Ur. SS. nbotiDMMntS'Bcdlngungeo: aSoratemetüä• SreiS UtSnunteranbo; Vierteljährl. S30 SKI, monalL 1,10 Mü, wöchentluh 28 Psg. frei ms Haus, Einzelne Nummer S Psg, Eomitags- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg, Post. Abonnement: 1U0 Marl pro Monat. Eingetragen m die Post- ZeitunaS- Pretsliste, Unter Kreuzband 1 1|tC.'—- Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 2 Marl pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Me Inststlonz-Ledilh? Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- Crichtlnt fizllch außer lüontag*. Verlinev Volltsblnkk. ..Kleine Hmeigen", das fettgedrulkte Wort 20 Pfg,(zulässig 2fetlgedrulZte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Erpedition ltdgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Delegramm- Adresse: „SMlaldtnuHrat ßtrilD* S" Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: öd. 68, Lindcnstrassc 69. Nerus�recher: Amt Moritzplatz. Nr. 1S8S. Expedition: SM. 68» Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S84. für die Opfer der ruinieren (Politik! Die unterzeichneten Mitglieder des Deutschen Reichstags und der Landtage der deutschen Bundesstaaten erlassen folgende Erklärung. Am 1./14. Juni 1907 erhob die russische Regierung Anklage wegen Hochverrats gegen die aus SS Personen bestehende sozial- demokratische Fraktion der zweiten Duma und forderte ihre so- fortige Auslieferung an die Gerichte. Die Reichsdumakommission lehnte nach Prüfung des Anklagematerials die Auslieferung ab, worauf die Regierung am 3./17. Juni 1907 ihren Staatsstreich verübte, die Duma auflöste und 37 Mitglieder der sozialdemokra- tischen Fraktion ins Gefängnis warf. Vor ein Ausnahmegericht gestellt, wurden die Angeklagten am l./H. Dezember 1907 hinter verschlossenen Türen, mit wenigen Ausnahmen, zu langjährigen Zuchthausstrafen und lebenslänglicher Ansiedelung in Sibirien verurteilt. Nach vierjährigen unsäglichen Leiden der verurteilten Abgeordneten, nach dem Märthrertode der Abgeordneten Dschapa- ridse und Dschugcli, hat es sich nun ergeben, daß die Verurteilung auf Grund eines Komplotts der Petersburger politischen Polizei �(Ochrana), zustande gekommen ist, in dem die falschen Anschuldi- gungen von Lockspitzeln die Hauptrolle spielen. ' Bereits die oben erwähnte Tumakömmission war, wie von ihrem Berichterstatter, dem Abgeordneten der konstitutioncll-demo- kratischen Partei, Teslenko, in einer Sitzung der gegenwärtigen Reichsduma bezeugt worden ist, einmütig zur Ueberzeugung ge-� langt, daß in diesem Falle:.keine Verschwörung der sozialdemo- kratischen Fraktion, sondern eine Verschwörung der Ochrana(poli- tischen Polizei) gegen die zweite Reichsduma" vorgelegen hat. Die Bekenntnisse des früheren Agenten der St, Petersburger Ochrana. Boleslaw Lrodski, wie andere Enthüllungen, haben diesen Verdacht zur Gewißheit erhoben. Dennoch Hai der russische Justizminister es � schlechthin abgelehnt, eine Untersuchung über die detaillierten Angaben des Brodski einzuleiten. Vergebens haben die Oppo» sitionsparteien de? Duma versucht, eine öffentliche Erörterung der empörenden Angelegenheit herbeizuführen. Schon aus dem Gefühl der parlamentarischen Solidarität halten wir, die unterzeichneten Mitglieder deutscher Parlamente, uns für legitimiert, der von verschiedenen Seiten bereits laut ge- wordenen Forderung einer Wiederaufnahme des Versahrens gegen die unglücklichen russischen Abgeordneten beizutreten, und zwar einer Wiederaufnahme unter dem vollen Lichte der Oeffentlichkeit. In wenigen Tagen wird das Plenum der Duma zu entscheiden haben. Im Namen der Kultur und Menschlichkeit erheben wir in letzter Stunde unsere Stimme für die gepeinigten Opfer, die in den russischen Kasematten und in den sibirischen Einöden schmach- ten. Wir erwarten, daß die Duma alles dafür einsetzt, um der mißachteten Gerechtigkeit Gehör zu verschaffen. Berlin, den 29. Februar 1912. Mitglieder des Deutschen Reichstages: Albrecht, Antrick, Baudert, Bauer, Bebel, Bender-Bernburg, Bernstein, Binder-Speper, Bios, Bock, Bohle, Brandes-Halberstadt, Brey, Brühne, Büchner, Tr. Cohn, Dr. David, Davidsohn, Deich- mann, Dietz-Hamburg, Dittmann, Ebert, Emmcl, Dr. Erdmann, Feldmann, Feuerstein, Fischer-Berlin, Fischer-Hannover, Fischer- Sachsen. Förster, Dr. Frank, Frohme, Fuchs, Geyer, Giebel, Göhre, Dr. Gradnauer, Grenz, Haase-KönigSberg, Haberland Hascnzahl, Haupt, Heine-Tessau, Henke, Dr. Herzfeld, Hierl-Ausbach, Hilden- brand, Hoch, Hoffmann-Kaiscrslautern, Hofmann-Rudölstadt, Hof- richtcr, Horn-sachsen, Hüttmann, Hügel, Jäckel. Kaden, Käppler, Keil, König, Körsten, Krätzig, Kühn, Kunert, Landsberg, Ledebour, Legien, Dr. Lensch, Leutert, Dr. Liebknecht, Metzger, Molkenbuhr, RpSke, PeiroteS, Peus, Pfannkuch. Pinkau, Dr. Ouarck-Frankfurt, Dr. Ouesiel, Rauch. Raute, ReitzhauS, Rühle, Sachse, Scheidemann, Schmidt-Berlin, Schmidt-Ddeißen, Schmitt-Würzburg. Schöpslin, Schulz-Erfurt, Schumann-Forst, Schwartz-Lübeck, Segitz, Silber- schmidt, Simon, Spiegel, Stadthagen, Stolle, Stückten, Dr. Süde- kum. Taubadel. Thiele, Thöne, Ulrich, Vogtherr, v. Vollmar, Dr. Weill, Wels, Wendel, Wurm, Zubeil. Mitglieder des preuhischen Landtag?: Borchardt, Hirsch, Hofsmann, Leinert, Dr. Liebknecht, Ströbel. Mitglieder des bayerischen Landtags: Auer, Dorn, Endres, Gentner, Gölzer, v. Haller, Hierl, Hoff- mann, Huber, Ketdel, Klampfer, Klement, Körner, Lämmermann, Müller, Nimmerfall, Pickelmonn, Profit, Rollwagen, Rohhaupter, Säckler, Schmidt, Schmitt. Schneppenhorft, Segitz, Simon, Dr. Süßheim, Timm, Bogel, v. Vollmar. Mitglieder des württembergischen Landtag?: Diettrich. Fischer. Heymann, Kenngott, Kinkel, Kurz, Dr. Linde- mann, Mattutat, Reichel. Schlegel, Tauscher, Wasner. Mitglieder des sächsischen Landtags: Castan, Demmler, Drescher, Flcißner, Fräßdorf, Heidt. Jllge, Keimling, Krause, Longe. Langer, Linck, Mehnert, Möller, Müller, Nietzsche, Richter. Riem. Schmidt, Schulze, Sindermann, Uhlig. Wilde, W-inkler. Wirth. Zimmer. Mitglieder des badischen Landtag»: Dreitenfeld. Bechtold. Tr. Frank. Geck. Geiß. Kahn, Kramer. Kurz. Kolb. Kräuter. Maier, Mansch, Müller, Pfeisflc, Rösch, Schwall, Süßkind. Stockinger, Willi, Weber. Mitglieder des oldenburgischen Landtag«: Bull, Fick, Heitmann, Hug, Heller, Jordan, Meyer, Schmidt, Schulz. Mitglieder des hessischen Landtag«: Adelung, Bcrthold, Busold, Eihnert, Hartmann, Dr. Fulda. Raab. Ulrich. Mitglieder des weimarischen Landtags: Baudert, Hamach, Fabcr, Leber, Heim, Polz, MattheS, Manz, Franke, Gramann. Mitglieder des meiningischen Landtags: Eckardt sen., Eckardt jun., Hofmann, Knauer, Schülein, Wehder. Mitglieder des gemeinschaftlichen Landtags für Koburg und Gotha: Arnold(Präsident), Bork, Gutsel, Kleemann, Köllner, Kühn, Külbel, Mämpel, Piegsa, Pielig, Schauder, Wolf. Mitglieder des altenburgischen Landtags: Böhme, Dickreiter, Junghanns, Metzschke, Pietzsch, Rößler, Wunderlich. Mitglieder des rentzifchen Landtags: Fischer, Kahnt, Leven, Rohmann, Vetterlein. Mitglieder deS rlsah-lothringischen Landtag»: Heysch, Hindelang, Jmbs, Martin, Meyer, Schilling, Wolfer. Mitglieder der Hamburger Bürgerschaft: Bardels, Berard, Grünwald, P. Hoffmann, Förster, Kraus«, Hense, Kochnke, Lesche, Th. Meyer, Paeplow, Schaumburg, Schräder, Stengele, Stalten, Stubbe, Umland, Weinheber, Zaffke. Mitglieder der Bremer Bürgerschaft: Behle, Blome. Donath, Henke, Holzmeier, Jmwolde, Junge, Kruse, Rhein, Rose, Schröder, Stöken, Tiedermann, Voigt, Waigand. Wellmänn.'""' Mitglieder der Lübecker Bürgerschaft: Böger, Bruns, Effinger, Ehlers, Hoff, Löwigt, Möller, Pape, Schiomer, Stelling, Wiltboot. Li» 300 nnilionen--Gei(l)enk an die Ihaus' und Grundbefitzer. Die Iteuerkommifsion des preußischen Abgeordneten- Hauses faßte am Tonnerstag einen Beschluß, der stH aber- mals ganz im Linne der bereits früher hervorgetretenen und von uns gekennzeichneten Tendenz bewegt: Wer da hat, dem soll gegeben werden!- Hatte man in- einer früheren Sitzung den Millionen- reichen Weltbummlern und den Diplomaten mit Minister- gehältern großmütig Steuern geschenkt, so machte die Steuer- kommission am Donnerstag mit fast totaler Einmütigkeit— der Vertreter der Sozialdemokratie stimmte selbst- verständlich dagegen— den Haus- und Grundbesitzern ein 3l)0 Millionen-Geschenk! Daß dadurch dem Staate eine bisherige Einnahme von 4� Millionen und den Kom- muwen eine Einnahme von 8 bis 9 Millionen pro Jahr ent- zogen wurde, kümmerte die Vertreter der besitzenden Klassen dabei fpottwenig..'- Es handelte sich diesmal um jenen Passus des§ 8 des preußischen Einkommensteuergesetzes, der bestimmt, daß von der eiiikommensteuerpflichtigen Summe von den Haus- und Grundbesitzern als„Werbungskosten" die kommunalen R e a l st e u e r n bis zur Höhe der staatlich veran- l a g t e n Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer abgezogen werden können. Die Grund- und Gebäudesteuer war bekannt- lich seinerzeit eine Staatssteuer, die indes 1893 für den Staat außer Hebung gesetzt und den Gemeinden überwiesen, jedoch nach den bisherigen Grundsätzen weiter veranlagt wurden. Außerdem sind die Gemeinden berechtigt, die Grund- und Gebäudesteuer über die Höhe des staatlich ver- anlagten Steuerbetrages hinaus heranzuziehen. Tiefer Mehrbetrag war bisher von der steuerpflichtigen Einkomenssumme nicht obzugsfähig und sollte es nach dem Regierungsentwurf auch künftighin n ich t sein. Hier nun setzten verschiedene Anträge ein. Ein frei- konservativer Antrag wollte die genannten Real- steuern bis zu 5 9 P r 0 z. ihrer faktischen Höhe abzugsfähig machen, während ein freisinniger Antrag die g e- samten kommunalen Rcalsteuern von der Einkoinmens- stcuersumme abgezogen wissen wollte. Schließlich beantragten die Herren Junker, daß auch die S ch u l l a st e n d e r G u t s- bezirke von der einkommensteuerpflichtigen Summe a b- gezogen werden könnten. Vergebens kämpfte der �inanzminister mitsamt dem Generalsteuerdirektor gegen diese Bemühungen an, den Haus- und Grundbesitzern ein 399 Mil- lionen-Geschenk zu machen, und zwar auf- Kosten der Gesamtheit der Eiiikommensteuerpflichtigen. Denn um nichts Geringeres handelte es sich, bezifferte doch der Finanz- minister das dem Staat an ausfallenden Einkommensteuer- beträgen erwachsende Minus auf 4� bis 4i/> Millionen Mark. Und da die Kommunen ja im Durchschnitt zirka 299 Proz. Zuschlag zur Einkommensteuer erheben, würde sich der Ausfall für die Kommunen auf 8 bis 9 Millionen Mark beziffern. Mit Recht warf der Finanzminister die Frage auf, wie denn dieser Ausfall namentlich für die Kommunen g e- deckt werden solle, da die Kommunen doch ohnehin kaum wüßten, woher sie Deckung für ihre ständig steigenden Aus- gaben finden sollten. Die Pumpwirtschaft habe doch auch ihre Grenze I Ein Freisinns- und ein Zentrums Mitglied der Steuerkommission wetteiferten in der Beteuerung, daß den Kommunen doch im Grunde aus der Annahme des frei- sinnigen Antrages gar keine Schwierigkeiten erwachsen könnten. Denn— so deduzierte man mit verblüffendem> Scharfsinn— der Ertrag der Einkommensteuer für die Kommunen brauche deshalb doch gar nicht gesteigert zu werden, sondern es sei nur nötig, den einzelnen Einkommensteuer- Pflichtigen etliche Prozent mehr zuzuschlagen, um den Ausfall zu decken. Da riß denn doch schließlich dem Finanz- minister, der als ehemaliger Oberbürgermeister von Magde- bürg denn doch auch etwas von den Kommunalfinanzen ver- steht, der Geduldsfaden, und er erklärte rund und brüsk: Der Zweck der ganzen Uebung sei doch der, für die Grund- b e s i tz e r die Steuerfumme zu ermäßigen. Der dadurch entstehende Ausfall müsse dann aber doch den Nicht- grundesitzern aufgebürdet werden. In der Tat: Was die notleidenden Haus- und sonstigen Agrarier weniger zahlen, muß dann eben durch Erhöhung des kommunalen Steuerzuschlages den anderen Einkommensteuerzahlern in Staat und Gemeinde mehr aufgepackt werden! Sehr„tief blicken" ließ auch folgende Episode: Ein Frei- sinnsvertreter meinte, das„Prinzip der Gerechtigkeit" er- fordere die staatlich� Nichtbesteuerung von Einkommenteilen der Haus- und Grundbesitzer, die, weil sie doch nur„Wer- bungskosten" in Gestalt der kommunalen Zuschläge auf die Realsteuern darstellten, in Wirklichkeit gar nicht vorhanden seien. Soweit in den Kommunen dann der durch Annahme des freisinnigen Antrages entstandene Ausfall zu decken fei, werde man ja doch wieder aus erhöhte Realsteuern auf den Grundbesitz zurückgreifen müssen. Diese optimistische Perspektive zerstörte aber sofort ein anderer Freisinns- Vertreter, der sich ausdrücklich dagegen verwahrte, daß die Haus- und Grundbesitzer ihren Gewinnst ohne weiteres wieder in anderer Form auf dem Altare des Gemeinwohles zu opfern verpflichtet seien! Und obl Denn solange das Haus- befitzerprivileg für das kommunale Wahlrecht besteht, wird die von den Hausagrariern direkt und indirekt de- herrschte Majorität der Gemeindevertretungen natürlich gar nicht daran denken, das, was die Haus- und Gründbesitzer an staatlichen Steuerliebesgaben eben erst erhalten, durch eine schärfere kommunale Heranziehung des Haus- und Grundbesitzes-sofort wieder zu opfern! Sehr hübsch war auch eine andere Episode. Der bewuNe eine freisinnige Vertreter gab ohne weiteres zu, daß der ganze Antrag ein Geschenk an den städtischen und ländlichen Grundbesitz bedeute. Denn die Ver» Minderung der auf dem Haus- und Grundbesitz ruhenden Steuerlast werde naturgemäß in einer entsprechenden Wert- steigerung der Häuser und des Grundbesitzes seinen Ausdruck finden. Davor dürfe man aber aus Gründen der„Gerechtigkeit" nicht zurückschrecken, selbst dann nicht, wenn dem ländlichen Grundbesitz gleichfalls ein Geschenk gemacht werde. Denn aus dem unbestechlichen Rechtsprinzip heraus schrecke der Freisinn sogar vor„agrarischen Anwand- lungen" nicht zurück. Dieses freisinnige Kommissionsmitglied kopierte hier freilich nur Herrn Eugen Richter, der in der gleichen Situation bereits 1891 fast wörtlich denselben Scherz gemacht hatte. Aber auch hier fuhr seinein Fraktionsgenossen der andere Freisinnsvertreter sofort in die Parade, indein er die Darstellung, der freisinnige Antrag bewirke eine Wertsteigerung des städtischen und länd- lichen Grundbesitzes, auf das lebhafteste bestritt. Der erste Freisinnige vermochte die Richtigkeit seiner Auf- fassung in überzeugender Weise aufrechtzuerhalten! Es bleibt also dabei: Wenn den Haus- und Grund- besitzern an staatlichen Einkommensteuern mehr als 4 Millionen und an kommunalen Einkommensteuer- zuschlagen 8 bis 9 Millionen geschenkt werden, erwächst ihnen aus der Annahme des freisinnigen Antrages. für den sich alle bürgerlichen Parteien ins Zeug legten, ein geradezu enormer Vermögenszuwachs, kapitali- siert ein Geschenk von zirka 399 Millionen Mark! Daß deshalb die Wohnungs mieten auch nur um einen Pfennig herabgehen würden, glaubt natürlich kein Mensch! Ebensowenig, daß der Ausfall an Kommunalsteuer- einnahmen in den Gemeinden trotzdem wieder von dem Haus- und Grundbesitz aufgebracht würde. Nein, für diesen Ausfall werden selbstverständlich die nicht haus- und grund- besitzenden Steuerzahler aufzukommen haben! Aber die Sache bekommt noch ein viel bösartigeres Gesicht, wenn man bedenkt, daß doch noch viel wichtigere Aufgaben der Steuerkommission obliegen, als gerade die, den Haus- und Grundbesitzern Hundertmillionengeschenke� zu machen. To handelte es sich zum Beispiel um die Befreiung der unteren Einkommensstufen bis zu 1599 M. von der Einkommensteuer— in England sind die Einkommen bis zu 3999 M. steuerfrei. Ter Freisinn hat sich freilich nur dazu dazu aufzuschwingen vermocht, bis zu 1299 Mk. Einkommensteuerfreiheit zu beantragen, ein Standpunkt, den sogar die preußische Regierung schon vor dreißig Jahren unter Berufung auf die Verteuerung der allgemeinen Lebensverhältnisse eingenommen hat! Das„arbeiterfreundliche" Zentrum vollends hat nicht einmal soviel sozialpolitisches Verständnis bewiesen! Dann handelt es sich weiter um Abzugsfähigkeit der Beträge zu den Gewerkschaften, um den Ausbau des Kinderprivilegs und andere Dinge mehr, die d r i n g I i ch st e Pflicht der preußischen Steuergesetzgebung wären. Wenn aber die Staatsmittel vermindert werden, um für Haus- und sonstige Agrarier Steuerprivilegien zu ergattern, um die Großgrund- Besitzer steuerlick» zu entlasten, so vermindern sW natürlich die Aussichten, für die sozial elend Gestellten und wirk lich Hilfsbedürftigen etwas Ernstliches durchzusetzen! Aber die Kommission der preußischen Duma hält es nun einmal mit dem christlich-kapitalistischen Grundsatz: Wer da hat.demsollgegebcliwerden! Dafür soll ihr freilich auch nicht vorenthalten werdew was ihr an Kritik gebührt. Wenn die Herren Dreiklassem männer sich einbilden sollten, sie könnten es weiter treiben wie sie es vor Eintritt der Sozialdemokratie in den Landtag getrieben haben, so sollen sie ihres Irrtums bitter gewahr werden!_ lieber eine Million Nerglinnppeo im Hismpie. London, 29. Februar 1912.(Eig. Ber.) Schon während der gestrigen Verhandlungen wurde es ganz klar, daß der Vermittlungsversuch der Regierung nichts gefruchtet hat. Im Laufe des Tages schickten die Vertreter der schottischen Bergarbeiter Telegramme nach Schottland, in denen die Bergarbeiter aufgefordert wurden, zu kündigen, um heute(29. Februar) die Arbeit verlassen zu können. Spät am Abend veröffentlichte die Regierung einen Bericht über die Verhandlungen, die zwischen ihr und den Vertretern der Bergarbeiter und Kohlenbesitzer stattgefunden haben. Wie aus dem Bericht zu ersehen ist, liegt eine Verständigung noch in weiter Ferne. Ein Teil der Arbeitgeber— 40 Prozent— will von einem Minimallohn überhaupt nichts wissen. Der andere Teil ist bereit, die von der Regierung gemachten Vor schlage anzunehmen. Diese Vorschläge sind jedoch der Ar beiterschaft nicht annehmbar. Der Regierungsbericht beginnt: »Folgende Vorschläge zur Beilegung des ÄoblenstreikS rour< den gestern vom Premierminister im Namen der Negierung den Vertretern der Kohlenbcsitzer und der Bergarbeiter unterbreitet: 1. Die Negierung hat sich nach sorgfältiger Erwägung zur Genüge überzeugt, daß es Fälle gibt, in denen Untertagsarbeiter leinen hinlänglichen Minimallohn aus Ursachen, die sich ihrer Kontrolle� entziehen, verdienen lonneir. 2. Sie ist ferner der Ansicht, daß die Möglichkeit, einen solchen Lohn zu verdienen, durch Einrichtungen, die den beson- deren Umständen jedes Distrikts angepaßt sind, geschaffen werden sollte. Ausreichende Vorkehrungen sind zu treffen, um die Ar- beitgeber gegen Mißbrauch zu schützen. 3. Tie Regierung ,st bereit, mit den Parteien über die beste Methode, diese Ansichten auf dem Weg« von DistriktSkonferenze» zwischen den Parteien bei Anwesenheit eines von der Regierung ernannten Vertreters zu verwirklichen, zu konferieren. 4. Sollte man aus irgendeiner der Konferenzen innerhalb eines angemessenen Zeitraumes nicht zu einer vollständigen Einigung kommen, so sollen die von der Regierung ernannten Vertreter irgendwelche nicht« clod igten Punkte mitentscheiden, um in dem betreffenden Distrikt die Mgen Prinzipien durchzu. führen." Es folgen dann Mitteilungen darüber, wie die Arbeit- geber und Arbeiter die Vorschläge der Regierung aufgenommen haben. Die Arbeitgeber der dem englischen Einigungsamt angeschlossenen Distrikte(Lancaihire, Aorkshire, Mittelengland und Nordwales) nahmen die Vorschläge der Regierung an. Auch die Arbeitgeber Durhams und Clevelands erklärten sich! mit. den Vorschlägen der Regierung einverstanden. Tie Kohlenbcsitzer Schottlands. Südwales, Northumber- lands und der kleinen Distrikte Bristol, Somerset und Forest of Dean nahmen die Vorschläge der Regierung nicht an. Die Unternehmer Südwales und Schottlands beriefen sich auf ihre Verträge. Tie Kohlenbesitzer, die die Regierungs- Vorschläge annahmen, beherrschen 60 Prozent der Kohlen- Produktion des Landes. Die Bergarbeiterföderation beantwortete die Vorschläge der Regierung allgemein mit folgender Resolution: »Wir bekräftigen die am 7. in diesem Hotel von dem Exe- kutionSousschuß und den 17 hinzugezogenen Distriktsvertretern gefaßte Resolution und wiederholen, daß keine Beilegung des gegenwärtigen SäreitS stattfinden kann, wenn nicht daS Prinzip eine- individuellen MinimallohnrS für alle UntertagSavbeiter von den Kohlenbesitzern anerkannt wind. Wir sind noch immer bereit, zu irgendeiner Zeit, die sie wünschen, mit den Kohlen. besitzern zusammenzukommen, um die Minimallöhn« jedes Distrikts, wie sie auf besonderen Konferenzen dieser Föderation festgelegt worden sind, zu diskutieren." Ter in dem letzten Satze enthaltene Gedanke wurde im Laufe der Verhandlungen mit den Regierungsvertretern von dem Föderationsvorstand in einer Resolution unterstrichen. Sie lautete: „Wir bitten die Regierung, fall« sie beschließen sollte, unsere Resolution von diesem Morgen zu veröffentlichen, auch zugleich unsere Ertlärung zu veröffentlichen, daß der Minimallohn, von dem in der Resolution die Rede ist, der der Lohnliste ist, die schon den Kohlenbesitzern und der Regierung unterbreitet worden ist." Ueber das Ergebnis der Verhandlungen zwischen den Regierungsvertretern und dem Föderationsvorstende gibt der Regierungsbericht folgenden Aufschluß: „In Beantwortung von Fragen des Premierministers er- klärte der Vorstand, daß der Konferenzbeschluß bedeute, daß die Bergarbeiter den beiden ersten von der Regierung vorgelegten Vorschlägen zustimmen: was aber Punkt 3 anlange, so könnten sie an derartigen Konferenzen nur unter der Bedingung teil- nehmen, daß der festzusetzende Minimallohn in jedem Distrikt der von der Bergarbeüersöderation am 2. Februar revidiert« und endgültig angenommene Lohnsatz sein muß. Was Punkt 4 an- lange, so wünschten sie keine Ansicht über die Frage des SchiedS- gerichtS in betreff der Schutzmaßregeln und anderer Einzelheiten auszusprechen, lehnten es jedoch aus den oben angegebenen Gründen ab, die Höhe des in jedem Distrikt festzusetzenden Mi» nimallohns durch ein Schiedsgericht entscheiden zu lassen." In dem Regierungsbericht heißt es zwar, daß die Ver> treter der beiden Parteien versprochen hätten, heute weiter zu beraten. Die Verhandlungen können jedoch an der Entwickelung des Generalstreiks nichts mehr andern. Heute morgen faßte die Generalkonferenz der Bergarbeiterföderation den einstimmigen Beschluß, keine Friedensbedingungen anzunehmen. die nicht den- für jeden Distrikt geforderten Minimallohn enthielten. Heute Abend wird der Generalstreik der britischen Bergarbeiter eine vollendete Tat- fache sein. * Ueber die Ausdehnung des Streiks melden mehrere Telegramme: London, 1. März. Um Mitternacht hatten«ine Million Bergarbeiter die Arbeit eingestellt. Die Kohlenindustrie ist seit heute morgen vollständig lahmgelegt. Nur eine kleine Anzahl Ar- beitec ist in den Gruben damit beschäftigt, die Pumpen in Ordnung zu halten, für Ventilation zu sorgen und die Pferde zu pflegen. Sonst sind in allen Grube» die Schächte von den Arbeitern ver- lassen. Alle Schächte der Grafschaft Drrbhshire und Nottingham- shire sowie die de« Norden? der Grafschaft Wale« sind geschlossen. UeK«>n Drittel der Gruben bei! Distrikt« von Durham hat den Betrieb eingestellt. In Northcumberland wurde von den Gruben- arbeitern nach einem längeren Meeting ein Beschluß angenommen, worin gegen die Entsendung von Truppen Einspruch erhoben wird. Der Sekretär des Verbandes der Maschinisten und Heizer, Hopkins, erklärte, daß sie in den Ausstand treten werden, da feiten« der Grubenbesitzer eine Antwort auf ihre Forderungen nicht einge- troffen ist. London, 1. März. Die Zahl der heute früh im Ausstand bc- findlichen Bergarbeiter beträgt I vkö tlllll Mann. *« Der Zentralvorsiand des Deutschen Bergarbeiterverbandes (Sitz Bochum) erläßt am 1. März an die Bergarbeiter folgenden Aufruf: Achtung, Bergarbeiter! Ueber 800 000 Bergarbeiter streiken in England. Mit einer bewundernswürdigen Einmütigkeit sind sie für die Erringung eines auskömmlichen Minimallohncs in den Ausstand getreten. Dank dieser Einmütigkeit und ihrer möchtigen Organisationen werden unsere englischen Kameraden auch Erfolge erzielen. Kameraden! Die englischen Bergleute verlangen von den Bergarbeitern Deutschlands keinen Sympathiestreik. Der engltfchc Bergarbeiterverband ist so gut oerüsiet, daß er allein mit Hilfe der anderen englischen Gewerkschaften das gesteckte Ziel er- reichen wird. Nochmals fei ausdrücklich gegenüber anders- lautenden Ausstreuungen gesagt: Die englischen Berg. leute verlangen von den Bergarbeitern Deutschlands keine Hilfe durch einen Sym- p a t h i e st r e i k. Dagegen erwarten sie von den Bergarbeitern Deutschlands, daß sie wenigstens während der Dauer des eng- tischen Generalstreiks keine Ueber schichten verfahren. 