Nr. 68. HbonnementS'Bcdingungen: HSonnctnentS• Prci» ttdnumnonbo; Einzelne nuinmer nnt Musrricrler Sonntazs. Beilage.Die Neue Welt' lv Pfg. Post. WonneinenN 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post.Zcitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deullchland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 89. Jahrg. VI« TnTerflom'Gtbfllp beträgt für die sechsgcspaltene Kolonek- »eile oder deren Raum 60 Pfg., für polltifche und gewerkschaftliche Vereins. uck?c tische und gewerkschaftliche! und Lerfammlungs-Anzeigen S0 Pfg ._.....(cttBebnlcti- tfg.(zulässig 2 fettgcdrucllc daS Crldjelnt tZglich aaStr tnontagi, Verlinev VolktsblAkk. „Klein« Anzeigen" Wort 20 Pfg.(juli Worte), jedes wettere' Wort"10 Psg. Etell-naesuche und Schlafftellenan- zeigen daS erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Worts Pfg. Worte über ISBuch- staben zählen für zwei Worte. Inserate kür die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Erpediston abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: «Sozialdemokrat Rwll#". ' s Zcntralorgan der rozialdemohratifcbcn parte! Doitfcblands. Rcdahtion: ÖCQ. 68, Lindctistrass« 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Sonnabend, den 9. März 1918* SxpedMont 8m. 68» Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Dao Reichsiagoprästdinm. Unsere Hundcrtundzehn sind doch ein starker Keil, den die Arbeiterklasse mit wuchtigem Hammerschlag zwischen die bürgerlichen Parteien getrieben hat. Im kleinen wie im groszcn orientiert sich die bürgerliche Politik nach dieser ge- schlossenen Phalanx und das Wort Caprivis, vatz die Regierung jede Maßregel aus die Wirkung prüfe, die sie auf die Sozialdemokratie ausübe, ist heute mehr wie je zur Binsen- Wahrheit geworden, und alles, was die anderen tun, geschieht mit dem ängstlichen Seitenblick auf unsere wachsende Macht. Ja. wenn die Herren von der Rechten könnten, wie sie wollten l Aber das Schwert, das Herr v. Heydcbrand so gerne im Munde führte, haben ihm die vierundeinhalb Millionen zunächst einmal aus den Zähnen geschlagen und statt an neue Ausnahmegesetze zu denken, mußten die Herren vorerst dafür Sorge tragen, daß das Schreckliche ungeschehen, der Vertreter der Sozialdemokratie aus dem Reichstags- Präsidium entfernt werde. Die Nationalliberalen haben ihnen dazu verholfen. Sie haben sich mit den Schwarzblauen der- bundcn, um der Sozialdemokratie die parlamentarische Gleich- bercchtigung zu versagen. Die Rücksicht auf die Wünsche der Regierung und des Hofes galt ihnen mehr als der Anspruch der Arbeiterklasse auf gleiches Recht. Sie haben wieder die liberalen Grundsätze preisgegeben, wie stets, wenn diese Grund- sätze der Arbeiterklasse zu gute kommen sollen. Sie sind wieder Schrittmacher der Reaktion gewesen, haben dem Befehl des Herrn v. Bcthmann Hollweg gehorcht und der reaktionären Regierung und ihren Auftraggebern zu einem Erfolge ver- Holsen. St? haben Buße getan für den Anfall von Courage und sich wieder so kraftlos und unzuverlässig gezeigt, wie stets, wenn die Stunde Kraft und Entschlossenheit erforderte. Nicht, daß sie gegen uns kämpfen, machen wir ihnelt zum Vorwurf. Beileibe nicht! Die Nationallibcralen sind im wesentlichen die Vorkämpfer des großen Kapitals, seiner schutzzöllnerischen und imperialistischen Interessen, und nie hat sich ein Sozialdemokrat darüber getäuscht, daß ein Abgrund die Partei der Arbeit von jenen trennt. Aber die Versagung der parlamentarischen Gleichberechtigung ist ein W i d e r s p r u ch gegen den Grundgedanken des Liberalismus und des Parlamentarismus und insbesondere unentschuldbar, wenn sie von der Regierung, von Konservativen und Klerikalen gefordert ward. Als Handlanger der Reaktion haben die Nationalliberaleih� gehandelt, als ein festes Beharren auf dem Boden des gleichen Rechts für die zurückgebliebenen deutschen Verhältnisse immerhin einen Fortschritt bedeutet hätte. und daS macht ihre Schwäche zum politischen Verbrechen. Die nationalliberale Haltlosigkeit hatte übrigens eine nette Verwirrung geschaffen, die die Sozialdemokratie mit un- getrübter Genugtuung beobachten konnte. Die Schwarzblauen konnten sich mit den Nationalliberalen nicht einigen. Die Fortschrittspartei stellte Herrn Kaempf wieder als Kandidaten für den Präsidentenposten auf, lag ja auch kein Grund vor, das bisherige Präsidium, das sich gut bewährt hatte, nicht wiederzuwählen. Da die Sozialdemokratie sicher war, daß die Fortschrittspartei für Schcidemann stimmen werde, trat sie gleichfalls für die Wiederwahl Kacmpfs ein. Den Nationalliberalen blieb nichts anderes übrig als sich dem anzuschließen. Da drohte neue Gefahr. Die Rechte erklärte, nach der Wahl Kaempfs kein Interesse an der weiteren Zusannncnsetzung des Präsidiums nehmen und weiße Stimmzettel abgeben zu wollen. Die Wahl Scheide- mannS ncit den Stimmen der Sozialdemokraten und Fort- schrittlcr wäre dann nicht mehr zu verhindern gewesen. Guter Rat war teuer, doch die Hilfe kam von oben. Herr Wahnschaffe. Bethmanns Adlatus, trat in Aktion und beschwor die Konservativen, doch nicht durch ihre Abstinenz die Wahl des Sozialdemokraten zu ermöglichen. Und neben den Regierungseinflüssen waren auch höfische bei den Konser- vativen wirksam. Die Trutziglichcn gaben nach, sie fügten sich in ihre Ausschaltung, um nur den verhaßten Sozialdemokraten aus dem Präsidium zu entfernen. Herr K a e m p s wurde mit den Stimmen der Sozial- demotratie, der Fortschrittspartei und der Nationalliberalen mit 192 Stimmen— einer Stimme Majorität über die ab- gegebenen gültigen Stimmen— zum Präsidenten für die Dauer der Session gewählt. Dann wählten die National- liberalen und die Rechte Herrn Paasche zum ersten Vize- Präsidenten. Herr Paaschs erhielt 197 Stimmen, 135 fielen auf Scheidemann, den neben Fortschrittlern und Sozial- demokraten auch einige Wilde, darunter wohl mehrere Elsässer. wählten. Jetzt beantragte das Zentrum Ver- tagung. um einen neuen Kuhhandel zu ermöglichen. Die Rechte hatte aber vorher erklärt, daß sie für Herrn D 0 v e als zweiten Vizepräsidenten stimmen werde, Herr Dove aber es zunächst abgelehnt, das Amt aus den Händen der Rechten anzunehmen. Die Nationalliberalen boten der Rechten während der Pause an, für Herrn Schultz von der Rcichspartei zu stimmen; die Konservativen aber lehnten dies ab, da sie eine Vertretung der Rechten im Präsidium nicht mehr wollten. Bei der Wahl erhielt dann Herr Dove� die Stimmen der Rechten und Nationalliberalen, wogegen seine eigene Partei mit uns auch diesmal für Scheidemann stimmte. Herr Dove erklärte die Annahme der Wahl, womit auch die Sozial- demokratic, da ihr Kandidat in der Minderheit geblieben, ein- verstanden sein konnte. Es ist also der Rechten und der Regierung gelungen, der Sozialdemokratie ihren berechtigten Anspruch vorzuenthalten, aber die Rechte selbst bleibt vom Präsidium ausgeschlossen. in dem jetzt nur die Vertreter der bürgerlichen Linken sitzen. Die Wahlniederlage der Schwarzblauen bringt diese Zusammensetzung ebenso symbolisch zum Ausdruck, wie das Fehlen des Sozialdemokraten auf den reaktionären Charakter der Nationalliberalen hinweist. Die Fortschrittspartei aber, die in der Präsidcntenfrage von An- fang bis zum Ende eine klare und entschiedene Haltung ein- genommen hatte, sieht wider ihr eigenes Erwarten ihre Re- Präsentanten wiedergewählt. Und auch dies drückt symbolisch die Tatsache aus, daß der Liberalismus eine Machtstellung heute nur einnehmen kann, wenn er fest und entschlossen sein politisches Programm erfüllt, und es deshalb der Arbeiter- Partei möglich macht, ihm unbeschadet des sonstigen Gegen- satzes ihre mächtige Unterstützung zu leihen. Die Sozialdemokratie aber darf auf die mit dem gestrigen Tage vorerst abgeschlossene Präfidentenfräge mit Genugtuung zurückblicken. Sie hat— und wir haben das hier an dem Tage der Wahl Scheide nanns gesagt— auf die Vertretung im Präsidium nie einen übertriebenen Wert gelegt, sich nie darüber getäuscht, daß diese Stellung viel mehr Symbol unserer Macht ist, die wir uns draußen in den Volksmassen erobert haben, als daß sie uns neue Macht gibt. Die Sozialdemokratie hat keinen Moment lang daran gedacht, sich auf demütigende Bedingungen einzulassen, und hat auf ihren Anspruch bestanden. Ihre Gegner haben ihr ihr Recht versagt, die Gleichberechtigung unserer Partei niedergestimmt. Sie waren nicht stärker, als wir Scheidcmann ins Präsidium brachten, und wir sind heute nicht schwächer, wo unser Ver- tretcr den Präsidentensitz verläßt. Unser Anspruch aber bleibt bestehen, wir werden stärker werden und, was uns heute die Gegner noch versagen werden, wir werden es erringen, erringen aus eigener Kraft, und Wichtigeres als eine Vertretung in einem Präsidium, ch ».' Ver Verlauf der Sitzung. Draußen viele Neugierige, drinnen lebhaftes Treiben, bis zum Beginn Fraktionsberatungen, die Tribünen überfüllt. Präsident Kaempf eröffnet und übergibt dem Vize- Präsidenten Schcidemann sogleich den Vorsitz. Scheide mann läßt den Namensaufruf mit dem Buchstaben K be ginnen. Auf Rufe K oder H. sagt er: K wie Kamel, und stürmisches Lachen ertönt. Der Namensaufruf erfolgt, die Spannung wächst, obwohl die Wahl Kaempfs ziemlich sicher erscheint. Schließlich verkündet Scheidemann das Resultat und auf Kaempfs Annahmeerklärung ertönt lautes Bravo links. Kaempf übernimmt den Vorsitz. Scheidemann reicht ihm gratulierend die Hand und verläßt das Präsidium, froh, von einer Würde befreit zu sein, die für den forschen Kämpfer doch mehr eine Bürde war. Nachstehend der Sitzungsbericht: Aus der Tagesordnung steht die Wahl des Präsidiums für die Tauer der Session. Vizepräsident Schcidemann übernimmt den Vorsitz und läßt zur Wahl des Präsidenten den Namensaufruf vornehmen. Er teilt mit, daß der Aufruf mit dem Buchstaben K beginnt. Auf vielfache Rufe rechts: K?? ant- wartet Vizepräsident Schcidemann: Ja, Kwie Kamel.(Große Heiterkeit.) Vizepräsident Scheidemann: Es sind abgegeben worden 383 gültige Stimmen. Davon haben erhalten: Dr. Kaempf.... 192 Stimme» Dr. Spahn.... 187. Schmerin-Lömitz... 2, v. Heydtbrand... 2, Die absolute Majorität ist 182. demnach wäre Herr Abg. Dr. Kaempf gewählt. Ich frage ihn, ob er die Wahl annimmt. Abg. Dr. Kaempf(Bp.j: Ich nehme die Wahl an.(Lebhaftes Bravo I links.) Präsident Kaempf läßt nunmehr den Namensaufruf zur , Wahl des ersten Bizepräsidente» l vornehmen. Es werden abgegeben 383 Stimmen, davon 25 ungültig. Die absolute Majorität beträgt 180. Erhalten haben: Dr. Paasche(natl.). 197 Stimme» Scheidcmann(Soz.). 135 r Dietrich(f.).... 2. Dr. Frank(Soz.).. 1, Stadthage»(Soz.).» 1„ Dr. Cohn(Soz.).. 1. Davidsohn(Soz.)., 1» Abg. Dr. Paasche(natl.) erklärt, er nehme die Wahl an.(Bravo! bei den Nationalliberalen und rechts.) Abg. Gröber ß.): Ich beantrage, die Sitzung auf eine halbe Stunde auszusetzen.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Präsident Kaempf läßt über diesen Antrag abstimmen. Die Vertagung wird gegen die Stimmen der Freifinnigen und Sozialdemokraten beschlossen. Schluß 3 Uhr. Nach Wiederaufnahme der Sitznng um 3'/, Uhr läßt Präsident Kaempf den Namensaufruf zur Wahl des zweiten BizeprSfidentr« vornehmen. Es werden abgegeben 378 Stimmen, davon 18 ungültig; die absolute Majorität ist also 181. Davon erhalten: Dove(Vp.).... 200 Stimme» Schcidemann(Soz.). 117, Graf Posadowsky., 1, Basscrmann.... 1, Müller-Meiningen., 1, Davidsohn.... 1 Abg. Dove(Vp.) ist gewählt und nimmt die Wahl unter lebhaftem Beifall der Freisinnigen und Nationalliberaten an.— Hierauf vertagt sich daS Haus. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr.(Fortsetzung der zweiten Lesung des Etats des R e i ch S a m t S des Innern.) Schluß l'/z Uhr._ Der GelleralftreHt der engliicheo Bergarbeiter. London, 7. März 1912.(Eig. Ber.) Die Friedensverhandlungen sind von der Regierung wieder aufgenommen worden. Es besteht aber heute ebenso wenig Hoffnung wie am 1. März, daß der Kampf bald zn Ende kommen wird. Auf der einen Seite stehen die Berg- arbeiter unter guter Führung, die auf alle Situationen vor- bereitet ist und sich nicht bange machen läßt. Auf der anderen Seite steht die Regierung, unentschlossen, hilflos, sich selbst nicht sicher, ob sie das Problem auch voll und ganz begreift. Und diese Schwäche der Regierung bildet für die Unternehmer der beste Schutz. Das planmäßige und sichere Vorgehen der Bergarbeiter fällt den„Ordnungsmännern" auf die Nerven. Sie scheinen etwas enttäuscht zu sein, daß sich die Bergknappen keine Aus- schreitungen zu schulden kommen lassen. Das schlimmste, was sich bis jetzt berichten ließ, war der Jux, den sich die Jungen in einem Bergarbeiterdorf leisteten, indem sie die weidenden Grubenponys nahmen, und aus ihren alten unterirdischen Kameraden einen lustigen Ritt im Mondschein unternahmen. Um nun aber doch die Bergarbeiter beim Publikum an- schwärzen zu können, hat man ein anderes Mittel erfunden. Die Berga�>eiter spielen— so heißt es übereinstimmend in der kapitalistischen Presse— spielen(!), während wir schwarze Tintenflecken weinen. Sie spielen Golf, Fußball, gehen ins Theater/halten Hundewettrennen ab und was der- gleichen sündige Dinge niehr sind. Hat man je von einer ähnlichen Herzlosigkeit gehört? Leider hört man nicht, womit sich die Unternehmer augenblicklich beschäftigen. Und inmitten dieser Entrüstungsrufe hört man die Drohungen und Kraft- Worte der ungeduldigen Reaktionäre. Der„Daily Telegraph" schreibt heute: .Die Bergarbeiterföderation Großbritanniens ist nach der An- schauung der Sozialisten und Syndikalisten die am besten organi- sierte und mächtigste Gewerkschaft im Lande; aber wenn not- wendig mutz sie in Stücke geschlagen werden, und der jeweiligen Regierung, die als Verwalter der Prosperität der Nation fun- giert, gefügig gemacht werden. Ties war die Ansicht, die gestern nicht nur von den Kohlenbesitzern, sondern auch von zahllosen anderen Häuptern großer Geschäftsunternehmungen geäußert wurde, die einsehen— wie denn auch niemand umhin kann, ein- zusehen— daß, wenn es den Bergarbeitern gestattet wird, den Präzedenzfall, den sie aufzustellen beabsichtigen, cin»n führen, die Gesellschaft nie wieder hoffen kann, einen Monat Frieden oder Befreiung von sozialer Unruhe und wirtschaftlicher> Unordnung zu genießen." Die leitenden Mitglieder der Arbeiterpartei suchten gestern den Vorstand der Bergarbeiterföderation auf, um sich offiziell über den Stand der Bewegung zu informieren. Jedenfalls handelte es sich für sie darum, Material für die Parlamentsdebatte über den Streik zu bekommen, die sich nicht mehr lange hinausschieben läßt. Die Nachricht, daß der Vor- stand die Intervention der Arbeiterpartei rundweg abge- schlagen hat, ist wie so viele andere Meldungen der Unter- nehmerpresse völlig aus der Luft gegriffen. Sic ist eine fener Versuchsballons, die die Bergarbeiter aus yuten Gruudcu uu- beachtet lassen. Richtig ist jedoch, daß es die Bergarbeiter ab- gelehnt haben— wiö auch vorauszusehen war—, mit dem' Industrierat etwas zu tun zu haben. �Sie wollen nicht, wie sich ein Vorstandsmitglied ausdrückte, mit dem Schwanz, sondern mit dem.itopf der Regierung verhandeln. Die mi- nisterielle„Daily Ehronicle", die in diesem Kampfe schon eine unverhältnismäßig große Anzahl Enten ausgebrütet hat— englische wie deutsche— kam gestern mit der bestimmten Meldung über ein Minimallohnprojekt, das die Regierung heute im Parlament vorschlagen werde. Aus eine Anfrage MacDonalds bezeichnete Asquith.diese Meldung als eine pure Erfindung. Das heißt natürlich nicht, daß die. Regierung den Gedanken au ein Miniinallohngesetz fallen gelassen hat. Es ist sogar tvahrscheinlich, daß man an einer Vorlage ar- beitct. Aber es scheint, daß man in den letzten Tagen immer mehr von dieser Lösung abgekommen ist. die besonders in Herrn Lloyd George einen warnten Freund haben soll. Nach der kläglichen Niederlage der Regierung in Süd-Man- chesler hat der �terür des Schatzkanzlers, den man für das Unglück in erster Linie verantwortlich macht, angefangen, merklich zu erbleichen. Tie Liberalen verlieren das Vertrauen zu seiner Strategie. In der Unterredung, die der Premier- minister gestern mit dem Vorstand der Bcrgarbeitersöderation hatte, rechtfertigten die Bergarbeiter ihre Minimallohnliste. Der Premierminister soll sich sehr sympathisch geäußert haben. Hoffentlich gelingt es ihm, die Sympathie in Taten um- zusetzen. In N o r t h u m b c r l a n d haben gestern die Gruben- a u f s e h e r(ck,-pyrivd>), 13tK1 Mann stark, die Arbeit nieder- gelegt. Diese Aufseher sind, in den ineisten Landestcilen viel schlechter daran als die eigentlichen Bergarbeiter. Ihr Lohn ist meist geringer und in den großen moderneu Gruben führen sie ein wahres Hundeleben, da ste in einem viel größeren Ab- hängigkeitsverhälknis zu ihrem Arbeitgeber stehen' als die Hauer. Die Kolstcngrubenßesttzer Northumberlands werden große Schwierigkeiten' habeii, ihre Gruben in Ordnung zu halten. In vielen Revieren'haben auch die Obertagsarbcitcr beschlossen, nicht wieder zur Arbeit zurückzukehren, bis ihre Forderungen(Minimallohn, Achtstundentag) bewilligt worden sind. Verhandlungen zwischen ihren Organisationen und den Arbeitgebern finden augenblicklich statt. Tie Wirkungen des Streiks inachen sich immer deutlicher bemerkbar. Kritisch wird die Situation aber erst in der nächsten Woche werden. Man erwartet dann, daß gegen 75 Proz. des Eisenbahnverkehrs ruhen wird. In London sind schon die Preise für Fische und Ocl in die Höhe gegangen. Amüsant sind die Versuche der bürgerlichen Streikbrecher- vereine, dem Streik den Garaus zu machen. Diese Organi- sationen, die in der Panik des Eisenbahnerstreiks das Licht der Welt erblickten, tun sehr geschäftig und veröffentlichen hochlrabendc Manifeste, um die sich niemand kümmert. Auch die Orsordcr Studenten haben eine Organisation geschaffen, die dem Bcrgarbciterstreik zuleide gehen will. 300— 400 dieser jungen Menschen haben sich bereit erklärt, Grubenarbeit zu verrichten und wenn nötig, in. die Bergwerke zu steigen. Um ihren Eiser zu kurieren, sollte man einige fette Korpsstudenten ein paar Tage in einem Flöz arbeiten lassen, wo die Kohle nur 18 Zoll dick ist. Die Meldungen bürgerlicher Blätter, daß unter den Bergarbeitern Derbyshires und anderer Reviere Zwistigkeiten ausgebrochen seien und daß man in einigen Tagen in einem Teil der Gruben die Arbeit wieder aufnehmen werde, sind «rsunden. Die Solidarität der Arbeiter ist unerschüttcrt 'und wird durch den hartnäckigen Widerstand der Unternehmer nur gefestigt werdtn. See Krieg. Ter nationale Koller der Italiener äußert sich auch im Geschäftsleben. So berichtet der Mailänder Korrespondent des„Börsen-CourierS", daß die Banca Counnerciale Ftaliana die in ihrem VerwaltungsratsauSschusse tätigen Ausländer(Deutsche, Schweizer und Oestemichcr) ausscheiden und durch Italiener ersetzen will. Die Verwaltungsratsmitglieder sind der Ansicht, daß sie um des Geschäftes willen der nationalistischen Strömung im Lande entgegenkommen müssen. Ein italienisches Dementi. Ro-u, 8. März.(Meldung der„Agcnzia SiefaniM Nach einer über Wien aus Konjtantinopel hierher gelangten Meldung soll der türkische Kriegsminister die Nachricht verbreitet haben, daß cS den Türken und Arabern in der Nacht vom S. auf den 6. d. M. gelungen fei. M argheb wieder zu besetzen. Diese Nachricht ist ganz un« richtig.' Bei dieser letzten Aktion haben die Türken und Araber eine wirklicke Niederlage mit sehr erheblichen Verlusten erlitten; Marghcb befindet sich im festen Besitz der italienischen Truppen. Tic Türken schreibe» sich den Sieg im Kampfe bei Margheb zu. Konstantinopel, 8. März. Nach einer beim Kriegs�iinifterium eingelaufenen Depesche ist es den Türken und Arabern ge- lungen, nach dem in der Nacht zum ö. d. M. unternommenen Angriff die Anhöhe von Marghcb wiedcrzubcsctzen. Die Revolution in China. Auszahlung der Anleihe. Shanghai, 7. März.(Meldung des Reuterschen BureauS.) Das V i c r m ä cht c- Ban ke n syn d i ka t hat heute eine Mil- l i o n T a e l s an die provisorische Regierung ausgezahlt. ES wird erioartct, daß vor Ablauf der nächsten Woche weitere sieben Millionen T a e I s an die chinesischen Regierungsbehörden in Nanking und Peking überwiesen lverden. In» ganzen wird die Rc- gicrung voraussichtlich den Beistand der Bankengruppe bis zu einer Höhe von monatlich sieben Millionen Pfund Sterling für die näch- stcn sechs Monate in Anspruch nehmen, und die Bankengruppc ist augenvlicklich damit beschäftigt, eine Anleihe für diesen Zweck zustande zu bringen. Ter 5wntrakt wird demnächst unterzeichnet werden. Toldatenmeuterei in der Mandschurei. Mulden, 8. März. Ein Teil der in der Mandschurei gc- landeten Erpeditionsabteilung der Aufständischen hat sich, trotz der Aufforderung der Nankinger Regierung, abzuziehen, in der an Kwantung grenzenden neutralen Zone festgesetzt und sich in eine Räuberbande verwandelt. Das gegen sie entsandte dritte Bataillon der Polizeitruppen hat sich ihnen angeschlossen. Aus .Kaiping ist eine Abteilung ausgerückt, um die Räuber zu zer- streuen. politiscbs deberllcbt. , Berlin, den 8. März 1912. Bauarbeiterschutz. Zum Etat der Bauvcnoaltung, mit dessen Beratung das Ab- grordnctenhaus am Freitag begann, hat die sozialdemokratische Fraktion einen Antrag eingebracht, der die Regierung ersucht, 1. einen Gesetzentwurf zur Regelung des Bauarbeiterschutzcs vor- zulegen, der insbesondere die Anstellung von Baukontrollcuren aus der Arbeiterklasse vorsieht, 2. bis zum Erlaß dieses Gesetzes unvcr- züglich durch Verordnung herbeizuführen, daß a) der Beginn von Bauarbeiten auf dem Lande abhängig gemacht wird von dem Nach- weise, daß für die beim Bau beschäftigten Arbeiter ausreichende Wohngelegenheit vorhanden ist, b) sämtliche Verordnungen über den Schutz von Arbeitern bei Ausführung von Hoch- und Tiefhauleu auf alle ländliche Gemeinden und Gutsbezirke ausgedehnt werden. Wer auch nur einigermaßen mit den Verhältnissen auf den Bauten vertraut ist, der wird diesen Antrag für etwas ganz Selbst- verständliches halten, und sich höchstens darüber wundern, daß es überhaupt noch solcher Anregungen bedarf, um den Bauarbeitern wenigstens ein Mindestmaß von Schutz für Leben und Gesundheit zuteil werden zu lassen. Andere Staaten, z. B. Bahcrn, sind uns in dieser Beziehung längst mit gutem Beispiel vorangegangen. Der größte deutsche Bundesstaat aber will von einem Arbeiterschutz nichts wissen, er lxit den Arbcitertrutz und den Untcrnehmerschutz aus seine Fahne geschrieben, und das Dreiklassenparlament, das die Dreistigkeit besitzt, sich eine Volksvertretung zu nennen, hat das bei der Behandlung des sozialdemokratischen Antrages aufs neue bc- wiesen. Auch der ärgste Gegner der Sozialdcvrokratie wird dem Gc- Nossen L c i n c r t, der den Antrug vegrüudetc, daö Zeugnis nicht versagen können, daß er sich einer großen Sachlichkeit befleißigte. Unumwunden erkannte er das Gute in den ministeriellen Verord- nungen zum Bauarbeitcrschutz an, aber leider werden diese Vcr- ordnungcn nicht befolgt, sie stehen in der Praxis vielfach nur aus dem Papier. Es waren grauenhafte Bilder der Vernachlässigung auch nur der bcscheidensteu hygienischen und sittlichen Forderungen, die Leinert— gestützt auf ein überwältigendes Material— vor dem Hause entrollte, aber er predigte tauben Ohren, die regierende Kaste in Preußen will solche eines Kulturstaates unwürdigen Zu- stände verewigen. Am meisten' Verständnis für den Bauarbciterschutz legte noch der Minister v. Breitcnbach an den Tag. Zwar lehnt er den Antrag ab, aber er gesteht doch indirekt zu, daß Mißstände vor- Händen sind. Nur glaubt er, daß er sie auf dem Verwaltungswege unter Schonung junkerlicher Interessen beseitigen kann. Schon die? geringe Entgegenkommen des Ministers, das von unserem Standpunkt aus freilich ein Entgegenkommen nicht ge- nannt werden kann, brachte die Junker in Harnisch. Sachliche Argumente gegen den Antrag können sie nicht ins Feld führen, und so muß denn wieder einmal das„rote Gespenst" herhalten. Herr v. Maltzahn(l.) erblickt in dem Antrag nichts weiter als einen sozialdemokratischen Vorstoß, um auf dem Laude Einfluß zu ge- Winnen, und ähnlich äußerte' sich Herr v. W o h n a(fk.), der sogar über übertriebene Forderungen der Hygiene und über Verlveich- lichung des Volkes zeterte, das es vorzieht, statt in Schweineställen in Wohnungen zu übernachten, und schließlich mit einem Streik der Bauunternehmer auf dem Lande drohte. Wenn auch die Abstimmung über den Antrag erst am Sonn- abend erfolgt, so ist sein Schicksal doch schon besiegelt. Vom Junker- Parlament etwas Vernünftiges zu verlangen, hieße eben unmög- fichc» fordern. Das Herrenhaus für die Arbeitswilligen. Jawohl, der Strcikterrorismus der freien Gewerkschaften ist schon so arg, daß ihn der vaterländische, königstreue Ar- bciter von P u t t k a m e r nicht mehr länger ertragen kann. Deshalb muß er beim Herrenhaus beantragen, einen noch größeren Schutz für die Arbeitswilligen zu fordern und am Dienstag werden die Herren, die vorgestern die Arbeits- scheuen bekämpft haben, die Arbeitswilligen zu schützen be- gehren. Tie Reden, die dafür gehalten tvcrden, kennt man ja schon vorher: Eine Summe von Oertel, Carmer-Zieserwitz und Behrens, potenziert durch die Gewißheit, niemals von dem Pöbel ein Mandat erbitten zu müssen. Hei, kann das ein Jagen werden! Neugierig darf man auch auf die Katlieder- sozialisten und Rcchtslehrer sein. Was man von den Ober- bürgermcistern zu erwarten hat. weiß inan: sind sie doch zu- meist die Polizeigewaltigen ihrer Stadt.—■ Am gestrigen Freitag ging es in dem schönsten Berliner Parlamentssaal um so ruhiger zu. Man erledigte rasch die Abänderung der Bestiinmungen des Berggesetzes über die Knappschaftskassen, die durch die Reichsversicherungsordnung erforderlich geworden sind. Weiter werden die Knappschafts- kassen für die Pensioiisversicherung ihrer Beamten als Ersatz- lassen zugelassen uno die Bestimmungen des Berggesetzes über die Knappschastskassen lverden zu einem eigenen 5t n a p p- s ch a s t s g e s e tz vereinigt. Sonst wurden eine Anzahl Forderungen dcbattelos er- ledigt. Bei dem Gesetz zur Entlastung der Oberrechnungs- kammer— was werden sich die Bureaukraten freuen, wenn sie vor der tausendarniigen Rechenmaschine von Potsdam in einigen„Belangen" weniger zu zittern brauchen werden— teilte der Finanzminister Lentze mit, daß im nächsten Lenze alle Staatsbehörden dein Poslscheckverkehr angeschlossen sein werden. Die Fütterung des Molochs wird den Untertanen immer bequemer gemacht; bald nährt er sich nur mehr von— Zählkarten. Er wird auch dabei gedeihen... Am Beginn der Sitzung wurde allen Preußen die Freudenbotschaft verkündet, daß 350 geborene und ernannte Gesetzgeber das Vaterland noch hinter dem Dreiklassenwall vor dem Umsturz behiiten. O Preuße,� Du schwarzweißer Steinklopferhans, es kann Dir ja nix g'scheh'nl Ter kleine Befähigungsnachweis für die Minister des neuen bayerischen Kabinetts. DaS Hertlingsche Ministerium in Bayern hat Pech. Der Minister des Innern. Freiherr v. Soden, der als starker Mann dazu bestimmt ist, die rote Flut abzudämmen, erlitt am Freitag unter allgemeinem Hohngelächter eine beschämende Niederlage. Auf der TagcS- Ordnung stand der aus dem Vorjahre wiederholte sozial- demokratische Antrag eine? Staatszuschusses von 200 000 M. für gemeindliche Arbeitslosenversicherung. Ein liberaler Antrag forderte die prinzipielle Anerkennung eines StaatSzuschusieS, ohne Einsetzung einer bestimmre» Summe. DaS Zentrum ließ durch den einzigen im Landtage übriggebliebenen christlichen Arbeilersekretär Oswald verkünden, daß seine Partei der ArbcitSlosenfursorge immer ein .angemessenes" Wohlwollen nicht versagt habe. Dieses angemessene Wohlivollen bestätigte der ZentrumSredner dadurch, daß er überhaupt keinerlei Stellungnahme verriet, sondern nur leere Worte machte. Der Minister de» Innern ober stammelte hilflos, er fei auf diese wichtige Frage noch nicht vorbereitet; er habe sich nur auf die Maul- und Klauenseuche eingerichtet: ein Thema, da? am Freitag zwar zuerst aus der Tagesordnung stand, dcS aber ohne Debatte an den Ausschuß verwiesen wurde. Da nun der Minister nichts von der Materie wußte, behielt er sich seine Stellung vor. Auf die gepfefferten Antworten der Linken, verschanzte sich der Minister de« Innern hinter der AuSredc, daß er reffortn äßig überhaupt nicht zu derlei Kenntnissen verpflichtet wäre. DaS sei eigentlich Sache des Ministerpräsidenten Herrn v. Hertling, der aber leider nicht anwesend sei. Genosse v. H a l l e r kündigte daraufhin eine» sozialdemokratischen Antrag auf Einführung des kleinen'Befähigungsnachweises für bayerische M i n i st c r an, wofür er einen Ordnungsruf erhielt. Schließlich erniedrigte das Zentrum auch die Abstimmung über den Antrag zur Posse. Während die Liberalen erllärten, daß sie nunmehr für den sozialdcmokrat schen Antrag eintreten würden 7 stimmte das Zentrum für den liberalen prinzipiellen Antrag, lehnte aber den sozialdemolratiich n positiven Antrag ab, nachdem eS den Antrag auf namentliche Abstimmung verhindert hatte. �_ Ein neues Motupro irio. Die römistbe Kurie scheint von einer wahrhaften Manie be- fallen zu sein, durch neue Verordnungen die katholische Welt zu reinigen. Schon steht wieder ein neues Mutoproprio in Aussicht. Wie der„Bahr. Lvurier" meldet, soll es zum Cstersest erscheinen und folgende Reformen verfügen: Das Älter für die Weihe eines Priesters wird auf daS 28. Lebensjahr festgesetzt, während jetzt jedermann mit 24 bezw. 23 Jabrcii zum Priester geweiht werden kann. Die theologischen und philosophischen Studien werden infotgedesscn länger dauern, und zwar sollen 5 Jahre aus das Studium der Theologie und t Jabr aus jenes der Heiligen schritt verwendet werden. Innerhalb dieser langen Zeit wird sich der Kleriker die notwendigen priejterlichen Funktionen aneignen können und so die Weibe nach vorzüglichen Vorbcreituiigeii empfangen. Unter, den Auord- nungen, welche die Strenge der langen Studienzeit mildern, sind einige hervorzuheben. Die Jünglinge, ivelchc die Studien vor dem 28. Lebensjahre vollendet!>abcn, können als Mitheiser der Pfarrer verwendet werden bei den Funktionen, zu ivelchen die pnester.'ichc Weide nicht erforderlich ist. Auf diese Weise er- halten sie auch eine finanzielle Unterstützung. Das Dekret soll im Jahre 19t3 in Kraft treten. Die Ursachen, die den Papst zum Erlasse dieses Dekretes be- wogen haben, sind folgende: l. Tie katholische Kirche ist oft beschuldigt worden, daß sie das Gelübde der Keuschheit den Jünglingen in einem Älter auf- erlege, in welchem sie die große Bedeutung dieser ihrer Vcr- pflichtung nicht erkennen können. Es erscheint daher angemessen, das Wcihealter auf das 28. Lebensjahr ieshzusetzen als die Zeit, in welcher die Priesterkandida:en das Kcnschheitsgelübdc ablegen. 