herbeigeführt und die wirkliche Friedensarbeit, die für Italien eine Ehrenpflicht bildet, beinahe unmöglich gemacht hätte. Das italienische Volk hat das mit feinem Verständnis begriffen. W Am Schlüsse wird die Frage der künftigen Verwaltung der annektierten Länder berührt und dem Islam, sowie den Rechten und Interessen der Eingeborenen die peinlichste Achtung zugesichert. Tann heißt es:„Die Aufgabe, die Italien übernommen hat, ge hört zu den größten und schwersten, die ein Volk übernehmen kann. Durch seine ruhige, feste und patriotische Haltung hat das iialie nische Volk gezeigt, daß es das begriffen hat. Dieser gemein- samen Haltung aller Gesellschaftsklassen entsprach das heldenhafte Benehmen unserer Armee und unserer Flotte. Wir haben jetzt die Gewißheit, daß das Ziel erreicht werden wird, das Italien sich gesteckt bat. Aber damit es ein großes Zivilisationswerk dar äelle, darf die Tätigkeit deS Gesetzgebers und der Regierung nicht durch eine fremde politische Herrschaft behindert werden, daher muß die Souveränität Italiens über Libyen voll und unein geschränkt sein. TaS italienische Volk hat das begriffen. Wir hegen das volle Vertrauen, daß seine Vertretung es bestätigen wird." Rom, 22. Februar.(Meldung der Agenzia Stefani.) De putiertenkammer. Der Saal und die Tribünen waren überfüllt. Viele Damen waren anwesend. Ter Präsident der Kammer, M a r c o r a. Ministerpräsident Giolitti und alle Minister betraten zusammen den Saal, von andauernden begeister- tcn Kundgebungen empfangen.?llle Abgeordneten erhoben sich, und Marcora bracht« der Armee und der Marine seinen Gruß dar, was mit langanhaltendem, stürmischem Beifall aufgenommen wurde. Der Doyen der Kammer, Lacaya, schloß sich dem im Namen der- Kammer am r(Langer,: herzlicher Beifall.) Äriegsinin.ifter S'p i n g a r d i erklärte, die Armee schließe sich mit brüderlicher Liebe und berechtigtem Stolz den hohen Ehrungen an, die von so maßgebender Stelle und unter so begeisterter Zu- timmung ihren Brüdern v�i den Land- und Seestreitkräften ge- zollt würden, die so mutig in Libyen für die italienische Tüchtigkeit Zeugnis ablegten, durch ihr Leben die neuen Geschicke des Vater- landeS heiligten und sich opferten, damit daS Vaterland größer. glücklicher und mächtiger werde. Im Namen der Armee danke er den Vertretern der Nation, deren Beifall ein weirerer Grund und eine Aufmunterung sein werde, jetzt mehr als je auSzuhalten. Die Armee habe gewußt und wisse, daß das Vaterland mit seiner ganzen Seele bei ihr sei.(Fortgesetzter, begeisterter Beifall. All- gemeine Rufe: ES lebe die Armee I) Marineminister Eatollica, begrüßt von dem Rufe: Es lebe die Marine!, dankte km Namen der Marine für die Kundgebung.(Sehr lebhafter Beifall.) Der Präsident verlas eine Tagesordnung Lacava. Bettolo und Baccelli, durch die dem Heer und der Flotte Gruß und Beifall ge- spendet wird. Alle Abgeordneten und alle Tribünenbesucher er- ' choben sich und äußerten ihre begeisterte Zustimmung. Ter Präsi. dent �erklärte, die Tagesordnung sei durch Zuruf angenommen. Sodann erhob sich Ministerpräsident Giolitti. begrüßt von einer langandauernden großartigen Kundgebung, und brachte den Gesetzentwurf ein betreffend Gültigkeitserklärung des Dekrets, in dem die volle Souveränität Italiens über Tripolis und die Cyrenaika proklamiert wird. Die Kammer erhob sich von neuem; unendliche, eindrucksvolle Beifallskundgebungen begrüßten das Dekret. Als die Kundgebung, die von seltener Begeisterung ge- tragen war, sich gelegt hatte, beantragte Giolitti, die Kammer möge dem Präsidenten Vollmacht erteilen, eine Kommission von 21 Mitgliedern zu ernennen, die den Gesetzentwurf prüfen solle. Ter Antrag wurde unter Beifall angenommen und die Sitzung unterbrochen, um den Regierungsvertretern die Möglichkeit zu geben, dem Beginn der Arbeiten im Senat beizuwohnen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung teilt« der Präsident mit. daß zur Prüfung der Gültigkeitserklärung des Annexionsdekretes vom 5. November eine Kommission ernannt sei. der u. a. Baccelli. Guicciardini. Luzzatti und der Sozialist Enrico gerri angehören. Der Krieg. Christliche Toleranz aus dem ÄrirgSschauhlatz. Rom, 20. Februar.(Eig. Ber.) Wie di« Turiner„Gazzetta bei Popolo" berichtet, haben die Militärkapläne in Tripolis wieder ein schönes Beispiel christlicher Nächstenliebe gegeben. In AuS- Übung seiner Samariterpflicht ist dort ein italienischer Sanität«- soldat gefallen, der zur Waldenser Kirche gehörte. Die Militär- kapläne verweigerten dem Gefallenen«in christliches Begräbnis und erlaubten nicht, daß seine Leiche in der geweihten Erde des christ- lichen Friedhofs begraben würde. Wenn man schon so mit An- gehörigen christlicher Konfessionen verfährt, dann können sich ja die Mohammedaner auf das freuen, was ihrer in Zukunft unter italienischem Regime harrt. v!e Revolution In China. AuanschikaiS Reise nach Ranking. London. 22. Februar...Daily Telegraph" meldet auS Schau« ghai vom 21. d. M.: Tangschaoyi hat heute in Begleitung von 21 hervorragenden Republikanern, darunter Vertretern au« Nanking und Wutschang, Schanghai verlassen, um sich zu D u a n> s ch i k a i zu begeben. Er wird in vier Tagen in Peking eintreffen. Auanschikai wird sich nach Empfang der Delegierten mit der Bahn nach Hankau und von da auf dem Fluß nach Nanking begeben, wo er in vierzehn Tgcn orwartct wird. Eine andere Lesart. Hankau, 22. Februar. Da D u a n s ch i k a i bisher die vier Punkte des Abkommens, nämlich Entfernung des Hofes von Peking, Auflösung der Garde, Abberufung der gegen Hankau operierenden Armee und llcbergabc des nördlichen Teils der Bahn Peking— Hankan an die republikanische Regierung nicht erfüllt hat, begibt sich K r i e g s m i n i st e r.S u n ch u als Abgesandter nach Peking. um Duanschikai zur Leistung des Eides für die Republik nach Wutschang� zu laden. Die Mongolei und die Republik. Kiachta, 21. Februar. Am Ist. d. M. ist U r g a zur Haupt- stadt der Mongolei erklärt worden. Von der Mongolen- regierung wird«in Zoll auf chinesische Waren eingetrieben.— Die Erklärung Chinas zur Republik wurde von den hiesigen Chinesen begrüßt, einige schnitten sich die Zöpfe ab. Die Straßen von Maimatschin wurden mit der neuen fünffarvigcn Flagge geschmückt. Tic Kämpfe in Weihaiwci. Weihaiwei, 22. Februar.(Telegr. des Reuterschen Bureaus.) Die Eingeborenen fahren in ihrem Widerstand gegen die republi- kanische Verwaltung fort, da sie nicht glauben wollen, daß die Man- dschus abgedankt haben. ES kam wiederholt zu Blutvergießen; sie sind jedoch nur schwach bewaffnet und voraussichtlich außerstande. ihren Widerstand lange fortzusetzen. Die Grenze der englischen Zone wird von englischen Truppen bewacht. Im Hasen liegen die englischen Kreuzer„Kent" und„Monmouth". politilcke deberlicbt Berlin, den 22. Februar 1912. Tie Kartoffeldebat e. Aus dem Reichstag. 22. Februar. Kartoffeln, Kartoffeln und wieder Kartoffeln! Und wenn man noch so sehr den bittern, bittern Ernst der bebandelten Frage einsieht, daß zwei geschlagene Tage ohne Aussicht aus einen positiven Erfolg, denn z» Interpellationen gibt es keine Abstimmung, darüber geredet wird, könnte wahrhaftig dem Antiparla- mentarismus Nahrung zuführen. Trotzdem die Debatte stellenweise in der allgemeinen Interesselosigkeit zu ersticken drohte, wies sie doch einige belebende Augenblicke auf und rief sogar Redner auf die Tribüne, die etivas Neues zu sagen wußten. Zu ihnen gehörte der Genosse A n t r i ck, der als erster Redner die Raubgier der Agrarier mit scharfen Worten brandniarkte und nicht minder mit der Regierung als den Leibeigenen dieses unersättlichen Agrariertums ins Gericht ging. Ter Staatssekretär des Reichsschatzamts. Dr. W er« in u t h. mühte sich mit Zahlenzitaten nachzuweisen, daß wir in einer Zeit niedergehender Preise leben. Was er an Posi- tivem zu verkünden hatte, knüpfte an die vorgestrige Er- klärung seines Kollegen Delbrück an: Ter Bundesrat hat„aus Billigkeits�ründen" beschlossen, die Einfuhr vor- jähriger Kartoffeln bis zum 1. Mai zollfrei zu lassen. Nach ihm kam der Zentruins„arbeiter" G i e s b e r t s, eine der unsympathischsten Gestalten des Reichstags, der mit Mätzchen aus der München-Gladbacher Jesuitenseiulc die Sozialdemo- traten zu reizen suchte und mit demagogischen Kniffen darzu- tun sich mühte, daß trotz allen Zollwuchers auch das Zentrum ein Herz für die Notleidenden habe.' Der Konservative W e i l n b ö ck, der die Bös artigkeit der agrarischen Nimmer- atts mit süddeutscher Biederkeit drapierte, sang das Hohe- lied von der Kartoffel, die wirklich ein wundertätiges Nah- run>)smittel sei und war über das geringe Zugeständnis der Regierung in der Frage des Kartoffelzolls nicht besonders erfreut. Ter Fortschrittler F e g t e r. ein Mann mit land- wirtschaftlichem Wissen und landwirtschaftlicher Praris, wußte ihm nicht übel heimzuleuchten und entwickelte die Frage des Kartoffelzolls wie der Futterinittclzölle an der Hand ein- gehender Sach- und Fachkenntnisse. Nachdem dann Herr G e b h a r t von der Wirtschaftlichen Vereinigung nach Punkt 'oundsoviel des antisemitischen Programms den Großhandel ür die schwere Not der Zeit und die schwere Zeit der Not ver- antwortlich gemacht hatte, kam der Herr H e st e r nl a n n und erzielte einen ähnlichen Heitcrkeitserfolg wie in vergangener Woche Herr M u m m. Ter Bauernbund ist eine Hilfs» und <:chutztrupve des Rießerschcn Liberalismus, aber was Herr Hestermann vortrug, hätte auch uncer den„bodenständi- zcn" Gestalten des Sportpalastes lebhaften Beifall erweckt, und w i e er es vortrug, begabt mit einem— übertragen wir den Volksausdruck ins Parlamentarische!— einem Maschinengewehrmundwerk. das amüsierte höchlichst. Herr Schweick- Hardt von der Fortschrittspartei brach für Großkapital und Großhandel gegen die Herren G e b h a r t und H e st e r m a n n .'ine Lanze und dann vertröpselte die Debatte in persönlichen Bemerkungen der Abgeordneten Kiel und A r n st a d t. Die morgige Sitzung mit der Tagesordnung: Ausführungs- gesetz zum internationalen Abkommen über Mädchenhandel. deutsch-türkilcher Handelsvertrag. Staatsangehörigkeit, be- ginnt um 11 Uhr.__ Abgeordnetenhaus. Die weitere Debatte über den I u st i z e t a t wurde heute durch sine grosse Rede de« Genossen Liebknecht eingeleitet, der zunächst sie zahlreichen Mißstände und Beschwerden behandelte, die gegen die areussische Justizverwaltung leider Jahr für Jahr vorgebracht werden müssen, von besonderem Interesse war die Mitteilung, daß ein Ministerialerlaß die Richter anweise, Beschwerden gegen irgendeinen Leamten nur nach vorheriger Erlaubnis der vorgesetzten Dienst» öehörde zu erheben. E» wäre das also ein richtiges Motu- aroprio für die preußischen Rick ter. Dem Zentrums- rbgeordneten Bell blieb es vorbehalten, au? diese ungeheuer ernste Sache mit einem faulen Witz zu antworten, indem er sagte: wenn :9 dem Motuproprio analog wäre, dann könne ja Liebknecht ganz iufrieden sein, denn dann gelte eS ja in Deutschland nicht. Nach >er Behauptung deS Justizministers soll die Verordnung nur sür achliche Konflikte zwischen Behörden gelten, nicht aber für irgend- velche persönlichen Angelegenheiten der Richter, was jedoch nur auf sine spitzfindige Auslegung des Wortlauts hinauszukommen scheint.— DeS weiteren teilte Gen. Liebknecht eine bezeichnende Aeußerung deS lationalliberalen Herrn Dr. Friedberg mit. Als man in der Kommission über die Frage verhandelte, ob Richtern, die zum Reichs- aße kandidieren, Urlaub erteilt werden soll, fiel von feiten deS derrn Friedberg das Wort: man könne wohl annehmen, daß Richter, ne kandidieren, zu den bürgerlichen Parteien gehören, so daß die Regierung selbst ein Interesse an ihrer Beurlaubung habe. Damit st gesagt, daß die Regierung die Richter zu dem Zweck beurlauben olle, gegen die Sozialdemokratie zu agitieren.— Mit Nachdruck adelte sodann unser Redner die skandalöse Tatsache, daß den Unter» ieamten in Berlin der Besuch einer Versammlung verboten worden st. Zum Schluß zeichnete Gen. Liebknecht in großen Zügen die gewaltigen Susgaben, die eine im Volke wurzelnde Rechtspflege zu lösen halte: daS Verbrechen vorbeugend zu verhüten. Dazu gehört aber, datz man die Quellen des Ver- bred&enS genau kennen lernt, die soziale Not. daS Wohnungselend usw. Bei der Ausbildung der jungen Juristen solle hierfür gesorgt werden. Zugleich empfahl er ihnen ein eingehendes Studium der Sozial- demokratie, unsere Schriften sollen sie lesen, unseren Bersainmlungen beiwohnen, die ArbeiterbildungSschule besuchen, den„Vorwärts"* Betrieb und das Gewerkschaftshaus besichtigen, damit sie später in der Lage sind, über angeklagte Sozialdemokraten sachverständig zu urteilen. Kaum hatte unser Genosse geendet, so ergriff der Justizminister da! Wort, aber nur um zu erklären, daß er auf die großen Pro- bleme, die Liebknecht angeschnitten-- nicht eingehen wolle. Er beschränkte sich denn auch darauf, einige der vorgebrachten Einzel- beschwerden als nicht zutreffend zu bezeichnen, womit natürlich gar nich:K gesagt ist. Die Debatte brachte am Schluß noch eine Rede deS Kölner Justizrats Trimborn, der— in amüsanter Form— eine schier unglaubliche Verlotterung des juristischen Studiums zur Sprache brachte, eine Sache, über die noch in sehr ernster Weise zu reden sein wird._ Im Teniorenkonveut des Reichstages wurde Tonnerstag die Angelegenheit der Freikonservativen abermals besprochen. Da die Freikonscroativen keine Fraktion von 16 Mit- gliedern sind, bleiben sie vom Seniorenkonvent und von der Kom- inissionSvertretung ausgeschloffen. Dann wurden die Vorsitzenden für die Fachkommissionen ver- teilt. Für die Geschäftsordnungskommission stellt den örste» Vorsitzenden die sozialdemokratische Fraktion, den stell- vertretenden die konservative; Budgetko in Mission: Zentrum erster Vorsitzengcr, Sozialdemokratie Stellvertreter; PetitionS- kom Mission: Nationalliberale erster Vorsitzender, Zentrum Stellvertreter; RechnuitgSkom Mission: Fortschrittler erster Vorsitzender, Nationalliberale Stellvertreter? WahlprüfungS- k o m m i s s i o n: Konservative erster Vorsitzender, Fortschrittler Stellvertreter. Des Himmels Einsehen. ES ist doch herzcrhebend, zu vernehmen, welche Rolle manche Hüter der göttlichen Welrordnung dem Himmel in irdischen Angelegen- heilen zuweisen. Ein Dankopfer— das natürlich nichts kostet— wurde ihm am Mittwoch in einer Versammlung der agrarischen„Vereinigung zur Hebung der Zuckerverbraucher" dargebracht, weil er eine so schöne Dürre geschickt, die«hien großen Teil des Anbaues vernichtete. Fabrikdirektor Mattenklott- Breslau referierte über die Lage der Zuckerindustrie. In seiner Darstellung erscheint die große Ernte der Kampagne 1910/11 als ein gefahrdrohendes Unglück. Die vor- ausgegangene Knappheit an Ware halte den Preis schön hinaus- getrieben, dann kam der durch die gute Ernte bedingte Preisfall. Das war für die Zuckerbarone s ch ni e r z h a f t. Aber noch weiteres Unheil war im Anzüge. Die Anzeichen eineS guten Ertrages im Jahre 1911/12 ließen befürchten, daß sich die niedrigen Preise längere Zeit würden halten laffen. Doch die Sorge'erwies sich als unbegründet. Nach der„N o r d d. A l l g e m. Zeitung" bemerkte der Referent: „Aber der Himmel hatte ei» Einsehen und eine unglaubliche Dürre vernichtete einen großen Teil des Anbaurs--- Weiter meinte der Gemütsmensch, die allgemeine Mißernte sei „ja sür große Strecken des Landes bedauerlich und schmerzlich, aber für die Zuckerindustrie hätte sie doch den„Vorteil, vor einer Ueber Produktion und Entwertung zu bewahren, so daß die allgemeine. Lage der Zuckerindustrie eine günstige geworden ist". DaS ist ein echt kapitalistische« Glaubensbekenntnis! Der Prosit der Zuckerindustriellen war in Gefahr, ober der Himmel hatte ein Einsehen, er sandte eine Dürre, die Not und Elend in Millionen Familien hineintrag. Aber den Zuckerbaronen brachte sie eine gute Konjunktur. Lob und Preis dem einsichtsvollen Himmel! Zur Illustration der Inanspruchnahme deS Himmel« für Profitinteressen geben wir noch eine Ucbersicht über die Bewegung der Zuckerpreise. Es kostete nach der Notierung in Magdeburg ein Doppelzentner Rassinade 19VS: SS.80 M.. 1907: 3S.30 M., 1908: 40,80 M, 1909; 41,67 M, 1910: 47,38 M.. 1911: 46,28 M. und im Durchschnitt deS Monats Januar 1906: 35.46 M.. 1907: 36.83 M., 1908: 39,38 M, 1999: 39,44 M.. 1910: 46,44 M.. 1911: 37,75 M. und 1912; 63,38 M. Gegenüber dem Januar vorigen Jahres war Zucker im vergangenen Monat also um 15,33 M. gleich 41 Prozent im Preise gestiegen. Zwar gehört nach der christlichen Lehre der Lebensmittel- ivucher zu den schlimmsten Todsünden, aber dem au« Profitsorgen beklommenen Herzen entringt sich ein Dankseufzer für den Himmel wegen der zur rechten Zeit gesandten Dürre, die eine so nette Hausse erlaubte! Daß diese Himmelsglaubigen stramme Schützer der„gött- lichcn' Weltordnung sind, kann man verstehen! Rettung! Ter Retter ist gekommen diesem Lande! AhsbahS heißt er und im Beiblatt der„Rordd. Allg. Ztg."— nicht etwa im Annoncen- teil— ist er erstanden. Den hehren. SammlungSruf" laßt er er- tönen, denn„zersplittert ist unser Volk, in zu viele Parteien ge- trennt". Und deshalb:„Laßt un« eine große Deutsche vater- ländische Partei errichten", wirklich errichten. Denn Herr AhSbahS will Talen sehen und deshalb beginnt er, rasch entschlossen, die „Sammlung" mit der„Errichtung" einer neuen Partei. Sogar in der Redaktion der.„Nordd. Allg. Ztg." hatte man gegen solchen SammlungSruf Bedenken. Schon dachte man an den Papierkorb. Da fiel zur rechten Zeit dem leitenden politischen Redakteur eS noch ein; Wie, wen» AhsbahS nur der Schrifrstellername Bethmann Holllvegs wäre? Und die Einsendung erblickte daS Licht der Oeffentlichkeit.____ Aus dem Tchreiberstaat. Kaum ein Bundesstaat des Deutschen Reichs hat eine so zahl- tdchc Bureaukratie zu ernähren wie Württemberg, dem die Bezeichnung„S ch r e i b e r st a a t" von altersher anhängt. Die iPtstrebungcn auf eine Vereinfachung der Staatsverwaltung datieren fast ein Jahrhundert zurück. Aber so leicht läßt sich die Burcaukratie nicht zurückdrängen. Die RcichSpolitik mit ihren stets steigenden Ansprüchen an den Geldbeutel des Steucrzahlcrs-snachte es aber endlich zur zwingenden Notwendigkeit, den teueren bureau- krattschen Apparat des kleinen Landes zu vereinfachet!. Den For- dcrungen �der Parteien nachkommend, legte die Regierung schließ- lich den Ständen eine Denkschrift vor, derzuiolge der Ver- woltungsaufwand sich um 2li Millionen Mark jährlich verringern aßt. Bei einem Jahresetat von rund ll2 Millionen Mark pro :9l2 und 67 Millionen Mark Staatsjteuern sicherlich ein ganz an� sebnliches Sümmchen. Daß die Regierung nicht zu radikal in ihren Vorschlägen ist, versteht sich von selbst, ist sie doch Fleisch vom Fleisch und Bei» vom Bein deS bureaukratischcn Systems. Die Vorschlage der Regierung beschranken sich denn auch im wesent- lichen aus die Vereinfachung des Schreibwerks, des Kassen- und Rechnungswesens. Dazu kommen größere Ersparungen im niederen Personal des Eisenbahn- und Postdienstes. Eine Anzahl überslüssiger Ämter soll ausgehoben werden usw. Sodann soll auch eine Anzahl Qberämler aufgehoben beziv. zusammengelegt werden. Das Ländchcn mit seinen 2V2 Millionen Einwohnern ist in nicht weniger als 64 Oberamtcr eingeteilt? diese sind wieder zu vier Kreisen zusammengefaßt. Die Spitze dieses sehr umständlichen und teueren bureaukratischen Systems bildet dann das Ministerium. Tic Regierung beabsichtigt nun, 21 kleine Obcrämtcr zusammen- zulegen und die Ärcisregierungcn aufzuheben. Dieser Teil der Reform droht nun an dem Widerstand der bürgerlichen Parteien zu scheitern. So sehr diese Parteien für die Vereinfachung der Staatsverwaltung schwärmten, einst im Mai, so widerborstig er- weisen sie sich jetzt. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer, dem die Vorschlage der Regierung zur Vorberatung überwiesen wurden, hat sich letzter Tage in seiner Mehrheit gegen die zu- nächst versuchsweise gedachte Zusammenlegung ausgesprochen. Für die Vorschläge der Regierung stimmten die Sozialdemokratie, der Bauernbund und ein ganzer Volispartciler, dagegen Zentrum, Volkspartei und Nationalliberalc. In ihrer Denkschrift hatte die Regierung den Parteien ge- raten, nicht zu konservativ zu sein, eine Mahnung, die, von Mini- st.ern an liberale Parteien gerichtet? eines' komischen Beigeschmacks nicht entbehrt. Dem württcinbcrgischen Liberalismus gegenüber ist sie aber sehr angebracht. Leider blieb sie erfolglos. National- liberale und Volkspartci zeigten sich sogar konservativer als selbst der Baucrnbund. Kantönlisgcist kleinlichster Art hat den Beschluß diktiert. Die Obcrämtcr haben nämlich das Wahlrecht zum Land- tag. Neben den„sieben guten Städten", auch so eine schwäbische Eigentümlichkeit, entsenden sie je einen Abgeordneten in die Zweite Kammer. Zentrum, Volkspartei und Nationalliberalc fürchten nun, daß die Aufhebung des OberamtssitzeS einen Tcil der Bewohner der jetzigen Oberamtsiiädte verschnupfeu könnte. Der Zentrums- mann erklärte denn auch in biederer Treuherzigkeit, daß die Durch- führung dieses Regierungsvorschlags die Wahl von 21 Sozialdemo- kratcn bedeuten würde. Nach solchen Gesichtspunkten wird in Württemberg liberale Zentrumspolitik gemacht! Der Schlutzerfolg der Reform wird wohl sein: eine Ver- Minderung des niederen Personals der Post- und Eisenbahn- Verwaltung, eine bedeutende Steigerung der Arbeitslast der Arbeiter und Unterbeamtcn, die Belastung der Sinekuren sür die höhere Bureaukratie._ Tie Wehrvorlage. Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Aus den Verhandlungen des Reichstages ist bekannt, daß die zu erwartenden W c h.r v 0 r la ge n den Bundesrat noch nicht beschäftigt haben und daß bisher weder über die Höhe der Forderungen noch über die Art ihrer Deckung Bc- schlüsse gefaßt sind. Die beteiligten Instanzen beschleunigen nach Möglichkeit die Arbeiten und es kann erwartet werden, daß in kurzer Zeit über die Regierungsvorlagen Klarheit geschaffen sein wird. Die formulierten Vorschlage der Kriegsvcrlvaltung, auf die der weitaus größte Teil der Neufordernngen entfallen werden, sind gestern in die Hände des Reichskanzlers gelangt. Leider wird die Zeit der Vorbereitung dazu benutzt, um allerlei mehr oder weniger falsche Kombinationen, teils über den Inhalt der Wehrvorlagen, teils über die Deckungsfrage, zu verbreiten. Ins Gebiet der reinen Erfindung gehört dir Angabc, der Staatssekretär d e s �R e i ch s s ch a tza m te S sei ein Gegner der Verstärkung unserer Wehrfähigkeit. Diese Abwehr ist gegen einen Hetzartikel der„Post" ge- richtet._ Tie Objektivität der Handwerkskammer zu Berlin. Die Berliner Handwerkskammer erließ dieser Tage folgendes Einladungsschreiben, das wir dem Wortlaut nach wiedergeben und zugleich zur Kennzeichnung niedriger hängen: ' Handwerkskammer Berlin.SW, 61,. den 16. Februar 1912. zu Berlin. Teltower Str. 1.4,>-- Joucnal-Rr. 141 12. IL. Nächsten Mittwoch, den 21. dieses Monats, sollen, wie wir hören, unter anderm auch die Anträge und Wünsche des Hand- Werterstande« zum Submission Swesen zur Verhandlung kommen. Der unterzeichnete Ausschuß der preußischen Hand- werk«kammern hat den dringendsten Wunsch, den Herren Vertretern der bürgerlichen Parteien die Wünsche des Handwerls zur Kenntnis zu bringen, und richtet daher an den verehrlichen Vorstand ergebenft die Bitte, die seitens Ihrer Partei zu obengenanntem Gegenstände designierten Redner zu einer gemeinsamen Aussprache mit dem Ausschuß der Preußischen Hand werk Skanimern DienStag, den 20. d. M.. nachmittags 4>/, Uhr, im Abgeordnetenhaus, Zimmer 6, geneiglest delegieren zu wällen. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Ausschuß der Preußischen Handwerkkammern durch die Vorsitzende Kammer Berlin. C. Rahardt Dr. Heinzig Vorsitzender, Syndikus. Es ist geradezu Abgeschmackt, daß die Handwerkkammer es wagt, die Partei, die die größte Wählerzahl im preußischen Abgeordneten- hause vertritt, die Sozialdemokratie, auszuschließen, obwohl eS ihr bekannt ist, daß nicht nur ein« große Anzahl Handwerker, die zur Handwer'kammer ihre Beiträge zahlen müssen, Sozialdemokraten sind, sondern daß e« gerade die Sozialdemokratie ist, die überall, in den Gemeindevertretungen, den Landtagen, im Reichstage usw. den Kampf für Gesundung de« Submissionswesens mit allem Ernst und aller Kraft geführt hat. Wie kommt ausgesucht die Berliner Hand- weriskammer und ihr Ausschuß dazu, diese Partei, die in Berlin die größte Wählerzahl hat, von der Besprechung auszuschließen? Ist daS die Art, über den Parteien zu stehen? Die Sozialdemokratie wird«» zur Zeit und an geeigneter Stelle an der gebührenden Antwort nicht fehlen lassen._ Teuerungsdebatte im elsast-lothriugischen Landtag. Am Mittwoch stand in der zweiten Kammer eine Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion auf der Tagesordnung, die von der elsag-lolhringischen Regierung eine Steuerung der augenblicklich Herr- schenden Teuerung verlangt. In groß angelegte», wirkungsvollen Reden gingen die sozialdemokratischen Abgg. Fuch«, PeiroteS und I m b S mit der Zoll- und Steuerpolitik der Regierung ins Gericht, ihr und den bürgerlichen Parteien vor Augen führend, wie verkehrt und unfruchtbar all die kleinen Pallialivmittelchen, die zugleich eine Bekennung der verkehrten Politik darstellen, zur Linderung der heutigen Notlage der großen Masse der Be« völkerung sind. Wohl versuchte die Regierung durch einige AuS- flüchte und Abschiebung der Interpellation an den Reichstag sich aus der unangenehmen Situation herauSzuwindcn, jedoch hatten die Reden unserer Genossen bewirkt, daß die bürgerlichen Parteien zu der Teuerung Stellung nehmen mußte». Sowohl von liberaler wie auch von Z e n t r u m S s e i t e las inaiz dann, gedrängt durch unsere Kritik, der elsaß-lothringischen Regierung den Text. Eine vom Zentrum eingebrachte Resolution, die sich im ersten Teil mit den liberalen und Zentrumsreden einverstanden erklärte, im zweiten Teil Abschaffung der Zölle aufFuttermtttel, Einführung von Gefrier- und Büchsenfleisch und Oeffnung der Grenze unter genügend tierärztlicher Kontrolle verlangte, fand Annahme. Der zweite Teil der Re- solution wurde e i n st i in m i g angenommen, und bedeutet eine Ber- urteilung der elsaß-lothringischen Regierungspolitik, die, trotz der durch die Verfassung erweiterten Rechte der BundeSratsstimmen. sich von der Berliner Politik inS Schlepptau nehmen läßt. Ist auch der Stellungnahme der Gegner keine zu weitgehende Bedeutung bei- zumessen, so hatte die Debatte doch ergeben, daß durch die sozial- demokratische Kritik dt« Regierung sowohl als auch die bürgerlichen Parteien wohl oder übel eine Aenderung der bisherigen Ver« tufchungZ- und Harmonieduseleipolitik vornehmen müssen. Snglanä. Eine Anfrage über die portugiesischen Kolonien. London, 22. Februar. In der heutigen Sitzung des Unter- Hauses fragte G 0 l d n 0 y an, ob das Auswärtige. Amt Kenntnis habe von irgendwelchen Vorverhandlungen zwischen europäischen Möchten über die zukünftige Kontrolle der Fernao-Veloso-Bay und des portugiesischen Kongogebiets nördlich des Kongo. Staatssekretär Grey verneinte die Anfrage.