Nr. 54. nbonnementS'Bcdlngungeo: Sbonnemcntä- Preis vränumerrmdo: Dierleljährl. 330 Uli, monatl. UO Uli, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nunnner 5 Pfg. Sonntags. nummet mit Multrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Wonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- Preislifle. Unter Kreuzband für Deulfchland und Oesterreich> Ungarn 3 Mari, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburgs Portugal, ~nien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. GMdst Wich aafitr EKmQgs. Verlinev Volksblertk. Die Tnfertlons-Gebflisf Beträgt für die fechsgespallene Kolonel- zeile oder deren Raum 80 Pfg.. für politische und oewerlfchaftliche Vereins« und Versammlung� Anzeigen SO Pfg. „Klein« Hnieigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 setigedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über lSBuch- st oben zählen für zwei Worte. Inserate jüt die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abendS geöffnet, Telegramm. Adresse: „SMlalduNUnt Berlin", Zcntralorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Dcutfchlands. Redaktion: SW. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Expedition t SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Lloslen zm bürgerliche» srauenkongrek. Die Damen, denen die Arrangierung des Kongresies und der Ausstellung oblag, haben sich als äußerst geschickte Re- gisseure erwiesen, soweit es sich darum handelte, einen äußeren Erfolg sicher zu stellen. Einmal bestand ihre Geschicklichkeit schon darin, daß sie 84 verschiedene Vereine, die die hetero- gensten Elemente der bürgerlichen Frauenwelt umschließen, auf dem Kongreß vereinigt und zur Teilnahme an der Aus- stellung veranlaßt hatten. Indem die vaterländischen und patriotischen Frauenvereine, die Hausfrauenvereine, die Vereine rein charitativen Charakters, die konfessionellen Ver- eine der verschiedenen religiösen Bekenntnisse, Abstinenzver- eine, die Vereine für höhere Frauenbildung, die Frauen- stimmrechtsvereinc der verschiedenen Richtungen und last not Iea.Lt eine Reihe nicht freiorganisierter Arbeiterinnengruppen als Teilnehmerinnen des Kongresses ausmarschierten, wurde nicht nur eine weitgehende Einheitlichkeit der bürgerlichen Frauenbewegung vorgetäuscht, es wurden damit auch schon fast alle Schichten der Besitzenden für den Kongreß interessiert, fa sogar bis zu einem gewissen Grade mit engagiert. Als dasin aber für die Ausstellung das Protektorat der Kaiserin erreicht und der Kongreß durch leibhaftige Minister und andere behördliche Spitzen begrüßt worden war, da war es geradezu eine gesellschaftliche Pflicht für das honette Bürger- tum geworden. Kongreß und Ausstellung zu besuchen. Der Besuch des Kongresses wurde für die Damen zu .»einem großen Erlebnis". Das durfte keine versäumen, jede wollte doch„dabei gewesen sein". Soweit hatte die rein äußerliche Regiekunst gewaltet. Ebenso geschickt war— immer natürlich vom bürgerlichen Standpunkt aus betrachtet— die Zusammenstellung des Programms und die Art, wie die Referate abgefaßt waren, um beileibe nicht die Illusion der Einheitlichkeit zu stören, beileibe nicht nach rechts„anzuecken". An die Spitze des Programms war die Behandlung der hauswirtschaftlichen Tätigkeit der Frau gestellt. Tann folgten Erziehungs- und Berufsfragen und den Schluß bildete die Tätigkeit der Frau in der Gemeinde und in der - Politik. Man hatte jedoch nicht nur die Behandlung der haus- wirtschaftlichen Tätigkeit der Frau an die Spitze der Kon- greßverhandlungen gestellt, sondern man hatte sie auch recht breit in den Mittelpunkt gerückt. Das Loblied der Hausfrau- lichen Tätigkeit ward in allen Tonarten gesungen und allen Ernstes verlangt, daß von dem Einkommen des Mannes ein bestimmter Teil der Frau für die Hauswirtschast und für ihre persönlichen Bedürfnisse gesetzlich zugesprochen werde. Bittere Klage ward geführt über die niedere Einschätzung der haus- fraulichen Tätigkeit, die doch so hohe sittliche Werte schaffe. „Nicht nach den Lebensbedingungen der 92 Proz. ungelernter Arbeiterinnen, auch nicht nach den Lebensbedingungen der 8 Proz. Erwerbstätigen in höheren Berufen seien die Zu- kunftsideale der Frauen aufzustellen, sondern— nach den Lebensbedingungen der Hausfrau!" Die wirtschaftliche Un- abhängigkeit der Hausfrau sei deshalb anzustreben durch eine höhere Bewertung ihrer hausfraulichen Tätigkeit. Punktum! Verraten solche Forderungen auch die krasseste Unwissenheit in nationalökonomischen Fragen, so liegt doch Methode in ihrer Aufstellung. Das starke Betonen des Wertes der Hausfrauentätigkeit und die eingehende Behandlung des„religiösen Lebens" der Frau hatten augenscheinlich den Zweck, Proselyten der Frauenbewegung zu werben in den rückständigsten konser- vativen Kreisen, hier die Widerstände zu überwinden, die der Frauenbewegung entgegenstanden. Um jeden Mißton, der die„schöne Harmonie" und die „Einheitlichkeit" hätte stören können, zu vermeiden, waren die Referate vorher sorgsam ausgearbeitet,— miteinander verglichen und gegenseitig angepaßt. Die Diskussionsredne- rinnen, denen ganze 7 Minuten zur Verfügung standen, hatten sich, bis aus wenige Ausnahmen, vorher angemeldet und— ihre Diskussionsrede schriftlich filiert. So war natürlich von einer Klärung der zur Behandlung stehenden Fragen durch eine an die Referate anknüpfende und auf sie eingehende Diskussion keine Rede. Es wurden keine großen Richtlinien aufgestellt, die wegweisend für die Zukunft dienen könnten, sondern es waren i�stündige und 7 Minuten lange Deklbmationen der einzelnen Redneriniten. Eine der Damen sprach denn auch von der Fülle des Dar- gebotenen, die gleich einem Chaos ihrem Geist vorschwebe. Zu allem Ueberfluß hatte die Vorsitzende, Frl. Gertrud B ä u m e r, am ersten Tage ausdrücklich betont, daß von einer. Polemik der Delegierten untereinander keine Rede sein könne. Das galt aber nur für die rechtsstehenden Teilnehme- rinnen..Denn als am letzten Tage die politische Tätigkeit der Frau zur Diskussion stand,— man widmete ihr knapp iy2 Stunde am Schluß des Kongresses, eigentlich nach Schluß, denn diese Frage kam erst nach 2 Uhr nachmittags an die Reihe— da ward Frau C a u er, die dem Kampf um das gleiche Frauenwahlrecht das Wort redete, von der »Jveiten Referentin� Frau Fischer- Eckert, und von der Diskussionsrednerin Helene Lange heftig angegriffen. Be- sonders die erstere sprach von.Phrasen" und von dem»De-- fasel" unantastbarer Menschenrechte; man möge sich einigen auf die Forderung des Frauenstimmrechts schlechthin. Nach rechts wurden die Backen der Teilnehmerinnen ge- streichelt, nach links kräftige Backpfeifen ausgeteilt. Wie konnte Frau C a u e r sich auch unterstehen, zu er- klären, daß die Eroberung des politischen Vereinsrechtes der Frauen den Arbeiterinnen zu danken sei. wie konnte sie an- erkennend von der guten politischen Schulung der Proleta- rierinnen reden und auch für diese das Wahlrecht reklamieren. Davon wollen doch die Damen nichts hören. Hatten sie doch schon laut gemurrt oder spöttisch gelacht, als am ersten Tage Frau Deutsch erklärte, daß die Gesindeordnungen und die durch sie für die Hausangestellten geltende Rechtslage ein Ueberbleibsel der Hörigkeit darstellen. So bekam man bei der Behandlung der»Probleme der landwirtschaftlichen Frauenarbeit" auch nichts zu hören von den Gesindeordnungen und den Ausnahmegesetzen gegen länd- liche Arbeiter und Arbeiterinnen, nichts von der endlos langen Arbeitszeit, der völlig ungeschützten Kinderarbeit, der starken Kindersterblichkeit auf dem Lande, nichts von der stark ver- schlechterten Ernährung der ländlichen Bevölkerung, ihrer schandbar niedrigen Bezahlung und ihren mehr denn traurigen Wohnungsverhältnissen. Wo aber, wie z. B. bei der Lage der Krankenpflegerinnen, eine Diskussionsrednerin es wagte, die traurigen Wirtschaft- lichen Verhältnisse dieser Frauenschichte zu beleuchten, ward sie vom Referenten im Schlußwort einer Verdächtigung „vaterländischer Einrichtungen" geziehen. Von den Arbeiterinnen, von den Verhältnisien, in denen sie leben, von den Maßnahmen zu ihrem materiellen und geistigen Aufstieg, hörte man nichts. Wie sollte man auch, wir leben doch in der„herrlichsten der Welten", in der die Persönlichkeit der Frau immer mehr entwickelt und difseren- ziert, ihr Seelenleben auf das höchste kultiviert wird,— sofern man im Villenviertel des Westens wohnt. � Wozu soll man sich da mit diesen„kulturarmen" Proletarierinnen be- schäftigen. Da müßte man schließlich den Ursachen ihrer Not nachgehen, oder es sich gefallen lassen, daß da so ein Ungeschick- ter Diskussionsredner darauf verwiese und den Damen zu- riefe, daß sie allen materiellen Wohlstand und alle Persönlich- keitskultur jenen Frauen und Männern zu danken hätten, die in den Niederungen des Lebens ihr mühevolles, sonnenarmes Leben fristen. Es hätte ihnen erklärt werden können, daß, so- lange der menschenkncchtende Kapitalismus existiert, der Reichtum der Damen die Not der Arbeiterinnen zur Voraus- setzung hat. Und das wäre doch sehr unangenehm gewesen, denn die Damen sind vom sozialen Geist erfüllt, sie propagieren alle den christlichen Grundsatz:„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst." Aber— deshalb darf die„herrliche. göttliche" Weltordnung nicht angetastet, sondern sie muß mit festen Stützpfeilern versehen werden. Gewiß brachten die Damen im einzelnen sehr gute Vor- schlüge, beleuchteten manche Schäden am sozialen Körper, aber weil sie ängstlich der Aufzeigung ihrer Ursachen aus dem Wege gingen, konnten sie auch keine Vorschläge machen zur Heilung dieser Schäden, nicht einmal solche zu einer wesentlichen Linde- rung. Sie konnten es nicht und wollten es auch nicht. Mußte doch Frl. Schneider, die über die Aufgabe der Volksschule gegenüber dem Berufsleben referierte, mitten im Vortrag abbrechen, weil die ihr zustehende Redezeit abgelaufen war. Was tuts, handelte es sich doch nur um die Volksschule. Und Frl. L i s ch n e w s k a schmückte sich selbstgefällig mit fremden Federn, indem sie behauptete, die Reformforderungen an der Volksschule seien von den bürgerlichen Frauen erhoben, die Sozialdemokratinnen seien dazu nicht gekommen. Wir wollen uns mit der Dame nickt streiten, sintemalen sie weder die Forderung der Einheitlichkeit als der Arbeitsschule noch der Trennung von Schule und Kirche erhob. Mochten auch die einzelnen Referate in Form und Auf- bau Meisterwerke der Rhetorik sein, inhaltlich waren sie durch- weg geradezu armselig, die praktische Ausbeute des Kongresses also eine sehr magere. Hatte die Ausstellung mit dem Besuch der Kaiserin be- gönnen, so schloß der Kongreß mit einer Visite bei der Frau des Reichskanzlers. Ein würdiger Abschluß, der sich vollstän- dig dem Charakter der ganzen Veranstaltung anpaßte, die eine byzantinische Kundgebung, ein Bekenntnis zum Kapitalis- mus war. Der Verlauf des Kongresses hat bewiesen, daß es richtig war, was wir am vorigen Sonntag von ihm sagten: Prole- tarierinnen. die zum Bewußtsein ihrer Klasse erwacht sind, haben auf ihm nichts zu suchen. � Der Kongreß war keine Ver- anstaltung. auf der sie ihrer sozialistischen Ueberzeugung Aus- druck geben und für ihre sozialistische Ausfassung der Frauen- frage Propaganda machen konnten. Diesem Zwecke dienten vielmehr die überfüllten Frauenversammlun- gen am letzten Sonntag, die für die Berliner P r 0 le t a r i e r i n n en ein glänzendes Bekennt- nis zum Sozialismus wurden. Die Forderungen der englischen Bergarbeiter. London, 2. März 1912.(Eig. 58er.) Die von dem Premierminister unternommenen Verhandlungen sind ge- scheitert, oder besser gesagt: die Ueberredungskünste der Re»! gierungsmänner und der vereinigten bürgerlichen Presse haben nicht vermocht, die Bergarbeiter von ihrem Vorhaben abzulenken. Nun sollen die Bergarbeiter daran schuld sein, daß der Frieden in der Kohlenindustrie nicht bewahrt worden ist. Die ganze Woche lang hielt man die Fiktion aufrecht, daß nur ein Teil der Werksbesitzer den Abschluß eines Vertrages durch ihre Weigerung, den Minimallohn anzuerkennen, ver- hinderten. Jetzt schließlich kommt man dahinter, daß die 53ergarbeiter gar nicht daran denken, den Irrwisch, den Herr Asquith als einen allgemeinen Minimallohn bezeichnet, mit ihrem konkreten Minimallohn zu identifizieren. Die Presse hat das Publikum entweder aus Unwissenheit oder mit Vor- bedacht irregeführt. Jedermann, der die Bewegung-auch nur oberflächlich verfolgt hat, sollte wissen, daß es sich bei den Bergarbeitern nicht um� einen unbestimmten Minimallohn handelt. Der verlangte individuelle Minimallohn ist der be- stehende allgemeine Mstriktsminimallohn. Das ist von den Arbeitern immer wieder betont worden und als am 2. Fe- bruar auf einer Konferenz der Föderation das südwalisische Revier und einige andere Distrikte einen Minimallohn for- derten, der höher war als der allgemeine Distriktsminimal- lohn, setzte die Konferenz diese Forderungen herab. Die Situation wurde gestern in knappen Worten von dem Vize- Präsidenten der löergarbeiterföderation geschildert. Der Genosse R. S m i 1 1 i e, Präsident des schottischen Bergarbeiterverbandes und Vizepräsident der Bergarbeiter- föderation Großbritanniens sagte gestern: „Folgendes hat sich ereignet: Die Regierung ersuchte uns, die Vertreter der Bergarbeiter, die Lohnsätze zu rechtfertigen, die wir als Minimallöhne aufgestellt haben. Wir sind gern bereit, dies zu tun, können aber darüber nicht mit der Aussicht auf eine etwaige Reduzierung dieser Lohnsätze verhandeln. Der Vorstand der Föderation hat in iWirklichkeit nicht die lvtacht, einer Redu- zierung zuzustimmen. Die Regierung drückte die Ansicht aus, daß wir mit den Kohlenbesitzern zusammenkommen sollten, um unsere Lohnsätze zu rechtfertigen. Wir antworten, daß wir mit den Kohlenbesitzern nicht konferieren können, es sei denn, daß diese zuerst ihre Bereitwilligkeit, diese Lohnsätze anzuerkennen, kundgeben. Die Bergarbeiter sind heute sicherer denn je, daß ihr Kampf erfolgreich sein wird und daß sie die in unserer Liste angeführten Lohnsätze erringen werden. Sie sind höchst enthusiastisch und sind der Ansicht, daß ihre Forderungen so bescheiden sind, daß von einem Fehlschlagen ihrer Bewegung nicht die Rede sein kann. Der Premierminister appellierte an uns, als vernünftige Männer zuzustimmen, daß eine angemessene Diskussion über die einzelnen Lohnsätze stattfinde. Wir erwidern, daß wir vernünf- tige Männer sind und daß wir bereit sind, der Regierung die Vernünftigkeit unserer Forderungen zu beweisen. Wir sind der Ansicht, daß ein gewisser Mindestlohn notwendig ist, um den Bergarbeiter und seine Familie anständig zu ernähren, und daß der Bergarbeiter, wenn er Arbeit verrichtet, zu dem zu diesem Zweck notwendigen Einkommen berechtigt ist. Das ist der Prüf- stein eines angemessenen Minimallohnes. Wir gerieten auf schlüpfrigen Boden, wenn wir nicht nur be- weisen sollen, daß die Minimallohnsätze angemessen(reosonoble — eigentlich vernünftig) sind, sondern auch, daß die Industrie sie in jedem Falle bezahlen kann. Wir haben die Ziffern schon nach sorgfältiger Erwägung auf den tiefften Punkt herabgesetzt und wir sind nicht bereit, Verhandlungen zu eröffnen, um es schließ» lich einem Beamten der Regierung zu überlassen, zu entscheiden. was ein angemessener Minimallohn ist oder nicht ist. Die Vorstandsmitglieder, die heute nach Hause gereist sind, kehren nicht nach ihren Distrikten zurück, um sich neue Jnstruk- tionen zu holen. Die Konferenz hat alle nötigen Instruktionen gegeben und man hat keinen Grund vorgebracht, weshalb diese Instruktionen in irgendeiner Weise modifiziert werden sollten. Das Publikum mag fragen, wie es kommt, daß der Minimal. lohn für einige Distrikte viel niedriger ist als für andere. Der Grund ist, daß wegen der Beschaffenheit der Gruben in gewissen Revieren die Bergwerke schließen müßten, wenn ein höherer Mi- nimallohn festgesetzt worden wäre. Natürlich hegen wir nicht den Wunsch, ein solches Resultat herbeizuführen." Der Generalstreik der Bergarbeiter ist ein Generalstreik im vollsten Sinne. In Südtvales wird nicht auf einer einzigen Zeche gearbeitet. In einigen Revieren gibt es ein paar kleine entlegene Gruben, die nicht der Föde- ration angehören, wo noch gearbeitet wird. Man hofft jedoch, daß auch diese paar Mann in zwei, drei Tagen die Arbeit niederlegen werden. An eine Verwendung von Streik- blechern ist natürlich nicht zu denken. Soldaten, Polizisten und„Pinkertons" haben daher wenig mehr zu tun, als sich zu langweilen. Der Vorstand der Föderation wird sich-Dienstag wieder in London versammeln. Montag wird der Premierminister eine weitere Erklärung im Parlament abgeben. Die Ein- führung des Minimallohnes auf gesetzlichem Wege hält man nicht mehr für praktisch: man sagt, die Bergarbeiter könnten nicht gezwungen werden, für einen Minimallohn zu arbeiten, der niedriger sei als der von ihnen verlangte; der gesetzliche Mininiallohn sei nur mit Zustimmung der. Bergarbeiter durchführbar. *** Die Darstellung des prennermmifters. London, 4. März. Premierminister Asquith ergriff heute nachmittag im Unterhaus« das Wort, um die mit Spannung eu ttatlcle Erklärung M Regierung ül>er!Hr'e'Hallung zu LeK Skreik dcr englischen Bergleute zu verlesen. Beide Parteien hätten, so führte der Premierminister aus, ihre Forderungen den Rcgierungs- Vertretern dargelegt und gleichzeitig erklärt, daß sie bereit wären, sich in Unterhandlungen einzulassen. Die Grubenarbeiter hätten sich auf einen bestimmten Minimallohn versteift, den sie unter allen llniständen durchsetzen wollten. Die Regierung werde versuchen, für die verschiedenen Bergwerksdistrikte einen bestimmten Mindest- lohn festzusetzen. Bisher seien alle Versuche in dieser Richtung an dem Widerstände der Grubenbesitzer von Südwales und Schott- land gescheitert. Die Regierung sei der Ansicht, daß die Bergwerks- bcsitzcr für einen bestimmten Minimallohn auch das Recht hätten, eine bestimmte Arbeitsleistung zu verlangen, doch haben sich die Arbeitnehmer geweigert, den geforderten Mindestlohn von der Arbeitsleistung abhängig zu machen, sondern verlangen die be- dingungslose Anerkennung dieser Forderung. Bisher hätten sich KZ Proz. der Arbeitgeber bereit erklärt, diese Forderung zu be- willigen. Der augenblickliche Stand der Lage lasse immer noch einen Vergleich hoffen. Ter von den Arbeitnehmern geforderte Minimallohn schwanke in den verschiedenen Bezirken zwischen 4 Schilling II Pence und 7 Schilling ö Pence. Di« Arbeitgeber haben zahlreiche Gründe angeführt, die sie zwingen, den Minimal- lohn in der geforderten Höhe abzulehnen. Einige haben erklärt, daß sie dann gezwungen wären, ihren ganzen Betrieb einzustellen. Tie Regierung sei jedoch der Hoffnung, daß es ihr gelingen werde, einen Ausweg zu finden, der beide Parteien zufriedenstellen werde. Die Rede des Premierminister» wurde von dem Hause mit großem Beifall aufgenommen, iMchsstz- und Sozlalpolitili. Die heutige Debatte über den Etat des Reichsamts des Innern wurde mit einem kleinen Vorspiel eingeleitet, das der clsässische Zentrunismann Wetterls lieferte. Er kam noch einmal auf die Streichung des Gnadenfonds in der Budget- konlinission des reichsländischen Parlaments zu sprechen und verteidigte den strengen Monarchismus seiner Partei. Es kann bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen werden, daß unsere Parteigenossen den Gnadenfonds nicht nur aus budget- rechtlichen Bedenken abgelehnt haben, sondern auch weil sie ihn für eine höchst überflüssige und' entbehrliche Einrichümg halten. Nach einer Rede des Abgeordneten Mumm, der die Vorsicht hatte, Einschränkungen des Koalitionsrechtes ab- zulehnen, und nach den üblichen mittelständlerischen Be- schwerden des Abg. Werner nahm der Staatssekretär Dr. Delbrück zu einer ausführlichen Besprechung seiner Wirtschaftspolitik das Wort. Man konnte mit einiger Spannung auf diese Darlegung gewartet haben, und das Haus wandte ihr auch eine Aufmerksamkeit zu, die den voran- gegangenen Rednern begreiflicherweise gefehlt hatte. Dieses gesteigerte Interesse fand aber nur zu einem ge- ringen Teil Befriedigung. Denn wenn auch der Staats- sekretär allerhand gelehrte Ausführungen über die EntWickelung und die Bedürfnisse machte, wie sie auch aus unserer industriellen Entfaltung erwachsen sind, so durfte er doch nicht die unbedingt nötigen Folgerungen ziehen. Das trifft zu ..sowohl für seine. Angaben über die kommende Handelspolitik, als auch für all die Schlußfolgerungen, die er aus der wachsenden Syndikatsbildung herleitete. Der Staatssekretär hob selbst hervor, daß die hervorragendste Aufgabe der ganzen Wirtschaftspolitik gegenwärtig nicht mehr der Schutz des inneren Marktes, sondern die Erhaltung der auswärtigen Absatzgebiete gegenüber der dortigen Konkurrenz des Auslandes ist. Auf die selbstverständliche Folge dieser Tatsache niachte ihn schon unser Genosse Sachse bei seiner alsbald folgenden Antwort aufmerksam: die Handelspolitik des Reiches muß eine Aenderung erfahren und eben durch eine Abkehr von dem gewaltigen Zollschutz die Stellung der deutschen Industrie auf dem Auslandsmarkt stärken. Der Staatssekretär selbst mag dieses Bedenken wohl empfunden haben, denn er fügte feiner eigenen Feststellung hinzu, daß auch eine freihändle- rische Politik Deutschlands das Ausland keineswegs ver- anlassen würde, seine Tarife nachgiebiger zu gestalten. Diese Behauptung ist durchaus willkürlich und wird auch niemanden zu täuschen vermögen. Es ist vielmehr gar nicht einzusehen, warum nicht bei gemäßigten deutschen Forderungen gelegentlich der nächsten Handelsvertragsverhandlungen auch Konzessionen von den anderen Staaten zu erwirken sein sollten. Es genügt wohl, in diesem Zusammenhange an die Repressalien zu erinnern, die seinerzeit als Antwort auf den deutschen Hochschutzzoll von anderen Staaten, z. B. gegenüber der deutschen Spielivarenindustrie, ergriffen worden sind I Aber der Staatssekretär wollte oder mußte eben un- bedingt sagen, daß das Reich an seiner„bewährten" Wirtschafts- Politik festhalten werde, und er half sich über alle Schwierigkeiten seiner eigenen Logik mit der wiederholten Versicherung hinweg, daß die deutsche Volkswirtschaft die Kraft gehabt habe, alle Komplikationen zu überwinden. Daß auch diese opti- misiische Schilderung durchaus nicht einwandfrei ist. konnte ihni gleichfalls Genosse Sachse mit einem kurzen Hinweis auf die sicherlich wenig glänzende Lage eines großen Teiles der deutschen Textilindustrie nachweisen. Auch die Bemerkungen des Staatssekretärs über die Syndikate waren wenig konsequent, so richtig manche seiner Feststellungen gewesen sein mögen. Er konstatierte, daß diese neuen wirtschaftlichen Gebilde vielfach den Charakter von Privatmonopolen angenommen hätten, und er fügte hinzu, er persönlich halte unter llniständen Privatmonopolefür gefährlicher als Staatsmonopole. Ja, ihm erscheint die Umwandlung der Privat- Monopole in Staats monoPole als das wahr- scheinliche Ergebnis der EntWickelung. Er lehnt aber jede ungeduldige Folgerichtigkeit mit der bequemen Beruhigung ab. wir seien noch nicht reif genug! Man konnte ihm von den sozialdemokratischen Bänken entgegenrufen, daß wir Sozial- dcmokraten schon längst reif sind. Genosse Sachse begann seine Rede mit einer kurzen Polemik gegen den Staatssekretär, die wir soeben an- gedeutet haben. j5r wandte sich dann seinem eigentlichen Thema zu und erörterte in ausführlichen und überzeugenden Darlegungen die Behandlung der Arbeiter, vor allem in den Bergrevieren, und die Forderung, die sie an die Gesetzgebung stellen. Gegenüber allen Scharfmachern aus dem Hause hob er den Terrorismus hervor, der in unerhörter Weise von den Arbeitgebern ausgeübt wird und zu einer maßlosen Ausbeutung führt. Er verlangte, daß die Arbeitgeber und die Regierung den berechtigten Wünschen der Arbeiter ent- gegenkommen und so die einzige Möglichkeit schaffen, auf die Dauer den Frieden zu erhalten. Wenn man aller- dings diesen Forderungen und den wirklichen Zuständen die Reden entgegenhält, die fast zu gleicher Zeit zu demselben Gegenstand im preußischen Landtag gehalten worden sind, ist wenig Hoffnung berechtigt, daß die Regierung in Deutschland auch nur annähernd so diel Vernunft zekgan wird, wie;» die englische Regierung'immerhin zu beweisen scheint. Den Schluß der Verhandlung bildete eine lange, von allgemeiner Unaufmerksamkeit begleitete Züuftlerrede des Zentrumsabgeordneten Irl. Die Debatte findet morgen ihren Fortgang._ ver„Konfüiü" In Clfaß-Cotbrlngen. Die Drohungen der offiziösen Presse mit der Auflösung deS jungen elsaß-lothringischen Landtages für den Fall, daß der von der Budgctkommission der Zweiten Kammer abgelehnte kaiserliche Gnadenfonds von I0<7000 M. auch vom Plenum der Kammer gestrichen werden sollte, werden in Elsaß-Lothringcn nicht sehr tragisch genommen. In der Budget- kommissiou der Zweiten Kammer ist der Fonds nur von den so- zialdemokratischen Abgeordneten grundsätzlich und bedin- gungSlos, von antimonarchischen Erwägungen aus, abgelehnt wor- den; dagegen waren die Zentrumsrepublikaner vom Schlage Wetterles inkonsequent genug, dem Fonds die Existenz- bercchtigung zuzugestehen,— sie bestanden nur auf dem p a r l a- nl entarischen Kontrollrecht. Auf dieses Kontrollrecht ist auch schon aus dem Schöße des seligen Landesausschusses heraus Anspruch erhoben worden, allerdings stets umsonst: die Regierung lehnte früher wie jetzt diesen Anspruch grundsätzlich ab, und dabei pflegte sich dann der Landesausschuß zu beruhigen. ES ist äußerst wahrscheinlich, daß auch die Mehrheit der neuen Zweiten Kammer in Elsaß-Lothringen, die jetzt so rabiaten Zentrümler an der Spitze, sich schließlich mit irgendeiner nichtssagenden Scheinkonzcsfion der Regierung auf diesem Gebiete begnügt, wie dies die Liberal-Demo- k raten bereits in der Budgetkommission getan haben, und daß der kaiserliche Gnadenfonds dann bewilligt wird gegen die Stimmen einzig und allein der Sozialdemokraten. Ist es doch schon bezeich- *t>end genug, daß in einer Straßburger Korrespondenz der„Kol- nischen Volkszeitung" die Entdeckung gemacht werden konnte, der„V o r w ä r t s" mache sich nur darum über den Radi- kalismus der Zentrumsftaktion in der Budgetkommission der Zweiten elsaß-lothringischen Kammer so weidlich lustig, weil er darauf hinarbeite,„die Verwirklichung der Kommissionsbeschlüsse zu vereiteln"; die Sozialdemokraten verfolgten die„schlaue Taktik, Abstriche am Budget zu machen, aber dafür Sorge zu tragen, daß sie eventuell unterbleiben". Kurioser ZentrumSheroiSmusl Wenn die Herren Zentrums- republikaner in Straßburg, Colmar usw. die vermaledeiten Sozcn wirklich im Verdacht haben, daß sie lediglich von dieser„schlauen Taktik" sich leiten lassen» was hindert sie dann, diese angebliche sozialdemokratische Spekulation elend zuschanden zu machen, indem sie der teuflischen Sozialdemokratie zum.Trotz bei den Kommifsions- bcschlüssen stehen bleiben und den zu befürchtenden Umfall im Plenum nicht vollziehen?... Wir hindern sie jedenfalls nicht daran. Die— im äußersten deutschen Südwesten sogar republika- nische—„Volkspartei" des Zentrums möge nur sehen, daß sie gegenüber dem kaiserlichen Gnadenfonds aufrecht bleibt, dann ist alles in Ordnung. Aber, aber!... Ebenso wahrscheinlich ist, daß die Regierung gegenüber der Forderung der parlamentarischen Kontrolle wenigstens zum Scheine ein kleines Zugeständnis macht. In der Frage der sogenannten Kaiserjagd bei. Oberhaslach im Untcrelsaß, deren Berpach- tung die Budgetkommission beim Plenum der Zweiten Kammer zu beantragen beschlossen hatte, ging die Regierung dem..Konflikt" ganz einfach dadurch aus dem Wege, daß Unterstaatssekretär Köhler bei der Lesung des Kommissionsberichtes in der Kommission die Er- klärung abgab: der Kaiser habe sich auf Vortrag des-Statt- Halters dahin entschieden» auf die ihm seinerzeit vom Landesaus- schuß freiwillig angebotene und zur Verfügung gestellte Jagd bei Oberhaslach zu verzichten. Hiernach wird diese Jagd in Zu- kunst verpachtet werden, da eine weitere Kommissionsresolution. für welche die Mehrheit in Plenum gesichert ist. die Verpachtung sämtlicher noch administrierter Jagden für die Zukunft verlangt, und die Regierung ein Voranschreiten auf diesem Wege bereits in Aus- ficht gestellt hat, obgleich sie auS zum Teil guten Gründen nicht „sämtliche" Jagden verpachtet haben will. Hier ist der Konflikt sonach bereits gegenstandslos geworden. Die von der offiziösen Presse ferner noch angekündigte AuS- spielung der Ersten Kammer gegen die Zweite wird sich die Regierung wohl noch ein wenig überlegen. Die Erste Kammer kann nach dem neuen elsaß-lothringischen VerfassungS- gesetz daS von der Zweiten Kammer beschlossene Budget im ganzen annehmen oder ablehnen, sie kann daS Budget nicht im einzelnen abändern. Ohne ganz zwingende Gründe wird die Erste Kammer das Budget nicht ablehnen können, da sie damit den Boden für die folgenden Neuwahlen, zu denen der Konflikt schließlich führen muß, in einer der Regierung wenig günstigen Weise bereiten würde. Bei Neuwahlen im Falle der Auflösung des Landtages hätte die Regierung nichts zu gewinnen, wohl aber manches zu verlieren. Mit dem Gespenst der Auflösung schrecken die Offiziösen also nio- mand, auch nicht daS Zentrum, das aber wohl aus andern Grün- den bald seinen Frieden mit der Regierung machen dürste ßfiftungsforderungen und Pump- wirtkijaft. Die„Germania" behauptet, nunmehr in der Lage zu sein, Mitteilungen über den Umfang der neuen Rüstungs- forderungen mackien zu können. Bei der Flottenvorlage handele es sich„nicht um große Ausgaben", sondern im Durch» schnitt der nächsten sechs Jahre„nur" um etwa 30 Millionen Mark jährlich mehr. Erheblicher seien die Ausgaben der Heeresvermehrung. Sie würden den Etat mit einer ein- m a I i g v n Ausgabe von 100 Millionen Mark und dann fortlaufend mit einer Mehrausgabe von 50 bis KO Millionen Mark jährlich belasten. Selbst angenommen, daß die„Germania" recht hätte, so handelt es sich doch für das e r st e Jahr um eine Mehraus- gäbe von nicht weniger als 200 Millionen, nämlich die 100 Millionen e i n ni a l i g e r Ausgabe und die etlva 90 Millionen jährlicher Ausgabe für Heer und Flotte. Wobei aber anzunehmen ist. daß die Schätzungen der«Germania" noch erheblich hinter der Wirklichkeit zurück- bleiben. Aber selbst wenn es sich nur um zirka 100 Millionen jähr- licher Ausgabesteigerung und 100 Millionen einmaliger Aus- gäbe handelte, würde dadurch bereits unser ganzer schöner Etat über den Haufen geworfen werden. Ist der Etat für 1912 doch nur dadurch in die Balance gebracht, daß die zur„Schuldentilgung" bestimmten 83 Millionen zu gleicher Zeit zur Deckung der Ausgaben des außerordentlichen Etats dienen. Würden die 83 Millionen zum Ankauf von Schuldverschreibungen verwendet, so würde sich der Anleihebetrag, der auf 43� Millionen bemessen ist, um die 83 Millionen erhöhen, also die Höhe von 129 Millionen erreiche«. Auch dann also, wenn keine Schulden getilgt werden, isk noch eine Anleihe lloff annähernd 44 Millionen erforderlich. Kommen dazu nun aber die 200 Millionen an einmaligen und dauernden Rüstungsausgaben, so wird sich der Aiilcihebcdarf auf Vx Milliarde erhöhen, ohne daß auch nur ein Pfennig an Schulden getilgt ist! Auch die Hoffnungen der Zentrumspresse, daß der Etat, für 1912 in den Einnahmen so vorsichtig angesetzt sei, daß eiu erheblicher Mehrertrag sicher wäre, find ja bekanntli ch in den letzten Tagen durch einen gründlichen ossiziösen Gegeu- beweis völlig zerstört worden. Tie Zentrumspresse kaum sich also nicht mehr damit herausreden, daß voraussichtlich die Einnahmen den etatmäßigen Ansatz erheblich überschreiten: würden. Es bleibt also schon dabei, daß wir rund 230 Millio- nen p u m p e n müssen, wenn die Rüstungsausgaben U'.: 1912 angenommen werden. Trotzdem hat die„Germania" die Stirn, noch immer so zu tun, als ob die militärischen Rüstungen, die die Regierung fordert, durchgeführt werden könnten, auch wem? keinerlei neue Steuern eingeführt würden. Das Zentrumsblatt faselt sich zu diesem Zwecke über die ungeheuren Mehrerträge im Jahre 1911 das Blaue vom Himmel zusammen. Sprach sie vor einigen Tagen von einem Ueberschuß von 120 Millionen aus dem Rechnungsjahr 1911, so ist in der letzten Nummer de'� „Germania" dieser„reine Ueberschuß" bereits aus 220 Milli». nen angewachsen! Und das,„nachdem die Schulden» tilgui?g von 113 Millionen Mark bereits in A b- zug gebracht" sei. Diese Darstellung ist geradezu ungeheuerlich. Im Jahre 1911 sollten 89 Millionen Schulden getilgt werden. Er- folgte aber diese Schuldentilgung, so erhöhte sich damit der Anleihebedarf des außerordentlichen Etats um diese 89 Millionen! Von dem Ueberschriß das Jahres 1911 müssen also erst diese 89 Millionen bis zum letzten Pfennig abgezogen??zerden, bevor an eine wirkliche Schuldentilgung gedacht resp. von einem„reinen Ueberschuß" gesprochen werden kann. Ter wirkliche Ueberschuß schrumpft sonach selbst im besten Falle auf einige Dutzend Millionen zusammen. Und diese paar Dutzend Millionen erachtet die„Germania" für ausreichend, uin die neuen 100 Millionen an einmaligen Ausgaben und die weiteren 100 Millionen jährlicher fortdauernder Ausgaben zu decken. Und diese unglaublichen Berechnungen leistet sich die ultramontane Schwindelfirma lediglich zu dem Zwecke, um denen, die nicht alle werden, weiszumachen, daß gar nicht nötig sei, zur Bestreitung der Rüstungsausgaben neue Ein- nabmeguellen zu erschließen. Die Erbschafts st euer ist den mit den Agrariern allf Gedeih und Verderb verbündeten Zentrumsmannen nun einmal so verhaßt, daß sie das Reich lieber von neuem in die tollste Dcfizitwirtschaft hinein- bugsieren möchten, als daß sie den drmen Strobdachslickenden zumuten, auch ihrerseits wenigstens einen kleinen Beitrag zu den neuen Rüstungsausgaben beizusteuern! politilcbe(leberlickt. Berlin, den 4 März 19l2. Die Bewegung der Bergarbeiter vor dem Treiklaffen- Parlament. Wie zu erwarten war, erstreckte sich die Debatte über den B e r g e t a t. dessen zweite Lesung a?n Montag im Ab- geordnetenhause begann, auch auf die Bewegung der Bergarbeiter. Wer aber geglaubt hat, die Regierung und das Parlament würden als Scharfmacher gegen die Arbeiter auf- treten, der wurde durch die Diskussion eines anderen belehrt. Natürlich billigt das Dreiklasseilparlament die Forderungen der Bergsklaven nicht, das hat ja auch kein Mensch verlangt. Aber es hat sich auch nicht ul?bedingt auf die Seite der Grubenbarone gestellt; und das ist das beste Anzeichen dafür. daß selbst diese Vertreter einseitiger privatkapitalistischer Interessen, wenn sie es auch nicht offen auszusprechen wagen. im Grunde ihres Herzens der Bewegung eine gewisse Be- rechtigung nicht abzusprechen vermögen. Eine Ausnahme machte nur der Sprecher der Nationalliberalen. der Abg. Hirsch-Essen, aber um dessen Stellung' richtig zu würdigen, muß man bedenken, daß er im Privatleben Syndikus der Essener HandelSkam?ner und von Berufs wegen der Oberst der Scharfmacher ist. Er ist also Partei und sein Urteil ist getrübt. Sogar Herr B r u st vom christlichen Bergarbeiterverband erklärte die Minimallöhne, ivcnn sie tariflich festgelegt werden. für gerechtfertigt und betonte, daß ohne eine Aufbeffcrung de'.' Löhne ein allgemeiner Streik nicht zu verhindern sein werde. Daß die christlichen Bergarbeiter sich nur aus politischen Gründen abseits stellen, ging aus den Ausführungen des Abg. Brust nur'allzu deutlich hervor. Was hätte cS sonst für einen Sinn, in einem Augenblick, wo die Gcschloffenheit der Arbeiter aller Richtungen nötiger ist als je. die alberne Behauptung aufzllstellen. daß die Sozialdemokraten jede Be- wegung der Arbeiter parteipolitisch zur Niederringung des christlichen Verbandes auszunützen suchen? Ganz anders als dieser soge?iannte Arbeitcrvertreter nahm sich der wirkliche Vertreter der Arbeiter, Genosse L c i n c r t. der Interessen des vom Bergbau ausgebeuteten Proletariats an. Mit allem Nachdruck wies er die Berechtigung der Berg- arbeiterforderungen nach und forderte die Regierung auf. deutlich ihre Stellung zur Bewegung kund zu tun. Mit Recht verlangte er. daß die Regierung sich dem gewalttätigen Vor- gehen der Gnibelibarone entgegenstellen möge. Auch sonst zeichnet sich die Rede unseres Genossen durch eine große Sach- kennt??is und durch ein warmherziges Eintreten für die Berg- arbeiter aus. Leider konnte sich der Minister S y d o w nicht zu einer unzweideutigen Erklärung aufschwingen. So viel steht fest. daß er im Grunde seines Herzens, wie Leinert vorausgesagt hatte, ein Sachwalter des Grubenkapitals ist, aber anderer- seits ist er mit deren rigorosem Vorgehen nicht.ein- verstanden, er mahnt beide Seiten zur Besonnenheit und hofft auf ein« gütliche Beilegilng der Bewegung durch Verhandlungen. Wenn nur die Schlotju?irer feine Hoffnung nicht zuschanden machen! Nicht die Arbeiter sind es, die. um mit deln Minister zu reden, sich mutwillig eine Verdienst- gelegenheit verscherzen wollen, sondern die Unternehmer zwingen sie, zum letzten Mittel zu greisen. Nach der bereits envähnten Scharftnacherrede und einigen weiteren belanglosm Ausführungen von feiten der Rechten wurde die Generaldebatte geschlossen. Dienstag: Fortsetzung der Etatsbcratung. Janufchauerliche Poesie. In Narienburg gibt heute die konservative Partei ihrem bisherigen Abgeordneten,.dem königStreuen Manne KammerherrnvonOldenburg'Januschau'em feucht» frAHNcheS Abschiedsfest. SuS Anlaß dieses großen Ereignisses hat ein januschauerlicher Poet ein herrliches vaterländisches Lied ge- dichtet, das auf dem Fest nach der bekannten Melodie des Rhein- liedes»Strömt herbei ihr Völkerscharen!* gesungen werden soll. Ein Unbekannter sendet uns diesen Erguß eines edlen DichtergemiheS ei«. Zur Erheiterung unserer Leser wollen wir einige Strophen daraus mitteilen. Das Poem beginnt: Strömt herbei, ihr KönigStreuen, Mann für Mann, von Ost und West, Unsenn Führer gilts zu weihen Heut sein Ehren-Abschiedsfest. Hurra tön's aus tausend Kehlen, Wo man seinen Namen nennt. Nicht ein einziger darf fehlen, Der sein edleS Streben kennt. Furchtlos griff er zu den Waffen,. Zog umher von Ort zu Ort, Wie dereinst für uns zu schaffen Mit der Tat!— nicht mit dem Wort. Aber viele seiner Treuen Haben es ihm schlecht gelohnt. Ewig müßt ihr es bereuen, Die ihr ehrlos ihn entthront. Aber blicke nur im Kreise, ES gibt auch noch gute Leut', Die nach alter Sitl und Weise Dich verehren allezeit, Die es niinmermehr vergeffen, Was du Gutes hast getan Als im Reichstag du geseffen, Ehrenwerter deutscher Mann. Darauf folgt eine halbe Elle Reimerei von gleicher Güte, und dann heißt es zum Schluß: Ewig woll'n wir Dein gedenken, Wenn Du nun auch von uns reist. Deinen Schritt kannst heim Du lenken, Aber laß uns Deinen G e ist. Dir, der Du in alter Treue Deines Königs stets gedacht, :,: Sei wie heut' auch stets aufs neue Freudig unser Hoch gebracht! Allem Anschein nach gedenken die Konservativen in Marienburg das.Ehren-Abschiedsfest' als FaschingSfest zu feiern. Die deutsche Zarenpresse für das russische Justizverbrechen. Es war zu erwarten, daß die Aktion der sozialdemokratischen Reichstags- und Landtagsabgeordneten zugunsten des Wieder- aufnahmeverfahren im Prozeß der unschuldig verurteilten Duma- abgeordoeten, der sich auch einige freisinnige Landtagsabgeordnete angeschlossen haben, den Protest der zarentreuen deutschen Äe- -aktion hervorrufen würde. Gibt eS doch keine Scheußlichkeit im Zarenreiche, beginnend mit den Strafexpeditionen und Pogromen bis zu den Gefängnisgreueln und Justizverbrechen, die nicht das licfireiche Verständnis und die Zustimmung jener Elemente in �Deutschland gefunden hätten, die noch heute von der heiligen Allianz der borussischen und russischen Unkultur träumen. Aber selbst wir haben nicht erwartet, daß dieser Husarenritt zum Zweck 'Sckt' Ehrenrettung Väterchens so unsäglich blamabel für seine Ur- Heber ausfallen würde. Neben alten Ladenhütern, die von der Mtaktion gewöhnlich bei solchen Anlässen hervorgeholt werden, werden Argumente gebraucht, die von der mitleidecregenden Geistesverfassung ihrer Auwren Zeugnis ablegen. Die »Deutsche Tageszeitung", die sich selbswerständlich auch diesmal zum Sprachrohr der treuen Mamelucken Väterchens ge- macht hat, behauptet mit der ihr eigenen Offenheit schlankloeg, daß die Behauptung betreffend das Komplott der russischen politischen Polizei gegen die sozialdemokratische Dumafraktion„völlig in der Luft schwebt". Das Oertel-Blatt ignoriert dabei absichtlich die Tatsache, daß schon die Kommission der zweiten Duma, die ausschließlich aus den Vertretern der bürgerlichen Parteien bestand, einstimmig zu der Ueberzeugung gelangte, daß eS sich hier um ein Komplott der politischen Polizei gegen die Duma gehandelt hat. ES will auch nichts davon wissen, daß die setzt bekannt gewordenen Einzelheiten dieses Komplotts die Machinationen bezahlter Lockspitzel und ihrer hochgestellten Auf- traggeber zur Gewißheit erhoben und den Protest der ganzen Kulturwelt geweckt haben. Was schert es sich darum, daß seine soeben gekennzeichnete Bemerkung nach dem ganzen Stande der gegen die russische Regierung erhobenen Anklage einer bös- willigen Insinuation gleichkommt?