2. Durch diese Verfügung ist ein groß! r Zeitraum geschaffen, in dem sich die Kleriker auf die gros en Anforderungen im Priesteramtc in Studium und Praxis vorbereiten können, und 3. erwerben sie in dieser langen Zeit des Studiums und der Praxis gegen die Anfechtungen und Versuchungen der Zeit eine größere Kraft, so daß sie besser geprüft und besser vorbereitet ihren Beruf ergreifen._ Ei« dummpfiffiger Tenunziationsversuch. In Scherndorf, einem Orte im Wahlkreise Mühlhausen» Langensalza, waren 13 Stimmen für den sozialdemokratischen ReichstagSkandidaten Genoffen Schäfer am Stichwahltage ab- gegeben worden. Die Wcißenseer Zeitung, Kreisblatt für den Wcißenseer Kreis, gibt ihre Spalten für ein Eingesandt her, worin in raffinierter Art versucht wird, die mutmaßlichen sozialbemokra- tischen Wähler öffentlich bekannt zu geben. Das Eingesandt lautet wörtlich: Eingesandt. Vor nicht langer Zeit kam ich auf ein T rfchen im Kreise Weißensee. Hier hatten sich 11 Bewohner zummmcngetan, um eine Schäferei einzurichten. Die Umgebung paßte ganz gut dazu, aber es fehlte mancherlei. Vor allen Dingen war die Beteiligung zu gering, um einen besonderen Schäfer anzustellen. Aber es wurde Rat geschafft, denn ein passender H i r t e fand sich schon unrer den Teilhabern, so wurde nun das kleine Häubchen nach dem Ost Wälde zusammengetrieben. Aber der Stand war dort so hart und wuchs so wenig Futter, daß eS einem, trotz- dem noch zwei Pfleger angestellt wurden, grauste, die Schäf- lein anzusehen, denn sie wurden von Tag zu Tag spitzer. Einer der etwas mehr Dünkel im Kopfe hatte, kam auf den Gedanken, den ganzen Haufen nach dem schönen Felde(Schönfeld) zu treiben, wo sie anfänglich auch etwas besser gediehen und sich auch noch 2 stille Teilhaber fanden, aber die große Schlappe kam und so sprach der K o ch zum Trutz fe r: Setze die P f a n n e zurecht und stecke sie alle hinein. Der Töpfer war aber nicht damit einverstanden, sondern meinte: Hcbs sie auf! Ich habe einen großen Kessel, da gehen sie besser hinein und wenn wir dann ein bißchen Krauselkohl hirizutun, gibt eS imuwr noch einen schönen SchmauS. DaS ist eine wahre Geschichte, ge- schehcn im Januar 1S12. Ten Leuten wird es aber in Zukunft hoffentlich vergehen, mit einer solchen geringen Beteiligung noch- mals eine Schäferei zu gründen. Tie gesperrten Worte sind die Nmren derjenigen RcichS- tagswähler, die nach Annahme kluger Leute sozialdemokratisch ge- oählt haben sollen. Interessant wäre eS zu erfahren, wie der Verfasser des Eingesandts die sozialdemokratischen Wähler heraus- zefunden hat. Tie RcichStagswahl ist geheim, jeder Verletzung dcS Wahlgeheimnisses ist Strafe angedroht. Bezeichnend ist eS aber, laß ein amtliches Organ das Eingesandt ohne jede Bemerkung auf» limmt. Die Redaktion der Weißenseer Zeitung ist also im vollen Maße für das Machwerk verantwortlich. Es werden außerdem so oiel Vorkommnisse, die am Ttichwahltage.n Sch. sich zugetragen jaben sollen, berichtet, daß eS rätlich erscheint, die Angelegenheit :twaS näher zu prüfen. Ist die sozialdemokratische Agitation uuter Beamte« verboten? Die oberschlesische Agitationsleitung unserer Partei verschickte m Sommer vorigen Jahres an sämtliche Beamte ihres Bezirl« üne Broschüre»Beamtentum und Sozialdemokratie" als Druck- achc. Anstoß daran nahm anfangs kein einziger Empfänger, viel. ach Wurden sogar weitere Exemplare verlangt. Erst als die Zen- rumspressc einige Beamte deshalb sozialistischer Umtriebe de nun» zierte, fühlten sich aus einmal sechs Polizcibcamte aus Katwwin elcidigt und stellten Strafantrag gegen den Bezirkslener Hörfing- Scuthcn und gegen den Genossen Haucke-Kattomitz, der die Bro- 'chüre versandt hatte. Am 28. Februar fand die Verhandlung vor >cr Strafkammer in Beuthen statt. Genosse Haucke bekannte sich zier als Absender der fraglichen Broschüre, bestritt aber ganz ener- tisch, sich dadurch der Beleidigung schuldig gemacht zu haben. )örsing verneinte jede Schuld, weil er zur fraglichen Zeit in einem sauawrium weilte. Nach Verlesung der Broschüre stellte der Vor- itzendc aus den Akten fest, daß der Strafanirag erst gestellt wurde, nachdem die..Beleidigten" mit ihren Borg- setzten Rücksprache ge- lommcn hatten, was auch von diesen bestätigt wnrdc. Ter StaatSamvalt war der Meinung, daß hier eine grobe Beleidigung vorliege. Man könne cmcm Beamten unmöglich zu- nuten, sozialdemolratischc Broschüren zu lesen. Hörstog-joütc löO SlJnrf, Haucke 50 M. zahlen. Tas Urieil wurde einige Tage später gefällt. Beide Angeklagten wurden freigesprochen. Bei dem Genossen Hauckc wurde die Freisprechung folgendermaßen be- gründet: Tas Versenden sozialdemokratischer Broschüren an Be« amte sei an sich eine Beleidigung. Tem Angeklagten Hauckc stehe aber der§ 193, die Wahrung der berechtigten Interessen, zur Seite, weil er ein gegen Gehalt angestellter Parteibeamtcr sei. Zu seiner Tätigkeit gehöre demnach auch das Versenden der fraglichen Bro- schüren, denn er konnte den Verlust seiner Stellung befürchten, wenn er seine Agitation nicht tatkräftig betreibe. Unter den Beamten für die Sozialdemokratie zu agitieren, sei durchaus nicht verboten. Das Gericht stehe nicht auf dem Standpunkt, daß ein Beamter niemals einen Sozialdemokraten wählen dürfe. Solcher Fall sei sehr wohl denkbar, denn es könnten Fälle vorkommen, wo der Sozialdemokrat als das kleinere Nebel zu be- zeichnen sei. Spitzelzensur? Herr Gustav Landauer schreibt uns: Ich halte es für meine Pflicht, die Leffentlichkeit auf ein Vor- geben der Staatsanwaltschaft am Landgericht I in Berlin auf- nicrksam zu machen, das, wenn es Erfolg hätte, nichts anderes vorstellte, als die Wiedereinführung der Zensur über Preßcrzeugnisse mir Hilfe korrupter Spitzclwirtschaft. Folgendes ist der Sachverhalt: Unter meiner Mitwirkung konstituierte sich im Herbst vorigen Jahres im Anschluß an die durch die Maroktohändel aktuell gc- wordene Kriegsgefahr ein„Ausschuß für den freien Arbcitertag", der zunächst eine kleine Flugschrift„Die Abschaffung des Krieges durch die Selbstbestimmung des Volkes" herausgeben wollte. Diese Flugschrift war noch in Vorbereitung, der Druck war noch nicht beendet und kein Exemplar war verbreitet worden, als sie am 4. Dezember beim Verleger und Trucker beschlagnahmt wurde. Staatsanwalt und Amtsgericht nahmen an, der Inhalt der Schrift vergehe sich gegen§ 110 Str.-G.-B., indem in ihr zum Streik und also, folgerte die Behörde, zum Kontraktbruch aufgefordert werde. Nun setzt aber Z 110 die Verbreitung einer Druckschrift voraus, und der Versuch ist nicht mit Strafe bedroht. Herausgeber und Verleger, gegen die sich die Beschuldigung richtete, erklärten daher und erboten sich zum Beweis, daß kein Exemplar der Schrift noch verbreitet worden sei; mit dürren Worten erklärten sie, daß die politische Polizei, die sich rühmte, trotzdem ein oder mehrere Exem- plarc der Schrift zu besitzen, diese nur von einem Spitzel erlangt haben könne, der sie gestohlen haben müsse. Vor kurzem ist es nun gelungen, diesen Polizeispitzel zu ent- larvcn und zu vollem Geständnis zu bringen. Eduard Ret- mann nannte er sich in den Kreisen der Anarchisten und des Sozialistischen Bundes, wo er als Genosse verkehrte; Georg P r u w i tz heißt er in Wirklichkeit und ist am 23. August 1890 zu Ncuruppin geboren. Er diente seit Jahren der Kriminalpolizei als Vigilant in Vcrbrecherkrcisen und der politischen Polizei, de- sonders dem Polizeikommissar Kuntze, als Spitzel, der diesem Be- amtcn alles, was er durch seine Beziehungen erfuhr, gegen Be- zahlung zutrug. Erst vor kurzem ist auf Grund seiner Mitteilungen ein ausländischer Genosse festgenommen und ausgewiesen worden. TicS und noch viele Einzelheiten hat er, von der Last der Beweis- stücke erdrückt, gestanden; unter den Beweisstücken befand sich eine vom Kommissar Manteuffel ausgestellte Legitimationskarte als Polizciagent mit seinen Personalien und seiner Photographie; nach seinem Geständnis wurde ihm auch ein eigenhändig vom Kommissar Kuntze an ihn geschriebener Brief neuesten Datums abgenommen. Dieser in festem Dienst stehende und bezahlte Polizeispitzel Prawitz alias Reimann hat unter anderem auch gestanden, der politischen Polizei ein Exemplar genannter Druckschrift, das er sich widerrecht- lich vor der Verbreitung angeeignet hatte, überliefert zu haben. Schoi. bevor es zu dieser Entlarvung kam. hat der Staats- anwalt sich entschlossen, das Verfahren gegen die beschuldigten Per- soncn einzustellen. Nun aber beginnt das Merkwürdige und für die Preßfreiheit Bedrohliche: er lehnt es ab, die Flugschrift heraus- zugeben und strengt das sogenannte objektive Versahren gegen sie an. Dieses Verfahren ist nur in dem Fall zulässig, daß da« Ver- fahren gegen eine bestimmte Person nicht ausführbar ist. Hier aber ist m Wahrheit gar kein Verfabren ausführbar, weder gegen eine Person noch gegen die Druckschrift, weil noch gar keine Straf- tat begangen ist. Es besteht nicht der geringste Zweifel, daß die erfolgte Verbreitung ein Erfordernis des Strafversahrens nicht nur gegen Personen, sondern auch gegen die Schrift selbst ist; jetzt beschuldigt sie der Ttaatsanloalt, sie werde sich— im Fall der Verbreitung— drö Vergehens gegen§ 110 s ch u l d i g mache n. Ein solches Verfahren ist etwas weitaus Schlimmeres als die längst abgeschaffte Prävcntivzcnsur. Unter der Herrschaft der Zensur reichte der Verleger die Druckschrift bei der Behörde ein; daraufhin konnte sie konfisziert werden; das vom Gesetz vorge- schri.ecne Einreichen des ersten Exemplars stand für die Verbreitung. Wer hat jetzt, als die Schrift noch gar nicht zur Herausgabe bereit war, die Einreichung besorgt? Ein bezahlter Polizei- s p i tz e l, der ein Exemplar der Schrift eingestandenermaßen g e- stöhlen hat! Die Sache wird am 25. März vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I verhandelt werden. Aus folgenden Gründen aber ist es nötig, unverzüglich die Oeffentlichkcit auf den bedrohlichen Versuch aufmerksam zu machen: Da« Gericht kann dazu kommen, die Druckschrift freizugeben, ohne zu dem gefährlichen Versuch der sich auf die Spitzclwirtschaft der politischen Polizei stützenden Staats- anwaltschaft auch nur Stellung zu nehmen. Ter Inhalt der Schrift bicwt gar keine gesetzliche Handhabe zur Verfolgung: und überdies ist das Gericht überhaupt zur Einziehung einer Druckschrift nach z 42 Str.-G.-B. nur berechtigt, nicht verpflichtet. Es kann also die Zuniutung aus beliebigen Gründen ablehnen, ohne den Versuch d:S Staatsanwalts, die Spitzclzcnsur einzuführen, in der Begründung zurückzuwelsen. Um so mehr Grund, auf der Hut zu sein und alle zum Protest aufzufordern, die RcchtSgcwissen. Nechtsverständins und Rechtskenntnis haben. Gar nicht zu befürchten ist, der Anklagcbehörde könnte ein Opfer entgehen. Recht muß Recht bleiben! Man stelle den Rechtszustand wieder her und gebe denen, die beabsichtigten, die Flugschrift zu verbreiten, zurück, was ihrer Verfügung und Entschließung ge- hören muß, solange sie aus der Absicht keine Tat gemacht haben. Tann wird es obne Zweifel zu der Verbreitung kommen, die ein Spitzel gestört hat, und wenn der Staatsanwalt dann eingreifen Will, hckt er jedenfalls das formale Recht dazu. Polt und Krone. Wenn der Absolutismus de» Kaisers für das Gebiet des Deutschen Reiches, für ein 05 Millionenvolk, heute auch schon iue'-r oder weniger von bürgerlicher Seite abgelehnt wird,— an der Tatsache des preußischen Absolutismus wagt selbst der begeistertste Nationallibcrale nicht zu zweifeln. Vor einigen Tagen zeigte der„Vorwärts" an der Hand der deutschen Rcichsvcrfassung, ivelchc Macht dem Träger der Kaiserkrone in Deutschland zusteht. Preußen will aber auch regiert sein! Daß hier die könig- lichc Macht noch viel reiner kristallisiert ist. als in der Bismarck- schen Reichsvcrfajsung, versteht sich am Rande, Sehen wir uns einmal an, waS der königlichen Macht in Preußen auf Grund der Verfassung, die bekanntlich nicht akzep- ticrt, sondern oktroyiert ist, an Tätigkeit und Recht„zusteht". Artikel 43 lautet: Die Person des Königs ist unverletzlich. Artikel 44 lautet: Die Minister des Königs sind verant- wortlich. Alle Regicrungsakte des Königs bedürfen zu ihrer Gül- iigkeit der Gegenzeichnung eines Ministers, welcher dadurch die Vcrautwortlichteit übernimmt. Artikel 45 lautet: Dem Kö n ige allein steht die Vollzieheride Gewalt zu. Er c r n e n n t und entläßt die Minister. Er be- fiehlt die Verkündigung der Gesetze und erläßt die zu deren Aus- führung notwendigen Verordnungen. Artikel 40 lautet: Der König führt den Oberbefehl über das Heer. Artikel 4? lautet: Ter König besetzt alle Stellen im Heere sowie in den übrigen Aveigen des Staatsdienstes, sofern nicht das Gesetz etwas anderes verordnet., Artikel 48 lautet: Der König hat das Recht, Krieg zu er- klären und Frieden zu schließen, auch andere Verträge mit fremden Regierungen zu errichten. Letztere bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Zustimmung der Kammern, sofern es Handelsverträge sind, öoer wenn dadurch dem Staate Lasten oder einzelnen Staats- oürgern Verpflichtungen auferlegt werden. Artikel 49 lautet: Ter König hat das Recht der Begnadigung und Strasmildcrung. Dem König steht die Verleihung von Orden und anderen mit Vorrecht nicht verbundenen Auszeichnungen zu. E r übt das Münzrccht nach Maßgabe des Gesetzes. Artikel 51 lautet: Der König beruft die Karnnern und schließt ihre Sitzungen. Er kann sie cnitocdcr beide zugleich oder auch nur eine auflösen. Artikel 52 lautet: Der König kann die Kammern vertagen. Artikel 53 lautet: Die Krone ist. den königlichen Ha usge setzen gemäß, erblich in dem Mannesstamme des königlichen Hauses nach dem Rechte der Erstgeburt und der agnati- schen Linealfolge. Artikel 54 lautet: Der König wird mit Vollendung seines 18. Lebensjahres volljährig. TaS ist nur eine bescheidene Auswahl von Artikeln der preußi» schen Verfassung, die mehr durch ihre Auffassung der Staatsvcr- Hältnisse als durch den tatsächlichen Inhalt ihrer Befugnisse auf- fallen. Wenn schon die deutsche ReichSvcrfassung stark der Auffrischung bedarf, die preußisch-königliche Hausordnung, die nur aus Ver- sehen zu einem Staatsgesetz geworden ist, gehört ins Hohenzollern- museum, Rubrik: Siebzehntes Jahrhundert. Sie zeigt der vor- wärtsst redenden Kulturwxlt zugleich, welche Reaktionsmomente in Preußen noch zu überwinden sind. franhmeb. Kolonialopfer. Paris, 8. März.„Echo de Paris" bespricht den kürzlich von dem früheren Oberstabsarzt des marokkanischen Expcditions- korps Debrie verübten Selbstmord und behauptet, der unglückliche Arzt sei ein Opfer der Nachlässigkeit der Kriegsverwaltung, die für den Sanitätsdienst des Expeditionskorps gar nichts vorgesehen habe. Die Truppen seien auf dem Marsche wie Fliegen umgefallen, und Dr. De b r i e habe, nachdem er sich vergebens an das Kriegs- Ministerium gewandt, um keine Zeit zu verlieren, aus dem Aus- lande sich die notwendigen Hilfsmittel kommen lassen. Aus Furcht vor Interpellationen über die große Sterblichkeit bei dem Expeditionskorps habe num Debrie zum Sündenbock ausersehen, und dieser sei in den Tod gegangen, als er seine Laus- bahn auf so ungerechte Weise vernichtet sah. Tie Wahlresorm im Wasser. Paris, 6. März.(Eig. Ber.) Tie Gegner der Wahl- reform blasen Jubelfanfare». Herr Poincar6 hat sich nämlich gestern von der Reform, die doch an der Spitze seines Pro- aramms stand, losgesagt. Zivar nicht ausdrücklich, aber doch in einer Weise, die den radikalen Bezirkspolitikern volle Genugtuung gibt, indem er erklärte, daß er keine Reform gegen 240 Republikaner machen wolle. Das heißt, nicht die Mehrheit mehr soll in der französischen Demokratie ent- scheiden, sondern eine Minderheit, die sich anmaßt, den Stempel des Republikanismus nach ihren Interessen zu ge- währen. Herr Poincarö, den nian doch sonst wahrlich nicht in der Gesellschaft der Bulgärradikalen zu sehen gewohnt war, hat gestern die überraschende Theorie verfochten, das Kri- teriuni dafür, ob die Stimme eines Deputierte» für die Wahl- reforni überhaupt gezählt werden solle, sei sein Verhalten beim Gesetz über— die Trennung von Kirche und Staat! Ein seltsames Bekehrungswunder, dieser Radikalismus des gc- mäßigten Ministerpräsidenten. Sollte es nicht die P r ä s i- dentenwahl sein, die da ihren Schatten vorauswirft? In der„Huinamts" erhebt Jaurös einen leidenschaftlichen Protest gegen ein Verhalten, das in der Tat die Verleugnung des parlamentarischen Prinzips überhaupt in sich schließt. Vorgestern hat die Mehrheit der Kammer beschlossen, den Vorschlag Jaures, der für die Zuteilung der nicht durch Er- reichung des Wahlquotienten erreichten Mandate ein doppeltes ..Apparentement"— eine Verbindung v e r s ch i e d n e.r P a r- t e i e n in einem Departement und die Zusammenzählung der einer und derselben Partei verbliebenen Stimmenreste in mehreren Departements~ vorsah, in Erwägung zu ziehen, und die Kommission fügte dieser Konzession an die Gegner des reinen Proporzes noch die weitere der Prämien- gewährung an die Mehrheit hinzu. Aber weil am Montag 240„Republikaner" gegen die Zuweisung des Jauresschcn Antrages an die Konlmission gestimmt haben, soll die Ab- stiinmung überhaupt nicht gelten. Was wird nun geschehen? Es ist klar, daß die Anhänger des Proporzes diese offenbare Verletzung des parlamenta- rischen Mehrhcitsrcchts, die just zugunsten der angeblich über- zeugten Anhänger des Mehl:hcitsprinzips verübt wird, nicht ruhig hinnehmen können. Aber es ist fraglich, ob die Pro- portionaliften der bürgerlichen Linken aushalten werden, wenn es gilt, einen rücksichtslosen Kampf gegen die Reform- gegner zu führen. Ter allererste Schritt müßte sein, daß die Anhänger des Proporzes bei den Ersatzwahlen in allen Fällen im zweiten Wahlgang zusammenstünden, ohne Rücksicht aus die berühmt„republikanische Solidarität". Syndikalismus und Manchestcrliberalismus. Paris, 5. März.(Eig. Ber.) Tie„Bataille Syndicalistc" ist dabei, die Irrtümer zu zerstören, die in der liberalen Bourgeoisie lang genug über das Wesen der syndikalistischen Theorie bestanden haben. In ihrem heutigen Artikel über den englischen Berg- arbciterstreik schreibt sie:„Ein Gesetz machen, um einen Minimal- lohn zu dekretiere», bedeutete die Intervention dc§ Staates in den ökonomischen Beziehungen auferlegen, wo er nichts zu suchen hat. Es hieße in weiterer Folge das obligatorische Schiedsgericht ein- führen und der gefährlichen Einschätzung von Politikern und Be- amten die Sorge für die Regelung der Arbeitsbedingungen über- tragen. Es hieße, alle ökonomischen Gesetze verge- wältigen, das Strcikrecht zunichte machen, den Appell der Ar- beitcr an die Gewalt gegen die Herrschaft der Unternehmer unter- drücken, die direkte Aktion verneinen und jede Emanzipations- bestrebung durch die Ablenkung der Arbeiter, zu einem in seiner Macht monströsen und in seinen Befugnissen maßlosen, Vorsehung spielenden Staat abtuenden."— Diese Doktrin findet gerechter- maßen volle Anerkennung beim—„T c m p s", der den Artikel der„Bataille Syndicaliste" überaus„interessant" und wü: wären fast versucht, zu sagen:„überaus verständig" nennt. Das Organ der Großfinanz stellt mit Genugtuung fest,, daß„der Shn- dikaliimus, wenn man ihn seiner leider zu zahlreichen Exccsse'ent- kleide, nicht ans einem Dogma wie der Sozialismus beruht und weniger theoretisch als praktisch ist. Ter Syndikalismus ist daS Eingreifen einer Kraft, um einer anderen Kraft ein Gegengewicht zu bieten. Seine Aktion, die direkt ist, besteht cnttveder im Kampf oder auch in Vereinbarungen. Es ist darum nicht über- raschend, daß der soziale Jakobinismus des Herrn Asquith, der die Gcwerkschaftschcfs und die I n du st rieche fs. die vor ihren Mandanten gleichermaßen verant- w o r t l i ch sind, unter die Vormundschaft des Staats beugen will, auf der einen Seite der Barrikade nicht mehr Sympathie findet als auf der anderen." Der„Tcmps" hat vollständig recht, wenn er so die innere Ver- wandtschaft seiner Ideen mit denen des anarchistischen Shndikalis- inus aufzeigt. Er geht in seiner Begeisterung aver zu weit, wenn er diesem das Zeugnis ausstellt, daß er kein Dogma habe. Er hat allerdings keines für sich allein. Er teilt nämlich das seine mit dem bürgerlichen ökonomischen Liberalismus, der allerdings in dieser Vcrknöchcrung fast nur noch im Bankier- und Rentnerland Frankreich fortlebt. Da ist es denn ganz in der Ordnung, daß die Kapitalistcnpresse ihre Stellung zum Syndikalismus revidiert. Wenn dieser aus Respekt vor den heiligen„ökonomischen Gesetzen" den Ricsenkampf der englischen Grubenproletarier zu diskreditieren sucht, so verdient er es, daß der„Temps" vor dem Prinzip der „direkten Aktion" den Hut zieht und auf einmal in den Gewerk- schaftsführern nicht mehr gewissenlose Demagogen und Bolls- betörer. sondern gewissenhafte, den Massen gegenüber vcrantwort- lichc Mandatare sieht. Spanien. Die Marokkofrage. Madrid, 8. März. In der gestrigen Sitzung der Depu- ticrtenkammcr antwortete Ministerpräsident CanalejaS auf eine republikanische Interpellation, in welcher der Riffeldzug kritisiert wird: Die Vertraulichkeit der französisch-spanischen Ver- Handlungen verhindert mich, hier einen Plan für unser Porgehen in Marokko zu entwerfen, aber ich kann nicht die Vcrantwor- tung aus mich nehmen, das einzige Gebiet, das der Ausdehnung Spaniens vorbehalten ist, aufzugeben. Sollten wir mit ver- schränkten Armen der Ausdehnung anderer Mächte zuschauen, als die Erregung, die durch das Vorgehen dieser Mächte hervorgerufen worden ist. schon bis an die Tore Melillas gedrungen war? Spanien wird sich von dem Augenblick an. wo das moralische und tatsächliche Protektorat Europas über Afrika hergestellt sein wird, auf ein friedliches Porgehen beschränken. Es kann weder die von ihm besetzten Gebiete noch seine Einflußzonen aufgeben. Im übrigen erlaubt ihm seine wirtschaftliche Kxaft, diese Haltung einzunehmen. perNen. Russssch-engllsche Verhandlungen. Köln, 8. März. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Peters- bürg: Die russisch«englischen Verhandlungen über Persien sind ohne erhebliches Ergebnis beendet. Ein russischer Diplomat erklärte dem Korrespondenten der„Kölnischen Zeitung", man habe sich gegenseitig kleine Kompctcnzerweiterungen zugestanden, im übrigen sei man aber nicht über einen Meinungs- auStausch hinausgegangen. Der frühere Schah habe zugc- stimmt, Perfien zu verlassen, nachdem ihm Amnestie für seine An- Hänger und 70 000 TomanS Jahresrente für ihn zugesichert seien. Die Abreise habe sich durch das Unwetter auf dem Kaspischen See verzögert. Der Schah weile an Bord eines russischen Schiffes und reise nach Odessa. Perfien erhalte eine gemeinsam von England und Rußland zu gewährende A»leihe. Eine Million Rubel sollen in den nächsten Tagen ausgezahlt werden, Maxim Gorki über die persische Frage. Die englische Gesellschaft„Pro Persia" veranstaltet eine Enquete über Englands und Rußlands Beziehungen zu Perfien. M. Gorki äußerte sich über diese Frage folgendermaßen: „Ich finde, daß die Handlungen der russischen Regierung in Perfien in nationaler Hinsicht für daS russische Volk schädlich sind, ganz abgesehen davon, daß sie hinsichtlich der Perser unmenschlich sind. Ich zweifle, ob man mittels der Kriegsgerichte und der Galgen den persischen Markt für immer für das russische Kapital gewinnen kann. Es»unterliegt aber fiir mich keinem Zweifel, daß die russische Regierung durch ihre unsinnige Grausamkeit einen neuen und unversöhnlichen Feind des russischen Volkes im Iran groß- zieht. Hierzu kommt noch, daß die Haltung der russischen Truppen in Persien eine verstärkte Propaganda des orthodoxen Panislamismn? herbeiführen dürfte, der den schöpferischen Wert der europäischen Ideen und Prinzipien verneint. Tie Handlungsweise der russischen Regierung erscheint also auch schädlich vom Standpunkt der Jntcr- essen der allgemeinen europäischen Kultur.... Tie russische Regierung tritt gegenwärtig in Europa als der einzige Verteidiger deö Prinzips der despotischen Gewalt des Staates über die Persönlichkeit auf. dessen. Vcrdcrblichkcit der Orient bereits anerkannt hat. Rußland wird viel Branntwein nach dem persischen Markte ausführen, ich sehe aber nicht, welche nützlichen Ideen die russi- schen Beamten den Persern zu bringen vermöchten. Und endlich glaube ich, daß die Okkupation PersienS weniger diktiert worden ist von den Interessen des russischen Kapitals, als von dem Wunsche der Dynastie Romanofs, dem Volke eine neue Gebietserweiterung zu schenken und dadurch die dreihundertjährige Dauer ihrer Herrschaft zu verherrlichen. Diese Treihundertjahr- feier beruht bekanntlich auf einer Fiktion, während dieses„Ge- schenk" sich in eine Quelle der Leiden für das russische Volk ver- wandeln wird, denn eS ist kaum anzunehmen, daß der Iran sich mit der ihm drohenden Unterjochung aussöhnen wird." Amerika. Annahme der Schiedsgcrichtsverträge. Washington. 8. März. Der Senat hat die Schi eds- gerichtsverträgc mit England und Frankreich mit 76 gegen 3 Stimmen angenommen. Gcwerhrcbaftlichea. Die deutfchen Bergarbeiter vor der Sntfcbeidimg. Aus Anlaß der Reden Von Vertretern verschiedener Par- teien im Reichstage über die Bergarbeiterbewegung hatte der �.................__........... o................... Staatssekretär des Innern, Dr. Delbrück, am Donnerstag Kamps dann in 157 Städten 40 000 Mann umfassen. Die mit einigen dieser Abgeordneten zu seiner Jnsormation eine � Zghi jst offenbar viel zu hoch gegriffen. Im Streik stehen jetzt im greiflich, nicht selbst der Gefahr rtneS Streik? aussetzen, und haben, Kesselbau gefunden; jedoch ist der gesamte Werstbetried votlständiH deshalb dem Schneiderverband die feste Versicherung gegeben, daß Strcikarbeit in der Konfektion nicht angefertigt wird. Die vom Arbeitgeberverband im Maßschneidergewerbe be- schlosscne Aussperrung soll nun also mit dem heutigen Tage durch- geführt werden, und nach den Mitteilungen der Arbeitgeberpresse Besprochung in seinem Dienstzimmer im Reichstagsgebäude. An dieser Konferenz nahmen teil die Abgg. Behrens (Wirtsch. Vg.), G i e s b e r t s(Z.), Sachse(Soz.), Robert Schmidt(Soz.), S o s i n s k y(Pole) und der frühere Abg. H ii 6(Soz.). Unter den Regicrungsvertretern befand sich auch der Oberberghauptmann v. V e h l s e n. So scheint also in letzter Stunde die Regierung durch den Staatssekretär des Innern den Versuch unternehmen zu wollen, vermittelnd einzugreifen, um den Ausbruch eines Riescnkampfes im Ruhrgebict zu verhindern. E s w i r d j e- doch vielleicht zu spät sein! Die Verhandlungen in der Konserenz drehten sich hauptsächlich um die Frage, ob, wenn die bestehenden Arbeiterausschiisse bei den Werkver- waltungen vorstellig und dort die Forderungen der Arbeiter vertreten würden, nicht der Friede erhalten bleiben könne. Ein Verhandeln der Arbeitcrausschüsse verspricht jedoch wenig Hoffnung aus Erhaltung des Friedens. Sollte es wirklich diesmal, wenn die Arbeiterausschüsse von den Grubenver- waltungen zu Verhandlungen verlangt würden, anders kommen, so wäre das eine angenehme Enttäuschung, die von den Bergarbeitern gewiß freudig begrüßt würde. Die ein- gegangenen Antivortschreiben der Gruben Verwaltungen lassen jedoch erkennen, daß die Herren ihre Stellungnahme den Ar beiterausschüssen gegenüber noch nicht ge ä n d e r t h a b e n. Um das zu beweisen, werden wir nach stehend eine Anzahl Antworten veröffentlichen. Ein Teil der Antworten hat fast gleichlautend folgenden Wortlaut: „Wir müssen es ablehnen, uns zu den von Ihnen gestellten Forderungen zu äußern, da lediglich die nach Gesetzcsvorschrift gebildeten Arbeiterausschüsse berufen sind, Anträge, Wünsche und Beschwerden zur Kenntnis der Zechenverwaltung zu bringen.'' So wie diese Antwort lauten ungefähr 20 andere. Die Grubcnverwaltungen wollen nur„Wünsche und Beschwerden" der Ausschüsse„zur Kenntnis" nehmen. Damit ist den Ar- beitcrn nicht geholfen. Tie Wünsche und Beschwerden sind den Zechenverwaltungen läng st bekannt, ohne daß bisher irgend welche Abänderungen der be- stehenden Zustände erfolgt sind. Acnderungcn würden auch nicht erfolgen, wenn die Arbeiterausschiisse erneut die Wünsche und Beschwerden der Arbeiter vortragen würden. Das wird auch klar und deutlich in einer Anzahl anderer Antwortschreiben gesagt, in denen darauf verwiesen wird, daß die Befugnisse der Arbeiteraus- schüsse durch die gesetzlichen Bestimniungen geregelt sind. Die gesetzlichen Bestimmungen, worauf man sich in den vorer- wähnten Antwortschreiben beruft, besagen, daß der Arbeiter- ausschuß in Lohnfragen nicht zuständig ist. In einem andern Antwortschreiben wird gesagt: „Sofern unsere Belegschaft Anträge. Wünsche oder Be- schwerdcn vorzubringen hat, war dazu im Rahmen der gesetz- liehen Bestimmungen lediglich der Arbeitcrausschutz unseres Werkes berechtigt." Damit ist klipp und klar ausgesprochen, daß die Gruben- Verwaltungen es ablehnen, über die Forderungen mit den Arbciterausschüssen zu verhandeln. Tie weiteren Antwortschreiben lauten größtenteils: Den Arbciterausschiissen wolle man im Rahmen der gesetzlichen Be- - stinimungen eine Wirksamkeit zugestehen. Damit ist den Ar- heitern aber nicht geholfen. Unter diesen Umständen sah die Vorständekonferenz der an der Bewegung beteiligten Organi sationen davon ab, die Arbeiterausschiisse mit weiterem Vor gehen in der Lohnfrage zu beauftragen, zumal schon teststeht, daß die Arbeiterausschiisse— abgeschreckt durch die schlechten Ersahrungen bei den Verhandlungen im Jahre 1911— sich weigern, nochmals über Lohnfragen mit den Zechenver waltungen in Besprechungen einzutreten. Ten Aktionsausschüssen der Verbände und der am Sonn- tag stattfindenden Revierkonferenz wird zwar ein Antrag: Die Arbeiterausschiisse mit den Verhandlungen zu beauf tragen, vorgelegt werden, aber die Ablehnung dieses Antrages ist sicher. Die Verbände versprechen sich nichts von neuen VerHand lungen durch die Arbeiterausschüsse. Zum Mindesten wäre es nötig, den Arbeitern bestimmte Zusagen zu machen. Das könnte die Arbeiter nur vom Lohnkampf abhalten. So wie die Situation aber gegenwärtig ist, ist keine andere Möglich- keit vorhanden, als die, die letzten Konsequenzen zu ziehenl Zur Lohnbewegung der Bergarbeiter in Obcrschlesien. Die Vertreter der oberschlcsischen Bergarbeiterorganisationen haben sich mit dem ablehnenden Bescheid, den sie vom oberschlesischen Berg- und Hüttenmännischen Verein auf ihre Lohneingabe vom 20. Februar d. I. erhielten, nicht beruhigt, sie haben unterm 7. d. M. erneut Lohnforderungen an die einzelnen Grubendirektionen ge sandt und um baldige Antwort gebeten. In der Eingabe wird zahlenmäßig nachgewiesen, daß die Bcrgarbeiterlöhne seit dem Jahre 1907 auf 251 M. pro Vierteljahr auf 235 M. im Jahre 1911 gefallen sind. Erst im 3. Quartal 1911 ist der Lohn auf�2ö0 Mk. gestiegen, wobei aber berücksichtigt werden muß. daß eine Steigerung der Schichten um sechs pro Arbeiter er- folgt ist, womit die Lohnsteigerung vielleicht kompensiert wird. Dagegen wird zahlenmäßig festgestellt, in welchem Maße auch in Qbcrschlesien die Lebensmittelpreise gestiegen sind, was für einen Haushalt eine Steigerung der Ausgaben von 20— 40 Proz. aus- macht. Die Berechtigung der Lohnerhöhung von 15 Proz. wird u. a. mit dem Hinweis auf eine seit dem 1. April d. I. in Aus- ficht genommene Steigerung der Kohlcnpreise begründet. Die Kchlenpreise sollen pro Tonne um 50 Proz. erhöht werden, wo- ducch, dem Absatz von 1911 entsprechend, eine Mchrcinnahme von 16.14— 17 Millionen Mark erzielt würde. Die Eingabe ist unterzeichnet von der polnischen Berufsvereini- gung, der Bergarbeitersektion vom Verband der katholischen Ar- beitcrvereine(Sitz Berlin), dem Verband der Bergarbeiter, dem Gewerkverein der christlichen Bergarbeiter und dem Gewerkveein der Bergarbeiter(H�-D.)._ Berlin und Umgegend. Aussperrung im Schneidcrgcwerbe! Zum Streik der Herrenmahschneider ist mitzuteilen, daß jetzt schon 253 Firmen die neuen Vereinbarungen unterschriftlich an- erkannt haben. Tie bestreikten Arbeitgeber kommen natürlich in immer größere Verlegenheit und können selbst die Arbeiten nicht liefern, die fertig sind, aber noch geändert werden müssen. Man hat deswegen eine Reihe von Konfcktionsfirmen ersucht, diese Acnderungsarbeiten zu übernehmen, jedoch eine glatte Absage er- halten. Die Konfektionsgeschäfte, die natürlich von dem Streik in ganzen Reiche ungefähr 7000 Mann und ob die Macht des Arbeit gcberverbandcs weiter reicht, als noch 7000 oder 8000 Mann aus- zusperren, ist sehr zweifelhaft. Voraussichtlich wird der ganze Kampf nach Vollführung der Aussperrung kaum mehr als 15 000 Mann umfassen. Im übrigen verkündet der Arbeitgeberverband im„Confcctionair" wieder einmal, daß es sich bei dem Kampf um eine von Arbeitnchmerseite gewollte Machtprobe handelt, und daß die Arbeitgeber zu Verhandlungen bereit seien, aber nicht die- jcnigen sein wollten, die Verhandlungen anbieten. Es ist im „Vorwärts" wiederholt nachgewiesen, daß es die Führer der Arbeit- gcber waren, die offenbar mit Absicht die Frankfurter VerHand- lungen scheitern liehen, und wenn nun einmal der Kampf ent- scheiden soll, hat man auf feiten des Schneiderverbandes keine Ursache, den Arbeitgebern nachzulaufen und sie um Verhandlungen zu bitten. Lohnbewegung der Anwaltsangestellten. Eine gutbesuchte öffentliche Versammlung der R e cht s-- anwalt sänge st eilten hatte der Verband der Bureauange- stellten zusainmcnbrriifen. Infolge Beschlusses in einer öffentlichen Versammlung die Ende vorigen Jahres tagte, hat die Berliner Ortsleitung des Verbandes sich an den Berliner Anwaltsverein mit dem Verlangen auf Gewährung einer fünfzehnprozen- tigen Gehaltsaufbesserung gewandt. Der Vorstand dieses Vereins hat in einem, gewundene Redensarten enthaltenden Antwortschreiben die Forderung der Angestellten abgelehnt. Das Antwortschreiben erfuhr in der Versammlung herbe Kritik.