1005 haben die englischen Bergleute die deutschen Bergleute mit Geld und mit Einschränkung der Arbeitszeit unterstützt. Käme- raden, nun beweist Eure ehrliche bergmännische Gesinnung! Verfahrt keine Ueberschichten, damit den englischen Bergleuten der Lohnkampf nicht besonders erschwert wird. Uebt Solidarität! In den am Sonntag im Ruhrgebiet stattfindenden zahl- reichen Versammlungen werden die Referenten daS Nötige über den augenblicklichen Stand unserer Lohnbewegung sagen. Was weiter geschehen soll, darüber wird, sobald die Antworten der Zechenbesitzer eingegangen sind oder wenn der für die Beant- Wartung festgesetzte Termin verstrichen ist, entschieden werden. Der Beschluß wird allen Bergarbeitern sofort bekanntgegeben werden." »» » Der GewerkvereinChristlicherBergarbeiterist nach wie vor emsig bemüht, im Interesse der Arbeiterfeinde und der Scharfmacher die deutsche Bewegung als eine Sympathiebewcgung für die Engländer darzustellen. Der Vorstand des Gewerkvereins Christlicher Bergarbeiter erläßt am 1. März eine Erklärung, in der er die Mitglieder warnt, angesichts des in Großbritannien aus- gebrochenen GeneralftreikS der Bergarbeiter sich in eine Aus- standsbewegung hineinhctzen zu lassen. national-Ragout. ES ist höchst belusitzgend, in der gutgesinnten Presse zu ver- olgen, mit welchen Mitteln der Drohung. Lockung und liebevollen Mahnung jetzt alltäglich die Rationalliberalen beschworen werden, ich nicht von der Linken umgarnen zu lassen, sondern in Wahrung der„großen nationalen Traditionen" deS Nationalliberalismus nach rechts abzuschwenken und sich mit den anderen Parteien de« nationalen Gedankens, da« heißt, den Klerikalen, Kon- erdativen, Neichsparteilern und Antisemiten, zum großen vaterländischen Partei- Ragout zu vereinigen. Alle mög« lichen Dinge werden hervorgesucht, um den Nationalliberalen zu Gemüte zu führen, daß es ihrer sogenannten großen Vergangenheit nicht entspricht, so etwa« wie«tue wirkliche liberale Politik zu treiben. Der.Tägl. Rundschau" müssen sogar die.Ber« fassungSanträge" dazu herhalten, den Nationalliberalen eindringlich zu beweisen, daß sie ihrer ganzen Natur nach zum großen Vater- ländifch-reaktionären Gemengsel gehören. Alle BerfasiungSanträge, die sozialdemokratischen wie die fortschrittlichen, gelten diesem Blatte al« gleich faschingSmäßig. Selbst der milde Antrag BafferniannS auf Einsetzung eines StaatSgerichtshofes erscheint ihm al» ein un- geheurer politischer Frevel, ein völlig zweck« und finnloseS» Be- ginnen: „Zwecklos ist es vor allem deshalb, weil derartige Reichs- tagSbeichlüfle, ganz abgesehen von ihrer Nichtsanktionicrung durch den Bundesrat, in der Nation niemals eine Mehrheil finden würden, wenn eS hart auf hart geht. Setzest unserem Volk die Pistole auf die Brust, ob es den Kaiser von Fleisch und Blut oder die Schattenmonarchie haben will,— eS wird daS kräftige, blühende Kaisertum nehmen, weil eS schon instinktiv fühlt, daß die Demo- kratie und die imperialistische Machtentfaltung, die unsere Leben«- bedingung ist, unversöhnliche Gegensätze find. Wozu also dem Gedanken einer parlamentarischen Reich«- kanzlerbeseitigung erst näher treten? WaS'vor allem sucht die nationalliberale, dieReichSgründungS- Partei, die Partei der starken Nationalpolitik um jeden Preis und darum auch die Partei des macht starken Kaisertum«, zu dem sie sich oft genug begeistert bekannt hat, an der Seite jener demokratischen BerfassungS«.Berbesserer"? Räch unserem Empfinden steht und fällt der Ratiouallibera- liSmns mit dem Voranstellen de« nationalen Gedanken« vor den liberalen dort, wo beide in Konflikt geraten! Ein solcher Konflikt aber liegt gerade hier vor I ES ist richtig, daß der jetzt eingebrachte Antrag Bassennann nur allgemein die Regelung der Kanzlerverantwortlichkcit.vor einein StaatSgerichtShof" verlangt: ohne irgendwelche Einzel- heiten. Bor allem ohne jenen genau formulierten Gesetzentwurf, mit dem die Nationalliberalen in der»b-irato-Kommisfion von 1908 hervortraten und in dem sie, wen» auch unter allen ge- boteuen Kantelen, doch schließlich ebenfalls die Möglichkeit einer Kanzlerentlasirmg durch den vom Reichstag bestellten„Staats- gerichtShos" festlegen wollte«: mag dieser StaatSgerrchlShof selbst au« zwei Senaten des ReickSgerichlS bestehen! Wir haben oben gesehen, zu welchen Absurditäten die weiter« Verfolgung deS Ge- danken« fiihren kann. Die nationalliöerale Partei aber ist e« ihrem nationalen Grundzug und ihrer Ueber- liefern ng schuldig, die Idee einer wirksamen Kanzler- Verantwortlichkeit nickt ebenfalls auf einem Wege zu suchen, der gleichzeitig zum Umsturz der für uuS allein möglichen, konsti- tutionellen BerfassungSfonn führen muß." Man sollte nicht annehmen, daß derartige naive Mahnungen irgend welchen Eindruck auf die nationalliberolen Politiker habe» könnten; aber in Anbetracht der amphibischen Natur der National- liberalen ist eS keineswegs ausgeschlossen, daß ihr zarteS Gemüt 'ich tief bekümmert fühlt._ Die Revolution in Cltlna. Tie Soldatenmeuterei in Peking. Es war von vornherein klar, daß die junge chinesische Re- publik auch nach den Geburtswehen noch schmerzlichen Zuckungen und Erschütterungen ausgesetzt sein werde. Tie Umwälzung einer Jahrtausende alten, vielgestaltigen i�ultur geht natürlich nicht ohne Gegenschläge vor sich. Ein solcher Gegenschlag ist die Sold atenrev ölte, die jetzt ' in Peking ausgebrochen ist und die anscheinend ernste Formen angenommen hat, wenn man auch die Alarmnachrichten der ! Sensationspresse nicht allzu tragisch zu nehmen braucht. Daß bei einer Arinee, die auf dem Werbesystem beruht— 1 die revolutionäre wie die alte kaiserliche Armee besteht aus angeworbenen Mannschaften—, die Soldzahlung für die Stimmung der Truppe von großem Einfluß ist. liegt klar auf der Hand. Tie Wirren der letzten Monate und die daraus resultierenden finanziellen Nöte in beiden Lagern ließen eine regelmäßige Auszahlung der Truppen nicht zu. �Es ist daher . sehr erklärlich, daß Unzufriedenheit unter den Soldaten ein- riß, als der Kampfesrausch nach der Kapitulation der Dynastie verflogen war. Tie isoldaten suchen sich jetzt auf eigene Faust bezahlt zu machen. Ausgeschlossen ist dabei nicht. daß die Mandschus ihre Hand im Spiele haben und durch Agenten auf die Truppen einwirkten. Es wird das nicht der einzige Konterrevolutionsversuch bleiben. Inwieweit Juan- schikai, dessen Truppen in erster Linie meutern, seine eigenen Pläne verfolgt, läßt sich jetzt nicht feststellen. Man behauptet, . daß ihm die Revolte sehr gelegen komme,' da durch sie seine Reise nach Nanking aufgeschoben werde. Die wichtigsten Nachrichten über die Vorgänge in Peking lauten: � �, Peking. 29. Februar. Die Zahl den meuternden Sol- baten beträgt etwa zweitausend. Di« Offiziere geben sich Stühe, die Meuternden zu beruhigen. Innerhalb der inneren Stadt ist die Lage ruhiger geworden. Vor dem Kaiscrtor in der Nähe der Gesandtschaften wird geschossen. Hunderte von Läden sind geplündert worden. Die Soldaten erklären, da sie nicht bezahlt worden seien, hätten sie beschlossen, sich durch Plünderung schadlos zu halten. Voraussichtlich wird die Ruhe bis Mitternacht wieder- hergestellt fein. Peking, 1. März.(Meldung des Reuterschcn BureauS.) Di« Unruhen dauerten gestern bis spät in die Nacht. Tic Aufrührer verlassen jetzt, nachdem sie vielen Schaden angerichtet haben, mit ihrer Beute die Stadt. Die von ihnen angelegten Brände haben eine große Ausdehnung angenommen und find zum Teil noch nicht gelöscht. Die Gcsandtschaftswachen brachten die Aus- länder, ohne daß diese belästigt wurden, nach den Gesandtschaften, dagegen wurde in den äußeren Stadtteilen auf Ausländer ge- schössen: wurde aber niemand verletzt. Jetzt wird für die AuS- länder keine Gefahr mehr befürchtet. Von den Aufständischen wurden auch einige Schüsse aus einem Feldgeschütz abgegeben; eine Granate fiel in daS Grundstück der amerikanischen Gesandt- schaftswache, ohne jedoch zu explodieren. Peking, 1. März, 7 Uhr abends.(Meldung des Reuterschcn BureauS.) Die Kämpfe zwischen den Ausständischen und den loyalen Truppen und die Plünderung im Weichbild der Stadt dauerten den ganzen Tag über an. Zehn Plünderer wurden ver- haftet und erschossen. Die Mehrzahl der Meuterer hat die Stadl vor Eintritt der Dämmerung verlassen. Die FeuerSbrunst ist gedämpft. Der Schaden wird auf drei Millionen Pfund Sterling geschätzt. Die loyalen Truppen patrouillieren durch die Stadt. Huugcrsnot im Lande. 2>/„ Millionen Menschen im östlichen Mittelchina, den Bezirken Nord-Kiangsu. Nord-Nganhoei, dem Wupugebiet im Dangtseflußgebiet und Hankau in Hupe, leben in größter Hungersnot. Ursachen sind: die dauernde Verwahrlosung der Flußbauwirtschast durch die bis- herige Regierung, dadurch verursachte schlechte Ernten seit 5 Jahren; völlige Mißernte und Verzehr deS Arbeitsviehs im vorigen Jahre; schließlich die Revolution, die, durch die alte Mißwirtschaft herbei« geführt, jetzt alle Aufmerksamkeit auf die Beseitigung der Mandschuherrschaft gerichtet hat. Die Lage wird wie folgt ge» schildert:.Zusammenbruch von Familien und allmähliches Hinabsinken in einen Zustand völliger Apathie, im Hwaiflußgebiet mit emer Bevölkerung von 6 Millionen, von denen IVa Millionen hilfsbedürftig find. Geschäfte im Stillstand. Schulen geschlossen. Die Schwachen werden Bettler, die Starken Räuber. 200—400 Gehängte oder Ge- köpfte in jeder Stadt deS Gebiete« während der vorjährigen Hungers» not, oftmals Frauen und Töchter dem Laster verkaust." In Shanghai ist ein Komitee zur Abhilfe gebildet worden. Schon 6 M. sollen für den Unterkalt einer Fannlie im Monat reichen. Aber 600000 Familien find hilfsbedürftig. Da» alte System hat der jungen Republik eine böse Erbschaft überlassen. Es muß sich nun zeigen, was die neue Regierung zu leisten vermag. Freilassung der verssaftete» Chinesen in Batavia. Haag, 1. März. Laut amtlicher Meldung aus Batavia find dort alle Verhafteten, für die sich eine Abordnung der chinesischen Bevölkerung verwendet hatte, freigelassen war- den, nachdem diese versprochen hatte. allcS zu tun, um eine Wieder» holung der Unruhen zu verhindern. politifcbe Qcberficbt. Berlin, den 1. März 1918, Vorposteugefecht und Gezänk. AuS dem Reichstag, 1. März. Der Ertrag des gestrigen Tages war mehr als dürftig. Er begann mit einer Debatte über E t a t s ü b e r s ch r e i t u n g e n. die sich an den Bericht des Rechnungshofes knüpfte und bei der namentlich um einen fast völlig tauben Stabsapotheker mit Konzession und um einen krampfaderbehafteten Oberleutnant mit Rittmeisterpension mit ähnlicher Leidenschaftlichkeit ge- kämpft wurde, wie einst vor Troja um die Leiche des Patroklus. Als Kritiker der Mißbräuche traten dabei Genosse Noske und Herr Erzberger zu verschiedenen Malen auf, als Abwehrer der Kritik ein Vertreter der preußischen und württembergischen Militärverwaltung. Um so kleine Dinge aber auch der Kampf zu gehen schien, er war doch nicht ohne Bedeutung, weil es sich um Wahrung von Prinzipien und Rechten handelt und insofern ein Vorpvstcngefecht, als in der Rechnungskommission den Herren von der Militärverwaltung noch tüchtiger zugesetzt werden wird. Die Fortsetzung der Debatte über den Etat deS Reichs- amts des Innern rief zwei unerfreuliche Erscheinungen auf die Tribüne: Herrn Werner von dem antisemitischen Grüppchen und Herrn B r u h n— die.Wahrheit" ist auf dem Marsch und nichts kann sie aufhalten! WaS der eine redet und was der andere ist, weiß man, und mau könnte füglich den Schleier des Stillschweigens über ihr Austreten breiten, wenn nicht der Kompagnon Dahsels die Kühnheit gehabt hätte, einen für ihn höchst blamablen gerichtlichen Ver- gleich mit einem sozialdemokratischen Redakteur als Beweis dafür anzuführen, daß ihn Genosse Dr. L i e b k n e ch t. der Anwalt jenes Redakteurs, selbst für rehabilitiert erklärt hätte. Herr B r u h n sprach, nachdem die Linke des Hauses flucht- artig den Saal geräumt hatte, aber nachdem Genosse Dr. Liebknecht die dreiste Bemerkung vernommen, ergriff er die Gelegenheit, am Schluß der Sitzung in einer persönliche» Bemerkung diesen angenehmen Zeitgenossen derb abzustrasen und nachzuweisen, bog der..Wahrheit�-Mann wieder einmal nnt der Wahrheit aus sehr gespanntem Fuhe gestanden hatte. Zum Schlust kam Herr Pieper. Herr Pieper ist so etwas wie das sozialpolitische Gewissen des Zentrums, und was er gestern vorbrachte über Sicherung des Koalitionsrechts und energischer Fortführung der Sozialpolitik, war sicher von ehrlicher Ueberzeugung und sozialpolitischer Einsicht ge- tragen, aber um dessentwillen bedeutungslos, weil das Zentrum im gegebenen Falle die Mahnungen seines Gewissens in den Wind zu schlagen pflegt. Sonnabend 11 Uhr: Fortsetzung der Debatte über das Rcichsamt des Innern. Em Ordnungsruf wegen Beschimpfung des Krieges. Daß ein Abgeordneter wegen Beschimpfung deS Kriege« zur Ordnung gerufen wird, dürfte bisher noch nicht dagewesen sein. In dieser Hinsicht ist endlich einmal Preusten in Deutschland und Deutsch- land in der Welt vorangegangen. Der neue Präsident der preußischen Duma, Frhr. v. Ersfa, har am Freitag allen Ernstes unserem Ge- nassen H o s s m a n n einen Ordnungsruf erteilt, weil dieser in einer Polemil gegen die Rechte den Krieg einen Hohn aus Gott, Christen- tum und Menschlichkeil genannt hat. Die Debatte knüpfte sich an«inen zum Etat der Lotterieverwal- tung gestellten konservativen Antrag, der mehr Lotterieeinnehmerstellen für pensionierte Offiziere schaffen will. Das gab unserem Redner tz o f f m a n n Veranlassung, nicht nur gegen das Lotleriewese» und das Glücksspiel überhaupt zu Felde zu ziehen, sondern auch die Ber- anlagung der Offiziere zu den Eiimch», erstellen in humoristischer Weise zu untersuchen. Durch die Einmischuug des Abg. Strosser nahm die Erörterung bald einen lebhaften Charakter an. Herr Stroffer und seine Freunde im Hause und am RegierungSlisch wurden von Liebknecht glücklich abgeführt. Hoffmann konnte, da die Schlußmacher wieder in Aktion traten, nur noch in einer persönlichen Bemerkung erwidern, und hierbei ereignete sich der obenerwähnte Zwischenfall. So ohne Grund ist wohl noch niemals ein Ordnungsruf erteilt worden. Der Antrag, betreffend die Pen« stonierten Offiziere wurde natürlich, entsprechend der Zusammen- setzung des Hause» angenommen. Nach Erledigung einer Reihe kleinerer Etats überwies das Haus sodann den schon oft behandelten Antrag Hammer, der den Warenhäusern den GarauZ machen will, an eine Kommission. RaincnS der Sozialdemokraten legte Genosse Hirsch den grundsätzlichen Standpunkt der Partei zu der Warenhaussteuer im allgemeinen und zu dem Antrag Hammer im besonderen dar und führte den Nachweis, daß der Antrag steuertechnisch undurchführbar sei und dem Mittelstande nicht nuyen, sondern schaden werde, wie eö denn überhaupt ein verfehltes Beginnen fei, durch Ausnahme- gesetze der wirtschaftlichen Entwickclung Halt gebieten zu wollen. Am Sonnabend ist SchwerinStag. Auf der Tagesordnung steht an erster Stelle der Antrag Brandenstein betr. Verschlechterung der Geschäftsordnung._ Ter brandenburgische Provinziallandtag beschäftigte sich am Freitag mit dem Ausbau der Wanderarmen- Fürsorge und dem Erwerb von Oedländcreien. Schon im vorigen Fahre war der ProvinzialauSschuß vom Landtag« ersucht worden, den Ankauf und die Aufforderung von Oedländcreien einschließlich geeigneter Flächen Ackerlandes auS provinzialen Mitteln unter entsprechender staatlicher Unterstützung in eigener Verwaltung auf t�anmäßige Weise in Erwägung zu ziehen. Es wird nun beab- sichtigt zunächst die Errichtung von vier neuen, durch einen Kranz von etwa IS Wanderarbeitsstätten verbundenen Oedlandashlen. Dazu ein fünftes Asyl bei Sprembcrg für Heimarbeit, wo in Hand- werksbetrieben nach dem Muster der in den Korrigendenanstalten lestchendcn Betriebe auch ungelernte, körperlich schwächlich« Wanderarmc, die für die schwere Arbeit in den Oedländereien nicht in Betracht kommen, an geordnete Arbeit sich gewöhnen sollen. Tic WanderarbeitSstättcn und die Asyle sollen besonders auch den Arbeitsnachweis pflegen. Ihre Arbeitsnachweise sind zentralisiert durch den Anschluß an den Verband der Märkischen Arbeitsnach- weite, der von der Provinz mit jährlich 4000 M. unterstützt wird. Auch ist zur Ordnung des Arbeitsnachweises für Wanderarmc nach einer Miltetlung des Oberpräsidenten bis zum 1. April ISl� eine staatliche Beihilfe von LOOZ M. und von da ab eine erheblich höhere zu erwarten. Für die Grunderwerbskosten und Baukosten wird eine Anleihe von 4 Millionen Mar! gefordert. Diese An- leihe und Ö0000 M. für das sofort in Angriff zu nehmende Asyl in Spremberg wurden sofort bewilligt. Interessant ist, daß jetzt bereits in Oedländereien eine de- deutende Preissteigerung eingetreten ist. Nach einer Mitteilung deS Landesdirektors in der Kommission sind jetzt schon Spekulanten aus Berlin an der Arbeit, um die Oedländereien aufzulaufen. während doch eigentlich die Eigentümer bei der Abgabe dieser Län- dereien noch etwas dazu geben sollten, weil ihr ihnen verbleibendes Land durch die Meliorationen bedeutend wertvoller wird. Der Abg. Dominikus, Oberbürgermeister von Dchöneberg, stellte deshalb den Antrag, einen Gesetzentwurf zu erlassen, nach welchem die Provinzialverwaltung Oedländcreien enteignen kann. Der Antrag wurde gegen etwa IS Stimmen abgelehnt. Unter den sonstigen Vorlagen ist der Verwaltungsbericht für die Brandenhurgifchen Landwirtschaftlichen Berufsgenofsenschaften für 1011 bemerkenswert. Genosse Molkenbuhr wies darauf hin, daß außer der wejtpreußischcn nur noch die brandcnburgische von allen preußischen landwirtschaftlichen BerutSgenojsenschaften teine Unfallverhütungsvorschriften hat. Für die Revision der Be- triebe zeigt der Etat deshalb auch eine Ausgabe von V.OV M. Außerdem betonte Genosse Molkenbuhr. daß sich wohl auch«in anderes Umlageverfahren empfehlen würde. Das gegenivärtige nach Steuerzuschlägen war ursprünglich nur für die ItcbergangSperiod� gedacht, und bringt jetzt, wo die Ausgaben sehr gestiegen sind, recht bedeutende Härten mit sich. Es würde sich empfehlen, das Umlage- verfahren nach Arbeiterbedarf und Gefahrenklassen zu regeln, wie es in einigen Provinzen schon seit Jahren geschieht. Zweierlei Revolutionäre? In den letzten Debatten ist wieder einmal reichlich mit dem roten Revolutionsgespenst operiert worden. Wo man nicht? Sach- licheS gegen die Sozialdemokratie vorzubringen weiß, da wird das Umsturzlied angestinunt, um den Philisterseelen im Lande bange zu machen. Und an diesem Unfug haben sich nicht nur die Parteien der schwarzblauen Rechten beteiligt, auch auf liberaler Seite hat man sich nicht enthalten können Jahren. Färber 50M: Pf. gleich, 52 Pf. nach VA Jahren. Bisher hatten die Bauarbeiter 51 Pf.0 M. und mehr, um dann in privat- kapitalistische Betriebe einzutreten und dort Gehälter bis zu 40 000 Mark zu beziehen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das muß um so mehr befremde», wenn man dagegen die von mir kürz- lich beobachtete Tatsache hält, daß einem Kriegsveteranen, der mit vielen Orden ausgezeichnet ist, eine Veteranen- beihilfe von 120 M. versagt worden, weil der Mann 813 M. Jahrcseinnahme hat.(Hört! hört!) Hier wird dieser kleine Betrag versagt, während man auf der anderen Seite Tausende an Pensionen für Leute zahlt, die so arbeitsfähig sind, daß sie im privaten Dienst riesige Gehälter beziehen können. In einem Falle suchte ein Stabsapotheker die Konzession für eine Apotheke nach. Er erhielt sie. wurde aber erst verabschiedet, als er die für den Bezug einer Pension notwendigen Dienstjahre erreicht hatte. Hier wurde dem Mann also Beihilfe geleistet zur Erzielung einer ungerechtfertigten Pension. Der Reichstag muß dagegen Protest einlegen und darauf sehen, daß derartigen Miß- bräuchen für die Zukunft gründlich ein Riegel vorgeschoben wird. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Erzbergrr(Z.) wünscht, daß die Rechnungen in Zukunft spätestens in drei Jahren und nicht erst wie hier nach fünf Jahren vorgelegt werden, und kritisiert gleichfalls die große Zunahme der Pensionen. ES kommen Fälle von Zuschiebung von Pensionen an Leute vor. die k e i n e n A u s p r u ch daraus hatten, die voll- kommen gesetzwidrig sind. Der Reichstag muß auf das entschiedenste dagegen protestieren, daß die Regierung Mithilfe leistet an der Erichleichung von Pensionen wie in den von dem Vorredner er- wähnten Fällen.(Bravo I) Zu solchen Pensionen sollte der Reichs- tag auch die nachträgliche Zustimmung nicht geben.(Zustimmung im Zentrum und links.) Württembergiicher Militärbevollmächtigter v. Graevenitz: Der württembergische Oberleutnant ist zum Rittmeister vollkommen mit Recht im aktiven Dienst befördert worden und war von seinen Bor- gesetzten als außerordentlich qualifiziert als Schwadron- chef bezeichnet worden. Er hatte nur eine geringe Dienstbei'chädi- guug, die für seine Vorgesetzten kein Grund sein konnte, ihn vorher zum Abschied zu zwingen und er selbst hatte natürlich keinen Grund, den Abschied zu nehmen, bevor er Schwadronchef wurde. (Heiterkeit.) Die Uebcrnahme auf den Aggregiertenfonds war den Umständen nach berechtigt. Preußischer Generalleutnant Bacmeistcr: Die Pensionierungen er- folgen durchaus nach den gesetzlichen Bestimmungen. Daß Offiziere länger gehalten werden, damit sie eine höhere Pension bekommen, findet nicht statt, ich möchte das ausdrücklich konstatieren.(Lachen links.) Abg. Erzderger(Z.): Daß die Herren zu retten suchen. Dilettantenausbcutung. Herr Dr. jur. Kurt Wolff in Breslau hatte an die Firma E. Piersons Verlag, Inhaber Richard Vincke, k. u. k. Hofbnchhändler in Dresden, den folgenden Brief gerichtet, um einmal festzustellen, ob a» den. Gerückt über zu großes»Ent gegenkommen� durch gewisse Firmen was Wahres sei: Umstehend ein Gedicht. Habe ein Band Gedichte geschrieben. Sind sehr schön Mein Freund findet sehr gut. Bite mir zu schreiben, ob Sie meine Ge dichte druken wolen, und was kostet es?» Mit Aller HochachtungVoll K. Wolff, Drogist. Breslau, Ernststr. S Sende anbei Ruckporto. Bitte mir gleich höflich schreiben, ob ich Dichter bin und 20 Gedichte von mir drucken wollen. Höre, daß auch j. Dichtern helfen. Will gern alles event. zalen, was Sie kostet (bis gespart 500—800 M. mer nich), mutz aber in Zeitung stehn, datz von mir ist. D a S i st m e i n b e st e». Die O u e l e. Die Ouele durch die Wälder geht Und durch die Tähler leise Mein Herz ist warm und gebt Hinauf, hinab. Die Ouele durch die Wälder geht Die Blümlci» sind gepflanzt Ach könnt ich immer am Ufer gehn Hinauf, hinab. Die Ouele durch die Wälder geht Die Sterne scheinen Es wird Nacht und die Sonne geht Hinauf, hinab. Breslau im Mai. Darauf erhielt der Einsender die Antwort: Sehr geehrter Herr! Ihre Gedicktprobcn haben wir mit leb haften, Interesse gelesen, sie sind recht stimmungsvoll und zeugen von poetischem Talente, wenn auch die Form manchmal nicht ganz tadellos ist. Jedenfalls sind die Gedichte, die wir von unserem literarischen Mitarbeiter etwas durchsehen lassen würden, einer Veröffentlichung wert und wir wären gern bereit, die Sammlung zu drucken und herauszugeben. Freilich müßten Sie die Kosten tragen, denn ei» genügender Absatz ist nicht sicher, so- lange ein Dichter noch nicht bekannt ist. Wir bitten nun, uns sämtliche Gedichte einzusenden, damit wir Ihnen das Nähere mit- teile» können. Hochachtungsvoll und ergebenst E. Piersons Verlag. Später mahnte die Firma, sie hätte noch keine Nachricht und bäte, die Gedichte uun gefälligst einzusenden. Der K u» st w a r t, den, wir die Bekanntgabe dieses Brief- Wechsels verdanken, beklagt, datz mancher arme Teufel seine Erspar- nisse für die hohe Ehre opfert, von eine», kaiserlichen und königlichen Hofbuchhäiidler verlegt zu werden. Pierson ist ja der klassische Typ dieser Literaturmache, aber es gibt noch manche andere. Manche dieser Herren begaunern durch verklausulierte Verträge die„ver- legten Dichter' noch extra und tun im übrigen für die Verbreitung der Schriften so gut wie nichts. was zu retten ist. begreife ich, aber die Herren können nicht er- warten, daß ihre Austührnngen auf uns größere» Eindruck machen als auf den Rechnungshof. Dieser hätte sicher nicht die Fälle moniert, wenn nicht doch etwas mehr dahinterstecken wurde. Ich möchte die Rechliungskonimission ersuchen, die beiden Fälle recht eingehend zu prüfen.. Reichsschatzsekrelär Mermuth geht auf einige Bemängelungen der Praxis des Rechnungshofes des Abg. Erzberger ein und sucht die vorgebrachten Bedenken zu zerstreuen. Abg. NoSke(Soz.): Ich habe von der preußischen Militärverwaltung nichts anderes erwartet als die Versicherung,, datz es natürlich ausgeschlossen sei, daß zu unrecht Pensionen gewäbrt werden Das, was uns der Militärbevollinächtigle gesagt hat, ist nichts Neues, aber ich glaube, daß er bei denjenigen Herren, die die Dinge kennen, auch durch seine kategorische Versicherung nicht die Zweifel behoben hat. Wir wissen, daß immer wieder Offiziere in höhere Stellen befördert werden, um dann überraschend schnell dienstunfähig z u werden. Wir würden geradezu unsere Pflicht verletzen, wenn wir nicht das äußerste Mißtrauen dieser Verwaltung gegenüber hege» würden. Wir nehmen lediglich Noti, von den Versicherungen der Verwaltung, aber die RechiinngSkommrssion wird gut tun, wenn sie ganz unbeirrt von diesen Versicherungen sich hinter�den Rechnungshof stellt iind ihm das Rückgrad stärkt. (Bravo! bei den Sozialdcniökratcn.) Abg. Graf Posadowsky(wild): Es kommt wiederholt vor, daß Herren, die auS Reichsfonds i h r Gehalt beziehen, nicht mehr die Neigung finden, weiter zu dienen. ES kommt auch vor, daß Personen, die aus Neichssonds ihr Gehalt' beziehen, durch äußere Verbindungen in die Lage kommen, zu glauben, ihre Tätig- keit außerhalb des öffentlichen Die»st es besser verwenden zu können und ganz außerordentlich g e» winn reiche Stellungen einnehmen.(Sehr richtig!) Ich habe gar nichts dagegen, wenn jemand glaubt, nicht mehr weiter dienen zu müssen, sondern Privatmann zu werden oder etzrer Privattätigkeit seine Kräfte zu widmen, daß er auS dem Reichsdienst ausscheidet. Ich halte es aber für vollständig unzulässig, daß ein solcher Mann, wenn er noch dienstfähig ist und namentlich so sähig, datz er andere großartige verwickelte Aufgaben erfüllt, eine Pension auS Reichsmittel n bekommt.