N?. o BbonntmenU-Bfdlngun««: Sffiormemeniä- Preis Stämimctanio; Iierieljährl. 8�0 Mk, monatL 1,10 SKf, wöchcnUich 28 Pfg. frei in» Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag». nummer mit illustrierter Sonntag?. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung». PrelZIiste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da» übrige iluSland 3 Marl pro Monat. Postabonncment» nehmen am Belgien. DSnemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Siumänien, Schweden und die Schwei». Zayrg. Dl« TnffrtionS'GtbOIjr beträgt für die sech»gespastene Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewerlschastlichc Verein?- und Bersalnrnlung». Anzeigen 30 Plg. „Kleine Hnxetgen", das settgcdruckic Wort 20 Psg.(zulässig 2 settgedrucktc Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan-. zeigen da» erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über löBucd- staben zählen für zwei Worte. Zinscraie für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmitt-g» in der Expedition "'"-■■■" pedition ijt abgegeben werden. Die bis 7 Uhr abends gl tffncl. erl»«l!>t lügllch»ulZer moutass. Verllnev Volksblstt. Zctitralorgan der fozialdemokrati fehen Partei Deutfchlands. Telegramm- Adrefle: „Sdzialdemolirat Rerlia". Redaktion: 8 Cd. 68, Linden atrasac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1S83. Schwar�gelbe Aufregung. Aus Wien wird uns vom 6. Mörz geschrieben: Zwischen Oesterreich und Ungarn, den zwei Staaten, die sich brüderlich lieben sollen, aber einander glühend hassen, ist es wieder einmal zu einem wütigen Streit gekommen, dessen unmittelbare Folge sehr leicht die Demission der beiden Regierungen werden kann. Das drollige, aber echt öfter- reichische ist nun an deni neuesten Konflikt, daß es um eine papierne Resolution geht, um eine überdies, der sich Verstand und Berechtigung nicht absprechen lassen. Aber wie sichs schon oft gezeigt hat, so auch diesmal: der echte Schwarzgelbe ist„kaiserlicher" noch als der Kaiser, und um die berühmten Kronrechte ist er noch besorgter als ihr Inhaber. Die(natür- lich höchst verwickelte) Geschichte dieses Konflikts verdient wirklich gehört zu werden. Ter Konflikt knüpft an die Verhandlung des neuen Wehrgesetzes an, das auf Grundlage der zweijährigen Dienstzeit dem Moloch neue große Opfer bringen will. Das Wehr- gesetz ist eine sogenannte genieinsame Angelegenheit, das heißt, es muß im österreichischen Reichsrat und im ungari- scheu Reichstag gleichlautend beschlossen werden. Im un- garischen Abgeordnetenhause steht die Vorlage nun seit so etwa dreiviertel Jahr in Verhandlung(im österreichischen Reichsrat soll sie in der nächsten Woche angehen): welche Ver- Handlung in Ungarn bedeutet, daß sie in althergebrachter Weise obstruiert wird. Den ganzen Sommer hindurch— der „Verhandlung" zuliebe verzichtete das Abgeordnetenhaus auf die Ferien— bestand die Verhandlung in namentlichen Ab- stimmungen: über die tiefsinnige Frage, ob den Abgeord- neten, die zu diesem Zwecke jeden Tag ein Urlaubsgesuch einreichten, der Urlaub zu bewilligen sei oder nicht. Im Herbst wurde die„Verhandlung" unterbrochen, um dem Etat Platz zu machen: nun soll sie wieder aufgenommen werden, und um sie endlich vorwärts zu bringen, hat Graf Khuen- Hedervary, der ungarische Ministerpräsident, mit einer Gruppe der Obstruktion, der Kossuthpartei, ein Friedens- übereinkommen geschlossen: mit der anderen Gruppe, der Justhpartei, die die Wehrreforni obstruiert, weil sie fordert, daß ihr die Erledigung der Wahlreform vorangehen soll, ist eine Vereinbarung nicht zustande gekommen. Als die wich- tigste„Konzession" wurde den Kossuthleuten bewilligt, daß der Reichstag eine Resolution beschließen dürfe, der die Re- gierung zustimmt, wonach die Einberufung der Reservisten und Ersatzreservisten nicht zulässig sein soll, wenn der Reichs- tag die Aushebung von Rekruten verweigert hat. Diese Beiziehung von Reservisten und Ersatzreservisten, also von Soldaten, die ihre gesetzliche Dienstpflicht schon geleistet haben, zum neuerlichen Weiterdienen ist nach einem alten Gesetz vom Jahre 1888 ausnahmsweise zulässig, welche Ausnahme natürlich nur für den Fall kriege- rischer Verwickelungen gedacht ist. Diese Ausnahme ist nun benutzt worden, um während des großen Konflikts im Jahre 1905, als der Reichstag mit Wien in Krieg stand und das all- jährliche Gesetz, wodurch die Aushebung der normalen Re- kruten bewilligt wird, verweigert hatte, die Ersatzreservisten zum Ersätze für die gewöhnlichen Rekruten heranzu- ziehen, um die Lücken, die durch den Mangel der normalen Rekruten entstanden sind, mit Ersatzreservisten zu füllen— was, wie jedermann begreift, eine Anwendung gegen das Gesetz war. Gegen die Wiederkehr dieses Mißbrauches will sich nun der Reichstag schlitzen— wobei er natürlich an künf- tige Zeiten denkt, an die, da Franz Ferdinand regieren und Konflikte, wie mit aller Welt, auch mit Ungarn suchen wird. Keinesfalls läßt sich,� auch nicht bloß vom rein ungarischen Standpunkt, der Resolution die sachliche Berechtigung ab- sprechen, denn die istärkung der Parlamentsmacht gegenüber der Krongewalt auf dem so wichtigen Gebiete der Armee liegt, selbst wenn diese Parlamentsmacht vorläufig nur die Macht einer Oligarchie ist, auf dein Wege demokratischer Entwickelung. Sachlich ist die Bedeutung der Resolution gleich Null: denn da die Einberufung von Reservisten und Ersatzreservisten der militärischen Kommandogewalt zufällt � sie erfolgt nach dem Gesetze durch einen„Befehl" des Kaisers, der nicht einmal vom gemeinsamen Kriegsminister gegengezeichnet wird, dem Einflüsse der Regierung aber völlig entrückt ist—, so könnte jene künftige Regierung, selbst wenn sie der einseitigen Resolution des Reichstages irgendwelche Rechtskraft zuerkennen würde, an den Dingen gar nichts ändern: weil sie sie eben nichts angehen. Die Re- solution hat demnach nur einen gewissen moralischen Sinn: daß sie, soweit es auf das Parlament ankommt, dem m i l i- tärischen Absolutismus Grenzen ziehen will, was eine moralische Sache selbst bei dem unmorali- schen Charakter ihrer Urheber ist. Gegen diese Resolution wendet sich nun der Grimm der Schwarzgelben, und das Urdrollige ist daran, daß der Kaiser der Resolution ganz unzweifelhaft zugestimmt hat, was sich' durch die einfache Erwägung beweist, daß Khuen, der in! kühler und leidenschaftsloser Berechnung ein Meister ist, ohne ausdrückliche Zustimmung der Krone den Pakt mit den Kossuthleuten nie eingegangen wäre, daß also die Krone auf die Unantastbarkeit des fabelhaften Kronrechts sehr wenig ra /.___•,■*-t SJa SKlofirvofrtrm Ytofto*»«CtS geraten sind, weil ein militärisches Befehlsrecht des Kaisers I zugunsten des Parlaments eingeschränkt werden solll Statt daß sie das Gleiche für Oesterreich fordern würden, wo es sehr nötig wäre, weil hier die Krone an dem berüchtigten 8 14 ein gar rares„Kronrecht", nämlich das Verfassungs- bruchrecht besitzt, setzen sie Himmel und Hölle in Bewegung, um die papierne Resolution zu hindern! Wobei der Effekt kein anderer sein würde, als daß über Ungarn, wo Khuen eine notdürftige Ordnung hergestellt hat, wieder das Chaos hereinbrechen wird und die dunimen Schwarzgelben um die ersehnte Wehrreform erst recht kommen. Tatsächlich steht die Demission der ungarischen Regierung, die das, was sie abgemacht hat, natürlich nicht plötzlich verleugnen kann, in unmittelbarer Sicht— sie kann schon morgen überreicht werden— und so können wir uns, da die ungarische Krise auch Oesterreich in Mitleidenschaft ziehen muß, wieder auf lange und schwere Wirren gefaßt machen, die alle parlamen- tarische Arbeit ins Stocken bringen werden. Wer genauer hinsieht, erkennt auch: wo der Ursprung'des gerade vom Standpunkt der Dynastie so seltsamen Konfliktes steckt: in der N e b e n r e g i e r u n g, die sich um den Thronfolger sammelt, und als deren ministerielles Exekutivorgan der neue Kriegsminister Auffenberg fungiert. Im Grunde wird nämlich nicht Khuen besiegt, sondern es wird eine Nieder- läge dem alten Kaiser von dem ungeduldigen Anwärter be- reitet. Es ist hierzulande nicht leicht, mit einem Monarchen zu regieren: mit zweien ist es natürlich unmöglich. Würde es sich dabei nicht auch um die Wahlreform in Ungarn handeln, und würde von der Militärkrise nicht die gesamte parlamentarische Arbeit berührt werden, so könnte man sich dem behaglichen Eindruck, wie immer wieder in Oesterreich- Ungarn alles zusammenbricht und in den Sumpf gerät, mit reiner Schadenfreude hingeben. Lhauvlniltilche tollljäuslmi. Wohin sind die guten alten Zeiten geschwunden, wo es bei uns als ein Äuriosum galt, tvenn im heißblütigen Gallien ein Boulanger oder sonst ein streberhafter Revancheheld den Säbel wetzte.' Wie weidlich machte sich damals die deutsche Presse über solche gemeingefährliche Narrheit lustig, und mit wie gelaffener Gebärde— nur die Zeit der Hurra- und Angstwahlen von 1887 bildete eine unrühmliche Ausnahme— zuckte man in Deutschland über solch chauvinistische Theatralik die Achseln. Erst' wenige Jahre sind seither verflossen, und doch lostet es uns heute schon starkes politisches Rekonstruktionsvermögen, sich in diese Zeiten politischer Vernunft in Deutschland zurückzuversetzen. Denn inzwischen sind die d e u t s che n Chauvinisten, zu denen die einflußreichsten bürger- lichen Parteien gehören, genau so chauvinistisch exaltiert und gemeingefährlich tobsüchtig geworden, wie die hitzigsten Chauvins im vielbespöttelten Lande des Champagners und der politischen Ekstase WaS heute bei uns, und zwar bei jeder Gelegenheit, an prahle- rischer Ruhmredigkeit und unverfrorenster Brüskierung der Nach- barstaaten geleistet wird, das stellt die patriotischen Delirien des ausschweifendsten Chauvinismus jenseits der Vogesen kläglich in den Schatten. Nicht ein Tag vergeht, wo unsere Prozentpatrioten England nicht das Ende seiner Seeherrschaft prophezeien und ein« neue Aera der weltpolitischen Machtverteilung ankündigen. Nicht ein Tag, ohne daß nicht Englands Seemacht zertrümmert und Frankreichs Land- und Luftarmce zerschmettert wird. Für die deutsche Bourgeoisie ist es, sofern die Presse der großen reaktionären Parteien Schlüsse auf den Geisteszustand ihrer Anhänger zuläßt, geradezu zum Axiom geworden, daß der Krieg mit England und Frankreich unvermeidlich geworden, daß er nur eine Frage der Zeit ist, und daß es gilt, im Parforcetempo zu Land, zu Wasser und in der Luft derart zu rüsten, daß der deutsche Prozentpatriotismus den Orgien der unerhörtesten Menschen- schlächtereien die Orgien des ausschweifendsten kapitalistischen Tri umphes folgen lassen kann. Ein Beispiel für viele. Die„Braunschweigische Landeszeitung' läßt sich von„einer hervorragenden Persönlichkeit, welche dem Mittelpunkt der Entscheidung sehr nahe steht", schreiben, daß die ursprünglichen Flottenforderungen nach viermaligem Hin und Her zwar von 330 bis 350 Millionen auf etwa 200 Millionen herab gedrückt worden seien, aber dieses Entgegenkommen, das eine Gefälligkeit Wilhelms II. gegen England darstelle, werde auSge- glichen durch um so höhere Forderungen für unsere Landarmee. Denn: „Im gleichen Dioment wird unserem Volke wie dem inter- essierten Auslande eine deutsche Heeresforderung in der ungeheuren Höhe von � Milliarden, also 800 Millionen Mark, bekanntgegeben werden; und dies wird der weltgeschichtlicke Augenblick sein, in welchem die Tripel- Allianz unter einigem Entsetzen den furchtbaren Ernst erkennt. mit dem das unbequeme Kaiserreich seine Erfahrungen vom Sommer ISN ansieht, und mit dem Deutschland entschlossen ist, einer Welt in Waffen zu trotzen! Die Hauptsache aber und die zweifellos entscheidende U e b e r- leguna des Kaisers und unserer höchsten Mili- tärS ist die: England kann allein gegen uns nicht fechten; es braucht Frankreich und Rußland; es kann uns nur durch diese niederwerfen. Also tragen w i r Sorge, daß wir England zerschmettern, indem wir seine Verbündeten bis zum Weißbluten bringen; vornehmlich das schöne Frankreich, die wertvollste Geisel der Welt, mit dem gerade neuerdings so prächtig„abgerundeten"„iwrdafrikanischen Kaiserreich". Das ist das so einfache Geheimnis jener 200- und dieser 800-Millionenvorlage." Expedition: 8M. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1384. „Post" erklärt dazu noch mißvergnügt, daß der Wassermilitarismus dabei schlecht abschneide. Für die unverschämten Drohun- gen des Braunschweiger Organs gegenüber Frankreich, der„wert- vollsten Geisel der Welt", hat das Organ des freikonservativen Kanonen- und Panzerplattenkapitals natürlich nicht eine Silbe des Tadels. Im Gegenteil, je toller gehetzt wird, desto freu- d i g e r schlägt das Herz der Prozcntpatriotcn. Ein Gutes bat diese unverhüllte Proklamation der kapita- listischen Beutepolitik immerhin: Sie zeigt der Arbeiter- klasse, diesen Opfern kapitalistischer Beutegier und Menschen- Verachtung in Kriegs- und Friedenszeiten, wie skrupellos unsere Herrschenden mit dem kostbarsten Gut der Mensch- heit, dem Frieden, spekulieren! Und je abenteucr- licher dieses kapitalistische Spekulationsfieber sich ausrast, desto kühler und entschlossener mutz im internationalen Pro- letariat der Entschluß reifen, diesen Verbrechern an Kultur und Menschheit so rasch und so gründlich als möglich das Handwerk zu legen! Aer terroritiert? Gewicht legt(weil ihr eben die Wehrreform lieber ist), ww j Also 1000 Millionen neuer Militärforderungen für wenige gegen nun die Schwarzgelben darüber außer Rand und Band I Jahre tündigt die.Braunschweigische Landeszeitung" an, und die Die Scharfmacher und ihre Wortführer innerhalb und außer« halb der Parlamente in Deutschland erheben seit Monaten ein wüstes Geschrei über den angeblichen sozialdemokratischen Terra- rismus und verlangen von den Regierungen neue Zwangsgesetze, um die gewerkschaftlichen Organisationen der Ardeiter zu unter- drücken. Täglich wird jetzt die Tribüne des Reichstags benützt, um in beweislosem Gerede die Regierung zu Zwangsmaßnahmen gegen die organisierte Arbeiterschaft scharf zu machen. Ver- gebens wurde den Wortführern der Reaktionäre vorgehalten, daß gerade d i e Kreise, die unausgesetzt nach einem neuen Zuchthaus- gesetz rufen, es sind, die den ärgsten Terrorismus ausüben. Die Junker können ja in bezug auf terroristische Handlungen von niemand übertroffen werden. Aber auch die Scharfmacher in den Kreisen der Industrie sind nicht besser. Um ihre Organisation gegen die Arbeiter zu einer lückenlosen zu machen, wenden sie gegen Fabrilanten, die sich der Organisation nicht anschließen wolle», Mittel an, die eine vollständige Vernichtung der Existenz bewirken. Ein solcher Fall von Unternehmerterrorismus wird demnächst die Zweite Kammer des sächsischen Landtages beschäftigen und— eS klingt wie eine Ironie des Schicksals— dieselbe Unter- nehmerorganisation betreffen, die sich im Dezember vorigen Jahres mit einer Eingabe an die sächsische R e« g i e r n n g gewandt hat, in der sie mehr gesetzlichen Schutz gegen den TerroriSmuS der Sozialdemokratie verlangte. Dem sächsischen Landtage ging dieser Tage eine Petition des Lohnwebereibesitzers Hermann Krumbholz aus Mylau i. S. zu, in der Krumbholz um Schütz ersucht vor der ihm bevor st ehe»den wirtschaftlichen Ver» n i ch t u n g. der er durch die Satzungen des„Verbandes Sächsisch-Thüringischer Webereien" ausgesetzt ist. Er will aus verschiedenen Ursachen, die er näher begründet, nicht Mitglied des Verbandes werden und deshalb bekommt er für seine Weberei mit 72 Stühlen keine Arbeit mehr zu- gewiesen. Er sagt darüber:„ES mußten mir sogar 23 jährige Verbindungen mit Herrn Alfred Münch, Gera und zwölf- jährige mit Herrn Albrecht Arzt, Treuen entzogen werden." Der Mann hat, wie er schreibt,„seinen erhabenen, lieben und hochherzigen König und LandeSvater Friedrich August um Staats- schütz gegen den Unternehmerverband angerufen, bis jetzt aber natürlich keine Antwort bekommen." Nach eingehender Schilderung der verschiedenen terroristischen Maßnahmen des Unternehmerverbandes gegen den nicht will- fährigen Fabrikanten faßt der Einsender der Petition sein Urteil über den Verband Sächsisch-Thüringischer Webereien in folgenden Sätzen zusammen: „Der Verband mag ja zu Recht bestehen, samt seinen Satzungen; aber zu solchen Vergewaltigungen, zu solchem Lahm- legen des Erwerbslebens, zu solchem Aushungern, wie es mir widerfahren ist, kann er kein Recht haben, das widerspricht dem StaatSgesetz und der Staatsordnung. Denn der Verband kann doch auf der einen Seite niemand zur Mitgliedschaft zwingen, auf der anderen kann er aber auch niemand um seinen Erwerb bringen; hat er sich aber nun selbst eine Satzung geschaffen, die das zur Folge hat, dann hat er sich auch dw Verpflichtung auferlegt, derartige Betriebe au- zukaukeu, deren Inhaber dem Verband nicht angehören können. Im November vorigen Jahres hat der Verband S ä ch s.« Thürin g. Webereien beim Hohen kgl. Ministerium um ein Gesetz gegen den Terrorismus der So'zialdemo- kratie nachgesucht. Durch diese Eingabe hat ja der Verband die Hohe Staats- regierung verpflichtet, mein Bittgesuch anzuerkennen, indem er sich ja s e l b st sein Urteil fällt und seine Vergewaltigung anerkennt. Treffender antwortet die Bibel: „Was du nicht willst, das man dir tu. das füg' auch keinem andern zu." Der Minister hat ja neulich im Reichstage erklärt, daß nach seiner Anficht die bestehenden Gesetze ausreichen, um terroristische Handlungen gebührend zu ahnden. Eine andere Frage ist es freilich, ob die Justiz auch einschreitet, wenn der TerroriSmuS von koalierten Unternehmern ausgeübt wird. Wir wagen es nicht zu hoffe»! ver Krieg. Ein italienisches Dementi. Rom, 7. März. Die.Agenzia Stefani" teilt mit: Entgegen den in den letzten Tagen von einigen Zeitungen gebrachten Nachrichten wird festgestellt, daß von keiner Macht Schritte bei der italienischen Regierung unternommen worden sind, um ihr eine Beschränkung der militärischen Ope- r a t i o n e n zu empfehlen. Die italienische Regierung behält sich volle Aktionsfreiheit vor, abgesehen von den türkischen Küsten deS Adriatischen und Jonischen Meeres. Ein türkisches Dementi. Konstantinopel, 7. März. Die Verhänguirg deS B e l a g e r u n g S- zustandeS in Alka wird amtlich dementiert. Die im Ausland verbreiteten Gerüchte, wonach der Ministerrat die V e r m i t t l u n g s- frage beraten habe und die Mehrheit der Minister geneigt sei, die guten Dienste der Mächte auf Grundlage der Anerkennung der religiösen Souveränität deS Sultans in Tripolis und der Eyrenaika und der politischen Souveränität über eine der beiden Provinzen anzunehmen, werden halbamtlich dementiert. Die Pforte sei mehr denn je entschlossen, die Rechte der Türkei auf die beiden Provinzen aufrechtzuerhalten. Ein neuer Kampf bei Margheb. Rom, 7. März. Nach einem Telegramm des Generals Reisoli wurden die Stellungen der Italiener auf der Anhöhe v o n M a r g h e b am ö. d. M. auf der östlichen Front vom Feinde angegriffen. Nach einem Kampfe, der von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens dauerte, wurde der Feind mit schweren Verlusten zurückgeworfen. Die Italiener hatten einen Toten und drei Ver- wundete. Tripolis, 7. März. �Meldung der„Agenzia Stefani".) General Reisoli sandte heute weitere Einzelheiten über den letzten nächtlichen Kampf bei Margheb. Der Kampf dauerte bis in die Morgenstunden des 6. März. Die Angriffe waren sehr zahlreich und sehr heftig und wurden nur von kurzen Pausen unterbrochen, während deren der Feind immer neue Ver- stärkungen vorrücken ließ. Die feindlichen Truppen bestanden aus Arabern und regulären Türken und wurden auf mehr als 3000 Mann geschätzt. Die von den Italienern und ihren Kundschaftern gemachten Gefangenen beziffern die feindliche Stärke noch höher. Die Italiener hatten ein Jnfanteriebataillon, ein Mpenbataillon, zwei Bcrsaglieribataillone, zwei Feldbatterien und eine Gebirg?- battcrie ins Feld geschickt. Die Sperrung der Dardauelle». Koustaotinopcl, 7. März. Die Pforte verfügte, daß die Sperrung der Dardanellen bei Nacht nunmehr strengstens durchgeführt werden muß. Die Gerüchte, daß Rußland beabsichtige, Kriegs» schiffe in die Dardanellen zu entsenden, wird vom russischen Botschafter entschieden dementiert. Sie Revolution in China. Ein Geschäft für das internationale Bankkapital. London, 7. März. Die„Times* meldet aus Peking vom 6. d. M.: Der chinesische Finanzmini st er teilte am Sonn- abend den Vertretern der englischen, deutschen, französischen und amerikanischen Banken mit, daß für die diplomatischen Vertretungen Chinas im Auslande eine Million Tacls unbedingt nötig sei. Die Banken haben nun mit Zustimmung ihrer eigenen Regierungen und ebenso der ruffischen und japanischen Regierung Juanschikai zugesagt, eine halbe Million TaelS sofort, eine halbe Million in zehn Tagen und weitere Beträge später vorzu- schießen. Die Banken aller sechs Nationen werden unter später festzusetzenden Bedingungen beteiligt werden. Die Be- teiligung wird rückwirkende Kraft haben und auch den Vorschuß von zwei Millionen TaelS einschließen, der vorige Woche der Nankinger Regierung gewährt worden ist. DaS Abkommen über die Anleihe von 30 Millionen Mark zwischen der Russisch-Afiatischen Bank und dem Nankinger Schatzamt ist rückgängig gemacht worden. Die beabsichtigte Entsendung von Truppen aus dem Süden ist aufgegeben worden. Sei' italienische Partelooritand und die innere Kriie. Rom, den 2. März.(Eig. Ber.) Die eigenartige Stellung. die das Organisationsstatut der italienischen Partei der Parla- mcntsfraktion zuweist, brachte es mit sich, daß der Parteivorftand der Spaltung der Fraktion gegenüber keine Entscheidung treffen konnte. Die Fraktion unterliegt nicht der Jurisdiktion des Partei- Vorstandes, sondern lediglich der des Parteitags. Der Parteivor- stand hat sich denn auch zu der einzig möglichen Lösung entschlossen und hat den im Oktober dieses Jahres fälligen ordentlichen Parteitag für den Anfang Juni einberufen. Dieser Parteitag wird viel weniger über den Konflikt zu ent» scheiden haben, der heute die italienische Partei bewegt, als über die Schaffung eines Organisationsstatuts, da» die Möglichkeit aus- schließt, die taktische Einheit der Partei durch ähnliche Konflikt« aufzuheben und zu zerstören. Bis zum Juni kann sich in Italien vieles ändern. Der Krieg kann beendet sein, und die Wahlreform ist bis dahin vielleicht längst zum Gesetz geworden. Giolitti selbst kann seiner Allmacht müde geworden sein und sich einen Statthalter bestellt haben. Wir können uns also in drei Monaten einer ganz anderen Situation gegenübersehen, die vielleicht die Reformisten der Linken wieder mit denen der Rechten vereint, so daß der Wandel der äußeren Verhältnisse die Frage der Parteispaltung wieder ganz und gar in den Hintergrund rückt. Aber man darf nicht vergessen, daß die heutige Krise zu einer ernsten, die ganze Partei erschütternden Erscheinung erst dadurch wurde, daß im orga- nisatorischen Gesüge der italienischen Partei die Möglichkeit fehlte, die parlamentarischen Vertreter der Partei zum Ausdruck des Mehrheitswillens zu machen. In allen Parteien der ganzen Welt ergeben sich Meinungsdifserenzen, aber sie gefährden nicht das Leben und die Leistungsfähigkeit der Organisation, weil die Minder- heit sich der Mehrheit unterordnet. Die am 22. Februar durch die Spaltung der Fraktion offiziell gewordene Parteikrise datiert in Wirklichkeit nicht von diesem Tage her, sondern vielmehr vom 8. Februar, an dem in Bologna die Partcifraktion im Sinne TuratiS und gegen die Auffassung PrampoliniS der Minderheit das Recht gab, im Parlament selbständig vorzugehen. Diese Entscheidung und nicht die Frage deS Aufstehens oder Sitzenbleibens während der Ehrung für die in Tripolis Gefallenen hat dann die Sinnlosigkeit des weiteren Ver- bleibens in demselben Fraktionsverbande vor Augen geftihrt. Ter Partei ist wenig damit geholfen, wenn wirklich äußere Umstände wieder eine vorübergehende taktische Einheitlichkeit schaffen sollten. Mit dem Wechsel der Politik können die verschiedenen Fraktionen Ivieder auseinanderklaffen und kann sich der heutige Konflikt auS anderem Anlaß wiederholen, so lange nicht das Organisationsstatut den Begriff der Parteidisziplin in einer Weise schafft, durch die sich gewisse taktische Konflikte innerhalb der Partei gar nicht abspielen können. In Erwartung des Parteitages hat der Parteivorstand am 20. Februar eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß er nur darum von seinem Rücktritt absieht, um mit allen Mitteln über die Einheit der Partei zu wachen, bis der Kongreß der Partei eine klare Richtschnur gegeben haben wird. Am Tage vorher hatte die Parlamentsfraktion selbst ihre Einigung auf der Grundlage der Parteidisziplin beschlossen, nachdem B i s s o l a t i seinen Rücktritt aus der Fraktion erklärt hatte, in der er sich heute als ein Element des Konfliktes und der Spaltung ansieht. Somit wäre die heutige Krise, soweit sie eine Krise der Taktik und der Disziplin war, im Sinne der Anerkennung der Disziplin gelöst worden. Um als taktische Krise die Bedeutung zu erlangen, die sie tatsächlich erlangt hat, mußte ihr freilich ein tieferer innerer Zwiespalt zugrunde liegen, eben die verschiedene Auffassung des Sozialismus: diesen Zwiespalt kann der nächste Parteitag klären, beseitigen wird er ihn nicht. In einem straff organisierten Partei- ganzen stellt er keine große Gefahr dar. Von den drei Erscheinungs- formen des Reformismus: dem Reformismus als Theorie, dem Re- formismus als Taktik und dem Reformismus als systematischer Negation der Disziplin und organisatorischen Einordnung schließt sicher die letzte die größte Bedrohung für unsere Partei ein. Aus der heutigen Krise ist gerade dieser Reformismus als Besiegter hervorgegangen. Bissolatis Austritt aus der Fraktion, dem sich am 2. März auch B o n o m i angeschlossen hat, hat sicher die Lage der Rechts- reformisten wesentlich verbessert. Biffolati hatte erklärt, in Modena und vorher, daß kein Mehrheitsbeschluß ihn jemals zwingen könnte, gegen die Wahlreform und gegen das Monopol zu stimmen. Für ihn war es also unmöglich, sich einer Fraktion anzuschließen, die von ihren Mitgliedern Disziplin fordert. Hätte er eine neue Fraktion der RechtSrcformisten bilden wollen, so wären ihm die Seinen blindlings gefolgt, so daß die Rechtsreformisten mit dem Odium der Disziplinlosigkeit vor den Parteitag von Reggio Emilia getreten wären. Wie tKimals, als er, ohne sich mit jemand anderem beraten zu habe», dem Rufe des Königs in den Quirinal folgte, hat sich auch diesmal Biffolati von den Gefährten losgeseilt, um diese nicht dazu zu verurteilen, die Wechselsälle seines Schicksals zu teilen. Es sei ausdrücklich hervorgehoben, daß Biffolati nicht aus der Partei ausgetreten ist, sondern nur aus deren parlamentarischem Verbände. Hoffentlich schafft der neue Parteitag eine Organisation, die es unmöglich macht, baß Mitglieder der sozialistischen Partei im Parlament wirken, ohne der sozialistischen Parlamentsfraktion an- zugehörcn, und daß dieser Fraktion Personen angehören, die außer- halb der sozialistischen Partei stehen. Die Kommission, die der Parteivorstand mit der Ausarbeitung der Reform des Organisa- tionsstatuts betraut hat, erweckt allerdings nicht übertriebenes Vertrauen. Sie besteht aus den Genossen Bidolli, Ciotti und P i g n a t a r i, die alle drei der äußersten Rechten der Partei angehören. Die kurze Episode der Spaltung der italienischen Parlaments- fraktion kann im Grunde als eine neue lehrreiche Lektion ange- sehen werden, die die Tatsachen dem italienischen Reformismus ge- geben haben. Es ist vielleicht nicht ohne Interesse, hervorzuheben, daß Turati an der Ablehnung der Pflicht der Disziplin festgehalten hat. Eines Sinnes mit Biffolati in den theoretischen Voraus- setzungen, stimmt er mit ihm auch darin überein, daß er den disziplinaren Zwang ablehnt: auf diese Weise blieb ihm zur Gel- tendmachung seiner momentanen taktischen Abweichungen kein an- deres Mittel als die Parteispaltung. Mit geradezu Fröbelscher Schlichtheit und Verständlichkeit haben die Tatsachen diesmal ge- zeigt, daß der Begriff der Partei mit der Disziplin steht und fällt. In Mailand hat man mit den Wahlbündnissen mit bürgerlichen Parteien gebrochen, in Modena mit dem systematischen Ministerialis- mus: in Reggio Emilia muß nun dieser neuen Orientierung der Mehrheit die organisatorische Möglichkeit gegeben werden, die prak- tische Haltung der Minderheit zu bestimmen. Findet dann diese Minderheit in ihrer theoretischen Ueberzeugung ein unüberwind- liches Hindernis, sich den praktischen Forderungen der Mehrheit zu fügen, dann find die Folgerungen aus dieser Situation für die Minderheit leicht zu ziehen. politilebe üebcrftcht. Berlin, den 7. März 1912. Das Ende der Generaldebatte. Aus demReichstag,?. März. Den letzten Tag der Generaldebatte über den Etat des Reichsamt des Innern leitete Genosse P e u s mit einer eingehenden Behandlung der Landarbeiterfrage ein. An die Spitze seiner Erörterung stellte er die Forderung des unbedingt freien Koalitionsrechtes und die Aufhebung aller altertümlichen Bestimmungen, unter denen die land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter heute noch zu leiden haben. Seiner Forderung gab er eine wirkungs- volle Begründung durch die ausführliche Schilderung der Ver- Hältnisse, wie sie sich mehr und mehr, namentlich durch die Einführung der Maschine entwickelt haben. Er konnte nach- weisen, daß vor allem die Zunahme der Saisonarbeit den Landarbeiter vielfach von dem. was man menschliche Wohnung nennt, vollständig losgelöst hat, und daß auch die Löhne so niedrig sind, daß allerdings deutsche Arbeiter nur schwierig gewonnen werden können. Man kann es verstehen, daß diese Wahrheiten auf der rechten Seite des Hauses mit wenig Freude aufgenommen wurden. Diesen Herren ist es aller- dings angenehmer, durch allgemeine Redensarten über Rettung des Mittelstandes ihre Wähler und sozusagen ihr Gewissen zu beruhigen. Unser Redner gab indessen auch eine scharfe Kritik dieser angeblichen Mittelstandspolitik, der in der Tat bisher jeder Erfolg versagt bleiben mußte, während der Bauer für die Gedanken und die Wirksamkeit des Sozialismus immer zugänglicher wird. Das konnte er auch gegenüber dem Liberalen Kerschensteiner betonen, der tags zuvor alles Heil lediglich in der Ausbildung der Persönlichkeit hatte erblicken wollen. Der Zentrumsredner Dr. P f e i f fe r hielt eine längliche, mit mancherlei Zitaten belastete Rede, um zu dem erwarteten Schluß zu kommen, daß vor allem eine..religiös-sittliche Er- ziehung" notwendig sei. Viel unverhüllter zeigte Graf K a n i tz von den Konservativen die Absichten der Reaktion. Er gab klar zu verstehen, daß nach der Auffassung seiner Freunds nicht einmal der bestehende Zolltarif ausreichen werde. Er fand hierfür die absolut eindeutige Wendung, daß die beste Verteidigung der Hieb ist. Allerdings war er vor- sichtig genug, die vom Abg. Gothein geforderte Enquete über die Wirkungen der Zölle auf die Landwirtschaft als über- flüssig abzulehnen. Tie sehr veraltete, und kaum durchführ- bare Forderung eines Sparkassenzwanges stellte der National- liberale G ö t t i n g auf. Als letzter Redner sprach ein Jjunger von der Fortschrittlichen Volkspartei, der Abg. Wein- Hausen, der die Ausdehnung des Koalitionsrechtes und seine Sicherstellung, für Arbeiter und Angestellte, forderte. Er verlangte auch, namentlich mit Rücksidjt auf die jetzt gerade drohenden Kämpfe im Wirtschaftsleben, den Ausbau des Tariswesens und ein verständiges Eingreifen der Regierung. Tann endlich war der Staatssekretär in den Genuß seines Gehaltes gekommen, und die Einzeldebatte konnte einen kleinen Anfang nehmen, der nach der für morgen anberaumten Wahl des Präsidiums fortgeführt werden wird. Eine Abrechnung mit Herrn Lenste. Mit dem Finanzminister L e n tz e, der sich allmählich in die Rolle eines Sozialistentöters versetzen zu können glaubt, hielt Genosse Borchardt am Donnerstag im Abgeordnetenhause eine gründliche Abrechnung. Bei der zweiten Lesung des Etats der Ver- waltung der direkten Steuern hatte der ehemalige nationalliberale Oberbürgermeister und jetzige preußische Finanzmmistcr eine Lanze für die Landräte eingelegt, als wenn er einer der ihrigen wäre. Alles, was über Steuerdefraudationen auf dem Lande in den letzten Jahren in die Oeffentlichkeit durchgesickert ist, stellte Herr Lentze rundweg in Abrede. Obwohl sein eigener Erlaß ihn Lügen straft, lobte er die Landräte als Vorsitzende der Veranlagungskommissioncn bis über den Schellendaus, und der Beifall der Rechten spornte ihn zu immer weiteren Phrasen an, die schließlich ihren Höhepunkt in dem bekannten Klagelied über die hohen Gewerkschastsbeiträge er- reichten, die die Sozialdemokraten den Arbeitern angeblich ans der Tasche nehmen. Uns hatte damals die Mehrheit das Wort zur Er- widerung abgeschnitten. Aber Genosse Borchardt holte das Ver- säumte nach, und trotz der wiederholten Versuche des amtierenden Vizepräsidenten Krause, ihn mundtot zu machen, gelang es ihm, seine Rede zu Ende zu führen und in scharfer und geschickter Weise dem Minister nicht nur das Ungebührliche seines Benehmens den Sozialdemokraten gegenüber vor Augen zu führen, sondern auch die sachliche Unrichtigkeit der Lentzeschen Behauptungen nachzuweisen. Der konservativ-klerikalen Mehrheit war das Vorgehen unseres Redners natürlich in höchstem Maße unangenehm. Aber sachlich konnten sie nichts erwidern, und so blieb ihnen denn nichts anderes übrig, als die Rede, die sich zu einer wuchtigen Anklagerede gestaltete, mit anzuhören und zu schwelgen. Und auch der angegriffene Minister schwieg. Was hätte er auch den Tatsachen cutgegenstellen können! Im übrigen ist auS der Beratung des Etats des Finanz- Ministeriums die Bewilligung des Korruptionsfonds in den Gemarken zu erwähnen, gegen den nur Polen, Sozial- demokraten. Fortschrittler und Zentrum stimmten. Vorher hatte das Haus den Bericht der Budgetkommisfion den konservativ-klerikalen Antrag betreffend die Anstellun» von Vorsitzenden der Veranlagungskommissionen anstelle der Älndräte ent- gegengenommen. Die Antragsteller taten das klügste, was sie tun konnten, sie zogen ihren Antrag, den die Kommisston als erledigt betrachtete, zurück. Geändert wird dadurch an den Verhältnissen nichts, die Landräte werden, wenigstens solange Herr Lentze den Ministersessel ziert, nach wie vor den Vorsitz in den Veranlagung?- k.ommissionen führen, und die Steuerdefraudationen auf dem Lande werden weiter in Blüte stehen. Freitag: Etat der Bauverwaltung. TrtS Herrenhaus gegen die Arbeitsscheue«. Wenn die hohe Staatsregierung die Vorlage über die Zwangsarbeit der Arbeitsscheuen und säumigen Nährpsiich- tigen just zuerst im Hause der Erlauchten und Edlen einge- bracht hat, so ist das— ihr gutes Recht und niemand, der verfassungstreu ist, wird daran was auszusetzen haben. Um so mehr freilich an der Vorlage selbst, die bestimmt, daß die Arbeitsscheuen und säumigen Nährpflichtigen, deren Ange- hörige von der öffentlichen Armenpflege unterstützt werden müssen, zwangsweise in einer öffentlichen oder entsprechend eingerichteten privaten Arbeitsanstalt zur Arbeit angehalten werden können. Und das bis auf ein Jahr und länger.