— Der Referent Giebel legte an der Hand reichhaltigen Materials die äußerst traurigen Arbeitsbedingungen der Rcchtsanwaltsange- stellten dar. Tie Mehrheit der Angestellten erhält monatlich weniger als 100 M./die Arbeitszeit übersteigt im Durchschnitt täg- lich neun Stunden, die Buiftauräume müssen häufig als zum Auf- enthalt von Mcn'chen ungeeignet bezeichnet werden. Der Referent sowohl als auch eine Reihe von Diskussionsrednern forderten die Angestellten auf, sich endlich aufzuraffen, um diesen unwürdigen Zuständen ein Ende zu bereiten. Eine zum mindesten partielle Arbeitseinstellung wurde lebhast propagiert. Die Organisationsleitung wurde beauftragt, die zur Durchsetzung der Forderungen nötigen Schritte zu unter- nehmen. Außerdem wurde eine Resolution angenommen, in der an den Reichstag das Ersuchen gerichtet wird, bei der Regierung auf eine Gesetzesvorlage zu dringen, die den Bureauangestellten die rechtliche Gleichstellung mit den Handlungsgehilfen bringt. Erfolgreiche Lohnbewegung im WeinHause Kcmpinski. Die dort beschäftigten zirka 150 Kellner, die in ihrer Mehr- zahl im Verband deutscher Gastwirtsgehilfen or- ganisiert sind, zum Teil auch dem Deutschen Kellnerbund angehören, waren schon seit längerer Zeit mit den Lohn- und Arbeitsverhält- nissen unzufrieden. Sie forderten an Stelle der bisherigen Be- köstigung eine Geldentschädigung in Höhe von 40 M. monatlich, Regelung des Plaeeurwesens(bisher mußten die Kellner mindestens wöchentlich einen Tag den Placcurdienst unentgeltlich ausüben) und schließlich die Wiedereinstellung des gemaßregelten Vertrauens- manncs. Die Firma hat gestern, nachdem die Kommission noch- mals verhandelt hat, die Forderungen bewilligt.— Charakteristisch ist hierbei für die„nationalen" Vereine, daß der Deutsche Kellnerbund, der bei der Einleitung der Bewegung be- teiligt war, in dem Augenblicke kläglich kniff, in dem die Sache ernst zu werden schien._ Zur Bewegung der Zigarrenarbeiter in Groß-Berlin. Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß den Versiche- rungen von Zigarrenagenten und Vertretern, die behaupten, die von ihnen vertretenen Firmen seien tarifiert, kein Glauben zu schenken ist, solange diese Angaben nicht seitens des HauptvorstandcS des Deutschen Tabakarbeiterverbandes in Bremen oder der ihn ver tretenden Gauleiter bestätigt und beglaubigt sind. Das Bureau der Tabakarbeiter, Gr. Hamburger Str. 18/19, ist stets bereit, Listen der tarifierten Firmen zur Verfügung zu stellen, sowie jede verlangte Auskunft zu erteilen. Arbeiter, Parteigenossen! Fragt bei allen Zigarreneinkäufen nach den grünen Tarifplakaten, unterschrieben: Alwin Schulze. Beachtet die Veröffentlichungen der Tariffirmen in den Sonn- tagSnummern des„Vorwärts". Der Vertrauensmann der Tabakarbeiter. Deurfcsies Reich. Im Messingwerk in Heegermühle hatten die 120 Arbeiter der Gießerei die Arbeit eingestellt. Es war ihnen an Stelle der bis- herigcn gußweisen Bezahlung eine Akkordbezahlung angeboten worden, die eine erhebliche Verdienstreduktion dargestellt hätte. Gepflogene Verhandlungen führten zu keinem Resultat. Die von dem Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiterverbandes auf- genommenen Verhandlungen hatten dann den Erfolg, daß die NeueinfüHrung zunächst zurückgezogen und einige weitere Zu- gcständnisse gemacht wurden. Innerhalb vier Wochen soll dann durch gemeinschaftliche Verhandlungen eine neue Basis der Preis- bildung gesucht werden. Die Arbeiter nahmen nach diesem Zuge- i'tändnis die Arbeit wieder auf. lahmgelegt. Es haben sich bei der Streikkontrolle in Elbing am Freitag 2800 und in Danzig 1200 Mann gemeldet.— Der Kampf dauert unverändert fort. Erklärung. Unter der Ueberschrift„Christliche Agitationsweise" brachte der„Vorwärts" in der Nr. 269 vom 16. November 1911 eine Notiz, die über den Sekretär des Gewcrkvcrcins christlicher Bergarbeiter Deutschlands, Anton Kowalczyk zu Kattowitz, die Behauptung ent- hielt, daß derselbe ein Zentrumsgewerkvcreins'ekretär sei und früher selbst Mein und Dein nicht habe unterscheiden können. Diese Behauptungen nehme ich als unlvahr und jeder Grundlage ent- bchrend mit Bedauern zurück. Des ferneren verpflichte ich mich, diese Erklärung einmal im„Vonvärts", in der„Bergarbeiter- Zeitung" Bochum und im ,.Bergknappen"-Esfen zu veröffentlichen und sämtliche Kosten zu tragen. Richaro Barth. Wir haben die fragliche Notiz einer Korrespondenz entnommen, die uns sonst als in jeder Beziehung, zuverlässig bekannt ist. Erst durch die Klage des Herrn Kowalczyk erfuhren wir, daß es sich um eine mißverständliche Ausdeutung eines in der„Bergarbeiter- Zeitung" erschienenen Artikels handelte. Hätten wir ftüher Kennt- nis von der wahren Sachlage erhalten, so hätten wir uns natürlich ohne weiteres für verpflichtet gehalten, die Sache richtigzustellen. Red. d.„V.". Ter Mühlenarbeitersireik in L ü b c ck ist nach einer Dauer von 10 Wochen unter folgenden Bedingungen beendet: Tie Wochen» löhne werden auf 27 und 25 M. festgesetzt unter Wegfall der Grati- fikationen. Die Sparkassenbücher werden den Arbeitern zur fest- gesetzten Zeit ausgeliefert. Es sind das die haupt'ächlichsten Punkte, um welche die Arbeiter gekämpft haben, namentlich das angeführte Sparsystem hielt die Arbeiter in Abhängigkeit. Von den Streiken den wird ein Teil bis zum 25. März eingestellt, die anderen nach Bedarf. Tie Arbeiter standen einig und geschloßen bis zum letzten Augenblick, die Hintzebrüder haben auch in diesem Falle die Forde- rungen der Arbeiter nicht hintertreiben können. In Rücksicht darauf, daß die Arbeiter auch die Kaufmannschaft und den Reeder» verein gegen sich hatten, ist der Abschluß des Kampfes für sie durch- aus ehrenvoll und annehmbar_ Hafcnarbeiterstrcik in Bremerhaven. Bei der Firma H i n s ch, die als Beauftragte des Norddeutschen Lloyd gilt,"wurden fortgesetzt Vertrauensleute des Transport- arbcitcrvcrbandes gcmaßregelt. Da die Firma nun mit Recht er- wartete, daß es deshalb zum Streik kommen würde, suchte sie seit gestern in bürgerlichen Zeitungen 300 Arbeiter, die sich kontraktlich auf längere Zeit zur Arbeit verpflichten sollten. Am Donnerstag stellten daraufhin 700— 800 Hafenarbeiter die Arbeit ein. Es hau» delt sich also eigentlich um einen Streik beim Norddeutschen Lloyd. Ter Streik der Leipziger Steinsetzer siegreich beendet. Die Unternehmer, die den Kampf durch einen Angriff auf das Koali- tionsrecht vom Zaune gebrochen, haben nicht nur diesen Angriff eingestellt, sondern einer Klausel zugestimmt, die als eine voll- ständige Freiheit der Sickerung des Koalitionsrechts angesprochen werden kann. Darüber hinaus haben die Unternehmer sich noch zu einer Lohnerhöhung von 7 Pf. pro Stunde, auf_vier Fahre verteilt, verstehen müssen; außerdem wurde den Steinsetzern zu- gestanden, daß die Preise für Akkordarbeit, deren Verweigerung nicht als Tarifbruch gilt, von der paritätischen Schlichtungskom- Mission festgesetzt werden. Der Erfolg der Arbeiter ist um so be- deutungsvoller, wenn man sich vergegenwärtigt, daß in Leipzig der Unternehmer-Reichsverband seinen Sitz hat. Er hat also sozu- sagen im eigenen Hause bei seinem ersten Vorstoß gegen das Koali. tionsrecht eine vollständige Niederlage erlitten.— Auch der Ab- wchrstreik in Nordhausen ist nach wenigen Tagen vollständig zugunsten der Arbeiter entschieden worden. Bürgerlicher Terrorismusschwindel. Die„Zeitung für Hinterpommern", ein konservatives Blatt, brachte dieser Tage folgende Meldung auS Bütow: „Angefallen und durch Stockschläge und Messerstiche erheb- lich verletzt wurde auf dem Nachhausewege von seiner Arbeits- statte der Maurergeselle Klohn von hier durch den Maurer- gesellen M., der gleichfalls mit seiner Familie in Mangwitz an- sässig ist. Klohn. der ein ruhiger, arbeitsamer Mensch sein soll, erlitt am Kopfe sechs Messerstiche. Der Grund zu diesem Heber. fall soll Streikterrorismus sein, weil Klohn im Sommer v. I. gearbeitet und nicht gestreikt hatte, um für seine zahlreiche Familie Nahrungsunterhalt zu schaffen." Erkundigungen an Ort und Stelle ergaben ein ganz anderes Bild von dem Ereignis und zeigen wieder einmal aufs neue, welcher elenden Verleumdungen das konservative Preßgelichter fähig ist, um die organisierten Arbeiter in den Augen anderer herabzuwürdigen. Danach hat sich der Vorfall wie folgt abgespielt: Der Maurer Klohn ist nicht überfallen worden. Klohn und M. sind gute Freunde und haben oft miteinander gezecht, so auch an dem raglichen Tage. In einem bestimmten Stadium der Trunkenheit haben sich beide aus einem ganz nichtigen Grunde entzweit. Klohn ging auf M. mit dem Messer loS, M. wehrte den Angriff mit einem Spazierstocke ab. wobei Klohn den kürzeren gezogen hat. Es handelte sich also lediglich um einen Wirtshausstreit. Von StreikterroriSmus ist überhaupt nicht die Rede und kann eS schon auS dem Grunde nicht sein, weil Klohn sowohl als auch M. den raglichen Streik von Anfang bis Ende mitgemacht haben, ohne gegen irgendwelche Beschlüsse der Streikenden verstoßen zu haben. Zum Streik aus den Schichauwerften. Die von der Firma Schichau-Danzig und Elbing verbreitete x-- cw„r»„ n-._... i Nachricht von der Wiederaufnahme der Arbeit in ihren Betrieben der Maßbranche großen Vorteil haben, wollen sich, wie leicht be»[ ist unwahr. Wohl haben sich einige Streikbrecher für die Abteilung Verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Zh. Glocke, Berl>n. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstalt Paul Singer ä:Co.,BerlinLVV. Hierzu 4 Beilagen u.Uiitcrhaltungsbll Letzte)Vach richten. Gegen die verderblichen Gchcimverträge. Paris, 8. März.(W. T. B.) In der Kammer wurde die Be» sprechung der Interpellation über die auswärtig« Politik fortgesetzt. I a u r e s bedauerte, daß Regnault erklärt habe, er werde das volle Protektorat über Marokko einrichten. Ministerpräsident Poin- care erwiderte. Regnault sei nur beauftragt, den Vertrag über das Protektorat unterzeichnen zu lassen. I a u r e s kritisierte dann die maßlose und engherzige Politik Delcasses und die Marokko» Politik Clemenceaus und PichonS. Er warf Pichon vor, daß er die Beziehung zwischen der Marokko- und der Ngokosangha-Angelegen» heit nicht bekanntgegeben habe. Poincare unterbrach ihn und zitierte den Verhandlungsbericht der Budgetkommission, wonach Pichon und Briand auf die inneren Beziehungen zwischen den beiden Angelegenheiten hingewiesen haben. Dem widersprach jedoch P i o u, unterstützt von zwei anderen Deputierten. Unter lebhafter Erregung der Kammer setzte I a u r e s dann seine Rede fort und bemerkte, wenn Deutschland und Frankreich sich tatsächlich mit der Ngokosangha-Angelegenheit beschäftigt hätten, so hätte die Kammer davon unterrichtet werden müssen. Er protestierte dann gegen die Neigung der französischen Minister, ihre Verantwortlichkeit zu vergessen, wenn sie auS ihrem Amte geschieden seien. Die geheime Diplomatie sei die Ursache der Schwierigkeiten. Wenn es nach Agadir zum Kriege zwischen Deutschland und Frank. reich gekommen wäre, so würden die Völker wegen der Fehler einiger ungeschickter und habgieriger Geldleute haben bluten müssen.(Bei- fall auf der äußersten Linken und auf verschiedenen Bänken.) Thalamus hielt es für erforderlich, den Besitzungen in Nord- afrika eine gemeinsame Leitung zu geben und Ernest Roche ver- langte, das) die Gehcimvertröge gesetzlich verboten würden. Kartell und Kohlenteuerung in Oesterreich. ' Wien, 8. März.(W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus fetzte heute die zweite Lesung der Anträge des TcuerungsausschusscS betr. die liartellfrage und die Kohlenteuerung fort. Zur Schnciderausspcrrung. Breslau, 8. März.(W. T. B.) Wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, werden sich auch die hiesigen Unternehmer im Maßschneidergewcrb« von morgen bezw. Montag ab an der Generalaussperrung beteiligen, falls nicht noch in letzter Stunde eine Einigung mit den Arbeitnehmern erzielt wird. Dem hiesigen Arbeitgeberverband sind 74 Firmen angeschlossen. Tie Zahl der von der zu erwartenden Aussperrung betroffenen organi- sierten Arbeitnehmer wird auf 500 bis 600 geschätzt. Fabrikbrand. Siegen, 8. März.(P.-C.) Heute nacht ist der Fabrikkomplex der Firma H. Bertram, Röhrcnfabrik. vollständig niederge» b rannt. Dreihunderl Arbeiter sind bftchäfligungslos. Wertvolle Maschinen wurden vollständig vernichtet, die Lagerbestände zum größten Teil.* Ein griechischer Dampfer gescheitert. Marseille, 8. März. sP,-C.) Wie aus St. Louis du Rhone ge» meldet wird, ist dort der griechische Dampfer„Elleni", der aus Constanta mit einer Ladung Getreide kam, heute morgen um 4 Uhr an der Küste der Jsle de la Camarguc gescheitert. Es sind verschie- dcnc Schlepper ausgelaufen, um dem bedrängten Schiffe zu Hilfe zu eilen, doch gilt dasselbe als v e r I o r c n. Die Besatzung befindet sich noch an Bord, man Hofft aber, sie retten zu können. Kr. 58. 29. Jahrgang. 1. Itilajf iw Jatmlrtf ßtrlintt ßaiyialt. Sonnabend, 9. Marz(912. Hbgeordnetenbaus» 32. Sitzung. Freitag, den 8. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach, Kommissare. Der Bauetat. Ein nationalliberal-fortschrittlicher Antrag will die Staats- regierung ersuchen, in Verbindung mit dem Wassergesetz und den Vorarbeiten für eine Verwaltungsreform die Zentralisation der Mass er bauver waltung und der Wasserwirt- s ch a f t in einer Behörde in Erwägung zu ziehen. Abg. Heine snatt.): Die Wasserkräfte der Eder und Diemel sollten mit denen bei Mnnven vereinigt und durch eine Starkstromleitung nach Kasiel und Göltingen ausgenutzl werden. Es ist aber von all dem incrkivürdig still geworden. Minister v. Brcitcnliach stimmt diesen Anregungen zu. Die Pläne sind fertig, es wird nur auf den Abschluß der Verhandlungen mir einigen grotzen Verbänden gcivartet. Äbg Eocbcl: Die Tarife auf dem Großschiffahrtswege Steltin-Berlin müssen so hoch wie möglich sein, damit nicht die englische Koble die schlesische ganz aus Berlin verdrängt. Abg. ssrhr. v. Zedlitz(st.) stimmt dem Abg. Goebcl zu. Abg. Frhr. v. iL! Nitzahnv e r st c gefährdet; er stagniert, i ie Stcitincr llleedcre'en werden bankrott! Alle anderen Cst» und Nord'ccbäfcn kommen glänzend vorwärts, also kann es nur an der Ueberbelasiung Stettins liegen. Längst sind die Äu'wendlingt n des Staates kür die Vertiefung bezahlt und überzahlt. Die Vcrliefungabgabe war eine vorivcggenommene Sckiffahrtsabgabe Stettin hat genug geblutet! Preußen hat Hamburg und Lübeck begünstigt, seine erste Seestadt aber ver- nacklässigt. Die hohen Tarife auf dem Großschiffahrtswege Stettin- Berlin geben Stettin, den Rest. Minister v. Brcitcnbach: Abgaben aus den Wasserstraßen müssen erhob.» werden. Wenn durck die Äanalbauten, die für viele Industriell andere Verhältuiffe schaffen werden, Schlesien be- sondere Vorteile haben sollte, wird zu prüfen sein, ob für Stettin etwas geschehen soll. Durch hohe Abgaben iverden die Interessenten der Wasserstraßen vor der Garantieleistung bewahrt. Die Ostsee- Häfen liegen uns''ebr am Herzen. Die Abgg. Krause- Waldenburg lfk.) und Goebcl sämtliche Verordnungen über den Schutz der Bauarbeiter ans alle ländlichen Gemeinden und Gulsbczirke ausgedehnt werden. Abg. Lciucrt sSoz.j: Der jetzt zur Becaiuiig stehende Antrag ist in seinem ersten 2i bürgerliche Abgeordnete, die nicht zu Ihofe gehen wollten! Tic Weigerung der sozialdemokratischen ReichsiagSfraktion, ihrem Kandidaten zur Präsidentenwahl im Reichstag die Verpflich- tung zum Hofgar g aufzuerlegen, wird von der pseudo-libcralen und reaktionären Presse als fürchterliches Attentat wider die er- habene Institution des Gottesgnadentums verdammt, dessen auch nur— Gott sei gedankt— die umstürzlerische.rote Rotte" fähig ist. Und erst die kritische Beleuchtung, die Genosse Scheidcmann in einer Rcichstagsrcde der Regicrungskunst der Hohenzollcrn hat angedcihen lassen! Einfach fürchterlich! Vielleicht interessiert die patriotisch entrüsteten Herren eine kleine Episode aus längst vergangener Zeit, als auch noch im Bürgertum so etwas wie.Männcrstolz vor Königsthronen" an- zutreffen war. Im Schwabenland hat sich das nette Geschichtchen zugetragen. Anno Tomini 1869, als man dortsclbst das Svjährige Bestehen der Landesverfassung feierte. Der König Karl I. veranstaltete am Tage des Inkrafttretens der Verfassung, den 25. September, im lliesidenzschloß eine große Galatafcl, zu der sämtliche Mitglieder beider Kammern Einladun- gen erhielten. Einer der Landtagsabgeordneten, nämlich der Führer der Württembcrgischen Vollspartei Dr. Earl Mayer, Redakteur des Stuttgarter„Beobachte r", war jedoch„dienstlich verhindert", der Einladung Folge zu leisten. Er sah just im Ge- fängnis auf dem Hohenaspcrg, allwo auch der Zeitungsschreiber und Dichter Christ. Fricdr. Daniel Schubart zehn Jahre ein- gekerkert war, weil er sich unziemlich über seinen Landcsvatcr Karl Eugen und dessen Maitrcsse geäußert haben soll. Carl Mauer, kurzlvcg der.S ch w a b e n m a y e r" genannt, hatte ein ähnliches Verbrechen begangen, wenn auch nicht am angestammten Landes- Vater: er hatte die Hohenzollern kritisiert! Aber etwas kräftiger, als das unser Genosse Scheidcmann fertig bringt. Denn wenn ein Schwabe mal zu kritisieren anfängt, das fleckt schon anders! Der„Handlanger" seines Herrn, Bismarck, hatte die württembergischc Justiz angerufen. Die Folge war ein Prozeß: Hohenzollern kontra S ch w abenmayerl Das Rc- sultat: Sechs Wochen Gefängnis für Schwaben- wayer, die er am 9. September 1869 auf dem Hohenaspcrg antrat. Soweit ist die Geschichte ganz alltäglich. Mäher saß in be- schaulicher Ruhe in seiner Zelle und freute sich, für einige Zeit dem Getriebe dieser unrrchigcn Welt entrückt zu sein. Nebenbei brütete et schon wieder über neue Attentate auf seinen Prozctzgegncr. Teile dem Autrage nachgebildet, den wir im Jahre 1999 gestellt hinten. Wir fordern eine gesetzliche Regelung dcS Bauarbeiterschutzcs. Wir verlangen, daß zuBaukontrolleuren auch Arbeiter in freier Wahl gewählt werden sollen, die uns eine bessere Aussicht für die Einhaltung der Arbeiterschuybestimmung bieten, als die Polizeibeamten, die in der Regel von dem Bauarbeiter- schütz gar nichts verstehen, sSehr richtig! bei den Sozioldeino- kraten.) Hingegen haben die Vertreter aus den Arbeiterklassen selbst eine prckklische Erfahrung. Der Bauarbeiterschutz beruht in Preußen vornehmlich auf P o l i z e i v e r o r d n u n g e n, die in der Regel den Grundzügen nackgebildet sind, die der Minister der öffentlicken Arbeit herausgibt. Die Durchführung dieser Arbeiter- schutzbestimmungen ist außerordentlich mangelhaft. Der Minister hat im Jahre 1909, als ich darauf aufmerksam machte, dies auf das lebhafteste bestrilleu. Er erklärte, daß diese Organe, nämlich die Polizei usw., nack Auffassung der SlaatSregierung vollkommen dazu ausreiche. Unfälle vorzubeugen, und den Arbeiterschutz wirksam zu gestalten, soweit dies im Bereich der Möglichkeit liege. Wir haben damals in diese Aeußerung den allergrößten Zweifel gesetzt. Nach dieser Debatte haben seit dem Jahre 1999 Bauarbeitersckutzkonfercnzen getagt, die überall das Gegenteil von dem festgestellt haben, was der Minister hier als ausreichend hin- gestellt hat,(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Tie auf diesen Konferenzen ausgestellten Forderungen beziehen sich auf einen landesgesetzlichen B'auarbeiterschntz, Anstellung von Bauarbeilerkontrollenren, Er- Weiterung der vom Minister erlassenen Vorsckriften und eine größere Kontrolle. Im Jahre 1919 hat der Minister einen neuen Rund- erlaß über die außerierminlicke Ueberwachung der Bauten heraus- gegeben. In diesem Erlaß heißt es. daß zwar die Ueberwachung der Bauten im allgemeinen sich etwas gebessert habe und daß dies auch teilweise vorbildlich und anerieimcnsivert sei. Indes sei andererseits nicht zu verkennen, daß die Polizeifürsorge in anderen Gemeinden und zwar auck in solchen mit reger Bautätigkeit noch viel zu wünschen übrig lasse. Diese Worte bestätigen unsere Banarbeiterklagen. die wir im Jahre 1999 vorgetragen haben. Außerdem enthält dieser Runderlaß die Bestimmung, daß durch die den Berufsgenossenschaften gesetzlich ausliegende Pflicht zur Anstellung von Äussicklsbeamten, die Polizeibeamten von ihrer Verantwortung für die Sicherheit auf den Bauten nicht befreit werden sollen. In diciem Erlaß steht ferner, daß die Gemeinden Beamte anzustellen haben, die in der Lage sind, den Baubetrieb zu kennen, und daß dort, wo es einer Gemeinde nicht möglich ist, einen Beamten für sich allein anzustellen, für mehrere G e- nr c i n d c n ein solcher eingestellt werden soll. Hier hat der Minister einen Erlaß herausgegeben, der bei den Bauarbeitern volles Verständnis findet. Aber das wichtigste an diesem Erlaß ist, daß er die Berechtigung unserer seinerzeit erhobenen Klagen be- stätigt hat.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich muß loben, daß hier Abbilie geschaffen worden ist; aber es ist ja schließlich auch nur die P f l i ch t der Staatsbehörden, für Leben und Gesundheit der Bauarbeiter zu sorgen.(Zustimmung bei den Sozialdeniokraten.) Hoffemlich schadet unsere Anerkennung des Ministerialerlasses dem Minister nicht.(Heiterkeit.) In einem Erlaß von 1911 werden einige neue Bestimmungen getroffen, darunter eine, daß in den Unterkunftsräumen a u ß er Sitzen auch T i s ch e enthalten sein müssen. Früher waren nur Sitze vorgeschrieben und daraufhin stellten die Unlernchmer keine Tische bei. Anerkennenswert ist die Neuerung, daß bei T i e f b a u t e n außerhalb geschlossener Städte Wärmceinrichluugen vorbanden sein müssen. Wir wünschen dringend, daß dies auch für Hochbauten angeordnet wird. Warum erst eine solche Unterscheidung? Es fehlen aber Bestimmungen auf Ein- richtung von Verbandskästen für erste Hilfe, Saniläisräunte mit Waschgelegenheit, genauere llte- gclung der Reinhaltung der Bauten. Jede Baubude müßte täglich gereinigt werden! Nicht einmal Spucknäp fe müssen auf- gestellt iverden— im Zeitalter der Bekämpfung der Tuberkulose. Unklar ist die Bestimmung über die Scheidewände zwischen den Abortsitzen; das sollte für jeden Sitz bestimmt werden. Bei der wortgetreuen Auslegung solcher Elasse sind das alles keine Kleinigkeiten. Start„Heizbarkeit" sollte„Heizung" der Arbeits- räume bestimmt werden. Anerkannt muß werden, daß die Eni- fernmig der Aufenthaltsräume vom Arbeitsort von 759 auf 559 Meter herabgesetzt sei. Der Redner verweist auf das reickliche Material der Banarbeiteischntzkommissionen und legt einige Photographien auf den Tisch des Hauses nieder. Die Winterbauten müßten 7 Monate lang gedichtet werden, statt 5 Monate. Daneben muß auch Er- wärmung der Winterbauten, nicht bloß Schutz vor Am Morgen des 18. September wurde dieses Idyll auf etwas sonderbare Weise unterbrochen. Der Gefängniswärter brachte dem Verbrecher folgendes Brteflcin auf die Zelle: Seiner Wohlgeboren dem Herrn Abgeordneten Redakteur Dr. C. Mayer in Stuttgart! Euer Wohlgeborcn habe ich die Ehre auf hoch st cn Befehl Seiner König- lichen Majestät zu der Gala-Tafel einzuladen, welche am 25. dieses Monats, dem Jahrestag des fünfzigjährigen Be- stehens der Landcsverfassung, im weißen Saale des Kgl. Residenz- schlosscs zu Stuttgart Statt findet. Hochachtungsvoll Schloß Friedrichshafen, den 15. Sept. 1869. Generalmajor Graf Beroldingen Hofmarschall S. M. de? Königs. Zeit: 5Vt. Uhr. Anzug: schwarzer Frack und weiße Hals- binde. Anfahrt: am grünen Teppichsaal. Schwabenmavcr war sehr erfreut ob dieser freundlichen Ein- ladung. Er fand aber, daß die vorgeschriebene Kleidung, Frack und weiße Binde, in seiner GcfängniSgarderobe leider fehlte. Er schrieb darum zurück: An das Kgl. Oberhofmeisteramt in Swttgartl Hohenaspcrg. den 18. September 1869. Es ist mir heute vom Hofmarschallamt Sr. Majestät des Königs Herrn Generalmajor Graf von Beroldingen auf höchsten Befehl eine Einladung d. d. Friedrickshafen 15. d. M. zu der Gala-Tafel zugekommen, welche am 25. d. M., dem Jahrestag dcS 59jährigen Bestehens der Landesverfassung, im jlgl. Rcsidenz- schloß stattfindet, und werde ich in dieser Zuschrift angewiesen, darüber Ihrer verchrlichen Stelle Antwort zu geben. Dem Herrn Hofmarschall war vermutlich nicht bekannt, daß ich, in der Er- stehung von Gefängnisstrafen begriffen, zu welchen ich auf Klage der Kgl. Preußischem Regierung und des Grafen Bismarck in Preßprozessen verurteilt wurde, zur Zeit nicht in der Lage bin, Einladungen anzunehmen. Jndenr ich daher für die mir zugedachte Ehre höflichst danke, bin ich mit Ausgezeichneter Hochachtung (Unterschrift.) Die Vermutung Schwabenmahers, daS Hofmarschallamt habe keine Kenntnis von der„dienstlichen Verhinderung" des Zeitungs- schreibers gehabt, war übrigens falsch. Mit dem Antwortschreiben Mayers kreuzte nämlich folgende Verfügung: Zugluft angeordnet werden, wie das in Württemberg schon teilweise geschehen ist. Preußen mutz mit dem Bauarbeiterschutz vorangehen, denn nach ihm richten sich mehrere Bundesstaaten. Es bleibt aber hinter Württemberg zurück. Die Polizeiverordnungen über den Arbeiterschutz aus Bauten sollten ebenso aufgehängt werden müssen, wie die Unfallver- hütungsvorschristen und in den Fabriken die Arbeitszeit. Das wäre viel wichtiger als die Aushängung aller gleichgültigen, völlig unbeach- teten Verordnungen in Straßenbahnen. Die Organisation macht ja die Bestimmungen bekannt, aber damit sind sie noch nicht maßgebend für die Unternehmer und leider gibt es noch unorgani- sierte Arbeiter, z. B. die Ausländer bei Erd- und Kanalarbeiten, die sich gar nicht um die Schutzvorschriften kümmern. In M i n d c n werden die Vorschriften beim Kanalban gar nicht eingehalten; auf eine Beschwerde beim Kanalamt wurde dem Bauarbeiter- Vertrauensmann die Berechtigung abgesprochen, lagen für die Arbeiter vorzubringen.(Sehr richtig! rechts.) Sie wollen ja gar nicht, daß die Arbeiter wissen, unter welchen Bedingungen sie zu arbeiten haben. Unsere Vertrauensmänner werden sich aber durch solche Anschauungen in ihrem Eintreten für die Arbeiter nickt hindern lassen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es handellx sich da um die schwersten Verfehlungen gegen Sittlichkeit und Gesundheit der Arbeiter und da sollen sich die von den dafür verantwortlichen Polieren ab- hängigen Arbeiter selbst zu beschweren wagen! Sie haben doch selbst hier erklärt, daß B e hö r d e n t e r r o r i s m u s die Hand- werker von Beschwerden abhält I(Hört! hört I bei den Sozialdemo- kraten.) Das Kanalbauamt hat selbst auf die Schäden;u achten; er hat seine Pflicht verletzt, wenn er verlangt, darauf erst von jedcnr Arbeiter aufmerksam gemacht zu werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir begrüßen die Anlage einer öffentlichen Statistik über die Unfallursachcn im Eisenbeionbau. Der Bundesrat sollte das im ganzen Reiche veranlassen. Diese Statistik sollte rasch, in kurzen Zwischenräumen veröffentlicht werden. Die Unfallberufungs- Vorschriften beabsichtigen ja einer Verschlechterung der Unfall- Verhütungsvorschriften, Darauf müßte der Minister genau achten. Er hat ja vor der Genehmigimg durch das Reichsversicherungsamt das Recht, sich zu äußer n. In unserem Antrage fordern wir ferner Ausdehnung der Bauarbeiterschutzvorschriften auf das flache Land und die kleinen Städte mit ländlichen Verhält- pissen. Daß das nicht gleich geschehen ist, haben wir schon 1999 als großen Fehler bezeichnet. Was kümmern sich die Polizeibehörden auf dem Lande um Arbeiterichutz! Die führen nicht freiwillig die Grundsätze des Ministerialerlasses auf dem Lande ein. Ich muß die dem Minister gezollte Anerkennung auf die Hälfte redu- zieren, weil die außerberlinische Ueberwachung des Bauarbeiter- schutzes ans die Gemeinden mit über 199999 Einwohnern beschränk ist. Dafür gibt es höchstens die„Begründung" einer Fürsorge für die Großgrundbesitzer.'(Sehr richtig I bei den Sozial- demokratcn.) Die pommersche Bauarbeiterschutzkonferenz in Stettin hat im August 1911 festgestellt, daß auf dem Lande von einer Durchführung der Laiiarbeiterschntzbestimmungen keine Rede ist. Eine Bautenkontrolle auf 389 Bauten stellten denn auch die schwersten Mängel sanitärer Art fest, sowohl auf den Bauten, als noch mehr in den Baubuden, von denen übrigens nur 11 wöchentlich gereinigt wurden. Die Aborte waren zum Teil im unglaublichsten Zustand usw. Kurz, ein unglaubliches Lotterwesen im Bauwesen auf dem Lande. Für die Unterbringung der Arbeiter wird in keiner Weise gesorgt. Wir be- antragen deshalb, daß für ausreichende Wohngelegenheit gesorgt werden muß, und d�ß diese so eingerichtet werden muß. daß Seuchengefahren usw, verhindert bleiben, Bier bis sechs Woche)» lang kommen die Leute uickst aus den Kleidern, ihr Lagcrstroh verfault! In den Tarifverträgen fordert der Zentral- verband der Maurer immer Bestimmungen für die Unter- bringung der Bauarbeiter auf dem Lande, so daß die Betten mindestens 39 Zentimeter über dem Boden sein müssen, daß die Bettwäsche regelmäßig in vier bis sechs Wochen gc- wechselt, nötigenfalls desinfiziert werden müsse usf. Die Pommer scheu Landräte haben in den Antworten auf die Beschlüsse der Bauarbciterschutzkonferenz bestätigt, daß auf dem Lande kein Bauarbeiter schütz besteht, nur—„verbitten Sie sich wegen Ausfällen auf die Behörden" die Zusendung der Konferenz- Protokolle.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist das Kgl. CivilfestungSgefängnis und Strafanstalt Hohenaspcrg l 19. September 1869. Dem wegen ehrenrührigen Bezichts zur Erstehung einer sechswöchigen Kreisgefängnisstrafe hier befind- lichen Redakteur C. Mayer von Stuttgart ist eröffnet worden, daß für den Fall er der an die Mitglieder der Stände Versammlung ergangenen Einladung zur König l. Tafel am Samstag den 2 5. d. M. nach- zukommen Willens wäre, nach kgl. Justizministerial- erlaß vom 18. d. M. die Unterbrechung der Strafe auf die Tauer vom 24. bis 26. d. M. verfügt worden ist. Schwabenmahcr war jedoch nicht willens, seine„Ferien" nur auf zwei Tage zu unterbrechen. Wenn schon, denn schon! sagte er. Seinen Freunden teilte er mit, daß er zwar geneigt sei, seincii Ruhesitz aufzugeben; hinaus gehe er schon, aber aus keinen Fall wieder hinein! Seine Parteifreunde waren der gleichen Meinung. Ebenso die Großdeutschen. Letztere teilten den Entschluß Schwabenmaycrs dem Justizminister Mittnacht mit und fügten hinzu, daß, wenn der Kollege Schwaben- mahcr an der König l. Galatafel nicht speisen könne, auch sie dankend verzichten müßten. Der Justizminister wäre wahrscheinlich heilfroh gewesen, wenn er den Sünder Wider das Gottesgnadentum der Hohenzollern auf gute Manier losgeworden wäre, mitsamt dessen„ehrenrührigen Bezich- ten" gegen die Herrschcrtugenden der Prozehgegner Schwaben- mavers. Aber traue einer dem Berliner Windl Die Regierung lehnte ab, den Mojcstätsbclcidigcr länger als zwei Tage aus ihrer Obhut zu entlassen. 26 Abgeordnete der Volkspartci und der Großdcutschen Partei beantworteten den ablehnenden Bescheid der Regierung mit der Weigerung, an der Galatafel Sr. Majestät teil- zunehmen. 