N-. 60. nbonnfmcnts-Bedlngungcn: Abonnement»- Preis drSnumerando: Kierleljährl.»�0 MI., monotl. l.lv MI. wöchentlich 2S Pfg. frei in» Hau». Sinzeine Nummer 6 Pfg. Sonntag». nununer mit illustrierter Sonntag»« Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post« Wonnemenu 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post.z-itungS« Preislisie. Unter kreuzbanb für Deutfchlanb und Oesterreich- Ungar« 2 Marl, für da» übrige Lutland S Mar! pro Monat. PostabonnemeM» nehmen an: Belgien, Däncmarl '"' �talien. Luxemburg. Portugal, , Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. Sie Tnfcrtlons«Gebflf)r Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel« zeile oder deren Raum m Pfg., für politische und aewcrlschaslliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen Zv P Verratsanklage— den Anschein einer Verbindung zwischen jenen und der gesamten sozialdemokratischen Fraktion— zu liefern sich bt mühte, diese Machinationen eingestanden und die Grundlosigkeit der Anklage aufgedeckt. Cr hat sich dem russischen Justizminister zur Verfügung gestellt, um den vollen Nachweis vor einem öffentlichen Gericht anzutreten. Der russische Justizminister hat bisher die Untersuchung abgelehnt. In Rußland ist eine lebhafte Volksbewegung im Gange, um ein Wiederaufnahmeverfahren zu erreichen. Sie wird demnächst in einer Dumaverhandlung gipfeln— der letzten und ausschlug» gebenden Gelegenheit, um der Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen. Aber diese Angelegenheit ist nicht allein Sache deS russischen Volke«. Hier stehen— abgesehen von den Menschenopfern— Fragen allgemeiner Menschlichkeit, der Kultur, de« Rechts st aat» auf dem Spiele, deren Vernachlässigung rückwirkend auch auf andere Länder sein müßte. Deshalb betrachten die Unterzeichneten— abseits aller politischen Ueberzeugungen— ein Wiederaufnahmeverfahren gegen die un» kleines feuilleton. Details von der Südpolentdeckung. Die englische Presse hat jetzt hohe Zeiten, die Blätter wetteisern in der Veröffentlichung von JnlerviewS mit Amundsen, der sich vorläufig noch in Hobart sTaS- manien) befindet. Vor allem sucht man Scott« Verdienste hervor- zuheben. Da indes keinerlei direkte Nachrichten von Scott vorliegen und Amundsen ihn nicht getroffen hat, müssen die Engländer sich mit folgender Erklärung deö Norwegers begnügen: Ich habe keine Spur gesunden, daß Scott vor mir den Pol entdeckt hat. Wenn er dennoch dort gewesen sein sollte, so deuten jedensalls keine Zeichen darauf hin. Ich hoffe jedoch lebhaft, daß Scott auch am Pol ge- wesen ist. Er hätte diesen Erfolg verdient. Ueber die Schwierigkeiten des Vorstoßes nach dem Südpol bemerkt Amundsen: Die größten Schwierigkeiten, die unser« Expedition zu über- winden hatte, bereitete» uns die furchtbaren Schneestürme, die uns zwangen, oft tagelang in einer Hülte zu übernachten und uns jede Hoffnung auf ein weiteres Vordringen zu rauhen schienen. Während des letzten Teiles unserer Forschungsreise befanden wir uns fast sechs Wochen lang in einer hohen Regjon mit Eis und Schnee bedeckten Bergen in Höhe von ungxfähr KXX) Meter über dem Meeresspiegel. Der Pol selbst befindet sich auf einem Plateau in einer Höhe von 3200 Meter. Wir hatten sehr unter AtmungSbeschwerdcn zu leiden. Unendlich mübsam gestalteten sich die Messungsarbeiten am Pol. Oft drohten UNS.die Kräfte zu versagen. Wir mußten stundenlang ausruhen, um unsere Arbeiten zu Ende führen zu können. Von besonderer Bedeutung ist. waS Amundsen über die Er- nährungSirage mitteilt: Wir haben glücklicherweise nie unsere Ration einzmchränken brauwcn WaS man>edoch unter voller Ernährung in diesem Klima versteht, ist lange nicht daS, was ein gewöhnlicher Mensch in gemäßigtem Klima verzehrt. Der Appetit hat keine Grenzen und man könnte unaufhörlich essen. Während der Rückreise hatten wir nicht nur unsere volle Ration, sondern konnten sogar von dem Proviant nehmen, den wir tn unserem Depot am 36. Grad niedergelegt hatten. Die ersten Hunde waren wir bei 3ö'/z Grad zu toten gezwungen. Wir schlachteten vierundzwanzig. Trotzdem die Hunde nicht allzuviel Futter bekommen hatten, war daS Fleisch doch sehr fett und ein Leckerbissen. Ueber denGesundheitSzustand der ExpeditionSmitgsieder erfährt� man: Unser Gesundheitszustand war während der ganzen Reise äußerst befriedigend. Die schweren Entbehrungen, die körper- lichen wie auch geistigen Anforderungen hatten unser Wohlbefinden nicht im mindesten beeinflussen können. Wir nahmen an Körper- . gewicht sogar zu. Einen LuxuS haben wir allerdings während der Reise entbehren lernen müssen: daS Waschen. glücklichen Volksvertreter als eine Kultur frage und erwarten von der Duma, daß sie freie Bahn für volle Gerechtigkeit, für einen erneuten Rechtsspruch im hecklen Lichte d»r Oeffentlichkeit schafft. Dr. Max Apel. Jultu» Bab. Hermann Bahr. Dr. Marie Baum. Ingenieur E. Bernhard. Lily Braun. Dr. Heinrich Braun. Dr. Martin Buber. Minna Cauer. Richard Dehmel. Alma Dzialoszynski. Frederik van Eeden. Dr. Max ErmerS. Dr. Karl Federn. VerlagSbuchhändler S. Fischer. Prof. Dr. Aug. Forel. Prof. Dr. Paul Förster. Richard Gädke, früher Oberst. H. von Gerlach. Dr. A. Grotjahn. Prof. L. Gurlitt. Prof. Dr. Ernst Haeckel. JuliuS Hart. Wilhelm Hegeler. Lnselma Heine. Dr. Adolf Heflborn. Dr. El. Heiß. Rechtsanwalt Hißbach. Felix Holländer. Dr. Otto Juliusburger, Oberarzt. B. Kampffmeyer. Prof. Kampmann. Alfred Kerr. Dr. R. Knittel, VerlagSbuchhändler. HanS Land. Gustav Landauer. Prof. Dr. Leimbach. Maria LischnewSka. Dr. H. Lux. Prof. Masaryk, Mitglied de« österreichi- schen ReichSratS und der Delegation. Dr. Franz Oppenheimer. HanS Paasche, Kapitänleutnant a. D. Dr. Rud. Penzig. Professor L. Ouidde, Mitglied de« bayerischen Landtage«. Emanuel Reicher. Paul Schirrmeister. Dr. Eugen Heinr. Schmitt. Dr. Frz. Schönen- berger. Karl Schräder. Wilhelm Schwaner. Magnus Schwantje. Prof. Dr. F. Staudinger. Prof. Ludw. Stein. Dr. Reinhard Strecker. Maria Stritt. Ludwig Thoma. Prof. Dr. Ferdinand Tönnie«. Em. Verhaeren. Dr. Walther Vielhaber. Prof. Alfred Weber-Heidelberg. Frank Wedekind. Dr. Bruno Wille. Justtzrat Ludwig Wreschner. Jedermann, der diesem Aufruf zustimmt, wird um Einsendung seine« Namens zur Veröffentlichung gebeten. Ubgeoränetendaus. 34. Sitzung. Montag, den 11. März, vormittags 11 Uhr. Am Mimsterttsch: v. Breitenbach. Die zweite Lesung de« BauetatS wird fortgesetzt. Abg. Fürbringcr snatl.) tritt erneut für den Lau eines Kanals vom Rhein nach Emden ein. Abg. Frhr.». Maltzahn sk.) wünscht Schaffung eine» Fischerei- Hafens an der O st s e e k ü st e. Minister v. Breitenbach betont die Schwierigkeiten der AuS- führung eines solchen Projekt«. Abg. Trimbor»(Z.) wünscht, daß die Wasserbau- a r b e i t e r, die jetzt an die Pensionskassen der Eisenbahnverwalmng angeschlossen werden sollen, dieselben Wohltaten wie die Eisenbahn« arbeiter, die Mitglieder der Kassen sind, erhaljxn. Näher gelegen hätte wobl die Schaffung einer selbständigen Kasse. Wa« geschieht mit den Wasserbanarbcitern über 40 Jahren im Hinblick darauf) daß die PensionSkasse der Eisenbahner Leute über 40 Jahren nicht auf nimmt? UnterstaatSsekretär van der Brügge: Die Wasserbauarbeiter, die in die Kasse ausgenommen werden, sollen dieselben Rechte erhalten wie die Eisen bahnarbeit« r. Leider aber wird eS nicht möglich sein, auch die älteren Arbeiter aufzunehmen, für sie wird in der bisherigen Weise gesorgt werden. Abg. von Böhlendorf-Kölpin ik.) verlangt Errichtung eine« neuen Leuchtfeuer« auf der Insel Wollin. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): bringt Klagen der Fischer aus der Gegend Stettin-Swindemünde vor. Bei eintretendem Tauwetter geraten ihre Netze, ja sie selbst durch die sich loslösenden Schollen in Gefahr. Ein ihnen so entstehender Schaden wird ihnen nicht ersetzt. Die Fischer wünschen, daß, wenn da« Ei« eine bestimmte Stärke erhalten hat, die Tätigkeit der Eisbrecher eingestellt werden möge. Natürlich können die großen Verkehrsinteressen nicht hinter den Interessen dieser Schiffer zurücktreten, aber es müßte doch möglich sein, ihnen wenigstens den epentuell entstehenden Schaden zu ersetzen. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Wodarcz sZ.) erörtert den Bruch de« OderwehrS an der Neißemündung." UnterstaatSsekretär van der Brügge: Durch den Wehrbruch sind die Schiffer zwar geschädigt, aber viel mehr doch durch den im Von sonstigen Einzelheiten sei hervorgehoben: 11 Hunde haben die Fahrt überlebt und sind in guter Verl fassung an Bord der.Fram' angelangt. Wir haben nichteinen einzigen Rasttag während der Rückreise gemacht. Nicht einmal am WeihnachtStage haben wir uns Ruhe gegönnt. Bei jeder Witterung setzten wir unseren Rück- marsch sort. Wir haben während der ganzen Reise kein« Abenteuer erlebt, ober sie war durchaus mühevoll. Ueber die weiteren Pläne Amundsen« wird depeschiert: Amuydsen bleibt in Hobart, bis die.Fram' den Hafen verläßt. Er wird sodann einen Monat hindurch Vorträge in Australien alten. In Buenos Aires wird er sich wieder an Bord der.Fram' -geben und durch die Behringstraße daS nördliche Eismeer auf- suchen. Fridtjof Nansen würdigt im.Daily Chronicle' Amundsens Tat also: Amundsen hat daS letzte geographische Rätsel gelöst. Er brachte Licht in da« Dunkel, das die antarktische Zone bisher um- hüllte. Amundsen verdankt seinen Erfolg nicht einem Zufall. Die Entdeckung deS südlichsten Punktes der Erde ist das Resuttat langer Forschungen und daS Ziel eines seltenen Willens. Amundsens Name ist unvergänglich. Theater. Freie Volksbühne(im Neuen Schauspielhaus):.Das Leben ein Traum' von C a l d e r o n. Ueber die deutsch- romantische Schule find wir auch zu Calderon, dem bedeutendsten Dramatiker des Katholizismus, gekommen; jene, stark unter semem Einfluß verharrend, hat ihn uns vermittelt. Aber trotz aller Be- mühungen ist er.unS fremd geblieben. Am wenigsten läßt sich von einem berühmtesten Schauspiel:»DaS Leben ein Traum' zur Ideen- well der heutigen Mensawcit eine Brücke des Verständmlles finden. Als Kleriker, der Calderon noch in vorgerücktem Alter wurde, noch mehr als Zeitgenosse und Anbeter des tyrannischsten aller Tyrannen: Philipps IL lag sein Geist dock zu sklavisch in Banden, um sich, un- beschadet aller hohen Dichterflügf. von der Finsternis jenes durch die Inquisition ewig gebrandmarkten Zeitalters losringcn zu können. Ist also Calderon insofern der Wiederschein seiner Epoche, und allenfalls noch rein historisch zu erfassen, so vermögen wir Kinder deS zwanzigsten Jahrhunderts seiner Mystik gegenüber allem, waS Welt und Leben heißt, erst recht keinen Gewinn zu ernten. Nicht als ein.Traum' deucht uns das Leben, 'ondern als eine kontrollierbare Realität, mit der wir uns stündlich herumschlagen, der wir unsere Befreiung von aller geistigen und ozialen Knechtschaft stündlich und täglich abtrotzen durch die Tat. Soll uns diese fleisch« und blutlose Schemenphilosophie noch einiger« maßen munden, sollen uns CalderonS Marionetten noch verständlich werden, soll uns endlich seine unzureichende Psychologie und seine Anschluß daran austretenden Wassermangel. Doch sollen den durch den Wehrbruch direkt geschädigten Schiffern bare Beihilfen ge- währt werden. 160 000 M. sind bereits ausgezahlt. Es werden auch nicht nur preußische, sondern auch auswärtige Schiffer unter- stützt. Abg. Fürbringer snatl.) wendet sich gegen die Einführung des Schleppmoyopols auf dem Dortmund-Ems-Kanal. Ein solches Vorgehen würde nach der Ansicht berühmter Rechtsgelehrter gegen das Gesetz verstoßen. Minister v. Breitcnbach: Die Regierung ist nicht dieser Ansicht und wird sich in ihrer Anschauung auch durch etwaige entgegen- stehende Gutachten einzelner Rechtsgelehrter nicht beirren lassen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Bei der Oderregulierung und den dabei notwendigen Umlegungen von Grundstücken wird an einer Stelle darüber geklagt, daß die Verteilung zum Schaden der kleinen Grund- besitzer erfolgt, daß die als Entschädigung ausgeworfenen Grund- stücke im argen Mißverhältnis stehen zu dem Grundbesitz, der den Leuten entzogen ist. Hier darf auf keinen Fall pro Lsoo gearbeitet werden. In einer Petition verschiedener Korporationen Breslaus wird im Interesse der Gesamtbevölkerung die ungesäumte Ausführung deS sehr wichtigen SchwarzwasserprojekteS gefordert. Ist die Staats- regicrung dazu bereit? Die Erhöhung der Ufergelder in Berlin ist eine recht erhebliche, bei'sechstägiger Liegezeit ist sie schon b M., bei zehntägiger 9 M. pro Tonne. Das ist eine sehr schwere Belastung namentlich der kleineren Schiffer, sie wird durch das neue Melde- Wesen nicht gerechtfertigt, dessen Vorteile ich übrigens nicht geleugnet habe. Manche Empfänger lassen sich die telephonische Meldung zu jeder beliebigen Zeil auch gar nicht gefallen. Dagegen sind die Schiffer wehrlos, sie hätten dann die erhöhten Lasten, aber keine Gegenleistuyg I Mit den Erklärungen des Regierungsvertreters über den Zusammenbruch des Wehres an der Neiße- mündung kann ich mich nicht zufrieden geben. Er hat zugeben müssen, daß die Eichenstämme etwa zwei Meter unter der Oberfläche gelegen sind; er sagte aber, man könne doch nicht bis zum Mittelpunkt der Erde gehen I! Bei guter Untersuchung deS Baugrundes hätte man die Stämme finden müssen. Ich habe erfahren, daß die Strommeister oberhalb des Wehrs den Schiffern längst vor dem Zusammenbruch gesagt haben, an dem Wehr finde man keinen Grund! IHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Je mehr solche Stämme sich da ansammelten, um so mehr war genaue Untersuchung geboten; sie wurde aber nicht vor- genommen l Die Fürstenberger Schleuse soll angeblich nicht zusammengebrochen sein. Aber auf der einen Seite hat sich das Fundament von der Mauer um Handbreite gelöst, so daß das Wasser nicht in der Schleuse festgehalten wurde. Dieser Schaden muß schon lange bekannt gewesen sein. Die Reparatur konnte unter Auf- rechterhaltung der alten Schleuse in 8—10 Tagen vorgenommen wsrden, wie es ja jetzt zu geschehen scheint. Wenn es eine ganz normale Reparatur war, die im Winter gemacht wird— warum ist das denn nicht geschehen? Im Winter wurde die Schleuse offen- gehalten, erst am 6. März wurde die Schließung bekanntgegeben. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Staatsregierung hat also ein Verschulden und sie sollte meinen Anklagen doch mehr Beachtung schenken. Die Schiffer machen den Umstand vexantwort- lich, daß das herabstürzende Wasser das Wehr unterspülte. DaS kann auch bei anderen Wehren eintreten, und die Schiffer ver- muten es geradezu. Sie klagen darüber, daß die Schleusen von Kasel bis Breslau zu spät, erst im letzten Moment aufgemacht werden, so daß die Schiffe aufs Trockene kommen. Die Verwaltung hätte also allen Anlaß, auf die Männer der Praxis mebr zu hören.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man scheint aber darauf mit bureaukratischem Hochmut herab- zusehen. Die heutigen Ausführungen deS Unterstaatssekretärs zeigen, daß meine Forderung nach Entschädigung auch nichtpreutzischer Schiffer als berechtigt anerkannt werden muß. Aber es sollte bei der Gewährung der Entschädigungen rascher vorgegangen werden. Ob 400 000 M. ausreichen werden, ist fraglich. Auch für den Schleusen- bruch in F ü r st e n b e r g ist die Staatsregierung ebenso ersah- p f l i ch t i g wie für den Vorfall an der Neißemündung. sSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herrn Strosser aber sage ich: wir müssen uns mit allen möglichen Materien befassen, ohne unS deshalb als Sachverständige zu erklären. Wir sind ja nicht so viele wie Sie auf der Rechten und können keine Spezialisten stellen,(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) UnS fehlen auch die Speziali st en für unfreiwilligen Humor, die Sie z. B. an Herrn Strosser haben.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.), obzwar schöne, doch kalte VerSsprache erwärmen, wenn sie sich in langen Monologen oder in lehrhaft moralisierenden Schlußsentenzen ergießt, dann verlangen wir aber auch eine Darstellung, die das B e st e dransetzt. Die Freie Volksbühne kann sich auf keinen Fall zum Spielball für Repertoire-Verlegenheiten hergeben. Diese Vorführung trug fast durchweg de» Charakter deS Unfertigen an sich. Keine Flüssigkeit des Dialogs; zumeist unrichtige, obendrein durch peinliche Verlegenheitspausen zerhackte Verssprache; keinerlei Geschlossenheit der schauspielerischen Leistungen. WaS Wunder, daß einige Akte total wirkungslos verpufften. Nur Josef Cammer vermochte mit seinem hanswurstigen Diener Clarin ein wenig Heiterkeit zu erregen— auch das mit„Rhabarber-Rhabarber' und— preußischen Hornistensignalen unterspickte Blech- vulgo Kampfgetöse. e. k. Musik. Die Königliche Kapelle, d. i. daS Orchester deS Opern« Hauses, veranstaltet seit langem Sinfonie-Abende, deren Ertrag dem Witwen- und Waisenfonds der Kapelle zukommt. Lange Zeit war mit ihnen der Name ihres Dirigenten Weingartner ver« knüpft; jetzt leitet sie Richard Strauß. Aus der hierund bei anderen Orchestern üblichen klugen Einrichtung, die Generalprobe gegen relativ billigeren Eintritt öffentlich zu- gänglich zu machen, entstanden feste Voraufführungen am Mittag desselben Tages,„Matineen'; sie sind um so erwünschter, als die Hauplaufführungcn jetzt gänzlich den Abonnenten gehören, und sind wohl so gut wie immer ausverkauft. Das VIII. der dies« jährigen Konzerte brachte zwei Neuaufführungcn moderner Werke, die sonst schon bekannt waren. Bor allem kam nton Bruckner zu Wort. Der Meister war, nach den üblichen Verkennungsjahren, der Schützling einer heftig strampelnden Opposition gegen seine wirklichen oder angeblichen Verkenncr geworden. WaS man schon damals bei einiger Ruhe urteilen konnte, dos konnte man auch jetzt urteilen, atS unsere Sinfoniker seine letzte, unvollendete, IX. Sinfonie vortrugen: lauteres musikalisches Gold, wie aus einem Füll- Horn dahingestreut, eines neben dem anderen, unbekümmen um die Fassung des Hörers und auch unbekümmert um das, was mit den Orchestcrfarben zu machen sein würde.— Dann gab es von dem französischen Modernen Vincent d'Jndy Sinfonische Variationen Jstar'; eine von den musikalische» Darstellungen reichster Kompo- sitionSkunst, bei denen doch alle Wendungen und Windungen deS erläuternden Programmbüchleins den Zusammenhang mit dem Pro- gramm nicht überzeugend werden lassen. R. Strauß dirigiert nicht so.heroisch' wie seine Vorgänger und nicht so, daß man sich um etwas Eigenes von seiner Art herum» streiten könnte. Abes es liegt soviel Solides, Vornehmes und Maß- volles(besonders durch Vermeidung extremer Zeitmaße) in seinem Dirigieren, daß der das Konzert abschließende Vortrag von Beethovens V.(.Schicksals'«) Sinfonie wohl auch dem ältesten Lieb« haber etwas Neues zu sagen hatte. ez. Ministerialdirektor PcterZ: die Liegegelder nach der Liegezeit> Wahlkampf sollen nicht bessere Einnahmen schaffen, sondern Lbkürznug der Liege»' zeit zur Freimachung der Liegestellen herbeifiihren. Die Schiffe sollen nicht als Lagerhäuser dienen. Der Ministerialbaudirektor erllärt, da? Verfahren schädige die Kleinschiffer nicht. Beschwerden sind nicht gekommen. Wir wünschen gleich gute Behandlung der großen und kleinen Schiffer. Die BreSlauer Projekte sind sehr schivierig, die Erwägungen über das Vollkommensie sind nun beendet und das Verfahren ist eingeleitet. Der Verwaltung ist nichts bekannt geworden, daß die Schiffer den Zu- sammenbruch des WehrS an der Neißemündung voraussahen. Die Unterhaltung des WehrS war ordnungsmäßig.(DieS sucht der Redner in fachmännischen Bemerkungen zu erklären.) Eine absolut genaue Untersuchung der Baustelle des WehrS mit zahlreichen Bohrungen (pro Quadratmeter vier) hätte unverhältnismäßig viel gekostet. Die Schäden des Fürstenberger Wehr» wurden schon vor zwei Jahren ausgebessert, das geschieht immer im Bedarfssalle. Die Schließung wurde rechtzeitig bekanntgemacht, jedoch erfolgte die Wiedereröffnung des Kanals wegen des Eisganges später als die der Oder. Aber das hat keine größere Verkehrsstörung hervorgerufen. Die Untergrundverbältnisse bei Fllrstenberg sind äußerst schwierig. Die Ausbesserung der einen Schleuse wird Ende dieses Monats beendet sein. Wir hören oen Rat der Interessenten in recht ausführlicher Weise. Der Kleinschifferverein Fürstenwalde wird bei jedem Anlaß befragt. Gerade für den Oder-Spreekanal sind ln den letzten Jahren zehn Millionen bewilligt worden. Abg. Dr. Ehlers sBp.) beklagt, daß Mecklenburg di« untere Havel nicht reguliert, so daß all« Arbeiten Preußens mehr oder weniger vergebens sind. Abg. Dr. Liebknecht fSoz.): Ich begrüße es mit großer Freude, daß die BrsSlauer Kanalprojette etwas energischer in Angriff genommen werden sollen. ES wäre nur zu wünschen, daß die Regierung in dieser Richtung weiter arbeitet. Wenn einer der Regierungsvertreter mir gegenüber behauptet, daß der Ausdruck Ufergelder nicht d�r technische Ausdruck sei, so ist er im Irrtum. Man gebraucht wohl den Ausdruck Liegegelder in Schifferkreisen, er ist aber nicht der richtige. In einem mir vorliegenden amtlichen Tarif, der allerdings noch nicht in Geltung ist, wird ausdrücklich von Ufergeldern gesprochen.