- Wenn der Referent, der Oberbürgermeister der boruffi- scheu Stadt Königsberg. Herr Körte, und der Regierungs- Vertreter Unterstaatssekretär H o l tz, diese Vorlage damit bp- gründete, daß das soziale Gefühl innerhalb der Fa» milie gestärkt werden müsse(durch die Wegreißung der Eltern von den Kindern zur Fabrikarbeit?!), daß mißbräuchliche Ausbeutung der Armenpflege vermieden werden soll, daß das Gesetz nicht übermäßig oft angewendet werden würde, daß es(durch Drohung) vorbeugend wirken werde— so täuscht das alles nicht über die fatale Aehnlichkeit mit der Fürsorge- erziehung hinweg und läßt das alles nicht darüber hinweg- sehen, daß hier preußische Verwaltungsbehör- den über eine Art strafrechtlicher Freiheitsent- ziehung, also über einen Gegenstand des Reichsrechts entscheiden sollen. Es muß anerkannt werden, daß Oberbürgermeister K i r s ch n e r- Berlin diese scharfen Züge in dem sich wohl» wollend gebenden Antlitz des Gesetzes entdeckte und scharf die Zuständigkeit des R e ich s t a g s betonte. Aber im Herren- hause hat der preußische Junkerparlamentarismus einen seiner Schlupfwinkel, da verfangen solche Argumente ver- teufelt wenig. Wie übrigens Herr Kirschner dazu kommt. die oOOl) Elenden, die allnächtlich das Berliner Obdachlosen- asyl auffuchen, die glücklich sind, da eingelassen zu werden, als größtenteils arbeitsscheu zu bezeichnen, wird er gelegent- lich vielleicht zu erläutern die Güte haben, wenn auch die Immunität ein Zurrechenschaftziehen darüber ausschließt. Dagegen muß Herrn Kirschner unbedingt zugestimmt wer- den, wenn er die Verfügung über die Freiheit eines Menschen nicht der Verwaltung, nur der Justiz überantwortet sehen- will. Das Gesetz wurde schließlich angenommen, jedoch mit der voin Landeshauptmann v. Dziembowski-Posen beantrag- ten selbstverständlichen Einschränkung, daß bei nur vorüber- gehender Unterstützungsbedürftigkeit, bei Arbeits- und Er- werbsunfähigkeit des Unterstützungspflichtigen, oder wenn er doch wenigstens entsprechend dem Grade seiner Erwerbs- fähigkeit seine Unterhaltspflicht zu erfüllen strebt, die Zwangsarbeit nicht eintreten kann. Die Unterhaltspflicht für Kinder soll bis zu ihrem voll- endeten 16. Jahre bestehen, auch Kinder, die ihre Eltern trotz deren Bedürftigkeit und öffentlicher Unterstützung nichts geben, sollen unter das Gesetz fallen, wogegen Oberbürger- meister Dr. Bender-Breslan einige nicht unberechtigte Bedenken äußerte. Ueber das Gesetz wird ja ausführlicher zu sprechen sein, sobald es in das Dreiklassenhaus kommt. Die übrige Tagesordnung war gleichgültig: Aenderung von Gerichtssprengeln. Nur bei der Vorlage über die Ver- tretung der Berliner israelitischen Synagogengemcinde brach — Graf Oppersdorf eine Lanze für die angeblich bedrohten Jüdisch-Orthodoxen, mit dem Erfolg, daß die Vorlage erst einer Kommission zugewiesen wurde. Will der Herr Graf etwa ein jüdisches Zentrum gründen? Nette Bauernfreunde! Der Brandenbnrgische Provinziallandtag statte sich am 4. März mit einer Vorlage zu beschäftigen, die der Förderung der bäuer- lichen Besiedelung dienen sollte. E» hat sich eine Gesellschaft „Eigene Scholle* unter Beteiligung zahlreicher Kreis- und Stadt- bestörden sowie privater Gesellschaften gebildet, die die Vermehrung der Bauernstellen, Ansiedelung von Arbeitern und Befestigung des bäuerlichen Besitzes betreibt. An dieser Gesellschaft sollte sich die Provinz mit 2 Millionen Stammeinlage beteiligen. Im ersten Geschäftsjahre kaufte die Gesellschaft 6 Ritter- und 6 Bauern- großgüter an, zwei dieser Güter sind bereits aufgeteilt und 26 Bauernftellen neu geschaffen worden. Das finanzielle Resultat ergab die Ausschüttung einer vierprozentigen Dividende auf daS nicht zinsfrei eingezahlte Kapital. Der Staat verzichtete auf eine Verzinsung seiner Einlage. Das will nun die Proviirz nicht, sondern im Verhältnis an den etwaigen Gewinnen partizipieren. Die Vorlage fand zwar eine Majorität, die aber charakteristischer- weise nicht den Agrariern, sondern den als landwirtschaftsfeind- lich verschrieenen Städten zu verdanken war. Deren Abgeordnete traten energisch für die Schaffung von Bauerngütern ein, während der Wortführer der Großgrundbesitzer� Rittergutsbesitzer v. Buch- Carmzow, nach einem Bericht der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung"' meinte, daß es.nicht als Glück anzusehen sei, wenn die großen Rittergüter aufgeteilt würden. Notleidende seien bei der jetzigen Lage die Bauerngutsbesitzer, deren Güter von jüdischen Güterschlächtern ausgeschlachtet würden. Man solle auch nicht glauben, daß man mit der Vorlage Laicharbeiter schaffen werde. Die Bauern, die sich angesiedelt haben, wollten keine Landarbeiter sein, sondern setzen sich aufs Rad und fahren in die Stadt". Wenn man die Schreiagrarier des Bundes der Landwirte hört, dann verzehren sie sich in der Sorge um das Wohl des kleinen Bauern. All ihr Streben ist angeblich auf die Förderung und Er- Haltung derer Existenz gerichtet. Wie es mit der Liebe zu den kleinen Besitzern in Warheit bestellt ist, dafür lieferten die Vor- gänge auf dem Brandcnburgischen Provinziallandtag einen bc- merkenswerten Beitrag. Ebenfalls aber wird die Aufmerksamkeit auf die entgegen- gesetzte Bewegung— die Vergrößerung des gebundenen Besitzes— gerichtet! Entgegen den Behauptungen im Reichstage, und trotz der Verpulverung riesiger Summen für Parzellierungszweckc, ist in den letzten Jahren die Zahl der Fideikommisse als auch die von diesen beherrschte Gesamtfläche gewachsen. Die Königliche An- siedelungskommission für Westpvcußen und Posen allein hat von 1886 bis 19 insgesamt 1167 Güter mit einem Areal von 376661 Hektar zu einem Gesamtpreise von 366174 628 M. erworben. Aber die Latifundienentwickelung kam dabei nicht zum Stillstand. Für Preußen gibt darüber die nachfolgende Auf- stellung ein Bild(Flächen in 1666 Hektar): Die Fideikommißfläche wächst beständig, seit 1896 um 256 766 Hektar, d. h. um eine Fläche, die Zehntausende selbständige Klein- wirtschaften erlaubte. Drr Waldbestand der Fideikommisse ist seit 1896 um 129 966 Hektar größer geworden! Aus dem Bundesrat. In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde der Entwurf eines Besoldungs- und P-nsionSetatS der Reichsbankbeamten auf daS » Jahr 1912 den zuständigen Ausschüssen überwiesen und dem Eni- � Wbrf eines Gesetzes betreffend die Festellung eines Nachtrages zum Reichshaushaltsetat für daS Rechnungsjahr 1911 die Zustimmung Landtagsersatzwahl in Posen. Bei der heutigen LandtagSersatzwahl für den jetzigen Ober- regierungsrat v. Tilly in Königsberg im zweiten Posener Wahl- bezirk(Posen- Ost, Posen-«est, Obornik) wurden insgesamt 489 Stimmen abgegeben. Davon fielen auf Rittergutsbesitzer Rittmeister v. Tempelhoff-DombrowSki(k.) 266 Stimmen, auf Dekan MendlewSki- Parkowo(Pole) 229 Stimmen. 16 Stimmen waren zersplittert. v. Tempelhoff ist somit gewählt. Wie Herr Georg Oertel Reichstagsabgeordneter wurde. Gegen die Wahl des in Brieg-Namslau mit nur 388 Stimmen Mehrheit gewählten Abgeordneten Dr. Oertel ist sowohl von sozial- demokratischer als von liberaler Seite Protest eingelegt worden. Aus der Begründung des von den Sozialdemokraten eingelegten Protestes seien hier nur die wichtigsten Punkte hervorgehoben: Ter amtliche Apparat arbeitete m der schlimmsten Weise für die Kandidatur des Herrn Oertel. TerroriSmuS und Boykott wurden von den Agrariern rücksichtslos an. gewandt, so daß selbst der frcikonscrvative Sonderkandidat Baron v. Sehdlitz-Kurzbach seine Flugblätter und sonstigen Drucksachen in BveSlau herstellen lassen mutzte� weil sich im ganzen Wahlkreise kein Drucker dafür fand. Die ersten öffentlichen Verstöße gegen daS Wahlreglement begannen schon bei dem Auslegen der amtlichen Wählerliste. Hier zählt der Protest eine ganze Reihe Verfehlungen auf. So wurde in zwei Orten des Wahlkoeises Brieg das AuSliegen der Wählerliste gar nicht öffentlich bekannt- gemacht. Zum Abschreiben der Wählerlisten wurde in fast allen Orten die Einsicht verweigert und trotz so- fortiger Beschwerde beim Landrat konnte nur in elf Orten eine Abschrift der Wählerliste erlangt werden. Zum Teil wurde daS Abschreibenlassen ausdrücklich verweigert, teils waren die Ortsgewaltigen zufällig verreist oder sie waren auf der Jagd. In Altstadt war die Liste, während der Zeit, wo sie öffentlich ausliegen sollte, auf drei Tage an eine Nachbargemeinde ausgeliehen worden. Die Ort- schaften Briefen. Limburg und F r ö b e l n trugen noch An- sang Januar zugezogene Knechte in die Wählerliste ein. In B u t s ch k a u durften vier Arbeiter nicht wählen, weil ihr Alter nicht mit dem in der Liste eingetragenen übereinstimmte, dagegen wurden vierDominialarbeiter unter den gleichen Umständen zur Wahl zugelassen. Derselbe Wahlvorsteher rechnete zwei Stimmen für Oertel al« gültig, obwohl sich in den amtlichen Wahlkuverts neben den Stimmzetteln für Oertel auch noch je ein konservativer Wahlaufruf befand. zn zahlreichen Orten haben Amts- und Gemeinde- d i c n c r in ihrer amtlichen Eigenschaft konservative Flugblätter und Stimmzettel verteilt. Ter Oberamtmann von N a ß a d c l ließ alle gegnerischen Flugblätter und Stimmzettel aus den Woh- Hungen der Dorfbewohner abholen. Der Schullehrer von Droschkau beauftragte seine Schulkinder, das dem Bater über- gebene sozialdemokratische Agitationsmaterial mit in die Schule zu bringen, worauf er es vernichtete. Ein Gutsinspektor aus dem Brieger Kreise gab jeden Arbeiter bei Aushändigung des kon- scrvativen Stimmzettels 66 Pf. mit der Anweisung, nur diesen Zettel abzugeben. Mit sofortiger Entlassung drohte ein anderer (tzutsiiispcktor alle die ihm unterstellten Wähler, wenn sie sozial- demokratisch wählen. Ein A»i t S v o r st c h e r aus dem Kreise NamSlau ließ unter den Wählern seines Dorfes eine Liste zirkulieren, worauf sich diese unterschriftlich vcr- pflichten mußten, nur konservativ zu wählen. Jeder, der die Unterschrift leistete, erhielt 26 Pf. für Schnaps. Nur ein einziger Arbeiter verweigerte die Unter- schrift. In unseren Dörfern trugen sogar die Gemeinde- Vorsteher die Stimmzettel für Oertel selbst den Wählern ins Haus oder forderten diese auf, sich konservative Stimmzettel aus dem Amtslokal abzuholen. In einem Ort desselben Kreises wurde eine besonders k ü n st- lich konstruierte Wahlurne benutzt, in der sich ein von außen nicht sichtbarer Einbau in der Größe der amtlichen Wahl- kuverts befand, so daß diese sich genau aufcinanderschichtcn mußten. In vielen amtlichen Wahllokalen lagen Stimmzettel für Oertel aus. Aus anderen amtlichen Wahllokalen wurden die Kontrolleure der sozialdemokratischen Partei hinausgewiesen. An der Stimmenauszählung in Strehlitz, Kreis Namslau, beteiligte sich ein 21jähriger aktiver Ulanen-Unteroffizier in Uniform. Viele Gemeindevorsteher waren anfänglich Anhänger der frei- konservativen Sonderkandidatur; sie bekamen jedoch von oben einen Wink und schwenkten dann für Oertel ein. Vielleicht unter- sucht das Landratsamt einmal die Gründe. Zu dieser ungeheuren Fülle von Material kommen noch die mannigfachen Erschwerungen und Verbote von Wählerversammlungen und der direkt oder indirekt an- gedrohte Boykott aller derjenigen, die den Junkern nicht zu Willen waren. So wurden allein in Stobcrau vier Versammlungen unter freiem Himmel mit den nichtssagendsten Gründen verboten. In Gülchen durfte sogar eine Versammlung nicht stattfinden, weil der Einberufer dem Ueberwachenden nicht persönlich bekannt war. Unterzieht die Wahlprüfungskommission die direkten und indi- rekten Verstöße gegen daS Wahlreglement einer richtigen Prüfung, dann reichen Inese allein schon, ganz abgesehen von der An- drohung des Boykotts durch die Agrarier, aus, um den Befürworter der Prügelstrafe wieder aus dem Reichstage hinaus zu bugsieren. Wie sehr der agrarische Boykott von den Geschäfts- l e u t e n in dem vorwiegend landwirtschaftlichen Kreise Namslau gefürchtet wurde, beweist, daß der Verein der Gewerbetrei- b e n d e n in der Stadt Namslau wenige Tage nach der Wahl ge- schlössen dem Bunde der Landwirte beitrat. Das neue klerikale Regiment in Bayern. DaS angeblich.paneilose" klerikale Regiment in Bayern beginnt bereits seinen vom Freiherrn von Hertling angekündigten Kampf gegen.jene Bestrebungen, die die staatliche Ordnung zu er- schüttern drohen". Der neue bayerische Minister deS Innern, Freiherr v. Sode», hat dem zum Bürgermeister von Peisenberg ge- wählten Sozialdemokraten Hirsch kurzweg die Bestätigung versagt. Die Halbcrstädter Bolksschnllehrer und Gemeinde- Verwaltung. Die Volksschullehrer in Halberstadt find mit dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung in Differenzen geraten. Die Lehrer bemühen sich schon seit geraumer Zeit, die im Lehrer- besoldungsgesetz vorgesehenen Ortszulagen zu erlangen. Magistrat und Stadtverordnete lehnten aber sowohl im verflossenen, als auch in diesem Jahre die dahingehenden Anträge der Lehrerschaft ab. Während im vorigen Jahre in der Hauptsache die ungünstige Finanz- läge der Stadt für die Ablehnung ausschlaggebend war, erfolgte sie in diesem Jahre, um die Lehrer zu bestrafen. Diese hatten sich nach der ersten Ablehnung ihrer Wünsche mit einer Eingabe an die Regierung gewandt und darin die Bitte ausgesprochen, die Regierung möge auf die Stadt einwirken, daß diese die Ortszulagen gewähre. Wegen dieser Eingabe wurden nun jetzt die OktSzulagen abgelehnt, nur die sozialdemokratischen Stadtverordneten und ein Lehrer stimmten dafür. In der Lehrerschaft herrscht über die Ab» lehnung große Empörung, die bereits zur Abhaltung einer Ver- sammlung und im weiteren Verlauf zur Veröffentlichung einer Erklärung geführt hat, in der die Ablehnungsgründe als verletzend für die Lehrer bezeichnet werden. Die Hetze gegen die Moderniste«. Der Antimodernisteneid genügt der römischen Kurie noch nicht, um die Modernisten zu fangen. Nach einem neuen Erlaß der Konsistorialkongregatio» werden alle Bischöfe angewiesen, in ihren regelmäßigen Berichten an die Kurie eingehend alle Aeußerungen modernistischen Geistes in ihren Diözesen mitzuteilen. Bisher ge- schah das nur von drei zu drei Jahren. Die kleine Strafgesctznoveste. Zwischen sämtlichen Parteien des Reichstags ist ein Ueberein- komnien getroffen worden, die kleine Strafgesetznovelle, die der vorige Reichstag nicht mehr erledigen konnte, in der Form eines Antrages aller Parteien im Reichstage einzubringen, um diesen An- trag schleunigst zu verabschieden. Die Regierung hat bereit« zu er» kennen gegeben, daß sie dem Antrage zustimmen wird. Es handelt sich um die Bestimmungen über Hausfriedensbruch, Diebstahl aus Not und einige andere Milderungen. Selbstverständlich bleibt aus dem Antrage die schärfere Bestrafung der Beleidigung(Lex Wagner) weg. Oelternich. Ein Attentat auf das Koalitionsrecht. ÄuS Wien wird uns vom 6. März geschrieben: Eine Gewalttat, wie sie schamloser nicht ersonnen werden kann, haben die Wiener Christlichsozialen gegen die Arbeiter verübt: sie haben nicht weniger getan, als ihnen mit einem Federstrich das Koalitionsrecht geraubt. Man würde nicht glauben, daß in unserer Zeit derlei noch möglich wäre, am wenigsten möglich von einer Gemeinde, die sich der ganzen Welt als die Vorkämpferin eines rühmenswerten Munizipalsozialismus vorstellen möchte. Der Gewaltakt richtet sich gegen die Straßenbahner, gegen die Be- diensteten der Wiener Straßenbahnen, die im Besitz der Ge- meinde sind. Bis vor einigen Jahren waren die Straßen- bahner die zuverlässigste Garde der Christlichsozialen, stimm- ten für sie und demonstrierten für sie, und gehörten jener christlichsozialen Arbeiterorganisation an, deren Führer der Gemeinderat Kunschak ist, den die letzten Wahlen des Ab- geordnetenmandats entkleidet haben. In diesen traurigen Verhältnissen— denn es war traurig, daß die Gemeinde- arbeiter im Lager ihrer Ausbeuter standen— ist nun in den letzten Jahren eine erfreuliche Wandlung eingetreten: wie alle übrigen Arbeiter der Gemeinde, wendeten auch die Straßenbahner der christlichsozialen Scheinorganisation den Rücken und gründeten einen Fachverein der Gemeindebe- diensteten Wiens, der sich, nachdem er die ersten Fährlich- leiten überwunden hatte, zu einem Reichsverein der Ge- meindebedicnsteten um- und ausgestaltet hat und sich auch sein eigenes Organ, den tapfer geschriebenen„Weckruf", schuf. Am Sonnabend wurde nun gegen diese Organisation der Ge- meindearbeiter der Gewaltstreich verübt: der Direktor der städtischen Straßenbahnen verlantbarte nämlich folgenden Erlaß, der an die Verfügungen der russischen Autokraten- regiernng erinnert: Dircktionsverfügung. Es wird hiemit allen Angestellten der Gemeinde Wien- Städtische Straßenbahnen verboten, dem Reichs. berein der in Gemeinde- und öffenklichen Be. trieben bedien steten Arbeiter Oesterreichs (ehemals Zcntralfachorganisation sämtlicher Gemeinde- bcdicnstetcn) als Mitglied anzugehören oder für denselben tätig zu sein. Ebenso wird das Auflegen und Lesen der Zeitschrift„Der Weckruf" im Dienste und in den Diensträumen der städtischen Straßenbahnen und auch außerhalb des Dienstes verboten. Die Nichtbeachtung dieses Verbots wird als Dienst. vergehen im Sinne der Dienstordnung geahndet. Wien, am 1. März 1912. Spängler� Direktor. Daß der Erlaß alle Merkinale der Nötigung an sich trägt, sei nur nebenbei bemerkt, denn daß die Ausbeuter in der Mißachtung der Gesetze sehr weit gehen können, ehe sie an die staatliche Autorität stoßen, weiß man aus der Er- fahrung allerorten. Der Erlaß ist aber auch ein Einbruch in die Berechtigungen des Gemeinderats, denn die Feststellung der Dienstordnung geschieht von der Gemeindevertretung, und es ist auch ein Uebergriff des Straßenbahndirektors gegenüber dem Gemeinderate, wenn er die Dienstordnung in einer Weise zu erweitern und auszulegen unternimmt, die im Grunde der Ausstellung neuer Dienstvorschriften gleich- kommt. Dabei muß man sich noch in Erinnerung rufen, daß den letzten Streik der Wiener Straßenbahner kein anderer als. der Bürgermeister Lueger selbst hervorgerufen hat: um durch ihn einen Druck auf das damalige Privatunternehnien zu gewinnen.... Der freche Gewaltstreich hat unter den Straßenbahnern die größte Erregung hervorgerufen, und die größte Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die Antwort auf ihn, wenn er von. dem gemein derätlichui Ausschuß nicht zurückgenommen wird, ein Streik der Straßenbahner und in weiterer Folge ein Streik in allen Wiener Gemeindebe- trieben sein wird. Selten noch hat sich der dünkelhafte Uebermut, die freche Gewissenlosigkeit und der ungezügelte Arbeiterhaß so herrlich offenbart wie in diesem Vergewalti- gungsstreich der Wiener klerikalen Gemeindegewaltigen. Er wird ihnen in den kommenden Gemeinderatswahlen gründ- lich vergolten werden. Cnglanck. Das parlamentarische Arbeitsprogramm. London, 7. März.(Unterhaus.) Premierminister ASquith kündigte an, daß die Homerule-Bill wegen der parlamentarischen Geschäftslage nicht vor Ostern eingebracht werden wird.(Ironischer Beifall bei der Opposition.) DaS Budget in- dessen werde wahrscheinlich am 2. April eingebracht werden, und er hoffe ferner, daß es möglich sein werde, den Gesetzentwurf be- treffend die Entstaatlichung der Kirche in Wales vor Ostern einzubringen Hus der Partei. Die Bremer Resolution. Genosse Pannekoek schreibt unS: Werte Genossen! In der Nummer vom 6. März haben Sie der Mitteilung der in Bremen angenommenen Resolution eine Bemerkung an- gehängt, die ich, der ich die Resolution aufgestellt und vorgeschlagen habe, als völlig unzutreffend bezeichnen mutz. Wenn«te in dem Satz über den Kampf für die Demokratisierung des Staats- lebens eine Auffassung zu sehen glauben„die sich der antiparla- mentarischen Denkweise nähert", so kann dieser Eindruck nur aus einer flüchtigen Lesung des betreffenden Satzes entstanden sein. Sogar, wenn darin stände, daß die parlamentarische Aktion zu diesem Ziele, der Erweiterung unserer politischen Rechte, nutzlos wäre, so läge darin noch keine Spur Antiparla» mentarismuS, da doch die parlamentarische Aktion in dem G e- brauch, in der Ausnutzung der wie auch erworbenen poli- tischen Rechte für den proletarischen Klassenkampf besteht. Aber auch das steht nicht darin; denn ich bin, genau so wie Sie, der Ueberzeugung, daß die Aktion im Parlament mit der außerparla«� mentarischen Massenaktion Hand in Hand gehen mutz und darin. in dieser Verbindung, ihren größten Wert bekommt. Der Satz spricht von dem Kampf für die Demokratisierung des Staats- lebens„der nicht im Parlament, sondern nur durch Massen- aktionen der Arbeitermassen selbst zum erfolgreichen Ausgang ge- bracht werden kann". Er behauptet also, daß ein erfolg» reicher Ausgang dieses Kampfes nicht im Parlament, sondern nur durch die Aktion der Massen herbeigeführt werden kann. Wer will etwa behaupten, daß der preußische Wahlrechts- kämpf im Parlament zum erfolgreichen Ausgang gebracht werden kann? In unserer Betonung der Notwendigkeit von Massenaktionen zur Erringung der Demokratie wird also nichts anderes gesagt, als wasvon d e r P a r t e i l ä n g st an e r ka n n t und im preußischen Wahlrechtska m p f praktisch augewandt wurde. Wenn dir in der bremischen Resolution ausgedrückte Auffassung sich der antiparlamentarischen Denkweise nähert, so ist die ganze Partei, als sie zur Waffe der Straßen- demonstrationen für das preußische Wahlrecht griff, derselben antiparlamentarischen Denkweis« zum Opfer gefallen. Eine Eni- schuldigung der Resolution, daß sie nicht wörtlich zu nehmen sei, ist also überflüssig: sie soll genau beim Worte genommen werden. Wir wollen mit Genossen Pannekoek über Worte nicht streiten und konstatieren, daß er sich unserer Auffassung anschließt. Parteiliteratur. Soeben ist im Verlage der Buchhandlung Vorwärts (Paul Singer G. m. b. H.>, Berlin LIV. 68, erschienen daS Taschen- buch der RcichstagSwahlc«. DaS Werkchen hat folgenden Inhalt: 1. Die Ergebnisse der ReichStagSwablen von 1912 nebst Vergleichs- ziffern der RcichStagSwahlen von 1663 und 1967. 2. Die Sozial- demokratie in den einzelnen Staaten und Provinzen. 3. Stimmen- zahlen bei den ReicbStagswahlen 1967 und 1912. 4. Stärke der Fraktionen nach den Haupt- und Stichwahlen.' 6. Angabe, wieviel Prozent der Stimmen die Parteien bei den Häuptwahlen erhalten haben. 6. Ergebnisse der ReichstagSwahIen nach dem Proportional- Wahlrecht. 7. Die Verteilung der Parteien im Reichstage 19l2. 8. Aus der Geschäftsordnung deS Reichstages. 9. Porträts und Biographien der sozialdemokratischen Reich«. tagssraktion 1912.— DaS gut ausgestattete Werkchen kostet 3 6 Pfennige. poliecitteius, Gerichtliches ulw. Wegen Beleidigung des SoldatcustandeS hatte daS Generalkommando in Münster gegen unseren Genossen O u i tz a u von der. Freien Presse" in Elberfeld Straf- antrag gestellt. Die Beleidigung wurde erblickt in einer im November v. I. erschienenen Notiz der„Freien Presse", in der ge- sagt wurde, der Füsilier Müller vom 39. Infanterieregiment in Düsseldorf habe infolge Schikanierung durch ältere Mannschaften einen Selbstmordversuch gemacht. Der als Zeuge vernommene Füsilier Müller bekundete, baß er ernstlich die Absicht gehabt habe, sich das Leben zu nehmen, da er viel schwereren Dienst, als seine Kameraden, die ihn links hätten liegen lassen, gehabt habe. Haupt- mann Chemnitz bekundete dagegen, er(Zeuge) habe den Eindruck ge- habt, daß M. den Selbstmord nur fingiert habe, um wegen eines fehlerhaften Taumens frei zu kommen. DaS Schöffengericht Elber- seid hielt einen ernsthaften Selbstmordversuch infolge Mßhandlung oder Schikanierung nicht für vorliegend und verurteilte den Genossen Ouitzau zu 166 M. Geldstrafe. « GewerkrchaftUcbcs. Der Generalstreik der Bergarbeiter. London, 6. März 1912.(Eig. Bcr.) Die Situation ist praktisch noch dieselbe wie letzten Freitag, als die Verhandlungen zum Stillstand kamen. Die Kohlenbesitzer weigern sich nach wie vor, den von den Bergarbeitern verlangten individuellen Minimallohn anzuerkennen. Daß die Unternehmer Englands und Nord Wales die Vorschläge der Regierung unter ge- ipissen Bedingungen angenommen haben, ändert an der Sachlage nichts. Auch wenn alle Kohlenbcsitzer die Regierungsvorschläge an- nähmen, würde dies die Situation wenig oder gar nicht beein- sluffen. Die Bergarbeiter können von ihrer Minimallohnliste nicht ablassen, ohne das zu gefährden, was sie in jahrelangen Kämpfen errungen haben: die allgemeinen Distriktslohne. Ist die Regierung klug, so wird sie versuchen, eine wenig anstößige Form zu finden, die den Werksbcsitzern den Rüchzug gestattet. Natürlich fehlt es bei der Stockung der Verhandlungen nicht an Gerüchten über die Ab sichten der beteiligten Parteien. Die Regierung soll den Industrie rat beauftragt haben, eine Lösung der Streitfrage zu finden. Der Jndustrierat wurde vor einigen Monaten gegründet, um in Wirt schaftlichen Kämpfen die streitenden Parteien zusammenzubringen. Bei seiner Gründung(bald nach dem Eisenbahnerstreik) wurde hier schon darauf hingewiesen, daß der Zweck dieser neuen Einrichtung wahrscheinlich der sei, in den damals drohenden Generalstreik der Bergarbeiter einzugreifen. Ter Jndustrierat, der aus Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiter besteht, hat während der letzten Tage mehrere Sitzungen abgehalten, in denen der Bergarbeiterstreik be- sprochen worden ist. Die beiden Bergarbeitervertreter, die ihm angehören(Burt und Ashton), wohnten diesen Sitzungen jedoch nicht bei. Unter diesen Umständen ist es schwer, einzusehen, wie der Jndustrierat zu einem vernünftigen Ergebnis über die An gcmessenheit der von den Bergarbeitern verlangten Minimallohn� liste kommen kann. Den Eisenbahnern und Transportarbeitern haben die Berg arbeiter zu verstehen gegeben, daß sie im Augenblick eine Ein Mischung dieser Berufe nicht wünschen. Sie wollen den Kampf frei von allen Verwickelungen halten. Die ernsten Folgen, die der Generalstreik für die Industrien des Landes gebracht hat, machen sich von Tag zu Tag mehr bemerk bar. Die Schiffahrt leidet besonders schwer. Selbst transatlantische Dampfer müssen den Verkehr einstellen. Die Eisenbahnen lassen nur zwei Drittel oder die Hälfte der gewöhnlichen Züge fahren. Viele Stationen sind gang geschloffen worden. An Londoner Sta tionen finden abends, wenn die Angestellten von der City nach Hause fahren, regelrechte Kämpfe um die Sitze statt. Es ist nichts » Seltenes, daß 18 bis 20 Personen in einem Abteil fahren. Auf einigen Linien laufen weniger Züge als zur Zeit des Eisenbahner streiks. Die Einschränkung des Zugverkehrs hat auch dem Theate» besuch Abbruch getan. Einige Theaterbesitzer sollen beschloffen haben, in einigen Tagen zu schließen. Die Presse erhebt ein großes Geschrei über die Rot. die besonders die ärmeren Volks schichten wegen des Mangels an Kohle zu ertragen hätten. Einzelne Philanthropen haben sich schon angeschickt, arme Familien mit Kohlen zu beschenken. Die Kohlennot ist jedoch nicht so groß, wie geschildert wird. Seit dem Anfang des Streiks haben wir in Südengland wenigstens täglich warmes und manchmal prächtiges Frühlingswetter, bei dem man es wohl ohne Feuer aushalten kann. In einzelnen Industrien, wo die Kohle eines der Hauptrohmate rialien bildet, sehen die Tinge für die Arbeiterschaft jedoch schon sehr kritisch aus. Hunderttausende sind schon entlassen worden und weitere Hunderttausende werden am Ende der Woche folgen, wenn nicht inzwischen Aussichten auf eine baldige Beendigung des Streiks entstehen. Viele Unternehmer schließen einzelne ihrer Betriebe nicht aus Mangel an Kohle, sondern aus Furcht vor der langen Dauer des Generalstreiks. Einige Gewerkschaften fühlen die große Arbeitslosigkeit schon sehr. Die Eisenbahner, die schwer getroffen worden sind, zahlen 15 Schilling die Woche als Arbeits losenunterstützung. Unter den Mitgliedern, die jetzt diese Unter stützung bezichen, befinden sich viele, die erst der letzte Kampf in die Organisation gebracht hat und die erst sehr wenige Beiträge entrichtet haben. Die Stahl- und Blecharbeiter rechnen unter normalen Verhältnissen mit ejner wöchentlichen Ausgabe von 800 Pfund Sterling für Arbeitslosenunterstützung. Im Augenblick bc trägt dieser Posten schon 7000 Pfund Sterling. Aehnlich liegen die ' Dinge bei der großen Gewerkschaft der Maschinenbauer. Die Or ganisation, die 122 000 Mitglieder besitzt, zahlt heute 3000 Pfund Sterling an Arbeitslosenunterstützung, anstatt der 1000 Pfund Sterling, die sonst für diesen Zweck wöchentlich ausgegeben werden. Sehr empfindlich berührt werden auch die Textilarbeiter Lanca- shires, deren Kassen erst kürzlich während der Aussperrung stark in Anspruch genommen wurden. Die aufsehenerregenden Vorfälle der letzten Tage, wie die Drohungen und der Fensterscheibenkrieg der Suffragettes und der Ausfall der Nachwahl in Manchester, haben die Aufmerksamkeit des Publikums nicht von dem Generalstreik der Bergarbeiter abzulenken vermocht. Aber während man in den ersten Tagen auf Mittel und Wege sann, um dem Streik ein Ende zu machen, wartet man jetzt resigniert auf eine glückliche Wendung der Tinge und hofft, daß die Regierung einen Plan in der Tasche hat. Manche hegen jedoch den schwarzen Verdacht, daß die Negierung selbst nicht weiß, was sie anfangen soll. Verl!» und Qmgegenck. Achtung, Mitglieder des Metallarbciterverbandes! Sammellisten für die ausgesperrten Porzellanarbeiter sind im Bureau Charitestr. 3, Zimmer 2a, zu haben. Wir ersuchen, recht rege zu sammeln, damit wir zu unserem Teil dazu beitragen, daß der Plan der Arbeitgeber nicht gelingt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Töpfer! Da bei der Firma Martin Fischer, Rum- melsburg, Simplonstr. 21. Differenzen bestehen wegen Nichwer- glasung der Fenster, ist diese vorläufig zu meiden. In Frage kommt der Bau Zechliner Str. 7. Berlin. Bauherr H. Pohl, TachdeckungSgeschäft, Rummelsburg. Wühlischstr. 