� Weiter fragte Goldney. ob das Auswärtige Amt Kenntnis habe von einem Vertrage oder einem Abiommcn, das zwischen. Deutschland ussd Spanien seit dem Frühjahr 1911 bestehe und die Interessen Portugals berühre. Grey erwiderte, er habe keinerlei Mit- teilung über diese Angelegenheit erhalte». Daraus stellte der Radi- kale King ejnc Frage, die sich auf einen angeblich zwischen England und Deutschland bestehenden Geheim« vertrag vom Jahre 1898 bezog. Grey erwiderte, King müsse wissen, daß durch eine Beantwortung solcher Fragen der- artigen Gehcimvertragen der geheime Charakter genommen werden würde./• G 0 l d n e y(Unionist) richtete an Sir Edward Grey die Art.? frage, ob das Auswärtige Amt an irgendwelchen Besprechungen über die mögliche Abtretung der W a l f i.s ch b a y oder a u.ch Sansibars an andere, europäische Möchte teilgenommen habe-, Sir Edward Grey erwiderte: Vor vielen Jahren sei.der Aus?- tausch von britischem Gebiet nicht formell in Erwägung gezogen worden. Einzelne dieser Austauschpläne seien für möglich befunden worden, andere aber seien erörtert und beiseite gelegt worden. Der britischen Regierung müsse es immer freistehen, derartige Möglich- leiten ohne öffentliche Erklärung zu besprechen. Aber in einem Fasse von Landabtrctungcn, die mehr als eine Grenzregulierung bedeuten, würde die Einwilligung des Hauses unter den von dex Regierung im Juli 1890 wahrend der Debatte über die Abtretung Helgolands festgesetzten Bedingungen eingeholt werden« Auch werde keine Abtretung von Gebietsteilen, die zu einer englischen Kolonie mit Selbstverwaltung gehören, ohne Einwilligung der Regierung dieser Kolonie erfolgen. Ich kann keine weitere Erklärung auf der- artige Fragen geben als diese. Wenn Goldney einen Irrtum zu vermeiden wünscht, so darf c: nicht annehmen, daß eine Abtretung der Walfischbay und der Insel Sansibar in Erwägung gezogen wipö. Marokko. Di« Verstärkung der französischen Truppenmacht. Algier, 22. Februar. Mit.Rücksicht auf die w a ch s e n d e S r» r e g u n g unter den Eingeborcnenst.ämmen in der Schauja hat das 1. französische Jägerregiment den Defehl er. halten, drei Schwadronen zur Ausreise nach der Schauja bereit- zustellen. Di« Truppen sollen in einzelnen Etappen- am 5. März und am 16. April eingeschifft werden. Amerika. Sozialistische BerstaatlichungSanträge. Genosse Victor B e r g e r,. der einzige sozialistische Berlreter im Kongreß, hat neuerdings wieder zwei Vorlagen von größter Tragweite eingereicht. Die ein« bezweckt nicht weniger als die Lösung der für das ganze Wirtschaftsleben deS Landes' brcunend» sie» Frage: die N a i i 0 n a l i st e rm n g d er Tr-u st s.„SobSlh geschäftliche Verbände einen Umfang erreicht haben, dhß sje Pxo.. duktibn und Preise einer Industrie beherrschen/ist es die gcöiete� rische Pflicht der Regierung, ihr Besitztum zu.-erwerben und im Gesamtintcresse zu bewirtschaften." Die Grenze soll die Erzeugung von 40 Proz. der Gesamtleistung einer bestimmten Industrie sein. Durch Gesetz soll ein Jndustriebureau geschaffen werdeit. Für jede Enteignung soll vom Kongreß eine Kommission be- stellt werden, die einen Kassierer anstellt. Der Wert der zu er- werbenden Anlagen soll von einer durch die Kommission zu bestellenden Sachverständigenjury von 12 Mann ermittelt und in seiner Höhe den Eigentümern der Preis in Schatzschcinen von 50 Dollar gezahlt werden, die zu 2 Proz. verzinst und in fünfzig Jahren eingelöst werden. Sofern die Eigentümer den Verkauf verweigern, soll der Präsident die geeigneten Mittel zur Inbesitznahme der Werke anwenden. Den ersten Spezialfall legt Berger selbst vor in einer eigenen Bill betr. Verstaatlichung der gesamten Eisenbahn-. Telegraphen-, Fernsprecher- und Expreßdien st- Unternehmungen. Dazu soll eine Kommission von 12 Manft ernannt werden, die alle Grundsätze sür die Abschätzung de? fach« lichen und persönlichen AnlagenwcrteS ausstellen und zur Schätzung selbst eine Unterkommission von fünf Mann einsetzen soll, Ferner soll ein den übrigen Ministerien gleichgestelltes Depar, tement für Transport- und Telcgraphenwesen im Kabinett gebildet werden. Den Exprcßdienst soll da» Post« dcpartement übernehmen. Weiter wird a ch t st ü n d i g e- A r. beitszeit und die Zahlung der zur Zeit der Uebcrnahmc in der bctressendcn Industrie üblichen Löhne vorgeschrieben. Unruhen in Mexiko. Washiastiin, 21. Februar. Nach amtlichen Meldungen breitet sich die Anarchie in Mexiko immer mcbr aus. Mehrere Städte sind in den Händen der Ausständischen. Die Proteste von Amerikanern gegen die"Plünderungen werden immer zahlreicher.— Gestern hat nach hier cingctrossenen Telegrammen bei Thalatya an her Südgrenze von Mexiko ein Scharmützel stattgefunden, in dem die Rebellen 37 Tote verloren. Sechs Rebellen wurden gefangen ge» nommen. Die Landmiliz hatte elf Tote und neun Verwundete. Die Rebellen zogen sich nach dem Gefecht in den Staat Guerrero zurück, von wo sie gekommen waren. Hus der frauenben>egung. Ein deutscher proletarischer Frauentag' findet in diesem Jahre Mieder statt und zwar Sonntag, den 12. Mai 1912.> Der Frauentag soll eine Demonstration für daS allgemeine gleiche. geHeimo und direkte Wahlrecht für die Frauen fein. Die Genossen und Genossinnen werden schon. jetzt ersucht, eine umfassende Agitation hierfür zu entfalten und ihre V.or- bereitungen zu treffen. Insbesondere werden die Organi- sationen gebeten, sich mit ihren Veranstaltungen so cinzurichten, daß ber 12. Mai freiblcibt für die Demonstration der prole- tarischcn Frauen. Die Demonstration wird wieder eine.inter- nationale sein. Schon jetzt steht fest, daß die Genossinnen in Oesterreich und anderen Ländern sich der Demonstration an- schließen. GewerfefcbaftUcbea. Die Cndlvickelung der beiden Bergarbeiter» verbände. Nachdem nun auch der Jahresbericht des Christlichen Bergarbeiter verbände» vorliegt, erscheint— besonders in der jetzigen Zeit der Lohnbewegung, an der der Christliche Verband sich nicht beteiligen will— eine Gegenüberstellung beider Verbände in ihrer Entwickelung sehr interessant. Die Einnahmen beider Organisationen betrugen: Bergarbeiter- verband Beiträge...... 2 239 468,68 W. Eintrittsgeld.... 15575,20, Extrabeilräge.... 46 131,90, Streikbeiträge.... 19 907 75„ Summa. Christlicher Gewerkverein 1 188 649,74 M. 8 077,— 1 146 626,75 M Verband.. Gewerkverein, . 2 322 083,53 M. Da» Uebergewicht des Bergarbeiterverbande» tritt klar hervor, Die Mehreinnahmen de» Verbandes betrugen 1 175,456 M. Auch die Einnahmen des BergarbeiterbandeS an Beiträgen sind im letzten Jahre gestiegen, während die des Gewerkvereins christlicher Bergleute gesunken sind. Einnahmen für Beiträge 1910 1911 2 122 877,66 2 239 463,68+ 116 591,02 M. 1 138 866,25 1 188 549,75— 816,50 M. Wir haben guten Grund zu der Annahme, daß der Rückgang der christlichen Organisation viel stärker ist, als er in der Beitrag» leistung zum Ausdruck kommt. Die beweglichen Töne des christ lichen Organ»»Der Bergknappe' über diesen Rückgang lassen unsere Annahme auch berechtigt erscheinen Riesig groß ist der Unterschied der beiden Organisationen in der Ausgabe. Der Bergarbeiterverband hatte schwer« Kämpfe zu führen, während die christliche Organisation nichts tat oder Kämpfe unmöglich zu machen suchte.— Die Ausgaben der beiden Ver- bände betrugen: Streik- und Gematzregelten- Unterstützung..... Sterbegeld....... Arbeitslosenunterstützung.. Krankenunlerstützung... Prozesse, Strafen u. Rechtsschutz Verband 1592 321 M. 91776, 33 031. 851425, 111238. Gewerkverein 163 965 M. 75 680, 4 355. 214 949, 67 822. sich bescheiden mußte, wegen groben Unkug» ia V M. Geldstrafe zu beantragen, denn— die bloß» Ausstellung ver Strerkposten habe schon«me große Beunruhigung unter den Lrbetr«wtlligen hervor- gerufen. Trotz dieser scharfsinnigen Begründung mußte der Herr Vertreter der Anklage den Schmerz erleben, daß da» Gericht den Angeklagten freisprach._ Zur Lohnbewegung der oberschlesischen Bergarbeiter. In einer Konferenz von Vertretern der Bergarbeiter- organisationen wurden nochmals die Arbeitsverhälmisse der ober- schlesischen Bergarbeiter besprochen und nach längerer Beratung wurde der Beschluß gefaßt, an den Oberschlesischen Berg- und Hüttenmännischen Verein als Vertretung der oberschlesischen Berg. Werksbesitzer sofort eine Eingabe einzureichen, in der eine Erhöhung deS Arbeitsverdienstes um 15 Proz. gefordert wird. Diese Forderung ist von Vertretern folgender Organisationen unterzeichnet worden: Verband der Bergarbeiter Deutschlands daß die tarifbrüchigen Unternehmer der Organisation der Gesellen zu weiterem Vorgehen freigegeben werden sollen._ Zerstörte Terrorismuslegende. Aus Halle a. S. berichtet man uns: Gelegentlich de» im August v. I. auf dem Zementwerk Grünau bei Nielleben aus- gebrochenen Streiks hatte die bürgerliche Presse wieder einmal ein furchtbares Terrorismusgeheul über angebliche Taten der Strei- kenden angestimmt. Am Streike nickt beteiligte Personen waren eines Abends mit rabiaten Arbeitswilligen in Differenzen geraten und hatten einige Fensterscheiben der Fabrik eingeworfen. Die Scharfmacherpresse schrieb damals von einem.Landfriedcnsbruch', der das Schwurgericht beschäftigen werde, usw. Vorgestern kam nun endlich der langersehnte Prozeß vor dem Schöffen- g e r i ch t zur Verhandlung. Tie Arbeiter Rauhe und Stein- b a ch von Nietleben, die damals als Leiter des Streike? bezeicknct wurden, sollten sich am 21. August v. I. der Bedrohung, der Nöti- gung durch Körperverletzung und de? Vergehens gegen 8 153 der Gewerbeordnung schuldig gemacht haben. Alle diese Straftaten sollten sie fünf Arbeitswilligen gegenüber begangen haben, die von Breslau kamen. Nach der Vernehmung der fünf Arbeitswilligen, k die eidlich bekundeten, von den Streikenden in keiner Weise' bedroht worden zu sein, und nur betätigten, im Streik- lokal gepflegt worden zu sein, sowie das Geld zur Rückreise in ihre Heimat erhalten zu haben, wurde seitens de? Gerichts auf den angebotenen Entlastungsbewcis verzichtet. Da» Schöffengericht erkannte auf die beantragte Freisprechung der beiden Angeklagten. führen, finde aber im Gesetz keine Grundlage. E» sei hier zu be- rücksichtigen, daß da» Gesetz über den Versicherungsvertrag im§ 159 für den Fall ver Kinderversicherung ausdrücklich Bestimmungen treffe, die die Direktive geben für diese Versicherung. Von einer Karenzzeit sei da nicht die Rede. Im übrigen sei aber da» Statut nach jenen Bestimmungen eingerichtet, das heißt es widerspreche ihnen nicht. Die Ansicht des Polizeipräsidenten, daß die fragliche Bestimmung dem Gesetz widerspreche, sei daher verfehlt. Finde aber die Forderung des Polizeipräsidenten im Gesetz keine Be- gründung, dann müsse sie außer Kraft gesetzt werden. Krankenkaffenwahl in Stolp. Bei der am 20. Februar in Stolp in Pommern stattgefundenen Wahl von Arbeitnchmervertretern siegte die Liste der vom Gewerk- schaftskartcll aufgestellten Kandidaten mit 785 Stimmen gegen 535 des christlich-nationalen Mischmaschs. Der Sieg ist um so bemerkenswerter, als unsere Genossen seit sechs Jahren vergeblich einen zähen Kampf führten. Hoffentlich bleibt der Sieg ein dauernder._ Kampf um das Mandat eines sozialdemokratischen Gemeinde- Vertreters. In Althaldensleben im Regierungsbezirk Magdeburg war am 15. März 1910 der sozialdemokratische Kandidat, Handschuhmacher Ring, mit 117 Stimmen gegen 100 Stimmen, die auf die beiden Gegenkandidaten fielen, gewählt worden. Tie Gemeindevertretung erklärte auf einen Einspruch hin die Wahl für ungültig. Sie schloß sich dem Protest an, in dem unter anderm behauptet worden war, oatz bei der Wahl des Wahlvor- standes, beziehungsweise der Beisitzer, etwa 10 Personen mitgewirkt hätten, welche nicht zu den eingeschriebenen Wählern gehört hätten. Ferner sei es so voll im Saal hätten in den Saal gelangen daß manche Wähler nicht önnen. Manche hätten au» dem Haufen heraus den Kandidaten gerufen. Auf die Klage Rings, der die Angaben deS Proteste» bestritt, erklärte der Kreisausschuß seine Wahl für gültig. Das Kreis- gericht führte aus, es habe sich um den größten Saal deS Ortes gehandelt, der für alle Platz gehabt habe. Wenn einer wirklich nicht hineingekommen sei, dann würde dessen Stimme am Resultat« nichts geändert haben. Der Bezirksausschuß Magdeburg erhob � Beweis und erklärte unter Aufhebung des Urteils des Kreisausschusses die Wahl für ungültig. Er führte aus: Ter Zutritt zum Lokal sei durch die am Eingang herumstehenden Leute außerordentlich erschwert ge« wesen. Das habe der Bezirksausschuß für erheblich gehalten. Die Aussagen der Zeugen wichen ja nun zum Teil voneinander ab. Das erkläre sich daraus, daß jeder zu einer anderen Zeit das Wahl- lokal aufgesucht habe. Soviel gehe aber daraus hervor, daß oer Zutritt zum Wahllokal nicht unerhebljch erschwert gewesen sei. DaS genüge, um das Endergebnis zu einem zweifelhaften zu machen, zumal wenn man enväge, daß zahlreiche Leute bei einer Schwierigkeit, ins Wahllokal zu gelangen, ton der Wahl ganz ab- sähen. Ziehe man in Betracht, daß die MWorität keine große ge, Wesen sei und einige weggegangen seien, ohne zu wählen, dann müsse man dazu kommen, daß daS ErgehniS nicht als der reine Ausdruck des Willens der Mehrheit gelten könne. Da Wahl müsse daher für ungültig erachtet werden. Genosse Ring legte Revision ein, welche in der Verhandlung am Dienstag der Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenberg vertrat. Der Anwalt rügte nach verschiedenen Seiten das Urteil als durchaus unzulänglich. Unter anderem hob er auch hervor, daß der Ver- treter der Gemeindevertretung in Abwesenheit des Kläger? vor dem Bezirksausschuß behauptet habe, die Ungemütlichkeit im Lokal(er meint das Zusammenstehen der Wähler an der Tür) auf eine Ab- ficht der Sozialdemokratie zurückzuführen sei, die Wahl zu stören. Möglicherweise sei der Ausfall des Urteils der Vorinstanz darauf zurückzuführen. Eine solche Absicht habe aber nicht im mindesten bestanden. Die Sozialdemokraten hätten eher ein Interesse daran gehabt, daß noch mehr Wähler erschienen. DaS Urteil sei übrigen» schon rein rechtlich unhaltbar. Das Lberverwaltungsgericht hob das Urteil des VezirkSau?» schusses auf und verwies die Sache an die erste Instanz, den Kreis. -auSschuß, zurück. ES wurde ausgeführt: Es sei ein Rechtsirrtum, wenn der Bezirksausschuß davon ausgehe, daß die Wahl ungültig sei, weil, wie er sage, die Wahlteilnahme nicht unerheblich erschwert gewesen sei. DaS genüge nach Ansicht des LberverwaltungSgerichtS durchaus nicht. Nur eine tatsächliche Verkümmerung der Wahl würde sie ungültig machen. Eine solche sei aber durch da» Zu- sammenstehen an der Tür nicht herbeigeführt worden, wie bei freier Beurteilung angenommen werden müsse.— Der KreiSauS- fchuß müsse sich aber deshalb nochmal mit der Sache befassen, weil in den Urteilen gar nicht der Einwand berücksichtigt worden sei, daß es bei der Wahl der Beisitzer deS WahlvorstandeS nicht richtig zugegangen sei. Der Wahlvorstand sei aber so wesentlich, daß Fehler bei seiner Wahl die Wahlhandlung ungültig machen. 2 179 841 M. 531771 M. Die Ausgaben für BerbandSorgane und Bildungszwecke be trugen beim Bergarbeiterverband 136 052 M.. beim Gewerkverein 113 510 M. Noch größer tritt die Untätigkeit der größten christlichen Arbeiterorganisation hervor, wenn die in den letzten sechs Jahren für Streikunterstützung gemachten Ausgaben zusammengerechnet Werden. Es gaben an Streik- und Gemaßregeltenunterstützung aus 1906—1911 Bergarbeiterverband.. 3 191 924 M. Gewerkverein.... 863 037. Der Vermögensbestand betrug am Jahresschluß beim Berg- arbeiterverband 3 711 935 M., beim Gewerkverein 2 101 722 M. Hätte der christliche Gewerkverein auch annähernd solche Kämpfe ge- führt wie der Bergarbeiterverband, er wäre vollständig finanziell aufgerieben. Bor Kämpfen hütet sich aber diese Organisation. An- scheinend soll e» auch für die Zukunft so gehalten werden.— Werden die christlich organisierten Arbeiter noch länger auf eine wirkliche Interessenvertretung verzichten? Kerlin unck Umgegend» Die Kernmacher und der letzte �ormerstreik. Die in den Eisengießereien beschäftigten Kernmacher und Kernmacherinnen versammelten sich am Mittwochabend in den .Borussia-Sälen', Ackerstraße, zu einer Besprechung über d i e Lage nach dem Streik. Tie Kernmacher haben sich damit abfinden müssen, daß für sie bei dem Abschluß des Streits keine Verbesserungen erreicht wurden; aber sie sind empört darüber, daß sie sich in vielen Betrieben Verschlechterungen ihrer bisherigen Lage gefallen lassen sollen. In der A. E. G., Turbinenfabrik und Esiengießerei, mußten sich die Kernmacher gegen Lohnkürzungen energisch zur Wehr setzen; auch mit der Wiedereinstellung der Kernmacher ließ man sich dort viel Zeit und der 31. Januar war schon verstrichen, als die letzten wieder eingestellt wurden. Bei B o r s i g ist manches schlechter bestellt als vor dem Streik. Bei Gebauer herrschte über Lohnkürzungen so viel Unzufrieden- heit, daß ein Streik der Kernmacher ausbrach, der 14 Tage dauerte. bis man das Versprechen einer Zulage von 2 Pf. erhielt. Es wurde empfohlen, den Betrieb von Gebauer möglichst zu meiden. Bei L. L o e w e hat sich an den bisherigen,.sehr verbesserungsbedürftigen Zuständen nichts geändert. Hier klagen besonders die Kernmacherinnen über rücksichtslose Ausbeutung ihrer Arbeits- kraft. Am Streik hatten sich alle Kernmacherinnen, 36 an der Zahl, beteiligt. Während davon 8 andere Arbeit fanden, hielten die übrigen 23 aus bis zum letzten Tage. Sie müssen— bei gleichen Leistungen— 40 Proz. billiger jabeiten als ihre männlichen Kol- legen. Bei der Abrechnung würden oft so viele Schwierigkeiten gemacht, daß manche mit Abschlagslöhnen von 2, 4, 8 und 9 M. pro Woche nach Hause gehen müssen. In einem Falle erhielt eine Arbeiterin 50 Pf. als Abschlagslohn für die Woche. Obgleich wenig zu tun ist, werden immer neue Leute eingestellt, um dadurch einen Druck auf die übrigen Arbeiter auszuüben. Die Verhältnisse in zahlreichen anderen Betrieben wurden noch einer Kritik unterzogen, wobei mehrfach auf die Schäden der Ueberstundenarbeit hingewiesen wurde. Die Kernmacher sind nicht gesonnen, sich Verschlechterungen ihrer Loge gefallen-zu lassen. Als vorheugende Mahregeln werden empfohlen, W e r k st a t t- Versammlungen mindestens alle 4 Wochen abzuhalten, um gegen D Mißstände und Schäden sofort gemeinfam einschreiten zu können; ferner tüchtige und erprobte Vertrauens- l e u t e zu bestellen, und dann gegen die Ueberstunden- arbeit energisch Front zu machen, was um so mehr notwendig ist, als für die Ueberstunden keine Extravergütung gezahlt wird. Die Kernmacherinnen sollen möglichst unterftützt werden, um Widerstand gegen weitere Bedrückung leisten zu können. Eine gute Organisation und die Bekämpfung der Gelben darf nickt vernach- lässigt werden.— Die Versammelten waren mit diesen Vorschlägen durchaus einverstanden; allgemein wurde betont, daß man allen Verschlechterungen der Lage den nötigen Widerstand entgegensetzen müsse._ Achtung, GastwirtSgchilfen! Die Lohnbewegung im„WirtS- Haus zum Hackepeter", Inhaber R i e m a n n, Kommandanten» straße 72, ist beendet. Der vorgelegte Vertrag ist unterschrieben, und die gestellten Forderungen sind bewilligt. Verband deutscher GastwirtSgehilfen. Ortsverwaltung Berlin I. Deutsches Reich. Streikposten, eine Beunruhigung der Arbeitswilligen. Weil sie sich gegen Reckt und Gesetz anläßlich des Streiks der Porzellanarbeiter in Neuhaldensleben vergangen haben sollten, und zwar bei ihrer Tätigkeit als Skreikposten, hatten sich acht Angeklagte vor dem Schöffengericht Neuhaldenslede» zu ver- antworten. Obwohl nicht weniger als ein Polizei kommissar, vier Polizeibeamte und zwei Arbeilswiilige als Zeugen aufgeboten worden waren�fiel das Beweisergebnis so mager aus. daß der AmtSanwall..._________________ Verantw. Redakteur: BlbertWachS, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Beri-n. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u, Verlagsanstalt PaulSingeraEo., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSbl. Soziales. Ist bei Kinderversicherung gegen Strrbefall eine Karenzzeit erforderlich? In einem Rechtsstreit der Sterbrkass« ehemaliger Pflugscher Arbeiter zu Berlin gegen den Berliner Polizeipräsidenten als Auf. ichtsbehörde war diese, für alle entsprechenden privaten Versiche- rungsverträge wichtige Frage zu entscheiden. Die genannte, seit 1869 bestehende Kasse hat in ihrem§ 15 die Sätze aufgeführt, welche als Sterbegeld gezahlt werden. Bei Kindern bis zu vier Jahren beträgt danach das Sterbegeld 20 M., es wird also auch schon bei Kindern gezahlt, die weniger als ein Jahr alt sind. Das Statut wurde genehmigt. Nachträglich machte aber eine andere Sterbekasse, der die Genehmigung zur gleichen Fassung nicht gegeben wurde, die Aufsichtsbehörde darauf aufmerk- am, daß ja doch die Kasse ehemaliger Pflugscher Arbeiter schon Sterbegeld beim Verscheiden von Kindern unter einem Jahre zahlen dürfe. Der Polizeipräsident erließ nun an die Sterbekasse ehemaliger Pflugscher Arbeiter, beziehungsweise an ihren Vorsitzenden Gustav Wcgner, unter Berufung auf das Reichsgesetz über die privaten Versichcrungsunternehmungen von 1901 und auf§ 159 des ReichS- gcsetzes vom 30. Mai 1908, betreffend den Versicherungsvertrag. eine Aufsichtsverfügung. Darin wurde gesagt, daß daS Statut den Anforderungen, die an eine Kinder-Sterbegcldversicherung gestellt werden, insofern nicht entspreche, als eine Karenzzeit für die Kinder bis zum vollendeten ersten Lebensjahr gefordert werden müsse. Der Vorsitzende wurde deshalb aufgefordert, durch eine Kassenver- ämmlung eine Beschlußfassung dahin zu veranlassen, daß durch las Statut hinfort festgelegt wird, daß beim Tode von Kindern vor Bollendung des ersten Lebensjahres überhaupt kein Sterbegeld gezahlt wird.- �. Wegner klagte auf Aufhebung dieser dem Gesetz wrdersprechen. den Verfügung. Das Oberverwaltungsgericht gab dieser Tage der durch den Vorsitzenden Gustav Wegner persönlich vertretenen Klage statt und etzte die Verfügung de» Polizeipräsidenten mit folgender Be- gründung außer Kraft: Allerdings könne nach dem Gesetz über die privaten Versiche- rungsunternehmungen die Aufsichtsbehörde Anordnungen treffen, das Statut dem Gesetze entsprechend zu machen. Die Anordnung de? Polizeipräsidenten, die von ihm verlangte Karenzzeit einzu- Letzte Nachrichten. Zum Kohlengrabcrstreik in England. London, 22. Februar. Amtlich wird gemeldet: Auf Vorschlag des Premierministers A s q u i t h haben die Kohlenbergwerkbesitzer ein Komitee für weitere Verhandlungen mit der Regierung ernannt. Vertreter der Bergarbeiter werden am Dienstag wieder mit dem Premierminister zusammentreten. Russische Hängepolitik. Teheran, 22. Februar. Wie die.Franks. Ztg.' meldet, wurden heute 4 Verbrecher öffentlich aufgehängt; weitere sollen folgen. Die Regierung will ihre Stärke beweisen. Russischer Studeutenstreik. Petersburg, 22. Februar.(P.-C.) Eine Gruppe Petersburger Hochschüler hat eine Aktion eingeleitet, die bezwecken soll, einen allrussischen Studentenstreik herbeizuführen. In einer veröffent- lichten Proklamation wird einerseits auf die mißlichen Verhältnisse an den Hochschulen hingewiesen, andererseits der zehnte Jahrestag der Kiewer Studentenunruhen erwähnt, der nicht unbeachtet ge» lassen werden dürfe. Die Führer der Aktion haben sich bereit» mit den Studenten fast aller russischen Hochschulen in Verbindung ge- setzt und hoffen zum Anfang März mit dem Generalstreik der ge- samten russischen Studenten emsetzen zu können. Aus der Aviatik. Pau, 22. Februar. haltenden Landwirt e und der Arbeiterschaft liegt und ihnen eine ganz bedeutende Erleichterung schaffen würde.