(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Es trifft auch nicht zu, daß usancemäßig die Ufergelder von den Empfängern entrichtet werden. Tatsächlich haben sich zum Beispiel die Berliner Kausleut« zusammengetan mit der Absicht, di« Belastung den Schiffern aufzuerlegen, wodurch di« Schiffer in große Unruhe versetzt wurden. Die übrigen Mitteilungen der RegierungS> Vertreter konnten mich nicht befriedigen. Wenn eine größere Anzahl von Bohrungen bei der Fürstenberge� Schleuse nötig waren, bann mußten sie eben ausgeführt werden. Unsere Technik ist weit genug, um 4000 Bohrungen, die da nötig waren, mit größerer Geschwindigkeit auszuführen, ohne baß die Kosten ins Un- gemessene zu wachsen brauchen. Jedenfalls hat die Regierung nicht auf der Höhe gestanden.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Regierungsvertreter mußte auch zugeben, daß der Regierung seit zivet Jahren die Mißstände bei der Fürsten- berger Schleuse bekannt waren. ES ist nicht richtig, daß der Verkehr auch auf der neuen Schleuse wieder eröffnet ist. DaS wird erst Ende März der Fall sein. Jedenfalls sind diese Zustände durch« aus unbefriedtgend, und ich muß nochmals die Staats- regierung dringend ersuchen, den Schiffern, die durch das Unglück an der Fürstenberger Schleuse die schwersten Nachteile erlitten haben, Entschädigungen zu zahlen. Leider hat die Negierung gerade auf diese wichtige Anfrage noch keine Antwort gegeben.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Beim Extraordinartum wird auf Antrag des Abg. L i n z(g.) die Besprechung des OpernhauSneubaueS in Berlin bi» an das Ende der zweiten Lesung des Etat« ausgesetzt, damit sich erst die K!t n st l e r s ch a f t über die Projekte äußern könne. Abg. CahenSly(Z.) wünscht rascher» Förderung der Lahn- kanalisieruna. Abg. Faltin' e n. die an dem De- monstrationSzuge teilnahmen, ereigncre sich kein Zwischenfall. Ein« treffende Antwort auf den KriegervereinSterroriSinuS. In U n t e r st e i n a ch(Wahlkreis Lichtensels-Kronachj hat sich eine sozialdemokratische VereinSsettio» gebildet, der auch eine Anzahl Mitglieder des Veteranen- und KrcegerverecnS beüralen. Sie erhielten darauf von der Vorstandickaft«ine guichrist mit der Auf» sorderung, aus der Parteiorganisation auszutreten oder den Aus- schluß au» dem Kriegerverein au erwarten. Die in Frage kommenden Mitglieder drehten aber den Stiel um und erklärten einmütig, daß e» ausgeklärter Arbeiter unwürdig sei, Kriegervereinen anzugedören. Sie beauftragten die Sekttonsleitung, dem Kriegerverein ihre Aus- trittSerklärungen zu übermitteln, der damit einen erheblichen Test seiner Mitglieder verloren hat._ Bon der Parteipresse« Die»Neu« D o n a u p o st" in R e g e n« b u r g. die als Kopfblatt der» M ü n ch e n e r P o st" gedruckt wird, soll eine eigene Druckerei in Regensburg erhallen. Die Parteileitung befaßt sich schon seit»imger Zeit mit dem Plan, und ein« Konferenz, di» in dieser Angelegenheit tagte, sprach sich einmütig dafür auS, daß unver- züglich die nötigen Schritte zur Uevernahme der„Neuen Donaupost' in eigene Regte getan werden sollen. Das Blatt steht auf exponiertem Posten und hat sich mit dem schofelsten ZentrumSorgan, dem»Regens- burger Anzeiger" herumzuschlagen. Sozialistische Blindenliterawr. Von der„Neuen Zeit", Organ zur Pflege sozialistischer Weltanschauung unter den Blinden deutscher Zunge", ist die Nummer 3 des dritten Jahrganges erschienen. DaS Heft hat fol- genden Inhalt: Der Sozialismus als Kulturmacht; von A. Pannekoek. Mit Uns das Volk, mit uns der Sieg; von P. Richtsteig. Die Kommerzienrätin kann schlafen. Mitteilungen. — Die wissenschaftliche Beilage enthält: Aus der Geschichte der Sozialdemokratie; von Wilhelm Schröder(Schluß) sowie: Der Ursprung der Religion; von Heinrich Cunow. Ter Abonnements- preis der Zeitschrift, die in Braillescher Kurzschrift gedruckt wird, beträgt bei sechsmaligem Erscheinen jährlich 3,30 M. für Deutsch. land und Oesterreich-Ungarn und 4, SO M. für die übrigen Staaten. Anftagen und Bestellungen sind an A. Mendt, Berlin N. öS, S p r e n g e l st r. 1, zu richten. Das Blatt wird nicht im Buchhandel vertrieben, sondern kann nur durch die obige Adresse bezogen werden. Die Parteigenossen werden gebeten, die ihnen bekannten Blinden auf das Organ aufmerksam zu machen. Fortschritte der Parteipresse. Die ReickcstagSwahl-n haben, wie überall so auch in Pommern, recht gute Resultate für unsere Partei gezeitigt. Nicht nur, daß die sozialistischen Stimmen be- träcktlich gestiegen sind, auch die Zahl der politisch Organisierten hat sich merklich gehoben. Am erfreulichsten aber ist die Zunahme der Leser unseres ParieiblatteS. des„Volks boten" in Stettin. In den letzten vier Monaten haben wir 2000 Abonnenten ge« Wonnen. Für Pommern ein geradezu glänzendes Resultat. polireilicices, Omcvriicbeg ufw. , Noch eine Haussuchung. Sonnabend, den S. März, hielten wie in Breslau zwei Kriminalbeamte in der Redaktion der»Danziger Volks- wacht' eine Haussuchung ab, um die Nummer 12 vom 1. Februar 1912 zu beschlagnahmen. Wegen des Leitartikels: Verewigung des Dreiklassenwahlunrecht», der fich mit den Ausführungen de» Herrn v. Dallwitz im preußischen Abgeordnetenhause beschäftigte, soll ein Strafversahren eingeleitet werden. In der Expedition und in der Druckerei erschienen die Beamten der Polizei ebenfalls; ihre Mühe war jedoch in allen Fällen vergeblich.___ Huö Industrie und Kandel. Bon der Konzentration im Kohlenbergbau des RuhrrevserS. lieber die Fortschritte der Konzentration des Kohlenbergbau« im Ruhrrevier entnehmen wir Goldschmidt(lieber die Konzenttation im Kohlenbergbau, 1912) folgende Angaben: Gegenüber den unpersönlichen Aktiengesellschaften tritt die Be« deutung physischer Personen und der Gewerkschaften alten Rechtes immer mehr zurück. 1885 trieben Kohlenbergbau 114 Werke, 1904 waren eS 91 und 1909/10 nur 55 Werke. In der gleichen Zeit stieg die Produltion um da» Dreifache, der Wert du er- zeugten Produkte um mehr als das Zwölfsache. Im Jahre 1893 lieferten die zehn größten Unternehmungen 14 383 500 Tonnen oder 36.6 Proz. der Gesamtforderung deS Reviers. Im Jahre 1909/10 dagegen förderten die zehn größten Werke 49 030 000 Tonnen oder 59,3 Proz., d. h. mehr als die Hälfte der Gesamtproduktion. Die Machtivbäre einzelner Gruppen und Familien(Stinncs, Thyssen, Karl Funke, Krupp, Hantel) ist eine,,� ganz gewaltige. Der StinneStonzern allein beherrscht 19 Kohlenzechen; 7 Eisenbetriebe; zahlreiche Elsenerzgruben in Lothringen, Luxemburg, Frankreich. Nasiau, Siegerland, Ruhr, Weser, Harz; 5 KohlenhandelSgesellschaften; 26 Handel»- und Reederei- gesellschaflen(davon 12 in Deutschland. 5 in England, 3 in Italien, 2 in Frankreich. 2 in Rußland, je 1 in Belgien und Schweiz). Neun Konzerne allein beherrschen 66,9 Proz. der Koblenproduttion des Reviers und 48 Proz. der Produktion des StahlwerlSverbondeS. Alleinbesitzer wurden im Jahr« 1885 noch 4. im Jahre 1904 dann 7. im Jahre 1909 aber nur noch einer gezählt(da» Bergwerk de Wendel im Bezirk Arnsberg). Der Anteil an der Eesamlförde- rung durch Private betrug demgemäß 1885 5,8 Proz.; 1904 9.8 Proz.; IVOS nur 0,4 Proz. Die Förderung ist absolut zurück- gegangen, von 1 499 000 Tonnen(im Jahre 1885) aus 886 000 (im Iahte 1909). Die Kohlenproduktion de» Fisku» ist von 91 800 Tonn«» im Jahre 1893 aus 1 748 000 Tonnen im Jahr« 1909 gestiegen. Die Zahl der Aktiengeiellschaften, die Kohlenbergbau treiben, ist seit 1904 von 37 auf 28 gefallen. Sie produzieren 65,2 Proz. der Gesamtförderung. 17 reine Kohlenwerle fördern davon 34 Millconen Tonnen oder 41,4 Proz., 11 gemischte Werke(Hüttenzechen) 20,1 Millionen Tonnen oder 23,8 Proz. Die Zahl der reinen Werke nahm 1885 bis 1910 von 26 bis 17 ab. Die Hüttenzechen, deren Gründung durch die SyndckatSentwickelung gefördert wird, stieg in der gleichen Zeit von 6 auf 11. Die Zahl der.Gewerkschaften'(Zechen-Gesellschaften mit Se« sonderer juristischer Form) fiel 1885 bis 1910 von 78 auf 28, ihr Anteil an der Gesamtförderung von 49 Proz. aus 85 Proj. Der Biehstand in Preußen 1910—1911. Am 1. Dezember v. I. hat wiederum in Preußen»in« außer« ordentliche Viehzählung stattgefunden. Die vorläufigen Ergebnisse (die im allgemeinen nicht stark von den endgültigen, abzuweichen pflegen) werden jetzt bekannt gegeben. ' Vergleicht man zunächst den bei der neuesten Zählung ermittelten Viehstand mit dem früherer Jahre, so ergibt sich solgendeS t SS waren vorhanden: im Jahre Pferde Minder«chafe Schweine 1873... 2 232 435 8 639 614 19 666 794 4 294 926 1883... 2 417 367 8 737 641 14 762 328 5 819 133 1892... 2 S'.S 661 9 871 621 10 109 694 7 726 601 1897... 2 808 419 10 662 672 7 869 096 9 390 231 1900... 2 923 627 10 876 972 7 001 618 10 966 921 1902... 2 927 484 10 405 769 6 917 698 12 749 998 1904... 2 964 408 11 166 13» 6 660 629 12 663 899 1906...»018 443 11 646 908 6 436 063 16 356 969 1907... 3 046 304 12 011 684 6 401 867 16 096 864 1908... 3 062 836 12 089 072 6 260 238 13 422 373 1909... 3 077 946 11763161 4 975 632 14 182 367 1910... 3128 636 11 592 621 4 632 069 16 49, 659 1911...» 171 369 12 669 217 4»69«76 17 222 677 Mit Ausnahme deS Bestandes an Schalen, der sich ieU 1873 tetig vermmderl. haben di« Ziffern von 1910 aui 1911 zugenommen. Dennoch bat sich die Zunahme nicht in normaler Höhe gehalten. Bei den Pferde» betrug die Zunahme von 1909 auf 1010 1.64 Proz.. von 1010 aus 1011 nur 1.87 Proz. Bei den Rindern ergab sich im legten ZählungSjohr zwar eine geringe Zunahm« von 0,66 Proz. (gegen eine Abnahme von 1,46 Proz. im Vorjahr). Dennoch ist die :8öh« de« Rinderbestandes von 1007 und 1008 noch nicht erreicht. Die Rinder, ahl bleibt noch erbebltch(um 419 866 Stück) gegen 1903 zurück. Die Zunahme de« Schweinebestande« betrug nur 4.43 Proz. gegen 16.46 Proz. im Vorjahre. Von den einzelnen Provinzen zeigten dabei«ine absolute Abnahme der Schweinezahl Brandenburg. Posen, Schlesien, Sachsen. Hessen-Nassau, Hohen- zollerniche Lande. Die Dürre deS vergangenen Sommers und der Mangel an jsuttermitteln, der durch die gollsperr« erhöht wird, haben demnach einen relativen Rückgang der Viehbestände hervorgerufen. Er wird noch finnfälliger zutage treten, wenn durch die«ndgüttigen Ergeb- nisie der Anteil des WiehnachwuchseZ an diesem Rückgang Mannt sein wird. Dann wird sich die Schädigung für den Konsum voll tibersehen lassen. Die nächste Zählung im Dezember d. I. wird wahrscheinlich eine weitere Abnahme feststellen! denn der Futter» Mangel wirkt im Winter doppelt schädigend. SewerKscKaftUcdes. Berlin und Umgegend. Ueber den Stand des Streiks der Herrenmaßschneider wurde gestern abend in einer Mitgliederversammlung dieser Branche de? Schneiderverbandes berichtet,' die in MörnerS Festsälen in der Koppenstratze stattfand, für die aber der große Saal eigentlich nicht ausreichte. Im allgemeinen ist. die Lage dieselbe wie Ende der ver flossenen Woche. Die Aussperrung kommt, wie wir vorausgesagt, für Berlin nicht in Betracht. In der eigentlichen Herrenmasischneiderei fehlt eS an den Arbeitern, die ausgesperrt werden könnten, und die Arbeitgeber in der Militärschneiderei, die aussperren sollten, da sie größtenteils dem Allgemeinen Arbeitgeberverband angehören, haben klugerweise darauf verzichtet, ja selbst ein der Militärbranche angehörendes Borstandsmitglied der Berliner Orts gruppe dieses Verbandes hat sich gar nicht an den Aussperrungs beschluß gekehrt. Wie eS im Reiche mit der Aussperrung steht, läßt sich noch nicht übersehen. Anerkannt und unterzeichnet ist der neue Tarifvertrag jetzt in Berlin von 2SÜ Firmen, die rund 2500 Arbeiter beschäftigen. Der Referent Kunze teilte ferner noch mehrere? über den Verlauf der Arbeitgeberversammlung vom Freitag mit, worüber wir ja zum Teil schon in unserer Sonntagnummer berichteten. Der Zentralvorsitzende der Arbeitgeber, Herr Schwarz aus München, hat, wie der Redner erwähnte, in jener Versammlung davon geredet, daß man die Gehilsen einmal zum Weißbluten bringen und dafür sorgen müsse, daß die Kassen de« Schneider» Verbandes gründlich geleert würden, um endlich einmal Ruhe im Gewerbe herbeizuführen. Allgemeinen Anklang hat seine Scharf macherrede ja keineswegs gefunden, und unter anderen war es Herr P a b st von der Firma Ellroth, Unter den Linden, der entschieden gegen die Taktik des HaupV Vorstandes zu Felde zog. Im allgemeinen war die Stimmung in jener Versammlung so, daß es schon im Interesse der Einigkeit unler den Arbeitgebern wohl zweckmäßiger gewesen wäre, etwas friedfertigere Töne anzuschlagen. Uebrigenö wurde die Diskussion vorzeitig abgebrochen, weil die Herren aus München noch mit dem Nawtzuge heimreisen wollten. Uebrigens hatte die Berliner Ortsgruppe der Arbeitgeber gestern schon wieder Versammlung; die Herren haben es offenbar sehr nötig sich gegenseitig Mut zuzusprechen. Das ist auch um so mehr begreiflich, als unter den Firmen, die die neuen Vereinbarungen unterschrieben haben, schon 1 Mitglieder des Arbeitgeberverbandes sind. Die Zahl der Streikenden ist nach den gestrigen Feststellungen kür Berlin und Umgegend 2354, sie ist also kleiner als die derer, die zu den neuen Bedingungen arbeiten. Unter diesen Umständen muß es wohl auch den weniger einsichtigen unter den bestreikten Arbeitgebern klar werden, daß e» mit ihrer Sache schlecht steht, die Streikenden sich aber in einer sehr günstigen Position befinden. Die gestrige Versammlung der Herrenmaßschneider lieg denn auch keinen Zweifel darüber daß der Kampf von Arbeitnehmerse'te mit ganzer Kraft fortgesetzs wird, und zwar so lange, bis der Arbeit- geberverband sich bequemt, Frieden zu schließen, was natürlich nur möglich ist, wenn die Tarife sachgemäß durchberatcn und von der Allgemeinheit gutgeheißen werden. Die Arbeitsvermittlung im Putzergewerbe geht für die Putzer» träger zum Teil in einer Weise vor sich. die. allen in anderen Be- rufen von der organisierten Arbeiterschaft geschaffenen Einrichtungen auf diesem Gebiete Hohn spricht. Von den Putzerträgern selbst, die als Menschen leben und behandelt sein möchten, wird die bestehende Art der ArbeitSvermiitelung als Pferde- oder Viehmarkt bezeichnet. Man sucht sich eben die kräftigsten Leute auS und. wer weniger dicke Waden, weniger breiten Rücke» oder starke« Genick hat, bleibt, wenn nicht ganz besonder« gute Arbeitsgelegenheit vorhanden ist, arbeil« lo«. obwohl der nicht so kräslig aussehende Maun seine Arbeit ebenso gut zu leisten vermag. Um diesen Zuständen ein Ende zu machen und»inen geregelten Arbeitsnachweis zu schaffen, beschäftigte sich am Sonntag»ine Generalversamm« lung der Puyerträgersektion de» Bauarbeiterverbandes mit der Angelegenheit, über die schon in einer Obmännersitzung und au> in den Bezirksversammlungen beraten worden war. Auf Grund dieser Beratungen hatte nun der Vorsitzende Zapf ein Regulativ für einen Lcb.itsnachweiS ausgearbeitet. Es wird danach am Engelufer 15. III, ein zentraler Arbeitsnachweis für die Putzerlräger Berlin« unv der Vororte eingerichtet, und dort bat sich jedes arbeit«- lose Mitglied der Sektion eintragen zu lassen. Die Arbeits- Vermittlung geschieht der Reihe nach; von dieser Regel kann jedoch abgewichen werden, wenn ein bestimmter Träger für eine Kolonne verlangt wird, in der er bereits gearbeitet hat. Die einlaufenden Stellen werden vom ZentralarbeitSnachweis den Bezirken telcphonisch mitgeteilt, wo die Träger, die an der Reihe sind, ihr Verkehrslokal haben. Auch Pvtzerträger, die anderen Verbänden angehören oder unorganisiert sind, können sich im Arbeitsnachweis einlchreiben lassen und Arbeit erhalten, jedoch nur unler der Bedingung, daß sie sich verpflichten, dem Bauarbeiterverband beizutreten. Im übrigen enthält das Regulattv noch mehrere andere Bestimmungen, die einen geregelten Gang der ArbeitSvermiitelung gewährleisten. Die Errichtung de« Arbeitsnachweises wurde von der Ver- sammlung einstimmig beschlossen und daS vorge'chlagen» Regulativ wurde na» reger Diskussion gleichfalls gutgeheißen. Der ArbeitS- Nachweis soll im Lause von 14 Tagen in Tätigkeit treten. Die Sektion der Putzer ist� mit diesen. Vorgeben der Träger einverstanden, und e« ist al« selbstverständlich anzusehen, daß die Putzer daS Bestreben nach zweckmäßiger und den Grundsätzen der Organisation ent- sprechender Regelung deS Arbeitsnachweises der Träger in jeder Hinsicht unterstützen. Im übrigen wurde in der Versammlung auch die Lohnfrage zur Sprach» gebracht, die in Dletzier Zeit eine Reihe gememiamer BezirkSfitzungen der Putzer und Träger beschäftigt hatte Hierbei handelt e« sich zunächst darum, daß die Träger auS dem Akkord- Verhältnis der Putzer allgemein herauswollen, so daß ihnen überall der festgeietzre Tagelohn von S M. gesichert wird und sie nickt g,'- schädigt werden, wenn der Putzer etwa seinen Akkord zu billig über- nommen bat. Grundsätzlich verlangen die Träger bekanntlich, daß sie ihren Lohn unmitlelbar vom Unternehmer erholten, was jedoch, wie die Verhältnisse gegenwärtig liegen, nicht durchführbar erscheint. Tie Streitenden der Kartonindnstrie veriammelten sich am Montag srüh im großen Saale deS Gewerk- lchaftShaufe«. ES galt, sich Klaiheit über die Situation im Streik zu verschaffen. Der Referent Würzberger beleuchtete zunächst die Kraslanstrengungen, die von einzelnen Finnen zur Erlangung von Ardeilswilligen gemacht werden. Wenn die Unternehmer durch allerlei Verivrechungen von E�lraent'chädigunqen. Aufbesserungen der Lohne uiw. geglaubt bade», die Reihen der Kämpsenden zu lockern, so seien sie. wie der Besuch der Versammlung ansS neue be- weise, aus dem Holzivcge gewesen. Damit sei gleichzeitig aber auch die Hoffmiug der Mebrbeit de SchuyverbandSmitglieder auf einen Massenumiall ins Wasser gesollen. Es kann im Gegenteil konstatiert werden, daß die Zahl der AuSständigln und der bestreikten Betriebe immer größer wird und daß in den nächsten Tagen noch weitere Arbeitseinstellungen in mehreren Betrieben zu erwarten stehen. Daß auch die Polizei das ihrige tut. um den Im Kampfe Stehenden die Ausübung des Koalitionsrcchtes nach Mög- lichkeit zu erschweren, sei nur der Vollständigkeit halber mit erwähnt. Die Mitteilung, paß die in der Nieterbranche Beschäftigten den Streikenden ihre Sympalhie entgegenbringen, löste bei den Ver- sammelten lebhafte Bravorufe auS. Da irgendwelche offiziellen Verhandlungen noch nicht zustande gekommen, stimmt di» versamm- lung den Korten des Ovmanne» Klappenbach, nunmehr erst recht seinen Mann im Kampfe zu stehen, mit großer Begeisterung zu. Deutfcbes Reich. Streik der Metallarbeiter in der Singer-Manufaetnring- Company in Wittenberge. Am g. März sind die an den Formmaschinen beschäftigten Ar- besser der Nähmaschinenfabrik The Singer in den Ausstand getreten. Die Gießereiarbeiter hatten zur Aufbesserung ihrer Löhne und Ar- beitsbedingungen Forderungen gestellt. Die Direktion hat den ständig in Lohn beschäftigten Arbeitern annehmbare Zugeständnisse gemacht. Den Maschinenformern, die eine überaus schwere Arbeit zu verrichten haben, machte sie jedoch ein Angebot, das die Arbeiter fast einstimmig ablehnten. Den Maschinenformern soll der Akkord- preis pro 100 Kasten um 25 Pf. erhöh, werden unter der Voraus- setzung. daß an jeder Maschine pro Woche mindestens 2040— pro Tag 340 Stück gute Seitenteile geliefert werden. Wird diese Leistung nicht erreicht, ist der Akkordpreis 25 Pf. niedriger.— Wer die Gießereiverhältnisse kennt, muß zugeben, daß die von der Direktion verlangte Leistung nur in den seltensten Fällen bewältigt werden kann. Der Standpunkt der Direktion in dieser Frage ist daher geradezu unverständlich. Zuzug von Arbeitern nach Wittenberge, Bez. Potsdam, ist unter allen Umständen fernzuhalten. Der Streik aus der Karlshütte bei Rendsburg ist beendet. Nach- dem nochmals Verhandlungen zwischen der Direktion der Karlshütte und einer Kommission der ausständigen Arbeiter stattgefunden haben, bei welchen die Direktion erklärte, hinsichtlich der OrganisationS- zugehörigkeit keinem Arbeiter mehr etwas in den Weg legen zu wollen, beschloß eine Versammlung der streikenden Arbeiter, den Streik zu beenden. Mit der Einstellung der Arbeiter wird sofort begonnen, doch werden nicht alle Arbeiter zugleich wieder anfangen können, da nicht alle Abteilungen des Betriebes gleichmäßig Be schäfligung haben._ Der Streik auf den Schichautverste« in Danzig und Elbing beendet. Die Arbeiter der Schichauwerften haben ihren Kampf aus der Höhe abgebrochen. Ein Erfolg ist nicht erzielt worden. Dieses Resultat hat die Firma jedoch nicht ihrer eigenen Macht zu ver- danken, sondern dem JndifferentiSmu» und der mangelnden ge« werkschastlichen Erziehung eines Teiles der Arbeiter. Die Un- organisierten hätten noch keine erhebliche Rolle spielen können, weil ihre Arbeitskräfte entbehrlich waren. Schlimmer war eS, daß die Abteilung Kessel» und Lokomotivbau des Werkes Tretinkenhof in Elbing schon in der ersten Woche mit Streikbrechern gefüllt wurde, und zwar aus den Reihen langjährig organisierter Arbeiter. Die weitaus meisten Streikbrecher stellte der Gewerkverein. Wie In der letzten Notiz schon angegeben, war die Beeinträchtigung der Pro- duklion im Werftbetriebe so stark, daß er einer vollkommenen Lahm» legung gleichkam. Eine alte Erfahrung lehrt jedoch, daß t�kweiser Streiibruch bald Nachahmung findet, und daher war eS geraten, den Kamps jetzt abzubrechen, um ihn zu gelegener Zeit wieder auf» zunehmen. Noch am Sonnabend sind rund 3500 Mann an beiden Orten zur Streikkonttolle erschienen, und daher kann hier mit vollem Recht von einem Abbruch auf der Höhe deS Kampfes gesprochen werden. Hoffentlich wird dem gewerkschaftlichen Leben kein Schade, sondern Nutzen auS diesem kurzen Kampfe erwachsen. Bernnglüttter Militärvereinsterror. JnHohenspreng, einem kleinen Orte in Mecklenburg, haben sich die Brauereiarbeiter im vorigen Jahre ihrer Organisation an- geschlossen. Schon damals bemühten sich der Ortsgeistliche gemein- sam mit dem MUitärverein, die Leute zum Austritt aus dem Ver- bände zu bewegen. Sie blieben jedoch standhaft und erzielten durch Tarifabschluß wesentliche Verbesserungen. Nach der ReichStagSwahl zog der Militärverein stärkere Satten auf: Die Brauereiarbeiter tollten sich schnfilich verpflichten, aus dem Brauereiarbeilerverbande auszuscheiden, andernfalls ihr Ausschluß auS dem Militärverein erfolge. Die Antwort, welche der Militärverern erhielt, hat er wohl nicht erwartet. Einmütig erklärten die Leute, lieber au» dem Militärverein al« au« dem Verbände auszutreten.