40/41. Die Verhandlungen mit der Firma schweben noch; eS ist mög- lich, daß die Differenzen bald erledigt werden. Die Verbandsleitung. Die Angestellten der Privatbabeanstalten in Groß-Be'rlin, welche dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter als Sektion angeschlossen sind, haben im vorigen Jahre nach langwierigen Ver- Handlungen einen neuen Tarif abgeschlossen, der ihnen einige nennenswerte Fortschritte brachte. Auf Antrag der Angestellten wund« diese» vom Eimgungsamt des Berliner Gewerbegerichts in einem Schiedsspruch am 20. September v. I. auch die Aenderung «S verfehlten Entlohnungssystems zugesprochen; die jetzt aus- chließlich durch die Bedienungs. und Trinkgelder der Gäste er- olgend« Bezahlung der Angestellten muß vom 1. Oktober 1912 ab rnrch Stück- oder Zeitlohn von feiten der Badeanstaltsbesitzer er- ölgen. Ferner wurde auf Errichtung eines paritätischen Stellen- Nachweises erkannt. Diese tariflichen Errungenschaften haben offenbar bei einer Anzahl von Unternehmern stark verschnupft. Dafür spricht die Tatsache, daß man vor kurzem den Sektionsvor- fitzenden Koß in die Wüst« geschickt hat, der anscheinend durch sein pflichtgemäßes Eintreten für die Kollegenschaft während der Tarif Verhandlungen allen Groll auf sich geladen hat. Am lt. Februar entließ ihn plötzlich der Besitzer des„S a m a r i t e r b a d" in der Frankfurter Allee 32, und zwar„wegen Mangel an Beschäftigung Wurde dieser„Grund" schon durch sofortige Neueinsiellung eines anderen Bademeisters hinfällig, so trat die bewußte Maßregelung dadurch klar zu Tage, daß der Herr Anstaltsbesitzer einem Badegast gegenüber sein Herz ausschüttete. Er hätte— so bekannte diese schöne Seele— den Gemaßregelten ja überhaupt nicht eingestellt wenn ihm nicht bekannt gewesen wäre, daß dieser einen größeren Teil Badekundschaft mitbringen würde. Seitdem habe er aber wiederholt Vorhaltungen anderer Badeanstaltsbesitzcr zu hören be kommen, welche jagten, jeden anderen hätte er einstellen sollen nur Koß nicht. So konnte der Mohr also gehen, nachdem er seine Schuldigkeit getan und dem„Samaritcrbad" neue Badegäste zuge- führt hatte. Dazu war insbesondere schon deshalb höchste Zeit. als dieser nicht bloß theoretisch, sondern praktisch zu dem Grundsatz hielt, daß ein Tarif dazu da ist, um in seinen Einzelheiten durch- geführt zu werden. Aehnlich ging eS dem Gemaßregelten wenige Tage später. Als er für ein paar Tage im„Bad Frankfurt" einen verhinderten Kollegen vertreten wollte, wurde ihm dort am Abend des ersten Tages die Entlassung gegeben, weil er unter den Bade- gästen dieser Badeanstalt für das—„Samariterbad" Propaganda gemacht haben sollte, also ausgerechnet für ein Geschäft, das ihn eben so schnöde hinausgeworfen hatte. Es war selbstverständlich, daß die Berliner Ortsverwaltung des Gemeindearbeiterverbandes gegen diese Maßregelungsgelüste Front machte, welche die Tätig- keit der Schlichtungskommission lahmlegen müssen, wenn deren Arbeitnehmermitglieder wirtschaftlich boykottiert werden. Sie be- antragt« sofort eine Sitzung der Schlichtungskommission. In den mehrstündigen Beraungen wurde vom Besitzer des„Samariter bad" krampfhaft versucht, die oben zitierten Aeußerungen als miß verstanden hinzustellen; es gelang aber nicht. Ebenso mißlang der Versuch, dem Entlassenen Pflichtvcrgessenheiten in der Arbeit an- zuhängen. Desgleichen brach die mit Entlassung geahndete An- schuldigung im„Bad Frankfurt" in sich zusammen. Man mußt« daher zu folgendem Beschluß kommen: „Die Schlichtungskommission erklärt, daß der bei der Eni lassung des Bademeisters Koß vom Badeanstaltsbesitzer K ö h n angegebsne Entlassungsgrund nicht stichhaltig ist, und tadelt des- halb das Vorgehen des letzteren." Im übrigen wurde von Arbeitgcberseitc die Erklärung ab gegeben, daß man sich bemühen wolle, die baldmöglichste Wieder einstellung des Entlassenen zu fördern. Am selben Abend fand eine stark besuchte Versammlung der Angestellten im„Englischen Garten" statt, in welcher über die Vorgänge Bericht erstattet wurde. In der Diskussion kam starke Erregung über die gegen den Ver- trauensmann der Organisation unternommene Maßregelung zum Ausdruck. Einstimmig fand nachstehend« Resolution Annahme: „Die zahlreich versammelten Angestellten der Privatbade- anstalten protestieren entschieden gegen die Maßregelung ihres Vorsitzenden und Obmannes in der Schlichtungskommission. Die Versammelten sehen darin eine schwere Beeinträchti- gung der Tartfgemeinschaft im Badegewerbe und Jer Tätigkeit ihrer Vertreter in der Schlichtungskoznmission. Sie erwarten, daß derartige Schädigungen des gemeinsamen Zusammen- arbcitens für die Zukunft unmöglich sind." Ueber die Lohnbewegung der Fleischer in Neukölln gab Berg- mann in einer Mitgliederversammlung des Zentralverbandes der Fleischer eine eingehende Darstellung. ES kommen rund 200 Meister mit 400 Gesellen in Frage. Die Innung behauptet in der ihr zugänglichen Presse, was der Zentralverband fordert, das werde bereits gewährt. Aber trotzdem macht die Innung die Meister scharf, den Tarif nicht zu unterschreiben. Man solle sich nicht in die Abhängigkeit vom Zentralverband begeben, wird gesagt. Das ist natürlich nur eine Redensart. Es sind Fälle aus Neu- tölln bekannt, wo erste Gesellen nur 12 M. Lohn bekommen. Wer die Forderungen anerkennt, der hat wirklich keine Ursache, die Unterschrift des TariseS zu verweigern. Eine Anzahl der Neu- köllner Meister hat das auch bereits getan, obgleich die Frist zur Erklärung über die Forderungen erst am Freitag, den 8. März, abläuft. Die Innung hat ihren scharfmacherischen Bestrebungen dadurch Nachdruck gegeben, daß sie in ihrer letzten Versammlung beschloß, jeder Meister, der die Forderungen bewilligt, solle 1000 M. Konventionalstrafe an die Jnnungskasse zahlen. Dieser Beschlutz ist natürlich ungesetzlich Kein Meister, der den Tarif unter- schreibt, kann gezwungen werden, die Strafe zu zahlen. Der Zentralverband wird alle erlaubten Mittel anwenden, um die Meister, welche dem falschen Rat der Scharfmacher folgen, zur An erkennung der Forderungen zu zwingen. Die Fleischergesellen können hoffen, daß sie die weitgehendste Unterstützung bei ihrer Bewegung finden. Lebhafter Beifall der ungewöhnlich stark besuchten Versamm- lung bewies, daß es an der erforderlichen Energie zur Durchfüh- rung der Bewegung nicht fehlt. Bei Beginn der Versammlung besprach Bergmann in einem Referat ausführlich die Absichten der Unternehmer im Fleischergewerbe überhaupt. Er zeigte, wie die Arbeitgeber seit Jahren bemüht sind, den immer mehr erstarkenden Zentralverband zurückzudrängen. Das neueste Mittel zu diesem Zweck ist ein Arbeitgeberschutzverband für Groß-Berlin, dessen Gründung am 14. Februar beschlossen wunde. Es ist die ausgesprochene Absicht dieses Schntzverbandes, Arm in Arm mit dem nationalen Gesellen- bunde, die Bestrebungen des Zentralverbandes zu bekämpfen und die Gesellen zuftieden zu machen. Allerdings nicht durch Bewilli- gung der berechtigten Forderungen sollen die Gesellen zufrieden gemacht werden, sondern dadurch, daß man sie von der modernen Arbeiterbewegung fernhält. Doch die Zeit ist vorbei, wo derartige arbeiterfeindliche� Bestrebungen Erfolg bringen können. Es wird den Fleischermeistern nicht gelingen, den Zentralverband in seinen Bestrebungen zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse aufzuhalten. Bemerkenswert ist, daß die Mitglieder des Arbeit- geberschutzverbandcs außer einem Eintrittsgeld von 6 M. einen wöchentlichen Beitrag von 50 Pf. pro Geselle zahlen. Eine Aus- gäbe, die den Meistern nichts einbringt und deshalb wohl in Gestalt erhöhter Fleischpreise dem Publikum aufgebürdet werden wird. Deudlcbes Reich. Zur Aussperrung der Porzcllanarbeiter. Nach den bisher vorliegenden Meldungen erstreckt sich die Aus- perrung der Porzcllanarbeiter auf die Orte Arzberg, Selb, Selb- Plößberg, Schönwald. Moschendorf, Marktleuthcn. Marktredwitz. Rehau, Tirschenreuth und Kronach in Bayern, während für die Porzellanindustrie in Thüringen in Betracht kommen: Ilmenau, Gotha, Eisenberg, Blankenhain, Stadtilm, Volkstadt, Uhlstädt. Klosterveßra, Hcrmsdorf, Kahla. Katzhütte. Burgau, Meuselwitz und Hüttcngrund. Für Sachsen sind in Mitleidenschaft gezogen: Oberhahndorf, Fraurcuth, Freibcrg, Schedewitz und Margarethen- Hütte; für Schlesien: Altwasser. Waldenburg und Niedersalzb-runn, während an weiteren Orten noch in Frage kommen: Charlotten- bürg, Teltow, Roßlau, Lettin und Zell in Baden. In einer Reihe von Betrieben ist die Produktion so gut wie ganz unterbunden, was wesentlich dadurch verursacht wurde, daß in einer Reihe von Orten die unorganisierten Arbeiten sich mit den organisierten solidarisch erklärten. Viele größere, sonst sehr leistungsfähige Firmen stellen an ihre Abnehmer das Ersuchen, mit der Erfüllung von Aufträgen wegen der Aussperrung zu warten. Zweifellos werden eine Reihe von Fabrikanten dauernd chwer getroffen, so daß es begreiflich erscheint, wenn einige Unter- nehmer. die zur Aussperrung verpflichtet waren, es vorzogen. lieber die Konventionalstrafen an ihre Organisation zu zahlen, als auszusperren. Am fühlbarsten aber wird dieser Kampf in der Isolatoren- brauche. Die in diesen Artikeln arbeitenden größeren Betriebe in Meuselwitz, Hermsdorf, Selb und Margarethcnhütte sind vollständig lahmgelegt. Dagegen spricht nicht, daß hier und dort ungelernte Arbeiter an die freigewordenen Plätze gestellt wurden. Hier handelt es sich um Qualitätsware, für die außerordentlich strenge Ab, nahmebedingungen gelten. Nichtgelernte und fremde Arbeiter können den Unternehmern wenig oder gar nichts nützen. Und die allgemeine Unterbrechung der Jsolawrenfabrikation wird sich in kurzer Zeit nicht allein in der elektrotechnischen Industrie Deutschlands, sondern auch im Ausland, für das Teutschland auf diesem Gebiet der hauptsächlichste Lieferant ist, ungemein stark geltend machen. Man kann es darum verstehen, daß die aussperrenden Unter- nehmer noch einmal vor dem Beginn der Aussperrung alle Mittel anwendeten, um die Arbeiter einzuschüchtern und auch die Organi- sierten wankelmütig zu machen. So wurden denn über den Vor- sitzenden des Porzellanarbeiterverbandes allerlei Schwindeleien in die Welt gesetzt. Die Behörden wurden um militärischen und poli- zcilichen Schutz angerufen. Diesem Drängen der Unternehmer wurde nickt allein durch die Bereithaltung von Soldaten in Bau- reuth, sondern auck» durch wesentliche Verstärkungen der Gendar- merieposten in den Aussperrungsorten stattgegeben. Das hatte nun bereits die Folge, daß die Polizeimaynschaftcn, um ihre über- flüssige Gegenwart notwendig erscheinen� zu lagen, eigenartige An- zeigen gegen Ausgesperrte erstatteten. So wurde gegen einen Aus- gesperrten in Hermsdorf ein strafbcfehl von 10 M. erlassen, weil er einige Arbeitswillige dadurch belästigt haben sollte, daß er ihnen „frech"— ins Gesicht sah? Den Arbeitswilligen sind natürlich alle Freiheiten und Rechte eingeräumt. Dazu kommen dann noch die CbrisUichen. Entsprechend ihrer inneren Veranlagung haben die Führer des christlichen Keram- arbeitervcrbandes in einer Konferenz in Marktredwitz ihren Mit- gliedern empfohlen, als Arbeitswillige sich den Unternehmern zur Verfügung zu stellen, d. h. sich an dem Kampf n i ch� zu beteiligen. Begründend wurde für diesen neueren christlichen Streikbruch an- gefuhrt, daß die„christlichen Führer" noch nicht wüßten, wer in diesem Streit recht habe: die Unternehmer oder der Porzellan- arbciterverband! Die Wirkungen all dieser Vorgänge: die Brutalität und Rück- sichtslosigkeit der Unternehmer, das Verhalten der Behörden und das Bereichaltcn von Militär und Polizisten, sind die Ursache, daß unter den schuldlos arbeitslos gewordenen Porzellanarbeitern, die zum erstenmal eine derartige allgemeine Aussperrung durchmachen müssen, eine außerordentlich begeisterte Kampfstimmung herrscht, bei der an ein bedingungsloses Unteriverfen der Arbeiter nicht zu denken ist. Wenn die vereinigten Fabrikanten glaubten, mit ein paar Wochen die Geschichte abgetan und die Arbeiter unterworfen zu haben, so werden sie eine Enttäuschung erleben, die sich auch stark auf den Gang der Porzcllanindustrie geltend machen wird. Zur deutschen Bergarbeiterbewegung. Nach Mitteilungen der bürgerlichen Presse sollen die meisten der 160 Zechenverwaltungen, an die die Arbeiterausschüsse die Lohn- forderungen eingereicht, geantwortet haben. Eine größere Anzahl der Zechen soll Lohnerhöhungen von 5—10 Proz. zugestanden, die anderen Forderungen aber abgelehnt haben. Bis spätestens Mon- tag wird es entschieden sein, ob der Ausstand im Ruhrrevier zur Tat werden soll. Auf den Zechen Königsborn und Bruchstrahe bestand Mittwoch ebenfalls die Gefahr, daß es zur sofortigen Ar- beitsniederlcgung kommen würde. Den Bergleuten wurden Lohn- abzüge gemacht. Es gelang den Leitern der Bergarbeiterverbände nur mit großer Mühe, einen Tcilstreik zu verhüten. Auf Zeche Scharnhorst besteht der Streik weiter. Der Angestellte des Berg- arbciterverbandcs, Huscmann, redete in einer Versammlung ver- gcbens für die Wiederaufnahme der Arbeit; die Versammlung bc- schloß, den Streik fortzuführen. Die außerordentliche Generalver- sammlung des Gewcrkvereins der christlichen Bergarbeiter, die am 6. er. in Esse n tagte, erklärte sich gegen die Beteiligung„an dem jetzt dooi sozialdemokratischen Verband und dessen Nachläufer beabsichtigten" Streik. Tie Generalversammlung beschloß, die Ar- beiterausschüsse aufzufordern, die berechtigten Wünsche der Berg- leute bei den Zechenverwaltungen vorzubringen und für deren Durchführung einzutreten. Von der Behörde verlangte die Ver- sammlung, daß sie energisch für den notwendigen Schutz der nicht streikenden Bergleute sorge. TiusUmd. Von der fran'.ösischen Bergarbeiterbewegung wird aus Paris berichtet: Der geschäftsführcnde Ausschuß der französischen Bergarbeiter- föderation ist am 4. und 5. März in Lens versammelt gewesen. Die Beratungen wurden geheim gehalten, der Presse sind keinerlei Mitteilungen zugegangen. Das Komitee hatte die ganze nationale und internationale Lage zu prüfen, vor allem die Frage, ob der englische Bergarbeiterstreik eine Aenderung der auf dem Kongreß zu Angers festgelegten Taktik notlvendig mache. Unter den Ber- tretern waren Bartuel von Loire, Bcxtant von Anzin, Oucrtin von Nord und Cordier von Pas de Calais. Eine Versammlung in der Arbeiterbörse zu St. Eticnne be- schäftigte sich sehr eingehend mit der Möglichkeit eines Streiks. Mehrere Delegierte des vorher stattgefuiwenen Kongresses in Angers waren anwesend und sprachen zu der Versammlung. Du- ranwn, der Sekretär der Loire-Födcration, machte den Vorschlag, am 11. März auf 24 Stunden die Arbeit einzustellen und sich vor- zubereiten auf einen längeren Streik, der sofort überall ausbrechen müßte, sobald das Signal dazu vom Komitee der nationalen Föde- ration gegeben würde. Zur Waffe des Streiks müsse gegriffen werden, wenn die Deputiertenkammer die Forderungen der Berg- arbeiter ignoriere. Er forderte auf, überall Ordnung und Diszi- plin zu halten, aber zu gleicher Zeit für alle Eventualitäten bereit zu sein. Eine Resolution in diesem Sinne wurde einstimmig an- genommen._ letzte Nacbrlchtcn. Soziale Rückständigkeit. München, 7. März. Nach der„Franks. Ztg." lehnte das Ge- meindekollegium in seiner heutigen Sitzung den sozialdemokrati- schen Antrag, 75 000 M. als Beitrag für die Errichtung einer Arbeitslosen-Bersicherungskasie zur Verfügung zu stellen, gegen die Stimmen der sozialdemokratischen und linksliberalen Gemeinde- Vertreter ab. Tas russische Justizverbrechcn und die österreichische Kammer. Wien, 7. März. iW. T. B.) Am Schluß der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses brachte der tschechische Sozialdemokrat Nemec die Verurteilung der 37 sozialdemokratischen Abgeordneten der zweiten Duma zur Sprache und protestierte dagegen, daß sich der russische Justizminister weigere, eine Wiederaufnahme des Pro- zesses einzuleiten. Er frage den Präsidenten, ob er diesen Protest zur Kenntnis nehmen wolle. Das Präsidium erklärte sich unter lebhafter Unruhe bei den Sozialdemorkaten in dieser An- gclegenheit nicht für kompetent. Streik böhmischer Bergarbeiter. Prag, 7. März.(W. T. B.) Die Belegschaft de» Helenen- chachts von Schallan bei Teplitz ist heute in den Ausstand getreten. Urteil in dem Mordprozrß Czenstochau. Petrikau, 7. März. In dem Mordprozetz geg«« de« Kloster- bruder DamasiuS Maevch und Genossen in Czenstochau wurden der- urteilt: Damasius Macoch zu 12 Jahren Zwangsarbeit. Helene Macoch zu 2 Jahren Gefängnis unter Anrechnung der einjährigen Untersuchungshaft. StartschcwSki zu 5 Jahren Zuchthaus, Olesinski zu 2)4 Jahren Zuchthaus. Panks zu 4 Monaten Gefängnis. Blasckcwitsch zu 1 Jahr Gefängnis und ZiganowSki zu 7 Tagen Arrest. Der Angeklagte Petkewitfch wurde freigesprochen.(Siehe auch.Aus aller Welt".) verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: LH. Glocke, Beel,«. Druck u. Verlag: Borwarts Buchdr. lt LerlagSanstag"Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beiiäge» st. UnterhaltongSbl. »w.» i. iriiap te Jütmätte" Ittlintt jldliohliitl.»»-»-»« Reichstag 22. Sitzung. Donnerstag, den?. März. nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. Delbrück. Die zweite Beratung des Etats des Reichöamts des Inner» wird fortgesetzt beim Titel»Staatssekretär*. Abg. Peus(Soz.): Die Herren auf der Rechten sollten mit ihrer reaktionären Mittclstandspolitik endlich einpacken, nachdem sie in all den Jahren so gar keinen Erfolg erzielt haben. Auf dem Lande fehlt es ihnen offenbar an gurem Willen, sonst hätten sie Gelegen- cheit genug. Arbeiter und Bauern selbständig zu machen, aber in den Städten fehlt eS ihnen einfach an der Fähig« k e i t. Uebrigens ist eS mit der Selbständigkeit des Mittel- standes sehr schlecht bestellt. Seine Abhängigkeit von den Lieferanten und von der Kundschaft ist ebenso groff wie die Abhängigkeit der Angestellten. Die Neigung, dem selbständigen Mittelstand in Zukunft noch anzugehören, wird auch kaum wachsen, seitdem wir angefangen haben, dem neuen Mittelstand der Angestellten durch die Versicherung eine gewisse Sicherheit für die Zukunft zu geben. Trotz der reaktionären Mittelstandspolitik der Rechten geht die G e n o s s e n s ch a f t§ b e w e g u n g rastlos und unaufhalt- bar vorwärts. Durch die Genossenschaften auf dem Lande wird der antikollektivistische Bauernschädel allmählich reif für den Sozia- lismus. Auch die Konsumvereine in den Städten machen immer weiter Fortschritte, wie die EntWickelung der Grosieinkaufsgesellschaft beweist. Das angebliche Streben der MittelstandSretter, die Gc- nossenschaften gerechter zu Steuern heranzuziehen, charakterisiert sich bei näherem Zusehen als ä u s; e r st e Ungerechtigkeit. Zunächst zahlen die Konsumvereine schon heute m e h r S t e u e r n als die Kleinhändler. Söll dem Zcntralverband deutscher Konsumvereine an- geschlossene Genossenschaften haben 1910 insgesamt 779 631 Mark Steuern bezahlt. Nur die landwirtschaftlichen Ge« nassen schoflen zahlen keine Steuern. Nach unserer Auffaffung müssen auch die Konsumvereine von einer Versteuerung ihres angeblichen Reingewinns freibleiben, denn was man bei ihnen als Einkommen bezeichnet, ist gar kein Einkommen, sie hätten es in der Hand, dies»Einkommen* zu beseitigen, wenn sie einfach s o billig wie möglich verkauften. Dann wäre ein» solche Steuer unmöglich. Die Steuern, die andern auferlegt werden, sind die Konsumvereine natürlich bereit zu tragen. Eine bessere MiitelstandSpolitik als die der Rechten war sicher die, die Herr Kcrschen st einer gestern hier vorgetragen hat. Freilich, wenn er danach trachtet, eine Gruppe von Selbständigen zu schaffen, so ist das ein in seinem Umfange sehr beschränktes Ziel. Ueberhaupt trägt er bei seinen ganzen StaalStheorien den Macht- � realitäten unseres Wirtschaftslebens nicht genügend Rechnung. Es handelt sich nicht darum, ein irgend wie ausgeklügeltes Rechts- system zu verwirklichen, sondern eS handelt sich um den Kampf zwischen Besitzenden und Besitzlosen. Erst auf dem Boden des Sozialismus wird all' das, was Herr Kcrschensteiner vorgeschlagen hat. möglich. Der von ihm vertretene persönlickc Liberalismus kann sehr wohl vereint werden mit unserem Sozialismus. Wir erkennen allerdings, in höherem Maße als er die Notwendigkeit und Macht der Organisation an, die das Individuum gegen Unterdrückung und Ausbeutung allein schützen ' sann, wie auch Herr Bassermann mit Recht betont hat. Doch wollen wir auch innerhalb der Organisation der Persönlichkeit ihre Rechte gewährleistet sehen. Herr Kerschen st einer wird die Erfahrung gemacht haben, wenn er seine Pläne zu verwirklichen sucht, er nirgends mehr Unterstützung findet als bei den Sozial» demokraten. Voraussetzung für die individuelle Ausbildung, die er forderte, ist freilich eine Verkürzung der Arbeitszeit, die V e r- wirklichung derJdce des Achtstundentages. Auck darf Herr Kerrichensteiner die Bedeutung der Schule nicht unterschätzen. Wenn er meint, eS känte bloß darauf an, ein gutes Stück persön- licher Tüchtigkeit zu erwerben, um in der Welt vorwärts zu kommen, so übersieht er die Macht des Kapitals. Aber das soll uns nicht abhalten, eS hoch einzuschätzen, wenn er sich Mühe gibt, diese persönliche Tückiligkcil auf eine möglichst hohe Stufe zu bringen. Mit Recht bat er die kleinen Unternehmer getadelt, daß sie dem Forlbildungswesen so großen Widerstand entgegensetzten. Freilich liegt auch hier vielfach der Knüppgl beim Hunde, die kleinen Unter- nchmer sind wirtschaftlich oft so schlecht gestellt, daß sie auf die > i■■ Ausbeutung der Lehrlinge angewiesen sind. Wohl aber könnten die Großunternehmer sehr viel mehr für die EntWickelung der Fortbildungsschulen und Fachschulen auswenden, nach dem Beispiel des amerikanischen Kapitalismus. Interessant war, wie der persönliche JdealismnSGde» Herrn K e r s ch e n st e i n e r auf der Rechten wirkte. Man war da offenbar in ziemlicher Verlegenheit, weil man sich sagte, daß ein 'solcher Liberalismus wenig bündnisfähig sei, und das bedeutpt schlechte Aussichten für die Reaktion. Der Eugen Richtersche Liberalismus, der eine Hauptaufgabe in der Bekämpfung der Sozialdemokratie sah, war der Rechten viel ge- nehmer. Wenn Herr Kerschensteiner konsequent sein will, so muß er Anschluß an die Sozialdemokratie suchen, das größte Verständnis für seine Ideen wird er auch zweifellos in Arbeiterkreisen finden. Interessant waren auch.seine Ausführungen über das Schulwesen an sich. Die Abschaffung des EinsährigfreiwilligenzeugnisseS würde zweifellos eine Verbesserung unserer technischen Vorbildung zur Folge haben. Heute besteht ein Vorurteil gegen alle Arbeit, die schmutzig macht. So wird z. B. die Arbeit eines Monteurs, der eine sehr komplizierte Maschine zusammenzusetzen versteht, aber dabei einen schmutzigen Arbeitskittel anziehen muß, in vielen Kreisen noch für minderwertiger geachtet, als die Arbeit eines Schreibers, der schöne Buchstaben malt. Unter den Arbeitern selbst ist natürlich diese Auffassung längst überwunden. Die Herren Behren? und Giesberts haben wieder über sozialdemokratischen Terrorismus geklagt. Sie sollten sich einmal die Frage vorlegen, warum überhaupt die christlichen Gewerkschaften existieren. Die Tatsache, daß es keine christlichen Unternchmerverbände gibt, beweist schon allein die mangelnde Existenzberechtigung der christlichxn Gewerkschaften, die nur die Arbeiterbewegung spalten und lähmen. Trotzdem bemüht sich der Bergarbeiterverband den gegebenen Tatsachen Rechnung zu tragen, alle WeltanschaunngSfrage'n aus der Gewerkschaft fernzuhalten. Wenn allerdings innerhalb einer sogenannten sozialdemokrati- schen Gewerkschaft die moderne Weltanschauung in höherem Maße vertreten wird, so ist das selbstverständlich, aber niemand wird eS verwehrt, seine abweichende Weltanschauung zu vertreten. Wenn er sich zu schwach dazu fühlt, sö ist das kein gutes Zeichen .für seine Weltanschauung. Terroristische Verfehlungen einzelner mögen vorkommen, aber immerhin bleibt docki ein Unterschied in den Zielen des TerroriSmuS, der von solchen Gewerkschaftlern aus- geübt wird, und des TerroriSmuS der Unternehmer. Der eine wird zugunsten der Organisation ausgeübt, er ist nicht ein Egoismus, sondern entspringt einer höheren Idee, während der k a p i t a l i st i s ch e T e r r o r i S m u S egoistisch i st. Dieser ist daher moralisch viel minderwertiger. sSehr wahr 1 bei den Sozialdemokraten.) ES scheint mir sehr bedenklich, daß der Staatssekretär Delbrück eS fertig brachte, lobend hervorzuheben, daß die Bestrafungen wegen StreikvcrgehcnS in den letzten Jahren erheblich schärfer geworden seien. Da« war eine direkte Aufreizung der Richter, in der Richtung fort- zufahren. Wir müssen umgekehrt fordern, daß die Richter das moralische Momenten den Gewerkschaften begreifen und hier lind da ein Worc der Entschuldigung und Milderung finden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ein Verständnis für die große Idee der Gewerkschaften ist mir bisher bei unseren Richtern noch nicht begegnet. Das ist eben der Grund, weshalb wir so oft von K l a s s e n j u st i z sprechen muffen. Der Abg. Behrens hat darüber geklagt, daß die Führer der christlichen Gewerk- schaften so oft in ihrer Ehre angegriffen würden. Ich kann es verstehen, daß man leicht die Neigung hat, diejenigen als Verräter anzusehen, die die allgemeine Arbeiterbewegung durch ihre Absplitterung schädigen und besonders auch bei der jetzigen Bexgarbeiterbewegung eine Stellung einnehmen, die mehr den Interessen der Unternehmer als denen der Arbeiter dient. Der Abg. Behrens schießt in bezug auf die mangelhafte Vertretung der Arbeiterinteressen hier doch den Vogel ab. sogar der Abg. GieSbertS nahm zn bezug auf die Bergarbeiterfragen eine ganz andere Stellung ein als er. In den Antwortschreiben, die der freie Bergarbeiterverband von den Zechen auf seine Forderungen erhalten hat, heißt eS größtenteils, die Forderungen könnten nicht bewilligt werden, da der größte Teil der Belegschaften dem christlichen Gewerkvereine angehöre und die Forderungen der übrigen Organisationen nicht mitmache. DaS ist die Erklärung dafür, daß die christlichen Gewerkvereine in der Tat bei den übrigen Arbeitern berechtigte Em- pörung hervorrufen und auf allzu große Hochachtung nicht Anspruch erheben können. Von den Rlemes feuiUeron» Das Grubenpferd. Don Heinrich Kämpchen st. Ein edles Roß. zu wild und ungebärdig varm Tilbury des Direktor«, ward deshalb zum Grubcnpferde degradiert und muhte die Kohlenwagen ziehn im Kohlenfchachl. Das edle Tler, an Licht und Lust gewöhnt vom Sonnentag, verkümmerte— Sein Fell. sonst weich und glatt, ward zottelig, und wund ihm Kopf und Rücken vom Gestein der Decke. zu niedrig hings für seinen hohen wuchs. Es mußte ziehen und es zog— die Geißel des Treibers brach den Trotz ihm— aber mehr. das Dunkel und die ZNoderlust des Schachtes. Ein iZammerdasein war!» dem edlen Roß. Die Schläge fielen hageldicht, sobald der Wagenpark nicht schnell genug vom Schacht zu Schachle flog— ob schuldig oder nicht. des Treibers Zorn zerstelschte ihm den Rücken. Da— wieder traf den armen Kopf der Schlag von roher Faust, wie's ihm so oft geschah— zerriß die Stränge es und stürmte fort, durchs Streckendunkel. sonder halt und Ziel. war's Wut. Verzweiflung, Freiheilsdrang, wer kündet's— doch seiner Qualen Ende war's— man fand es. den Kopf zerschellt, in einem wassertümpel. Ein Pferd nur, bah, ein Grubenpferd, und darum so viele Worte? hör ich sprechen. 2a, nur ein Pferd— 3hr habt mich nicht verstanden. China ohne Zopf. China ohne Zopf ist ein seltsamer Anblick und eine schwere Enttäuschung, so meint der englische Journalist William Maxwell, der in einem amüsanten Brief aus Nanking die neue Republik aus der.Zopfperspektive" betrachtet. Der Chinese. der seine alte malerische Tracht ablegt, sich eine jetzt sehr moderne Tnchmütze aufsetzt und mit freiem Nacken, ohne daS baumelnde Anhängsel von früher, daherschreitet, wirkt nach ihm einfach häß- lich. Ter stärkste sichtbare AuSoruck, den die revolutionäre Be- weguvg im Süden gefunden hat. offenbart sich in der überraschen- den Schnelle und Leichtigkeit, mit der die Söhne des himmlischen Reiches das jahrhundertelang verehrte Zeichen ihrer Würde und ihrer Raffe von sich tun. Während der Zopf bis vor kurzem als das Ehrenzeichen des Chinesen galt, als Ausdruck feiner bürger- liehen Rechte, so dünkt er ihm heute als Schandmal der Sklaverei. Dieser Schmuck, der den Himmelssohn von dem Barbaren aus Europa und Amerika unterschied, der den, der ihn abschnitt, aller Gnade und Gunst der Ahnen beraubte und ihn gesellschaftlich tot machte, darf sich heute in den Straßen von Kanton. Shanghai. Nanking und vielen anderen Städten nicht mehr sehen lassen. Her sich mit ihm hervoowagte, der würde als ein Feund der neuen Ne- gierung erscheinen; schneller und gewalttätiger, vis ihm lieb wäre, würde die Haarzier von schnellen Scheren abgeschnitten werden. Gelehrte Leute wollen eS den konservativen Chinesen leicht machen, sich von dem Ehrenzeichen ihrer Väter zu trennen. In den Zei- tungen kann man lesen, daß kein Chinese, der etwas aus sich hielt, einen Zopf getragen habe, bevor vor dreihundert Jahren die Man. dschudynastie ans Ruder kam. Wie an allem Altein und sinnlos Erscheinendem sollen also auch die MandschuS am Zopf schuld sein. In Kanton und in Shanghai sieht man heute keinen Zopf mehr. Jeder Mann und jeder Knabe erscheint mit kurzgeschnitte- nem Haar, und es gab ein« Zeitlang aufgeregte Szenen, wenn alte Herren, die sich von der geliebten Erinnerung ihrer Jugend- und Mannesjahre nicht trennen konnten, daS Opfer jener zahlreichen Scharen von Ainateurfriseuren wurden, die sich mit großen Scheren ausgerüstet batten. Hatte man einen Zopf aufgestöbert, dann gellten schrille Pfiffe, von allen Seiten stürmten die Scherenträger herbei und ritzratz— war die nun so verachtete Manneszierde ge- fallen. Freilich läßt sich auch ein Zopf wieder ersetzen, und viel- leicht werden die jetzt so wild verfolgten Dokumente früherer Barbarei gar bald wieder die Köpfe schmücken. Kam es dock, auch schon früher, in vorrevolutionären Tagen, nicht selten vor, daß jemand sich den Zopf abschnitt und doch in der Oeffentlichiest uno bei feierlichen Gelegenheiten mit ihm erschien, indem er sich ihn einfach unter dem Hut seststeckte. Notizen. — Die Neue Sezession eröffnet am 9. März ihre fünfte Ausstellung sZeichnende Künste und Plastik). Sie befindet sich im Hause Kovp u. Joseph, Potsdamer Str. 122, und ist wochentäglich Von 19—6, Sonntags von 19—4 Uhr geöffnet. — Ernst Schur ist im 33. Lebensjahre in Groß-Lichterkelde gestorben. Ein Leben, das ganz dem Erleben von Kunst und Kultur geweiht war, ist brutal dahingerafft worden. WaS Verhaeren als Frucht langer Jahre gewann: in allem, was ist, den Rhythmus der Schönheit zu empfinden, war ihm in jungen Jahren geworden. Seine Mission war, von diesem Erleben der Schönheit in Natur und Kunst— mochten es nun nachschaffende Kritiken und Wegsührer oder eigene Dichtungen sein— mitzuteilen, in anderen wachzurufen, was ihn selbst ersüllte. Unsere Leser haben den feinfühlenden Kritiker, der hier Jahre hindurch sie neues sehen ließ in den Werken der Maler und Architekten, der ihnen die werdende Schönheit der Großstadt erschloß, der allem nachging, das von neuem Leben zeugte, in gutem Ge- Landarbeitern ist bisher recht wenig hier gesprochen worden. Wir verlangen in einer Resolution, daß baldigst ein Gesetz vorgelegt werde, durch welches unter Aufhebung der landesgesetzlichen Gesinde- o r d n u n g das Verlragsverhältnis der land- und sorstwirtschaftliÄen Arbeiter»nzd des Gesindes reichsgesetzlich geregelt wird. Wir fordern vor allem auch die Koalitionsfreiheit für die Landarbeiter. Nach den vielen Anträgen, die auib von anderen Parteien zugimsten der Landarbeiter eingegangen sind, ist ja scheinbar daS Wohlwollen für diese Arbeiter überall recht groß. Das sollte-der Regierung wenigstens Veranlassung geben, dieser Frage eine größere Aufmerksamkeit zu schenken. Der Wandel, der sich in den Produktions- Verhältnissen der Landwirtschaft durch die Einführung der Maschine vollzogen hat, bat die unerfreuliche Wirkung, daß die Landwirtschaft noch mehr als bisher den Charakter der Saisonarbeit gewinnt. Wenn man die ausländischen Wanderarbeiter� für die Landwirtschaft auf den Bahnhöfen ankommen sieht, so faßt� einen der Jammer an. Bon der Idylle der landwirtschaftlichen Tätigkeit lann da leine Rede sein. Das schlimmste ist, daß diese Wander- arbeiter vollständig losgelöst werde n Jj o n d e m, was man menschliche Wohnung nennt.(Sehr richtig! links.) Die Arbeiterkasernen ans dem Lande sind ja keine Wohnungen, sondern Schlafstellen der bedenklichsten Art. Die Gewerbeiniveltionsberichte aus den verschiedensten Landesteilen zeigen schon seit Jahren wahrhast erschreckende Bilder. So wird beispielsweise aus Braimschweig berichtet, daß in einem Schlaf- räum drei Betten standen, in detien schliefen ein Ehepaar, ein. Arbeiter und zw«» Arbeiterinnen. lHört! hört! links.) DaS dient natürlich nicht zur Hebung der Sittlichkeit, aber die Schuld daran tragen diejenigen, die trotz ihrer wirtschaftlichen Macht eine derartige Schweinerei dulden.(Sehr wahr! links.) Auch auf diesem Gebiet müßte ein Reick» Swohnungsgesetz Wandel schaffen. Daneben muß aber endlich auch einmal ein bißchen mehr politischer und wirtschaftlicher Anstand unter den ländlichen Arbeitgebern Platz greifen. Besser als alle Gesetze und Polizeivorschriften würde aber mit den entsetzlichen Zuständen in der Landarbeiterschaft aufgeräumt werden, wenn den Land« arbeilern ein wirklich freies Koalitionsrecht gewährt wird, daS auch geschützt wird gegen alle Angriffe der Unternehmer. Der Alkoholismus unter den Land- arbeitern würde damit auch am besten eingedämmt werden, d«ß man diesen Arbeitern durch die Organisation ein höheres Lebensziel gibt. Die ländlichen Arbeiter m den Ziegeleien sind besonders an dem Alkoholmißbrauch beteiligt, der noch künstlich dadurch gefördert wird, daß die Zwischenmeister aus dem Schnapsvertrieb ihrenBProfit ziehen. In den Ziege- leien meintzs Wahlkreises heih� es, diejenigen Arbeiter bekommen die besten Stellen, die am meisten saufen.(Hört! hört! links.) Die überlange Arbeitszeit der ländlichen Arbeiter muß endlich auf- hören. Wenn die Leute von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends angestrengt arbeiten müssen, dann gehen sie natürlich um 8 Uhr schlafen und haben nur so eine Stunde täglich vom L�ben. Die Herrschaften auf der rechten rühmen sich immer ihres Christen» l u m s. Wie sie es aber fertig bringen, das Ebenbild Gottes so zu mißhandeln, dgß es nur eine Stunde täglich menschlich leben kann, das ist mir unverständlich, Auch die Lohnverhältnisse sind schauderhaft. Bei einem Wochenlohn von 19 oder 12 M. ist es kxin- Wunder, daß sich deutsche Arbeiter zu dieser Tätigkeit nicht hergeben und Russen und Galizier herangezogen werden müssen. Eine gerechte Anwendung des VennnSgesetzeS ist besonders auf dem Lande nötig' Damit wird es aber nicht eher bester werden als bis wir in Preußen ein gerechtes Wahlrecht, und damit auch einen besieren Landtag bekommen. Die Kinderarbeit auf dem Lande nimmt äußerst bedenkliche Formen an. Die Kinder werden beispielsweise beim Rüben- ziehen in einer Weise angestrengt, die ihre Gesundheit schwer schädigen muß, ganz abgesehen davon, daß von einem vernünftigen Schulunterricht dabei natürlich keine Rede sein kann. Unsere Stellugg zur Landwirtschaft ist durchaus darauf hingerichtet, nicht bloß das LoS der Arbeiter auf dem Lande zu bessern, sondern auch der Landwirtschaft selber ihre Produktion in jeder Be- ziehung günstiger zu gestalten. Wir läwpsen nicht gegen die Landwirtschaft, sondern nur gegen die Rente und den Profit deS Großkapitals. Wenn wir in unserem Programm die Wer- g�sellschaftlichung der Produktionsmittel fordern, so würde daZ auf dem Lande der Grund und Boden sein und auch auf dem Grund und Boden, der GesellschaftSeigentum ist. könnte sich eine bäuerliche Landwirtschaft sehr viel besser entwickeln, alS unter den dächmis. Ernst Schur fand den Weg vom preußischen Referendar zum freien Menschen und des weiteren vom Aestheten zum Volk. Er empfand und wollte Kunst und Kultur nicht als ein Genießen weniger, nicht als LnxuS, sondern als Erbe aller und Lebens- Notwendigkeit. — Das Ringen um den Südpol. Der Engländer Scott und der Norweger Amundsen sind beide seit Jahr und Tag an der Arbeit, von zwei verschiedenen Punkten auS, de» Südpol, den Shackleton trotz seines bewundernswerten Vorstoßes nicht erreicht hatte, zu be« zwingen. Von beiden Forschern liegen jotzt(unlontrollier- bare) Meldungen vor, wonach Scott den Südpol erreicht und Amundsen nach Hobarl(Tasmanien) zurückgekehrt sei. Amundsen hatte bekanntlich im Sommer 1919 die AuS» reise auf der»Fram* angetreten mit der Absicht, sich durch daS nördliche Eismeer treiben zu lassen, dann aber aus Mangel an Mitteln den Plan geändert und den Kurs nach Süden genonimen. Im Januar 1911 war er an der Eismauer eingeschloffcn und hatte seine Station auf 78 Grad, 24 Minuten südlicher Breite errichtet. Die»Fram* kehrte dann um und unternahm ozeanische Forschungen, traf aber im letzten Herbst wieder an der Station ein. Scott wollte im Oktober 1911 die Tchlittenreise antreten, er hatte sein Winterquartier auf dem Viitorialand, erheblich nördlicher als Amundsen. Nach englischen Meldungen soll Amundsen bereits be» ftätigt haben, daß Scott den Südpol erreichte. — Vedrincs will zum Südpo.l fliegen. Die bereits gerüchtweise aufgetauchte Meldung, daß der französische Flieger Jules Vedrincs seine Kunst in den Dienst der Südpolar- forschung stellen will, erfährt durch den Aviatikcr selbst ihre volle Bestätigung. Vedrincs �wird sich der Südpolarexpedition des Dr. Charcot anschließen.»Schwierigkeiten, wie sie Charcot auf seiner antarktische» Reise entgegenstanden," so erklärte Vedrincs,»können durch die Flugmaschine leicht überwunden werden. Ich kann mit meiner Maschine vom Schiff aus Flüge unternehmen in Be- gleftung von zwei oder drei Passagieren und mit genügendem Borrat für eine längere Zeit. Ein solcher Vorstoß im geeigneten Augenblick wird uns als die ersten Menschen an den Südpol bringen." — Das Denkmal eigics Kommunarden. JulcS V a l l e S, der bekannte sozialistische Schriftsteller, das Mitglied der Pariser Kommune, deren Endkampf er im'Schlußband seiner autobiographischen Roniantrilogie„Jacques Vingtras" packend dargestellt hat, wird in seiner Vaterstadt P u h ein Denkmal be- kommen. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß beim Leichenbegängnis Balles' die nationalistischen Banden auf den vom dcutsckzcn sozialistischen Lcseklub mitgcführtcn Kranz wieder» holt gewalttätige Angriffe unternahmen, aber von den Fäusten vcr. brüderter französischer und deutscher Proletarier glücktich ab» gewehrt wurden. Diese„nationale" Betätigung ist damals von der Bismarckschen Regierung mit Genugtuung vermerkt worden. Verhältnissen des fetzigen GroßgrundbesitzeI. Auch für die Land« arbeiterinteressen treten wir. ein und wir werden das in Zukunft noch besser können als jetzt, indem wir besondere Beamte zur Bearbeitung der Landarbeiterfrage einsetzen. Da wo wir an die Landarbeiter überhaupt herankommen, da haben wir auch Erfolg, ebenso auch bei den Kleinbesitzern. Freilich ich ver- trete meinen Wahlkreis teils als Abgeordneter, teils als Kandidat seit 1896, aber ich habe seitdem von den 89 Dörfern nur in 30 Dörfern sprechen können. DaS beweist den Terrorismus, mit dem man gegen uns vorgebt. Die Arbeitgeber wissen freilich nichts von der Sozialdemokratie und machen sich ganz falsche Begriffe. Wenn selbst ein Mann wie der Graf P o s a d o iv s k y, der ja mindestens anderthalb Jahr« zehnte lang als Staatssekretär hier im Hause die b e st e n Lehrer über die sozialistischen Fragen gehabt hat sHeiterkeit), jetzt trotzdein noch nicht die allerelementarsten Kennt- nisse über das sozialdemokratische Programm hat. so kann man sich nicht wundern, �wie es in den Köpfen der Großgrundbesitzer und Arbeitgeber aussieht. Auch von den Wanderarbeitern bekommen wir allmählich Stimmen. Wenn da kein Koalitionsrecht gegeben wird, so kann es doch mal eines schönen Tages zu ernsthaften Konflikten kommen. ES wäre viel vernunftiger, wenn Sie beizeiten durch volle Einräumung der gewerkschaftlichen und politischen Freiheit dafür sorgen möchten, daß die Entwickelung so friedlich wie möglich ver- läuft, denn es bleibt noch immer wahr, was Schiller gesagt hat: Bor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, Vor dem freien Manne erzittere nicht. fLebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Pfeiffer sZ.): Wir forder» auch diesmal die Bor- legung eines Neichslheatergesetzes. Dieselbe Forderung wird ja auch von den Freisinnigen und Sozialdemokraten erhoben. Trotzdem hat man von diesen Seiten gegen inich persönlich im Wahl- kämpf wegen meines Eintretens für diese Forderung die gehässigsten Angriffe und Verleumdungen gerichtet. sLebhafte Zuruse bei den Freisinnigen und Sozialdemokraten: Wo? wer?) Man hat be- hauplet, ich verbrächte ineine parlamentatischen Mußestunde» mit brillantengeschmückicn Schauspielerinnen, sllnruhe links. Redner nennt aur wiederholte Zurufe einige Namen. Zuruf links: Hoffentlich wiederholen Sie das auch außerhalb des Hauses I) Liedner tritt des wcilercn dafür ein. daß bei der Stellenvermittelung obligatorisch die Gebühren zur Hälfte von den Unternehinern und zur Hälfte von den Arbeitern getragen werden müssen.— Mit seinem Eintreten für die Erbschaftssteuer wird Herr Kölsch beim Mittelstand wenig Gegenliebe finden, denn gerade der kleine Mittelstand, dessen Vermögen meist in Warenbeständen festgelegt ist. wird viel unter den Schikanen dieser Steuer zu leiden haben. sSehr richtig I im Zentrum.)— Herr Kerschen st einer hat uns gestern seine schönen Erziehungsideale vorgetragen. Aber mit philosophischen Problemen allein kann man nicht alles regeln..Inzwischen bis den Lauf der Welt Philosophie zusammenhält, erhält sie das Getriebe durch Hunger und durch Liebe." Das scheint Herr Kerschensteiner zu vergessen. daß gerade der Hunger, die Not des Alltags es sind, die verschiedene schöne Theorien der ErziehungspoliM über den Haufen zu werfen geeignet sind.— Ueber den Wert der Arbeitsschule herrschen in pädagogischen Kreisen noch sehr verschiedene Ansichten. Dem Irrtum des Herrn Kerschen- st e i n e r der Ueberschätzung der individualisierenden Er Ziehung gegenüber derjenigen, die das Aufgehen im Staate als das wtchtigere ansieht, ist einst auch Goethe verfallen. Aber nachher schrieb er Epimenides' Erwachen. Ich hoffe, daß ein solches Epimenides-Erwachen auch einmal über Herrn Kerschensteiner kommt. sHeiterkeil.) Herr Kerschensteiner hat einmal sehr richtig geschrieben:„Demokratische Verfassungen werden zur Pöbelherrschaft, wenn nicht die Seelenverfassung der Mehrzahl der Bürger eine aristokratische ist". Seinem Gedanken, daß die ethischen Ideale mehr Ausbreitung finden müssen, stimme ich zu. Die Hingabe an eine Idee darf aber nicht von opportunistischen Motiven dekretiert sein. sondern bedarf als Grundlage einer religiöS-sittlichen Erziehung. (Bravo I im Zentrum.) Abg. Graf Kanitz(k.): ES wird uns immer nachgesagt, wir Wollten alle Zollsätze erhöhen. Das fällt uns gar nicht ein. sSehr richtig I rechts.) Wir wollen die Zollsätze nur den Bedürf nissen der verschiedenen heimischen Produktionszweige anpasseii. WaS die Sicherung unseres Auslandsmarktes betrifft, so erscheint es mir allerdings sehr zweifelhaft, ob wir mit dem be- stehenden Zolltarif noch auskommen angesichts der er- heblichen Zollerhöhungen, die Amerika, Frankreich und andere Länder vorgenommen haben. Die Wirkung des neuen französischen Zoll tarifeS läßt sich noch nicht genau übersehen. Der Staats� sekretär wieS auf die günstige Entwickelung unserer WirtschaftSl läge hin. Dieselbe günstige Entwickelung läßt sich aber auch in denjenigen Ländern konstatieren, die keine lang fristigen Handelsverträge haben. Nach meiner Ueberzengung niuß unser Zolltarif möglichst beweglich sein und nicht auf lange Jahre festgelegt werden. Wir müssen der Wirtschaftspolitik anderer Länder immer begegnen können und hier ist die beste Verteidigung der Hieb. Dem Standpunkt meines Fraktionsgenossen Oertel, der Maximal- und Minimalsätze will, schließe ich mich an. Diese Regelung bat sich auch in dem französischen Zolltarif bewährt. Wenn das englische Freihandelsprinzip so nachahmenswert wäre, dann würden doch wohl in erster Linie die englischen Kolonien diesem Beispiel folge». Wir sehen aber, daß das Gegenteil der Fall ist. Wenn der Abg. G o t h e i n von einer Teuerungszeit sprach, so müßte das Bestehen einer Teuerung doch erst bewiesen werden. Tatsächlich verkauft die Landwirtschaft aber jetzt das Fetljchwein mit 38 Pf. pro Pfund. Die Sozialdemokraten habe» früher einmal beantragt, daß die Roggen- und Weizenzölle aufgehoben werden solle», wenn d-r Weizen einen Preis von 215 und der Roggen von 165 M. erreicht hat. DaS sind also nach sozialdemokratischer Meinung die Mindest- preise für Getreide.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemo- kraten.) Wo wirklich eine Teuerung besteht, trägt daran nicht die Landwirtschaft die Schuld, sondern der Z w i s cd e n h a n d e l. Die Steigerung der Güterpreise hat mit dem Zolltarif absolut nichts zu tun.(Lauter Widerspruch links. Sehr wahr! rechts.) Die vom Abg. G o t h e i n beantragte Enquete wäre über« flüssig. Sie würde offene Türen einrennen, denn die Fragen, die da gestellt werden, kann sich jeder selbst beantworten.(Lachen links.) In England ist die Landwirtschaft durch den Freihandel ruiniert worden.(Sehr wahr! rechts.) Deshalb sage ich zum Schluß: Auf dem Prinzip des Freihandels beruht unsere ganze Erwerbstätigkeit.(Stürmisches Sehr richtig I links und Heiterkeit. Der Redner verbessert sich:) Auf dem Schutz der nationalen Arbeit beruht unser Erwerbsleben und unsere politische Existenz.(Beifall re-vtS.) Abg. Gotting(natl.): Von sozialdemokratischer Seite wurde gesagt, der deutsche Arbeiter habe nicht die Rlöglichkcit, Ersparnisse zu machem Das war eine letzte Verteidigung der sonst aufgegebenen VerelendnngStheorie, die aber praktisch längst widerlegt ist. Der Redner sucht statistisch nachzuweisen, daß tatsächlich auch die Arbeiterschaft in sehr erheblichem Maße an den Einlagen der Sparkassen beteiligt ist. Ich spreche wohl im Namen aller bürgerlichen Parteien, wenn ich sage: die deutschen Sparkassen Nehmen in unserem politischen und ivirlschafltichen Leben eine außer- ordentlich wertvolle Stellung ein. Daran können die Sozialdemo- kraten nicht rütteln. Es wäre richtig, wenn ein Sparkassen- zwang in der Weise eingeführt würde für alle Arbeiter. Selbst- Hilfe ist besser als alle Gesetze. Abg. Welnhausen(Vp): Die Mittelstandsfrage ist wohl noch niemals in so breiter Weise im Reichstag erörtert worden wie dies- mal. Der Grund ist in den letzten Wahlen zu suchen, bei denen diejenigen Parteien, die sich immer als Generalpächter der M i t t e l st a n d s f r e u» d l i ch k e i t aufspielen, eine Antwort vom Mittelstand erhalten haben, die ihnen nicht gefallen wird. (Sehr richtig! links.) Am Anianq alles Erfolges muß auch für den Mittelstand die Selbsthilfe stehen.� Der Mittelstand muß sich besser organisieren und vor allem einhcit« sicher als bisher.— DaS Koalition srecht bedarf drin- gend der Ausdehnung. Grobe Verstöße gegen dies Grund- recht der Arbeiter sind an der Tagesordnung. Auch die technischen Angestellte» leiden unter solchen Eingriffen in ihr Koalitions- recht.(Sehr richtig I lniks.) Eines Schutzes bedarf es aber auch gegen den Tcrrorismus der Arbeitgrberverbände gegenüber außen- stehenden Arbeitgebern, Lieferanten usw. Nicht mitmachen aber können wir den' von den Konservativen geforderten Ausbau des KoalitionSrcchtS in der Richtung eines erhöhten Schutzes der Arbeits- willigen. Dagegen sind wir für den Ausbau der Taris»Ber- träge ltttd der Einigungsämter mit obligatorischem VerHand- lnngszwaiig. In der großen Bewegung, die imKohlenrevier zu entstehen droht, bleibt die Regierung leider ganz untätig. Inzwischen aber gehe», wenn der Kampf ausbricht, große materielle Summen verloren und die Regierung verliert die Möglichkeit, nachher noch die Führung an sich zu reißen. Leider gibt es noch immer Unter- nehmer, die sich auf Verhandlungen mit den Arbeitern über- Haupt nicht einlassen wollen. Zum Beispiel nimmt die Firma S ch i ch a u in Danzig und Elbing einen solchen rück- ständigen Standpunkt ein. Angesichts all dieser Zustände haben wir nur eine Pflicht erfüllt, zumal der Etat bis zum i. April doch nicht fertig werden kann, wenn wir in aller Gründlichkeit die wichtigsten Aufgaben der Sozialpolitik erörtert haben.(Bravo I linls.) Damit schließt die Generaldebatte. Beim Kapitel„Allgcnieine Fonds" wünscht Abg. Pens(Soz.), daß die Regierung für die Schaffung eines internationalen Welt fprachamts eintreten möge. Abg. Dahlem(Z.) fordert Maßnahmen gegen die Belästigungen der Weinberge durcv den Rauch der Schiffe auf dem Rhein. Hierauf vertagt siÄ das Haus. Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr.(Wahl des Präsidiums. Fortsetzung der zweiten Lesung des Etats des ReichSamts des Inner n.) Schluß b'/« Uhr._ pariamentarilcbes. Die Gcschästsordnungskommission des Reichstages hatte in ihrer Sitzung vom 7. März mit Obstruktionsvedcn des konservativen Abg. K r e t h zu rechnen, der allein die Hälfte der Sitzungszeit für sich in Anspruch nahm. Der von den National liberalen und Fortschrittlern, sowie vom Abg. Gröber(Z.) bo- antragte neue K 33 der Geschäftsordnung, nach welchem bei der Besprechung von Interpellationen Anträge gestellt werden können, durch die das Verhalten des Reichskanzlers vom Reichstag gebilligt oder nicht gebilligt werden kann, gab dem Abg. Kreth Anlaß, über alles Mögliche und Unmögliche zu sprechen. In maß loser Uebertreibung bezeichnete er diese Bestimmung als eine Unter- grabung aller Autorität der Monarchie und als eine Förderung des parlamentarischen Regimes. Trotzdem hatte Abg. Kreth selbst Abänderungsanträg« gestellt, die der Abg. Gröber als im Wider spruch mit den grundsätzlichen Bedenken Kreths stehend bezeichnete. Gröber konstakierte, daß eine Verschiebung der Rechte des Reichs tages durch die neue Bestimmung nicht eintrete, auch das parla mentarische Regime nicht gefördert werde, denn das parlamenta rische Regime hange nicht von der Gestaltung der Geschäftsordnung ab. Zur Regelung der Geschäftsordnung gehöre auch die Regelung der Interpellationen. Auch der Abg. Ledebour ging Kreth scharf zu Leibe und ironisierte dessen„Bedenken". Der Reichstag, dessen Bedeutung mit der stärkeren Wahlbeteiligung bei den Rcichstagswahlen wachse, könne mit den neuen Bestimmungen der Geschäftsordnung seine Aufgabe besser erfüllen. Abg. I u n ck riet Herrn Kreth, seine Abneigung gegen die freie Bewegung des Parlaments mit der gleichen Schärfe im Plenum des Reichstages zum Ausdruck zu bringen, wie er es hier in der Kommission tue. Der neugewählte Abg. Bell'(Z.) hielt eS für nötig, der Kommission einige staatsrechtliche Belehrungen zuteil werden zu lassen, stellte auch einen angeblichen VerbesserungS- antrag, mußte sich aber sagen lassen, daß man das alles und noch einiges mehr längst wisse, was er breitspurig vorgetragen hatte.< Sein Antrag wurde abgelehnt. Bei der Abstimmung erhielt der neue Z 33 der Geschäfts- ordnung mit 12 gegen 9 Stimmen folgende Fassung: „Bei der Besprechung einer Interpellation können Anträge in der den Gegenstand der Interpellation bildenden Angelegen- heit gestellt werden, die dahin gehen, daß der Reichstag das Ver- halten des Reichskanzlers billigen oder nicht billigen möge. Diese Anträge müssen von mindestens 39 anwesenden Mit- gliedern unterstützt werden. Sonstige Anträge sind nicht zulässig." Daim würbe die Beratung auf Freitag vertagt. Der Kampf um die Gehaltsaufbesserung der Beamten. Mit den Anstellungs- und Gehaltsvcrhältnissen der mittleren und Unterbeamten der Reichspost beschäftigte sich am Donnerstag die Budgetkommiffion des Reichstages iviederum eingehend. Die Besoldungsordnung vom Jahre 1999 hat eine solche Fülle von Ungerechtigkeiten gebracht, daß die Klagen steigend zahlreicker und dringlicher werden. Es rächt sich nun. daß der Reichstag 1999 den sozialdemokratischen Anträgen keine Folge geleistet, die Mehrheit sogar die von ihr damals in der Kommission gefaßten, für die Beamten wesentlich günstigeren Beschlüsse aufgegeben hat, als di« Regierung damit drohte, die Besoldungsordnung eventuell fallen zu lassen. In der DonnerStagsitzung versuchten die Liberalen, unterstützt von den anderen bürgerlichen Parteien, für etlva 3999 Postaffistcntcn eine Jahreszulage von 399 M. zu erlangen. Wie schon im Vorjahre nahm auch jetzt die Regierung eine strikt ab- lehnend« Stellung ein. Für die Sozialdemokraten«rklärte Abg. N o s k e, daß sie für eine solche Zulage nur dann zu haben sind, wenn gleichzeitig auch den U n t e r b e a m t e n, bei denen meistens eine direkte Notlage vorhanden ist, eine Aufbesserung ihrer viel zu niedrigen Gehälter zugebilligt wird, ebenso den nicht mit Be- amtencharakter ausgestatteten"Angestellten der Reichipost eine Lohnerhöhung. Gegen die sozialdemokratischen' Stimmen wurde ein Antrag angenommen, der einen Nachtragsetat fordert, uni >den Assistenten die erwähnte Zulage geben zu können. Die Sozial- demokraten forderten nunmehr in einer Resolution eine Revision des Besoldungsgesetzes in dem Sinne, daß eine angemessene Er- höhung der durchaus unzulänglichen Bezüge der Unterbeamten noch im Etatsjahrc 1912 eintritt, wozu ein Nachtragsetat vorgelegt werden soll. Die Abgg. E b e r t, Noske und Zu bei! begründeten eingehend die sozialdemokra. tische Forderung unter Darlegung der sehr mißlichen Verhältnisse der Untembamlen und Arbeiter der ReicbSpost. Mit dem Hinweis auf die Finanzen könne der sozialdemokratische Antrag schön des- halb nicht mehr bekämpft werden, weil die Regierung sowohl kurz vor den Wahlen, wie auch noch im neuen Reichstage den Stand der Finanzen als günstig für die Gegenwart und Zukunft geschil- dert habe. Die Statistik der Reichspostverwciltung über die Ar- beiterlöhne beweise, daß das Reich ein sehr schlechter Arbeitgeber sei. Besonders die Lage der unteren Poftbeamten in den großen Städten sei eine recht mißliche, und die Erregung unter den Be- amten begreiflicherweise sehr groß. Da sich die Koinmissionsmehr- heit vorhin für eine Aufbesserung der wesentlich günstiger ge- stellten Assistenten entschieden habe, müsse sie gerechterweis« nun auch für die Unterbeamten eintreten. Das Zentrum brachte hierauf -ine Resolution ein, die für die Angestellten der Reichspost eine den örtlichen Verhältnissen angemessene Bezahlung fordert; ferner. daß die Anwärter für die Schaffnerklasse in der Regel nach zehn Jahren etatsmähig angestellt Wersen. Der Antisemit Werner sor- derte für die Postunterbcamten Wohnungsgeld nach Tarif 4 und eine einmalige Teuerungszulage. Die antisemitischen Forderungen stießen auf einmütigen Widerspruch, weil sie teils direkt unbillig, teils nicht durchführbar sind. Auch die sozialdemokratische Resolu- tion wurde bekämpft, weil sie überhaupt eine Aufbesserung der llnlerbeamlen und Samt! eine Änderung SK S�oEuKgSo�nuklz verlonate. Die Regierung bekämp/te ulle Anträge und glaubte, die Lage der Angestellten der Reichspo� gut bezeichnen zu tonnen. Dafür soll das starke Angebot von Stellungsuchenden sprechen. Vom Abg. Giesberts wurde zubegeben, daß die Beftldungs- ordnung von 1909 zum Teil ein griff tvar. hätte doch die Assistenten und Unterbeamten besft'rftcllen sollen, woraus von sozialdemokratischer Seite auf den Umpall der bürgerlichen Par- teien bei der Besoldungsordnung verwieseri wurde. So ist der Abg. Hamechcr, der Wortführer des Zentrums, damals in dem Augen- blick aus der Kommission verschwunden, aßs das Zentrum stchan- schickte, umzufallen. Zu einer Beschlußfassung gelangte die Kom- Mission noch nicht; die Debatte wird in der nächsten Sitzung fortgeführt werden.__ Stadtverordneten-OerfamlUDi). 9. Sitzung vom Donnerstag, den 7. März 1912, nachmibtags 5 Uhr. Vorsteber Michrlet eröffnet die Sitzung nach 6�4 Uhr. Vom 1. April 1912 ab will der Mag,, trab blö Ortszulagen des LehrcrpersonalS an den Gemeindeschulen erhöhen, und zwar für die Rektoren', Haupt lehrer und Lehrer in allen Gehaltöitufen mit Ausnahme dcc letzten um je 199, in der letzten um je 150 2ß., fix* die wlssenschast. lichen und technischen Lehrerinnen um je 49 M.... Diese erhöhten Ortszulagen sollen auch den m, allen übrigen städtischen Anstalten als Geuwindebeamte anstellten Personen und sonstigen Lehrkräften zu teil werden, die schon nach der L eh re rbe s oldungso r d n u n g bezahlt werden. Dw Gesamtkosten sind auf rund 599 999 M. veranschlagt.„,.. ,, Stadw. Cassel(A. L.): Der Magistrat hat in der obe�ten Ge« haltsitufe die Ortszulage bis zum gesetzlich zulastzgen Hochitbetrag von 999 M. erhöht. Wir halten für angezeigt, diese schon vom 28. Dien/ftklbre on au erlio oiuh bßt zivof tobe rsten St-ufe. Effekt dieser Ausdehnung würde höchslens LS 999 M. betragen. Wir wollen die Vorlage aber möglichst rasch verabschieden und beantragen daher nur eine entsprechende Resolution. Stadw. Dr. Knauer v s S S£* 1 �' t. »vv*.vcii, vä.i|[ vvr lveingeil Dominikus von Schönebcra(Lachen) erklärt, das Haupthindcr» nis einer segensreichen Wohnungsinspektion fei das Haus» besitzerprivjleg, und der Mann hat damit durchaus recht: Wir flehen demnächst vor der Schaffung eines WohnungSamle� dann werden wir sa se�en, wie weit das HausbesiHerinteresse in unserer Versammlung sich manifestiert. Wenn alle internationalen Kongresse von der Stadt empfangen werden sollem dann empfangen Sie doch auch einmal internationale Arbeiterkon- gresse.(Große Unruhe und Zurufe.) Sie scheinen das also auch zu wollen; nun. wir werden abwarten. Einstweilen sollte sich die Versammlung doppelt hüten, etwas zu tun, was einseitig dem Haus» besitzerinteresse dient. Auch sind 12 000 M. eine Summe, an welcher schon manche unserer sozialen Forderungen gescheitert ist. Stadtrat Selbcrg: Wir beschicken eine Reihe von internakio» nolcn Kongressen. Wenn solche bei uns tagen, müssen sie auch von uns empfangen werden. Stadtv. Frick(N. L.) spricht sich für Bewilligung aus. Solche Kongresse zu empfangen sei für Berlin eine Ehre. Stadtv. Landsberg(A. L.): Ich bitte auch, doch den Empfang des Kongresses zu beschließen, der auf seine Fahne geschrieben hat, die Wohnungen Deutschlands und aller anderen Lander zu ver- bessern.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wir haben auch große Vorteile durch den Besuch des Kongresses, vor allem die Ge- jchaftÄvelt, die Hotels und Restaurationen. Stadtv. Dr. Rosenfeld(Soz.): Mit Freuden nehme ich Kennt- nis von der Erklärung des Stadtrats daß in Zukunft alle inter- nationalen Kongresse von Stadt wegen in Empfang genommen werden sollen.(Heiterkeit und Widerspruch.) Wenn das nicht er- klärt worden ist, dann wird doch immer klarer, daß sehr wohl unter- schieden werden soll, ob eventuell es um sich Hausbesitzer oder um Mieter handelt. Herr Frick sagt uns, die Hotelbesitzer seien außer. ordentlich von dem Berliner Empfang befriedigt gewesen. Daß die Hausbesitzer auch außerordentlich befriedigt sein werden, daran zweifle ich nicht im geringsten(Heiterkeit): die. Herren werden sich über eine solche Aufnahme sehr freuen; sie werden sagen: Seht, was wir für feine Kerls sind, wir sind gar nicht die berüchtigten Hausagrarier, sonst hätte uns die Stadt Berlin doch nicht so würdig empfangen! Der Empfang wird ein eigentümliches Licht werfen auf die Art, wie die Stadt Berlin verwaltet wird.(Große Unruhe.) Nach Herrn Landsberg haben die Hausbesitzcrorganisationen auf ihre Fahne geschrieben:..Verbesserung der Wohnungen", besser hätte er gesagt:„Verbesserung der Wohnungspreife."(Großer Lärm.) Gerade Herr Landsberg und seine Freund« sträuben sich ja mit Händen und Füßen gegen soziale Verbesserungen. Die Errichtung eines Wohnungsamtes ist hier noch gar nicht beschlossen worden, geschweige einstimmig, wie Herr Landsberg meinte, sonder» bloß Ausschußberatung, und diese teilweise auch in der Hoffnung, daß dort der Antrag be- graben wird. Alle Ausführungen von anderer Seite haben nur unsere Meinung bestätigt. Stadtrat Sclbcrg: Ich habe von den internationalen Kon- gressen gesprochen, die wir selber beschicken. Stadtv. Eaffel: Bei einer Gelegenheit wie dieser läßt sich doch nicht gut über dis ganze städtische Verwaltung und ihre Hand- habung diskutieren. Wir machen uns keineswegs mit der Zustim- mung zum Magisrratsantrag solidarisch mit allen Beschlüssen von Hausbesitzerkongressen. Das Hausbefiberprivileg wollen wir alle sehr gern entbehren(Zustimmung). Wir legen Verwahrung da- gegen ein, als wenn wir bei unseren Beschlüssen das Hausbesitzer- rnteresse walten lassen. Auch die Bestrebung der Hausbesitzer, möglichst gute und gesunde Wohnungen zu schaffen, muß gewürdigt werden. Stadtv. Gronewaldt(A. L.): Berlin wird immer mehr Frem- denstadt, das sollen auch die Sozialdemokraten nicht vergessen. Der Magistratsantrag wird angenommen. Die Vorlage betreffend den freihändigen Verkauf des Restgrundstücks Wallstr. 30 an der Splittgerbergasse an den Kaufmann Friedrich Mensch zum Preise von 438 M. für einen Quadratmeter wird vom Stadtv. Körte(Fr. Fr.) wegen des zu niedrigen Preises, der nicht einmal den von der Stadt selbst seinerzeit beim Ankauf des ganzen Grund- stücks gezahlten Preis pro Quadratmeter erreiche, beanstandet und Ablehnung der Vorlag« empfohlen. Der Reflektant hat seinerseits gebeten, ihn von seinem notari- ellen Angebot wieder zu entbinden, da er sich in seinen Voraus» fetzungen geirrt habe. Stadtrat Rast und die Stadwv. Barth und Zylicz(A. L.) sowie Stadtv. Hildcbrandt(N. L.) empfehlen die Annahme d«r Magistrats- Vorlage. Die Mehrheit beschließt demgemäß. Die Vorlage betr. die Veränderungen der etatSmäßigen Beamtenstcllen für ISIS gelangt ohne Debatte zur Annahme. Die Vorbereitung der Wahl eines TtadtkämmererS an Stelle des abgehenden Dr. Steiniger wird dem bereits be- stehenden Ausschuß zur Vorbereitung der Neuwahl eines besoldeten Stadtrats mit überwiesen. Der spezielle Entwurf zum Neubau einer Gemcindeschule mit Nebenklassen in der Gothenburger Straße wird ohne Debatte genehmigt, desgl. die Vorlage wegen anderweitiger Normierung der Besoldung der auf dem Viehhof tätigen Polizeitierärzte. Schluß gegen Uhr. Bie Lemeinäeivshlbemgiilig. Steglitz. Grohblockpolitik bei den Gemeinde- wählen. Unsere Erfolge bei der ReichStagSwahl scheinen die bürgerichen Kommunalpolitiker so eingeschüchtert zu haben, daß sie alles Selbstvertrauen verloren haben und nur noch in einer Sammclpolitik die Gewähr erblicken, die sozialdemokratische Gefahr vom Ratbaus fernzuhalten. Aus der bisherigen Geheim. niskrämerci schloffen wir schon auf etwas Derartige» und sind des- halb nicht überrascht. War es doch mehr wie seltsam, daß noch keine bürgerliche.Partei" bis zwei Tage vor der Wahl die tfandi- daten veröffentlichte, daß weder das Hausbesitzer-, noch das Mieter» organ auch nur eine Silbe über die bevorstehenden Wahlen brach- ten, sondern sich nach wie vor auf Standesamts- und vermischte Nackwichtcn aus dem Reicke beschränkten. Jetzt endlich ist dcS Rätsels Lösung da: Ter M i e t e r v e r« i n, der Kommunal- verein und der Neue Hausbesitzerverein wollten g e- m einsame Kandidaten aufstellen. Da aber Vorsicht bei allen Dingen gut ist, hat der Neue Hausbesitzcrverein hinter dem Rücken seiner beiden Verbündeten auch mit dem Alten Haus- besiherverein angebändelt, um- so seine Erfolge ganz zu sichern. Bis jetzt ist der Kuhhandel noch nicht ganz perfekt, aber es wird sich bis morgen schon macken. Wir begrüßen diese rein- liefe Sckieidung. Für unsere organisierlen Parteigenossen muß das ein Ansporn sein, ihre ganze Kraft einzusetzen, um dem vereinten Ansturm standzuhalten. Auch der letzte Mann muß sich an den beiden Wahltagen der Organisation zur Verfügung stellen, um die säumigen Wähler heranzuholen. Geschieht das, dann werden wir den Schlag glänzend parieren. Treptow-Vaumschulenweg. Mit den Gcmeindewahlen besibäf- tigte sich eine am Dienstag, den 6. März, in Serpentin» Feftfälen tagende Versammlung. Es wurde auf die oft verkannte Bedeutung kommunalpolitischcr Betätigung verwiesen und darauf aufmerksam gemacht, daß zwar in der Gemeindevertretung nicht über An- gelegenhciten von so weittragender Bedeutung wie z. B. im Reichs- tage verhandelt wird, daß dafür aber die zur Kompetenz der Gc- mcindeverwaltung gehörenden Fragen viel unmittelbarer auf den Bürger einwirken. Wie man wohnt, wie man seine Kinder er- zieht, wie man durck die Verkehrseinrichtungen seinem Erwerb nachzugehen vermag, bestimmt mehr oder weniger die Gemeinde. Aus alledem gehe die große Bedeutung der Wahlen zur Ge- meindevertrrtung hervor.— Besprochen wurden ferner die zu den Wahlen nötigen Vorbereitungen. Notwendig bekanntzugeben ist davon, daß außer am heutigen Freitag am morgigen Sonnabend sich die Genossen zu einer dringenden Arbeit für die Partei im Restaurant Erbe einfinden mögen. Am Sonntag gilt es, pünktlich um 8 Uhr im Wahllokale, in der Turnhalle der Gemeindeschule, Kiefholzstv. 274, zu erscheinen. Dabendorf bei Zossen. Am Sonnabend, den 9. März, imdet am hiesigen Ort die Gemcindewahl statt. Die dritte Klasse wählt von 5)4 bis 7% Uhr, die zweite Klasse von 7?� bis 8% Uhr, und die erste Klasse von 8)4 bis 8% Uhr. Die Genossen Berlins und Umgegend, die mit hiesigen Wählern zusammenarbeiten, wer- den ersucht, dieselben auf ihre Wahlpflicht aufmerksam zu machen. Nieder-Schönhausen-Rordend. Ueber:„Die Sozialdemokratie in der Gemeindevertretung" sprach am 5. Februar Genosse Kubig in einer öffentlichen Versammlung im Lokal„Schloß Schönhausen". Der Redner lieferte den Nachweis, wie notwendig die Wahl sozial- demokratischer Vertreter in das Gcmeindeparlament ist..Hatte der Referent unsere Forderungen und Bestrebungen in den Gemeinden prinzipiell erläutert, so ging in der anschließenden Diskussion Genosse H e l l r i ch auf die örtlichen Verhältnisse näher ein. Da- bei beleuchtete er auch die Vereine, welche das gegnerische Flug- blatt.unterzeichnet haben. Darunter befindet sich auch der Verein der Geschäftsleute. Da die Beamten ihren Wirtschaftsverein haben, so seien die Geschäftsleute lediglich auf die Arbeiterkundsckaft an- gewiesen. Nachdem Redner noch eingehend über die Tätigkeit unserer vor zwei Jahren gewählten Vertreter berichtete, entwickelte er ein Bild von den Aufgaben, welche der Zukunft harren. Sodann berichtete Genosse H i e g e über den Aufmarsch der bürgerlichen Jnteressenvereine; diese Vereine, so betonte Redner, bieten keine Gewähr dafür, daß ihre Kandidaten das Wohl der Gemeinde- angehörigen fördern. So könne der pensionierte Fahrmeister Rühle wohl mehr als Vertrauensmann der Straßenbahn, als wie der Einwohner gelten. Auch der andere Herr sei als Lehrer beim besten Willen nicht in der Lage, unabhängig zu handeln. Nachdem der Vorsitzende, Genosse Buchweiz, noch auf die Ver- gebung der Gemeindearbeiten näher eingegangen, teilte derselbe mit, daß vom sozialdemokratischen Wahlverein die Genossen Hell- rich und Hiege als Kandidaten aufgestellt seien; zugleich er- suchte er, die Wahl derselben tatkräftig zu unterstützen. Ein An- gestellter der Straßenbahn schlug den Gastwirt Gappa als ffiandi- daten vor. Genosse Gappa ersuchte aber speziell die Straßenbahner, Mann für Mann ihre Stimme den Kandidaten der Sozialdcmo- kratie zu geben, da nur sie rückhaltlos die Arbeiterintercssen und somit auch die der Straßenbahner vertreten würden. Die Wahl findet am Sonntag, den 19. März, im Re- staurant Liedemit von 10 bis B Uhr statt. Marlenfelde. Bei der Gemeindewahl der dritten Abteilung ist cS leider auch diesmal nicht gelungen, unserem Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Genosse Greulich erhielt 165 Stimmen, der Gegner 201; dabei waren 23 Forenscn. Drei Automobile be- sorgten bei den Gegnern den Schleppdienst. Wenn man die äußerst ungünstige Wablzeit, von 19 bis 2 Uhr, in Betracht zieht, bietet dieses Resultat keine Ueberraschung. Bei der vorigen Wahl wurden für den sozialdemokratischen Kandidaten 153 Stimmen abgegeben. Eingeschriebene Wähler waren 593. Lichtenrade. Ueber das Thema:„Tie Aufgabe der Sozial. dcmokratie in der Gemeinde" referierte in einer Gcmeindewähler- Versammlung Gemcindevertretcr Genosse H. Reichardt» Mariendorf. Der Redner führte den Anwesenden in großzügiger Weise vor Augen, welche Pflichten die Kommune auf allen Gebieten zu erfüllen hat.— Alsdann wurden die Genossen Fr. Li er und Karl N o w i g k als Kandidaten für die dritte Abteilung aufgestellt. Die Wahl selbst ist auf Montag, den 11. März, von 3 bis 7 Ub r festgesetzt. Wie wenig Rücksicht auf die 499 Wähler der dritten Abteilung, die doch zum überaus größten Teil ihrer Beschäftigung außerhalb Lichtenrades nachgeben, genommen ist. geht daraus hervor, daß der Wahlakt auf eine so ungünstige Zeit festgelegt ist. Dadurch er. leiden die Arbeiter bei Ausübung ihres Wahlrechts eine empfind- lich« Einbuße an Arbeitsverdienst. De? Antrag unseres in der Gemeindevertretung sitzenden Genossen, die Wahl an einem Sonn- tag vorzunehmen, hat nicht einmal die Unterstützung anderer Ge- meindevertreter gesunden. Da zeigt sich ganz augenfällig, wie solche Herren die Interessen der Wähler vertreten. Daran? erwächst für jeden Wähler der dritten Abteilung die Pflicht, durch die Wabl der sozialdemokratischen Kandidaten diesen Herren die einzig richtige Antwort auf ihr arbeiterfeindliches Verhalten zu geben. Hermsdorf bei Berlin. Sonntag, den 19. März, von 2 bis 6)4 Uhr, findet die Gemeindcvertreterwahl für die dritte Klasse statt. Unser Kandidat ist der bisherige Vertreter, Genosse Heinrich Sohrauer. Die Gegner machen verzweifelte Anstren- gungen, um uns da? Mandat zu rauben. Sache der Arbeiterschaft muh eS jedoch sein, ihr Vorhaben zunichte zu machen. Trete am Sonntag jeder rechtzeitig an, womöglich vor 2 Uhr, dann wird es uns trotz der Anstrengungen der Gegner gelingen, unseren bewährten Genossen, den Stukkateur Heinrich Sohrauer, mit großer Mehrheit wieder in die Gemeindevertretung zu wählen. MahlSdorf(Qstbahn). Den Bericht über die Tätigkeit unserer Genossen in der Gemeindevertretung erstattete in der letzten Wghl- Vereinsversammlung Genosse Oertel. An der sehr eingehenden DiS- kussion hierüber beteiligten sich die Genossen Scheibe, Schmidt, Schumann und Weihrauch. Anschließend hieran wurden die Kan- didaten für die bevorstehende Gemeindevcrtrcterwahl aufgestellt, und zwar für die dritte Abteilung der Genosse Lehn ig und für die zweite Abteilung die Genossen Wiedcmann und Ludwig. Am Montag, den 4. März, fand eine allgemeine VolkSver- sammlung im„Hcidekruq" statt, in der Genosse G r u n o w- Ober- SÄöneweide über:„Tie Sozialdemokratie in der Gcmeindever- trctung" referierte. In vorzüglicher Weise behandelte er die Fragen der kommunalen Arbeitslosenversicherung, der Fürsorge für die Gcmeindeangestellten und Arbeiter, der Gemeindesteuern,'des Armen- und Gesundheitswesens, der Säuglingsfürsorge, des Schul- Wesens, der Wohnungsfrage und noch einer ganzen Anzahl für die Gemeindcpolitik wichtigen Angelegenheiten. Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen.— Der Vorsitzende wies noch darauf hin. daß die Wabl für die dritte Abteilung am Sonntag, 19. März, nachmittag» von 12 bis 5 Uhr, im Brandtscken Lokal, Bahnhofstraße, stattfindet. Kandidat ist Genosse Karl Lehnig, Maurer. Die zweite Abteilung wählt am Montag. 