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der ZcntrumSredner Herr Herold meinte, die Gesetzgebung könne doch die Preise nicht regulieren, und kam dann mit dem alte» abgestaiideiien Witz, man köimte die Gesetzgebung sonst ja auch für die Dürre des Sommers verantwortlich machen. Durch Aufhebung der Zölle würde die Rcichskaffe, meinte er. 70 Millionen Mark pro Jahr verlieren, für die keine Deckung da sei. Die Landwirtschaft selbst brauche Futtermittel, aber der größte Teil derselben sei ja zollfrei. Der F u l t e r g e r st e z o l l sei so niedrig, daß trotz de« selben 23'/z Millionen Tonnen Futtergerste eingeführt seien. Und dann kam das interessanteste an seiner Rede, nämlich die Land- wirlschaft wolle durch die Schutzzölle nur angemessene Preise erzielen, um die Produktionskosten decken zu können. Was an- gemessene Preise für die Landwirtschaft sind, verschwieg er weise und ebenso schwieg er sich darüber aus, wie sich die ProduliionSkoften zusammensetzen. Ich werde daher darauf eingehen. Also die Gesetzgebung soll nach Herrn Herold die Preise nickt regulieren könne». Dabei beweist doch der W u ch e r- t a ri s, daß Sie(nach rechts) mit Erfolg eine solche Preisregiilierung durch die Gesetzgebung angestrebt haben. Jeder Doppelzentner Weizen tvird dadurch um 5,50 M. verteuert, jeder Doppelzentner Roggen um 5 M., Futtergerste wird, wie Herr Herold selbst anführte, 23>/z Millionen Tonnen eingeführt, die um 30 Millionen Marl verteuert sind, eine Summe, welche die kleine Landwirtschaft zahlen muß. Und was Sie durch den Wuchertarif nicht erreicht haben, haben Sie durch da-Z skandalöse System der Einfuhrscheine erreicht. Dadurch haben Sie es fertiggebracht, daß dem Reich 122 Millionen als Aus- fuhrprämie bezahlt iverden, so daß in Rußland und Dänemark d a S Vieh mit gutem deutschen Getreide gefüttert wird; daß deutsches Getreide in Rußland vermählen wird und die übrig bleibende Kleie mis dann zu einem höheren Preise vcr- kauft wird, als sie in Rußland das Getreide bezahlt haben.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Wen» Sie selbst sagen, die kleine Landwirtschaft hat Interesse an billigem Futter- mittel sy helfen Sie uns doch, die Zölle ausheben, und wenn Sie nicht wissen, woher Sie den Einnahme- anSfall für die Rcichskasse decken sollen, so bcseiligen Sie doch das fluchwürdige System der Einfuhrscheine. und wenn Ihnen das nicht genügt, so sind wir gern bereit. Ihnen mit einer R e i ch s v e r m ö g e n s-, einer R e i ch s e i n k o m in e n- und einer Reichs Nachlaß- steuer zu helfen.(Sehr gul! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der größte Teil der Futtermilrcl zollfrei eingeht, so beweist das doch nicht, daß wir mit der Aufhebung der Zölle auf Mais und Futtergerste warten sollen, denn die Preise der zollfreien Futter- mittel iverden ja auch sehr wesentlich beeinflußt von dem Preis der mit Zöllen belegten Futtermittel. Das geht aus einem Vergleich der Preise sehr deutlich hervor. ' Und nun zu den Produktionskosten. Zu den Pro- duktionsmitteln der Landwirtschast gehört doch in erster Linie der Grund und Boden, dann das Vieh, die Rohstoffe, die Futtermittel. Wollen Sie die Produktionskosten erniedrigen, so dürfen Sie doch nicht so verfahren, daß aus diese Produktionsmittel Zölle gelegt und sie dadurch verteuert werden. Wollen Sie rationell verfahren,� so müssen Sie mit uns stimmeii für die Beseitigung d i e s e r verteuernden Zölle auf Futtermittel. Sie müsicn mit»Iis stimmen dafür, daß alle die Mittel beseitigt werden, die zur Steigerung der B o d e n p r e i s e beitragen. Sie miisscil mit ims für die Beseitigung der E i s e n z ö l l e, der Jndustriezölle stimmen, die ja die notwendigsten Produktion«- mittel verteuern. Und vor allein müssen Sie mit uns stimmen für die Aushebung der Getrcidczölle, die ja gerade daS allernotwendigste Produktionsmittel der Landwirt- schafl in die Höhe getrieben habe».(Zuruf rechts: der Weizen ist jetzt billiger!) DaS ist mir neu. Es hat allerdings eine Zeit gegeben, wo bei Ihnen der Weizen blühte, davon halte aber der Landarbeiter gar nichts. Bitte, lesen Sie nur meine Rede vom 17. Oktober 1002 nach(Große Heiterkeit), wo ich Ihnen nach- wies, tvie niedrige Löhne die Landarbeiter bekommen. Jede Zoll- erhöhung soll ja auch preisstcigcrnd wirken und in den jeweiligen Einnahmen der Besitzer zum Ausdruck kommen. Und damit muß auch die Grundrente steigen und beim Besitzwechsel kommt die ge- steigerte Grundrente kapitalisiert in gesteigertem Preise für Grund und Boden zum Ausdruck.(Sehr richtig! bei den Sozialdemolraleu.) DaS werden doch die Herren rechts auch nicht bestreiten kömie». Professor Brentano berechnet die Mehreinnahmen infolge der Getreidezölle auf eine Milliarde Mark. Daraus entstand natürlich ein kolossales Steigen der Preise von Grund uild Boden, bei dem auch ein starkes Steigen der Hypotheken zu verzeichnen ist. Es ist auch nachgewiesen, daß diese Steigerung der Bodenpreise bei den großen Gütern sehr erheblich höher ist als bei den kleinen. Von 1903 bis 1909 betrug diese Steigerung bei Gütern über 500 Hektar 53 Prozent. Selbstverständlich haben die größten Besitzer auch den größten Nutzen, die kleinen Besitzer haben von der Preissteigeruiig des Grund und BodeuS nur eines, die Möglichkeit, höhere Hypotheken aufzunehmen. Es ist schon soweit gekommen, daß die Pächter für die Pacht, die der Zollwucker in die Höhe getrieben hat, sich schinden und quälen müssen und daß die kleinen Besitzer kaum diese Hypotheken- z i n s e n aufbringe» können, die ihnen die faniose Zollpolitik aufgehalst hat. Die Verschuldung deS Grundbesitzes hat sich durch die Wirkungen des Zolltarifs ganz erheblich gesteigert. WaS Ihnen ein Sozialdemokrat sagt, mag eS auch noch so richtig sein, das werde» Sie immer bestreiten. Ich kann Ihnen aber Autoritäten aus Ihren eigenen Kreisen anführen, die genau das- selbe ausgesprochen haben. Ein klassischer Zeuge wird doch auch für Sie der preußische Land wirtjchafts minist er Herr v. Arnim sein, der 1903 im preußischen Abgeordnetenhause aus- „Maison du Peuple" hervorheben, die mit dem Vortrag eines Marsches von Peter Benöit und der Tannhäuser-Ouvertüre zeigten, wessen Arbeitermusiker fähig sind. Der Vortrag eines von dem sozialistischen Dichter des Borinage den Bergarbeitern gewidmeten Gedichts gab dem Abend sein poetisch-politisches Relief. In einer Ansprache dankte Vanderveldc den hilfsbereiten Künstlern, die als Landsleute der Bergarbeiter sich als Bsüder gezeigt hätten. Ein SommervolkShcim.„Sonntag nach Mittag.— Tief im Gcwirrc der grauen Vorstadtgasien steht, wcitzglänzend in der jungen Taghelle, das Haus der Sonne, daS Schloß der Freude, das Volksheim. Sein mächtig Tor ist weit entriegelt. Eine dichte Schar drängt sich durch: die fchonheitshungrige und bildungssüchtige Proletcnjugend. Aber auch manch gereifter Mann zwängt sich mit den anderen in diesen Dom des Wissens. Und hier und da blinkt der silberne Scheitel eines greisen Menschen aus der Menge.... Breite, helle Stiegen empfangen die Kameraden. Ein endloses Staunen trägt sie von Saal zu Saal. In einem stehen große Kasten mit allen möglichen Tieren, Pflanzen und Steinen. In einem anderen spiegeln sich mächtige Retorten in der Glanz- fläche metallischer Geräte. Und so dehnt sich Raum an Raum. Jeder eine Werkstättc zum Veredeln jener Menschen, die nicht das Geld haben, teure Bildungsanftalten zu besuchen.— Köstliche Bilder hängen an den Wänden. Ucberall Schönheit." So schildert Genosse Pctzold das W i euer Volksheim, jene Stätte echter Volksbildung und schönster Lebensfreude, die durch Zusammenwirken volksfrcundlichcr Männer der Wissenschaft und taufender bildungsbcflisscncr Proletarier Wiens erhalten lvird. Zahllose Borträge und Kurse, Konzerte und Kunstabendc aller Art tragen von da Licht und Schönheit in die dunkelsten Heime. Und wieder geht von dort aus eine neue Bewegung, die dem Gedanken der Verkündigung von Erholung und Volksbildung neue Bahnen zu bereiten verspricht: die Gründung des Com m ervolks- heims a in S c in m e r i n a. Etwa 80 5lilomcter von Wien cn:- fcrnt, 700 Meter hoch, in herrlichster Gebirgslandschaft, soll ein Grundstück mit Haus gemietet oder gekauft werden, das den ständi- gen Volksheimschülern(etwa 2000) gegen ein geringes Entgelt von 3— 4 Kronen täglich Sommcraufcnthalt gewähren soll. Das Haus bietet Platz für 100 Personen. Der Aufenthalt soll für die Belehrung, unter Voranstcllung der eigenen Anschauung. nutzbar gemacht werden, indem man nacheinander die Teilnehmer gemeinsamer Kurse, z. B. für Naturwissenschaft, fremde Sprachen, Philosophie, dort versammelt und ihnen zusammen mit körperlicher Erholung und reinstem Naturgenuß systematische Weiterbildung bietet,„lieber ein kleines," schreibt Genosse I. L. Stern in der „Arbeiter-Zeitung",„weht den Wiener Volksheimlcrn der Alpen- wind um die Stirnen. In treuer Brüderschaft werden die Gleich- gesinnten droben einander finden, in einer Woche die Naturwissen- schafter. im der nächsten die Philosophen, in der dritten die Zeichner und Maler, und so fort. Was sie in Wien nur abends nach schwerer Werkmühe treiben konnten, nun rücke es in den Glanz ihrer freien Tage." Humor und Satire. Theologische Doktorprüfung. Prof.: Können Sie mir sagen, was das Christentum ist Kand.: Christentum ist eine gemeiiisame Bezeichnung für tausend grundverschiedene Religionen vom Fetischismus deS Süditalicner» bis zu», reinen Wortglauben der modernen... Prdf.: Genug, geimg!— Wollen Sie mir sagen, was die Mission bezweckt? Kand.: Das Christentum zu neuen Vö.. will sagen neue Völker zum Christentum zu bekehren. Prof.: Wie erreicht man das? Kand.: Durch Predigen, durch den Unterricht, durch die Taufe,.» Prof.: Und wem, sich die Wilden der Taufe widersetzte»? Kand.: So taufen wir ihre Götzen um! Prof.: Welches ist der Zweck der modernen Philosophie? Kand.: Wissen und Glauben zu versöhnen! Prof.: Wie erreicht sie das? Kand.: Durch Worte..., will sagen durch Metaphysik. Prof.: Welche sind ihre beliebtesten Kunstgriffe? Kand.: Das„Ding an sich", das„Absolute Sein", die»Praktische Vernunft!" Prof.: Welches ist die höchstentwickelte Religion? Kand.: Das moderne Christeiitum. Prof.: Wodurch unterscheidet sich eine hochentwickelte Religion von einer weniger entwickelteil? Kand.: Dadurch, daß sie eincn reineren Gottesbegriff hat, und daß sie vom Volk falsch verstanden wird. Prof.: Was verstehen Sie unter einen, reineren GotteSbegriff? Kand.: Einen Begriff, unter dem man sich nichts Klare» vor- stellen kann. Prof.: Wodurch ist ein solcher GotteSbegriff jedem andern überlegen? Kand.: Dadurch, daß man ihn nicht widerlegen kann. Prof.: Könne» Sie mir zum Schluß einen Bibelsatz erwähnen, der die ganze theologische Wissenschaft im Keime enthält? Kand.: Im Anfang war da« Wort, und das Wort war Gott, und Gott... war ein Wort I Notizen. — Ein Freilicht- Museum für Heimatkunde wird von der Stadt Brandenburg geplant. An den Ufern des GördeseeS will man„das deutsche Dorf' in charakteristischen. historisch imd landschaftlich verschiedenen Formen erstehen lassen. — Richard A u d r e e, einer miserer hervorragendsten Gco- graphen und Elhnologc», ist auf cincr Reise von München nach Nürnberg im Alter von 77 Jahren gestorben. Weitere» Kreisen war er durch die Herausgabe von Atlanten bekailiit, besonders sein großer „Allgemeiner Handatlas" erfreut sich einer verdicnteu Ber- breilung. AudreeS wissenschaftliche Arbeiten, die die Geo- graphie, Ethnologie und Vollskniide betrafen, sind gediegen und obwohl im einzelnen veraltet, vielfach unerreicht. In seinen „Ethnographischen Parallelen und Vergleichen" zeigte er mit überraschender Fülle, wie bei de» verschiedensten Völkern und Rassen gleiche oder ähnliche Vorstellungen„nd Einrichtungen wiederkehren Die„Braunschweiger Volkskunde", die er als geborener Braun- schweiger mit besonderer Liebe pflegte, ist schlechthin die beste Volks- kimdliche Leistung in Deutschland. Seine imspezialistische Vielseitig- keit bewährte A. auch als Herausgeber der von seinem Vater be- gründeten Zeitschrift„GlobuS". die jetzt leider durch die Verfchmclzima nnt einer anderen ihre Eigenart verloren hat. führte, dah die Vorteile der Zollgesehgedung für die Landtvirte schon in einer Generation durch die höbcren Schulden ausgeglichen sein würden. Die Zollgesetzgebung hätte dann nichts genützt, sondern sogar geschadet, denn wenn eine'.Verminderung oder Aufhebung der Zölle eintritt, dann würden Katastrotzben allcrschliniinster Art die Folge sei». Was hier der Minister in einem lichten Augenblick gesagt hat, dasselbe haben mir seit Be» ratnng des Zolltarifs immer wieder betont. Ich gebe mich nicht der Hoffnung hin. das; Sie szur Rechten) Einkehr halten. Ach nein, Ihr Geldbeutel würde ja dabei in Gefahr kommen, und wo das eintritt, sind Sie innner bereit, alles für die Füllung Ihres Geldbeutels zu tun. fGelächtcr rechts.) Es wird von den Herren so dargestellt, als bestände eine wirk- liche Jnteressensolidarität zwischen Grog- und Kleinbesitz in der Landwirtschaft. Ich bestreite diese Jnteressensolidarität ganz eut- schieden und behaupte vielmehr, dafz der Gegensatz zwischen Grog- und Kleinbetrieb in der Landwirtschaft ein unüberbrGel- barer ist. dag die Interessen des GrotzgrnndbesitzeS ganz entgegen- gesetzt denen dcö KleinbesitzeS sind. Wenn weiter gefragt ivnrde, ob ivir nur die Futtermittelzvlle oder auch die übrigen Zölle beseitigen wollten, so antworte ich: Ja gewisi, mit Vergnügen. Es sollte doch auch den Herren von der Rechten bekannt sein, daß Ivir Gegner des Z o I l s y st e m S sind, ohne uns dabei auf den Boden der alten Freihandelstheorie zu stellen. Wir sind mich so klug, einzusehen, daß die Aufhebung der Zölle nicht mit einem Male geht, sondern daß man dazu auch eine gewisse Zeit braucht. Deshalb verlangen wir auch zunächst, daß die driickciidstc» Zölle abgeschafft werden, daß angesichts der allgemeinen Teuerung zunächst die Fultermittelz ö lle und die Kart osselzölle beseitigt werde». Wir lverden sicher zu geeigneter Zeit auch mit Vorschlägen toinmeii, die zur Abschaffung der übrigen ilebenSiilittelverteuerungS- zolle führen ivcrdcn. Ihre ganze Schutzzollpolitik führt zu einer ungeheuren Verteuerung aller LebenSgenußinittel und der wichtigsten ProdnltionSmitlel der kleinen Landwirte. Wir stehen vor tvie»ach auf dem Standpunkte, daß die ganze Schutzzollpolitik mir zu einer Bereicherung der Groß- grnndbesitzer uirdder reichen Bauern aus Kosten der kleine» Landwirte, der Handwerker und der Arbeiterllasie geführt hat. Die Schutzzölle haben das arbeitslose Einkommen der Reichen in der Stadt und ans dem Lande in geradezu beispielloser Weise ge- steigert. sSchr richtig I bei den Sozialdemokraten.) AuS allen diescu Gründen bekämpfen wir dieses fluchwürdige System der Raubzölle. (Beifall bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts) Nicht Schutz- zoll, sondern Sozialismus, das ist es, was wir erstrebe». Wenn die Negierung heute unserer Interpellation nicht nachgebe» will, nicht nachgeben darf, wenn sie die kleine Landwirtschasl und die Arbeiterschaft weiter so schwer schädigt, so trägt sie die Ver- antwortung und nicht wir. Wir aber, das kann ich Ihnen schon jetzt sage», wir werden draußen wieder unter das Volk gehen. Wir lverden dem Volke sagen und zeige» an der Hand der Verhandlung dieser Interpellation, was es von dieser Regierung und diesem Reichstag zu erwarten hat, daß, trotzdem die Notlage anerkannt wird, die Regierung sich so im Banne der Junker, so unter der Fuchtel des GroßagrariertumS befindet, daß sie eS nicht wagen darf, anch nur die Hand zu rühren, um die Beseitigung deS all- gemeinen auch von ihr anerkannten Notstandes herbeizuführen. Die Quittung dafür werden Sie(zur Rechten) erhalten, iven» nicht eher, bei den nächsten Wahlen. jLachen rechts.) Sie dürfen sich gar nicht ivundern, wenn wir bei der nächsten Wahl noch mit einer viel größeren Stimmen zahl ans den« Plane er- scheinen. Das ist dann Ihr Verdienst, indem Sie schnöderweise eS ablehnen, die Not der armen Bevöllerimg zu beseitigen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.— Huhuruse out der Rechten.) Schatzsekretär Wermnth: Ich finde nicht, daß die Interpellation in eine besonders glückliche Zeit fällt. Wir sehen gerade gegenwärtig ein entschiedenes Sinken der Preise fast ans allen Gebieten. Bon der F u t t e r g e r st e muß ich allerdings zugeben, daß sie seit der letzten Interpellation im Herbste erheb- I i ch im Preise g e st i e g e n ist. Hier zeigt sich aber gesade, daß der Zoll zweifellos von sehr geringem Einfluß aus die Versorgung Deutschlands gewesen ist. DaS ist mich ganz natürlich, denn im Vergleich zu den Futtergerstepreisen ans dem Weltmarkt ist der Zoll ein sehr geringfügiger. Er bat auch auf die Einfuhr so gut wie gar nicht einwirken können. Die Einfuhr von Fnttergerste int Oktober. November. Dezember und Jannar 1911/12 ist genau so groß, ja noch etwas größer geioesen als tu dem gleichen Zeitraum deS Vorjahres. Was den M a i S anbetrifft, so ist zweifellos der Preis sogar seit der Jnterpellatiou vom März vorigen JahreS ganz erheblich zurückgegangen. Er staub am 23. Oktober auf 171 und ist jetzt wieder auf 167 gefallen, für Juli- und Angiist-Preise sogar auf 158 M. Wie eS scheint, rechnet der Handel darauf, daß in» Frühjahr die Verhältnisse der Versorgung sich gün- stiger gestalten werde», als sie zurzeit find: deshalb ist auch, wie unS von Sachverständigen versichert wird, miziiiiehmen. daß die Verwendung vo» Mais in Brennereien jetzt stärker werden wird. Dadurch würde ja dann, wie das auch die Absicht des Bundesrats ist, eine größere Menge von Ä a r t o s f e l n sür den Konsum reichen. Ich habe das Wort eigentlich nur genommen, um Ihnen mitzuteilen, daß der Bundesrat soeben im S t n it e d e s s e n beschlossen hat. was ick vor einigen Tagen Ihnen als in Aussicht stehend ankündigte, nämlich zu genehmigen, daß aus Billigkeit S grün den Kartoffeln vorjähriger Ernte nach dem 14. Februar bis zum l. April zollfrei eingelassen werden dürfen. lBravo!) Da ist eS uns ja nun mit dem Vorredner übel ergangen, ihm selbst aber auch wohl. Eiitcit schöneren Beweis dafür, daß die Suspension entweder gar nichts nutzt, oder aber auf der äußersten Linken als gänzlich unnütz bezeichnet wird, konnte uuS gar nicht gegeben werden. Der Vorredner hat selbst gesagt, die Suspension nutzt gar nichts, weil nur der Großhandel davon Vorteil hat. Daö ist genau die Deduktion, die wir gegen j e d e S u s p e it s t o it überhaupt vorbringen, nur daß sie leider hier nicht zutrifft, dcrni hier liegen die Ver- hältnisse in der Tat ja anders und deshalb find wir auch hier in der Lage gewesen, dein wahren Sinne deS Zolltarif« gcsetzgebets durch die Suspension zu seinem Recht zu verhelfe». Die Regierung hatte seinerzeit einen Kartoffelzoll überhaupt nicht vorgesehen, er wurde erst in der T a r i s k o in uz i s s i o it beantragt und später angenommen. Man hatte damals keineswegs die Absicht, die im Greuzverkehr für den Konsum bestimmten Kartoffeln mit einem Zoll zu treffen, sondem eS sollte nur ein bescheidenes lleines gärtnerisches Interesse geschützt werden. Wir haben eS hier also keineswegs mit der Durchsetzung eines großen agrarischen oder großagrarischen Interesses zu tun. Wir haben ein großes Ouanlum der vorjährigen Kartoffel in diesem Jabre ein- geführt erhalten. ES tst eine Mehreinfuhr von füitf Millionen Doppelzentnern zu verzeichnen, während im Jahre vorher die Ein- fuhr ebenso groß war wie die Ausfuhr. ES ist auch noch weiter eine große Einfuhr zu erwarten und die wollen wir durch die SuSpendieriiiig des Zolles erleichtern. Also wir glauben vollkommen im Sinne drS Zolltarifs gehandelt zu haben. Ivcnn wir in diesem Falle und zwar ohne In- auspruchnahine der Gesetzgebung lediglich mit den Bcfuguisseu deS Bundesrats zu verwirklichen suchen, daß nicht ausnahmsweise dieses Jahr Kartoffeln zurückgehalten werden oder unter den Zoll von eine Mark fallen, welche sonst eingegangeii wären, und deren Ber- zollung nickt beabsichtigt war. Abg. GirSdertS(•).); Herr A n t r i ck bezeichnet unsere gesamten Zölle als Schutzzölle auf landwirtschaftliche Produktionsmittel. Roggen, Weizen, Hafer. Gerste sind dock wzhl nicht landwirtschaft- liche Produktionsmittel, sondern Produkte.(Lebh. Zust. rechts und im Zentrum.) Die Verschuldung der Landwirte rührt daher, daß zur Anschaffung der Betriebsmittel Kapitalien gehören, die die Landwirte nicht erübrigen können und die sie daher pumpen müssen. Herr S n t r i ck sprach vom Steigen der Güterpretse. Da sollte er nicht bei schweigen, daß dies sehr stark Leentstnßt wird bon den Luxus- a n k ä u f e n v o n G ü t e r n, die von den Städtern gemacht werden. (Lebhaftes Sehr richtig I rechts.) Ich quittiere über das Entgegen- kommen Antricks, daß er die Zölle nicht sämtlich beseitigen will. sondern nur die drückendstem also B r o t w n ch e r auf Abbaul (Sehr gut! im Zentrum.) Sind die Zölle wirklich so verderblich, so müßten sie sofort beseitigt lverden. Die Teucriiiig wirkt sehr nachteilig auf die LebenShaltimg der Bevölkerung. ES sollte vom RcichSamt des Innern alles gesammelt werden, waS zur Beseiligmig der Not namentlich von Kommunen geschehen ist. DaS wichtigste Problem ist die Lebensmittel- Versorgung de S Volkes, und ick bedanre daher, daß in den TeuermigSdeba'tten in den letzten sieben Jahren nicht dieses Problem in der Mitte gestanden hat. sondern lediglich die Agitation.(Unruhe links, Zuruf: Demagoge!) Vizepräsident D»ve bittet, Zwischenrufe zu tinterlasien. Abg. GieSbertS(fortfahrend): Muß ich mich Demagoge be- schimpfen lassen? Vizepräsident Dovc: Ich habe den Zwischenruf nicht gehört, sonst hätte ick ihn gerügt. Ich bitte nochmals, alle Zwischenrufe und Zwiegespräche zu unterlassen, sonst läßt sich die Ordnung deS HauseS nickt aiisrechtcrhaltcit. Abg. GieSbertS(fortfahrend) t Die Frage der Lebensmittel- beschaffung ist nicht bloß eine Frage für den Städter, sondern auch für das Land. Wir müssen die heimische Prodnllioii an landwirtschaftlichen Erzeugnissen möglichst steigern und müssen lohnende Arbeitsgelegenheit für Handel, Gewerbe und Industrie schaffen. Aber nur billige Produlle von der Landwirtschasl fordern und zugleich höhere Löhne für den Landarbeiter ist etivas, waö sich nicht vereinigt. zLebbafte Ziistimnimig rechts und im Zentruni.) Der Schutzzoll ist daher nötig nicht im Jntcreffe dcr Agrarier, sondern der Arbeiter und dcr konsuiuierendcn Bevölkerung.(Lebhaftes Sehr richtig! rechts und im Zentriii». Lachen links.) Bor einigen Jahren schrieb der „Vorwärts", wir hätten eine Marine nicht nötig, im Falle einer Blockade könne unsere Landlvirtschaft unsere Bevölkerung vollständig ernähren. Der JiilandSmarlt ist der belle, schrieb der„Vorwärts" damals. Wenn das alles richtig ist, darf man die deulsche Landwirtschaft nicht zum S v i e l b a I l ausländische» Kuli- getreideö machen,(sehr gut! rechts.) Ich würde die Kritik der Sozialdemokratie ernster nehmen, wenn sie unter sich nur schon über daS Agrarproblem ins reine gekommen wäre. Dies Probleur hat bei Ihnen eine solche Menge Meinungsverschiedenheiten ausgelöst, daß mau einen großen Respekt vor Ihrer Wissenschaft nicht haben kann. Auch die„Leipziger Volkszeit mtg* erkennt in einem Artikel am 24. Dezember 1007 für Rußland an. daß die Ver- armung der Bauern ein HemntniS für die Entwickelung der Industrie ist. Erkennen Sie also doch auch für Teutschland dieselben Grund- sätze an. Die alte Theorie der Sozialdemolratie geht dahin, daß auch in der Landwirtschaft der Kleinbetrieb rettungslos von dem Großbetrieb abgelöst werden müsse. Das sagt auch K a u t S k y. Dagegen be- Haupte» Bernstein, David und andere im Gegenteil, daß der Großbetrieb in der Landwirtschaft d e in Kleinbetrieb weichen m ü s s e. Die Ansichten der Sozialdemokratie in diesen Dingen gehen also so weit attSeinander, daß man unö nicht zumuten kann, ihnen hier zu folgen. Vizepräsident Tove: Herr Abgeordneter, ich möchte Sie bitten, sich etwas mehr a» das Thema zu halten.(Lebhafte Zu- stimmttug links.) Sie sind vielleicht durch vorhergehende AuS- führungen veranlaßt, das ganze Agrarproblem in den Kreis Ihrer Erörterungen zu ziehen; aber ich glaube, die Grenze, wo sie sich noch mit dem Thema berühren, ist jetzt erreicht.(Heiterkeit.) Abg. GieSbertS(Z.): Wenn die Sozialdemokraten von den un- heilvollen Wirkungen der Zölle sprechen, so muß doch daran erinnert werden, daß nach den F e st st e l l u n g e n der G e>o e r l s ch a s t S- kotnmission die durch die Zölle herbeigeführte Verteuerung d u r ch d i e erreichten Lohnaufbesserungen wieder ausgeglichen sind. Es ist festgestellt, daß die Zeit nach Ein- führnng des Zolltarifs eine Periode der Blüte für die deutsche Industrie und Landwirtschaft gewesen und die Lebenshaltung de? gesamten Volkes dabei erheblich gestiegen ist. Natürlich muß die gewerkschaftliche Arbeit fortgesetzt werden, um die großen Gegen- sätze zwischen Besitzenden und Nichtbesitzenden auszugleichen. Nützlicher als solche TeuertmgSdebatlen wäre eine Untermchung der Frage, wie wir die Lebeusmittelversorgmig Deutschlands sicherstellen tonnen.(Beifall im Zentrum.)