Nr. 62. NbonnementZ-keciinguMN: HBoratemenlä> Preis Stanumetonbo: Picrteljährl. 3,30 2Kt, monalL 1,10 Mk,, wöchenUich 28 Pfg, frei WS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierler Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg, Post- Slbonnemenll 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postadonnements nehmen am Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, " nänien. Schweden und die Schweiz. kilcheivt täglich außer Montag». t f, Berliner Volkcsblnlk. 29. Jahrg. vle Insertion;-eedllhr beträgt für die sechsgespaltenc Kolonel- geile oder deren Rauni CO Pfg., für politische und aewerlschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg, „Kleine anzeigen", das fettgedruckkc Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort b Pfg, Morl« 2bcr IS Buch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Soalalliemollrat Rerlln". Zcntralorgan der fozialdcmokratfrchen parte» Deutfcblands. Redaktion: SSI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Donnerstag, den 14. März 1912. Expedition: SSl. 68, Lindcnstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Giue Niertelinillio» im Kampf! Die Christen streiken mit. Alle Forderungen abgelehnt. Die ersten Todesopfer! Der heiße Wunsch so mancher Herrenhäusler geht in Er- füllung. Tie Flinten schießen und die Säbel hauen im Ruhr- revier. Einen jungen Arbeiter haben sie totgeschossen. Fn Herile sollen junge Burschen ein Schutzmannskommando mit Schüssen angegriffen haben. Daß irgendein Schuß getroffen hat. behauptet nicht einmal die Polizei. Der Kommissar gab den Befehl zum Waffengebrauch, und diesmal trafen die Schüsse. Der siebzehnjährige Mathea stürzte tot nieder. Er gehörte nicht zu den„Tumultuanten". Er war in seinen Keller gegangen, um Kohlen zu holen. Als er heraufkam, hörte er Lärm, trat vor das Haus und stürzte, von der Kugel in den Kopf getroffen, tot zusammen. Und die Polizeidirektion Bochum schreibt ihm den Nachruf: Der Erschossene sei ein vorbestrafter Mensch gewesen. Auch seine drei Brüder seien sämtlich wegen Raubes, gefährlicher Körperverletzung und sonstiger Verbrechen bereits mit schweren Strafen belegt. Tie ganze Familie sei als rauflustig bekannt. Mathea war völlig unbeteiligt, er ist infolge eines„Zu- falles" getötet worden. Tie Polizei tröstet alle Gutgesinnten: es war ja nur ein vorbestrafter Mensch... Mathea ist das erste Todesopfer. Aber mit Bangen denkt nian daran, was noch werden soll dort unten, wo zur Ver- zwciflung getriebene Arbeiter von ihrem gesetzlichen Recht Gebrauch machen und die Arbeit niederlegen, um einen win- zigen Anteil für ihre Leber.snotdurft von den immensen Pro- fiten der Kohlenmonopolisten zu erhalten. Die englischen Arbeiter sind weit temperamentvoller und weniger dis- �'pliniert als-die deutschen. In England ist alles ruhig ge- blieben. Die englische Regierung hat keine Massen- ansammlungcn von Polizei und Gendarmerie veranstaltet, sie hat mit den Vertretern der Organisationen verhandelt und war bemüht, die Grubenhcrren zur Räson zu bringen. Ihrem Bemühen scheint der Erfolg nicht versagt zu bleiben. Tie deutsche Regierung sucht anderen Ruhm. Vergebens haben alle Kundigen gewarnt. Vergebens haben sie darauf hingewiesen, daß die drei Organisationen alles aufbieten werden— im eigenen Interesse der Arbeiter—, die Ruhe aufrechtzuerhalten. Man hat massenhaft fremde Polizei ins Revier geschickt, die, des Landes und der Leute unkundig, die Erregung erst hervorruft, die ihr dann den Grund zum Einschreiten liefert. Tie Regierung hatte nur eine Sorge: die Wünsche der Scharfmacher zu befriedigen. Als Wohlfahrtsausschuß des Bergkapitals hat sich das Herren- haus konstituiert, hat der Regierung befohlen, rücksichtslos die staatliche Gewalt den Grubenherren zur Verfügung zu stellen, und die Regierung beeilt sich, zu gehorchen. Sie läßt halbamtlick mitteilen: Aus dem Verlaufe der gestrigen HerrenhauSdebatte über den den Schutz der Arbeitswilligen betreffenden Antrag von Puttkamer ist in der Presse hier und da gefolgert worden, daß es die Staatsregierung bei dem gegenwärtigen Streik im Ruhrgebiete an dem genügenden Maße von Energie bei der Durchführung des Arbeitswilligen-» schutzes fehlen ließe. Wie unzutreffend eine derartige An- nähme ist, geht aus den strengen Instruktionen hervor, die so- gleich vom Beginne der Bewegung an in dieser Beziehung an die mit der Durchführung des Schutzes beauftragten Provinzial- behörden ergangen sind. Diese Behörden sind veranlaßt worden, mit Hilfe der wesentlich verstärkten Polizei- und Gendarmerie- macht den Schutz der Arbeitswilligen in um- fassendstem und voll ausreichendem Maße durch- zuführen. Auch sind die Behörden ausdrücklich darauf hin- gewiesen worden, daß. wenn der hiernach unbedingt zu gewähr- leistende Schutz der Arbeitswilligen mit den vorhandenen zivilen Polizeikräften nicht durchgeführt werden kann, rechtzeitig mili- tärifche Hilfe heranzuziehen ist. Man muß sich nur immer wieder die Wahrheit vergegen- wärtigcn.-Im Ruhrrevier war alles ruhig. Zwar werden von offiziöser Seite immer wieder Schauernachrichten verbreitet. Sie sind unwahr. Selbst die„Rhein.-Westf. Ztg." verhöhnt die Lügenmeldungen. Die Berichterstatter der bürgerlichen Presse stellen sofort die Unrichtigkeit oder die maßlose lieber- triebenheit dieser infamen Tendenzmeldunger. fest. Unter- dessen werden die Straßen unaufhörlich von Polizisten und Gendarmen geräumt. Stündlich wird, so wird uns aus Bochum telephoniert. die Polizei nervöser. Menthalben wer- den Attacken a la Moabit geritten. In Hamborn wurde Mittwochnachmittag einem Bergmann bei einer solchen Attacke der Arm durchgeschlagen. In Erle bei Buer wurden Streikende, die in die Versammlung gingen, von Polizisten angegriffen und mit Säbeln und Karabinerkolben aus- einander gesvrengt. Die Erregung wächst und die Regierung will Militär schicken. Wünscht man wirklich ein zweites Moabit, das man anders als das erste ausnützen will? Fast müßte man es glauben, wenn man die konservative Presse liest. Die „Deutsche Tageszeiwng" tobt und droht. Die Regierung sei zu zaghaft. Von vornherein müsse mit den„denkbar wirk- samsten Mitteln" die Ordnung gesichert und der Schutz der Arbeitswilligen durchgeführt werden. Herr Oertel, der sächsische Volksschullehrer, der im Dienste des Brotwuchers so schöne Karriere gemacht hat, fühlt sich mit den Kohlenwacherern solidarisch. Ihn haben die Ausführungen des Unterstaats- sekretärs im Herrenhause„aufs schwerste verletzt". Daß nicht jeder einzelne Arbeitswillige geschützt werden könne, das sei eine„Bankrotterklärung des preußischen Staates". Und Herr Oertel erläßt den Tagesbefehl: „Die Regierung hat die unabweisbare Pflicht und Schuldig- keit, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln jede Gewalttätigkeit in allen Fällen zu verhindern, im Keime zu ersticken und gegebenenfalls aufs schärfste zu strafen." Und die Regierung handelt danach. Sie handelt danach und sie hat dafür nicht nur die Zu- stimmung der Bergherren, nicht nur den Beifall der Scharf- macher und aller Arbeiterfeinde, sie darf sich dafür— unerhörte Schmach I— auf das Verlangen der christlichen Arbeiterführer berufen: Die Leitung des Gewerkvercins christ- licher Bergarbeiter hat folgende Erklärung ver- öffentlicht: „Es zeigt sich immer deutlicher, daß der behördliche Schutz der weiterarbeitenden Bergleute nicht genügt, aus fast allen Bezirken des Ruhrreviers kommen begründete Klagen über Belästigungen; truppweise kommen die Vertrauensleute des Gewerkvereins zu den Bureaus und beschweren sich; be- sonders wird betont, daß die Belästigungen recht oft weniger durch streikende Bergleute als durch fremdes, unbekanntes Gesindel erfolgen. Wir haben uns auf Grund der Klagen unserer Mitglieder schon mehrfach unter An- gäbe von Tatsachen an die Behörden gewandt, um einen aus- reichenden Schutz der Nicht st reikenden zu er- halten, die Polizeibehörde hat sich bemüht, in den an- gegebenen, gefährdeten Punkten mehr Sicherheit zu schaffen, mit dem Erfolge, daß die Belästigungen dort ab- und an anderen Stellen zunehmen, offensichtlich genügt der bis jetzt zur Verfügung stehende Beamten- apparat nicht, es herrscht stellenweise nicht die Behörde, son- dorn der Pöbel, wir sehen uns genötigt, das öffentlich festzu- stellen. Gleichzeitig stellen wir fest, daß die Zunahme der Strei- kenden nicht auf Streiklust, sondern auf Furcht vor Ueberfällen und Belästigungen zurückzuführen ist. Weiter müssen wir schon jetzt darauf aufmerksam machen, daß die Wut der zum Streik halten- den sozialdemokratischen und polnischen Menge steigt und damit auch die Gefahren für die arbeitenden Bergleute zunehmen. Wenn unsere Behörden nicht für einen ausreichenden Schutz sorgen, müssen wir sie für die kommenden ernsten Ereig- nisse verantwortlich machen." TieferkönnenArbeiterführernichtmehr sinken! Die Zentrumsgewerkschaften hätten, wenn ihre Mitglieder solchen Führern folgten, aufgehört, Gewerkschaften zu sein, und wären zu gelben Streikbrecherorganisationen ge- worden. Die Zentrumsführer selbst haben anerkannt, daß die Forderungen der Bergarbeiter durchaus berechtigt sind, und jetzt rufen sie um Polizei und Militär gegen die Arbeiter, die um ihr Recht kämpfen! Das ist schmählicher Ver- rat, eine Schändlichkeit, die nicht mehr überboten werden kann. Aber die häßliche Treulosigkeit ist nutzlos. D e r S t r e i k w ä ch st und in immer größerer Zahl nehmen die christlichen Arbeiter daran teil. Nicht, wie ihre Führer lügen, aus Furcht vor den Streikenden, sondern weil die proletarische Solidarität auch bei ihnen zum Durchbruch kommt. Deshalb die Wut der Führer, deshalb der kaum mehr verborgene Wunsch. denStreikinsBluterstickt zu sehen. Er wird ihnen nicht erfüllt werden. Die Bergarbeiter wissen, daß sie jetzt Ruhe bewahren müssen. Ruhe um jeden Preis. Ihre Sache ist stark und gut und wird täglich besser. Die Provokation der Unter- n e h ni e r w i r b t f ü r s i e. Tie Bergherren haben endlich den Arbeiteraus- s ch ü s s e n Bescheid gegeben. Sie lehnen alles ab. Sie haben Spott und Hohn mit den Arbeiterausschüssen ge- trieben. Sie haben vielfach erklärt, daß die Arbeiter- ausschüsse in Lohnsragen ja gar nicht zu- st ä n d i g sind. Was die Organisationen vorausgesagt haben, ist bis aufs Wort eingetroffen. Die Institution der Arbeiter- ausschüsse hat sich als lächerliches, e i n f l u ß-» u n d nutzloses Scheingebilde gezeigt. Der Streik ist glänzend gerechtfertigt, die Zentrumsführer und die Regie- rung, die die Arbeiter immer wieder auf diese machtlose In- stitution verwiesen haben, deren Mitglieder stets unter dem Druck der Entlassungsdrohung stehen, sind ins Unrecht gesetzt, der Streik als einziges, letztes Verzweiflungsmittcl nach- gewiesen. Das werden jetzt alle Arbeiter erkennen, auch die christlichen. Schließen sie sich jetzt dem Streik einmütig an, so machen sie die Sache unwiderstehlich und den Verrat ihrer Führer zunichte. Auf ihnen lastet jetzt die größte Verant- wortung, in ihre Hand ist zum guten Teil das Gelingen des Streiks gelegt. Und wir dürfen hoffen, sie werden sich als Arbeiter, als würdige Genossen ihrer Brüder bewähren. Schon ist die Zahl der Christlichen, die streiken, so bedeutend, daß der christ- liche Geweftkverein Streikbureaus errichten muß. Er- füllen die christlichen Arbefter das Gebot der Solidarität, erkennen sie ihre Pflicht, dann machen sie die Sache, die ihre eigene ist, unwiderstehlich und alle Gewalten der Herrschenden zuschanden. j Das zweite Codesopfer. Das rücksichtslose Vorgehen der Gendarmerie hat ein neues Todesopfer gefordert, in drei Streiktagen das zweite. Ofsiziös wird darüber gemeldet: Buer, 13. März. Wie die Polizeiverwaltung mitteilt, wurde heute nachmittag auf der Königgrätzer Straße der Bergmann Zapolla von einem Gendarmen erschossen. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Die Gendarmerie wurde mit Steinen beworfen. Als sie nun zur Verhaftung eines der Beteiligten schritt, wurde sie von fünf bis sechs Personen angegriffen und abermals mit Steinen beworfen. Mehrmaliger Aufforderung, auseinanderzu- gehen, leisteten sie keine Folge. Die Gendarmerie war schließlich gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Man hat es in einem Polizeibericht noch nie andfrs gelesen, als daß die Polizei zum Gebrauch der Waffe g e- z w u n g e n war. Ob sich die bis an die Zähne bewaffneten Gendarmen gegen die Steinwürfe von fünf bis sechs törichten Jungen nicht anders helfen konnte als durch tödliche Schüsse, ob auch nur ein einziger Gendarm von den Steinwerfern verwundet wurde, darüber meldet der offiziöse Bericht kenn- zeichnendercheise nichts! Buer ist der Ort. in dessen Nähe, wie wir an anderer Stelle melden, friedliche Versammlungsbesucher von Gen- darmerie angegriffen wurde. Ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen besteht, entzieht sich vorläufig unserer Kenntnis. Mie Krawalle enttteben! Bochum, 13. März.(Eig. Set.) Der unglückselige Vorfall in Herne, bei dem der junge Arbeiter Mathea ums Leben kam, hat hier nicht überrascht. Allgemein ist man in der Bevölkerung der Meinung, daß das so kommen mußte und daß sich Schlimmeres kaum verhüten läßt, wenn die Behörde fortfährt, so völlig verkehrte Maßregeln zu treffen, wie in den ersten Tagen des Streiks. Niemand wird der Regierung und ihren wahrsweinlich braven, aber landfremden und ratlosen Gendarmen die Absicht unterschieben, sie wollten Krawalle provozieren, um den Streik zum blutigen Zusammenbruch zu bringen. Es mutz aber offen gesagt werden: wäre dies ihre Absicht, dann könnte gar nicht anders vorgegangen werden, als es in Wirklichkeit geschieht! Es ist überall dasselbe typische Bild, das sich jetzt täglich am Nachmittag bei allen Zechen des Ruhrreviers entwickelt. Man muß sich vorstellen, daß all die Grubenanlagen, die zu Hunderten über das ganze Revier verstreut liegen, von Ansiedelungen umgeben sind, in denen die der Zeche zugehörigen Arbeiter wohnen. Wie die Bauerndörfer um die Herrenburg, so gruppieren sich die Kolonien um den gewaltigen ArbeitSkoloß, des Zechenbetriebes in ihrer Mitte, und die Zugangsstraßen sind zu jeder Zeit, namentlich aber zur Zeit des Schichtwechsels, von zahlreichen Fußgängern bevölkert. Jetzt zur Strvikzeit gewinnt das Bild des Verkehrs einen fast sonntäglichen Charakter. Die Arbeiter stehen im SonntagSrock mit Weib und Kindern vor den Häusern, man geht auf und ab, findet sich mir Kameraden zu kleinen Gruppen zusammen, um die Streik- läge zu besprechen und wagt auch wohl, weil selbst im Bochumer Dunst und Nebel die Frühlingsfonne ins Freie lockt, einen kleinen Spaziergang über die grünenden Felder. Man könnte an die Oster- szenen im„Faust" denken, bälte sich nicht das Revier diesmal statt, der Blumen, die ihm fehlen— Gendarmen genommen. Um vier Uhr ist die Schicht zu Ende. Aber schon lange zuvor beginnt auf Kommando ein Treiben, das man, hätte man es nicht selbst mit angesehen, für unmöglich halten müßte. Von der Zeche her marschieren und reiten nach allen Richtungen der Windrose Gendarmen aus, in brüskem, militärischem Kommandoton— der berlinische und ostpreußische Dialekt schlägt unverkennbar durch— fordern sie die Leute auf, umzukehren und weiterzugehen. Wer Ein- Wendungen macht, wird angeschrieen, wer stehen bleibt, gefaßt und weiter geschubst. Zwischen Männern und Frauen wird kein Unter- schied gemackit. Es brauchte nur ein Mann an die hohe Obrigkeit heranzutreten und sie zu bitten, seine Frau etwas höflicher zu behandeln, der.Zu- sammenstoß" wäre fertig! Aber die Menge bewahrt eine bewunderungswürdige Geduld- Ruhig läßt sie sich von der Landstraße in die Kolonie hineintreiben, da beginnt aber die Hätz erst recht. Man reitet in die Haustore, drängt die Menscheii in die Seitengassen und verfolgt fliehende Schwärme boch zu Roß bis weit in die Felder hinaus. Aber selbst das viel« slünnnge„Pfui 1", mit dem inan an anderen Orten ähnliche Taten zu begleiten pflegt, wird hier nicht gehört. Die Mahnung der Streik- leiter und der Arbeiterpresse, unter allen Umständen Ordnung zu wahren, hat gewirkt, und die Leute scheinen Fischblut in den Adern zu hoben. Trotzdem— wenn es einmal irgendwo etwas anders kommen sollte, ein Wunder wäre es nicht I Denn die einheimischen Leute verstehen die ostelbische Behandlung nicht, die man ihnen hier angedeihen lätzt. Sie gehen in der Nähe ihrer Behausungen spazieren und denken nichts Böses— plötzlick kommeu die fremden Gendarmen und treten ihnen entgegen wie Eroberer im feindlichen Land. Die Masse hält dennoch eiserne Disziplin. Für Tätlichkeiten, zu denen sich vereinzelte undisziplinierte Elemente durch ein solches Schauspiel hinreißen lassen könnten. dürfte man. kämen sie hier und da vor, die Organisation nicht ver- antwortlich macheu. TaS nennt man jetzt hier„Schutz der Arbeitswilligen". Man treibt diesen„Schutz" soweit, daß man die Arbeitswilligen sogar vor dem Anblick ihrer streikenden Kameraden zu schützen sucht. Man fürchtet das„Spießrutenlaufen" der Arbeitswilligen durch eine Menge, die ihnen schweigend ihre Verachtung bezeugt, fürchtet, daß das böse Beispiel der feiernden Massen die„nützlichen Ele- mentc" zur Nachahmung verleiten könnte, fürchtet wohl auch, wenngleich mit Unrecht, daß die Arbeitswilligen beschimpft oder gar angegriffen werden könnten. Aber diese bloße durch nichts gerecht- fertigte Befürchtung gibt den Behörden noch kein Recht, die streiken- den Arbeiter für vogelfrei zu erklären. In einem Regierungserlaß ist angekündigt worden, daß sich die Behörden unparteiisch verbaltcn würden. Str ikende. hieß es da. hätten denselben Anspruch auf behördlichen Schutz wie Arbeitswillige. Mag die Regierung ihr Versprechen wahr machen! Gegen die Arbeitswilligen werden sich die Arbeiter, trotz der eisenbeschlagcnen Knittel. deren Anwendung der christliche Streikbrecheragenl Brust jenen empfahl, schon selber schützen. Man bewahre sie aber vor den Pferdehuken, den Säbeln und den starabinern der Gendarmerie! Es geht nicht an, eine