— So sollten die Arbeiter überall handeln; nicht der Militärverein ist eS. der stch um die Verbesserung ihrer wirlschasttichen Berhältniff« kümmert, sondern die gewerkschaftliche Organisation. Die Bäckergesellen Nürnberg« treten wieder in eine Bewegung ein. Wohl nirgend« sind die Verhältnssse in den Bäckereien so rück- ständig, wie in Nürnberg, daS sonst eine Hochburg der Partei- und Gewerkschaftsbewegung ist. Noch immer herrscht das Kost- und LogiSunwesen in seiner unwürdigen Form vor, die Bezahlung ist schlecht, die Arbeitszeit ungebührlich lange usw. Die Schuld daran tragen die Bäckergesellen zum Hauptteile selber, weil sie stets die mühsam aufgerichtete Organisation wieder im Stich ließen. Run icheint doch endlich Ernst in die Sache zu kommen. Die neuerliche Bewegung hat sich hauptsächlich die Beseitigung de« Kost- und Logis- wesenS, daS stets der Hemmschuh für jeden sonstigen Fortschritt ist, zum Ziel gesetzt, natürlich werden auch Forderungen bezüglich der Lohn» und sonstigen Arbeitsverhältnisse erhoben. Eharakieristssch ist, daß auch hier die Christlichen alsbald wieder auf dem Plan er» schienen sind, um ihre verräterische Tätigkeit zu entfalten und die Bewegung zu durchkreuzen. Hueland» Tarifkampfrüstungen. Im Jahre ISIS laufen zahlreiche Kollektivverträge im österreichischen Baugewerbe ab. Der Verband der Zimmerer Oesterreichs, der infolge des Saison- charakter« der Zimmererarbeit nur 40 Wochenbeiträge im Jahre einhebt, hat jetzt eine Extrasteuer von S Wochenbeiträgen ausgeschrieben, di« im Laufe de« Jahre» 1V12 gezahlt werden müssen. Lohnbewegung und Streik l» der KonsektionSschnelderei Holland«. In Groningen, einer Zentrale der holländischen EngroS. konfektion, haben die Heimarbeiterinnen und Arbeiter in der vorigen Woche einen allgemeinen Streik erfolgreich durchgeführt und den Abschluß eines Tarifvertrages für die Herren- und Knaben- konfektion erzielt. Das hat auf die Arbeiterschaft dieser Industrie im ganzen Lande anfeuernd gewirkt und es wird nun Voraussicht- lich auch in verschiedenen anderen Orten zu Lohnbewegungen und Lohnkmnpfen in der Konfektionsschneiderei kommen. In Amster- dam liegt die Sache so, daß der dort bereits bestehende Taristierlrag für die Hcrrenlonfektwn mit dem Monat April sein Ende erreicht; Verhandlungen sind eingeleitet, ob sie aber auf friedlichem Wege zu einem neuen Vertrag fuhren, ist noch zweifelhaft. Die Land, und F-rsiarbeiter Norwegen« haben einen Zentral- verband gegründet und gleick>zeitig den Anschluß an die Landes. organisation der Gewertickaflen beschlossen. Es gibt in Norwegen rund 20 000 landwirtschaftliche und 15 000 torstwirtsckiastlich« Lohn- arbeiter, die für die neue Organisation gewonnen werden sollen, welche allerdings vorläufig erst 300 Mitglieder zählt. Versammlungen. Deutscher Transportarbeiterverband. Die Sektion V iJn. dustriearbeiter) hielt am Sonntag ihre ScktionSmitgliederversamm. lung ab. Den Bericht über das Geschäftsjahr 1011 erstattete Fromke. Da« Jahr war reich an Organssationsarbeit. ES herrschte eine gute Konjunktur und darum machte sich unter den Mitgliedern ein Bestreben geltend, ihre Lohn- und Arbeitsbe» dingungen zu verbessern. In der Agitation wurde alles getan, um die Organisationsverhältnisie straffer zu gestalten. An Sitzungen und Besprechungen wurden insgesamt abgehalten 803. Der Besuch der Versammlungen war im Durchschnitt zufriedenstellend. Lohn- bewegungen wurden 12 geführt. 9.Bewegungen verliefen ohne Streu und in 3 Betrieben kam eS zur Arbeitsniederlegung. Die Gesamtzahl der an den Bewegungen beteiligten Mitglieder betrug 4337, das sind 75 Proz. der gesamten Mitgliedschaft. Der Erfolg der Bewegungen zeigt sich in folgenden Zahlen: Der An- fangslohn hat sich auf der ganzen Linie um 2 bis 3 Pf. gehoben. Betrug der Einstellungslohn vor einem Jahre noch zum Teil 37Iß und 38 Pf., so hat sich dieser gegenwärtig auf 40 Pf. gesteigert. Die Schildera um acher haben den Abschluß eines Tarif- Vertrages zustande gebracht, der von zirka 34 Unternehmern unter- schriftlich anerkannt worden ist. Der Anfangslohn für Anmacher beträgt 65 Pf. und für Helfer 55 Pf. pro Stunde. Die Arbeits- zeit währt 0 Stunden; Ueberstunden werden mit 25 Proz. Zuschlag vergütet. Die Eisengietzereifabrikanten haben bei dem Eisengießereiarbeiterstreik die Ansicht vertreten, daß 40 Pf. Stundenlohn den heutigen Zeitverhaltnissen angepaßt sei. Unterstützungen, die für die Sektion gezahlt worden sind, betrugen: an Streikunterstützung 137 833,08 M., Maßregelungsunterstützung 27 893,15 Mr., Kranlenunterstützung 32 481,20 Mark. Die Sektion ist in 5 Jnteressenbranchen eingeteilt: Branche 1 besteht auS den Betrieben der Elektroindustrie. Branche 2 aus den Betrieben der Eisengießerei, Maschinenfabriken, Branche 3 aus den Betrieben der Eisenplätze und Eisenkonstruktionsbetrieben, Branche 4 aus den Betrieben der gemischten Produktion, Branche 6 sind die Schilderanmacher. Mitgliederbewegung: Mitgliederbestand am Schlüsse deS Jahres 1010 5056, Neuaufnahmen im Jahre 1911 3413, zu- sammen 8469. Ausgetreten sind 2716, verbleibt am Schlüsse deS Jahres 1911 ein Mitgliederbestand von 5753. Die Mitglieoerzu- nähme beträgt 627 oder 14 Proz. Es wurden Vertrauensmänner- kurse eingeführt, an denen 107 teilnahmen. In der nachfolgenden Diskussion übten einzelne Redner Zdritik an der Tätigkeit der Leitung, während andere erklärten, daß, wenn die Erfolge nicht immer befriedigten, es nicht an der Leitung. Sondern an den Mitgliedern selbst liege. Eine dementsprechende iesolution wurde einstimmig angenommen. Kassenbericht: Einnahmen, einschließlich Kassenbestand vom 22. Juli 1911, 1736,19 M.. Ausgaben 868,45 M.. bleibt ein Kassen- bestand am 31. Dezember 1911 von 872,74 Mk. Hieran schlössen sich die Wahlen, die folgendes Resultat ergaben: Sektionsleiter Karl Fromke, Vertreter Karl Schmidt, Schriftführer Richard Mertens, Vertreter Paul U l b r i ch, Kassierer der AgitationS- kasse Karl Fromke, Revisoren der Agitationskass« K u l e s i e» wicz, Hennig, Lange, Just. Klose, Gerlach, Bött- ch e r. Die Genannten wurden einstimmig gewählt. Mit der Ausstellung der Kandidaten zur Verbandsgeneralversammlung schloß die Versammlung._ Hus aller Melt. falfcbe Baar«. Seltsame» Zusammentreffen I In dem Augenblick, wo sich die Chinesen anschicken, ihre Zöpfe abzuschneiden und die Haar» wie alle Welt zu tragen, wächst bei uns in Europa der Unfug, falsches Haar zu tragen. Sollte wirklich ein Zusammenhang bestehen? Die Chinesen find noch mehr Geschäftsleute als fortschrittlich gesinnte Menschen. Voriges Jahr haben sie hunderttausend Kilo ihrer alten Zöpfe ver« schickt, die, von kundigen Händen hergerichtet, nun die launischen Köpfchen der europäischen Damen zu zieren bestimmt sind!— Wie manche mit Lockentoupet frisierte Holde trägt heute auf ihrem Kopfe Haare aus dem Zopfe eines alten Chinesen. Brrrl Man könnte bei diesem Gedanken die Gelbsucht kriegen. Wie dem auch sei, tatsächlich befand sich die Haarindustrie sin Niedergang, ehe man mit der Einfuhr der chinesischen, japanischen und amamiiischen Haare begann. Seit Jahren wollen die europäischen Landmädchen ihre schönen Haare den Handlern nicht mehr verkaufen, wenn man lhnen auch da« Dreifache der ehemaligen Preise zahlen will. Da man tn Frankreich keine Haare zu kaufen bekam, wendeten sich die Händler nach Italien. Sizilien und nach dem Orient. Diese Einfuhr betrug tm Jahre 1909 in Marseille, dem Zenttum de? Haarhandels, 237 100 Kilo Haare, die einen Wert von 1 494 000 Fr. darstellen. Die wahnwitzige Mode ist aber seither von Jahr zu Jahr gestiegen, so daß 1910 bereit» in den ersten neun Monaten 965 000 Kilo Haare auf den Markt kamen, die einen Wen von 1 300 000 Fr. darstellen. Und seitdem ist der Umfang der modernen Frisur nicht etwa kleiner geworden. Im Gegenteil, man begegnet Lockenköpfchen, denen man auf hundert Schritt Entfernung ansieht, daß die Krone der Schöpfung mit einer Talmikrone herumläuft. Blutrache. Ein furchtbare» Drama spielte sich auf dem Torso Garibaldi in Neapel ab. Der Fischer F o r m i c o l a, der seinerzeit seinen Wohltäter namens Vifpicilli ermordet hatte und vom Gericht zu 15 Jahren Geiängnis verurteilt worden war, wurde gestern von dem Sohne des letzteren gesehen. Dieser stürzte sich sofort aus ihn und verwundete ihn durch zahlreiche Messer st ich« so schwer, daß jener nach wenigen Minuten starb. Sterbend feuerte er noch au« seinem Revolver einen Schuß ab, der den jungen Vilpieilli ttaf und schwer verletzte. Der Sohn hatte seinerzeit geschworen, daß er seinen Vater rächen und den Mörder, wenn jener au» dem Gefängnis entlasten sein würde, töten wolle. Kleine Notizen. Steuermogclei. Vor der Strafkammer in Hallt a. T. wurde der Kaufmann Sesnau wegen Steuerhinterziehung zu 10000 M. Geldstrafe dem vierfachen Betrage der von ihm hinterzogenen Steuersumme— verurteilt. Er hatte seit 1904 seine Einkünfte au» einer Kapitalanlage von 15 000 M. nicht versteuert. Diese 15 000 M. hatten dhm in einigen Jahren 69 000 M. Gewinn gebracht. Ein veruiiqlückter Tourist. In der S ch l o ß b a ch k l a m m in den Tiroler Alpen fanden Jäger die Leiche eines Touristen, der ver- mutlich mit Hans H a m e s ch, dem Sohne eines Pastors aus Sagau, identisch ist. der am 9. Dezember 1911 mit Karl Pirsch, dem Sohne eines RegierungSrals aus Münster, bei einer Bergtour nach der Retterspitze im Schneesturm sich verirrte. Seitdem wurden die beiden Freunde vermißt, Todcsslurz einer Aviatitrrin. Die 19jährige Aviatikerin Susanne B e r n a r d ssürzte am Sonnlag vormittag t0 Uhr tödlich ab. Sie befand sich auf einem Uebungsfluge gerade über der Straße, die von Clampes nach Orleans siihrl, als plötzlich der Motor verc tagte und der Apparat zu Boden sauste. Unter den Trümmern ihre? Aeroplans wurde sie nach wenigen Minuten als Leiche hervor- gezogen. Foigcnschwere Explosion. Durch eine Explosion während eines Brandes in einem Maickineiilager i» Winnepegöl)ler Bochumer Straße 4. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Heilands> ssirchboseS, Plötzensee, aus statt. 226/14 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. velllsever Bncbbinder- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Mitteilung, daß unser langjähriges Mitglied, der Kollege WiHreBm Erbs nach langem Leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Tie Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. März, nach- mittag» 2 Uhr, aus dem Friedhof zu Zepernick statt. 23/16 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Qrtsvenvaltung. teuder ßaiiarbeiterverbaBd. Zwei�vereln Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranche Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Einschaler Adolf Lange (Bezirk Moabit) am 5. März gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute DienStag, den 12. März, vor- mittags»>/, Uhr, vom Schauhause Hannoversche«trotze aus aus dem Sebaslian-Kirchhos in Reinicken- dors-West, Humboldlsttatze, statt. Um rege Beteiligung ersucht 137/18 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise Herzlicher Teilnahme sowie Kranzspenden bei der Beerdigung unseres einzigen Sohnes und Bruders HVnlter sagen wir allen Freunden und Be- kannten, den Kollegen der Firma F. Schuchardt, Lintz u. Eckardts dem 4. Wahlverein, Bezirk 292, dem 4. Wahlkreis Grotz-Berlin, dem Deutschen Metallarbeiter-Berband und insbesondere Herin Stadw. Waldeck Manasse sür die trostteichen Worte herzlichen Dank. S38b Joseph Woelke und Familie. Varbani! der Fabrikarbeiter Deutschlands. Bezirk Oberschönrweide. Am Sonntag, den 10. März, verstarb unser Mitglied Rudolf Meink. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 14. März, nach' mittags 4 Uhr, von der Leiche«' halle des Gcmeinde-FriedhoseS in LberschSneweide aus statt. 531b Die Bezirksleitung. iBvaji'deB-ijB�MllBgtikM d.8leiiidMei'ii.MliWbeB. Die Beerdigung des am 8. März verstorbenen StemdruckerS AU»x Heer findet statt am Dienstagnachmlttag 4'/, Uhr von der Leichenhalle des EmmauS. KirchboseS, Neukölln, Hermannstratze 123, aus. 288/3 DaS Komitee. Am 6. März wurde mir meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter duliaue Diehr geb. flieste im 58. Lebensjahr durch den Tod entrissen. DieS zeigen tiefbetrübt an Heinrich Diehr nebst Kindern, Strelitzer Str. 14. Die Beerdigung findet am 13. März, nachmittags 4 Uhr, von Elisabeth-Kirchhoses. der Halle de» Wollankslr. 66, aus statt. L354L ÄMeM der Scluniede (Zahlstelle Berlin). Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied Augtisf Rieke am 8. März gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- sriedhofeS in Fried richsselde auS statt. Rege BeteUigung erwartet 176/16 Die Ortsverwaltnng. Zentral-Kranken- Bnterslülziings- verein der Schmiede u. verw. Gewerbe Dentschl. verlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege August Rieke verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Di« Beerdigung findet am DienStag. den 12. März, nach- mittag» 2'/, Uhr, von der Leichen- balle des städtischen Friedhofes in FriedrichSseldc auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Am 10. März er., morgens 4V, Uhr, verschied plötzlich unsere liebe Tante Um. Karoline Richter. DieS zeigen tiesbetrübt an Onkar Leander, Restaurateur, B erlitt O. 112, Weserstr. 48, nebst Geschwistern. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 13. März, nachmittags 4 Uhr, aus dem Georgen-Kirchhos, Landsberger Allee, statt. Farbige Pappdächer für Sommerhäuser, Lauben etc. erzielt man dicht und dauerhaft nur mit Dachpixi rot, grün, weiß(alle Farben) sämtliche Materialien für Bedachung Anstrich-Farben Tü p alle Zwecke. Moritzpi. 1938 DachpixsQesellschaft plsn vker 38 Musler, Auskunft etc. gratis. Buchhandlung Vorwärts Berlin 8W., Llndenatr. 60. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th-Glokke, Berlin. Druck n.BerIag: vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u.Co� Berlin toMuutom. 2. Keilte des Lllmiilts" Kerliller Pslksblatt. Der Kreiswablvereln für IDederbarnlm §ielt am Sonntag seine Generalversammlung in Rummelsburg ab.— Den Bericht über die Tätigkeit des Borstandes und die Reichstagswahl im Kreise erstattete der Kreisvorsitzende Brühl. Die Mitglieder- ''t�on 15 530 Quf 16 774 gestiegen. Die Zunahme beträgt also IÜ44. De? angegebene Bestand vom 31. Dezember setzt sich zu. sammen aus 14 071 männlichen und 2703 weiblichen. Die Ertolge der Agitation sind nicht in allen Bezirken befriedigend, aber im �gemeinen schreitet die Organisation tüchtig vorwärts. Wenn man die Mitgliederzahlen jedoch mit den für uns abgegebenen Wahl- stimmen vergleicht, so sieht man, daß noch ein großes Stück Arbeit zu leisten ist. Wenn sdhon der Fortschritt der Organisation in den strotzen Bezirken eine erfreuliche Erscheinung ist. so ist es noch er- freulicher, daß wir auch in kleinen Orten, selbst in reinen Land- orten festen Futz gefaßt und Mitglieder gewonnen haben. Die Zahl unserer weiblichen Mitglieder ist nicht befriedigend. Die Frauen- bewegung hat im Kreise sehr viel geleistet hinsichtlich der Versamm» lungen und des Ausbaues der Leseabende, aber an Zunahme an toeiblichen Mitgliedern ist der Erfolg nicht genügend. Das ist zum strotzen Teil die Schuld der männlichen Genossen, welche die Frauen beweguwg nicht genügend unterstützt habe,.. Wir werden der Ge- winnung weiblicher Mitglieder unsere besondere Aufmerksamkeit widmen, damit das Versäumte nachgeholt werden kann.— Wenn wir die Rcichstagswahlbewegung im Kreise betrachten, so können wir sagen, datz wir mit dem Resultat noch zufriedener sein können als mit dem Resultat des ganzen Reiches. Während die größten Optimisten auf 80 000 bis 85 000 Stimmen rechneten� haben wir 92 500 Stimmen bekommene Wir haben so gearbeitet, als wenn der Kreis zum ersten Male erobert werden sollte. Darauf beruht unser Erfolg. Wir haben 34 607 Stimmen gewonnen, während die Gegner 1115 Stimmen verloren haben. Wir müssen nun versuchen, unsere Mitgliederzahl mir der Stimmenzahl in Einklang zu bringen. Zu unseren Erfolgen haben auch unsere Rechtsauskunfts« stellen beigetragen. Ein beachtenswertes Stück Arbeit haben die Genossen durch die Verbreitung von 1 174 750 Flugblättern geleistet. Dem Bildungswesen haben wir wegen der Wahlarbeiten in diesem Halbjahr nicht die wünschenswerte Aufmerksamkeit widmen können. Jetzt werden wir uns diesem Zweige unserer Bewegung wieder mehr zuwenden und werden auch zur Einsetzung eines Kreis-BildungK- ausfchusses kommen müssen.— Der JugendauSschutz hat sich gut be- währt.— Bei den Stadtverordnetenwahlen im November haben wir gut abgeschnitten. Wir besitzen jetzt 36 Stadtverordnetenmandat-. während wir vor der Wahl nur 27 hatten. Wenn noch die Resultate der jetzigen Wahlen in den Landgemeinden hinzukommen, so ist unser Zuwachs auf kommunalem Gebiet als recht erfreulich zu be- zeichnen. Unzuträalichkeiten haben sich dadurch ergeben, datz unsere Genossen in manchen Orten unter allen Umständen Gemeindever- treter. auch Hausbesitzer, in der Gemeindevertretung haben wollten, und datz infolgedessen Vertreter gewählt worden sind, die erst 14 Tage vor der Wahl unserer Organisation beitraten und natürlich nicht imstande waren, ihr Amt den Grundsätzen unserer Partei ge- mäh au�uüben. Wir werden versuchen, durch Konferenzen mit den betreffenden Genossen Klarheit in diesem Punkt zu schassen. Aus dem schriftlich vorliegenden Vorstandsbericht ist zu ent- nehmen, datz 206 öffentliche. 110 Mitgliederversammlungen und 216 AaitationAouren abgehalten wurden. Der„Vorwärts" wird in 21 018 gegen 18 682 Exemplaren vor einem halben Jahre. die„Brandenburger Zeitung" in 265 Exemplaren abonniert. — Die Einnahmen betrugen, 41 572,51 M„ b« Ausgaben 22 128,41 Mark, der Bestand 10 444,10 M. In den Ausführungen, die der Kreissekretär Bühler zum Kassenbericht machte, betonte er. daß Sparsamkeit notwendig sei, damit die Or« ganisation für zukünftige Kämpfe gerüstet dastehe. Die im Bericht nicht aufgeführt« Abrechnung der Bezirke zeigt eine Einnahme von 53 235 M. und eine Ausgabe von 45 311 M.— Die Reichstagswahl erforderte eine Ausgabe von 20 000 M. Von den Mitgliedern haben 10 200 männliche und 2102 weibliche die Beiträge voll bezahlt. Ten Bericht der Preßkommission erstattete Schmidt. Er machte Mitteilung von den beschlossenen Gehaltsaufbesserungen und der Behandlung einer Beschwerde, die wegen eines Inserates des Allgemeinen Metallarbeiterverbandes. der feine Mitglieder zur Beteiligung an der Friedensdemonstration aufforderte, eingereicht worden ish. Die Beschwerde wurde erledigt durch die Erklärung, daß durch die Aufnahme des Inserats die Sperre gegen die außerhalb der freien Gewerkschaften stehenden Organisationen nicht durchbrochen werden soll; eS handelte sich nur um einen Ausnahmefall, der sich durch ein« wichtige politische Aktion erklärt. In Zukunft soll bei etwaiger Wiederkehr eines derartigen Falles eine Verständigung mit der GewcrkschaftSkommission herbei- geführt werden. Spiekermann, der dem Bericht der AgitationSkommissio» erstattete, gab der Ansicht Ausdruck, die agitatorische Bearbeitung der Landorte lasse noch manches zu wünschen übrig. Eine Neu- regelung für die ganze Provinz s«i wünschenswert, damit die Er- folge auf dem Lande den für die Landagitation verwendeten Geld- ausstaben entsprächen. Elias machte einig« Ausführungen über die Arbeiten der Lokalkommission. Nach einer kurzen Diskussion, die an der Tätigkeit de? Vor- stände? nichts auszusetzen hatte, beschäftigte sich die Versammlung mit dem Thema: Anträge zur BerbandS-Generalversammlung. Brühl begründete die in einigen Berliner Kreisen bereits Diskutierte Resolution gegen das Stichwahl abkom- m e n. Wir waren verwundert, als es nach der Hauptwahl in Ober- barnim hieß, für die Stichttahl sollten keine Versammlungen ab- gehalten und keine Flugblätter verbreitet werden, weil der Partei- vorstand ein Abkommen mit den Freisinnigen getrosten hatte, wonach wir in Oberbarnim unsere Agitation zu dämpfen hätten. Datz trotzdem bereits Gelder für die Hilfskräfte bei der Wahl ausgegeben waren, hat starken Unmut hervorgeruien. Während ein Teil der Parteipresse da? Abkommen kritisierte, scftwieg der„Vorwärts" dar- über. E? hieß, ehe der Parteivorstand nicht seine Einwilligung zur Veröffentlichung deS vertraulich verbreiteten Abkommens gegeben habe könne darüber nichts gesagt werden. Heute teilt nun der Vorwärts" mit. datz ein bürgerliches Blatt das Abkommen vcr- ässenAicht hat. Die Artikel, in denen der„Vorwärts" das Stich- nlahlabkommen zu reckstfertigen suchte, sind vermutlich vom Genossen K a u t S k N ocrfatzt. Im ersten dieser Artikel wird gesagt, viele Nroletarier hielten sich nur deshalb von un» fern, weil sie an unserer Kraft, unsere Ziele zu erreichen» zweifeln, wir müßten deS. halb durch Gewinnung mögllltUt vieler Mandate unsere Macht stärken �ai eine Anfiche d'c bisher nur not Revisionisten ver- treten wur e WaS noch i>rm Abkommen nicht hätte einlrnfen dürfen, nämlich die Vermehrung unserer Stimmen in den Kreisen. auf die sich da? Abkommen erstreckt, das wird in dem Artikel zu- aunsten de? Abkommen? angeführt Wir haben bisher noch nie er- ?