I Mr. 49. HbonnementS'Bcdingungen: Sttomtfmcntä• Prei� pränumerando: Sierteljähil Z�0 WI., monofl. 1,10 Mk,, 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nrunmcr 5 Pfz, Sonntags- nunimer mit Mustriertcr Sonntags- Beilage.Tie Neue Welt" lOPsg. Post- itbonnemenu 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- VrerSIistc, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, fiir daS übrige«uSIand S Mar! pro Monat. PoftadonncmeMS nehmen am Belgien, Dänemark, olland, Italien, Luxemburg, Portugal, änicn, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. Die TnfertlonS' Gebühr kelrägt für die fechSgefpaltetie Kolonel- zeile oder derer. Raum 60 Pfg, für politische und gewerkichaftlichc Pereins- nnd VerfammlungS-Angeigen SO Pig, „steine ZZnreiscn", das fettgedruilte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 settzedrulkle Worte), jedes weitere Wort 10 Plg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buch- ftaden zählen für zwei Worte. Jnjeraie für die nächfic Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition ttbgegeben werden. Die Erpcditiott tÄ bis 7 Uhr adendS gcoffttct, «»«1« Sgsich«lllll lllsiUZN. Vevlinev VolkcsblAtk. Zentralorgan der fozialdemokratifcbcn partei Deutfchlands. Telegramm- ildreffe: ,K»lISll>en gelben Gedanken der klerikal-kapitalistischen Agenten nicht beirren, sondern sind nun mit detailierten und eingehend begründeten Forderungen an die einzelnen Werks- Verwaltungen herangetreten. An diese liegt es, den durchaus berechtigten und durchführbaren Arbeiterforderungen ent- gegen zu kommen, damit die Bergarbeiterschaft von der Kohsenpreiserhöhung•— die für die Zechenverwaltungen nach einer Schätzung des„Evangelischen Arbeiterboten" jährlich eine Mehreinnahme von 90 Millionen Mark bedeutet!— einen ausreichenden Lohnanteil mitbekommt. vaz uneingelöste„Königswort". Rechtsnationalliberalc, klerikale und konservative Blätter fahren fort, Aeußerunggj� aus den Reden des Genossen scheide mann herauszusuchen, um zu zeigen, wie ver- ivorfen diejenigen Nationalliberalen waren, die ihn gewählt haben. Und die Aermsten sind auch schon bereit, zu Kreuze zu kriechen. Statt zu erklären, daß es ein aufgelegter « ch w i n d e l ist, der da getrieben wird, daß die National- liberalen, indem sie für Scheidemann stimmten, ebensowenig Verantwortung für die Haltung der Sozialdemokratie über- nehmen, als die Sozialdemokratie für die Nationalliberalen, als sie Paasche wählten, stammeln diese Helden die komischsten Entschuldigungen und beteuern ihre Unschuld: sie hätten gar nicht gewußt, daß Sozialdemokraten so böse Menschen sind Diese lächerlichen Kindereien haben aber auf der anderen Seite wenigstens den Nutzen, die Aufmerksamkeit auf die Rede Scheidemanns selbst zu lenken. Und diese ist heute in ihrer entscheidenden Partie ebenso aktuell wie an jenem 10. De- zember 1909, an dem sie gehalten worden ist, und wird so lange aktuell bleiben, als nicht das Versprechen der Thronrede erfüllt und das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in Preußen Wirklichkeit geworden. Das mag sich auch vor allem Herr v. Bethmann gesagt sein lassen, der die Verantwortung für das„unerfüllte Königswort" trägt und dem die Rolle des A n g e k l a g te n, aber wirklich nicht die des Anklägers angemessen ist. Man braucht nur die ent- scheidenden Stellen dieser Rede wiederzugeben, um die Richtig- keit dieser Behauptung zu erweisen. Scheidemann behandelte zunächst die S t e u e r s ch e u der Junker und kam dabei zunächjt auf den Kampf der englischen liberalen Regierung gegen die Lords zu sprechen. Er zitierte eine Volksversammlungsrede Lloyd Georges, in der dieser über sein neues Budget sagte: „Die„armen Teufel", die im Jahre nur 100 000 M. zu verzehren haben oder 200 000 oder 400 000 M., werden fiir das Reich etwas mehr zu bezahlen haben, und aiick die„llnglucklickicn", denen durch Erbschaft ein Vermögen zufällt, sollen ein bißchen mehr zahlen als seither... Unsere arbeitenden Klassen sind nicht zu- frieden zu stellen mit leeren Versprechungen, daß alle Fragen, wie z. B. die Wohnungsfrage, ihre Lösung in einer jenseitigen besseren Welt finden sollen. Denn sie sind längst darauf gekommen, daß viele gerade von jenen Leuten, die so sprechen, sich im Diesseits die besten Plätze ausgesucht haben.. Die Junker treiben es zur Revolution. Aber wenn die Junker durch ihren Beschluß eine Revolution herbei- sichren, dann wird daS Volk dieser Revolution die Richtung geben, dann werden sich Fragen laut erheben, die man heute nur mit ge- scnkter Stimme flüstert, und man wird mit Nachdruck Antwort fordern. Eine dieser Fragen wird lauten: wo steht denn ge- schrieben, daß eine Handvoll Leute den Boden Englands zum freien Besitz haben muß? Wer hat 10000 Menschen zu Eigen- tümern allen Grund und Bodens gemacht und alle anderen aber zu rechtlosen Landstreichern im Lande unserer Geburt? Wer trägt die Verantwortung über diesen Stand der Dinge, daß der eine gezwungen ist, sein ganzes Leben' hindurch in mühsamer Arbeit knapp zu gewinnen, was er zum Leben nötig hat, während der andere, der keine Arbeit kennt, in jeder Stunde des Tages, in jeder Stunde der Nacht, die er ver» schläft, größere Einnahmen hat als sein besitzloser Nachbar aus der Plackerei eines ganzen Jahres? Das sind die Fragen, die man stellen wird. Die Antwort wird gefährlich sein zugleich auch sür die Ordnung, die die Lords repräsentieren. Aber sie wird auch kostbare erfrischende Entladung bringen für die ausgedörrten Lippen der Massen, die auf dem Staube, durch das Dunkel der Jahrhunderte da- hin trabten, nun aber empor st eigen zum hellen Tag." Sckieibemann fuhr dann fort: Meine Herren, kein Sozialdemokrat, ein leibhaftiger englischer Minister hat derartige Worte gesprochen! Als ich das las, mutzte ich natürlich an unser Deutschland denken. Stellen Sie sich vor, welches Gesicht der Herr Reichskanzler machen würde, wenn er eines schönen Morgens in einem national gutgesinnten Blatte — sagen wir in der„Swatsbürgerzeitnng" oder in der„Wahr- hcit" oder in der„Norddeutschen Allgemeinen" oder in der„Kreuz. zeitung"— lesen würde, daß sein Schatzsetretär irgendwo in einer Volksversammlung eine Rede gehalten hätte, wie sie hier der eng- tische Minister Lloyd George gehalten hat! Ich will nicht versuchen, das Gesicht zu beschreiben, das der Herr Rcichskauzlcr ver- mutlich machen würde, wenn er das läse. Vielleicht macht sich ein- mal ein Zeichner des„Simplizissimus" daran und zeichnet es. Tie Regierung kennt ganz genau ihre Marschroute, dir Regierung weiß, wie sie sich zu verhalten hat. Aber wenn die Herreil nun mit einem Male eine Politik einzuleiten bemüht wären, wie sie der Herr Reicks- kanzler andeutete, der scheinbar über allen Wassern schweben möchte— wenigstens mit Worten—, dann möchte ich• den Herrn Reichskanzler doch ersuchen, einmal nachzulesen, welche Ä n- Weisungen ihm von seinen Herren, von der Mehrheit, im Laufe der wenigen Monate gegeben worden sind, seitdem er am Ruder ist. Ein ganzer Katechismus ist aufgestellt worden mit Angaben, wie man am besten nach rückwärts regieren kann; ich will aber bloß einen, und zwar den charakteristischsten Lehr- s a tz der Herren, mit denen Herr von Bethmann Hollweg sich wird verständigen müssen, vortragen, nämlich den Satz, daß ein König nicht sei» Wort zu yaltc» braucht. In der Thronrede vom 20. Ok- tobcr A008 wurde eine Wahlreform für Preußen angekündigt und diese, Reform bezeichnet als die wichtigste Aufgabe.„E S i st m e i n Wille"— hieß es in der Thronrede, und wenige Tage später lasen wir in dem Organ der staatserhaltendsten Partei:„es ist nicht sein Wille, er sträubt sich vielmehr; vor allen Dingen ist er nicht verpflichtet, das, was er versprochen hat, zu halten." UnZ das konservative Kirchenblatt schrieb:„ein König braucht nichts zu halten von dem, was er versprochen hat" (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten), so lange ein nicht mehr amtierender Minister im Amte gewesen ist. Diesen Grundsatz des Kirchenblattes als richtig angenommen, ergibt sich folgendes: Der neue Reichskanzler bat als preußischer Minister die Thronrede gegengezeickmet. Er ist jetzt aber kein„Minister" mehr, er ist jetzt Ministerpräsident, ist Reichskanzler. Also ist er nach der Logik des konservativen Kirchenblattes nicht mehr der Minister, unter dem ein bestimmtes Versprechen vom König gegeben wurde, und deshalb kann der König einfach sein Wort brechen. Wir haben weiter gelesen:„Jeder Versuch, das Versprechen der Thronrede einzulösen, sei ein Frevel." Ich möchte da doch eins feststellen. Es hat sehr viele Leute gegeben, und zwar Leute, die nicht zu uns gehören, leider noch nicht zu uns gehören, die der Meinung waren, daß jeden Tag eine Erklärung des Herrn Reichskanzlers kommen werde, in der er sich gegen die ihm zugemutete Schusterei energisch verwahre(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), in der er erklärte:„ich und mein König, wir haben nichts zu tun mit Schustereien, wie sie da verlangt werden." Ter Herr Reichskanzler hat sich in Schweigen gehüllt. Und nun kommt jener Satz, für den die Reaktionäre seit der Präsidentenwahl so viel Reklame machen: lim kein Mißverständnis auskommen zu lassen, möchte ich doch bitten, daß Sie nicht etwa von mir annehmen, ich setzte e i n besonderes Vertrauen in ein Königs wo it. (Heiterkeit.) Ich kenne die preußische Geschichte gut genug, um zu wisse», daß der Wortbruch sozusagen zu den erhabensten Traditionen des in Preußen regierenden Hauses gehört.(Große Unruhe und Oho! rechts.— Glocke des Präsidenten.) Vtzepräsidenz Erbprinz z u Ho henlohe-Langenbnrg: Ich muß den Ausdruck unbedingt rügen, das dürfen Sie nicht sagen. Ich rufe Sic zur O r d n u n g. Scheidemann: Nachdem da?, tvas ich soeben gesagt habe, so kräftig blau-schwarz unterstrichen worden ist, will ich zwei kleine Beispiele anführen. Als Friedrich Wilhelm III. von Napoleon in die Enge getriebcp? war, als Napoleon die deutsche Landkarte sehr wesentlich verändert hatte, da wandte sich der König an das preußische Volk um Hilfe nnd versprach ihm eine Verfassung. Das preußische Volk ergriff die Waffen, opferte Gut und Blut und machte den König frei von Napoleon; der König abcr vergaß nachher, sein Versprechen zu halte». Heinrich Heine schrieb damals: Der König von Preußen ist ein frommer Mann, aber ich wünschte, daß er auch glaubte au Jupiter, den Vater der Götter, der den Meineid rächt(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Auf Friedrich Wilhelm III. folgte der IV. Er regierte acht Jahre lang, ohne sich an das Versprechen seines Vorgängers zu kehren. Dann kam die Revolution.?lm 18. März 1848 wurde Berlin von den Revolutionären, dem kämpfenden Kleinbürgertum in Gemein- schast mit der Arbeiterschaft genommen, das Militär mußte Berlin verlassen, der K ö n i g wurde gezwungen, vor den Toten den Hut abzuziehen: er zog durch die Straßen; Unter den Linden, wo sich das Volk versammelt hatte, versprach er eine Ver- f a s s u n g und sprach vom Wahlrecht. Als heller Jubel des Volles über dieses Königliche Versprechen berrschtc, da machte sich cin schlichter Arbeiter, der seine Pappenheimer kannte, bc- merklich und rief: Glaubt ihm nichts Er lügt, er lügt, wie er immer gelogen hatl(Pfui rechts.) Tie Verfassung wurde zwar gegeben, allein cin Jahr später wurde sie dem preußischen Volke wieder geraubt» und seit jener Z eit ist das preußische Volk an das erbärmliche Drei- klassen Wahlrecht gekettet, unter dem es bis heute schmachtet. ,• r• j- Scheidcmann wies bcmn auf die schwächliche Haltu ii gderLiberalcn,. besonders der N a t i o n a l- liberalen hin, und auch da wassen die Worte, die er den Nationallibcralcn zurief, heute so gut als damals: „Die Liberalen würden mit den Sozialdemokratie die Forde- rungen, die beide gemeinsam halien, für die wir kämpfen, und die teilweise im freisinnigen Programm stehen, durchsetzen. Statt dessen sehen wir, wie dienationallibcralePartei siir ein Pluralwahlsystcm kämpft, für das denkbar ungerechteste Wahlver- fahren. Ter Grund dafür liegt— und damit erwidere ich gleich- falls dem Herrn Kollegen Bassermann in dem Klassencharakter Ihrer Partei. Das gleiche Wahlrecht würde der nationallibcUllcn Partei als Partei zunächst überhaupt nichts schaden; aber die Kreise, die Sie vertreten, die Minderheitsklassen der Besitzenden fürchten die große Masse, und deshalb dürfen Sie nicht. Tic Rücksicht auf die Wählermassen, der ganz sicher zu er- reichende wirksamere Arbeiterschutz, die damit verbundene Stärkung der Gewerkschaftsbewegung, die direkte Besteuerung und die Aus- ficht auf die endliche Enteignung kapitalistischer Riesenbetriebe im Interesse der Gesamtheit, das ist es, was Sie abhält, für ein all- gemeines direktes und gleiches geheimes Wahlrecht einzutreten. Meine Herren, das ist das schlimme, daß die National- liberalen nicht sind, was sie scheinen wollen. Sie sind abhängig von den großen Interessenten» gruppen, die auch die Gelder für die Wahlen ge» geben haben." Das ist der Kern der damaligen Rede. Und nun fragen wir nochmals: Selbst wenn man sich mit dem Herrn Schiffer auf den erbärmlichsten Polizisten- standpunkt stellt und ans der zornigen Anklagerede des Vertreters der Entrechteten in Preußen nur eine„Majestäts- bcleidigung" heraushört, sind dann nicht erst recht Herr v. Bethmann und seine Auftraggeber, die so stürmisch den Bruch des„Königsworts" verlangten, die. denselben Gründe». und weil man Streikarbeit von ihnen verlangte, die Kündigung eingereicht. Ter Betrieb ist für organisierte GastwirtSgehilfen gesperrt. Verband deutscher GastwirtSgehilfen. Ausland. Der Generalstreik der Bergarbeiter, London, 26. Februar.(Eig. Ber.) Seit Freitag sind keinerlei Versuche gemacht worden, die Ge- fahr des Generalstreiks abzuwenden. Aber je dürftiger das Tat- sachcnmaterial, um so fruchtbarer ist die Einbildungskraft der Schmocks. Herr A s q u i t h begab sich Ende der Woche auf einige Tage aufs Land und die leitenden Personen der Bergarbeiter- söderation sind Freitag alle nach Hause zurückgekehrt. Wenn jetzt noch eine Einigung zustande kommen sollte, so kann die? nur mit Zustimmung der morgen(27. Februar) stattfindenden General- konserenz der Bergarbeiter geschehen. Aller Augen sind nun auf diese Konferenz gerichtet. Ein Teil der bürgerlichen Presse gibt sich noch der Hoffnung hin, daß eS den Ministern gelingen wird, die Bergarbeiter zu„llohdgeorgen". Das Zeitwort„llohdgeorgen" ist vom Genossen H y n d m a n erfunden worden und wurde gestern auch vom Genossen Keir Hardie in einer Rede angewendet. Es bedeutet so viel wie„über den Löffel barbieren". Von anderer Seite, wo man erkannt hat, daß der Kampf nur durch das Nachgeben der Kohlenbesitzer beendet werden kann, hört man Vorschläge wie die Einführung de? Mini- mallohnes im Bergbau auf gesetzlichem Wege. Bei vielen ist die Hauptsorge die, den Verfall der Kündigungsfrist hinauszuschieben, um Zeit zu weiteren Verhandlungen zu gewinnen. Worüber ver- handelt werden soll, darüber ist man sich jedoch nicht klar. Die Bergarbeiter bestehen auf ihrer Forderung, und die Kohlenbefitzer weigern sich nach wie vor, die Forderung anzuerkennen. Nach den Berichten, die aus vielen Revieren eingelaufen sind, wollen die Arbeiter von einem Aufschub nichts wissen. Vielleicht würden sie damit einverstanden sein, wenn die Unternehmer vorher den in- dividuellen Minimallohn im Prinzip anerkennen würden. Wird sie die Regierung dazu bewegen können? Wird sie die Regie- rung zwingen? Herr A S q u i t h hat die Verstaatlichung der Berg- werke abgelehnt. Schließlich muß man sich noch fragen, ob eS denn für jede wirk- same Intervention nicht längst schon zu spät ist. Schon heute treten einige Tausend Bergarbeiter in den Streik. Morgen läuft die Kündigungsfrist in Jorkshire und Derbyshire ab, Mittwoch legen weitere 100 000 Mann die Arbeit nieder und Donnerstag folgen S00 000 Bergarbeiter. Zwar hat man in einigen Revieren be- schlössen, bis zum 29. zu arbeiten, ob aber dieser Beschluß in der zunehmenden Erregung durchführbar sein wird, ist zweifelhaft. Nicht allein in SüdwaleS, sondern auch in England find einige der einflußreichsten Kohlenbesitzer zum Kampfe entschlossen und halten kriegerische Reden. In der Bergarbeitcrschaft herrscht eine ähn- liche Kampfstimmung. Selbst die gemäßigten Führer haben die Hoffnung auf eine ftiedliche Beendigung deS Minimallohn- kampfeS aufgegeben, sie sehen keinen Ausweg mehr. Die Versuche der bürgerlichen Presse, die Bergarbeiter zu spalten, haben keinen Erfolg gehabt. Man hetzte die Engländer gegen die Waliser, indem man behauptete, diese zerrten die eng- tischen Bergarbeiter in einen Kampf, den die Engländer nicht wünschten und der ihnen keinen Gewinn verspreche. Solche» Ge- rede hat das Solidaritätsgefühl der Arbeiter nicht zu erschüttern vermocht. Gestern erklärte der Präsident deS großen Turhamer Verbandes, der Ratsherr H o u s e, der Gemäßigten einer, in einer Rede:„Wenn der Kampf kommt, sei er nun kurz oder lang, laßt unS fest zusammenhalten wie der Efeu an der alten Garten- mauer." In der ganzen Bewegung ist deutlich ein politische? Nebenspiel zu erkenne». Die Konservativen sind offenbar bestrebt, die Schuld an dem Streik der Regierung in die Schuhe zu schieben. Daher das überlaute Geschrei der oppositionellen Presse nach einer Regie- rungStat und die Versicherung, daß die Regierung den Streik ab- wenden könne, wenn sie nur wolle, eine Behauptung, auf die sich wohl die optimistischen Berichte der Korrespondenten kontinentaler bürgerlicher Blätter stützen. Die„Westminster Gazette" schrieb hierzu letzten Sonnabend, nachdem sie die Einsetzung obligatorischer Schiedsgerichte oder die Einführung eines gesetzlichen Minimal- lohneS als Mittel zur Vermeidung des Streiks angeführt hatte: „Wir glauben, daß beide Vorschläge der Bannfluch der Kon- strvativen und Unionisten treffen wird, die jetzt von der Regierung verlangen, sie solle den Streik abwenden, und noch mehr zuwider wird ihnen der letzte Vorschlag sein, die Bergwerke zu verstaatlichen, was in der Tat eine ungeheure Neuerung darstellen würde, die zwischen Sonnabend und Dienstag vollzogen werden müßte." �" Unser Berichterstatter telegraphiert uns: London, 27. Februar. Mehrere Sitzungen fanden heute zwischen den Vertretern der Bergarbeiter und den Regierungs- Vertretern statt sowie zwischen diesen und den Unternehmern. Tie Verhandlungen haben noch zu keinem Resultat geführt und werden morgen fortgesetzt werden. Hervorragende Führer der Bergarbeiter versichern, daß jetzt sehr wenig Hoffnung besteht, den Frieden zu erhalten. Hetzte Nachrichten« Massenausweisung der Italiener. «onstantinopel, 27. Februar. Wie die„Franks. Ztg." meldet. beträgt die Zahl der durch das AuSweisungSdckrct für Syrien und Palästina betroffenen Italiener 1100a. Zum Kellnerstreik im„Deutschen Wirtshaus", Neukölln, Berg- fräße 136/137. Die im obengenannten Lokal feit vorgestern streikenden Kellner fordern die Abschaffung der schlechten, unge- nügenden Kost und dafür anstatt früher 12, 1ö resp. 18 M. Lohn einen Lohn von öO M. monatlich. Ter Unternehmer, Herr W. Zemlin. weigert sich die Forderung anzuerkennen und lehnte noch in letzter Stunde einen Einigungsversuch der Verbands- lcitung ab. Vom mexikanischen Bürgerkrieg. New Aork, 27. Februar. Nach einem Telegramm au» El Paso begannen die Aufiländischen die Beschießung von Juarez heute vormittag um 10 Uhr. Der mexikanische Konsul in El paso er- klärte, um einer Verletzung amerikanischer Rechte vorzubeugen, habe die Besatzung von Juarez Befebl erhalten, keinen Widerstand zu leisten und die Stadt den Aufständischen zu übergeben. Die Verteidiger der Stadt haben das Feuer nach wenigen Gewehr- 'alven eingestellt. Eine neue Revolution in Paraguay. New Dork, 27. Februar.(P. C.) Wie auS?fluncwn, der Haliptstadt von Paraguay gemeldet wird, ist in dieser südamcri- kanischen Republik eine neue Revolution ausgebrochen. Die Re- gierung von Paraguay hat alle verfügbaren Truppen in«sun- cion zusammengezogen. Eiu Kampf zwischen den Regierung»- truppen und deu Jnsurgrnteu steht bevor. Alle Geschäfte in der Stadt sind geschlossen. Raubmord im Schnellzuge. Paris, 27 Februar.(P. E.) Wie auS� Chalon-sur-Saone ge- meldet wird, wurde bei der Ankunft des Schnellzuges aus Tijon auf dem dortigen Bahnbofe in einem Abteil zweiter Klasse die Leiche eines gutgekleideten Mannes gefunden. Wie aus den Pa, pieren des Toten hervorgeht, bandelt es sich um einen Reisenden. Da bei der Leiche die M,r und Geldbörse fehlten, handelt eS sich anscheinend um einen Raubmord._ Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. n LerlagSanstalt Paul SingeräEo., Berlin ZW. Hierzu 4 Beilagen«. UnterhaltougSbl. Nr. 49. 29. Jahrgang. 