_ Abg. Wcilnböck(f.): Auf daS Bestehen eines KartoffelzolleS im Frühjahr legen wir Wert zum Schutze unserer kleinen Landwirte. Wer Maltakartoffeln effen will, soll auch dafür be- zahlen. llebrigenS ist die Kartoffel kein so armseliges Nahrungsmittel, wie der Abg. Bock eS gestern hinstellle. Die Kartoffel steht aus dem Tisch desReichen so gut wie des Armen. �Lachen links.) Auch an Fleisch kommt auf den Kopf der Bevölkerung 53 Kilo pro Jahr. WaS soll denn die SuSpendierung deS KartoffelzollS bis zum 1. Mai bewirken. Die Verbilligtmg wird sich in der großen Masse so verkrümeln, daß der Konsunient nichts davon hat. Biel wichtiger wäre die Ausschaltung des überflüssigen Zwischenhandels.— Der Abg. W e n d o r s s bezog sich für die SuSpendierung des MaiSzollS auf den bayerischen LandwirtschaftSrat. Diese Körperschaft sprach sich keineswegs einstimmig dafür anS. und heute würde sie wohl eine andere Stellung eimtehmen, im Jnteresie der Schweinezucht der bayerischen Bauern.(Sehr richtig! rechts.)— Den Beschluß deS LundeSrats auf SuSpendierung des KartoffelzollS bedauern wir auf das lebhafteste, wir erblicken darin eine Durchbrechung des Zolltarifs von 1902.(Bravo I recht».) Abg. Fcgtcr(Vp.): Die Schlachlviehmärlte sollen nach den AuS- führungen des Vorredners nm Schlachtvieh überschwemmt sein. Das ist eben auf den Umstand zurückzusühren, daß die Viehbcsitzer jetzt alles einigerinaßen marklfähige Vieh verkaufen, weil sie nicht über genügend Futter versügen. Im Sommer haben wir mit einer Vtebknapphett und Fleischteuerung zu rechnen, wie wir sie in langen Jahren nicht gekannt haben. Im Interesse einer ausreichenden und billigen Fleischverforgung des Volkes liegt eine Verbilligung der Produktionskosten der Viehzüchter und Viehmäster. Diese Landwirte haben kein Interesse an absolut hohen Verkaufspreisen, sondern an der Differenz zwischen AnfznchtSkosteu und Verkaufspreisen. Weint der Staats- sckreiär immer nur aus die Verhandlungen im vorigen Herbst ver- weist, so vergißt er. daß inzwischen ReichStagSwahlen statt» gefunden haben und daß in diesem Hause sich anch die Ansichlett über die vorliegende Frage gewandelt haben. Allerdings nimmt auch das Z e n t r u m diesmal eine ganz andere Haltung ein als Dr. H e i m bei der vorjährigen Teuerungsdebatte. Der itattonalliderale Redner Abg. Wa in ho ff hat sich nicht ganz klar ausgedrückt; wir hoffen aber, daß die Nalionalliberalen heute noch denselben Staitdpnnkt einnehmen, den im vorigen Jahre die ttatioitalliberaleit Redner vertreten haben. Die koniervativen Redner behaupten immer, sie wünschten einen Fnttergerstezoll von 7,50 M. zum Schutze der Bauern. Die deutschen Bauern würden ihnen dafür wohl wenig Dank wisien. In einem einzigen Landkreise mußten die Bauern 800 OOO®l. Zoll für Fuiicr- gcrste zablen. Würde der Zoll 7.50 M. betrage», so hätte die Zoll- summe Millionen beiragen. Woher sollten denn die Bauern diese Summen nehmen? Auch auS agrarischen Kreisen im Laude kommt mehr und mehr das Verlangen, die Futtermittelzölle herab- zusetzen. Ick) kann nur meiner Genugtuung darüber Ausdruck geben, daß die SuSpendierung der Kattoffelzölle bewilligt worden ist. Um so mehr bedauern meine Freunde, daß die Regierung sich nicht zu dem gleichen Entgegenkommen anch hinsichtlich der Zölle auf Mais, Fnttergerste und indische Erbsen verstanden hat. Ich persönlich würde die vollständige Beseitigung dieser Futter» ni i t t e I z ö l l e sür richtig halten. Der langen Rede des Staats- sekretärs kurzer Sinn war ein hartes NeinI Dadurch hat sich die Regierung wieder ein weiteres Kapital von der Summe der Sympathie in bäuerlichen Kreisen verscherzt. Der deutsche Bauer wird dadurch leicht geneigt sein, sich zu einer Partei zu schlagen, deren starke Vertretung in diesem Hause ja der RcLieruiig so«u- anaenehm ist. Der Staatssekretärr sollte doch den Versuch mit der Aufhebung dcr Zölle machen, dann wird sich ja zeigen, ob er recht hat, daß die Preise steigen, oder wir, daß die Preise sinken.- Die Bestimmungen zur Bekämpfung der Maul- und_ Klauen« seuche werden ganz unverständig bureaukrfc tisch angewendet, so daß bäuerliche Existenzen dadurch geradezu ver« ii i ch t e t werden. Ans diese Handhabung der Seuchengesetzgebniig sollte die Zentralstelle ihr Augenmerk richten. Daß die Regierung ihr Ohr nur einer bestimmten Gruppe leiht, die keineswegs die ge- samte Laudwutschast vertritt, trägt zur Erbitterung der ländlichen Bevölkerung bei und erklärt die Erfolge der Sozial» d e in o k r a t i e. Der Reichskanzler hätte jetzt Gelegenheit zu soloni- scheu Maßregeln, indem er sich unseren Anschauungen nähert und unseren Anträgen und Anregungen nachgibt. Das wäre im Interesse einer gesunden Bauernpolitik. iBravo I bei der Volkspartei.) Abg. Geihart(Wirtsch. Vg.) klagt darüber, wie unrentabel die Landwirlschaft sei. Die reichen Leute, die in den Reihen der Sozialdemokratie sitzen, sollten einmal Güter kaufen, um dies aus eigener Erfahrung zu erkennen. Zollermäßigungen würden nicht preisdrückend wirken und könnten deshalb nicht in Betracht kommen, die Zollpolitik habe vielmehr außerordentlich günstig für den kleinen und mittleren Bauern gewirkt.(Beifall rechts.) Abg. Hrstcrmanil(Bauernbund): Unter den TeuenmgSverhält- nissen leidet ganz besonders auch der kleine und mittlere Bauernstand. Wir Bauern sind auch nichts anderes als Arbeiter, wird sind eben Arbeiter auf eigener Scholle. Zur Gesundung der Verhältnisse in Deutschland ist die Gesundung der Verhältnisse aus dem Lande nötig.— Die sozialdemokratischen Stimmen auf dem Lande stammen vielfach aus Unzufriedenheit der verschiedensten Art; so wurden in einem Dorfe 1907 17 sozial- demokratische Stimmen abgegeben, weil das Bullengeld von 50 Pf. auf 1,30 M. erhöht war.(Große Heiterkeit.)— Mit dcr Snspeiidieruiig des KartoffelzollS bis zum 1. Mai sind wir ein- v e r st a n d e n, dagegen werden wir niemals der Auf- Hebung des KartoffelzollS überhaupt zustimmen und wollen überbaupt kein Glied au» unserem Schutzzoll- s y st e m herausbrechen lassen.(Bravo I rechts.) Bleibt der Schutzzoll der Landwirtschaft erhalten, dann brauchen Sie das wirtschaftliche und literarische Proletariat nicht zu fürchten, am harten Bauern schädel wird es zerschellen.(Lebhaftes Bravo! rechts und laute ironische Bravorufe links.) Abg. Echweickhardt(Bp.) tritt für weitgehende Tarifermäßigungen auf der Eisenbahn ein und weist die gegen den Handel erhobenen Angriffe zurück. Man solle de» Handel nicht für die Fehler der Gesetzgebung verantwortlich machen. Damit schließt die Debatte. ES folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Arnstadt(k.) bestreitet gegenüber dem Abg. F e g t e r, daß er einen Ausruf zum Boykott unterschrieben habe. Abg. Gerstcnberger(Z.) bestreitet, daß er. wie der Abg. Bock gestern anSgesuhrt, in der„Würzburger VolkSzeitung" geschrieben habe, wenn das Fleisch teurer sei, solle man etwas weniger essen. Abg. Bock(Soz.) verweist demgegenüber auf einen ZeiiungS- ausschnitt, in dein daS wörtlich steht. Nächste Sitzung: Freitag 11 Uhr.(EinführungSgesetz zum internationaleii Ueberemkommen zur Bekämpsimg des Mädchenhandels, Verlängerung des Handels- und SckiffahrtSvertrageZ mit der Türkei, Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz, Gesetzentwurf zur Aendernng des ReichSmilitärgesetzcS und deS WehrpflichtSgesctzeS.) Schluß 6 Uhr._ Mgeoränetenbaus. 2 0. Sitzung. Donnerstag, den 22. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Bescler. Ter Justizetat. Zweiter Tag. Llbg. Dr. Liebknecht(Soz.)': Wenn selbst ein Abgeordneter, wie Herr Bochmcr. sagt, daß die Richter Kritik nicht nur Verträgen, sondern geradezu wünsche», so wird man unsere Kritik am Justizetat nicht mehr aus die bloße Absicht des Hcrunterreißens zurückführen können. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich beginne diese Kritik auch in diesem Jahre wiederum mit dcr Feststellung, daß selbswer- ständlich unser preußischer Richterstand in seinem Gros durch- aus intakt ist, daß sich eine außerordentlich große Zahl prcußiscknr Richter die allergrößte Müh« gibt, mit UnPartei- l> ch k e i t ihrs Amtes zu walten, und daß diese Herren vielfach auch imstande sind, ihre Bestrebungen durchzusetzen. Ich verkenne auch keineswegs, daß innerhalb der S t a a t s a n w a l t s cha st viele durchaus tüchtige Herren ihres Amtes walten, die sich Mrihe geben, anerkennenswerte Unparteilichtett zu üben. Aber wir sind trotzdem genötigt, einzelne Mißstände inimer wieder bervorzu- heben und darzulegen, daß unsere heutige Justiz den Anforde- rungcn der Zeit und der Gerechtigkeit nicht völlig genügen kann, aus Gründen, die ganz und gor außerhalb des guten Willens der einzelnen Richter liegen. Zunächst wende ich mich zur Kriminalpolizei, die ja auch dem Justizministerium untersteht. Es ist in letzter Zeit wiederholt in Erscheinung getreten, daß Kriminalpolizei- beamte das Bestreben haben. Prozcßc ganz unpolitischen Eharaktcrs zu S e n s a t i o n S p r o z e s s c n zu machen. Das ist besonders intepeffant angesicküs der vielfach geübten Kritik, daß nämlich die Verteidigung Sensalionsprozcsse zu provozieren suche.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) ES gibt in Berlin gewisse Kriminal- kommissare, die sich die größte Mühe geben, an und für sich gering- fügige Tinge zu großen Massenprozessen zusainmenzuzieben, um auf diese Weise das Auge der Ocffentlichkcit auf ihre Tätigkeit zu lenken. ES haben sich sogar dann und wann Richter gegen dieses Verfahren ausgesprochen, das für die Justiz, wie sür die Angeklagten sehr große Nachteile hat. Tic Gerichte lverden ver- anlaßt, ciitcit viel größeren Apparat auszubieten. als der Be- deiitiing dcr Sacke entsprechen würde; die Angeklagten haben den großen Nachteil, daß sie länger in Untersuchungshast sitzen müssen, und daß auch ihre Position verschlechtert wird, weil naturgemäß in einem Prozeß, bei dem cm großer Apparat tätig ist. alle» sofort viel ernster erscheint und das Strafmaß viel höher genommen wird, als normalerweise. Ich will aus einzelne Fälle dieser Art nicht eingelwn und nur noch sagen, daß es speziell Diebstahl- und Hchlereiprozesse sind, die in dieser Weise ausgebauscht werden. Ter Minister sollte sich einmal bei den Untersuchungsrichtern danach erkundigen, was für Plage ihnen durch die Verbindung verschiedener Anklagesachen entsteht, und wie sie dadurch gezwungen werden, manche Angeklagte ungeheuer lang in Untersuchungshaft sitzen zu lassen. lHörtl hörtl bct den Sozialdemokraten.) Die schärfste Anklage verdient aucd folgende� Vorgehen der Kriminalpolizei: Sie vernimmt den Angeklagten stunden- und stundenlang, bis er ermüdet und hungrig ist; dann aber werden ihm. wenn er zusagt, jetzt die Wahrheit kund- zutun. Essen. Bier. Zigaretten usw. grgebcn. Tv»n protokollieren die Beamten auch nur daS, was sie für richtig halten, das aber, was ihnen unwahr erscheint. protokollieren sie erst gar nicht. Tie Wahrheit ist dann dasjenige. was sie für wahr halten: das Bekenntnis der Schuld. Bekennt sich der Betreffende nicht schuldig, dann wird er trotz Ermüdnng. Hunger und Durst weiter bearbeitet, bis er„die Wahrheit" sagt. Gewiß geschieht das nicht in dcr Absicht, unrichtige Gcständni,se herauszuholen, aber das Bedenkliche ist doch, daß hier das heraus- geholt lverden soff, was die Kriminalbeamten als die Wahrheit ansehen. Es wird eine Pression auf die Angeklagten ausgeübt, und so kommen dann Protokolle zustande. Untersuchungs- gesgngcnc haben sonst gar nicht die Möglichkeit, zu rauchen. Tie Kosten dieser Bchandlung bestreitet der belreffendc Kriuunalbcanisc aus sesncm privaten iDispositioiisfovids. /der ihm hierzu von der Polizei zur Pcrsügung gestellt ivird. Tic Justiz- vcnvaltung sollte ganz energisch gegen dieses Verfahren auftreten. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Tie Behandlung der Sachverständigengutachten zeigt, dost sich immer noch manche Richter ciiibilbcit, Allcrtvclts- wisser zu sein. Ter Richter must sich dein berufenen«achvorständi- gen anschliesten, natürlich unter dem Vorbehalt, dast er jederzeit andere Sachverständige berufen kann, soweit die Möglichkeit vorbanden ist. T-'S Reichsgericht hat wiederholt entschieden, dast eine Revision auf die Nichtbeachtung von Gutachten nicht gestützt werden i, darf. Ilm so weniger darf man die Richter in der Auffassung � belassen, dast sie selbst in allen Tinge» sachverständig sind. Im vergangenen Sommer hat in Paris der erste Jntcrnatio- nalc»ongrest für Jugendgerichte stattgefunden auch deutsche Riaitcr ivarcn zugegen, so Aintsgerichtsrat Kähne. Aber während andere Länder offiziell vertreten waren, ist dies von Teutschland nicht sicher. Auf dem Kongrcst wurde die Tüchtig- kcit der deutschen Jugendrichter sehr gerühmt. Nun haben wir bei uns eine Jugendgcrichtspslcge überhaupt nur auf Grund einer Verfügung des Justizmini- steriums, statt dast gesetzliche Mastnahmcn ergriffen ivorden wären. Heute sind unsere Jugendgerichte nichts anderes als n o r- male Amts- und Schöffengerichte, und wenn es gewist auch sehr tüchtige Jugendrichter gibt, so habe ich doch Jugend- gerichtsverhandlungen beigewohnt, wo der Vorsitzende die sugend- lichc» Angeklagten angeschrien hat, sie seien ja GewohnheitS- Verbrecher, würden in ein paar Jahren ruiniert sein, und tveim sie noch cinwal was anstellten, im Zuchthaus enden usw. Solche Herren mögen es ja gut meinen, wenn sie denken, sie brauchten den Angeklagten nur recht die Leviten zu lesen, um sie zu bessern; aber es sind eben ganz u n q u a l i s i z i e r b a r c Herren. Ta werden Leute mit reichen pädagogischen Fähigkeiten gebraucht. Sehr bedenklich ist cd, solange wir nicht überall das erforderliche Personal haben, die Ocffent�.chkeit aus den Jugendgcrichtsvcrhand- lungen auszuschliesten.� Sehr bedauerlich finde ich. dast die Staats- Verwaltung und die Stadtverwaltungen noch nicht energischer an die richtige Organisation der Jugendfürsorge herangegangen sind. die austerordentlich wichtig ist und unmittelbar mit der Jugend- gcrichtsbarkeit zusammenhängt.(Zustimmung bei den Sozial. dcmokratcn.) Statt der gesetzlich eingeführten bedingten Vcrurtei- kung und. was noch wichtiger ist. der bedingten Aussetzung der Anklagecrhebung, haben wir erst einen kümmerlichen Notbehelf. und das beweist wieder, wie schwerfällig die prcustifche Gesetzgebung ist, wenn es sich um die Verwertung neuer wissenschaftlicher Er- kcnntniS handelt. Wenn auch erfreulicherweise die Jusiizverwal- tung von der bedingten Begnadigung in graste rem Ilm fang Gebrauch gemacht hat. so besteht andererseits die bedauerliohe Tatsache, dast bei den Strafen über 6 Monaten die Anwendung dieses Mittels feit 1öl)8 zurückgegangen ist. Offenbar ist auf Anweisung der Zentralbehörde rigoroser vor- gegangen worden, als selbst der Ucberzeugung der Rickter und Staatsanwälte entsprochen hätte. Möge die Justizverwaltung bei der Reich-regierung dahin wirken, dast ein Rcichogcsev über die bedingte Brrurteilung und die bedingte Anklngerrhcbung vorgelegt werde, denn schon die Erhebung einer Anklage uiid noch mehr die Hauptverhandlung können von den schwersten Folgen für die Bctrosscnen sein,(sehr wahrl links.) In bezug auf die Strafvollstreckung kann ich unserer Justizverwaltung leider ein besonderes Lob nicht spende». Ich erinnere nur an die Fälle� wo Redakteuren i» i t S c l b st b c f ch ä f t i g u n g und Selbstbeköstigung verweigert worden ist, und verweise da besonders auf den Fall meines Parteigenossen Mehl ich. Wenn aber gestern Abg. Böhmer die Justizverwaltung gelobt hat. weil in ihren Gesang- Nissen ein noch strengeres Regiment hevrsche als in denen de» Ministeriums des Innern, und wenn er behauptet hat. dast die An- geklagten deshalb sogar das Zuchthaus dem Gesängniö vorziehen. so würbe dies, wenn es_ipahr ist, einen schweren Tadel der Jnsiizvcrwaltung darstelle».(Sehr wahr! links.» Es ist leider in vieler Beziehung richtig, dast in den Gefängnissen der Justiz- Verwaltimg derjenige soziale Geist nicht Einzug gehalten bat. der in der Tat in weitestem Umfange in den Gefängnissen des M i n i st e r i u m« des Innern emgezogeii ist. Ich will nur hinweisen auf das sogenannte F r ei l u f t- Z uch t h a u s in Kella, da» dem Ministerium des Innern untersteht, und sah ich hier nur erwähne, um der Justizverwaltung e i n V o r b i l d zu llezciän'.c,, und zu frage», warum sie nicht einen ähnlichen Versuch zur Reform der Strafvollstreckung gemacht hat. In dieser auf Initiative des Geheimrats Krahne errichteten Anstalt arbeiten die zur schwersten Strafe Verurteilten in relativer Freil�eit, unter m c ii sch l»che n Bedingungen, und es wird da- durch nicht nur ihre Gesundheit vor dauernder Schädigung boivabrt. sondern das ist auch ein Mittel, daS eine moralische und geistige Hebung ermöglicht, eine Resozialisierung. als das. was das oberste Ziel unstrcr ganzen Strafvollstreckung sei» sollte. lSchr richtig! links.) Tie Justizverwaltulig würde, wenn auch sie sich diesen Rc-- fornibcstrebnngcn widmete, die Zustimmung aller einsichtigen Kri- minalistc» finden. Auf dem Jiiternationale» Kriininalistenkongrest hat Äeheimrat Kr ohne gemeint, dast kaum«ine Regierung oder ein Parlament bereit sein würde, die für eine wirklich vernünftige Strafvollstreckung erforderlichen Mittel zu bewilligen. Ties ist also eine finanzielle Frage, die davon abhängt, welche Bereitwillig- seit dafür von Regierung und Landtag gezeigt wi�>. Wir hatte» allen Anlast, auct) aus diesem Hause heraus der StaatSregicriing unsere Geneigtheit zur Bewilligung dieser Mittel zu erkläre», damit diese pädagogischen Ziele erreicht werdeii können, �ch hoffe, dast auch die anderen Psdeieii entsprechende Erklärungen abgeben werden, damit die StaatSregierunz nicht glaube, nur die Sozialdemokratie erhebe diese Forderung. Unser Gesetz ist in bezug auf die Frage Entschädigung der unschuldig Verurteilten und der unschuldig in Untersuchungshaft Gehaltenen gc� radezu unnatürlich. ES fordert, dast die llitelvabrnng einer Entsckiädigung abhängig gemacht wird von dem Nachweis der U ii fck u ld. zu dem das ganze Epftem unsere« Strasprozepes eigentlich gar nicht sie Möglickikeit gibt. Es sollte dalpir diese Bc- stimmung wenigstens weitherziger gchandliabt werden. Die Rich» ier dürfen sich hierbei schon gar nicht vom FiSkalitmuS leiten lassen und. ahne ihre Unabhängigkeit anzutastcii, sollte dies doch i» offi- zieller Form bekanntgemacht werden. Wir sehen diesen fiskalischen istandpuukt auch bei den Entscheidungen auf Uebcrnahmc der Kosten der Verteidigung auf die Staatskassc. Genau so wie im Zivilprozesi der unterliegende Teil die Kosten de» andern zu ersetzen hat. sollte sich der FiskuS auch im Straf- recht bei Frcispriichcn als oer Unterliegende aiierkenncil und die Kosten tragen. Nun kommt c» oder vor, dast Gerichte die tlevee- tragnng der Kosten der Verteidigung auf die Staatskassc ablehne», weil die Sache so einfach gelegen habe, dast ein Verteidiger un» nötig gewesen sei. Daö ist doch ein ganz weltfremder Stand- vuiikt! Ter meist nickst rechtskundige Angeklagte bekommt eine von der Autorität einer rechtskundigen Behörde getragenen Anklage; wie kann er annehmen, die Sackw liege ganz einfach und zu seinen Gunsten, wenn sogar die Richter die» keineswegs annehmen, in-- dem sie die Anklage zulassen! lSchr wahrl links.» Ich möchte wisse», ob nicht von der Justizvenvaltung oder der Ober- rechnuiigstamnier den Richtern in irgendeiner Weise zu verstehen gegeben worden ist, dost man wünsche, dast dieser Posten möglichst niedrig bleibe! Im Lormundschaftswcsen habt" sich recht bedauerliche Miststände herausgestellt, so durch die Beröffentlichungen bcr früheren Stuügarlcr Polizelassisteniiit Schwester Arendt und andere Vcröffentlichungeii. Ta» P f leg c e l t: r nw c s c n und unsere ganze Gcncralvor- munoschaft bedarf einer starken Umgestaltung dahin, dast die unglücklichen Waisen, insbesondere uneheliche Kinder, vor Auö- bcutniig, namentlich zu unsittlichen Zivcckc», geschützt werden. Dem E ii g c l m a ch e r s y st c m must ein Ende gemacht werden. An diesen Veröffentlichungen dürfen weder die Gemeindeverwaltungen, »och die Justizverwaltungen achtlos vorübergehen. Leider verhalten sich unsere Vormundsck>aftögcrichtc vielfach völlig ablehnend gegenüber den an sie herantretenden Bitte». Ich habe selbst diese Erfahrung gemacht, als ich lediglich im Jntcrefse der isache mich an einen Berliner VorinnndjchaftSrichter wandte. Er lehnte dieses inoffizielle Eingreifen schroff ab, vielleicht dachte er, ich wollte Material zugunsten der Schwester Arendt haben, gegen die ein Belcidigungsprozest sch'.ucben soll, was mir gar nilbt einfiel. In der letzten Zeit ist, speziell anlästlich des Metternich- Prozesses, die Frage lebhaft erörtert worden, ob Misistände in der Rechtsanwaltschaft -bestehen. Wciin der Metternich-Prozcst auch recht unerfreuliche Erscheinungen gezeigt hat. so ist er doch nickst dazu angetan, Bor- würfe gegen die Anwaltschaft zu erhebe». Nicht nur die Vertcidi- gung. sondern auch die Staatsanwaltschaft greift in Intimitäten der Zeugen ein. Tic Zeugenaussage ist das ivesentliche des Be- weiSvcrfahrciis; um sicher zu gehen, dast dieses Fniidamcnt ein sicheres ist. muh der Richter nicht nur die Aussage hören, sciidcr» den Zeugen genau kennen, namentlich wenn mit seincr Aussage eine Anklage steht und fällt; dami ist es, wenn nicht die Stras- rechtSpflegc leiden soll, unerlästlich, diesen Zeugen i» scincin Wesen de» Richtern zu enthüllen. Es kommt darauf an. auf welcher Psychologie eine Aussage beruht, mit welcher Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Beobachtungsgabe der Zeuge ausgestattet ist. Es würde daher austerordentlich verfehlt sein, aus diesem einen Prozcst irgendivelcte Schlustfolgerungcn gegen die Rechtsanwaltschaft zu ziehen. Wie verhält sich nun die Justizverwaltung im allgemeinen, kann sie als unparteiische Bel>örde betrachtet werden? Sic ist eine Verwaltung eines K l a s s c n st a a t c 2,»och dazu eines prcustischcn Älassciistaatc». und dos must sich schliestlich doch immer wieder in ihrem Verhalten zeigen. In der Budgetkom- nlissioa hat Tr. F r i e d b c r g gefragt, ob Richtern, die als Reichs- tagskandidaten auftreten, zum Zwecke der Wahlagitation Urlaub erteilt worden ist. Tr. Fricdbcrg fügte gleich hinzu, man lönnc annehmen, dast ein Richter nur als Kandidat bürgcr- l ich er Parteien auftrete, es liege also im Interesse der Staats- regieruiig, dast solche Kandidaten ihre agitatorisch- Tätigkeit in ausgiebiger Weise entfalten könneii.(Aharufc! bei den Sozial- demolratcn.) Herr Fricdbcrg hätte sich ruhig derber und gc- rader ausdrücken können, er weist doch, dast vielleicht ein Richter, der Sozialdemokrat ist,»och existieren köiintc, aber einer, der sozialdemokratische Gesinnung betätigt, schon nicht mehr. Aber gar ein Richter, der als foz i ald c ino k r a G fch er ötcichstagskandidat aufgestellt wäre— glauben Sie. dast so etwa» in Prensten vorkommen könnte?(Heiterkeit.') Tos kommt ja nicht einmal in süddeutschen Staaten vor.(Rufe bei der Mehrheit: Gott sei Danll) Der Jusiizniinistcr hat alierkannt, dast ein solcher Urlaub gewährt Wird nicht nur. weil der Richter das gute Recht hat, als Kandidat aufzutreten, sondern weil er gleich- zeitig gegen die Sozialdemokratie austritt. Auch aus anderen Vorgängen kann bewiesen werden, dast die Justizverwaltung durchaus nicht unparteiisch ist. ES ist in ihre Hand gegeben, öb sie einem Anwalt einen Gciieralsubstitnten bestellen will. Als ich durch meine FestungSliast über 2 Vi Jahre meinem Berufe cnt- zogen war, der die einzige Grundlage meiner Exi- st c n z bildet, hat die Justizvenvaltung die Bestellung eines Per- trcters für mich abgelehnt. Wird denn auch einem Offizier, der auf Festung sitzt, die Erislenz untergraben?(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Jusuzvenvaltiing wollte mir auster dem Nachteil der Strafe noch womöglich die El i st c n z ruinieren. Habest sibi!(Möge sie es!) Sic möge sich diese» Vergnügen gönnen! Meinem Parteifreund Landsberg in Magdeburg wurde, alö er bei der vorigen Rcichstagswabl kau» didicrtc, ein Generalsubstitut bestellt, und als die Justiz- Verwaltung hinterher erfuhr, dast er sich den Generalsubstituten babe stellen lassen, weil er als sczialdcmokratisckwr Kandidat bei der Wahlagitation unabkömmlich war. da ist ihm eröffnet worden, dast die Jusrizverwaltuiig auf das le b hafte st c bedauerte, das n i ch t f r ü h e r gewußt zu h a b e ii. da sie sonst den Snb- stituten nicht bestellt hätte! Welch unglaubliche Kleinlich- keit!