„Selbst wenn aber — schreibt es weiter— etwas Wahre» daran sein sollte, so würde das eine reichsdeutsche Partei noch nicht berechtigen, sich derartig in die inneren Angelegenheiten eines befreundeten(!) Staates einzumischen und demselben ohne Beweis(?) öffentlich vorzuwerfen, daß in ihm ein derartiges Justizvcrbrechen verübt worden sei." Also wieder als Hauptargument die alte widerliche Heuchelei von der„Nichteinmischung" in die inneren Angelegen- heiten eines anderen Staates! Wieder die ekelhafte Anbiederung nn das„befreundete" Reich des Galgens und dSr Knute! Es genügt, diese Aeußerungen anzuführen, um die ganze Erbärmlichkeit dieser Verteidigung des russischen Justizverbrechens darzutun. Ihre Wirkung kann nur die sein, die Seelenharmonie und Jnter- csseng emeinschaft des modernen deutschen Raubrittertums und der russischen Pogromkultur der Oeffentlichkeit erneut vor Augen zu führen, und den P r o t e st des deutschen Volkes gegen die deutschen und russischen Zarenknechte noch heftiger aufzupeitschen. Rücktritt des Breslauer Oberbürgermeisters. Wie aus Breslau gemeldet wird, hat der Oberbürger- meister von Breslau, Dr. Bender, in der letzten Magistrats- sitzui'g die Erklärung abgegeben, daß er wegen zunehmenden Alters sein Amt, das er seit 1891 verwaltet, niederlegen wolle. Da Oberbürgermvister Bender erst 64 Jahre alt und noch sehr rüstig ist, mutet die Rücktrittsbegründung recht seltsam an. Ersatzwahlen zum elsast-lothringischcn Landtag. Bekanntlich hat daS Oberlandesgericht zu Kolmar die Wahl von vier Zentrumsabgeordneten zur reichsländischen Cammer für ungültig erklärt, weil die Zentrumsgeistlichkeit Kanzel und Beichtstuhl benutzt hatte, um für diese ihre vier Erkorenen Propaganda zu macheu. Gestern fanden in den vier Wahlkreisen die Ersatzwahlen statt. In zwei Kreisen, in Saargemünd und in Hüningen-sierenz wurden die Zentrums- männer wiedergewählt, während in Habsheim und Sulz Stichwahlen stattfinden müssen. Nach telegraphischer Meldung hatten die Wahlen folgendes Ergebnis: Im SS. Wahlkreis(Saargemünd) wurde Hoen(Zentrum) mit 3384 Stimmen wiedergewählt. Huber(Lothringer Block) er- hielt 731, Weidner(Liberal) 462, Mischkowitz(Soz.) 1329 Stimmen. Im 12. Wahlkreis(Hüningen-Sierenz) erhielten Brom (Aentrum) 2238,(Josse(Liberal) 604, Sick(Soz.) 1407 Stimmen. Zersplittert war eine Stimme. Eine Gemeinde steht noch aus, doch ist Broms Wahl gesichert. Im 13. Wahlkreis(Habsheim im Landser) erhielten Broglie(Zentrum) 2612, Müller-Möglin(Soz.) 2001, OnimuS (Liberal) 838, zersplittert waren 9 Stimmen. Es findet Stich- wähl statt. Im 37. Wahlkreise(Sulz und W.-Wörth) erhielten Alfred Wolf(Liberal) 2597, Kiener(llnabh. Zentrum) 2593, Lobstein(Bund der Landwirte) 185 Stimmen. Es findet Stich- Wahl statt._ Konservative Wahlmache in Pommer«. Dem Reichstage liegen auch vier Wahlproteste aus Pommern vor. In allen Fällen handelt eS sich um konservative Mandate, die beanstandet werden. Nach den Begründungen zu urteilen, die den Protesten beigegeben sind, ist es recht einleuchtend, warum die Junker bei der letzten ReichStagswahl siegen mußten. So wurden zum Teil die Wählerlisten überhaupt nicht oder nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprechend ausgelegt. Auch das Abschreiben wurde untersagt. Wahlbezirke von 13, 14 und 15 Wähleren waren durch- aus keine Seltenheit. In vielen Orten fehlten die Wahlzellen ganz, in anderen waren sie so beschaffen, daß der Wähler genau beobachtet werden konnte. Außerdem wurden besondere Listen geführt, um bei der Auszählnng der Stimmen feststellen zu können, wie ein jeder gewählt hat. Diesem Zwecke entsprechend waren auch die Wahlurnen eingerichtet. In G ü l tz o w diente als Wahlurne eine kleine hölzerne Kiste mit Schiebedeckel, die so klein war, daß sie zwischen 5 und 7 Uhr nachmittags zweimal ge- öffnet wurde, um für die weiteren WablkuvertS Platz zu schaffen. In Krangen bestand die Wahlurne auS einem unverschloffenen Pappkarton. Das Tollste wurde wohl in Wildenhagen geleistet. In diesem Orte wählte auch der Nachbarort R ö n z. Um nun aber eine genauere Kontrolle zu haben, stellte man im Wahllokal zwei sogenannte Urnen auf, die eine für die Wildenhagener, die andere für die Wähler aus Rönz. Für Wildenhagen diente ein Steintopf und für Rönz eine Terrine als Wahlurne. Daß man andersdenkende Wähler, nachdem man sich hiervon durch Oeffnen des Wahlkuverts vergewissert hatte, einfach an der Abstimmung hinderte, Bestechungen vornahm. Schnaps und Bier in Strömeck fließen ließ und a. m., dürfte bekannt sein._ Konflikt in der Jenaer Stadtverwaltung. Der Gemeinderat von Jena beschloß kürzlich, das städttsche Verwaltungs- und Kassenwesen einer Revision durch einen aus- wältigen Sachverständigen zu unterwerfen. Am Freilag sollte in öffentlicher Sitzung der Revisionsbericht zur Verlesung kommen. Es entspann sich eine lebhafte GeschäftsordnungSdebalte. Der Ge- meindevorstand erhob gegen die öffentliche Verlesung des Berichtes Einsprucki, io lange ihm nicht Gelegenheit gegeben werde, sich zu diesem Berichte zu äußern. Da dieser Antrag von der fortschrittlich- sozialdemokratischen Mehrheit abgelehnt wurde, verließen der Ober- bürgermeister Dr. Singer mit seinen Beamten den Saal, indem sie erklärten, an den weiteren Verhandlungen nicht mehr teilnehmen zu können. Hierauf wurde der Revisionsbericht von Prof. Dr. Weber zum Vortrag gebracht._ Dem Verdienste seine Krone. Der Landrat v. Maltzahn im pommerschen Kreise Grimmen, der nicht nur durch den Prozeß deS Rittergutsbesitzers Becker, sondern auch durch den Wahlerlaß an die Guts- und Gemeindevorsteher seines Kreises Aufsehen erregte, in dem er aufforderte,»dahin zu wirken, daß nur solche Volksvertreter in den Reichstag entsandt werden, die den Kampf gegen die Umsturzpartei mit aller Kraft im Verein mit der königlichen StaatSregierung aufzunehmen und durch« zuführen Willens find'— scheint als Landrat ausgespielt zu haben. Nach einer Meldung de«„Tageblattes für Vorpommern" von an- geblich zuverlässiger Seite ist die Amtsenthebung des so gewaltigen Herrn zum 1. April bestimmt vorgesehen und als sein Nachfolger werde Herr v. Stumpfeld genannt. Wir vermuten, der Herr v. Maltzahn wird, wie einst die Kanal- rebellen, mit seiner staaiSerhaltenden Gesinnung die Treppe hinauf- fallen. ES wird in der Notiz auch nicht gesagt, daß dieser preußische Junker auS dem Staatsdienst scheidet. frankmch. Ein Grheimcrlaß gegen Antimilitaristen. Paris, 3. März.(Eig. Ber.) Es war schon lange kein Geheim- nis, daß das Ministerium des Innern eine Liste der AntiMilitaristen führt. Während eines Ende November in Eharleville geführten Prozesses war durch die Ungeschicklichkeit der Sicherheitspolizei ein direkter Beweis dafür erbracht worden. In den Akten fand sich nämlich eine Polizeinote, die besagte, daß der Angeklagte„im Heft B des Ministeriums" eingetragen sei. Der Staatsanwalt gab damals auf die Frage der Verteidiger eine ausweichende Antwort, und auch eine Anfrage beim Justizministerium blieb erfolglos. Nun bringt die letzte Nummer der„Guerre Soziale" einen vom General st abschef Joffre gezeichneten Geheimerlaß des Kriegsmini st eriums, der einige Klarheit über diesen Gegenstand bringt. Das Dokument geht von der„Sektion des Nachrichtenwesens" aus und ist vom 24. Januar d. I. datiert. ES ist an die Korpskommandanten gerichtet und lautet: „Ich habe erfahren, daß in gewissen Departements die präfektorale Verwaltung bei ihrer Aufgabe. die als Anarchisten oder Antimilitaristen be- kannten Arbeiter oder Beamten der militari- schen Etablissements im Heft B eintragen zu lassen. auf die Opposition der lokalen Militärbehörde gestoßen ist. Diese war der Ansicht, daß jeder Arbeiter oder An- gestellte, der dieser Eintragung verfällt, notwendig entlassen werden mühte, eine Maßregel, die einen Streik hervorrufen könnte. Es gibt keine Entscheidung, die die Entlassung der in Heft B eingetragenen oder einzutragenden Arbeiter vorschreibt. Diese Entlassung ist niemals in Betracht gezogen worden, in Rücksicht der Unzukömmlichkeiten, die aus einer solchen Maßregel entspringen würden. Eine vom 30. Mai datterte Ministerial- entschcidung hat bloß empfohlen, sich vor der Anstellung der Zivilisten in den Bureaus mit allen angebrachten Garantien zu versehen, namentlich zu recherchieren, ob die Kandidaten nicht in Heft B eingetragen sind. Diese Vorschrift ist auf die Aufscher der Genie-Arbeiten laut Ministerialdcpesche vom 18. März auS- gedehnt worden. ES wäre offenbar wünschenswert, daß diese Vorsichten ganz allgemein vor jeder Anstellung von Zivilbeamten und-arbeitern des Kriegsdepartements angewendet würden. Aber es wäre schwierig, dies zu tun, ohne die Aufmerksam- keit auf Bestimmungcn zu ziehen, die geheim bleiben sollen. Dieser Situation kann einigermaßen abgeholfen werden, in. dem alleimHeftBeingetragenenArbeitereiner diskreten engen Ueberwachung unterzogen werden. Aber die Entlassung aus unseren Etablissements kann nur dann vorgenommen werden,� wenn sie durch eine andere Ursache als die Eintragung hcrbeige- führt werden kann. Wollen Sie also die Chefs der militärische� Etablissements Ihrer Region ausfordern, Befehle zu geben, HM diese diskrete und enge Ueberwachung sofort ins Werk gesetzt und die im Heft B eingetragenen Arbeiter oder Beamte« nicht zu Posten oder Funktionen verwendet werden, wo sie Schaden anrichten könnten." General Joffre ist ein bekannter Klerikaler, und in der Tat atmet dieser Erlaß durchaus jesuitischen Geist. Die— natürlich ohne ihr Wissen— im Heft B Eingetragenen haben nicht nur ein Dossier im Ministerium, das sich ihrem Avancement entgegenstellt, sondern sie sind der Gefahr ausgesetzt, daß ihre Vorgesetzten einen Vorwand suchen und provozieren, um sie zu entlassen. Man sieht, die Praktiken der Generalstäbler aus der Zeit des DreyfuS- Prozesses stehen noch in voller Blüte, geändert hat sich nur die radi« kale Demokratie, die ihnen jetzt ihren Segen gibt. Genosse V o i l i n hat übrigens Herrn Millerand eine Interpellation über diesen Er- laß angekündigt. Millcrand tat recht erstaunt, als er ihm das Dokument vorlegte. Es wird ihm jedenfalls nicht leicht werden, das Zirkular zu verteidigen. Hat er doch erst vor ein paar Tagen im Namen der Moral die geheime Berichterstattung der Präfektcn über die antirepublikanischen Kundgebungen von Offizieren aus- drücklich aufgehoben. Allerdings, Millerand entwickelt sich, und die Entwickclung vollzieht sich ja, nach Hegel, in Widersprüchen.... Die Kämpfe in Marokko. Casablanca, 4. März. Die Kolonne Brulard setzte gestern ihren Marsch in südwestlicher Richtung von Suk el arba fort. Unterwegs wurde die Kolonne von Trupps aus den Audcrran- dörfern beschossen, wobei zwei Mann leicht verwundet wurden. Die Kolonne trieb die Angreifer zurück. Der Marsch nach Fez wird fortgesetzt. Italien. Das Versicherungsmooopol angenommen. Rom, den 2. März.(Eig. Ber.) Was noch im vorigen Sommer als der ruchloseste Anschlag auf daS Privateigentum erschienen war, die Verstaatlichung der Lebensversicherung, ist jetzt unter der fast völligen Gleichgültigkeit der Kammer zum Gesetz erhoben worden. Am 8. März ist der Monopol- entwurf in dritter Lesung angenommen worden, nach einer schlaffen und uninteressanten Diskussion, die eigentlich nur der Form halber geführt zu werden schien. Das einzige, was das Versicherungskapital hat erzwingen können, das hat es durch direkten Druck auf die Regierung in den von dieser selbst vorgeschlagenen Amendements erzwungen. Die wesentliche Errungenschaft besteht in der Festsetzung einer zehnjährigen Uebergangsperiode, während der die Privatgesellschaften unter gewissen Bedingungen fortfahren können, Versicherungsverträge abzuschließen. In der Kammer selbst hat das Gesetz keine Aenderung erfahren. Giolitti hat wieder einmal bewiesen, daß die ganze Kunst darin besteht, den richtigen Moment ab- zuwarten. Im vorigen Sommer schlugen die Wellen der Opposition hoch, und daran war nicht nur das Interesse der Versicherungsgesellschaften des Inlandes und Auslandes schuld, sondern auch die parlamentarische Situasion, die danach angetan war, in Aspiranten der Minister- Präsidentschaft Hoffnungen zu erwecken. Heute ist dem Versicherungskapital in der zehnjährigen Frist ein tüchtiger Brocken zugeworfen worden, der sein Zähne- fletschen wesentlich gemildert hat. Außerdem hat niemand Lust, solange der Krieg und die an ihn geknüpften Sorgen dauern, Giolitti seine Ministerpräsidentschaft streitig zu machen. Daher ist alles mit größter Eile und Prompt- heit abgewickelt worden, so daß für Giolitti gar nicht die Notwendigkeit Hervorlrat, ein Vertrauensvotum zu fordern. Die von der sozialistischen Parlamentsfraktion so eifrig dis- kntierte Frage, ob beim Monopolentwurf ein Vertrauens- Votum gewährt werden könne oder nicht, ist somit durch die Verhältnisse gegenstandslos geworden. Giolittt wendet kein schweres Geschütz an, wo er mit leichtem auskommen kann. Snglanck. Die Suffragetten demolieren fort. London, 4. März. Bei der heutigen Demonstration der An- Hängerinnen des Frauenstimmrechts zertrümmerte eine junge Frau sieben Fenster des Hauses der Lord» mit einem Hammer. Von den heute morgen verübten Sachbeschädigungen wurden inS- besondere die Tuchhandlungen betrofferu Rußland. Ein politischer Monsterprozeß vor dem Ausnahmegericht. Seit etwa 3 Wochen findet vor dem besonderen Gerichts- hose des Senats, demselben Gerichte, das 1997 die sozialdemo- kratijche Dumafraktion unschuldig verurteilt hat. hinter der- schlossenen Türen der Prozeß gegen die armenische revolutionäre Partei„D a s ch n a k z u t j u n" statt. Seit etwa 3 Jähren haben die Angeklagten in den Kerkern geschmachtet, während dieser ganzen Zeit waren sie ihren Familien ent- rissen und der Willkür und Grausanikeit der russischen Kerker- meister ausgeliefert worden. Und nun stehen 159 Personen vor dem Ausnahmegericht, meist Angehörige der intelligenten Berufe, Rechtsanwälte. Acrzte, Schriftsteller usw., denen die Regierung die Zugehörigkeit zu der armenischen revolutionären Organisation und schwere Staatsoerbrechen inkrimi- niert. Ueoerflüssig zu sagen, daß in diesem Prozeß die typi- schen Merkmale der russischen Mordjustiz, die Lockspitzelei, Fälschungen usw. zum Vorschein kommen. Der Prozeß charakterisiert sich schon dadurch, daß die Verhandlungen aus dein Kaukasus nach Petersburg übertragen worden sinb, wo sie ohne welche Rechtsgarantien für die Angeklagten statt- finden. Noch charakteristischer ist es, daß die Untersuchung von dem berüchtigten Untersuchungsrichter Lyshin geführt worden ist, dem das Kriegsgericht während des bekannten Prozesses wegen der„Republik zu Noworossisk" dreißig Urkundenfälschungen nachgewiesen hat. Nach dieser Heldentat bat der Justizminister dem Urkundenfälscher einen höheren Posten verliehen und ihm die Untersuchung in dem jetzt stattfindenden Prozeß übertragen. Selbst dem Aus- nahmegcricht des renales sind die neuen Fälschungen dieses Herrn stark auf die Nerven gefallen. Wie die„Nowoje Wremja" mitteilt, hat der Senator A. Kriwzow Herrn Lyshin ans dem Zimmer entfernt, wo das Beweismaterial in dem Prozeß aufbewahrt wird, da er mit diesem Material ver- dächtige Manipulationen vorgenommen und zahlreiche Fälschungen der Urkunden zuun- gunsten der Angeklagten verübt hat. Trotz alledem werden die Prozeßverhand lungen fortgesetzt. Wie sollte sich auch das Ausnahmegericht des Senats, das seine Gleichgültigkeit gegen gefälschte Anklagebeweise im Prozeß gegen die sozialdemo- kratijche Dumafraktion bewiesen hat, vor neuen Fälschungen abschrecken lassen? In Anbetracht der skandalösen Enthüllun- gen wird es wohl ein„milderes" Urteil fällen. Aber dieses ganze Machwerk zurückweisen, dazu besitzt der höchste russische Gerichtshof zu wenig Achtung vor seiner eigenen Recht- sprechung. Er wird auch hier mit ruhigem Gewissen ein Justizverbrechen an den zahlreichen Angeklagten vor- üben— denn so befiehlt es feine Exzellenz der Justizminister und der höchste Hort der russischen Justiz: die„Ochrana" und das Posizei departement. GewerfefchaftUcbea. Der Streik im Dcrrenmaßrcbnetdergcwerbe. Ueber den Stand de? Streiks berichtete Kunze gestern vor- mittag in einer Berliner Mitgliederversammlung der Herrenmatz- schneider, die den großen Saal der Brauerei am Frievrichshain füllte. Der Redner hatte am selben Vormittag Nachricht erhalten, datz der Arbeitgeberverband nun auf die von ihm selb st angebahnten neuen Verhandlungen ver» z i ch t e t und statt dessen zum 9. März die Gencralaussperrung ankündigt. Die Arbeiter sind auf diese Matzregel vorbereitet; in welchem Matze die Arbeitgeber imstande sein werden, sie durchzu- führen, ist noch zweifelhaft. Zu dem Streik schreibt ein Unter- nchmerblatt wie der„Confectionair", datz die Organisation der Arbeitnehmer bei der Arbeitsniederlegung wieder einmal glänzend funktioniert habe. Das war bei der Solidarität, die in der Ar- deiterschaft des Schneidergewerbes herrscht, nicht anders zu er- warten, und wenn in demselben Blatt ein Arbeitgeber, Herr Adam, die Meinung kundgibt, der Streik werde nur 14 Tage, höchstens 3 Wochen dauern, dann werde eS mit dem Geld auf feiten der Arbeitnehmer zu Ende sein, so wird er wohl noch einsehen müssen, datz er sich ganz gewaltig irrt. Die Streikenden und ihre Organisation sind auf einen langen Kampf vorbe- reitet. Sie haben es nicht nötig, sich einseitig von den Arbeit- gebern die Tarife festsetzen zu lassen. Ein großer Teil der Mit- glieder des Arbeitgeberverbandes sieht das auch ein, und ver- schiedcne haben schon ihr Bedauern darüber ausgesprochen, datz sie als einzelne nicht in der Lage seien, die Forderungen anzuerkennen, und die Verhandlungen durch ihren Vorstand führen lassen müßten. Sie haben erkannt, daß sie schließlich doch bewilligen müssen und bei längerer Dauer des Kampfes keineswegs billiger davonkommen werden. Die Zahl der Geschäfte, die die neuen Vereinbarungen anerkannt und unterzeichnet haben, und zwar ohne jeden Vor- behalt, war bis gestern vormittag in Berlin auf 18 9 angewachsen. und es sind rund 2009 Schneider, die zu den neuen Bedingungen arbeiten. Das ist wohl Beweis genug dafür, datz die gestellten Forderungen nicht, wie es von Arbeitgeberseite behauptet wird, unerfüllbar sind. Im Streik stehen 2100 Schneider, und vor der Arbeitsniederlegung waren unter dem alten Tarif in Grotz-Berlin 6000 bis 6000 beschäftigt. Datz diese Zahl durch die der Streikenden samt der zu den neuen Bedingungen Arbeitenden nicht erreicht wird, erklärt sich daraus, datz für ungefähr 1000 teils Verhandlungen angebahnt sind, teils die Tarife erst jetzt eingereicht wurden, und datz außerdem die Ausländer und Ledigen größten- teils abgereist sind. Unter den Firmen, die bewilligt haben, sind auch solche, die dem zentralen Arbeitgeberverband angehören. Mit der lokalen Arbeitgeberorganisation waren zu gestern nachmittag weitere Verhandlungen anberaumt. Schließlich betonte der Redner, datz man auf Arbeitnehmerseite stets zu Verhandlungen, und auch zum Friedensschluß bereit ist. jedoch nur unter der Bedingung, daß die Interessen der Arbeitnehmer hinreichend berücksichtigt werden, sonst aber den Kampf mit ganzer Kraft fortführen wird, bis das Ziel erreicht ist. VerUn unck Qmgegenck. Der Streik bei der A. E.-G. beendet. Am Montagmittag fand bei Ballschmieder, Badstratze, eine vollzählig besuchte Versammlung des streikenden Personals der A. E.UI. fAbteilung Af. V. Zählerbau), statt. 500 männliche und weibliche Arbeiter stehen seit b Tagen im Streik, worüber an dieser Stelle seinerzeit berichtet worden ist. Am Sonnabend legten im Anschluß hieran auch die Werkzeugmacher und Einrichter des Be- triebes die Arbeit nieder. E h r k e, Vorsitzender des Arbeiter- ausschusses, berichtete über das Resultat der letzten Verhandlungen mit der Direftion. Die letztere hat unter anderem schriftlich zugesagt, daß die Agitation für den gelben Verband seitens der Meister, Bizcmeifter, Borarbeiter usw. zu unterbleiben habe und diesbezügliche Listen fernerhin im Betrieb nicht mehr zirku- l i e r e n dürfen.— Was die Einstellung der Streikenden betrifft, so erfolgt diese bei den Werkzeugmachern und Einrichtern sofort. Von den übrigen AuSständgicn werden ungefähr drei Viertel eben- fall? gleich, die arideren nach Bedarf, aber in kürzester Frist, nach Möglichkeit auch in anderen Abteilungen eingestellt.— Die Versammlung nahm dieses Anerbieten mit überwältigender Majorität an. Der Konflikt im Verbände der Buch- und Steindruckerei- Hilfsarbeiter, den man nach dem Verlauf des Verbandstages aus der Welt geschafft glauben konnte, ist in ein neues Stadium getreten. Der Berliner Gauvorsitzende Moritz ist vom Hauptvorstand seines Postens enthoben worden. Ueber die Begleitumstände dieses Vor- gehens berichtete Moritz in einer stark besuchten Versammlung der Zahlstelle Berlin des Verbandes, die sich mit dem Verlauf des Vcrbandstages beschäftigte. Ter Verbandstag hat mit 26 gegen 19 Stimmen eine Resolution augenommen, welche dem Haupt- vorstand recht gibt und ein gedeihliches Zusammenarbeiten des- selben mit der jetzigen Ortsvcrwaltung Berlin, speziell mit deren ersten Vorsitzenden Moritz, für ausgeschlossen erklärt. Diese Majo- rität von sechs Stimmen ist nun, so führte Moritz bei seiner Berichterstattung aus, wohl die Majorität der Delegierten, aber nicht eine solche der von ihnen vertretenen Mitglieder; denn wäh- rend die 25 Stimmen(darunter auch die der Frau Thiede, die sich also selbst ein Vertrauensvotum ausgestellt habe) nur 6899 Mitglieder vertreten, stehen hinter den 19 Stimmen 9539 Mitglieder. Es ist in Wirklichkeit also gegen den Hauptvorstand entschieden worden. Nachdem am letzten Tage noch über den Streik in den Stcindruckereien gesprochen und betont worden war, datz es not- wendig ist, datz sich die in Betracht kommenden Gruppen vor Ein- triit in eine Bewegung verständigen, habe Paula Thiede in ihrem Schlußwort hervorgehoben, datz der Verbandstag ein« gute Arbeit geleistet hat; die Sachlage sei geklärt worden, und es könne nun erwartet werden, datz alle wieder in Ruhe und Frieden miteinander arbeiten. Drei Tage später erhielt Redner jedoch einen einge- schriebenen Brief vom Hauptvorstand, der ihm mitteilte, datz er auf Grund des Statuts sofort seines Amtes enthoben sei, unter Auszahlung seines Gehalts bis Ende Mai. Der angeführte§ 1 des Statuts spreche von der Förderung der Tarifgemcinschaft, die er, Moritz, gehindert haben soll. Wenn Redner weitcr. wie der ferner angeführte 8 5 besagt, gegen die Interessen des Verbandes verstoßen habe, so hätte er nicht nur seines Amtes entsetzt, sondern auch aus der Organisation ausgeschlossen werden müssen. Er sei sich einer solchen Tat aber nicht bewußt; was er getan, habe er im Einverständnis mit der gesamten Ortsverwaliung und der Berliner Mitgliedschaft getan. Wenn in dem Brief darauf hin- gewiesen sei, datz er ja selbst schon seine Stellung gekündigt habe. so hglte er dies auch noch auftecht; er lege aber sein Amt nicht in die Hände des Hauptvorstandes zurück, sondern in diejenigen der Mitgliedschaft, von der er es erhalten habe. Außer ihm haben aber auch die übrigen Angestellten des Verbandes, der Kollege Bau m garten, sowie die Kolleginnen T e s k e und Hanna eingeschriebene Briefe erhalten mit der Aufforderung, bis Sonn- abend, den 2. März, unterschriftlich zu erklären, datz sie den Be- schlössen des Vcrbandstages Geltung verschaffen wollen; in diesem Falle würde dann in ihrem Anstellungsverhältnis keine Aenderung eintreten. Das sei ein Novum in der Arbeiterbewegung; bisher hat man das nicht gekannt, da es s e l b st v e r st ä n d l i ch sei. datz die Minderheit sich zu fügen habe. Am Freitag hat daraufhin eine Versammlung der Vertrauenspersonen stattgefunden, die be- schloß, datz der Vorsitzende noch bis zum Tage der Versammlung Lerantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil verantw.: im Amte bleiben solle. Ter Hauptvorstand, der das erfahren habe, sandte am Sonnabend an die Vertrauensleute der Buchdrucker Flugblätter zwecks Verteilung an die Hilfsarbeiter. In einem Be- gleitschreiben war gesagt worden, datz um diese Hilfeleistung mit Genehmigung des Zentralvorstandes der Buchdrucker gebeten werde. Wenn in dem Flugblatt auch von ewer Absplitterung vom Ver- bände die Rede sei, so erklärt Redner, datz daran niemand gedacht habe, noch jetzt daran denke. Er und auch die übrigen Kollegen und Kolleginnen würden der Gründung einer Lokal- organisafton mit allen ihnen zu Gebote stehenden Kräften ent- gegentreten und sich unter keinen Umständen dazu verstehen, ein Amt in einer solchen anzunehmen. Im Auftrage der übrigen Angestellten der Ortsverwaltung teilt nun Moritz noch mit, daß auch diese ihre Aemter in die Hände der Mitglieder zurücklegen. In der Diskussion wandte sich die Mehrzahl der Redner gegen das Vorgehen des Hauptvorstandes. Vorwürfe wurden dem Mit- glied des Hauptvorstandes Hornke gemacht, der auf dem Verbands- tag mit unwahren Behauptungen operiert habe. Hornke weist diese Angriff« energisch zurück und verteidigt die Matznahmen des Hauptvorstandes. Redner habe es für seine Pflicht gehalten, auf dem Verbandstag gegen einige mit Genehmigung der Berliner Ortsverwalwng abgeschlossene Hausverträge in großen Druckereien Stellung zu nehmen, da diese Verträge den Kollegen Nachteile ge- bracht hatten. Unter großer Unruhe der Versammlung versuchte auch Klara Bien die Schritte des Hauptvorstandes zu ver- Leidigen und der Berliner Ortsverwaltung schwere Fehler vorzu- werfen. Baumgarten geht noch einmal auf die gegen ihn per- sönlich erhobenen Vorwürfe ein. Klara Bien sei bei keiner� Ver- Handlung zugegen gewesen und kenne alles nur vom Hörensagen. Hinter der ganzen ins Werk gesetzten Szene stehe Döblin, der Ruhe um jeden Preis im Buchdruckgewerbe haben wolle. Alle warnen aber nachdrücklich vor einer Absplitterung vom Verband. Der an- wesende Gauleiter Hermann- Dresden mißbilligt ebenfalls in scharfer Weise das Verhalten des Hauptvorstandes. Dem nächsten Verbandstag falle die Aufgabe zu, ein größeres Mitbestimmungs- recht für die Mitglieder zu schasfen, um den Machtkitzel einzelner Personen zu beseitigen. Nach einem kurzen Schluhwort von Moritz gelangt eine Re- solution zur Annahme, die den Delegierten, welche Berlin? Jnter- essen vertreten, ihren Dank ausspricht und worin mit Entrüstung Kenntnis von den Matznahmen des Hauptvorstandes genommen wird. Die Versammlung heschlietzt, datz der hisherige Vorstand, der ihr Vertrauen nach wie vor besitzt, bis zu einer Neuwahl im Amte zu bleiben hat. Die Versammlung erklärt weiter, datz sie sich auf den Boden des abgeschlossenen Tarifvertrages stellt und fest an den Grundsätzen der Zentralisation hält. Die Gewerk- schaftskommission wird aufgefordert, eine Verständigung anzu- bahnen. Mit einem kräftigen Hochruf auf die in den Zentralorgani- sationen vereinigte Arbeiterbewegung schloß der Vorsitzende die Versammlung._ Achtung, Tapezierer! Wegen Tarifdifferenzen ist für Pol- sterer gesperrt R. B i e s k e, Chausseestr. 80. Die Schlichtungskommission. Tie Lohnbewegung der Fleischcrgcsellen von Neukölln hat die Fleische rmeister mobil gemacht, viele versprechen ihren Gesellen eine Lohnerhöhung, wenn sie aus dem Zentralverbano austreten, einige drohen mit der Entlassung. Der Fleischcrmeister Holz, Kirchhofstr. 40. hat seine beiden Gesellen entlassen, weil sie Mit- glieder des Verbandes waren; einer davon war bereits ühcr zwei Jahre bei ihm beschäftigt. Die Meister glauben, damit die Ge- sellen einschüchtern zu können, was ihnen jedoch nicht gelingen wird. Die Jnnungsführer sind ebenfalls eifrig an der Arbeit, um zu verhüten, datz an den patriarchalischen Verhältnissen zugunsten der Gesellen etwas geändert wird.— Trotzdem haben verschiedene Meister sich schon bereit erklärt, mit der Organisation zu verhan- deln und den Tarifvertrag anzuerkennen. Der Kellnerstreik im„Deutschen WirthauS", Neukölln. Berg- stratze l36/l37, ist nach Anerkennung der Forderungen durch den Gastwirt W. Z c m l i n beigelegt worden. Die Arbeitswilligen wurden entlassen und die Streikenden wieder eingestellt. veutkcbes Reick. Ter Bund der kaufmännischen Angestellte». die neueste Organisation zur Zersplitterung der Handlungsgehilfen, hielt am Sonntag, den 3. d. Mts., in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Stratze, ihren ersten Bundestag ab. Für die Allgemeinheit waren nur die Leitsätze für ein sozial- politisches Programm von Interesse. Die Forderungen, deren wesentlichste die folgenden sind� Mindestgehälter, die durch Orts- zuschlüge den lokalen Verhältnissen anzupagen sind, Vergütung der Ucbcrstunden, Beseitigung der„freien Station", tägliche Höchst- arbcitszeit von acht Stunden, Regelung des Urlaubs, Einführung von Angestelltenausschüssen für alle Betriebe mit mehr als zehn Angestellten, gleiche Vorbildung für männliche und weibliche An- gestellte, Arbcitskammcrn, paritätische Stellennachweise und Aus- dehnung der Gewerbcinspektion auf die Arbeitsverhältnisse der Angestellten, zeigen so recht, wie überflüssig die Gründung dieser Organisation war. Die wesentlichsten dieser Forderungen werden schon seit langem vom Zentralverhand der Handlungsgehilfen ver- treten. Auch der Referent wußte keinen Grund für die Neu- gründung anzugeben. Lediglich die Phrase„politisch neutral, ge- werkschaftlich radikal" muhte zur Begründung herhalten, obgleich den Machern dieser Organisation genau bekannt ist, datz ihre Lr- ganisation so viel oder so wenig politisch neutral ist wie alle anderen Organisationen. Originell war in den Ausführungen der von Dr. Nestriepke das Hervorheben der„Interessengemeinschaft mit den Arbeitern", der „Solidarität mit den Arbeitern" und wie die schönen Redensarten alle lauteten, um kurz hinterher mit einem logischen Saltomortale zu erklären, datz für die Handlungsgehilfen eine organisatorische Verbindung mit den Arbeitern unpraktisch wäre. Zu erwähnen ist noch, datz der Bund der kaufmänii'chen An- gestellten nach der Angabe des Geschäftsberichts 1000 Mitglieder zählt und datz beschlossen wurde, bei den Wahlen der Vertrauens- männer für die Angestelltenversicherungen und bei den nächsten Kaufmannsgerichtswahlen selbständig vorzugehen. Zur deutschen Bergarbeiterbetvegung. Am Sonntag fanden im ganzen Ruhrgebiet vom Rhein bis Lippe 66 Bergarbeiterversammlungen statt, die zu der ablehnenden Haltung der Grubenbesitzer Stellung nahmen. Nach eingegangenen Berichten waren insgesamt zirka 60 000 Bergarbeiter versammelt. Hunderte mutzten umkehren, weil die Lokale abgesperrt wurden. An vielen Orten wurden Parallelversammlungen arrangiert, es herrschte eine Stim- mung, wie man sie bisher mir vor großen Kämpfen gesehen hat. Die Bergarbeiter bewiesen, datz sie den Ernst der Situation völlig erfaßt haben; sie waren begeistert, wenn von der Einmütig- keit der englischen Bergarbeiter die Rede war und oft ertönten Zwischenrufe:.Wir wollen eS auch so machen".— Die Christlichen waren in den Versammlungen durchweg zahlreich vertreten und brachten dem Vorgehen der Verbände große Sympathie entgegen. In Freisenbruch haben 16 christlich Organisierte ihre Mitgliedsbücher abgegeben und sind zum Bergarbeiterverband übergetreten. Man hat den Eindruck, datz die christlichen Bergarbeiter ihren Führern die Gefolgschaft versagen werden — Eine Resolution, die sich mit den Maßnahmen der Borstände ein- verstanden erklärt, würde überall einstimmig angenommen. Genosse H u e, der in Werden sprach. erklärte einem bürger- lichen Rorrespendenten auf die Frage, ob die Londoner Nachricht richtig sei, datz schon in dieser Woche der Streik ausbrechen könne, die Nachricht sei aus der Lust gegriffen. WaS geschehen werde, ge- schehe nur auf Beschlutz der Bergarbeiterkonserenz, die demnächst Ztt�Glvcke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanjtalt stattfinden werde. Bis zu dieser Tagung bleibe jeder Sergmann an der Arbeit. In dieser ernsten Zeit sei Disziplin die oberste Not-» wendigkeit. � � Die Bergarbeiter der Zechen Kaiserstuhl und Scharnhorst bei Dortmund haben Montag früh zirka 4000 Mann die Arbeit nieder« gelegt. Der Vorstand warnt in einem sofort an die Bergarbeiter erlassenen Aufruf vor solchen unüberlegten Arbeitseinstellungen und mahnt zur Einigkeit. Der Aufruf lautet: .Ein unerhörter, bedauerlicher Disziplinbruch ist heute früh auf den Zechen Kaiserstuhl und Scharnhorst vorgekommen. Entgegen den Beschlüssen und den Aufforderungen derOrganiiationsleiter haben dort ca. 80 Proz. der Belegschaft die Arbeit niedergelegt. Die Beleg- schaft begründet diese disziplinwidrige Handlung damit, datz ihr Lohnabzüge gemacht worden seien, wo Lohnerhöhungen notwendig sind. Sei dem, wie ihm wolle— wenn wir auch die Erbitterung der Arbeiter über das provokatorische Verhalten der Zeche verstehen, so ist es dennoch unter keinen Umständen zu billigen und kann den Erfolg der Lohnbewegung geradezu aufs Spiel setzen. � datz die Arbeiter auf eigene Faust die Arbeit niedergelegt haben. Wir fordern daher die Arbeiier aller Zechen auf, dies� böse Beispiel nicht nach- zuahmen, sondern ruhig ihre Arbeit zu versehen, bis die Organisationsleitungen in Gemeinschaft mit den Vertrauens- leitungen der Reviere entschieden haben.?kur Einigkeit und eiserne Disziplin könne zum Ziele führen; Disziplinwidrigkeit und Uneinigkeit sind die schlimmste Gefahr für unsere Organisation und unsere gerechte Sache. Darum, Kameraden, folgt den Anordnungen den Organisationsleitungen und sorgt dafür, datz wir in vollster Einigkeit und Geschlossenheit handeln könnew. Dortmund, 4. März. Heute nachmittag far<> auf der Hobertsburg eine von etwa dreitausend Bergleuten der Zech« Kaisrrstuhl 1 und Kaiserstuhl 2 sowie Scharuhorst besuchte Belggschaftsversammlung statt, in der über die Frage, ob der begonnene Streik fortgesetzt werden solle oder nicht, diskutiert wurde. Nach einem Referat des Delegierten des alten Verbandes, in dem der Redner' dringend zur Wiederaufnahme der Arbeit riet, kamen zahlreiche Bergleute der genannten Zechen zum Wort, die foLt alle für eine Fortsetzung des Streiks sprachen. Die Vertreter der polnischen Berussvereinigung und der Hirsch-Dunckerschen Vereine erklärten, diesen Streik nicht gutheißen zu tönneu. Die Versammlung trug häufig einen flkirmischen, stellenweise sogar tumulluarischen Charakter, besonders als der Sprecher des alten Berg- arbeiterverbandes erklärte, datz die Organisation diesen.DiS- ziplinbruch" der genannten Zechen bedauere und keinerlei Ver- antwortung dafür übernehmen könne. Ein Beschlutz darüber, ob die Arbeit morgen wieder aufgenommen werden solle oder nicht, wurde nicht gefaßt. Es scheint aber sicher, datz ein großer Teil der Streikenden die Arbeit morgen wieder aufnimmt. In der Ver- sammlung wurde noch bekannt gegeben, datz am Dienstag, den 6. d. M., die Antwort der Zcchenbcsitzer erwartet werde. Am Donnerstag findet eine Sitzung des Aktionsausschusses und des Vorstandes, und am Sonntag eine allgemein« Konferenz statt, iu der die Entscheidung fallen wird. Diese Entscheidung wird nachmittags gegen 6 Uhr in großen Versammlungen im Ruhrkohlenbezirk be- kannt gegeben werden. Hushrnck. Ein Temonstrationsstreik der französischen Bergleute. 25 000 Bergarbeiter des Bezirkes von Carmoux haben be- schlössen, am 10. d. M. in einen 24stündigen Ausstand zu treten zu dem Zwecke, bessere Bedingungen kür das AlterSrcntengesctz.zu erzielen._ Hetzte Nachrichten« Jyür das gleiche Wahlrecht. Budapest, 4. März.(Eig. Tel. des„Vorwärts".) Die Wahlrechtsdemonstration ist glänzend verlaufe n. Tic Arbeitsruhe war allgemein. Die Geschäfte, Caf6- und Gasthäuser waren bis zur Beendigung der Demonstration ge- sperrt. Von 9 Uhr früh bis nachmittags 3/42 Uhr zogen die Kolonnen die Andrassystrahe entlang zum Versammlungsort. Nachmittag- und Abendblätter schätzen die Teilwehmerzahl auf Hunderttausend. Die Parlamentsobstruktion der Justhpartei gewinnt an Kraft durch das Gelingst der Temon- stration, weshalb die Regierung in ihrer Verlegenheit die Wichtigkeit der Demonstration durch das offiziöse Pretzbureau zu unterschätzen sucht und die Teilnehmerzahl auf 28 699 angibt. In Wirklichkeit marschierten die Arbeiter in Achter- reihen und dauerte der Zug über drei Stunden. Laut allgemeiner Anerkennung Hat Budapest eine solche Menschen- menge noch nie gesehen. Ter Landtag von Schwarzburg-Rudolstadt anfgrlöst. Rudolstadt, 4. März.(W. T. B.) Der bekanntläch in seiner Mehrheit aus Sozialdemokraten bestehende Landtag des Fürsten- tums Schwarzburg-Rudolstadt lehnte heute einen Antrag betreffend eine Abänderung des Wahlgesetzes ab. Hierauf löste der Staats- minister den Landtag auf. Ter englische Bergarbeiterstreik. London, 4.»März.(Eig. Tel. des„Vorwärts".) ASqnitbs Erklärung im Parlament läßt die Situation unverändert. An eine gesetzliche Regelung der Minimallohnfrage ist vorderhand nicht zu denken. Die Prege schlägt jetzt einen sehr feindseligen Ton den Bergarbeitern gegenüber an; die ministerielle.Daily chronicle" droht heute den Bergarbeitern offen mit einer gesetz- lichen Regelung der Frage, bei der die Wünsche der Bczrgarbeiter keine Berücksichtigung finden dürften. Tie Italiener bombardieren weiter. Perim, 4. März.(Meldung des Reuterschen BureauS.) Heute abend hat ein italienischer Kreuzer Dubab. zwanzig Meilen nördlich von Perim, bombardiert. Ein Berliner Ausreißer. Magdeburg, 4. März.(H. B.) Tie hiesige Kriminalpolizei nahm auf dem Hauptbahnhvf den Elektrotechnikcrlehrling Paul H. aus Berlin in Schutzhaft, der angeblich in Pankow aus der Lehre gelaufen sein will. Ter mittellose junge Mensch wurde im Abort 4. Klasse aufgefunden. Er halte einen Raub an fall fingiert, gestand diesen auch schließlich ein. Toppelmord. Zittau, 4. März.(W. T. B.) Heute nachmittag um 2 Uhr wurden in dem benachbarten Waltersdorf die Frau des Ober- meisters Gittler und deren 19 jährige Tochter in ihrer Wohnung erschossen aufgefunden. Es liegt Doppelmord vor. Der Mörder, ein 29 jähriger Arbeiter namens Kraf, wurde auf Groß. Schönauer Flur tot aufgefunden. Er hatte sich selbst erschossen. Zwischen ihm und dem jungen Mädchen scheint vor der Tat ein hef. tiger Kampf stattgefunden zu haben. Absturz in den bayerischen Voralpcn. Kempten i. Algä». 4. März.(P-.£•) Der Gcrichtsschreiber Wildung ist gestern vom Säuling ab g e st ü r z t. Er war sofort tot. Seine Leiche ist schrecklich verstümmelt.__ Paul Singer SiCö�Berlin�SV/�Hierzu i Beilagen».UnterhaltungSbl. Nr. 54. 29. IahrMg. I Kilm ilrs.Kmiick" Kcrlim AlksbIM. MMag, 8. Wiirz IM. Anker Stichwahlabkommen. i. Stichwahlen nach allgemeinen Wahlen sind bei uns fast nie vor sich gegangen, ohne lebhafte Diskussionen zu ent- fesseln. Stichwahlen erfordern eben plötzlich und unvermittelt eine Taktik, die anscheinend in vollstem Widerspruch steht zur Taktik bei den Hauptwahlen. Und so einfach und unseren Grundsätzen ohne weiteres entsprechend unsere Situation bei den allgemeinen Wahlen ist, so konipliziert und schwer mit unseren Grundsätzen zu vereinbaren ist unsere Situation bei den Stichwahlen. Dort treiben wir Propaganda für unsere Ziele gegen alle bürgerlichen Parteien ohne Ausnahme, auch in Wahlkreisen, wo nicht die mindeste Aussicht auf Gewinnung eines Mandats; hier wird in erster Linie um ein Mandat gekämpft und unsere Aufgabe dabei besteht darin, zwischen den Gegnern, die»vir eben noch alle bekämpft, eine Auswahl zu treffen, um den einen entiveder zu unterstützen oder zu unserer Unter- stützung heranzuziehen. Das ist nicht immer leicht, und dabei jedesmal ein Vor- gehen zu finden, das für das ganze Reich gleichmäßig an- ivendbar ist und von allen Parteigenossen gleichmäßig auf- genommen wird, ist fast unmöglich. Der Institution der Stichivahlcn stehen denn auch viele unserer Genossen feindlich gegenüber, weil sie Mogelei und Korruption notivendigeriveise mit sich brächten. Aber das System der Wahl nach relativer Mehrheit,>vie in England und Bayern, ist noch weit schlimmer, weil es danach drängt, Abmachungen zivischen verschiedenen Parteien schon für den ersten Wahlgang zu treffen, was ein Zählen der Stärke der einzelnen Parteien unmöglich macht und der prinzipiellen Agitation iin Wahlkampfe stark entgegenwirkt. Andererseits auf die Teilnahme an den Stichwahlen ver- zichten, ivie auch vorgeschlagen wurde, weil doch alle Gegner eine reaktionäre Masse seien, hieße auf einen Teil des Rechts und der Macht verzichten, die uns das Wahlgesetz bietet. Sind auch alle bürgerlichen Parteien unsere Gegner, so ist es für die politische Entwickelung im allgemeinen und den prole- tarischen Klassenkampf im besonderen doch nicht gleichgültig/ ob jeweils die Regierung siegt oder die Opposision, ob eine Partei siegt, die das Proletariat durch Stärkung der Staats- gcwalt niederhalten will oder eine Partei, die solcher Wirkung widerstrebt usw. Andererseits ist es aber auch nicht gleichgültig, wie viel Mandate»vir erobern, auch dann nicht gleichgültig, wenn die praktische Wirksamkeit unserer Partei im Parlament dadurch nicht beeinflußt wird, wenn bloß der propagandistische Wert der Wahlen in Betracht kommt. Es ist einmal eine unleugbare Tatsache, daß der Erfolg mehr wirkt als die besten theoretischen Auseinandersetzungen. Wenn so viele Proletarier sich uns noch fern halten, liegt das nicht daran, daß ihnen unsere Ziele nicht gefallen, sondern daran, daß sie an unserer Kraft zweifeln, sie zu erreichen. Jede Aeußerung von Kraft ist daher von größtem propagandistischen Wert für uns. Darin liegt auch nicht zu- letzt die Bedeutung der Wahlen für uns. Aber die große Masse der uns noch fferner stehenden, indifferenteren Eleniente treibt nicht Statistik. Der tiefer Blickende sieht auf die Zahl der Stimmen, die ivir erhalten, den oberflächlichen Beschauer blendet vor allem die Zahl der Mandate, das heißt der Siege, die wir erringen. Auch vom rein agitatorischen kleines feuiUeton England als Kohlenlicferant der Welt. Der englische Riesen- streik lähmt den Lebensnerv im Organismus des Vereinigten König- rcichs und wird, wenn er andauert, auch den Hauptkohlenkundcn Englands, Frankreich, Teutschland und Italien, fühlbar wcroen. Um die Bedeutung richtig einzuschätzen, die die englische Kohle auf dem Weltmärkte besitzt, ist es nötig, zuerst einmal die Kohlen. Produktion der ganzen Erde zu betrachten. An der Spitze stehen die Vereinigten Staaten mit 447 840 OOO Tonnen, die es im Jahre 1910 förderte. Da aber der Kohlcnverbrauch der Vereinigten Staaten im gleichen Jahre 434L1öt)00 Tonnen betrug, so kann der Staat nicht viel exportieren. Die Kohlenproduktion des Vereinigten Königreichs belies sich 1919 auf 264 439 999 Tonnen bei einem Verbrauch von 179 969 999 Tonnen; die von Deutsch- land auf 159 379 999 bei einem Verbrauch von 139 239 999, die von Frankreich auf 37 255 999 bei einem Verbrauch von 54 869 999, von Belgien auf 23 539 999 bei einem Konsum von 23 859 999 Tonnen. Das Land, das am in eisten Kohlen pro Kopf produziert, ist das Vereinigte Königreich. Fast 6 Tonnen kommen jährlich auf den Kopf, während es in den Vereinigten Staaten nur 5 Tonnen, in Belgien 3sh Tonnen, in Deutschland 2sh Tonnen sind. So steht England als Kohlenproduzent und Kohlenlieferant an der Spitze. Von 49 Millionen Tonneu im Jahre 1859 stieg die Produktion auf 184 Millionen im Jahre 1899 und auf 267 Millionen im Jahre 1909. Noch großartiger war die Entwickelung öeS Kohlcnexports. Während dieser 1879 noch ganz unbedeutend war, lvmig er»m Jahre 1889 bereits 24 309 099 Tonnen, 1990 59 399 900 Tonnen. 