-bt datz man einen Verstoß gegen d.e T.Sz.pl'n als Cr�O deznch- riete. Am richtigsten haben dem Abkommen-nstpr-chend d,e Ge- Nossen in dem Kreise g-hanMt. wo st« stch überhaupt nicht an der Stichwahl beteiligten. In allen anderen Kreisen, wo die Genossen so agitierten, daß wir bei der«t.chvahl mehr Stimmen erh'elten. als bei der Hauptwahl, ist ein Vcriwtz gegen d.e Be,chlusse des Par- tkivorstandes begangen worden. Was wird diesen Genossen, ge» schehen? Nach diesem Vorgehen können wir erleben, datz in Zukunft all« Beschlüsse des Parteivorstandes nachgeprüft und von den Ge- nassen, welche sie für verkehrt halten, nicht befolgt werden. So würde das geschlossene Vorgehen, auf dem unsere Kraft beruht, durch- krochen werden. Wir müssen sagen, daß wir ein derartige? Ab- kommen in Zukunft vermieden sehen wollen» Wir wollen keines- Wegs das ganze Stichwahlabkommen verurteilen. Soweit eS sich um unser Eintreten für die Liberalen handelt, entspricht eS dem Parteitagsbcschlutz. Wir verurteilen nur>atz 16 Wahlkreise den Gegnern ohne Kampf ausgeliefert werden sollten. Um dies auch in der Resolution einwandsfrei zum Ausdruck zu briristen, schlug der Redner folgend« Fassung derselben vor: Die Parteigenossen Grotz->BerlinS bedauern da? Sftchvahl. abkommen des ParteivorstanoeS mit der Fortschrittlichen Volkspartei insoweit, als dadurch unsere Genossen in 16 Kreisen, wo wir mit dem Freisinn in Stichwahl standen, verpflichtet wurden, die Wahl des fortschrittlichen, Kandidaten durch Stimmenthaltung zu sichern. Stadthagen: Auch ich bedauere, datz der„Vorwärts" über das Abkommen nichts mitgeteilt hat; aber ich mutz ihn enstchul- digen. Das Abkommen war vertraulich und nicht für die Oestent- lichkeit bestimmt. Aus einer Besprechung mit dem Parteivorstande ist die Auffassung entstanden, datz das Abkommen nicht eher öfsent- lich besprochen werden solle, als bis der Parteivorstand dasselbe begründet habe. Andere haben eine andere Austassung gehabt. Da- durch kam eS, datz das Abkommen, in anderen Parteiblättcrn eher besprochen wurde als im„Vorwärts". Das Abkommen selbst ist ja erst heute mitgeteilt worden» Den Inhalt der Artikel des„Vor- wärtS" vertrete ich nicht. Ich habe meinen Kollegen gegenüber— die übrigens auch nicht einstimmig für die Artikel sind— erklärt, datz ich öffentlich gegen den Inhalt der Artikel Stellung nehmen werde. Keiner von uns hier im Saale macht dem Parteivorswnde den Vorwurf, er habe böswilligerweise das Abkommen getrosten. Wir alle sind überzeugt, daß der Parteivorstand geglaubt hat, mit dem Abschluß des Abkommens das beste für die Partei getan zu haben» Von persönlichen Vorwürfen kann gar keine Rede sein. Es ist nur die Frag«, ob der Parteivorstand das Richtige getroffen hat. Ich stehe auf dem Standpunkt: Wenn die politische Situation so ist, daß wir in der Stichwahl einen bürgerlichen Kandidaten als dem kleineren Uebel unsere Stimme geben, dann tun wir das ohne Gegenleistung zu vereinbaren und müssen von dem betrestenden Gegner so viel politische Reife erwarten, datz auch er dem- entsprechend handelt. Doch, soweit in dieser Beziehung das Ab- kommen getroffen ist, mache ich dem Parteivorstand keinen Vor- wurf. Für tief bedauerlich halte ich eS aber, datz das Abkommen noch weiter geht und von unseren Parteigenossen eine gedämpfte Agitation verlangt. Wenn in den Artikeln des„Vorwärts" gesagt wird, die Genossen» welche gar keine Stichwahlagitation betrieben, keine Versammlungen abbielten» keine Flugblätter und Stimmzettel verbreiteten, hätten die Anweisung des ParteivorstondeS zu wört- lich befolgt, so ist daS ein Widerspruch. In dem Abkommen heißt es doch:„Wir haben uns verpflichtet, in den vorherbezeichneten 16 Wahlkreisen bis zur Stichwahl keine Versammlungen abzu- halten, kein Flugblattzu verbreiten, keine Stimmzettel den Wählern zuzustellen und am Wahltage selbst keine Schlepperdienst« zu ver- richten, wogegen es uns freisteht, am Wahltage vor den Wahllokalen Stimmzettel zu verbreiten." Ter Parteivorstand hat offenbar ge- glaubt, mit Punkt 1 und 2 des Abkommens die Situation am besten ausirutzen zu können. Aber die Freisinnigen werden gesagt haben, datz sie darauf nicht eingehen, wenn nicht in den 16 Wahlkreisen die Agitation gedämpft wirb. Man kann entgegnen, wenn wir auf diese Bedingung nicht eingegangen wären, dann hätten sich die Freifinnigen mit dem schwarzblauen Block verbrüdert. Ich sage: Dann hätten sie es tun sollen. Unsere agitatorischen Erfolge hängen ab von der politischen und wirtschaftlichen Situation. Die Wahlbewegung ist die beste Gelegenheit, die Situation agitatorisch aus- zunutzen. Durch die Dämpfung wird unsere Agitation gestört. Wir dürfen den Wählern nicht die Auffassung beibringen, als ob es nur auf die Zusammenfetzung des Parlaments ankommt. Ter Parteivorstand hat sich der Illusion hingegeben, es handle sich in erster Linie um die Bekämpfung des schwarzblauen Blocks, während es doch in erster Linie unsere Aufgabe ist, die Massen aufzuklären. Die Aktion der Massen, ist für uns wichtiger als die Wahlerfolge. Der Erfolg spricht gegen das Abkommen. Ohne dasselbe würden wir ebenso gut gefahren sein. Aber selbst wenn dies nicht der Fall gcrvefew wäre, so ist doch die Dämpfung der Agitation unter allen Umständen zu bedauern im Interesse der Agitation und Organr sation. Düwell: Nach dem letzten der vier Artikel des„Vorwärts' könnte man sagen: Schließen wir die Diskussion, denn uns wird versichert, das war einmal und wird nickst wieder vorkommen. Aber es sind doch Gesichtspunkte für das Abkommen ins Feld geführt worden, die es notwendig machen, etwas dazu zu sagen. Es wurde gesagt, wir müßten die Situation auSnutzeir, die Masse der Wähler glaube nicht an unsere Macht, wenn wir nicht mehr Mandate be- kämen. Wenn man diese Macht erobern will, indem man den Wahllamps dämpft, dann sagt man ja den mißtrauischen Massen, die Sozialdemokratie glaubt ja selbst nicht an ihre Macht und an deren Eroberung. In seinem Artikel über den Liberalismus und den neuen Mittelstand sagte KautSky, der neue Mittelstand sei eine so große Schicht, daß er den Liberalismus nach links drängen könne, und wenn der Liberalismus diesem Drängen nicht folge, dann sei es um seine Existenz geschehen» Aber was machen wir? Wir geben dem Freisinn 16 Mandate und geben ihm dadurch den Anschein, datz er die Garantie biete, allen Forderungen der bür- gerlichen Demokratie gerecht zu werden. So treiben wir die An- gestellten ins Lager des Freisinns» Das kommt mir so vor, als wenn eine Hausfrau die Treppe von unten zu fegen anfängt. Das nennt man SysiphuSarbcit. Ich bestreit«, datz wir durch daS Ab- kommen einen großen Erfolg an Mandaten erzielt haben. 1907 haben wir fast in allen Kreisen, wo wir gegen rechts zu kämpfen hatten, dieselbe Stimmenzahl gehabt wie jetzt. Nicht die Anweisung der Führer, sondern die«timmung der Wähler ist maßgebend da- für, ob Anhänger bürgerlicher Parteien, in der Stichwahl für uns stimmen. Kommt die Anweisung der Führer dieser Stimmung ent- gegen, dann wird sie befolgt, im anderen Falle wird sie nicht be- achtot. Wenn wir eine Politik der Spekulation betreiben, derart, datz wir möglichst viele Mandate zu erlangen suchen nicht nur für uns, sondern auch für eine augenblicklich mit uns gehende bürger- liche Partei der Linken, dann fordert eS die Konsequenz, von vorn- herein auf solche Zählkandidaturen zu verzichten, welche die Folge haben, datz einem rechtsstehenden Kandidaten das Mandat zufällt. Es wird unS auch erzählt, durch die große Zahl der Mandate sei unsere propagandistische Kraft gesteigert. Das bestreite ich. Wenn das richtig wäre, dann hätten wir uns ja nach dem MandatSvcrlust von 1007 nicht wieder erholen können. Unsere propagandistische Kraft hat uns aber jetzt in der Hauptwahl bedeutende Erfolge ge- bracht. Wenn eS wahr wäre, datz mit einer Vermehrung der Man- date unsere propagandistische Kraft steigt, dann müßte sie ja am Boden liegen, wenn dieser Reichstag aufgelöst wird, und unsere Mandate, was doch wahrscheinlich ist. sich wieder vermindern. So steht eS aber nicht. Aus den Artikeln des„Vorwärts" wird man herauSfinSen, daß die Verieidigung des AokommenS doch in eine Verurteilung desselben uingelchlagen ist. Auch der Verteidiger ist dahin gekommen, zu sagen, das Abkommen war ein Fehler, es darf nicht wieder vorkommen im Interesse der Partei. DaS sagen wir auch. Die vorstehend mitgeteilte Resolution wurde einstimmig an- genommen. Hierauf wurden mehrere andere Anträge zur VerbandS-Genc- ralbersnmmlung diskutiert. Zunächst der folgende: Tic Verbands-Generalversammlung möge beschließen, daS jetzige Kartellycrhältnis zwischen Grotz-BerlW und der Provinz Brandenburg aufzuheben» Die Durchführung dieses Beschlusses wird den beiderseitigen Parteiinstanzen übertragen unter Zu-- ziehung des Parteivorstandes. Der Antrag wurde angenommen, nachdem mehrere mevtier zu seiner Begründung angeführt hatten, die Mitarbeit der Berliner Genossen, bei der Agitation in der Provinz solle nach wie vor ge- leistet werden, sie werde durch den Antrag nicht berührt. ES solle nur dem in der Partei einzig dastehenden Zustande ein Ende gemacht Werder, datz der Bezirksverbond Brandenburg-utzer vom Parteivorstande aud> vom Be�irksveröanÄe Bertin Gelder zu» geschossen- bekomme, über deren Verwendung die Berliner Genosten nicht mitzubestimmen haben».• m, Drei Anträge, die sich auf eine Aenderung der sttztgen Be- sttmmungen über die Gratislieserung deS„Vorwärts" an Kranke und Arbeitslose sowie die Ausdehnung auf Streitende und Aus- gesperrte beziehen, wurden gleichzeitig diskutiert. Beschlossen wurde, bei der VerbandS-Generalversarmnlung zu beantragen,:� Der Beschlutz, betreffend Gratislieserung des„Vorwärts an arbeitslose Abonnenten ist dahin abzuändern, datz diese den„Vor- wärts" auf ihren Antrag frei erhalten, wenn ste vier Wochen arbeitslos,- zwei Jahre politisch und �gewerkschaftlich organisiert und zwei Jahre Abonnent des„Vorwärts" sind. „Streikende und Ausgesperrte sind den Arbeitslosen, Kmch- guachten." � � �_ Ferner wurde beschlossen, seitens des Kreise» den Genossen B r ü h l als Kandidaten für den Posten deS VerbandSfekretarS vor- zuschlagen.. Dann wurde noch der folgende Antrag an die VerbandA-�sene» ralversammlung beschlossen: In Zukunft sollen bei Teurungszulagen an hie Parteumge- stellten erst die Parteigenossen gefragt werden. Damit war die Tagesordnung erledigt. Zur Cxtrabelteuerung der Hioissuni- vereine in Preußen. Den preußischen Konsumvereinen droht bekanntlich ein neues Steuerunrecht. Auf Antrag der Konservativen hat die Regierung in den Entwurf eines neuen Einkommensteuergesetzes eine Bestäm- mung aufgenommen, wonach auch der von den Konsumvereinen an ihre Mitglieder gezahlte, im voraus bestimmte feste Rabatt zum Einkommen gerechnet und als solches versteuert werden sollte. Was hat es mit diesem festen Rabatt für eine Bewandtnis? Seine Einführung durch die Konsumvereine bedeutete bereits einen Protest gegen eine ungerechte steuerliche Behandlung, den Versuch, sich ihr zu entziehen. Die Konsumvereine gehören, bekanntlich zu den Wirtschastsgenosseaschaften. Ihre Tätigkeit hat nicht eine Er- böhung des Einkommens ihrer Mitglieder, sondern ein« bessere Verwendung dieses bereits anderweitig erworbenen Einkommen» zum Ziel. So sehr diese Tätigkeit daher auch rein äußerlich der des Händlers gleicht— insofern sie auch aus Kaufen und Verlaufen besteht—, so sehr ist sie doch innerlich von ihr verschieden» Der Händler kauft von einer Person Waren, um sie an eine andere teurer zu verkaufen; diese Differenz zwischen seinem Einkaufs- und Verkaufspreis macht(nach Abzug seiner Geschäftsspesen) seinen Gewinn, sein Einkommen aus. Der Konsumverein kaust zwar auch, aber er verkauft nicht, sondern er verteilt die Waren nur im kleinen an seine Mitglieder. Selbstverständlich haben die Mitglieder von dieser Tätigkeit einen wirffchaftlichen Nutzen, inso» fern sie die Vorteile des Einkaufs im greßen genießen und vor allem durch eine rationellere Gestaltung der Warenvermittelrmg Ersparnisse erzielen» Aber dieser Nutzen, diese Ersparnisse sind im Leben kein Gewinn, kein Einkommen, denn niemand kann an sich selbst einen Gewinn machen, aus seiner eigenen Bedürfnis- befriedigung ein Einkommen erzielen. Der grundverschiedene Charakter deS Reingewinns des Händ- lerS und des von den Konsumvereinen erzielten Ueberschusses ist klar. Der Reingewinn deS Händlers ist um so größer, je größer die Differenz zwischen seinen Einkaufs- und Verkaufspreisen und schwindet mit dieser. Der Nutzen, den der Konsumverein seinen Mitgliedern gewährt, ist völlig unabhängig von dieser Differenz. Ob er seinen Mitgliedern die Waren zum Tagespreis oder zu noch weit höheren Preisen abgibt oder ob er sie ihnen zum Selbstkosten- preis läßt, das ist nur eine Frage von praktischer Bedeutung. Da ja alles, was die Mitglieder bei ihrer Warenentnahme dem Verein über die Selbstkosten(zuzüglich Spesen) zu viel bezahlt haben, ihnen am Jahresschluß in Form einer Rückvergütung wieder zufließt, so- fern es nicht zum Ausbau des Unternehmens benutzt wird, so kann es ihnen an sich ganz gleichgültig sein, wie hoch dieser Aufschlag ist. In richtiger Erkenntnis dieses Charakters der konsumgcnosscn- schaftlichen Tätigkeit und der hierbei erzielten„Gewinne" sprach denn auch die ursprüngliche Gesetzgebung in Preußen die Konsum- vereine sowohl von der Errichtung einer Gewerbe-, als auch einer Einkommensteuer frei, solange ihr Geschäftsbetrieb nicht über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht resp. sie keinen„offenen Laden" führen. Dieser Begriff des„offenen Ladens" wurde allerdings schon immer von den Steuerbehörden in recht schikanöser Weise gegen die Konsumverein« dahin ausgelegt, datz ein solcher auch dann vor- Händen sei, wenn der Verein statutengemäß nur an seine Mitglieder verkaufe, wenn aber kein physisches Hindernis Unbefugten den Ein- tritt in den Laden verwehre. Hatte diese Auslegung noch einen Schatten von Berechtigung, solange das Genossenschastsgesetz den Konsumvereinen auch den Verkauf an NichtMitglieder freistellte, so wurde sie zur Farce, nachdem die GenossenschastSnovelle vom Jahre 1896 diesen Verkauf unter Strafandrohung verbot. Denn jene Auslegung unterstellte nun. datz dieser Verkauf an Richtmit» glieder doch stattfände und die Regierung besteuerte damit eine Ein» nähme, die sie selbst verboten hatte. Nachdem auf diese Weise bereits die meisten Konsumgenossen- schaften in Preußen praktisch der Gewerbe- und Einkomnrensteucr unterworfen waren, wurde dieser Zustand in bezug aus die letztere auch ein„gesetzlicher" durch die 1006 erlassene Novelle zur Ein« kommcnfteuer. in der zwar alle anderen Genossenschaften» die nur mit ihren Mitgliedern verkehrten, von der Einkommensteuer befreit, die Konsumvereine aber ausdrücklich von dieser Vergün- stigung ausgenommen wurden» Die hierin liegende Benachteiligung der Konsumvereine gegenüber dem Privathandel ist unerhört. Auf der einen Seit« verweigert man den Konsumvereinen die gleichen Rechte wie den Privatkaufleuten: man verbietet ihnen, an Nicht- Mitglieder zu verkaufen und so einen Gewinn, eine Einnahme zu erzielen, auf der anderen Seite legt man ihnen die gleichen Pflichten auf, indem man sie zur Einkommen- und Gewerbesteuer heranzieht. Aber unseren Mittelstandsfreunden war hiermit sowie mit der besonders gehässigen Anwendung der Warenhaussteuer auf die Kon- sumvereine noch nicht Genüge geschehen. Einig« Konsumvereine hatten nämlich die„Frechheit", sich jener ungerechten Bclaftuna wenigstens teilweise dadurch zu entziehen, datz sie ihren Mitgliedern den— einklagbaren— Anspruch auf einen im voraus kestg«setzt»u Rabatt gewährten. Ein solcher fester Rabatt war lnsyer immer steuerfrei geblieben. Die Kaufleute, die ihn gewährten, hatten das Recht, die betreffende Summe von ihrem Einkommen abzusetzen. Mit vollem Recht! Bei den Konsumvereinen fand man auf ein- mal, datz dies eine„Umgehung" der Einkommensteuer sei. Man stellte sich ihnen gegenüber gleichzeitig auf zwei ganz verschiedene Standpunkte. Einmal betrachtete man sie als Gewerbetreibende die an anderen einen Gewinn machten, der also zu versteuern sei! Suchte der Konsumverein diesen zu versteuernden Gewinn einzu. schränken, indem er von vornherein einen festen Rabattsatz fest. setzte, dann erinnerte man sich auf einmal der Tatsache, datz ja der SSereTft mit feinen Mitgliedern identisch fei, vlfo nur scheinbar fein Einkommen verringere. Die Konservativen liehen daher durch ihren Abgeordneten Hammer im preußischen Landtag einen Antrag einbringen, der von der Regierung die Besteuerung des festen Rabattes der Konsumvereine im neuen Einkommensteuergesetz verlangte. Nachdem der Antrag, gegen den sich nur die sozialdemokratischen Abgeordneten wandten, in der Handels- und Gewerbekomimission mit allen gegen sechs Stimmen angenommen worden war, wurde er denn auch, wie schon eingangs erwähnt, von der Regierung, in ihren Entwurf aufgenommen. Bei der ersten Lesung de? Entwurfs im Abgeord- notenhaus fand sich außer dem Sprecher der Sozialdemokraten, dem Abg. Hirsch, nur der Freisinnige Cassel, der sich gegen die Bestim» mung, die der ausrahmesteuerlichen Behandlung der Konsumver- eine in Preußen allerdings die Krone aufsetzen würde, wandte. Man mutz also mit großer Wahrscheinlichkeit damit rechnen, daß das Monstrum Gesetz wird. Die„Konsumgenossenschaftliche Rundschau" bringt einige Artikel, die darlegen, was es mit der angeblichen Steuerfreiheit der Konsumgenossenschaften aus sich hat. In dem einen wird ein Ver- gleich zwischen der seitherigen Steuerleistung der Konsumvereine und der anderew Genossenschaften in Preußen gezogen. Es zahlten demnach im Jahre 1909 88l) Konsumvereine in Preußen 398 899 M. Einkommensteuer, dagegen 883 andere Genossenschaften, vorwiegend Kreditvereine, nur WS 899 M., während 14 899, meist landwirt- schaftliche Vereine, überhaupt vollkommen steuerfrei blieben. Die in Preußen ansässigen, dem Zentralverband deutscher Konsumver- eine angehörenden Genossenschaften zahlten 1919 die gewaltige Summe von insgesamt 779 531 M. Steuern verschiedener Art. So schaut also die angebliche„Steuerfreiheit" der Konsumgenossen- schaften, von der ihre Gegner fabeln, aus. Aber auch der Behauptung, daß dem Staat immerhin erhebliche Steuersummen durch die Konsumvereine verlorengehen, die von den Kleinhändlern sonst mehr gezahlt würden, rückt die„K. R." durch eine sehr interessante Beredtmung zu Leibe. Der Zentralverband hat an eine Anzahl Vereine Anfragen über die Höhe der von ihnen im einzelnen gezahlten Steuern sowie über das Einkommen ihrer Angestellten gerichtet, um aus diesem die von letzteren ungefähr gezahlte Steuersumme zu errechnen. Diese beiden Posten bilden die Einnahme des Staates aus dem Bestehen der Konsumvereine. Demgegenüber wurde berechnet, welche Steuersumme ihm zuge- flössen wäre, wenn der Umsatz der Konsumvereine durch eine ent- sprechende Zahl von Kleinhändlern bewältigt worden wäre. Es wurde dabei ein Normalhändler mit einem Umsatz von 49 999 M. und einem Einkommen von 2499 M. zugrunde gelegt. Es zeigte sich nun, daß 37 preußische Konsumvereine 379 759 M. Steuern zahlten, wozu noch 139 948 M. errechnete Steuersumme ihrer An- gestellten kam, macht zusammen 510 KW M. Demgegenüber hätte oie entsprechende Zahl von Kleinhändlern nur 227 265 M. an Steuern aufgebracht. Dem Staate erwuchs also durch da? Vorhandensein der Konsumvereine ein steuerlicher Nutzen von 283 433 Mark. Und das, obwohl sich unter den 37 Vereinen nicht weniger als 24 befanden, die sich der erwähnten„Umgehung" der Steuer schuldig gemacht hatten. Diese Vereine allein genommen zahlten 217 588 M. Steuern, ihre Angestellten III 754 M., die verdrängten Händler dagegen nur 173 792 M. Also auch hier wurde nahezu die doppelte Summe vom Konsumverein und seinen Angestellten auf- gebracht. Durch nichts läßt sich also das neuerliche Attentat der preu- ßischen Regierung auf die Konsumvereine rechtfertigen, daS in einem so krassen Gegensatz steht zu der liebreichen Behandlung, die dieselbe Regierung den gewerblichen und vor allem den landwirtschaftlichen Genossenschaften zuteil werden läßt. Wenn schon einmal Mittel- standspolitik in der Richtung, wie es die Herren verlangen, ge- trieben werden soll, dann müßten diese Genossenschaften zu aller- erst daran glauben. Während der Umsatz der preußischen Konsum- vereine des Zentralverbandes im Jahre 1910 nur 122 354 768 M. betrug, erzielten die preußischen Genossenschaften de» Reichßver- bandes landwirtschaftlicher Genossenschaften im gemeinsamen Warenbezug 264 177 812 M. und im Warenabsatz 338 421 223 M., was also einem Gesamtverkehr von 692 590 935 M. entspricht. Wieviel Tausende von Mittclstandsexistenzen: Neinen Krämern. Maschinen-, Samen- und Düngemittelhändlern, sodann von Ge- treidc-, Eier-, Vieh-, Geflügel-. Weinhändlern, von Müllern, Molkereibesitzern, Stärke- und Zuckerfabrikanten werden durch diese Tätigkeit ruiniert. Aber da hört das mittelstandsfreundliche Herz unserer Regierung auf einmal auf, zu schlagen. Wo es sich dagegen darum handelt, armen Proletarierfamilien ihre in den jetzigen Zeiten der Teuerung doppelt notwendigen Ersparnisse, die ihnen der Konsumverein ermöglicht, zu einem erheblichen Teile wieder zu entreißen, da findet man sie als gehorsame Dienerin jener Konservativen, die die Geschmacklosigkeit hatten, zu ihrem Antrag. steller ausgerechnet einen Herrn zu wählen, der selbst Vorsitzender im Verbände der gewerblichen Genossenschaften ist und für diese nicht nur Steuerfreiheit, sondern auch noch möglichste direkte För- derung durch die Regierung verlangt. Die Antwort auf diese neue Ungerechtigkeit sei: Hinein in die Konsumvereine, und auf zum Protest gegen oie neue Steuer- belastung der Konsumvereine! vie Gemeindewahlbewegung. Steglitz. Die Angst vor der Sozialdemokratie hat da» unmöglich Erscheinende doch noch zustande gebracht: zum erstenmal steht daS gesamte Bürgertum in ge- schlossener Phalanx gegen die Arbeiterschaft. Noch im letzten Sugenblick ist eS den Bemühungen des Reichs- verbände« gelungen, im alten HauSbesitzerverein einen Beschluß durchzudrücken, daß er aus die Ausstellung eigener Kandidaten verzichtet und seinen Mitgliedern empfiehlt, in der dritten Klasse die von dem bürgerlichen Mischmasch vorgeschlagenen Kandidaten zu wählen. Durch diesen Beschluß ist zunächst erreicht. daß eS diesmal keine Stichwahlen gibt. DaS muß für unsere Parteigenossen ein Ansporn sein. heute nach- mittag und abend vollzählig zum Schleppdienst in den Lokalen von Schellhase, Ahornstr. 