11. März. nachmittagsvon 4 bis8Uhr,im selben Lokal. Kandidaten sind die Genossen Friedrich Ludwig, Buchdrucker und Emil Wiedemann, Tischler. Mit einer energischen Aufforderung an die Anwesenden, alles daran zu setzen, um unsere Kandidaten zum Siege zu verhelfen, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Französisch. Vuchlwlz. Tai Präludium zu der am 15. März. nachmittags von 1 bis 4 Uhr, stattfindenden Gemeinde- wähl wurde am Montag in einer vom Grundbcsitzervercin und dem Verein der Geschäftsleute nach dem Lokal van Baumann ein- berufenen Wählervcrsammlung der dritten Abteilung aufgeführt. Zunächst nahm die Aufstellung eine? Kandidaten längere Zeit in Anspruch. Da eine Einigung auf eine gemeinsame Kandidatur nickt zu erzielen war, erhielten von drei Kandidaten zwei je 19 Stimmen: mit diesen hoffen nun die bürgerlichen Kamvfhähne mit der Sozialdemokratie in Stichwahl zu kommen. Nachdem dieser Akt beendet, richtete der anwesende Genosse Neumann an den unter den Versammlungsteilnehmern sitzenden Gemeindrvor- steher die Anfrage, warum er dem Ersuchen des sozialdemokratischen Vertreters, die Wahl im Interesse der meist außerhalb des Ortes beschäftigten Arbeiter an einem Sonntag oder aber Wochentags in späten Abendstunden stattfinden zu lassen, nicht nachgekommen sei? Diese Frage brachte den Herrn Gemeindevorsteher in große Er- regung. Herr Ncumann und seine Genossen, so betonte er, hätten die Sonntagsruhe eingeführt, und jetzt mute man ihm zu. daß er des Sonntags arbeiten soll, trotzdem er bereits Tag und Nacht tätig sei. Im übrigen sei eS seine Sache, wie er die Wahlzeit festsetze: hierüber sei er nur seiner vorgesetzten Behörde Rechen- schaft schuldig. So lange er Gemeindevorsteher von Französisch- Vuchholz sei, werde die Gemeindewahl nie an einem Sonntag stattfinden. Genosse Neumann gab dem Herrn auf diese von auto- kratischem Geist zeugenden, die werktätige Bevölkerung geradezu herausfordernden und zugleich verhöhnenden Ausführungen die ge- bührende Antwort. Durch dieses Verhalten hat der Gcmeindevor- steher der Sozialdemokratie nur einen Dienst erwiesen; jetzt werde dieselbe erst recht, trotz der ungünstigen Wahlzeit, dem Kandidaten zum Siege verhelfen. Zum Schluß wollte der Gemeindevorsteher den Versammelten noch zeigen, wie er als konservativer Mann doch eigentlich viel liberaler sei als Genosse Ncumann, indem letzterer in der Gemeindevertretung gegen seinen Plan, Volksunterhaltungs- abende einzuführen, gestimmt hätte. Da die Ausführungen des Gemeindevorstehers ein völlig falsches Bild von dem wahren Sach- verhalt gaben, versuchte Genosse Ncumann, dies richtigzustellen; ihm wurde jedoch nicht mehr das Wort erteilt. In der nächsten Woche wird sich u. a. eine öffentliche Wählcrversammlung auch mit dieser Angelegenheit befassen, wozu auch der Herr Gemeindcvor- sicher eingeladen wird. Hoffentlich erscheint der Herr. Wahlergebnisse. LübarS-WaidmannSlust. Bei der Gemeindevertretcrivahl für die dritte Abteilung wurde Genasse Lu scher mit 177 gegen 99 Stimmen des bürgerlichen Mischmasches wiedergewählt. Die Gegner hatten einen großzügig angelegten Schlcppapparat mit Auto und Schimmelgespann eingerichtet. In der zweiten Klasse wurde der bisherige Vertreter mit 37 Stimmen von 195 ein» geschriebenen Wählern wiedergewählt. In der ersten Kalsse wurde Herr Harsch als Vertreter ernannt. Soziales. Wie steht es mit der landwirtschaftlichen Kinderarbeit? Seit dem I.Januar 1904 ist das Gesetz betreffend Kinder» arbeit in gewerblichen Betrieben vom 30. März 1903 in Kraft. Das Gesetz erfüllt die seit Jahrzehnten von der Sozialdcmo- kratie erhobene Forderung der Beseitigung der Erwerbsarbeit von Kindern bis zu 14 Jahren nicht, ist aber immerhin eine kleine Abschlagszahlung auf diese Forderung. Bedauerlich ist insbesondere neben den vielen Durchlöcherungen eines Kinder- arbcitsverbots die Beschränkung des Kinderschutzcs auf g c- werbliche Betriebe und die Ablehnung eines Schutzes für die in der Landwirtschaft und in häuslichen Betrieben be- schäftigtcn Kinder. Bei Verabschiedung des Eitzes hatte der Reichstag den Reichskanzler ersucht,„zum Zwecke von Er- Hebungen über den Umfang und die Art der Lohnbeschäftigung von Kindern im Haushalt(Aufwartung. Kinderpflege u. dgl.) sowie in der Landwirtschaft und deren Nebcnbetricben, ihre Gründe, ihre Vorzüge und Gefahren, insbesondere für Gesund- heit und Sittlichkeit, sowie die Wege zweckmäßiger Bekämpfung dieser Gefahren mit den Landesregierungen in Verbindung zu treten und die Ergebnisse der vorgenommenen Erhebungen dem Reichstag mitzuteilen". Seitdem sind neun Jahre verflossen. Mitteilungen über die Erhebungen sind an den Reichstag noch nicht gelangt. Erscheinen selbst der Regierung die durch die Er- Hebungen ermittelten Verhältnisse der Kinderarbeit in landwirtschaftlichen Betrieben so grauenhaft, daß sie vor der Veröffentlichung sich scheut? Schutz der in landwirt- schastlichcn Betrieben beschäftigten Kinder ist im Allgemein- intcresse, im Interesse von Gesundheit und Sittlichkeit dringend erforderlich._ Geplante Erdrossclungssteuer? Die Agrarier treiben wieder Mittelstandspolitik! Den Kon- sumvereinen will man eine Sondcrlast aufpacken, die sich als aus- gesprochene Klassensteuer charakterisiert. Daß sie dem Mittelstande stützende Krücken liefern könne, ist ausgeschlossen. Die Händler und Handwerker dürften übrigens längst erkannt haben, daß die künstliche Verteuerung aller Waren durch die Zoll- und Steuer- Politik ihre Lage immer schwieriger gestaltet. Und wie die Sonder- steuer wirkt, könnte� doch die Warenhaussteuer lehren. Wer zahlt sie? Vielleicht die Warenhäuser? Nein! DaS Warenhaus, als Großabnehmer, hat sie auf die Fabrikanten abgewälzt, die dafür den Klcinabnehmern höhere Preise vorschreiben. Der Mittelstand trägt mehr oder minder die Kosten! Die Sondcrsteuer für Konsumvereine wird die gleichen Folgen zeitigen. Und für die Konsumenten wird sie ein so erfolgreiches AgitationSmiltel werden, daß sie der Groß» cinkaufsgesellschaft als Zentrale bald einen größeren Einfluß auf die Preisgestaltung verschafft, als ihn die Warenhäuser ausüben. Der Agrarier Vorgehen trägt um so mehr den Stempel kleinlicher Gehässigkeit und bewußter Täuschung, als sie selbst auf allen Ge- bieten den Mittelstand auszuschalten versuchen. Sie unterhalten Einkaufs- und Vertriebs- sowie Verwcrtungsgenossenschaften, zum Teil sogar mit Hilfe staatlicher Subventionen. Auch die eigentlichen Geldgeschäfte suchen sie selbst zu betreiben, den Bankier auSzu- schalten. So hat die Bank des rheinischen Bauernvcreins im Jahre 1911 einen Umsatz von 81 Millionen Mark erzielt. Nach sehr reich- lichen Abschreibungen verblieben 88 855 Mk. Reingewinn. Davon werden jedoch nur 65 799 M. als 4)4 Proz. Dividende auf das rund 1)4 Millionen Mark betragende Aktienkapital ausgeschüttet. Die Leitung arbeitet auf eine Verstärkung der Betriebsmittel und GeschäftSerwciterung hin. Daß die Mittelständlcr von dieser agrarischen EntWickelung keinen Nutzen zu erwarten haben, liegt auf der Hand. Trotzdem trottet ein großer Teil hinter den agra- rischen Rattenfängern her und läßt sich das Fell über die Ohren ziehen! Sozialpolitik in Hamburg. Die Hamburger Bürgerschaft stimmte am Mittwoch zwei Senatsanträgen zu, von denen der eine die Bewilligung einer jähr- lichen Unterstützung von 29 999 M. für die Landeszentrale Ham» bürg der Bereinigung für Säuglingsschuh bezweckt; der zweite setzt für die Errichtung eines Obdachloscnhauscs 859 999 M. fest. Diese Summe wird dem Asylverein überwiesen. Sericbts- Leitung. Ein ungeheuerliches Urteil. Ein geradezu empörendes und aufreizendes Urteil fällte am Dienstag die Strafkanimcr des Landgerichts Erfurt unter Vorsitz dcS Landgerichtsdirektors Sichert. Unter der Anklage, Arbeitswillige während der MetallarbciterauSspcrrung mißhandelt zu haben, stand der seit fünf Jahren in cincr Böttcherei beschäftigte unbestrafte Böttcher Willi Zehner. Am 11. August 1911 kam es zwischen ausgesperrten Metallarbeitern und dem Arbeits- >v i l I i g e n a g e n t August Büschel sowie anderen Arbeitswilligen im Restaurant„Zur Börse" zu Reibereien. Vor dem Lokal, auf dem Wcnigcnmarkt, kam es dann zu einer Schlägerei zwischen den Arbeitswilligen und anderen Personen. Hierbei soll der Angeklagte den Schlosser August Schröder mit einem spitzen Gegenstand in den linken Arm gestochen und den Arbeiter Johann Graul mit einem Stock geschlagen haben. Der Angeklagte bestritt die ihm zur Last gelegten Taten. Er wies aber darauf hin, daß er von dem Ar- bcitS willigen Graul mit einerWaffe bedroht wurde. Graul bekundet als Zeuge, daß er keine Waffe bei sich geführt, sondern er habe nur mit der Hand in seine Gesäßtasche gefaßt. In der weiteren Ver- Handlung wurde festgestellt, datz Büschel und andere Arbeitswillige während des Tumults im Lokal„Zur Börse" einen Arbeiter so misthandelt haben. dast dieser, nach den eidlichen Aussagen eines Zeugen, laut um Hilfe schrie. Doch ist gegen die Arbeitswilligen keine Anklage wegen Misthandlung erhoben worden. Der Zeuge Büschel bescheinigte diesen Vorfall mit den Worten: Man habe dem Manne„nur ein paar ge- geben", weil er nachforschen wollte, ob Graul einen Re- volver hatte. Lediglich Arbeitswillige, die nach dieser Bekundung sich das Recht, zu misthandeln, anmastten und von denen Graul bereits mit zwei Monaten Gefängnis wegen Körperverletzung vorbestraft ist, belasten den Angeklagten. Büschel behauptet, der Angeklagte sei bei jedem Streik„vornweg". Ein junger Schmied Emil John sollte Auskunft über einen Vorfall geben, der sich bereits am 4. August vor der„Börse" abgespielt haben soll. An diesem Tage soll es auch zu einem Zusammenstoß zwischen Arbeitswilligen, dem Angeklagten und dem Zeugen gekommen sein. John be kündete, er habe den Angeklagten damals nicht gekannt und wisse von der Sache nichts. Der Zeuge V ü s ch e l aber, der sich am 4. August in der„Börse" aufhielt, ivill die Person des Zeugen nnt Bestimmtheit wiedererkennen, während der Restaurateur K t u s e, dessen Sohn und selbst der Arbeitswillige Graul die Aussagen Büschels in diesem Falle n i ch t mit Bestimmtheit bestätigen können. Der Wider spruch zwischen den Aussagen Büschels und des Zeugen John veranlastte den Staatsanwalt Kunze zu be antragen, gegen John das Verfahren wegen Meineids einzuleiten! Gegen den Angeklagten beantragte Staatsanwal t wies Kunze 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. Er besonders darauf hin, dast ja der Angeklagte nach der_____ fuge Büschels bei allen Streiks gegen Arbeitswillige aggressiv vorgegangen sei. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. DeS w a t i n e s Ivies zunächst darauf hin, dast der Angeklagte ein unbescholtener�leistiger, nüchterner Arbeiter sei, im Gegensatz zu vielen Wtweitswklligen, die oft nur als GelegenheitS arbeiter auf der Bildfläche erscheinen. Die eidliche Aussage Büschels, wonach der Angeklagte bei jedem Streik„vornweg" sein solle, sei nicht richtig, denn er arbeite schon 5 Jahre auf der Brauerei und der Direktor könne zur Bestätigung seines guten Leumunds als Zeuge ver nommen werden. Auch die anderen Aussagen Büschels seien mit Vorsicht aufzunehmen, denn in einem andern Prozeß, in dem er als Hauptbelastungszeuge gegen angeklagte organisierte Arbeiter auftrat, habe sich herausgestellt, dast Büschel in der Nacht so lange provozierend„spazieren" ging, bis er seine Prügel weg hatte. Der wegen Körperverletzung vor- bestrafte Zeuge Graul sei auch nicht so harmlos, wie er auf- getreten sei. Die Bekundungen der Belastungszeugen seien durchaus nicht durchschlagend. Jeder Zeuge habe den Vor- fall etwas anders geschildert. Sie wollen wohl gesehen haben, daß der Angeklagte geschlagen hat, aber davon, dast auch Büschel und ander». Arbeitswillige sich aktiv an der Schlägerei beteiligten, habe niemand etwas ausgesagt. Der Verteidiger plädierte für Freisprechung, eventuell für eine milde Beurteilung. Vor der Urteilsverkündung richtete der Vorsitzende die Frage an den Zeugen John, ob er seine Aussage aufrecht er halte. Zeuge John erwiderte klar und be- stimmt, dast er nach bestem Wissen die reine Wahrheit gesagt und nichts zu korrigieren habe. Dann verkündete der Präsident das Urteil, das auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis lautete. Das Gericht hielt die Schuld des Angeklagten für erwiesen. Er sei zwar nicht an der Aus- sperrung beteiligt gewesen, doch habe er sich herbei- gelassen, die Bestrebungen der Metallarbeiter zu unterstützen. Da die organisierten Arbeiter geschlossen gegen die Arbeits» willigen zusammenhielten, sei es P f l i ch t des Staates, die Leute mit allen Machtmitteln zu unterstützen und ihnen den Rücken zu stärken, die sich nicht dem Terrorismus unter- werfen wollen. Ferner habe das Gericht beschlossen. den Zeugen John Ivegen Meineidsverdachtes in Haft zu nehmen. Die Verurteilung des Angeklagten, die Art und Höhe der Strafe, die Urteilsbegründung sowie die Verhaftung des Zeugen wegen vermeintlichen Meincidsvcrdachts schlagen ge- sundem Rechtsempfinden ins Gesicht. Die Urteils- begründung bezeichnet als Pflicht des Staates die Unter- stützung Arbeitswilliger; objektive Rechtsprechung hält im Gegensatz hierzu als ihre Pflicht, ohne Ansehen der Person lediglich nach Maßnahme der ctlva erwiesenen Tat zu ur- teilen. Je entfernter der Richter den politischen und wirt- schaftlichcn Ansichten deS Angeklagten steht, desto mehr sollte er sich hüten, seine politische und wirtschaftliche Gegnerschaft zur Herrin seiner En:schlüsse zn machen. Ein Schulbeispiel, wohin die Nichtbeachtung dieses vom alten Grolniann auf- gestellten Grundsatzes führt, bietet das Erfurter Urteil dar. Jmnier dringlicher Ivird die Forderung des Ersatzes des BernfSrichtertums durch aus allen Teilen der Bevölkerung ent- nommene Richter. Ist diese Forderung erfüllt, ist der Klassen- jnstiz die Hauptnahrung entzogen, dann sind Urteile und Ver- hastilngcu lvie die angeführten kaum möglich. im Industrie und f)aiidel � neuen Kapitals auf Grund dieser Operation ein größeres Schwer- gewicht aus als die Älktionäre, die voll tO Millionen Mark einbrachten. Der Großkapitalismus bildet eben seine besonderen Praktiken aus, uin airs Wasser Geld zu machen und durch es zu herrschen und zu unterjochen._ Koiizeutratio» im Tabakbau. Nicht nur in der Industrie, auch in dr: Landwirtschast bestehen Koiizeiitrationstcndenzen. Nur treten sie in der Landwirtschaft Deutschlands nicht so klar zutage wie in der gewerblichen Pro- dnktion. Für einzelne agrarische Betriebe läßt sich aber die Koiizeiitratiön ganz deutlich verfolgen. So berichtet die„Süd- deutsche TabakSzeiiuug" über den Tabakbau in Deutschland folgendes: Die Zahl der Tabakpflauzer nimmt von Jahr zu Jahr ab, ohne daß jedoch der llinfang des Tabakbaues, der sich in der Größe der Anbaufläche darstellt, den gleichen Rückgang aufweist. So wurden zu», Beispiel im Iahte 1852 noch 213 250 Tabakpflanzer im Deutschen Reich gezählt; auf einen Pflanzer kamen damals durch- schniltlich 10,3 Ar Anbaufläche. Im Jahre 1911 hat die Zahl der Tabakpflnnzer nur noch 101 818 betragen, auf einen Pflanzer kommen aber nun durchschnittlich 16.7 Ar Anbaufläche. Greifen wir aus der Zwischenzeit die Jahre 1890 und 1900 heraus, so stellte sich die Zahl der Tabakpflanzer 1890 auf 180 200, 1900 auf 11-1 634, die durchschnittliche Anbaufläche 1890 auf 11,1 Ar und 1900 auf 12,9 Ar. Die Abitahms in der Zahl der Tabakbauer wird also begleitet von einer Zunahme der durchschnittlichen Anbaufläche, ein Beweis, daß auch im deuticken Tabakbau der Äleiubelrieb immer mehr dem mittleren und größeren Betrieb Platz macht. Von einem Großbetrieb wird man trotzdem kaum reden können, denn 16,7 Ar oder 2/s Morgen, wie sie für das Jahr 1911 als Durchschnitt sich ergeben, sind immer noch eine ziemlich kleine Fläche, voir der man allenfalls 3—1 Doppelzentner Tabak erntet. Ganz verschieden sind aber in dieser Beziehung die Verhältnisse in den einzelne» Tabakbaugebieten des Reiches. In Ostpreußen, dem typischen Land des Tabakkleinbauers, kommen im Durchschnitt nur 0,17 Ar(= 47 Quadratmeter) Aubaufläche auf einen Tabak- Pflanzer. In dieser Provinz beschränkt sich wohl mancher Tabak- Pflanzer noch auf die Produktion„für die eigene Pfeife", wiewohl auch hier eine allmähliche Verschiebung nach oben wahrzunehmen ist. In der Nachbarprovinz Westpreußen finden wir de» entgegengesetzten Typ. Dort kam im letzten Jahre eine Anbaufläche von durchschnittlich 63 Ar(= 2% Morgen) auf einen Tabakpflanzer. Noch größer war die Durchschnittsfläche in Mecklenburg, wo 77,7 Ar, also reichlich 3 Morgen auf einen Pflanzer kommen. Verhältnis- mäßig hoch ist der Durchschnitt ferner in den Provinzen Pommern und Brandenburg mit 48,3 und 43,8 Ar und im Großherzogtum Hessen niit 33,4 Ar. Ueber dem Reichsdurchschnitt stehen außerdem Bayern mit 26,4 Ar, Baden mit 19,2 Ar und Elsaß mit 18,9 Ar. Für ganz Preußen berechnet sich der Durchschnitt auf 11,9 Ar sRheinland 13,7, Posen 10,3, Provinz Sachsen 9.6, Hannover 9,2; Hessen-Nassau 7,3, Schlesien 3,4 Ar). In Anhalt kommen durch- schnitilich 13,6 Ar, in Thüringen 11,5, Braunschweig 7,1, Würltem- berg 6,9 Ar auf einen Pflanzer. Wie man Geld macht. Eine besonders bei den amerikanischen Trusts vielgeübte Art Geld z» machen, scheint auch in Deutschland weiter um sich zu greisen. Sie besteht darin. Gründungen und Kapitalserhöhungen durch Aktien- ausgäbe vorzunehmen, ohne daß der Wert der Anteilscheine voll ein- gezahlt wird. Gewöhnlich sind von dem noininellen Wert der„Leer- akiien" nur 23Proz. wirklich zur Bezahlung gelangt; daS andere ist „Wasser". So bat. nach der. Franks. Ztg.". im Juli vorigen Jahres die Süddentiche Diskonto-Gefellschafl in Mannheim, die zur Gruppe der Berliner Diskonto-Gesellschafi gehört, ihr Aktien- kapital von 38'/z Millionen Mark auf 30 Millionen Mark erhöht. Aber nur 0>/„ Millionen Mark wurden voll eingezahlt. Die weiteren 3 Millionen Mark Aktie» übernahm die Berliner Diskouto-Gesell- schaft, die aber nur 23 Proz. einzahlte. Die Berliner Diskonto- Gesellschaft sucht sich aber auf diese dillige Art noch m lveitcren zu ihrem Konzern gehörigen Bankinstituten Einfluß zu sichern. Vor kurzem hat der Bar in er Bankverein Hin. Z berg, Fischer ck Comp, für 23 Millionen Mark neue Aktien ausgegeben. 13 Millionen Mark Aktien wurden der DtSkoniogrfelllchaft zum Kurse von 116 Proz. überlassen, die aber wiederum nur po Proz., also ausschließlich des Agios(KursaufichlagS) nur etwa 6 itoüt 13 Millionen Mark einzahlte. In der Verwaltung des Bariner Bank- Vereins üben also die Berliner Diskonto mit 6 Millionen Mark Ludwig Locwe u. Co. A.-G. erzielte einen Gewinn von 2 371 119 Mark sim Vorjahr 2 233 222 M.). Es sollen 1330000 M. zur Zahlung von 13 Proz. Dividende sim Vorjahr 16 Proz.) verwendet werden._ Hus der frauenbewegung* „Die Mitarbeit der Frau in der Stadtverwaltung." l. Ueber dies Thema sprach Genossin Klara Wehl am Montag, den 4. Februar, im„Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiter- klaffe". Seit etwa 15 Jahren, so führte die Referentin aus, sind Frauen mit in gewissen Zweigen der Stadtverwaltung tätig. Zu- nächst beteiligten sie sich als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen in der Armen- und Waisenpflege. Sehr notwendig wäre indessen die Tätigkeit der Frauen auf sehr vielen anderen Gebieten der tädtischen Verwaltung. Vor allem schon in der Kranken- pflege. Die Frau, die geborene Krankenpflegerin, müßte auf die Einrichtung der Krankenhäuser Einfluß üben; sie würde dann bald für die Abstellung sehr vieler Mängel sorgen, die heut noch in unserer städtischen Krankenpflege zu finden sind. So würde sie gewiß in erster Linie die Wöchnerinnenpflege ausgestalten, die gegenwärtig noch in den dürftigsten Anfangen steckt. So besitzt das große Virchow-Krankenhaus in Berlin nur zirka 90 Wöchne- rinnen-Betten; überall mangelt es an Einrichtungen zur Aufnahme von Gebärenden; jetzt, wo sehr bercchtigterweise immer mehr Frauen auch aus proletarischen Kreisen ärztliche Hilfe während der Entbindung wünschen. Ebensowenig ist genügende Gelegenheit zur ausreichenden Erholung schwächlicher Frauen nach der Ent- bindung geboten. Zwar können solche Wöchnerinnen in Blanken« bürg— der Heimstätte der Stadt Berlin— verpflegt werden; leider wird diese Einrichtung noch viel zu wenig in Anspruch gc- nommen. TaS stärkste Jntereffe hätten die Frauen an der Säug. i n g s f ü r s o r g c. Erst seit verhältnismäßig recht kurzer Zeit haben sich die Kommunen dazu bequemt, Säuglingsfürsorge in irgendeiner Form überhaupt in den Bereich ihrer Tätigkeit zu ziehen. Als vor 11 Jahren unser Genosse Dr. Freudenberg die ersten Anträge nach dieser Richtung einbrachte, wurde c-r in der Stadtverordnetenversammlung verlacht, genau wie später die Sozial- demokraten, die beantragten, zunächst wenigstens 30 000 M. tädtischer Mittel für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Heute weist der Etat der Stadt Berlin bereits 440 000 M. für diesen VcrwaltungSzweig auf. Vorläufig steckt unsere Säuglings. chrsorge noch in den Anfängen. Es sind Fürsorgestellen in ver- ichiodenen Stadtgegenden eingerichtet, in denen der Säugling untersucht und den jungen Müttern kostenlos ärztlicher Rat für die Pflege der Kleinen erteilt wird. Da die Wissenschaft erkannt hat, daß für das Gedeihen des Säuglings die Ernährung durch Muttermilch die Grundbedingung darstellt, werden für mittellose Mütter sogenannte Stillprämien bis 3 M. wöchentlich gezahlt, damit die Proletarierin in dieser Zeit nicht gezwungen ist, außer- häuslichen Erwerb zu suchen und sich ihrem Kinde zu entziehen. Wie ausschlaggebend für die gesunde Entwickelung des Säuglings die, wenigstens teilweise Ernährung durch Muttermilch ist. zeigen in vorzüglichster Weise die Versuche deS menschenfreundlichen Kinderarztes Prof. Dr. Neumann, der in seinen aus eigenen Mitteln erhaltenen Fürsorgestellcn überflüssige Muttermilch aus seinem ebenfalls privat eingerichteten Wöchnerinnenheim in Flaschen an stillunfähige Mütter für deren Kinder abgibt und damit die vor- züglichstcn Erfolge erzielt. Es ist ohne weiteres klar, wie not- wendig die Mitarbeit der Frauen gerade auf diesem Gebiet wäre, wie man denn auch bei der ersten Einrichtung der Säuglings- sürsorge bereits vorgeschlagen hatte, Frauen zur Mitbcratung in den vorbereitenden Kommissionen zuzuziehen. Für eine wirklich weitgehende Wöchnerinnen- und Säuglingspflege gäbe es eine große Reihe noch ganz unausgenutzter organisatorischer Möglichkeiten, die z. B. auch die Kosten erheblich verringern könnten. So wäre es sehr wohl denkbar, die gesamte Wäsche usw. fiir die Kranken- Häuser, bei deren Lieferung heut einige große kaufmännische Ge- schäste einen bedeutenden Unternehmergewinn erzielen, in eigener städtischer Regie durch die jungen Mütter in Müttercrholungs- Heimen anfertigen zu lassen und damit die Unkosten der Verpflegung im Heim zum großen Teil wieder herauszuschlagen. Mit derarti- gen Versuchen werden sich ebenfalls Frauen mit ihrer stärkeren wirtschaftlichen Schulung erheblich eher beschäftigen als Männer. Bersammkungen-- Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Am Sonnkag» den 10. März,?U1 Uhr. Führung durch das Kunstgewerbe- Museum(Prinz-Albrechtstraße). Nur die mit Karten Ver- scheuen haben Zutritt._ Bus aller Melt. ßcfecnntmrfe einer febönen Seele. Vor dem Bezirksgericht in Petrikau sNussisch-Polenl finden zurzeit die Verhandlungen gegen die Czenstochauer Mönche statt, die der Beraubung des wundertätigen Mutter- gottesbildes und der E r m o r d ll n g des P o st h a l t e r S Warlaw Macoch angeflagt sind. Die Zeugenvernehmungen geben ein furchtbares Bild der Zustände, wie sie in dem Paulaner Kloster geherrscht- haben. Während die Gläubigen in der Gnaden« kirche ihre Gebete verrichteten und Opfer darbrachten, verpraßten die Paulanerbrüder den Klosterschatz in der schamlosesten Weise- Trunk. Spiel und skandalöse Verhältnisse mit Weibern, die ihnen von allen Seiten, sogar aus den Reihen der Pilgerinnen, zuströmten, waren bei den Patres an der Tagesordnung. Auch wenn man nur einem Teil der fürchterlichen Enthüllungen des An« geklagten Macoch. eines Veiters des Ermordeten, Glauben schenken will, so ist das Kloster eine der wüstesten Unzuchtstätten gewesen. Damen der besten Gesellschaftskreise bis herab zu den Mägden der benachbarten Güter sind in den Mönchszellen aus- und eingegangen und haben dort die wüstesten Orgien mit- gefeiert. Daneben liebten es die Brüder auch, sich aus Czenstochau und Warschau Mädchen in das Kloster zu bestellen. Ein Bruder, Jodel, stand in dem Geruch, daß er besonder? heilig sei und oft Visionen habe, wobei ihm die Mutter Gottes von Czenstochau erscheine und Wunder für die Gläubigen verkünde. Später stellte es sich heraus, daß diese Wunder lediglich Phantasiegebilde deS dem Alkohol ergebenen Patres gewesen waren, der an einem Abend 11 Flaschen Bordeauxwein getrunken und am nächsten Tage vom Schlage ge« troffen worden war. Ein andeecr Klosterbruder pflegte des Nachts, in einen Mantel gehüllt, mit einer elektrischen Taschen« l a m p e durch die Klostergänge zu ziehen, so daß man draußen auf der Straße plötzlich emen hellen Lichtschein wahrnahm. Vor diesem offenbaren Wunder fiel die harrende Volksmenge dann betend auf die Knie nieder. Die Patres aber saßen während dieser Zeit mit eleganten Damen in den Hinterzimmern von Czenstochauer Weinstuben und machten von dem VerfügungS« recht, das sie sich über den Klosterschatz angemaßt hatten, den aus- giebigsten Gebrauch. Bis zu welchem Grade moralischer Verlumpung eS die frommen Klosterbrüder gebracht haben, zeigen die Auszüge aus dem T a g e b u ch e deS angeklangten Mönches Starczewski, daS in der Gerichtsverhandlung zur Verlesung kam. Sein Leben sah so aus: 6. Mar. Flüchtig gebetet. Leidenschaftlich geküßt mit einer Frau. Gestern zweimal mit einer verheirateten Frau gesündigt. 8. Juni. Flüchtig gebetet. Geküßt leiden« s ch a s t l i ch. 18. Juni. Flüchtig gebetet. Gestern habe iÄ am Gottesdienst nicht teilgenommen. Eine verheiratete Frau berührt. Gestern getrunken, ebenso vorgestern. 30. Juni. Nur einmal gebetet. Gottesdienst nicht abgehalten. Gesündigt m i t d e r F r a a des Bruders. Geküßt, ge« trunken, geflucht. Am Vorabend de? Fasttages im Theater. 3. Juli. Flüchtig gebetet. Gestern überhaupt nicht gebetst. Während des Gottesdienstes war ich unaufmerksam, uh habe gesteru gesoffen und bei der Beichte gezittert. IL Juli. Flüchtig gebetet, getrunken, geflucht. 13. Juli. Flüchtig, gebetet, getrunken, geflucht. 2. Oktober. War schon seit mehr als drei Wochen nicht bei der Beichte. Bei der letzten und vorletzten Beichte war ich nicht aufrichtig. Nicht alle Sünden bekannt. Verschwiegen, daß ich mit einer verheirateten Frau gesündigt habe, noch dazu mit der Frau des Bruders. Ohne Aufmerksamkeit gebetet. Während deS Gottesdienstes beim Gebet oft versehen. G e« trunken, aber nicht betrunken. In diesem Zustand d i e Beichte abgenommen. Mehrere Groschen auS der S a k r i st e i g e n o m in e n._ Ei» entwischtes Flugzeug. Ein sehr merkwürdig« Vorfall ist einem Flieger in Tun- bridge Wells passiert. Er hptte, wie aus London gemeldet wird, seinen Sitz eingenommen und war gerade im Begriff, seinen Apparat in Bewegung zu setzen, als er infolge einer heftigen Er- schütterung von der Maschine hecuntergeschleudert wurde und zur Erde fiel, ohne allerdings Sckiaden zu nehmen. Das Flugzeug aber erhob sich f ü h r e r l o s i n d i e L ü f t e und war bald den Blicken der erstaunten Zuschauer entschwunden. Trotz sofort an- gestellter Nachforschungen und Verfolgung des Flugzeug» durch Automobile ist es bisher nicht gelungen, irgendeine Spur von ihm zu entdecken. Ob eS vielleicht nur eine Ente war. die in die Luft flog? Kleine Notizen. Eine Hochzeitsgesellschaft erfroren. J» der Nähe von Kolo- g r i w im Gouvernement Kostroma ist ein H o ch z e i t s z u g v o n 13 Personen während eines Schneesturms erfroren Fünf Matrosen ertrunken. Alis L a I l o ch e l l e wird berichtet. daß 3 Matrosen umgekommen sind, die sich in einer Barke be« fanden. Die Barke wurde vom Sturm on den Strand qcichleudert. Sttaßcnbahnzusamnicnstoß in Paris. Sin schwerer Straßenbahn- znsammcnsioß. bei dem zahlreiche Personen teils mehr, icils weniger schwer verletzt wurden, hat sich gestern morgen zugetragen. An der Unfallstelle wird die Strecke nur eingleisig befahren. Durch eine Un- achtsainkeit deS Wärters war eS verabsäumt worden, die Weiche zu stellen, und so stießen heute zwei Wagen der elektrischen Straßen- babn an dem Kreuzungspunkt in voller Fahrt anfeinander. Der Zusammenprall war von solcher Gewalt, daß die Vorderperrons beider Wagen vollständig eingedrückt wurden. Als ein Wunder ist eS zn bezeichnen, daß kein Paffagier der dicht besetzten Wagen ge- tötet wurde. Doch sind 22 Per s onen teils mehr, teils weniger schwer verletzt worden. Vland 189 Skalitzer Str. 189. 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Ktilagk des Jmmiitlo" ßetlinct ßnliislilatt. Irtitaj, 8. PI«! 1012, Hbgcordnctcnbaue. 31. Sitzung. Donnerstag, den 7. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. L e n tz e. Eine gröstere Anzahl Petitionen wird gemäst dem Kam- missionsantrage für ungeeignet zur Erörterung im Plenum erklärt. Beim Elat der direkten Steuern berichtet Abg Schmedding(g.) namens der Bndgetkoinmission, daß sie den ihr überwiesenen Antrag v. Hennig- Wellenborn lZd über die Anstellung von Vorsitzenden der Beranlagungkommissionen san Stelle der Landräte) als durch die Erklärung des Finanzministers, wo solche Beamte angestellt werden sollen, erledigt betrachte. Abg. v. Hcnnigs-Techlin sk.) zieht seinen Antrag zurück. Der Etat der Verwaltung der direkten Steuern wird genehmigt. Etat des Finanzministeriums. Abg. Dr. v. Brüning(f.) bespricht die Anleihepolitik deS Staates. Wir wünschen nicht, daß die Banken am Absatz der Staatöpapiere stärker interessiert werden. Die Anleihen sollten an den öffentlichen »lassen ohne weiteres zu erhalten sein, sie müssen populärer, dem Kleinkapitnlisten leichter erreichbar sein. Abg. Fritsch snatl.) bleibt völlig unverständlich. Abg. Gyßling sVp.): Der niedrige Kurs der Staatspapiere ist gar kein Grund dafür, die Eisenbahnauswcndungen auf den außer- ordentlichen Elat zu nehmen. Uebrigen« stehen nicht nur in Preußen und Deutschland die StaotSpapiere niedrig. Der Zwang auf die Sparkassen, ihre Gelder in Staatspapieren anzulegen, würde nicht die angestrebten Kursverbesserungen erreichen. Schon gar nicht sollten die Versicherungsgesellschaften dazu gezwungen werden. Die Finanzlage Preußens gestattet, alljährlich neue Anlagen aufzu- nehmen. Finanzminister Dr. Lentze: Das ist zwar richtig, aber das Publikum beachtet leider weniger die Sicherheit der preußischen Staalspapiere als die höhere Verzinsung anderer Papiere. Darum Lorsicht mit Anleihen. Das Reich hat sich auch durch die Reichsversicherungsordnung und die Privatversicherung feste Ab- nehmer der ReichSanleihen gesichert. Das muß auch Preußen tun. Mit den StaatSpapieren steigen auch alle anderen. Die Staats- anleihen sind 3. 4 und d faih gedeckt durch das Staatsvermögen. Kleinere Stücke als 100 Mark auszugeben, hat keinen Zweck, für so kleine Sparer sind die Sparkassen da. Die bequemste Geldanlage ist das SiaatSschuldbuch. Ein Brief an die Seehandlung genügt dazu und die Zinsen des so angelegten Geldes bringt die Post portofrei ins Haus. Für diese Einrichtung sollte allgemein mehr Propaganda gemacht werden. Abg. Dr. Schröder- Kassel snatl.) bespricht die Reisekosten- mtschädigungen der Beamten. Da kann nichts eingespart werden. Bei den Teuerungszulagen bezeichnet Abg. Dr. Liebknecht sSoz.) diese Zulagen, namentlich in der jetzigen Teuerungsperiode als eine Pflicht der Gerechtigkeit. Denken Sie nur an die elende Bezahlung der HilfSgerichtsdiener in Berlin mit ihrem Tagelohn von S M. 8 Ps. I Der Wohnungsgeldzuschuß ist in den Servisllassen fixiert, er kann gar nicht der Teuerung angepaßt werden und ist kein Ersatz von Teuerungszulagen. Der StaatSregierung muß eS mit aller Schärfe ins Gesicht gesagt werden, daß sie ihre Pflicht den Unterbeamten gegenüber vernachläsfigt hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. König sZ.): Die Versprechungen von 1000 find nicht erfüllt worden. Die Aufbesserung für Unterbeamte beträgt pro Jahr vier Mark! Es ist etwas eigenartig, daß die Resultate der zur Feststellung der WohnungSgelder ver- anstaltetssi Erhebung im Sinne des FiökuS liegen. ginanzminister Dr. Lentze: Soll das der Vorwurf der Beein- flussung sein, so weise ick ihn auf das entschiedenste zurück. Der unerwünschte Zustand ist eine Folge der verschiedenen Regelung deS WohnungSgeldeS im Reiche und in Preußen. Abg. Dr. MizerSki sPole) bekräftigt durch Daten aus dem Finanzelat die Behauptung, daß die polnische Bevölkerung nicht ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entsprechend behandelt werde. Der Redner bekäinpsie dann die O stm a r k e n z u l a g e n als Korruptions- und Scharfmachergelder. Abg. Borchardt sSoz): Der Etat enthält eine große Zahl von Positionen, die eS uns unmöglich machen, für ihn zu stimmen. Als erste Position sind hier die O st m a r k e n z u I a g c n zu nennen, die der Vorredner schon ganz richtig als KorruptionSfondS bezeichnet hat. Dieser Fonds wird dazu verwendet, in de» Ostmarken geivtsse Beamte in ihrem angeblichen Patriotismus zu stärken. Für einen solchen Patriotismus, der erst durch Geld erkauft werden muß, bedanken meine politischen Freunde sich aber. Im übrigen wird uns auch die verlangte Gnadenbewilligung von 1>/, Millionen Mark zur Ablehnung de» EtatS veranlaffen. Das preußische Volk braucht keine Guadenbewilligung.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn das stolze Wort. daß jeder sein Recht bekommt, wahr ist, dann werden.wir einen solchen Fonds mit Recht ablehnen dürfen. Dann ist noch im Etat die Summe von 1,2 Millionen Mark für unvorhergesehene Ausgaben verzeichne«: aber eS fehlt ganz und gar der Nachweis über die Verwendung deS Geldes. Ebenso steht es mit den wider- ruflichen Gehaltszulagen in Höhe von 1 Million. DaS sind im ganzen etwa 8 bis 0 Millionen von Geldern für alle mög- lichen Zwecke, über die wir keine Auskunft bekommen und die eS uns daher unmöglich machen, dem Etat zuzustimmen. Im vorigen Jahr bat der Zentrumsabgeordnete G i e« b e r t S den Wunsch aus- gesprochen, es möge eine populäre Steuerstatistik vom Finanzminister herausgegeben werden, indem er mit vollem Reckt darauf hinwies, daß unsere Steuerverhältnisse jetzt sehr schwer zu durchschauen sind, wenn wir uns jetzt von den Steuern ein richtiges Bild mache» wollen, müssen wir uns mühsam die Ziffern von allen Seiten zusammensuchen. Er meinte, eS sei werlvoll,«ine offizielle Zusammenstellung herauszugeben, die übersichtlich Auskunft darüber gibt, was die Bürger in Preußen für Steuern zahlen und für welche Zwecke diese Steuern verwandt werden. Ich halte diesen Gedanken für sehr gut(Zustimmung b. d. Soz.) und möchte diesen Wunsch unterstütze». An de» Minister richte ich die Frage, warum bis je«' auch nickt einmal ein schlvacher Versuch gemacht worden ist. diesem Wunsche nachzukommen. Die ZentrumSleule gehen von dein Standpunkte auS. daß mit nichts eine«giralion leichter ins Werk zu seßeii iei alS wenn mau auf die hohen Steuern hinwiese. Ihnen lieat an der Aufstellung eine« populären Nachschlagewerkes nur darum etwa« weil sie durch ein solches Weil die Agitation der Eozialdentokratie lahmzulegen hoffen. Weshalb ist ein solches Werk nun nock nicht erschienen? Mir scheint, daß man am Ende nicht allzuviel Vertrauen hat, daß das Werk auch diesen ae« nannte» Zwecken nützen kann. Wenn wir wirklich ein richtiges Werk be- kämen, würde e» ein vorzügliches Mittel für uns werden; wir dürften uns freutn'. iveiiii ein solches Büchlein möglichst schnell erscheinen würde. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Statt in eine sachliche Erörterung der Lasten einzutreten, die da« preußische Volk zutragen har, hat der Minister hier die Stirn gehabt(Lcbhaste Ohol- Rufe rechlS)— da« ist der Ausdruck, den der F i n a n z m i n i st er auf mich gebraucht hat—, auf meine Ausführungen mit einigen W i tz ch e n zu antworten. Auf meine richtige Schluß- folgerung au» den Statistiken, daß die Hälfte unserer Bevölkerung Hunger leidet, hat der Miinster geantwortet, man solle fich doch nur einmal die inimer überfüllten VergnügungS lokale in Berlin ansehen. Ich lehne es natürlich ab, auf ein? solches Niveau der Diskussion herabzusteigen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Solche Argumente sind weiter nichts als I kleine W i tz ch e n, der Minister scheint eben nicht ernstlich ant« I Worten zu können, llebrigeus hatte ich mit meinen Aussührungen nicht gesagt, daß 8ö Proz/ der Bevölkerung nackten Hunger leiden, sondern daß 85 Proz. der Bevölkerung au Unterernährung leiden. Der Minister hat weiter einen Witz vorgebracht, der aber nun all- mählich unangenehm wird, weil er alt ist. Ich meine den faule» Witz von de» Gewerkschaftsbriträgen. Der Minister sagte, den Leuten könne es nicht so schlecht gehen, wenn sie noch so hohe Beiträge ausbringen könnten. Dieser Vorwurf ist schon so oft widerlegt worden, wie er erhoben worden ist. Deswegen ist es überflüssig, nochmals näher auf ihn einzugehen; es sei hier nur bemerkt, daß der Zeutrumsabgeordnete GieSbertS schon im vorigen Jahre diese Art der Polemik sehr energisch zurück- gewiesen hat. Er führte schon aus, wenn man die Steuerfähigkeit der arbeitenden Kreise untersuche, solle man sich nicht damit be- gnügen, sie nur nach den Gewerkschaftsbeiträgen zu beurteilen. Auf meine Ausführungen über die großen Steuerhinterziehungen hat der Minister ebenfalls mit einem nichtssagenden Witz ge- antwortet:.Solche wird es in einem Zukunilsstaate auch geben'. Das war die Quintessenz seiner Ausführungen. Im offiziellen Steno- gramm hat der Minister nachträglich das Wort.ZukunftS- staat* in.Zukunft' umgeändert. Ich freue mich über diese Entwicklung zum Besseren in der Ansicht deS Finanzministers, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß er auf die schweren An- schuldigungen, die ich vorgebracht habe, sachlich nichts erwidert hat. Inhaltlich hat der Finanzministcr die Landräte in Schutz genommen. Inzwischen sind wieder allerlei Dinge zu meine» Ohren gekommen, die mich daran zweifeln lassen, ob die Regierung noch selber so ein großes Bcrtrauen zu der Steuertütigkeil der Landräte hat. Die Regierung hat gar nicht so großes Vertrauen zu der Tätig« keit der Landräte in den VeranlagungSkommisstonen, denn sie stellt ja eigene Beamte hierfür an. Vizepräsident Dr. Krause: Das gehört zu den direkten Steuern, nur die Stellung des Finanzministers hierzu können Sie jetzt be- sprechen. Abg, Borchardt(Soz.): Nichts anderes war meine Absicht. Der Erlaß des Ministers V. D a I l w i tz, der die Tätigkeit einer großen Zahl von Landrätcn rügt, soll nichts Besonderes sein? Alles in schönster Ordnung? Waruni müssen denn aber dann die Mitglieder der Jmmediat- kommission zur Verwaltungsreform völlig schweifen über ihre für ganz Preußen hochwichtigen Arbeiten? Der Miiiffter hat vor acht Tagen nicht bestritten, daß auf dem Lande für die Veranlagung der Grundbesitzer Normalsätze bestehen, nach denen ihr Einkommen bezw. der Ertrag pro Hektar geschätzt wird. Vizepräsident Dr. Krause: Ich muß Sie nochmals auffordern, nicht wieder auf diese abgeschlossene Erörterung zurückzukommen. Abg. Borchardt(Soz.): Vielleicht wollen einige Herren, namentlich die Zentrnms- abgeordneten, die zu meinen Enthüllungen damals den Kopf lckütleltcn, jetzt dein Minister daraufhin das Gehalt verweigern (Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das gehört also sehr wohl zur Sache! Ich habe vor acht Tagen auch aus- geführt, daß diese Normalsätze für die Schätzung seit dem An- sang der neunziger Jahre nicht erhöht worden sind, trotz der gewaltigen Steigerung des landwirtschaftlichen Ertrags. Vizepräsident Dr. Krause: Ich rufe Sie nochmals zur Sache und mache Sie auf die Folgen eines nochmaligen Rufs zur Sache aufmerksam. Abg. Borchardt(Soz.): Sie können mir ja auch einmal das Wort entziehen, aber Sie können damit die Tatsachen nicht aus der Welt schaffen, daß eS so ist 1(Sehr richtig 1 bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Krause: Was Sie vorbringen, gehört nicht zum Titel„Finanzminisier'; Sie können doch nicht bei jeder Gelegenheit über alles sprechen. Das ist parlamentarische Tradition. Abg. Borchardt(Soz.): DaS weiß ich auch. Aber ich protestlere ganz entschieden dagegen, daß diese Dinge nicht zum Finanzministerium gehören sollen. Vizepräsident Dr. Krause: Ich bitte, beim Thema zu bleiben und nicht mehr hierauf zurückzukommen. Abg. Borchardt(Soz.): Ich spreche von der Tätigkeit de« Finanzministers und für diese ist eS von der größten Wichtigkeit, daß et eS geradezu als Bor- w u r f empfand, als ich annahm, er habe 1000 Maßnahmen ge- troffen, um die großen Grundbesitzer auf dem Lande entsprechend ihren höheren Einkünften zur Steuer heranzuziehen. Da» gehört ge- miß zum Finanzministerium!(Sehr ivahr I links.) Ich war vor acht Tage» über diese» Teil der Rel�k des Ministers geradezu erschrocken! Daß er über meine sonstigen Ausführungen nicht« sagen würde, habe ick erwartet, aber daß er über diesen Teil meiner Rede, der eine Korruption der preußischen Behörden behauptete, nichts geantwortet hat, hat den Beweis erbracht, daß die Regierung gar nicht die richtigen Maßnahmen treffen will, um die Stencrbetrüger entsprechend heranzuziehen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Ein RegierungSvertreter antwortet nun auf WohnungSgeld- bemerkungen des Abg. Sckröder- Kassel. Abg. Delius(Vp.): Wir sind gegen die Ostmarkenzulagen. Abg. Dr. Wagner(fk.): Wir denken nicht daran, an den DiSPo- sitionSsondS der Oberpräsidenten im Osten und ihrer Geheimhaltung etwas zu ändern. Die königlichen Gnadenfond» dienen nur der Linde- rung unverschuldeten Unglücks. Wenn Herr Borchardt da feinen Mäiinerstolz vor Königsthronen zeigen wollte, ist er auf einem großen Holzweg. Abg. Dr. König(g.): Ich wollte nicht den Vorwurf der Beein- flussung der Umfrage erheben, aber die Grundsätze für die Bemessung des WohnungSgeldeS sind gegen Treu und Glauben geändert worden. Dagegen wende ich mich mit oller Schärfe. Abg. Rauidohr(fk.) spricht für, Abg. MizerSki(P.) gegen die Ostntarkenzulagen. Finanzminister Dr. Lende erklärt die Ausführungen Dr. Königs nochmals als unrichtig. Die Erhebung über die WohnungSgelder konnte gar nickt anders vorgenommen werden, als daS geschah. Abg. Dr. König(Z.): Es ist Tatsache, daß dem Wohnniigsgeld die Tendenz genommen würde, die Beamten zur Beschaffimg besserer Wohnungen zu veranlassen, denn eS wird als Ge- Währung einer Gehaltserhöhung gewertet und gegen weitere Er- höhungen in« Feld geführt. DaS Ministergehalt wird bewilligt. Die DispofltionSfonds für die Obcrpräsidenten der Ostprovinzen werden von den Konser» vativcn, Freikonservativen und Nationalliberalen bewilligt. Abg. GronowSki(Z.): Die Beamten der BersicherungSämter dürfen nicht weltfremd fein, sie muffen mit den Arbeitern fühlen. Abg. Rofenow(Vp.) weift beim Titel.Verwaltung deS Tier- garten» in Berlin' die vorjährigen Angriffe gegen die Stadt Berlin zurück. Die Stadt Berlin trägt jährlich für den Tier- garten 50 000 M. bei und läßt sich ihre Parks jährlich 1600 000 M. kosten. Damit kann sie sich sehen lassen. Der Etat des Finanzministeriums ist erledigt. Freitag 11 Uhr: Bau etat. Versammlungen. Deutscher Transportarbeiterverband. Die Bozirksverwältung Groß-Berlin des Transportarbeiterverbandes hielt am Mittwoch in der„Neuen Philharmonie" ihre Generalversammlung �ab, in der als wichtigste Punkte der Quartals-, sowie der Jahres- b e r i ch t auf der Tagesordnung stonden. Beide Berichte lagen ge- druckt vor; der Jahresbericht in einer 171 Großoktavseiten starken Broschüre. Die Konjunktur hat sich im Berichtsjahre günstig gc- staltet, und die Arbeitsgelegenheit im Handels- und Transport- gewerbe hat sich wesentlich gehoben. Das zeigt auch der Bericht vom Arbeitsnachweis. Die Zahl der gemeldeten Stellen war im Jahre 1010 23 966, 1911 aber 32 740, und die Zahl der besetzten Stellen war damals 19 462, diesmal 26 995. Arbeitslose nieldeten sich im Jahre 1910 14 619, 1911 aber 20 224. Die Mitgliederzahl der Bezirksberlvaltung Groß-Berlin ist im Laufe des Jahres von 30 400 auf 46 905. also um 7505 gestiegen. Bei der günstigen Kon- junktur und der wachsenden Stärke der Organisation wurde es möglich, eine recht erfolgreiche Tätigkeit zur Verbesserung der Lohn- und ArbeitSverhöltniffe zu entfalten, und das nicht nur während der guten Zeit des Jahres, sondern selbst auch im vierten Quartal, einer Jahreszeit, in der es sonst ziemlich schwierig ist, größere Bewegungen mit Erfolg durchzuführen. Die Zahl der im verflossenen Jahre durchgeführten Angriffsbewegungen, die ohne Streik verliefen, war 106, und sie erstreckten sich aus 367 Betriebe mit 14 342 Beteiligten. Durch diese Bewegungen wurden für 13 904 Beteiligte Lohnerhöhungen erreicht, die pro Woche die Summe von 30 714,27 M. ausmachen, sowie Arbeitszeitverkürzung, die 1891 Personen zugute kommt und für sie insgesmnt 36561h Stunden die Woche beträgt. Angriffsbewegungen mit Streik fanden 20 statt in 169 Betrieben und mit 2943 Beteiligten, und das Ergebnis waren Löhnerhöhungen, die sich für die 2142 daran Beteiligten auf 4762,86 M. die Woche belaufen, und Arbeitszeitverkürzung, die sich für 507 Beteiligte auf 5696 Stunden beläuft. Außerdem wur- den durch diese Bewegungen mit und ohne Streik noch verschiedene andere Vorteile erzielt, besonders in der Bezahlung von Ueber- zeit-, Nacht- und Sonntagsarbeit, durch Schaffung von Schutzvor- richtungen, Beseitigung von Mißständen, Golvährung von Sommer- urlaub usw. Abwehrbewegungen, die alle, abgesehen von einer Be- wegung, mit Streik verbunden waren, fanden 36 in ebenso vielen Betrieben mit 1735 Beteiligten statt. Auch diese Bewegungen ver- liefen mit wenigen Ausnahmen zugunsten der Arbeiter, und ab- gewehrt wurden unter anderen Verschlechterungen Lohnherab- sctzungen, die für 198 Beteiligte 371,10 Ml. ausmachen, Arbeits- Zeitverlängerung von für 141 Beteiligte 530 Stunden die Woche.> Eine für die Organisation bemerkenswerte Aenderung ist da- durch eingetreten, daß von der Generalversammlung im Mai die Einführung des Delegiertensystems für die Gcneralversannnlungen beschloffen wurde. Zu dem auf Grund eines Beschlusses vom Ja- nuar 1010 geschaffenen Baufonds sind von der Berliner Mitglied- schaft bereits 56 036,50 M. an Beiträgen eingegangen, und da auch die übrigen Mitgliedschaften des Verbandes ansehnliche Summen zusammengebracht haben, wurde es möglich, die Grundstücke Engel- Ufer 20 und 21, sowie Michaclkirchplatz 1 und 2 anzukaufen. Die Räume sind zum Teil vermietet, zum anderen Teil von der Or- ganisa�on als Bureauräume in Gebrauch genommen. Auf den Grundstücken soll, sobald es die Verhältnisse möglich machen, ein eigenes VcrbandZhauS errichtet werden. Die Beteiligung an der Maifeier war im verflossenen Jahre so stark, daß das Versamm- lungslokal„Deutscher Hof" wegen Uebcrfüllung polizeilich ab- gesperrt wurde. Für Moimarken wurden 7287,25 M. eingenommen und an den Zentralmaifonds abgeliefert. Die Jahresabrechnung mit der Hauptkasse schließt für daS Jahr 1911 mit der Bilanzsumme von 735 981,20 M. ab. An die Hauptkasse wurden in bar 177 113,74 M. abgeliefert. Im übri- gen sind die größten AuSgabcposten: für Arbeitslosenunterstützung 137 130,35 M., für Krankenunterstützung 101 285,80 M., für Streik- Unterstützung 151811,42 M., für Gemaßregeltenunterstützung 37 397.65 M. Der Rechtsschutz, der in 548 Fällen gewährt wurde. erforderte 13 241,39 M. Ausgaben. Der Gesamtkassenbcricht für das. Jahr 1911 weist 1 118792,95 M. Einnahmen und 1023 302,13 Mark Ausgaben auf. Von dem Kaffenbestaud von 95 490,82 M. kommen 32 016,80 M. auf de» besonderen Fonds Berliner Haus» diener. Der Bestand der BezirkSkaffe ist im Laufe des Jahres von 46 861,43 M. auf 63 474,02 M. angewachsen. Unter den Ausgaben der Bezirkskasse sind unter anderem noch 10 708,50 M. für Streik- Unterstützung, 1442,80 M. für Gemaßregeltenunterstützung. 3492,35 Mark für Weihnachtsunlcrstützung an die Arbeitslosen. Die Bibliothek zählt jetzt 4600 Bände. Die Zahl der Bücherausleihungen war im Berichtsjahre 17 344 gegenüber 12 665 im Jahre 1910, und in den übrigen vier vorhergegangenen Jahren tvar sie 11 110, 10618, 5513 und 3432. Es zeigt sich also in der Benutzung der Bibliothek ein starker Aufschwung, der selbstver- ständlich mit dem Wachstum der Organisation im Zusammen- hang steht, aber auck eine Zunahme des LcsebedürfnisseS der Mit- glieder erkennen läßt. An den Jahres-, sowie den QuartalSbcricht, die durch münd- liche Ausführungen ergänzt wurden, schloß sich eine rege, sachliche Diskussion, die damit endete, daß dem Kassierer Stciincke ein- stimmig Decharge erteilt wurde. Es folgte die Neuwahl der Bezirksverwaltung und der Revisionskommission� Ein- stimmig wiedergewählt wurdrn die neun angestellten Verwaltungs- Mitglieder, und ferner wurden gewählt oder wiedergewählt als Vertreter der Handelsarbeiter: R o m e t s, Suckow. Küster;. als Vertreter der Transportarbeiter: für die Bierfahrer Sncher t. Rollkutscher Anton Schulz, Bretterträger Riebe, Geschäfts- kutscher Kolkhof, für die weiblichen Mitglieder Fräulein Philip; als Vertreter der Ehauffcure Scheurel; der In- dustriearbeiser Schmidt; de» Distrikts Köpenick Nürnberg; des Distrikts Charlottenburg Bollentin; als Vertreter der Jugendlichen Wilhelm. In die Revisionskommission wurden Kiesche. Forst er. Nölte und Zimmermann gewählt. Die Versammlung beschäftigte sich dann nock» mit einem An- trage auf Einführung eines einheitlichen WochcnbcitragcS für Groß-Berlin. Die Sache mußte jedoch, ebenso wie die übrigen An- träge, der vorgeschrittenen Zeit wegen vertagt werden, und der Vorstand wurde ermächtigt, innerhalb 14 Tagen eine neue Ver- sammlung einzuberufen. Berichtigung. Im gestrigen Versammlungsbericht über die Versammlung im fünften Wahlkreis wird gesagt, die Versammlung habe einen Antrag angenommen, der die Trennung der Ov- ganisalionen Berlins und Brandenburg verlangt. Das ist unrichtig. Der Antrag wurde, nachdem Genosse Hunschede dazu gesprochen, abgelehnt. Jngendveranstaltungea. Köpenick. Sonntag, den 10. Mörz: Spielpartie nach Ravenstein» mühte. Abmarsch 2 Uhr von der Post. Die Liederbücher find mit- zubringe». Marktbericht von Berlin am 6. Mörz 1918, nach Ermltteluna de» köntgl. Pollzelprüfidlum». Marktvallenpreise.(Kleinhandel» 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00—50,00. Speilebobn-i, weiße, 35,00-5(5.00. Linsen 40,00-80,00. Kartoffeln 9,00-13,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—3,40. Rlndsleisch, Bauchileisch i an dl» 1,80. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hnmmelfletsch 1,30-2,20. Butter 2,60-3,20. 60 Stück Eier 4,00—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,30—2,40. Aale 1,30— 3,00. Zander 1,60— 3,60. Hechle 1 40—? K0 Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40—3,20. Bltte 0,80—1,40. 60 Stück Krebse 4,00— 30,00. DEUTSCHE BANK. Gescbäftsberlcht für das Jabr 1911. Polltische Beunruhigungen haben dem zweiundvierzigsten Geschäftsjahr unserer Bank das Gepräge verliehen. Marokko, Mexiko, Tripolis, Persien, Portugal, China— diese Namen bezeichnen die mehr oder weniger schweren Sorgen, die das weltwirtschaftliche Lehen im Jahre 1911 gestört haben. Trotz dieser Hemmungen konnte die aufsteigende Konjunktur der deutschen Volkswirtschaft weitere Fortschritte machen. In England, und während der Marokkowirren auch in Frankreich, ist die Lage des deutschen Wirtschaftslebens mehr denn je als eine bedenkliche geschildert worden. Dabei hatte die ßeichsbank mehr Gold als die Bank von England, und die Kurse der heimischen Staatswerto fielen unter dem Eindruck der politischen Beklemmungen in England und Frankreich stärker als in Deutschland. Die relativ gute Haltung des deutsche� Geldmarktes wurde auch nicht erschüttert durch die Ah- ziehung fremder Gelder, die auf kurze Fristen in Deutschland angelegt waren. Im In- und Auslande wird der Umfang und die Bedeutung der fremden Gelder für Deutschland vielfach überschätzt; es wird meistens übersehen, daß den kurzfristigen Forderungen des Auslandes an Deutschland stets auch erhebliche deutsche Forderungen an das Ausland gegenüberstehen. Wir haben seit Jahren so disponiert, daß unsere kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland ein Gegengewicht in jederzeit greifbaren Guthaben und Forderungen an das Ausland fanden. Speziell in der kritischen Zeit des letzten Spätsommers war unsere Position in dieser Beziehung stark aktiv. Insbesondere haben wir seit längerer Zeit davon abgesehen, in irgendeiner Form kurzfristige Gelder aus Frankreich anzunehmen. Der llelchsbankaatz betrug im Durchschnitt 4 397 Prozent gegen 4.846 Prozent in 1910, der Berliner Privatdiskont betrug 3.631 Prozent gegen 3.54 Prozent. Während also der Privatdiskont im Durchschnitt etwas gefallen ist, war der Bankdiskont um einen kleinen Bruchteil höher, ein Beleg für die vorsichtige Diskontpolitik der Eeichshank, welche dann ermöglicht hat, mit einem Satz von 5 Prozent über den Jahreswechsel auszukommen. Die Getreideernte war befriedigend; aber uogewöbn- Ilcho Trockenheit während des dritten Quartals ließ die Ernte in Zuckerrüben, Kartoffeln und Futtermitteln teilweise mißraten. Die deutsche Rohelsen-Erzengang betme IöEj Millionen Tonnen gegen 14.8 im Vorjahre und 10� in Großbritannien. Die Produktion von Stoinkohlen wuchs von 163 Millionen Tonnen auf 160; die von Koks von 23.6 Millionen Tonnen auf 25.4. Die e I e k t r o- technische Industri e konnte die große Fülle lohnender Aufträge kaum bewältigen. Eine reichliche Baumwollernte lieferte der so wichtigen Textilindustrie billigeres Material und erleichterte die deutsche Zahlungsbilanz um große Summen. Der deutsche Außenhandel zeigte im Berichtsjahre wiederum günstige Zahlen: eine Erhöhung der Einfuhr(ohne Edelmetalle) von 8930 Millionen(in 1910) auf 9541, und eine Erhöhung der Ausfuhr von 7474 Millionen(in 1910) auf 8102 im Berichtsjahre. Dabei überwog die Goldeinfuhr den Export von Gold um 124 Millionen und lieferte auch im Berichtsjahre den Beweis, daß Deutschlands Zahlungsbllan* eine aktive ist. Der englische Außenhandel ist W geringerem Verhältnis gestiegen nnd die Ausfuhr Frankreichs sogar gefallen. Die Ka.pitalbildung war eine reichliche. Abgesehen von den stempelfreien deutschen Staatsanleihen sind Effekten im Wert von über 3200 Millionen mit dem Eeichsstempel versehen worden, eine halbe MMiarde mehr als im Vorjahre. Die Statistik der Emissionen weist dagegen einen Rückgang auf, namentlich weil das Reich und Prenßen keine neuen Anleihen aufzunehmen hatten. Trotzdem sind die deutschen Staataan- leihen noch etwas im Kurse gefallen, weniger allerdings als die englischen. Die Einlagen in deutschen Sparkassen Beigen dauernd erfreuliche Vermehrung. Um die Sparkassen. einlagen in den vier größten Kulturländern zu vergleichen, müssen wir zwei Jahre zurückgreifen, weil die einheitliche Statistik nicht werter reicht. Es betrugen die Sparkasseneinlagen Ende 1909(für die Vereinigten Staaten Juni 1910); im ganzen auf d. Kopf d. Millionen Bevölkerung in Großbritannien N. Irland« 4,122 M- 99.— M. in Fbankreich...••« 4,445 ,» 113.— M in den Vereinig. Staaten*« 37,096„ 185.— M in Deutschland...... 15,672„ 242,—„ Der in den meisten Teilen des Deutschen Reichs herrschende Gebrauch, alle Mieten, Beamten gehälter, Hypotheken und Zinsen an den Kalenderquartalen zu bezahlen, führt ganz regelmäßig zu diesen vier Terminen, namentlich aber in der Erntezeit und zum Jahresschluß, zu außergewöhnlichem Bedarf an Gold, Scheidemünzen und Banknoten. Es kann zu keiner Besserung der bestehenden Zustände führen, wenn durch Krediterschwerungen zu den Terminen an den Symptomen kuriert wird, anstatt daß die Ursachen der regelmäßigen Anspannung des Geldmarktes beseitigt werden. Die wirksamen Mittel zur Erreichung dieses Zieles liegen in einer Verbesserung der deutsehen Zahlungsorganisation; hierher würde gehören: die Verlegung der Zahlungstermine für Beamtengehälter und Mieten auf andere, verschiedene Termine; Einführung des beglaubigten Schecks an Stelle der noch häufig vorkommenden Barzahlungen bei Hypothekenregulierungen; wie überhaupt die Verallgemeinerung des in England und Amerika allgemein ausgebreiteten Scheck- und Abrechnungsverkehrs, durch welchen der starke Goldumlauf im Publikum sich verringern und das Geld nach der Zentralstelle strömen würde. In- zwischen und bis die Ursache des starken Bedarfs von Umlaufmitteln zu den Quartalsenden beseitigt wird, ist damit zu rechnen, daß Bargeld am Schlüsse jedes Ka- lenderquartals in Deutschland einen Wert von% bis U Prozent bedingen dürfte. Es wäre aber verkehrt, aus dieser Erscheinung, die, wie jeder Geschäftsmann weiß, z. B. in New York häufiger vorzukommen pflegt, phantastische Zinssätze herauszurechnen. Unsere während des Jahres veröffeiÄichten Zwischenbilanzen haben starke Schwankungen aufgewiesen, die indessen zum größten Teil mit der Verrechnung und Abwicklung größerer Anleihegcschäfte zusammenhingen und also zufälliger Natur waren. Die bekannten politischen Vorfälle haben uns in der zweiten Jahreshälfte weitgehende Zurückhaltung auferlegt. Die naturgemäß wachsenden Ansprüche unserer ausgedehnten Kundschaft konnten wir aus unseren flüssigen Mitteln befriedigen, die sich dadurch etwas verringert haben. An- dererseit-s konnten wir uns nicht entschließen, durch übertriebene Zinsvergütungen Gelder an uns heranzuziehen. Eine der größten Londoner Depositenbanken weist in ihrem jüngsten Bericht darauf hin, daß sie in bezug auf die Liquidität an der Spitze sämtlicher Londoner Banken stehe, daß nämlich ihre flüssigen Mittel 67.4 Proz. ihrer sämtlichen Kreditoren betragen; dabei sind Akzepte und Jabresgcwinn nicht unter die Verpflichtungen, Reports anscheinend nicht unter die Deckung gerechnet. Wenn wir die Zahlen, soweit es nach den viel summarischeren Ausweisen der Londoner Banken möglich ist, den unsrigen gegenüberstellen, so fällt der Vergleich jedenfalls nicht zu unseren Ungunsten aus. Dabei liegen große Unterschiede vor zwischen den Dispositionen, welche eine englische Depositenbank nehmen kann und den Dispositionen, welche ein deutsches Bankinstitut durch die Verhältnisse zu treffen ge- zwumgen ist: die englischen Banken können eine viel größere Kasse halten, weil ihre Depositen unverzinslich ( der gegen ganz geringe Zinsvergütung eingelegt sind. Außerdem überläßt die englische Regierung ihre sehr bedeutenden Kassenbestände zinsfrei der Bank von England,. während bei uns die Ausleihungen oder Ein- rufungen der Staatsinstitute den Geldmarkt nur zu oft um relativ kleiner Zinsvorteile willen bald in scheinbaren Ueberlluß, bald in übertriebene Knappheit versetzen. Das Baugeschäft leidet schwer unter dem Druck der erhöhten Uobertragungskosten und der ßeichswertzu- wachssteuer, die sieb, wie von fachkundiger Seite vorausgesagt war, als verfehlt erwiesen hat. Unsere im vorjährigen Geschäftsbericht ausgesprochene Befürchtung, daß durch die gesetzgeberischer Maßnahmen der Mittelstand im Baugewerbe ausgeschaltet werden würde, beginnt leider sich zu verwirklichen. Der Umsatz von Berliner Grundstücken ist gegen das Vorjahr um 143, gegen 1906 sogar um 400 Millionen gesunken; immerhin betrug der Umsatz im Berichtsjahre noch 553 Millionen. In den Vereinigten Staaten litt namentlich das Börsengeschäft, aber auch das ganze Wirtschaftsleben, |pler der Unsicherheit des Ausfalls der im laufenden �vorstehenden Präsidentenwahl und der davon abhängigen künftigen Zollgesetzgebung» Die weitere Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens hängt mehr als seit Jahrzehnten von der internationalen Politik ab. Wenn sich insbesondere die in jüngster Zeit aufgetauchten Hoffnungen auf ein besseres Verhältnis zu unseren englischen Stammesvettern erfüllen, dürfte die trotz mancher Uebertreibungen gesunde Verfassung der deutschen Volkswirtschaft auch im Jahre 1912 eine weitere günstige Entwicklung ermöglichen. Auf die einzelnen Zweige unseres Geschäfts übergehend, berichten wir: Unser Gesamtumsatz betrug 126 Milliarden Mark gegen 112 Milliarden im Vorjahr. Unser Bruttogewinn ist abermals erheblich gewachsen, namentlich die Zinserträgnisse und Provisionen, während Effekten und Finanzgeschäfte den Verhältnissen entsprechend mit geringeren Gewinn- beträgen erscheinen. Dagegen sind allerdings auch unsere Unkosten wieder stark gestiegen, beinahe aus- schlielich durch Aufwendungen zugunsten unseres Personals, dem wir u. a. eine Teuerungszulage bewilligt haben. Die Beiträge zu unserem Beamten-Fürsorge- Verein sind erstmals für volle zwölf Monate bezahlt worden, und bedeuten für die Bank eine Belastung von 1,200,000 M., die mit der Zunahme des Personals noch weiter wachsen wird. Für Steuern und Abgaben hatten wir 3,453,968.51 M. zu zahlen; für Stempel sind, außerhalb des Unkosten-Kontos zu Lasten der betreffenden Rechnungen, außerdem erlegt worden av nähernd 11 Millionen Mark. Für Talonsteuer mußten wir aus dem Reingewinn des Berichtsjahres wieder 400,000 M. reservieren. Unsere Filialen haben befriedigende Ergebnisse gebracht; die neuen Filialen in Brüssel und Konst&n- tinopel haben erstmals zum Gewinn der Bank mit beigetragen. In Brüssel ist ein benachbartes Grundstück gekauft worden, auf dem im laufenden Jahre ein Neubau für unsere Filiale entstehen soll. Der durch uns vermittelte Warenaustausch mit den Q b e r« e e i s c h e n Ländern war lebhaft. Die Deutsche Ueberseeische Baak errichtete neue Niederlassungen in Rio de Janeiro und Rosario de Santa F6; ihr Abschluß zeigt erfreuliche Entwicklung; die Dividende wird mh 0 Prozent wie im Vorjahr beantragt. Die Zahl unserer Kontokorrentverbindungen bei der Zentrale ein schließlieh der bei unseren Depositenkassen in Berlin und seinen Vororten geführten Rechnungen, betrug am Schlüsse des Berichtsjahres 183,621 gegen 172.995 im Vorjahr. Die Zahl der bei unserer Bank überhaupt geführten Konten belief sich beim Jahresschluß auf 254,474 gegen 288,701 End" 1910. Während des Berichtsjahres gingen bei der Zentrale an Wechseln ein und aus 4,181,539 Stück im Gesamtbetrage von 18,601,177,196.20 M. Ein Abschnitt betrug im Durchschnitt 4448.60 M. gegen 8987.83 M. im Vorjahr. Die Zahl unserer Beamten hat sich abermals gesteigert, und zwar von 5816 auf 6137 am Jahresschluß, obgleich keine neuen Filialen errichtet wurden; dagegen haben wir in Chemnitz eine Depoaitenkasse errichtet, welche von der FiliaP Dresden aus geleitet wird, Die Abschreibungen auf Immobilien maßten wir etwas höher ansetzen, weil durch den erforderlichen Abbruch wertvoller Baulichkeiten, zum Zweck der Errichtung von Bankgebäuden für unseren Geschäftsbetrieb, eine entsprechende Wertvermindening unseres Grundbesitzes eintritt. Der Ertrag aus„D auernden Beteiligun- g e n" und Kommanditen ist die Dividende für 1910 auf unseren Besitz an Aktien der Deutschen Ueberseeischen Bank(9 Pro*.), der Bergisch Märkischen Bank(8% Pro*.), des Schlosischen Bankvereins(7� Pro*.). der Hannoverschen Bank(1% Prot.), der Essener Credit- Anstalt(8% Pro».), des Essener Bankvereins(7 Pro*.), der Rheinischen Crcditbank(7 Fror.), der Deutsch-Ostafrikanischen Bank(10 Pro*.), der Privatbank zu Gotha(7 Pro*.), der Württembergischen Vereinsbank(7 Pro*.), der Niederlausitzer Bank A. G.(5 Proz.), der Oldenburgischen Spar- und Leih-Bank(9 Pro*.), der Süddeutschen Bank(6 Pro*.), der Mecklenburgischen Hypotheken- nnd Wechselbank(15 Pro*.) nnd der Deutschen Treuhand-Gesellschaft(IS Pro*.). Die Aktien der Süddeutschen Bank sind im Berichtsjahre durch Fusion in Aktien der Pfälzischen Bank umgewandelt worden; dieses letztere Institut (Aktienkapital 50 Millionen) hat mit der uns verbündeten Rheinischen Crcditbank eine Interessengemeinschaft abgeschlossen und ist dadurch zu unserer Befriedigung in unseren Kreis eingetreten. Die Anatoiische Eisenbahn-Gesellschaft hatte, dank einer guten Ernte, abermals ein sehr günstiges Jahr; zum ersten Male ist auf der Stammlinie die garantierte Bruttoeinnahme überschritten worden, und die türkische Regierung hatte, anstatt Subvention zu bezahlen, einen Gewinnanteil zu empfangen. Im laufenden Jahre sollen die Bewässerung«- arbeiten für 50,000 Hektar fruchtbaren Landes an der ersten Teilstrecke der Bagdadbahn dem Betrieb übergeben werden. Mit Zuversicht erhoffen wir hieraus eine solche Verkehrszunahme auf der Konialinie, daß auch diese sogenannte Ergänzungsstreckc, ohne Subvention der türkischen Regierung, aus eigenen Einnahmen rentabel wird, und zwar um so mehr, als durch den Anschluß der Bagdadbahn in Kenia diese Linie zur Hauptstrecke auch der Anatolischen Eisenbahnen zu werden bestimmt ist. Auch die mazedonische Bahn erzielte, wie seit mehreren Jahren regelmäßig, höhere als die garantierten Einnahmen und dürfte von der türkischei* Regierungssubvention definitiv unabhängig geworden sein. Ebenso erzielte die Bctriebsgesellschaft der orientalischen Eisenbahnen wiederum erfreuliche Resultate. Für die Bagdad-Eisenbahn-Gesollschaft war das Jahr 1911 ein besonders wichtiges. Es gelang nämlich im März des Berichtsjahres, mit der türkischen Regierung den Vertrag über den Weiterbau von Helif bis nach Bagdad zu vereinbaren. Gleichzeitig wurde die Konzession für eine allerdings nicht subventionierte Anschlußbahn von der Ilaupilinie nach Alex- a n d r e 1 1 e sowie seitens der Hafengesellschaft Haidar-Pascha die Konzession zum Bau eines Hafens in Alexandrctto erreicht. Diese Stadt ist durch ihre geographische Lage dazu bestimmt, den Warenverkehr der Bagdadbahn von und nach dem Mittclmeer aufzunehmen, während Post und Reisende den raschen, aber kostspieligeren Weg durch Kleinasien nehmen dürften. Noch im laufenden Jahre soll der Bahnbau von Bagdad aus nordwärts, für den alles Nötige vorbereitet wird, in Angriff genommen werden; Schienen und Schwellen sind auch für diese Strecke beim Stahlwerksverband bestellt worden. Inzwischen ist die Scbienenlegung von Alcppo nach Nordwesten wie auch östlich nach dem Euphrat zu bereits im Gange. Im laufenden Jahre dürften weitere zirka 800 km in der kilikischen Ebene und bei Aleppo dem Betriebe übergeben werden, Immer wiederkehrenden irrtümlichen Behauptungen gegenüber sei darauf hingewiesen, daß die gesamten Mittel zum Bau der Anatolischen Bahnen und der Bagdadbahn bis auf geringe Bruchteile vom deutschen Kapital geliefert worden sind. Die türkischen Staatsfinanzen haben eine bemerkenswerte Elastizität und Widerstandsfähigkeit bewiesen; die Besserung des Budgets und die nachhaltige Steigerung der Staatseinnahmen erfüllen alle Freunde der Türkei mit lebhafter Befriedigung. Das deutsch-österreichische Syndikat für die 4proz. türkische Zollanleihe bat den bei der Begebung der ersten Serie von Ltq. 7,000,000 erzielten Nutzen ausgeschüttet Das Syndikat besteht weiter für die Begebung der ihm in Option gegebenen zweiten Serie von Ltq. 4,000,006; einstweilen hat es der türkischen Regierung auf die zweite Serie einen Vorschuß von 55,000,000 Mark gewährt. Die Union Ottomane, Gesellschaft für elektrische Unternehmungen in der Türkei in Zürich, wurde mit erheblichem Nutzen liquidiert, weil die weitere Finanzierung dieses aussichtsreichen Geschäfts vorteilhafter in Belgien vorzunehmen ist und auf verbreiterter Basis unter unserer Beteiligung vorgenommen werden soll. Die Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin war erfolgreich mit der Lösung weiterer Aufgaben beschäftigt. Der Bau der Ostafrikanischen Bahn ist nach Tabora vorgeschritten und soll ohne Unterbrechung nach dem Tanganyika-See weitergeführt werden. Die Steaua Fomana A.-G. fürPctroleum- industrie verteilte wiederum S Prozent und hat neue hoffnungsreiche Grubenfelder in der Entwicklung. Die Gesellschaft hat auf einer deutschen Werft ein Motor- Tankschiff bestellt, um unabhängig zu werden für den Transport einiger Produkte, die nicht von der Flotte der uns nahestehenden Europäischen Petroleum-Union- G. m. b. H. befördert werden. Auch die Deutsche Petroleum-Aktiengesellschaft befindet sich in gesunder Position und verteilte 5 Prozent Dividende. Die Preise für Petroleum-Produkte haben sich in den meisten Ländern während der letzten Monate bedeutend erhöht und werden nur in Deutschland aus bestimmten Gründen zurzeit niedrig gehalten. Die Anatolischen Eisenbahnen haben die Feuerung der Lokomotiven mit Petroleam-Rückständen eingeführt. Die Bayerischen Stickstoffwerke sind In Betrieb gekommen und finden für jede Menge des erzeugten Kalkstickstoffes zu günstigen Preisen willige Abnehmer. Von neuen Konsortialgeschäften, an welchen wir uns im Berichtsjahre als Hauptbetcillgie oder Emittenten interessiert haben, und die zum größten Teil im Berichtsjahre abgewickelt worden sind, erwähnen wir die folgenden: Ucbernahme von 4proz. Anleihe der Deutschen Schutzgebiete, 4proz. Bayerische" Anleihe, 4proz. Württembergischer Anleihe und Schatzanweisungen, 4proz. Badischer Anleihe, 4proz. Hamburgischer Staatsanleihe, 4proz. Anleihen der Provinzen Brandenburg, Pommern uud Posen, 4proz. Anleihen der Städte Aachen. Charlottenburg, Danzig. Dresden(Filiale Dresden), Düsseldorf, Gladbach, Mülheim a. Rh.. Mülheim a. d. Ruhr, München, Pirmasens(Filiale Frankfurt), Schöneberg, 4proz. Anleihe der Emscher Genossenschaft, 4proz. Oesterreichischer Renten-Anleihe von 1911, 5proz. steuerfreier Chilenischer Staats-Anleihe, 5proz. Kaiserlich Chinesischer Staats- Anleihe von 1911, 4proz. Anleihe der Oes. für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen, 4proz. Anleihe der Gclscnkirchcner Bergwerks- Aktien-Gesellschaft. 4proz. Ohl. der Sächsischen Industriebahnen-A. G. (Filiale Dresden).,.. 4� proz. Anleihen der Allgemeinen Lokal- und Straßenbahn-Ges. und der.Midgardc' Deutsche Seeverkehrs-A. G.,„, 4proz. Western Maryland Railway Co. L Mortgage Bonds,_ 5proz. Ohl. der Banqne Hypoth6caire Transa.lan- tique in Antwerpen, 4%proz. Pfandbriefen der Nordischen Aktienbank für Handel und Industrie, 4Hproz. Obl. der Siemens-Schuckert- Werke, 4�proz. Obl. der Allgemeinen Elektricitfits- (jesellschaft, 4Hprox. Obl. der Bergmann Elektricitäts-Wcrke A. G.. der Berliner Elektricitäts-Werke, der Elektricitäts-Licferungs-Gesellschaft, des Rheinisch-Westfälischen Elektricitäts- Werkes, 4% proz. Obl. der Braunkohlen- und Briket- Industrie A. G., der Gewerkschaften Araclie, Arenberg-Fortsetzung. Augastus I, Bartensieben. Brassert, Carl Alexander, Emscher Lippe, Ewald, Fürst Leopold, Grillo Funke& Co., Wintershall, w 4)4 proz. Obl. der C. Heckmann A. Q., der Hirsch Kupfer- und Messingwerke A. G-, des Hoch- ofeuwerks Lübeck, der Maschinenfabrik Thyssen& Co., der Press- und Walzwerk Akticn-Gcsellscbaft Reisholz, der Vereinigten Chamotte-Fabriken vorm. C. Kulmiz, Sproz. Anleihen der Deutsch-Ueborseeischen Elek- tricitäts-Gesellschaft, der Gewerkschaften Alex- andershall und Gebra, 5proz. Debentures der Victoria Falls& Transvaal Power Co. Ltd.,„, �., Aktien der Dresdner Immobilien- Verkehrsbank (Filiale Dresden) nnd Vorznga-Aktien der Georg A. Jasmatzi A. G.(desgl.), �« 'Aktien und Obligationen der Meierei C. Bolle A. G. Einführung von 4 proz. Anleihe der Rheinprovin*, 4 proz. Schuldverschreibungen d. FttrstL Landes- Spar- und Leihkasse Detmold, 4proz. Duisburger Stadtanleihe, 4proz. Pfandbriefen der Deutschen Pfandbriefanstalt in Posen, der Hannoverschen Boden- Kredit-Bank, der Westdeutschen Boden-Kredit- Anstalt, Aktien der Privatbank zu Gotha, Elektricitäts- Lieferungs-Gesellschaft, C. Heckmann A. G., Schlesischen Textilwerke Methner& Erahne. Niederlausitzer Kohlenwerko A. G., Boedding- haus, Reimann& Co. A G., Vereinigten Fränkischen Schuhfabriken, Rheinisch- Westfälischen Rückvcrsicherungs-Gesellschaft. Kapitalerhöhungen der Bergisch Märkischen Bank, Danziger Privat- Aktien-Bank, Deutschen Hypothekenbank in Meiningen, des Essener Bankvereins, der Hildesheimer Bank, Hypothekenbank in Hamburg, Königsberger Vereinsbank, Lübecker Privatbank, Mecklenburgischen Sparbank, Mitteldeutschen Crcditbank, Mitteldeutschen Privat-Bank, Norddeutschen Credit- Anstalt, Rheinischen Crcditbank, Süddeutschen Bank, Westdeutschen Bodenkreditanstalt, Banca Commercialo Italiana, Russischen Bank für auswärtigen Handel, Aktien der Allgemeinen Lokal- und Straßenbahn-Gesellschaft, Deutsch-Ueberseeischen Elektricitäts-Gesellschaft, des Baroper Walzwerk A. G., Bleistiftfabrik vorm. Johann Faber A. G., Braunkohlen- und Briket- Industrie A. G., Bremer Wollkämmerei(Filiale Bremen), Buderas Eisenwerke, Daimler Motoren- Gesellschaft, Deutsche Kaliwerke A. G., Eisenhüttenwerk Marienhütte vorm. Schiittger& Haase, Eisenwerk Thals A. G., Gasmotoren-Fabrik Deutz, Oelsenkirchener Bergwerks-A.