(Lebhafte Zu- stiminung.) Gerade für eine Verwaltung ist es absolut notwendig, daß die Verhältnisse durchaus durchsichtig sind, und daß man der öffentlichen Meinung keinen Anlaß zum Mißtrauen gibt. Eine zweite Frage: Herr Erzberger hat hier eine Reihe von technischen Fragen über die Gestaltung des Etats erörtert. Es genügt nicht, daß man den Erat aufstellt, auch nicht, daß man in der Rechnungskommission die Rechnungen prüft, sondern für ein großes Gemeinwesen wie das Deutsche Reich ist auch ein K o m p t a b i l i t ä t s g e s e tz(Rcchnungsgesctz) notwendig. (Zustimmung.) Es müssen Grundsätze festgestellt werden, nach welchen der Etat nicht nur aufgestellt, sondern ausgeführt wird. (Zustimmung.) Die Nechiiung geht an die R e ch n u o g S k o m m i s s i o n. Hierauf wird die zweite Lesung des Etats des Neichsamts des Junera fortgesetzt. Abg. Dr. Werner-Gießen(Ant.) tritt in längeren Ausfiihrungen für die Aufrechterhalt ung der bisherigen Schutz» z o l l p o l i t i k ein. Wenn die Sozialpolitik für die Arbeiter weiter» geführt werden soll, so muß das Handwerk in die Lage ver» setzt werden, die ihm dadurch auferlegten Lasten zu tragen. Der große Befähigungsnachweis muß eingeführt, dip Fabritbetriebe müssen zu den Kosten der Lehrlings» auSbildung herangezogen werden. Die kleinen Mühlen bedürfen des Schutzes gegen die brutale Macht des Großkapitals. Die Warenhäuser, die Großbanken be- deuten eine Gefahr für unser Wirtschaftsleben.(Lacken links.) Die Sozialdemokratie hat für den Mittelstand nichts Positives geleistet, aber sie gräbt ihm zielbewußt durch die Konsumvereine das Wasser ab.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Beamte, die solchen Konsumvereinen angehören, tragen als Diener des Staates dazu bei, den Staat zu untergraben. Der sozialdemo» kratische Revisionismus ist viel gefährlicher als derRadikalismuS.(Heiterkeit.) Zur bürgerlichen Partei wird die Sozialdemokratie nie werden, wir müssen sie hinunterschlucken Huuior und Satire.. An die blau-schwarz Geprügelten. Gottseidank, es gab doch Klarheit, und man sah es Ivieder hier: Sagen derbe wir die Wahrheit— noch viel derber schwindelt ihr! Wahrheitsliebend wie Schelmoffsky ist ein rechter Zentrumsmann, Zentrumsmann ist auch GronowSkh t und man merkt's ihm dicke an. Dieser las den Liguori und verstand»das Eine bloß: Wo versagt all dein Brimbori» um. da lüge nur drauf los? Gleiche Brüder, gleiche Klappen— Jauchzend schnappt das Hohe HauS nach den, fetten Lügenhappen, tobt und brüllt und schimpft sich auS. Tja— wenn man den Hund verprügelt, juckt und schmerzt ihn halt das Fell, aus der Scknauze ungezügelt fährt sein Weh- und Wutgebell. Euch zu hassen und zu peitschen, ist erst reckt nun süße Pflicht. Lob von Röniisch-Preubisch-„Deutschei»'... Wahrlich, daS ertrüg' ich nicht. _ Rudolf Franz. Notizen. — Der Volkslieder-Abend des Deutschen Arbeiter» Abstinenten-BundeS findet umständehalber erst am 10. Mär� abends 6 Uhr, im Gcwerkschaftshause statt, nicht wie auf den be» reits verkaufte» Billetts angegeben war, a», 3. März. — Wanderer, hemme deinen Schritt. Die„Franks. Ztg.' meldet: In dem reizend gelegenen Dorfe Nordeuberg bei Rothenburg ob der Tauber steht ei» großes Gasthans. An der dazugehörigen Scheune lieft man in prächtiger goldener Schrift auf weißer Marmortafel:„In dieser Scheuue waren bei dem Herbstmanöver 1898 drei Equipagen s. K. Höh. öes Prinz- reg enten untergebracht!" Die betreffende Ortschaft liegt in Bayern, und nicht etwa, wie manche vermuten kömiten, im Byzantiuerreiche. — Die Prager Zensoren...(Ergänzung in Heines Reiscbildern) haben eine pädagogische Vorlesung des Dichters Otto Ernst verhindert. Sie wollten von den veraustalteude» Verein „Freie Schule' den Text des Vortrag» vorgelegt haben; der Verein konnte aber nur zwei Roinanbände Otto Emsts vorlegen, in denen die Gedanken des Vortrags enthalten seien. Bücher lesen aber wollte Herr Krikawa, der Polizeidirektor, nicht, namentlich die des„schul- umstürzlerischen" Verfassers von„Flachsmann als Erziehet' und so rettete Krikawa FlachsmannS.Ehre und verbot.... oder wir geye» brikei zligruude. Wro�e Heiterkeit 5ei den Sozial- deiiiokraten.l Der Redner sucht deZ weiteren durch Zitate aus sozial- demokratischen Schriften nachzuweisen, daß das Ziel der Sozial- demokratie die völlige Abschaffung jedes Privat- eigen tu ms sei. Der Grundsatz der französischen Revolution war Freiheit I Gleichheit! Brüderlichkeit! tVielseitiges Hort! hört!> Wenn nach den Wünschen der Sozialdemokraten die indirekten Steuern durcki eine scharfe Erbschaftssteuer ersetzt werden, ivaS hat eine arme Frau von den Ersparnissen, wenn dann bei einem Todesfall der Steuerein zieher kommt? sLachen links.) Der Ausfall der Wahlen zeigt den verderblichen Einfluß d>r jüdischen Presse. lGelächter.) Sie haben ja in der Sozialdemokratie schon eine jüdische Fraktion. sLachen links. Rufe:»Arendt!") Auch der Ha»sab und steht unter jüdischer Führung.(Erneute Heiterkeit.) Wir brauchen Anfklürung! (Stürmische Zustimmung links.— Große Heiterkeit.) Notwendig ist auch gegenüber der undeutschen Presse ein stärkerer Schutz der persönlichen Ehrel(Lebhafte Zurufe:„Bruhn! Bruhn!"— „Wahrheit!") Vizepräsident Dove ersucht die künftigen Redner, sich mehr an das Reisort des Reichsamts des Inner» zu halten. Als Abg. Bruhn(Ant.) das Wort nimmt, verläßt dieLinke den Saal. Bruhn ruft den Sozialdemokraten zu:„Ihre Genossen »nußten vor Gericht vor mir zu Kreuze kriechen und Sie besitzen die Dreistigkeit, mich hier zu verdächtigen I" Vizepräsident Dove rügt den Ausdruck„Dreistigkeit". Abg. Dr. Pieper(Z.) erörtert zunächst die vom Zentrum vor- gelegten Resolutionen zur Privatbeamtenfrage. Das wichtigste ist jetzt die Regelung der K o n k u r r e n z k l a n s e l. Den Verbänden der Handlungsgehilfen muß Gelegenheit gegeben werden, sich zu dieser Materie zu äußern. Andere Fragen wie obligatorische Zahlung des Gehalts am Monatsschluß werden leichter zu regeln sein. Vor allem muß das Koalitionsrecht der Priva langest eilten gesichert werden. Ich erinnere an das Vorgehen der Gute-Hoffnungs- Hütte gegen die technischen Angestellten. Die Regierung sollte solche Mißbrauche nicht ruhig lausen lassen.— Die vom Beirat für Arbeiterstatistik nach mühevoller Arbeit fertiggestellten Gutachten scheinen vielfach ruhig im Archiv zu ruhen.(Sehr ivahr I bei den Sozialdemokraten.) In der Frage der Arbeitszeit in den Kontoren liegt z. B. ein solches Gutachten vor. ohne daß die Frage weiter kommt.— Die Borbereitnugen zum Reichs« theatergeseP sollten möglichst beschleunigt' werden.— Das Arbeitskammergesetz haben wir wieder eingebracht in der Form, wie es seinerzeit aus der Kommission kam mit einer Konzession in bezug auf die StaatSarbeiter und wir hoffen, daß diesmal auch die Nationalliberalen dafür zu haben sein werden.— Ueber die auf Grund deS Z 120o erlassenen Bundcsratsvorschriften sollte dem Reichstage regelmäßig von Zeit zu Zeit eine Uebersicht zugehen. Weiter verlangen wir völlige Sicherung des ftoalitiousrcchtS, weiteren Ausbau und Schaffung einer Z e n t r a l st e l l e für Tarif- Verträge. Ich begreife ja, daß der Staatssekretär sich scheut, das heiße Eisen eines freiheitlichen Ausbaues des Koalitionsrechts auzufassen. Ich möchte vorschlagen, daß sich außerhalb des Parla- mcnts Vertreter der Arbeiterorganisationen. Sozialpolitiker und auch sozial denkende Arbeitgeber gusammentun und versuchen, in dieser Frage eine Vereinbarung anzubahnen im An- schluß an die Arbeiten deS Deutschen JuristentagcS und der Deutschen Gesellschaft für Sozialrefonn. Die Regierung selbst aber möge gerade diese Frage immer an der Spitze ihrer Aufgaben behalten.(Bravo!) Die zu schaffende Zentralstelle zur Förderung der Tarifverträge foll ohne bevormunden zu wollen, auch eingreifen, um schwere Konflikte zu vermeiden, wie das jetzt die englische Regierung iin K o h l e n a r b e i t e r- streik getan hat. Auch in solchen Fällen muß das ReichSamt des Innern die Initiative ergreifen, wie eS das bei Gesetzen tut. (Bravo! im Zentrum.) Pie Weiterberatung wird vertagt. ES folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Liebknecht(Soz.): Herr Bruhn hat vorhin aus Zwischenrufe von uns erklärt, wir seien vor Gericht zu Kreuze vor ihm gekrochen, ich hätte einen Vergleich mit ihm geschlossen nnd mein Bedauern ausgesprochen. Diese Worte können sich nur beziehen auf einen Vergleich, der unter meiner Assistenz am S. Februar dieses Jahres geschlossen worden ist vor dem Landgericht Berlin I in einer Privatklage Bruhn gegen den Redakrenr unseres Brandenburger Blattes Baron, die angestellt war wegen eines Artikels, in dem eS hieß: „Die um Bruhn gehören nicht zu den überzeugungstrenen Männern, sondern zur Masse des Lumpenproletariats der Feder, zu den Schmocks, die nie ihre Ueberzeugung verkaufen, weil sie nie eine besessen haben. Es stinkt in der Berliner Küche der bürgerlichen öffentlichen Meinung usw. Die Angeklagten werden freigesprochen, Gerichtsdiener, offnen Sie die Fenster." Im Anfang des RrtikelS.wird von Ehrenmännern vom Schlage des WahrheitsmanneS usw.'gesprochen. Es ist in dieser Sache allerdings ein Vergleich zustande gekommen, der folgenden Wortlaut hat:„Der Angeklagte erklärt, soiveit in dem zum Gegen- stand der Privatklage gemachten Artikel Beleidigungen enthalten sein sollten(Heiterkeit), nehme ich sie zurück, jedoch unter Wahrung nwineS grundsätzlichen Standpunktes. Die Parteien erklären wechselseitig, daß aus dem Vergleich keinerlei Folgerungen gezogen werden sollen."(Lebhaftes Hört I hörtl bei den Sozial- demokraten.) Herr Bruhn weiß auch ganz genau, daß die Er- klärung eines Bedauerns ausdrücklich abgelehnt worden ist.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Trotz des erwähnten Schlußsatzes des Vergleichs stellt sich Herr Bruhn heute hierher und zieht ans dem BerFeich Folgerungen und noch dazu ganz un wahrhaftige. Nur deshalb, weil der Fall Bruhn für alle anständigen Menschen längst erledigt ist, haben wir uns schließlich dazu bereit gefunden, diese» Vergleich, der Ohrfeige» für Herrn Bruhn, nicht aber«ine Rehabilitation be- deutet, zu schließen. ES könnte zweifelhaft sein, ob es sich lohnt. mit den Angriffen des Herrn Bruhn, dieses erledigten Mannes, Überhaupt sich noch zu befassen.(Unruhe rechts. Präsident Kaeinpf: Das dürfen Sie nicht sagen.) Weil aber Herr Bruhn diese Sache als Strohhalm benutzt hat, um sich aus dem Sumpf herauszuziehen, empfahl sich diese Feststellung, daß auch die uiigiinstigste Beurteilung des Herrn Bruhn noch zu günstig ist. (Sehr wahr! bei. den Sozialdemokraten.) Abg. Bruhn(Antis.): Wie immer bei solchen Prozessen ist sehr hart auf mich eingewirkt, ich möchte doch einen Vergleich schließen, da die Sache schon lange her sei. Zuerst war in dem Vergleich der Ausdruck des Bedauerns enthalten, und Herr Liebknecht erklärte sich auch damit einverstanden. Erst während der Proto- kollierung meinte Herr Baron, das könne er nicht und man redete so viel auf mich ein, daß ich schließlich sagte, eS ist mir ganz egal, ob Sie das bedauern oder nicht.(Lachen links.) Gegen die Herren Fischer und Wels führe ich seit zwei Jahren einen Prozeß, kaim aber nicht zu meinem Recht kommen, weil sie sich hinter der Immunität als Abgeordneter verkriechen und hier wagt«S Herr Liebknecht, mit dieser Frechheil gegen mich aufzutreten.(Präsident K a e m p f: DaS Wort Frechheit ist durch- aus mrparlmnentarisch. Ich rufe Sie zur Ordnung.) Herr Liebknecht hat mehrfach mich als einen nicht anständigen Menschen dezeichnet. Abg. Liebknecht(Soz.): Wem man mehr glaubt, Herrn Bruhn oder mir, darüber kann ich das Urteil dem Hause überlassen. Es ist keine Rede da- von. daß ich mich mit dem- Bedauern einverstanden erklärt hatte. Bei der erstmaligen schnellen Verlesung hatte ich es überhört, aber sobald die Rede bei der Besprechung darauf kam. erklärte ich, eS sei ganz ausgeschlossen, daß man Herrn Bruhn sein Bedauern aussprechen könne. Ich stelle nochmals fest, daß trotzdem beide Parteien erklärt haben, keine Folgerungen aus dem Vergleich ziehen zu wollen, Herr Bruhn die Stirn hat. zu behaupten, ich sei vor Gericht zu Kreuz« gekrochen. DaS ist eine faustdicke Unwahr- h« t t. �Präsident K a e m p f rügt den Ausdruck.) Äbg. Bruhn(Antis.): Gewiß ist erklärt worden, daß keine Schlilffe gezogen werden sollen, das bezog sich aber nur darauf. daß, wenn die Herren den Vergleich veröffentlichen, sie keine faulen Bemerkungen daran knüpfen.(Lachen bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Beide Teile!) Gewiß galt das für beide Teile, aber was sollte ich auf die Zwischenrufe vorhin erwidern?(Große Heiterkeit links, Zurufe: Die Wahrheit!) Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß S'/z Uhr. parlamentanrcbeö* Geschäftsordnungskominission des Reichstages. Tie auf 21 Mitglieder erweiterte Gcschäftsordnungskonilnission deS Reichstages hielt am 1. März ihre erste Sitzung ab. Von sozialdemokratischer und nationalliberaler Seite wurde beantragt, zunächst die bereits in der letzten Legislatur- Periode behandelten Abschnitte über Interpellationen und „K u r z e Anfragen" sofort wieder in Angriff zu nehmen, zu- mal der Bericht darüber fertiggestellt ist und in den Akten des Reichstages sich befindet. Diese Berichte können als Unterlage für die Verhandlungen dienen. Dann solle die allgemeine Revision folgen. Die Konservativen beantragten, sofort in die all- gemeine Revision einzutreten. Dagegen wurde geltend gemacht, daß, da inzwischen das Material für die allgemeine Revision be- schafft werden müsse, die Zeit mit der Beratung dieser beiden Ab- schnitte ausgefüllt werden könne. Ter erste Antrag wurde gegen die zwei konservativen Stimmen angenommen. Einstimmig wurde dann beschlossen, als Material die Geschäftsordnungen verschiedener Landtage zu be- schaffen. Ein Antrag der K o n s e r v a t i v e n,'zu den Beratungen einen Regierrurgsvertretcr und den früheren Präsidenten Graf v. S ch w e r i n- L ö w i tz hinzuzuziehen, wurde mit allen gegen eine Stimme abgelehnt.— Als Berichterstatter wurde der Abg. Gröber gewählt und als dritter Schriftführer Abg. L i st (natl.).— Die Kommission beschloß, nächste Woche die Beratungen zu beginnen und wöchentlich drei Sitzungen abzuhalten. Tie Sitzungen finden Mittwochs, Toimerstags und Freitags statt. lier neue Citwalismus und der neue Mittelstand. Die Ausführungen des Genossen KautSkt? über diesen Gegenstand in der Sonntagsnummcr des„Vorwärts" haben in den Kreisen der Privatangestelltcn große Aufmerksamkeit aber auch manchen Widerspruch erregt. Es seien deshalb einige Bemerkungen dazu gestattet. Tie klassenbewußten Privatangestellten fühlen sich durchaus nicht als ein neuer Mittelstand. Das Wort wird zudem häufig gebraucht zur gemeinsamen Bezeichnung von Bolköschichten, deren ökonomische und soziale Interessen sich durchaus widersprechen. Man tut deshalb besser, diesen, die Lage der Llngestellten keines- wegS zutreffend bezeichnenden Begriff nicht anzuivenden. Genosse Kautsky schildert durchaus zutreffend die Spaltungen in den oberen Klassen. Dagegen führt es zu irrigen Ausfassungen, wenn er die 2 Millionen Angestellten sämtlich als eine Abspaltung aus den oberen Klaffen charakterisiert. Die sogenannten Intellektuellen, die Aerzte, Rechtsanwälte usw.. die er sicher rubriziert, waren ja auch schon vor dieser EntWickelung vorhanden und können keines- falls dem neuen Mittelstand zugezählt werden. Die Rechtsanwälte z. B. sind doch ausgesprochene Unternehmer. Aber auch die Privat- angestellten sind keineswegs eine einheitliche Klasse. Man muß unterscheiden zwischen der großen Masse der eigentlichen An- gestellten, den Handlungsgehilsen, den Jndustricangestellten, den technischen Angestellten, den Bureauangestellten und jener kleinen Oberschicht, die die hohe BerwaltungSbureaukratie des Kapitalismus darstellt. Die Angehörigen dieser Ober- schicht allerdings sind„nach ihrer Vergangenheit und noch mehr nach ihrer Zukunft, die sie erwarten, Bourgeois". Nach der Darstellung Kautskys spaltet sich diese„Aristokratie" gegenwärtig von der breiten Masse ausgebeuteter„proletarischer Existenzen". Diese Schilderung ist jedoch nicht gang zutreffend. Denn diese„Aristokratie", die höhere Verivaltungsbureaukratie des Kapitalismus, die in den Banken, in den großen industriellen Unternehmungen, in den großen und mittleren Handelsbetrieben die Leitung in Händen hat, kann man überhaupt nicht zu den Angestellten zählen. Es handelt sich bei dieser Gruppe keineswegs um eine Mittelschicht, sondern um die Söhne, Vettern und Enkel deS Großkapitals. Selten wird ein Outsider an die leitenden Posten gelassen. Nein, sie müssen alle aus der I a p i t a l i st i s ch e n Sippe sein, wenn sie zu jener Aristokratie zählen wollen. Sic haben sich auch nicht von den Angestellten abgespalten, sondern waren schon immer die Anwärter für die höheren Regionen. Trotz- dem wird vielfach von den bürgerlichen Parteien versucht, der Masse der Angestellten, die Durchaus proletarische Existenzen sind und immer bleiben, vorzugaukeln, auch sie könnten einmal zu der höheren Bureaukratie aussteigen. Damit ködert man die An- gestellten, um sie von der Sozialdemokratie und der freien Gewerk- schaftsbewegung fernzuhalten. Vom Boden der wirtschaftlichen Tatsachen aus gesehen hat die breite Masse der Angestellten schon immer zum Proletariat gc- rechnet werden müssen. In ihrer Ideologie allerdings bewegt sich die Mehrzahl der Angestellten als zukünftige Bourgeois. Die soziale Lage der Angestellten aber wird von jeher charakterisiert durch die vollendete Unsicherheit der Existenz, verbunden mit einer weitgetriebencn persönlichen Unfreiheit. Das mangelhaft entwickelte Solidaritätsgefühl der Angestellten hat bis- her das Entstehen großer Gcwerkschaftsorganisationen der Angestellten verhindert. So ist es denn dahin gekommen, daß die Arbeiterschaft dank ihrer starken Gewerkschaften und ihrer regen politischen Tätigkeit ökonomisch viel sicherer, sozial viel un- abhängiger gestellt ist als das große Heer der Angestellten. Die aus Anlaß des Pensionsversicherungsgesetzes für Angestellte auf- genommenen Statistiken haben ergeben, daß SO Proz. und in ein- zelnen Berufen bis zu 9l) Proz. der Angestellten der Invaliden- vcrsicherungSpflicht unterliegen, also nicht mehr als 2009 M. Jahres- cinkommen haben. Tie fortschreitende Betriebskonzentration der Industrie und die dadurch ermöglichte und immer mehr ausgebaute Arbeitsleitung gleicht ständig die Unterschiede unter den Angestell- icn aus und gestaltet ihre Lage immer mehr der der Arbeiterschaft ähnlich. Infolgedessen decken sich schon heute die sozialpolitischen Forderungen der Angestellten im allgemeinen und grundsätzlich mit denen der Arbeiterschaft. Anders die politische Gruppierung der Angestellten. Die bürgerlichen Parteien bemühen sich seit einigen Jahren mit allem Eifer, den Angestellten sozialpolitische Versprechungen zu gebe«. um sie vom politischen Erwachen abzuhalten. Dies ist ihnen bisher noch gelungen, ob aber deshalb die Annahme Kautskys richtig ist, daß die Privatangestcllten„von Haus aus zum Liberalismus" gehören, erscheint doch einigermaßen zweifelhaft. KautSkh meint. „wenn die Fortschrittliche Volksparici und sogar ein Teil der Nationalliberalcn in letzterer Zeit schärfere Töne der Opposition finden,... so dürfte das nicht zum mindesten dem Umstände zuzu- schreiben sein, daß die direkten Ausbeuter sich mehr vom LiberaliS- mus abwenden und die Intellektuellen und Angebelltem in ihm mehr in den Vordergrund treten", Wie lange die oMositiossclle Haltung d'ck Naii'onalliberaleit anhalten wird, bleibt abzuwarten. Tie Opposition der Fortschritt- lcr aber ist sicher nicht auf das Hervortreten der Angestellten in dieser Partei zurückzuführen. Gerade die Fortschrittliche Volks- parte, hat allen Kredit bei den Angestellten verloren. Für deren politische Stellung gibt die Haltung der bürgerlichen Angestellten- organisationen die besten Anhaltspunkte. Diese Organisationen, die an 609 090 Mitglieder umfassen, gebärden sich zwar gern als politisch neutral, segeln jedoch sämtlich im Kielwasser bestimmter Parteien. Eine der großen Handlungsgehilfenorganisationen von etwa 199 999 Mitgliedern ist ausgesprochen antisemitisch und ihre Führer agrarkonservativ gerichtet. Zwei weitere Handlungsgehilfenorganisationen, die ebenfalls je 199 999 Mitglieder um- fassen, und die meisten der übrigen kaufmännischen Angestellten« verbände stehen dem rechten Flügel der Nationalliberalen nahe. Die Technikerorganisationen, mit Ausnahme des Wcrkmeisterver- lmndes— etwa 59909 Mitglieder— lehnen sich sehr stark an die Temokmtische Vereinigung an und sind deren Kerntruppe, während der 50 900 Mitglieder zählende Werkmeisterverband zwischen den Nationalliberalen und den Fortschrittlern hin und her schwankt. Die einzige Organisation, die früher im Fortschrittslager stand und nur 29 999 Mitglieder zählt, hat sich vor einiger Zeit wegen der kläglichen Haltung der Fortschrittler in sozialpolitischen Fragen von dcn Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen losgesagt. Zeigt die politische Haltung der Privatangestellten also ein in jeder Be- ziehung verworrenes Bild, so kann jedenfalls von einer allzu großen Hinneigung zum Linksliberalismus nicht gut die Rede sein. i Aber wenn auch bisher erst 25 999 Angestellte auf dem Boden des Klassenkampfes stehen, während sich die große Masse der Sozial» demokratie gegenüber ablehnend verhält, so wäre es doch falsch. zu meinen, die Angestellten stehen„Massenaktionen meist ver? ständnislos, mit Abneigung oder doch mit Mißtrauen gegenüber". Dagegen spricht denn doch das Vorhandensein jener großen und außerordentlich rührigen Berufsorganisation. Durchaus zutreffend t ist cs aber, wenn Genosse Kautskp darauf hiulveist, daß die Privat- angestellten im Wahlkampfe in den Großstädten den Ausschlag in dem Ringen zwischen Bürgertum und Arbeiterklasse geben. Wenn ihre wirtschaftlichen Interessen für die politische Haltung der An- gestellten entscheidend wäre, dann allerdings müßten sie schon heute zu neun Zehnteln für die Sozialdemokratie stimmen. Diese neun Zehntel sind keineswegs in ihrer„ökonomischen Stellung dem Proletariat gegenüber privilegiert", sondern in dieser Beziehung schon heute vom Proletariat nicht mehr zu unterscheiden.?lber ebenso wie heute noch trotz einer beispiellosen Ausklärungsarbeit der Partei mindestens 4 Millionen wahlfähiger Arbeiter noch-nicht zum Klassenbewußtsein erwacht sind, so sind auch von den 1% Millionen wahlfähiger Privatangestellten erst kleinere Teile dem Gedanken des Klassenkampfes gewonnen. So bedauerlich das ist. so wäre doch nichts verkehrter, als die EntWickelung des Liberalismus. seinen endgültigen Bankrott und die weitere Radikalisierung der Angestellten abzuwarten. Zu lange schon haben wir eS an einer gründlichen und unaufhörlichen politischen Propaganda deS Klassenkampfes und des Sozialismus unter den Privatangestellter« fehlen lassen. Die hinter uns liegende glorreiche Wahlschlacht hat jedem, der Augen hat zu sehen, die Gewißheit verschafft, daß die Zeit erfüllt ist, daß der Boden reif geworden ist, um die Saat des Sozialismus fruchtbringender denn je in die Köpfe der Privat» angestellten zu senken._ Helmut Lehmann. Deutscher Frauenltongreß in Berlin. Am Freitag wird weiter über Berufsfragcn verhandelt, und zwar waren die Verhandlungen drei verschiedenen Berufs- gruppen gewidmet— akademische Berufe, Schau, spieler, Krankenpflegerinnen—, für die augenblick- lich bestimmte Probleme in der.Gesetzgebung und Verwaltung vor- liegen. Die Frqge: Warum haben wir die Zulassung zu den akademischen Beruse» erstrebt? wurde in zwei Referaten behandelt. Die erste Rcfercntin, Fräu- lein Margarete Trcuge- Berlin erörterte das Thema vom subjektiven Standpunkte aus. Nicht eine erst von der Frauen- bewegung geschaffene Tendenz habe die Frauen in das akademische Studium hineingetrieben, sondern eS war der iistellektuellc Drang der einzelnen Persönlichkeiten, die im Studium die Möglichkeit ihrer größten persönlichen Bollendung sahen.— Frau Ellen A in m a n begründete das Bedürfnis nach akademisch gebildeten Frauen aus den veränderten Verhältnissen auf allen Gebieten deS öffentlichen Lebens, die heutzutage ein besonderes Beachten der weiblichen Psyckze verlangen. Da komme auf dem Gebiet der Ge- sundheitspflego die Frau als A er z t i n in Betracht, auf dem Wirt» schaftsgebicte als Fabrik» und Wohnungsinfpektorin. als B er u fSb c r a t e r: n usw.. auf dem Rcchtsgebiete als I u r i st i n. in den höchsten Klassen der Mädchenschule seien akademisch gebildete Lehrerinnen auS pädagogischen und physiologischen Gründen selbstverständlich. In der Diskussion fielen besonders die Ausführungen! des Herrn Geheimrat H a r n a ck auf. der dem Frauenstudium uirein«. geschränkt das Wort redete. Viel mehr als bisher ntöge eS den Frauen ermöglicht werden, sich auf dem humanistischen Wege für die Universiläi vorzubereiten. Der der Komik nicht entbehrende immerwährende Mahnruf an die Frauen: Bewahrt Eure Mütterlichkeit, Eure Weiblichkeit, Eure Häuslichkeit, ist nach der Auffassung des Redners beleidigend, ebenso beleidigend, als wenn man einem Zoologen sage, er solle darüber wachen, daß die Scheneiterlinge ihre Flügel und die Falken ihren Scharfblick bewahren. Von den Aus» führungen der DiskufsionSrednerinnen feien noch die zutreffendem beachtenswerten Worte von Fräulein Dr. B e r nh a r d» Berlin erwähnt, der Staat möge die Möglichkeit schaffen, daß Frauen sich als Fabrik- und W o h n u n g s i n f p e k t o r i n n e n betätigen, damit die»mtionalökonomisch geschulten Frauen ihre Kenntnisse praktisch verwerten können. Da« Reich läßt jetzt keine Fabrik» iiispektorinnen mehr zu, sondern nur noch Assistentinnen.