15, und Clement. Düppel« straße 7, zur Stelle zu fein. Erfahrungsgemäß brachten wir bisher zu den Stichwahlen noch 599—699 Reserven ans die Beine, Die müssen heute abend schon herbeigeholt werden. Die Schlepper müssen jeden Wähler darauf aufmerksam machen. daß e» keine Stichwahlen geben kann. Die Lgitanon für den bürgerlichen Kandidaten hat der R e i ch S v e r b a n d übernommen. Schon am Sonntag zierten riesige Plakate die Anschlag- säulen, vom Reichsverband ganz allein Unterzeichner, auf denen zum Kampf gegen die Sozialdemokratie aufgefordert wird und die bürgerlichen Kandidaten empfohlen werden. Partei« genossen I Soll der Reichsverband, von dem bei den Reichstags- wählen alle anständigen Politiker abgerückt sind, in Steglitz unseren Sieg vereiteln? Das darf nicht sein und wird nicht ein» treten, wenn Ihr heute abend Eure Pflicht er- füllt. Der gestrige Wahltag war nur daS Vorposten» gefecht, der Kampf der Arbeiterschaft beginnt erst heute und muß mit unserem Siege enden. Die Tatsache, daß das gesamte Bürgertum sich unter die Fittickie des Reiihs- verbandeS verkrochen hat. erleichtert unsere Arbeit und wird die Trägsten auf die Beine bringen. DaS gestrige Teilresultat ist von geringer Bedeutung, nur um unsere Parteigenossen zu informieren, teilen wir die bis S Uhr abrndS abgegebenen Stimmen mit. Es erhielten Stimmen im ersten Bezirk: Sozialdemokratie 463, Bürgerliche 490; im zweiten Bezirk: Sozialdemokratie 292, Bürger« »che b7t. Groß-Lichterselde. Morgkn, den l 8. M ä r z, bon 5—3 Uhr nachmittags, finden die Wahlen zur Gemeindevertretung statt. In allen drei Bezirken sind von den bürgerlichen Parteien Kandidaten aufgestellt, die dem Verein der Handwerker angehören. Daß diese nicht die Interessen der Gesamtheit vertreten sollen. dafür bietet die Stellungnahme des genannten Verein« zur Wahl den besten Beweis, indem die Kandidaten sich verpflichten müssen, in ihrer Tätigkeit im Gemeindeparlament die Interessen der Vereins- Mitglieder, das heißt der Handwerker, wahrzunehmen. Das ist der nackteste und ödeste Uiiternehmerstandpunkt I Die Arbeiterschaft, die den größten Teil der Wähler in der dritten Abteilung repräsentiert, hat die Macht, in alle» drei Bezirken ihre Kandidaten durchzubringen. Kandidat für den 1. Wahlbezirk(Osten) ist Adolf Neumann, Vergolder. Wahllokal: Hennings Restaurant, Jungsernstieg(Bahn- hos Ost). Der bisherige Westbezirl ist nunmehr geteilt. Bezirk 2 lregt zwischen dem Teltowkanal und der Kant-, Pestalozzi-, Ring-, Augusiastraße bis Augustaplatz, Manteuffel- und Haydnstraße. Diese Straßen sowie Augustaplatz 3—5 gehören mit Ausnahme der Manteuffel- und Haydnstraße zum Bezirk 2 Kandidat: Kaspar W e n z e l, Zeitungsexpedient. Wahllokal: Hertels Schützenhaus, Zehlendorfer Str. 5. Zum 3. Wahlbezirk gehören die Ortsteile nördlich der oben- genannten Straßen: Augustaplatz 1, 2 und 6—8, sowie Manteuffel» und Haydnstraße einschließlich der Eckgrundstücke. die nach den die Grenze durchquerenden Straßen numeriert sind. Kandidat: Otto Osburg. Tischler. Wahllokal: Wolffs Kasino, Am Viktoriaplatz. Jeder Wähler nehme eine Legitimation mir, falls er eine amt- liche Wahlkarte nicht erhalten hat: Steuerquittung. Jnvalidenkarte oder Militärpapiere. Friedrichshagen. Mit den kommenden Gemeindewahlen be- schäftigte sich am letzten Donnerstag eine außerordentliche Mitglieder- Versammlung. Genosse Stephan gab den Bericht uuseler Ver- treter. In lebhafter DiZlussion wurde an verschiedenen Handlungen der Gemeindeverwaltung Kritik geübt, unter anderem daran, daß die Gemeinde keine billigen Kartoffeln beschafft habe und des weiteren an der mangelhaften Einrichtung des Seefischverkaufs. Allgemein wurde die Abschaffung der Gasmeffermiete und die Einführung eines Einheitspreises für Koch- und Leuchtgas verlangt. Dieser Neuerung könne nichts im Wege stehen, da die Gasanstalt jetzt Eigentum der Gemeinde sei. Für die dritte Abteilung wurden als Kandidaten die Genossen Grau als Angesessener und Fritz Tornow als Nicht- angesesier aufgestellt. Auch wurde beschlossen, sich diese? Jahr an den Wahlen für die zweite Abteilung zu beteiligen. Für diese kommen als unsere Kandidaten die Genossen K o r s i n g und Schade in Betracht. Die Wahlen für die dritte Abteilung finden am Sonntag, den 17. März, von 11 l/a—3 lL Uhr, und für die zweite Abteilung am Montag, den 18. März, abends, statt. Zeuthen. Heute abend in der Zeit von ö'/g— 7 Uhr, findet die Gemeindevertreterwahl in der dritten Klafie statt. Als Kandidat der Sozialdemokratie simgiert der Zimmerer Genosse Karl Kalies. Der Grundbesitzerverein hat den Postverwalter des OrtS, Herrn Kneisel, als Kandidaten nominiert, um so der Stimmen der Bahn- und Postangestellten sicher zu sein, während die bürgerliche Wahl- Vereinigung— eine Abivlitterung des Grundbesitzervereins— den Zimmerpolier Hier auf ihren Schild erhoben hat. Drei Bauunter- nehmer sind bereits Mitglieder der Gemeindeverwallung. Daß genannte Herren nicht die Interessen der Arbeiterschaft vertreten können. braucht nicht erst besonders betont zu werden. Da die Gegner aber große Anstrengungen machen, wird die Arbeiterschaft ihre ganze Kraft einsetzen müssen, um ihren Kandidaten durchzubringen. Wie notwendig die Wahl des letzteren ist, zeigte Genosse Reichhardt- Mariendorf am Sonntag in einer Gcmeindewäblerversammlung, und auch aus dem Bericht auS der Gemeindevertretung, den Genosse Feiertag erstattete, ging dies mit aller Deutlichkeit hervor. Daher sei heute jeder auf dem Posten. Grünau. Die Ergänzungswahlen zur Gemeindevertretung finden am Mittwoch, den 29. März, von 4—8 Uhr, im Restaurant Buchholz statt. Zur Wahl in der dritten Abteilung stehen nicht zwei Mandate, wie irrtümlich angenommen wurde, sondern nur eins, und zwar ein Angesessener. Wir ersuchen also, nur für den Genossen Johann Franz die Stimme abzugeben. Die Wahl des Nicht- angesessenen findet 8—14 Tage später statt. Borsigwalde-Wittenau. Die Gemeindewahl in der dritten Ab- teilung findet am Freitag, den 15., und Sonnabend, den 16. d. Mts., von mittags 12 bis abend» 3 Uhr statt. Kandidaten sind die Ge- Nossen Hermann Trapp, Former, und Karl Liebelt. Lagerhalter. Donnerstag, den 14. d. Mts., abcndS 8 Uhr, im Wittenauer Ge- sellschaftshauS: Große öffentliche Versammlung. Tagesordnung: Wen wählen wir ins Gemeindeparlament? Hierzu Mtttwoch abend Handzettelverteilung von den bekannten Lokalen auS. Tempelhof. Die Gemeindewahl für die dritte Wähler- Masse findet morgen Mittwoch, den 13. d. M., von mittag« l2Uhr bis abends 3 Uhr. im Gemeinde-BeratungSzimmdr, Dorf st ratze 42, statt. Kandidat der Sozialdemokratie ist der Gastwirt Johanne« W a n z l i ck. Für die zweite Wähler- Masse findet die Wahl am Donnerstag, den 14. d. M., von 8 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittag« im Gemeinde-BeratungSzimmer. Dorfstr. 42. statt. Kandidaten der Sozialdemokratie sind: Gastwirt Johannes Wanzlick, Schriftsetzer Oskar Ewald, Schrisisetzer Otto K i e h n. Alle Parteigenossen, die bei der am Mittwoch, den 13. d. M., stattfindenden Gemeindewahl behilflich sein wollen, werden ersucht, sich von 11 Uhr vormittags ab im GenossenschaftSwirtShauS. Dorf- straße 59, einzufinden. Am Millwoch. den 13. d. M., fallen die Einzel-Zahlabende au«. dafür gemeinschafilicher Zahläbend im WilhelmSgarten, Berliner Straße 9. Wahlergebnisse. Treptow- Banmschulcnwcg. Die Gemeindevertreterwahl am Sonntag ergab folgendes Resultat: im ersten Wahl- bezirk übten von den 932 eingeschriebenen Wählern 284 ihr Wahl- recht auS. ES erhielten Stimmen: Genosse Franz K i ß n e r 235, der von verschiedenen bürgerlichen Vereinen aufgestellte Grottenbahn- besitzer Miete 44 und der Demokrat 5 Stimmen. Im 2. Wohlbezirk beteiligten sich von den 1229 eingeschriebenen Wählern 528 an der Wahl. ES erhielten Genosse Gerisch 411, der von verschiedenen bürgerlichen Vereinen aufgestellte Dachdeckermeister Lenz 116 und Herr Miete eine Stimme. Bei der letzten Wahl vor vier Jahren im ersten Wahlbezirk unterlagen wir mit sieben Stimmen; im zweiten Wahlbezirk hatten wir bei der Wahl vor zwei Jahren nur eine Mehrheit von 61 Stimmen. Boxhagen-RummelSburg. Bei den am Sonntag stattgestindenen Gemeindevertreterwahlen in der dritten Abteilung wurde im 2. Be- zirkGenosse Oskar Witzle mit 496 Stimmen gewählt, eingeschriebene Wähler waren 927 vorhanden. Im 8. Bezirk, wo 1997 eingeschriebene Wähler vorhanden waren, wurde Genosse Gust. Tempel mit 291 Stimmen gewählt. Gegenkandidaten waren in beiden Bezirken nicht aufgestellt. Zur Wahl selbst, die zum erstenmal an einem Sonntage statt- fand, ist zu konstatieren, daß die Beteiligung nicht dem entsprach, waS man eigentlich von der Sonntagswahl erwartet hat. Betrug die Beteiligung bei den Gemeindewahlen bor zwei Jahren im Durchschnitt 36 Proz.. so war sie diesmal im 2. Bezirk 43,79 Proz. und im 8. Bezirk 26,61 Proz. Johannisthal. Die am Sonntag stattgefundene Gemeinde- vertrrterwahl zur dritten Klaffe zeitigte folgendrS Resultat; Genosse Dühring wurde mit 337 gegen 14V Stimmen des bürgerNSen Kandidaten gewählt. Bei der letzten Gemeindevertreterwahl entfielen auf unseren Kandidaten nur 265 Stimmen. Unsere Gegner benutzten diesmal zur Schlepparbeit die Automobile der Flieger König und Rosenstein. Auch die Eisenbahnbeamten waren alle wie auf Kom- mando zur Wahl angetreten. Daß der bürgerliche Kandidat trotz- dem durchgefallen, wird diesen Herren den Appetit verdorben haben, in Zukunft noch einmal Jagd auf die Mandate der dritten Klaffe zu machen. Rieder-Schönhausen-Nordend. Einen schönen Erfolg brachte uns am Sonntag die Gemeindevertreterwahl. Unsere Genoffen Hell« r i ch und H i e g e erhielten jeder 853 Stimmen, denen die Gegner nur 649 und 645 gegenüberstellen konnten, trotzdem sie mehr alS 299 Forensenstimmen benutzten. Im ganzen wurden 1514 Stimmen abgegeben, 3 waren zersplittert. Die absolute Mehrheit betrug 758. Petershagen bei Fredersdorf. Trotzdem die Gegner mit Roß- täuschermanieren gearbeitet haben, blieb für sie am Sonntag der erhoffte Erfolg auS. Es erhielten in der dritten Klaffe bei der Ersatzwahl Genoffe Paul Kranich 58, der frühere.Auchgenosse", jetzige Tischlermeister Gottschalk 21 und der Maurerpolier Brederelo 6 Stimmen: in der Ergänzungswahl Genoffe Ferd. Hermer- s ch m i d t 69, Bredereke 31 Stimmen. In der zweiten Klasse erhielten Genoffe Max R a ck o 22 und der sehnsuchtsvoll nach einem Mandat strebende Abel 13 Stimmen. Mithin sind drei Genoffen gewählt: es sitzen in der Gemeindevertretung jetzt deren fünf. In der ersten Klasse wurde der Bauer Gollme mit 13 Stimmey ernannt. Britz-Buckow. Bei der am Sonntag stattgefundenen Gemeinde- wähl wurden unsere drei Kandidaten gewählt, davon ist ein Mandat neu erobert. Es erhielt der Genosse Prenzlow 649 Stimmen, der Genosse H e i n tz e 639, Genosse H e r m s 633. Von den bürger- lichen Herren brachte es Klemann auf 94, Hennig auf 93 und T i ß auf 94 Stimmen. In Buckow ist leider unser Kandidat unterlegen. ES erhielt Genosse Klein 64 Stimmen, der Bürgerliche 85, davon waren allein 59 Forensenstimmen. Hermsdorf bei Berlin. Bei der am Sonntag stattgefundenen Gemeindewahl- siegte unser Kandidat, der Stukkateur Heinrich Sohra uer mit 281 gegen 223 gegnerische Stimmen. Die Gegner hatten alles aufgeboten, um uns das Mandat zu rauben. Ihr Bor- haben scheiterte jedoch an dem geschlossenen Aufmarsch der Arbeiter- schast. Hohen-Schönhansen. Glänzend abgeschnitten haben unsere Ge- nassen bei der Wahl am Sonntag trotz der elenden Kampfesweise unserer Gegner. Mit 32 5 und 3 1 9 Stimmen ziehen unsere Genossen H e r s ch l e b und Obermeier ins Gemeindeparlament ein. Von den Gegnern brachte eS die von den Antisemiten unterstützte Partei auf 46 und 55 Stimmen, während der anarchistische Herr Dr. Gold- berg ganze 26 Stimmen auf sich vereinigte. Den Herren dürfte wohl die Lust vergangen sein, uns noch einmal die dritte Klasse streitig zu machen. Mühlenbeck. Einen Sieg errangen unsere Genossen bei der am Montag stattgestindenen Gemeindevertreterwahl der dritten Ab- teilung. Der Kandidat der Sozialdemokratie, Genosse Adolf Barsch, erhielt 82 Stimmen. Auf den bürgerlichen Mischmasch- kandidaten entfielen 39 Stimmen. Lichtenrade. Bei der gestrigen Gemein devertreter- wähl erhielten die Kandidaten der Sozialdemokratie Genosse L i e r 97 und Genosse N o w i g k 99 Stimmen. Für die Kandidaten der Kolonisten, Schobert und Marx, stimmten 75 bezw. 73 Wähler, während die Kandidaten der Bürgerpartei Lorenz und Hyrodt je 69 Stimmen auf sich vereinigten. Es hat mithin Stichwahl statt- zufinden zwischen unseren Genossen Lier und Nowigk und den Kandidaten der Kolonisten._ Soziales« Erpressungsanklage wegen Kampf gegen Schmuhkonkurren». Die eigenartige, so oft gegen Lohnforderungen stellenä* Arbeiter angewendete Auslegung des ErpressungSpavagraphen durch das Reichsgericht hat jetzt zu einer Anklage gegen 4 Malermeister und 4 Malergesellen vor der Strafkammer in Bautzen geführt. Unter der Anklage der vollendeten und versuchten Erpressung hatten sich di« Handwerksmeister Werner, Geyer, Ehrt und Linke sowie die Gehilfen Thal, Müller und Palme, sämtlich in Sebnitz wohnhaft, zu verantworten. Di« vier Meister gehören dem Deutschen Arbeibgeberverbande im Malergewerbe, Thal, Müller und Palme der Gehilsenorganisation an. Werner ist Vorsitzender des Ortstarifamtes Sebnitz, dem sämtliche Angeklagte als Mit- glieder angehören. Um das Gewerbe vor Schmutzkonkurrenz zu sichern und geregelte Arbeits- und Lohrwerhältuisse herbeizuführen, hat der Arbeitgeberverband mit dem Gehilfenverband einen Tarif- vertrag abgeschlossen. Nach§ 19 d«S Vertrages, der zum Schutze gegen die sogen. Schmutzkonkurrenz aufgestellt ist. kann über den Betrieb von Meistern, die z. B. Angebots unter dem Selbstkosten- preise abgeben bzw. zu solchemPreiseLieferungen usw. übernehmen. die Sperre verhängt werden. Die Sperre kann durch Zahlung einer vom Ortstarifamt bestimmten Geldbuße vermieden oder zur Aufhebung gebracht werden. Im Sommer 1911 hatte nun der Stadtrat zu Sebnitz eine Sub- Mission auf städtische Arbeiten ausgeschrieben. Die dem Verbaitde angehörenden Meister Schelle und Müller hatten die niedrigst«» Angebote abgegeben und die Arbeiten übertragen erhalten. DaS Ortstarifamt stellte Erörterungen an, ermittelte die Preise der Angebote, gelangte zu der Ueberzeugung, daß unter den Selbst- kostenpreis kalkuliert worden sei und deshalb Schmutzlonkurrenz vorliege. Nach Gehör der Zewtra. Organisation und im Einver- nehmen mit dem Bezirksvereinsvorsitzenden. Obermeister Schirmer in Dresden, beschloß das Ortstarifamt\n einer Sitzung am 15. Juli 1911, über die Betriebe Schelles und Müllers die Sperre zu ver. hängen. Das Protokoll war von Werner, Geyer, Thal und Müller unterzeichnet. Dieser Beschluß wurde Schelle und Müller mit- geteilt, die Sperr« trat am 17. Juli in Kraft. Am 19. Juli fand eine zweite Sitzung statt, in der das Protokoll vom 15. Juli verlesen und genehmigt wurde. Gleichzeitig wurden protokollarisch die Be- dingungen festgelegt, unter denen Schelle und Müller die Sperre zur Aufhebung bringen konnten. Beide sollten 199 M. bzw. 116 R. zahlen. Sie sollten ferner ihre abgegebenen Angebote zurückziehen, schriftlich anerkennen, daß sie ihre Angebote unter dem Selbsttosten- preis angeboten hätten und versprechen, dies in Zukunft zu unter- lassen. Dieses Protokoll war wieder von Werner, Geyer. Thal und dem Gehilfen Müller unterzeichnet. Schelle und R. Müller sahen diese Bedingungen bei Werner ein. R. Müller erreichte beim Orts. tarifamt eine Herabsetzung der Buße um die Hälfte, erfüllte auch die anderen Bedingungen, die Sperre über seinen Betrieb wurde Ende Juli wieder aufgehoben. Schell« unterhandelte ebenfalls. erzielte nun Herabsetzung der Buße von 100 auf 39 M.. brach aber später die Unterhandlung ab und erstattete Anzeige. Die Staats- anwaltschaft erblickte in der Erlangung einer Buße von einem NichtMitglied des ArbeitgeberverbandeS unter Androhung der Sperre eine Erpressung, die Erstrebung ein«« rechtswidrigen Per» mögensvorteil� Die Angeklagten macht eg geltend, sie seien der Ueberzeugung gewesen, daß sie zur Abwehr der Schmutzionkurrenz die Zahlung einer Buße auch von NichtMitgliedern des Verbandes, deren Geschäftsgebaren gegen die guten Sitten verstoß«, hätten mit Recht verlangen können. Gauvorsitzcnder Meister Köhler und Gehilfe Steiner, Berbandsangestellter der Gehilfenorganisation in Leidig, erklärten beide als Sachverständige, daß zu den abgegebenen Preisen eine sachgemäße einwandfreie Arbeit nicht geliefert werden könnte, es liege eine Unterbietung vor. Das Gericht sprach samt- liche Angeklagte frei, und zwar Ehrt, Palme und Linde, weil sie sich an der Beschlußfassung über Verhängung der Sperre usw. nicht stimmberechtigt beteiligt hatten, bei Werner, Geyer, Thal und Müller v-chm das Gericht an, daß ihnen daS Bewußtsein der Rechts- Widrigkeit ihrer Handlungsweise gefehlt habe. Gegen die Freisprechung wenden wir unS selbstverständlich nicht. Unzweifelhaft hat auch keiner der Angeklagten daS Bewußt- sein Rechtswidrigkeit ihrer Handlung gehabt. Aber dasselbe trifft auf die Hunderte von Arbeitern zu, die Lohnerhöhungen unter Streik- oder Sperreandrohung verlangt hatten und die trotzdem wegen Erpressungsversuchs oder wegen Erpressung bestraft sind. In all den Fällen nahm das Gericht an, auf das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit in dem vom Landgericht angenommenen Sinne komme es nicht an. Zweifellos hätte eine Verurteilung gesundem Rechtsempfinden in dem Bautzener Fall ebenso widersprochen wie in jenen Fällen. Aber an der beliebigen Feststellung des Gerichts, ob das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit im Sinne des Reichsgerichts vorlag, darf die Straflosigkeit oder Strafbarkeit der Verhängung des Streiks oder der Sperre nicht abhängen. Dringend erforder- lich ist, das Recht, bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen auch durch Verhängung von Streiks und Sperren zu erlangen, gegen Straf- Verfolgungen sicherzustellen. Es mutz gesetzlich ausgesprochen wer- den, daß der Gebrauch diese» Rechts nie rechtswidrig ist, Kampf um die Invalidenrente. Ein dreijähriger Kampf der Fabrikarbeiterin Ralise in Wiesen- bad bei Annaberg wurde jetzt endlich mit Erfolg für die Antrag- stellerin beendet. Der Verlauf der Renteklage ist nach verschiedener Richtung interessant. Am 26. Januar 1909 wurde erstmalig der Antrag auf Gewäh- rung der Invalidenrente gestellt. Die Ansprccherin fühlte sich krank und invalid.. Krank war sie auch, aber als invalid� im Sinne des Gesetze? wurde sie von den Aerzten, auch nach einer längeren Beobachtung im Stadtkrankenhause zu Chemnitz, nicht bezeichnet. Ihr Antrag wurde auch in der Berufungsinstanz vom Schiedsgericht zurückgewiesen. Die Revision gegen die schiedsgerichtliche Entscheidunig blieb ohne Erfolg. Am 7. Februar 1911 stellte die Ansprechcrin den Antrag er- n e u t. Zwei Aerzte, darunter auch der Vertrauensarzt der Landesversicherungsanstalt, erklärten sie für völlig erwerbsun- fähig. Wieder gab die Landcsversicherungsanstalt ablehnen- den Bescheid. Sie machte geltend, daß die Anwartschaft verloren sei. Die Ansprecherin hatte nicht mehr arbeiten können und verabsäumt, während der zwei Jahre Marken zu kleben. Dieser Umstand sollte sie nun, da sie in- valid war, um die Rente bringen. Sie legte Berufung ein und bemerkte, daß sie der Meinung wäre, daß sie während der Dauer des Verfahrens nicht berechtigt sei, Marken zu kleben. DaS war eine irrige Annahme. Das Schiedsgericht stellte aber Erörterun- gen an, und zwar an Ort und Stelle und unter Zuziehung seines Vertrauensarztes Dr. Hering. Dadurch wurde festgestelli, daß die Invalidität der Ansprecherin schon eher eingetreten war, als die beiden Aerzte die Untersuchung vorgenommen hatten. Jedenfalls war die Invalidität vor dem 22. Oktober 1910, dem Tage, an dem die Anwartschaft auf Rente erloschen war. einge- treten. Zum Ueberfluß brachte die Renteklägerin noch den Nachweis von 26 anrechnungsfähigen Krankenwochen, die in die zweijährige Periode hineinfielen. Trotzdem ließ es der Vertreter oer Landesversicherungsanstalt auf das Urteil ankommen, welches der Klägerin die Invalidenrente ab 1. Oktober 1910 zusprach. Dieser Fall zeigt wieder einmal deullich, daß die vielge- pricsenen, von den Arbeitern teuer zu bezahlenden Wohltaten der Sozialgesetzgebung mitunter erst durch zähen Kampf erstritten werden müssen._ Oesterreichische Streikstatistik 1911. Im Jahr« 1911 sind nach amtlicher Feststellung 767 Arbeits- einstellungen in Oesterreich vorgekommen; über B44 Streiks gibt das kaiserlich-königliche Arbeitsstatistische Amt nähere Angaben. Sie erstrecken sich auf 5461 Betriebe mit 140 718 Arbeitern, von denen 84 052 gleich 60 Proz. streikten. 