W. 51. Hbonnements-Bedlngungen: HSonnemcnU• PreiA torftrannercntiot «ierteljährl. 330 MI, numofl. UO 3Jft, wöchenMch 28 Pfg. ftei WZ Haus. Einzelne Nummer S Pfg. EormlogZ- nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Wein 10 Pfg. Post. »lbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen m die Post. ZeitungS- Preislifle. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PosladonnemeMZ nehmen am Belgten. Dünemarl, Holland. Italien Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Sil»««»gl!»-Miel BnitaB. 29. Jahrg. Die Inlertlons-GebDDf beträgt für die sechZgcspaltene kolonel- gelle oder deren Raum W Pfg, für politische und gewerkschaftliche Bereins- und Becsammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „KIHnc Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. tsuläfsig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlasstellenan- zeigen daS erste Wort 10 Pfg, jedeS wellere Wort ö Pfg. Worte über ISBuch. ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Verlinev Volksblertt. Zcntvalorqan der Ibzialdcmokratf f eben Partei Deutfd�lande. relegrarm»• Adresse: „Sozialdemokrat Bermr« Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasee 69* Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Str. 1983. Freitag, den 1, März 19 IS. expeditiom 8CQ. 68, Linden etr aas« 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Str. 1984. Das KmM gegen die sosinidemutaMr DmaseMm. Gilt raffiniert ersonnenes System von Fälschungen und Provokationen als Vorwand zum Staatsstreich, dann die Ein- kerkerung einer ganzen Parlamentsfraktion und ihre Ab- urteilung hinter geschlossenen Türen vor einem Ausnahme- gericht— das ist in kurzen Zügen der Inhalt der Justiz- tragödie, die sich im Jahre 1907 in Rußland abgespielt hat. Fast fünf Jahre lang war das Dunkel über dieser Schandtat der Zarenregierung ungelichtet geblieben. Die verurteilten sozialdemokratischen Abgeordneten verbüßten die ihnen fälschlich zudiktierte Strafe auf der„Katorga" oder als Zwangsansiedler in den Einöden Ostsibiriens. Zwei von ihnen, Dshaparidse und Dshugeli, starben im Gefängnis, Macharadse wurde irrsinnig, Zeretelli und Lomtatidse er- krankten an der Lungenschwindsucht. Da draußen aber, im Reiche, feierte die Gegenrevolution ihre blutigen Triumphe. Kirchhofsruhe lagerte über dem geknechteten, ausgesogenen Lande, während die aus dem Staatsstreich geborene dritte Duma, eine Frucht des aufoktroyierten Wahlgesetzes, als williges Werkzeug der Regierung und der herrschenden Klassen, die Macht der Reaktion auf allen Gebieten des Volkslebens zu festigen suchte. Nun ist diese Kirchhofsruhe endlich gebrochen worden. Tie neu einsetzende revolutionäre Bewegung im Reiche knüpft an dem Punkte an, wo die Reaktion den Ausläufern der großen Bewegung des Jahres 1905 den Todesstoß versetzt hatte. Sie unterwirft den Ur- sprung des herrschenden politischen Systems einer gründlichen Revision und zieht diejenigen zur Verantwortung, die ihr Verbrechen an dem Volke auf dem ruchlosen Komplott gegen die sozialdemokratische Fraktion der zweiten Duma aufgebaut haben. Viele Tausende von Arbeitern haben, allen Polizei- lichen Hindernissen trotzend, die Forderung aufgestellt, daß ihre unschuldig verurteilten Abgeordneten aus den Kerkern und der Verbannung zurückgeholt und in ihre Rechte ein- gesetzt werden. Diese Forderung ist von nun ab eng der- knüpft mit dem Aufleben der revolutionären Bewegung der russischen Arbeiterklasse, die, an die Ueberlieferungen der ersten Phase der großen Volksbewegung anknüpfend, ihren Gegensatz zu dem bestehenden politischen System in dieser Losung zuin Ausdruck bringt. Tie Unistände haben sich so gefügt, daß der politische Konflikt zwischen der Regierung und dem Volke neue Nahrung gefunden hat in der zutage getretenen j u r i st i- s ch e n UnHaltbarkeit des gegen die sozialdemokratische Fraktion gefällten Schandurteils. Wie sorgsam die Staats- streichregierung ihr Verbrechen auch hütete— auf die Daner ließ sich das Netz der Fälschungen und Provokationen nicht verborgen halten, das der Regierung als Vorwand zum Staatsstreich gedient hat. Im Oktober vorigen Jahres ver- öffentlichte Burtzew in seiner in Paris erscheinenden Zeitung „L'Avänir" die Selbstbezichtigung des früheren Agenten der Petersburger politischen Polizei Boleslaus B r 0 d s k i, wo- nach er im Auftrage des Chefs der„Ochrana", General Gerassiniow, das Koniplott gegen die sozialdemokratische Dumafraktion eingeleitet und im Bunde mit der Polizei durchgeführt hat. Diese Enthüllung bestätigte im Grunde nur den Verdacht, der in der russischen Parteipresse schon seit Jahr und Tag in zientlich bestimmter Form ausgedrückt wurde. Das Mitglied der zweiten Duma, Genosse Dr. V. Mandelberg bestätigte nach der Veröffentlichung der Brodskischen Enthüllungen, daß die Dumafraktion den provo- katorischen Charakter des gegen sie organisierten Komplotts keinen Augenblick angezweifelt hatte. Sie kannte bloß nicht den Namen des Lockspitzels, der sich zu dieser Schandtat her- gegeben hatte. Zugleich wies Genosse Mandelberg auf die charakteristische Eigentümlichkeit dieses provokatorischen Unternehmens hin:„Ein gewöhnlicher Lockspitzel— schrieb er— ruft ein Verbrechen hervor, hegt und pflegt die Ueber- treter des Gesetzes, um sie hernach auszuliefern! er gründet Gebeimdruckereien, Bombenfabriken und„entdeckt" sie her- nach. Ascw organisierte Attentate, um die Personen auszu- liefern, die er zu ihrer Ausübung verwandte. Hier aber wurde anders gearbeitet. General Gerassimow, der General- Provokateur, schuf hier neue Methoden der Provokation: das erwünschte Verbrechen vermochte er nicht ins Leben zu rufen, und so schuf er denn den Anschein eines Verbrechens, ver- tauschte die Karte und präsentierte an Stelle des von ihm ge- schaffenen die Anklage wegen eines anderen Ver- b r e ch e n s. General Gerassimow organisierte die Ein- reichung eines„Auftrages" der Petersburger Garnison an die Fraktion, er verlieh aber diesem Unternehmen eine solche Form, daß es als eine Konferenz der Fraktion mit den Tele- gierten der Garnison, als Konferenz zur Hervor- rufung eines bewaffneten Aufstandes aus- gegeben werden konnte. Dabei wußte er, wie alle seine Kol- legen, mit Stolypin an der Spitze, daß dies eine Lüge war." Die näheren Umstände dieses Komplotts werden von Brodski in seinen Gesuchen an den Zaren, den Justiz- und Innenminister, in denen er um die Einleitung der gericht- lichen Untersuchung nachsucht, folgendermaßen geschildert: General Gerassimow beauftragte ihn gleich nach der Eröff- nung der zweiten Duma, eine„Verbindung" zwischen der sozialdemokratischen Fraktion und den geheimen Militär- organisationen„herzustellen". Brodski verstand es, sich in dieser Organisation Zutritt zu verschaffen und dort den ein- flußreichen Posten des Sekretärs des temporären Bureaus einzunehmen. Er benutzte nun die in einigen Kreisen der Genossen verbreitete Idee, im Namen der Truppenteile einen „Auftrag"(„Nakas") an die sozialdemokratische Fraktion zu richten, in welchem diese um Vertretung der Interessen der Untermilitärs in der Duma gebeten wurde. Der Entwurf dieses„Auftrages" wurde von General Gerassimow redigiert: die Soldaten, die sich nach den Räumen der Fraktion auf dem Newsky zur Ueberreichung des„Auftrages" begeben sollten, wurden in der Wohnung eines Spitzels in Zivil- kleider gesteckt: in dem Augenblick, wo sich die Soldaten in den Räumen der Fraktion einfanden, sollte auch Brodski mit dem„Archiv" der Militärorganisation daselbst erscheinen. Das Komplott der Ochrana gelang aber nur zum Teil. Die Soldaten wurden von der Fraktion sehr schnell hinaus- komplimentiert, Brodski kam mit seinem„Archiv" zu spät, und die Polizei, die zur festgesetzten Zeit in den Räumen der Fraktion erschien, fand weder die einen noch den anderen. Als der Justizminister wegm dieses Ueberfalls auf die Fraktion am folgenden Tage in der Duma zur Rede gestellt wurde, er- klärte er, die Haussuchung habe das,„was sie aufdecken sollte", nicht erreicht, weil die Polizei um eine halbe Stunde zu spät gekommen war.(Stenogr. Dumaber., Bd. II, S. 221— 222). Danach fand sich in dem späteren Anklage- Material eine Abschrift des berüchtigten„Auftrages" der Soldatendeputation ein, die, wie Brodski mitteilt, von General Gerassimow den Gerichtsbehörden zugestellt wurde. Trotz des offensichtlichen Mißerfolges des eingefädelten Komplotts nahm die Regierung von ihrem Vorhaben, die Sozialdemokratie ins Zuchthaus zu schaffen, keineswegs Ab- stand. Die Prokura tu r kam der Provokatur zu Hilfe. Hatte diese ihr Werk nicht ganz zu vollbringen vermocht, so sollte jene hinter geschlossenen Türen den Justiz- mord zu Ende führen. Wozu verfügte denn auch der Justiz- minister über folgsame Untersuchungsrichter und in Ver- brechen ergraute Senatoren? Auf Grund des oben gekenn- zeichneten Anklagematerials wurde am 1./14. Juni 1907 an die Duma die Forderung gestellt, die sozialdemokratische Fraktion, die eine„Verschwörung zum gewaltsamen Umsturz der Staatsordnung, zur Entsetzung Sr. Majestät des Kaisers und zur Einführung der demokratischen Republik auf sozialistischer Grundlage"(!) organisiert hatte, den Behörden auszuliefern. Die von der Duma eingesetzte Kommission tagte am 2./15. Juni vom Morgen bis zum Abend. Die Regierung wartete aber ihre Entscheidung nicht ab, sondern verhaftete noch in derselben Nacht den größten Teil der sozial- demokratischen Fraktion(37 von 55 Abgeordneten) und ver- öffentlichte am Morgen des 3./16. Juni das verbrecherische Manifest, das den Staatsstreich verkündete. Ein Ausnahme- gericht, der Besondere Gerichtshof des Kriniinalkassations- departcments des Senats, vollendete das Werk, indem es die sozialdemokratische Dumafraktion hinter geschlos- f e n e n Türen der„Verschwörung" als überführt erklärte und die Angeklagten zu vier- und fünfjährigen Zuchthaus- strafen, zum Verlust aller bürgerlichen Rechte und zu lebens- länglicher Zwangsansiedelung in Sibirien verurteilte. Die ange- klagten Abgeordneten lehnten es natürlich ab, an dieser Ge- richtskomödie teilzunehmen, wo ihnen sämtliche Rechts- garantien genommen waren. Das Bluwrteil wurde in ihrer Abwesenheit gefällt. Zu derselben Zeit fällte aber auch das Petersburger Proletariat sein Urteil über das Schandgericht, indem es in einer Anzahl von 150 000 Personen die Arbeit einstellte und die sozialdemokratischen Abgeordneten seiner Sympathien versicherte. Am 17./30. Oktober vorigen Jahres erklärte das Mit- glied der Kadettenpartei Rechtsanwalt T e ß l e n k 0 in der Duma, er könne als früherer Berichterstatter der seinerzeit von der zweiten Duma eingesetzten Kommission die Mit- teilung machen, daß die Kommission zur einmütigen Ueber- zeugung gelangt war, es handele sich hier nicht um eine „Verschwörung" der sozialdemokratischen Fraktion, sondern um eine Verschwörung der Petersburger „Ochrana" gegen die zweite Duma! Diese Kund- gebung des liberalen Abgeordneten, die bedauerlicherweise �As Jahre zu spät kam, bestätigte vollauf die Richtigkeit der von Brodski gemachten Enthüllungen. Der provokatorische Ursprung des von der Regierung vorgelegten Anklage- Materials, die zahlreichen Fälschungen und Tatsachenver- drehungen hatten der.Kritik der Dumakommisfion nicht stantis zuhalten vermocht. Darum mußte der Staatsstreich be- schleunigt, darum mußte auch das Urteil über die einge- kerkerten Abgeordneten hinter den geschlossenen Türen eines Ausnahmegerichts gefällt werden! Die dritte Duma folgte den Traditionen dieses Gerichts, als sie im Gegensatz zu den Forderungen der Opposition bei der Erörterung der sozialdemokratischen Interpellation be- treffend den„Hochverratsprozeß" die Türen schloß. Viermal zogen unsere Genossen, denen sich zuletzt auch die Kadetten anschlössen, ihre Interpellation zurück, um die Dumamehrheit zu zwingen, diese Angelegenheit öffentlich zu erörtern. Aber die Furcht der Regierungsparteien vor der Oeffentlichkeit— der beste Beweis für die Richtigkeit der sozialdemokratischen Anklagen— überwog alle anderen Bedenken. Die Jnter- pellation wurde schließlich von den Mehrheitsparteien ein- gebracht, hinter geschlossenen Türen an eine Kommission ver- wiesen und dort unter Ausschluß der Oeffentlichkeit und in Abwesenheit der Vertreter der Opposition nach kurzer Er- örterung abgelehnt. Diese Versuche, die Interpellation zu verscharren, werden aber den Sachwalten des Staats- streiches und des Justizmordes nichts nützen. Der Kom- missionsbericht gelangt in der nächsten Woche in dem Plenum der Duma zur Verhandlung. Dann muß es sich heraus- stellen, ob die Duma, trotz der Proteste der Kulturwelt, daran festhält, bp§ Verbrechen vom 3./16. Juni 1907 mit ihrem Namen z/ decken und das Wiederaufnahmeverfahren in dem Prozeß der unschuldig verurteilten Dumaabgeordneten auf- zuhalten. Sollte man nach dem Kommissionsbericht urteilen, der kürzlich veröffentlicht worden ist, so müßte nian die oben ge- stellte Frage schon jetzt bejahen. Die Mehrheit der Kom- Mission hat nämlich ihre Aufgabe so aufgefaßt, als müßte sie noch ein übriges Mal über der unschuldig verurteilten sozialdemokratischen Fraktion zu Gericht sitzen. Sie fällte denn auch kein Urteil über die ihr zur Prüfung überwiesene Frage, ob die Petersburger Ochrana bei der Vorbereitung des„Hochverratsprozesses" ihre Hand mit im Spiele hat— diese Frage hätte sie nach dem vorliegenden Material un- bedingt bejahen und so die Notwendigkeit des Wiederauf- nahmeverfahrens bestätigen müssen—, sondern sie erklärte, daß die„revolutionäre Tätigkeit der Dumamitglieder unab- hängig von ihrer Verbindung mit der Militärorganisation nachgewiesen sei". Mit dieser Erklärung verläßt die Duma- kommission nicht nur den Boden ihrer Befugnisse, sie b e- stätigf auch indirekt, daß der Hauptpunkt der Anklage, die angebliche„Verschwöning" der Fraktion und der Militärorganisation, selb st von den Vertretern der Regierung falllen gelassen worden i st. Die krampfhasten Bemühungen der Kom- Mission, die Richtigkeit des Urteils aus der politischen Tätigkeit der sozialdemokratischen Dumastaktion abzuleiten, haben einerseits mit dem Kern der Frage gar nichts zu tun, andererseits beweisen sie klipp und klar, daß die Herr- schenden Parteien im Bunde mit der Regierung das Urteil gegen die Fraktion nur als politisches Tendenz- urteil schlimmster Art aufrechtzuerhalten vermögen"). Das schützende Mäntelchen, das Stolypin seinem Koniplott gegen die Sozialdemokratie umzuhängen gewußt hat, hängt nun in Fetzen herab, und der Kulwrwelt starrt nun ein aus Provokation und Fälschung, aus Lug und Trug ge- sponnenes Justizverbrechen entgegen, daS den Vorwand für den Staatsstreich der Regierung geliefert hat. *) Mit welchen Mitteln die Kommission gearbeitet bat, geht ans folgendem Beispiel hervor: Sie zitiert in ihrem Bericht den in der Zeitung„l'Avenir" veröffentlichten Brief des früheren Mit- gliedes der Petersburger Militärorganisation Andreitsch, wonach die Cinreichung der„Anweisung" der Soldaten an die Duma- fraktion auch ohne Mitwirkung der«Ochrana" zustande gekommen Wäre, da die Soldaten und die meisten Mitglieder der Militär- organisation dieses forderten. Die Dumakommisfion stihrt diesen Brief an, um die Schuldlosigkeit der„Ochrana" und die Berbin- dung der Dumafraktion mit der Militärorganisation nachzuweisen. Dabei unterschlägt sie wissentlich die erste Hälfte des ge- nannten Briefes, in welchem Andreitsch ausdrücklich erklärt: .1. Ich bestätige, daß die sozialdemokratische Dumastaktion in keiner organisatorischen Beziehung zu der Militärorganisation gestanden hat. 2. Obgleich ich selbst weder ein Organisator noch ein Teil- nehmer der Deputation gewesen bin, die der Dumafraktion die „Anweisung" der Soldaten überreichte, kann ich dennoch bestäti- gen, daß die sozialdemokratische Fraktion von der Vor- bereitung und dem Erscheinen der Deputation nicht in Kenntnis gesetzt war." Aus solchen Unterschlagungen und Fälschungen besteht der ganze Bericht der Dumakommission. Sozialpolitik- Sozialdemokratie. Ter 29. Februar kehrt nur alle vier Jahre wieder, aber ein Tag so voll seichten parlamentarischen Geplätschers, wie der gestrige Tonnerstag, wird leider im Reichstag noch oft wiederkehren. Aber es ist kennzeichnend, daß selbst die Debatte dieses Tages ohne sonderliche Höhepunkte sich fast ausschlief- lich um die Sozialdemokratie und die von ihr am stärksten betonte Forderung, die Sozialpolitik, drehte, wo doch die Beratung des R e i ch s a m t s des Innern so viel Spielraum läßt für die Behandlung anderer Fragen. Ein Sozialdemokrat kam gestern nicht zu Wort, und da war es denn mehr als charakteristisch, wie sich alle Redner, angefangen vom Staatssekretär Dr. Delbrück iiber den Reichsparteiler Freiherrn v. G a m p bis zu dem Nationalliberalen B a s s e r- mann und dem Fortschrittler D o o r m a n n auf einer Linie zusammenfanden: das Verdienst der Sozialpolitik nahmen sie samt und sonders für die bürgerlichen Parteien und auch für die Regierung in Anspruch und der Sozialdemokratie warfen sie ebenso samt und sonders vor, daß sie„extreme"(Delbrück), „unbesonnene"(Bastermann und Doormann),„über alles Maß hinausschießende"(Gamp) Forderungen ausstelle, und daß sie. weil sie das Unerreichbare verlange, schuld sei, wenn nicht immer das Erreichbare erlangt werde. Freilich mußten eben- dieselben Redner anerkennen, daß die Sozialdemokratie doch viel getan habe, um die Sozialpolitik in Fluß zu bringen. Der Fortschrittler Doormann tat es, indem er sich hörbar an die Brust schlug und um die früheren Sünden des die Sozialpolitik ablehnenden Freisinns Reu und Leid trug, und der Herr Staatssekretär nannte die Partei sogar„ein trei- bendes Moment bei der Lösung allgemeiner Zeitfragen". Doch das Aber lag bei diesen Anerkennungen wie der Knüppel beim Hunde:„aber" die Sozialdemokratie stellt zu weit- gehende Forderungen,„aber" sie weiß nicht Maß zu halten usw. usw.— Die alte, abgedrehte Walze, die man bis zum Ueberdruß innerhalb und außerhalb des Parlaments ver- nommen hat. Das etwa war der Kern, herausgeschält aus dem Wust der gestrigen Debatten. Eine— seine Trabanten werden sagen„großzügige"— Rede des Herrn B a s s e r m a n n er- öffnete die Sihung. Herr Bassermann glich einem gewandten Tausendkünstler, der aus seinem Chapeau claque Blumen und Früchte, Stroh und Kieselsteine gefällig und ge- schickt hervorzaubert, denn er warf mit der gleick)en Eleganz neben einigen trefflichen Bemerkungen, Nichtigkeiten und Plattheiten auf den Tisch des Hauses und blieb vom Scheitel bis zur Sohle„maßvoll und besonnen" nach rechts wie nach links, und es war nicht mehr als ein Regieirrtum, wenn er während der ganzen Tauer seiner nicht kurzen Rede auf der linken Seite der Tribüne verharrte. Jedenfalls wurde ent- täuscht, wer erwartet hatte, der Führer des„linken Flügels" der Nationalliberalen— Herr Bassermann ist uns doch nicht böse?— werde etwas davon vernehmen lassen, was im Schöße der Partei braut und gärt. Der Fortschrittler Doormann schwang auch das an muen Stecken gebundene Taschentuch des„maßvollen Fortschritts" und entsetzte sich vor dem Sturmbanner der sozialdemokratischen„extremen Forderungen". Daneben polemi- sierte er mit gutem Glück gegen die Absurditäten, die vor- gestern der Tischlermeister Pauli über Handwerk und Fort- bildungsschule zusammengeschwatzt hatte. Auch der Staats- sekretär Dr. Delbrück war„maßvoll und besonnen" und die Nationalliberalen sollten sich über diese RegierSng freuen, die in Worten wenigstens die Politik der mittleren Linie einhält. Das äußerte sich vor allem in der Stellung, die Herr Dr. Delbrück zum Koalitionsrecht einnahm. Er hält es für hinreichend gewährleistet— für Arbeiter und für Arbeit- geber, und lehnt mit derselben Entschiedenheit eine Erweite- rung wie eine Beschränkung dieses Rechts, etwa durch ein Arbeitswilligengesetz, ab. Ihm genügt der Paragraph 153 der Gewerbeordnung. Darob fuhr ihm der Reichsparteiler Frei- Herr v. Gamp- Massaunen derb an den Wagen. Auf die Anregung Sachsens und Hamburgs im Bundesrat hinweisend, verlangt er mit Nachdurck und Energie ein Streikbrechergesetz, damit sich vor allem die Kleinmeister vor dem Terrorismus der Sozialdemokratie schützen könnten, und hält zum zweiten die Seßhaftmachung der Arbeiter für ein probates Mittel zur Ueberwindung der Sozialdemokratie. Aber wichtiger als die all- gemeinen Expektorationen G a m p s sind zwei Sätze, die ent- weder dem Gehege seiner Zähne entfahren oder aber die er mit bewußter Offenherzigkeit— er ist sicher eine alte ehrliche Haut und kein Spaßverderber— vorträgt. Um eine Arbeits- zeitbeschränkung durchzuführen, hält er internationale Ab- kommen für nötig, und diese seien abzuschließen nicht von den Regierungen, sondern anzustreben von den Arbeiterorgani- sationen. Freiherr v. Gamp auf dem Boden der Arbeiter- organisation, und dazu noch auf internationaler Grundlage stehend— das Bild war nicht übel und weckte mit Recht stürmische Heiterkeit und stürmische Zurufe bei den Sozial- demokraten. Vorher aber hatte ein anderes Bekenntnis seiner schönen Seele Bewegung hervorgerufen. Das war der frei- mütige Satz:„Ich habe doch schließlich nicht so viel Anlaß, für die Monarchie und den Staat einzutreten, wie die Be° amten, die doch dafür bezahlt werden!" Das Wort sie sollen lassen stahn! Denn es zerbläst wie ein scharfer Windstoß all das Nebelgewölk der Patrotischen Phrasen, mit dem der Egoismus der herrschenden Klassen eingehüllt wird. Die Herrschasten, die in heuchlerischem Byzantinismus die Kinnbacken nicht weit genug auseinanderbekommen können und es für die mensch- liche und göttliche, die ethische und ewige Pflicht jedes Staats- beamten erklären, gegen die Sozialdemokratie zu arbeiten, denken in ihrem Innern von den Beamten verächtlich wie von einer Prätorianertruppe:„Die Kerls werden ja dafür be- zahltl" Das werden sich die Beamten merken und wir auch. Die Rede des Elsässers Will, der sich über eine Frage aus dem elsaß-lothringischen Landtag verbreitete, und dabei die elsaß-lothringische Sozialdemokratie als Regierungspartei verulkte, fand nicht mehr das Ohr des Hauses. Nach einigen persönlichen Bemerkungen, von denen besonders die Nichtig- stellung des Genossen Wurm wichtig war, wurde die Sitzung geschlossen. Heute 1 Uhr W e i t e r b e r a t u n g des Etats. 1: 05000 S00. Die.Krenzzeitung" hat die Revolution entdeckt! In fürchterlicher Aufregung macht sie der Ocffentlichkeit von dem.An- stürm auf die Verfassung" Mitteilung. Eö wird darauf hingearbeitet. „das Gleichgewichts!) zwischen den Rechten dcS Volkes und den Rechten der Krone zu Ungunsten der Krourechte zu verschieben." Hilfe. Hilfe I„In Wirklichkeit ist dieser An stürm revolutionär. Er hat den Zweck, in unsere festgefügte monarchische Ordnung Bresche zu schlagen. Mit derartigen Vorstößen hat noch jede Revolution ihren Anfang g e n o m m e n," Militär, Maschinengewehr«, Kanonen her I l Angstdelirien vor der kommenden Revolution gehören für die .Kreuzzeitung" zu den Folgen deS täglichen— Lebens, deswegen wollen wir uns dabei nicht weiter aufhalten. Interessanter erscheint es schon, die Behauptung zu beleuchten: das Gleichgewicht zwischen Volksrechten und Kaiserrechr solle zugunsten des Volkes be. seitigt werden. Bis jeyt besteht von dem.Gleichgewicht" in Wirklich« keit so gut wie nichts. Der Beweis ist sehr einfach. Die Reichs- Verfassung bestimmt im Artikeln— wir zitieren den ent- scheidenden Passus: Der Kaiser hat das Reich völkerrechtlich zu ver- treten, im Namen deS Reiches Krieg zu erklären und Frieden zu schließen, Bündnisse und andere Ver- träge mit fremden Staaten einzugehen. Gesandte zu be- glaubigen und zu empfangen. Artikel 12 lautet: Dem Kaiser steht es zu, den Bundesrat und den Reichstag zu b er u fe n. zn e rö s fn en, zu v ertagen und zu schließen- Artikel 17 lautet: Dem Kaiser steht die Ausfertigung und Verkündi« gung der Reichsgesetze und die Ueberwachung der Ausführung derselben zu. Artikel 18 lautet: Der Kaiser ernennt die R eich Sbeamten, läßt die- selben für das Reich vereidigen und verfügt erforderlichenfalls deren Entlassung. Artikel 36 lautet: Der Kaiser überwacht die Einhaltung deS gesetzlichen Ver- fahrcnS— bei der Zollerhebung— durch Reichsbeamte, welche er den Zoll- oder Sienerämtern und den Direktivbehörden der einzelnen Staaten beiordnet. Artikel 46 lautet— wir bringen immer nur die charakte- ristischsten Stellen aus den einzelnen Artikeln—: Bei eintretenden Notständen, insbesondere bei un- gewöhnlicher Teuerung der Lebens nrittel, sind die Eisenbahnverwaltungen verpflichtet, für den Transport, namentlich von Getreide, Mehl, Hülsenfrüchten und Kartoffeln, zeitweise einen dem Bedürfnis entsprechenden, von dem Kaiser festzustellen« den. niedrigeren Spezialtarif einzuführen. Artikel 50 lautet: Dem Kaiser gehört die obere Leitung der Post- und Telegraphenverwaltung, an. Die von ihm be« stellten Beamten haben die Pflicht und das Recht, dafür zu vrgen, daß die Einheit in der Organisation der Verwaltung und im Betriebe des Dienstes, sowie in der Qualifikation der Beamten hergestellt und erhalten wird. Dem Kaiser sieht der Erlaß der reglementarischen Fest- Atzungen und allgemeinen administrativen Anordnungen sowie d i e ausschließliche Wahrnehmung der Beziehungen zu anderen Post- und Telegraphenverloaltungen zu. Sämtliche Beamte der Post- und Telegraphenverwaltung find verpflichtet, den kaiserlichen Anordnungen Folge zu l e i st e n. Diese Berpflichtung ist in den Diensteid aufzunehmen. Die Einstellung der oberen Beamten geht für daS ganze deutsche Gebiet des Deutschen Reiches vom Kaiser auS» welchem diese Beamten den Diensteid leisten. Artikel 63 lautet: Die Kriegsmacht des Reiches ist eine einheitliche unter dem Oberbefehl des Kaisers. Die Organisation und Zusammensetzung derselben li eg t d em Kaiser ob, welcher die Offiziere und Beamten derselben ernennt, und für welchen dieselben nebst de» Mannschaften eidlich in Pflicht zu nehmen sind. Artikel 66 lautet: Das gesamte Konsulatswesen des Deutschen Reiche« steht unter der Aufsicht des Kaisers, welcher die Konsuln anstellt. Artikel 63 lautet: Die gesamte Landmacht deS Reiches wird ein ein- heitlicheS Heer bilden, welches in Krieg und Frieden unter dem Befehl deS Kaisers steht. Der Kaiser hat die Pflicht und da» Recht, dafür Sorge zu tragen, daß innerhalb des deutschen HeereS alle Truppen- teile vollzählig und kriegstücktig vorhanden find und daß die Ein- heit der Orgaiiisalion und Formation, in Bewaffnung und Kom- mando, in der Ausbildung der Mannschaften, sowie in der Onali- fikation der Offiziere hergestellt und erhalten wird. Zu diesem BeHufe ist der Kaiser berechtigt, sich jederzeit durch In- spcktionen von der Verfassung der einzelnen Kontingente zu über- zeugen und die Abstellung der dabei gefundenen Mängel an- zuordnen. Der Kaiser bestimmt den Präsenzstand, die Gliederung und Einteilung der Kontingente deS ReichSheereS. sowie der Organisation der Landwehr, und hat das Recht, innerhalb de« Bundesgebietes die Garnisonen zu bestimmen, sowie die kriegsbereite Aufstellung eines jeden Teiles des ReichSheereS anzuordnen. Artikel 64 lautet: Alle deutschen Truppen sind verpflichtet, den Be- fehlen des Kaisers unbedingte Folge zu leisten. Diese Verpflichtung ist in den Fahneneid aufzunehmen. Die Höchstkommandierenden, sowie die Offiziere und alle Festmigskommandanten werden vom Kaiser ernannt. Artikel 66 lautet: DaS Recht. Festungen innerhalb deS Bundesgebiete» anznkegen, steht dem Kaiser z u, welcher die Bewilligung der dazu erforder- lichcn Mittel beantragt. Artikel 68 lautet: Der Kaiser kann, wenn die öffentliche Sicherheit in den Bundesgebieten bedroht ist. einen jeden Teil desselben in Kriegszustand erklären. Man kdmme unS angesichts dieser geradezu unglaublichen Reichs- Verfassung nicht mit der Einlvendung. die angeführten Aufgaben würden ja durch ein Heer von Beamten erledigt, und die Getdmittel müßten ja doch vom Parlament bewilligt werden. Das Entscheidende bleibt, das ganze deutsche Boll ist in seinen Entscheidungen auf einen Mann gestellt. Da ist noch nichts von gleichen Rechten des BolkeS zu spüren. Wir wollen, daß nicht ein Mann über 65 Millionen herrscht, sondem daß die 66 Millionen b'e stimmen, waS zu tun!und zu lassen istl_° nichts ans der üeichichte gelernt! Wie die von ihnen gezüchteten hochtragenden ostpreußisch- holländischen Zuchtkühe, weißen Land-Edelschweine oder Fett- steißschafe bilden auch die Junker Ostelbiens eine ganz eigen- artige Rasse. Ihre Stoffwechselorgane haben sich infolge ihrer einseitigen Lebensbetätigung allzu üppig auf Kosten des Ge- Hirns entfaltet. Deshalb ist es auch durchaus begreiflich, daß sie aus der Geschichte ganz andere Lehren ziehen wie andere nicht an Mikrocephalie leidende Leute. Tie von dem franzö- fischen Historiker Mignet aus der Geschichte der großen fran- zösischen Revolution gezogene Lehre, daß, sohgld eine Reform notwendig geivorden und der Zelkpunkt ihrer Durchführung gekommen ist, sie keine Gewalt der Bevorrechteten auszuhalten vermag, existiert für den preußischen Turchschnittsjunker ebensowenig wie der Ausspruch des deutschen Historikers Dahlmann, daß die natürliche EntWickelung eines baufälligen Hauses sein Umsturz ist. Nach junkerlicher Auffassung wären alle neueren Revolutionen der Weltgeschichte und ganz be- sonders die große französische Staatsumwälzung am Ende des achtzehnten Jahrhunderts nicht eingetreten, falls nur die Monarchen und ihre leitenden Staatsmänner größere Energie bewiesen und die unzufriedenen Volksmassen von vornherein rücksichtslos niederkartätscht hätten. Hätte z. B. Lud- wig XVI., statt die Rcichsstäude einzuberufen, sukp ohne weiteres mit Leib und Seele in den Dienst der Hof- und Feudal- aristokratie gestellt und in genügendem Maße die Kanonen sprechen lassen, das ancien regime würde noch in aller seiner mittelalterlichen Herrlichkeit existieren. Daß die richtige Ver- Wendung von Kanonen das sicherste Mittel ist, notwendige Reformen aufzuhalten und Revolutionen vorzubeugen, ist bei den preußischen Normaljunkern fast zu einem historischen Dogma geworden. Daher ist es eine ganz natürliche Erschei- nung, daß die preußisch-junkerliche Rasse, sobald �sie ihre Vorrechte bedroht und dunkle Gewitterwolken am politi- scheu Horizont heraufziehen sieht, nach dem starken Staats- manne schreit, der,„royalistischcr als der König selb st", das gewünschte Niederkartätschen mit der nötigen Präzision und Skrupellosigkeit besorgt. Ter Schrei nachdem starken Mann— auf Gehirnqualität wird kein Wert gelegt— taucht deshalb jetzt fast täglich in den vaterländischen Blättern vom Schlage der„Kreuzzeitung" und der„Deutschen Tageszeitung" auf. immer intensiver und brutaler. So bringt die„Deutsche Tageszeitung" in ihrer gestrigen Abendnummer wieder einen„D i e r o t e Gefahr" überschriebenen Artikel, verfaßt von einem Herrn Herbert von Platen, in welchem mit der ganzen Ungeniertheit,- deren ein echter preußischer Junker fähig ist, der Staats- streich und die Anwendung der Kartätschen gegen die„auf- gestachelten Instinkte" der„bis ins Innerste verhetzten Massen" gefordert wird. Mit Bewunderung rühmt der Ver- fasser seinen Bismarck, der im Januar 1899„auch seinem Allerhöchsten Herrn" gegenüber mit aller Schärfe die Ansicht vertreten habe, daß die Regierung unverzüglich„m i t a l l e n dem Staate zu Gebote stehenden Mitteln" den Kampf gegen die Sozialdemokratie aufnehmen müsse. Ein solcher Staatsmann von gleicher Gemütsrobustigkeit tut nach Herrn von Platens Ansicht not— er darf sogar noch etwas brutaler, noch etwas skrupelloser sein, damit das junker- liche Animalreich in seiner kulturhistorischen Pracht erhalten bleibe und endlich denen die freche Schnauze gestopft werde, die diese Pracht nicht anerkennen wollen. Dem Herrn v. Beth- mann Hollweg traut Herr von Platen die gewünschten Ouali- täten nicht zu, allem Anschein nach auch keinem der anderen heutigen Minister. Deshalb müssen andere, stärkere Persön- lichkciten an das Staatssteuerruder I Mit offener Verachtung der heutigen Staatsgrötzen schreibt Herr von Platen: .Wer die Massendemonftrationen der Genossen in Berlin miterlebt hat, wem die Asphaltdünfte und die Lektüre deS.Verl. Tagebl." die Sinn« noch nicht getrübt haben, fragt sich: Wie ist es im preußischen Staate möglich, daß die die RegierungSgewalt führenden Personen solche Vorübungen zur Revo- lutiön ruhig geschehen lassen? ES ist«in schöne» Ding um ein ruhige» Gewissen, da» wir uns mit der friedlichen Be- kämpsung der Umswrzmächte dewahrrn zu können glauben;— die nach uns kommen, können sich damit abfinden! Die Sozial- demokraten sind ja bündniefähig geworben, sie werden regte. rungSfähig, wie man e» bei der elsaß-lothringischen Ver» sassungSfrage mit Staunen sah. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu erkennen, wohin die Reise geht. Da» eine ist gewiß, daß die EntWickelung der Ding« rapide ihren Lauf nimmt. datzeSvielleichtStröme von Blut und Tränen unserm deutschen Volke kosten wird, da» wieder gut zu machen, wa» unsere Generation in Humanitätsduselei au» Mangel an Mut und VerantwortlichkeitSgesühk ver» säumt hat. Gott gebe dem deutschen Volke bald einen Führer. «inen Mann mit eisernem Rückgrat, wie Uork und Bismarck e» waren, der sich plus roxsliste qus le roi neben seinen Allerhöchsten Herrn hin- stellt, der den Mut hat, Partei zu nehmen, ein Panier aufzu- pflanzen, um da» sich die Treuen sammeln können zum Kampf gegen den Umsturz. Hier gibt es kein Paktieren, kein Hoffen auf den Revisionismus, hier gilt cS den offenen Republikanern wie den verkappten ein donnernde»„Halt" zuzurufen, ch« im» die Sturmglocken des Aufruhrs das„Zu spät" in die tauben Ohren läuten!" Wen Herr von Platen für den Berufenen zur Nieder- kartätschung der Volksmassen hält, verrät er nicht. Vielleicht, da er mit seinem vollen Namen unterzeichnet, sich selbst; viel- leicht Herrn v. Hcydebrand, Herrn Georg Oertel, Herrn Elaro v. Oldenburg oder eine andere januschaucrliche Gestalt. Für gewiß scheint Herr v. Platen anzunehmen, daß die Erstickung der Forderungen des Proletariats im Blut unter allen Um- ständen gelingen muß. Er scheint nicht zu wissen, daß bei den Revolutionen, die bisher die Geschichte zu verzeichnen hat, es vielfach anders gekommen ist und mancher der Ka- valiere und Aristokraten seinen einfältigen Kopf verlor. politische(lebersicbr. Berlin, den 29. Februar 1912. Gegen die Gewerkschaften. Fast scheint eS, als ob jede Debatte deS Dreiklassenparlaments auf eine Hetze gegen die der Regierung und den bürgerlichen Par- tien unbequemen Gewerkschaften hinauslaufen muß. Am Donners- t a g zeterte man zunächst in Erledigimg des Restkapitel« dcS Handels» etat« noch ein Weilchen über die Teilnahme der Gewerkschaften an paritätischen Arbeitsnachweisen. Nach dein Urteil aller Sach- verständigen haben sich die Gewerkschaften große Verdienste um den Arbeitsnachweis erworben, nach Ansicht der Mehrheit de» Junker- Parlaments stören die Gewerkschaften den sozialen Frieden und müssen deshalb von einer Mitarbeit ferngehalten werden. Daß dieselben Herren auch von einer Arbeitslosenversicherung nichts wissen wollen. sei nur nebenbei erwähnt, gewissermaßen als kennzeichnend für das geringe soziale Verständnis derer, die sich in Preußen Volksvertreter nennen. Nach Genehmigung de» HandelSctatS wurde der Etat der direkten Steuern in Angriff genommen. In mehr als rinstündiger, von tiefer Sachkenntnis zeugender Rede besprach Genosse B o r ch a r d t zunächst die Ergebnisse der Steuerveranlagung, au« denen er den nur allzu begründeten Schluß zog, daß fast die Hälfte der preußischen Be- völkerung ei» Einkommen von weniger als 900 M. und mehr als drei Viertel noch nicht einmal 1300 M. jährlich zu verzehren hohen. Den zweiten Teil seiner Rede bildete ein detaillierter Nachweis über die Steuerhinterziehungen, die in großem Maßstabe betrieben werden. ohne daß die Regierung resp. ihre Organe es sür nötig halten, den Staatsbetrügern das Handwerk zu legen. Es waren schwere Anklagen, die unser Genosse gegen die Verwaltung erhob. Aber anstatt auch nur den Versuch einer Widerlegung oder Entkräftigung derselben zu machen, erging sich der Finanzminister in einigen hochtönenden Phrasen, an die sich das bekannte Lied von den hohen Beiträgen anschloß, die die Gewerkschaften den Arbeitern „gezwungen" aus der Tasche nehmen. Die gleiche kühne Behaust- tnng hatte der Minister schon früher aufgestellt, und die Mehrheit deS HauseS, die ihn vor einem Hineinfall bewahren wollte, hatte dem sozialdemokratischen Redner, der ihm entgegentreten wollte, das Wort abgeschnitten. Diese Taktik hatte sich so gut bewährt, daß man sie auch jetzt wieder einschlug, der zum Wort gemeldete Ge- nosie Hirsch wurde einfach mundtot gemacht. Die Antwort wird dem Finanzminister also bei anderer Gelegenheit erteilt werden müssen. Im übrigen ist aus der Stenerdebatle nur noch ein Versuch der Konservativen zu erwähnen, durch einen Antrag, den sogar der Finanzminister als etatsrechtlich bedenklich erklärte, zu verhindern, daß den Landräten der Borsitz in den Veranlagnngskommisstonen genommen wird. Freitag: Kleinere Etats und Antrag Hammer betr. die Waren- haussteuer._ Evangelische Klagelieder. Eine protestantische Zeitschrist, die„Reformation", hat unter evangelischen Gläubigen eine Umfrage veranstaltet, wie sie über die Reichstagswahl 1912 und die Stellung der evangelischen Kirche dazu denken. Die Antworten sind nicht gerade freudiger Natur. Nur die Herren Mumm und Behrens, die stolzen Säulen der christlichsozialen Partei, sind voller Hoffnung. Herr Mumm phantasiert von einer„breiten Schlachtfront", die sich gegen die Sozialdemokratie erhebt und diese zu Boden schlagen wird. Er meint damit— man lache nicht!— die christlichnationale Arbeiterbewegung! Und Herr Behrens sieht in den„christlichdeutsch organisierten" Bauern, den„christlichnationalen" Arbeitern und dem„christlich- deutschen" Adel das feste Bollwerk gegen den Umsturz, zu dessen Helfern er auch die„internationale jüdische Hochfinanz" rechnet I Die übrigen Aeußerungen sind auf einen ernsteren Ton gestimmt. Manche der Gefragten Helsen sich mit einer Klage über die zunehiuendc Gott- und Sittenlosigkeit und mit einem hoffenden Spruch oder einer biblischen Berhcifimig aus der Verlegenheit. Andere gehen der Kirche ziemlich entschieden wegen ihrer sozialen Versäumnisse zu Leibe. Das gewaltige Anschwellen der Sozialdemokratie, meint der bekannte Lizentiat Weber(M.-Gladbach) sei eine Frucht der Entkirchlichung des Volkes und diese wiederum sei zum Teil Schuld der Kirche. die es versäumt habe, dem modernen Menschen eine Freundin und Mahnerin zu sein, im privaten wie im öffentlichen, im sittlichen wie iin sozialen Leben. Die evangelische Kirche existiere an vielen Orten nur noch als ein äußerer Mechanismus, der in altgewohnter Weise funktioniere, aber ohne irgendivclchen tieferen und lebendigeren Einfluß auf Geist und Gesinnung des Menschen. Im selben Sinne meint Pfarrer Philipps(Spandau), daß das offizielle Kirchentum sich als unzureichend erwiesen habe, den stetigen Rückgang des religiösen Lebens aufzuhalten. Ein großes Hindernis erblickt Philipps' an der staatlichen Gebundenheit der Kirche, die immer aufs Neue das im Volke wurzelnde Mißtrauen stärke, als sei die Kirche nichts als der Büttel oder die heuchlerische Dienerin der Staatsgewalt. Dieses Mißtrauen werde das pfarranttliche Wirken unter der Arbeiterschaft allniählich fast ganz illusorisch machen. Pfarrer Samuel Keller(Frciburg i. B.) sieht das Unheil der Arche in den„netten Menschen, die nirgends anstoßen, deren Ueberzcugung niemals unbequem wird, die vormittags in der Kirche(aber selten) eine ebenso gute Figur machen, wie abends im Kabarett oder im Varieta, die nie nach oben eine eigene Meinung haben und nie etwaS sagen, was einem Streber in Atem versetzt. Je nachdem wie in ihrer Umgebung der Wind weht, können sie für oder wider Christus stiinmen. Wenn die Trennung von Staat und Kirche uns nur von diesen Leuten befreien würde, wäre schon viel'gewonnen." Durch fast alle Acußerungen geht ein Ton der Nieder- geschlagenheit, der Ergebung in ein unvermeidliches Schicksal. Es liegt eine gewisse Tragik drin, wenn ein seiner Sache so ehrlich und eifrig ergebener Mann wie Pfarrer Weber sich zu dem Geständnis genötigt sieht, daß er nicht mehr glaube an die„Vernünftigkeit und Haltfestigkeit, an die Treue und Dank- barkeit des überwiegenden Teils des deutsch-evangelischen Christenvolkcs." Und man wird dem Manne die Teilnahme auch dann nicht versagen, wenn er in seiner Ahnungslosigkeit den Wandel in der Gesinnung des Volkes nicht anders zu deuten weiß als Entchristlichung und Entsittlichung. WaS die Weber und Genoffen zum Besten der Kirche vor- schlagen: Teilnahme der Kirche am öffentlichen Leben ini Sinne deS Evangeliums, Bekämpfung aller Schäden im politischen und sozialen Leben, Organisierung der Arbeiter auf christlicher Grundlage— sind Versuche mit untauglichen Mitteln am un- tauglichen Objekt. Der Niedergang der bürgerlichen Gesellschaft und mit ihr des kirchlichen Lebens ist nicht aufzuhalten und die Kirche wird um so schneller und gründlicher den Rest von Vertrauen beim Volke verlieren, je beharrlicher sie in ihrer Verblendung gegenüber der emporstrebenden Arbeiterklasse bleibt._ Tie Hamburger Bürgerschaft und die Lehrerprüfung. Am Mittwoch hat die Hamburger Bürgerschaft, einem Senats- antrage entsprechend, die zweite Prüfung für die Lehre- rinnen aufgehoben. ES waren freilich nicht Bedenken gegen das Wesen der heutigen Examina an sich, die. den Senat zur Einbrin- gung des Antrages veranlaßt hatten, sondern lediglich die Rücksicht- «ahme auf die Prüfungsverhältnisie in Preußen. Das geht auch aus der Stellung hervor, die der Senat in der Examenfrage im allgemeinen einnimmt. Er denkt vorläufig nicht daran, die zweite Prüfung auch für die Lehrer aufzuheben. Auch in der Bürger- schaft ist die Meinung noch sehr park vertreten, daß die heulige Form d-> LehrercxamenS tatsächlich einen Wertmesser für den Grad der Bildung abgebe, den der Lehrer erreicht habe. Dem- gegenüber wies unser Genosse Krause darauf hin, daß die gegen- tvartige zweite Prüfung in der Hauptsache nichts weiteres sei. als eine Wiederholung der ersten. Damit werde dem jungen Lehrer ganz unnützer Weise Zeit und Kraft geraubt. Die unbedingt not- wendige Weiterbildung der Lehrkräfte sei viel besser zu erzielen, wenn die jungen Lehrer und Lebrerinnc» verpflichtet würden. einige Jahre lang die seminaristischen Hebungen des V o r° lesungSwesenö zu beiuckcn. Pädagogik und Psyckiologie als Obligatorium und dazu die Belegung von ein oder zwei Wahl- fächern würden eine vies größer? Vertiefung der Lehrerbildung «ewährleisten als die jetzige Art der Vorbereitung auf das zweite bie die Kräfte zersplittere und ganz übermäßig das Ge- dächknis in Allspruch nähme. Man darf gespannt darauf sein, ob bei der demnächstigen Beratung des neuen Unterrichtsgesetzes diese Vorschläge, die durchaus dem Geiste der modernen Pädagogik ent- sprechen, Beachtung finden._ Ans dem sächsischen Landtag. Die Zweite Kammer verhandelte heute, wie telegraphisch aus Dresden gemeldet wird, über eine nationalliberale Interpellation, betreffend die Zusammensetzung der Ersten Ständekammer. Der Führer der nationallibcralen Fraktion Abgeordneter Hettner begründete die Interpellation und wies sodann darauf hin, daß Handel, Industrie und Gewerbe nicht die gebührende Vertretung in der Zweiten Kammer besäßen. Staats- minister Gras Vitzthum v. Eckstädt führte unter anderem aus, die Regierung wisse die Bedeutung von Handel, Industrie und Ge- werbe wohl zu würdigen, und erkenne auch an, daß die Ver- hältnisse bei aller Rücksicht auf daS historisch Gewordene eine größere Berücksichtigung der genannten Erwerbsgruppen er- heischten. Die Regierung habe aber trotzdem jetzt keine Vorlage eingebracht, weil sie nach der Konstellation der Parteien nicht darauf rechnen könne, die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit in diesem Hause für eine Vorlage zu erlangen, welche der Regierung und der Ersten Kammer annehmbar erscheine. Der beste Wille müsse scheitern, wenn die Parteigegensätze eine solche Verschärfung erfahren hätten.. Die Regierung behalte sich daher den Zeitpunkt der Einbringung einer solchen Vorlage vör. Es beständen aber außer diesen taktischen auch noch sachliche Schwierigkeiten. Die Erste Kammer dürfe nie zu einer berusS- genossenschaftlichen Vertretung gemacht werden. Tie„gereinigte" Stadtbücherei. Die Stadtverwaltung der guten Ruhrstadt Witten hatte feit längerer Zeit auch den„Vorwärts" abonniert, der dort mit anderen größeren Tageszeitungen zu jedermanns Einsicht auSliegt. Das ist zwar nichts Neues, denn jede öffentliche Lesehalle wird, wenn sie halbwegs Anspruch auf Vollständigkeit machen will, nicht umhin können, auch die Zeitungen der äußersten Linien zu abonnieren. Das ging jahrelang gut, bis eines guten Tages der Glashütten- bcsitzer Müllensieven sich per Zufall— natürlich nur aus purer Langeweile— in die Stadtbücherei verirrte. Da erblickte fein Auge einen jungen Arbeiter, der sich wahrhaftig— es ist nicht zu glauben— in die Lektüre des„Vorwärts" vertiefte, der hier auf Kosten der Stadt abonniert wird. Da wundert man sich über die hohen Steuerlasten, spricht er vor sich hin, da soll aber der Teufel dreinfahren! Wso auf unsere Kosten sozialdemokratische Ver- hetzung treiben: Wehe dir, Bürgermeister und Magistrat! Derselben Meinung— wer kann als anständiger Mensch ein« andere Meinung haben— waren auch der Herr Dr. Boshammer, der mit Müllensieven in der nationalliberalen Parteileitung sitzt, und der Zcntrumsmomn Midecke, und so beschlossen die Drei im Bunde, Bürgermeister und Magistrat im Stadlparlament zu interpellieren. Und so geschah es. Wohl versuchte der Bürgermeister, sich damit zu rechtfertigen, daß man hauptsächlich den„Vorwärts" abonniert habe, damit sich Politiker zu informieren vermögten, andere würden wohl auch kaum danach greifen. Aber die blau- schwarz« Koalition siegt«, der Bürgermeister stand mit seiner An- ficht allein. Ter„Vorwärts" ist aus der Stadtbücherei ver- schwunden, sie ist wieder wie das Wittener Stadtparlament fozia» listenrein._ Zur Situation im Schwarzburg-Rndolstädter Landtag. Die Regierung hat ihren Standpunkt in der Wahlrechtsfrage der Höchstbesteuerien geändert und einen gemilderten Entwurf vor- gelegt. Nach demselben soll in Zukunft die Festsetzung eines Zensus wegfallen und«ip«. bestimmte Anzahl. d?r. höcbstbestxuerten Personen die vier Abgeordneten ihrer Klasse jvählen. Es entfallen auf den Wahlkreis Rudolstadt I ISV. Rudolstadt II 100, Königsee 100 und Frankcnhaus«» 120 höchstbesteuert« Wähler. Anstatt zirka 600 will die Regierung nach dem neuen Entwurf nur noch 2S3 Höchst- besteuerte in die«flaemeiire Wäblerklasse abschieben. Ob die sozial- demokratische FraWon diesem so abgeänderten Entwurf die Zu- slimmung gibt, ist fraglich. Das neue von der Regierung vorgelegte Steuergesetz steht eine Entlastung der unteren Einkommen bi» zu 2400 M. vor. Der dadurch entstebende Steueraussall von 46 000 M. wird durch höhere Erträge der oberen Steuerstufen ausgeglichen. In» Staatshaushalts- etat 1912/1914 ist eine achtprozentige Lohnerhöhung für alle Beamten vorgesehen. Regierung und Landlag haben sich geeinigt, am Donnerstag zunächst in eine Generaldisknision über den StaalShauS- haltSetat einzutreten, und in diese Diskussion daS Einkommensteuer- gesetz, die Kapilalrentenstener, die Grund-, und Gebäudesteucr, daS Gc- werbesteuergesetz und die Abänderung des Wahlgesetzes einzubeziehen. Ein Offizier als Soldatenpeiniger. DaS Oberkriegögericht in Dresden verurteilte den 24jährigen Leutnant Troll vom Pionier-Bataillon Nr. 12 wegen vor- fchriftswidriger Behandlung Untergebener in sieben und Beleidigung Untergebener in 2 S Fällen, begangen während der Ausübung des Dienstes und zum Teil unter Mißbrauch der Waffe, zu sechs Wochen Stubenarre st II Der jugendliche Angeklagte ist bereits im Jahre 1998 wegen einer rohen Mißhandlung mit acht Tagen Stubenarrest bestraft worden— aber ist Offizier geblieben. Im Herbst vorigen Jahres erhielt der Angeklagte die Einjährigen zur Ausbildung; es ging jedoch nur kurze Zeit, dann kamen fortgesetzt Beschwerden über die Behandlung durch den Leutnant. Er hat die Untergebenen in der gemeinsten Weise be- schimpft und durch allerlei Schikane vorschriftswidrig behandelt. Die unliebsamen Dinge wurden wegen angeblicher Gefährdung Militär- dienstlicher Interessen hinter v er s ch l o s e n en Tü ren- aufgerollt. Der Gerichtsherr erstrebte mit Rücksicht auf die«oße An- zahl der Fälle eine Festungsstrafe. Da» Berufungsgericht Pelt aber die obige Strafe für— ai» gemessen! Aber auch der Angeklagte hatte mit seiner Berufung keiiien Erfolg. Konflikt in Elsas?-Lothringen in Sicht. Nach einer Meldung bürgerlicher Blätter soll die Regierung deS Neichslandes beschlossen haben, unter allen Umständen an den ge- strichenen 100 000 M. für den kaiserlichen Gnadenfonds festzuhalten. Dem Landtage soll diese Absicht in einer Erklärung mitgeteilt werden, in der auf die Folgen einer definitiven Ablehnung hingewiesen werden soll.— Die Fassung der bürgerlichen Meldung läßt durchblicken, daß sich die Regierung mit Auslösungsgedanken trägt. Vitgarn. Ei» anfrcizcildcs Verbot. Budapest, 29. Februar.(W. T. B.) Die für den 4. März von den Sozialdemokraten einberufene Volks- Versammlung unter freiem Himmel mit anschließendem DemonstrationSzug zum Abgeordnetenhaus, wo eine Kundgebung für daS allgemeine Stimmrecht stattfinden sollte, ist polizeilich verboten worden. Begründet wurde daS Verbot damit, daß eine Verkehrsstörung zu befiirchten sei und der Zugang zum Abgeordnetenhaus behindert werde. foißlaitcU Die Rnssifizierung Finnlands. Unser finnkändischer Mitarbeiter schreibt nnS: Das Gesetz, welches den russischen Staatsbürgern in Finnland die gleichen Rechte mit den filmischen Bürgern geben soll, ist jetzt von den russischen Gcsetzgebnngstnstitntionen angenommen und auch von dem Zaren bereits sanktioniert worden. Ein scheinbar harm- loses und selbstverständliches Gesetz, aber doch dazu ersonnen, Finn- land immer mehr zu knebeln, zu entrechten und der Nnssifizierung auszuliefern. Im völligen Widerspruch zu den finnischen Rechts« grundsätzen erlassen, ist es auch bestimmt, sie zu durchbrechen und zu untergraben. Der vcrfassnngSmätzige Weg der finnischen Gesetz« gebung ist hier beiseite gelassen und außerhalb der legalen Ordnung ist dem Volke ein Gesetz aufgezwungen worden, dessen Konsequenzen unabsehbar sind. Die Echtrussen behaupten, die Rechtlosigkeit der Russen in Finn- land wäre schreiend und beschämend gewesen. Indessen flüchten zahllose Russen nach Finnland, um sich vor der Willkür der russischen Behörden zu retten. Aber auch abgesehen davon, stand einer Er» Weiterung der Rechte der russischen Staatsbürger in Finnland nichts im Wege. Auf dem legalen Wege wäre eine solche sehr leicht zu erreichen gewesen. Die Zarenregierung führte aber ganz anderes im Schilde. Sie wollte die nationale Selbstverwaltung Finnlands für die Russifikation zugänglich machen. Die finnische Verfassung schreibt vor, daß der Zar Finnland nur durch Beamte verwallen darf, die die finnischen Bürgerrechte besitzen, der Landessprachen mächtig sind und den Landesgesetzcn unterstehen. Beamte, die eine juristische Ausbildung besitzen müssen, sind ver- pflichtet, eine diesbezügliche Prüfung bei der Universität zu Heising- fors abzulegen. Das ist zur Sicherung der Rechtskunde deS Landes durchaus notwendig. Da aber auf den russischen Universitäten nirgends finnländische Rechtskunde gelehrt wird, bleibt dieses Wissensgebiet den Russen ebenso unbekannt, wie die beiden finnischen Landessprachen— finnisch und schwedisch. Das neue Ge» setz gibt aber nun den Russen in Finnland alle Rechte, die die Finnen besitzen, also auch daS Recht auf Beamte»Posten. Gleichzeitig wird betont, daß die Rechte der russischen Hochschulen auch für Finnland Geltung haben— es steht also nichts mehr im Wege, um alle Po st en in Finnland mit russischen Beamten zu besehe nl WaS daS für Finnland bedeutet, geht schon daraus hervor, daß das finnische Justizwesen dem russischen vollkommen fremd ist und die Finnen und Russen bezüglich der Sprache, der Sitten, Gewohnheiten usw. einander verständnislos gegenüberstehen. Nun soll das Land von Beamten verwaltet werden» die dem ganzen Leben vollkoinmen fremd sind. Und wie soll das Gesetz durchgeführt werden? Dazu find ganz eigenartige Bestimmungen erlassen worden. Während die von dem Zaren beschworene Landesverfasinng bestimmt, daß der finnische Bürger nur von finnischen Richtern in Finnland abgeurteilt werden darf, sollen nun alle, die sich gegen das RussifizierungSgesetz irgendwie vergehen, in Petersburg, von russischen Richtern abgeurteilt werden I ES ist also ein Ausnahmegesetz schlimmster Art, das nun von dem eidbrüchigen Zaren dem finnischen Volke auf« oktroyiert worden ist. Alle AbänderungSanträge, die in der Duma und im Reichsrate von der Oppofition gemacht wurden, find glatt abgelehnt worden. Begründete Hinweise von Juristen, daß daS Gesetz in das finnische Rechtssystem nicht hineiiipaßt und die unangenehmsten RechtSkonflikte nach sich ziehen wird, wurden einfach ignoriert oder nredergebrüllt. So wird man denn nun Finnland mit russischen Beamtcnkreaturen übersäen, die das Land mit allen Mitteln ruffifizieren werden. Und alle Finnen, die sich, gestützt auf ihr verfassungsmäßiges Recht, diesem RechlSbruch widersetzen sollten, werden nach Petersburg geschleppt und den russischen Gerichten und Kerkern überantwoltet werden. DaS ist dann russische Gleichberechtigungl Türkei. Ein sozialistisches Reformprogramm. Die sozialistischen Organisationen der Türkei, daS sind die zwei armenischen Parteien„Daschnakzutiun" und„Hand schal" und die„Sozialistische Arbeiterföderation', haben sich auf ein gemeinsames Programm der nächsten Forderun- gen geeinigt. Daneben behalten die armenischen Parteien noch ihre besonderen Forderungen, die sich aus ihrem nationalen und lokalen Charakter ergeben. Das Reformprogramm enthält folgende Hauptforderungen: 1. Politische Forderungen. Zweijährige Legislatur- Periode. Volle Ministerverantwortlichkeit. Allgemeines, gleiches. direktes, geheimes, proportionelles Wahlrecht für das Parlament und die lokalen Körperschaften. Aktives Wahlrecht vom 20., passives vom 23. Jahre an. Freiheit der Presse, des Wortes, der Pereine und Versammlungen, der Streiks und der Boykotts. Beseitigung der Gesetze, die gegenwärtig die Streiks und Organisationen ein- schränken. Gowerbefreiheit. Beseitigung der Zunftprivilegien. Be- seitigung des Verbots sür Minderjährige der Teilnahme an den« Gewerkschaften. Freiheit des Glaubens und der Religion. Freiheit und Unverletzbarkeit der Person. Beseitigung deS Gesetzes übev Vagabondage. Bewegungsfreiheit. 2. Gerichtliche Forderungen. Gleichheit aller vov dem Gericht, auch von Mann und Frau.(DaS letztere ist für die Türkei van geradezu revolutionärer Bedeutung!) Reform der Kri- minalgesetzgebung im humanitären Sinne der modernen Zivilisa- tion und Schaffung eines Bürgerlichen Gesetzbuches, das den An- forderungen des modernen Geschäftsverkehrs entspricht. Beseitigung der Todesstrafe. Unzulässigkeit der Anwendung des Kriegsgerichts für Vergehen, die keinen militärischen Charakter tragen. Gleiche Eigentumsrechte für Mann und Frau. Besondere Gerichte für Jugendliche. L. Wirtschaftliche und sozialpolitische Forde-» rungen. A. A r b e i t e r frage.(Das ganze Arbeiterfchutz- Programm der Sozialdemokratie inklusive Maßnahmen gegen die Teuerung und staatliche bezw. kommunale Unterstützung zum Bau von Arbciterwohnungen.) B. Industrie und Handel. In- dustriekammcrn. Bau von Eisenbahnen, Zufuhrstraßen und Land- wegen. Vorkehrungen zum Rückkauf der privaten Eisenbahnen durch den Staat. Erweiterung des Dienstes von Post und Tclcgraphie. Reform und EntWickelung der städtischen Finanzen und der Kam- munalwirtschaft. Handelsverträge auf der Grundlage der Herab- setzung der Zölle. Beseitigung des Tabaks- und des Salzmonopols. Münzreform. Schaffung einer Staatsbank.(Gegenwärtig ist die Türkei unter der Fuchtel der Banque Ottomane.) C Forderungen für die Bauern und die Landwirt schaft. Landversorgung der Bauern aus dem Besitz des Staates, der Krone. der geistlichen Stiftungen und aus den Terrains der Großgrund» besitzer. Beseitigung aller feudalen Privilegien. Unterstützung der landwirtsck>aftlichen Genossenschaften. Schaffung von landwirtschaft-, lichen Kammern. 4. Finanzpolitische Forderungen. Beseitigung deS Zehnten und der Hammelsteucr und Einführung der Steuer auf Einkommen, Vermögen und Erbschaft. Verwendung der Staats- mittel vor allem für produktive und kulturelle Zwecke. 3. Nationale Frage. Freie EntWickelung aller Ratio- neu. Beseitigung aller Privilegien einer Nation gegenüber anderen. Anwendung der lokalen Sprache mit dem gleichen Recht wie die Staatssprache vor Gericht und in allen administrativen und kommu- nalen Körperschaften. 6. S ch u l f o r d e r u n g e n. Freiheit der Schule und des Unterrichts. Obligatorischer sechsjähriger Unterricht in der Mutter- spräche. 7. Auswärtige Politik. Politik des Friedens. Be- seitigung der Kapitulationen �(der StaatSverträge, die die Selb- ständigkcit der Türkei einschränken): Freundliche Beziehungen be- sonders zu den Nachbarstaaten. Föderation der Balkanstaatcn und als Uebcrgangsmaßregcl Zallmiivg. GewerkfcbaftUcbee. Hn dtc organisierte Hrbeito�fd�af t Dcutfcblands 1 Auf Beschluß des Untcrnehmerschutzvereins deutscher Porzellanfabrikanten sind am 24. Februar sämtliche Porzellan- arbeiter und»arbeitcrinnen der ihm angeschlossenen Betriebe ausgesperrt worden, weil die Jsolatorendreher wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt haben und sich weigern, sie bedingungslos wieder aufzunehmen. Der Konflikt ist dadurch entstanden, daß in einem Betriebe in Teltow einige Dreher die Anfertigung einer neuen Sorte Isolatoren verweigerten, so lange nicht eine B e r st ä n- d i g u n g mit der Direktion über einen angemessenen Lohnsatz erfolgt sei. Die Betriebsleitung beantwortete das Verlangen der Dreher nach Preisvereinbarung mit s o- fortigcr Entlassung. Auch die Mitglieder des Ar- b e i t e r a u s s ch u s s e s, die im Interesse einer Verständigung bei der Direktion vorstellig geworden waren, erhielten sofort ihre Entlassung. Darauf legten sämtliche Isolatoren- dreher des Betriebes die Arbeit nieder. Als sich im Laufe des Kampfes herausstellte, daß die Arbeiten für die bestreikte Firma in den anderen Jsolatorenfabriken hergestellt wurden, kündigten die im Verbände der Porzellanarbeiter organisierten Jsolatorendreher bei allen dem Syndikat der Isolatoren- fabriken angehörigen Firmen und legten Ende Januar dieses Jahres die Arbeit nieder, so daß seitdem etwa 600 Dreher im Streik sich befinden. Nur zwei von den bestreikten Be- trieben betreiben auch Geschirrfabrikation und ge- hören der Unternehmerschutzvcreinigung der Geschirrfabrikanten an. In den Geschirrabteilungen dieser beiden Betriebe be- standen keine Differenzen und wurde weiter gearbeitet. Trotz- dem mischte sich der Unternehmcrschutzverein deutscher Porzellan- fabrikanten in den Streit und beschloß die Aussperrung aller bei den Verbandsfirmen beschäftigten Arbeiter, mit dem Vor- behalt, daß die Unorganisierten nach'acht Tagen die Arbeit wieder aufnehmen können und für die eine Woche mit dem vollen Durchschnittsverdienst entschädigt werden sollen, wenn sie einen Revers unterschreiben, daß sie nie- m als dem Verbände der Porzellanarbeiter beitreten werden. Alle diese Arbeiter sollen in die gelbe Organisation genötigt werden. Dem Verbände der Porzellanarbeiter bleibt angesichts dieses Vorgehens der Unternehmer nichts weiter übrig, als den Kampf aufzunehmen. Er wird geführt um das wichtigste gewerkschaftliche Recht: die Mitwirkung der Arbeiter bei der Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Von den rund 17 000 Mitgliedern des Verbandes der Porzellanarbeiter werden etwa 8590 von der Aussperrung betroffen. Die großen, zur Unterstützung der Ausgesperrten erforderlichen Summen kann der Verband der Porzellanarbeiter auf die Dauer nicht aufbringen. Da der Kampf voraussichtlich von längerer Dauer sein wird, ist es notwendig, schon jetzt an die Solidarität der organisierten Arbeiterschaft zu appellieren. Wir richten deshalb an die organisierte Arbeiterschaft Deutschlands die dringende Aufforderung, durch Vornahme allgemeiner Sammlungen zur Unterstützung der ausgesperrten Porzellanarbeiter und -arbeiterinnen tatkräftig beizutragen. An die Vorstände der Gewerkschaften und örtlichen Ge- werkschaftskartclle ergeht die Bitte, sofort die nötigen Maß- nahmen für diese Sammlungen zu treffen. Die Gewcrkschafts- kartelle»verden ersucht, die Sammlungen an ihrem Orte zu zentralisieren. Sammellisten werden von der Generalkom- Mission nicht versandt; soweit solche erforderlich sind, müssen diese von den Gewerkschaftskartellen beschafft werden. Gemäß deni Beschlüsse des Kölner Gewerkschaftskongresses sind alle sür die Porzellanarbeiter aufgebrachten Gelder nur an die Generalkommission abzuführen. Für die Ablieferung ist folgende Adkesse zu benutzen: Konto-Nr. 7930, Hermann Knbe, Postscheckamt Berlin, oder direkt an Hermann Kube, Berlin SO. 16, Engelufer 14/15. Der Einfachheit wegen und um Porto zu sparen, wolle man die letztere Adresse nur benutzen, wenn besondere Um- stände die direkte Einsendung der Gelder erfordern. Im übrigen sind alle Geldsendungen unter Angabe der obigen Kontonummer und dem Namen des Kontoinhabers ausschließ- lich an das Postscheckamt Berlin zu richten. Zur Erleichte- rung der Einzahlungen erhalten in nächster Zeit alle Gewerk- schaftskartelle Zahlkarten, auf denen die volle Adresse vor- gedruckt und auf denen nichts weiter nachzutragen ist, als der Betrag, der abgesandt wird. Zahlkarten mit dem darauf bezeichneten Betrag können bei allen Post- ämtern des Reichs unentgeltlich eingeliefert werden. Orts- Verwaltungen und Zahlstellen der Verbände, die aus besonderen Gründen Gelder direkt an die Generalkommission einsenden— in der Regel sollen die Gelder an das Gewerkschaftskartell am Orte abgeliefert werden—, werden ersucht, gleichfalls nur Zahlkarten zu benutzen und sich solche vom Gewerkschasts- kartell aushändigen zu lassen. Ueber die eingehenden Beträge wird im„Correspondenz- blatt" quittiert. Besondere Quittungen werden dem Einsender nicht zugestellt. Berlin SO. 16, Engeluser 15, den 1. März 1912. Tie Generalkommisfion der Gewerkschaften Teutschlands. C. Legie«. Berlin und Qmgegend. Der Streik im Herrenmasischneidergewerbe. beginnt mit dem heutigen Tage. Er hat schon, bevor er zur Tat- fache wurde, eine nicht geringe Anzahl Arbeitgeber veranlaßt, den neuen Tarif unterschriftlich anzuerkennen.»Bis gestern mittag waren es in Berlin bereits 21 Geschäfte, von denen die unter- schriftliche Anerkennung vorlag. Diese bleiben infolgedessen von der Arbeitsniederlegung verschont. Mit der neuen lokalen Arbeit- geberorganisation sind am Mittwochabend Verhandlungen gepflo- gen worden, die allerdings nicht zum Abschluß kamen. Es wurden hier jedoch von den Arbeitgebervertretern nur gegen eine Position Einwendungen erhoben, so daß also, soweit diese'Organisation in Frage kommt, einer friedlichen Einigung keine großen Schwierig- leiten entgegenstehen. Uebrigens hatte die lokale Arbeitgeber- organisation zu gestern abend eine Mitgliederversammlung ein- berufen, um zu der Sache Stellung zu nehmen. Selbstverständlich wird die Arbeit auch in diesen Geschäften eingestellt, soweit der Tarif nicht anerkannt ist. Die Organisationslcitung der Unter- nehmer ist davon auch in Kenntnis gesetzt. Bürgerliche Blätter wußten gestern abend zu berichten, daß zum Montag Vcrhandlun- gen mit dem allgemeinen Arbeitgcbcrverband in Aussicht genommen seien; auf Seiten der Arbeiter ist davon jedoch noch nichts bekannt. Lerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw/f Im übrigen versucht man auf jener Seite fortgesetzt, die Oeffent» lichkeit über die Ursachen des Scheiterns der Frankfurter VerHand. langen zu täuschen. Demgegenüber bietet ein an die Arbeitgeber versandtes Rundschreiben wahrheitsgetreue Aufllärung. Dasselbe deckt sich in allen Punkten mit dem, was der.Vorwärts" in seiner Nummer vom 28. Februar über den Verlauf und den Abbruch der Verhandlungen mitgeteilt hat. Für die Durchführung des Streiks find Herefts alle notwendi- gen Matznahmen getroffen. Das Zentralstreikbureau befindet sich in den Arminhallen, Hof links im ersten Stock, und mit der Lei- tung dieses Bureaus sind Hans Bresemann und Kaschewski betraut. Im Laufe des Tages werden in den verschiedenen Stadt- teilen weitere Streikbureaus eingerichtet. Diejenigen Geschäfte, die bisher kemen Tarif hatten, aber auf eine ftiedliche Beilegung des Konfliktes Wert legen, haben dem Zentralstreikbureau oder dem Verbandsbureau in der Se- bastianstraße schriftlich mitzuteilen, welche Tarifklaffe für sie maß- gebend ist. Die Zahl der Geschäfte, die die neuen Vereinbarungen unter- schriftlich anerkannt haben, ist im Laufe des gestrigen Nachmittags auf 53 angewachsen. Von diesen Geschäften gehören 4 der Is-Tarif- klaff« an, 16 der Ib-, 26 der IIa- und 15 der Ild-Tarifklasse an. Eine Reihe weiterer Firmen hat die Anerkennung bereits zugesagt, und ihre Unterschriften sollen heute vormittag eintreffen. Mit der nuen Arbeitgeberorganisation ist der Abschluß des Tarifvertrages als gesichert anzusehen, wenn er auch noch nicht endgültig zustand«. gekommen ist. Die Bewegung steht also von Anfang an sehr günstig für die Arbeitnehmer, und die vom Streik betroffenen Arbeitgeber werden sicherlich keinen Vorteil, sondern nur Schaden davon haben, daß sie sich von ihrem Zentralvorstand und ihren Münchencr Kol- legen mutwillig in den Kampf treiben ließen. Soweit Nachrichten aus dem Reiche vorliegen, haben die Schneider auch sonst überall die ArbeftSniederlegung beschlossen. In München wollen die Unternehmer mit einer Aussperrung der Schneider antworten, die nicht mit in die Bewegung hinein» gezogen sind._ Tapezierer! Die Sperre über die Firma Grasopp, Elisa- bethstr. 