nack Hunderttansenden zählende, friedlich um ihr Recht ringende Bevölkerung einfach als Objekt verwaltungs- behördlicher Mißgriffe zu behaudeln! Ein Schrei nach Recht. Bochum, 12. März. jPrivattelcgramm bcS„Vorwärts".) Der Vorstand des BergarbeiterverlmudeS hat wegen der Uebergriffe der Schutzmanoschaften heute abend eine längere telegraphische Beschwerde an den Minifteryräfideaten gerichtet. Heute nachmittag gab eS in verschiedenen Orte« blutige Zu- sammeiistöße. BersammlungSbesuchcr wurden ohne Grund von Schutz» Mannschaften mit blanker Waffe angegriffen. Langsam, aber sicher. Bochum, k3. März. lPrivattelegramm.) Ter SB er stand des Bergarbeiterverband es hat dem Regicrungspräsi- deuten von den vielfach vorgekommenen Rücksichtslosigkeiten der Polizeibeamten Mitteilung gemacht und ihn gebeten, für Abhilfe zu sorgen. Ter Herr Regierungspräsident hat es indessen nicht eilig; als ob eS sich darum handelte, die Richtigkeit eines Testaments zu prüfen, erklärte er, die Beschwerde würde nicht eher geprüft, als bis sie schriftlich vorläge unter genauer Angabe aller Umstände und der nötigen Zeugen. Danach zu urteilen, scheint der Herr Regierungspräsident mit einer ziemlich langen Dauer des Streits zu rechnen. Denn unter drei M?staten darf man wohl nach dieser Gründlichkeit nicht auf Erledigung der Beschwerde hoffen. Offiziöfc Catarnrnacbncbtcn. Da» offiziöse Wolfsimreau versendet eine Reihe von Ta- tarennachrichten nach Moabiter Art. So meldet es vom 13. März: Aus Hamborn: Heute abend kam es in Obermarxloh zu schweren Ausschreitungen. Als eine Anzahl Arbeitswilliger von einem Polizeiaufgebot nach den Wohnungen begleitet wurde, ent« wickelte sich ein Kampf zwischen Streikenden und Polizrimann» schaften. Auch Heu« wurde die Polizei mit Steinen beworfen und au» den Fenstern der Häuser wurden zirka 200 Schüsse auf sie abgegeben. Die Ladenbcsitzer sahen sich gezwungen, ihre Läden zu verbarrikadieren. Der Mob zertrümmerte die Siratzenlatcrnen. Eine Laterne wurde umgeworfen und das ausströmende Gas an- gezündet. Erst nach mehreren Zusammenstößen gelang eS der Polizei, die Ruhe wieder herzustellen. Viele Polizcibeamtc, unter ihnen zwei Kommissare, wurden durch Steinwürfe erheblich ver- letzt. Unter den verletzten befindet sich auch ein zehnjähriger Knabe. Im Laufe des Nachmittags weilte der Regierungspräsident Dr. Kruse aub Düsseldorf auf dem Schauplätze der gestrigen Kra» »alle. In einer außerordentlichen dringenden Stabtverordnetenver- sammlung wurde beschlossen, zu gestatten, daß für die Tauer deZ Streik» die Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" eine Schutzwehr von 52 Mann und die Zeche„Neumühl" eine solche von 22 Mann ein- richtet, welche aus Beamten der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" gebildet wird. Die Schutzwehrcn haben Polizeirechte und werden mit Pistolen und Polizeiknütteln ausgestattet. Ihre Aufgabe ist es, die Zcchenanlagen und Arbeitswillige zu schützen, doch sollen sie nur mit Polizeibeamten auftreten. Im Lauf« des Nachmittags wurden wiederum zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. AuS Tortmund: Vor den Zechen, die im Stadtgebiet Dort- mund liegen, kam es heute nachmittag gegen i Uhr. als die Schicht der arbeitenden Bergleute zu Ende ging, zu Ansammlungen, d« aber von der Polizei ohne Zwischenfall zerstreut wurden. Einige Stunden später versammelten sich Streikende an? Borigplatz. Die Schutzleute wurden mit Steinen beworfen. T«S Pferd eines Schutzmanns überschlug sich und begrub den Reiter unter sich, der Verletzungen erlitt. Die Polizei mutzte blank ziehen und»ahm drei Verhaftungen vor. An einer anderen Stelle fiel ein Re- volverschuh, doch wurde niemand verletzt. Au» Herne: Wie die Polizei mitteilt, wurden heute mittag wiederum Schutzleute beschossen und machten auch ihrerseits von der Schuhwaftc Gebrauch. Der zwanzigjährig: Bergmann Zaremba erhielt einen Schutz in den Unterschenkel. Die„Rhein.-Wests. Ztg." meldet über die Hamborner Vorgänge: Hier kam eS heute nachmittag bei Schacht I der GeWerk- schast Deutscher Kaiser bei Schichlbeendigung zu Zusammen- st ö tz e n zwischen der Polizei und Streikenden. Die Schutzleute zerstreuien die Menge. In der Nähe des Rathause» wurde auf einen Schutzmann ein Revolverschutz abgegeben; der Schutzmann schoß ebenfalls scharf und verletzte seinen Angreifer leicht am Kopfe. Ter Rheinisch-Westfälischen Zeitung wird aus Düsseldorf ge- meldet, daß von der Polizeiverwaltung Hamborn in Düsseldorf um Sendung von Militär nachgesucht worden ist. Dann wird aber weiter gemeldet: Von der Heranziehung von D ü s s c l- dorfer Ulanen W voel&ufla Mbvand genommen worden. Die h»H,e?vali»ei in durch ein«weite»reition der c�ewertschast Deutscher Kaiser ein» veiusen vade. um dem ylrbciterauSsch'G in der geae.,n>ärtta«n bewegten{jeit Getegenhett au geben, die Wunsche und Beschwerden der Belegschaftsmitglieder vorbringen zu können. Hierauf nahm ein Mitglied des Arbeitcrausschusses(christ- sicher Getverkvereinler) das Wort und cr-lärte, daß er und seine Kameraden eine Einberufung des Arbeitcrausschusses angeregt hätten, weil durch Flugblätter und Zeitungsnotizen die Beleg- schaftsmitglieder beunruhigt würden. Es wäre höchste Zeit, hier festzustellen, daß viele Bergarbeiter, besonders die christlich organi- ' sierten Arbeiter, aber auch viele andere Belegschaftsmitglieder gegen den Streik seien. Der Redner erklärte, daß er für seine Person Wünsche nicht vorzubringen habe. Ein anderes Ausschußmitglied erklärt;, daß auch er keine Wünsche der Arbeiterschaft vorzubringen habe, denn auch die Schmiede und Schlosser der Belegschaft seien mit dem Gebotenen zufrieden, wie au-» die übrige Arbciter-- schaft, soweit er Fühlung mit derselben ha tc, gegen jeglichen Streik sei. Ein drittes Arbeiterausschußmitglicd hatte den einen Wunsch, daß die Lohnstatistik verlesen werden möchte. Der Vorsitzende erklärt diesem Wunsch gegenüber, daß er, obivohl nach den gesetzlichen Bestimmungen Lohnfragcn mit den Arbeiterausschüssen nicht verhandelt werden müßten, und solche auch gar nicht zu der Zuständigkeit der Arbeiter- auSschüssc gehörten, doch entgegenkommender- loeise bereit sei. die Lohnfrage zu besprechen, jedoch nur außerhalb der Tagesordnung. Nachdem noch von einem 2!!>tglied des Arbeitcrausschusses Mängel beim Gezäh schärfen gerügt worden waren, für die sofortige Abhilfe zugesagt wurde, schloß der Vorsitzende, nachdem wcilere Wünsche nicht laut wurden, die Sitzung. Anschließend daran wurde sodann in die Besprechung der Lohnfrage eingetreten und vom Betriebsdirektor den Anwesenden eine Lohnstatistlk ausgehändigt. Der Betriebsdirektor wies hier- bei auf die seit längerem sich fortsetzende«tcigerunz der Löhne bei den einzelnen Arbciterkaiegorien wie auch im Durchschnitt sowie auf die jüngste, erst am 1. März eingetretene Lohnstcigc- rung hin. Seitens der einzelnen Mitglieder des Arbeiterausschusses wurde die behauptete Steigerung der Löhne auf den Kaiserschäch- tcn anerkannt. Daß es unmöglich ist, nach derartigen Methoden zu fruchtbaren Verhandlungsergebnissen zu gelangen, liegt aus der Hand. Die Milgliedcr der ArbeiterauSschüssc werden nicht alS gleichberechtigte Verhandlungsteilnehmer, sondern als willenlose Untergebene be- liandelt, ein Recht, die Lohnfrage zu diSkut ercn, wird ihnen über- Haupt nicht eingeräumt. Indem das Wolffjche Telegraphenbureau auf die vermittelnde Tätigkeit der Arbeitevausschüflc vertröstete und den OrganisationS- leitern einen Vorwurf daraus mach«, daß sie dieser Tätigkeit nicht vertrauten, hat eS sich einer gräbt, chen Irreführung der öffentlichen Meinung schuldig gemacht. I�oknbevegung der lotkringer Bergarbeiter. Ter Bergarbeiterstreik yreift auch auf das Lothringer Steinkohlenrevier über. Tie Belegschaft der Saar- und Mosel-Bergwerksgesellschaft in Merlenbach hielt eine Der- sammlung ab. Es wurden folgende Forderungen aufgestellt: loprozentigc Lohnerhöhung, Aufbesserung der Leistungen der sinappschafts-. Pensions- und Krankenkasse, Herabsetzung der Schichtzeit auf acht Stunden cinschlietzl.ch Seilfahrt. Beseiti- gung der Lohnunterschiede zwischen gleichwertigen Hauern, Verkürzung der Fristen, nach denen lohn- und Abschlags- zahlungen erfolgen, Verteilung der 160 000 M. enthaftenden Unterstützuilgskasse, Beseitigung des jetzigen Arbeitcraus- schusses.— Mittwochnachmittag fanden Verhandlungen mit dem Arbeiterausschutz statt. '.' Die Belegung in Obei'fcblefien. Prompt antworten die oberschlesischen Grubemnagnaten auf sie Eingaben der Bergarbcitcrorganisationen, prompter sogar al» die Kohlenbarone im Ruhrgebiet. Aber ihre Antwort ist die gleiche: sin entschiedene» und bestimmtes„Nein!" Am 20. Februar ging die erste Lohneingabe an den Berg- und Hüttenmännischen Verein. ab und am 2S. erfolgte schon die ablehnend« Antwort, und am 7. März wurde die zweite Lohnforderung an die einzelnen Ler» -valtungen abgeschickt. Schon am 8. ging die erste Antwort eii� die also lautet: „Auf Ihre gesl. Zuschrift vom 6. d. Mts. erwidern wir er- aebenst, daß wir Sie nicht als Vertreter unserer Belegschaft anzuerkennen vermögen. Wir sind daher auch nicht in der Lage, mit Ihnen in Verhandlungen über die Höhe unserer Arbeitcrlohne eintreten zu können. Hochachl ungsvoll R a d l i ck." Wir erkennen die Arbeiterorganisationen als Vertreter unserer Arbeiter nicht an; wir verhandeln nicht, sondern wir sind die Herren im Hause und bestimmen selbstherrlich, was ruafere Lohn- sklaven„verdienen", und lassen uns von niemand hineinreden. Das wird mit dürren Worten ausgesprochen, a-.nd es war vorauszu- 'ehen, datz die Antworten so ausfallen würden. Die oberschlesischen Arubenmagnoten, wie die westiälischen Roblenbaron« nehmen für sich das Recht in Anspruch, sich in großen geschlossenen Organi- ätionen zu vereinigen und die Macht der Organisation für sich aus- zunutzen; aber den Arbeitern erkennen sie dieses Recht nicht zu, Zie sind nach ihrer Meinung Knecht«, und wer Knecht ist. soll Knecht äleiben. Datz auch die übrigen Antworten genau so lauten werden, antcrliegt keinem Zweifel, da da» Konzept sicherlich im SSerg» und Hüttenmännischen Verein entworfen worden ist. Die Frage ist mn: DaS werden die Bergaröciterorganisanonen und was werden zie SLergarbeitcr selbst zu dem protzenbaftcn Verhalten der hoch- ideligcn und überchristlichen Grubensürsten und Grafen sogen? Inter den Bergarbeitern herrscht allgemeine Kampfesstimmung. » SachUn voi» dem Streik. Im Lugan-Oelsnitzer Revier sind die Forderungen der Berg» 'cute abgelehnt. Daraus hat der Verein der königStreuen Knappen folgende Erklärung erlassen: „An die Mitglieder des Verein» ergeht hiermit die Aufforderung. bei der jetzigen Lohnbewegung die Mannhaftigkeit zu zeigen und die 2 und 0 unserer Satzungen zu beachten" Diese Paragraphen besagen, datz die Mitglieder der königS- reuen Knappenvereinc sich an Streikt von sozialdcmolratischen Ge- verkschastcn nicht beteiligen dürfen. Zwickau, 13. März. Von der hiesig« Leitung deS Bergar- 'eitcrverbandeo ist das Königliche SSergamt in Freiberg um Ber- nitteluiag zwischen den Arbeitern und den Werken ersucht worden. daS Bergamt hat sich zu der Vcrmittelung bereit erklärt. Die SermittelungLversuche werden im Laufe dieser Woche stattfinden. >cm Sonntag finden wiederum Bergarbeiterversammlungen Patt, aie sich mit der neugeschaffenen Lage befassen werden. ** Bergarbettcrbcwcgung in OckltckfreUh. 5tm 8. März Jwt die Union der Bergarbeiter Oesterreich» für -a» norvevcitvöhmts«hr Nrvirr. in dem ungc-ätzr 20 000 Bergarbc,- er v«sch!tfti»t sind. Jorderun«-n überreicht. S« wirv«ine SNpro. .entig« Lohnerhöhung verlangt und da» Lohngedinge soll derart fcstaeseht. werden, daß der Heuer zum mindesten 4,50 ftroncn—' 3,82 M, verdienen kann. Das Quantum der Haukbrandkohte soll erhöbt werden. Am 7. und 8. März fand in Töplitz eine Reichs- lonfcrenz statt; aus den erstatteten Siiuationsbcrichten ging her- vor, daß sowohl im Mährisch-Ostraucr Revier wie im Falkenau- Elbogener Braunkohlenrcvier seit einiger Zeit Forderungen gestellt sind und die Bcrgarbeiterbewegung im lebhaften Steigen begriffen ist. Wenn die Unternehmer nicht nachgeben, dürfte ein Streik un- verincidlich sein. Die Spekulation auf die mangelhaste Organi- sation der Bergleute dürfte fehl gehen. Nicht nur, daß die Berg- arbeiter jetzt besser organisiert sind, auch die absolute Notwendig- keit, ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern, wird sie in den Lohn- kämpf treiben, wenn die Unternehmer jedes Entgegenkommen ver- weigern. Die Bergarbeiter sind sich einig, daß die günstige Kon- junktur ausgenützt lverden muß. Die Unternehmer rechnen damit, daß die Separatisten und Anarchos einen Streik bald zum Zu- sammenbrschcn bringen würden. Auch diese Rechnung geht fehl, denn diese beiden Gruppen agitieren auch schon längst für eine entschiedene Lohnbewegung der Bergleute. »• Bergarbeiter-Interpellation im prelchischen Landtage. Konservative, Jreikonfervative, Nationalliberale. Fort- ichrittler und Zentrumsinitglieder haben im preußischen Landtage Interpellationen eingebracht, die sich auf den Berg- arbeiterausstand beziehen. Tie konservative Interpellation lautet: Ut die kgl. Staalsregierung bereit, darüber Auskunst zu er- teilen, wieweit die Nachrichten über Ausschreitungen in den Strcikgebietcn den Tatsachen entsprechen? und ob vollgenügende Maßregeln getroffen sind, um den Arbeitswilligen uichedingten behördlichen Schutz zu gewähren und die Ordnung aufrechtzu- erhalten? Tie freibonservative Interpellation lautet: Ist die kgl. StaatSregicrung bereit, über den Stand des Bergarbeiterstreiks im Ruhrrevier, insbesondere über die Maß- nahmen zum Schutz der Arbeitswilligen und deren Wirksamkeit AuÄunft zu erteilen? Tic Nationalliberalcn fragen ebenfalls, ob die Regierung bereit ist, über die Lage des Ausstandes Auskunft zu erteilen, und ob zur Ausrcchterhaltung der öffentlichen Ordnung im Streikgcbiet Vorsorge getroffen ist. Tie Fortschrittler wollen wissen, ob die Regierung recht- zeitig Schritte getan hat, dem Ausbruch der Arbeitsstreitig- kcitcn im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier vorzubeugen. und was die Regierung gedenkt zur Beendigung des Streiks beizutragen. Vom Zentrum wird die Regierung darüber interpelliert: ob l. ihr die Ursachen des Streiks bekannt sind, 2. in welchem Maße die fiskalischen Grubenarbeiter am Streik beteiligt sind. 3. welche Stellung die Regierung zu den Forderungen der Bergarbeiter einnimmt. Ser Krieg. Ainzara von den Italienern geräumt?! Konstantinovel, 13. März. DaS KricgSministerium verSffent- licht eine Depesche deö türkischen Truppenbefehls- habcrS von Tripolis. in der cS heißt: Nachdem wir er- fahren hatten, daß der Feind Ainzara teilweise geräumt und seine Stellung rückwärts verlegt hätte, begannen wir am 10. dieses 'Ädnats den Kampf und stellten dabei fest, daß der Feind wirk- hjch Ainzara geräumt, sich nach Norden auf die Höhen zurückg.'zogen und hier eine neue Aertcidigungssiellung eingerichtet harte. Bei dem Angriff auf die italienische Stellung hatten wir fünf Tot« end neun Verwundete. Rom, 13. März. Die Agenzia Stefans erklärt, daß die Mel- dung des ottomanischen Kriegsministerium«, nach der die Italiener im Kampfe vom 10. d. M. Ainzara geräumt hätten, den Tat- fache» nicht entspreche. Ainzara werde vielmehr fortgesetzt vvn den Italiener ir besetzt gehalten. (?in Gefecht bei Benghast. Rom, 13. März. Die Agenzia Stefan« meldet auS B en- ghasi vom 12. März: Die italienischen Truppen griffen heute zwei Lasen nordöstlich von Fojat an, die vom Feinde tapfer verteidigt wurden, und eroberten sie. Der Feind wurde zur Flucht gezwungen und mit dem Bajonett verfolgt. Er verlor sicherlich mehr als 1030 Tote(???), von denen 400 von den Italienern aufgefunden wurden. Tic Zahl seiner Verwundeten ist noch größer. B e i den Italienern fiele n-3Osfiziere und 2 6 Mann, 7 O k s i z i e r e und S2 Soldaten wurden verwundet. Italienische Heldentaten in der Luft. Tripolis, 13. März. �Meldung der Agenzia Etcfani.) Gestern früh unternahmen Luftschiffe eine Kreuzfahrt über Zänzur und Zavia. Sie bemerkten dort viele Zelte sowie Schal- und Pferdeherden. Andere Lager mit Herden wurden zwischen Zavia und Birr Errina bemerkt. AuS den Lagern wurden zahlreiche, jedoch durchaus wirkungslose Schüsse gegen die Luft. schiffe abgegeben, die au« einer Höhne von mehr als 1000 Meter LS Bomben auf ein« Gruppe Bewaffneter tzinabwarfen und diese zu wilder Flucht veranlatzten. Die Bombe«, die mit j e« i n e m K i l o g r a m m E x p l o s i v. st o f f gefüllt waren, erreichten alle ihr Ziel und riefen nicht „ur eine materielle, sondern auch moralische Wirkung hervor. Nachdem die Luftschiffe noch eine vpn Zavia nach Azizia ziehende Karcioanc von 50 bis 60 Kamelen mit zwei Bomven beworfen hatte», kehrten sie mittags zurück. Die bevorstehende Flottenaktion Italien«. Konstantinovel, 13. März. Die Pforte hat Nachrichten, nach denen stch zwei italienisch« Kriegsschiffe im Nr» ch i p c l befinden sollen. Man glaubt jetzt, daß ein Vorgehen der Italiener gegen eine der Inseln unmittelbar be» vorsteht. Tic Minister des Krieges, der Marine und des Innern hielten heute unter dem Vorsitz des Ministers de» Aeußern Be- ratungen ab: der KriegSminiftsr hatte auch eine Besprechung mit dem Großwesir. Di« Pforte hat auch Nachrichten über die Konzentration russischer Truppen in der Gegend von KarS und Errvan erhalten. Die offiziellen Kreise glauben aber nicht, daß diese Truppenbewegungen sich gegen die Türkei richten. Des Ministerium dcS Innern veröffentlicht eine Kundgebung von Muselmanen aus aller Welt, in der die Türkei beschworen wird, in dem Kampfe gegen Italien auszuharren.— Um Unruhen zu vermeiden, ist die Abhaltung von politischen und literarischen Konferenzen außerhalb der Klub» verboten. Tie Ausweisung der Italiener auS Kleinasien. Konftantin-pel, 12. März. Der Minislcr bei Innern hat die Wtlajct« Tyrirn, Slleppo, Beirut und die(Äouvernrurc von Jcru- folem und vom Lil-nnon»ngewiesen, tie Italiener, die, morgen, nach Ablauf der bei der Ausweisung gestellten Frist von 1 15 Tagen, sich noch am Ort befinden, mit Gewalt aus dem L a n d c z u s ch a f f e n. Sie Revolution in China. Anerkennung Juanschikais durch die Mächte. Tokio, 18. März.