- G., Gebr. Goed- hart A. 6., Hirsch Kupfer- und Messingwerke A. G., Hoffmanns Stärkefakriken A. G., Kost- heimer Cellulose- und Ps�rfabrik, Kronprinz A. G. für Metallindustrie, F. KUpnersbusch& Söhne A. G., Lothringer Hüttenverein Aumetz-Friede, Lüdenscheider Metallwerke, Dr. Paul Meyer A. G, ,, Nordstern", Unfall- und Haftpflicht-Versicherungs- A. G., Orenstein& Koppel— Arthur Koppel A. G., Peipers& Cie�, A. G. für Walzenguß, Schubert & Salzer Maschinenfabrik A. G., Verein Chemischer Fabriken Zeitz, Varziuer Papierfabrik, Voigt& Häffner A. G.(Filiale Frankfurt), West- falia A. G. für Fabrikation von Portland- Cemcnt und anderer. Von älteren Konsortialgeschäften sind im Berichtsjahre abgewickelt worden: 4 proz. Deutsche Reichs- Anleihe von 1910, 4proz. Türkische Schatzbons 5proz. Chinesische Ticntsin-Pukow Ergänzung*- Anleihe. 4proz. Mexikanische Gold-Anleihe von 1910, öproz. Bonds der St. Louis und San Francisco Eisenbahn, Konvertierung der 5prox. Oblig. der Anatolischen Eisonbahn-Gesellscbaft, Aktien der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft, Aktien Serie H der Elektrischen Licht- und Kraftanlagen A. G.. Einführung der Aktien der Compania Sevillan» de Electricidad in der Schwei* und in Brüssel. Aktien der Commerzbank in Lübeck. Aktien der Sosnowieer Röhrenw alz werke und Eisenwerke. Unser Konsortial-Konto(Zentrale und Pfflalen) bestand am Jahresschlüsse aus: 52 Beteiligungen an Staats- und Kommunal- Anleihen und Eisenbahn- Geschäften mit....... 5,844,910.80 M. 248 Beteiligungen an Aktien und Obligationen verschiedener Gesellschaften mit......... 25,431,914.20 56 Beteiligungen an Grundstücksgeschäften mit....... 6.117.874,56.. zusammen mit 87,394,699.00 M. Das Konto eigener Effekten(Zentrale und Filialen) setzt eich zusammen aus: Staats- und Kommunalpapieren sowte Deutschen Pfandbriefen in 131 Gattungen........... 42,498,561.19 X» Eisenbahn- und industriellen Obligationen in 70 Gattungen..... 3,788,129.— M Eisenbahn-, Bank- und Industrie- Aktien in 188 Gattungen........ 9,857,006.09„ Diversen............ 124,552.40.. zusammen mit 52,763,236.19 M. Das Effekten-Konto enthält deutsche Staatspapiere im Buchwerte von 38,321,695.50 M. Die nach Abschluß des Berichtsjahres durchgeführte Liquidation unserer Verbindungen mit der Berliner Terrain- und Bau-A.-G. und den dieser nahestehenden Unternehmungen hat uns und die uns verbündete Bergisch-Märkische Bank veranlaßt, erhebliche Opfer zu bringen, um— soweit es an uns liegt— eine durchgreifende Reorganisation der Berliner Terrain- und Bau- A.-G. zu ermöglichen. Zur Durchführung einer solchen Reorganisation unter Uebernahme von Opfern auch seitens der Großaktionäre und unter Ausschluß eines Zuzahlungszwanges für die außenstehenden Aktionäre hat sich die Gegenseite uns gegenüber bei der vorgenommenen Auseinndersetzung ausdrücklich bereit erklärt. Die Bergisch-Märkische Bank wird für 1911 nur 7 Prozent Dividende(statt 8)4 Prozent im Vorjahre) verteilen, um vollends den Verlust auszumerzen, der infolge von Mißgriffen ihrer früheren Direktion für sie entstanden ist. Wir selbst haben seit längerer Zeit ausreichende Rückstellungen vorgenommen; in unserer Bilanz sind die aus der Auseinandersetzung über die Berliner Terrain- und Bau-A.-G. für uns entstandenen. Ausfälle vollständig bereinigt. Wir behalten gegenüber der Berliner Terrain- und Bau-A.-G. lediglich eine Forderung, die durch eine Bürgschaft in einwandfreier Weise gesichert ist. 1 Die sogenannten Zwischenbilanzen sollen auf Grund einer Verständigung mit der Reichsbank künftig nach einem neuen Schema erfolgen. Um unseren Aktionären und der Oeffcntlichkeit den Vergleich zu erleichtern, gehen wir am Schlüsse des Berichts unsere Jahresbilanz in der alten sowie in der neuen Form. In den Aufsichtsrat wurden in unserer letzten ordentlichen Generalversammlung neu gewählt die Herren Geheimer Komraerzienrat Fritz von Friedlaender-Fuld, Berlin, Kommerzlen- rat Paul Klaproth, Direktor der Hannoverschen Bank, Hannover, Exzellenz von Loebell, Oberpräsident a. D., Berlin. Senator Emil Possehl, Lübeck, und Oscar Schlittcr, Direktor der Bergisch-Märkischen Bank, Elberfeld. Zu unserem großen Schmerze verloren wir unseren jüngsten Kollegen, Herrn Berthold Naphtali, am 28. Mai durch einen frühen Tod. Seine hervorragenden persönlichen und geschäftlichen Eigenschaften sichern ihm in unserem Kreise das beste Andenken. Herr Paul M. Herrmann wurde im März aus der Direktion unserer Dresdner Filiale in den Zentralvorstand berufen. Die Herren Assessor Carl Bergmann. AdolfBrackebnsch nnd Hugo G i d i o n wurden zu stellvertretenden Direktoren in Berlin ernannt. In Bremen schied mit dem Ende des Jahres Herr Eugen Krug aus dem Vorstande dieser unserer ältesten Filiale aus, dem er seit 1887 angehört hat. Wir danken ihm auch an dieser Stelle für seine während vierzigjähriger Tätigkeit unserer Bank geleisteten Dienste. Mit Wirkung ab 1. Januar 1912 wurde der bisherige stellvertretende Direktor der Bremer Filiale, Herr Max Koepke, zum Mitdirektor in Bremen ernannt. In Brüssel wnrde ernannt Herr Ferdinand Kautz, bisher stellvertretender Generaldirektor der Anatolischen Eisenbahn, zum Direktor, und unser laofH� jähriger Mitarbeiter und Prokurist bei der Zentrale, Herr Conrad August Bisehoff zum stellvertretenden Direktor mit Wirkung vom 1. Januar 1912. In Dresden wurde Herr Clemens Jan bisher Prokurist, zum stellvertretenden Direktor befördert. Bei der Filiale Frankfurt wurden die bisherigen stellvertretenden Direktoren, Herr Dr. jur. Alfred von Heyden und Herr Carl Spaeth, letzterer bisher in Wes baden, zu Direktoren ernannt, Herr Emil Simon, bisher Prokurist, zum stellvertretenden Direktor befördert. Unsere Filiale Hamburg und unser ganzer Kreis trauert um den Verlust des Herrn Victor Koch, der uns im April des Berichtsjahres durch den Tod entrissen wurde. Er hatte unsere Geschäfte In Hamburg seit 38 Jahren mit Hingebung und Erfolg geleitet und sich durch seine persönlichen Eigenschaften nur Freunde erworben. Herr Eugen Bartz, bisher Prokurist in Hamburg, wurde zum stellvertretenden Direktor der Filiale ernannt. In Nürnberg wurde der seitherige stellvertretende Direktor, Herr Leonhard Rupprecht, zum Direktor befördert. In Wiesbaden wurden Herr Hermann von Hauff, bisher Direktor der Brüsseler Filiale, und Herr Friedrieb Eerger zu Direktoren ernannt. Das langjährige Mitglied unseres Bremer Lo- kalausschusses, Herr Geo Plate, Ist wegen Verlegung seines Wohnsitzes aus dem Lokaiansschoß ausgeschieden, verbleibt indessen in dem größeren Kreise unseres Aufsichtsrates. Herr Konsul W. Biedermann, Mitglied der Bremer Handelskammer, und das seitherige Mitglied der Direktion unserer Bremer Filiale, Herr E. Krug, wurden mit Wirkung ab 1. Januar 1912 in den Lokalausschufl für die Filiale Bremen gewählt. In den Lokalausschuß Konstantinopel trat an die Stelle des Herrn Kantz dessen Nachfolger bei der Generaldirektion der Anatolischen Eiscnbahn-Ge- scllsehaft, Herr Franz J. Günther. Herr Minister Karl B ü n z, deutscher Delegierter In dem Oonscil d' Administration de la Dette Publique Ottomane, trat an die Stelle des unserem Kreise durch den Tod entrissenen Herrn Minister Teste, dessen wir In unserem vorjähriger Bericht gedacht haben. Elnscbließlieh des Vortrages aus 1919 von 2,067,389.94 Mark nach Vornahme der Abschreibungoa auf Bankgebäude und Mohl- 1 i e n im Betrage von 8,659,711.84 M. und Rückstellung von 400,000 M. für Talon- Steuer beläuft sich das Erträgnis des Jahros 1911 auf.......... 36,409.685�0 M. Hiervon erhalten zunächst die Aktionäre 6 Pro*. Dividende auf 200,000,000 Mark(nach§ S6b der Satzungen)..„ Von den verbleibenden...... n,469,S66J0 M. beantragen wir, der ordeatltehon Haserve B 10 Pro*, mit 2.149, S66AS M. sowie zur Abrundung der Reserven auf 110,000,000 M. weitere 72,070�9 M., für Abschluß-Gratifikationen an die Angestellten 2,700,000 M., zusammen„ zu überweisen. Von d. übrigbleibenden Betrage von.*• abzüglich 2,599,433.62 M Vortrag auf neue Rechnung, erhalten(nach 9 36d der Satzungen) der Aufsichtsrat und die Lokalaussehüsse 7 Pros. Gewinnanteil mit.......... 979,494.«„ Wir schlagen vor, von den restliehen. 19,599, 438.9» M. 9)4 Proz. Buperdividende auf 200.000,000 M. mit........ iJJWOCtk--„ zu verteilen und den Ueberschuß von. 2,5»I4#3A3 M. auf neue Rechnung vorzutragen. Es würde demnach erhalten:_ jede Aktie v. nom. 600 M.: 75 M.—*9% Pros. Dtv, jede Aktie v. nom. 1200 M.: 150 M jede Aktie v. nom. 1600 M.: 200 M. Wenn die Generalversammlung unsem» Anträge genehmigt, so würden sich unsere bilanzmäßigen Beserven erhöhen auf: 1. Ordentliche Reserve A•■•■■ W,868,081JK) M. 2. Ordentliche Reserve B«>»» 88*595,316.42„ 3. Kontokorrent- Reserve•••»» 7,016,652.28». zusammen 110,000,000.— M. — 56 Proz. des Aktienkapitals von 200.000,000 M. Berlin, im Februar 1912. Der Vorstand der Dentschaa Bank» A. von Gwianer. E. Hoinemann. Dr. K. Helllerich. Paul M Horrmann. C- Klönna- P. MankiewiU. C. Mlchaltnrzky, S. Palmona muß deshalb als Pflanzen-Butter--Mar- garine bezeichnet werden, weil man sie sonst von Butter nicht unterscheiden könnte. Nehmen Sie die Verpackung weg und Sie haben die feinste Süßrahmbutter! Lassen Sie sich keine Nachahmungen aufdrängen! äu| de| IWA W Kein Laden, nur 1 Tr.» Preisliste franke.■ Kein Laden, nnr 1 Tr. 20 Prozent unter bisherigem Preis— solange Torrat Nebenstehende 6 Pf.-Zigarre Deüciosa i milde Qualität: S 4.30 z BV Ferner empfeblen erprobte gute Marken zn billigsten Engrospreisen."WS E Kleine Mexiko-Zig., 100 St M. 3.— 1 Don Diez....... 100 St. M. 4.50 1 Casilda........ 100 St. M. B.— * Santa Clara-Manila 100 St. M. 4.—| Victoria Pflanzer.. 100 St. M. 4.65| Senta......... 100 St M. 6.— J Verkaof nur in Originalkisten(kein Einzelverkauf) 400 St fr. Nachn.(Tabak allein 9 Pfd. fr.) prffn=|!an(f!tabnk Psd.«o Ps. Nr. 2 Nr. Z 90 Ps. 1.99 M. Plk. 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Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badftraße 58. Frettag. den 8. Mär, 1912: Das Mädchen ohne Ehre. SensatwnSdramat.12Bild.v. S.B.Lutz Kafieneröfinung 7. Ansang 8st, Uhn Voranzeige I Mittwoch, 13. März: Benefiz Fraul. Hedwig Krahmer: Gfinsellesel. Melia die schönste und gefeiertste russische TanzkQnstlerin. Schneider- Dnncker Dnnell-Trnppe etc. und IS Varletö- Sensatlonen. Dienstag zum erstenmal: I Das Geislerfensteri ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelswerder» °Heer strafte" beim Alte« Freund. "zirkns��T� A. Sclinmami Freitag, den 8. März 1912, abends 8 Uhr: Keine Zirkusvorstellung sondern Gastspiel d. Deutsch. Theaters: „Jedermann". von Hugo von Hoffmannsthal, Morgen Sonnabend 7llt Uhr: Grande SolrSe Highlife Die besten Badktlnstler 5 Herren Aurora 5 Besonders hervorzuheben: Daslebende Karussell sowie alle Obrigeo Spezialitäten. Um 9 Uhr: Das Stotorpferd. Sonntags: 2 Vorstellungen 3'/, nnd 7'/, Uhr._ Reiehshallen-Theater. Stettiner Sfinger Sunt Schluß: Eine Hochzeit im her Mull erstrafte. BurleSIe von Mehsel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Sfieoler Alexanderplatz, ünt d. Undcn. Moritzplatz. Hasenbelde, Heute zum letzten Male: Arme Jenny. Volksstüok in zwei Akten mit Asta Nielsen der„Duse der Kino-Kunst" in der Hauptrolle. Union- Theater Reinickendorfer StraSe 14: Die Yaqf AeriD. Zirkus Buseh 1 Freitag, 8. März 1912, 7»/, Uhr; Die Vorstellung beginnt mit| der Pantomime Ble Hex© daranschließend ca.® Uhpjj das siraonsische Programm. Ilm O'/i Uhr: Die intemationaleD Ringkämpfe.{ Täglich nur große Kämpfe. Nähere Einzelheiten im Programm. Die Orplngtonst Unübertroffene Kekordleist Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: vss Kieme CafL Nißles Fest-Säle DennewitzstraBe 13. Jeden Donnerstag• tanzkränzebeo und Bockbiertrubel Bei freiem Entree. C. Mlfile. Eis-Arena« Naohmittafi's s Kaostlaaf- ProdaktknMn. Ailzbendlioh; I T&nse aal dem Blee. als Walze rkönlgln. Das prächtige EiebsQett Alpenzauber. 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Festredner: Reichstagsabgeordneter Ledebour, Landiagsabgeordneter S t r ö b e l, Reichstags- und Landtagsabgeördneter Dr. Liebknecht. Anfang 8 Uhr. Billetts a 30 Pf. find noch an den mit Plakaten versehenen Stellen zu haben. Steglitz-Friedeuau. Heute, Freitag, abends 8V, Uhr, bei Schell- Hase, Ahornstr. loa: IV. Vortragsabend des Genofien E. D äumig über: Deutsche Literaturgeschichle. Karten sind im Vortragslokat zu baben. Der Bildungsausschufi. Treptow-Banmschulenwcg. Heute abend von 7 Uhr ab: wichtige Parteiarbeit. Für den 1. Wahlbezirk treffen sich die Genofien der Bezirke 6, 7, 8 bei Kunze, Etsenstr. 106, der Bezirke S, 9, 10, 11, 12 bei Schulte. Am Treptower Park 37. Für den 2. Wahlbezirl treffen sich die Genofien der Bezirke 1— 4 bei Erbe, Baumschulenstr. 14. Der Vorstand. Johannisthal. Zu der am Sonntag, den 10. März, von mittags 12—4 Uhr ftaltfindenden Gemeindewahl für die dritte Klasse findet am Sonnabend, den 9. März, abends 8 Uhr, bei A. Gobin, Roon- stratze 2, ein Extra-Zahlabend statt. Der Borstand. Köpenick. Morgen Sonnabend von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Pankow. Am Sonntag, den 10. März, ftüb 8 Uhr: Flugblatt- Verbreitung von den bekannten Stellen aus. Die Bezirksleitung. PeterShagen. Am Sonntag, den 10. d. M., findet zur Ge- meindevertreterwabl eine Flugblattverbrciwng statt. Treffpunkt früh 8 Uhr im Lokal von Appel. Franz.- Buchholz. Sonntag, den 10. März, vormittags von 10 Uhr ab: Flugblattverbreitunz von allen Bezirken aus. .Lichtenrade. Sonntag, den 10. März, früh 8 Uhr: Flug- blattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Mittags 1 Uhr im Wirtshaus Lichtenrade: Große Gemeindewähler- Versammlung. Sorgt für guten Besuch. Bernau. Sonnabend, den 9. März, abend? Uhr, findet bei F. Salzmann, BaSdorfer Straße, ein Busch-Abend statt. Eintritts- preis 20 Pf. Jugendliche unter 13 Jahren haben freien Eintritt. Nachdem für Erwachsene: Tanzkränzchen. Herren, welche daran teil- nehmen, zahlen 30 Pf. nach. Hermsdorf bei Berlin. Sonntag, den 10. März, früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung.— Mittags 12 Uhr: Extrazahltag im„Forst- haus". Zu dieser Erttaveranstalmng haben auch Arbeiterwähler Zutritt._ Berliner Nacbrichteno Tie Stadtverordnetenversammlung genehmigte gestern eine vom Magistrat beantragte weitere Regelung der Gehälter des Lehrpersonals der G e m e i n d e s ch u l e n, eine Erhöhung der Orts zu lagen. Stadtverordneter Cassel schlug eine R e s o l u- t i o n vor, die den Magistrat ersuchte, den Lehrern und Rek toren die letzte dieser Zulagen noch um.e in ige Dienst jähre früher zu geben. Daß die Lehrerschaft Herrn Cassel in Gehaltsfragen noch immer nicht als ihren Freund ansehen will, verdrießt ihn. Gestern wollte er wieder einmal die Gelegenheit benutzen, öffentlich zu erklären, daß die Lehrer nun wirklich keinen Grund mehr zur Unzufriedenheit haben. Hierin sekundierte ihm der Stadtverordnete S ö k e l a n d, der zu beweisen suchte, daß Berlin im Punkt der Lehrer besoldung nicht hinter vielen anderen Gemeinden zurücksteht. Genosse Bruns bemerkte dazu, es sei wirklich nicht nötig, aus Anlaß dieser Vorlage nochmals die ganze Lehrerbcsol dungsfragc aufzurcllen. Die sozialdemokratische Fraktion stimmte für die Vorlage und auch für die Resolution. Beide wurden angenommen. Tie Ver�stadtlichung des Rettungswesens war von der Stadtverordnetenversammlung schon vor vier Wochen grundsätzlich beschlossen worden. Ein Ausschuß hatte nur noch zu prüfen, ob schon jetzt ein Kur a t o r i u m eingesetzt werden solle, das die Grundzüge und Be- dingungen der im nächsten Jahre durchzuführenden Berstadt lichung sowie der Uebernahme der gegenwärtig bestehenden Einrichtungen festzulegen und das jetzige Rettungswesen zu verwalten hätte. Der Ausschuß schlug vor. diesem Antrage des Magistrats zuzustimmen und empfahl, noch einige besondere Wünsche an den Magistrat zu richten, z. B. den einer sofortigen Uebernahme der Sanitätswachen. Tie sozialdemokratische Fraktion stellte, wie Genosse Wehl erklärte, ihre weiteren Forderungen einstweilen zurück. Tazu gehört die Uebernahme auch des Krankentransportwesens und die Schaffung eines gemeinsamen Rettungswesens für Groß- Berlin, Forderungen, deren Ausführung einer späteren, hoffentlich nicht zu fernen Zeit vorbehalten bleibt. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß nach den Vor- schlagen des Ausschusses. Ein Magistratsantrag, dem Internationalen Hausbesitzerkongreß bei seiner Tagung in Berlin ein Fest zu bereiten und zu diesem Zweck 12 0 0 0 M. aus d e in Stadtsäckel herzugeben, wurde von unseren Genossen bekämpft. Es kam dabei zu einem lebhaften Ge- plänkel zwischen Genossen R o s e n f e I d und den Haus- agrariern des Stadtparlaments, denen er einige unbequeme Wahrheiten sagte. Sie antworteten mit Lärm, und einer von ihnen der Stadtverordnete Landsberg, stellte zur Abwehr die drollige Behauptung auf. daß der Hausbesitzer- kongreß dieWohnungen verbessern wolle. Auch Stadtverordneter Cassel verteidigte seine hausagrarischen Freunde, indem er bestritt, daß�das Hausbesitzerprivileg von Einfluß auf die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung sei. Tie freisinnige Mehrheit bewilligte schließlich den internationalen Hausagrariern die 12 000 M. für ihre.Fest- esserci.__ Scherls Dirbesschule. Vor einiger Zeit glossierten wir. daß Scherl iu seinem„Allgemeinen Wegweiser", mit dem er auch l Arbeiterwohnungen zu verseuchen sucht, Preisausgaben stellt für' Diebe und solche, die es noch werden wollen. Zunächst erfanden seine Reklameleute einen neuen Trick, wie man im Schalterraum von Postämtern auf Räubereien ausgehen kann. Es wurde mit Druckerschwärze ein„Ding gedreht", dessen genaueste Beschreibung sehr leicht zur Nachahmung in der Praxis reizen kann Für die-; jenigen, welche den besten Rat erteilten, wie man die Posträuber' dingfest machen kann, natürlich immer nur theoretisch, waren Geld- � preise ausgesetzt. Den ersten Preis von 50 Emmchen hat sich jetzt, ein— Kriminalbeamter verdient. Der hat hoffentlich nicht das-' selbe Pech wie seine Berliner Kollegen, die unsere Herren Ver- brecher auch nur immer auf dem Papier fangen. In der neuesten Nummer seines Diebesschulblattes stellt Scherl eine weitere ähnliche Preisaufgabe. Zwei altgediente Arbeiter— ausgerechnet Arbeiter— sind beim Diebstahl beobachtet worden. Wie kann, fragt Scherl, der Beobachter seine Anzeigepflicht umgehen? Eine derartige ftivole Abonnentenfängerei ist nicht streng genug zu verurteilen. Auf der einen Seite gibt Scherl im„Allge- meinen Wegweiser" gute Lehren für das Leben und erzieherische Winke, auf der anderen Seite verleitet er indirekt zu unehrlichen Handlungen. Wir wollen mal abwarten, ob die dritte Preis- aufgäbe etwa die Frage stellt, wie sogenannte Kleptomanen aus den„besten" Kreisen, also aus den Scherlschen Leserkreisen, der ehrlich verdienten Strafe in Zukunft nicht mehr entzogen werden können. Ein eigenes Krematorium will Wilmersdorf bauen. Die Pläne hierfür liegen bereits fertig bor, und es ist zu erwarten, daß der Magistrat innerhalb weniger Wochen der Stadtverordneten- Versammlung eine diesbezügliche Vorlage zugehen lassen wird. Sofort nach Genehmigung des Projektes durch die Stadtberord- netenversammlung, die außer Frage steht, wird dann mit dem Bau begonnen werden. Gleichzeitig soll ein eigener Urnenftiedhof an- gelegt werden. Auch bei dem in diesem Jahre in Aussicht genom- mencn Erwetterungsbau der Leichenhalle soll ein zur Aufftellung von Aschenurncn dienender Säulengang eingebaut werden. Der Engpaß iu der Neuen Promenade hat gestern wieder seine Opfer gefordert. AIS in der Mittagstunde eine Autodroschie von der Straße am Zwirngraben in die Neue Promenade ein- biegen wollte, sah der Führer plötzlich einen ihm entgegen- kommenden Radfahrer vor sich, dem er durch schnelle Rechts- stenerung ausbiegen wollte. Hierbei stieß er auf einen vor- fahrenden Handwagen und außerdem so heftig gegen die Bord- schwelle, daß der in der Droschke sitzende Fahrgast erheblich verletzt und blutüberströmt, ebenso wie der Führer des Handwagens, zur Rettungsstation gebracht werden mußte. Tie Droschke selbst wurde auch so stark beschädigt, daß deren Weiterbenutzung unmöglich wurde. Wann wird endjich dieser ständigen Gefahr für das Leben unserer Mitbürger auf dieser nur 8 Meter breiten Haupt- Verkehrsader Berlins ein Ende bereitet werden? Die elektrische Uferbahn von Grünau über Karolinenhof nach Schmöckwitz ist gestern landespolizeilich abgenommen worden. Die Probefahrt mit dem benzol-elektrischen Wagen der Siemen Schuckertwerke gab zu Ausstellungen keinen Anlaß. Am>s o n n- abend soll die neue Bahn dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Die Bewohner der Kolonien Schmöckwitz und Karolinen- Hof. die bis jetzt auf den Dampferverkehr angewiesen waren, er- halten durch die Uferbahn direkten Anschluß an den Staatsbahnhof Grünau, an dem die Endhaltestelle der neuen Bahn liegt. Mit Leuchtgas vergiftet hat sich der 30 Jahre alte Schneider- meister Ernst Müller aus der Liebenwalder. Straße 33. Vor acht Tagen mußte seine Frau wegen eines inneren Leidens das Krankenhaus aufsuchen. Seit dieser Zeit war er sehr nieder- gedrückt. Zu Hausbewohnern äußerte er, daß er fest daran glaube, daß seine Frau unheilbar krank sei. In Wirklichkeit befindet sich diese aber auf dem Wege der Besserung und kann bald wieder das Krankenhaus verlassen. Als Mittwoch morgen Angestellte des Schneidermeisters, der eine große Äonfeklionsschneiderei hat, ins Geschäft kamen, wunderten sie sich, daß ihr Meister nicht erschien. Da sie seine Wohnung verschlossen fanden, ließen sie durch den .Hausverwalter öffnen. Man fand ihn jetzt mit dem Gasschlauch im Munde tot auf einem Stuhle in der Küche sitzen. Das einzige Kind der Müllerschen Eheleute, ein fünfjähriges Töchterchen, lag im Nebenzimmer im Bett. Es hatte durch das ausströmende Gas noch keinen Schaden genommen. Benzincxplosion in einer Drogerie. Gestern mittag kurz nach 12 Uhr erfolgte in der Elisabeth-Drogerie von Willi Stark in der M o m m s e n st r a ß e 4 0 zu Charlottenburg eine heftige Benzin- crplosion, bei der der Inhaber der Drogerie und dessen Ehefrau Brandwunden im Gesicht, an Händen und Füßen davontrugen. Durch den Luftdruck wurden zwei Wände eingedrückt und zahlreiche Scheiben zertrümmert. Die Stichflammen setzten den Inhalt des Ladens in Brand, so daß in wenigen Minuten die ganze Drogerie vom Feuer ergriffen war. Auch auf eine angrenzende Wohnung sprang der Brand über. Die Charlottenburger Feuerwehr war mit zwei Zügen zur Stelle und griff sofort mit zwei Schlauch- leitungen ein. Trotzdem konnte aber von der Drogerie nichts mehr gerettet werden. Der verunglückte Inhaber und seine Frau wurden auf der Brandstelle verbunden und müssen in ärztlicher Behand- lung bleiben. Zu dem Raubmordversuch am Spittelmarkt wird mitgeteilt, daß sich das Befinden der Überfallenen Frau Witwe Schell im Laufe der vergangenen Nacht und des gestrigen Vormittags wieder so gebessert hat, daß sie vom Untersuchungsrichter des Land- aerichts I vernommen werden kann. Auf die Ergreifung des Täters, des 18 Jahre alten Hausdieners Alois Phttlick, hat die Kriminalpolizei eine Belohnung von 300 M. ausgesetzt. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß Phttlick gleich nach dem Ueberfall Berlin verlassen hat, ohne erst seine Habseligkeiten von seiner Schlafstelle abzuholen. Weiter wird mitgeteilt, daß die Überfallene Frau Witwe Schell aus der Wallstr. 14 gestern durch den Untersuchungsrichter des Landgerichts I vernommen morden ist. Tie Frau, die sich jetzt soweit erholt hat, daß sie eingehend den Ueberfall schildern konnte, bekundet unter ihrem Eide, daß der Täter bestimmt ihr früherer Hausdiener Alois Phttlick ist. Sie wiederholte die gestern der Kriminalpolizei gemachten Angaben und setzte noch hinzu, daß Phttlick sie, nachdem er sie am Halse gewürgt, mit dem Kopfe gegen die Wand geschleudert und mehrere Stockschläge versetzt hatte, an den Beinen angefaßt und die eiserne Wendeltreppe nach dem Keller geschleppt habe. Hier sei sie dann bewußtlos geworden, nach kurzer Zeit aber wieder zu sich gekommen. Aus Angst vor dem Räuber, der ihr das Geld gewaltsam entriß, babe sie sich dann selbst ciiigeschlossen und um Hilfe gerufen. Tie Kriminalpolizei hat alle Grenzstationen auf den Täter auftncrksam gemacht, so daß ihm ein Entkommen nach dem Auslande unmöglich ist. Da Phttlick zu einem leichtsinnigen Lebenswandel neigt, ist es auch möglich, daß er das Geld hier in Berlin verbringen wird. Die Beschreibung Phttlicks, die die letzten Nachfragen und Feststellungen ergaben. weicht von der ersten in einigen Punkten wesentlich ab. Er ist 1,70 Meter groß und kräftig, hat blondes, etwas lockiges Haar, und ein bartloses, rundes, volles, frisches Gesicht und trug einen grau» melierten Anzug mit Streifen, einen braunen Hut, einen grauen Gummimantel und braune Schnürschuhe. Straßenbahnunfällc. Auf der Schillingsbrücke wurden gestern früh gegen 147 Uhr Rcparaturarbeiten an der Straßcnbahnleitung ausgeführt. Als der Kutscher Krummholtz, Möllendorfstraßc 49 in Lichtenberg wohnhaft, den Turmwagen nach einer anderen Arbeits- stelle lenken wollte und dabei das Gespann rückwärtsgehend führte, wurde er von der Deichselstange gegen den Unterleib gestoßen und gegen einen haltenden Straßenbahnwagen gedrückt. Der Kutscher, der eine schwere innere Quetschung erlitt, wurde in bewußtlosem Zustande nach dem Krankenhaus Bethanien übergeführt.— Ein Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einer Pferdedroschke ereignete sich an der Ecke der Königgrätzer und Möckernstraße. Dort bog vorgestern abend gegen 7 Uhr die Droschke 2765 unmittelbar vor einem nach Britz fahrenden Straßen- bahnwagen der Linie 21 auf das Gleis und wurde angefahren. Bei dem Zusammenprall wurde der Droschkenkutscher Julius� Kraftsich aus der Kopischstratze 9 vom Bock geschleudert. Er erlitt eine leichte Gehirnerschütterung und wurde, nachdem ihm auf der nächsten Un- fallstation die erste Hilfe zuteil geworden war, nach seiner Wob- nung übergeführt. Bei dem Zusammenstoß wurde die Droschke stark, der Bahnwagen leicht beschädigt. Stcllungslosigkett und Nahrungssorgen haben den 87 Jahre alten Apotheker Eugen Rieger aus der Novalisstr. 15 in den Tod getrieben. Rieger hatte sich mit Strhchnin vergiftet. Durch einen Sturz aus dem Fenster hat die 66 Jahre alte Witwe Karoline Petsch geb. Karloschin aus der Dresdener Stratze 37 ihrem Leben ein Ende gemacht. Die Frau war nicht mehr ganz zurechnungsfähig. In einem solchen Anfalle erhob sie sich in der vergangenen Nacht, als ihr Sohn und seine Frau schliefen, verließ unbemerkt die Wohnung und stürzte sich aus dem Flurfenster des dritten Stockwerks auf den Hof hinab. Haus- genossen hörten den dumpfen Fall und fanden die Frau tot daliegen. Sie hatte sich einen schweren Schädelbruch und tödliche innere Per- letzungen zugezogen. Ein Schutzmann brachte sie nach dem Leichen- schauhaus. Der dritte Bortrag über die Alkoholfrage, den die Ortsgruppe Berlin des Arbeiter-Abstinentenbundes veranstaltet, findet heute abend um 8'/, Ubr im Saal 5 des Gewerkschaftshauses statt. Herr Dr. med. Wilh. Winsch spricht über„Alkohol und Degeneration". Wer sind die Toten? Die Persönlichkeiten zweier Männer. von denen einer auf der Straße plötzlich verschieden ist, der andere aus dem Teltowkanal gelandet wurde, ließen sich bisher nickst fest- stellen. Auf dem Bürgersteig vor dem Hause Kaiser-Wilhclm- Straße 18 wurde von Schutzleuten ein unbekannter Mann hilflos aufgefunden und nach der Rettungswache in der Keibelstraße ge- bracht. Als man dort mit ihm ankam, war er jedoch schon gestorben. Es ist ein ungefähr 35— 40 Jahre alter Mann, der anscheinend dem Arbeitcrstande angehörte. Er ist mittelgroß und hat ein volles Gesicht, blondes, spärliches Haar, einen blonden Schnurrbart und lückenhafte Zähne und trug einen graugestreiften Anzug, einen schwarzen, steifen Hut und Schnürschuhe.— In Tempelhof wurde aus dem Teltowkanal die Leiche eines ungefähr 45 bis 50 Jahre alten Mannes gelandet und nach der Leichenhalle in Tempelhof gebracht. Auch dieser Tote scheint dem Arbeiterstvnde angehört zu haben. Er ist ungefähr 1,65 Meter groß, hat dunkles Haar, eine große Glatze, ein rundes Gesicht und lückenhafte Zähne und trug eine schwarze Hose, Weste und Joppe. Der Sängerchor„Südost" iMitglied des Arbeitersängerbundes, Gau Berlin), Chormeister Otto Kowalski, veranstaltet Sonntag, den 10. März, in Mörners Festsälen, Koppenstr. 29, ein Konzert. Mitwirkende sind: Frau Klara Urlau-Heiderich(Sopran), Herr Otto Kowalski(Bariton), und die Herren Peter Uschmann (Violine), Rudolf Uschmann lViolincello), Friedrich Uschmann am Flügel. Kassenöfsnung 5 Uhr, Anfang 6 Uhr. Liedertcxte und Programme am Saaleingang. Programm im Vorverkauf 50 Pf., an der Kasse 60 Pf. Zeugen gesucht. Personen, welche gesehen haben, wie in der Nacht vom 30. zum 31. Dezember 1911 in der Löwestraße drei junge Leute verhaftet und nach der Wache Zorndorfer Straße ge- bracht wurden, werden gebeten, ihre Adresse an Friedrich Schröter, Thaerstr. 46, gelangen zu lassen. Vorort- l�acbricdten. Charlottenburg. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer Sitzung vom Mittwoch zunächst mit einer Vorlage des Magistrats betreffend die Bewilligung von Bei- trägen für die Jugendpflege. Es handelt sich um die Bewillifping von 600 M. zur Besoldung eines Jugendpflegers und von 1000 M. zur Unterhaltung einer Zentralstelle für Jugend- pflege. Diese Summe soll verwendet werden nach vorherigem Ein- vernehmen mit der Regierung, und zwar soll dem Jugendpflegcr in Charlottenburg die Leitung einer noch zu gründenden Zentral- stelle für Jugendpflege im Regierungsbezirk Potsdam übertragen werden. Während die Kosten zwischen Stadt und Staat gleich- mäßig verteilt sind, sind die Rechte so gut wie ganz auf die Re- gierung übergegangen. Der Regierungspräsident hat dem Magistrat nichts mehr und nichts weniger vorgeschlagen, als daß er den Jugendpfleger ernennt, daß der Jugcndpfleger als sein Beauftragter anzustellen sei, und daß die Aufsicht über die Zentralstelle dem Vorsitzenden des Hauptansschusses für Jugendpflege gemeinsam mit dem Referenten des Regierungspräsidenten übertragen werden soll. Bei Meinungsverschiedenheiten wollte der Regicrungspräsi- dcnt sick» die Entscheidnng vorbehalten wissen.?luk diese unglaub- lichen Bedingungen ist der Magistrat im großen ganzen eingc- gangeu, er hat daran nur die eine Acndekung getroffen, daß der Jugendpfleger auf Vorschlag der Stadt vom Regierungspräsidenten ernannt wird und als gemeinschaftlicher Beauftragter zu gelten hat. Während die bürgerlichen Parteien bereit waren, die Vorlage ohne weiteres anzunehmen, betonte unser Genosse Richter, daß es sich hier im wesentlichen um eine Art der Bekämpfung der sozialdemokratischen Bestrebungen auf Bildung der Jugend handle und daß seine Freunde deshalb nicht in der Lage seien, für die Vorlaae zu stimmen. An der Hand eines reichhajtigen Materials erbrachte unser Genosse den Nachweis, daß die Bestrebungen de? Staates sich weniger ans eine wirkliche Bildung der Jugend, als ans eine Bekämpfung der Sozialdemokratie richten. Diese Aus- snhrungen mögen dazu beigetragen haben, daß die Vorlage nicht sofort angenommen, sondern einem Ausschuß überwiesen wurde. Nach Genehmigung des Bebauungsplanes für Nord- Westend und des abgeänderten Bebauungsplanes in dem Gebiet südlich des Kaiserdamms und westlich der Stadt- und Ringbahn erklärte die Versammlung die am 28. und 29. Januar vollzogenen Ersatzwahlen ohne Debatte für gültig. Unter den Ptcwählten befinden sich zwei Sozialdemokraten, die Genossen Hermann Scheel und Wilhelm?l h r e n L. Tie sozialdemokratische Fraktion iit dadurch auf 14 Mitglieder angewachsen. Ter Rest dcr_ Sitzung wurde durch die Beratung des Etats ausgefüllt. Ta wir über die Verhandlungen des EtatSausfchusses bereits früher einen Ueberblick gegeben haben, können wir uns hier auf die wichtigsten Momente beschränken. Zunächst kam eS bei der Beratung des Etats des Elektrizitätswerkes zu Auseinandersetzungen grundsätzlicher Natur zwischen der Mehrheit und der Sozialdemokratie. Genosse Stultz kritisierte es. daß der Ausschutz, lediglich in dem Bestreben, die 100 Proz. nicht zu überschreiten, die allergewöhnlichsten Regeln der Etatsaufftellung außer acht gelassen habe. Man habe eine große Summe ans dem?luSolcichsfondS genommen und als Einnahme in den Etat des Elektrizitätswerkes eingestellt. Auf diese Weise be- lügen wir uns selbst. Die Verantwortlichkeit dafür müßte man der Mehrheit überlassen. Stadtv. Meyer(lib.) gab zu. daß es richtiger gewesen wäre, bei den Abschreibungen so zu verfahren, wie die Sozialdemokraten es angeregt hätten, aber man dürfe ein-' mal nicht vergessen, daß der Magistrat selbst diesen Weg gegangen sei und zweitens dag der Ülusgleichsfonds überwiegend aus den Einnahmen der Werke gespeist werde. Tag die Mehrheit bestrebt gewesen sei. die IVO Proz. nicht zu überschreiten, leugne er nicht. Auch der Etatsredner der sozialdemokratischen Stadtverordneten- Fraktion in Berlin habe ja erklärt, daß die Erhöhung der Ein- kommensteuer im gegenwärtigen Moment bedenklich sei. Genosse Zietsch bezeichnete die Art uno Weise der Etatsauf- stellung als eine Art Bilanzverschleierung. Es werde der Anschein erweckt, als ob der Etat des Elektrizitätswerkes mit einem außer- ordentlich hohen Gewinn abschließe, aber das komme nur daher, weil man die Abschreibungen nicht vom Gewinn gemacht, sondern dem Ausgleichsfonds entnommen habe. Dadurch werde der Oeffent- liebkeit vorgetäuscht, daß das Elektrizitätswerk mehr floriert, als es tatsächlich der Fall sei. Der Ausgleichsfonds sei doch nicht zu solchen Zwecken gesehaffen. Im Ausschuß hätten die Liberalen tat- sächlich die Ausgaben so zusammengestrichen, daß man mit 100 Proz. auskommen könne. Die Aeußerung des sozialdemokratischen Frak- tionSredner? in Berlin sei von dem Vorredner nicht richtig wieder- gegeben. Nachdem der Kämmerer Schal tz die Erklärung abgegeben hatte, der Magistrat habe mit Rückficht darauf, daß es sich noch nicht übersehen lasse, ob die Abschreibungen dauernde oder einmalige sind, und weiter mit Rücksicht darauf, daß der Ausgleichsfonds hauptsäch- lich au» den Werken gefüllt werde, geglaubt, in diesem Jahre eine Abschreibung in der Weise reckstfertigen zu können, genehmigte die Versammlung unter Ablehnung einer Reihe sozialdemokratischer Anträge den Etat der Elektrizitätsverwaltung entsprechend den Vorschlägen des Ausschusses. Zum Etat der G e m e i n d e s ch u l c n lag ein sozialdemo- kratischcr Antrag auf Einstellung von 7800 M. zur Lieferung unentgeltlicher Lernmittel für die untersten Klassen aller Volks- schulen vor. Genosse G e b e r t, der den Antrag begründete, unter- zog das Schulwesen überhaupt, insbesondere die dauernde Ueber- füllung der Klassen und die sortgesetzten Umschulungen, einer scharfen Kritik und gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Sozialdemokraten von der Schuldeputation ferngehalten würden. Unter solchen Umständen könne man sich nicht wundern, wenn auch von gegnerischer Seite so viele Klagen über das Schulwesen vor- gebracht werden. Die