3, ist aufgehoben. Die Schlichtungskommisfion. Achtung, Glasschleifer! Bei der Firma H. Hannig, Glas- schleiferei. Königsberger Str. 3, ist es wegen der Maßregelung des Kollegen C. Welz zur Arbeitsniederlegung gekommen, da sich die Firma auf Vorstelligwerden weigerte, denselben wieder einzustellen. Alle Glasschleifer, Polierer und Beleger werden ersucht, den Be- trieb streg zu meiden und alle Arbeitsangebote zu unterlassen. Die Ortsverwaltung. Lohnbewegung der Wleischergesellen in Neukölln. Am Mittwoch hatten sich auf Einladung des Zentralverbandes der Fleischer wenigstens 266 Fleischergescllen— die überwiegende Mehrheit der in Neukölln fRixdorf) beschäftigten— in Tapperts Saal in der Steinmetzstraße versammelt. Es würden wohl noch mehr gekommen sein, aber einige noch recht.patriarchalisch" gesinnte Fleischermeister hatten es verslanden, ihre Gesellen vom Besuch der Versammlung zurückzuhalten. Einzelne sollen sogar kurz und bündig die Gesellen in ihrem Logis eingeschlossen haben, um ganz sicher zu sein, daß die Gesellen nicht dem„väterlichen" Einfluß des Meisters entrinnen. Trotzdem war, wie gesagt, die übergroße Mehrheit in der Versammlung.— Ter Verbands- Vertreter Bergmann begründete die Notwendigkeit einer den Zeitverhältniffcn entsprechenden Regelung der Arbeitsverhältnisse. Angemessene Löhne, geregelte Arbeitszeit und geordnete Arbeits- vermittelung, das sind die Hauptpunkte der Forderungen. Der Referent verwies darauf, daß die Einführung einer geregelten Arbeitszeit bei den Fleischermeistern immer noch auf heftigen Widerstand stößt. Sie behaupten, im Fleischergewerbe sei es nicht möglich, eine bestimmte Arbeitszeit innezuhalten. Dem widerspricht jedoch die Tatsache, daß viele MeiiterdM Groß-Berlin, die 1 bis 3 Gesellen beschäftigen, eine regelmäßigel2stündige Arbeits- zeit eingeführt haben. Tie Forderungen, welche den Neuköllner Fleischermeistcrn ein- gereicht werden sollen, sind in der Hauptsache folgende: Die tägliche Arbeitszeit darf einschließlich ausreichender Eßpausen 12 Stunden täglich nicht überschreiten. An Sonn- und Feiertagen gelten die Bestimmungen' des§ 165 der Gewerbeordnung. Ucberswnden sind möglichst zu vermeiden. Sind sie im Interesse des Geschäfts not- wendig, so wird jede halbe Stunde mit 25 Pf. bezahlt. Der Mindestlohn für jüngere Gesellen ohne verantwortlich« Stellung darf nicht unter 13 Mk. pro Woche, einschließlich Kost und Logis, betragen. Für Erstgesellen in Betrieben bis zu drei Gesellen beträgt der Mindestlohn 18 bis 26 Mk. Die übrigen Löhne unterliegen der freien Vereinbarung. Für Sonntag-Abendbrot ist jedem Gesellen eine Entschädigung von 75 Pf. zu zahlen. Die Logis müssen der Zeit entsprechend und im Winter heizbar sein. Bei Neueinstellung von Gesellen ist der kostenlose Arbeitsnachweis des Verbandes zu benutzen. Die Kündigung kann Mittwochs zwischen 8 und 16 Uhr erfolgen. Im Falle der Kündigung schließt die Arbeitszeit um 6 Ubr abends. Die Versammlung sttmmte den Forderungen zu. Sie sollen sämtlichen Fleischermeistern eingereicht werden mit dem Ersuchen, sich innerhalb sechs Tagen darüber zu äußern. Die Bewilligung soll in der Form eines Tarifvertrages geschehen, der bis zum 1. September 1913 gelten soll. Eine Resolution, welche einstimmig angenommen wurde, be- sagt, es soll mit allen gesetzlichen Mitteln versucht werden, die Meister zum Abschluß des Vertrages zu bewegen. Die Ver- sammelten verpflichten sich alle Anordnungen der Verbandsleitung zu befolgen, nichts ohne ihr Einverständnis zu unternehmen und keine besonderen Vereinbarungen mit den Arbeitgebern einzugehen. De« Kellnerstreik im„Deutschen Wirtshaus", Neukölln. Berg. straße 136/137, dauert unverändert fort und bleibt der Betrieb für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt. Verband deutscher GastwirtSgehilfen. DeutlcKes Reich. Bergarbeiterbewesiung. Am kommenden Sonntag wird m 66 Bergarbeiterve rsamm» lungen. die von den drei Bergarbeiterorganisationen gemeinsam einberufen werden, die ablehnend« Antwort des ZecherwerbandeS auf die Lohneingabe verhandelt werden. ?Zusi»nd. Der englische Bergarbeiterstreit. London, 28. Februar.(Eig. Bcr.) Nach allem, was ich aus sicherer Quelle erfahren habe, zu urteilen, werden die Verhandlungen, die augenblicklich noch zwischen der Regierung und den Bergarbeitern einerseits und der Regierung und den Unternehmern andererseits stattfinden, wahrscheinlich er- gebnislos verlaufen. Ueber die Einzelheiten der gestern gepflo- genen Verhandlungen wird von allen Seiten das tieffte Still- schweigen beobachtet. Der offizielle Bericht gibt nur an, daß der Premierminister und seine Kollegen gestern um 12 Uhr mittags die Delegierten zur Generalkonferenz der Bergarbeiterföderation im Ministerium des Aeußern empfingen und die Erklärungen des Prä- sidcnten Edwards und des Vizepräsidenten S m i l l i e entgegen- nahmen. Der Premierminister habe darauf die Delegierten er- sucht, ein kleineres Komitee zu ernennen, das mit den Regierungs- Vertretern beraten sollte. Dieses Komitee habe dann später um 316 Uhr eine Sitzung mit den Regierungsvertretern gehabt. Auch LH. Glocke. Berl'n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, Verlagsanstalt I hätten der Premierminister und seine Kollegen um 7 Uhr abends eine Sitzung mit dem beratenden Komitee der Unternehmer gehabt. Es ist jedoch bekannt, daß die Regierungsvertreter beiden Parteien gewisse Vorschläge gemacht haben, die die Bergarbeiter in einer heute stattfindenden Sitzung der Generalkonferenz diskutieren werden. Von vielen Seiten wird behauptet, daß es einzig und allein der hartnäckige Widerstand der südwalisischen Unternehmer ist, der einer Einigung im Wege stehe. Viel ist davon zweifelsohne wahr; Herr Thomas verspricht sich viel von einem Streik— nicht nur die Zertrümmerung der Arbeiterorganisation, sondern auch eine Stärkung des Kartells, an dessen Spitze er stehy und günstige Erneuerung der Lieferungsverträge, die durch den Streik automatisch zu Ende kommen. Aber auch andere Zechenbesitzcc wünschen den Kamps, wenn auch nicht so offen wie die Südwaliser. Uebrigens muß man bedenken, daß jetzt, nachdem sich jedermann mit Kohlen versorgt hat, eine Produktionseinschränkung und eine zeitweilige Stillegung vieler Gruben unvermeidlich ist, selbst für den Fall, daß der Generalstreik aufgehalten werden könnte. Von einer Vermeidung des Streiks kann nicht mehr die Rede sein. 46 666 Mann befinden sich schon im Ausstand und heute werden ihnen viele Tausende folgen. Die Leute find nicht mehr zurückzuhalten. Selbst der sehr unwahrscheinliche Beschluß der Generalkonserenz der Bcrgarbeitcrföderation, den Streik hinaus- zuschieben, würde kaum befolgt werden. Wie verlautet, ist die Regierung entschlossen, den Minimallohn im Bergbau gesetzlich einzuführen, falls sich die Kohlenbesitzer wei- gern, nachzugeben. Nötigenfalls will dann die Regierung zeit- weilig von den Gruben sich widersetzender Kohlenbesitzer Besitz er- greifen. Um diesen Plan durchzusetzen, soll sie beabsichtigen, im Unterhaus schnellstens ein kurzes Gesetz zur Annahme zu bringen; ein Widerstand seitens der Lords wird nicht erwartet. Von glaub- würdiger Seite wird diese Nachricht bestätigt. Wenigstens ein ein- flutzreicher Minister befürwortet den Plan. Am Ende der Morgensitzung gab die Generalkonferenz der Bergarbeiterföderation heute folgenden Bericht heraus: „Der Vorstand gab seinen Bericht über die Verhandlungen, die zwischen dem Premierminister und seinen Kollegen und ihm /dem Vorstand) stattgesunden haben. Ter Bericht wurde als be- friedigend entgegengenommen und die Konferenz beschloß ein- stimmig, diese Verhandlungen fortzusetzen. Folgende Resolution' bezüglich der Frage der Sicherheit der Gruben wurde ange- nommen: Denjenigen Arbeitern, die zur Aufrechterhaltimg der allgemeinen Sicherheit der Gruben— Bedienung der Bewetterung, Entfernung des Wassers aus den Gruben und Fütterung und Pflege der Grubenpferde— nötig sind, soll erlaubt werden, nach Ablauf der Kündigungsfrist von Tag zu Tag zu arbeiten, aber in keinem Falle darf von diesen Arbeitern verlangt werden, Kohle zu produzieren." »• * Inzwischen greift der Streik immer weiter um sich. So melden die Depeschenbureaus: London, 29. Februar, 2 Uhr morgens. Die Zahl der Berg- leute, die bis jetzt die Arbeit niedergelegt haben, beläuft sich ins- gesamt auf 135 666 Mann. Diese verteilen sich auf die einzelnen Grubendistrikte wie folgt: Dcrbyshire 49 666, Dorkshire 25 666, Nottingham 37 666, Nordwales 12 666, Leicester 7666, Hampshire 1966, Durham 1566 und Somerset 1666. London, 29. Februar. Wie es heißt, sollen nur noch 46 Proz. der gesamten Bergarbeiter Englands bei der Arbeit sein. London, 29. Februar. Die Stimmung ist äußerst pessimistisch. Gegen mittag waren die Bergwcrksbcsitzer zu einer Konferenz mit dem Kabinettsrat versammelt. Tie Beratung dauerte zwei Stun- den. Wie verlautet, verharrten die Bergwerksbesitzer auf ihrer Weigerung, die Vorschläge der Regierung anzunehmen. Um 5 Uhr nachmittags befinden sich insgesamt 598 566 Berg- arbeiter im Streik. Tie Ausständigen verteilen sich aus die ein- zelnen Distrikte wie folgt: Wales 18 666, Durham 152 666, Schott- land 135 666, Dorkshire 166 666, im Norden von Wales 12 666, Northumberland 76 666, Leiceftershire 16 666, Derbyshire 53 666. Nottingham 37 666, Somerset 1666, Lancaster 2566. Morgen früh werden 1 Million Mann feiern! W. T. B. bringt noch spät folgende Meldung: Premierminister A s q u i t h hat den Grubenbesitzern neue Borschläge gemacht. Die Verhandlungen haben danach eine neue Wendung genommen und sollen morgen fortgesetzt werden. Die Bergwerksbcsitzer von North- umberland haben sich im Prinzip mit einem Lohnminimum ein- verstanden erklärt, wollen aber nichts davon wissen, den Minimal» lobn zu zahlen ohne Rücksicht auf die Fähigkeit und die Geschick- lichkeit der Arbeiter. Letzte Nachrichten. Sozialdemokratische Tcmonstration in Budapest. Budapest, 29. Februar. /W. T. B.) Wie nachträglich ver- lautet, bezieht sich das Polizeiverbot der von den Sozialdemokraten geplanten Volksversammlung und des Demonstrationsumzuges nur auf den Platz und die Straßen, die von den Veranstaltern ange- geben worden waren. Die Versammlung und der Umzug werden jedoch gestattet werden, falls die Sozialdemokraten sich entschließen, für ihre Kundgebungen einen anderen Platz auszuwählen. Zur Vermittlungsaktion im italienisch-türkischen Kriege. Paris, 29. Februar. In einem Artikel über die Frage der Vermittelung zwischen Italien und der Türkei kritisiert daS„Jour- nal des Debats" sehr scharf die Haltung der italienischen Regie- rung und meint, das zweimalige Proklamieren der Angliederung von Tripolis und der Chrenaika, durch welche die Türkei nicht einen Zollbreit an Boden verloren habe, werde jeden Bcrmitte- lnngSverfuch zunichte machen. Keine Macht könne der Türkei detl Rat erteilen, Provinzen preiszugeben, welche sie im Innern noch vollständig besetzt halte. Man sollte auch aufhören, Europa damft einzuschüchtern, daß man den Balkankrieg für daS Frühjahr an- kündige oder von der Möglichkeit eines ChristenmassakreS spreche. Die Mächte seien gewiß geneigt, zu vermitteln, ober nur zugunsten eines Ausgleichs und nicht einer Unterwerfung. ES fei Sache der italienischen Regierung, die Bedingungen sür diesen Ausgleich be- kanntzugeben. Der Kampf bei Homs. Paris, 29. Februar. Ueber den vorgestrigen Kampf hei Homs wird dem„Temps" von seinem im türkischen Hauptquartier in Azizia befindlichen Berichterstatter über Tunis telegraphiert: Die Italiener, welche etwa 16 666 Mann Verstärkungen erhalten hatten, unternahmen einen Vorstoß und besetzten den Djebel- Margheb. Die türkisch-arabischen Streitkräfte vertrieben mittels eines Bajonettangriffs die Italiener aus ihrer Stellung, mußten sich jedoch infolge des Feuers der italienischen Feld, und der Marineartillerie zurückziehen, worauf die Italiener den Djebel. Margheb von nniem besetzten. Der Kampf hatte von Sonnen- aufgang bis 16 Uhr abends gedauert. Die Verluste der Italiener find sehr bedeutend. Auf ihrem linken Flügel allein bliebe» über dreihundert Tote auf dem Platze. Die türkisch-arabischen Truppe» hatten 36 Tote und 86 Verwundete. � Ein Frscherkuttcr verschollen. - Cuxhaven, 29. Februar.(H. B.) Der mit drahtloser Tele- graphie ausgerüstete Llankeneser Fischerkuttcr S. B. 57 ist ver- schollen. Er ist seit AnfangJanuar zum Fange in der Nord- sec unterwegs, und es fehlt van ihm seitdem jedes Lebenszeichen. Der Kutter wurde von einem erprobten Schiffer aus Blankenese geführt und hatte austerdcm drei Mann Besatzung._ >aul Singer j- Co., Berlin 3 W. Hierzu i Beilagen v.vnterhaltu«»»bl. Nr. 51. 29. ZahrMg. 1. jMlnp des.IdtiBirts" Serlim lolblilntt. FrMg. 1. Pari 1912. Reichstag 16. Sitzung. Donnerstag, den 29. Februar, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. D e l b r ü ck. Die zweite Beratung des Etats des Ncichsamts des Innern Wird fortgesetzt beim Titel„Minister". Abg. Basscrmann snatl.): Es ist gestern eine Teilung dieses otreicuamtes wieder angeregt worden, und in der Tat wird es ermter Erwägung bedürfen, ob auf die Dauer die 5)rZanisation die, es Amtes aufrechterhalten werden kann, das die heterogensten Materien und so weltbewegende Fragen wie die Sozialpolitik und die Wrrtichaftspolilik umfaßt. Das stellt Anforderungen an den Leiter dieses Amtes, denen auf die Dauer auch ein so arbettssreudiger und kenntnisreicher Mann wie Herr Delbrück nicht gewachsen sein dürfte. Aus unseren Anträgen möchte ich vor allem dre Forderung der ErriStung eines Reichs- ö e t lo a I tu n g§ g erich t§ hervorheben. Die deutsche Sozial- Politik weist eine glänzende E n r w i ck e I u n g auf, und es ist �.„��echteS Urteil, wenn Herr Wurm in alledem nur den Stillstand und Rückschritt sieht. Diese EntWickelung ist auch keines- wegs a l l e i n der Sozialdemokratie zuzusckreiben, wenn ich a u ch objektiv genug bin, ihr Drängen anzu- erkennen, sondern alle Parteien des Reichstages haben ein Verdienst daran. Wenn Herr Wurm kritisierte, daß ich von einer maßvollen, besonnenen Sozialpolitik gesprochen habe, so frage ich rhu, ob etwa eine maßlose, unbesonnene Sozialpolitik etwas Gutes wäre. Dadurch würde zweifellos die Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie auf dem Weltmarkt gefährdet. Die Wer- mehrung der Generalnnkosten der Industrie, die eine Folge der sozialen Lasten ist. führt auch gerade zu der Kon- zentration des Kapitals, von der die Sozialdemokraten immer sprechen. Also das Programm einer maßvoll forlschreitenden Sozial- Politik müßte eigentlich jeder Wirtschaftspolitiker unterschreiben. Sozialpolitik hat es gegeben auch schon uiucr dem patriarcha- tischen System, daher ist die Behauptung des Herrn Wurm, der Sozialdemokratie allein sei die Sozialreform zu verdanken, eine große Uebertrcibung.�� Uhr mit dem Hinweis-darauf, daß heute, am 29. Februar, die Witwe des Berliner Ehrenbürgers Rudolf V i r ch o w ihren Geburtstag feiert. Zur ersten Lesung gelangt der Entwurf de? StadthauShaltöetatS für 1912, in Verbindung mit der Vorlage betr. die für 1912 vom Magistrat geplanten Veränderungen in den rtatSniäsiigcn Beamtenstcllen. Kämmerer Tu. Steiniger: Unser Etat ist ein sehr kompli- zicrtcs Werk; er kann nicht so übersichtlich sein, wie wir selbst es wünsche», obwohl auch im jetzigen Etat In dieser Hinsicht etwas gebessert worden ist. In den UeberschußverwaltungcN hat sich wenig geändert. Unter den Renten und Abgaben figuriert jetzt die der B. E. W. mit 8,4 Millionen. Auch die WerkSverwaltunaen bieten kein unerfreuliches Bild; GaS- und Wasserverwaltung präsentieren sich in für die Stcucr$ahl-er angenehmem Gewände. Von den Rteselgütcrn darf eine zu große Rentabilität nicht erwartet werden; die Durchführung der Kanalisation ist und bleibt die Hauptsache. Sehr erfreulich ist das Ergebnis des Be- triebes unserer Stras�ill>ahnen. Im Steucrkapital ist die Lustbar- kcitSstcuer weggefallen, die Z u w a ch S st e u e r hat naw den bis- herigen Erträgen um Million niedriger eingestellt werden müssen.(Hört! hört!) Von den Zuschußvcrivaltungen erfordert die U n t e r r i ch tö v e r w a l t u n g eine Ausgabe von 87 Mil- lionen. Die Klassenbesetzung in den Gemeindeschulen ist auf 42,8 zurückgegaiigen. Neu eingestellt sind 3 Schulbauten, die 4 Miict» schulen entbehrlich machen sollen. Die Technische Mittelschule hat hinsichtlich ihres Besuchs erheblich enttäuscht. Im Kapitel ..Armenpflege" bleibt der Koptsatz der baren Unterstützung in der offenen Armenpflege bedenklicb hoch, trotz aller Abgaben an Hospitäler usw.; er beträgt 4.94 M.(1902 4.28), dagegen in Char- lottcnburg 3.22(2.43), sn Scböneberg 0,98(0,98) und in Rixdorf ist er sogar von 0,87 aus 0,78 zurückgegangen.(Hört! hönt!) Die Waisenpflege, die iVt Millionen gegen das Vorjahr mehr erfordert, entlastet die Armenvcrwaltung nicht unerheblich. Die Kranken- Häuser erfordern nach wie vor einen-so hohen Zuschuß pro Kopf, jetzt 3,91 M., daß eventuell doch eine Erhöhung der Gebühren in Betracht gezogen werden muß. Für das Pflegerpersonal sind zum Teil Lohnerhöhungen in Aussicht genommen.— Ganz erhebliche Mehraufwendungen erfordert die Pariverwaltung, ebenso der Tiefbau, obwohl für Neu- und Umpflasterungcn nur die vor. jährigen Summen eingesetzt sind; wir brauchen hier allein für die Straßcnunterhaltung 2 Millionen mehr. Für den Zweckverband stehen im Sckssußkapitel„Verschiedene Einnahmen und Ausgaben" 150 000 M. Zur Deckung des Fehlbetrag» ist es trotz aller Ausgabe- streichungrn, trotz aller Erhöhung der Einnahmeansätze nicht zu umgehen gewesen, die Steuerzahler stärker heranzuziehen. Deo überlastete Grundbesitz mußte dabei aus- scheiden.(Zustimmung und Hörtl hört!) Nachdem ein ge- meinsameS Vorgehen mit den Bororten behufs gemeinsamen Vor« gchen's giemlich aussichtslos geworden ist, wird auch Berlin mik seinen eigenen Bedürfnissen zu rechnen haben und sollte jetzt mit 119 Proz. Einkommensteuer- vorgeben. Die Hoffnung, daß die staatlichen Zuschläge auch den Gemeinden gesetzlich zugesprochen werden, ist ebenfalls im Schwin- den begriffen. Eine weitere natürliche Steigerung der Steuer- einnahmen ist unwahrscheinlich; es muß daher bei der Bemessung der Ausgaben die allergrößte Spar'amkeit Platz greifenl Stadtv. Bruns(Soz.): Eine orgfältige Prüfung der Aus- gaben ist selbstverständlich und auch stets erfolgt; aber auch bei der genauesten Prüfung werden immer Ausgaben übrig bleiben, die als Kulturforderungen angesehen werden und in den Etat ein- gestellt werden müssen. Bon den größeren Gesellschaften, die aus der Benutzung der städtischen Straßen und Plätze Vorteile ziehen, werden 11!� Millionen Abgaben bezahlt; davon allein von den B. E. W. 6,3 Millionen Mark. Annähernd ebensoviel wie Berlin von der A. E. G. in den letzten fünf Jahren erhalten hat, nämlich zirka 24 Millionen, haben auch die Aktionäre erhalten. Wir meinen, diese Summen gehören eigentlich auch noch der Stadt, wenn sie selbst das Werk betriebe. Der Vertrag mit der A. E. G. läuft ja im nächsten Jahre ab; hoffentlich kommt es dazu, daß er gekündigt und so an den Mitbürgern gut gemacht wird, was an ihnen bisher gesündigt ist. Von dem Kulturaufgaben- Programm, das der Oberbürgermeister vor einigen Jahren ent- wickelte, ist bisher nichts verwirklicht worden; deo Kämmerer hat heute im Gegenteil noch extra abgewinkt. Die günstige Entwicke- lung unserer eigenen städtischen Straßenbahnen, die trotz aller Neuanschaffungen und Betriebserlvciterungen ein- getreten ist, wird hoffentlich der Ueberfiihrung der Kommunikationsmittel in städtische Regie die Wege ebnen. Stadtrat Dr. P r e u tz ist ja früher warm dafür eingetreten und wird seinen Einfluß im Magistrat gewiß gel» tend machen.(Zuruf: Ist aber inzwischen aus einem Sä u Ins zum Paulus geworden il) Davon weiß ich nichts. Der Kämmerer empfahl das Eingehen auf 110 Prvz. Ein- kommensteuer und erklärte eine stärkere Belastung des Hausbesitzes n-ich-t für angängig. Wenn man die Schäden der einseitigen Erhöhung auf 110 Proz. abwenden will, dann kann das nur durch eine gleichzeitige stärkere Heranziehung auch des HauSbesives erreicht werden.(Widecspr. u. Zustimmung.) Wenn die potenten Steuerzahler auch wirklich aus Berlin a u s- � wandern, den Grundbesitz können sie nicht mitnebmen, und mit dem„Zugrundegehen" bat es noch gute Weile. Leider scheint cS ja ein Ding der Unmöglichkeit, einzelne Vorortgemeindcn von ihrer Selbstsucht abzubringen; das beweist aber gleichzeitig einen großen Mangel des Ztveckverbandsgesetzes, welches diesen Punkt außer acht gelassen hat. Diesmal wird es mehr als schwer sein, die Ausgaben so herunterzusetzen, daß ein erheblicher Abstrich herauskommt und das Niveau von 100 Proz. wieder erreicht wird. Heute ist cS auch für uns nicht ohne BeSenken, auf 110 Proz. Heraufzugehen, denn das trifft bei der herrschenden Teuerung auch die?lerm- sten, aber das kann nicht ausschlaggebend sein; im Jnter- esse der städtischen Verwaltung, der sozialen EntWickelung der Stadt i-st die Erhöhung notwendig, und deshalb locrden wir sie bewilligen. Tie 23 Millionen von dev „Großen Berliner Straßenbahn" gingen nach meiner Meinung den Minister öder Oberpräsidenten, der unsere Anleihebedürfnisse zu prüfen hat, gar nichts an; vielleicht aber wollte ev nicht, daß diese Summe in den allgemeinen Stndtsäckel kommt, und da be» gegnet er sich mit uns; auch wir würden lieber sehen, wenn sie in den Grundstückserwerbungsfonds kämen. Die Zu» wachssteuer ist viel zu spät eingeführt worden, viel zu spät hat man auf unsere Ratschläge gehört; jetzt hat das Reich den Löwenanteil genommen. Für den Zwe aVerband hätte doch eine größere Dotation eiiPcstellt werden können. Hätte der Kämmerer geahnt, daß e r schließlich aus der Wahl zum Zweck- perbandödirektor hervorgehen würde, die Position wäre wohl etwa? höber dotiert worden.(Große Heiterkeit.) Wir glauben freilich, -daß die Wohnungsfrage radikal erst gelöst werden kann. wenn der Grund und Bode» in den Besitz der Allgemeinbeit über- geführt worden ist.(Heiterkeit und Ilnruhe.) Wir werden trotz- dem jede Bemühung in dieser Richtung gern unterstützen; von dem Zweckverlmnde, dieser neuen Vertretung der HauSbesitzcriiiteressen von Groß-Berlin ist aber kaum eiwaS zu erwarten, mindestens so lange nicht, als das Drciklassen Wahlrecht noch besteht. Allerdings fällt von der Sckmld, daß die Eingemeindungsfrage seinerzeit nicht gelöst worden ist, ein großer Teil auch auf die Re- gierung, die ja 1894/93 auch ein EingemeindungSgeseh hätte machen können gegen den Willen der Stadt, wie sie jetzt ein Zweckverbandsgcsctz gemacht Ihat. Von der Mitstliuld ist die Aufsichtsbehörde cbcn nicht freizusprechen. Jetzt will man der Stadt das Opernhaus nicht verkaufen, weil die Gefahr bestehen soll, daß meine Freunde dort einmal De« monstrationen machen könnten.(Heiterkeit.) Nun, wenn wir daS wollen, brauchen wir das Opernhaus nicht.(Zurufe.) Wir sind vor zwei Jahren kür de» Ankauf gewesen, aber nur mit den Vorteilen, die wir dabei gleichzeitig einheimsen sollten, und die mit der Entwickclung unseres Verkehrswesens zusammenhängen. (Sehr richtig!) Von dem städtischen Wohnungsamt haben wir seit Jahren nichts mehr gehört. Noch einige Bcmcr- Zungen zu den Lohn, und Arbeitsverhältnissen unserer städtischen Arbeiter. Bei dem Etat der städtischen Güter lassen sich leider die Lohnhöhen für die einzelnen Arbeiter nicht ansehen. Bei den Gasanstalten haben die Arbeiter zum Teil die achtstündige Arbeitszeit, natürlich nicht aus sozialpolitischer Einsicht, sondern aus Rücksicht auf de» Dauerbetrieb, der eine dreifache Schicht erfordert. Arbeitszeiten biS zu 12 Stunden find immer noch, wenn auch nur vereinzelt, vorhanden. Die Anfangslöhne betragen zum Teil noch 3,63 und 3,90 M.; das sind sehr niedrige Löhne. Vielleicht versucht es einmal ein Magistralsmitglied, sich mit diesem täglichen Betrage für sich und seine Familie einige Zeit zu begnügen; er wird dann sehr bald auf Zulage dringen und erkennen, wie eS kommt, daß diese Arbeiter Sozialdemokraten werden. ES sollen nicht nur Teuerungszulagen gegeben, sondern die Löhne müssen dauernd verbessert werden. Leider hat man meine Anregung, eine soziale Kam- Mission einzusetzen, die sich mit der Prüfung dieser Verhältnisse dauernd zu befassen hätte, abgelehnt; vielleicht kommt man doch einmal darauf zurück. Den Seefischverkau.f sollten wir nicl-t einstellen, wenn auch vielleicht der Bedarf etwas zurückgegangen ist. Auch Gefrierfleisch sollte in größerer Menge eingeführt iverden, wie es andere Gemeinden gemacht haben. Auf dem Ge- biet der Jugendfürsorge haben wir früher tauben Obren gepredigt; jetzt ist es ja auch da besser geworden. In der Ver- sammlung im Reichstagsgebäude, welche sich mit dem Zweckverband beschäftigte, wurden Zahlen angeführt, die dartun sollten, daß viel zu wenig Spielplätze für die Berliner Jugend vorhanden seien. Die Zahlen waren wohl sticht ganz zutreffend, aber die erhobene Klage ist durchaus berechtigt. Ich empfehle nach dem Beispiel un- seres verstorbenen Freundes Borg mann— und wäre es gegen den Willen der Herren Rektoren— die Hergabe der Schulhöfe, auf die man auch mit sehr geringen Kosten Sand binschaffen könnte. Wir haben doch Häuser in Menge mit engen Höfe», in die kaum Licht oder Sonne dringt, und dann dürfe» vielfach die Kinder auf diesen Höfen nicht einmal spielen, weil eS der Wirt nicht leidet. Auf der Straße können die Kinder nicht spielen; dort sind sie zu großen Gefahren ausgesetzt. Man muß ihnen also die Schul. Höfe öffnen, wo sie unter Aufsicht spielen können. Unsere Spiel» platze in Treptow sind ja wirklich schön, aber davon haben die Treptower weit mehr als die Berliner. Die Schulverwaltung sollte auch darauf sehen, daß die Lehrer öfter mit den Kindern nachmittags nach Treptow.hinausgehen. Gewiß ist auj diesem Gebiet vieles besser gclcurdefl in den lchien Jahren; mein Freund Borgmann hat sich da ein dauerndes Denkmal gesetzt. Das Ferienwander» mutz nach viel mehr betrieben werden. Den jetzigen offiziellen Jugendpflezcbestrcbungen stehen wir mit einer gewissen Wurschtig- keit gegenüber; sie werden den gclvollten Zweck nicht erreichen.. Die Idee der Lichtbilderzcntrale für die Echulcn lictze sich vielleicht noch erweitern. Ich wünsche ein grosses Berliner Kinematographcn theater, in w»elckes die Jugend möglichst oft hineingeführt würde; das i«ir« ein Mittel, dem Schund in der Kinderlitcratur und in den Äineniatographen entgegenzuarbeiten. Auch auf dem Gebiete guter Lektüre ist das Bedürfnis viel grösser als man glauben sollte; der Versuch einer Kindcrlesehiille aber wurde von dem Kämmerer seinerzeit abgelehnt. Die.Gcmeindeschulen bekommen nur je 75 M. jährlich für ihre Bibliothek; hier niuss mehr getan werden, es muss Gutes geboten werden, damit verhütet wird, dass die Jugend Schund liest. Endlich ist auch wieder eine neue Volksbadeanstalt in Aussicht genommen worden! Hoffentlich geht es mit der Be» arbcitung des Projektes rasch vorwärts. Lassen sich nicht Brause- bäder in grösserer Anzahl mach dem Bctspicl anderer Städte herstellen? Das Experiment abermaliger Erhöhung der K u r k o st e n in den Krankenhäusern sollte man doch nicht machen, tmr halten das weder für nottvendig noch für angebracht und bitten den Magistrat, dieser Drohung des Kämmerers nicht näher zu treten. Tie Frage der Arbeitslosciiunterstttyung sollte jetzt bei etwas günstigerer Konjunktur erörtert und nicht auf eine Zeit ver- tagt werden, wo es den Arbeitern wieder schlecht geht. Auch das Thema der gemeindlichen Lebensversicherung möchte ich zur Debatte stellen. Wir werden im Ausschutz den Etat prüfen und ihn in unserm Sinne umzugestalten suchen.