29 Minuten vor Beginn der Tafel wurden die Stühle der Abgeordneten aus dem Speisesaal des Schlosses ent- fcrnt. Schwabenmayer brummte seine sechs Wochen treu und bieder ab. Seine Freunde aber gingen aufs Land hinaus und hielten Reben, umstürzlerischer als sie der radikalste Sozialdemokrat jemals gehalten hat. * Der verweigerte Hofgang ist auch poetisch verherrlicht worden, Im„Beobachter" vom 13. Oktober 1869 findet sich folgendes rührend schöne Poem eines ungenannten Verfassers: Hört die traurige Geschichte, Die ich jetzt erzählen tu'. In dem schönen Schwabenlande Trug sich neulich dieses zu: Verständnis K» Landräte siic den Vauarveiierichu� NebrigeiiS, der Landrat tv Vi a l tz a h», der mich gerade so ansieht, bat zivar nnch ablehnend, aber doäi wenigstens n n st a n d i g geantwortet. ttikoste Heiterkeit.) J,n Jntcreste der Bauarbeiter fordern wir die Annahme unserer Anlrägc, lvir rechnen allerdings damit, dast Sic einem gesetzlichen Bauarbeiterschutz nicht zu- stimmen, aber für die Ilüterknnkl der Bauarbeiter auf dem Lande Verständnis haben, ebenso für die Ausdehnung der Schutz- besttnmiunge» von IMS auf das ganze flache Land. Es handelt sich nin hohe Güter der Arbeiter. Was ich mit gröstter Objektivität vor- gebracht, wird Sie hoffentlich wenigstens veranlassen, den haar- sträubenden Zuständen durch Annahme unserer Anträge Unter 2. zu Leibe zu geben. lBravo! bei den Sozialdemokraten.) Minister». Breitenliach: Eine scharfe llebcrlvachung der Bauten erfolgt heute schon. Arbeilcrkontrolicure sind aber gar nicht hinreichend befähigt, um den Schutz der ihnen anver- tranlen Arbeiter wirksam durchzuführen und überdies würden sie nur die Beziehungen zwischen Ardeitgeber und Arbeilnehmer neuerdings verschärfen. Allen Anregungen, von welcher Seite sie auch kommen, gehe ich gewissenhaft nach, um de» Bauarbeitcrschntz wirk- sanier durchzuführen. Obgleich in Baher» Banarbeiterkontrolleure angestellt sind, ist doch die jsabl der Unfälle griiger als in Preußen. Bei Bauten auf dem Lande muß schon jetzt für Unterbringung der Arbeiter gesorgt werden, aber diese Bestimmungen können nicht ver« allgemeinert werden. Ter erste Teil des Antrage? Borchardt ist u n a nnch m bar. Wenn das stanalbauamt in Minden einem Arbeiter sckretär das lliecht der Beschwerde abgesprochen hat, so entspricht das der' Haltung aller anderen Behörden. Lediglich der einzelne Arbeiter hat das Recht der Beschwerde. lobt die Dortmunder Hafenanlagen für den Dortmnnd-EinSlaiial, die mit der unteren Elbe und der Weser verbunden werden sollten. Die Zentralisation des WasferbauwefenS ist nicht notwendig. Die sozialdemokratischen Anträge lehnen wir ab. Arbeiterkontrolleure sind für uns unannehmbar! wer ist denn dann noch Herr im Hause? So lange die Sozialdeniokraten daZ platte Land nicht kennen, haben sie nicht das Recht, Anträge über da« Bauen auf dem Lande zu stellen. Das Heize» der Reuliauten würde das B-lk ver- weichliche». Wir sind gegen übertriebene Hygiene. Wegen der über« rriebenen Forderungen will ohnedies niemand mehr auf dem Lande baue».»Lachen bei den Sozialdemokraten. Lebhafter Beifall rechts.) Sonnabend ll llhr: Fortsetzung. Schluß 4'/«-Ihr._____ parlamcntarircbes* Ans der Budgetkommission des Reichstages.' Tie allgemeine Debatte über die Gehalts, und Dienst. Verhältnisse der R c i ch s p o st'b c a m t e n wurde am Frei- tag fortgesetzt. Abg. Z u l> e i l wies zahlenmäßig nach, wie gering- sägig für viele Uiitcrbcaintc die Besserstellung durch die Bcsoldungs. eronung gewesen ist. Will man diesen Beamten nur cinigcriilaßcn gerecht werden., missen Gehaltserhöhungen eintreten, ebenso eine Ausbesserung der Tageslöhnc für Tiätare. Tic große Sterblichkeit untcr den Beamten der Schassiierklasse beweist die mißliche Lage dieser Beamten. Tic Regierung bestritt abermals leb- Haft, daß bei den llnterbeanite» von irgendeiner Notlage gesprochen»verde» könne. Ministerialdirektor Herz bc- Alldort lebt ein Nngehcuer, Seines Handioerls Redakteur, Mit dem sell'nen Rainen»Mayer', Deputierter auch ist er. Weil er aus die Preußen schimpfte lind ob ihrer Flunkerei Publizistisch naserümpfte. Kam zu ihm die Polizei.' Tät ihn aus die Festung führen. Sollt' sechs Wochen brummen dort, lind vor seines Karzers Türen Sieht die Schildwach' immerfort. Mayer, manchmal unwohl ist er, Ging nach HauS gern dann und wannf Doch dem Herrn Justizminister Kam kein menschlich Rühren an. Ließ ihn nicht nach Hause reisen, Ließ ihn sitzen»vohlgemut, Dem, er schimpfte auf die Preußen, Was kein guter Mensch nicht tut. Plötzlich sind c» fünfzig Jahre Her, seit man im Schwabenland Di: Berfasiiuig einst, die wahre, Zu des Volkes Nutz erfand. lind der König tät drum eben Seinen Deputierten all' Eine große Tafel geben, Wie dies selten sonst der Fall. Mayer auch loard eingeladen. Hört' Da sprach der Bösewicht: »Danke sehr für Eure Gnaden, Doch zum Essen komm' ich nicht! Denn würd' ich zum Essen gehen, Glaubt der König sicherlich. Daß ich will um Gnade flehen, Und da-Z schickt sich nicht für mich.' So verstockt war sein Gemüt«, Daß man's gar nicht glauben würd', Selbst des Königs große Güte Hat den Sünder nicht gerührt! Die Geschichte soll cuai lehren, WaS die Demokraten sind-- II n d wenn i> n s r e auch s o wären, Wa» für Unheil draus entstund! Zqnnte sich ausdrücklich zu einer Aeußerung, die einsimals der ver- storvcnc Reaktionär v. Kardorfs getan hat: Mit denÄiisbesscrungtil der Beamten müsse die Türe zugemacht werden, denn bic_B:= amtcn seien doch n i c»i a l s zu frieden. Abg. E b c r t»Soz.» widersprach cntsckiiedcn der Auffassung de-- RegiernngsvertretttZ. Wenn die Unzusriedenheit in den Kreisen der Unterbccnntcn heute so groß ist, so hat dac- vor allein die Regierung zu Verantivorten. die sich bei der BesoldungSreform den vcrechiigteu Forderuiigen der Iliiterbeamten widersetzte. Bedauerlicherweise ist das Zentrum erst jetzt zu der Einsicht gekoiiiiiicii, daß es damals ein politischer Fehler war, der Regierung nachzugeben. Zur Resolution Beck sei noch zu bemerten, daß die iicucii Grundsätze des Bundesrats bei der Festsetzung des WohnuiigSgcldzuschusseS zu Härten führen müssen, besonders wenn sie zu sctiematisch gehandhabt werden, wie das in bezug auf Elverfeld-Barinen geschehen sei. Es müsse doch auch die Lage des Wolmiingsmarttes beachtet niid die Gutachten der Ortsbehörden mehr veriickstchtigt werden. Evert ersucht, der Resolution im»veitesten Maße Rechnung zu trogen. Tic Abgg. Südekum und Roste, ferner Kopsch und H u b r i ch wandten sich gleichfalls gegen die Regierung, die schließlich die vorliegenden Anträge durch den Hinweis vekänipstc, sie »vürden eine jährliche Mehrausgabe von 5»— Millionen Mark verursachen. Tie Konniiission nahm schließlich eine sozial- demokratische Resolution au, die eine Revision d c s B c- solduugsgesctzes fordert derart, daß die in der 2. Lesung der BesoldungSorduung vom Reichstag beschlossenen Gehaltssätze, iiisbcsoiiderc für Postschasfncr lind Postassistenien durchgeführt wer- den. Tie Sozialdemokraten hatten diese Durchführung bereits für 1912 verlangt; die bürgerlichen Parteien stimmten jedoch diese Forderung nieder und gaben dem zweiten Teil der Resolution eine Fassung, die innerhalb eines unbestimmten Zeitraumes die Turchfiihrung der Neuregelung fordert. Einstimmig angenommen wurde eine Zentrumsresoliition, die für die Angestellten der Üicichs- post eine den örtliche» Lohn- und Lebe nSver hält- »isseil entsprechende Bezahlung verlangt; ferner die ctatsmäßigc Anstellung der Anwärter der Postscharsnerklassc nach zehn Dtenstjahrcn. Auch eine»ationalltberalc Resolution, die die Beseitigung der Härten beim Bezug von Wobnungs- gcld fordert, fand einstimmig Annahme. Auf Wunsch der bürgerlichen Parteien, hie über die Präsidentenwahl sich noch be- sprechen wollten, wurde die Sitzung nach andcrthalbstüudiger Ttiuer vertagt. Aus der Wahlprüfuiigskommission. In der letzten Sitzung der Kommission wurden zunächst die Wahlen der Abgeordneten T i c t r i ch It., Ruppin-Tcmplinh E o I s- b o r n»Welse, Mcllc-Diepbolz», E r d m a n n»Soz., Tortmund) und Schulen bürg»natl., Hamm-Soest) für gültig erklärt. Im Wahlkreise Köln-Land ist der Abg. Kuck Hofs im ersten Wablgang mit M:i7L Stimmen gcivählt worden. Auf den Sozial- dcmokraten entfielen 24 288 Stimmen, auf einen Rationalliveraleit 8ö4ü Stimmen. Ter wesentlichste Punkt des Protestes ist folgender: Ei» Teil des Wahlkreises Köln-Land ist nach K ö l n- S t a d t eingemeindet. Für einen Wahlbezirk des Kreises Köln-Land ist iiiiii aber ein Wahllokal bestimmt worden, das im Kreise Köln- Stadt liegt, also in cincnr anderen Wahlkreis. Wird nun das Wahlergebnis in diesem Bezirk kassiert, wie es der Referent be- antragt hat, dann fällt die Mehrheit des Gewählten weg und die Wahl muß für ungültig erllärt werden. Tie weitere VerHand- lung und Entscheidung wurde auf nächsten Mittwoch vertagt.' Eue der partcl Kommunalwahlfieg. In Weißwasser»Schlesien) hat ein heißer Kampf um die dritte Klasse der Gemeindevertretung stattgefunden. Die Leitung des Riesenwerkes»Bereinigte Lausitzer Glaswerke' bemüht sich schon seit Jahren durch ihre gelbe Arbeiterorganisation die dritte Klasse ganz in ihre Hände zu bekommen und zur Erreichung dieses Zieles ist ihr eben jedes Mittel recht. Die gesamte Arbeiterschaft mußte zur Wahl und untcr Leitung ihrer Beamten auch.reichstreu' wählen. Trotzdem trug der sozialdemokratische Kandidat Gebauer mit 117 Stimmen absoluter Majorität den Sieg davon, und dies trotz des UnistandeS, daß die zahlreichen Staatsbeamten zur Wahl des gelben Kandidaten, eines Glasmachers, der bis vor einem halben Jahre noch Sozial- deniokrat war, kommandiert worden waren. Ter sozialdemokratische Kandidat und die Bibel. Wie in vielen Orten Ostcibicns. so»vir es auch im Wahlkreise Krossen-Züllichau nicht möglich, überall Lokale für sozialdcmokra- tische Wahlversammlungen zu crlialtcn. Ter Kandidat Genosse Grauer mußte in vielen Fällen iinter freiem Himmel zu den Wählern sprechen. So geschah es auch in dem Orte M e r z w i e s e. Tort gab ein Häusler sein Gehöft zu einer Versaiitmlung her und Genosse Grauer konnte vor einer zahlreichen Zuhörerschaft reden. Es war dies die erste sozialdemokratische Bersaminlnna am Orte. Darüber geriet der Pastor Horn so in Erregung, daß er in der nächsten Konffrmondcnstunde es sich nicht verbeißen konnte. zu dem Sohne des Grundstücksbesitzers zu sagen: ,D i r hat w o h t Herr Grauer Deine Bibel weggenommen? Wenn Tu keine Bibel bringst, darfst Tu nicht mehr zum Unterricht kommen." Auf die Frage des VatcrS. ob es bei diesem Bescheide bleibr, antwortete der Pastor:„Ihr Sohn darf nicht niehr kommen." Einige Zeit darauf hat der Pastor daiiu allerdings seine Meinung einer Revision unterzogen, denn er bat den Pater zu sich und er- suchte ihn, seinen Sohn wieder in den Unterricht zu schicken. Ter Herr Pastor k>at ganz Recht: Tas Bibrlstehle» ist eine Lieblingsbeschäftigung sozialdemosratischer Kandidaten. Aus den Organisationen. Die ReichStagSwahl im Wahlkreise Lübeck hat unserer Partei nach der Abrechnung, die am Dienstag in der Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins in Lübeck gegeben wurde, die Summe von 8SÜS,28 M. gekostet. Hiervon waren 6304,50 M. freiwillige Beiträge, die auf Sammelliften und andere Weife aufgebracht wurden. An Flugblättern wurden im Wahlkanipf vier allzemeiiie, drei spezifisch ländliche und ein Bcamtenflugblatt. ferner zwei Broschüren in insgesamt 138 600 Eremplaren verbreitet. Des weiteren wurde da« Parteiorgan auf dem' Laudgebiet drei Wochen lang und im ganzen Staatsgebiet einmal während des Wahlkampfes an alle Wähler verteilt. Unsere Redner sprachen in 44 öffentlichen Volks- Versammlungen, die von unserer Seite cinbenifen waren.' kerner in acht gewerkschaftlichen und 29 gegnerischen Versammlungen. Das Resultat war für uns sehr günstig: 1778 Stimmen mehr im ganzen Staatsgebiet und zugleich die absolute Mehrheit sowohl tu der inneren Stadt, in den Vorstädten und auch auf dem Landgebict. Endlich weise unsere Organisation eine recht ansehnliche Mitglieder- Vermehrung und das Parteiorgan trotz der schlechten Ivirlschafilicheu Verhältnisse besonders im Lübecker Baugciverbe eine erfreuliche Abonnentenvermehrung auf. Heinrich Kämpchcn. Au, Mittwoch ist, wie wir bereits kurz mitteilten, der Sänger des Bergarbeiterlebens im Alter von nicht ganz 66 Jahren verstorben. Wir bringen heute noch einige biographische Notizen über den Dahingeschiedenen. Im Jahre 1846 wurde Heinrich Kämpchcn in Alteudorf an der Ruhr als Sohn eines Bergmanns geboren, der es später bis zun, Obersteiger brachte. Bis sechzehn Jahre durfte er sich der Kindheit freuen, weil er stets eiiz schwächlicher Junge war; dann mußte auch er in die Gnibe. Zwanzig Jahre hatte er auf Zeche Hasenwiukcl gearbeitet, da brach der große Streik der Ruhrbergarbciter dei Jahre« 1889 aus. der den Ausgangspunkt der Festigung der Bergarbeiter- organisation bildet. Tic Kameraden bcanftragtcn Heinrich Kämpchen neben andern, mit der Zechenberwaliung über ihre Forderungen zu verhandeln. Dieses Verbrechen mußte er büßen. Die Zechen betrachteten jeden, der es wagte, für seine Kameraden zu sprechen und zu behaupten, daß sie ein Recht zum Leben haben, als Aufwiegler, als Hetzer. Als der Streik beendet lvar. beharrten die„Herren im Hauic" darauf, daß die„Hetzer' nicht wieder in die Grube zurückkehren dürften, und die Arbeiter. mangelhaft organisiert, wie sie damals waren, mußten es zähuekuirschend mit ansehen, wie ihre Redner auf die Straße gesetzt wurden.., Ein seltsamer Widerspruch läßt e§ als ein Glück ericheinen, daß der Gemaßregclte damals bald, obgleich er kaum die 40 überschritten hatte, bergfertig wurde. Er mußte invalide erklärt werden und be- kam so Ivenigstens die karge Invalidenrente. Ein kleiner Handel mußte ihm. der ledig war und auch sein Leben hindurch ledig geblieben ist, die kargen Mittel vervollständigen, um seine äußerst geringen Bedürfnisse zu befriedigen. Zu dieser Zeit trat die„Bergarbeiter-Zeitung' in? Leben und damit fand Heinrich Kämpchen Gelegenheit, mit seiner Dichtkunst an die Oeffernlichkeit zu treten, indem er sie in den Dienst der Berg- arbeiterbewegung stellte. Seine dichterische Stärke lag im Lyrischen, Gefühlsmäßigen, und die von ihm veröffentlichten Sammlungen bergen manche Perle, die der Heimat, den Ruhrbergen, geweiht ist. In frübcr Jugend schon trat diese Befähigung auf, und hätte sie eine schulmäßige Pflege gefunden, dan« hätte sie der deutschen � Literatur wohl«in beachtenswertes Blatt hinzugefügt. Er blieb auf sich selbst angewiesen und blieb deshalb in engeren» Rahmen mit seiner Kunst und seinem Geiste, dennoch auch da manches schaffend, das dauern wird. Eine eigentliche Kampfnatur war Kämpchcn nicht. Aber als Kenner des Lebens, EmpfindeirS und Kämpfens der Bergarbeiter hat» er doch allein, was die Bergarbeiter bewegt, in einer großen Zahl Gedichte beredten Ausdruck gegeben, und bald anfeuernd, bald mahnend in die Kämpfe seiner Kameraden mit eingegriffen. Aber auch die Ereignisse deS ParteilebenS, die politischen Kämpfe der Arbeiterklasse hat er mit seinen Dichtungen begleitet. Denn Heinrich KSmpchen war auch allezeit ein eifriger und zu- vcrlässiger Parteigenosse. Auf dem Parteitag in Frankfurt a. M. vertrat er den Wahlkreis Bochnm. TodeSahnen bewegte ihn schon seit längerer Zeit. ES kam in manchem seiner Gedichte zum Ausdruck. War doch der schwache Körper schon lange kränklich. Seine letzte Krankheit, eine Er- kältungSkrankheit, hat nur wenige Tage gedauert. Familie hinterläßt er. da er ledig geblieben war, nicht. Nur ein gleichfalls lediger Bruder und zwei verheiratete Schwestern bilden seine AnVerwandtschaft. Dennoch trauert um ihn die Familie, bei der er fast 30 Jahre ununterbrochen gewohnt und die ihm da« eigene Familienleben vollauf ersetzte. Um ihn trauert aber auch die Arbeiterschaft des Ruhrgebiets, die in ihm de» Freund und Genoffen, den Mitkämpfer verliert, dessen ganze« Denken und Fühlen der Sache de« kämpfenden Pro- letariat« gehörte. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. «.' Am Mittwoch, einige Stunden vor seinem Tode, diktierte Heinrich Kämpchcn noch folgendes Gedicht: Nun. wo die deutschen Knappen Im heißen Kinnpse stehn. Muh ich im Bett mich winden Und tatenlos zuseh'n. jiann nicht mit meinen Liedern Begleiten sie zur Schlacht. Kann nicht den Kampfmut stärken, Wie ich cü sonst gemacht. Die Harfe lehnt im Winkel. Die Saiten sind noch straff, Nur dem, der sie geschlagen. Ihm sind die Finger schlaff. Vielleicht als letzte Mahnung Er heut noch zu Euch spricht: Seid einig. liebe Brüder! Zerfleischt Euch länger nicht. Blickt bin nach allen Seiten: Was Einigkeit nicht hält. Was Einheit nicht verbindet, Auch morsch zusammenfällt. Nach England sollt Ihr schauen, Wo's jetzt gewittert scknvcr— Fest steftt die Treu' der Knappen Tort wie ein Fels im Meer. Und ist es Todesahnung, Wa« heut der Sänger spricht, Nehmt es als letzte Mahnung: Vcrgeßt die Treue nicht!— Vom Wachstum der Parteiprcsse. Eine sehr erfreuliche Eni- Wickelung bat unser Ehemnitzer Parleiblatt, die in fünf sächsisch«» Wahlkreisen verbreitete. V o l k S st i m m e aufzuweisc». Das Blatt hat seineu Abonuentenstand seit dem Jahre 1903 mehr als verdoppelt. Besaß eS damals 29 000 Abonnenten, so ist am 4. März d. I. die Zahl 6 0 000 überschritten worden. DaS ist ein verheißungsvolles Zeichen dafür, daß es auch in den Elends� distriktei, Sachsen» mit unserer Agitation rüstig vorwärt« geht. Die Arbeiter hoben damit zugleich auf das rigorose Vorgehen der Cbem- niyer Justiz, die im Laufe des letzten Jahre» über die dortigen Redakteure nicht weniger als siebzehn M»o»ate G e f ä n g u i« verhängte, die beste Antwort erteilt. Die Essener„Arbeiterzeitung' teilt mit. daß sie seit Beginn de» WahlkanipfeS 4000, im Februar ollein 1S00 neue Abonnenten gewonnen ha». IIilferParteiorgan in F r e i b n r g(vaden). die V o l k« w a ch t'. hat seit ihrer Gründung im Juli vorigen Jahres 3000 Abonnenten gewonnen und wird jetzt bereit« in einer Auslage von 8500 Exem- vlaren hergestellt. Tos ist angesichts de« zum größten Teil"rein ländlichen Verbreitungsgebiets der»AollSwacht" ein äußerst günstige« Ergebnis. poli-eilickt», SeriebNiekes uIS». Ein gerichtliches Nachspiel znr Magdeburger ReichStagSwahl. Eine Geldstrafe von SO M. erhielt am Mittwoch der verantwortliche Redakteur der Magdeburger„V o l k o st i rn rn e'. Genosse Müller, vom Landgericht zudiktiert. Am"? Dezember brachte die„Volköstimme" einen Artikel, der die Vorgänge in Buckau lelegeiUlich eines Streiks bei der Firma Hildebraudt behandelte. die Krawalle wurden von der bürgerlichen Presse in, Reichstag?» Wahlkampf gegen die Sozialdemokratie ausgebeutet. Diese bürger» lichcn Blätter schrieben dreist und goiteSsürchtig. in Buckau trieben die.Landöberger" mir Schlagringen aus der Straße Politik. Man wollte offenbar bürgerliche Wühler vor der Sozialdemolratic, als der Partei der Schlagring» und Revolverhelden graulig mache». Da gelang e? Genossen Hertwig. einen Spitzel zu entlarven. Die .BollSftmimc' zeigte mm die Ilnruhestister und wie? auf die Leute, die Robeltianer hin. die so außerordentlich Hobes Interesse an den Porgäilgen bekundete». Daraus schickte Herr Hildebraudt der Rc- dakuoii eine Berichtigung. Herr Hildebraudt ivar aber an dem Wahlkamps ganz unbeteiligt. Tie Berichtigung wurde selbst- verständlich abgelehnt, Herr Hildebraudt stellte Slrasantrag und der Staranwalt erboS Anklagt. Da? Schöffengericht sprach am '27. Tczeniber Genossen Müller, der sich in gutcin Glauben befunden habe, von der Uebertretung des Prcszgesetzes frei, ordnete aber die nachträgliche Llufnabmc einer Berichtigung an. Gegen dies Urteil legten sowohl der Staatsanwalt als auch Genosse Müller Berufung ein. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Tr. Hainmerschlag, niachte vor den« Landgericht geltend, dasz in dem Artikel die �irina gar nicht getroffen sei. auch gar nicht babe getroffen iverden sollen. Der An- geklagte verwahre sich gegen die Rechtmäkiglcit der ihm auferlegten Berichtigung. Nichl-Zdcstowcniger erkannte das Gericht auf die oben angegebene Strafe. Polizeiliches Verbot dcS„Wahren Jacob". Vom Polizeipräsidium E s s e n ist an die Kolporteure und Schr�ienhändler ein Berbot zum öffentlichen Verlauf verschiedener Schruieu, darunter der„Wahre �akob" und der„Simplicissimus". ergangen. Das Berbot stützt sich mit eine Polizeiverordnung, wonach Schriften, die„iiitlich oder religiös Acrgernis crregeir", nicht vertrieben werden dürfen._______ Hus Induftric und f)andeL Irinc staatliche Tabakfarm in Tcutsch-Sudweftasrika. Aach einer Mitteilung des Gcheimrats Dr. Basse ans deni Kolonialamt an de» Vertreter eines Dabakintcrcsscntenblattes soll eine Bcrsuchsfarm für Tabakbau in Okahandja lSüdivestafrika) bc- gründet werden, ivozu lOWll M. bewilligt sind. Innerhalb der ,yiu»i will mau die für die Kolonie geeignetsten Sorten aus- probieren, Snmenzucht treiben usw. Bor fünf fahren ist bereits ein Sachverständiger in das Kolonialgcbiet entsandt worden. Doch wird erklärt, das; seine Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien. Bisher wuchs nur ein für Hottentotten und Hercros gc- nietzbarcr Tabak. Ter Krieg hat auch diese Produktion vernichtet. •Cb yinc Tabakkultur in Südwcftafrika Aussicht auf Erfolg hat, scheint mehr als fraglich. Sic erfordert einen gänitigeu Boden und intensive Bearbeitung; an beiden Vorbedingungen fehlt es in dem Kolonialgebict.__ Ei» illteriiationalcS Opiumabkommen. Eine neue und zn begrüßende internationale Äercinbarung ist das am 28. Jaituar d. I. im Haag vereinbarte Abkommen über Vcrbindcrnng und Bcschräiiknng der Einfuhr von O p i u tu und verwandten BerauschungSmittcln nach Länder», die deren Ver- brauch verboten oder eingeschränkt l)abc». Das zwischen den wich- tigstcn asiatischen und den mit ihnen im Handelsverkehr stehenden Koloniatstaatcn vereinbarte Abkommen bezeichnet einen Erfolg viel- jähriger Bemühungen Chinas. In dem Werke der inneren Er- nenerung dieses Reiches nahm der Kampf gegen das verheerende Laster'des Lpiumranchens von Anfaiig an eine besonders ivichtige Stelle ein. Bereits iu den dreißiger Jahren hatte China die Ein- fuhr von Cspium verboten, wurde avcr durch den schimpflichen O p i n in k r i c g> ldöv— 12) von England gezwungen, die Einfuhr aus Jndieit zuzulassen. Nachdein nun in den letzten Jahren es gcluluw» ist, den Anbau von Mohn, der Opiumfrucht, in China selbst rast völlig auszurotten, brachte China es durch Verhandlungen zuwege, den Widerstand Englands, dos sich noch auf der Opinin- koufcrcnz von Sha»g!>ai dem Einfuhrverbot widersetzt l)atte, zu überwinden und nun endlich eine internationale Vereinbarung zustande zu bringen, die bei sach;emäs}cr Durchführung geeignet ist, den Opiumschmuggel zu nuterbindc». Danach verpflichten sich die VcrtragSmächte ldarunier Groß, britanuien, Deutsches Reich, Zbpan. Ruffland, Vereinigte Staaten), Maßregel» zu treffen, um die Ausfuhr von rohem oder zubereitetem Opium nach Ländern, die dessen Einfuhr untersagen, zu ver- hindern und den Staaten, die Beschränkungen der Einfuhr-anordnen, die Durchfübrung zn erleichtern, soweit sie nicht bereits dos volle Verbot der Ein- mrd Ausfuhr zubercitcten Opiums aus- sprechen. Ter Handel mit Opium, Morphin, Kokain oder anderen Mitteln verwandter Art, die nach dem Ergebnis allgemein aner- kanulcr wisienschaftlicher Ilntersuchiingen zu ähnlichem Mißbrauch Anlas; geven und die gleichen schädlichen Wirkungen zur Folge habe» können, soll nur zu in c d i z i n i s ch e n Fwecken an bc- stimmten Orten und bestimmten ermächtigten Personen unter Kon, trolle gestattet sein. Ebenso die Herstellung von Salzen solcher Art. Die Regierungen verpflichten sich, die durch den Vertrag nötig werdenden Gesetze usiv. der nächsten Tagung ihrer Parlamente vorzulegen. Ter Zeitpunkt ihres Inkrafttretens soll noch vereinbart werden. Ten nicht beteiligten Staate» soll durch die Regierung der Niederlande, die mit dem Vollzüge betraut ist, das Abkommen zum Anschluh borgclcgt werden. Hus aller Melt. Sine Hntbologk des poHtlfchen Stumpfsinns. Unter der Ucberichrift„Sklavenarbeit eines Abgeordneten" lesen wir in der„Frantsurter Voltsstimme": Die Nr. S4 de-Z „Thüringer V o l t s f r e u n d' liegt auf dem Schreibtisch; eine ganze Seite in kleinein Druck bedeckt ein Artikel mit der lieber- schritt: R e i ch s t a g s w a h lp o e s i c ans den: ersten M e i n i n g e r Wahlkreise. Eine ganz besondere Leistung, und darum setzt der Verfasser auch seinen Namen hin: Von A r t u r H o f m a n n. Aber beileibe nicht ist er der Poet, als eine Art Rhapsode tritt er vielmehr ans; er will verhüte», daß wertvolles Gut umkommt. Hofmaiin ist als M. d. R. Mitglied der Wahl- prüfungSlommiiston und, wie er selbst mitteilt. Referent über die Wahl des Dr. Müller- Meiningen. Er hat die Wahlakten ge» prüft, hat dabei Poesien gesammelt und schüttet jetzt seine Beute au?. Eine Kostprobe davon: Hier ist nichts und da ist nichts, ssch bin der Herr von Habenichts. Ich schreue jetzt zur Wahl, Das macht mir grotze Oual. Ich weiß nicht, wen ich wählen soll. Es stehen meine Gedanke» still. So reiht sich ei»„Gedicht" ans andere, durch drei volle ZeitungS» spalte» hindurch. Dergleichen haben die ältesten Leute nie gesehen. Müssen dies« verschrobenen Volksgenossen sich wichtig vorkommen, die gleich politischen Kinder» von ihrenr Wahlrecht keinen anderen Gcbrauck zu machen«viss-ii, als öde Reimereien zu verbrechen. »lüsscn sie sich wichtig erscheinen, wenn ein s o z i a l d e m o r r a« tischer Abgeordneter mühsam ihr Gestammel abschceibt, aw> eiiiandcrlcimt. der Zeitung schickt— und die Zeitung eS schließlich gar noch abdruckt. Eine ganze Seite Schund in kleinem Druck!_ Eisendahnkatastrophe in Nordamerika. Ein furchtbares Eisenbahnunglück, über das Einzelheiten bis zur Stunde noch nicht vorliegen, meldet ein Telegramm aus L a s a y e t t e im Staate Indiana. Danach entgleiste ein Personenzug der W a b a s h b a h n in der Nähe von W e st- " i b a ii o n Bei dem llngliick sind drei Personen uiiis !Lcbcil gekoimnen, sechzig wurden verletzt. Eine Pfarrersköchin als dritter Mann. In Rr. 5t der.Münchener Zeitung" sucht ei» Beiiefizi.at ans dem Lande eine tüchtige Haushälterin,„die auch i a r o ck c n kann". Dieses Inserat ist auch ei» Zeichen der Zeit. Nachdem das Oberhaupt der katholischen Kirche den Geistlichen so ziemlich jedes wcliliche Vergnügen untersagt hat. bleibt ihnen als einzige Erholung nur noch ein solider Haferltarock übrig, lind da ans deur Lande oft der dritte Mann fehlt, ist C* ganz gut, wenn wenigstens die Pfarrcrkathl einspringen kann. Ein geistlicher Herr. Wegen sittlicher Verfehlungen, begangen an den ihm anvcr- trauten Schülerinnen, hatte sich der 47 Jahre alte katholische Pfarrer August Schöhn aus Neuhäusel lKanton Bischweilerj vor der Straf- kammer in Stroßburg i. Elf. zu verantworten. Er wurde beschuldigt und auch durch die Beweisaufnahme übersührt, mit dreizehn Mädchen unter vierzehn Jahren, die bei ihm Religionsunterricht genossen. unzüchtige Hand- l n ii g e n vorgenommen zn hnben.� Als seinerzeit die Bergehen an das Tageslicht kamen, unternahm-sch- einen Fluchtversuch, konnte jedoch noch rechtzeitig verhaltet werden. Trotz der Schwere deS Falles wurden ihm. mit Rücksicht auf seine bisherige llnvescholten- heit mildernde II m st ä n d e l!!) zugebilligt. Das Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehr- Verlust.____ Kleine Notizen. Ei» Mord. Mit einer Schädclverletzung wurde in dem Pommer scheu Dorfe E r e m e r b r n ch der RentcngutSbesitzer Witt tot aus gefilndcu. Er lvar mit seinem Einwohner Pcrlick abends im Gasthausc, und beide gingen zusammen»ach Hause. Vermutlich hat Pcrlick im Streit de» Witt erschlagen; die Verdachtsmomente haben sich so gehäuft, daß Perlick wegen Mordes verhaftet wurde. Unfall deö Berlin Wiener Schnellzuges. Wie amtlich berichtet wird, streifte der Berliner Schnellzug am Donnerstagabend in der Slalivn O b e r h o l l a b r n n ii die Lokomotive eines rangierenden Gülcrzugeö. D r e i F a h r g ä st e und vier B a h n a n g e st e l l t e wurden verletzt. Der Schnellzug traf in Wien mit zwei- stiindiger Verspätung ei». Opfer einer Felddienstübung. Bei einer Felddienstiibiing der Jnnsbrucker Militär-Telegraphen schule zerrig heute früh bei dem Versuch, den Telephondraht über die Hochsiromleitnng der Stubcitalbahn zu führen, der Draht und kani mit der Stark- st r o m l e i t u n g in B c r ü h r u n g. Durch den elektrischen Schlag wurde der Kaiserjäger Joseph Posch sofort getötet. Zwei Soldaten erlitten leichtere Verletzungen. Von Räubern entführt. Aus einer Dienstreise wurden zwei türkische R e g i o r n n g S b e a m t e zwischen den Ortschaften P o l l> g>) r o s und H i e r i s o S von einer griechische»Bande enlsühri. Von den Rcinberii. die tS offenbar aus Erpressen von Lösegeld abgesehen haben, fehlt jede Spur. Lmkluften der Redaktion. Tic juNftische ejirtdiftuitbe((»bei Ltnbenstrage 69, bunt bUt Trepora — Fahrst übt—, wochenxioliili bbn 4Mj bis?>->»bc abcnbs, SoiuiabcnbS, bnn tili bis 6 Ubr nbciibS stau. Jebrr für bc» Sticflajtcn bestimmten»lnfeage ist ei» Snchstabe unb eine Zahl als Meetjrlche» beljUßisen.«elefUche Antwoel ivieb nicht erteilt. Aiifeagc», denen leine AbanbemeniSbuiiiunit beigefügt ist, meeben nicht»eantwoeiet. ikiltge Frageu trage mau in der Speechstuube bor. 41t. Z. lvIL. Ei» derartiger Vertrag ist zuiSsiig. falls nicht etwa ein Scheinverlrag beabsichtigt ist. Ter Vertrag tvird am zweckmäßigsten zu Protokoll eines Notars erklärt.— H. B. N. 114. Ihre Angaben reichen nicht aus. Kommen Sic in die Sprechstunde.— Cr.®. Ä7. Nur innerhalb des Dlenitjahre», falls das«AeniwcrbäUnis durch Schuld des Mädchens gelöi« wird. OrdnungSgemütze Kündigung seitens des Mädchens gilt nicht als Verschuldeu.— 100 S Die Rechtslage ist zweisclhast. Em Vergleich ertcheint angebracht.— Töpferei Nciietihage». Amt. April.— Zidebar. Der Vertrag gilt aus unbeslimnil« Zeit geickitoslen und tann allmonallich anfgelündisn werden, da Ihre Unterschiist sehll.— P. ÄS. Nein.— Ivi» ivi. W. Die jeblciide Unilinimuilg der(illmi ist lein AblehnungSgritNd. — zd. BS» NO. Die Gläubiger können von Ibnen Zahlimg beanspruche». — L. H. 51. Das ist bis zur Pollendung de« Ui. Lebensjahres zuläsiig. — B. 7 autragen Sie Gctvährung voit Ralenzahlilngcn— ll. 7. Ja, in vollem Umfange. fO. H. 1881. Die veriragliche Kündigunasfrist mutz imie- gchallc» werden.- H. K. KV. Der Wirt ist zur Renovierung verpilichtet, jedoch nicht während der Nachtzeit.— H. K. VS. Bcrfährung liegt infolge deS Aiierkeiniinisfes nicht vor.— K. v:i. In;J0 Jahre», iall« das Urteil zugestellt Ist— Si. O. Nein. — G. L. Sil. 1. Ja, iofent die Reute nicht mehr als tö Proz. ausmacht. st. Nein. Sic müssen aber der Bcru'«gc»ossc»>chaft Ihre Abreise»letleilen und sich bei dem deutschen KoiislUat»leide».— Zt. B. Äl. Das Kind hat Erbrecht.— stz.®. 10». Nur dann, wenu das Mädchen eigenes Vermögen oder eigenes größeres Einkommen hat. Ter Künslige ist auch nach der Berheiralnng nicht crftalluiigspsiichtig.— iveddingstr. I». In der Regel ja, wen» nicht der Mietsvertrag etwas anderes besagt — c. B. Ii», t. Hängt vom Richter ab. L. u. n, Der uncbeilche Voier hat leine» Anspruch aus Herausgabe des Kinde»; er bleibt deshalb für alle Fälle zaoluiigSpsUchiig.— Alter Abonnent. Den Vertrag hallen mW bezüglich ncr KüudlgtmgSllausel für rechlsuwvirksam und die gesetzliche Küiidlgungssitst— st Wochen zum Ouarigl— für maßgebend.—(?. 10. Wen» im MielSvcrtrag nicht eine entiprechendc, Sie oerpflichleiide Bc. stimmung eiithalien ist: iicin.— 91. w. Strücken. 1. Das ist unzutrestend.-. Bestinnnl das Landesrecht, v. Jedesmal, wenn Nemvahic» zuui Reichstag stallgesundeii habe».— ft. fi. Nein. — 7t. fü. 110. 1. Nein. 2. Die Siatulen sind ftempelpilichtig— B. D. 100. Nein, mir des Beitrages sür die beiden letzten Lohn- zahlungspertoden.— T.!H. 500. Die Beststmnnng d,S stieielllchaits- Vertrages ist maßgebend. Tie eiugctchriebcnen Briese sind bei der Post aulzvlicsern.— 55 R. 2- Die in dem Ausrus vermerkte Frist ist maß- gebend i sie beträgt miiideüen» S Monate. Die Anmeldung der Ansprüche empsiehit sich auch nach Ablauf der Frist.— A. 75. 1. Ja. 2. Temptiu ist ein ilveis sür(ich, mit Ruppln zu einem ReichStagSivahlkreis verbunden. — 100 A. B. t.. Der Kassierer ist zur Entgegen, tahnic eine« Wochen. bcilrages— im voraus zahlbar— verpflichtet. Sic könne» iich bei der rwaltiing beschweren. L. Nicht zu cmpsehleii.— W. H.:190. Nein. Buchhandlung: Vorwärts ncrliu sw.. I.lnelcnwtr. 60. Soeben ersyhien: Taschenbuch der Reichstagswahlen. 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Eine machtvoll c Kundgebung war es, die unsere Parteigenossen am Tonnersiag im„Vioniordiasaal" in der Anoreasstrasse siir die Wiederaufnassine des Prozesses gegen die sozialdemokratischen Dumaabgeordnetcn oerdnstaltetcn.— 5chon lange vor der scsl- gesetzten Zeit war der Saal fast voltständig gefüllt, und als Ote- nosse T r n st die Versammlung eröffnete, waren Saal uird Galerien so stark besetzt, das; kein Äpfel zur Erde falle» konnte. Der Referent, Genosse Ledebour, wurde bei seinem Er- scheinen mit leblsoftem Applaus begriistt. Er begann seine Rede mit dem Hinweis, dah der Appell zu dieser Kundgebung nicht nur an unsere Parteigenossen crgungen ist, sondern an alle Männer und Frauen, die noch ein Gefüllt für Menschlichkeit haben. Es bandelt sich nicht um eine Parteiangelegcnbcit im engeren Sinne, wenn auch die Sozialdemokraten in allen Ländern bc.undct habe», daran mitzuwirken, dast das �ustizverbrecheil'n Russland seine Sühne finden soll und mutz. Eine allgemein menschliche Frage ist es, die uns hier beschäftigt. Man bat in europäischen Läirdern, auch bei uns, Staatsverbrechen in Hülle und Fülle erlebt. Aber was in Russland passiert ist, das ist ein Musterbeispiel dafür, wie man mit Brutalität und Tücke volksfeindliche Pläne durchzuführe» sucht. Dieser Fall geht auch jeden Deutschen, besonders jeden Preußen an, denn das tückische Verbrechen in Nutzland sollte einem Staatsstreich zirr Durchführung helfen, der das Ziel hatte, durch einen Gelvaltstreilti das Wahlrecht zu beseitigen, welches nach An- sickit der Zarcnregicrung zu viele Sozialdemokraten in die Tunia gebracht hatte. Der Vorgang in Rußland hat also eine verhängnisvolle Familienähnlichkeit mit jenem Staatsverbrechen, welches der .König Friedrich Wilhelm lV. beging, als er 1848 die preußische Duma auseinanderjagen ließ, um das schmachvolle Drciklassen- Wahlrecht einzuftibren.