1. Mligk des Jdtrairts" Kerl« WsM Mittwoch, 28. Februar 1912. Die ReichstagSWMen r« der Provinz Krandenbnrg»on 1890-1913 lSiehe auch den gleichlautenden Artikel auf der nächste» Seite.) Regierungsbezirk Potsdam. Regierungsbezirk Frankfurt. Sie Selchztzgkwahkn in der Provinz Brandenburg von 1890 bis 1912. Die Iiidiistrialislerung der Provinz Brandenburg seit der Gründung des Deiitschen Reiches hat nicht in gleichmasziger Weise stattgefunden. Das laßt sich sehr gut an dein Wachstum der BeVölle- runq zeigein In den ersten zwanzig Jahren, von 1871 bis 1Ss>v, stieg die Bevöllerungsznhl Brandenburgs söhne Berlin) von 2,04? Millionen ans 2, 34 Millionen, d. h. nur hm 25 Proz. In den'folgenden zwanzig Jahren, von 1890 bis 1910, nahm sie dagegen von 2,54 Millionen ans 4,09 Millionen, d. h. nm 76 Proz. zu. Eni- sprechend dieser ivirtschaftlichen und bcvölkeriingSstatiskischen(tut wickelnng verläuft daö Wachstnni der Sozialdeniokrat/e, der Bcr- treterin der großen Massen. Iin Jahre 1871 wurden in Branden- bürg(ohne Groh-Berlinl 2400 sozialdemolratisthe Stimmen gezählt. Bis zum Jahre 1887 sind sie erst aas 22 100 Stimmen gestiegen. Im Wahllainpf 1890 traten aber bereit??g8gt) Wähler für die Sozialdemokratie ein; und nun steigt die Zahl lvr sozialdemokratischen Wähler von Wahlperiode z» Wahlperiode(nur 1907 zeigt einen kleinen Niickgnng) bis auf 162 590 im Jahre 19.12. Es wurden gezählt: Jahr Berlin Groß-Berlin 1871 1874 1877 1378 1881 1884 1887 1890 1896 1898 1906 1907 1912 2 958 11279 31 522 56 147 30 178 68 5W 93 335 126 317 151 122 155 411 218 238 251 235 307 882 2 058 14 874 36 985 03 685 32 378 75 971 107 683 168 848 199 590 221 127 330 456 413 201 564 186 Brandenburg Brandenburg söhne(einschl. Grost-Berlln) Groh-Berlin) 2 394 11085 13 806 7 171 5 819 12 756 22 099 50 800 79 384 95 791 131 371 130 973 162 51:4 4 452 25 959 50 788 70 956 88 227 88 726 129 782 209 648 278 974 816 918 461 827 544174 726 710 Da vor 1890 sich nur in einzelnen Kreisen nnd auch dort nur Verhältnismäßig wenige Stimmen für die Sozialdemokratie finden, haben«vir in der Tabelle nur die Wahlen von 18H0 an berücksichtigt. geben aber in der folgenden Ucbersicht über die Wahlergebnisse in de» einzelnen Wahlkreisen alle dort gezählten sozialdemokratische» Stimmen an. Im allgcmcincii war auch hier ein Ansteigen der Sozial- dcmokratic zu konstatieren, das schneller fortschreitet als da» Wachstum der Wahlberechtigten. Tie bürgerlichen Parteien werden insgesamt von der Arbeiterpartei zurückgedrängt. Interessant ist dabei das Verhältnis des Liberalismus zu den reaktionären Parteien. Die Sache liegt durchaus nicht so, daß die Konservativen ihre Stimmen zunächst an den Fortschritt verlieren.(Die Rati inallibcralen fallen in der Mehrzahl der Kreise überhaupt ans.) Die Sozial« demokratie wächst vielmehr durch eigene Kraft und gewinnt von allen Gegnern Stimmen. Dabei hielten sich, von de» letzten Hauptwahlen abgesehen, die Konservativen weit besser alö die Liberale n. Im Wahlkreis Wcstpriegnitz wurden 1887 zum ersten Male (90) sozialdemokratische Stimmen gezählt. Seit 1890 steigt die Zahl der Wahlberechtigten ivcit langsamer als die der Sozialdemokratie. Die Natioiiallibcralen stellen nur 1871 bis 1878 eigene Kandidaten auf. Der Fortschritt beteiligt sich 1881 zum ersten Male an der Wahl und gewinnt mit 5747 Stimmen daS Mandat. Eine gleich hohe Zahl hat er seither in den Hauptwahlen nicht mehr auf- zubringen vermocht. Seit 1903 ist er von der Sozialdeinolratie übclflügclt und kommt nicht mehr in Stichwahl. In der Cstpricm Januar diese« JahrcS unsere Partei in sieben von zehn Wahl kreisen des Regierungsbezirks in Stichwahl, von denen ihr aller- dings infolge der schwächlichen Haltung des Fortschritts nur drei zufielen. Jedenfalls aber beweisen die vorgeführten Ergebnisse der ein- zelnen Wahlen, daß auch in den ländlichen Kreisen der Provinz Vrandenbnrq trotz aller Schwierigkeiten der Agitation der SiegeSzug de« Sozialismus ein unaufhaltsamer ist. Und dieses Bewußtsein ivird unseren Genosse» ein Ansporn zu weilercr unermüdlicher Werbearbeit sein.__ französischer Parteitag. 4. Tag. Lyon, 21. Februar.(Eig. Ber.) BormittagSsitzung. Di« Diskussion über die Frcimaurersrage wird fortgesetzt. P o n e e t: Die Freimaurerei ist tatsächlich eine geheime Organisation des herrschenden Radikalismus. Man hat den Logen jetzt verboten, Delegierte zu radikalen Kongressen zu schicken— jetzt, am Vorabend unseres Kongresse«. In den Logen macht man radikale Wahlpolitik und unsere Genossen sind dabei: Die Loge arbeitet auch in den Gcwertschaften. Auf dem letzten Kongreß der Post- und Telegraphenbeamte» gab c« eine freimaurerischc Liste. G r o u s s i e r: Man darf Einrichtungen nicht nach persönlichen Fehlern, sondern nur nach ihrer Gcsaintleistmig beurteilen. Die Freimaurerei studiert wirtschaftliche und soziale Fragen, aber sie ist darum nicht politisch. Der einzelne Freimaurer laiin außerhalb der Loge ebenso Radikaler wie Sozialist sein. Die Behandlung der Fragen des öffenllichcn Lebens in den Logen hat nur einen Er- z i e h ii ii g S z iv e ck. Die Freimaurerei ist keine Kirche, denn sie hat keine Dogmen. Ich hoffe, daß die große Parteimehrhcit in der Frage der Welilichleit einer Meinung mit der Manrerci ist. Die Kirche will heute die Arbeiter in der Gewerkschaft wie in der Partei cinfangen. Der Parteitag darf der katholischen Partei leine Kviizessionen machen. N i, r r h e u s: Die Logen sind mit vereinen wie der Liga der Menschenrechte, den Freidenlerverbänden usw. nicht zu vergleichen. Jene sind offene, die Logen sind geschlossene Vereiiiigmigen. Redner verliest eine lange Reihe maurerischer Dokumente zum Beweis, daß die Loge eine politische Organisation ist. Nachmittagösitzung. Die Freimaurerdebatte wird zu Ende geführt. Presseiii 4 spricht für den StatuZqiio. Die Freimaurer haben sicher auf tzie antiklerikale Politik einen Einfluß ausgeübt, ich glaube aber nicht, daß Sie etwas gegen diese einzuwenden haben. Redner spricht über die Wirksamkeit der Liga der Menschenrechte, die jähr- lich BOOOO Prozeßakten erledigt und 60 bis 65 Proz. Wieder- ausnahmen durchsetzt. Er erinnert an ihre Jnlervention zugunsten Durands und der gcinaßregeltcn Eisenbahner. Es ist kindisch, den Parteigenossen die Tätigkeit im sozialistischen Sinne außerhalb der Parteiorganisation verbieten zu wollen. Sem bat, der die BildmigSarbcit der Logen hervorhebt und erklärt, daß er und seine Freunde im OrdeuSrat sich jedem Miß- brauch der Loge zu politischen Zwecken widersetzen. Die Frei« maurerei ist keine politische Lcreinigmig. Die einzige Politik, die sie betreibt, ist die der Weltlichkeit. Gronssier hat reckt gehabt. die Freimaurer in der Parle iIwürden sich nicht von der Partei zum Austritt anS der Loge zwingen lassen, aber keiner würde Freimaurer bleiben, wenn man von ihm eine antisozialistische Handlung verlangte. Ich appelliere an die Parteigenossen, keine unnützen Konflikte zu sticken nnd gegen den Gegner, den Kapitalismus, dessen Kräjte ständig wachsen, gemeinsam vorzugehen. C o n st a n s. der aus der Loge ausgetreten ist. weist einen maurerischen AuSkiinftSzettel über sein Privatleben vor. Die ResolutionSkommissio» überläßt dem Kongreß, zwischen den drei Typen der Resolutionen zu entscheiden, die von der Seine- Miiwität, dem Nord und drr Scine-Mehrheit eingebracht sind. Die erste fordert den Austritt innerhalb sechs Monakett. die zweite den Statu-quo, die dritte fordert die Parteigenossen auf, ihre Kräfte nicht zu zerstreuen, sondern ganz der Partei zu widmen. Die Abstimmung ergibt: 103 Mandate für die Seine-Minder� heit. 927 fiir die Resolution des Nord, 1505 für di« Seine- Mehrheit. Nachtsitzung. Di« ResolutionSkommissio» erstattet ihren Bericht. Sie beantragt folgende Resolution über die Affäre Compöre-Morel- GheSgniere., Der Kongreß erkennt an, daß die Genossen Ghesquiere und Coinpöre-Morel bei ihrer Intervention in der Kammer keinen anderen Zweck verfolgten, al« den Interessen der Arbeiterklasse zu dienen und daß es ihnen durchaus nützlich scheinen kvimte, die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf die Gefahren einer Propaganda des Antiparla- mentalis mns und der systematischen Gewalttätigkeit zu lenken und ruft die Beschlüsse in Erimierung. die über die gewerkschaftliche und politische Aktion der Arbeiterklasse auf den nationalen Kongressen von Limoges, Nancy und Toulouse und auf dem inlernationalen Kongreß in Stuttgart gesahi worden find. Er kordert all« Arbeiter auf. sich von ihnen bei dem not- wendigen Werk der gegenseitigen Annäherung inspirieren zu lassen. Die Kommission hat sie mit allen Stimmen gegen zwei Eni- Haltungen angenommen. Lafont spricht gegen sie. Es gebe Stunden, wo man der Einstimmigkeit zuliebe Opfer bringen müsse. Hier aber bedeute diese die Furcht vor weilerer Diskussion. Die Resolution sei im Wesen die Anerkeuniing de« Verhallens Compöre-MorelS und GheSqnieres und darum wäre seine Zustinmiung eine Preisgabe seiner wichtigsten Anschauungen. Die Lbstimmuiig erfolgt! nach Mandaten. Sie ergibt die An» nähme mit 2258 gegen 180 Stimmen und 144 Enthaltungen. Der FraktionSbcricht wird einstimmig genehmigt. Auf die TageZ« ordiiung de« liächstcn Kongresses wird die ollgemeine Altion der Partei, die Agrarfrage und das Ameudcment Keir-Hardie gestellt werden. Die Alloholfrage wird einer gründlichen Behandlung vor- beHallen., Es werden Resolutionen für die Amnestie, für da« weltliche Prinzip und gegen den AiitiseniiiiSmuS angenommen. Die Frage der Jugendorganisalion wird dem Naiionalrat zugewiesen, ebenso die Frage der Reform dcS Parteisekretariats und des.Socialiste*. Bracke erstattet den Bericht über die„Hmnaiiitü", aus dem hervorgeht. daß daS durch die.Bataille Syndicaliste' verursachte Defizit in kurzer Zeit wieder überwunden sein wird. Die regionale Aus- gäbe für den Norden konnte sich nicht halten, aber sie hat dem Blatte 2100 Leser gewonnen. Da« Gelingen der neuen Aktien- anSgabe im Betrage von 25 000 Frank und die Tatsache, daß über die Hälfte der Aktien von Organisationen gezeichnet wurde, beweist die steigende Anhänglichkeit der Partei an das Blatt. Renaudel schließt nach Mitternacht mit einer Ansprache de» arbeitsreichen Kongreß._ Versammlungen. Zcntralverbaiid der Maschinisten und Heizer sowie Berufs» genossen Teutschlands. Die Generalversammlung der Verwal- tungsstclle Berlin fand am Smintagiiachinittag in den Armin- Hallen statt. Der gedruckt vorliegende Geschäftsbericht für das Jahr 1911 wurde von dem Vorsitzenden Echwittau erläutert und zur Diskussion gestellt. Die OrtSvcrwaltung hielt im Gc- schäftsjahr 17 erweiterte und 4 engere VerwaltungSsitzungeii, ferner ein« kombinierte Sitzung mit dein VerbandSvorslande ab. Es fanden statt 3 ordentliche, 2 außerordentlich« Generalversammlungen, L Versammlungen mit Vorträgen, 7 Vertrauensmänner- sitzungen aller Betriebe, 4 Versainmlliiigen für die Warenhäuser, 10 Versammlungen für die Berliner Elektrizitätswerke und 5 für die Brauereien, 242 Betriebsversammlungen, 27 Kartellsitzungeil (Metallindustrie, Braugewerbe, Wagenfabriken). 246 Verhandlungen und Konferenzen, eine Sitzung dcS EinigungSamtcs(im Braugewerbe) und drei Sitzungen mit der Konsumgenossenschaft. Ueber die Tätigkeit der Bezirke Osten, Wedding. Rixdorf, Weißen- see-Panlow, Moabit, Treptow, Tegel, Schöncberg, Schönhauser Vorstadt und Südosten liegen gesonderte Berichte vor. Zahlreiche Lohnbewegungen waren im Laufe des Jahres zu verzeichnen; vielfach gelang es, Verbesserungen der ArbcitSverhält- nissc zu erreichen und Tarifverträge abzuschließen. Ter Bewegung in den Berliner Elektrizitätswerken ist ein besonderes Kapitel im vlcschästsbericht gewidmet; c« gelang auch dort mit Hilfe der Organisation, die Löhne zu erhöhen und die Interessen der Ar- beiter in mancher anderen Beziehung noch wahrzunehmen.— Viele Klagesnchcn ans dem Lohn- und Arbeitsverhältnis hatte der Vcr- band für seine Mitglieder zu erledigen, aber diese versäumten oft. den Vorstand über den Ausgang der Prozesse zu unterrichten. Der Bericht vom Arbeitsnachweis zeigt unter den eingeschrie- bcnen Personen im Geschäftsjahre 158 mit Gebühren. 680 obne Gebühren und 438 Aushilfen. Gemeldet wurden 841 Stellen, be- setzt 770 Stellen, davon 541 Aushilfen. Bei 107 Kesselreinigunge» wurden 440 Mann beschäftigt, die dadurch 8814,80 M. verdienten. 36 Kessel wurden zu einem Stundenlohn von durchschnittlich 80 Ps. gereinigt.„ Der Kassenbericht für die Zeit vom 1. Januar bis 81. De. zember 1911 zeigt eine Einnahme von 53 039,65 M.. eine Ausgabe von 51 486,78 M.. mithin«ine Mehreinnahmc von 1552,87 M. Der Kassenbcsland am Jahresschluß betrug 16 513,22 M.— Von der Zcntralkasse lagen die Berichte von drei Quartalen vor, die Schluß- abrcchnung des Jahres fehlt noch. Für die Agitation wurden aus der Zentrallasse 113,90 M., au» der Lokalkasse 1384,19 /.'t. verausgabt. An U n t e r st ü h u n g e n sind gezahlt worden aus der Z e n» t r a l k a s s e an arbeitslose Mitglieder... 6 828 99 M. , kranke.... 9636,'—. „ streikende.... 2 695,94. . ausgesperrte.... 1 725,43. „ gemaßregelte.... 1 440,83, für Slerbeunterstützimg.... 2270,—. . Rechtsschutz.....,, 243.50„_ Summa.. 24 845,69 I.'i. Aus der Lokalkasse kamen noch Zuschüsse zum Sterbegeld im Betrage von 905 M.. an Streikende 232,50 M., zum Rechtsschutz 90 M.. und al« Extraunterstützung 965 M. Die Mitgliederbewegung zeigt einen Bestand von 1821, da» ist ein Zuwachs von 100 Milgliedcrn gegenüber dem Vorjahre, 23 find zu anderen Verbänden. 120 von anderen Ver- bänden übergetreten, Tie Fluktuation war sehr stark. In dem Bericht wird noch auf die Kartellverträge mit anderen Verbanden und aus die Grenzstrciligkeitcn mit den Transport-, Brauerei- und Geineindearbcitcrn Bezug genommen. In der D i« k u s s i o n gaben Echwittau und der Kassierer Holz die gewünschte Auskunft auf eine Reihe von Fragen. Die Versammlung beschäftigte sich dann mit den bevorstehenden Tele- giertenwahlen zum VcrbandStag in München., Marktbericht von verlin am SC. Kebrnar 1912. nach«rmkttelnng de-Z tüiilfll Polizeipräsidiums, M a r t t h a t i e n t> r e i s e.(Kleinhandel) 100 Kilogramni Eibien, gelbe, zum Kochen 36,09— 50,00. Spcijcbohiicn weiße, 36,00— 60,00. Linien 40,00—80,00. Kartoffeln 9,00—14,00. I Kilo. prnmrn Rindfleisch, von der Keule 1.60-2.40. Rindfleisch, yanchsieilch 1.30 bi» 1,80. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammet'Ieisch 1,30—2,20. Buller 2,60-3,20. 60 Stück Eier 4,50-7,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,20—3,00. Zander 1,60—3,60. Hechle 1,40—2,60. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,10-3,20. Bleie 0,80-1,10. 60 Stück Kredj« 4,00-30,00. c AbzahlunsseeschSfte ) Berliner Credit-Haus gT Kommandantenstr» 6?. Mg � Alltohoifrete Cetpänke� !Frauz Abralmm Htab. Messina-u.Roraertrank-Kell. K 4. Schlegelst.9, Fernsp. III. 7727 r.nfffh Scher- u. Limonad. jPabrik UalHy, Thaerstr. 44. T. A. 7. 8176. Si-Si Sdiütze, E., nVtcrsir. läi, T. 7, 1 1 m. Bestes alitobd- freies Getränk. BerliwO.SnäelfM ( ftrbeilei-BekleldnnB j «, 1 Sjt f Zussmerstr. 52 •* BfR(wanBst.96 Hamburger Laden, Ch«r!.IWall«t.69 J-KastnepÄST,.!,. 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Geiler, wird zum 1. April � in die Redaktion der.Mühlbauier Volkszeiiung" einttclen. weshalb die 1 Stelle neu zu besetzen ist. Der Sekretär hat neben den Verwaltungs- geschäften des Kartells Rcchtsauskunst aus sämtlichen Rechtsgebieten, insbesondere aber aus dem Gebiete des Arbeiterrechts zu erteilen. Rednerische Befähigung ist notwendig. Das Ansangsgchalt beträgt' 2100 M. und steigt pro Jahr um 90 M. bis zum Höchstbetrage von � 3000 M. Etwaige Dienfljahre in der Arbeiterbewegung werden i entsprechend in Anrechnung gebracht. Im übrigen gelten die Be> dingungen des Vereins„Arbeiterpresse-. Bewerbungen sind unter 1 dem Vermerk:„Bewerbung- bis ipätestcns den 10. März an den' Unterzeichneten einzureichen. Antritt muß spätestens am 1. April! erfolgen. 287/11*, Der Kartellvorsitzende Franz Fritsche, P f a s s e n f e l d st r a ß e 6, Dianen T,] »chlafstelle jüt Herrn, Eisenbahii- straßc 36. vorn IV links._+10 Sclilafftclle, billig, ruhig, vermietet Horn straße 16, Leutloff. 272b sNietsAesucIte. Kleiiics, einfach möbliertes Zimmer (»Ilcin). Roscnlhalerplatz gesucht. Osscricn mit Preis„Zimmer*, Post. am! 28.+106 kleines Junger Mann möblicrlcS Zimmer. Preisangabe„RG Lausitzcrplatz 14/15. sucht Offerten mit „Vorwärts*, +10 �.Hniidwcrkcr, junger, sucht alleinige Schlasstelle, Nähe Rosenthaler Tor oder Alexanderplatz. Preisangab«. Postlagcrkarte ,ß." Postamt 54. Arbeitsmarkt. Stellenangebote. verlangt Schiff» _ 31/19» Zeitungsfrauen ba.ierdamin 1. 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Ministerialdirektor Kriege bestreitet, daß hier eine Lücke vor- banden sei: das Anwerben für ein Bordell sei jetzt schon straf- bar. Sollte die Praxis anders entscheiden, so werde die Lücke aus- gefüllt werden. Danrit schlicht die Debatte. Das Gesetz wird angenommen. Debattelos wird darauf in dritter Beratung die Verlange- rung des Handels- und Schiffahrtsvertragcs mit der Türkei > N g e n o m m e n. Es folgt die Fortsetzung der ersten Beratung deS Entwurfs eines Reichs- und Itaatsangehörigkeitsgesetzes. Abg. v. Licbert(Rp.): Demjenigen Volk gehört nach einem Aus- spruch TreitschkeS die Zukunft, dessen Sprache von den m e i st c n M e n s ch e n gesprochen wird. Deshalb haben wir ollen Anlast, dafür zu sorgen, dast die Deutschen im Auslande ihr Deutschtum nicht verlieren. Wir begrüsten daher das Gesetz in nationalem Jnterepe. Abg. Liebknecht rügte, dast Ausländer nur auf- genommen werden dürfen, wenn kein Bundesstaai Widerspruch erhebt. Mir erscheint diese Bestimmung selbstverständlich. Ebenso selbst- verständlich erscheint niir die ebenfalls vom Abg. Liebknecht gerügie Bestinminiig, dast zur Ausnahme in den Staatsverband die U n b e i ch o l t e n b e i t gehört; nur sollte der Begriff der Unbescholtenheit näher präzisiert werden. Mit einer Reichs- ongehörigkeit ohne Siaatszugehörigkeit macht der Entwurf nur rinen schüchternen Versuch, nämlich in den Schutzgebieten; dort ist sie aber dringend nölig.— Ein urdeutscher Grundsatz ist: ohne Wohn- gemeinschast leine Volksgeincinschaft. Das gilr namentlich für die Abkömnilinge von ins Ausland gewanderten Deutschen, die ihre Staatsangehörigkeit behalten. Um deren Kindern das Deutschtum zu erhallen und sie zur Erfüllung der Wehrpfliöht anzuhalten, sind freilich eine Reihe von Erleichterungen notwendig, die der Entwurf in grostzügiger und grostherziger Weise gewährt.(Beifall rechts.) Abg. Herzog(Wirtsch. Vg.>: Die Vorlage konimt reichlich spät, denn das jetzt bestehende Gesetz genügte seit langem nicht. Im allgemeinen entspricht die Vorlage unseren Wünschen. Im Gegensatz zu den Herren Dr. Liebknecht und W a l d st e i n halten wir es für durchaus richtig, dast Kautelen geschaffen find. um mistliebige Ausländer fernzuhalten. Tie deutsche Staats- und Reichsangehörigkeit soll kein Asyl werden für alle möglichen Elemente, die dem deutschen Namen wahrlich nicht zur Ehre ge- reichen.(Bravo! bei den Antisemiten.) Abg. Hansseu(Däne): Die Schaffung eine« ReichSverwalwngs- gerichts ist dringend notwendig, damit strittige Fragen über die Staatsangehörigkeit einheitlich und endgültig entschieden werden können. Bei uns gibt es Hunderte von Personen, die von den Verwaltungsbehörden als Preusten bezeichnet, aber dem« ungeachtet fortdauernd als Ausländer behandelt werden. (Hört! hört I) Das ist ein ganz unhaltbarer Zustand, der nicht zur Erhöhung der Autorität der Behörden dient. Eine Reihe von Leuten, die den Krieg 1870/71 als deutsche Soldaten mit- Rleines feuilleton. Ein Theater, taS aus Titeln erbaut wird. Ans Detmold wird uns geschrieben: In den öden Fensterhöhlen des Detmolder Hofthealers wohnt das Grauen: Der alte Kunsttempel ist vor drei Wochen abgebrannt, und zwar noch zu rechter'Zeit, ehe ein grösteres Unglück die verantwortlichen Stellen darüber zu belehren brauchte, das; der Theaterbctrieb in veralteten hölzernen Kasten doch eine un- gehener riskante Sache ist. Jetzt gilt es natürlich, aus den Ruinen neues Leben erstehen zu lassen und die Vorbereitungen dazu sind lebhaft im Gange. Nun aber stosten wir in den beiden bürger- lichen Zeitungen der lippischen Residenz aus ein etwas verfängliches Inserat: Hoflieferanten-Titel I Wer erteilt Rat und Auskunft zur Erlangung dieses Titels? Offerlen unter Postlagerkarte 192, Berlin W. 81. Derartige Anzeigen findet man in der bürgerlichen Presse freilich öfter. Sie sind in ihrer Art fast etwas Alltägliches geworden, denn WaS will, ihr Herrn, ein deutscher Patriot?— Für sich ein Aemtchen, Titelchen und Bündchen, Für seine— ehelichen— Kinder Brot Und— legitime Fürsten für sein Ländchen. Man braucht sich aber an diesem Titelschachcr nicht allzusehr zu stosten. Woran man aber als Freund wahrer Volkskunst Anstost nimmt, das ist der zarte Zusammenhang, der zwischen diesem „Fühler" und dem Tbeaterneubau zu bestehen scheint. Der Plan, ein neues Theater zu bauen, besteht schon länger, und es loll beim Hofmarschallamt auch schon ein Fonds gesammelt sein. Wie dieser Fonds zustande gekommen ist, das wurde vor einigen Jahren bek-vinr, als einige Zeitungen darauf hinwiesen, dast in Berlin ein schwung- haster Handel mil lippischen Hoflieferanten- und KoinnierzienratS« titeln getrieben würde. Die Talsachen liesten sich nicht bestreiten. Viclleicvt aber sind jetzt wieder Diplome auf Vorrat angeferngt, die zu besserer Förderung der Schauspielkunst abgegeben werden, und die Anzeige ist nur daS erste Zeichen dafür. Tann aber mutz mit allem Nachdruck auf die Gcineinschädlichkeit diese" Verfahrens hingclvicscn werden. Diese Kunslgönnerschafi der Fürsten ist eine öffentliche Gefahr, insofern dadurch der höfische Einflnst aus den ganzen Thcaterbetrieb verstärkt wird. Wer das Thcaterlebrn in den kleinen Residenzen kennt, der weist ohnehin, wie sehr der Spielplan von der Rücksicht auf Seine Hoheit oder Durchlaucht abhängig ist. Sophokles' Tantiemen. Ter alte Sophokles durfte sich rühmen, den Becher menschlichen Glücks ra vollen Zügen genoffen zu haben. Und das Glück ist ihm auch im 20. Jahrhundert treugebliebcn. denn im Jahre 1912. 