21,5 Proz. der Streiks be- trafen jeweils mehrere Betriebe. Von den Streiks dauerten 46,9 Prozent 1 bis 5 Tage, 18,9 Proz. 6 bis 10 Tage, 10,5 Proz. 10 bis 15 Tage usw. 19,7 Proz. hatten vollen Erfolg, 51,3 Proz. teil- weisen. 29 Proz. keinen Erfolg. Es waren also erfolgreich inSge- samt 71 Proz. aller Ausstände mit 87,9 Proz. aller Ausständigen. Serickrs- Leitung. Heu— ein NahrungS- oder GcnuKmittel? Ein ganz verständiges Urteil des Schöffengerichts Neukölln mußte die Strafkammer gestern aufheben. Angeklagt war eine Handelsfrau Anna Dittmann aus Britz. Die Angeklagte war da- bei beobachtet worden, wie sie dem Molkereibefitzer Schuster in Britz eine Handvoll Heu, welches dieser auf seinem Hofe zum Trocknen ausgebreitet hatte, entwenoete, um damit ihrer Ziege einen besonderen Leckerbissen zukommen zu lassen. Es wurde des- halb gegen sie Anklage wegen Diesstahls erhoben, wegen der sie sich bor dem Schöffengericht Neukölln zu verantworten hatte. Dieses nahm jedoch nicht Diebstahl, sondern eine Uebertretung des Z 370, B des Strafgesetzbuchs lMundraub) an, nach welchem sich derjenige strafbar macht, der„Rahrungs- oder Genußmittel von unbedeuten- dem Werte oder in geringer Menge zum alsbaldigen Gebrauch" entwendet. DaS Schöffengericht, welches die Frau zu 9 M. Geld- strafe verurteilte, nahm demnach an, daß auch„Rahrungs- und Genutzmittel" für Tiere in jenem Paragraphen gemeint seien. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hin hatten sich nunmehr die fünf Berufsrichter der Strafkammer mit dieser Handvoll Heu zu beschäftigen. Diese kamen zu der Ansicht, daß der Gesetzgeber nur fiir den Menschen geeignete„Rahrungs- und Genutzmittel" in jenem Paragraphen gemeint habe. Außerdem spreche man ge- wöhnlich bei dem Vieh nicht von„Rahrungs- und Genußmitteln", sondern einfach von„Futter". Unter Anwendung des Diebstahls- Paragraphen wurde die Angeklagte nunmehr zu der niedrigsten ge- setzlich zulässigen Strafe von 1 Tag Gefängnis verurteilt. Die Strafgesetznovelle, die von der Regierung in der letzten Session vorgelegt, jetzt von der sozialdemokratischen Fraktion als Initiativantrag eingebracht worden ist und voraussichtlich bald als gemeinsamer Initiativantrag aller Parteien zur Beratung kommen wird, dehnt den§ 370 5 des Strafgesetzbuchs auf Gegenstände des hauswirtschaftlichen Verbrauchs überhaupt aus. Wer Entwendun- gen solcher Art begeht, soll nur auf Antrag und nur mit Geld- strafe oder Haft(nicht mit Gefängnis) bestraft werden können. Außerdem will die Novelle, daß auch Diebstähle von geringfügigen Gegenständen mit Geldstrafe oder Haft statt mit Gefängnis be- straft werden können. DaS Schöffengericht Neukölln hatte diese noch nicht in Kraft gesetzten Borschriften vorweggenommen. Die Strafkammer hat dem geltenden Recht Rechnung getnagen. Sir bätte aber dennoch, von gleich sozialer Gesinnung wie das Neuköllner Schöffengericht getragen, zu einer Freisprechung ge- langen können. Denn die Annahme wäre gerecht gewesen, die Frau, die«in wenig Heu für ihre Ziege mitnahm, handelte nicht im Bewußtsein rechtswidriger Absicht, vielmehr in der Annahme, der Eigentümer sei mit der„Entwendung" einverstanden. Ein Steuerdrückebcrgrr. Wie der Kapitalismus wuchert, ergab eine in Halle vor der Strafkammer stattgehabte Verhandlung, in der der Jndustrieunter- nehmer Simon Sernau wegen Steuerhinterziehung angeklagt war. Der wohlhabende Mann hätte nach amtlicher Schätzung 2250 M. mehr Steuern zahlen müssen, als er in Wirklichkeit zahlte. Er hatte in seiner Steuererklärung den Gewinn einer Einlage von 15 000 M. in der Papierfabrik von Lässig u. Co. verschwiegen. Die Firma warf in einigen Jahren Riosengewinn« ab, während die Ar- beiter über schlecht« Löhn« klagten. Ein an der Firma mit- beteiligter Unternehmer mußte zugeben, daß allein die Einlage von 15 006 M. in«inigen Jahren einen Reingewinn von 59 000 M. ge- bracht habe. Schon im ersten Jahre soll der Jndustriebaron soviel Reing«winn erzielt haben, wie seine Einlage ausmachte. Der An- geklagte meinte, sich um den Gewinn nicht näher„gekümmert" zu haben. Um seinen Kredit zu erhöhen, habe er sein Vermögen lieber höher als niedriger angegeben; ihm sei es gar nicht in den Sinn gekommen, zu wenig Steuern zu zahlen. Di« Strafkammer ver- urteilte den Drückeberger aber auf Grund des Z 72 des Einkommensteuergesetzes zu einer Geldstrafe von 10 000 M. event. sechs Wochen Haft. Begründend hieß eS im Urteil, der An- geklagte habe eine erhebliche Einnahmequelle wissentlich ver- schwiegen, um die Staatskasse zu schädigen. Zum bayrischen Kampf ums volle Mas. DaS wegen betrügerischen Einschänkens gegen den Hofbräuhaus- pächter Mitlermüllcr eingeleitete Strafverfahren ist nunmehr auf Antrag der Staatsanwaltschaft von der Strafkammer eingestellt. Auf Veranlassung des Angeschuldigten wurde im Vorder» fahren unter Zuziehung einer Reihe Sachverständiger ein Probe- zapfen vorgenommen. In einem Nebcnraum des kgl. Hofbräuhauses wurde ein Bier- faß angezapft und die Temperatur gemessen, worauf ein älterer geübter Schenkkellner Krüge mit verschiedenen Eichmaßen in ge- rader, halbschiefer und ganzschiefer Haltung, bei ganz und halb geöffnetem Hahne füllen mußte. Die Ergebnisse zeigten: sowohl die verschiedene Haltung des KrugeS, wie die verschiedene Oeffnung des Hahnes wären von ver- hültniSmäßig geringem Einfluß auf dH Füllung der Bierkrüge. Hingegen ergab sich aber in untrüglicher Weise, daß trotzdem das zu den Proben verwendete Bier eine sehr niedrige Temperatur aufwies, dasselbe nach dem Anzapfen so schäumte, daß es als un- möglich bezeichnet werden muhte, auch nur annähernd das Eichmaß zu erreichen. Ein wesentlicher Faktor ist auch, wie sich bei dem Proben eropb. der Ablauf de« Schaumes bezw. Bieres beim Ein- schenken. Trotz vorsichtigen Einschenkens ergab sich bei den ersten 6 Krügen ein Durchschniltsmanko von 253 Kubikzentimeter im Geld- betrage ausgerechnet 6,07 Pf. Das überlaufende Bier wurde in Untersätzen gesammelt und dessen Menge genau ermittelt. Sie betrug das respektable Quantum von 130 Kubikzentimeter pro Krug, im Geldbeträge ausgerechnet 3,12 Pf. Der mindeste Ablauf bei den Proben bezifferte sich auf 51 Kubikzentimeter, im Geld- beffwge 1,24 Pf. Nach diesen Ergebnissen betrögt der Wert des in den �anal ablaufenden Bieres im Kgl. Hofbräuhause jährlich ungefähr 75 000 M. Weitere Pnoben bewiesen, daß bei normaler Temperatur und Beschaffenheit des Bieres und selbst bei vorsichtigem Einschenken, auch in der Zeit nach dem Anzapfen, mit einem Manko und Ablauf- Verlust gerechnet werden muß. Von besonderer Bedeutung ist auch die Zeit, die dem Schenk- kellner zur Füllung der Trinkgeschirre zur Verfügung steht. C? wurden deshalb durch den technischen Beamten Fries und den Verwalter Oskerried der wissenschaftlichen Station für Brauerei hierüber Erhebungen gepflogen. Dazu wurden verschiedene Tage und verschiedene Tageszeiten gewählt. Es ergab sich, daß im Kgl. Hofbräuhause zum Ausschank eines 200 Liter enthaltenden Fasses. in ganzen und halben Litern, 23 Minuten und 40 Sekunden nötig waren. Für die Füllung des einzelnen Gefäßes blieben den Schenkkellnern einschließlich des Hin- und Hcrhcbens, eine Zeit von nicht ganz 0 Sekunden. Auch ein zweiter Versuch usw. bestä- tigte diese» Ergebnis. Der Sachverständige Prof. Dr. Brand von der wissenschaftlichen Station für Brauerei erklärte in seinem Gutachten unter anderem: Bei sämtlichen obigen Versuchen, die in möglichst objektiver Weise vorgenommen waren, war eS nicht möglich, auch nur annähernd das richtige Quantum Bier— 1000 Kubikzentimeter— in den Krug zu bringen. Der Sachverständige glaubt, daß dies nur bann zu erreichen ist, wenn der Krug nach dem Einschenken so lange stehen bleibt, bis der Schaum etwas zosammeiigefallen ist. Dann erst kann der Krug bis auf da» richtige Maß nachgefüllt werden. Beutseßer Tabakarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Freitag, den 15. März 1912, abends«-/, Uhr, in Trösels Festsälen Weisse Haibdannen Pid. M. 3.-, 360, 480 n. 6.— ScUeissiedern, haibweiss, Pid. M. IM Weisse Schleissiedern Pfd. M. 2-, 250 u. 3�— Hell weisse Schleissiedern Pid. M. 350, 4» u. S— woisslxcklwri öO Pf. nubbr. 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M., abends 7 Uhr, findet im Lokal von Mörner(früher Kellers, Koppenstr. 2g, eine Ver- sammlung statt, in der Landtagsabgeordneter, Genosse A. Hoff« mann über: Der Krieg ist ein Hohn auf Gott! Auf das Christen- tum! Auf die Menschlichkeit! sprechen wird. S.DiSkussion. Nachdem: GemüilicheS Beisammensein und Tanz. Neukölln. Die Generalversammlung de! WahlvereinS findet am 26. März statt. Tagesordnung! 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Ausstellung der Kandidaten für die bevor« stehenden Stadtverordnetenwahlen. 8. Anträge. 4. Verschiedenes. Etwa noch zu stellende Anträge müssen bis zum 18. März in Händen dcL Vorstandes sein. Der Vorstand. Stegliy-Friedevan. Am Freitag, den IV. März, findet im GesellschafishauS des Westens in Schöneberg, Hauptstr. 80/31, eine Thealeraufführung von RosenowS vieraktiger Komödie: „Kater Lampe' statt. Die Aufführung erfolgt durch bewährte Kräfte der Genosienschaft deutscher Bühnenangehöuger. Der Eintritt beträgt 40 Pf. Jedem Besucher wird die vom ZentralbildungS- auSschust herausgegebene literarische Einführung zu„Kater Lampe' unentgeltlich verabfolgt. Die Karten sind in den Zahlabenden und am Theaterabend beim Kassierer zu haben. Der BildungSausschuß. Groß-Lichterfelde. Heute Dienstagabend 8 Uhr: Gemeinschaft- licher Zahlabend bei Wahrcndorf, Bäkestt. 7. Der Vorstand. Johannisthal. Ter Zahlabend fällt am Mittwoch au«, dafür findet am 19. d. M. eine Mitgliederversammlung bei Otto Senftleben statt. Der Vorstand. Adlershof. Morgen Mittwoch, den 18. März, abends 8�/» Uhr, im Lokale des Herrn Bayer, BlSmarckslr. 10: Oeffenlliche Versammlung. Tagesordnung: Die Sozialdemokratie im Gemeindeparla- ment. Referent: ReichSlagSabgeordnrter Fritz Zubeil. Der Zahl- abend fällt auS. Am Donnerstag, den 13. März, vormittags 10 Uhr. im Jugend- heim, Blsinaickstr. 11: Zahlmorgcn. Alt-Glienicke. Am Mittwoch, den 13. März er., abends S>/, Uhr pünkitild, im Lokale de« Genossen Peiermann, Nudower Straße 54: Mitgliederversammlung des WahlvereinS. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Vcreinsangelegenheilen— Verschiedenes. Der Vorstand. Pankow. Der BildungSauSschuh beabsichtigt für die Genossen, denen daran gelegen ist, Kennmifie in der englischen Sprache zu erlangen, einen englischen Sprachkursus einzurichten. Wer daran teilnehmen will, wird zum Donnerstag, den 14. März, abends 8l/i Uhr, nach dem Restaurant.Roland', Wollankstr. 118, zu einer Zusanimentunfl eingeladen. Willkommen sind hierzu auch die Ricderschönhauser Genossen. am Sonnabenv, den 1V. März, abends 8'/, Uhr, findet im .Restaurant zum Kurfürsten', Berliner Str. 102. der vom Bildung«- ausschuß veraiistaliete Theaterabend statt. Zur Ausführung gelangt: „Der role Leutnant'. Roch der Vorstellung: GemüilicheS Beisammensein mit Tanz. BillellS a 80 Pf. find bei den Gruppenführern und tn der Vorwärtsspedilion, Mühlcnstr. 30, zu haben. Eichwaldr. Der Zahlabend findet morgen Mittwoch, den 13. d. M., abends H'/j Uhr. beim Genossen Witte statt. Tegel. Heute Dienstag. abendS 8'/, Uhr, in Trapp» Festsälen (Gamm), Bahnhofstr. 1: Ocffentliche Versammlung. _ Die Bezirksleitung. Berliner Nachrichten. Abend am Bahnhof. Ter Märzabend will verflattern. Schon klimmen die Schatten der Nacht die Riesenwände der Mietkasernen empor, und das Zwielicht spinnt seine Dämmerschleier um das ge- waltige�Halbrund �der langgestreckten Bahnhofshalle. Die engen Schächte der Ströhen lassen nur schmale Linien des von flammender Abendglut übergossenen Hiinmels frei. Aber dieses Glühen spiegelt sich doch in zahllosen Fensterscheiben und wirft einen roten Schein um dl? Gruppen der Kinder, die laut und lärmend auf dem Asphalt der Dämme dem Kreisel- und Murmelspiel obliegen. Aus deni Halbdunkel des Bahnhofsausganges schiebt sich ein breiter Menschenstrom. Scheu und zögernd quillt er her- aus. Nicht Großstädter sind's. Die Frauen tragen weiße oder bunte Kopftücher. Ihre Füße, die bis über den Knöcheln unter den hochgeschürzten Röcken hervorlugen, stecken vielfach in Männerstiefeln. Die wettergebräunten Männer trotten hinter ihnen her. Sie sind womöglich noch scheuer und stummer als die Frauen. Aber eins haben sie alle gemeinsam: die großen staunenden Augen, die verwundert auf das Groß- stadtgctriebe hinausstarren. Sachsengänger sind es. Die Zeit ist wieder einmal ge- koininen, da der Osten seine Arbeitskräfte dem Westen leiht. Tie Riesenstadt ist-diesen Leuten nur eine Station mit längcrem Aufenthalt. Gerade so viel Zeit ist ihnen gegöden, daß sie einen kurzen Blick hinaustun können auf die Bunt- heit des Großstadtlebens, auf Riesenhäuser und Straßen- irubel. Und sie nutzen die Gelegenheit mit gierigen Augen. In die Strußenzüge hinein wagen sie sich nicht recht. Sie halten sich immer im Gesichtskreis des Bahnhofbaues, wo ein paar Burschen, die die Großstadt bereits kennen, bei dem Ge- päck Wacht halten. Aber allmählich weicht die Scheu. Die Auslagen der Ge- schäftc locken die Frauen an. Ein Schwatzen beginnt in breiten, fremoklingenden Dialekten. Auch das Interesse der Männer wird vor dem einen oder anderen Schaufenster er- regt. Allein diese Besichtigung währt nicht lange. Schon sind die großen Bogenlampen der Bahnhofshalle aufgeflammt. Tie Abfahrtszeit des Zuges, der die aus dem Osten Kommenden nach dem Westen befördern soll, rückt näher und näher. Mit verminderter Scheu wird der Rückweg ange- treten. Nur beim Passieren dcö StraßcndammeS flattert noch einmal eine ängstliche Zaghaftigkeit in den Frauenaugen auf. Doch die ist sofort verschwunden, wenn die Lippen mit dem Erzählen beginnen von all den Herrlichkeiten, die die Augen geschaut haben. Und wie der Zug dieser Großstadtfremdlinge aus der Bahnhofspforte herausgequollen, quillt er nun wieder in sie hinein... Draußen ist es Nacht geworden. Die grellen Farben des Abendhimmels sind erloschen. Laternen werfen gelbliche Lichter. Tie Bahnhofshalle hebt sich wie ein riesiges schwgrzes Ungetüm aus dem nächtlichen Dunkel. Schwarz und drohend recken auch die Mietkasernen ihre hohen Mauern. Das laute Lärmen der Kinder ist verstummt. Nur das Summen und Tuten der Automobile quirlt durch die Stille. Pferdehufe klacken taktmäßig auf dem Asphalt der Straße. Und oben aus der Bahnhofshalle gellt ein schriller, langgezogener Pfiff. Ter Zug, der die Sachsengänger nach den Gefilden des Westens befördern will, hat sich in Bewegung gesetzt... Ter Oberbürgermeister Kirschner hat sich gestern in einer Konferenz bereit erklärt, die Amisgeschäste noch wciler zu führen. Es besteht danach die Hoffnung, daß er sein Rücklrittsgesuch noch längere Zeit hinausschiebt._ Erlöse uns von dem Nebell Ein Lehrer schreibt uns für viele:„Sprache, schön und wunder- bar! Ach. wie klingest du so klar! Will noch tiefer mich vertiefen in den Reichtum, in die Pracht,' so sang einst Max von Schenken. dorf in seinem tiefempfundenen Gedicht„Muttersprache" und so fühlen wir noch heute und, woll'S Gott, noch recht lange unsers deutschen Volkes Kinder und Kindeskinder. Was einst der Dichter gelobte. daS führen wir heute praktisch aus in unfern Schulen: wir vertiefen uns in unsere schöne Muttersprache in den Deutschstunden. Die behördlichen Bestimmungen für Berliner Verhältnisse fordern nun. daß die sprachlichen Uebungen und Belehrungen sich anlehnen sollen an ein Sprachbuch, da? den Stoff auf Jahrgänge verteilt. In einem Teile der Berliner Volksschulen ist als UebungSbuch das von Uebel vorgeschriebene. Da diese» Buch auch noch an andern Schulen im Gebrauch ist, so werden von demselben jährlich rund 100000 Exemplare abgesetzt. Hierdurch kann der Einfluß bemessen werden, den diese Bücher auf die deutsche Jugend auszuüben in der Lage sind. Man könnt« nun annehmen, daß eS sich bei diesem Sprachbuche um ein Meisterwerk deutscher Sprach« handelt. Weit gefehlt. Im Verein mit seiner methodischen Qualität ist eS ein Buch, von dem die Lehrer, die es benutzen muffen, verzweifelt aus- rufen: Erlöse uns von dem Uebel I Dieser Wunsch ist nicht etwa einmal ausgesprochen worden, nein, schon oft und an den verschie- densten Stellen. Die pädagogische und di« TageSpresse haben eS einmütig verurteilt. Aber trotzdem bleibt eS zur Qual der Lehrer und zum Unsegen der Kinder, und auS der Verballhornisierung unserer Muttersprache zieht der Verfasser unter behördlichem Scyutz eine schöne Rente. Man fragt sich, wie war e« möglich, daß ein solche» Buch zur Benutzung für die Schulkinder genehmigt werden konnte, und wie ist eS möglich, daß eS nach der vernichtenden Kritik nicht endlich von der Bildfläche verschwand? Wir leben doch heute in der Zeit de» Kampfes gegen jede Art von Schundliteratur und der Schund literatur ist da? Sprachbuch zuzurechnen, so fleißig e» auch sonst bearbeitet worden sein mag. s�ür unsere Kinder, die erst richtig deutsch sprechen lernen sollen, ist für diesen Zweck nur da« beste gerade gut genug. Von einem Spracbbucke muh man verlangen, daß es eine mustergültige Sprache biete, soll es da? Sprachgefühl bilden und fördern. Wie lächerlich aber die Sprache deS Uebungs- buche? wirkt, mögen folgende Stilproben zeigen: In einem Briefe schreibt ein 12jähri�er Knabe folgendermaßen: „Du erinnerst Dich au« unserm Gespräch bei meinem letzten Be- suche, wie sehr ich mich an meinen schönen Tauben erfreue. Nun aber hat sich kürzlich ein Stößer(Habichts an meinen Lieblingen versündigt(I) und mir gerade den schönsten ziegelroten Kragen- täubcr erwürgt.— Nicht nur der Schaden schmerzt mich, sondern vielmehr die Vorstellung, daß der liebe zahme Kerl sein sanftes Leben in den Klauen eines solche? Strauchdiebe« verbluten mußte." Ein Aufsatz über das Reiterstandbild Friedrichs des Großen beginnt folgendermaßen:„Am östlichen Ende der großartigen Triumph strafe«„Unter den Linden" wendet da» Erzbild Friedrichs des Ein- zigen sein Antlitz gen Sonnenaufgang. Der Blick ist seitwärts auf das UniversitätSgebäude gerichtet." Wie schwülstig hört sich folgendes an:„Ist der Berliner des großstädtischen Getümmels überdrüssia, so fährt er auch gern in die norwegischen Alpen. Dort brauchst Du gar nicht des Landes kundig oder seiner Sprache in besonderem Grad« mächtig zu sein. Denn die genußreichsten Strecken führen di« großartigen Flußtäler und an der Westküste entlang, und in Städten, größeren Gast- Häusern und aus Dampfschiffen bedarf der Deutsche dort selten der norwegischen Sprache zur Verständigung usw." Di« Zeit, dieses Buch fallen zu lassen, ist günstig, da mit der Revision de« Lehrplane» sich auch eine Revision der Lehr- und Lern- bücher verbinden muß. Die Uebelschen Sprachbücher haben außer dem gerügten Fehler einer schwülstigen Sprache auch methodisch« und sogar sachliche Fehler und sie sind so unübersichtlich in der An- läge, daß eS wirklich ein Verdienst wäre, wenn sie verschwinden würden. Erlöse uns von dem Uebell' Die Gesangövorträge der 2000 Kinder Berliner Gemeinde- schulen hatten auch am letzten Sonntaamittag wieder ein viel- ! tausendköpfigeS Publikum nach dem Zirkus Busch gelockt. Wohl selten ist der ZirkuS so dicht von Zuhörern besetzt gewesen, wie das aus Anlaß der Gesangsvorführungen der Fall war. Selbst in der Manege war Stuhl an Stuhl gereiht und nirgends sonst war ein freie? Plätzchen zu erblicken. ES lohnt sich auch, den gesanglichen Vorträgen der Kinder zuzuhören. Wer Freund eine? gute» Gesanges ist, wird seine helle Freud« erleben, wenn er sich die Zeit nimmt, den Vorführungen beizuwohnen. Zivar ist der Text des Kaisergrußes geradezu abscheulich und widerlich; man wird aber durch andere bessere Lieder dafür voll entschädigt. Mit Beifall wurde nicht gekargt und unsere kleinen Sänger und Sängerinnen mußten manche Piec« ein zweites Mal zum besten geben. An den beiden kommenden Sonntagen werden die Vor- träge wiederholt. Der knabenfreundliche Sittlichkeitsapostel, Pastor a. D. von HennigS vom Evangelisck>en Verein zur Hebung der Sittlichkeit, soll schleunigst als geisteskrank hingestellt und damit der strafrecht- lichen Verantwortung für sein« Verfehlungen entzogen werden. In Moabiter kirchlichen Kreisen wird mit einem Male diese Version verbreitet, um den unbequemen Mitapostel von den Rockschößen abzuschütteln. Natürlich, das war vorauszusehen. Derartige Leute sind immer geisteskrank, sobald sie der Staatsanwalt unter die Lupe nimmt. Ter Termin zur Hauptvcrhaadlung in Sachen der Methyl- alkohol-Bergistungen ist nunnrebr auf den 26. d. M. und folgende Tage anberaumt worden. Die Anklage richlet sich gegen vier Per- sonen und zwar: 1. Den Drogist Julius Scharmach aus Chor- lottenburg, 2. den Reisenden und Essen, ensabrikanien Karl Zastrow aus Charlottenburg. 