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)' Wen» der Minister de» Innern im vorigen Jahre ein Gesetz gegen die Gewerkschaften als wünschenswert bezeichnet hat, so hat er damit auch nicht verkannt, dast derartige ProklainaKosien ihren Eindruck auf die Richter nicht verfehlen werden. Wie steht cS mit der Un- abhängigkcit der Richter gegenüber einer derartigen sicherlich politisch nicht objektiven Verwallung? Alle Versuche, die Staatsrcgierung zu einer bindenden Erklärung über die jetzt bestehenden geheimen Personalakten zu veranlassen, sind gescheitert. Solche ge- Heime» Personalakten sind bei den richterlichen Beamten doppelt gefährlich, weil sie doch unabhängig sei» sollen. Tast in unserem heutigen Richterstandc noch ein Interesse an der Unabhängigkeit dasteht, beweist die Haltung unseres RichterstandcS im allgemeinen; aber es lästt sich nicht verkennen, daß sie nur eine Schein unab- h ä n g i g t c i t haben. In der Presse ist aus Bcainteiikreiscii mit- geteilt worden, dast eine Miiiistcrialverfügung besteht, wonach ei» Richter sich ohne Gcnehiiiigung seiner Vorgesetzte» über irgend einen Bcaiilten nicht beschwere n darf. Die Justizverwaltung gibt den Beamten also nicht unbeschränkte Gelegenheit, ihr Recht zu suchen, ohne dast die Minislerialverwaltung ihre Zustimmung dazu gibt. Ich finde keinen grostcu Unterschied zwischen dem letzten Motuproprio des Papstes und dieser Miiiistcrialverfügung. Wer unabhängige Richter haben will, must dafür eintreten, dast die Richter auö dem Volke hervorgehe»« löiiiicn, wie es ja schon in der S ch>v c i z und in A in c r i k a der Fall ist. Man versucht eine engere Verbinduiig des.Richter- »landes mit dem RcchtScinpfinden de» Volkes duxch die Einfügung des Laienelements in unsere vicchtspflepc herzustellen. Das sind an und für sich nur VeilegenheitsauSflüchte, die gänzlich auster acht bleiben könne», wenn bereits bei der Wahl der Richter selbst auf das Volt Rücksicht genommen wird. Durch die Hinzuziehung des Laicnelementc« bleiben die Klassengegensätze vollkommen un- berührt; wenn auch die Geschworenen und Echöfscii hinzu- czogcn werden, so ist zwar ein VcrlcgeiiheltSausgleich gegenüber er Burcaukratie geschaffen, aber der K l a s s c» ch a r a k t c r der Justiz wird dadurch nicht im geringsten betroffen, wenn die Ar- bcitcr zu den Geschworenen und Schoffenstcllcn so wenig heran- gezogen werden. Wen» inan auch die Forderung aufstelleii wollte, dast die Richter aus allen Schichten genomnieii würden, so würde i»an mit dieser Forderung allein nicht weit kommen. Ta müstle zunächst eine vollkommene Uncntgeltlichkeit der Ausbildung gewährleistet werden, damit jeder, der befähigt ist. zum Richter- amt aufsteigen kann. Man»lüstte in das ganze Erzichungs- Wesen eingreifen, um dahin zu wirken, daß der Einwand, die Richter würden nur den besitzenden Klasse» entnommen, hinfällig wird. Tem Justizmiiuster müssen wir einen schweren Vorwurf »lachen wegen der Haltung der Justizverwaltung zu ihren Unter- bcamte». Im vergangenen Jahre hielte» die Unterveamten in Berlin eine große Versammlung ab; damit wollten si« nur von dem ihnen gesetzlich gewährten Versammlungsrecht Gebrauch inachen. Den Uiitcrbeamten ist von der Justizverwaltung offiziell mitgeteilt worden, daß die vorgesetzten Jnstanzk,, es n i ch t w ü n f ch t e n. dast die Beamten an dieser Versammlung teilnehmen. Aas ist. geradezu ein Skandal.(Sehr wahr! b. si. Soz.') Präs. Frhr. v. Erffa: Ich bitte Sic, in Ihren Kritiken eiwas mehr Mast zu halten. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) fortfahrend: Solch- Eingriffe der Justizverwaltung müssen künftighin ver- mieden werden. Wir erkennen gern an, daß in manchen Bc- zichungen sich die Beschwerden in letzter Zeit verringert haben, cS bleibt jedoch genügend zur Kritik übrig. Wir müssen uns wenden gegen die Auslegung des Wortes Klasse»ju st iz in dem Sinne der bewußten Rechtsbeugung, wir weisen ein: solche Auslegung weit von uns. Daß man den Redakteuren unserer Parteiprcssc die Bo r st r a s c n d e s B l a t t c S anrechnet, führt zu krassen Mißständen in der Justiz. Was die Pressfreiheit angeht, so ist es Pflicht der Presse, wenn sie Gerüchte in der Ocffcnt- lichkcit herum schwirren hört, diese auch als Gerüchte wieder- zugeben. In solchen Fällen hat die Judikatur in Urteilen gegen unsere Partei oft außerordentlich hohe es t r a f c n fest- gesetzt, das sind so tagtäglichc Erscheiiumgen, daß wir gar nicht mehr näher darauf einzugehen brauchen. Systematisch wird gerade unserer Parteiprcssc der Schutz des§ 1S3 B.G.B, entzogen. Eine besonders bctrübsainc Erscheinung ist es, daß unser Kammergericht in wesentliche» Beziehungen seine Recht- sprcchung verschlechtert hat, so daß wir von einer miserablen Rechtsprechung des Kamniergerichts 'sprechen müssen. Unser heutiges Prcßgcsctz muß als durchaus ver- a l t c t bezeichnet werden. Was für ein Aufwand an Scharfsinu wird verwandt nur zu dem Zwecke, das preußische Prcßgcsctz mög- lichst weit auszudehnen, um damit oppositionellen Strömungen cnt- gcgenzutretcn! Ein weiterer Mißstand in der Rechtsprechung liegt in der Handhabung de» Jugciidlichcii-Paragraphen des Vcrciiisgesetzcs. Wenn die Polizei Jugendausschüsse zum Zwecke der Errichtung von Jugendheinic» als politisch zu erklären versucht hat, so ist das vom Standpunkte der Polizei anö schon bedenklich, ober es ist unverantwortlich, dast die Justizvcr- waltung solchen polizeilichen Attacken gegenüber nicht die nötige Widerstandskraft gezeigt hat. Das sind offenbar Zustände, die bc- weisen, daß nach wie vor bei uns die K l a s s c» j n st i z herrscht. und dast die politische P o r c i» g e n o»i m c n h c i i aus den Kreisen unserer Richter leider noch nicht geschwunden ist. Tic vom Justizministcr gcslcrn vorgebrachten Vorschläge, die die Welt- frenidheit der Richter ans der Welt schaffen solle», sind allzu opti- mistisch. Tic W c l t s r e»i d h c i t der viichtcr beruht aus einer tiefen Ursache, aus der Kompliziertheit des ganzen gesellschaftlichen Lebens. Diese ist nicht nur eine Kompliziertheit in technischer, sondern auch in sozialer Beziehung. In der Lebensweise der verschiedenen Beoölkcrungstlasscn bestehen zu graste Unterschiede; da wäre es von grostcr Wichtigkeit, wenn der für die jungen Juristen in Aussicht genommene An- schauungSunterricht dahin ausgedehnt würde, dast sie zur Lektüre s o z i a l d c in ok r a t i s ch c r Schriften vcranlatzt werden(Gc- lächter rechts», dann werden die Herren, die später mit Sozial- demokraten zu tun haben, wissen, wa» die Sozialdemokratie erstrebt. Wir müssen fortgesetzt erleben, dast sie oft keine Ahnung von den sozialdemokratischen Bestrebungen haben. DaS gilt nicht nur von den unteren, sondern auch von den höchsten S t a a t S b c a in t c ii. Ich erinnere nur an die Ausführungen des Grafen PosadowSky über die Sozialdemokratie. Es wäre sehr gut, wenn die sozialdemokratischen Schriften von den Juristen gelesen werden mühten, weil sie immer und immer wieder in die Lage kommen, über die Sozialdemokratie zu urteilen. Ebenso sollten sie ins GewcrkschaftShauS, in den Betrieb dcS „Vorwärts" geführt werden«Gelächter rechts», damit sie sehen. wa» die Arbeiterschaft ans eigenen Kräften geschafsen hat. und auf einem wie hohen geistigen und sittlichen Niveau die Sozialdemo- kratic steht. Durch Führungen durch die Arbeiter» b i l d u n g s s ch u l e n und ähnlichen Organisationen würde den Richtern klar gemacht werden können, dast Sozialdemokratie eine kulturelle Bewegung ist. die sämtliche Kulturgebiete umfatzt. Es wäre wünschenswert, Assessoren auf einige Zeit zu beurlaube», damit sie in cincin Arbeiter sckretariat oder bei einer Gewerkschaft sich die zu einem guten Urteil nötigen Kenntnisse in der Praxis er- werben können. Tic Richter müssen es lernen, dast die Sozial- deinokratie das wichtig st c Objekt der Klassenjustiz ist. Wenn der Justizminister gemeint hat, dast bei der Ausbildung der Juristen Oberflächlichteit verhütet werden müsse, so must er die von mir empfohlenen Gesichtspunkte in Erlvägung ziehen. Wir verlangen keine Sympathieerilärung von feilen der Justizver- Ivaltung, sondern als Objekte der Gesetzgebung fordern wir nur. dast die Arbeiterbeivegung von den Juristen ausreichend studiert wird.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir uns die Quellen beS Verbrechens näher ansehen, sehen wir. dast die Anarchie der kapitalistischen WlirtschaftSordnung und die Arbeitslosigkeit unmittelbar zu- sa m»i e nh ä n g c n. Die Arbeitslosen, die Wohnungslosen, die Alkoholiker, sie alle bilden die Reservearmee, auS der sich die Verbrecher rekrutieren. Auf der anderen Seite ivurzelt die Luclle des Verbrechens in der ungenügenden Schul- bildung; so ist das Verbrechen als eine im wesentlichen soziale Erscheinung anzusehen, als ein Spiegelbild unserer unsozialen heutigen Gesellschaftsordnung. Die herrschenden Kreise sind verantwortlich für das Verbreche», da sie die Nutznießer der Zustände sind, aus denen das Verbreche» hervorgeht.»Sehr rich- tig! bei den Sozialdemokraten) Die Nutznieher des Alkohols, die Nutznießer der Kinderarbeit usw. find alle zusammen iin Ivesentliche» Schuldige a» unserer Kriminalität. Wenn irgendwo, so gilt von unserer Strafjustiz das Wort, daß sie nicht nach dem Maße des guten Willens, sondern nach dem Erfolge zu bc- urteilen ist. und ibre Erfolge sind ungünstig. So sind die Ver- breche» gegen da« Vermögen von lWö bis 1008 von 487 auf 541 pro 100 000 gestiegen; da» beweist, daß unsere Aussassung von dem Verbrechen als soziale Erscheinung zutreffend ist. Natürlich kann man nickt der Strafjustiz einen Vorwurf hieraus mache», da sie nicht imstande ist. Verbrechen gänzlich zu verhüten;»vir müssen aber ivciiigstens erwarten, daß die Strasjustiz alles int, waö in ihren 5träfteii sieht. In dieser Beziehung ist unsere Strafjustiz nicht auf der Höhe.(Zustimmung bei den Sozialdcniotraten.) Ich habe die großen Aufgaben gekennzeichnet, die unsere Justizverwaltung erfüllen könnte, wenn sie von vorurteilslosem Geiste erfüllt wäre: aber gerade für unsere Justizverwaltung habe ich die lebhafte Besorgnis, daß es vieler Mühe bedürfen wird, um sie i» ihrer Schwerfälligkeit vorwärts zu bringen. Man sagt häufig, daß wir in einem Zeitalter dcr Gesetzlichkeit leben; und wie oft hören wir doch von dem Schrei über Ungesetzlichkeit gerade im Zusammenhange mit der Justizvcrloaltung. die doch der Gesetzlichkeit gewidmet sein sollte. Man muß danach stroben, die Politik nach Möglichkeit aus dem Gcrichtssaale zu bannen, und wir hoffen, dast dos ehrliche Streben unseres RichterstandcS in dieser Hinsicht von der StaatSregicrung nicht erschwert werde. Es lväre zu wünsche», dast von dieser Stelle a»S der Justizmiliistcr klar und deutlich erklärt, dast unsere Justiz ohne Ansehen der Person nicht nur, sondern auch ohne An sehen der poli- tischen A u s ch a u u ii g e n zu entscheiden habe. Hier gilt das Wort:„Wollt ihr Genesung bringen dcr armen kranken Zeit, so übt selbst vor allen Dingen Recht und Gerechtigkeit." Das must vom prcustiscken Staate erst gelehrt werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdeuioiratcn.) Präs. Frhr. v. Erffa: Das geht zu Keit. Ich rufe Sie zur Ordnung. Mg. Dr. Liebknecht(fortfahrend): Unsere ganze Bewegung und unser Streben geht dahin, in dieser Beziehung zum Heil des deutschen Volkes möglichst viel durchzusetzen.(Beifall bei den So- zialdemokraten.) Justizminister Dr. Bcscler: Die Justizverwaltung hat alles getan, was geschehen konnte, um Einrichtungen zu schassen, die dem Gedanken Rechnnug tragen, daß die Jugendlichen anders zu be- handeln sind als die Erwachsenen. Wesentliche Unterstützung hier bei haben freie Vereine geleistet. Die Justizverwaltung sieht daraus, daß die Vormundschaftsgerichte sich um die Pflege der unehelichen Kinder künimern. Wir halten es mit allen Verwaltungen für richtiger, daß die Beamten ihre Beschwerden vertrauensvoll den aber richtig gängig ist. Es bedarf keines allgemeinen Appells an die Richter, nach Recht und Gesetz zu handeln. Die Richter tun das ohnehin. (Lebhafte Zustimmung bei den bürgerlichen Parteien.) Mit aller Entschiedenheit weise ich es zurück, was Herr Liebknecht gegen � � � � � ll e r i ch t gesagt hat. Das war in hohem Grade beleidigend. Das Kammcrgcricht entscheidet nicht nach Vorurteilen, sondern nach Recht, Gesetz und pflichrmäßigcr Ucberzcugung. Und diesem Urteil hat sich jeder zu fügen, auch Herr Liebknecht und alle, die ihm nahestehen.(Stürmischer Beifall rechts.) �3-1 wünscht ein besseres Deutsch in den Urteilen, auch des Reichsgerichts. Es wird darüber geklagt, daß Landgerichtsdirektoren über einen Assessor, der in einer Richter- beratung eine abweichende Meinung vertreten hat, einen schlechten Bericht verfassen. Deshalb sollten diese Berichte von den Land- gerichtspräsidenten verfaßt werden. Wenn auch bedauerliche Eni- gleisungen von Anwälten vorgekommen sind, so darf man daraus reine ollgemeinen Schlüsse ziehen, denn der Anwaltstand wird gegen unwürdige Mitglieder unnachsichtig einschreiten. Es muß dem guten Geschmack des Publikums und der anstän- dt gen P» e s s e überlassen bleiben, gegen sensationslüsterne Prozeßberichterstattung vorzugehen. Wie kommen die Ver- nehmungen des R a u b m ö r d e r s Trenkler in die Berliner Presse? Die sind doch Berufsgeheimnis der Kom- missare! Schon jetzt bemühen sich mehrere Berliner Anwälte um Trenklers Verteidigung, einer reichte sogar eine Pollmacht eines Bruders des Trenkler ein? Trenkler selbst erklärte ober, er hätte gar keinen Bruder.(Hört! hört!) Die Berliner Anwaltskammer sollte da mit eisernem Besen auskehren.(Zustimmung.) Von der W e l t f r e m d h e i t der Richter wird viel zu viel geredet. Herr Liebknecht verlangt, daß jeder junge Jurist zeitweilig in der Redaktion des„Vorwärts" untergebracht werden soll. Vor derartigen Wundcrkurcn möchte rch entschieden warnen.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Furcht vor Ansteckung!) Nein, so gefährlich sind Sie uns nicht.(Freu- diger Beifall bei der Mehrheit.) Wozu fragen die Strafkammern Sachverständige, ob ein Bild unzüchtig ist oder nicht, das sagt rhnen doch der gesunde Menschenverstand. Die Richter müssen sich 'n der Welt ebenso auskcnnen wie in der Seele des Menschen. (Beifall im Zentrum.) Abg. Meyer-Diepholz(natl.): Die jungen Juristen sollten auch Den inneren Betrieb großer wirtschaftlicher Unternehmungen rennen. Der Redner tritt für die Besserstellung der Gcrichtsfekre- tare und Kanzleigehilfen ein. i u öustizminifier Dr. Beseler: Sachverständige zu hören tst absolut nicht notwendig. Ich bin überhaupt der Meinung, daß die Gerichte allein beurteilen können, ob ein Bild oder eine•Schrift unzüchtig ist oder nicht.(Sehr richtig! im Zen- !)!?•) Aber die vom Angeklagten gestellten Sachverständigen muffen gehört werden. Für das Kammergericht, das Landgericht III und II sind Neubauten in Aussicht genommen. Mg. Peltasahn(Vp.) wendet sich gegen die Bewegung, die verlangt, daß. eine Altersgrenze für die Richter ein- geführt werde. Die Sachverständigengutachten erstrecken sich gar nicht auf die Frage, ob ein Bild oder Bucb unzüchtig ist, sondern nur darauf, ob es künstlerischen Wert hat oder nichs. Möge die Justizverwaltung für die Ausarbeitung eines Jugend- prafrechtes sorgen.(Beifall bei der Volkspartei.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.— persönlich) bedauert, verhindert zu sein, auf die Angriffe des Abgeordneten Bell, sowie auf die Ausführungen des Ministers einzugehen. Ich habe gesagt, daß die jungen Juristen auch die Veranstaltungen der Ar- b e i t e r k l a s s e kennen lernen sollen, damit sie objektiv über die Dinge urteilen können, die damit im Zusammenhang stehen. Ich halte das für ein ganz billiges und sachlich gerechtfertigtes Ver- langen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die törichte Forderung habe ick natürlich niemals gestellt, daß etwa einer von den jungen Juristen einige Zeit im„Vorwärts" als Redak- t e u r beschäftigt werden sollte. Da würde auch etwas Schönes daraus werden, und das würde auch unseren Parteigenossen gar nicht passen.(Heiterkeit.) Beim Titel„Justizprüfungskommission" bedauert Abg. Trimborn(Z.), daß die Juristen erst so spät zu prak- tischer Tätigkeit kommen. Tie ersten drei, vier Semester werden verbummelt: da ist dann der Einpauker die einzige Rettung. Die Tauer des Semesters richtet sich nicht mehr danach, wie sie amtlich festgesetzt ist, sondern wann der Einpauker beginnt vnd authört. Justizminister Dr. Beseler: Ich halte eS für unausführbar. die jungen Juristen schon im ersten Stadium in die Praxis ein- zuführen. Man könnte sie da höchstens mit dem äußeren Apparat der Gerichte vertraut machen. Das Zwischencxamen halte ich nicht für notwendig; wer nichts tun will, wird auch dabei scheitern. Das Haus vertagt sich. Freitag, ll Uhr: Fortsetzung. Schluß 6 Uhr. Die Kuch- und Stkilidrnckerrj-Hilfsarbkjttr mrit ArlikittritlNkll halten gegenwärtig in Berlin einen ausserordentlichen BerhanbStag ab, der im Gewerkschaftshause tagt und am Donnerstag seinen Anfang nahm: Die Veranlassung zu diesem Vcrbandstag gab ein Konflikt, der wegen des jüngsten Tarifabschlusscs zwischen der Berliner Ortsvcrwaltung und dem Zcntralvorstande ausge- hrochen ist. Als Gäste nehnwn an dem Vcrbandstage die Vertretet folgender Körperschaften teil: Gencralkommission der Geiverkschaften, Verband deutscher Buchdrucker, Deutscher Buchbindervcrband, Deutscher Seuefeldcrbund, Rcichsvcrein der Buchdruckcreihilfs- arbeitcr Oesterreichs, Ocsterreichischer Scnefclderbund, Berliner Gewerkschaftskommission, Verein Berliner Buchdrucker. Nachdem sich der Vcrbandstag konstituiert hatte, beleuchtete die Verbandsvorsitzcnde Paula T h i e d e- Berlin in einem zwei- stündigen Vortrage die Tarifverhandlungen und deren Ergebms, sowie Ursachen und Verlauf des gegenwärtigen Konflikts. Ten eingehenden Darlegungen der Rcdncrin entnehmen wir hie wesentlichsten Punkte: Nachdem der alte Tarif gekündigt war, fanden Ende November in Leipzig Verhandlungen zwischen den Vertretern beider Parteien statt, die aber kein Ergebnis hatten. Die Hilfsarbeiter riefen daS Tarifaint der Buchdrucker als Einigungkomt an. Auf Veranlassung des Tarifamts fanden am 18. Dezember in Berlin erneute Verhandlungen zwischen den beider- seitigen Vertretern auS einer Reihe von Tarifortcn statt. Diese Verhandlungskommission beschloß, daß in allen Punkten, über welche sie selbst nicht einig werden könne, das Tartsamt der Buch- drucker einen Schiedsspruch abgeben solle. Unter diesen Modali- täten kam denn auch der Abschluß eines neuen Tarifs für die betreffenden Orte in der Kommission zustande. Hinsichtlich der Löhne wurde vereinbart, daß nach der Lohnhöhe abgestufte Pro- »entzuschläge zu gewähren seien. Auf Grund dieser Bestimmung tollten die neuen Tariflöhne in den einzelnen Orten festgesetzt werden, und wo die Vertrefer der Parteien ühcr die Lohnsätze nicht einig werden konnten, sollte das Tarifamt der Buchdrucker eine endgültige Entscheidung treffen Alle diese Vereinbarungen waren durch Mehrheitsbeschluß der Vcrhandlungskommissiou zustande- gekommen. Das Schlußprotokoll der Kommission wurde von allen Teilnehmern unterzeichnet, mit Ausnahme der Arbcitcrvcrtrctcr von Berlin und München, welche annahmen, daß ohne ihre Unter- schrift die Abmachungen der Kommission für diese Orte nicht gelten, ein Tarif für sie nicht bestehe und sie deshalb in der Lohn- bcwcgung freie Hand hätten. Ter Vcrbandsvorsiand dagegen ver- trat den Standpunkt, die Unterzeichnung des Protokolls sei eine bloße Formalität, die auf die Gültigkeit des Tarifs keinen Einfluß habe. Ter Tarif sei durch die Mehrheit der Kommission angc- nommen und deshalb für beide Teile verbindlich. Diese MeinungS- Verschiedenheit führte nun zu dem Konflikt zwischen der Berliner Ortsverwaltung und dem Zentralvorstandc. Es kam zur Festsetzung, der Mindestlöhne auf Grund der neuen Tarifbestimmungen, die am 1. Jauuar 1912 in Kraft treten mußten. In Berlin schien es zunächst, als würde sich diese An- gelcgenhcit ohne Schwierigkeit regeln lassen. Am 29. Dezember sollten die Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Vertretern stattfinden. Am 28. beschloß der Berliner Ortsvorstand und die Lohnkommission, sich nicht an den Verhandlungen zu beteiligen. sie schickten aber den Vertretern der Unternehmer ihre Anträge bezüglich der Lohnerhöhung ein. An diesen Verhandlungen hatte auch der Vcrbandsvorstand teilzunehmen. Als seine Vertreter er schienen: erfuhren sie durch die anwesenden Unternehmer, daß die Ortsvcrwaltung sich nicht an den Verhandlungen beteiligen wolle. Auf eine Anfrage der Unternehmer erklärten sich die Verbands- Vorstandsmitglieder bereit, auch die Berliner Ortsverwaltung zu vertreten. Hätten sie dies nicht getan, dann wäre die Situation so gewesen: Die Unternehmer hätten ihre Anträge vorgelegt. Da die Berliner Arbeiter nicht vertreten waren, hätte eine Verband- lung über die Anträge nicht stattfinden können. Das Tarifamt hätte also in Funktion treten müssen und hätte, da keine anderen Anträge vorlagen, die Anträge der Unternehmer gut geheißen. Um das zu verhindern, fühlte sich der Verbandsvor- stand verpflichtet, die Vertretung der Berliner Kollegen zu über- nehmen. Er hat auch in der Verhandlung die Anträge der Ber liner Ortsvcrwaltung vertreten und sie sind in der Hauptsache angenommen worden. Es war dem Vcrbandsvorstand peinlich, daß ohne die Vertreter der Berliner Kollegen verhandelt werden mutzte, ober er mutzte im Interesse der Berliner Kollcgenschaft in die Behandlungen eintreten, um für sie zu erreichen, was mög lich war. Hierauf kam der Konflikt. Der Verbandsvorstand teilte das Ergebnis dieser Verhandlu-ng und die neue Lohnfcstsetzung den Mitgliedern durch den„Vorwärts" mit. Ein anderer Weg war nicht gangbar, denn den Kollegen mußten die neuen Lohnsätze noch vor dem nächsten Lohntage bekanntgegeben werdem Moritz, der Berliner Ortsvorsitzcnde, suchte die Betricbsvcrtrauensleute zu bewegen, diesen Tarif nicht anzuerkennen. In einer hierauf von dem Vcrbandsvorstand veranstalteten Sitzung erklärte Moritz, die Lohnabmachungen des Verbandsvorstandeö seien nicht bindend, die Kollcgcnschaft müsse darüber beschließen. Eine von der Orts- Verwaltung am 5. Januar einberufene Vertraucnsmänncrvcr- 'ammlung nahm eine Resolution gegen den Ber- bandsvor stand an. In einer Versammlung am 7. Januar erklärte Moritz, er sei der Vcrhandlungskomimssion nicht nur des- halb ferngeblieben, weil er den Tarisabschluß vom 18. Dezember nicht für rechtsverbindlich hielt, sondern hauptsächlich deshalb, weil sich die Unternehmer weigerten, aus Grundlage der ihnen eingereichten Lohnanträge zu verhandeln, aber mit den Löhnen. die dann der Verbandsvor st and abgeschlossen hat. sei er zufrieden. Die Versammlung nahm eine Reso- lution an, welche besagt, der Tarif werde nicht anerkannt, der Vcrbandsvorstand habe kein Recht, den Lohn tariffür Berlin abzuschließen, deshalb seien ihm bis zur Klärung der Angelegenheit die Mittel zu entziehen. Seitdem haben die Berliner keine Beiträge an den Vcrbaick>svorstand abgeführt. Da- mit sie nicht wegen Beitragsrückstand automalisch ausscheiden und dann, was zu befürchten ist, eine Lokalorganisation bilden, ist der Verbandstag schon jetzt einberufen.— In einer am 9. Januar ab- gehaltenen Berliner Vcrtrauenspersonenversammlung, von welcher der Vcrbandsvorstand ausgeschlossen war, wurde der Tarif, nach- dem ihn Moritz empfohlen hatte, angenommen.— In München ist der Tarif nach einem kurzen Konflikt angenommen worden. Berlin ist der einzige Ort, der den Tarif grundsätzlich nicht aner- kannt hat. Der Verbandstag— so schloß die Rednerin— hat nun zu ent- scheiden, ob wir berechtigt waren, den Tarif abzuschließen. Wir meinen, wir haben nicht nur daS Recht, sondern auch die Pflicht. denn der Abschluß des Tarifs war notwendig, um eine Schädigung von der Berliner Kollegcnslhaft und der Organisation abzuwenden. Auch die Vertreter der Gehilfenschaft haben erklärt, daß sie unseren Tarif als zu Recht bestchend-chetrachteu und für Ruhe und Ord- nung in den Betrieben sorgen werden, wenn die Hilfsarbeiter sich gegen den Tarif wenden. Ich wünsche nicht, daß ich noch einmal in eine solche Situation, wie diese, kommen werde. Sollte es aber der Fall sein, dann würde ich ebenso handeln, wie ick» diesmal ge- handelt habe. Der Verbandstag möge daraus seine Konsequenzen ziehen. Als erster Redner in der Diskussion erhielt, das Wort M o r i tz- Berlin. Er führte unter anderem auS: Schon im Anfangsstadium der Verhandlungen hätten die Unternehmer gc zeigt, daß es ihnen nicht ernst gewesen sei mit dem Abschluß eines neuen TarifeS. Die Arbeiter hätten deshalb auf eine tarif- lose Zeih gerechnet und sie würden in dieser Zeit mit einzelnen Firmen Tarife abgeschlossen haben. Das sei auch anfangs die Meinung der Kollegin T h i ed e gewesen. Später habe sie aber einen anderen Standpunkt eingenommen. Der Redner bezeichnete den materiellen Inhalt des am 18. Dezember abgeschlossenen Ta- rifcs als durchaus nicht günstig für die Arbeiter. Als die Löhne für Berlin festgesetzt werden sollten, habe die Ortsvcr- waltung ihre Anträge eingereichte Die Unternehmer hätten er- kennen lassen, daß sie Abrundungen nach oben in kleinem, nach unten aber in größerem Matze vornehmen würden. Darauf habe die Ortsverwaltung nicht eingehen können. Auch die Arbeitszeit sollte zuungunsten der Arbeiter geregelt werden. Der Redner stellte ganz entschieden in Abrede, daß er Betriebsvcrtrauens- leutc beredet habe, den Tarif nicht anzuerkennen. Er habe nicht Stimmung gegen den Tarif gen: acht. Die Berliner ständen auf dem Standpunkt des Statuts. Danach sei der Vcrbandsvorstand nicht berechtigt, aus eigener Machtvollkommcn- heit einen Tarif für Berlin abzuschließen. Die Zahlstelle Berlin habe den Verbandsvorstand nicht ermächtigt, de» Tarf abzuschließen. Es handele sich jetzt nicht darum, ob der Tarif gut oder schlecht sei, ob er angenommen werden solle oder nicht, sondern es komme darauf an, daß die Rechte des Vorstandes, der Ortsvcrwaltungcn und der Mitgliedschaft festgestellt> Verden. In der Vertrauens- personcnsitzung am 9. Januar habe er erklärt, es sei für ihn eine schwere Aufgabe, zur Annahme des Tarifes zu raten. Wenn jemand einen anderen Weg wisse, möge er ihn angeben. Niemand habe einen Ausweg aus der Situation gewußt, deshalb hätten die Vertrauensmänner dem Tarif zugestimmt. Die Mitglieder- Versammlung habe dazu noch nicht Stellung genommen. Ohne diesen Tarif würden die Aussichten für die Berliner Kollegen besser sein. Sie könnten dann günstige Hausvcrträge abschließen. Trotz des allgemeinen Berliner Tarifs habe die Ortsvcrwaltung eine Reihe von Hausverträgen abschließen können. Anträge auf weitere Abschlüsse von Hausverträgen gingen fortgesetzt ein. Es sei also nicht einzusehen, warum Berlin nicht ohne Tarif mit Hausverträgen sehr gut auskommen sollte. Wenn wir noch einige Monate gewartet hätten, würden' wir einen besseren Tarif be- kommen haben, wenn auch nicht hinsichtlich der Löhne, so doch in grundsä�lichcr Beziehung. Wenn der Tarif noch fünf Jahre be ein- noch sieh?, dann werde von der Selbständigkeit der Hilfsarbeiter kente �F�u Th'ie d e erklärte, die in Berlin jetzt bestehenden Haus- Verträge seien ja nur Kommentare des Tarifs, welche die �cr- Hältnisse der Spezialbranchen regeln. � �.....,. Döblin(Buchdruckerverband) rechtfertigte die Haltung des VerbandsvorstandcS und bezeichnete das Verhalten der Berliner als die Interessen der Gesamtheit scha d i g e n d. �.er Tarif der Hilfsarbeiter bestehe zu Recht. Wenn die H-Ifs- arbeiter einen Konflikt provozieren, dann wur- den die Buchdrucker dem c n tg e g e n t r e t c n und. wie hier gesagt wurde, für Ruhe und Ordnung im Betrieoe sorgen. Moritz würde gut tun, wenn er erklaren wurde, er habe sich verhauen und gebe seinen Standpunkt aus. Die /der- liner sollten das Trennende vergessen und die Hand zum Frieden bieten.. � �-r Schmidt- München trat der Ansicht entgegen, daß der Tarif besonders den kleinen Orten Vorteile bringe. Wo die Organisation nicht so stark sei, um einen erfolgreichen Streik zu führen, ua würden die Unternehmer gar nicht an den Abschluß eines Tarifes denken. Nachdem in Berlin eine Versammlung von 4909 Kollegen beschlossen hatte, daß sie leinen Tarif wollen, hätte der Verbands- vorstand diesem Beschlutz Ncchnunsi tragen sollen. Haltung ber Berliner hätte bei den Verhandlungen gegen die Unternehmer in anderen Orten ausgespielt werden können. Auf keinen all hätte der Verbandsvorstand über die Köpfe der Berliner Kollegen einen Tarif abschließen dürren. Die Berliner hatten nie die Absich!: gehabt, eine Lokalorganisation zu gründen. Durch den Beschluß, keine Gelder an den Hauptvoritand abzuführen, habe erreicht werden sollen, daß ein außerordentlicher Verbandstag berufen werde. Bis jetzt sei die Abführung der Beiträge � B a um garten- Berlin betonte: Bei dem Tarifabschluß am 18. Dezember sei ausdrücklich abgemacht und festgesetzt worden, daß die Festsetzung der Löhne örtlich stattzufinden habe. Sogar die Personen, welche diese Feststellungen vorzunehmen haben, seien namhaft gemacht worden. Das seien auf Arbeiterseite Mitglieder der Orts vermalt un gen. Den Vertretern des Haupt-, Vorstandes sei für diese Lohnvcrhandlungcn nur beratende Stimme zugebilligt. Hiernach wäre also der Hauptvorstand in keiner Weise legitimiert gewesen, die Löhne für Berlin abzu- schließen. Das sei noch heut der Standpunkt des Berliner Orts- Vorstandes und der Lohnkommission.