(Meldung des Rcutcrschen Bureaus.) I a- p a n soll den Mächten eine' gemeinsame Aktion zur Auer- k e n n u n g V u a n s ch i k a i s als Präsidenten der chinesischen Republik vorgeschlagen haben. Die Mehrzahl der Mächte soll den Vorschlag bereits angenommen' haben, aber eine gewisse Macht (natürlich ist damit Rußland gemeint. D. Red.) regt hin- sichtlich der Mongolei einen- Vorbehalt an.— Japan hat bisher auf den Vorschlag, sich cm den Anleihen zu beteiligen, nicht geantwortet, da es aus finanziellen Gründen nicht wünscht, einen größeren Betrag zu zeichnen,, als zur Wahrung des Rechts der Beteiligung erforderlich ist. Das internationale Kapital will Sicherheit. London, 13. März. Wie das Reuterfche Bureau erfährt, hat die Konferenz der englischen, deutschen, amerikanischen und fran- zöfischcn Banken ihre Sitzungen hier beendet und beschlossen, für die dringendsten Bedürfnisse der Republik China zu sorgen, die Frage einer großen Anleihe jedoch in der Schwebe zu lassen, bis die Republik durch die Mächte anerkannt sein wird. politlfcbe deberllcdt. Berlin, den 13. März 1912. Maul- und Klauenseuche und Ncichsschulgesetz. Aus dem Reichstag, 13. März. Selbst ein fanatischer Anhänger des parlamentarischen Kretinismus wird in seinen verlassensten Augenblicken nicht behaupten können, daß Verhandlungen, wie die gestrige zu fünf Sechsteln eine war, zu den Licht- und Höhepunkten des menschlichen Lebens gehören. Mag die Maul- und Klauenseuche auch zu den wich- tigsten Fragen für. die deutsche Landwirtschaft gehören und ihre sachgemäße Bekämpfung deshalb von ganz hervor- ragender wirtschaftlicher Bedeutung sein, mit fast vier- stündigem Reden über diese Frage schafft man nicht einer einzigen Kuh Sicherheit vor der furchtbaren Krankheit. In der Frage selbst sind sich alle Parteien des Hauses einig: daß nämlich g c g e n die Maul- und Klauenseuche wirksame Maß- regeln ergrifi'en werden müssen, nur daß auf der Rechten, wo das Herz lebhafter für den Prosit des Großgrundbesitzers als für die Not des Kleinbauern schlägt, der Seuchenschutz zu einer Absperrung des deutschen Volkes auch von gutem und ge- suudcm Fleisch mißbraucht wird. Im übrigen traf Genosse S ch e i d e m a n u den Nagel auf deu Kopf, als er seiner Ver- wunderung darüber Ausdruck gab, daß die Parteien, die das Seuchengesetz geschaffen, jetzt über seine allzu bureankratische Anwendung klagten. Im übrigen vertrat er den sozialdemo- kratischcn Antrag, der mit Einrichtung estier Vichseuchcnver- sichcrung dem Landmann wirklich helfend bcifpringen will. Sonst irieb das beliebte Thcina alle die auf die Tribüne, denen ein Gott gegeben zu klagen, was sie leiden, und auch die andern: Herrn Matzingcr vom Zentrum und Herrn v. B o l k o von den Konservativen, den Natronalliberalen W a m h o f s und den Fortschrittler B I u n ck, und nochmals Zentruni und nochmals Nationalliberale und Antisemiten und Polen, wer zählt die Völker, nennt die Namen? Manch erbauliches Lied ivnrde angestimmt von mancher Kub, die an den Grenzen deutscher Vaterländer widrige Schicksale gehabt, aber als dann über die verschiedenen Resolutionen abgestimmt wurde, siehe da! da fand sich für die sozialdemokratische Vieh- seuchenversicherung zwar eine Mehrheit, aber die„dauern- freundliche" Rechte blieb, was von der Linken mit lautem Aha festgestellt wurde, ablehnend auf ihren Bänken sitzen. Tie übrigen Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Vorher hatte, zum Beginn der Sitzung, der Staatssekretär Delbrück angekündigt, daß die Interpellation des Zen- trumS zum Bergarbeiterstrcik heute beantwortet würde, und ein sozialdemokratischer Antrag, der, vom Genossen Molken- b u h r begründet, die Ueberweisung des BcsoldungSetats für das Direktorium der Rcichsversicherungsanstalt an die Kom- Mission verlangte, war nach unerheblicher Debatte zurück- gezogen worden. Ter Schluß der Sitzung aber brachte mit der Rede des Genossen Schulz- Erfurt zum Titel„Rcichsschulkommission" reichliche Entschädigung für die Ocdc der voraufgegangenen Debatten. In klaren und sachlich, gleichwohl temperament- vollen und mit Humor gewürzten Ausführungen geißelte er einige der Hauptmängel unseres Bildungswesens. Namentlich >vas er über das Institut der Einjährig-Freiwilligen dar- legte, fand die gefpannle Aufmerksamkeit des schon ermüdeten Hauses und vielfache Zustimmung. Geschickt und scharf um- riß er die sozialdemokratischen Forderungen an das Schul- Wesen und betonte, daß gerade im Interesse der Wehrhaft- machung des Volkes eine bessere Bildung für die Massen dringend zu tvüuschen sei. So war seilte Rede, ohne- den prinzipiellen Standpunkt der Sozialdemokratie auch nur um Haaresbreite zu verlassen, von einem echten und warmen Patriotismus durchweht, den u»S die Junker und Junker- genossen so gern abzusprechen pflegen und dessen Beteuerung denn gerade auf der Rechten mißvergnügte Gesichter hervor- rief. Der letzte Teil der Ausführungen des Genossen Schulz gruppierte sich um die Forderung eines NcichsschnlgesetzcS. Nächste Sitzung: heute 1 Uhr. Interpellation über den Bergarbciterstreik. Allerlei au» dem Abgeordnetenhause. Da« Abgeordnetenhaus erledigte am Mittwoch zunächst den Etat de» Herrenhauic«. Der einzige Redner, der hierzu das Wort ergriff, Genosse H o f f m a n n, verstand es. in humoristischer Weise die lleberslüssigkeit der.Ersten Kammer" darzutun. Die amvescnden Dllglieder kamen au« dem Lachen kaum heraus, und selbst die h ngsten Angriffe HoffmannS riefen wegen der urwüchsigen Form, in der er sie vorzubringen wußte, wahre Stürme von Heiterkeit hervor. Natürlich ging es ohne Ordnungsruf nicht ab. Herr V. Erffa wollte«s nicht wahr haben, daß das Herrenhaus eine galvanisierte Leichenkammer ist. Einen großen Teil der Rede unseres Genossen füllte die Schilderung von Ziiständen im Hetrenhause aus. die die Notwendigkeit dokumentieren, einmal eingehende Untersuchung anzn- stellen und mit eisernem Besen AuSkchr zu halten. Es geht doch unmöglich an, daß Diener und Besmle, deren Bezahlung aus dem allgemeinen Steuerfäckel erfolgt, für Privatdienfte verwendet werden. Etwa» längere Zeit nahm die Debatte über den Etat de» «lbgeordnetenhaiise».»u den, glcichf.illa Hoffnian» spracd. in Anspruch. Gett Isahron finbeti Vertreter aüev fßarieien die Regierunfl imt Gewährung von FreifaLrtknrten ersucht. Gudktch J hat sich da» Ministerium eiitschlossen, jedem Abgeordneten für dies Dauer der Session eine Karte zu bewilligen, die aber nur zur Fahrt zwischen Berlin und Wohnort berechtigt. Das weitere Verlangen, Fahrkarten zwischen Berlin und dem Wahlort oder gar auf allen Strecken zu gewähren, hat sie rundweg abgelehnt. Es ist erklärlich, daß darüber bis weit in die Reihen der Rechten hinein große Erbitterung herrscht; aber die Regierung bleibt nach wie vor auf ihrem lleinlich-bureaukratischen Standpunkt beharren, und auch jetzt will sie von einer Ausdehnung der Fahrkarten nichts wissen, obwohl unter den Mitgliedern de» Hauses über diese Frage völliges Einverständnis zutage getreteir ist. Ebenso einmütig zeigte sich das HauS gegenüber einem konservativen Antrage auf Einsetzung einer Kommission zur Prüfung der Frage, wie das Recht der Präsi- deuten beider Häuser-deS Landtages zur Vertretung des Fiskus und wie die Rechtsverhältnisse der Beamten des Landtages geregelt werden können. Auch diese Frage ist vom Hause schon wiederholt behandelt worden, ohne daß die Regierung ihre Lösung für nötig empstndet. Wenn sich der Landtag eine solche Mißachtung länger gefallen läßt, so trifft auf ihn eben das Wort zu, daß jedeS Par» lament die Behandlung hat, die es verdient. Endlich nahm das HauS noch einige Anträge auf Vorlegung eines Wohliimgsgesetzes für die Großstädte an; dagegen lehnte eS die beantragte Ausdehnung deS Gesetzes auch auf Kleinstädte und das Land gegen die Stimmen der Linken ab. Unseren Standpunkt vertrat Genosse Hirsch, der sich in erster Linie für eine reichS« gesetzliche Regelung der Wohnungsfrage aussprach, die Notwendig- leit von Reformen auch auf dem flachen Lande betonte, Berlin gegen den Vorwurf deS schwarz-blauen Blocks, als fei Berlin die Brutstätte aller Verbrechen, in wirksamer Weise in Schutz nahm und die konservativen Angriffe auf die Freizügigkeit energisch zurückwies. Donnerstag: Arbeitszwangsgesetz und Etat der Zentral- genossenschaftSlasse._ Tie unbequeme Deckungsfrage. Der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" geht folgende Mel- dung aus Berlin zu: „Der Reichskanzler beabsichtigt, den Führern der bürger- lichen Parteien noch in dieser Woche von dem wichtigsten Inhalt der Wchrvorlage Kenntnis zu geben, um ihre Meinung über die Decknngsfrage entgegenzunehmen. Die Besprechungen sollen. wie die„Tägl. Rundschau" hört, durchaus vertraulicher Natur sein. Der Reichskanzler wünscht, daß überhaupt von der Wehr- Vorlage und ihrer finanziellen Seite nichts bekannt wird, bevor die Angelegenheit den Bundesrat passiert hat und hat an samt- liche beteiligten Stellen da« Ersuchen gerichtet, über die Entwürfe strengstes Stillschweigen zu bewahren. Sogar die Vertrauens- männer der großen nationalen Parteien, die sonst stets von dem Gang der Ereignisse unterrichtet werden, sind diesmal auf be- sondere Anordnung völlig ausgeschaltet worden." Also ist die Entwickelung in der Dunkelkammer deS Reichsschatzamtes noch nicht beendet! Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, stehen tatsäch- lich eine Schwenkung des Reichskanzlers und der Rücktritt des Reichssckiatzsekretärs von seinem Posten bevor. Das philosophische Gemüt des Herrn von Bethinann Hollweg er- kennt die höhere politische Weisheit der Finanzkünstlcr von der Qualität Erzbergers an. das heißt der große Philosoph von Hohenfinpw hat sich in die gottgegebene Abhängigkeit vom Zentrum gefunden und ist bereit, dessen Wünschen entsprechend, zunächst die sogenannten Wehrvorlagen allein ohne gleich- zeitige Tcckungsvorlagen einzubringen. Herr Mermuth, der nicht in gleichem Maße die Gabe der rechtzeitigen Anpassung besitzt wie das staatsmännische Genie, das zurzeit, wenn auch nicht tatsächlich, so doch nominell des Reiches Geschicke lcnkr, will jedoch durchaus die schöne Schwenkung nicht mitmachen — es wird ihm also nichts anderes übrig bleiben, als die be. kannten Gesundheitsrücksichten zu nehmen und von seinem Posten zurückzutreten.__ Posa hat sein Herz entdeckt. Traf PosadowSkh, der auch mit freisinniger Hilfe in Bielefeld gewählte bisher„wilde" Abgeordnete, hat nunmehr sein politisches Herz entdeckt. Um der RcichSpartei(in Preußen nennt sie sich frcikonservativl zu den Rechten einer Fraktion zu verhelfen und ihr Sitz und Stimwe in den Kommissionen zu sichern, hat sich der Graf in, Barte entschlossen, sich der ReichSpartei zuzählen zu lassen. Da gleichzeitig auch der Mgeordneie Warmuth sich der Reichspartei zuzählen lassen will, wäre das große Ziel glücklich erreicht, einer Partei, die eigentlich keine Wähler besitzt, zg den Ehren und Würden einer Fraktion zu verhelfen. Wir Sozialdemokraten begrüßen cs nur, daß der Erkorene des Bielefelder Mischmaschs nach seinem jongleurhaften Rede. gaukel klar zu erkennen gegeben hat, wohin ihn denn nun in Wirk. lichkeit da« Schwergewicht seiner Ausfassung zieht. Daß sich der Graf PosadowSky als GesinnungSgenossc der Arendt, Liebert und Zedlitz bekannt hat, ist u n S zivar keineswegs überraschend, er- leichtert aber für die breite Masse die Orientierung über diesen wunderlichen Heiligen. Daß bei dem Grasen Posadowsiq der reaktionäre Einschlag seit jeher weit gewichtiger war, als die in liberalisierendeii Tendenzen sich bewegende Phraseologie. beweist ja auch die Tatsache, daß Grast PosadowSkh als Herren- b a u S m i t g l i e d bei allen wichtigen und entscheidenden Sitzungen geschwänzt hat, wo eS darauf angekommen wäre, gegen die ungeheuerliche Rückständigkeit dieses politischen Mumienkabi» netts, um den Ausdruck Trcitschkes zu gebrauche», zu protestieren. Sowohl bei den Verhandlungen über das F c u e r b e st a t t u n g ö. gesctz, wie bei den Beratungen über die WahlrechSvor- läge im vergangenen Jahre hat sich Graf Posadowsky, der sich doch so gern reden hört, gedrückt. Und als am DicnStag die Scharf», acherei in der preußischen Pairökammer ihre tolle» Orgien feierte, al« nach Erdrosselung der Gewerkschaftsbewegung, nach noch fanatischerem Schutz der.Hintzcfchcit Siebenmonatskindcr und nach dem Belagerungszustand in Strcikgebieten geschrien wurde, da war Graf PosadowSky entweder nicht anwesend oder er hielt es. was noch schlimmer, für nicht notwendig, gegen solche aberwitzige Rückständigkeit auch nur ein Wort deS Protestes zu erheben! Graf Posadowsky gehört also mit Fug und Recht zur Schar fmachcrpartei, schlechthin, zur Rcichsparteil Landratliche Reichövereinsgefctz-Auslegunqen. Im verflossenen Wahltampf waren die Schwierigkeiten, die lich der Abhaltung von öffentlichen Versoninilungen unter freiem Himmel entgegenstellten, namentlich in Schlesien außer- ordentlich groß. Wiederholt wurden Vcrsanimlungen unlcr freiem Himmel verboten, weil in der Nähe des Versammlung»- platze» mit Stroh bedeckte Gebäude standen, so u. a. in Wiese und L a n g c n brü ck im Kreise Neustadt O.-S. Gegen die willkürlichen Verbote wurde zwar Beschwerde beim Landrat er, hoben, aber Mit negativem Erfolge. Dieser kleinlichen Nadelstichpolitik macht nun hoffentlich die Antivort de» Rrgicruiia»präsid«»te» oo» Oppeln auf die aigc» den Reust adter Landrat erliobcne Seschmerde ein Ende. Cf» Heißt in der Endscheidung de« Steg»erung«präsident«n: „plus Weitere Wefefttverbc vunt i.-r Fedeuar tflJ3 If e 3 e i ch 5 i c r m 1 1 unter Abänderung de« abweisenden Bescheid«» de? LandrcrtS zu Neustadt O.-S. vom 1. Februar 1912 die Verfügung des Amtsvorstehcrs zu Wiese(gräflich) vom 3t). November 1911 auf. Die Gefahr, die aus der Abhaltung der Versammlung bei der Nähe der mit Stroh bedeckten Gebäude für die öffentliche Sicherheit zweifellos zu befürchten war, hätte durch ein poli- zeiliches Rauchverbot beseitigt werden können. Die Beschränkung der Wahl des Platzes war unzulässig, da dieses Mittel zur Abwendung einer Feuersgefahr �zunächst offen stand. Ich habe den Amtsvorsteher in diesem Sinne verständigt. Ihre Annahme, daß die Genehmigung einer Versammlung seitens der Ortspolizei nicht unter einer Auflage erfolgen dürfe, ist irrig. Eine Auflage ist insoweit zulässig, als sie erforderlich ist, um eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit abzuwenden. Herbei ist aber, wenn mehrere Möglichkeiten gegeben sind, stets das Mittel zu wählen, das die Versammlungsfreiheit im ge- ringsten Maße beschränkt." Dieser Bescheid zeigt, welche Energie unsere Genossen auf dem Lande anwenden müssen, um die Rechte erst zu erkämpfen, die ihnen das Reichsvereinsgesetz als selbstverständlich zusteht. Eine Milliarde neuer Militärausgaben. Verschiedene Blätter melden, angeblich auf Grund zu verlässiger Information, daß die Ausgaben für Heer und Flotte innerhalb der nächsten sechs Jahre sich auf nicht wenig er als eine Milliarde belaufen werden. Pro Jahr sollten nämlich zirka 179 bis 189 Millionen Mark an gefordert werden. Das ist erheblich mehr, als die Zentrumspresse in Aus ficht gestellt hat. Danach sollten nur eine einmalige Ausgabe von 199 Millionen für den Landmilitarismus, eine jährliche Ausgabe von 89 Millionen für den Landmilitarismus und 39 Millionen für die Flotte verlangt werden. Nach den Zentrumsmeldungen würde die Gesamtausgabe für die nächsten sechs Jahre also nur dreiViertelMilliarden erreicht haben, während nach neuerlichen Meldungen 259 Millionen für den entsprechenden Zeitraum mehr ge- fordert werden sollen. Welche Meldung recht hat, läßt sich schwer entscheiden— ein Grund mehr, daß die Regierung nun endlich mit ihren Forderungen offen hervortritt! Der gekränkte Landrat. In der Wahlagitation passierte dem Parteisekretär Gen. Gchr- mann in Zeitz das Malheur, daß er bei der Besprechung der Del- brücksck>en Angriffe auf die landrätlichen Steuereinschätzungen einen bestimmten Fall mit der Bemerkung kritisierte, er glaube, daß sich dieser Fall im Kreise Greifswald zugetragen habe. Es handelte sich aber um einen Landratskreis in den halbpolnischen Provinzen/ Der Landrat de? Kreises Grafswald klagte und das Schöffengericht Zeitz verurteilte Gehrmann zu IOOÜ Mark Geldstrafe. Der Amts- anwalt hatte zwei Monate Gefängnis beantragt. Man sieht, die Gerichte wissen die Ehre der Landräte zu wür- digen. Eine Majestätsbelcidigung hätte auch nicht eine viel härtere Strafe nach sich gezogen. Es wird natürlich gegen das Urteil Be° rufung eingelegt werden, ob mit Erfolg, ist eine andere Frage. Italien. Der Kommisfionsbericht über die Wahlreform. Rom, den 11. März.