2300 Jahre nach seinem Tode, bezieht er noch Tantiemen! Das hat jetzt Raymond Duncan, der Bruder Jsadoras. in Paris erfahren muffen. Er veranstaltete vor kurzem eine Ausführung der Elektro" in griechischer Sprache und war nachher nicht wenig erstaunt, als die französische Gesellschaft.der Schriftsteller sich meldete und sozusagen im Namen von Sophokles ihren Anteil an Tannemcn von den Einnahmen verlangte. Ray- niond Duncan glaubte erst an einen Irrtum, er machte geltend. daß Sophokles seit der V3. Olympiade verschieden sei und daß man gemacht und deren Söhne im Deutschen Heere gedient haben, sind nachträglich mit Kindern und Enkeln von den Behörden aus dem deutschen Staatsverband aus- geschlossen worden.(Hört! hörl!) Es sollte festgelegt werden, dast man durch Geburt in einem deutschen Bundesstaai die Staats- nngehörigkeit ohne weiteres erwirbt. Ein geradezu unerträglicher Zustand ist es. dast, während in der Nordmark deutsche Frauen, die in wilder Ehe leben, nicht ausgewiesen werden dürfen, dänische Frauen, die einen im Inland geborenen Mann heiraten, erbarmungslos aus- gewiesen werden, und dast ihre Kinder staatenlos werden. (Hört! hört!) Es must dafür gesorgt werden, dast solche Miststände durch das neue Gesetz unmöalich gemacht werden.(Bravo I links.) Abg. Dr. Landsbcrg(Soz.): Einer der Redner bat die Bestimmung, dast die Staatsangehörig- keit durch zehnjährige Abwesenheit im Auslände verloren wird, diese Bestimmung, die jetzt ausgemerzt werden soll, mit Recht einen schweren Irrtum genannt. ES ist nur zu bedauern, dast es 42 Jahre gedauert hat, diesen Irrtum loszuwerden, und das gibt Veranlaffung zu wehmütigen Betrachtungen über die Langsamkeit der Gesetzgebung und zu Variationen über daS Dichterwort: Es erben sich Gesetz und Reckte wie eine ewige Krankheit fort. In einer Zeitung las ich, diese Bestimmung habe den Deutschen Millionen von Kräften entzogen. Das ist eine kolossale Ueberlreibung. Der Verlust des Staatsbürgerrcchts durch zehnjährige Abweienhcit brachte schweres Ungcmack über diejenigen, die sich länger als zehn Jahre im Aus- lande aufhielten und dann zurückkehrten. Aber daran, dast Millionen von Deutschen, die nicht nach Deutickland zurückkehrten, ihr Deutsch- tum aufgegeben haben, ist diese Bestimmung unschuldig. Werfen wir dock einen Blick nach Böhmen. Je deutscher ein Name ist. desto t s ch e ch i s ck e r ist d i e G e s i n n u n g des Trägers. Heistt einer Herold, so ist er sicher tschechisch gesinnt, und ist einer ein ganz nationaler Tscheche, so heistt er Frcffol.(Heiterkeit.) Das beste Mittel, der deutschen Nation Kräfte zu erhalten, ist, dast man keinen zur Auswanderung veranlatzt(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten), dast man innere Kolonisation treibt und freiheitliche innerpolitische Zustände herstellt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Alle Redner waren einig darin, dast derjenige, der in Deutschland gedient bat, ohne Deuncker zu sein, damit ohne weiteres das Staatsbiirgerrechi erwerben soll. Es ist auch ein bedrückender Gedanke, daß jemand, der für Deutschland geblutet hat oder bereit war, sein Blut für Dcurichland zu vergiesten, ausgewiesen werden darf, ohne dast er ein Rechtsmittel dagegen hat. Der Entwurf will mit dem Ver- lnst des Staatsbürgerrechts denjenigen bestrafen, der sich dem Dienst im Heere entzieht. Sickerlich gibt es Fälle, wo das angebracht ist. Aber die Fälle von Selbstverstümmeliiiig um sich für den Heeresdienst unfähig zu mackcn, sind doch wohl ebenso schwer und noch scklimmer lind die Fälle von Landesverrat, an die der Verlust des Staats vürgerrechis nicht geknüpft ist. Es gibt doch auch Fälle von Verletzung der Heerespflickt, die keineswegs schwer gelagert sind. Die meisten Personen, welche vor Erfüllung ihrer Dienstpflicht aus- wandern, wollen sich dadurch nicht etwa der Heerespflichl entziehen, sondern wandern aus wirtsckaftlichen Gründen aus. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Es klingt ja sehr sckön, wenn man sagt, wer dem Vaterland seine Kraft zur Verteidigung nicht zur Verfügung stellt, hat auch keinen Anspruch auf den Schutz des RcickeS. Im Z 22 des Entwurfs ist aber gar nicht davon die Rede, daß sich je- mand der Heerespflichl entzogen hat, sondern derjenige, der bis zu einem bestimmten Zeitpunkt keine endgültige Entscheidung über seine Dienst- Pflicht herbeigeführt hat, soll das Staatsbürgerrecht verlieren. Also auch der Krüppel, der es unterlassen hat, sich zur Verfügung zu stellen, der einen rein formalen Verstoß begangen hat, soll dadurch das Staatsbürgerrecht verlieren, und ebenso auch seine Frau und Kinder. DaS geht doch entschieden zu weit. Dieser Ber- lust dürfte nicht ohne weiteres eintreten, sondern nur nach Fest- stellung des Tatbestandes durch den Aus'pruch einer Ver» waltungsbehörde, und gegen dessen Bestimmung muß Einspruch eingelegt werden können bei einem Reichsverwaltung s- g e r i ch t, um dessen Errichtung wir nicht herumkommen werden. Nun wird man sagen, daß derjenige, der ohne Verschulden sein weder seine Witwe noch Erben kennt. Aus besonderem Entgegen- kommen erklärte sich die Gesellschaft zwar bereit, die Tantiemen in diesem besonderen Falle von zehn auf zwei Prozent zu er- mäßigen, aber sie bestand im Prinzip auf ihrem Recht und gab nicht nach. In einem Jnterviow erklärte der Direktor der Gesell- schaft, daß diese Forderung zwar nicht im Interesse von Sophokles ourchgefockten werde, aber im Interesse der modernen Dramatik. „Stellen Sie sich nur vor, daß die freigowordenen Werke von den Theatern völlig kostenlos gespielt werden können. Die Folge wäre, daß die Direktoren nur noch tautiemefreie Stücke aufführen würden. Das wäre das Ende der dramatischen Kunst: unter dem Vorwande, die Toten zu ehren, würde man die Lebenden ver- hungern lassen." Ter Fall ist ein interessantes Beispiel von der Machtstellung, die sich in Frankreich die Gesellschaft der Schrift- steller durch die streng durchgeführte Solidarität aller lebenden Dramatiker gesichert hat. Der Liiftmilitarismus als Friedensinstrument. Aus Paris wird uns geschrieben: Der„Matin", der bekanntlich aus der Au§- beutung chauvinistischer Stimmungen einen seiner schreiendsten Reklametricks gemacht hat. brachte dieser Tage eine neue Variaitte heraus. Er hat nämlich die Initiative zu einer innerhalb des Kreises der Zeitungsunternehmungen vorzunehmenden Sammlung ergriffen, deren Erlös zum Ankauf von Flugapparaten dienen soll. Mit diesen soll in ganz Frankreich auf Schauflügen die Opfer- Willigkeit der Bevölkerung für die Luftflotte geweckt— und natür- lich die Aufmerksamkeit auf den edlen Anreger hingelenkt werden. Tie Idee ist wirklich ausgezeichnet. Denn ein Widerspruch oder auch nur die Skepsis gegen diese„nationale Bewegung", wie der ..Matin" bescheiden seinen Reklamezug nennt, wäre ein offenbarer Beweis von Vaterlandslosigkeit. Dieser freundlich gezückte Re- volvcr hat schon seine Wirkung geübt. Denn nicht nur haben sich die Minister beeilt, dem„Matin" seinen vaterländischen Eifer zu bescheinigen, sondern sogar die großen Konkurrenten des„Ma- tin":„Petit Journal" und„Journal", haben bedeutende Summen gezeichnet. Besonders Herr Lcbellicr. der Eigentümer des..Jour- nal" ist gewitzigt. Vor einem Jahre hatte er sich unterfangen, die patriotische Flugfahrt im französischen Osten durch eine europäisch« Rundfahrt überbieten zu wollen und mußte sich dafür vom„Ria- tin", der zu diesem Zweck eine besondere Unflatspritzc, die„Triko- lorc" baute, anklagen lassen, er wolle das„Geheimnis" der sran- zösischen Flugapparate an Deutschland verraten. Diesmal zieht er vor, sich mit der Miene der Begeisterung in die Gefolgschaft des „Matin" eintragen zu lassen, wofür ihm hieser großmütig die Schmach vom vorigen Jahr als Ehrentitel der Luftschifferei an- rechnet. Natürlich wird Herr Lebellier heimlich auf eine gründliche Revanche sinnen. Das Volk aber mutz sicher gerührt werden, wenn es die beiden großen Zeitungskönige— um der patriotischen Idee willen— einander in den Armen liegen sieht. Musik. Drei Konzerte, die wir in den letzten Tagen aus dem niufikaliichen Alltagsgewirre auswählten, gaben uns besonders hübscke Proben von den Bemühungen, durch musikalische Mittel anderes als eigentlich Musikalisches darzustellen. Dir sogenannte P r o g r a m in- musik strebte in älterei Zeit vorwiegend nach der Wiedergabe von Naturvorgängen, wie z. B. dem Gewitter. Dann kam der Anschluß an menschliche Vorgänge, au Lebensschickiale eines Künstlers u. dgl., Staalsbürgerrecht. in dem Falle verloren hat, daß eme Verletzung der Wehrpflicht vorlag, nach der Vorlage das Recht hat. seine Aus- nähme in den Staatsverband zu beantragen. Aber was heißt: ohne Verschulden? Ein Verschulden liegt ja schon dann vor, wenn der Betreffende ohne weiteres geglaubt hat, er als Krüppel brauche sich erst gar nicht der Militärbehörde zur Verfügung zu stellen. � Dann etwa? anderes. In den Motiven zum Entwurf ist ge- sagt, es gelte dem deutschen Volk Kräfte nach Möglichkeir zu erhalten. Ich kann aber den verbündelen Regierungen den Vorwurf nicht ersparen, daß sie nicht übermäßig galant sino.(Heiterkeit.) Sie legen nämlich Wert nur daraus, dem deutschen Vaterlande Männer zu erhalten, nicht auch Frauen. Die Frau soll vor wie nach durch Heirat das deutsche Staalsbürgerrecht erwerben. Warum räumt man mit diesem Zustand, der ein Rest der alten Geicklechtsvormimdschaft ist, nicht endlich auf?(Sehr Ivahr! bei den Sozialdemokraien.) Ich will ja nicht gerade empfehlen, daß mau sich auf den Lippcichen Rcchtsboden stellt. In Lippe wurdc_bis 1870 durch Heirat mit einer Lipperin der Ausländer Staasbürger von Lippe. Bei der Schönheit der Lipperiimen ist es verwunderlich, daß Lippe durch diese Bestimmung nicht zum Großstaat geworden ist.(Heiterkeit.) Wenn die Vorlage bestimmen würde, daß eine Frau, die einen anders- gläubigen zum Manne nimmt, ihre Religion verliert und die des Mannes erwirbt, so würde man mit vollem Recht ein der- artiges Gesetz geradezu barbarisch nennen. Aber WaS von der Religion gilt, mutz doch auch von der Vaterlandsliebe gelten, und deshalb ist es nicht angebrackt, eine Frau ihres Staatsbürgerrechts deshalb zu berauben, weil sie die Ehe mit einem Ausländer eingeht. Die Folge ist. daß der deutsche Gesetzgeber daraus ver- zichlen muß, zur Voraussetzung deS Verlustes der Staatsangehörigkeit der Frau einen vom Manne zu stellenden Antrag zu verlangen. Die Bestimmung, wonack ein Deuischer erst auf seinen Antrag Angehöriger des Bundesstaates wird, in dem er seinen Wohnsitz genommen hat, ist eine durch nichts gerechtfertigte Formalität. Man würde deu Rcichsgcdanken wesentlich fördern, wenn man festlegen wollte: durch Zuzug von einem Staat tn den anderen, wird das Staatsbürgerrecht in diesem neuen Staat ohne weiteres begründet. Die Regel wird ja doch sein, daß der Betreffende' in dem neuen Staat das Bürgerrecht erwerben will, um nicht von den politischen Rechten ausgeschlossen zu sein. Wenn jemand aber nicht gezwungen sein will, dem neueil Staate als Bürger anzugehören, so mag er bei seiner Ucbersiedelung ausdrück- lich erklären, daß er nicht gewillt ist, seine bisherige Nationalität aufzugeben. Diese Fälle werden jedenfalls die Ausnahme bilden und die anderen die Regel. Die von uns gewünschte Fest- legung ist bereits 1870 von dem Abg. von Bockum-Dolffs in einem Antrag gewünscht worden. Will mau aber diesem durch sein Alter bereits ehrwürdigen Wunsch nickt Rechnung tragen, so möge man wenigstens einem Antrage stattgeben, den damals der Abg. Karl Braun eingebracht hat, wonach man das Staatsbürgerrecht da- durck erwirbt, daß man bei der polizeilichen Anmeldung im Meldezettel eine dahingehende Erklärung abgibt. Es brauchte dafür nur im Meldezettel eine neue Kolonne eingerichtet zu werden, mit der Ueberschrift:«Will der Betreffende daS Staats- bürgerreckt erwerben oder nickt?' Dann einige Worte zur Frage der Naturalisation der Ausländer. Der Abg. SP a h ii hat gegenüber meinem Freunde Liebknecht geltend gemacht, daß dazu die Verbürgung der Gegenseitigkeil Voraussetzung sei. DaS wäre doch aber nur möglich, wenn Deutsch- land durch diese Naturalisation ein Opfer bringen müßte. Es wird doch aber keinem deutschen Staate zugemutet, Krethi und Plethi aufzunehmen. Natürlich werden nur geistig und körperlich durchaus tüchtige Ausländer Anspruch auf Naturalisation haben. Wenn wir Gelegenheit haben, solche vollständig einwandfreien Leute zu Deutschen zu machen, sollen wir uns dann die Gelegenheit so lange entgehen lassen, bis irgend ein ausländischer Staat so liebenswürdig ist, sich dazu bereit zu erklären, dem Deutschtum Kräfte von derselben Beschaffenheit zu entziehen?(Sehr gut! links.)— Gegenüber dem Abgeordneten Herzog stelle ich fest, daß die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sich nur gegen den wie z. B. in Berlioz'„Episode au? dem Leben eines Künstlers", als„Phantastische Sinfonie' bezeichnet, die auf dem Programm des Philharmonischen Konzerts vom Moniag stand. Richard Wagners direkteste Anpassung der Tonsprache an die Wort- spräche wies nun freilich andere Wege, ließ aber trotzdem die wort- lose und nur gedankenreiche Programmusik weiter blühen. Doch daS Schildern von Vorgängen blieb immer eine heikle Sache. Muß man sich denn bei einer Musik gerade das vorstellen, was man sich vorstellen soll? Der Russe Alerandec Tanöjew schrieb in neuerer Zeit eine Ouvertüre für großes Orchester„Hamlet", und das erwähnte Philharmonische Konzert brachte sie für uns zum erstenmal. Sie benutzt modernes Können und trügt auch stark auf. ohne jedoch exzessiv zu werden. Nur was gerade Hamlet damit zu tun haben soll, wird wohl nicht so leicht jemandem klar werden. Anders, wenn eine Musik ohne Worte darauf ausgeht, nicht Vorgänge epischer oder dramatischer Art, nicht Bilder von Persönlichleiten u. dergl., sondern mehr Lyrisches zu geben, Gefühle, Stimmungen. Fast möchte man als sicher annehmen, daß die Prograinmusik dahin einschwenken werde. Einstiveileii hat es schon manche Musik getan, die kein„Pro- gramm" vorgibt. Selbst der nicht sehr.neudeutsche' und jetzt nur mehr mit Mühe anzuerkennende I. Raff läßt seine Musik von solchem Stimmungswesen leben. Eine seiner Molinsonaten, die wir in einem Kammermusikabend hörten, erinnert an die Naturgefühle seiner Waldsinfonie. Ein Phantasiestück für zwei Klaviere von I. G. R o p a r tz. von 1898, hier aber noch neu. nimmt von Schu- mann und Raff und von dem Dänen Grieg solche Stimmungs- erinneruugen auf. Anders hinwidcr eine im selben Konzert als neu vorgetragene Kleine Suite des modernsten Franzosen E. D e b u s s h', von 1904, für ein Klavier vierhändig. Man möchte von einem um« gekehrten Chopin sprechen, von der Kunst der gehäuften Ganztöne im Gegensatze zu der der gehäuften Halbtöne, von einem Auseinander- gehen mit weiten Schrillen... Aber daß der Zuhörer zu so vagen Schilderungen verführt wird. ist schon so charakteristisch für die Vorführungen durch eine über- musikaliscke Musik. Debussy ist daran gewiß nicht schuld: ihm kommt es vielmehr auf die Kunst der eigenartigsten musikalischen Durch- arbeitung an. wenn er z. B. alte Menuett- und ähnliche Formen mit neuesten Weisen wiederbringt. Auch die Konzertgeber, die üch seiner annahmen, gehen über die Zurückhaltung der guieu Könner nicht hinaus. Irina Saenger-Sethe ist auf dein Beilmer Konzerlboden als Geigerin aiieckaniit. Bruno und Anna Hinze- R.e i n h o l d gehören zu den Seltenen, die sich der alleriatimsten Klavierkunst, des Zusammen« spieles auf zwei Klavieren annehmen und es auch so beherrschen, daß man sie ebenso gerne wieder hören möchte, wie die längst be- rühmte, in die Musikgeschichte durch Virtuosität und durch vielseitiges Eigene ausgezeichnete Teresa Carreno,' die uns im Philharmo- nischen unter der nuancenreichen Direktion von N i lisch im Klavier- konzerl von Tschaikowöky so interessant machte, wie dies eben bei moderner musikalischer Ornamentkunst möglich ist. Am weitesten scheint sich daS eigentliche Lied von dem Ausmalen der Einzelheiten eines Texles zu enifernen. Gesamistimmung— und da wieder mit Vorliebe Landschaftsstimnimig: das ist z. B. die Eigenart neuer norwegischer Lieder von A Wiklund und von S. L»e, die uns die Altistin Hildegard D i e t e r i ch mit ihrer zwar nicht weichen aber sonoren und innigen Stimme vorführte, unter Mitwirkung eines unserer besten Liederbegleiter, Robert E r b e n s. sz, Import ausländischer Arbeiter wenden, die durch vorher geschlossenen Kontrakt zu Sklaven gemacht worden sind. Die freien ausländischen Arbeiter aber begrüßen sie als Kameraden und sind bestrebt, sie zu Kampf- genossen zu machen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im Gegensatz zu anderen Ländern, die, wie z. Ä. die Vereinigten Staaten von Nordamerika, froh sind, wenn sie in jeder Beziehung tüchtige Ausländer als Bürger erwerben können, herrscht bei uns ein außerordentliches Mißtrauen gegen die Aufnahme von Ausländern vor. Das ergibt sich auch daraus, daß kein Ausländer das deutsche Bürgerrecht erwerben kann, ohne daß sämtliche deutsche Bundesstaaten Gelegenheit gehabt haben, darüber ihre Meinung zu sagen. Das beißt doch wirklich mit Kanonen nach Spatzen schießen.(Sehr wahr! vnks.) Der bestehende Zustand ist doch mit den Interessen des Reiches durchaus verträglich gewesen; warum verstößt man dann ohne Anlaß gegen den obersten Grundsatz der Bismarckschen Politik: guista non movere(am ruhig Bestchenden nicht rühren)? Wenn wir zur Verhandlung des wccklcnlnirgischc» VersassungSantrageS kommen, wird man wieder sagen, es sei nicht Sache der Reichs- gesetzgebung, in die Verhältnisse der Einzelstaaten einzugreifen. Hier will man aber einen solchen Eingriff vornehmen, nur um die preußische Praxis in ganz Deutschland einzuführe». DaS ist für uns ein genügender Grund, um auf das entschiedenste jjegcn die Bestimmung Stellung zu nehmen. Wie die preußische Praxis ist. hat ja der Abg. Haussen wieder gezeigt. Ich hatte mich bei seinen Ausführungen geradezu geschämt. England hat den im blutigen Kriege niedergeworfenen Buren schon nach wenigen Jahre» volle Selbständigkeit gegeben, aber Preußen wird mit der Handvoll Dänen noch heute nicht fertig und ergreift ihnen gegenüber solche barbarischen Maßnahmen, wie sie Herr Haussen tchildcrte.(Sehr wahr! links.) Auf jeden Fall sollte dafür gesorgt werden, daß ehemalige Deutsche, wenn sie nach Deutschland kommen, ihre Staatsangehörigkeit wieder be- k o m m c n. Wie nötig das ift, beweist folgender Fall: Ein junger Mann wmidcrte init 16 Iahren nach Amerika aus. Sein Vater erklärte ohne sein Wissen für ihn den Austritt aus der preußischen Staatsbürgerschaft, und als er dann nach 15 Jahren wiederkam und sich hier seßhaft machen wollte, wurde er daraufhin ausgewiesen. DaS ist ein Zustand, der mit Recht und Billig- keit absolut nicht zu vereinbaren ist.(Sehr wahr! bei den Sozial- deniokraten.) In Deutschland geborene Abkömmlinge von Busländern sollten ohne weiteres auf ihren Antrag das deutsche Bürgerrecht er- halten. Ferner muß im Gesetz eine Bestimmung geschaffen werden zugunsten von Leuten, die infolge der ehemaligen Klein- staaterei das Staatsbürgerrecht verloren haben, das sie hatten oder sogar Ausländer geworden sind. Derarsige Fälle sind gar nicht selten. Ich schließe mit dem Wunsche, daß der Entwurf in der Kommission eine Gestaltung finden möge, die es meinen Freunden gestaltet, ihm zuzustimmen.(Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Abg. v. Richthofen(natl.) begrüßt den Entwurf, mit dessen Tendenz er e i n v e r st a n d e n ist. Daß eine Frau, die einen Ausländer heiratet, ihre deutsche Staatsangehörigkeit behalten soll, wie der Vorredner wünschte, halte ich nicht für richtig. Ein- verstanden sind wir damit, daß derjenige, der seine Heerespflicht nicht erfüllt, die deutsche Staatsangehörigkeit verliert. Aber fraglich scheint mir, ob die Erleichterungen, die der Entwurf gewährt, ausreichend sind; er will sie nur für den Aufenthalt in außer- europäischen Ländern gewähren. Ob aber einer sich in Aegypten oder in Rumänien aufhält. dürfte doch ziemlich gleich sein.(Zustimmung.) Auch bei den Erleichterungen für den Wiedererwcrb der verlorenen Staatsangehörigkeit sollte man meiner Meinung nach weiter gehen wie der Entwurf. Ausländern den Erwerb unserer Staatsangehörigkeit zu er- leichtern haben wir keine Veranlassung; aber in Deutschland geborene Ausländer, die auch hier die Schulen besucht haben und Dauernd in Deutschland waren, sollten ohne weiteres Deutsch« werden können.— Die Behandlung der Ausländer bei UNS ist ja eine Frage deS Taktes und Über ein Uebermasi von Takt können wir bei unserer Polizei nicht klagen.(Sehr richtig I links.) Ich hoffe, daß der preußische Minister des Innern noch nähere Aufklärung geben wird über die von dem Abg. Haussen angeführten unschönen Fälle.— Einverstanden bin ich damit, daß die Anfuahme eines Ausländers nur geschehen kann mit Zustiminung der anderen Bundesstaaten; doch gehe ich darin nicht 10 weit, wie der Entwurf, es dürfte die stillschweigende Zustimmung genügen. Dagegen sollte im Gesetz ausdrücklich gesagt sein, daß die Aufnahme nuS konfessionellen Gründen nicht versagt werden darf.(Sehr richtig I links.)— Die Reichsangehörigkeit ohne besondere Staatsangehörigkeit hätten wir gern in weiterem llnifange gehabt, als der Entwurf sie vorsieht.