1999 87 799 999 Tonnen. Von 13 Proz. im Jahre 1875 hob er sich auf 32 Proz. im Jahre 1999. Tie englischen Kohlcnschiffc durch- fahren heute alle Meere; sie bringen ihre Ladungen bis nach Australien und China. Ein ungewöhnlich günstiges Zusammen- treffen geologischer und geographischer Umstände hat England diesen Kohlenreichtum beschert. Die Lagerungen sind reich, oft von geringer Tiefe, sehr leicht auszubeuten: sie liefern ein Brenn- Material, das im allgemeinen von hervorragender Güte ist. Zudem ist eine große Zahl der Kohlenlager nahe am Meer gelegen; der Transport nach den Schiffen läßt sich ebenso wie die Förderung in günstigster Form bewerkstelligen. Die Zahl der in den Kohlenbergwerken angestellten Arbeiter bclicf sich 1999 im ganzen auf 1 126 372 Personen, von denen 835116 uiiter der Erde arbeiteten, i Der englische Mincnvrbeiter ist der produktivste unter seinen cur»-\ päischci, Kollegen, obgleich auch seine Leistungen durch die Be.| schräukung der Arbeitszeit und andere Umstände na�elassen haben. 1899 förderte ein englischer Kohlenbergmann 311 Tonnen jährlich, � 1998 279 Tonnen. Ä„ t Welches sind nun die Hauptkunden, denen Englano Kohlen liefert? Sein ioichtigstcr Abnehmer ist Frankreich, das 1999 19 499 999 Tonnen englische Kohlen einführte. Auch Deutschland ist ein guter Kunde Englands, obivohl es selbst ein so großer Koblenproduzent ist. Es hat im Jahre 1999 9 799 999 Tonnen aus England eingeführt; dann kommt Italien mit 9 989 999 Tonnen, Schweden mit 5 869 999 Tonnen. Rußland mit 3 399 999 Tonnen, Dänemark mit 2 899 999 Tonnen usw. Nach England ist Dcutsckb- land der größte Kohlenerporteur; seine Kohlenproduktion, die sich von 1885 bis 1999 verdreifacht hat, ermöglichte 1909 bei einem Import von 11 Millionen Tonnen doch schon einen Export von LS Millionen, während die Bereinigten Staaten trotz ihrer enormen Standpunkt aus ist also diese Zahl nicht gleichgültig. Darum schon müssen wir an den Stichwahlen teilnehmen, trotz aller Bedenken, die von Zeit zu Zeit dagegen erhoben Iverden und die ja bekanntlich den St. Gyllcr Parteitag 1887 dahin führten, unbedingte Stimmenthaltung bei Stichwahlen zwischen bürgerlichen Parteien zu empfehlen, ein Beschluß, den schon die nächsten allgemeinen Reichstagswahlen 1890 ad absurdum führten, wo der Parteivorstand gezwungen war, ihn auf eigene Verantwortung aufzuheben. Seine Parole war: nieder mit dem volksfeindlichen Kartell, dem nationalliberal- konservativen Block. Diese Parole kam dem Freisinn und dem Zentrum zugute. Dafür ward der Vorstand von der äußersten Linken unserer Partei anfs lebhafteste gerüffelt, bei der Mehrheit der Partei fand er aber lebhaste Zustimmung. Es wäre auffallend gewesen, wenn das Stichwahl- abkommen dieses Jahres, das etlvas völlig Neues darstellt, keine Kritik gefunden hätte. Man darf sich eher darüber wundern, daß die Kritik bisher, niit geringen Ausnahmen, so ruhige Formen angenommen hat. Aber zur Aufregung liegt auch wirklich kein Grund vor. Wir dürfen bei unseren Aus- einandersetzungen über das Abkommen die Gründe für und wider mit voller Gemütsruhe abivägen. Niemand wird die Stichwahlvereinbarnng mit ungemischten Gefühlen gelesen haben. Daß sich vieles dagegen cinivenden läßt, unterliegt keinem Zweifel. Es fragt sich bloß, ob die Gründe, die dafür sprechen, nicht die gewichtigeren sind. H. Vor allem wäre die Frage zu entscheiden, ob ein Ab- kommen, wie das in Rede stehende, prinzipiell überhaupt zu- lässig oder doch wünschenswert ist. Die Untersuchung dieser Frage wird für eine harmlose Meditation ohne jeden Zweck erklärt, weil das Abkommen cinnial abgeschlossen, an ihm nichts mehr zu ändern sei. Aber zu welchem Zwecke kritisiert man einen Schritt, der sich nicht mehr rückgängig machen läßt? Soll die Kritik nicht ganz zwecklose Rekrimination sein, bloß unternonimen, um denl bedrängten Herzen Luft zu machen, dann mutz sie auf unsere zukünftige Tätigkeit von Einfluß sein. Nur insofern sie das tut, hat sie ein praktisches Interesse. Die Kritik kann im vorliegenden Falle bloß zwei Folgen bcab- sichtigen: entiveder die Unfähigkeit derjenigen nachzuweisen, die den falschen Schritt getan und ihnen die Macht zu nehmen, je wieder im Namen der Partei zu handeln, oder Grundsätze aufzustellen, die eine Wiederholung des falschen Schrittes ver- hindern würden. Wir dürfen, annehmen, daß es sich bei der Kritik des Stichwahlabkommens um das letztere handelt, dann ist es aber doch keine harmlose Meditation, zu untersuchen, ob wir solche Abkommen überhaupt absdfließen dürfen. Die Ent- scheidung dieser Frage bildet doch die Grundlage unserer ganzen künftigen Praxis bei Stichwahlen. Die Kritiker haben leider— so weit uns ihre Ausführungen bekannt wurden— die prinzipielle Frage nicht behandelt, dabei aber doch erkennen lassen, daß ihnen ein jedes derartige Abkonimen zuwider wäre. Da sie aber keine Gründe dafür angeben, ist es schiver, etwas darüber zu sagen, denn es ist nickst abzusehen, was prinzipiell gegen ein solches Abkommen eingeivandt iverden könnte. Sobald man sich einmal ent- schloffen hat, in die Stichivahlen einzugreifen und bestimmte Parteien dabei zu unterstützen, ist es schwer zu begreifen. warum es ein Fehler sein sollte, mit diesen Parteien be- Produktion von fast 449 Millionen im Jahre 1919 nur 14 Millionen Tonnen exportierten. Die Telephonnummcr als Telegrammadresse. In ihrem ziel- bewußten Bestreben, die Benutzung der Verkehrsmittel der Post immer mehr zu erleichtern, hat die englische Postverwaltung einen neuen Schritt unternommen, der manchen anderen Ländern als Vorbild dienen könnte. Bei der Bedeutung, die der Telegramm- verkehr im modernen Leben einnimmt, empfindet man es oft schmerzlich, daß man bei Aufgabe eines Telegramms nach einer größeren Stadt fast die Hälfte der zur Verfügung stehenden zehn Worte zur Angabe der Adresse verwenden muß. Wenn der Name sehr verbreitet ist, muß man den Vornamen hinzufügen, muß die Straße angeben, die Hausnummer, viele Straßen mit langen Namen rangieren als Doppelworte usw. Der Handel besitzt be- kanntlich in der Telegrammadresse ein Hilfsmittel, das jedoch gc- bührenpslichtig ist; die Eintragung der abgekürzten Adresse muß bezahlt werden. In England mußte der Firmcninhaber für eine Telegrammadresse 29 M. jäbrlich bezahlen. Diese Einrichtung wird jetzt erleichtert und von allen Gebühren befreit, und zwar hat die englische Postvcrwaltung ein sehr einfaches Auskunftsmittel gefunden: künftig wird im englischen Telcgrammvcrkehr die Tele- Phonnummer als Telegrammadresse gelten. Der Generalpost- meister hat die Einführung dieser willkommenen Verkehrs- erleichterung bereits im Untcrhause angekündigt. Die Bedenken gegen den mit dieser generellen Verkürzung der Adressen ver- knüpften Einnahmeausfall hat die Postverwaltung mit der richtigen Erwägung widerlegt, daß jede Portoverbilligung erfahrungsgemäß eine Verkehrssteigcrung mit sich bringt, der in kurzer Zeit den Ausfall wieder einbringt. Zugleich aber nimmt man, und wohl nicht mit Unrecht, an, daß die Zahl der Fernsprechteilnehmer durch diese neue Erleichterung wachsen wird, da wie gesagt, die Benutzung der Tclephonnummer als Telegrammadresse völlig gebührenfrei ist. Tlieatcr. Lessing-Tbeater iSondervorstellungl:.AlkestiS', My'hologiickiks Schdnieiiipiel von Eberhard König. DnS alt- griewiichc Alkestis-Trama de§ EnripideS behandell die Geschichte der Tbesialischen Kö.»igin, die. um ibrcn, Galten Admet da« Leben zu erholten, auf ihr Leben verzichtet, dann aber von Herkules, dem Fr e» iide Admeis. nuS dem HadeS in die sonnige Lichiwcll herauf» geholt»nd dem Gemahl zurückgegeben ivird, nicht ohne ironische Schlaglichier. Der göttliche Apoll tut den, erlrantte» Admet durch Orakel kund, daß er ihm Genesung schenken werde, wenn ei» anderer freiwillig den Tod an seiner statt erleiden will. Aber � Vater und Mutier weisen die Ziimuluiig in tiefer Eiiirüstiing von sich. Der Sohn findet das gemein. Dann meldet sich«lkestis, und der große Held� nimmt das Anerbieten, wenn auch mit Seufzen, dankbar an. Hätte Herkules, vo» EnripideS als renommierender Krafttneicr eingeführt, Alkestis nicht den Unter- irdischen wieder abgerungen, der Witwer würde sich auch ohne sie getröstet haben. Eberhard König hat den Versuch gemacht, den Stoff in Offen- bachscher Weise travestierend auSznnntz'en. Mit viel Behagen, doch leider viel geringerem Witz. Es ist deshalb erfreulich, daß das Stück, lveiin man's schon bringen wollte, nur als gelegentliche Nachlaiifführittig lBeginn 11 Uhr) für den UnterstiitzungSfondS der Schauspieler gegeben wurde. Schon daß die Alkestisfabel(im Gegensatz zu der der.Schönen Helena" und des.Orpheus") so wenig bekannt ist, war eine Hemmung. Die Parodie muß etwas Typisches parodieren, durch ihre Beziehungen stimmte Vereinbarungen einzugehen. Es kommt ganz auf die Art der Vereinbarungen an. Da die Kritiker keine grundsätzsiche Verurteilung der Stichwahlabkommcn überhaupt geäußert haben, so darf man wohl konstatieren, daß sie selbst nichts an der bloßen Tatsache ansznsetzcn finden, daß der Parteivorstand sich mit der Fort- schrittlid)en Volkspartei in Verhandlungen über die Stichwahlen einließ. Ein Verlangen, der Parteivorstand dürfe nie ivieder in Verhandlungen dieser Art eintreten, ist nirgends aus- drücklich geäußert worden, wenn auch der Wunsch mitunter merkbar wird, die Verurteilung des jüngsten Abkommens möge jedes weitere für immer unmöglich machen. Die Kritik bezieht sick) bloß auf die Situation, in der das Abkommen abgeschlossen ivurde, und auf seinen Inhalt. Im folgenden Artikel wollen wir zunächst die erstere betrachten._ Reichstag !arz. 19. Sitzung. Montag, den 4. nachmittags 2 Uhr. Am BundeSratstische: Dr. D e l b r ü ck. Die Beratung deS Etats des Reichsamts des Inner» wird fortgesetzt beim Titel Staatssekretär. Abg.' Wetterte(Elf.) geht zunächst auf die jüngsten Vorgänge im Elsaß-Lothringischcn Landtage ein und führt aus,, daß die Streichung des Dispositionsfonds und kaiser- l i ch e n G n a d e n f o n d s durchaus gerechtfertigt gewesen sei. Das jetzige Provisorium in der Frage deS Staatsoberhauptes mußte zu Schwierigkeiten führen. Präs. Kaempf mahnt den Redner, sich an den Etat zu halten. Abg. Wrttrrtö: Von einem Teil unserer Beamten ist die Sozial« demolratie i» uiizlltässiger Weise gefördert worden. Daß der Bezirks- Präsident v. Puttkamcr beim Kaiieressen in Kolmar sagte, er habe mit voller Ueberzeugung einen Sozialdemokraten gewählt, würde ich noch hingehen lassen. An die Beamten ist aber wenige Tage vor der Stichwahl ein Zirkular ergangen, in dem böhere Beamte erklären, nach eiiigezogeiien Erklindiguiigen an maßgebenden Stellen stehe fest, daß die Beamten ruhigen Gewissen« für die Sozialdemokratie stimmen könnten.(Hört I hört I recht«.) DaS ist ein unerlaubter Druck, eine unerlaiibte Wahlbeeiiifliissung.(Sehr richtig! recht«.) Der Unterzeichner dieses Zirkulars, UHIand, ist vom Kaiser zum Mit- glied der Ersten Kammer eriiannt loorden.(Hört I hört! rechts.) Abg. Lic. Mumm(Wirsch. Vg.): In der Wohimiigssrage steht nnS ein gewaltiges Kapitel an Arbeit bevor. Ich empfehle die An- nähme unserer Resolution dazu. Wenn das Reich einwirken würde auf stärkere Vermehruiig der Wohmuigen, dann würde eS ein großes Werk tun. Eine zweite Resolution iinserer Fraktion fordert ein»cueS Arbeitsrecht. Wir, wie die Mehrheit deS HauseS, sind ja erfreulicherweise nicht für eine Eiiischräliklmg des KoalitionS- rechts. Eine dritte Resolution fordert loeitergehenden Schutz der jugendliche» Arbeiter. Dann bitten wir auch um Annahme der Resolution, die die Animierkneipen unterdrücken will. Hoffentlich ivird der Entwurf über die ArbeitSkammern in dieser Session zum Abschluß gebracht. Dem Reichskanzler wird man es wünschen müssen, daß er sich i m K a m p f e g e g e n die G r o ßb a>» k e n als ein harter Land- gras erweisen möge. Graf Posodowsky sprach von solonischer Weisheit. Solon« Weisheit war der Kampf gegen den Kapitalismus. Da kann man allerdings dem Kanzler nur solouische Weisheit wünschen.(Heiterkeit.) Miiiistcrialdircktor Gaspar(auf der Tribüne schwer verständlich) äußert sich über die Regelung der Arbeitszeit in den Kontoren. Die Regierung fei gewillt, da etiizugreifen, wo sich Uebelstände heraus- stellen sollten. Abg. Werner(Ant.) ersticht den Staatssekretär, dafür zu sorgen, zu einem geläufigen Original, an dem sie ihre Berdrehungskünste übt» das Interesse wach erhalten. Hier fehlte daS. Auch die Vorgeschichte. die König seiner Parodie zugrunde legt, bleibt in dein Stücke selbst höchst unklar. Admet, ein unverbesserlicher Buinmelante, ist gar nicht krank, und Alkeste eine resoluie, aufs Reinemachen und aus Wäsche versessene Hausfrau,»mß, sehr zu ihrem Leidwesen, infolge eines zur HoiiigSnioiidSzeit hcrauSgcplapperten Schwur«, in das Grab. Die Koillrastieruiig des Pärchens, immer dieselben Effekte wieder- holend, kommt über ziemlich plumpe Spaße nicht hinaus. Selbst Ansätze zu einer feiilercn Pointierung mangelten. Auch wo dem Amor ein hübscher Einfall durch den Sinn geht— z. B. daß Alkcsti« zuilgenfertige Aufsässigkeit dem HadeSgotte seine Unterwelt zur Hölle macht, ,0 daß er selbst am Ende froh ist, sie losziiwerden— fällt die Ausführung ins billig Platte. Ebciisowcnig brachte es die Verulkiiiig der patheiischcn Feierlichkeit antiker Chöre, gewiß ein dankbares Motiv, zu stärkerer Komik. Erste Kräfte des Lessing-Theatcrs wirkten mit. Else Lehmann spielte die derbe Alkestis, M o n n a r d den ewig zwischen Suff, Liebe und moralischen Kater pendelnden Gemahl, Marr den gutmütigen Schlagadodro Herkules— dock bei der Magerkeit des Textes ohne rechten Eindruck. Recht drollig war F o r e st S sanstiniltiger, geflügelter ThanatoS, der als Bote der Unterwelt mit einer Brief« trägermütze geschmückt, aus dem Souffleurkasten emporstieg. Am »leisten hatte der Autor Jlka Grünin g zu danken. Ans einem Nichts der trivialen Nolle einer alten Amme schuf sie ein Wesen von überwältigend komischer kopfwackelndcn Häßlichkeit. Schon ihr bloßes Erscheinen entfesselte He'tcrkeitsstürme. dt. Humor«nd Satire. Kriegsbegeisterung. Da kommt der Kerl, der Hoffmann, her. will u»S den Krieg vergällen; al« ob's nicht just im Kriege wär', wo uns die Beutel schwellen I Der Beutel schwillt, es schwillt die Brust vo» Ehren und von Orden— Und dabei wär' e« sünd'ge Lust, daS bisken Massenmorden? Mit Recht ist nicht vom Ordnungsruf der Kerl verschont geblieben. Seht nur, ivie wir den KriegSbenif sogar im Frieden üben: Ein freies Leben führen wir, in FriedenSzeit und Kriegen; die Kosten zahlt, Proleten, i h r, wir— nehmen, was wir kriegen. _ Franz. Notizen. — Die vier Toten der Fiametta, die Pantomime von W t I l l a m Wauer mit der Musik von HerwarlhWalden wird am 9. März auf dem Maskenfest der Juryfreicn Keb?o„,» in den Festsälen deS BrüdervereinS. Kurfürstenstr. liö! anfqe übrt — Vorträge. Ueber.Jüdische Emigration und K o l o>i, s a t, o n' hält:. Herr Davis Trietsch im Auslrane Zionistischen Vereins West-Berlin an den Dienstaqen(5 12 i» 26.) dieses Monats, abends 8 Uhr. in der A.da der Chär otte.ibl.rc.-- Gemeindeschule. Bleibtreustr. 43. einen BortragSzyllns. Ö daß die Güterschlächter sich nicht von der Wertzuwachssteuer drücken können, wie die» bisher vielfach geschehen sei. Angesichts der letzten Ereignisse in Hessen müsse die Bevölkerung mehr als bisher vor der Zigeunerplage geschützt werden. Der Redner spricht sich weiter für eine Beschränkung der Wanderlager aus. Der K 100 g der Gewerbeordnung müsse beseitigt und den Zwangsinnungen das Recht zur Festsetzung von Mindestpreisen gegeben werden. Den Warenhäusern müsse mit einer scharfen ReichswarenhauSsteuer entgegengetreten werden. Ein grösserer Schutz der Arbeitswilligen sei unerlässlich. Eine weitere Einschränkung der Sonntagsverkaufszeit dürfe nicht vor- genommen werden.(Beifall rechts.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Ich habe den Eindruck, datz das Mass der Anfragen und An- regungen, die bei dem Titel meines Gehalts geäussert werden, in diesem Jahre noch erheblich grösser ist als sonst. Ich werde mich heute darauf beschränke», über allgemeine wirtschaftlich- politische Fragen zusprechen und behalte mir vor. auf die Wünsche des Mittelstandes in einer besonderen Rede morgen einzugehen. Die in ihre» wesentlichen Punkten zu- treffenden Ausführungen des Abgeordneten Mayer haben er- geben, dass die günstige Situation, die unsere wirtschaftliche EntWickelung im Laufe des Jahres 1911 bis zum vorigen Herbst gezeigt hat, nicht abgeflaut hat, sondern dass wir uns nach wie vor in einer langsamen, aber stetigen Aufwärtsbewegung aus fast allen Gebieten befinden. Der Abgeürdnete Mayer hat anerkannt, dass unsere Wirtschaftspolitik eigentlich durchweg von Erfolg begleitet ge- Wesen ist; ich möchte dabei aber zweierlei feststellen: unsere Wirtschaftspolitik hat zwei erhebliche Belastungsproben durchmachen müssen, oas eine war die Dürre des vergangenen Sommers mit ihren Folgen, das andere die während mehrerer Monate scharf gespannte Lage der auswärtigen Politik. sHö'rt! hörtl) Beide Belastungsproben hat zweifellos unser Wirtschaftsleben gut ertragen und das ist zweifellos ein weiterer Beweis dafür, daß unser Wirtschaftsleben in der Hauptsache auf ge- sunöen Grundlagen beruht. Wir dürfen uns dabei darüber aber nicht täuschen: der Abschluss des Jahres 1911 wird kein ganz nor- maler sein, denn die starke Einfuhr an NahrungS- und Lebens- Mitteln, die als eine Folge der Dürre unabwendbar eintreten musste, hat natürlich unsere Jahresbilanz abnormal beeinflusst und wird sie voraussichtlich noch weiter beeinflussen. Die Lage unseres Geldmarktes ultimo September und Dezember hat zweifellos gezeigt, daß unsere Bank- und Handelswelt in der Lage gewesen ist. über die Schwierigkeilen hinwegzukommen, die ihr die äussere Politik bereitet hat. Man wird anerkennen müssen, dass die Leistungen unserer Reichsbank von Erfolg begleitet gewesen sind. Auch diese Borgänge haben erneut die Frage an uns heran- treten lassen, ob unsere Grossbanken in Zeiten schwerer Er- schütterung unter allen Umständen das Mass von sofort greifbaren Mitteln gewährleisten, was erforderlich ist, um autzergewöhnlichen Erschütterungen zu begegnen. Alle berufenen Instanzen haben diese Frage mit äußerster Aufmerksamkeit und Sorgfalt verfolgt und wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass jedenfalls zurzeit auf diesem Gebiete ein gesetzgeberisches Eingreifen nicht notwendig ist. Zunächst ist es der Energie und Zähigkeit des Reichsbankpräsidenten gelungen, ohne Zwangsmassnahmen den erforderlichen Einfluss in dieser Richtung auf di«. Bonken auszuüben. Man wird also vorläufig mit Ruhe der EntWickelung entgegensehen und abwarten können, was die Tätigkeit der Reichsbank auf diesem Gebiete in der nächsten Zeit weiter erreichen wird. Obwohl man vielleicht der Meinung sein kann, dass wir alles in allem in Deutschland noch etwas stark und hochgespannt arbeiten, wird man doch nicht in Ab- rede stellen können, dass das Gesamtbild unserer wirtschaftlichen Em- Wickelung ein glänzende« ist. Wenn das der Fall ist, so fehlt natürlich ein greifbarer Lnlass, einen Wechsel in unserer Wirtschafts« Politik, in unserer Zolltarif« und Handelspolitik, in unserer Politik des Schutzes der nationalen Arbeit eintreten zu lassen. Im grossen und ganzen hat sich der Zolltarif bewährt. Er hat sich bewährt in seiner Systematik, in bezug auf seine technische Anwendbarkeit, und er hat sich bewährt, insofern er zweifellos einen wirksamen Schutz unserer nationalen Arbeit geboten hat. Unter diesen Umständen würde man im Ernst nicht daran denken können, wesentliche Aenderungen im Masse des Schutze? nach oben oder nach unten eintreten zulassen. Im Gegenteil, wir werden bestrebt sein, den jetzigen Stand zu halten. Damit fällt natürlich jede Notwendigkeit, einen neuen Zolltanf aufzustellen, was man hier und da angenommen hat. Es kann fich auf diesem Gebiete nur handeln um«ine Revision im einzelnen, technische Unebenheiten im Aufbau des Tarife? zu beseitigen, einzelne wirtschaftliche UnVollkommenheiten aufzuheben und zu prüfen, ob etwa die allgemeinen handelspolitischen Beziehungen die Erfahrungen, die wir beim Abschluß unserer letzten Handels- Verträge gemacht haben, uns nötigen, unsere zollpolittschen Rüstungen in diesem oder jenem Punkte zu verbessern oder zu erweitern. Die Aenderungen deS TarifcS könnten zurückgeführt werden auf Verschiebungen in den Produktionsverhältnissen in den einzelnen Ländern, sie könnten notwendig werden durch Veränderungen in der Technik, in dem Bedarf und in den Bezugsquellen von Rohprodukten, die wir aus anderen Staaten beziehen. Auch die veränderte Wirt- schaftspolitik anderer Staaten kann uns nötigen, in diesem oder jenem Punkte einzelne Aenderungen vorzunehmen. Im grossen und ganzen handelt es sich darum, den Zolltarif auf der Gegen- wart zu halten. Gerade wenn man an der bewährten Zoll«- und Wirtschaftspolitik festhalten will, muß man sich davor hüten, dass das Instrument einer solchen Politik, der Zolltarif, unmodern wird. Andere Staaten haben gesetzlich festgelegt, dass ihr Tarif alle 5 Jahre revidiert werden muß. Bei unS muß der Zeitpunkt für eine der- artige Modernifierung des TarifeS nach anderen Gesichtspunkten bestimmt werden. Es ergibt sich für unS naturgen, Sss, dass wir be- strebt sein müssen, die notwendigen Veränderungen und Ber« besserungen an unserem Tarif vorzunehmen, bevor die neuen Handelsverträge kommen. Die Auffassung ist also vollständig berechtigt, daß unser Reichstag wichtige Beschlüsse auf dem Gebiete der Handelsverträge zu fassen hat.'Diese Tatsache hat ver« schiedenen Parteien Anlass gegeben, die Regierung zu fragen, was sie zur Vorbereitung der neuen Handelsverträge zu tun gedenke. Diese Mahnungen waren nicht notwendig. Wir sind seit mehr als drei Jahren unablässig mit den Vorbereitungen für den Abschluss der Handelsverträge, die im Jahre 1917 ablaufen, be- schäftigt. Zunächst bleibt die Materie in Fluss, so lange noch neue Handelsverträge abgeschlossen werden. Neben dem wirtschasl- lichen Ausschutz benutzten wir das Mittel der Pri�uktionserhebungen. die seit über drei Jahren wieder in vollem Gange sind und mindestens in dem bisherigen Umfange fortgesetzt werden sollen. Wir glauben, dass wir in der Lage sein werden, auf diesem Wege dasjenige Material zu schaffen. daS erforderlich sein wird, um die zahlreichen Wünsche einzelner Jnteressentengruppen. wie die deS Handelstages, des Zentralverbandes der Industriellen und vieler anderer Vereinigungen zu prüfen und eventuell zu ergänzen. Die Erfassung der Kleinbetriebe bei diesen Produktionserhebungen ge- staltet sich freilich erheblich schwieriger als die der Grossbetriebe. Wir werden hierbei andere Wege einschlagen müssen und hoffen auf die Unterstützung der Jnteresseiitenvcrbäude dabei. Es wurde angeregt, es möchte eine öffentliche allgemeine En« quete auf kontradiktatorischer Grundloge über die Ergebnisse unserer bisherigen Wirtschaftspolitik augestellt werden, und mit dieser allgemeinen Enquete hofft man dann, die Verbände für die neuen Handelsverträge und für die weitere Orientierung unserer Wirtschaft«- Politik zu gewinnen. Ich halte diesen Weg nicht für gangbar(Sehr richtig I rechts.) auS einem guten einfachen unwiderleglichen Grunde. Kein Geschäftsmann wird die letzten Geheimnisse seines Betriebes in öffentlicher Verhandlung allgemein bekckssnt geben.(Sehr richtig!) Wir sind genötigt, daS Material, da» wir im Wege der Produktions- «Hebungen gewinnen, und das wir dem WirtschaftSauSschuss vor« legen, aus das sorgsamste zu sekretieren sgeheimhalten). Da» Material geht bei mir im Amt nur von Hand zu Hand, eS ist nur dem betreffenden Referenten zugänglich, und es wird zu einem er« heblichen Teile vernichtet, sobald es seinem Zwecke gedient hat. Es kann nicht Diskussionsmaterial für öffentliche Lersanunlungen sein.(Sehr richtig! rechts.) Weiter wurde angeregt, dass wir beim Abschluss der Handels- Verträge Abmachungen sozialpolitischer Natur aufnehmen sollten. dergestalt, dass die vertragschließenden Teile die Arbeiter in sozial- politischer Beziehung möglichst gleich behandelten. Welchen Erfolg diese Bemühungen.künftig haben werden, kann ich nicht sagen. Wir haben den Weg bereits beim schwedischen Handels- vertrag beschritten, der Ansätze zu derartigen Vereinbarungen enthält. Wenn wir auch nach dreißig Jahren feststellen können, dass unsere Wirtschaftspolitik eigentlich alle Zweige der Produktion gut entwickelt hat, so dürfen wir uns darüber nicht täuschen, dass die Verhältnisse bei uns und im Auslande heute anders liegen, als vor 30 Jahren. Eines der wichtigste» Momente ist die Erstarkung unserer Industrie. Unsere Wirtschaftspolitik hat die Auf- gäbe, nicht mehr wie vor 30 Jahren den inneren Markt zu schützen. sondern den äusseren Markt zu bewahren, der Konkurrenz des AuS- landes im Auslande zu begegnen.(Sehr richtig I) Zu einem Wechsel unserer Wirtschaftspolitik haben wir jedenfalls keinen Anlass. Ein Herabsetzen unserer Tarife würde uns gar nichts nützen Staaten gegenüber, die ihre nationalen Hilfsquellen selbst entwickeln wollen; die würden ihre Tarife auch nicht um einen Pfennig herabsetzen. Wir sehen ja. wie England infolge seines Freihandels genötigt ist. sich von anderen Ländern einfach alles ge- fallen zu lassen. Die veränderten Verhältnisse zwingen nur zu der Frage, ob die Technik unseres Zolltarifs auf der Höhe ist, ob er in den wirtschafts- politischen Kämpfen als Rüstzeug allen Anforderungen entspricht. Es ist gefragt worden, ob es nicht besser sei, an Stelle der Meist- begünstigungsverträge Reziprozitätsverträge im Sinne der amerikanischen Handelspolitik treten zu lassen. Aber nur die Meist- begünstigungsverträge gewähren, soweit unsere handelspolitischen Beziehungen mit den europäischen Kulturländern in Frage kommen, die Sicherheit, dass wir mit gleichen Waffen im Ausland kämpfen. Die handelspolitischen Verhältnisse zwischen Deutschland und Amerika beruhen auf keintm Verlrag. Sie find durch diplomatische Ver« Handlungen autonom geregelt, sind nicht langfristiger Natur und können rasch geändert werden. Amerika hat un« gegeben, was damals- bei uns Meistbegünstigung hiess, einen sogenannten Minimaltarif, während wir Amerika unseren Vertragslarif ge- leben haben. Inzwischen bahnte Amerika das Abkommen mit k a n a d a an! wäre es in Kraft getreten, so wäre nickt nur Deutschland, sondern eine ganze Reihe anderer europäischer Staaten Kanada gegenüber differenziert worden. Wir wollten abwarten, ob das Abkommen zustande kommen würde, das ist bekanntlich nicht ge- schehen. Die Bereinigten Staaten haben nun aber, ohne Rücklicht darauf, dass das Ablommen abgelehnt worden ist, einen Teil ihrer Tarifermätzigungen Kanada gegenüber in Kraft treten lassen. So sind wir Kanada gegenüber jetzt differenziert in be�ug aus Holzstoff. Pappe und Papier. Wir haben remoiistriert und dre Verhandlungeu schweben noch. Die neuen Zugeständnisse, die wir durch Handels- vertrag Schweden und Japan gewährt haben, konnten wir Amerika vorenthalten. DaS alles ist ein Schulbeispiel dafür, wie sich die handelspolitischen Verhältnisse zwischen zwei Ländern regeln. die keinen Handelsvertrag abschließen. Nun zu den Syndikaten, die sich besonders leicht in Ländern mit Schutzzoll entwickeln.(Hört! hört! links.) Ich muß zugeben, daß die Syndikate manche Gefahre» politischer und wirtschaftlicher Natur mit' sich bringt. Durch die Syndikate hat die Monopolfrage ein völlig anderes Gesicht bekommen. Früher wurden Staats« Monopole aus Gründen wirtschaftspolitischer und politischer Doktrin aufs äusserste verworfen. Wir haben aber in den Syndikaten Wirt- schaftliche Gebilde vor uns, die den Charakter«ine» Privatmonopols annehmen können. Ich persönlich halte Privatmonopole unter Um- ständen für gefährlicher als Staatsmonopole. Namenilich in einem konstitutionell regierten Lande wie Preußen, wo der Landtag kontrolliert.(Na! na! links. Heiterkeit.) Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir allmählich gezwungen werden. Privat- Monopole in StaatSmonopole zu verwandeln.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Aber ich habe den Eindruck, als wenn wir für diese Erkenntnis noch nicht reif sind.(Zuruf bei den Sozial- demokraten: Sehr finnreich I Heiterkeit.)-Luch die Herren von der äußersten Linken werden die Wichtigkeit d« Syn» dikate für di« wirtschaftliche Entwickelung nicht verkennen. Die Assoziierung der Betriebsmittel und des Angebots führt zur vollkommeneren Ausnutzung der Betriebsmittel, zur Stabilisierung der Preise und damit der Löhne. Da» ist wichtig namentlich für die Kohlenproduktion. So lange die Syn» dikate ihre Monopolstelle nicht missbrauchen, haben wir keinen Anlaß, gegen sie einzuschreiten. Uebrigens fehlt unS auch die Macht dazu Ein allgemeines Syndikatgesetz halte ich für aussichtslos; nur auf dem Wege de« Spezialgesetzes kann dort, wo es notwendig wird, erfolgreich eingeschritten worden. Allerdings verlockt da« Kali« gesetz nicht zu weiteren Experimenten auf diesem Gebiete. Seine Wirkung entspricht den Hoffnungen nicht, die wir daran ge- knüpft haben. Ich will nickt erörtern, wen daran die Schuld trifft. Wir haben es allerdings auch nickt so vorgelegt. wie eS schliesslich geworden ist. Hoffentlich wirkt da» Kaligeietz auf die anderen Syndikate so ein. dass sie alle» tun, um eine ähnliche Regle- mentierung bei ihnen zu vermeiden. Da» Kohlensyndtkat und der Stahlwerksverband find eine Stütze unserer wirtschaftlichen Organi- sation, die wir nicht verfallen lassen dürfen. Ich halte e» für richtig, dass der preußische Fisku« dem Kohlensyndikat beigetreten ist. Wenn darauf hingewiesen wird, datz mit dem Eintritt deS FiSkuS die Kohlenpreise gestiegen find, so will ich nur feststellen, daß diese Steigerung der Konjunktur entspricht. So unbequem sie den Produ« zenten sein mag. so wünschenswert ist sie. weil nun'die Löhne der Konjunktur angemessen gestaltet werden.(Bravo im Zentrum und rechts.) Abg. Sachse(Soz.): Der Staatssekretär hat bedauert, daß in diesem Jahre mehr An- regungen und Wünsche als sonst auS dem Hause an ihn gerichtet worden sind. Er darf nicht vergessen, daß die Wahlen gerade erst hinter unS liegen, und daß dabei die bürgerlichen Parteien ihren Wählern viel Versprechungen gemacht haben. Die Wähler hatten ihnen da« Gewissen geschärft, deshalb ihre vielen Resolutionen und Initiativanträge. Ich möchte den Staatssekretär bitten, den Wünschen des Volkes mehr nachzukommen. Der Staatssekretär hat weiter betont, dass Deutschland seine Aufmerksamkeit daraus lenken müsse, sich den«ussenmarkt zu erhalten und neue Absatzgebiete zu erobern. Am erfolgreichsten könnte das geschehen, wenn wir mit unserer Wirtschaftspolitik einlenken wollten.(Sehr(richtig I links.) Man spricht von den Erfolgen unserer allbewäbrten Wirt« schaftspolitik. Blicken Sie auf unsere sächsische und schlesische Textilindustrie, sie kommt aus den Stockungen gar nicht mehr heraus. Der Staatssekretär hat fich als Freund deS Staatsmonopols bekannt. Aus unsere» Reihen sind wiederholt Stimmen laut geworden, die die Verstaatlichung der Kali- und Kohlenproduktion gefordert haben, weil diese wicktigen Produkte nickt der Privatausbeutung überlassen bleiben dürfen. Selbstverständlich verlangen wir Garantien für die Arbeiter. Die Bergarbeiter müssen Minimallöhne erhalten. sonst kommt e» auch bei uns zu Kämpfen wie in England. DaS un- beschränkte KoaliiionSrecht mutz ihnen garantiert werden. Bei der staatlichen Eisenbahn sind sie rechtloser als bei manchen Scharf« machern.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bevor ich eine Anzahl Wünsche der Bergarbeiter vortrage. möchte ich mich mit einigen Rednern aus dem Hause beschäftigen. Herr Werner hat das alte Steckenpferd der Konzessionierung deö Flaschenbierhandels geritten. Damit soll dem Mittelstände geholfen werden. Dem einen gibt, dem anderen nimmt man au» demselben Mittelstande. Es ist gewiss besser, wenn die Arbeiter nicht gezwungen werden, in» Wirtshaus zu gehen, sondern zu Hause ihre Flasche vier trinken können.(Sehr richtig! bei de» Sozialdemokraten.) Der Abg. So sin Skr hat Klagen über die Haudhavuitg de» Vereinsgesetzes in Oberschlesien vorgetragen. Wir können fie.be- stätigen und hinzufügen, datz auch im Saganer Revier versucht wird, die Gewerkschaften als politische Vereine zu behandeln. Eni besonders krasser Fall hat sich während der Wahlbewegung m Striegau ereignet. Dort war am Tage vor der Stichwahl eine Wählerversammlung einberufen und durch Handzettel hierzu ern- geladen worden. Der Polizeiinspektor hörte sich die Reden eine Zert lang an und sagte dann: Hier wird politisch gesprochen, ich löse die Versammlung auf.(Heiterkeit links.) Die Führer gingen zum Bürgermeister, der fich in einer nationalen Versammlung befand, und beschwerten sich über den Polizeiinfpektor. Dann beriefen sie eine zweite Versammlung ein. Der Inspektor kam wieder hin und löste wieder auf. Der Regierungspräsident, an den man sich be- schwerdeführend wandte, hiess die Auflösung nicht gut,, aber er führte Gründe an, die wir nicht unwidersprochen lassen dürfen. In seinem Schreiben sagte er. eS sei nicht zutreffend, daß es sich um Versamm- lungen der Wahlberechtigten gehandelt habe, denn an der ersten aufgelösten Versammlung habe eine so grosse Anzahl von Frauen, also Nichtwahlberechtigten, teilgenommen, datz man nur von einer öffentlichen politischen Versammlung sprechen könne, aus die die er« leichtemden Bestimmungen des Geietzes für Wählerversammlungen keine Anwendung finden könnten. Gegen eine solche Auslegung deS Gesetzes müssen wir protestieren.(Sehr richtig! links.) Bei der Beratung des Vereinsgesetzes ist ausdrücklich gesagt worden, daß eine solche Auslegung und rigorose Handhabung des Gesetzes nicht gut- geheitzen werden könne. Verschiedene Redner haben wieder das alte Lied von dem Terrorismus der sozialdemokratischen Organisationen angestimmt und den Schrei nach dem Schutz der Arbeitswilligen erschallen lassen. Ausserhalb dieses Hauses ist da» auch von den National- liberalen im sächsischen Landtag geschehen. Graf Carmer erklärte hier am Sonnabend, er hätte eine ganze Anzahl solcher Terrorismus- fälle mitgeteilt bekommen, die Absender der Zuschriften hätten ihn aber dringend gebeten, ja ihren Namen nicht zu nennen. Ich habe mir damals den Zwischenruf erlaubt, das wären Feiglinge. Da wurde geantwortet, nein, sie fürchten fich, weil sie sonst noch mehr terrorisiert werden. Arbeitgeber, Gendarmen und Schutzleute sollen zu feige sein, ihren Namen zu nennen, auS Furcht vor den Arbeitern; sind Sie denn wirklich so leichtgläubig?(Zurus recht»: Aber die Arbeiter!) Die Arbeiter, die solche Zuschnften senden, das sind Leute von echt gelber Gesinnung, die sich Liebkind machen und sich eine» Posten erschleichen wollen.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Die wollen durch solche Mätzchen und solche llnwahr- heilen sich einen guten Rainen machen und verschweigen ihren Namen. weil sie ihre Angaben nicht verantworten können vor dem Richter oder vor der Oeffentlickkeit.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie mit Terrorismusfällen kommen, so kann ick Ihnen nur sagen, in keinem Betriebe sind die TerroriSmuSfälle der Arbeitgeber so häufig wie im Bergwerk. Auch der Abgeordnete Sosinski hat Ihnen ja aus Qberschlesicn solche Fälle vorgetragen. Bei unserer Bergarbeiterbewegung spielt auch die Forderung eine Rolle: Aufhebung der Sperren. Heute noch werden von den Unternehmern die Sperren aufrechterhalten, die dazu führen, daß ein Bergarbeiter, der auf einer Grube aufhört, weil ihm vielleicht Lohnabzüge gemacht worden find, auf keiner der benachbarten GrubenArbeit erhält, weil er durch nachbarliche Abmachungen der Unternehmer gesperrt ist.(Hört� hörtl bei den Sozialdemokraten.) Die schwarzen Listen sind im Bergbau noch nicht verschwunden. Da haben Sie den TermiSmuS der Arbeitgeber. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Gras Carmer und die konservative Partei über TerroriSmuS klagen, dann sollten ie auch gerecht sein und die„Deutsche Tageszeitung" anklagen. Die hatte nämlich Ende Februar im Inseratenteil einen Aufruf aufgenommen, in dem es heißt:„Die Unterzeichneten beabsichtigen. einen Verband zu gründen zu dem Zwecke, nur von Unternehmern Arbeiten ausführen zu lassen, die sich verpflichten. kein,e sozialdemokratisch organisierten Maurer, Zim� merleute und Handlanger auf ihren Bauten zu beschäftigen."(Hört! hörtl links.) Der Aufruf ist unter- zeichnet vom Landschaftsrat von Herzberg- Lottin und vielen anderen. Das ist doch der organisiert« Terrorismus gegen organi, fierte Arbeiter.(Sehr richtig! links.) Wpr so im Glashause sitzt, soll uns doch nicht mit Steinen werfen. Auch die kleineren Be- amten im Bergbau klagen über den Terrorismus der Unternehmer. Der Steigerverband wird von den Arbeitgebern mit aller Macht zu erdrücken gesucht. Von den S t i n n e s w e r k e n er- hielten mehrere dort beschäftigte Steiger einen Brief des Inhaltes, sie wären trotz dieses Verbots der Firma Mitglieder des Steiger- Verbandes geblieben, und e» werde ihnen deshalb die Prämie für drei Monate entzogen und die Weihnachtsgratifikation um die Hälfte verkürzt.(Hörtl hört! links.) Die Leute werden bedroht und zum Austritt aus ihrer Organisation gezwungen. Freiherr v. G a m p hat die Sesshaftmachung der Arbeiter empfohlen, um sie vor dem Terrorismus der Sozialdemokraten zu wahren. Wie eS auf diesen Arbeiterkolonien aussieht, das zeigt daS Beispiel der KönigSgrube, wo die Kolonieverwalter von Stube zu Stube gegangen sind und den Organisierten das Ver- bandsbuch abgenommen haben. Wer eS nicht freiwillig abgab, der wurde dazu gezwungen.(Hört! hörtl bei den Saziialdemokraten.) Auf die Bewohner solcher Arbeiterkolonien wird auch ein Druck dahin ausgeübt, dass sie Kostgänger halten müssen. In den Mietkontrakten verschiedener Zechen steht, dass der Mieter gezwungen wird, mindesten» 2 oder Z Kostgänger zu halten. (Hörtl hörtl links.) ES werden sogar Prämien dafür bewilligt. und die Miete wird um so mehr herabgesetzt, je mehr Kostgänger der Mieter aufnimmt. Wir sollten unS im Reichstag aufraffen, um endlich das Koalitionsrecht freier und besser auszubauen und niemals daran rütteln zu lassen. Ich möchte Ihnen dringend empfehlen, unsere Resolutionen anzunehmen, die sich auf den Schutz der Arbeiter in den chemischen Fabriken. >n den Glas- und Porzellanfabriken, in der Groß- eisenindustrie. im Handel».. Transport» und Baugewerbe bezichen. Die Resolution für die Privat- ange st eilten und die Arbeiter in land. und forst- wirtschaftlichen Betrieben wird von meinen Freunden noch näher begründet werden. Von den Ga st wirtSgehilfen ist ein ganzes Bündel Wünsche gekommen. Au» dem Material geht hervor, wie notwendig ein weiterer Schutz auch für die Gastwirts- gehilfen und namentlich für die noch gar nicht geschützten Küchen- arbeiter ist. Nickt nur freiorganisierte Gastwirtsgehilfen ver» langen diesen Sckutz, sondern Sie finden auch Petitionen von dem nationalen Gastwirtsgehilfenverband, der über dieselben grauen- hasten Zustände klaat. Der Staatssekretär und Abg. Mumm haben über die Bergarbeiterlöhne und die Arbeitsverhältnisse gesprochen. Herr Mumm führte an, daß ein wilder Streik ausgebrochen sei. Ich bedaure mit ihm, daß das vorgekommen ist, möchte aber darauf hinweisen, daß selbst in der bürgerlichen Presse zugegeben wiri� daß dieser Disziplinbruch darauf zurückzuführen fei, daß Lohnabzüge gemacht worden sind, während Lohn- erhöhungen versprochen worden sind. Seiten» unseres Verbände» sind jetzt schon Belegschansversammlungen einberufen worden, um die Leute wieder zur Arbeitsaufnahme zu bewegen. Heute hat man auch im preußischen Landtag über den Bergetat gesprochen, unb man ist dabei auch auf unsere gegen- wältige Lohnbewegung zu sprechen gekommen. Der preußische Minister v. S h d o w und der nationalliberale Abg. Hirsch- Esse» haben dabei von den»Hetzern" gesprochen und es wurde erklärt, daß man be« aufgehetzten Massen energisch gegenübertrete« würde. Man hat also nicht in Aussicht gestellt, daß man den be- rechtigten Wünschen der Bergarbeiter entgegenkommen will.