(Eig. Ber.) Der konservative Ab- geordnete B e r t o l i n i hat als Präsident der parlamentarischen Kommission, der die Beratung über den Wahlreformentwurf obliegt, socbeu den Kommissionsbericht veröffentlicht, so daß nunmehr die Beratung des Gesetzes im Parlament beginnen kann. Der Bericht hebt hervor, daß die Kommission es für zweckmäßig gehalten habe, keinerlei Ausbau des ministeriellen Entwurfes ins Auge zu fassen, sondern sich auf die drei Probleme zu beschränken, die der ministerielle Entwurf ins Auge faßt, nämlich auf die Ausdehnung des Wahlrechts, das heute nur denen zusteht, die den vierjährigen Elementarschulkurs absolviert haben, auf alle männlichen Bürger, die ihrer Militärpflicht genügt oder das 39. Lebensjahr erreicht haben; weiter auf die Reform des Wahlvcrfahrens und auf die Ab- geordnetendiäten. Von einer neuen Einteilung der Wahlkreise auf Grund der jüngsten Bevölkerungszählung hätte man des- halb abgesehen, weil es nicht unwahrscheinlich sei, daß nach einem Versuch mit dem erweiterten Wahlrecht die Listenwahl nach Provinzen eingeführt werde, wodurch der Einzelwahlkreis otmchm in Wegfall käme. Was das Frauen st immrccht betrifft, so redet der Bericht in der üblichen Phraseologie von der spezifisch weiblichen Mission der Frau in der Familie und in der Gesellschaft. versagt sick aber eine prinzipielle Stellungnahme. Was das Praktische betrifft, so wird hervorgehoben, daß in Italien heute nur ein minimaler Teil der Frauen durch Bildung und wirtschaftliche Selbständigkeit eine derartige Stellung einnehme, um die Verleihung politischer Rechte an die Frau zu recht- fertigen. Die Ausdehnung des heutigen Gesetzes auf den weiblichen Teil der Bevölkerung würde 6'/, Millionen Frauen mit dem Wahlrecht ausstatten, unter denen rund �/z Analpdabeten wären. Im direkten Anschluß daran rechtfertigt der Bericht mit rührender Inkonsequenz die Ausdehnung des Wahlrechtes auf die Analphabeten und betont weiter, daß bei dem heutigen Tieffiand des ländlichen Schulwesens das bisherige Gesetz die ländliche Bevölkerung zugunsten der städtischen benachteiligt hätte. Die Wahlrechtserivciterung wird die Zahl der Wähler von 3 auf 8 Millionen erheben. Der zweite Teil des Berichts behandelt die Reform der Wahlhandlung, die sich auch dadurch nötig macht, daß die Analphabeten nicht durch Nicderschreibung des Namens ihren Kandidaten bezeichnen können. Wenn bisher die Eintragung in die Wählerliste nur auf Antrag erfolgte, wird sie in der Folge von Amtswegen vorgenommen werden. Zur Grundlage wird die Eintragung in die städtischen Anmeldungsregister genommen, nicht ivie bisher der politische Wohnsitz, der von dem tatsächlichen Wohnsitz verschieden sein konitte. Die Be- pimmung, nach der fallierte Geschäftsleute— solche, die durch eigenes Verschulden ihre Zahlungen einstellen müssen—, ihr Wahlrecht und ihre Wählbarkeit verlieren, so lange ihre Zahlungsunfähigkeit dauert, wird aufgehoben und die Zeit des Verlustes der politischen Rechte auf fünf Jahre beschränkt. Für einfachen und betrügerischen Bankrott werden die bisherigen Bestimmungen beibehalten. Was die eigentliche Wahlhandlung betrifft, so hat die Kom- Mission die komplizierte Operation, die der'Rcgierungsentwurf vorsieht, wesentlich abgeändert. Dem Wähler wird im Wahl- lokal ein Kuvert übergeben, das offiziell gekennzeichnet ist, und in das er seinen schon vorher mitgebrachten Stimmzettel steckt, uni dann das geschlossene Kuvert dem Präsidenten zu über- geben, der es in die Wablurne wirft. Auf die Einzelheiten des Wahlaktes einzugehen, wird Zeit sein, wenn der Entwurf in der Kammer zur Beratung steht. Eine vorherige offizielle Ansagung der Kandidatur, die der ministerielle Entwurf vor- sah, wird nach dem Kommissionsentwurf nicht gefordert. Es fehlt jetzt noch der dritte Teil des Berichts, der die Abgcordnctendiäten behandeln soll. verantw. Redakteur (Sewe�kscdaftUcbes. Zur Aussperrung in.!»»« Quittung. Im Monat Februar gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein:(z. R.-W.— zur ReichSIagSwahl.) Am: 2. Berlin Jp. V. z. N.-W. 100,—. 3. Saarburg 2. Qu. 3,48; Altkirch-Thann 2. Qu. 9,72; Bremerhaven, 19. hannov. Kr. 2. Qu. 859,94; Altona, 8. u. 10. schlesw.-holst. Kr. 2. Qu. 2374,—; Hägen- Schwelm 2. Qu. 706,37; Düsseldorf 2. Qu. 1635,66. 5. Paul Zahlten, Frontera, Mexiko, z. R.-W. 42,—; Martin Behringer, Frontera, Mexiko, z. R.-W. 21,—; Bremen 1. u. 2. Qu. 5539,62; Warburg- Höxter 1. u. 2. Qu. 2,95; Paderborn- Büren 5,45; Köln, Reg. W. 20,—; B. Pr. Pr. 100,—. 6. Falkenberg-Grottkau, soz. Verein 3,64; Bez.Oberlangenbielau Wahlzusch. zurück 1000,—; Berlin, W. 50 T. 30,—; London, M. D. z. R.-W. 20,20. 7. Cannstadl-Ludwigsburg 2. Qu. 1068,47; Lippstadt-Brilkm 1. u. 2. Qu. 25,15; Bergheim-Euskirchen 2. Qu. 16,—; 17. hannov. Kr. 2. Qu. 1313,13. 8. Hannover 4000,—; Heiligenstadt-Worbis 2. Qu. 4,—; Prenzlau-Angermünde 2. Qu. 78,—. 9. Bentheim-Meppen 4,25; R. Heidelberg 20,—. 10. Konstanz, 1. bad. Kr. 2. Qu. 72,54; 15. württemb. Kr. 2. Qu. 3,62; Für die rote Fahne auf d. Kölner Dom 3,—; Für d. gestürzten Eugen- Richterlurm-Hagen 3,—. 12. Berlin, Hilfsarb. d..Deutschen Tagesztg." 25,—; Darmstadt- Gr.-Gerau 2. Qu. 433,71; Solingen 2. Qu. 788,97; Bochum-Gelsenkirchen 2. Qu. 914.99. 13. B. Pl. 21 2.— a 17. württemb. Kr. 2. Qu. 43,97; 16. württemb. Kr. 2. Qu. 21,26• Frankfurt a. M. 2. Du. 1877,—; Aachen-Land 2. Du. 102,—; Wanzwben Rest 1. Qu. 62,18; Osnabrück, 4. hannov. Kr. 1. u. 2. Qu. 395,20; Neuwied 2. Du. 20,—. 14. Wolfenbüttel- Helmstedt 2. Qu. 151,66; Altena-Iserlohn 2, Qu. 192,94; 1. und 2. schlesw.-holst. Kr. 2. Qu. 396,50; Berlin, Kall, der Fa. Koch, Stahlw.-Fabr., Sebastianstr. 7, z. R.-W. 5,—. 13. Salzwedel- Gardelegen 4. Qu. 1910/11 92,16; Wanzleben 2. Qu. 529,12. 10. Koblenz-St. Goar 2. Qu. u. Rest v. 1. Qu. 57,60; Mainz-Oppen- heim 1. u. 2. Qu. 600,—. 17. Schaumburg-Lippe 1. u. 2. Du. 113,65; Minden-Lübbecke 1. u. 2. Qu. 301,08; Celle, 14. hannov. Kr. 1. u. 2. Qu. 575,70. 19. Elberfeld- Barmen 2. Qu. 1200,—; Gotha 600,—; Köln 2. Qu. 1200,—; M. V. Nchl. 2949,—: 20. Lippe 1. u. 2. Qu. 263,25; Itzehoe, 5. schlesw.-holst. Kr. 2. Qu. 478,83; Berlin, Unterst.-Berein d. Kellerarb. d. Brauerei Engelhardt 70,—; Berlin f. Binnenschiffer 27,80; Wittenberge f. Binnenschiffer 2,95; Brandenburg a. H. f. Binnenschiffer 1,40; Spandau f. Binnenschiffer 3,90; Berlin, Uebersch. v. Jubiläum d. Stereotypeure u. Galvanoplastiker d. Fa. Ullstein u. Co. z. R.-W. 43,95. Äl. Greiz, Reuß ä. L., Uebersch. v. Wahlfonds 119,05; Berlin, Dr. L. A. 100,—. 22. Limbach-Mittweida 1. u. 2. Qu. 1217,44; Dkühlhausen-Langen- salza 2. Qu. 228,90; 6. meckl. Kr»2. Qu. 168,15; Breisach-Lörrach 2. Qu. 66,52; Berlin C. L. u. I. M. 50,—; Kranzübersch. d. Tisch l. Weist Nachf., Schöneberg 4,60. 23. Bonn-Rheinbach 2. Du. 74,—; Bez. Thür. II, Wahlzusch. zurück 1000,—; 4. sächs. Kr. a konto 2000,—. 24. Gebwciler, 4. els.-lothr. Kr. 1. u. 2. Qu. 81,94; Lübeck 2. Qu. 1055,40; Lübeck f. Binnenschiffer 1,60; Berlin, ge« sammelt v. d. Koll. d. Fa. Benedikt am Tage d. R.-W. 5.—. 26. Herford-Halle t. u. 2. Qu. 603,65; Hamburg für Binnenschiffer 96,70; Braunschweig 1. Kr. 2. Qu. 1412,94; Dorrmund-Hörde 1. u. 2. Qu. 2861.74; Wolmirstedt-Neuhaldenslcben 2. Qu. 399,16; 2. bad. «r. 2. Du. 92,25; B. P. Pr. 100—; Meisten. 7. sächs. Kr. 1. u. 2. Qu. 2170,—.»7. Lörrach-Breisach Rest 2. Qu.—.60; MacheteS 10,—; 21. sächs. Kr. 2. Du. u. Rest v. 1. Qu. 582,86; I. K., Steinstrahe 1,—; Berlin. Kontobucharbeiter v. Wedding 5,—; Uelzen, 15. hannov. Kr. 1. u. 2. Qu. 197,30; Ehlingen 2. Qu. 696,06; M.-Gladbach 2. Du. 111,03. 29. Berlin, M, W. u. A. H. 2,—; Berlin.Meske'-Schlachtensee 10,—; Cleve- GelVern 2. Qu. 16,64; Berlin, gesammelt im Patzenhofer, Prinzen- straste 15 1,79; Berlin. Knabe 3,—; Duisburg-Mülheim 2. Du. 880,23; 13. württemb. Kr. 5}. Qu. 31,03; Offenbach-Dieburg 1. Qu. 1178,88; P. L.. Bern 50.-; 19. sächs. Kr. 1000,-; Westpr. f. 13 Kreise 2. Qu. sEIbing- Marienburg 109,66; Danzig- Land 92,33; Danzig-Stadt 302,06; Neustadt-KarthauS 5,—; Berent-Slargacd 2,20; Stuhm-Marienwerder 14,37; Rosenberg« Löbau 2,52; Graudenz- Strastburg 34,64; Thorn- Kulm 14,61; Schwetz 3,—; Konitz-Tuchel 4,20; Schlochau- Flatow 6,10; Deutsch-Krone 13,52) Summa 604,21; Schopf- Heim-Waldheim 62,14; Bez. Oslpreusten. 17 Kreise 1. Halb- jähr 1911/12 tKönigsberg-Stodt 1172.93; Königsberg-Land 303,35; Tilsit-Niederung 122,60; Labiau-Wehlau 103,98; Gumbinnen-Jnster- burg 69,—; Memel-Heydekrug 59,07; Ragnit-Pillkallen 45,60; Rastenburg-Friedland 43,85; Olctzko-Lyck 35,37; Osterode-Neiden- 6in Gruß an JVIaxim Gorki» Heute.feiert' Maxiin Gorki, der„Verbannte', seinen fünfzigsten GeburlSrag in Italien. Obschon eS peinlich berührt, einen Glück- wünsch zum fünfzigsten, sechzigsten, siebzigsten JahreSfest öffentlich darzubringen, weil es zu den peinlichsten Angewohnheiten der bürgerlichen Presse gehört, von jedem ersten Besten aus„Kürschners deutschen Litteraturkalender' bei solcher Gelegenheit mindestens durch ein famoses Bild in dieser oder jener illustrierten Beilage Notiz zu nehmen— hatten wir diese Woche nicht erst Herrn Richard Skowronnek, fünfzig blühende Jahre alt, vor seinem Schreibtisch mit Geweih und Eselskinnbacke», und Herrn Oskar Blumenthal im niedlichen Lebensalter von sechzig Jahren: der Himmel lasse ihn zum Besten der nie genug zu preisenden deutschen Litteratur zwei- hundert Semester alt werden I— obschon es fast kompromittierend ist, bei so vielen Torheiten und Albernheiten daS Wort zu nehmen, können und dürfen wir heute nicht schweigen. Denn in unserem Fall haben wir es wirklich nicht mit dem Jubiläum eines Literaturschacherers zu tun, nicht mit einem der lächelnden, wohlbezahlten und wohlgeehrten Gölierchen der Bour- geoisie. sondern mit einem Dichter im wahren Sinne des Volkes, eines seiner Gesinnung wegen aus der Heimat Vertriebenen, eines, der keine.Sensation' inehr ist— der starken, ehrlichen, innigen Ueberzeugnng wegen, mit der er die bestehenden Mächte aii.zugreifen fortfährt. Ich leiste Maxim Gorki, der über.Glückwünsche' er- haben ist. an diesem Tage keinen Dienst, wenn ich seine voNiefflichen Eigenschoflen hervorkehre. Ihm nicht. Aber uns selbst. Dieser Dichter, der soweit ein proletarischer Dichter ist, als das nur im Rahnien der heutigen Gesellschaft möglich ist, zeigt uns das klarste Bild des Tiefstandes, der nickt mehr zu hebenden Degeneration der allgemeinen.belletristischen' Produktion. In- sviriert, getrieben, getragen von der Seele des Proletariats, kein im Grunde bürgerlicher Denker, wie Tolstoi, der seinen selbstgewählten individualistischen Weg ging, zeigt er in ollen seine» Wseten. in seinen Romanen, Dramen und theoretische» Abhandlungeii. die präititigste Tendenz', die die Tendenz des neuen Lebens, die die blühende Lebens- anschrunna ist. die uns denkenden Sozialdemokraten lieb geworden, und die den Einsamen auf Capri durch bürgerliche Acstheten als einen, der abgetan, der feinen.Versprechungen nicht nachgekommen'. beisene unserer Zeit, daß so wenig„beiseite geschobene" Künstler geboren werden— wie Gorki. Ein Gorki mit seinem helle» Kopf, seiner scharfen Analyse von Ursache und Folgen, der eS nie aus dem Auge verliert, daß das Prole- tariat die Retiung der Zukunft«|t, ein Gorki. der weniger seines Naturalismus als seiner vor nichts zurück, chreckenden sozialistischen Kritik wegen gehaßt wird, ist von größerer, ernsterer Bedeutung, als die ganze Phalanx tantiemeiieinstreichender. posierender. Autogramnie schreibender sich Dichter„von Gottes Gnaden' wähnender Autoren. die heute in durchlochten Rettungsgürteln der Ewigkeit' entgegen- treiben und von denen eine zweite oder ontte Generation nicht mehr reden wird. bürg 14,49; Braunsberg-Heilsberg 8,52; Einzelmitglieder in sechs Kreisen 20,67) Summa 2000,03s; Berlin, M. W. 2,—; Berlin, A. B. 50.—; Hennig, Argentinien 5,—. Groß-Berliw a konto seiner 8 Kreise 15 000,—; darunter: Bauarbeiter 15,—, Alexand. F. 6,—, Seckserkasse d. Tischlerei Stabenow, Bülowstraße 15,—, Uebersch. d. Groschenkasse v. Setzmaschinenbau d. Arb. v. Schwartzkopff, Schering- straße 50,—, Dr. Oskar Cohn 6,—, Sparverein Halbe Mark 5,—, d. Vogel 1,—, Kranzspende d. Arb. d. Fa. Kappler 4,—, Silvesterfeier Mecker 5,75, Ruy d. Harte 10,—, Möbelgeschäft O. Piehl 10.—, Bockbierfest b. Garn 2,35, Höppner 4,—, Kranzüberschuß d. Arb. d. Turbinensabrik Abt. Urich, Höhne 29,35, A. B. Mister 1,—, Zur Erkämpfmig d. Frauenwablrechts 1,—. Ueberschuß d. Kranzspende d. Frau Heyer 14,40, Liste 2366 18,45, darunter 14,— v. Pers. d. Fa. Maurer u. Dimmick inkl. 3,— a. d. Sechserkasse. Arb. d. Werkstatt Reich u. Co. 10,—, ges. b. Asbater Boeker 10,—, Arb. d. Möbelfabrik Hans Masserer 10,—, ges. v. d. Stammgästen v. strammen Hund 10,—. Sechserkasse d. Berbandsmitgl. Buchdruckerei Reinhold Kühne 5,—. Sechserkasse d. Fa. Kutzer u. Urban 3,—. Ueberschuß d. Kranzspende d. Pers.� Berl. Stadtbrauerei 4,90. V. d. Arb. u. Arbeiterinnen d. Elektro-mechanischen Industrie, Chausseestraße 42 26,60. Guten- berg 29,50. Ueberschuß v. Kranz E. Schingnitz 4,20. Spende v. Koll. Barlelt 3.30. V. d. Sechserkasse d. org. Schleifer d. Fa. Mehlisch, Sophienstr. 20 10,—. Vergnügter Abend d. Bezirke 509 10, 6. Kreis 3,35. Ueberschuß d. Groschenkasse d. M. G., Abt. d. W. M. F., Moabit, d. Bendt 40,—. Tellersammlungen i. d. Franenvers. a. 3. März: Arminhallen 27,65; Viktoriasälen 28,27; Neukölln 39,70; Moabit 60,38; Königstadt 89,05; Konkordiasäle 84,35; Lichten- berg 40,37. Berichtigung. In der vorigen Abrechnung muß es heißen: Von den Maschinensetzern der„Deutschen Tageszeitung" 1.— 4. Rate, statt 27.95 30,95. Berlin, den 13. März 1912. Für den Parteivorstand: I. V.: Otto Braun, Lindenstr. 3. Wir haben unter Nr. 7918, A. Gerisch, F. Ebert, O. Braun, Berlin, Lindenstr. 3, beim Postscheckamt Berlin ein Postscheckkonto und ersuchen daher dringend, alle Geldsendungen mittels Zahlkarte auf unserPostscheckkonto zu bewirken. Es können darauf an jedem Poftschalter Beträge bis 10 000 M. portofrei für uns eingezahlt werden. Zahlkarten mit eingedruckter Adresse senden wir auf Wunsch zu. Reichstag. 25. Sitzung. Mittwoch, den 13. März. nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. Delbrück. Drei schleunige Anträge der Polen, Sozialdemokraten und Frei- sinnigen wegen Einstellung von Privatklageverfahren gegen die Ab- geordneten Rowicki(Pole), Laudertie auf der Renn bahn des Unionklubs tätig sein könne n. Das sind im Jahre 1000 Tage, die auf Kosten des Etats von den Beamten dorl in privatem Dienst verbracht werden. Be> den FrühiahrSrenneu fehlen fast täglich acht bis zehn Beamte i m Haus e. Manchmal sind fast alle dazu beurlaubt und die Diener, die übrig bleiben, müsse» dann für die zehn Be- urlanbien die Arbeit mitmachen. Wir müssen ferner dagegen protestieren, dah in der Boten- meislepei von Angestellten des Herrenhauses Tausende von Staats- Handbüchern nach allen Gegenden Deutschlands verschickt werden und die Kosten auch für die Vielen Zentner Packpapier aus dem Etat des Herrenhauses be st ritten werden. sHört, hört!) Ao ergibt sich die Berechtigung der Aentzerung meines Freunde« e i» e r t, doh die Herren vom Herrenhause es dringend nötig hätten, sich um ihre eigene» Angelegenheiten zu kümmern. Da drüben hat sich auch eine Fahrstuhltragödie abgespielt, allerdings etwas anders als hier. Dorl hat man einen Fahrstuhl zur Beförderung 'der Speisen vach deu Feslsälen gebaut. Er sollte ursprünglich, seinem Zweck entsprechend, zum zweiten Stock gehe». Man hat ihn dann aber dnrchgesührt bis auf den Boden, und zwar deshalb, damit der H a u s i n) p e k i o r für die Unmenge von Hühnern, Tauben und Kaninchen, die er auf dem Dache hält, d a S Fu tter per F a h r st u h l heraufschaffen laiin. sHört! hört! und große Heiterkeit.) Es ist ja ein nützlicher Zweck, zur Hebung des Viehstandes im Herrenhause beizutragen sHeiterkeit), aber wir meinen, es ist nicht gerechtfertigt, das; um solcher Zwecke willen der Fahrstuhl auf Kasten der Steuerzahler so viel höher gebaut wird, während man hier Bedenken trögt, die notwendigsten Verbesserungen im Juteresse der Abgeordneten dieses Hauses am Fahrstuhl anzu- bringe». Die Abgeordneten dieses Hauses, die hier bei streitig- keilen mit der Regierung immer als die Karnickel angesehen werden, sollten wenigst ms die Gleichberechtigung mit den Karnickeln des Herrenhauses verlangen. sHeiterkeit.) Jedes Jahr werden sechs bis zehn Fuhren Blumenerde nach dem Herrenhause ge- schafft für je 24 Mark. Davon wird für die Blumentöpfe im Hauie eine Fuhre verbraucht, neun bis zehn Fuhren werden aber»Uttels eines aus dem Etat angeschafften Flaschenzuges nach denr Dache geschafft, wo der HanSinspektor eine» u in i a n g r e i ch e n Gemüsegarten hat. Uns freut es geivitz, wenn der Kohl im Her renhause gedeiht. sHeiterkeit.) Aber wir hoffen, datz nun auch die Zeit nicht mehr fern sein wird, wo der Engel Gabriel, der mit dem Flammenschwert den niedrig geborenen Mit- gliedern dieses Hauses den Einlas in den Herreuhausgarten ver- wehrt, verschwindet. Bon de» 20 Leuten, die für Reinigung und Lüftung des Herrenhauses angestellt sind, werden die meisten als Biehfiitterer und Gärtner auf dem Dache voni Hansinspektor benutzt. Ein M a-u r e r baut auf Koste» des Etats massive Hühner- st ä l l e und K a n i n ch e n st ä l l e für den Hausinspekior auf dem Dach. Das scheint uns nicht nur staatsrechtlich bedenllich, sondern auch vom Sicherheitsstaudpunkl aus. So gern wir selbst dem Herren- hause aufs Dach steigen möchten(Heiterkeit), so müssen wir doch da- gegen protestieren, daß daS Oberstübchen der Herren da drüben so bedenklich belastet wird.(Grofie Heiterkeit.) Denken Sie nur, wenn in einer wichtigen Beratung des Herrenhauses, etwa wie gestern, wo die Sozialdemokraten geschmort und gespickt wurden, bei überfülllem Hause das Dach Heruntervrasselt auf die Herren mit Hühnern, Kaninchen und Kohl.(Heilerkeit.) Sie wissen ja, daß wir gern bereit sind, in dem Hause der Herren eine so gründliche AuSkehr vorzunehmen, datz der Platzmangel in diesem Hause für neue, tüchtige Kräfte behoben wird. Bis wir so- weil find, müssen die Herren„in dem Haute da brüben", um ein bekanntes Wort der Konservativen anzuwenden, für Ordnung und Sauberkeit im eigenen Hause sorgen und vor der eigenen Tür kehren. Präsident Frhr. v. Ersfa: Es ist nicht zulässig, das andere HauS zu kritisieren. Ich bitte Sie. das zu unterlassen. Abg. Hoffmann(Soz.) fortfahrend: Wir werden alles aufbieten, datz jenes HauS da drüben, in das man nicht hiiieingewühlt. sondern wie in eiuem Mausoleum beigesetzt wird, gründlich ausgekehrt wird, um den GrabeSduft und den Leiche n geruch in jener galvanisiertenLei�chen- kam»i er endlich einmal auszutreiben.(Beifall bei den Sozial- deniokraten.) Präs. Dr. Frhr. v. Erffa: Wegen dieser letzten Aentzerung rufe ich Sie zur Ordnung.