— Auch Fräulein Helene Lange- Berlin sagte gcinz Beachtenswertes und Zutreffendes, wie es sich überhaupt zeigte, daß die Damen ganz vernünftige und entschiedene Töne finden» wo eS sich um die Per» tretung ihrer eigenen engeren Bcrufsintcressen handelt. Frau Marie v. Bülow referiert über die Frage: Was können die Schauspielerinnen vom Reichstheatergesetz erwarten? Tie Schauspielerinnen haben eine drückende Last von geradezu unerhörten Mißständen resigniert zu ertragen» Die tieffte Wurzel ihres großen Elends sei die übergroße Anzahl der Theater. Eine vernünftige Theatcrreform wird daher damit anfangen, die Konzession auf die Falle zu beschränke», wo ein wirkliches Bedürfnis für ein neue» Theater vorliegt. Im übrigen wird das Theatergesetz nicht viel mehr bringew können, als wa» schon durch das Bürgerliche Gesetzbuch und die Gewerbeordnung im übrigen Wirt» schastlichen Leben gebracht worden ist: vor allem gleiches Kün» digungSrecht für Schauspieler und Tirektorcm Schutz vor Ausbeutung und ein gewisses Minimum an Hygiene der A r b e i t s r ä u in c. Die Diskussion, woran sich auch der Zentrumsabgeordneie Dr. Pfeiffer beteiligte, war im wesentlichen einer Meinung mit der Referentin. Die folgenden Referate beschäftigten sich mit der soziale» und wirtschaftlichen Lage der Krankenpflegerinnen a) in den l a t h o l i sch e n O r d e n. d) in den Diakonissen- Mutterhäusern, c) in den„Rote K r e u z"-M u t t e r» hauscrv, Referenten ivarew Zenttrumsabgeordnetcr Graf P r a s ck m a, Oberm Gräfin Herüber � Generalarzt z. T. Tr. Werner. Es war eine üucrcssanle Erscheinung, eine Lberin Tialanisscnmuttcr als Rednern, auf der Tribüne zu sehen, und ebenso interessant war cS, den Grasen Praschma als Rcfe- rcntcn bcw diesem Äuditorium zu sehen. Denselben Grasen, unter dessen Präsidentschaft aus dem Katholikentag in Dussel- darf in allem Ernst darüber parlamentiert wurde, ob man einer Frau, die sich zum Entsetzen der Kraben Leute auf dem Katholiken- tag zum Wort meldete, das Wort erteilen sollte. Tie Vorsitzende des Kronkenpflegerinncirverbandes, Schwester Agnes Karll, die über die Pflichten von Ztaat und Gesellschaft gegen die Krankenpflegerinnen der beruflichen Krankenpflege referierte, erhob und begründete die folgenden Forderungen: Tic einjährige Ausbildung mutz zur Erlangung wirtlicher BerusStüchtigkeit auf drei Fahre ausgedehnt und Ethik, Hauswirtschaft und Verwaltung in derselben berück- sichtigt»verde». Da die kominunalen Krankenhäuser durchweg aus drei Fahre verpflichten, ist es ein Leichtes, für sie diese Einrichtung auch schon vor gesetzlicher Festlegung zu treffen. Die Eignung der Lehrkräfte ist festzustellen. Oberschwestern und Oberinnen sind durch Hochschulkurse fortzubilden, damit sie ihre», Erzichungsaufgaben geivachsen sind und ungeeignete Elemente in genügend langer Probezeit unbedingt ausgeschieden werden. Um Krankenhäuser als Schulen zuzulassen, sollte eine bestimmte, nicht zu geringe Bettenzabl für dieselbe», festgesetzt werden. Auch alle Ichivcstcrnheiine mütztcn behördlicher Konzession unterstehe». Zum tSchus gegen Ueberanstrcngung ist gesetzliche R c g e l u n g der D i c n st st u n d c n in Kranken- anstalten nötig. iFetzt sind 13, 14 und»nehr Stunden die Regel.) Auf Desinfektion der«ckstafräume des Pflegepersonals ist zu achten. Das Personal ist in alle staatlichen Fürsorgeein- richlungcn, besonders die Unfallversicherung einzube- ziehen. Eine R e i ch s e»» q u e t c ist der einzige Weg,»nn die Gc- sundhcitsverhältnifse zuverlässig festzustellen. Die Gesellschaft sollte g r ö tz e r e s Interesse an der Krankenpflege im all- geincincn nehmen, wegen der grohen sozialen Aufgaben� dieses Berufs, sollte durch bessere häusliche Erziehung die jungen Frauen für denselben vorbereiten, durch Stipendien für Alters- und Krankenheime für seine Förderung mit sorgen helfen. Unter den Diskussionsrednern war es Frl. Ehärlotte R c i ch c l- Berlin, die, soweit cS in der kurzen Redezeit möglich tvar,»nit krassen Schlaglichtern verschiedenerlei Zustände in der Krankenpslege beleuchtete. Die Rcdnerin kann sich im Gegensatz zu den Ordensbertretcrn nur auf einen ganz modernen Standpunkt stellen. Sie mutz auch sagen, datz die �rauenbetvegung sich bisher herzlich wenig um die Krankenpflcgerinnenbewegung be- kümmert hat. Und doch schreien in kaum einem Beruf die Mißstände so zum Himmel. 14-, ISstiindige Arbeitszeiten.Arbeitszeiten bis ins Groteske, datz man cS nicht glaubt, wenn man's sagen würde. Die Ausbeutung erinnert an die schlimmsten Zustande aus der Geschichte der Fabrikindustrie in England. Die Gesundheitsverhältnisse sind auch dementsprechend. Jede dritte BerufSschwejtcr ist im Durchschnitt 71-� Wochen krank, im Fahre 1910 sogar 8 Wochen. Rcdirerin geht dann auf Zustände im»Roten Kreuz" ein, tbobei sie aus Tarstellungen des. Professors Zimmer zitiert. Es hcitzt, datz die»Schwestern, bevor sie pensionsberechtigt sind, gc- kündigt oder zum Austritt gedrängt werden.(Grotze Bewegung. Protestrufc: Unerhört!) Ich. kann es ja nicht wissen, ich bin ja nicht Schwester vom»Roten Kreuz", Professor Zimmer ist es, der das schreibt.(Große Heiterkeit.) Noch andere Sachen sind, sagen wir es einmal ganz vorsichtig, nicht so, wie es modernen An- forderungen entspricht. Es ist Pflicht, das den„Rote Kreilz"-Häu- fern einmal zu sagen. Es entspricht nicht modernen Anschauungen. Schwestern das Zeugnis zu verweigern und ihnen dadurch das Fortkommen zu erschwercr». Es entspricht gleichfalls nicht modernen Anschauungen von Sozialpolitik, Konkurrenzklauseln auf Lebenszeit abzuschließen. Damit man mir nicht nachsagen kann, ich habe allgemeine Bichauptungen aufgestellt, die infolgedessen wertlos find, nenne ich hier das Westfälische Haus zum„Roten Kreuz", das derartige Konkurrenzklauseln abgeschlossen hat. Weiter bestehen sie in Braunschweig, Wiesbaden und noch in verschiedenen anderen Städten, die mir im Augenblick nicht beifallen. Die Gewerbebetriebe der Privatpflegcheime haben ebenfalls eine Kontrolle aufs dringendste notwendig. Die Mädchen müssen über den Schritt ins„Rote Kreuz" oder in die Pslegeheimc aufgeklärt und wo nötig gewarnt werden.— Diese Ausführungen wurden mit lebhafter Beunruhigung, aber mit noch größerem Bei- fall aufgenommen. Alich Frau Oberin Helene M c b e r- Dortmund brachte er- schüttcrnde Angaben über grausame Fronarbeit im Dienste der Krankenpflege. Ilm Kranke gesund zu machen, müssen Taufende von Pflegern in Ucbcranstrengung ihre Gcfundhcit opfern. Es sc, unbegreiflich, datz es Merzte sind, die die Erhaltung des Lebens als Aufgabe haben, die ruhig zusehen, wie gesunde Leben im Dienste der Krankenpflege gcivaltsam vernichtet werden. Zur notwendigen Vermehrung der Krankenpflege spart man überall die Mittel. Gegen die Kritik, vor allem von Frl. Reichel, wandten sich Frau Dr. L e h r, Herr Pastor Bremer und Herr Pastor Hoppe, alle drei aus Berlin, mit erheblicher Entrüstung. Pastor Hoppe ladet Fräulein Reichel ein, einmal 14 Tage ins Diakonissenhaus nach NolvaweS zu kommen. Man will ihr alle Einrichtungen zeiaen, denn diese Häuser haben nichts zu verbergen.— Mit der Uever- lastung der Krankenpfleger sei es— Gott sei dank— nicht mehr so schlimm, seitdem die Behörden sich darum bekümmern.(J) Tie Krankenpfleger kommen dem gelobten Lande immer näher.(Starker Widerspruch bei einem Teil dcS Kongresses.) Generalarzt z. D. Dr. Werner war im Schlntzwort gleich- falls sehr entrüstet. Er hätte als Antwort vieles zu sagen, aber er verzichtet darauf, einmal»vcgcn der Kürze der Zeit, dann aber, weil er hier Voreingcnoinmenheit gefunden hat. Er greift dann aber doch Fräulein Reichel persönlich scharf an und sagt, datz er mit aller Entschiedenheit Protest dagegen einlege, datz mit därartigen Mitteln gegen ehrliche vaterländische Gründungen vor- gegangen wird. Man solle nicht bei der Behauptung haltloser Dinge die Ocffentlichkeit verwirren. Was Professor Zimmer gesagt habe, sei etwas ganz anderes, als Fräulein Reichel da hineingelegt habe. Zum Schluß folgen persönliche Bemerkungen. Fräulein Reichel stellt unter Zustimmung des Bureaus fest, ste habe Zimmer zitiert zur Erhärtung ihrer Ansicht, datz, um Gerüchten, wie sie über die Pcnsionsverhältnisse im»Roten Kreuz" umhcrschwirren, den Boden zu entziehen, die A ender ung der Pensions- b e st i m in u n g e n dringend erwünscht ist. Hus der Frauenbewegung. Die Löhne der Dienstboten. Ein heikles Thema, das die Herrschaften nicht gerne berühren, »venn über„die Unfähigkeit, die Faulheit, die Nichtsnutzigkeit" der Dienstmädchen heutzutage alle Register aufgezogen werden. Welchen Lohn man bezablt, davon spricht man nicht gern, oder man fügt sofort hinzu, datz der Lohn„sebr anständig" sei im Ber- liältnis zu den miserablen Leistungen der Mädchen. Diese Mädchen sind freilich fast immer der entgegengesetzten Meinung; sie halten den Lohn für miserabel und ganz ungenügend für die beanspruchten Leistungen, und sie machen mit dieser Auffassung den„Gnädigen" recht großen Kummer. Manche stellen sogar ganz spitzfindige Rechnungen auf und dividieren den erhaltenen Monatslohn mit der Summe der Arbeitsstunden und kommen dann zu dem Schluß, datz sie nur drei bis sechs und höchstens zehn Pfcniitge lmren Lohn pro Stunde verdienen. Tie Hausfrauen betrachten den baren Lohn gern als Nebensache; sie rechnen Kost und Logis doch an; sie er- inner» an die Weihnachtsgeschenke und gelegentliche Trinkgelder. Für die Mädchen bleibt aber der bare Lohn die Hauptsache, und ste behaupten, durch ihre Erfabrungc» gewitzigt, daß da, wo» ein schlechter Geldlohn gezahlt wird, auch Kost und Logis sehr mangelhaft sind, und datz auch die übrigen Verhältnisse keinen Ausgleich für den niedrige» Lohn bieten. Wie die Lohnverhältnisse für Dienstmädchen in Berlin liegen, ersieht man aus dem Geschäfts- bcricht des Zcntralvereins für Arbcitsnachivcis. der in steigendem Matze mit der Vermittelung von Hausangestellten z»» tun hat. Da ist in dem letzten Bericht eine Lohnstatistik aufgestellt für die in der Link- und in der Gormannstratzc vermittelten Hausangestellten. Man erfährt daraus, datz von 39<>4„Mädchen für alles" 1Ä>9 einen Lobn von 18 bis 39 M. erhielten; 733 Mädchen 17, 16, 15> M. und weniger; 1026 Mädchen 21 bis 29 M. und 67 den Höchstlohn von 30 M. und mehr erhielten. Als mittlerer Lohnsatz werden 20 M. angegeben. Die Mädchen von l4 bis 16 Jahren erhalten in der Regel weniger als 13 M. pro Monat. Köchinnen, von denen 262 vermittelt wurden, bekamen meist 30 M. Monatslohn. Für die l,2S M. pro Tag gilt schon als sehr hoher Lohn, für den hohe An- forderungen gestellt werden. Dabei wird aber die Länge des Arbeitstages selten bestimmt festgelegt. Höchstens werden bestimmte Freistunden bewilligt. Die Hausfrau, die ei» Mädchen mietet, glaubt eben, über die ganze Zeit des Mädchens verfügen zu kölinen, auch über Sonn- und Feiertage. Schlechtcrc Löhne als in Berlin werden in Charlottenburg gezahlt, wie aus dem Bericht des städtischen Arbeitsnachivelses dort zu ersehen ist. Im Charlottenburger Nachweis wurden»ach dem letzten Geschäftsbericht 1786 Hmisangcstclltc vermittelt, über die eine Lohntabelle aufgestellt ist. Pon 1077„Mädchen für alles" er- hielten 640 einen Lohn von 10 bis 20 M. und 38 Mädchen erhielten bis zu 10 M. pro Monat, 393 erhielten zwischen 2V und 30 M. und nur 6 Mädchen überschritten den Höchstlohn von 3V M. Auch bei den übrigen Hausangestellten waren die Lohnsätze etwas gc- ringcr als in Berlin. Von 134 Köchinnen verdienten 93 ztvischcn 20 und 30 M., 14 bekamen 17 50 bis 20 M. und 27 Köchinnen über 30 M. Diese Dicnstbotenlöhne in und kci Berlin sind freilich noch hoch gegenüber den Löhncn, die in der Provinz von den„Herr- schaften" bezahlt werden, lieber die Wohnverhältnisse in den verschiedenen Orte» unterrichtet zu sein, ist natürlich wichtig für die Dienstboten. Die nötige Aufklärung können sie sich am leichtesten verschaffen durch Anschluß an den Verband der Hausangestellten Teutschlands, der in seinen Ortsgruppen allen Acrufsvcrhältnisscn die größte Aufmerksamkeit widmet. Serickts- Deining. Ein Säbelhieb zur Sicherheit des Schutzmann?. Der Händler Mues hat vom Schutzmann Buk einen Säbelhieb erhalten. Warum und unter welchen Umständen, darüber gehen die Angaben der Augenzeugen weit auseinander. Jedenfalls hat der Säbelhieb für den Schutzmann keine unangenehmen Folgen gehabt. Mues dagegen ist aus Anlaß der Vorgänge, die sich vor und»ach dem Säbelhieb abspielten, wegen Widerstandes und Nicht- befolgung der Anordnung eines Aufsichtsbcamten angeklagt worden. In der Verhandlung, die gestern vor dem Schöffengericht go führt wurde, stellte der Schutzmann Buk die Sache so dar: Er sei gerufen worden, weil die Frau des Angeklagten Mues vor ihrem Geschäftskcller Streit mit einem fremden Planne hatte. Der Mann habe sich auf des Schutzmanns Aufforderung entfernt. Er, der Schutzmann, habe nun den Angeklagten ersucht, er möge seine Frau veranlassen, sich ruhig zu verhalten. Der Angeklagte habe ihn, den Schutzmann, darauf sogleich angegriffen, so datz er zu seiner eigenen Sicherheit det» Säbel gezogen habe. Schutzmann Buk gibt zu, dem Angeklagten einen Säbelhieb versetzt zu haben, doch fei die Wucht des Hiebes dadurch abgeschwächt worden, daß sich der Angeklagte, ehe ihn der Hieb traf, zu Boden warf. Der Angeklagte ist hierauf von dem Schutzmann Buk, dem sich später noch ein zweiter Schutzmann hinzugesellte, ststiert worden. Die Beamten legten ihm Handfesseln an und brachten ihn nach der Wache. Im Gegensatz zu dieser Tarstellung des Schutzmann« sagt ei« Zeuge, der den ganzen Vorgang vom Fenster unmittelbar über der Szene beobachtet hat: Der Schutzmann und der Angeklagte sprachen miteinander. Da gab der Schutzmann dem Angeklagten einen Stöfs vor die Brust. Infolgedessen fiel der Angeklagte zu Boden, stand auf, wurde ein ziveites Mal von dem Schutzmann hingestoßen, erhob sich wieder und bekam von dem Schutzmann zum dritten Male einen Stoß, datz er in den Rinnstein flog. Jetzt konnte sich der Angeklagte, der übrigens angetrunken war, nicht sogleich erheben. Der Schutzmann, der sich anscheinend über den Angeklagten ärgerte, zog den Säbel und versetzte dem am Loden liegenden Mann einen Hieb über den Kopf. Dann wurde der An- geklagte emporgerissen und abgeführt.. Diese Darstellung wird von zwei anderen Zeuginnen soweit bestätigt, als nach ihrer Wahrnehmung nicht der Angeklagte, sondern der Schutzmann der Angreifer war. Eine Reihe weiterer Zeugen, die den Porgang nur zum Teil beobachteten, hat dagegen beobachtet, datz sich der Schutzmann und der Angeklagte gegenseitig stieß«». Keiner aber hat bemerkt, datz der Schutzmann so arg be- drängt worden wäre, daß er zu seiner Verteidigung den Säbel hätte gebrauchen müssen. Während der Amtsanwalt eine Geldstrafe von 60 M. be- antragte, plädierte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosen- selb, auf Freisprechung mit der Begründung, der Schutzmann Buk sei doch in diesem Falle ebenso Partei wie der Angeklagte und deshalb nicht unbedingt glaubwürdig. Dagegen könne man den drei unbeteiligten Zeugen, die die Angaben des Schutzmanns wider- legten, Glauben schenken. Mindestens müsse aber das Gericht schon deshalb zu einer Freisprechung kommen, weil angesichts der sich widersprechenden Zeugenaussagen die Sache nicht aufgeklärt sei. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt: Es sei von vorn- herein unglaubwürdig, daß sich der Schutzmann ohne Veranlassung an dem Angeklagten vergriffen habe. Es sei festgestellt, datz beide sich gegenseitig«estotzcn haben. Der Schutzmann sei deshalb be- rechtigt gewesen, einzuschreiten und den Angriff abzuwehren. ES möge fraglich sein, ob er nötig hatte, den Säbel zu gebrauchen. Aber es sei schwer, in solchem Falle das richtige Matz innezuhalten. Von beiden Seiten sei das richtige Matz überschritten worden.— Der Angeklagte wurde wegen Widerslandes zu 30 M. und wegen Uebrrtretung der Straßenordnung zu 3 M. Geldstrafe verurteilt. Eine nächtliche Schlägerei, bei der auch der Revolver in Aktion trat, hatte gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I ein Nachspiel. Es handelte sich um eine Szene, die sich in der Nacht zum 21. November v. I. in der Schankwirlschast„Zum Hirschkcller" in der Alcxandcrstratze abgespielt battc. Angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung Sem Lokal. Als sie von dem Geschäslsführcr Ehleri hinaus- geiviesen wurden, fielen sie über ihn her. Es entstand eine ganz unbeschreibliche Szene, bei der die Angeklagten, wie die Anklage behauptet, wie die Vandalcn hausten. Es wurde neben den Fenster- scheiden einfach alles demoliert, was nur irgendwie zu erreichen war. Aus den Zuruf eines Mädchens:„Leo schieß doch," soll der Angeklagte Reichclt einen liievolver hervorgezogen und einen Schutz abgegeben haben, der den Geschäftssülirrr Ehlert in der Schläfen- gcgend traf. Die Kugel blieb in dem Schädclknochcn stecken und konnte erst aus operativem Wege entfernt werden.— Dann ergriffen die Angeklagten die Flucht, wurden aber schon eine halbe Stunde später verhastet.— Vor Gericht bestritten die Angeklagten, sich der ihnen zur Last gelegte» Straftaten schuldig gemacht zu haben.— Ter Staatsanwalt beantragte gegen Rcickelt 2 Jahre 2 Monate, gegen Göritz 1. Fahr, gcpen Heidemann 6 Monate und gegen Koschitzki 3 Monate Gefängnis. Das Gericht ging bei den Angeklagte» Reichelt und Görih weit über den Antrat des Staatsanwalts hinaus. Wie Landgerichtsdircktor Lieber hervor- hob, müsse gegen derartige geinoingesährliche Rowdys, die schon 6- bezw. 8»ml wegen Geivalttätigkcitsvcrgehcn vorbestraft sind. mit aller Schärfe des Gesetzes vorgegangen werden. Das Urteil lautete deshalb gegen Reichclt auf 4 Fahre und 3 Monate und gegen Göritz auf 2 Jahr und 6 Monate Gefängnis. Koschitzki wurde freigesprochen, die Verhandlung gegen Heidemann wurde vertagt. Ver�vsltuax Berlin. Aclitmig! Wegen des in der„Neuen Welt" statt- findenden Vergnügens findet die Kassierung der Beiträge in allen Zahlstellen heute abend von 6-8 Uhr statt. Die Ortsverwaltung. Mobel-Kugsbor. Solides Möbelgeschäft liefert bürgerliche Wohnungseü, richlungcn sowie ein- zelnc Möbel gegen mäßige Zinsvergütung bei kleiner Anzablnng u. geringen monatlichen Teilzahlmige». Ansragcn unter Posllagertarte 35, Postamt 103. Kiein Hbzablungsgercbäft. 2886» ntfi Maj; Hcibematfn um» uui../nuruLu-i v»- geklagte» Rcichelt und Göritz verursachten am 7. November im „Hirichkeller" eine Schlägerei, bei der eine Kellnerin mit einem Stuhl zu Boden geschlagen wurde. Trotzdem das ganze Lokal voller Gäste saß, wagte es niemand, der Mißhandelten zu helfen. Tie Folge dieses Vorgang» war. daß den Angeklagten der weitere Zutritt untersagt wurde. Änschcincnd, um sich wegen dieses Ver- bots zu rächen, erschienen alle vier am 21, November wiederum in J H.Pfau, Dirckseiistraße 20 zwischen Bahnhos Alcraiiderplatz und PolizeiprSsidium.— Amt lkst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung. Sitsttani für alle Krankenkassen Abonnenten erhalt. lO<7nftabuU Stoffe Reste, Coupons sind aus den Fabriken eingetroffen,„lleiideiten" Mtr.2, 3. 4M. Duchlogcr Koch 4 Seeland G.m.b.H.. : fiertraBtetr. 28-21, Puma-Stiefel ios für Damen und Herren.. Altolnwrfcanf fOf Berlin A.3andorftL6 Belle-Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Wurstwaren Cemlat- od. Salamiwurst..... pf«nd 1,20 Schinkenwurst.............. 1.20 Land-Bratwurst........... p�md 1,25 Teewurst...................... �1.25 ff. Leberwurst.............. Pfand 1,05 Hausmacher-Leberwurst Pfand 98 pt Landleberwurst............ Pfand 80 Rotwurst I.................... Pfand 80 p-. 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Was siir Sorgen bestehen in den Kreisen der verabschiedeten Offiziere! Aber die Lottericeinnahmcn dürfen nicht abbröckeln. DI? kaufmännischen Einnehmer l e i st e n eben viel mehr für den Absatz als noch so brave und tüchtige Offiziere und zwar ohne Reklame, bloß durch ihr Ansehen und ihre Verbindungen. Abg. Krause-Waldenburg(fk.): Die kleinen Privatlotterien zahlen den Verkäufern so hohe Provisionen, daß ihr Zweck stark beeinträchtigt wird. Man sollte darum mit ihrer Genehmigung vorsickliger sein.(Bravo! rechts.) Ein Rcgierungökommiffar: Wir folgen rührig solchen Grund- sätzen, gewisse Auswüchse aber muß man hinnehmen. Leider hat das Haus den Verkauf von Losen über den Nennwert nicht unter das Lottericstrafgesetz gestellt. Die Provisionen sind von 25 Proz. auf 162/8 Proz. heruntergekommen. Ein Abzug vom Gewinn wird bei Beschreitung des vorschriftsmäßigen Weges nicht erhoben, wenn aber einer so gierig ist, das Geld nicht erwarten kann und dafür dem Händler etwas zahlt, so ist das seine Sache. Abg. Hoffmann(Soz.): Es ist hier ein Fonds vorgeschlagen worden, der alle die heutigen Zwecke der Privatlorierien fördert. Wenn die Staatsregierung aber alle die Gründe, die gegen Privatlotterien sprechen, studiert, so müßte sie erst ihre verbieten. Wir wünschen, daß der Staat. der durch Polizei und Staatsanwälte Glücksspieler verfolgt, nicht selbst Arrangeur und Bankhalter von Glücksspielen ist. Das ist unmoralisch und unsittlich. Zu dem Antrage des Abg. v. Ditsurth habe ich aus seiner Rede keine Gründe gehört. Wenn die verabschiedeten Offiziere mit ihrer Pension nicht aus- kommen, sollen sie sich um einen Beruf umsehen. Oder sollen sie vielleicht Lotteriecinnehmer werden, weil nach Herrn v. Ditsurth keine Vorkenntnisse dazu gehören und ein Tippfräulein die Sache leiten kann. Ist am Ende eine andere Arbeit als Glücksspielen für Offiziere nicht standesgemäß?(Sehr gut! bei den So- zialdemokraten). Mit den Abzügen, die die Kollekteure machen, ist es doch so, daß sie gleich auf das Telegramm hin. das einen Gewinn meldet, zu dem Gewinner gehen, der oft noch nie soviel Geld beisammen gesehen hat und bei der Auszahlung einen Betrag abziehen, was allerdings an Wucher grenzt. Wenn es die dummen Leute nicht mehr geben wird, die auf den Leim kriechen, wie der Regierungskommissar meinte, so wird das auf- hören, aber auch die StaatSlötterie wird gewesen sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Krause- Waldenburg ist gegen die Privatlottcricn, in denen er gewissermaßen einen un- lauteren Wettbewerb gegen die Regierung und den Staat sieht. Bezieht sich das auch auf die Lotterien der Kirchen- und Kriegervereine?(Sehr gut! links.) Als das deutsche Volk aufgefordert wurde, Wilhelm!. den Nationaldank abzustatten, hat man den Denkmalplatz auf der Schloßfreiheit zu Berlin durch eine Lotterie erworben; das war ein sehr un- sittlicher. Ratio naldankl Auch für das Leipziger Völker« schlachtdenknral wird seit Jahren durch Lotterien Geld auf- gebracht. Herr Krause-Waldenburg hat gemeint, die Loshändler hätten doch nicht mehr Arbeit, als die Lose ins Schaufenster zu hängen, und dafür bekämen sie die Prozente. Nun, der Offizier als Kollekieur hat ja nicht einmal e i n S ch a u f e n st e r.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Er hängt das Los nicht einmal hin und dafür soll er einen Verdienst bekommen. Wenn übrigens hier von den Lotterien gesprochen wurde, die die Gelder nicht dem vorgeschützten Zweck zuführen, so wird das vielleicht dem Volk die Augen über diese Lotterien öffnen, unter denen Herr Krause auch die deS Roten Kreuzes genannt hat. Warum aber sollen gerade den Offizieren die Kollekten zu- gewiesen werden? Vielleicht weil beim Krieg die Völker Gut und Blut und Leben in dieser Lotterie einsetzen. Sie gewinnen vielleicht einen Orden, eine Krücke oder einen Lei«ka st en. (Heiterkeit! Unruhe rechts.) Die Großen gewinnen Dotationen. da« Kapital, die Beute. Aber das Volk wird endlich nicht mehr dumm genug sein, an dieser Lotterie teilzunehmen! Sollen die Offiziere als Fachleute im Glücksspiel ihre Karriere beenden? Sie verstehen zwar nicht, die Lose umzusetzen, aber man rechnet vielleicht mit ihrer Fachkenntnis i m G l ü ck s s p i e l? An der Lotterie sollen die Kausleute 4 Millionen, die Offiziere'/z Million verdienen! Aber ein sittlicher, christlicher Staat sollte sich über- Haupt schämen, aus Glücksspielen Staatszwecke zu decken.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Finanzminister Dr. Lentze: Dieser hohen Moral vennag ich nicht zu folgen. Die Staatslotterie soll den Spieltrieb regeln. Großen Gewinn zieht der Staat daraus nicht. Die Be- schimpfung der Offiziere als Glücksspieler weise ich entschieden zurück. (Zurufe der Sozialdemokraten: Beschimpfung? Ist das nicht wahr?) Gewiß, es ist vorgekommen, aber Sie dürfen nicht Einzel« fälle verallgemeinern. Ich lege gegen solche Ausdrücke entschiedensten Protest ein.(Stürmischer Beifall rechts.) Abg. Dr. Frirdbcrg(natl.): Der Spieltrieb des Volkes ist eine psychologische Tatsache. Auch ich kann mich nicht zu der Moral der Gesellschaft erheben, die Herr Hoffmann zu gründen beabsichtigt. (Au! au I bei den Sozialdemokraten.) UebrigeitS si»ht man manche Genossen auf den Rennplätzen und beim Totalisator.