(Beifall b. d. Soz.) Ttadtv. Cassel(A. L.) gibt zunächst die Anregung, daß die Rede des Kämmerers analog dem in den Parlamenten gcbräuch- lichen Modus gesondert gehalten und dann später von der Versamm- luna diskutiert iverden möge, damit man die von ihm gegebenen zahlenmätzigen Unterlagen und Zahlengruppierungen veriverten bzw. prüfen könne. Dann weist er auf den ungemein rasch ge. stiegenen BeamtcwbesoldungSetat hin, spricht sich gegen die Ueber- nähme der B. E.-W. in städtische Regie aus und warnt davor, den städtischen Grundbesitz in Treptow länger un verwertet liegen zu lassen und Millionen an Zinsen daran zu verlieren. Bezüglich der Einlominenfteucr kann er sich den Ausführungen von Bruns zum Teil anschiiessem. Ueber'den Zwcckvcrband wäre ein grosses Klagelied zu erheben, aber er fei doch nun einmal vorhanden. Das Verlangen nach Erweiterung seiner Zwecke sei erst berechtigt, wenn man Berlin Gerechtigkeit widerfahren lasse; jetzt habe man Berlin, das% der Ausgaben leisten müsse, k ü n st l i ch d o r t i n d i c M i- norität gesetzt. Auch in der Versammlung, die Herr Derir- bürg präsidierte, sei das Verlangen der Erweiterung vom Stand- punkte der Vorortler erhoben, und es seien dort unglaubliche Ueber- treibungen und Entstellungen der tatsächlichen Verhältnisse Hinsicht- lich der Wohrrungen, der Spielplätze usw. beliebt worden. Tie be- treffenden irresührcicden Zahlen seien inzwischen von Dr. Reicke und Prof.«ilbcrgleit richtiggestellt worden. Daß Verlin die schlechtesten' Wohnungsberhaltnisse habe, sei eine Unwahrheit; eine Stadt, die auf dissem Gebiete mehr als irgendeine andere deutschc Kommune leiste, müsse derartige Angriffe von ununtcrrichtetcn, ins Gelag hinein urteilciEen Leuten ertragen! Von dem Hauptzweck des ZwcckverbandeS, dem Ankauf von Wäldern, höre man jetzt nur noch offiziös, es solle sich um 11 000 Hektar für 176 Millionen handeln; da werde wohl-ein hübscher Ausschlag drauf sein, das ist kein Preis für Wald, sondern für wucherische Baustellen!(Sehr gut!) Tie Herren aus der Dcrnburg- Versammlung sollten doch ihre Entrüstung gegen diese Kreise kehren! Die 10V Proz. seien für die Liberale» kein Dogma. Der Grundbesitz sei erst voriges Jahr vorbelastet worden. Die Er- höhung der Einkommensteuer auf 110 Proz. habe aber doch Ihre grossen Bedenken. Von den bcwusstcn 23 Millionen müsse sich etwas abzweigen lassen; der Lberpräsident habe hier nichts drein- zureden, es handele sich um ein Aktiveinkommen der Stadt, nicht tzum ein Acquivalent für Anleiheschulden. Dem Kollegen Bruns stimmt Redner bezüglich des Ankaufs des Opernhauses und bezüg- lich der Schulhöfc sowie der Jugendwandcrungcn durchaus zu. Der Kern der Berliner Finanzen sei so gut wie der irgend eines Vorortes; lasse sich daS lkbcrschreiten der 100 Proz. nicht vermeiden, so sei das bedauerlich, aber schliesslich kein Unglück. Oberbürgermeister Kirschner: Der Etat hat die Einnahmen in bollcr Höh« geschätzt und enthält nur notwendige Ausgaben, wir können daher mit 100 Proz. nicht mehr auskommen. Tie Per- spektive auf die 23 Millionen, die eine Einnahme aus der Kon- zcssion an die..Grosse" bilden und eine einmalige Ablösung dar- stellen, die Anregung, aus dieser ausserordentlichen Einnahme einen Ausglcichsonds zu bilden, ist mir sehr sympathisch, aber die Rechts- läge ist uns sehr ungiinstig, seitdem einmal ausgesprochen worden, dass sie zur Deckung für werbende Anleihen Verwendung finden sollen. Wir können, eben die Regierung nicht zwingen, uns das Anleifteprivileg zu anderen Bedingungen zu geben, als sie zu- gestchen will. Tie Uebernahme eines Betriebes wie der B. E. W. durch die Stadt kann ich nicht befürworten; er ist z. B. mit dem einer Slratzenbahn ganz inkommensurabel. Das Material für die Frage, ob der Sflagistrat den Vertrag zum 1. Oktober 1913 kündigen soll oder nickst, wird jetzt gesammelt. Auch über das Wohnungsamt sind wir in Erörterung begriffen. Die Frage der Löhnung und der Arbeitszeit der Arbeiter ans den Riesclgütcrn ist sehr koiupliziert; wir WKdsn uns darüber noch auseinandersetze». Ten Scefisckwerkauf werden wir fortsetzen. Dem Bezug von Gc- fnerfleisch stehen u. a. unsere Zollvorschriften cin.tgcrmassen im Wege. Dem Bedürfnis nach Spielplätzen werden wir unauS- gesetzt abzuhelfen bemüht sein, auch der Versuch, die Echulhöfe dafür zur Disposition zu stellen, soll immer wieder gemacht werden. Die Arbeitslosenversicherung im grossen Stil kann mit Erfolg n-ur als Sache des Staates durchgeführt werden. Die gemeindliche Lebensversicherung ist Gegenstand einer Anregung ge- wesen, die an uns gelang! ist. und wird von uns erwogen; bczcich- nendcrweise war sie zuerst dem Zweckvcrband unter Ausschluss von Berlin zugedacht.(.Hört! hört!> Dass wir mit einer starken Bcamtcnvcrmchrung an Tie herantreten müssen, fst nicht zu vermeiden gewesen. Der Berliner Grundbesitz in Treptow sieht unter sehr ungünstigen tzluspizien; wir müssen dort die Zuwachssteuer bezahlen, und eine jüngst erlassene Bauordnung schreibt, ohne Treptow oder uns zu hören, die Landhnusbcbannng vor!(Lebhafte Bewe- guny.) Der Zweckvcrband ist gegen unseren Willen Gesetz gc- worden und mutz beachtet werden. Im Wege des Vcrwaltungs- Verfahrens können erfrculichcaveise seine Zwecke gegen unfern Willen nicht ausgedehnt werden, sondern nur durch Gesetz. Ueber- triebene Hoffnungen, wie e» auch in Versammlungen geschehen ist, zu propagieren, kann schliesslich nur schaden. Zu grosse Erwartun- gen wird man daran nicht knüpfen dürfen. Weshalb die Slaats- bchörden es daraus aistcgcn, Treptow zu hindern, sich mit uns zu verbinden, ist absolut unbegreiflich. Stadtv. Goldschmidt(N. L.>: Die Zinsen der 23 Millionen der B. E. W. könnten wir doch sehr wohl verwenden; warum mischt sich hier die Regierung ein? In betreff des Ankaufs des Waldgürtels um Berlin Hai man uns geradezu unerhörte Fordr. rungr» cinzuschwätzen gesucht, die sollten wir abweisen; man will Berlin nur vergewaltigen. Ein Wohnungsamt wird hoffentlich in Bälde errichtet worden. Redner polemisiert dann gegen ei*?ge Ausführungen des Stadtv. Bruns. Dass die WcrtzuwachSstcucF so wenig bringe, sei bedauerlich; einer weiteren Belastung des Grund- besitzes werde die Fraktion auch aus diesem Grunde nicht zu- stimmen. Das Aufmarschgelände sollte doch teilweise parzelliert werden; cS scheine sich aber da noch gar nichts zu rühren. Der Kämmerer sei' jetzt ZweckverbandSdirektor geworden; er solle doch dahin Wirte», dah auch die Steuereinheit von 110 Proz. in G»oB- lverlin jich durchsetzt. ' Stadtv. Dyhrenfurth(Fr. Fr.) erhält Um �TO Uhr als letzter Redner zum Etat das Wort. Er tadelt die stellenweise llnüber- sichtlichkcit des Etats und macht Bcsserungsvorschläge, erklärt sich diesmal speziell von dem Gasetat, dem seine Fraktion stets strenge Kritik gewidmet habe, befriedigt, klagt über das Fehlen einer Denkschrift nach kaufmännischen Grundsätzen über die Ergebnisse der landwirtschaftlichen Ncbenbctriebe auf den Rieselgüt.ern, bittet den Magistrat, die Zulassung von Gewerbegehilfinnen zu den Fort- bildungsschulen zu ermöglichen, und befürwortet die baldige Erweiterung des Obdachs und den llm.bqu des Krankenhauses Moabit. Auch ein Zcntralcinkaufsamt sollte die Stadt einrichten. Sei mit 100 Proz. nicht auszukommen, so müsse man in den sauren Apfel beißen. Damit schließt die erste Beratung. Der Etat geht an einen Etatsausschutz, der sofort vom Vorstände ernannt wird. Schluß 10 Uhr._ Der Krieg. Neue Millionen für den Krieg. Rom, den 26. Februar.(Eig. Ber.) Nach dem Festrausch des Patriotismus wird jetzt der Kammer die Rechnung für den Spass vcrgelegt, oder richtiger, man verlangt von ihr eine erste kleine Anzahlung in Erwartung der unvermeidlichen grösseren Ausgaben. Ter Schatzminister hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die königlichen Dekrete zum Gesetz erheben soll, durch die bisher dem Kriegs- und dem Manieministerium ausserordentliche Ausgaben für den Krieg bewilligt wurden. Es handelt sich um 140 Millionen. die der Kriegsminister, und 30 Millionen, die der Marincminister bereits erhalten hat. Gleichzeitig wird der neue Kredit von 3S Millionen gefordert, von denen 20 Millionen für den Ersatz des in! Kriege verbrauchten Materials und 1b Millionen für die An» schaffung neuen Material» dienen sollen, welche» Material durch die Vermehrung des dauernden Bestandes der Armee nötig ge- worden ist. Insgesamt sind also 205 Millionen zu bewilligen, die offiziell in folgender Weise aufgebracht werden sollen. AuS dem Gebarungsüberschuss bis zum 30. Juni 1911 werden 57 Millionen genommen. Der Ueberschuss des Konsumptivbudgds 1911/1912 wird ebenfalls zur Deckung verwendet, nach Abzug von 3 Millionen, die für die Aufforstungen bestimmt sind. Der Rest wird auf 6 weitere Budgetjahre verteilt. Schließlich fordert der GcsetzeScntwurf noch für daS laufende Finanzjahr 19,6 Millionen für Hafenarbeiten, Pontons und für Sanitätsmatznahmen in Tripolis, Bcngasi, Terna und Homs. Natürlich ist der den Gesctzcsentwurf begleitende Bericht sehr optimistisch gefärbt. Er macht darauf aufmerksam, daß die ordent- lichen Einnahmen des Staates im letzten Jahrfünft im JahrcS- durchschnitt um 73 Millionen gewachsen sind, während in dein vorigen Jahrfünft der durchschnittliche Jahreszuwachs nur 33 Mil- lioncn betrug. Weiter wird hervorgehoben, datz in den letzten Jahren 24 Millionen für die Aufforstungen und 67 Millionen für die Regulierung der Flutzläufe ausgeworfen wurden, und daß im Präventivbudgct 1912/l3 schon 33 Millionen als Kosten der Eke- nicntorschulreform einbegriffen sind. Auhcrdem sind in der Zeit vom 1. Juli 1907 bis 30. Juni 1911 dem Staat« jährlich 125 Millionen Mehrausgaben durch die Aufbesserung der Beamten, der Offiziere und der Eisenbahner erwachsen. ES wird auch darauf aufnierksam gemacht, daß die Ausgaben, die da» Erdbeben von Mcssina nach sich zog, in 3 Jahren 150 Millionen betragen haben, und datz die Ansprüche der betroffenen Ortschaften in den Nächsten Jahren wesentlich geringer sein werden. Alles in allem tröstet man sich damit, daß die Einnahmen im Wachsen sind, datz trotz starker Erhöhung der Ausgaben bisher Ueberschüsse erzielt wurden. und datz die bisherige Steigerung der Ausgaben in Zukunft nicht anhalten werde. Dabei scheint man ganz zu vergessen, datz der Krieg nicht zu Ende ist, datz die neue Kolonie auch nach dem Friedensschluß Millionen verschlingen wird, und daß die Ausgaben für das SanitätSwescn im Hinblick auf die Choleragcfahr, die der milde Winter nur erhöht hat, sehr groß zu werden drohen. Aber jetzt fehlt in offiziellen Kreisen die Fähigkeit, sich über die tatsäch- liche Situation Rechenschaft abzulegen. Das offiziöse„Popolo Romano" sagt, datz man den Krieg fortführen würde, solange noch ein Mann und solange nocb ein Saldo da ist. So paraphrasiert man heute das Wort, datz Andrea Costa bei Gelegenheit des abessh- nischen Krieges in der italienischen Kammer gebrauchte:. Kein Mann und keinen Saldo." Die VcrmittelnngSaktion der Mächte. Rom, 28. Februar. Die„Agenzia Siesani" meldet aus London: Der von Rußland vorgeschlagene Modus für eine freund- schaftliche Ver Mittelung zwischen Italien und der Türkei soll vor allem darin bestehen. Italien zu fragen, unter welchen Bedingungen eS Frieden schließen würde, wobei die Souveränität Italiens über Tripolitanien und die Cyrenaika unangetastet ibliebe. Darauf würden dann die fünf Großmächte geeignete Schritte in Konstantinopcl unternehmen. Tic Ausweisung der Italiener und die deutschen Konsular- bchörden. Köln, 29. Februar. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Kon- st a n t i n o P e l: Nachdem die Türkei das Dekret, durch das die Ausweisung der Italiener aus Syrien verfügt wird, amtlich bekanntgcmacht hat, sind den deutschen in Betracht kommenden Konsularbehördcn von der deutschen Botschaft !ie erforderlichen Weisungen erteilt worden, damit die Abreise der Italiener mit den türkischen Ortsbehörden geregelt und auf Vermeidung von Härten bei der Ausführung des Auöwcisungs- dckrctS hingewirkt wird. Auch ist Sorge getragen, datz nicht blotz die unter französischem Schutze stehenden geistlichen Orden, sondern all« italienischen Geistlichen, die gegenwärtig unter deutschem Schutze stehen, von der Ausweisung ausgenommen bleiben. Tie ausgeschobene Hinrichtung— nicht aufgehoben. Rom, 26. Februar.(Gig. Ber.) Am 26. Februar ist vor Sonnenaufgang in Tripolis der Araberhäuptliitg Tintam auf» gehängt worden, dessen Hinrichtung seinerzeit auf Grund eines Protestes des Abgeordneten De Felice aufgeschoben worden war. Man hat angenommen, daß der Häuptling überführt sei, die italie- nischen Bcrsaglicri am 23. Oktober aus dem Hinterhalt ange- griffen zu haben. Wie man sich diese Ueberzeugung mit der er- forderlichen Sicherheit hat verschaffen können, davon erfährt natür. lich das Publikum nichts.__ Die Kevolulion in China. Jnanschikais Reise nach Nanking. Peking, 28. Februar. Halbamtlich wird mitgeteilt,-Kitz Juan. ch i k a i in ungefähr 14 Tagen nach der Bildung eine» Kabinett» und der Ernennung TangschaoyiS zum Premierminister nach Nanking abreisen wird. Der letztere soll während der Ab- Wesenheit dcS Präsidenten im Amte bleiben. Die Anleihe. London, 28. Februar.(Meldung des Rcuterschen BureauS.) Die Regierungen jn Peking und N a n k i o L.habko den Be- dingungen der englischen, d e ü t s ch e nZ f r a ü z ö s l s ch e tt und amerikanischen Banken zugestimmt. Die Vc- Hörden in Nanking erhalten daher einen Vorschutz von zwei Milli- onen Taels, die in Peking wahrscheinlich einen solchen von drei Millionen, um die Truppen bezahlen zu können, und so einem An- wachsen der Anarchie vorzubeugen. Der chinesisch-holländische Konflikk. Haag, 29. Februar. Gestern fand eine Konferenz zwischen dem Minister des Aeusseren und dem chinesischen Gesandten im Haag über die chinesischen Unruhen auf Java statt. Die niederländische Regierung sprach die Hoffnung aus, wenn die chinesische Regierung über den wahren Charakter der Unruhen auf Java aufgeklärt sei, werde sie die Massnahmen der Regierung von Niederländisch-Jndien verstehen. Der Minister des Aeusseren habe eine Depesche aus China erhalten, in welcher die Freilassung der Gefangenen verlangt wird. Aber diese Forderung könne hier nicht erwogen werden, da sie der Regierung von Niederländisch- Indien unterbreitet werden müsse. Eine Soldatcnmenterei in Peking. Peking, 29. Februar.(Meldung des Rcuterschen BureauS.) Heute abend begannen einige hundert Soldaten Juan- s ch i k a i s zu meutern, plünderten mehrere Häuser und zündeten sie an. Ein planloses Schießen hat begonnen. Einige tausend Soldaten wurden aufgeboten, um zu versuchen, die Ordnung wieder herzustellen. Die Strassen sind sonst menschenleer..Es herrscht allgemein beträchtliche Besorgnis. Versammlungen. Berichtigung. Zu den Versammlungsbericht, unter der Ueberschrift: Reichstag, erfülle deine Pflicht, in der gestrigen Nummer erschienen, ist zu bemerken, dass die Versammlung nicht vom Deutschen Handlungsgehilfenverband(einer rückständigen im nationalliberalen Fahrwasser segelnden Organisation), sondern vom Zentral- verband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands einberufen war. Eine Abkürzung des Verbands- namens hat ungewollt die VerwechselimgSmöglichkeit herbeigesührt. ElnFegsn�ene Druchfckt'iften. Von der„Neuen Zeit« ist forden da» 22. Hest de» 30. Jahrganges erschienen. Aus dem Jnbalt des Hestes heben wir hervor: Gedämpfte Stimmung.— Geld und Ware. Don Nudolj HilserMna.— Wagner der Erlöser. Von Rudols Franz.— Die NeschZtagSwahlen in Posen. Bon Emil Caspari(Kattowitz, Obccschlelicns. Die.Neue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungeii, Boslanstallcn und Kolporlenre zum Preist von 3,25 3)1. pro Onarial zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzrlue Hest lostet 25 Pf. Briefkasten 6er keäaktlon. Tie lurlftlsche Sprechstunde findet Linden st raste C9, vorn Met Trevxe» — Fahrstuhl—, wochenliiiilich von tVi dl» 70-, Uhr adendS, Sonnabends, von iVj bis u Uhr adcndS stan. Jeder für de» vrlestasten desttuimten Nnsrag« Ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merrzeiche» beizufügen. Briefliche eiiitwort wird nicht erteilt. ZInfragcn, denen keine AbonnrmentSgnIttung betgefügt ist, werden nicht beannvartet. Eilige Fragen Irage man t» der Sprechstunde vor. — A. Z. 75. Städtische Dcputallon sllr WohlfahrtSpslege. SberSltrabc 2. Dorl erhallen Sie Auskunst.— B. Z. 13. Leipzig, Göschenstrasse 6.— (9. fi. NrursUn. Eine Gcsellschait wie angesragt ist uns nicht bekannt. — R. 5k. 47. 1. Hundertlaustnd Marl und möblierte Wohnung. 2. Pension. 3. Nein. 4. Im Bckeskasten?— H. 40. 100. I. Zur Arbeits. stelle. 2. Nicht im allgemeinen.— Handwerker 300. Wir kennen die Kcisst und Statuten nicht.— I. M.«Silinrrsdorf. Die Slnslösung des Reichstages bcdars der Zustimmung des Bundesrats, sonst besteht leine Be- schlönfmig.— Kolonist Nuiiiiiielsbiirg. Hierin sehlt der Ncdakiloit die Erfahrung.— W. St. 24. Ofscubacher Frauenkasse, Prinzenstr. 00, bei Hiiiz�— C. G. 42 Militärpersoncn wählen nicht.— 50 Zt. T. Un- verständlich.— A. B. 30. 1. Neue Listen, die dann bei Nachwahlen innerhalb einem Jahre zugrunde gelegt werden.— 2. Ja. 3. 00 Tage.— Ernst Härtel. Drei Regierungsbezirke: Königsberg, Gumbiimin und Allenstein. Letzterer seit ISOS.- D. lOOOl Sil» Depot bei einer Depositeiibanl zur tägliche» Verzinsung und Verfügung. Zlnisuss ver- schieden.— B. 21. 31.„Die Ahnfrau". Von Grtllparzer.— O. Ja. — N. K. 29. 1. Das Gesetz legt einen Prozentsatz nicht sest. Darüber entscheidet richterliche» Ermessen, vielleicht nach Einholung eines Guiachtens der Haudelskammcr. An die letztere rönnen Sie auch selber die Ansrage richten. 2. Stellen Sie bei der Prozcssabtellung den Antrag aus Be- richtigung deS Schreibfehlers.— Wohniingsküildigung NcnkiiN». Die vorzeitige Kündigung ist rechtswirksam.— B. 132. Mehr als 225 M. sür das Vtcrtcliahr.— 21. P. 9. Versuchen Sic es mit einem Antrag an den Magistrat.— H.(v. 104. Der Bcstohienc bat Anspruch aus Herausgabe der Sachen. Bei Weigennig Klage.— F. M. 40. Klagen Sie alsdann aus VcrtragSlösung, falls Sie Ihre Bchauptungeu beweisen können. Erkennt das Gericht zu Ihren Gunsten, so sind Sie sür die Zu- kunsl nicht mehr hastbar.— I. R. 110. 1. Ja. 2. Etwa 40 M. monat- lich. 3. In Gcmeinschast mit der Mutter der Kinder. Sie haben das Recht, die Kinder zu scben. 4. 21. Jahr, salls bis dahin Unterhalts- bedurstig.— R. K. 25. Die Klage erscheint nicht aussichtslos.— R. B. A. 1. 1. Der Gast, da wahrscheinlich Fahrlässigkeit angcnoinmcn wird. 2. Dachbeschädssjuna. 3. Ja.— gi.«. I. l. und 2. Nein.— O.«. 96. 1. und 2. Ja-«. P 40. 41. Nach dem Eintrefscn der polizeilichen?lussorderung können Sic räumen. Bis zu dem Zettpuukt sind Sic zur Zahlung der Miete verpflichlct. Den entstandenen Schaden löiincn Sie im besonderen L erfahren geltend machen.— P. U. 9. Nein. t". 8. 1. So im allgemeinen nicht zu beantworten.— 500 Gnadt. Die ehauptung ist richtig.— Ernst Hasse.„New Yorker Volks. Zeitung", New York. 164 Williamstreet City.— 8. 305. Auch ohne Ghmnasiuin, aber nnter Garantien der Vorbildung. Alter ist wohl nicht vorgeschrieben. — H. 2). 21. Stein. Jn der Ablehnung kann aber unter Umständen ein« Bcicidiguna des Gastes erblickt werde».— ft. SS. u. 28. U. 1. Stein, bis 1889. 2. EaprivI, Hohenlohe, Bülow und Bethmann. 2. Ja.— H. H. 86. Fragen Sie bei der Versuchs- und Lchrbrauerel, Scesir., oder bei der Spiriius- zentrale an.— Ekcrt. An Sc. Maj. den Deutschen Kaiser.—<£. 9)1. 32. Sie finden Ihre Anschauung bestätigt im Lexikon unter Thermometer. Marktbericht von Berlin am 28. Ztzebruar 1012, nach Ermtlteluna de» königl. Polizeipräsidiums. Marlthalienpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36,00—90,00. Spcisebohncn weisse, 36,00—00,00. Linsen 40,00—80,00. Kaitosf-ln 0,00—14,00. 1 Kilo. «ramm Rtndslelsch, von der Keule 1,00-2.40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 bis 1,80 Schweinefleisch 1,20-1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1.30—2,20. Buller 2,00-3,20. 60 Stück Eier 4,50—7,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,10—2,40. Aale 1,20—3,00. Zander 1,60-3,00. Hechte 1,40—2,60. Barsche 0,70-2,00. Schleie 1,00-3,20. Bleie 0,70-1,40. 60 Stück Krebse 4,00—30,00._ WasserstandS-Nachrichten der LandeSanflalt sür Gcwäsferluiide, mitgeteilt vom Berliner Wettervnreau Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l. Jnftcrbnrg Weichsel, Thorn Oder, Raiibor , Krassen Frankiurt Warthe, Schrimm . Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden , Derby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau , Rathenow') Spree, Sprembergfi Bceslow Weser, Spünden . Minden Rhein, MarimllianSau » Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Werth cim Dt o s e l, Trier ') 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpcgel—•) ElSstand. —*) Eisgang. Stach telegraphischer Meldung betrug der Wasserstand der Weichsel Lei Thorn heute jrüh 430 ow, dem millleren Hochwasserstande entsprechend IIJI. Clfcrtbttm d � GM-B.H Ceipziderstr« 132=37 Hftifgsfrasse 31-32 Rosenlbalerstr« 2S-3I Oranienstrasse 52 55 Preiswerte Lebensmittel soweit Vorhanden. Inseriertes Obst, Gemüse, Wild, Fische und Räucherwaren können nicht zugesandt Werden, Frisches Fleisch Pa. SchmorfleiscH.......... pfd. 85 p'. Roastbeef... pr-z. 95 p� odns Xnoedea Pkck. I.JO Reblrippe nnd brüst...... Pfd. 75p1 Kamm u. Gulascbpfd.70, GehacKtesbOp Friscber ScbinHezi im gamen...?kd. 7�p Kamm u. Schuft............ Pfd. 75? Schweinefilet 1.20» Kotelettes 80> 85? RücKenfettpfd.55» 60, Liesen Pkd S5? Lisbein(DicKbein)....... Pfund 60? Kalbs Keule u. Nierenbraten im gamen 95? KalbsKamm u. Bug' Pfd. 70, geteilt.. 75p Kalbsbrust.. pfd. 75» Spitze. Pfd. 90 p HammelKeule u. RücKen im SOp Dicke Rippe Pfund 65» Dünnung' 55? Kasseler Rippespeer. Pfund 75 bis 90 Obst Fische Rehkeulen........... 5 50 bis 8.00 Keule Rücken Blatt Ragout Renntier fleisch pfd.85 75 50 20pf. Starke Hasen gestreift........ stück 3.00 Wilde Kaninchen gestreift. 80pf, l.OO Grosse Kochäpfel. 2 Pfund 35 pt. AmeriKan. Aepfei ptd. 20, 28 pt. Amcrikan. Reinetten Pk°»d 20 pt. Kaliforn. Aepfei____ P5°°d 30 pt. Datteln ptd. 68, Feigen Eut« 25 pt. Krachmandeln..... Pfand 73 pf Haselnusskerne____ Pfand 83 pf. Walnusskeme..... Pfund 1.35 Römische Pflaumen Pfand 1.40, Kirt« 78 Pf, 1.38 Blut-Apfelsinen..du. 25, 43 pf. Apfelsinen.. du. 28, 38, 48 pt Zitronen......... d� 28 pt Bittere Orangen... du. 48 pt LaChS in Stüeken. Pfd. 75, 85 Pf. Makreienbücklinge 2 stock 15 pt. Lachsbücklinge..., stock 20 pf. Kieler Bücklinge..* stock 10 pt. Grosse Kieler Flundern pfd. 60 pf. Dorsche.......... stock 15 pc Seelachs......... Pfd. 35 pt Goldfische........ stock 9 pf. Aale...Pfd. 1.10, Bund. 38 pt Sauerkraut...... 2 Pfand 25 pf. Bratheringe. in 4 Liter-Dosen 1.08 Aal in Gelee..... Pfand 98 pt. Kabeljau Ohne Kopf la ganzen ttschea,,»,» Pfund 9 Pt. Seeaale(Langfische) in ganzen Fischen,.»»,.Pfund 8 Pt Seelachs in ganzen Hachen........... Pfund 7 Pt. Gr. Schollen Pfund 22» Flundern 15p*- Schellfische......... Pfund 8» 20» 23 pt Lachs in ganzen Hachen............. Pfund 4*3 Pf. Lebende grosse Schleie. Pfand 88?*. Lebende Portions-Schleie pfa. 1.20 Lebende Lausitz. Karpfen prd.63pt. Geflügel Puten...... Pfd. 88, 95 Pf-.£« froren. Pfd. 7 8 PL Birkhähne................. Stack 1.75 Hühner. stück 1.75» 2. DD» 2.25» 2.5D Poulets............... stock 1.75» 2.25 Gänse-Rümpfe von gefrorenen Ginsen 88, 95p*- Gänse-Brust................ pfd. 95pl Haselhühner.............. Stack 88 pl Wolgahühner stück 1,65. 2.00, 2.25 Enten gefroren..... Stück 2.45» 2.75» 3. DD .Auerhähne................ stück 3.25 Heneste 130 Verkaufsstellen im Deutschen Reiche, davon in Berlin und Umgebung: C, Spittelniarkt 15 C, Rosenthaler Str. 14 W, Potsdamer Str. 50 W, Schillstraße 16 NW, Turmsiraße 41 NW, Wilsnackcr Str. 22 NW, Beusscl slraße 29 N, Friedrichslraße 127 N, Müllcrstraße 3 N, Reinickendorfer Straße 23 N,BrnnnenstraBenur37 N, Danzioer Straße 1 0, Andreasstraße 50 0, Frankfurter Allee 125 SO, Oranienstraße 32 SO, Oranienstraße 2a SO, Wrangelstraße 49 SW, Friedrichs�. 240-4 Charlottenburg: nur Wilmersdor�er Straße 122-23 Neukölln: , Bergstraße 30-31 Kontltnunilcn-fllcM Qualität, Eleganz* unerreiclite PPeiswürdiglieit sind die überall bekannten Merkmale unserer Fabrikate iWhjinigeDonten Echt Boxcalb-Chevreau 0rMe Lackkappe, hoAclegant,. 36—38 Fein Chromleder Derbyschnitt, Lackkappe Solides Boxleder.. Größe 34—35 Größe 34—35 �50 ßSO 625 nl25 RIO«»..ISO tzB 36—38 J ff. 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Am Ministertisch: S Y d o w, Generalsteuerdirektor H e i n z e. Etat für Handel und Gewerbe. Vierter Tag. Abg. Brüttlm 4 Proz.— ö'/z Millionen. Die Assistenten in Preußen müssen denen de« Reich« gleichgestellt iverdcn. ginanzminister Dr. Lentze: Die Assistenten können mit den ihnen gegebenen Unterstützungen vollauf zufrieden sein. Irgend ein Anspruch auf Gleichstellung mit den Assistenten im Reich bsstcht nicht. Die vortragenden Räte sind tn> Reich noch besser bezahlt, aber sie fordern nicht mehr. Uebertrtebene Forde« rungen der Beamten sollten hier nicht unterstützt werden. sBravo I recht».> Abg. Frhr. v. Richthofen sk.): Unser Antrag will nur, daß auf dem bisherigen Wege fortgefahren werde i für die Kommisiare in Stadt und Land bestehen die gleichen Voraussetzungen— ob der Laudrat oder der Bürgermeister Vorsitzender ist. Uns wirft man Gegner- schaft gegen gerechte Besteuerung vor— aber ivir haben gegen die Linke das Steuergcsctz gemacht und sind auch für die verschärften Slrasbestimmungen. Wir wollen keineswegs Fehler der Steuer- beamten decken und billigen den bekannten Erlaß de» Minister» des Innern. Aber, wenn ein Beamter, L a n d r a t oder Bürger- Meister Fehler begeht, braucht doch nicht die Behörde ander» organisiert iverdcn durch Einsetzung eines Konimissar». Bedenken Sie auch die K o st e n v e r m e h r n n g und die Beschwerung der Bevölkerung, wenn für mehrere Kreise nur eine neue Steuer- koinmission eingesetzt wird. sBravo! rechts.) Abg. Borchardt sSoz.) bespricht die vergleichende Uebersicht über die Einkommensteuer- Veranlagung 1910 und 1911; die soll angeblich beweisen, daß die Marxsche Lehre falsch sei. Da» war mir ein Beweis, wie Sie überall mit der Sozialdemokratie rechnen. Ein Zensit hatte 1910 IS Millionen, 1909 erst 14 Millionen, der Berichterstatter tilgte hinzu, wo Millionen sind, kommen welche hinzu. sSehr richtig I rechts.) Ganz richtig, da» ist eben ein Satz aus der Marx. scheu Tbcorie! sSehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Die Marxsche Theorie sagt weiter: weil dies so ist. daher kommt das Elend der großen Masse des Volte». DaS ist die Elends-, nicht VerelcndungStheorie. von Marx. Ein Anhaltspunkt für dir Richtigkeit der Marxichcn Theorie bietet die Steuerveranlagung de» vorigen Jahres. Die Verpflichtung zur direkten Einkommen- sieuer in Preußen beginnt bekanntlich bei einem Einkommen von 900 M. pro Jahr, d. h. bei einem wöchentlichen Einkommen von l?1/» M. Auch in diesem Jahre hat die Hälfte de» preußische» Bevölkerung«in geringere» Einkommen als 900!vt. pro Jahr. I sHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es bedarf keines Be- "weises dafür, daß jemand bei einem wöchentlichen Einkommen von 17'/, M. schlechterdings Hunger leiden muß. Allerdings ist die Zahl der Einkommen unter 900 M. pro Jahr etwas geringer ge- worden und von bl'/, Proz. auf 60,1 Proz. gefallen. Mit einer so geringen Besserung unserer heutigen elenden sozialen Lage sollte man aber nicht prahlen, da es fraglich ist, ob eine tat- sächliche Besserung vorliegt. sSehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Denn es ist wenige Jahre her, daß Sie den§ 2Z des Einkommensteuergesetzes einführten, vermöge dessen die Armen und Aernislen sehr viel schärfer als zuvor zur Steuer herangezogen iverdeit: da ist eS natürlich, daß einige Jahre nach Einführung des§ 23 die Zahl derer, die mit mehr als 900 M. veranlagt werden, immer noch ein wenig wächst. Angesichts der traurigen Tatsache, daß mehr als die Hälfte der Bevölkerung ein geringeres Einkommen als 900 M. pro Jahr hat, findet sich ein scheinbarer Trost in der Denk« schrift. Sie behauptet, daß diejenigen mit einem Einkommen von unter 900 M. nicht lauter mittellose Personen sind, sondern daß zu ihnen.ohne Zweifel" auch eine große Zahl von Personen gehört, die durchaus nicht zu den unbemittelten Schichten zu rechnen sind, z. B. Söhne und Töchter wohlhabender Bauern oder Kinder reicher Leute, die ein eigenes Zinseinlommen besitzen. Dies ist aber nur eine leere Behauptung, die zu beweisen die Regierung nicht einmal den Versuch gemacht hat. Das ist ein Beweis dafür, daß selbst den amtlichen Kreisen angesichts der Tat- fache unserer elenden sozialen Lage so unheimlich wird, daß sie nach irgendwelchen Mitteln suchen, nur diese unangenehmen Tatsachen zu verschleiern. Allerdings ist mir aufgefallen, daß trotz alledem die Zahl der Einkommen unter 900 M. bedeutend geringer ist lme im Vorjahre; ihre Zahl ist nämlich von 57 Proz. im Jahre 1909 auf jetzt 50,1 Proz. gefallen. Das wäre ein immerhin ins Gewicht fallender Fortschritt, diese Divergenz erklärt sich aber so: die amtliche Denkschrift hat immer die Zensiten mitsamt den Angehörigen gerechnet, ivährend eigentlich nur die Er- werbStätigen ohne die Angehörigen bei der Aufstellung dieser Statistik in Betracht kämen. Wenn wir das Verhältnis nicht auf die Gesamtzahl der Bevölkerung, sondern auf die Zahl der Er- werbStätigen berechnen, dann erhalten wir in diesem Jahre 54 Proz. als Zahl der Einkommen unter 900 M. Daraus folgt, daß die wirkliche Lage der unteren Bevölkerungsschichten noch u n- günstiger ist, als es die Denkschrift darstellt. Die nächsthöhere Stufe wird von einem Einkommen von 900 bi» 3000 Mark gerechnet. Unter diese Einkommenklasse fallen 44 Proz. der Bevölkerung. Hier taucht der alte Streit auf, wo eigentlich die Grenze zwischen arm und reich zu ziehen ist. Das Zentrum hat diese Grenze auf 1500 M. festgesetzt: es rechnet den, der ein Einkommen bis 1500 Mark hat, zu den Armen, und den, der darüber hinausgeht, zu den Wohlhabenden. An der Hand der amtlichen Statistiken wird jedoch keiner ernstlich behaupten wollen, daß bei den teueren Lebcnsverhältniffen jemand mit einem Ein- kommen von 1500 M. aufwärts schon zn den Wohlhabenden ge- rechnet wird. Nach Feststellungen deS Slatistikers C a l w e r, der ja bei den Parteien der Rechten als Autorität gilt, bleibt von einem Einkommen von 1500 M. nach den Kosten für den Lebensunterhalt wöchentlich eine Summe von 5,50 M. übrig, wovon alle anderen Ausgaben ivie Wohnung. Kleidung, K u l t n r b e d ü r f n i f s e bezahlt werden müssen. Meistens bleibt die Ernährung eine unvollständige, und die Kulturbedürsnisse kommen nur selten zu ihrem Recht. Während die Familien mit großem Einkommen anerkcnnenSwertcrweise oft sehr viel für die Kulturbedllrsnisse ausgeben, können die niedrigen Einkommen hieran nicht denken. Hiermit hängt die Verrohung und die Schund- literatur zusammen, gegen die dann Auswcndungen und Reden gehalten werden. Präsident Frhr. v. Erffa: Die Verrohung und Schundliteratur hat mit der Einkommensteuer nichts zu tun; ich bitte Sie, bei der Sache zu bleibe». Abg. Borchardt Alt, aber noch nickt beantwortet und nicht beseitigt. Am 19. Februar 1910 behauptete Minister v. Rhcinbaben, Delbrücks Berechnung, es seien i» Preußen 155 Milliarde» Vermögen, seien falsch. Aber Delbrück halte auch 1909 behauptet, nicht bei der Vermögenssteuer, sondern bei der E i n k o m m e n st e u c r werde geschwindelt, und davon ist hier noch nicht gesprochen worden. Delbrück tchreivt, im Finanzministerium habe man ihm 13 Fälle erzählt, wo Millionär« kein Einkommen deklarierten, weil sie mit Verlust gearbeitet batten; Großgrundbesitzer mit 20 000 M. Einkommen werden zu 1300 M. vrrstcucrt! ja sie deklarieren unter 900 M.; Bauern hätten die Gewohnheit, das in der Wirtschasi Ver- brauchte nicht zu deklarieren; aus Schlesien sind Delbrück ganze Register über ausfallend geringe Ver- anlagung zugegangen. Rheinbaben erklärte, die Nachprüfung mehrerer Fälle hätte ihre Unrichtigkeit erwiesen, da» sei in Dutzenden Fällen so geivesen, die schlesischen Besitzer hätten die Richtigkeit ihrer Deklaration nachgewiesen. Das kann aber nicht genügen, denn die Nachprüfung noch so vieler Einzelfälle hat der Negierung die Ansicht nicht genommen, daß in Stadt und Land viele Leute da» nicht zahlen, was sie zahlen müßten. Also muß der Fehler im System liegen, wie auch Prof. Delbrück erklärt hat. Er findet diese Fehler in der Zusammensetzung der VeranlagungS- kommissionen, da unbequeme Frager das nächste Mal nicht mehr gewählt werden. Meine Zahlen sind aus den:„Korrespondenz- blait" der Genernlkomniission der Gewcrlschaflcn Deutschlands. Gott sei dank, die Einkommen und der Volkswohlstand steigen! Gegen Steuerhinterziehungen sind wir stets mit allen Mitteln eingeschritten. Die uns auf unser Ersuchen, nur zum Teil, von Prof. Delbrück mitgeteilten Fälle sind zum größten Teil Irrtum gewesen.