(Beifall rechts.) Der Etat des Herrenhauses wird bewilligt. Leim Etat des Abgeordnetenhauses fordert die Kommission in einem Antrage einen Gesetzentwurf, durch welchen daS Recht der Prästdenlen beider Häuser des Landtages zur Verlcelnmi des Fiskus und die Rechtsverhällnisse der Beamten der beiden Häuser neu geregelt werden. Ein Aulrag des Abg. v. B r a n d e n st e i n(k.) wünscht Ein- setzimg einer Kommission von 14 Mitgliedern, um die obenerwähmen Fragen iwchmals zu prüfen. Abg.. Straffer(l> regt an. daS Nochbargrundslück an der Prinz- Albr�ckil-Slratze anzukaufen und im Feltiaale ein neues Bild des bisherigen Präsidenten v. K r ö ch e r aufzuhängen.(Beifall rechts.) Das jetzige dort sei ihm«ehr unähnlich. Abg. Grai Strachwiti(Z.) stimmt dem letzten Wunsche des Vorredners zu. Weiler wünscht der Redner Ausdehnung der F r e i f a h r k a r l e n für die Abgeordneten auch nach dem Wahlkreise. nicht dlotz nack dem Wohnorte. Abg. Dr. Fricdberg(natl.) spricht sich gleichfalls für den Ankauf des Rachbargrimdstückes aus und bedauert lebhaft, datz die Re- gieruug den Abgeoroneten noch immer nicht Freiiahrkarten für alle Fahrte u gewähre. Der Garten des Abgeordnetenhauses sollte erweitert werden._ Abg. Dr. Pachnickc(Vp.) ist ebenfalls für den Ankauf des Na: Schaffen Sic doch Gesetze, d ie di e Ar- bester nicht vom Lande forttreeben! Mit dem Ar- beitsvertrag darf nicht auch der Mietsvertrag erlöschen. Der FisknS sagt: Stadt Berlin, baue Wohnungen— aber er will nur seine Wälder teuer verkaufen. Das Reichsversicherungsamt hat durch Erhöhung des ZinsfutzcS den Wohnungsbau kolossal erschwert.(Zu- stimtnung links.) . Abg. Hirsch(Soz.): Wenn wir den» Antuig auf landeszesetzliche Regelung des Wohnungswesens unstie Zustimmung �eben. so geschieht das nicht etwa, weil wir überzeugt find, datz bei einer landesgesetzlichen Regelung irgend etwas herauskommt, sondern wir wollen zeigen, datz wir bereit sind, in dieser Frage positiv mitzuar- Veiten. Selbstverständlitck) muffen wir uns unsere definitive Stellungnahme vorbehalten, bis wir wiffen. wie die Vorloge aus- ficht. Wir wünschen eine Vorlage, die sowohl die großstädti- s ch e n, als auch die l l e i» st ä d t i s ch c n imd ländlichen Woh- nungsverhältNisse regelt. Nfcinc Freunde sind an sich nach wie vor für eine rcichsgctctzliche Regelung. Wir haben auf Grund v-m Eüfahrungen awf diesem Gebiete zu dem preutzischen Landtag und zu der Regierung nicht das Ler- trauen, datz sie einen Wohnpingsgesetzentevurf einbringt, der auch nur einigermazen den Anforderungen entspricht, de» wir an ein julcheö Gesetz stellen.(Sehr rijchtig! b. d.«oz.) Es ist zu bedenken, datz jetzt schön fast zehn Jahre verflossen sind, fcitdcm der erste Euk- Wurf veröffentlicht wurde. Wenn Sie sich demgegenüber die Tat- fache vor Augen halten, datz trotz der wiederholten Anregungen in diesem Hause die Regierung es immer noch sticht für nötig gehalten hat, auch nur erneu Schritt zu tun, so können Sie es mir nachfühlen, wenn wir sagen: Wir haben zu der Regierung keinVertra neu in dieser Sache. Wenn wir nach unserer Zahl imstande wären, so hätten wir selbständige Anträge in dieser Richtung ge- stellt. Wir hckben aber keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne auf die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung des WohnungS- Wesens hinzuweisen. Die Regierung hat aber auf alle diese Au- regungcn g e s chw i e g e n. Daraus kann man den Schluß ziehen, datz es der Regierung nicht allzuernst ist mit der Lösnng dieser Frage. Sie hat sich ja auch bisher stets und ständig für die Aufrcchterhaltung deS HausbesitzcrprivilcgS ausgesprochen. Jeder Kenner der Verhältnisse wird aber zugeben, datz ohne tatkräftige Mitarbeit der Gemeinden auf dein Gebiete der Wohnungsreform nichts zu erreichen ist. Die Mitarbeit der Ge- ineinden wird aber erschwert, teilweise aber direkt uuinöglich ge- macht dadurch, datz nach dem Hausbesitzerprivileg die Hälfte der Gemeindevertreter Hausbesitzer sind.-Wem es ernst ist um die Lö- sung der Wohnungsfrage, der mutz hier mit uns für die Beseitigung des Hausdesitzerprivilegs eintreten und für ein freies Kommunal- Wahlrecht.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Davon wollen Sie aber nichts wissen und ehe hier nicht der Hebel angesetzt wird von Ihrer Seite, kann ich alle Ihre Bcftröbungen zur Verbesserung der Wohnungs- Verhältnisse n i ch t e r n st n e h m e n. Auf die Wirkung des Zweckverbandes in dieser Richtung kann man auch keine Hoffnungen setzen, denn das Herrenhaus hat ja die Bestimmung, wonach der Zweckvcrband die Förderung des Kleuiwohuuugsbaues übernehmen sollte, beseitigt und die Re- ierung hat dieser Verschlechterung zugestimmt. Wie soll da aus er Landesgesetzgebung' etwas Gutes herauskommen. Wenn die Borlage aber wider Erwarten unseren Anforderungen entsprechen sollte, so werden wir gar kein Bedenke» tragen, ihr zuzustimmen. Ich mutz mich in erster Linie auch gegen den Antrag des Freiherrn v. Zedlitz wenden, der verlangt, datz die Bestimmungen mit voller Energie nur gegenüber neuen Verhältnissen, also in neuen Stadt- teilen, durchgeführt werden sollen. Freiherr v. Zedlitz will zugleich mit dem Gesetz den nach seiner Meinung weit über das Bedürfnis hinausgehenden Zudrang zu den Grotzstädten eindätn- men. Wenn wir ein Wohnungsgesetz' um den Preis des Frei- zügigkeitsrechts erkaufen sollen, dann verzichten wir darauf, so drin- gend notwendig uns sonst ein solches Gesetz auch erscheint. Der Zu- drang zu den Grotzstädten wird doch auch nach den Feststellungen von Eberstadt und anderen Autoritäten dadurch begünstigt, datz aus dem Lande die Wohnungsverhältuisse vielfach noch viel schlechter sind als in der Grotzstadt.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Vielfach wird dieser Zudrang auch künstlich da- durch hervorgerufen, datz von den Amtsvorstehern und Gutsvor« sichern viele Unterstützungsbedürftige einfach nach den Großstädten abgeschoben werden. Das kann Ihnen die Verwaltung des Berliner AshlS füd Obdachlose bestätigen.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Dr. Wuermc- l i n g stellte es so dar, als seien die Grotzstädte der gefährliche Bo- den und das Land der Jungbrunnen. Tatsächlich beweist aber die Kriminalstatistik, datz die Zahl der Verbrechen auf dem Lande verhältnismätzig viel gröher ist als in den Städten. Die Statistik beweist auch, datz die Wohnungsverhältnisss auf dem Lande autzerordcntlich viel zu wünschen übrig lassen, ganz besonders trifft das auf die Wohnräume der ländlichen Arbeiter zu. Mein braucht nur die amtlichen Feststellunge» zum Beweise dafür zu studieren. Trotzdem gebe ich zu, datz auch die Wohnungsverhätt- niffe in den Grotzstädten sehr viel zu wünschen übrig lassen. Der Abg. Wcitzermel hat sich dafür auf die Statistik der Berliner Orts- krankenkasse der Kausleute berufen. Ich mutz ih» daran erinnern, datz auch diese Statistik nur gegen den Wider stand der Re- g ierung aufgenommen werden konnte; wieder ein Beweis für dos Interesse, das die Regierung an diesen Fragen nimmt.(Sehr richtig! b. d. Soz.) In den Kleinstädten und auf dem Lande gibt es äber zahlreiche Wohnstätten, die den Grotzstadtwohnungen an Autzerachtlassung aller Hygiene und gesundheitlichen Vorkehrungen nicht nachstehen. Wir dürfen uns deshalb bei der Regelung dieser Frage nicht auf die Grotzstädte beschränken, sondern müssen unsere Aufmerksamkeit auf das Land und auf die kleinen Städte richten. Falsch ist auch die Behauptung, datz in den Grotzstädten nichts für die gesunde und sittliche Grundlage der Be- völkerung getan wird. Wir unterlassen es gewitz nicht, die Täti�-. ieit der städtischen Behörden zu kritisieren, aber derartige Angriffe gegen die grotzstädtischen Verwaltungen sind durchaus ungerecht- fertigt. Wenn für die gesunde, gute, sittliche Grundlage des Volkes nicht genug getan werden kann, so sind gerade jene Schichten auf der rechten Seite und in der Regierung daran schuld, die uns fortwährend Schwierigkeiten mächen bei der Pflege des Turnens unter der Arbeiterjugend und überhaupt bei unserer Tätigkeit für eine gesunde Jugenderziehung.(Sehr richtig! b. b. Soz.) Das Wvhnungselcnd hat seinen Grund bor allem auch in den hohen Mietspreisen, die durch die Bodenspekulation Herborgerufen werden» Diesem Spekulantentum, das geradezu ein Verbrechen an der Gesamtheit begeht, mutz entgegengetreten werden.(Beifall b. d. Soz.) Wenn man ganze Arbeit machen will, dann mutz die Regitz- rung ein Stück weiter gehen und mit uns eintreten für die Bergesellschaftung des Badens. (Sehr richtig! b. d. Soz.) Di« blotze Wohnungsaufsicht kann nicht Hilfe schaffen. Die Gemeinden müssen selbst dazu übergehen, ge- sundtz�KIeinwohnungen zu bauen. Das ist aber in Preutzen un- möglich, solange hier das rückständige Gemeinde- Wahlrecht mit dem Hausbesitzerprivileg besteht. (Sehr richtig! b. d. Soz.) Wir werden in erster Linie den fortschritt- liehen Antrag unterstützen, sollte er aber fallen, dann werden wir auch fiir den Antrag zu haben sein, der zunächst eine Regelung in den Grotzstädten verlangt. Ich hoffe aber, datz die Regierung dann möglichst bald einen Entwurf unterbreitet, der so gestaltet ist, tftttz wir ihm unsere Zustimmung geben können. Wir werden mindestens in demselben Matze kvie alle anderen Parteien daran mitarbeiten, die schlechten Wohnungsverhältnisse zu verbessern zum Segen der Gesamtheit.(Lebhafter Beifall b. d. Soz.) Damit schlietzt die Besprechung. In seinem Schlutzwort wendet sich Abg. Freiherr v. Zedlitz gegen den Vorwurf, datz sein Antrag die Freizügigkeit beschränke. Rur die Auswüchse der Frei- zügigkeiv wolle er beseitigen. Die Anträge Arendt und Frank werden unter Ablehnung deL freisinnigen Antrages a n g e n o m m e n. Das Haus vertagt sich Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr. lMah- und Gewichtsordnnng, Unterstützungswohnsitz, Etat der Preuhenkasse.) Schlutz 4'ch Uhr._ parlamentarilekes. Der Postetat vor der Budgetkommission des Reichstage?. Die Kommission führte in den Sitzungen vom Dienstag und Mittwoch die Beratung des Postetats zu Ende. Zu einer lebhaften Aussprache führten die an Beamte gezahlten Unterstützungen und Gratifikationen. Abg. Zubeil wies darauf hin. datz in den Kreisen der Postbeamten über die ungerechte Verteilung Klage geführt wird, besonders im Königreich Sachsen. Für die nicht krankenversicherungspflichtigcn Unterbcamtcn soll eine Krankenkasse errichtet werden, wozu die Verwaltung pro Jahr 6 M., jedes Mitglied 13 M. Beitrag leisten soll. Die Mitglieder nebst ihren Familienangehörigen erhalten ürztlich: Behandlung und Heilmittel. Abg. Südekum bemängelt lebhaft die Organisation dieser Kasse, die de» Beamten ein nur sehr geringe? Recht an der Verwaltung der Kasse einräumt. Der Staats- sekretär bittet, die Organisation so zu belassen, wje sie vor- Leschen ist; Aendervngen können ja eventuell später eintreten. — Die Summe der fortdauernden Ausgaben des Postetats beläuft sich auf 667 864 679 M. Tie gesamte Einnahme beträgt laut Etats- anschlag 781 381 009 M<, so dast ein Ueberschutz von 89 997 76ö M. verbleibt.— An den vielfach geschmacklosen Bauten, die die Reichs- postVerwaltung ausführen lästt, wurde lebhafte Kritik geübt. Tas Zentrum forderte für postlagernde Sendungen Erhebung eines Zuschlagportos. Begründet wurde dieser verkehrsfeindliche Zuschlag auch damit, das; dem unsittlichen postlagernden Briefverkehr unter Chiffre gesteuert werden müsse. Von sozialdemokratischer Sei�e wurde dieser Forderung lebhaft widersprochen, ebenso durch den Staatssekretär, der auch erklärte, dag Deutschland gar nicht einseitig die postlagernden Sendungen extra belasten kann. Getroffen würden durch das Zuschlagporto Geschäftsreisende und Leute, die keinen festen Wohnsitz haben. Eine solche Matzregel sei aber nicht zu empfehlen.— Tas Zentrum versuchte nunmehr, seine Fonderung dahingehend umzudeuten, datz es höhere Einnahmen erzielen wolle, um den Unterbeamten zu helfen. Der Staats- serretär lietz aber keinen Zweifel darüber, datz von einem solchen Zuschlagporto keine nennenswerte Einnahme zu erhoffen sei. Die Zentrumsresolution wurde abgelehnt; damit war die Be- ratung des Postetats beendet. Die Geschäftsordnungskommission des Reichstages beschäftigte sich am Mittwoch mit den Anträgen der Linken, die „Kurze Anfragen" an den Reichskanzler in die Geschäfts- Praxis des Reichstages einführen wollen. Zweimal in der Woche sollen vor Eintritt in die Tagesordnung kurze Anfragen an den Reichskanzler gestellt werden dürfen. Die Antwort kann schriftlich oder mündlich erfolgen. Mehr als eine Stunde darf in jeder Sitzung auf diese Anfragen nicht verwendet werden.— Die Sozialdemokraten beantragten, datz nach der Beantwor- tung einer Anfrage jeder Abgeordnete das Recht haben soll, eine . Ergänzung oder Berichtigung dazu zu machen.— Der Abgeordnete G r o e b e r sieht eine Gefahr darin, wenn jedem Abgeordneten dieses Recht zugestanden werde, dann werde die Debatte eine Folge der Anfrage sein und das Jnterpellationsrecht beeinträchtigt. Redner beantragte, datz die Anfrage von mindestens 15 Mitgliedern des Hauses unterzeichnet sein müsse. Der Abg. v. P a y e r fürchtet ckeinen Mitzbrauch dieses Rechts. Das Plenum des Reichstags und die Oeffentlichkeit würden ein Korrektiv sein. Die Abgg. Lebe- b o u r und Frank verteidigten den sozialdemokratischen Antrag, durch den kleineren Gruppen das gleiche Recht gewährt werden soll. Ledebour wies an den Verhandlungen des englischen Parlaments nach, wie glatt sich derartige Verhandlungen vollziehen. Es dürfe keine Einschränkung des Fragerechts geschaffen werden. Abgeord- neter I u n ck(natl.) wandte sich gegen den sozialdemokratischen Antrag und gegen den Abgeordneten K r e t h, der in den Anträgen allerhand Gefahren für das Reich, sogar für die Selbständigkeit der Einzelstaaten sieht, außerdem Mitzbräuche des Fragerechts fürchtet, die der Abg. G r o c b e r als übertrieben fand. Letzterer beantragte noch, datz die Anfragen sowie die Antworten in tabella- rischer Form alsbald allen Mitgliedern des Reichstags mitgeteilt werden. Die Abstimmung über die Anträge wird in der nächsten Sitzung stattfinden._ Aus der Petitionskommission des Reichstages.. Die Kommission beschloß in ihrer Sitzung am Mittwoch, gleich der Wahlprüfungskommission darauf Bodacht zu nehmen, daß die von ihr bearbeiteten Petitionen nicht bis zum Scssionsschluß liegen bleiben, sondern datz sie möglichst bald zur Verabschiedung vor das Plenum gelangen. Von den zur Verhandlung gelangten 28 Peti- tionen wurden 24 für ungeeignet zur Erörterung im Plenum er- klärt. Eine Petition auf Errichtung von Gastwirts- kammern wurde der Regierung zur Kenntnisnahme überwiesen.— Tie Gemeindevertretung eines Dorfes bei Dresden hatte Maßnahmen gegen die Lebensmittelteuerung gefordert. Mit elf gegen zehn Stimmen beschloß die Koin- Mission trotz lebhaften Protestes von sozialdemokratischer Seite, auch dieser Petition das kümmerlichste Armenbegräbnis zu be- reiten, indem sie für ungeeignet zur Erörterung im Plenum er- klärt wurde. Als Grund mutzte der Hinweis herhalten, die Frage sei im Plenum schon genügend erörtert worden.— Eine Peti- tion auf reichsgesetzliche Regelung des Irren- Wesens wurde der Regierung als Material uberwiesen.— Zur Beratung einer weiteren Petition, die sich mit empörenden Fällen von ärztlichen Experimenten an Kranken und Schwangeren beschäftigt, denen Svphilis eingeimpft worden ist, soll ein Regierungskommissar zugezogen werden.— Dr. Löwen- thal in Berlin, Begründer und Vorsitzender des WeltwohlfahrtS- bundeS, wünschte eine Besteuerung aller Maschinen mit mehr als fünf Pferdekräften; der Ertrag solle zur Beschäftigung von Arbeitslosen verwendet werden. Außerdem fordert er 5999 M. aus Reichsmitteln zur Unterstützung seines„Instituts für Gedankenstatistik". Die Kommission erklärte beide Eingaben für ungeeignet zur Erörterung im Plenum. Reichs- und Staatszugehörigkeit. In der Sitzung der Reichstagskommission vom Mittwoch wurde die Diskussion über die zum 8 6 gestelltem sozialdemokra- tischen Anträge fortgesetzt. Diese Anträge bezweckem Mit dem Erwerb des Wohnsitzes den Erwerb der Staats- angehörigkeit zu verknüpfen. Die Abgeordneten Dr. Lieb- k n e ch t und Dr. O u a r ck gaben sich noch einmal alle Mühe, den Anträgen zur Annahme zu verhelfen; leider erfolglos, denn samt- liche bürgerliche Parteien, mit Ausnahme des Polen und des Dänen stimmten dagegen. Durch einen Antrag der Fortschrittler zu § 6 wurden eine Reihe juristischer Streitfragen aufgerollt, deren wichtigst« die war, ob sich, die Geschäftsfähigkeit der Ehefrau nach den Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuches regelt oder ob hier besondere Bestimmungen darüber erforderlich sind, Sachlich beantragten die Sozialdemokraten, die Worte„der Antrag einer Ehefrau bedarf der Zustimmung des Mannes" zu streichen. Die Fortschrittler wollten an dieser Bestimmung zwar festhalten, aber hinzufügen, datz die fehlende Zustimmung des Mannes durch die Vormundschaftsbehörde ersetzt werden kann. Dr. Ouarck konnte sich zur Begründung des sozialdemokratischen Antrags auf eine Eingabe deS pnentzischen Vereins für Frauenstimmrecht be- rusen. die sich lebhaft gegen die Geschlechtsvormundschaft der Frau wendet. Für den Antrag der Sozialdemokraten stimmten wieder nur die Antragsteller, der Däne und der, Pole. Der Antrag war damit abgelehnt. Angenommen wurde der Antrag der Fortschrittler. den 8 6 wie folgt zu fassen.-„Die Aufnahme wird einen, Deutschen von jedem Bundesstaat, in dessen Gebiet er sich niedergelassen hat, erteilt, falls kein Grund vorliegt, der nach den 88 3 bis 5 de? Gesetzes über die Freizügigkeit vom 1. November 1867 die Abweisung eines Neuanziehenden oder die Versagung der Fortsetzung des Aufenthaltes rechtfertigt. Der Antrag ein«r Ehe. frau bedarf der Zustimmung des Mannes. Die fehlende Zustim- mung kann durch die Vormundschaftsbehörde ersetzt werden" Auf Antrag des Abg. Dr. Giese(kons.) wurde noch eine Bestimmung angefügt, wonach ein mit dem Vater aufzunehmendes Kind, wenn es das 16. Lebensjahr vollendet hat. nur mit seiner Zustim- M u n g aufgenommen wird.