— Im ganzen sehen wir in dem Entwurf ein großes nationales Werk. (Bravo I bei den Nationalliberalen.) Abg. Seyda(Pole): Die einzelnen Punkte, in denen der Eni- wurf verbesserungsbedürftig ist, können nur in einer Kommisston erörtert werden. Damit schließt die Diskussion. Der Entwurf wird einer Kommision von 21 Mitgliedern überwiesen. Es folgt die erste Beratung des Entwurfs eine? Schntztruppettgesesies. Kolonial-Staatssekretär Dr. Solf: Das Gesetz soll die rechtliche Basis schaffen für Zustände, die bereits durch Uebung bestehen. In erster Linie Handell es sich um S ü d w e st a f r i k a, wo die Wehr- haftigkeit keineswegs genügend gewährleistet ist. ES handelt sich darum, einen eigenen neuen Ben rlaubtcnstand mit K o n t r o l l v e r s a m m l u n g e n für S ü d w e st a f r i k a zu schaffen. Auch für Kam erun und Ostafrika soll' dem Gon- verneur eine größere Kontrolle über die wehrhaften Mannschaften ermöglicht werden. Wie das neue Gesetz willen wird, kann erst die Erfahrung lehren. Aus dem neuen Beurlaubtenslande soll eine notwendige Reserve gebildet werden. Ich empfehle Ihnen den Entwurf zur Annahme; er vermeidet jede unnötige Schemali- fierung. Abg. NoSke(Soz.): Der Reichstag, speziell die Budgeikonimission hat wiederholt ein Schutztruppengesetz gefordert, doch entipriwt der vorliegende Entwurf keineswegs den Wünschen des Reichstages und wird vor allem nicht den Erwartungen gerecht, die an den Erlaß einer Wehrordnung für Südwestafrika geknüpft wurden. Der Entwurf be- weist eben nur, wie schwer eS unseren amtlichen Stellen wird, sich von alten Scbablonen freizumachen. Die rechtlichen Be- Kimmungen enthalten vielfach nur Selbstverständliches, wobei über Einzelheiten noch in der Kommission zu reden sein wird. Die Haupt- fache an dem Entwurf ober ist die Ausnutzung der Wehrkraft. Mit diesem Grundgedanken können meine Parteifreunde sich einber- standen erklären, nicht aber mit den Einzelheiten. Mit der Zeit wird ja der Entwurf eine Verminderung der Ausgaben für militärische Zwecke bringen, die jetzt die Steuerzahler in Deutschland leisten. Die Leute, die nach den Kolonien gehen, um dort in kurzer Zeit reich zu werden, sollen gefälligst selbst ihre Haut zu Markte tragen. Deshalb haben wir gegen die Auf- bietung eines Landsturmes, durch den die Weißen selbst dienstbar. gemacht werden sollen, nichts einzuwenden. Auch dagegen ist nichts einzuwenden, daß die freiwillige Ableistung der Ucbnngen in den Kolonien zugelassen wird, nur setze ich dabei voraus, daß es. sich um Leute handelt, die in den Schutzgebieten tvohnen. Es muß ganz präzise in dem Gesetz zum Ausdruck gebracht werden, daß an dem bisherigen Zustand nichts geändert wird und nicht etwa Leute aus Deutschland nach irgend einer Kolonie gehen können» um dort tztne Uebung abzumachen. Die Maßnahmen zur Negckung der militärischen Verwaljuiig in Südwestafrika stellen, von Kleinlichem abgesehen, eine Ueber- ■tragung des preußischen m r l i t a r i st i s ch e n Systems � nach Südwestafrika dar. Wird das beschlossen, so . wird für die Dauer nichts Gutes dabei herauskommen. In i der Budgetkommission forderten wir Maßregeln, die eine weitere wesentliche Verringerung des Zuschusses für Südwestafrika ermöglichten. Südwestafrika ist uns teuer genug ge- worden. Im Etat für 1S12 erscheint es wieder mit militärischen Ausgaben in Höhe von mehr als 11'/« Million Mark. Selbst wenn man die kolossale Summe von 4'/« Million für militärische Pen- sioneii abzieht, bleibt noch über 16 Millionen übrig. Nach dem Eiatscntwurf sollen die Ausgaben um 2 Millionen verringert werden. Ich glaube nicht, daß wir uns mit diesem Zugeständnis zufrieden- geben sollen. Ein paar hundert Millionen wurden für Eisenbahnbauten in Südwestafrika ausgegeben, und begründet wurden diese Bauten damit, daß durch sie später gespart werden könne. Jetzt sind sie fast fertig und die ganze Ersparnis an Mannschaften läuft a u f 209 Köpfe hinaus. Britisch-Betschuana- land ist etwa ebenso groß wie Südwcstafrika und hat mehr Weiße; der Erat für dieses Land beträgt aber nur 63 000 Pfund, wenig mehr als 1'/« Million Mark.(Hört I hört I bei den Sozialdemo- kraten.) Neben der Schutztruppe haben wir noch eine Polizei- truppe von mehreren hundert Köpfen. Alle Rederei hilft darüber nicht weg, daß auch die Schntztruppe wesentlich Polizei- truppe ist; ihre Aufgabe besteht ja wesentlich darin, die eingeborene Bevölkerung niederzuhalten. Die Militärkosten für Südwestafrika sind deshalb so hoch, weil auch jetzt noch der einzelne Mann erstaunlich viel kostet, nämlich 4900 M. pro Jahr. Wir geben über 10 Millionen Mark Militärkosten noch neben den hoben Polizeikosten aus, um eine eingeborene Bevölkerung von ganzen 81 785 Köpfen, Männer, Frauen und Kinder zusammen, im Zaum zu halten.(Hört! hört I bei den Sozialdemokralen.) Das ist doch auf die Dauer ein Unding. 6751 dieser Farbigen sind dabei noch ouS anderen Kolonien als Bahnarbeiter herangeholt. Nach der schwach- vollen Trothaschen AuSroitungspolitik gibt eS in Südwestasrika höchstens 20 000 Männer, die noch dazu mit wenigen Ausnahmen unbewaffnet sind. Da müßte doch ein einfaches Polizeikorps zur Aufrcchterhaltung von Ruhe und Ordnung genügen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) In der Begründung des Entwurfs heißt es, daß nach Beendigung des Aufstandes in Südwestafrika eine schnelle Zunahme der weißen Bevölkerung stattfand, die einen starken Zugang von Wehrpflichtigen zur Folge hatte. Wenn man sich nicht an die alle Schablone halten würde, müßte dann doch die Möglichkeit bestehen, die Zaol der Wehrhaften rasch z» vermehren und man müßte eine ziemlich respektable Wehrmacht auf die Beine bringen können, die auch ver- wcndungsbereit wäre, wenn man sie als Miliz einrichtel« und den Mannschaften Munition und Gewehr dauernd zur Verfügung stellte. Statt deffen sagt die Regierung in der Begründung zu Z 7 weiter, daß die Verminderung der Schutztruppe nur mit Rücksicht auf eine erhöhte Wehrkraft seinerzeit eintreten könnte. Bisher ist diese Verminderung immer mit den Bahnbauteil begründet worden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch jetzt wieder sagt man, daß viele Interessenten in den Kolonien gegen die Verringerung der Sckrntziruppe protestieren, weil sie sie brauche», um den Mannschaften für schweres Geld ihre Waren zu verkaufen. Das kann doch aber für den Reichstag kein Grund sein.(Sehr richtig l bei den Sozialdcmo- kraten.) Ich sagte schon, daß Gesetz beweist, daß die Regierung sich von der alten Schablone nicht losmachen kann. Nur so ist eS zu verstehen, daß sie sich jetzt bemüht, den ganzen preußischen Mili- tarismuS mit allem Drum und Dran in Südwestafrika bodenständig zu machen. Ich halte es allerdings für ausgeschlossen, daß ihr das auf die Dauer gelingt. So soll die zweijährige Dienst- zeit und auch das ganz veraltete drakonische Militär- stra frech t in den Kolonien eingeführt werden. Dabei wird die zweijährige Dienstzeit schon bei uns von sehr vielen Leuten als zu lang betrachtet, nicht nur wir, sondern auch Redner des Zentrums und anderer Parteien haben wiederholt ihre Ver- klirzung gefordert, und ebenso eine Revision des Militärstrafrechis. Trotzdem soll all da?, was hier zum Gegenstand heftiger Angriffe gemacht worden ist, unbesehen aus die Schutzgebiete übertragen werden. Man hätte sich doch wirklich bemühen sollen. etwas mehr schöpferischen Geist zu beweisen. In S ü d w e st a f r i k a würde eS geradezu aufreizend wirken, wenn die ziemlich frei aufwachsenden jungen Söhne der Farmer nun einer zweijährigen Dienstzeit in den üblichen Formen der preußischen Kasernenkuliur»»tcrworsen werden sollten, und wenn man dort unsere drakonische Militärinstiz zur Anwendung bringen wollte. Beim Vergleich mit den Zuständen in den übrigen Teilen SüdwestasrikaS wird sich die dortige Jugend für unser Mililärsystem gewiß nicht begeistern und die Neigung zur Bildung eines s ii d« we st afrikanischen Staatenbundes wird immer größer iverden. Wir beantragen, den Entwurf der Budgetkonrmission zu überioeisen. Er wird zweifellos lehr wesentlich umgearbeitet werden müssen, wenn eS meinen Parteigenossen möglich sei» soll, ihm ihre Zustimmung zu geben.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Erzberger(Z.): Wir sckiließen un» diesem Antrag an. zu- mal der Entwurf finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen wird. So harmlos, wie der Herr Staatssekretär es hinstellte, ist der Ent- wurf keineswegs, sondern es liegen in ihm eine Menge Fuß- angeln. Ich stehe ihm ablehnender gegenüber als der Vorredner, der es an Kritik gewiß nicht hat fehlen lassen. Ob das Milizsystem in Südwestasrika durchzuführen ist, muß in der Nommission geprnst werden; für so ganz ausgeschlossen halte ich den Gedanken gar nicht. Für uns ist die Hauptsache, daß der Reichs- znschuß für Südwestasrika möglichst herabgesetzt werden kann. Wird der Entwurf nicht wesentlich umgestaltet, so würden große Nachteil« für unsere koloniale Entwickelnng die Folge sein. Zunächst ist zu kriüsieren, daß eine große Reihe kaiserlicher Verord« n u n g e n in dem Gesetz vorgesehen sind, auf die der Reichstag keinerlei Einfluß hat. Zum mindesten müßte uns mitgeteilt werden.— ie man denn diese Dinge ini Wege der kaiserlichen Ver- ordnung zu regeln gedenkt; vorläufig tappen wir darüber völlig im Dunkeln. 8 1 spricht einfach von Schutztruppen al» bewaffneter Macht. Es liegt aber gar kein Grund vor, daß der Reichstag sich in dieser Weise bindet, zumal er sich bisher stelS für die Verringerung der Schutztruppen und Erweiterung der Polizeitruppen ausgesprochen hat.(Sehr richtig! links.) Ueber die Kardinalfrag«': wem unter st ehen die Schutz- t r u p p e n? geht das Gesetz mit Stillschweigen hinweg. eS heißt einfach, sie unterstehen im Krieg und Frieden dem Kaiser, d. h. dem Militärkabinett und dem Generalstab. Es fehlt also jede ver« a n t w o r t l i ch e Spitze. ES muß daber festgelegt werden, daß der einzig Verantwortliche in de» Kolonien der Gouverneur, nicht der Kommandant der Schntztruppe ist. Auch für Pensionierungen muß irgend jemand verantwortlich gemacht werden, zumal der Pensionsetat immer mehr anwächst. Bei den Strafen darf man die heimischen Verhältniffe nicht auf die Kolonien anwenden; dort steht der Unteroffizier den Mann- schaftcn viel näher wie hier, und AchtnngSverletznngen können nach einer gemeinsamen Zeche leicht vorkommen, und find nicht so schwer zu beurteilen. Wir müssen wissen, wie weit daS Straf- verfahren abgeändert wird. Auch bei uns wird die Oeffentlichkeit viel zu sehr eingeschränkt, das ist auch die Ansicht der meisten Offiziere. Auch die Ehrengerichte können wir nicht nach Afrika übertragen; wir würden uns damit nur lächerlich machen.— Im ganzen ist der Enlivurf ein Fortschritt; hoffentlich wird die Kommission ihn recht brauchbar gestalten.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Gotting(natl.): Wir begrüßen den Gr»ndged«inken deS Entwurfs, der die Kolonien wehrhafter �machen soll, und können dte Kostenfrage nicht so ängstlich an- sehen. Es ist eine Ehrenpflicht für das Mutterland, den Kolonien das Rückgrat zu geben, solange die Kolonien die Wehr- macht nicht selbst ausstellen und bezahlen können. Aber Südwest« afrika ist von allen unseren Kolonien bereits die am meisten entwickelte. Man sprach von einer Verringerung der Schutz- truppe durch den Ausbau der Eisenbahnen. Aber wir müssen die Verringerung abhängig machen davon, ob die Verwaltung sie ver- antworlen kann; wenn wir hier nicht vorsichtig vorgehen, stehen zahllose Menschenleben und ungeheure Millionen auf dem Spiele.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.)— Auch in den Einzelheiten scheint der Entivurf mir meistens das Richtige zu treffen, doch werden wir uns darüber noch in der Kommission»merhalten. Namentlich muß dafür gesorgt werden, daß das Budgetrecht des Reichstages gewahrt bleibt.(Zustiminung bei den Na- tionalliberalen.s Abg. v. Böhlendorff-Kölpin(k.): Die Vorlegung deS Gesetzes ist von allen Seiten begrüßt worden; das ist ein gutes Omen für sein Zustandekommen. Wir stimmen der Vorlage im allgemeinen zu. Gegenüber einem von Herrn Erzberger geäußerten Be- denken möchte ich betonen, daß der Gouverneur auch nach der Vor- läge der oberste militärische Vorgesetzte ist. Abg. Dove(Vp.): Die staatsrechtlichen Bestimmungen des Entwurfes sind vielfach sehr unklar. So muß der nebelhafte Begriff der Kommandogewalt klargestellt werden; die staatsrechtlichen und militärischen Befugnisse müssen klar abgegrenzl werden. Der Hauptvorteil de» Gesetzes ist, daß es eine Rechts- grundlage für die Verhältnisse in den Kolonien zu schaffen unter- nimmt. Das ist freilich nur außerordentlich skizzenhasl geschehen und bedarf eines weiteren Ausbaues, z. B. auch in der Schaffung eines Beamtenrechts für die Kolonien. Abg. v. Liebcrt(Rv) erklärt sich mit der Vorlage ein ver» standen, die für Südwestasrika geradezu heimische Ver- h ä l t n i s s e schaffe, Ersatzbehörden, Ersatzbezirke, Beurlaubtenstand, Reserve, Landwehr und sogar auch Landsturm. Staatssekretär des Kolonialamts Dr. Solf: Mit Genugtuung konstatiere ich, daß alle Redner sich mit dem Grundgedanken des Entwurfs einverstanden erklärt haben. Den dankenswerten An- regungen, die hier gegeben sind, werden wir nach Möglichkert Rechnung tragen.(Bravo!) Damit schließt die Diskussion. Der Entwurf wird der Budget- kommissioir überwiesen. Hierauf vertagt sich das Haus auf Mittwoch 1 Nhr.(RechnungS- fachen. Erat.)» Schluß 6'/« Uhr._ Mgeoränetenbaus. L4. Sitzung. Dienstag, den 27. F ebruar. vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: S y d o w. Der Etat für Handel und Gewerbe. 2. T a g. Abg. Ströbel(Soz.): Herr Rahardt hat gestern besonders über die Sicherung der Lauforderungen gesprochen. Aber merkwürdig, der von Herrn Rahardt geleitete Ausschuß der Handwerkskammern hat zu einer informierenden Beratung hier im Hauie nur die b ü r g e r- l i ch e n Abgeordneten eingeladen. Wir Sozialdemokraten hätten die Handwcrkcrforderungen ebenso gern kennen gelernt. Zahlen doch auch die sozialdemokratischen Handwerker ihre Kammcrbciträge und gerode die Sozialdemokratie ist stets, insbesondere im Reichstag. energisch jür gerechtfertigte Handwerkerforde- rungen eingetreten, so gegen die Mißstände im SubmissionS- wesen und für die Sicherung der Bausorderuugen. was sogar die bürgerlichen Parteien anerkennen mußten. Abg. Bömelburg hat damals namens der sozialdemokratischen Fraktion logar erklärt, daß die Wünsche der Krankenkassen in Sachen der Banfordernngen zunächst zurückstehen müßten hinter denen der Handwerker, lieber die Ein- sührung de« zweiten Teils des Gesetzes wird der Reick, s tag nach objektiver Prüfung zu entscheiden haben. Bezeichnend ist immcrhm, daß die Haus« und Grundbesitzer davon eine Einschränkung der Bautätigkeit, also eine künstliche Mietssteigerung erwarten. Die Sozialdemokratie ivird die Frag« vorurteilslos und mit dem besten Willen für das Handwerk prüfen. Herr Rahardt beklagt die Wanderung deutschen Kapitals ins Ausland— aber fragt nicht nach der Ursache: den Hochschutzzöllcn, die der Industrie nahelegen, Filialbetriebe im Auslände anzulegeo, da die anderen Staaten mit ebensolchen Hochschutzzöllcn antworten! Dem Handwerk und Kleingewerbe kann eS nur gut gehen, wenn die Arbeiter kaufkräftig sind, aber statt z» sagen:.Hat der Arbeiter Geld, hat's die ganze Welt", stellen sich die Mittelsländlcr immer auf die Seite der Scharfmacher gegen die be- rechtigten Ansprüche der Arbeiter. Durch die Rüstungen, die Welt- Politik und die agrarische LebenSmitteltenernng wird gerade das Kleingewerbe ebenso getroffen wie die Arbeiter. Und das ist die .Mittelslandspolitik" der Hammer und Rahardt!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.! Trotzdem heule die Zahl der Unselbständigen viel größer ist als die der Selbständigen, hat hier noch kein Redner in dieser Debatte von den S r b e i t e r n, die zwei Drittel der Bevölkerung bilden, gesprochen. Die Abgg. Hammer und Rahardt klagen über z» große Strenge der Gcwcrbcinspcktion. Wir protestieren dagegen, daß sie laxer gehandhabt werde; sie muß vielmehr auf da S ganze Ge- werbe ouSgedehn t�w erden im Interesse der Gesundheil der Mehrheit der Nation.(Sehr ivahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Minister fürchtet, daß Arbeiter als Baukontrolleure Politik treiben werden. Wir fordern diese Maßregel unbedingt als eine Notwendigkeit für die Gewerbeiuspeklion selbst, der überhaupt Arbeiterassistenten beigestellt werden sollen. Znr volitischen Agitation haben sie gar keine Gelegenheit. Sich geWerk- schafllich zu organisieren ist. aber das gute Recht der Arbeiter und ebenso die Besprechung der sie in erster Linie interessierenden Betriebs- angelegenheiten. Die Arbeiter haben aber auch den Anlpruch darauf. daß als solche Kontrollcure Männer ihres Vertrauens und von der entsprechenden Fähigkeit bestellt werden. Je länger diese gerechte, auch von bürgerlichen Parteien anerkaimte Forderung unerfüllt bleibt, desto größer wird die Mitgliederzahl der freien Gewerkschaften und die Wählerzahl der Sozialdemokratie steigen. Sie erreiche» also Ihren Zweck mit der Berwergerung nickt I Wir fordern, daß bei der so stark wachsenden Zahl der weiblichen Arbeiter auch mehr Assistentinnen bei der Gewerbe- i» s p e k t i o n angestellt werden, und daß Acrzie hinzugezogen werden. Nicht die Kosten, sondern die V o l k S g c j u n d h e i l hat die erste Nolle zu spielen.(Sebr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das schwere LoS der Hütteiiarbeltcr muß endlich verbessert werden. Trotz der ProdiiktivnSstcigerung um da» Fünffache Ist die Zahl der Eneiihültcnarbeitcr nur um die Hälfte gestiegen. WaS für eine ungeheure Ausbeutung muß da bestehen. Die zwölf- st ü n d i g e Schicht der Arbeiter an den Thomasöfen zerstört nach fachmännischer Feststellung völlig die Gesundheit der Ar- b e i t e r. Diese und die Walzwerkarbeiter sind gleichermaßen Höllenglut und eisiger Zugluft ausgesetzt. Das Dreitchichlensystem lehnen die Unternehmer ab. Nach der Krankenkasicnstatistit er- kranken mehr als 60 Prozent der Belegschaft. Von 1886-1909 wurden von 22 Hütten Nheiulaiid-Westfalens 445 195 Unfallanzeigen erstattet; 2378 Personen winden gelötet. 21 770 dauernd und 10 127 teilweise erwerbsunfähig.(Hört I hört! bei den Sozialdemokralen.) In den letzten 25 Jahren crcignelen sich infolge UcberanstrenguNg und Ermüdung usw. in den südwcstdeutschen Hütten 119000 Unfälle. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Waschgekegen. Herten sind oft in offenen zugersüllten Hallen usw. Der Metall« orBeUcvberBanb bat na�ewiesen, fcn| trotz einer Verordnung des Ministers von 1908 die Mißstände in den Walzwcrlen sorstbestehen. Der Minister sollte der Forderung nach Abschaffung der Nachtarbeit und der von Jugendlichen Rechnung tragen, denn die Zustände sind skandalös. Die Ueberivachung der Kinderschutzbestimmungen ist ein weiterer Grund für die Vermehrung der Gewerbeinspcktoren, die wegen Ueberlastung tansende Betriebe unbesichtigl lassen müssen. Tie von den Berliner Arbeitern eingesetzten Kinderschutz« kom Missionen haben bei einer einzigen Kontrolle in drei Stünden festgestellt, dasi 3695 Arbeiterkinder zum Teil lauge und schwere Arbeit leisten»uiissc», und zwar fast immer wegen schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse der Ellern. Und wie wird diese Arbeil bezahlt I Der„Vorwärts" zahlt sür das Austragen der Zeitung, die nur sechsmal wöchentlich erscheint, 6>/z Pfennige pro Blatt im Monat mehr, als das verbreitetste bürgerliche Blatt, die„ M o r g e n p o st", die dadurch etwa LStOlXTM. im Jahre profitiert. Herr Hammer fordert ein Verbot des StrcikPostcnstehcnS. Statt den Gewerkschaften mehr Schutz zu gewähren— denn die Zahl der Verurteilungen von Gewerkschaftern wegen Erpressung, begangen durch Stellung von Forderungen stclgr, es wird aber kein Unternehmer deshalb angeklagt, weil er Arbeiter auf schwarze Listen setzt; die Polizei leistet bei den Lohn- kämpfen den Unleruehmeru Handlaugcrdieiiste, fordern Sie noch mehr Unterdrückung der Gewerkschaften. Sie wollen dadurch die Arbeiter auf Gnade und Ungnade den Unternehmern ausliefern. Das ist ihr soziales Gefühl! Es sind nicht die Gewerkschaften, sondern der Kapitalismus, der den Mittel st and ruiniert. Die Statistik zeigt, dafi in den letzten zwölf Jabren die kleinere» Selb- ständigen um>/. Million abnahmen, während die Zahl der in Groß- betrieben beschäftigten Arbeiter seit 1882 um 217 Pcoz. stieg. sHörl! hört! bei den Sozialdemokraten.) Generaldirektor Rat Henau von der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft schrieb 1009:„Im Laufe eines Menschenalters hat sich eine Oligarchie gebildet, so geschloffen, wie die des alten Venedig. SM Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die Wirt- schaftlichen Geschicke des Kontinents und suchen ihre Nachfolger auS ihrer Umgebung." 35 Familien beherrschen die gesamte oberschlesische Industrie. Die Konzentration der Grotzinduftrie beherrscht unser gesamtes Wirtschaftsleben, ö Berliner Großbanken haben ein Kapital von fast 2000 M i lli o» e n M a r k. ES liegt im Wesen des von Ihnen (»ach recht«) so verhätschelten KapitaliSinuS, daS Handwerk durch die Großbetriebe zu verdrängen. Freilich bedeutet das einen Kuliursortschritt, denn die Warenproduktion wird dadurch mit immer geringerem Aufwand von Zeit ermöglicht. Es handelt sich darum, diese Eutwickelung der gesamten Menschheit nutzbar zu machen. Daß die Arbeiterschaft von dieser Eutwickelung nicht ruiniert wird, ist ausschließlich das Ber dienst der Arbeiterbewegung selbst. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Dewitz, ein Freikonservativer, hat hier selbst daS Anwachsen der großen vermögen konstatiert. Er schließt auS den Stener- tabellen. daß die großen Vermögen um so schneller wachsen, je näher sie an 2 Millionen sind. In den letzten vier Jahren habe» sich die Steuerzahler mit 30 500 bis 100 000 M. Einkommen um SIS4 auf 18 505 vermehrt. Die Herren Mittelständler hätten die Verpflichtung, hier mit unS die Konsequenz zu ziehen, daß diese Entwickelung durchaus un« gesund ist, und daß die Gewerkschaften gefördert werden , nüssen, um konstitutionelle Zustände in den Fabriken durchzusetzen und den Absolutismus der Unternehmer zu brechen. Das liegt im Interesse de? Gemeinwohl« des Staates- aber frei» lich, ein Konservativer will davon nicht« wissen. DaS„Evangelische Gcmcindeblatt sür die Lausitz" hat anerkannt, daß je mehr ein Arbeiter an seine Gewerkschaft zahlt, er v e st o mehr dem W o h b s einer Berufsgenossen und seinem eigenen dient; das müsse vorurteilsfrei anerkannt werden. Auch der Zentrnmsabgeordnete Busch sollte sich das merken.(Sehr gut I bei den Soz.) Auch der „Reichsbole" und daS Koblenzer„ZcntrumSblatt" haben die große fittlidbe Arbeit derGe werk schatten und der Sozial- demokratie anerkannt und damit gegen die Zentrums- auffassung sich ausgesprochen, daß, wer Knecht ist, Knecht bleibe» soll! Sie aber wünschen(zum Zentrum), daß Ihre Gewerk- schatten durch staatliche Bekämpfung der freien Gewerkschaften ge- fördert werden. Da die Konsumvereine die Lebenshaltung der Arbeiter heben, ist es ein soziales Verbrechen, die Konsumvereine zu schädigen, wie Sie daS durch den Autrag Hannner und das Steuergeietz.§ 15, tun wollen. Sie selbst aber gründen die größten Genossenschaften, wie der Bund der Landwirte es ist. Sie gründen Ossiziers--und Beaniten- koniumvereine und schädigen also, nach Ihrem eigenen Wort, den Mittelstand. Sie haben ja auch„mittelstaudsfreundlich" die gröbsten W u ch e r b e s ch u l d i g u n g e n gegen den Zivischenhaitdel erhoben.(Hört! hört! links.) Ihr« agrarischen Geiioiieiiichasleii ver- müteln einfach alles, so die Maichiiienaiikausszentrale der schlesischeu Landwirte in L i e g n i y, die Zentrale für Maschinen usw. in Halle, eine ähnltche Filiale in Halberstadt usf. Der national- liberale Laudtagsabgeordiieie B o i S ly hat in einer Versammlung in Hannover selbst erklärt, die ländlichen Gewerbetreibenden erklärten, sie könnten keine Hacke mehr verkaliien, alles kaufe in Halbersladt in der landwirtichafllichen Großeinkaufsgesellichaft. Und da hat Herr Hammer den Mut, gegen die Arbeiler und ihre Genosienschaflen scharf zu machen. Dabei gehen die landwirtschaftlicheii Genossen- schafte» zum größten Teile steuerfrei auS, aber die Konsum- vereine zahlten 1910 52,3 Proz. der Gesamtsteuer- s n in n, e der Genossenschaften, von denen sie noch nicht 5 Proz. ausmachen I Dieser ungeheuerliche Zu- stand muß beseitigt und entweder die Koniuingciiosienichaftcn steuerfrei geniachl oder alle Genossenschaften gleichmäßig besteuert werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Tleuerfreiheil der Arbeiterkousumvereine wäre vallauf durch den Umstand gerechtfertigt, daß selbst ein gut bezahlier„Arbeiter" mit 2000 Mark Ein- loromen seine Familie tatsächlich nicht„anständig" verpflegen und bekleiden kann. Das WohnilngSgesetz ist äußerst dringlich, daS beweisen die furchtbaren WohnungSzüstände namentlich in den Großstädlen. Wir bedauern sehr, daß da« Obligatorium sür den Fortbildungs» scvulunterricht an dem Verlangen de» Zentrums nach dem RcligionS- Unterricht gescheitert ist. Ich hoffe, daß der HaiidelSlninister sich gegen die Scharfmachcroersuchr der Abgeordneten Hammer und Rahardt tn Frage der Sonntagsruhe ablehnend verhalten wird. Möge der Minister vergesicn. daß hinler Hammer und Rahardt nur eine Minderheit dcS preußischen Volke« steht.«KS! liehen Lebens. Je mechanischer da?- Berufsleben sich heute gestaltet. um so starker macht sich der Zug zur individuellen Führung des Familienlebens geltend. Tie Hausivirtschaft ist und bleibt da? Zentrum aller Frauenarbeit. Fräulein H e i n e n. Barmen fordert, daß HauSwirtschaftslchre! schon in der achten Schulklcrffe für die Mädchen eingeführt wird, ebenfalls in der Fortbildungsschule.— Frei in v. Mirbach empfiehlt den Hausfrauen die ErAiehung der Dienstmädchen und die Aufrechterhaltung des patriarchalischen Verhältnisses.— Frau Regina Deutsch spricht ebenfalls über die Notwendigkeit der Erziehung der Dienstmädchen und erwähnt die 42 Gefindcordnungen Deutschlands, die als Ausnahmegesetze gegenüber den Dienstboten wirken und noch einen Rest früherer Leibeigenschaft darstellen. Die Frau als Arbeitgebcrin soll die soziale Einsicht besitzen, die Harten der Aesindcordnung zu vermeiden.— Dr. Ernst- München schil- dert die Entstehung und das Ziel der katholischen Dienstmädchen- vereine. Die Dienstmädchen sind als besonderer Stand zu organi- sieren, um sie berufsfreudig und arbeitseifrig zu machen. Mit dieser Tätigkeit der katholischen Dienstbotenvereine sind die Haus- frauen bis jetzt sehr zufrieden gewesen.(Das glauben wir!)— Fräulein M n e l l e r- Hannover verlangt eine einheitliche Reichs- gesindeordnung und rät den Hansfrauen, ihre soziale Ge- sinnung im Haushalt und nicht nur in Vereinen zu betätigen.— Fräulein Lischnewska- Berlin äußert sich in ber eigentlichen Problemfrage in direktem Gegensatz zur Reserentin. Die Nestaura- tionen, Pensionen usw. weisen die Richtung zum..Einküchenhans", zur vergesellschafteten Wirtschaft.— Frau Henriette Fürth redet ebenfalls dem„EinküchenhauS" das Wort; die Konsumvereine könnten durch Vorbereiten der Waren den erwerbstätigen Haus- frauen schon eine bedeutende Arbcitserleichterung schaffen. Auch sie erblickt in der HmiSwirtschaft che» höchsten Frauenberuf. Für die Dienstboten fordert sie die Reichsg e s i n d eo r dn un g.(Nicht etwa die Unterstellung unter die Gewerbeordnung!)— Frau S ta u d i n g er-5wrlSruhe empfiehlt die Konsumvereine, die nach ihrer Meinung znni sozialen Frieden führen.— Mit dieser Aussprache fand der Punkt seine Erledigung Frau Marianne Weber sprach über Tie Bewertung der Frauenarbeit. Die Reserentin will, daß allen Frauen, ganz gleich ob sie erwerbs- tätig oder nur im Haushalt beschäftigt sind, die pekuniäre Unabhängigkeit vom Manne gewährleistet wird. Zu dem Zweck soll die Gesetzgebung im Eherecht die gesetzliche Unter» haltSpslicht des Mannes dahin präzisieren, daß eS der Ehefrau ein Anrecht auf Vereinbarung sowohl eines festen Hanshal- tungsgeldcs als auch eines festen Sondergeldes für ihre persönlichen Bedürfnisse zuerkennt. Sie demonstriert z. B. die Abhängigkeit der Landarbeiterinnen, die oft nur 50 Pf. verdienen, und diese wenigen Pfennige werden nicht mal der Frau, sondern dem Manne ausbezahlt.— Dieser Vergleich rief eine Frau v. Puttkammer aus Ostpreußen auf den Plan. Sie behauptete, der Lohn der Landarbeiterinnen betrage auf ihrem Gute 1 M., der direkt den Arbeiterinnen ausbezahlt würde. Auch wüßte sie, daß der Erlös der Viehhaltungen(Schweinezucht), sowie aus dem Verkauf von Butter und Eiern direkt den Frauen zur Verfügung stehe. Als neues behauptete sie, daß eine FrauenerwcrbSarbeit von den Ein- heimischen in Ostpreußen überhaupt nicht ausgeübt wird. F-ür Frau v. Puttkammer sei die Landarbciterfrage in Ostpreußen«jx.- löst.(Große Heiterkeit.)— In der weiteren Diskussion wird der Aenderung der Ehegesetzgebung zugestimmt, weiter wird noch ge- fordert gemeinsames Versügungsrecht über das gemeinsame Ein- kommen, Erziehung der Frauen zum HauSfrauenberus, von der Fürstentochter bis zur Arbeiterin. Frau Elisabeth Gnauck-Kühne referiert über DaS weibliche Tienstjahr. Sie will, daß jedes Mädchen ein Jahn Dienst leisten soll, um in der Hcmswieftschaft unterwiesen zu tvcrdes. DaS Jahr soll abgedient ivcrden in Gemeinschaftshäusern, die sich selbst besorgen und«m Anstalten angegliedert sind, um Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Die Rekruten aus den Volks- und Mittelschulen wecben vom Staat unterhalten, die«höheren Mädchen" bestreiten ihren Unterhalt und zahlen Schulgeld. Dafür genießen sie einen vielseitigeren Unter- richt und haben höheren Ansprüchen bei der Abgangsprüfung zu genügen. Das Abgangszeugnis dient als.kleiner Befähigungs- uachtoeis", an den der Vollzug der standesamtlichen Eheschließung geknüpft sein würde. Die kurze Diskussion wurde in demselben Sinne geführt. parlamentanlches. � Die Parteien des Reichstags. Das Verzeichnis der Mitglieder des Reichstags ist nunmehr ab- geschlossen. Es gehören Abgeordnete an: der Sozialdemokratie IlO, dem Zentrum 88, den Konservativen 45, den Nationallibe- ralen 44, der Fortschrittlichen Volkspartei 41, den Polen 18, der Rcichspartei 12, Elsaß-Lothringer 9, der Wirtschaftlichen Ver. einigung 8, den Welsen ö, der Reformpartei 3, Wilde 11. Im preußischen Abgeordnetenhause haben nach dem neuesten, soeben herausgegebenen Mitglieder- Verzeichnis die Parteien folgendeStärle: Konservative Ibv, Zentrum 1l>3, Rationalliberale 65(1 Hospitant), Freikonservative 61(2 Hospitanten), Polen 15, Sozialdemokraten 6 Mitglieder; dazu kommen noch zwei Dänen und ein Bündler. Erledigt sind vier Mandate. 58 Ab- geordnete sind zugleich Reichstagsabgeordnete, und zwar 20 Kon iervative. 16 Zcntrumsabgeordnete, 7 Mitglieder der Fortschrittlichen Volkspartei, je 5 Nationalliberale und Polen, 4 Frcikonservative, 1 Sozialdemokrat. Hus der parteü Einen gewaltigen Aufschwung der Sozialdemokratie im heiligen Köln konstaiierte der Berichterstatter in der Generalversammlung des �sozialdemokratischen Vereins für Köln�Stadt und Köln-Land, die am Sonntagnachmittag im Kölner VolkShause abgehalten wurde. Der Parteisekretär, Genosse Island, machte der Ver- sammlung über den finanziellen und organisatorische; n Stand der Partei folgende allgemein interessierende Angaben: Am Schlüsse des Quartals waren 7669 Mitglieder vorhanden, darunter 824 ivetbliche. Die erfreuliche Aufwärtsbewegung der Mitgliederzahl Iiält noch an, so daß wir für den Schluß des lausenden Quartals hoffen können, die Zahl von 16 900 zu überschreiten. Im ver- flossenen Quartal sind 2785 Personen neu eingetreten. Hand in Hand mit der Erhöhung der Mitgliederzahl ging auch der Umsatz an Beitragsmarken, der eine Steigerung von 11 001 zu verzeichnen hatte. Der Umsatz an Wahlfondsmarken hat eine Steigerung von 1195 erfahren. Die Abrechnung balanciert in Einnahme und Aus- Qabc mit 28 008,75 M. Netto sind eingenommen 26 457,25 M., ausgegeben 24 749,98 M. Zur Reichstagswahl ist dies- mal eine Agitation entfaltet worden, wie bei keiner Wahldewegung zuvor. ES sind im ganzen 54 Flugblätter in einer Gesamtauflage von un. L e f ä h r einer Million unter die Wähler geworfen worden. 'Außerdem wurde in einer Gesamtauflage von 175 000 Exemplaren das Parteiblatt, die.Rheinische Zeitung", unentgelllich unter die Wähler verteilt. Diese Art der Agitation hat sich als ganz be sonders wirksam gezeigt. Sie hat noch einen Nebenerfolg ge- zeitigt, indem der.Rheinischen Zeitung" 3000 neue Abonnenten gewonnen wurden. Als charakteristisches Moment der gesunden Entwickclung der Organisation hob der Berichterstatter hervor, daß unter den neugewonnenen Mitgliedern der Prozentsatz der ge- vorenen Kölner besonders hoch ist. Wenn man berücksichtigt, daß den Rückhalt der Kölner Organisation bis in die neuere Zeit zu- gezogene Genossen gebildet haben, ist dieses Moment hoch zu veranschlagen. Poll: etliches, OencbtUches ufw. Ein Kulturbild aus Mansfeld. Aus Halle a. E. berichtet man uns: Ein Monsterprozeß. der die Zustände im Wahlkreise des Reichsparteilers Arendt recht drastisch beleuchtete, kam vor dem hiesigen Schöffen- st e r i ch t zur Verhandlung. Es klagte der Oberleutnant und Großagrarier Wendenburg, der im Kreise Mansfeld große Besitzungen hat, im Privawcrfahren gegen den Redakteur des Polksblatts", Genossen Ka sparet, wegen angeblicher Be- leidigung. Zu der Verhandlung sind über 80 Zeugen und einige Sachverständige geladen. WendenburgS Hofmeister, Aufseher usw., eiwa ein Dutzend an der Zahl, sind gegen unseren Genossen als Nebenkläger losgelassen. Der Herr Oberleutnant hat sich mit zwei Verteidigern bewaffnet und dem Genossen Kaspare! stehen die Rechtsanwälte Genosse Dr. Rosenfeld- Berlin und Dr. M ü l I e r zur Seite. In dem unter Anklage stehenden Artikel, der die Ueberschrift trägt:„Afrikanische Kultur in der Provinz Sachsen", werden die Zustände auf dem Junkersitz Schloß Secburg mit de» umliegenden Gütern Lüttchcndorf und WcrmslÄen einer Kritik unterzogen. Der Besitzer Wendenburg, hieß es in dem Artikel, sei ein Großagrarier nach dem Geschmack Knuten-Oertels. Die aus Rußland und Galizien importierten Gutssklaven würden auf den Gütern derartig mißhandelt, daß markerschütternde Schreie wahrnehmbar wären. Die Landsklaven könnten das mit Maden und Unrat durchsetzte Essen nicht genießen und drohten mit Arbeits- einstellungen. Schließlich würden die Unglücklichen bestraft und als .Aästige" Ausländer weggejagt. Die auf den Feldern beschäftigten Schulkinder bekämen Schläge, wenn sie nicht das bestimmte Pensum Arbeit lieferten. Eines Tages rotteten sich' die gequälten rutheni- scheu Arbeiter zusammen und mitzhandeltcn den Aufseher Körte derartig, daß S. infolge der erhaltenen Verletzungen starb. Zwei 'zugendliche Arbeiter wurden dann vom Schwurgericht unter Be- riicksichtigung der in Betracht kommenden MilderungSgrimde wegen Körperverletzung mit Todcserfolg zu verhältnismäßig gelinden Gefängnisstrafen verurteilt. Genosse Kasparek bot für die in dem Artikel aufgestellten Be- bauptungen den Wafirheitsbeweis an, der tn einer zehn- stündigen Beweisaufnahme ein geradezu furchtbares Bild über die Zustände auf den Gütern entrollte. So sagte unter anderem der Arbeiter Äonzareck aus, er und seine Mitarbeiter wären von den Aussehern faule Hunde und Lodderwänste genannt. Ein Arbeiter sei mit dem Schlüsselbund auf den Kopf, ein anderer mit der Faust niedergeschlagen worden. Der Herr Oberleutnant be- zeichnete die Arbeiter als Schweinehunde, weil sie sich über oas Essen beklagten, und schlug mit der Reitgerte. Arbeiter T r i c b e l bekundete, er sei von dem Oberleutnant als roter L u m p und als ein Mann mit schlechter Gesinnung bezeichnet worden, weil er, Zeuge, sich darüber beklagte, daß ein armer Polen- zunge von dem Aufseher Körle noch mißhandelt wurde. Als ein 60jährigcr Arbeiter seinen katholischen Feiertag verlangte, wurde er von den Aufsehern zur Stube hinausgejagt. Sehr interessant gestaltete sich die Vernehmung des früheren AmtsdienerS P a u st. der bei dem Oberleutnant und Ämtsvorsteher Wendenburg ziemlich drei Jahre tätig gewesen. Zeuge Paust bekundet unter dem Eide: Eines Tages mußte ich dem Oberleutnant drei oder vier Polen. die kontraktbrüchig geworden sein sollten, in die Knechtestude 'chaffen. Ich mußte die Tür zumachen, dort Pasten stehen und der Oberleutnant schlug mit� der Reitpeitsche aus die Polen loS, daß die Peitsche in Stücke flog. Dann wurden die Polen ausgewiesen und ich mußte sie nach der russischen Grenze bringen. Herr Waldenburg erklärt den Zeugen für unglaubwürdig. Der Inspektor Beckmann, der auf dem Stand- punki steht, daß aus da Gütern„auch mai" geschlagen werden muß, begründet seine Ansicht damit: Er habe einen Polenjungen mit 25 Pf. bestrafen wolle» und da habe der Junge gebeten, ihn für die 25 Pf. doch lieber zu prügeln. Der Sachverständige Dr. Mendels ohn von der Landwirtschaftskammer sagt aus, aus- ländische Arbeiter seien teurer als inländische. Infolge der Landflucht seien die Landwirte aber gezwungen, ausländische Arbeiter zu agagieren. Die weitere Beweisaufnahme ergab Kindermißbandlunga bei Feldarbeiten und Darlegungen über schlechtes Essen. Als eines Tages anrüchiges Fleisch gekocht wurde, mußte die Kochfrau die Küchenfenster öffnen, da sie den Geruch des Pökelfleisches nicht vertragen konnte.— Genosse Dr. Rosenfeld ging mit dem Oberleutnant und seinen Auf- sehern scharf inS Gericht und beantragte Kaspareks Frei- sp r e ch u ng. Genosse Kaspavek wurde aber zu 56V M. Geldstrafe verurteilt mit dem Hinweise, es sei nicht alle? erwiesen. Jugendbewegung. Ter sächsische König und seine Offiziere im Kampfe um die Jugend. In neuester Zeit bemüht sich auch die Armee unter dem Vor- trxmde der körperlichen Tüchtigmachung um die Jugend. In Wirk- lichkeit will man sie nur mit militärischem und vaterländischem" Geist erfüllen und findet kein Wort gegen die Ursache alles Uebels, die Ausbeutung der Jugendlichen durch den modernen Kapitalismus, die die körperliche Verkümmerung zur Folge hat. Am Sonnabend hatte sich eine illustre Gesellschaft im Lincke- scheu Bade in Dresden zusammengefunden. DaS Generab kommando für das 1. sächsische Armeekorps hatte dazu eingeladen. Es bezeichnete als Zweck der Veranstaltung in seinem Einladung»- schreiben„das verständnisvolle Zusammenarbeiten der für die Jugendbewegung tätigen und interessierten Persönlichkeiten aus Zivilkreisen mit Vertretern des aktiven Offizier, und Unter- offizierkorpS"....— Um die in Bayern gemachten Ersah- rungen auch für Sachsen nutzbar zu machen, hatte man ein Mit glied des bayrischen Wehrkraftvereins, Herrn Oberleutnant G i e h r l- München, veranlaßt, in den Garnisonen Dresden Leipzig und Chemnitz je einen Bortrag vor geladenem Publikum zu halten. In dem Einladungsschreiben hieß es auch „Se. Majestät der König Hot Allerhöchst sein Erscheinen zugesagt." Und da waren sie denn auch gekomma, die Herrn Offiziere, vom ältesten General bis zum jüngsta Leutnant, die Vertreter der Staats- und Stadtbehörda, der Schulen und der Kirchen. Der ganze Saal war voller Uniformen; auch zahlreiche Ossi ziere aus auswärtigen Garnisonen waren erschienen. Schließlich erschien auch der König. Der Vortragende, Oberleutnant G i eh r l, sagte u. a.: Der Jungdeutschlandbund habe im vorigen Jahre dem Kaiser in einem Telegramm die Absicht kundgegeben, den Offizier st and der Jugend dienstbar zu machen. Dies habe der bayrische Wehrkraftverein versucht. Er habe gute Erfolge zu verzeichnen Die körperliche Erziehung der städtischen Jugend müsse geföroert werden, sei doch die Tauglichkeitsziffer der Städte erschreckend gering. Zur Erreichung der Zwecke des WehrkrcfitvereinS dienen Wanderungen, Kriegs-, Bewegungs- und Pfadpfinderspiele, Vor träge. Schwimmen. Jede politische Tätigkeit und jede-Soldaten spielerei soll ausge,'chloren sein.(!) Schon Friedrich der Große habe gesagt, mit Soldataspielcrci ohne Disziplin erziehe man nur Barrikadenkämpfer.(!) Der Offizier bringe den Idealismus, mit dem die Armee im Frieden sich unermüdlich vorbereitet auf den Krieg. Damit könne er leicht und unmerklich den Geist feines Standes in die Jugend bringen.(!) Jetzt müsse mit aller Kraft daran gearbeitet werden, daß Armee und Jugend ein? werden. Heute lese man nur noch von zu großen Rüstungen, von Abrüstung und allem anderen, was gegen die Armee angeführt werde, aber nichts mebr von den glorreichen Siegen 70 und 71 und von den Heldataten unserer Krieger in Südwest. Der Zusammenschluß aller Gleichgesinnten müsse herbeigeführt werden, um eine„stramme, vaterländische und norionale Jugend- bewegung mit vaterländischem Einschlag" zu scbafien. Friedens ideen und Weltbürgertum müssen natürlich ausscheiden.(!) Schwer sei es allerdings, die geeigneten Offiziere zu gewinnen, denn der Dienst sei kein leichter, er verlange Freiwilligkeit und Idealismus, und die Sonntagnachinittage müßten geopfert werden. Der Offizier, der nicht mit einem Volksschullehrer zusammen arbeiten wolle, eigne sich nicht. In Bayern stünden heute 2000 Fortbildnngsschüler und 1000 Mittelschüler treu zur Wehrkraft- sahne. Sie lernen die Armee kennen und legen die Vorurteile ab, die, Gott sei eS geklagt, gegen die Armee im Volke bestehen. Die Zeiten seien ernst, das babe der schwüle Sommer 1911 ge zigt. Nur mit Blut und Eisen könne die Weltmachtsstellung des Deutschen Reiche? erhalten und gefördert werden. Darum müssen Schule, Kirche, Behörden und Armee zu sammenwirken, um eiu mächtige? nationales Werk zu schaffen. Man sieht, wohin die Fahrt geht. Im Grunde ist eS auf die Bekämpfung der proletarischen Jugend- Organisation und der Sozialdemokratie akge- sehen. Aber ebenso wie die bisherigen bürgerlicken, interkonfef. fionellen und konfessionellen Jugendbewegungen, die immer mehr an Bedeutung verlieren, werden auch die Herren vom Militär "keine großen Erfolge besehen können, mögen sie sich aucb noch so harmlos und wohsioollend gebärden. Die proletarischen Organisationen wollen das herarwachsende Geschlecht in� innerer und äußerer Sammlung unter Weckung des Klassengefühls und Bil- dung des Charakters zu aufgeklärten, an Körper. Wille und Geist starken Volks�ftnossen erzieha, die im Freiheit»- und Kulturkampfe der Menschheit ihren Mann zu stehen wissen. Da- mit werden sie aller Anstrengungen auch der Armee spotten, über alle Anfeindungen siegen und unsere-Jugendbewegung wird in Zukunft noch rascher vorwärts marschieren als bisher. (Senckts-Leitung. Aus dem Treiben eine« Polizeiagenten. Gegen den 21jShxigen Handlungsgehilfen Walter Vena? hatte gestern in einer mehrstündigen Sitzung unter Vorsitz des Amts- gerichtSratS Vennewitz daS Schöffengericht Berlin-Schöneberg eine recht umfangreiche Anklage wegen Betruges und Unterschlagung zu verhandeln. Der Angeklagte, der vor Gericht in einer schon mehr komischen Weise den„Verrückten" zu spielen versuchte, lernte vor einiger Zeit auf Grund einer Annonce den Kriminalschutzmann Lübeck kennen. Dieser hatte inseriert, daß er einen Rechercheur suche, der diskrete Aufträge erledigen könne. Nach einer zwischen den beiden getroffenen Verabredung sollte BcnaS für Lübeck als Agent tätig sein. Der Angeklagte begann diese eigenartige Tätig. keit damit, daß er dem L. einen gehörigen Bären aufband, indem er ihm erzählte, er sei dahinter gekommen, daß in der Nähe des Nollendorfplatzes eine geheime Nacktloge existiere, der sehr hoch- stehende Personen angehören. Als sich diese Erzählung schließlich als Schwindel entpuppte,-sei er, wie der Angeklagte vor Gericht behauptete, völlig in die Gewalt des L. geraten, der von nun an an ihm Erpressungen verübt habe. B»r Gericht mußte Lübeck selbst zugeben, daß er sich mit dem Angeklagten derart ringrlassen habe, daß er wohl sein Amt loswerden würde. Er mußte zugeben, daß er da Angeklagten aufgefordert hatte, ihm die Drosöhken- marken zu geben, als dieser wegen eine? Leidens auf Rat eine? ArzteS Spazierfahrten unternehmen mußte. Die Droschkenmarken habe er dann bei dem Polizeipräsidium eingereicht nnd die Beträge zurückerhalten.