ZK. SS. BbonncraentS'lkdlngnngffl: Wonnements- Preis vrämanerando! Biertcijährl. Z,M Mk, monaü. UO Mt.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hallst Einzelne Nummer 5 Pfg.©orattagsl nunnner rnil illustrierter Zonntags- BeUage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. AbonnemenU 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeitungS- Preislifte. Unter Kreuzband für DetNlchland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland Z Mark pro Monat. Postabonnenients nebmen an: Belgien, Dänemark, tolland. Italien. Luxemburg. Portugal, umänien, Schweden und die Schweiz, 39. Jahrg. vle TnUrflons-Gebfllfr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewcrlschafMchc Lereins- und Versanimlungs-Anzeigen so Pfg. „klleine Knoeigcn", das fettgedrulkte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., iedcS weitere Wort 5 Pfg. Worte über ISBuch- jtaben zahlen für zwei Worte. Inserate siir die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. VlchÄst täglich aofier Qootags. Verltnev Volksbwtt. Zcntralorgan der rozialdcmokratifchen partd Deutfcblands. Telegramm> Ad reff« „Sczlaliitinolirat RcrUa". Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Oer GcncraUtreiH der Bergarbeiter. London, 1. März.(Eig. 33er.) Der„schwarze Freitag", wie der 1. März 1912 vorige Woche in der Panik, die sich des englischen Bürgertums be- mächtigt hatte, genannt wurde, ist gekommen. Gegen eine Million Bergarbeiter feiern und werden nicht eher wieder zur Arbeit zurückkehren, bis ihre Forderungen erfüllt sind. Ter alberne und hysterische Optimismus der bürgerlichen Presse hat sich als gänzlich unbegründet erwiesen, und es ist auch nicht wahrscheinlich, daß sich die Prophezeiung, der Streik werde schon heute oder in zwei oder drei Tagen be- endet werden, auf eine bessere Beurteilung der Situation stützt. Trotz des Ausbruchs des Generalstreiks dauern die von der Regierung eingeleiteten Friedensverhandlungen fort. Gestern hielt der Premierminister eine Ansprache an die Mit- glieder der Generalkonferenz der Bergarbeiterföderation. Die Rede, die dem ganzen Kampfe eine neue Richtung gegeben baben soll, wurde spät abends von der Regierung veröffentlicht. Nach den Versicherungen der Bergarbeiterdelegierten sind in dem veröffentlichten Text einzelne sehr wich- tige Stellen nicht enthalten. Die Stelle, die nach der Ansicht einiger Blätter den Bergarbeitern den Sieg gibt, lautet: „Wenn dieses Ziel(Minimallohn) nicht durch Vereinbarun- gen erreicht werden kann, sind wir entschlossen, daß es durch alle Mittel, die uns zu Gebote stehen, Teil der Organisation und des Betriebs der Kohlen Industrie dieses Landes werden wird." Diesen Satz legt man so aus, daß die Regierung ent- schlössen ist, de» Minimallohn auf gesetzlichem Wege einzu- fuhren. Die Rede A s q u i t h s war im großen und ganzen ein Versuch, die Bergarbeiter zu bewegen, über die Höhe des Minimallohnes mit sich handeln zu lassen. Tarauf werden sich die Bergarbeitervertreter jedoch schwerlich einlassen. Man muß bedenken, daß die Bergarbeiter nicht um den Minimal- lohn im abstrakten kämpfen, sondern um einen ganz b e st i m m t e n M i n i in a l l 0 h n, den individuellen Distrikts mini mallohn. Das ist der Lohn, der augenblicklich schon in jedem Distrikt bezahlt wird und der nur nicht jedem Arbeiter garantiert wird. Mit den Worten „Anerkennung des Minimallohnes im Prinzip" meinen die Bergarbeiter die Anerkennung des bestehenden Tistriktslohns als individuellen Minimallohn. Sie sind bereit, über die An- Wendung des Prinzips, die Festsetzung der Bedingungen zu verhandeln. Ueber die Höhe des Lohnes können sie sich nicht in Verhandlungen einlassen: denn eine Herabsetzung dieser Löhne würde von der Arbeiterschaft als eine Verschlechterung der bestehenden Lohnverhältnisse empfunden Iverden. Es heißt, die Regierung habe den Minimallohn anerkannt und werde ihn zur Einführung zu bringen. Das ist schon richtig. Nur ist der Minimallohn, den die Regierung im Auge hat, etwas anderes als der Minimal- lohn, den die Bergarbeiter verlangen. Ties muß man beachten, wenn man den Wert der Zugeständnisse der englischen Kohlenbesitzer richtig einschätzen will. Dieser Unterschied in den Anschauungen der Regierungs- Vertreter und der Bergarbeiter steht auch einer gesetzlichen Regelung der Minimallohnfrage im Wege. Die Hauptsrage bleibt doch immer: Wie hoch soll der Minimallohn sein? Und die Regierung wird sich schwerlich dazu verstehen, die Distrikts- löbne als Minimallöhne gesetzlich festzulegen. Es verlautet, daß die Arbeitervartei beschlossen habe, eine Minimallohn- Vorlage einzubringen, durch die die Distriktslöhne als Miniinallöhne festgelegt werden sollen. Ter Premierminister redete gestern stets nur von einem angemessenen(reasonable) Minimallohn. Wenn sich Herr Asquith der sich doch ionst immer einer so genauen Ausdrucksweise befleißigt, nicht dazu versteht, seinen„angemessenen Minimallohn" näher zu er- klären, werden die Friedensverhandlungen nicht vom Fleck kommen. Die Arbeitseinstellung ist überall ohne Störung vor sich gegangen. In Südwales haben auch die Maschinisten der Bergwerke die Arbeit verlassen. Sie fordern einen Minimal- lohn und achtstündige Arbeitszeit. Viele Fabriken im ganzen Lande haben schon geschlossen oder schicken sich an, zu schließen: In einigen Tagen werden Hunderttausende arbeitslos sein. Mirkungen des Streiks. London, 2. März. Wie aus Ztaffordshire gemeldet wird, mußten in den dortigen Fabriken der Ofenindustrie 50 OOO Arbeiter aufhören, da die Verwaltungen den Betrieb vorläufig einstellten. Auch in den Eisengießereien in Bidduph find zahlreiche Entlassungen er- folgt. Es kam dort zwischen Arbeitern und der Polizei zu einem heftigen Zusammenstoß, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Zahlreiche V-rhastungeii wurden vorgenommen. London, 2. März. Die„Times" berichten aus Sheffield, daß 5000 Arbeiter der dortigen Mesferindustrie gezwungen sind, die Arbeit einzustellen. Zu Beginn der näckisten Woche werden 15 000 Arbeiter i» dieser Stadt beschäftigungslos sein. London, 2. März. Die Dampfschaluppen in Hull werden in wenigen Tagen ihre Kohlenvorräte aufgebraucht haben, so daß die Fischer nicht mehr auf den Fang ausziehen können. 5000 Kohlen- lad« in Hull befinden sich ohne Arbeit. Die Direktionen zahlreicher Fabriken haben ihren Arbeitern mitgeteilt, daß sie ihre Betriebe auf die Dauer von 14 Tagen schließen müssen. London, 2. März. Aus allen Teilen des Landes treffen be- unruhigende Nachrichten ein. Die Grcath-Northern-Railway gibt bekannt, daß sie vom Montag ab den Dienst nur noch zur Hälfte aufrechterhalten kann. Die Londoner Eisenbahngesellschaft veröffent lichte eine Erklärung, daß Billetts nnr noch auf Risiko der Kauf« abgegeben werden. Die anderen Eisenbahngescllschaften werden morgen zu ähnlichen Maßnahmen schreiten. London, 2. März. In der Grafschaft Lancashire werden heute, wie von dort gemeldet wird, sämtliche Hochöfen gelöscht werden. In einigen Tagen werden die schottische» Schiffswerften wegen des Kohlenmangels vollständig lahmgelegt sein. Der gesamte Eiscw bahnverkchr wird von morgen ab bedeutend eingeschränkt werden. Die Direktion der South-Eastern-Railway, die den Verkehr zwischen Paris und London vermittelt, hat beschlossen, von morgen ab den Frühzug, der um 10 Uhr vormittags von London abgeht, und den Abendzug 8 Uhr 25 Min. ab Paris ausfallen zu lassen. Die ärmere Bevwlkerung hat sehr unter dem Kohlenmangel zu leiden, da d« Preis für Kohle für sie beinahe unerschwinglich ist. Während früh« 1 Zentner Steinkohle 1 Schilling kostete, ist der Preis hierfür jetzt auf 2>/z Schilling gestiegen. Vie deutschen Kergleute und der englifche Streik. In der vorigen Woche ist von der Leitung des christlichen Gewerkvereins der Bergarbeiter ein Flugblatt herausgegeben— ver- breitet haben es die Vertrauensleute nur zum Teil—, das den Zweck hat, die deutsche Bergarbeiterbewegung herunterzusetzen und die seltsame Hallung der Gewerkvereinsleitung zu verteidigen. Der Verfasser, Herr Redakteur I m b u s ch vom„Bergknappen", windet und dreht sich, aber seinen Argumenten fehlt jede Ueberzengungs kraft. Vor allem wollte er in seinem Flugblatt beweisen, daß die Bergleute Deutschlands einen großen Fehler begingen, wenn sie mit den englischen Bergleuten zugleich eine Be- wegung machten. Sehr schlecht ist es aber mit den Beweisen bestellt. Widersprüche über Widersprüche finden wir in dem Flugblatt. Da heißt es: „Durch die Bewegung in England wird unbestreitbar unsere Situation verbessert, d. h. wenn wir die Sache richtig anpacken." Aber wie die christlichen Führer die Sache angepackt wissen wollen, haben sie in Nr. 7 des„Bergknappen" vom 17. Februar d. I. verraten. Dort heißt es: „Wir Arbeiter im deutschen Aergbau haben mit unseren Arbeitgebern gemeinsam ein Interesse an einem möglichst großen Absatz und an ausreichend hohen Kohlenpreisen. Im gemeinsamen Interesse der Arbeitgeber und Arbeiter im deutschen Bergbau läge jetzt ein Streik im englischen Bergbau. Es wäre dann möglich für uns, neue Absatzgebiete zu gewinnen und in Zukunft die bei uns geschaffenen Produktionsmöglichkeiten besser wie bisher aus- zunützen." Es ist hier mit dürren Worten gesagt: Wenn die englischen Kameraden streiken, müssen die deutschen Bergarbeiter tüchtig darauflos schuften, Ueberschichten machen usw., um möglichst viele Kohlen nach England werfen zu können. Da nun das Flugblatt, das die Bewegung und das Bestreben der Bergarbeiter Deutschlands verächtlich machen sollte, so schlecht geraten ist, schwangen sich die christlichen Führer zu einem neuen Vorstoß auf. In einem zwei Seiten langen Artikel im„Berg- knappen" vom 2. März versuchen sie den Nachweis zu führen, daß die Bergarbeiter Englands keine Solidarität verdienen. Statistiken werden verschoben, um nur ja zu beweisen, daß die englischen Berg- leute 1905 beim großen Streik der Ruhrbergarbeiter die Solidarität gebrochen und Deutschland mit englischen Kohlen überschüttet haben. Diesem Gebaren gehen die vereinigten Bergarbeiterverbände in einem zwei Seiten großen Flugblatt zu Leibe. Hieb auf Hieb prasselt auf die christlichen GewerkvereinSfiihrer hernieder. Unbarm- herzig wird ihnen die MaSke vom Gericht gerissen. Zunächst wird statistisch nachgewiesen, daß im Streikquartal 1905 die Kohleneinfuhr nach Deutschland viel geringer war, als in demselben Quartal des Vorjahres. Die englischen Bergarbeiter haben auch während der damaligen Zeit weniger Schickten verfahren. Nach der amtlichen „Labour Gazette" arbeiteten die englischen Kohlenbergleute im ersten Vierteljahr 1904 wöchentlich 5,19 Tage, im ersten Viertel- jähr 1995, in dem der Ruhrbergarbeiterstreik einsetzte, aber nur 5,13 Tage. Es ist nun selbstverständlich, daß, als die Arbeits- schichten eingeschränkt wurden, die Kohlenausfuhr zurückgehen mußte. Auch haben die englischen Bergleute ihre deutschen Lläincraden während des Streiks finanziell unterstützt. Während der nicht ganz vierwöchentlichen Streikdauer im Jahre 1905 haben die englischen Bergarbeiterorganisationen 153 184 M. zur Unterstützung nach Deutschland gesandt. Von diesem Geld sind auch die Mitglieder des christlichen Gewerkvereins unterstützt worden. Hut ab vor dieser brüderlichen Solidarität! Schließlich werden die christlichen Arbeiterführer auch noch von dem deutschen Kohlensyndikal bcsckämt. Aus Kreisen des Kohlen- syndikats ist der„Kölnischen Volkszeitung" auf daS bestimmteste versichert worden, daß das Syndikat nicht die Absicht hat, Kohlen nach England zu liefern! Eine bessere Züchtigung konnte den christ- lichen Herren nicht widerfahren. Vor allem versuchen die christlichen Gewerkvereinsführer den Eindruck zu erwecken, als sollten die Bergarbeiter Deutschlands in einen Sympathiestreik für die englischen Bergleute ein- treten. Demgegenüber wird in dem Flugblatt auf eine von den englischen B e rg arb e iterfüh r e r n vorgeschlagene und in der Sitzung des internationalen Komitees der Bergarbeiter am 22. Februar angenommene Resolution hingewiesen, in der ge- sagt wird: „Die englischen Bergarbeiter Verlangennich t, daß die Bergarbeiter des Kontinents ihretwegen in einen Sympathie st reik eintreten. Sollten die Bergarbeit« des Kontinents aber selbst Forderungen haben, die fie jetzt durchfetzen wollen, so sei das z« begrüßen." Damit ist die Behauptung der Unternehmer- und christlichen Gewerkvereinspresse, es handle sich bei der Bewegung der deutschen Bergarbeiter um eine Sympathiebewegung für die England«, ab- getan. Jedes Land soll für seine eigenen Forderungen und Ziele streben. Das wollen die Bergarbeiter Deutschlands, mehr nicht. Zum Schluß wird in dem Flugblatt der vereinigten Verbände folgender Appell an die Bergleute losgelassen: „Jedenfalls sind die drei die Lohnbewegung führenden Organi- sationen der Ansicht, daß das Wohl und Wehe der Bergarbeiter von den Launen und Schrullen einiger Personen, die die Leitung des christlichen Gewerkvereins bilden, nicht abhängig sein kann und darf. Daß es der persönlichen Empfindlichkeit dieser Leute auch nicht zum Opfer gebracht werden kann und darf. Sie sind daher entschlossen, d i e L 0 h n b e w e g u n g weiter- zuführen, und wenn es fein inuß, auch mit den äußersten Mitteln. Sie werden sich dabei durch das Gekläff der Gewerkvereinsleiter, die neben ihrem Wagen herlaufen und denselben aufzuhalten suchen, nicht beeinflussen lassen." Wir sind auch davon überzeugt, daß, wenn eS die Rot der Zeit gebietet und die„christlichen Führer" die Bewegung hemmen wollen, sie mit in den Strudel gezogen werden. Bis zum 5. März sollen die Antworten von den einzelnen Grubenverwaltungen auf die ein- gereichten Forderungen zurück sein. Dann werden die Organi- sationen erneut und schnellstens Stellung nehmen und frei und un- abhängig, so wie es das Interesse der Bergarbeiter erfordert, ent- scheiden._ ZentnimsparteiDcde ßila»zverfcbkierung. Um ihre sogenannte nationale Gesinnung zu beweisen. ist die Zentrumsfrccktion bereit, für jede Militär- und Flotten- forderung der Regierung zu stimmen, wie hoch diese auch sein mag. Aber die Vermehrung des Heeres und der Flotte er- fordert neue Geldmittel, ein weiteres starkes Anziehen der Steuerschraube— und diese Tatsache paßt der Zentrums- fiihrerschast recht schlecht in ihre Politik. Noch haben weite Schichten der Zentrumspartei die Nase voll von der duftigen letzten Finanzreform, und eine weitere baldige Steuer- belastung würde in diesen Kreisen auf eine nachhaltige Opposition stoßen. Zudem ist es aber recht wahrscheinlich, daß in dem schönen Steuerbündel, das die Regienmg zu binden gedenkt, sich auch eine Art Erbschafts- oder Nachlaß- steuer befindet, und von dieser wollen weder die klerikalen Großgrundbesitzer noch die rheinischen und bayerischen Zentrumsbauern etwas wissen. Darum wäre es den Zentrumsleitern sehr lieb, wenn die Regierung sich vorläufig damit begnügte, nur ihre Militär- und Flottenforderungen zu stellen, die Decknngsfrage aber ans dem Spiel ließe— wenigstens vorerst, denn kommt Zeit, kommt Rat. Daß jede größere Heeresvermehrung eine Steuerver- mehrung nach sich zieht, darüber sind auch die Finanzkünstler des Zentrums nicht im unklaren: aber zunächst möchten sie aus Rücksicht auf die Stimmung ihrer Anhängerschaft diese neue Steuerschröpfung möglichst weit hinausschieben. So suchen denn die Finaitzjouriialisten des Zentrums durch allerlei Etatsfriseurkünste zu beweisen, daß zunächst neue Steuern zur Deckung der geplanten Wehrvorlagen durchaus nicht erforderlich sind. Nachdem kürzlich schon die„Köln. Volksztg." einen, ihrer Angabe nach aus parlamentarischen Kreisen(diese Kreise dürften mit Herrn Erzberger und seinen Spezialfreunden identisch sein) stammenden Artikel über „die Kosten der neueren Wehrvorlagen und ihreDeckung" veröffentlicht hat, in dem zu beweisen ver- sucht wurde, daß die Einnahmen des Reichsetats um 100 bis 120 Millionen Mark höher anzusetzen seien, und deshalb eine Militärvorlage in dieser Höhe keine weitere Anziehung der Steuerschraube erfordern würde, kommt nun auch der Ab- leger der„Germania", die„Märkische Volksztg.", mit einer ähnlichen Finanzkünstelei. Ter Verlauf des Rechnungsjahres 1911 habe, so meint das klerikale Blatt, die Erwartungen bei weitem übertroffen: schon in den ersten neun Monaten hätten sich Mehreinnahmen von 100 Millionen Mark gegen den Voranschlag ergeben, und jetzt schätze man den für das ganze Rechnungsjahr 1911 zu erwartenden Ueberschutz ans mindestens 120 Millionen Mark. Hierdurch sei der Beweis geliefert, daß_ es sich bei den Einnahmesteigeningen des Jahres 1910 nicht um ein Zufallsergebnis handelte, sondern daß die Einnahmen des Reichs sich erfreulicherweise wieder in dauernd aufsteigender Richtung befänden, daß die pessi- mistischen Annahmen im Jahre 1908 irrig gewesen und daß durch die Reichsfinanzreform von 1909 tatsächlich etwa 100 Millionen Mark an neuen Einnahmen zu viel, bewilligt worden seien. Daraus folgert das Blatt: „So steht man heute schon finanziell so weit, wie man nach dem Finanzreformplan von 1909 erst im Jahre 1915 stehen sollte. Diese über bas damals gesteckte Ziel hinausgebenden BeWilli- gungen werden jetzt die Deckung der geplanten neuen Ausgaben erleichtern. An eine Verwendung der überaus hohen Summe von 120 Millionen Mark lleberschüssen des Rechnungsjahres 1911 zur außerordentlichen Schuldentilgung hat niemand gedacht; nach den Erklärungen des Neichsschatzamtes im Frühjahr 1911 konnte ja mit solchen lleberschüssen überhaupt nicht oder doch nur in ganz geringem Betrage gerechnet werden. Diese 120 Millionen Mark könnten mithin ohne Bedenken zur Deckung derein maligen neuen Heeresausgaben für das Jahr 1912 verwendet werden. Hiernach blieben also nur noch die fortdauernden Mehrausgaben der neuen Heeres- und Flottcnvorlage mit 60— 70 Millionen Mark für die Jahre 1912 bis 1917 zu d ecken. Wenn man die Frage prüft, ob hierfür neue Steuern notwendig sind, so muß zunächst darauf hingewiesen werden, daß auch der neue, soeben vorgelegte Etat für das Fahr 1912, trotz der vorgesehenen ordentlichen Schulden- tilgung von 85 264 929 M., einen ganz erheblichen lleberschuß in Aussicht stellt, und daß man, um die Ueberschußwirtschaft nicht allzu sehr in Erscheinung treten zu lassen, die diesmalige Rate für die Erweiterung des Nord-Oftseekanals mit 42 000 000 M. absichtlich in den ordentlichen Etat hinübergeschoben hat, während die gleiche Ausgabe bisher im außerordentlichen Etat enthalten War. An dieser Stelle erscheinen solche Ausgaben, die werbendes Kapital vorstellen, indem sie dem Reiche durch eigene Einnahmen die Verzinsung de? Aufwandes einbringen. Für eine ganze An- Kthl anderer Etatspositionen gilt dasselbe. Insgesamt 82 Mil- lionen Mark find auf diese Weise in den ordentlichen Etat hin- übergenommen worden. Hierdurch wird der heute schon vorhandene Ueberschutz verschleiert und der Etat verschlechtert.' ,.Es ist also genügend Geld vorhanden, vor- ausgesetzt, daß die Veranschlagung der Einnahmen für das Jahr 1912 richtig wäre. Aber auch dies muß bestritten werden. Für jeden Etatskenner geht aus den Voranschlägen hervor(auch die Denkschrift zum Etat und das Etatsgesetz rechnen hiermit), daß die meisten Einnahmeposten ini Etat Pro 1912 in gleicher Weise zu niedrig veranschlagt sind, wie in den Etats für die Jahre 1910 und 1911, welche die bereits erwähnten Ueberschüsse von 118 bezw. 120 Mil- lionen Mark ergeben." Die schöne klerikale Rechnung stimmt natürlich nicht; aber das schönste an der Sache ist, daß die Regierung oder vielmehr Herr Mermuth, ohne Rücksicht auf die Stimmungs- mache des Zentrums den Beweis liefert, daß die klerikalen Rechenkünstler Zahlenspielerei treiben. In dem Leitartikel der letzten Sonnabendnummer der„Nordd. Allgem. Ztg." wird ausgeführt, daß die Mehrerträge an Zöllen, Zucker- steuer, Branntweinsteuer und Stempelsteuer im Rechnungs- jähr 1911 auf ganz besonderen Ausnahmeverhältnisfen be- ruhen. So seien die Zolleinnahmen für landwirtschaftliche Erzeugnisse infolge der abnormen Ernte im Jahre 1911 ganz außergewöhnlich hohe gewesen. Allein an Zöllen für die fünf Hauptgetreidearten sind in den ersten zehn Monaten des Rechnungsjahres 1911 rund Lhi/s Millionen Mark mehr ein- gegangen als in dem gleidhen Zeitraum des Vorjahres. Ebenso hätten die Zuckersteuer und die Branntweinsteuer besonders hohe Erträge geliefert. Die Zahlenjongleure des Zentrums werden Herrn Wer- muth schwerlich dafür dankbar sein, daß er ihre schöne Ver- kleisterungstaktik so rücksichtslos durchkreuzt und es als ganz .selbstverständlich hinstellt, daß die geplante Militärvorlage neue Steuern bedingt._____ Am das Koalitionsrcclst. Die Geschlagenen vom 12. Januar sehen offenbar nur noch eine Möglichkeit zur Rettung: Sie wollen mit Gewalt- maßregeln den Ansturm der Arbeiterschaft zurückwerfen. Sehr mutig sind sie allerdings in dieser ungeschickten und un- politischen Abwehr nicht. Wenn einer von den Konservativen das Wort ergreift, kann man vielniehr mit Sicherheit er- warten, daß er mit allerhand theoretischer Klügelei von der Notwendigkeit spricht, das Koalitionsrecht zu„regeln". Kristallisiert haben sich diese Vorschläge in dem Antrag der Konservativen auf Vorlage eines Gesetzentwurfs zum Schutze der Arbeitswilligen. Es ist also immer die alte Weisheit, die wieder in den Augenblicken höchster Not hervorgeholt wird. Am heutigen Tag der Generaldebatte über den Etat des Neichsamts des Innern ist diese Frage ganz besonders er- örtert worden. Unser Fraktionsredner, der Genosse Robert Schmidt, ging zuerst in seiner ausführlichen und Material- reichen Rede auf diese konservative Gewaltpolitik ein. Er zeigte, wie die Syndikate, die im modernen Wirtschaftsleben eine ganz neue Organisation des Kapitalismus geschaffen haben, zugleich die Abhängigkeit der Arbeiter und Ange- stellten ungeheuer steigern. Und er wies mit gutem Recht und klarer Logik auf den Widerspruch hin, der zwischen dieser Ver- mehrung der Unternehmergewalt und dem Schrei nach dem Staatsanwalt besteht. Die Koalitionsfreiheit der Arbeiter konnte er unter diesen Umständen als die verwundbarste Stelle bezeichnen, und er ließ klar erkennen, daß das Prole- tariat sich eine Einschränkung seiner Rechte nicht bieten lassen wird. Gegenüber den von der Regierung angedeuteten Maß- nahmen machte er auf die Angriffe aufmerksam, die vom Unternehmertum, von der landrätlichcn Verwaltung und von der Polizei gegen die Freiheit der Persönlichkeit dauernd begangen werden. Und es war zweifellos eine interessante Illustration des Terrorismus, wie er in Wirklichkeit geübt wird, als unser Redner die Methode aufzeigte, durch die der Großgrundbesitz in der Tat auf ein Wiederaufleben der alten Hörigkeit hinarbeitet. Die erhabenen Betrachtungen des Grafen Posadowsky auf seinen Spaziergängen durch die Gebiete der Politik wirkten angesichts solch klarer Beireis- führung wie harmlose Unwissenheit. Unser Redner vertrat zugleich die Rechte und die Freiheiten der angestellten Unter- beamten, deren politische Ueberzeugung tags zuvor der Frei- Herr V. G a m p durch ihr Gebalt abgekauft zu haben glaubte. Daß unsere Politik in Wirklichkeit auch die Interessen der mittleren Schichten der Bevölkerung durchaus nicht gefährdet. vielmehr in Schutz nimmt gegen die Wirtschaftspolitik des Junkertums, behandelte unser Redner in ausführlicher Er- örterung. Schließlich wies er die Regierung, die so leicht geneigt ist, auf die scharfmacherischen Anregungen der Rechten sich einzulassen, auf die zahllosen sozialpolitischen Aufgaben hin, die das Volk von der Gesetzgebung erfüllt wissen will. Ter konservative Redner Graf v. C a r m e r- Z i e s e r- Witz wußte indessen auf diese überzeugenden Darlegungen nicht anders zu erwidern, als indem er erneut die Märchen vom gewerkschaftlichen Terrorisnius verbreitete. Neue Ar- mimente, neue Gedanken waren ja auf diesem Gebiete nichr zu erwarten und in der Tat lief auch die ganze Darlegung auf die Forderung des Ausbaues des bestehenden Rechts hin- aus. Selbstverständlich will auch der konservative Herr es vermeiden, daß man von einem Ausnahmegesetz spricht:� er nennt es natürlich Schutz der Arbeitswilligen. Aber diese lächerliche Schamhaftigkeit mußte ohne jede Wirkung bleiben. Sogar der nationalliberale Redner, der nun folgte, der Abg. T h o m a, ließ sich auf diese feinfühlige Unterscheidung nicht ein. Er lehnte vielmehr jede Verschärfung der bestehenden Gesetzgebung ab. Ja er betonte sogar— übrigens persönlich, wie er besonders hervorhob—, daß die heutige Gesetz- gebung nur einen Schutz desjenigen vorsieht, der sich nicht koalieren will, denjenigen aber, der durch allerhand äußere Beeinflussung von der Koalition abgehalten werden soll, ohne jeden Schutz läßt. Er wünscht deshalb, daß endlich der Post- tive Inhalt des Koalitionsrechts festgelegt wird.— Als Kommentar zu den Darlegungen des konservativen Redners über den angeblichen gewerkschaftlichen Terrorismus waren die Berichte des konservativen Redners S o s i n s k i außer- ordentlich lehrreich: er wies an zahlreichen Beispielen nach, wie namentlich in Oberschlesien sowohl die polnische wie die deutsche Arbeiterschaft durch Unternehmertum und Verwal- hing fortgesetzt vergewaltigt werden. Vor ihm hatte noch der Abg. B a r t s ch a t für die Fortschrittliche Volkspartei die Forderungen des Handwerks vertreten und den Konscrva- tiven vorgeworfen, daß sie durch ihre reaktionäre Politik die Interessen des Mittelstandes empfindlich verletzten. Am Montag geht die Generaldebatte weiter. Für unsere Fraktion wird noch Genosse Sachse sprechen. istbeiterlchatt und Kourgeollie in (Portugal. Man schreibt ur.9 aus L if sab o nr Die portugiesische Republik hat vor kurzem eine Krisis durch- gemacht, die sehr leicht ihren Bestand hätte gefährden können. Die inneren Zwistigkeiten der republikanischen Partei und die konservative Strömung innerhalb der Regierung haben die Re- publik noch nicht zur Konsolidierung kommen lassen. Reaktionäre und Klerikale nutzen die Uneinigkeiten und die Schlaffheit der Re. gierung aus und betreiben im Lande eine ausgedehnte Agitation, die infolge der wirtschaftlichen und politischen Zustände Wurzel schlug. Man hoffte so die Möglichkeit für die Rückkehr der Man- archie zu schaffen. Der Landapbeiterstreik von Elvora, der um einer Lohnftage willen entstand, nahm im Verlauf von wenigen Tagen«ine der- artige Schärfe an, daß die Regierung meinte, ihn mit militärischer Gewalt eintreiben zu müssen. Infolgedessen kam es zu einem Zu- sammenstoß, bei dem«in Arbeiter getötet und zwölf verwundet wurden. Die Ortsbehörde ließ darauf sofort die Arbeitergewerk- schaften suspendieren, und die Führer sowie ein großer Teil der Streikenden wurden gefangen gesetzt. Der Streik wurde auf diese brutale Weise beendet. In diesem Moment griffen die Syndikalisten oder richtiger die Anarchisten von Lissabon— man weiß bis heute noch nicht genau, welche Motive sie hierzu veranlaßten— ein und verlangten von der Regierung die Wiedereröffnung der Gewerkschaften, die Freilassung der Gefangenen und die Entlassung des Präfekten. Sollte die Regierung sich weigern, so drohten sie mit dem General- streik. Denn, so sagten sie, die Regierung hat die Grenzen ihrer konstitutionellen Befugnisse überschritten. Nebenbei muß noch �be- toM werden, daß im Bezirk von Evora die sozialistische und gewerk- schaftliche Bewegung sehr unbedeutend ist und daß die Landprole- tarier dieser Gegend so gut wie gar nicht über soziale Fragen unter- richtet sind. Es verband sie also kein festes Band mit den Lissa- boner Syndikalisten, und dieser Umstand läßt in Verbindung mit anderen Momenten die Vermutung zu, daß diese Bewegung auf irgendeine verdächtige Weise benutzt wurde, um der Republik Schwierigkeiten zu bereiten, sie sogar zu vernichten. Der Partei- vorstand der sozialistischen Partei Portugals beschloß angesichts so schwerwiegender Ereignisse, sich abwartend zu verhalten, um die Entwickelung der Dinge zu überwachen. In dieser Zeit, und zwar am 29. Januar, erklärten die Shn- dikalisten oder Anarchisten den Generalstreik in Lissabon, ohn« vorher die sozialistischen Arbciterorganisatio- n e n um Rat zu fragen. Sie zwangen auf diese Weise die ganze Arbeiterklasse, sich der Streikbewegung anzuschließen. Ter Mangel einer festen Organisation ermöglichte dieser anarchistischen Minder- heit, die sich sehr rührig und tollkühn zeigte, das portugiesische Proletariat in einen höchst verderblichen Streik zu stürzen. Die Regierung erklärte als Antwort auf den Generalstreik einer Arbeiterabordnung, daß sie, da der Streik von Evora beendet sei, die dortigen Gewerkschaften wiedereröffnen und die Gefangenen gegen Kaution freilassen wolle. Der einzige Punkt, bei dem sie keine Konzession machen wollte, war die Entlassung des Präfekten. Allein die A n a r ch i st e n gingen auf di«ie Bedingungen nicht ein und erklärten, da der Streik von Evora nicht beigelegt sei. müsse der Generalstreik aufrechterhalten bleiben. Sie suchten die Streikbewegung von Lissabon aus über das ganze Land aus. zudehnen. Darauf verordnete die Regierung die vollständige Auf- Hebung der verfassungsmäßigen Garantien, er- klärte den Belagerungszustand und übergab die Regicrungsgewalt in die Hände der Militärbehörde. Inzwischen begann das Volk von Lissabon einzusehen, daß Royalisden und Klerikale im Hintergrunde der Streikbewegung ihre trüben Pläne verfolgten, und zog- sich mehr und mehr von der Bewegung zurück. In der Nacht vom 31. Januar wurde das Gewerkschaftshaus von einer starken Truppenabteilung umzingelt, und alle Streikenden wurden aufgefordert, sich innerhalb einer Stunde zu ergeben. Man fügte sich der Gewalt, worauf die Regierung 890 bis 900 Arbeiter als Gefangene an Bord der Kriegsschiffe bringen ließ. Das Ge- werkschaftshaus wurde geschlossen. Bis jetzt hat die Regierung dem Parlamente noch keinen Beweis dafür vorgelegt, daß die Be- wegung von den Royaliften vorbereitet und betrieben worden sei in der Absicht, die Republik zu vernichten. Wer viel gefährlicher als für die Regierung ist dieser anarchi- slische Streich für das Proletariat und die sozialistische Partei aus- gefallen. Denn s i e sind es. die jetzt unter der Verfolgung der Bourgeoisie zu leiden haben. Man möchte jetzt die ganze Ar- beiterbewegung vernichten. Wie nicht anders zu erwarten, hat das Parlament die Maßnahmen der Regierung gebilligt. Einzig und allein der sozialistische Abgeordnete Manuel Jose da Silva hat gegen die Aufhebung der verfassungsmäßigen Ga. rantien smvie gegen das Gesetz, nach dem alle Streikenden von Kriegsgerichten abgeurteilt werden sollen, protestiert. Das letztere würde Hunderte von Arbeitern ohne Verteidigung dem Rachedurst der Bourgeoisie ausliefern. Um gegen dieses brutale Gesetz zu kämpfen und um ihre Haltung der Arbeiterklasse und dem Lande darzulegen, hat der Parteivorstond der sozialistischen Partei Por- tugalS ein Manifest erlassen, aus dessen Inhalt wir weiter unten das Wichtigste wiedergeben. Die Aufgabe unserer Partei ist jetzt mehr denn je: Organi- sation des portugiesischen Proletariats. Im Norden füllen sich unsere Reihen in höchst erfreulicher Weise, aber im Süden machen sich sehr viele Schwierigkeiten geltend. Denn hier ist der Fanatis- mus der bürgerlichen Republikaner viel größer. Jedoch die\sczia- listen Portugals lassen sich nicht entmutigen und gehen mit Eiser und Ausdauer an die Arbeit, die Organisation der Arbeiter- bewegung wieder aufzurichten und auszubauen, wie cS uns das Bei- spiel der deutschen Genossen lehrt.' »» * Manifest der sozialistischen Partei Portugals an daS Lolk von Lissabon und Portugal. In der Gc-schichte Portugals hat selten die Gesellschaft so schwere Krisen durchzumachen gehabt wie in unseren Tagen. Selten hat auch die Masse des organisierten Proletariats, und vor allem der sozialistischen Partei, in deren Namen dieses Manifest erlassen wird, so kritische und so gefährliche Zeiten durchzukämpfen gehabt. Allein zu keiner Zeit hat die sozialistische Partei eine bessere Ge- legenheit gefunden, um den Arbeitern die Richtigkeit ihrer An» schauungen und ihrer Politik kundzutun, die bisher in Portugal so wenig gewürdigt worden ist. Die Sozialisten Portugals, die feit 1875 organisiert sind, bilden eine Sektion der großen modernen iniernationaken Arbeiterbewegung, die in diesen Tagen einen der großartigsten Siege erkämpft hat in einem Lande Europas, das bisher als das konservativste galt.... Arbeiter? Der Streik ist eine Waffe, die bald zur Verteidigung. bald zum Angriff dient, eine Waffe, die das Proletariat im Ringen mit den kapitalistischen Mächten unbedingt braucht. Aber wie ein Gift,- in abgemessenen und geregelten Dosen verabreicht, heilt, in übertriebenem Maße angewendet, tödlich« Wirkung hat, so ist auch der Streik, wenn er nach ruhiger Prüfung und Ucber- legung angewendet wird, des Erfolges sicher. Im anderen Falle ist die Gefahr vorhanden, daß er die an sich schon unglückliche Lage der Arbeiterklasse noch verschlimmert. In den großen fort- geschrittenen Industrieländern ist der Klassenkampf zwischen Ar» beiterklasse und Kapitalisten ein organisierter Kampf. DaS Prol«. tariat studiert die Möglichkeiten, die Zweckmäßigkeit und die Er- folgsaussichten, ferner auch die materielle und moralische Stärke, auf die es während des Kampfes rechnen kann. Es folgt daraus, daß kein Streik erklärt werden darf, was sein Ziel aber immer sein möge, ohne daß die dabei direkt Jnterefsierten mit Hilfe einer allgemeinen Abstimmung ihre Meinung dazu äußern können. Die Abstimmung hat vor allen Dingen durch sämtliche Arbeiterorgani. sationen zu erfolgen, wenn eS sich um einen Generalstreik handelt. Es ist nicht zulässig, daß die beste Waffe deS Proletariats ange- wendet wird im Interesse gewisser hinterlistiger Elemente, die sie angeblich zu seiner Verteidigung schwingen, in Wirklichkeit aber ihre eigenen egoistischen Pläne verfolgen und damit das LoS der Arbeiterschaft noch verschlechtern. Auf Grund dieser Anschauungen der sozialistischen Partei ebenso wie der der gewerkschaftlichen Bewegung muß konstatiert werden, daß, wenn man Partei und Gewerkschaft über die Er» klärung deS letzten'Generalstreiks in Lissabon befragt hätte, die Zustimmung zu einem solchen Abenteuer nicht gegeben worden wäre. Die portugiesische©ektion der Jntcr. nationale richtet sich streng nach den klaren wissenschaftlichen Prin» zipien deS Sozialismus. Sie begreift, daß ein Staat, fei es nun eine Monarchie oder eine Republik, immer eine kapitalistische Festung ist. Erst wenn die Majorität der Bebölkerung durih- drungcn und überzeugt ist von sozialistischer Erkenntnis, erst dann wird sie sich selbst Gesetz und Staat schaffen können. Bis zu diesem ZeUpunkt aber ist es vollständig zwecklos, Kräfte gegen ein Regierungssystem zu vergeuden, außer wenn es sich darum handelt. allgemein« Freiheiten(des Versammlungsrechtes, des Wahlrechtes und dergleichen) zu verteidigen. Es ist bedauerlich, daß die Re. gierung so übertrieben harte Maßregeln ergriffen hat. So gefähr- lich die Situation war, so rechtfertigt sie nicht di« Aufhebung der konstitutionellen Garantien in Lissabon. Die sozialistische Partei Portugals richtet daher an das Prole- tariat und vor allem an ihre Gewerkschaftsgenossen die Auf. forderung: Seid umsichtig, ruhig und ausdauernd, damit die sozia- listische Partei aus diesen kritischen Tagen moralisch und materiell neu gestärkt hervorgehe. DcrParteivor stand. �(Unterschriften.). politische(Übersicht. Berlin, den 2. März 1912. Schwerinstag im Jnnkcrparlamcnt. Am Sonnabend gab es im preußischen Abgeordnetenhause einen sogenannten Schwerinstag, d.h. eS standen nur Initiativanträge der Parteien auf der Tagesordnung. Der Borrang wurde, wie das eigentlich selbstverständlich ist, dem Antrag des Abg. v. Branden» stein(k.) auf Aenderung der Geschäftsordnung eingeräumt. Die Mehrheit kann anscheinend gar nicht die Zeit erwarten, bis die ohnehin schon die Rechte der Minderheit nur unvollständig wahrende Geschäfts- ordnnng»och weiter verschlechtert ist. Zwar spricht der Antrag nur davon, daß die tatsächlich nicht mehr in Uebung befindlichen Bestimmungen der Geschäftsordnung durch neue ersetzt werden sollen, und auch die Antragsteller suchten ihren Antrag als etwas ganz Harmloses hin» zustellen. Was in Wirklichkeit damit bezweckt wird, daS glaubten sie verheimlichen zu können. Aber sie hatten damit kein Glück, unser Fratlionsredner Genosse Hirsch hat der Katze die Schellen umgehängt und den Nachweis erbracht, daß der Antrag ei» Tendenzantrag in des Wortes schlimmster Bedeutung ist, ein An- trag, der die Mundtotmachung und die völlige Entrechtung der sozialdemokratischen Fraktion bezweckt. Daß unsere Fraktion sich dies Attentat auf die parlamentarische Redefreiheit nicht gefallen lassen, sondern mit allen Mitteln dagegen ankämpfe» wird, gab unser Genosse, der im übrigen die Vorwürfe über den schlechten Ton der Sozialdemokratie entkräfteten deutlich zu verstehen. Die Redner der Linken stellten sich auf den grundsätzlichen Standpunkt, daß die Rechte der Minoritäl nicht beschnitten werden dürfen. Im Gegensatz dazu ließ das Zentrum durchblicken, daß eS auch bei diesem Handel mit der Rechten zusammengehen und ihr sogar zeigen wird, wie man aus Umwegen sein Ziel erreicht. Wenn der Antrag aus der Geschäfts- ordnungSkommission, der er gegen den Widerspruch der Sozialdcino- kraten überwiesen wurde, herauskommt, wird man ja näheres über das blauschwarze Komplott erfahren I Ein nationalliberaler Antrag betreffend die Jugendpflege ging in Verbindung mit der Denkschrift der Regierung über diese Frage an die Budgetkommission. Die Besprechung soll erst erfolgen, wenn der KommissionSbericht vorliegt. Längere Zeit unterhielt man sich dann über einige Anträge auf Regelung deS SubmisfionSwescns. Die Debatte gestaltete sich wie alle derartigen Debatten zu einer Mittelstandsdebatte. Die bürgcr- lichen Parteien wetteifern, wer von ihnen am meisten— Worie für den Mittelstand übrig hat. An Taten laffen sie es fehlen, und be» sonders die schwarzblaue Mehrheit bekundete ihr Interesse am Mittelstand dadurch, daß fast alle Mitglieder dieser Parteien durch Abwesenheit glänzten. Genosse Seinert berschmähte es, sich der demagogischen Mittel der Rechten und des Zentrums zu bedienen, er wies nach, wie reaklionär die staatlichen Submisfionsbedingungen sind, wie wenig sie die Interessen der Arbeiter berücksichtigen, und stellte eine Reihe von Forderungen auf, deren Erfüllung eine wirkliche Regelung des Submissionswesens im sozialen Sinne be- deuten würde. Der Antrag wurde der Handels- und Gewerbe- kommission überwiesen. Endlich begann das Haus noch die Beratung zweier Anträge der Freikonservativen und des Zentrums auf Regelung der Wohnungs- Verhältnisse in Großstädten. Nach Begründung dieser Anträge wurde die Debatte darüber bis auf den nächsten Schwerinstag vertagt. Montag: Bergctat._ Die nenen Wehrvorlagen. Halbamtlich wird in der„Nordd. Allg. Ztg." gemeldet: „In mehreren Blättern wird der Umstaird-, daß die Wehrvorlagen dem Reichstag noch nicht zugegangen sind, auf eine vermeintliche Unentschlossenheit der Reichs- l e i t u n g über ihren Umfang zurückgeführt. Diese Annahme ist völlig haltlos. Die neuen Wehrforderungen, die ausschließlich nach den Bedürfnissen der natio- nalen Verteidigung aufgestellt sind, stehen in ihren Grundlagen seit längerer Zeit fest. Die Ausarbeitung sowohl dieser Gesetzentwürfe als auch der dazu gehörigen Dcckungsvor- schlag« wird dieser Tage abgeschlossen. Die Vorlagen gehen dann sofort an den Bundesrat und nach dessen Beschlüssen an den Reichstag." Hoffen wir also, daß nun endlich auch die Oeffentlichkeit bald etwas näheres über die Höhe der Forderungen für Land-, Wasser- und Luftmilitarismus erfahren wird. Nie- d r i g werden die Forderungen ja aller Wahrscheinlichkeit nicht sein, da die Regierung ja durch ihr offiziöses Organ beteuern läßt, daß die Reichsleitung„frei von aller Unent- schlosscnhcit" sei und die neuen Wehrforderungen ausschließ- lich nach den Bedürfnissen der nationalen Verteidigung(will sagen: nach den Wünschen unseres unersättlichen Militarismus) aufgestellt Habel Um das Reichstagspräsidium. Die„National-Zeitung". das Berliner Organ der National- liberalen, berichtet: „Zwischen den verschiedenen Fraktionen im Reichstage finden gegenwärtig Besprechungen statt, um die Möglichkeit eines gemeinsame» Zusammengehens der bürgerlichen Parteien ins Auge zu fassen. AIS Vertreter der Nalionallibcralen ist der Abg. B a f s e r m a n n beauftragt, die Verhandlungen zu führen, die jedoch noch nicht zu bestimmten Vorschlägen gediehen sind. In erster Linie kommt als nationalliberaler Präsidenlschafts- kandidat wieder der Abg. Paasch« in Belrachr, den man allerdings nicht zum dritten Male in die peinliche Lage bringen dürfte, nach der Wahl auf den Posten verzichten zu müssen. Die Aussichten auf eine Verständigung sind bis zur Stunde außerordentlich gering, da man in der nationalliberalen Fraktion weder einem aus- gesprochenen Präsidium der Linken, noch einem der Rechten ge- neigt ist."