— Der Redner skizzierte die Geschichte der russischen Revolution und kam dann zur Tarstellung des Vor- ganges, der die Ursache der gegenwärtigen Kundgebung bildet. Nachdem in die zweite Duma 55, Sozialdeinokraten gewählt loorden waren, plante die Regierung, diese des Hochverrats zu überführen, um das als Anlaß zur Acnderung der Verfassung zu benutzen. In jener Zeil erschien im Vcrsänimlungslokal der sozialdemokratischen Dumaftaktion eine Deputation einer geheimen Organisation von Soldaten, die den Abgeordneten ihre Forderungen vortragen »rollten. Den Abgeordneten kam dieser Vorfall sehr bedenklich vor. �>e komplimentierten die Deputation schleunigst hinaus, nahmen oVer eine schriftliche Eingabe derselben entgegen. Eine halbe Stunde nach dem Abgang der Soldatcndeputation erschien die Polizei, besetzte das Lokal und nahm eine Haussuchung vor. Die Polizeibeamten wollten die Eingabe der Soldaten finden, aber sie fanden nichts. Trotzdem war später im Prozeß gegen die Abgcord- neten eine Abschrift dieser Eingabe bei den Akten. Aach der Haus- suchung brachte die sozialdenlokratische Fraktion in der Duma eine Interpellation wegen dieses Vorgehens der Polizei ein. Da erklärte der Justizminister, es habe kein gesetzlicher Grund für die Haussuchung vorgelegen. Drei Wochen später verlangte dann die Regierung von der Duma die Genehinigung zur strafrechtlichen Verfolgung der sozialdemokratischen Fraktion und die Ausliefe- rung eines Teils derselben. Die Regierung behauptete, die Fraktion habe sich des Hochverrats schuldig gemacht. Die Duma setzte eine Kommission ein, welche die Angelegenheit untersuchte und zu dem Ergebnis kam, daß die Regierung kein Material hatte, womit sie ihre Behauptung, die sozialdemokratischen Abgeordneten hätten Hochverrat begangen, begründen konnte. Tic Kommission, der nur bürgerliche Abgeordneten angehörten, erklärte das Verlangen der Regierung für ungesetzlich. Unmittelbar nach diesem Beschluß der Kommission wurden in der Nacht 37 sozialdemokratische Abgeordnete verhaftet, und am nächsten Morgen löste die Regierung die Duma auf. Unsere Genosse» sind durch einen liberalen Abgcord- neten von ihrer bevorstehenden Verhaftung unterrichtet ivorden. Sie hatten also die Möglichkeit, zu fliehen, aber sie taten es nicht. So schwere Folgen das für jic persönlich hatte, so war ihr Eilt- schluß. zu bleiben, doch im allgemeinen politischen Interesse von großem Wert, denn sie legten dadurch Zeugnis siir ihre Unschuld ab. Tie Regierung rechnete allerding? mit der Flucht. Sie hatte kleines fcuületon» Die Entdeckung des Südpols. Die sich widersprechenden Nach richten über die Expeditione» Scotts und AnnmdsenS haben sich schnell geklärt. Die norwegischen Zeitungen„Aflcnpostcir" und .Tidens Tegn" erhielten am 8. März folgende vom 7. d. M. 3 Uhr 40 Min. früh datierte Depesche aus Hobarr iTaSmanicu): R o a l d Smundsen hat den Südpol zwischen dem 14. und 17. Dezember 1 1) 1 1 erreicht. An Bord ist alles wohl. Bon Scott liegen keine direkten Nachrichten vori Amundscn stellt telegraphisch in Abrede, daß er etwa? über Scott depeschiert habe. Die englische Presse, die trotz der Kälte des Endziels sich einen er» heblichcn chauvinistischen Rauscb leistet, hatte es für selbstverständlich erklärt, daß der Engländer Scott den Südpol bezwungen habe. Sportsachen und das sind für die meisten die Polniatches— sind in England Ehrensachen. Trotzdem bleibt es dabei, daß Amundse» am Pol war. Vielleicht— hosscnilich war auch Scott da und hißte da-Z nationale Tuch! der Südpol erträgt es imd die übrige Menschheit auch. Inzwischen feiern die Norweger ihren Amundscn, der Präsident des Storthings hielt eine Ansprache, der König usw. Kurzum man kann mit diesen Angelegenheiten gut und gerne ein bis zwei Seiten einer bürgerlichen Heilung füllen fivorin aber im Grunde nicht mehr siebt, als hier gelagt wird). Da Amundscn bisher nichts»vcitcr sagen will und kann(er hat seine Kontrakte mit cnglischcii�imd norwegischen Zeitungen, die Sonn- abend einige Tausend Worte Telcgrainme bringen werden), läßt sich vorläusig weiter nichts sogen, als was er depeschiert hat. Bekannte Polarforscher sind alsbald befragt worden, ober sie wissen natürlich auch nichts. Shackleion, der dem Südpol bisher am nächsten auf den Leib gerückt war— er kam bis 88 Grad 23 Min.— meinte: „Nach dem Massstab meiner eigenen Ersahrungen zu messen. muss Amundse« die Fahrt nach dem Südpol mit ungewöhnlicher Schnelligkeit zurückgelegt habe». Er bat offenbar sehr günstige Weltcrbcdinguiigcn angetroffen. Das Winterlager Amundsciis bc- findet sich aus dem Grad 78,41 südlicher Breite und war mithin nur 076 geographische Meilen vom Südpol entfernt." Der Südpol ist also erreicht! Zweifellos eine Leistung, die grosse Umsicht, eine hoch entwickelte Technik der Ausrüstung und Wer- provianlierung, eine kolossale Tatkraft beweist. Seit Cook 1772 bis zu 7t Grad 10 Minuten südlicher Breite vorgedrungen war, ist das Problem der Südpolarforschung lange unbeachtet geblieben. Erst 1840—43 machte Ross einen neue» Vorstoß. Aber recht i n Angriff genommen wurde eS erst seit 1000. Es war ziemlich viel Vorarbeit nötig, bis einer— gleichgültig wer— das letzte Ziel erreichen konnte. Es scheint, daß der forscheude Mensch alle Gebiete der Erde sich imtcrlverscn müsse, daß er keine Ic-reu Fläche» auf der Weltkarte dulde. Sicherlich kaii» dies Streben für die Wissenschaft von größter Wichtigkeit sein. Und sicher hat Anumdsen ivissciischafrliche Interessen gehabt, wenn er auch ans seine iveitergebenden Pläne an» Nordpol aus Mangels an Mitteln verzichten und sich deswegen auf die Ent- deckung des Südpols werfen mutzte. Hoffentlich hat feine bewnuderus- werte Sportleistung auch einige Resultate gezeitigt ta für bereits für ihr offiziöses Blatt einen Artikel vorberciict, der am Tage nach der Flucht erscheinen und diese selbst als Bctvcis siir die Schuld hinstellen sollte. Der Artikel konnte freilich nicht erscheinen, aber der Prozeß wegen Hochverrat und Verschwörung wurde gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten eingeleitet. Damit die Ver- urtcilung ganz sickcr sei, wurde die Nerliandlung nicht vor dem ordentlicheii Gericht, sondern vor einem Soiidcrgerichtshof hinter verschlossenen Türen geführt. Unter dein Beiveismaterial befand sich eine Abschrift der Eingabe, ivclchc die Militärdcputation den Abgeordneten übergeben hatte. Auch die gesamte Tätigkeit der Ab- geordneten wurde als Beweis gegeil sie ins Feld geführt, obgleich diese Tätigkeit durclzaus gesetzlich lour und das Programm zur Grundlage hatte, welches schon seit 1003 allgemein bekannt war. Ohne auch nur halbwegs ausreichende Beweise wurden acht der Angeklagten zu 3 Jahren und neun zu 4 Jahren Zwangsarbeit, die übrigen zur Lebenslänglichen Verbannung nach den umvirtlich- sten Gegenden Sibiriens verurteilt. Zwei von den Verurteilten starben nach kurzer Zeit, ein dritter ist dem Wahnsinn verfallen, mehrere liegen setzt hoffnungslos erkrankt danieder. Von den Verbannten wurden einige, die schwer erkrankt waren, nach Ruß- land ins Gefängnis zurückgebracht. Einem gelang es, au» Sibirien zu entfliehen. Versuche, ein Wicdcrausnahmcvcrfahren durchzusetzen, blieben seither obne Erfolg. Jetzt liegt nun neues Akaterial vor in den Geständnisse» des Lockspitzels Brotzki, der �angibt, daß er sich seiner- zeit in die geheime Organisation der Soldaten aufnehmen ließ und die Eingabe an die sozialdemokratischen Abgeordneten veran- laßt hat. Ten Text der Eingabc soll der Polizeichef Gerassimow selbst verfaßt hoben. Brotzki hat die Regierung aufgefordert, eine Untersuchung seiner Angaben zu veranstalten, aber die Regierung hat das abgelehnt. Dann nahm die jetzige sozialdemokratische Dumafraltioi, die Sache in die Hand. Nachdem ihre sriihereil Interpellationen nicht zur Verhandlung gekommen sind, leitet sie jetzt eine neue Aktion ein. nm auf Gnuid der Angaben Brotzkis das Wiedcrausnahincvcrfadren durchzusetzen.— Ter Unterstütziiiig dieser Aktion dient die Kundgebung,»oclrtK die sozialdemokratischen Fraktionen des Deutschen Reichstage? und der bundeSstaatlichcn Landtage veröffentlicht haben. Wir baden auch Abgeordnete biirger- licher Parteien um ihre Unterschrift ersucht; sie haben sich aber dazu bis jetzt nicht entschließen lönneil. Unsere Olenossen im öfter- reichischen Reichsrat werden sich unserer Kundgebung anschließen. Wenn uns die bürgerlichen Parteien in dieser Frage von all- gemeiner Bedeutung im Stich lassen, dann wäre das im eigenen Interesse der bürgerlichen Parteien zu bedauern. Uns würde es nicht schaden, wenn bei dieser Gelegenheit wieder klar gezeigt wird, daß niir bei der Sozialdemokratie ein Hort für Gerechtigkeit und Menschlichkelt zu finden ist. Hinter uns steht das klassenbewußte Proletariat der ganzen Welt.(Lebhafter Beifall.) Wir Sozial- dcmokratcn haben ein besonderes Interesse, in dieser Angelegniheit uiiserc Brüder in Rußland zu unterstützen, denn waS ihnen gc- schieht, fühlen auch wir. nild jeder Erfolg, den wir erringen, ist ein Erfolg für das Proletariat der ganzen Welt, eine Etappc auf dem Wege zur Mciischhcitsbefreiung.— Auch bei mis in Teutschland sind Kräfte am Werk, die es den Schergen des Zaren gleichtun möchten. Aeußcrungcn sind gefallen, die den lebhaften Wunsch nach cinem Staatsstreich erkennen lasse». Wir sind bereit, jeden derartigen Versuch abzuwehren.— Wenn die bürgerlichen Parteien gegenüber den, Scl,aiidrcgiment in Rußland versagen, dann ist es nm so mehr Pflicht her Sozialdemokratie, ihren Ruf gegen die Schergen- nnd Spitzclwirtschaft erschallen zu lassen. > Lebhafter Beifall.)' Wer criistlich für Menschenreckt kämpfe» irill, dessen Platz kann nur in der Sozialdemokratie sein.(Starker Beifall.) Ta sich nach wiederholter, besonder» an etwa anwesende Mit glicder bürgerlicher Parteien gerichteter Auftorderung niemand zum Wort meldete, so brachte der Vorsitzende Ernst eine Rcsolu- licrn zur Abstimmung, die einstimmig ai'gcnvntinc» wurde. Sic lautet! „Tie Versammlung spricht ihre tiefste Entrüstung aus über die brutale und tückische Maßregel, die das russische Zaren- icgiiiiciit zur Vernichtung der Volksfreiheit, zur Zerstörung der Volksrcchte gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten der zweiten russischen Duma ins Werk gesetzt hat. Tie Versammlung erklärt ihre tiefste Sympathie mit den Abgeordneten, die im Jahre 1007 nach Auflösung der Duma und nach Durchführung des Staatsstreichs von der russischen Regierung verhaftet, wegen Kulturmenschen mehr Bedeutung haben— als die Erreichung eines Punktes, der an sich betrachtet zu den uninteressantesten der Erde gehört. Kriegshever. Es ist verständlich, daß jemand, der seine Rolle zu Hause ausgespielt bat. ungeduldig von einem Bein ans das andere trippelt, um herauszukommen. Die Zabl der politisierenden inaktiven Offiziere lvächst von Tag zu Tag. Aufsätze, Broschüren. Rede», Vereine—: das Resultat ist stets dasselbe: der Krieg! Der unvermeidliche, frische, fröhliche Krieg! Mit ivem.— das wird dem Ermessen der vorgesetzten Bc- Hörde überlassen. Mit Ivelch unerhörter Frwolität gehetzt wird, zeigt das „Berliner Tageblatt" im Auszug eines demnächst bei Evita— 1 Goethe..., Schiller...1) � erscheinenden Hcstchcns. Herr v. Bernhardt, cin General z. D., beniltzt seine Mußestunden, um sicb auf diese Weise seine» Vorgesetzte» ivieder ein bißchen iu Erinnerung zu bringen.«Für bestellte Arbeit taugt das Ding zu wenig.)„lliillerliülltc Drohung.. wirkliche Macht.. scslcr Wille..."— und so. Es ist schließlich verzeihlich, erklärlich: man sitzt herum, hat nichts zu tun, immer mehr Leute beginnen einziischcii, daß das Heer zum»venigsten für den äußeren Feind geschaffen ist, daß die Zeit kommt, wo man es vielleicht entbehren kann...! Schreiben kann man, abschreiben auch— na also. Aber das Gefährliche ist, daß die Herren, die übrigens ivcgc» ihre,' Klapprigkcit nicht niitschicßc», lv i r k e n. daß man ihnen glaubt, daß nicht nur konservative Parteipolititcr aus nahe- liegenden Gründe» hetzen, sondern daß„Tag" aus„Tag" ein dieses parteilose Papier Hctzartikcl bringt, das; an der Börse mit der Möglichkeit eines Krieges stark gerechnet iviri?— das ist es!— Vielleicht kann man den alten ehrlichen Soldaten mit Ivirk- licher Macht und festem Willen auch Maul und Feder pensionieren. K. T. Eine Winterbesteigung des Montblanc. Ter mit Photo- graphischen Auhiahiileii für ein Londoner Blatt betraute Frank Magee, dessen Moiiicntlütdcr vom tripolitaiiischcn Kriegsschauplatz zuerst die Aufmerksamkeit aus die von den Italienern gegen die Araber begangencii Grausamkeiten lenkten, hat soeben eine Bc stcigung des Montblanc ausgeführt, die angesichts der Jahreszeit als eine Rekordleistung tuaghalfiger Hochtouristik angesprochen werden muß. lieber die gefährliche Tour gibt sei» Begleiter folgenden Bericht:„Wir verließen das Hotel du Planet am 27. Februar nm 10 Uhr vormittags mit sechs Führern und in Gesellschaft des Hoteliers. Ehamoiiix erreichten wir um)i,12 Uhr im-schtitten und waren um'„g iihr nachmittag« auf der Pierre Pointue, der ersten Etappc, wo wir übernachteten, um um g Uhr früh nach den Grands Mulets, dcr 30S0 Meier hohen FelSinfel im Bossonsgletschrr, alifznbrechcii, von der ans unter günstigen Verhältnisscii der böchste Gipfel in sechs bis acht Stniidcn erreicht werden kami. Ter Schnee lag sehr lief: des öfteren sank ick, tief cin und mußte mühselig ausgegraben werden. An dcr Aiguille du Tour trennten wir uns in zwei, je vier Personen umfassende Parteien, von denen jede denjancinandergescilt ihren Weg suchte. Die an dcr Spitze marschic-, Hochverrats angeklagt und dann in geheimer Gerichtssitzung zu langjährigem Kerker oder Verbannung nach Sibirien verurteilt wurden. Wie sich jetzt herausgesteitt ljat, auf Grund eines von der Polizei selbst gefälschten AnklagematcrialS. Die Versamm- lung gibt der Ertvartung Ausdruck, daß es gelingen wird, in dcr russischen Duma die Wiederaufnahme des Prozesses durchzu- setzen, damit die noch lebenden Opfer des tückischen und barbari- scheu Gcwaltstrcichs aus dem Kerker oder der Verbannung sobald als möglich befreit werden. Die Versammlung erwartet, daß diese Kundgebung überall Widerhall finden wird, wo noch ein Gefühl für Menschlichkeit nnd Gerechtigkeit lebendig ist. Die Versammelten geloben, den Kampf gegen jcdlvcdc Unterdrückung mit verstärktem Eifer z» führen." Versammlungen. Ter Berluiiid dcr Maler, Lackierer, Anstreicher usw., Filiale Berlin, faßte in zehn Mitgliederversammlungen, die am Ton- nerstäg- und Freitagabend für Berlin nnd die Vororte stattfanden, Beschlüsse über die Erweiterung der Kranken- nnd Sterben n tcr stütz n ng innerhalb des Verbandes. Die all- gemeine Abstimmnng über die Einführung derselben findet in allen Filialen Teutschlands statt in der Zeit vom 3. bis 10. März. Die neue Bestimmung soll, ivemi sie eine Mehrheit im Verbände findet, am 1. Mai d. I. in Kraft treten. Es handelt sich dabei um eine fakultative Einrichtung: die vielleicht zu einer obligatorischen aus- gebaut werden kann, um auch die Frage einer Erwerbslosenunter- stützung im Verbände zu einer Erledigung zu bringen. � Zugleich hofft man, den Verband durch die neue Einrichtung zu stärken und der Fluktuation unter den Mitgliedern entgegenzuwirken. Aus Grund geiianer Berechnung hat dcr Hauptvorstand folgendes Regle- niciit aufgestellt: Für zwei Klassen von Versicherten, die einen liöhcren Wochcnvcitcag von 20 Pf., resp. 40 Pf. zahlen, werden Krankcnunterstützuiigen von 1,23 M.> resp. 2,30 M. pro Tag bc- »villigt, und zwar bei einer Organisationszugehörigkeit von 13 Wochen aus 30 Tage, von einem Jckhrc auf 00 Tage, von drei Jahren auf 120 Tage, von fünf Jahren auf 180 Tage, von über sieden Jahre» auf 240 Tage.— Die Sterbeunierstiitzung beträgt in der ersten Klasse bei einer Organisationszugehörigkelt von einem Jahre 30 M., von drei Jahren 43 M., von fünf Jahren 00 M.. von sieben Jahren 73 M. und für Kinder 15 M. In der zweiten Klasse beträgt die Sterbeunterstützung bei einer Organisationszugehörig- keit von einem Jahre 60 M., von drei Jahren 90 M., von fünf Jahren 120 M., von sieben Jahren 130 M. nnd für Kinder 20 M.— Denjenigen Mitgliedern der Organisation, die bereit? vor dem 31. Dezember 1012 den böheren Beitrag für die Hauptkasie be- zahle», wird die alte Mitgliedschaft voll angerechnet und wird für sie die erhöhte Unterstützung nach 13 Wochen Bcitragslcistung ini Kraiifhcits- oder Stcrbefall ausbezahlt.— Die Refcreiitcn in den verschiedenen Versammlungen er- läuterte» die Vorlage eingehend und wiesen darauf hin, daß mit der Einführung der iicucii RcichSversicherungsordnung die freien Hilsskassen für Kraiikenversicheruiig i» Schwierigkeiten geraten, die ifire Existenz, auch in veränderter Form als Ersatzkasieii, in Frage stellen. Durch den häufigen Wechsel ini Arbeitsverhältnis und durch Arbeitslosigkeit sowie durch Reisen kann leicht der Anspruch bei der Zwangsvcrsichcrung verloren gehen, denn vor der Selbst- Versicherung scheut mancher zurück. Diese Mitglieder sollen da»» in ihrem Verbände eine Stütze finden. Der Verbandsvorstand hat darum eine Verbesserung und Erweiterung der bisherigen Unter- stützungseinrichtungcn vorgeschlagen, von denen er sich auch für den Verband und seine Zwecke die beste Wirkimg verspricht.— Die einberufenen Bcrsamniluiigen in Berlin und Umgegrnd waren gut besucht und erklärten sich uiit großer Majorität für hie neue Ein- richtung, wen» es auch in etiizetiien Versammlungen an Opposition nicht fehlte, die vielfach aus der Erwägung ciitstand, daß der Ver- baild den kouiuiciideu Lohnkä»ipfe» im Eletocrbc seine volle Auf- merksamkeit zuwenden sollte iind daß demgegenüber �ntcrsiützuitg?» elnrichtlingen zurücktreten müßten. Die Referenteri wußten aber diesen und anderen Einwänden erfolgreich zu begegnen, und die Gcscimtabstilninung ergab, daß die Opposition nur eive kleine Min- dcrhcit ausbrachte. In dcr ScktionSversainmtung dcr Lackierer. die im Gewerksckiastshausc stattfand, waren unter t7t Stimmen nur 6 oppositionelle. Da noch einige entlegene Zahlstellen in Be- tracht kommen, toird das genaue Stiiilmenverhältnis in dcr Filiale Berlin erst in dcr nächsten Woche bekannt werden. rende bierköpfige Führcrgruppe wurde bald darauf von einer Schnee- und Eislawine ersaht und über einen Abhang gefegt. Unser Entsetzen wandeltc sich indessen lxild zu einer jauchzenden Freude, als wir nicht lange darauf die vier Führer zu uns hcraufklettern sahen. Das gefährliche Intermezzo bestimmte drei dcr Führer, den Rückzug anzutreten. Wir alidcrcn aber stiege» weiter und erreichten um 10)4 Uhr vormittags de» Bossonsgtetschcr, dessen heimtückische, »OH Schnccinassen bedeckte Spalten die größte Gefahr bargen. Um 3 Uhr landete» wir im WirlShauS der Grands Mulets. Hier war alles steif und fest gefroren, mit Ausnahme von etwas Champagner, den wir zu unserer Stärkung tranken. An Lebensmitteln fanden wir nur eiki Haiiimclvicrtel, das seit dem vergangenen August hier gelegen hatte. Es sah aus wie cin Holzkloben, den wir mühsam in Stücke schnitten und in Schneewasscr kochten. Als die Tonne sank, wurde die Kälte schier unerträglich. Obtvohl ich mich in neim wotleiien Decken eingemummelt hatte, zitierte ich die ganze Nacht vor Kälte. Trotz dem Eissturin und der grimmen Kälte, die das Thermometer bis auf— 30 Grad sinkeii ließ, fetzten wir in dcr Frühe de» Aufitieg fort. Angesichts der dünnen Luft nnd des Man- gd? an Sauerstoff wurde da» Atmen hinncr schwieriger, und die Symptome der Bergkrankheit begannen sich bei mir einzustellen. Unter unsagbaren Schwierigkeiten arbeiteten wir uns so bis auf etwa 700 Meter Entfernung an den 4810 Meter hohen Gipfel heran. Es fiel uns wahrlich nicht leicht, angesichts des vor uns liegenden Ziels den Aufitieg allfzugcbcii: aber die Chancen des Er- folgs Ivarc» doch zu gering. So entschlossen wir uns denn zum Abstieg, den die beständig herabdonnernden Lawinen nicht eben ver- gniiglich erscheine» ließen. Die Führer lmben feierlich tzelobt, sich »ie wieder auf eine Winterbesteigung des Montblanc cinzulasscn. Und sie. haben Recht. Es ist ein Wagnis auf Leben und Tod." Ein nnteriiehmungSlustiger Jonniatist, dcr eine Wintersensation braucht, läßt sich natürlich durch solche Bedenken nicht ab- halten._ / Notizen. — Theaterchronik. Ini Neuen Volks-Theater (Reue Freie Bolksbühne) wird Montag die dreiaktige Komödie „Der Meister" von Hermann Bahr zum ersten Male aus- geführt. — M u s i k ch r o n i k. In der Komischen Oper soll Richard Jägers dreiaktige Operettennovität.Die Hexe", die bereits in Nürnberg und Breslau mir großem Erfolge aufgeführt wurde, zur Aufführung gelangen. — Die Zahl der Kraftfahrzeuge. ES gibt zurzeit in Deutschland 37 803 Kraftfahrzeuge, davon dienen 33 473 der Personen« besörderung nnd 1327 zur Beförderung von Lasten. Die Zahl beider Arten von Kraftfahrzeugen sieigt beständig. — Die Bevölkerung KanadnS betrug nach amtlichen Schätzungen 1011 rund 7 100 000 Seelen gegen 3 400 000 im Jahre 1001. Hiervon waren deutscher Abstämmling 310 000. Die Ein- wohnerzahl ist über eine Fläche verleilt, die etwa der Größe de» europäischen Kontinents entspricht. Unserem Genossen[4426| Reinhold Ecke 1 nebst seiner lieben Braut die | herzlichsten Glückwünsche zur Hochzeit. �Neukollm r 1 i' j Todes-Anzeigen nontag nud DIensiagt Verhau! von 2000 Kostümen zu AusnaJimeprelseeiS fieerdigungsTerein BerlinerZimmerleute. Am 6. März verstarb nach kurzem Krankenlager unser Kamerad, der Zimmerer k�eräinslil! Kunze im Alter von 78 Jahren. Ghre seinem Slndenken! Die Beerdigung sindet am! Sonntag, den 10. März, nach- mittag» 3 Uhr, von der Leichen- balle de» Simeon-AirchhoscS in I Britz, Mariendorser Weg, aus statt. 45l>b| Um reg« Beteiligung bittet Der Vorstand. Danksagung. ssür die überaus zahlreiche und berzliche Beteiligung bei der Bccrdi- gung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Insbesondere dem 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis, dem Bauarbeiter- Verband, dem Bflanzerocrcin„Transvaal' den Kollegen der Englischen Gasanstalt Wcigensee sowie sämllichen Ver- wandten und Bekannten tagen wir hiermit unseren ticsgesühltcsten Dank. Wwe. Johanna Ramp _ nebst Angehörigen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tcilnabme bei der Beerdigung meines inniggcliebtcn Gatten und unseres Vaters 438b Karl Kosmehl sagen wir hiermit allen Verwandten und Bekannten sowie den Kollegen der St. W. O. unseren licfgcsühlten Dank. Witr. Kosniehl nebst Kindern. Danksagung. Für die bei Her Beerdigung meines Iteocn ManncS und unscrcs VaterS Emil Schmidt uns erwiesene Teilnahme sagen wir bierntit allen, besonders dem Wahl- verein deS 3. Wahlkreises, dem Deutschen Buchk-inder-Verband, den Kollegen der Firma lleppert& Kuhnke und den Kollegen d er Firma XauSniiinn 4 Beck unseren innigsten Dank. freu Wwe. Berte Schmidt u. Söhne. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne? und guten VaterS sagen wir allen Freunden, Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Genossen Richter, dem 6. Wahlkreis, Bezirk 702, sowie den Kollegen der A. E.-G.. Abt. Nahrstedt und Krämer hiermit unseren besten Dank. Witwe A. Pieske nebst Tochter, _ Eltern und Geschwistern. Dnnksagnng. Hiermit sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den Kollegen der A. E.-G., Grünthaler strasje, meinen innigsten Dank sür die berzliche Teilnahme bei der Beerdi gung meines lieben TöchterchenS Klara Böttger. Die tiefbetrübten Eltern EVita Bttttgcr nebst Frau und Sohn. Bn.simmol Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, SÄ 10—2. 5-7, Sonntags 10-12. 2—4. 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Diskussion. 287/18 Garderoben für Herren verkaufe wegen Geschäfts« aufgäbe zu jcd. nur annehmbar. Preise. Anzüge von 11,50 an. Paletots. Ulster, Hosen in groß. Auswahl. Auch Monatsgardcrodc» spottbillig (Draiiifiiflr. 199.°'" Aerrsnmoüsn* nach llkah. Deutscheu. engl. Stoffe. Sn« zug 40 M. PaletotS 38 M. Hose 13 M.. auch bessere RoBhaar- Vcrarbreitung. Der selhit Ltott liefere von 20 M. an. s/kA- Mein Zuschneide- u. Anprehe- system bärgt für tadellosen Sitz.'�SA J.Ptiltep(Si?ÄÄ',,-25. Akliengeseilscban für chemische Produkle vormals H. Scheidemandel Berlin Bilanz-Konto per 30. September 1011 Aktiva Mark Grundstücke, Gebäude, Fabriken- u. Bureau- Einrichtungen.., 6746430.— Kassa....... 43952.71 Wechsel...... 966,23 Kautions-Effekten.. 10771.15 Aktien der Aktiengosollschaft für ehem. 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' V? t-n •: WW.....«A»:« WW � WW ....................._________________ .,-''■■■■ i 1 ............ D 'ihlÄÄill'', 1 Verantwortlicher Redakteur: Albert� Wachs. Berlin. Für de» Jnseraienfeil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Borwän» Buchdruckeret u. BcrwgKanstalt Paul Singer u.�o� Berlin LW. Ar. 38. 29.|fl!jr$. gl.lln.ll II■__i ßeilHe des„ "•|«|tipn für MmnWM 9, Pän 1912. Die Gemeindewablbewegung. Stegli!?. Ter P a a r un g s v e r su ch zwischen.Karpfen und Kaninchen" daS heißt zwischen Hausbesitzern und Mietern, war ein verfehltes Experiment. Trotzdem Herr S t a h l b e r g, der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des .Reichs verband es", der als Kustos am Institut für Meereskunde doch zweifellos über nicht unbedeutende natnr- wisienschastliche Kenntnisse verfügt, sich mit heiligem Eifer der großen Aufgabe widmete, war der Paarungsuersuch vergebens. Der alte HauSbesitzcrverein wird nun doch eigene Kandidaten aufstellen, und damit werden jetzt Herrn Stahlberg die gleichen Zweifel plagen, wie anno dazumal BiliamS E'el. DaS eine aber ist klar, der Mieterverein, seit Jahren dominierend in der Gemeindepolitik, hat ausgelitten. Er suchte und fand Anlehnung bei seinem seit- herigen Konkurrenten, dem.Kommunalverein" und bei dem neuen Hausbejitzerverein, locil er seiner eigenen Kraft nicht mehr vertraut. Run ist das Kampffeld endlich klar, die Bürger haben die Wahl zwischen Sozialdemokraten, bürgerlichem Mischmasch und der bis- herigen Mehrheit iin Rathause, den alten Hausbesitzern. Da kann die Entscheidung nicht schwer fallen. Die Parole muß lauten: W i r wählen am Montag im ersten Bezirk Aßmann, inr zweiten Bezirk Aßmann, Krug und Leimbach, die Kandidaten der Sozialdemokratie. Nieder-Schönhausea. Sonntag, den 10. März, von lObisö Uhr, findet die Gemeindevertreterwahl für die dritte Klafss statt. Unsere Kandidaten sind die Genossen Ernst H e l l r i ch und Johannes Hiege. Die Gegner machen ge- waltige Anstrengungen, um den Sieg zu erringen; seit mehreren Tagen suchen sie die Wähler persönlich auf. Für unsere Partei- genossen muß das ein Ansporn sein, ihre ganze Kraft einzusetzen, um dem vereinten Ansturm gewachsen zu sein. Die Parteigenossen werden dringend ersucht, kurz vor 10 Uhr im Wahllokal zu er- scheinen. Unser Schleppbureau befindet sich im Restaurant von Liedemit san der Kirche). Auch der letzte Mann muß sich am Wahl- tage dem Wahlkomitee zur Verfügung stellen, um die säumigen Wühler heranzuholen, geschieht das, wird der Sieg unser sein. Hohcn-Tchonhausen. Die Gemeindewahlbewegnng hat ihren Höhepunkt erreicht. Fast täglich finden mehrere Bersammlungen der einzelnen Vereine statt. Von unseren Gegnern agitieren die Grund- besitzervcreine weniger in der Oeffentlichkeil, während der sogenannte Bürgerverein mit seinem anarchosozialistischen Anhang mehr Tam- tam schlügt. Nun ist auch noch der antisemitische Handlungsgehilfen- verband für bürgerliche Kandidaturen in Aktion getreten. Wenn- gleich auch die einzelnen Gruppen und Grüppchen unserer Gegner sich noch nicht einig sind, so werden sie sich bis zum Sonntag schon zusamniengefunden haben. Unsere Parteigenosien iverdcu alles daransetzen müssen, damit uns der Sieg zufällt.*)ie Wahl findet morgen. Sonntag, den 10. März, im Lokal von Rehher, Berliner Str. 93, in der Zeit von 12— 5 Uhr nachmittags statt. Am Schluß derselben muß eS heißen; Gewählt sind die Kandidaten der Sozialdemokratie, die Gc- nossen Max O b e r m e i e r und Hermann K i n tz e. Morgen, Sonntag, früh 8 Uhr: Kuvertverteilung von den Be- zirkslokalen aus. Die wahlberechtigten Parteigenossen sinden sich um •/4I2 Uhr im Wahllokale ein. Mahlsdorf sOstbahn). Die Wahlen zur hiesigen Gemeinde- Vertretung finden für die dritte Wählerklasse am Sonntag, den 10. März, von 12—ö Uhr nachmittags statt. Von unserer Partei ist der Genosse Karl L e h n i g, Maurer, aufgestellt. Die zweite Wählcrklasse wählt am Montag, den 11. März, von 4— 8 Uhr nachmittags; in dieser Abteilung kandidieren die Genossen Friedrich Ludwig, Buchdrucker, und Emil Wied ein an n, Tischler. Das Wahllokal befindet sich bei Brandt. Babnhofstraße. Die Genossen wollen eine rege Agitation für die Wahl unserer Kandidaten ent- falten. Heute Sonnabend, den 9. März, abends S1/? Uhr, findet eine öffentliche Versainnilung im Lokal des Herrn Schliefe, Hönower Straße, statt, in der Genosse T a r n 0 w- FricdrichSbcrg über das Thema:„Was will die Sozialdemokratie?" referieren wird. Hierauf freie Diskussion und Ansprachen unserer Gemeindevertrcter. FricdrichSfclde. Zu den Gcmeindewahlcn nahm eine öffentliche Gemeindewählervcrsainmlung Stellung, in der Stadtverordneter Genosse C 0 n r a d- Rixdors unser Kommunalprogramm und die Rückständigkeit der bürgerlichen Paneicn in treffender Weise be- leuchtete. Hierauf berichtete Genosse O e h l e r t über die Tätigkeit in der Gemeindevertretung. Auch er wies an Hand verschiedener Beispiele die Rückständigkeit der bürgerlichen Vertreter im Orts- parlanient nach. Hierauf hielt der Kandidat. Schuhmachermeister Genosse Otto F r c n tz e l, eine kurze Ansprache, in der er das Ver- sprechen gab, daß er bei seiner Wahl das Mandat im Sinne des fozialdemokratischcn Kommunalprogramnls ausüben werde. Alsdann richtete Genosse Schwenk an die Versammlung die Mahnung, recht intensiv bis zum Wahltag, zu agitieren, da die Gegner nichts unversucht lassen, das Mandat wieder an sich zu reißen. Leider konnte der Wahltermin noch nicht bekannt gegeben werden, fest steht aber, daß die Wahl der dritten Klasse an einem Sonntage statt- findet. Britz-Buckow. Sonntag, den 10. März, vormittags von 11 Uhr bis nachmittags 5 Uhr. findet in der Turn- Halle, Werder Str. 24, die Gcmeindewahl statt. Die Reihenfolge unserer Kandidaten der 3. Klasse ist: Arbeiter August Prenzlau, Putzer Franz Heintze, Kohlenhändler Otto Her ms. In Buckow findet die Gemeindcwahl von 4—5 Uhr im Schul- Hause statt. Kandidat ist der Gastwirl Karl Klein. In beiden Orten wird am morgigen Sonntag früh 8 Uhr noch eine wichtige Handzettelvcrbreitung von den bekannten Stellen aus vorgenommen. Ncucnhagen fOstbahn). Am Montag, den 11. März, mittags von 12 Uhr ab. findet die Gemeindcvertrctcrwahl der dritten Klasse statt. Die Berliner Genossen, die mit Kollegen aus Neuenhagen zusammenarbeiten, werden gebeten, dieselben auf die Ausübung ihres Wahlrechts aufmerksam zu machen.— Wem c« irgend möglich ist, wolle bereits um 12 Uhr bei Eröffnung der Wahl anwesend sein. Sonntag, den 10. d. Mts., nachmittags SVa Uhr, findet im Lokale von Fagerstern noch eine öffentliche Kommunalwähler- Versammlung statt. Hierzu Sonntag früh pünktlich 8 Uhr: Flug- blattverbreitung. Reinickendorf. Die Gcmeindevcrtreterwahl der 3. Klasse an einem Sonntag vorzunehmen und den Wahlberechtigten anitliche Lcgitimationskarten zuzustellen, hatten unsere Genossen in der letzten Gemeindedertretersitzung beantragt. Namens des Gemeindevorstandes erklärte der Bürgermeister, daß es sich empfehle, zur glatten Ab- Wicklung des Wahlgeschäfts den Wählern die beantragten Karten zu- gehen zu lassen, den Antrag bezüglich der Sonntagswahlen aber ab« zulehnen. Unsere Genossen K ö h n und D 0 m n i ck verteidigten demgegenüber energisch auch diesen Teil des Antrages mit dem Er- folg. daß mit 9 gegen 7 Stimmen(bei 4 Stimmenthaltungen) beschlossen wurde. die Gemeindevertreterwahlen der 3. Klasse in Zukunft Sonntag snachinittagZ von 1 bis 5 Uhr vorzll nehmen. Die diesjährigen Wahlen dürfte» daher voraussichtlich erst sehr spät(8. Klasse am 24.. 