— Als der Angeklagte einmal unter dem Verdacht des Betruges festgenommen wurde, fand man bei ihm eine Brow- ningpistolc. Lübeck ging, wie er zugeben mutzte, am nächsten Tage nach dem betreffenden Polizeirevier und ließ sich die Pistole auS händigen mit der Angab«, baß. BaaS für ihn akS Agens Mkg ßei. In den einzelnen Anklagefälla. die dem Angeklagten vorgeworfen wurden, handelte eS sich um die gewöhnliche» Darlehusschwinde- leien, die dadurch begangen worden find, daß sich der Angeklagte als DahrlehnSvermittler ausgab und Gebühren für Auskünfte usw. verlangte, ohne überhaupt die Absicht gehabt zu haben. Darlehne zu geben.— Als Benas damit rechnen mutzte, daß seine Betrüge- reien entdeckt wurden, flüchtete er nach Hannover. Hier kaufte er sich einen Talar und mehrere Kränze, die er dann mit dem Talar bekleidet, auf dem städtischen Kirchhof niederlegte. Auf einem Grabe stehend hielt er dann eine Bußpredigt, so daß ein großer Auflauf auf dem Friedhof entstand. Er wurde dann schließlich als scheinbar geisteskrank festgenommen.— Zu der Verhandlung war der Gerichtsarzt Dr. Strauch als Sachverständiger geladen worden. der begutachtete, daß der Angeklagte ein stark minderwertiger Mensch sei. der jedoch stark übertreibe. Von dem Verteidiger wurde als strafmildernd geltend gemacht, daß der Angeklagte offen- bar unter dem Einflüsse des Lübeck gestanda habe. DaS Urteil lautete mit Rücksicht auf die große Anzahl der Fälle auf 7 Monate Gefängnis. Was aber wird aus dem Kriminalschntzmann Lübeck. Sein ver- urteilter Agent ist lediglich ein Typus der Polizeiagenta über- Haupt. Wieviele Unschuldige mögen auf daS Treiben solcher Leute hin verurteilt sein! Die anonymen Briefe aus dem Jnvalidenhause» die erst kürzlich die Gerichte beschäftigt hatten, lagen gestern wieder einer Beleidigungsklage zugrunde, die unter Vorntz oes Amtsrichters Hoffheinz die 149. Abteilung de? Amtsgerichts Berlin- Mitte beschäftigte. Als Angeklagte erschien die Tochter des in dem Jnvalidenhause wohnhaften Hauptmanns von Ostrowski, Fräulein Hanna v. O., während die Frau Leutnant Geest als Klägerin auftrat.— Wie schon mitgeteilt, erhielt die Familie des Leutnants Geest schon non dem Jahre 1903 ab wiederholt anonyme Karten und Briefe mit zum Teil recht obszönen Handzcichnungen. AIS Absenderin dieser Karten wurde von der jetzigen Klägerin Fräulein von Ostrowskv verdächtigt, die jedocb von Anfang an jede Täterschaft energisch in Abrede stellte. Tie gestrige Ber- Handlung vor dem Schöffengericht hatte deshalb wieder den Anstrich eines Schreibsachverständigen-Kongress es, da mit dem Gut- achten dieser Sachverständigen die ganze Beschuldigung stand oder fiel. Von den Schreibsachverständigcn Rcchnungsrat Drogolin, Frau Professor Dill-o, Rechnungsrat Altrichter und Grapbologc Langenbruch wurde ein Gutachten dahin abgegeben, daß auf Grund der voneinander völlig unabhängigen Schristenvergleichung mit aller Bestimmtheit die BcNagte als Sckireibcrin in Frage komm". Rechtsanwalt Dr. Wittkowsk» machte geltend, daß der Verdacht aufgetaucht sei, daß Frau Leutnant Geest selbst als Schreiben» der anonymen Karten in Frage komme. Diesc� habe sich dadurch interessant machen wollen. Von den Sachverständigen wurde je- doch begutachtet, dieser Verdacht sei völlig haltlos. Das Gericht kam nach längerer Beratung zu folgendem Urteil: Da? Gericht sei auf Grund eigener Prüfung zu der Ucberzeugung gekomma, daß die Angeklagte die Schreiberin sei. Da es sich um ein Gutachten von Schreibsachverständiga handle, die als anerkannte Autori- täten auf diesem Gebiete gelten, so seien jede Zweifel ausgc- schloffen. Mit Rücksickst darauf, daß durch jene anonymen Schreibe- reien die Ehre einer gutgeachtcten Dame verunglimpft worden sei, habe das Gericht gegen die Angeklagte auf 266 M. Geldstrafe erkannt._ Nepper. Daß man mit naa Bekanntschaften sehr vorsichtig sein muß, Hai der Kassierer Wilhelm Sckmidt in sehr unangenehmer Weise erfahren müssen. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts III hatte sich der Arbeiter Albert Hecht wegen Straßenraubes zu ver- antworten. Am 5. Juni v. I. mackste der in Rummelsvurg wohnhafte Kassierer Schmidt in einer Schankwirtschaft am Mariannenufer die Bekanntschast des jetzigen Angeklagten. Nachdem beide längere Zeit gekneipt hatten, wurde Schmidt redselig und plauderte aus. daß er soeben etwa 250 M. einkassiert hatte. Als beide dann auf dem Heimwege die Stralauer Allee entlang gingen, fühlte sich E. plötzlich von seinem neua Freunde festgehalten, der ihn in dem nächsten Moment zu Boden warf und ibm die Tasche mit dem Geld« atriß. Der Angeklagte fuhr mit dem Gelde nach Altona. wo er sich unter falschem N-nnen anmeldete und längere Zeit wohnte, bis er auf Grund des hinter ihm erlassenen Steckbriefes erkannt und verhaftet wurde.— Die Geschworenen billigten dem Angeklagten trotz der Schwere der Tat mildernde Umstände zu, da er bisher noch unbestraft ist. DaS Urteil lautete auf 2 Jahre Monat Gefängnis._ Sin 17jähriger AmtSanwaltSvertrcter. Der jetzt 20 Jahre alte frühere Bezirksamtsinspizient Ludwig Regner in Hersbruck ist vom Landgericht Nürnberg am 20. Dezai- ber 1911 wegen Vergehens im Amte zu einer Gesamtstrafe von Monaten Gefängnis verurteilt worden. Cr wurde im Herbst 1905 vom Bezirksamt angestellt und hauptsächlich in der Amts- anwaltschaft beschäftigt. Vereidigt wurde er— als 16 jähriger Knabe— nicht, wohl aber über seine Pflichten belehrt. AIS er 17 Jahre alt war. führte er die amtSanwaltlichen Geschäfte in Stellvertretung eines Sekretärs nahezu selbständig. Er ließ sich den gesamten Einkauf vorlegen, öffnete die Schriftstücke, versah sie mit Vermerken, verfertigte die Anklageschriften und Straf- bcfehlSanträge und legte alles dem AmtSanwalt zur Unterschrift vor. Von April 1910 bis März 1911 hat er sich eine Reihe von Unregelmäßigkeiten zuschulden kommen lassen. Er ließ eine große Anzahl der Anzeigen unbearbeitet, so daß Verjährung eintrat. Um seine Handlungsweise zu verdecken, versteckte er die Anzeigen ifcki> nahm sie teilweise mit in seine Wohnung. Um ordnungsgemäße Erledigung vorzutäuschen, fälschte er die Register. DaS Gericht bat angenommen, daß er nach dem bayerischen Beamtengesetz alS Beamter anzusehen ist, denn dieses erklärt eS für zulässig, daß die BezirkSamtssekretäre, wenn sie überlastet sind, durch die Jnzipien- ten vertreten werden können.— Die Revision des Angeklagten, der die Beamteneigenschaft bestritt, wurde am Montag vom Reichsgericht verworfen.__ ««sserstaudS-SIachrichte» der S-ndeS-mstalt stlr Gewässerkunde, mitgeteilt vorn Berjlner Setkerbureaa Sasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Jnfterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Kroffcn Franksurt arthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden Berby Magdeburg am! seit | 26. 2. 25. 2. I ein 1 cm*) - 131-i ;-44-) 214-) 402 I i 251st 1204») 144') 1104») 42 162 •45 198 151 0 +8 +11 +23 + 14 +13 +10 +110 +23 +6 +7 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Svandau-) , Rathenow-) Spree, Sprembergft Becskow Weser, Münden Minden Rhein.MaximilianSau Kaub Köln Neckar, Heiwrm« Main. Dertbetm Mosel, Trier am 1 seit 26. 2.'25. 2. cm cm 1> 220 1+58 70*) 0 74++6 98+12 86 1+2 330 356 388 222 290 182 235 251 +47 +5 +18 +36 +29 +70 +29 +8 >)+ bedeutet Wuchs,— Fall. _*) Nnterpegel.—•) Eisstand. am 25. um 12 Uhr nachlS.— i) Eisgang; höchster Wasserstand: 260 em' •) Eisgang.—«) eisfrei. Nach den Meldungen auS Sarschau ist sür die preußische Weichsel ein Steigen ungesähr bis zur'.'lususeoingshoiic zu erwarten, durch das der Abgang stehenden EiseS m den Bezirken Thorn und Eulm vermutlich bc- schlcunigt werden wird. i kvmi: au|iun fumii. vii, uu-'t. ciuuu uuycu uem cwvsut— u i-v---«uuueu iüiuo.' Lerantwortlicher Redakteurs Albert Wachs» Berlin. Kür de» JnjeratexueU veranuv.: Tb. Glocke, Berlin. Druck ll. Verlag: Vorwärti Mchoruckerei u. Ve clagSanftalt Paul Singer u. ClX, Berlin ÜW. Dr. 49. 29. Jahrgang. 3. ßfilunf des Jomiürts" ßttlinrt Jloltellstt. 28. Ifbmt 1912. Tn der Gemeindewablbeweguns befinden sich gegenwärtig eine große Anzahl Vororte und in einigen Tagen wird in verschiedenen Gemeinden bereits die Wahl vollzogen. Bei dem wachsenden Interesse, das die werktätige Bevölkerung dem kommunalpolitischen Leben entgegenbringt, haben denn auch die Kämpfe um die zur Wahl stehenden Mandate an Heftigkeit zu- genommen. Immer weiteren Schichten ist im Laufe der Zeit zum Bewußtsein gekommen, daß sich in den Ortsparlamenten ein Kampf abspielt, der mit jenen Kämpfen in den gesetzgebenden Körperschaften Aehnlichkeit hat. Wie im Landtag und Reichstag suchen die be- sitzenden Vertreter auch in den Kommunen die Politik nach ihren Interessen zu bemessen. In diesem Bestreben ist ihnen ein elendes, lediglich auf den Besitz zugeschnittenes Wahlrecht behilflich. Wenn es dennoch dem zähen Wirken der sozialdemokratischen Vertreter möglich war, im Laufe der Zeit wesentliche Verbcsserungen auf dem Gebiete des kommunalen Lebens zu erreichen, so lag dies lediglich an der Wucht der Argumente, mit denen sie immer und immer wieder die Gegner mit ihren kulturellen Forderungen bedrängten. Die Gegner machen auch diesmal wieder allenthalben verzweifelte Anstrengungen, um ein weiteres Eindringen sozialdemokratischer Ver- tretcr in das Parlament ihres Ortes zu verhindern. Es gilt daher mit aller Kraft für die Wahl der von unseren Genossen in den zahl- reichen Gemeinden aufgestellten Kandidaten tätig zu sein. » Steglitz. Keine Sonntagswahlen trotz Mehrheits- beschluß der Gemeindevertretung. Eine solch.fortschrittliche' Tat war auch zu viel erwartet von unserem Bürgermeister. Weil er aber doch wohl eingesehen hat, daß nach der alten Schablone gültige Wahlen nicht zu erreichen sind, ist er auf die Idee verfallen, Dauerwahlen anzuberaumen. Warum auch nicht; hat Berlin sein Sechs-Tage-Rennen, dann kann Berlin- Steglitz wenigstens Zwci-Tage-Gemeindewahlen haben. Das ist auch eine Attraktion. Die Wahlen der dritten Klasse finden also am Montag, den 11., und Dienstag, den 12. März, von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags-und von 8Vz Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends statt. Der e r st e Wahlbezirk, westlich der Wannscebahn, wählt im.Schloß- park', der zweite, östlich der Bahn, im.Albrechtshof'. Die dritte Klasse wählt im ganzen vier Gemeindevertreter und zwar tzer erste Bezirk einen, der zweite Bezirk drei. Den eingeschriebenen Wählern werden amtliche Auswciskarten zugestellt, die bei der Wahl vorzuzeigen, also gut aufzubewahren sind. Es sei ausdrücklich be- nierkt, daß diese Karten auch für eventuelle Stichwahlen Gültig- keit behalten. Treptow- Baumschulcnwrg. Den Bericht über ihre Tätigkeit erstalteten in einer außerordentlichen Generalversammlung des Wahl- Vereins die ausscheidenden Gemeindeverlreter. Genosse Karow schilderte ziinäcbst die Entwickelung unseres OrteS und ging dann auf die Täligkeit unserer Verireter in der Gemeinde ein. Er zeigte wie durch das Drängen derselben es auf allen Gebieten vorwärts gegangen ist. Hervorzuheben sei die Tätigkeit für das Gesundheits- und Schulwesen. Ten Anregungen unserer Genossen zufolge seien jetzt höhere Mittel für die Sepisung armer Schulkinder bereitgestellt. Eni voller Erfolg sei bei der Eingemeindungs- und Friedhofs- augelegenheit erzielt worden. Hier sei es unseren Vertretern ge- lungen, die Eingemeindung nach Rixdorf zu vereiteln und dem neüeil Gemeindefriedhof, für welchen angeblich nur Land in Glienicke zu haben ivar, in unserem Orte einen Platz zu schaffen. Genosse H a r t m a n n ergänzte noch den Bericht. Hierauf wurden die Kandidaten zur nächsten Gemcinderatswahl aufgestellt. Für den 1. Bezirk wurde, da Genosse Karow die Kandidatur seines Alters wegen ablehnte, Genosse Franz K i ß n e r aufgestellt. Für den 2. Bezirk kandidiert wieder Genosse A. G e r i s ch. Genosse Frei- gang teilte niit, daß die Wahlen am Sonntag, den 10. März, vormittags von 8 bis 12 Uhr, stattfinden und forderte die Anwesenden auf, bis dahin rege zu agitieren, damit dieser Tag uns einen vollen Sieg bringe. Pankow. Mit der Aufstellung der Kandidaten zur Gemeinde- verlrclerwabl beschäftigte sich die außerordentliche Generalversamm- lung des Wahlvcreius. Es scheiden in der dritten Abteilung vier Vertreter,*;;i Angesessener und drei Nichtangesessene, aus. Zwei Mandate ooarcn im Besitze der Sozialdemokratie und zwar wurde eins durch Genossen Hirschmcyer vertreten, derselbe hat sein Anit niedergelegt! daS andere Mandat wurde durch Genossen Brall aus- geübt, �dcc nach außerhalb verzieht. Die Versammlung stellte als Augesessencn den Genossen Eichlcr und als Nichtangesessene die Genossen Schmidt, Fengler und Gaßmann auf. Für den Bezirk I Süd kaudidiercii Fengler und Eichler, für den Bezirk II Nord Schmidt und Gaßmann. Ein Antrag, in der zweiten Klasse einen Zähl- kandidaten aufzustellen, wurde, da der Eriolg zu den Kosten in keinem Verhältnis steht, bis zur nächsten Wahl zurückgestellt. Eine längere Debatte rief ein vom Genossen Grünbcrg gestellter Antrag betreffs Errichtung eines Jugendheims für Pankow hervor. Es wurde die Erhebung eines Extrabeitrags in Erwägung ge- zogen, um ein solches Unternehmen durchzuführen. Zum Schluß wurde das Projekt dem Jugendausschuß überwiesen, in den die Genossen Mctvcö und Grünberg als Ersatz für zwei auS- geschiedene Genossen gewählt wurde». An Stelle des verzogenen Genossen Eichhorn wurde Spickcrmann als Abteilungsführcr für Nord gewählt. Bedauert wurde, daß am 23. März der Jugend- verein und der Arbeiter-Turnvercin zugleich ihr Vergnügen abhalten. Solche Fälle sollen in Zukunft vermieden werden. Der Vorsitzende, Genosse Gütig, ermahnte die Anwesenden zum Schluß, nach Möglich keil ihre Schuldigkeit zu tun, daniit unsere Kandidaten mit großer Stimmenmehrheit aus dem Kampfe hervorgehen. Petershagen. Als Kandidaten zur bevorstehenden Gemeinde vertreierwahl wurden in der Generalversammlung des Wahlvcreins für die dritte Abteilung die Genossen Herrmcrschmidt und Kranich und für die zweite Abteilung Genosse R a k o aufgestellt. Die Versammlung beschloß außerdem, eine rege Agitation für den .Vorwärts' sowie für den KirchcnauStritt zu entfalten. Zum Schluß wurden die Genossen ersucht, sich reger zu den Parteiarbeiten zur Verfügung zu stellen. Marieudorf-Südciide. Am 3. und 4. März finden hier die Neuwahlen zur Gemeindevertretung statt. Während die dritte Klasse am Sonntag wählt, wird in der ersten und zweiten Klasse die Wahl am Montag vollzogen. Der ersten Klasse gehören 47 Wähler, der zweiten Klasse 461 Wähler an. In der dritten Klasse sind 2055 Wähler vorbanden. Die 47 Wähler der ersten Klasse zahlen insgejaml 293 221.03 M. Steuern, die Wähler in der zweiten Klaffe 289 954,74 M. und die Gejamlstcuersummc der dritten Klasse betrögt 162 580,87 M. Noch interessanter sind die Gegensätze der Steuer in den einzelnen Klassen selbst. Von den 47 Wählern der ersten Klasse zahlt der erste Wähler 88 787.25 M. und der letzte darin 1841,84 M. In der zweiten ist der Höchstsatz 1818,77 M.. der niedrigste 224,23 M. Die dritte Klaffe endlich fängt mit einer Steuersumme bot» 222,10 M. an und nimmt natürlich alle weiteren Zahler in sich aüf bis zum niedrigsten Satz von 3,60 M. Jeder Wähler der ersten Klasse hat rund 62 mal soviel Recht, besser gesagt Interessen, als ein Wähler der dritten Klasse. Besser kann die ,gött- liche Weltordnung' nicht charakterisiert werden. Es zeigt sich also wch einen rauchenden Trümmerhaufen bildet, ist im Jahre 1737 erbaut worden. Das Feuer entstand dadurch. daß brennende Kohlen einen, un« dichten Osen einfielen und Holzteile im Innern der Kirche in Brana setzten. I« Eise eingebrochen. In der Nähe vo» Havelberg brachen z w e> dreizehnjährige Schüler aus Havelberg, die sich auf das morsche Eis der Havel begeben hatten, ein und er« tranken. Erst längere Zeit nach dem lliigluck konnten die Leichen der beiden Knaben geborgen werden. Zwei Monteure tödlich abgestürzt. Aus dem Gelände der Bowumer Gußstahlsabrik waren drei Monteure auf eüum 22 Meter hohen Gerüst mit Reparalurarbeiten beichästigt. Plötzlich geriet das Gerüst ins Wanken. Einer der Monteure konnte sich durch einen gewagten Sprung in Sicherheit bringen, die beide» anderen stürzte» ab und wurden auf der Stell« getötet. Ein Eifersuchtsdrama. In einem Anfalle von Eifersucht feuerte der Bäcker Habicht i» Kassel aus seine Braut zwei R e v o l v e r s ch ü i s e ab und verletzt« das Mädchen l e b e n s« gefährlich. Danach richtete er die Schußwaffe� gegen die Mutter seiner Braut und erschoß sie. Schließlich sprang Habicht aus dem vierten Stockwerk ans den Hof, wo er mit z e r- schmetterten Gliedern liegen blieb. Bereits auf dem Transport nach dem Krankenhause starb Habicht. Cmgegangene Druckrcbriftcn. Ter kranke Hanblungsgebitke in der Rechtspraxis von Dr. fttt. Mojus..Geistsges Eigentum", Charlottenburg 4. 1 M. Don C-Uizote. Herausgegeben von Will. Vesper. 3 M. M. WörikeS Lerlng. München. Tie Liga der Kontorsräulciu von Am Waegner. 2 M., geb. 2.30 M. .Süddeutsche Mouatshcjte", München. Tic lebende Leiche. Drama pon L. N. Tolstoi. Deutsch von Dr. ~~ iptlS Monatlich 60 Pf, gel). 1 M. Schulze u. Co.. Leipzig. N- He«.■ Ueberafl. III. Zeitichrist sür Heer und Marine. Hest 6. ein Heft. Biertetj. i Ä Boll u. Pickardt, Berlin ÜW. 7. Protokoll»er«erbandlnngeu des»l. Perbandsta. Bureauangeitellte« Deutschlands ISII. t&ä S- Geb. Berlin XO. 43. »ges der C. Giebel !?ob. Jeimann. Schier dreißig Jahre bist Du alt. Doch keiner von den Stolzen. Drum werde noch dreimal lo alt Und verlaus uns weiter Bolzen. 0. S. w. S. A. S. Gr. Aug W. R. H. R. Fr. Fr. Fr l. W. K. H. W Brauer. 21152 Todes-Anzeigen SözialöeniokratiseliJalilYereiD für den l. Bert. Reiehstapaiilim Bezirk 112. Am Montag, den 26. b. MS., verstarb unser Mitglied, der Korb- wacher Hermann Larl Mlttenwalder Str. l8. Ehre seinem linde» ke»? Die Beerdigung findet am TonnerStaa, den 26. d. M.. nach. mittags 3 ubr, von der Leichen- halle des Heilig-Ki euz-Kirchboses, Äariendors, Eisenacher Strafe. I aus statt. I Um rege Beteiligung ersucht 1207/10 Oer Vorstand In der Rächt zum 27. Februar eiitschlies jaust nach kurzer Krankheit mein lieber Man», mein treuer Vater, unser lieber Bruder und Schwager Robert Flafow im 69. Lebensjahre. Xlnna Flatow geb. Goldberg. Cseor«: Flatow, Rejerendar. O. 27, Dircksonstr. 4. III. Kondoieuzbes. dankend abgelehnt.! Die Beisetzung der Asche findet i am Montag, den 4. März er.. I mittags IS Uhr. von der neuen Halle des jüdischen FriedhosS in I tBeitzensee aus statt. 2806( Arbeiter-Bildungs- sebule Berlin. Am 20. d Mts. verstarb plötzlich unser langjähriges Mitglied, Mit- begründer und ehemaliger Bor, sitzender Robert Flatow. AIS eifriger Förderer der BildungSbeftrebungen war er stet« bereit, mit Rat und Tat einzugreisen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 6/6 Der Vorstand. Verband der Uranerei- und Tliihlcnarbclter und verwandter Berufagenoaeen. Ortsverwaltung Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richi. daß der Kollege, Reserve- lahrer Nispel lSpandnuer Berg) nach kurzer Krankheit am 23. Fe- binar verstorben ist. Möge ihm die Erde leicht sein! Die Beerdigung erfolgt am Mittwoch, den 28. Februar, nach- mittags S Uhr, von der Leichen- balle des neuen Luisen-Kirchhoss, Fürsteiibruimer Weg, auS stall. Rege Beteiligung erwartet 42/7 Der Vorstand. Deutscher Metaiiarbeiter-Yerbanü Verwallungaatella Barlin. Den Kallegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former �ibeft Ikandt am 26. Februar an Blutvergiftung gestorben ist Die Beerdigmig findet am TrnnerSiag. den 29. Februar, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Pauls. KirchhoseS in der Scestraße aus stall. Ferner starb am 25. Februars unser Mitglied, der Graveur pgul Kuscliniarm an HalSleiden. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. Februar, nachiniltag« 3 Ubr, von der Leichenhalle de» städtischen Zern I tral- Friedhofes in griedrichjseloe | auS statt. ttlire ihrem Slndenken! Siege Beteiligung erwartet 1 113,16 Die Ortsverwaltung. Am 20. Februar verschied nach kurzem Krankenlager mein innigst- geliebter Man», der Schnjtjetzer Ernst Weinhold im 53. Lebensjahre. Berlin. 26. Februar 1912. Jllnna Wclnhold, geb. Sckaruppe. Danksagnng. Für die liebevolle Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Manne» sage ich allen Bclelliglen, insbesondere den Kollegen und Kolleginnen der Schneiderwerke Baer u. Sohn sowie dem Wablverein und dem Schneider- Berband meinen herzlichsten Dank. Witw Anna Darkow x nebst Tochter. Statt jeder besonderen Meldung) Am 18. d. SN. starb nach kurzer Krankheit unser« geliebte Mutter und Großmutier 8srette Heinemann geb. I-evln. Berlin im Februar 1912. BlumeShos 4. Rechtsanwalt Or. Heinemann und Frau. Betty Krotoaohinergeb. Heinemann. Gera Heinemann. Die Bestallung Hut dem Wunsch der Ciiischlaseneu entsprechend in aller Stille stattgesunden. 