8. den Reisenden Bruno Meyen aus Berlin und 4. den Reisenden Wilhelm RomerSki. Die Angeklagten werden des gemeinschaftlichen vollendeten und versuchten BetruaeS beschuldigt, ferner ilt Scharmach angeklagt: vorsätzlich Gegenstände, welche be- stimmt sind, anderen als Genußmittel zu dienen, derart hergestellt zu haben, daß der Genuß derielbeu die menschliche Gesundheit zu beschädigen geeignet ist und durch diese Handlung eine schwere Körperverletzung, Verlust de« Sehvermögen« von mindestens fünf und den Tod von 89 Menschen verursacht zu haben. Den Mit- angeklagten wird fahrlässiges Verkaufen gesundheitsschädlicher Genußmittel» zum Vorwurf gemacht. Da 17 medizinische und chemische Sachverständige und etwa 60 Zeugen vorgeladen find, wird die Verhandlung eine volle Woche in Anspruch nehmen. Ein tödlicher Straßcnunfall ereignete sich gestern auf der Friedrichsbrücke. AIS eine Kraftdroschke über die Brücke gefahren kam, versagte plötzlich die Steuerung und das Automobil fuhr, ehe eS der Führer zum Halten bringen konnte, auf den Bllrgersteig. Hier überfuhr es den Metallarbeiter Hermann Schmidt aus der Knobels- dorffstraße 89 zu Charlottenburg und verletzte den 14 Jahre alten Sohn Schmidts, der mit seinem Vater spazieren ging. Schmidt selbst erlitt dabei so schwere innere Verletzungen, daß er nach dem St. Hedwig-Krankenhause gebracht werden mußte. Hier starb er bald nach seiner Einlieferung an den Folgen der Verletzungen. Sein Sohn, der mit Hautabschürfungen davon kam, konnte die elterliche Wohnung aufsuchen. Eine kurze Betriebsstörung trat gestern nachmittag S1/« Uhr auf der Hoch- und Untergrundbahn ein. Sie wurde dadurch verursacht, daß infolge eines Maichinendefekls in dem Kraftwerk die Leitungen stromlos wurden. Während auf der Oststrecke die Störung nur 3 Minuten andauerte, blieben die Wagenzüge auf der West- strecke über 10 Minuten liegen. Von Uhr an war der Betrieb wieder regelmäßig. Ein schwerer Automobilunfall ereignet« sich am Sonntag, den 10. März, nach-nittags zwischen FranzösistH-BuchHolz und Schönerlinde beim Kilometerstein 13,2. Vier dem Arbeiterstand« ange- hörende Personen machten eine Vergnügungsfahrt mit dem Droschkenauto 1�. 8823. Aus bisher noch nicht festgestelltem Grunde verlor der Chauffeur plötzlich die Gewalt über den Wagen und fuhr mit voller Gewalt, indem er einen Baum streifte, gegen einen Baum. Die Wucht war derartig, daß sämtliche Insassen, bis auf den Chauffeur, der durch das Steuerrad zurückgehalten wurde, durch die Karosserie aus dem Auto geschleudert wurden und 3 davon mit zerschlagenen Köpfen in schwer verletzteui Zu- stände liegen blieben. Das Auto wurde durch den äußerst heftigen Anprall vollständig demoliert. Als ein Wunder ist es zu be- trachten, daß der Chauffeur sowie der vierte Fahrgast mit heiler Haut davon gekommen sind. Die vorbeifahrende 7. Abteilung deS RadfahrcrbundeS„Solidarität", Ortsgruppe Berlin, sorgte für die zunächst notwendige Hilfe und die bei der Truppe befindlichen Samariter legten auf Anordnung des inzwischen von einem Privat- auto herbeigeholten Arztes Dr. Gröber die ersten Notverbande an. Hierauf brachten die Samariter in einem in bereitwilligster Weise zur Verfügung gestellten Privatauto die Verletzten nach dem Pankower Krankenhaus. Während nun der eine, dessen linke Ge- sichtsseite vollständig zerschnitten und zerfleischt ist, auf seinen Wunsch hin nach Hause entlassen wurde, mußten die anderen beiden, deren Verletzungen allem Anscheine nach sehr schwerer Art sind, im Krankenhaus bleiben. Löscharbcit mußte am Sonntag eine Anzahl Ausflügler der« richten, die nach Tegel und Heiligcnsee gepilgert waren. In Hciligensee war ein Gebäude in Brand geraten und wegen-der drohenden Gefahr, die das Feuer bei dem starken Winde hatte, wurden alle vorübergehenden Personen zur Hilfeleistung angehalten. Wie man uns mitteilt, wurde ein junger Mann, der sich infolge seines leidenden ZustandeS geweigert halte, den von ihm geforderten Dienst an der Spritze zu leisten, von einem Polizeibeamtcn in rigoroser Weise seftgenommen und fortiransporttert. Die ganze Art des Transports löste beim Publikum lebhafte Entrüstung aus. Ein Ausflügler, der über dieses Borgehen Beschwerde erhob, wurde gleichfalls festgenommen und längere Zeit im Spritzenhause fest- gebalien, trotzdem er sich legitimierte. Vielleicht nimmt die Tegeler Ortsbehörde Veranlassung, den Beamten, der diesen Dienst verrichtete, einmal zur Rechenschaft zu ziehen. Panik bei einem Brande. Mehrere Personen schwebten in Lebensgefahr bei einem Brande, der Sonntag früh kurz nach 3 Uhr in der Kl. M a r k u s st r. 4a', im Osten Berlins, Zum Ausbruch kam. Das Feuer entstand im Keller des OuergebaudeS und er- faßte Kisten und Hölzer. Da der Keller in direkter Verbindung mit dem Treppenhaus steht, so wurden die Treppen in kurzer Zeit vollständig verqualmt. Als die zahlreichen Mieter durch die Feuerrufe aus dem. Schlaf geschreckt wurden, �par ein Passieren der Treppen nicht mehr möglich. Die geängstigt«» und stark bedrängten Leute rissen die Fenster ihrer Wohnungen auf und schrien laut um Hilfe, als die Feuerwehr ankam. Aus dem zweiten und dritten Stockwerk wurden vier Kinder mit Fangleinen ins Freie geschafft. Die Feuerwehrleute drangen über drei Haken- leitergänge in die einzelnen Wohnungen vor und beruhigten die Mieter. Außer den vier Kindern mußten noch drei Männer und eine Frau über Leitern in Sicherheit gebracht werden. Alle acht Personen erholten sich bald wieder von der Aufregung und konnten später nach Ablöschung des Brandes in ihren Wohnungen ver- bleiben. Die Löscharbeiten waren kurz nach S Uhr beendet. Der Keller ist größtenteils ausgebrannt, doch konnte die Ursache deS FeucrS nicht ermittelt werden.— Gestern mittag wurde die Wehr nach oer M a n t e u f fe l st r. 8ü gerufen, wo gleichfalls in einem Keller Feuer ausgebrochen war. Es brannten Tapeten, Lumpen und Petroleum an zwei verschiedenen Stellen, so daß Brand- stiftung angenommen wird. Tie Kriminalpolizei hat die Nach- forschungen eingeleitet, aber bisher den Brandstifter noch nicht ermitteln können.— Im Königlichen Schloß qeriet fast gleichzeitig der Inhalt eines Müllkastens in Brand. Die ständige Schloßfeuerwache griff sofort ein und beseitigte die Gefahr in kurzer Zeit._ DaS Fuhballspicl ist nunmehr ebenfalls von den Arbeiterturnvereinen Groß-BerlinS übernommen worden, nachdem der Deutsche Fußballbund durch seinen korporativen Beitritt zum„Jung-Deutschland-Bund" das Tischtuch zwischen sich und der Arbeiterschaft zerschnitten hat. Am letzen Sonntag fand zum ersteikmal ein Fußball-Wettspiel zweier kombinierter Mannschaften der Arbeiterturnvereine Groß-BerlinS statt, daS eine recht stattliche Zuschauermenge, etwa 600 bis 700 Personen, angelockt hatte, die mit großer Aufmerk- samkeit dem spannenden, wechselvollen Spiel folgten. Wer da geglaubt hatte, nur ein Spiel von Anfängern vorgeführt zu be- kommen, wurde durch das flotte und sichere Spiel bald eines bessere«? belehrt. Mit dem Beifall wurde denn auch nicht gekargt, besonders, wenn durch gute» Zusammenspiel und rasche Läuse mit einem gut- gezielten Stoß ein Tor geholt werden konnte. In der ersten Spiel- Hälfte gewann die Nordgruppe drei Tore, die Südgruppe eins. Nach dem Wechsel gelang es jedoch der Südgruppe, den vollen Er- folg aus ihre Seite zu bringen und drei Tore zu holen, so daß das Endresultat mit Südgruppe 4 zu Nordgrupp« drei Tore bekannt- gegeben werden konnte. Trotz der etwas kühlen Witterung hielten die Zuschauer, die von den'Terrassen das Spiel überall gut be- obachten konnten, bis zur Beendiguno des über 1)4 Stunden währenden Spieles, aus. Mit einem dreifachen„Frei-Heil"— statt des bei den Jung-Deutschlandbündlern vielfach üblichen Kampfes um Wertgegenstände— endete da» Spiel. Dem Fußballspiel folgte noch ein interessantes Schlagballspiel, das in der nun kommenden wärmeren Jahreszeit an die Stelle des Fußballspieles treten wird._ Die Kinderschutzkommission hält am Donnerstag, den 14. d. M abends 8 Uhr, im Lokal von Borgmann, AndreaSstr. 2l, eine Ver- iammlung für alle FunltionSre ab, in der Genosse K Freier ein Referat über.Kinderschutz und Jugendfürsorae' halten wird. S. Diskussion. 8. Verschiedene?. Ein Kongref? i>cr deutschen Arbeiterstenographen findet am 7. und 8. April in Berlin, Gewerkschaftshaus, Saal 4, statt. Es ist dies die erste derartige Veranstaltung, an der die Arbeiter- stenographen aller Systeme teilnehmen. Alle selbständigen Organi- sationen der deutschen Arbeiterstenographen, von denen zwei auch an den vorhergehenden Tagen ihre Bundesversammlungen hier abhalten, werden auf dem Kongreh durch zahlreiche Delegierte aus allen Gegenden Deutschlands vertreten sein. Holz für Kartoffelschalen. Das Berliner Straßenbild ist um eine neue Erscheinung reicher. Ein spekulativer Händler ist auf die Idee gekommen, Holz gegen Kartoffelschalen und Brotreste, die zur Viehfüttcrung Verwendung finden, einzutauschen. Sobald auf den Höfen der Ruf„Kartosferschalen" ertönt, kommen die Hausfrauen zu Dutzenden, um ohne Kosten ebensoviel Kleinholz zu erhalten, als der Eimer Kartoffelschalen faßt. Bisher warfen die meisten Hausfrauen diese Küchenabfälle achtlos in den Müll- kästen. In Charlottenburg werden bekanntlich diese Küchenabfälle seit mehreren Jahren auf Grund einer Polizeiverordnung ge- sammelt und verwertet. Für Berlin besteht zu einer ähnlichen Einrichtung, die sich hier auch kaum durchführen lassen würde. keine Neigung. Verloren hat ein Hauskassierer am Sonntag auf dem Wege von der Forst- bis zur Herderstraße ein Buch mit Marienmaterial des Deutschen Bauarbeitcrverbandes. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe bei Krüger, Steglitz, Herderstr. 7, oder Berlin, Engelufer 15, abzugeben. Am Sonnabend, den S. März, ist im Gewerkschaftshaus, Saal l, auf dem Stiftungsfest der Zuschneider ein goldenes Armband verloren gegangen. Abzugeben bei Becker, Lübbener Str. 1 1II. Zcugcugesuch. Personen, welche gesehen haben, wie am Sonn- tag, den 10. März, in der Brandenburgstraße ein junger Mensch von einer Autodroschke überfahren wurde, insbesondere diejenigen, oie eine Droschke holten, um den Ueberfahrenen nach der Unfall- station zu bringen, werden um Abgabe ihrer Adressen an Otto Hackert, Gartenstraße 74, Portal II, 4 Treppen, gebeten. Ein zweites Berliner Sechstagerennen soll in der zweiten Hälfte diese? Monats abermals im„Sportpalast" bestimmt statt- finden. Na, wenn daS man keine Unternehmerpleite wird! Selbst in Radsportkreisen zeigt man sich für die doppelte Courage wenig begeistert, auch wenn es gelingen sollte, ein hervorragendes Fahrer- Material zusammenzubringen. Vorort- l�admcbten. Charlottenburg. Ausdehnung der Schulzahnpflege in Charlottenburg. Seit einem Jahre find für Kinder im sogenannten vorschulplichtigem Alter, d. h. für solche, die mit Vollendung des ersten Lebensjahres auS den SäuglingSfürsorgestellen entlassen, aber noch nicht schul- pflichtig ssechs Jahre alt) sind, Sprechstunden in den städtischen SäuglingSfürsorgestellen eingerichtet, wo die Mütter usw. unent- geltlichen ärztlichen Rat für ihre Kinder erhielten. Nunmehr hat der Magistrat beschlossen, auch den Wirkungskreis der städtischen Schulzahnklinik auf diese Kinder auszudehnen, da sich die zahn- ärztliche Behandlung dieser Kinder nach ärztlichen Gutachten als notwendig herausgestellt hat. Die Behandlung erfolgt in der städtischen Schulzahnklinik ebenso unentgeltlich, wie die der Schulkinder. Ein schwerer Straßenbahminfall, bei dem ein junger Mann seinen Tod fand, hat sich gestern nachmittag in der Berliner Straße zugetragen. An der Kreuzung der Lsibnizstraße wurde dort der 27 Jahre alte Mörtelkutscher Hermann Bollwig aus Moabit, der bei den Ver- einigten Berliner Mörtelwerken am Salzufer 23 beschäftigt war, von einem Straßenbahnwagen der Linie Q, erfaßt und zu Boden ge- schleudert. Der Verunglückte geriet unter den Vorderperron des Straßenbahnwagens und erlitt neben einer schweren Kopfverletzung auch einen Wirbelsäulenbruch, so daß der Tod wenige Minuten später eintrat. Die Leiche wurde zunächst nach der Unfallstation in der Berliner Straße und von dort nach dem Charlottenburger Schau- haus gebracht. Die Schuldfrage bedarf noch der Aufklärung. Der Unfall geschah, als Bollwig über den Damm nach seinem auf der entgegengesetzten Seite haltenden Fuhrwerk laufen wollten. Beim Baden«rtrunken ist am Montagabend der Bäckerlehrling Wilhelm Berganer. Der Ertrunkene, der bei einem Bäcker- ineister in der Krummestr. 42 in der Lehre stand, badete in der Volksbadeanstalt Krummestr. 10. Im Bassin befiel ihn plötzlich ein epileptischer Anfall und er ging unter. Trotzdem der Unfall sofort bemerkt wurde und man den Körper des erst 10 Jahre alten jungen Mannes auch kurze Zeit darauf aus dem Wasser bergen konnte, hatten die Wiederbelebungsversuche, die auf der Unfallstotion eine Stunde lang vorgenommen wurden, leider keinen Erfolg mehr. Tempelhof. Nachdem die Bestrebungen, den Zuschlag zur StaatSeinkommen- steuer auf 110 Proz. zu erhöhen, in Berlin und den größeren Vor- orten abgeflaut sind, hat auch die hiesige Gemeindevertretung die Gemeindceinkommensteuer auf 100 Proz. festgesetzt.— Bei der darauf folgenden Feststellung des Voranschlages für 1S12 war es ausschließlich die sozialdemokratische Fraktion, die Anregungen auf Verbesserungen vorbrachte. Sie wünschte die Einführung des Hand- fertigkeitsunlerrichtes in der Volksschule, die Errichtung einer Kochlchule, sowie die Benutzung der Badeanstalt. Was nutzt auch eine Badeanstalt, wenn sie nicht in Gebrauch ge- nommen werden darf? Ein Bericht über die Tätigkeit des Schularztes ist noch nicht gegeben worden.— Eine obligatorische Fortbildungsschule, die die Verwaltung immer wieder hinausschob, soll im Lause dieses Jahres eingerichtet werden. Es wird mit 9 bis 10 Facbklassen gerechnet.— Bei dem neuerbauten Realgymnasiuni sind ganze Dachteile ausgedeckt worden. Die ausführende Firma soll angeblich keine Schuld treffen.— Während für dieses Realgymnasium Hunderttausende von Mark hergegeben werden, hat man für das Armenhaus nichts übrig. Genosse Schmidt gab ein Bild, wie dort die arinen Leute wohnen, Kellerwohnungen sind ihnen angewiesen, wo in den Fußböden die Ratten genistet haben. Die Tapeten hängen in Fetzen an den Wänden. Zudem würden alte Leute mit 6, 10 und 12 M. pro Monat abgespeist. In der fatalen Lage, nichts ableugnen zu können, versteckten sich die Herren hinter den Armenpflegern. Zu- 'gebett mußte allerdings der Vorsitzende der Armenkommtssion, daß er sich dieses Armenhaus noch nicht etttmol von draußen betrachtet habe. Zur Linderung der bestehenden Teucrung würden von dem Armenpfleger an bedürftige und kinderreiche Familien BonS zum Kauf von Kartoffeln ausgegeben. Diese seien in vielen Fällen ohne Grund zurückgewiesen worden. Die irrige Meinung, daß dieses als Armenunterstützung' aufzufassen sei, ist durch die Aussprache in der Vertretung widerlegt worden. Friedenau. Aus dem Fenster ihres im ersten Stock gelegenen Schlafzimmers gestürzt hat sich das bei dem Rentier Froese, S�arstr. 4, bedien stete 17 Jahre alte Dienstmädtben Frida Böhm, Wie man unS mitteilt, soll das Mädchen infolge der von ihrer Dienstberrin ihr zuteil ge- wordenen Behandlung sich zu dem Verzweiflungsakt entschlossen haben. Um 1/27 Uhr wurde das Mädchen mit einem starken Ober- schenke!- sowie einem doppelten Kinnbruch unter dem Fenster ihres Zimmers aufgefunden. Ober-Schvncweide. Im Gegensatz zn den ernsthaften Bestrebungen der proletarischen Jugendbewegung versucht man in den sogenannten staatserhaltenden Kreisen mir Mitteln an die Jugend dieser Schichten heranzukommen, welche bei jedem vernünftig denkenden Menschen Abscheu erregen müssen. So unternimmt der am hiesigen Orte bestehende„Ruder- verein Jungdeutschland' Ruderfahrten, um mit Ziel- munition Kriegsspiele zu veranstalten. Das hiesige Orts- blatt bringt fortgesetzt Berichte über diese Betätigung der jungen Leute, deren Tretben von einflußreichen Personen unter Assistenz von hohen Militärs tteibbauSartig gefördett wird. Haben alle diese Leute wirklich nichts Besseres zu tun? UebrigenS scheint keine Be- Hörde auch hier politische Betätigung herausfinden. Friedrichsfelde. Der Etat für 1912 bildete den wichtigsten Beratungsgegenstand der letzten Gemeindevcrtretersitzung, Vorher wurden u. a. vier Ein- sprüche gegen die Ricvtigkeit der Wählerlisten erledigt; drei davon wurden als begründet anerkannt. Der Etat, der in ungtaablich kurzer Zeit durch„beraten' wurde, weist als Siblußsumme 2 658 283 M. aus, das sind gegenüber dem Borjahre 556127 M. mehr. Die wichtigsten Einnahmeposten sind die Steuererträgnisse. Sie sollen bringen— die vorjährigen Ansätze in Klammern—: Umsatzsteuer 60 000<60 000); Wertzuivachs- steuer 25 000<25 000); Hundesteuer 14 000<13 000); Brau- und Bier- steuer'13 000<13 500); 120 Proz. Genieindeeinkommensteuer 806 000 (240 000); Grundsteuer zusammen 371 800(340 600); Gewerbesteuer 35 371(34 836), mithin Steuern insgesamt 827 600<729 300). Davon sind an die Kreiskommunalkasse abzuführen 96 362(73 523). An sonstigen Einnahmen werden erwartet 500 564(425 551). Von den Ausgabeposten seien hervorgehoben: Kapital- und Schulden- Verwaltung 428 204<357 627); Allgemeine Verwaltung 165 000 <161 200); Polizeiverwaltung 64 600(60 784); Realprogymnasium 20 900; Gehobene Mädchenschule 40 000; Volksschulen 249 800 (241 708); Armenverwaliung 53 951(48 768). Der Ber- mögensstand der Gemeinde ist 11170 953 M.; hiervon 6 291 563 M. Schulden in Abzug gebracht, verbleiben 4 879 390 M., das sind gegen das Vorjahr 373 836 M. mehr. In seiner Ein- führungsrede betonte der Bürgermeister, welche große Mühe eS ge- kostet habe, den Etat ins Gleichgewicht zu bringen, ohne die Steuern heraufzusetzen. Deshalb habe man auch noch nicht zu einer wirklich gesunden Grundlage der gemeindlichen Finanzgebarung kommen können. Erfreulich sei der zu erwartende Mehrertrag an Steuern und er glaube dielen Umstand vorwiegend auf den Ausbau der TreSkow-Allee zurückführen zu dürfen, waZ sich auch auS den Steuer- listen nachweisen lasse. Er wies dann auf die großen Aufgaben bin, vor die sich die Gemeinde gestellt sehe, und wozu aus einer großen neu aufzunehmenden Anleihe namhafte Summen bereitgestellt werden mußten. So werden unter anderem gefordert: 175 000 M. zur Errichtung der höheren Schulen; 200 000 M. zur Errichtung einer Gasanstalt tt;w.' Namentlich die Errichtung höherer Schttlen halte er für eine Lebensfrage der Gemeinde. Schließlich drückte er sein Bedauern aus, daß sich die Etat« und NechnungSkommission nicht habe entschließen lönnen, den Wünschen der mittleren und unteren Beamtet sowie der Techniker nach Gehaltserhöhung zu ent- sprechen. Bei einigem guten Willen würde sich auch noch für die erforderlichen zirka 23 000 M. Deckung haben finden lasten, dann wären diese Beamtenkategorien wenigstens nicht schlechter gestellt alS die übrigen und die Lehrer, ja togar als die Arbeiter, denen man schon längst den Durchschnittssatz von Groß-Berltn zugebilligt habe. Er müsse beklagen, daß ihm die besten Arbeits- kräfte weggingen und die weniger leistungsfähigen verblieben— ein llrteil, das unS nicht besonders schmeichelhaft düntt. In der Debatte wurde hervorgehoben, daß die Finanzlage, die ohnehin keine gesunde sei, eine Erhöhung der Beamtengehälter leider nicht gestatte, so be- rechtigt der Wunsch danach sein möge. ES sei vielmehr mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten, daß im nächsten Jahre eine Steuer- erhöhung unvermeidlich sein werde. Veini Schuletat machte Genosse Oehlert den leider vergeblichen Versuch einige Verbesserungen durchzuletzen. Die GehaltSerhöbung der Beamten, die man, schon in Rücksicht auf die zahlreich anwesenden Zuhörer aus diesen Kreisen, gern auf irgend eine Art möglich gemacht hätte. wurde schließlich vertagt, weil man sich doch vor allzu gewagten Finanzkunststückchen scheute. Einen peinlichen Eindruck machte es, daß in der Diskussion ein überaus schroffer Gegensatz zwischen dem Bürgermeister und dem Beigeordneten in die Erscheinung trat. Friedrichshugen. Aus der Gemeindevertretung. Ein Antrag de? Gemeiudevor- stehers, für den katholischen Religionsunterricht am Realgymnasium dem KuratuS Fiedler jährlich 200 M. als Entschädigung zu be- willigen, wurde, nachdem Genoffe Barth und einige Bürgerliche gegen den Antrag gesprochen hatten, mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Verpachtung der Kurp'arkwirtschaft ist infolge Anlegung von Gas und Wasser neu ausgeschrieben worden. Gegen eine jährliche Pacht von 500 M. erhält der Gastwirt Schlicke(früher Eiskeller) den Zuschlag auf drei Jahre. Der Hauptvuitlt der Tagesordnniig war die Gründung des Freibads Müggelsee G. m. b. H. Bürgermeister Stiller teilt hierzu mit, daß es nach langem Bemühen end- lich gelungen sei, für das Freibad die Genehmigung zu erhallen. Berlin habe seinen Einivruch teilweise zurückgezogen, indem es er- klärte, wenn daS Freibad in genügender Entfernung von den Wasserwerken errichtet würde, es keine Bedenken gegen dieses habe. DaS Freibad soll nunmehr zwischen der Base- dow- und Hechtbrücke unterhalb der Försteret errichtet werden. Die notwendigen Baulichkeiten werden aus Holz angefertigt, und das ganze soll mit einem Drahtzaun umfriedigt sein. Als Haupt- träger kommen die am Müggelsee gelegenen Gemeinden Friedrichs- Hägen und Rahnsdorf in Betracht, welche sich mit je 30 000 M. daran beteiligen. Im weiteren hat die Freibadvereinigmig und der Kreis Niedcrbarntm seine Beteiligung zugesagt. Das Bad soll ein gemeinnütziges llnternehmen sein; es werden die Eintttttspreiie etwa 5—10' Pf. betragen, so daß nur die Unkosten gedeckt werden. Genosse Miele bedauerte, daß durch den Einspruch der Stadt Berlin daS Freibad nicht in die Nähe FriedrichshagenS, sondern ziemlich nach Rahnsdorf gekommen ist. Aus diesem Grunde müsse die Errichtung der GeineindebaWitstalt aujs neue ins Auge gesaßt werden. Besonders ersuchte er. die Preise für Familien recht niedrig anzusetzen. Genosse B a r t b drückte seine Bedenken zu der Festsetztmg des Vorsitzenden des Aufsichtsrats aus und bemerkt, wenn außerdem noch der Landrat im Aufsichlsrat vertreten ist, die Entwickelung des Freibades keine günstige sein werde. Man solle vor allem darauf bedacht sein, daß das Freibad auch ein Freibad bleibe. In den Aufsichtsrat wurden von der Gemeinde Friedrichshagen der Bürger- meister Stiller. Verordnete Hinze und Miele gewählt. Der Ausnahme einer Anleihe von 30 000 M. für Stanimeinlage wurde zugestimmt. Unter Mitteilungen gab der Bürgermeister bekannt, daß die Polizei- Verordnung, welche den Besuch der Kinematographentheater für Kinder regeln sollte, von der zuständigeit Behörde nicht genehmigt sei. da diese Angelegenheit durch eine Ptäsidialverordnung seine Erledigung finden wird. Spandau. Stadtverordncteiiversamniluitg. Die reichhaltige Tagesordnung wurde kaum zur Hälfte erledigt. Bor Eintritt in die öffentlichen Verhandlungen wurde vom Genossen Pieper beantragt, die erste Nummer der geheimen Sitzung, welche den Verkauf eines großen Teiles Spandauer Forstgeländcs betrifft, in öffentlicher Sitzung zu verhandelte. Der Genosse Pieck unterstntzre diesen Antrag, indem er darauf hinwies, daß die Bürgerschaft von Spandau ein Recht habe, zu erfahren, was vorgehe. Tie Mehrheit der Versammlung lehnte den Antrag ab.