2. und 1. Klasse am 25. März) stattfinden. Wahlergebnisse. Wcißcnsee. Der Kampf um da» Dorfparlament ist beendet. Die alte Fraktion zieht mit einem Mit- gliede stärker ins Rathaus. In der ersten Abteilung siegten die Fortschrittlichen, in der zweiten die Alten und in der dritten die Sozialdemokraten. Eine solche Wahlbcwegung hat Weißensee noch nicht erlebt. Während in der dritten Abteilung sich alles in voller Ruhe abwickelte, kam es in der zweiten und ersten Abteilung, den Abteilungen der Befitzenden und Gebildeten, manchmal zu solchen Radauszenen, daß die Polizei einschreiten mußte. Eine Polizeiwache war ständig im Wahllokal. Ganz besonders benahm sich der im Disziplinarverfahren auf Dienstentlassung verwickelte be- foldete Schöffe Dr. Pape. Dieser Herr saß stundenlang auf einem Tisch vor dem Wahlvorstand und fixierte den Wahlvorsteher. Er rempelte auch unsere Genossen an, so daß er im Wahllokale von den Genossen Frentz und Fuhrmann eine derbe Abfuhr erhielt. Die Besetzung des Wahlbureaus gestaltete sich zu einer Machtprobe. Am Montag bildeten die Alten das Wahlbureau und verwalteten ihr Amt in parteischer Weise, alle Vollmachten der Gegner erklärten sie für ungültig usw. Am Dienstag und Mittwoch gab es dann vor Anfang der Wahl regelmäßige Volksversammlungen, um den Wahl- vorstand zu bilden, hierbei unterlagen regelmäßig die Alten und die Fortschrittlichen nahmen am Wahltisch Platz. Die Alten stimmten ein Wutgeheul an und mit ihnen rief Dr. Pape:„Alles ungesetzlich, alles ungesetzlich!" Die Wahlbeteiligung war eine außerordentlich starke, wobei natürlich die Papierslimmen die größte Rolle spielten. Gerade mit letzteren wurde ungeheuerer Unfug getrieben, denn die Forensen gaben ihre Vollmacht mal den Vertretern diese? und auch jener Partei, so daß der Wahlvorstand des öfteren vor einem Kuriosa stand. Hoffentlich erlangt Weißcnsee die Stadtrechte, so daß es für später mit diesem Unfug bei den Genieindewahlen verschont bleibt. Gerichts- Zeitung* Eine KindcSunterschiebung nn? gewinnsüchtigen Motive» lag einer Anklage wegen Verbrechens gegen den tz 1S9 St.-G.-B. zugrunde, welche gestern unter Vorsitz des Landgerichtsrats Dr. Buchow das Schwurgericht des Landgerichts l beschäftigte. Aus der Untersuchungshaft wurde die Frau Elisabeth Kalusche, geborene Richter, vorgeführt. Sie wurde beschuldigt, in gewinnsüchtiger Ab- ficht den Personenstand eines anderen vorsätzlich verändert zu ljabcn. — Ende Juni 1910 wurde in einer sogenannten„Privaten tbin- dungsanst-ait" von einem Dienstmädchen Selm« Richter ein Knabe geboren. Von der R. wurde dann einige Tage nach der Geburt in einer hiesigen Zeitung ein Inserat erlassen, nach welchem«in„neu- geborener.Knabe mit geringer Abfindung an Kindesstatt abzugeben sei". Auf dieses Inserat hin meldete sich die Angeklagte Kalusche, die sich mit der Angabe, daß ihr Mann in Drehnaw eine kleine Landwirtschaft betreibe, bereit erklärte, das Kind in Pflege zu nehmen. Sic holte das Kind und erhielt als Abfindung von der Mutter 299 M. Wie die Anklage annimmt, soll die Angeklagte von vornherein gar nicht die Absicht gehabt haben, das Kind z» behalten. Da es ihr lediglich darauf ankam, das Pflegegeld einzustecken, in- szenierte sie folgenden Schwindel: Sie behauptete, daß sie von einer Frau, die sich Frieda Wolff geb. Gohlke nannte, in Berlin ein Kind erhalten habe mit der Bitte, es bei den in Drehnow wohn- haften Großeltern abzugeben. Alle Versuche, die Großeltern zn ermitteln, wären ohne Erfolg gewesen, so daß sie offenbar einer Schwindlerin in die Hände gefallen sei, di« sich auf diese Weise äie grosse Mode Durch seine Vorzüge hat sich der Ulster nunmehr durchgesetzt. Als Mädchen für alles dürfte er noch lange das Feld behaupten. 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Als dann das Vormund- schaftsgericht den Totenschein einsorderte, kam der ganze Schwindel zur Entdeckung.— Vor Gericht bekundete der ven Rechtsanwalt Kurt Aschheimcr geladene Gerichtsarzt Medizinalrat Dr. Hoff- mann, daß die Angeklagte eine hochgradig nervöse und hysterische Person sei, die einer krankhaften Lügenhaftigkeit, der sogenannten pseiutoIoFm phantastica leide.— Tie Geschworene» kamen dem Antrage de? Verteidigers gemäß nur zu der Bejahung der Schuld- frage nach einfacher Personenstandsveränderung, so dag die Ange- klagte noch vor dem isuchthause bewahrt blieb. DaS Urteil lautete auf 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten der er- lmerW'N Untersuchungshaft. Ein wichtiger Flugblattprozeß. Nach Z 10 des preußischen PretzgesetzeS in Verbindung mit§ 30 des Reichspreßgesetze» dürfen Bekanntmachungen, Plakate und Auf. rufe auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten nicht ohne polizeiliche Erlaubnis unentgeltlich verteilt werden.— Diese Bestimmung ist eingeschränkt worden durch§ 43 Absatz S der Gewerbeordnung, wonach zur nichtgcwerbS- mäßigen Verteilung von Druck- oder anderen Schriften in ge. fchlossencn Räumen eine Erlaubnis nicht erforderlich sei. DaS Kammergericht hatte am Donnerstag zu der Frage Siel- kimg zu nehmen, ob ein mit eine« Gitter»mwehrter Biergarten ein.geschlossener Raum' im Sinne dieser Bestimmung sei. Die Frage hat e» in Uebereinfiimmung mit dem Landgericht Berlin bejaht. Anklage war gegen den Kellner Marku» erhoben, weil dieser ohne polizeiliche Erlaubnis am LI. Juni 1911 im Bier- und Kon- zertgarten der Happoldtbrauerei in der Hasenheide zu Berlin Flug« blätter verteilte, die auf den damaligen Streik der Kellner dieses Lokals hinwiesen. Der Garten ist mit einem Eisengitter umwehrt, und zu dem Abendkonzert hatte dal Publikum gegen ein Eintritts- geld von 25 Pf. Zutritt. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen die Freisprechung mit der Begründung Revision eingelegt, der Garten sei schon deshalb kein geschlossener Raum', weil er nicht unter Dach und Fach sei. Dieser Auffassung trat Rechtsanwalt Wolfgang Heine in ein. gehenden RechtSauSführungen entgegen, indem er sich auf die Ent- fiehungSgefchicht« des§ 43 Absatz 5 der Gewerbeordnung stützte. DaS Kammergericht verwarf die Rrvisio» der Staatsanwalt- fchaft mit folgender Begründung: Bei Beratung de» Antrage» auf Einführung de» Absatz 5 de»§ 43 der Gewerbeordnung Hab« der Antragsteller Eugen Richter-Hagen im Reichstag» ausdrücklich au»- geführt, daß ein«„nichtgewerbSmäßige Verteilung von Druck- schriftea i» geschlassruen RSumru" keiner Erlaubnis bedürfe, und habe dabei von Lokalen gesprochen. Dann Hab« er hinzugefügt, daß «» mit der nichtgewerbSmätzlgen Verteilung auf Straßen und Plätzen etwa» andere» fei, weil e» dem Publikum lästig werden Snne. Hingegen, meinte er treffe?, tvoll« Wohl niemand eine solch« Verteilung„in Lokalen oder ähnlichen geschlossenen Räumen" von einer polizeilichen Erlaubnis abhängig machen. Widerspruch sei nicht erfolgt. ES gebe hier noch Meinung dcS Strafsenats a»S der Entstehungsgeschichte unzweideutig hervor, was der Gesetzgeber habe sagen wollen. Nämlich, daß da, wo, im Gegensah zu Straßen und Plötzen, schon ein anderer als die Polizei, nämlich der Besitzer oder sein Bertreter, auf Grund seines HauSrcchtS Belästigungen des Publikum» verhindern könne, keine polizeiliche Erlaubnis not- wendig fein sollte. TaS fei u. a. in Häusern, Lokalen und auch in Wirtsgärtcn der Fall. Somit sei auch der WirtShanSgartcn zn den„geschlossenen Räumen" zu rechnen. M. sei mit Recht frei- gesprochen._ Nackttänzerei. DaS Münchencr Schöffengericht hatte am Donnerstag gegen Erna Weiß(Adorse Villany), Direktor Kooacz(Dr. Robert) und den Impresario RüttgerS wegen unerlaubter Veranstaltungen von Schaustellungen, bei denen ein künstlerisches Interesse nicht obwaltet (Z 32 der Gewerbeordnung), angeklagt. DaS Vergehen wurde darin erblickt, daß die Angeklagten dreimal einem geladenen Publikum im Münchcner LustspielhauS Nackitänze des Fräulein Weih dar- geboten hatten. Ter AmtSnnwalt beantragte je 200 M. Geldstrafe. DaS Gericht sprach die Angeklagten frei. In der Verhandlung hatte Professor Fritz August von Kaulbach und eine Reihe anderer Zeugen bekundet, die dargebotenen Leistungen seien durchaus künst- lerisch und anständig gewesen. Auf Grund dieser Bekundungen kam da» Gericht zu der Ueberzeuguiig, daß ein höhere? Interesse der Kunst bei den Tänzen obgewaltet habe. Eine Wiederholung der Tänze vor Gericht war daher nicht erforderlich. Versammlungen. „Tie wirtschaftliche und soziale Lage der Straßenbahner Teutschlands und ihre Forderungen an die Gesetzgebung" lautete da» Thema einer vom Verband der Handel»- und Transportarbeiter Deutschlands(Sektion der Straßenbahner) einberufenen Versammlung, über da? Reichstagsabgeordneter Bender sprach. Der Redner erörterte die Mißstände, unter denen die Angestellten im Straßenbahnbetricb leiden und empfahl als Abhilfemittcl dagegen in erster Linie die Organisation. Da nun aber durch die Organi- sation nicht alle? erreicht werden kann, sind an Reichstag und Bundesrat Petitionen eingereicht worden. Dem jetzigen Reichstag liegt eine Petition vor, die den Achtstundentag, ferner einen Zkstündigen Ruhetag in der Woche, freie Ausübung des KoalitionS- rechts und staatliche Gewerbeaufsicht fordert. Immerhin dürfen die Angestellten sich nicht allzusehr auf die Gesetzgebung verlassen: die stärkste Macht bleibt doch immer eine straffe, gutfundiertc KampfeSorganisation. In der Diskussion wurden die Ausführungen de» Referenten, der ftürmifcken Beifall fand, wirksam ergänzt. Ein Redner, der mit dem Referenten sonst ganz einverstanden war, glaubt nicht, daß verglaste Perron?, die dieser empfahl, sich für Berliner Verhältnisse eigneten. Ihm entgegnete Rathmann, der besonder? auf München hinwies, wo man trotz größerer Fahrfgefchwindigkeff mfß verglasten Perrons gute Resultate erzielt habe, indem dort der Gesundheitszustand der Fahre ein weit günstigerer ist. Weiter zeigte Redner, daß nur Wenige in den Genuß der AlterSkassc kommen, haben doch laut Aussprache der Direktion der Berliner Straßenbahn im Jahre 1910 80 Proz. aller Ncucingestcllten dir Tätigkeit wieder ausgegeben. Riedel beleuchtete ebenfalls noch im einzelnen die Zustände in den Straßenbabiibctricben von Grotz-Berlin und forderte ein- dringlich zum Beitritt in die Organisation auf. Nach einem Schlußwort. des Referenten und einer anfeuernden Ansprache de? Vorsitzenden O r t l m a n n schieß die stark besuchte Versammlung. Verband der Gemeinde- und StaatSarbeiter. In einer Mitgliederversammlung der Filiale Groß-Bcrlin, die am Donnerstag den großen Saal de» EewerkschaftShauseS füllte, bwlt� der Reich S- tagSabgcordncte Robert Schmidt einen lehrreichen Vorirag über die sozialpolitischen Aufgaben der G e w e r t- sch asten und legte eingehend dar, wie wichtig die sozialpolitische Gesetzgebung für die Sicherung von Leben und Gesundheit des Ar- beitcr» ist, und welch hohe? Interesse die Arbeiterschaft an der Ge- italtung der Gesetzgebung auf dem Gebiete des Arbeiterrechts hat. Ter Vortrag fand lebhaften Beifall. Sodann macht« der Borsitzende Wutzky verschiedene Mitteilungen und erwähnte unter anderm, daß die von unseren Genossen im Berliner Rathause durchgesetzte Teuerungszulage sonderbareoweise vom Magistrat so ge- regelt und aufgefaßt wird, daß alle diejenigen, die in Betrieben arbeiten, wo das Deputat besteht, noch keine Zulage erhalten haben. ES kommen hierl'ei namentlich die Angestellten und Arbeiter der Pslcgeanstaltcn und der Rieselfelder in Betracht, und eS ist ganz unverständlich, warum man diese, die eS ebenso nötig haben, von der Teuerungszulage ausschließen will. Die Angelegenheit wird jetzt im EtatSanSschutz zur Beratung kommen, und man darf wobl erwarten, daß der Magistrat seinen merkwürdigen Beschluß aus- bebt. In RummelSburg ist die Teuerungszulage gewährt worden, in Lichtenberg aber liegt die Sache so, daß die Gemeindevertretung die Teuerungszulage beschlossen hat, der Magistrat sie aber, wie eben jetzt bekannt wird, ablehnt.— Der Redner erwähnte serner die empörende Behandlung, der der Beitragskassierer Schab el ausgesetzt war, der bekanntlich, ohne daß irgendwelche Beweise vorlagen, wegen Morde? verhaftet wurde. In den Kreisen deS GcmeindearbeiterverbandeS hat von Anfang an keiner daran ge- zweifelt, daß Schabe! gänzlich unschuldig war. Die Behandlung, die er erfahren mußte, hat ihn so mitgenommen, daß er nun, von einem schweren Nervenleiden befallen, zur Erholung nach seiner Heimat im Schwarzwald reisen mußte.— In der Diskussion zeigt- eS sich, daß die Versammelten empört waren über diese Vorgänge und sich mit Abscheu von den Blättern wenden, die in geradezu schamloser Weise über ihren Kollegen Schabe! und gleichzeitig über die organisierte Arbeiterschaft herfielen. Außerdem gaben ver- schieden« Diskussionsredner in starken Worten ihre Mißbilligung darüber kund, daß der Berliner Magistrat einen Teil der Gemeindearbeiter von der beschlossenen Teuerungszulage ausschließt, und der Lichtenberger Magistrat sie überhaupt ablehnt. ES wurde sodann noch der Beschluß gefaßt, ein« Bibliothekkommission ein- zusetzen, die die Verwaltung der Bibliothek sowie die Ausgabe der Bücher übernehmen soll. Die Kommission besteht au» sechs Mitgliedern und wurde sogleich in der Versammlung gewählt. BelUm und Betten kanten Sie reell»nd billig bei Carl Müller, Rixdorf, Berliner Strotz« 44 46, HI-n-Bl» vtm Zi» t h a» f». Dampf-Bettfedern-Retuigung mit elektrischem Betrieb.• Fernsprecher: Amt Rirdors Nr.»598, Zöpfe. flrtlicli reelle Ware. 32? ollerMUlj-nten Prelaen. ßtto F. Kaiita, Mllo, Ertstr. i. ZB pfe- und PtrOckenfabrlk. r !ll Kronen, Lampen, Wandarme jc. za durchaus soliden vretseo tu gnter SluSsiihrnng empfiehlt zum Umzug» faul Qreiner Keukölln Bergstraße 132. 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Daß eine Beklagte eine Ent- scheidung hinzuziehen, zu verschleppen sucht, kommt, wenn auch selten, so doch immerhin auch vor. Aber in der Regel nur bei Firmen, die sich in Zahlungsschwierigkeiten befinden und meinen, ihr Ruf sei schon so schlecht, daß an ihm nichts mehr zu verdetoen sei. Daß aver eine große Firma, die Bleltrus bat und auf Kreditwürdigkeit hält, eine Sache, in der sie Be sozialdemokratischen Prozeßparteien gegenüber anders- gesinnten Beisitzern zustehen würde. In nächster Woche wird die Kammer in anderer Zu- sammensetzung über das Ablehnungsgcsuch entscheiden. Tas Gericht hätte nach der Rechtsprechung des Reichs- gerichts das Recht gehabt, den frivolen Ablehnungsantrag, weil er offenbar lediglich zur Verschleppung der Klage gestellt war, selbst zurückzuweisen und sofort in der Sache selbst zu ver- handeln. Ter Ablehnungsantrag war nicht ernst gemeint und der Anrragsteller offenbar von seiner Aussichtslosigieit über- zeugt. Sonst hätte er bereits in einem der vorhergehenden klagte ist, verschleppt, hat wohl allein der Prozeßvertreter der! Termine den Antrag gestellt. Der Mißbrauch des Ab lehnungsrechts, die Stellung des Antrags fünf Monate nach Eingang der Klage zeigt auch, daß der Vertreter der Firma sich inzwischen von der Begründetheit des klägerischen An- spruchs überzeugt hat und Zeit für Ausflüchte zu gewinnen suchte. Ob die Firma selbst mit einem solchen, mit Treu und Glauben unvereinbaren Vorgehen ihres Vertreters einver- standen sist, möchten wir bezweifeln. Erinnert sei daran, daß am 20. Juli 1911 in einer ähn- Drcyer ,, Direktor teil statt an den Kläger an den gelben Untcrstützungsvcrcin als �oldenhauer von den Gußstahlwerken in der Ouitzowstraße Beitrag abzuführen. Von großer Erheblichkeit nicht nur für und der bekannte Förderer der gelben Vereine, der General- den Kläger ist die Frage, ob eine solche Einbehaltung des sckretär Rosse von den Berliner Arbeitgeberverbänden als Sohnes mit Gesetz und Recht vereinbar ist. Auch der Beklagten Beisitzer mitgewirkt hatten, der Kläger aber mit Recht dem sollte eine baldige materielle Entscheidung hierüber von Wert Gedanken fernstand, diese Beisitzer deshalb als befangen ab- �irma Siemens U; Halskc zu Wege gebracht. Und das gc schah der Lohnklage eines einfachen Arbeiters gegenüber.> � Werner Siemens und der alte Halske hätten den für � geistesgestört gehalten, der:s als möglich hingestellt hätte, ein Angestellter ihrer Nachfolger würde einer Lohnklage gegen- über Einwendungen erheben, die wie Verschleppungsmanövcr aussehen. Ter im Wcrnerwerk am Nonnendamm beschäftigte Ar > jßf � � Jm r 1 �_ a____ C" /""v. y--,\ y y beiter S. klagt seit September vorigen Jahres auf Zahlung � U.--------|-------------------- V-------------- des Lohnes, der ihm unstreitig zusteht, der ihm aber nicht aus- lichen Klagesache unter Vorsitz des Magistratsassessors Z bezahlt ist, weil die Firma sich berechtigt erklärte, den Lohn-(Nr. 168 des„Vorwärts") als Arbeitgeberbeisitzer der Di sein. Sie hat diese jedoch bislang durch allerlei Einreden ver zögert. Zunächst erhob sie den Einwand der örtlichen Unzustän- digkeit des hiesigen Gewerbcgerichts. Bekanntlich hat der Kläger die Wahl unter 3 Gewerbegerichten. Zuständig ist 1. das Gewerbegericht, in dessen Bezirk die streitige Vcrpflich- tung zu erfüllen ist, im allgemeinen also das, in dessen Bezirk die Arbeit zu verrichten und der Lobn zu zahlen ist, 2. das, in dessen Bezirk sich die gewerbliche Niederlassung des Arbeit- zulehnen, weil sie keine Sozialdemokraten seien. Prozeßhinziehung beim Gewerbegericht.- Wie Gewerbcgerichte mitunter die ihnen durch da? Gesetz ge- stellte Aufgabe, dem Arbeiter schnell zu seinem Recht zu verhelfen, außer acht lassen, beweist folgender Fall: Am 8. Februar- wurde eine Klage bei dem Gewerbegericht in Reinickendorf eingereicht. AIS der in Berlin wohnhafte Arbeiter nach Ablauf von 14 Tagen noch nichts erfahren hatte, fragte er persönlich beim Gericht an, ob seine Sache vergessen sei. Dies wurde � S.*'«. y..,_, X.| U 1 1 1 XJCllil Vi't.i.lvXJX Ullf UV'-•»'WUz.rv wi.yzv.]|wi s*-1-« il'u�vv gcver-, vefindct. in dem also der Arbeitgeber seinen ständigen verneint. Als mehr als drei Wochen seit Einreichung der Klag- Gewerbebetrieb hat und 3. endlich das Gewerbegericht, in dessen Bezirk beide Personen ihren Wohnsitz haben. Nun meinte der Angestellte, der die beklagte Firma vertrat, ein Dr. iur. Bohnhart, Nonnendamm liege auf Spandauer Ge- biet, also sei das Spandaucr Gewerbegcricht zuständig. Ter Vertreter des Klägers, Cohen, hielt dem entgegen, das Wernerwerk stelle nur einen Teil der Gesamtwerke dar. Tie Aufträge, die die Firma erhält, würden nach ihrer Art auf die einzelnen Werke verteilt. An einem solchen Auftrag seien fast alle Werke beteiligt. Tie Auftraggeber der Beklagten würden auch mit den Erzeugnissen des einzelnen Werkes in der Regel nichts anfangen können, vielmehr handele es sich für sie um Produkte, die Zusammenstellungen der Erzeugnisse aller Siemenswerke sind. Auch der Umstand, daß für die ge- samten Siemenswcrke eine gemeinsame BetriedSkrankenkasse besteht, spreche dafür, daß die einzelnen Werke nicht selbständig sind. Der im Jahre 1906 erfolgte Austritt der Siemenswcrke Fast durchgängig kann dieses Wahlrecht nur durch Ver- treter ausgeübt werden; an einigen Orten hat man in allerletzter Zeit angefangen, solche Vertreterschast für städtische Frauenwahl- rechte an männliche Genossen zu übertragen. Es wird nun eine der hervorragendsten Pflichten der Agitation unter den Genossinnen sein, eine dauernde Propaganda für ein Eindringen der Frauen in die städtischen Verwaltungen zu entfalten, ihre Mit- Wirkung in sämtlichen Deputationen, in den Waisen- und Armenkommissioncn und in der Schulverwaltung zu erzwingen, Frauen aus den arbeitenden Klassen sachkundig zur Tütig- keit in allen diesen Zweigen ausbilden zu lasse-, und dafür zu sorgen, daß geeignete Persönlichkeiten überall � zur Verfügung stehen, wo ihre Mitarbeit schon heute zulässig ist. Aufgabe unserer sozialdemokratischen Vertreter in den städtischen Körper- schaftcn ist es, die dauernde Heranziehung der Frauen in allen Verwaltungszwcigen zu bewirken, alle Rechte, die irgendwie vor- handen sind, auch tatsächlich nach Möglichkeit für sie auszunutzen. Wir dürfen nicht müde werden, uns mit allen Fragen der städtischen Verwaltung, mit den Problemen der Kommunen, immer von neuem zu befassen und so lange zu arbeiten, bis die vollständige Gleichberechtigung der Frauen in den Stadt- Verwaltungen erreicht ist. Eine lebhafte, in einigen Punkten die Ausführungen der Refercntin noch ergänzende Diskussion schloß sich dem beifällig aufgenommenen Vortrag an; von verschiedenen Rednerinnen wurde darauf hingewiesen, daß sich leider unter den Genossinnen noch nicht genügend Mitglieder für die Armenkommissionen melden. Wahlrecht von Frauen zu den preußischen Handelskammern. Frauen, die ihr Wahlrecht zu den Handelskammern ausüben wollen, dürfen nicht in eigener Person ihre Stimme abgeben, sondern müssen sich durch einen männlichen Bevollmächtigten;Pro- kuristens vertreten lassen. Da nun die Wahlen zu den Handels- lammern durch geheime Abstimmung mittels Stimmzettel erfolgen, haben die weiblichen Wahlberechtigten keine Kontrolle darüber, ob ihre Beauftragten tatsächlich im Sinne der Austraggeberinnen ge- handelt haben. Um diesen für das weibliche Geschlecht herabloürdi- genden und die beteiligten Besitzerinnen von Handelsgeschäften Wirt- schaftlich schädigenden Zustand zu beseitigen, hat nach dem„De- taillist" bei der Handelskammer in Köln das Mitglied Eliel einen Antrag eingebracht, den Jnbaberinnen eingetragener Firmen daS aktive Wahlrecht zu den Handelskammern in e.gencr Person zu ge- währen. Die Kölner Händelskammer hat einstimmig beschlossen, verstrichen waren, erbielt endlich der Kläger eine Tcrminsvorladung| ben Deutschen Handelstag zu ersuchen, für eine entsprechende Aus- ,17717 R. Wnn Am 3"prmin8iao(- icdock lies vom Gericbt die Nack,-____ 4.-;.____ r.:rj,__„inairtTwinn zum 6. März. Am Terminstage jedoch lief vom Gericht die Nach richt ein. daß der Termin aufgehoben ist. Gründe für die Auf- Hebung wurden nicht angegeben. Nachdem also mehr als ein Monat verstrichen ist. hat noch nicht der erste Termin stattgefunden.— Hoffentlich hört dieser Schlendrian nunmehr auf. /Zug cler frauenbewegiing. Die Mitarbeit der Frau iu der Stadtverwaltung. lBericht über den Bortrag der Genossin Wehl.) II. Ein weites Feld weiblicher Tätigkeit könnte sich in der Or- ganisation von Kindergärten und-krippen erschließen, deren Einrichtung vollständig kirchlichen oder privaten Wohl- täiigkeitsvereinen überlassen ist. Schon seit einigen Jahren aus der Maschinenbauerkasse und die gleichzeitige Gründung lallen die sozialistischen Vertreter in� der Stadtverordneten 4 I'.»* f.••-„..,._,_»Ar! 4*%,>»'7 77* l>�777477-V7�>-> 11 V4 s 4* ,-*** ,4 44 S 4 7 4.J4.4 t\. V. 4. 4..,..4-,� der Vctriebskrankenkassc wäre gesetzlich unzulässig gewesen, wenn nicht die einzelnen Werke als ein gemeinsames Unter- nehmen gegenüber den Verwaltungsbehörden bezeichnet worden wären. Tie Bctriebskrankenkasse hat ebenso wie die Gencraldirektion ihren Sitz am Askanischen Platz in Berlin. Es habe auch nicht jedes einzelne Werk seinen Unterstützungs- verein, sondern es besteht nur ein Unterstützungsverein für die Gesamtwerke. Er sei auch auf Anordnung der General- dircktion gegründet worden, was wiederum den Mangel der Selbständigkeit der einzelnen Werksdircktionen beweist. Alles, was im Unterstützungsverein geschieht und beschlossen wird. würde zuvor in der sozialpolitischen Abteilung, die sich wiederum am Askanischen Platz in Berlin befindet und unter Leitung des Dr. Fellinger steht, vorbereitet. Der Vertreter der Beklagten gab zu, daß sich der Unter- stützuugsverein sowie die Betriebskranken, und Pensionskasse über die Gcsamtwerke erstrecken: doch rMr aus vcrwaltungs- technischen Gründen trügen sie gemeinsamen Charakter. Tas beweise aber nichts gegen die Behauptung, das Wernerwcrk sei völlig selbständig. Denn die Regel bilde der Einzelauftrag und nicht der Gesamtauftrag. Das Arbeitsverhältnis mit dem Kläger sei auch nur im und für das Wernerwcrk ge- schlössen worden. Es könne nur das Gericht zuständig sein, in dessen Bezirk das� Werk liegt. Zünden die Sache selbst sowie die Frage der Zuständigkeit betreffenden� Rechtsfragen wurden von beiden Parteien um- fangreiche Schriftstücke gewechselt. Vom Gericht wurde dann aus einen Tag der vorigen Woche Verhandlungstermin an- beraumt. N u n verlangte der Vertreter der Firma, es möge die schwebende Sache mit einer inzwischen anhängig gemachten verbunden werden. Des Klägers Vertreter widersprach dem Autrage, da er nur aus eine Verschleppung der seit fünf Monaten schwebenden Klage hinauskäme. Bei den Taufen- den Arbeitern, die die Firma beschäftigte, könnten während der Dauer des jetzigen Prozesses noch viele der gleichen Klagen kommen. Wenn dann die Firma jedesmal die Verbindung der rechtshängigen Sachen miteinander er- streben wollte und ihren Anträgen gerichtsseitig stattgegeben würde, so dürfte ein Ende des schwebenden Prozesses nicht abzusehen sein. Das Gericht unter Vorsitz des Magistrotsrats Wölbling lehnte den Antrag der Beklagten ab, weil die eben erst rechts- hängigen Sachen noch nicht vorbereitet sind, wie es bei der zur Verhandlung stehenden Sache der Fall ist. Inzwischen sind am Dienstag im Sühnetermin die neuen Klagen, die vielleicht von der Beklagten bestellt waren, zurück- genommen worden, da die drei gemeinsam klagenden Arbeiter auf Rat des Vorsitzenden den Ausgang des schwebenden Pro- zesses erst abwarten wollen. Gestern wurde nun der Gerichtsbeschluß über die Zu- ständigkcitsfrage verkündet. Der Einwand der Beklagten lourde. wie bei der Klarheit der Sachlage nicht anders zu er- warten war, zurückgewiesen, da nach den eigenen Ausführun- gen des Bevollmächtigten der Finna das Werk am Nonnen- damin in Beziehungen zu der Berliner Niederlassung steht. Nun sollte über den Anspruch selbst verhandelt werden. Da lehnte der Bevollmächtigte der Beklagten die 4 Beisitzer als befangen ab» weil ue Sozialdemokraten seien. Vergeblich suchte der Vorsitzende den Doktor juris unter dem Hinweis zur Zurücknahme seines Ablehnungsantrags zu bewegen.: wenn eine Ablehnung der Richter aus solchem Grunde be- rechtigt sei. so würde das Gericht vor lauter Ablehnungen überhaupt nicht mehr fungieren können, da doch dasselbe Recht Versammlung dauernd Anträge, städtische Kindergärten und lrippen einzuführen. Durch eine Erhebung der Zentrale für| Jugendfürsorge wurden allein in Berlin 7b lKK> kleine Kinder ge-> zahlt, deren Versorgung im vorschulpflichtigen Alter dringend not-, wendig wäre. Dagegen können die Privatvereine, denen jetzt Berlin � 40 000 M. jährlichen Zuschuß zahlt, kaum 7000 der Kleinen ver- �-----------. x.„ sorgen, und selbst diese geringe Anzahl wird bei den unzureichend; K 2 und auf 28 Sladte w eine Aerztin. Auch d,e �ahl der weib gestaltung des preußischen Handels kammcrgrsetzes einzutreten. In der Begründung wird ausgeführt, daß zwar im Jahre 1895 die Mehrzahl der Handelskammern sich gegen eine solche Maßnahme ausgesprochen hat, da sie dem„System unserer Gesetzgebung" wider» sprechen würde. Seit jenen 17 Jahren haben aber die Anschau» ungen übe: die Stellung der Frau auch in den Gesetzgebungswerken lBürgcrliches Gesetzbuch, Handelsgesetzbuch, Gewerbeordnung) Aen» derungen erfahren. So ist z. B. den Frauen die direkte Wahlbetei» ligung in den Innungen zugebilligt worden. Schließlich sei eine Hebung der Wahlbeteiligung zu erwarten, da Frauen, die persönlich an der Wahl teilnehmen wollten, aber zurückgewiesen wurden» sich an der Wahl überhaupt nicht beteiligt haben. Wenn die Begründung sich dagegen verwahrt, ettoa der Wähl» barkcit von Frauen zu Handelskammermitgliederit das Wort zu reden, so sehen wir darin schwächliche Inkonsequenz. Den Frauen gebührt aktives und pajsivcs Wahlrecht. Frauen als Aerztinnen. In Deutschland sind nach einer kürzlich erfolgten Zählung 118 weibliche Aerzte praktisch tätig. Dieser Zahl standen im Jahre 1908 nur 55. 1909: 09 und 1910: 102 Aerztinnen gegenüber. Von den 118 Aerztinnen des Jahres 1911 kommen auf Berlin 34, München 8, Breslau 0. Hamburg. Dresden und Frankfurt a. M. je 5, Hannover und Düsseldorf je 4, Heidelberg 3, auf 8 Städte vorhandenen Mitteln noch in wenig hygienischer Weise verpflegt. Wie sehr eine städtische Fürsorge nach dieser Richtung hin fehlt, beweisen allein die 3000 Kinder, die jährlich bei der lichen Medizinstudierenden ist in einem ständigen Wachstum be» griffen. Sie betrug im Winter 1909/10 371, im Winter 1910/11 527 und im Sommer 1911 549. Natürlich sind hierbei auch die Aus- Meldung zum Schulcintritt von den Schulärzten wegen allgemeiner� Wanderinnen mit eingeschlossen. Rtn An daran sei noch mit- Körperschwäche zurückgewiesen werden müssen. Ebensowenig ge- �?. 5 �'i! England zurzeit allein 73 SchularzttNnen �sch�ttgt nügen in irgendeiner Weise die Einrichtungen, die die Stadt für Md. In 0 G-me.nden nehmen die �rauen ogar die obersw Stelle das gesunde Aufwachsen der schulpflichtigen Proletarierkinder bis- l�e�den angestellten Schularzt«!, �'N- Außerdem sind noch 289 her geschaffen hat. Wenn 8000 Schulkinder in Berlin dauernd Schul, ch.rcstern angestellt, die wertvolle Diennc für die kranklichen wegen allgemeiner Körperschwäche, 48 332 Kinder überhaupt unter schulärztlicher Aufsicht stehen, so müßten in genügender Zahl Er- holungS- und Pftcgcstätten für diese Kleinen vorhanden sein. Eine der dringendsten Aufgaben einer guten städtischen Schul- Verwaltung ist der weitere Ausbau der Schulspeisung. Auch hier begnügt sich die Stadt damit, den privaten Äindervolks- küchcn, die die bedürftigsten Kinder mit warmem Mittagessen ver- sorgen, einen armseligen Beitrag von einigen tausend Mark zu zahlen; erst seit kurzer Zeit werden hierfür jährlich 120 000 M. .inszugebcn. Es ist dringend zu fordern, daß die Schulspeisung aller bedürftigen Kinder— die erste Vorbedingung der Frische und des Lerneifers in der Schule— von den Stadtverwaltungen selbst übernommen wird, wie dies in vereinzelten Orten auch in Dcut'ckssand, so in Mannheim, bereits der Fall ist. Ter Schularzt, von denen jeder einzelne jetzt nocb eine viel zu große Anzahl von Kindern zu überwachen hat, müßte in seiner ärztlichen Tätigleit viel weiter gehen. Er sollte der dau° ernde Berater jedes Kinde? während der� Schulzeit(einschließlich der FortbildungSschulzeit) bleiben und später auch einen Einfluß bei der Berufswahl üben. Eine vorzügliche Neueinrichtung, mit der die Stadt Charlotten- bürg vorangegangen ist, und die jetzt auch in Dortmund, Elber- teld, München-Gladbach, Mülhausen i. Elsaß besteht, sind die Waldschulen, in denen schwächliche Kinder nach Möglichkeit im Freien unterrichtet und verpflegt werden. Leider hat Berlin die Einrichtung solcher Waldschulen abgelehnt. Auch mit alledem wären die Aufgaben einer modernen Stadt- Verwaltung noch nicht voll gelöst. Gerade die letzte Zeit der Fleisch- tcucrung müßte uns wieder darauf hinweisen, daß die Fleisch- und Milchvcrsorgung der Städte mehr und mehr in die Hand der städtischen Verwaltungen selbst übergehen sonte, wie schon gegenwärtig die städtischen Krankenhäuser durch die Stadt Fleisch und Milch geliefert erhalten. Wie weit erstreckt sich gegenwärtig die Mitarbeit von Frauen in irgendwelchen Zweigen der städtischen Verwaltung? 1909 waren in allen Gemeinden über 10 000 Einwohner im ganzen 11 400 Frauen aus kommunalem Gebiet tätig. Fast nirgends be- steht bei uns in Deutschland eine Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern aus dem Felde der kommunalen Arbeit. Als Waise«Pflegerinnen haben sie nur das Amt des Rccherchierens; die eigentlichen Bestimmungen hat der Waisenrat zu treffen, in dem ihnen nur eine beratende Stimme zusteht. Frei- lich gewährt die Städtcordnung den Städten das Recht, Frauen zu den Waiscndcputationcn zuzuziehen, doch wird vorläufig durch � den Widerstand der Männer nur ein sehr spärlicher Gebrauch von � diesem Recht gemacht. Genau das Gleiche finden wir in der A r m e n v e r w a I t u n g. Tie Frauen, die gesetzlich Mitglieder der Armcnkommission sein dürfen, werden nur wenig herange- zogen; erst in neuester Zeit finden wir ganz vereinzelte weibliche Armenkommissionsvorstehcr, deren Tätigkeit sehr gerühmt wird. So brauchen wir neben der politischen Gleichberechtigung im Reich und in den Bundesstaaten die volle Gleichstellung des weiblichen Geschlechts in allen Zweigen der städtischen Verwaltung. In verschiedenen Gegenden Teutschlands bestehen Ansätze zu kam- ! m u n a l e n Wahlrechten auf sehr bcschräiiklcr Grundlage. und schwächlichen Kinder verrichten. Mutterschastsversicherung in Schweden. Den schwedischen Reichstag bat schon im Jahre 1908 die Muttcrschaftsversichcrung auf Grund eines Antrages des Abgcord- neten E. Wawrinsky beschäftigt. Das damals zur Bearbeitung dieses Gegenstandes eingesetzte Komitee hat jetzt seine Unter» suchungcn"beendet und in einer Abhandlung seine Vorschläge zur Durchführung der Mutterschaftsversicherung in Schweden unterbreitet. Der erste Teil dieser Abhandlung enthält allgemeine Aus. führungen über die Löhne der Jnduitriearbeiterinnen und ihre Fruchtbarkeit, während den zweiten Teil die Gcsetzesvorlage mit ihren Kommentaren ausfüllt. Nach dem Bericht Nini KobnbergerS(Stockholm) in Nr. 4 der „Frauenbewegung" vom 15. Februar d. I. geben wir folgende Einzelheiten der Vorlage wieder: Das Vcrsicherungsorgan soll vorzugsweise eine staatlich ein- getragene Krankenkasse fein. Die Versicherung ist für alle in der Industrie tätigen Ar- beiterinncn obligatorisch, mit Ausnahme her unter 15 und über 51 Jahre alten Frauen und Mädchen. Als VcrsicherungSbet- trag sind für jede Versicherte monatlich 27 Oere zu zahlen, von denen die Arbeiterin 18, der Arbeitgeber 9 Lere zu erlegen hat. Der erforderliche Mehrertrag wird durch staatliche Mittel gedeckt. Die Mutterschaftsunterstützung beträgt 2 Kronen für jede« Wochentag und soll während 0 Wochen, davon mindestens 4 nach der Niederkunft, zahlbar sein, vorausgesetzt, daß die Versicherte während dieser Zeit industriell nicht tätig war. Die Stillpräinie beträgt 15 Kronen für jedes Kind, das die Mutter während mindestens 90 Tagen nach der Niederkunft ge- stillt hat.