(Beifall rechts.) Wir unterstützen den Antrag v. Ditsurth. Zu der moralischen Ent- riistung des Abg. H o f f m a n n haben wir keinen Grund.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Slrosser lk.) dankt dem Minister namens der ver- a b> ch i e d e t e n O f f i z i e r e für dje Abwehr der Hoffmannfchen Angriffe. Nur ein geringer Teil der oft infolge der Strapazen schon jung pensionierten Offiziere kann mit der Pension auskommen. Das Offizeirkorps, das schon so oft gezeigt hat, was es kann, hat eS nicht nötig, sich gegen Ihre Angriffe zu wehren. Sie verstehen nichts vom Offizierkorps. Das Glücksspiel wird durch strenge Strafen ausgerottet. Wir. die den Krieg kennen, wissen, daß er etwas viel Höheres ist, als Sie beurteilen könnten.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Hoffmann hat sich gegen staatlichen Glücksspiel- betrieb gewendet und den Widerspruch zwischen der herrschenden Moral und der staatlichen Gesetzgebung festgestellt. Ver- anstaltung und Duldung von Glücksspiel ist strafbar; gewerbS- , näßige Veranstaltung ist es, wenn daueritder Erwerb daraus gezogen werden soll. Das aber tut der Staat. Der Minister wird doch die 284, 285 des Strafgesetzbuchs kenueu. Aber den Herren will ich sie doch vorlesen. ES werden da 2 Jahre Gefängnis, öS«) Mark Geldstrafe. Verlust der bürgerliche ir Ehren- rechte und Ausweisung angedroht. Wer veranstaltet Glücks- spiele gewerbsmäßiger als unser preußischer Staat? (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Mit Ihrer Beurteilung der Hoffmannschen Rede haben Sie sich ein Armutszeugnis ans- gestellt. Gewiß sind nicht alle Offiziere dem Spiel ergeben und die Spieler bilden wohl eine Ausnähme. Aber, daß die Antijeu- erlasse erlassen und öfter ins Gedächtnis zurückgerufen wurden, spricht doch deutlich genug!(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Und wenn Hoffmann den Krieg mit einer Lotterie ver« glich, so sehen Sie doch in der Dichtung und bei Schiller nach; der wird sicher soviel davon verstanden haben, wie Herr Strosser! Und die Begeisterung im Krieg? Die ist vielleicht bei wenigen, die in einem Enthusiasmus der Desperation oder p h a n- tastischer historischer Vor st eilungen sind. Aber der Masse der Soldaten wird die KriegSbegeistcrung als Massen- Psychose suggeriert. Präs. Frhr. v. Srffa: So dürfen Sie von der Begeisterung, die die Armee in so vielen Feldzügen bewiesen hat, nicht sprechen! (Nanu?! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Wer sich mit Kriegspsychologie befaßt hat, weiß, daß diese Be- geisterung in die Soldaten durch Massensuggestion hinein- gepeitscht wird. � Ein Offizier a. D. ist eine bei r ü b s a nr e Erscheinung.(Entriistungsrufe de» Abg. Strosser.) Ich meine gar nicht Herrn S t r o s s e r(Große Heiterkeil links), er braucht nicht alles auf sich zu beziehen. Die Pensionen aber sind so gering, um den Minderbemittelten das Eindringen in das Offizier- korps zu verwehreu, das eine plutokratische Einrichtung bleiben soll. Präsident Dr. Frhr. v. Erffa: Ich bitte, zur Sache zu kommen. (Zurufe der Sozialdemokraten: Strofser!) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Bei dem Antrage Ditsurth muß die Lage der Offiziere a. D. besprochen werden. Diese laffdr sich oft pensionieren, weil sie sich durch Uebergehung beim Avancement beleidigt wähnen. Die Gamaschendienstausbildimg verwehrt den Offizieren das spätere Fortkommen. Der untere Be- amte, Handwerker und Arbeiter können betteln gehen, wenn sie ihren Beruf verlieren. Für den Militarismus soll wieder ein neues Privilegium geschaffen werde»! Wir stimmen gegen den Antrag. Und wir gratu- lieren dem Minister, wenn er es verstehen sollte, daS gewerbsmäßige Glücksspiel deS Staates mit den K§ 284, 285 R.-Str.-G.-B. zu vereinbaren.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Hoffmaun(Soz.— persönlich): Der Minister hat sich zum Zensor meiner Rede aufgeworfeu. Das verbitte ich mir. (Stürmisches Gelächter rechts.) Herrn Friedberg erwidere ich: wenn eS auch noch vorkommen mag, daß einzelne unserer Genossen beim Rennen spielen. in unseren Versammlungen wird immer scharf dagegen gesprochen. Aber es ist der Staat, der zum Glücks- spiel verführt.(Lärm rechts.) Herr S t r o s s e r nennt den Krieg eine heilige Sache. Der Krieg ist ein Hohn auf Gott, Ehristentum und Menschlichkeit!(Bravo! bei den Sozialdemokraten.— Lärin rechts.) Präsident Dr. Frhr. v. Erffa: Ich rufe Sie wegen dieser Be- schimpfung zur Ordnung.(Verwunderung links.) Abg. Hoffmann(Soz.): Der Krieg ist ein Glücksspiel, das die Panzerplatte»Patrioten um die Güter des Volkes spielen. lTobender Lärm rechts, in dem der Redner schließt.— Ein Ruf rechts: Js ja alles Blech!— Abgeordneter Hoffmann: Und Sie sind der Blech ich mied! Große Heiter- keit links.) Der Lolterieetat wird genehmigt. Der Antrag v. Ditfurth a n- g e n o m in e n. Der Etat der Seehandlung wird genehmigt, ebenso der desAuSwärtigenAmteS. DaS Gesetz über die Erweiterung de? Stadtkreises Elberfeld wird der Genieindekonimission überwiesen. Die Warenhaussteuer. Abg. Hammer(k.) begründet seinen Antrag, daß die Steuersätze für Betriebe mit mehr als eine Million Kapital derart erhöht werden, daß sie bei fünf Millionen Kapital und mehr als 20 Millionen Jahresumsatz' 4 Prozent des letzteren erreichen. sowie daß der Prozentsatz im 8 5 des Warenhausgesetzes von 20 auf so Prozent erhöbt werden. ?lbg. Dr. Ehlers(Bp.): Ich bin kein Freund der Warenhäuser. mir persönlich patzt diese ganze Richtung nicht. Aber ich verwerfe den Antrag, weil genug Ursachen den Detailhandel auch gegenüber den Warenhäusern erhalten. Mancher Fortschritt ist doch der Konkurrenz der Warenhäuser zu verdanken. Die Warcnhaussteucr treibt die Warenhäuser zur Ausdehnung. Darin sind sie den Detailsgeschäften unbegrenzt überlegey. Nur eine Pro- gression der Gewerbesteuer kann in Betracht kommen. Die Leute der agrarischen Warenhäuser sollten nicht für höhere Warenhäusersteuer eintreten. Nur der Zusammenschluß der Dctailistcn kann eine Verbeffernng herbeiführen. Abg. Herold(Z.): Wir wollen in der Kommission prüfen, ob nicht die Frage rcichSg>esetzlich geregelt werden soll. Abg. Schröder- Kassel(natl.) erklärt die Sympathie für den Kern des Antrages. Abg. Hirsch(Soz.): Wir stimmen gegen den Antrag und gegen seine Ucber- Weisung an die Kommission.(Ruf rechts: Na natürlich!) Er fordert etwas steuerlich Unmögliches. Umsatz und Betriebskapital stehen in gar keinem Verhältnis zueinander. Ein Warenhaus im eigenen Hause besitzt ein viel höheres Anlagekapital, muß aber größeren Umsatz haben. Ein Geschäft im Stadt- Zentrum setzt sein Kapital natürlich öfter um als an der Peripherie. Gerecht ist nur die Besteuerung nach dem Ertrage. Schon jetzt ist die Warenhaussteuer zehnmal so hoch als die Gewerbesteuer. Wir sind zu ihrer Reform und Progression bereit, aber der Antrag Hammer fordert U n g e- rechtes und dabei Zweckloses. Bayern ist ganz erheblich mit der Warenhaussteucr herunter- gegangen. Dort kommt sie den Gemeinden zugute. Herr Hammer fordert Heranziehung des Ertrages zu 30 Proz. Kein Bundesstaat ist bis 30 Proz. heraufgegangen; Elsaß hat 15 Proz., Baden hat lv Proz., r t t c m b e r g erhebt nur einen Zuschlag zur Gewerbesteuer. Sachscn-Weimar, Hamburg und Lübeck haben von der Einführung der Warenbausstcuer abgesehen. Warum wollen Sie die großen Kaufhäuser und S p c z i a l g c- schäste nicht besteuern? Deren Autos findet man genauso wie die der Warenhäuser in den Vororten. Erdrosseln werden Sic die Warenhäuser nicht, denn da stehen zu große gesetzliche Schwierig- leiten jm Wege. Und der Erfolg für den Mittelstand? Durch die Steuer gezwungen, haben die Warenhäuser ihren Umsatz g e- waltig gesteigert, und erst seit der Warenhaussteuer datiert die gewaltige EntWickelung der Warenhäuser. Eine natürlich« Ent- Wickelung ist durch gewaltsame steuerliche Mittel nicht aufzuhalten. Manches schlecht stehende Warenhaus mag zugrunde gegangen sein, aber die guten haben sich entwickelt, trotz aller steuerlichen Maß. nahmen immer weiter, Sie werden natürlich mit der Abwälzung der Steuer auf die Arbeiter rechnen, zumindest mit der Abwälzung der Schädigung des Gewerbes. Aber die Gewerkschaft e n haben dw Lohnreduzierungen abzuwehren gewußt, sonst hätten die Arbeiter die Folgen zu tragen gehabt. Auch Warenhäuser können nicht dauernd die Kunden mit schlechten Waren hineinlegen, sonst bleiben sie aus. Das Publikum ist aber mit den Waren der Warenhäuser zufrieden.— Dit Folge der Besteuerung würde sein, daß die Warenhäuser an den Spesen sparen, mehr für Reklame ausgeben und w e n i, gcr Gehälter zahlen. Und wer wird darunter leiden? Die An- gcüclltcn in erster Linie. Mit vünem solchen Anüeag also wird dem Mittelstand nicht geholfen. Er ist unsozial und ungerecht. Angesichts der herrschenden Teuerung ivärc es ein Verbreche«, den Konsum noch mehr zu verteuern.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Vor zwei Jahren haben Dr. R ö s i ck e im Reichstag und die„Deutsche Tageszeitung" die Warenhäuser als zweckmäßige Organisationen gelobt. Und hier— der Antrag Hammer! Alle einsichtigen So- zialpolitikcr haben eingesehen, selbst der Abg. R o e r e n, der der Vorkämpfer dieser Steuer ivar, daß diese, von der Regierung nur aus Entgegenkommen an den Mittelstand eingeführte Steuer un- sinnig ist. Ebenso Herr T r i m b o r n. Und der jetzige Reichs- lag wird Herrn Herold ein so unvernünftiges Gesetz nicht be- willigen. Statt die Regierung hier zur Einbringung eine« solchen Gesetzes, das den Erkenntnissen der Wissenschaft und der Praxis widerspricht, aufzufordern, sollten Sie der besseren Einsicht folgen und� gleich uns den Antrag rundweg ablehnen.(Bravo! b. d. Sozialdemokraten.) Abg. Batenhorst(sk.) tritt unter Polemik gegen den Abg. Dr. Ehlers für den Antrag ein. Die Warenhäuser unter- stützen den Liberalismus.(Beifall rechts.) Abg. Hammer(f.): Die Fortschrittspartei hat merkwürdige B:- ziehungen zu den Warenhäusern. Dazu gehört auch Herr Ehlers, und zwar mit einem Lorbeerkranz.(Heiterkeit rechts.) Der Antrag geht an die Handels- und Gcwcrbekommission. Morgen,«onnadend, 11 Uhr: Anträge v. Brandcn- st e i n(f.): Reform der Geschäftsordnung; Fried- b e r g(natl.): Jugendpflege; Schröder(natl.) u. Hammer i k.) über das BerdingungSwesen; Arendt(fk.) und Würmcling(Z.) über daS Wohnungsgesctz; Sckifser (natl.) über die Befreiung der Dissidenten linder vom Religionsunterricht. Schluß 5 Uhr. Soziales. Säuglingssterblichkeit und Geburtenziffer. Die Säuglingsstcrblichieit in Deutschland hat den früheren er- schreckend hohen Stand in den letzten Jahren etwas verlassen. Seit- dem die-Sozialdemokratie speziell in den Kommunalverwaltungen die Aufmerksamkeit auf dieses Problem gelenkt und die fakultative Schwangeren- und Wöchnerinnen Unterstützung, die vorwiegend allerdings nur"von Ortskrankenkassen gepflegt wird, den Wirtschaft-- lichcn Halt der Mütter festigte, ist der Vernichtung der jungen Men- schcnleben ein kleiner Tamm gesetzt. In Preußen starben von Z875 bis 1805 durchschnittlich von 100 Lebendgeboreitcu im ersten Lebensjahre 20,5; die Ziffer sank bis 1905 mit einigen Schwankun- gen auf 19,8, dann 1907 auf 17,3; nach einem Ansteigen bis auf 10,8 im Jähre 1908, zeigt das folgende den Satz von 10,4. Trotz der Verminderung der Sterblichkeit ist die Ziffer immer noch sehr hoch. ES ist nun eingewendet worden, daß die SäuglingSftcrbtich- keit in Verbindung mit der Geburtenziffer berücksichtigt werden müsse, sonst bekomme man ein falsches Bild. Es sei sclbstverständ- lich, daß Frauen, die durch häufige Geburten stark belastet werden. der Kinderpflege nicht die Sorgfalt zuwenden könnten, als bei nur geringer Geburtenhäufigkeit möglich fei. An sich ist das schon richtig. Aber weniger mangelnde Leistungsfähigkeit der Mütter, als die direkten materiellen und hygienischen Mittel sind vorwie- gend der häufigen Sterblichkeit Ursache. Tic Kinder siechen dahin,. weil die Mutter sehr oft die Pflege vernachlässigen muß, indem die Sorge um das tägliche Brot sie in die Erwerbsarbcit zwingt, weiter fehlt es den Kindern in den beschränkten Proletaricrwol?- nungcn an Licht. Luft und Raum. Da ersticken die zortcn Men- schcnknospen! Aber auch dann, wenn man den erwähnten Ein- wand uneingeschränkt gelten läßt, ragt Deutschland' trotz seiner offiziell belobigten Sozialpolitik doch noch über die Ziffer der meisten anderen Staaten hinaus. Nur Rußland und Oesterreich können sich rühmen, uns auf diesem Gebiete zu übertreffen. Eine Zusammenstellung der Vergleichszisfern nach Geburtenhäufigkeit und Säuglingssterblichkeit in den wichtigsten Staaten, ergibt laut Angaben der Zeitschrift des Kgl. preußischen Statistischen Landes- amtz 1911, Dritte Folge, dieses Bild: Auf 1000 der Von 100 Lebend- Italien hat bei einer fast gleichen, Gcburlcichäufigkcit eine er- heblich niedrigere Säuglingssterblichkeit als Deutschland. Hier steht die Geburtenziffer unter der Spaniens; dessen StcrblichfcitSziffcr reicht trotzdem nicht ganz an die deutsche heram In Frankreich ist allerdings die Geburtenhäufigkeit am nie- drigsten, aber es hat auch eine erheblich niedrigere Säuglings- fterblichkeit als Dcutschiand. Viel günstiger noch liegen die Ver- hältnisse in England und Wales, noch günstiger in den Nieder- landen. Bei annähernd der gleichen Geburtenziffer wie in Deutsch- land ist hier die Sterblichkeit um 42 Proz. höher als dort. Auch in Belgien ist das Verhältnis besser als bei uns. Noch mehr gilt dos von Schweden, Dänemark und Norwegen. In Dänemark ist die Geburtenhäufigkeit im Bergleich mit der Deutschlands um 13 Proz.. die Säuglingssterblichkeit aber um 65 Proz. niedriger, Schweden Hot eine um 26 Proz. niedrigere Geburtenziffer, dafür aber auch eine um 130 Proz. niedrigere Sterblichkeitsziffcr und in Norwegen ist die Gebürtigkcit um 23 Proz., die Säuglingssterblichkeit jedoch um 165 Proz. geringer. Kein Zweifel, daß Deutschland in der Frage des Säuglingsschutzcs noch beschämend weit zurück ist. In dieser Beziehung haben bei der Erledigung der Rcichsvcrsichcruiigs- ordnung sämtliche bürgerlichen Parteien gründlich versagt. Die Riesenschar der alljährlich ins Grab gesenkten Säuglinge spricht ihnen das Urteil! Zu beachten ist. daß einige ländliche und frauenarbeitsreiche Bezirke gar über 30 Proz. Säuglingssterblichkeit in Deutschland ausweisen. Hus aller Melt. Der kluge Dans in verbesserter Auflage. Das bor einigen Jahren in Berlin Vorgeführte„sprechende" Pferd des Herrn v. Osten hat in Elberfeld gleich zwei Nach- folgcr gefunden. Im„Hamburger Freindcnblatt" schreibt Philipp Berges über die erstaunlichen Leistungen der beiden Tiere. „Z a r i f" und„M o h a m m c d", folgendes:„Zuerst wurde„Zaris" hcrausgefiihrt, ein wundervoller Brauner mit zwei weißen Strüm- pfen an den Hinterfüßen. Das Tier ist durch eine niedere Bar- riere vom Beobachter getrennt. Tiesscits ist eine Wandtafel, ein Kasten mit Brot und Rohrrüben und Zucker, und an d« Wand ferner ein Kalender und Aahlcntabellen. Eine andere �indtentasel bekomme ich in die Hand. Jenseits der Barriere steht, -vor sich ein Zahlbrett in Form eines flachen Schemels. Herr Krall, der Besitzer der Tiere, spricht mit seinem Zögling wie mit einem Kinde; denn die Pferde sind von Stimmungen und Launen abhängig, und häufig sind innere Widerstände zu beseitigen. T>ie Begrüßung geschient meinerseits durch Ueberrcnhung von Bitohr- rüben.„Zatjf" hat einen wundervoll intelligenten Kopf und gp- radezu sprechende Augen. Seine Bewegungen find schnell und cl»- gant. Das Treten mit den Hufen geschieht rasch und ohne jede Anstrengung. Es wird 64 an die Dasei geschrieben, unb_ prompt tritt„Zärif" viermal rechts und sechsmal links.„Vertausche jetzt die Zahl," sagt Herr Krall. Das Pferd rritt ohne Besinnen 46. „Nun addiere die beiden Zahlen." Es erfolgt sofort die Zahl 10. Dieselben Experimente werden mit der Zahl 34 gemacht, sie wird umgedreht, addiert« multipliziert, schließlich im Quadrat verlangt. „Zarif" irrt sich selten, und wenn er sich einmal irrt, so folgt sofort Verbesserung. Auf die Frage: 6 mal 6? kommt 36. Als aber dann Herr.Krall sagt:„Um wieviel hast Du Dich geirrt?" tritt„Zarif" 1. Die Aufgaben werden verblüffend schnell und richtig gerechnet. Hilfen sind nickt am Werk, die genaueste Beachtung zeigt, daß dies ausgeschlossen ist. Alle diese Aufgaben wurden mündlich und schriftlich gegeben. Nun erfolgen Aufgaben, die nur an die Tafel geschrieben werden, und zwar in französischer Sprache. Auch diese werden absolut richtig und schnell ausgerechnet.„Zarif" liest also Zahlen und Buchstaben in deutscher und französischer Schrift.„Nun »aß mal auf," sagt Herr.Krall, auf mich deutend,„unser Besucher heißt Herr Berges, merke Dir s, Berges! So, nun buchstabiere dtn Namen."„Zarif" senkt den schönen Kopf, schaut mich an und tritt B R G S. Den vorgesagten Namen Heinrich tritt er wie Heinlich,, verbessert aber sofort den Irrtum,, indem er ein R hinzufügt.„Wo soll das stcften?" fragt Herr Krall.„Zarif" klopft 4, also der vierte Buchstabe. Der Name Philipp wird von„Zarif" folgendermaßen buchstabiert: PIGB. Dann kommt etwas Unglaubliches. Frage: „Was hatten wir vorgestern für ein Datum?" Antwort: 26. Frage: „Wieviel Tage sind noch bis Ende des Monats?" Antwort 2. Frage:„Wie häufig kehrt das Schaltjahr wieder?" Antwort: 4. Fraxze:„Welches Datum schreiben wir in vier Wochen": 27. 3. Man steht verblüfft und kann seinen Ohren und Augen nicht trauen, und doch stimint alles.„Zarif" wird ein Spiegel vorgehalten mit der Frage:„Wer ist das?" Er buchstabiert: lG. Herr Krall tadelt ihn umd sagt, alle Geschöpfe hätten doch einen Namen. Darauf klopft„Zarif" RVER. Noch einmal gefragt, wie denn sein Ruf- name sei, tritt das Pferd: EAREUR— Auch„Bdohammed" habe ich für einige Minuten begrüßt. Er ist der genial st e Rechner i« der ganzen Natur, den Menschen ausgeschlossen.„Mohammed" ist noch schöner als„Zarif" und noch schneller in seiner Wesensart. Man lieft förmlich die Klugheit aus seinen Zügen. Was ich jetzt gesehen habe, scheue ich nicht, niederzuschreiben. Herr Krall schreibt folgende Wurzelrcchnung an die Tafel: Wurzel aus 27 656, und fast unmittelbar darauf klopft„Mohammed" die Zahl 766, die richtige Lösung der Aufgabe. Ich hatte diese Ausgabe selbst «Vis einem Rechenbuchc herausgesucht." Bei so viel Gelehrsamkeit der Tiere wäre es vielleicht ange- brncht, an einen der Gäule die Frage zu stellen, wann die preußische Regierung gedenkt, das in einer Thronrede gegebene Versprechen der organischen Fortentwickelung des Wahlrechts für Preußen zu erfüllen. Goldfunde i« Ostasien. Im Gebiete de? L a m u r s, eines kleinen Zuflusses deS Amurs, sind von Goldsuchern Goldfelder entdeckt worden, die an- | sanglich von ungefähr dreihundert Russen, Chinesen und Koreanern insgeheim ausgebeutet wurden. Jetzt werden von drei Goldsuchergruppen verschiedener Gesellschaften neue Fundorte gemeldet, ebenso sind auf dem rechten Ufer deS Unterlaufes deS Amurs viele Fundorte von Gold entdeckt worden. Die Felder sind an eine Gesellschaft in OchotSl und an eine englische Gesellschaft verpachtet worden. Kleine Notizen. Ein evangelischer Pfarrer als Urkundcnfälscher. DaS Dessauer Schwurgericht verurteilte gestern den Pfarrer Schulz aus Reupzig wegen Amtsunterschlagung, Urkunden» f ä I s ch u n g und Betruges in fünfzig Fällen zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis. Eisenbahners Ende. Am Freitag früh wurde der 2Sjährige Rangierer Vollhardt auf dem Hauplbahnhof in Frank- für t a. M. von einem Zuge erfaßt und so schwer verletzt, daß er kurz nach der Ueberführung ins Krankenhaus verstarb. Ein ungetreuer Beamter. Wegen Unterschlagung.a m t- lichcr Gelder wurde in Schwelm der Verwaltungssekretär Sauer verhaftet. Dle Höhe des Fehlbetrages konnte noch nicht festgestellt werden. Sauer ist geständig. Wahnsinnstat einer Mutter. Als der Bergmann S t a n i t>4 in Eickel» bei Essen gestern mittag von der Schicht nach Hause kam, fand er seine Ehefrau am Bettpfosten erhängt vor. Seine beiden ältesten Kinder lagen erwürgt imBette. DaS-fünf Jahre alte Töchterchen saß spielend im Bette zwischen seinen toten Geschwistern. Es handelt sich um die Wahnsinnstat einer feit Jahren nervenleidenden Frau. Theater und Vergnügungen Sonnabend, den 2. März 15)12 Anfang 3 Ndr. Zirkus Sarrasani. Große Vor- siellmig. Ansang ZV. Uhr. Neue? Schauspielhaus. Agnes Bcrnauer. Ansang�Zst�Ubr, Berliner. Torquato Tusso. velle-Alliauce. Wilhelm Tel. Ansang 4 Ubr. Urania. Taubeuftraste 48/SS. Von Mecran zum Orller. Luisen. Snecwittchen und die sieben Zwerge. Rose. Robinson Crusoe. Ansang 7>,, Uhr. Kgl. Opernhaus. Othello. Deutsches. Viel Lärm um Nichts. Lesflug. Glaube und Heimat. jileineS. Lottchens Geburtstag. Gentz und Fanny Eitzler. Hocken- jos. Zirkus Busch. Gala-Vorsiellung. Zirkus Schumann. Gala> Bor- stellung. ZirkuS Sarrasaui. Gala- Vor- stellung. Havrrland. Spezialitäten. Ansang 8 Ilbr. Kgl. Schauspielhaus. Der groß« König. Urania. Daubenftrafse 48/Sg. Der Grotzglockner, Gastein und die Salzburgcr Alpen. Hörsaal 8 Ubr i Pros. Donath; An den Grenzen physikalischer Natur- erkenMniS. Rcucs K. Operutheater. Ge- schlössen. «öniggrätzer Straße. Di« süns Frankfurter. Neues Schauspielhaus. Da» Fa- milienkind. Neues. Der liebe Augustin. tiainmerspiele. Eine glückliche Ehe. Rrstdenz. Alles jür die Firma. Komische Oper. Der Waffenschmied. Kurfürfteuoper. Tiefland. Westen. Wiener Blut. Lustspielhaus. Die Damen deS Regiments. Berliner. Große Rosinen. Neues Operetten. Eva. Schiller v. Der Kilomcterfreffer. Schiller. Eharlottendurg. Der Weg zur Hölle. itzriedr.- Willi. Schauspielhaus. Der Feldherrnhügel. Luisen. Der Verschwender. Rose. Napoleon Bonaparte und seine Frauen. Mietrovol. Di- Nacht von Berlw. Drianon. Das kleine Cass. Thalia. Polnische Wirtschaft. Casino. Der Kampf ums Dasein. Apollo. Spezialitäten. ivaüage. Svezialitäten. Hcrrnfeld. Wie man Männer beffert. Der HauSteusel. RcichSbailen. Stettiner Sänger. Wintergarte«. Spezialitäten. Königftadt- Kasino. Kinder der Wüste. Spezialitäten. Anfang 8'/, Uhr. Folies Eaprice. Mandelblüth'» Pollerabend. Losgelassen. Waffen- Übung. Walhalla. Menschenrechte. Voigt. Geschlossen. Ansang 8'/, Uhr. Neues Volkstheatcr. Nathan der Weise. Belle- Alliance. Der Glöckner von Rotrc-Dame.. Anfang 11 Uhr. Lesftng. AlkestiS. »» Sternwarte, Jnoalldenstr. 57— 62. Sehlller-ThealerO.lS. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Kilomotcrfresaer. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der ProbckimdJdat. «ormiag, abends 8 Uhr: Gräfin Lea. Montag, abend» 8 Uhr: Gräfin Lea. Sehlller-Tliealer Chabrü?flnen' Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Weg inr Hülle. Sonnlag, nachm. 3 Uhr: Don Carlo«. Sonntag, abend» 8 Uhr: Kyrltz-Pyrltc. Montag, abends 8 Uhr: Kyrltn-Pyrlt«. Neues Theater. Abend» 8 Uhr: Der liebe Augustiu. Sonnt. 3'/, Uhr: Der lldele Sauer Theater des Westens. Abend» 8 Uhr: Wiener Blut. Sonntag 3'/, Uhr: siin Walzertreum. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Alles für die Firma. Schwank in 3 Alien von M.Hennequin unv®. Mitchell. Für die deursche Bühne bearbeitet von Bollen-Baecker». Morgen u.folg. Tage: Alle, s.v. Firma. Sonnt.,3. 3., 311.: Kiimm.Oich um Amalie Luisen-Theater. Sonnabend 4 Uhr: Sneew ittchen und die 7 Zwerge. Abend»: Der Ber- schwender. 1 Große Frankfurter Str. 132. Nachmittag» 4 Uhr: Robinson Crusoe. Abend» 3 Uhr: Napoleon Bonaparte nnd seine Frauen. Sonniaa 3 Uhr: Heimat. 8 Uhr: Napoleon Boncrparte u. sein« Frauen. Metfopol-Theater. Abends 8 Uhr:. Rauchen gestattet. Iiis Nacht von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Morgen nachmittag 3 Uhr:» „Dorothea".„Die kleinen Lämmer". Ab 8 Uhr. VoIIMig neues Programm! 8 für Berlin neue Debüts mit ? Los Nr. 33? The Perezofls usw_ Berliner Theater. Abend» 8 Uhr: Grotze Rosinen. AbcndS 8 Uhr: Die 5 Frankfurter. MM« Ein neuer Sensationserrolg — Nie man—- fflanner bessert. 2 Zllte von Anton u. Donat Herrnfeld mit den Llutorcn in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: Sek Qausteufel. Ansang 8 Uhr. Biilettoorverkaus 11—2(Theaterkajse) Zirkus Busch. Somabend, den 2. März 1912, abends 71/, Uhr: SHte-Gala-Abend. Beginn der internationalen Jtingkämnfe unter Aufsieht des Internationalen Blngervcrbanden. Beteiligt« Ringe: (Enankreicn) e Dassettl(Italien) Koel de Bordelais Gnlsepp Willy Urbach Hadji BonrKontc Carlos Heinrich Weber Friedrich Jlsa Willy Stall lag Fred. Harhassem Alpbonse Steors Albert Sturm Hein m Karl Kornata HartlnofT Mitglied des L R.-V. (Rheinland) (Tunis) (Belgien) (Rom) (Prag) (Bremen) (N ordschleswig) (Belgien s (Berün) (Berlin) Unterhandlung: (Ostoreußen) (Rußland) Vorher; Das große Gala-Programm. ü. a.: Debüt der pbllnomenalen 8 Orpingtons. Sonntag, den 8 Hftra 1018: Zwei Topstellnngen. Um S'/i u. 7ll, Uhr. Um 8'/, Uhr I Kinder unter 10 Jahren halbe Preise. 7'l, Uhr: Griechlsch-rdmische Ringkämpfe und„Die Hexe" Um 3'/i Uhr: v". Jt 5? CLOU" Berliner Konzert«Haus. Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90/91. Qrostes Doppel-Xonzert !! I Zillertbaler und Tegernseer Sänger, Plattler und Jodler!!! Anfang 8 Utzr. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachmittags: Großes Promenaden-Konaert bei freiem Eintritt. ....... 1111 Inhaber Adolf Knjder, Hardenbergstr. 87/88, vls-a-vls Ansstellnngshallen Eröffnung heute naehmittag 4 Ubr. LunasPark. Ausschank von 99 Triumphator" ans dem Münchener Bürger- Br&u. „Wintersportfest" Orlg.