_ Trimborn gewählt. Bei der Reichstagsersaßwahl im Kreise Köln 5(Wald- bröl-Siegkreis). die am 1. März vor sich ging, erhielten der Zentrumskandidat Trimborn 17 003, Lambertz(Z.) 31, v. Holleben(Natl.) 46, Schack(Soz.) 23, Schneider(Wildsoz.) 79, Hein(christl.-soz.) 35, zersplittert waren 153 Stimmen. Vcgner waren ernsthaft gar nicht aufgestellt. Wem die Kolonien nützen. In einem Artikel über die beruflichen Aussichten in Deutsch- afrika warnt die„National-Zeitung" die Auswanderungs. lustigen dringend vor einem unüberlegten Entschluß. Denn mancher Auswanderer, der nach unseren Kolonien gegangen sei, habe„trübe Erfahrungen" gemacht und„bittere Enttäuschungen" erlebt. Der Bedarf an Handwerkern sei in allen Kolonien sehr gering. In Deutschsüdwestafrika seien die Chancen noch am günstigsten. Indessen werde der Bedarf für Handwerker durch das Verbleiben ehemaliger Schutztruppenange- höriger im Lande reichlich gedeckt. In Deutschostafrika lögen die Verhältnisie noch ungünstiger. Vom Handwerk allein könne man sich dort nicht ernähren. Erst recht hätten u n- gelernte Arbeiter ebensowenig hier wie in Togo und in Kamerun Aussicht auf ein Fortkommen. In den letztgenannten beiden Schutzgebieten verbiete auch schon das Klima den Weißen dauernde körperliche Anstrengung. Aber nicht nur Arbeiter und Handwerker erfahren hier, daß in unseren Kolonien nichts für sie zu holen ist, sondern auch „selbständige Kaufleute mit kleinerem Kapital". Zln Südwestafrika sei der Kaufmanns- und Händlerstand bereits jetzt reichlich stark vertreten. In Deutschostafrika ließen die in- dischcn Händler eine Konkurrenz europäischer Kauflcute kaum auf- kommen, und für Kamerun und Togo sei für selbständige Kauf- leute der„Bedarf bereits gedeckt". In Kamerun speziell liege der gesamte Handel ausschließlich in den Händen von ungefähr 26 europäischen G ro ß f i r m e n. So hat die nichtbesitzende Klaffe in Deutschland eben nur die riesigen Kosten für unsere Kolonien und unsere ganze Welt- Politik aufzubringen— aber irgendwelche Fortkommensmöglichkeiten bieten sich ihr in unseren Kolonien nicht! So bestätgit der Artikel des nationalliberalen Blattes genau daS, was wir selbst schon hundertmal dargelegt haben! Drangsalierung nationalliberaler Beamte» in Ostprcnsien. Nickt nur sozialdemokratische Landarbeiter, sondern auch höhere Beamte iverden in Ostpreußen wegen ihrer politischen Gesinnung und Betätigung verfolgt. Dabei sind diese Beamten nicht etwa sozialdemokratisch oder freisinnig: sie gehören der national- liberalen Partei an. EineS TagcS wurde Seminardireklor Turowski, der Vorsitzende des nationalliberalen Vereins in Ragnit, nach Königsberg gerufen, wo ihn seine vorgesetzte Behörde wegen seiner politischen Täligkeit ernstlich vcnnabnt und dann gezwungen hat, sein Amt als Vorsitzender des Vereins niederzulegen. Sein Nachfolger im nationalliberalen Berein wurde Katailerkoiitrolleur Hübucr-Ragiiit. dem die bürger- liche Prcsie in Ostpreußen nachsagt, daß er ebenso lvie TurowSki ein „hingebender Patriot", vortrefflicher Mann und tüchtiger Beamter fei. Da er aber den Vorsitz des nationailiberalen Vereins über- nommen hatte, mußte er— b ü ß e n. Eines Tages erschien bei ihm ein höherer Regierungsbeamter. um ihm auf Grund des gesammelten MateriolSVorhaltungen über feine p o l i t i f ch e Tätigkeit zumachen und eine schriftliche Erklärung zu ver- langen, daßersichvergange n habe! Man sieht, wie erhaben die Regierung„über den Parteien steht. In Ostpreußen darf und soll ein Beamter nur für die konservative Partei agitieren. Tut er daS. so erfreut er sich des besten Wohl- woüens seiner Vorgesetzten. Aber wehe ihm. wenn er sich zu einer anderen Partei bekennt. Uebrigens haben die Nationalliberalen wenig Ursache, sich zu beklage, t. Da, wo sie herrschen— besonders im Nuhrrevier—. maßregeln sie in gleicher Weife jeden Arbeiter und Angestellten, der nicht— nationalliberal wählt._ Wer terrorisiert? Von der Stadtverordnetenversammlung zu P l e ß O.-S. wurde das Mandat des in der ersten Klasse gewählten fürstlich Pleß'schen Syndikus Groll für ungültig erklärt, weil der Generaldirektor des Fürsten PIeß, ein Herr Dr. Nasse, die Wahl desselben durch einen geradezu unerhörte n Terror herbeigeführt hat. MündlichilndschriftlichunrerausdrücklichemHinweis auf ihre geschäftlichen Beziehungen zur Fürstlich P l e ß s ch e n G e n e r a l d i r e k i i o n, ja sogar unter direkter Androhung geschäftlicher Nachteile wurde auf die Wähler ein solcher Druck ausgeübt, daß diese gar nicht anders konnten, als für den fürstlichen Kan- d i d a t e n zu stimmen. Die Stadtverordnetenveriammlung er- klärte zwar das Mandat für migiilrig� und wies mit Entrüstung das Verhalten des Generaldirektors Dr. Nasse zurück, konnte sich aber nicht dazu anfschwiiigen. weitere Schritte gegen den im fürstlichen Solde stehenden Terroristen zu unternehmen. Wird sich nun ein Staatsanwalt finden, der angesichts des geradezu gravierenden Materials gegen den geradezu gemein- gefährlichen Terrorismus im öffentlichen Interesse einschreitet? Wir zweijeln daran. Wer die Steuern aufbringt und wer über sie verfügt. Im Kreise Neustadt in Westpreußen liegen die beiden Städte Zoppot und Neustadt. Sie bringen jährlich ungefähr 240 000 M. Kreissteuern aus und stellen sieben Abgeordnete zum Kreistag. Vierzig Gutsbezirke im gleichen Kreise dagegen nur 7324 M. Kreis- steuern, verfügen aber über 16 Abgeordnete! Sächsische Justiz. Im Liebertschen Wahlkreise batte ein konservativer Ritterguts- besitzer und Haliptniailn a. D. Hochheim dem sozialdemokratischen Kandidaten Genossen Ryssel in öffentlicher Versammlung vorge- warfen, er sei wegen eines Diebstahls von der Realschule gejagt worden. Genosse Ryssel hat weder die Realschule besucht, noch je eine Strafe erlitten. In der gegen Hochheim angestrengten Bc- leidigungsklage Ryffels wurde der Beleidiger freigesprochen, weil das Schöffengericht Borna zu dem salomonischen Schluß kam. Hoch- heim habe einen anderen Ryssel gemeint, es sei ihm eine Personen- Verwechselung unterlaufen. Er könne deshalb auch den sozialdemo- kratischen Kandidaten Ryffcl nicht beleidigt haben. frznkrcidh. Aus den Geheimnissen des Luft-Patriotismus. Paris, 24. Februar.(Eig. Ber.)„Ein nationales Werk!"„Auf zur Eroberung der Luft!"„Frankreich in der Luft voran!"— so tönt seit ein paar Tagen unablässig der Tamtam der bürgerlichen Presse. Der militärische Aeroplan ist jetzt der Götze, auf den der Chauvinismus seine Hoff- uungen setzt. Der großartige Triumph menschlicher Wissen- schaft wird zur Selbstbespiegelung eines aufgeblähten Spießerpatriotismus. Die Komödie der Zeppelin- spende wird ins Französische übersetzt. Bor einigen Tagen ist der alte Clemenceau nach einem Vortrag über das Thema bei der eleganten Zuhörerschaft schnorren gegangen. Jetzt haben die verehrlichen Herausgeber der bür- gerlichen Informationsblätter die Spendierhosen angezogen und fordern die Nation zu gleichet Opferwilligkeit auf. Wehe dem Kommis des Warenhauses, der die„freiwillige" Spende verweigert, die die patriotische Direktion nach seinem Gehalt genau beziffert voraus auf die Liste gesetzt hat. Das Mode- magazin, das große Spczereigeschäft, die Bank— sie alle wollen mit imposanten Äimmen auf der Liste vertreten sein. Welch erhebendes Bild eines nationalen Opferzugs, worin jegliche Zunft und Werkgemeinschaft ihre Gabe zum Altar bringt! Leider hat auch diese idealistische Erhebung wie so manche andere der bürgerlichen Gesellschaft einen schnöden materia- listischen, ökonomischen Untergrund. Die„Bataille Syndica- liste" ist so respektlos, ihn aufzudecken. Sie erzählt folgendes: Nach Bl6riots berühmten Kanalflug hatte die Aeroplan- indust�ie einen hohen Aufschwung genommen. Eine Reihe Gesellschaften bildeten sich, das Kapital strömte von überall zu. Dann trat, nach den vielen Katastrophen ein Rückschlag ein. Der letzte Salon der Aviatik fiel mit einem Tiefstand der Industrie zusammen. Da trat die'„B a n q u e de Paris etdesPays-Ba s", das größte der französischen Gründerinstitute auf den Plan. Sie hatte in der Stille die Aktien der Bl6riotgesellschaft und einiger anderer, notleideu- der Firmen angekauft. Dann begann sie die Campagne, die Kredite für die militärische Aviatik forderte. Tie patriotische Trommel wurde gerührt, unter besonders eifriger Beteiligung der Sippe Clemenceau. Herr Michel C l e m e n c e a u, der Sohn des, wie wir oben gezeigt haben. besonders luftflotten-begeisterten früheren Ministerpräsi- denten, ist Präsident der Gesellschaft„Arie l", die der Konzessionär der Bi plane Wright ist. — In der Armee lvar nach den Erfahrungen der letzten Ma° növcr die Stimmung für die Aeroplane nicht besonders günstig. Ta wurde denn beschlossen, an das„Volk" zu apellieren. Die„große Presse" war schnell gewonnen. Die 50 000 Frank, die die Direktoren des„Matin" usw. zu Arn- mierzwecken hergeben mußten, werden ihr in der Gestalt von Pauschalien von der Bank bald zurückerstattet werden und obendrein haben sie eine Reklame. Für die paar Millionen aber die einlaufen, werden Aeroplane gekauft und— die Aktien der verschiedenen Konstruktions- gesellschaften gehen in die Höhe! Italien. Ein Ueberblick über die Arbeit der Reaktion. Rom, den 2g. Februar.(Eig. Ber.) DaS italienische Organ der Syndikalisten, die„Jnternazionale", veröffentlicht eine Statistik über die Verurteilungen, die seit Beginn des Krieges bis zum 28. Februar 1912 von italienischen Gerichten wegen politischer Vergehen verhängt worden sind. Insgesamt wurden 107 Jahre Gefängnis und 3186« Lire Buße verhängt. Das ist aber nur ein kleiner Teil der Strafen, auf die in der heutigen Reaktions- Periode erkannt worden ist. Das Schandurteil über die Unruhen von Poggibonsi, das insgesamt 30�4 Jahr Gefängnis verhängte, und das von T ra n i, wo l0 Genossen zusammen 40 Jahre Gefängnis erhielten, sind hier noch gar nicht mitgezählt, ebenso- wenig wie die Untersuchungshaft, in der sich zurzeit 140 GeWerk- schaftler befinden, die an den Streik von P i o m b i n o und der Insel Elba beteiligt waren. Der Prozeß gegen diese dürfte vor August kaum stattfinden, und bis dahin haben die Verhafteten zu- sammen 140 Jahre Untersuchungshaft verbüßt. DaS Fazit der Verfolgungsarbeit der Reaktion wird sich also in kürzester Frist auf ein halbes Jahrtausend Gefängnis belaufen. Das ist eine der Segnungen� die der Krieg dem Lande bringt, Rußland. Kritik am deutsch-russischen Handelsvertrag. Petersburg, 2. März. Duma. Im Laufe der Beratungen über die Gesetzvorlage betreffend die Forderung des russischen Land- Wirtschaftsmaschinenbaues brachten die Abgeordneten Dsjubinski der Arbeitergruppe und Andrcitschuk der Rechten Amendements zur zollfreien Einfuhr von Mähmaschinen und Pferdcdreschmaschinen ein. Der Vorsitzende der Finanzkommission, Oktobrist Lercha, bc- kämpfte die Amendements, indem er darauf hinwies, daß Rußland die zollfreie Einfuhr dieser Moschinen bei den Verhau d- lungen zum neuen Handelsvertrage Deutsch- land gegenüber unter entsprechenden Zugeständnissen für die russische Landwirtschaft gewähren könne. Kadett Schingarew er- klärte, der gegenwärtige Vertrag mit Deutschland sei für Rußland ein größeres Unglück als der russisch-japanische Krieg. Dieser Bertrag lege der russischen Landwirtschaft eine ungeheure Bürde auf. Der Redner ist davon überzeugt, daß die Regierung bei der Ern.— urung des Handelsvertrages die Würde Rußlands wahren wird. Der Redner schloß unter dem allgemeinen Beifall der Linken mit den Worten: Wir werden unsere Landwirtschaft nicht der Unterjochung Deutschlands preisgeben. Die Duma lehnte die Zusatz- antrage ab. Marokko. Kämpfe im Schauja- und Mnluja-Gebicte, Casablanca, 2. März. Die Kolonnen der Obersten Taupin und Brulard zwangen die abtrünnigen Zemmur, die die Gegend von Sul el Arba unsicher machten, in der Nähe von Tafudelit am 29. Februar zu einem Kampf, in dem die Zemmur trotz ihrer überlegenen Zahl und ihres erbitterten Widerstandes in die Flucht geschlagen wurden. Der Feind ließ zahlreiche Tote zurück, die Franzosen hatten sechs Tote und gegen dreißig Leichtverwundete. Paris, 2. März. Nach einer Blättermeldung aus Oran unternahm kürzlich ein marokkanischer Stamm des Nachts einen Angriff auf das Lager von Taurirt. Dabei sind zwei französische Schützen getötet und sechs eingeborene Soldaten verwundet worden. Die französischen Truppen haben nach kurzem Kampfe die Angreifer zurückgeschlagen. Unter den Marokkanern, heißt es weiter, sei infolge des bei ihnen herrschenden Elends eine große Gärung ausgebrochen und der Befehlshaber der französischen Truppen werde die Vorposten verstärken müssen, um weiteren derartigen Ueberrumpelungen vorzubeugen. Gerüchtweise verlautet, daß in den nächsten Tagen der Marsch nach Taza aufgenommen werden solle, um die Stämme jenseits des Mulujaflusses zu züchtigen. Hus der partei* Gegen die Polizeiwirtschaft in Breslau, die in letzter Zeit eine ihrer Hauptaufgaben in der Konfiskation von roten Kranzschleifen und Kränzen mit roten Blumen bei Beerdigungen von Sozialdemokraten sowie auch in dem Uebcr» wachen und Auflösen von sozialdemokratischen Frauenabenden er- blickt, protestierte am Donnerstagabend eine gewaltige Versa mm- l u n g, die auch zum Teil von bürgerlichen Leuten sehr stark be- sucht war. Der große geräumige Saal des GcwerkjchaflshauscS war überfüllt und'hunderte mußten umkehren, weil sie keinen Ein- laß mehr fanden. Die Referate des Genossen Neukirch und der Genossin Seelinger, in denen die Breslaucr Polizei ob ihrer Taten gegen die Arbeiterschaft Spießruten laufen mußte, fanden stürmische Zustimmung. Ein bürgerlicher Rechtsanwalt erklärte in der Dislussion die Konfiskation der roten Kranzschleifen und Blumen, sowie die Absicht der Polizei und Justiz. Leichenbegäng- nisse mit roten Kranzschleifen zu einem ungewöhnlichen, also an- mcldepflichtigen Vorgang zu stempeln, für unhaltbar. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die heutige Volksversammlung, von mehr als 1500 Männern und Frauen besucht, erhebt entschiedenen Einspruch gegen das Verhalten der Breslauer Polizei, die, statt ihre Kräfte einzig und allein in den Dienst der öffentlichen Sicherheit zu stellen, einen erheblichen Teil der Beamten dazu verwendet, einen großen Teil der Bürgerschaft bei ihren Versammlungen und Be- erdigungen ganz unnütz zu beaufsichtigen. Mehr als 20 Jahre hin- durch hat es die Breslauer Polizei, wie es sich gehört, bei Bcerdi- gungcn von Sozialdemokraten geduldet, daß Kränze mit roten Schleifen vorangctragen wurden. Im Juli 1911 zuerst und dann fortgesetzt bis zum heutigen Tage sind aber viele rote Kranz- schleifen von der Breslauer Polizei beschlagnahmt worden: es wurde damit eine Empörung hervorgerufen, die um so bercchtigicr ist, weil bei Beerdigungen von Nicht sozialdemokraten noch n i e- m a l s ein polizeiliches Eingreifen zu beobachten war. Es muß mit Entschiedenheit verlangt werden, daß die Sozialdemokraten als gle chberechtigte Bürger behandelt werden, die ihre Toten nach ihrem Belieben beerdigen dürfen. Ebenso unangebracht ist das Aufgebot von Polizcibcamten im Frauenabcnd des sozialdemokratischen Vereins, der nicht öffentlich ist, sondern nur Mitgliedern den Zu- tritt gewährt. Gerade in Breslau, wo zahlreiche Bürger über die zunehmende Unsicherheit durch Diebe und Einbrecher klagen, hätte die Polizei allen Grund, ihre Kräfte auf d i e Aufgaben zu beschränken, die ihr wirklich gestellt sind und deren Erfüllung der Allgemeinheit auch nützen würde. Das Bureau der Versammlung wird beauftragt, diese Eni, schließung dem Mini st er des Innern zu unterbreiten." Die Erbitterung gegen die Taten der Breslauer Polizei greift erfreulicherweise auch in bürgerlichen Kreisen immer mehr um sich. Die Einberufung des italienischen Parteitages. Rom, 29. Februar.(Eig. Ber.) Angesichts der durch die Spal- tung der Parlamcntsfraktion geschaffenen Sachlage hat der italicni- sche Parteivorstcmd beschlossen in der kürzesten statutengemäßen Frist von drei Monaten einen Parteitag einzuberufen, der somit Anfang Juni zusammentreten wird. Als Ort der Tagung ist Reggio Emilia gewählt worden. In der gemeinsamen Sitzung, die am 23. Februar Parteivorstand und Parlaments- fraktion abhielten, erklärte Bissolati seinen Austritt aus der Fraktion und begründete ihn damit, daß seine Person der Haupt- anlaß der heutigen Spaltung sei. Es wurde dann eine Tages- ordnung C a n e p a angenommen, die die Neugründung einer ein- zigen Parlamentsfraktion festsetzt, wobei in Erwartung der Bc- schlüsse des kommenden Parteitages die Unterordnung der Minder- heit unter die Mehrheit als Grundlage der neuen Fraktion gilt. Die durch dieses Votum geschaffene Situation behalten wir uns vor, eingehend zu würdigen, sobald die Verhandlungsberichte des „Avant!" über die Sitzungen des Vorstandes und der Fraktion vor- liegen. Diese Sitzungen waren ungemein lebhaft, und eine von ihnen hat bis halb drei Uhr morgens gedauert. Richtigstellung. In unserem Bericht über den 4. Tag des französischen Parteikongresscs in Lyon ist unter dem Tiiel: Nachmittagssitzung richtigzustellen, daß die-.".m Punkt „Freimaurerfroge" angenommene Resolution der Seincmehrheit diejenige ist, die den Statusquo aufrechterhält, wogegen die Rc- solution, die die Parteigenossen aufforderte, ihre Kräfte nicht zu zersplittern, sondern ganz der Partei zu widmen, von der Nord- föperation eingebracht war. Gewerhrchaftlkhes. Der Streik im Rcrrenmaßrchnddergewcrbe. In der gestrigen Vertrauensmännerversammlung teilte Kunze unter anderem mit, dag nach den vorläufigen Feststellungen rund 2100 Mann an dem Streik beteiligt sind, und daß 170 Firmen die neuen Vereinbarungen unterschriftlich anerkannt haben. Im Laufe der Versammlung wurden jedoch noch einige weitere Unter- schriften vorgelegt, so daß die Zahl auf 17 4 stieg. Im übrigen hat noch eine Anzahl anderer Firmen die Bewilligung der Forde- rungen in Aussicht gestellt. Es ist von verschiedenen Firmen wiederholt das Verlangen gestellt worden, den Tarif unter Vor- behalt anerkennen zu können, und zwar in der Form, daß später auch für diese Firmen der Tarifvertrag Geltung erhält, der mit dem Arbeitgeberverband zum Abschluß kommt. Ein derartiges Verlangen wird jedoch stets zurückgewiesen, und die Firmen, deren Unterschriften vorliegen, haben die Vereinbarungen auch alle ohne jeden Vorbehalt anerkannt. Was später zu geschehen hat, wenn ein allgemeiner Tarifvertrag vorliegt, kann jetzt nicht aus- schlaggebend sein. Uebrigens waren bei der Lohnbewegung im Jahre 1907 nach vier- bis sechswöchigem Kampf noch nicht so viel Vereinbarungen abgeschlossen wie jetzt nach zweitägigem Streik. Ferner teilte der Redner mit, daß am Mittwoch in Halle eine Beiratssitzung des Schneiderverbandes stattfinden wird. Bekannt- lich hat der Arbeitgeberverband, der sonderbarerweise in Zweifel zu sein scheint, ob er die Generalaussperrung ohne nochmaligen Schlichtungsversuch vernehmen darf, zum Donnerstag abermalige Verhandlungen vorgeschlagen, die in derselben Stadt, und zwar zwischen den Hauptvorständen, gepflogen werden sollen. Der Redner betonte, daß es, namentlich auch für die drei Großstädte, ganz ausgeschlossen erscheint, die Tarife ohne Beratung durch die Orts Vertreter beider Parteien zustande zu bringen. Mache der Zentralvorstand der Arbeitgeber den Weg frei für solche Be- ratungen, so werde man sich verständigen können. Schließlich ging der Redner noch mit einigen Worten auf die im«Berliner Tage- blatt" veröffentlichten Aeußerungen der Herren Fritz Hoff- mann und Kirschstein ein und betonte, daß bisher von den Arbeitgebern, und zwar auch noch jüngst in Frankfurt, anerkannt worden sei, daß die Arbeitervertreter die Verhandlungen in durchaus anständiger und konzilianter Form geführt haben. Man werde sich auf Arbeitnehmerseite auch fernerhin bemühen, diesen guten Ton im Verkehr mit den Arbeitgebern bei- zubehalten, sich aber auch von Arbeitgeberseite keine andere Be- Handlung bieten lassen.— Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Die daran anschließende Diskussion bewies noch weiter, daß der Streik mit voller Kraft durchgeführt wird. Es wurde noch bekanntgegeben, daß bis jetzt an folgenden Stellen Streiklokale ein- gerichtet sind: in den Arminhallen, Kommandantenstraße, wo sich auch das Zentralstreikbureau befindet, ist das Lokal für den Stadt- teil südlich den Linden, für die Geschäfte Unter den Linden und nördlich davon in den Rolandsälen, Elsasser Str. 26, für die Gegend am Alexanderplatz und östlich sowie nördlich des Platzes bei Schulz, am Königsgraben. Für die Firma Hermann Hofsmann ist ein be- sonderes Streiklokal in der Ritterstr. 7S eingerichtet. Auf Montag vormittag 10 Uhr�st eine Mitgliederversammlung der Herrenmaßschneider nach der Brauerei am Friedrichshain einberufen. an der wiederum auch die Mitglieder des Gewcrkvereins gemeinsam mit den Mitgliedern des Schnciderverbandcs teil- nehmen. verlin und Umgegend. Streik in der Karton- und Kartonagenindustrie. Am Freitag hatten sich hie in der Berliner Karton- und Kartonagenindustrie beschäftigten Arbeiter, Arbeiterinnen und Heim- arbeiterinnen in Kellers Festsälen in der Koppenstraße versammelt. Bis auf den letzten Platz war der geräumige Saal und seine Galerien besetzt. Es galt Stellung zu nehmen zu dem Ergebnis der Verhandlungen, die mit den Venretern des Schutzverbandcs der Kartonagenfabrikanten über die von der Arbeilerschafl den Unter- nehmern unterbreitete Tarifvorlage staltgefunden haben. Würz- b e r g e r, der Bezirksleiter des Buchbinderverbandes, erstattete den Bericht. Die Hoffnungen, auf friedlichem Wege zu einem beide Teile befriedigenden Vertragsverhältnis zu gelangen, sind in nichts zer- rönnen. An fünf Tagen, die sich auf die Zeit vom 13. bis 20. Februar verteilen, ist mit den Vertretern des Unternehmer- Verbandes verhandelt worden. Schon die Betitelung der Vorlage gefiel den Arbeitgebern nicht. Sie wollten keinen Tarifvertrag mit ihren Arbeitern abschließen, sondern nur.Vereinbarungen" treffen. Das habe darin seinen Grund, daß der Zentralverband der Kar- tonagenfabrikanten mit dem der Etuisfabrikanten eng kartelliert ist und dessen Beschlüsse nach Möglichkeit zu seinen eigenen macht. Der Zentralverband der Etuisfabriken hat aber auf seinem Eisenacher Berbandstage beschlossen, Tarifverträge mit den Arbeiterorgani- sationen nicht mehr abzuschließen. Auch beriefen sich die Fabrikanten auf den Schutzverband der Steindruckereibesitzer, der auch keinen Tarifvertrag mit der Arbeiterorganisation geschlossen, sondern nur Vereinbarungen getroffen habe. Außerdem verlangten die Arbeit- geber, daß sich die zutreffenden Vereinbarungen nicht auf die ge- samte Karton- und Kartonagenindustrie, sondern nur auf die Bezugs- brauche erstrecken sollen. Auch über die materiellen Punkte der Vorlage war eine Einigung nicht zu erzielen. Die Differenzen zwischen den Forderungen und den Angeboten der Unternehmer sind außerordentlich groß, wie folgende Gegenüberstellung zeigt: Gefordert Erstes Letztes wird Angebot der Arbeitgeber Arbeitszeit pro Woche.. S2 Sld. 63 Sld. 63 Std. Minimallöhne f. Zuschneider pro Woche pro Std. pro Woche im I.Jahre nach der Lehre 26 M. 36 Pf. 21 M. . 2.„.,„ 30. 40, 23„ imch dieser Zeit 35 44 /24. im 3. Jahre ' Ö. öo. 44.(26. nach dies.Zeit Roch krasser sind die Unterschiede bei den Arbeiterinncnlöhnen, von deren Festlegung die Arbeitgeber zunächst überhaupt nichts wissen wollten. Schließlich verstanden sie sich zu Vorschlägen für die Zuarbeirerinnen, die an Maschine» arbeilen. Das erste Angebot begann mit 6 M. pro Woche für Anfängerinnen und brachte mit der zunehmenden Beschäftigungsdaucr ganz geringe Steigerungen. Das letzte Angebot war 7 M. für 14— 16 Jahre alte Arbeiterinnen und 8 M. für über 16 Jahre alte Arbeiterinnen. Jedes Jahr sollte 1 M. Zulage erfolgen bis zum Höchstlohn von 15 M. In den Forde- rungen werden aber schon 12 M. für Arbeiterinnen in, ersten Halb- jähr der Berufstätigkeit verlangt. Dieser Lohn steigt bis auf 22 M. im sechsten Halbjahr der Berufstätigkeil. Der geforderte Garantielohn für Akkordarbeiterinnen wurde von den Arbeit- gebern als technisch unmöglich verworfen. Sie wollten lediglich die Akkordlöhne prozentual erhöhen und zwar für Handarbeit um 6 Proz. und für Maschinenarbeit um 3 Proz. Unter diesen Um- ständen erklärten die Vertreter der Arbeiter zu weiteren Verhand- lungen keine Vollmacht zu haben. Inzwischen haben sich die Vertrauensleute mit der Situation beschäftigt. Diese schlagen der Versammlung vor, nunmehr einen Tarif— in dem das seitens der Arbeiiervertretcr bei den VerHand- lungen mit den Vertretern des Schutzverbandes bei den Forderungen bezüglich der Arbeitszeit und den Löhnen gezeigte Entgegenkommen berücksichtigt wird— den Arbeitgebern am Sonnabend, den 2. März. durch die Vertrauensleute und Arbcilerausschüsse zur Unterschrift vorzulegen. Zuletzt wird noch ein Schreiben des Schutzverbandes verlesen, indem derselbe erklärt, vor wie nach zu weiteren Ber- Verantw. Redakteur: Blbert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Handlungen bereit zu sein, vm die Arbeiter nicht zu benachteMgen, wird der Schutzverband seine Mitglieder anhalten, für den Fall, daß die Verhandlungen bis Mitte oder Ende März oder noch länger dauern sollten, die Lohnerhöhungen ab 1. März nachzuzahlen. In der Diskussion kam in scharfen und harten Worten der Unwille und die Empörung über den Ausgang der Verhandlungen zum Ausdruck. Es wurde bedauert, daß man solange Geduld gezeigt habe. Als eine Resolution zur Verlesung kam, in der dem Vorschlage der Vertrauensleute zugestimmt und für den Fall der Ablehnung die Arbeitseinstellung empfohlen wurde, durchbrauste tosender Beifall den Saal. Einstimmig wurde daraufhin der Vor- schlag des Schutzverbandes, weiter zu verhandeln, abgelehnt und die Resolution ebenso einstimmig angenommen. Der Schutzverband zählt 77 Mitglieder, die zirka 1500 Arbeiter und Arbeiterinnen beschästigen._ Lohnbewegung der Caf6-Augestellten. Nach den schlechten Erfahrungen, die die Herren Cafetiers mit ihren gelben Lieblingen gemacht haben, hat sich der Tarif, den die Organisation festgelegt hat, immer mehr und mehr Geltung der- söhafft. Mit wenigen Ausnahmen Höchen die Unternehmer die Forderungen bewilligt, nur einzelne verhalten sich noch ablehnend. Zu diesen gehört das Cafe L e i t m e y e r, Petersburger Straße 91, und das Cafe Rcunion, Rosenthaler Straße 68, die deshalb auch nach wie vor für organisierte Gehilfen gesperrt sind. Ein Schutzmann als Streikbrechcr-Bermitteler. Im.Deutschen Wirtshaus" Neukölln, Bergstr. 136/137, streiken seit Montag die Kellner. Dieser Tage hatte nun der Schutz- mann A. G r a tz k y> Nogatstr. 56, Straßendienst in der Nähe des Lokals. Anscheinend rührte ihn die Not des Gastwirtes W. Z e m- l i n und so beschloß er, ihm zu helfen. Gratzky griff sick einen Jungen von der Straße und sandte diesen mit einem Zettel zu seinem Nachbarn, dem Kellner G. N e ga. Die Streikleitung pa- rierte aber den Streich rechtzeitig, obendrein erklärte Nega, daß er sich für zu gut halte, als Streikbrecher zu fungieren. Achtung, Schumacher! Der Streik bei der Firma Groß- mann in Adlershof, Moltkestraße 2, dauert unverändert fort. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Oeutlcbes Reich. Verstärkter Arbeitswilligenschutz. Aus Halle a. S. berichtet man uns: Gelegentlich des Kürschnerstreiks in Schkeuditz soll der streikende Kürschner D o b r i tz s ch einem Arbeitswilligen einige Schimpfworte gugerufen und dabei einige Drohungen ausgestoßen haben. Er erhielt deshalb eine Anklage wegen Vergehens gegen K 153 der Gewerbeordnung. Das Schöffengericht in Schkeuditz sprach ihn jedoch frei, da nur Beleidigung vorliege, zu deren Be- strafung der erforderliche Antrag fehlte. Auf eingelegte Berufung des Amtsanwalts verurteilte die Strafkammer Halle aber Tobritzsch zu zwei Wochen Gefängnis mit der Begründung, Arbeits- Ivillige müßten energisch geschützt werden. Die Voraussetzungen des§ 153 der Gewerbeordnung seien gegeben, denn der Angeklagte habe durch seinen Zuruf den Arbeits- willigen zu bewegen versucht, die Arbeit niederzulegen, um dadurch die Streikenden zu begünstigen.— Und trotz solcher ungeheuerlichen Urteile verlangt man nach stärkerem Arbeitswilligenschutz. Eine amtliche Anerkennung gewerkschaftlicher Disziplin. Es passiert nicht alle Tage, daß eine städtische Behörde bei einer Aussperrung die sonst übliche Trohnote, daß die Ausgesperrten oder Ausständigen sich des§ 153 der Gewerbeordnung erinnern mögen, noch mit einer anerkennenden und lobenden Bemerkung über die erzieherische Tätigkeit der freien Gewerkschaft schließt. In Selb in Oberfranken, wo wie in vielen anderen Orten Oberfrankenß die Porzellanarbeiter ausgesperrt sind, hat der Stadtmagistrat in einer Bekanntmachung folgende Anerkennung der durch die Arbeiter schon wiederholt gezeigten Disziplin ausgesprochen: „Zu der organisierten Arbeiterschaft wird vertraut, daß sie die schon öfter gezeigte gute Disziplin auch während der jetzigen Bewegung beweisen, daß sie die Mahnungen ihrer Führer, stets ruhig zu bleiben und sich vor Uebergrifsen und Aus- schreitungen zu hüten, getreulich befolgen und dadurch sich selbst vor Unannehmlichkeiten und eventuellen empfindlichen Strafen bewahren wird.... Denn es könnte leicht sein, daß sich aus dem unüberlegten Vorgehen einzelner Hitzköpfe größere Ausschreitungen, z. B. Aus- lauf, Aufruhr, LandfricdcnSbrsich usw. entwickeln, die nur wieder zu schärferen Sicherhcitsmaßrcgeln sowie zu schweren und um- sangreichen Bestrafunoen tauch widerwillig Beteiligter)«führen würden, für die Arbeiterbewegung aber von keinerlei Vorteil wären." Diese Art, zu den Ausgesperrten zu reden, sticht wohltuend von den Scharfmachertiraden gewisser anderer Polizeiverwaltungen ab, deren Hauptforsche darin besteht, sofort bei Ausbruch einer Lohnbewegung oder einer Aussperrung in der rigorosesten Weife gegen die Ausständigen vorzugehen. Schade wäre es nicht, wenn sich auch andere Polizeiverwaltungen diese Maxime zu eigen machen würden. Der Ocffentlichkeit wäre damit viel mehr gedient, als durch die bisher beliebte blindwütige Draufgängerei. HusUmd. Drei Monate Chauffeurstrcik. Paris, 29. Februar. sEig. Ber.) Gestern waren volle drei Monate seit dem Beginn des Chauffeurstreiks verflossen und die Ausständigen harren, bis auf ganz geringfügige Ausnahmen, noch immer zuversichtlich im Kampfe aus. Ten Anlaß zum Streik hat die kommunale Benzol-Taxe gegeben, die die Unternehmer ganz auf die Chauffeure abwälzen wollten. Diese dagegen forderten, um nicht zu Schaden zu kommen, statt der bisherigen 26—27 Proz. des TageSerlöses 33 Proz. Nur wenige kleine Unternehmungen gaben nach, die großen Gesellschaften ließen es auf den Kampf ankam- wen. Wie der Erfolg gezeigt hat, nicht zu ihrem Nutzen. Tie von ihnen verfügte„Entlassung" der Streitenden übte nicht die beab- sichtigte Schreckivirkung und die paar eiligst angelernten Streit b recher, die bisher ausfahren konnten, haben wohl schon eine Reihe. Unfälle verschuldet, aber die Ausständigen nicht zu ersetzen vermocht. Zuletzt haben die Unternehmungen zusammen mit der gefälligen Polizei durch die Schauergeschichten von den in den Autos nieder- gelegten, zur Brandstiftung bestimmten Bomben und von einem geplanten Attentat gegen ein Benzolmagazin zu beeinflussen ge- sucht. Die ganze-AÄeschichtc war zumindest maßlos übertrieben. Wofern wirklich Sabotage-Akte vorgekommen sind, haben die Strei- kendcn keinen Anteil daran. Ihre ausgezeichnete Organisation führt den Kampf mit durchaus legalen Mitteln und sie fährt so ausgezeichnet dabei, daß sie gar nicht in Versuch kommt, zu anderen zu greifen. Was den streikenden ermöglicht, so lange auszuharren, ist vor allem die musterhafte Regelung des Untcrstützungswcsens, das frei- lich in diesem Beruf durch besondere Umstände begünstigt wird. Die arbeitenden Chauffeure der Unternehmungen, die nachgegeben haben und der Automobil-Cooperativcn geben nämlich 15 Proz. des Tages- Verdienstes an die Streikkasse ab, und dieser Tagesverdienst ist'in- folge des Streikes außerordentlich gestiegen, da jetzt die übergroße Konkurrenz— in Paris gibt es 7000 Automobil-Taxamcter!— nicht mehr wirksam ist. Unler diesen Verhältnissen rechnen die Ge- sellschaften selbst nicht mehr darauf, die Chauffeure auszuhungern und spekulieren jetzt auf Ausbildung von genügend Ersatzmännern und ein allmähliches Abbröckeln der Streikcadres. Aber selbst sie sehen ein Ende des Streiks vor 6 Wochen nicht voraus. Die Aus- ständigen aber sind der festen Hoffnung, daß sich ihre Ausbeuter auch diesmal verrechnen werden._____ Th Glocke. Bert'». Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt Versammlungen. Die im Deutschen Metallarbeiterverband organisierten Autogen- Schweißer hielten am Mittwoch eine Versammlung ab. Jakob referierte über das Thema:„Wie sind unsere Lohn- und Arbeits- bedingungen beschaffen?" Es sind in den Betrieben Fragebogen zwecks Aufstellung einer Statistik ausgegeben worden. Die Schweißer sind in den Betrieben fast nur einzeln tätig und der- streuen sich über die verschiedensten Branchen. Im ganzen sind aus 24 Betrieben Fragebogen ausgefüllt eingelaufen, wo 54 Schweiher beschäfligt waren. Davon waren 45 organisiert und 9 unorganisiert. 43 gehörten dem Deutschen Metallarbeiterverband, einer dem Schmiede-' und einer dem Fabrikarbeiterverbande an. In Akkord wird an 24 Stellen gearbeitet. Die Akkordlöhne schwanken zwischen 50 und 90 Pf. pro Stunde. Arbeiten, wo ein Akkordpreis nicht ver- cinbart werden kann, werden in Lohn hergestellt. Hier beginnt der Stundenverdienst mit 40 Pf. und steigt bis 80 Pf. Die größte An- zahl der Schweißer verdient durchschnittlich 60 Pf. pro Stunde.— Als Sauerstoffschneider werden drei Mann beschäftigt. Sie ver- dienen mehr als die eigentlichen Sckstoeißer, denen die lom- pliziertere Arbeit obliegt. In einzelnen Betrieben werden tenge- lernte Arbeiter im Schweißen angelernt. Wie der Referent her- vorhob, sei dagegen nichts einzuwenden, nur müßten die betreffen- den Arbeiter, sofern sie einen Schweitzer ersetzen, auch den Lohn wie dieser erhalten. In der Mehrzahl der Betriebe herrscht die neunstündige Arbeitszeit� vor. In 3 Betrieben wird S'A Stunden und in 2 Betrieben 10 Stunden gearbeitet. In einem Betriebe in Lichtenberg arbeiten die Schweißer auch Sonntags 5 Stunden. Ueberstunden-, Nacht- und Montagearbeit wird mit prozentualem Aufschlag bezahlt, und zwar bis zu 30 bzw. 50 Proz.— Ter Referent wies noch auf die Notwendigkeit hin, daß die Schweißer überall dort, wo eine Branche der Metallarbeiter Forderungen stelle, ebenfalls vorgehen müßten, um bei den Lohnbewegungen auch für sich ettvas herauszuschlagen. Tie Statistik habe bewiesen, daß die Löhne der Schweitzer durchaus nicht so sind, daß sie sich damit zufrieden geben könnten. In der Diskussion riet K u t den Schweihern, sich alle in ein- und demselben Verbände zu organisieren, um so am besten ihre« Interessen wahren zu können. Auch sollten sie darauf hinarbeiten. für den Schweißerberuf einen Mindestlohn zu erzielen. Ein weiterer Redner hob die gesundheitsschädlichen Folgen der Schweißerarbeit hervor, die besonders dem Augenlicht Verhängnis- voll werden kann, so daß jeder Schweitzer nach einer Reihe von Jahren mit tcilweiser oder ganzer Blindheit� rechnen müsse. In einem Schlußwort erklärte der Referent, daß er die Frage des Mindestlohnes für die Schweitzer noch nicht für reis halte. Im Interesse der Einigkeit unter den Arbeitern dieses Berufes sei es besser, wenn zurzeit dieser Punkt aus den Diskussionen ausscheide. J+ctzU Nachrichten* Eine neue Vermittlungsaktion im Kohlengräbcrstre!?. London, 2. März.(W. T. B.) Ter Haupt- und Industrie- kommissar Askwith hat eine Versammlung deS In- dustrierates auf Montag einberufen. Der Jndustrierat ist im letzten Jahre zu dem Zweck gebildet worden, in Handelsstreitig- leiten zwischen den sich gegenüberstehenden Parteien zu vermitteln. Türkisch-bulgarische Zwischenfälle. Sofia, 2. März. An der türkisch-bulgarischen Grenze haben sich vorgestern drei Zwischenfälle ereignet. Die Soldaten eiueS bulgarischen Postens bei Jdebik(Bezirk Haskovo) töteten einen Schmuggler auf bulgarischem Gebiet. Bei dem Versuche der Sol- baten des türkischen Postens, die Leiche auf türkisches Gebiet zu- rückzubringen, kam es zu einem zweistündigen Feuergefecht, bei dem ein Bulgare verwundet wurde. In der Nacht darauf griffen die Türken die Wache des benachbarten Torfes HassobaS an, die das Gewehrfeuer erwiderte. Zwei Türken wurden auf bulgarischem Gebiete getötet. Bei den Posten Sveti Gheorghi, im Bezirke Philippopel, eröffneten türkische Soldaten auf bulgarische Soldaten ein Gewehrfeuer. Hierbei soll ein Türke verwundet worden sein. Die Ruhe ist wieder hergestellt. Untersuchung ist eingeleitet worden. Tie Soldatentumulte in Peking. Peking, 2. März.(W. T. B.) In den ersten Morgenstunde» kam es zu einer ernsten Wiederholung der Unruhen, besonders im Westen der Stadt, wo in allen Straßen geplün» d e r t wurde und ebenfalls viele Brände ausbrachen. Die Meuterer von Peking und von P a o t i n g f u, die durch Soldaten verstärkt wurden, plünderten Paotingfu und brannten große Teile der Stadt nieder. Andere Gruppen p l ü n- derten Fangtai und Duangpingfu. Lihuanhung wurde von Delegierten telegraphisch gebeten, die republikanische Armee nach Peking zu führen, um die Ordnung wiederherzustellen, da die Regierung die Situation nicht beherrsche. Die heutige Konferenz' der fremden Gesandten wurde teilweise veranlaßt durch eine Mitteilung Tangschaehis, in der er die Mächte bittet, Maßregeln zu ergreifen, um weitere Verluste an Gut und Blut zu verhindern. Die Mitteilung wird als inoffiziell hinge- stellt. Die Gesandten beschlossen, alle verfügbaren Truppe« aus den benachbarten Häfen nach Peking zu bringen. Ein gemischtes Korps von tausend Mann wird morgen ankommen. Berittene Patrouillen halten am Tage die Ordnung in der Stadt aufrecht. Ein japanisches Schlachtschiff ist nach Taiu geschickt worden, um eine funkentelcgraphischc Verbindung mit der italienischen Station in Peking herzustellen. Ein Zug mit Meuterern ist von Paotingfu nach Peking abgefahren. Die Eisenbahnverwaltung hat eine Brücke in die Luft gesprengt, um die Verbindung zu Unterbrechern Tie treugebliebenen Truppen des Generals Tschangkueiti haben zahl- reiche unschuldige Leute, die Pakete trugen, getötet. Die Leute, die so ums Leben kamen, waren oft von Panik ergriffene Be- wohncr, die mit ihren eigenen Sachen flohen. Mord aus Eifersucht. Düsseldorf, 2. März.(W. T. B.) Heute nacht erschoß in der Markenstraße nach kurzem Wortwechsel der verheiratete Musiker Richter den unverheirateten Artisten Marx. Der Täter wurde ver- haftet. Der Beweggrund ist Eifersucht. Trei Kinder verbrannt. St. Gallen.(W. T. B.) Bei einem Brande in Lachen sind drei Kinder im Alter von 2 bis 6 Jabrcn umgekommen. Sie Ivaren von den Eltern, die fortgegangen lvaren, in der Wohnung eingeschlossen worden. Millioncnunterschlagung in der Bank von Neapel. Rom. 2. März.(P. C.) Infolge einer Bes-bwerde sind in der Bank von Neapel große Unterschlagungen entdeckt worden, die sich auf den Betrag von 1 Million Lire belaufen. Die Untersuchung hat bisher ergeben, daß an der Unierschlagung mehrere Pe- a m t e der Bank beteiligt sind, die falsche Schecks auSge- geben hatten. Panik im Lichtspieltheater. Madrid. 2. März.