— Döblin wolle für Ruhe und Frieden im Betriebe sorgen. Das könnte am besten erreicht werden durch den Jndustrievcrband. Aber auf dem Bremer Ver- bandstage der Hilfsarbeiter habe Döblin von einem Zusammen- schlutz mit den Buchdruckern nichts wissen wollen. P u ch e r- Berlin(Redakteur des Verbandsorgans) rechtfertigte in längeren Ausführungen die Haltung des Verbandsvorstandes und kam zu dem Schluß, der Vorstand habe als oberste Leitung des Verbandes das selbstverständliche Recht, einzugreifen, wenn es notwendig sei, eine Schädigung der Gesamtheit der Mitglieder abzuwenden. Werner- Stuttgart hält eS für einen großen Fehler, daß sich die Berliner nicht an den Lohnverhandlungen beteiligten und ist der Ansicht, daß der Abschluß des Tarifes das Beste wäre, waS in der gegebenen Situation geschehen konnte. Gertrud H a n na- Berlin(Hauptvorstandsmitglied) sagte unter anderem, durch den Beschluß, keine Beiträge an den Haupt- vorstand abzuführen, habe sich die Berliner Mitgliedschaft außer- halb des Verbandes gestellt. Sie, die Rednerin. würde die Ber- liner anders behandelt haben als wie es der Hauptvorstand tat. Aber sie stehe inii ihrer Ansicht allein im Hauptvorstand. Aus Ver- sammlungsäußcrungen gehe zweifellos hervor, daß in Berlin und München die Absicht bestanden habe, sich zu lokalisieren. Diese Absplitterung hätte der Hauptvorstand nicht zu hindern suchen sollen, denn das wäre eine gute Lehre für die betreffenden Mit- glieder gewesen. Dadurch, daß die Berliner nicht zur Verhandlung gingen, hätten sie sich des Rechts begeben, den Hauptvorstand des- halb zu kritisieren, weil er an ihrer Stelle die Verhandlungen führte. Damit schloß die Sitzung. /Ins der Partei. Wetterprognose für Freitag, de« 23. Februar Ii»12. Zunächst teilweise heiter, nachts Frost bei mäßigen südösllichen Winden; nachher wieder zunehmende Erwärmung mit Bewölkung ohne erheblich» ------------------"--- Niederschläge. B-rliner Setterbureau verantwortlicher Redakteur: Albert Wach?, Berlin. Für den Jnjeratenieil oerantw.: Th.Äl,ite.Bcrlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchocuckerei u. VerlagSanjtal» Paul«inzer Berlin SWi" Aufruf. Am 14. Februar er. waren eS 25 Jahre, daß die preußische Regierung auf Grund des damaligen Sozialistengesetzes über Stettin und Naclibarorte den kleinen Belagerungszustand ver- hängte und 28 Genossen mit der AusweisungSorder bedachte.(Im ganzen wurden 44 Genossen ausgewiesen.) Der Stclliner Partei- verein hat beschlossen,«ine EriiinerungSfeier zu veranstalten. Um- ständehalber ist der Termin hierfür auf Sonntag, den 3. März, fest- gesetzt. Die Feier findet im Lokal des Genossen H a a k, Allee- straße 3—4, von nachmittags 5 Uhr ab statt. Die damals aus- gewiesenen Genossen, die heute in Deutschland zerstreut wohnen. werden zu dieser Feier hiermit freundlichst eingeladen. I. A.: F. S t o r ch. Steltin, Bellevuestr. 43. Sozialistische Staat«, und Gemeindebeamte in den Bereinigte» Staaten. Das schwerlich ganz vollständige Ergebnis der bisherigen Wahlen stellt sich nach dem„Herald" von Milwaukee auf 1939 1 Darunter sind 56 Mayors(Bürgermeister) und 1 Vizemayor, 79 Verwalter oder Kassierer, 53 Kontrolleure, 155 Schulbeamte, darunter 79 Direktoren, 57 Richter. 22 Polizeibeamte, wovon 15 Polizei- lichter, 169 Stadtverordnete, 6 Sladtverordnetenvorstcher, 145 Stadträte, 18 Landtagsabgeordnete, 2 Staatssenatoren. 1 Kongrip'.- Mitglied usw.— Man sieht: so wenig die Demokratie an sich die Klassenlage der Arbeiterschaft ändert, so sehr ist sie ein Mittel, so- bald daö Voll erst einmal einen Willen hat, diesen zur Geltung zu bringen._ ßmfftarten der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und andere» Heilftätie«. Diejenigen unterer Abonneiiten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweisung von Frei- cxemplaren sofort ibre Adresse elnscndcn, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliejert werden. Alle Adressen müsse» jeden Monat neu eingesandt werden. Marktbericht von Berlin am 31. Februar ISIS, nach Ermittelung dcS föiiigL Polizeivräsidiums. Marltb allen preise.(Kleinhandel) 199 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00— SO.llO. Spciscbohiicn weiße, 30.00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 10.00—15,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,00—2.40. Rindfleisch. Banchfleisch 1 30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,30—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,00—3,20. CO Stück Eier 4,50—7,50. 1 Kiloaranini Karpsen 1,20—2,40. Aal- 1,20—3,00. Zander 1,60-3,60. Hechle 1,40—2,00. Barsche 0,80—2,00. Schleie 1,00-3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 4,00—30,00. Witterungsübersicht vom 23. Februar 1913. Stationen £ 2 2 Swinemde. 768 NO Hamburg! 768 SO Berlin! 708 N Franks.a.M. 708 Still München|770, Wien tili ! 767, BN« Setter 1 bedeckt 2Ncbel 1 bedeckt >Ncbcl Nebel 4 halb bd. »»?. d* Äll i* HiO -1 1 —-0 L 2 5 Stationen Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Pari« a � Möbel- Magazin Otto Piehl Brunnenstr. 120 Orts- Krankenkasse für da? Töpfergewerbe\n Kerlin. Bekanntntachuna. Die in der Generalversammlung vom 26. April und 13, November v, I. beschlossene achte und neunte Ab» inderung des Status ist vom Bezirks» auSschutz genehmigt worden, Die neunte Zlbänderung tritt am 1, März 1912 in Kraft und betrifft die freie ärztliche Behandlung der Kimilienangehörigen(ohne, Extra» bciträge), Die Anmeldung der Angehörigen (Frau und Kinder) hat spätestens am achten Säge nach BeschäftrgungS- ansang deS Kassenmitgliedes schriftlich zu erfolgen, Die zur Zeit in Arbell stehenden, wie die fren'' können schon anmelden, Anmeldeformulare hierzu sowie die Statutenabänderungen sind im Kassen- lokal erhältlich, 271/7 Berlin, den 15, Februar 1912. er Norftand. freiwilligen Kassenmit'glieder jetzt ihr- Angehörigen .Frack-Terletk-liiWtitBt Frack-, Kehrock-, Smoking-Anzüge, für jede Grötze Passend, in grosser Aus- °Z.7-S.«l!r,iMImwit. sriedrlolistr 115 t,a OranicnburgAor, Tel, Nord 7402. 35 l I WWW Terkant nnr Im Fabrikgehlinde! WWWM M Sie sparen Qeld!wSr■ llhfibl �kt Engrospreisen? � �■ tu der Möbelfabrik* 35 1 H. 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Kamm und Schuft........ Pfund 70, geteilt 75 Pk RücKenfett... pfd. 55» 60 pr, Liesen Pfd. 65pf- KalbsKeule u. Nierenbraten im ganzen Pfd. 95 pf- Kalbshamm und Bugf---- Pfund 70, geteilt 75?'- Kalbsbrust................ Pfund 75» spitze 95 pf- Hammelkeule u. Rücken im ganzen.. Pfund 75 Pf- Fische Lebende grosse Schleie........ Pfund 88 pf. Lebende Hechte...... Pfund 85» über 0 Pfund 65 pf- Lebende Schuppen-Karpfen... Pfund 55 pf- Leb. Lausitzer Schuppen-Karpfen 63 pf Gemüse Mohrrüben......... j Pfd. 30 Pf. Malta-Kartoffeln.... s Pfd. 25 Pf. Franz. Blumenkohl Kopf 20, 25 Pf. Blumenkohl..EopfS, 10, 15 Pf. Geflügel Birkhähne.......... Stack 1.75 Wildenten..........Stack 1.65 Schneehühner....... Stack 98 Pf. Suppenhühner 1.65,2.00,2.25 Mastputen........... Pfd. 88 pf. Jg. Hambg. Hühner gefroren. 1.35 Wolgahühner..stock 1.85, 2.00 PouletS�etQofc 1.65, f rieche 1.75, 2.25 Enten gefroren.... Stück 2.85, 3.25 'Butter u. Käse Tischbutter......... Pfund 1.40 Tafelbutter pfd. 1.44, 72 pt Bratenschmalz...... Pfund 58 pt. Roquefort-, Gorgonzola- u. Stilfcnkäse Topf 45 pt. Romatour st 28, Liinburgerpfd.48 Pf. Frühstücks- ood Klosterkäse stck. 10 pf Schweizer Pfd. 80, Tilsiter 73 pf. Emmenthaler ndl. 15, Camembert st. 23 pf. Kuh- und Landkäse s stück 35 Pf. Spitz- und Faustkäse z stck. 25 Pt Sanitäts-Yoghurtkäse. stock 15 pt o d Möbel. Möbel- Sechner. Brunnenstr. 7, am Roientbaler Tor, Spezial-Möbtl- Haus. Auf Kredit und gegen bar. Kroße Auswahl jeder Art. Stube und Küche, Anzahlung schon von IS Marl an. Einzelne Möbelstücke, Anzahlung oon S Marl an. Liefere auch nach auswärts. Vorzeiger dieses Inserats erhält bei Staus 5 Marl gutgeschrieben. Sonntag nur oon 12— 2 geöffnet. Mob et ohne Geld! Bei ganz lieiner Anzahlung� geben Wirtlchaslen und ewzeine Stücke aus Slredit unter äußerster Preisnotierung, auch Waren aller Art. Der ganze Osten laust bei uns. Kretschniann u. Co., Koppen- straffe 4.(Schlesischer Babnbos.) Möbelangebot. 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Als Referenten sprachen die Genossen Hildebrand und Georg Schmidt. Bekanntlich ist e« der Tod de« Abg. Dr. Gerschl, der die Neuwahl notwendig macht. Wäre hier das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht ausschlag- gebend, so mutzte man es als selbstverständlich ansehen, datz der verstorbene FreisinnSmann durch einen Sozialdemokraten ersetzt wird. Aber auch unter dem bestehenden schändlichen Dreiklafienwahlrecht !;itt es alle Kraft einzusetzen, um dem Willen des arbeitenden Volkes o stark wie irgend möglich Ausdruck zu verleihen, und damit zu- gleich jede Gelegenheit wahrzunehmen, um die Mafien aufzurütteln gegen die politische Rechtlosigkeit.— Die Versammlungen beschäftigten sich ferner mit der Aufstellung der Wahlmannskandidaten, die sich ohne jede Schwierigkeit vollzog, da die Vorbereitungen dazu bereits im Kreise der Genossen getroffen waren. Partei-)Znge1egenbeiten. Zur Lokalliste! In FriedrichShagen hat da« Gesellschaftshaus den Besitzer ge« wechselt; der jetzige Inhaber Herr Wandrey stellt sein Lokal zu den altbekannten Bedingungen zur Verfügung. Ferner wird uns mitgeteilt, datz der kaiserliche Automobilklub am Sonnabend, den 2i. Februar, ein Kostümfest in den Kammer- s ä l e n, Teltower Str. 1—4, abhält. Da die Kammeriäle für die organisierten Arbeiter zur Versammlung nicht zur Verfügung stehen, ober versucht wird, bei den Chauffeuren und in Arbeiterkreisen Billetts umzusetzen, bitten wir die Billetts zurückzuweisen. _ Die Lokalkommission. Treptow- Baumschulcnweg. Sonntag, den 23. d. MtS., vor- mittags 10 Uhr, im Lokal.ParadieSgarten', Alt-Treptow, Ecke Park- stratze: Autzerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Bericht der Gemeindeverordneten, Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertretung, Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Der Vorstand. Weißens«, Gemeindewahl! Sonntag, den 23. d. MtS., nachmittags von 3 Uhr ab, bei Peutert, Berliner Allee 251: Kuvertieren der Wahldrucksachen. Zur Verteilung der- selben an die Wähler treffen sich die Genosien und Genossinnen am Dienstag, den 27.. von 7 Uhr abends ab in den Zahlabendlokalen. Zur glatten und schnellen Erledigung beider Arbeiten ist die Teil- nähme möglichst aller Mitglieder dringend notwendig. Der Vorstand. Mariendorf. Am Sonnabend, den 24. d. M., feiert der Wahl- verein in dem Gratzlschen Lokal, Chaufieestratze, sein 11. Stiflungs« fest in Form eines Kunstabends. Das sorgfältig zusammengesetzte Programm verspricht einen genutzreichen Abend. Der Eintrittspreis beträgt nur 30 Pf. Billetts sind bei den Bezirksführem zu haben. Der Beginn des Feste« ist auf pünklich 8>/, Uhr festgesetzt. Die Ge- nofien wollen in ihren Bekanntenkreisen für lebhaften und Punkt- lichen Besuch des Festes agitieren. � Lichtenrade. Morgen Sonnabend, de« 24.. Februar, abends 8>/z Uhr: Mitgliederversammlung de« Wahlvereins im.Wirtshaus ,b Lichtenrade". Neuenhagen(Ostbahn). Sonntag, den 23. d. MtS., nachmittag« 8'/, Uhr, im Lokal von Lindner, Niederheide; Oeffentliche Gemeinde- wählcrversammlung. Vormittag: Handzettelverbreitung daselbst. Dieselben find beim Bezirksleiter abzuholen. Die Bezirksleitung. PeterShage«- Fredersdorf. Sonntag, den 23. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, im Lokole von Kunsch, Hennickendorfer Stratze: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Funktionäre. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertreterwahl. 3. Vor- trag über drahtlose Telegraphie und Anwendung der Elektrizität. 4. Verschiedenes.— Vormittags: Flugblattverbreitung zur Ge- meindevertreterwahl. Material beim Genossen Clatz abzuholen. Pankow. Am Sonntag, den 23. Februar, mittag« 1 Uhr, bei Ebersdoch: Autzerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertretung. 2. Ver- fchiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Die Bezirksleitung. Bernau. Sonnabend, den 24. d. M.. abends 8'/, Uhr. bei Salzmann, Basdorfer Stratze: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins mit wichtiger Tagesordnung. Die Bezirksleitung. WaidmannSlust und HcrmSdorf. Sonntag, den 23. Februar. früh 8 Uhr. von den bekannten Lokalen au«: Handzettelverbreilung für die Anfang nächster Woche stattfindenden Gemeindewähler- Versammlungen. Muhlenbeck(Bezirk Nieder- Schönhausen). Am Sonntag, den 23. Februar, nachmittags 4 Uhr, im Gasthof zur Sonne, Inhaber A. Bärsch: Oeffentliche Gemeindewählerversammlung. Tagesordnung: .Die Sozialdemokratie in der Gemeindevertretung." Reierent: Stadlverordneter Genofie Paul D u p o n t, Berlin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Genossen der Ortschaften Blankenfelde, Schildow und Schönflietz sind zu dieser Versammlung eingeladen. Abmarsch der Schönhauser Genossen um 12 Uhr, von Bratvogel. Nordend, aus. Die Agitationskommission. berliner I�admcKten. Die Stadtverordneten statten gestern eine'Dauersitzung. Aus der langen Reihe der Beratungsgegenstände, bei denen es zu einer mehr oder ininder gründlichen Aussprache kam, hoben sich besonders drei heraus: die Verhandlungen über den Markthallenverkauf, über die Walderholungsstätten für Kinder und über den Kampf der Kirche gegen die Gemeindesriedhöse. Ter Verkauf der Markthalle Dorotheen- straffe an die Postverwaltung wurde, wie der Ausschuff es vorschlug, beschlossen. Tie sozialdemokratische Fraktion stimmte dagegen, nachdem sie vergeblich den Versuch gemacht hatte, eine Zurückverweisung an den Ausschuß durchzusetzen. Genosse Grunwald brachte hier erneut die Aufsehen er- regende P r o v i s i o n s a f f ä r e zur Sprache, die in die An- gelegenheit hineinspielt. Es ist von pikantem Reiz, daß es just ein Bruder eines Magistratsmitgliedes, des Stadtrats Selberg, sein muff, dem für seine„Mühe" ein Doueeur von 38 000 Mark aus dem Stadt- s ä ck e l bewilligt wird. Auf andere Weise als durch diesen Herrn Kommerzienrat Selberg, der nicht etwa als gewerbs- mäßiger Agent, sondern ganz privatim das„GescWt" ge- macht hat, konnte wahrscheinlich die Stadtverwaltung nicht mit der kauflustigen Postverwaltung zusammenkommen. Als Genosse Grunwald diesen Skandal nach Gebühr kennzeich- nete, antwortete die freisinnige Mehrheit mit Ausbrüchen der Entrüstung, die dem Redner, nicht etwa der Provisions- affäre, galt. In der Frage der Walderholung» st atten für K i n d e r hat der Magistrat die Entscheidung so lange hinaus- gezögert, daß er jetzt die Zeit gekommen glaubt, sie vollends der Versumpfung entgegenführen zu dürfen. Er beruft sich darauf, daß nicht mal der Notbehelf der Heimstätten voll ausgenutzt wird, und will alles beim alten lassen. Die Stadtverordnetenversammlung hat erfreulicherweise diesen Absichten zunächst einen Riegel vorgeschoben, indem sie die ihr zur Kenntnisnahme vorgelegte Entschließung des Magi- strats an eine gemischte Deputation verwies. Ge- nosse Wehl betonte die Notwendigkeit, auf diesem Gebiete sich nicht mit Flickwerk zu begnügen, sondern an eine orga- nische Reform heranzugehen. Durch einen Hieb gegen die Armendirektion, den er hierbei führte, gab er dem Stadtrat K a l i s ch Gelegenheit, zu zeigen, daß dieser jetzige Chef des Armenwesens Talent, wenn zu nichts anderem, so wenigstens zum Spatzmacher hat. Herr Kalisch fiel da- bei sehr glücklich aus der Rolle eines würdevollen Magistrats- Mitgliedes. Minder heiter ging es in der Debatte über die Angelegen- heit des Gemeindefriedhofs her, gegen den die Kirche alle ihre vermeintlichen Machtmittel auszunutzen entschlossen ist. Ter kecke Eingriff in das Recht der Stadt- g em e i n d e hatte Anlaß gegeben zu einer Anfrage an den Magistrat, die vom Oberbürgermeister K i r s ch n e r mit einer bemerkenswert scharfen, das Recht der Stadt wahrenden Er- klärung beantwortet wurde. In der Besprechung wiesen alle Redner das Verhalten des Konsistoriums als unberechtigt zu- rück. Für die sozialdemokratische Fraktion sprach Genosse Leid, der die eigenartigen Motive dieses neue st en Vorstoßes der Kirche aufdeckte. Er schloß mit der An- kündigung, daß diejenigen Bevölkerungsschichten, die inner- lich längst mit der Kirche gebrochen haben, gegen- über solchen Machtgelllsten noch mehr als bisher es für ihre Pflicht halten werden, auch äußerlich den Bruch mit der Kirche zu vollziehen._ Die Liebenwald« Bahn betreibt, wie wir kürzlich berichteten, eine recht anfelblbare Verkehrspolitik. Sie ist von einer Gesellschaft Becker u. Co. gepachtet: Der jetzige Zustand, datz nicht in erster Linie die Interessen de? reisenden Publikum« sondern die der Eisenbahn-Baugeiellschaft Becker u. Co. matzgebend sind, dürste auS der Zusammensetzung der Direktion der Reinickendors-Liebenwalder Grotz-Schönebecker Eisenbahn hervorgehen. Der erste Direktor, ein früherer aktiver General, ist nämlich gleichzeitig noch zweites Vor- standsmitglied im AufsichtSrate der Firma Becker u. Co. Der technische Leiter fungiert in gleicher Eigenschaft noch für die anderen Bahnen im Betriebe der Eisenbahn-Baugesellschaft Becker u. Co. Hierdurch ist es leicht erklärlich, datz diese Herren nicht, wie eS ihre Pflicht wäre, zuerst die Interessen der Aktiengesellschaft der Liebenwalder Eisenbahn, sondern die der Firma Becker u. Co. im Auge haben zumal die anderen Bahnen sich nicht gut rentieren sollen und die Liebenwalder Bahn Mnit als rettender Engel angesehen wird. Bei der Zusammensetzung deS AufsichtSrät» der Liebenwalder Bahn, der zum grotzen Teil- au« Jnterefienten der Firma Becker besteht, ist es kein Wunder, wen» die�Stimmen immer lauter werden. die sich gegen eine weitere Verpachtung der Liebenwalder Bahn an die Firma Becker u. Co. wenden Hinzu kommt noch, datz eine Verlängerung der Bahn bis gehdenick geplant sein soll. Diese Arbeiten sollen wiederum der Firma Becker u. Co. übertragen werden. Anscheinend hat die Aktiengesellschaft beim seinerzeitigen Bau des Unternehmens noch nicht die Lehre gezogen, datz sie sich den Bau- gewinn, der, nebenbei bemerkt, lOOOvOOM. betragen haben soll selber verdienen kann. Der Gewinn bei diesem Bau soll wiederum einer Firma zugewendet werden, zu der der erste Direktor mit dem grötzren Teil seine« AufsichtSrat« im weiteren Geschäft steht. Natürlich kann da« nur zum Schaden der Interessenten der Lieben walder Bahn ausfallen. Zu erwarten wäre, datz die AufsichtS- behörden, der Präsident der königlichen Eisenbahndirektion Berlin, die Provinz Brandenburg und der Krei» Niederbarnim, dieses Projekt und die eigenartige Fusion einer durchgehenden Prüfung unterziehen. Vor allem ist e« Pflicht der Aufsichtsbehörde, für er- mätzigte Tarife zu sorgen und eine schnellere Zugfolge eintreten zu lassen. Geschieht daS, dann erhält die Bahnstrecke erst den wirflichen Charakter eines öffentlichen Verkehrsmittels und auch die in diesem Betriebe Angestellten würden endlich in die Lage kommen, eine meniwenwürdige Entlohnung zn erhalten, an der eS heute noch sehr mangelt. Der Verttag mit der Firma Becker u. Co. läuft am 1. April 1913 ab. Vom städtischen Gesundheitswesen. Der Stadtverordnetenvor- steher Michelet hat der Stadtverordnetenversammlung mit anderen Kollegen folgenden Antrag unterbreitet: »Die Unterzeichneten beantragen, die Gtadtverordnetenveriamm- lung wolle beschlietzen, den Magistrat zu ersuchen, die Verwaltung der städtischen Heimstätten mit der Deputation für die städtischen Krankenanstalten und das öffentliche Gesundheitswesen zu Veninigen, um eine schnellere Ueberführung der Genesenden und der an ge- ichlofiener Tuberkulose Leidenden zu ermöglichen und dadurch die Krankenanstalten wirksamer zu entlasten." Du Fehlgriff in der Lichtenberg« Mordsache. Am Mittwoch vor 14 Tagen wurde, wie wir mitteilten, der im Hause Rigaer Stratze 37 wohnhafte Kassierer Karl Schabe! unter dem dringenden Verdacht, die Schlächterftau Nickel am 1. Mai vorigen JabreS in Lichtenberg in ihrer Wohnung, Mainzer Str. 24. erswlagen zu haben, von der Lichtenberger Kriminalpolizei verhaftet. Sofort nach der Verhaftung SchabelS wurde in weiten Kreisen die Meinung zum Ausdruck gebracht, datz hier wieder einmal einer jener vielen Irrtümer der Polizei vorliegt, die, ohne im Besitze ausreichender Beweismittel zu sein. Schabe! in Haft nahm. Von Anfang an mutzte es stutzig machen, datz die Oeffentlichkeit so wenig von den Gründen erfuhr, die den Familienvater in den schweren Verdacht des Mordes brachten. In der über diese Sache informierenden Korrespondenz hietz es, datz die Kriminalpolizei über erhebliche« Belastungsmaterial verfüge, das aber noch geheim gehalten werden müfie. Und als gar die Staatsanwaltschaft die Untersuchung gegen den Verhafteten beschlotz, fand sich bereits eine gewifie Prefie, die, weil Schabet Angestellter des Gemeindearbeiter-VerbandeS war, von einem.sozialdemokratischen Mörder" berichtete. Gestern nun ist Schabe! au« der Untersuchung entlafien worden. Wie uns'mitgeleilt wird, ist gegen Schabe! nicht der Schatten eines Beweises dafür erbracht worden, datz er als Täter in Frage kommen könne. Lediglich auf leeres Gerede zweier Frauen, die mit den Nickelschen Eheleuten in Berührung gestanden, hat die Kriminalpolizei die Verhaftung SchabelS vorgenommen. Durch ihren Geniestreich hat sie einen biShu völlig unbescholtenen Mann von seiner Familie gerissen, ihn 14 Tage seiner Freiheit be« raubt und obendrein bewirkt, datz die Kinder mit Fingern auf den unschuldig in den Vervacht deS Mordes Geratenen zeigen. Dabei mutz mitgeteilt werden, datz dem in Haft genommenen Schabe! die von seinem Rechtsbeistand Dr. Heinemann nachgesuchte Selbstbeköstigung vorenthalten wurde. Am gestrigen Donnerstag vor acht Tagen hatte letzterer bereit« Geld hierfür eingezahlt, be« kommen hat Schabe! jedoch bis zum gestrigen Tage die Gefängnis« kost. Das eingezahlte Geld wurde ihm gestern bei seiner Entlasiung wieder ausgehändigt. Wer entschädigt nun den auf blotzen Klatsch Verhafteten für die ihm zugefügte moralische und materielle Unbill? DaS BerhZr des Raubmörders Trenkler ist am Mittwoch spät abends zu einem gewissen Abswlutz gelangt. An Einzelheiten ist noch zu berichten: Trenkler kam am IS. Januar, am Tage vor der Tal, mit seinem noch nicht ermittelten Reisegefährten mittag« in Berlin an, besuchte mit ihm einige Schankwirtschaften und begab sich dann allein nach dem Fremdenlogis»Zum weitzen Rotz" in der Dresdener Stratze, das er von früher her nocb kannte. Hier erzählte er den Winsleulen, was ihn nach Berlin geführt habe, und datz er beabsichtige, die Charits aufzusucben. Die Leute rieten ihm, einen Arzt in der Nachbarschaft aufzusuchen, der auf dem Gebiete seiner Krankheit schon Hervorragendes geleistet habe. Trenkler sagte denn auch, datz er das tun wolle. Am nächsten Morgen machte er sich auf den Weg. Statt aber zum Arzt zu gehen, hielt er sich an dem Geschäft des Juweliers Schulze auf. um eine Ge- legenheil auszubaldowern, sich in den Besitz von Schmucksachen zu setzen. In der 11. Stunde kehrte er von dem Ausgang zurück und schwindelte den Wirtsleuten vor, datz er beim Arzt gewesen sei. Er sagte, dieser habe ihn genau untersucht und wolle ihn.nach Char- lottenburg bettlägerig machen", und dort weiter behandeln. Er be- zahlte seine Zeche und verabschiedete sich. Bald darauf schritt er zur Ausführung leines Planes. Nachdem er ein Tablett mit Schmucksachen au« der Mitte deS Schaufensters herausgenommen und eingesteckt hatte, überraschte ihn Frau Schulze. Er nahm die Sachen, wie er sagt, auS der Tasche wieder heraus und legte sie auf den Ladenlisch. Nachdem er die Frau niedergeschlagen und nach dem Hinterzimmer geschleppt hatte, war ihm so warm, datz er den Ueberzieher ausziehen mutzte. Er warf ihn über den Ladentisch hinweg auf einen Stuhl. Als dann später alle drei Opfer in dem Wohnzimmer lagen, machte sich der Ver- brecher daran, seine Taschen mit Beutestücken zu füllen. Weil sie ihm nicht genug fatzten, so suchte er nach etwas anderem. Ueber die Leichen hinwcgschreitend suchte er die Stube ab und fand endlich einen Karion. In den schüttete er nun alles hinein, was er in den Taschen hatte. Jetzt machte er sich an das Geldspind heran. dessen Autzentür nicht ganz zugeschlagen war. Diese konnte er also ohne weiteres öffnen, die inneren Tresors dagegen fand er verschlossen. Jetzt erinnerte er sich, datz er bei Schulze eine Schlüsielkette gesehen habe. Er begab sich an die Leiche, nahm ihr die Kette mit den Schlüsseln ab, öffnete die Tresors und nahm Ringe, lose Brillanten, Schlipsnadeln, bares Geld und das Spar- kassenbuch heraus. Die Brillanten und Schmucksachen tat er zu den anderen in den Kai ton. Jetzt kam er auf den Gedanken, sich etwas zu säubern, nachdem er die Geldschrankiür zugeworfen und die Schlüssel abgezogen hatte. In der Stube suchte er nach einem Taschen- tuch und fand eins in der Kleidertaiche der erschlagenen Margarete. Mit diesem wischte er. sich ab. Bei dem Suchen sab er auch das kleine Päkctchen, das das Mädchen vom Einholen mitgebracht halte. Weil er augenblicklich nicht ivutzle.