— Einen Hauptpunkt, über welchen eine stundenlange Debatte entstand, bildete die Vorlage betreffs Ge- nehmigung dcS Pachtvertrages über das zu verpachtende Gut Wans- dorf, welches man kürzlich für 2>� Millionen Mark zu Ricselzweckcn angekauft und mit dem man vorläufig nicht weiß, was man an- fangen soll, da die Genehmigung zur Berieselung erst nachgesucht werden soll. Man befürchtet, daß von der Aufsichtsbehörde sehr viele Schwierigkeiten gemacht werden und daß es noch fraglich sei, ob die Genehmigung zur Berieselung überhaupt erteilt wird. Ma- gistrat und Deputation wollen das Gut auf 18 Jahre verpachten und hgben einen entsprechenden Pachtvertrag ausgearbeitet und der Versammlung zur Genehmigung vorgelegt. Man hatte über diesen Vertrag zunächst eine allgemeine Besprechung, und in dieser zeigte sich, daß die Versammlung nicht geneigt zu sein schien, sich auf 18 Jabre die Hände zu binden und hinterher, wenn in etwa 5 Jahren die Berieselung eintreten sollte, mit großen Schaden» ersatzansprüchen zu rechnen. Unsere Genossen ließen durch den Ge- nassen Pieper erklären, daß sie dem Pachtvertrag nicht zustimmen werden und empfahlen die Bewirtschaftung in eigene Regie durch Anstellung eines tüchtigen Wirtschaftsinspektors. Dieser Vorschlag fiel auf fruchtbaren Boden. Es gelangte nämlich ein Antrag des Stadtv. Schob zur Annahme, vorläufig die Bewirtschaftung des Gutes auf ein Jahr durch den jetzigen Wirtschaftsinspektor in eigene Regie zu übernehmen, die Ausschreibung der Verpachtung des Gutes aber doch vorzunehmen, und zwar derartig, daß die Ver- Pachtung erst zum 1. Juli 1913 erfolge, und zwar auf 12 Jahre und auf 18 Jahre. Aus den eingegangenen Angeboten und aus dem Resultat der eigenen Bewirtschaftung könne man sich dann später immer noch schlüssig machen, ob man verpachten oder die Selbst- bewirtschaftung beibehalten wolle. Interessant waren noch einig» Angaben, welche der Stadtbaurat Gevensleben auf Anfrage gab, und zwar darüber, wie lange unser Klärverjahren noch ausreicht. Wie sich die Kosten des Kohleklärverfahrens gegen die Berieselung stellen und wieviel Kubikmeter geklärt werden. Er betonte, daß die Kläranlage an der Adamstraße, die erst kürzlich mit 120 000 M. Kosten erweitert wurde, noch etwa drei Jahre ausreiche, dann würde eine Erweiterung notwendig. Es bestehe dann noch eine Kläranlage auf dem Nonnendamm, welche aber erst von der Stadt für 250 000 M. erworben werden muß. Diese Anlage sei schon jetzt nicht mehr ausreichend und müsse erweitert werden. Die Erweite- rung wird etwa 80 000 M. kosten. Mit dieser würde man dann bis zum Beginn der Berieselung, etwa 5 Jahre, auskommen. Dieses ganze Klärverfahren kostet etwa, wenn sich die Einwohnerzahl auf 110 000 Personen vermehrt hat, pro Kopf und Fahr 1,80 M. Gegen. wärtig werden 3 400 000 Kubikmeter geklärt und bei Beginn der Berieselung werde man etwa 4 000 000 Kubikmeter zu klären haben. Eine Anrempelung des Oberbürgermeisters, daß die Sozialdemo- kraten durch ihren Antrag auf Selbstverwaltung die Sache leicht« fertig betrieben, wurde von den Genossen Pieper und Pieck ganz energisch zurückgewiesen.— Bei der Vorlage, die anteiligen Kosten für Pflasterung und für einen Brunnen aus dem Reservefonds der Straßenbahn zu nehmen, welche Vorlage ange- nommen wurde, fragte der Stadtv. Tornow an, ob es wahr sei» daß die städtische Straßenbahn bei dem Znsammenbruch deS Bäthge- schen Bankhauses 10 000 M. verloren hat? Der Oberbürgermeister bestätigte dies, erklärte aber, daß die Stadt durch eine Sicherungs- Hypothek von 35 000 M. wahrscheinlich gedeckt sei. Auch der stell. vertretende Stadtverordnetenvorsteher P r a g e S, der Nachlaßverwalter des Bäthgeschen Nachlasses ist, nahm zu dieser Sache daS Wort, um zu erklären, daß in den Tresor? des Bankhauses Bäthge, soweit er bis jetzt feststellen konnte, kein Manko vorhanden zu sein scheine. Die Erklärungen wurden abgegeben, um die Bürgerschaft zu beruhigen. Teflel. Disziplinarverfahren gegen den Bärgermeister. Der hiesige Bürgermeister Weigert ist am Sonnabend als Gemeinde- und Amts- Vorsteher auf Grund einer Verfügung des LandratSamtes von Nieder« barnim seiner Aemter enthoben und gegen ihn ein Disziplinar» verfahren eingeleitet worden. NowaweS. Gemeindevertretersitzung. Der Pflasterkostenberteilungsplan für die verlängerte Luisenstraße, den zwischen Blücher- und Kleist- straße belegenen Teil der Zietenstraße, für die Klopstock- und die Rcuterstraße fand in der von der Wegckommission empfohlenen Form Annahme. Für die verlängerte Luisenstraße betragen die Kosten, die bis zur Hälfte der Straßenbreite von den Anliegern zu tragen sind, 16 309,59 M. Die Pslasternng dcS neuen Teils der Zietenstraße erforderte 8942,73 M., die von den Anliegern voll zu erstatten sind. Die Kosten für die Klopstockstraße betragen 6491,54 Mi, für die Rcuterstraße 24 558,66 M. Die Anlieger beider Straßen tragen 50 Proz., d. h. in der Klopstockstraße 18 184, in der Reuterstraße 20 568 M. pro laufenden Meter Straßenfront.— Der nächste Punkt betraf die Aenderung der Ortssatzung des Ge- Werbegerichts. Nach§ 38 der Satzung erhalten die Beisitzer dieses Gerichts für jede Teilnahme an einer Spruchsitzung eine Entschädigung von 6 M. Die Beisitzer des Kaufmannsgerichts da- gegen erhalten nach ß 30 der Satzung für einen halben Tag 3 M. und wenn die Sitzung über einen halben Arbeitstag angedanert hat, 6 M, Auf Vorschlag der Finanzkommission beschloß die Ver- trctung, die Entschädigung für die Beisitzer der beiden Gerichte einheitlich zu regeln. Es erhalten die Beisitzer für jede Sitzung, welcher sie beigewohnt haben, als Entschädigung für Zcitver- säumnis 6 M., wenn die Sitzung einen ganzen Arbeitstag in An- spruch genommen hat; die Hälfte dieses Betrages, wenn dieselbe nicht über einen halben Arbeitstag angedauert hat. Für die Tätigkeit der Beisitzer bei den AuSschußwahlen(§ 91. 3) sowie in oen Fällen der 92 und 93 wird eine Entschädigung für Zcitver- säumniS nicht gezahlt:— Für das Droschkenfuhrwesen wurde die Aufstellung eines ethgeänderten Tarifs beschlossen, der im wesent- lichen dieselben Bestimmungen wie der in Klein-Glienicke erlassene enthält.— Den übrigen Teil der öffentlichen Sitzung nahm die Beratung des Gcmeindeetats in Anspruch. Der Seefischverkauf, den die Gemeinde dem Geschäftsinhaber Ziegener, Großbeerenstr. 31, übertragen hat. und der dort zeden Mittwoch von 3 Uhr nachmittags ab stattfindet, hat bis jetzt einen erheblichen Umsatz aufzuweisen. Verkauft wurden 5100 Pfund Kabelsau, 2650 Pfund Schollen und 980 Pfund Schellfisch ins- gesamt also 17 550 Pfund. Im Anschluß an den Fischverkauf werden durch den Genannten bis auf weiteres auch gute weiße Eßkartoffeln zum Preise von 4,85 M. pro Zentner abgegeben, wobei als Mindestbezugsquantum Vi Zentner gilt. r Potsdam. Die letzte Stadtverordnetenversammlung nahm den gedruckten Verwaltungsbericht entgegen. Der Oberbürgermeister Bosberg fügte noch einige Ergänzungen hinzu. Die Einkoinmensteuer habe zu- genommen und die Bautätigkeit sei im Wachsen. Der Steuerzuschlag soll auch in diesem Jahre wieder 110 Proz. betragen. Eingehend besprach der � Oberbürgermeister die städtische Grundstückspolitik. Die Grundstücksanleihe von 1>/z Millionen Mark werde getilgt und verzinst aus dem Erlös der veräußerten Grundstücke. Der Etat schließt mit 7 939 000 M. ab. das sind zirka drei Viertel Millionen Mark mehr wie im Vorjahr. Zurzeit beschäftigen die Sladt mehrere Projekte: der L u f t s ch i f s b a f e n an der Pirich- beide wird aller Voraussicht im Oktober mit der Flugsaison beatunen können. Das B r ü ck en p r o j e k t üll>r die Freundschaftsinsel bot noch eine Reihe von Schwierigkeiten zu überwinden. Dazu kommt ein weiterer Ausbau der städtischen Straßenbahn. Für das städtische Wasserwerk II(Teltower Vorstadt) soll zur Ver- größerung eine zweite Zentrifltgaldruckpumpe aufgestellt werden und das Werk mir einer zweiten Hochdruckleitung verleben werden. Der Ein- richtung einer Lehrstellenvcrmittelung für Lehrlinge und einer solchen für weibliche Personen wurde zugestimmt. Da'in Potsdam die von den Meistern gewünschten Lehrlinge nicht vorbanden sind, soll der Anschluß an die Groß-Berltner Zentrale stattfinden, um so einen Austausch herbeizuführen.— Der Oberregisseur Axel Delmar m Sieglitz bat im vorigen Jabre auf dem Brauhausberge ein Natur«' thealer für die„deutschen Heimatsspiele' eingerichtet. Die Stadt gewährte damals einen kleineu Zuschuß. Für dieses Jahr beansprucht Delmar nun 2000 M. städtischen Zuschuß. Er will dafür den städn» schen Beamten und den städtischen Schulen eine Preisermäßigung ge- währen und 25 Proz. des Reingewinns für gemeinnützige und wohl- tätige Zwecke der Stadt überlassen. Nachdem von � verschiedenen Rednern darauf hingewiesen, daß einerseits die patriotische Gesinnung geweckt und gefördert, andererseits der Fremdenzuzug gehoben würde, wurde die Summe bewilligt.(Al? man in der vorigen Sitzung de» städtischen Arbeitern täglich 10 Pf. Zulage gewährte, von 2,76 M. auf 2,85 M., fanden sich Stadtverordnete, die nun endlich Schluß mit der Be- willigung der Arbeiterforderungen forderten; diesmal schwiegen diese Herren I)— In der nichtöffentlichen Sitzung wurden Aenderungen der Besoldungsordnung beschlossen. Die gute EntWickelung der städtischen gewerblichen Anlagen bildet mit ihren Mehreinnahmen den Ausgleich für die entstandene Mehr- belastung des städtischen Etats. Das Elektrizitätswerk brachte im Jahre 1S11 einen Ueberschuß von 348 732 M. sdaS sind 67 S7S M. mehr gegen das Borjahr), die Straßenbahn 131 041 M.<10 712 M.> und das Wafferwerk 66 000 M.<12 000 M.) Im ganzen brachten diese gewerblichen Anlagen 1911 665 784 M. Ueberschuß, da? ist ein Mehr von 80392 M. Mit Gemeindeabgeiben, die 1864 180 M. betragen«md um 63 480 M. zugenommen haben, bilden sie die Ein- nahmequellen für den städtischen Etat. Eine Einäscherungshalle soll von der Stadt gebaut werden. Plan und Zeichnungen sind bereits fertiggestellt Ihre Aufstellung erfolgt zwilchen den beiden städtischen Friedhöfen. Man hofft auch auf eine Benutzung dieser Anlage durch die westlichen Vororte. In Potsdam selbst hat sich bereits ein Verein für Feuerbestattung ge- bildet, der eifrige Propaganda treibt. BrUfhaftcn der Redahrion. SU IntlfttTdie Epre«Nuude finde» Ltude»stra>e es, vor» vier Srevve» — Fahrstuhl—, wowenläglich»0» tth vis Uhr adenvs, Konnadende. von 4 Vi die 6 Uhr adendd statt. Feder für den Briestasten bestimmten An,'rag! ist ein Buastade nnd eine Zahl als Mrrkjeimcn beiznslgen. BricNickie Antwor» wird»lau erietli. Ansrasen, denen leine Adonncmentsauttiung beigefüg»»st, werden nicht bcaniworiet. Eilige Fragen»rage man in der Sprechsinnde bor. Tt. P. Z. 7. Die notwendigen HauShaltungsgegcnstände müssen be- lassen werden. Genauere Auskunst läßt sich erst erteilen, wenn Sie unä ein Inventarverzeichnis einsenden.-» R. 62, Gelsk. Eine Verpflichtung, die Kinder am Konsir mationSunterricht tellnebmen zu lassen, besteht nicht.— Rudi 110. Sie können zunächst aus Wiederher- stellung der ehelichen(Semeinschast klagen. Erst dann, wenn ein dahingehen- deS Urteil ergangen und nach Rcchtskrast desselben ein Jahr verstrichen ist, haben Sie einen Scheidungigrund.—®. B. 47. Ja, sowohl straf- als auch zivilrechtlich.— Vi. Z. 4433. Beschweren Sie sich beim Landgericht. — T.®. 1. 10. Ihre Angaben reichen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde.— A. N. 10. I. und 2. DaS Schriftstück reicht nicht aus. Falls der Wagen bereit» bezahlt ist, können Sie mit dem Eigentümer einen sog. Sicherungsübereignungsvertrag schließen, anderusalls lassen Sie sich das Recht aus Eigentumsübertragung abtreten. DaS Schriststück wird am zweck- mäßigsten von einem Anwalt entworfen. Die Kosten sind nicht erheblich. WitternngSübersicht vom 11. März 1012. «tationen Swinemde. wlin .a.M. ünchen Wien Frankf.c Münche 767 764 764 760 76l 759 J>§ c 2 SS ONO ONO O NO SW till Wetter bedeckt wolkenl 3 wolkig Dunst Regen bedeckt SK 2� t* Stationen Haparanda Petersburg Scillh Aberdeen Paris -2 = 3 B- 777 774 758 763 761 Z2 BS NO NO O Still SW Wetter Schnee bedeckt 2, wolkig wolkig 2 heiter kw —12 -4 8 5 5 Wetterprognose für Dienstag, de» 12. März 1012. Kühl und vielfach wolkig bei ziemlich frischen nordöstlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Marktbericht von Berlin am 0. März 1012. nach Ermittelung de» königl. Polizeipräsidiums. Marithailenpreise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00—50,00. Speis ebohnen, weiße. 35.00—66,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 9.00-13,00. 1 Kilo- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.40. Rindfleisch, Bauchfleilch 1,30 bis 1,80. Schweinefleisch 1,20-1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,30-2,20. Butter 2,60—8,20. 60 Stück Eier 8,80—6,00. 1 Kilogramm Karpsen 1,10-2,40. Aale ILO— 3,00. Zander 1,60-3,60. Hechte 1,40—2,60. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stück Krebse 4,00—30.00. WafferstandS-Rachrichteu der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wafferstand Saale, Grochlitz Havel. Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') . Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am 10. 3. am 159 88 106 80 110 226 326 467 318 415 118 am seit Wasserstand 10. 3. 9. 3. am am') M e m e I. Tilsit 629')—3 P r e g e I, Jnsterburg 278')—22 Weichsel. Thorn 320—14 Oder, Ratibor 244+51 , Krassen 214—8 , Frankfurt 224—8 Warthe, Schrimm 216—10 , Landsberg 162+7 Netze, Bordamm 68— 3 Elbe, Leitmeritz 126—10 , Dresden 14— 9 Berby 288—1....... Magdeburg 234 0 Mosel, Trier 229—53 ')+ bedeutet WuchS,— Fall. ung. ie M e m e l erreichte ihren höchsten Stand bei Schmalleningken am 8. abends mit 692 am, d. i. etwa 2'/« m über Aususerungshöhe und 0,18 m über Mittelhochwasser, bei Tilsit gestern nachmittag zwischen 4 und 6'/, Uhr mit 636 cm, d. i. 2 m über Aususerungshöhe, 0,3 m über Mittel« Hochwasser, heute früh betrug der Wasserstand bei Schmalleningken nur noch 513 am, wobei Ei» nur noch in einzelnen Schollen trieb, und bei Tilsit 615 cm. Ruß und Gilge sind seit gestern ebensallS etwa» gesallen und waren schon Heule Jach bei den Pegelstellen Kloken und Sköpen eisfrei. seit 9. 3. cm') 0 —3 _ 2 5 0 —25 —9 —17 +1 +1 —12 •) Unterpegel.—•) Eis- SiÖiGSR: REDNER: MUCKER: ErKältlicK in allen Spotkeken"und Drogerien. Preis Mklr, scKüben. Sie von HUSTEN HEISERKEIT KATARRH Theater und Vergnügungen Dienstag, 12. Mürz 1912. Anlana 7'/, Nbr. Sgl. Operndaus. Die Zauberflöte. Sgl. Schauspictbaus. DteOuitzowS. TeuticheS. Biel Lärm um Nichts. Zirkus Vuiet». Gala-Borstellimg. Zirkus Tchumann. Gala- Vor stellung ZirkuS Sarrasant. Gala- Bor. stellung. Haverland. Spezialitäten. Aniang 8 Udr. Urania. Tanbrnstraiie 48/40 Ter Großglockner, Gastein und die Salzburger Alpen. ' Hörsaal: Dr. Berndt. 8 Uhr: Die Abstammung des Menschen. Jrwatidenslr. 57—62: - Dr. Kritzinger. 8 Udr: Kometen und andere Wunderzeichen am Sternenhimmel. Hessing. Glaube und Heimat. Steines. Lottchen» Geburtstag. Gcntz und Fanny EIßler. Hocken. jos. Königgrätzer Straffe. Die fün Frankfurter. Wertes Scuautpielbaus. Helligew wald. Neues. Der liebe Augustin. «ammerspiele. Eine glückliche Ehe. Residenz. Alle» sür die Firma. Suihi che Otz-rr. Zar und Zimmer. mann. Surfürstcnoprr. Die vertauste Braut. Westen. Wiener Blut. Lufiipirldaus. Die Damen des Regiments. Berliner. Große Rosinen. Neues Overrrien. Eva. Schiller O. Gräfin Lea. irt)-ttbarlotrrnvurg. Khritz Pyritz. Frirdr.< Wilh. Schauspielhaus. Der Feldhcrrnhügel. Luisen. Der Verschwender. Rose. Bonaparte und seine Frauen Wintergarten. Spe-ialstäten. •Wir»!, u Die Rachl von Berlin. Drianon. Das kleine Casä. llialia. Polnische Wirsichaft. tkasino. Der Kanips ums Dasein. iUivu*. Lvezialuäic»:. •l»u■"I. Svezialitäten Herrnfeld. Wie man Männer besser». Der Hauslruscl. RcichSo>.»en. Slettiner Sänger. Antang 8'/, Udr. FolieS Vaprier. Mandelbtüth'S Polterabend. Losgelassen. Waste». Übung. Walballa. Menschenrechte. Boigt. DaS Mädchen ohne Ehre. Aniang 8'/, Udr. Renes Botkstdratcr. Der Meister. Belle-Alliaiicr. Zapfenstreich. Sternwarte, Jnvalidcnftr. 57—62. berliner Trieater. Abend» 8 Uhr: Große Rosinen. sdeslefioijel'WgMei'�'Äe Abend» d Uhr: Die 5 Frankfurter. OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132, Abends 8 Uhr: ! Napoleon Bonaparte tu J seine Frauen. Mittwoch:-Der Tpirltenfel. Donnerst.: RapoleonBonaparte 8eki!!er-7dealerlZ.Td-°a.er'. Dienstag, abends 8 Uhr: tirüfln Lea. Mittwoch, abends 8 Uhr: Entllia Galottl. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Wildente. Sehiller-Thealer ChbrC Dienstag, abend» 8 Uhr: Kyrltz-Pyrlta. MUwoch, abends 8 Uhr: Die I-'ee Oapriee. Donnerstag, abends 8 Uhr: _ Kyrite-Pyritg. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Augustin. Sonnt. 8'/, Uhr zum erstenmal: Ose Vogeldsnälsr. Ikester äes bestens. Abend» 8 Uhr: Wiener Blut. Sonntag 3'/, Uhr: Ein Walzertraum. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Alles für die Mrma. Schwank in 3 Akten von M. Henncguin und G. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bolten-BacckerS. Morgen u. folg. T age: AHet f. d. Firma. Sonntag 3 Uhr: Kiimm.OioliuniAmelle Luisen-Theater. DtenStag: Der Berschwrnder. Mittwoch Benefiz sür den Regisseur Karl Jban: Premiere: Die Rose von Japan._ Belle-Älliance-Thealer. Dienstag: Zapfenstreich. Mittwoch: Tie(l-hrc. Donnerstag: Die Ehre. Metropol-Ttieater. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. vis Nacht von Berlin! Große Johresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von V. Holländer. ßn Szene geletzt vom Dir. R. Schultz. Ab 8 Uhr. Aas gr. komische Programm mit ()8ksr unä Luiette moderne Tänzer IjOh X«. 33 _ usw. Relchshallen-Theater. Stettiner Sttnffer Zum Schluß: Eine Hochzeit in der Müllcrftrafte. Burleske von Meysel Ansang Wochentag« 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Zirkus Busch Internationale Ringkämpfe. Bisherige Reinltete; Sieg, Mederlsgen Voel Ie Bordeiaie(Frankreich) 1 Willi Erbach(Rheinland) 1 Hadjl HourEonh(Tunis) kein, 3 j Carlo«(Belgien) kein.2 B Heinrich Weber(Köln) 2, keine, Friedrich Zina(Prag) kein ,4, Willy Stalling(Bremen) kein, 8, Fred narknauen(Nordsohlesw.) 4„ keine„ Alphonee Genre(Belgien) 3„ keine, Albert Ktarm(Berlin) 4„ keine, Hein(Berlin) 8„ keine s Petitjean(Berlin) kein r 8„ Karl Kornatz;(Ostpreußen) tritt erst jetzt auf. Es sind demnach noch 60 Kämpfe auszutragen. Jeder Abend enthält nur erstklassige hochinteressante Zusammenstellung. Außerdem das große zirzensische Pro- nSga UovoCI gramm und das Manege-Schauspiel; jj""" „CLOU" Berliner Konzerts Haus. Mauerstr. 82 Zimmers tr. 90/91. 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Hörsaal Dr. Bern dt 8 Uhr: Abstammung des Menschen. Invalidenstraße 67— 62: Dr Kritzinger 8 Uhr: Kometen und andere Wunderzeichen am Sternhimmel Zirkus 44+ A. Helium aim Heute Dienstag 71/, Uhr: ü. a.: Die besten Radkttnstler 5 Herren Aurora 5 mit ihrem lebenden Roulette. Dir. Albert Schumann mit seinen neuesten Kreationen sowie die Übrigen Spezialitäten. Um« Uhr; Das mit so großem Beifall aufgenommene neueste und größte Ausstattungsstttck Das Hotorpferd in 6 Akten und der großen Schlußanetheose mit noch nie dagewesen. Ettek ten Voigt-Theater. Dienstag, den 12. März 1912: Gastspiel im Moabiter Winter» Garten, früher Artnshol, Perleberger Str. 26 Ein armer Edelmann. Schaust), in 5 Akt. v. Cftove Feulllet. Kasseneröffnung 7, Ansang 8'/, Uhr. Nlelia die schßnste und gefeiertste russische TanzkDnstterin (ächneider-Dnncber| Danell-Trnppe etc. nnd Di\ arlet£- Hcnsationen. | Donnerstag zum erstenmal: 1 Das Geisterfensterj Casino Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch bis 14. 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