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Da möchte ich dem Staatssekretär sagen: Wenn Sie verhindern wollen, daß in den Bergwerksbetrieben große Störung«» vorkommen, dann müssen die Arbeitgeber und die Regierung den berechtigten Wünschen der Arbeiter enb- gegenkommen. Nur so kann auf die Dauer der Friede erhalten werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Abgeordnete Mayer hat das kolossale Ansteigen der Berg- arbeiterlöhne konstatieren zu müssen geglaubt. Dabei wird immer das alte Kunststück gemacht, daß man die Bergarbeiterlöhne von 1886 zum Vergleich heranzieht. Im Jahre 1886 standen aber dre Löhne in Preußen und Deutschland seit den letzten 40 Jahren a m n i e d r i g st e n. Es ist also leicht, bei einem Vergleich mit diesem Jahre ein gewaltiges Steigen der Löhne in den letzten 25 Jahren zu konstatieren. Im Jahre 1873 waren beispielsweise die Löhne weit höher als 1886; sie standen z. B. in einer Grube ,m Jahre 1873 aus 5.91 M.. dagegen im Jahre 1886 aus 2.54 M. In Gelsenkirchen im Jahre 1873 auf 4.41 M.. im Jahre 1880 auf 2,97 M. und im Jahre 1910 wieder auf 4.90 M.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Warum hat denn Herr Mayer nicht von den kolossalen Gewinnen der Zeche» gesprochen? Im Jahrfünft 1880—1884 hatte z. B. die Gute- hoffnungshvtte eine Dividende von 25 Proz., im Jahrfünft 1906—1910 von 50 Proz.(Hört! hört! links.) Ein ähnlich starkes Aufsteigen des Gewinnes zeigen auch die übrigen Gruben. De, Bergarbeiterlöhne sind dagegen von 1907 bis jetzt sehr er- heblich zurückgegangen. Im Durchschnitt betrugen sie 1907 6,14 M., 1909 5,30 M. und 1911 wieder 5,63 M. Die übrigen Durchschnittslöhne sind bedeutend niedriger. Die Hauer verdienten im letzten Quartal 1911 51 Pf. weniger als zur gleichen Zeit im Jahre 1907. Die Ueberschüsse der Zechen sind da- gegen gewaltig gestiegen. Daß angesichts dieser wachsen- den Ueberschüsse die Arbeiter auch höheren Lohn fordern, das ist wohl leicht begreiflich und selbstverständlich. Da brauchte kein eng- lischer Streik zu kommen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir sind nicht aufgestachelt worden von den Eng- ländern zu Sympathie- oder Solidaritätsstreiks. Wer das behauptet, behauptet eine Unwahrheit.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben die Lohnbewegung eigentlich schon im Jahre 1910 eingeleitet, wir haben sie im vorigen Jahre vertagt, weil der christliche Gewerkverein sich absplitterte und weil wir andererseits verdächtigt wurden, wir ließen uns durch die Rücksicht auf die bevorstehenden Reichstagswahlen leiten.(Zu- ruf des Abg. Burckhard t: Mit Recht!) Nein, ganz mit Unrecht, Fragen Sie nur den Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein und den Polnischen Verband, der mit uns gemeinsam vorgeht. Wir führen diese Lohnbewegung nur im Interesse unserer beut- schen Kameraden. Wenn Sie etwas anderes behaupten, so treten Sie an die Oeffentlichkeit und es wird Ihnen die Unwahr- h e i t nachgewiesen werden. Es wird ja sogar das Märchen der» breitet, wir hätten den englischen Bergarbeitern schon eine halbe Million geschickt. Die englischen Bergarbeiter haben allein über 43 Millionen Mark. Sie haben am I. Februar den Streik begonnen, und am 2. Februar sollen wir ihnen schon eine halbe Million Mark geschickt haben. Wer solches Blech glauben kann, ich weiß nicht, wie es mit dem im Oberstübchen beschaffen ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die englischen Bergarbeiter haben unsere Hilfe nicht g e- braucht und nicht beansprucht. Das ist ausdrücklich auch in einer Resolution in England festgelegt worden. Wie angesichts solcher Tatsachen die Leiter der christlichen Gewerkschaften zu ihrer Stellungnahme kommen, das mögen sie vor sich und der Welt»er- antworten, vor den Arbeitern können sie es nicht verantworten. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Da sagt man. der Ge- werkverein mache deshalb nicht mit, weil schon Lohn erhöhungen versprochen worden seien. Wie eS damit aussieht, ergibt sich aus folgender Tatsache: ES sind den in Schicht- Hohn arbeitenden Arbeitern im westfälischen Kohlengebiet zum I. März, teilweise zum 1. April, Lohnzulagen von 10. 20 und auf einzelnen Werken von 30 Pf. pro Schicht versprochen worden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Den im Gedinge arbeitenden Bergarbeitern ist nichts versprochen worden mit ganz geringen Ausnahmen, ja es sind sogar Lohnredu- zierungen vorgenommen worden.(Hört! hört! bei den So- zialdemokraten.) ES trifft auch nicht au. daß der deutsche Bergbau die englische Konkurrenz fürchten müsse. Zahlenmäßig läßt sich nachweisen, daß die Einfuhr englischer Kohle nach Deutschland in den letzten Jahren gewaltig zurückgegangen ist. von 1907 bis 1909 um 2zhMillionen Tonnen, während auf der anderen Seite die deutsch« KohlenauSfuhr von 20 061 000 auf 24 257 000 Tonnen ge- wachsen ist. Von einer zu starken Konkurrenz der Engländer kann also gar keine Rede sein. Gefreut habe ich mich über Freiherrn v. Gamp. der den Standpunkt vertrat, daß in bezug auf die MaximalarbeitSzeit zwischen den Arbeitern der verschiedenen Län- der Vereinbarungen getroffen werden müßten. Da? ist da», was wir anstreben mit unseren internationalen Berg- arbeiterkongreffm. Fürst B ü l o w hat das Wort geprägt: Deutsch- land in der Welt voran. Bei der die Slawen, auf das Koalitionsrecht I Maximalarbeitszeit im Bergba» muß sich aber Deutschland allen anderen Ländern gegenüber schämen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Oesterreich und Belgien hat hier den neunstündigen, Frankreich und England den achtstündigen Arbeitstag. In Oesterreich, Belgien und England ist außerdem das Ueberschichten- Wesen teils gesetzlich eingeschränkt, teils völlig verboten. In Deutschland wird aber nicht bloß 10 und 12 Stunden im Berg- bau gearbeitet, sondern in Oberschlesien beispielsweise wer- den trotz der zwölfstündigen Arbeitsschicht die Leute gezwungen, noch eine ganze Anzahl von Ueberstunden zu machen.(Hört, Hort! bei den Sozialdemokraten.) Da ist es kein Wunder, daß die Ltrankenstatistik der Bergarbeiter in einzelnen Gebieten ergibt, daß v»n 100 Leuten jährlich 141,7 Krankheitsfälle zu verzeichnen sind. Da wagt cS keine Reichsregierung, keine preußische Regierung, den Berghcrren in den Arm zu fallen und zu sagen: Sa gehtS nicht weiter! Wir müssen einen Maximal- arbeitStug und eine Beschränkung der Ueber- schichten gesetzlich festlegen! Nur wenn die Berg- arbeiter den Bcrgherren ein„Bis hierher und nicht weiter!" zu- rufen, wird es anders werden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Durch den wirtschaftlichen Druck werden die Bergleute gezwungen, ihre Gesundheit mit Gewalt zu ruinieren. Beschämend ist das für Deutichland, beschämend für die Regierung, die es nicht wagt, solchen Ausbeutern gegenüber endlich einmal die Gesetzgebunqsmaschine für einen wirklichen Arbeiterschutz in Be- wcgung zu setzen(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Gesunoheitsbeirat iut nichts und man hört nichts von ihm! (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im Reichsbcrggesetz muß auch auf freigestellte Sicherheitsmänner Bedacht genommen werden. Zahlreiche Sicherheitsmänner, auch christliche, wurden durch Schikanierung und L o h n r e d u z i e r u n g zur Amtsniederlegung gezwungen.(Hört, hört! bei den Sozial- Demokraten.) Es muß dafür gesorgt werden, daß sie ungehindert ihre unfallverhütende Tätigkeit ausüben können. Meinem Parteigenossen W e l S sind aus seinem Wahlkreise (Kalau-Luckaui Klagen über die Ersetzung deutscher Braunkohlen- gräber durch Galizier und andere Auslander zugegangen. Diese Leute müssen da in Baracken leben wie das Vieh. vor Schmutz starrend. Solange sie sich damit zuftieden geben, sind sie herzlich willkommen, schließen sie sich aber der Organisation an, so werden sie als lästige Ausländer polizeilich ausgewiesen!(Stürmisches Hört, hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Wahrlich, die Scharfmacher, die eine solche Wirtschaft einführen, das sind die Hetzer! Die Grube-Ilse", von der in den Zuschriften an Abg. Wels besonders rne Rede-it. hat in den letzten Jahren 20 bis 26 Proz. Dividende verteilt. Angesichts so enormer Ueberschüsse wirst man deutsche Arbeiter hinau» und zu verzichten. Zu den Wohlfahrtseinrichtungen, mit denen man sie überschüttet, gehören die Zechenkolonien, in die kein Zeitungskolporteur, kein Verbandsbote. kein der Zeche Mißliebiger kommen darf.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Als die Arbeiter im vorigen Jahr versuchten, im mittel- deutschen Braunkohlenrevier Tarifverträge ein- zuführen, was ganz gut möglich wäre, da verhinderten dies die r h e i n i sch-w est sä l i sche n Scharfmacher auf einer Kon- ferenz mit den Braunkohlenwerksbesitzern zu Hannover. Die wollen eben mit den Arbeitern nicht in Frieden und Vertrags- mäßigen Zuständen leben(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), und das sollten sich die Behörden vor Augen halten! Wir fordern eine reichsgesetzliche Regelung des Knappschaftswesens, aber nicht, wie das Zentrum, mit dem Proportionallvahlrecht, das nur Zechsnmarionetten in die Vorstände brächte, die die Arbeit und den Ausbau der Knappschafts- kassen lahmlegen würden.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die christlichen Bergarbeiter stimmen da ganz mit uns überein. Möge das Haus deshalb unserer Resolution den Vorzug vor der des Zentrums geben! Die Lohnzahlung im Ruhrbergbau ist heute so, daß die Arbeiter jetzt fordern, daß am 25. eine Abschlagszahlung und am 10. des kommenden Monats die Restzahlung erfolgtl(Lebh. HörtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) Das müssen die Ruhr- bergleute heute erst fordern. Heute müssen die Arbeiter sechs Woche» auf ihren Loh« warte«. Das ist einfach himmelschreiend!(Zustimmung bei den Sozial- demokrgten.) Das Richtige wäre die gesetzliche Festlegung acht- tägiger Lohnzahlungen. Dringend wünschen die Arbeiter eine Regelungund Ein- schränkung des selbstherrlichen Strafsystems der Zechen, das zu erschreckenden Schädigungen der Arbeiter führt. In einem Jahre hat man die Ruhrbergleute um 28 000 M. ge- straft.(Hört! hört! links.) Wir fordern einen paritätischen, statt des einseitig dekretierenden ZwangsorbeitSnachweises, der doch dem Belegschaftswechsel gar nicht gesteuert hat, weil der eine Folge anderer Ursachen, namentlich des Lohnsystems ist, das ganz will. kürlich ist und in derselben Arbeiterkategori« kolossale Unterschied« macht. Nicht nur den Minimallohn verlangen die Arbeiter, son dern auch die Beseitigung dieser Unterschiede. DaS Reichsgesetz wird nicht eingebracht, weil es die Schars wacher nicht wollen. Nehmen Sie unsere Resolutionen an und wirken Sie in ihrem Sinne auf die Negierungen und den Bundes- rat ein, denn nur auf dem darin vorgezeichneten Wege können große Kämpfe vermieden werden.(Lebh. Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Irl(Z.): Von der glänzenden Wirtschaftslage spürt der Mittelstand leider nichts. Nur ganz kurz will ich mich mit den nicht zum Reichsomt gehörigen Fragen befassen.(Heiterkeit.) In die Fortbildungsschule gehört die Bürgerkunde, aber auch der Religionsunterricht. Der Redner fordert In kraftsetzung de» 2. Teils des Gesetzes zum Schutz der B a u h a n d � Werkerforderungen in Bauschwindelbezirkem Beschaf. fungbilligen Betriebskredits für das Handwerk durch die Berufsgenossenschaften, Regelung des Submiffions- wefens, wobei wir uns wirklich nicht vom Haß gegen den Hansabund leiten lassen, dessen Antrag, soweit er neu, nicht gut ist. Ueber die Lage des Handwerks läßt sich in diesem Hause nichts Neues mehr sagen. Die Bevormundung der Hand Werkskammern soll aufhören. Der Gewerbebetrieb im Um» herziehen soll beschränkt werden auf die Angehörigen armer Gegenden Deutschlands. Die jüdischen Hausierer ziehen ungehindert mit ihrem Vieh herum, aber die Bauern werden immerfort wegen Uebertretuny der Seuchenschutzvorschristen be> straft. Abg. I r l zählt dann allerlei Fälle von unlauterem Wetd bewerb auf. Die Sozialdemokratie treibt die Genossenschaftsidee auf die Spitze, um die selbständigen Existenzen zu vernichten. (Leider! leider! im Zentrum.) Der Beamte muß Rücksicht nehmen auf die produktiven Stände, als Genossenschoftler schädigt er sie aber. Einer weiteren Einschränkung der Berkaufszeit am Sonntag in den kleineren Städten werden wir nicht zu, st i m m e n,(Sehr richtig! im Zentrumc) Mit den Maßnahmen für den Mittelstand darf man nicht warten, bis er nicht mehr da ist. Ein VertagungSantrag wird angenommen. Abg. Dr. Mayer-Kaufbeuren(Z.): Gegenüber dem Abg. Sachse bemerke ich. daß ich die Erhöhung der Bergarbeiterlöhne nur als Folge unserer Wirtschaftspolitik angeführt und verwahre mich gegen die Unierstellung des Abg. Sachse. Abg. Sachse(Soz., persönlich): Ich habe keine Unterstellung vorgebracht. Die Ausführungen des Abg, Mayer bestätigen mein Urteil darüber; ich habe nichts zurückzunehmen, Abg. Dr. Mayer(Z.): Was ich gesagt habe, war aktenmäßig. Dienstag 1 Uhr: Fortsetzung. Schluß 6% Uhr.__ Hbgeordnetenbaua. 29. Sitzung. Montag, den 4. März 1912. vormittags 11 U-hr. Am Mimftertifch: Kommissare. Oberberghauptmann v. Velsen. Der Bergetat. Der Berichterstatter Abg. Spinzig(fk.) bespricht die vorjährige Forderung der Budgetkommission, daß im Staatsbergbau Ersparun- gen gemächt werden sollen. Abg. Dr. Ehlers(Bp.): Wir müssen der StaatSregierung helfen, die Rentabilität der Staatsbetriebe zu erhöhen, und billigen daher den Beitritt zum Kohlensyndikat. Die Sozialisten sagen, die Bodenschätze müssen der Allgemeinheit gehören. Da» gilt aber für alle Produkte und ist daher noch kein Argument für Bergwerks- Verstaatlichung. Abg. Brust(Z.): Mit vorsichtiger Schätzung der Einnahmen sind wir einverstanden. Für Löhne sind nur 3�4 Millionen Mark mehr eingesetzt als im Vorjahre, und zwar aus betriebstechnisck>en Gründen. Danach scheint es, als ob der Staat feine Bergarbeiter- löhne gar nicht erhöhen wollte. Ja, der Mehrüberschuß im Saar- bergbau scheint durch Verringerung der Arbciterlöhne erreicht zu sein. An den Löhnen darf nicht gespart werden. Nicht nur die Bergwerksdirektoren, sondern auch die Inspektoren sollten Gewinnanteile erhalten. Die Prämien für Werksbeamte fksid gekürzt worden! J-b bin Gegner des Prämienshstems. im Ar» beitcrinteresse. Verschiedene Beamtenwünsche kann ick deshalb nicbt vorbringen, weil mir trotz Zusicherung der Geheimhaltung die Angaben nicht direkt, sondern erst aus dritter Hand übermittelt worden sind. Der Redner stimmt dann den Ausführungen des Rcichstagsabgeordneten Dr. Ma y e r- KanfbcuScn(Z.) gegen die Preispolitik des Kohlensyndikats zu. jedoch nicht darin, daß der Anschluß des Staates ein Fehler gewesen sei und die Preiserhöhung der Kohle erst ermöglicht habe. Im Ruhrgebiet ist dank der besonnenen Haltung des christlichen GewcrkvereinS ein Streik bis- her verhindert worden.(Zuruf: Er ist schon ausgebrochen!) Die Sozialdemokraten versuchen jede Bewegung der Arbeiter aus Besser- stellung parteipolitisch im Ruhrrevier zur Niederringung des christ- lichen Verbandes auszunutzen. Der Gewcrkvercin wird sich trotz aller Beschimpfungen und Verleumdungen die jetzt drohende Be- wegung solange wie möglich vom Hasse halten. Ohne Aufbesserung der Bergarbeiterlöhne wird ein allgemeiner Streik nicht zu der- hindern sein. Tie Unternehmer müssen bald darangehen, die Ar- beiterforderungen sorgfältig zu prüfen, Rücksichten auf die eng- tischen Arbeiter sollen im Ruhrgebiet keine Rolle spielen, die haben 1905 nur 40000 M. herübergeschickt.— Beiden Teilen rufen wir zu. die Verantwortung gu bedenken und die Ruhe zu bewahren. Vor allem muß die StaatSregierung in den Staatsbergwerken einen Streik durch baldige Lohnerhöhung verhindern.(Beifall im Zentrum.) Mg. Leinet?(Soj.f erkennt die übersichtlichere Aufstellung des Etats ätz, nur fehle» Detailmitteilungen über die Arbeiterlöhne in den Einzelbetrieben. Das kann doch nicht so schwierig sein! Das Gesamtergebnis war kein ungünstiges; es ist der Wert der Produktion um 5 Millionen gestiegen; für 130 Millionen Steinkohle wurde erzeugt von über 91 000 Personen. Der Staat beschäftigt in seinen ergwerken über 104 000 Personen und ist einer der größten Unternehmer. Der Ueberschuß ist von ITA Millionen Mark in 1909 auf 81%' Millionen Mark in 1910, der Ertrag von 23?4 auf 2954 Millionen Mark gestiegen. Die Arbeitsleistung ist gestiegen. Von 245,9 auf 249,7 Tonnen ist die Leistung des Mannes gestiegen. Wenn die Bergverwaltung sagt, daß diese Zahlen noch keinen Maßstab für die Leistungsfähigkeit gibt und die durch die außerpersönlichen Ver- Hältnisse bedingt wird, so erheben wir dagegen Einspruch, daß dies in erste Linie gestellt witd. Die Arbeitswilligkeit der Bergarbeiter steht außer Zweifel. Erfreulich ist der Rückgang der Unfälle schwerer Art. Aber unter den Wohlfahrtseinrichtungen werden Wohn- und Schlafhäuser, Grundvermietungen(worunter nur ein geringer Teil an Arbeiter), billiger Lebensmittelbezug, Fortbildungsschulen» Sparkassen, Rechtsauskunftsstellen(von den 100 000 Beschäftigte» haben 1000 dort Auskunft geholtl) aufgezählt! Und das sollen nur die w i ch t i g st e n Wohlfahrtseinrichtunaen sein.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Das ist ein bißchen viel Reklame. Da» für erfahren wir nichts darüber, wie sich die Sicherheitsmänner bewährt haben, namentlich auch im Saarrevier unter dem neuen Gesetz. Erweitern will ja der Minister diese Einrichtung wohl nicht. Nach dem„Glück auf!" hat der Minister die Befugnisse der Sicherheitsmänner auf ihre Steigerabteilung selbst beschränkt, aus Anlaß einer Einwirkung eines Sicherheitsmannes auf gemein» same Einrichtungen des gesamten Betriebes.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Mehrere Unglücksfälle der letzten Zeit haben gezeigt, wie notwendig gerade dieses Recht wäre. Der Vorstand des Bergarbeiterverbandes hat uns Material über vielfache Schikanieronge» von Sicherheitsmönnera gezeigt. Diese Einrichtung ist völlig dem Terrorismus der Grubengewaltigen ausgeliefertl(Sehr richtig! bei den Somaldemokratei.) Nun die Löhne I In Zabrze sind die Schichtlöhne um 10 Pf. zurückgegangen. der Jahresverdienst von 1093 auf 1062 M; am Deister stiegen die Löhne um 5 Pf., auf 1031 M. gegen 1012 Ml, beschäftigt sind aber nur über 2000 Arbeiter, gegen 22 000 in Zabrze; in Lippe, wo der Fiskus mitbeteiligt ist, ist der Jahresverdienst 940 M. gegen 902 Mark. Und wie sehen diese Arbeiter aus, wenn sie aus der Schicht kommen! Nicht einmal eine Wascheinrichtung ist da. Im Ruhr- gebiet ist der Gesamtlohn von 1455 auf 1448 M. im Jahre gefallen; hier kommen 11500 staatliche Arbeiter in Betracht; in Saarbrücken sank der Lohn von 1136 auf 1122 M. für 54 000 Arbeiter! Das alles nach den amtlichen Nachrichten. Sie zeigen aber auch, daß überall Einrichtungen getroffen wurden, dabei die L e i st u n g der Arbeiter zu erhöhen, wenn auch die Löhne sanken. Es konnte z. B. im Bezirk Halle infolgedessen die Belegschaft vermindert wer- den. Erst bei noch größerer Antreiberei sollen die Löhne erhöht werden.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.)'In einem Staatsbetrieb(Braunkohlengrube Nassaul) wurde ein Jahresver» dienst von 674 M. erreicht!!(Hörtl hört!) Die Einführung der Prämien hat gar keinen Zweck, als aus den Arbeitern höhere Leistungen herauszuholen. Die Obersteiger sollen 500 M., die Fahrsteiger 400 M., die Grubensteiger 30 M. monatlich erhalten, Sckwn dieser Unterschied in der Bezahlung soll der Strammhaltung der Steiger dienen; den Grubensteiger will man jeden Monat in der Hand haben.(Sehr wahr! bei den So- zialdemokraten.) Im Borjahr hat Abg. Hirsch-Esscn solche Ab- sichten entschieden bestritten. Was ist denn nun eigentlich der Zweck der Einführung dieser Prämien? Danach möchte ich nun die Kgl. Bergverwaltung fragen. Sie sagte im Vorjahr, die Prämien sollten die Beamten an den Betrieben„interessieren"! Ja. nack oben oder unten? Man könnte ja die Steigerlöhne allgemein erhöhen. Für Notlagen gibt's Unterstützungen, aber mit den Prämien muß schon etwas anderes beabsichtigt sein, als das bestehend« System aufrecht zu erhalten. Man will sich der Behandlung der Arbeiter durch die Grubenbarone annähern und hofft durch die Prämien die unteren Beamten von der Bewegung der techni» chen Beamten abzuhalten, ihnen ihre politi« che» Rechte abzukaufen, sie zu Heloten zu machen. Das ist auch die Meinung der Grubenbeamten selbst. die sie im„Technischen Grubenbeamten" aussprachen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Prämien sind ein Mittel, die Beamten untereinander zu verfeinden: man hat sie in der Hand, wenn man ihnen monatlich 20. 50, 100 M. Einkommen entziehen kann. Sogar die Beamten der Staatsbergwerke urteilen in einer Petition an das Haus über die Prämiengewährung, daß sie in Widerspruch zur Pflichtauf» fassung des Staatsbeamten stehen und daß sie auch aus nichtdienst- lichen Interessen entzogen werden können! Da die Gewährung von Prämien in das diskretionäre Ermessen der Vorgesetzten ge- tellt ist, wird sie eine Belohnung für„gute Gesinnung" und Ausbeutung der Arbeiter sein müssen. Die Prämien werden zweifellos schon jetzt von der Privatindustrie benutzt, um das Koalitionsrecht zu brechen. Der Redner verliest zum Beweis einen Brief der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks. Aktiengesellschaft, Abteilung Bochum, wodurch einem Steiger wegen Mitgliedschaft beim Steigerverband 360 M. Prämien entzogen wurden. Diese Prämien sind als Ausbeutungs» mittel des preußischen Staates unwürdig. Aber sie sind ein Zeickien der Zeit. Delbrück hat die von Posadowsky abgebrochene Brücke zum Unternehmertum wieder re- pariert und der jetzige Handelsminister ist ganz hinübergegangen. Es wird ganz im Sinne der Scharfmacher regiert. Die rheinisch-westfälischen Scharfmacher haben des Staates Beitritt zum Syndikat erreicht und die Entrüstung über die Kohlenverteue- rung wird nun auf den Staat abgelenkt werden. Die Prämien- gcwährung ist ein weiterer Schritt und bald wird sich vielleicht der StaQtsbetrieb auch im TerrvrismuS gegen die Arbeiter gar nicht von der Privatindustris unterscheiden, wie ja die Saargruben Arbeiter, die von den fiskalischen entlassen wurden, nicht aufnehmen! Wie wird sich der Staat zur Lohnbewegung im Ruhrrevier Stellen. Die Arbeiter haben Lohnforderungen gestellt, weil die Teuerung noch gar nicht berücksichtigt wurde, sie ordern die Achtstundenschicht. Organifationsfrei, heit und Reform des heutigen Zwangsarbeits- nackweises. Alle von den Bergleuten erhobenen Forderungen sind so ge- tellt, daß sie jeder einigermaßen vernünftige Mensch billigen muß. da sie das denkbar Geringste sind, was die Arbeiter überhaupt for- dern können.(G e l ä ch t e r r e ch t s.) Ich konstatiere, daß auf der rechten Seite des Hauses bei meinen Worten:„geringe und berechtigte Forderungen" lautes Lachen entsteht; weil Sie sich eben gar nicht vorstellen können, daß Arbeiter be- rechtigte Forderungen haben können,(Sehr richtig! bei den Sozial- demokroten,) Abg. Brust hat mit starker Betonung hervorgehoben, daß der christliche Äergarbeiterverband sich nicht an dem Streik beteiligen wird. Den christlich organisierten Bergarbeitern im Rheinland war seinerzeit bei der RcichstagSwahI eine Lohn- crhöhung versprochen worden, falls sie für den nationallibcralen Kandidaten stimmen würden. Diese Lohnerhöhungen waren ihnen ür den 1. März in Aussicht gestellt worden; der 1. März ist edoch vorüber, ohne daß die Lohnerhöhungen eingetreten sind. Das Syndikat hat eine Erhöhung der Kohlenpreise beschlossen und diese Erhöhung begründet mit ver Einführung von Lohnerhöhungen. Abg. Hirsch schüttelt mit dem Kopf, danach ist anzunehmen, daß die Erhöhung der Löhne gar nicht beabsichtigt war und daß die christlichen Bergarbeiter, die nationalliberal gewählt haben, von den ( ein Antrag eingereicht, der die Regierung ersucht, im Laufe der Session einen Gesetzentwurf vor- zulegen, durch den gegenüber den Zwangsvcrsügungcn der Schul- aufsichtsbehörde das Vcrwaltungsstrcitvcriahren zugelassen wird. — Mit der gleichen Materie beschäftigt sich ein Antrag, der die Regierung auffordert, diejenigen Zwangsversügungen mit Straf- anweisung und Straffestsetzung aufzuheben, die von S ch u l a u f- ' i ch t s wegen erlassen sind, wegen Erteilung gewerblichen Unterrichts an nicht mehr volksschulpflichtige Jugendliche, wegen Erteilung von» nichtgewerblichem Unterricht an Jugendliche überhaupt, wegen Leitung von Turn-, Spiel- und Singvcrcincn, wegen Abbaltung von unpolitischen Vorträgen vor Jugendlichen, wegen Mitwirkung an solchen Veranstaltungen und wegen der Gewährung von Zusammenkunftsräumen für der- artige Veranstaltungen. Tie auf Grund solcher Zwangsversügungen bereits eingezogenen Geldstrafen sollen zurücker st attet und für die aus Grund solcher Zwangsversügungen verbüßten Freiheitsstrafen E r s a tz geleistet werden.— Ein zum Medizinal- wcsen gestellter Antrag ersucht die Regierung, in den nächsten Etat drei Millionen Mark zur Beihilfe für Veranstaltungen Dritter zwecks Säuglings- und Mutterschutz einzustellen und diesen Betrag ohne Rücksicht auf die religiöse oder politische Ee- sinnuiig der Veranstalter paritätisch zu verteilen. Sep Krieg. Die Friedeuovcrmittcluilgen. Paris, 4. März, lieber die Initiative der Mchhte zwecks Bei- leguug des italienisch-türkischcn Konfliktes heißt es in hiesigen politi- scheu Kreisen, daß diese unter folgenden Bedingungen zustande kommen könnten: Die fünf Mächte werden gemeinschaftlich in Rom vorsprechen und Italien auffordern, mitzuteilen, unter welchen Be« dingnngen eS bereit fei. Frieden zu ichlicßen. Hierauf werden die Mächte die Amwort der ottomanischen Regierung mitteilen. In Paris bat man � den Eindruck, daß dieser Schritt der Mächte z u keinem E r g ech n i S führen werde. Man fragt sich, ob dieser Schritt nicht eine weitere Vcuvukeluug der Lage zur Folge haben kömuc. Ablehnende Haltung des türkischen Ministerrates. Konstantinopel, 4, März. Der Ministerrat hat sich mit der Frage der Intervention der Mächte beschäftigt. Er beschloß, jede Vermitlclung oder Einmischung der Mächte abzulehnen, falls sich diese auf der Grundlage der Anerkennung der italienischen Annexion bewege. Maßnahmen' der Türkei gegen einen italienischen Flotten- angriff. Konstantinopel, den 3. Marz. Da die Vennuiung naheliegt, daß die italienischen Kriegsschiffe nunmehr ihre Operationen auch auf die europäischen Gewässer der Türkei ausdehnen werden, werden alle exponierten Häfen durch Seeminen geschützt. Längst den Küsten wird 'Lnseratenteil vergntw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts ein Kaballeriepatrouillendienst eingerichtet. Besondere Verteidigung?» Vorkehrungen werden vor Saloniki und der E i n f a h r t d e c Dardanellen getroffen. Außer den Seeminen wurden hier neue Geschütze weittragendsten Kalibers aufgestellt. Ei» ernster Kampf bei Derna. Dcrna, 4. März.(Meldung der..Agenzia Stesani.') Gestern früh um 7 Uhr wurde ein Bataillon des 85. Jnfanterie-RegimentS das die Arbeiten an dem kleinen Fort Lombardia schützen sollte,. plötzlich vom Feinde aus dem Hinterhalt angegriffen.� Nach drei- viertelstündigem Kampf wurde der Feind von den italienischen Truppen durch mehrfache Bajonettangriffe aus seinen Stellungen vertrieben. Gegen 11 Uhr erneuerte der Feind seinen Angriff, um die ver- loreneu Positionen zurückzuerobern, und zwar mit bedeutend stärkeren Kräften, die zu einer langen Front anseinandergezogen waren, um. die von dem italienischen Bataillon eingenommene Stellung leichter: umgehen zu können. Dieser Umgehungsversuch wurde durch die be-' schleunigte Liikunft eines anderen Bataillons des 28. Regiments,. des Bataillons Alpini aus Edolo, das durch Teile der Batailloneaus Jvrea und Verona verstärkt worden war, und einer Gebirgs- baiterie verhindert. Diese Streitkräste umzingelten den Feind auf seiner Linken und warfen ihn durch Bajonettangriffe aus seiner Stellung bis zu dem Tal eines Nebenflusses des Wadi bu Maafer.. In dieser Stellung leistete der Fcind längere Zeit dem iialienischen Gewehr- und Geschützfeuer erbitterten Wider- st a n d. Erst als General Trombi ein Bataillon des 49. Jnfanterie-Regiments und das Bataillon Alpini aus Saluzzo hatte eingreifen und den rechten Flügel des Feindes um-- geben laffcn, zog sich der Feind endgültig zurück. Als die Nacht hereinbrach, waren die Italiener im Besitze aller Stellungen, die der Feind na.t>eii!ander eingenommen und während des ganzen Tages mit allen seinen Kräften, darunter zahlreichen türkischen Regulären, und mit außerordentlicher Erbitterung, die häufig zum Nahkampfe führte, verteidigt halte. Die Verluste des Feindes waren sehr schwer. doch machte«S die Nacht unmöglich, sie genauer zu berechnen. Auf, italienischer Seite wurden ungefähr 159 Mann kampfunfähig gemacht. Tod des italienischen Marinekommandanten. Tarcnt, 4. März. A d in i r n l A u b r y, der Oberbefehlshaber der vereinigten italienischen Seestreitkräfte, ist heute nachmittag an Bord des Admiralschiffes„Viitorio Emauuele" einem jähen Krankheitsanfall erlegen. Sie Kevolutioi) in China. Tie Militärrevolte. Bsie Revolte der Soldaten der Nordarmee scheint in Peking unterdrückt zu sein, hat aber in T i e n t s i n ernstere Forincn angenommen. An sich ist es weiter nicht über- raschend, daß in einem großen Söldnerheere Elemente vor- banden sind, die infolge unregelmäßiger Soldzahlung Ans- schreitungen begehen, um so mehr als in der chinesischen Nordarmee die republikanischen Ideen noch nicht feste Wurzel geschlagen haben. Ernst werden die Vorgänge nur dadurch. daß die Vorgänge in Peking und Tientsin leicht zu einer Ein- Mischung der anderen Mächte fähren und damit internationale Verwickelungen verursachen können. Vor allem scheint Japan: die kritische Situation ausnutzen und im trüben fischen zw wollen. Die wichtigsten Nachrichten lauten: London, S.März. Das Reutersche Bureau meldet auS Peking: 899 Mann ausländikSer Truppen patrouillieren in der Umgebung der Fremdenniederlasinng. Die Bevölkerung ist vollkommen ruhigt. Jetzt halten sich in Peking ungefähr 3999 Mann auS- ländischer Truppen auf. Von Port Arthur sind 5999 Japaner nach Tientsin beordert worden, wo die ausländischen Truppen nur 1599 Mann stark sind. Fast alle Juanschikai treu gebliebenen Truppen haben Peking in der Richtung auf Paotingfu verlassen, um den Auiständischen den Weg abzuschneiden. Die Halbing der chinesischen Truppen und der Polizei in Peking bessert sich erheblich, aber die Plündereicn dauern fort. Gestern nahmen'die Aufständischen Tungtschou bei Peking in Besitz und plünderten die Hänser vieler Edellcute. Die umliegenden Ortschaften mußten deshalb beschossen werden. Die Besitz» tümer einiger Prinzen in Peking sind ebenfalls geplündert worden. Prinz Tsching befindet sich schwerkrank im französischen Hospital in Peking. Im Lause deS heutigen Tages wurden über 199 Hinrichtungen vollzogen. Unter den Hingerichteten befanden sich sechs Frauen und viele Polizeibeamtc. Soldaten in Uniform sind jedoch nicht hingerichtet worden, da die Behörden auch die anderen Sol« daten, die eigentlich alle irgendwie am Ausstande beteiligt sind, auf- zureizen befürchten. Die Leichen der Enthaupteten liegen noch in den Straßen. Bei den letzten Feuersbrünsten sind im ganzen zwanzig Personen um? Leben gekommen. Die Chinesen sehen dieser ganzen Wendung besorgt entgegen, die Ausländer glauben an eine Besserung der Lage. Die Revolte in Tientsin. Tientsin, 3. März. In der chinesischen Stadt sind in der Nacht verschiedene Brände angelegt worden; in den Straßen wurde gc- schössen. Die ausländischen Konzessionen sind nicht beschädigt; es wird keine Gefahr befürchtet. London, 3. März. Das Reutersche Bureau meldet au« T i e n t s i n: Aufrührerische Soldale» plünderten und brandschatzten gestern abend. unterstützt vom Pöbel, die Läden und Banken in allen Hauplstraßen. Sie miterhielten ein ständiges Feuer und versetzten die ganze innere Stadt in Schrecken. Nur wenige Polizisten erwiesen sich als zuverlässig, waren jedoch nicht imstande, die Un- ruhen zu unterdrücken. Auch die Münze wurde geplündert. Der deuilche Konsul entsandte eine Wache zum Schutze der im Innern der Stadt belegenen deutschen Wohnhäuser, die vornehmlich von Ingenieuren der Tientfiii-Pukou-Eisenbahn bewohnt werden. Ter deutsche Arzt Schrcyer wurde, als er versuchte, seinen deutschen Freunden zu Hilfe zu kommen, beim Betreten des Stadtinncrn von den Aufständischen erschossen. Tientsin, S.März.(Meldung der.Sgenzia Stesani'.) Der Brand in der Eingcboreneiisladt begann gestern abend 19 Uhr und war heute früh 8 Uhr auf seinen Herd beschränkt. Die Münze und die voruchmstcu Sladtviertcl sind niedergebrannt und ausgeplündert worden. Der Schaden wird auf hundert Millionen Lire geschätzt. Es sollen ungefähr hundert Menschen umgekommen sein. Tie Unruhen wurden von Revolutionären hervorgerufen, die mit Polizeisoldatcn uno Leuten der Leibwache des Bizekönigs aus Peking gekommen waren. Es wird befürchtet, daß si» die Unruhen heute nacht erneuern werden. Die Fremdenniederlassungen werden von 5999 ausländischen Soldaten bewacht. In den Niederlaffungen herrscht Ruhe. Der Tod deS deutschen SrzteS. der sich in die Ein- geborciienstadt gewagt hatte, ruft dort lebhafteste Anteilnahme hervor. Japan rüstet sich. Tokio, 4. März. Der Aufstand in Peking ruft in den Ministerien fieberhafte Tätigkeit hervor. Eine Truppensendung nach China ist wahrscheinlich. DaS Parlament hat einen Nachtragsetat von 999 999 g)cn zur Deckung der für Japan durch die chinesischen Wirren entstandenen Ausgaben angenommen. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW» It. 51. W.IchMK. 2. Keilm des Fmiiels" Keelim Zikiislaz. 5. Miirj 1912. lllshoaiigen an den Zweckverband GrolMSertin. Dem Zweckverband Grob-Berlin, der im April mit feiner Tätigkeit beginnen soll, sind durch das Gesetz seine Aufgaben vorgezeichnet. Wie er sie erfüllen wird, das ist eine Frage, die die Bevölkerung Berlins und der Vororte lebhaft beschäs- tigt. Die Agitation, die darauf abzielt, den Zweckverband i n d i e rechten Bahnen zu drängen, ist in vollem Gange. Der unter Führung des Staatssekretärs a. D. Dernburg zu- sammengetretene Propagandaausschutz für Groh- Berlin hatte am Sonntag eine Versammlung einberufen, um bor einem grötzeren Kreis« die Frage.Was erwarten wir vom Zweckverband zu beantworten. In der„Neuen Welt"(Hasenheidej war der grotze Saal bis zur Galerie besetzt von mehreren tausend Personen, unter denen man manches Mit- glied der Gemeindeverwaltungen Berlins und der Vororte sah. Gekommen war auch der zum Verbandsdirektor gewählte Herr Steiniger, aber er hörte nur die Referate und verschwand vor Be- ginn der Diskussion. Der Versammlungsleiter Stadtrat Prof. F r a n ck e(Schöne- bevg) hob in einer einleitenden Ansprache hervor, datz vor allem aus der Wohnungsnot diese Bewegung heraus- gewachsen sei. Hunderttausende seien gezwungen, in engen und ungesunden und dennoch teuren Wohnungen zu hausen. Im Haus- halt de? Unbemittelten verschlinge die Wohnungsmiete einen un- derhältniSmätzig großen Teil seines Einkommens, bis zu 30 Proz., und jede Lohn sie igerung werde zu einem Profit des Grund- und Hausbesitzers. Aus der Versammlung meldete sich hier sofort in Zurufen die Opposition der anwesenden Hausagrarier. Francke schloß, man müsse nach Wegen suchen, die aus diesem Sumpf hinausführen in Luft und Licht. Im Zweckverband liege die Möglichkeit, solche Wege zu gehen. Als erster Referent erörterte Staatssekretär a. D. D e r n° bürg die dem Zweckverband durch das Gesetz zugewiesenen Auf- gaben, die Regelung der Bebauung von Grotz-Berlin, die Schaf- fung von Verkehrsmitteln, die Freihaltung von Wiesen und Wäl- Hern als Stätten der Erholung. Aus diesem Zweckverband, der ja von mancher der beteiligten Gemeinden mit nicht sehr freund- lichen Empfindungen begrüßt worden sei, müffe man jetzt herauszuholen suchen, waS sich herausholen lasse. Wenn im Wohnungs- Wesen, im Verkehrswesen usw. bisher alles so in Ordnung gewesen wäre, so würde schwerlich die Bevölkerung eine so lebhafte Teil- nähme für diese Bewegung zeigen. Dernburg wies die Notwendig- keit einer weiträumigen Bebauung der Vorortgebiete nach, bei der es sehr wohl möglich sei, die Mieten für ge- sunde Kleinwohnungen niedrig zu bemessen. Aber erst durch ein Netz von Schnellbahnen mit mäßigen Fahrpreisen werde es der in Berlin arbeitenden Bevölkerung ermöglicht werden, die gesunden und billigen Wohnungen in den Bororten zu benutzen. Nötig sei auch die Schaffung ausreichender Spielplätze und Parkanlagen, eines ganzen Wiesen- und Waldgürtels für Groß-Berlin, doch werde wahrschein- lich der Fiskus, der nie errötende, dem Zweckverband die Erfüllung dieser Aufgabe nicht gerade erleichtern. Redner ging dann auf die Angriffe ein, die führende Personen der Berliner Stadtverwaltung gegen den Propagandaausschuß gerichtet haben. AIS Uebertreibung habe man die Angabe zurückgewiesen, datz in Groß-Berlin Svli ooo Menschen in Wohnungen Hausen, in denen auf jedes Zimmer fünf oder mehr Personen kommen. Man habe diese Zahl zu entkräften gesucht durch die Erwiderung, daß doch auch die Küchen mitbewohnt würden.„Ist denn eine AücheeinZimmer?" fragte Dernburg— und aus den Reihen der Schützer des HauSagrariertums wurde ihm prompt geantwortet: .Jawohl!" Redner schloß mit der Erklärung» der Ausschutz werde sich durch keine Widerstände irre machen lassen in seinem Bestreben, darauf hinzuwirken, daß der Zweckverband seine Aufgabe erfülle. Einige Zweifel an der Möglichkeit einer ersprießlichen Arbeit dcS Zweckverbandes äußerte der zweite Referent, Oberbürgermeister D o m i n i c u S(Schöneberg). Die Interessen der beteiligten Ge- meinden seien sehr verschieden, oft einander geradezu entgegengesetzt. und von ihren Vertretern im Verband erwarte man. daß sie sich zunächst ihren eigenen Gemeinden verpflichtet fühlen. Deshalb sei es nötig, daß der Zweckverband durch die öffent- liche Meinung unter st ützt werde. Dominicus ging näher auf die Wohmingsfrage ein und forderte obligatorische Wohnungsinspektion, deren Segen er in Straßbucg kennen gelernt habe. Ein Hindernis für ihre Durchführung sei allerdings das durch Preußens Städteordnung festgelegte Haus- besitze rpriv i leg, das auf den Gemeindevertretungen laste. Den Redner unterbrach hier eine stürmische Zustimmungskund- gebung. Er fügte aber sogleich hinzu, daß auch nach einer Beseiti- gung dieses Privilegs die Hausbesitzer von den Gemeinden keine Schädigung ihrer berechtigten Interessen zu befürchten haben. Vom Standpunkt des Architekten aus erörterte Geheimrat Muthesius die Aufgaben des Zweckverbandes. Die erste sei, einen allgemeinen Bebauungsplan aufzustellen, wobei nicht mehr die Mietskaserne in die weitesten Vororte hinausgeschoben werden dürfe. Auch bei der WohnungSherstellung müsse die fort- geschrittene Anschauung bester Architekten nicht nur den Wohl- habenden, sondern ebenso den auf kleine Wohnungen angewiesenen Minderbemittelten zugute kommen. Keineswegs habe Redner, wie in der Presse behauptet worden sei, bei den ersten Kundgebungen deS Propagandaausschusses gefordert, daß der Staat oder die Gemeinden die Bautätigkeit an sich reißen sollen. In der WohnungSherstellung könne GuteS sehr wohl auch von privaten Bauherren geleistet werden, sagte er. Den Hausagrariern wird'S ein Trost sein. Als letzter Referent sprach Reichstagsabgeordneter Genosse E ü d e k u m. Er hob hervor, daß hier Männer der verschiedensten Richtungen, vom Staatssekretär a. D. bis zum sozialdemokratischen Abgeordneten, beieinander seien, um von einer Tribüne zu ihren Mitbürgern zu sprechen. Die Not sei es. die sie in dieser Frage einmal zusammengeführt habe. Das zersplitterte Groß- Berlin durch Eingemeindung zusammenzufassen, habe die Re- gierung aus politischen Gründen, im Hinblick auf den Gegensatz der proletarischen Vororte des Ostens zu den im Westen gelegenen Wohnsitzen der Wohlhabenden, nicht für ratsam gehalten. ES wäre auch nicht möglich gewesen, diese» Werk zustande zu bringen auf der Grundlage der veralteten Städteord- nung mit ihrem Hausbesitzerprivileg und vor allem mit ihrem Dreiklassen Wahlrecht. Eine Reform des Wahlrecht, müsse die allererste Forderung sein, aber deshalb dürfe man doch nicht bi« auf weiteres die Hände in den «choß legen. Um den Zweckverband zu einer einheitlichen Tätigkeit DU drängen, sei ein« von außen kommende Einwirkung, eine Beein- flussung durch die Bevölkerung selber nötig. Auch Südekum be- rührte die Angriffe, die unter andern der Berliner Oberbürger» meister Kirschner gegen den Propagandaausschuß gerichtet hat. Schäden heile man nicht dadurch, daß man sie verheimliche. Gegen- über dem Wohnungselend dürfe man nicht schweigen, wo die Steine reden. Gewiß sei die ganze Sozialpolitik, soweit sie auf Volkshygiene abzielt, ein Herumkurieren an Shmp- tomen, wobei nicht dem Uebel an die Wurzel gegangen werde. Wenig könne da auch der Zweckverband leisten, aber damit er wenigstens das leiste, was er könne, müsse eine starke und rück- sichtslose Massenbewegung ihn vorwärtsschieben und vorwärts- treiben. In der D i s k u s s i o n wies auch Direktor KuezhnSki vom Statistischen Amt Schönebergs nochmals die Angriffe zurück, die Oberbürgermeister Kirschner und in der Berliner Stadtverordneten- Versammlung Herr Cassel versucht haben. Architekt Heidenreich bestritt für die Hausbesitzer, daß es ihnen möglich sei, Wohnungen in der geforderten Beschaffenheit billig herzustellen. Ein privater Bauherr müsse sehen, daß er bei der Wohnungsher st el- lung seine Rechnung finde. Der Mann legte, ohne es zu wollen, eine WurzelderWohnungsnot bloß. So lange Wohnungsherstellung und Wohnungsvermietung ein dem Erwerb dienendes Gewerbe, eine Profitquelle des Kapitals bleiben, wird's nicht besser. Die weitere Diskussion wurde vertagt auf eine nächste Ver- sammlung. Beschlossen wurde eine Resolution, die im Inten- esse einer gedeihlichen Entwicklung Groß-Berlins und namentlich zum Wohl der heranwachsenden Jugend die energische Jnangriff. nähme und Durchführung eines Bebauungsplanes für gesunde Kleinwohnungen, den Ausbau eines Schnellbahnnetzes mit billigen Tarifen und die Schaffung leicht erreichbarer Parks und Spiel- Plätze sowie eines Wald- und Wiesengürtels fordert. ver Zentralwahlverein kür Teltow- Veeskow hielt am Sonntag im Charlottenburger Volkshause ferne Geneml- Versammlung ab. Die Die Berichterstattung deS BorstandeS und der Funktionäre über die erste Hälfte des Geschäftsjahres stand als erster Punkt auf der Tagesordnung. G r o g e r berichtete namens des Vorstandes, daß sich die Ar- beiten aus Anlaß der Reichstagswahl bedeutend vermehrt hatten. Aber die Wahlagitation habe auch auf die Zunahme der Mitglieder günstig eingewirkt. Am nächsten Sonntage könne der Zentratwahl- verein ein Jubiläum begehen, an diesem Tage werde der 50. Wahlverein, nämlich in Motzen, gegründet. Die dort vorhandene Mit- gliederzahl bürge dafür, daß der Wahlverein lebensfähig sei. Am Schluß des vorigen Geschäftsjahres hatte der Zentralwahlverein 24 000 Mitglieder. Jetzt sind es 25 600. Diese Zahl ist nach den verkauften Beitragsmarken festgestellt. In Wirtlichkeit wird die Mitgliederzahl 30 000 betragen. Das sei eine erfreuliche Ent- Wickelung, doch im Vergleich mit den für uns bei der Reichstags- Wahl abgegebenen Stimmen nicht befriedigend. Dies Manko aus- zugleichen müßten sich die Parteigenossen angelegen sein lassen. Während der Reichstagswahl habe der Zentralvorstand ISO Ver- sammlungen veranstaltet. 