-ob es nicht ihm selbst gehöre, so nahm er es aus. legte es neben dem Karton auf den Ladentisch, um es für alle Fälle mitzunehmen, damit eS ihn nicht verraten könne. Da- neben legte er gleich auch das Mordwerkzeug, das nach seiner Schätzung L'/z Kilogramm wog. nachdem er es in ZeitungSpapier eingewickelt hatte, und eine mit geometrischen Formeln und Eni- würfen für Automobilteile bedeckte Zeichenrolle, die er mitgebracht hatte. Auch diese Dinge wollte er nicht vergessen. Weil der Karton nicht ganz voll war, so packte er aus die Schmucksachen sein Hals- tuch hinaizf. Dann suchte er nach seinem Hut, der ihm abgefallen war. Hierbei fand er auch den Hut Schulzcs. Er hob ihn aus und legte ihn auf den Hocker, der im Laden stand. Endlich steckte er die Schlüssel ein, nahm den Karton, das Mordwerkzeug und das kleine Päckchen unter den Arm und verliest den Laden. Sein Versuch, die Tür von autzen abzuschlietzen, mitzlang. Das Schlietzblech war etwas verbogen und deshalb wollte der Schlüssel nicht gleich passen. Er zog die die Tür nun blast an, nahm den Schlüssel heraus und steckte ihn ebenfalls in die Tasche. Tann ging er die Alte Jakobstratze hin- unter nach der Dresdener Stratze zu. An der Grünstratze betrat er einen Hausflur, um den Karton in sein Taschentuch einzubinden. Weil dieses aber zu klein war, so fragte er einen etwa 12 Jahre alten Jungen nach Bindfaden. Der halte aber keinen. Trenkler ging nun weiter. Als er am Thalia-Theater eine Droschke bestieg, warf er das kleine Paketchen unter den Wagen, weil er sich über- zeugt hatte, datz es ihm nicht gehöre. An der Sparkasse deckte er Karton, Werkzeug und Zeichenrolle mit der Wagen- decke zu, beauftragte dann den mehrfach beschriebenen Mann, der sich noch immer nicht gemeldet hat, ihm 600 M. abzuheben. Der Mann kam bald zurück und berichtete, datz er nur 130 M. bekommen könne, weil nicht gekündigt sei. Den kleineren Betrag holte er denn auch. Auf der Fahrt nach dem Görlitzer Bahnhof lich der Verbrecher den Kutscher schon an der Hochbahn halten und entlohnte ihn mit etwas über 3 M. Nach Verlassen des WagcnS stellte Trenkler seine Sachen zunächst auf einen Mauervorsprung, um sich erst die Hände zu reiben, weil ihm auf der Fahrt sehr kalt geworden war. AIS er sie wieder aufnahm, sah er, datz ihm die Zeichenrolle fehlte. Er hat sie sicher im Wagen liegen lassen. Der Kutscher, der sie wohl gefunden haben wird, wird ersucht, sich bei der Kriminalpolizei zu melden. Auf dem Görlitzer Bahnhof lietz sich der Ver- brecher von einem Gepäckträger Bindfaden geben, mit dem er den Karton verschnürte. Dann übergab er diesen einem Zeitungshändler in Verwahrung. Mit dem Mordwerkzeug unter dem Arm und den Schlüsseln in der Tasche ging er dann am Görlitzer Bahnhof entlang, bis er an einen Wasserlauf, den Land- wehrkanal kam. Dieser war zugefroren. Trenkler ging weiter, bis er an eine offene Stelle kam. Dort warf er das Mordwerkzeug und alle Schlüfiel ins Wasser. Jetzt kehrte er nach dem Bahnhos zurück, gab dem Zeilungshändler 10 Pf. und hielt sich dann mit oem Karton eine halbe Stunde lang im Wartesaal 4. Klasse auf, und trank einige Tassen Kaffee, bis er mit dem Zug über Görlitz abfuhr. Nach Abschlutz der Vernehmung wurde Trenkler gestern Abend wieder in die Jsolierzölle gebracht. Heute morgen wurde er dem Erkennungsdienst vorgeführt und von ihm photographiert und ge- messen. Zur Aufklärung des noch ein wichtiger Zeuge dem Trenkler nach Berlin verbrechen? hat sich jetzt endlich gemeldet, der junge Mann, mit gekommen ist. Seine Bekundungen weichen in wesentlichen Punkten von der Darstellung Trenkler« ab. Richtig ist. datz Trenkler seinem Begleiter sein Leid über seine Lungenkrankheit klagte. Aber nicht auf seinen Rat ist der Verbrecher nach Berlin gefahren, er hatte vielmehr schon Fahrkarle dorthin, als er mit ihm zusammentraf, und sich nicht erst eine in Görlitz, Der junge Mann hat Trenkler auch die Zeichenrolle gesehen und auch mit darüber gesprochen. Trenkler gab sie aber nicht aus der Hand. eine löste bei ihm Der junge Mann kann also nicht sagtn, oh sie schwer oder leicht war. ES ist aber nicht' ausgeschlossen, dah Trenkler darin ein Mord- Werkzeug verborgen hielt, lieber das Abhandenkommen dieser Rolle, die LS bis SV Zentimeter lang ist, macht Trenkler keine bestimmten Angaben. Er will nicht sicher sagen, dah er sie in der Droschke habe liegen lassen. Umso notwendiger ist eS. dag der Droschken- kutscher sich meldet, damit die Sache weiter aufgeklärt werden kann. Zur weiteren Llufklärung des dreifachen Verbrechens in der Alten Jakobstraße fand gestern nachmittag gegen 2 Uht eine eingehende OrtSbesichtigung statt. Unter der sicheren Bewachung von zwei Kriminalbeamten wurde Trenkler in einem geschlossenen Automobil vom Polizeipräsidium nach der Behausung der ermordeten Familie Schulze gebracht. Um den Verbrecher möglichst rasch dem Anblick der Strahengänger zu entziehen, führte man ihn durch die Seitentür an der Hausdurchfahrt in den Wohnraum hinein. Auch die Beamten traten hier ein. Die Räume lagen bis tfit noch unter Siegel und dieses wurde gestern zum erstenmal gelöst. Die Fenster blieben verhängt, damit niemand von außen her in die Räume, die durch Gaslicht erhellt wurden, hineinblicken konnte. Drinnen lag und stand alles noch so, wie man eS bei der Entdeckung des furchtbaren Verbrechens gefunden hatte. Kriminalbeamte waren gestern vormittag unauffällig dagewesen und hatten die Hoffenster auch eine Zeitlang geöffnet, um frrsche�Lujt in die Räume einzulassen. An der Hand seiner eigenen Angaben Mußte nun Trenkler an Ort und Stelle zeigen, wie die blutigen Vorgänge sich abgespielt haben sollen. Der Ortstermin war bis zutn letzten Augenblick streng geheim gehalten worden. Eine durch einen Drahtdirbstahl verursachte Störung im Straßen- bahnbetriebe ereignete sich am Donnerstag früh in Tempelhof. Dort war in der vorletzten Nacht in der Germaniastroßc zwischen den Masten 64 und 6S der Leitungsdraht der Straßenbahn in beiden Richtungen in einer Gesamtlänge von etwa 6S Meter abgeschnitten und gestohlen worden. Infolgedessen trat an' jener Stelle von Betriebsbeginn bis 7 Uhr morgen? eine Verkehrsstörung ein. Dte Drahtdiebe, die bisher noch mcht ermittelt worden sind, hatten an Ort und Stelle zwei Leitern und mehrere Stangen zurückgelassen, sind also offenbar an der weiteren Ausübung ihrer Tätigkeit gestört worden. In der Reitbahn verstorben ist der Fabrikbesitzer Hauptmann der Reserve Karl Cußler aus der Hauptstr. 11 in Schvnebcrg. Er hätte am Dienstagabend im ReUinstitut der Gebrüder Beermann in der Hardenbergslr. 25 an einem UcbungSrciten zur Festaufführung des Reit- und FechlvereinS teilgenommen. Während der Fabrikant im Schritt durch die Bahn ritt, wurde er plötzlich ohnmächtig und stürzte vom Pferde herab. Man nahm sich des Erkrankten sofort in zweck- mäßiger Weise an, doch konnte der in wenigen Augenblicken herbei- geeille Arzt nur den inzwischen infolge einer Herzlähmung ein- getretenen Tod feststellen. Eine Falschmünzerbaudr, die sich mit der Herstellung von Zwei- und Dreimarkstücken besaßt, treibt seit kurzem ihr Unwesen. Die Falschmünzer fertigen sowohl Zwei- als auch Dreimarkstücke au. Die Falsifikate tragen daS Münzzeichen A und die Jahreszahlen 1V0Z und 1903. Die Prägung ist allerdings recht gut' ausgeführt, doch fühlen sick die falschen Münzen fettig an. Auch fallen sie durch einen dumpfen Klaiix etwas auf. Dte Falschmünzet suchen ihre Fabrikate niit Vorliebe in der Mark Brandenburg unterzubtingen, Ein Kind auS dem fahrenden Eiienbahnzvz gestürzt. Ein verhängnisvoller Unglücksfall hat sich aus der Lehrter Bahn zugetragen. Der Schneider G. befand sich mit seiner Ehefrau und seiner vier- jährigen Tochter auf der Fahrt nach Glöwen, als die Kleine vor der Station Friesack auS der Tür des Abteils vierter Klaffe auf die Plattform heraustrat. Ein starker Windstoß, der plötzlich dahinfegte, riß die Kleine um und nnglücklicherweise stürzte das Kind von der Plattform herab. Die Eltern zogen sofort die Notleine, doch erst nach einiger Zeit konnte der in voller Fahrt befindliche Zug zum Halten gebracht werden. Das Mädchen fand man in schwer- verletztem Zustand neben den Gleisen liegend auf. Es wurde nach dem Friesacker Krankenhaus gebracht, wo eS fast hoffnungslos da- niederliegt. Ein sehr gefährlicher Brand, bei dem mehrere Personen in großer Lebensgefahr schwebten, kam in der letzten Nacht um 11 Uhr in einem sogenannten Gartenhause in der Wormser Str. 9 vermutlich durch Fahrlässigkeit zum Ausbruch. Als die Aiefahr bemerkt wurde, brannten im dritten Stock in einer Wohnut'g Möbel Usw. und war das Treppen- hau? bereits total verqualmt. Den Bewohnern der vierten Etage war infolge dessen der Ausgang versperrt. Die Inhaberin der Woh- nung, Fräulein Marie Scharch, die von dem Brande-im Schlafe überrascht und nicht einmal genügend Zeit zum Ankleiden fand,' erhitlt Brandwunden an Händen und im Gesicht die ihr von , Samaritern der Feuerwehr verbunden werden mußten.' Die Ost-' wache der Charlottenburger Feuerwehr unter Leitung des Brand- inspeltors v. Leupoldt war bald zur Stelle und eS gelang ihr fämt-' liche Hausbewohner in Sicherheit zu bringen. Während Mann-, Schäften die Fenster im Treppenhause einschlugen, drangen andere in die Wohnungen ein. um die Hausbewohner zu beruhigen. Hand in 'Hand mit dieser Rettungsaktion ging die Ablöschung des Brandes Ei» Kind weiblichen Geschlechts wurde gestern abend vor der Wohnung des in der Chausseestr. 130 vorn 3 Treppen wohnhasten .Werkmeisters Gutgefell ausgesetzt. DaS Mädchen besitzt ein Alter von etwa neun Monaten, hat blaue Augen und spärlichen blonden Haarwuchs; bekleidet war eS mit einein griinkarierten Röckchen. -weißen Strümpfen, braunen Schuhen, weißem Strickjäckchen und ebensolcher Mütze sowie sauberer weißer Wäsche. Unter dem Röckchen war eS in ein Badefrottiertuch eingewickelt., Zeuge» gesucht! Alle diejenigen, welche gesehen haben, wie � am 1. Februar, abends gegen 7 Uhr, in der Reaud-rstraßv ein älterer Mann mit einem Handwagen von einem Straßenbabnwhgen der -Linie 4 zu Fall gebracht wurde, werden gebeten, ihre Adresse an. ' A, Müller, Franzstr. 12, IV, bei Hildebrandt, einzusenden, Vorort- JSacbricbtem Neukölln(Rixdors). Unter dem Eindruck der bevorstehenden Stadtv«u,rbneten- , Wahlen standen dia am Dienstag vom sozialdcmokratisAn Wahl- komitee nach den Lokalen von Bartsch, Petrie und Paffage-Festsälen 'einberufenen Kommunalwählervcrsammlungen. Zur Tagesordnung „Bütgertum und Sozialdemokratie im Rathause" sprachen die Gi- »offen G r o g e r, Dr. S i l b e r st e i n und W u tz k y. Die1 Redner erwähnten zunächst die Eroberung des SüdbeztrkS in der zweiten Abteilung im Herbst 1908,'die die bürgerlichen Herren mit dem 'Magistrat an der Spitze aus ihrem Hinterhalt hervorriefen, utn «die werktätige �Bevölkerung zu entrechten. Umsonst sei all die .Liebesmüh gewesen, gefestigter und geschlossener denn je werde der 'Kamps um die zweite Abteilung geführt werden;, diesesbe zu er- obern müsse unsere heiligste Pflicht sein. Ein Blick in die.jetzt gesetzliche aufgestellte Wählerliste dieser Abteilung lasse erkennen, daß 'eine ganze'Anzahl von Mittelständlern, kleinen Gewerbetreibenden und bessergestellten Arbeitern Wähler der zweiten Klaffe geworden seien und ihre- gesellschaftlichen Stellung nach zur Sozialdemokratie gehörten. DaS solle nun natürlich kcin.Grund sei», daß unsere Ler- .treter nicht nach wie vor das Dreiklassenwahlrecht bekämpfen werden. .Wie topflos man im Magistrat sei, nur ja nicht eine sozialdemo- kratische Mehrheit regieren zu lassen, sei nur. zu bekannt.- In aller Erinnerung seien noch die hinter dem Rücken der Sozialdemokratie geführten EinigungSvcrhandlungen mit Treptow. Man habe sich 'sterblich blamiert— der gewünschte Erfolg sei nicht erzielt worden. Bon den 72 Sitzen im Rathause gehörten, legt man' die abgegebenen Stimmen bei b« ReichStagSwahl zu Grunde, bei einem gerechten Wahlrecht der Sozialdemokratie mindestens deren 64. ES sei 'dahin zu wirken, daß dte Sozialdemokratie' bei den im April und den ebenfalls im Herbst dieses Jahres stattfindenden Stadt- verordnetenwahlen in die zweite Abteilung siegreich vordringt und die Mehrheit im. Stadtparlament erhält. Sei dieser Zustand er- reicht, dann �verde. die.. Fraktion um so unermüdlicher ihre Reformen verwirklichen können. Bei der Volksschule zeige sich, daß unsere Kommune tu bezug auf Lehrergehälter erst au 49. Stelle komme. Dieser Zustand sei auf die Ausbildung der proletarischen Kinder nicht ohne Einfluß und könne auch die Beziehungen zwischen Schule und Haus nicht fördern. Um die Badeanstalt sei jahrelang gefeilscht worden. Ein Bauzaun bezeichne die Stelle, wo dieselbe frühestens in zwei bis- drei Jahren erstehen kann. Aehnlich liege es mit der Schularztfrage, den Brausebädern und der Zahnpflege in den Schulen. DaS Verkehrswesen liege gleichfalls im argen, da jede Gemeinde ihre Interessen vertrete. Bei näherer Betrachtung der bürgerlichen Fraktionen ersehe man, daß eine genau so rückschrittlich sei wie die andere. Das Programm der Kommunal-fortschrittlichen Arbeitsgemeinschaft komme uns, gut zu passe— sie wollen daS geheime �Wahlrecht nur, um den Terrorismus zu beseitigen. Hinter diesem Nestgebilde stehe nichts weiter als die pure Bcamtenkamarilla. In der ältc-. bürgerlichen Linken, seien außer ein paar vernünftigen Leuten, die eS ernst, meinen,' die nacktesten Jnteressenvertreter, die nicht einmal' das, was' als.streng geheim gilt, für sich behalten können. Von solchen Leuten regiert zu werden, sollten die Wähler Neuköllns weit von sich weisen und nur Leute wählen, welche die gemeinsamen Interessen vertreten; und das seien die Vertreter der Sozialdemokratie. Diskutiert wurde' in den Versammlungen nicht. Nachdem die Leiter noch auf die Borarbeiten zur Wahl hingewiesen hatten, fingen die Versammelten mit Hochrufen auf die Sozialdemokratie auseinander. Wilmersdorf. Ein schwerer Antomoiilunfakl ereignete sich am gestrigen Donnerstagnochmittag gegen 2 Uhr in der Pfalzburger Straße. Dort spielte der vierjährige Hans Greinert mit mehreren anderen Kindern vor dem Hause.Pfalzburger Str. 12 auf dem Fahrdamm. Die Kleinen bemerkten dabei mcht, daß ein Geschäftsautomobil herannahte, dessen Führer mehrfach Warnungssignale gab. Während die übrigen Kinder im letzten Augenblick beiseite sprangen, lief der kleine G. bei dem Bemühen, sich zu retten, in das Automobil hinein und wurde don dem rechten Vorder- und Hinterrade überfahren. Das Kind. erlitt schwer» Kopfverletzungen und einen Schädelbruch sowie einen Bruck des reckten Oberschenkels. Es wurde nach der Unfallstation am Olivaer Play gebracht, wo ihm die erste Hilfe zu- teil wurde, und dann' auf Wunsch der hinzugerufenen Eltern nach deren Wohnung übergeführt. Ober-Tchöneweide. Amtsvorsteher und Berein Jugendheim. Bekanntlich ist dor Jahres- frist der" Verein Jugendheim durch eine Verfügung des Amts- Vorstehers aufgelöst worden, da Jugendliche nicht Mtglieder eines politischen Vereins sein dürften; Trotzdem besteht der Verein lustig weiter und eS ist obendrein noch Beschwerde gegen die Verfügung eingelegt worden. Der Amtsvorsteher hatte wohl übersehen, daß dem Verein trotz seines jugendlichen Namens kein einziges jugend- liches Mitglied, sondern alles ausgewachsene Sünder angehören. Auf eine Anfrage nach dem Stande der Sache ist der Bescheid ergangen, daß nunmehr seitens des Amtsvorstehers eine Begründung feines Vor- gehens eingegangen sei; man darf gespannt sein, was die lange Zeit zuwege gebracht hat. Waidmannslust. Die Gemeindewahl ist diesmal, einem Antrag unserer Genossen entsprechend, auf einen Sonntag und zwar auf den 8. März fest- gesetzt. Der Wahlakt beginnt für die 3. Abteilnng früh 11 Uhr und wird nachmittags 2'/, Uhr geschloffen. Das Wahllokal befindet sich in der Turnhalle au? dem Schulgrundftück, Kurhausstr. 11/13. In der Wählerliste war am Schlüsse, also mit einem Steuersatze von 3M,. die Landgemeinde Lübars selbst als wahlberechtigt eingetragen. Unser Protest gegen diese kuriose Ungesetzlichkeit hatte Eisokg. In der letzten Sitzung der Gemeindevertreter wurde be- schloffen, diese Eintragung zu streichen. Unsere Aussichten für die bevorstehende Wahl find günstig. Wenn jeder seine Schuldigkeit tut und insbesondere die Genossen auS den übrigen Be- zir ks orten bei der Wahlorbeit kräftig mithelfen, kann der Erfolg nicht ausbleiben.■_ Hus aller Alelt. Der Rierenbrand von Doufton. , Zu dem Riesenbrand, der, wie wir bereits gestern kurz be richtet, die Stadt/ Houston in Texas zum größten Teil ein- äscherte, werden noch folgende Einzelheiten gemeldet. DaS Feuer wurdx gegen V,3 Uhr nachts bemerkt. Der Brand, der auf dem Bahnhof der Southern Pacific entstanden war, griff im Nu auf einen B a um w olls p eich er über. I« wenigen Minuten stand daS ganze Lager in Fläwmcn. Da keine Löschapparate vorhanden waren und die Ankunft der. sofort alarmierten Feuerwehr sich ver> zögerte, verbreitete sich das Feuer durch den heftigen Sturm begünstigt, auf die umliegenden� Gebäude, die in kurzer Zeit bis auf den Grund niederbrannte». Durch die weit umher fliegenden Funken gewann det Brand immer weiter an Ausdehnung. Schon nach einer halben Stunde seit dem Ausbruch des Feuers glich die östlich« Stadt einem Flammenmeer. Die Arbeiten der inzwischen eingetroffenen Feuerwehr wurden jedoch durch das Versagen der Hydranten sehr erschwert. AuS den brennenden Häusern flüchteten zah llos'e Bewohner, nur mit dem Notdürftigsten bekleidet,- in w'il-der Panik. Mehrere Häuser wurden durch Dynamit ge- sprengt, um durch die entstandenen Lücken den Brand einzudämmen, doch waren auch diese Bemühungen vergeblich. Schließlich sprangen die Flammen an einer schmalen St-lle des Flusses auch auf den anderen Stadtteil über und zerstörten auch hier eine große Anzahl Kohlenspeicher und Wohnhäuser. Erst nach LLstündlgen Löscharbriten gelang es der inzwischen au» den um- liegenden Städten verstärkten Wehr, des Feuers Herr zu werden. DaS Feuer hatte sich in einem Umkreise von v/, Meile» ausgedehnt. 2S0 Häuser und drei Kirchen sind bis auf den Grund zerstört.' Viele Personen werden vermißt, Leicken find bisher jedoch noch nicht aufgefunden worden. Etwa 2000 Personen find obdachlos, der Schaden wird, soweit-bis jetzt übersichtlich, auf 12 Millionen Dollar beziffert, doch dürste er diese Summe noch um ein Beträchtliches überschreiten. Furchtbare Familientragödie in Fulford. Ein furchtbares Familiendrama ereignete sich gestent in F u l f 0 r d'(England). Die Frau eines Straßen- bahnange st eilten wurde gestern morgen plötzlich vom W a h n s j.u n befallen und versuchte ihre vier Kinder z« töten, indem sie ihnen Taschentücher in den Mund stopfte. Als der Ehemann nach Hause kam, waren zwei der Kinder bereits tot, die beiden anderen lebten noch. Der hinzugerufene Arzt hat jede Hoffnung aufgegeben, sie retten- zu'können. Die Frau ist nach der Tat geflohen; bisher fehlt von ihr jede Spur. I-'/eisstd"-"-; schwacher Eisgang, Kleine Notizen.-} Masernepidemie in Paris. Eine Masernepidemi e forder in Paris zahlreiche Opfer. Viele Schulen sind bereits ge- schloffen. Die Epidemie wütet besonders in den dicht bevölkerten Stadtvierteln Montmartre und Belleville. Im Januar waren 1422 Todesfälle an Masern zu verzeichnen gegen 27S-im Januar des Vorjahres. Schwerer Zyklon. AuS Shreveport in Luisiana kommt die Meldung, daß während eines Zyklons acht Nrgrr getötet, 5 0 schwer verwundet wurden. Ein Millionendefraudant. Nach einer Meldung aus Duisburg hat der Generaldirektor der fürüll Hätzfeld-Wildenburgschen Domäne V. Boot Veruntreuungen in Höhe von' 2 Millionen Mark begangen. Er soll mit einer Dame geflüchtet sein, während sich seine Frau in einem Irren haute befindet. Verhaftete Saccharinschmuggler. Auf dem Frankfurter f a u p t b a h n h 0 f e wurden gestern früh ein Mann und eine rau verhaftet, die sich in Basel bei der Zollrevision verdächtig be- nommen hatten. Die Schweizer Polizeibehörde hatte die Frank- furter Polizei sofort telegraphisch benachrichtigt. Das Saccharin hatten die beiden Verhafteten. in ihrer Kleidung in Leinwand eingenäht. Sie trugen so über 40 Kilogramm deS Süßstoffe« bei sich. Vom Zuge zermalmt. Der 73jährige Nacktwächter Fuhrmann betrat infolge plötzlicher geistiger lkmnachwng in der Nähe- der Station B i t ich e n bei Oppeln das Gleise, wo er durch einen herannahenden Güterzug überfahren wurde. Später wurde sein» zermalmte Leiche aufgefunden. Abnorme Kalte in New Dork. Der diesjährige Winter ist" der strengste, den Amerika und besonders die Bereinigten Staaten seit 20 Jahren gesehen haben. In N e w D 0 r k cherrscht augenblicklich eine abnorme Kälte, unter der der gesamte Geschäftsverkehr schwer leidet. Am schlimmsten ist die ärmere B e'v ö l k e r u n g dran, da es ihr an Geld fehlt. FeuerungSmaterial zu kaufen und sie daher der Kälte schutzlos preisgegeben sind. Die Straßen sind mit einer Eisschicht überzogen, sodaß täglich zahlreiche Unfälle zu der- zeichnen sind.' Die Straßenbahnen haben den Verkehr eingestellt, da die Gleise zugefroren find. Cingegangene Druckschriften. Von der.Neue» Zeit- ist soeben da» 21. Hest de» 30. Jahrgange« erschienen. AuS dem Inhalt des ßestcS heben wir hervor: Ein« groß» artige Kampagne.— DaS russtsche Ultimatum und seine Folgen für Perfien. Von einem Perser.— Die Politik I. B. v. Schweitzers und die Sozial- demokratie. Bon H. Lausenberg.(Schluß.)— Die braimschweigische Wahl- resorm. Von Richard Wagner.— Die soziale Bewegung in Japan.> Bon S. Katahama.— Literarische Rundschau. Feuilleton der„Reuen Zeit" Nr. 48: Lstlemheit und Kollestivbewnßtiein. Von G. G. Ludwig.— Bücherschau: Max Lehmann, Historische Aufsätze und Reden. Karl Lorländer, Immanuel KantS Leben. Alexander Ular, Die Zwergenschlacht. HanS Holbein» Initialbuchstaben mit dem Totentanz. Gustav Freytag, Bilder von der Entstehung de» Deuffchen Reichs. Die„Neue Zelt" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postnnstalteii und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostet 25 Pf. Von der..Gleichheit-, Zeitlchrist sür die Interessen der Arbeiterinnen, ist-un» soeben Nr. 1t des 22. Jahrgangs zugegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die Entwicklung steht nicht still....— Unsere Zlufgaben nach der Wahl. Von Luise Zietz.— Da« Erwachen des englischen Proletariats. Bon Th. Rotbstein.— Da» Ziffern» mäßige Wahlergebnis. Von H. B.— Elise Schweichcl zum Gedächtnis. Von>l. flr.— Die braunichweigische Wahlreform. Von R. Wagner.— Frauentonserenzen in Oesterreich. Von». p. Die.Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post bezogen beträgt der AboirnemenISPreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband S5 Pj. Jahresabonnement 2,60 M. Vom„Wahre» Jacob-- ist soeben die 5. Nummer de» 23. Jahr- ganges im Umsaua von 16 Seiten erschienen. Au» ihrem Inhalt erwähnen wir folgende Beitrage: Zei chnungen: Gedenkblatt zum Wahlsieg 1312.