™, Der§ 7 enthält die wichtigsten Bestimmungen, über die Auf. n a h m e v o n Ausländern. Während der Entwurf im Ab- satz 1 ausspricht, datz einem Ausländer die Aufnahme unter be- stimmten Voraussetzungen gewährt werden kann, beantragen, die Sozialdemokraten:„Einem Ausländer, der sich im Inland nieder- gelassen hat, darf die von ihm beantragte Aufnahme von dem Bundesstaat, in dessen Gebiet die Niederlassung erfolgt ist. nicht versagt werden, wenn er..." Es folgen dann die Voraussetzungen des Entwurfs, zu denen als Ziffer 5 noch angefügt werden soll, datz der Ausländer feine Niedevlassung mindestens L Jahre hindurch, im Jnlande gehabt, hat. Zur Begründung führte Dr L a n d s b e r g aus: Der Antrag würde nicht nötig sein, wenn in'Deutschland eine vernünftige Praxis in der Behandlung der Ausländer herrschen würde. Gerade vom nationalen Standpunkt aus müsse die Aufnahme möglichst viel unbescholtener AuÄander — Lerantwortlicher Redakteur:«lbert Wach». Berlin. Für den als Reichsangehörige erwünscht sein: Der Vertreter des Reichsamts des Jnnevn lehnte den Antrag alA einen tiefen Eingriff in die Souveränität des Deutschen Reiches ab. Der Vertreter des Aus- wältigen Amtes bezeichneie den Antrag schon deshalb als unmög- lich, weil kein anderer Staat ein solches Gesetz habe oder schaffen werde. Diesem Standpunkt schloß sich der Redner den N a t i o n a l- liberalen an, worauf Dr. Li-ebknccht ausführte, e S sei eine Schmach, ein Kapitell, dessen wir uns aufs tiefste zu schämen haben, wie Ausländer in Deutschland behandelt werden. Gestützt auf eine Reihe von Einzelbeispielen er- klärt Liebknecht, in keinem Land« hprvsche eine s o n i e d e r t r ä ch- t i g e Praxis wie in Preußten. Eine ideale Lösung bilde der gestellte Antrag nicht, aber bei der Rücksichtslosigkeit der preu- tzischen Behörden sei ein Pressionsm�ttel absolut geboten. Ein V er- treter der preutzischen Re-gierung weist den Ausdruck „entschieden" zurück und vermißt ein Eingreifen des Vorsitzenden. Er behauptet, die weitaus größte Zahl der Naturalisationsgesuche von Ausländern werde in Preutzew genehmigt. Vorsitzender Ä n- t v i ck erklärt, er habe die beanstandete Bemerkung Liebknechts im Drang« der Geschäfte überhört; wenn sie für die preußische Regie- rung beleidigend gewesen sei. so rufe. er Liebknecht zurOrdnung. Nächste Sitzung Donnerstag._ s WahlprüsungSkommission. Nach§ 7 des Wahlgesetzes kann ein Wähler seine Stimme nur in dem Wahlbezirk abgeben, in dem er wohnt. Das setzt natürlich zwingend voraus, datz auch in jedem Wahlbezirk ein Wahllokal vorhanden ist, sonst kann der Wähler in seinem Bezirk nicht gültig abstimmen,. Im Wahlkreis Köln-Land, in dem der Zentrumsmann Kuck hoff mit einer Mehrheit von nur 31 Stimmen gewählt ist, war in 29 Wablbezirken das Wahllokal nicht im Wahlbezirk gelegen, in drei Fällen lag das Wahllokal sogar in einem anderen Wahlkreise, nämlich in Köln-Siadt. Von sozialdemokratischer Seite wurde deshalb beantragt, die Wahl in diesen, Bezirken für ungültig zu erklären. Die Vertreter des Zentrums traten diesem Antrag entgegen, weil es namentlich in Großstädten gar nicht immer möglich ist. im Bezirk selbst ein ge- «gneteS Wahllokal zu ftndem Die Kommission erachtet den Ein- wandfürunerheblichv Die weitere Prüfung wurde vertagt. Euq der Partei. Zum Stichwahlabkommen. Der zwerte Hamburger Wahlkreis beschäftigte sich am Dienstag mit dem Stichwahlabkommen. Nach einem Referat des Genossen Döring und einer eingehenden Diskussion, in der das Abkommen von allen Rednern mit einer einzigen Ausnahme entschieden gemißbilligt wurde, gelangte folgende vom Referenten eingebrachte Resolution mit großer Mehrheit zur Annahme: „Die am 12. März 1912 im Lokale von Vorwohle versammelten Genossen und Genossinnen des zweiten Hamburger Wahlkreises mißbilligen mit aller Entschiedenheit das vom Parteivorstand mit dem Vorstand her Fortschrittlichen Volkspartei abgeschlossene Stich- wahlabkommen, insoweit die Sozialdemokratie verpflichtet wurde, in 16 Wahlkreisen zugunsten der freisinnigen Kandidaten! auf die energische Fortführung der Wahlagitation zu verzichten. Die Ver- sammlung ist der Meinung, daß sowohl die Art und Weise, in der dieses Abkommen zustande gekommen ist, als auch die Dämpfung des WahlkayiPfeS in einer Reihe von Wahlkreisen geeignet war, den KampseSmut der Genossen aufs schwerste zu erschüttern." Bebel und Ferri. Der ikalienischo Abgeordnete Enrico Ferri, der sich«ine Zeit- lang für einen Sozialisten hielt, hat durch seinen Tripoliskoller seine Wähler derart bor den Kopf gestoßen, daß er sich zur Nieder- legung seines Mandat? verstehen mußte. Außerdem hat die römische Parteisektion auch seinen Ausschluß aus der Partei beantragt. Dem Redakteur eines bürgerlichen Blattes gegenüber hatte Ferri seine begeisterte Zustimmung zum Tripolis-Raubzuge u. a. damit zu begründen versucht, daß sich auch Genosse Bebel gleich. falls für eine koloniale Expansionspolitik ausgesprochen habe. Die Redaktion des„Avant i" wandte sich deshalb direkt um Auf- klärung an Genossen Bebel und erhielt folgende Antwort: Werte Genossen! Seit 26 Jahren, d. h. seitdem Deutschland Kolonialpolitik treibt, bin ich der entschiedenste Gegner dieser Politik gewesen und bin eS bis auf den heutigen Tag. Ferri kann sich also auf keinen, Fall aus mich berufen. Mein« Gegnerschaft gegen die Kolonialpolitik ist auch die der deutschen sozialistischen Partei. Im übrigen habe ich Ferri, schon seit langem nicht mehr als Sozialisten angesehen. Er ist kein solcher mehr. Herzliche Grütze August Bebe!. Serickts-Leitung. Raufhandel. „Mitgegangen, mitgefangen" ist gewissermaßen das Motto des 8 227 des Strafgesetzbuches(Beteiligung am Raufhandel, bei dem eine Person getötet worden ist). Auf diesen seit zwei Jahrzehnten in der Praxis nicht angewendeten Paragraphen stützte sich ein« Anklage, welche gestern die 1. Hilfsstrafkammer des Landgerichts I beschäftigt«. Es handelte sich um jenen s. Z. unter dem Titel „Der Totschlag am Comeniusplatz" gemeldeten nächtlichen Krawall, bei welchem der 19jährige Elektrotechniker Fritz Masche durch einen Stich in die Halsschlagader getötet worden war. Angeklagt wegen Beteiligung an einem Raufhaitdel waren der Arbeiter Wladislaus Bartczak. der Arbeiter Johann PotkowSki und der Maurer Boles- lauS MikolajewSki.— In der Nacht zum 17. Dezember v. I. entstand in der Schankwirtschaft von Libera am Comeniusplatz 6 zwischen mehreren Gästen aus einer geringfügigen Ursache ein Streit, der damit endete, daß von dem Wirt mehrere Personen, darunter der später getötet« Masche und dessen Bruder Johannes aus dem Lokal gewiesen wurden. Gegen 5 Uhr morgens kehrten die Hinausgewiesenen, die sich inzwischen in einem anderen Lokal aufgehalten hatten, nach dem Liberaschen Lokal zurück. Als nach einiger Zeit mehrere-Gäste aus diesem herauskamen, kam es zu gegenseitigen Sticheleien, die schließlich in eine wüste Schlägerei ausartete, an der sich etwa 39 Personen beteiligten. Während der Rauferei soll der Angeklagte Bartczek gerufen haben:„Schnell ein Messer her!", worauf ihm Mikolajewski ein solches gab. Als die Gebrüder Masche mit ihren Bekannten die Flucht ergriffen, wurden sie von den Angeklagten und ihren Genossen bis in die Rüdersdorfer Straße hinein verfolgt, wo es von neuem zu einer wüsten Schlägerei kam. Plötzlich fiel Fritz Masche mit einem lauten Aufschrei zu Boden. Er hatte in dem Handgenzenge einen Stich in de» Halb erhalten, der die groß« Schlagader durchschnitt, so daß der junge Mensch in wenigen Minuten infolge Verblutung eine Leiche war. Trotz aller Ermittelungen und Zetugenvernehmungen ließ es sich nicht feststellen, wer den tödlichen Stich geführt hatte, da die Prügelei im Dunkel des Dezembermorgcns stattgefunden hatte. Die Staatsanwaltschaft erhob deshalb Anklage wegen BergeheuS gegen den 8 227. Nach diesem sehr selten angewendeten Para- graphen macht sich jeder strafbar, der sich an einer Prügelei be» teiligt, bei welcher ein Mensch getötet wird. Zu der gestrigen Verhandlung waren zahlreiche Zeugen ge- laden. Das Bild, welches diese Zeugen entwarfen, schwankte jedoch je nach ihrer Parteizugehörigkeit. Mehrere Zeugen be- lasteten einen Arbeiter JaworSki. dem sie als den Messerstecher bezeichneten, sehr schwer. Zur Sprache kam u. a. auch, daß der tödliche Streich eigentlich dem Bruder des Getöteten gegolten hatte. Im letzten Augenblick war dann noch der Getötete vorgesprungen, um den Stich, der ihn dann selbst traf, abzuwehren.— Der Staatsanwalt beantragte gegen Potkowski 8 Monate und gegen Bartczak und MikolajewSki je 6 Mvnate Gefängnis. Das Gericht Jnjeraienreil verantw.: Th. Glocke, Bepftn. Druck».Verlag: Vorwärts erkannte bezüglich der beiden Erstgenannten dem Ankrage de> Staatsanwalts gemäß, MikolajewSki wurde freigesprochen. Schutz gegen Schutzleute! Der Polizeisergeant Bernhard Schmitz ist vom Landgericht Münster am 27. Oktober v. I. wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 39 M. Geldstrafe verurteilt worden. Am Abend des 24. Sep- tember 1919 kam der Maschinist Herrn. Schr., der gerade von der Marine entlassen mar, mit einigen Bekannten in angetrunkenem Zustande und mit einer Flasche Schnaps in der Haiid die Straßen daher. An einer Ecke machte man halt. Hier verlangte einer der Begleiter noch einmal aus der Flasche zu trinken. Herm. Schr. verweigerte ihm dies, inoem er dabei eine Bemerkung machte, die der gerade vorbeigehende Polizeisergeant Schmitz auf sich bezog und als Beleidigung auffaßte. Als Schmitz deshalb den Namen des Schr. feststeilen wollte, weigerte sich dieser seinen Namen zu sagen mit dem Bemerken:„Ich habe ja nichts getan." Der Vor- fall erregte Aufsehen, so daß sich schließlich eine Menschenmenge von über fünfzig Personen ansammelte. Als Schr. sich immer noch weigerte, seinen Namen zu nennen, schlug der Angekstigte dem Herm. Schr. mit seinem Säbel über den Kopf, so daß Schr. eine klaffende Wunde erlitt und zusammenbrach. Gegen das eingangs wiedergegeben«, außerordentlich milde Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt, in der er Verkennung des Begriffs der Notwehr rügte; zum mindesten hätte Putativnotwehr(von ihm angenommene Notwehr) angenommen werden müssen, denn er habe geglaubt in Notwehr zu sein, da er damit habe rechnen müssen, daß dieser oder jener aus der Menge von einer Waffe Gebrauch machen würde. Das Reichsgericht verwarf jedoch am Dienstag die Revision als unbegründet, denn es hielt für er- wiesen, daß weder der verletzte Schr. noch sonst jemand aus der Menge Miene gemacht hatte, tätlich zu werden. Den Irrtum, in dem der Angeklagte sich befand, habe dieser selbst verschuldet; bei pflichtgemäßer Prüfting der Sachlage hätte er sich sagen müssen, daß ihm keine Gefahr drobte. Ein verfehlter Bestechungsversuch. Vor dem Landgericht I in Berlin ist am 6. November 1911 der Kaufmann Josef Hammermann, Inhaber der Firma Jakob Rosenbaum Nachf. in Euskirchen wegen Bestechung und Beleidigung zu 1999 M. Geldstrafe verurteilt worden. Außerdem sind die 599 Mark, welch« das Objekt der Bestechung bildeten, für dem Staate verfallen erklärt worden. H. ist seit zwei Jahren an den Textil- lieferungen für das deutsche Heer beteiligt und wollte gern mehr Aufträge haben, als ihm überwiesen wurden. Er besuchte im August 1911 einen Jntendanturrat in Berlin, erreichte aber nichts. Beim Fortgehen sagte er:„Darf ich Ihnen meinen Dank aus- sprechen?" Am gleichen Tage erhielt der Beamte einen Briefum- schlag mit fünf Hundertmarkscheinen ohne schriftliche M/itteilung. DaS Gericht hat angenommen, daß der Angeklagte dem Beamten eine pflichtwidrige Handlung zugemutet und daß er ihn damit gleichzeitig beleidigt hat.— Die Revision des Angeklagten wurde am Dienstag vom Reichsgericht verworfen. Streiknachwehen. Wegen Beleidigung von Arbeitswilligen und der Spandauer Polizeiverwaltung durch ein Flugblatt während des Streiks der Hafenarbeiter der Firma Kurt Thomas stand gestern der BevoL- mächtigte der Ortsvcrwaltung Spandau des Transportarbeiter- Verbandes, Genosse Stahl, vor dem Spandauer Schöffengericht als Verfasser und Verleger des Flugblattes:„An die Einwohnerschaft Spandaus!" Die Arbeitswilligen sollten beleidigt sein, weil von ihnen be- hauptet war, sie seien mit Mordwaffen und Gummiknütteln aus- gerüstet und bedrohten jeden friedfertigen Bürger mit der Mord- Waffe. Die Polizei sollte durch die Darlegung beleidigt sein, die Arbeitswiillgen seien in dem Mtissenquartier der Witwe Heyn unier Außerachtlassung jeder gesundheitlichen und hygienischen Anforde- rungen untergebracht. Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß die Arbeits- willigen fast durchweg mit Revolvern und Gummiknütteln be- waffnet waren, und daß nur durch das besonnene Verhalten der Streikenden Blutvergießen verhindert wurde. Scheute sich doch einer der„Arbeitswilligenführer" nicht, gegenüber einem Ver- bandSvertreter die Aeuherung zu tun. daß er, wer ihm auf drei Schritte zu nahe komme, über den Haufen schießen würde. Der Amtsanwalt beantragte gegen den unbestraften An- geklagten wegen der angeblichen Beleidigung der Arbeitswilligen eine Gefängnisstrafe von 3 Wochen, und wegen der Beleidigung der Polizeioerwaltung eine Geldstrafe von 39 M. Der Verteidiger» Rechtsanwalt Dr. Roscnfeld, verlangte die Freisprechung. Der Wahrheitsbeweis sei bezüglich der Bewaffnung der Arbeitswilligen fast vollständig erbracht. Auch sei dem An- geklagten der Schutz des§ 133 des Strafgesetzbuches zuzusprechen, da er als Angestellter des Verbandes die Wahrung der Interessen der Mitglieder als erste Pflicht betrachten müsse. Eine Berur- teilung wegen Beleidigung der Polizeibehörde scheide unter allen Umständen aus. da der Angeklagte nicht beabsichtigte, die Polizei mit seiner Kritik'zu treffen, sondern die Inhaberin des Massen- auartiers. Auch sei durch Zeugenaussage und durch die persönliche Inaugenscheinnahme des Quartiers seitens des Angeklagten der Beweis vollständig erbracht, daß alles andere, nur keine idealen Zustände in dem Massenquartier geherrscht hätten. Er wundere sich deshalb über die Leichtigkeit des Anklagevertreters, der einen solchen Antrag stelle. Das Gericht erkannte nach längerer Beratung«Nif Frei- sprechung von der Anklage der Beleidigung der Polizeibehörde. Wegen des„allzu scharfen" Tones des Flugblattes gegenüber den Arbeitswilligen erachtete das Gericht eine Beleidigung der Ar» beitswilligen für vorliegeich und erkannte auf 59 M. Geldstrafe. /Ziis der frauepbewecfiinc� Neue Auskunftsstellen deS Bundes für Mutterschutz versiu. Der Bund für Mutterschutz. Berlin, hat soeben außer setner Zenttal-AuskunftSstelle Berlin-Wilmersdorf, Trautenaustr. 29, vier neue Auskunftsstellen für rat« und hilfesuchende Mütter seheliche und unebeliche) eröffnet. SQ.. Mariannenufer 2. Dr. med. Heinz Stabel sSprechst. 2—4). N. 37, Schönhauser Allee 164, Fr. Lesheim sSprechst. 2—8). SW. 61, Großbeerenstr. 12, Frau Müller sSprechst. 10—11'/,). W. 35. Lützowstr. 75, Frau Horwitz sSprechst. 4—5). Die Sprechstunden der Zeniral-AuskunstSstelle sind nach wie vor täglich 9—1 vorm. und DienStag und Freitag 7— S Uhr abends. Versammlungen— Veranstaltungen. Schenkendorf bei Königs-Wusterhausen. Am Sonnabend, den 16. März, abends 8 Uhr. findel bei Otto Paetsch eine öffentliche Frauenversammlung statt. Um zahlreichen Besuch der Parteigenossinnen bittet Der Vorstand. Eingegangene Dmcfcfdmfren. „Kommunale Praxis». Wochenschrist sür Kommunalp oNtit und SemeindelozialiSmuS. Redaltion Dr. Mbert Züdekmn Jede Woche er- ieint 1 Hejl. Preis pro Quartal 3 M. Einzelnummern kosten 30 Pf. Abonnements nehmen alle Poftanstalten, Buchhandlungen und Speditionen entgegen. Probenummern kostenlos vom Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m.b. H., Berlin SW. 68. »In Freien Stunden». Eine Wochenschrtst. Romaue uno Erzählungen sür das arbeitende Voll. Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G.m.b.H.. Berltn SW. 68. Jede Woche erscheint ein Heft zum Preise von 19 Pf Probenummern kostenlos vom Verlag. Abonnements nehmen all« Buchhand» lungen, Speditionen und Postanstalten entgegen. tztanvt» JnHtltla. Eine Komödie der Ehrlosen von C. Müller. 1,59 M.— Um Napoleon. Politische Familicnkomödie von C. Müller. 1,59 M.— Im. Tr. Wöller, Leipzig. Buchdruckeret u. Ve clagSanstalt Paul Singer a-Ta, Berlin SW, 62. 29. Z.W-S. 2. Ktililge des, Jonoilrfs" Derliller MlksdlM.'