„Jmparcial" meldet aus A l c i r a: Während einer kinematographischcn Vorstellung wurde der Ope- rateur vom elektrischen Slromc getroffen und getötet. ES entstand eine Panik, bei der zahlreiche Personen ver, letzt wurden. ßaul Singer& Co.. Berlin SW. Hierzu S Veilagea. Nr. 53. M.AahtMg. � ötilM des.Fmiirls" Kerlim WKÄM. Sonntag, 3. Mar; 1912. foickstag. »s. Sitzung. Sonnabend, den 2. März, vormittags 11 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. D e l b r ü ck. Die zweite Lesung des Etats des ReichSamts des Innern wird fortgesetzt. Abg. Schiüidt-Berlm(Soz.): DaZ Shnbikatswesen hat in den letzten Jahren einen immer größeren Umfang angenommen. Noch vor nicht langer Zeit galt eS für bürgerliche Nationalökonomen als unumstößlicher Grund- fatz der EntWickelung und der kapitalistischen Produktionsweise, daß das System der freien Konkurrenz aufrechterhalten werde. Darin erblickte man die einzige Möglichkeit, zu neuen, höheren Formen der kapitalistischen Entivickelung zu kommen, und es ist gerade uns Sozialdemokraten von den bürgerlichen National- ökonomen gesagt worden, unsere Theorie deö Ausscheidens der wüsten Konkurrenz des freien Wettwerbs werde jeden Fortschritt verhindern und bedeute den Stillstand des ganzen Wirtschafts- bctricbcs. Aber die kapitalistische Gesellschaft hat sehr bald in den bedeutendsten Industrien für unser Wirtschastsleben die freie Konkurrenz völlig ausgeschaltet. Die Syndikats- organisationen bedrängen heute den Konsumenten wie den Arbeiter. Sie diktieren vollständig die Preise. Dabei sind die Profile außer- ordentlich gesteigert, und es ist durch die Syndikatspolitiker eine Bcrschlcicrung der Höhe und der Art der Profite herbeigeführt. Bezeichnend ist ein Vorgang aus letzter Zeit. Eine große Waggon- fabrik, die aus staatlichen Aufträgen große Profite zieht, hat zu einem eigenartigen Mittel der Verschleierung ihrer Profite gegriffen. indem sie neben ihrer Aktiengesellschaft eine Verwertungs- aktiengesellschaft bildete, um den Profit zu teilen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Außerordentlich interessant sind die Arbeitsverhältnisse im Bergbau, in dem die Shndizierung besonders vorgeschritten ist. Die Berg- arbeiter haben heute noch nicht die Löhne erreicht, die sie ISO? schon einmal hatten. In einer Periode, wo die Lebensmittelpreise sämt- lich gestiegen sind, ist diese gewaltige Arbeiterschicht sozial so herabgedrückt, daß sie nicht einmal den Lohn bekommt, den sie vor Beginn der sogenannten nationalen Wirtschaftspolitik hatte. In demselben Augenblick aber, wo die Arbeiter mit ihren An- sprächen auf höheren Lohn zurückgewiesen wurden, bewilligte sich daS Syndikat der Kohleninteresienten höhere Preise für ihre Kohlen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Den Arbeitern sagt man: Für Euch ist der Tisch nicht gedeckt. Ihr seid die Sklaven des Kapitals. Ihr babt zu gehorchen, aber für u»S müssen wir die Profilrate erhöhen. Ich bedauere in hohem Maße, daß der geschlossenen Phalanx der Unternehmer im Bergbau auf der anderen Seite die Zerrissenheit in den An- s ch a u u n g e n und Bestrebungen der betreffenden Arbeiterorgani- sationen gegenübersteht, die leider herbeigeführt worden ist durch die christliche Gewerkschaftsbewegung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Diese leistet durch ihr Vorgehen den Jnter- essen des Kapitals indirekt Vorschub, indem sie die Kräfte der Arbeiter zersplittert. Der Herr Staatssekretär hat seine Sympathie'für Tarifverträge ausgesprochen. Nun, auf dem Gebiete deS Bergbaues wird er sebr bald Gelegen- beit haben, sein Wohlwollen und seine Absichten durch die Tat zum Ausdruck zu bringen. Ich bitte ihn. sich dabei an das Beispiel seiner englischen Kollegen zu halten, nicht zu warten, bis er gerufen wird, sondern selb st die Initiative zu ergreifen.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Er hätte dabei auch Gelegenheit, zu beweisen, daß er nicht nur als Dekoration bei den' Veranstallungen des Zentralverbandes Deutscher Industrieller dienen will, sondern auch tatsächlich Einfluß auf diese große Unternehmerorganisation hat. Wir wollen abwarten, od eS möglich sein wird, diesmal die Herren vom Bergbau unter dem Einfluß irgend eines Staatsmannes zu einer Verhandlung und kleines fcuülcton. Ich erteile das Wort.. � Im stenographischen Sitzungsbericht findet sich nur der schlichte Älammervernierh(Vizepräsident Scheide- mann übernimmt den Vorsitz). Für die Tribünenbesucher aber ist es ein weltgeschichtlicher Augenblick im kleinen. Viele sind nur des- halb gekommen, haben um Einlaßkarten gefachten, im eigentlichen und übertragenen Begriff des Wortes, haben eine schlaflose Nacht hinter sich und nun sehen sie mit eigenen Augen, wie ein lcibhafti- ger Sozialdemokrat, einer von„der Rotte Menschen, nicht wert, Deutsche zu heißen", den Präsidentenstuhl des Deutschen Reichs- tages einnimmt. Ter Adler, das traute Wappentier der Familie Hohcnzollern aus der Rücklchne des Stuhles, mag sein Gefieder noch so sehr sträuben, er verschwindet zu drei Viertel hinter dem breiten Rücken des Herrn Scheideinann. Als die ersten Vertreter des dritten Standes wider alle Hof- etikctte mit derbem Sck)uhwerk das Parkett von Versailles betraten, fielen die Höflinge des sechzehnten Ludwig schier in Ohnmacht. Als im Februar 18-48 Monsieur Albert, Knopsmachcr seines Zeichens, gelassen seine Arbeitsbluse an den Nagel hing und in die provi- sorische Regierung der Republik Frankreich eintrat, stand Europa auf dem Kopf. Jetzt vollzieht sich AehnlicheS: ein Sozialdemokrat auf dem Präsidcntcnstuhl des Deutschen ReickMages! Auf der Bundcsratstribüne sitzen drei junge Damen mit blon- dem Haar und blauen Augen. Ihre Gesinnungen und ihr« Hüte flammen aus der Zeit der Erbuntertänigkeit und man sieht ihnen an. daß sie geradenwegs aus der Heimat der pommerschen Gänse- brüste, wo der Arbeiter noch gekrümmten Rückens und mit abge- zogcnem Käppchen vor dem„gnädigen Herrn" Stellung nimmt, nach Berlin gekommen sind, wo der Vetter Moritz von der gräflichen Linie bei der Garde steht. Vetter Moritz hat ihnen auch die Karten besorgt und nun sehen sie mit ganz weiten und ganz blauen Augen, wie da unten im Saal ein Sozialdemokrat, ein früherer Arbeiter, den Vorsitz führt. � An sich hatten sie sich das ja anders vorgestellt— so etwas mehr nach der Richtung der Ballonmütze und des roten Schlipses hin Aber der Mann da unten auf dem Präsidentenstuhl sieht sehr gefällig auS. sehr respektabel und beherrscht die Formen und be- herricht auch den Saal. Er erteilt das Wort und wahrhaftig nicht nur dem Herrn Abgeordneten Müller und dem Herrn Abgeordneten Schulze, sondern auch � die sechs Augen auf der Tribünejoerden „Jch�crteile das Wort dem Bevollmächtigten zum Bundesrat, dem königlich württembergi'chen Generalmajor Herrn Hausmann!" Aber nein doch! DaS ist zu arg! Das geht wider alle über- kommen« Ordnung! Das sprengt e-nte und Gesetz! Ein General- major, ejn hoher Offizier, der seinem Konig Treue geschworen hat. der nur seinem König Gehorsam schuldig ist, er mutz sich das Wort erteilen lassen von diesem— diesem herausgekommenen Proletarier! Geht die Welt»ich! unter? Und die drei Gesichter über der Tri- büncnbrüstung sind von etw-as anderem gerötet als von der frischen Landluft Pommerns. Schrecklich! Schrecklich! Unh es ist nur ein schwacher Trost, daß es kein Preuße, sondern ein Schwab ist. der sich Derartiges bieten lassen mutz. Aber eben hat der württem- belgische Herr seine Ausführungen deendet, der sozialdemokratische Verständigung mit den Arbeitern zu bringen; große Hoffnungen in dieser Beziehung habe ich nicht. Während wir auf der einen Seite das Bestreben der Syndikate beobachten, die Preise zu regeln und auf dem Warenmarkte Bedarf und Produktion in Einklang zu bringen, kommt auf dem Gebiete des Arbeits Marktes Unsicherheit und Planlosigkeit in immer höherem Maße zum Ausdruck. Die Saisonarbeit nimmt immer mehr an Umfang zu. Tausende von Arbeitern werden für Monate aus ihrem Heim herausgerissen und wandern in entfernte Gegenden, um Arbeit zu suchen. Unter diesen Zuständen kann von einem geordneten Familienleben keine Rede sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)) Die Bande deS Familienlebens werden roh und brutal zerrissen, aber noch niemand von den bürgerlichen Parteien hat sein Bedauern ausgesprochen über diese Zustände, unter denen die Arbeiterschaft zu leiden hat.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Dagegen erhebt sich in derselben Zeit, wo die ganze Macht des Unternehmertums sich in Syndikaten zusammenballt, wo die Arbeiter in Abhängigkeit gebracht werden von gewaltigen Unter- nehmerorganisationen, der Ruf«ach Beschränkung des KoalitionSrcchts derjenigen, die sich gegen diese Unterdrückung auslehnen, die eine bessere Lebenshaltung für sich erlangen wollen.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) In einer Zeit, wo infolge ihrer„natio- nalen" Wirtschaftspolitik Lebensmittel- und Wohnungs- preise fortgesetzt steigen, will man die Arbeiter, wenn sie einen größeren Anteil an dem Ertrage der kavitalistischen Pro- duktion fordern, der ihr Lohneinkommen mit der Preissteigerung in Einklang bringt, mit dem Knebel der Gesetzgebung mundtot machen und ruft Polizei und Staatsanwaltschaft zu Hilfe.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wenn irgend eine Zeit das un- beschränkte freie Koalitionsrecht für die Arbeiter notwendig macht. dann die gegenwärtige Zeit.(Sehr wahr! bei den Sozraldemo- traten.) Der Arbeiter muß die Freiheit haben, seine Arbeitskraft zu verwerten, wie es ihm nützlich und vorteilhaft scheint, er mutz das Recht haben, sich mit seinen Arbeitsgenossen zu vereinigen in Organisationen, um der Uebermacht des Kapitals entgegenzutreten. Herr v. G a m p verlangte die Bekämpfung des sozial- demokratischen Terrorismus und hat sich auch wieder aufgehalten über die Arbeitsverhältnisse in sozial- demokratischen Betrieben. Dadurch bin ich veranlaßt, einmal die Verhältnisse in einem Betriebe etwas näher zu be- leuchten, dem Herr v. Gamp sehr nahe steht, den Beyer- schen Farbenfabriken. Dieser Betrieb fordert von allen Arbeitern bei Antritt ihres Arbeitsverhältnisses die Verpflichtung, daß sie keiner gewerkschaftlichen Organisation, weder einer freien noch einer ch r i st l i ch e n Gewerkschaft, angehören (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) und daß sie auch nicht Mitglied einer Hilfskasse sind.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie müssen sich vollständig der Diktatur dieses Unternehmens unterwerfen. Das ist die Freiheit, die solche Leute wie Herr v. Gamp für die Arbeiter übrig haben, und wenn dw Arbeiter sich gegen diese Diktatur auflehnen, ruft man nach Polizei und Staatsanwalt, soweit die eigene wirtschaftliche Macht nicht ausreicht.(Sehr lvahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr Gamp sprach von dem sozialpolitischen Wohlwollen einzelner Unternehmer. Demgegenüber stelle ich fest, wie in dem genannten ihm sehr nahe- stehenden Betriebe Arbeitskraft und Gesundheit der Arbeiter ver- nichtet wird. In den Farbwerken kamen von 1905 bis 1909 durchschnittlich pro Jahr auf 100 Arbeiter 76 Krankheitsfälle und 1179 Krankheitstage. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei beträgt der Durchschnitt in ganz Deutschland nur-40 Krankheitsfälle und 826 KrankheitStage. Dies Fabrikuuternehmen wirft geradezu fabelhafte Gewinne ab. Als sich aber vor Eröffnung der Hygieneausstellung Sozialpolitiker an die Farbwerke ivandten, sie sollten mitteilen, welche Arten von Erkrankungen in ihren Be- trieben vorkommen, wurde das von den Farbwerken abgelehnt. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Herren der chemischen Industrie scheuen sich offenbar, der Ocffentlichkeit Ein- blick in die ganze soziale Misere ihrer Arbeiterschaft zu geben. Bei der Gelegenheit bitte ich den Staatssekretär, tn Erwägung zu ziehen, daß unsere Krankenkassen st ati st ik im allgemeinen Vizepräsident rührt leicht die Glocke und verkündet mit ruhiger Selbstverständlichkeit und klarer Stimme: „Ich erteile daS Wort dem Bevollmächtigten zum Bundesrat, dem königlich preußischen Generalleutnant Herrn Freiherrn v. Jtzcnplitz!" Das Urbild des Tartarin. Alphonse Daudet hat seinen köstlichen „Tartarin von Tarascon" durchaus nicht frei erfunden. Des Dichters Bruder Erncst erzählt in der„Revue Hebdomadaire", daß der große Löwenjägcr Tartarin jetzt 90 Jahre alt wäre, wenn er seinen berühmten Entdecker und Verherrliche! überlebt hätte. Daudet lernte Tartarin auf einer Reise nach Algerien kennen; der junge Dichter mußte, da sein Gesundheitszustand incht besonders gut war, auf ärztlichen Rat nach dem nördlichen Afrika gehen und hatte bei dieser Fahrt einen Reiscaefährtcn, der ihn als Typus des echten Südfranzosen so interessierte, daß er ihn zum Gegenstand eines aufmerksamen Studiums machte. Der echte Tartarin hatte sich auf den Wunsch seiner Eltern sehr jung verheiratet; er hatte jedoch das eintönige Ehcleben in der Provinz bald satt bekommen und sich, um sich zu zerstreuen, da ihm das endlose Kartenspielen nicht genügen konnte, über Hals und Kopf auf die Lektüre exotischer Romane und Jagdgcschichtcn geworfen. Das regte ihn schließlich derart an und auf, daß er, wenn er abends in den Klub gehen wollte, sich so stark bewaffnete, als sollte er einen Urwald durch- schreiten. In seinem Arbeitszimmer hingen an den Wänden Pfeile, unter welchen geschrieben stand:„Vergiftete Pfeile; nicht berühren!" Eines Tages ging er mit einem Freunde stundenlang in der Nähe einer Menagerie, die auf dem Marktplatze seiner Vaterstadt aufge- schlagen war. spazieren. Als ihn der Freund schließlich fragte, weshalb er eigentlich immer um die Menagerie herumginge, ant- wartete Tartarin mit dem größten Ernst �„Mein Lieber, Sie ver- gössen,' daß ich nach Algerien aus die Löwcnjagd gehen will; ich muß mich daher doch an das Gebrüll der Löwen zu gewöhnen suchen." Ein Tunnel durch den Kaukasus. Einen Tunnel von 23t6 Kilometer Länge plant die russische Regierung durch den Kaukasus zu stechen. Es würde das der längste Tunnel der Welt überhaupt werden. Nach einem der französischen Zeitschrift„Genie civil" cnt- nommenen Berichte deS„Prometheus" handelt es sich um einen Bahnbau zwischen Wladikawkas, das nördlich vom Kaukasus, und Tiflis. das südlich vom Kaukasus gelegen ist. Ilm von Wladikawkas nach Tiflis, die in der Luftlinie bloß 200 Kilometer voneinander entfernt sind, zu kommen, muß man heute an der kaspifchen Küste von Kaukasien herumfahren, insgesamt eine Strecke von mehr als 1500 Kilometern fahren. Die neue Bahn würde eine bedeutende Annäherung des ganzen südlich vom Kaukasus gelegenen Trans- kaukasiens an Rußland ergeben und zugleich die Bcherrschuny von Nordpersien durch Rußland weitgehend fördern. So mischt sich in jede großartige Tat des schaffenden und stürmenden Menschengeistes stets die Verkündigung von Unterdrückung und schamloser Beugung des Rechts. Und wieviel wird bei dem Tunnelbau von den diebi- schen russischen Beamten gestohlen werden! Zwei Jahrtausende Nierenoprrationen. Die Chirurgie, die erst in den letzten Jahrzehnten zu einer staunenswerten Entivickelung ge- langt ist, blickt auf eine recht lange Vergangenheit zurück. In ge- wisser Hinsicht hat der Mensch schon im Urzustand Chirurgie ge- trieben, da Beweise vorliegen, daß er sich mit der dahin ausgebaut wird, daß sie auch über die Art der Erkrankungen, über den Umfang der Gewerbekrankheiten genau Aufschluß gibt. Auch auf diesem Gebiete müssen die Arbeiter fordern, daß Klar- heit und Wahrheit zum Ausdruck kommt.(Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten.) Man verlangt eine weitere Einschränkung des Koalitionsrechtes, aber man hat kein Wort übrig für all die Opfer unserer modernen kapitalistischen Produktion, die jahraus, jahrein zu verzeichnen sind. Allein 1909 sind über 9999 Menschen durch Betriebsunfälle zu Tode gekommen, 128 999 teilweise erwerbsunfähig geworden, 114 679 Invalide. Jahr für Jahr dieselben Opfer und die Oeffentlichkeit ist so a b g e st u m p f t dagegen, daß sie achtlos daran vorübergeht und es als selbstverständliche Erscheinung des modernen kapitalistischen Systems hinnimmt, daß es Leben und Existenz Tausender ständig vernichtet. Man will die Arbeiter wie totes Material behandeln und hier klafft der große Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit. Gegen diese Herabwürdigung der Arbeiter zu willenlosen AusbeutungS- Objekten wird die Arbeiterschaft den entschiedensten Kampf aufnehmen. Sie wollen der politischen Entrechtung der Arbeiter die wirtschaftliche Schwächung hinzufügen. Täuschen Sie sich nicht über die Wirkung solcher Matznahmen; Sie werden nur die Zähl derer vermehren, die mit unauslöschlichem Haß gegen ihre Unterdrücker erfüllt sind. Eine Organisation, wie sie heute die Gcioerkschaften aufzuweisen haben, ist gewappnet auch gegenüber den stärksten Angriffen eines Polizeistaates.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist erfreulich, daß der Herr Staatssekretär uns erklärt hat, daß kein Anlaß vorliege, die ZA 152 und 153 der Gewerbeordnung zu ändern. Freilich wäre ein vermehrter Schutz gegen- über Eingriffen in das bestehende Koalitions- recht seitens der Unternehmer dringend nötig. Aber im anderen Zusammenhang hat der Staatssekretär vom Schutz der persönlichen Freiheit gesprochen und angedeutet, daß hier vielleicht eine Aufgabe der Gesetzgebung vorliege. Hat er dabei vielleicht gedacht an die Polizeiausschreitungen in Moabit, an den Schutz der Bürger gegen Zumutungen der Land- rate, wie sie im Prozeß Becker zutage getreten sind, denkt er an die Mißhandlungen von Personen in Polizei- burcaus, oder will er die Unternehmer schützen gegen die Zwangsmittel der Unternehmerorganisationen. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Was dann die Vorgänge in der Landwirtschaft betrifft, so haben sich dort Tendenzen gezeigt, die für die Arbeiter außerordentlich schwere Nachteile mit sich bringen.(Sehr tvahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Landwirtschaft ist immer mehr Saisongewerbe geworden, beschäftigt für kurze Zeit große Arbeitermassen und stößt sie dann wieder hinaus auf die Land- straße. Eine halbe Million ausländischer Arbeiter werden durch die Fcldarbeiterzentrale jährlich ein- und wieder ausgeführt, nur um billige Arbeitskräfte zu bekommen. Das nennen sie nationale Wirtschaftspolitik. Neuerdings hat man die Notwendigkeit erkannt, den ländlichen Arbeiter an die Scholle zu fesseln und hängt diesem Streben ein soziales Mänterlchen um. Aber gegen soziales Wohlwollen von Konservativen müssen wir immer sehr mißtrauisch sein. Wie weit der Großgrundbesitz bereit ist. einen Teil seines Besitzes für die Ansiedelung selb- ständiger kleiner Stellenbesitzer zur Verfügung zu stellen, darüber gibt nun eine Konferenz Auskunft, die im Jähre 1909 im preußi- schen Abgeordnetenhause stattgefunden hat. Dort führte der Ritter- gutsbesitzer K l i tz i ng- Dölzig unter anderem auS:„Sie können einen Oberschlesier eher totschlagen, ehe er sich einer Ansiedelungö- genossenschaft anschließt. Die Fläche, die ich zu Hause zugebe, be- trägt nur einen halben Morgen; der Arbeiter bekommt aber noch Land auf Zeitpacht, und das behält�r, solange er für mich arbeitet Im anderen Falle hört die Pacht auf. außerdem kündige ich thm noch eine zweite Hypothek,— wahrscheinlich kundigt ihm dann auch die Landesversicherung die erste Hypothek; die Arbeiter sind also bei mir ganz fest eingesessen."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist das Trepanation, der Oeffnung des Schädels, abgegeben hat. mit einer Operation, die noch jetzt zu den gewagteren Eingriffen gehört Chirurgische Operationen waren mit größerer Vielseitigkeit bei den ältesten Kulturvölkern wie bei den Aegypten, und Babyloniern zweifellos schon in Uebung. Im griechischen Altertum nahm dann mit dem Fortschritt der ärztlichen Kunst auch der Mut der Chirurgen zu. Wie Professor Ekehorn in Upsala festgestellt hat. findet sich der erste zuverlässige Bericht über Operationen an einem so heiflen Organ wie der Niere schon in den Schriften de« HippokrateS am Schluß des S.Jahrhunderts v. Chr. Dieser Vater der Heilkunde empfiehlt bereits Operationen in der Nieren« gegend und an den Nieren selbst mit klarer Auseinandersetzung der Verhältniffe. unter denen sie als angezeigt zu betrachten sind. Dann erfolgte ein Rückichritt, und wahrscheinlich wurde bis gegen Ende des Mittelalters keine Nierenoperation mehr vorgenommen, und auch später, bis zum Jahre 1869, blieb ihre Anwendung wesentlich auf den alten Ueberliefcrungen stehen. Erst in diesem Jahr wurde durch den Heidelberger Chirurgen Simon nach gründlichen anatomischen und experimentellen Forschungen zum erstenmal eine Niere heraus- genommen und der Patient dadurch von seiner Krankheit geheilt. Damit trat die Nierenchirurgie in einen neuen Abschnitt ihrer Ge- schichte ein. Humor und Satire. Endlich Klarheit! Ueber die Haltung der Nationalliberalen bei der Reichstags- Präsidentenwahl, die man direkt als unsicher zu bezeichnen zu wagen sich zu getrauen so kühn war, so frei zu sein, hat jetzt endlich Basser- mann in Saarbrucken Aufllarutig gegeben, die jeden Nebel unseres Mißvergnügens mit einem gordischen Schwerte durchhaut, �ie Sache war ganz einfach so: . Nationalliberalen haben sich an der Großblockpolitik bei den Wahlen beteiligt, wollen sie aber keineswegs auf das Reick übertragen wissen, sondern sind bei der Präsidentenwahl mit dem Ichwarzblaucn Block zusammen gegangen, den sie erbittert be- kämpfen, und haben den deutschen Reichs-Orterer Dr. Spahn ae- wählt, diejenigen Mitglieder der Partei ausgenommen, die ihn nickt aelvahlt haben. In der festen Ueberzeugung, daß ein Sozialdem»- trat nicht zum Präsidenten paßt, sind sie dafür eingetreten, daß die Sozialdemokratie im Präsidium vertreten sein müsse, was auck darin zum Ausdruck kommt, daß eine andere Strömung in der Partei das Präsidium aus einem Zentrumsmann, einem Konser- vativen und einem Nationalliberalcn zusammengesetzt wissen w!!l in Erinnerung daran, daß schon Bismarck den Ausschluß der So- z'�demokraten aus dem Präsidium als einen taktischen Fehler be- chchBon Unstimmigkeiten in der Partei zu reden, ist also eine Fri- volitat. denn alle herrschenden Meinungsverschiedenheiten und konsequenzen sind ein Beweis von der unerschütterlichen Einmütig. keit der Partei, deren Msnahmen bloß die Regel bestärken! Wer sich jetzt nicht auSkennt. dem ist nicht zu helfen! _(»Jugend".) Notizen. •a T 58°r' rag e. In einer Veranstaltung des Deutschen Mo- nistenbundeS wird am Sonnabend, den 9. März, im Blu�iW das Leben der Tiefsee kinematograpbisch vor g c führt 5Vn begleiteilden Vortrag hält M. H. Baege. vorgeführt. Den Aufleben b'cr HZeigkcit des alDen F'cubalstaaies. Wir haben allerding-Z allen Slnlatz, die Arbeiter vor diesem Iivang und dieser Pressung, zu bewahren. In einer Zeit, wo die Landwirtschaft die besten Preise bekommt, die glänzendste »virtschaftliche EntwlcklungSperiode durch macht, da fühlen sich die Herren nicht einmal verpflichtet, auch ihren Arbeitern gegenüber die Verpflichtung einzulösen, die sie billigcrweise übernehmen ruüszten: anständige Lohne, anständige Behandlung und vor allem auch eine Aenöerung der traurigen W o h n u n g s v e r h ä l t n i s s c. Nichts davon ist zu spüren. Die Landwirtschaft ist wieder darauf zurückgekommen, Frauen- und Kinderarbeit in ihren Dienst zu stellen, Frauen und Kinder in brutalster Weise auszubeuten. Die Kinderarbeit nimmt in der Landwirtschaft einen ganz ungeheuren Umfang an. Lm Jahre 1805 waren 185 000 Kinder in der Landwirtschaft bc- schästigt und diese Zahl hat sich noch vermehrt. Die geistige und körperliche Entwicklung der Kinder leidet darunter natürlich und der Schulunterricht wird aufgehoben, wenn die Ernctarbcit notwendig ist. Ich erinnere nur an die Sommer- schule, wo"on 0 bis 8 oder Von 0 bis 0 Uhr des Morgens unterrichtet wird, oder an die noch schlimmeren Hüte schulen, die im Sommer nur einen kstündigen Unterricht pro Woche ein- richten. Der Äetoerbcinspektor von Magdeburg schildert in seinem Bericht nebenbei, daß man in manchen Gegenden häufig über die übermäßige Heranziehung der Schulkinder zu landwirtschaftlichen Arbeiten klage, die Behörden ständen dem jedoch machtlos gegenüber. 1004 ist eine Enquete auf- genommen worden ftl'cr die Arbeit der Kinder in Landwirtschaft und Haushalt. Bauern hat das Ergebnis dieser amtlichen Statistik cnich der Oesfcntlich'eit unterbreitet, bis heute aber wird da? übrige Ergebnis lieser Enquete, besonders auch daS über die preußischen Verhältnisse, der Ocssentlichkeit vorenthalten.(Hört! hört! ld den Soz.) Das Statistische Amt hat das Material an das ReichSaint des Innern abgegeben. Ich möchte an den Herrn Staatssekretär die Anfrage richten: darf dieses Material nicht veröffentlich �werden? Erlauben es die Herren aus jener szur Rechten»(reite nicht? Ich glaube, aus der Ver- öffeutlichung des Materials würde man einen Eindruck bekommen von der Kinderarbeit in der Landwirtschaft, der wahrscheinlich den Wünschen und den politischen Interessen der Herren von der rechten Seite nicht entspricht. Wir müssen aber die For- dcruiig stellen, daß solche wichtigen Enqueten nicht in den Akten des Rcicksamts des Innern untergehen, sondern daß sie der Ocssentlichkeit unterbreitet werden, damit sie erfährt, wie und in welcher Weise den Kindern in der Landwirtschaft ein größerer Schutz eingeräumt werden kann. Notwendig ist dieser Schutz im Interesse der Schule und des geistigen und körperlichen Gedeihens der Kinder.(Sehr richtig! bei den Soz.i Ich möchte mich nun zu einigen Ausführungen dcS Grafen Vosadowsky wenden, der sich damit beschäftigte, daß die Sozialdemokraten die Aufhebung des Privateigentums an den «Produktionsmitteln fordern. Ich glaube, wir werden mit dem «Grafen Posadowsky nicht einig uöer den Unterschied des all- gemeinen Begriffes des Eigentums und des Eigentums an Produktionsmitteln. Unsere heutige kapitalistische Entwicklung bringt schon in einem sehr erheblichen Umfange die Ablösung bcZ Privateigentums an den Produktionsmitteln. Die ganze Staats- und Kommunalpolitik hält nicht mehr das Eigentum des cingelncn an den Produktionsmitteln aufrecht; auch die Aktiengesellschaft ist nicht mehr Eigentum an Produktionsmitteln eines einzelnen, sondern großer kapitalistischer Jnteressenkreise. So führt eigentlich die kapitalistische Entwicklung ganz von selbst zu einer Ablösung des Eigentums der einzelnen an den Produktionsmitteln. Das ist, Herr Graf Posadowsky, gerade die Stärke der Sozialdemokratie, daß sie sich anlehnt an die wirtschaftliche und geschicht- liehe Entwicklung unseres ganzen modernen Staates. Sie, Herr Graf, verfallen in den Fehler, in den viele unserer Kritiker verfallen, daß sie glauben, wir machen unicr die kapitalistische Gesellschaft einen Strich und sagen: nun geht die neue sozialistische Gesellschaft an! Da5 ist ein großer Irrtum. Wir sagen, in der kapitalistischen Gesellschaft entwickeln sich die produktiven Kräfte für die neue Form einer sozialistischen Gesellschaft. sSehr richtigl bei den Soz.i In Anlehnung der sozialistischen an die kapita- listische Gesellschaft kommen wir zu einer neuen Entwicklung, wo eö nur noch nötig ist, den Uevergang zu schaffen für neue RechtSformen, in denen der Kapitalismus abgelöst wird. DaS ist unsere Stärke. Wenn Sie, Herr Graf Posadowsky, schließlich erklärt lmben, daß manche unserer Aufsassuwlen von früheren Jahrzehnten jetzt von uns aufgegeben worden seien, so ist auch das nur ein Beweis der Stärke, der Anpassungsfähigkeit der Sozialdemokratie, daß sie nicht verknöchert oder still- steht, sondern daß sie auch da, wo sie auch frühere Unrichtig. keilen anerkannt, sich den neuen Tatsachen anpaßt. Das ist auf der rechten Seite anders. Da sind sie immer in den alten ausgefahrenen Gleisen gefahren, und wenn sie nicht weiter konnten, dann riefen sie nach Polizei und Staatsanwalt. Die Zahl der Selbständigen hat nach der Statistik in der Zeit von 1805 bis 1907 nur um 2 Proz. zllgcnomiiien» bei einer gleich- zeitigen Zunahme der Bevölkerung um 19 Proz. Die Zahl der Selbständigen ist also von. rund 28 auf 22 Proz. der Bevölkerung zurückgegangen. Da haben wir doch ein Recht zu sagen, daß der übrige Teil der Bevölkerung in die Klasse der Lohnarbeiter und Angestellten in, wesentlichen seinen Einzug gehalten hat. DaS ist wieder eine Tatsache, die die Zunahme der Sozialdemokratie er- klärt. Man kann von einer Proletarisierung der Be- Völkern n g reden, ohne dabei von einer Verclendungstheorie in landläufigem Sinne zu sprechen. ES wäre sehr traurig um unsere Arbeiterbewegung bestellt, wenn loir die Bilanz ziehen müßten, daß unsere ganze Boivcgung keine Aufwärtsbewegung der Arbeiterschaft gebrückt hat. Große Schichten der Arbeiter, die keine gewerkschaftliche Organisation haben, sind unberührt geblieben von dieser Aufwärtsentwicklung. Daraus ergibt sich der Schluß: «hne gewerkschaftliche Organisation, ohne Kampf der Arveiterklasse keinen Aufstieg, keine» Fortschritt. Deshalb kommen Sie an die verwundbarste Stelle der Gesamt- arbciterklasse, wenn Sie ihr das KoalitionZrecht antasten wollen. Ferner hat sich Graf Posadowsky darüber gewundert, daß wir auf die Erwerbung der Staatsangehörigkeit so großen Wert legen, obivohl wir dem Gegenwartsstaat � so viel schlechtes nachsagen. Versetzen Sie sich, Herr Graf, doch einmal in die Situation eines Mannes, der jahraus jahrein arbeitet und mit seiner Familie ansässig ist, und dem nun eines TageZ die be- scheidene kümmerliche Existenz in Frage gestellt wird durch die Willkürmaßnahme eines Polizcibeamtcn, der sagt, in 24 Stunden mußt Du das deutsche Gebiet verlassen I Das ist der große Unterschied. Mit der Staatsangehörigkeit ist nicht immer nur ein idealer Standpunkt verknüpft, sondern leider für den Arbeiter oft ein sehr materieller. Die Sicherheit der sozialen Stellung des Arbeiters, wo er auch sei, ist immer daS Leitmotiv unserer Bestrebungen. Graf Pofadowskn nannte es ferner eine schreiende Ungerechtigkeit, wenn genau auf je 100 000 Einwohner ein Abgeordneter gewählt wird. Tic lrbc- r a l e ii F r c u n d c. die ihn gewählt haben, werden etwas erstaunt sein, daß in einer auch kür sie so wichtigen Frage Graf Posadowsky diese Auffassung hat. Er glaubt, die Unterschiede der Wahlkreis. einteilvi'g begründen zu können durch die Unterschiede von Sttldt und Land. Es ist aber ein durchaus künstlicqcr Unterschied zwifchen Stadt und Land. Der Handwerker in der kleinen Stadt und auf dem Lande hat dieselben Interessen wie der in der Sladt. und ,o ist es auch mit dcn ländlichen Arbeitern. Die noch vorhandenen Gegensätze würde unsere Organisation sehr schnell beseitigen, wenn sie auch auf dem Lande volle Betvegungsfreibeit hätte. Weil die großen erwerbstätigen Sckichten der Bevölkerung die gleichen Interessen haben, deshalb ist auch der Anspruch aus eine gleichmäßige Wahlkreiscinfeilung durchaus berechtigt. Graf Posadowsky wendet sich bald von links gegen rechts und bald von rechts gegen links; mit großem Nachdruck erklärt er dann, er habe den Mut, das zu sagen. Dazu gehört kein Mut, Herr Graf!(Sehr richtigl links.) Nach dem gesellschaftlichen Milieu, aus dem Sie kommen, wäre es eine Tat, eine mutige Tat, wenn Sie ein soziales Programm hier uns vor- trügen, wenn Sie uns sagten, das muß wenigstens in den nächsten Jahren die soziale Gesetzgebung zu erreichen suchen. Das habe ich vermißt. Bürgerliche Sozialpolitiker haben an Ihr Eintreten in den Reichstag die Hoffnung geknüpft, daß Sie ein Wecker und Mahner der sozialen Pflichten sein würden. Wir haben davon nichts gespürt. Sic haben auf mich den Eindruck gemacht, verzeihen Sie die Offenheit, eines Spaziergängers, eines politischen Eingängers, der, wenn er so fortfährt, bald an Interesse verliert.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich wende mich nun zu den Mittel st andsfragen. Es ist eine alte Fabel, daß die Sozialdemokratie dem Mittelstand, dem selbständigen Handwerk und Gewerbe feindlich gegenübersteht. Das ließe sich mit viel mehr Recht von den Herren auf der rechten Seite sagen; wenigstens hat deren sogenannte natio- nale Wirtsckaftspolitik nicht nur der Arbeiterklasse, sondern auck dem Mittelstand die schwersten Wunden geschlagen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Mit kleinen Mittelchen wird die ganze außerordentlich bedrückte soziale Position des Handwerks nicht ge- hoben. Warum gehen Sie(znr Rechten) denn nicht dem Grund- l, nd Boden Wucher ein wenig energisch zu Leibe? Wenn Sie heute in den Großstädten die kolossalen Mieten ansehen, die der kleine Handwerker und Kaufmann zu zahlen hat, so muß man sich wundern, daß diese Summen überhaupt von ihnen aus- gebracht worden können. Ein Wohnungsgesetz wird natürlich nicht vollständig alle Ucbelftände ausrotten können, aber die Grund- läge unseres ganzen kapitalistischen Systems, der wahnwitzigen Spekulation mit städtischem Grundbesitz und Boden, führt zu einem Zustand, der auf die Dauer nicht so aufrecht erhalten werden kann. (Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Hier hätten Sie die Möglichkeit, gerade einen Teil des sozial- politiscken Programms und unserer sozialpolitischen Forderungen durchzuführen. Selbst sollten Sie Häuser bauen und dadurch die Spekulation und den Wucher in Grund und Boden und mit den Häusern beseitigen. Aber dazu sind Sic nicht bereit; denn Sie wollen ja dcn Profit ziehen aus den privatkapitalistischen Unter- nebmungen, und Sie werden die Gemeinden nicht zu Aenderungen auf dem Gebiet des Wohnungsweseiis zwingen, weil ja nach der preußischen Städteordnung die Hälfte der Gcmcindevertreter VI rund besitzer sein müssen. Da haben Sie in die Vertretung die Leute hineingebracht, deren Interessen keineswegs die des Hand- Werks und des Mittelstandes sind.(Sehr richtigl bei den Sozial- dcmokratcn.) Nun kommen- Sie mit zwei kleinen Mitteln. Zunächst wollen Sie den§ 100 q der Gewerbeordnung wieder aufheben-, da- mit die Innungen zwangsweise Preise festsetze» können. Ein konservativer, in Handwerkskreisen sehr angesehener Mann, JacobSkötter, sagte auf dem Gewerbe- und Hand- werkcrtag in Stuttgart. Ich bin überzeugt, daß. wenn der§ 100 q aufgehoben wird, dann erst recht der ganze Zank und Streit in den Zwangsinnungen losgehen wird. Er ist überzeugt— und darin gebe ich ihnv recht—, daß nichis dcn Handwerkerstand mehr s chä- digen könnte, als der Zwang einer Preisfestsetzung. Wie wollen Sie denn auch Preise festsetzen gegenüber der Konkurrenz der Großbetriebe. Wollen Sie bei den Submissionen etwa den Handwerkern vorschreiben, unter einem bestimmten Preise kein Angebot zu machen? In der Wirklichkeit ist derartige» ganz unmöglich und undenkbar. Zur Preispolitik gehören im- Wirtschaft- lichen Betriebe mächtige Wirtscbaftsorganisationen. wie da» K o h I e ns y n-d i k a t. die können, Preise festsetzen-, nicht aber die Handwerker, die es mit der Konkurrenz zu tun haben». Weiter wollen Sie die Teilung von Handwerk und Fabrik m-öglichst aufheben und die Großindustriellen zu den Kosten der Innung heranziehen, lieber die Aufwendungen der Innungen habe ich in unserem Statistischen Jahrbuch vergebens etwas gesucht. Hier ist eine Lücke, die das Reichsamt dcS Innern beseitigen sollte. Die gesetzgebende Körperschaft hat ein Recht, zu fordern, daß diese Berschkclernng der Geschäftsführung bei den Innungen aufhört. Aus einer Enquete aus dem Jahre 1904 habe ich ersehen, daß die Gesamtausgaben der Innungen 3 063 000 M. betrugen; was sie für Lehrlingsausbildung ausgaben, ist jedenfalls auf dem Konto der Fachschulen zu finden, und da sind ganze 140 000 M. ausgegeben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) Staat und Gemeinde haben Zuschüsse von 249 000 M. geleistet. Wenn das die Misere des Handwerkerstandes ist, daß er die 140 000 M. nicht mehr aufbringen kann, so ist das ein sehr trauriges Zeichen, es beweist ober auch einen Mangel an wirklichem organisatorischen Willen und Opferbereit- schaft. Wenn Sie diese 140 000 M. auch noch streichen wollen, so will ich gern mit mir reden lassen, es wird den Staat nicht ärmer machen, wenn er diese Last noch übermmmt, und daS ge- währlcistct eine bessere Lösung der LehrlingSauS« bildung, als wenn die Innungen noch weiter scheinbar diese Aufgabe erfüllen. Bei den Innungen ist die Fortbildung der Lehr- linge recht schlecht aufgehoben; was auf diesem Gebiete geschehen ist, ist lediglich ein Verdienst der Gemeinden, die teilweise in musterhafter Weise Lehrwerkstätten errichtet haben, ich erinnere nur an München.(Sehr richtig! links.) Und wenn Sie wirklich etwas- für das- Handwerk tun wollten. warum haben Sie denn bei der RcichSvcrsicherungSordnung den sozialdemokratischen Antrag niederaestiimnt. der bei der Invaliden- Versicherung die Pflichtversicherung der Handwerker haben wollte.(Sehr richtig! bei den- Soz.) DaS war gewiß kein großes Mittel sozialer Hilfe, aber doch ein Mittel zur Erleichterung und Unterstützung der Handwerker. Ich glaube also an Ihre Hand- wcrkerfürsorge nicht und nicht an die Wirkung Ihrer Mittel.(Zu- stimm ung bei den Soz.) Vielleicht ist die Entwicklung nicht so schnell gegangen, wie man vor einein Jahrzehnt annehmen konnte. Daran ist aber nicht die Jnnungsgesetzgebung schuld, sondern eine technische Neuerung, der M o t o r b c t"r i e b. In enger Verbindung damit steht die § Öffnung aus den- neuen Rettungsanker, die Angestellten in ndustrie und Handel. Aber die Angcstclltenbcwcgung ist zu meiner eigenen Ueberraschung und mehr als ich je gehofft hatte, den Weg zur Sozialdemokratie gegangen. Wir haben herzlich wenig dazu getan, wir haben unö der Bewegung ferngehalten, dort keine Vorträge gehalten und sind den Leuten nicht nahcgetreten. Aber die ganze Entwicklung dieser Bewegung führt beständig zu Konflikten mit den Unternehmern, in- jeder Antwort auf dem Gebiet der Regelung der Arbeitsver- hältuisse stößt man auf den Widerstand der Unternehmer. Ob An- gestellter oder Arbeiter, ist den Unternehmern ganz gleich. »Ordnung im Betriebe", heißt es bei den Scharfmachern. So ist das Koalitionsrecht der Angestellten genau so in Gefahr gekommen, wie daS der Arbeiter. Die großen Betriebe verlangen von den- Angestellien, sie sollen aus der Organisation- ausscheiden. Damit vernichtet man aber nicht, die Organisation, daS erfährt man in der Angestelltenbcwegung ebensogut, wie in der Arbrilcrbewc- gung. Auch hier bleibt nur der Stachel übrig, der die Leute vorwärtslrcibt. um in ihrer Orgallisation die wirischaf-tliche Macht zu schaff«,!, die notivendig ist. Wenn die Unternehmer eine For- derun'g der Angestellten bekämpsen, sagen sie, eS ist eine sozialdemokratische Forderung. Das führt die Angestellten ganz natür- lich auf den Weg zur Sozialdemokratie, und cS sind mehr Angestellte auf diesem Weg, als Ihnen lieb und angenehm'ist.(Sehr richtig! bei den Soz.) Dieselbe Entwicklung d.es EjnbiegenS js feie Zg» 0 zialdemokratie sehen wir bei d'er Bc am t e n scha fk. Der Uiiterbcamte wird immer mehr in eine trülselig-i Lage gcd.änct. Sie haben bei den letzten Wahlen versucht, die Beamten zur Ordnung aufzurufen und ihnen gesagt, die Wahl eines- Sozial- dcmokraten ist nicht mit dem Eide vereinbar. Glauben Sie, daß diese Einschüchterung Erfolg haben wird? Durch diese Mittel bringt man doch die Leute nicht von einer politischen Meinung ab, sondern erzieht nur Heuchler. Tie Beamten- haben-"ihre dienstlichen Obliegenheiten' zu erfüllen, aber nicht ihre politische Ueberzcugung zu opfern.(Lcbh. Zustimmung bei den Soz.) In dem Augenblick, wo Sie die Organisation der unteren Beamten unter die Kontrolle der Vorgesetzten stellten, ciiipfanden die Beamten das Entwürdigende ihrer Stellung und lehnten sich dagegen auf. Dem Grafen Posad-owsky möchte ich doch zur Erwägung geben, sich einmal vorzustellen, was eä für einen Beamten heißt, der eine lange Dienstzeit hinter sich hat, mit 100 M. monatlich bei den jetzigen teuren Zeiten auszukommen; dann würde er das Verlangen der Beamten begreiflich finden, etwas besser bedacht zu werden, als es bei dcn letzten Gehalts- regelungen geschehen ist. Ja, wenn die unteren Beamten so bc- dacht? worden wären, wie die oberen Chargen, dann wäre viel- lcickt Ruhe eingetreten, so aber kann davon keine Rede sein.(Sehr richtig! bei den Soz.) Herr v. G a m p hat sich in sehr eigentümlicher Weise darüber feäußert, daß es nicht zu seinen Lebensgewohnhciten ge- öre, sozialdemokratische Versammlungen zu besuchen. Da- ist sehr bedauerlich. Wir hätten ihn sehr gern zu unseren Ver- sammlungen zugezogen, und seiner Bildung hätte daS gewiß keinen Eintrag getan.(Heiterkeit links.) Herr v. Gamp hat ferner den Anspruch gestellt, die Beamten hätten die Pflicht, die Sozialdemokratie zu bekämpfen, also für P r i va t a u f f a s s u n- gen der konservativen Partei tätig zu sein. Zu dieser politischen Hansknechtsrolle -dürfen Sie, Herr v. Gamp, die Beamten aber nicht heran- ziehen, Sie müssen schon den politischen Unrat, den Ihre, Partei aufgehäuft hah allein kehren und nicht die bezahlten Kräfte des Staates dafür heranziehen.