— Bayern von W. ftraiii.— Militärische». Von R. Grosse.— Der erste Orden. Von A. Fiebiger.— Schwarzer Trost. Von Emil Erk.— WaS lange währt, wird endlich gut. Von H. G. Jentzsch.— Aschermittwoch. Von Erich Schilling il!w. Text: Der neue Reichstag.— Schwarzblaue Aschermittwochstimmung. — Folgen der bayerischen LandtagSwahlen.— Rixdors Neukölln.— DaS Lied vom Wehrverein. Von HI.— Unsere Fürsten. Frei nach Justin«» Kerner.— Lieber Jacob; Von Jottbils Raule.— Lischcrmittwochlied. Don Tobias.— Eine Sitzung des neuen Reichstags usw. Ter Preis der l6 seilen starken Nummer ist 10 Pf. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag-I. H. W. Tietz Rachf. G rn. b. H. in Stull» gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zit beziehen. Briefkarten der Redaktion. Die lurtsltsche«»rechftuuve findet Linden strafte öS, vor» vier Drestve» — F a y r st u h l—, wochenläglich von 4-z bis 7Vi Udr-dends, SonnavendS, von»Vd vis 6 Uhr abends statt. Jeder für de» vrtefkaften bestimmten Aufeage ist ein vncltstobe und eine Zahl als Meetzetiven beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteil«. Anfragen, denen keine Sbonuemenesgnittnng beigefüg« ist, werden nicht beantwortet. Siiige Fragen trage man tu der Sprechstunde vor. R. M. K5. Ja, nach Ablauf der 13. Krankhcitswoch«.— T. 20. Gehalt nicht, wohl aber Diäten bei sogenannten Kommissarien.— B. 09. Sie können die Sachen versteigern lassen und den Erlös keile».— Zl. W. 6387. Ja. Zunächst muß aber die Aufsichtsbehörde, Stralouer Straße 3/6, angegangen werden.— Glla. An den Armenoorsteher Ihre» Bezirk», wo Sic das weitere erfahren.— H. 24. Die Zeugst» konnte die Aussage über die Frage verweigern. Zur wahrheitswidrigen Beantwortung war sie nicht berechtigt. Es empstehlt sich sofortige Berichtigung.— 951. G. 42. Der Nlimentenanipruch ist angemessen. Ob die Kostenrechnungrichtig ist, läßt sich nur nach Einsichtnahme in dieselbe sagen.— lv. 1. Un- verständlich.— L. K. No. 100. Rur dann, wenn daS VormundichaftS» gericht auf Antrag der Mutter einen dahingehenden Beschluß erläßt.-» K. 28. 1. Etwa 6 M. wöchentlich. 2. Unverständlich.— F. Zch. 100, Nowawes. Geburtsurkunde, Militärpaß. Erlaubnis ist nicht erforderlich. Anmeldung mindestens 3 Wochen vor Heirat.— H. K. 36. 1. Möglich. Der Versuch kann gemacht werden. 2. Kommt aus die Höhe deS Per« diensteS, den der Sohn hat, an. 3.?lus Befragen: Ja.— Gerda 500. Ja. etwa OM. monatlich.— G. B. 12. A. Wäscheichrank oder Kommode, 1 Tisch. Nähmaschine, Fahrrad und 1 Regulator, außerdem da»-Sofa, fall» eS nicht als Schlafgelegenheit benutzt wird. B. Ja, soweit die Lohnforderung 28,85 M. wöchentlich oder 125 M. monatlich übersteigt. Q.u.v. Wäre ansechtbpr. 31. 951. 58. Nach überwiegender Rechtsprechung leider abzugSsäyig. W. M. 78. I.Ja. 2. Fordern Sie vom Eigentümer Ersatz.— A.K. 28. Ihr Bruder kann die abgezogenen Beträge gezablt verlangen.— Erkitr. Die Sachen gehören alsdann den Kindern.— 951. B. Wen» sich die Weitervcrmietung ab 1. Oktober nachweisen läßt, sind Sie nicht zahlungS- pflichtig, andernfalls ja. Die 3 M. können gekürzt werden.— Gläubiger. 1. und 2. Erst aus Grund eines PollftreckungSbesehls oder Urteils zulässig. Wenden Sie sich an daS Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner semm Wohnsitz hat. WasserftandS-Nachrichte« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiterourcan. Wasserstand N c m e l. Tilsit P r e g c l, Jnsterburg Weichsel, Thon» Oder, Ratibor Krassen Frankfurt Warthe, Schrimm LaudSberg Netze. Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden B-rby . Magdeburg am> feit 31.2. 20, 2. am! cm1) 128')>+2 -36'j j—5 232')i+I00 300 1+114 200')+11 ISO4);+23 96'),+8 «5-)+7 10:—8 146!+8 -108 I—1 1773)— 6 153«)-27 Wasserstand Saal», Broch litz Havel, Spandau'» , Rathenow') Spree, Spremberg») . Beeskow Weser, Münden Mnden Rhein, MaximiliNnSau . Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Werthestn Mosel. Trier SozialdemoMclierVsiiM! des 6. Bert, fieiehstags- Wahlkreises. Todesanzeige. Am Montag, den 10. Februar, »erstarb unser Genosse, der Rohr. leger kuSolk Kabelmaeher Istader Htr. 13. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung sindet am Freitag, den 23. Februar, nach» mittags B'L Nhr, vom Trauer- Haufe. Istader Sir. 13, aus nach dem Gethfemane-Kirchhof, Nieder- Schönhaujen-Nordend, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borftand. On-Simm«! Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Primenslr. 41, ÄW« 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Michel-Salonbriketts M. 7.75 pro 1000 frei Gelatz. 21/7. Koch, Rixdorf, Bergstr. 110 II' Sehailplatten Verleih- Institut. 1 (Auch nach«aswirb. Pr»»p. gratis. I KaH Boi-bs, Berlin 69 B ���NeneK5Blg»tr«»»o38j��J #9uii[l Solidarität Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sountag, den 25. Februar: 1. bis 11. Abt.: I1/, Uhr W- Glienicke(früher Troppens). Start an den bekannten Stellen. Heute Fahrwartsihung. �edtunx! Aecdtunx! ÜMT* Morgen Sonnabend, den 24. stebruar, sindet in der„Neuen Welt' miser diesjähriges Alpenfest statt. Dortiewst u. a. Präsent- vertellnng und originelle Prämiierung. Näheres siede Inserat im heutigen.Vorwärts'. 10/14 Manci 129 Skalitzer Str. 129. Die schönsten BerreB-Somnierpaletolsn. 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Erscheint M Massen�— Zentralverband der Haudlnngsgehilsen und Gehilfinnen Deutschlands, Bezirk Berlin »Märkischer tiof", Admiralstraße 18c. Empfehle meine Säle: Sonnabende März, April zu Zestlichleiten. Hochzeiten, Bersammlungen. ZW" Jeden Sonntag i Tan». Sooktrabsl und Snbel. XlKU'KAdAS« Nur echt, venn jedes Röllolien nebenstehenden Zettel enthält. Hauptniederlage: G. A. Hanewacker Nordhausen. Schutzmarke. H ÄP Oder Berlin SO. 16. Eogelufer S. U* W■. VUW, Xabak-Großhdlg. Amt Moritzpl. 3014. Theater und Vergnügungen, m M Freitag, 22. Februar ISIS. Anfang 7'/, Uör. Bgl. SchanspielhauS. Boheme. Deutsches. Viel Lärm um NichiS. Zirlus Busch. Gala-Vorstellung. Zirlus Schumann. Gala- Bor- itellung. ZirkuS Sarrasani. Gala- Bor- slellmia. Haverland. Spezialitäten. Aniang t- Ubr. Urania. Daubeuftrahe 48/49. Ter Grostglockner. Gastein und die Salzburger Alpen. Kgl. Opernhaus. Der große König. Neues K. Operntheater. Narziß. Koulggräher Strafte. Die suns Frankfurter. Neues SlbauspielbanS. Da- FamUienlind. Neues. Der liebe Auguftin. «ainmerspiele. Frühlings Erwachen. Leiiing. Der Bund der Jugend. Residenz. Alles jür die Firma. Roiiii'die Over. La Traviata. «urfnrstenoper.. Die Nacht von Berlin. Triauon. Da» kleine Cafe. Thalia. Polnische Wirtschast. lkafino. Der Kamps umS Dasei». «polt». Svezialitälen. 'Laiioge. Svezialitälen. Herrnseld. Wir man Männer bessert. Der Hausleusel. Rrichsiii.Ilrn. Stettiner Gänger. Wintergarte». Spezialitäten. Königstadt- Kasino. Das Modell. Die letzte Rose. Spezialitäten. Ztnfang ä'j, Uhr. Falles tkapriee. Mandelblülh'S Pollerabend. Losgelassen. Waffen- Übung. Walhalla. Menschenrechte. Boigt. Hotel Klingebusch. Ansang S'/, Uhr. NeueS Bolkstheatrr. Leidenschaft. Belle- Zllliance. Wilhelm Tell. '.» Sternwarte» Jnoalideiiftr. 67—62. ISlerThMlFElH: Freilag. abends 8 Uhr: Der Kilomrterfrci-aer. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Wildente. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Probckandldat. Sonntag, abends 8 Uhr: Gräfin I-ea. □ □□ Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. sbMioijgrjlöHBiZSi'ZtiÄe Wends 8 Ubr: vis 6 Frankfurter. ~lRcitc§ Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. sonnt. 3'/, Uhr: Der fidele Bauer Theater des Westens. Abends 8 Ubr: Wiener Blut. Sonntag 3'/, Uhr: Bin Walzertraum. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Alles für die Firma. Schwant in 3 Akten von M Henneguin und A. Mitchell. Für die dentsche Bühne bearbeite« von Bolten-Baeckers. Morgen n. folg. Tage: IMes f. d. Firma. Sonntag, 25. /2., 3 U.: Der Prinzgemahl. Luisen-Theater. treitag: Tommersput. onnab. 4 Uhr: Schueeweistchen und Rosenrot. 8 Uhr: Der Ber- schwende». Ärttr-Malw Ortsgruppe Morgen, Somubond, in der Neuen Weit, Nasenheide 108-114: Gr. Alpen>Pest. Iröffnung abends 8 ühr. �BALL. Zwei Orchester, Eintritt 60 Pf.(inbL Tanz). D Präsentvertellung(30 praktische Wertgegenstände im Gesamtpreis von 150 Mark werden gratis ausgelost). Prämiierung= prämiiert wird die größte Dame und der kleinste Herr (über 20 Jahre alt) mit 30, 20 und 10 Mark pro Psax. Meldung mit Legitimation bis 12 Uhr an der Kontrolle. == Ehrentanz der prämiierten paare.--------- Belle-Alilance-Tbeater. «'/.Uhr: Wilhelm Tell. Sonnabend: Wallensleins Tod. OSI-THEATEI fflrojje Frankfurter Str. 132. Anfang 8 Uhr. Napoleon Bonaparte und seine Frauen. Historische Komödie in süns Akten (acht Bildrat) von Will». Gonnadcnd 4 Uhr: Hänsel und Grete! 8 Uhr: Napoleon Banaparte. Beblller-lbealer Freitag, abends 8 Uhr: Gräfin Lc-a. Somiabcnd, i#jm. 3'/, Uhr: Prinz Frledricb von Homburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Kjrltr-PyrU«. Sonntag, mittag» 12 Uhr: bioniitaga-Konzert. Sonnlag, nachm. 3 Uhr: Don Carlos. Sonntag, abends 8 Uhr: _ Kyrltn-Pyrita._ Metropol-Ttieater. Abends 8 Uhr: Rauchen gestallet. vis Nacht ran Berlin! Grofie JahreSreoue in 7 Bildern von Jul. Freund. Mufik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Vir. X S-hultz. Borleftte Woche des groften komische« Programms. Lachen ohne Ende über Pnul den populären sächf. Arotesk-Komiker. am Roscnlhalcr Tor. Zlllabendlich S'l, llhr: Gröfites soziales Ausstat- > iungs-Volksftück mit Ballett und Gesang in S Akten von Map Reichardt. In Szene ' gesetzt o. Dir. JameS Klein. , 1. Akt: Geheimnisse im | Privatkontor. 2. Alt: Die| grofie Protestvcrsammlung. 3. AN: Im Ballsaal. Am ! Rande des Abgrundes. 1 4. Akt: Arbeit nieder 5. Akt:| Ein Gottesgericht. Sonntag nachm. 3'/* Uhr: Die größte Sünde. Jt „CLOU" Berliner Konzert«Haus. Mauarstr. 82 Zimmerstr. 90/91. Großes Konzert und tü Zillertbater and Tegernsee» Singer. Plattler and Jodler!!I An allen Wochentagen nachmittags: Großes Prumonaden-KonzerC bei freiem Eintritt. Arnold Scholz. NEUE WELT. Tätlich: Hasenheide 108/114. Boekbierf est in den banerisehen Alpen Wunderbare Aipendekoratlon. Ken! Geblrgrstcrrasse. Ken! Mittwoch, Donn�ax: Großer Ball. Wochentags 7 Uhr. r„tr... Wochentags 30 Pf. Anfang, sonntags 4 Uhr. Entree! Sonntags 50 Pt. _ fiBy a Kapellen!-MU_• Zirkus A. 8c]inmanii Heute Freitag 7'!, Uhr; GV* Elite-Abend."VV Auftreten sämtl. Attraktionen. Um 9 Uhr: Zum 50. Male; Das neueste und grdfite Ausstattungsstück der Gegenwart: Das Motorpferd in 5 Akten. Besonders hervorzuheben Auf der Trabrennhahn in Waillen sce. Grote SchluBapofheose mit noch nie dagewesenen Effekten. 3 Musikkorps. 60 Sänger. Ein Fraueneher. Fackelzug. Sonntag 2 gr. Vorstellungen, 3'/, und 7'/, Uhr. In beiden Vorstellungen: Das Motorpferd arrasanil Seträiitar illee. Telephon: Nord 4100.| Freitag, den 23. Februar, 7'/, ühr: Gala-ibend. Sonnabend und Sonntag 3 Uhr und 7'/, ühr:' Zwei Vorstellungen. Nachmittags zahlen Kin-] der auf allen Plätzen halbe Preise. Thßafer Ein neuer Sensationserfolg *= Nie man= Itfönner bessert. 2 Sitte von Anton n. Donat Herrnseld mit den'Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: Der Sjausfcufel. Ansang 8 Uhr. Billetivorvertaus 11—2(Theaterkasse). Köniyslarit-Kasino. Ecke Holzmartt- u. AI exanderstrafte täglich abends 8 Uhr Hivator and Varletd. Aufttt den Spezialitäten zwei Theaterstücke: „Das Mode»" von E. Alexander. „Die letzte Oese" von O. Richter. Urani« Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Der GroSglockncr, Gastein aed die Salzbarger Alpen. L 4 Vorträge über Naturdenkmal- pflege. II. Lie naturwissonschaftl. Grundlagen der Kinematographie. III. Die median. Technologie der Metalle. IV. Bedeutung der Astronomie für die moderne Bildung. Beginn demnächst. Prospekt kostenlos. Passage-Theater. Schneider-Duneker Carl and Lotty die berühmt. Esoentr.-Tänzer. Luise Schäfer Voitragsküns tierin. The Hevaldos Trappe «Hphest. Schleudorbrett-Akrob. und d. Febr.-GIanzprogr. 14 erstkl. Spezialitäten. Vorverkauf a. d. Circus- kasso und an sämtlichen! 1 Billettverkaufsstellen von| A. Wertheim. OasSno-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch wenige Aufführungen. Ueber 100 mal ausverkauft. Der Kampf ums Dafm. Am IS. März Premiere. Sonntag 3'/,: Der selige Hollschinsky. Trianon-Theater. Täglich abend» 8 Uhr: Dss kleine Caf£. Reichshallen-Theater. teute Fest- Soiree der tettincr Sänger zum Besten der Witwen und Waisen des Vereins Berliner Feuerwehr. mäuner. unter Mit- Wirkung der gesamten Kapelle d. Berliner Feuerwehr unter Leitung ihres Dirigenten EmllSchulz. Ansang desKonzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Der volle Ertrag, ohne Abzug irgendwelcher koste», kommt dem wohltätig. Zweck zugute. D«lcdt>(kall«n-8a»l: Bockbierfcft, Militär-Konzert, die lustigen Tegernseer, Fcstillnmi- Nation, 2 Kapellen. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. ll«lclK«I»zsnvii.(CatkS: Allabendlich der berühmte Bwlin» Virtuose Alex Hartmann. Zirkus Kusel» Freitag, den 23 Februar 1812, abends 7'/. Uhr: Humoristischer Gala-Abend! Um S'/a Uhr: Das große Volks-Manege-Schaustück Die Hexe. Vorher; Clown Armando m. d. boxenden Känguruh. Die japanischen Sportspiele. Uerr Ernst Schumann, Freiheitsdressuren. 3 Schwestern Blumenteld, Reck zu Pferde. Frl. Stennis. Schulreiterin. Clowns Moria und Vincent, Francois u. Petersen mit neuen Entrees. Voigt-Theater. Gelllndbrniiuen Badftratze 58. Freitag, den 23. Februar 1912: Kotel Slilizcblisch. Original-Voltsstück mit Gesang i» 5 Bildern von Kneisel. K ass enerössnung 7, Ansang 3'/« Uhr. WWMM» llsslsiillMerllinIcel lliekm,,, . i« Kaiüie! Befreiung aus d. Wessergrab. liebend! Lebend! FakiraTruppe 16 Personen in ihren religiösen Mttrtyrer-Prodabtlonen Wochentags 4—7 Uhri Lichtspiele Ohne Extra-Eiifree. Folies Capriee. Täglich 8'/, Uhr: Losgelassen. Waffenübung. Mandelblnthst- Polterabend. Adhnbbjbnalasll Am Knhnbol tocirtrixlttaMc j Eis-Aren». Nachmittags: Mllitttr- Konzert. Kunstlauf• Produktionen. Abends die Novitäten: Tänze a. d. Eise, Bhein- länder, Russisch, Engl., Alt-Wiener Walzer und 1 Die kleine Charlotte.l Der norwegische Meister 1 Harry Panlsen f sowie d.prächt. Eisballett Alpcnzanbcr. I I Bis G Uhr und von 10'/. 1 | Uhr balbe Kasserpreise.| Restaurant I. Ranges. Todes-Anzeigen Soziataolü'atisehJaWvEreiD 2. für den Bezirk 133. Km DlenSIag, den 20. b. M., abends 61/, Uhr, verstarb plötzlich unser Parteigenosse, der Tischler Oskar Mertz im 52. Lebensjahre. Ehre feinem Stnbenleu! Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags S Uhr, von der Leichenhalle des Heilig- kreuz kirchhofcS, Mariendors, Feldstrage, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 207/8 ltvi» Deutscher Bolzarbeiter-Verband Zahlstelle verlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. dah unser Kollege, der Tischler franz Schubert Pasteurftrage 81 im Wter von 81 Jahren gestorben ist. Ehre seinem vndenken l DI« Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Februar, nach- mittags 41/, Uhr, von der Hall« des Zentral-FriedhoseS in FricdrichS- feibe aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler Osksr Mertz Lchönleinstratze 11 im Klier von 51 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Februar, nach- mittag» 4 Uhr, von der Halle de» Heilig-Kreuz> Kirchhofe» in Mariendors auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 7S/S Die Ortmnrnltung. ficrmit die traurige Nachricht. mewe liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter und Schwester, Schwiegertochter, Schwägerin und Tante itaiia Taßler geb.»ohr nach langem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Der trauernde Gatte nebet Kindern Müllerstr. 166 b. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittag» 2'/, Uhr, von der Halle de» städtischen Friedhofes Müllerstrahe, Eike Seestrage, au» statt. SozialdemokratiseberHaiiiTerein des 6. BerL Reiehstags-Vahlkreises. Km 21. Februar verstarb unsere Genossin Frau >lina Taßler Müllerstr. 159 b. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Februar. nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- boseS, Seestrage, Elke Müller- strahe, au» statt. 226/2 Um rege BeteMgung ersucht v«i- Torstand. Turnverein„Fichte" Bezugnehmend aus die gestrige Todesanzeige teilen wir unseren Mitgliedern mit, dah die Beer- diguug unseres Turngenoffen Karl har�neck heute Freitag, nachmittags 4 Uhr. auf dem ftirchbose der Pius-Gemeinde in Wilhelmsberg stattfindet. Rege BeteMgung erwartet 136/1 Der Borstand. Am 20. Februar verschied unsere Tochter und Schwester Fmils nach kurzem, schwerem Kranken« lager im 22, Lebensjahre. Dies zeigen um stille» Beileid bittend an 140b hfc Arandt nebst Frau und Geschwister Simon-Dach-Str. 26. Beerdigung findet statt: Sonn- abend, nachmittags 3 Uhr, vom ThomaS-Kirchbo! aus. IlaMl-WIgaiÄ ete.--« Am 30. Februar verstarb unser Mttgli-d (Zustav Hagen nach längere« Leiden an Schlag- anfall. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, nachmittag» 8 Uhr, von der Leichenhalle de» städttschen Zentral-Friedhose» in Friedrichsseide auS statt. 197/3 Die Brtllche Verwaltung. Devtscher Milcrbritfr Verbaud. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah die Kollegen und Hnstav Hagen Karl Krüger gestorben ist. Die Beerdigung de» Kollegen Hagen findet am Sonnabend. den 24. Februar, nachmittag» 3 Uhr, von tzdr Halle de» Zentral. sriedhoseS in Friedrichsseide au» statt. Die Beerdigung de» Kollegen Krüger am Sonnabend, den 24. Februar, nachmittag» 4 Uhr, von der Leichenhalle w Marzahn au» statt. Um rege Beteiligung ersucht Die GeschästSleitung. Oeutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Schleifer kran? Kaese am 19. d. M. freiwillig au» dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Februar, vor- mittag» ll Uhr. von der Leichen. Halle de» HimmelfahrtS-Kirchhofe» in Nieder-Schönhausen- Nordend au» statt. 112/20 Reg« BeteMgung erwartet Die OrtSverwaltnng. Verband der Fabckarbeiter Deutschlands. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unsere Kollegin fticla Saeger verstorben ist. Ehre ihre« Andenken. Die Beerdigung findet heute. Freitag, den 23. Februar, nach. mittag» 3 Uhr, von der Halle de» SmmauS-Kirchhose» in Rix- dors, Hermannstrahe, au» statt. 57/6 Die Ortsverwaltung. Verband der Brasserei und Hflhlenarbelter und verwandter BerufsgeMsasn. Ortsverwaltung Berlin. Fachraf. Km 17. Februar starb«ach drei« lägiger Krankhett unser Kolleg«. der Mitfahrer Em\ Koehenbeeker (Patzenboser Spandau) an Lungenbluten. 42/6 Möge ihm die Krde leicht sein! _ Die vresvermaltnng. Verein der Stereotypeure und Galvanoplastiker Berlin* nnd Ctnffegead. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, dah am 21. Februar unser Kollege Emil Pfau im Buckower Krankenhaus« der- swrben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Februar, nachmittag» 8'/, Uhr, von der Leichenhalle de» neuen Rixdorser Gemeinde-FriedhofeS am Marien- dorser Weg au» statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 257/5 Der vorstand. Seetistev Wahlkreis. Vomttag. ben 25. Februar, abends 6 /, Uhri AM' Zwei"ME Oeffentliche politische Versammlungen für Männer nnd Franen. 1. 2. 226/1» Swlnemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. Soziale Dichtungen,'tÄT Adolf vONlNisK. Moabiter Geseilschaftshaus, Mclefftr. 24. T-g-»mbnung- Schule, Kaserne und Presse. Lmil Unger. M" Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein nnd Tanz."WM Die Einberufer: Zulin» Marschuer. Swwemünder Str. 70. Saul Binting, Rostocker Str. 18. Nach langem Leiden verstarb am Mittwoch, den 21. Februar, mar- genS 7 Uhr, unser treusorgender Vater und Schwiegervater, der Zimmerer Wilketm Heime im 62. Lebensjahre. 1886 Dies zeigen ttefdetrübt an Die trauernden stlnterbllebenen. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- halle de» Deihenseer Sememde- sriedhose» au» statt. Für die un» beim Hinicheiden unsere» teueren Kntschlasenen, de« Restaurateur« Vilhelm SehrepHer erwiesene Teilnahme sage» hier« mit herzlichsten Dank 29/2 Die Hinterbliebene». «lllen verwandte» und ve- kannten die traurig, Nachricht. dah mewe liebe Frau, unser« gute Mutter nach langem schweren Leiden verstorben ist. Die vc- erdigung findet am Sonnabend. nachmittag» 5 Uhr, von der Leichenhalle de« Lutsenkirchhose«. Fürstenbrunn er Weg, lharlotten- bürg, au« statt. Franz Ereke nebst Kindern. Danksagung. Fttr die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner geliebten Frau sag« ich allen Per« wandten. Bekannten, Genasfinnen und Genossen der 26. Kbteiluna de» vierten R eichStagSwahlkreise», sowie dem Sparverein»Blühe 1908- meinen innigsten Dank. Wlhelrn Löprich. Am 21. Februar verschied im 17. Lebensjahre unsere einzige, herzensgute Tochter, Schwester, Nichte und Cousin« 139b EHa. Sie folgte ihrer Schwester Knna nach 10 Wochen fai den Tod. Alle Freunde und Bekannte um stille» Beileid bittend Pankow, Schlohftr. 19. Linn» Fecbner nebst Familie. Di« Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 24. Februar. nachmittags 8 Uhr, von der Leichenhall« det III. FrtidbofeS der Gemeinde Pankow. Bahnhof- strahe(Schönholzer Heide), au« statt Danksagung. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung mewe» lieben Manne», Bater» und Sohne» sagen wir allen Freunden nnd Be- kannten hiermit unseren herzlichsten Dank. 20672 Hedwig Kempfer nebst Tochter, Eltern und tieaehwlater. Verwaltung Berlin. Heute, Freitag, abend» 81,, Uhr, in GewerkschaftShause, Engel« ufer 14/16, Saal 4(ÄrdeitSlosensaal)> Sitzung der Ortsverwaltung» Achtung! Lehrlingen. jugendlicheArveiter der Holzindustrie! Gonntagnachmittag von 3—8 Uhr abend» ist der Arbettslosensaal im SewerkschastShause, Engeluser 14/15, als Lesesaal für die Lehrlwg« und jugendlichen Arbeiter geöffnet. SämUiche Bücher und Zettschrifteu der Jugendbibliothek liegen zur sreien Benutzung au». Auch stehen den Besuchern UnterhalwngSipiele zur Verfügung. Die WerkstattvertrauenSmänner werden gebeten, die Lehrlinge auf de» Besuch de» Lesesaale» aufmerksam zu mache». 70/8 Montag, ben 26. Februar t Mitglieder Versammlungen sämtlicher Bezirke und Branchen. Ja diesen Versammlungen werde« die Delegierten»nr General« Versammlung gewählt. ... Arb#|#|$: g�jj, Haupttja�aa: g ggiwaik Kmt Norden. Nr. 1289. EharitSftraste 3. Kmt Norden. Nr. 1967. für engl. Damenkostüm«„Neuheiten', Herrenstoffe 140 breit. Mir. 8, 4 M. Tuchleger Koeh d Seeland 0. m. b. H. Gertrandtenstr. 2Q/H"-4 vUder Rohrleger und Helfer. Al!llll""! Sonntag» ben 25. Februar 1912, vormittags 10 Uhr: _ Patriklrche. 'ZsthöllkWghllhüfer zus.-hängend, neu, vollverm., dicht a. Hoppegarten b. Berlin, f. d. Taxe o. 108 000 M b. aer. Anz. z. vertauschen. Nehme fich. Hvp. od. kl. Landsitz w Zahlung. Guthaben 44 000 M. Off. unt. G. 1 Hauptexpedition »BorwärtS-. 45b Vorurteile zu haben, ist nicht mehr zeitgemäß. Das geben Sie zu?!— Und doch hegen Sie noch ei« Vorurteil gegen Palmin?! Prüfen Sie Palmin, indem Sie einen Pfann» kuchen damit backen— dann urteilen Sie! Ihr Vorurteil wird sich in Bewunderung verwandeln. Lassen Sie sich keine Nachahmungen aufdrängen! Wichtig für jeden Raucher! BOLERO Cigraretten Verfeinerte Qualititt Tabake neuester Ernte I GEBR. SELOWSKY, DRESDEN. Allgemeine Kranchen Nerfammluug ist grohe» Saale de» Gewerknchaftnhanaea, Engeluser 18. Tage»ordnung! 1. Vortrag de» Kollegen stöbert Bahn üb»!.vi« Entwickebmg de» deutschen Gewerkschaften unter besonderer verücksichttgung de« Deutsche» Metallarbetter-Verbande»'. 2. Diskussion. 8. Branchen« und verband»« angelegenheiten. 4. verschiedene». Zu dieser Versammlung find die Kollege« der Firma Klemme ganz besonder» eingeladen.— Außerdem gelangen in der ver» sammlnng die Kontrollkarten zur'Ausgabe. Sonntag, de« 25. Febrnar 1912, vormittag» 10 Uhr» Kranchen-Nerfammlung derElektomonteure».HelserGrotz-BerliuS im„Enfllncben Garten", Mexanderftr. 27a. Tagesordnung: L Borfrag de» Herrn Direktor Morgenstern Met:.Der Mensch stn Kampfe mit gifttgen Gasen',(vorsührung von Apparaten usw.)% Frage« beantwortung. 8. vranchenangelegenhetten. Zahlreiche« und pünktliche» Erschewen wird erwartet. Sonntag, de« 25. Febrnar 1912, vormittag» 10 Uhr» Kranchen-Uersammlung alter lll ber Metattllldllstrik bksdjästlgtkll Maschmell» arbeiter and Arbkiterillaell w dm Bnalver» VeataNIen, Kaiser-Silhelm-Stt. 16» Tagesordnung: t. Vortrag über:»Die EntWickelung de« gewerlfchastfich« Kampfe»'. Referent: Kolleg« Lohen. 2. Diskussion. 3. BranchmangelegmHeit» und Perschiedme». Tonntag, den 25. Febrnar 1912, vormittag» 10 Uhr: Kranchrn-Nersammlung aller Wickelei- und Jsolationsarbeiter nnd-Arbeiterinnen im Velct• Theater, vadstlahs 68. Tagesordnung: L Bericht und Neuwahl der Branchenkommisst««. 2. DlSkusfion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedene». Mitgliedsbuch legitimiert!~ Sonntag, de« 25. Febrnar 1912, nadimittag» 5 Uhr: Kranchen Versammlung der Eisen-, Metall- und Rcvolverdreher sowie Nnndschleiser w dm„Sophien. SNlen". SopHtenstraHe 13. Tage Sordnung: Lichtdtldervortrag de»«enafie» Bae»e über,.Untere heutige Kenntnis vom Ursprung de» Menschen». Zu diesem lehrreichen und interessanten Bortrag find die Frauen unserer Kollegen mit einaeladea. 112/19 Ple Ortnrerwaltong. «erantwortticher Uie&alteur. Albert Wach». Berlin, ßür'deä Snseralenteii verantlv.: Th. Vinte, iverlin. Druck u-iverlag: l/orwart, Luchdruckerei u. ciagsanftalt Paul Singer u. Co., ivertm SVL