<»U-I HbichIMe Ser KeichzbanK und der (Berliner Großbanken. Die Beurteilung der Bankbilanzen für die Wirt- schaftliche EntWickelung der Bankinstitute begegnet besonderen Schwierigkeiten. Die Art der Bilanzierung ist nicht nur bei der- schiedenen Banken, sondern oft auch bei dem gleichen Institut im Laufe der verschiedenen Berichtsjahre ganz verschieden. Die ein- zelnen Bilanzposten des Vermögens, des Gewinnes des Geschäfts- ergebnisses und der Umsätze sind bei jeder Bank ganz verschieden zu- sammengesetzt. Wenn man nun wenigstens wüßte, wie die Hauptposten zusammengesetzt worden sind, so ließe sich durch eigene Rechnung und Verglcichung eine Uebereinstiurmung er- zielen. Aber die Bilanzen enthalten ja nie die einzelnen Summen; eine statistische Nachprüfung ist nicht möglich. Die absichtliche Verschleierung der Geschäftsergebnisse täuscht häufig Gewinn und guten Stand vor, obgleich das Unternehmen, schon ganz unterhöhlt ist; und nur kurze Zeit nach der schönen Bilanzaufmachung kracht es bereits in sich zusammen. Aber auch bei Banken, die größere? Vertrauen erwecken, ist die Bilanzierung so, daß selbst Riesengewinne oder-Verluste in den Ziffern unmerkbar bleiben. So hat die Deutsche Bank durch ihre jetzt gelöste Verbindung mit der Berliner Terrain- und Bau-Aktiengesellschaft nicht weniger als 7 Millionen Mark oder, wenn man den Verlust der zu ihrem Konzern gehörigen Bergisch- Märkischen Bank hinzurechnet, 12 Millionen Mark verloren; trotz- dem läßt sich aus der Bilanzaufftellung nicht das mindeste davon ersehen! Gewinn- und Verlustkonto sind bei allen Aktienunterneh- mungen so gehalten, daß„innere Buchungen"„stille" Reserven schaffen und verbrauchen, ohne daß die Ziffern des Gefamtab- schlusses eine Aenderung erführen. Nicht aus den Zahlen der Bilanzen allein wird man daher einen Einblia in die Entwicrelung der Banken gewinnen, sondern nur mit Hilfe der Analyse von Aufgaben und Stellung dieser In- stitute im Wirtschaftsleben. Die Banken dienen der Vermittelung des Handels- und des Jndustriekredits. Gerade bei den deutschen Banken ist diese Verbindung beider Aufgaben besonders eng. Sie führt allerdings zu Konsequenzen� die für die Regierung, die Banken und die Kapitalisten mit Unannehmlichkeiten verknüpft sind, die sich in die Frage der Liquidität(Flüssigkeit der Mittel) zusammenfassen lassen. Der Handel braucht für die Ver- Mittelung der Waren zwischen Käufer und Verkäufer nur kurz- fristigen Kredit. Das Kapital, das für den bloßen Umtausch der Waren von den Banken vorgestreckt wird, kehrt daher sehr bald wieder zurück. Die Umlaufszeit des kommerziellen Kredits ist eine kurze. Anders beim Jndustrickrcdit. Die Jndustrieunter- nehmung steckt das geliehene Kapital für längere Zeit in die Pro- duktionsmittel des Betriebes, legt es für Grund und Boden, Ge- bäude und Maschinen an. Sie bedarf also langfristigen Kredits. Die Interessen des Handels- und Jndustriekredits, denen die Banken gleichzeitig dienen, widerstreiten sich schon in normalen Zeiten. Entsteht nun irgendeine Bewegung im Wirtschaftsleben, durch die Gelder vom Markt zurückgezogen werden, so fehlt es an der Flüssigkeit der Kapitalien. Die Banken haben ihre Gelder festgelegt. Die Kriegsgefahr im vergangenen Jahr schuf eine solche Unruhe. Die ausländischen insbesondere französischen Gelder wurden aus Deutschland herausgezogen. Das Publikum bestürmte die Sparkassen, entzog den Banken Kapitalien und gab ihnen keine neuen. Die Banken selbst mußten sich an das halb staatliche, halb private Geldinstitut der Reichsbank wenden. Das steucr- freie Notenkontingent der Reichsbank ist daher mehrfach erheblich überschritten worden. Um ähnlichen Ansprüchen zu begegnen, sucht der Reichsbankpräsident Havenstein die Banken zu größerer Li- quidität ihrer Mittel anzuhalten. Einmal diente dazu die Er- höhung des Zinsfußes fiir Lombarddarlehen(Verpfändung von Wertpapieren) beim Ouartalswechsel. Um den Vierteljahrsersten werden die abgeschlossenen Termingeschäfte verrechnet; der Geld- bedarf der Spekulanten ist dann besonders groß. Diese Erschwe- rung der Spekulationsgeschäste will die Reichsbank durch weitere Maßnahmen fördern. Die Reichsbank ist dazu in der Lage, weil sie den für die Banken unentbehrlichen Verkehr mit ihr an gewisse Bedingungen knüpfen kann. So fordert Havenstein eine Erhöhung des„Einschusses"(der Anzahlung) von feiten der Spekulanten an die Bank, die das Geschäft für den Spekulanten an der Börse ausübt. Den Nachdruck legt H. aber auf größere Liquidität der Bankkapitalien. Die Mittel sollen leichter erreichbar, schneller zurückziehbar sein. Deshalb wird von H. eine Anlage in bar und Reichspapieren von 15 Prozent gefordert. Das Reich erzielt da- durch einen Nebcnerfolg. Bei der letzten Emission(Ausgabe von Wertpapieren) wurden die SOO Millionen Anleihe des Deutschen Reichs und Preußens nur mühsam übernommen; ein großer Teil der Papiere liegt noch in den Portefeuilles der emittierenden Banken. Durch vermehrten Absatz der Papiere bei Banken— bei Sparkassen und öffentlichen Versicherungsinstituten soll resp. ist er durch Gesetz erzwungen worden— erhofft das Reich, wenn auch vergeblich» einen höheren Kurs seiner Papiere. WaS nun die Liquidität der Berliner Großbanken tm ver- gangenen Geschäftsjahr anbetrifft, so konstatiert eine sorgfältige Zusammenstellung der„Franks. Ztg.",„Zmtz die Liquidität der Banken auch in diesem Jahr wieder eine Verschlechterung zeigt". Es wird dies durchaus erklärlich durch die ganze wirtschaftliche Situation, des vergangenen Jahres. TaS Jahr 1911 ist durch be- sonders günstige Abschlüsse der Schwerindustrie gekennzeichnet. Die aufsteigende Konjunktur im Kohlen- und Eisenbergbau führt« zu starker Beschäftigung in diesen beiden Industrien und zu hoch- geschraubten Preisen Die Gemischtwerke haben davon den größten Vorteil. Betriebserweiterungen und Fusionen mit gleichzeitigen Kapitalerhöhungen sonderten neue Kapitalien. Zum Teil wurde die Ausnutzung der gesamten Produktionsmöglichkeit und die Er- Weiterung der Anlagen durch die Frage der Shndikatserneuerungen beschleunigt. All« Werke suchen bei den Verhandlungeni durch höhere Produktionsziffern einen größeren Anteil bei der Erteilung der Produktionsquoten zu erlangen. Das Kapitalerfordernis kann auf zweierlei Arten gedeckt werden» Einmal durch Ausgabe von neuen Anteilscheinen(Aktien). Die Banken als Träger des Emissionsgeschäfts stecken dabei einen großen Teil des Gründer- gewinnes, der übrigens für die Beurteilung des Profits einer Unternehmung nicht hinter den später gezahlten Dividenden zu vernachlässigen ist, von vornherein eir. Neben der Ausgabe von Aktien und Aufnahme von Anleihen stehen aber Banken und In- dustrieunternehmungen in dauerndem(Kontokorrent-) Perkehr. Je ausgedehnter die Produktion, um so größer der vorübergehende Kapitalbedarf und Kapitalüberschutz. Di: Banken— sie üben dadurch gleichzeitig weitgehende Aussicht über die Unternehmung, auch eveim sie nicht, wie üblich, dem Aufsichtsrat der Gesellschaft angehören sollten— profitieren also an dem Aufschwung der In- Idilstrien und dem angespannten Kap ita Kredit. Da schließlich im Zahlungsverkehr Wechsel, Schuldscheine usw. ausgetauscht, ge- handelt, verlängert, verkauft werden und jedesmal Zins, Provifion ,den Banken zufallen, so steigen auch hierdurch die Umsätze der Banken. Die aufsteigende Spekulationslust von Privatkapitalistem die ja stets der Vermittelung der Banken für Börsengeschäfte de- dürfen, bibdet ein weiteres Moment der Förderung. Wären nur diese Tendenzen im Jahre 1911 wirksam gewesen, so hätte der A b s ch l u ß sämtlicher Banken glänzend sein müssen. Wohl sind auch die Umsätze und der Bruttogewinn bei allen In- stituten erheblich gesteigert. Trotzdem sieht es mit dem Reingewinn bei allen etwas flau aus. Einzeln« haben sogar Reserven(Rück- lagen) und Gewinne zur Verteilung der Dividenden in Anspruch nehmen müssen, die sonst zu Abschreibungen. Vorträgen für das nächste Fahr und Reserven benutzt wurden. Die Ursachen hierfür liegen einmal in der durch die Teuerung geschwächten Konsum- kraft der Massen. Der Verbrauch der Massenbedarfsartikel mußte infolge der Notlage des Proletariats und des niederen Mittel- standes stark eingeschränkt werden. Dadurch litten die Industrien, die Fertigfabrikate herstellen; zumal sie noch durch eine wahnsinnig hochgetriebene Schutzzollpolitik stark beeinträchtigt sind. Ein gleich wesentlicher Grund für die Hcmmungstendenzen im Wirtschaftsleben bildeten die dauernden politischen Wirren und kriegerischen Verwickelungen: die Revolution in Mexiko und die damit zu- sammenhängeude Mobilmachung der Bereinigten Staaten; die Streitigkeiten zwischen Rußland und China um die Mongolei; die Erhebung der Albanicr in der Türkei; Frankreichs und Deutsch- lands Vorstoß(Panther!) in Marokka; die Spannungen zwischen Frankreich, Deutschland und England wegen der marokkanischen Frage; die Tripolisfrage und Italiens Ueberfall auf die Türkei; die chinesische Revolution. Von den Wirkungen(Rückziehung aus- ländischer Summen, Sturm auf Sparkassen, Anspannung des Kredits ustv.) haben wir schon oben gesprochen. Im ganzen waren für die Banken aber die günstigen Momente ausschlaggebend. Soweit sich aus den wenig durchsichtigen Bilanzen Schlüsse ziehen lassen, sind die Einnahmen aus Zinsen, Wechseln und Provisionen gestiegen. Auch durch die Beteiligung an der Ausgabe von Aktien sind erhebliche Mehrgewinne gegen das Vor- jähr erzielt worden(trotz absoluten Rückgangs der Zifferv, was dadurch erklärt wird, daß das Reich und Preußen auf dem Anleihe- markt als Geldnehmer nicht erschienen). Neben den hemmenden allgemeinen wirtschaftlichen Faktoren schmälerten den Gewinn bcx Banken speziell noch ihnen eigentüm- liche Ursachen. Es ist bekannt, daß bei den starken Konzentrations- bestrebungen die Banken unter sich einen harten Konkurrenzkampf führen, durch den die Ge ne ra l u n k o st e n relativ schneller steigen als die Geschäftsgewinne. In jedem kleinen Nest suchten die Banken durch ein weit ausgedehntes Filialsystem festen Fuß zu fassen und die lästigen Konkurrenten zu beseitigen. Gleich den Filialen der großen Zigarrenfabriken, die an jeder Straßenecke in Berlin zu finden sind, streben auch die Banken Groß-Berlin und das Reich mit einem dichtmaschigen Netz von Zweigstellen zu über- ziehen. Sie dienen, wie es in einem„Geschäftsbericht" heißt, vorläufig mehr zur Bequemlichkeit des Publikums als zur sofortigen Gewinnerzielung. Doch das kostspielige Filialsystem hat ein weiteres zur Folge. Die Banken überbieten sich in Kreditangeboten zu den leichtesten Bedingungen� ohne genügende Sicherung. Dabei treibe» die Filialleiter, wie kürzlich mehrfach festgestellt, oft ohne Wissen der Zentrale eigene Politik. Die leichte Kreditgewährung (die allerdings von den kleinen Provinzbankiers/ denen infolge der Konkurrenz der Großbanken das Wasser am Halse steht, weit fahr- lässiger betrieben wird) führt während des Kampfes ebenfalls zu Verlusten. Zudem hat die Spekulation einschließlich der Banken die günstige Konjunktur im voraus voll ausgenutzt, so daß durch die Hemmungen im vergangenen Jahr und ohne sie in diesem Fahr eine allgemeine Ermattung eintritt, wobei die„faulen" Geschäfte offenbar werden. Selbst die großen Institute haben eine Politik betrieben, die die moralische Entrüstung der bürgerlichen Dividendenprediger laut hervorruft. Abev selbst bei Berücksichtigung aller dieser Faktoren will es uns doch scheinen» daß die Gewinne der Banken erheblicher waren, als sie in den Bilanzen beziffert sind. Die Banken haben sich vielleicht die allgemeinen Klagen über Geschäftsstörungen durch politische Ereignisse zunutze gemacht, um erhebliche Gewinne in den„stillen" Reserven verschwinden zu lassen. Den bloßen Dividendenaktionärcn gegenüber ist die nicht erhöhte Dividende damit begründet, und in aller Stille rüstet man für weitere Kämpfe. Um einige Zahlenbelege zu geben, so bclief sich der Gesamt- Umsatz der Reichsbank auf 377,59 Milliarden Mark gegen 354,15 im Jahre 1919. An Banknoten waren durchschnittlich 57,73 Millionen Mark mehr im Umlauf als im Vorjahre, insgesamt durchschnittlich für 1993,61 Millionen Watt. Der Metallbestand stieg von durchschnittlich 1955,8 auf durchschnittlich 1129,24 Mil- lionen Mark. Das steuerfreie Notenkontingent wurde vom 39. September bis 31. Dezember(in der Zeit, als die Kriegsgefahr allgemein bekannt war) an sämtlichen Ausweistagen mit Ausnahme des 15. und 23. November überschritten, trotzdem es seit dem 1. Ja- nuar 1911 auf 559(an den Ouartalsenden auf 759) Millionen Mark erhöht worden ist. Entsprechend dieser Anspannung des Kre- ditS hielt sieh der Zinsfuß etwa aus der Höhe des Konjunkturjahres 1997; er betrug durchschnittlich 4,397 Proz.(1919; 4,846 Proz.). Der Gesamtgewinn beträgt 57.29(1919: 57,43) Millionen Mark, der Reingewinn 27,53(1919: 27,73) Millionen Mark. Die privaten Aktionäre erhalten davon insgesamt 19,54 Millionen Mark oder 5.86 Proz.(1919: 6,43 Proz.) Dividende, die Reichskasse 14,86 Millionen Mark(1,21 Millionen Mark weniger als 1919), der Nc- servefonds 2,12 Millionen Mark. Von den Berliner Großbanken�) berücksichtigen wir folgende: Deutsche Bank l299), Dresdener Bank(299). Diskonto- Gesellschaft(179-1-39), Darmstädter Bank(169), Schaaffhausen- scher Bankverein(145), Berliner Handelsgesellschaft(119), Com- merz- und Disconto-Bank(85), Nationalbank(89-(-19), Mittel- deutsche Kreditbank(54 4-6). Nach einer Zusammenstellung der „Frkf. Ztg." stiegen die Einnahmen aus Zinsen und Wechseln um 8 Millionen Mark, die Provisionseinnahmen um 4,93 Millionen Mark. Der Gewinn aus Effekten und Beteiligungen sank um 1,11 Millionen Mark(im Vorjahr aber um 7,94 Millionen Mark. Vgl. dazu oben die Ursache!). Der Bruttogewinn erhöhte sich um 1135 Millionen Mark. Die. Unkosten nahmen um 6,92 Millionen Mark zu. Für Abschreibungen wurden 3,49 Millionen Mark mehr aufgewendet. Der Reingewinn belief sich auf 1 5 9,6 6 Millionen Mark(gegen Vorjahr 3,32 Millionen Mark mehr).!fe>ibei ist zu erwähnen, daß auch 26. Millionen Mark neue Aktien mitarbeiteten, die sich durch den Auftchlag bei der Ausgabe auf 67 Millionen Mark *) In Klammern ist das Aktienkapital in Millionen Mark angegeben. Die Zahl hinter dem-f Zeichen bedeutet die Kapital- erhöhung während des Jahres. erhöhen. Dividenden wurden 1 9 7,53 Millionen Mark verteilt, d. h. durchschnittlich 8,71 Proz. Für Tantiemen, Gratifikationen(ein- schließlich des Renommierpostens„ Beam t enfürsorge") wurden 39,92 Millionen Mark ausgezahlt. Diese Riesenziffern, in denen sich auch der Einfluß der In- dustrie verkörpert, bedeuten ein Stück Macht, bedeuten nach dem Lassalleschen Wort ein Stück Verfassung. Aber diese Macht dient nur privaten Interessen, diese Verfassung hilft und gibt nur dem, der schon hat. Das Proletariat hat nur seine eigene Kraft und seinen eigenen Willen entgegenzusetzen- Aber es weiß sich doch des Sieges über jene Mächte sicher. Steckt doch in ihnen seine eigene Arbeit, schafft es doch jene Werte selbst. Im Vertrauen auf diese Wurzeln der kapitalistischen Kräfte, im Besitz des Schlüssels zum Verständnis und zur Bändigung jener Gewalten fordert es, was die EntWickelung selbst gestaltet: die Ueberführung jener Mächte aus der Sphäre der Privatinteressen in die Ordnung bc- wußter, gesellschaftlicher Regelung. Soziales* Krebs-Merkblatt. Das Deutsche Zentralkomitee zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankhcit E. B. hat ein Merkblatt für das Volk heraus- gegeben, um die Allgemeinheit auf die frühzeitigen Erscheinungen der Krebskrankheit aufmerksam zu machen und zu möglichst früh- zeitiger Nachsuchung ärztlicher Hilfe zu veranlassen. Nur in einem möglichst frühen Stadium ist die Krebskrankheit, und zwar durch Operation, mit Aussicht auf Erfolg zur Heilung oder zum Still- stand zu bringen. Das Merkblatt ist von der Hirschwaldfchen Buch- Handlung, Berlin NW. 7, Unter den Linden 68, oder von der Ge- schäftsstelle des Zentralkomitees, Berlin W. 35, Magdeburger Straße 14. zum Preise von 19 Pf. das Stück, bei Abnahme von mehr Exemplaren entsprechend billiger, zu beziehen. Bleimerkblatt für Hüttenarbeiter. Da? Institut für Gewerbchygiene in Frankfurt a. M. hat sol* gendes Merkblatt für Hüttenarbeiter hernusgegsben: Wie kann eine Bleivergiftung entstehen? Die in Blei-, Zink, und auch anderen Hütten vorhandene Ge- fahr der Bleivergiftung läßt sich vermeiden, wenn man die nötige Vorsicht gebraucht. Bleivergiftung erfolgt durch Aufnahme des Bleies in den Kör- per. Dies geschieht durch Einatmen des immer bleihaltigen Staubes und Rauches oder beim Essen und Trinken, beim Rauchen, Schnupfen und Kauen von Tabak, wenn Speisen oder Tabak mit schmutzigen Händen und schmutzigem Gesicht und Bart gegessen oder mit blei- haltigem Staube bedeckt in den Mund gebracht werden. Bleifest ist niemand. Das Blei sammelt sich bei den Unvor- sichtigen im Körper an und wer heute nicht erkrankt, kann morgen oder nach Wochen und Monaten erkranken. Wie verhütet man die Bleierkrankung? Alle Hüttenarbeiter müssen reinlich sein. Dabei sollen sie be- sonders folgendes beachten: 1. In ihrem eigenen Interesse liegt es, die Absaugevorrichtun- gen instand zuhalten, und die von den Behörden und der Hüttenleitung erlassenen Vorschriften genau zu befolgen, ferner besonder« Arbeitskleider zu tragen, Mund- und Nasen- fchützer zu benutzen und den tzüttenraum zu besprengen, wo es vorgeschrieben ist. 2. Von der höchsten Wichtigkeit ist es, daß man vor den Pausen und nach der Arbeit Gesicht, Mund, Bart und Hände sorg- sam reinigt. Man soll nie essen oder das Werk verlassen, bevor man die Arbeitskleider mit anderen vertauscht und sich tzründ- lich gewaschen oder noch besser gebadet hat. Wer wahrend der Arbeit trinkt, soll den Rand des Trinkgefäßes nicht mit schmutzigen Händen berühren. Besonderen Wert lege man auf regelmäßiges Zähneputzen und Mundausspülen. 3. Während der Arbeit soll man das Pseifenrauchen sowie das Schnupfen und Kauen von Tabak, wobei stets Blei in den Mund kommt, unterlassen, da Verunreinigungen der Hände mit bleihaltigen Stoffen nicht zu vermeiden sind. Das An- zünden der Pfeife mit glühender Räumasche ist wegen der Gefahr des Einatmens von Bleidämpfen höchst gefährlich. Miau muß aber auch seinen Körper gegen die Wirkungen dcS Bleies stählen. Dazu mutz man vor allem im Trinken mäßig sein. Unter keinen Umständen sollen Hüttenarbeiter Branntwein trinken, auch nicht außerhalb der Hütte. Aber auch Leute, die andere geistige Getränke in reichlichen Mengen genießen, neigen viel mehr zur Blei- krenifheit als ganz Enthaltsame. Von Wert zur Vorbeugung gegen die Bleivergiftung ist eine kräftige und fettreiche Nahrung, also z. B. Milch und Speck; be- sonders zu empfehlen sind Schleimsuppen vor der Arbeit. Nie be- ginne man die Llrbcit mit leerem Magen. Und dann: In freier Zeit gehe man in die freie Luft! Marschieren, Turnen, Spazierengehen, Arbeit im Garten und Feld hilft über manche Schädigung hinweg. Glaubt jemand an Bleivergiftung erkrankt zu sein, so wende er sich in seinem und seiner Familie Interesse sofort an den Kassen- arzt. Die Beichte als Mittel für hohe Geburtenziffern? Jetzt beschäftigt sich die„Kölnische Volkszeitung" in einem Leitartikel, der bezeichnenderweise als Signum zwei kleine nackte Menschlein vor den Text gesetzt bekommen hat, mit den von uns in der Nummer vom 5. März mitgeteilten absonderlichen Ergeb- nissen der wissenschaftlichen Arbeit des UniversitätSprofcssors Wolfs (Breslau).