(Sehr richtig! links.) Uebxr die sozialpolitischen Aufgaben, die uns heute besonders dringend erscheinen, hat sich der Vertreter des Reichsamts des Innern ja sehr wenig klar ausgedrückt. Ich glaube: aber, ihn nicht mifrzuverstehen, wenn ich annehme, es wird auf allen diesen Ge- bieten nichts oder fast nichts geschehen. Zum Beispiel hätte-doch wohl der Herr Staatssekretär für das große Gebiet des Hie im- ar'beiterschutzes wenigstens in großen Zügen angeben sollen, was dem Reichsamt des Innern als Aufgabe vorschwebt. Der Herr Staatssekretär hat ferner ganz im allgemeinen verneint, daß auf dem Wege der bundesratlichen Verordnungen noch etwas geschehen könne. Das Gebiet sei abgeschlossen; wir haben seinerzeit schon bei der Beratung über den§ 120e der Gewerbeordnung unsere Zweifel geäußert. Der Herr Staatssekretär be- ftätigt unsere damaligen Befürchtungen; er ist jetzt schon auf dem Wege, daß er sagt: Wir haben allgemeine Verordnungen ge- trosscn, tut ihr. Einzelbehörden, daS übrige. DaS ist ein ganz verfehlter Weg; es ist alles ganz in das Belieben der ein. zelnen Behörden gestellt. Es fehlt die strenge Anordnung, wie wir sie im Gesetz oder in der Verordnung finden-. Wir müssen hier den Staatssekretär dringend bitten-, andere Wege einzuschlagen. Der vom ReichSamt des Innern eingeschlagene Weg führt" zu nichts. Sodann möchte ich daran erinnern, daß für die Wäsche» reien und Plättereien, für die Binnenschiffahrt, für die Verhältnisse der Ha ndtu ngSg ehi>l fe n in Kon» t o r e n usw. im Beirut für Arbeiterstatistik wertvolle Anregungen gegeben worden sind. Aber wir haben vom Herrn Staatssekretär kein Wort gehört, daß er diese Anregungen befolgt hätte. Dazu kommt, daß der Beirut für Arbeiterstatistik noch viele andere Gebiet» bearbeiten könnte. Warum kann er für die chemische Jndu» strie keine Erhebung anstellen? Zum Beispiel über die wichtige Frage der Verwendun-gdeSBleiweißes? Warum könntze der Beirut für Arbeiterftatisttk nicht auch die Landarbeiter» frage behandeln oder die Ausländerfrage? Ich fordere deshalb dringend, daß die Tätigkeit deS Beirats nicht aufhört, son- dern im Gegenteil reger fortgesetzt wird. Sehr vermißt habe ich auch eine Ausführung über das T h e a t e r g e f e tz. Durch die Presse ging die Nachricht, daß ein solches Gesetz in Vorbereitung wäre. Wir möchten wissen, wie weit es mit diesen Vorbereitungen gekommen ist.-Besonders in den Kreisen der Bühnenangehörigen hat eS sehr verstimmend gewirkt, daß die Zusammensetzung der zur Vorbereitung des Theatergesetzcs zusammengerufenen Kommission nicht den BcrufSvertretungen überlassen ist. Von der großen Genossenschast der Bühncnangc- hörigen scheint das Reichsamt deS Innern noch nichts gehört zu haben, oder eS hat einen Horror davor, sich mit ihm zu befassen. Der Polizeipräsident von Berlin ist beauftragt worden, die Sachverständigenkommission zu er- nennen!(Hört! hört! links.) Soviel soziales Empfinden Lininiten doch-die Reichsämter habin, daß man an den Organisationen der Berufe njcht achtlos vorübergeht. Eine Regelung der Blchnenverhallnisse, namentlich die Beseitigung der ungleichen Kündigungsfristen, ist dringend notwendig. Wenn der Staatssekretär gefragt hat, ob unser Antrag zur ReichSver- sicherunySordnung ernst zu nehmen sei, so erkläre ich ihm, daß alle unsere sozialpolitiscken Anträge ernst zu nehmen sind. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär hat gesagt, er könne doch keine Novelle der ReichSversicherungSordnung einbringen, da das Gesetz noch gar nicht in Kraft sei. Herr Staats- sekvetär, es ist nicht ausgeschlossen, daß sie gezwungen werden. vor dem Inkrafttreten doch noch z-u einer Novelle zu kommen, aller. /- dingS nicht auf einem Gebiete, da» w i r angeregt haben. Ter Ae'rzteverband in Leipzig hat beschlossen, bei einem zu- künftigen Konflikt nicht mehr im eigentlichen KmtfliktSackbiet die Ausübung der ärztlichen Praxis zu vcrfjinderii, sondern den Kreis weiter zu ziehen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich fürchte, daß, wenn dieser Beschluß zur Tat kommt, der Staats» sekrctär in die Zwangslage versetzt wird, zu einer Novelle zu greifen, um solche gefährlichen Bestrebungen zu verhindern. In der Bekämpfung der Sozialdemokratie haben die verschiedenen Redner ihre Hoffnung teils auf dcn N evl» sioniSmus, teils auf den Radikalismus gesetzt, die einen hoffen auf Polizeimatzregeln, die anderen auf die Wir- kung der sozialpolitischen Verbcsserungen, die dritten auf den »Schutz der Arbeitswilligen". Ich weiß nicht, wer von diesen Rednern am meisten um seine Hoffnungen betrogen sein wird. Aber das eine glaube ich sagen zu müssen: Geben Sie endlich den törichten Standpunkt auf, die A e ch t u n g der Sozialdemokratie auszusprechen-. Sie kommen doch nicht da herum, einer Partei mit solchem Anhang Konzessionen zu machen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) ES kommt die Zeit, wo die Sozialdemokratie mit allen Widerständen, die sich ihr entgegensetzen, aufräumen und schließlich die Position ein» nehmen wird, die ihr als der Vertreterin der großen erwerbstätigen Schichten des Volkes zukommt. Die wirtschaftlich schwachen Schichten haben den Anspruch, von der Gesetzgebung gegen die Ge- fahre» für Leben und Gesundheit geschützt zu werden. Hier handelt «S sich um die Interessen der weitesten Kreise der Bevölkerung, die sich nicht mehr gängeln läßt durch Versprechungen, sondern eine entschiedene Fortschung der Sozialpolitik verlangt.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf v. Carmcr-Zieserwitz(k.) tritt zunächst für eine Einschränkung der Wanderlager und des W a n d e r- gewerbcS ein. Zur Neuregelung der Sonntagsruhe im Handelsgcwcrbe soll ein neuer Entwurf in Borbereitung sein, der nach den bisherigen Veröffeutlichuiigen unseren gegenüber dem zu weitgehenden Entwurf von 1907 geäußerten Wünschen cnt- gegenkommt. Den angekündigten Gesetzentwurf zur V e r s i ch e- rung her Feuerwehrleute ugh Lrg gleit Pfleger be- tzrußen wir mit Freuden. Mit der Aeuherung des Grafen Posa- dowsky gegen da- Bauernlegen durch Latifundienbesitzer sind wir durchaus einverstanden. Aber beklagen möchte ich, daß das Groß- kapital sich immer mehr des�G üterhandels bemächtigt, der früher gar nicht üblich war.(Sehr richtig!) Uebrigens ist die Zahl der neugegründeten bäuerlichen Besitzungen wohl um das Treitzig- fache größer als die Zahl der aufgekauften Bauerngüter.(Sehr richtig! rechts.) Was unsere Resolution auf größeren Schutz der Arbeitswilligen anlangt, so sind wir nicht etwa für eine Einschränkung des Koalitionsrechts. Nur gegen die Auswüchse wenden wir uns, die sich bei Streiks und Aus- sperrungcn gezeigt haben, und gegen die eine Abhilfe dringend not- wendig ist.(Sehr richtig! rechts.) Für die Arbeiter ist im Alter und im Fau de' Invalidität in iveitgehendein Maße gesorgt, durch die Reichsversicherungsordnung ist auch für die Hinterblie- benen der Arbeiter gesorgt, die Löhne find in den letzten lill Jahren um 5l> und IVO Proz. gestiegen! die Lebenshaltung der Arbeiter ist also sehr gestiegen und viele Arbeiter sind damit zu- frieden. Aber die Sozialdemokratie hat sich die Gc- werkschaften dienstbar gemacht, und sie kann zufriedene Ar- b-e i t e r nicht brauchen. Damit hijirgt die Zunahme der Streiks zusammen. Es bandelt sich bei den Streiks nicht um Lohn- fragen, sondern um Machtproben. Nicht die Unter- nehmer sind Herren im Betriebe, sondern die Ge- w e r k s ch a f t e n. Auch diejenigen Arbeiter, die gern arbeiten wollen, müssen mitstreiken, wenn die Gewerkschaften den Streik proklamieren, oder sie verfallen dem Terrorismus der - Sozialdemokratie. Gegen diese Einschränkung der per- sönlichen Freiheit mutz Schutz geschaffen werden.(Lebhafte Zu- slimmung rechts.) Das bestehende Recht reicht nicht aus; denn angesichts der beständig zunehmenden Klagen über Ausschrci- tungen kann man doch nicht annehmen, daß unsere Gerichte die be- stehenden Gesetze nicht scharf genug anwenden. Diese Gesetze reichen also nicht aus.(Sehr richtig! rechts.) Das hat auch der sächsische Minister Vitzthum v. E ck st ä d t im sächsischen Landtag anerkannt und ein Vorgehen im Bundesrat versprochen, und auch die Stadt Hamburg hat sich für das von Sachsen zu erwartende Vorgehen ausgesprochen. In der freien Schweiz und in den Vereinigten Staaten von Amerika gehen die Gesetze und Ge- richte viel weiter als bei uns, dort wird das Streikposten- stehen für ungesetzlich erklärt. z verlangen kein Ausnahmegesetz(Lachen bei den Sozialdemokraten), aber einen wirksamen Schutz der Arbeitswilligen.(Bravol rechts.) Abg. Thoma(natl.): Eine Teilung des Rcichsamts des Innern in eine wirtschasr-politische und eine sozialpolitische Abteilung, jede unter einem besonderen Unterstaatssekretär, halten wir für not- wendig. Unter den großen Fragen der inneren Politik steht voran die Wohnungsfrage, sie ist neben der Frage dcS Ar- beiterfchutzeS geradezu dic_ soziale Frage. Die Kompetenz- schwicrigkeiien zwischen Reich, Staaten und Gemeinden hat der Staatssekretär gegen die Regelung dieser Frage von Reichs wegen angeführt: aber diese Schwierigkeiten müssen sich überwinden lassen. Eine wesentliche Form zur Abhilfe bietet das Erbbaurecht. Der Staatssekretär will abwarten, was der Deutsche Juristcntag darüber sagen wird. Der wird aber nur die rechtliche, nicht die soziale Seite der Frage beleuchten.(Sehr richtig! bei den Nationallibcralen.) Die Erux(das Kreuz) der Wohnungsfrage. ist der hohe-Preis des Grund und Bodens; deshalb kann hier das Erbbaurccht helfen, weil der Wertzuwachs dem Eigentümer verbleibt. Aber bisher sind auf Land, das in Erbbaurecht vergeben ist, keine ersten Hypotheken zu bekommen, weil sie nicht mündelsicher sind. Werden sie für mündclsichcr erklärt, so werden sofort Hun- derte von Millionen für dem Wohnungsbau flüssig werden. Die gegenwärtige Koalitionsfreiheit ist für meine Freunde ein Blümlein Rühr mich nicht an. Als sie ISVS in der Gewerbeordnung geschaffen wurde, hatte sie sich in den wirklichen Verhältnissen schon durchgesetzt. Das Koalitions-recht wird auch in Bayern als ein natürliches Menschenrecht bezeichnet. Nur den Staats- arbcitcrn will man es nehmen, und das hat eine Acnderung der Orientierung der ganzen bayerischen Politik geschaffen, die erfreu- licherweise mit dem Fortschritt zum parlamentarischen System vcr- bunden war. Für uns hat das eine Klarheit der politischen Situa- tion geschaffen, die uns am vorigen Mittwoch bei der P r ä s i- dentenwahl gestattet hat, saubcrundklarzuurteilen. (Große Heiterkeit.) Beim Schutz der Arbeitswilligen wollen wir nicht die Pfade der sächsiscO-cn Regierung wandeln, sondern wir halten das bestehende Gesetz für ausreichend. Aber nötig wäre es, durch ein Gesetz den positiven Inhalt deS Koalitionsrcchts auszusprechen. Unser Wirtschaftsleben beruht heute geradezu auf Koalitionen und Organisationen, und daher sollten sie auch zivilrechtlich haftbar gmacht werden und die Rechtsfähigkeit erlangen können, ohne-die Möglichkeit eines Einspruches der politischen Polizei. Ferner wünschen wir ein R e i chs e i ni gu ng s a m d, da» nicht lvartet, bis es-angerufen wird, sondern aus eigener Initiative vorgeht. Auch eine Zentrale zur Beratung bei Tarifverträgen wünschen wir.— Also Aufgaben liegen in Hülle und Fülle vor «ruf dem Gebiete der rechtlichen Stellung der Organisationen und auf dem Gebiete der Kodifikation der Arbeiterversicherung.(Bravo!) Abg. Bartschat(Vp.): Den Ausführungen des Abg. Pauli über die Notwendigkeit, dem Handwerk zu helfen, schließe ich mich an, ich wünschte n-ur, daß Herr Pauli auch für die Handwerker eintreten möchte, die anders als konservativ wählen.(Sehr gut! links.) Aber jeder Handwerker, der es wagt, cliva liberal zu wählen, lvird sofort von den Konservativen und ihrem Änbang boykottiert. Die Herren, die sich als Mittelst-eendsfrcun-dc hin- stellen, sollten sich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, in jedem Handwerker und Arbeiter einen politisch gl eich berechtig- ten Menschen zu sehen.(Sehr richtig! links.) Durch die politische Knechtung, der sie unterliegen, werden viele Handwerker tatsächlich in die Reihen der Sozialdemokratie ge- trieben. Die Konservativen reden über Schädigungen des Mittel- standes durch die Konsumvereine, aber am meisten schädigt die Handwerker die Zentralstelle des Bundes der Landwirte, die sogar die Reparatur von Maschinen übernimmt. (Hört! hört! links.) Gegenüber Herrn Wurm bestreite ich durchaus, daß der Hansabund sozialpolitisch rückständig ist, er will nur keine Ueberstürzung der Sozialpolitik.— Tic Regierung könnte sehr viel für das Handioerk tun. wenn sie dafür sorgen wollte, daß die G e fä n g n i s a r b e i t möglichst ein-' geschränkt wird. Dringend notwendig äst auch die gesetzliche R c g e l u n g d e s S u b m i s s i o n s w e s e n s; heute lassen die Submissionsordnungeu an Buntscheckigkeit nichts zu wünschen übrig. Der Hansabund hat hier eine mustergültige Vorlage aus- gearbeitet. Wenn durch das SubmissionSwescn der Handwerker genötigt wird, Schleuderpreise zu nehmen, dann wird er auch nicht in der Lage sein, den Arbeitern tarifmäßige Löhne zu zahlen. Deshalb sollten auch Sie(zu den Sozialdemokraten) dieser Frage ihre Aufmerksamkeit schenken.(Zuruf bei den Sozialdemo- krcrten:„Wir sind ja für Regelung-des SubmissionswescnS!") Ich akzeptiere gern diese Erklärung. Tie Fabriken müssen nn- bedingt zu den Kosten für die Lehrlingsausbildung mit herangezogen werden. Die Abgrenzung von Fabrik und Hand- werk muß allgemein geregelt werden-. Die Handtverker selbst sollten freilich ihre begabten Söhne nicht für zu schade zum Handwerk halten. Es ist ein großer_Jrrtum.-daß das Handwerk keine klugen Leute gebrauchen kann.(Sehr richtig!) Die Rrgierungskommissare bei den Handwerkskammern sind überflüssig. J,i diesem Auf- pass-ershstem liegt eine unberechtigte Bevormundung der Hand- wcrker.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Viele Handwerker glauben, daß die Aufhebung des tz Illllg der Gewerbeordnung golden« Zeiten herbeiführen würde. Das ist ein großer Irrtum, ich wäre aber für eine Aenderung in der Weise, daß gewiss« M i n dcstst u nd e n p r e i se in ähnlicher Weise wie die tariflichen Ekuntzenlöhne der Arbeiter sestgelegr werden. Mit der Phrase, daß der Freisinn ein laxer Freund und halber Feind des Handwerks sei, mutz Schluß gemacht werden. Die Regierung sollte endlich aus den Erwägungen herauskommen und zu Tateu für das Handwerk übergehen.(Lebhafter Beiiall bei der Volkspartei.) Abg. Sosinski(Pole): Auch wir sind mit den übrigen Parteien und mit der Thronrede der Meinung-, daß in der Sozialpolitik nicht Halt gemacht werden darf. Die Rcichsvcrsicherungsvrdnung hat große Fortschritte gebracht, die Altersrente sollte aber schon i m LO. Lebensjahre ausgezahlt werden. Es ist bedauerlich, daß in der ReichsversichieruiiHsordnung nicht die freie Arztwahl für die Krankenkassen gebracht worden, ist. Diese Mängel sollte der Staatssekretär ausylcichen. Notwendig ist die r e i ch s g e s c tz- l i ch e Festlegung der achtstündigen Arbeitsschicht für Bergleute. Tic Pensionskassen der Jndustricwcrkc werden immer als, Wohlfahrtseinrichtungen der Arbeit- g e b e r hingestellt, die Beiträge werden aber zum allergrößten Teile von den Arbeitern gezahlt.(Hört! hört!) Diese Kassen wer- den benutzt, um einen Druck auf die Arbeiter auszuüben. Die Regierung sollte sich mit, diesen Verhältnissen näher beschäfti- gen und eine gesetzlich« Regelung herbeiführen� Das Verbot der Frauenarbeit im Hüttenwesen- hat der Bundesrat für Obcrschlesicn bis zum.Jahre 1W'2 außer Kraft gesetzt. Was nutzen- da alle RcichÄagsbeschlüssc? Die Herren von der Rechten haben es tat- sächlich fertiggebracht, ein Gesetz zum Schutze der Arbeits- willigen zu beantragen. Auch die polnisch organisierten- Arbeiter haben oft unter sozialdemokratischem Terrorismus z.u leiden, ineine Freunde werden aber trotzdem gegen ein Arbeits- w i I l i g e n schu tz gese tz stimmen, weil wir wissen, daß das weiter nichts ist, als ein neues Zuchthausgesctz. (Sehr richtig!) Das Koalition s recht muß erweitert werden. Die Arbeitgeber haben kein Recht, über den geWerk- schastlichen Terrorismus zu klagen, denn sie treiben selbst einen v i c l s ch l i m m c r e n T c r r o r i s m n s. In Oberschlesien werden Taufende von Arbeitern aufs Pflaster geworfen, nur weil sie sich gewerkschaftlich organisieren.(Hört! hört! bei den Soz.) Abg. Graf Posadowsky sprach davon, daß das, Vereins- gcsctz oft mißbräuchlich angewandt werde. Wir Polen können ein Lied davon singen,. Wir können nachweisen, daß nicht nur P o l i- z e i b e a m t e, sondern auch A m t s v o r st c h c r als gefügige Werkzeuge der obcrschlesischen Zechen- und Huttenbesiycr diesen Berichte über die Orgauisationszuge Hörigkeit und das Verhalten ihrer Arbeiter liefern. Der Redner verliest unter lebhaften„Hört! hört!"-Rufen eine Reihe von amtlichen Berichten von Amtsvorstehcrn für die Zcchcnbestvcr, die den Erfolg hatten, daß mehr als hundert organisierte Bergarbeiter im Winter wegen gelvcrkschaftlichcr Bcsütigung entlassen wurden. Möge der Staatssekretär dafür sorgen, daß das VereinSgcsctz freiheitlicher gchandhabt werde.(Bravo! bei den Polen.) Die Weilerbcratung wird auf Montag, 2 llljr, vertagt. ■ Schluß 4)4 Uhr. Der Krieg. Tic Stimmendiffcrenz zwischen der geheimen und der öffent- lichen Abstimmung. Rom, den 29. Februar.(Eig. Ber.) Wir haben bereits über die befremdende Tatsache berichtet, daß bei der geheimen Abstim- mung über das Annexionsdckret nur 9 schwarze Kugeln gefunden wurden, obwohl 21 Sozialisten an dieser Abstimmung teilnahmen, die bei dem vorherigen öffentlichen Votum gegen das Dekret gc- stimmt hatten. In Parteikreisen hat die Feststellung dieser Tat- fache große Beunruhigung erregt, weshalb der Parteivorstand sich mit der Angelegenheit in seiner Plenarsitzung und gleich darauf in der mit der Parlamentsfraktion gemeinsam abgehaltenen Tagung beschäftigt hat. Es wurde einstimmig beschlossen, den bei der Ab- slimmung gegenwärtigen Abgeordneten eine ehrcnwörtliche Erklä- rung über ihr Votum abzuverlangen. Daraufhin erklärten die folgenden Genossen auf ihr Ehrenwort, in geheimer Abstimmung gegen das Dekret gestimmt zu haben: Agnini, Bcltrami, Bentini, Bocconi, Cabrini, Campanozzi. G. Ferri, Mancini, Montemartini, Podrecca, Ouaglino, Rondani, Trapanesc, TreveS und T u r a t i. Genosse M e r l a n i räumte ein, sich bei der Abstim- mung vergriffen und irrtümlicherweise eine weiße Kugel einge- warfen zu haben; seinen guten Glauben beweist er dadurch, daß dieser sein Mißgriff von anderen Abstimmenden gesehen wurde, während er sein Votum natürlich verborgen haben würde, wenn er im Bewußtsein des Verrates gestimmt hätte. Somit ist Gewißheit über das Votum von 16 Genossen geschaffen worden; Sichel und Marangoni haben schriftlich erklärt, gegen das Dekret gc- stimmt zu haben, und es fehlen nur noch die Aeußerungen von Samoggia und Nofri. Ciccotti, der auch an der Abstim- mung teilnahm, stehtzpußerhalb der Parlamentsfraktion. Nach diesen Erklärungen mußte man notwendig dahin kam- men, das Abstimmui�secgebnis für falsch zu halten, sei cS nun, daß man eine fahrlässige oder eine absichtliche Fälschung annehmen wollte. Daraufhin beschlossen alle sozialistischen Abgeordneten, dem Kammerpräsidenten ein Schreiben zu übersenden, in dem in durchaus gemäßigter und höflicher Form betont wird, daß die bei der Abstimmung anwesenden Abgeordneten zu der Ucbcrzeugung gekommen sind, daß das tatsächliche Abstimmungsergebnis sich nicht mit dem offiziell bekanntgegebenen deckt. Dieses Schreiben wurde dem Präsidenten in der heutigen Kammcrsitzung vorgelegt. Der nationalistische Abgeordnete G a l l e n g a forderte seinerseits die Präsidentschaft auf, das Dekorum der Kammer gegen den Vcr- dacht zu schützen, daß die Abstimmung nicht norinal verlaufen sei. Der Abgeordnete B u o n v i n o hob hervor, daß bei der Zählung der Kugeln auch einige Sozialisten zugegen gewesen wären. Die Zahl der schwarzen Kugeln hätte 9 und nicht mehr betragen. Gc- nasse Montemartini erklärte unter dem furchtbarsten Lärm der Kammer, daß sich an der Abstimmung auch jemand beteiligt hätte, der nicht dazu berechtigt war.(Protest, lauter Lärm.) Montemartini(fortfahrend): Wenn Ihr uns nicht glaubt, so haben auch wir das Recht, Eure Behauptungen in Zweifel zu ziehen. Und wir sagen, es ist gemogelt worden.(Große Unruhe, man ruft: Hinaus mit ihm, Verleumder usw.) Schließlich fordert der Präsi- dcnt Maycor« den Genossen Montemartini auf, seine Worte zurück- zuziehen. Der Aufgeforderte räumt ein, zu weit gcgangeu zu sein, aber die Schuld dafür trüge die Mehrheit, die zuerst seine Worte in Zweifel gezogen hätte. Das Ganze endet dann mit einer Erklärung des Sekretärs der Kamvicrpräsidentschaft, dem die Uebcrwachung der beanstan- beten Abstimmung oblag, daß er und die Seinen diesmal, wie immer, in korrektester Weise ihre Pflicht getan hätten. Räch einer Viertelstunde einer an Tobsucht grenzenden Aufregung beruhigte sich die Kammer wieder, nachdem Marcora sein Bedauern über den Fall ausgesprochen hatte und hervorgehoben, daß bereits 6 Tage seit der Abstimmung vergangen seien, so daß eine Aufklärung de» Falles unmöglich wäre. Trotz dieser Erklärung halten wir den Fall nunmehr für aufgeklärt. Die Sozialisten haben gegen das Dekret gestimmt und es ist dabei irgendein materieller Irrtum untergelaufen, durch den dieses ÄbstimmungscrgebniS nicht zutage tritt. Von allem anderen abgesehen, tväre es absurd, wenn die Sozialisten in ge- heimcr Abstimmung anders gestimmt hätten als in der öffentlichen. Hätten sie dies auf vorherige Verabredung getan, so lag eS auf der Hand, daß der Verrat ans Licht kommen mußte; hätten sie dagegen ohne vorherige Verabredung gestimmt, so müßte es direkt als ein Wunder gelten, daß 12 von 21 auf ein und denselben absurden Gedanken verfallen wären. Die ehrcnwörtliche Erklärung unserer Genossen entscheidet für uns die ganze Frage. Wäre sie nicht zufällig gerade zu einer Zeit auf die Tagesordnung gekom- men, in der unsere Partei durch eine schwere Krise erschüttert ist, so würde man ihr hier überhaupt keine Wichtigkeit beigemessen haben. Die Fricdcnsvcrmlttlnngen. London, I. März. Wlie das Reutersche Bureau in diplo- matischen Kreisen über die Bemühungen der Mächte, im türkisch- italienischen Krieg zu vermitteln, erfährt, sind vor ungefähr zehn Tagen neue Vorschläge von Rußland gemacht worden, um eine Ver- Mittelung der fünf Großmächte zwischen Italien und der Türkei herbeizuführen. Diese erneuten Bemühungen sind vor der Affäre von Beirut gcmaSft worden, die auf die Angelegenheit keinen Ein- fluß gehabt hat. Die Aufgabe, die die Mächte zu lösen haben, be- steht darin, zu einer Verständigung zu kommen, wie man sich ver- gewissern könne, was für Vermittclungsvorschläge in Rom und Konstantinopel als annehmbar angesehen werden würden Tie Stellung Italiens zur Friedensaktion. Paris, 1. März, lieber die Stellung Italien? zur Ver mittelungsfrage meldet der„Temps" unter anderem aus Rom. Italien hege dieselben versöhnlichen Absichten wie vor vier Monaten, sei aber bezüglich der Souveränität über Libyen unerschütterlich. Was die religiösen Fragen anlange, so sei Italien geneigt, eine ähnliche Formel wie die in dem österreichisch-tür- kischen Vertrage über die bosnische Annexion enthaltene anzu- nehmen. In finanzieller Hinsicht sei Italien bereit, der otto- manischen Schuldenverwaltung ein'den Einkünften von Tripolis und der Cyrcnaika entsprechendes Kapital zu bezahlen und sich auch bezüglich anderer Entschädigungen der Krön-, Staats- und Religionsgüter zu verständigen. Sobald die afri- kanische Frage geregelt sei, werde die Türkei in Italien den wirk- samsten Beistand für ihre Integrität finden. Das seien die Haupt- züge der Antwort, welche Italien den Mächten erteilen werde. Tie Stellung der Türkei. Konstantinopel, 2. März. Auf der Pforte wird versichert, daß die von Rom mitgeteilten Bedingungen, die den Mächten als Grundlage für eine Vermittelung dienen sollen, für die Tür- kei absolut unannehmbar seien. Man vertritt die An- sicht, daß, wenn eine der beiden kriegführenden Parteien auf die Notwendigkeit hingewiesen werde, Bedingungen zu stellen, die eine Vermittlung möglich machen, dies Italien sein müsse, das eine fremde Provinz annektieren wolle, ohne dieselbe erobert zu haben. Die Revolution in China. Tic Soldateurebolte in Peking. London, 1. März. Von dem britischen Gesandten in Peking sind, wie das Reutersche Bureau mitteilt, mehrere Telegramme über den Ausbruch der Unruhen eingelaufen. In dem letzten Tele- gramm heißt es, daß die Stadt heute vormittag ruhig war. Von der Meuterei sind nur zwei chinesische Regimenter ergriffen wor- den. Ter in der Mandschustadt angerichtete Schaden ist, wie sich durch spätere Untersuchung herausgestellt hat. nicht so bedeutend, wie man zuerst angenommen hatte. Die Fremden haben im allgemeinen untev der Meuterei nicht zu leiden gehabt. Die englischen Untertanen befinden sich wohlbehalten in der britischen Gesandtschaft. Peking, l. März. I u a n s ch i k a i hat an die fremden Missio- narc, Kaufleute und anderen in Peking wohnenden Europäer ein Rundschreiben gesandt, in dem er fein Bedauern über die vorgefallenen Ereignisse ausspricht und erklärt, es seien jetzt alle Vorsichtsmatzregeln getroffen worden, um einer Wiederholung der Unruhen vorzubeugen. In der Nachbarschaft der Gesandtschaften ist alles ruhig. Ibvv Meuterer haben sich heute früh eines Zuges bemächtigt und sind in der Richtung auf Honan abgefahren. London, 2. März. Tie„Times" meldet aus Peking vom 1. März: Zu derselben Zeit, da die Unruhen in Peking stattfanden, meuterte das 12. Regiment der gleichen Division im Eisenbahnknotenpunkt F a n g t a i in der Nähe von Peking. Be- unruhigende Nachrichten sind heute über die Meuterei der 6. Division in Paotingfang eingetroffen. Holland und China. Haag, 2. Märß. Nach offiziellen Mitteilungen nkmmt die Untersuchung gegen die bei den Unruhen in Soerabaja Verhafteten ihren regelmäßigen Verlauf. Je nach dem Maße ihrer Schuld werden die Festgenommenen freigelassen oder in Haft behalten werden. Wie versichert wird, haben die Zwischenfälle und di« da- gegen ergriffenen neuen Mußregeln die Aufiechterholtung der gegenseitigen freundschaftlichen Beziehungen zwischen China und den Niederlanden nicht beeinflußt. Die Beziehungen werden direkt auf dem-gewöhnlichen diplomatischen Wege zwischen den Mini- sterien des Aeußern der beiden Länder unterhalten. Da Verhand- lungen zwischen China und der Regierung von Niederländisch- Indien gegenseitig nicht gepflogen worden sind. Nachrichten über die Abberufung des Gesandten und über ein chinesisches Ultimatum sind vollkommen unbegründet. To�iales. Von der Ruhezeit in offenen Verkaufsstellen. Wegen Ucbertretung der Gewerbeordnung war Herr Zacharias als Geschäftsführer der Blottnerschen Großbäckereifilialen in Groß- Berlin angeklagt und zu einer Geldstraf« verurteilt worden, weil einer Verkäuferin in Wilmersdorf nicht die vorgeschriebene Ruhe- zeit gewährt worden sei. Es handelte sich um Längerarbcit am MonatSschlnsi zum Zwecke einer Warenbestandsaufnahme, die alle Monat vorgenommen wurde. DaS Äammergericht verwarf dieser Tage die Revision deS An- geklagten. Mit der Vorinstanz stellte es sich auf den Standpunkt, daß diese Längerarbcit nicht gerechtfertigt werde durch§ 139 Ziffer 2, wonach die Bestimmung des§ 139c teine Anwendung finden auf Arbeiten für die Aufnahme der gesetzlich vorgeschriebener Inventur. Mit dieser, die durch das Handelsgesetzbuch für den Jahresschluß vorgeschrieben ist, hätten die monatlichen Aufnahmen des Waren- bestandcs nichts zu tun._• § 63 des Handelsgesetzbuches zwingendes Recht. In der bekannten, bis jetzt immer noch umstrittenen Frage, ob die dem Handlungsgehilfen im z 63 des Handelsgesetzbuchs(Ge- haltsßahlung für sechs Wochen im Krankheitsfalle) eingeräumten Vorteile bindend sind, oder ob sie durch Vertrag ausgeschlossen werden können, hatte inr Oktober vorigen Jahres die I. Kammer des Berliner KaufmannSgerichts in einem gegen den Bijouterie- Warenhändler Baum anhängig gemachten Rechtsstreit den Stand- Punkt cingeuommen. daß die Gehaltszahlung für diese Zeit zwin- gendes Recht ist.— In der Berufungsinstanz bestätigte jetzt das Landgericht diese Entscheidung des Kaufmannsgerichts. ■ Ii I tv? 1 J\. lvercheim � GM. E.K L«ipzi�rstni32-3? Kötiiftstrassc3J-32 Versand-Abteilung: Berlin W. 66, Leipziger Str. 132/37 Die Firma A. Werttieim hat zu ähnlich lautenden Firmen Keinerlei Beziehungen Rosenfbakrstr,28-3i Ordnt?iistrasse52-53 In dieser Woche: Ausserordentlich billige Preise Grober Verkauf Kleider- u. Seidenstoffe WZ-kllkatiaf grosses Farbensortimont, ca. 1 Ali VY OUOailSl 1C8 CIn breit...... Wr. l*�0 Popeline reine Wolle' 108 cm � 1.90 Kammgarn nbreuin.e.eri�ptMct" 2.50 Halbseidene Popeline btei'�Mt™ 2.60 Halbseidene Eolienne � 3.90 fAf als einfarb., schmal gerippt, ca. 110 cm O 7e GOtelC breit.............. 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B r a n d e n st e i n und Genossen(k.) beantragen, Wie in der vorigen Session, die Geschäftsordnungskommiision all- gemein mit der Beseitigung außer Anwendung gekommener Be- stimmungen. der besseren und deutlicheren Fassung anderer zu beauftragen. Abg. v. Brandcnstein sk.) begründet den Antrag entsprechend dem Wortlaut seines Antrages. Die bei der vorjährigen Kom- missionsberatung vorgebrachten Anregungen sollen mit berück- sichtigt werden. Abg. Viereck sfk.) zählt die Unklarheiten und Widersprüche zwischen Geschäftsordnung und Praxis auf. Wir wollen eine M i n d e st st ä r k e der Fraktionen, aber auch den kleineren Parteien soll die Mitwirkung hier im Hause und in den Kommissionen nicht abgeschnitten werden. Wir beantragen, die von Herrn v. Branden- stein gewünschten Aenderungen als.insbesondere' wünschens- wert zu bezeichnen, die Kommission hat dadurch die Möglichkeit, die ganze Geschäftsordnung zu prüfen. Abg. Dr. Lohmann(natl.j: Wir sind gegen eine Ver- s ch ä r f u n g der Geschästsordnung, die die Minderheit brüskieren könnte. Wir wünschen einen angemessenen Schutz der Minderheilen. Den Antrag Viereck lehnen wir ab. Abg. Dr. Pachnicke sVp.): Wir halten uns streng an den Wort- laut des Antrages, nicht an die Entstehungsgeschichte des Antrages, die tendenziös ist. Der Antrag Viereck ist unannehmbar, denn er will die ganze Geschäftsordnung zur Diskussion stellen. Falls der Antrag Viereck angenommen werden sollte, müßten wir auch gegen den Antrag Brandenstein stimmen. sBeifall links.) Abg. Hirsch(Soz.): Wenn man den Antrag v. Branden st ein lediglich nach seinem Wortlaut beurteilt, dann ist er höchst einfach; der Zusatz- antrag Viereck aber würde der Willkür der Gcschäftsordniingskomniissioii Tür und Tor öffnen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Um aber den Antrag Brandenstein richtig zu verstehen, muß man die Vorgänge in Betracht ziehen, an die sich die Einbringung dieses An- träges im vorigen Jahre geknüpft hat. Zieht man auch noch die Verhandlungen der Geschäftsordnungskommission vom vorigen Jahre dazu heran, dann erkennt man, daß es sich unr einen Tendenzantrag in de? Wortes schlimmstem Sinne handelt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Im vorigen Jahre hat sich der nationalliberale Abg. M a l h i s ganz ähnlich wie heute Herr L o h m a n n dahin geäußert, daß die Kommission nicht legitimiert sei. über den Rahmen des Antrages Brandenstein hinauszugehen. Trotzdem hat die Geschäftsordnungskommission gar keinen Anstand genommen, es doch zu tun. Sie hat nicht nur außer Anwendung gekommene Vor- schristen durch neue ersetzt, sondern sie hat umgekehrt bewährte Vor- schriften beseitigt und an ihre Stelle Vorschriften gesetzt, die den Schutz der Minderheiten beseitigen sollen. Die GeschästsordnungS- kommission beantragte die Beseitigung bewährter Borschristen in der ausgesprochenen Absicht, die kleine sozialdemo- kratische Fraktion deS Hauses mundtot zu machen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die am 17. Februar vorigen Jahres vom Abg. F i s ch b e ck geäußerte Ver- mutung, daß es einem Teil der Mitglieder dieses Hauses unmöglich gemacht werden solle, in den Kommissionen mitzuarbeiten und daß die Rednerliste so gestaltet werden solle, daß die Minderheit nicht zu ihrem Rechte konime, hat sich bestätigt. Wenn Herr Viereck heute das Gegenteil gesagt hat, so ist das ja ein recht netter Wunsch, aber Herrn Vierecks Partei verfügt hier nicht über die Mehrheit, die auch in der Kommission jederzeit anders beschließen kann.— Reden wir doch nicht um die Sache herum, sondern sagen wir, w a s i st. Es soll durch die immer wiederkehrenden Anträge aus Aenderung der Geschästsordnung der Anschein erweckt werden, als ob die Sozialdemokratie darauf ausgehe, die Geschäfte des Hauses lahm- zulegen. Das hgt im Vorjahre besonders deutlich der Abg. Frhr. v. Zedlitz ausgesprochen. ES ist ja sebr� schmeichelhaft für unS, wenn man uns zumutet, die ganzen Geschäfte lahmlegen zu können, aber Sie wissen ganz gut, daß daS nicht unsere Absicht ist und daß wir, selbst wenn das unsere Absicht wäre, dazu gar nicht imstande wären. Bei früheren Anlässen hat man über den schlechten Ton im Hause geklagt, der angeblich von der Sozialdemokratie in da» Hau? hineingetragen sein soll. Ich betone wie schon früher noch einmal nachdrücklichst, daß wir niemals daran schuld gewesen sind, wenn eS hier zu Zusammen st ößen zwischen uns und anderen Parteien gekommen ist.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten, Lachen rechts.) An Dutzenden von Fällen könnte ich Ihnen nachweisen, daß wir von Ihnen fortgesetzt provoziert worden sind(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten) und die Zusammenstöße sind meistens die Folge davon gewesen, daß Sie einen oder mehrere Redner gegen die Sozialdemokratie losgelassen und unS"dann da« Wort zur Erwiderung ab- feschnitten haben.(Sehr richtig I bei den Sozial- emokraten.) Sie können doch nicht glauben,� daß wir uns das auf die Dauer gefallen lassen. Sie würden es, wenn Sie in der Minderheit wären, auch nicht dulden I Ans den Verhandlungen des Hauses in früheren Jahren, wo an ein Ein- dringen der Sozialdemokratie in den Landtag noch gar nicht zu denken war, könnte ich nachweisen, welcher Ton damals hier im Hause geherrscht hat. Ich unterlasse es, um nicht den Vorwurf zu riskieren, daß ich zur Verrohung des Tones beitrage.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) In politisch bewegten Zeiten fallen immer sckiärfcre Worte als sonst. Hat doch zur KaiislifSzeit der nationalliberale Abg. G n e i st von der Armeeorganisation mit dem Kainszeichen des Eidbruchs auf der Stirn ge- sprachen. Und der Kriegsminister R o o n erwiderte, daß die Leußerung deS Abg. Gneist den Stempel der Ucberhebung und Un- Verschämtheit auf der Stirn trage.(Hört! hört! bei den Sozial- demokralen.) Ich will erst gar nicht alles das aufzählen, was Sie (nach rechts» gegen uns hier vorgebracht haben. Erst gestern hat einer von Ihnen meinem Freunde Hofsmann zugerufen, alles was er spreche, sei Blech. WaS hätten Sie gesagt, wenn von unserer Seite solche Worte dazwischengerufen worden wären? Präsident Dr. Frhr. v. Erffa: Diesen Zuruf habe ich nicht gehört, sonst würde ich ihn gerügt haben. Abg. Hirsch(Soz.) fortfahrend: Wenn ich Ihnen auch keine Blütenlese Ihrer Aussprüche gegen unS geben tvill. so interessiert Sie vielleicht das Urteil eines Mannes, der nicht dem Hause angehört, auch nicht in Preußen wohnt: Lndivig T h o m a schrieb im.März', daß im Vergleich zu den fünfziger und sechziger Jahren die heutigen preußischen Volks. Vertreter auf ein merkwürdig tiefesNiveau herabj- gesunken seien(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), weil keine anständige Empfindung, noch die Achtung vor der eigenen Würde die Vertreter der heutigen Mehrheit üöhalte, das Gefühl ihrer Macht pSbelhaft zu äußern �Unruhe recht». Abg. H o f f m a n n: Hört I hört!). Sechs Sozial- demokraten feien imstande, so viele adlige Herren, ehemalige Offiziere und hohe Beamte ihre Erziehung vergessen zu machen..Um einen kleinen Mann aus dem Volke zu verletze», benehmen sich hochnäsige Ostelbier wie Schuljungen, gebrauchen Schnnpsworte. schreien im EhoruS und unterbrechen die Redner. (Sehr wahr! bei den Soz.) Sie glauben, etwas getan zu haben, wenn sie 60 und 100 über einen hergefallen sind; sie tun sich etwas darauf zu- gute, wenn sie Meinungen niederbrüllen, statt sie zu widerlegen. Der Süddeutsche denkt dabei mit Ekel an die Ans- gelasseaheit der nordischen grünen Herren, die keine fröhliche Unterhaltung ohne Schreien und Roheit mehr kennen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Papas scheinen beim Politisieren die gleichen Emotionen zu erleiden, wie ihre Söhe beim Saufen. Die Kunst gereifter Männer, den Gegner anzuhören, seine Meinung zu achten, von ihm zu lernen, ist diesen Genrlemen, die nur im Pöbeln jugendlich gebliebe» sind, fremd. Es gibt heute nicht bloß eine.landrärliche Mainlinie", es gibt vor allein eine„Elbelinie der guten Manieren'.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.— Zurufe rechts: Geschäftsordnung!) Vor zwei Jahren haben Sie den Hausknechtparographen eingeführt, dessen Gesetzwidrigkeit der Abg. B o i s I y überzeugend nachgewiesen hat. Was für ein Licht fällt auf ein Parlament, dessen Präsident in seiner Mappe stets einige Formulare folgenden Inhalts liegen hat: Das Mitglied des Hauses Herr...... ist gemäß§ 64 der Geschästsordnung des Abgeordnetenhauses für den Rest des heutigen Tages von der Sitzung ausgeschlossen, hat sich jedoch ungeachtet der von mir erlassenen Anffordernng dazu nicht entfernt. Hiermit ersuche ich den tgl. Polizei- l e u t n a n t(Hauptmann)...... den genannten Abgeordneten, der. wenn erforderlich, durch einen von mir bestimmten Beamten des Abgeordnetenhauses bezeichnet werden wird, aus dem Sitzungssaal des Hauses zu entfernen. (Hört! hört I bei den Sozialdemokraten. Heiterkeit rechts.) Solche Formulare liegen stets drei in der Mappe des Präsidenten.(Heitel keit. Abg. H o f f m a n n: Wir sind doch sechs!) Ich bin der Meinung, daß die Fornmlare gar nicht für uns beslimim sind, sondern für jede der großen Parteien des Hauses eins.(Heiterkeit.) Ich freue mich schon auf den Tag, wo schließlich einmal hier ein Polizeilentnant erscheint und vielleicht den letzten Ritter»nd den letzten Heiligen auS diesem herrliche» Hause entfernt.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Der frühere Präsident v. K r ö ch e r hat schon vor einem Jahre weitere Verschärfungen der Geschäftsordnung gegen die Sozialdemokratie in Aussicht gestellt, obgleich von den bestehenden Bestiminungen noch niemals Gebrauch gemacht werden konnte. Deshalb hätte ich gewünscht, daß Abg. v. Branden- stein offen gesagt hätte, was die Mehrheit plant. Sie tvollen durch diese forlgesetzten Anträge die Sozialdemokraten als Störenfriede hier im Hanse erscheinen lassen und die Auf- merksamkeit der großen Masse des Volkes ablenken, von dem was Sie täglich und stündlich am Volke sündigen. Wären die vorjährigen Anträge der Kommission Gesetz geworden, dann wäre die Sozialdemokratie hier im Hause unter ein Ausnahmegesetz gestellt worden, es wäre ihr bei ihrer jetzigen Stärke die Vertretung im Seniorenkonvent genommen worden. Wir haben nns nicht danach gedrängt, mit Ihnen zusammen im Seniorenkonvent zu sitzen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Wir sind dazu aufgefordert worden und haben es für unsere Pflicht gehalten, im Parlament und darum auch im Seniorenkvtivent mitzuarbeiten. Die Rechte aber und das Zentrum haben bekanntlich den Seniorenkonvent gesprengt und den Boykott über die sozialdemokratischen Abgeordneten verhängt. Uns ärgern Sie damit nicht; aber ob Sie dem Hause einen Dienst erwiesen haben, das überlegen Sie sich noch! Die „Kreuz-Zcitung" fragt, warum man einer Partei unter 16 Mitgliedern überhaupt eine Vertretung im Seniorenkonvent und in den Kom- Missionen sogar einräumt. Weiten Kreisen des Volkes wird es sehr wohl verständlich sein, daß wir in Kommissionen sitzen, es ist ihnen aber nicht verständlich, daß die st ä r l st e P a r t e i hier durch so wenig Abgeordnete vertreten ist. Wir haben in der Steuer- und Besoldungskommisston, in der Wahlrechts-, der Zwcckverbands- und jetzt wieder in der Stenerkommission mitgearbeitet, genau so wie Sie. Sind wir nicht mehr in den Kommissionen vertreten, dann müssen wir eben alles im Plenum vortragen, wie jetzt schon beini Etat, weil wir in der Budgetkommission nicht vertreten sind.