> Oberlandler> Kapelle, Orig.-Dachauer Bauern-Kapdle, Orig.-Tiroler Tänzer und Sänger, Humoristische Szenen, Volkskomiker VolksbelDStlgnngeo, sensat. Attraktionen. Reiehsballen-Theater. Stettiner Sänger, Pavtofftl-Htldku. Urkomische Burleske Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Beil«--Aliinne«-Theater. 3'/, Uhr: Wilhelm Dell. Schüler- Vorstellung. Abend» 8'/, Uhr: Der Glöckner von Notre-Tame. Sonntag 3'/, Uhr: Der Glöckner von Nowe-Dame. Di-nStag, S. Mär, Premiere: Die MeineibsgrSfi». Trianon-Theater. Täglich abend» 8 Uhr: Das kleine Caf£. Zirkus A. Sclmmann Sonnabend, den 2. März 1912, abends 71/, Uhr; Grande SolrCe Highlire n. a,: Auftreten der weltberühmt. Anroratrnppe, bestehend aus 5 Herren. Die 3 Oravia In einem ganz neuen Genre, sowie die übrig. Spezialitäten. Um 9 Uhr: Das Moiorpferd in 5 Akten. Große Schlußapotheose mit noch nie dagewesenen Effekten. Sonntags: 2 Vorstellungen, 3'/, und VI, Uhr. In beiden Vorstellungen: Das Motorpferd. arrasani! SehöDliaiiser Allee, Telephon: Nord 4100.1 Sonnabend und Sonntag i« 71 Uhr Yorsteilungen L Nachmittags zahlen Kinder auf allen Plätzen halbe Preise. Vorverkauf a. d. Circus- kasse und an sämtlichen! | Billettverkaufsstellen von| A. Wertheim. Urania. WiBsenschaftliches Theater. 4 Uhr: Ton Heran zum Ortler, 8 Uhr: Der Qroßglockner, Gasteia aal die Salzborger Alpen. Hörsaal Prof. Donath 8 Uhr: An den Grenzen physikalischer N aturerkenntnis. Heute Premlere. Melia die schönste und gefeiertste russische Tanzkflnstlerin. Scbneldcr-Dnncker| Danell-Trnppe etc. und 18\ arlotA- Sensatloncn. Dienstag zum erstenmal: IDasGeisterfeuster.l Voigt-Theater. Gesundbrunnen Sab strotze 68. Morgen Sonntag, den 3. März 1912; nachmittag» 3 Uhr: D.Geheimnis eincsKönigShauscs AbendS 7 Uhr: Sie Zeemsnnsdrsut. VolkSstück mit Ges. in S Bild. v. Willen. Kaffeneröffn. 10 Uhr. Lins. 3 u. 7 Uhr Montag, 4. März: Benefiz Nelly Platen:..Das Mädchen ahne Ehre". Lebend! Lebend! Hede des | Ein atavistisches Wunder.| Das Mädchen mit dem Hfibncnkopf. Halb Mensch— halb Animal. Das blaac Weib, ein Opfer wilder Barbaren. Die Frau in der Kanne, Befreiung a. d. Wassergrab.| Ohne Extra-Entree! Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch wenige Aufführungen. Heber 100 mal ausocrkaust. Der Kampf ums Dafeill. Am 16. März Premiere. Sonnt..V/,: Trudchcns Sommcrresse. Königstadt-Kasino. Ecke Holzmarkt- u. Aiexanderfwatze Däglfch abends 8 Uhr. Sonntags'/,« Uhr: Theater und'VarletA. Vom 1.— 16. März 8 Sporialiläten und„Kinder der Wüste': Operetten-BurleSke v. O. Richter. folies tspriee. Täglich 8'/. Uhr: Losgelassen. �VskienüdufiK. Mandeldlüths Polterabend. am Roscnlhalcr Tor. Allabendlich 8'/t Uhr:'S mlli Größtes soziales Ausftat. tungs-VolkSstück mit Ballett und Gesang in 5 Akten von Max Rcichardt. In Szene gesetzt v. Dir. James Klein. Ii Geheimnisse im Prwatkontor. 2. AN: Die große Protestversammlung. � Im Ballsaal. Am Rande des Abgrundes. � 4. AN: Arbeit nieder 5?Ikt- Ein Gottesgericht. Sonnlag nachm. S1/, Uhr: Die größte Zsnde. Am 5ol>� Rfedrkbltesssc Am Bähnbcd'— E i»- A r e n a. Geöffnet von U Uhr vorm. , Nachmittags: Knnstlauf• Produktionen. J Abends: | Tftnne auf dem Else. Die kleine Charlotfe. Das prächtige Eisballett Alpenzauber, Bis 6 Uhr und von 10»/, Uhr abends halbe Kassenpreise. 1 Sur den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion de« Publikum gegenüber keinerlei verant«ort«ng. Berliner Credit-Haus (fty Kommandantenstr. 67. � Alfcoholfrele Getränke'� Frauz Abraliam Ewnb. Messina-u.Römertrank-Kell. y4, Schlegelst.9, Fernsp. III. 7727| fiUrfpfh Seiter- u. Limonad.-Fabrik| ülililli, Thaerstr. 44. 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Prenzlauer Allee 42. Hermann Carl, Rixdf., Hermaonstr. 231 Engel1« Landbrot Heinersdorfer Mühle Yerkfssiell.; Koloiieat.«, Rodenbergrt. 2, l)üderiizat.55,ScliiTelbemeral.44,Svine- dnderstr. 43, Pankow. Florssir. 80. iktonia- Bad—— Kottbusei Damm 75 FpiedHchWSlhelmsbad Chausseestr. 87. Q Bade-Einrichtungen) D a-T�ge s ä n d est e und billigste Bad ist das Ideal-Rieselbad Marie Z.& Co. ganze Baüeeiurichlungeii\on M. 12�0 an. (Soliden Kunden Teihlg. gestalt). lllnstr. Preisbrosch. ICO Seiten gratis u. franko. J.Zcrubo 2k Co.eHamburg C- {" Bandagen, Gummiw. j i R. Bauke, btralauer Str. 56. ! Berkholz, Köpenickerstr. 70. i Lange, A. E., Brunnenstr. 167. Liepe, Schöneberg, GrnnewaldslrSO. Meyer, P., Ri., Berlinerstr. 49—50. J. Ch. Pollmann, Lotbriagerstr. 60. Wende, A., TÄ84> I DpiVhp Ä Seydelstraße 15. |£VCIUICf H. Lief.allerKassen Fritz Reibe, Schöneberg. Haoptstr. 18 i Fr.Schulte, Adlershof.Bismarckst.S premba p/o'�mklL ( Beerdln.-ftnat., SargniT� 1 A. Buttf�orndorfcr�tr�B�� HRrrlmr Rixd., HohenzolIernpl.il . Um\ Bockov a. Rixd. Krankecnaos. | MSI PDttlJ S?urtef:Änee.70 Hiekei, Fr., Gr. Hamburserst. 37 G. Lehmann, Pasewalkerstr.l E. Gerichlslr. Moldt, Fritz, Rixd., Reuterplatz. Gust. Nobert, Potsdamerstr.llSa H. Petermeier, Strelitzerstr. 8. Pete�Schle�WRh�Zojsencrst�� Wilfi. Eogel weÄÄ< Verkauf in Milchgeschäften Barlins. Betaul gefekei. d. Plakat». lischer, Görlitzeratr. 55. Ftlkeuteiiutr. 20, Kopeucktntr. 17,. W. Gerlach, SchoDebg. Sed&nslr. 8/7. ■ CafO und ißse, M cÄ;ei nMHee�BBaee BerliatritiS. Alfred Graf, Beusselstr. 2». Karl Glesmann, Wittstockstr. 7, H. Olütk.Wilhelmsha venerstr. 51. August H ähner, Sehwed terstr.52. August Hantk, Capenink � Beleucht.-Gegenet. BÜnzerRTO�Hij Carl Imme jan.a�rM.rÄt» Büttner, A-, Danzigeratr. 96. Sflirammar,H.,EicRhiaxrdd08ifii8. Vettin, H. Erun3n|.n5tr- BerufskleldunB j BertramTJförS'en�SaxsTrrn. Keiner, Otto, Gerichtstraße 86. Wecker, A.JülHeniiaillHl 3. t Bettfedern u. Betten) Bertha Herbold, Carmen Sylvastr. 166 Janlszewski, Felix, Eisenbahnstr. 7. Alb.Keil,Charlbg.,Kai8er-Friedrichst.20 Gl Brunnenstr. 63 . LaUlGUl Petcrsbnrgcrstr.il Gustav Mai, Schönhaus. Allee 177. Menzel.KRixdork, Hermannst 124 F. Müller, Danzigerstr. 27. H.Peuski, Schwedenstr 19,Eck Radstr. j Ww.Rutschke, Ri. Hermannst.62 Th. Schirbel, N. Stettinerstr. 8. C.Sommer, wrangelst.44, Amt IV 12066 Aug. Trothe, Wrangelstr. 11. Thiedtke,RixdorfsHermannst.64. Aug. Wandelt, Rixd., Bergstr. 96. H. Zinke, Novawes.Friedr.- E.Prieslerst. Westmann 1, Geschäft: Mohrenstr. 37a. 2. Geschäft: Gr. Frankf.-Str. 115. Bei Vorzeigung 50/o Rabatt. Paul Zutermaan Konfektionshaus— Chansseeslr. 66 j Butter, Eier, Käse iäntteriiundiung . F. Assmann 20 Filialen in Berlin O. OskarBeck Prosdenerst. 97, Blücherstr. U Reichenbergerstr. 18 u. wastl. Vororte. Vorzugspreise. funtrock, W. Rixdorf, i Boddinstr, 3. 1 Drei Kronen 0.�» isöier, Ernst �en,ei.straß!i 'ried. Gdseke, 7 Filialen. 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Nr. 82. 29. ZahrMg. ZLtilUt Ks.Mmärls" Knlincr WllMIl. Zollltllbelld. 2 Marz 1912. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! VI. KreiS. Das Lokal.Bürgerkasino' und„VereinShaiiS" am Weddingplatz. Sellerstr. 35, steht uns zu den bekannten Be- dingungen zur Verfügung. Am Sonntag, den 3. März, veranstaltet der Mandolinenklub ,.Con Brio" in den Kammersälen. Teltower Str. 1/t, ein Konzert. Da uns die Kammersäle nicht zur Verfügung stehen, aber versucht wird, in ärbeiterkreisen Billetts umzusetzen, ersuchen wir, dieselben zurückzuweisen. In Johannisthal hat der Gasthof„Zur deutschen Eiche Friedrichstr. lO, den Besitzer gewechselt. Der neue Inhaber, Herr Zwirblalt, stellt uns sein Lokal zu den alten Bedingungen zur Ver- fügung. I n Bohnsdorf T.-E. findet am 2. März im Lokale des Herrn Wirih, früher Dölling, ein Kostümfest statt; da Herr Wirth sein Lokal der organisierten Arbeiterschaft hartnäckig verweigert, er- suchen wir, das Lokal streng zu meiden. _ Die Lokalkommission. Steglitz. Die Flugblattverbreitung am Sonntag findet nicht erst um S. sondern schon um 8 Uhr von den Bezirkslokalen aus statt. Johannisthal. Sonntag, den 3. März, vormittags 8 Uhr, von den bekannten Stellen aus wichtige Handzeltelverbreiiung. Mittwoch, den 6. März, abends 8 Uhr: Grotze öffentliche Wähler- Versammlung in Senftlebens Festsälen, Fricdrichstr. 48. Tages- ordnung: 1. Die Aufgaben der Kommunen. Referent: Oskar Riedel- Wilmersdorf. 2. Bericht aus dem Gemeindeparlament. Referent: Hermann Duhr in g. Maricnfelde. Am Sonntag, den 3. März, nachmittag? 3 Uhr, auf dem Grundstück des Herrn Richard Kreutzberg in der Ahorn- stratze lVillenkolonie): Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Gemeinde. Referent: Genofie Joachim K l ü fe. Diskussion.— Ansprache des Kandidaten F. Greulich. Bohnsdorf. Heute Sonnabend, den 2. März, abends 8'/, Uhr: Oeffentliche Gemeinde Wählerversammlung in Villa Kahl(Jnh. Bakofzer). Tagesordnung: 1. Unsere bevorstehende Gemeindewahl. Referent: Genosse Redakteur W e r m u t h-Neukölln. 2. Diskussion. 3. Aufstellung des Kandidaten. Genossen, agitiert für guten Besuch dieser Versammlung. PeterShagen. Sonntag, den 3. März, nachmittags 4 Uhr, im Lokal zum„Alten Dessauer', Hennickendorfer Strasie: Oeffentliche Kommunalwähler- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der sozialdemokratischen Gemeindevertreter. 2. Was ist für PeterShagen weiter erforderlich? 3. Verschiedenes. Reger Veiuch wird erwartet. Mahlsdorf sOstbahn). Am Sonnabend, den 2. März, abends B'/g Uhr: Wahlvereinsversammlung im Lokale des Herrn Eckler. Grnnowstratze. Tagesordnung: 1. Bericht. der Bezirksleiiung. 2. Stellungnahme zur Gemeindevertreterwahl. 3. Verschiedenes. Am Sonntag, den 3. März, früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Am Moniag, den 4. März, abends 8'/, Ubr: öffentliche Versammlung im Lokale des Herrn Dräger, „Heidekrug', Köpenicker Allee. Tagesordnung: t. Die Sozialdemo- kratie in der Gemeindevertretung. Referent: Gemeindevertreter .JnliuS Grunow. 2. Frei«' Diskussion. Genoffenl Sorgt für .»echt reg- Beteiligung an den Versammlungen und der Flugblatt- Verbreitung. Die Bezirksleitung- Schenkcndorf. Heute Sonnabend, den 2. März, abends 8 Uhr, bei Otto Pactich: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vor- trag über:„Was haben wir vom neuen Reichstage zu erwarten?' 2. Wahl der Dclegieitcn zur Genernlveisanmilulig von Grosi-Berlin, 3. VereiuSangelegenhenen und Verschiedenes. Erkner. Heule, Sonnabend, den 2. März, abends'/eli Uhr, in Degebrodts GeiellichaftsbauS: Oeffentliche Versammlung. In der- selben soll zum letztenmal den Geineindewädlern die Nolwendigkeit der grötztmöglichen Wahlbeteiligung zum 6. März dargelegt werden. Am Montag, den 4. März: Anherordentliche Mitgliederversammlung. Dabendorf. Am Sonntag, den 3. März, abends 5 Ubr, im Lokale„Zum Deutschen Kaiser': Volksversammlung. Referent ist Genosse Joachim K l ü st. Pflicht der Genossen ist cS, eine rege Agitation für den VcrsammlungSbesuch zu entfalten. Niedcr-Schönhauscn-Nordcnd. Die Genossinnen sammeln sich zum Besuch der Frauenversammlung am Sonntag, den 3. März, um 12'/, Uhr mittags an der Kirche. Die Bezirksleitung. Schöiiwalde lBez. Pankow). Morgen, Sonntag, den 3. März, »achmillagS 2 Uhr, bei Schulz: Oeffentliche Gemeindewählervcr- sammlung. Tagesordnung: Die Sozialdemokratie in der Gemeinde. Referent: Gemeindevcrtreter Hartmann- Treptow. Die Partei- genossen werden ersucht, für zahlreichen Besuch zu agitieren. Die Agitationskommission. Ladeburg O.-B. Sonntag, den 3. März, nachmittags 3 Uhr, im Saale des Herrn Sanner: Oeffentliche Versammlung. Referent: Stadw. B. Bruns- Berlin. Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Hinter den Kulissen. Wenn draußen. in den kleinen Provinznestchen. die Schmiere anlangt, um für kurze Zeit in fragwürdiger Ausrüstung noch fragwürdigere Vorstellungen zu geben, so ist es nicht allzu schwer, hinter die Finessen der Truppe zu kommen, init denen sie ihrem, im allgcnleinen noch nicht verwöhnten Publikum Jllusioucu vorzutäuschen versucht. Ist doch die Zauberwelt alles andere als hermetisch abgeschlossen und für gewöhnlich müssen die Mitglieder im Orte herumgehen und sich die notwendigen Theateruteusilien erst leihen, wofür es dann einige Gratisbillette gibt. Anders bei jenen Bühnen, die allen Flnforderungen der Neuzeit entsprechen müssen, ihre Alisiustung. ihr Fundus repräsentieren enorme Kapitalien und in riesigen Räumen lageni alle jene Tinge, ivie Kulissen usw., die den Betrieb eines großen Theaters erst ermöglichen. Es ist für den. der nicht selbst zum„Vau" gehört, un- gemein interessant, einmal buchstäblich genommen,„hinter die Kulissen" zu blicken und zu erlmischen, wie Natur, Elemente und andere Dinge dem Publikum vorgezmibert werden. Wohl kennen die meisten die Aufmunterung des Theater- direktors aus Goethes„Faust": „Drum schonet mir an diesem Tag Prospekte nicht und nicht Maschinen. Gebraucht das grog' und kleine Himmelslicht, Die Sterne dürfet ihr verschwenden; An Wasser. Feuer, Felsenivänden, An Tier und Vögeln fehlt eS nicht—, aber sehen mochten sie doch alle nial diese Dinge in der Nähe und die Einzelheiten des gewaltigen Apparates. Die„Freie Volksbühne" hat es unternommen. ihre Funltionäre in die geheimnisvolle Welt einzuführen. sie mit profanen Blicken in das Allerheiligste schauen zu lassen. Voller Erivartung, mit fragenden Blicken, traten wir in einen schmalen Korridor ein, wo»vir eine kleine Weile uns mäuschenstill(es gelang den Großen so wenig, wie es den Kleinen zu gelingen pflegt) Verhalten sollten. Die Glut der Zigarren war schon draußen im Vorraum ausgelöscht worden. Enggedrängt harrten wir der Dinge, die da kommen sollten. Irgendwoher schmettert ein Tenor sein Lied aus dem Schall- trichter eines Phonographen. Stimmen werden laut, scharf akzenwierte Worte, tragische Ausrufe— die Künstler proben noch. Bald können wir aber durch eine Tür eintreten. Wir befinden uns in einem düsteren Raum. In Zwielicht getaucht, blickt von einem tiefen Sessel aus eine dunkelgelockte, schlanke Dienerin Thcspis' halb verwundert, halb schelmisch auf die wissensdurstigen Fremdlinge. Es ist der Bühneuraum, wo wir stehen und von dem aus eine enge, steile Wendeltreppe in die höher gelegenen Stockwerke führt. Im ersten Raum, den wir betreten, fallen uns am Boden sofort eine große Anzahl Flaschenzüge auf, von denen aus, in dichtem Gewirre, viele Drähte, einer Riesenharfe gleich, nach oben führen und welche die Kulissen halten, die je nach Belieben, mittels der Flaschenzüge nach unten dirigiert werden. Von hier aus geht es höher hinauf, und wieder empfängt uns in den, neuen Raum, von unten her. die helle, durch- dringende Stimme des Phonographen, der sich schon längst seinen Platz im Theater gesichert, sich unentbehrlich gemacht hat. Hier werden uns u. a. auch die Brausen gezeigt, 48 an der Zahl, die beim Ausbruch von Feuer aufgedreht werden und imstande sind, innerhalb drei Minuten die ganze Bühne einen halben Meter tief unter Wasser zu setzen. Das Publikum hat also bei den heutigen Schutzvorkehrungen im Theater keine Ursache, schon auf einen Feuerruf hin den Kopf zu verlieren und eine Panik zu verursachen. Sehr einfach und originell ist die Art, wie ein Gewitter markiert, wird. Wenn es„einschlage?." soll, so wird eine Eisenkngel von der Größe einer Nuß in einen Holzschacht ge- worfen, wo sie drei Meter tief auf ein Blech fällt und von da im Zickzack über weitere Bleche rollt. Der Donner selbst wird durch ein ausgespanntes Fell erzengt, auf das, wie bei einer Pauke, jedoch mit zwei Klöppeln losgedroschen wird. Außerdem bewegen sich noch nach der Größe abgestufte Kugeln auf der Fläche, die an senkrechten Fäden befestigt sind. „Theaterkatze" wird fachtechnisch eine Vorrichtung genannt, die den Flug einer Person in der Luft über die Bühne er- möglicht und ferner konnten wir unS überzeugen, daß Felsstürze sich ereignen können, ohne eine Katastrophe zu bewirken, nämlich— wenn der Rutsch auf der Bühne erfolgt. Und als der Führer gar eine mit Seidenrips überzogene Trommel in Bewegung setzte, stieb eine so heftige Windsbraut(und außer- dem eine Menge Staub) daher, daß es uns in den Ohren pfiff, bis der Luftzug sich zum heulenden Frühlingssturm ver- stärkte, der die'Bäume schüttelt und die Häuser umtobt, um jäh zu verstummen. Gleich darauf platterte ein kräftiger Regen auf uns nieder und erschreckte uns, in Anbetracht' unserer guten Kluft, nicht gering. Zum Glück aber war e vollkommen— trocken, denn Erbsen, ganz gewöhnliche Erbsen hatten das Geräusch des niederprasselnden Regens täuschend nachgeahmt. Wie eine Zimmerdecke herunter- gelassen wird, wurde uns ebenfalls erklärt; dann aber kam der interessanteste Punkt: die Drehbühne, die 6000 Kilo Tragkraft besitzt und 15 Mal 50 Meter Durchmesser aufweist. Bei Aufführungen, wo Krönnngsfeierlichkciten vorkommen, können bis 96 Stufen gebaut werden. Die Bühne läßt sich zur Hälfte oder auch ganz versenken. Ebenso können einzelne Personen in der Versenkung verschwinden. Der Motor, der die Bühne dreht, verfügt über 75, der- jenige, der sie versenkt, 60 Pferdekräfte. Einzelne Personen werden durch Handbetrieb versenkt. Zuletzt zeigte uns der Theatermrister noch die Apparate und demonstrierte vorüber- ziehende Wolken, Blitze, das Beleuchten einzelner Personen, wie z. B. im„Faust" Mephisto, ferner einen Ucbergang vom Tageslicht zur Dämmerung, oder das Erwachen des Morgen- rots. Bei der Vorstellung von Panoramen dient eine Riesen- decke von 180 Meter, die sich oben auf eine Walze wieder ausrollt. Das Theater hat seine eigene Schlosser-, Tischlcr- und Malerwerkstatt. Daneben ein Notmagazin für Kulissen und sonstige Effekten, während das große Magazin sich am Lehrter Bahnhof befindet. Die Besichtigung mußte natürlich im ziemlich schnellen Tempo vor sich gehen— der Theaterbetrieb duldet keine längere Unterbrechung und schon wachsen vor unseren Augen Hütten und Landschaften auf— Björnsons Geist ging um. Bald darauf rauschte der zweite Teil von„Ucbcr unsere Kraft" an uns vorbei, groß und gewaltig, voll tragischer Wucht und ließ uns vergessen, daß wir kurz vorher die Geheimnisse der Kunst entschleiert._ Vom GcsindrbelohnungSfonbS. Amtlich wird mitgeteilt: Mit dem t. April d. I. wird die neue Satzung der Belohuuugs- und Unterstützungsanstalt für das Gesinde zu Berlin, toelche am 31. Januar die landesherrliche Geneh- niigung erhalten hat, in Kraft treten. Damit wird die schon lange als unzeitgemäß und ungerecht bekämpfte Beitragserhebung von den Tieiistboten, welche durch Lösung eines Gesindescheines zum Be- trage von 50 Pf. beim jedesmaligen Diensiwechscl ersolflte, auf. gehoben. Der hierdurch herbeigeführte Einnahmeausfall wird durch ein zinsfreies Darlehen von 500 000 M. aus den Ueberschüssen der städtischen Sparkasse an die Anstalt gedeckt, welches zunächst auf 20 Jahre von den städtischen Behörden bewilligt worden ist. Durch diese Regelung und zugleich auch durch die Aufgabe des Erbrechtes auf die Hiuterlassenichaft der Insassinnen ist die Anstalt zu einer reinen WohltätigkeitSanstalt geworden, um treue, wohlverdiente Dienstmädchen bei eintretender Invalidität zu belohnen und zu versorgen. Auch die Bedingungen für die Antwartschaft auf Un- terstützung bczw. Aufnahme in das Altersheim sind dahin erleich- tert worden, daß in Zukunft eine Dienstzeit im Weichbilde von Berlin im ganzen von 15 Jahren oder der letzten 5 Jahre verlangt wird, daß die Bewerberinnen durch Alter, Krankheit oder Unfall dienstunfähig geworden sind, muß natürlich auch von ihnen nachge- wiesen werden. Während nach dem alten Statut ein Drittel der Einnahmen aus den Beiträgen zu Barunterstützungcn verwandt werden mußte.'ist nach der neuen Satzung zuerst die volle Besetzung des Altersheims zu berücksichtigen; erst aus den verfügbaren Mitteln können laufende Unterstützungen bis zur Höhe von 12 M. monat- lich von der Deputation bewilligt werden. Das Altersheim der An- stalt liegt an der Ecke der Koppen- und Palisadenstrahe in einem Garten, es hat 110 Plätze, von denen zurzeit 77 besetzt sind. Die Insassinnen, welche zu je zweien ein geräumiges, möbliertes Jim- Mtt mit Kochgelegenheit haben, erhalten ontzer Feuexung und Licht sowie Reinigung der Wäsche ein monatliches Verpflegungsgeld bis zu 13 M.. ausnahmsweise auch darüber, und außerdem haben sie ärztlichen Beistand und Arznei frei. Das Altersheim hat im ver- gangenen Jahre das 25jährige Jubiläum seines Bestehens feiern können._ Zur Groß-Berlincr Spielplatzfrage, die zum zweiten Male in der für den morgigen Sonntag nach der Neuen Welt, Hasenheide, einberufenen öffentlichen Versammlung erörtert werden soll, liegen sich jetzt in der„Voss. Ztg." Herr Bürgermeister Dr. Reicke, der an Spielplatzflächen 230 Hektar herausgerechnet hat, und als Vor- sitzender des Hauptausschusscs für Leibesübungen und Jugendpflege Herr Professor Dr. H. Älbrecht, der die amtlichen Angaben als ein bureaukratisches Rechenexempel ansieht, freundschaftlichst in den Haaren. Scheinbar sind auf beiden Seiten Irrtümer unterlaufen. Herr Albrecht legt etwas zu, Herr Reicke läßt etwas ab. Daß die Zahlenangaben des Herrn Bürgermeisters mit einiger Vorsicht zu genießen waren, haben wir schon ausgeführt. Diese Zahlen mögen, von einem bereits festgestellten Irrtum von 23 Hektar zuviel ab- gesehen, wohl auf dem Papier stehen, aber praktisch kommen doch lediglich diejenigen Spielflächen in Betracht, welche einen geordneten, regelmäßigen Spielbetrieb gestatten. Und daran, daß im richtigen Verhältnis zur örtlichen Lage und zur Kinderbevölkerungszif�er mindestens zwei Drittel der von Dr. Reicke zusammengerechneten 230 Hektar einen geordneten, regelmäßigen Spielbetrieb nicht ge- statten, kann kaum ein Zweifel sein. Es dürfte also trotz aller halbamtlichen Bemäntelungsversuche, die stark nach Haarspalterei aussehen, ein gut Teil Wahrheit darin stecken, wenn gesagt wird, daß für Hunderttausende von Groß-Berliner Kindern die vor- handenen und gerade die besten Spielgelegenheiten so gut wie illusorisch sind. Wenn es etwas verallgemeinert hieß, daß 353 00V Kinder ohne Spielplatz seien, so hat man doch aus dem Sinn der Propaganda und aus den Reden der ersten Versammlung ganz genau wissen müssen, was gemeint war. Aber Magistratus will immer recht behalten— das ist der Stolz der Berliner Kommunal- Politik._ Die Kartoffclteuerung wird von der minderbemittelten Bevölkerung nicht weniger drückend als die Brotteuerung empfunden. Die Preise. die in der letzten Zeit für Kartoffeln gezahlt werden mutzten, waren so hoch, wie man sie seil vielen Jahren nichi gekannt harte. Nach den von der Berliner Kaufmannschaft angestellten Er- Mittelungen über die Großhandelspreise verschiedener Nahrungsmittel kosteten in Berlin im Durchschnitt des Jahres 1911 die Kartoffeln— und zwar gute, gesunde, sortierte, frührote Speise» kartoffeln, exklusive Sack, ohne Spesen, netto Kasse, ab Bahn—> 100 Kilogramm 5,97 M., während der Durchschnitt aus dem Jahre 1910 nur 4,07 M. betragen hatte. Für 1910 war der Kartoffelpreis allerdings ungewöhnlich niedrig, aber ein Rückblick auf die beiden letzten Jahrzehnte ergibt, daß ein so hoher Preis wie in 1911 seit 20 Jahren nicht gezahlt worden ist. In den 10 Jahren 1901 bis 1910 z. B. war der Durchschnittspreis pro 100 Kilogramm Kartoffeln, immer nach den Ermittelungen der Ber- liner Kaufmannschaft und für die oben angegebene Qualität, nur 3,92 M.. 3.83 M.. 4.49 M.. 5,53 M., 5.34 M., 3,46 M, 5,31 M, 5,40 M.. 4,99 M.. 4,07 M. Das Jahr 1911, in dem der Durchschnittspreis, wie schon gesagt, plötzlich auf 5,97 M. emporschnellte, brachte besonders i n d e n H e r b st- und Winter m o n n a t Lue i ne sehr fühl- bare Preis st eigerung. Der Monatsdurchschnitt � war von Januar bis Juni 4.50 M.. 4,67 M.. 4.58 M.. 5 M.. 4.75 M.. 5,67 M. und sodann von August bis Dezember 8 M., 6,67 M., 6,83 M., 7 M., 8 M.