1 251 950 Flugblätter wurden verbreitet und drei Agitationstouren während der Wahlbewegung abgehalten. Die Flugblattverbreitungen seien sehr flott vonstatten gegangen, die dabei beteiligten Genossen seien den Weisungen ddS Vorstandes gefolgt, darauf sei der gute Wahlerfolg in den ländlichen Bezirken zurückzuführen.— Eine Aenderung der Bezirkseinteilung sei ange- regt. Ter Vorstand stehe dieser Anregung sympathisch gegenüber, er ersuche, ihm die dahingehenden Wünsche zu übermitteln, damit sie bei der Neueinteilung der Bezirke berücksichtigt werden könnten. _ Die Wünsche, wilche hinsichtlich der Bibliothek und des Bil- dungSwesenS an den Vorstand gerichtet wurden, seien berücksichtigt worden. Der von PagelS gegebene Kassenbericht zeigt eine Einnahme von 83 006,66 M.(einschließlich des alten Be- standes von 29 245,27 M.) und eine Ausgabe von 56 757,74 M. Bleibt ein Bestand von 26 248,92 M. Die Einnahme auS Mai- marken— 2889 M.— sei nicht befriedigend. Diese geringe Ein- nähme sei darauf zurückzuführen, daß die Maimarken zum großen Teil von den Gewerkschaften entnommen wurden. Beitragsmarken wurden 126 614 für Männer und 27 158 für Frauen umgesetzt. Ties Verhältnis sei für die weiblichen Mitglieder erheblich gün» stiger als für die männlichen. Während die weiblichen Mitglieder mit 17,7 Proz. an der Gesamtmitglieder�ahl beteiligt seien, kom» men auf sie 37,7 Proz. der umgesetzten Beitragsmarken. Die männ- lichen Mitglieder stellen 82,3 Proz. der Mttgliederzahl, aber nur 62,3 Proz. von den umgesetzten Marken.— Mit dem Stande der Kasse und der Organisation können wir zufrieden sein. Fischer, der den Bericht der Agitationskommission erstattete, betonte die Notwendigkeit einer Aenderung de» Vereins- gesetzes in dem Sinne, daß Versammlungen nicht mehr polizeilich angemeldet werden brauchen. ES habe sich bei der Wahlbewegung in kleineren Orten gezeigt, daß»ach erfolgter Anmeldung auf Be- sitzer, die ihre Grundstücke für die Versammlung bereits zugesagt hatten, eingewirkt worden sei und sie infolgedessen die Hergabe des Grundstücks verweigert hätten.— Unsere Wahlerfolge in der Provinz seien als gute zu bezeichnen. ES habe sich gezeigt, daß wir bei den Stichwahlen auf die Stimmen der Liberalen nicht viel geben können, sie seien meistens auf die Konservativen übergegan- gen.— Unsere Wahlerfolge hätten die Genossen in der Provinz veranlaßt, eine Hausagitation zur Gewinnung von Mitgliedern zu betreiben. Heinrichs gab den Bericht der Prehkommission. Sie habe sich mit Anträgen auf Gehaltserhöhung der Redakteure und ExpeditionSangestclltcn beschäftigt. Die Anträge seien berech- tigt gewesen, weil seit vier Jahren keine Gehaltserhöhung einge- treten sei. Es seien jetzt Gehaltserhöhungen von 8 bis 10 Proz. bewilligt worden. Die Korrektoren hätten eine Gehaltserhöhung von 5 Proz. bekommen. Die Zeitungsfrauen hätten durch ihre Organisation beantragt, den Austrägerlohn auf 25 M. für 100 Exemplare zu erhöhen. Ueber diesen Antrag sei eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen. Ein Antrag des HandlungS- gehilfenverbandeS, die Gehälter der weiblichen Hilfskräfte in den Speditionen zu erhöhen, sei dahin erledigt worden, daß die Be- treffenden mck 80 M. monatlich eingestellt werden, von Jahr zu Jahr 10 M. Zulage biS zur Höcbslgrenze von 100 M. monatlich, sowie 14 Tage Ferien im Jahr erhalten. Rohr bemerkte als Berichterstatter der Lokalkommission» daß sich in der Lokalfrage nichts wesentliches geander! habe. Die Debatte begann mit der Begründung eines aus Schöneberg gestellten An- träges, welcher fordert, daß der„Vorwärts" bei wichtigen Anlässen. wie Wahl des ReichStagSpräsidiumS usw. Extrablätter her- ausgebe.— Von anderer Seite wurde hierzu bemerkt« was der Antrag verlange, das werde ja bereits gemacht. Ob aber gerade die Wahl des Präsidiums eine so„wichtige" Angelegenheit sei, daß deswegen ein Extrablatt herausgegeben werden müsse, darüber könne man verschiedener Meinung sein. Wenn zur Begründung des Antrages auch gesagt worden sei, bei der Reichstcigswahlbewe- gung hätten in gewissen Fällen Extrablätter herausgegeben werden müssen, so sei zu betonen, datz der„Vorwärts" in der Wahlbewe- gung allen Anforderungen, namentlich auch in der Berichterstab- tung, vollkommen genügt habe. Im allgemeinen aber komme der „Vorwärts" manchmal mit Nachrichten erst 24 Stunden später wie bürgerliche Blätter, was man als Parteigenosse bedauern müsse. Demgegenüber wies ein Redner darauf hin, daß die bürgerlichen Blätter morgens etwa 2 Stunden später ausgegeben werden als der„Vorwärts" und deshalb noch Nachrichten bringen können, die der„Vorwärts" wegen der N o t w e n d i g k e i t e i n es früheren Redaktionsschlusses bis zum folgenden Tage zurückstellen muß.— Zu der Forderung der Zeitungsfrauen be- merkte ein Redner, der auch von anderer Seite Zustimmung fand: Die Austrägerinnen des„Vorwärts" würden schon erheblich besser bezahlt als die der bürgerlichen Zeitungen. Die Preß- kommission möge deshalb prüfen, ob weitere Lohnerhöhungen noch begründet seien.— Der Antrag bezüglich der Extrablätter wurde, weil er bereits erfüllt ist, abgelehnt. Angenommen wurden folgende Anträge: „Es ist allen Mitgliedern der Parteiorganisation, die über- Haupt eine Zeitung halten, zur Pflicht zu machen, den„Vor- wärts" zu abonnieren." „Parteigenossen, die länger als vier Wochen krank oder ar- beitslos und mindestens zwei Jahre organisiert sind, ist der „Vorwärts" für die Zeit der Krankheit oder Arbeitslosigkeit un- entgeltlich zu liefern." Dem Vorstande wurde ein Antrag überwiesen, welcher verlangt, daß die Leiter der Landagitation Umfrage halten, wie viele Guts-- arbeiter wegen ihrer Beteiligung an der Reichstagswahl zum 1. April gekündigt sind. An Stelle des ans dem Kreise verzogenen Revisors H o r l i tz wurde Ligner-Adlershof gewählt. Ein auf der Tagesordnung stehendes Referat des Genossen Zubeil: Rückblick auf die R e i ch S t a g s wah l wurde wegen der außerdem noch sehr reichhaltigen Tagesordnung ab- gesetzt. Hierauf begründete Pieck- Steglitz einen Antrag auf Einsetzung eine» Kreis-Bildungsausschusses. Der Vorstand erklärte hierzu, er stehe der Tendenz de» Antrage? sympathisch gegenüber, ersuche aber, denselben zurückzustellen, bis der Bezirks Bildnngsausschuß für Groß-Berlin einen Plan über seine Tätigkeit aufgestellt habe, damit nicht Kollisionen vorkämen. Der Antrag Pieck wurde angenommen. Er lautet: Der BildungSausschuß für den Wahlkreis besteht aus sieben Personen, die ans der jährlichen, im August stattfindenden Kreis- genewlversammlung gewählt werden, und 2 Mitgliedern des Zentralvorstandes. Es sind vorzugsweise Genossen zu wählen, die in den örtlichen Bildungsausschüssen tätig sind.— Der Kreisbildungsausschuß hat in Gemeinschaft mit dem Kreisvor- stände das gesainte Bildungswesen im Kreise zu regeln.— Zu diesem Zwecke richtet er alljährlich im Mai eine Umfrage an die Ortsbildungsausschüsse(oder Orisvereine), in welchem Um- fange sie sich an wissenschaftlichen Vorträgen, Vortragskursen und künstlerischen Veranstaltungen beteiligen wollen. Dabei sind geeignete Programmvorschläge und Vortragsthemen nebst Kosten- Voranschlägen den Ortsvereinen zu unterbreiten(siehe die vom Zentralbildungsausschuß herausgegebenen Winterprogramme).— Der Kreisbildungöausschuß hat sodann in Verblödung mit dem Zentralbildungsausschuß den Wünschen der Ortsvercine nach Maßgabe der vorhandenen Kräfte Rechnung zu tragen. Die Kosten für die Veranstaltungen tragen die beteiligten Orte. Für solche Orte, die nicht die erforderlichen Mittel zur Beteiligung an den Bortragskursen ausbringen können, kann der Kreisbildungs- ausschuß nach Maßgabe des ihm von der Generalversammlung für diese Zwecke zur Verfügung gestellten Betrages eine Kosten- ermäßigung eintreten lassen.— Der Kreisbildungsausschuß hat in Orten mit größerer Arbeiterzahl die Schaffung von Orts- bildungsauSschüssen anzuregen, mit denen er nach Bedarf und unter Zustimmung des Kreisvorstandes Konferenzen abhalten kann.— Die durch die Tätigkeit des Kreisbildungsausschusses entstehenden Ausgaben(Drucksachen, Porti, Sitzungsgelber usw.) trägt die Kreiskasse.— Der Kreisbildungsausschuß hat alljähr- lich auf der 5ßreisgeneralversammlung über seine Tätigkeit sowie über die örtliche BildungSarbeit im Kreise Bericht zu erstatten. In den Aussthuh wurden gewählt: Schulz« Neukölln, M ohs- Schöneberg, Pieck- Steglitz, Zempelburg- Charlottenburg, Ewald- Tempelhof, R i ch t e r» Trebbin, L e f e v r e- Köpenick, Ein Antrag von Heu-Zittau verlangt die Herausgabe eines Leitfadens für die Leiter der Gemeinde. wahlarbeiten. Auf Vorschlag des Vorstandes, der die Herausgabe eine? solchen Buches für wünschenswert und zweckmäßig hält, beschloß die Ver- sammlung, der Vorstand solle bei der Buchhandlung Vorwärts oder beim Parteivorstande die Herausgabe anregen, da ein derartiger Leitfaden nicht nur für einen Kreis, sondern für die Gemeinde- Wähler i» Preußen überhaupt Interesse habe. Ein Antrag von A d I e r S h o f verlangt, daß Parteigenossen nicht Mitglieder von Grundbesitzervereinen, Vereinigungen von Gewerbetreibenden oder ähnlichen Organisationen sein dürfen, welche bei Wahlen eigene Kandidaten aufstellen. Wie ans der Begründung des Antrages hervorging, sind die Adlers- hofer Genossen zur Stellung desselben durch einen Spezialfall ver. anlaßt worden. Ein Geschäftsmann, der seiner Berufsorganisation und dem Wahlverein angehört, ist bei der Gemeindewahl ftir den von der Berufsorganisation aufgestellten bürgerlichen Kandidaten eingetreten.— Gegen den Antrag wurde eingewandt: Man könne einem Parteigenossen, der Grundbesitzer oder Gewerbetreibender ist, nicht verbieten, der betreffenden Berufsorganisation beizu» treten, denn durch diese würden gemeinsame Angelegenheiten ge- regelt(z. B. die Müllabfuhr durch die Grundbcsitzervereine), die der einzelne für sich gar nicht erledigen könne. An politischer oder kommunalpolitischer Betätigung derartiger Vereine dürfe sich ein Parteigenosse natürlich nicht beteiligen. Etwaige Verstöße dieser Art könnten durch das Ausschlußverfahren auf Grund des Partei. statutS ihre Sühne finden. Sie müßten von Fall zu Fall ent- schieden, könnten aber nicht durch ein generelles Gesetz geregelt werden.— Ter Antrag Adlershof wurde unter diesen Gesichts- punkten abgelehnt. Einem Antrage von Charlottenburg entsprechend wurde der Vorstand beauftragt, auf der Verbandsgeneralversauunlung für eine Herabsetzung der Delegiertenzahl zu wirken und danach auch eine dementsprechend« Festsetzung der Delegiertenzahl zur Kreisgeneralversammlung zu veranlassen. Angenommen wurde ein Antrag Treptow: Bei wichtigen Aenderungen des OrgamsationSplaneS bezw. Beitragserhöhung ist Urabstimmung vorzunehmen. Eine erregte Geschäftsordnungsdebatte entstand aus folgendem Anlaß: Die Neuköllner Genossen hatten beantragt, das Kreisbnreau von Charlottenburg nach Neukölln zu verlegen.— In einer Konferenz der Vorstände, welche der Ge- neralversammlung vorausging, ist unter anderem auch dieser Antrag abgelehnt worden. Die Neuköllner Genossen verlangten jetzt, der Antrag solle durch die Generalversammlung entschieden werden. Der Vorsitzende Hirsch vertrat dagegen den Standpunkt. d» Antrag sei durch Beschluß der Byrpändi exledigt.— Dixsex Ansicht Zvat schließlich auch die Versammlung mit S8 aeaen Sö Stimmen bei. Hierauf wurde einstimmig und ohne Debatte angenommen die nachstehende vom Genossen Pieck beantragte Resolution: Die Generalversammlung protestiert gegen das russische Zacenregiment mit seinem ruchlosen Lockspitzclsystem, wodurch alljährlich tausende Männer und Frauen unschuldig, unter dem Bruch aller rechtlichen Grundsätze, ihres Lebens und ihrer Frei- heit beraubt werden. Die Generalversammlung schließt sich der von den sozial- demokratischen Mitgliedern des Deutschen Reichstages und der bundesstaatlichen Landtage erhobenen Forderung an, nach der das öffentliche Wiederaufnahmeverfahren gegen die sozialdemo- kratischen Abgeordneten der russischen Duma eingeleitet werden soll, die, wie zctzt zur Gewißheit geworden, im Dezember 1307 auf Grund falscher Aussagen russischer Lockspitzel zu lebens- länglicher Zuchthausstrafe und Verbannung verurteilt worden Die Generalversammlung fordert alle Arbeiter, besonder? die Genossen und Genossinnen, auf, sich an den Versammlungen zu beteiligen, die zum Protest gegen diese Schandtat und zur Unterstützung dieser Forderung in nächster Zeit einberufen werden. � �■ i Damit war die Tagesordnung der von 142 Delegierten aus 43 Orten besuchten Versammlung erledigt. 2. 3. Hofjäger-Palast, Hastvhkide 52/53. Gewerkschaftshaus, Engetofer 15. Deutscher Heizarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin. Morgen Mittwoch, den 6. März 1912, abends S1], Uhr: Uertranensmanner Versammlungen der KezirKe und Kranche». Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Bericht der Werkstatt-Vertrauensleute. 3. Verbandsangelegenheiten. Jede Werkstatt mutz vertreten sein. Mitgliedsbuch und Vertrauensmännerkarte legitimiert. Versammlungslokale: CtfcbUr. Südwesten; in Habels Brauerei, Bergmannstr. S-7. Süden: Bei Gliesing, Wossertorslr. 68, Südosten I n. II: in den Naunhn-Festsälen, Nainihnstr. C. Osten I: bei Kluge, Lange Str. 53. Osten II: bei Zieh, Warschauer Str. 61. Osten III: bei Bergmann, Boxhagener Sir. 26. OestUelie Vororte: bei W. Schulz, ückienbieg, Kronprinzen- fwafee 47, Ecke Scharnweberskatze. Nordosten: bei Merkmann, Gr, Frankfurter Str. 16. Jede Sargtischlerei muß einen Vertrauensmann»ach dieser Versamm- lung senden. Rosentlmler nnd Schünhanser Vorstadt: bei Obiglo, Schwedter Straße 23, Wedding nnd Ifoablt: bei KarzorowSki, Ravenöstr, 6. Wetllensee: im Prälaten. Lehderftrajze 122. Abends 6'/, Uhr. SienllüUn: im Ideal-Kasino, Weichselstr. 8. Sebüneberg; um 51/, Uhr bei Kuschkc, Meininger Stratz« 3. Lautilckler. Senlrlt I: Südwesten, Süden, Südosten bei Grahhoff, Admiralstr. 13o. Sestrll X: Osten bei Bratner. Weidenweg 85. Leslrli ,'t: Vörden nnd nvrdliebe Vororte bei Gliefche, Kopcnhagener Str. 74. neilrk d: Gcsnndbrunnen, Wedding nnd Hloablt bei Sachse, Lindower Str, 26. VenKüIIn: bei Schenk, Nosenstr. 24. OadenelnncbUmgs- und Kontonnöbelbranche im„Englischen Garten«, Alexaliderstratze 27o. 92/18 Kild)enmÖbelbrancbe bei Lehmann. An der Stralauer Brücke 3. j>lLbel- u. BtublpoUmr fowte JMagazuiarbciter. Osten bei Boeker, Weberstr. 17. Südosten im„Märkischen Hof«, Admiralstr. 18o. Vörden bei Günther. Brunnenflr. 96. BW Die Tischler werden gebeten, die in den Werkstätten beschäftigten Möbelpolierer auf diese Bersammlungen besonders aufmerksam zu machen, da daselbst die statistischen Araaebogen ausgegeben werden,-mm IMafcbincnarbctter. Die Versammlung fällt an». DrecbfUr, Treppengeländer- und Luxuomöbcl- Lrancbe. Vörden Bei Töhling, Bninnenstr. 79. Osten bei Hehler, Friedenstr. 67. Südosten und Südwesten bei Peinert, Ritterstr. 123. Ein!et2er im Gewerkschaftshanse, Engelufer 14/15, Saal 11. 1>IodeUtifcbler bei Waldt. Pflugstr. 5. Pünktlich 8 Uhr. Kodenleger im GewerkschaftShaufc, Saal 2. Btellmacber Rosenthaler Straße 57. Jalousiearbeiter bei Walter, Adalbertslr. 62. Vergolder im Gewerkschaftshanfe, Engeluser 14/15, Saal 5. Kiftcn- und Koffcrmacber bei«mil Mucksch, Krautstr.24. korbmacker bei Krause. Muskauer Sir. 20. kürltenmacber bei Pmist. Holzmarktstr. 65. Kammacber bei Preust, Holzmarktstr. 65. Stockarbeiter. Die Bersammlnng findet nicht statt. Perlmutt-, Dorn- u. Btdnnußarbeitcr«m« vhr Bei Ernst Thomas, Melchiorsw. 5. Scbirmmacber de! Lehmann. An der Stralauer Brücke 3. Klavicrarbdtcr im«ewerkschaftShause. Engeluser 14. Zimmer 4 (Arbeilolosensaal). Lilderrabmenmacber 6ti«witz« fl Donnerstag, den Uerbsl«!» der sosiilliimlikralisilje» Wlihllimmk Kerlins»nd Umgegend. Dienstag, den S. März, abends 8% Uhr: General-VeriammluDg der lechs Berliner Iiireife in folgende!) Lokalen: 1. Kreis: Dräsels Festsäle, Neue Friedrich- 4. Kreis: Borgmann, Andressstr. 21. 6.„ Sophien-Gäle, Sophienstr. 17/18. 6.„ Moabiter Gesellschastshaus, Wicltfßr. 24. In allen Versammlungen steht auf der Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Kassenbericht. 2. Die Verbands-Generalversammlung (Bestätigung der Delegierten, Anträge zu derselben). Außerdem: im 1. Kreis: Neuwahl des 1. und 2. Vorsitzenden, des 1. Kassierers und der 3 Revisoren; Verschiedenes; „ 58. Kreis: Krcissachen; » 3. Kreis: Bericht der Schiedskommission: Vereinsangelegenheiten: Vortrag des Genossen Redakteur E. D ä u m i g über„Reichstag und Volk". w 4. Kreis: Bericht der Beschwerdekommission: Vereinsangelegenheiten: ,, 5. Kreis: Verschiedenes; « 0. Kreis: Erledigung gestellter Anträge: Vortrag deS Genossen Georg Ledebour über:„Die Sozialdemokratie und ihre Gegner". 204/6« Zahlreichen Besuch der Mitglieder erwarten Die Kreisvorstände. Grok-Ekrlins. 7. März 1912, abends 8'/» Uhr: 6ei{entliehe Versammlung in den Arminhallen, Kommandantenstraste 38/89. Herr Reichstagsabgeordneter. Photograph«arl Plnkan-Leipzia wird über: „Die Zukunft des photo/zraphischen Berufes" sprechen. Eine freie Aussprache schließt sich dem Vortrage an. WM- Alle Kollegen und Kolleginnen sind verpflichtet, zu der Ver. sammlung zu erscheinen, um öffentlich gegen die unsicheren Verhaltniffe im Beruse zu protestieren."Mlg 139/6 Filiale VI(der Photograpben) des Verbandes der Litbographen nnd Steindracker and verwandter Bernfe. macht Buben u. Mädchen stark stabermarklSt Nicht nur wissenschaftliche Erwägungen, sondern auch ärztliche Erfahrung haben uns den Wert der Hafernahrung schätzen gelehrt. Kein anderes Haferpräparat übertrifft an Wohlgeschmack, Nährwert, Bekömmlichkeit und schneller, einfacher Zubereitung Dr. Rud. Weil'« Hafermark. Eine aus Dr. Rud. Weil's Hafermark bereitete Kost bewährt sich als das sicherste Stärkungsmittel. Schwächliche, habere Personen kann man mit dieser Kost binnen kurzer Zeit„heraus- futtern". Bleichsüchtige, junge Mädchen, kränkliche Frauen, blasse, schlecht entwickelte Kinder blühen förmlich auf, wenn sie mit Dr. Rud. Weil's Hafermark ernährt werden. Prel«: In Originalpaketcn Pfd. 40 Pf., 9 Pfd.= 1 Postpaket 3,40 M.— Gebrauchsanweisung auf den Paketen. Man achte darauf, das echte Or. Rud. Weil's Hatermark zu erhalten. Generaidepot; D. MADER, Berlin S., Prinzenstr. 37. Versandgeschäft gesundheitlicher Nahrungs- u. Genußmittel. Ausführliche Preisliste bitte zu verlangen.— In Berlin und nächsten Vororten sende frei ins Haus. Vorsicht! Die glänzende Einführung von Palmin(Pflanzenfett) und Palmona(Pflanzenbutter- Margarine) hat zahllose Nach- ahmungen hervorgerufen. Achten Sie deshalb in Ihrem eigenen Interesse beim Einkauf darauf, daß Sie tatsächlich Palmin und Palmona bekommen und daß man Ihnen nicht Fabrikate aufdrängt, die Sie nicht kennen. Weisen Sie alleNachahmungen unbedingtzu« rück. Dann gehen Sie ganz sicher! H. Schlinck L Cie. Aktiengesellschaft Freitag, den 22* Mäkz 1913: Ordentliche General Uersammlnng. Anträge müssen bis zum 8. März eingereicht sein. H.& P. Uder, SÄVI; Tabak-Großli an<1 lung und Talmkfabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Xlgarrcn in allen Preislagen. kannten Marken TlgSrettgN Sei Mckgrat- mMmung glänzendste UfflllflB mit rnrnem weltberühmten regulierbaren Redressiona- Appapa4~ Haas— lür ErwachsoDe nnd Kinder. Mein Apparat wurde anf d. MX Aerste-Kon- Brest mit d. l. Preis ausgeseichnet n. erhielt nnf der International. Hygiene Aasstollong in Dresden 1911 die silberne MetUilln. Prospekt o. faebmänn. Beratung kosten loa. F. Menzel, Barlin W. 35, SehSneberger Ufer 28. Donnerstag, den 7. März 19KÄ, abends 8 Uhr: >Viditix für jeden Raucher! in den Konkordia-Festsälen, Andreasstr. 64. Tagesordnung: An Inftiporb in den iMildemkritischc» Abgeordnete» der rnsjislhcn Pnini. Referent: Reichstagsabgeordneter Zahlreichen Besuch erwartet der Einberufer Eugen Ernst, Liesen st raße 16. BOLERO Verfeinerte Qualität! Cisaretten Tabake neuester Ernte! Verband der Maler. Saekterer, Anstreicher Male Serlin. Melchiorstraßc 28, Part. ll5V. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. 16 Mitgliederversammlungen siir die Kollegen Berlins und der Vororte und zwar am Donnerstag, den 7. März 1A1A, abends 8'/, Uhr in nachstehenden Lokalen für die Bezirk«: Norden, Nordosten,(Gesundbrunnen, Pankow und Wcistcnsee: „Zwintmiilldtr Gksküsljillftshllus" Twinemündcr Strafte 42. Osten, Lichtenberg und Rummelsburg: �Löivenbrauerri- Ausslhank", Süden, Südosten, Südwesten u. Neukölln: „Wärkilchcr Hof", Sldmiralftr. 1«c: Moabit und Wedding: „IMiltlitill- Perleberger Strafte 14. Westen und Schöneberg: „Sinuarift Adln","«tß'uV"0 Sektion der Lackierer: „Ekwndschafishais", m. u. Freitag, den 8. März 1912, abends 8'/, Uhr Charlottenburg und Wilmersdorf: �,ljö!�öllllilö�, Scharlottenburg, Rofinenstr. 3. Stcgli> Rkkllurailt 0fi)iii(iun, Grost-Lichterfeldc und Zehlendorf: Mahrendorf,«roft.Lichterfelde. Baekestr. 22. Adlershof, Friedrichshagen, Köpenick, Nieder- Schöneweide und Karlshorst: Johl, Köpenick, Grünauer Str. 7. Steglitz: Steglitz, Florastr. 4. Tagesordnung in allen Versammlungen: i. pif Ermiternng der Kranken- nnd Kterbk-llnterknhnng innerhalb nnseres Nerbaudes. 2. Keschlaßfassung über die Einföhrnng derselben. Referenten find di« Kollegen: Jakobeit, Klotz. Link, Mietz. Nichter, Ringel und M. Stein. Kollegen! Erfüllt Eure Pflicht und agitiert für den Besuch der Versammlungen. QHae Mitgliedsbuch kein Zutritt. 128/l<1 Die OrtsTcrwaltane. GEBR. SELOWSKY, DRESDEN. Äf:.,■ /,■; n w pSfQ#: 4 v.>;V::■''; Bureau: OrtaTerwaltang Berlin. Berlin C., Rosenthalerslr. 11/12, Restaurant Schilling, tlmt Hl, Z4S8. �.oktunx! � 5011* Dir empfehlen bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten Vorstände«, Komitees und Taalinhaberu unseren. kostenlosen Arbeitsnachweis, Rosenthalerstr. 11/1Ä. Geschäftszeit täglich von 19»/,— 1 Uhr mittags. Kapellen vom größten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Verfügung. Der Vorstand. XL. Unsere Mitglieder find im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist sür das 4. Quartal weift und muß mit dem Berbandsstempel versehen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sofort anzuhalten. tufecm&ladt NOBEL Komplotte Wohnungs-Einrichtungen und einzelne Erginzangsstfleko treu einfachsten bis zum elegantesten Genre, In jeder gewünschten Stil- u. Holzart, Die Ratenzunlungen werde« nach dem Einkommen des Käufers bestimmt Lieferung frei Haus; Wagen ohne Firm«. Spezlal-Abtellung für Damen-, Herren- und Klnder-Oarderoben. Effert cs Maßatelier. Jhüjflhf;!, JjJt«, fijjlij, Oirdio», Llibr. Vttl ftL — Ohne Anzahlung— für meine alten Kunden u. solche anderer Kredithäuser und Beamte. •••" mk AOM; Cigaretten Beste Qualitäten Gegründet IB79 Kein Laden. Verkauf im Fabrikgebäude Specialitäi; Ein- u. Zwei Zimmer Einrichtun IKIeldorsplnd. M.53 1 lTrumetum.StuleM.3G j 1 Vertiko........ H.G2| 4 StOhle a 6 M.= M. 24{ 1 Auszugtlseh.. M. 30| 1 Sofa H.63. Umbau ertra M.50 Elg. Werkstltt— Musterbuch gratis.— Sonntags gedllit— Besichtig, erbet j wöchentliciie Teilzahlunj liefere elegante fertig und nach Mass. Oarantie fürltdellosen Sitz und feinste Verarbeitung. 1. Kurzberg Mass- Schneideret Rosenthaier Strasse 40-41 am Hackeschen Markt Frankfurter Allee 104 part, Ecke Friedenstrasse Reinickencorier Strasse 4 am Weddingplatz MAOGI Suppen sind die besten! Mehr als 35 Sorten. Jede Sorte hat ihren natürlichen Eigenjeschniack. Man verlange ausdrücklich MAGOl5 Suppen. =3 Ausnahme-Angebot! mit Zugfeder- Matratae, ■chwarx, 190 X 80 cm Nr. 10« Steppdecken von Sddsoglanc- Satin doppelseitig, mit weisser Watte- MSO fflilang, Kordeaua. od oliv 9 m. Daunen-Steppdecken von türkisch gemustertem, daunen- dicbtem Stoff, mit iedcrfreien Daunen, in diversen Mustern 4VSO abgesteppt, 130><2Ö0cm lau. Donnen-Steppdecken von Seidenglanz» Daunen- Satin, mit federfreien Daunen, w diversen Farben vorrätig, M pm_ 160X210 cm..... 27 u. von la halbwollen. Dauneo-Zanella mit lederlreien Daunen in Bordeaux, Oliv, Blau, Fraise W M- 160X210........ iJQ X. welHlaeklert SO Pf. mehr. Metall-Bettstelle knit Zugfeder-Matratze, 14 mm-Pfoilea, elngelaiaenen FltllunsMiaben Meaiing- Fujs- bunden I. Kopl- und Fnsetell IM X 80 cm U0XM em 17.90 weiss lackiert ÖO Pf. mehr Gustavlostig Berlin S, Primen-Strasse 46-47 Beste Bettenfüliung: Honopoldaunen gesetzlich gesehUtzi Pfund 2.85 M> 3— 4 Ptund zum grossen Oberbett. N""- Wt mit Zugtsder- Matratse, SS mm starken Pfosten, obereYenlsnug, nad Fossbunds Im Kopf- n. Fesstell von Hessing, schwarz od, wtlO lackiert Hochelegante mit Zagrfeder- matratze In Holz- rabmcn, Diese Preise für Bettstellen und Steppdecken nur gegen Vorzeigung des Inserats u. solange Vorrat reicht. Theater* «v. inon. löl ,|t. IN DleaStag, den d. Mär, 1913. Ansang 7'/, Uhr. Skgl. Opernhaus. La Trahlafa. Sgl. Schauspielhaus. Der»etiler van GyrakuS. Deutsches. Viel Länn u« ZAcht«. Wirfus Busch. Gala-Vorslelwng. Zirkus Schumann. Gala> Bor- slellung. Zirkus Sarrasant. Gala- vor» slellung. Haverland. Epezlaliiäte». Anlang 8 Uhr. Urania. Taudeustrahe 4SH9. Der Großgloifner, Gastein und die Salzburger Alpen. Jnvalidenstr. 67— 62: Dr. Kritzinaer, 8 Uhr: Astronomie und Poesie. Hörsaal: Dr. verndi: Die stammung des Menschen. NeueS St. Operntheater. Mii Lesung. Die Stützen der Gelells Kleines. Und das Licht scheinet der Finsternis. Königgräher Straße. Königin Christine. Neues SdmuspielhanS. Das Aa- milienktnd. Neues. Der liebe llugustin. «ammerspiele. Cine glückliche Ehe. Nesidenz. Alle» sllr die Firma. «omücde Oper. Undine. «ursürsteuoper. Tiefland. Westen. Wiener Blut. Lnstspielhaus. Die Damm d«S Regiments. Berliner. Große Rosine». Neues Operetten. Eva. Schiller«. Emilia Galotti. Lch«» Cbnrlottenvurg. Der Kilometersresser. Friedr.- Wilh. Schanspielhan». Taifun. Luise«. Alle» durch die Liebe. Nose. Napoleon Bonaparie and seine Frauen. Merrub«.. Die Nacht von verstn. Trianon. DaS ffeine Cafö. Thalia. Polnische Wirtschast. Gafino. Der Kamps ums Dasein. Slvouo. Sveziaiitaien. Banage. Svezialstäien. Herrnfeld. Wie man Männer bessert. Der HauSleusel. Neichs»»iien. Stettiner Sänger. Köuigstadt.«aftno. Kinder der Wüste. Spezialitäten. Anfang 8>/. Uhr. FolieS iknprtee. Mandeldlüih'S Polterabend. Losgelassen. Wassen- üdung. Walhalla. Menschenrechte. Voigt. Das Mädchen ohne Ehre. Ansang 8'/, Uhr. Neues BolkStheater. Der zer- brochene Krug. Fritzchen. Belle-Allianer. Die Meinetdgräsin. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67—62. Zcluller-Ilieslel' 0.®ä: DIenStag. abend« 8 Uhr: Emllla Ualottl. Mittwoch, abends 8 Uhr: tsrttfln Lea. DoimerSiag, abendS 8 Uhr: Per Kllonieterfreouer. Sehiller-Tbealer"VtlT" Dienstag, abend» 8 Uhr: Per SDIlometertreuner. Mittwoch, abend» 8 Uhr: Kyrirm-Pyrits. Donnerstag, abends 8 Uhr: OrUfln Lea. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. AbendS 8 Uhr: Königin Christine. Refidenz-Theater. Direttion Richard Alexander. Abend« 3 Uhr: Alles für die Firma. Schwant in 3 Akten von M.Hennequin und G. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-BaeckerS. Morgen u. folg. Tage: Alisa f. d. Firma. Sonnt., 3. 3., 3 u.: Kiimm.DIch um Amelle Theater des Westens. Abends 8 Uhr:. Wiener Blut. Sonntag 3'/, Uhr: llln Walzertrsum. Belle- Alliance-Theater. S'/j Uhr Premiere: Ple nelneldfrlifln. Schauspiel In 4 Alien v. I. Jobst _ und E. Ritters cid. Luyen-Theater. Dienstag Premiere: Astes durch die Liebe. Mittwoch: Die Grille. Donnerstag: ikine leichte Person. 0H-7HI:Are Große Franlsurter Str. 133. Abend« 8 Uhr: I Napoleon vonaparte und seine Frauen. Mittwoch: Mutter und Sohn. Metropol-Tlieater. ZlbcndS 8 Uhr: Rauchen gestattet. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Mufil von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ab 8 Uhr. Neues Programm. Seusationeller Facherfolg! bs nr. 33. Jk CLOU" Berliner Konzert« Haus. Zimmerstr. 90/91. Manerstr. Grones Doppel-Konzert III Zillertbaler und Tegernsecr Sänger, Plattler und Jodler MI Anfang 8 UAr. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachmittags: GroBcs Promenaden-Konzert bei freiem Eintritt. Neue Welt, f Arnold Scbola. Hasenheide 108-114. Beate Pienstae, den 5. Hhrz lOl»; Damen-Prämiierung;. Prllmiiert wird; Die kleinste Hand. (Abnormitttton sind ansgeschlossen.) 3 bare Geldpreise: 50,—, 30,—, 20 Mark. Anmeldungen bis 10 Ühr abends an der Kasse. Voranzeige! Mittwoch, den 6. Mlrz, fSn R-all im neuen Lichtprunk-Saal:"'■" Donnerstag!1 den'if März: �SMÜgiUNg.��-ten Mlmbi von 18�—25 Jahren.(Legitimation: Geburtsschein.) 3 bare Qeldpr. 50, 30, 20 M. Anmeld, bis 10 U. abds. a. d. Kassa. Anf. 7 Uhr. Entree 30 Pf. 30 bayrische Madl. I Kapellen. Trianon-Thcater. Täglich abend» 3 Uhr: Dss kleine Caf6. Melia die eehünate und gefeiertste ruseisehe Tanzkünstlerin Schnclder-Puncker Panell-Trnppe etc. und IL Variete- Sensationen. Dienstag zum erstenmal: Das Geislerfenster. um Union? Ihtafcr Alexanderplatz. Dnt. d. Linden. MoHtzplatr. Hasentaeide, Der größte künstlerische Erfolg der Theatersaison Arme Jenny. Volkatflok aus dem Berliner Leben in zwei Akten. In der Hauptrolle: Asta Nielsen die„Duse der Kino-Kunst". Außerdem: Lnstspiele, Reise-•Schildepangen, T«gesepei.nlss© usw. Union-] Thester I Reinickendorfer , Straße 14: Die größte Sjiude. NeucS Theater. Abends 8 Uhr: Ter liebe Auaustin. Sonnt. 8'/. Uhr zum erstenmal: Dar VSWSlhRsdlar........................................... SI I Nismmi■■■■iiim I_|-—I—J-., iiiiii,. ISI!■—-—— s— Becantmcnitcycr IHtbafteur; plbttt Wach«. Lcrlin. Kur den Jnjeralentetl oer«mv.: TH.Vii-cke.»eiliit. T-rmtn.«erlag; ibocwarG Ndtchdrnckerel n.(ßeiunisaniuut Man» Sius-r S-itn, iCkirbn&M. Urania. Wissensohaftliohes Theater. 8 Uhr: Der QroSgiockner, Gastcln nad die Salzborger Alpen. Invalidenstralle 57— 62: Dr. Kreitzinger 8 Uhr: Astrono- nrie und Poesie. Hörsaal Dr. Bemdt 8 Uhr: Abstammung des Menschen. MM» Ein neuer Sensationserfolg — Nie man � Männer bessert. 2 Sitte von Anton n. Donat Herrnseld mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: Der Sausteufel. Ansang 8 Uhr. Billettoorverkaul N— 2(Theaterkasse) lichcnd! liebend! Hede das 1 Ein atavistisches Wunder. Das Mädchen mit dem Hithnenkopf. Halb Mensch— halb Anlmal. Pas blaue Weib, ein Opfer wilder Barbaren. IOic Frau in der Kanne,. Befreiung a. d. Wassergrab. Ohne Extra-Entree! Zirkus A.(Sclmmann Dienstag, den 5. März 1912, abendi 7'/, Uhr; HroBe Vorstellang. Plc besten Badktlnstler 5 Herren Aurora 5 Besonders hervorzuheben: Das lebende Karussell Die 3 Oravias sowie alle Übrigen Spezialitäten. Um 9 Uhr: Das Motorpferd in 5 Akten. Große Schlußapotheose mit noch nie dagewesenen Effekten. arrasaml Sehdobaiiser illee. Telephon: Kord 4100.| I Heute Dienstag, den 5. MärzJ abends TV, Uhr: d Ein Abend der besoDdereaDebeimM ? Morgen Mittwoch 8 Uhr] und 7'/, Uhr: 8 Vorst. Inied. Vorst, die kompl. Wild-West-Szene. Nachmittags zahlen Kin-| der auf allen Plätzen halbe Preise. Vorverkauf a. d. Cirena- 1 kasse und an sämtlichen | Billettverkaufsstellen von| A. Wertheim. Reiehshallen-Theater. Stettiner Sänger. Paatoffel-Helde«. Urkomische Burleske Anfang Wochentag» 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. am Rosciilhaler Tor. Zlllabendlich 8'/« Uhr: ! Mrößle» soziales AuSstat- lungs-BolkSstild mii Ballett und Gesang In 5 Akten von Map Reichardi. In Szene geletzt o. Dir. Jame» Klein. 1. Akt: Geheimnisse im 1 Prioaitontor. 2. Ast: Die große Proieftveriammlung. 3. Akt: Im Ballsaal. Am I Rande de« Abgrunde». j 4. Att: Arbeit nieder 5. Akt:| Ein Gottesgericht. Sonntag nachm. 31/, Uhr: Zirkus Busch Dienstag, den 5. März 1912: F.II te-Oala- Abend. Mit Rücksicht auf die Ringkämpfe ist der Anfang des gr. Manege-Sohanspiels Bl© Hexe bereits von honte ab auf 7% ühp, das heißt zu Beginn d. Vorst. angesetzt, daranschließend ca. 0 I hr Das große Galapregramm and die großen internationalen Ringkämpfe. Casino-Theater Lethringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch wenige Autföhrungei;. lieber 100 mal anSoertaust. Der Kampf vms Dafkin. Am 16. März Premiere. Sonnt. S'l,: Trudchcn» Sommerreise. Königstadl-Kaslno. Ecke Holzmartt- u. Alexanderftrahe glich abend» 8 Uhr, SonutagS'1,6 Uhr: Theater nnd VarletA, Bom 1.— 16. März 8 Spezialitäten und„Kinder der Wüstet Operetten-BurleSke v. D. Richter. Folies Caprice. Täglich 8'/« Uhr: Losgelaffem �VattenüdunZ. Maudeldlüth« Polterabend. Voigt-Theater. Dienstag, den 5. März 1912: Gastspiel im wtoabiter Winter- Garten, früher Artashot, Perleberger Str. 26. Das Mädchen ohne Ehre. Sensationsdrama i. IL Bild. o. S.B.Lutz Kassenerössnnng 7, Ansang 8'/« Uhr. i Admhfebpafoä I Am IktaM»GftktilfabMc. Kis-Aren». Geöffnet von 11 Uhrvwrm-| Nachmittags t Kanstlani- Prodaktloosn- , Abends: | TAnse anf dem Else.| Die kleine Charlotte. Das prächtig« Eisballett| Alpenzauber. Bit 6 Uhr und on 10»/, Uhr abesde halbe Kastenpreise. | Sonnabend, den 9. Mirz; Berliner Babyball. Billette a M. 10,— im Ball- buroau(Admiralspalati) 11 bis 6 Uhr und an d. Theater« kästen von Werthelm. ►a!» w»* 3. jltilujt des Joriiiärts" Kerlim WlisdlM. Em Mtsr»dc«chM dn ErchKrlmr DlkwWe» Fr«» In sieben überfüllten Versammlungen stellten die Ber- liner proletarischen Frauen am Sonntag der bürgerlichen Ver anstaltung im Zoologischen Garten eine andere Demonstration an die Seite, die in jeder Beziehung imponierend verlief. Aus den einzelnen Versammlungen berichtet man uns: In der Kommandantenstratze wanderten bald nach 1 Uhr die Frauen in immer größerer Zahl nach den „Arminhallen" und von der anderen Seite gaben ein paar Schutzleute und zeit weilig auch ein Polizeileutnant Obacht, daß die herbeiströmenden Proletarierinnen unsere schöne Gesellschaftsordnung nicht über den Haufen rannten. Es geschah selbstverständlich nichts, woS diesen besonderen Polizeischutz notwendig machte, weder vor, noch während, noch nach der Versammlung. Als die Versammlung begann, war der große Saal gefüllt, und auch die Galerien waren besetzt. Männer waren nur wenige gekommen, es waren fast nur Frauen, und unter ihnen waren auch mehrere aus dem Bürgertum, Kongreßteilnehmerinnen, die offenbar hören wollten, was die Sozialdemokratinnen über ihre große Veranstaltung zu sagen hatten. Die Referentin, Frau Kühler, verstand es vortrefflich, auf Grund der unerbittlichen Tatsachen des Wirtschaftslebens und der nun einmal vorhandenen Klassengegensätze zu zeigen, welche Kluft die proletarische von der bürgerlichen Frauenbewegung trennt. Unsere Genossin erkannte an, daß die Ausstellung und zum Teil auch der Kongreß dafür zeugte, daß es unter den Damen von der bürgerlichen Frauenbe- wegung manche gibt, die mit Ernst und Eifer an ihre Aufgabe herantreten, wenn auch andere die Sache nur als Sport betreiben. Würden aber jene Damen, denen es Ernst ist, weitergehen, so würden sie den Ast absägen, auf dem sie sitzen, so müßten sie zur Sozialdemokratie kommen und mit uns die bürgerliche Ge- sellschaft bekämpfen, der sie selbst angehören. Für die Proleta- ricrinnen ist die Frauenfrage eben nicht ein Ding für sich, sondern ein Teil der sozialen Frage, mit der sie erst endgültig gelöst werden kann. Darum führt auch die proletarische Frauenbewegung den Kampf nicht gegen den Mann, sondern sie lehrt die Frauen Seite an Seite mit den männlichen Klasscngenoffcn kämpfen für die Beseitigung der kapitalistischen Ausbeutung und für die Wirt- schafiliche und politische Gleichberechtigung ohne Unterschied des Geschlechts.— Die Rednerin wies nach, warum jener Kongreß, hinter dem bekanntlich 84 verschiedene Frauenorganisationen standen, zu irgendwelchen Beschlüssen nicht kommen konnte und äußerte ferner den Wunsch, daß die Fürstinnen, Gräfinnen, Ba- roninnen und anderen Damen, die auf der Ausstellung die wunder- schöne Handtuchweberei bewunderten, doch einmal in eine richtige Tcxtilwarenfabrik gehen möchten, um zu sehen, wie dort die Ar- beiterinnen mit müden, blutunterlaufenen Augen im wirbelnden Staub sich abrackern und abschuften für kargen Lohn. Zur Wahl- rechtsfrage äußerte die Rednerin, daß man Frau Minna Cauer nur beipflichten könne, als sie auf dem Kongreß erklärte, das freie, gleiche und allgemeine Wahlrecht der Frauen werde nur jiZvon den unteren Schichtet; erkämpft werden.— Der inhaltreiche Vortrag schloß mit der Aufforderung, ohne Wankelmut und mit allem Eifer weiter zu streben und zu kämpfen, um durch den Sieg der Sozialdemokratie auch der Frau die wirtschaftliche und politische Gleichberechtigung zu erringen.— In der Diskussion nahm von den bürgerlichen Frauen nur Fräulein R e i ch e l t das Wort, und zwar, um auszuführen, daß der Kongreß des Bundes der Frauenvereine ei»« besondere Ver- anstaltung wäre, die nicht den Zweck gehabt habe, Beschlüsse zu fassen. Da sich sonst niemand zur Diskussion meldete, richtete die Genossin Kühler noch einige Worte an die Versammelten und sagte unter anderem, daß die Kaiserin, als Protektorin der Ausstellung, dort hoffentlich genug erfahren haben werde, um ihren Maim darüber aufzuklären, daß seine in Königsberg ge- äußerte Auffassung von der stillen Arbeit der Frau im Hause mit den wirtschaftlichen Tatsachen in Widerspruch steht.— Nach einigen anfeuernden Worten der Vorsitzenden, Genossin Ka- s ch e w s k i. und einstimmiger Annahme der borgeschlagenen Re- solution wurde die Versammlung mit Hochrufen auf die Sozial- demokratic geschlossen. Nach Schluß der Versammlung in den..Arminhallen" gingen alle Teilnehmerinnen ruhig ihrer Wege, doch erregte eS auf der Straße Aufsehen, daß hier wieder einmal so viele Frauen bei- sammen gewesen waren. » Im Moabitcr GesellschaftShaus in der Wiclefstraße zeigte die Straße kurz vor?s2 Uhr noch ihr gewöhnliches Bild. Dann auf einmal, von%2 Uhr ab, erscheinen aus allen Straßen zuerst kleinere, dann größere Trupps und schließlich kommen sie in endlosen dichten Reihen heran, die Frauen und Mädchen des Proletariats, zum Teil ernst und ruhig, zum Teil lebhaft diskutierend. Alte, von Sorge und Not gebeugte Mütterchen ließen es sich nicht nehmen, an der Demonstration teil- zunehmen und das Bewußtsein, im Verein mit Tausenden von Leidensgefährtinnen und Kämpferinnen heute den Willen nach Befreiung mächtig kundzugeben, stärkt ihnen die schwachen Beine, läßt sie wetteifern mit den Jungen, das Lokal zu erreichen. Es ist schon 2 Uhr und immer noch strömen die Massen heran, be- sonders vom Wedding her. Mit der Meerschaunizigarrenspitze in der Hand bleibt der Spießer stehen, schaut und schaut. Er fragt — Demonstration der Frauen?—„Jetzt fangen die auch noch an." und kopfschüttelnd geht er weiter. Mehr als 1000 Frauen halten den Saal besetzt. Wenn auch die Stühle immer dichter gerückt werden, es können nicht alle Er- schienenen herein. Die wenigen Männer, die anwesend sind, stehen auf, räumen den Saal und lassen die Frauen an ihre Stelle. In fürchterlicher Enge folgt die Versammlung den hinreißenden Worten der Genossin Marie Greifenberg. Manche Träne eollte in den Schoß, als die Rednerin die Leidensgeschichte der Proletarierfrau schilderte, und wie zum Schwur hoben sich die tausend Hände, als es galt den Willen zur Erlangung einer besse- reu Zukunft in einer Resolution zum Ausdruck zu bringen. Dem begeistert ausgebrachten Hoch auf die internationale Sazialdemo- fratie, der Befreierin auch der Frau, folgte denn auch die Tatt Es] ti-irb keine Frau aus dem Saal gegangen sein, die nicht sofort dem Soziald'mokratischen Verein als Mitglied beigetreten ist, soweit es noch nicht der Fall gewesen sein sollte. Und es hieße die Ver- nunft der Frauen untersäsiitzen, wollte man annehmen, daß nicht auch die letzte der Teilnehmerinnen an der Versammlung Abonnentin wenigstens der..Gleichheit" wird. Angehörige bürger- licher Frauenvereine waren nicht anwesend. Erst um'45 Uhr war dw Veriammlung zu Ende. Noch inter- esianter als der Aufmarsch war dtt Abmarsch der Frauen. Und wieder waren es die Kolonnen des Wcdding, die der Straße das Gepräge gaben. Es dauerte so ziemlich eine halbe Stunde, bis die Massen der Demonstrantinnen sich in den anstoßenden Straßen verlaufen hatten.» In der Umgegend des Schönhauser Tores begann nach 1 Uhr ein Zustrom von Frauen nach einem Mittelpunkt hin, den das Versammlungslokal der Brauerei Königstadt in der Schönhauser Allee.bildete. Aussehen erregten kleine Züge von 30, 40 bis 60 Frauen, die geschlossen ihrem Ziel zustrebten, kritisch gemustert von den Schutzmannsposten, neugierig und verwundert betrachtet von den Straßenpassanten, die nicht wußten, daß diese Frauen heute als Anhängerinnen des Sozialismus einem Rufe ihrer Partei folgten. Die Mehrzahl der Frauen kamen ohne Männer, oder sie trafen schnelle Verabredungen, wo sie ihre Manner später treffen könnten, als sie das Gedränge an den Eingangstüren zum Lokal sahen.