130/20 Danksaganzr. Für die überaus zahlreiche TeU- nnbme und Kranzipenden bei der Br, erdigung meine» lieben Manne«, de» Melallichieiser» Oskar ItrUiner sage ich allen Perwandten. Freunden und Bekannten. den Genossen de» 2. Wahlkreises sowie dem Deutsche» Metallarbeiter- Verband und dem Richterscheu Gesangverein. ins- besondere dem Ches Herrn Friedrich. dem Meister und den Kollegen der Firma Kenichbrodt u.Fiiedrich meinen herzlichsten Dank. L74b Witwe Anna vrsmer. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines tiebeo Rlanues. des Arbeiter» Karl Kruger sag« allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank. Wwe. Therese Krflgaf. I Herzlichsten Dank allen Beteiligte» bei der Beerdigung unterer geliebten Tochter, Schweüor und Schwägerin äUuua Koch. 276b Bie trauernilM BislerbhebeDM. Für di« vielen Beweise herzlicher Tellnahm« und Kranzipeuden bei der Beerdizung unserer lieben Tochter ft-ida lagen wir allen Verwandten, Be- kannten und Kollegen unseren herz- iichen Dank. 270b Familie Fritz Arandt. Auma- llttd Krau;billdrrei von Kng. Meier, Waßerthorftratzr 37a. Vo» der Einäscherung meine» lieben Vaters heimgekehrt, spreche ich im Raniei, der Hinlerbiiebeueu allen Ver» wandten. Freunden. Bekannten und Kollegen snr die zahlreiche Beteiligung bei der Trauerseier und die Kranz» jvenden meinen beste» Dank aus. 2btch Kerahard Arnold Jr. Kxtra- Abteilung 1 1. Seaeb.; Berlin W.. Möhra, i- 1 StraBe37a(2. Haus von der| ierusaiener Straße). |li Ceseh: Berlin NO.. Grelle| Frankturt. Str. H5(2. Haus[ von der Andreasstrabe). [ Sehrgr.AriäVf.Iert. Kleider, I [Hute, Handschuh«, Schleier 1 eto. v. eintachslen bis zum I | hochelegant üeara z.äuüertir j niedrigen Proisen. Sos der- A bteilung: ZlatlantrrslAuuw iu 10 bis 12 Stunden. Arbeiter! Handwerker! Wollt Ihr Euch gut und billig kleiden, so laust vom Schneider und laßt den Handwerker verdienen. Anzug nach Jlfaß 40 Fertig von 21 Mark an. Ulster, Paletots, Einsegnungs-Anzüge, fertige Hosen stets am Lager. F. DfObck, Herrenschneider, Reiehenberger Str. IVB, II. Etage, am Kottbuser Tor. Wichtig für jeden Raucher! BOLERO Onnahmettellen für„Kleine flnzeigen" R Hackelbus-st. Pekdrsburger Platz 4. Gustav Vogel. Koppe» ttratze 82. R. ZÄrnaelS. Gr. Franksmier Str. loa SO. L..1»cht. Immanneikirchstr, ig Neu,,«arnimstr.«2. SV. Naumann. Rbemtberger Str. 67. F. Drapp. Stettiner Str. ML «ariMars. Sre.senhag.ner Sir. 27. I. Hönisch, Aaznr.tbkirchstr.«». Lor'Mgstr. 37. Jl. Dir». S"valid°nftr. 124. L. Tcdiand, Rubeviatzitr. 24. «arl Anders. Salztvedclerstr. 8. Lawcren». GotztowSkvitr. 22. H. Werner. S'ne.'en-uftr 72. Dnrlm. Hagriberger«tri 27. Uri"- Prinzenw.»ü F. Lehman». Kot.buier Damm 8. . Hkaui Vob«, Lausitz, r Platz it«ib. P. Horsch. Cnacluier tS. �.dtcr.hok. Karl Lchwarzl.se. Hofimannst? S llauniM halcuw««. H. Hornig. Mariemdalerftr. 13. I. »orwtUuatdc. Paul Kieuast, Räuichstv. 10. H'harlottonburx. Gustav Sdiarnvera. Seienbcmrer Sir. 1. Fried rlch-jhagen.«ruft Sverkmann. Köpenicker Sir. 18. 44riinan.„ranz Klei», Fnednchstr. 10 dohanut»thaI. Pirlickr, Kaner-Wilbewi-Dlatz 6. tziurinhocwt. Richard Kütcr. Htzdelltr 2 II lehpcuick. Emil Süifiler, Kirseriir. 6. Laden. I.icSrtcabcr«. Ltto Setkri. Wartenberallr 1. hicdcr ttchducacidc. Getzrt. Br.oer Str. 6. houavrv». SLtlbelm Jappe. Friedrich, lr. 7. «bbor-hchducrocid«. Alfred vader. Wilheiminenhofstr. 17 II. I'aukou. Ltto Stistmann, Müdlenftr. 30. Verkeinei-te yuBlitSt! LisaFetten Isdske neuester Ernte! ~:---, J.'ei','" 7.""'--■»MWititsll. OU, Kein ickendort. P.(ßurfch, Prooüuftr. 56, Laben. Vi. Heinrid,, KeckarSr. 2. Conrad. H-nnannstr. Uixdorf....__________ PHI E. Rohr, Sieasriedilr. 28"29 Rnmmelmbarg n,«o,c»t*«»4. AII-Borbagr,, 56. Schoncbcrr.«Kiihelm Baumier, Mariin-Lulher-VIr. 69 im Lade«, Spandau. Kopven. Breiiestr «storiit». f~ M Tciupvihoi SreJPtow- Wob«" Gramrnz. jueiaomu. »st olhenaec. Äulirwnnn,«tbante. 105. Schillert. Romg-Thaulei 32» H» Uii,cr»doi>t. Paul Schubert.«ilbelmSaue 26, Hos parlerr« n.«opven. Breit, str. S4. >' H-«ernfer.«lienstr. 5. hol. �ranu. Berliner S,r. 76. Laden. v. Roderl Gramen». Kielbolzstr. 412. Laden. Für Blut, KroJ t. Nerven Eiweiß-NährKeiKöLO Eiweiß NÄhr5diokolade Für üe�undeund Kranke Theater und Vergnügungen Mittwoch, 28. gebruar 1912. Mninnfl 12 Ubr. ßflt. Lpcruhau«. Sinjonie-Watin«. 81n)niiq 3 Nhr. Zirkus SnrrnjuMi. stell» n z. Äroste Cot» ilniniin 3', Ubr. SteucS Schansptelha«». Agnes Bernaucr. Anianq 3>/, Ubr. Berliner. Torquato Tusso. »IntmiB 8',', Ubr. Tcut'chcs. Jaust. 2. Teil. Aniaiiq Tl, Ubr. «gl.cpernbou». sin soiiic.konjert. «gl. Schauspielhaus. 1812. .".irlus Busch. iSala-Vorslellung. Zirkus Schuwaun. Gala'Cor- stclluiiq. Zirkus Sarrasani. Gala»Cor» siellunq. Haverland. Spezialitäteu. kliljaiia 3 Nbr. Urania. laubcustraste IHH9. Der Großgioetnei. Gastet« und die giiljwtmi: VtcueS fi. Lpcrutheater. Ge» schlössen. ßäniggräher Strah«. Die stns Franks urter. Strue« sN'an'pielliauS. Ueber unsere Srait. 2. TeU. Neues. Der liebe Augustin. «awuierspiele. itine glsiSlichc Ehe t»>.-,u,>a.»iowt-ss« Kizti. Anatol Sirsideuj. AllcS svr die Firma. Uonii'Nir Liier. Undinc. ßurfürftrnoprr. Tiestand. ItZZcftcu. Di« geschieden« Frau. tiustipielhaus. Die Dame« de» Regiments. ßiciucs. Lottchen» EcbuttStaa Ä. U. F. Eljjlcr. Hockciijo». Berliner. Groste Roiineu. Sicaes Luermcn. Eva. Schiller O. Gräfin Uta. Srtj a.«i»art»»erudnrg. ßvrih. Byrih. Arirdr.- Wild. Schauspielhau». 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Freitag, abend» 8 Uhr: ____ Kyrltn-Pyrlt«, Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ter liebe Augustin. Sonnt. B'l, Ubr: Der tidole Bauer Theater des Westen«. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Morgen v Uhr: Rienor Blut. Sonntag 3'lt Uhr: Ein Walzertraum. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abend« 8 Uhr: Alle« für die �irwa. Sibwanl in 3 Akten von M. Hcnncqnin und&. Mitchell. Für die deutsche Bübne bearbeitet von Bolten-Baeckers. Morgen u. solg.Taae:»liest.», ssirma. Sonnt., 3. 3.,3U.: iiiimm lticli um»melia Kelle- �lliavce- Thealer. 8'/, Uhr: Aus vielseitiges Cerlangen: Zapfe»»streich. Luisen-Theater. Mittwoch: Aastspiel der Komischen Oper! Der Barbier von Sevilla. Gewöhnliche Preise der Plätze. Donnerstag: Der Berichtender. lose-imie Grog« Frantsurle, Str. lifii. Abend» 8 Uhr: Napaleou vouaparte uud leine Frauen. Histor Komödie in 5 i 1 _____ mP_____ Allen von Will». Donnerstag: Napoleon Bonaparte. Eterliner Theater. Abend» 8 Uhr: Große Rosinen. IwlltliMiiMiWSinÄ Abend» 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Metropol-Itieater, Abend« 8 Uhr: Rauchen gestattet. Ois Nacht von Berlin! Groge Jahresrevue in 7 Bildern von 2ul. Freund. Mustt von C. Lolländer. In Szene geletzt vom Dir. R. Schultz. Ab 8 Uhr. Vorletzter lax! BSZSttMiMWUtll mit Beckers. Köliigstadt-Kasino. Ecke Holzmarkt- u. Alexandentraße Däglich abends 8 Uhr Thentor und Vnriet«. Auger den Spezialitäten zwei Dheaterstüde: „Dm Modell" von E. Alexander. ,,0lo letzte«oae- von D. Richter. D? CLOU" Berliner Konzert« Haus. Jlaucretr. 62 Ziramerstr. 90/91. Jt Großes Doppel-Konzert Ii! ZUIerthaler und Tegernsecr Sänger, Plattler und Jodler Ii! Anfang 8 Ubr. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen naebmittog»• Ciroß«>« Promcnndcn-Konxert bei freiem Eintritt. Neue Welta i**™* Arnold 8cholz. Hasenheide 108-114 12£2$�u 4. Hcnte Hittwoch, den Ä8. Febrnnr 1V1Ü: Bockbierfest in den bayrischen Alpen. flaute im Nauen Saal: =: Großer Ball.== Yoranxcige! Donnerstag;, den 20. 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Beschlußfassung über die Slngebote der Arbeitgeber am Ort«. Mitgliedsbuch legitimiert; ohne dasselbe sowie mit mehr alS acht- wöchentlichem Rückstand kein Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 162/16 Die OrtSverwaltnng. I.A.: A. Kotsch. Ortspppe Berlin. — System Roller«— Ortsgrnppe Berlin. Neue unentgeltliche Anfängerkurse In der leicht zn erlernenden Rollerschen Stenographie beginnen: Hontags abends 8'/, Uhr In der Backbrauerei, Berlin N., Chausseestr. 64, nahe Liesenstraße. Donnerstags abends S'/, Uhr in Berlin 0., Koohhann- straße 39 bei Knappe. Donnerstags abends 8'/, Uhr Berlin N., Drontheimer Straße 4, bei Fritsch. Freitags abends 8'/, Uhr in Moabit, in den Arminiuehallen, I�remer Straße 72/73. Die Lehrmittel kosten 2.50 M., ohne Nachzahlung. Der Kursus dauert 10 Stunden. 287/12 Anmeldungen am besten zu Beginn des Unterrichts. Zur weiteren Auskunft ist bereit Kleb. Wolf, Pankow, Nordbahnstr. 3. L Zeitungs Ausgabestellen uud Juseraten-AnnahmF. Kentmni: Albert H a b n i s ch, Rugustftr. 50. Eingang Joachimstrahe. L. HVabllrrel», W.: Gust. Schmidt, Kirchbachstr. 14. Hochparterre. S. und S�V.: Hermann Werner, Gneisenauftr. 72. 8. HValillrrels: St. Fritz, Prmzcnftr. 31, Hos rechts pari. d. D'ablbreis: Ost e n: Robert W e n g e l S, Gr. Franksurterstr. 120. — Richard H a ck c I b u s ch, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, S ü d o st e n: Paul Böhm. Lausitzerplatz 14/15. S. Wahlkreis: Leo Zucht, Immanuelkirchstr. 12(Hos). C. Wahlkreis(Koabit): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. Wedding: I. H ö n i i ch, Nazarclhkirchstrasz- 49. Kosenthaler imd Oranienhnrger Vorstadt: Wllhclm B a u m a n n, RhcinSbergerstr. 67, Laden. tüesnndbrnnnen: F. Trapp, Stettinerstr. 10. Sehiinhanscr Vorstadt: Karl Mar?, Greifenhagener Str. 27. adlershoF: Karl S ch w a rz l o s e, Hossmannstr. 9. �It-tiiienieke: Wilhelm Dürre, Köpenickerstr. 6. Itannisehnleniveg: H. Hornig, Marienthalcrstr. 13, I. Kernan. 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Hessberg, KaulSdors, Ferdinand« strasse 17. ltllariendorf: August Leip, Ebausseestr. 296, Hos. IKarienfelde: Emil W e i n e r t, Dorsstr. 14. Xenenhagen: Gustav L e h, Woltcrsliassc. Xieder-Scbünewelde: Gehrt, Britzerstr. 6. Xowawes: Wilhelm I a v P e, Friedrichstr. 7. Obcr-Schüneweidc: Alfred Bader, Wilhelmincnhosstr. 17 II. Fankow-X'icderschönhausen: R i ss m a n n, Mühlenstr. 30. Itciniokcndorf- Ost, Wilhelmsruh und Scbönhols: P. G u r s ch, Provinzslr. 56, Laden. Diedorf: M. Heinrich, Neckarstr. 2, im Laden; Rohr, Siegfried- strasse 28/29. Knninielsburg, Boxhagen:A. Rosenkranz, Alt-Boxhagen 56. Scliiineberg: Wilhelm Bäumt er, Martin Luthcrstr. 69, im Laden. Span, lau, Xonncndaniin, Staaken, Seegefeld und Fdlkenhagen: K ö p p e n, Brcitestr. 64. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannsinst, llermsdorf und Keinlckendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuichstrasse 10. Teltow: Wilbelm Bonow, Teltow, Berliner Str. 16. Tempelbof: F r a n tz, Berliner Strasse 76, Laden. Treptow: Rod. 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In der schweren Zeit der Verfolgungen, die viel Not und Elend unter die geächteten Genossen brachte, hat Flatow so manchen Gehetzten auch materiell geholfen und manche» Elend gelindert. Die Genossen im 4. Kreise stellten Robert Flatow Ende der 80er Jahre als Kandidaten zur Stadtverordnetenversammlung auf. In den letzten Jahren hatte Flatow die paar alten Genossen au» der Bewegung unter dem Ausnahmegesetz um sich versammelt, um an den Winterabenden alte Erinnerungen auszutauschen. Und wenn so ein Veteran für immer von uns ging, so war er sofort dabei, uns, die wir die nicht angenehme Aufgabe hatten, einen Nach- ruf zu schreiben, mit Daten ans dein Leben des verstorbenen Partei- freundes zu versehen. Nun hat auch er die Augen geschlossen. Ein braver, treuer Kamerad, der bis zum letzten Atemzuge der Partei gehörte. Alle. die den Verstorbenen kannten, vor allem die Genossen im vierten Wahlkreise, werden dein alten Flatow ein gute» Andenken bewahren. Wie wir hören, hat Flatow bestimmt, eingeäschert zu werden. Die Einäscherung soll in Dresden erfolgen. Wer ist die Tote? Aus dem Landwehrkanal wurde gestern nachmittag um 3 Uhr vor dem Hause Charlottenburger Ufer 53 die Leiche einer Frauensperson gelandet, deren Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte. Die Tote ist ungefähr 18 bis 20 Jahre alt'und 1.30 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und trug einen blauen Rock, eine schwarz und weiß gestreifte Bluse, schwarze Strümpfe und schwarze Schnalleitschuhe. Die Leiche wurde nach der Halle in Charlottenburg gebracht. Das erste FriihlingSgewitter ging gestern nachmittag vor 3 Uhr im Südosten Berlins nieder. Nachdem es gegen 1 Uhr im Westen etwas gegrollt hatte, trat ein platzregenartiger Niederschlag ein. Zwei Stunden später entlud sich dann, von Norden herkommend, unter ebenso hefiigeu Negenerscheinungen ein regelrechtes Gewitter, das eine Viertelstunde lang anhielt. Die Entladungen waren in der Ge- gend des Müggelsees zum Teil ziemlich stark. Dort war der Regen, der sich im Laufe des Nachmittags noch mehrmals wiederholte und von einem Hefligen au» Südwesten kommenden Sturmwind begleitet war, sogar mit Hagelkörnern vermischt. Das Opfer einer Leuchtgasvergiftnng wurde Montag abend die 20 Jahre alte Ziseleurfrau Emma Israel, geborene Blanken- selb, aus der Schwedter Straße 77, mit ihrem 3 Monate alten Töchterchen Charlotte. Die junge Frau, die Tochter eines Hand- werksmeisters aus Werneuchen, war mit ihrem 25 Jahre alten Manne Otto Israel seit 1)4 Jahren verheiratet. Wie alle Haus- genossen bekunden, lebte das Paar in bester Eintracht und in aus- kömmlichcn Verhältnissen, weil der Mann stets lohnende Arbeit hatte. Montag abend war Israel bei feine» Eltern in der Zede- nicker Straße, um ihnen bei einigen Hausarbeiten zu helfen. Als er gegen Mitternacht heimkehrte, fand er sein ganzes Familien- glück jäh vernichtet. In der mit Gas angefüllten Stube der im zweiten Stock gelegenen Wohnung lag seine junge Frau in den Kleidern auf dem Fußboden und das Kind im Hemd und Unterrock iin Bett. Beide waren tot. Der verzweifelte Mann schlug Lärm, und Hausgenossen, bei denen das junge Paar in bestem Ansehen stand, eilten, einen Arzt zu holen. Dieser aber konnte nicht mehr helfen. Er konnte nur noch feststellen, daß Mutter und Kind wohl schon fünf Stunden tot waren. Der Befund ergab, daß der Hahn der Gasampel aufgedreht war. Nach der ganzen Lage muß arme- nommen werden, daß irgendein Zufall oder vielleicht auch eine llu- Vorsichtigkeit das Unglück verschuldet hat. Die beiden Leichen wur- den von der Revierpolizei beschlagnahmt und nach dem SchauhcWse gebracht. Ausnahmen von bcr Borschrift des 8 IZkKi der Gcwcrbeori» nung über Mindeste, ihezeit und Mittagspause der Angestellten für das Jahr 1912. Auf Grund des tj 139d Ziffer 3 der Gewerbeordnung sowie unter Bezugnahme auf Ziffer V der landcspolizeilichcn Anordnung vom 10. Ottober 1908, betreffend den Achtuhr-Laden- schluß, hat dcr Polizeipräsident nach Anhörung der Gemeinde- behörde und von Vertretungen dcr beteiligten Geschäftsinhaber und Angestellten für den Ortspylizeibezirk Berlin die Bestiitinittttgen des§ 139c der Gewerbeordming über die den Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern in offenen Verkaufsstellen und den dazu gehörigen Schreibstuben(Kontoren) und Lager- räumen zu gewährende Mindcstruhezeit und Mittagspause für folgende Tage des Jahres 1912 außer Anwendung gesetzt: 1, B e i den B l u m e n h a n d l u n g e n für den 4. April, 19., 21., 22. und 23. November, 23., 30. und 31. De- zembcr 1912. 2. Bei den Spielwaren Handlungen für den 3. bis 7., 9. bis 14., 13. bis 21. und 23. Dezember 1912. 3. Bei den Buchhandlungen für den 9. bis 14., 13. bis 21. und 23. Dezember 1912. 4. Bei allen übrigen offenen Verkaufsstellen für den 3. April(Sonnabend vor Ostern), 25. Mai(Sonnabend vor Pfingsten), 13. bis 21. und 23. Dezember. A u s n a h m e t a g e mit N e u n n h r- L a d c n s ch l u ß. Unter Bezugnahme auf oben erwähnte landespolizcilichc Anordnung über den Achtuhr-Ladenschluß in der Fassung des Nachtrags vom 28. Ja- nuar 1910 wird hiermit für den Ortspolizeibezirk Berlin bestimmt, daß im Jahre 1912 alle offenen V e r k a u f s st e l l e n am 13. bis 20. und 23. Dezember für den geschäftlichen Verkehr bis 9 Uhr abends geöffnet sein dürfen. Bei der für alle Sonnabende bereit» nach Nr. 1 der Achtuhr-Ladenschluß-Anordnung bestehenden Ausnahme(Ncunuhr-Ladenschluß) behält es sein Bewenden. Ein Unfall ereignete sich gestern früh 8 Uhr in dcr R. E.-G. in der Brunncnstraße. In der Abteilung Kleinmotorenfabrik sind seit einiger Zeit weibliche Arbeitskräfte auch in der Stanzerei beschäftigt. Diese Arbeit ist aber für weibliches Personal nicht geeignet, weil der beim Stanzen erzeugte Abfall von Blech den vor der Stanze sitzenden weiblichen Personen n»f die Kleider fällt und sich mit der Zeit so anhäuft, daß die Handhabung des Hebels sehr beeinträchtigt wird. So kam es, daß. als gestern morgen die Arbeiterin Anna Röhl an der Stanze beschäftigt war, sie sich die linke Hand buch- stäblich wegsianzte. Die VedanernSwerle wurde sofort nach dein Lazarnskrankenhniise gebracht. Uns wird berichtet, daß die Arbeiter dieser Ableilung die Borgesetzten wiederholt auf diese Gefahren auf- merlsam gemacht hätten, leider aber ohne Erfolg. Ein Opfer Jies Straßenverkehrs wurde Montag nachmittag der 3 Jahre alte Sohn Max des Schuhmachcrmeistcrs Emil Köppen etil» dcr Löwestraße 30. Der Knabe begleitete einen Schlafburschen seines Vaters, dcr mit einem Handwagen aus der Köpenicker Straße Bretter holte. Als er. neben dem bcladenen Wagen her- gehend, auf dem Rückwege über die Schillingsbrücke kam, wurde er von einem Omnibus der Linie 13 umgestoßen und kam so un- glücklich zu liegen, daß ein Hinterrad über ihn hinwegging und ihm die Brust eindrückte. Der Unglückliche'wurde nach der Hilfs- wache in dcr Mariannenstraße gebracht, war aber schon tot, als man dort mit ihm ankam. Wen die Schuld trifft, läßt sich bei dem sehr regen Verkehr, der um die Unglückszcit, gegen 3 Uhr abends, auf dcr Brücke herrscht, nicht leicht sagen. Zeuge» gesucht. Passanten, welche gesehen haben, wie am Sonntag, den 18. Februar, nachmittag» zwischen 2 und 3 Uhr, vor den Häusern Birkenste. 45 und 43(Ecke Wilhelmshavener Straße ein Herr verunglückte, so daß derselbe nach dem Krankenhause gc bracht werden mußte, werden geboten, ihre Adressen bei Boß, Perle- berger Straße 43, abzugeben. Seinen Wochenlnhn verloren hat am Sonnabendabend lli7 Nhr ein Arbeiter auf dem Bahnhof Uorckstraße. Das Geld befand sich in einem schwarzen Portemonnaie, daS auch noch eine Wochenkarte auf Grosi-Lichterfelde-Ost lautend enthielt. Der Finder des Geldes wird gebeten, Mitteilung an Paul Dehnst, Lankwitz, Seydlitzstr. 12, gelangen zu lassen. Verloren wurde am Sonnabend, den 24. b. M., im Neuen Volks Theater, Köpenicker Str. 68, ein Damen-Portemonnaie mit Geld- inhalt, einer Wertmarke und einem Sicherheitsschlüsiel. Abzugeben bei Ballaschke, Stettiner Str. 10, v. 3 Tr. Vorort- l�admcbtem Schöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurden die zurückgestellten Petitionen verhandelt und ganz besonders die des Landmessers Schmidt, der vor ungefähr drei Jahren angeblich zu Unrecht entlassen sein soll und der seitdem in Petitionen um seine Wiedereinstellung ersucht. Der Referent Michalski(Lib Fraktion) betonte, daß eine Zeitlang dem Petenten ein günstiger Wind geweht habe, der jedoch scheinbar wieder umgeschlagen sei, sonst hätte man ihn schon eingestellt. Jetzt sei Schmidt derartig mürbe gemacht, daß er selbst mit einer Botenstelle zufrieden wäre. In der Diskussion traten die Genossen Obst und Bernstein für die Wiedereinstellung des Petenten ein, während Oberbürger- meister Dominikus erklärte, daß der Magistrat nicht ge- willt sei, Schmidt wieder in städtische Dienste zu nehmen, es soll versucht werden, im Privatdienst für den Betreffenden etwas zu tun. Die Petition soll zur Erwägung überwiesen werden. Die Schöneberger Marktstandinhaber petitionierten um Aufhebung der städtischen Fischhalle. Der Ausschuß empfahl Ablehnung. G o t � t h e i n e r sfortschr.-komm. Fraktion) meinte, die städtische Fisch Halle sei weiter nichts als eine Verkaufsstelle der Hochseefischerei- reeder, aber keine soziale Einrichtung. Außer Fischen würden dort auch Bücklinge und Heringe verkauft und das bedeute eine Kon- kurrenz der Standinhaber.— Stadtrat Bergmann hält diese Einrichtung, die in städtischer Regie betrieben wird, wohl für eine soziale Einrichtung, die sich bis jetzt gut bewährt habe; wenn die Arbeiterkreise sich so wenig darum bekümmern, dann sei es deren eigenes Verschulden. Der Ausschußantrag wurde angenommen. Die Händler mit Posamenten und Kurzwaren petitionierten, ihnen den Handel auf den Märkten weiter zu gestatten. Genosie Petersen berichtete, daß der Polizeipräsident verlangt, daß dieser Handel vom Markt verschwindet, da derselbe den Verkehr hindere. Dieses Ansinnen der Polizei müsie streng zurückgewiesen werden, denn der Handel mit Posamentenwaren sei für den Markt ein Bedürfnis und hindere den Verkehr nicht im geringsten. wird daher beantragt, der Magistrat möge Schritte einleiten, um den Händlern daS Verbleiben auf dem Markt weiter zu gestatten. Stadtrat Bartel versprach den Versuch zu machen, diese Polizei liche Verfügung rückgängig zu machen.