- Zu dieser Unterstützung sind alle diejenigen Jndustricarbeite- rinnen berechtigt, welche unmittelbar vor der Niederkunft 180 Tage ununterbrochen versichert waren. Ter Arbeitgeber ist verpflichtet, die bei ihm angestellten ver- sichcrungSpflichtigen Frauen bei der betreffenden Krankenkasse zur Versicherung anzumelden und die vorgeschriebeneit Abgaben zu erlegen. Den Teil der Abgaben, den die Arbeiterin zu zahlen hat. kann er vom Lohne abziehen. Die Ausgaben für die Versicherung werden auf 2,10 Kronen pro Jahr für die Arbeiterin und 1,08 Kronen für den Arbeitgeber berechnet. Tie Gesamtsumme der Mutterschaftsunterstützutig würde 87 Kronen betragen, davon 72 Kronen als reine Mutterschafts» Unterstützung und 15 Kronen als Stillprämie. Die MutterschaftSvcrsichcrung soll vorläufig auf die in der Industrie tätigen Frauen beschränkt bleiben, un. die praktische Durchführung zu erleichtern. Der vorliegende Entwurf weist noch große Lücken auf und ist von der Erfüllung aller Forderungen der tlassenbewußten Prole. .., tarierinneu weit entfernt. Die Hauptmängel bestehen in der ver- gerühmt wird, schiedenen Beitragsbclastung von Unternehmer und Arbeiterin, die für jenen nur ein Drittel, für diese aber zwei Drittel beträgt. in der Dezentralisation und staatlichen Bevormundung der Kassen und in der Beschränkung der Versicherung auf die Jndustricarbeite. rinnen allein. Immerhin bildet er einet! Schritt auj ein dringend der Bebauung hedürfngcs Gebiet. Arbeitsnachweis: Hos I. Hütt Eotk:!, Nr. 1230. Vemüiiipteils Berlia Charitvftrnste 3. Hauptbureau: Hol HI. Zlint Norde», Nr. 1087/ Montag, den 11. März 191Ä: UeÄcks- Versammlungen fsi? Sie geisinle Veri»sltung;!ie'.le Kerl!» i» soljzsndcn Lokale::: ÜlirilLNI Mitllcrstr. 142, abends 8'/, Uhr. �|Ord011* Tchtvevter Nrasje 23, abcndZ üördöN I l:'ra«Ice« l:'cst«>iUe, Badstr. 10, abends 8>/, Uhr. filNalUl' ,,rÄchtBäIc �ord-Wo»!, ÜSiclcfftr. 24, abends Towo!• Wolilfnhrte fcntshlo, Oicinirfcnborf, Eichborustrahe, icycl. abend« 6 Uhr. Slcuwayl der Bezirksleitung. Resten null Ledönederg: H a�tst?.�s a�end» et� Jadresdcrichr und Reuwahl der Bezirksleitung. ÜSteN I<.'ou,enlasß>tlle, Memcler Ttrahe 67, abends 8>/. Uhr. ? tesiHl2rtitQI�re* llO�luiK>'trnl Jf, 5. n»:l t. Plnrritrahe 74, 4,ietttrll»,vltz. abends 8'/, Uhr. S\n\w und Ruinmelsburö: SÜ£|PiibßZlrke* c'cwerkso,,aff8liaas' Engclufer IS(&aaU), Uloitlanrao* Fcnkerts 4e»ts>ille, Berliner Allee 221. WClIJCllaCC. abends 8'/. Uhr. MoiilrfMn* Pauuaafc-Fewtsiile, Bergllr. 150, abends 81/, Uhr. KCUfiiUlill. Bericht und Neuwahl der Bezirksleitung. f'Ksi'InttsnIllll'N' VoneshiEaH,»tosinenstr. S. abends 8'/, Uhr. l/lio! jUllCllulU. Neuwahl der Bezirksleitung. Köpenick u. Frieilriehsliageii: hofftr. 44, abends S'/a Uhr. Ober-Scliöneweiile: JSsirS0«' Otcuwahl der Bezirksleitung. 8paNd3N• Fmil Sclmborts Festsille, Surfte. 21, abends Sieglitz! Wegen der am Montag stattfindenden ISemcindcvcrlrctcrwahlen für Steglitz findet die Bezirksversauluilnng am Sonntag, den 1«. März, vormittags l<> Uhr, in Schcllhafes Festfälen, Ahornstr. 15, statt. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellungnahme z. Generalversamuklung. MitxHeäsbucii legitimiert! Tie Versammlungen werden pünktlich eröffnet. Zahlreichen Besuch crivarlct Tie Lrtöverwaltuug. Nelaliatdeilet- notiz- Kalender für das Jahr 1012 sind erschienen und im Bureau sowie bei den Bezirks» laisiereni zum Preise von 00 Ps. pro SInck zu haben. TeSglc che» isl erschienen: Die /Zi'beitSTelten in äer Eisen- uncl l>Zetalt- mäultrie Veutscdtancls zum Preise von 50 Ps. pro Exemplar. 113/4 Tellzahlimg liefert auf beq ueme bei kleinster Anzahlung in bekannter Güte* (mit größter Rücksicht bei Krankheit umi Arbeitslosigkeit) E.Cohn, Gr. Fi'aaWurterstr.SB Zahlstelle Clinrlottcnbai-£. Am So»ntagvormiliag O'J. Uhr sindcl im Volkshaus, Rostneu strafte 3, eine Huß�rordentlicbc Mitglieder Versammlung stall. Tagesordnung: 1. VerbandSangelegendeilen. 2. Wahl der Delegierten zum Tauiag. 3. Verschiedenes. Zahlreiches und pünltlicheS Erscheinen erwartet 30/8 Itle OrtsTcrwaltang. Deutscher Truusniturbtiter-DerbsN. Bezirk Groß-Berlin. Sektion 5, Industriearbeiter. iKewerlschastShaus, Engelufer 15 II, Zimmer 31—44. Költegeu der Mtion 5, Mustriearbelttt! Sonntag, den 10. März er., vormittags S'/z Uhr: Zektions-Mitgtiecker-vel'sammiung in PrankeG Festsälen, Badstr. 19. Tagesordnung: 1. Bericht der Sektionsleitung über die Tätigkeit von 1911. 2. Neuwahl der Seklionslcitung sllr 1812. 3. Bericht über den Kassenbestand des Agitalionssonds. 4. Neuwahl des Ka'fkmS und der Revisoren. 5. Be» ralung über eingegangene Anträge und Verschiedenes. In Anbelracht der äusjcrst wichtigen und reichhaltigen Taacsordnung ist ein vollzähliges Erscheinen unbedingt notwendig. Der Zutritt zur Ver- sammlnng erfolgt unter Vorzeigung des Mitgliedsbuches. MK- Kollege», die länger als 8 Wochen mit ihren Beiträgen im Rückstände lind, haben tcincn Zutritt. Mit kollegialem Grug Die TcktionSloitung. I. A.: lk. tromke. äei' CompisllEBIG Wo es sfe'i um Verbesserung von Suppen, Saucen, GemQsen usw. handelt, empfiehlt sich die Verwendung von Ueblg'8Flelsoli-Extral o s Meine Filialen sind nur; Berlin Friednclistfaße 108 Friedrichstra'-i 138 KönigstraSe 20-21 (Fakratahl) Beben Gmupert Kosenthater Straße 72a Heinickendorfer Str» 4 am WeddicgpInU Schöneberg Hauptstraße 19 Neukölln Bergstraße 151-152 in der Passage Fahrstuhl. gebe Ich iedem von Sonntaer, den 10 M�rz bis Sonntag, den«7. März inkl. «t « eine Bmsillier-VergrfiSeriing Schwarzmalerei Grolto 42X50 CfU mit eleganter Aufmachong, der sich in dieser Zeit eins Matt-Aufnahme bestellt. • 9 9 9 9 « SUa aohte genau anf dl« Größe aad äosliUiruog meiner Grotta-BUdar. » Ce�cet TO**~'7 Ukr»»«»»»*»»»»««»«»sos»OG» VkMild derSchiltidn liiid Schlieideriniikll Wegen Nichtanerkennung de? TarksS haben in nachstehenden Firmen unsere Kollege» die Arbeit eingcslell!: Adam, S., Leipziger Str. 28 Agle u. Wendl. Eharlottenstr. 32» Abbrecht u. 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Withclmstr. 23 t�ründicr, Schützenstr. 53 Gumpcrt, S., Steglitz, Albrechtstr. 8 Günther, Leipziger Str. 37 Hacnsch, Kruppstr. 5 Hanso». Paul, Grcnadierstr. 22 Haustein. Oranicnslr. 123 Heckenberger u. Becker, Unter den Linden 43,49 Hering, Aug., Huselandttr. 45 Hermsdorf. Hugo, Chausscestr. 51 Herpich Söhne, Leipziger Str. 9/11 Herz. D., Französische Str. 33 öerzberg. Gust., Zimmerslr. 24 Heyver u. Jean Jogues, Unter den Linden 33 Hillmer, Dorolheenstr. 54 Hinkcl, Französische Str. 18 Hofsmann, Hermann, Friedrich» siratze.'>0/51 Homuth, Cbarlotteiiburg, Kaiser- Friedrich-Str 48 Horwitz u. Co.. Modrenstr. 25 Hrncir u. MalieSti, Unter den Linden 20 JänkowSli, Charlottenburg, Bismarck- straye 8 Jarh, Peter, Friedrichstr. 173 Istiard, Ernst, u. Sohn, Charlotten» strage 48 Jockey-Klub, Unter den Linden 75 Jobannionn, Neandcrstr 25 Isert, Frieorichslr. 113 Jürgens, Friedrichstr. 215 Katzenberger, Anbaltstr. 17 Keller u. Furch, Fricdrichstr. 183 Kern u. Tschirbo, Charloltenstr. 88 Kirichslein u. Co., Charlottenstr. 43 Klein, Potsdanicr Str. 51 Knebel, Friedrichstr. 30 Kneubühler, Krausenstr. 59 Koppel u. Hlises, Dorolbecnstr. 42 Koppel, M., Kronenstr. 55/57 Kosrcl, Charlottenburg, Sophic-Char- lotteu-Slraxe 22 KoslowSky, Äanonlerstr. 3 Kosse u. Boldi. Maucrstr. 77 Kötz, Französischestr. 52 Krause, Charlotlcnstr. 1 Krietcr. Maucrstr. 8 Kricwitz u. Borgward, Kanouierstr. 10 lieber die gcnanotru Firmen wird hiermit die Sperre verhängt. 162/20' Dir OrtsvcrwaUang. Kröhan, Charlottenburg. Wallstr. 30 Kruse, M., Oranienburger Str. 4 Küchl, Joh.. Charlottenburg, Witten- bcrgplatz 3 Kühne, Ed., Friedrich straste Kuiat, Eugen, Unter den Linden 25. Kunz u. Korizek, Ncustädtische Kirch» slraxe 3 Kurta. Friedrichstr. 153» Lassahu, Julius. Charlottenburg, Schillerftr. 3 Levd, Unter den Linden 51 Lewithal. Maucrstr. 2 Lewke, Oranienstr. 130 Lewkowitz, ltllcxandcrstr. 14» Lenck, Krauseustr. 3 Lindcmann, B. u. Wcstendors, Jnh. Zibbcl. Dresdener Str. 55 Liugolt, Gebr., Sttexandrinenstr. 67 Lippmaun, Bcimo. Leipziger Str.■*) Lubahn vorm Stein,«chadowstr. 4/5 Luch!. Jägerstr. 58. 2 Tr. Lukas jr., Mohrcnslraxe Machncr, Paul, Schöuhauscr Allee 3?» Magnus, Unter den Linden 59 (Krakow) Mathias u. Schade, Bcsselstr. 11 Matz, Brüdersir. 13 Maurer, Rud.. Fricdrichstr. 55» Mahn, Freitag Nach!., Friedrich- straste 35» Mehl, Cbauüeeslr. 124 Meyer, Mohrenstr. 9 Meuhöser. Friedrichstr. 137/183 lNöller Söhne, Friedrichstr. 35 Müller, Arnold, Leipziger Str. 85 Müller, Fritz, l«r. Franksurlcr Str. 95 Müller, Otto. Adalbertjlr. 80 Mllsa, Friedrichstr. 72 Nachmann, Alte Schützenstr. 1 Neetze!, Lothringer Str. 57 Nielsen u. Thutin, Charloltenstr. 34 Noe u. Schulze, linier den Linden 21 OSlo, Johann von, Kleiststr. 15 Peel u. Cloppenburg, Gcrtraudten» str. 25/27 Pix. Alois, Markgrasenstr. 80 Plusticwitz, Martgrasensir. 22 Pockurny u. Görke, Friedrichstr. 213 Prabst u. Lcinke, Friedrichstr. 4-1 Priebe, Luitcnstr. 27 Prince os Wale«, Friedrichstr. 188 Ramb, Waldemarstr. 38 Richter, Franz, Kanonicrstr. 5, I Ricthmüllcr, Moltcnmarkt S Romann, Kraulcnstr. 4/5 Rönsch, Eharlottenslr. 85 Rückert, Emil, Mohrenstr. 53 Rüdiger n. Suhr, Roscnlhaler Str. 45 Rudolf, Gertraudtenftr. 10/12 Rund u. Co., tliexanderstr. 37» blzcpczyk, Annenstr. 3 Salzivcdcl, Mohrenstr. 53 Samter u. Happcck, Charloiteustr. 53 Schachtel, Alcranderstr. 50 SchasuS. Krausenstr. 12 Schalin. Unter den Linden 52 Schimmler, Königgrätzcr Str. 4 Schöiidubc. Friedrichstr. 157/68 Schöning u Lindner, Krausenstr. 35/36 Schramm, ttochstr. 18 Schulmeister, Dresdenerstr. 4 Schulte, Jnh.Brodcrseu, Krausenstr.71 Schultz, Fr., Friedenau, Laulerstr. t2/13 Schulz, Gebr., Markgrasenstr. 45 Schwarz, Lud., Friedrichstr. 158 Sebastian u. Slorck, Äittelstr. 18 Segall, Leipziger Str. 30 Seiig, Arnold. Unter den Linde« Scndke, Dorothcenstr. 30 Siggcr u. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verholen.) 193 298*7 898 1002 341 487 71 803 927 74 2063 543 3180 210 81 713 893 4481 690 739 920 38 6115 05 582 833 967 6000 117 347 40 467 693 811 87 7329 41 699 603$07 8572 799 863 948 9104 304 439 003 10140 460 1300] 745 11313 72 574 985 12266 85 610 639 13325 743 800 935 14063 180 369 483 634 90 953 1 5051 466 1300] 85 16194 265 68 407 632 1300] 93 791 832 47 941 17012 151 856 18098 272 641 67 733 978 1400] 19122 29 475 740 61 20289 451 2 1 035 259 440 736 622 80 2 2015 63 343 466 94 692 853 55 23131 936 24167 325[400] 818 1300] 75 25249[500] 54 452 59 987 26137 297 458 677 893 27083 227 484 607 784 852 052 28144 403 611 97 707 71 802 15 918 65[300] 29640 45 767| 400l 30071 130 37 252 652 639 749 303 63[300! 31408 75 853 630 53 837 79 3 2 244 487 622 781 809 37 975 33482 3 4039 177 634 74 81 847 35110 66 303 603 93 731 849 88[300] 982 30188 200 381 852 999 37723 836 38149 61 72 317 13001 78 426 610 51 04 715 930 62 39124 352[300J 639 841 46225 520 37 720 960 41161 482 4 2224 30 525 816 43160 364 477 845 51 73 095 4 4229 318 420 646 65 637 4 5316 764 46131 252 460 649 997 47100 257 433 516 25 632 749 980 48052 258 320 683 92 747 874 49123 353 820 50218 61 334 93 421 667 929 92 51418 47 700 985 5 2301 1300] 738 93 994 53084 189 910 5 4815 980 SS 1300) 55031 618 70 869 85 959 58024 46 141 281 1300] 748[300] 90 5 7094 188 706 5 8619 715 79[300] 39181 285 318 460 644 G012Ü 288 592 695 1400] 6 1 011 113 565 723 882 97 52019 32 65 105 418 550|300J 78 917 15001 63729 71 64008 212 57 302 722 6 5357[200] 66122 52 419 1500] 67115 73 220 79 573 771 68103 200 66 67 678 652 847 69071 117 362 72 79 412 728 839 972 400] 70402 680 768 67 975 97 7 1485 693 834 7 2033 484 73006 161 385 94 699 74088 287 369 604 90 711 17 848 70 75174 217 726 810 999 76048 173[400] 832 11000] 7 7 281 617 749 60 64 91 943 45 7 8341 66 413 501 909 79160 226[300] 646 1300] 779 80155 223 427 618 30 37 81015 161 240 350 437 903 82145 60[400! 244 441 615 782[300] 87[300] 833 903 83029 193 203 20 328 517 65 725 70 929 84215 75 333 66 414 862 74 975 05043 50 331 706 62 88296 384 761 87098 637 810 98 764 88143 207 390 806 88 907 94 89368 640 79 967 90529 57 673 805 49 940 45 61 93 91137 854 92084 288 93120 410 917 47 94169 348 451 823 46 947 95218 62 96 579[500] 686 731 898 902 80 86 98173 79 214 38 607 86[3001 738 97278 3ovl 658 772 821 0 8042 65 263 73 77 449 83 605 609 789 89054 359 612 100185 235 68 478 607 941 101322 497 612 59 [500] 654 1O2092 184 282 690 103379[300] 415 25 738 875 84 1 04112 483 766 819 105018 52 372 96 466 517 84 893 969 108297 476 97 647 107457 630 631 108507 680 83 1 09284 348 590 603 52 779 98[400] 1 1O009 82 385 404 81 813 700 55 875 987 111108 201 433 622 77[300] 954 112122 381 510 24 29 873 113001 224 671 645 114110[4001 211 419 707 864 115191 477 83 99 752 877 90 901[300] 118044 145 309 67 117311 70[390] 552 784 929 118198 119343 488 120188 531 754 966 1 2 1 070[400] 284 523 750 804 69 1 22147 48 822 911 123102 28 354 82 441 124079 204 52 787 984 125593 637 960 128070 337 41 651 759 882 127192 299 365[30000] 676 740 950 74 12806q 108 284 389 507 805 93 98 97 129418 25 969 13O009 34 206[300] 09 684 762 99 879 1 3 1 241 637 688 731 132237 441 84 658[1000] 898 846 92 913 65 1 33007 20 181 391 470[3001 679 834 134068 107 391 031 700 91 861 943 1 35132 838 76 1 38100 272 460 683 602 703 81 824 51[300] 73 137186 495 612 85 1 38510 53 74 91 717 893 1 30117 65 638 140036 76 99 276 317 637 776 141077 308 472 85 1 42299 615 1 4 3440 672 844 988 1 44305 9 22 617 145034 253 567 716 887 146010 101 447 856 903 1 47176 379 629 1 48004 69 141 74 211 33[300] 719 899 149033 132 559 600 1 5 0044 98 479 510 14 36 41 669 93 776 1 51133 459 755 1 52109 61 211 838 997 1 53014 92 423 60 93 737 1 54921 155030 182 416 672 351 158090 U00l 678 707 803 911[3001 87 1 5 7263 004 1 58149 62 205 397 633 749 811 46 902 159011[300] 271 99 385 414 540 68 72 708 160075 483[ZOO] 161265 527 658 779 873 80 162421 655 792 811 47 1 63072 211 954 62 1 64026 203 382 405 592 651 729 820 36 165055 120 290 168177 284 361 535 638 167004 290 478 829 47 900 188460 618[400] 616 54 169223 393 619 5« 784 170180 698(4001 769 171114 45 422 28 857 99 742 962 172023 244 68 76 432 713 908 173077 85 1400] 110 75 859 966 1 7 4237 351 442 6 2 919 17 5233 96 320 824 1 7 6216[3001 62 313 647 997 17 7034 89 482 1 78440 693 1 7 9087 273 389 755 995 180157 208 22 353 444 82 741 18 1 029 199 361 434 1 82038 48 70 495 609 726 898 1 83235 15000) 422 75 702 184178 223 368 657 68 705 941 63 74 185113 779 888 997 1 88025 201 71[500] 674 892 087 187099 447[3000] 551 657 635 1 88042[300] 123 77 449 79 732 870 189063 199 240 727 939 1. Ziehung 3. Kl. 226. Kgl. Preuss. Lotterie. _ Ziehung vom 8. Marz 19H naehznltlage._ Anf Jede gezogene i. Ummer elnd zwei glelak koke fie- * ,"• gafallea, ead zwar Je etaer eaf die Lote gleicher Hammer In. de» beiden AbteUugen 1 and II Nur die Gewinne Uber ll< Ua;k rind den beiretfendcn Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.;(Xaehdruck verboten.) 14o I500J 239 82 513 883 1123 63 79 374 852 830 13001 2X34 93 279 617 79 63 869 95 3047 87 323 [400] 805 4563 133 613[4C0J 6192 567 710 8P33 73 >600] 263 31? 481 874<130 424 681 84 725 29 885 019 8009 13.Pf 83 481 609 895 9083 369 482 661 034 1O03S 103 24 434 601 607 775 879 11 84 64� 618 13001 34 42 729 12116> 206] 393 478 691 62. 733 13226 37* 681 769 895 019.4475 980 15251 333 49 68 478 641 16154 217 695 621 703 980 1V106 294 C 85 499 081 18354 327[30001 623 721 19028 78 130001 138 61 270 311 39 469 73 818 20046 255 322 425 686 9 5 667 898 2 1 300[400] 913 2 2243 3C9 92 429 627 82 883 813 941 23263 67[500] 381 461 845 83 99 039 53 2 4378 513 1390] 600 2 5608 354 20062 363 561 949 98 2 7 095 97 213 601 810 69 28165 332 ,'3Cü) 413 79 686 92 849 60 83 794 29126 205> 3001 39 569 763 856 943 92 3O077 404 72 650?25 48 833 944 81094 100 218 404>400] 606 677 1400] 724 32139( 3001 60 350 33809 3411"' 80 604 3538« 492 625 769 900 39417 893 923 37155 618 690 821 912 87 3 8332 216 347 429 383 1300] 870 3 8064 104 200 341 638[400] 670 733 69 825 95 7 4O096 149 91 407 1500] 636 63 937 4 1 252 424 >300) 82 650 707 14 843 14001 4 2 291 414 63 846[3001 43046 450 690 4 4050 8 2 934 4 5119 406 80 583 941 48309 436.0 004 4 7055 08 87 183 307 27 953 77 48111[400] 67 254 322 644 48 825 843 900 4iACOO 753 898>300: 50013 148 208 442 97 688 913 81 5 1820 5 2277 669 79 622 875 936 74 53172 221 685 801 54823 32 55319|C0u, 79 697 893 924 56210 733 92? 46 5 7009 78 105 72 437.3000] 95 533 804 58176 639 59257 471 121 60949 320 685 603 6 1 046 90 161 4?0 515 48 001 62164 900 6 3913 109 61/ 69. 64987 465 82 60 710 828 6 5283 98 680 834 Iseo] 60181 627 725 6 7043 88 182 273 442 es 673 678 734 863 94 910 66033 16/ 354 9t0 69917 246 60 538 633 823 70039 234 311 51 572 79 799 71213 407 49 72225 711 47 73 833 934 7 3155 630 7 4453 8.1 >300] 97/ 68 7 5005 34 143 13001 285 658 76 94". 76587 819 35<7183 825 81 30OJ 817 926 7 8200 5 15 338 4 43 618 41 94, 7 8697 80245 83 421 803 81147 77 826 873 80 93 82088 240 300] 326 419 45 663 992 ilCOO] 83290 540 819 992 84040 130 13-9, 582 69? 718 8 5336 89 402 31 635[300] 86920 82 139 391 494 96 525 C ,8 683 94 8 7502 83 380 83183 95 344 624 8 0203(4 443 78 623 40 92 «0170 322-11 97 801 46[300] 928 82 Olli« 404 690 605 913 9 2 720 92 806 913 8 3052 04 465 661 602 715 898 660.1 0431» 943 8 5063 187 634 65 9 8269 399 4 25 4 9 635 636 8 7 434 520[400] 849 947 0 3512 367 95613 42 979 1U0935 67 103 287 339 606 899 753 815 44 10 1 485£00 17 5? 94 93 925 1 02031 239 64 671 316 64>3001 1C302C 573 678 104691 392 413 747 23 892 105961 692 1Ü6020 27 2.2 396 443 71 629 107 046 114[300] 87 280£44 717[360] 19 108334 ,400] 1 OSC 29 202 17 64 329[300] 429 553 708 110919 132 271 325 00 74 421 93 1300] 606 715 897 111073 195 300 38 770 112128 35 427 47 99 657 622 113133 371[1060] 497 766 830 114279 507 728 999 115CC1 13 23 388 613 610 43 49 7C3 64 90 840 68 613 1 1 6046 188 453 612 117333 67 541[3001 ?i»637oo78*M 34 917 118006 362£4i 73 76 037 O, ,i?P22J.19 68 106 65 253 861 785 800 953 121921 an, xSS ü?,4 994 122278 720 35 922 123027 61 l» �2} 678 789 1 24:31 226 403 i 400 i 37 6? 323®ii[i3 125035 100 293 493 632 1 26002 295 127C50[390] 89 3,7 50? 43 773 870 947 79 686 1 29045 358 529 98<89 1•> v1??2� 303'30C01 519 38 085 85[300] 371 914 »77 132153 404 49 723 83? 974 133:20 in«nx 7jr i wi»129 349 76 770 331 007 135155 428 t?4«Tr1�804? 61 103 233 472 550 802 187054 f-54 ,5 10 675 054 1 38185 684 812 1 39091 123 340 l30t! 624 7o 80 13001 70> Cj ino1,??04?»82 318 42 893 141952 218 359 493 813 M£198 ,2a|2 4?« 329 470 714£05 915 143165 z-axono15660] 764 671 1C1043 120 222 23 305 495 607 162:35 200 404 25 91 633 343 900 101,33 164079 512 22 SO 797 165140'3601 431 577[400] 622 St?- 166475 598 729 819 167152 231 331 472 783 168580 70>300] 132 227 169355 939 .__ 70642>3001 121 674 171656 67 93 270 98 172195 594 655 917 93 173390 433 1400] 563 740 949 174342 464 601 773 317 1 75145 578 1 78125 222 37 356 511 74 837 919 43 99 177015 513 933 178133 309 81 687[300] 937 1 79327 793 948 180267> 3001 51»'21 36>400] 780.81191 724 90 1 82777 1 83250 415 1 04952 70 215 620 712 61 185-59 273 1300 378 1 86717 23 55 446 779 816 107182 252 380 18L.ZS 103 617 74 632 64 95 103156 023 583 642 53 755[400] 917 iCcianiiuorUict;« NeSatteur:«UUtrt Wachs, Striin, güt den Jnjerateateil oewfitu).; Th Ä»ck». Berlin. Druck n. Verlag: Vorwqr» Vuchdmckcrti n.«trlagiaujial: Paul«mget u.(So, Berlin SSV 9r 58. 29. 4. WüU des„ÖDtlUÖttö" Kerlilltt Kglksdllltt.-°'mb..d.9.Wn'!tt2. Sonntag früh: Flugblatt- Verbreitung w Berlin, Alt-Glienicke, Charlotteuburg, Köpenick, Neukölln, Schöneberg, Borsigwalde, Erkner, Friedrichsfelde, Friedrichshagen, Lichtenberg, Pankow, Reinickendorf-West, Rnmmelsbnrg, Tegel, Weißensee. Die Genossen, namentlich auch die Mitglieder der Konsumgenossenschaft, werden gebeten, sich zahlreich zu beteiligen. Partei- EtogelegenKeiten. Zur Lokalliste! Folgende Lokale stehen uns zu den bekannten Bedingungen zur Lerfiigung,: In Reinickendorf-Ost: Seebad Kaiser-Friedrich-Garten. n MahlSdorf-Ost: Ander? Gesellschast?haus, Bahnhofstr. 84. n Friedrichsfelde: Fritz Haberland, Wilhelmstratze 33. Auf wiederHolle Anfragen wird mitgeteilt, dag bei Herrn Pätfch in Wilhelmsruh Kronprinzenstrage, keine Differenzen bestehen, sondern dag da? Lokal nach wie vor frei ist. In Lichtenberg hat das Lokal von Mentes VolkSgarten den Besitzer gewechselt. Ter jetzige Inhaber Herr Schröder stellt unS sein Lokal zu den alten Bedingungen zur Verfügung. In Schmöckwitz(TVB.) ist das Lokal von ScholandtS Gesell- schaflShaus in der Lokalliste als frei nachzutragen. In Wannsee ist daS Lokal„Fürstenhof" bis auf weiteres ge- schlössen und daher von der Liste zu streichen. In Ronen jT-B.) hat der Gasthof von Noatnick den Namen ge- ändert und beiht jetzt»Gasthof zu den Ranener Bergen'. In Tcmpclhof sl.-B.s steht uns daS Lokal»Zum Kurfürsten' sJn» Haber Winkelmann, früher KreideweiS) nicht zur Verfügung und ist daher streng zu meidet!. In Charlottenburg steht unS das Lokal»Zum Charlottenburger Pferdemarkt', am Königsweg, Jnh. Brettschneidcr, zu allen Ver- anstaltungen zur Verfügung. Weiter wird auS aus Charlottenburg mitgeteilt, dab der Ge- sangverein.Freundschaft' am Sonntag, den 31. März sPalm- sonntags im Kaiser-Friedrich-Zelt, Berliner Str. 83, ein Vergnügen veranstaltet und versucht in Arbeiterkreisen Billett? umzusetzen. Da uns da» genannte Lokal nicht zur Verfügung steht, bitten wir, die Billetts zurückzuweisen." Die Lokalkommission. Dritter Kreis. Die Fluglattverbreitung der 4. Abteilung findet am Sonntag von Dettc, Ritterftrajje 32, die der 7. Abteilung von Benoit, Luckauer Stratze S aus statt. Der Vorstand. Tie Kreis-Gcneralversammluna des sozialdemokratischen Wahlvereins für Nieder- Barnim tagt am Sonntag, den 10. März 1912, vormittags 10 Uhr, tm Eaf6 Bellevuc in Rnmmelsburg, Hauptstr. 2. Auf der Tagesordnung steht: 1. Tätigkeitsbericht vom 1. Juli bis 31. Dezember 1911. 2. Rückblick auf die ReichstagSwahl. 3. Stellungnahme zur Verbands- Generalversammlung Groß-Berlins. 4. Erledigung der eingegangenen Anträge. Zur Teilnahme sind verpflichte:: Die gewählten Dele- gierten, die Bezirksleiter und die Vorstandsmitglieder. Tie Parteiniitgliedcr, die den Verhandlungen als Gäste beiwohnen wollen, haben als Legitimation ihr Mitgliedsbuch vorzuzeigen.___ Der Kreisvorstand. Steglitz. Am Sonntag, den 10. März, morgen» 8 Uhr, von den Bezirkslokalen auS; Flugblattverbreitung. Ferner werden die Genossen und Genossinnen aufgefordert, stch an den beiden Wahltagen �Montag und Dienstag) de« Rachmittags von 4 Uhr an für die Wahlarbeit zur Verfügung zu stellen, und zwar für den 1. B c z i r k bei Schellhose,«hornslr. Iba und für den 2. B e z i r k bei Clement, Düppelsir. 7. Das Zentralwahlbureau für die Wahltage befindet sich bei Jäckel, Körnerstr. 4, Ecke Althoffstrafie. Tel. OSO. Der Vorstand. Zehlendorf sWannseebahn). Morgen Sonntag, früh'/jS Uhr. von allen Bezirken aus: wichtige Flugblattverbreilung. Nachmittags 3 Uhr bei Mieck, ttarlstr. 12: Oeffentliche Gemeindewählerversamm- lung. Alle Wähler mit ihren Frauen sind dazu dringend eingeladen. DaS sozialdemokratisch« Wahlkonntee. Treptow-Baumschulenwcg. Heute abend von 7 Uhr an: Wichtige Fluablallverbreitung. Für die Genossen der Bezirke S, 9, 10, 11, 12 Treffpunkt bei Schulte, Am Treplower Park 87: sür die der Be- zirke 3, 7, 8 Treffpunkt bei Kunze, Elsenstr. 106. Die Genossen der Bezirke 1—4 treffen sich bei Erbe. Baumsckuilcnstr. 14. Pflicht eines jeden ist eS, am Vorabend der Wahl tatkräftig einzugreifen. Der Vorstand. Tcmpelhof. Heute Sonnabend, von 7 Uhr abends ab, treffen stch die Äenosseu aller Bezirke im GenoffenschaftS-WirtShause, Dorf- stratze SO, zur Alugblattverbreitung. Sonntag, den 10. d. Mt«., mittags 12 Uhr, im Genoflenschaft«- Wirtshause. Dorsstr. SO: Oeffentliche Gemeindewähltr-Versammlung. Tagesordnung: Die bevorstehenden GemeindcratSwahlen. Referent: Stadtv. Ritter- Berlin. DiSkufsiou. Saulsdorf. Heute abend 8'/, Uhr findet im Wilden Eber. Gicseftras e. unser Winlervergnügen statt. Tie Mitglieder werden ersuckit, sich recht zahlreich daran zu beteiligen. Für Unterhaltung und Ucbcrraschungen ist reichlich Sorge getcageu. Eintrittsgeld wird nicht erhoben.' Die BezirlSleitung. Grünau. Morgen Sonntag: Flugblattverbrcitung zur Gemeinde- wohl. Mittwoch, im Lokal Bellevpe, kl. Saal: Mitgliederversamm- lung, in welcher Sladtverordneler Genosse Scholz-Reukölln über »Dle nächsten Aufgaben de» Reichstags' spricht. Der Vorstand. Zeuthen. Heute Sonnabend, abend» 6'/, Uhr, vom Genossen Oldenburg au?: Flugblattvrrbreitung. Lichtenberg. Sonntag früh 8 Uhr: Flugblattver- breitung von den bekannten Stelle» aus. Reinickendorf« Ost. Eine Flugblattvrrbreitung findet morgen Sonnlog, früh von 8 Uhr ab, für den 3. Kommunalwahlbezirk statt. Er umfafil alle ostlich der Sonntagstrafie belegenen Straße», also die Provinzstraße mit ihren Seiten- und Nebenstraßen. Beteiligt sind Teile vom 1. und 2., ferner der 0.. 7.. 8.. 0. und 10. Wahl- vereinSbezirk. Rieder Tchönhaufen« Nieder-Tchönhaufen-West. Sonntag, den 10. März, früh 6 Uhr, von den bekannten Stellen au«: Handzettel- Verbreitung. � Die Bezirksleitung. Tegel. Morgen Sonntag, den 10. März, vormittags 3 Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen auS. Die Bezirksleitung. Spandau. Sonntag, den 10. März, nachmittags 3'/, Uhr findet im Lokal von Müller. Nonnendamm. SiemenSstr. 28. für Nonnen- dämm, Haselhorst und Sternfelde öffentliche Frauenversammlung stait. Tagesordnung:»Die Befreiung der Frau durch de» Sozialismus.' Referentin: Frau Anna Matschte- Berlin. Diskussiou.... Des weiteren findet nachmittags 4 Uhr im Lokal de? Herrn AinboS in C ladow a. H. eine öffentliche Kommunal Wähler- Versammlung statt, in welcher Stadtverordneter Genosse Wilhelm Pieper- Spandau über die bevorstehende Gemeindevertreterwahl in Cladow referieren wird. Ein jeder agitiere für guten Besuch dieser Versammlungen._ Der Vorstand. Berliner I�acdricbten. Die neue Telefunkenstation in Nauen. Ein neues Wunder der Technik, ein neuer Triumph angewandter Wissenschaft ist in den letzten Monaten da draußen am Rande des Havelländischen Luches entstanden. Die Ge- sellschaft für drahtlose Telegraphie hat auf ihrem vier Kilo- meter von Nauen entfernt liegenden, von überschwemmten Wiesen und Sümpfen umgebenen Terrain ihre ehemalige. schon damals nicht unbedeutende„Versuchsstation" zur stärk- sten und wirksamsten Telestinkenstation der Erde gemacht. Wenngleich man auch vorerst noch die Resultate der die Reichweite der Station feststellenden Versuche— für die sich auch die Militärbehörden außerordentlich interessieren— geheimgehalten werden, so muß man doch annehmen: daß daS Wirkungsfeld, das schon bei der alten Station fast bis nach New Jork und Kamerun reichte, sich möglicherweise über die ganze nörd�jche Halbkugel ausdehnen wird. Gleich einer riesigen Fahnenstange strebt daS schlanke eiserne Gerüst— der Nauener Eiffelturm— 200 Meter aus der Niederung in die Lust hinauf. Ein ästhetisches Meisterwerk ist der von zahlreichen mächtigen Stahltrossen gehaltene Turm nun gerade nicht; aber vom technischen Gesichtspunkte aus vermag er den weitgehendsten Anforde- rungen gerecht zu werden. Und die sind bei der leitungs- losen Telegraphie nicht gering. Nicht nur, daß man, um große Reichweiten zu erzielen, die Antenne(Drähte, die dvn hochgespannten Strom in die Atmosphäre hinausstrahlen) möglichst weit über den Erdboden aufhängn muß und dazu eines sehr hohen Turmes bedarf, die eigentliche Schwierig- keit liegt darin: den in den Turin hineingeschickten hoch- gespannten Stroni gegen Erdschluß zu sichern. In Nauen hat man auf den alten Turm, der 100 Meter hoch war, noch einen Oberteil von 100 Metern— aber von geringerem Durchmesser— Höhe aufgesetzt. Ein Kugelgelenk verbindet beide Teile. Der Querschnitt deS Turmes ist wegen des un- geheueren WinddruckeS dreieckig. Um sich dagegen zu sichern, daß der in den Turm geleitete Betriebsstrom auf dem nach. sten Wege in der Erde verschwindet, ruht daS gewaltige Gewicht des eisernen Baue? auf drei mächtigen Isolatoren. Dieses tragende und isolierende Fundament wird von in der Erde versenkten, auS dicken Glasplatten zusammen- gesetzten Säulen gebildet. Die von der Spitze deS TurmeS strahlenförmig nach allen Richtungen sich ausbreitenden Drähte enden an nenn- zehn kleineren Türmen, die in einem Kreise von 800 Meter Durchmesser den Hauptturm umgeben, deren Verankerung übrigens ebenfalls vorsichtig isoliert ist. Während man sich früher mit einer Lokomobile zur Stromerzeugung begnügte, bezieht man jetzt von der Hochspannungszentrale in Spandau einen Drehstrom von 15000 Volt Spannung. In einein neuen stattlichen Gebäude wird dieser Trebstrom in Gleichstrom von 220 Volt und dann in einen Wechselstrom von 1000 Volt Spannung umgeformt. Dieser zur Erzeugung von Aetherwellen besonders geeignete Strom geht dann noch durch einen Transformator und eine Batterie Leydener Flaschen, die er mit der ungeheueren Spannung von 180 000 Volt verläßt. Es gilt nun, diesen gefäfirlichen Strom aus dein mit Eisenmassen angefüllten Hause hinaus zu bekommen, keine leichte Aufgabe, zumal ein solcher Strom kaum noch zu isolieren ist. Jedenfalls wäre seine Turchleitung zwischen Steinmauern nicht möglich ge- Wesen. Man durchbrach daher das Dach und setzte einen kleinen Turin auf, dessen Wände von dicken Glasplatten— dem besten Jsolationsmaterial— gebildet sind. Trotzdem sind die Tiirchführungsstellen der Kabel, die den höchst ge- fährlichen Stroin zu der Turmspitze hinauf führen sollen, mit starken Porzellanröhren und dicken Gummiwulsten umgeben. Die schon einem Blitzstrahl sich nähernde gewaltige Kraft dieser Spannung bringt es mit sich, daß bei einem Ueberspringen des Stromes eine blendendweiße Flamme entsteht. Infolge der außerordentlichen Lebensgefahr darf der Raum, in dem die sehr komplizierten und umfangreichen Apparate zur Erzeugung der Aetherwellen ausgestellt sind, während des Betriebes von niemanden betreten werden. Der Telegraphist hat daher einen besonderen, von starken Glas- scheibeii abgeschlossenen Nebenraum. Von hier kann er durch Hebel usw. die ganze Anlage bedienen. Sollte sich auch nur ein Teil der weitgehendsten Hoff- nungen erfüllen, zu der die neue Telefunkenstation in Nauen Anlaß gab. so hätte sich ja dieses System noch mehr wie bis- her das Uebergewicht gegenüber dem Marconi-System ge- sichert. Zu wünschen wäre aber dabei vor allem, daß dieser großartige Triumph des Menschengeistes nicht nur zu einem kapitalistischen Spekiilationsunternehmen wird, sondern im allgemeinen Interesse der Gesellschaft, zur Förderung von Verkehr und Handel, sowie zur Sicherung der Schiffahrt durch Vermittelung von Wetternachrichten usw. verwendet wird. Es sei hier noch bemerkt, daß eine innere Besichtigung der Station ohne schriftliche Erlaubnis von der Direktion der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie: Berlin SW., Tempelhofer Ufer 9, nicht gestattet ist. Tie Säuglingssterblichkeit in Berlin bat i m F a b r c t 9 l�l leider eine Z u n a li m c gehabt. Seit einer Reihe von Fabre» war sie liier im Rückgang begriffen, den man jich nirtjt lediglich au? dec Minderung der Geburten zu er- klären hatte. In ION aber ist, wiewohl die Geburten sich weiter vermindert haben, plötzlich wieder eine Mehrung der Säugling?» sterbefälle eingetreten.' Die fünf Jahre 1906— 10 hatten für Berlin 9111, 8295, 8250, 7187, 6935 Sterbefälle von Kindern des ersten Lebensjahres ge. bracht, im Jahre 1911 dagegen starben 7455 Kinder dieses Alters. Die Vergleichung mit der Zahl der Kinder, die in den betreffenden Jahren in Berlin lebend geboren wurden, ist selbstverständlich kein fehlerfreier Maßstab. Sie kann aber doch eine ungefähre Vor- stellung davon geben, wie weit die Gcburtenmindcrnng an dein Rückgang der Säuglingssterblichkeit beteiligt ist. In den Jahren 1906—10 wurden lebend 51 454, 50984, 49 205, 45949. 