„Ach, und ich dachte, wir sind die Ersten," hörte man immer wieder von den Neuankommenden rufen, die pünktlich um 2 Uhr erschienen waren und nun eifrig sich bemühten, noch Einlaß zu gewinnen. An Pünktlichkeit im Versammlungsbesuch gaben die Frauen hier den Männern ein nachahmenswertes Beispiel. Der große Saal der Brauerei Königstadt war überfüllt, Galerie und Bühne waren dicht besetzt. Männer waren spärlich zu sehen; die Versammlung gohörte den Frauen. Die Referentin Klara Wehl betonte in ihrem Vortrag den Gegensatz zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Frauen- bewegung; sie kritisierte den jüngsten Frauenkongreß und stellte ihre Betrachtungen an über die damit verbundene Ausstellung. Mehrmals errang sie sich den lebhaften Beifall der Versammelten, als sie die„soziale Fürsorge" der bürgerlichen Damen beleuchtete, die nur auf die bekannten und unzulänglichen Wohktätigkeits- bestrebnngen hinauslaufe, oder als sie die spielende Art der Damen, die für das Wahlrecht eintreten, mit dem bitteren Ernst verglich, den die proletarischen Frauen bei dem Streben nach gleichen politi- schen Rechten entwickeln. Scharfe Worte fand die Rednerin gegen die Forderungen der reaktionären Parteien, die die Frau an den Kochtopf verweisen und dabei aus demselben Kochtopf das Fleisch und sogar die Kartoffeln herausnehmen; sie gedachte des Elends der Kinderarbeit und der Prostitution und schloß mit dem Aufruf an die Frauen, sich an den Arbeiten der sozialdemokratischen Partei zu beteiligen, um dem Kulturfortschritt die Wege zu ebnen. lStürmischer Beifall.) An der Diskussion beteiligten sich einige Genossinnen, die auf die Arbeiten der Kinderschutzkommission hin- wiesen, ferner die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organi- sation der Frauen betonten. Unter Hochrufen aus die Partei wurde die Versammlung geschlossen. Gegen 4 Uhr leerte sich der Saal, aber es dauerte eine ge- räume Weile, bis die Massen sich zerstreut hatten. Ruhig und friedlich lösten sich die Ansammlungen vor dem Lokal auf. Die Polizei hielt sich im Hintergrund. Eine Anzahl von Polizei- Offizieren beobachtete von der Gartenterrasse des Lokals aus das Straßenbild. Man chatte auch genügend Schutzleute in der Um- gegend bereit, so daß man glauben konnte, die Polizei sei vor- bereitet, eine Straßendemonstration der Frauen zu vereiteln. Wer diese Vorkehrungen waren überflüssig. Im Osten Berlins waren die Konkordia-Festsäle in der Andreasstraße das Ziel von Tausenden proletarischer Frauen. Inmitten der Straßenflucht liegt das Lokal. Es war ein erhebender Anblick, unsere'Frauen m Kölönnen und Bataillonen von beiden Seiten herankommen zu sehen. In den Bezirken des Ostens und des Südostens hatten sie sich formiert, um gemeinsam zum RendezvouSplatz zu ziehen. In der Zeit zwischen l42 und 2 Uhr war das Straßenbild vollständig beeinflußt durch das sich hier sammelnde proletarische Armeekorps weiblichen Geschlechts. Viele Neugierige und auch interessierte Männer bildeten Spalier. Gegen 2 Uhr sperrte die Polizei a>b, ließ dann aber noch mehrere hundert Nachzügler in das Lokal, nachdem noch Platz geschafft worden-war durch Entfernung aller Tische in dem Riesensaal, einem der größten Berlins. Männer fehlten in der Versammlung, abgesehen von ganz vereinzelten. Mehr als 2500 Frauen füllten Saal und Galerien. Genossin Luise Zieh referiert?. Einleitend legte sie dar, daß der bürgerliche Frauenkongreß der vergangenen Woche der Anlaß gewesen sei, die proletarischen Frauen Groß-Berlins zusam nwnzuberufen zu sieben Versammlungen, um das Thema:„Die Befreiung der Frau durch den Sozialismus" zu erörtern. Die proletarischen Frauen seien nicht zu dem Kongreß eingeladen gewesen. Rednerin könne aber auch erklären, daß sie nicht zu dem Kongreß gekommen wären, wenn man sie eingeladen hätte. Man babe auf einem bürgerlichen Frauenkongreß nichts zu suchen. Zwar hätten die bürgerlichen Frauen eine Reihe Reformforderun- gcn im weiblichen Interesse aufgestellt. Diese seien aber zuge- schnitten einmal aus die bürgerliche Frauenwelt, und zweitens endeten sie da, wo die Grenze des KaPitakismus sei. Sie wollten nicht darüber hinausgehen, weil sie die heutige Wirtschaftsordnung erhalten wollten. Aber auch sonst wäre unsere Beteiligung un- möglich gewesen. Denn unsere Auffassung, daß eine soziale Revolution die Vorbedingung für die Befreiung der Frau sei, könne auf einem bürgerlichen Frauenkongreß nicht geltend gemacht werden, und wir hätten auch gar keine Aussicht, dort Proselvten zu werben. Zudem habe der bürgerliche Kongreß unter dem Protektorat der Kaiserin gestanden. Die proletarischen Frauen gehörten dort zw sammen, wo die Sturmkolonnen gebildet würden, die gegen den Kapitalismus, seine Existenz und seine üblen Begleiterscheinungen zu Felde zögen.(Lebhafte Zustimmungen. Rednerin glossierte dann verschiedene Eigenheiten des Frauenkongresses, um zu zeigen, daß geradezu der Klassenstolz der selbstbewußten, freigerich- teten Proletarierinnen es ibnen verboten habe, daran teilzunehmen. Nun zum eigentlichen Thema. Vor dem Kapitalismus habe die GesÄecktssNaverei der Frau und ihre wirtschaftliche Abhängigkeit in der Familie eingesetzt, als eine Folge des Privateigenitums und der Einehe. Etwas gemildert worden sei die Abhängigkeit, solange die Frau gleichsam der Universalhandwerker der Familie gewesen sei, solange sie eine Produktivtätige innerhalb der Familie war. Diese wichtigen Aufgahen innerhalb der Familie wurd«n der Frau mehr und mehr genommen durch die technische Entwicklung, die über das Handwerk zur Manuraktur fübrte, und ihr letzter Rest verschwand, als die wirtschaftliche Entwicklung dem Kapitalismus zum Siege verhalk. Rednerin schilderte dann, wie durch den Sieg des Kapitalismus und seine Begleiterscheinungen die Frauen ge- wisser bürgerlicher Schichten gezwungen worden sind, selbst einen Erwerb zu suchen, und zwar infolge ihrer gesellschaftlichen Stellbug in den liberalen Berufen; wie sie so dieselben Bildungsmöglich- leiten erstreben mußten, die die Männer ihrer Klasse hatten, und wie sie ihrerseits ankämpfen mußten gegen Tradition und Vorein- gcnommenbeit. die sich ihnen entgegenstellten. Natürlich seien sie so auch zur Erstrebuug politischer Rechte gekommen, um Einfluß auf die Klinke der Gesetzgebung zu erhalten. Welche Folgen habe nun die Entwicklung zum Kapitalismus für die Frauen der Arbeiter- klaffe? Ihre Frauen und Töchter seien aus der Enge der Haus- arbeit herausgezogen und in die Industrie getrieben worden. Da- durch, daß sie mit erwürben, seien sie wirtschaftlich unabhängiger geworden und auch ihre Geschlechtssklaverei habe sich faktisch stark gelockert. Seien die proletarischen Frauen aber deswegen, frei ge> worden? Nein, der Kapitalismus habe sie in seine Abhängigkeit gebracht. Die Arbcitsmöglichkcit brauchten die proletarischen Frauen nicht erst erkämpfen wie die erwähnten bürgerlichen Frauen. Im Gegenteil; verschiedene Arten der Arbeitsmöglichkeit müßten sie bekämpfen, die nämlich, welche die Frau vernichteten und schon das Kind im Mutterleib? töteten. Rednerin geht näher darauf ein und schildert, zum Teil in tief ergreifender Weise die Grausamkeiten, die die kapitalistische Produktionsweise zur Folge hat, namentlich in bezug auf das proletarische Weib und Kind, �rre Entwicklung zur bollentfalteten Persönlichkeit, von der auf dem bürgerlichen Frauenkongreß soviel geredet worden sei, werde durch die Wirkungen der kapitalistischen Wirtschaft bei der Proletarierrn gehemmt. Die bürgerlichen Frauen wollten aber auch gar nicht ihre Zukunftsideale einstellen auf die Erwerbstätigkeit der Frauen, son- dern. wie ausgesprocben sei, aus die Hausftau. Was die Kultur- entwickelung die vielen erwerbstätigen Frauen deS Prole- tariats angehe, davon habe man nichts gehört. Rednerin könne aber den bürgerlichen Frauen vom hter auS zurufen: Der Tag ist nicht mehr zu fern, an dem Ihr einsehen müßt, daß die Zukunftsideale nicht eingestellt werden nach den Verhältnissen, unter denen die Schichten der Herrschenden leben, sondern nach den Verhältnissen und den Lebensbedingungen, unter denen die große Masse der arbeitenden Frauen schwer leidem Der Kapitalismus habe mit seiner Entwicklung zugleich die Empörung wachgerufen gegen Ausbeutung und Unterdrückung. In den Gewerkschaften fänden sich die Proletarier und auch die Prole- tarierinuen zusammen und in der politischen Partei, der Sozial- demokratie. Beide Bewegungen wirrten, jede in ihrer Art, darauf hin, vor allzu großer Ausbeutung zu schützen und Sonnenstrahlen ins dunkle Leben des Proletariats zu Wersen. Aber darüber hinaus gelte es. eine bessere Zukunft vorzubereiten, gelte eS dem Sozialis- mus. Alle Abschlagzahlungen, die der heutigen Gesellschaft abgc- ruugen würden, sollten zugleich dazu dienen, den Weg zum So- zialismus zu ebenen, der an sich ja ohne weiteres vorgeschrieben sei durch die Richtung der wirtschaftlichen Entwicklung, die zum Sozialismus führen müsse. Und als ein Kampfesmtttcl in diesem Sinne gelte auch uns die von der Sozialdemokratischen Partei allein mit Energie vertretene Forderung des besten Wahlrechts nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen. Zum Schluß ihres häufig von lebhaftem Beifall unterbrochenen Referats wies Genossin Zietz daraus hin, daß der Sozialismus die Lösung der verschiedensten Probleme bringen und auch die Abhängigkeit der Frau von dem Manne und Familie vollends beseitigen werde, sowie die Möglich- keit der vollsten Entwicklung der Persönlichkeit. Und darum be- grüßen die proletarischen Frauen den Sozialismus als Mensch- heitsbefteier. Sie begrüßen ihn aber nicht nur, sondern wollen für ihn kämpfen mit Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit.(Stür- Mischer, anhaltender Beifall.) Etwa anwesende bürgerliche Frauenrechtlerinnen wurden auf- gefordert, sich zum Wort zu melden unter Zusicherung voller Rede- freiheit. ES meldete sich aber niemand. Darauf wurde von einer Diskussion abgesehen. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Langsam leerte sich nach Schluß der Versammlung der Saal und die imposante Frauemnenge verteilte sich nach verschiedenen Richtungen. O Seltsam nahmen sich da draußen im alten Westen die Scharen von Frauen und Mädchen aus. die in der ersten Mittagsstunde der „Viktoria-Brauerei". Lützowstraße 111/12, zustrebten. Während der ganze Sonntagstrubel beim schönsten Frühlings- sonnenschsin die Straßen überflutete, füllte sich der weite Raum in dem genannten Etablissement rasch mit den Vertreterinnen des weiblichen Proletariats. Mit getragenem Ernst und doch so zu- vcrsichtlich, so freudig durchglüht von sozialistischem Empfinden kamen sie heran, um als lebendiger, tausendfacher Massenprotest gegen das Zerrbild der bürgerlichen Frauenbewegung zu wirken. Nur wenige, die da erschienen waren, mochten den höheren Regionen angehören, in der überwältigenden Mehrheit waren eS weibliche Soldaten des großen und gewaltigen ArbeiterheereS. Als Genossin Schulte die Versammlung eröffinete, lag auf den Gesichtern Spannung und Erwartung, zeugten Blicke und Mienen von der Größe und Tragweite des Kampfes der Frauen um Gleichberechtigung und Anerkennung in jeglicher Hinsicht. Die Referentin, Genossin Wulff, übernahm es denn auch, in einer etwa 1Z4stündigen, gut geliederten und übersichtlichen Dar- stellung ein Bild von. den historischen und wirtschaftlichen Ursachen und Bedingungen der Frauenemangipation� zu zeichnen. Sehr trffend zeigte sie den scharfen Strich, der die bürgerliche Frauen- bewegung von der proletarischen trennt und trennen muß, und legte rücksichtslos die Verworrenheit und Inkonsequenz der bürger- lichen, auch der fortschrittlichen Frauen bloß, die einen Schaukeltanz aufführen, um nirgends anzustoßen, besonders oben nicht, die einen Kaemps im Wahlkampf unterstützten gegen die Sozialdemokratie, ob- gleich diese die einzige Vertreterin der Frauenrechte sei. Die Tatsache, daß die bürgerlichen Frauen ihre Ausstellung unter das Pro- tektorat der Kaiserin gestellt haben, bot der Referentin die beste Gelegenheit, das Wesen dieser einseitigen, unvollständigen Ver- anstaltung gebührend zu kennzeichnen. Der demonstrative Bei- fall, den die Genossin Wulff bei ihren Ausführungen erntete, bewies am deutlichsten, daß sie die innerste Ueberzeugung so ziemlich aller Anwesenden zum Ausdruck gebracht hatte. In der Diskussion sprach als erste Redr.crin Frau S»chs, die sich als langjährige und überzeugte Sozialistin bezeichnete. Auch sie ging mit prächtigem Temperament und scharfer Logik mit der bürgerlichen Frauenbewegung ins Gericht und ergänzte das Referat mit gut-gewählten Bildern und Beispielen, und wies unter anderem auch auf die Konflikte hin, die mit der Ausbreitung der bürger- lichen Frauenbewegung zwischen dieser und der sozialistischen un- ausbleiblich sein werden. Auch sie hatte das Ohr der Versamm- lung und erhielt reichen, spontanen Beifall. ES sprachen dann noch zwei Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenwelt, die ihren Standpunkt vertraten. Nachdem die Resolution einstimmig angenommen war. schloß Genossin Schallte die Versammlung mit einem dreifachen Hoch, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Und wiederum veränderte sich das Straßenbild in ungewohnter Weise, als die Scharen von Frauen das Lokal verließen, um nach allen Richtungen hin sich zu zerstreuen. Ab und zu machte ein Spießer seinem bedrängten Herzen in einem öden, saftlosen Kalauer Luft, fand aber keinen Resonanzboden. Die Zeit ist. in Deutsch- land wenigstcu». endgültig vorbei, wo man große, kulturelle und weltgeschichtliche Ereignisse mit faulen Witzen abtun kan«. • Im„Schwarzen Adler" zu Lichtenberg an der Frankfurter Chaussee stellten sich schon um 1H Uhr die ersten Versammlungsbesucher,nnen ein. Nach und nach füllte sich der Saal. Um Uhr nahm die Genossin Tretz das Wort. In l�st-ün- Cigcm Bortrage schilderte sie ihren aufmerksamen ZuHörerinnen die EiiNvickelung der Frauenbewegung. Während die bürgerliche Frauenbewegung ihrer Ungefährlichkeit wegen sich in Ruhe zu ent- wickeln Gelegenheit hatte, wurde die proletarische Frauenbewegung mit luristlschen Spitzfindigkeiten und polizeilicher Willkür zu hemmen gesucht. Auch der Frauenkongreß und die damit verbundene Ausstellung von Erzeugnissen der Frauenarbeit haben sich hoher Gunst erfreut. Hat doch die Kaiserin, die sonst der ganzen Frauen- bewegung kühl bis ans Herz hinan gegenübersteht, das Protektorat übernommen. Noch nie'habe man gehört, daß die hohe Frau in irgendeiner Weise ihre Stellungnahme gegenüber der Frauen- bewegung bekundet hätte. Dagegen hat ihr kaiserlicher Gemahl sich sehr abfällig über sie geäußert. Heber alle wöglichen, die Frauen» Welt angebenden Fragen ist auf dein eben beendeten Kongreß ge> sprochen worden. Doch eine der wichtigsten Fragen, die Arbeite- rinnenfrage, stand überhaupt nicht auf der Tagesordnung des Kon- gresseS. Man hat es ängstlich vermieden» selbst die linksstehende Frauenwelt, sich mit den Wunden, die der Kapitalisnmis der Frau und ihren Schützlingen, den Kindern schlägt, zu befassen, um nichts an der Hoffähigkeit einzubüßen. Anders die proletarische Frauen- bcwegung. Sie hat begriffen, daß die Wunden, die hier dem Arbeiterstande geschlagen werden, nicht mit Wohltätigkeit zu heilen sind, sondern daß die Wurzel des Uebels gesucht und ausgegraben werden muß. Eine tiefe Kluft trennt die proletarische Frauen- dewegung von der bürgerlichen. Während die letztere, obwohl in un- zählige Gruppen» gespalten, sich darin einig ist, daß der Kampf der Frau auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung geführt wird, hält die proletarische Frauenbewegung die Befreiung der Frau nur durch den Sozialismus für möglich. Nur in der fozia listischcn Gesellschaftsordnung wird die Frau frei sein und ihr durch keine nach Klassen, Ständen und Geschiccht bestimmte Ordnung ihr Staatsbürgerrecht vorenthalten werden. Mit gutem Sarkasmus besprach die Rednerin die Oberflächlichkeit, met der die Besuche rinnen und Veranstalterinnen der Ausstellung sich über die häus- lichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Frau unterhalten und informieren lassen. Die politische Reife bei den bürgerlichen Frauen ist eben nicht weit her; das haben die Ausstellung und der Kongreß klar dargctan. Unzählig« Gelegenheiten hat die bürgerliche Frauen- bewcgung ungenützt vorübergehen lassen und versäumt, für die staatltnirgcrliche Gleichberechtigung der Frau einzutreten. Die proletarischen Frauen aber sammeln sich in den freien GeWerk- schaften, um den Kampf gegen das Kapital zu führen und organi- sieren sich in der sozialdemokratischen Partei, um sich die ihnen zu- stehende Stellung im öffentlichen Leben zu erringen. Mit kurzen, präzisen Worten begründete alsdann die Rednerin die von der Parteileitung und der Gewerkschaftskommission empfohlene Rcsolu- tion. Die Versammelten, die bis zum Schluß mit größter Auf- merksamkeit ihre Ausführungen verfolgt hatten, quittierten die- selben mit reichlichem Beifall. Anhängcrinnen der bürgerlichen Frauenbewegung meldeten sich trotz Aufforderung nicht zum Wort. Auch die Genossinnen verzichteten auf eine Diskussion. Tie Reso- lution fand einstimmige Annahme. Langsam leerte sich wieder der Saal. Draußen im Garten und vor dem Lokal fanden sich die Teilnehmerinnen mit ihren Familienangehörigen, dem Gatten und den Kindern, die geduldig den Schluß der Versammlung abgewartet hatten, wieder zusammen, um sich gemeinsam den letzten Stunden deS einzig freien Tages der ganzen Woche hinzugeben. Zu der nach dem Hoppcschen Saal in Neukölln einberufenen Versammlung hatten sich ungefähr 1200 Prole tarierinnen, Frauen, für die der Sonntag sonst ein Tag verdoppel- ter häuslicher Tätigkeit ist, eingefunden. Die meisten von ihnen waren vereinzelt zur Versammlung geeilt, hier und da aber hatten sie sich auch in den Bezirkslokalen zusammengefunden, um den Weg gemeinsam zurückzulegen. Der Saal nebst der an zwei Seiten entlanglaufenden Galerie war bald überfüllt, obgleich das starke Geschlecht nur in wenigen Exemplaren vertreten und Tische nicht ausgestellt waren. Das Referat hatte die Genossin Paula Thiede übernommen. Auf dem bürgerlichen Frauenkongreß— führte die Rednerin einleitend aus— sei bezüglich der Frauen- frage manch zutreffendes Wort gesprochen worden, man könne an- erkennen, daß ernster Wille und ernstes Streben zutage trat, der Frau in Staat und Gesellschaft die ihr gebührende Gleichberech- tigung zu verschaffen. Andererseits jedoch ließen die Bestrebungen, wie sie auf dem Kongreß vertreten wurden, an Entschiedenheit und Konsequenz alles zu wünsche» übrig. Der Forderung aus beruf- liche Ausbildung der Frauen, durch eine mehrjährige Lehrzeit, aus der die qualifizierte Gehilfin und eventuell spatere Meisterin hervorgehen soll, könne man nicht zustimmen, da diese Lehrzeit von den Unternehmern nur dazu benutzt werden würde, die Ar- beiterinnen im Verlauf der Lehrzeit gegen niedrige Entlohnung besonders auszubeuten. Einer Reihe anderer Fragen, die auf dem Kongreß behandelt wurden, könne man in der Theorie zustimmen, sobald eS sich aber um die praktische Durchführung handelt, zeige sich die unS von der bürgerlichen Frauenbewegung trennende Kluft. Von den sozialen und wirtschaftlichen Mißständen, von der kapitalistischen Ausbeu- tung der Frau hörte man auf dem bürgerlichen Frauenkongreß nichts, das ist nichts für die zarten Nerven der dort zusammen- gekommenen Damen, und dann waren es ja doch dieselben Frauen der Männer jener Klasse, welche den Arbeiterinnen den aus- kömmlichen Lohn vorenthält und über die Kosten der sozialen Fürsorge klagt. Nirgends habe dieser Kongreß die letzten Kon- scquenzcn gezogen, und als Minna Cauer ausgeführt habe, daS Stimmrecht werde den Frauen nur durch die Arbeiter und Ar- beiterinnen errungen werden, habe man gezischt, nur von den Galerien, wo eben Angehörige des ArbeiterstanoeS zuhörten, sei der Beifall gekommen; die Damen, welche mit einer Dauerkarte im Saale waren, glauben eben nicht, daß die Erweiterung der Frauen- rechte nur durch die Arbeiter kommen werde. Ein Teil der Kongreß- besucherinnen wohnte den Verhandlungen mit ehrlichem Willen bei, für den anderen Teil handelte eS sich lediglich darum, einmal eine Abwechselung zu haben. Hinter dem Kongreß steht nichts, was seinen Beschlüssen Wirksamkeit verschaffen konnte. Ein vornehmes Auditorium, das wieder auseinandergeht, da» den Ideen keine Gestalt geben kann. Hinter unseren Kongressen und Beschlüssen hingegen stehen nicht nur bloße Zuhörer, sondern Mitkämpfer, die sich verpflichtet fühlen, im Sinne der Beschlüsse zu wirken und zu kämpfen.(Beifall.) Soll der Menschheit geholfen werden, dann »st eines der Mittel dazu ciue vernünftige durchgreisende Sozial- Politik. Im Kampfe für die bedrängte Arbcitersckmft ist die Sozial- demokratie zur größten politischen Partei geworden, und wie schließlich jede gute Sache Recht und Sieg auf ihrer Seite hat. wird einstenS auch die Sozialdemokratie siegen. Für die gesamte Welt gibt eS keinen anderen Weg zur Befreiung wie die Sozial- demokratie. Ihr müssen immer mehr Mitkämpferinnen zugeführt werden. Was wir Proletarierinnen fordern, sind nicht Wohltaten, sondern Rechte, Rechte, weil wir auch Pflichten haben.(Stürmischer langanhaltender Beifall,) Im Sinne der Referenhin spricht nur noch die Leiterin der Versammlung, Genossin Röhl, nachdem der Aufforderung, zur Diskussion das Wort zu nehmen, von keiner Seite entsprochen worden war.- Genossin tliöhl schloß ihre trefflichen, mit Bcgeiste- run« vorgetragenen Ausführungen mit der Aufforderung, dem Wahlverein beizutreten. Die bürgerlichen Blätter, welche den Frauenkongreß so wunderschön beschrieben haben, an anderer Stelle aber die Arbeiterbewegung aufS ärgste beschimpfen und in einem verborgenen Eckchen die Elendsbilder der Großstadt bringen, müssen aus der Arbeiterbehausung verbannt werden und dafür die Ar- beiterpresse ihren Einzug halten.(Beifall.l Dte Annahme der Resolution erfolgte einstimmig, den Schluß der Versammlung bildete ein Hoch auf die Sozialdemokratie. Auf eine Viertelstunde war hierauf der breite Bürgersteig der Hermann- straße dicht bevölkert von den aus ihrer imposanten Versammlung heimkehrenden proletarischen Frauen und Mädchen. *»* In allen Versammlungen wurde folgende Resolution ange- Bommen: „Die versammelten Frauen und Mädchen erklären, daß sie allein in der sozialdemokratischen Partei und in den freien Ge- werkschaften ihre politische und wirtschaftliche Jnteressqnver- tretung und KampfeSorganisation sehen. Als kapitalistisch AuS- gebeutete haben sie mit den Männern ihrer Klaffe das gleiche Interesse an der Bekämpfung und Niederringung de? Kapitalismus. Erst die Beseitigung de« Privateigentum» an Pro- duktionSmitteln und die Sozialisicrung der Gesellschaft wird d'.c wirtschaftliche und geistige Befreiung der Frau bringen. Sie wird erst die Vorbedingung schaffen jur die jreie Entfaltung der Persönlichkeit der Frau, für das volle Menschentum des Weibes. Eine tiefe, unüberbrückbare Kluft trennt deshalb die prole- tarische und bürgerliche Frauenbewegung voneinander. Denn in hartem Ringe» mit den Frauen und Männern der besitzenden Klasse vollzieht die Arbeiterklasse ihren Aufstieg, wird sie ihre endliche Befreiung durchsetzen. Die Versammelten versprechen, daß sie unablässig und mit Energie für die Aussaat sozialistischer Ideen, für den Ausbau unserer gewerkschaftlichen Knd politischen Organisation.tätig sein wollen."_ Eue der Partei. Aus der belgischen Partei. Man meldet uns aus Brüssel: Wir wie seinerzeit meldeten, sind die Ausführungen D e M a n S in der„Neuen Zeit" über die genossenschaftliche Bewegung in Belgien, insbesondere über das dem'Genter„Vooruit" angegliederte .Bureau für die Anschaffung von Vieh" von einem klerikalen De- pufferten in entstellender und verleumderischer Weise zu Angriffen gegen das genannte genoffenschaftliche Institut ausgenutzt worden, In der Folge hat dann A n s e e l e bei der Abwehr der klerikalen Angriffe i» der Kaminer den Genossen De Man in persönlicher, dessen Barteiehre kränkender Weise attackiert. Wir haben in unierer ersten Mitteilung bereits darauf verwiesen, daß der Artikel De ManS kein Wort von dem Vorwurf des Wuchers enthielt, den der klerikale Deputierte in etwas allzu freier Uebersctzung der betreffenden Stellen herauSdestillierte. Der Generalrat der Arbeiterpartei, der ich in mehreren Sitzungen mit der Affäre beschäftigte, entschied ich schließlich für die Annahme einer von den Genossen Bertrand, De Broucksre und W a u t e r s eingebrachten Tages- ordnung, die in der Hauptsache feststellt, daß nach den Er- klSrnngen De Mans dieser in keiner Weise dem.Vooruit" den Vorwurf deS Wuchers habe machen wollen, möge gleichwohl sui feinem Bedauern seine Bezeichnung»ZinS" Anlaß für die tendenziöse Ileberietzmig geboten habe». Andererseits nimmt die Tagesordnung zur Kenntnis, daß Anseele angesichts der Erklärungen De ManS eine in der Kaminer gemachten verletzende» Aeußcrungen zurückzieht. schließlich empfiehlt der Generalrat, in allen Polemiken innerhalb der Partei alles Persönliche zu vermeiden und die Kritik nur auf Grund eines genau kontrollierten Tatsachenmaterials zu führen und bedauert es, daß sich De Man bei seiner Be»rieil»ng des Gesamt» Werkes der Genter Kooperaffvee an einzelne Vorsülle gehalten oder Tatsachen ungenau interpretiert habe. Der Generalrat spricht dem„Vomfft"-Werke seine Anerkennung auS und konstatiert, daß das erwähni««Bureau für die Nnschaffuiig von Vieh" auSschtießtich der Propaganda, den geineinnützigen Zwecken und der Befreiung der landwirtschaftlichen Arbeiter diene. Die 10 Proz. werden für die Kosten, Versicherung, Kontrolle usw. vcr« wendet.— Der Generalrat ordnet die Veröffentlichung dieser Er- klärungen in den Parteiblältern sowie ihre Zusendniig an die»Neue Zeit" an._ Totcnliste der Partei. Im Krankenhause in München verschied der Kolporteur Genosse Heinrich BergeS im Alter von icderholte der Vorsitzende die Verhandlung, um der Rüge einer Verletzung der Vorschriften über die Oeffentlichkeit vorzubeugen. Nach dem Gesetz hat allein der Vorsitzende und das Gericht die Sitzungspolizei auszuüben. Leider ist es in Berlin nicht das erste Mal, daß andere, dazu unberufene Organe, sich, insbesondere in politischen Prozessen, angemaßt haben, die Oeffentlichkeit durch den, Olericht nicht bekannte Maßnahmen auszuschließen. Das Reichsgericht hat in dem großen Prozeß gegen den Arbeiterturn- verein iFrau Dr. Hofmann, Ihrer u. Gen.) im Jahre 1887, wo widerrechtliche Beschränkungen der Oeffentlichkeit durch Polizei- organe behauptet waren, erklärt, einen RevisionSgrund könne die Beschränkung nur abgeben, wenn sie auf Anordnung oder mit Billigung des Gerichts erfolgt sei. Ob da» Reichsgericht an dieser Einengung der Rcvffionsmüglichkcit heute noch festhalten würde, steht dahin. Jedenfalls bildet die Beschränkung der Oeffentlichkeit einen Revisionsgrund, wenn das Gericht Kenntnis von der Be- schränkung erhält und ihr nicht entgegentritt. Es war daher der Hinweis des Verteidigers auf die Beschränkung der Oeffentlichkeit durchaus berechtigt.> Sache des Vorsitzenden und des Staatsanwalts ivird es nun sein, gegen die Stelle strafrechtlich einzuschreiten, die sich unberech- tigt die Ausübung des Amts des Vorsitzenden durch die K.ejÄWa» kung der Oeffentlichkeit angemaßt hatte. Versammlungen. Zentralverbanb der Schmiede. Der am Donnerstag abgehal» tenen außerordentlichen Generalversammlung der Zahlstelle Berlin lag der Jahresbericht für 1911 vor. Derselbe gibt zunächst eine eingehende Darstellung der Streiks und Lohnbewegungen. Von 25 Bewegungen ohne Arbeitsniederlegung, an denen 1460 Personen beteiligt waren, hatten 9 vollen und 16 teilweisen Erfolg. Von 10 Angriffsstreiks mit 164 Beteiligten hatten 7 teilweisen und drei keinen Erfolg. Von 3 Abwehrstreiks mit 6 Beteiligten hatten zwei vollen und einer teilweisen Erfolg. Von 2 Aussperrungen mit 488 Beteiligten brachte eine teilweisen und eine keinen Erfolg. Ge- maßregelt wurden 11 Mitglieder. DaS sind insgesamt 40 Bewegun- gen mit 2129 Beteiligten. 11 hatten vollen, 25 teilweisen, 4 keine» Erfolg. Es erreichten 1193 Kollegen eine Lohnerhöhung von 1,05 bis 2,70 M. pro Woche, durchschnittlich 1,75 pro Kopf. Eine Ver- kürzung der Arbeitszeit um% bis 4 Stunden wöchentlich fetzte» 1447 Kollegen durch. Verbesserungen in Lohn und Arbeitszeit oder beides zusammen erhielten insgesamt 1598 Kollegen, das sind 62 Proz. der Mitglieder.— Eine im Oktober aufgenommene Statistik über die Jnnehaltung des Tarifs bei den Jnnungsmeistern ergab, daß 125 schwere Verstöße hinsichtlich Lohn und Arbeitszeit festgestellt wurden und außerdem 362 geringere Verstöße, die au« Nachlässigkeit zurückzuführen sind.— Dem Arbeitsnachweis wurden 1059 offene Stellen gemeldet, von denen 956 besetzt worden sind Von den eingeschriebenen Arbeitslosen wurden 41,8 Proz. durch Vermittclung des Arbeitsnachweises in Arbeit gebracht._ Der durchschnittliche Wochenverdicnst der im Arbeitsnachweis Eimr- tragencn betrug 30,90 M. gegen 30,08 M. im Jahre 1910. Zunahme von 82 Pf. pro Woche steht in keinem Verhältnis zu d'n durch die Teuerung verursachten Mehrausgaben für den Lebens. unterhalt. Die bei Jnnungsmeistern Beschäftigten hatten eine» Durchschnittsverdienst von SOM M. pro Woche gegen LS, 91 Jahre 1910. Die Steigerung bon 1,17 M. ist auf den am 12. Juni mit der Innung abgeschlossenen Tarifvertrag zurückzuführen.— Die Zahl der Mitglieder ist von 2554 auf 2736 gestiegen.— Für Unterstützungszwecke wurden ausgegeben: an Arbeitslose 15 216 M.. an Kranke 12 363 M., an Streifende 11407 M., an Gemahregelte 13 694 M., für Rechtsschutz 3020 M., sonstige Unterstützungen 1054 M. Nach einer kurzen Diskussion über den Bericht erfolgte die Neuwahl der Ortsverwaltung. Gewählt wurden: 1. Bevollmächtigter Siering, 2. Bevollmächtigter Schlinskh, Kassierer Hentschel, Schriftführer Ferchler, Revisoren Fritze, Timmermann, Schleuhner.— Die Beschwerdekommission wurde in ihrer bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. Hierauf nahm die Versammlung Stellung zum bevorstehenden Verbandstag. Derselbe hat als wichtigsten Punkt die Frage der Verschmelzung mit dem Deutschen Metallarbeiterverband zu be- handeln. Hierzu liegen detailllierte Vorschläge des Vorstandes des Metallarbeiterverbandes vor, die Siering mitteilt«. Die Versamm- lung kam mit diesem Punkte nicht zu End«. Er soll am nächsten Montag weiterberaten werden. Hus der f rauenbewegung* Berichtigung. Frau Henriette Fürth teilt unS mit, datz sie in der DiSlussion über die Reform der Hauswirtschaft auf dem Frauenkongretz.überhaupt nicht von der Gesindeordnung oder der Dienstbotenfrage gesprochen, sondern nur erklärt habe, datz sie sich den die Aoschaffung der Gesindeordnungen fordernden Ausführungen von Frau Deutsch in dieser Hinsicht anschließe'. (Also hat Frau F. doch von der Gefindeorduung gesprochen. Und wie sie zur Frage der Reichsgesindeordnung steht, wird durch diese Berichtigung nicht klarer.) Weiter hat Frau F. das Einküchenhaus .nicht allgemein, sondern nur für gewisse günstiger gestellte Schichten empfohlen'. Hus aller Kielt. Nach preußischem Muster. An der Universität zu R o ch e st e r im Staate N e w D o r k ist der Professor K. P. S h e d d gemaßregelt worden. Er hatte in einer Versammlung gesagt, daß die r o t e F a h n e. als Sinnbild der allgemeinen Bruderliebe, über allen Landesfahnen stehen müsse. Darauf verbot ihm der Bürgermeister, je wieder in einem öffent- lichen Gebäude der Stadt zu sprechen.«lS da» Labor Lyceum (Arbeiterschule) sich über da« Verbot hinwegsetzt« und in einer seiner seit Jahren regelmäßig im RathauSsaale abgehaltenen SonntagSver- sammlungen Shedd sprechen ließ, wurde e» gleichfalls hinan»- gewiesen. Die Folge waren große Protestversammlungen, in denen Shedd sprach und viele Mitglieder gewonnen wurden. Jetzt wird berichtet, daß Shedd, der seit 21 Jahren an der Universität moderue Sprachen lehrt und in wenigen Jahren pensionsberechtigt gewesen wäre, seinen Abschied erhalten hat. Der Direktor der Universität erklärte, er wisse, daß noch mehr Sozialisten unter den Professoren seien, doch gingen diese nicht an die Oeffentlichkeit.— Die Universität ist eine private Stiftung, die von den reichsten Leuten der Stadt unterhalten wird. Sie, die sich immer öffentlich ihre gemeinnützige Gesinnung bescheinigen lasten, namentlich ein großer katholischer Geschäftsmann, der schon lange gegen Shedd arbeitet, haben seine Entlassung zu Werke gebracht. Schon vor einer Reihe von Jahren ließ R o ck e f e 1 1 e r von der von ihm ge- stifteten Chicagoer Universität einen Professor, weil er die Trusts bekämpfte, wegjagen. Am schönsten ist, wie bei uns, die Haltung der.Kollegen'(in Rochesier sollen gar Genossen darunter sein), die derartige Attentate auf die Geistesfteiheit in der Republik ohne Gegenwehr hingehen lassen. Man sieht, die vom Großkapital geknechteten amerikanischen Universitäten sind der Ehre, mit den nicht minder geknechteten preußischen in einem besonders innigen Ber- hälmis zu stehen, würdig._ Massenvergistuugen in der Mainzer Garnison. Am Sonnabendabend erkrankte in der Kaserne de? 2. Nassauischen Jnfanterie-RegimentS Nr. 83 in M a i n z ein Teil der Mannschaft nach dem Genuß von Bratfischen an äußerst schmerzhaften Vergiftungserscheinungen. Das Krankheitsbild war in allen Fällen daS gleiche. Es stellten sich Uebelkeit und Erbrechen ein sowie die üblichen Symptome einer schweren Ptomainvergiftung. 24 Infanteristen befanden sich in einem derart bedenklichen Zustande, daß die sofortige Ueberführung in das Garnisonlazarett angeordnet wurde. Im Laufe des Sonntages wiederholten sich bei 18 Mann dieselben gefährlichen Krankheits« erscheinungen. Am Montag wurden abermals sechs Soldaten ins Lazarett gebracht. Die Leute wurden gleichfalls in das Lazarett gebracht. In dem Zustand der 43 Infanteristen ist bisher keine Wendung zum Bessern eingetreten. Mehrere Mann ringen mit dem Tode. Sonderbarerweise hat die Militärverwaltung über die Erkrankungen der Garnison Mainz bis jetzt strengstes Stillschweigen bewahrt. Wie verlautet, sollen die Fisch- konserven von einer Hamburger Fisch- und Fleischkonservenfabrik bezogen worden sein. Meine Notizen. Der Herr Pfarrer ist verreist! Durch eine Revision der vor' gesetzten Behörde bei dem Pfarrer Z i e l o n k o w s k y aus dem oberschlesischen Pfarrort Kalvarienberg wurde em Fehl- betrag von 14000 Mark sestgestellt. Zielonkowsky ist am 2. März nack der Schweiz abgereist. Sieben Menschen verbraunt. In der franzosischen Ortschaft Objat brach in der letzten Nacht Feuer aus. dem mehrere Hauier zum Opfer gefallen sind. Sieben Personen, die in den Häusern schliefen, wurden von den Flammen überrascht und sind ber lebendigem Leibe verbrannt. Die Ursache des Feuers führt man auf Brand st iftung zurück. Absturz eines Fliegers. Auf dem Flugplatze von M r r a s, o r r ist der italienische Aviatiker Freschi aus einer Höhe von 30 Metern abgestürzt und war sofort tot. Schweres Automobilunglück. Im Walde von Fontainebleau ber Paris stürzte am Sonntag ein Automobil in einen Straßengraben und begrub die sieben Insassen unter sich. Der Motor explodierte und eine Frau namens I a n V i e r konnte nur a 1 s völlig verkohlte Leiche hervorgezogen werden. Die übrigen sechs Reisenden erlitten schwere Verletzungen. Grubenunglück in Transvaal. Im Bergwerk von S i m m e r Jack fand der Zusäwmenbruch eines Ouerschlages durch herab- stürzendes Gestein statt. Sechs schwarze Bergarbeiter wurden getötet, ein weißer Arbeiter schwer verletzt. Wasierftands-Rachrichte» der LandeSanstall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Bervner Setterbureau. Wasierstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor , Krossen , Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Berby , Magdeburg >)+ bedeutet Such»,— Fall.—*) Unterpegel.—•) Eisftand. —©»treiben. | Todes-Anzeigen| SozialdemofrMerWalilyereii) für den 4. BerL Reiensta�Walteis. (Sörlitzet Viertel). Bezirk 220 1. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer Wilkelm Rarnp Forster Str. 58 gestorben ist. Ehre seine« Zlndenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den S. Marz, nach- mittags 2 Uhr, vom Kranken- Hause am Urban, um Ubr aus dem Zentral- Friedhos in Friedrichsseide statt. Um rege Beteiligung ersucht Iber- Vorstand. Deutseher Bauarbeiter-Verband Zwelgvereln Berlin. Am 3. März verstarb unser langjähriges Mitglied Wilvetm Rarnp (Bezirk Südost). Ehre seinem Andeute«! Die Beerdigung findet am Mitt- ivoch, den 6. März, nachmittag» 2 Uhr, vom Urban-Krankenhause au» statt. Die Beiietzung ersolgt um S'l, Uhr aus dem städtischen Friedhose in Friedrichsfelde. Um rege Beteiligung ersucht 137/tl Der Borftauv. Zentraiverliand der freien Händler und yerw.Berufsg.Deuiseblands. (Sitz Essen-Nubr.) Ortsvcrwaltung Berlin. Den Mitgliedern die traurige Atttieilung, daß der Branchenlciter der Obst- und Gemüsehändler, der Kollege Ulbert(Zericke am 1. d. Mi», verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. d. Ml»., nachmittag» 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zeniral-Friedhoses in Fnedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 383b Die Ortsverwallung. Somldemokrat Mim Köpenick. Den Parteigenossen zur Nach- richi, daß am Sonnabend, nach mittags 5'/, Uhr, der Genosse Zigarrenarbeiter Paul Kahle verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Tie Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht 201,11 Der Vorstand. SozialdeniokratiscIierWatilvereln des 6. Herl. Reiclistags-Wahlkreises. Todesanzeige. Am 3. März verstarb unser Genosse, der Vergolder Friedrich Linke Schiv elb einer Str. 41. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des städtischen Friedhofes in Friedrichiselde au» statt. Um rege Beteiligung ersucht Hör Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur NachAcht, daß unser Kollege, der Vergolder Fritz Linke Schivelb einer Str. 41, im Atter von 43 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. März, nach. mittags 5 Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhose» in Friedrichs- seide aus statt. No da! gliedern sei iß unser Kol znr liege, der Den Mtglledern ferner achrick Tischler Martin Klepping Lohmühlenstr. 58/69, im Atter von 51 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Treptower Gemeinde, Friedhoses in der Reuen Krug-Allee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 80,3 Die Ortsvcrwaltung. Allen Verwandten, Freunden wie Bekannten die traurige Nach- richt, daß am Sonntag, den 3. März, mein mniggeliebter Man» und unser tteusorgender Vater, der Rabitzputzer Lmil Derlei uach kurzem Krankenlager ge. starben ist. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Frau Emilie Derlei nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. März, nach- mittags i'l, Uhr, vom Trauer- Haufe in Zepernick bei Bernau, Dorsstr. 7, aus statt. 137,13 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unserer unvergeßlichen Tochter Gertrud Sangrerhaasen sagen wir insbesondere der Firma R. Flume und deren kausmännisckem Personal, dem Jugendklub ehemaliger 117. Gemeindeschülerinnen, sowie allen Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. 22262 Familie E. Sangerhausen Deutseher Bauarbeiter-Verband Zwelsrvereln Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranche. De« Kollegen zur Nachricht. daß unser langjährige» Mitglied und früherer SenionSkasfierer, der Rabitzputzer Derfel im Alter von 52 Jahren, am 3. März an Mittelohrvereiterung und Gehirnhautentzündung ge- storbe» ist. Ehre seine« Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. März, nachm. 4'/, Uhr. vom Trauer- Hause in Zepernick bei Bernau, Dorfittaße 7, aus nach dem Ge< meinde-Friedhof statt. Um rege Beteiligung ersucht 137,12 Oer Sektionsverstand. Am 29. Februar»ersta.i» Plötz- lich mein lieber, unvergeßlicher Mann, der Metallarbeiter 2227L Panl Kanl. Die trauernde Witwe Anna Kaul. Die Beerdigung findet heute, am Dienstag, den 5. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de» Zions- Kirchhofes in Nieder- schönhausen au« statt. Nach schwerem Leiden enischlies am Sonnabend mittag um 12 Uhr unser lieber Bruder, Schwager und Onlel Martin Kleppinx Lohmühlenstr. 58,59. Die Beer digung findet am Mittwoch, den 6. Mörz, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de» Trch>tower Kirchhoses, Neue Krugallee au« statt. 380b SozialdemoMscherWahlyerein Groh-Lichterfelde. Am Sonntag, den 3. Mörz, ver- starb nach kurzem Leiden unsere Genossin Änna Gemmerer geb. Mentzel Verlängerte Wilhelmftr. 28. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. März er., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Friedhose« Langestraße aus statt. 201,10 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. . I. S teppdecken Speziaihaus EmilLefevre oranienslr. 