(Sehr richtig I b. d. Sozialdemokraten.) Wer die Stimmung hier im Hanse kennt, wird bezweifeln, ob auch künftig die Sozialdemo- kraten wenigstens zu jedem Gegenstande einmal werden sprechen können. Man wird vielleicht von ihrem Benehmen abhängig machen, ob man ihnen zu eincni Punkt der Tagesordnung das Wort ge- statten will. Wenn man vielleicht ans die Nichtanerkennung der Reichsparlei des Reichstages als Fraktion hinweisen will, so ent- gegne ich, daß sich meine Freunde diesem Beschluß widersetzt haben, weil wir eine kleine Partei nicht mundtot machen wollen. Im Reichstage wurde übrigens die alte Praxis aufrechterhalten, die Rednerliste wird dadurch nicht beeinflußt, Sie aber wollen neues Unrecht einführen! UebrigenS vertritt die Neichspartei im Reichstage nur eine ganz geringe Anzahl von Wählern, während die Sozialdemokraten hier die Vertretung der stärksten Wählerzahl in ganz Preußen sind. Wir haben mit 600 000 Urwählern 6 Abgeordnete, die Konservativen mit 400 000 bis 600000 160 Abgeordnete! Im Grunde genommen, wollen Sie nicht unS sechs, sondern die große Zahl der sozialdemokratischen Wähler mundtot machen. Darum ist der Antrag sehr gefährlich, nicht für uns, sondern für das Ansehen d e S H a u s e S. Mögen Sie die Geschäftsordnung gestalten wie Sie wollen; wir werden uns durchsetzen und das, was wir hier vorzubringen haben, trotz allen Verschärfungen und Verschlechlernngen vorbringen. Unserem Ansehen nach außen nützen alle diese Anträge ans Aenderung der Geschäftsordnung nur, alles was Sie hier gegen uns unternehmen, schlägt in letzter Linie doch wieder zn unserem Guten �aus.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Aber sehr gefährlich ist es für ein Parlament, zu so kleinlichen Mitteln zu greifen, für ein Parlament. das die Geschästsordnung, die zum Schutze der Minderheiten da ist, mißbraucht, um die Minderheiten zu knebeln.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemolraten.) Abg. Diltrich-Braunsberg(Z.): Wir stimmen dem Antrage V. B r a n d e n st e i n z u. Tie Kommission hat gewiß daS Recht, auch andere Fragen, als in dem Antrag enlhalten sind, zu beraten. Dazu branchl es gar nicht des Antrages Viereck. Abg. Viereck(sk.): Mein Antrag soll nur vermeiden, daß sich die Kommiision plötzlich an einer Grenze ihrer Arbeit sieht. Der Reichstag hat die Reichspartei nicht zu den Kommissionen zugelassen. Im Gegensatz dazu sind wir hier für Zulassung der kleinen Parteien. (Bravo! bei den Freikonservativen.) Ich prolesliere dagegen, daß unserer Geschäftsordnungskommission VergewalligiingSabsicht unterschoben ivird. Ich ziehe nunmehr m e i n e n A n t r a g zurück, nach der Auslegung des Abg. Dittrich. Abg. Dr. Friedberg(natl.): Wir wollen das Arbeitsgebiet der Kommission nicht erweitern. Abg. Dittrich ist im Irrtum, die Kom- Missionen können nicht unbegrenzt arbeilen. Abg. Dr. Pachnicke(Vp.): So ist eSI Wir erwarten von der Loyalität der Kommission, doß sie sich an die im Antrag Branden- stein enlhaltene Begrenzung ihrer Aufgabe halten wird.(Sehr wahr! links.) Abg. Hirsch(Soz.): Nach der Dittrichschen Interpretation sind wir außer stände, auch nur für den Antrag V. Brandenstein zu stimmen. Der Antrag v. BrandensteiL wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Polen der GeschästsordnungS- kommission überwiesen. Ein Antrag Dr. F r i e d b e r g(natl.) wünscht zum Zwecke der Volksnnfklärung über die Jugendpflege die Vorlage einer Denl- schrift hierüber und Mitteilungen über die Verwendung des Jugend- Pflegefonds, namentlich inwieweit konfessionelle Einrichtungen be- dacht worden sind. Mit der Beratung dieses Antrages ist die der Denkschrift über staatliche Jugendpflege im Jahre 1911 verbunden. r w„ Auf Antrag des Abg. Dr. Friedberg(natl.) soll diese An- gelegenheit der B u d g e t k o m m i s s i o n überwiesen werden. Die Parieien stiniinen zu.. � Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Obgleich wir m der Budget- kommission nicht vertreten sind, wollen wir dem Antrag Friedberg nicht widersprechen........ Die Sache wird derBudgetkommlssion überwiesen. Das Snbmissionswesen. Ein Antrag Hammer. Hanna. P. Thiede, II. Xietz. 904/5» Verband der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands.(Orisverwaitung Berlin.) Sonntag, den 3. März, mittags 12 Uhr, in Mörners Festsälen(früher Keller), Koppenstr. Außerordentt. Mitglieder- Uersamminng. Tagesordnung: Bericht über den austerordentlichen Berbandstag in Berlin und die darauf erfolgte Amtsenthebung des ersten Ortsvorsitzende» und die eventuelle Mastregelung der übrigen vier angestellten Beamten. ÜW- nitgliedsbach legitimiert."Ttzan MT* Anfang prüzisc IS'/, I hr.-W 27/5« Zahlreiches Erscheinen erwartet Tie LrtSverwaltung. llnseluker klo. 14/15. Le!jrk8?erVS!tlMg ÜnMefHll. lel.-äiorirtplatr 2Z82. 4747. Mittwoch, den 6. März, abends S'/a Uhr: Ordentl. Qeneral= Versammlung in Kellers Neue Philharmonie, Köpenicker Straste LH»— 07. Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Bericht vom IV. Quartal: a) des Borsitzende«, b) des Kassierers, e) des Arbeitsvermittlers, 6) des Bibliothekars. 3. Neuwahl der Bezirksverwaltung und der Revisionskommission. 4. Anträge. 5. Geschäftliches. Die genhhlten Delegierten sind hicrzn frenndlichst eingeladen. Legitimationskarte sowie Mitgliedsbuch sind mitzubringen und zwecks Kontrolle am Eingang zur Versammlung vorzuzeigen. > Ohne Karte und Luch kein Zutritt!= Wer über acht Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstände ist, hat ebenfalls keinen Zuttitt. Die Brzirksverwaltung. I. N.- R. Werner. öenkelier Bauarbeiter-Verband. Sektion der Putzer. -tlchtm,g! Putzer Tonntag, den 3. März 1912, vormittags 10'', Uhr: Achtung? Mitglieder-Versammlung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 38/39. Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion aus der Versammlung vom 4. Februar. Ausstellung und Diskussion über die Kandidaten zum Sektionsvorstand für das Jahr 191:413. 3 BSabl eines Wahl- komitees und Verschiedenes.- 137/S' Die Bersammlung wird pünktlich eröffnet, weil um 1 Uhr der Saal wieder geräumt werden muß; wir ersuchen deshalb die Äollegen recht zahlreich und pünktlich zu erscheine«. Ilio Urtl. Verwaltung. Gemlnsime Mskraulttn- balTf für Königs-Wuster- hlluseu und Umgegend. Montag, den Ii. März 1914, abends 8 Uhr, im Pfuhlscheu Hotel am Bahnhof zu KönigS-Wusterhausen: Vnverordentiieiie Geueralversammlung. Tagesordnung: 1. Vorlegung der neuen Aerzte- Verträge, 2. Festsetzung eines Termins zu den Ergänzungswahlen, 3. Verschiedenes, 271/9 Hierzu sind nur die gewählten Vertreter der Arbeitgeber und Ar- beitnehmer eingeladen. Her Vorstund. H. Srießing, Vorsitzender. Nttbaili» der soMldemgkrstjshk« Pchlomink Devlins und- Umgegend. Dienstag, den 3. März, abends 8% Uhr: General'Verfammlung der lechs Berliner ireiie in folgenden Lokalen: 1. Kreis: Dräsels Festsäle, Neiie Friedrich- straße 35. 2.„ Hofjäger-Palast, hllsenheide �?/53. 3.„ Gewerkschaftshaus, Eiigeliifer l5. 4. Kreis: Borgmann, Andrensstr. 2l. 5.„ Sophien-Säle, Sophienßr. 17/18. 6.„ Moabiter Gefellschastshans, Mirlefstr. 24. In allen Versammlungen steht auf der Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Kassenbericht. 2. Die Verbands-Generalversammlung (Bestätigung der Delegierten, Anträge zu derselben). Zlufterdcin: im 1. Kreis: Neuwahl des 1. und 2. Vorsitzenden, des 1. Kassierers und der 3 Revisoren; Verschiedenes; „ 2. Kreis; Kreissachen; 3. Kreis: Bericht der Schiedskommission; Vcrcinsangelegenheiten; Vortrag des Genossen Redakteur , E. D ä n m i g über„Reichstag und Volk". „ 4. Kreis: Bericht der Bcschwerdckommission; Vereinsangelegenheiten; „ 3. Kreis: Verschiedenes; „ 6. Kreis: Erledigung gestellter Anträge; Vortrag des Genossen Georg Ledebour über:„Die Sozialdemokratie und ihre Gegner". 204/& Zahlreichen Besuch der Mitglieder erwarten Die Kreisvorstände. M. \l Filiale Berlin I & 14, ScBrtfiinnftv. 37/38, Hos rechts II. Telephon: Amt Moritzplatz S737. Herrenmaßsehneider! Sonnt ag, den 4. März 1911, vormittags 19 Uhr: MütgliesieB«- IfersasnmSung in der Brancrei Friedrichshain, Am Friedrichshain. Der Ztand unscrer Ktilitgniig. � Mitgliedsbuch ist niitzupringe», ohne dasselbe oder mit mehr als « restierendcu Wochenbeiträgen kein Zutritt! JlsrrenmsjZskknsiÄer Lebonedergs unS ües �esten8Z Montag, de» 4. März, abends 8'/s Uhr, in O e f f s K l n b h a u s» Hanptstr. 3: VeKentlielie VersammlunK. Tagesordnung: I. Bericht über die Hcrrcnmastschiieidcrbewcgnng. 2. Unsere weiteren Mastnahincn. 3. Verschiedenes. 94F' ES wird ersucht, für guten Besuch zu agitieren. Handzettel zu dieser Verlammlung sind Ltcinnictzstr. 36a(Zahlstelle) zu haben. Tic Koinmission. Xonkektionssrdeiter u.-ArbLikSrwnen stter Zrsnetten! Montag, den 4. März 1V1Ä, abends 8'/z Uhr: Oeffentliche Versammlungen in solgcndcn Lokalen: PharuSsäle», Miillerstr. 143,' Köuigsbank, Große Frankfurter Straße 117, Groterja», Schönhauser Allee. Hohenstaufcnsälc, Kottbuser Damm 76. Tagesordnung: I.„Die Stellung der Fra» in, Klassenkampfe." 2. Ter gegenwärtige Stand der Tarifbcwcgung in der Damenkonfektion. Rcserentcn: Die RcichStagSabzeordnctcn.Aldi-ccdt, Dclch- Diann, Dr. Erdmann und Fcldninnn. yeg™ Kollegen und Kolleginnen I In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist ein Massenbesuch notwendig. Niemand dars schien! 162/18 Die Kommissto». leiilsglvksbsiil! der Schmiede Zahl.stcllc Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis: Linienstr. 73, Telephon: Amt Norden 9714. Montag, den 4. März 1912, abends S'/s Uhr: Austerordeutliche General-Versammlung im Lokale von Boeker, SLeberstr. 17. Tagesordnung: t. Beratung und Beschlustfassnng über die Aiiträge zum Ber- bandStag. 2. zinfftellnilg der Kaiididatcu zum Bcrbandötag. 3. Sonstige Anträge und Verschiedenes. ■W Es ist Psticht aller Mitglieder, zu dieser Versammlung zu erscheinen 176/3 — Mitgliedsbuch legitimiert! Ohne Mi'�cdZ��n— Im Holl Vcrrvaitung Berlin. Montag, den 4. März 1913, abends S1/, Uhr, im GcwerlschaftShaufe» Engelufer 14/lö(Saal 4): Kombinierte Versammlung der Koutrolllioinmisfioiikv mit der Grtsvermliltuug. Mittwoch, den<>. März ISIS: Vertraueusmänuer-Versammlungen der Bezirke und Branchen. Freitag, den SS. März ISIS. abcndS 8'/, Uhr, im GewerkschaftS- Hanse, Engelufer 14/15: iV General-Versammlung. Anträge müssen bis 8. März an das Bureau eingereicht fein. 79/20 Verband der Sattler und Portefeuiller. Ortsvcrwaltnnc Berlin. Die nächsten Branchen-Versammlungen sindcn an nachjolgcndcn Tagen statt: Gtsltlirr-Arailltst: Donnerstag, den 7. März, abends 8'/, Uhr, im GewcrkschafiShausc, Engeluser 15. TrtitinniltlltiliUlltjt: Sonnabend, den 9. März, abends 8'/, Uhr, im Rofenthaler Bereinshans» Ziosenlhalerstrasze 57. slorlchuillrs-«nd Neil-ntikrldrmlche: bei Granina»», Naumziistrasje 27. Mititlir-lllllllltlk: Millwoch. den e. März, abends s Uhr. im /z Uhr: Mitttlieder-Versnininlnng bei Boeker, Wcbcrstr. 17. Fortsetzung der Tagesordnung vom 28. Januar: 1. Beratung der Anträge zum diesjährigen VcrbandStag. 2. Bericht und Neuwahl der Bcschwerdckommission. 3. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheine» erwartet 169/4 Die Ortsvcrwaltung. Unr Koachfnnn f Sounabeiid. den S. März, bei Baeher, LUi yillUjimilsi Wcbcrstrave 17: Schäftearbeiter-Beriammlnug. Die reellsten nnd billigsten Möbel nnd Polstcrwarcn eihiilt rnan zu Kassapreisen in der seit 33 jähren bestehenden Möbelfabrik von A. SChnlas, Reichenberger Straße 6. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehnjähriger Garantie.(5 Proz. Kassaskonto.) Ev. auf Ratenzahlung. Verein für Frauen u.Mädclien der Arbeiterklasse Montag, den 4. März, abends 8'/- Uhr, in KellerS»Neue Philharmonie«. Köpenicker Str. SK/S7. Die Mitarbeit der Frau in der Stadtverivaltung. Reserentin: Klara Weyl. Gäste willkommen. 53/3 Der ZentralverhandderHausanoesteiiten Ortsgruppe Berlin. Sonntag, deu 3. März, abends 7 Uhr, in den Coroua-Festsälen. Kommandanienstr. 72: 48/3 r. Dienstbotenvcrsammlisng. fda aVaarr: llik Schlaf- u. Wohnräume der Hausangesteilten. Freie Aussprache. Nachdem: Gemütliches Beisammensein Arbeitsnaebweis: Hol I. zrdcn, Amt Norden, Nr. 1239. Vemllling�lelle OM CharitSstraste 3. tiauplbueeau: Hos III. Amt Norden, Nr. 1987 2Ä! Jffetalldrfieker! aäÜüü! Dienstag, den 3. März 191S, abends 9 Uhr: Verssmnilunx aller auf eilen beichäktigt. MelsIIOriiclier im Gcwerkfchaftshanse, Engelufer 15, Saal 5. Tagesordnung:' Werkzeugsrage und Braiichenangelegeilhetten. Kollegen I Zu dieser Versammlung sind die Kollegen der Emaillier« werke und die Kollegen der Kundenbctricbe ganz besonders dazu eingeladen. 113/8_»ie Ortavcrwaltun g. Orts- Krankeukasse der ru lleriin. I. Montag, den 4. März ISIS, abends 8 Uhr: im Rose» thaler Hof, Rosenthaler Str. U/IS: Allgemeine Mitgtirdtr-Drrsammtiing. Tagesordnung: 1. Bortrag deS Reichstags- abgeordnete» Herrn Gustav Bauer über: Tie Reichsversicherungs- ordnuug unter besonderer Berück- sichtigung der Krankenversiche- rung. 2. Diskussion. 3. Ausstellung der Vertreter zu den Generalversammlungen IStS/lSl». 4. Verschiedenes. II. Die Wahlen von 156 Vertreten: der versichernngSp stichtigen und 10 Ver, treten! der srciwilligcn Mitglieder sür die Gencralverfammluiigen pro 1912 bis 1913 gemäg§ 44 deS Statuts finden statt am Sonntag, 17. März 191S, von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags. Es wählen: Abteilung I. Die aus Grund des tz 2 des Statuts der Kasse an- gehörenden Mitglieder(Versichermigs- pslichtige) in den nachstehend aus- gesührten süns Wahllokalen: 1. Ott« Bcthkc, Lüyowstr. 7. 2. Fritx W'tth lisch, Skiliherstr. 23. 3. Aue. Oerhardt(vormals W. Bitte), Andreasstr. S. 4. Heriiiann Kabclitz, Feimstr. 21. 5. Frau-/, Sehnidt, Pntviiser Str. L5. Die Mitglieder sind berechtigt, sich eins der vorgenannten fünf Lokale auszuwähleu, in welchem sie ihr Wahlrecht ausüben wolle». Abteilung II. Freiwillige Mit. glieder. Die Mitglieder wählen im Lokale von Fmll Schüler, Lottnmstr. 15, Ecke CHoriner Strasse. Die Wahlen sind geheim. Abgabe der Stimmzettel von 16 bis 1 Uhr. Die Stimmzettel dürfen nicht mehr Namen entbalten, als in einzelnen Abteilungen Vertreter zu wählen sind. Ferner müssen die Stimmzettel ent- halten: Vor» und Zuname, die genaue Wohnung und die Buchnummer der zu Wählenden. Slimmzellel, welche obige Angaben nicht oder mehr Name» enthalten, als in der betreffenden Abteilung zu wählen sind, sind niigültig. Um 1 Uhr nachmittags wird der Wahlakt geschlossen. Wahlberechtigt und wählbar sind nur Mitglieder, welche das 21. Lebens- jähr erreicht haben und sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. DaS Legitinlationsbuch oder die LegittmattanSkarte ist am Eingänge 2. des Wahllokals und bei Abgabe der Stimmzettel vorzuzeigen. Die Herren Arbeitgeber bezw. BetriebSunter- nehmer werden dringend ersucht, die zum Zwecke der Wahlen besonders angefertigten LegitimationSkarten zu- vor im Kassenlolal abheben oder aber den ültitgliedern ihre Legiti- mattonsbücher— mit dem Tages- stempel des Wahltages versehen— an diesem Tage anshäiidigen zu lassen. Um recht zahlreiches und pünlt« liches Erscheinen wird gebeten. III, Die ordentliche General- verfaminlung der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer findet am Montag, den 18. März, abends 8'/, Uhr, in den'Musiker- säten, Kaiser-Wilhelm-Ttr. 18m, statt, Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes über das abgelnusene Geschäftsjahr. Bericht der Revisoren zur Prü- sung der Jahresrechitiliig und Erteilung der Decharge. 3, Veischiedenes. Nach Schlich dieser General- versaniinlling sindet in demselben Lokal eine Generalversaiiimliiiig der Vertreter der arbeitiiehmeiide» Mitglieder behuss Vornahme der Wahlen von zwei VorstandsmitgUe« der» statt. IV. Die ordentliche General- Versammlung der Vertreter der Arbeitgeber findet am TonuerS- tag, den 14. März, abends 8 Uhr, im Berliner Ratskeller statt. Tagesordnung: Wahl von einem VorstandSmitgliede für die Zeit vom 1. April 1912 blS zum 31. März 1915. Nach Schlich dieser General- Versammlung sindet in demselben Lokal um 9 Uhr die Wahl- versainiiiliiiig der Arbeitgeber zur Wahl der Vertrete» zu den General- Versammlungen vom 1. April 1912 bis zum 31. März 1913 statt. Zu wählen sind 76 Vertreter,§ 44 des Statuts. Die Wahlen sind geheim und stnden mittels Stimmzettel slatr. Anfragen und Beschwerden, zu welchen die Ehisicht in die.Kassenbücher„otivendig ist, müssen bis zum Sonntag, den 10. März, müiidlich oder schriftlich behuss Beaulwortiing derselben in der Gelieralversammlung dein Vorstande mitgeteilt werden. Zahlreiches und pünktliches Er- scheinen der Herren Vertreter ist sehr erwünscht. HW�DaS Mandat legitimiert. V. Bekanntinnchnng. Die neuiileAbänderiilig zum Statut der OrlSlrankenkasse der Maschinen- bau-Arbeiter und verwandten Gewerbe zu Berti», betressend die AendSung deS§ 20 Absatz 2 ist durch Bejchlug deS BezirlSirusichusseS zu Berlin, gez. Wagner, am 13. Februar sa genehmigt worden, wie die ordentliche General» Versammlung am 27. November 1911 beschlossen bat, und tritt diele Aende- rung am Montag, den 4. März 1912, in Kraft. 850b Die aus Grund deS§ 2 deS StatulS der Kasse angebörciideii Mitglieder er- halten die Abäudernng von ihren Arbeitgebern, die aus Gruna des§ 5 bezw. 9, Absatz I, de? StalutZ der Kasse angehörenden Mitglieder im Kassenlokal. Berlin, den 2. März 19t2, Her Vorstand. Fr. Schuld:. V/. Zahl. rssssi Streichriemen- Präparator „Sicher wie Gold" ges, gesch. Nr. 152 577 und 497 419, sicherstes Mittel um Rasiermessern und Nasierapparate-KIingen eine Hochseine Schneide zu verleihen. ♦ Preis per Stück Mk. 1,23 Nachnahme zuzüglich Postgebühr. Max Barthel, Chemnitz, Promenadenstr. 38. 201/8 HERMANN TIETZ LEIPZIGER STRASSE Dies« Woche ALEXANDERPLATZ soweit Vorrat FRANKFURTER ALLEE Moderne Kleider� und Seidenstoffe für das Frühjahr Voile, die grosse Wode sie?, sandiges Gewebe, ca. 110 cm breit, grosses...*05 VOlle Farbensortiment...................... Meter I Voile mit schwarz-weissen Bandstreifen, ca. 110 cm breit, Meter Marquisette Meter Toile de laine Meter KostÜmstoffe in engl. Gescbmaclr, ca. 130 cm breit Meter 225 Kostlimstoffe m Homespun-Geschmack, ca 130 cm breit Meter Kostümstoffe mit andersfarb. Rückseite, ca. 130 cm breit Meter Kostümstoffe Meter 240 010 •J95 2 OS 2 SO 010 �SS 2*0 2�0 350 2 so 390 340 425 475 775 Messaline glace aparte Farben...... 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Ich sehe jetzt, daß ich noch ausführlicher hätte werden müssen, wollte ich mich dagegen sichern, missverstanden zu werden. Aber hoffentlich bedarf es nicht zu vieler Worte, um uns zu verständigen. Der Gegensatz zwischen dem Genossen Lehmann und mir be- ruht vor allem darauf, daß ich stets die ganze Schicht des söge- nannten neuen Mittelstandes im Auge habe, er nur einen Teil davon, die Privatangestellten. Da kommt man leicht zu verschie- denen Resultaten. Er hält mir entgegen: „Die klassenbewußten Privatangc st eilten fühlen sich durchaus nicht als ein neuer Mittelstand." Am Schluß seines Artikels aber sagt er, daß erst SS OOS Angestellte aus dem Boden des proletarischen Klassenkampfes stehen, sich als Proletarier fühlen. Soll ich, wenn ich eine Schicht unter- suchen will, die mehrere Millionen umfaßt, sie nach einer winzigen Minorität beurteilen? Lehmann selbst gibt zu: „In ihrer Ideologie allerdings bewegt sich die Mehrzahl der Angestellten als zukünftige Bourgeois." Will man die Angestellten verstehen und auf sie einwirken. so muß man vor allem herausfinden, warum sie sich als künftige Bourgeois fühlen. Das zu hin, habe ich versucht. Genosse Leh- mann nimmt daran Anstoß. Er scheint in der Erklärung der Tatsache eine Rechtfertigung zu sehen und zu fürchten, daß dadurch die Agitation unter den Angestellten gehindert werde. Aber das wäre nur dann der Fall, wenn ich erklärte, sie hätten recht, sich als künftige Bourgeois zu fühlcm Ich führe indes aus- drücklich aus, daß die ökonomischen Verhältnisse, aus denen dies Gefühl entsproß, aufgehört haben, daß die Masse der Angestellten immer mehr zu Proletariern wird, die bloß ihre wirkliche Lage zu erkennen brauchen, um Sozialdemokraten zu werden. Ich sprach ferner in meinem Artikel nicht von Angestellten allein. Hätte ich das getan, so brauchte ich für deren Bezeichnung kein anderes Wort zu wählen. Ich sprach vom„neuen Mittel- stand". Auch darin scheint Genosse Lehmann eine Erschwerung der Agitation unter den Angestellten zu sehen, und er wendet sich dagegen: „Das Wort wird häufig gebraucht zur gemeinsamen Be- Zeichnung von Volksschichten, deren ökonomische und soziale Interessen sich durchaus widersprechen. Man tut deshalb besser, diesen, die Lage der Angestellten keineswegs zutreffend bczeich- «enden Begriff nicht anzuwenden." Wie aber, wenn ich von den Angestellten allein nicht sprechen wollte? Daren nimmt Lehmann freilich auch Anstoß: „Die sogenannten Intellektuellen, die Acrzte, Rechtsanwälte usw., die Kautsky sicher rubriziert, waren ja auch schon vor dieser Entwicklung vorhanden und können keinesfalls dem neuen Mittelstand zugezählt werden." > Diese Birufe waren sickier schon vorhanden, aber hat es nicht vor einem halben Jahrhundert und selbst vor einem ganzen Jahrhundert schon Techniker und Buchhalter gegeben? Rur wenige der Beruf: der Angestellten sind neu. Was neu ist, das ist die Masscnhaftigkeit ihres Auftretens. Das gilt aber für die Mehrzahl der freien Berufe ebenso wie für die Ange- stellten. Daß alle die mannigfachen Schichten deS„neuen Mittel- standeS" sehr verschiedene Interessen haben, durch kein gemeinsames Klasscnintcrcsse zusammengehalten werden, das habe ich selbst in meinem Artikel hervorgehoben. Noch schärfer tat ich es allerdings schon früher in meiner Schrift gegen Bernstein, wo ich sagte: „Die anwachsende Intelligenz ist eine Klasse, die für das kämpfende Proletariat wichtige und interessante Probleme in sich birgt. Sie ganz für das Proletariat in Anspruch zu nehmen, wäre übertrieben, aber noch irriger wäre es. sie einfach den „Besitzenden" zuzurechnen. Wir finden in dieser Schicht in engem Rahmen alle die sozialen Gagensätze vereinigt, die die gesamte kapitalistische Gesellschaft kennzeichnen, wir finden aber auch in diesem Mikrokosmos ebenso wie im gesellschastlichen Gesamtkörper das proletarische Element im Fortschreiten." (Bernstein und das sozialdemokratische Programm, l8vg, S. l3S. Vgl. auch meine Artikelserie über„Tie Intelligenz und die So- zialdemokratie", Neue Zeit, XIII, 2, Heft 1—3.) Das politische Problem dieser ganzen so Widerspruchs- vollen Schicht habe ich untersucht, darunter auch das der proletarisierten Angestellten— aber nicht das allein. Dies politische Problem in wenigen Worten zusammen- zufassen, ist nicht leicht. Ich wies denn auch aus- drücklich darauf hin, daß meine Ausführungen mit„einem Körn- chen Salz" aufzufassen seien. Genosse Lehmann hat sie statt dessen vergröbert. So erklärt er z. B.: „Es führt zu irrigen Auffassungen, wenn Kautskh die zwei Millionen?lngestcllten sämtlich als eine Abspaltung aus den oberen Klassen charatterisiert." Es dürfte ihm schwer werden eine Stelle anzoführen, in der ich daS tue. Er zitiert wohl meinen Satz, die Mitglieder des neuen Mittelstandes„sind nach ibrer Vergangenheit und noch mehr nach der Zukunft, die sie erwarten, Bourgeois", aber er übersieht, daß ich geschrieben hatte:„sind vielfach nach ihrer Vergangenheit usw. Bourgeois." Streiten kann man natürlich darüber, ob die Bezeichnung „neuer Mittelstand" für die von mir untersuchte Schicht die glück- lichste ist. Ich habe jene Bezeichnung nicht geschaffen, sondern vor- gefunden. Ich würde eine andere vorziehen, wenn es eine andere gäbe, die die Gesamtheit der so widerspruchsvollen Elemente besser kennzeichnete. Aber die Worte Kopfarbeiter oder Intellektuelle erscheinen mir auch nicht glücklicher, um die Gesamtheit dieser Schicht zu bezeichnen und vom bisherigen Lohnproletariat abzu- grenzen. Genosse Lehmann sieht freilich eben in diesem Streben nach Abgrenzung meinen Fehler, aber er kann nicht die Datsache aus der Welt schaffen, daß wir es hier mit einer besonderen, eigen- artigen Erscheinung zu tun haben, die wir abgrenzen müssen, wenn wir sie untersuchen und erkennen wollen. Und auch die Tatsache kann er nicht beseitigen, daß diese Erscheinung in ihren Ursprüngen von bürgerlichem Geist beseelt ist und erst im Laufe ihrer Eni- Wickelung immer mehr ihrer Teile an das Proletariat abgibt. Der bürgerliche Geist des neuen Mittelstandes führt diesen nun meiner Ansicht nach zunächst zum Liberalismus.?luch dagegen opponiert Genosse Lehmann. Aber seine Zahlen widerlegen mich nicht. Er beruft sich auf die(500 000 Mitglieder der Angestcllten- organisationen und meint dabei, deren Bestehen spreche gegen meine Auffassung, daß die Angestellten Massenaktionen meist ver- ständnisloS, ja mit Abneigung gegenüberstehen. Ich habe bei meinem Hinweis auf die Abneigung gegen Massenaktionen nicht von Angestellten, sondern von Intellektuellen gesprochen, aber leider gilt das von mir Gesagte auch noch für die Mehrheit der.Ange- stellten. Sagt doch Genosse Lehmann selbst: „Das mangelhaft entwickelte Solidaritätsgefühl der Ange» stellten bat bisher das Entstehen großer GewerkschaftSorganisa- honen der Angestellten verhindert." Wo sollen da Massenaktionen herkommen!? Von den Ange- stelltcnorganisationen sagt er selbst, daß die sozialdemokratischcii unter ihnen noch verschwindend klein sind. Ihre große Mehrheit steht nach seinen eigenen Bekundungen im Lager der National- liberalen, der Fortschrittlcr und der Demokratischen Vereinigung. Daneben gibt eS noch eine Organisation von. Handlungsgehilfen mit 100 000 Mitgliedern, die ausgesprochen antisemitisch ist. Vom Antisemitismus hatte ich in meinen Ausführungen sticht gesprochen, um sie nicht noch llänger zu gestalten. Was die anti» semitischen Angestellten v-m Liberalismus scheidet, ist nicht dessen Politik, sondern der Haß gegen die jüdische Konkurrenz. Der Anti. semitismuS ist aber bei den letzten Wahlen so erheblich zurück- gegangen, daß man wohl annehmen darf, es habe sich von den bisher antisemitischen Angestellten ein großer Teil gewandelt— zum Liberalismus oder zur Sozialdemokratie. Gerade aus dem letzten Wahlkampf habe ich den Eindruck ge- Wonnen, daß der Liberalismus mehr als je von dem Bedürfnis beherrscht ist, die Angestellten zu gewinnen, daß er mehr als ze von ihren Stimmen abhängig ist und daher in seiner Politik von ihnen beherrscht wird. Ich sehe in den Ausführungen des Genossen Lehmann nichts, das geeignet wäre, diese meine Auffassung zu erschüttern. Trotzdem heiße ich die Lehmannsche Kritik willkommen, denn sie gibt mir Veranlassung, einen wichtigen Punkt klarzustellen. Lehmann erklärt: „Nichts wäre verkehrter, als die EntWickelung des Liberalis- mus, seinen endgültigen Bankerott und die weitere Rndikali- sierung der Angestellten abzuwarten."_ Es scheint, daß er aus meinem Artikel die Ansicht herauslas, wir sollten mit der Propaganda unter den Angestellten warten, bis der Liberalismus völlig abgewirtschaftet hat und sie bis dahin als seine Domäne betrachten. Das wäre aber daS gerade Gegen- teil dessen, was ich erreichen wollte. Ich hielt es für selbstversiänd- lich, daß aus der politischen Wichtigkeit der Angestellten und ihrer zunehmenden Proletarisierung die Notwendigkeit f»!gt, die euer- gischste Propaganda unter ihnen zu betreiben. Ich wies doch aus- drücklich darauf hin, daß die Gewinnung der„Masse des neuen Mittelstandes" für uns ebenso wichtig sei, wie die der Zentrums- arbeiter und der Landarbeiter. Freilich, ich betonte nicht ausdrück- lich die Notwendigkeit eifriger Propaganda, aber das ist bei uns doch etwas, was sich von selbst versteht. Da aber Genosse Lehmann und vielleicht noch andere mein Stillschweigen über diesen Punkt falsch ausgelegt haben, sei aus- drücklich konstatiert, daß ich die eifrigste Propaganda unter den Privatangestellten für eine unserer dringendsten Aufgaben halte. Wie weit der neue Mittelstand den Liberalismus radikalisiert, das bleibt abzuwarten. Die jüngste Phase des Liberalismus er- scheint mir wichtig als Problem, das zu untersuchen ist, aber ge- rade wegen ihrer problematischen Natur nicht als feste Grundlage einer gesicherten Politik. So weit es aber möglich ist, den Liberalismus durch die Angestellten zu radikalisiercn, geschieht das am wirksamsten durch eine energische sozialistische Pro- paganda unter ihnen. Dadurch wird die„Begehrlichkeit" aller Angestellten vermehrt, auch die der liberalen unter ihnen. Da- durch wird aber auch die Notwendigkeit für die liberalen Politiker vermehrt, den wachsenden Ansprüchen der Angestellten durch poli- tische und soziale Reformen ilicchnung zu tragen Wollten wir die Angestellten ohne Kampf den Liberalen überlassen, dann würde der Reformeifer der letzteren gewaltig abgekühlt werden. Wenn die Fortschrittlcr jetzt etwas stcifnackiger auftreten, so dürfte das nicht zum mindesten dem Versuch der Demokratischen Vereinigung zuzuschreiben sein, ihnen erhebliche Zahlen von An- gestellten abzunehmen. Sie mußten mit ihr in Konkurrenz treten. Diese. Konkurrenz kann unsere große, siegreiche Partei itt ganz anderem Matze fortsetzen, als es der lebensunfähige Embryo der Dcmokratisdhen Vereinigung vermochte. Darin bin ich also mit dem Genossen Lehmann völlig einig: eifrigste Propaganda unter den Privatangcstclltcn ist eine unserer wichtigsten Aufgaben geworden. Ob diese Propaganda zunächst dahin führt, den Liberalismus zu radikalisieren, oder gleich dahin, daß die Angestellten in Massen von ihm abfallen und zu uns kommen, das hängt vor allein vom Liberalismus selbst ab. Auf die Dauer wird er auf keinen Fall die Angestellten an sich fesseln können, die Gewinnung ihrer proletarischen Elemente für uns muß früher oder später das Resultat unserer Agitation in ihren Reihen sein. Um aber das proletarische Klassenbewußtsein unter ihnen zu wecken, müssen wir die Gründe ihres bisherigen bürgerlichen Denkens bloßlegen und begreifen. Hat mein Artikel dazu bei- getragen, dann hat er seinen Zweck erfüllt. K. KautSkY. i M* stj II$| �$ Aß H Wx MK WagerstaudS-Nachrtchten der Landeianstalt für Gewässerlunde, milgctcllt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnstcrburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor » Brossen . Frantiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmerltz , Dresden , Berby , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— stall.—*) Unterpegeb—••) EiSstand. — 4) Eisgang.—») EiSjrel.—•) Schwacher Eisgang. Der Eisgang in der preußischen. Weichsel nimmt welter einen guten Verlaus. Der Wasserstand ist heute vormittag bei Thor» schon auf sOO orn gesallen: bei Kurzebrack und Dirschau ist die Weichsel etwa aus den mitlleren Hochwasserstand gestlegen. Auch die Nogat hat bei Marirnburg annähernd Mittelhochwasser erreicht. I�odr sind die Wunden nicht geheilt, welche die sogenannte„Finanzrefonn" dem gesamten Wirtschaftsleben gescldagen hat, und schon wieder macht sich ein bitterer Feind bemerkbar,„Die allgemeine Teuerung". In solch' harten Zeiten wird es gewiß von jedermann als eine Wohltat empfunden worden, wenn ihm Gelegenheit geboten wird, erhebliche Ersparnisse zu machen. Die Herren-Kleider- Vertriebs-Oesellschaft, kurz H. K. G. genannt, bietet diese Gelegenheit. Die H. K. G. betreibt den Einzel-Verkauf von fertigen Herren-, Jünglings-, Knaben-, Sport- und Berufskleidern jeder Art zum Selbstkostenpreis-f- to% Provision Beispiel: Ein HerrenrAnzug, der 30 M. selbst kostet, wird mit 33 M., ein Knaben=Anzug, der 8 M. selbst kostet, mit 8,80 M. verkauft! Um Irrtümer zu vermeiden, erklärt die H. K. G. ausdrücklich, daß sie ohne jeden Zwischenhandel, also nur direkt einkauft, und alle Kassen- Sconti, Umsatzprämien und dergleichen zugunsten der Käufer vom Selbstkostenpreis in Abzug gebracht hat. Der Selbstkostenpreis besteht also nur aus den baren Alislajfen für Ware und Unkosten. Die Umsatzprovision von 100/o ist demnach der einzige Nutzen der Gesellschaft; irgend einen anderen Nutzen hat die Gesellschaft nicht Durch dieses Verk'aufssystem ist die H. K. G. nicht nur die billigste Bezugsquelle für Herren- und Knaben-Konfektion, sie ist auch in Bezug auf Reellität unübertroffen, weil jede willkürliche Preisforderung oder jeder willkürliche Gewinn-Aufschlag ausgeschaltet wird, und vonseiten der Gesellschaft jedes Interesse an minderwertiger"V�are fehitT" Um dieses Verkaufssystem durchzuführen und große Ersparnisse für das kaufende Publikum zu erzielen, mußte die H. K- Q. von vornherein darauf verzichten, ihr Heim in teuren Läden oder großen Geschäftapalästen aufzuschlagen, die Unsummen von Mieten oder Zinsen verschlungen hätten. Die Verkaufsräume der H. K. Q. befinden sich in der ca. 1000 qm großen I. Etage des kürzlich neu erbauten Eckhauses Neue Schönhauser Straße 1, Ecke Weinmeisterstraße und Mflnzstraße. Die Verkaufsräume sind modern ausgestattet, auch stehen dem Publikum zwei Fahrstühle zur Verfügung. Die H. K. G. führt alle Artikel für Herren-, Knaben-, Sport- und Berufs-Klcidung. Die Läger sind in allen Preislagen, Größen und Weiten reichhaltig sortiert; der Selbstkostenpreis ist auf jedem Etikett vorgedruckt. Besichtigung unserer Verkaufsräume und Waren jederzeit zwanglos gestattet. Herren-Kleider-Vertriebs-Gesellschaft m. b. H. Neue Schönhauser Straße I: s Ecke Münz» und Weinmeisterstraße Oeatsclilands größte» Etagen- Geschäft dieser Art.„H. K. G." gesetzlich geschützt. Thealer und Vergnügungen �Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne: Sonntag, 3. März, nachmittags 3 Uhr. Neues Schauspielhaus. 12. Abteilung (Gruppe 51— 51): Ueber unsere Krast, II. Teil. Thaliatheater. u./3. Abt.(Gruppe �— 10): Die Thurnbacherin. Herrnscld-Theater. 8./9. Abt.(Gruppe 37—39): Simson und Delila. Montag, 4., und Freitag, 8. März, abends 8 Uhr: Neues Schauspielhaus. 14.(I.) und 15.(II.) Abendabt.: Ueber unsere Krast, II. Teil. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, 3. März 1912, nachmittags 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Judith. KammcrspielhauS: Lanzelot. Nachmittags 3 Uhr: Neues Volks-Theater: Nathan der Weise. Schillcr-Theater O.: Der Probe- tandidat. Schillcr-Theater Charlottenbg. Don Carlos. Theater in der Königgrätzer Straße: Ein Fallissement. Kleines Theater. Angele.— Erster Klasse. Trianon-Thcater: Francillon. Metropol-Thealer: Die kleinen Lämmer.— Dorothea. Neues Operetten- Theater: Der Graf von Luxemburg. Hochschule in Charlottenburg: In Behandlung. Abends 8 Uhr: Neues Volks- Theater. Der zcr> brochcne Krug. Fritzchen. Abends 8'/, Uhr: Neues Volks-Theater. Montag, Mitt- woch, Freitag: Nathan der Weise. Dienstag u. Sonnabend: Der zer- brocheue Krug. Fritzchcn. Donners- tag: Geographie und Liebe. Hochschule iir Charloltenburg: Sonn- abend: Geographie und Liebe. Lfnsms. Wissenschaftliches Theater. 8 Uhr: Der Großglockner, Gastein und die Salzburger Alpen. Montag 8 Uhr: Der Großglockner, Gastein und die Sahburger Alpen. Hörsaal Ingenieur Kellner 8Uhr: Eisen- und Metallgießerei. Schiller-Thealer O.IS: Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Probckandldat. Sonntag, abends 8 Uhr: Ordfin I.ea. Montag, abends 8 Uhr: Grdfln L-ea. Dienstag, abends 8 Uhr: _ Emllia Cialottl._ Sehiller-Thealer"VürT" Sonntag, nachm. 3 Uhr: Don Carlos. Sonntag, abends 8 Uhr: Kyrita-PyrltJ!. Montag, abends 8 Uhr: Kyrlti-Pyrltz. Dienstag, abends 8 Uhr: Der KiloiiirtcrfreHser. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. Abends 8 Uhr: Hie 5 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. Sonnt. 3>/, Uhr: vor tidelo Sauer. Idealer äes Westens. Abends 8 Uhr: Wiener Blut. Sonntag 3'/, Uhr: llin Walzertraum. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Alles für die �irma. Schwank in 3 Akten von M.Hennequin und G. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Boltcn-Bacckcrs. Morgen u. folg. Tage: AIIesk.il. Firma. Sonnt., 3. 3.,3U.: Kümm.DIch um Amalie Luisen-Theater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Abends 8 Uhr: Gastspiel Frl. Thornegg: Eine leichte Person. Montag: Aus Mangel an Be> weisen. o8c-in� Große Frankfurter Str. 132. Nachmittags 3 Uhr: Heimat. Abends 8 Uhr: Napoleon Vonaparte und seine Frauen. Montag: Napoleon Bonaparte und seine Frauen. Kelle-Alliance-Thealer. 3'/. Uhr: Der Glöckner v. Notre- Dame.' 8 Uhr: Die Dollar- Prinzessin. Montag: Rigolctto. Dienstag, 5. März, Premlere: Die Meiuetdgräfin. Heute zwei große Vorstellungen, nachmittags 3'/, Uhr(halbe Preise) und abends ab 8 Uhr. In beiden Vorstellungen Die neuen xroüen Attraktionen. Lebend! Lebend! Hede das | Ein atavistisches Wunder, j Das Mädchen mit dem JTlähnenkopf. Halb Mensch— halb Animal. Das blaue Weib, ein Opfer wilder Barbaren. Die Frau in der Kanne, Befreiung a. d. Wassergrab.j Ohne Extra-Entree! I Heute 2 Vorstellungen, nach- I mittags 3— 7 Uhr(kl. Pr.), abends 8— 11 Uhr. ßlelia die schönste und gefeiertste russische TanzkUnstlerin. Schneider-Duncker DanclI-Truppe etc. und 18 Varietd- Sensationen. Dienstag zum erstenmal: iDasGelsterfenster.s •<■ Metropol-Tlieater. Nachmittags 3 Uhr: „Dorothea".„Die kleinen Lämmer". Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Sul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. N. Schultz. Keichshsllen-Thesler. Stettiner Sänger. Pantoffel-htldtn. Urkomische Burleske Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Das kleine Caf6. LS« Ein neuer Sensationserfolg = Nie man= lUänner bessert, 2 Akte von Anton u. Donat Herrnfeld mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: Sek Ihgllzteulel. Zlnsang 8 Uhr. Billettvorverkauf 11—2(Theaterkasse) am Ziosenthaler Tor. Allabendlich«>/« Uhr: Größtes soziales Ausstat- ! tungs-VolkSstück mit Ballett und Gesang in 5 Akten von � Max Reichardt. In Szene gesetzt v. Dir. James Klein.! 1. Akt: Geheimnisse im ! Prioatkontor. 2. Akt: Die j große Protestversammlung. 3. Akt: Im Ballsaal. Am! ! Rande des Abgrundes. 1 4. Akt: Arbeit nieder. 5. Akt:| Ein Gottesgericht. Sonntag nachm. S'/i Uhr: Die größte Sünde. HM-McHuiti Kurfürstendamm 151 (Nordland-Ausstellung) Nahe Bhf. Charloitenburg. 27. Januar bis 17. März Heute „CLOU" Berliner Konzert» Haus. Zimmerstr. 90/91. Mauerstr. 82 Großes Konzert. Drei Kapellen! !I! Zillerfhaler und Tegernseer Sänger, Plattler und Jodler!!! Anfang 4, Uhr. Anfang-1 Uhr. LunasPark. Ausschank von „Trininpluitor" aus dem Hünchener Bürger- Bräu. „Wintersportfest" Orig.' Oberlandlers Kapelle, Orig.-Dachauer Bauern-Kapelle, Orig.-Tiroler Tänzer und Sänger, Humoristische Szenen, Volkskomiker Volksbelustigungen, sensat. Attraktionen. Hernie; Elitetag. Zirkus Busch. Sonntag:, 3. Milrz: 2 große Gala-VorstelluiiiEn 2 nachm. 3'/, Uhr u. ab. 7'/» Uhr. Um 37- Uhr zahlen Kinder i unter 10 Jahren auf allen Sitz-j platzen halbe Preise. Galerie I volle Preise. Infolge immer noch zahlreich einlaufender Gesuche aus dem j Publikum und Kinderkreisen: Nachmittags 3'/, Uhr: Die grolle phantastische Untersee- j boct-Pantomime! In voller]T T20 ohne Kür- Aufführung zung. In beiden Vorstellungen: Hau| Die phänomenalen Unn f| "Cl1* 3 Orpingtons!' Vorführen und Reiten der bestdressierten Schul-, Freiheits- und j Springpferde. Sämtliche Clowns[ mit neuen Witzen und Spällen.| Abends 71/. Uhr: Grtcchisch-rümlsche Ringkämpfe! und das große Volks- Manege-Schauspiel „Oie Rexe". Zirkus A. Schnmaim Sonntag:, den 3. März; 2 große Vorstellungen Ä 3' jübr nachm. u. abds.T'/jUhr Nachmittags hat jeder Erwachsene ein eigenes Kind unt. 10 Jahren frei auf allen Sitzpl, Jedes weitere Kind unter 10 Jahren halben Preis. In beiden Vorstellungen: Auftreten der weltberühmt. Anroratrnppe Die 3 Oravia sowie alle übrigen Spezialitäten. In beiden Vorstellungen» Das Motorpferd in 5 Akten. Blüthner-fSaal. Heute Mozart-Beethoven-Abend des Blüner-Orchestsrs HolÄm. von StFauß. Sol.: Hagen(Ges.). Lambinon(Viol.). Anfang 7'/, Uhr. Entree 75 Pf. Ununterbrochen Vorstellung Täglich von 4—11 Lhr. Sonntag von 3—11 Uhr. Heute Premiere Nachmittag 4—6 L'hr Kinder halbe Preise. Preise: 7ä Pf., 1.—, 1.Ä5, 1.50, S—, Logen 3 M. .MZrkiscller tivt", �ctmirslstrake I8c. Empfehle meine Säle: Sonnabende März, April zu Festlichkeiten, Hochzeiten, Versammlungen.' Jeden Sonntag: Tanz. Bocktrnbel und Jnbol. Albert Moerner Koppenstr. 29. Sonntag, den 3. Mfirz: Gr. Extra-Konzert Franz von Blon. s 42 Künstler. Anfang O'/i Uhr. Entree 50 Pf. Moerners Blumengarten; Kavalier-Ball. �s»«s6»s»i N@ue Wslta 1—— � Arnold Scholz. Hasenheide lOS-114. Hcnte Sonntag, den 3. Härz 1912: Bockbierfest in den bayrischen Alpen. Wnnderbare Alpcndekoratlon. Anfang 4 Uhr. Entree 50 Pf. Im neuen Saal: GROSSER BALL. 5 Kapellen. 30 bayerische Mad'l. Voranzeige! Dienstag, den 5. Härz 1012: DamensPrämiierung. Prämiiert wird: Die Kleinste Hand. (Abnonnltllten sind ansgeschlosscn.) 