— Genosse Bernstein hält die Verfügung für eine Härte, die an den beschränkten Unter- tanenverstand gerichtet sei und ganz energisch zurückgewiesen wer- den müsse. Es sei bedauerlich, daß keine Instanz vorhanden sei, die den Polizeipräsidenten rektifiziert. Dem Antrage des Peti tionsausschusses wurde zugestimmt. Die sozialdemokratische Fraktion hatte vor einiger Zeit beantragt, die Verwendung von Bleiweitz bei Malerarbeiten auszuschließen. Die Hochbaudeputation hat nunmehr Gutachten von einigen größeren Malerfirmen eingefordert. Einen Ersatz für Bleiweiß gibt es nicht und nur für Innenflächen könnte beim Anstrich in gedeckten Räumen vielleicht Zinkweiß, Litophon oder Diamantweiß als Ersatz verwendet werden, bei Außenflächen be währt sich nur Bleiweiß. Die Hochbaudeputation hat trotzdem be- schlössen in den Verträgen mit Unternehmern festzulegen, bei Aus> führungen von Malerarbeiten die Verwendung von Bleiweiß zu verbieten. Nach zwei Jahren soll nochmals geprüft werden, ob der Beschlutz zu Unzuträglichkeiten geführt habe. Genosse M a n a n meinte, der Schutz der Arbeiter sei das Wichtigste nnd da müsse sofort geholfen und nicht erst die Erfahrungen anderer Ge> meinden abgewartet werden. Stadtrat R a b n o w betonte, daß Bleiweitzfarben vermieden werden müßten, insbesondere sei auf Reinlichkeit zu achten. Genosse Hoffmann bemängelte es, daß gerade während der Beratung dieses Punktes die große Mehr- zahl der bürgerlichen Stadtverordneten durch Privatgespräche und durch die dadurch hervorgerufene Unruhe die Verhandlung störten. Zur Sache selbst bemerkt Redner, daß die Gelegenheit zum Reini- gen nicht immer vorhanden wäre, auch brächte es das Akkordsystem mit sich, daß verschiedenes unterbleibe.— Der Vorsteher Gras v. Matuschka wies den Vorwurf, daß die Mehrheit der Ver- treter mangelhaftes Interesse bei der Verhandlung zeigt, ent- schieden zurück.— Genosse K ü t e r hielt den von Hoffmann er- hobenen Vorwurf gegen die Versammlungsstörer für durchaus be- rechtigt und meinte weiter, daß die Reinlichkeit wohl viel beitrage, dagegen sei das schlimmste Uebel das Einatmen der Giftstoffe; darum müßten alle gifthaltigen Farben ausgeschaltet werden. Ferner wurde dem zweiten Ausbau des Pumpwerks zugestimmt. Nunmehr gelangten der Etat der Desinsektwnsanstalt, Wohlfahrts- pflege, Volksbadeanstalt, Volksbücherei, Arbeitsamt, Unterkunfts- räum, Rechtsauskunftssielle, Stiftungen, Freibank, Volksunterhal. tungsabende, Gärtnerei, Grundstücks-, Armen-, Beleuchtungswesen und Untergrundbahn zur Besprechung. Stadtverordneter Zobel lLib.) wies hierbei die von dem konservativen Landtagsabgeordneten Hammer im Landtage erhobene Anschuldigung, in Schöneberg stände an der Spitze des Arbeitsamtes ein Sozialdemokrat, als un- wahre Behauptung zurück. Richtig sei nur, daß der frühere sozial- demokratische Stadtverordnete D ä u m i g als Arbeitslosenver- mittler mit vierwöchentlicher Kündigung eingestellt sei. Dem schloß sich auch Genosse Bernstein an. Gegen die Erklärung des Ministers, daß, wenn die Behauptung zu Recht bestände, der Stadt Schöneberg dann kein Staatszuschutz gewährt werden dürfe, müsse unter allen Umständen Verwahrung eingelegt werden. Nicht auf die Gesinnung, sondern auf die Befähigung komme es an. Damit wurden die Einzeletats in zweiter Lesung en bloc angenommen. Hierauf wurde der Bericht des Ausschusses über Verpachtung der städtischen Ländereien entgegengenommen. Genosse Hoff- mann als Referent berichtete, daß der frühere Stadtverordnete Schellack Generalpäckter der Ländereien war und daß über die Neuverpachtung anderweitige Bestimmungen getroffen werden sollen. Es sei die Abficht vorhanden gewesen, ein Komitee zu bilden unter dem Vorsitz des Stadtrats Rabnow, das von der Stadt Land pachtet und zu wohltätigen Zwecken weiterverpachtet. Nun- mehr habe sich das Komitee gebildet. Dabei besteht die Befürchtung, daß die organisierte Arbeiterschaft ausgeschaltet werden soll. Der Ausschutz empfehle daher, Ländereien, die von der Stadt verpachtet werden, in eigene Regie zu verpachten und nicht an General- Pächter, die sich von den Unterpächtern nach Belieben Pacht zahlen lassen. Stadtrat Rabnow erklärte, daß sich ein Komitee nam- haftcr Männer gebildet habe und bereit sei, zum Selbstkostenpreise auch unentgeltlich an die Leute abzugeben, die der Fürsorgestelle unterstehen. Der Vertrag ist mit der Grundeigentumsdeputation geschlossen und rechtskräftig. Peine(Lib.) wünschte, daß dieses Komitee aus den verschiedenen Fraktionen besetzt sein müßte, damit alle mitarbeiten könnten.— Küter(Soz.) ist der Ansicht, daß die jetzige Zusammensetzung des Komitees keine Garantien biete und daß eine paritätische Besetzung nur das Richtige sein könnte. Die organisierte Arbeiterschaft müsse ebensalls vertreten sein.— Nunmehr wurde der Antrag, die Angelegenheit an den Ausschuß zurückzuverweisen, angenommen. Hierauf folgte eine geheime Sitzung. Wilmersdorf-Halcusee. Terraingeseltschaft und Kirchengemeinde. Der bemerkenswerte Fall, daß eine Stadtgemeinde auch bei einem Kirchenbau auf ihre Kosten kommt, hat sich in Wilmersdorf ereignet. Hier besitzt die Terraingesellschoft Berlin-Südwest südlich der Ringbahn ein großes, zum wesentlichen noch unbebautes Gelände. Wahr« scheinlich um einem religiösem Drange zu genügen, hat die Gesell- schast von ihrem Terrain der katholischen Kirchengemeinde zu Steglitz, zu der in kirchlicher Hinsicht auch der südliche Teil von Wilmersdorf gehört, ko st en fr ei ein Grundstück überantwortet, damit darauf eine Kirche erbaut werde. In diese fromme Handlung batte die Stadtgemeinde Wilmersdorf mit profaner Hand einzugreifen, und zwar zum wesentlichen, weil die Angelegenheit mit einer Aenderung des städtischen Bebauungsplan? verknüpft war. Ursprünglich war hier in der Wetzlarer Straße nur ein einfacher Straßenzug vor- gesehen, der durch die Schenkung zu einem freien Platz erweitert wird. Dafür, daß die Stadt auf dem Platze Ziersträucher pflanzt, hat die Kirchengemeinde 3000 Mark zu zahlen; weiter entrichtet sie dafür, daß durch die Erweiterung des Straßenzuges zu einem Platze erhöhte Beleuchtungs- kosten entstehen, 1500 M. als Abfindung. Den Bürgersteig um die Kirche hat die Kirchengemeinde auf ihre Kosten anzulegen und zu unterhalten; weiter haftet sie für alle Kosten, die nach Befinden der Stadt etwa infolge einer aus Anlaß des Baues notwendig ge- wordenen Verlegung der Kanalisationsröhren entstehen könnten. Auch sichert die Stadt sich auf die künstlerische Ausgestaltung des Kirchenbaues wie der anderen Gebäude in dessen Umgebung den nötigen Einfluß. Gen.S ch r ö d e r hatte der Stadtverordnetenversamm- lung die Angelegenheit als Berichterstatter vorzutragen. Er sprach den Wunsch aus, daß die Terraingesellschaft, die hier an einer Kirchengemeinde überaus freigebig handle, auch der Stadtgemeinde entgegenkommen möge, wenn diese etwa einmal in die Loge käme, an die Gesellschaft mit Forderungen heranzutreten. Hausbesitzer und Wochenmärkte. In einer besonderen Vorlage hatte der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung empfohlen, die Gebührenordnung für die Erhebung von Standgeld auf den Wochenmärkten aus formalen Gründen zu ändern. Der alte Tarif datiert von dem Jahre 1889; und das bisher erhobene Standgeld ist vom Magistrat auch in der neuen Ordnung angesetzt worden. Es sind danach für jedes Quadratmeter markttäglich 10 Pf., für Stände der Händler mit lebenden Fischen hingegen 12 Pf. zu zahlen. !>ie Beibehaltung der bisherigen Sätze war vor allem dem auf Rettung des Mittelstandes bedachten Stadtverordneten Lehmann nicht recht. Zugunsten der seßhaften Händler und der Hausbesitzer verlangte er, daß die Gebührensätze verdoppelt werden sollten; auch war sein Wunsch, daß die Stadt einem Generalpächter die Wochen- märkte zur Ausnutzung überlassen möge. Um seinen Forderungen Nachdruck zu geben, wies der Herr darauf hin, daß der Gebühren- satz von 20 Pf. in S ch ö n e b e r g erhoben wird, wohingegen C h a r- l o t t e n b u r g die Verpachtung der Märkte eingeführt hat. In einem Ausschuß, dem man die Angelegenheit überwiesen hatte, ge- lang es, die Mehrheit für die Beibehaltung der Magistratsvorlage zu bestimmen, und auch das Plenum der Stadtverordnetenversamm- lung stimmte in der letzten Sitzung gegen eine erhebliche Minder- heit der Vorlage zu. Zu ihren Gunsten war besonders von sozial- demokratischer Seite hervorgehoben worden, daß die Stadt sich bei der Regie bestimmt besser stehen werde als bei einer Verpachtung, daß aber eine Erhöhung der Standgelder in der gegenwärtigen Zeit der Lebensmittelteuerung einen schlimmen Eindruck machen und den Ruf der Stadt beträchtlich schadigen werde. Tempelhof. Eine erfreuliche Entwickelnng der Organisation zeigt der Bericht, der in der letzten Generalversammlung des Wahlvereins gegeben wurde. Danach stieg die Mitgliederzahl im letzten Halbjahr von 400 auf ölö, darunter befinden sich 56 weibliche Mitglieder. Die Abonnentenzahl des.Vorwärts" stieg in der Berichtszeit von 483 auf 678. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 569,96 M. und eine Ausgabe von 520,53 M. auf. An den Kreis abgeliefert wurden 373,30 M. Als Delegierte zur Kreisgeneraloersammlung wurden die Genossen Ewald, Kiehn und Jrrgang, zur Verbands Versammlung von Groß-Berlin die Genossen Ewald, Schmidt und Naumann gewählt. In die Landagitationskommisfion wählte die Versammlung die Genossen Thiemert, Grabert, Arnold, Jrrgang, Blitzlager, Schüler, Schmidt und Jache, Als Vertreter zur Ge- meindewahl sollen die Genossen Ewald und Kiehn kandidieren. Groh-Lichterfelde. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung beschäftigte Haupt- sächlich der Rechnungsabschluß über das Rieselgul Werben pro 1910 die Versammlung. Das Ergebnis des Abschlusses ist ein Verhältnis- mäßig ungünstiges; der Zuschuß, den die Gemeinde zu leisten hat, beträgt 8546 M. Verschiedene Redner führten die Ursache dieses ungünstigen Resultats auf die neue, aber unzweckmäßige DeWirt 'chaflung zurück, was jedoch vom Gemeindevorstand als unzutreffend bezeichnet wurde. Gemeindevertreter I a e g e r glaubte auch diesmal wieder mit dem Vorschlage der Verpachtung des Gutes der Misere ür die Zukunft aus dem Wege gehen zu können, während Gemeinde Vorsteher Schulz mit Recht eine solche Verpachtung als nicht im Interesse der Gemeinde liegend erachtete. Nach einer fast endlosen Diskussion wurde die Jahresrechnung genehmigt. Im Etat pro 1912/13 glänzt wieder eine Summe von nahezu einer halben Million Mark, die die Herren Grundbesitzer an die Gemeinde für Pflaster rungen schulden, die sie aber weder bezahlen noch verzinsen. Von den sozialdemokratischen Kandidaten wurde bei jeder Gelegenheit in Versammlungen und Flugblättern auf diese Mißstände hingewiesen und kategorisch verlangt, daß endlich diese im Interesse der Grund besitzer bestehende Mißwirtschaft beseitigt werde. Jetzt ist selbst einem Gemeindevenreter die Geschichte zu bunt geworden, er verlangte, daß gegen ene Eigentümer, welche die Gemeinde in einer solchen Weise ausnützen vorgegangen werden solle. Aber er kam schlecht an. Es fand sich in der ganzen Gemeindevertretung nicht einer, der ihm zustimmte oder sich über die Sache überhaupt äußerte. Beschlossen wurde die Aufnahme eines vorübergehenden Darlehns von 300 000 M. bei der Kreissparkasse.— Eine Reihe von Einsprüchen gegen die Gemeinde� Wählerliste wurden als berechtigt anerkannt und die Aufnahme der Beschwerdeführer in die Liste beschlossen. Es handelt sich in den meisten Fällen um Chambregarnisten, die wegen Unselbständigkeit nicht eingetragen waren. Zum Schluß wurde der dringliche Antrag eingebracht und angenommen, schleunigst in einer Petition an die Regierung die Verleihung der Stadtrechie zu verlangen. Wildau-Hoherlehine. Der Voranschlag der Gemeinde, der der letzten Gemeinde- Vertretersitzung vorlag, schließt in Einnahme und Ausgabe für das Rechnungsjahr 1912 mit 155 000 M. gegen 176 500 M. im Vorjahre ob. Die Einnahmen setzen sich in den Hauptkapiteln wie folgt zu- stimmen: GaSverkauf 16 000 M.(12 500 M.). Badeanstalt 870 M., Gemeindesteuern: a) direkte 109 400 M.(116 075 M.), b) indirekte 775 M.(6682 M.), Schulverwaltuug 9514 M.(6863 M,), Bestand aus dem Jahre 1911 18 000 M,(20 000 M.). Die Ausgaben be- laufen sich unter anderem für die Gemeindeverwaltung auf 11 857,50 M.<11 212,50 M.), Kosten für Amts- und Standesamts- Verwaltung 7000 M.(5388,80 M.), Wegebau und Unterhaltung 6630 M.<6250 M.), Unterhaltung der Volksschule, Fortbildungs- chule und Volksbibliothek 60171,53 M.<50 230,24 M,), Verzinsung und Tilgung der Gemeindeschulden 9918,69 M.(16 694.91 SB.), Armenverwaltung 2150 M.(1750 SB.), Kreissteuern 27 659,14 M. (28 500 SB.), Badeanstalt 950 SB.(im Vorjahre neuerbaut 14 000 M,). ür geliefertes Gas von Königs- Wusterhausen 14 040 M., insgemein und zur Abrundung 14 079 M,(14 454 M.) Zur Deckung werden erhoben als Zuschläge: zur Einkommensteuer 00 Proz., Gewerbesteuer 200 Proz., Grund- und Gebäudesteuer ' pro Tausend, Betriebssteuer 100 Proz. Für die in Aussicht ge- nommene Pflasterung der 2020 Meter langen, durch den Ortsteil Wildau führenden Cdaussee ist im diesjährigen Etat nichts eingesetzt, es sollen die hierfür nötig werdenden Ausgaben durch eine besondere Anleihe gedeckt werden.— Zu Punkt 2 waren einige Einsprüche gegen die Richtigkeit der Gemeindewählerliste eingegangen. Auf Antrag des Genossen Tänzer wurden dieselben als berechtigt an- erkannt. Der mit dem Kreise abzuschließende Vertrag zwecks lieber- nähme der durch Wildau führenden Chaussee wurde nochmals durch beraten nnd dem Gemeindeborsteher aufgegeben, die Erledigung dieser Sache etwas zu beschleunigen. Ferner wurde ein Ortsstatut beireffend die Entschädigung sür Hilfeleistung bei Bränden angenommen. Der Landrat soll außerdem ersucht werden, die am Orte bestehende Freiwillige Feuerwehr der Firma Schwartzkopff als den polizeilichen Vorschriften genügend anzuerkennen; es braucht dann die am Orte bestehende Pflichifeuerwehr bei Bränden nach außerhalb nicht mehr auszurücken. Hierauf teilte der Gemeindevorsteher mit, daß die im Ortsteil Hoherlehme befindliche Schule auf Veranlassung der Ortsschul« inspektion von einer Halbtagsschule in eine Ganztagsschule um- gewandelt werden soll. Die Vertretung ist sich darüber einig, daß diese Schule den kulturellen sowie hygienischen Ansprüchen in keiner Weise entspricht und trägt sich damit, für diesen Ortsteil eine den heutigen Verhältnissen entsprechende Schule zu erbauen; bis zur Vollendung derselben sollen die Kinder möglichst der siebenklassigcn ausgebauten Schule in Wildau zugeführt werden. NowaweS. Die Gemeindegärtnerei in der Goethestraße konnte laut dem von der Gemeinde gegebenen Verwaltungsbericht für das Jahr 1910/11 auch in diesem Berichtsjahr aus eigenen Einnahmen unterhalten werden. Sie dient in der Hauptsache der Anzucht von Blumen und Pflanzen für die an Zahl sich ständig mehrenden öffentlichen Anlagen nnd Plätze, für die Grabhügel und Anlagen der Friedhöfe, für den Schulgarten nnd für die Schulen, des weiteren zur Ueberwinterung und Nachzucht der zu Dekorationen bei Bestattungsfeierlichkeiten be- nötigten Pflanzen. Die Einnahmen betrugen 4983 M., die Ausgaben 4642 M. Hierbei muß bemerkt werden, daß sich ein weit höherer Ueberschuß hätte erzielen lassen, wenn nicht einem Wunsche aus der Gemeindevertretung heraus zur Vermeidung der Konkurrenz hiesigen Gärtnern gegenüber die Pflanzenzucht eine Zeitlang bedeutend ein- geschränkt worden wäre. Da sich inzwischen herausstellte, daß von einer nennenswerten Schädigung hiesiger Gärtner nicht gesprochen werden kann und letztere selbst zum Teil Kunden der Gemeinde- gärtnerei find, so wurde der Betrieb in vollem Umfange wieder aufgenommen. Am Schlüsse des Berichtsjahres war ein Pflanzen- bestand im Werte von 1500— 2000 M. vorhanden. Für die Kmismannsgerichtswahlen werden nunmehr die eingereichten Vorschlagslisten bekanntgegeben. Die Prinzipale habest nur eine Liste aufgestellt, die sechs Kandidaten enthält. Die Handlungsgehilfen dagegen haben drei Listen in Vorschlag gebracht, und zwar Liste I des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes mit sechs Kandidaten, Liste II des Leipziger Verbandes und Liste IH des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen mit zwei Kandidaten(Adolf Gehrmann, Priesterstr. 28, und Ernst Zöllner, Zietenstr. 18). Potsdam. Stadtverordnetensitzung. Für die gewerbliche Fortbil- dungsschule soll eine Neuorganisation durchgeführt werden. Nach der vom Magistrat gegebenen Begründung haben sich die Be» ziehungen des Lehrling? und jugendlichen Arbeiter? zum Lehr- Herrn mehr und mehr gelockert. Jnfolgedeffen hat die Fortbil» dungsschule die Aufgabe, neben der gewerblichen Ausbildung der jungen Leute diese zu tüchtigen Staatsbürgern und Menschen zu erziehen, was erreicht werden soll unter anderem durch Auf- nähme von„Bürgerkunde" iy den Lehrplan. Die Debatte be- wegte sich im allgemeinen in zünftlerischen Bahnen. Die Hand- werksmeister wollen Kalkulation, Wechselkunde und vor allem Bürgerkunde aus dem Lehrplan ausschalten, während von päda- gogischer Seite darauf hingewiesen wurde, daß man es den sozial» demokratischen Vereinen nicht allein überlassen dürfe, Wissen über Bürgerkunde zu verbreiten. Es wurde eine zweite Lesung der Vorlage beschlossen. Bei den Etatsberatungen wurde vom Stadtverordneten Bernhard bemängelt, daß die Einzeletats beraten werden, ohne daß vom Magistrat in einem Verwaltungsbericht eine allgemeine Uebersicht gegeben werde. Der Oberbürgermeister versprach bis zum Abschluß der Etatsberatungen den Stadtverord- neten den gedruckten Verwaltungsbericht zugehen zu lassen. Ka- pitel Beleuchtungswesen schließt in Einnahme mit 79 800 Mark und in Ausgabe mit 101 300 M. ab. Hierbei frug der Stadtverordnete Kiesche an, welches der Grund der in letzter Zeit zweimal eingetretenen Störungen auf dem Elektrizitätswerk fest (Hier haben sämtliche Heizer wegen schikanöser Behandlung die Arbeit niedergelegt, die Störungen in der Beleuchtung sind dann bei den Ersatzmannschaften eingetreten.) Stadtrat Wolters gab der Kohle die Schuld; bei einer Sendung habe eine Verschlackung de? Feuerungsrostes stattgefunden. Er besprach die Entlassung der alten Angestellten, ohne auf den Grund derselben einzugehen. Stadtverordneter Hampe ist der Ansicht, daß zu wenig Leute mit Fachkenntnissen dort beschäftigt werden, die Kohle sei daran nicht schuld. Von den beantragten 10 000 M. Neueinstellungen für elektrische Beleuchtung wurden mit Rückficht auf die gespannte Lage des Etats 6000 M. zurückgezogen. Kapitel Realgymnasium, dessen Etat auf 3 Jahre festgelegt ist, wird durch Einstellung neuer Freistellen, die vom Kultusminister verlangt werden, um 2000 M. erhöht. Kapitel Franksche Stift, Einnahme 5500 M., Ausgabe 24 330 M, lieber beabsichtigte bauliche Veränderungen soll eine besondere Vorlage gemacht werden. Es wurden noch folgende Etats festgesetzt: Krankenhaus, Einnahme 130 700 M. und Ausgabe 192 700 M.; Vorspannverwaltung, Einnahme und Ausgabe 1400 M.; E i s w e r k, Einnahme und Ausgabe 7889,31 M. In die n i ch t ö f f e n t l i ch e Sitzung verlegt werden die Verhandlungen über den Ankauf de? Grundstücks.Auf dem Kiewitt 21", auf welchem eine städtische Flutzbadeanftalt für die Brandenburger Vorstadt errichtet werden soll. eingegangene Druckschriften. Kosmos. Handweiser sür Naturfreunde, IX. Jahrgang, Heft L. He» ausgegeben vom Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde. Jährlich 12 Hefte mit 5 Buchbeigaben. 4,80 M.— Technische Monatshefte, Zeilichrist sür Tewnik, Kultur und Leben. Herausgegeben von Prof. Dr. I. Koll- mann und Dipl.-Jng. Dr. A. Reitz. 3. Jahrg., Hest 1. Vierteljährlich 3 Hefte und Buchbeilage 1,75 M.— Was ist Elektrizität? Erzählungen von Cb. R. Gibson. Deutsch von H. Günther. Franckhsche VerlagShand» lung. Stuttgart. 1 M., geb. 1,80 M. («cheimniffe der Menichenform. Ein Teft- und ein Bilderband von N. Burger-Villingen. 215 S. F. Eckardt, Leipzig. Tos Weltproblem. Von I. Pcholdt. Geb. 3. M.— Dr. Bastian Schmids naturwiffenfchafrliche Schülerbibliothek. Band 2. Phyfi. kalifches Gxperimentierbuch. Teil IL Von Prof.H. Rebenstorfs. 3M.— Zehn in iuu teil- Turnen. Herausgegeben von K. Möller. /Atmung und Haltung.) 8°. Kart 1,40 M.— Die irdische» Eiiergiefchätze und ihre Berwerinng. Von Dr. H. Scholl.(Naturwissenschaslliche Vortrüge und Schriften. Herausgegeben von der Berliner Urania. Hest 9.) Geh. 60 Pf.— Der Vorturner. Hilssbuch sür deutsches Geräteturnen. Von K. Möller. 2 M.— Naturwissenschaftliche Volksmärchen. Herausgegeben von Pros. Dr. Dähnbardt. Bilder von O. Schwindrasheim 1. Band. Geb. 2,40 M. Verlag B. G. Teubner, Leipzig imd Berlin. In 10 Stunden gründlich Gabelsberger Stenographie, von . Röhrig. 90 Ps.— In 10 Stunde» gründlich Esperanto. Von nnjcher. 90 Pf. B. Troitzsch Nachs., Chemnitz. Witterungsübersicht vom»7. Februar ISIS. Stationen 760 760 c s 5« SSW ■ W Swinemde. amburg crlin ftranks.-l.M/766�R München(77ljS23 Wien|768Stin 763 SW Wetter 4>Negen 2�edeckt 3!bcdcckt 3bedcckt 4 wolkig wolkig »S d~ wS> Stationen E« Sc = 2 B- Haparanda Petersburg Scillh Aberdeen Paris -ff c 3 Z« «■c 751 OSO 756(äSO 765SSW 747 SSO 769jSS8 Wetter 2 bedeckt ZIchnee 4 wolkig 2 bald bd. Abedeckt C""* t* WS —10 —9 10 6 10 Wetterprognose für Mittwoch, den S8. Februar 191?. Mild, jedoch vorherrschend wolkig mit Regensällen und ziemlich starke» südwestlichen Winden. S-rltner Wetterbureau. Berantwortlicher Mdakteur: Albert Wach/i, Berlin. Für deu Inseratenteil verantw.: Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwarl» Buchdruckere, u. Verlagsanstalt Paul Singer Berlin SW.