1S8. Steppdecken (Seidenerstz.) WM 2r ■ bord., i°°di- ir (seFuP|)i25bis 2500 iaiineDdeckeii 2500 dt- 12500 Sehlalileeken r � 48°° Spezial» Katalog 650 Abbildungen gratis franko. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄJTu 10— 2. 5— 7. Sonntags 10—12. 2— 4. Tätowierung rnifemt Dr. Scbttncmann, Sprzialarzt für Hautkrankheiten, Berlin S., Dronienftr. 139. Verspätet! Für die Bielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« Innigsigeliebten Manne», de» Schrisi. sctzer» Ernst Wclnhold sage ich hiermit meinen besten Dank. Berlin 0., 3. Mär, 1912. Minna Weinhold _ geb. Sekaruppe. Ohne inzahiung vergebe diSlret Wäsche, Gardinen, Store», Portteren, Teppiche und Decken beilleinen Monatsraten. Keine Kassierer I Offerten, mit Angabe der Besuchszeit, unter H 1 Haupt, expeditton des.Vorwärts'. 248b' Möllmanns Sandagen Oefcbäft, neblt Hrtihcl zur Gesundheits- u. Krankenpflege, /erbandstolfe, Gummiwaren etc. Berlin H., Lothringer Str. KD. Lielerant für Krankenkassen Eigene Werlstatt. BHnrrnn Mnrlnni 'ertlg u. nach Mass von 1 Mark wöchentliche Teilzahlung S.Boltuch Frankfurter Allee 75 Eingang TilsiterStrasse fößCi/ß&tC&U' Zar Einsegnung! Anzüge aus schwarzen Kammgarnstoffen 14, IT, 19, 21 25, 28, 40 m. Anzüge aus dunkelblauen Cheviotstoffen 16, 18, 20, 24 28, 32, 36 60 Priifungs-Anzüge in grüBler Auswahl. HLSchnlmeister BERLIN SO. 26, Dresdenerstr. 4 Sonntaes Verkauf nur von 11»— S Uhr. fHaut-uHarn-f leiden, Ehrlich- Hata, Schäden d. Qaecksilb.— Konsultation frei! Blutuntersnch.. Fäden im Harn, etc. !! Teilzahlung gestattet!! Dr.lniewKÄÄ.� a.d.Hochb. Spr 3-2, 44(,Sonnt.1 1-12. Frack- Verlelh-Instltnt Frack-, Kehrock-, Smoking-Anzüge, für jede Größe passend, in großer Aus. �rS. BeifKaetOorebardt, Friedrichstr IIS l,a. Oranienburg.Tor. Tel Nord 7402. Stolle für eleg. Maßanzüge, vieler, Paletots, Damenkostüme Mir. 3— 4,— 6,— 2R. Tuchlager Koch& Seeland G. in. b. H. Gertraudtenstr. 20-21, s challplatten Verleih- Institut.~ Auch nach auswirts. Prosp. gratis.{ Karl Borbs, Berlin 6U Nene Könlpstrasae 38. Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69(Laden). Soeben erschien: 246/20 Dir njfrtjunmdjöftfufr. Reichsgesetz vom 14. Februar 1911. Von Albert Südekam. (Heft 12 der Sozialdemokratischen Gemeindepolittk.) (Preis 1 M. Vereinsausgabe 40 Pf. Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei n. Verlagsanstalt Paul Singer u. Eo., Berlin SW. Hr. 54. 29. Jahrgang. I jßtilW des.Amiick" Knlim WsdlM. Dienstag, 5. Mar; l91Z. Sie SemeiiKleutthIbewegimg. Tegel. Morgen, Mittwoch, den k. März, finden di« Er- satzwahlen zur Gemeindevertretung statt. ES ist in jedem Bezirk ein Ansässiger zu wählen. Die Wähler des 1. Wahlbezirks wählen im kleinen Saal des „TuSkulum am Tegeler See", Hauptstraße 17a. Kandidat ist Genosse Ernst Rentner. Die Wähler deS 2. Wahlbezirks wählen im Saal des Lokals „Bellevue", Spandauer Straße 2. Kandidat ist Genosse Karl R a d u n z. Parteigenossen! Von der Bürgermeisterpartei werden die größten Anstrengungen gemacht, um uns die Mandate streitig zu machen. Jeder gehe so früh wie möglich zur Wahl! Die Wahlzeit ist von 12— 7 Uhr. Erkner. In einer gut besuchten Versammlung referierte am Sonnabend Stadtverordneter Genosse Dupont über das Thema: „Die Notwendigkeit der Sozialdemokratie in den Gemeindever- tretungen." Redner legte den Versammelten dar, wie notwendig ei ist, daß die sozialdemokratischen Kandidaten der 3. Klasse, die Ge- nassen Th. Steinborn und A. Henze, als Vertreter der Arbeiterschaft am Mittwoch, den 6. März.�in das Ge- meindeparlament geschickt werden. Unter keinen Umständen dürft einem gegnerischen Kandidaten die Stimme gegeben werden, da dieselben hauptsächlich die Interessen der Grundbesitzer ver- treten. In der Diskussion suchten zwei Herren als Vertreter des Bürgervereins das Gegenteil zu beweisen, sie erhielten aber durch verschiedene Diskussionsredner, sowie durch den Referenten eine glänzende Abfuhr. Die Versammlung klang dahin aus, alles daran zu setzen, den sozialdemokratischen Kandidaten morgen am 6. März zum Siege zu verhelfen. Die Wahl findet von vormittag» 11 Uhr bis nachmittags 7 Uhr statt. Genossen, sorgt für ein« rege Wahl- beteiligung und macht namentlich Kollegen, die in Erkner wähl- berechtigt sind, auf die Wahl aufmerksam. PeterShagen. Die Wahlen zur Gemeindevertretung finden am Sonntag, den 10. März, statt. Die Ersatzwahl in der Z. Klasse für den verzogenen Genossen Stimming erfolgt von 1 bis 3; die regelmäßigen Ergänzungswahlen erfolgen für die 3. Klasse von 3 bis S, die 2. Klasse von 5 bis 6 und die 1. Klasse von 6 bi» 6% Uhr nachmittags. Für dft Ersatzwahl ist von der Sozialdemokratie Genosse Paul Kranich, für die ErgänzungS- Wahl in der 3. Klasse Genosse Ferdinand Hermerschmidt auf- gestellt; in der 2. Klasse kandidiert Genosse Max Racko. An der Arbeiterschaft liegt es nun, dafür zu sorgen, daß diese drei sozial- demokratischen Kandidaten auch gewählt werden. Martenfelde. In einer von zirka 250 Personen besuchten Ver- smUmlung unter freiem Himmel behandelte Genosse K l ü tz das Thema:„Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Gemeinde." Empörend nannte der Referent den Zustand, daß in unserem Ort vier Wähler der 1. Klasse genau soviel Recht haben, wie 593 Wähler der 3. Klasse. Wie der Kampf um da» allgemeine, gleiche Wahl» recht zum preußischen Abgeordnetenhaus geführt wird, müsse er auch um die Vertretung des arbeitenden Volkes in den Gemeinden geführt werden. Der Vortrag wurde mit reichem Beifall auf. genommen. Die Gegner hatten nicht den Mut, sich an der Tis- kussion zu beteiligen, trotzdem sie in großer Zahl den Platz um- kreisten. Hierauf ergriff unser Kandidat, Genosse Fritz G r e u- l i ch, das Wort, der an einigen Beispielen zeigte, wie notwendig eS ist, daß die Arbeiter einen Vertreter in das Gemeindeparlament wählen. Vor 10 Jahren schon sei es einmal gelungen, einen Ver- treter durchzubringen, damals seien die Gegner überrascht gewesen, weil sie auf eine Beteiligung der Arbeiterschaft nicht gerechnet hatten. Den größten Vorwurf, den man unserem damaligen Ver- treter gemacht habe, sei der gewesen, daß er für die Aermsten der Armen, für die Einwohner unsere» Armenhauses, eingetreten sei. Es habe erst eines Artikels im„Vorwärts" bedurft, um die bürger- lichen Vertreter an ihre Pflichten zu erinnern. Nachdem der Vor- sitzende. Genosse Seiler, noch die Anwesenden aufgefordert hatte. am 7. März voll und ganz ihre Pflicht zu tun, schloß er mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Partei die Ver- sammlung. Hohen-Schönhausen. Ueber die Kommunalpolitik und ihre Aufgaben referierte in einer am Freitag stattgefundenen, zahlreich besuchten Wählerversammlung Stadtverordneter Genosse Dr. A. Bernstein. Dem Vortragenden wurde für seine von großer Sachkenntnis zeugenden Ausführungen reicher Beifall gespendet. In der hierauf folgenden Diskussion beteiligte sich u. a. ein Herr Dr. Goldberg sowie ein Herr Joh. Rein, letzterer glaubte bcson- derS Ursache zu haben, an dem Verhalten der sozialdemokratischen Vertreter Kritik zu üben, weil sie nicht immer nach dem sozial- demokratischen Kommunalprogramm gehandelt hätten. Gegen Herrn Rein schwebte das Ausschlußverfahren aus der Partei; einem Schiedsspruch kam der Herr zuvor, indem er vor 14 Tagen seinen Austritt aus der Partei erklärte. Ihm sowohl, wie auch dem bür- gcrlichen Herrn Dr. Goldberg wurde von den Genossen Obermeicr, Hinze, Gcmeindevertreter Thiele u. a. unter dem Beifall der Ver- sammlung gedient. Mit der Aufforderung de» Vorsitzenden, bis zum Tage der Wahl, Sonntag, den 10. März, für den Sieg der sozialdemokratischen Kandidaten zu aaitieren, wurde die Ver- sammlung in vorgerückter Stunde geschlossen.— Die Wahl selbst findet von 12 bis 6 Uhr nachmittags im Lokal von Rehher, Berliner Straße 93, statt. Tempelhof. Eine öffentliche, leider nur mäßig besuchte Ver- sammlung beschäftigte sich am Donnerstag mit den bevorstehenden Wahlen zur Gcmeindevertrewng. Stadtv. Genosse P o l e n s k e- Neukölln referierte über:„Die Bedeutung der Gemeindewahlen." Gestützt auf unser Kommunalprogramm und an der Hand prakti- scher Beispiele wie» der Referent nach, wie viel in der Kommune noch zu tun wäre im Interesse der Allgemeinheit.— Im Bericht der Gemeindevertreter gab Genosse Max Schmidt ein Bild von der Rückständigkeit der bürgerlichen Vertreter, die alle unsere An- trägejrbgelchnt haben. Scharf kritisiert wurde auch das Verhalten des Syndikus unserer Gemeinde, der in bürgerlichen Vcrsamm- luwgen gegen die Wahl sozialdemokratischer Gemeindevertreter agitiert.— Genosse Jrrgang schloß die Versammlung mit dem Wunsch, daß auch bei der Gemeindewahl den Gegnern eine solch« Niederlage bereitet werden möge wie bei den letzten ReichStags- wahlen. Wahlergebnisse. Pankow. In der am Sonntag stattgefundenen Gemeinde- Vertreterwahl wurden im I. Bezirk die Genossen Eichler und Tengler mit 1132 bezw. 1124 Stimmen gegen 719 bürgerliche gewählt: Im II. Bezirk erhielte» Genosse Otto Schmidt 1137, Genosse Gaß mann 1140 Stimnien, während es die Bürgerlichen nur auf 327 Stimmen brachten. Trotz der von den Bürgerlichen ge» machten großen Anstrengungen— sie hatten von früh an 6 Auto» in Betried— dürfte ihnen klar geworden sein, daß in der HI. Ab« teilung keine Lorbeeren mehr zu holen find. Weihensee. Bei verhältnismäßig schwacher Beteiligung Vollzogen sich am Montag die Gemeindeverordnetenwahlen der dritten Abteilung. ES erhielten die Genossen Fuhrmann 767, Schlemminger S73 und Taubmann 782 Stimmen. Gegenkandidaten waren nicht aufgestellt. Mariendorf-Südende. Bei der am Sonntag stattgefundenen Vemeindewahl wurde Genosse Reichardt mit 1005 Stimmen gegen 15 Stimmen, die sich im ganzen auf 5 bürgerliche Kandidaten. vereinigten, gewählt. Der frühere Vertreter der dritten Klasse. Herr Herzberg, bekam die stattliche Zahl von 6 Stimmen. Die Wahl- beteiligung am Sonntag war eine größere als früher, sie betrug rund 35 Proz. gegenüber 28 Proz. bei der vorigen Wahl. Es zeigte indessen der kurz vor 2 Uhr starke Andrang, daß die Wahlzeit hätte länger ausgedehnt werden müssen, wodurch zweifellos eine noch stärkere Beteiligung eingetreten wäre. Wir können mit dem Er- gebnis zufrieden sein. Die dritte Klasse ist sicherer Besitz der Sozial» demokratte. Drewitz. Die am Sonnabend, den 2. März, hier stattgesundene Gemeindewahl brachte unserem in der dritten Klasse aufgestellten Kandidaten Genossen Gustav Hintze den Sieg über den Gegner, auf den 58 Stimmen entfielen. Von 225 eingeschriebenen Wählern hatten 125 ihr Wahlrecht ausgeübt. In der zweiten Abteilung übten von 66 eingeschriebenen Wählern 50 ihr Wahlrecht auS. Hiervon erhielt der sozialdemokrattsche Kandidat Genosse Otto Haseloff 24, sein Gegner Mühlenbesitzer Hönike 26 Stimmen. Hätten noch vier fehlende Arbeiter ihr Wahlrecht ausgeübt, so wäre unS auch in dieser Klasse der Sieg zugefallen. In der ersten Klasse wurde der Tischlermeister Seidler al» Ver- tretet ernannt. Eichwalde. Bei der am Freitag stattgefundenen Gemeindewahl erhielt der bürgerliche Kandidat, Milchhändler B e u t l i n g— nicht Lautling wie es irrtümlich im Bericht in der SonntagSnummer des „Vorwärts" hieß— nicht 196, sondern 136 Stimmen gegenüber dem sozialdemokratischen Kandidaten Genossen König, auf den 96 Stimmen entfielen. Röntgental, Zepernick, Schönow. Bei der am Sonntag statt« gefundenen Gemeindevertreterwahl der dritten Klasse erhielten von 161 gültigen Stimmen der Kandidat der Sozialdemokratie Genosse Eranz Lange 96, der Kandidat der Grund« und Bauernbefitzer, err Olitzka, 64 Stimmen. Mithin ist Genosse Lange gewählt. Partei-£Inge!egenKeiteti. Steglitz' Am Mittwoch, den 6. März, abends von 6 Uhr an, findet im 8., 9., 10., 11., 12. Bezirk von den Bezirkslokalen au» Handzettelverbreitung statt. Am Donnerstag, den 7. März, abends«>/, Uhr, bei Bredereck, Südende, Lickilerfelder Str. 13: Oeffentliche Versamm« l u n g. Die Einwohner de« 2. GemeindewahlbezirkS(oft« lich der Bahn) sind hierzu besonders eingeladen. Die Versammlung wird sich mit der bevorstehenden Gemeindewahl beschäftigen. Referent: Genosse Leimbach. Die Genossen, die bereit sind, am Montag und Dienstag nächster Woche sich den ganzen Tag für Gemeindewahlarbeiten zur Ver« fügung zu stellen, werden ersucht, heute abend um 8>/, Uhr sich bei Schellhase, Ahornstr. 15a, einzufinden. Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Heute, Dienstag, abends 8l/3 Uhr, im Wik« helminenhof: Oeffentliche Gemeindewäblerversammlung. TageS« ordnung: Die Bedeutung der Sozialdemokratie in der Gemeindever- tretung. Referent: ReichStaaSabgeordneter Genosse Stolle. Auf- stellung des Kandidaten zur Gemeindevertretung. Erscheint zahlreich. Die Bezirksleitung. Karlshorst. Dienstag, den 5. d. M., abends 8'/, Uhr: Mitglieder- Versammlung im Restaurant.Fürstenbad', Jnh. Bartels. I.Vortrag: .Sozialdemokratie und Gememdepolitik". 2. Diskussion. 8. Mit« teilungen. Die Bezirksleitung. Biesdorf. Mittwoch, den 6. März er., abends 8'/, Uhr: Extra- Zahlabend bei Gustav Berlin, Marzahner Str. 24. Die Bezirksleitung. Spandau. Am Mittwoch, den 6. März, abends 8'/t Uhr, findet bei Madetzki, BiSmarckstr. 8, der dritte VorttagSabend de» Genossen W. Pieck-Berlin über: Deutsche Geschichte de» 19. Jahrhunderl« statt. Behandelt wird die Zeit vom Wiener Kongreß bis zur Grün« dung deS deutschen ZollverernS sl81ä— 1834). Beteiligungskarten sind im BortragSIokal zu haben.. Der BildungSauSschuß. Weißensee. Zu den am Donnerstag, den 7. März, nachmittag» von 5—7 Uhr in HeinerSdorf stattfindenden Gemeindewahlen der dritten Abteilung wird am heutigen Dienstag eine Flug blattv erb reitung vorgenommen, an der auch die Genossen WeißenseeS teilnehmen müssen. Treffpunkt abend» 7 Uhr bei Raddatz, TiniuSstc. 60.— Am Tage der Wahl sDonnerStag, den 7. März) müssen die Genossen der e r st e n und sechsten Ab« teilung Wahlhilfe leisten. Treffpunkt spätestens 6 Uhr abend» im selben Lokal. Genossen sorgt dafür, daß auch die HeinerSdorfer Gemeinde einen sozialdemokratischen Vertreter bekommt. Der Vorstand. Hohenschönhausen. Heute Dienstag, abend» 8'/t Uhr: Mitgliederversammlung bei Reyher. Der Vorstand. Berliner JVacbrlcbtena Frauen mit vor die Front! Nein— sie wollen nicht mehr abseits stehen und beiseite geschoben sein. Das Schlagwort von der„Evastochter, die für das Haus gerade gut genug ist," hat seine versauernde, geistlähmende Wirkung verloren. Der Versammlungssaat ist längst nicht mehr dos Agitationsfeld nur des stärkeren Ge- schlechts. Große öffentliche Volksversammlungen, in denen es um Menschenrechte geht, sind ohne tebhafte Beteiligung von Frauen nicht mehr denkbar. Und von dem Programm der wirtschaftlichen und politischen Freiheit der Frau war zur neuen Erscheinung der eigenen Frauenversammlung kein weiter Schritt. Da draußen beim„Zoo" unter himmlischer Instrumental- beiglcitung der waschechte Typus der nach dem Nuhmesgemüse schielenden, aus Ehrgeiz oder Zeitvertreib soziapolisierenden Geheimrätinnen, verarmte Edelssprossen, die allenfalls die hohle Nährbrust der Kunst für standesgemäß halten, eine Hochflut aufgeplusterter Wohltätigkeitsfeen, denen die Näch- stenliebe zun: guten Teil als einträgliches Geschäft gilt, ele- gante Mondainen und Reformdamen, die überall zu finden sind, wo man sein eigenes liebes Ich mit blendenden Toiletten, wallenden Pleureusen, blitzendem Schmuck in Parade vor- führen kann,— alles Repräsentantinnen jener Kreise, auf die, auch wenn sie die schönsten frauenlobendcn Schalmeien blasen, das Arbeiterproletariat mit höchstem Mißtrauen sehen mutz. Und hier und da und dort in den sozialistischen Frauenver- sammtungen am letzten Sonntag als lebendiger Massenprotest nur das Weib als solches in proletarischer Reinkultur, nur erfüllt von dem einen Gedanken, das schafsende, ringende, ausgesogene weibliche Geschlecht von der wirtschaftlichen Schmach des Jahrhunderts zu befreien,— fast nur Frauen und Mädchen, denen trotz der sonntäglichen Kleidung der Kampf um die Existenz heckenrosig auf den schmalen Wangen, in tiefen Runzeln auf den verarbeiteten Händen gezeichnet steht. Keine Autos mit galonierten Dienern, kein Festessen und Byzantinergesänge sind nötig zur Staffage. Das Volk strömt in Scharen auf Schusters Rappen herbei, amüsiert sich über die Furcht der Polizeihelden auf der Straße vor einer — Frauenrevolution. Eine Heeressäule ist es, getrennt marschierend von dem, was im feindlichen Lager„die Dame in Haus und Beruf" vorstellt. Lange vor der festgesetzten Zeit sind die Riesensäle bis auf den letzten Platz gefüllt. Frau Sorge macht an den Tischen mitteilsam die Runde, aber wenn die Referentin des erste zündende Wort spricht, sind unsere Frauen keine sprichwörtlichen Evastöchter mehr, nur noch kampffrohe Mitstreiterinnen um den grünen Baum des Lebens, um die Sonne der Freiheit. Atemlos hängt die Frauenwelt des Proletariats am Munde der Rednerin. Man fühlt, man weiß es... von da oben sprudelt der Quell, der das Weib in seiner Abhängigkeit verjüngen soll. Und da unten, wo in vibrierender Erregung das wahre Volk sitzt, ist kein aalglattes Bürgerparkett. Da will man keine konventio- nellen Lügen, keine schimmelnden Phrasen, keine gelehrte theoretische Wohlfahrtsmusik hören... nein, nur die grelle Wahrheit, die dem Proletarierweibe die Blutwelle der Em- pörung ins Gesicht schlägt und das Gelöbnis der Selbstbe- freiung aus dem Sumpf der Hörigkeit zum Kapitalgötzen tausendstimmig entfacht. Ja, sind denn das wirklich die Frauen, die daheim den Kochlöffel schwingen und die Kinder tn den Schlaf wiegen? Doch, sie sind es. Vielleicht weniger noch aus dem Selbsterhaltungstrieb als aus den goldenen Idealen der Freiheit haben sie die Berechtigung und die Kraft gesogen, mehr zu sein als bloß dem Manne die Frau, dem Kinde die Mutter. Und wer zum erstenmale die politisch reife Frau des Volkes auf dem Turnierplatz um Fraucnrechte sieht, dem muß ein Licht aufgehen, daß das Jahrhundert nicht seine Mitte erreichen wird, ohne dem am Webstuhl unserer Zeit schaffenden Proletarierweibe den Sieg zu künden. Bei„Fräulein Berolinchen". Unser alter, vertrauter Rathausturm hat dicht neben sich empfindliche Konkurrenz bekommen. Wer will denn heut« noch die qualvollen 403 Stufen zu seiner luftigen Höhe schwitzend und stöhnend emporkraxeln, wenn man es in dem neuen Stadthause durch Meister Hoffmanns fürsorgliche Künstlerhand so bequem hat mit dem Hinauffahren? Wir betreten das schöne Vestibül an der Jüdenstraße, werfen rasch einen neugierigen Blick in die großartige„Stadthalle" mit dem Postament des schreitenden Bären und lassen uns im mollig gepolsterten Fahrstuhl in wenigen Sekunden bis zur Tachhöhe bringen. Drei Schritte nach links nimmt uns das imposante Turmgewölbe auf. Man hat schon von der Straße aus ehrfürchtige Bewunderung vor der massigen Wucht dieses Achtsäulenbauwerks, aber hier oben ist man perplex von den Größenverhältnissen, noch mehr von der sinnreichen, eigenartigen Konstruktion der Fundamente, die das kolossale Gewicht des Turmes tragen. Die riesigen Mauern sind innen zum Teil ungeputzt, aber der Erbauer hat absichtlich diesen Rohbauzustand gelassen, um Kennern die Konstruktion besser zur Anschauung zu bringen. Rings herum stehen in halber Größe die Modelle der außerhalb des Turmes auf die Weltstadt herabschauenden Sandsteinfiguren. Von den Wänden hängt noch Tannengrün, das letzte Zeichen der gläsererhebenden Einweihungsfeier, die hier erst unlängst beim strahlenden Scheine von acht elektrischen Bogenlampen im traulichen Kranze magistratlicher Honoratioren stattfand. Acht große Blumenkästen sollen im Sommer mit den Kindern Floras gefüllt werden, um das Nüchterne der kahlen Mauern etwas zu verwischen. Vorläufig duftets noch nach Kalk und Farbe. Nach kurzem Umblick gilt unsere besondere Aufmerk- samkeit dem fast zierlichen, mit elektrischen Glühbirnen tages- hell erleuchteten Treppenbau, der neben einem zweiten Fahr- stuhl den Weg weist zur ragenden Kuppel. Und die 200 drei- ten hölzernen Wendelswfen steigen sich so wunderleicht, daß junge Beine ruhig auf die elektrische Höhenfahrt verzichten dürfen. Kann man doch in den einzelnen Stockwerken Station machen und von den Turmgemächern durch die aller- dings geschlossenen Fenster Umschau halten auf Stadt und Land. Immer näher rückt das Freilicht-Boudoir„Fräulein Berolinchens", wie der Spreewitz die Kuppeljungfrau mit dem Fllllhorn getauft hat. Frische Luft weht uns entgegen, wir treten auf die offene schmale Galerie, etwa 20 Meter unter der höchsten Spitze. Noch ist hier oben alles neu und wie unberührt. Der Turmwächter hat mit Recht strenge An- Weisung, jeden Schmierfinken, der sich an den weißgetünchten Wänden mit seinem Namen verewigen will, wegen Sach- beschädigung zur Anzeige zu bringen. Um diesen Unfug ab- zugewöhnen, liegt ein Buch zur Einzeichnung aus. Wer Talent dazu hat, kann also auch poetisch werden. Ob der Rundblick vom„Roten Hause" oder vom„Stadthause" wir- kungsvollcr ist, soll Geschmackssache bleiben. Auf dem alten Rathausturm, dessen Besteigung möglicherweise ganz einge- stellt wird, hat man eine bessere Umschau auf das Straßen- gewühl unter sich, während das neue Wahrzeichen mitten in den Resten Alt-Berlins aus der Vogelperspektive anziehender ist durch den verschrobenen Wirrwarr seiner aneinander- geklebten halbverfallenen Baulichkeiten und durch die Nähe der Spree. Vor wenigen Wochen war von hier aus die glitzernde Eisfläche des größten märkischen Sees mit den de- schneiten Mllggelbergen bei völlig klarer Winterluft ganz prächtig zu sehen, wenn nicht gerade die Schwaden der Groß- stadtschlote das Ferngemälde zerrissen. Bis jetzt ist der Einzclbesuch auf dem Stadthausturm sehr spärlich gewesen. Offenbar weiß das Publikum noch zu wenig, daß der Aufsfieg versuchsweise auch im Winter, am Montag und Donnerstag von 8 bis 3 Uhr sogar unentgeltlich gestattet ist. An den übrigen Wochentagen wer- den zu derselben Zeit pro Person 20 Pf., einschließlich Fahr- stublbenutzung, erhoben. Sonntags ist die Besichtigung nicht angängig. Kinder unter 14 Jahren haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. Vereine haben sich schon zahlreicher angemeldet, den Schulen dagegen scheint diese Gelegenheit, eine bauliche Sehenswürdigkeit kennen zu lernen und gleich» zeitig über dem Menschengewimmel zu weilen, noch nicht ge- läufig zu sein. Man versäume auch nicht die Besichtigung der im vollen Sonnenlicht oder bei brillanter Deckenbeleuchtung ihre ganze Eigenart zeigenden, zu ebener Erde gelegenen Stadthalle._ Auch ein„Spielplatz". Zu dem Streit um die Spielplätze fürGroß-Berlin haben wir schon ausgeführt, daß die Angaben des Berliner Bürger- meisters Reicke ebenso mit Vorsicht aufzunehmen sind, wie die Behauptungen der Gegenpartei. Der Herr Bürgermeister hat in seinem Eifer, die Stadj Berlin zu verteidigen, allerlei in fem Rechenex«mpel mit eingeseht, waZ bisher kein Mensch zu � den vollwertigen Spielplätzen gezählt hätte. Das Tollste ist, daß er unter anderem auch S3 Hektar, die er aus„Plätzen und platz- artigen Straßenflächen" zusammenaddiert hat, in unverzeihlicher Naivität als„Spielplätze" bucht. Aber selbst bei den wirklichen Spielplätzen, die Berlin für die Jugend geschaffen hat, ist die Möglichkeit der Benutzung manchmal so ringe- schränkt, daß man auch hier kaum noch von einer nennens- werten Spielgelegenheit reden kann. Ein ganz sonderbarer„Spielplatz" präsentiert sich uns im Plänterwald. Während der im vorderen Teil dieses Wäld- chenS gelegene ältere und kleine Spielplatz uneingeschränkt benutzt werden darf, bleibt im mittleren der neuere, sehr große und land- schaftlich reizvolle Spielplatz das ganze Jahr hindurch den zahl- reichen Besuchern des Plänterwaldes versperrt. Nur der Kiesweg, der im Kreisrund sich um den Platz hinzieht, darf vom Publikum benutzt werden. Der Rasen aber ist im Sommer wie im Winter in seiner ganzen Ausdehnung mit Stricken umzäumt, die jedem Spaziergänger den Zutritt wehren. Gesperrt waren seit Jahren (elbst die beiden Kieswege, die über den Platz, in seiner Mitte ich kreuzend, hinwegführen. Erst in diesem Winter sind die beiden Wege freigegeben worden, aber vielleicht auch nur deshalb, weil — die Stricke anderweitig gebraucht wurden. Soviel wir wissen, wird der große und prächtige Spielplatz in jedem Jahre nur ganz« fünf Wochen hindurch benutzt. Wenn die Sommerferien kommen, öffnet er sich den Berliner Gemeindeschulkindern, die hier in Ferienspielen unter Führung von Lehrern sich tummeln. Daß er in den letzten Jahren sonst noch zu irgendeiner Zeit irgendwelchen Spiellustigen oder gar den Spaziergängerun geöffnet worden wäre, hat der Schreiber dieser Zeilen, der zu den häufigen Besuchern des Plänterwaldes gehört, noch niemals bemerkt. Kann einer im Ernst behaupten, daß eS eine hinreichende Ausnutzung eines Spielplatzes sei, wenn dieser in jedem Jahre nur fünf Wochen hindurch offen gehalten wird? Viele werden einen Spielplatz, der nur auf so kurze Zeit {einem Zweck entsprechend benutzt wird, überhaupt nicht mehr zu en Spielplätzen zählen wollen. Im Anschluß an die Klage über die Sperrung dieses sonder- baren„Spielplatzes" möchten wir noch eine andere Wunderlichkeit zur Sprache bringen, die man dort nun schon seit Monaten bcob- achten kann. Sie betrifft die Sperrung auch der vier großen S ch u tz h a l l e n, die um den Platz herum an dem ihn umkreisen- den Kiesweg aufgestellt sind. Sie sind aus Baumstämmen und Brettern schlicht als bloße Schutzdächer zusammengezimmert, aber bei ungünstiger Witterung kann man es hier eine ganze Weile aushalten, zumal da unter diesen Schutzdächern sogar Tische und Bänke stehen. Eigentlich sind wohl auch sie hauptsächlich für die Schulkinder bestimmt, die in den Sommerfcrien auf dem Platz spielen. In der übrigen Zeit aber waren sie bisher dem Publikum, da sie außerhalb des Bereiches des abgesperrten Rasens stehen, zur Benutzung überlassen worden. Seit dem letzten Herbst sind nun auch diese geschützten Sitzgelegenheiten mit Stricken umzäumt. Anscheinend will man verhüten, daß der Erdboden unter den Schutzdächern, der im Herbst befestigt worden war, zu bald wieder betreten wird. Ist es aber dazu erforderlich, daß mehrere Monate hindurch die Absperrung aufrecht erhalten wird? Wer in diesem Winter und Frühjahr da draußen ein leidlich trockenes Fleckchen suchte, um nach einem Spaziergang ein wenig auszuruhen, der sah sich enttäuscht. In respektvoller Entfernung von den schützenden Hallen durfte er auf Bänken sich niederlassen, wo er die Füße in Pfützen schmelzenden Schnees oder verrinnenden Regenwassers stellen konnte. Wird in der Park- Verwaltung, deren Vorsitzender der Bürgermeister Rcicke ist, viel- leicht angenommen, daß die Bevölkerung von Berlin-Südost nicht auch im Winter und Frühjahr den Plänterwald zu Spaziergängen benutzen will? An grosse Veruntreuungen in der Verwaltung Berlins erinnert eine öffentliche Bekanntmachung des Amtsgerichts Köpenick. Hier- nach wird das Landhausgrundstück des Magistratsbureauassistenten Otto Lüdicke in Rahnsdorf, der durch abgefeimte Fälschungen in der Steuervcrwaltung die Stadt Berlin um viele Tausend Mark schädigte, und dafür zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe ver- urteilt wurde, am 23. April im Amtsgericht zu Köpenick zwangs- weise versteigert. Der Magistrat ließ, als die Schwindeleien Lüdickes ans Licht kanien, das Landhaus, das mit einem jährlichen Nutzungswcrt von 800 M. zur Gebäudcstcuer veranlagt ist, mit Beschlag belegen. Ob jedoch bei der Zwangsversteigerung für ihn viel herauskommen wird, ist sehr fraglich. Durch den Alarmruf„Menschenleben in Gefahr!" wurde gestern nachmittag kurz nach b Uhr die Feuerwehr nach der Ecke der Wall- und Neuen Roßstraße gerufen. Auf einem Abriß war dort eine ein- stöckige Steinmauer eingestürzt, wobei drei Kinder, die dort gespielt hatten, verschüttet sein solllen. Die Feuerwehr rückte mit zwei Zügen und mit dem Rcriungswagen an. Ferner hatte der Verband für erste Hilfe ein Krankenautomobil und einen Kranken- wagen entsandt. Da in der Nachbarschaft niemand die drei spielenden Kinder hatte weglaufen sehen, bestand anfangs tatsächlich die Be- sürchtung, daß die Kinder unter den Steinmassen, begraben lägen. Branddirektor Reichel ließ daher schleunigst die Stein- und Schutt- massen sortschaufeln, doch stellte sich glücklicherweise bald heraus, daß keines der Kinder verunglückt war. Der Polizei gelang es später. die drei fraglichen Kinder zu ermitteln. Ein Bauunfall ereignete sich am Sonnabend gegen Abend auf einem Neubau an der Ecke der Schul- und Exerzierstraße. Infolge eines Fehltrittes stürzte dort der 17jährige Maurerlehrling Paul S t ü ck m a n n aus der Samariterstraße 16 von einem Gerüst und zog sich so schwere Verletzungen zu, daß er nach dem Virchow- Krankenhaus geschafft werden mußte. Eine rätselhafte Affäre beschäftigt seit gestern mittag die Berliner Kriminalpolizei. In seiner Wohnung in der Lützowstr. 48 wurde der Augenarzt Dr. L. Philipp und seine 28jährige Wirtschafterin, die unverehelichte M. Kretscvmann vergiftet aufgefunden. Dr. Philipp, der seil sieben Jahren in dem obengenannten Hause eine größere Woh- nung in der ersten Etage inne halte und Junggeselle ist, lernte vor zwei Jabren die Kretschmann kennen. Er engagierte sie als Wirtschafterin und knüpfte mit dem Mädchen ein Verhältnis an, das nicht ohne Folgen blieb. Das Mädchen drohte ihrem Geliebten, daß sie sich das Leben nehmen werde und vermochte den Arzt durch Bitten schließlich dahin zu bringen, daß er sich eines Verstoßes gegen§213 des Strafgesetz- buches schuldig machte. Späterbiii trennte sich Dr. PH. von dein Mädchen, das eine andere Stellung annahm. Vor etwa sechs Wochen erschien die Kretschmann wieder bei Dr. PH., teilte ihm mit, daß sie gegenwärtig ohne Stellung sei und bat ihn, ihr Aufnahme zu gewähren. Schon nach kurzer Zeit drohte die K. Dr. Ppilipp damit, daß sie gegen ihn wegen des oben angedeuteten Vergehens Strafantrag stellen werde, wenn er sie nicht heiraten würde. Dr. PH. legte dieser Drohung des Mädchens zunächst keine Bedeutung bei, erfuhr jedoch ain Sonnabendabend zu seinem Schrecken, daß die K. ihr Vorhaben ausgeführt habe. Er beschloß daher freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Am gestrigen Montag- vormittag gegen 9'/» llbr erschien bei einem in der Lützowstr. 42 wohnenden Arzt ein' Herr, der Mitteilung machte, daß Dr. PH. im Sterben liege und die WirtschaNerin offenbar ebenfalls schwer krank sei. Der Arzt begab sich sofort in die Wohnung seines Kollegen und� fand denselben bewußtlos auf seinem Lager. Die Wirt- schafterin befand sich in ihrem Zimmer, in dem eS nur schwach nach Gas roch und erklärte, daß sie sich gleichfalls das Leben habe nehmen wollen. Sie sei bereits beivußtlos gewesen und sei erst durch das starke Klingeln des Patienten aus ihrer Betäubung erwacht. Der Arzt fand schließlich ein Glas mit dem. Rest einer Morphiumlösung an einem Platze, wo Dr. Philipp e« wohl kaum niedergesetzt haben dürfte; er benachrichtigte das Polizeirevier, das sofort Beamte entsandte, die nach Prüfung der Sachlage die K. als Polizeigefangene nach der Charitö brachten. Dorr wurde die Patientin in der Abteilung des Professors Nicolai untergebracht und an Ort und Stelle vernommen. Nachdem die Beamten baS Zimmer verlassen hatten, stürzt« sich die K. in einem unbewachten Augenblick aus dem Fenster der dritten Etage auf den Hof hinab. Wunderbarerweise erlitt daS Mädchen keine Verletzungen, sondern kam mit einigen unbedeutenden Haut- abschürfungen davon. Die Untersuchung in dieser mysteriösen Affäre dauert zurzeit noch an. Das Befinden deS Dr. Philipp hat sich im Laufe des Tages derart verschlimmert, daß er kaum mit dem Leben davonkommen dürfte. Arbeitslosigkeit hat den 44 Jahre alten Kellner OSvald Hoff- mann aus der Schröderstraße 7 in den Tod getrieben. Der Mann fand, nachdem er im Oktober v. I. seine Stellung verloren hatte, keine neue feste Beschäftigung, und er beschloß, seinem Leben ein Ende zu machen. Am Freitag fuhr die Frau zur Arbeit nach Hermsdorf und nahm ihr Sjährigcs Töchterchen mit. Als sie gestern abend zurückkehrte, fand sie ihren Mann tot wieder. Er hatte sich im Bette liegend mit Leuchtgas vergiftet. Nach der Feststellung eines Arztes war er schon 12 Stunden tot. Monsterkonzert Berliner Gemeindeschüler im Zirkus Busch. Diese alljährliche Veranstaltung verfolgt wie bekannt gemein- nützige Zwecke. Zirka 2000 gesunde Kinderkehlen ersingen allhicr ein Stück Geld— das von Rechts wegen aus dem Säckel der Stadt Berlin fließen sollte!—„zum Besten: des Hauptvercins Kinderhort, des Vereins Mädchenhort, des Erziehungs- und Für- sorgevcrcins für schwachsinnige Kinder, des Berliner Vereins für Ferienkolonien, des Berliner Vereins zur Förderung der Blumen- pflege in der Schule und des Zentralvereins für Jugendwande- rungen". Gewiß ist dieser altruistische Wohltätigkcitseifcr zu loben. Aber so gewiß ist wohl auch, daß dadurch vielen Arbeiter- familien außergewöhnliche Ausgaben zugemutet werden insofern nämlich, als sie gezwungen sind, ihre mitsingenden Kinder für diese öffentliche Zurschaustellung doch auch entsprechend auszustaffieren. Das mag als ein bitterer Beigeschmack empfunden werden. Der zweite ist dem Konzcrtprogramm an sich beigesellt. Müssen denn derartige Veranstaltungen immer auch einen— sagen wir einmal artig—„patriotischen" Grnnbton enthalten? Müssen die weitaus in der Mehrzahl mitwirkenden Kinder sozialdemokratischer Eltern noch immer gezwungenerwcisc zum Hurrapatrio- tismus herangedrillt werden? Man kennt doch die braven Ober- lchrcr-Reime:„Lorbccrreiser, Heldenkaiser" usw. zur genüge. Außerdem geben solche panegyrischen Herzcnsergießungen allemal eine mit den Tatsachen direkt im schreiendsten Widerspruch stehende Vorstellung; weshalb die Herren Rektoren das Dichter� lieber den berufenen Poeten überlassen sollten. Die Melodien vom alten Zelter und von Konradin Kreutzer, dem Komponisten der bekannten Oper: „Das Nachtlager in Granada" sind zweifellos schön; allein die ihnen untergelegten Hurratexte sind unnötige Säbelrasselei. Da- gegen muß man den Gesangsleistungen der Kinder und nicht minder den zuwege gebrachten Resultaten ihrer unermüdlichen Singemeister uneingeschränktes Lob widerfahren lassen. An rhhtmischer Präzision, klarer Aussprache und klanglicher Schattie- rung werden wahrhafte Wunder vollbracht. Zu wünschen bleibt nur noch, daß über allem Drill auch die Pflege individueller Bc- gabung und des musikalischen Verständnisses nicht hintenangesetzt werde! Im Luiscn-Theater geht am heutigen Dienstag als Premiere daS Schauspiel„Alle? durch die Liebe' von Jacobi in Szene. Wer sind die Toten? Aus der Spree gelandet wurde am Nonnendamm zu Charlottenburg die Leiche eines jungen Mädchens von etwa 18 bis 26 Jahren. Irgendwelche Ausweispapiere oder sonst einen Anhalt zur Feststellung der Persönlichkeit wurden bei ihr nicht gefunden. Die Tote ist mittelgroß, hat hellblondes Haar und trug ein graues Kostüm mit weißer Bluse, weiße Unterkleider, schwarze Strümpfe und schwarze Schnürstiefel.— Im Jagen 22 der Jungferuheibe wurde ein etwa 66 Jahre alter unbekannter Mann erhangt. aufgefunden. Er hat dunkelblondes Haar mit etwas Glatze, einen doppelten Leistenbruch und einen Verband am Zeige- fingcr der linken Hand. Sein Taschentuch ist O. S. gezeichnet. Die Leiche wurde nach der Halle des Plötzenseer Friedhofes ge- bracht. Vermißt wird seit Sonntag, den 13. Februar, der 18 Jahre alte Schneiderlehrling Adolf Walter. Derselbe ivar bekleidet mit grauem Ueberzieher mit schwarzem Samtkragen, grauer Hose und Weste, braungesprenkeltem Jackett, weißem Stehkragen, lila Krawatte, schwarzem, steifem Hut, schwarzen Schnürstiefeln. Der junge Mann ist etwa 1,60 bis 1,76 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, grau- braune Augen und auf der linlen Stirnseite einen Leberfleck. Nach- richten über den Verbleib nehmen die Eltern des Vermißten A. Walter, Gerichtstr. 19, vorn IV, sowie die Polizeireviere entgegen. Vom Spiel in den Tod. Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich am Sonntag in der Stralaucr Allee. Dort spielten gegen 6 Uhr nachmittags vor dem Hause Nr. 26 eine Anzahl Kinder auf dem Straßendamm, als die Kutsche des FuhrwerksbefitzerS Dorr aus Rummelsburg in raschem Trabe herannahte. Während es den übrigen Knaben gelang, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, wurde der achtjährige Kurt Rau, der Sohn eines Bahnarbeiters aus der Stralouer Allee, von dem Gespann umgerissen. Der Kleine geriet unter das Gefährt, dessen Räder ihm über Kopf und Brust hinweggingen und den sofortigen Tod des bedauernswerten Kindes herbeiführten._ Vorort- JVacbricbten. Charlottenburg. Der Kampf um die 116 Proz. Gemeindesteuer, der in diesem Jahre in Berlin und den meisten größeren Vororten sich abspielt, wird auch in Charlottenburg mit einem Erfolg der Gegner der Steuererhöhung enden. Das sind in Charlottenburg in erster Linie die„Liberalen". Aber wie überall, so gründet sich die tiefe Abneigung der Charlottenburger„Liberalen" gegen die Steuer- erhöhung nicht auf eine prinzipielle Ablehnung des SteuerzahlenS, sondern sie wollen nur d i e Steucrcrhöhung nicht, die auch ihnen, als besitzende Leute, eine stärkere Belastung bringt. Und was auch alles von liberaler Seite gegen die Gemeindesteuererhöhung an Gründen von formaler und sachlicher Art vorgebracht wird, es bleibt die Steuerschcu der Besitzenden deutlich dahinter sichtbar. Was fragen dabei die„Liberalen" nach den Kultur- und sozialpoli. tischen Aufgaben der Gemeinde, waö nach den Grundsätzen einer großzügigen, die EntWickelung berücksichtigenden sicheren Finanz. Politik? Wenn es ihnen nur gelingt, für ein Jahr wenigstens noch den Mehrleistungen für die Gemeinde entrinnen zu können, dann sind sie froh. Alle Register werden gezogen, um den Etat noch ein- mal mit 166 Proz. Gemeindesteuer zu balanzieren. An den Aus- gaben wird gestrichen, die vermuteten Beträge der Einnahmen werden höher geschraubt und die trotzdem noch bestehenden Lücken mit den Ersparnissen früherer Jahre gedeckt. Diese Methode kann, wenn es sich um eine schnell vorübergehende Notzeit handelt, ein- mal richtig sein. Wenn man aber weiß, daß die Mehrforderungcn, die jetzt abgelehnt werden, künftig wiederkehren und einmal erfüllt werden müssen, dann ist das von den bürgerlichen Stadtverordneten geübte Verfahren eine kurzsichtige, ungesunde und unheilvolle srinanzpolitik. Wie balanzierten denn die Liberalen den Etat mit 166 Proz. Gcmeindc-Einkommensteuer? Bei den notwendigsten Ausgaben wurde„gespart" und teil- weise wurden von der liberalen Mehrheit im Etatausschuß an Positionen Abstriche gemacht, die in Erstaunen setzen müssen. Es seien nur einige genannt: Im Krankenhaus Westend sollte eine Markisen-Einrichtung für 1166 M. angebracht werden. Die sparsamen Liberalen strichen diese Summe. Ferner wurde im Interesse der Kranken in demselben Krankenhaus die Anbringung neuer Heizkörper gefordert. Kostenbetrag 7566 M. Die Liberalen strichen wieder. Auf dem Platz v sollte eine Bedürfnisanstalt errichtet werden. Dnium petitionierten die Anwohner jener Gegend seit langem in dringenden Gesuchen. Die Erfüllung dieses durch- fftiS berechtigten Wunsche? hätte 12 606 M. gekoste!. Die Liberalen wollten von dieser Bedürfnisanstalt nichts wissen, sie lehnten auch diesen Betrag ab. Daß bei solcher Streich- und Sparwut der bürgerlichen Aus- schutzmehrheit an ein Näherkommen der sozialdemokratischen Forde- rungen, wir nennen allein die Gewährung freier Lern» mittel an alle Kinder, welche die Volksschulen besuchen, gar nicht zu denken ist, dürfte klar sein. Im Gegenteil, gerade aus den Reihen der Liberalen wurde der Gewährung freier Lernmittel offen der Krieg erklärt und es wurde dieser jahrelangen Forde- rung der Sozialdemokratie eine prinzipielle Absage zuteil.—©r hätte nicht viel gefehlt, dann hätte die Mehrheit des Ausschusses auch noch die im Etat eingesetzte Bausumme für eine neue Ge- meindeschule um ein Wesentliches verringert. Und das, trotzdem noch über 86 Bolksschulklassen in Mieträumen untergebracht sind. Trotz aller kleinen Abstriche hätten aber die„Liberalen" ihren Wünschen entsprechend den Etat nicht ins Gleichgewicht bringen können, wenn sie nicht die dringend erforderlichen Ausgaben für P f l a st e r a r b e i t e n arg zusammengestrichen und in zweiter Linie den Ausgleichsfonds in Anspruch genommen hätten. So wurde die in Höhe von 667 466 M. für Pflasterarbeiten ge- forderte Summe auf 356 666 M. vermindert. Und das, trotzdem für eine Reihe von Straßen eine Erneuerung des Pflasters drin- gend not tut. Uebcrhaupt geht die von den Liberalen erzwungene Balanzierung des Etats in erster Linie auf Kosten des Straßen- baues. Denn außer an direkten Abstrichen bei diesem Kapitel wurden für diese Arbeiten weitere Mittel durch die starke Schwächung des Ausgleichsfonds entzogen, auS dessen 1 Million Mark übersteigenden Bestand die Kosten für dringend nötige Pflastcrarbeiten gedeckt werden sollten. Nun aber wurde der AuSglcichsfondS zur Deckung von dringen. den Abschreibungen für das Elektrizität», und Gaswerk in Anspruch genommen. 557 762 M. sollen zu diesem Zwecke dem AuSglcichsfondS entnommen werden. Bei richtiger Finanzgebarung hätte diese Summe von den Ueberschüssen der beiden Werke in Abzug gebracht werden müssen. Aber die Liberalen legten großen Wert auf möglichst hohe Zahlen-Ueberschüsse. Die bürgerlichst Stadtverordneten gingen noch weiter. Sie schraubten die vom Magistrat ohnedies schon hochgespannten Erwartungen von den Einnahmen aus beiden Werken noch höher und vermehrten die Einnahmesumme um 162 466 M.