3 bare Geldpreise: 50,—, 30,—, 20 Mark. E Anmeldungen bis 10 Uhr abends an der Kasse. gn. Entree 30 Pf. 30 bayrische Madl. Polles Caprice. Täglich S'!t Uhr: Losgelassen. Waffenübung. Mandelblüths Polterabend. Adimi'alspaidsi; ' A.T. tkinhol lriatrkhltftissc Eis-Arena. Rente m 2 Vorstellnngcn 2 nachmittags und abends Alpenzauber. Außerdem abends: Tänze auf d. Eise. Bis 6 Uhr u. von 103/, 1 Uhr ab. halbe Kassenpr. I Mittags v. 12—4 Uhr: Korso bei Musik, 1 Diner„t Eis-Arenai Couvert a M. 3 oder M. 5 einschiießl. Eintrittspreis| Voigt-Theater. Gelundbrnnncn Badstraße 58. Heute Sonntag, den 3. März 1912, nachmittags 3 Uhr: D.Geheimnis cincsÄönigshauses Abends 7 Uhr: Die Seetnannsbraut. VolkSstäck mit Gesang in 5 Bildern. Kasscneröfsn. 10 Uhr. Ans. 3 u. 7 Uhr Montag, 4. März: ßenefiz Nally Platen;„Das Mädchen ohne Ehre". Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch wenige Aufführungen. Ueber 100 mal auSverkaust. prr Kampf ums Zastiu. Am IS. März Premiere. sonnt. 3'/,: Trudchcns Sommcrreise. Könlgzlaltt'jiasino. Ecke Holzmarkt- u. Alexandcrstraße Täglich abends 8 Uhr, Sonntags>/,K Uhr: Theater nnd Varlet«. Vom 1.— 16. März 8 Spezialitäten und„Kinder der Wüste't Operetten-Burleske v. O. Richter. Nlgles Fest-Säle Dennewitzstraße IZ. Jeden Sonntag: Canzkränzcl)cn 1133b C. Xlßlo. Konkortiia-Fesisäle, Jnh.: M. Wondt und A. Schütze. AndreasHtr. 64. Jeden Sonntag: iilltüp-StpeiEli- Konzert und die beliebten »offmenns Sänger. Direktton Pr. Panther. Fede Woche neues I Programm.— Heute: Eine Verlobung zur Biedrrmcyeezlttt. Schwank in 1 Akt. Ansang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 7 Uhr. Im oberen Saale von 5 Uhr an: Großer Ball. Markgrafen-Säle 34, Harkgrafen-Ramm 34. _ An der'stralauer Allee.-- Im Restaurant täglich mufikalische Unterhaltung. Vorzügliche Küche, ss.Biere u. Weine, Billard».Kegelbahn Germania'?rae!lt53le H., Dhausseestr. IlO. Karl Richter.} Jeden Sonntag: Paul Nantheys lustige Sänger.! Alhambra Wallner-Tbeaterstraße 13. Großer Ball Jeden Sonntag: Großes Orchester. Ansang Sonntags 3 Uhr. A. Zamcltat. Burglhealer-Kiiio und Feslsäle, Säle für Hochzeiten u. Vereinsvergnügen. 4 hochele<£Kcgel- bahnen. Rudolf Merz. Berllnerlillt-Trio Bixdorf-Berlin. U Lahnstr.74.i- L Fnr den Inhalt der Fnierarc übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Soxlaldcmokratlfchcr Maklvevein für den 6. Berliner Relchstags-QCSablkrels Sonnabend, den 9. März 1912; StiftisngssFest in folgenden Lokalen: Germania-Prachtsäle, Chausseestraße 110 Moab. Qesellschaftshaus, Wiclefstr. 24:: Pharus-Säle, Müllerstr. 142 bestehend in Konzert: Gesang:: Hmnor.-satir. Vorträgen n. turner. Änlliilirnngen:: Festrede:: Tanz Mitwirkende: Berliner Humor- Quartett, Apollo-Sänner, Berliner Ulk-Trio, Gesangv. Neu erwacht, Männerchor Moabit, Sängerchor Wedding X Arbeiter-Turner Festredner: Reichstagsabg. Georg Ijedebour. Landtags abg. H. Ströbcl. Reichstags- n. Landtagsabg. Dr. K. 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Für die vielen Beweise herzlicher Tednahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Teil- nehmern meinen herzlichsten Danf. Witwe Anna Uraudt, 35/4 Usersir. 14 d._ Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Bruders, Schwieger- und Großvaters, Sdiwagers und Onkels Dffo iüassuthe sagen wir allen Verwandten, Freunden, Bekannten und Genossen sowie der Wagenbauerkasse Berlin II unseren ticsgesüliltcstei! Dank. 2216L Witwe Margarethe Massuthe nebst Kindcm u. Schwiegerlindern. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, miserer guten Mutter Anna Taliler sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, den Genossen undGenossinnen des 6, Kreises, dem Bezirk 751 sowie den Kollegen vom MuseumSbau unseren herzlichsten Dank. Gustsv Taßler nebst Kinder«. f Haut- ii. Harn- f leiden, Ehrlich- Hata. Schäden d. Queoksilb.— Konsultation frei! Blutuntersuch, Fäden im Harn, etc. !! 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Unserem Genossen Max Fittkaa und unserer Genossin Margarete l?itttca» geb. Hclnke zur Vermählung und Uebcrsiedelung nach dem Auslände die besten Glück- wünsche. 328b Der 13. Bezirk de» Wahlvereins Boxhagen-Rummelsburg. Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Herl Reiehstags-Walilkreis. (Petersburger Viertel). Bezirk 373a II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Stock- drcchsler ftlsx Träger Schrcinersw. 26 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 4. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Geergcn-Kirchhoscs in Weißensee, Rölkestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 213/19 I>ep Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Stockarbciter Max Traeger Schreinerstr. 26, im Alter hon 48 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 4. März, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Georgen- Kirchhofs in Deißensee, Rinke- straße, aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Maschinenarbeiter Brust Bader Boeckhstratze 45, im Alter von 38 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute «onntag, den 3. März, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Heiligkreuz. Kirchhofes in Mariendors aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Georx Schmidt Tristslraße 43, im Alter von 39 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 3. März, nachm. 1 Uhr, von der Halle des Nazarctb.5Urchhojcs in Reinickcn- dors-West aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 79/19 Die Ortsverwaltnug. Verband der Ireien Gast- und Sebankwirte Deutseblands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Hermann Korscbmeda Fruchtstr. 37, Bezirk 4, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 4. Mörz, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhoses in Friedrichs- fclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 72/12 Bio Grtsverwaitung. Statt besonderer Anzeige! Am 27. Februar verschied in- folge Unglückssalles meine innig- geliebte Frau Du» Uta geb. Blankenteld im 20. Lebensjahre und mein liebes Töchterchcn Charlotte im Alter von 6 Monaten. Dies zeigt siesbetrüb: an Otto Israel, Schwedter Straße 77. Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 4. März, nachm. i'U Uhr. von der Halle des städtischen Fried- hoseS, Friedrichssetde, aus statt. Sozialdemokratiseber Wabfterein| des 6. BerL Beiehstags-WahikreisesJ Am 27. Februar verstarb unser 1 Genosse und Bezirksführer, der? Schriftsetzer Willielm Raasch Rhkestr. 23. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am j Montag, den 4. März, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichen- 1 Halle des städtischen Friedhofes in! Friedrichsseide aus statt. 226/8[ Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Am Dienstag, den 27. Februar.! verstarb plötzlich und unerwartet j unser braver Genosse, der Schrift- setzer Wildelm Raasch Rhkestr. 23. Wir verlieren in dem Berstor- benen einen ausrichtigen Freund und treuen Mitarbeiter, der jeder- zeit die Interessen der Partei vertreten hat. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Die Beerdigung findet am Montag, den 4. Mörz, nach- mittags 3'/, Uhr, auf dem ftädti- schen Friedhose in Fricdrichsfeldc statt. 226/9 Die pnnktionare und Bezirks- (Obrer der IV. Abteilung des sechsten Wahlkreises, SoziaidcmokratiscberWahivereii! des 8. ßeri. Reichstags-Wahlkreises. Todesanzeige. Am 1. März verstarb«ttfet Genosse, der Schlosser Franz Piske Wlclesstraße 24. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 5. März, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus aus dem Heilands-Kirchhose in Plötzenfee statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale CHroB-Itcrlln. Durch den Tod ist unS der Kollege kränz Vtlndasezvlc von der Gasanstalt Danzigerj Straße entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes[ Andenken bewahren. Die Bestatlung findet rnnt Sonntag, den 3. März ct., nachmittags'/j5 Uhr, von der Weißen-_ burgstraße 4 in Weißeiisee aus i statt. 33/13 Die OrtSverwaltung. 5 VrtiDyer Braimi-iiiiil IMeurtetoKtÄSS'i Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Stallman kriedrieb Bromfort (Bergschloßbrnuerei) am 1. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Montag, den 4. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Auserstehungs- Kirchhofes in Weißensee, Lichlenberger Straße, aus statt. 42/9 Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht Die Grtsveewaltutig. Deutscher Buchbinder- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Mitteilung, daß unser langjähriges Mitglied, die Kollegin Anna f�etz plötzlich verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigimg findet am Montag, den 4. März, nach- mittags'/z 4 Uhr, auf dem| Thomas- Kirch hos in Neukölln, Hermannstraße, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet j 23/13 Die OrtSverwaltung. i Nach schwerem Leiden ensschliej l am Mittwoch, den 28. Februar, I meine inniggeliebte Frau, unsere! liebe, gute Mutter Veronilta Ferner geb. niersching im 34. Lebensjahre. Dies zeigon liesbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Montag, den 4. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Heilig-Kreuz-Kirchhoses, Marion- dors, Eisenacher Straße, aus statt. f©OO©OOOO©0©OOOOO OOOO© SDOSSGÄ OOOOOO©0OO< Gardinen- Stores■ Vorhänge Neuheiten in großer Auswahl und allen Preislagen SlalegoMhaitskauf I ErbstUIS- Garnitur Flr.%51. Elfenbtinm. reich. 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'Jacobi, Weißensee, v«li:i«Allerl7g Werner, Weißenlee. Sedanilr. IS I. 'Hugo JürgaS. Weißens«, Heiner»- dors« slr. 55. 'Zirkel, Rixdzrs. Jdealpaffage 6. Morist. FRedrichSbagen, WUbelm- straße dg. 'H. Herzog, Lichkrnberg, Blumen- Ihalstraße S. l 'Rfschewoff, Lichtenberg, Gürtelstr. t2 'Neahoff, Reinickendors- V.,»ch- öornslr. 54.-. 'Beständig, Reinickendors. V.,®tch- bornstr. 94.„_ t 'Adelt, Reinickendorf- 0., Kopett» Hagener Str. 1. Beyer, Palisadenstr. 95. Aufferdem sämtliche Berkaussstellen der Grosseinkaufsgesellschaft Hamburg sowie der Konsumgenoffenschaft Berlin u. Umg.— Alle mit einem' versehenen Firmen haben LadengeschSste. NmuzIiSi'Z Kauft nur in solchen Geschäften, wo sich unser grünes Plakat, unterzeichnet: Ben yen�STivnsmsnn. Alwin Schulde, Große Hamburger Straße 18/19, befindet. Obigen Tariffirmcn zur Kenntnis, daß Plakate für die Händler, die Zigarren zu Tariflöhnen und nachweislich nur von Tariffirmen beziehen, den in Frage kommenden Fabrikanten täglich vormittags von 11—12 Uhr von Unterzeichnetem ausgehändigt werden. Auf verschiedene Anfragen diene zur Antwort, daß wir eine Liste derjenigen Fabrikanten haben anfertigen lasten, welche neben den im.Vorwärts" veröffentlichten Namen, Tarife mit unserem Verband abgeschlosten haben. Diese Liste können sich legitimierende Händler im Bureau erhalten, damit sie, sofern sie von Tariffirmcn beziehen, diese grimcu Plakate von hier entnehmen können._____ Der KertraUeNSNMtM. A. Schulze, Große Hamburg« Str. IS/lY. Verantwortlicher Redalteuri Ulbert Wachs. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druckt». Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei%. Üt clagSanftait Paul Singer u. tto., Berlin SW. Hr. 53. 29. Jahrgang. 4. Sdlw i>cs.Amärls" ßftliiitr ilolliolilatt. Sonntag, 3. JBäti(912. Dentkber Frauenkongreß in Berlin. Das Thema des letzten Verhandlungstages lautete: Die Frau im öffentlichen Leben. Es ist� unstreitig das wichtigste Thema der ganzen Tagung. Frl. Dr. Salomon sprach die einleitenden Worte über die Frage: „Von der Charitas zur S o z i a lp o l i t il". Die Charitas wendet sich an den einzelnen, die Sozialpolitik saht die notleidende Klasse ins Auge. Der Kern ist derselbe geblieben, aber die Form ist verändert.(!)— Die ganze Zweckbestimmung der Sozialpolitik im Sinne von Frl. Dr. Salomon erschöpft sich in der Utopie der Aussöhnung der Klassengegensätze. Nach diesen einleitenden Worten wurden durch die Referen- tinnen Frau Jenny Apolant, Frl. Neuhaus und Frau Marie Wegner„Die sozialen Aufgaben der Frau in der Gemeinde" behandelt. Frau Apolant führte sehr treffend aus, wie der segensreichen Teilnahme der deutschen Frau an den sozialen Aufgaben der Gemeinden heute noch die reaktiv- närsten gesetzlichen Hindernisse in den Weg gelegt werden. Mit Ausnahme des Grostherzogtums Baden, das die Zuziehung eines bestimmten Prozentsatzes von Frauen zu einer Reihe stä d t i- scher Kommissionen obligatorisch macht, ist die Aufnahme weiblicher Mitglieder in kommunale Aemter entweder den Ge- meindeverwaltungen überlassen oder durch hindernde Gesetzesbe- stimmungen ausgeschlossen. So kann das Amt eines Waisen- rats z. B. in P r e n tz e n und in den meisten anderen Bundes- staaten nur stimmfähigen Bürgern übertragen werden. D i e über 12 000 an der kommunalen Wohlfahrtspflege teilnehmenden Frauen sind zu einem unent- behrlichen Faktor im Gemeindehaushalt gewor- den. Die volle Entfaltung der Frauenkraft, welche die Aua- lösung hoher sittlicher Werte verbürgt, kann erst mit der Auer- kcnnung der Frau als vollberechtigte Gemeindeoürgerin er- reicht werden. Das Referat von Frl. Neuhaus zeigt die Frau in der Ar- men- und Waisenpflege und in der Vormundschaft. Als Armen- und Waisenpflegerin, als Vormünderin bebaut die Frau ein ihr a l t v e rt r a u t e s Arbeitsgebiet. Die Armen- Pflegerin hat schärferen Blick für die Mängel der Wirtschafts- und Ernährungsweise. In sittlichen Nöten ist sie von Narur aus eine Helferin. Die W a i s e n p f l e g e r i n hat die Bezirks- Versammlungen individuell belebt durch ihr persönliches Forschen nach dem geeigneten Vormund. Segensreich in„charitativen" Vormundschaften können auch die Frauen helfen, denen häusliche Pflichten die Frauenbewegung verschließen. Tie Reserentin Frau Marie W e g ne r schilderte eingangs in ihrem Referat die schlechten Wohnungs- und Gesundheiisver- bältnisse sowie den Alkoholmißbrauch in den meisten Städten, Ä ebelstände, von denen ein jeder die Kräfte der Frauen zur Bekäm- psung notwendig mache. Die sozialen Tätigkeiten, die heute bereits in einzelnen Städten von Frauen ausgeübt werden, müssen in allen Städten und Landgemeinden eingeführt und weiter aus- gebaut werden.' Letzten Endes aber muß in allen Bundesstaaten auf eine gesetzlich festgelegte Mitarbeit der Frau durch Verleihung des aktiven und passiven Gemeindewahlrechts an die Frauen gedrungen werden. In der Diskussion propagiert Frl. Ottilie Hoffmann- Bremen die scharfe Bekämpfung des Alkoholismus durch die soziale Mitarbeit der Frauen in der Gemeinde,—„mit Gott für Fa- milienglück in jedem Lande!"— Hohe Löhne und kurze Arbeits-- zeiten würden da, wenigstens bei den Arbeitern, noch mehr als der liebe Gott beloirken.— Auch Frau L i s ka L e i tg c b e l- Berlin rief zum Kamps gegen den Alkoholismus auf. Aber die trinkenden .Frauen befänden sich nicht unter den Arbeiterfrauen, sondern in den höhere» Ständen. Doch an die trinkenden Frauen dieser höheren, sogenannten gebildeten Schicksten komme die Abstinenz- bewegung leider nicht heran.(Sehr niedlich, aber vermutlich wahr.) Frau Camilla Jellinek- Heidelberg zählt zu den Aufgaben der Frau in den städtischen Kommissionen auch den Kampf gegen die Änimierkneipen und die Ausrottung der Kellnerinnen. Frl. E. Claus» er» Berlin führt aus, daß mehr Frauen, vor allem auch Akademikerinnen, sich den Arbeitsnachweisen widmen sollen und daß die gemeindlichen Arbeitsnachweise die For- derung sind. Was aber bis jetzt mit Mühe und Not durch die Ar- beit der Gewerkschaften und ernster Körperschaften auf dem Ge- biete der Arbeitsnachweise errichtet worden ist das wird gehemmt und vernichtet durch die Arbeitsnackweisbestrebungen der konfessio- »cllen und vieler anderer kleiner Vereine und Vereinchan.(Das war eigentlich ein Mißklang, denn programmatisch hat man doch auf dem Standpunkt zu stehen, daß das ganze Mosaik dieser ver- sammelten„Frauenbewegung" nur segensreich wirkt.) Sehr drastisch faßt Frau K öh l m a n n- Königsberg alle erörterten Pro- bleme zusammen in die einzige Frage: wie erlangen die Frauen die Möglichkeit, hineinzukommen in alle diese Arbeiten. Dazu fehlt bis jetzt di« gesetzliche Grundlage. Wir müssen also einen größeren Einfluß auf die Männer bekommen, daß diese die Gesetzgebung zugunsten der Frauen ändern. Der Kongreß mutz eine neue Schwungkraft werden zur Eroberung des Mannes. (Heiterkeit.) Wenn ich von der Eroberung des Mannes rede, so handelt es sich natürlich nicht um jene alte Kunst, die wir immer verstartden haben(Stürmische Heiterkeit), sondern um jene Erobe- rung, die Männer zu bewegen, einzutreten für die Rechte der Frauen. Es sprachen noch mehrere der Frauen, aber manche ritten nur ihre nicht mal neuen Steckenpferdchen. In den Schluß Worten war es Frau W e g n e r, die energische Betonung legte auf die Notwendigkeit der Eroberung des kommunalen Wahlrechts für die Frauen. Unter großer Spannung begann dann zu dem Thema: Die Frauen und die Politik Frau Minna Hauer ihr Referat über die S t i m m r e ch t s- e w e g u n g. Sie fand� schöne Worte, und es war das erstemal, patz durchdringend die Stimme einer politischen Kämpfe- rin auf dem Kongreß ertönte, aber weniger Pathos wäre wirksamer gewesen. Ter Gedankengang des nach Lage der ganzen Sache durchaus sehr ergänzungsbckdürsligen Referats war: Die Per- fassung des Deutschen Reiches baut sich auf der Grundlage des all- gemeinen, gleickv», direkten und geheimen Wahlrechts auf. es ist tzas Grundrecht bes deutschen Volkes; daran zu rühren, wäre Verrat am Volke. So hat deän auch naturgemäß der Deutsche Ver- Xxjn'd für Frauenstimmrechl dieses Grundprinzip und Hoheitswahl- reck' des deutschen Volkes zu seinem Grundprinzip erhoben, darauf rubt seine Kraft. Durch dieses Grundprinzip allein kann allen Frauen das Recht, als gleichberechtigte Staatsbürgerin zu gelten, oewäbrt werden. Ein Frauenstimmrecht ohne Wahlrecht ist eine voliti'rbe Unmöglichkeit, denn alle Politik in Stadt und Staat er- folat auf Grund eines Wahlrechts. Es gibt allerdings Männer und Frauen die aus irgendeinem Grunde das Grundreckst des deutsck>en Volkes nicht zur Grundlage eines Prinzips machen wollen, diesen sckMankcnden Gestalten muß Kampf angesagt werden. Sie sind rie Zerstörer einer planvollen Organisation und rütteln an den Wuweln der deutschen Einigkeit. Die Parole des Deutschen Ver- liandes ist: Auslau einer starken, einheitlichen Organiialion und klares Fe st halten am Prinzip. Nur das allein bietet die Gewähr, allen Frauen ihr S t a a t s b u r g e r r e ch t zu er- kämpfen. Sebr zutreffend gestand die Referentln. daß die Frauen nur durch die erwerbstätigen �krauen, nur durch d,e Arbeiter das Wahlrecht bekommen. Der Beifall, den man der Rednerin zollte, klang wohl mehr von den Tribünen als auS den Reihen der Delegierten heraus. Besonders die Damen die auf den ersten Blick als solche zu er- kennen waren, die.wo etwas haben", und auf deren Lippen sich toährend der Rede ab und zu ein spöttisches Lächeln stahl, saßen steif und unbeweglich. Vereinzelt kam sogar ein Zischen auf. Die zweite Referentin Frau Li Fi scher- ackert propa- gierte ein Frauenstimmrecht, daß sich nicht auf der Grundlage eines b e st i m m t e n Wahlrechts ausbaut und nicht im Anschluß an eine bestimmte politische Partei errungen Werden soll. Bei dieser Rednerin wußte man schon nicht, ob bei ihr mehr die Reaktiv- närin oder die Konsusionärin zu bewundern sei. Kräftige Töne schlugen Frau L i n d e man n° Stuttgart und Frau Regina De u t s ch- Berlin an, die im Gegensatz zu der Nur Stimmrechtlerin Frau Fischer-Eckert das allgemeine geheime, direkte und gleiche Wahlrecht für Männer und Frauen vertraten. Frl. Hielscher-Panten will einstweilen das G e m e i n d e st i m m r e ch t für die Frauen in der Form, wie es jetzt für den Mann besteht. Frl. Helene Lange glaubt nicht an den Himmel auf Erden, der durch das Frauenwahlrecht ge- schaffen werden soll.(Was nicht schlimm ist und Frl. Lange auch niemand zugemutet hat.) Noch kürzer als die Diskussion war das Schlußwort der Frau Li Fischer-Eckert, die übrigens mit einigem Zischen empfan- gen wurde. Der Deutsche Verband für Frauenstimmrecht glaube mit seiner radikaleren Methode am ehesten zum Ziele zu kommen. Nun, die Zeit werde es lehren, wem schließlich der Erfolg ver- bleibe. Nach dem Schlußwort von Frau Minna Cauer war die Sache für den Kongreß erledigt. Noch kürzer, weil ganz ohne Diskussion, erledigte sich der Punkt: Stellung und Mitarbeit der Frauen in den politischen Parteien. H�rau Direktorin M i eße n- Viersen, die sich schon zu Anfang ongresses durch einen schönen bornierten Standpunkt vorteil- hast eingeführt hatte, präzisierte die Stellung des Zentrums. In seiner positiv christlichen Weltanschauung birgt das Zentrum ein konservatives Element, seine praktische politische Tätigkeit hat einen durchaus fortschrittlichen Charakter. Diese Ver- einigung ergibt seinen politischen Standpunkt. Den fort schritt- lichen Charakter beweisen zur Genüge seine Haltung und' seine Anträge bei der A r b e i t e r s ch u tz g e s e tz g e b u n g, bei der Wahlrechtsreform, in Sachen der religiösen T o l e- ranz, bei der Beamten- und Mittel st andsfür sorge und speziell seine(weitestgehenden) Forderungen für die Arbeite- rinnen, die Heimarbeiterinnen, die Wöchnerinnen.(Bitte den Fortschritt überall in Gänsefüßchen zu lesen.) Auch in der Aufmerksamkeit für die Frauenbewegung, soweit diese die öffentliche Betätigung der Frau betrifft, ist ein lang- samer, aber stetiger Fortschritt zu verzeichnen.(Ja, ein sehr langsamer und außerdem ein unsreiwilliger.) Für die Nationalliberalen sprach Frl. Oberlehrerin Zenker und stellte den nationalliberalen Damen folgenden schönen politischen Befähigungsnachweis aus:„Unter, den Frauen Westdeutschlands besteht seit langem nationalliberale Gesinnung und Sympathie für die Führer der nationalliberalen Partei, da eine liberale Tradition im dortigen Bürgertum sehr lebendig ist. Die breite Masse der Frauen steht der Frage des politischen Stimmrechts ablehnend oder völlig abwartend gegenüber, möchteaberdurch Mitleben in einer vaterländisch gesinnten Partei po-l-i- tische Reife gewinnen und dem Ganzen diene n." (Den nationalliberalen Damen mildernde Umstände: ihre Männer sind auch politisch unreif.) Für die Fortschrittliche Volkspartei sprach Frau Martha V o ß- Z i e tz und mußte sich zu dem, ach! so schmerzlichen Geständnis bequemen, daß die Fortschrittliche Volkspartei die An- erkennuug des Frauenwahlrechts als Programmforderung abgelehnt hat. Aber Frau Voß-Zietz hofft noch. Hoffen wir also mit ihr—„denn die Entwickelung steht nicht still". Nach obligaten Schlußreden nahm das bunte Schaustück sein Ende. Man vermied ängstlich jede prinzipielle Klärung und Stel- lungnahm«. weil sonst unweigerlich alles zusammengebrochen wäre; nur nach links fielen einige Backpfeifen ab.— par!amentarisckes. Ans der Budgetkommission des Reichstags. Aus den- Beratungen der Budgelkommission über die syragc der Kaliobgaben ist noch nachzutragen, daß beschlossen wurde, rn Süd- d e u t s ch l a n d eine vierte Ausgangs st ation zu errichten; ferner wurde angenommen die sozialdemokratische Resolution, die Schutzbestimmungen für d i e Arbeiter fordert. Ab« gelehnt wurde dann der sozialdemokratische Kalimonopol- a n t r a g Endlich wurde eine Resolution Erzberger angenommen, die eine Denkschrift über die Löhne und Tarifverträge im Kalibergbau fordert. In der letzten Sitzung der Kommission wurde, angeregt durch den Abg. Hock, lebhaft über die Mißstände debattiert, daß hohe Staatsbeamte»ach ihrer Pensionierung in glänzend bezahlte P r i v a t d i e n st e sich begebe», trotzdein aber ihre erheblichen Petitionen weiter bezichen. Es wurde dabei vom Genossen S ü d e l u m besonders auf den am 1. April abgehenden Prä- sidente» des Statt st i scheu Amtes hingewiesen, der nach erfolgtem Dieiistauslritt Geschäftsführer des Schntzverbandes der Grimdslücksiiiteressenten wird, aber schon heute im Interesse seines neuen Dienstes tätig ist. Selbst Staatssekretär Delbrück bezeichnete daS Beihalten des erwähnten Präsidenten als taktlos und ungehörig. Da die Fälle sich häufen, wo Hohr Reichsbeamte in Privatdienste treten und ibre Pension weiter beziehen, wie auch schon Offiziere, die früher mit der Abnahme von Waffenlieferungen zu tun hatten, den Abschied»ahmen und dann bei einer der liefernden Firmen eingetreten sind, wurde allgemein in der Kominisston der dringende Wunsch nach Aendernng laut. ES fand eine Resolntio» Annahme, die eine Novelle zum Offiziers- und Beanileupeiisionsgesetz fordert, durch welche Einkommen auS einer im Ruhestand erfolgten Privntanstellung unter bestimmten Boraus- ietzuiigen auf das Ruhegehalt angerechnet werden könne». Ebenso lebhafte Klage wurde über den teuren und umständlichen K a n z l e i d i e n st gesnhrt. Abg Paaiche>oies auf Grund einer Zuschrift daran' bin. daß bei einer oberste» ReichSbehörde von 62Kanzlei- beamtc» nur 37 mit Schreibarbeiten beickiäfligl werden, alle anderen mit der Bcailfsichligung und mit bnreaukraUschein Formalkram. Die Staatssekretäre Wermut h und Delbrück erklärten sich bereit, aus Bereintachung und Berbilligung der Kanzleiarbeit hinarbeile» zu wolle» Im Staatsbetriebe lägen jedoch die Dinge anders als in einem Privaibetriebe. Die Kanzteibeamlen fertigen vielfach die Schreibarbeit noch im Akkord on, wobei sie sich zu ihre» guten Gehältern noch einen reichlichen Nebenverdienst verschaffe». Tie � Kommission»ahm eine Resolution an, die die Regierung ausfordert, eine Reform und Verbillignng des KniizleiwescnS herbeizusühren.— Nächste Sitzung; Dienstag. Mus der pärtei. Mit der Frage der Anstellung eines KreissckretärS für den Wahlkreis Erfurt-Schleusingen-Ziegenrück beschäftigte sich am Donnerstag eine Mitgliedertxrsammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins in Erfurt, nachdem Genosse Reichstagsabgeordneter Heinrich Schulz einen Vortrag über den neuen Reichstag an der Arbeit gehalten hatte. Kreisvorstand und Kontrollkommission hatten einstimmig den Beschlutz gefaßt, der sür den 10. März nach Erfurt einberufenen außerordent- lichen Kreisgeneralversammlung den Antrag auf Anstellung eineö Kreissekretärs zur Annahme zu empfehlen. Beide Instanzen waren sowohl durch die im Wahlkampfe gewonnenen Erfahrungen wie be- sonders auch durch die immer fühlbarer werdende Tatsache, daß die sich häufenden Parteiarbeiten in dem geographisch stark zer- rissenen Kreise nicht mehr im Nebenamte bewältigt wer- den können, zu ihrem Beschlüsse gekommen. Um letzteren durch- führen zu können, war außerdem der Vorschlag gemacht worden, außer dem wöchentlichen Parteibeitrag von 10 Pf. einen Extra- monatsbeitrag von 15 Ps. für jedes Mitglied zu erheben. Namentlich aus letzterem Grunde fand der Vorschlag bei der Mehrheit der von über 600 Mitgliedern besuchten Versammlung keine Unterstütz- ung, aber es wurde außerdem auch die Meinung ausgesprochen, daß der Eifer und die Arbeitsfreudigkeit der Genossen im Kreise groß genug seien, um auch künftig ohne Sekretär auskommen zu können. Trotz eingehender Begründung durch den Referenten Genossen G ü t h, den die Genossen Heinrich Schulz und Redakteur P r a g e r mit trefflichen Argumenten unterstützten, ergab eine als Stichprobe vorgenommene Abstimmung die Ablehnung des Antrages auf Anstellung eines Sekretärs. Außerdem wurde dann der Vorstand beauftragt, bei dem Kreisvorstand die Vertagung der Kreis- generalversammlung anzuregen. Die Delegiertenwahlen unterblieben deshalb.— Wir fürchten, daß die Genossen recht behalten werden, die die Agitation gegen die Anstellung eines Sekretärs für einen schweren Fehler halten. Man braucht gewiß die Wühlerei der Gegner nicht zu überscbätzen, aber ebenso verkehrt ist es, sie zu unterschätzen und auf den Eifer und die Disziplin der Genossen Hoffnungen zu setzen, die an der Macht der Tatsachen eine Grenze finden müssen._ Kommunalwahlsieg. In Griesheim bei Frankfurt a. M. entfielen bon 1114 ab- gegebenen Stimmen 607 auf die sozialdemokratischen Kandidaten, die demnach gegen die Farbwerkspartei siegten. polleeitickes, vericbtlicbes usw. Die Trennung der Angestellten von der Arbeiterbewegung forderten im vergangenen Jahre führende Mitglieder der Demo- kratifchen Vereinigung und des Bundes der technisch- industriellen Beamten, indem sie bei der von ihnen ausgehenden Gründung des Bundes der kaufmännischen Angestellten für einen besonderen Klassenstandpunkt der Angestellten, für andere Waffen im wirtschaftlichen Kampfe als die der Arbeiter und für einen besonderen Generalausschuß der Angestellten eintraten. Damit fanden sie indes bei den anderen Angestelltenorganisationen keinen großen Widerhall, sondern sogar in ihren eigenen Reihen Widerspruch. Die freigcwerkschaftlichen Angestelltenverbände be- kämpften natürlich diese Agitation entschieden. Insbesondere war ihnen Genosse P a u l L a n g c in der„Handlungsgehilfen-Zeitung", in der„Neuen Zeit" und im„Correspondenzblatt der Generalkom- Mission" entgegengetreten. Als die Zersplitterungsaktion nicht den erhofften Erfolg zeitigte, versuchte Herr Erich Kuttner in Berlin, Beamter des Bundes der technisch-industriellen Beamten, die Situation zu retten, indem er ,n der demokratiscken Wochenschrift„Das freie Volk" be- hauptete, Genosse Lange habe Ausführungen Kuttners absichtlich entstellt, und Lange müsse erst lernen, daß Ehrlichkeit auch dem Gegner gegenüber keine Schande ist. Genosse Lange hatte aber keine Lust, seine Ehrlichkeit anzweifeln zu lassen und für seine Gegner den Sündenbock zu machen; er klagte vielmehr,, und zwar nicht in Berlin, sondern in seinem Wohnort Hamburg, da ihn Kuttner und seine Freunde vorher durch einen groben Mißbrauch des Berichtigungsparagraphen schikaniert hatten. In dem Termin am 1. März vor dem Schöffengericht zu Hamburg wurde Kuttner zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt. Preßprozeß. Zu 100 M. Geldstrafe oder 20 Tagen Gefängnis wurde der verantwortliche Redakteur unseres Parteiorgans in Lands- berg a. W., des„Neumärkischen Volksblattes", Genosse Otto H o f f m a n n, von der dortigen Strafkammer wegen Beleidigung eines Polizeisergeanten verurteilt. Er hatte im September v. I. in dem von ihm redigierten Blatte einen Artikel veröffentlicht, in dem das Verhalten eines Polizeisergeanten bei der Sistierung eines Betrunkenen scharf kritisiert worden war. Obwohl zwei ein- tvands freie Zeuginnen beschworen, deutlich gesehen zu haben, daß der Polizist den Betrunkenen mehrere Male ins Gesicht geschlagen. beeidete der erstere das Gegenteil. Die von der Staatsanwaltschaft geladenen Zeugen konnten nur bekunden, daß sie nicht gesehen haben, daß der Polizist geschlagen hat, so daß die Verurteilung nur auf Grund der Aussage des Polizeisergeanten, der sich beleidigt fühlte, erfolgte. Auch der vom Verteidiger des Genossen Hoffmann. Rechtsanwalt Dr. H e i n e m a n n- Berlin, geforderte Schutz der Wahrung berechtigter Interessen wurde dem Angeklagten nicht zu- gesprochen._ Weitere Plakatprozesse kamen am Donnerstag und Freitag von den Schöffengerichten in Halle a. S. zur Verhandlung. Dem Parteisekretär, Genossen R e i w a n d, hatte man einen amtsrichterlichen Strafbcfehl über „nur" 50 M. gesandt, weil er am Hauptwahltage einen Genossen angestiftet haben sollte, das gelbe Plakat mit der Aufschrift: „Wählt Fritz KuncrtI" in den Straßen herumzutragen. Dev Träger sollte dafür„nur" 20 M. bezahlen. Die Beschuldigten wiesen alle auf Absatz 3 des§ 43 der Gewerbeordnung hin. wo- nach zu Mahlzeiten zum Verbreiten oder Aufhängen solcher Druck- fachen eine Polizcierlaubnis nicht erforderlich sei. In dem einen Fälle meinte der Amtsanwalt, die Plakate hätten mit der Wahl an sich nichts zu tun. Die Angeklagten hätten die Plakate vielleicht bloß aufgehängt um ihrem Herzen„Luft zu machen". Die Richter verschiedener Abteilungen kamen alle zur Verurteilung unserer Genossen. Die hohen Strafen wurden allerdings herabgemindert. In den llrteilsgründen ließ man jedoch durchblicken, daß es sich bei Beurteilung des Sachverhalts um eine reine Rechts- frage handle, über die man verschiedener Meinung sein könne. Jedenfalls werde eine höhere Instanz darüber zu befinden haben.— Das wird geschehen. Fiiis Industrie und Kandel. Eine neue Grundbesitzer-Organisation Als ein„Ereignis von weittragender Bedeutung" wird in der bürgerlichen Presse die Gründung eines„Verbandes zum Schutze des deutschen Grundbesitzes und Real- k r e d i t e s" angekündigt. Der Zweck des neue» Verbandes ist nacki dem vorläufigen Statutenentwurf, die„Gesamtinteressen des deutschen Grundbesitzes und Realkredits wahrzunehmen, ihm die seiner Bedeutung entsprechende Berücksichtigung zu sichern, ihn zu verteidigen gegen Angriffe, ihn zu schützen gegen Schädigungen". Beigetreten sind diesem Verband bereits alle am Terraingeschäft interessierten Großbanken, der Verband deutscher Versicherungs- gesellschaften. die wichtigsten Hypothekenbanken, Terraingesell- schaftcn, der Verband deutscher Hypotheken- und Grundstücks- makler, der Zentralverband der deutschen Haus- und Grund- besitzervereine. Satzung und Zusammensetzung des Verbandes lassen sein Ziel sofort deutlich werden. Der neue Bund ist ein Jntercssenverband der großen Grundstücksspekulanten. Die ein- zelncn Hausbesitzer, die kleinen Hausagrarier, haben sich einen wirksamen Schutz in üjven Verufsvereinen gejchasjen. In rigoroser Weise gehen sie, durch einheitliche Regelung der Mietskontralte zu- Ungunsten der Mieter, durch verabredete Mictsteigerungen bei Lohn- und Besoldungscrhöhungen der Mieter, gegen die Haus- bewohner vor. Unterstützt werden sie dabei durch das Wahlunrecht der Landgemeinde- und Städteordnungen, die ihnen die Mehrheit in den Ortsparlamenten sichern. Bauordnung und auch Wohnungs- aufsicht sind daher stets zu ihrem Vorteil ausgefallen und haben das Wohnungselend geschaffen, das der Proletarier am härtesten fühlt und das nun auch die„Aufmerksamkeit führender Kreise" erregt hat. Schließlich wehren die Hausbesitzermehrheiten auch einer vernünftigen Verteilung der Gemeindelasten. Statt die Be- lashtng von Grund und Boden haben sie immer die Gemeindezu schlage zu den direkten Steuern zu erhöhen gewußt. In neuester Zeit haben aber die Hausbesitzer, ohne ihre reaktionäre Stellung als Hausagrarier aufzugeben, auf dem Grundstücksmarkt an Be- deutung verloren. Besonders in den großen Städten werden sie gang von den Terrainspckulanten zurückgedrängt, die meist unter der Führung großer Banken oder Hypothckeninstitute große Ge- lände aufkaufen. Die riesenhafte EntWickelung unserer Großstädte durch Ansammlung der Arbeitcrmasscn steigerte den Wert des Grund und Bodens in kurzen Zeiträumen gewaltig. Aber in der Gesellschaftsordnung des Privatbesitzes kommen natürlich diese Werte nicht der Allgemeinheit, nicht den Arbeitern, die sie gc- schaffen, sondern den privaten Eigentümern zugute, die sie zum Teil noch künstlich erhöhten. Nun drohen der Grundstücksspekulation Gefahren von zwei Seiten. Einmal ist durch Steuern(Umsatz-, Grund-, Gebäude- und Wertzuwachssteuern) in den Städten und im Reiche der Boden und der unverdiente Wertzuwachs, wenn auch nur gering, belastet worden. Natürlich sind diese Steuern auf die Käufer und zum Teil auf die Mieter abgewälzt worden. Aber bei der ständig zunehmenden Finanznot der Gemeinden und des Reiches ist einx Erhöhung immerhin möglich. Daher suchen die großen Spekulanten durch gemeinsame Vertretung ihrer Interessen diese Belastung abzuwehren. Neben der rein steuerlichen Heran- ziehung fürchten die Terrainagrarier noch ein weiteres. Bekannt- lich ruhen Bauordnung, Fhichtlinienfcstsetzung, und Wohnungspolizei in den Händen der Landespolizei und der Stadt- gemeinde. Durch statistische Erhebungen der� Gemeinden, durch freiwillige Wohnungsaufnahmen von Gewerkschaften und einzelne private Untersuchungen sind die elenden, unhygienischen und unästhetischen Wohnungen in ihrer erschreckend großen An- zahl festgestellt worden. Die dauernde Kritik unserer Genossen und einzelner bürgerlicher Wohnungsveformer hat bereits einen so starken Druck auf die öffentliche Meinung ausgeübt, daß Gemeinde und Staat nicht mehr an diesen Fragen vorübergehen können. Einzelne Städte sind zur Errichtung von Wohnungsämtern ge- schritten, um daS Wohnungswesen dauernd zu überwachen. Andere, allerdings nur in ganz vereinzelten Fällen, haben den eigenen Bau von Häusern vorgenommen. Einige Städte und in weiterem Maße der Staat unterstützen Baugenossenschaften. Durch Bauordnungen und Bebauungspläne, die mehr Rücksicht auf hygienische und ästhetische Interessen durch Einschränkung der Haushöhe, Anlegung von Frei- und Spielplätzen usw. nehmen, ist die kapitalistische Aus- beutungsquote des Bodens zum Teil eingeschränkt worden. beutungsguote des Bodens zum Teil eingeschränkt worden. Die großen Terraingesellchsaftcn, die bisher mit unbebautem Boden nur spekulierten, jetzt aber zum Eigenbau von ganzen Straßen- komplexen übergehen wollen, würden doppelt, als Boden- und Hausbesitzer, getroffen werden. Da sogar Aussicht auf Erlaß eines Wohnungsgesetzes in Preußen besteht, tun sich jetzt die„bedrohten" Interessenten zusammen, um jede Schmälerung ihres Profits zu hindern. Das Proletariat wird der Tätigkeit des neuen Verbandes feine volle Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Stehen doch im Arbeitsausschuß Männer wie Kommerzicnrat Haberland und Justizrat Baumert aus Spandau. Als Geschäftsführer ist der jetzige Präsident des Kaiserlichen Statistischen Amts, Professor Dr. van der Borght, ein bekannter Nationalökonom, gewonnen worden. Van der Borght vermehrt die schnell wachsende Reihe der wissenschaftlich Tätigen, die um besser bezahlter Stellung willen ihren früheren Berufskreis zugunsten von politischen oder Wirt- schaftlichen Jntcressentengruppen verlassen. Neben Arbeitsausschuß und Verbandsdirektor wird ein Präsidium von mindestens 90 Per- sonen die Bankdirektoren und Leiter der Versicherungsgesellschaften vereinigen. Dem Verband sollen Orts-, Bezirks- und Landes- gruppen untergeordnet werden. Die schon bestehenden Hausbesitzer- organisationen sollen dem Verband angegliedert werden, ohne ihre Tätigkeit aufzugeben. Der Schutzverband will vornehmlich seinen Einfluß auf gesetzlichem und rechtlichem Gebiet geltend machen. Die kleinen Organisationen sollen daneben, nach dem Plane des Verbandes, weiter die örtlichen Interessen vertreten. Das Prole- tariat wird beiden Organisationen zu begegnen wissen. SemKts- Deining. Eine feine Familie. Eine rohe Tat hatte vor dem Schöffengericht in Chemnitz der Obrrpostsekretär und Stadtverordnete Emil Seidel zu sühnen. Am Abend des 11. November hatte S. in seinem Hause der 16 Jahre alten Kcttlerin K. eine Anzahl Schläge mit seinem Spazicrstock auf dem Rücken und den rechten Oberarm und mit der Faust einen Schlag ins Gesicht versetzt; auch hatte er sie mit dem Ausdruck: „Tu Wanst!" beleidigt. Der Anlaß zu der Schlägerei war folgen- der. Der 16jährige Sohn Seidels ist gegen die K. unanständig ge- worden) unter anderem hat er dew Mädchen auch Gummiartikel zeigen wollen. Die K. hat sich aber abgewendet, hat auch sonstige Aufdringlichkeiten, die sich der junge S. erlauben wollte, energisch zurückgewiesen. Dann erdreistete sich der junge Mann, die K. auf öffentlicher Straße in gemeiner Weise zu beschimpfen. Später hat er dann seinen Bekannten gegenüber damit renommiert, daß die K. ihm doch zum Opfer gefallen wäre. Das so beleidigte Mädchen teilte dies ihrer Mutter mit und diese schrieb an die Eltern des jungen©; einen Brief. Der Brief blieb unbeantwortet. Eine Freundin der K. erhielt nun am 11. November einen anonymen Brief, durch den sie für Nachmittags nach dem Hauptautomaten bestellt wurde, und in dem der Wunsch ausgedrückt wurde, daß sie keine Hosen anziehen solle. Dieses Mädchen glaubte, daß der Brief von dem jungen Seidel stamme. Sie zeigte ihn ihrer Freundin K. und diese machte den Vorschlag, gemeinsam zu Seidels Eltern zu gehe»«nd diese um Schutz gegen das unanständige Benehmen ihres Sohnes zu bitten. Da kamen die jungen Mädchen vom Regen in die Traufe. S. hörte das Mädchen gar nicht an, sondern schlug es in der geschilderten Weise. Der Angeklagt� fand milde Beurteilung; er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung zu insgesamt 65 M. Geldstrafe verurteilt und hat die notwendigen Auslagen und Kosten zu tragen. Der Oberpostsekretär dürste als Vorgesetzter für Telephon- damen und als trefflichster konservativer Agitator gegen Roheit und Verwilderung sich eignen. Wegen Meuterei und versuchten Ausbruchs aus dem Strafgefängnis PlötzcNsee waren gestern die Tischler Gustav Emmerich und Ernst Hehler vor der 6. Straflammer des Landgerichts. III angeklagt. Emmerich hat eine ihm vom Schwurgericht wegen versuchten Raubes auferlegte Gefängnisstrafe von 2 Jahren zu verbüßen, Heßler verbüßt wegen Diebstahls eine dreijährige Gefängnisstrafe. Beide Angeklagte arbeiteten in einer im Keller belegenen Tischlerwerkstatt rn Ge- meinschaft mit einem dritten Strafgefangenen. Ihre Strafe wurde ihnen zu lang und sie beratschlagten, wie sie aus dem Gefängnis herauskommen könnten. Sie dachten zunächst, daß eS möglich sein würde, durch das vergitterte Kellerfenster herauszukommen. Das Fenster ist aber sehr schmal; sie versuchten, das Fenster aus dem Mauerwerk herauszubrechen und arbeiteten sehr vorsichlig mit einem Steinmeißel an dem Fenster. Sie quälten sich aber vergeh- lich, denn das Fenster hielt den Angriffen stand. Nun kamen sie auf einen anderen Gedanken. Die Aufsicht über die Arbeiten hatte ein Werkmeister Müller. Sie planten nun, diesen bei seinem Er- scheinen festzuhalten eventuell ihm mit zurechtgelegtem Bindfaden die Arme zusammenzubinden und ihm die �Schlüssel abzunehmen. Dem dritten Leidensgenossen erschien die Sache doch etwas zu ernst und er verriet den Plan. Als die beiden Angeklagten merkten, daß sie verraten worden waren, verrammelten sie die Tür, indem sie sie vernagelten und die Hobelbank an sie heranrückten. Dann suchten sie sich über ihren Acrger dadurch hinwegzuhelfen, daß sie den Politurspiritus, den sie zu ihren Arbeiten gebrauchten, als Ersatz für Schnaps hinuntertranken. Die Gcfängnisbeamten konnten sich nur dadurch Zutritt zu ihnen verschaffen, daß sie die Tür auf- brachen. Nach einigem Widerstreben ließen sich die beiden Ange- klagten in die Arrestzellen abführen. Als dann dem Emmerich die Abendsuppe in die Arrestzelle gebracht wurde, sprang er plötzlich auf den Hilfsgefangenenaufseher Baatz zu, es kam zu einem Hand- gemenge und hierbei versetzte E. dem Beamten einen Schlag ins Gesicht,- so daß dieser eine blutende Wunde an der Lippe davontrug. Der wütende Mensch konnte nur durch die Mithilfe eines zweiten Beamten überwältigt werden.