(Stürmisches Hört! hört! rechts und großer Beifall.) Im gukunftsstaat ivird es auch Stenerhinterzieher geben!(Große Heiterkeit und Beifall rechts.) Bewilligen Sie die Steuerreform»nd Sie werde» sehen, daß von den Macht- mittel» Gebrauch gemacht wird. Der Erlaß des Ministers de? Innern beweist, haß wir alles Inn gegen Mißstände. Die Staats« regierung wird mit aller Energie dahin arbeiten, daß die Steuer- gelctze auch weiter streng und gerecht zur Durchführung kommen und lveist die Anklage de» Abg. Borchardt. als ob sie es daran mangeln ließe, auf das entschiedenste zurück.(Lebhafter Beifall rechlS.) Abg. Dr. Zimmer(Z): Die Borchardische Rede tvar Phantasie. tinanzminifter Dr. Lentze trägt noch nach, daß die Steigerung teuererirageS im Jahre 1910 nicht ans veränderte Behörden- praxi« zurückzuführen sei, das sei ganz natürlich. Ein Schluhantrag Ivird angenommen. Abg. Hirsch(Soz.) bedauert unter Hohngclächter der Mehrheit, verhindert zu sein, die Angabe» des Ministers über die GelvcrkschaflS- beitrüge als unrichtig zu erweisen. Nach kurzen Bemerkungen der Abgg. Fritsch(natl.), v. Richt« Hofen(k,). G Y ß li n g(Vp.) und v. H e h d c b r a n d(k.) wird der Antrag Hennigs-Wallenborn der Budgctkom Mission über» wiese». Mehrere Abgeordnete der bürgerlichen Parteien bringen lokale und Beamienlvünsche vor, so der Rcntmcistcr, Kalostcrbcamten usw. Der Etat der Verwaltung der direkten Steiiern ivird genehmigt. Freitag 12 ilhr: Kleinere Etats, Antrag Hammer über die W a r c n h a>l s st c u e r. Schluß 4 Uhr.______ parlamentarilcbes. Die Budgctkoinmission des RrichstngrS debattierte am Tonnerstag irxitcr über die Frage der Kali- abgaben. Abg. Hoch ivie» auf die Ucbcrproduktion im Kali- bergbau hin und auf die bedenkliche Verschleuderung eines wert» vollen Naturschatzcs. Das Reich müsse hier eingreifen. Die einzig richtige Lösung wäre die von de» Sozialdemokraten schon wiederholt geforderte Verstaatlichung des K a l i b c r g. baue». Unerträglich sei auch der Zustand mit den Propaganda- 'geldcrn.— Unterstaatssekretär Richter gab bekannt, wie 1911 die Propagandagcldex vcrivendct worden sind. Unter anderem er» hielten: die Landwirtschaftskammer in Königsberg 10 000 M., Tanzig 9000 M.. Berlin 8000 M.. Stettin 10 000 M.. Posen 13 000 M., Breslau 11000 M., Hannover 18 000 M., die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft 153 000 M., der Deutsche Fischcreivcrciu 30 000 M., der Verein zur Förderung der Moorkultur 30 000 M., der Verein der Hopscnbaucr 120 000 M., der Reichsverein Deutscher LandwirtschaftSgenosscnsäiaftcn 168 000 M., Bund der Landwirte 25 000 Vi., Westfälischer Baucrnvcrein 14 000 M. und der Rheinische Baucrnvcrcin 10 000 M. Der Kommission liegen nicht weniger als 14 Anträge vor. Die Konservativen fordern eine vierte AuSgangsstation für Süddeutschland, um die Frachttarife dort zu ermäßigen. Das Zentrum hat den gleichen Wunsch. Müller- Fulda will da» Gesetz so abgeändert wisse», daß die gesamten Kali- abgaben der Reichskassc verbleiben. DaS Zentrum will ferner, daß der Beitrag des Reiches zu den Kosten der Kalt, Untersuchungen auf über tOOOOO M. erhöbt wird, statt der 560 000 Mark, die im Etat angesetzt sind. Die Freisinnigen wollen die Kaliabgaben aus 15 Pf. pro Doppelzentner herabgesetzt wissen. Die Sozialdemokraten fordern, die Ausgaben für praktische Untersuchungen und bei der Propaganda von insgesamt 4 050 000 auf 3 300 000 M. herabzusetzen. Ferner stellten sie den gestern schon mitgeteilten Antrag betreffend Arbeiterlöhne. Staats- sekretär Mermuth macht darauf aufmerksam, daß die Reichs- einnahmen durch alle vorliegenden Anträge geschädigt würden. Staatssekretär Delbrück schließt sich diesen Ausführungen an. Das Reich könne die Abgaben nicht entbehren wegen der hohen Kosten, die ihm durch die Einführung des Gesetzes erlvachsen. Er glaube auch nicht, daß der Bundesrat jetzt geneigt sein werde, sich auf den Boden der Anträge zu stellen. Im vorliegenden Etat so tief eingreifende Aenderungen eintreten zu lassen, sei geradezu unmöglich. Die 5wli Propaganda werde nicht übermäßig, sondern vielmehr noch zu gering betrieben. IZus der parteü Geheime Tripolis-Freundlichkeit sozialistischer Abgeordneten? Rom, 30. Februar. sEig. Ber.) Mit großer und schmerzlicher Bestürzung nimmt man in italienischen Parteikreisen zur Kenntnis, daß bei der geheimen Abstimmung, die der namentlichen Ab- stimmung über das Annexionsdekret folgte, nur neun schwarze Kugeln gezählt wurden, obwohl 21 sozialistische Abgeordnete sich an dem Votum beteiligt haben. Man fragt sich nun, ob es möglich ist, daß Parteigenossen in geheimer Abstimmung anders gestimmt hätten als in öffentlicher, oder ob etwa eine Fälschung des Resultats bei der Auszählung der Kugeln durchgeführt wurde. Wie es heißt, wollen einige Parteigenossen, die an der Abstimmung teilgenommen haben, ihren gleichfalls anwesenden Kollegen eine Erklärung ab- verlangen, in der auf Ehrenwort versichert wird, daß sie bei beiden Abstimmungen in gleichem Sinne gestimmt haben. Begreiflicherweise wird die durch die vorliegenden Zahlen geschaffene Sachlage von der gesamten Partei als peinlich und demütigend empfunden, so daß es dringend wünschenswert wäre, Aufklärung zu verschaffen. Falls die beiden bürgerlichen Abgeordneten P i n ch i a und Fürst C a e t a n i bei der geheimen Abstimmung ebenso gegen das Dekret gestimmt haben, wie bei der namentlichen, so fiele auf 14 Sozia- listen der Verdacht, in geheimer Abstimmung Tripolisfreunde zu sein und dabei nicht einmal den Mut ihrer eigenen Ueberzcugung zu haben._ Biffolati aus der Partei ausgetreten. Rom, 29. Februar.(Privattelegramm des„Vorwärts".) In einer Fraktionssitzung erklärte Bissolati seinen Austritt aus der Parteifraktion, um ein Element der Uneinigkeit zu beseitigen. Daraufhin beschlossen die Abgeordneten die Gründung einer einzigen Parteifraktion auf der Grundlage der Parteidisziplin. AuS den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Frank- furt a. M. beschloß in seiner letzten Generalversammlung, den Monatsbeitrag für die männlichen Mitglieder von 40 Pf. auf 50 Pf. zu erhöhen. Der Frauenbeitrag bleibt 30 Pf. Die Veranlassung zu der Beilragserhöhung gaben die außerordentlich hohen Ausgaben bei der Reichstagswahl und die Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen. Im vierten Quartal 1911 steigerte der Verein seine Mitgliederzahl um 1100 auf 3937. Zurzeit dürfte er gegen 10 000 Mitglieder zählen.'_ Bezirks-Parteisekretariat„Nordwest". Die wachsenden Partei- arbeiten veranlaßten den Ende August v. I. tagenden Bezirks- Parteitag die Errichtung eines Bezirks-Parteisekretarials zu beantragen, Der Parteivorstand stimmte Ende v. I. diesem Beschlüsse zu, so daß das Bezirks-Parteisekretariat am 1. Februar eröffnet werden konnte. Der Bezirk„Nordwest" umfaßt: Bremen, den 0., 17., 18. und 19. hannoverschen Wahlkreis. Der Sitz des Sekretariats ist Bremen, Geern 0/8. Zunr Sekretär wurde Genosse L. W a i g a n d gewählt. poUzeUicbes, ßericbtiichcs ufw. Die Gemeindeautorität. Wegen Beleidigung eines Nachtwächters von Langenhain wurde Gen, G e i t h n e r vom„Gothaer Volksblatt zu 20 M. ver- urteilt. Dem Nachtwächter war der Vorwurf gemacht worden, daß er in den schönen Augustnächten die Aepfelbänme der Einwohner ableerte, anstalt sie zu beschützen. Zwei Zeugen bestätigten vor dem Schöffengericht am Mittwoch den von ihnen zweimal beobachteten Vorgang, aber der Amtsanwalt und das Gericht nahmen den Wächter stark in Schutz, da sehr wohl eine Verwechselung vorliegen könne und es sich um eine glaubwürdige Person, die eine Autorität im Dorfe sei, handele._ Der HeicHsverband als Kläger. Zur Ehrenrettung des Reichsverbandes hat sein gesamter Vor- stand, 12 Personen mit Herrn v. Liebert an der Spitze� eine Be- lridigungsklage gegen unseren verantwortlichen Redakteur, Gc- nassen Barth, eingereicht. Ten Anlaß zur Klage bot ein am 9. November v. I. veröffent- lichter kurzer Artikel über den Wahlkampf in Lübeck. Der Reichs- verband, dem kein Mittel zu schlecht ist, wenn es im Kampfe gegen die Sozialdemokratie Verwendung finden kann, der Reichsverband, dem es auf eine Handvoll Unwahrheiten gar nicht ankommt, wenn sie nur eine Wirkung gegen die Sozialdemokratie versprechen, ist bekanntlich sehr empfindlich, wenn die von ihm Verunglimpften sich mit scharfen Worten wehren. In diesem Falle haben es dem klagenden Vorstande zwei Sätze unseres Artikels angetan. In dem einen Satz heißt es, der berüchtigte Reichsverband gegen die Sozialdemokratie habe schon im Wahlkampf 1907 auch in Lübeck den Gipfel der Niedertracht zu erreichen versucht. Der andere Satz lautet:„Im Fürstentum Lübeck hoffen die bürgerlichen Parteien den Wahlkampf ebenfalls durch die Mitwirkung des Rcichsverbandes vergiften zu können." Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfcld, bot Beweis dafür an, daß sich der Reichsverband 1907 in Lübeck nicht nur bemüht habe, den Gipfel der Niedertracht zu erreichen, sondern daß ihm das auch gelungen sei. Der Verteidiger verwies darauf, daß ein Flugblatt des Reichsverbandes in Lübeck 1907 die schon wer weiß wie oft widerlegte Lüge verbreitete, der alte Liebknecht habe im„Volksstaat" die Soldaten, welche aus dem Kriege von 1870/71 heimkehrten, als zweibeinige Tiere in Uniform bezeichnet. Nachdem diese Behauptung durch ein sozialdemokrati- sches Flugblatt als Lüge nachgewiesen war, hat sie der Reichs- verband aufs neue verbreitet, in etwas abgeschwächter Form zwar. aber doch so, daß die Leser annehmen mußten, der alte Liebknecht habe die Soldaten schlechtweg als zweibeinige Tiere in Uniform beschimpft. Da dem Verfasser dieses Flugblattes der authentische Wortlaut jener ganz anders lautenden Aeußerung Liebknechts bekannt war, so habe er also wider besseres Wissen die Unwahrheit verbreitet. Die Bezeichnung, die der„Vorwärts" für diese Kampfesweise wählte, sei demnach durchaus berechtigt.— Ter Satz, welcher davon spricht, daß die bürgerlichen Parteien hoffen. den Wahlkampf vergiften zu können, sei für den Reichsverband überhaupt nicht beleidigend. Datz der Reichsverband berüchtigt fei, werde dadurch bewiesen, daß eine Reihe anständiger Politiker aus dem bürgerlichen Lager sich die Hilfe des Reichsverbandes ganz entschieden verbeten haben, weil sie dessen Kampfeswcise für unanständig halten. Im übrigen genieße der Angeklagte zweifellos den Schutz des 8 193, denn als Redakteur des Zentralorgans der sozialdemokratischen Partei habe er ein ihm persönlich nahe an- gehendes Interesse, die Angriffe des Rcichsverbandes auf die Sozialdemokratie abzuwehren und müsse deshalb freigesprochen werden. Rechtsanwalt Holz, der die Kläger vertrat, nahm für den Reichsverband das Recht, scharfe Worte zu gebrauchen, in An- spruch, gegen den Angeklagten aber, der doch auch nur scharfe Worte gegen die bekannte Kampfesweise des Reichsverbandes ge- braucht, beantragte der Anwalt eine empfindliche Freiheitsstrafe. Es kam hierauf noch zu einer längeren Auseinandersetzung zwischen den beiden Anwälten über die reichsverbändlerischc Kampfesweise, die schließlich auch vom Angeklagten Barth mit einigen- kräftigen Strichen gekennzeichnet wurde. Das Urteil des Gerichts zeigt ein weitgehende? Verständnis für die Wünsche der klagenden Reichsverbandsführer. Genosse Bart wurde zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Das Gericht hat dem Angeklagten zwar den Schutz des Z 193 zugebilligt, aber in dem Ausdruck, der Reichsverband sei bestrebt gewesen, den Gipfel der Niedertracht zu erreichen, erblickt es die Absicht der Beleidigung. Dagegen hält das Gericht den Passus, der besagt, daß die bürger- lichen Parteien hoffen, den Wahlkampf durch die Methode des Reichsverbandes vergiften zu können, nicht für beleidigend. Soziales. Ter Bergsklaven Los. Aus dem tiefen, dunklen Schacht, wo er den schwarzen Dia- manten gräbt, tritt cher Bergmann nun in das Licht der Oeffent- lichkcit. Das Kapital anklagend, heischt er etwas mehr Anteil an dem Segen des Bergbaues. Den Unternehmern ist er die Quelle reicher Gewinne, der Bergmann opfert ihm Gesundheit und Leben. Einst gehörte er einem privilegierten Stande an. Er genoß Steuerfreiheiten, Soldat brauchte er nicht zu werden, seine Berufs- arbeit galt als wichtiger. Der Kapitalismus hat längst auch den freien Bergmann zu einem rechtlosen Lohnsklaven gemacht. Und er gehört wahrlich nicht zu den beneidenswerten. Abgeschlossen vom Sonnenlicht, meist in Gesellschaft von nur zwei oder drei Kameraden, verrichtet er Tag für Tag seine schwere, aufreibende Arbeit. Heute ist er den An- griffen trockenen, in die Lunge eindringenden Kohlenstaubes aus- gesetzt, morgen von herabrieselndem Wasser durchnäßt, eine Beute von Erkältungskrankheiten. Bald mutz er Häuptlings seine Spitz- hacke einschlagen, bald auf den Knien, bald auf der Seite, oft sogar auf dem Bauche liegend sein Gerät handhaben. Das zermürbt Geist und Körperl Schnell geht der Bergmann zugrunde. Immer früher wird er invalide,„bergfertig", wie der Fachausdruck lautet. Mancher neidet ihm seine kurze Arbeitszeit. In Wirklichkeit ist sie gar nicht so kurz. Zu den 8 Stunden in der Grube kommt noch die Ein- und Ausfahrt, das Waschen und Umkleiden, Schon sind aus den 8 Stunden 8s4 bis 9 Stunden geworden. Und dann wohnen die Bergarbeiter zu einem großen Teil% bis 1 Stunde von der Grube entfernt. Ihr Fernsein vom Hause dehnt sich bis zu 11 Stunden und länger aus. Dabei trägt der Bergmann jeden Tag sein Leichenhemd. Niemand weiß beim Fortgehen, ob er noch einmal zurückkehrt, noch einmal Weib und Kind, Vater, Mutter und andere Lieben wiederschaut. Die Summ« der Unfallgefähren, die ihn be- drohen, ist größer als die in anderen Bernsen. Sämtliche gewerb- liche Berufsgenossenschaften verzeichneten im Jahre 1910 auf 1000 Versicherte 51,00 Unfälle, die Knappschafts-Berufsgenofsenschaft aber 13 6,20. Fast jeder siebente Bergsklave verunglückt ein- mal im Jahre. Im Bergbau ist die Unglücksgefahr 2�mal so groß als im Durchschnitt bei allen gewerblichen Berufen! Die Statistik der entschädigungspflichtigen Unfälle macht das Bild nicht freundlicher. Während die Schwerverletzten nach der Gesamtziffer für alle gewerblichen Arbeiter 7,39 pro 1000 Versicherte ergeben, sind es bei den Bergarbeitern 14,07, also doppelt so viel! -Wie groß das Risiko des Bergmannes ist, beweisen ferner die Rechnungsergebnisse der Krankenkassen. Das Durchschnittsalter der Grubenleute steht weit unter dem aller gegen Krankheit versicherten Personen. Trotzdem sind jene mehr von Krankheiten heimgesucht. Im Jahre 1909 entfielen auf je 100 in den Krankenkassen Deutschlands Versicherte 40 Erkrankungsfälle und 82,0 Krankentage, bei den Knappschaftskassen jedoch ergaben sich 5 7,1 Erkrankungsfälle und 99,70 Krankentage. Die Beschwer- lichkeit und Trostlosigkeit der Arbeit, die hohe Unfall- und Er- krankungsgefahr, das frühe Siechtum und das kurze Leben der Bergsklaven in die Rechnung eingestellt, ergibt wahrlich kein be- neidenswertes Los. Und der Bergmann ist doch auch ein Mensch mit heißem Drang nach TaseinSlust und Glück. Er hat ein Recht, zu verlangen, daß der Ertrag seiner freudlosen Berufsarbeit ihn wenigstens vor tagtäglichen Hungerssorgen schütze. Er darf, er muß sich aufbäumen gegen die Last der Existenznöte, er trägt genug an der Hätz in der Grude. Das achtet das Kapital nicht. Schwerer und schwerer seufzt unter seinem Druck der Bergmann. Die alle Produktionsprozesse umwälzende Technik steigerte auch im Bergbau die Ausbeutung der Arbeitskraft. Von der Einfahrt an muß jeder Muskel, jeder Nerv bis zum äußersten angespannt, dem Kapital tributpflichtig sein. Gemeinschaftliche Gebete, die Abhaltung sogen. Bergämter in der Grube, wobei neben beruflichen Fragen solche politischer und familiärer Natur in den Kreis der Erörterung ge- zogen wurden, verkürzten früher die nominelle Arbeitszeit. Vorbei ist es mit solchen Pausen. Wie jeder Arbeiter, gilt auch der Berg- mann dem Kapital nur als Objekt der Plusmacherei. Die Unternehmer suchen gern den Anschein zu erwecken, als ab die Gruben leute als Entschädigung für all ihr Mühen, für all ihre Not und Pein, für alle Risiken der Arbeit reichlich hoch entlohnt würden. Das ist jedoch nicht der Fall. Im Ruhrrevier hält sich der Lohn um zirka 150 M. unter dem Jahresdurchschnittslohn der Walzwerks- und Hüttenarbeiter; in den anderen Revieren ist er noch niedriger. Bei der Würdigung der Löhne muß man die ge- samten Verhältnisse berücksichtigen. Die Schwere der Arbeit bedingt eine reichliche und gute NahrungSzufuhr, soll der Bergmann nicht schon als ganz junger Mensch invalide werden, ins Grab sinken. Obwohl das Kohle nsyndikatdiePreisefa st ununter- brachen heraufsetzt, schwanken die Löhne auf und ab. Im Jahre 1908. wurde eine Preissteigerung für Kohlen durchgeführt, gleichzeitig das Einkommen der Bergarbeiter geschmälert. Ihr Jahresdurchschnittslohn betrug im 3. Vierteljahr 1907 4,94 M., in der gleichen Zeit 1911 nur 4,72 Mk, trotz der voraufgegangenen Lohnsteigerung, auf die sich die Unternehmer als Ursache der kürz- lich erneut vorgenommenen Preiserhöhung beriefen. Nach den Jahresdurchschnitten ergeben sich folgende Tageslöhne: 1907: 4,87 M., 1908: 4,82 M., 1909: 4,49 M„ 1910: 4,54 Mk. und für die ersten drei Vierteljahre 1911: 4.07 M. Tagegen kostete beispiels- weise Stückkohle ab Werk Dortmund im Januar 1907 11,75 M., seit 1908 aber 12.75 M. Dazu kommt jetzt noch der kürzlich be- schlossene Preisaufschlag. Die Lohn- und Preisentwickelung steht zweifellos in einem argen Mißverhältnis. Daß die Gruben bisher schon ganz gut abschnitten, bestätigen die Abschlüsse der Bergbau- gesellschaften. Nach den im Jahre 1911 im„Reichsanzeiger" ver- öffentlichten Bilanzen verteilten 33 Steinkohlenbergwerke mit einem Aktienkapital von 420 Millionen Mark eine durchschnittliche Dividende von 8,3 Proz. Dieselben Gesellschaften hatten im Jahre vorher nur 8,2 Proz. herausgebracht. Berücksichtigt man den ganzen Bergbau, einschließlich Hütten, so ergibt sich für 237 Gesellschaften mit über 2 Milliarden Mark Aktienkapital eine Erhöhung der Durchschnittsdividende von 8,4 auf 9, 1 Proz. Laut einer Zu- sammenstellung in Nr. 54 der„Franks. Ztg.", die 13 Bergwerks- gesellschaften umfaßt, war deren Ueberschuß von 12,4 Millionen Mark im 3. Vierteljahr auf 14,9 Millionen Mark im letzten Viertel dieses Jahres gestiegen. Auch diese Resultate unterstreichen recht kräftig die Forderung der Bergarbeiter. Während eine Reihe anderer Berufe den im Jahre 1907 erzielten Lohn schon überholt hat, bleibt der Bergmann noch weit hinter dem damaligen Satz zurück. Mittlerweile steigerten sich für den Unternehmer die Er- lös«, für den Arbeiter aber die Kosten der Lebenshaltung. Höhere Preise für Nahrungsmittel und Gebrauchsartikel, dazu eine Ver- Minderung des Einkommens, das bedeutet eine wesentliche Ver» schlechterung. Die Schildträger der Verteuerungspolitik und der Dividendenschlucker behaupten trotzdem, von der glänzenden wirt- schaftlichen EntWickelung hätten die Arbeiter ihr vollgerüttelt Maß empfangen. Bei solcher Lage ist der Drang der gequälten Knappen begreif- lich durch Massenaktionen ihrer berechtigten und notwendigen Forderung den nötigen Nachdruck zu verleihen. Tiiis Industrie und Kandel. Haben Lohnerhöhungen die Produktion verteuert? Dem preußischen Landtag ist die übliche Nachwcisung über den Betrieb der fiskalischen Bergwerke, Hütten und Salinen im letzten Etatsjahr zugegangen. Der preußische Fiskus ist der größte Berg- Werksbesitzer Deutschlands. Die Gesamtzahl der auf den fiskalischen Montanwerken beschäftigten Personen belief sich 1910 auf 104 000, wovon fast 100 000 allein auf Kohlen-, Erz- und Salzbergwerke entfielen. Ein so großes Unternehmen kann in seinew Geschäftsberichten auch eine Unterlage bieten für die Untersuchung des Ein- flusses der Lohnhöhe auf die Produktionskosten. Leider ist die Untersuchung mangels ausreichender statistischer Angaben nicht für alle Betriebszweige durchzuführen, aber schon die ermöglichte Teil» Untersuchung gibt eine wichtige Auskunst auf die gestellte Frage. Veginnen wir mit den Steinkohlenbergwerken, weil bekanntlich die Erhöhung der Preise stets mit der„Erhöhung der Lohn- kosten" begründet wird. Nun ist zwar nicht einmal für alle fiskalischen Steinkohlenarbeiler im Etatsjahr 1910 eine absolute Lohnerhöhung eingetreten: in Oberschlesien ging der Lohn sogar noch absolut zurück. Aber es kommt bei unserer Untersuchung weniger auf den pro Schicht ausgezahlten Lohn, sondern vorzüglich auf den relativen Anteil der Löhne an den Produktionskosten pro Tonne an. Da ergibt sich nun folgendes: Für die ober- s ch l e s i s ch e n fiskalischen Kohlengruben betrugen pro geförderte Tonne die Selhstkosten davon insgesamt an Löhneu 1909.» l. 7,84 M. 4.00 M. 1910.... 7.37„ 3.80. Danach gingen die Selbstkosten um 47 Pf. zurück; pro Tonne find 14 Pf. weniger Lohn gezahlt worden. Die generell aufgestellte Be- hauptung, die Lohnkosten nähmen einen stets größer werdenden Teil der Produktionskosten in Anspruch, trifft sonach zunächst schon für die oberschlesischen fiskalischen Kohlengruben nicht zu. Für die fiskalischen Saarkohlengrnbcn sind die Ver« gleichszahle» nicht detailliert angegeben. Es wird nur mitgeteilt, daß die Selbstkosten pro Tonne von 10,39 M. auf 9,99 M., also um 40 Pf. fielen, während der Verkaufserlös nur durchschnittlich um 30 Pf. zurückgegangen war. Da in derselben Zeit der Durchschnins- lohn der Gesamtbelegschaft um 1 Pf.(!) auf 3,97 M. stieg, ist hier eine erhebliche Selbstkostenverminderung bei gleichzeitiger, wenn auch jämmerlicher Lohnerhöhung eingetreten. Das Lohnbild bei dem Kohlenbergwerk am Deister(Hannover) ist klarer. Hier haben be- tragen pro Tonne die Selbstkosten davon der Durchschnitts- insgesamt Lohnkosten schichtverdienst 1909.. 8.95 M. 5,63 M. 3,43 M. 1910.. 8,93. 5,18, 3,53, Demnach find die Selbstkosten überhaupt um 2 Pf., die Lohn» kojjen pro Tonne um 45 Pf. gefallen und der absolute Lohn's: doch um 5 Pf. gestiegen. Von einer Verteuerung der Produk.-.on durch gestiegene Lohnkosten kann auch hier durchaus keine Rede sein. Für die zur Hälfte dem Fürsten Schaumburg-Lippe gehörigen Kohlen- bergwerke der vier fiskalischen Braunkohlengruben bei E g g e r s« dorf, Löderburg, Langenbergen und Tallwirt (Prtov. Sachsen) stiegen die Verkausserlöse pro Tonne um 0 Pf., die gesamten Selbstkosten fielen um 2 Pf., die Lohnkosten pro Tonne aber um 31 Pf. I Das beweist auch, daß einmal die stärkste Steigerung der Produktionskosten überhaupt nicht durch Lohn- erhöhungen erfolgte, und daß bei Vernnnderung der Selbstkosten die verstärkte Ausnützung der Arbeitskräste die Hauptrolle spielt. Schließlich sei an dem Beispiel der fiskalischen Kalisalz» werke aufgedeckt, daß das elvige Jammern der Unternehmer über die„starke Verteuerung der Produktionskosten durch die Lohn» steigerung" eine dolose Irreführung der öffentlichen Meinung ist. ES haben nämlich bei dem Staßfurter Werk betragen pro Tonne für Kalistücksalze für Chlorkalium 1909 1910 1909 1910' die Selbstkosten überhaupt 7,15 M. 5,93 M. 114,50 M. 109,20 M „ Lohnkostcn.... 3,04, 3,84. 13,53„ 11,43. Bei dem Werk Bleicherode gingen die Selbstkosten der erstklassig rentablen Fabrikate von Chlokalium von 92,89 auf 04,89 M, die Lohnkosten allein von 23,77 auf 17,42 M. zurück! Dabei stieg der Arbeiterlohn in Staßfurt um nur 4 Pf., der in Bleicherode um 21 Pf. pro Schicht sDurchschnitt). Tie riesige Verbilligung der Produktion ist erzielt worden neben einer leider nur zu mäßigen Lohnaufbesserung. Damit ist auch erwiesen, daß im Verhältnis zu ihrer Leistung die Arbeiter schlechter als vorher entlohnt wurden. Die zur Begründung fast aller Preiserhöhungen be» hauptete„fortgesetzte Steigerung der Lohnkosten" ist. wie unser« Beispiele beweisen, in wichtigen Industriezweigen nicht eingetreten Sericbts- Leitung. � »Frühlings-Erwachen" freigegeben. Gestern setzte das Oberverwaltungsgericht die Verfügung deS Polizeipräsidenten von Königsberg außer Kraft, die die öffentliche Aufführung von Wcdekinds erschütterndem„Frühlings-Erwachcn" im Stadttheater untersagte. Ter Rcgicrungs- und der Lbcrpräsi- dcnt hatten dieses Verbot für gerechtfertigt erachtet, da das Stück eine die Sittlichkeit gefährdende Wirkung habe. Die Anwälte des Thcaterdircktors, Hofrais Varena, wendeten sich in ihrer Klage gegen den Oberpräsidenten grundsätzlich gegen die Zulässigkeit der Theaterzensur überhaupt. Jedenfalls sei aber das Verbot ungerechtfertigt. Entscheidend müsse sein, ob da? ganze Stück als einheitliche Komposition eine unsittliche Wirkung ausübe. Das aber sei ausgeschlossen. Es sei ein ernstes Stück. das eine ernste Tendenz verfolge. Die in dem Stück vorkommen- den unsittlichen Vorgänge dienten nur dem ernsten Zweck. Wollte man dieses Stück verbieten, dann könnten auch Goethes„Faust" und Tolstoys„Macht der Finsternis" verboten werden. Das Stück diene geradezu erzieherisch als Warnung. Das Stück selber wurde vom Gerichtsreferenten vollkommen vorgelesen in der etwas beschnittenen Fassung, die den Auf- führungen im Königsberger Stadtthcater zugrunde gelegt werden sollte. Der 3. Senat des Ober-Verwaltungsgerichts hob nach etwa fünfstündiger Verhandlung und Beratung die Beschwerdebescheidc auf und setzte die Berbotsvcrsügung des Königsbcrger Polizeipräsidenten außer Kraft. In der wichtigen Urteilsbegründung führte der Vorsitzende, Senatspräsident Dr. von Strauß und Torney aus: Was die Frage der Theatcrzensur angehe, so bleibe das Gericht bei seinem Standpunkt. Das Wort„Theaterzcnsur" sei eigentlich ein falscher Ausdruck. Es gebe keine Theaterzensur, wie in älterer Zeit eine besondere Zensurbehörde usw. Sondern es gebe nur eine Anwendung des 8 10, Teil II, Titel 17 des Allge- meinen Landrcchts(Polizeiklausel). Danach sei es Aufgabe der Polizei, auch eine vorbeugende Tätigkeit auszuüben zu dem Zwecke, um drohende Gefahren von der öffentlichen Ordnung, wozu auch die Sittlichkeit gehöre, fernzuhalten. Und dabei bleibe der Senat, daß Z 10 II 17 Allgemeinen Landrechts auch auf Theaterauf- führungen Anwendung finde. Nun komme es darauf an, ob das Stück in der Fassung, in dem Umfange und in der Art, wie es aufgeführt werde, in der Lage sei, solche Gefahren hervorzurufen. Das heißt, ob die Darstellung und das, was gesprochen werde, geeignet sei, entweder das not- wendige Schamgefühl in der gröblichsten Weise zu verletzen oder öffentliches Aergernis soweit zu erregen, daß die Gefahren ent- stehen. Vorliegend würde es sich darum handeln, ob das Publikum in seinen sittlichen Anschauungen so gefährdet werde, daß es geneigt werde, die für das gemeinsame Leben notwendigen Schranken zu durchbrechen. Davon sei auszugchen und das ganze Stück in seiner Gesamtheit und seinen Einzelheiten zu prüfen. Dabei dürfe dann nicht außer Acht gelassen werden, ob das, was im Ganzen dar- gestellt und behandelt werde(das Pubertätsprvblem) nicht etwa an sich schon geeignet wäre, das Schamgefühl zu verletzen. Das müsse der Senat hinsichtlich dieses Problems verneinen. Es sei ein jetzt viel erörtertes Problem, was im Stück behandelt werde. Und es werde im Stück in einer Weise behandelt, von der man nicht sagen könne, sie entbehre jeder sachlichen und jeder ernsten Tendenz. Der Senat habe kein Urteil zu fällen über den künst- lerischen und ästhetischen Aufbau des Stücks, sondern nur darüber, welche Wirkung das Dargestellte auf das Publikum habe. In der Beziehung könnte man ja an einzelnen Szenen Kritik üben und die Auffassung der einzelnen Szenen möge ja eine verschiedene sein. Sie müßten aber beurteilt werden danach, wie sie in die Gesamtheit des Stücks sich einfügten und durch feine Gesamtheit in ihrer Wirkung beeinflußt würden. Indem der Senat davon ausging, sei er zu der Ueberzeugung gekommen, daß hier nicht vorliege eine solche Möglichkeit der Beeinflussung des Publikums, daß derartige Gefahren herbeigeführt würden, denen die Polizei entgegentreten müßte. Entscheidend sei natürlich das Allgemeine. Bei einem einzelne» könne ja mal eine schädliche Beeinflussung vorkommen. Das liege aber außerhalb der Beurteilung. Allge- mein aber, wie heute der Stand der Menschheit sei, liege die Mög- lichkcit einer derartigen Beeinflussung nicht vor. Deshalb müsse das Verbot außer Kraft gesetzt werden. Anarchistenvcrfolgung. Im Juni 1908 druckte das anarchistische Wochenblatt„Ter freie Arbeiter" einen Artikel ab, der sechs Wochen früher in dem anarchistischen Blatte„Der Revolutionär" erschienen und seitdem unbehelligt ins Land gegangen war. Später wurde der Redakteur des„Revolmioär" auf Grund des Artikels wegen Beleidigung der Offiziere und Unteroffiziere zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Auch gegen den damaligen Verantwortlichen Redakteur KlaszinSki vom„Freien Arbeiter" wurde ein Verfahren eingeleitet. Klas- zinski wußte aber nichts davon. Ehe er eine gerichtliche Vorladung erhielt, war er nach monatelanger Arbeitslosigkeit in die Schweiz gereist, wo ihm eine Arbeitsstelle zugewiesen war. Als Klaszinski kürzlich nach Berlin zurückkam, meldete er sich sogleich bei der Polizei an. Nun erreichte ihn der Arm der Justiz. Er wurde am 7. Februar in Untersuchungshaft genommen und stand gestern als Angeklagter vor der 10. Strafkammer des Landgerichts I. Während der Abwesenheit Klaszinskis ist im sogenannten objek. tivcn Verfahren auf Einziehung der betreffenden Nummer des „Freien Arbeiter" erkannt worden. Der Artikel referiert über ein derzeit erschienenes Buch und zitiert daraus eine Aeußerung, die der euglischc Schriftsteller John Grag im Jabre 1825 aber die englischen Soldaten machte. Sie geht in der Hauptsache dahin, die angeworbenen Soldaten seien Parasiten. Daran anknüpfend sagt der Artikel, das lasse sich von den heutigen Soldaten nicht sagen, denn sie seien nicht freiwillig, wie die Soldaten früherer Zeiten, sondern gezwungen beim Mili- tär. Freiwillig dienen ja heute nur die Kapitulanten, die Offi- ziere und Unteroffiziere, lieber diese aber solle kein Urteil ab- gegeben werden, denn der Verfasser wolle nicht dazu beitragen, daß Staatsanwälte auf Kosten der produktiven Arbeit unproduktive Arbeit leisten.