(Für Juli ist kein Preis notiert, weil in diesem Monat der Kartoffelmarkt fast nur mit neuen Kartoffeln zu ungewöhnlichen Preisen beschickt wird.) Aus dem Jahre 1912 sind die Ergebnisse der Prcisermittelungen erst für Januar durch die Veröffentlichungen des Berliner Statistischen Amts bekanntge- geben worden. Im Januar stieg der Durchschnittspreis weiter auf 9,10 M.. das ist reichlich das Doppelte des für den vorjährigen Januar ermittelten Preises. Wie dann im Kleinhandel die Kartoffelpreise gestiegen sind, das wissen unsere Hausfrauen. Zwar hat der Monat Februar end- lich wieder eine Ermäßigung gebracht— das Ergebnis der Preis- ermittelungcn auS dem Großhandel ist für Februar noch nicht be- kanntgegeben—, doch müssen auch jetzt noch Preise bezahlt werden, wie wir sie in Berlin seit langem nicht gehabt haben. Gewiß kann man die Kartoffel als Nahrungsmittel nicht für so wertvoll halten, wie es unbestritten das Brot ist. Sie gilt aber in- folge langer Gewöhnung als notwendige Beigabe zur Mittagskost, und in der Volksernährung spielt die Kartoffel leider eine wichtige Nolle. In vielköpfigen Arbeiter- familien, wo die Kartoffel den Speisezettel beherrscht, hat in diesem Winter die fortschreitende Verteuerung geradezu panikartig gewirkt. Zum Leiter der psychiatrischen Klinik an der Eharite ist an Stelle des zum 1. April ausscheidenden Gehcimrats Ziesen der Ge- Heime Medizinalrat Professor Dr. Karl Bonhoeffer aus Breslau berufen worden. Der vorzügliche Göttingcr Neurologe Professor Cramcr, der bahnbrechend auf dem noch wenig gepflegten wichtigen Gebiete der Errichtung billiger Volksnervenheilstätteii wirkt, hatte leider abgelehnt. Ebenso der Jenenser Professor Binswanger, der in der Affäre des Professors Lehmann-Hohenberg aus Weimar und in zahlreichen anderen Fällen durch recht eigenartige Gutachten be- kannt wurde. Herr Bonhoeffer hat in dem bekannten, vor 3)4 Jahren verhandelten„Jrrenhausfoltcrprozeß" nicht gerade gut abgeschnitten. Als an den Prozeß noch nicht zu denken war, stellte er ein günstiges Gutachten aus. das er nach dem Prozeß öffentlich zu widerrufen sich beeilte. Vielleicht kehrt der neue Besen besser. Ein schwerer Zusaiiimcustoß zwischen einem Transport- und einem Straßenbahnwagen ereignete sich am gestrigen Freitagmittag vor dein Hauie Chaiisseestraße 57. Dort fuhr ein Geschäftswagen der Firma Julius Küry, der ans entgegengesetzter Richtung kam, mit so großer Gewalt gegen den Straßenbahnwagen 1891 der Linie 29, daß die Deichselstange durch das Schutzgitter hindiirchdcang. Der auf dem Perron stehende Kaufmann Otto Hase wurde von der Holzstange so schwer getroffen, daß er bewußtlos zu Boden sank. Man schaffte den Veniiiglückten nach der Unfallstation, wo der Arzt mehrere Rippenbniche und innere Perletznugen feststellte. H. mußte nach dem Krankenhause Bethanien übergeführt werden. Für den sonntägigen AuSjlugSvcrkehr bringt der Sommer' fabrplan der Stadl- und Ringbahn einige benierkenSwerte Ver' besscrungen: Die Züge Stadtbahn-Nord- bczw. Siidring, die bereit? im letzten Sommer zum Teil durch Vollringziige über Potsdamer Riiigbahnhof ersetz! waren, werden durch stiuidllch vier Vollringzüge über Polsdainer Riiigbahnhof ersetzt. Der Verkehr zwischen Stadt- bahn und Nord- beziv. Südring geschieht dann durch Umsteigen in Westend, Halensee. Stralail-Nimimelsburg oder Treptow. Zu diesem Zwecke sind neue Anschlüsse in Westend und Halensee zwischen den Vollringzügen und den über die Sladlbahn verkehreiiden Zügen vor- gesehen. In der Zeit des stärksten AuSflnglerverkchrS Perke bren u. a. stiuidllch je vier Vollringzüge über Potsdamer Ringbahiihof, Westend— KeuSdorf und Potöb:—— Erlner, sechs Zngpaare Halen- see— Grünail, je zsei Zugpaare Nordring— Riedel schöneweide, Potsdamer Rliigbahnhof— Grünau bezw.—Grunewald, Griluewald- NiedttschZnewerb«, Warschau«: Strafe— Erkner kezw. — FriedrichKhagen, Grunewald-Friedrichshagen, Tchlesischer Bahn« Hof— Friedrichshagen usw Eine Schwindlerin hat mit einein neuen, sahnenden Trick zahl reiche WohmingSinhaber gebrandschatzt. Nach Art der Klingelfahrer itberzeugt sie sich, datz in irgend einer Wohnung niemand zu Hause ist. Dann spricht sie bei Nachbarn oder ini selben Hanse wohnenden Geschäftsleuten bor und erzählt diesen, dah. sie eine Bluse, ein Kleid oder Federn usw. abgeben solle, aber die betreffenden WohnungS- inhaber nichr zu Haufe angelroffen habe,(s-ie spiegelt dann den Leuten bor, dag der nicht anwesenden Familie sehr daran gelegen sei, die Waren heute noch zu bekommen. Diese seien bis auf einen Restbetrag von 5—8 M. auch bereits bezahlt. Viele Angesprochene nehmen dann auch das Paket in Empfang und bezahlen den kleinen Restbetrag. Um so erstaunter sind sie dann, wenn sie von der Nachbarin erfahren, das} sie nichts bestellt haben. Oeffnet man nun da? Paket, so findet man darin ganz wertlose Sachen. In vielen Fällen ist der Schwindlerin ihr Trick gelungen. ES ist eine!8— 25 Jahre alte, mittelgroße, schlanke Person, mit blonoem Haar und etwas vorstehendem Unterkiefer. BtellungSlosigkeit und Nahrungssorgen scheinen den ZS Jahre alten Artisten Karl Bauer aus der Borsigstrasie 25 in den Tod getrieben zu haben. Bauer pflegte als Jodler bei Tirolertruppen "(T....... gung aufzutreten, hatte aber schon seit längerer Zeit keine mehr. Gestern abend um 1b Uhr kam er in das Cafe Tivoli in der Ehauffeestraße 25, in der gegenwärtig ein« ihm bekannte Tiroler- gescllschast spielt. Er blieb biS 2 Uhr, machte eine größere Zeche, ging dann nach dem Toilettenraum, schoß sich hier eine Kugel in den� Kopf und war auf der Stelle tot. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Der Selbstmörder hinterließ einen Zettel an seine Geliebte, bei der er wohnte, ohne jedoch einen Grund für seinen Schritt anzugeben.— Nach dein Verlust seiner Arbeit hat in der vergangenen Nacht der 36. Jahre alte Kellner Ferdinand Krüger aus der Pslugstraße S/Ib Hand an sich gelegt. Krüger war lange Zeit arbeitslos. Vor 1b Tagen nahm ihn ein ihm bekannter Wirt mehr aus Mitleid au. Als gestern abend die Kasse, die Krüger mit einer Kassiererin zusammen führte, nicht stimmte, ent» schieb der Wirt zu seinem Ungunsten und entließ ihn. Als er schon um 12 Uhr nach Hause lam, wunderte sich seine Frau darüber, Krüger erwiderte aber nichts, sondern legte sich gleich schlafen. Nach dem die Frau eingeschlafen war, erhob er sich heimlich, ging nach der Küche, öffnete drei Hähne und vergiftete sich mit Leuchtgas. Als die Frau ihn auffand, war er schon tot. Ueber die Antiallohel-AuSstellung in Weißens», veranstaltet vom Derein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, wurde gestern von verschiedenen ainlliche» Stellen am Orte lelephonisch die Auskunft gegeben, daß sie bereits geschlossen sei. Dies trifft nicht zu. Die AnSstellniig ist noch am heutigen Sonnabend, vormittags von 11 bis 1 Uhr»iid nachmittags von 5—8 Uhr, sowie am Sonntag von 11—4 Uhr geöffnet. FührungSvorträge werden vom AuSstclluugS- leiler au beiden Tage» gehalten. Vom Deutschen Arbeiter-Abstinenten- Kund sind verschiedene statistische Tafeln onfgesiellt: Die Drucksachen des Bundes, auch„Der abstinente Arbeiter", liege» gleich am Ein« gang der Turnhalle in der Goethcstraße(Ecke Langhansstraße) auf einem besonderen Tische auS. Bis jetzt wurden trotz des etwas ent- legenen Ortes mehr als 6000 Besucher gezählt. Der Eintritt ist frei. Uinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. Erheblichen Veruntreuungen im Kreditverein der Potsdamer Dorstadt in der Äöthener Straße ist man auf die Spur gekommen. Wie uns mitgeteilt wird, hat der 82jährige Direktor des Umerneh- mens, der Kirchenfcnstermaler Hermann Hildebrandt die Kasse nach vorläufiger Schätzung um etlva 50 000 M. geschädigt. ES ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß diese Summen sich noch erhöhen. Ueber den Vorfall wird uns folgendes mitgeteilt: Vor einigen Jabren wurde der Krediwerein der Potsdamer Vorstadt gegründet, dem etwa 70—80 kleine Handwerker und Kaufleute beitraten. Als Di- rektor und Kassierer wurde der Inhaber eines Ateliers für Kirchen- fenstermalerei, der jetzt 82jährige Kaufmann Hermann Hildebrandt, ernannt. In der gestern stattgefundenen Generalversammlung des ÄreditvereinS kam es zu stürmischen Austritten, da den Genossen- schaftSmitgliedern von privater Seite eine Bilanz zugestellt worden war, nach welchax ein Fehlbetrag von etwa 50 000 M. in der Kasse Vorhanden war. Im Dezember 1911 hatte Hildebrandt die Kassen- Prüfer zu einer Revision eingeladen und ihnen die Bücher vor- gelegt. Den Revisoren fiel es schon damals auf, daß H. die Eiir- tragungen mit Bleistift vorgenommen habe, doch erklärte dieser. daß er erst am Ende des Jahres, wenn kein Nachtrag mehr zu machen fei, die einzelneu Posten mit Tinte nachschreiben werde. In Wirklichkeit hat Hildebrandt die mit Bleistift geschriebenen Zahlen später willkürlich verändert, um das Manko in der Kasse zu verschleiern. H., der sich stets als Biedermann aufspielte, und der alle Buchungen gemeinsam mit seiner Tochter ausführte, ver- weigerte in der Generalversammlung jede Auskunft über den Ver- bleib der unterschlagenen Gelder und äußerte nur. daß er in ein Sanatorium gehen werde. Um das Unternehmen aufrecht zu erhalten. haben sich die Aufsichtsratsmitglieder bereit erklärt, ohne gerichtlichen Zwang die unterschlagenen Gelder wieder zu ersetzen Die Genosseiischaftsmitglleder sind durch die Veruntreuungen del mm____. de» t worden, doch dürfte Direktors um 60 Proz. ihrer Einlagen. ein Teil ihrer Verluste durch die Bereitwilligkeit der AufsichtSratS- Mitglieder, den Schaden teilweise zu decken, einigermaßen gut ge- macht werden. Eine Panik entstand in der letzten Nacht bei einem Brande, der im Erdgeschoß Lortzingstraßc 28 aus noch nicht ermittelter Ur- fache aufgekommen war, und als er bemerkt wurde, schon eine geraume Ausdehnung erlangt hatte. Um 12� Uhr erscholl dort Feuerlärm. Als die Hausbewohner aus dem Schlafe geweckt, er- schreckt zu den Fenstern und Türen eilten, war ihnen der Rückweg schon durch die Flammen und undurchdringlichen Qualm versperrt, so daß in allen Wohnungen des Vorderhauses und Seitenflügels eine unbeschreibliche Aufregung unter den Hausbewohnern entstand. Als die Feuerwehr aus der Perlebcrger Straße erschien, war die Lage höchst kritisch. Sämtliche Treppen, der Hof und einige Woh- nungen waren total verqualmt. Der Brandherd lag im Keller und in dem Laden des Schankwirts Otto Adam. Es brannten an mehreren Stellen Kellerverschläge, HauSrat, die Decke zum Laden, die Balkenlage, ein Billard im Laden u. a., auch macht« sich ein intensiver Petroleumgeruch geltend. Brandmeister Mander ließ sofort über zwei Hakenleitern und über mehrere Steckleitern seine Mannschaft von außen in die Wohnungen des 2., 3. und 4. Stocks eindringen. Sechs Kinder. Frauen und Männer wurden zur Sicherheit auS den Wohnungen ins Freie gerettet. Die übrigen Personen ließ man in ihren Wohnungen, die verschloffen wurden. 'Gleichzeitig wurden mehrere Schlauchleitungen vorgenommen und damit kräftig gelöscht. Bei der Löschung stellte sich heraus, daß das Feuer an mehreren Stellen im Keller und im Erdgeschoß ent- standen ist. ES wurde deshalb der Gastwirt Otto Adam und seine Ehefrau vernommen. Da sie sich in Widersprüche verwickelten, nahm die Kriminalpolizei beide- fest. Nach 3 Uhr war der Brand gelöscht. Leider sind infolge der Aufregung, des Schreckens und unter der lpi�mirkung der Oualmentwickeluna usw. mehrere Per- sonen ernstisch erkrankt. Allen ist unbegreiflich, wie das Feuer unbemerkt eine solche Ausdehnung hat erreichen können. ES muß als ein besonderes Glück bezeichnet werden, daß die Feuerwehr bald Sr Stelle war und in umfassender Weise die Hausbewohner, dir on aus dem Fenster zu springen versuchten, beruhigte. Zeugen gesucht. Personen, die am 12. Februar(Montag). früh, gesehen haben, wie ein junger Mann am Fcihrkartenverkaus der Untergrundbahn Zoologischer Garten vor einem Wagen der Elektrischen. Linie 64. zu Fall kam. werde» ersucht, ihre Adresse an K. Link, Templiner Str. 1, abzngebe». NretreltgtSs««emetnde. Sonntag,, den 3. Mär», vormittag« » Uhr, Pappelallee 15—17, und Rixdors, Jdealpaffaae: Freireligiös« Bor, lesung. Vormittags 11 Uhr. Kleine granifurter Str. fl: Bortrag von Herrn C. TaeSIer-Freibura t. Schi:.Der Wert und SiNN dei LebenS".— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Vorort- l�ackricdten. Charlottenburg. Uhrenanlage der Stadt Charloitendurg. Die Stadt besitzt eine eigene mit der Sternwarte in Verbindung stehende, elektrisch be- trieben!: Uhrenanlage. au die auch unter günstigen Bedingungen jedes Privatgrundstück mit einer beliebigen Zahl von Uhren an- geschlossen werden kann. Die Stadtgemeinde liefert die erforder- lichen Uhren und trägt die Kosten für den Anschluß an das Uhren- kabel, so daß den Besitzern der anzuschließenden Grundstücke an einmaligen Kosten nur die für die Fnstqllarion im Innern des Ge- bäudes zur Last fallen, die sich für ein vierstöckiges HanS auf 120 bis 150 M. belaufen. An laufenden Gebühren sind für die erst- angeschlossene Uhr eines Grundstücks 24 M. und für jede weitere Uhr nur 8 M. jährlich zu entrichten, während die Stadtgemeinde den dauernden Betrieb und die Instandhaltung der Uhren übernimmt. Jede nähere Auskunft kann bei der Hauptfeuerwache(Lützow 7/8), auch telephonisch eingeholt werden. Zum bevorstehenden UwzugStemia bringt der städtische Arbeits- Nochweis Eharloltenburg feinen Nachweis von Reinmach- und Wasch- fronen. Plätterinnen und AuShilfSper'onal jeder Art wieder in Er- innerung. Jede der drei Frauenabwilungen: Kmustr. 69(Charl. 4562), Wttienbergplatz 4(Charl. 1487) und Berliner Str. 81 (Charl. 7673) nimmt Anmeldungen entgegen; eS wird aber gebeten. Stellen, die schon am folgenden Tage besetzt werden sollen, tunlichst bis 6 Uhr zur Kenntnis des ArbeilSnachlverseS zu bringen. Tegel. Einen erfreulichen Sieg brachten die Wahlen zur Gemeindever- irctung in den beiden am Freitag zur Wahl stehenden Bezirken der Sozialdemokratie. Im ersten Bezirk siegte unser Genosse Lichten- berg niit 518 Stimmen über den Lehrer Terlitz, der 354 Stimmen erhielt. Im zweiten Bezirk wurde Genosse HalfeS gewählt, der 632 Stimmen auf sich vereinigte, während für den Lehrer Terlitz 184 Stimmen abgegeben wurden. Mariendorf. Aus der Gemeindevertretung. Der Vertretung lag zunächst ein Entwurf zur Aenderung der Hundesteuer vor, die im wcsent- lichsten eine Erhöhung der Steuersumme von 20 auf 30 M. für ölche Hunde forderte, die nicht als Wach- oder Ziehhund oder zum Schutze von Schwerhörigen oder mit sonstigen, einen Schutz er- ordernden Gebrechen behafteten Menschen dienen. Von unseren Gsnoffen wurde die Erhöhung der Steuer bekämpft, die bürger- liche Mehrheit stimmte den, Entwurf jedoch in allen Teilen zu.— Von der Gemeinde Lankwitz lag«in Bebauungsplan an den Gren- zen Mariendorfs vor, welchen! die Gemeindevertretung ihre Zu- timmung geben sollte. Diesen Plan hatte die Baukommission vor- her eingehend geprüft mit dem Resultat, daß, sofern Mariendorf die Zustimmung gibt, es seinen eigenen festgelegten und genehmigten Plan umwerfen muß. Bekanntlich wird von )en oberen Behörden verlangt, daß die Grenzen zweier zusammenstoßender Ortschaften so im Bebauungsplan erschlossen iverden. daß die Straßen von einem Orts- teil zum anderen an den Grenzen ineinander münden. Dies ist ctzt nicht der Fall. Infolgedessen beschloß di« Genreindevertretung >en Plan abzulehnen.— Des weiteren wurde beschlossen, dem An- trag deS Amtsvorstehers gemäß der Zeppelinstraße den Namen Richardstraße zu geben.— Hierauf wurde vom Gemeindevorsteher die gepflogene Auseinandersetzung mit der Nachbargemeinde Ma- rienfeld« zwecks Zusammenlegung der Posten des Amts- und Ge» meindevorsteher» in eine Person und eine Verwaltung bekanntgegeben. Bisher bildeten Marienfelde und Marien- dorf eine Amtsverwaltung für sich. Bon der Gemeinde- Vertretung Marienfeld« lag die Zustimmung bereits vor. Außer einigen Pensionskosten, die in der öffentlichen Sitzung nicht erörtert werden sollten, zahlt Mariendorf die einmalige Summe von 14 058.36 M. Die Vertretung erklärte sich unter Borbehalt der noch in geheimer Sitzung zu machenden Ergänzungen mit den Matznahmen einverstanden.— Beim Ausbau der Kurfürstenstraß«, wo die Arbeiten schon unter dem alten Gemeindevorsteher durch Submission vergeben tvaren, ohne daß ein endgültiger Beschluß der Vertretung vorlag, wurde beschlossen. den Baumbestand von der Ring, bis zur Schönebergerstraße zu schonen; letzteres ist aber nur möglich, wenn dieser Straßenteil anstatt einen 8 Meter nur einen 7,50 Meter brrtten Fahrdamm bekommt. Wristensee. Ein« längere Störung im Straßenbahnbetriebe trat am gestrigen Vormittag von �l|i Uhr bis U1/« Uhr in Weißensee ein. In der PistoriuSstraße war auS bisher noch nicht bekannter Ursache ein Wasierrohr geplatzt und die aus der Erde hervorströmenden Fluten untergruben die Straßenbahngleise. sodaß die Wagen der Linie Z nach beiden Richtungen hin durch die Langhaus- und Uckermarkftroße über den Antonplatz abgelenkt werden mußten. Oranienburg. Der letzten Stadtverordnetenversammlung lag ein Antrag deS Magistrats auf Bewilligung von 17l8,81 M. vor, di« die Stadt- gemeinde für die Instandhaltung de« Pfarrhause» leisten sollte. Trotzdem sich Genosse Garlipp entschiede» gegen die Bewilligung obiger Summe wandte, stimmten die Bürgerlichen dem Antrage zu. Bei dem BeratungSpnult«: Festsetzung der Vergütung für Benutzung der stäbtischen Turnhalle durch Vereine, trat Genosse Ferker dafür ein, daß die Halle allen Vereinen kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Zugleich warf Redner die Frage auf. weshalb der Arbeiter- turnverein bisher von der Benutzung der Turnholle ausgeschlossen gewesen sei. In der auf diese Frage einsetzenden Debatte behaupteten die Bürgerlichen, daß im Turnverein Politik getrieben werde. Unsere Genosien Körich und Schumann traten dieser jetzt in fast allen G* meindtn angewandten stereotypen Ausrede energisch entgegen.— Die Steuerzuschläg« für 1912 sind dieselben wie bisher. Der Ankauf des Schinidtschen Grundstücks an der Bahnhosstraße für das Real- progymnasium zum Preise von 50 000 M wurde mit 20 gegen 8 Stimmen angenommen. Unsere Genossen Garlipp und Schumann wandten sich gegen den Ankauf, da thne» der Preis als weit zu hoch erschien.'Die für di« Umwälzung de» FriedbofeS erforderlichen Kosten von 16—17 000 M. wurden bewilligt. Die Pflasterung der Ringstraße soll innerhalb zwei Jahren bis zur Berliner Cbaussee auS geführt sein. Zum Schluß wurden noch einig« Kommissionen ge wählt. In der KanaltsationSkommisfion ist unser Genosie Körich. in der Kommission für Besoldung städtischer Beamten Genosse Garlipp vertreten. Spanda». Bon eine« Herzschlag betroffen wurde vorgestern abend 9>/» Uhr der in der Kammerstr. 2 wohnhaft« 62 Jahre alte Invalide Kling«, der die Gastwirtschaft von Huth am Lindenufer betrat und sich ein GlaS Bier bestellte. AI« er sich auf den«bort begeben hatte, kehrte er nicht mehr zurück. Man fand ihn bt-lv darauf als Leiche. Ein Herzschlag hatte seinem Lebe» ein Ende gemacht. Potsda«. Gegen die vernnftaltung de« Stadtbildes soll ein neues Orts- stutut erlassen werden, da das alte nicht die erforderliche Gene�ni- gung erhalten hat. Die Stadtverwaltung hat in dem neuen Ent- Wurf ihr Augenmerk hauptsächlich auf folgende Punkte gelegt: Schutz bestimmter Straßen und Plätze sowie einzelner Bauwerke von besonderer geschichtlicher oder künstlerischer Bedeutung; Schutz gegen verunstaltende Reklame; angemessene Ausgestaltung von Bauten innerhalb de» ganzen Stadtgebietes und die Einsetzung einer besonderen Sachverständigenkommission. Welche Hoffnungen man auf da» OrtSstatut setzt, zeigt am besten die dem§ 6 bei. gegebene Begründung, in der es u. a. heißt:..Während die Besitzer des'EigenhaujeS naturgemäß den größten Wert auch auf die äußer» Erscheinung ihres Hauses legen, fällt dieses Jnletesfe fork�e; den Miethäusern, die öfter nur Svelulationsbauten ,ind.«o smi? ganze Straßenzüge entstanden(in der Tcltower Vorstadt und d ie Bauten des Beamten-Wohnungsvereins in der Brandenburger un.c Nauen« Vorstadt, die die herrschende Wohnungsnot wenigstens teilweise lindern helfen.— D. B), die dem Charakter der�atadt als Residenz und bevorzugtem Wohnort nicht die mindeste Rechnung tragen(!)." Dabei steht noch ein großer Teil älterer Hau, er unter einem alten Publikandum, nach welchem AenderungcN an den Fassaden überhaupt nicht vorgenommen werden dürfen. �.ie,c Bestimmung hat sich oft sehr lästig erwiesen, und trotzdem schreit man schon wieder nach-neuen einschränkenden Bestimmungen, Sericdts- Leitung. Versuche» unpolitische Bereine zu politischen zu stempeln. 1. Die Polizeibehörden in den verschiedensten Teilen Deutschlands machen jetzt den Versuch, den Arbeiter- sängerbund und dessen Zweigvercine als politische Per- eine zu erklären. Da der Bund und seine Organe es überall abgelehnt haben, Mitgliederverzcichnisse und Statuten einzu- reichen, sind eine ganze Reihe von Anklagen wegen Ueber- tretung des R«chsvereinsgesctzes erhoben. Die erste dieser Sachen ist jetzt vor dem Schösse nger ich: Ebers« walde verhandelt worden. Die Anklage richtete sich gegen den Vorsitzenden des Gesangvereins„Vorwärts" zu Heegcr- wühle bei Eberswalde. Es fand eine umfangreiche Beweis- aufnähme über die Zwecke und die Tätigkeit statt, die der Ge- sangverein„Vorwärts" während der Reichstagswahlen ent- faltet hatte. U. a. wurde auf Antrag des Verteidigers, Rechtsanwalts D r. H e i n e m a n n, der Kandidat des Kreises, der Genosse Bruns, vernommen. Die Ver- Handlung endete mit cinciii völligen Fiasko der Anklage- behörde. Selbst die Polizeibeamten vermochten nicht das gc- ringste über eine politische Betätigung des Gesangvereins „Vorwärts" zu bekunden, so daß das Gericht nach ganz kurzer Beratung den Beklagten freisprach. 2. Eine gleiche Niederlage zog sich die Polizeiverwaltung in T h o r n zu. Hier wurde der Versuch gemacht, die Z a h l- stelle des Deutschen Holzarbeiterverbandcs als politischen Verein zu erklären. Nachdem auch wirklich beim Schöffengericht der angeklagte Borsitzende der Zahlstelle Thorn verurteilt war, wurden in der B e r u s u n g s- i n st a n z der Vorsitzende des Holzarbeiterverbandes Lei» pari und derGauvorsteherSickfcldzu Danzig ver- nommen. Beide legten eingehend die Zwecke und das Tätig- keitsgebiet des Verbandes dar. Tie Strafkammer kam auf Grund dieser Aussagen zur Freisprechung, da nichts dafür erwiesen sei, daß der Verband politische Zwecke verfolge. 3. Zu einem anderen Ergebnis gelangte das D r e s- dener Amtsgericht. Die Polizei hatte angenommen. der B r a u e r e i a r b e i t e r v e r b a n d sei ein politischer Verein, weil 500 M. an den Wahlsonds der soziäldemokrati- schen Partei abgeführt waren. Auch enthalte die Verbands- presse einige politische Artikel. Und in der Tat folgte das Amtsgericht— Dresden liegt bekanntlich in Sachsen— und bestrafte den Vcrbandsbeamtcn Polster mit Ist M., weil er die Vorstandsmitgliederliste nicht eingereicht hatte. Das Gericht führte in der Begründung an, mehrere Artikel des Verbandsorgans seien politischer Natur. Der Angeklagte habe sie gebilligt, denn er habe die Verbandszeitung verbreitet. Die Verbandssatzungen kämen bei der Beurteilung des Zweckes des Verbandes nicht in Frage, weil sie mit den tatsächlichen Verhältnissen nicht im Einklang stehen. Das ist denn doch eine so arge Vcrkennung des Begriffs „politischer Verein", daß sie selbst bei der sächsischen Rechts- pflege auffällt._ Schutz vor Schutzleute«. Mit Ueberzriffen von Schutzleuten hatte sich wieder ein- mal das Reichsgericht zu beschäftigen. Vor dem Landgericht Ham- bnrg hatten sich am 31. Oktober v. I. vier Schutzleute wegen Körperverletzung im Amte zu verantworten. Diese sind jedoch freigesprochen worden. Das Verfahren war eingeleitet worden auf die Anzeige zweier Gebrüder E. hin, die in der Nacht zum 23. August 1911 auf der Wache 46 von den vier Schutzleuten miß- handelt worden sein wollten. Die Brüder E., die als Nebenkläger aufgetreten waren, hatten gegen das freisprechende Urteil Revision eingelegt. Sie rügten insbesondere, daß der Antrag auf Ver- nehmung mehrerer Zeugen abgelehnt worden war, die bekunden sollten, daß auf jener Wache die Schutzleute öfters schon Arrestanten mißhandelt haben. Das Reichsgericht verwarf aber die Revision am Donnerstag als unbegründet. Flugblatwerfolgung. Das Weißenfeer Amtsgericht verhandelte am Donnerstag gegen drei Genossen, die beschuldigt waren, am Sonntag, den 81. Dezember 1911(also während der Wahlzeit) vor der Kirchzeit Flugblätter auf der Straße verbreitet zu haben. Als Zeuge er- schien der Heincrsdorfcr OrtSgendarm Winkel. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob sich jemand durch daS Verteilen belästigt gefühlt � habe, erfolgte die Antwort:„Ja. ein Ortsangehöriger."—„Wer lvar denn das?"—„Der wohnt nicht mehr am Orte."—„Wie heißt er denn?"—„Der ist nicht mehr am Orte."—„Was für einen Beruf hat der Betreffende?"—„Landwirt."—„Und sein Name?"—„Er ist schon— tot."— In der Sache selbst wurden unsere Genossen kostenlos freigesprochen. Der tote Landwirt muß ein gar wunderlicher Herr gewesen sein, da er es fertig brachte, wegen des Flugblatts Gendarm und AmtSanfcalt in Bewegung zu setzen. Lriekkasten der Redaktion. B. Z. 127. 1. Für die Tauer von mindestens 14 Tage», falls nicht etwa Kündiaunzsausft�luß vereinbart und nicht etwa während der Kran.'- h-it die Entlassung mtsgestjrochen ist. 2. Beschränkte Zahl,«arten müssen vorher bei der StaatSauwaltschast beantragt werden. 3. Darum kümmern wir uns nicht. Jedenfalls konnte während der Zeit Spiel und Tanz nicht unte> sagt werden.— R. R. Sie sind zur Rückzablung verpflichtet, sofern die Statutenänderungen in der vorgeschriebene» Weise publiziert sind.— E- L« 17. V» des Nachlasses bei Mannes, falls die Ehe nach dem 3l. Dezember tSSg geschlossen ist.— M. 13. t. und 3. Jederzett. fall» nach Ansicht deS Arztes die Krankheit so erheblich ist. daß die«emchtmta der Dienste nicht möglich ist. 2. Das ist zweckmäßig. 4. Ja. t» der Regel. — O. E. Ja.— P. ft, 1883. 1. Die Kinder erben»-deichen Teilen. 2. In, innerhalb 30 Jahren, vom Eintritt der Nacherbfolge im gerechnet.— H. M 13. Läßt sich nu, nach Einsicht in den MtetSoertrog beantworten. — O. H. III. 2 Marl für daS Kalenderjahr.— W. v. 730. 1. Polizei- Präsidium. 2. Darüber erhalten Sie Mitteilung vom Präsidium. 3. Falls das Gesuch genehmigt wird, 150 M. Bei Bedürsiigkeit kann Ermäßigung bis aus einen Satz von 5 M. erfolgen.— S. R. 98. 1. 00 W. 2. Nein. Marktbericht von Berlin am 29. Februar 1912. nach Ermittelunq des königl. Polizeipräsidiums. Markthallenvreise. sKIeinhandelj 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Sp-iscbohncn weiße. 36,00-00,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 9,00—14,00. 1 Kilo. grainm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1 30 biS 1,80 Schweinefleisch ILO— 1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20, Butler 2,60-3,20. 60 Stück Eier 4,50-7,20. 1 Kilogramm Karpfen 1,10—2,40. Aale 1,20-3,00. Zander 1,60-3,60. Hechte 1.40—2,80. Saftihe 080-2, OO. Schleie 1,60- 3,20. Bleie 0,70-1,10.