44168 Kinder geboren, und für das Jahr 1911 ergeben die vorläufigen Meldungen 42 832 lebend geborene Kinder(deren Zahl durch die Nachträge sich nicht viel erhöhen wird). Gegenüber je 1000 Lebend- geburten jede? Jahres wurden aus den Jahren 1906—10 177, 163, 168, 156, 157 SäuglingSsterbesälle gemeldet, in 1911 dagegen stau- den je 1000 Lebendgeburten wieder 174 Säuglingssterbefälle gegen- über. Will man diesen Maßstab gelten lassen, so haben wir f ü r 1906— 1 0 einen zwar nicht ununterbrochene», aber doch sehr deutlichen Rückgang der Säuglingssterblichkeit. 9111 Sterbe- fälle in 1906 und 6935 Sterbefälle in 1910, das bedeutet einen Rückgang um 24 Proz. der Zahl aus 1906. Bei Berücksichtigung der gleichzeitigen Minderung der Geburten erscheint die Minderung der Sterbefälle nicht mehr so beträchtlich, aber 177 Sterbefälle je 1000 Lebendgeburten in 1906 und 157 Sterbefällen bei je 1060 Lebendgeburten in 1910 bedeuten immer noch eine Ermäßigung um 11 Proz. In schroffem Gegensatz zu der Abwärtsbewegung, die wir bei den Ziffern der Säuglingssterblichkeit des letzten Jahr- fünfts sehen, steht das Ergebnis des JahreS 1911. Bei Bcrücksicii. tigung der Geburtenminderung tritt hier eine Ziffer auf, die fast wieder so hoch ist wie die auS 1906. lieber die Ursache deS plötzlichen Umschwünge? zum SchlecO teren kann niemand in Zweifel sein. Die ganz ün gewöhn- lichen Witterungsverhältnisse deS Sommer� von 19 11 sind eS. die zu dieser beträchtlichen Steigerung d.. Säuglingssterblichkeit geführt haben. Das wird sofort klar, wenn man sieht, daß diesmal allein in den drei heißesten Monaten Juli. August, September 702, 1345, 834, zusammen 2881 Säuglinge starben, während im vorhergehenden Jahr die damal» heißesten Monate Juni, Juli, August nur 694, 648, 783, zusammen 2125 Säuglingssterbefälle brachten. Im besonderen starben im Juli, August, September 1911 an Darmkatarrh zusammen 1069 Säug- linge, an Brechdurchfall zusammen 561 Säuglinge, dagegen� im Juni, Juli, August 1910 an Darmkatarrh zusammen 669 Säug- linge, an Brechdurchfall zusammen 268 Säuglinge. Man hat den Rückgang der Säuglinassterblichkeit in Berlin, den wir in den Jahren vor 1911 gehabt haben, auS der Tätigkeit 'der Berliner Säuglingsfürsorge stellen zu erklären versucht. Der Beweis ist schwer zu führen, aber glaubhaft erscheint die Annahme, daß diese von den Säuglingsfürsorgestellen erwartete Wirkung bereits eingetreten ist und sich von Jahr zu Jahr mcbr bemerkbar macht. Berlin hatte noch in den Jahren 1903, 190'.. 1905 bei 47 828. 48 910, 49 461 Lebendgeburten 9452. 9783, 10 170 Säuglingssterbefälle, daS sind 198, 200, 206 Säuglingssterbefälle gegenüber je 1000 Lebendgebrtrten. Im Jahre 1905 wurden dann unsere ersten Säuglingsfürsorgestellen eröffnet. Darf im Hinblick auf die erneute und sebr k»- beutende Mehrung der Säuglingssterbefälle, zu der eS im Jahre 1911 gekommen ist, behauptet werden, daß die auf die Fürsorgestellen gesetzten Hoff- nungen doch getäuscht worden seien? Mit Spannung war darauf gewartet worden, wie die Säugli naSfürsorgestellen in einem be> sonders heißen Sommer sich bewähren würden, und nun haben wir im Sommer 1911, dem ersten ungewöhnlich heißen seit Ein- richtung der Säuglingsfürsorgestellen, wieder diese erschreckende Steigerung der Säuglingssterblichkeit erleben müssen. Dennoch mächten wir nicht von einem Mißerfolg sprechen. Die Witterungsverhältnisse dieses Sommers wichen so sehr von der Norm ab, daß er bei der Beurteilung der Erfolge unserer SäuglingSfiirsorgestellen vielleicht besser ganz außer Betracht zu lassen ist. Sicherlich wäre in den heißen Monaten des JahreS 1911 die Zahl der Säuglingssterbefälle in Berlin noch erheblich höher gewesen, wenn nicht die Fnrsorgestellen in fünfjähriger Tätigkeit schon einige Aufklärung über die Pflege der Kinder verbreitet hätten. Die SäuglingSsürsorgestellen können nicht die Not beseitigen, die eine Haupt Ursache deS Massen st erben? der Säuglinge ist. Wir wissen, daß auch die sogenannte Still- Prämie für mit der Brust nährende Mütter und die zu ermäßigtem Preise oder ganz umsonst gelieferte Kindennilch für Flaschenkinder oft nicht mehr als ein Tropfen auf einen heißen Stein find. Aber die Fürsorgestellen können den Müttern manchen Finger- zeig geben, dessen Befolgung bei einigermaßen crträglickicn Woh- nniigSverhältiiisscii und bei einem leidlich geordneten Familien- leben sich wohl durchführen läßt. Im„Vorwärts" ist daher immer wieder auf die SäuglingSsürsorgestellen hingewiesen und ihre Bt- Nutzung dringend empfohlen worden. Eine Vermehrung der SäuglingSsürsorgestellen bis auf eine wirklich ausreichende Zahl ist s e h r z u w ü n s ch e n. Zurzeit bestehen nur die folgenden sieben: j. Blumenstr. 97, für die Stadt- bezirke 1—10, 145-166, 168-188, 189», b. c. 190b, c. e. 195-201; II. Elsasser Str. 27. für die Stadtbezirke 202—245, 251-253, 254b. 255-260, 263—274: III. Bugenhagenstr. 7 lMarkthalle Arminiu». platz), für die Stadtbezirke 11—14, 270—304; IV. Naunhnstr. 63, für die Stadtbezirke 15—19, 22—28, 72—74, 76— 144, 167a, b, c; V. Pankstr. 15, für die Stadtbezirke 254a, c, d, e. 261, 262, 275 bis 278, 305— 323; VI. Großbcerenstr. 10, für die Stadtbezirke 20. 21. 29—71, 75a, b; VII. Wörther Sir. 45, für die Stävtbezir.'c 1896, 190a, d, 101—194, 246-250. In Sache» der Nord-Südbahn hat kürzlich zwischen Vertretern deS Magistrat» und des Polizeipräsidenten im Polizeipräsidium eine Besprechung stattgefunden, die zu einer Verständigung über schwebende Fragen führte. Ter Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, daß mit den Vorarbeiten sür die Nord-Südbahn und zwar zunächst mit der Verlegung der LeitiingSröhren alsbald begonnen werden soll. Beim Spielen i» die Spree gestürzt und ertrunken. Einen traurigen Tod hat der fünfjährige Sohn deS Schiffer? Sabotka gefunden. Der Knabe hatte mit anderen Kindern am Ufer der Obersprce heruingespiclt. Die Kleinen wagte» sich dabei auf einen in der Nähe des S.sche» Lastkahnes vor Anker liegenden Prahm hinaus, wobei der Sohn des S. das Gleichgewicht verlor und kopfüber in» Wasser stürzte. Tie Spielgefährten bekamen eS jetzt mit der Angst zu tun, und austait Hilfe herbeizurufen, raunten sie eiligst davon. Erst als die Eltern den Knaben vermißten, erfuhr man von dem Unfall, docki>var eS nun zu spät. Nur noch die Leiche des Äleiiieii vermochte man zu bergen. Sell'stinoid eine.? Schutzmanns. In seiner Wohnung in der Wagncrstraße 80 hat an» Donncrstaguachmiitag der SchntznMnn Finger, der Eeija Polizeipräsidiuip in Lichtenberg beschäftigt war, «Selbstmord verübt. Während seine Fainitie gestern einer Festlich- seit in Berlin deimohiik', erschoß i'cli F. mit seinem Dienstrcvolver. Irgcndivclche Anszcichnnngen, die einen Beweggrund zu der Tat angeben, hat-der Tote nicht hinterlassen. Zu dein dreifachen Verbrechen in der Alten Jakobstrahe wird niitgcteitt, dag der verhaftete Täter, der Schlosser Oswald Trenklcr, im Lazarcir des llntcrsuchungSaefängnisseS liegt. Sein Befinden isl scl>r schlecht. Trenklcr ist durch die aufregende Untersuchung bei seinem ohuehin kränklichen Zustande so geschwächt worden, das; es voraiissichtlich gar nicht mehr zu seiner.Aburteilung kommen wird. Trenklcr wird auch ans seinen Geisteszustand hin untersucht. Um die furchtbaren Verletzungen besser erkennen und feststellen zu können, hat der Gerichtsarzt Dr. Strauch den zertrümmerten Schädel des letzten Opfers, des Juweliers Schulze, wieder hergc- stellt. Dabei hatte er nicht weniger als M kleine Knochcntcilc kunstgerecht wieder zusammenzufügen. An der Hand dieser Wieder- Herstellung soll festgestellt werden, ob die furchtbaren Verletzungen von einem Werkzeuge wie Trenklcr es benutzt l>aben will, herrühren können. Das Werkzeug selbsf ist nicht gesunden worden. Man hat aber nach den Angaben Trcnklers und einer Zeichnung, die er entwarf, eine Nachbildung anfertigen lassen. Ein Anschlag aus einen Chauffeur ist Donnerstagabend in der Nähr von Pichelsdorf verübt tvorden. Der Kraftdroschkcnführcr Adolf Grundmann ans der Dolziger Straße 48, ein Mann von 4«l Jahren, der verheiratet und Vater von zwei Söhnen ist, wurde Donnerstagabend am Bahnhof Cliarlottenburg von zwei jungen Männern zu einer Fahrt nach Pichelsdorf angenommen unter dem Vormende, daß dort eine Dame, zum Theater abgeholt werden sollte. Knrz vor Pichelsdorf ließen die Fahrgäste halten und schössen in demselben Augenblick durch die Scheiben hindurch den Führer nieder, um ihn zu beraube». Ale ein anderer Wagen in diesem Augenblick nahte, entflohen die Verbrecher ohne Beute. Der lieber- fallenc, der einen Schuß in den Hinterkopf erhalten hatte, wurde »ack, dem Krankenhaus in Moabit gcbrackst. Während man erst das Schlimmste für ihn befürchtete, konnten die Aerzte nach der Operation gestern morgen schon feststellen, daß eine Lebensgefahr nicht mehr vorliegt. Von dem Verletzten eine ausreichende Bc- schrcibung der Täter zu erlangen, war bisher noch nicht möglich. Um so schwieriger ist die Verfolger der Verbrecher. Ein Opfer des Spandauer Bankkrachs. Der Selbstmord eineH Cpandauer Stadtrats, des 59 Jahre alten Maurermeisters Emil Müller, erregt in unserer Nachbarstadt.großes Aufsehen. Müller, der das Amt eines unbesoldeten Stadtrats bekleidete, hat sich in seiner Wohnung in der- Schönwaldcr Straße tZ Donnerstagabend durch einen Schuß in die Schläfe getötet. Er soll bei deni Zu- sammenbruch des Bäthgeschcn Bankgeschäfts-den Rest seines Ver- mögens verloren haben und darum in Zahlungsschwierigkeiten ge- raten sein. Zu dem Raubmorbversiich am Spittelmarktckst neues von Be- deutung nicht mitzuteilen. Der Räuber Pyülick ist noch immer nicht ermittelt. Die Kriminalpolizei hat verschiedene Sistierungen vorgenommen, aber ohne den Täter zu fassen. Bei solchen Sistierungen scheint es manchmal recht wahllos zuzugehen, und man muß schon verlangen, daß nicht ohne weiteres ohne Unter- lagen zu Verhaftungen geschritten wird. Am Mittwoch wurde auf dem Schlesischen Bahnhofe ein junger Mann verhaftet. Ein Ar- beiter namens Michalsky glaubte sich die ausgesetzte Belohnung von NM M. für die Ergreifung des Pyttlick verdienen zu können. Er ging zur Polizei und ließ einen jungen Mann festnehmen, mit dem er sich.vorher ganz harmlos unterhalten hatte. Die Festnahme er- folgte durch z-mei Schutzleute der Wache 4g in der Fruchtstraße in der bekannten zarten Weise. Der Festgenommene wurde gefesselt und dann vorwärts gestoßen, unter großem Sluflauf natürlich. Auf der Wache wurden ihm in recht rigoroser Weise die Papiere ab- gefordert. Trotzdem der junge Mann nachweisen konnte, daß er am selben Tage bis Mittag in der Nähe gearbeitet hatte, was auch durch Nachfrage beim Arhcifgek'cr festgestellt wurde, und trotzdem aiich seine Wohnung und seine Eltern durch Tclephonruf sehr leicht erreichbar waren, wurde cb festgehalten und nach dem'Polizei- Präsidium geschafft. Hier ließ man denselben die Zeit bis zum nächsten Vormittag auf einer Holzbank verbringen, worauf er durch den Kriminalkommissar Mehlmann einem Kreuzverhör unterworfen wurde. Daß man auch den Eltern dadurch große Unruhe und Sorge bereitete, dieser Gedanke scheint den Polizcigewaltigen gar nicht gekommen zu sein. Die Unschuld des jungen Mannes stellte sich bald heraus, und er wurde dann entlassen. Es kann sicher und sehr leicht ein Unschuldiger in einen Ver- dacht geraten, aber die Polizei sollte zunächst die Pflicht haben, die Sistierwn anständig zu behandeln. Besonders verletzend sollen sich liniere Äufsichtsbeamte im vorliegenden Falle durch hämische Bc- Mecklingen benommen haben. Es muß unter allen Umständen scharf gerügt werde!?, daß Pcrhäftungen ohne jede tatsächliche Uiiierlage erfolgen und die Pcrhaftctcn behandelt werden, als seien sie die Täter. Schließlich sei noch bemerkt, daß auch selbst die Täter nur vom Gericht verurteilt werden, und daß die Polizei lediglich die Aufgabe hat, Feststellungen zu machen. Die Gcschirrdicbe,„Spezialisten", die von Zeit zu Zeit fast bandenmäßig aufzutreten pflegen, treiben� es jetzt wieder arg. Besonders in einzelnen Vierteln ist kein Stall und keine Remise mehr sicher vor ihnen. Der Täterschaft verdächtig sind zwei Leute, ein größerer und ein kleinerer, die man an mehreren Stellen gc- sehen hat. Sic brechen fast' immer in-den frühen Morgenstunden in die Ställe und Remisen ein, packen die Geschirre in Säcke und tragen sie entweder weg oder schassen sie mit einem Handwagen nach einem Versteck oder zu ihren Hehlern. Wer ihre Abnehmer sind, ließ sich noch nicht feststellen. Der Zeitiingshandel an Senn- und Festtagen. Das Polizei- Präsidium teilt mit- Im Einverständnis mit den zuständigen Herren Ministern wird gemäß sj l des Ortsstatuts Berlin vom It. Oktober l9li der Brcirnmaterialien- und Zeitungshandel an den Sonn- und Festtagen mit Ausschluß der ersten Feiertage im Winter auch für die Zeit von 8 bis 19 Uhr vormittags und der Zcituugsl.andcl allein im Sommer'auck' noch für die Zeit von 1-2 bis 2�11 br nachmittags gemäß§ 105c der Gewerbeordnung bis zum 1. Oktober 1912 in offenen Verkaufsstellen zugelassen. „Für Grass-Berlin." Am Sonntag, den 19. März, mittags 12 Uhr, wird in der Brauerei Friedrichsh.urn die zweite öffentliche Versamiiiliiug des neue», unter dem Vorst y von Bernhard Dcrn- bürg gebildeten Propagandaausichusses„Für Groß-Berlin" statt- finden. In der Versammlung wird sich die am letzten Sonntag vertagte Diskussion anschließen. Das- Thema des Vortragenocn ist wieder die Frage: Was erwarten wir vom Zwcckverband?, doch soll diesmal nochvinehr Gewicht ans die Erörterung positiver Vorschläge gelegt werden. Ais VoltsliedcrkAbend begeht am Sonntag, den 19.' März, abends>! Uhr, tut großen'saate des Gcwerljchaftshauscs die Orte- gruppe Berlin des Ar bei ter-A cht: uenteiikniiideL ihre diesjährige Frühlingsseter. Mitwirkende sind: Männcrchor„Lerche" iM. d. A.-S.-B.', ein Fraucnterzett-Frl. Becker, Böhm und Fabricius«, ,crl. Wally Kussel(Rezitation). Trotz des rcichhalligcn Programms beträgt der Eintritt für Gäste nur 39 Pf. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt der mit zahlreichen farbigen Bildern und Wandelpanoramen ausgestattete Vortrag:..Der Großglockncr, Gastcin und die Salzburgcr Alpen" in dieser Woche noch allabendlich zur Darstellung. Am Sonnabend- imchm'ckag wird noch einmal der Vortrag:'..Von Meran zum Ortlcr" hu Ueiueu Preisen wiederholt. Im Hörsaal spricht am Montag Konstruktionsingcnien? A. Kcssncr über:„Eisen- und Metallgießerei"; am Dienstag Dr. W. Berudt über;..Fortschritte und Höhen kultureller Eiitwickelung", �»>d am Freitag Dr. H. Klose über:„Schutz der geologischen Naturdenkmäler". Im großen Hör- saal der Urania-Sternwarte in der Jnvalidcnstraßc spricht am Dienstag Dr. H. Kritzinger über:„Kometen und andere Wunder- zeichen am Sternenhimmel". Vom Flugplatz J'-hünnisthal. Gestern nachmittag um 5,39 Uhr stieg H ö ff m a n n auf einem.Harlan-Eindccker �niit vier Passagieren auf und landete um 6 Uhr 2 Minuten 33 Sekunden. Er ist somit 32 Minuten 33 Sekunden mit vier Passagieren geflogen und hat damit einen neuen Weltrekord aufgestellt. Vorort- s�ack ricdten. Wilmersdorf. Magistrat und Parteipolitik. Wie überall, so stehen auch in Wilmersdorf der freien Turner schaft �diejenigen Turn- Vereinigungen gegenüber, die unter rcichstrcuer Firma Klimmzüge machen. Diesen Vereinen gibt die Stadt einen Zuschuß, wohin- gegen die Stadtverordnetenversammlung den A r b e ij c r- t u r n e r n die voriges Jahr von den sozialdemokratischen Stadt- verordneten veantragte Unterstützung versagt hat. Angeblich wollten Magistrat und Stadtverordneten rnehrhcit nicht den Verdacht er- ivccken, daß sie einer, wenn auch mit Unrecht der politischen Partcitätigkeit bezichtigten Organisation Beihilfe gc- währten. Wo nun im Gegensatz zu anderen Gemeinden Wilmers- dorf in dieser Hinsicht eine peinlich strenge Anschauung vertritt, sollte man meinen, daß die städtischeu Körperschaften nach jeder Richtung hin das Gebot der Neutralität zu beachten suchen. Wie ungeniert man sich scdock, über dies Gebot hinwegsetzt, zeigt eine Position, die sich im diesjährigen Etat findet. Um der sozial- demokratischen Jugendbewegung das Wasser abzugraben, sind eine Anzahl Vereinigungen mit.recht widerstrebenden Zwecken unter einen Hut gebracht worden. Es befinden sich in dieser Gesellschaft die patriotischen Turnvereine, etwelche katholische und evangelische Jungfrauen- und JünglingSvereine und die städtische Fortbildungsschule. Alle diese Organisationen sind als Witwers- dorfcr Ortsausschuß für Jugendpflege zusammen- gescknvcißt; und der Magistrat beantragt, diesem Ausschuß für das nächste Etatsjahr 1599 M. Unterstützung zu gewähren, soweit hat nach außen hin die Sache noch ein ziemlich unverfängliches An- sehen; und von der Angelegenheit würde nicht piel Aufhebens ge- macht werden, wenn nicht dieser Tage ans Licht gekommen wäre, wer denn hinter dem Ortsausschuß steckt. Da hat sich denn nun unwiderleglich ergeben, daß die Arrangeure der ganzen Sache im Vorstande der konservativen Par- teiorganisation des Ortes, dem„Verein reichs- treuer Männer" sitzen. Daß diese Organisation zugleich die Filiale des Rcichsverbandes gegen die Sozialdemokratie darstellt, sei nur nebenher bemerkt. Ausdrücklich siebt im Pro- g�amiii des Ortsausschusses, daß überhaupt nur Vereine uiit patriotischem Etikett der Unterstützung würdig sein sollen; und die vom Magistrat zugelassene Verbindung der Fortbil- dungs schule mit dem aus Förderung der konservativen Sache gerichteten Bestrebungen erweckt die patriotische Hossnung, die bis dahin noch unorganisierten jungen Leute im konser- vativcn Sinne zu drillen. Nach außen hin wirkt das ganze Arrangement um so peinlicher, als das Vorstandsmitglied des konservativen Vereins, dem die Ingen dp liege in die Hand gegeben ist, ein Stadtrat, also zugleich Mitglied des Magi- strats ist. Die innige Angliederung der Jugendpflege an konservativen Partejbestrebnngen soll denn, ivie wir erfahren, selbst in n a t i o n a l l i b c ra t c ii Kreisen stark verschnupft haben. Auf alle Fälle wird der Magistrat sich darauf gefaßt machen müssen, daß die Sozialdemokraten in der Stadtverordnetcnver- sammlung von ihm Rechenschaft fordern. Zum Aerztestrcik wird uns geschrieben; Allem Anschein nach geht der Konflikt, über den wir am Dienstag berichteten, in diesen Tagen' zu Ende. Den Siecr haben die Streikenden schon heute in der Tasche, da sich Arbeitswillige in nennenswerter Anzahl dem Magistrat nicht zur Verfügung gestellt babcn. Der Ma- gistrat hat in dem ganzen Streit eine Zurückhaltung geübt, die Zeugnis davon ablegt, daß es in unserer materialistischen Zeit doch noch Menschen gibt, die sich das Bibilwort Matthäi 5, V. 39 zu Herzen nehmen. Während die Streikenden mit aller Rücksichtslosig- teil ihre Interessen verfolgten, schien es der städtischen Behörde Ivescutlich daraus anzukommen, nach außen hin den Eindruck frommer Friedfertigkeit zu erwecken. In der Wilmersdorfer Lokalpresse legte die Armendirektion slrenge Venvabrung gegen das durch böse Menschen verbreitete Gerücht ein, daß sie es sei, die die Notiz in der Tienstagsnummer des„Vorwärts veröffentlicht habe; und als die Streikenden ferner in der Lokalpresse die Mitteilung brachten, daß der Arzt, der die Armcnverlvaltung mit den Rechnungen erfreute, vollkommen lorrekt gc- handelt habe, schwieg der Magistrat ebenfalls still. Gerechtigkeit erhöhet ein Volk; und so erwarten ivir denn, daß auch in dem von uns gewiß nicht herbeigewünschten Falle eines Konfliktes zwischen Magistrat und städtischen Arbeitern nach gleichen Prinzipien gehandelt werde. Ucberläßt der Magistrat der Arbeiterorganisation die Entscheidung über Recht und Unrecht, wenn nach seiner Zlnsicht ein Arbeiter etiva zuviel Lohn verlangt hat, so sind wir die letzten, die gegen diesen sich aus dem Acrztcstreik ergebenden Brauch etwas e i n z u w e n- den haben, wie denn überhaupt bei einem solchen Konftitt dem Magistrat die im A c r z t e st r c i t geübte Sanftmut gar nicht dringend genug ans Herz gelegt werden kann. Grost-Lichterfxldc. Tie diesjährige Etatsberatung in der Gemeindevertretung ver- lief so, wie sie alle Jahre zu verlaufen pflegte: eintönig, nichts- sagend, ohne irgend welches Interesse an höheren kommunalpoliti- scheu Zielen. Von sozialen Gesichtspunkten natürlich ganz zu schweigen. Die sind in Groß-Lichterfelde überhaupt verboten. Ter Gemeindevorsteher gav in seinem einleitenden Referat eine Uebcr- sicht über die finanzielle Lage der Gemeinde, die nach seiner Mei- nung eine günstige sei, obwohl zur Balanzicrung des Etats die Heranziehung des SteuerausgleichsfondS notwendig geworden sei. Tie Diskussion bewegte sich nur an der Oberfläche und nach etwa cinstündiger Besprechung ivurde der Gcmeinde-Haushaltsplan der Etatskommission überwiesen. Wir teilen in Nachfolgendem die wichtigsten Zisscrn ans demselben mit. Ter Gcmcindcctat schließt av für die ordentliche Verwaltung mit 3 99 1 2 I l M., für die außerordentliche mit l 98 9 529 M-, also mit insgesamt I Millionen. Die Kosten der allgemeinen Verwaltung sind mit 335 99 M., jene der Polizciverloaltung mit 197 549 M. in Ansatz gebracht. Feucrioehr und Straßenreinigung erfordern 117 999 M., Straßenbeleuchtung 67 999 M. Die Ausgaben der Armenverwaltung sind um 8999 M. höher als im Vorjahr; sie sind mit 199 999 M. in den Etat eingestellt. Bezüglich der Schulden braucht Lichterfelde durchaus keine Konkurrenz zu scheueii; mit Ende März 1912 werden die schulden nahezu zclni Millionen betragen, denen ein Geiiieiiidevcrinögcn von zirka 13 Millionen gegenübersteht. Besonders lehrreich ist das Kapitel über die Schulen. Der Gesaiiitzuschuß für das S ch i l l e r g>> in n a s i n m beträgt 116 279 M., für das R e a l g Y M n a s i u ui 96 775 M., für die O b c r r c a l s ch u l c 1 1 4 861 M., für die K r a h m c r s ch c höhere Mädchenschule 66 899 M. Insgesamt kosten also der Gemeinde die höheren Schulen einen Zuschuß von 4 94 796 M. Die Gesamtkosten der Geineindcschulcn beziffern sich nur auf 3 67 143 M. Auf einen Schüler des Echillergvm- l-asiuins entfällt ein Zuschuß der Gemeinde von 2 3 2,54 M., des. Realgymnasiums von 1 9 7,59 M.,«der.Oberrealschule von 217,95 M., der Krahmerfchen Mädchenschule von 192,14 M-, für einen Gemniideschüler leistet die Gemeinde eineii Zuschuß von nur 99,96 M. Das Uebcrrascheildc dabei ist, daß trotz des Rückgänge? der Schülcrzahl an den höheren Schulen die Zuschüsse enorm gestiegen sind, während jnc. Kosten für einen Gemcindcschülcr trotz der gestiegenen Schillerzahl sich vermindert haben. Das läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß die Gcmeindcschulen sicb g u a l i t a t i v verschlechtert haben.?lls Ausgabe an den Zwcckverband Groß-Berlin sind erstmalig 3000 M. eingesetzt. An Einnahmen figurieren unter den direkten Steuern (119 Proz. Einkommen- inkl. Kreissteuern) 992 299 M. Grund- steuern 733 499 M. Die Umsatzsteuer ist mit 129 999 M., die Reichswertzuwachsstcuer mit 199 999 M., die Lustbarkeitssteuer mit 9999 M.. die Bier- und Braustcuer mit 24 999 M. veranschlagt. Bezeichnend für den durch und durch unsozialen Charakter der Gemeindevertretung iit die Tatsache, daß schon bei einem jährlichen Einkommen von 669 M. Gemeindesteuern erhoben iverden. Im Jahre 1911 wurden noch aus diesen Gemcindeangehörigen 5649 Mark herausgeholt. Nachdem es bei den Grundbesitzern auf Hunderttausende nicht ankommt, wäre es endlich an der Zeit, solche Einkommen, die noch nicht einmal als Existenzminimum bc- zeichnet werden können, von der Gemeindesteuer frei zu lassen. Steglitz. Tic für Montag, den 11. März, fcstgeselite Bezirksversammlung des Deutschen Mctallarbeitcrvcrbandcs(Bezirk Steglitz» kann, da an diesem Tage in Steglitz Gcmcindevcr- trctcrivahlcn stattfinden, nicht abgehalten iverden. Die Ver- sammlung ist daher auf Sonntag, den 19. März, vormittags 10 Uhr, bei Schellhasc, Ahornstr. 15, festgesetzt. Adlcrshof. Ein neues Ausnalnnegesetz gegen die Sozialdemokratie? Ucber dieses Thema referierte in der Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins Genosse Georg Schmidt. Redner beleuchtete die ganze frivole Art und Weise, wie speziell die Industriellen nach einem Ausnahmegesetz schreien. Pflicht eines jeden Arbeiters müsse es nunmehr erst recht sein, sich der politischen und gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen; dann werde die Arbeiterklasse auf derartige Ausnahmegesetze pfeifen. Die Ausführungen fanden regen Beifall. Diskussion fand nicht statt. Zu den Gcmeindewahlen, welche für die 3. Abteilung am Sonntag, den 17. Marz, von 12— 3 Uhr, für die 2. Abteilung am Montag, den 18. März, von 6— 8 Uhr, und für die 1. Abteilung am Dienstag, den 19. März, von 134— 1% Uhr, stattfinden, wurden folgende Genossen als Kandi- datcn aufgestellt; für die 3. Abteilung die Genossen Büttner und Pct r ich, für die 2. Abteilung der Genosse B a schien und für die 1. Abteilung die Genossen Klo dt und Büttner. Zu diesem Zwecke findet am, Mittwoch, den 13. März, eine öffentliche Versammlung bei Beyer,- Bismarckstraße, statt. Referent ist Gc- nossc Fritz Z u b c i l. Am Montag, den II. März, wird eine Flug- blattverbreitung und am Donnerstag, den 14., die Kuvcrtverteilung stattfinden. Die Genossen werden crsuck't, sich recht rege an den Wahlarbeiten zu beteiligen.— Ten Bericht von der Krcisgencral- Versammlung gab Genosse Erwin Neumann. Ausnahmen fanden 33 statt. Verzogen sind 3 Mitglieder. Zum Schluß forderte Genosse Ncnmann noch die Genossen aus, ihre Kinder, die jetzt die Schule verlassen, den Arbcitcrjugcndvcrcinen zuzuführen. Mariendorf. Ter lebten Gcmciiidevertrctcrssbung lag ein Antrag des Ge- meindevorstehers auf Aenderung bczw. Ergänzung der Biersteucr vor. Hiernach soll der§ 6 Abs. I dergestalt abgeändert werden. daß für die Zukunft nicht mehr �er Empfänger des Bieres, also (ssajtivirt oder Händler usw., die Steuer bezahlt, sondern der Ein- bringer des Bieres, also die Brauerei. Trotzdem sollen beide Teile als Zahler haftbar sein. Begründend führte der Gemeindevorsteher an, daß diese Aenderung einmal eine Erleichterung für die Empfänger sein soll, doch sei dabei mitbeiliimncnd gewesen, daß die Steuerkontrolle eine leichtere und iviriiomere ist. In längeren Ausführungen iührtc Genosse Reichard t zunächst die Ungerechtigkeit der Biersteuer überhaupt der Vertretung vor Augen und betonte, �daß kurz vor der bevorstehenden Etatsberatung im neuen Etat diese "Steuer gänzlich ausgemerzt werden müsse; deswegen sei die Acndc- rung nicht mehr notwendig. Die bürge rltami Vertreter stimmten schweigend dem Antrage zu. Vielleicht verursachte ihnen das Be- wußtsein Alpdrücken, daß sie vor zwei Jahren schon einmal die Steuer beseitigten, um dieselbe nach 1 l Tagen wieder neu ein» zuführen. Ein recht sonderbares Denunziantenstück leistete sich kürzlich das hiesige Ortsblatt. Im breiten Nahmen behandelte es ein kleines Rcnfontrc zwischen einer Arbeiterfrau und einem Bäcker- mcister. Letzterer soll der betreffenden Frau für Frühstückanstragen 19 M. monatlich und freies Frühstück angeboten babcn, worauf die- selbe geantwortet habe, soviel vekämc sie ja schließlich Armenunter- stützung, ohne etwas zu arbeiten,.vicrzn schreibt ltas Blatt, daß sich die Armendirektion diese„arbcitsfreudigc Person" näher be- trachten solle. Die Redaktion des Blattes sollte doch wissen, daß Armenuutcrftützung fortlaufend nur an Erwerbsunfähige gezahlt wird. Es fehlt nur noch, daß das Angebot des Bäckermeisters, für eine zweistündige Beschäftigung täglich 59 Pf. zu zahlen, als eine glänzende Honoricrung gekennzeichnet wird. Unerhört ist es von dem Blatte, kurz vor der Etatsberatung die schon mit Armenunter» stützung largendc Armendirektion gegen die Ortsarmcn scharf zu machen. Kalkberge-Rüdersdorf. Tie Gemeiiidevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung hauptsächlich mit dein Voranschlag für das DiechmingSjahr 1912. Der Etat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 151 500 M. ab gegen 133 399 M. im Vorjahre. Die Stcuerzuschlägc sind fast durch- weg erhöht worden und zwar die der Einkommensteuer auf 139 Prozent, Gewerbesteuer Klasse I und II auf 299 Prozent, Gewerbesteuer Klasse IH und_ IV 180 Prozent, Belricbssteuer 120 Prozent. Grundwertsteuer soll 2 pro Mille des Grundstücks- wertes erhoben werden. Das Vermögen der Gemeinde beträgt in?« gesamt 466 649,33 M. Diesem stehen Gemeindeschulden in Höhe von 2§8 682 M. gegenüber. Da aber im Rechnungsjahre noch ein Darlehn von 273 999 M. zum Straßenbahnbau und ein solches von 125 099 M. zum WasferwerkSbau aufgenommen werden muß, stellt sich die Gesamthöhe der Schulden auf 688 682 M. Bon den Haupt- Positionen schließt der Schuletat in Einnahme mit 16 749 M. und in Ausgabe mit 32 129 M. ab. Der Voranschlag des Elektrizitätswerks balanzicrt in Aktiven und Passiven mit 31 699 M. Danach kam wieder die Bahnangelegenheit zur Erörterung. Da die Vertretung der Ansicht war. daß zwei Antriebswogen nicht voll- kommen genügen, wurde beschlossen, noch einen dritten Wagen zu bestellen. Der Vorsitzende Liibkcs teilte sodann mit, daß der Klage- antrag der Gemeinde Herzfeldc betr. Beitrag der Gemeinde Kalk- berge von 1999 M. zu den dortigen Schnllastcn vom KreiSauschuß abschlägig bcschiedcn worden sei. Jugcndveranstaltunge». Lichtcnberg-RiiiuiuclSburg. Am Sonntag, den 10. MZrz: Ausflug nach dem Grunewald. Die Partie geht über Hundctehle, Saubucht. Kaiser- Willielm-Turm. Trcjfpimkt für die Orte Lichtenberg- Friedrichsseldc- Rummelsburg-Stralail 7'/. Uhr am Bahnbos Fi anksurter Allee. Lieder- vüchcr nicht vergessen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 19. März. vormillagS 0 Uhr, Pappclallec 15—17, und Rixdors, Jdcalpassagc: Freireligiöse Bor- lcsung. VonniltagS 11 Uhr. Kleine Franksurter str. ö: Vortrag von Herrn W. Trojan:„Die Weishcitslcbrcii der Juden.'— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. 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Moiilag. abends 8 Uhr: färUfin l.ea. Berliner Theater. Ab-ndS 8 Uhr: Grotze Nofinen. sdMiiiliei'jlljizigMei'ZM ?IbendS 8 Uhr: Die 3 Fi'aiiksui'tei'. NcneS Theater. AbcndS 8 Uhr: Ter liebe Augustin. Sonnt. Ubr: Der fidele Bauer Theater des Westens. Abend? 8 Uhr: Wiener Blut. Sonntag 3'/. Uhr: ein Nslrsrtesum. Bellioiiiance-Tlieatep. _'Ii* Ubr: WallcnfteiiiS Tod. Echnler-Voritelliiiig. lSchülcr-BilleltS « Ps)-/,« Ubr: vi««emsillgrälin. Urania. Wissenschaftliches Theater. 4 Uhr: Von Heran zum Ortlcr. 8 Uhr; Der Großglockner, Gastein nnd die Sahburger Alpen. Hörsaal Prof. Donath 8 Uhr; An den Grenzen physikalischer Naturerkenntnis. Residenz-Theater. Direktion Richard Alcrandcr. Abends 8 Uhr: Alles für die �firtna. Schwank in 3 Atten von M. Henncquin und G. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Boltcn-Bacckers. Morgen u. folg. Tage: Alles t. lt. fjrma. somitag 3 Uhr: Klimm. Dich um Amelie Luifcn-Theatcr. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Robin- fou Grnioc. 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O'/.Vbr: Beginn der Elite- Täglich 3—4 große Kämpfe. Nähere Einzelheiten im Programm. Die Orpingtons! Herr Burkhardt-Foottit, Schuir, 8onntaj|;, den 10. ifliirzj A große Vorstellungen 31/. Uhr nachm. u. abds. TI A Oasmo-Theater Lothringer Str. 37. Täglich l Nur noch bis 14. März: Uhr. Der Kampf iiiiis Kasein. Ab Freitag, den 15. März 1912: Der Poft'cn-Schlagcr Die Inutlge 8tr»brvltwe. Sonnt. S'l,: TrudchcnS Sommerreisc. Bebend! Bebend! Hede das | Ein atavistisches Wimdor.| Das Mädchen mit dem SUlhncnkopf. Halb Mensch— halb Animal. Das blane Weib, ein] Opfer wilder Barbaren. Die Frau in der Kanne, jBefreiung a. d.Wassergrab.j Ohne Extra-Entree! Reiciishallen-Tliealer. Stettiner Sttng'cr Zum Schlich: Eine Hochzeit in der Miillersträfte. BurieSle von jptcyscl. Anfang wochentags « Uhr. Sonntag 7 Uhr. liSittgLlSlIt'KALiUll. EckeHolzniarft- u. Aiexanderstrafic Täglich abends 8 Uhr, Sonntags'/„(i Uhr: Theater nnd VarietiS. Vom 1.— 16. 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