— Das ist die vermeintliche Beleidigung, derent- wegen der Kriegsminister Strafantrag gestellt hat. Da ein gerichtliches Urteil gegen den Artikel bereits vorliegt, so konnte der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Holpert sich nur auf den Nachweis beschränken, daß der Angeklagte nach Lage der Sache unmöglich das Bewußtsein der Strafbarkeit des Artikels gehabt haben könne. Das Gericht gab dem Antrage des Staatsanwaltes statt und verurteilte den Angeklagten, der bisher noch nicht bestraft ist, zu einem Monat Gefängnis, wovon drei Wochen auf die Unter- suchungshaft anzurechnen sind.— Der Angeklagte hätte also noch eine Woche abzusitzen. Als der Vorsitzende nach der Verkündung des Urteils den noch in Untersuchungshaft befindlichen Angeklagten fragte, ob er die Strafe annehme: beantragte Rechtsanwalt Dr. Halpert, den An- geklagten aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Der Staatsan- walt widersprach diesem Antrage. Darauf entgegnete Rcchtsan- walt Dr. Halpert: Wenn der Angeklagte in Haft bleiben solle, bis über die vielleicht von ihm einzulegende Revision entschieden wäre, so würde das in der Wirkung für den Angeklagten ein Zwang sein, auf das Rechtsmittel der Revision zu verzichten. Wo nur eine Woche Gefängnis zu verbüßen sei, könne doch von Flucht- verdacht keine Rede sein. DaS Gericht lehnte den Antrag des Verteidigers anf Haft- entlassung ab._ Hierauf erklärte der Verteidiger: Infolge dieses Beschlusses sieht sich der Angeklagte genötigt, auf die Revision zu verzichten und nimmt die Strafe an. Der Vorsitzende wies die Begründung dieser Erklärung als ungehörig zurück. Der Verteidiger betonte nochmals, es sei doch tatsächlich so, daß der Angeklagte sich nunmehr genötigt sehe, auf die Revision zu verzichten. Dringend erforderlich ist eine Aenderung der Vorschriften über Zulässigkeit von Untersuchungshaft. 1. Februar 1912 Ist die Zahl der männlichen Arbeiter um 171 479 oder um 6,4 Proz. gestiegen, die der weiblichen um 83 004 gleich ---.. p....---------•- 5,9 Proz., andererseits zeigt sich im Januar dieses Jahres bei den männlichen ein Rückgang von 69 240 oder um 1,70 Proz., bei den weiblichen jedoch nur ein Verlust von 2533 Mitgliedern gleich 0,10 Proz. Den Hauptteil der Entlassenen stellen wahrscheinlich die Versand- und Verkaufsgeschäste, die mit Beendigung des Weihnachts- Verkehrs ihre Betriebe reduzierten. Daher auch die Erscheinung. daß die Ortskrankenkassen 106 043 Mitglieder, darunter aber nur 25 300 weibliche verloren. Ganz eigenartig war die Veränderung im Dezember 1911 in den Jnnungskassen, sie verloren 11039 männliche Mit- glieder und verzeichnen gleichzeitig einenZugang von 233 weiblichen Mit- gliedern. Eine sehr starke Zunahme der Beschäftigten, wobei die- weibliche Arbeitskrast wiederum im Vorteil ist, ergeben die Nach- weise der Betriebskassen der Elektrizitätsindustrie. Der Vermehrung des Mitgliederbestandes um 12 653 männliche Personen steht eine Vermehrung des weiblichen Bestandes um 4777 Köpfen gegenüber. So zeigt sich durchweg eine Bevorzugung der weiblichen Arbeits- krnst. Die Motive sind bekannt. Mag in verschiedenen Betrieben ihre überlegene Geschicklichkeit mitsprechen, die Hauptsache für den Unternehmer ist ihre Billigkeit. Und das ist der ivunde Punkt. Die Gesamtlohnsumme für die Arbeiterschaft sinkt mit der Zunahme schlechter entlohnter weiblicher Arbeitskraft. Das ist ein soziales Uebel, das die herrschende Teuerung noch verschärst. An eine Wer- drängung der weiblichen Arbeitskraft kann natürlich nicht gedacht werden. Der Einbruchsdiebstahl in der Kgl. Porzellan-Manufaktur in der Leipziger Straße beschäftigte gestern die 7. Strafkammer des Landgerichts I. Angeklagt wegen schweren Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle waren Ludwig Szopanski und Otto Moreike, während sich der Händler Rudolf Ehrlich wegen gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei zu verantworten hatte. Alle drei Angeklagten sind schon schwer vorbestraft. Der Angeklagte Ehrlich, der ebenfalls schon mit Zuchthaus vorbestraft ist, sieht bei der Kriminalpolizei seit längerer Zeit in dem Verdacht, gewerbs- mäßiger Hehler zu sein. Im November v. I. verübten Szopanski und Moreike einen Einbruch in die Geschäftsräume der Kgl. Por- zellanmanufaktur. Trotz des zu jeder Tageszeit lebhaften Verkehrs in der Leipziger Straße zertrümmerten sie eine Fensterscheibe und stahlen zwei Kravattcnnadeln und zwei alte Porzellanbroschen. Ihre Absicht, noch mehr Gegenstände zu stehlen, konnten sie nicht ausführen, da sie gestört wurden und schleunigst flüchten mußten. Einige Tage später verübten die beiden Angeklagten einen Ein- bruchdiebstahl in das Geschäft des Juweliers Scdlatzeck, in der Potsdamer Straße 138. Hier fielen ihnen für zirka 7000 Mark Schmucksachen in die Hände, die sie zum Teil bei dem Mitange- klagten Ehrlich versetzten. Schließlich suchten sie auch noch das Geschäft des Kaufmanns Töpfer in der Anhaltstraße auf. Vor Gericht waren die beiden Diebe geständig, während Ehr lich jede Hehlerei entschieden bestritt.— Das Gericht erkannte gegen Szopanski auf 3 Jahre Zuchthaus, gegen Moreike auf 2% Jahren Zuchthaus und gegen Ehrlich auf 8 Monate Gefängnis wegen einfacher Hehlerei._ Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Ardeiterklasse. Montag, den 4. März, 8Vz Uhr, in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Straße 93/97: Vortrag von Frau Klara Wehl über das Thema:„Die Mitarbeit der Frau in der Stadtverwaltung". Gäste willkommen. Hus aller Mell. Russische Gastfreundschaft. Recht üble Erfahrungen mit der russischen Polizei mußte, wie ein Telegramm aus Paris meldet, der bekannte französische S ü d- Polarforscher Dr. J«»n Charcot machen. Charcot, der in Petersburg und Moskau Vorträge über seine Reisen gehalten hatte, wurde am Dienstag mit seiner Frau in Granitz« an der russisch-österreichischen Grenze von der russischen Polizei fe st genommen und 24 Stunden in Haft bc- halten. In einer Depesche erklärt Charcot, daß der Gtund der Verhaftung ihm durchaus unverständlich sei und daß er und seine Frau nicht einmal ein Nachtlager erhalten hätten. Der Südpol sei konifortabler und gastlicher gewesen. Das französische Ministerium des Aeußeren beauftragte telegraphisch die Botschaft in Petersburg, zugunsten Charcots zu intervenieren. Auch die Pariser russische Botschaft beeilte sich, ihrer Regierung den Irrtum zu signalisieren. Nach einer in Paris eingetroffenen De- pesche wurden Dr. Charcot und seine Frau Mittwoch nachmittag freigelassen und konnten ihre Reise nach Wien fortsetzen. Explosion in einer Sprengstoffabrik. Ein schwere? Unglück hat sich am Donnerstagmorgen im De- triebe der Deutschen Sprengkapselfabrik in Dell« brück(Rheinland) zugetragen. In der Packstube des Werkes erfolgte eine Explosion, die den Raum vollständig zertrümmerte. Zwei Arbeiterinnen fanden dabei den Tod, eine dritte Arbeiterin wurde so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Fus der Frauenbewegung. Zunahme der weiblichen Arbeitskraft. Die Statistik des Reichsarbeitsblattes über die Mitglieder- bewegung in den Krankenkassen läßt deutlich den wachsenden Anteil der weiblichen Arbeitskraft an der Gesamtsumme erkennen. Die Arbeiterinnen werden bei den Einstellungen stärker berücksichtigt als die männliche Arbeitskraft, bei Entlassungen aber ist diese stärker beteiligt, so daß sich der Anteil der beiden Geschlechter dauernd zu- gunsten der Frauen verschiebt. Die nachstehende Uebersicht läßt die Entwickelung deutlich erkennen. Die gleichen Kassen zählten, ab- züglich der Kranken, versicherungspflichtige Mitglieder: männliche weibliche am 1. Jan. 1911.. 3 215 309 1 437 531 am 1. Jan. 1912.. 3 346 006 1619 126 Der Anteil der Frauen an dem Gesamtbestande ist in der kurzen Zeit von 30,9 auf 31,2 Proz. gestiegen. Vom 1. Februar 1911 bis Kleine Notizen. Schwerer Grubenunfall. Seit Montag sind auf der Zeche Engels- bürg bei Bochum zweiBergleute durch plötzlich niedergehende Gesteinsmassen verschüttet. Obwohl die Rettungsarbeiten sofort aufgenommen wurden, gelang es erst gestern, die Verschütteten als Leichen zu bergen. Bom Eiseiibahnzug gerädert. Zwischen den Ortschaften Fried-"7 Berg und Roßbach wurde ein 18 jähriger Arbeiter, der die Böschung erstiegen hatte und noch vor der Vorbeifahrt des Zuges über das Gleis wollte, erfaßt und getötet, indem ihm der Kopf vom Rumpf getrennt wurde. Absturz eines französischen Militärfliegers. Auf dem Flugfelde von E t a m p e s stürzte am Mittwoch der Militärflieger Hauptmann I o st mit seinem Eindecker aus einer Höhe von 40 Meter ab. Er wurde mit schweren Kopfwunden und gebrochenen Beinen ins Krankenhaus gebracht. Eingegangene DmeKfdmften. Die Schwereifeninduftrie im deutschen Zollgebiet, ihre Ent- Wickelung und ihre Arbeiter. 7,50 M. Herausgegeben vom Deutschen Metallarbeiterverband. Verlag A. Schlicke u. Cie, Stuttgart. G. Freytags Bücltatlas 1912. 3,80 M. Freytag«. Bemdt, Wien VII. köllnischer Fischmarkt 4, 5, 6 Gegenüber der Breiten Straße für jede Körperkorm passend! Anzüge° Ulster° Paletots [21][iij[23][32] jsi](39][42](ssj[54][so][isl[75] Mk. Für Knaben und]ünglinge: 0 E 12 15 18 21 25 32 36 \4Ö\ 45 Mk. Meine Fabrikate, in-eigenfen Betriebswerkstätten gediegen verarbeitet, sind preiswert und unübertroffen in Sitz und Haltbarkeit. Moderner Schnitt □ Grosse Auswahl □ Vorzügliche Passform. Von jetzt ab an den Sonnabenden bis 9 Uhr abends geöffnet | Todes-Anzeigen| Sozia�efflokratisetiep Wahlverein des ß. Buri. ÜÄtags- Wahlkreises. To�esauaeltre. Am Dienswg. den 27. Februar, verstarb unsere Genossin F�lur �naa �äscdke Kolonieftr. 28. «hre ihrem Andenken l Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. März, nach. luirkags N/t Uhr. von der Leichen- balle des Stephans- Gemeinde. Friedhofes, Freienwatder Strasse, aus statt. Hm rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. Veiittnö der Gemeinde- und Staafearhelter. Filiale Ciioit Berlin. Durch den Tod ist uns unser Kollege IM Elehhoiz von der Sektion Zentralmagazin entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Freitag, den l. März er., nach- mittags ll1/« Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Friedhoses in Gummelsburg, Lückstr., aus statt. 33/12 Tie Lrtdverwaltnng. verirlc Beeiln. Nach langem, schwerem Leiden ist am Dienlag, den 27. Februar, unser Kollege Karl Hencke verschieden.— Er war für uns stets ein treuer und gewissenhaster Mitarbeiter, dessen Andenken wir bewahren werden. Die Beerdigung findet am Freitag, den i. März, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des Gemeinde-griedhosS in R> aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 237/14 Die Ortmrwaltiing. iiojenthal Zentral-Kraiikea- und Sterbe- Berlln II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Otto Massutbe am 27. Februar gestorben ist. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet beut« Freitag, den t. März, nachmitiags S'l, Uhr, aus dem Friedhof der Parochialgemeinde, Irledenstraße. statt. 29vb_ Die OrtmrweUunii Tanksagung. Für die vielen Beweise herz- licher Teilnahme bei der Bcerdi- gung meiner inniggeliebten Frau und Mutler Zlni-Io Nni-»«I»nll sage hiermit allen Genossen und Genossinnen sowie allen Ver- wandten und Bekannten meinen tiesgesllhlten Dank. 2i48L Wilhelm Marschall nebst Kindern. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Dianncs, unseres guten Vaters, dcS Schlossers «lallu!» Reckert sagen wir allen, welche ihm die letzte Ehre erwiesen, unseren herzlichsten Dank. SOI b Wwe. Johanna Reckert nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Mannes, unseres herzensguten Vaters, Bruders, Sohnes, Schwieger» sohnes und Schwagers Otto Vollscbläger sagen wir allen Verwandten, Le« kannten, Freunden und Vereinen unseren tiesgesühlteften Dank. 2149L Bit«« F.Wollschläger nebst Sohn und Angehörige. Verichtigung. Di« Beerdigung des Genassen Ott« Basimtke findet nicht in der griedenstraße, sondern in der Box- Hagener Straße aus dem Parochial- itirchhos statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und herzensguten Mutler Marie Mende sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, insbesondere dem Wahl- verein und Frauen-Lescabend des 4. Reichstagswahltreises, Verband der freien Gast- und Schankwirte, Waisen- tommission, Gaftwirtsverein Südost, «parverein.Trotz alledem" und.Ohne Sorge-Lotterievercin Südost, Verband der Eifenbahnarbeiter Berlin-Görlitz, der Kindl-Brauerei und Weißbier- brauerei Urbach unseren herzlichsten Dank. .Adolk Mende nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines [ lieben Mannes sage ich allen Teil- � nehmeru meinen herzlichsten Dank. Witwe Idn Meyep, Lausitzer Platz 10. Danksagung. Für die überaus zahlreiche Teil. nähme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Verwandten und Bekannten, sowie dem Rauchklub Kairo, dem Lotterievcrein Fortunas Jünger, der Werkstelle von Wollank, dem Verband der Schneider und Schneiderinnen meinen herzlichsten Dank. Gustav Braun nebst Kindern. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten meinen besten Dank. rraii Ww. Stanneck. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄÄ 10— 2. 6—7. Sonntags 10— 12. 2—4. JVIobel-Hngcbot. Solides Möbelgeschäst liefert bürgerliche Wohnungseinrichtungen sowie ein- zelne Möbel gegen mäßige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung u. geringen monatlichen Teilzahlungen. Anfragen unter Postlagerkarte 36, Postamt 103. Kein Hbzablungagcfcbäft 2886* rauchen Fehlfarben-Sortimente in Beuteln enthaltend eine Mischung besonders preiswerter Marken I Fortuna Hansa.. Exelsior 10 Stück 60 Pf. 10* 75 Pf. 10« 1,00 M. J•Heumann Berlin. Begründet 1850. Hamburg. Clgarrenlabriken. Ueber 200 Niederlagen in Dentschland. Fehlfarben sind in Qualität den sortierten Clgarren ebenbürtig. Commerz- nnd Disconto-Bank. ZwelundvierzIgsU ordentliche Generalversammlung der Aktlonlre a m Dienstag, den 20. ltltkr» IBIS, nachm. S'/i Uhr, im Sitzungssaale der Bank zn Hamburg, NeB Nr. 9. Tagesordnung: 1. Oeaoh&ftobericht des Vorstandes, sowie Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Verlust-Reolmung nnd Vorschlag*ur Gewinnverteilung. Bericht des Äuisichterates über die Prüfung der Bilanz, der sowie des Vorschlages sur der Bilanz und die kufsichteratee, sowie Gewinn- und Verlustrechnung Gewinnverteilung. 3. Beschlußfassung über die Entlastung des Vorstandes nnd oes über die Verteilung des Reingewinnes. 4. Wahlen zum Aufsichtsrate. Diejenigen Aktionäre, welche sich an der Generalversammlnng beteiligen wollen, haben ihre Aktien spätestens am 22. März d. i. während der üblichen Geschäftsstunden in Berlin bei unserer Niederlassung bei der Rank de» Berliner KawaenTereln« (nur für Mitglieder des Giro-ESekten-Depot«) in Hambnrg, Altona, Hannover, Kiel, l-eipzlg und Altenbarg S.A. bei unteren Niederlassungen in Bremerliaven breim Bremer Bank-Verein in Ohemnlt« beim CfhemnltBcr Bank-Verein in Dresden beidermtteldentachen Privat-ilank A.-G. in Frankfurt a. M. bei den Herren J. Drcyfns dt Co. in Kfiln bei Herrn J. H. Stein in Jlagdebnrg b.d. Mitteldeutschen Prlvnt-Bank A.-G. in Mönchen bei der Bayerischen Vereinshank und bei der Bayerischen Handelsbank «n hinterlegen und bis zum Schluß der Generalversammlung daselbst zu belassen oder die Hinterlegung bei einem dentschen Notar dadurch nachzuweisen, daß sie einer der genannten Anmeldestellen spätesten» am 82. Mörs d. J. euren ordnungsmäßigen Hlnterlegnngsschein des Notars in Verwahrung geben. Dieser Hintorlegungsschein gilt nur dann als ordnungsmäßig, wenn darin die hinterlegten Aktien nach Nummern genau bezeichnet sind und wenn überdies in dem Hinterlegungsschein seibat bescheinigt ist, daß die Aktien bis zum Schluß der Generalversammlung bei dem Notar in Verwahrung bleiben. Gegen Hinterlegung der Aktien oder Einreichung der notariellen Hinter» legungsscheino werden Eintrittskarten ausgehändigt. Die zu hinterlegenden Aktien können ohne Gewinnanteilscheine und Er- neuerungasoheine eingereicht werden. Hamburg, den 29. Februar 1912. Der Vorstand, kern. Harter. H.Weltmann Nachf. Stefan Esders BERLIN C. Kalser-Wilhelm-Strasse 41-42 Spandau er Str. 70-71 Oameii Kostüme aus blauem oder eohwarzem Serge und modernen Phantasleetoffen auf Seidenfutter M. 38.-45.-55.-65.-75- Bevor Sie den Einkauf Ihrer Frühjahre» Garderobe vornehmen, besuchen Sie bitte meine Lllgcr; ohne Kaufzwang. Meine Damen-Konfektion— nur eret- klassige Schneider-Arbeit— ist unerreicht In Qualität, Sitz und Ausführung bei billigst. Preisen Med.»• Speslal-KoatUm Mark 45—. aus reinwollenem blauem oder eohwarzem Serge tut Seldenluttar. Bitte beeohtm sie dlotes KoetOm In meinem Schauteneter, Da« Haus hat keine Zweig- Niederlassung in Berlin — ww Für Berken, welche sieh billig and elegant kleiden wollen. Verksof von! Eleganten Herren-Anzügen 10.00 1 5.00 18,00 24.00 itc. Vorjähr. Paletoto u. Ulster 7.00 10.00 14.00 18.00 Hc. Herren-Hosen...... 2,50 3.50 5.00 ita Binnegnancs-Ansncre srroOe Answshl. Aehrock-, Frsek- and Smokins-AnnSarc. —— Verleihung von eleganten Qesellsehafts-Anattgen.> I. Wand HMpt-cimoh&ft: Große Franktorler Stnße 115, a Qe.ebif» Chausseestr, 89. m. oeeedut Jigenlr. 11 Palmona (Pflanzen-Butter-M'argarine) ist Von feinster Süßrahmbutter durchaus nicht zu unterscheiden. Wer das nicht glauben will, streiche sich ein Palmona- Butterbrot und überzeuge sich selbst! Probieren geht über Studieren! Lassen Sie sich keine Nachahmungen aufdrängen! SäNdEK REDNER: RAUCHER: V&BEKMÄBIEItEN EpKälilicK in allen RpoiKeken-und Droger ierv Preis Mklr, sekuhen. Sie vor; HUSTEN HEISERKEIT KATARRH Lerantwortlichcr Nedakieur: Albert Wachs. Berlin. Für de» Jnjerateniell verantw.: Th.GIecke.BerllN. Druck u. Verlag: Vorwärt« jöuchdruckerei u. VertagSanilalt Paul Singer it. Co, Berlin SW. Nr. 51. 29. Iahrganz. 3. Kilage des Jotmärto" SM» SxlksblM. Irrftag, 1. Mkz 1912. Deutscher fraucnhongrcß in Berlin. Am Donnerstag ist der Kongreß mit Berufsfragen beschäftigt. Zuerst kommen die ländlichen Fragen, wie sie für die Land- d es i her fra u e n in Betracht kommen. Man sucht in zwei Referaten dem Unterschied der Verhältnisse zwischen Nord und Süd gerecht zu werden. Eine Diskussion über diese Referate findet nicht statt, doch hat ein Ausschuß für die Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen eine Konferenz in Vorbereitung, auf der die Frage besonders und ausgiebig behandelt werden soll. Für heute referiert Frau Elisabeth Boehm-Lamgar- den über den Anteil der Frau an der landwirtschaftlichen Produktion. Die Wertcrzcugung der deutsct>cn Landwirtschast hat sich in den letzten Z0 Jahren verdreifacht. Sie betrug 1880 etwa 4 Milliar- den, jetzt fast 12 Milliarden. Diese Zahl bezieht sich nur auf die Rohstoffe, also auf die Schaffung von Werten aus dem Nichts. Als Vergleich mag die Zahl der Gesamterzeugung der w i ch t i g st e n Industrien, wie des Bergbaues, der Hütten und HockHfen, der Eisengießereien usw. stehen, die zusammen nur 5,1 Milliarden be° tragen.(Vielleicht stützen sich die Zahlen auf die berühmten Post- karten, die der Bund der Landwirte zur Irreführung bei der Reichs- tagsitxrhl herausgegeben hat. Aber ohne im Augenblick in eine Prüfung der Zahlen einzutreten: ein Vergleich, der der Werterzeu- gung der gesamten Landwirtschaft die Werterzeugung nur der wichtigsten Industrien gegenüber stellt, ist kein Vergleich.) An der landwirtschaftlichen Werterzeugung von Brot und Fleisch ist die Frau in hohem Maße beteiligt, denn kein landwirt- schaftlicher Betrieb ist ohne die Mitarbeit der Hausfrau denkbar, wenn nicht ganze Betriebe stilliegen sollen. Von lO Millionen in der Landwirtschaft selbständig Tätigen, beträgt die Zahl der Frauen 4.6 Millionen. Ist so der Anteil der Frau ein großer, wo sie hilft, so ist ihre Werterzeugung auf den Gebieten, die sie selbstän- d i g betreibt— Obst- und Gemüsebau und Geflügelzucht— nicht ausreichend, wie die großen Einfuhrzahlen beweisen. Das liegt an ihrer mangelhaften Vorbildung für ihren Beruf. Berufliche Ausbildung der Landftauen und Stadtfrauen auf wirtschaftlichen Frauen schulen aus dem Lande muß daher gefordert werden. Als zweite Referentin spricht Dr. Rosa Kempf über Probleme der landwirtschaftlichen Frauenarbeit, wobei die Redncrin besonders die süddeutschen Verhältnisse berück- sichtigt. Tie bayerische Landwirtschaft ist bäuerliche Eigenwirt- schaft im besten Sinne und zeigt typisch die Probleme der bäuer- lichen Frauenarbeit. Tie Betriebsgrößen 5— 50 Hektar, die in ihrer Bewirtschaftung familienhaftcs Gepräge tragen, umfassen drei Viertel der gesamten landwirtschaftlich benutzten Fläche; ihre wichtigsten Arbeitskräste bilden die hauptberuflich mithelfenden luciblichen Familienangehörigen. Wir haben infolgedessen in der bayerischen Landwirtschaft mehr hauptberuflich arbeitende Frauen als Männer(51,4 Frauen auf 48,6 Männer!). Dem- nach ist die Erhaltung der weiblichen Familienangehörigen bei der landwirtschaftlichen Arbeit und ihre berufliche Schulung zur Er- zielung der höchsten Produktivität des Betriebes eine Lebensfrage unserer bäuerlichen Wirtschaft. Tie volljährigen Erwerbstätigen find dabei fast alle verheiratet, so daß beides, Hauswirtschaft wie Landwirtschaft lebenslange Arbeitsgebiete dieser Frauen darstellen. Oeffentliche Schulen zur Berufsbildung der Bauern m ä d- chen besitzen wir in Bayern noch nicht— Staat und Kreise sorgen bisher nur für die männliche Landjugend—; dagegen wurden in letzter Zeit von Vereinen und Genossenschaften sehr . verdienstvolle Anfänge einer weitgreifenden Frauenbil- d u n g auf dem Lande geschaffen. Von gleich großer Wichtigkeit ist ft die Einbeziehung der erwachsenen weiblichen Erwerbstätigen in alle Bereine und Genossenschaften der Bauern. Hand in Hand damit muß die Erhaltung der selbständigen Einnahmen der bäuerlichen Hausmutter gehen, damit zur Verhütung von Abwanderung ihr Interesse an dem stets sehr mühseligen bäuerlichen Haushalt gewahrt bleibt. — Nach der Schilderung der Referentin geht es den Bäuerlein und ihren Frauen herzlich schlecht, trotz der bauernfreundlichen Politik der Erzberger, Oertel, Hehdebrand und Konsorten. Als Korreferentin über das Thema: Probleme re- fericrte Freiin Elly zu Putlitz in schöner patriarchalischer Weise. Nach ihrer Schilderung der wahrhaft idyllischen Zustände ostelbischcn Landarbeitericbens muß die Landarbeiternot der Jtzenplitze�ein Ende nehmen; das gerührte Publikum wird jetzt in Scharen in das Idyll Lstelbien strömen und sich dort als Land- arbeiler verdingen, um die Segnungen dieses Landarbeiterpara- dieses auszukosten. Die Dame ist mit ihrer Rede nicht ausgelacht worden. Mit dieser problematischen Erörterung durch kurze Re- ferate nahm die Behandlung der ländlichen Berufsfragen durch diesen Kongreß ihr Ende. Die Behandlung der gewerblichen Fragen erfolgte unter dem Gesichtswinkel: Wie erziele« wir Qualitätsarbeit der Frau in Industrie, Hand- werk und Kunstgewerbe? Dr. Marie Baum erörterte einleitend das Warum dieser Frage und danach das W i e, mit besonderer Berücksichtigung der Großindustrie. In der Großindustrie fäll? heut« der Frau die u n g e- lernte und halbgelernte Arbeit zu. Die hochqualifi- zierte Leistung bleibt an die Vertrautheit mit der Ma- s ch i n e, den beherrschenden Faktor großindustrieller Arbeit, ge- bunden,— und diese ist der arbeitenden Frau in der Regel fremd. Das Problem ist, ob diese Fremdheit über- wunden werden kann oder nicht. Wenig oder nichts ist bisher nach dieser Richtung geschehen. Wir brauchen technisch g e- schulte Frauen für leitende Posten und für die Handarbeite- rinnen obligatorische Fortbildung in den Grundfächern industricl- len Wissens und Könnens. Wie die männlichen Arbeiter es längst tun, werden alsdann die besseren Elemente unter den Frauen die lebenslange Beschäftigung mit völlig ungelernter Arbeit ablehnen. Diese wird dem Bedürfnis angepaßten Ma- schinen oder den unverbesserlich indolenten Arbeitskräften zu- fallen, während die tatkräftigen sich würdigere Arbeits- bedingungen und den Aufstieg zu verantwortlichen Stellungen sichern. Die zweite Referentin Frau Dr. Margarete Bernhard verlangt auch für die Frauen im Handwerk— es kommen besonders in Betracht Bekleidungs- und Friseurgewerbe, photographische Anstalten, Buchbinderei, Stickerei, Putzmacherei u. a.— eine systematische gründliche Berufsbildung. Eine gute Berufsbera« t u n g und Lehrstellenvermittelung für Mädchen ist anzustreben. Ter �Teil der Handwerkergesetzgebung. welcher auf sachgemäße Unterweisung der Lernenden gerichtet ist, nmß auch auf die Frauen angewandt werden. Die Maßnahmen zur technischen Förderung der Selbständigen, z. B. Veranstaltung von M e i st e r l u r s e n, sind auch für Frauen vorzusehen. Ganz be- sonderer Wert mutz auf Ausnützung der Novelle zu§ 120 G.-O. gelegt werden, um fachliche Zwangsfortbildungs, schulen für die weiblichen Lehrlinge im Handwerk zu erreichen. Organisationen von Arbeitgebern und-nehmern sind im Handwerk zu fördern. Die dritte Referentin, Frau Fia Wille, verlangte Quali- t ä t s a r b e i t auch für das Kunstgewerbe. Gleich wichtig aber ist: das Verständnis für sie zu erwecken; hier muß und wird der Beruf einsetzen der gebildeten Verkäuferin. Zunächst wird sie Standes- Vorurteile zu überwinden haben, wenn aber eine Frau von dem Gefühl durchdrungen ist, daß sie Kulturwert« schafft, indem sie eintritt für alles, was es Schönes gibt, so ist ihre Stellung als Verkäuferin dadurch von vornherein geadelt._ Allerdings braucht sie neben bester allgemeiner Bildung eine umfassende Fachausbil- dung. Die erste Diskussionsrednerin Fr. Dr. B e r nah s- Heidelberg bält die mangelhafte technische Vertrautheit der Arbeiterinnen mit ihren Maschinen für wohl überwindlich. Qualitätsmenschen an Quali tätL ma s ch in e n, diese Forderung Frie- drich Naumanns müsse das Ziel sein.(Und der Zweck: Oualitäisprofite!)— Aus der weiteren Diskussion, woran sich noch Frl. Maria L ü h r, Frl. K u n d t, Frau v. Wedel, Frl. Eli- sabeth v. Hahn-Berlin, Frl. v. F e l d m a n n- Hannover, Frau Elisabeth Gnauck- Kühne- Blankenberg, Frmi Ida D e h m e l- Blankenese beteiligen, ist an dieser Stelle nichts zu vermelden. Der dritte Punkt der Tagesordnung: Was bedeutet die Organisation für unser berufliches und persln liches Leben? wurde von Frl. Gertrud Israel(Vorstandsmitglied des Ver- bandes weiblicher kaufmännischer Angestellter) behandelt. Die kaufmännischen Angestellten gehören ja wohl zu den Lohnarbeitern. Man konnte deshalb einigermaßen gespannt darauf sein, wie diese Repräsentantin einer Organisation zur Vertretung von Arbeiter- interessen ihr Thema vor diesem Publikum behandeln würde. Wir wurden nicht enttäuscht. Es war göttlich oder himmlisch, alles, was man will, nur lockt man unter denkenden Arbeitern damit keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Tie entzückten Damen ober spen deten frenetischen Beifall. Sehr vernünftigerweise empfahl eine der Diskussionsrednerin- nen den Damen das Büchlein unserer Genossin Adelheid Popp: »Die Jugendgeschichte einer Arbeiterin" zur Lektüre. Aber im übrigen war es merkwürdig, sehr merkwürdig. Es reden unter den alle Gegensätze versöhnen wollenden Frl. Dr. B ä u m c r und Dr. S a l o m o n die sonderbarsten Leute auf dem Kongreß. Sie reden von Wertung der Persönlichkeit, von Steigerung des Per sönlichkeitSbedürfnisses, von Frauenseele und allem, aber von der Not und dem Elend und dem Kampf der Massen ist nicht die Rede. Aber es ist gut, daß alles sich so hübsch nach rechts entwickelt und den Proletarierinnen so klar gezeigt wird, daß eS et« Hüben und Drüben nur gibt. Die Krönung des Ganzen bestand wohl i» der Mitteilung an die Delegiertinnen, daß sie bei der Frau Reichskanzler Beth- mann Hollweg zum Empfang gebeten sind. Jugendbewegung. Polizeipräsident und Jugendbewegung. Seit etwa einem Jahre bemüht sich der Polizeipräsident v. Weegmann in Köln entsprcckiend den Anweisungen seiner Berliner Lorgesetzten, die angeblich sozialdemokratische Jugend- erziehung in Köln zu hindern. Er hat zunächst einen Feldzug gegen die freie Jugendbewegung eingeleitet, der bisher nur den Erfolg eines großartigen Aufschwungs dieser Bewegung hatte. Schon die Auflösungsverfügung, mit der er die Jugendbewegung bedachte, hat, als sie unser Genosse Frank im Reichstage besprach, Heiterkeit erregt. Im Herbst vorigen Jahres richtete er seinen Bannstrahl nun auf die A r b e i t e r« Tu rn v e r e in e Kölns, die er zu poli- tischen Vereinen zu stempeln suchte, um so der Arbeiterjugend die Zugehörigkeit zu diesen Vereinen und den Besuch ihrer Turnstunden unmöglich zu machen. An der Verfügung deS Kölner Polizeipräsidenten wurde i» der .Rheinischen Zeitung" scharfe Kritik geübt und besonders dargetan, daß sich der Polizeipräsident die Begründung seiner Maß« nahmen außerordentlich leicht gemacht habe. Weil die Turner.ihre Zusammenkünfte und Festlichkeiten in Räumen abhalten, in denen ausschließlich oder vorzugsweise Sozialdemokraten verkehren", sollten sie Sozialdemokraten, sollte ihr Verein politisch sein. Der Artikel unseres Kölner Parteiorgans empfahl dem Polizeipräsidenteu»mit solchen Scherzen zu warten, bis er als gefeierter Ehrengast karne« valistischer Veranstaltungen die Narrenkappe trage'; in einem amt- lichen Schriftstück zu erzählen, daß schon der Verkehr in»sozial- demokratischen' Räumen zum Sozialdemokraten stempelt, sei auch für Köln etwas zu stark. Durch den Artikel fühlte sich der Polizeipräsident beleidigt, und so hatte sich am Mittwoch Genosse Sollmann vor der Kölner Strafkammer zu verantworten. Genosse Sollmann wies auf die große und berechtigte Erbitterung hin, die die Verfolgungen durch den Polizeipräsidenten mit Recht in den betroffenen Kreisen hervor- gerufen hätten. Er gehöre selber dem Arbeiter-Turnerbund als Mitglied an und sei in der Jugendbewegung eifrig tättg. Au» jener Erbitterung heraus sei der Artikel entstanden. Die inkriminierten Worte seien eine scharfe Kritik, aber keine Beleidigung, denn die Bemerkung wegen der Karnevalsmütze sei nicht wörtlich zu nehmen. Uebrigens sei es Tatsache, daß der Polizeipräsident wie andere hervorragende Vertreter von Behörden in Kölner Karnevalssitzungen als Ehrengäste gewesen und die Rarrenkappe ge- tragen hätten. Eine ernsthafte Widerlegung aber habe die Be- gründung nicht verdient. Der Staatsanwalt behauptete die Absicht der Beleidigung, und er erachtete den inkriminierten Satz für derart schwerwiegeuo, daß er gegen den bisher unbestraften Redakteur zwei Monate Ge- s ä n g n i s beantragte.