«0 Stück Krebs» 0— vJfyOO. Todes-Anzeigen Somi[ieffl&krätiseii.Wäiil?erei!i für den 4. Seri. Beielistaos-Iaiilbm Itralaurr Viertel. B-zirl 341. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Gastwirt üermsllll Kosdunelis Fruchtstraße 37 gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beisetzung findet am Montag, den 4. März, nachmittags 4 Uhr, von der Halle dcS Zentral- Fricdhoscs in Fricdrichsselde auS statt. 213/18 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. ß Soziaiileiiiokratlsctier WatilverEiD 1 6e» IS. Berl. Reielislass-Walilkreisfis. Slm 29. Februar verstarb unser Genosse, der Tischler (ieorx LcKmiät Triststr. 43. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonntag. den 3 März, nach- mittags 1 Uhr. von der Leichen- Halle de« Na-areth- KirchhoseS, Reimckendors- West, Kögelstrasze. an» statt. 226/7 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. vi». Kimm«! Spszial-Ant für Haut- uud Harnleiden. Prinzeustr. 41, 30—2. 5— 7. Sonntajr» 10—12, 2—4. SozialdemokratiselierWalilyereiD für Schoneberg. Bezirk 7. ilm 29. Februar verstarb nach kurzer Krankheit unser langjähriges Mitglied, die Genosfin Frau öerts �üdlicd im 44. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Schvnebergcr Fried hoseS(Blanke Hölle) auS statt. Um zahlreiche Beteiligung der Genossinnen und Genossen ersucht IS/8 Ter Vorstand. veutseber Ssvsrdeiter-Verbsllö Zweigrereln Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Bauarbester Hermann Kossatz (Bezirk Neukölln) am 88. Februar verstorben ist. Ehre seine« Andenken k Die Beerdigung. findet am Sonnabend, den 2. März, nach- mittags L'/, Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde- Friedhosc«, Mariendorser Weg, au« statt. Um rege Beteiligung ersucht 137/10 Der Vorstand. Den Genossen, Freunden und Be- kannten zur Nachricht, daß ich das Lokal von/z Uhr, auf dem Neuen Luisen- Kirchhos, Füntcnbrunner Weg, statt. Rege Beteiligung erwartet S7/S vis Ortaverwaltung. Nach langem, schwerem Leiden entschlief am Mittwoch, de» 28. Fe- bruar, mein inniggeliebter Mann, unser guter Lnkel, Schwager und Eouiin, der frühere Gastwirt Karl Krämer im 61. LebenSjahrc. Um stille Teilnahme bittet im Name» der Hinterbliebenen Die trauernde Witwe Bnrt» Krämer geb. Vollmar. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. März, nach- mittag! 3 Uhr, vom Trauerhause, Hermannstraße 199. au« aus dem •Jcrusalemer Friedhos, Hermann- strahe 84, statt. 306b Lrvifl zu! •■ed. Herrn, der sieh eleg. u. bill. kleiden will, empfehle eleg- Mo- natsgarderobo in feinaten vVerk- stätt. Berlins freurb., von Herr- sehiiften,Doktorc», Kavalieren nur kurze Zeit gobr.Hürjed. Fiff.pses.) Monats-Jackett-AmUge 8,10. U, IBM. Monats-Rock-Amiige 10. 12, 18, 20 M. Monais-Paietots 8, 10, 14, 18 M. Monats-Herren-Hosen 2,50. 6,00 M. Ulster, sehr billig;. GroSe Abteilung neuer Garderobe. UnifUnnp Gr. Frankfurter Str. 08 l.u maUCr,(Nähe Strausberger PI.) Bitte oonau auf No. 08 zu achten I Kostttme Mäntel Seid« SÄ.— bis 150.—. KaramgÄrn 15«— bis ÄO.—. 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Verkaufsstelle Charlottenbnrs« Tanrogsoner Str. 10, verlegen wir nach Xslserin-Augusts-ANee SS. Eröffnung: Montag, den 4. Märi 191s Aufnahme von Mitglieder» in der Verkaufsstelle. Beitritt SO Ps. 103/7 Verband der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands.(Ortsverwaltung Berlin.) Sonntag, den 3. März, mittags 12 Uhr. in Mörners Festsälen(früher Keller), Koppenstr. Außerordentl. Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Gericht über den austerordentlichen Verbandstag in Beelin und die darauf erfolgte Amtsenthebung des ersten Ortsvorsihenden und die eventuelle Mastregelung der übrigen vier angestellten Beamten. JW mtglledebncb legitimiert.-WU BW Anfang pr&zlae 12 ,, L'hr,"W 27/5» Zahlreiche» Erscheine« erwartet Die Ortsverwaltung. dei' Masehinisten nod Beizer sovte BsinfsgenosseüDentsehl, Verwaltungsstelle 6ro8-Berlln. Rm 25. Februar verunglfifftt bei der Katastrophe in WilmerS- dors als Opfer seines Lernsc« unser Miiglied, Kolleg« >VliU kreund. Ehre seine« Andenke» k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde- Friedhole« Wilmersdorf, ,verIinerStr.103/l04,i aus statt. 145/7 Zahlreiche Beteiligung erwartet _ Die Ortsverwaltnng. Für Grotz- Berlin OeffentDche Versammlung Sonntag, 3. Man, mittags 12 Ahr,„Neue MelN Hasenheibe 108. Vss envsrteu wir vom üweekverdsnä? Redner: 187/15 Bmhanl DerabDrg, üennanD Hntheslni llberl Siidekiim, K. i l Drts- Krankenkasse für Ober- Schöneweide. Am DienStag, den 12. Mär» 1912, findet im Lola!« de» Herrn Waniele hierjeibst, Wilhelminenhositraße 18, eine Ersatzwahl der Vertreter der Arbeitgeber und Kesienmitglieder statt. Die Vertreter der Arbetiaebrr werden von diesen in ungeteilter Wahlversammlung in der Zeit von 7 bis 8 Uhr nachmittags gewählt. Zu wählen find 7 Vertreter. Die Vertreter der Kassenmitglieder werden ebenlall» in ungeteilter Wahlversammlung in der Zeit von S'/, bis 7 Uhr nachmittags gewählt. Zu wählen sind 7 Vertreter. Wahlberechtigt und wählbar ist jede« großjährige. im Besitz der bürgerlichen Ehrenrecht« fich be findende Mitglied; als Legitimation gilt der RitgltedSauSwets. Am DienStag, den 12. März 1912. nachmittag« 51/, Uhr, findet im Lokale des Hern» Warncke hierselbft, Wilhelmmcnhosstraße 18. eine AnSVrordnntll«!,« General- Versammlung für Vertreter der Arbestgeber und Kassenmitglieder statt. 271/8 Tagesordnung: Beschlußfassung über das Ausscheiden vo» Köpenick-Forst. Nach der Generalversammlung findet die Ersatzwahl für zwei au»< geschiedene Vorstandsmitglieder statt. AW Als Legitimation gilt die EtnlodungSkart». Ober-E chöneweide, d. 27. Februar 1912. Der Borstand. Gommei-feld, WUke, 1. Vorsitzender. Schriftführer, Steinarbeiter. Sonntag, den 3. März, vormittags 10 Uhr, in de» „Arminhalleu", Kommandantenstr. 58—59: Kombinierte Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Gaukonferenz nnd Wahl der Delegierten. 2. Stellungnahme und endgültige Beschlußfassung zur Frage der örtlichen Arbeitslosenunterstützung. 3. Verschiedene«. »»WKollegen, sorgt für zahlreiche« und pünktliches Erscheinen. �WO Die Versammlung wird präzise eröffnet! l7i/s« Die Ortsverwaltung. » Arbeitsnachweis: Hof!. Amt Norden, Nr. 1239. r- VerwaitQDfssteüe Berlin EharttSstraste 3. Hauptbureau; Hos III. Amt Norden, Nr. 1987. Slllmell- llvd Kralljbmdem Aua. Heier, thorftrohe 87 a. von «asserth« Montag, den 4. März 101Ä, abends 6 Uhr, in FrankeS FeMlen, Badstr. 19: Äronchen-versammlung aller in der Gtttlslhrank-Mdvstrit beschSttigten Arbeiter. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Aollegen Büchner über:»Die EntWickelung der Industrie und die Arbeiterbewegung«. 2. Bericht der Branchenlommission. 3. Verschiedene«. 1l3/7 Zahlreichen Besuch erwartet vi« Ort.verwaltnng. Verband der Schneider — Filiale Berlin I.> Sebastianstraste 37—38. Hof recht« II. Kerren-Stapelkonfehtionl Tonntag, den 3. März, mittags 12 Uftr, in den Königssälcu, Neue Kinigftraß« 26(Eingang Wadzcckstraße): Oeffentliche Versammlung sämtlicher bei Zwischenmeifter» beschäftigten Kollegen und Kolleginnen. Tagesordnung: V Zweck und Ziel der Gewerkschaftsbewegung, Referent; Kolleg« Welker- 2. Unsere Tarifbewegung, der Arbeitsnachweis und die Trledi. gung eventueller Streitfälle. WM- Wir weisen weiter darauf hin, daß die Tarife inNufive Liste der geregelten Betriebe jetzt im Druck vorliegen und in dieser Versammlung zur Ausgabe gelangen. 162/17 vi« Kommiaeion der Stapelkonfektion. Sekanntmilchmilj. 1 Es wird empfohlen zu kochen:' Jeden Tag eine andere Suppe mit livorr Suppenwürftl jeden Tag für 10 Pfennig 3 Teller feine Suppe Knorr Suppenwürfel Borgen Sonntag, den 8. BArx: Schlachtefest». 3= I M ladet freundlichst ein II ff ssltf ftfUssb-»ff Pjthelswrrhtt. MAGGr Bouillon-Würfel sind einzig in Qualität! S Würfel 20 Pfg. Man achte beim Einkauf auf den Namen MAGGI und die Schutzmarke � Kreuzstern und lasse sich nichts anderes aufreden. „Für den hagren Ut nur da» Beute gut genng! Verkäufe. Zeh» Vrozeut Rabatt Vorwärts- k.ern. Tcppiche, Farbenfebler, jetzt iabel- baft billig. Riesen-Fabritlager, Grotz« itranksurterstraße l2S, im Hause der Möbelfabrik; billiger wie überall. BorwärtSlesern noch ertra 10 Prozent Rabatt, sonntags geöffnet._ Gardinen, Fabrikrcste, Fenster �«5, 2.35. 2.85. 3.50, 4.50. S.75 usw. Totalausvcrkanf von ange- schmutzten Gardinen, StoreS, Bett- decken, staunend billig. Große Frank- fuclerilraße 125. Tuch, und Plüschportieren, Gar- nitur 3.85, 4.50, 5.25, 0.50, 8,25, 10.50. Fabriklager Große Frankfurter- ftragc 125. Steppdettcu billigst, Fabrik Große Frantiurterilraße 125. Tuch- und Plüschdecken mit kleinen Fehlern zu Spottpreisen. Große Franifurterstraße 125. Nur im Hause der Möbelsabrik. Möbelitoff-Läufer, Linoleumreste, fabelhaft billig. 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März, nachmittags von 2— 4 Uhr, findet im Lokal von Grothe, Dorfstr. 1, für Martendorf und in derselben Zeit bei Dahl, Südende, Lichtcrfelderstraße, für den Ortsteil Süd- ende die Wahl für die zweite Wählerklasse statt. Zum ersten Male präsentieren wir auch hier einen Kandidaten in dem Gemeinde- verordneten Genossen Paul Weber. Wenn jeder auf dem Posten ist, gelingt es uns vielleicht auch hier Bresche zu schlagen. Kaulsdorf. Einen lebhaften und interessanten Verlauf nahm teine am Mittwochabend in.Hamanns Gesellschaftshaus" abgehal- tene Wählerversammlung. Zunächst behandelte Genosse Adolf Ritter in einem ausgezeichneten Referat die kommunalen Auf- gaben der Sozialdemokratie. Die dem Vortrag folgende Diskussion gestaltete sich recht lebhaft, da auch der mit Hilfe der hiesigen Ar- beiterschaft gewählte langjährige Gemeindevcrtreter der 3. Abtei- lang, Herr Schakow, mit in die Debatte eingriff. Herr Schakow suchte der Versammlung darzulegen, daß er während seiner zwölf- jährigen Tätigkeit als Gemeindevertveter nur der Allgemeinheit ge- dient habe und auch bemüht gewesen sei, die vom Referenten hervor- gehobenen kommunalen Aufgaben, soweit sie für hiesige Verhältnisse in Betracht kommen, zu erfüllen. Die Genossen Himpel, Schmidt und Beyer widerlegten Herrn Schakow; sie konnten an der Hand von Tatsachen zeigen, wie notwendig es ist, daß auch im Kauls- dorfer Gemeindeparlament die Sozialdemokratie ihren Einzug halte, Genosse Heßberg kritisierte dann noch scharf das Verhalten des Herrn Schakow in der Kandidatenfrage. Herr Schakow hatte sich nämlich durch Handschlag verpflichtet, sich als Kandidat in der 3. Ab teilung nicht wieder aufftellen zu lassen. Trotz dieses Versprechens hat sich der Herr Schakow vom Zwcckverband hiesiger Grundbesitzer� vereine als unser Gegenkandidat in der 3. Abteilung aufftellen lassen. Sodann wurden als Kandidaten der 3. Abteilung die Ge nossen Heinrich Schmidt und Wilhelm Beyer aufgestellt. Nach- dem noch die Genossen aufgefordert wurden, am Sonntag, den 3. März, ihre Schuldigkeit voll und ganz zu tun, um unsere? Kandidaten zum Siege zu verhelfen, erfolgte Schluß der sammlung. vom A»h»ungmsM in Groß-ßeriin. Heber die Zählung leerstehender Wohnungen, die in Groß-Berlin am IS. Oktober 1313 ausgeführt wurde, bringen die vom Statistischen Amt der Stadt Berlin herausgegebenen Statisti- schen Monatsberichte„Groß-Berlin" eine von Dr. R. Kuczynski be- arbeitete Zusammenstellung, die die Wohnungen nach der Größe gruppiert. Wenn aus der Zahl der leerstehenden Wohnungen und ihrem Anteil an der Gesamtzahl der überhaupt vorhandenen Wohnungen ein einigermaßen zuverlässiger Schluß auf das Verhältnis zwischen Wohnungsangebot und Wohmingsnachftage gezogen werden soll, so bedarf es in der Tat einer Berücksichtigung auch der Größe der leer- stehenden Wohnungen. Es ist sehr wohl denkbar, daß trotz reich- lichem Angebot von Wohnungen, das einen Wohnungsüberfluß vor- täuscht, doch gleichzeitig die Nachfrage nach Wohnungen nicht be- friedigt werden kann und daher ein deutlicher Wohnungsmangel empfunden wird. Diese Erscheinung ist auf dem Wohnungsmarkt z. B. dann zu beobachten, wenn die Wohnungsproduktion eine Zeit- lang sich vorwiegend in der Herstellung mittlerer oder größerer Wohnungen betätigt hat, während die Wohnungskonsumtion Haupt- sächlich auf die Mietung kleiner Wohnungen sich beschränken muß. Die Ergebnisse der im Oktober 1313 ausgeführten Zählung leerstehender Wohnungen zeigen in dieser Hinsicht manche recht merklichen Unterschiede zwischen einzelnen Gemeinden Groß- Berlins. Die Zählung erstreckte sich auf Berlin und 41 Vororte (Städte, Landgemeinden, Gutsbezirke) mit zusammen etwa 3 453 333 Einwohnern. In diesen 42 Gemeinden standen leer 55 566 Wohnungen, außerdem 4867 mit Geschäftslokalen verbundene Woh- nungen, ferner 6133 nicht mit Wohnungen verbundene Geschäfts- lokale, also im ganzen 63 433 Wohnungen und 13 367 Ge- schäftslokalc.. Die Gesamtzahl der vorhandenen Wohnungen ist leider nur für die 41 Vororte angegeben: sie war 362 857, woran beteiligt waren z. B. Charlottenburg mit 83127, Neukölln mit 66 336, Schöneberg mit 44 358, Wilmersdorf mit 28 299, Lichten- borg mit 23 327 usw. Dazu kamen für die 41 Vororte noch 35 734 mit Geschäftslokalen verbundene Wohnungen, z. B. in Charlotten- bürg 7333. in Neukölln 5412, in Schöneberg 3933, in Lichtenberg 2632, in Wilmersdorf 2357 usw. Für Berlin fehlen diese Angaben, doch beziffert Kuczynski die Gesamtzahl der in Berlin samt 41 Vor- arten vorhandenen Wohnungen auf zusammen reichlich 1 Million. Nach Kuczvnskis Berechnungen war der Anteil der leer- stehenden Wohnungen an der Zahl der überhaupt vor- handenen Wohnungen(einschließlich der mit Geschäftslokalcn ver- bundenen) in Groß-Berlin 6,2 Proz., in Berlin für sich 5,3 Proz., in der Gesamtheit der Vororte 7,3 Proz. Wie hier zwischen Berlin und den Vororten ein starker Gegensatz besteht, so zeigen auch die Vororte untereinander manche Unterschiede. Der Anteil der leer- stehenden Wohnungen war ungewöhnlich niedrig z. B. in Nieder- schönhausen(einschl. Schönholz) mtt nur 2,7 Proz., in Dahlem mit 3,1 Proz., in Friedrichshagen mtt 3,4 Proz., in Groß-Lichterfelde mit 4,2 Proz., in Schöncberg mit 4,3 Proz., nahe dem Durchschnitt Groß-Berlins z. B. in Charlottenburg mit 6,3 Proz., ungewöhnlich hoch z. B. in Lichtenberg mit 8,7 Proz., in Wilmersdorf mit 3,3 Proz., in Neukölln mit 9,5 Proz., in Pankow mit 13,2 Proz., in Steglitz mit 13,4 Proz., in Oberschöneweide mit 13,9 Proz., in Friedenau mit 11,5 Proz., in Reinickendorf mit 11,6 Proz., in Tempelhof mit 12,6 Proz., in Mariendorf mtt 13,3 Proz. In vielen wnicinden war unter den Wohnungen mit Geschäfts- lokalen der Anteil der leerstehenden kleiner als unter den nicht mit GeschäftSlokalen verbundenen Wohnungen. Es standen leer ■i-i Groß-Berlin 6,3 Proz. der Wohnungen ohne Geschäftslokale, aber nur 5,3 Proz. der Wohnungen mit GeschäftSlokalen, in Berlin für sich 5,2 Proz. der Wohnungen ohne Geschaftslolale, aber nur 3.4 Proz. der Wohnungen mit GeschäftSlokalen. Unter denjenigen Vororten, in denen das Verhältnis umgekehrt war, treten gerade die größeren hervor. Leer standen einerseits von den Wohnungen ohne Geschäftslokale und andererseits von den Wohnungen mit GeschäftSlokalen in Charlottenburg 6,2 Proz. und 8,1 Proz., in Neukölln 9,5 Proz. und 13,1 Proz., in Schönebcrg 4,3 Proz. und 7,7 Proz., m Lichtenberg 8,6 Proz. und 3.6 Proz. Die Gliederung der nicht mit Geschästslokalen verbundenen Wohnungen nach der Größe ergibt für 41 Vororte(für Berlin fehlen die Angaben): von 362 857 solchen Wohnungen hatten nicht mehr als 1 Zimmer 133 273, 2 Zimmer 136 738, 3 Zimmer 59 744, 4 Zimmer 27 732, mehr Zimmer 38 343 Wohnungen, das sind 27,6 Proz., 37,7 Proz., 16,5 Proz., 7,6 Proz., 13,6 Proz. aller Wohnungen. Pon diesen Wohnungen der 41 Pororte standen leer 28 661, darunter mit nicht mehr als 1 Zimmer 7173, mit 2 Zimmern 13 951, mit 3 Zimmern 4896, mit 4 Zimmern 2431, mit mehr Zimmern 3234 Wohnungen, das sind 25,3 Proz., 38,2 Proz., 17,1 Proz., 8,5 Proz., 11,2 Proz. der leerstehenden Wohnungen. Hier sind, wie man sieht, die aus nicht mehr als 1 Zimmer bestehen- den Wohnungen mit einer verhältnismäßig zu geringen Zahl an den leerstehenden Wohnungen beteiligt. In Berlin standen 55 566 Wohnungen leer, darunter mit nicht mehr als 1, mit 2, mit 3, mit 4, mit mehr Zimmern 23 687, 13 386, 7229, 3467, 4797 Wohnungen, das sind 37,2 Proz., 34,3 Proz., 13,3 Proz., 6,2 Proz., 8,6 Proz. der leerstehenden Wohnungen. Der Altteil der 1 Zimmer-Wohnungcit an den leerstehenden war in Berlin höher als in den Vororten, aber die Berliner Anteilziffern bedürfen zu ihrer richtigen Beurteilung noch der Gruppierung aller Wohnungen nach ihrer Größe. Für die Vororte uno auch für Berlin bringt KuczynskiS Arbeit eine Zusammenstellung, die die Anteile der leerstehenden Wohnungen an der Gesamtzahl der vorhandenen Wohnungen mit Unterscheidung der Größenklassen nachweist. Der Ueber- sichtlichkeit wegen beschränken wir uns auf die Wiedergabe der Unterscheidung in nur drei Größenklassen, in Wohnungen mit nicht mebr als 2 Zimmern, mtt 3— 4 Zimmern, mit mehr Zimmern, also in kleine, mittlere, große Wohnungen. Es standen in Berlin und Vororten leer von den kleinen Wohnungen 6,2 Proz., von den mitt- leren 6,4 Proz., van den großen 7,6 Proz. In einzelnen Gemeinden zeigen sich Abweichungen von diesem Gesamtbild, die sehr beachtenswert sind. Bei den kleinen, mittleren, großen Woh- nungen war der Anteil der leerstehenden z. B. in Ber- Ii n 5,3 Proz., 4,2 Pro z., 6,4 Proz., dagegen in den 41 Vorort en 7,6 Proz., 8,4 Proz., 8,4 Proz., von diesen z. B. in Charlottenburg 5,2 Proz., 6,7 Proz., 8,3 Proz., in Neukölln 3,6 Proz., 9,4 Proz., 4,3 Proz., in Schöneberg 3,1 Proz., 3,3 Proz., 7,2 Proz., in Wilmersdorf 7,1 Proz., 3,6 Proz., 11,3 Proz., in Lichtenberg 8,6 Proz., 3,3 Proz., 1,3 Proz. Man ficht, daß in Berlin von den mittleren Wohnungen ein ge- ringerer Anteil leer st and als von den kleinen, während in den Vororten das Verhältnis umge- kehrt war. Die einzelnen Vororte zeigen aber wieder mancherlei Untcffchiede. Beispielsweise standen von großen Wohnungen in Neukölln nur wenige und in Lichtenberg fast gar keine leer, während in Schöneberg von den mittleren und den kleinen Wohnungen nur ivenige leer standen. Von Interesse sind hier auch die absoluten Zahlen, weil ja die einzelnen Gemeinden bezüglich der WohnungS- Größenklassen sehr voneinander abweichen. Von kleinen, mittleren, großen Wohnungen standen leer in Charlottenburg 2213, 1546. 1231, in Neukölln 5536, 738, 28. in Schöneberg 732, 543, 536, in Wilmersdorf 785, 318, 864, in Lichtenberg 1546, 204, 2. Die Hausbesitzer jammern- über die Perluste, die sie durch Leer- stehen unvermieteter Wohnungen erleiden. Im ganzen setzen sie aber die Mieten schon so hoch an, daß etwaige Ausfälle, wenn sie mäßig bleiben, mitgedeckt werden. Gewiß möchte jeder Geschäftsmann möglichst keine Verluste haben, aber gerade das Gewerbe des Woh- nungsvermietens hat von vornherein sich auf Ausfälle einzurichten. Wenn allerdings in manchen Gemeinden bis 13, 11, 12. 13 Proz. aller Wohnungen leer stehen, so ist das ein Zustand, den man kaum noch gesund nennen kann. Aber der Zu- stand, daß z. B. in Schöneberg von den Wohnungen mit nicht mehr als 2 Zimmern nur 3,1 Proz., von 22 953 solcher Wohnungen nur 732, leer standen, ist sicherlich erst recht ungesund. Das Bild U fleaeftfen Sie meine folgen- den Jnferaie! Wenn es draußen grünt und fproßt, wenn die€rde ßd) mit einem neuen Gewände umgißt, dann denken aueß wir meßr wie Je daran, den Bußeren Jiienfdjen neu zu ßekfeiden. Wäfjrend die Jiatur aßer immer wieder dasfefße ßringt, weeßfeft die Tüobe JiBndig. Die Dusßeifung in meinen 72 Scßaufenßern gißt Jßnen ein Diid, was modern, preiswert und fcßön iß. Weine niedrigen Dreife ßeweifen die ßoße üei- ßungsßßigkeit, der ßetig ßeigende Zufprucß die gute Quafität der im eigenen Großßetrieße ßerge- ßefften, formenßßönen TJerrem u. Knaßenkfeidung. 'ä i i :• Ä Tjauptslr. 161 £c6e Stußenraudjs traße Gottüeö Weiss, Scßönederg Tjauptstr. i&i Sckz Stußznraudjstraßz wird übrigen? noch trüber, wenn man diese WobnungS-Grögen- tlaffe noch weiter in Wohnungen mit nicht mehr nl-Z� Zimmer und mit Ü Zimmern zerlegt. Es ergibt sich dann, dag in ch ö n e b c�v g leer standen von den Wohnungen mit 2 Zimmern 3,7 Proz., 500 von 13 540, über von den Wohnungen mit nicht mehr al? l Zimmer n u r 2, 1 Proz., nur IW von 9413. Achnliches ergibt sich auch in anderen Gemeinden des Westens, wenn wir diese Zerlegung durchführen. Es standen leer in Wilmersdorf 710 von 7997 Wohnugcn mit 2 Zimmern, sind 8.9 Proz.. aber nur 75 von 3122 Wohnungen mit nicht mehr als 1 Zimmer, sind nur 2,4 Proz., in Charlottcnburg 1705 von 20 302 Wohnungen mit 2 Zimmern, sind 0,7 Proz., aber nur 445 von 10 218 Wohnungen mit nicht mehr als 1 Zimmer, sind nur 2,7 Proz. Von einem gesunden Zustand des Wohnungsmarktcs kann man nur reden, weziw in jeder Größenklasse immer ein ge- w i s s e r Anteil der Wohnungen unvermietet bleibt. 2.7 Proz.� 2,4 Proz., 2,1 Proz., wie wir es in Charlottenburg, Wilmersdorf, Schöncberg bei den Wohnungen mit nicht mehr als 1 Zimmer sehen, bedeuten ein arges Mißverhältnis zwischen An- gebot und Nachfrage. Dieser Zustand kommt fast einer völligen Räumung des WohnungSmarttes gleich, der zu einer f ü r d i e Mieter verhängnisvollen Kalamität führen müßte. ,bei dem sich der Wert de? Sozialiswu? gerade für die Sand- b c v ö l k e r u n g. die bis heute noch'im Banne'ihrer schlimmsten Aussauger marschiert, deutlich zutage tritt. Ens Induftrie und DandeL Versjcherungsgcimnne. In einem Artikel der„Humanste", der für die V e r st a a t> lichung de? Versicherungswesens, wie es in Italien jetzt von der Regierung gefordert wird, eintritt, zeigt Genosse Co mpere- Morel, hier wie immer auf reiches Zahlenmaterial gestützt, die Uwirtschastlichkeit und die Ausbeutung. mit der heute das private Versicherungsgeschäst betrieben wird. Als Beispiel wählt er die Feuerversicherung. Nach dem Fach- blatt„L'Economiste Fran�ais" erzielten die 18 wichtigsten französi- sche Gesellschaften im Jahre 1900, das als schlecht für sie bezeichnet wird, eine Prämieneinnahme von 131 820 559 Frank. Da- von wurden ausgegeben: für Verwaltungskosten und Agenten nicht weniger als 45 103 083 Fr. und für E n t schädigungen der Abgebrannten nur 77 003 558 Fr., während für die Aktionäre ein Reingewinn von 9 053 318 Fr. verblieb. Von 100 Fr. bezahlter Prämien erhielten also die Versicherten nur 58,98. weniger als Dreifünftel, als Schadenersatz zurück. Ein un� verhältnismäßig großer Teil, verursajü teils durch die wirtschaftlich unnütze Konkurrenz der Gesellschaften und die dadurch gesteigerten TLerbungskostcn, teils durch überhöhe Bezahlung der hohen Funk- nonäre, entfällt auf Verwaltungsiosten, und 0,37, mehr als ein Fünfzebntcl, erhalten die Kapitalgeber. Weit günstiger noch gestaltet sich für diese das folgend« Jahr. 1907 waren die Einnahmen— 138 845 034 Fr. Die Versicherten erhielten in Schadenersatz 72132 705 Fr.— etwas mehr als die Hälfte l51,95 Proz.l— zurück, während auf die Unkosten 40 203 124 Fr.(32,28 Proz.l— fast ein Drittel— entfallen und die Kapitalisten 20 509 745 Fr., das sind 15,77_ Proz. — beinahe ein Sechstel der gesamten Prämien— füv ihre mühsame Tätigkeit einsacken. Da es sich bei diesem Verhältnis von Ein- nahmen und Ausgaben um Geschäfte ohne jedes Risiko handelt, genügen sehr kleine Kapitalien fü» den Geschäftsbetrieb, so do{5 sich eine ganz ungeheuerliche Verzinsung und ein entsprechend hoch' getriebener Börsemvert der Aktien ergibt. So stellten sich die mit 5000 Fr. bezahlten Aktien einer Gesellschaft, die im Jahres' durchschnitt eine Dibidendc von 7000 Fr.:= 140 Proz. brachten, im Jahre 1875 auf einen Börsenpreis von 113 700 Fr. Tie wurden damals in Stücke zu 1000 Fr. Nennwert zerlegt, die sogleich mit je 23 000 Fr. gehandelt wurden und eine Dividende von 1000 Fr. brachten. 1895 notierte man sie zu 32 250 Fr.I Alle diese hübschen Gewinne der Leute, die mit ihren kleinen Anlagen die.Volkswirtschaft befruchtet" haben, kommen aus zu viel bezahlten Prämien. Darunter leiden. ungünstig gestellte Gruppen, insbesondere die Landbevölkerung, noch weit mehr als der Durchschnitt angibt. So wurde ermittelt, daß in einigen Departements in Ostfoankreich 102 Landgemeinden in der Zeit von 50 Jahren rund 12 Millionen an Prämien bezahlt, aber nur 3 Millionen an Entschädigungen zurückerhalten hatten. In einer als besonders gefährlich bekannten Gegend, in der meist große Häuscrgruppen abbrennen, wurden im fünfzigjährigen Durchschnitt jährlich rund 284 000 Fr. Prämien, aber nur 58 000 Frank Entschädigungen bezahlt: also IIP Millionen über die Eni schädigungen hinaus bezahlt von 120 Gemeinden in 50 Jahren. Es begreift sich, daß die Gesellschaften mit dieser Weltordnung ganz wohl zufrieden sind. Nicht minder auch, daß die bürgerlichen Pav' teicn, seien sie„fromm" oder„freiheitlich", nicht an die Beseiti- gung des Unfugs herangehen. Hier ist wieder ein Gegenstand, EiHsegimiigs-Kleidei" schwarz und weiss aas prima Satintuch, reinwollen Popeline, WoQ« batist und Voile, kleidsame Fassons 15. 18.50 21. 24. 28.50 33. m. Prüffunfis-Rlelder LeÄFd"nkei SÄ�.Iß.50 21. 27. 36. m. Backflscll-Pnlßtots 12. 15. 18. M. BncKflscli-JacKenhlßiilcr 18. 27. m. Kostam- Röcke 7.-o 9. 12. 15% 18. m. «tat regeneebten Stoffen engllieber Art 3. 5. 8.-0 11. 13.-0 18.°o u. Eßorm billie: Eigante frnnzösisdie Kleider Popeline, Ki«id„Don" Ä&Ä'f'IB. 25. 33. 45. 58m. TOO 20 lareinw. 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