— Die Angeklagten waren geständig. Sie haben ihre Freiheitsgelüste schon im Disziplinarwege mit einer längeren Arreststrafe zu büßen gehabt. Jetzt verurteilte das Gericht den Emmerich zu 1 Jahr 3 Monaten, den Hcßler zu 1 Jahr.Gc- fängnis._ Freigesprochen, aber wegen Ungebühr verhaftet. � Zu einer auflegenden Szene kam es in einer Verhandlung vor der 3. Strafkammer des Landgerichts II. Angeklagt war der Schneider Gustav Schneider wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Angeklagte war nach einer voraufgegangenen Prügelei unter den Kindern mit einer Frau Dwclk in Streit geraten, der schließ- lich ebenfalls in eine. Prügelei ausartete. Hierbei soll er der Frau D. einen Fußtritt versetzt haben, den das Schöffengericht Rixdorf mit einer Geldstrafe von 56 M. ahndete. Gegen dieses Urteil legte Schneider Berufung ein. Vor der Strafkammer behauptete S., in der Notwehr gehandelt zu haben. Als die Zeugin D. für ihn be- lastend aussagte, faßte der Angeklagte plötzlich in die Tasche und zog einen Revolver hervor. Der Gerichtsdiencr Martin sprang auf den Angeklagten zu und entriß ihm nach kurzem Handgemenge die Waffe. Der Angeklagte erklärte auf eine Frage des Vorsitzenden, daß er sich selbst habe erschießen wollen. Was er jedoch tatsächlich mit dem Revolver beabsichtigte, blieb etwas unklar, da es sich heraus- stellte, daß die Waffe gar"nicht geladen war. Bei einer Durch- suchung wurde eine scharfe Rcvolverpatronc bei ihm vorgefunden.— In der Sache selbst wurde der Angeklagte freigesprochen, da das Ge- richt annahm, er habe sich in dem Glauben befunden, in Notwehr zu handeln. Tagegen wurde er wegen Ungebühr vor Gericht in eine sofort zu vollstreckende Ordnungsstrafe von zwei Tagen Haft genommen._ Die Vetternwirtschaft vor Gericht. In Friedrichsthal(Saar) hatte der Steiger Schwarz als Gemeinderatsmitglied in einer GemcinderatS- sitzung kritisiert, daß der Gemeindebaumeister als Schwieger- söhn eines von der Stadt beschäftigten Unternehmers dessen städtische Arbeiten überwachen müsse und dabei die Interessen der Gemeinde nickt wahrnehmen könne. Der Bürgermeister und der Baumeister fühlten sich beleidigt und stellten Strafontrag. Außerdem wurde gegen Schwarz bei der kgl. Berwcrksdirektion ein Verfahren an- hängig gemacht. Das Schöffengericht in Friedrichsthal sprach den unliebsamen Kritiker frei, da es nicht nur das Recht, sondern die Pflicht jedes Gemeindevertreters sei, solche Zustände mit aller Schärfe zu kritisieren.._ Briefharten der Redahtion. Marie Holl. In beiden Briefen fehlt Angabe der Adresse. daher die Angelegenheit nicht erledigen KZnnm (ßodßiaUwtitC nStw JtmMCoßudiu fyäjwiy /SZtw CjjnßotM' Anovßt'£! pwmwwwwwwwmmwwwwwwwwm £ Begründet 1879. m Zur Beachtung! Allen meinen werten Kunden und allen, die es noch werden wollen, teile ich mit, daß ich laut Abschluß mit der Verbandsleitung den neuen TariJ des Verbandes der Schneider usw. bewilligi habe. Mein Lager in Frühjahrs- und Sommergarderobe für Herren und Knaben, sowie in ausländischen und inländischen Stoffen zur Maßanfertigung ist auf das reichhaltigste sortiert. Mein Qeschäftsprinzip ist: Streng reelle Bedienung bei billigen festen Preisen. Verkauf nur gegen bar. Julius Lindenbaum BERLIN O., Or. Frankfurter Str. 141, Ecke Fmchfstr. Bitte genau auf die Hansnnnuner 141 an achten. 44444? yjw yffluiMßw sfUltf "T" L__ Plomben, beste Aus- Zatine,*vei|e" Olga Jacobson, �Ti�fS. teppdecken besonders preiswert. Größte Auswahl. Woll- atlas-, Satin- und Daunendecken. 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Wahllokal*.Prälaten", Lehderstrafie 122, Kandidat: Kurt Fuhrmann, Zeitungsspediteur. Bezirk III. Wahllokal: Tzscheutzschler, Langhans strotze 10S. Kandidat: Albert Taubmann, Krankenkassew beamter. Damit die Wahlhandlung nicht zu lange ausgedehnt werden braucht, werden die Genossen ersucht, möglichst früh zur Wahl zu erscheinen. Eine Gemeindewählerversammlung beschäftigte sich am Freitag im Schlotzrestaurant mir den am heutigen Sonntag stattfindenden Gemeindewahlen. Nach einem Referat des Stadtv. Karl Leid- Berlin über die Aufgaben sozialdemokratischer Gemeindevertreter hielten die einzelnen Kandidaten, die Genosse» Schlemminger, Frentz, Taubmann, Content. Fuhrmann und Masche, Ansprachen, in denen das Treiben der Grundbesitzerclique am Orte in der schärfsten Weise gegeitzelt und ins rechte Licht gerückt wurde. Besondere Abrechnung hielt Genosse Schlemminger mit dem„Weitzenseer Tageblatt", das unsere Genossen in der unflätigsten Weise herabzusetzen versuchte, und zeigte, wes Geistes Kinder unsere Gegner am Orte sind. Die gesamten Darlegungen klangen aus in die Aufforderung, am heutigen Tage mit aller Kraft für die Wahl sozialdemokratischer Vertreter zu wirken. Pankow. In letzter Stunde! lautete das Thema der am Freitag im„Kurfürsten" abgehaltenen Versammlung. Der Referent, Reichstagsabgeordneter Brandes, gab zunächst ein Bild der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Zustände und betonte besonders die großartigen Erfolge der Sozialdemokratie. bei den Reichstagswahlen. Es darf uns nicht daran genug sein,' fondern es gilt den Feind zu verfolgen, wo immer sich die Gelegen- hcit bietet; letzteres sei bei den Gemcindewahlen der Fall. In großzügiger Weise schilderte Redner dann die Aufgaben in der Gemeinde und zeigte insbesondere, wie notwendig es ist, Arbeiter- Vertreter in die Gemeindevertretungen zu schicken. Nach zustimmen- der Diskussion richtete Genosse Gütig noch einen dringenden Appell an alle anwesenden Männer und Frauen, die kurze Zeit rege zu benutzen zur Agitation für die Wahl unserer Kandidaten. 6s gilt, an den Sieg des 12. Januar einen neuen zu reihen. Ani Abend des Wahltages, am heutigen Sonntag mutz es heißen: d i e dritte Abteilung gehört der Sozialdemokratie. Tue jeder seine Pflicht, setze ein jeder seine Ehre daran, sich am heutigen Sonntag an den Wahlarbeiten zu beteiligen, damit unsere Kandidaten als Sieger aus der Wahl hervorgehen. Mit einem Hoch auf unsere Bewegung wurde die Versammlung geschlossen. Die Wahl findet heute, Sonntag, von vormittags 10 Uhr btS nachmittags 6 Uhr statt. Die Kandidaten der Sozial- demokratie sind für den 2. Bezirk Bureaugehilfe Otto Schmidt, Restaurateur Wilhelm Gaß mann. Das Wahllokal befindet sich in der Turnhalle der 5. Gemeindeschule, Wollankstr. 131; das Schlepplokal bei Scholz, Wollankstr. 122. Für den 1. Bezirk kan- lböieren Buchdruckereibesitzer Georg Eichler, Bureaugehilfe Emil Fengler. Wahllokal bei Ebersbach. Berliner Straße 102. Das Schlepplokal ebenfalls dort. Parteigenossen, welche bei der Wahl helfen wollen, versammeln sich um 9 Uhr in den Schlepp. lokalen. Das Wahlkomitee. Zepernick, Röntgcntal, Schönbrück! Heute, Sonntag, 3. März, findet in der Zeit von 12— 4 Uhr nachmittags für die obengenannten Ortschaften die Wahl der 3. Klaffe zur Gemeindevertretung statt. Das Wahllokal ist in Zepernick bei Packert. Kandidat der 3. Klasse ist der bisherige Gemeindevertreter Maurer Franz Langt. Genossen! Sorgt für eine rege Wahlbeteiligung. Treptow-Baumschulenweg. Die Gemeindewahlen der 3. Ab- teilung finden am Sonntag, den 10. März, vormittags von 8—12 Uhr, statt. Gewählt wird für Wahlbezirk I im großen Saal des„Paradiesgarten" und für Wahlbezirk II in der Turn- halle der 2. Gcmcindeschule. Kiefholzstr. 274. Der Bezirk I, ein Teil Treptows, wird begrenzt von der Wiener Brücke die Loh- mühlenstrahe entlang, der linken Seite der Kiefholzstraße, dem Dammweg, der Spree und dem Flutgraben bis Wiener Brücke. Bezirk II, ein Teil Baumschulenwegs, wird begrenzt von der linken Seite der Kirfholzstraße, der Niederschöneweider Grenze, der Spree und dem Dammweg bis zur Kiefholzstraße. Zum ersten- mal hat sich auch hier im Ort durch Antrag unserer Vertreter der Gedanke durchgerungen, die Wahlen der 3. Abteilung an einem Sonntag stattfinden zu lassen. Wenn auch die Vormittagsstunden, welche zur Erledigung des Wahlgeschäftes bestimmt sind, lange nicht den Wünschen der Bevölkerung entsprechen, so müssen trotz- dem die Wähler frühzeitig am Platze sein. Es gilt, den Bürger- lichen, die sich jetzt bei der Einwohnerschaft so warm empfehlen. zu zeigen, daß für sie ein Platz in der 3. Abteilung nicht mehr zu haben ist. Noch glaubt einer dieser Herren sich behäbig breit machen zu können, aber im Jahre 1914 wird die Flut der sozial- demokratischen Stimmen auch ihn als letzten hinwegfegen. Die Wahlen der 1. und 2. Abteilung, welche am Montag, den 11. März, im Sitzungssaal des Rathauses stattfinden, können als wirkliche Wahlen nicht bezeichnet werden. Daß wir au der Ernennung dieser Vertreter durch wenige Berufene keinen Anteil nehmen, ist erklärlich, wenn man bedenkt, daß die Liste der 3. Abteilung mit einem Steuersatz von über 296 M. beginnt. Um so reger müssen die Wähler der 3. Abteilung sein und daher machen wir auf die am Dienstag, den 5. März, abends 8'A Uhr, stattfindenden öffentlichen Wählcrversammlungen in den Lokalen Ludwigs„Parkrcstau- rant". Am Treptower Park 25/26, und„Serpentins Festsäle". Baumschulenstraße 73, ganz besonders aufmerksam. Die amtlichen Wahltarten, welche in dieser Woche zugestellt werden, dienen gleiche zeitig als Legitimation bei den eventuellen Stichwahlen. Zehlcnborf(Wannseebahnj. Die kommenden Gemeindewahlen standen im Vordergrund des Interesses der letzten Wahlvereinsver- sammlung. Genosse Franz T h u r o w- Neukölln zeigte in einem hierauf bezugnehmenden Referat an der Hand vieler Beispiele zunächst die Ungerechtigkeit des Kommunalwahlrechts. Die von diesem ungerechten Wahlrecht begünstigten bürgerlichen Gemeinde- Vertreter vertreten nur die Interessen der besitzenden Klassen; die Versprechungen, welche sie stets vor den Wahlen den Arbeitern geben, würden nicht gehalten. Deshalb sei es eine zwingende Notwendigkeit für die Arbeiterschaft, alles daranzusetzen, auch ihre Vertreter in das Gcmeindeparlament zu wählen. In der darauf- folgenden Diskussion wurde von mehreren Genossen unter anderem an den schon vor 19 Jahren beschlossenen Bau der Gemcindcschule im Süden erinnert; die Skizzen für diesen Bau seien bereits in der Septembersitzung 1910 in der vom Gemeindevorstand vorge- fchlagenen Form genehmigt. Nun sei dieser Bau. weil angeblich kein Bedürfnis vorliege, aus unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Bewilligungsmaschine für Schulbauten der höheren Schüler habe jedoch nicht still gestanden. Nachdem die Delegierten zur Kreisgeneralversammlung sowie zur Generalversammlung für Groß-Berlin gewählt worden waren, machte der Vorsitzende noch- mals auf den Beschluß aufmerksam, wonach kein organisierter Parteigenosse die gesperrten Lokale besuchen darf. Am heutigen Sonntag finden Gemeindewahlen in Pankow, Weifieusee,Kaulsdorf»Marien- darf» Waidmannsluft und Schönow statt. Wahlergebnisse. Tegel. Zur Gemeindelvahl wird uns noch geschrieben: Die Wahlen zur Gemeindevertretung haben am Freitag, dem ersten Wahltage der dritten Abteilung, unseren beiden bis« herigen Vertretern den Sieg über die Burgermeisterpartei ge- bracht. Im 1. Bezirk erhielt Genosse Lichtenberg von den 878 abgegebenen Stimmen 516, der bürgerliche Kandidat, Lehrer Pcrlitz. 360 und 2 Stimmen fielen noch auf unsere Hausbesitzer- kandidate», die erst am n ä ch st e n M i t t w o ch zur Wahl der „Eingesessenen" stehen. Im 2. Bezirk, der einen stärkeren proletarischen Charakter trägt, wurden für Genossen Halses von insgesamt 832 Wählern 637 Stimmen abgegeben; der hier ebenfalls kandidierende Lehrer Perlitz erhielt gar nur 193 Stimmen und 2 Stimmen waren auch hier ungültig. Mit diesem Resultat können wir zufrieden sein, um so mehr, als sich die Bürgerlichen die größte Mühe im Heranschlcppen und Kam- mandieren der in Tegel wahrhaftig nicht allzu kleinen Zahl von Gefängnis- und Fabrikbeamten gegeben hatten: der letzte Nacht- Wächter und Straßenkehrer erschien zur Wahl und sie sollten dem Bürgermeisterparteiler, dem Doppelkandidaten, denn ein zweiter schien sich nicht gefunden zu haben, zum Siege, ach nein, zum wohlverdientenDurchfall verhelfen. Resigniert schaute abends 7 Uhr Herr Weigert drein, der im stillen wohl ein anderes Resultat erwarten haben mochte und auch diesmal wohl unter dem Druck unserer Genossen für eine vernünftige Wahlhand- lung gesorgt hatte. Aber noch ist Tegel mit dem Wählen nicht fertig; abgesehen von den beiden„oberen" Klassen, die für uns nicht in Betracht kommen, dank dem famosen Dvciklassensystem, müssen unsere Wähler nochmals zum Wahltisch schreiten am nächsten Mittwoch, den 6. März, um unseren beiden angesessenen Kandidaten, den Genossen Rentner und R a d u n z, ebenfalls zum Siege zu verhelfen. Es gilt, die dritte Klasse, die fünf Vertreter stellt, ganz für die Sozialdemokratie zu erobern, und die Arbeiterschaft hat die Pflicht, besonders die organisierten Ge- nassen, von denen eine Anzahl leider diesmal ferngeblieben waren, das Gemeindewahlrecht gleich dem Reichstagswahlrecht gewissenhaft auszuüben, um unseren Einfluß im Dorfparlament zu stärken. Wahlrecht heißt Wahlpflicht! Neu-Zittau. Bei der am 1. März hier stattgefundenen Wahl wurden in der dritten Abteilung die Genossen P e t t e r und Schulz mit je 30 Stimmen gegen die bürgerlichen Kandidaten Müller und Grund, auf die 28 bezw. 27 Stimmen entfielen, ge- wählt. In der zweiten Abteilung ging Genosse W i c z o r i k mit 15 Stimmen aus der Wahl als Sieger hervor. Zwischen zwei bürgerlichen Kandidaten hat noch eine Stichwahl stattzufinden, die auf den 11. März, abends 8 Uhr, festgesetzt ist. Bekanntlich hatte eine am 4. Februar stattgefundcne öffentliche Wählerversammlung den Gemeindevorstand ersucht, die Wahl zur Gemeindevertretung an einem Sonntag stattfinden zu lassen. Diesem Ersuchen ist, wie aus der Festsetzung des Wahltermins hervorgeht, nicht nach- gekommen. Lankwitz. Bei der am Freitag, den 1. März, stattgefundenen Ersatzwahl zur Gemeindevertretung der dritten Klasse erhielten: Genosse Edmund Hinze 368 Stimmen, die beiden bürgerlichen Gegenkandidaten Bartel 267, Tscheschick 184 Stimmen. Es ist demnach Stichwahl zwischen Genossen Hinze und Herrn Bartel er- forderlich. Dieselbe wurde auf Sonntag, den 19. März, festgesetzt. Eichwalde. Die am Freitag vollzogene Ersatzwahl für die dritte Abteilung zur Gemeindevertretung brachte dem gegnerischen Mischmaschkandidaten den vorläufigen Sieg. Der Milchhändler L a u t l i n g erhielt 196, Genosse König 96 Stimmen, eine Stimme entfiel auf Drogist Lange. Die Gegner aller Richtungen hatten sich zu einem„bürgerlichen Wahlausschuß" zu- sammengefundcn und arbeiteten mit den widerlichsten Mitteln ganz wie auf ostelbischen Rittergütern. Alle nur irgendwie wirt- schaftlich abhängigen Elemente wurden zur Wahl kommandiert. Unter Führung und Aufsicht ihrer Vorgesetzten erschienen bei Be- ginn der Wahl die Streckenarbeiter des Bahnmeisters Wehland, auch die sonstigen Bahnbediensteten mußten sich seiner Kontrolle unterziehen, denn der Herr hatte direkt am Wahltisch Posten be- zogen. Daß auch sonst alle verfügbaren Postbeamten, Gemeinde- schreiber und-arbeiter bis herunter zu den Nachtwächtern zur Stelle waren, versteht sich am Rande. Mancher mag innerlich knirschend die„öffentliche Wahl" verflucht haben. Außer diesen zirka 35„zur Wahl Befohlenen" wurden noch etwa 30 Forcnsenstimmcn abgegeben, so daß der Kampf von vornherein ür unsere Parteigenossen ein verlorener war.— Nach genauerer Prüfung der Wahlhandlung wird zu entscheiden sein, ob wegen formaler Verstöße nicht Protest einzulegen ist. Partei- Angelegenheiten. Genossinnen! Agitiert eifrig für die Frauenverfammlungen, die heute, am 3. März, in den bekanntgegebenen Lokalen stattfinden. Auch auö den Wahlkreisen, in denen keine Versammlung arrangiert ist, erwarten wir die Teilnahme der Genossinnen in möglichst grosicr Anzahl. Die bürgerlichen Frauen sind zu diesen Versammlungen eingeladen. Es gilt, in wuchtiger, demonstrativer Weise den grond- ätzlich entgegengesetzten Standpunkt der proletarischen Frauen- bcwegung gegenüber der bürgerlichen zum Ausdruck zu bringe». Es ist also Ehrenpflicht unserer Genossinnen, zu erscheinen, damit die Versammlungen zu einem glänzenden Bekenntnis der iroletOischen Frauen zum Sozialismus werden. Ocffcntlichc Versammlung. Am Donnerstag, den 7. März 1912, abends 8 Uhr, indet in den Konkordia-Fcstsälen, Andreasstraße 64. eine öffentliche Volksversaniinlung statt, in der Ncichtags- abgeordneter Genosse Georg Lcdebour über:„Der Justiz- mord an den sozialdemokratischen Abgeordneten der russischen Duma" spricht. Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. Steglitz. Morgen Montag, d-n 4. März, abends 8'/z Uhr, findet im„Birkeniväldckien", Schützcnstraße, eine öffcinliche Versommlinig statt, die sich nnt der bevorstehenden Geincindewahl bcschäflige» wird. Referent: Genosic Gustav Aß mann. Außerdem werden auch die übrigen Kandidate». die Genossen Leimbach und Krug, Ansprachen halten. Die Genossen werde» ersticbt, für zahl- reichen Besuch zu sorgen. Der Vorstand. Friedenau. Mittwoch, den 6. März, abendS S'/a Uhr: Oeffent- liche Gemeindewählerversammlung im„Kaiser- Wilhelm- Garren". Tagesordnung: Vortrag des ReichStagsabgimrdiieten ffl. T h ö n e über:„Sozialismus und Kommunalismus". Zu dieser Versammlung am Montag, den 4. März: Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen ans.' Der Vorstand. Lankwitz. Morgen Montag abend, findet der dritte Vortrag deS Genossen D ä n m i g bei Schulz, Mühlcnstraße, statt. Das Thema lautet:»Unser GegeiiwcrtSkmiipf für die sozialistische Ge- sellschaft". Der Vildungsausschnß. Britz- Buckow. Dienstag, den 5. März, abends S1/� Uhr, im Lokal„Buschkrug", Inhaber Köhler, Rudower Str. 51: Außerordent- liche Generalversammlung. Tagesordnung: Die Gemeindewahl und Aufstellung der Kandidaten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Nieder-Schöneweide. Am Dienstag, den 5 d. Mts., abends 3Vz Uhr, im Restaurant„Waldhaus" bei Bock: Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Unsere Gemeindewahl. 2. Wobl des Delegieren zur Generalversammlung von Groß-Berlin. 3. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 4. Wahl des Biblio- thekars. 5. Gemeindewahlangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Zeuthen. Am Mittwoch, den 6. März, abends 8Vz Uhr, findet im Lokal von Lindemann ein Extra-Zah labend für den Bezirk statt, welcher sich mit der Srellungnahine zur Gemeindevtrtreterwahl be- schäftigen wird. D:r Bezirksführer Nicder-Schöilhauscn— Nieder-Schönhausen-Wcst. Am Dienstag, den 5. März, abends S1/� Uhr: Oefsentliche Versammlung im Etablissement„Schloß Schonhausen", Kaiserin-Augusta-Straße Ecke Lindenftraße. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Sozialdemokratie und Gemeindepolitik". Referent: Gemeindevertreter Kubig-Pankow. 2. Diskussion. 3. Bekanntgabe der Kandidaten. Die Parteigenossen werden ersucht, für recht zahlreichen Besuch zu agitieren. Die Bezirksleitung. Groß-Lichtcrfclde. Morgen. Montag, den 4. März, abends 8 Uhr, findet bei Wahrendorf, Baekestraße, eine außerordent- liche Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Aufstellung der Kandidaten zur Ge- meindewahl. Am Dientag, den 5. März, abends 8 Uhr, bei Richter, Chaussee st r. 104: Oefsentliche Kommunal- Wähler-Versammlung, in welcher Genosse Reichstags« abgeordneter Kunert über die bevorstehenden Gemeindewahlen sprechen wird. Zehlendorf sWannseebahn). Am Mittwoch, den 6. d. Mts., beginnt bei Mickley, Potsdamer Straße, abends 8 Uhr, ein Vortrags- zyklus des Genossen Heinig über Bebels„Die Frau und der So- zialismus". Der Vorstand. Tegel. Am Montag, den 4. März, abends 7 Uhr: Flugblatt« Verbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Die Bezirksleitung. HrrmSdorf bei Berlin. Mittwoch, den 6. März, abends 8Vs Uhr, findet im.Forsthaus" ein Extra-Zahlabend statt, welcher sich mit den bevorstehenden Gemeindevertreterwahlen befassen wird. Der Gruppenführer. Röntgental. Heute Sonntag, 3. März, früh 8 Uhr: Flugblatt- Verbreitung von Marx aus. Spandau. Die außerordentliche Generalversammlung findet Dienstag, den 5. März, abends pünktlich 8>/z Uhr, im Lokale von Emil Koepenick, Pichelsdorfer Straße 39, statt. Tagesordnung: Bericht von der Kreisgeneralversammlung und wie stellen sich die Mitglieder zu der Vergewaltigung Spandaus auf der Kreisgeneral- Versammlung? Der Leseabend der Frauen fällt auS und findet am Donnerstag, den 7. März, bei Schubert, Kurstratze 21, statt. Der Vorstand. Erkner. Montag. 4. März, abends 8 Uhr, findet eine Mitglieder- Versammlung statt, in welcher die letzten Vorarbeiten erledigt werden sollen. Erscheinen aller Mitglieder dringen� w-' wendig. _ Der Vorstand. Berliner Nachrichtens Zur Firtbiltmngsschulpflicht für Mädchen. Durch die Novelle zur Reichsgewerbeordnung, die noch vom Reichstage in einer der letzten Dezembersitzungen angenommen worden ist, ist die gesetzliche Grundlage geschaffen, auf welcher die Pflichtfortbildungsschule für Mädchen in den Städten durch Ortsstatut aufgebaut werden kann.§ 120, Abs. 3 der Gewerbeordnung, nach welchem bisher nur die in kaufmännischen Betrieben beschäftigten Mädchen durch Ortsstatut zum Besuch der Fortbil- dungsschule verpflichtet werden konnten, ist auf die gewerblichen Arbeiterinnen ausgedehnt worden. Der Landesverein preußischer Volksschullehrerinnen, welcher wiederholt durch Beschlüsse und Ein. gaben für die Pflichtfortbildungsschule für Mädchen vom 14. bis 18. Lebensjahre eingetreten ist, hat daher an die städtischen Körperschaften aller preußischen Städte mit mehr als 10 000 Ein- wohnern eine Eingabe gerichtet, in welcher er die Bitte ausspricht, durch Ortsstatut die Fortbildungsschulpflicht für alle gewerblichen Arbeiterinnen und Hand- lungsgehilfinnen einzuführen. Die Fortbildungs. schule für Madchen muß nun wie für Knaben in erster Linie B e- rufs schule sein. Gerade in den letzten Jahren hat die Er- kenntnis immer mehr an Boden gewonnen, daß die Ausbildung der Frauen der der Männer gleichwertig sein müsse, auch mit Rücksicht auf die gesteigerten Anforderungen, die an die Frau im Beruf gestellt werden. In dem Bestreben, Handel und Gewerbe tüchtige Kräfte zuzuführen, ist in manchen Städten für eine ge- diegene Fachausbildung der Knaben gesorgt worden. Es sind Fach- kurse, Handels-, Gewerbe- und Handwerkerschulen eingerichtet worden. Ein Erlaß des Handelsministers Dr. Shdow vom 18. Juli 1911 macht es den Handwerkskammern zur Pflicht, die von ihnen ms Leben gerufenen Gewerbeförderungseinrichtungen tunlichst auch den weiblichen Handwerkern zugänglich zu machen. Insbesondere wird es ihre(der Haildwerkskammern) Aufgabe sein, sagt der Erlaß, die vorhandenen Lücken der beruflichen Ausbildung der Frau durch Veranstaltung geeigneter Kurse zu beseitigen. Selbstmord eines Bankiers. In S p a n d a u hat gestern morgen gegen 9 Uhr der 46jShrige Bankier Richard Bathge in seiner Privatwohnung Grunewaldstr 1 Selbstmord verübt. Wie uns mitgeteilt wird, soll Bäthge die Tat msolge verfehlter Spekulationen ausgeführt haben. Es verlautet auch, daß der Bankier Depositen, die ihm anvertraut waren, vcr- untreut hat, doch sind dies Mutmaßungen, die bisher noch keine Be- stätigung gefunden haben. Uebcr den Vorfall, der in Spandau ge, wältige Erregung verursacht hat. gehen uns folgende Miitteilun, gen zu: Der Bankier Richard Bäthge, der zu den geachtetsten und an, gesehendfien Bürgern Spandaus gehörte, betrieb seit 20 Jahren von seinem Vater gegründete Bankgeschäft, verbunden mit Jnkasiogc,chaft und Auskunftei. Vor einigen Jahren errichtete Bathge aus dem Auswandercrbahnhof in Ruhleben eine Wechsel- stube. die sehr flott ging und dem Institut beträchtlichen Nutzen abwarf. Das Bankhaus Bäthges war von dem Vater des bis- hcrigen Inhabers auf durchaus reeller Basis gegründet worden und erfreute stch bei den Großbanken, mit denen es arbeitete namentlich bei der Rcichsbank, großen Ansehens. Vor einigen Jahren heiratete Bäthge und vergrößerte durch die Mitgift seiner tyrau das Stammkapital seines Geschäfts ganz erheblich. Zu den Kunden des Bankiers gehörten in erster Reihe fast sämtliche Ossi. ziere der Spandauer Garnison und die Beamten der Staatswcrk- statten, die zum Teil recht beträchtliche Summen bei B. angelegt hatten, �.creits vor mehreren Jahren erwarb Bäthge in der Um- gegend Spandaus und in der Stadt selbst Terrain zu außer- ordentlich hohen Kreiden, da et annahm, daß die Verlegung der Berliner Regunenler nach Spandau eine Bodensteigerung hervor rufen werde. Er beabsichtigte auch in der Stadt selbst ein Ge- schäftsvicrtel zu errichten und kaufte deshalb eine Reihe von Grund- stücken zu übermäßig hohen Preisen an. Seine Erwartnngen wur den in diesem Punkte jedoch nicht erfüllt und so kosteten ihm diese gewagten Terrainspekulationcn bereits beträchtliche Opfer. Um diese Verluste wieder gut zu machen, ließ sich Bäthge auf Spekw lationen ein und engagierte sich an der hiesigen, noch mehr aber an der Londoner Börse außerordentlich stark. Seine Spekula- tionen blieben nicht verborgen, und das Gerücht hiervon, das sich unter den eingeweihten Kreisen weiterverbreitete, machte Bäthge . viele Kunden abspenstig. Die Depositeninhaber verlangten die ein- gezahlten Gelder zurück, und es wäre schon beinahe vor einem halben Jahre zu einem Run gekommen, da man damals das Gc rücht in Spandau verbreitete, das Bankgeschäft Bäthge habe seine Zahlungen eingestellt. Aus dieser kritischen Situation vermochte sich der Bankier nur dadurch zu retten, daß er sein gekamtes Privatvcrmögcn realisierte und die Terrains in Spandau über- mäßig hoch mit Hypotheken belastete. Er erhielt damals von der Reichsbank, mit der er hauptsächlich arbeitete, sowie von zwei anderen Banken ersten Ranges gegen Sicherheiten V/j Millionen Mark. Mit diesem Geld befriedigte er vor allem seine Kunden«nd versuchte außerdem seine Spekulationen durchzuführen. Er hatte jedoch Unglück und vermochte seine Engagements nicht durchzuhalten. Seit dieser Zeit verlor er das Vertrauen der Groß- Hanken, an die er sich wiederholt um Ueberlassung größerer Mitten wandte. Bäthge soll sich daraufhin, wie uns versichert wird, an den Depositen seiner Kunden vergriffen und Wertpapiere an der hiesigen Börse und bei Berliner Banken verkauft haben, um sich über Wässer zu halten. Er fühlte jedoch offenbar selbst, daß diese Manipulationen sein Verderben werden würden und wandte sich vor etwa 14 Tagen an eins der hervorragendsten Bankinstitute um eine Kreditbewilligung von zirka 800000 M. Als Sicherheit für diese Summe wollte er dem Bankinstitut die ihm noch verbliebenen Terrains sowie eine industrielle Unternehmung geben. Am gestrigen Morgen lief nun ein Brief dieser Bank ein, in welchem sie mit- teilt, daß Bäthge dieser Kredit nicht eingeräumt werden könne, da die von ihm angebotenen Sicherheiten nicht genügten. Diese Ab- lehnung der Bank gab dem Bankier den Rest. Er sollte in den nächsten Tagen an eine Spandauer Firma, die bei ihm ein be- trächtliches Kapital angelegt hatte, eine größere Summe auszahlen, sah sich aber nicht imstande, das Geld aufzubringen. Er entfernte sich aus seinem Bureau, wo er die Post geöffnet hatte und begab sich in seine neben den Kontorräumen belegene Wohnung. In seinem Zimmer schoß sich Bäthge eine Kugel in die rechte Schläfe, so daß der Tod fast auf der Stelle eintrat. Ein hinzugcrufener Arzt konnte nur noch den eingetretenen Tod feststellen. Die Nach- richt von dem Selbstmord des Bankiers verbreitete sich in kürzester Zeit in Spandau, da einige seiner Kunden zufällig in den Bank- räumen waren. Es erfolgte jetzt ein Sturm auf die Kasse. Viele der Beamten und kleinen Kauflcute eilten in das Bankhaus, fanden jedoch die Türen bereits versiegelt. Tie Polizei hatte Mühe, die Aufgeregten zu beruhigen und zum Weitergehen zu veran- lassen. Zur Beterancnspende. Der Magistrat teilt mit:„In Ergänzung unserer kürzlich er- folgten Mitteilung über die Verteilung der Veteraneuspende in diesem Jahre teilen wir noch mit, daß diese Ehrengabc nur an solche Teilnehmer der Kriege 1364, 1866, 1870/71 erfolgen kann, welche am 2. September 1910— dem Tage der 40jährigen Wiederkehr des Sieges von Sedan— in Berlin ansässig waren und dauernd ihren Wohnsitz in Berlin behalten haben." Durch diese Bestimmung wird wohl die Zahl der Veteranen erheblich eingeschränkt werden, die dieser Ehrengabe teilhaftig werden.___ Um ein Stadtvcrordnetenmlnidat. Bei den letzten- Ergänzung?- Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung sind in der dritten- Ab- teilung verschiedene freisinnige Stadtverordnete auf der Strecke geblieben und haben Sozialdemokraten- Platz machen müsseu. Zu denjenigen, die im November durch einen Sozialdemokraten ver- drängt wurden, gehören die früheren« Stadtverordneten Rosenoro und Giese. Beide Herren haben« den dringenden- Wunsch, sobald wie möglich wieder Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung zu werdem In der dritten Klasse ist aber für die Herren nich«t mehr viel zu holen, und so müssen- sie schon ihr Augenmerk auf die zweite Wählerklasse richten. Durch den Tob des- kürzlich verstorbenen Stadtverordneten Mcntcl ist nun ein Mandat frei geworden, und sofort hat der Kampf um diese? Mandat bcgomien. Die Anhänger Rosenows sind der Meinung, daß Herr Rosenow das Mandat haben müsse, zumal Herr Mente'l im 10. Gcmeindewahlbezirke gewählt war. in dem Herr Rosenow wohnt und früher auch einen Bezirk der dritten Abteilung vertrat- Die Anhänger Gieses erheben« An- spru«ch auf das Mandat, weil der verstorbene Mentek der Fraktion der Alten Linken angehörte, Herr Ros-enow sich aber der Neuen Linken zurechnet. Man kam auf den AuStveg, beide Bewerber in einer Wählcrversammlung reden zu lassen. Das ist gescheben. Die Herren machten sich gegenseitig Komplimente; in ihren Ansichten wichen sie aber verschiedentlich voneinander ab. Nach einem Zci- tungÄbcricht soll Rosenow sich für Vcrstadtlichung.der B. E. W. ausgesprochen haben, während Herr Giese der B. E. W. das- Monopol lassen will. Durch Abstimmung ergab sich, daß die Anhänger der Alten Linken ihren Giese mit 9 Stimmen Mehrheit als Kandidaten proklamierten. Wie d-er Streit um das Mandat ausläuft, müssen wir abwarten. Die Ursache der Erkrankungen in der Potsdamer Unteroffizier- schule ist jetzt durch die bakteriologische Untersuchung einwandfrei festgestellt. Oberstabsarzt Prof. Hübner, der Leiter der bakteriolo- gischen Station des Garnisonlazaretts in der Scharnhorsrstraße, machte heute über das Resultat der Untersuchung folgende Mittei- lungen: Die Erkrankungen sind ohne Zweifel auf den Genuß des Rindfleisches, das die Mannschaften am 22. Februar zu sich nahmen, zurückzuführen. Dieses Fleisch stammte von Tieren, die am 19. Fe- bruar auf dem Potsdamer Schlachthof geschlachtet wurden. Eines der Tiere war mit dem bacterium enteritides infiziert worden, das dann diese Krankheitserscheinungen hervorbrachte. DaS Vor- handensein dieses Bazillus, der mit dem Botulimus nichts zu tun hat und auch andere Krankheitsbilder bervorruft, ist bei der Fleischbeschau trotz großer Sorgfalt nicht möglich, weil er keine anatomisch sichtbaren Peränderungen hervorruft. Er ist ein heimtückischer Er- reger, der sogar normalerweise im Darm gesunder Rinder vor- kommt. Dringt er durch den Tarin in das Blut ein, dann erzeugt er Vergiftungen, die auch das Fleisch genutzschädlich machen. Der Enteritides kann tödliche Wirkungen ausüben und unterscheidet sich vom Botulinus dadurch, daß der letztere niemals lebende Schlacht- ticre befällt, sondern erst beim Fäulnisprozetz des Fleisches auf- tritt. Enteritides kann im Tierlcib vegetieren, ohne Störungen bei dem betreffenden Vieh zu verursachen. Gegen ihn gibt es keinen Schutz. Er verschafft sich gewöhnlich durch die Nahrung Eingang in den Tierleib. In den fraglichen Fällen fand man ihn im Knochenmark. Gegen ihn gibt es keine spez'f'lche Behandlung der Erkrankten, sondern nur eine symptomatische. Man beschrankt ftch darauf, die Krankheitserscheinungen wie Lieber. Durchfall, Er- brechen usw. zum Weichen zu bringen. Serumbehandlung existiert gegen Enteritides noch nicht. Wie vom Kommando �er Unter- osfizierschule mitgeteilt wird, befinde» sich alle Patienten auf dem Wege der Besserung. Die ersten Entlassungen dürften morgen er- folgen. Ueber die Mitwirkung v-n Offizieren in der„Jugendpflege", Ate jetzt»n den Fortbildungsschulen probiert wird, jind uns iveitere Angaben zügegangen. Auch den Schülern der 4. Kaufmännischen Fachschule, die in der Elisabethstraße ihr Heim hat, ist von dem mehrfach genannten Hauptmann Beier ein Vortrag gehalten worden. Zu diesem Zweck ließ man auch hier kurzerhand den st undenplan mätzigen Unterricht ausfallen, und die Schüler wurden sogar genötigt, nach dem Börsengebäude an der Wolfgangstraße zu gehen, um dort den Vor trag über den„Pfadfinderbund" mitanzuhören. Unter den Zuhörern waren Lehrer der Fachschule samt ihrem Dirigenten Roethe, ferner mehrere Offiziere sowie der Generalfeldmarschall Freiherr v. d. Goltz, der mit seinem„Jungdeutschlandbund" die „Jugendpflege" betreiben will. Der Direktor der Kaufmännischen Fachschulen, Herr Knörk, feierte den Generalfeldmarschall in einer Ansprache, die dessen Verdienste nicht nur um die Armee, sondern auch um— Handel und Industrie rühmte. In einigen Dankes- Worten erinnerte Freiherr v. d. Goltz daran, daß er schon vor Jahrzehnten um die Körperausbildung der Jugend sich zu bemühen versucht habe. Damals sei der Boden noch nicht bereitet gewesen, jetzt aber dürfe man erwarten, daß die Sache glücken werde. Die „K ö r p e r a u s b i l d u n g" wird überall als das Wichtigste an diesen Bestrebungen in den Vordergrund gestellt, aber— was nachkommt, das weiß man. Hauptmann Beier hob in seinem Vortrag ausdrücklich hervor, daß im„Pfadfinderbund" nicht etwa„Politik" getrieben werde. Nein, natürlich nicht! „Politik" braucht man bei dieser Spielerei nicht zu treiben; es ge- nügt also, wenn die jungen Leute von den Versuchen, sich mit ihrev Klassenlage zu beschäftigen und sie zu erkennen, abgelenkt werden. Daß das aber nicht g e- l i n g e n wird, dafür bürgt uns die Stimmung, die unter den Fort- bildungsschülern herrscht. Die Zuschriften, die an uns gelangt sind, lassen schon jetzt erkennen, wie wenig Erfolg das Liebeswerben der Offiziere haben wird. Die jungen Leute, die in den Fach- und Fortbildungsschulen sitzen, sind denn doch schon aufgeklärt genug, um sich durch eine Offizicrsuniform ebensowenig wie durch die „Pfadsinder"-Spielerci imponieren zu lassen. Auf die Suche nach Arbeiter-Jntelligenzen hat sich seit einigen Jahren Herr Adolf Leven sie in begeben. Zuerst wandte er sich an Arbeiter aus den verschiedensten Berufen um Ueberlassung von Zeichnungen, die sie in ihren Mußestunden angefertigt hatten. Er erhielt auch Arbeiten, die zeigten, daß unter der Arbeiterschaft Kräfte schlummern, die geweckt. Bedeutendes zu leisten imstande wären. Das war nichts Neues; die Erscheinung bestätigte nur allbekanntes. Herr Levenstcin veranstaltete mit diesem ihm zugegangenen Material eine Ausstellung und bemühte ich, weitere Kreise für sein Unternehmen zu gewinnen. Er tat das unter lebhafter Betonung des rein ideellen Interesses, das er selber an der Sache habe. Diesem Unternehmen schlössen sich iveitere an. Aus dem gleichen Wege der Umfrage verschaffte sich Herr Adolf Levenstein Gedichte und Lebensläufe von Arbeitern und brachte die Arbeiten unter entsprechendem Titel an die Oeffent- lichkeit.' Und das alles aus reinem Idealismus, wie er beteuerte. In Parteikrcisen erregte diese Levensteinsche Umfragerei manch« Bedenken, und einige Parteiblätter warnten direkt die Genossen, auf die an sie durch Levenstein gerichteten Fragen serner einzugehen. In der Zwischenzeit veranstaltete Herr Levenstein an den verschiedensten Orten Wanderausstellungen. Aber seine Lorbeeren lassen ihn nicht schlafen. Adolf Levenstein geht jetzt noch einen Schritt weiter; er will Organisotor intelligenter Arbeiter tverden, und zu diesem Zweck einen Arbeiter-Diskussions- ilub gründen. Er hat kürzlich an eine Reihe Genossen Zirkular« versandt folgenden Inhalts: Berlin Schöneberg, Meraner Str. IL, im Februar 1912. Sehr geehrter Herr! Es besteht die Absicht, einen Arbeiter-Diskussionsklub ins Leben zu rufen, allerdings nicht in der Form der bereits be- stehenden Arbeit-er-Diskutierklubs mit Statuten usw., vielmehr sollen hier vor allen Dingen die Arbeiter selbst zu Worte kommen. Irgendwelche politische Ziele soll dieser Verein nicht verfolgen, locnn auch Wert daraus gelegt wird, daß speziell organisierte Ar- beiter beitreten. Es soll durchaus nicht verkannt werden, daß gewiß schzn genügend Vereine usw. bestehen, doch liegt hier die besondere Absicht vor. vornehmlich einen Sammelpunkt für die intellektuellen Arbeiter zu schaffen. Eine Vorbesprechung soll bereits im Laufe der nächsten Woche stattfinden, und ich bitte um umgehende Mitteilung, ob wir auch auf Ihr Erscheinen rechnen dürfen. Es wäre ferner angenehm, wenn Sie einige Freunde mitbringen würden, die vielleicht ebenfalls Interesse für die ge- plante Vereinigung haben. Hochachtungsvoll Levenstein. Für unsere Genossen bedurfte es wahrlich nicht erst des Herrn Adolf Levenstein, einen„Sammelpunkt der intellektuellen Arbeiter" zu schaffen. Wir haben in- unseren Organisationen genügend Ge- legenheit zur Betätigung„intellektueller Arbeiter". Unsere Organi- sationen, gewerkschastli«che wie politische, lassen die geistige Hebung der organisierten Arbeiter sich besonders angelegen sein, und zlvar die aller Beteiligten und nicht nur eines eng begrenzten Kreises. Und wenn auch noch manche Besserung nach dieser Rich- tung hin erwünscht ist, so ist das Sache der Organisationen, dem Bildungsdrang der Arbeiter durch Schaffung besonderer Einrich- tungen und Veranstaltungen zu entsprechen. Das wird auch ge- schehen. Wenn aber irgendwelche Personen herkommen und außer« halb des Rahmens der Organisation ouf eigene Faust Vereins- griindungen vorncbmen, so muß gegen solche wilde Gründungen öffentlich Protest eingelegt werden. Daran ändert auch nichts die Versicherung des Herrn Adolf Levenstcin. daß der neue Verein keine politischen Ziele habe, also eine Art Sammelsurium aller möglichen Strömungen sein soll. Gerade diese Bemerkung in dem Zirkular läßt den ganzen Unfug der Levensteinschen Quertreiberei in seiner ganzen Größe und in einem recht verdächtigen Lichte erscheinen. Nach der Kündigung erhängt hat sich gestern der 21 Jahre alte Hausdiener Albert Behrendt, der seit 5 Monaten in dem städtischen Asyl für Obdachlose in der Fröbelstratze beschäftigt war uno dort auch wohnt. Der junge Mann zeigte von Ansang an ein sonder. bares Wesen, ließ sich aber nicht darüber aus, was ihm fehlte. Nachdem er dreimal ohne Erlaubnis ausgegangen war, wurde ihm gestern zum 1. April gekündigt. Bald» darauf legte er Hand an sich. Als andere Hausdiener nachmittags die Baracken reinigten, fanden sie ihn in einer erhängt und tot auf. Tie Beisetzung der Aschenüberreste des verstorbenen« Genossen Robert F l a t o w findet am Montag-mittag 12 Uhr von der neuen Halle des jüdischen Friedhofs in Weißensee aus statt. Die neue Halle ist etwa 29 Minuten vom Eingang entfernt. Die Zcntralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte veranstaltet auch in der nächsten« Woche wiederum hygienische Vor- träge, wie nachstehend ausgeführt. Ter Zutritt zu diesen Vor- irägc» ist für jedermann uneiitgeltlich. Am Donnerstag, den 7. März, sprechen in den- Aulen der nach» benannten Gemeindeschulen über das Thema:„Frauenkrankheiten und ihre Verhütung* Herr Tr. Morcller in der 247,/2S2. Gemeinde- schule Rigaer Str. 81/82, Herr Tr. L. Zuich in der 240./2ö4. Ge- meind'cschule, Waldcnserstr. 