— Rechtsanwalt E. S ch r a m m e u be- antragte Freisprechung eventuell aus§ 193 wegen Wahrung be- rechtigter Interessen. Die Wendungen in dem Artikel seien satirisch und der Sachlage angemessen. Niemand sei so hoch gestellt, daß er nicht im gegebenen Falle Spott über sich ergehen lassen müsse. Der Artikel habe nur zeigen wollen, wie oberflächlich die polizeilichen Informationen waren und wie wenig ernst die in der Verfügung aufgezählten Gründe zu nehmen seien. In Köln hätten selbst der Oberbürgermeister und der Regie« rungspräsident die Karnevalsmütze getragen. Das Gericht erkannte zwar an, daß dem Angeklagten der§ 193 zur Seite stehe, indes lasse der Artikel die Absicht erkennen, daß der Polizeipräsident lächerlich gemacht werden solle. Da der Angeklagte noch unbestraft sei, habe daS Gericht auf eine Geldstrafe m Höhe von 500 M. erkannt. WittcrungSüberficht vom SS. Februar ISIS. SKMonen If II Swinemde. tarnburg crlin Frankf.a.M München Wien \3 >1 767 SO 1 LN-bel 764 SO 1 Lchalbbd 767 S| Malb bd. 766 Still l!Ncbel >770SSW Dhalb bd 771 Still. bedeckt MK f* wS> = S Haparauda PelerSburg Scilly Abcrdeeu Paris £ 7501® 759® 755:3® 744l3 763,5 4haldbd LjSchne« 5 wollig 5 bedeckt 2 heiter ! ** «i-» »II WS. Wetterprognose für Freitag, de» 1. März 191*. Seitweise heiter, am Tage ziemlich wann, aber veränderlich bei etwa» ten südwestlichen Winden; wiederholentlich Regen. B-rliner Wetterbureau. ii;V.vV-: C-H'.*" Das ist eben der ungeheure Borzug der Kavon-Seife, daß alles, was im Hause überhaupt zu waschen ist, mit dieser Seife ohne jedes weitere Waschmittel � gewaschen werden kann. Die einfachsten Wäschestücke, wie Hemden, Taschen- tücher, Bett- und Tischwäsche, Schürzen usw. selbstverständlich,— aber was erstaunlich ist, das ist, daß man auch alle empfindlicheren . Sachen, wie Wollsachen, seinere Spitze»«nd Gewebe, Gardinen usw. mit der Kavon-Seise waschen kann, ohne '.'".'dafi das sonst immer so ärgerliche Farbeverlieren, Einlansen, Verfilzen oder Verbleichen eintritt. Es ist einsach eine Pracht. Es ist jeder Hausfrau aufs dringendste anzuempfehlen, unbedingt einmal den Versuch zu machen, und sie soll zu empfindlichere oder besonders ver- Man wird die Wäsche schön ist sie geworden. Ein Stück Kavon-Seife(Preis 20 Pfennig) genügt zu :0.]- diesem Versuch vollständig. Mit einem Stück Kavon-Seife kann man einen ganzen Haufen Wäsche und andere Sachen waschen.(Achtung! Die Kavon-Seife gibt sofort Schaum. Starkes Aufdrücken wie bei ailderen Seifen ist unnötige Ver- •' schwendung! Bei richtiger Behandlung muß man mit halb so viel Seife wie sonst auskommen.) Wer mit Kavon-Seise einmal gewaschen hat, nimmt keine andere Seife wieder. ElweifrNähtedioKolade Für Blut, Kraft Nerven FürOesundeund Kranke Eiweiß-NahrKÄkÄo Freitag, den 1. März 1912. Ansang VI, 116 r. Kgl. QperiiliauS. Figaros Hochzeit. vgl. Schauspielhaus. KricnihüdS Rache. DeuticheS. Romeo und Julia. ZtrtuS Busch. Gala-Vorstellung. Zirkus Schumann. Gala» Vor- stelluna. ZiriuS Sarrasani. Gala» Vor- stellung. Havcrland. Spezialitäten. Rniang 8 Ubr. Urania. Tandrustrafte tS/4S. Der Grogglockner, Gastet» und die Salzburgcr Alpen. Hörsaal b Uhr: Pros. Bock: Die Pflanze als Naturdenkmal und ihr Schutz. Reueo V. Operntheater. De schlössen. tiöniggräucr Straft«. Die süns Iranksurter. Pienes SckiauspirlbauS. Nathan der Weise. Neues. Der liebe Augustin. «aiiimerspicle. Eine glückliche Ehe. Seising. Der Bund der Jugend. Residenz. Alles sllr die Firma. Stnuitirtir Over. Der Troubadour. Ztiirfürftcuaper. tZuo vackis? Westen. Die geschiedene Frau. LustspirlhauS. Die Damen des Regiments. ttleincs. Und das Licht scheinet in der Finsternis. Berliner. Kroge Rosine». Neues Oneretten. Eva. Schiller O. Gräfin Lea. Set,- Gharlotrenvurg. Kpritz Phritz. Friede.< Wild. Schauspielhaus. Alt-Heidelberg. Luisen. Eine leichte Person. Rose. Lonaparte und seine Frauen. Nletroi o. Die Nacht von Berlin. Triaiion. Das kleine Casö. Thalia. Polnische Wirtschast. Casiuo. Der Kamps ums Dasein. Stpoüo. Spcziaiitülcir Buiinge. Spezialitäten. Herrnfeld. Wie man Männer dessen. Der Hausleusel. ReiehsixUlen. stettiner Sänger. Wintergarte». Spezialitäten. Sönigstadt- Kasino. Kiuder der Wüste. Spezialitäten. Anfang 8'/4 Uhr. FolieS tfapncc. Mandelblülh'S Policrabcnd. Losgelassen. Waffen Übung. Walhalla. Menschenrechte. Voigt. Die Seeniannsbraut. Ansang 8'/, Ubr. Neues Volkstheater. Rathan der Weise. Belle> Alliance. Di« DollarpNn« z-sstn. '.» Sternwarte. Juoalidcnstr. S7—«2. 5ej!jIIer'7Iie»ter0.Thea.°r Freitag, abends 8 Uhr: Cirlifln IjCO. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Kllometerfreiieer. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Probokandldat. Sonntag, abends 8 Uhr: Cir&fln I.ca. Sefilller-Theaier c~n: Freitag, abends 8 Uhr: Kyrltn-PyrU«. Sonnabend, abend« 8 Uhr: Der Weg«or Hdlle. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Dou Carlos. Sonntag, abends ä Uhr: K. jrl tzl'zrl t». Berliner Theater. Abend» 8 Uhr: Große Rosinen. I�Miiiljei'WgMei'ZtnliZi! AbendS 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augusti». Sonnt. 3'/. Uhr: Der lidela Bauer. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Alles für die s?irma. Schwank in 3 Akten von M.Hennequin und D. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-BaeckerS. Morgen u. solg.Taae: äileik.il. firm». Sonnt., 3. Z.,3 U.: Kämm. Dieb uro Ameii« Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Morgen 8 Uhr: Viiensv LIut. Sonntag 3'U Uhr: Ein Waliertraum Belle-Alliance-Tbealer. S'/i Uhr: Tic Tollarprinzcsfin. Sonnabend 3 Uhr: Wilhelm Tell. 8 Uhr: Der Glöckner von Nolre-Damc. Luisen-Theatcr. Freitag: Fcstvorstellung: Eine leichte Person. Sonnabend 4 Uhr: Sneewlttchen und die 7 Zwerge. Abends: Der Per- schwender. OSE-THEATE Droge Frankfurter Str. 132, Abends 8 Uhr: Napoleon Bonaparte — J und seine Frauen. Sonnabend 4 Ubr: Robinson Crusoe. 8 Uhr: Napoleon Bonaparte. Melropol-Tliealer. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Die Naclit von Berlin! Grotze Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. "*•"ir.R. e In Szene gesetzt vom Dir. öchultz. Ab 8 Uhr. VoIIbMi) nsusL Programm! 8 für Berlin neue Tebüts mit ? Los Nr. 33? The Perezoifs usw.__ Theatep Ein neuer Sensationserfolg Nie man Männer bessert. 2 Akte von Anton u. Donat Herrnfcld mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: Sek Hsusteufel. Ansang 8 Uhr. Billettvorverlaus l l— 2 iTbeatertaffe). Keiebsbanen-Tliealer. Stettiner Sänger. Pantoffel-Helden. Urkomische Burleske Ansang wochenta gs 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. am Rosenlhaler Tor. m Allabendlich 8'/« Uhr: Größtes soziales Ausstat- J tungs-VolkSstück mit Ballelt I und Gesang in S Alten von 1 Max Reichardt. In Szene i gesetzt v. Dir. James Klein. 1. Akt: Geheimniffe im | Privatkontor. 2. Alt; Die große Protestversammlung. 3. Akt: Im Lallsaal,«lm! ! Rande des Abgrundes. 4. Akt: Arbeit nieder. 5. Akt:| Em Gottesgericht. Sonntag nachm. 31/, Uhr: Die größte Sunde. Deutscher Hoharbeiterverbaiid. (Verwaltung Berlin.) Sonnabend, den 2. März 1912 t 79/17 auf den Terrassen in Germersdorf Kirchweih-Fest in den Gesamträumen der Neuen Welt, Hasenheide 108— 114. Auftreten der Original-Tiroler. Bayrischer Hochwald, Gletschersturz und Wasserfall, Rutschbahn, wunderbare Alpendekoration. Zwei Ball-Orchester unter LeitUQg d�eitÄm �1. Sfssi. ===== Eröffnung 8 Ehr.■■. Billetts h 50 Pf. sind in sämtlichen Zahlstellen, sowie im Zigarrengeschäft von Sohwemke, Sohönlcinstr. 34 und bei Zehrendt, Hasenheide 9, zu haben. Es wird gebeten, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen, da Abendkasse nicht stattfindet. 38 hÖSOl&OOOO Urania. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Der OroOglockner, Gastein and die Salzburger Alpen. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Bock: Die Pflanze als Naturdenkmal und ihr Schutz. Heute letzter Tag der dieswöchentiichen Lichtkunst-Spiele. Morgen, Sonnabend: Premieren' Abend. Der 7. Film aus dem grollen Ästa Nelson- Zyklus; Schauspiel in 3 Akten. In der Hauptrolle: Asta Nielsen die„Ouse der Kino-Kunst". Ecbend! Eebend! Hede das | Ein atavistisches Wunder.| Das Mädchen mit dem Bähnenhopr. Halb Mensch— halb Animal. Datt blaue Weib, ein Opfer wilder Barbaren. Die Frao in der Kanne, iBefreiung a. d. Wassergrab.1 Ohne Extra-Entree! CLOU 64 Berliner Konzert'Maus. Mauers tr. 82 Zimmerstr. 90/91. großes Doppel-Konzert III Ziliertbaler und Tegernseer Singer, Plattler und Jodler!!! Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. An allen Woclicutagen nachmittags: GroBca Proinonadcn-Konzcrt bei fpeiem Eintritt NEUE �9 ELT. Arnold Scholz. Tligltcli: Hasenhoido 108/114. A. Schumann Freitag, den 1. März 1912, abends 71/, Uhr: Xeue Debüt« 94i Die weltberühmt» Auroratrnppe, bestehend aus b Herren. Die 3 Oravia in einen ganz neuen Genre, sowie die übrig. Spezialitäten. Um 9 Uhr: Das Motorpferd in 5 AkUn. Neuestes und größtes Ausstattungsstück der Gegenwart. Sonntags; 2 Vorstellungen, 3'/, und 71/, Uhr. In beiden Vorstellungen; Das Motorpferd Zirkus Bnsch Freitag, den 1. März 1912, abends 7'/, Uhr: Komischer Gala- Abend. Die Hex©. Vorher das gr. Galaprogramm. Sonnabend, den 2. März, abends 7'/, Uhr: Beginn der groBeu Lnternatlon a I om Ringkämpfe! MiÄSSÄf. Großer Ball. Wochentags 7 Uhr.. Wochentags 30 Pf. Anfa,,g: Sonntags 4 Uhr. Entree' Sonntags SO Pf. 5 Kapellen! Inhaber Adoit Itujtier, Bardenbcrg.tr. XT/XS, vis-a-vis Ansstollnng. hallen. Eröffnung morgen nachmiUag 4 Ohr. Brauerei Friednülisliain am Künigstor. keilte Freitag: Elite-Tag. Das grüßte Bockbierfest Berlins Trianon-THeater. Täglich abends 8 Uhr: Das kleine Caf£. Passase-Ilicaler. Heute Premiere. Melia die schönste und gefeiertste russische Tanzkünstlerin. Schncider-Dnncker Dancll-Trnppe etc. und 18 Varletü- Sensationen. Dienstag zum erstenmal: (Das Geislerfenster.l Admhblspalast Am Behnliof ftlaüldilbdanc Ii i«- A r e n a. Geöffnet von 11 Uhr vorm. Nachmittags: Kunstlauf- Produktionen. Abends: | Tünze auf dem Elze. Die kleine Chariotfe. Das prächtige Eisballett Alpenzauber. Bis 6 Uhr und von 10'/. Uhr abends halbe Kassenpreise. arrasani! SebönbEiiser iilee. Telephon: Nord 4100.| Allabendlich 7� z Uhr: Das Aufsehen erregende NOVITÄTEN- Programm. Sonnabend und Sonntag 3 Uhr und 7'/, Uhr: 2 Vorstellungen 2. Vorverkauf o. d. Circus- knsse und an sämtlichen | Billettverkaufsstellen von| A. Wertheim, Boigt-Theater. Gesundbrunnen Badstraße 58. Freitag, den 1. März 1912: Lie§iZkMünn8drsllt. Vcltsstück mit Ges. in ö Bild, v. Wilfen. Zkasieneröftnung 7, Anfang 8'/. Uhr.' Montag, 4. März; Benefiz Kelly Platen:„Das Müdchen ohne Ehre'1. Casino-Theaiec Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nurneclt wenige Auffülirungen. lieber 100 nial auSoerkausi. Der Kampf tmts Dasein. Am 16. März Premiere. Sonnt. 3'/,: TrudchenS Sommerreise. KSrngatalU-Kasliio. Ecke Holzinarkt- u. Aiexanderstraße Taglich abendS 8 Uhr» Tonntags'1,9 Uhr: Theater und Varlet«. Vom 1.— 16. März 8 Spezialitaten und„Kinder der Wtt.tet Uperelten-Burieske v. D. Richter. Folies Caprice. Täglich 8'/. Uhr: Losgelassen. Waffenübung. ivlandelblüths Polterabend. Fiir den Inhalt der Jnierare aberniinmt die Redaktion dem Publikum gegenüber(einerlei Berantworrnng. Möbel-Magazin Brunnensfr. 120 i Grässlos Kagazin A des Norders Verband der Bucb- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands.(Ortsverwaltung Berlin,) Sonntag, den 3. März, mittags 12 Uhr, in Mörncrs Festsäle«(früher Keller), Koppenstr.- Anßerordentl. Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Bericht über den austerordentlichen Verbandstag in Berlin und die darauf erfolgte Amtsenthebung des ersten Ortsvorsitzenden und die eventuelle Mastregelung der übrigen vier angestellten Beamten. py SHtellcdsbuch legitimiert.'TMS BV Anfang pr&Else Diir. TMQ 27/5*_ Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Leukelier Lsusrlieiler- Verdsnö. Lektion ch, Auguslstr. 56, Eingang Joachimürah». S. IVablkrcia, W.: G»st, Schmidt, Kirchbachstr. 14. Hochparterre, L. und SW.: Hermann Werner, Gneilenaustr. 72. , Prinzinstr. 31, Hos rechts pari, lieben W e n g e l t,(8t. Franksurterstr. 120. 14/15. 8. IVahlkrei«: St, Fri d. Wahlkrci«: Oll e n — Richard H a ck e I b u s ch. PelerSburgerviah 4(Laden), 4. 84'uhlkrcia, S ü d o st« n: Paul Böhm, Lauft 6. M'alilkrcis: Leo Zucht, Jmmauuelkirchstr. 12(Hos). v. Wabtkrel»(Zloabit): Karl Anders, Salzwedelerstr. S. Wedding: g. Hönisch, NazarelhNrchslratze 4S, Rtouontbaier und Oranienburger Toratadt: Wilhelm B a u m a n», RheinSdergerstr, 67, Laden, Oe�nndbrannen: F, Trapp, Steltinerstr, 10. k!>ebtinbaii«er Vonatadt: Karl M a r S, Grelfenhagrner Str. 27. Adleraliof: Karl Schwarzlose. Hoffmannftr. 9. Alt-Clleniokc: WUHelm Dürr«, köpenickerilr. 6. Ilaniu«ebnIenH>reg: H. Hornig, Marienlbalerstr. 18, I. ISernnu, R'intgental, Zepernick, Uehbnow und SehSn- brück: Heinrich Bröl«, Mühlensir, 5, Laden, DohnKdorf und Falkenbcrg; Alois Laus, Bohnsdorf, Se» Nossens chajlshauS.Paradies', Cbariotrenbnrg: Gustav Scharnberg, Tesenhelmerstrade 1 Fichwalde: O S t a r Mahle, Stubcnrauchslr. 99, Frkner: Eimlt H o s f m a n n, Friedrichshagener Chausiee. e>eder»d«,ri-i'eter«Iiagen: S, Höselbarth, PeterShagen. Frieden»».?StegIitr.-!>i iide nde-CreU-i. tebtcrrelde-Cank- nit»: H. B t r u I e e. Aljenitr. 5 in Slegtitz, Friedriebnbagen: Ernst Werkmann, Köpenicker Straffe 18. ftrUnafl: /sranz Klein, Fnedrichklr. 10, dnbnnniatbal: Pielicke, Kaiier-Wilhelm-Platz 6. K»nrl«>Itnr»r: Richard KÜter, Rödelslr, 9, II, Iii>,iig»>-W>i«>terba>ii,en: Friedrich B a u m a» n, Bahnhofstr. 13, 14 ilneniek: Emil W iffler, Kietzerstr. 6, Laden. Cieiitenberg. Frledriebt-relde, Reken»eb«nban»ea: Liio S e i k e I, Wartenbergslraffe 1(Laden). Rabioderf, Kanledorf: P, Heffberg, Kaulsdors, Ferdinand- straffe 17. nariendorf: August L eip, Chausseestr, 295, Hos. Rarienfeldc: Emil Weinert, Dorsstr. 14. B/enenbngen: Gustav L e y, Wolterstraffe. .V leder-Sehiinc weide: G e h r t, Brtfferstr. 6. Xowuwc«: Wilhelm I a v p e, Friedrichstr. 7. Ober-!Sebüneweide: Alfred Bader, Wilhelminenhofftr, 17 II. I'unkun-Xiederuebünbauuen: Riff man», Mühlenstr, 30. Retniekenderr- Ost, Wilbeliuornb und bebünbolz: P G u r s ch, Provinzsn, 56, Laden. 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Stellungnahme zur Gaukonferenz und Wahl der Delegierten. 2. Stellungnahme und endgültige Beschluhfassung zur Frage der örtlichen Arbeitslosenunterstützung. 3. Verschiedenes. PS?" Kollegen, sorgt für zahlreiches und pünktliches Erscheinen. Die Versammlung wird präzise eröffnet! 171/6» Die Ortsverwaltimg. lv Verwaltung Berlin. Heute, Freitag, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshaufe, Engel» ufer 14/15, Saal 1(ArbeitSlosensaal): Stt-ung der Ortsverwaltunga Montag, den 4. März 1912, abendS S1/, Uhr, im Gewerkschaftshaufe, Engelufer 14/15(Saal 4): Kombinierte Versammlung der KontrollhommisLoiien mit der Ortsoemaltlivg. Achtung! LeHrlmgeu.jugendlicheArbeiter der Holzindustrie! Sountagnachmittag von 3—8 Uhr abendS ist der ArbestSlofensaal im Kewerkschastshause, Engcluser 14/15, als Lesesaal sür die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter geöffnet. Sämtliche Bücher und Zeilschristen der Lugendbibiiothel liegen zur jreicn Benutzung aus. Sluch stehen den Besuchcm UntcrhaltungSspiele zur Versügung. Die WerksiativcrtraucnSuiänner werden gebeten, die Lehrlinge auf de» Besuch des Lesesaales ausnicrksnm zu mache». 79/16 Bezirk: Ober-Schöneweide. Sonntag, den 3. März 1912. vormittags 9',', Uhr, im Restanraut »Wilhclminenhos»: Versammlung afler in der Hchwdußrie des Kubelmerhes Gerspree beschästigteu Arbeiter. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Exncr:»Die Vrrhükt» »isie in der Holzindustrie.« 2. Betricbsangelcgcnheilen. DienStag, den S. Mär, 191». abends 8 Uhr, bei Warnde, Wilhcliiiiuenhosstraste 18: Mitglieder- Versammlnng. Die Zahlstelle 33 wird von Gocthestraffe 11 nach Zklt-Boxhagen 36 bei B l u h m« verlegt,— Die Zahlstelle iv ist von Blumenstraff» 33 nach Blumcnstrasic 31 Sei Pilzecker verlegt worden. die Ortaverwaitnng, Ärlieiter-Raillahrer- Eü.iil Ssllilarltät. Ortsgruppe Berlin. Wegen der grauen- l Versammlungen fallen am Sonntag, den 3. März, I sämtliche Touren aus. I.8lItIlHU8 Martin Hirschberg Moabit, Turmstr. 57, zwischen Wald- u. 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Berlin Nr. 51 29. Zahrgavg. 1 Irilaw des JjtmWs" Dnlim öolfolilntt. M«S. 1. Pitt 1912. Die Gemeindewaftliiewepng. I Lankwitz. Heute Gemeindewahl. Zu der am heutigen Freitag. den 1. März, stattfindenden Gemeindewahl nahm am Mittwoch eine im Restaurant tagende Versammlung nochmals Stellung. Genosse Dr. Moses behandelte unter lebhaftem Beifall das Thema:»Zur letzten Stunde vor der Gemeindewahl". Der Redner geigelte in sarkastischer Weise die Reichs- und kommunale Politik der bürgerlichen Parteien. Gegner meldeten sich trotz Anwesenheit nicht zum Wort. Gemeindeverireter Genosse R a d i ck e ließ nochmals die Lankwitzer Verhältnisse Revue passieren, unterstützt durch die Genossen B a r w i ch und Schreiber. Der Vorsitzende Genosse Anders forderte zur Organisation und zum Lesen unserer Presse auf und führte in warmen Worten die Fort- schritte unserer Bewegung allerorts den Anwesenden vor Augen. Mit einem begeisterten Hoch auf die Bewegung schlofi die Ver- sammlung. Nun haben die Wähler am heutigen Freitag, den 1. März, das Wort. Tegel. Heute, Freitag, finden die Wahlen zur Gemeinde- Vertretung für die dritte Abteilung statt. Das Wahllokal für den I. Wahlbezirk befindet sich im.Tuskulum', Hauptstr. 17a. Kandidat ist Genosse Lichtenberg. Die Wähler des 2. Wahlbezirks wählen in„Bellevue", Span- daucr Str. 2. Kandidat ist Genosie Halses. Die Wahlzeit ist von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends fest- gesetzt.— Jeder gehe so früh wie möglich zur Wahl. Die zweite Abteilung wählt am Sonnabend, den 2. März, von 12—5 Uhr in den.Ratsstuben", Hauptstr. 16. Kandidat ist Genosse Rentner. Genossen! Setzt am heutigen und morgigen Tage alle Kraft ein, um den sozialdemokratischen Kandidaten zum Siege zu ver- helfen. Eichwalde. Heute Freitag von 4 Bis 7 Uhr nachmittags finden im Gemeindebureau die Ersatzwahlen zur Gemeindevertretung statt. Tue jeder Wähler seine Pflicht und erscheine rechtzeitig zur Wahl. Der Kandidat der Sozialdemokratie ist der Genosse Karl König. Das Wablbureau befindet sich im Restaurant Lindner, Grünauer und Bahnhofstrafien-Eike. Die Parteigenossen, die bei der Wahlarbeit helfen wollen, auch NichtWähler, treffen sich dort von 8 Uhr nachmittags. Friedenau. Mit def?Vorarbeiten zur Gemeindewahl beschäftigte sich die letzte Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Genosse Richter gab in seinem Referat ein farbenreiches Bild über die heutige Betätigung der Sozialdemokratie in den Gemeindeparla- mentcn. Nur von ihr sei ein Fortschritt zu erwarten. Redner be- merkte, dafi bei der Reichstagswabl die sozialdemokratische Stimmen- zahl am Ort ein unerwartet günstiges Ergebnis gebracht hätte: das gebe Anlah zur weiteren energischen Arbeit, um den aufgestellten Mieterkandidaten der dritten Wählerklasse, den Genossen Richard Hagen, Mechaniker, und Paul Marowsli, Maurer, zum Siege zu verhelfen. Erkner. Die Gemeindewahl für die dritte Klasse findet am 8. März von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 7 Uhr bei Domning statt. Der Antrag unserer Genossen, die Wahl auf einen Sonntag zu verlegen, ist unberücksichtigt geblieben: damit wird die bürgerliche Gemeindevertretung eS nicht erreichen, daß die Sozial- demokrotie des Ortes dauernd aus dem Ortsparlament ferngehalten wird. Wenn jeder Genosse seine Pflicht erfüllt, so mutz eS uns diesmal bereits gelingen, den sozialdemokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Am morgigen Sonnabend, den 2. März, soll in einer in Dege- brodts GesellschaftShaus stattfindenden öffentlichen Wählerversamm- lung nochmals dargelegt werden, wie notwendig eS istz datz auch die Sozialdemokratie in der Gemeindevertretung Einzug hält. Schönow. Sonntag, den 3. M S r z, nachmittags von S— 5 Uhr, findet im Lokal von Schulze die Gemcindevertreterwahl der dritten Wählerklaffe statt, Als Kandidat ist der Genosse Richard Dukwitz, Klempner, aufgestellt. Es ist mm Pflicht eines jeden Genossen, die kurze Zeit noch kräftig zur Agitation auszunützen, damit unser Kandidat als Sieger aus der Wahl hervorgeht. Klcin-Schönebeck- Fichtenau. Zu der am Montag, den 4. März, stattfindenden Ganeindevertreterwahl nahm am Sonntag eine öffent- liche Wählerversgtnmlung Stellung, in der Genosse Tobias über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Gemeindevertreter referierte. Nach eingehender Dislussion, in der hauptsächlich der Wunsch der Ein- wohner Klein-Schönebecks zum Ausdruck kam, datz auch ihr OrtSteil von der Gemeinde etwas mehr bedacht werden möchte, ivurdcn einstimmig für die dritte Abteilung Genosse Tobias, für die zweite Abteilung Genosse May als Kandidaten aufgestellt. Unsere Genossen iverden alle Kräfte aufbieten müssen, um den Wahlkampf glänzend bestehen zu können. Pankow. Zu der am Sonntag stattfindenden Gemeinde- dertretcrwahl werden von den Bürgerlichen auch diesmal die grötzten Anstrengungen gemacht, der Sozialdemokratie die Mandate der zweiten Abteilung zu cntreitzen. Nach ihrer Ansicht ist die Sozial- demokratie im Kommunalleben ein unnötiger Faktor. Aus Ge- rcchtigkeilsgefühl solle» die Arbeiter bei der Gemeindewahl für den bürgerlichen Mischmasch stimme». Die Arbeiterschaft wird sich durch solche Worte nicht ködern lassen, sondern ihre Stimme dem Kandi- baten der Sozialdemokratie geben. Diese sind im ersten Bezirk Buchdruckereibesitzcr Georg Eichler sAiigesessener), Expedient Emil F c n g l e r sRichtangesessener). letzterer ist als Ersatzmann sür den Ge- noffen Hirschmcier zu wählen. Das Wahllokal ist Restaurant Ebersbach, Berliner Str. 102. Gewählt wird von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags. Das Schlepplokal sür den I. Bezirk ist ebenfalls bei Ebccsbach. Für den II. Bezirk sind die Genossen Bureaugehilse Otto Schmidt und Gasnvirt Wilhelm G a tz m a n it, beide für die Ergänzungswahl, als Kandidaten nominiert. Das Wahllokal ist die Turnhalle der V. Gemeindeschule, Wollank- strahe 131. Das Schlepplokal befindet sich bei Scholz, Wollankitr. 122. Genossen, welche bei der Wahl helfen wollen, melden sich im Schlepp- lokal ihres Bezirks. Parteigenossen, erscheint Mann für Mann und rüttelt die Säumigen auf. dann mutz der Sieg unser sein. Partei- Angelegenheiten. Erster Wahlkreis. Heute Freitag: Extra-Zahlabend. Erscheinen oller Pflubt! Der Extrazahlabend der I. Abteilung findet am Sonnabend bei Lehmann. Stralauer Brücke 3. statt. Der Vorstand. Fünfter KreiS. Zweite Abteilung. Sonntag, den 3. März, abends {j>/. Uhr im Landsberger Kasino", Landsberger Stratze 39: Ltckn- bilder-Voitrag des Genoffen Roth über.Die Entstehung der Stein- kohle und ihre Gewinnung im Bergwerk". Zur Deckung der Unkosten werden 20 Pf. erhoben. Nachdem �.anz. Tie KreiS-Generalversammlung des Zentral-Wahlvcreins für Teltow Bceskow-Storkow-Charlotteuburg findet am Sonn- tag. den 3. März 1912, nachmittags 1 Uhr. im großen Saal des Volkshauses. Charlottenburg. Rosinenstr. 3. statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Wahl eines Revisors. 3. Rückblick auf die Reichstagswahlen. 4. Einrichtung eines Kreis-Bildnngs- ausschusses. 8. Anträge. Zutritt haben nur die mit Man- daten versehenen Delegierten, ebenso Gäste, welche sich durch ihr Mitgliedsbuch legitimieren können. Der Zentralvorstand. I. A.: Max Groger. Groß-Lichtcrfclde. Sonntag, den 3. März, früh 8 Uhr, in allen Bezirlen: Handzettelverbreitung. Der Vorstand. Steglitz. Am Sonntag, de» 3. März,,»m morgens 0 Uhr av, Volk den Bezirkslokalen aus: Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Sonntag, den 3. März, früh 8l/z Uhr: wichtige Flugblattverbreitung zu den Gemeindewahlen. Für den ersten Wahlbezirk treffen sich die Genossen der Bezirke ö, ö, 10, 11, 12 bei Schulte, Am Treptower Park 37, die Genossen der Bezirke 6, 7 und 8 bei Kunze, Elsenstr. 106. Für den zweiten Wahlbezirk finden sich die Genossen der Bezirke 1 bis 4 bei Erbe, Baumschulenstr. 14, pünktlich ein. Das Wahlkomitee. Fricdrichsfelde. Dienstag, den 5. März: Oeffentliche Ver- sammlung bei Bürger.— Flugblattverbreitung hierfür am Sonntagvormiltag von 8 Uhr ab. Wcißensce. Heute(Freitag), abends 8 Uhr, im Schloß Weitzenfce: Gemeindewähler-Verfammlung. Genosie Stadtv. Leid-Berlin referiert über:»Die Aufgaben der sozial- demokratischen Gemeindevertreter". Genoffen! Sorgt für guten Besuch dieser Versammlung. In derselben mutz zum Ausdruck gebracht werden, datz es der Hand- voll Grundbesitzer nicht gelingen darf, die Sozialpolitik der Gemeinde rückwärts zu dirigieren. Pankow. Heute Freitag, abends 8 Uhr, bei EberSbach(«Kur- fürften"), Berliner Stratze 102: Oeffentliche Versammlung. TageS- Ordnung:«In letzter Stunde". Referent: ReichStagsabgeordneter Genosse Brandes- Magdeburg. Am Sonntag, den 3. März, früh 8 Uhr: Kuvertverbreitung von den belmmten Stellen. Sonntag abend 8 Uhr bei Ebersbach: Oeffentliche Versammlung zur Verkündung des Wahlresultats; nach- her Gemütliches Beisammensein. Das Wahlkomitee. Rcinicke»dorf-Wcst. Sonntag, den 3. März, nachmittags 2 Uhr in Beyers Feststälen(Hartmanns Brauerei), Scharnweberstr. 101/104 Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung:«Die Be- freiung der Frau durch den Sozialismus I" Referent: Schriftsteller Wilhelm Düwell-Lichtenberg. Hierzu heute abend 7 Uhr: Hand- zettelverbreitung von den Zahlabendlokalen aus. Frauen, erscheint in Massen. Die Bezirksleitung. Niedcr-Schönhause«. Sonntag, den 8. März, früh 8 Uhr: Flugblattverbreitnng von den bekannten Stellen aus. Die Bezirksleitung. Birkenwerder. Die Handzettelverteilung zu der am Sonntag, den 3. März, stattsindendcn Wählerversammlung findet heute Freitag abend vom Genossen Feuerstack aus statt. Schenkendorf bei Königswusterhausen. Sonnabend, den 2. März, abends 81l3 Uhr: Mitgliederversammlung im Lokal des Gastwirts Herrn Otto Pätsch. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Otto Schenk, Schöneberg:«Was haben wir von dem neuen Reichstag zu erwarten?" Der Vorstand. LerUner FfoclmcKten. Berlins Stadthauöhaltetat für 1912 wurde von der Stadtverordnetenversammlung gestern in einer ersten Beratung im allgemeinen be- sprochen. Die Debatte, die sich bis in die sinkende Nacht hin- zog, war beherrscht von der Frage, ob die Erhöhung des Einkommen st euersatzes auf 119 Prozent viel- leicht doch noch einmal zu umgehen sei. Einige Worte der Hoffnung wurden noch vorgebracht, aber sie klangen nicht sehr überzeugungsvoll. Auch das Verhältnis Berlins � zum Zweckverband Grotz-Berlin, der am l. April ins Leben tritt, wurde von den Rednern berührt. Viel Vertrauen brachte ihm eigentlich niemand entgegen. Den Entwurf des neuen Etats legte Stadtkämmerer Steiniger, der inzwischen zum Verbandsdirektor für Groß-Berlin Erwählte, als seine letzte Arbeit vor. In seiner Einführungsrede schlug er nicht den herausfordernden Ton an, den er sonst sich bei dieser Gelegenheit zu erlauben pflegte. Aber im übrigen unterschied diese seine letzte Etatsrede sich in nichts von den früheren: sie war reichlich lang— und bar aller großen Gedanken. Er bot, wie immer, ledig- lich eine kahle Erklärung des Rechenexempels, als das er— in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen des Berliner Stadtfreisinns— die Aufstellung eines Etatentwurfs ausfaßt. Von höheren Gesichtspunkten aus betrachtete den Etat der Redner der sozialdemokratischen Fraktion, Genosse Bruns. Die sozialen und kulturellen Auf- gaben der Kommune müssen unter allen Umständen erfüllt werden, das war das Leitmotiv seiner Ausführungen. Wenn das nur möglich sei bei Er h öhung des Ein- kommen st euersatzes, so müsse man sich dazu ent- schließen, so sehr im übrigen vielen der minderbemittelten Einwohner eine Erleichternng der Steuerlast zu wünschen sei. Als Genosse Bruns darauf hinwies, daß allerdings eher der Grundbesitznoch stärkerbe st euert werden könnte, antwortete der Chor der Hausagraricr mit lärmenden Zu- rufen. Wieviel Berlin an sozialen und kulturellen Aufgaben noch zu erfüllen hat, das zeigte unser Redner in sehr eingehen- den Darlegungen, die sich über das ganze Gebiet kommunaler Betätigung verbreiteten. Gegen den Vorschlag, den Grundbesitz noch mehr zu den kommunalen Lasten heranzu- ziehen, wandte sich' Stadtverordneter Cassel. Fast in demselben Atemzuge sagte er, daß auch eine Erhöhung des Einkommensteuersatzes ihre großen Bedenken habe. Zum Schluß äußerte er die leise Hoffnung, daß man vielleicht noch einmal mit 199 Prozent fertig werden könne. Wie man das machen solle, vergaß er zu sagen.' Oberbürgermeister 51 i r s ch n e r vermißte diesen Nach- weis und fragte, woher denn die Deckung ge- n o m m e n w e r d e n s o l l e. In der Debatte hatten Bruns und Cassel auf die von der„Großen Berliner Straßenbahn" an die Stadtgeineinde gezahlten 23 Millionen Mark hin- gewiesen und Aufbewahrung als Reserve empfohlen. Herr Kirschner teilte mit, daß die Regierung die neue Anleihe um diesen Betrag kürzen will, so daß die Stadt die 23 Millionen wohl werde mitausgeben müssen. Ten Vorschlag unseres Red- ners. den Vertrag mit den Elektrizitätswerken zum nächsten Termin"zu kündigen und der Stadt eine neue Ein- nahmequelle zu erschließen, wies Herr Kirschner von vorn- herein zurück. Die weitere Beratung spielte sich vor leeren Banken ab. Stadtverordneter G o l d s ch m i d t suchte die Aufmerksamkeit noch einmal zu wecken durch eine Anrempelung der Sozial- demokratie. indem er gegen Genossen Bruns wegen einer Aeußerung über die Jugendpflege polemisierte. letzter sprach Stadtverordneter Dyhrenfurth. Dann wurde der Etatenwurf dem Ausschuß über- weisen, der sofort ernannt wurde und schon am heutigen Frei- tag seine Beratungen beginnen soll. Zur Bekämpfung der Schundliteratur und zur Förderung des Vertriebes guter Unterhaltungslektüre hat daS GewerkschaflShauS bekanntlich folgende Einrichtungen getroffen: 1. Anerkannt gute Jugendschriften zum Preise von 10—30 Pf. sind in größerer Anzahl angeschafft worden und werden leihweise gegen Deponierung des Preises zur Verfügung gestellt. 