— Unter diesen Umständen war an eine von den Sozialdemokraten geforderte Ermäßigung u�d schließliche gänzliche Beseitigung der Mieten für Wasser-, GaS- und E l e k t ri z i t ä t s z äh l er nicht zn denken. „Um alles in der Welt keine 116 Prozent.' DaS schien die Losung der bürgerlichen Stadtverordneten im Ausschuß gewesen zu sein. Und die„Liberalen", deren Fraktionsredner bei der ersten Lesung des Etats im Plenum erklärte, daß seine Freunde Wcht durchaus Gegner der 116 Proz. seien, sondern erst sehen müßten, wie der Etat im einzelnen gestaltet werden könnte, gingen im AuS- schuß nicht davon aus, die 16 Proz. Steuererhöhung nur dann zu streichen, wenn Kulturaufgaben darunter nicht leiden würden, sondern sie reduzierten die Ausgaben für Kulturarbeiten, damit die zchnprozentige Erhöhung noch einmal für ein Jahr umgangen werden könnte. Das ist die„liberale" Finanz- und Steuerpolilik: Sinnlose Schwächung der Reserven, Zurücksetzung wichtiger Auf- gaben und eine Balanzierung des Etats, die beim nächsten Etat- abschluß um so stärker eine Erhöhung der Steuersätze nach sich ziehen mutz. Wilmersdorf-Halcnsee. Arrztestrcik in Wilmersdorf. Die Stadt Wilmersdorf steht zur- zeit im Zeicben eines Aerztestreiks. Die Streikleitung, an deren Spitze ein Arzt Dr. Söchting steht, erläßt die standeS- und landesübliche Warnung vor Zuzug und bemüht sich nach Kräften, die be- streikte Sladlgeineinde lahmzulegen. Es handelt sich bei der Atz« gelegeuheit um eine nicht ganz einfach zu beurteilende Erscheinung. In der Wilmersdorfer Armenverwaltung bestand bis dahin dos Prinzip der freien Arztwahl, das heißt, daß die Armen daS Recht hatten, unter allen Aerzten am Ort, die sich über- Haupt mit ihrer Behandlung befassen wollten, im Kranlheits- falle eine beliebige Person auszuwählen. Diese Einrichtung, hat aber doch zu Unannehmlichkeiten geführt, die von der städtiichen Armenverwaltung gerügt werden mußten. Wir führen als Beispiel in dieser Hinsicht den folgenden Fall an: Eine etwa 66 Jahre alte Arme begab sich in ärztliche Behandlung, und der Arzt stellte fest, daß sie wegen Hüftweh an der Ausübung jeder Tätigkeit gehindert sei. Als der Arzt am Ouartalsichluß seine Liquidation einreichte. fiel der Armenbehörde deren Höhe auf; sie lautete nämlich aus 165 Mark. Bei näherer Nachforschung ergab sich, daß die Kranke innerhalb achtzig Tagen fünfuudsiebzigmal von dem Arzt behandelt worden war und daß sie ebenso oft von ihm Einipritzungcn erhalten hatte. Auf eine weitere Anfrage teilte der Arzt mit. daß die Einspritzungen erfolgt wären, um die beträchtlichen Schmerzen der Kraulen zu lindern. Die Armenbehörde bezahlte die Rechnung, doch bedeutete sie dem Arzt, daß in Zukunft etwa erfolgende Jnjeftionen nicht honoriert würden, da die Abgabe schmerzstillender Mittel nicht zu den Aufgaben der Armenpflege gehörten. Nebenher sei bemerkt, daß die Armenbehörde auch noch die Apoihekerrechnung �zu bezahlen hatte, und daß die Stadt Berlin, die für die R ü ck e r st a t t u n g in Betracht kam, � sich nur zur Bezahlung von 163 M. 96 Pf. bereit erklärte, da auch sie hinsichtlich der Abgabe schmerzstillender Mittel den von WilmerS- dorf vertretenen Standpunki einnahm. Immerhin willigte die Berliner Behörde schließlich in die Bezahlung der ganzen Summe, doch machte sie die Bemerkung, daß es sich im vorliegenden Falle um eine Kraulheit zu handeln scheine, die besser in einer öffentlichen Heilanstalt kuriert werde. Trotzdem die Wilmersdorfer Armenbehörde dem in Betracht kommenden Arzt hiervon Mitteilung machte, reichte er am Ende des folgenden Quartals eine zweite Rechnung ein, die im ganzen auf 92 Marl lautete und in der sich abermals 38 Injektionen aufgeführt fanden. Nunmehr wcigerle die Stadt Berlin sich endgültig, die Kosten für die Injektionen zu erstatten. Die WilmerS- dorfer A r m en v e r w a l tu n g glaubte nun dadurch Wandel schassen zu können, daß sie aus den am Orte wohnenden rund 266 Aerzten 25 für die Armenpflege auswählte, und zwar die« jenigen, die von den Annen auch bis dahin am meisten ausgesucht worden waren. Diese Aerzte sollen eine alljährlich zu vereinbarende Pauschale erhallen, das von ihnen selbst zu verteilen wäre. Mit jedem dieser Aerzle, unter denen sich auch die gebührende An- zahl Spezialisten befindet, wollte der Magistrat einen Dienstvertrag abschließen; die Bezahlung der Rechnungen sollte jedoch durch einen aui drei Personen bestehenden Borstand der Aerzteschast erfolgen. »Die WilmerSdorser Aerzte wollen aber auf eine derartige Re» gelung der Armeulrantciipflege nicht eingehen; vielmehr erklären sie sich im wesentlichen für Beibehaltung des bisherigen Zu- standeS. Schönederg. In der städtischen Secfischhalle Schöneberg. Feurigstr. 4. ist auf kurze Zeit ein großer Haifi'ch ausgeslelll. Di- Länge de» Fische» belrägl ungefähr 2'/, Meter, sein Gewicht etwa 2 Zentner. Außerdem sind daselbst einige Seehasen zu sehen. Steglitz. Mit 12 404 000 M. schließt der Voranschlag unserer Gemeinde für das Jahr 1912 in Einnahme und Ausgabe ob. Um die Ein- nahmen auf diese Höhe zu bringen, mußle allerdings der Steuer- ausgleichsfonds mit 277 000 M. in Anipnich genommen werden Uni» außerdem ist mit einer Erhöhung des Einkommensteuer« Zuschlages von 100 auf 115 Proz. und der Gemeinde- grundsteuer von 2,8 auf 3 für bebauten»ud von 5,6 auf 6 pro Tausend auf unbebauten Grundbesitz gerechnet worden. Ferner ist für die Realschule und die höhere Mädchenschule eine Er- höhung deS Schulgeldes in Ansatz gebracht. Die Balanzierung des Etats hat demnach erheblich« Schwierigkeiten bereitet. Welche Mehraufwendungen gegen das Vorfahr Me einzelnen Verwaltungszweige erfordern, ergeben folgende Zahlen. Der Etat der allgemeinen Verwaltung verzeichnet einen Zuschuß von L4ö 920 (1911 658 2301, die Polizeiverwaltung 184 100(181 500), die höheren Schulen 635 590(571 300). die Gemeindeschulen 735 640(637 270), die Fortbildungsschule 42 000(32 480), Wohlfahrtspflege 46 450 (42 120), die Armenpflege 118 200(106 400), die Feuerwehr 55 350 (48 910), die Bauverwaltung 243 960(196 900), die Straßen- reinigung 170 550(162 256), die Straßenbeleuchtung 58 890 (30 394), die Garten« und Friedhossverwaltung 128 800 (104 600) Mark. Für Schuldentilgung und Zinsen müssen 1 513 270(1 173 680) Mark aufgewendet werden. Die Schulden betrugen anfangs dieses Jahres 27 983 451 Mark. Der Steueretat weist einen Ueberschuß von 2 552 250 M. auf gegen 2 284 100 M. des Vorjahres. Die Umsatzsteuern und Wertzuwachs- steuern find für das laufende Jahr um 50 000 refp. 100 000 M. niedriger eingestellt worden. Durch die Stockung im Bau- gefchäst find auch in einigen anderen Etats beträchtliche Ausfälle entstanden. Die wirtschaftlichen Unternehmungen zeigen einen erfreulichen Ausschwung. So erfordert die Grunewaldbahn nur noch 3500 M. Zuschuß gegen 12 490 M. im Vorjahre. Das Elektrizitätswerk soll schon einen U e b e r- fchuß von 118200 M., das E i s w e r k einen solchen von 12850 M. bringen. Für die demnächst in Betrieb zu nehmende gleislose Bahn(Klixstraße— Knausplatz) rechnet nian mit einem Zuschuß von 10 000 M. der wohl etwas verringern dürfte. Die Badeanstalt erfordert nur noch 29 420 gegen 33 510 M. Zuschuß. Zu den Schul- etatS sei noch mirgeteilt, daß die Schulen von insgesamt 8233 Sindern besucht werden, und zwar die höheren Schulen von 2808, die Volks- schulen von 5425 Kindern. Aus diesen Zahlen ergibt sich, daß die Gemeinde pro Kopf der höheren Schüler rund 226 M., pro Kopf der Volksschüler rund 135 M. an Zuschuß zahlt. In den Volksschulen beträgt die Klassenfrequenz im Durchschnitt 42 Kinder. Von den höheren Schulen weist die Mädchenschule mit 34 Schülerinnen den höchsten, das Gymnasium mit 22 Schülern den niedrigsten Durch- schnitt auf. Neukölln(Rixdorf). Ein schwerer Straßcnunfall ereignete fich am gestrigen Montag- nachmittag gegen 5 Uhr in der Bergstraße. Dort wollte das acht- jährige Tochterchen Johanna des Arbeiters Wagner aus der Berliner Straße 96 hinter einem Kohlenwagen hervorkommend, über den Fahrdawm laufen. In demselben Augenblick nahte ein Droschken- automobil in schneller Fahrt heran. Der Chauffeur bemerkte die Kleine erst im letzten Augenblick und versuchte vergeblich, sein Ge- fährt zum Halten zu bringen. Die kleine W. wurde umgerissen und geriet unter die Räder de« Kraftwagens. Das Kiud, das eine Gehirnerschütterung und Bruch des Unterkiefers davongetragen hat, wurde nach der nächsten Unfallstation und von dort nach dem Kranienhause Neukölln geschafft. Köpenick. Die Agitation des bürgerlichen Ausschusses.für nationale Jugendpflege" gegen die proletarische Jugendbewegung ist anscheinend auch hier in vollem Umfange eingeleiter. Vorerst hatten sich die Herren der Unterstützung verschiedener Vereinigungen, Vereinchen usw. versichert. Das Thema.Nationale Jugendpflege" wurde be- aeilS in Jnnungsversammlungen, im Evangelischen Arbeiterverein sowie in anderen Vereinen bürgerlicher Richtung bebandelt. Die Herren wollen anscheinend nicht nur für Köpenick ihre Agitation be- treiben, sondern auch die.Erfolge" weiteren Kreisen der nationalen Jugendbewegung dienstbar machen. Zu einer am 4. und 5. März in Spandau vom Kultusminister angeregten Konferenz der in der obigen Bewegung tätigen Herren erhielten die aus Köpenick gemeldeten fünfzehn Teilnehmer einen Korb— wegen Platzmangel. Wichtig ist jedoch eine Mitteilung des Landrats, SAß im April oder Mai dieses Jahres«ine Zusammenkunft aller an der Jugendpflege interessierten Personen im Kreise Teltow stallfinden soll. Unsere Genossen werden sich darauf einrichten müssen, ebenfalls mit Einladungen beehrt zu werden, denn unter .allen an der Jugendpflege interessierten Personen" sind doch auch wir gemeint. Der hiesige Ausschuß hat nun auf die Jußend in der Schule zuerst sein Augenmerk gerichtet. In einigen oberen Klassen der sknabengemeindcschulen soll den Kindern bereits erklärt worden sein, daß in den großen Sommerferien eine viertägige Partie nach der Niippiner Schweiz in Aussicht genominen ist. Gleichzeitig soll damit eine Besichtigung des Schlosses RheinSberg verbunden sein, wo Friedrich der Große gewirkt hat. Der Kostenpunkt für die Partie soll 7 M. betragen; und damit eine möglichst hohe Teilnehmer- zahl erzielt wird, soll auch eine Reisesparkasse gegründet werden. Hier ist auch anscheinend das.Milbestimmungsrecht" der Schüler gesichert, denn in einer Klasse ist zur Wahl eincS Kassierers geichritten uud, um den Schülern die geheime Wahl schon schmackhaft zu machen, die Wahl per Stimmzettel vorgenommen worden. Für die aus der Schule entlassenen Schüler ist die Er- richtung eines Heims nach Art unserer Jugendheime geplant; des weiteren soll sicherem Vernehmen nach auch die Gründung einer Wehr- abteilung unternommen werden. Ob es nun den Herren gelingen wird, die Jugend so in das gewünschte Fahrwasser zu lenken, wagen wir zu bezweifeln. Daß an der obenerwähnten Partie sich nicht Kinder aus den Reihen unserer Genossen beteiligen werden, dürfte wohl klar sein. Parteigenossen und Genossinnen, die a>er ihren Kindern die Freude eines größeren Ausfluges in den großen Sommer- serien bieten wollen, können das Angenehme mit dem Nützlichen ver- binden, indem sie zu einem vom Touristenverein.Die Naturfreunde", Ortsgruppe Köpenick, am Donnerstag, den 7. März, abends 8 Uhr, im Stadttheater veranstalteten Lichtbildervortrag Billetts entnehmen. Der Eintritt beträgt 25 Pf. Der gesamte zu erzielende Ueberschuß wird für Kinderparticn in den großen Ferien und auch für tericnspiele verwendet. Billetts sind zu haben bei den Genossen evsfre, Grünstraße; Wißler, Kietzerstraße; Weber, Bahnhosstraße Tauchert, Müggelheimer Straße, und an der Abendkasse. Der gute Zweck der Veranstaltung und der beabsichtigte oben geschilderte Jugend- sang dürfte die Parteigenossen und Genossinnen, auch wenn sie keine Kinder besitzen, veranlassen, den Vortrag recht zahlreich zu besuchen. Potsdam. Im Park Sanssouci erhängt aufgefunden wurde Sonntag nach- mittag ein 45—48 Jahre alter Mann. Der Lebensmüde ist zirka 1,77 Meter groß, untersetzt, bat volle? bartloses Gesicht, dunkles, dünnes; stark meliertes Haar mit merkbarer Glatze, stark nach rewls gebogene Nase, vollständige Vorderzähne. Er war bekleidet mit Manchesterhose, graubrauner Lodenjoppe, schwarzer Kammgarnweste, neubesohlten Gummizugstiefeln, graubraunen Wollstrümpfen, weißem Barchenlhemd/ In seinen Taschen befanden sich zwei Taschentücher, rot und blau, und ein Portemonnaie mit geringem Inhalt. Der Tote, dessen Identität nicht ermittelt werden konnte, trug schwarz und grün gestreifte Deckelmütze. Zweckdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen. NohrnweS. In dem Gemeindeverwaltungsbericht für die Zeit vom 1. April 1910 bis 31. März 1911 wird in dem Kapitel Wohlfahrtspflege be- tont, daß bei einer Gesamtbevölkeruirg von 23 929 Personen die Zahl der Strebefälle 392 oder 1,64 Proz. betrug. Zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten wurden 227 Desinfektionen vorge- nommen, deren Kosten die Gemeinde trägt.— Kanalisationsanschluß hatten 771 Grundstücke gegen 502 im Vorjahre. Einmalige Gebühren sind insgesamt mit der Einnahme hieraus in den Vor- jähren 709 596,51 M.(500 000 M. sind auf Darlehen zurückgezahlt) weitere 300 000 M. sollen im März 1912 zurückgezahlt werden) vereinnahmt worden, während an laufenden Gebühren insgesamt 53 841,57 M. eingezahlt wurden.— Die Verbrauchsabgabe der Charlottenburger Wasserwerke pro 1910 betrug 2690,11 M. gegen 2091,65 M. im Vorjahre.— Die von der Gasanstalt Vertrags- mäßig an die Gemeinde gezahlte Verbrauchsabgabe ist von 7 912,27 M. auf 8429,15 M. im Jahre 1910 gestiegen. Die Zahl der Gasabnehmer betrug 4500 gegen 4370 im Vorjahre. Die Brennstunde kostet fiir die Straßenlaternen 2 Pf., für die Preß- gasflammen jedoch 10 Pf. Im Ortsgcbiet brannten 517 Laternen, davon 4 Preßgaslaternen mit je 1000 Kerzen Leuchtkraft, ferner 176 Nachtflammen.— Elektrische Licht- uho Kraftanlagen: Hausanschlüsse waren im Orte 183 vorhanden. Die Zunahme im Be- richtsjahre beträgt 43. Die gesamten Einnahmen der Stromab- gäbe für Licht- und Kraftbedarf betrugen 80 980 M., die Ausgaben 50 908 M. Bon dem verbleibenden Ueberschuß in Höhe von 30 072 M. fließt die Hälfte init 15 036 M.(im Vorjahre 9 294 M.) der Gemeinde, die andere Hälfte der Stadt Potsdam zu.— Der Verkehr auf der mit Potsdam gemeinschaftlich betriebenen elck- irischen Straßenbahn hat sich wesentlich gehoben. Bis zum Schlüsse des Berichtsjahres wurden insgesamt 1 430 141 Personen befördert. Die Gesamteinnahme belief sich für Potsoam auf 74 946,11 M.=• 55,5 Proz., für Nowawes auf 59 975,89 M.— 44,5 Proz. Von dem verbleibenden Ueberschuß im Betrage von 5313,75 M. fällt die Hälfte mit 2657 M.(im Vorjahre 1776,50 M.) der Gemeinde zu.— Schulvcrwaltung: Die Ausgaben, ohne Bauten, beliefen sich im Jahre 1909 auf 169 616,23 M., im Jahre 1910 dagegen auf 206111,31 M., mithin mehr 36 495,08 M. Die Gesamteinnahmen für 1910 betrugen 38 551 M.— Die gewerbliche Fortbildungsschule erforderte einen Zuschuß von 5160,30 M. Am gewerbekundlichen Unterricht waren beteiligt je 4 Klassen der Maschinenbauer und Metallarbeiter, 2 Klassen der Holzarbeiter und je 1 Klasse der Bauhandwerker, Maler, Sattler und Tapezierer, Schlächter und Bäcker, Musiker und Barbiere, insgesamt 16 Klassen mit wöchent- lich insgesamt 66 Unterrichtsstunden. Im Zeichnen wurden wöchentlich 34 Unterrichtsstunden erteilt. Um einem längst ge- äußerten Wunsche Rechnung zu tragen, wurde nach Michaelis auch eine Fachklasse für Buchdrucker errichtet, deren Leitung einem in diesem Fache ausgebildeten Lehrer übertragen wurde.— Der Vermögensnachweis der Gemeinde ist folgender: Vermögen in Ge- bänden, Grundstücken, Kanalisationsanlagen, Straßen usw. 5 277 638 M., Schulden 3 590 416 M. Es verbleibt mithin ein Vermögen von 1687 221,46 M. BrUfkaftcti der Redahtioti. Die lurtstiiche e»rechst«»de findet Lindrnstrose 69, vorn vier Trcpvcn — Fahrstuhl—, wochentäglich von tlh bis IM, Uhr adrndS, E-imabends, von 4 Vi, vis 6 Uhr adendS statt. Jrdcr für de» vriritastru Desitminien Anfrage ist ein vllchftabe und et»- Zahl als Merkzeichen betzusügen. Briefliche Antwoc« wird»ich« ertrtll. Ansragcn, denen keine Abonncmentsqutttung brigesügl ist, werde» nicht deantwortet. EUige Frage» trage man in der EPrcchstundc vor. I. P. 27. 1. Die Kosten richten sich dem Objekt. 2. und 4. Nnver- ständlich. 3. Aus Antrag des Gläubigers. 5. Vor Abiaus von 5 Jahren besteht eine neue Verpflichtung nicht.— Hilling. 1. Mehrere Tage vor dem MonatSersten. 2. Durch Verlrag, der zu notariellem oder gericht- lichem Protokoll erklärt werden muß. Die Kosten richten sich nach dem Objekt. 3. Gesellschastcn empfehlen wir grundsätzlich nicht. 4. Gewerbe- treibende, die ein gewerbliches Einkommen von mehr als 1500 M. jährlich haben.— R. I. 2. Ist ein Auseinandersctzungsvertrag vor Gericht aus- genommen und von sämtlichen Erben unterschrieben, so ist derselbe auch be- züglich der Grvndstücksveräußerung maßgebend. Andernsalls gerichtlicher Verkaus zulälfig. Die Kosten geben von der Nachlaßmasse ob.— I. 2. In. — E. G. llü. 1. Ihr geschäftliches Borhaben können wir nicht sördern. da wir solche Nasschläge grundsätzlich ablehnen. 2. Die Adressen sinden Sie im ZcitungSIatalog, den Sie in einem Annoncenbureau einsehen können. 3. Verein Berliner Hausdiener. Alte Leipziger Straße- 1.— Puppchou. Besprechen Sic die Angelegenheit mal mit dem Stadtverordneten G. Schulz, Kottbuscr Tor, Ecke Admiralstraße.— Tcmpclhof 41. Sprechen Sie mit einem Gärtner.— W. W. 100. Gewählt in der Stichwahl 5. Januar 1904—07.— O. M. 8. Nach den Servisklasscn verschieden, im übrigen aber reicht der Raum des Brieskastens zu solchen Auseinandersetzungen nicht aus. Sehen Sie den Etat des Abgeordneten- Hauses eventuell bei uns ein.— W. W. 300. An die Stistungs- deputation des Magistrats, Poststraße 16. Louis-Liebermann-Stiswng.— H. S. Die Stundenzahl mutz die gleiche sein.— 12. 82. Brusendorf? straße.— W. M. 1887. Gewcrbcsaal, Hagelbcrgerstraße 34. Wir kennen weder Ihre Neigung noch Fähigkeit, können also auch nicht sachlich beraten. — Schubert 12. l. u. 2. Soweit aus Ihrer Darstellung ersichtlich, nicht abzugssähig. 3. Reichstag. 4. An den Vorstand des Wahlvereins. Zeit- dauer nicht vorgeschrieben.— Elsa 67. 1. Die Bestimmungen des Per- träges bleiben alsdann in Kraft. 2. Die angedeutete Mitteilung genügt.— I. G. 30. Bestrafung bleibt wahrscheinlich aus.— Georg 76. Die länger als 4 Jahre zurückliegenden Ansprüche sind verjährt. Die Eltern' sind hastbar. Der Versuch zu einem Vergleich ist angebracht.— W. H. 21. Für Frau und Kind etwa 30 M. monatlich. Die Klage ist zulässig, bevor die Ehe geschieden ist. Zuständig ist das Landgericht 1, Berlin.— L. M. 2298. Ja, falls der Lehrer die Ausbewahrung übernommen hat. — E. P. 100. 1. Beim Amtsgericht, in dessen Bezirk der letzte Wohnsitz der Mutter gewesen ist. 2. Nein. Die erforderliche Genehmigung kann aber durch das Dormundschastsgericht ersetzt werden.— R. K. 99. 1. Au- trag beim Vormundschaitsgericht. 2. Aerztliches Zeugnis.— Neukölln 10. Wenn der Mietsvertrag nichts anderes besagt, bis 11 Uhr.— E. S. 51. 1. 4 Proz. 2. Ja.— K. 100. Wiederholen Sie Ihre Anfragen und geben Sie noch das Alter des Lehrlings sowie ferner an, welcher Art der Betrieb ist(Hotcl-, Nestaurations- oder Privatbetrieb).— M. 53. Nein. — C 100.'Die Nähmaschinen müssen schalldämpsende Unterlagen haben. Ist das der Fall, so läßt sich u. E. nichts tun.— Tisch. 2140. Ihre Angaben genügen nicht als Entlassungsgrund. Sie wären schadensersatz- pflichtig.— Köpenick 777. 1. Ja. 2. Falls die Ehe in Brandenburg geschlof'n ist, nein.— 9(. S. 8. Ein Hintcrlegungsrecht steht Ihnen nach Ihrer Darstellung nicht zu. Die Hinterlegungsstelle ist Jnvalidenstr. 52.— Timm. 1. Kaiserliches Patentamt. 2. Bestimmte Maße sind nicht vor- geschrieben.— A. U. 03. Ohne Kenntnis des Psändungsbeschlusies nicht zu beantworten.— P. 18. 1. Ja. 2. Nein.— K. M. 75. Ihre An- gaben reichen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Solo M. F. T. 100. Ja, soweit der Lohn 28,85 M. wöchentlich oder 125 M. monatlich übersteigt.— H. R., Wilmersdorf, t und 2. Wir müssen den Inhalt des Schreiben« kennen. 3. Wenn Sie Ihre Behauptungen, ins- besondere auch die Weigerung des Verwalters, beweisen können, sind Sie zur Räumung berechtigt.— M. S. Fr. 47. Nur dann, wenn die Frau innerhalb drei Monaten, nach Rechtskraft des SchcidungsurtcilS, Straf- antrug stellt.— K. 74. Ja.— H. St. Die Frage ist schon wiederholt im Biiefkasten behandelt worden. Das Ausiösungsrccht des Bundesrats ist durch Gesetz nicht beschränkt. Eingegangene Druckfcbriften. England»ud wir. Betrachtungen über die internationale Politik. Von Dr. P. Nathan. 1 M. W. Borngräber, Berlin IV. 30. Kunst und KÄustler. Heft 6. 2,50 M. B. Casfirer, Berlin, Derss- llngerstr. 15._ Witterungsübersicht vom 4 März 1912. E-- t"' ß? m3> 1—1 2 10 6 5 Wetterprognose für Dienstag, den 5. März 1912. Zeitweise heiter, am Tage sehr mild aber veränderlich bei ziemlich starken südwestlichen Winden; wiederhalentlich Regen. Berliner Wetterbureau. Dm billiqe Hosen-Tage ............................................«in,................. �.«afkiMiiiiinitniiiiiHHiiiiiniiiiiiuiiiiimniiimimiiiiiHiiiiniiiiinnmnimiini......■h�hmhiiiii MniiniinmiimimiiiiiiHniiiiiiiiiiiiiiniimiiiiimni"""""" Hi'iiiiiiinniinimiiinii!imiiiiimni»»iiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiniiimnmninmiii Mittwoch= Donnerstag Dienstag �.| Dunkelgestreifte Zwun- Q Serie 1 buckskins......... M 3.50 c_„• IT Kammgurncheviots in vielen£ Ar. �erie 11 Streiten. Se r hallbar.. M. 3.00 c•_ n Cheviots u Kammgarnarten,'T f\f\ __ hell- u. dunkelgestreift.. M./.ÜU Große Posten Knaben-Hosen /Crj für das Alter von 5— 8 lahren durchweg M 1.50 n Pf. Serie IV �la",reifte � 8.50 c_ v"\/ Prima Kammgarn m fein"| A /v/\ _ Streifen Se' rvornehm M. Av.UU Serie VI 13.50 " 2-00 Große Posten Schüler- Hosen für das Alter von 8—14 lahren durchweg BaenSohn Kleider-Werke □ Deutschlands größte Fabrik dieser Art Chausseestraüe 29-30 11 Brücken straße 11 Gr. Frankfurter Straße 20 Schöneberg, Hauptstr. 10 Die Besichtigung unserer Kleiderwerke ist unseren Kunden nach vorheriger Anmeldung gern gestattet. Phantasie- Westen 1.75 2.95 3.50 Der Haupt• Katalog Nr. 44(Neueste Moden) kostenlos und portofrei awwwwwvvvvwvwwwwwwwvvvwwwvwwvwwvvwwv Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die n ich sie Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I(Ihr, für die Vororte bis 12(Ihr, In der Maupt-Hxpeditlon,(Indenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Gardinen! Steppdecken I Porüercn 1 Tischdecken I außergewöhnlich billig 1 Porwärtsleser 5 Prozent Rabatt extra l Gardinenhaus Brünn, Hacke- scher Marli i(Bahnhos Börse). Sonntags geöffnet. Tiorjahrige eteganteHerrenanzüge und Paletots au» iewsten Matzttoffen 20—10 Marl, Hosen 6—14 Marl. VersandbauS Germama, Unter den Linden 21. 1288n* Zieupiche!((tBlerbafte) m allen Größen, fast für die Hülste deS Wertes Teppichlager Brünn, Hackeilber Marli 4, vahnbos Börse.(Leier des »Vorwärts' erhalten ö Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet!' Hermannplau 6. Viandleibhans. Jedermanns allerbilligster Waren- einlaus. Ricscnauswahl Pelzsachen. HcrrenpaletotS. Jackettanzüge. Geb« ruckanzüge. Herrcnboicn. Damen- lachen. Extraoilligcr Bettenoerlaus. Aussteuerbclten. Vcrmielungsbett. Ausftcucrwäsche. Bettwäsche. Reich- haltigc GardinenauSwahb Porsteren. Tcppichauswahl. Pluichstichdecken. Steppdecken. Wanduhren. Wand- bilder. Schmucksachen. Taichenubren. Kcttcnauswahl. Ringeauswahl. Fest« geschenle. Warenocrlaus-bensalls SonntagS. �50* BorwnrtSteser erbalren süm Prozeni«xtrarabatt, sewst bei Gr. legenheitsläusen. Teppich» ThomaS, Oranienstraße 160, Oranienplatz: Roleiitalerswaße 54.___ 9265t* Einfegnnngsanzüge, Heine Anzahlung. Kretschmann u. Co., Koppen- slraße 4(Schtesischer Bahnhos).* Teppiche in allen Größen, enorm billig. Portieren, Diwandecken, Engroshaus Hermann Henow, Gertraudtenstraße 48— 19, I. Kein Laden.»Vorwärts'Ieser 5 Prozent Rabatt._ 109151* Federbetten. Stand 10,00, 15,00, 22,00, feinste Brvutbetten, Wäsche, Schmucksachen, Uhren billigst. Psand- leibhauS, Küstrinerl'latz 7. 10895t* Gardinen, SloreS, Portieren, Steppdecken, Teppiche, Einiegnungs geschenle. PsandleihhauZ, Küstriner- platz 7 In Freien Stunden. Wochen schrist für das arbeitende Voll. Romane und Erzählungen. Abonnements wöchentlich 10 Ps. nehmen alle AuS- gabestellen des„Vorwärts* entgegen Probeheste gratis. Betten, Stand 11,00, 16,00, bochseine*(,00, Gardinen, Freischwinger, Teppiche, Pläschstschdecken, 5ttnderanzüge, DamenUeider, spott- billig Leihhaus Osten, Königs- bergerslraße 19. 1022K Gnskronen, dr-iflammig 7,50. lomplctt, Gaszuglampen 6,00, KaS- Ihren 2,40, Gaswandarme 1,50. .5tronenlagcr, Große Franlsurtcr- straße 92, Ravenöstraße 6(Wedding). Rixdors, Berlinerstraße 102. 615t* Fischers TcppichhauS, gegr. 1884, Porsdamerstraße 109. Spottbillige Ricfenposten Teppichs» Portieren. Gardinen, Steppdecken. Tüllstores, Läuferstoffe. VorwärtSlescr Ertra- rabatt._ 99551* Billigste Bezugsquelle: Monäts- anzüge, Paletots von 5 Marl, neue Garderoben, meist auS Psandleihen verfallene Sachen. Garderoben- Reinigung Friedländer, August- straße 64. t98* Leihhaus Moritiptau 58»! Moritzplatz 58a im Leihhaus lauten Sie enorm billig, als: von Kavalieren wenig getragene Jackettanzüge, Rock- anzöge, PaletotS, größtenteils auf Stide, 9— 18 Marl. Gelegenbcits- läuse in Damen-Kostümen, Kleidern, Tuchmäntcln, aus Seide. Herstellungs- preis bis Marl 150, jetzt bis 35 Marl. Gelegen heitsläuse in Uhren, Keilen, Ringen' Wäsche, AuSsteuerwäsche, Betten, enorm billig, nur Moritz- platz 58». Zinkwaschfässer, Zober, Sitz- wannen, Badewannen. Spczialtnbril Reichenbergerstraße 47. Lesern 5 Proz. Geld! Geld! Sparen sie, wenn Sie im Leihhaus.Rosentbaler Tor*, Linicnstraße 203j4, Ecke Rosenlhaler- slraße lausen. Anzüge von 9,00 Marl an: PaletotS von 5,00 an: Damengarderobe, Letten, Wäsche, Gardinen, Portieren, Freischwinger. Bilder, Uhren, Gold», Silberwaren, Fahrräder, von letzten Aultionen zurückgelanfte, sowie neue Waren. Alles spottbillig. Anzüge werden verliehen. Sonntags geöffnet. Hohe Beleibung.__ 103651* Federbette», spottbillig, Stand 11,00, 16,00, Hochseine 22,00. Zentralleihhaus Schöneberg, Haupt- straße III._ 104051* Ohne Anzahlung, Woche 0,50, Bilder, Spiegel, Möbel, Polsterwaren, Steppdecken, Tischdecken, Teppiche, Gardinen. Portieren, Bezüge, Uhren, Gaslroncn liesert billigst Weber. Neue Königstraße 34. Besuch oder Postlarte._ 10145t* Billig, billig, billig! Monats. anzüge, wenig getragene Sommei- paletots, Gehrockanzüge.Fiacks, Smo- lingS laust man nur bei Weingarten, Prinzenstraße 28 I, Eckhaus Ritter- straße, srüher 20 Jahre Gitschiner- straße._ 109551* Littnner Nähmaschinen ohne An- Zahlung, gebrauchte spottbillig. Slalitzerstraßc 99, Warschauerftr. 67.* Grundbegriffe der Polistl, von Friedrich Stampjer. Gebunden 3M. Buchhandlung Vorwärts, Linden- straße 69(Laden). Zehn Brozent Rabatt Vorwärts- lesern. Teppiche, Farbenscbler, jetzt sabel- hast billig. Ricsen-Fabrillager, Große Franlsurterslraße 125, im Hause der Möbelsabril; billiger wie überall. BorwärtSlesern noch ertra 10 Prozent Rabatt sonntags geöffnet. Gardinen, Fabrilreste, Fenster 1.65, 2.35, 2.85, 3.50. 4.50, 6.75 usw. Totalansberkanf von angc- schmutzten Gardinen, StoreS, Bett- decken, staunend billig. Große Franl- sucterstraße 125. Tuch- und Plüschporsteren, Kar- nitur 3.85, 4.50, 5.25, 6.50, 8,25, 10.50. FabAllager Große Franlfurter. straße 125. Steppdecken billigst, Fabril Große Franliurterstraße 125. Tuch- und Plüschdcckcn mit steinen Fehlern zu Spottpreisen. Große Franlsurterstraße 125. Siur im Hause der Möbelsabril. Möbelftvff-Läuser, Ltnoleumrcste, sabelhaft billig. Sport- und Schlafdecken 1.25, 1.40. 1.85, 2.45, 2.85 usw. Große ranlsurterstraße 125, im Hause der Möbelsabril. 1121K' Pommersche Betten I zwei Deck- betten, zwei Kissen, zweischläfrig, 15,00, große Laien 90 Pfennig, Damastbezüge 3,80, AuSsteuerwäsche, Steppdecken, Portieren, Teppiche, Gardinen. Psandleihe, Prinzen- straße 34. 1037K* Möbel! Für Brautleute günstigste Gelegenheit, sich Möbel anzuschaffen. Mit Ileinfter Anzahlung gebe schon Stube und Küche. An jedem Stück deutliiber Preis. Uebervorteilung daber ausgeschlossen. Lei KranIbeitS- fällen und Arbeilslosialeit anerlannt größte Rücksicht. Möbelgeschäft M. Koldstaub. Zossenerstratze 38, Ecke Gueisenaustraßc. Kein Waren- Ab- zablungsgeschäst! 2901 K* Möbel-GelcgenheitSläuse in aller. größter Auswahl: einfache sowie essere Wohnungseinrichtungen be- deutend billiger wie regulär. Er- gänzungsmöbel. Büsetle, Schreib- tische 45, SosaS 45, Garnituren 65, TrumeauS 37. Schränle. VertiloS 27. Kronen, Teppiche, Bilder, Kütben- möbel, Klubsessel, LedersosaS, Ilm- baue, Lederftüble usw. spottbillig. LennertS Möbelspeicher, Lothringer� straße 55, Rosenthaler Tor. Die Möbel sind in vier Etagen aus- gestellt. 107851* Umzugshalber z Sofa 22,—, Küchenspind 8,—, Trumeau 30,—. ganze Wirtschast spottbillig. Wal. demarftraße ög. 3g/i4 Möbel(dislret). Reelle, alte, gut renommierte Firma liefert Möbel unter Dislretton aus Teilzahlung. Anfragen: Postlagerlarle 12, Postamt 22. 1119K* Möbel, Kleiderschranl, Vertiko 28,—, Trumeau 45,—. Schreiber, Brunnenftraße 123._ 1116K* Teilzahlung. Möbeleinrichtung, Stube und Küche 15 Marl. Ver- liehen gewesene Möbel spoltbillia. Berolina, Kaslanienallee 49. 1114K* 4,35, Prachtbett 10,00, ganzer stand, rotrofa geftreish Prinzen- Pfandleihe, Prinzenftraße 34.* Brautbetteu, ganzer Stand 27,00, nur in der billigen Pfandleihe Prinzen- straße 34. Fahrgeld wird vergütet.* Teppiche. Prachtstücke mit steinen .Farbfehlern, 12,50, Portteren alle Farben 4.25, Plüschdecken 6,75, Stepp- decken 4,50 Gardinen, Einzelscnster 2,50, Erbstüv-Belldecken 4,50. Gün- stigste Kausgelegenheit. Georg Lange Nachfolger, Chausteestraße 73/74. „Vorwärts'lesern noch 5 Prozent Extrarabatt. 1120K* Plättmaschinen, Platte, Regal, Lichtenberg, Wcserstraße 4. �58 Gardinenrette I Spottbilliger Jnventurvcrlaus! Fenster 1,85, 2,25, 3,25 bis 6,85. Stores, Rouleaux, Uebergardinen. Ausverlaus zurück- gesetzter Muster. Wölfs Tepptchbau», DreSdencruraße 8. VorwärtSlescr 10 Prozent Rabatt. 903K* Teppiche(Farbcnsebler) Gelegen heilSlaus. Fadristager Mauerdoft, Rur Große granffurterstraße 9. Flur- eingang. Gegründet 1874. Vorwärts- lelern 10 Prozent. Sonntags geöffnet. Steppdecken billigst Franliurierstratze 9, fabril Große Flurcingang. GardinenhauS, Große Franl furierstrage 9, Flurewgang. 2491K' (iesctiÄktsverizsuke. Kohleugeschäft, spottbillig, Sommer- monate Jungbier, beides wird an- gelernt, spottbillig Malplaquclstr. 7. Zigarrengeschäft, Neukölln, große» Lager, umständehalber zu verlausen. Zu erfrage» in der Spedttio», Sieg. sriedftraße 28/29.+47 Schultheist-Restaurant verläuflich. 600,00 erforderlich, Mattcrnftraße 8. Parteilolal IranIheitSwegen sofort billig. Wttwe Gampig, Lüne- burgerstraße 27. 378b Zigarrengeschäft verlaust billig wegen ödranlheit, 6 Jahre in einer Hand, Marienburgerstraße 1. 36/15 Grüntramgeschäft, TagcSlasse 45,00, Miete 60,00, Preis 600,00, verlauft JablonSlistraße 8.+56 Krankheitshalber Milch-, Kolo- nialwarengeschäft, 3 Stuben, Miete 75,00, sosori Antonstraße 17.+85 Seifenfiliale, glänzende Existenz, wegen Ueberbürdung verläuflich Schercrstraße 9._+127 Restauration. VereinSzimmer, 2 Kegelbahnen, Garten, mehrere Vereine, billig zu verlaufen Reinicken- dorf, Hoppestraße 24, am Babnhos Schönholz.+134* Möbel. Möbel ohne Gelds Bei ganz Neiner Anzahlung geben Wirtschaften und einzelne Stücke aus fdredit unter äußerster Preisnotierung, auch Herren- garderobe und Waren aller Art. Der ganze Osten laust bei uns. Krctsch- mann u. Co.. Koppenstraße 4. ISchlesischer Bahnhof.) 1075K' Möbel. Lechuer, Brunncmtr. 7, am Roseiiidaler Tor, Spezial-Möbel- hau«. Aus Kredit und gegen bar. Große Auswahl jeder Art. Stube und Küche,'Anzahlung schon von 15 Marl an. Einzelne Möbelstücke, Anzahlung von 5 Marl an. Liefere auch nach auswärts. Vorzeigcr dieses Inserats erhält bei Kauf 5 Marl gutgeschrieben. Sonntag nur von 12—2 geöffnet. Alöbet-Gohu, Große Franlsurtcr« sirage 58, nahe Kaiscrslraße. Woh- nungs-Einrichttuigen aus bequeme Teilzahlung. Stube und Küche An- zahlnng von 15 Marl an. Einzelne Möbelslücke Anzahlung von 5 Marl an. Moderne Schlafzimmer, Speise- »immer, Herrenzimmer. In bunten Küchen riesengroße'Auswahl. Licsere auch nach auswärts. Abzahlung wöcksentlich. monatlich, ganz nach Wunsch. Größte Rückflchl bei Krankheit und Arbeilslosigleit. Vorzeigcr dieses Inserats erhält beim Kauf 5 Marl gutgeschrieben. Sonntags 12-2 Uhr geöffnet. 964K* Möbelangebot spottbillig, Möckern- straße 25, im Anhalter Bahn-Möbel- speichcr, an der Möckernbrücke. Einzelne Schreibtische 28,—, Bücherschränle, Bü> setts, Kredenzen, Spiegclschränle, Klei- derschränle schon 25,—, Bettstellen, Schreibstühle, Rohrstühle, Lederstühle, Klubsessel, Säulentrumeau 30,—. Waschtoilette mit Marmorplatte 28,—, Salontische, Nähtische, Ausziehtische 18,— an, Plüschgarnitur, Salongarnitur, Paneelsosa, Sosa 40,—, Sosa- umbau, Flurgarderoben 17,50. Bilder mit Prachlrahmen, Standuhren, Frei- schwinger 12.—. RiesenauSwahI wenig fehlerhafter Teppiche statt 12.— jetzt 8,50. Extragroße, farbenprächtige Salonteppiche 35,— bis zu den ele- gantesten. Chaiselongue mit Decke 22,50. Diwandecken, Steppdecken, Plüschttschdecken 5,—. Tüllbetldecken 2,—. Tüllgardinen, Restbestönde unter Preis. ErbStüllftorcs mit Volant 3,50. Plüschporsteren 7,50. Gaslronen 15.—. Oeldilder. Für Brautleuie, Hotels, Pensionale ganz außergewöhnlich bil- lige Schlafzimmer, prächtige Herren-, Speisezimmer, SalonS moderne Küchen, ganze Wohnungseinrichtungen, nur durchweg neue, gediegene Waren. zum schleunigen Verlaus. Olto Lidele, Mödel-Warenspeicher, Eingang nur Möckcrnslraße 25. Ueber- nähme ganzer Warenlager. Konkurs- massen, Wirtichaslen zum schnellen Verlaus und Aulston. 973K Möbel verlause zu außeraewöhn- lich niedrigen Fabrilpreisen dirett im Fabrilgebäude und Laden. Bcsich- stgung ohne Kaufzwang. Wohnungs- einrichtung, Stube und Küche 200,00, 270,00— 400.00, zwei Stuben und Küche 400,00— 700,00, Speise. zimmcr, Herrenzimmer, Schlafzimmer, Küche 950 00—1450,00. Aeußersl günstige Gelegenheit bietet sich meiner Kundschaft in GclegenbeitSläuscn, darunter Muschellleiderspind, Ver- iiloS, Ruhebetten, Muschelbettstelle mit Matratze, Säulentrumeau«, Schreib- tische, Büfette, Plüschgarnituren, Büchcrspinde, Paneelsosa sowie ganze Einrichtungen. Eventuell ZahlungS. crleichtcrung. Gclauste Möbel werden lostenfrei aufbewahrt und geliefert. Richard Dehme!, jetzt Oranien- straße 131. 1006K* Anf Teilzahlung! Einzelne Möbel, lomplette Wohnungseinrich« tungen in cinsachcr und besserer Aus- führung liesert unter lulanten Zah- lungsbcdingungen die seit 50 Jahren bestehende Möbelsabril Hermann Rotte, Tischlermeister, Zionslnrhstraße 39.* Möbeltausch. Altere, unmoderne Möbel werden in Zahlung genommen und modern» dafür geliefert, die Differenz in bequemen Raten. An fragen unter Postlagerlarle 18, Post amt 22. 1118K* Gelegenheitskauf, schleunigst, passend für Brautleute, Nußbaumwirt- schast, noch neu. mtt bildschönen Küchenmöbcln, Geschirr, Gaslrone, einige Wandbilder 195,—, Näheres Neue Königstraße 66 l. 215/18 Pliischsofa, modern, nagelneu, 35,00. Selbst, Große Hanwurger- straße 13/14. 3836 Gebrauchte Küchenmöbel. Spind, Tisch. Rahmen verlaust Schwarzer, Muslauerstraße 44 IV.+11 Fortzugshalver: Nußbaum- vcrtilo, Plüschsosa, Eisenbettstelle, Sitzwanne, Waschlops, Korridorspind, eleganter Sportwagen allerbilligst. Schöncberg, Sedansiraße 80, II rechlS 147 Sofas, prima Bezug, 54,—, 26 Garnituren 115,—, 80 Chaise- lonques, prima, 25,—, Sosaumbau mit Seitenschränlcn 60,—, mi t-säulen 57,—. Nur soweit Vorrat. Tapezier- werlstätten Slalitzcrstraße 25, an der Hochbahn._ 1086K* Möbel-Gelegenheitskänfe, gut gearbeitet, viele Gelegenbeitsmövel, welche bedeutend unterm Preis sind. Bücherspind 68.—. Schreibtisch 48.—, Bettstelle 33,—, Trumeau mit Stufe 34,—, Garnitur, Sosa, 2 Sessel, Sola 45,—, Kleiderspind 46,—, Herrenzimmer, Speisezimmer. Schlas- zimme», wundervolle Sachen, sehr billig. Kommen Sie erst vor Ihrem Einlaus zu mir, Sie sollen die Möbel nur besidftigen. Ehrlich, Alte Schön- hauserstrage 32._ 11I7K* Brautleute» verlaust schleunigst moderne Nußbaummöbel, Umbau- sosa, bildhübsche Kücheneinrichtung, spottbillig Waßmannslraße 13 I. Berkäufltch!(Händler Wirtsl los!) Moderne Wirtschaft, apart» Kücheneinrichtung. Elegantes Plinch. sosa, Umbau, Heraeiischreiblisch, Englischbetten, Anlleideschrarck. Cbaisc- iongue, Trumeau, Prachtwandbilder, Teppich. Gaslrone, Verschiedene«. Königsbcrgerstraße II. vorn I rechts bei Fischer._ 86/15 Möbelangedot. Vorteilhafteste GclegenheitSläuse durch Anlauf ganzer Warenläger. Einzelmöbel, lomplette Einrichtungen, schlichteste, eleganleste Schlafzimmer, Speisezimmer, Herren- zimmer, RiesenauSwahI, 5 Elagen. Fabrilgebäude, Neue Königstraße 5—6, Teilzahlung gestattet. SonntagS ge- öffnet. WWjMWWWWM Arbeiter-Musterwohnnugen.Für jedermann leicht erwerbbar, sehr billig, auch gebrauchte Möbel, gut erhalten, große Auswahl, Teilzahlung gern gestattet. KassenpreiS Zinsvergütung, kleine Anzahlung, bequeme Abzah- lung nach Wunsch der Käuscr. Gabbert Tischlermeister, Acker- straße 54._* Mödelhandlung Marianncn- straße 25, billige Preis«. Teilzahlung gestaltet..VorwärtS'leser 3 Prozent Rabatt. 39K* Möbelfabrik, Verlaus Schützen- straße 73/74, an der Friedrichstraße. Billiger wie überall. Zahlungs- erleichterung bei niedrigsten Kassa- preisen. Einrichtungen von 250,—, 350,— bis 3000,— in großer Auswahl am Lager. Bettstellen, Kleider- schränle, VertiloS, Spiegel, Sofa- umbauten, Büfetts, ganz besonders preiswert. SonntagS 12—2 nur Schützenstraße 73/74, 858K* Stuben- und Küchenmöbel, Küchen- geschirr, Teppich, Bilder, Krone, sehr billig, umgehend verläufiich Wein- mcisterstraße ld— 2, Hausverwalter. "Chausseeftrasie 4S. Möbelspeicher, verlaust riesig billig! 60 komplette Wohnungseinrichtungen in allen Aus führunge», englische Bettstellen. A» Ileideschränle, 30 Schlafzimmer, 80 farbige Küchen 52,— an. 70 Woequelte und Plüschsosa« 48,— an. Ver bindungSltsche 23,—, Ruhebetten, Schreibtische, Kristallumbaus 32,—, Maimorlolletten, Nußbaum Schreib ttsche 42,—. Besichtigung lohnend.' Biel Geld sparen Sie durch reellen, billigen Einlaus in der Möbclaus- stellung Oranienstraße 202(Innung«- mrister). Auch Teilzahlung. Vorwärts- lesern 5 Prozenb_ 1104K* Plüsihsofa 28,00, Kleiderspind 26,00, Tisch 4,00, ganze gediegene Einrichtung billig. Waldemarftradc76, Vorderhaus I links, 32/6� Gelegenheitskäufe in neuen Möbeln für Brautleute, Pensionate, EotelS, Zimmervermieterinnen und leinhändler, KamerlingS Möbelhaus cnaro«, en detail, Kastanienallee 56, Ecke Weinbergsweg. Hausnummer, Name beachten._ 344b* «loebet- Bsebel. Oranien straße(Moritzpla,) 58, Fabrikgebäude, liesert als Spezialität: Ein- und Zweizimmer-Einrichtungen. Größte Auswahl. 9 Etaaen in 2 Fabrikgebäuden. Billigste Preise. Ein flimmer und Küche 234,—, 336,—, 40«.—, 496,—. 566—, 655,— bis 1000,—. 2 Zimmer und Küche 448, 501,—. 571,—. 660,—. 773,—. 867,—. 991,— bi« 2000,—. Schlaf- zimmer 194,—, 270,—, echt Eiche 299,—, 850,—. 401,—, Wohnzimmer, modern, 266,—, 318,—, 343,—, 403,—, Speisezimmer, echt Eiche, 343,—, 373.—, 462,—, 571.—. Herrenzimmer, englische Bettstelle mit Matratze 42,—, Trumeau, ge- schliffen 36,—, Plüschsosa 58,—, Um- bau 50,—. Besichtigung ohne Kauf- zwang erbeten. 5 Jahre Garantie. Eventuell ZablungSerleichterungen. Geöffnet 8—8, sonntags 12—2 Kein Laden, verlaus im Fabril- gcbände, 952K* Slparte Möbel. Durch Znsall bin ich in der Lage, einen großen Posten Herren-, Speise-, Schlafzimmer sowie Wohnzimmer 20—30 Prozent unier Prei» abzugeben. Versäumen Sie nicht, bevor Sie abschließen, mein rcichhalttges Lager zu besichttgc«, Da ich selbst fabriziere, lein Ladengeschäft unterhatte, kann ich an jeder- mann zu Engrosprciien verlausen. Möbeltischlerei Otto Lilie, Köpenicker- straße 39, gegenüber Adalbertstraße. Herrenfahrrad, Damensahrrad, wie neu. 35.-. Holz,»1"™"'.* straße 44. 10938 Kaufgesuche. Platiuabfälle, per Gramm 5,75 Marl, Gold-, Silbersachcn, Gebisse lauft höchstzahlend Goldschmied Bruckard, Mulackstraße 22, nahe Rosen- thalerstratze. 2956b* Zahngebiffe, Koldsachen, Silber, Platina, Stanniol, Quecksilber, höchst- zahlend. Edelschmelzerei, Friednch- straße 139(Weidendammerbrücke).* Kaufen Sie direkt beim Tischler- meister. Komplette WodnungS-Ein- richlungen in allen Preislagen. Be- stailigen Die meine Ausstellung. Richard Harnack, Stallschreibeistr. 57 k»voreln der Berliner 1'arkettgeMchiltte. Char- lottenburg. llhlandftrasse. Schirmgeichäfte H. I-iohten- '»t«in.Ne«eFriedrtchstr.it8/40. Leipziger Str. 78, Müller- strafte Zn, RoieutHalerftr. 10. Schönhauser Allee 101, Kott- busor Damm 3, WilmerS- dorfer Strasse 37, Berliner Strafte 4 in Tegel. Xntlncli. Dresdener Ztr. 39, Stonjjer, ' Oraiitenftrasse. Kohn, Turm- st raffe 37. Für.Hartgummi- Arbeiter die die Firma Antthnov, Schle- fische Ztr. 33. Da« Berliner Arbeitswillige». vermitreluugsburrau d. gelben »Handwerkerschuffverbandes*. Arbeitsnachweis d. Stellmacher- inniing und der BZagenfahri- kanten, Kaiser-Franz-Grenadier- Platz. Zuzug ist stteng semzuhalten. Die Ortsveruaiiung Serlin«es veutschen tiolrsrbeiterverbaockes. Verantwortlicher öiedaktellr: Ulbert Vach», Perlist. Für de» Inseratenteil veranttv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.»Verlag: Borwärt» Luchdruckeret u. Be clagSanstalt Paul Singer u.«o, löerlin SWt