25/2«. Herr Dr. Edm. Falk in der 117 /178. Gcmeindeschule, Eberswalder Str. 10, und Herr Dr. Baut in der 116./237. Gemeindeschule, Skalitzer Str. 55/56.(Nur für Frauen.� Am Freitag, den 8. MSrz, sprechen über das Dhema:.Ver- dauuktg heim Gesunken und Kränken-* Herr Dr. E, Gumpert in der 81./109. Gemeindeschule, Tilsiter Str. 4/5. Herr Dr. Natkowski in der 118./127. Gemeindcschule, PanLstr. 18, Herr Tr. v. Rut- kowski in der 223./279. Gemeindeschule, Pasteurstr. 5, und Herr Dr. R. Hirsch in der 133./149. Gemeindeschule, Berggnannstr. 28/29. In Boxhagen-Rummelsburg spricht am Dienstag, den 5. Mörz, Herr Dr. I. Friedeberg in der Neuen Schule, Marktstraße, über das Thema:„Tie Tuberkulose, ihre Verhütung und Bekämpfung". In Eharlottenburg spricht am Mittwoch, den 6. März, Herr Dn G. Joseph in der 12. Gemeindeschulc, Sophic-Charlotten- straße 69/70, über das Thema:„Verdauung beim Gesunden und Kranken". In Eöpenick spricht am Dienstag, den 5. März, Herr Dr. N. Brann in der Dorotheenschule, Freiheit, über das Thema:„Tie chronischen Beinleiden und ihre soziale Bedeutung"(mit Temon- stration). In Friedenau spricht am Montag, den 4. März, Herr Dr. M. Lewy im Gymnasium am Maybachplatz über das Thema:„Ver- hütung und Bekämpfung von Ohrenleiden". In Lichtenberg spricht am Tonnerstag, den 7. März, Herr Dr. O. Kaiserling in der Gemeindesckule. Kronprinzenstratze, über das Thema:„Wasserheilversahren"(Hydrotherapie). In Maricndorf-Tcmpclhof spricht am Donnerstag, de» 7. März, Herr Tr. Bochner im Gymnasium, Kaiserstr. 17/21, über das Thema:„Hygiene des Ohres". In Neukölln tRixdorf) spricht am Freitag, den 8. März, Herr Dr. Keil in der 9./10. Gemeindeschulc. Kaiser-Friedrichstr. 4, am Hermannplatz, über das Thema:„Die GeschlechtÄrankheiten an sich und als Ursache von Frauenkrankheiten".(Nur für Frauen.> In Pankow spricht am Donnerstag, den 7. März, Herr Dr. Wegschcidcr in der 2. Gemeindeschule, Grunvwsiraße, über das Thema:„Frauenkrankheiten und ihre Verhütung".(Nur für Frauen.) In Reinickendorf spricht am Mittwoch, den K. März, Herr Sanitätsrat Tr. Nathan in der 3. Gemeindeschule, Letteallee 26/27. über das Thema:„Die geschlechtlichen Ansteckungen und ihre Folgen". In Schöneberg spricht am Dienstag, den 5. März, Herr Dr. Stein in der 10./11. Gemeindeschulc. Fcurigstr. 57, über das Thema: „Frauenkrankbciten und ihre Verhütung".(Nur für Frauen-) In Steglitz spricht am Mittwoch, den K. März, Herr Dr. F. Hcinsius in der Gemeindeschule, Plantagenstr. 8/9, über das Thema:„Wie entstehen und wie heilen Frauenkrankheiten".(Nur für Frauen.) In Tegel spricht am Dienstag, den 5. März, Herr Dr. Jacob- söhn in der Gemeindeschule, TrcSkowstr. 26/31. über das Thema: „Bedeutung und Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten". In Weißens« spricht am Freitag, den 8. März, Herr Dr. A. Pinkuß in der Gemeindeschule, Langhansstr. 120, über das Thema:„Die Krebskrankheiten und ihre Bekämpfung". Sämtliche Vorträge beginnen pünktlich um 8 Uhr abends. � Arbrtter-Samaritcrbnnd, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche:- Berlin. Montag 1. Abt. bei Dräsel, Nene Friedrichftr. 35, abend« 8'/, Uhr. Donnerstag 4. Abt. bei Pickenhagen, Scharnweberstraße SO, abends gl/, Uhr. Neukölln. Mittwoch 5. Abt. bei Süttig, Evkskatze», abends fi'/i Uhr. Spandau. Jeden Mittwochabend 8 Uhr bei Pcczili«, Picheltdorfrr- straße 5. � FriedrichSbagen. Jeden Donnerstagabend S'/z Uhr im Jugend» heim, Friednchslr. 60, 2. Hof. M a r t e n d o r s. Jeden 1. und 2. Mittwoch im Monat, abends S'/, Uhr, bei Löwengagen, Chausscestr. 27. Unerwarteter Besuch im Zigarrengeschäft. Im Zigarrengeschäft von Reschke, Stralauerbrücke 1, Ecke Neue Jriedrichstraße. wurde gestern abend die Verkäuferin in nicht geringen Schrecken gesetzt. Ter Kutscher eines Möbelwagens verlor infolge des schlüpfrigen Holzpflasters und der Schwere des WagenS die Gewalt über den- selben, als er von der Waisenbrücke in die Neue Fricdrichstrahe ein- biegen wollte. Die Pferde steuerten geradewegs in die Türe des Zigarrengeschäfts, welche unter lauteni Krachen in Trümmer ging. Die Auslagen wurden total durcheinandergeworfen. Wie durch ein Wunder wurden bei dem Vorfall, welcher einen großen Menschen- auflauf zur Folge hatte, weder Personen noch Pferde verletzt, Vorort- �admebten. Neukölln(Rixdorf). Gutscheine des Magistrats auf den Bezug von Kartoffeln. Der Magistrat hat den Marktpreis für Kartoffeln, die auf die von ihm ausgegebenen Gutscheine verabfolgt werden, auch für die kommende Woche, 4. bis 10. März, auf 55 Pf. für 10 Pfd.= 1,38 M. für 25 Pfd.(1 Gutschein) festgesetzt. Den Normalpreis von 43 Pf. für 10 Pfd.= 1,13 M. für 25 Pfd. haben die In- Haber von Gutscheinen bei Entnahme von Kartoffeln zu zahlen. Den Differenzbetrag bis zum festgesetzten Marktpreise mit 25 Pf. für je 25 Pfd. trägt die Stadtgemeinde. Lichtenberg. Ter Etat der Stadt für das Jahr 1912 balanciert in der ordentlichen Verwaltung mit 4 926 400 M. gegen 4 511 100 M. im Jahre vorher, die Konten der außerordentlichen Vcrivaltung schließen mit 3 832 000 M. gegen 4 272 900 M. jn 1911. Unter Zurechnung des Etats der Nebenvcrwaltungen, die in Einnahmen und Ausgaben mit 4 819 100 M. abschließen(gegen 4 379 100 M. im Vorjahre), ergibt sich eine Gesamtsumme von 13 567 500 M. Die Steigerung gegen das Vorjahr stellt sich auf 404 400 M. Die Steuern sollen 3 210 000 M., 316 275 M. mehr als wie nach dem vorjährigen Ansatz, erbringen. Dabei ist allervingS ein Kommunalsteuerzuschlag von 110 Proz. vorgesehen; bei einem Gesamter- trage der kommunalen Einkommensteuer von 786 500 M. Be- schämend ist. daß die kleinen Einkommen immer noch nicht frei- gestellt worden sind. Das Soll der fingierten Normalsätze von 4 M. erscheint mit 15 000 M. im Ansatz. Eine wichtige Rolle in der Etatsbalancierung spielen die städtischen Werke.' Der Ueber- schuß des Jahres 1910 ist mit 588 320 M. ausgewiesen, der An- satz für 1911 sah einen Ucberschuß von 832 600'MI vor. Der neue Etat rechnet mit 978 200 M. Ueberweisung an die Stadt- lasse. Die Biersteuer soll wieder 55 000 M. eintragen. Tie Um- satzsteuer, deren Ertrag nach oem vorigen Etat 278 500 M. ausmachen sollte, erscheint diesmal mit 250 000 M., die Zuwachssteuer mit 60 000 M. und die Hundesteuer mit 43 000 M. Gegen das Vorjahr wenig verändert ist die Gcmeindegrundsteuer mit 63 200 M.. die Gewerbesteuer mit 150 000 M. und die Betriebs- steuer mit 9 000 M. eingestellt. In den Positionen der Haupt- Verwaltung erscheint neben der Steucrvcrwaltung auch noch ciae andere mit einem Ueberschuß. die Friedhofsverwaltung, die 13 500 M. Profit machen soll(1000 M. mehr als wie im Vorzahre). Das Sterben ist ein teueres Vergnügen! Einen ärmlichen Ein- druck macht das Kapitel Armenvcrwaltung. Der vorgesehene Zu. schuß von 187 400 M. übersteigt um nur 7 500 M. den entsprechen. den Betrag des Vorjahres. Eine Reihe von Beihilfen hat man gestrichen. An Arbeiterlöhnen soll anscheinend gespart werden. Trotz der enormen ProduktionS- und Gswinnfteigerung ist die Position Arbeiterlöhne bei den Gaswerken genau so hoch angc- setzt alS wie nach der SollauSgabe für 1910. beim Wasserwerk erhöhte sich die Ausgabe, infolge bedeutender Erweiterung des Wasserrohrnetzes zwecks Anschlusses verschiedener Gemeinden, von 10 851 M. aus 17 300 M.. während beim Elektrizitätswerk sich wieder eine Ersparnis in der Höbe von 3 775 M. zeigt. Stellt man die Löhne und Gehälter nach dem Soll für 1910 zu dem letzten Ansatz in Vergleich, dann resultiert eine Steigerung der Gehälter von 92 540 M. auf 10392 9 M.. ein« solche der Löhne von 137 785 M. auf 140 300 M. Bei solchen Sparerfolaen hielt tß der Magistrat nicht kür angebracht, dem kürzlich gesaßtey Be-> schlusse der Stadtderordneien. den städtischen Arbeitern eine ein- »nalige Teuerungszulage von 40 resp. 20 M. zu gewähren, die Zu-- stimmung zu geben. Die Leute sind ja noch nicht verhungert: ergo bedürfen sie keiner Teuerungszulage, aber Gehaltszulagen hält man für selbstverständlich!— Tie in der Stadtverordneten- sitzung am nächsten Donnerstag zur Verhandlung stehende Petition der städtischen Arbeiter um Regelung der Lohnverhältnisse hat im Etat keine Berücksichtigung gesunden! Friedenau. „Ich bin die Obrigkeit der Gemeindevertretung und mache, was ich will!" In diesem Tone beliebte Herr Bürgermeister Walger in der lehtcn Sitzung zur Gemeindevertretung zu sprechen. Batz verwundert und wütend zugleich schlug er mit der Faust aus den Tisch, als diesen Worten ein allgemeiner Heiterkeitsausbruch folgte. Selbst die dickfelligsten Repräsentanten des durch die erste und zweite Klasse vertretenen Pfahlbürgertums knurrten ver- nehmlich. Veranlassung bot die Beratung der angeblich modcrni- sicrten Geschäftsordnung der Gemeindevertretung. Der Bürger- meister. behauptete er, resp. der Gemeindevorstand habe darüber zu entscheiden, ob ein Antrag der Minderheit der Gemeinde- Vertretung auf die Tagesordnung einer Sitzung gesetzt werde oder riicht. Gegen diese Auffassung lvandte man sich einstimmig. Ein Kommissionsantrag verlangte, daß ein Antrag auf die. Tages- ordnung gesetzt werden müsse, wenn mindestens die Hälfte der Ge- meindevertretung denselben unterstütze. Gegen diesen Antrag, der von dem„freisinnigen" Herrn v. Wrochem unterstützt wurde, und der jede, der Mehrheit unangenehme Sache zu besprechen, einfach unmöglich machen würde, wandte sich, auster verschiedenen Bürger- lichen, auch Genosse Richter. Letzterer beantragte, es durch die Ge- schöftsordnung jedem einzelnen Mitglied« der Gemeindevertretung möglich zu machen, Anträge zur Besprechung, auch ohne die Unter- stützung anderer, aus die Tagesordnung zu bringen. Soweit konnten sich, außer den Herren Schulz, Gerken und Kunow, die Herren nicht aufschwingen. Nach langem Hin und Her wurde auf Antrag Lohmann-Sadce beschlossen:„Initiativanträge werden zur Beratung und Abstimmung zugelassen, wenn dieselben von mindestens einem Drittel der Gemeindevertretung unterstützt werden. Anträge müssen auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gestellt werden, wenn sie von mindestens 10 Mitgliedern unterzeichnet, acht Tage vor der Sitzung dem Gemeindcvorstand eingereicht werden." Sonst bleibt so ziemlich alles beim alten. Im vorjährigen Etat waren die Mittel für die Errichtung einer unterirdischen Bedürfnisanstalt an der Kaisereiche vorgesehen. Die nähere Bearbeitung dieses Projektes bat ergeben, daß seine Aus- führung unmöglich ist, da die Ticfcnlage der Kanalisation an dieser Stelle nicht genügt. Beschlossen wurde, aus diesem Grunde die Anstalt nicht zu errichten. Anlaß zu einer recht erregten Aus- einandersetzung bot eine Anfrage des Gemeindeverordneten Gerken, ob der Gemeindevorstand die zur Vermehrung der Zahl der Schöffen notwendige Schöffonwahl noch vor oder nach dem 1. April stattfinden lassen wolle. Er verlangte, daß die Vertretung in ihrer jetzigen Zusammensetzung die Wahl vorzunehmen habe. Der Bürger- meister erklärte, daß nach dem Sinne der Landgemeindcordnung der Schösse aus der Mitte der Vertretung nach den Wahlen zu wählen sei. Als Illustration zu dem friedlichen Zusammen- arbeiten innerhalb des Gemeindevorstandes sei noch erwähnt, daß bei allen angeführten Vorlagen des Gcmeindevorstandcs einzelne Herren desselben öffentlich gegen dieselben auftraten. Eharlottenburg. Regulierung der Spandaner Chanssee. Der Magistrat zu Charlottenburg will eine Regulierung der Spawdauer Chaussee vornehmen, wozu die Kosten zunächst vorschußweise dem Straßen- rcgulierungsfondS entnommen werden sollen. Da die Ausschließung von Nordwestend, für das der BebaungSplan jetzt festgestellt ist, von der Regulierung dieser Straße abhängig ist und auch die An- lieger von Südwestend ein Interesse daran haben, erscheint es notwendig, die Regulierung in Angriff zu nehmen. Da die Rück- erstattung der entsprechenden Kosten im allgemeinen nicht vertrag- lich geregelt ist, so sollen die Kosten von den anliegenden Grund- stücköeigentümern aufgebracht werden mit der besonderen Ver- pflichtung, daß den Grundstücken anliegende Straßcnland voll- ständig lastenfrei an die Gemeinde abzutreten, die anteiligen Re- gulierungskosten für die ganze Straßenbreite zu übernehmen und die Ausgestaltung der Fassaden der Häuser von der Genehmigung dcö Magistrats abhängig zu machen. Ober-Tchönemeide. Patriotischer Unfug. Hierzu wird uns geschrieben: Unter den Gemeindeschulkindern wurde kürzlich für eine im Saale des Restaurants„Wilhelminenhof" stattfindende, von einem Unternehmer veranstaltete Lichlbildervorstellung über das Leben Friedrich» des Großen Propaganda gemacht. SlS direkt widerlich mutz es nun bezeichnet werden, daß vor Beginn der Vorführungen— ob mit oder otrne Zutun der Schulleitungen sei dahingestellt— die Kinder zur «bsiiigung de? Liedes„Heil Dir im Siegerkranz" veranlaßt wurden. Sache der Schulverwaltmig sollte es sein, einen derartigen Miß- brauch mit Schulkindern zu verhindern. Epundatt. Spurlos verschwunden ist seit Freitag vergangener Woche der Arbeiter August Zornkau. der in der Motardschen Lichtfabrik beschäftigt war. Am Freilagabend ging Zornkau, der verheiratet und Vater von vier kleinen Kmdern ist. aus seiner in der Adam« stratze 10 belegenen Wohnung fort, mn noch ein Glos Bier zu trinken; seitdem ist er verschwunden. Obwohl die Frau sofort das Verschwinden ihres Mannes gemeldet hat, ist bisher noch keine Nachricht eingelaufen. E» ist nicht ausgeschlossen, daß dem Mann, der dem Angelsport huldigte, ein Unglücksfall zugestoßen ist. Lranieuburg. Ein aufregender Borfoll spielte sich am Freitagabend in Oranien- bürg ab. Der Tischler Z. wurde plötzlich vom Wahnsinn befallen und versuchte, seine Frau zu erwürgen. Auf die Hilferufe der Frau eilten Nachbarn hinzu, die jedoch gleichfalls vo» dem Rasenden be- droht wurden. Frau Z. wurde schließlich befreit und in Sicherheit gebracht, während ihr Mann mit der Schußwaffe in der Hand in die Nachbarhäuser stürzte, um die Geflüchtete aufzufinden. Zum Glück gelang eS. den Geisteskranken festzunehmen und ihn nach dem Oranienburger Krankcnhause zu übersühren. Mocden-Spielplan cler Berliner Cbeater. Köuigl. OvcrnhauS. Sonntag: Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Montao: Der Roseulavalier. Dienstag: La Traviata. Mittwoch: Tann- bäuser. Donnerstag: KöiiigSkinder. Freitag: Der RosmkavaNer. Somi- abend: Sinjonie-Konzerl. Sonntag: Don Juan.(Ansang 7 /, Uhr.) Montag: Die Walküre.(Ansang 7 Uhr.) �. Köuigl. Schauspielhaus. Sonntag: lSl2. Montag: Der große König. DienSlag: Der Bettler von Syrakus. Mittwoch: 1812. Donners- tag: Der große König. Freitag: Doktor Klaus. Sonnabend: cseschlossen. Sonntag: Der große König. Montag: 1812.(Anfang 7'/, Uhr.) Neues«gl. Opern-Theater. Dienstag: Mignon.(Anfang 8 Uhr.� Deutsches Theater. Sonntag: Viel Lärm um Nichts. Montag: PeuthesUea. Dienstag. Mittwoch und Donnerstag: Viel Larm um Nichts Freitag: Im Zirkus Schumann: Jedermann. Sonnabend: Romeo und Julia. Sonnlag und Montag: Viel Lärm um Nickt»(Ansang 7 /.Uhr.) Kaiiiinerspicle. Soniikag: Eine glücklicke Eye. Montag: Osfiztere. Ben Dienstag bis näcksten Montag: Eine glückliche Ehe.(Ansang 8 Uhr.) Mittwochnachniittag 3 Uhr: DaS goldene Vließ. Lessiiig-Tbcatcr. Sonniagnachmitiag 3 Uhr: Rosenmontag. Abends: Gudrun. Montag: Erde. Komtesse Mjzzi. Dienstag: Die Stutzen der Gesellichast. Mittwoch: Gudrun. Donnerstag: Glaube und Heimat. Freitag: Gespenster. Sonnabend: Gudrun. Sonntag: Glaube und Heimat. Montag: Gudrun.(Ansang 8 Uhr.) n,.. Berliner Theater. Soniitagnachmittag 3 Uhr: Die Logenbruder. Abends bis nächsten Montag: Große Rosinen.(Ansang« Uhr.) Mittwochnachini ttag 3 Uhr: Torquato Tasso. Soimabendnachmittag 3 Uhr: Herodcs und Mariamne......., Neues Schauspielhaus. Sonntag: DaS Familienkind. Montag: Ucber unsere«rast. II. Teil. Dienstag: Da« Familienkind. Mittwoch- nachmittag 3 Uhr: Agnes Bernaucr. Abend«: Das Familienkind. DonncrSiag: Heiligenwaid. Freitag: lieber unsere Krasl. II. Teil. Sonnabendnachmiltag 3 Uhr: De« Meeres und der Liebe Wellen. Abends: Da« Familienkind. Sonntag: Das Famtlicnkind. Montag: Ueber unsere Kraft. II. Teil(Ansang 8 Uhr.) � �, 0ir Komische Oper. Soniitagnachmittag 3 Uhr: La Traviata. Abends Die Zauberflöte. Montag: La Traviata. Dienstag: Undine. Mittwoch: Ter Troubadour. Doimerstag: Tie Zauberflöte. Freitag: Der Freischütz. Sonuabeud: Zar und Zimmermaim. Sonntag: La Traviata. Montag Die Zauberflöle.(Aiisang 8 Uhr.) «ursürftcn< Oper. Loniitagnachmittag 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Wmdsor. Abends: Der Schmuck der Madonna. Montag: Die lustigen Weiber von ZZindsor. Dienstag: Tiefland. Mittwoch: Quo vadis? Donnerstag: Der Schmuck der Madonna. Freitag: Die verlauste Braut. Sonnabend: Quo vadis? Sonntag: Der schmück der Madonna. M: tag: Die lustigen Weiber von Windsor.(Ansang 8 Uhr.)„ Kleines Theater. Sonn tagnachmitta g 3 Uhr: Angele. I. Klasse. Abends- Und das Licht scheinet in der Finsternis. Montag: Lottchens Geburtstag. Geich und Fanny EIßler. HockenjoS. Dienstag: Und das Licht scheiiict in der Fiiisteinis. Mittwoch: LottchenS Geburtstag Gentz und Fanny Elßler. Hockenjos. Donnerstag; Und das Licht scheinet in der Finsternis. Freitag: LottchenS Geburtstag. Gentz und Fanny EIßler. HockenjoS. Sonnabend: Und das Licht Icheinet in der Finsternis. Sonn tag: Lottchens Geburtstag. Gentz und Fanny Elßler. HockenjoS. Montag: Und daS Licht scheinet in der Finsternis.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Soniitagnachmittag 3>/, Uhr: Der sidele Bauer. Abend« bis aus weitere«: Der liebe Augu, lin.(Ansang 8 llhrd Schillcr-Theatcr O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Probekandidat. Abends und Montag:>-räsi,l Lea. Dienstag: Emilia Kalotti. Mittwoch: Gräfin Lea. Donnerstag: Der Kilometersresser. Freitag: Gräsin Lea. Sonnabend: Der Kilometersresser. Sonntag: Grasin Lea. Montag: Der Probepseil.(Ansang 8 Uhr.) Schillcr-Theatcr Tharlotrcnbiirg. Sonntaqnachmittag 3 Uhr: Don Ea, los. Abends und Montag: Khritz-Pyritz. Dienstag: Der Kilo metcrsrcsicr. Mittwoch: Kyritz-Pyritz. Donnerstag: Gräfin Lea. Freitag: Kyritz-Pyritz. Sonnabend: Gräsin Lea. Sonniag: Kyritz-Pyritz. Montag; Gräfin Lea.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich< iüilbclmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag,, ach> mittag 3'/, Uhr: Götz von Berlichingen Abends und Montag: Alt-Heidel berg. Dienstag; Taifun. Mittwoch: Der Feldherrnhügel. Donnerstag DaS LeutiiantSmündel. Freitag: Alt-Heidelberg. Sonnabend: Der Feld- herrnhügel Sonntag: DaS Leuttianlsmündcl. Montag: Alt-Heidelberg (Ansang 8 Uhr.) »tcsideuz.Tlieater. Sonntagnachmmittaa 3 Uhr: Kümmere Dich l lie. Täglich: Alles für die Firma.(Ansang 8 Uhr.) der Königgraticr Straste. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Abends und Montag: Die süns grantjmter. Dienstag: Vom Mittwoch ab täglich: Di«»üns Franksurtcr.(An Uhr: Sin Walzer- Zirtschast. Vom Sonnabend Amelie. Theater in Sin Fallissement. Königm Ehristtne. sang 8 Uhr) Theater des Diestens. Sonntagnachmittag 3'/» träum. Täglich: Wiener Blut.(Ansang 8 Uhr.) Thalta-Thearcr. Allabendlich: Polnische W ab: Autoliebchen.(Ansang 8 Uhr.) tkustivtrlhauS. Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS große Geheimnis. Allabendlich: Die Damen des Regiment«.(Ansang 8 Uhr.) Neue» Operetten, Theater. EonntagnachmiNag 3 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Allabendlich: Eva.(Ansang 8 Uar.) Trianon-Thcater. Sonntaznachmillag 3 Uhr: Francillon. All- abendlich: Da« kleine Casö.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Heimat. Abends, Montag und Dicusiag: Bonaparte und feine Frauen. Mittwoch und Donnerstag: Mutter und Sohn. Freitag bis Montag: Bonaparte und seine Frauen. «Ansang 8 Uhr.) Luisen, Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Verschwender. Abend«: Eine leichte Person. Montag: Aus Mangel an Beweisen. Dient- tag: Alle« durch die Liebe. Mittwoch: Die Grill«. Donnerstag: Eine leichte Person. Freitag und Sonnabend: Der Verschwender. Sonntag: AllcS durch die Liebe. Montag: Sommeripuk.(Ansang 8 Uhr.) Bcllc-Allianec-Theater. Sonntagnachmittag 3>/, Uhr: Der Glöckner von Notre-Dame. Abends: Die Dollarprinzessin.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Rigoletto. DicilStag und Mittwoch: Die Meineidgräsin. Donnerstag: Die Dollarpriiizesiin. Freitag. Sonnabend und Sonntag: Die Meineid- gräfin.(Ansang 8 Uhr) Montag: Rigoletto.(Ansang 8'/, Uhr.) Reiies BolkStheatrr.(Reue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nathan der Wei'e. Abends: Der zerbrochene Krug. Fritzchen. Montag: Nathan der Weise. Dienstag: Der zerbrochene Krug Fritzchen. Mittwoch: Nathan der Weise. DoniierStag: Geographie und Liebe. Freitag: Nathan der Weise. Sonnabend: Der zerbrochene Kmg. Fritzchen. Sonntag: Nathan der Weis«. �Ansang 8'/2 Uhr.) tkaiino-Tl, rater. Soimtagnachmiltag 3'/, Ubr: TrndchenS Sommer« reise. Abends täglich: Der Kamps ums Dasein.(Ansang 8 Uhr.) Merropol-Thrnter. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dorothea. Die kleine» Lämmer. Allabendlich: Die Nacht von Berlin.(Anfang 8 Uhr.) Folie» tkapriee. Allabendlich: MandclblüthS Polterabend. Waffen- übimg. Losgelassen.(Ansang 6'l4 Uhr.) Herrufeld, Theater. Allabendlich: Wie man Männer bessert. Der Hausleufcl.(Ansang 8 Uhr.) Apollo- Tbeater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und abends täglich: Spezialitäten.(Aiijang 8 Uhr.) Die größte Sünde. All- Uhr: Große Vorstellung. Walhalla. Soinitagnachmitlag 3'/, Uhr: abendlich: Menschenrechte.(Ansang 8'/, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'/. Täglich: Gala-Vorstellung.(«»sang VI, Uhr.) r m Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Große Vorstellung. Allabendlich: Gala-Dorstellung.(Ansang VI, Uhr.)_ öirkus Sarrasani. Mittwoch-, Sonnabend- und sonntagnachmittag 3 Ubr: Große Vorstellung. Allabendlich: Gala-Vorstellung.(Ansang 71/ llftv\ ' Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Tag- lich: Spczialitäien.(Ansang 8 Uhr.)., Carl-Haverland-Theatcr. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 7', Uhr.) Intimes Theater. Täglich: Der Brandsliiter.(Ansang 8>/,UH�) Wintergarten. Täglich: Sp-zialitätcn.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag. nachmittag 3 Uhr: Spezialitüten. av Urania- Thrarer. Taubcnftr. 48/49. Bis auf weiteres taglich: Ter Großglockner, Gaflein und die Salzburg« Alpen.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Invalid enstr. ö7— S2. Huö aller Melt. Im Aeroplan nach dem Südpol. Wie auS P a u gemeldet wird, erklärte der Flieger V e d r i n e s einem Journalisten gegenüber, daß er die Absicht habe, Ende dieses Jahres gemeinsam mit dem belannten Forschungsreisendeu Jean C h a r c o t eine Expedition nach dem Südpol im Aero- plan zu unternehmen. Charcot hat bereits schon einmal den Ver- such gemacht, den Südpol zu erreichen, doch gelang eS ihm dainals nur, bis auf 125 Meilen vom Pol entfernt vorzudringen. V-driues erklärte, daß sein Apparat zwei Passagiere, Oel und LcbeilSii'.'.ttek für ein ganzes Jahr an Bord nehmen könne, und daß er da- her begründete Hoffnung habe, sein Ziel zu erreichen. Vedrines, einer der erfolgreichsten französischen Flieger, Ij.it übrigens am Freitag wieder eine Probe seines Könnens abgelegt. Bei einem Aufstiege in P a n ist er in einer Stunde eine Strecke von 164 Kilometer SOO Meter geflogen. Das ist die größte Schnelligkeit, die von einem Flieger bisher erreicht wurde. Schwere Kesselexplofionen. In einer Wollkrcmpclci in Tourcoing(Frankccich) explodierte am Freitagabend ein Kessel. Vier Arbeiter wurden getötet, zwanzig verwundet, mchrcie von diesen lebensgefährlich. Zwei Arbcitssäle und ein Warenmagazin wurden vollständig zerstört. Eine zweite folgenschivere Kesselexplosion hat sich im Be- triebe der Braunkohlengrube„Brühl" bei Bonn ereignet. Ein Arbeiter wurde dabei getötet, zwei andere schwer verletzt._ Attentat auf einen Personenzug. Durch die Aufmerksamkeit des Zugpersonals der Kleinbahn Werben— Hollstedt ist in der Altmark ein verbrecherischer Anschlag auf einen Personenzug abgewendet worden. Zwischen Giesen slage und Iben bemerkten die Beamten eines Personenzuges auf den Schienen eine Art Barrikade, bestchend aus Milchkannen, Holz- ge säßen usw., die den Zug zur Entgleisung gebracht und zu einem schweren Unglück geführt hätte. Durch einen Polizeihund nahm man die Spur des Verbrechers auf, der in der Person des 20jährigcn Knechte? M a t o z i ck ermittelt wurde. Er wurde in WaSmerS» läge auf dem Hofe seiner Eltern aufgefunden. Er wollte flüchten. konnte aber gestellt und verhaftet werden. Matozick hatte olS Knabe bereits in Paetzer das Schulgebäude in Brand gesteckt und war der Fürsorgeerziehung überwiesen worden, auch zwei Geschwister des Verhafteten befinden sich zurzeit tn einer Erziehnng?» anstalt._ Kleine Notizen.' Vom Militärposten erschossen. In D anzig wurde am Freitag abend ein dem Arbeitcrstande angehörigcr Mann, der an verbotener Stelle deS Glacis der Festung betrat, dann bei seiner Arretierung den Posten tätlich angriff, ihn zu Fall brachte und zu entfliehen versuchte, von dem Posten d u r ch e i n e n S ch n ß in den Kopf getötet. Eisenbahnunglück. Auf dem Bahnhofe Kamin fuhr ein Güter- zug auf mehrere Güterwagen ans und kam z u r E n t g l e i s u n g. Ein Heizer wurde dabei getötet, ein Lokomotivführer schwer verletzt. Grubcmiiifall. Auf der Brandenburggrnbe bei Gleiwitz wurde eine Anzahl Arbeiter unter herabstürzenden Kohlenmassen begraben. Während mehrere Arbeiter mir leichte Verletzungen davon- trugen, konnte der Berginann K w a S n i ck nur als Leiche geborgen werden._ Lele- und Tiskuticrklub„Paul Singer«. Nächste Sitzunz Mittwoch, den 6. d. Mts., abends 8'/, Uhr, im Lokale von Karl Beck, Samarilerstraße 17. Vortrag. Gäste willkommen. Eingegangene vruckfcdriften. »Ter Kampf«. Sozialdemokratische Monatsschrlft(Wien). 5. Jahr- gang. Hest 6. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Robert Donncbcrg: Eine Rcoifion des christlichen Sozialismus.— Otto Bauer: Die Be- dingungen der nalionalcn Assimilation.— Emmerich Bosch(Budapest): Kommunale LebenSinittelversorgung.— Adolf Braun: Städtische Arbeiter. — Ernst Lenz: Kommunale ArbcitSverniittclung.— Otto Wittner: Die Presse vor, während und nach der Revolution. Marktbericht vo» Berlin am 1. März ISIS, nach Ermlitelunq de« tönigl. Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Eicksen, gelbe, zuin Kochen 34.00— 50.00. Speisebohnen weiße, 35.00—60.00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 9,00—13,00. 1 K!Io� gram», Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauch fleisch i 30 biS 1,80. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hainmelsleisch 1,30-2,20. Butter 2,60-3,20. 60 Stück Eier 4,50-7,20. 1 Kilograiinn Karpfen 1,20—2,40. Aale 1,20—3,00. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,40—2( 0 Barsche 1,00—2,00. Schiele 1,40—3,20. Bleie 0,70—1,40. 60 Stück Kretz 4,00—30,00. � Haben Sie schon Ihren Sprech« Apparat mit unzerstörbaren nadellose» Pnthä-Platteli? Der Sprech-Apparat deklamiert, singt, lacht, pfeift, spielt, gibt die herrlichsten Konzerte»ieder und erfreut durch seinen Vortrag jung und alt, arm und reich. WaS man auch hören mag: die btl:ebteflen Opern und Operetten, Mtiriche, Walzer, Phaniasien, Ouvertüren und andere effektvolle Orchester-Vorträge, auch ToupletS, humoristische Vorträge und Gesänge, alle» da» trägt unS der Sprech-Apparat in naiurgelreuer Wiedergabe vor. Unüberirvsseii sind die von un» gelieserien Paih6-Platlcii, die im Gegensatz zu deu allaeincin bekannten Nadelvlatten nahezu unzerstörbar sind und ferner mit kinrm Niemals hfelnden policrten Edelstein gespielt werden. Viele Tauseube, die bisher von un»»inen«sprcch-Apparat mit nadellosen Palhe-Plailea bezogen haben, preisen dieselben. Täglich unaezäblie Aiierken»una,n in. anSjUwechseliidr» polierten Edelstein gespielt.... gehen uni nnzezählie Aiierkennungen unaufgefordert zu. Um auch Ihnen Gelegeiiheit zu gebe», sich von der Güte unserer Apparate sowie unserer Pathe-Plaiteu vor endgültigem Kaufe im eizeiien Heim zu überzeugen, erklären wir un» bereit, Ihnen eineii Zweiseder-kupuS-Sprechapparal mit ichier Palhe-Lchalldose und 20 ausgewählte Stücke aus 10 doppelseitig bespielten 29 cm großen Paibe Platten auf Berlanaen ohne Anzahlung, ohne Nachnahme, ohne Emballazebcrechnung und ohne jede Kuusvcrpflichtittlg Ä Tage zur Probe zuzusenden. Sie werden entzückt sein von den Leistungen de» herllichkli Apparate« und werden UN» tanken, daß wir Ihnen diese« außergewöhnliche Angebot machien. Haben Sie sich nun nach 5 lägiger Probe entschlossen, unsere Sendung käuflich zu erwerben, so haben Sie für Apparat und Platten nur einen Leirag von 3.— Mark monatlich, als» nur 10 Pfz täglich, zu zahlen. 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S&St Bestellschein 120/1«» KS Hierdurch ersuche ich die Firma vialLtFreundin Breslau II, mir den angebotenen Zweiseder-LupuS-Sprechapparat mit echter Palh6-Schalldose sowie 20Slücke aus lOboppelseitig bespielten 29cm großen Pathe-Plaiten ohne Anzahlung, ohne Nachnahme, ohne jede Emballageberechuuna, insbesondere ohne jede Kausverpslichlung zur Probe zuzusenden. Ich verpflichte mich, diese Sendung, fall« ich sie nicht behalte, innerhalb 5 Tagen, vom Tage des Empfange« an gerechnet, frank» zurückzusenden, anbemsall« behalte ich sie und zahle unier Auertcnnuiig Ihre« EigemumSrechie« monatlich 3.— Mk. vom Ab- laus der Probezeit beginuend, bi» der Wert de« Apparate» von 49.50 Mk. und der der 10 Doppelplatten ä 3.30 Mk. beglichen ist. ErslillungSort ist Breslau. 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Di«„Kreuzzeitung" hat des IlcbclS Ursache in dem Erstarken der Sozialdemokratie und der scharfen Betonung soztalpolitischen Elsers im Reickstage entdeckt. Tie„un- erschwinglichen und unermeßlichen Forderungen" der Sozialdemokratie ließen die Kapitalisten„verzagen", niemand« wolle mehr sein Geld in Aktien anlegen. Diese Sorge um die Interessen des Kapitals ist ja rührend, aber sie steht schon mit der lebhaften Gründertätigkeit in Wider- spruch. Noch mehr aber mit den anderen Tatsachen. Am 25. Ja- nuar erfolgten die letzten Stichwahlen; die Sozialdemokratie konnte einen gewaltigen Machtzuwachs konstatieren. Die Börse beantwortete die Tatsache aber nicht etwa mit einem 5kurssturz, im Gegenteil, in den nächsten Tagen waren auf der ganzen Linie Aufbesserungen zu verzeichnen. Man sah in der veränderten Kon- stellation eine Gewähr dafür, daß das gewerbliche Leben vor weite- ren einseitigen Belastungen zugunsten der Agrarier geschützt bleibe. Die nachfolgende Aufstellung über die KurSentwickclung bei einigen führenden Unternehmen veranschaulicht den Stimmungswechsel. Es notierten: Oilbr. Dezbr. Jan. Febr. Febr. März 25 12 SO 22 28 1 Deutsche Bank.. 258,50 262,87 268,— 265,75 262,12 262.37 Hamb. Paketsahrt. 130,87 141,87 143,75 142,50 140,87 140,62 Bockumer Verein Gußstahl-Fabrik 224,25 231,— 229,50 226,26 223,76 223,75 Deutsch-Luxemburg 184,75 191,62 192,12 187,12 181,75 182,87 Harpcner.... 177.25 195,12 201,50 196,87 192,— 198,— Phönix.... 249,— 256,— 258,- 256,75 252,— 252,75 BiS in den Oktober hinein hat die Marokkoangelegenheit die Börse stark und wechselnd beunruhigt; mittlerweile war der türkisch- italienische Krieg ausgebrochen, der Komplikationen zwischen den anderen Mächten befürchten ließ, und die Bergarbeiterfrage ward aufgerollt. In dem Maße, wie die Ansicht sich befestigte, daß Deutschland von kriegerischen Verwickelungen verschont bleiben werde, hob sich das Kursniveau, und die Aufwärtsbewegung hielt auch nach den Wahlen weiter an. Im Laufe des Februars vollzog sich unter wichselvollen Schwankungen eine Rückwärtsbewegung, ine anscheinend in den letzten Tagen wieder eine mehr zuvcrsicht- liche Haltung ablöst. Die rückläufige Bewegung war von einer Summe verschiedener Umstände bestimmt. Am Bau- und Terrain» markt zeigten sich krisenhafte Erscheinungen, ein großer Streik der Bergarbeiter in England und Teutschland rückte in greifbare Nähe. Verstimmung riefen auch die Verhältnisse auf dem amerikani- schcn Eisenmarit hervor. Im Gegensatz zu den europäischen Riärk. ten gaben dort die Preise nach, die Kauflust blieb schwach. Wetter wirkte die in die Diskussion geworfene Frage einer Kupon- und Dividendensteuer deprimierend, am meisten aber die vom Reichs- bankpräsidenten v. Havenftein geforderten Maßnahmen, die eine Erhöhung des Barbestandes der Banken herbeiführen sollen, die aber den Kredit erschweren und verteuern und infolgedessen auch das wirtschaftliche Leben stören. Die dem Vorgehen des Reichsbank- direktoriums mit auf den Weg gegebene Begründung beruhigte nicht. Man verwies auf den aus Anlaß der Marofkoaffäre her- vorgerufenen plötzlichen starken Goldabflutz und die daraus er- wachsenen prekären Verhältnisse. Dadurch gewann die verlangte Erschwerung der Esfeltenlombardicrung fast den Charakter einer Kriegsvorbereitung. Da zudem die Beschießung des Hafens von Beirut durch die Italiener die Befürchtung von internationalen Verwickelungen wieder lebendig werden ließ, gab das Vorgehen des Reichsbankpräsidenten pessimistischer Stimmung genügend Nahrung. Die Gewißheit auf die Verlängerung des Kohlensyndikats und der ausnehmend günstige Marktbericht des Stahlwerksverbandes vermochten nicht, der allgemeinen Kursabbröckclung Einhalt zu tun. Bei der Deutschen Bank war sie allerdings stark von einem inter- nen Vorgang beeinflußt. Dem �ürstentrust ist mit der Boswau- und Knauer-Baugesellschaft, die sich in tvaghalsige Terrainspekula» tionen eingelassen hatte, ein sehr faules Ei ins Nest gelegt worden. Wahrscheinlich um unliebsamen Erörterungen aus dem Wege zu gehen, erklärte sich die Deutsche Bank, die das faule Objekt abge- stoßen hatte, zu einer Hilfsaktion bereit, für die sie angeblich zwölf Millionen Mark springen lassen will. Wenn dadurch die Divi- dendcnausschüttung auch nicht beeinflußt werden soll, so konnte naturgemäß eine solche Erklärung den Rückgang der Kurse nicht verhindern. Nicht ohne Einfluß bleibt der nun in England aus- gebrochene Streik der Bergarbeiter und die Aussicht, daß der be- reits durch die Arbeitseinstellung der Herrcnmaßschneider und die Aussperrung der Porzellanarbeiter akut gewordene wirtschaftliche Kampf durch einen Streik der deutschen Bergarbeiter eine erheb- lich breitere Basis erlangen könnte. Von weniger allgemeiner Wirt- schaftlicher Bedeutung ist die Aussperrung der Porzellanarbeitcr. Eine Weiterverarbeitung wird davon wenig berührt, auch nicht die Befriedigung eines täglich unumgänglich notwendi- gen Verbrauchsartikels erschwert. Vorwiegend bleiben die Wirkungen auf die betroffenen Arbeiter beschränkt, deren Konsumkraft eine Einbuße erleidet. Anders steht es schon mit dem Kampf im Schneidergcwerbe. Beantworten die Un- ternehmer den Streik der Schneider mit einer allgemeinen Aussperrung, dann würden zirka 35 000 bis 40 000 Schneider und Hilfsarbeiter beschäftigungslos. Aber auch dieser Kampf tritt in seiner ökonomischen Bedeutung weit zurück hinter den in der Kohlenindustric. In England ist der Streik ausgebrochen. Zwar glaubt man nicht, daß er lange andauern werde, aber jeder Tag des Aussehens der Förderung bedeutet einen enormen ProduktionsauS- fall. Die Gruben Englands holen pro Tag 4s Millionen Tonnen Kohlen aus der Tiefe. Tie allgemein fühlbarste Folge eines größeren Ausfalles würde eine erhebliche Verteuerung des Brenn- materialS sein. Jetzt schon sind die Preise gegenüber dem Jahres- beginn um zipka 25 Proz. höher. Diese Verieuerung schraubt die Produktionskosten der verarbeitenden Industrie hinauf. Tritt ein wirklicher Kohlenmangel ein, dann müssen auch manche Betriebe, die Feuerungen zu unterhalten haben, die Erzeugung einschränken. Ter Kreis der beschäftigungslosen, in ihrer Konsumkraft geschwäch- ten Personen wird größer. Die ausländischen Verbraucher eng- lischer Kohlen haben jedoch kaum das Ausbleiben der Zufuhren zu befürchten. Um diese Kundschaft nicht dauernd an die Konkurrenz abgeben zu müssen, wird man den bestrittenen Markt in allererster Linie weiter mit Ware versorgen. Und für England spielt der Weltmarkt eine große Rolle, gibt es an diesen doch im Durchschnitt wöchentlich über 1 Million Tonnen, im letzten Jahre insgesamt fast 65 Millionen Tonnen, ab. Von der Gesamtausfuhr entfallen W2 Millionen Tonnen auf Deutschland. Die deutschen Grubcnbe- sitzer hoffen, der Konflikt in England werde ihnen ermöglichen, die englische Kohle aus Deutschland zu verdrängen. Das Verhalten des christlichen Gewcrkvereins gestattet den weitergehenden Schluß, es werde die Hoffnung genährt, deutsche Kohlen nach England zu werfen. Wohl aus diesem Grunde ließ sich die„Köln. Volksztg." aus den„Kreisen des Kohlensyndikats auf das bestimmteste ver- sichern", daß solche Pläne nicht bestünden. Das Syndikat würde die Gelegenheit nach Möglichkeit benutzen, um die bislang von der englischen Kohle beherrschten deutschen Absatzgebiete zu erobern und zu diesem Zwecke Kohlen nach dorthin versenden, wenn die Plätze von fremden Kohlen entblößt werden sollten. Größere Sendungen könne das Syndikat schon mit Rücksicht auf die gegenwärtige starke Aufnahmefähigkeit des inländischen Marktes gar nicht übernehmen. Dazu reichte die fetzige Erzeugung nicht aus und die Steigerung dieser sei von einer gleichzeitigen Verstärkung der Belegschaften der Zechen abhängig. Dabei stoße man aber auf Schwierigkeiten, da es im Kohlnbergbau gegenwärtig vielfach an den nötigen Arbeitskräf- ten fehle.— Dies« Information steht in Widerspruch mit einer angeblich auch aus dem Syndikat stammenden Nachricht des „Finanzherold", laut welcher man wohl bereit sei, auf Grund längerer Abschlüsse nach England zu liefern. Die Mitteilung an die„Köln. Volksztg." soll zweifellos den christlichen Gewerkverein vor dem Verdacht schützen, er wolle den Streik hier verhindern, um durch reichliche Kohlenförderung Lieferungen nach England zu er- möglichen. Die Rettungsaktion der„Köln. Volksztg." ist aber— wie en passant bemerkt werden mag— gründlich vorbeigelungen, beweist sie doch, daß gerade jetzt die Situation für die Berg- arbcitcr günstig war, viel besser jedenfalls, als wenn in England erst wieder Frieden herrscht und dann mit der Einfuhr von dort gerechnet werden könnte. Die Auskunft auS Syndikatskreisen läßt ferner erkennen, daß ein Streik der deutschen Bergarbeiter sehr schnell auch Betriebseinschränkungen in der Eisenindustrie im Ge- folg haben würde. Große Lager hat man nicht angesammelt, aber die Ausfuhr forziert, obwohl die Forderungen der Bergarbeiter schon seit Monaten bekannt sind. Das Bedürfnis des inländischen Marktes kann man nicht befriedigen, trotzdem wurde die Ausfuhr im Januar dieses Jahres im Vergleich mit dem gleichen Monat des Vorjahres um rund 5M> Millionen Doppelzentner, auf 244h Mit- lionen Doppelzentner gesteigert. Die Pflege des Ausländsgeschäfts ist dem Grubenkapital wichtiger als die heimische Marktversorgung. D. WttterungSüberstcht vom 2. Mörz ISIS. Wetterprognose für Sonntag, den 3. März ISIS. ZlmaibstlctwaS kühler, zeitweise heiter bei lebhaften südwestlichen Winden; später wieder zunehmende Erwärmung, Trübung und Regen. Berliner Wetterbureau. Unsere Kleidemke liefern Kleidungsstücke, die in großen, den sozialen und modernen hygieni- selten Erfordernissen ent- eprechenden Sälen verfertigt werden. Infolge der vollendeten Maschinen- Technik wird die haltbarste und beste Arbeit geliefert. 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