2. Jedermann erhält in den Ausgabestellen ohne Legitimation so viele Bücher wie er will. Er hat entweder den Wert der Bücher zu deponieren oder bereits früher entnommene Bücher zurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben. 3. Wer die Bücher hehalten will, hat dazu das Recht, er hat dann bei Entnahme neuer Bücher wiederum den entsprechenden Be- trag zu deponieren. Die Ausgabe der Bücher erfolgt in GewerkschastSbureauS, Jugendheimen, Partcispeditionen, Zigarrengeschäften usw. Im Jahre 19l1 wurden folgende Bücher umgesetzt: Wiesbadener Volksbücher 2487, Schatzgräberschristen 148B, Bunte Bücher 942, Bunte Jugendbücher 793, Deutsche Volksbücher 765, Deutsche Jugendbücherei 740, Konegens Kinderbücher 200, Hendel- Bibliothek 198, Anfwärts-Bibliothek 190, Weises Märchenbücher 83, Quellen 51, Schaffsteins blaue und grüne Bändchen 42. Im ganzen gelangten zur Ausgabe: 5343 Hefte«l 16 Pf., 775 Hefte a 15 Pf.. 1100 Hefte a 29 Pf., 405 Hefte a 25 Pf., 353 Hefte a 30 Pf. und höher. Es sind also 7981 Hefte verbreitet worden. Ein großer Teil der Bücher wurde nicht zurückgegeben, sondern als Eigentum behalten. Die übrigen Bücher konnten ungefähr sechs bis zehnmal verliehen werden, bevor sie vernichtet werden mutzten, Im allgemeinen hat sich der vom GewerkschaftshauS eingeschlagene Weg zur Bekämpfung der Schundliteratur als ein praktischer und gangbarer erwiesen. Die Deputation für die städtischen Fach- und FortbildungS- schulen beschlotz in ihrer gestrigen Sitzung unter anderem im Neubau der Webeschule eine Abteilung für Spinnerei einzurichten. Ferner soll dem Gesuch des Deutschen Optikerverbandes um Einrichtung einer Fachklasse an der ersten Handwerkerschule stattgegeben werden. Die Klasse wird zum 1. April d. I. eingerichtet werden. Die Bcrkehrsdcputation, die gestern tagte, nahm Kenntnis von dem Schreiben des Polizeipräsidenten vom 31. Januar d. I., betreffend die Nord-Süd-Bahn. ES wurde beschloffen, mit dem Polizeipräsidenten nochmals in kommissarische Verhandlungen ein« zutreten. Ringkämpfe und Boxkämpfe. Das Polizeipräsidium teilt mit: Von einigen Berliner Blättern wird die Auffassung vertreten, daß der Polizeipräsident— abweichend von seinem früheren Stand- Punkt— neuerdings die Erlaubnis zu Ringkämpfen erteilt hat. Demgegenüber mutz festgestellt werden, datz das polizeiliche Verbot nur sogenannte Ringkampf-„Konkurrenzen" betroffen hat, bei denen der jeweilige Sieger dem Sieger eines anderen Ring- kampfes gegenübergestellt wird, bis auf diese Weise einer der Kämpfer als Ueberwinder der übrigen hervorgeht. Durch solche Ringkampf-Konkurrenzen wird das Publikum in starke Erregung versetzt, zu Wetten verleitet und zu Ruhestörungen hingerissen. An diesem Verbot ist nichts geändert worden. Auch die hiesigen Zir- küssen erteilte Erlaubnis gestattet nur die Erlaubnis zur Vor- führung rein sportlicher Ringkämpfe, die mit Konkurrenzen nichts zu tun haben, bei denen vielmehr durch Auslosung ermittelt� Kämpfer ihre Fertigkeit zeigen, ohne datz Preise ausgesetzt oder beste Leistungen festgestellt werden. Eine andere Stellung nimmt die Polizeibehörde gegenüber den Boxkämpfen ein, welche we�ey der Roheit des iEindrucks überhaupt nickst zugelassen werden, Ivah- rend der Ringkampf als solcher unbedenklich erscheint und erst durch die mit den„Konkurrenzen" verbundene» Auswüchse tri« öffentliche Ordnung gefährdet. lieber die Berliner Zentrale für private Fürsorge(Bureau: Flottwellstr. 4) wurde an dieser Stelle kürzlich berichtet. Wir be- zeichneten es als einen Fortschritt, datz hier der Versuch gemacht ist, die private Wohltätigkeit unter Ausschaltung der berüchtigten Wohl. tätigkeitsbasare und ähnlicher Amüsements sozusagen zu organi- sieren. Viele Fäden laufen nunmehr an einem Punkte zusammen. Privatpersonen, die um Unterstützung ersucht werden, geben die Gesuche an die Zentrale weiter und machen ihre Hilfe in jedem Einzelfalle von der erhaltenen Auskunft abhängig. Auf diese Weise kann dem gewerbsmätzigen Bettelwesen ganz erheblich gesteuert werden, da es schon in Hunderten von Fällen gelungen ist. hinter die Schliche der unlauteren Bettelbriefschreiber zu kommen. An- dererseits wird nach den im letzten Tätigkeitsbericht der Zentrale enthaltenen Darlegungen Wert darauf gelegt, datz man nicht nur mit dem bekannten Tropfen auf dem heitzen Stein hilft, sondern systematisch die Not möglichst radikal zu beheben sucht. Die Zen, trale gehörte auch zu denjenigen Institutionen, welche den vorjähri-'. gen Blumentagsrnnnnel als öffentliche Bettelei streng verurteilten und sich von ihm fernhielten. Dazu wird uns geschrieben: Wenn in weiten Kreisen der arme- ren Bevölkerung geklagt wird, datz die Zentrale selbst da, wo offen- sichtliche Not vorhanden war, versagt hat, so soll das noch kein Grund zu abfälliger Kritik sein. Die zur Verfügung stehenden Mittel reichen gegenüber den kolossalen Anforderungen nicht aus. Es ist also einstweilen nicht möglich, in jedem Notfalle so zu helfen, wie man vielleicht helfen möchte. Das geht anderen HilfSeinrich- tungcn, di�in ihrer Art auf gutem Boden stehen, genau s». Dagegen scheint es, als ob in manchen Fällen die Recherchen nach der BÜrnrstigkeit nicht in der richtigen Form angestellt werden. Die Zentrale lätzt durch ihre ehrenamtlichen Helfer Auskunft bei allen möglichen Stellen einholen, versäumt es aber häufiger, die not- leidende Familie oder Einzelpersonen selbst aufzusuchen und sich durch Augenschein von den zutreffenden Verhältnissen zu über- zeugen. Wird aber nur auf fremde Auskunft etwas gegeben, so kann sehr leicht ein Bild entstehen, das der Wirklichkeit nicht ent- spricht. Bedenklich ist es auch, dem in der Zentrale schon Massen» hast aufgesammelten Auskunftsmaterial ausschlaggebende Bedeu- tung auch für alle ferneren Zeiten beizumessen. Es kann jemand vor mehreren Jahren tatsächlich nicht würdig gewesen sein für private Hilfe, während sich später die Verhältniffe so ändern, datz die Hilfe dringend am Platze ist. Auch darüber herrscht Mihstim» mung, datz die Zentrale ihre Auskünfte zum Teil von noch recht jugendlichen Damen und Herren, die für soziale Verhältnisse im lintersten Milieu wohl schwerlich immer das richtige BegriffSver» mögen haben, einholen lätzt. Neber die„Nnsicherheit" der Bornholmer Straße jammert feit längerer Zeit der Kommunalverein der nördlichen Schönhauser Vor. stadt in beweglichen Eingaben. Die zuständigen Polizei-Reviervor- stände haben besondere Matznahmen abgelehnt. Der Verein will, wie er in seinem Organ schreibt, sich damit nicht zufrieden geben und das Polizeipräsidium anrufen, um für den svaglichen Bezirk die Heranziehung von Polizeihunden zu erreichen.— Tatsächlich sind die Klagen des Vereins weit übertrieben. Nach Niederlegung des Scheunenviertels haben sich allerdings nach der Schönhauser Vorstadt jenseits der Ringbahnbrücke unlautere Elemente hingezo» gen. Auch ist es eine bekannte Erscheinung, datz an der Weichbild» grenze in neueren Stadtteilen mit breiten Stratzenzügen und grötzeren Häuserlücken nächtlicherweile ein« gewisse Unruhe herrscht, Doch kann hier von gefährlichen Zuständen kaum die Rede sein. Vor allem sollte fflfiß fil doch vermejdM. gleich Vach dew Uvlizeel kund zu schreien. ES konnte sonst Passieron, daß nach bekanntem Lttuster die Polizeikötcr auf die Unrechten, womöglich auf Mitglie- der des Kommunalvereins, die angeheitert den heimatlichen Pc- naten zustreben, gehetzt werden. Taiichcrardcitcil wurden gestern im Landwehrkanal vorgenommen, um das Schlageisen und das Schlüsselbund zu suchen, die Trenkler zur Ausübung feiner Mordtat in der Alten Jakobstraste benutzt und in den Kanal geivorfen haben ivollte. Die Albeiten batten keinen Erfolg. Taö war ziemlich sicher vorauszusehen, denn schon die An- gaben, die Trenkler machte, stimmten mit der Oertlichkeit nicht über« ein. Der Verhaftete behauptet, er habe das Schlageisen und das Schlüsselbund auf der Kaimauer stehend ins Wasser geworfen, nach- dem das Erscheinen eines Schutzmannes ihn veranlastt halte, von der Wiener Brücke ein Stückchen weiter am Ufer entlang zu gehen. Au dieser Stelle aber trennen ein Gitter und dann ein b Meter breiter Rasenstrcifen den Kanal von der Straste. Es must von vornherein als höchst unwahrscheinlich bezeichnet werden, dast Trenkler das Gitter überklettert halte und dann noch über den Rasen weggegangen wäre, um erst von der Kaimauer ans die Sachen ins Wasser zu werfen. Der Taucher slichte die ganze Strecke von der Wiener Brücke ans bis zu einem Zaun, der die Straste sperrt, ab. fand auch einige Kleinigkeiten, darunter auch lose Schlüssel, aber kein Schlüsselbund und kein Schlageisen. Er sagt, dast er bei dem klaren Wasser alles gesehen habe, und daß er namentlich ein so großes Eisen hätte finden müssen, wenn es dagelegen hätte. Drei Juwclcuschwindler sind jetzt verhaftet worden. Eine zu der Gesellschaft gehörende Frauensperson konnte dagegen noch nicht er- griffen werden. Die Schwindler stellten sich, wahrscheinlich mit einer sogenannten Taschendruckcrei. Bestellscheine her, die sonst in Papierhandlungen in Blocks zu kaufen sind, und fälschten darauf am Kopf Namen mid Wohmilig von selbständigen Uhrmachern oder Goldwarenhäudleru mit Hilfe von Stempeln, die aus einzelnen Typen zusainiuengcsetzt sind. Mit diesen Scheinen kam dann die Frauensperson mit einem der Verhafteten in Goldwarengrosthandluilgen und erschwindelte sich tvertvolle goldene Uhren, Annbmider, Halsketten und dergleichen. So gelang es ihne» bei ungefähr 2ö Grobhandluiigeu, Jnweleu ini Werte von etwa 20 l)l)l) Mark zu erbeuten. Als Ur- Heber dieses Schwindels wurden die Gebrüder Hugo und Ernst Schäfer, von denen der eine Uhrmacher, der andere Kaufmann ist, verhaftet. Da sie sich zuletzt nicht mehr trauten, selbst bei Uhr- mawern und Juiveliercu vorzusprechen, hatten sie einen Handlungs- gehilfen Friedrich Trapke damit beauftragt. Dieser wurde abgefastl, als er wieder ciuen grösteren Posten Uhren und Goldwaren auf einen gefälschten Bestellschein zu erlangen suchte. Während e- bald auch gelaug, die beiden Brüder Schäfer zu ermitteln, konnte die Wohnung der FraucnSpersoii noch nicht ausfindig gemacht werden. Nach Unterschlagung von üvlK) M. ist der 19 Jahre alte Kauf- mannslchrling Ambrosius R. ans der Eislebcner Straste in Chor« lotteuburg flüchtig geworden. Vor zwei Monaten trat der junge Mann bei der Fabrik halbfertiger Roben und Blusen von Ehrmann u. To. in der Grimsir. 17—20 als Lehrling ein. Als Sohn achtbarer Eltern, schien die Geschäftsinhaber grosteS Vertrauen in den jungen Manu. Dieses mistbrauchte er gestern. Als er einen Scheck über 5,000 M. erhalten hatte, nm daraus bei einer Großbank verschiedene Geldsorten zur Auszahlung der Löhne zu erheben, ließ er sich weder im Geschäft noch zu Hause mehr sehen. 1)1, der sich bisher nichts zuschulden halle kommen lassen, muß in schlechte Gesellschaft ge- raten sein. Von einem Krinlinalschutzmann angeschossen wurde in der Nacht zum Donnerstag in der Lothringer Straße der 21jährige Telephonist Paul Teich. Alte Jakobstr. 6 wohnhaft, der gestern abend eine Bier- reise unternommen und dabei des Guten zu viel getan hatte. T. soll gejohlt und gelärmt und Vorübergehende wiederholt in gröblicher Weise belästigt haben. Der Kriminalschutznrann Feldman», der in der Nähe der Hankestraße Dienst tat, habe Teich zur Ruhe ver- wiesen. Der junge Mann habe die Ausfordernng des Beamten mit Schimpfwortcn beantwortet. Es sei zu einem Angriff ans den Be- amien gekommen, so daß der Schutzmann, um sich vor weiteren An« griffen zu schützen, seinen Dicnstrcvolvcr zog und T. abzuwehren suchte. Dieser drang jedoch von neuem auf den Beamten ein und so feuerte Feldman» einen Schuß auf seine» Angreifer ab. Das Geschoß drang dem Telephonisten in den rechte» Oberschenkel und der junge Mann brach blutend zusammen. Der Telephonist wurde mittels Droschke nach dem Krankeuhanse Friedrichshain gebracht. Ob die Darstellung in allen Einzelheiten stimmt, konnten wir nicht feststellen. Durch 10 000 Volt auf der Stelle getötet. Das Opfer eines berhängnisvolleu Unglücksfalles wurde der 23iährige HilsSmonteur Richard Wenzclberg, AndreaSstraße 12 wohnhaft. W. war in den Berliner ElekirizilälSwerken in Ober- Schönewcide beschäftigt. Er kalte Nachtschicht und mußte im Kabclkeller an den Ausschaltungeii tätig sei». Er wußte wohl, daß die hochgespannten Leitungen nicht ausgeschaltet waren, doch geriet er durch ei» Versehen einer der Leitungen, die eine Spannung von 10 000 Volt aufwies, zu nahe. Im nächsten Moment übertrug sich die ganze Spannung auf den jungen Menschen, der aus der Stelle getötet wurde. Der Verunglückte hatte erst vor kurzem geheiratet. Die Fuhrwerks- und Pferdediebe treiben es in den letzten Tagen wieder ärger als je zuvor. Im Laufe des gestrigen TageS traten sie schon' wieder an zwei Stellen mit Erfolg auf. Von einer Schmalzsiedcrci in Hohen-Schönhauscn erbeuteten sie einen ver- deckten Wagen, der>nit.einer Fuchöstute mit Blesse, die eine Gc- schwulst am linken Hinlerfust hat, bespannt war. Der Firma Robert Hennicke aus der Königin-Angusta-Straße 1/2 zu Charloitenburg stahlen sie einen Rollwagen mit zwei schweren belgischen Pferden, einem Rappen und einem Schimmelwalloch, Wo die Beute gc- blieben ist, dafür hat man noch keine Spur gefunden. Auch das Pscrd eines MilchhändlerS, eine bellbraune Stute, die vorgestern mit dem Wagen von der Wilhelmstraße weg gestohlen wurde, ist noch nicht wieder ermittelt, während der Wagen selbst eine Stunde später in der Värwaldstraße aufgefunden wurde. Die Fuhrwerks- besitzer aller Art werden gut tun, auf ihre Gespanne etwas mehr zu achten, als sie es zu tun pflegen. Mit clucui Schnürsenkel erdrosselt worden ist ein neugeborenes Mädchen, dessen Leiche in der vergangenen Nacht um l'/z Uhr in einem Abteil II. Klasse eines SüdringzugcS auf dem Bahnhof Charlotlcnburg gefunden wurde. Die kleine Leiche war in ein Frauenhemd und eine Nachljacke, die II. B. gezeichnet ist, eingewickelt. Sie wurde von den Bahnbcainten der Polizei übergeben. Eine Falschmüiizerwerkstatt auf einem Sprcckahn. Ein Falsch- münzer ist ain gestrigen Mittwoch in der Person des vierzigjährigen BcotSmaims Ladewig von der Polizei verhaftet worden. L. war von der StaaiSantualtschast wegen Diebstahls steckbrieflich gesucht worden, hatte sich seiner Verhaftung bisher aber stets eiitzogen. Die Behörde ermittelte schließlich, dast L. den Spreekahn seines Bruders führe und sich mit dem Fahrzeug in Köpenick im Winterquartier aufhalte. Als die Polizei am gestrigen Morgen zur Durchsucbung der Kajüte schritt, fand sie in derselben eine galschinün-ermcrlstatt sa Miniatur daselbst eingerichtet. Alle Vorrichlungen zu derselben. wie Tiegel. Formen, Gips und Metall befanden sich dortselbst, außerdem nocv mehrere, allerdings wenig gelungene Zweimarkstücke. Der Verhascete hat aller Wahrscheinlichkeit nach die Fabrikation von Zweimarkstücken betrieben und sie auf seinen Schiffsfahrten überall da, wo er mit seinem Kahn anlegte, untergebracht. Vorort- Ffockrickten. Schöneberg. In der letzten Sitzung der Schönebergcr GcwerkschaftSkow- Mission beschäftigten sich die Delegierten mit dem gedruckt vorlie» senden Jahresbericht. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß in der _ Verantwortlicher issedalieur: Ulbert Wachs. Berlin. Für dei Kommission 26 Gewerkschaften vertreten sind. Selbständige OrlZ- Verwaltungen am Orte unterhalten nur noch die Schuhmackzer mit zirka 50 Mitgliedern. Die Zahlstelle der Holzarbeiter hat sich auf- gelöst und sich ihrer Verwaltung in Berlin angeschlossen. Zur Er- ledigung ihrer Arbeiten hat die Koiiimission 10 Ausschuß- und 12 allgemeine Sitzungen abgehalten. Oeffentliche Versammlungen fanden drei statt. Die vorjährige Maifeier ist glänzend verlausen und die Arbeitsruhe hat an Unifaiig bedeuten!) zugenommen. Die Inanspruchnahme der Rechtsauskunftstelle, die sich bei dem Genossen Kosanke, Meininger Str. 8, befindet, hat in diesem Jahre eine erfreuliche Steigerung erfahren. Ueberwiegend wur- den Auskünfte über Geiverbegericht- und Unsallsacheu erteilt. Auch in Zivilklagesachcn wurde die Auskunftsstelle in Anspruch genom- nun. In vielen Fällen wurde gleichzeitig der Schriftsatz ange- fertigt. Der Arbeitsnachweis ist in neuen Räumen unterge- bracht und damit auch der Forderung der Deputierten, die Räume zu erweitern, endlich entsprochen worden. Mit dem Einzug in die neuen Räume hat auch eine neue Benennung des Nachweises, und zwar in„Städtisches Arbeitsamt Schöneberg" stattgefunden. Im Jahre 191 1 meldeten sich in der männlichen Abteilung 11438 Arbeitsuchende. Offene Stellen wurden gemeldet 7139. Davon wurden besetzt 6502. In der weiblichen Abteilung meldeten sich 7208 Arbeitsuchende. Offene Stellen wurden gemeldet 7191; davon konnten 5923 besetzt werden. Dienstboten ließen sich eintragen 1239. An offenen Stellen wurden 2059 gemeldet, wovon 1041 besetzt werden konnten. Durch die Arbeitslosenunterstützung der Stadt Schöneberg wurden in der Zeit vom 26. 1. bis 31. 12. 1911 von 38 Beruisvereinen, die der Berliner Gcwerkschaftskommission ange- schlössen sind. 641 Personen an 9157 Tagen unterstützt. Die hierfür aufgewendeten Zuschüsse erforderten die Summe von 7565,99 M. Vom Christlichen Gewcrkschaftsverband wurden 4 Personen an 77 Tagen mit 70,50 M. unterstützt. Von 8 sonstigen Berufsvereini- gungen meldeten sich 20 Personen, die an 243 Tagen einen Zuschuß von 304,98 M. erhielten. Insgesamt waren beteiligt 50 Berufs- Vereinigungen mit 665 Personen, die an 9477 Tagen einen Zuschuß von 7941,47 M. erforderten. Als Sparer ließen sich 74 Personen eintragen, davon wurden 10 an 174 Tagen mit 174 M. unterstützt. Auf Grund der Speisemarkenordnung wurden 16 Personen an 184 Tagen mit Mittagsportionen unterstützt, die eine Ausgabe von 90,60 M. erforderten.. � Der Jugendausschuß war auch in diesem Jahre bestrebt, auf dem Gebiete der Jugendaufklärung und Belehrung durch eine Reihe von Vorträgen und Kursen lehrreichen Inhalts, die Bil- dungsbestrebungcn der Arbettcrjussend zu fördern. Dem Verein„Arbeiterjugendheim" sind leider noch nicht ge- nügend Mittel zugeflossen, um ein eigenes Heim für die arbeitende Jugend errichten zu können. Durch das Fehlen eines solchen Heims werden die Arbeiten des Ausschusses und die von ihm getroffenen Veranstaltungen sehr beeinträchtigt. Ist unter den in Schöneberg vorhandenen zirka 6000 gewerkschaftlich und 2600 politisch organi- sierten Arbeitern der ernste Wille vorhanden, so dürfte in kürzester Zeit ein solches Heim errichtet sein. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 427,50 M. auf, der eine Ausgabe von 423,20 M. gegenüber steht. Sodann berichtete Genosse Henkel über die Sitzung der städir- schen Arbeitsamtsdeputation. D-r Verboud Märkischer Arbeits- nachweise ersuchte um Gewährung einer Beihilfe zur Einrichtung einer Zentrale für Lchrstellcnvermittelung. Die Deputierten haben beschlossen 500 M. zu gewähren. Die deutsche Zentrale für Jugend- fürsorge hat den Antrag gestellt, im städtischen Arbeitsamt Bücher auszulegen. Es sollen bei d�r Zentrale Erkundigungen eingezogen werden, ob diese Bücher zur Verfügung stellt. Beschlossen wurde, im Arbeitsamt sämtliche Groß-Berliner Tageszeitungen auszu- legen, diese sollen abonniert werden. Hierauf wurden die Genossen Henkel als Obmann, Kosankc als stellvertretender Obmann und Schenk als Schriftführer wieder- gewählt. Zu Revisoren wurden gewählt die Genossen Marquardt und Krukow. Die Vorgänge im Reichstage waren Gegenstand eines Vor« trageö, den der Reichstagsabgeordnete Genosse Thiele» Halle in der letzten WahlvcrciiiSversammlnng hielt. Nach einleitenden Worten über wirtschaftliche und politische Fortentwickelung, kam Redner auf die Parleiiormationen im Reichstage, und besonders ans die nalionalliberale Partei zu sprechen. Diese Partei, die ein immerhin liberales Programm besitze, neige in ihrer Handlungs- weise immer mehr den rechtsstehenden Parleien zu. Trotz der Rede VasiermaimS in Saarbrücken verstehen die Nationalliberalen nicht das Gebot der Slimde. Die Auflösung dieser Partei beweise, daß die Zeit über sie schon den politischen Tod verhängt habe.— Der engere Zusammenschluß der Zentrums« und der konservativen Partei werde zur weiteren Klärung der Lage beitragen und sei deshalb»ur zu begrüßen.— Die weiteren AnSfübrungen des Vortragenden galten der Erläuterung der von unserer Fraktion eingebrachten Anträge, die nicht allein durch ihre prinzipielle Bedeutung, sondern auch durch die abwägenden Debatten der Rechten dem Fernstehenden die Augen öffnen werden.— DaS Hauptgewicht werde in der zu erwartende» Militärvorlage und ihrer Deckungsfrage liegen. Der hierdurch»maus- bleibliche Konfliktsstoff werde die Sozialdemokratie nicht beirren können, ihrem Programm und ihren Wählern getreu zu bleiben.— Dem Vorwage folgte eine kurze Diskussion.— Nach Beratung und Beschlußfassung über verschiedene Amräge zur KreiSgeueralversamm« lung wurden zu derselben delegiert die Genossen CzeminSki, Eckert. Hufelaud, Kramm, Kühne, Frau Lazer und Mohs.— Sodann er« folgte noch ein Hinweis ans den vom Bildungsansschuß am 16. März in den„Neuen RathauSsälen" arrangierten Theaterabend. Sienkölln(Rixdorf). Ei» entsetzlicher Unglücksfall hat sich am Die»Sta(,nach>iiittag in der Kopfslraße zugetragen. Die Ehefrau deS im Hause 9Jr. 42 dieser Straße wohnenden Barbiers Mvacliu hatte am Ziachmiltag in der Küche eine Wanne mit heißem Wasser gefüllt und auf den Fuß- bodcn gestellt. Die Frau verließ sür einen Augenblick den Raum. um sich nach dem Lqden zu begeben. Der kleine vierjährige Sohn deS M.schen Ehepaares benutzte den Augenblick des AlleinicinZ und beugte sich über das Gefäß. Dabei glitt das Kind aus und stürzte in da« kochende Wasser. Obwohl der Knabe sofort von der herbei- eilenden Mutter herausgezogen wurde, war das Kind doch bereits am ganzen Körper verbrüht. Auf Lnordming eines hinzugeholten Arztes wurde es nach dem Britzer Krankcnhause geschafft, wo es noch am selben Abend seinen entsetzlichen. Qualen erlag. Lichtenberg. Polizei gegen Bildungsbestrebungen. Der BildungSausschuh von Lichtenberg hatte für gestern abend einen Bcethovenabend arran- giert. Zu den musikatischen Darbietungen sollte Herr Dr. Gut- mann einen einführenden Vortrag über Beethoven halten. Als er seine Ausführungen, die in streng wissenschaftlicher Form gehalten waren, erfreulicherweise beinahe zu Ende gcsührt hatte, ließen sich tönende Schritte vernehmen, zwei Polizcibeamie marschierten auf den Referenten zu und unterbrachen ihn. Der anführende Leutnant erklärte, falls der Referent keinen UnterrichtSschein von der Regierung in Potsdam habe, müßten die Jugendlichen daS Lokal verlassen oder die weiteren Ausführungen hätten zu unter- bleiben. Um nicht durch eine Auflösung eine Zerstörung der ganzen Veranstaltung herbeiführen zu lassen, fügte man sich der Gewalt. Preußen ist wieder mal gerettet. Protz-Hausagrarier! Wesenscins mit den Junkern sind die Hausagrarier und Terrainspekulantcn. Dieselbe Nummer, nur oft etwas gröber I Diese wie jene erheben den Anspruch aus eine gute gesicherte Existenz auf Kosten der Allgemeinheit. Ihr Dasein be- trachten sie als genügende Gegenleistung. Das kam kürzlich sehr drastisch in der Verhandlung einer städtischen Verlvaltungsdepntation zum Ausdruck. Das Stadtbauamt hatte Bebauungspläne aufgestellt. Sie fanden nicht die Zustimmung der Behörden. Besonders wurde Jnjeralenteil oecantw.: Th. Glocke, Berlin. Drück».Verlag: Vorwärts gerügt, daß die Baublocks zu groß abgemessen seien. DaS be« günstige den Bau von Hinterhäusern.— Daß die Regierung du Neuerstehung von licht- und luftlosen Wohnböfen, die leicht zu Brutstätten allerhand Physischer und moralischer Krankheiten werden, zu verhindern sucht, ist anerkennenswert. Soweit tfcumt* terrains in Frage kämen, solle jede gewünschte Größe akzeptiert werden. Bei Aufstellung eines neuen Planes nach den Wunzchcn der Regierung hatte das Bauamt als Entgelt für die Block- Verkleinerung auch eine Verschmälerung der Straßen vorgezehen. Das genügte den interessierten Herren nicht. Sie sosirn ztvar Ver- trcter der Allgemeinheit sein, aber sie fühlen sich in Wirklichkeit nur als Sachwalter ihrer eigenen Interessen. Als sie aus diesen Widerspruch aufmerksam gemacht wurden, meinte einer von ihnen: „Wenn ich meine Interessen wahre, vertrete ich doch auch die Interessen de rändere»Grund« besitzer!"— In seiner gottvollen Naivität glaubte� der Mann» Spckulanteninteressen seien identisch mit den Interessen der Alb- gemeinheit. Ülbcr es kam noch besser! Ein anderer Grundstucks- spekulant erklärte kategorisch:„Was nützen mir Vorder« Häuser; davon kann ich nicht leben; Hinter» Häuser bringen GeldI Bei solchen Bebauung s« planen werden wir G r u n d b e s i tz e r r u i n i e r t!"— Also sprach der schwerreiche Mann,'dessen Tätigkeit sür das All- gemeinwohl darin bestanden hat, den ererbten Grundbesitz recht teuer zu verkaufen. Nach seiner Ansicht hat er der Gesellschaft dadurch solche Dienste geleistet, daß er Anspruch auf stets sich mehrenden Reichtum erheben darf. Verlangt die Negierung Rücksichtnahme auf das Volkswohl, dann wandeln sich die sonst selbstverständlich wurzelccht staatstreuen Männer in Opponenten. llnd man ließ auch einen Protest gegen den neuen Bauplan, der die Wünsche der Negierung etivas berücksichtigte, zu Protokoll nehmen. Auf Grund des famosen Privilegs hatten� die Jnter» cssenten in der Sitzung übrigens die Majorität, obwohl einer der .Hauptinteressenten fehlte. Nur die Magistratsmitglieder konnten den Ausschlag für Annahme des Planes geben. Sobald er öffentlich ausgelegt worden ist, darf man wohl noch auf stürmische Ver- Handlungen in den Grundbcsitzervereinen rechnen. Vielleicht hört man sogar wieder von Protesten gegen Eingriffe der Regierung in die Selbstverwaltung, gerade wie im vergangenen Jahre aus Anlaß der Frage des Steucrzuschlatzes über 100 Proz. hinaus und der Verhandlung über die Eingemeindung Rummelsburgs. Wirk« liche Eingriffe in die Selbstverwaltung, wie die Nichtbestätigung von„oben" nicht genehmen Personen als 5kommissionsmitglicder usw., das Verbot, den nicht als hnrrapolitisch abgestempelten Ver- einen öffentliche Gebäude zur Verfügung zu stellen, lassen sich die Herren gern gefallen, das sckzadet ja ihrem Beutel nicht. Erlange das nicht geschieht, hat der Bürgerstolz Feierabend. Der Spießer besinnt sich nur dann auf seine„unveräußerlichen" Rechte, wenn sein Plünderinteresse mit Maßnahmen der Regierung in Kollision gerät. Der Vorgang illustriert jedenfalls ganz nett die Nützlichkeit des Hausbesitzcrprivilegs. das in den Hkrwaltungsdeputationen seine schönsten Orgien feiert. Wannsee. Vermißt wird seit Freitag, den 23. Februar, der 16 jährige Monrerlehrling Wilhelm Senf von hier. Bekleidet lvar derselbe mit duiillcr Joppe, dunkler Zwirnhose. grauer Trikot-Unterhose, dunkel- gestreiftem Sweater, grauen Strümpfen, Schnürstiefeln und grünlicher Sommermiitze. Perionen, die über den Verbleib des Vermißten irgend welche Angaben machen können, werden gebeten, dicS an den Vater, Albert Senf, Waiinsee, Friedcnstr. 5. mitzuteilen. Friedenau. Die Freie Turnerschaft, M. d. A.-T.-B., veranstaltet am Sonn» abend, den 2. März, ihr diesjähriges Wintervergnngen, bestehend aus turnerischen»md bumoristiichen Vorträgen. Ueberraschungen und Tanz. Da genannter Verein bei Arbeiterfestlichkeiten.stets initwirkt, ist zu wünschen, daß dieses Vergnügen von der Arbeiterschaft unter- stützt wird. Reinickendorf. Reinickendorf und die StadtwerdnngSfrage. In der Gemeinde- kommission des preußischen Abgeordnetenhauses wurde Mittwoch die Frage aufgeworfen, ob die Staatsregierung die Gemeinde Remicken- dors zur Stadt erheben wolle. Man wußte dazu nichts anderes zu sagen, als daß bei Gctvährimg des Stadtrcchtö immer die„Gefahr" besiehe, daß die Städte, wenn sie 25 000 Einwohner haben, ans dem Kreiie ausscheiden. Dann könnten die Landwirte und nament- lich die Gutsbczirke ihre kommunalen Aufgaben nämlich nicht mehr aus Städtegeldern erfüllen. Bernau. Sein 21. Stiftungsfest feiert am Sonnabend, den 2. März, abends 8 Uhr. der Arbeitergesangverein„Freiheit"(Mi d. A.-S.-B.) im großen Saale des Elysuimö. Die Vereine„Frisch voran"-Livittgen- tal,„Frisch Auf"- Schvmvalde und„Heideröschen"- Eiscnspalterei haben ihre Mitwirkung zugesagt. Da der Lerem bei Partei« Veranstaltungen stet« seine Scbu'.digkeit getan hat. ersucht der Vor- stand de» Wnhlvereins die Genossen, dicic Feier zu mtterstiitzen. D-r Eintrittspreis beträgt für Konzert 30 Pf. und für Tanz 50 Pf. Potsdam. Lohnfragen der städtischen Arbeiter. Potsdam gehört nicht zu bcn sozialpoliiisch fortgeschrittenen Städten, die Entlohnung der städtischen Arbeiter ist daher auch eigentlich einer Residenzstadt un» würdig und die Aussichten, daß es in Zukunft besser werden könnte, sind sehr gering. Was soll man auch zu einer Magistrats- vorläge sagen, die für einen Feuerwehrmann nach 9 Dienstjahren eine Zulage von monatlich zwei Mark und nach 12 Dienst» jähren eine solche von 5 M. vorsieht. Bei der jetzigen Zeit der Teuerung sollen die städtischen Arbeiter, die mit 2.75 M. eingestellt werden, pro Tag 10 Pf. Zulage, also 2,85 M. Tagelohn er- halten bei einem octSiiblickicii Tagclchn von 3,50 M. Diejenigen � städtischen Arbeiter, die als Arbeitslose die Hilfe der Armcnvcr» waltung in Anspruch nehmen wollen, erhalten sogar nur einen Tagelohn von zwei Mark. Den Arbeitern des städtischen Schlachthofes will man den Lohn von bisher wöchentlich 22 M. auf 23 M. erhöhen und glaubt sich dadurch einen geschulten und zu- vcrlässigcn Arbeiterstamm zu erhalten. In einer konservativen Stadtverordnetenversammlung sind dann die Aussichten für die Erhöhung von Arbeiterlöhnen sehr schlecht. Trotzdem der Ober- bürgcrmeister Vosberg diese Forderungen als„unendlich b e» scheiden-" bezeichnete, fanden sich doch Stadtverordnete, die den Wunsch aussprachen, daß nun endlich einmal„Schluß" gemacht werden müsse. Stadtv. Neubert schlug sogar vor. die ganze Vor- läge abzulehnen. Man empfindet die Notwendigkeit deS Sparens immer dann, wenn es sich um Löhne der Arbeiter handelt. Bei irgendwelchen patriotischen Gelegenheiten wird aber dafür um so lauter, ohne Rücksicht auf die K o st e n, Patriotisinus geübt._ Jngendveranstaltungea. Steglitz- Friedenau. Der JugendauSschuh veranstaltet am Sonn, abend, 2. März, im„Virkenlväldchcn", Steglitz, Schützenstratze, einen Unter» haltungSabcnd. Dieser bcllcht aus Ansprache, Rezitation und musitaltschen Vorträgen. Beginn Uhr. Köpenick und»mliegeude Orte. Die zum Sonntag, den 3. März, nach dem AdlerShoser Jugendheim cinberuscne Sitzung findet umstände- halber erst um 6 Uhr im Lokale deS Herrn Stippekohl, Köpenick, Schöner- linderstr. 5, statt. iNrtuitende Jugend Köpenicks. Sonntag, den 3. März, nach. mittags 4 Uhr: Versammlmig im Jugendheim. Vortrag des Studenten Herrn Suwel Zimand über:„Rumänien, Land und Leute". eingegangene Vruckfckrlften. Ab und an Berlin. Ein neues Kursbuch sür Berlin. 1,S0 M. Gsellius. Berlin W. 8. Die Rastlosen. Roman von G. LSmusse». 337 S. C. Reißner, Dresden._ Kpchdruckerei u. Be clagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW»_