Liberale» gingen, wie schon seit Jahren, so auch diesmal wieder einer prinzipiellen Erörterung der Frag« der Lernmittelfreiheit aus dem Wege, sie verschanzten sich hinter einem mit dem Magistrat getroffenen Abkommen, wonach die Frage der Lieferung freier Lernmittel ruhen solle, bis der Etat nicht mehr durch die Maßnahmen zur Hebung der Volksschulen belastet werde. Der sozialdemokratische Antrag wurde denn auch abgelehnt. Zum Etat der Armenverwaltung wurde ein Antrag angenommen den Bezirk des städtischen Augenarztes zu teilen und zwei Augenärzte anzustellen. Zum Etat für Straßenbau beantragte Genosse Will die Wiederherstellung der vom EtatsauSschusse gestrichenen Positionen für Straßenvslasterungen und die Einstellung von weiteren 276 000 Mark zur Pflasterung des Spandauer Berges. Die Mehrheit lehnte auch diese Anträge ab. Dagegen gab sie einem weiteren, von Will begründeten Antrage auf Wicdereinstellung der gestrichenen 12 000 Mark für Errichtung einer oberirdischen Bedürfnisanstalt in der Nähe des Platzes D ihre Zustimmung. Beim Kapitel Gemeinde st euer» betonte Genosse Hirsch nochmals unseren Standpunkt gegenüber dem eigenartigen Vor gehen des Ausschusses, der lediglich aus Steuerscheu den Etat so ge- staltet habe, daß die Zukunft dadurch ganz unverhältnismäßig be. lastet wird. Die Sozialdemokraten seien nicht in der Lage, einem solchen Etat zuzustimmen. . Eine längere Erörterung knüpfte sich an einen Antrag Erd maniisbörfer3 Uhr morgens den Heimweg antrat, geriet er versehentlich in das Haus Wall straße 12, dessen Tür zufällig offen war, hinein. Hier ist M. jeden fall? hingefallen und eingeschlafen. Ein von später heimkehrenden Hausbewohnern auf deu Fremden aufmerksam gemachter Wächter rüttelte den Schlafenden auf. Bei dieser Gelegenheit soll sich der. selbe plötzlich gewalttätig gegen den Wächter gewendet haben. Ein hinzugcrufener zweiter Wächter brachte dem Arbeiter einen Säbel. hieb über den Kopf bei. Jetzt wurde M. nach der Polizeiwache in der Herderstraße gebracht. Nachdem dort ein Protokoll auf- genommen worden war, wurde Mack entlassen. Um 4 Uhr morgens wurde er von einem Polizeibeamtcn in der Leibnizstraße be- sinnungSloS in einer Blutlache liegend, aufgefunden. Der Beamte brachte den Verletzten bis zur nächsten Unfallstation, wo festgestellt wurde, daß der Arbeiter außer der Hiebwunde am Kopse einen Messerstich in die Lunge erhalten hatte. Diese Verletzung erwies sich als so schwer, daß die Ucberfiihrung de» M. nach dem Kranken. Hause Westend notwendig wurde. Da der Verletzte bisher noch nicht zum Bewußtsein gekommen ist, konnte noch nicht festgestellt werden, bei welcher Gelegenheit er den Messerstich erhalten hat. Wilmersdorf-Halensee. Obstruktion der Armcnpfleger. Wenn Wilmersdorf in sozial- polilischen Fragen auch um zwei Jahrzehnte in der Weltgeschichte zurück ist, so sucht man hier doch bei Gelegenheit einmal an die Neuzeit Anschluß. DieS geschah zulevt durch einen 1900 von den städtischen Körperschaften gefaßten Beschluß, wonach dem anderswo längst geübten Brauch geniäß auch Frauen in der Armen» Pflege beschäftigt werden sollten. Mit der Tatsache, daß jeder der vier am Orte bestehenden Armenkommisfionen eine Frau zu» gesellt wurde, war aber in der Sache selbst gar nicht« ge» Wonnen. Denn nach der ja anfänglich auch in Berlin geübten Sitte verhängten die Armcnpfleger über ihre werblichen Kollegen einen regelrechten Boykott. Als die Obstruktion gegen den Gemeindebcschluß nicht nachließ, wurde einem zufällig der Neuerung freundlich gesinnten Kommisstonsvorsteher die Sache zu arg und er erwirkte für sein Bereich sich einen DeputationSbeschluß. wonach ihm ausnahmsweise das Recht zugebilligt wurde, das weibliche Mitglied direkt unter Umgehung der Armenpfleger mit Arbeiten zu beauftragen. In den übrigen Bezirken blieb aber der alte Znstand bestehen; und bis zum. heutigen Tage ist hier noch keines der weiblichen Mit- glieder beichästigt Ivordeir. Gegen diesen Zustand wendet sich eine Resolution, die der Stadtverordnetenversammlung bei der nächsten Gelegenheit unterbreitet werden soll. Die demokratischen und sozialdemokratischen Mitglieder verlangen, daß die städtischen Körperschaften zu der hier geübten Nichtachtung ihrer Beschlüsse Stellung nehmen. Bei der Zusammensetzung der Stadlverordneten- Versammlung ist eS ja nicht unmöglich, daß unter Führung der Konservativen die Resolution abgelehnt wird; aber selbst wenn dieser Fall eintreten sollte, kann die Sache der Frauen nur gewinnen, weil dann wenigstens die öffentliche Blamage der Rückichrittler wirksam festgestellt ist. Natur» lich haben die städtischen Körperschaften es in der Hand, ihre Autorität zu festigen; sie könnten dem Beschluß von 1909 Wirksamkeit verschaffen, wenn sie init einer bis dabin konsequent geübten Gepflogenheit brechen und dem Beispiel der Nachbargcincindcn cnt- sprechend ohne Rücksicht auf politische Gesinnung auch geeignete Personen aui den minderbemittelten Be» Völkerungsschichten mit öffentlichen Ehrenämtern beKauen wollten. Tchöneberg. Die städtische Scefischhallc nimmt eine erfreuliche Entwickc- lung, wie sich aus der steigenden Ziffer der Kunden der Seefisch- Halle erkennen läßt. Die Krindenanzahl ist gestiegen vom 2. Januar bis 24. Februar von 1315 auf 2592. Hierin sind die Kunden der Friedenauer Verkaufsstelle noch nicht mit eingerechnet. Von einem erfreulichen Aufschwung der Fischhalle zeugt auch die Höhe des Umsatzes. Im Monat Januar sind nämlich insgesamt 24 400 Pfund Fische vertauft, also die Sonntage abgerechnet, pro Tag ungefähr l0 Zentner. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß die steigende Vorliebe für die Fischnahrung auch de» privaten Fisch- Händlern zugute kommt. Die abgehaltenen Fischkurse müssen naturgemäß nicht nur der städtischen Fischhalle, sondern auch den privaten Fischhändlern von Nutzen gewesen sein. Die Annahme, daß der städtische Seefischverkauf die privaten Händler schadige, ist rein theoretischer Natur, wie die praktischen Erfahrungen in Barmen, wo seit fünf Jahren eine städtische SeefischlMe örtlich neben den privaten Fischverkaufsständen besteht und zur Erhöhung des UmsayeS der Privathandler geführt hat, zeigen. Köpenilt. Vermehrung der Stadtverordneten. Zufolge der Vermehrung der Einwohnerzahl Köpenicks hat der hiesige Magistrat beschlossen, die Zahl der Stadtverordnelen vom 1. Januar 1913 ab um 6 aus 42 zu erhöhen. Mit Rücksicht aus das Anwachsen der Verwattungsgeschäfle ist auch eine Erweiterung des Magistratskollegium« in Aussicht ge- nonimen. Vom 1. Januar 1914 ab soll die Zahl der besoldeten Stadträte um 2 auf 8 erhöht werden. Ein neues OrtSstatut über die Erweiterung der städtischen Behörden liegt den Stadtverordneten bereits zur Beschlußfassung vor. Petershagen bei Fredersdorf. Die Gemeindevertretung befaßte sich in ihrer letzten Sitzung zunächst init der Festsetzung des Schulgeldes für Gast« und Fremdenkinder. Die Kosten pro Schulkind belaufen sich im Jahre auf 11,89 M., dementsprechend wurde das Schulgeld mit 12 M pro Jahr festgesetzt. Als nächster Punkt stand die Festsetzung und Annahme des Etatsvoranschlaaes für 1912/13 auf der TageL ordnung. Der Voranschlag ist in Einnahme und Ausgabe mit 23 500 M. festgesetzt, ein Mehr gegen das Vorjahr um 4700 M Durch den nun bald fertig gestellten Schulbau ist der Etat stark belastet, infolgedessen werden im laufenden Jahr 160 Proz. Ge meindeeinkommensteuer erhoben. AuS einzelnen Steuerarten ist die Einnahme für 1912 wie folgt festgesetzt: 160 Proz. Gemeinde- einkommensteuer 7491,92 M., Gebäudesteuer 7455,36 M., Grund- steuer 1189,90 M., Umsatzsteuer 2500,00 M.. Hundesteuer 300,00 M. usw. Der Schuletat beläuft sich für 1912 allein auf 9672,34 M. Das Vermögen der Gemeinde beläuft sich auf 69 522,02 M., die Schulden auf 42 016,00 M. Eine längere Etatsdebatte schloß sich nicht an; die bürgerlichen Vertreter schlucken einfach den Etat, wie er ihnen präsentiert wird; nur unsere Genossen wandten sich strikte dagegen, da der Etat Posten enthalt, welche von der Kirchen. gemeinde zu tragen sind. Ein weiterer Grund der Ablehnung war. daß bei der Etatsberatung im vorigen Jahr vom Gemeinde- Vorsteher versprochen wurde, diesmal den Voranschlag ver- vielsältigen und den einzelnen Vertretern zustellen zu lassen; es lag aber gerade ein Exemplar vor, so daß unsere Vertreter gar nicht in der Lage waren, entsprechende Anträge zu stellen.— Ein Antrag, die Abzweigung vom Amt Fredersdorf zu betreiben, wurde einstimmig angenommen.— Von der Wahl einer Ncchnungs- Prüfungskommission wurde Abstand genommen, da die Gemeinde- Vertreter in ihrer Gesamtheit sich an der Prüfung beteiligen wollen. Nieder- Schönhanse«. AuS der Gemeindevertretung. Der neue HauSbcsitzerverein hat den Antrag gestellt, eine Gemeindesparkasse und ein Hypolhekenamt zu gründen. Der Bürgermeister wie« darauf hin, daß Gemeinden unter 25 000 Einwohnern ivenig Aussicht auf Genehmigung eigener Sparkassen haben. Bezüglich des HypothekenamtcS besürchle er, daß von der Regierung Schwierigkeiten gemacht werden, da nach einem Erlaß des Finanzministers Gemeinden nur dann Anleihen aufnehmen sollen, wenn die Bedürfnisfrage nachgewiesen werden kann. Trotz der gemachten Einwendungen stimmte die Vertretung dem Antrage zu. Die Putz-, Bildhauer- und Linoleumarbeiten wurden auf Antrag der Baukommission wie folgt vergeben: Die Putz- arbeiten dem Putzermeister Beegert-Berlin zum Preise von 25 904 M., Die Bildhaucrarbeiten erhielt Bildhauer Petri Hierselbst zum Preise von 8729 M., die Linoleumarbeiten der hiesige Unternehmer Lobeck für 11 826 M. Den Lehrpersonen an den Volksschulen wurde eine Gehallserhöhung bewilligt, die Mehrkosten betrogen 6000 M. Gleich- zeitig tritt eine Erhöbung der Gebälter für die Gemeindebeamten und Arbeiter ein. Zu diesem Zwecke sind 5300 M. in den Etat für das Jahr 1912/13 eingestellt. Die Erhöhungen sollen am 1. April in Kraft treten. In einer Extrasitzung beschäftigte sich die Vertretung mit dem neuen, vom Geh. Baural Eerlach aufgestellten Bebauungsplan. Die Regierung verlangte im vorigen Jahre eine Aenderung de» Bau- plane«, da zu Ivenig Plätze und öffentliche Anlagen vorgesehen sind. Mit dieser Aufgabe wurde der vorgenannte Baurat betraut, der nun den fertigen Plan in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung ausführlich erläuterte. Der Plan ist nach den Grundsätzen des modernen Bebauungswesens hergestellt. In erster Linie sieht er ein« Verbesserung der BerkehrSstraßen in der Verbindung mit den Hauptvcskehrspuiikten Berlins vor. Die VerkehrSstraßen sind breit und ohne Vorgärten gedacht, nur die Wohnstraßen sollen Vorgärten erhalte». Außerdem sind eine größere Anzahl von Spiel- und Wiesenplätzen vorgesehen: der demnächst zu schließende Kirchhof ist als Parkanlage gedacht. Nach längerer Debatte wurde der Plan in der vorgelegten Form angenommen. Lübars-Waidmannslust. Bei der Etatberatung in der letzten Demeindevertrelersitzung zeigte sich, daß der Etat nur durch Pumpwirtschast balanciert werden kann. Die Einnahmen und Ausgaben belaufen sich auf 435 500 M. Davon sind in der Ausgabe enthalten 41 700 M. für Verzinsung und Amortisation des SchuldenkapitalS und zirka 28 000 M. für die Amts- und Gemeindeverwaltung, eine Verhältnis» mäßig hohe Belastung für eine Gemeinde von nicht viel über 8000 Einwohn««». Die Einnahmen an direkten und indirekten Steuern betragen nur 198 250 M., trotzdem in diesem Jahre die Grundwert- steuer erhöht nmrden ist. Bei dieser Wirtschaft ist bis jetzt für soziale Aufgaben nichis übrig geblieben. Die in diesem Jahre wieder eingebrachten Snträge unserer Genossen— Lieferung freier Lchr- und Lernmittel für die untersten drei Volksschulklassen und Er- höhung der Summe vM 100 auf 200 M. für Unterrichtsmittel an bedürftige Schulkinde«— wurden wiederum abgelehnt. Das im Jahre 1910 aufgenouM«»« Darlehen von 10 000 M. sollte, laut Be-- schluß der Gcmeintifcertretung, der reichen Kirchengemeinde als Ztirchenbaubeitrag Gfchcnkt werden. Erhalten hat dieselbe erst 5000 M. Warum? Jedenfalls wegen Ebbe in der Gcmeindekassc. Genosse K e st i n beantragte deshalb, die noch fehlenden 5000 M. im Gemeindesäckel zu belassen; dies wurde ohne Debatte abgelehnt. Bei dem Titel:„Vermögens« und Sehuldennachtveis" bemängelte Genosse Ln scher, daß 173483 M. ausstehende Anlicacrbeiträge, die unter Umständen�erst nach 20 Jahre» dem Gemeinoesäckel zu- fließen, unter Barberknogen verzeichnet stehen. Unter Vermögen figuriert auch der HerstellunySwcrt deS Straßenpflasters mit 360 06G Mark. Es ist deshalb gar nicht verwunderlich, daß beim Abschluß ein Vermvoenßbestand von 484 307 M. gebucht wurde, während in Wirklichkeit' aber ein Schuldenbetrag von 672 853 M. vorhanden ist. Genosse L u j ch e r betonte noch, daß im Etat a» ausstehenden An- liegerbeiträgen für Straßcnbaüten nur 173 483 M. verzeichnet seien, das Schuldenkapital für diesen Zweck aber noch 215 483 M. betrag«, »nithin fehlten zur Deckung dieser Schulden 42 000 M. Der Herr Gemeindevorsteher meinte, daß da» ein Irrtum sei. Unsere Ge- nassen Kestin und Luscher hielten aber»ihre Behauptungen auf- recht, wogegen der Gemeindevorsteher Verwahrung einlegte und be- tonte, daß die Anlicgerbeiträge ihrem Bestimmungszweck zugeführt würden. Ter Kartoffelverkauf hat der Gemeinde den horrenden Zuschuß von 50 M. verursacht. Es wurde beschlossen, noch eine Lore zu bestellen und das weitere der hierfür eingesetzten Kam- Mission zu überlassen. Spandau. Mit der Berichterstattung über die Kreisgencralversammlung beschäftigte sich am 5. d. M. die außerordentliche Generalversamm- lung des sozialdemokratischen Wahlvereins. Genosse Scior gab einen längeren, ausführlichen Bericht über die Verhandlungen und Beschlüsse der Kreisgencralversammlung und äußerte sich dann mißbilligend über die Behandlung der Spandaucr Delegierten auf jener Generalversammlung, denen man, nachdem die Delegierten aus anderen Ortschaften des Kreises den Spandauer Genossen un- verdiente Vorwürfe gemacht, als sie sich rechtfertigen wollten, durch einen angenommenen Schlußantrag das Wort abschnitt. Tie Mit- teilung rief allgemeine Empörung unter den zahlreich anwesenden Genossen hervor. Genosse Koppen gab sodann noch einen längeren Bericht über die Kasscnvcrhältnissc des Kreises, und nunmehr setzte die TiStussion ein. Genosse Scior brachte nachstehende, vom Vor- stand entworfene Resolution zur Verlesung und Genosse T r o m p» ler empfahl dieselbe zur Annahme: „Tie heute am 5. März im Lokal von Köpenick tagende Generalversammlung des WahlvcreinS Spandau erhebt mit Eni- rüstung entschiede»?» Widerspruch gegen das Verhalten der Mehrheit der am 25. Februar in Nauen stattgefundcnen Krcis- generalvcrsainmlung. Tie Generalversammlung hat die Ueber- zeugung, daß durch den jetzigen Vertretung»- und Abstimmungs- modus aus den Kreisgeneralversammlungen der Wille der gesamten Mitglieder des Kreiswahlvereins nicht zum AuS- druck gebracht wird und fordert deshalb die Proporzvertretung oder Proporzabstimmung auf den Kreisgeneralversammlungen. Nach den Erfahrungen, die der Spandauer Wahlverein mit seinen Anträgen auf mehreren und namentlich auf der letzten Kreis- generalversammlung gemacht hat, beschließt derselbe, solange in passiver Resistenz dem Kreis gegenüber zu treten, bis oben- genannte Forderung durchgeführt ist, und bis dahin weder die Kreisgcneralversammlungen mit Vertretern zu beschicken, noch den Kreisvorstand bei einer Neuwahl wieder zu stellen. Die Generalversammlung ist sich der Tragweite dieser Reso- lution wohl bewußt, sie hat jedoch keinen anderen Ausweg, um den Verpflichtungen dem Kreise gegenüber auch da» dement- sprechende Recht zu erlangen." Von allen Diskussionsrednern wurde die Behandlung der Spandauer Genossen auf der Kreisneneralversammlung in scharfen Worten gemißbilligt. Ein Teil der Redner fand die Resolution aber zu tveitgehend und empfahl die Ablehnung oder Vertagung de» zweiten Teile» derselben. Die Resolution wurde jedoch unverändert mit 112 gegen 24 Stimmen angenommen. Genosse Hornig gab bekannt, daß am Donnerstag, den 7. März, im Lokal von Borchert eine Versammlung stattfindet, in welcher Genosse Pen» über Steuersragcn sprechen wird.' Genosse Scior teilte mit, daß der Bildungsausschuß am 17. März in der Pichelsdorfer Brauerei eine März- und Siegesfeier veranstaltet. Ein schwerer Unglücksfall hat sich vorgestern vormittag auf dem neuen Kabrtnierk zu Gartenfelde ereignet. Dort war der 24 jährige HilfSmonteur Brandt aus Braunschweig mit der Aufstellung eine» Elektromotor« beschäftigt. Bei der Au»führung dieser Arbeit kam er infolge einer unvorsichtigen Bewegung der Starkstromleitung zu nahe und sank in demselben Moment, von der ungeheuren elektrischen Energie getroffen, bewußtlos zu Boden. Der Unfall wurde bald bemerkt und der Verunglückte nach dem Berbandöraum de« Kabel- werk» gebracht. Trotz sorgfältiger ärztlicher Bemühungen gelang e» nicht, den Monteur wieder zum Bewußtsein zu bringen. Brandt ist am gestrigen Abend seinen Verletzungen erlegen. Slngegangene DruckrcbHftoi. Von der„Neuen Zeit» ist soeben da» 23. Hest de» 30. Jahrgange» erschienen. An» dem Inhalt de» Hefte» heben wir hervor: Mr». Par- ltngton.— Wagner der Erlöser. Von Rudolf Franz.(Schluß.)— Di« Seeleute und der neue Reichstag. Von H. Dillenverger(Hamburg).— Die Privatangestellten und die Sozialdemokatie. Bon Paul Lange(Hamburg). — Die soziaiistischeil Wahtkeise. Von A. Äolb. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen, Poslanstaltei! und Kolporteure zum Preise von 8,25 9JI. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest tostet 25 Pf. Bon der„(LIelchhett«, Zeitschril« für die Interessen der Arbeiterinnen, ist un« soeben Nr. 12 des 22. Jahrgang« zugegangen. Au» dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Madchenhandel.— Speziali- ficilc Agitation unter den grauen. Von Luise Zteh.— Die Teuerung. (gür die Lese» und Diskutierabende.) Von Käte Duncker.— Den Müttern der darbenden Jugend. Von B. Seiinger. Ein Pionier. Von Mcta L. Stern.— Die Tariserneuerung in der Holzindustrie. Von kk. Die.Gleichbeik erscheint alle t4 Tage einmal. Preis der Kummer 10 Psennig, durch die Post bezogen beträgt der AdonnemenlSpret» viertel. jährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 65 Pj. JahrcSabonne» ment 2,60 M. Bom„Wahren Jacob» ist soeben die 6. Nummer de« 2». Jahr» ganges im Umsana von 16 Sellen erschienen. Au« ihrem Inhalt erwähnen wir solgende Beiträge: Zeichnungen: Der Nibelungenschatz Bon H.<». Jentzsch.— Auch ein Zeitgenosse.— Triumpbzug in Batzern.— Da» intomplcite ZicichStagspräsidium.— Junker v. Oldenburg« Zeltverlreld. Bon M. Engert usw. Text: Der rote Präsident. Bon Balduin.— Borsicht I Neue« au« Oftelbien.— Die neuen Wellherrscher. Bon H. FL— Die Abgewimmelten. Von Lehmann.—.Inserat".— Zarentraum. Von II. FI.— Lieber Jacob I Von Jotthils Rauke.— Der notionalliberale Umsall. Von�> F. E. usw. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. A. Tietz Nachs. G. in. b. H. in Stull» gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Witterungsübersicht vom 7. Mär» 1912. Stationen Swlnemdc. II Ii 8| fe— 752 «1 ZSW Hamburg|75l|l3i© Berlin 7.'>iSW grants.a.M. 75« SW München ftiiü'S» Wien 759 33 Wettn 3 bald bd 5Rcgeii 2 heiter 3!wolkig 3 heiter 2 halb bd., ttm ti«. e», Stationen iA A H II Haparanda 755 NO Petersburg 7ö6:SO Seillg TG2N22 Aberdeen Pari» 1 53®*» 759 NNW Wetter Dunst 1, Nebel 5 wolkig 2 woltenl 2 bedeckt 1 «!? ti � *11 s* —9 I 8 2 6 Wetterprognose für Arrttag, de« S. März 1912. Ein wenig kühler, bei veränderlicher Bewölkung und ziemlich frischen westlichen Winden; geringe Niederschläge. v-rliner Wetterbureau. WasserstandS/, Uhr von der Leichen. balle der FriedenSgemeiude m Nordend ans statt._ Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne« sag« ich allen meinen herzlichsten Dank. 22772 Witwe Anna Link« »ebst Kinder««ntz mniUu Nach langem schweren Leiden verschied am 5. d. M.- im 43. Lebensjahre mein lieber Mann und Vater, der Sattler Fritz Rhino w. Die trauernden Hinterbliebenen. Beerdigung am Freitag, den 8. d. M., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle in Friedenau. 22762 MMtr Tpanspoilarlieiter- Bezirksverwaltung Grot-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Packer Frsnz Gillar am 5. d. Mts. im Alter von 59 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. d. Mts.. nach« mittags 4 Ubr, von der Leichen- balle des Pankower Gemeinde, Friedhofe», Schönholz, aus statt. 62/10 Die Bezlrksverwaftung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» unvergeßlichen Manne« Nermniia Koschnteda sage hiermit allen Bekannten sowie den beteiligten Vereinen unseren tiesgcsühlten Dank. Vw«. Lina Koscbrneda und Tochter. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Wanne» sagen wir allen Per« wandien. Freunden und Bekannten, den Genossen de» 4. Kreise», in». besondere dem Zentralverbanb der freien Händler und vei wandten Be< russaenossen Deutschland« unseren herzlichsten Dank. krau Qericke nebst Kindern. Arbeiter- Raillahrer- iuDtl Solidarität Ortsgruppe Berlin. Touren zum Sonntag, de» 10. März: 1. Abt.: 1 Uhr: Baumschulenweg (Speer). Start: Bükowstr. 58. 2. Abt.: 9'/, Uhr: Nedlitz(kein Lokal), abend» Zehlendorj(MW). Start: Schönleinstr. 6. 3. Abt.: 13'/, Ubr: Zchlendors (Mick). Start: Lausitzer Platz 12. 4. Abt.: 1 Ubr: Spandau(PichelS- dorser Str. 39). Start: Küstriner Platz, Ecke KöntgSberger Straße. 5. Abt.: 1'/, Uhr: Familientour nach Htrschgarten(Aaldburg). Start: Elysium. v. Abt.: 1'/, Uhr: Spandau(See- burger Str. 26). Start: Odcrberger Straße LS. 7. Abt.: 1 Uhr: Gorinsee. Start: Schulstr. 29. 3. Abt.: 2 Uhr: Ober-Schineweide (Wilhelmmenhos). Start: Beussel« straße 22._ ADBcrordontllche Zentralvorstands-Sitzung Montag, den 11. März, abend» 81/, Uhr. Der wichtigen Tagesordnung weg vollzähliges Erscheinen der Funstionä notwendig. 10/ ü itg. 10/17 Der Zentralvorftaud 'Jeder Hrbeiter, jeder Randwerher Tollte zur Hrbeit die Lederboae Herkules ttwfen. s ÜMirelohte 8 LeletMBflsfihlflkeit Allein-Verkant Sehr starkes Leder in grauen u. braunen Btreifen, auch einfarbig. Arn Bund ans einem Stück gearbeitet, wodurch besondere Haltbarkeit bedingt ist| 8 ehr feste Kapp- nübtem. stark. Gmt LeJer-Ptlot-Tacheo. Grote Flicken umionu. Trotz dieser vielen und ■nderer Voriilge kostet jm die Herkules- rlos« für£jg ,,»» normale Mannes• QrMe• Dv Berufs- u. Schutzkleidung für alle Zweige der Oewerke u. 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März 1913, vormittags 10 Uhr, finden in allen Berliner Bezirken und den Bororten Bezirks- Versammlungen — für die Putzer— in dm bekannten Lokalen statt Im SttSont«» wieder bei fröhlich, Mnskauer Ttraste, Ecke Zeughosstratze. Tagesordnung: Wahl des Sektionsvorstandes«nd Bereinsangelegenheiten. Die Wahl selbst ist laut Beschluß der Mitgliederversammlung vom S. März eine gsristwahl und kam» an obengenanntem Tage in der Zeit von iv Uhr vormittags bis 1 lllir mittags ausgeübt werden. »-------- ZHtsHedndacI» legitimiert.—- Um recht zahlreiches Erscheinen ersuchen Die örtliche Verwaltung und Obleute. Or.Simmel Spezial-Arzt för Haut- und Harnleiden. Prlmenslr. 41, Ä5S, 10—2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4. Teppiche 130X200: 5 bis 19 M 165X230: lOchO bis 40« »0X300: 22 bis 6t£* 250X350; 52 bis 120£K 300X400: 67 bis 186 SM. Garvinenhaus Bernhard SchwarN Wallftr. 13(dreizehn) tipp Pntzerti'äger! Sonntag, den 10. März, vormittags 10 Uhr, bei Obig lo, Schwedter Str. 23/34: General- Versammlung. � Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Frage deS Arbeitsnachweises. 2. Berichte und Verschiedenes. 137/14 Das Erscheinen aller Kollegen ist notwendig. Der Obmann. I. A.: Adam Zapf. Stoffe für engl. Damenkostüme„Neuheiten", HerrenstoUe 140 breit. Mir. 3, 4 M. Tuchlager Koch& Seeland G. m. k. H. Gertrauilteiistr. 20/21 ��7 Arbeitsnachweis: Hos I. Amt Norden, Nr. 1239. kewalüiiplelle Berlin Hauptbureau: Hos IN. Ehariteftraste 3. Amt Norden, Nr. 1987. Moutag, den U. März 191%: Bezirks- Versammlungen für die gefamte Uerwaltungsitelle Berlin in folgenden Lokalen: Norden I Phamssttle, Müllerftr. 142, abends 81/, Uhr. Norken' obi,f,os re«t«iUe, Schwebt« Strafte 23, abends Norden I Praulre« Pe»t»Ule, Babstr. IS, abends 8'/, Uhr. Nloakil' a'r»<-llt«itle Sierck-West, Wiclefstr. 24, abends Tanol* Wohlfahrt« Feststtle, Reinickeubort. Eichborn strafte, Icycl. abends 6 Uhr. Neuwahl der Bezirksleitung. tfesle» und Schöneberg; Jahresbericht und Neuwahl der Bezirksleitung. OlSlON ComcniussUle, Memeler Strafte 67, abends 8'/, Uhr Llchlenberg: SÄ""?. J' E"e"'"• Stralau und Rummelsbnrg: SSSjKi'ÄlK: SDflcnbezirke; Sr,"'"-"*""'"""1 m'a"a 15 IDfiißancna* Penkerts Fests&le, Berliner Allee 221, BS ClUCiläCC• abends S1/, Uhr. Hanl/nllit* Passage-Festsille, Bergstr. 150. abends 81/, Uhr. IlEUilUllO. Bericht«nd Neuwahl der Bezirksleitung. rhaalatta,,!,»»»'>ollc»haa», Rosinenstr. 3. abend» 8'/, Uhr. tnnriGueiluUry. Neuwahl der Bezirksleitung. Nöpevieil u, friedriebsdagen: hofstr. 44, abends 8'/, Uhr. Ober-Schoiiewelde; ÄtTÄ".'- Neuwahl der Bezirksleiwug» * Emll� Schuberts FcststtlOj ffnr�r» 81,(i5cnb3 Steglitz! Wegen der am Montag stattfindenden Gcuieindcvcrtreterwahle« für Steglitz findet die Bezirksverfammlung am S o n n t a g, den 10. März, vormittags 10 Uhr, in Schellhases Festsälen, Ahornstr. 13, statt. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellungnah, ne z. Generalversammlung. Mttfliedsbucd legitimiert! Die Versammlungen werden Pünktlich eröffnet. Zahlreichen Besuch erwartet_ Tie Ortsverwaltung. letaliarbeiter• Notiz■ Kalender kür das Jahr ISIS sind erschienen und im Bureau sowie bei den Bezirks- lajfierern zum Pieise von 60 Pj. pro Stück zu haben. Desgleichen ist erschienen: Vle KlrbeitS2eiten in der Eisen- und JVIetall- indurtm Deutfcblando zum Preise von 50 Ps. pro Exemplar._ llZ/3 OgyisolM Biiohbindsr-Verband. ZahlHtcllc Rerltn. Freitag, de» 8. März 1912, abendS 8 Uhr, im GcwerkschaftZhause. Eiigrinier 15, Saal 4: Geiteral-Versammlung. Tagesordnung: 1. KeschastS« und Kassenbencht. 2. Dahlen und Bestätigung der Funllionäre Bcibaiidsangeiegenhesten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert l 23/14 Zahlreiches Erscheine:! erwartet Vir Orttworvaltanzr. Verkauf nur Im Fabrikgebäude! Sie sparen Geld!"r| dlzukt Engrospreisen? OH"" in der Möbelfabrik l ! B, Walter»: Willi MaaB, ftS1®1 Tel.: Ä. III, 5157 kaufen. Verkauf nur im i�abrikgebttmle nar 9 eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung.■ 35 RS Permanente Musterzimmer-Aussteliung.Mi 35 Verwaltung Berlin. Heute, Freitag, abends 8>/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- ufer 14/15, Saal 4(Arbeitslosrnsaal): Tilgung der Ortsverwaltung. Achtung! Lehrlinge u.jugendlicheArbeiter der Holzindustrie! Sonntaguachmittag von 3—8 Uhr abends ist der Arbeitslosensaal im GewerkschastShause, Enaeluser 14/15, als Lesesaal sür die Lchiiinge und jugendlichen Arbeiter geöffnet. Sämtliche Bücher und Zeitschristen der Jugendbibliothek liegen zur freien Benutzung aus. Auch stehen den Besuchern Unterhalwngsspicl« zur Verfügung. Die WerkstattvcrtrauenSmänncr werden gebeten, die Lehrlinge auf den Besuch deS Lesesaales aufmerksam zu machen. Einsetzer! Sonntag, den 10. März 1912, vormittags 9'/, Uhr, finden die Bezirks-Verfammluugen in den bekannten Lokalen statt. Die Billetts vom Wintervergnügeu müssen uu- bedingt abgerechnet werden. Die Zahlstelle 03, Laufitzerplatz, wird ausgelöst und mit der Zahl- stelle 22 bei Ncidhardt, Torauer Str. 17. verschmolzen. Die Zahlstelle 33 wird von Koethestraße 11 nach Alt-Boxhagen 50 bei B I u h m e verlegt. 80/5 Die OrtsTerwaltung. Nttbiud i)ftSd)iifil)ft«nd Mtidttimtn Wegen Nichtanerkennung des Tarifs haben in nachstehenden(ja-nten unsere Kollegen die Arbeit eingestellt: Kruse, M., Oranienburger Str. 4 Küchl, Joh., Charlottenburg, Witten- bergvlatz 3 � Kukat, Eugen, Unter den Lmden 2-. Kunz u. Konzek, Neustädtische Kirch- ftrasie 3 Adam, S., Leipziger Str. 28 Agte u. Mendt. Charlottenstr. 32a Wibrecht u. Kucharowicz, Französische Str. 8 Angreß, Krausenstr. 30 Alchcr, Spitlclmattt Basedow Nachs., Grrtraudtenstr. 20/21 Baum. S.. Fnedrichstr. 7l Behrcnd u. Rahr, Fricdrichstr. 166 Berger u. Kiita, Cbarlottcnstraße Berka», Leipziger Str. 103 Bister, Unter den Linden 69 Bloch u. Co., Fricdrichstr. 203 Böbling. Kanonierstr. 1 Bollmann, Kaiscr-Wilbclmstr. 81 Borst, Markgrasenstr, b9/90 Bothmer u. Dünzer, Unt, d, Linden 13 Böttcher, Steglitz, Schlogstr. 83 Braun, Steglitz Braun, Hartw,, Französischestr. 49 Busse u, Gosimann, Zimmerstr. 49 Byk, Sigm.. Friedrichstr. 10 Cavanagh, Unter den Linden 3 Cohn, H,, Kaiser-Wilbelmslr, 2 Cunow u. Co., Fricdrichstr, 90 Dohms, Gcbr, Brüdernr. 13 David, H., Friedenau. Siglindestr, 10 Didszun, W., Cbarlottcnburg. Joachimsthaler Str. 40 Diegmann, A,, Ziegelstr. 26 Dittmann, A., Friedenau, Jsoldestr, 5 Dobberstein u, Schneider, Dresdener Str. 42 Ebenstein, Unter den Linden 40/41 Ehrich, Albert, Mauerstr. 95 Ehrlich u. Danz, Mittelstr. 9/10 Ehrlich, Alexanderstr. 2 Engel, W.. Klosterstr, 37 Eppendorf, Französischestr. 62 ESderS u. Dyckhoff. Gertraudtenstr. 8/9 Exiner, Charlottenstr. 79 bian u. Hrich. Unter den Linden 71 abisch, Philipp, Roscnthaler Str. 1 aethc, Markgrasenstr. 13 sikesset u, Müntmann, Unt.d.Linden2 sicher, Ludwig, Unter den Linden 47 ordan, Zimmerstr, 29 ördcr, I.. Kursnrstendamm 20/21 anl u. Kurl«, Französischestr. 19 Fank, Oskar, Nächst. Klein u. Frankel, Unter den Linden 66 Franz, Heinrich, Markgrasenstr, 67 Fräse, Emil, CdarIottcnbg.Lcibnizstr,23 Geduldig, Joachimslhalcr Str. 9 Genkel u. Freilag, Krauienitr. 9 Genossenschast, Erste Produktiv-, Kam- mandanlenstrage Gerlon, Herrn, Wcrderschcstr. 5/6 Goldschmidt, Friedrichstt. 150 Gollopj Louis, Unter den Linden 15 Graetz, Gebr., Nächst. Lust u. Türk- seid, Wallstr. 1 Greger, A., Aleyandrinenstr. 73 Griewisch, Fr.. Unter den Linden 53 Grog u, Markmann, Mohi enstr. 58 »rüder, M., Wiihelmstr. 23 Gründler, Schützcnstr, 53 Gumpett, S., Steglitz, Albrechtstr. 8 Günther, Leipziger Stv. 37 Haensch, Kruppstr, 5 Hanso», Paul, Grcnadierstr. 22 Haustein, Oranienstr. 123 Hcckenberger u. Becker, Unter den Linden 48149 tering. Aug., Huselanditr. 46 crmsdori, Hugo, Cbailsscestr, 61 verpich Söhne. Leipziger Stt, 9/11 Herz, D., Französische Str. 33 Herzberg, Gust., Zimmerstr, 24 Hcyder u. Jean JaqueS, Unter den Linden 33 Hillmer, Doroibeenstr, 54 Hinkcl, Französische Str. 19 Hoffmann, Hermann, Friedrich» slratzc 50/51 f oltmann, Beuthstr, 12 omuth, Charlottenburg, Kaiser- Friedrich- Sir, 48 f orwitz u, Co.. Leipziger Str. 91 rncir u. Maliisti, Unier den Linden 20 Jankowski, Charlotieuburg, Bismarck- stratze 9 Jarh, Peter. Friedrichstr. 173 Jffland, Ernit, u, Sohn, Charlotten- strafje 48 Jockey-Klub, U Itter den Linden 75 Jobannsonn. Neanderstr. 25 Joseph, Schöncberg, Hauptstr. 1 Isert, Friecrichstr. 118 Jürgens, Friedrichstr. 216 Katzcnberger, Anbaltstr. 17 Keller u. Furch, Friedrichstr. 183 Kern u. TschirbS, Charlottenstr. 88 Kirschstein u. Co., Charlottenstr. 49 Klein, PolSdaincr Str. 61 Knebel, Friedrichstr. 30 Kneubühlcr. Krausenstr. 69 Koppel u. HliicS, Doroibeenstr. 42 Koppel, M., Kronenstr. 66/67 Kosiel, Chariottcndurg, Sophie-Ehar- lotten-Straffe 22 KoSlowsky, Kanonierstr. 3 Koste u. Bold». Mauerstr. 77 Köjj, Französischestr. 52 Krause, Cbarlottenstr. 1 Krieter, Mauerstr. 8 Kiiewitz u. Borgward, Kanonierstr, 10 Kröhan, Charlotieuburg. Wallstr. 30 Kurta, Friedrichstr. lS3a Lassahn. Julius, Charlottenburg, Schillerstr. 9 Levh, Unter den Linden 01 Lewithal, Mauerstr. 2 Lemke, Oranienstr, 130 Lewkowitz, Aleyanderstr. 14» Leyck, Krausenstr. 3. �, Lindemann. B. u. Westendors,� Jny. Zibbel. Dresdener Str. 56 Lingott, Gebr., Alcxandrinenstr. 67 Lippmann. Benno, Leipziger Str. 30 Lubahn vorm Stein, Schadowstr. 4/o Luchl, Jägerstr. 69, 2 Tr. Lukas jr,, Mohrenstraffe Magnus, Unter den Linde» 69 (Krakow) Mathias u. Schade, Besselstr. 11 Matz, Brüderftr, 13 Maurer, Rud., Friedrichstr, 65a Mayer, Freitag Nachs,, Friedrich- straffe 36a Mehl, Chaussecstr. 124 Meyer. Mohrenstr. 9 Meyhöser, Friedrichstr. 187/183 Möller Söhne, Friedrichstt. 35 Müller, Arnold, Leipziger Sir. 95 'Müller, Fritz, Gr. Franksnrier Str. 95 Müller, Otto, Adalbertstr. 90 Musa, Friedrichstt. 72 Nachmanu, Alte Schützenstt. 1 Steetzel, Lothringer Str. 57 Nielsen u. Thulin. Charlottenstr. 34 Nos u. Schulze, Unter den Linden 21 Osko, Johann von, Kleiststr. 15 Pabst u. Kunze, Unt. d. Linden 57/53 Peel u. Cloppenburg, Gcrtraudten» ftt. 25/27 Pix. Alois, Jerusalemer Str. 3 Pluskiewitz, Markgrasenstr. 122 Pockorny u. Görke, Friedrichstt. 213 Prahft». Lemke, Friedrichstr. 44 Pricbe, Luisenstr. 27 Prince oi Wales. Friedrichstr. 133 Ramb, Waidemarslr. 39 Richter, Franz, Kanonierstt. 0» I Riethmüller, Molkenmarkt 5 Ziomann. Krausenstt. 4/5 Rönsch, Charlottenstt. 86 Rackert, Emil, Mohrenstr. 53_ Rüdiger u. Snhr, Rosenthaler Str. 45 Rudolf, Gertraudtenstr. 10/12 Rund u, Co., Alexanderstr. 37« Rzcpczyk, Aniienstr. 3 Salzwedel. Mohrenstr. 53 Samler u. Happeck, Charlottenstr, 59 Schachtel, Alexanderstr. 50 Schasus, Kraul enstr. 12 Schalin. Unter den Linde» 52 Schimmler, Königgrätzer Str. 4 Schöndube, Friedrichstt. 167/68 Schöning u. Lindner, Krausenstt. 35/36 Schramm, Kochftr. 18 Schulmeister, Dresdenerstt. 4 Schulte, Jnh. Brodersen. Krausenstt,?! Schultz, Ar. Friedenau, Lauterstr, 12/13 Schulz, Gebr., Marlgrascnstr. 46 Schwarz, Lud., Friedrichstt. 158.. Sebasttan u. Storck, Mittelstt. ld' � Segall. Leipziger Stt. 30 Selig, Arnold, Unter den Linde» Sendke, Dorotheenstr. 30 Sigger u, Lorenz, Jägerstr, 3 Sitzki, Schützcnstr, 60 Skala, Unter den Linden 10 Slobinsly u, Grünmayer, Kochstr. 11 Somienschein, Jerusalemer Str. 59 Spicher, Karl, Niederwallstt, 26/27 Steinberg, Joh,, Jnh. Minak u. Stein- berg. Neustädt. Kirchstr. 15 Stcinbcrg Nachi.Kommandantcnstr.öa Stelzner, Chai loitenstt. 48 Stephan. Frauzösischestt. 19 Sieuer, R, Kominandantenstr. 43 Stier, Karl. Oraniciislr, 166 Stolzenberg. Oranienstr. 72 Tackman», Jerusalemer Str. v Thiel, Unier de» Linden 51 TollSdors(Englisch Compagnie), Unter den Linden 43 Torkler u, Sohn, Französischestr. 13 Treitel. Werderslr. 6 Tributh, Mauerstr, 2 Truntz u. Voff, Bchrenstr. 23 TschirbS. Friedrichstt, 54 Bandsburger. Friedrichstt. 7 Vehd, Fritz, Cha, loltcuburg, Krumme» straffe 47 Vorttcfflich. Friedrichstt. 143 Wagner, Chanssecstr. 8 Walter söhne, Charlottensir. 33 Warenhaus für Armee und Marine Mendt u. Redlich. Unter den Linden 29 Werner, Anton. Charlottenburg, Kiicse» � becksttaffe 88 Dolff u. Keller, Charlottenstr. 28 Wolfs, M., Leipziger Str. 105 Wolfs u. Schulz, Friedrichstr. 49a Woormann, D.. Französische Str. 46 II Zobel, Karl, Äöveiiickcr Str. 124 Zuttcrmaiui, M.. u. Haff, Behren- sttaffe 24 lieber die genannten Firmen wird hiermit die Sperre verhängt. 162/20"_ Die Orravei-waltuns- DamentucheÄ per Meter...... von � an Kostümstoffe�ugLte9M Muster. per Meter von � an Seidenpliisch�"8- Nord, 80 cm breit, per Mtr. 4 M. 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