- Er hat bekanntlich kürzlich„festgestellt", daß nur die katholischen Volksteile Deutschlands ein Bevölkerungsplus er- zeugen, während die Anhänger der Sozialdemokratie nichts mehr von den Mühen beS KinderzurweltbringeuS wissen wollten. Professor Wolff hat mit Angst und Bangen auch von einer Zeit gesprochen, da die ZcntrnmSehrleute nicht mehr so eifrig sein werden wie heute. Die„K. V." meint, die Gefahr bestünde so lauge nicht,„als für die dcutschcu Katholiken die Beichte„der mächtigste Zügel" sein wird." Der„K. V." passiert hier die lustige En!- gleisung, daß sie das Zitat„der mächtigste Zügel" aus einer Weutzerung des gottlosen— Voltaire entnimmt. Die Hauptsache ist aber: was hat die Beichte mit der Kindererzeugung zu tun? Da die„K. V." in einem Leitartikel den Zusammenhang als selbst- verständlich bringt, so folgt daraus, daß die katholische Beichte sich darauf erstreckt, zu kontrollieren, was die Eheleute tun und was sie unterlassen, und daß die Beichte die Kindererzeugungsfrcudig- keit der katholischen Eheleute sichert. Die„K. V." meint, daß ein gesunder Bevölkerungszuwachs die Zukunft des Volkes gewahrleistet. Da der sozialdemokratische NachivuchS„eingestandenermaßen" aus katholischen Ehen stammt und dort doch nicht nugesiinder Bevölkerungszuwachs stattfindet. muß die Sozialdemokratie die Zukunft des Volkes für sich haben — womit wir durchaus einverstanden sind! Wozu man Landkrankenkassen braucht. In einem Vortrage im landwirtschaftlichen Amtsverein Lünen führte Dr. Schroers von der Landwirtschaftskammer in Münster in Westfalen nach der„Deutschen Krankenrassenzeitung" aus: Es müsse darauf Bedacht genommen werden, daß bei Jnslebenrufen der Landkrankenkassen festgelegt würde, daß im Winter eine geringere Leistung bestehe als im Sommer, da erfahrungsgemäß gerade im Winter das Simulantentum vorherrschend sei. Des weiteren sei zu empfehlen, daß die Wöchnerinncnuatrrsiützungeir auf 4 Wochen ermäßigt würden. Die Ausführungen des Redners wurden selbstverstZndlich ff fit beifällig aufgenommen. Herr Schultc-Kump stattete dem Vortragenden namens des Vereins be- sonderen Dank ab. Dann warnte Herr Schulte-Kump ebenfalls vor dem Eintritt in die Ortskrankenkassen. Alle Mitglieder sollen mit behilflich sein, daß die Landkrankenkassen gut ausgestattet würden. Die empörenden gegen die Landarbeiter gerichteten Ausnahme- Vorschriften sollen also grundsatzlich zuungunsten der Arbeiter in Kraft gesetzt werden. Die Aufhebung der Ausnahmedorschriften ist bekanntlich von der sozialdemokratischen Fraktion beantragt. /Zus aller Gleit. Der preußifcbc Ototertan. Der Hauptmann von Köpenick ist nur eine Fabrikmarke, keine Einzelerscheinung, Fast wöchentlich kommt ein Fall zur öffentlichen Kenntnis, in dem Erpresser die Rolle des K r im i n a l b e a m t e n spielen, um das Opfer ein wenig leichter zu machen. Die letzte Angelegenheit dieser Art meldet der Lokalbericht: Zwei Individuen lernen einen Mann kennen, der eine zeigt irgend ein Schriftstück vor, verhaftet den Verdutzten und führt ihn aufs Polizeipräsidium. Der Mann läßt sich auch ruhig abführen I— Woraus zweierlei folgt: wie groß muß die Zahl der unver« ständlichen und unverständigen Verhaftungen sein und wie tief muß die Erkenntnis von der Nutzlosigkeit eines Protestes in die Köpfe gedrungen sein.— Der Mann brauchte durchaus kein Dummkopf zu sein— was sich allerdings nachher abspielte, hätte ihn aufwecken können—, aber sich von der Jungfernheide bis zum Alexanderplatz als verhaftet führen zu lassen, zeigt, wie wenig offenbare Ilngesetz- lichkeiten noch auffallen. Die falschen Kriminalbeamten sind von den richtigen nicht mehr zu unterscheiden. Grundlose Verhaftungen sind an der Tagesordnung: die Leute Jogows fassen jeden Tag mindestens einen Mörder— ihres Glücks, iveil er leider immer noch beweisen kann, daß er eS nicht war. Die Untersuchungshaft wird flott verhängt, speziell wenn»der Täter' keinen Kragen hat— war eres nicht, so wird er schließlich mit un- gehörigen Bemerkungen hinauskomplimentiert. Die Polizei steckt ihre Nase in alle möglichen Angelegenheiten, sie paßt genau auf, daß in diesem Lokal nur bis Vzl2, in jenem nur bis'/«12 getanzt werde, alles, alles tut sie— nur nicht, waS man eigentlich erwartet. Denn daS besteht nach dem Allgemeinen Preußischen Landrecht von 1794 darin,.die nötigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung und zur Abwendung der dem Pu- blico oder einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahr zu treffen". Paraden,— Pferde, die auf der Straße verrecken und nicht totgeschossen werden dürfen,— Schutz gegen Lärm,— Dienstbotenbehandlung,— geprügelte Kinder... hier ist der Allerwelts-... Herr Jagow nicht zu finden. Er hat so viel zu tun. Berlin wird wirklich vom roten Haus aus regiert. Aber das steht auf dem Alexanderplatz._ Eisenbahnkatastrophe in Westgalizien. Auf der Eisenbahnstation T r z e b i n i a hat sich am Dienstag morgen ein schweres Eisenbahnunglück zugetragen. Ein mit Feldarbeitern besetzter Zug streifte bei der Ausfahrt aus der Station eine stehende Lokomotive, wodurch mehrere Wagen entgleisten. Bei dem Unglück wurden 2 0 Personenschwerund33leichtverletzt. Der erste Rettungszug kam aus Trzebinia, der zweite aus Krakau, wohin die Verletzten in die Krankenhäuser geschafft wurden. Während des Transportes ist ein Arbeiter g e st o r b e n. In dem verunglückten Zuge waren Arbeiter, sogen. Sachsen- g ä n g e r, förmlich eingepfercht, wodurch sich die große Zahl der Verletzten erklärt. Tie Rettungsarbeiten gestalteten sich äußerst schwierig, da viele Passagiere in den Trümmern der umgestürzten Waggons fest eingeklemmt waren. Die Ver- letzungen bestehen vielfach in Arm- und Beinbrüchen sowie Quetschungen. Als nach Rückkehr des Hilfszuges nach Krakau die Verletzten in die Krankenhäuser gebracht wurden, mutzten zum Transport Möbelwagen und andere Fuhrwerke benutzt werden._ Folgen des Religionsfanatismus. In dem pommerschen Dorfe Deutsch-Pribbernow ist eine sehr fromm und religiös veranlagte Familie, bestehend aus den Eltern, einem erwachsenen Sohne und einer erwachsenen Tochter, wahnsinnig geworden. Nachdem schon vor einiger Zeit die Tochter wegen religiösen Wahns in einer Heilanstalt untergebracht wurde, fand sich ein B a p t i st e n s e n d I i n g bei den Leuten ein, der sie tröstete und Betübungen mit ihnen abhielt. Die Folge war. daß der Sohn ebenfalls in Wahnsinn geriet und wegen Gefährdung anderer dem Irren hause zugeführt werden mutzte. Da sich jetzt auch bei den Eltern Spuren des Wahnsinn? zeigten, wurden sie in ärztliche Behandlung genommen und ihr Besitztum in Zwangsvcrwaltung genommen. Kleine Notizen. Zum Unglück i» Duisburg. Von den bei der Einsturzkatastrophe auf der Niederrheinischen Hütte schwerverletzten Arbeitern sind bis jetzt zwei den Verletzungen erlegen, so daß die Zahl der getöteten Arbeiter jetzt d r c t beträgt. Schreckenstat einer Mutter. In Grünstadt l Provinz Sachsen) hat Montagnachmittag 6 Uhr die 42jährige Frau Rode. Mutter von sechs Kindern, drei ihrer Kinder in die Saale ge- warfen und ist ihnen nachgesprungen. Ein Knabe von 4>/z Jahren konnte gerettet werden, die Mutter und dte anderen Kinder ertranken. Die Leiche des einen Kindes wurde noch nicht aufgefunden. Ein Mädchen von S Jahren konnte sich den Händen der Mutter entwinden und lief in den Ort, wo eS die Schreckenstat verkündete. Schwerer Unfall bei Spreugarbeiten. Als am Dienstagvormittag Pioniere mit der Sprengung eines Fabrikschornsteins in der Vorstadt L ö b a u bei Dresden beschäftigt waren, wurden durch umher- fliegende Ziegelsteine eine Anzahl Personen verletzt. darunter vier Arbeiter schwer. Eine Arbeiterfrau st a r b auf dem Transport nach dem Krankenhause. Abgestürzter Militärflieger. In der Nähe von Paris ist am Dienstag der Militärflieger Leutnant Sevelle mit seinem Flugzeug abgestürzt und hat dabei den Tod gefunden. Eisenbahnunglück in Nordamerika. Der den Nomen Twentietb Century Limited führende. nach Osten fahrende schnell st e Expreßzug der New Aork Zentralbahn, der zwischen Chicago und New Jork verkehrt, ist in der Nähe von Poughkeepsie verunglückt. Vier Wagen sind in den Hudson gestürzt. Mehrere Personen wurden verletzt. Todes-Anzeigen �isiljellilZili'sUd.VzdlsM kür äsa I. Berl. Reiebstaos-Vaiilkreis. (Köpcuicker Biertcl). Bezirk 203 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt ö�uxust LdilinKe Görlitzer Ufer 3 gestorben ist. Ehre seinem Andeukeu! Tie Beerdigung findet heute Donnerstag, den 14. März, nach- mittags 41/« Uhr, von der Halle deS EmmauS-KirchhoseS in Neu- kölln, Hermannstraße, aus statt. 214/6 Der Vorstand. SozialdeniclmtiselierWjMferelii des l Berl. Reielistags-Waiilkreises. Am Montag, den 11. März, verstarb unsere Genossin AmaWe Grabbert Czarnilauer Straße 14. Ehre ihrem Andeukeu! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 15. März, nachmittags S'l, Uhr, von der Leichenhalle des Philippus- Zlpostcl-Kirchhoses aus nach dem städtischen Friedhof, Müllerstraße Ecke Teestraße, statt. | Um rege Beteiligung ersucht J226/1Z Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Verlin. Todes-Anzelge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Silber- arbciter -Julius Zander am 12. d. MtS. an Lungen- lähmunz gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den tS. März, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS ThoniaS- Kirchhofes in Rixdors, Hcrmannstraße, auS statt. Ferner starb unser Mitglied, j die Metallarbeitcrin Bermine Dielz. Die Beerdigung findet heute. I Donnerstag, den 14. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Kalle deS katholsschen Kirchhofes | in Reinickendorf, Humboldtstr. 71, \ aus statt. Ferner starb unser Mitglied, j der Mechaniker GoUfried Fuehs. Die Beerdigung findet am ! Freitag, den 15, März, nach j mittags 41/« Uhr. von der Leichen- i i alle deS städtischen Friedhofes ::i der Müllerstraße aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schleifer Fmil Kuwatsch. Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 14. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des städtischen Friedhofes in Friedrichsseide aus statt. Ehre ihrem Andenken? Rege Beteiligung erwartet U3/t8 Die Ortsverwaltuug. iontaut-Nrliu'euade Ii) Eckrestoprgnt mst 3 K«. zu mm. Zentralverband der Töpfer u. Berufs genossen Deutscht, Filiale Groll-Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mtglied �uxust Orüneberx (Bez. Wedding) im Atter von 42 Jahren«n der Zuckerkrankheit am 12. d. MtS. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 15. d. MtS., nach> mittags 4'/, Uhr, von der Leichen halle des Neuen Nazareth-Kirch. HofcS in Reinickendorf-West, Kögel. straße, auS statt. Um reg« Beteiligung ersucht 192/7 Der Borstaud. Todes. Anzeige. Hierdurch allen Bekannten und Freunden die traurige Nachricht. daß am Montag, den 11. März. unser mnigst geliebter Sohn und Bruder, der Mechaniker Gottfried Fuchs nach kurzer aber schwerer Krank. heit im 2a Lebensjahre ver- starben ist. 2264L Die» zeigen tiesbetrübt an Die Eitern und Geschwister Weddingftr. 5. Di« Beerdigung findet am 15. März, nachmittags 41/, Uhr. von der Leichenhalle des«tädti- scheu Friedhose» Müllerstraße(An- gang Müllerswaße) aus statt. Verband der freien Last- und! 8cbankwrte Deutschlands. OrtSverwaltung Neukölln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Ehestau unseres Kollegen Albert Mala Male geb. Weihe verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»? Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 14. März, nach. mittags 3 Uhr, von der Halle des Neuköllner alten Friedhofes, Britz, Rudower Straße, auS statt. 72/13 Die Ortsverwallung. Zentral-Kranken- nnd Sterbe- 1 kassed. deutschen Vagenbanerl Berlin 3. Dbn Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Ulbert>Vandre! am 11. März verstorben ist. Ehre seinem Andeukeu! Die Beerdigung findet am Freitag, den 15. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle der Golgatha-Gemcinde, Barsus- straße, äuS statt. Um rege Beteiligung ersucht 257/9 Oie Ortsverwaltung. Naih langem, schwerem Leiden entschlief am Dienstag, morgens 3fl, Uhr, mewe mnigst geliebte Tochtetf 555b Use Teilt im Aksir von 28 Jahren. DieS zeigt tieibetrübt an Oie trauernde Mutter Witwe ChariotteTeut geh.Wernieke. Die Beerdigung findet am nachmittags 3 Uhr, vom auerbause Heidenseldstr. 9 au» nach dem Zenttalstiedhos in FrtedrichSselde statt. Abteilung für Stark- n. Scbwacli- _ stromanlagen. *w USUIhfy /Shw Atuyvtßi*£! ""--"..n..«*5'. 1........ IlT"'.....'..... ifrtyllw�wiie''f'UUnn.lWWooi��j.n,,..__ Manoli Cigaretfe* Jpeciahnarken Abbas Dandy Gibson GM ...—...... tiuiMiT.i'itril'Ibl h'"• Palmona (PsTanzen-Buttec-Margarine) ist von feinster Süßrahmbutter durchaus nicht zu unterscheiden. Wer das nicht glauben will, streiche sich ein Palmona- Butterbrot und überzeuge sich selbst! Probieren geht über Studieren! Lassen Sie sich keine Nachahmungen aufdrängen! Allen Freunden und Bekannten. die unS aus Anlaß des Dahin- icheidenS unsere» lieben Galten und Vaters IkoheZ-t Flatow ihre b erzliche Teilnahme erwiesen haben und besonders Herrn Stadls. Waldeck Maoasse für seine freundschaftlichen Sorte sagen wir Hirrmit innige» Sank. 554b Minna Flatow geb. Ealdberg. Georg Flatow, Referendar. Auch Teilzahlung! � Nur enilb. Mb«»-Misch Gr. Frankfurter Str. 45.46 Dr.Simmel für Spezial-Arzt Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, ÄJS. 10—2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 3—4. Filiale Groß=Berlin. Freilag, den 15. März er,, abends KV- Uhr, in den Sophien-Sälen, Sophiensfr. 17-18: Allgemeine Mglieäer-Versammlung. Tagesordnung: 1g2/S l. Vortrag deS ReichStagZ-Abgeordneten Genosse» Ksrl Giebel über:.Was habe» die GeWerk- ,chasteu vom neue» Reichstage»» erwarte» 2. Wahl eines Beisitzer« in den Zentralvorftand� 3. Der Antrag Kronseld. 4. Verschiedenes� Zahlreichen Besuch erwartet Oer Vorstsncl. 1 Ii Zweicverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Sonntag, den 17. März 191Ä, vormittags tO Uhr, tu den Jnduftrie-Festsälen, Beuthstr. 19—20: Creneral- Ter Sammlung Tagesordnung: 1. Jahresbericht des seklionSvorstandcs> 2. Reuwahl deS SeltionS- leUerS und des ArbeitSoennitilers. 3. Verschiedenes und Branchen- angclegenheitcn. mtclledabuch legitimiert. Zohlreicheu Besuch erwartet Der Tektiousvorstaud. Bezirk Süd-Ost. Sonntag, den 17. März 1012, abends 5 Uhr, tu den Naunyn-j�estsäleu, Naunynstr. 6: Ailglieller-VerLammlung mit Frauen. Vortrag dcS Genossen Mermuth:„Die Revolution von 1848". Im Anschluß: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Zahlreichen Besuch aller Mitglieder und deren Frauen erwartet _ Die Bezirksleitung. Gruppe der Fahrstuhlarbeiter. Sonntag, den 17. März 1012, vormittags 10 Uhr, _ bei Wilke, Sebastianstr. 39:_ Mitglieder-Versammlung � Tagesordnung: «„1 Beratung und Beschlußsassung über die auszustellenden Forderungen. L. Berusssragen. Gruppe der Staker. Sonntag, den 17. März 1012, vormittags 10 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27«: Mitglieder-Versammlung Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. _ Die Gruppenleitung. Sektion der Stukkateure. Freitag, den 15. März 1012, abends S Uhr, im Gcwerkschaftshaus, Engelufer 15: M Miigäieder-Versammlung. �5 Tagesordnung: 1. Das neue Bcrtragsmufter der Unternehmer. 2. Diskussion. Dan Erschciuen aller Kollegen l«t notwendig und wird gebeten, an der im gleichen Saal um llji Uhr vorzunehmenden Ersatzwahl de« Gehilsenausschusses teilzuuehme». Die Dektionsleitung. Sektion der Putzer. Bei der am Sonntag, den 10. März d. I., stattgesuudenen Vorstands- wähl sind Stimmen abgegeben als 1. Vorsitzender sür Neumann 2b4, sür Schulz 182, als 2. Vorsitzender sür Kaiser 431, als Schristsührer sür Richte� 442, alS Beisitzer sür Silhardt 427 und sür Franz 428. Der Sektion«' vorstand setzt sich demnach im lausenden Jahre au» den Kollegen H. Neu- mann als 1. Vorsitzenden, P. Kaiser als 2. Vorsitzenden, Richter al« Schrtst« sichrer, Franz und Eilhardt als Aeisitzei zusammen. 137/20* KIlW. Deutscher Gärtner-Verein. Ortaverwnltnng Gl olt Berlin. ------ Branche: Landschafts-Gärtnerei.. Surean: Berlin S. 42, Luisenuser 1. Fernsprecher: Amt Moritzplatz 3725. Gärtner! Gartenarbeiter! Freitag, den 15. März, abends S'/, Uhr: Öffentliche Versammlung in Oeffs Festsälen, Schöneberg, Hauptstr. 5. Tagesordnung: 1. Ter Abbruch der Verhandlungen durch die Arbeit- gcber und was sagen die Arbeitnehmer dazu't Resercnt: Kollege Walter Kwnenik. 8. Freie Ausspräche. « ,,, Diese Versammlung ist die wichtigste See. iiOUfgrni fnwinlunfl in diesem Frühjahr! Also vorwärts, Mann für Mann zur Versammlung, 88 5 Die Ornncbenleltong. Voiband der Brauerei- und Mühlenarbeiter und verwandter Berufsgenossen. zbÄ,.,"> GeschästSilell« Berlin C. 54, Mulackstr. 10, L— Fernsprecher'Amt III, 4518- Sonntag, den 17. März 1912, nachmittags 2 Uhr, im GewerkschaftshauS, Engelnfer Nr. 15(großer Saal): Mitalieder-Verfammlung Tagesordnung: 1. DiSlussion über den Jahresbericht von ISII. 2. Anträge zum BerbandSIage. 3. Ausstellung der Kandidaten zur Dclegieilcuwahl. 4. Verbaiid«attg«»eg-nhcileii. 42/ll* Gs is« Pflicht unserer Mitglieder, in dieser Bersammlung zu erscheine». Die OrtSverwaltnng. In dieser Versammlung werden Plakate und Sinlatzkarten zu dem am m der, Neuen Vell"'.......... 30. März er. gegeben staltsinhenden Frühlingsfeft aus- D- Orts-Krankenkasse der Geld- nnd Zinugitßer zu Berlin. Die 5k2b GtUtral-Vtrsammlung der Vertreter der Arbeitnehmer findet am Donnerstag, den Sl.März cr. abends 5'/, Uhr, im GewerlschaslS- Haus. Engelurer 15, Saal 3, statt, wozu sämtliche Vertreter hiermit ein- geladen sind. Tagesordnung: t. Verlesung der Protololle. 2. Borlage und Abnahme der JahreSrechnung pro 1911. 3. Zlbänderuug des Statuts§ 13 erster Absatz Zisser 3. 4. Besprechung und Beschlusisassung über Zentralisierung der Krauten- lassen. 5. Kassenangelezenheiten. Zur Beachtung! ES wird noch- mal» daraus ausrnerksaiii gemacht, daß die Kassenstunden deS Soun- abends, abends von 5—8 Uhr, sort- fallen, dasür Sonnabends von 8 bis Vit Uhr die Kasse geöffnet ist. Berlin, den 13. März 1912. Der Borstand. W. Schütt, Vorsitzender. Aküdeljsdrik ,.?könix" B. m. b. H. Die dieSjäbrige ordentliche Levei'al-Vei'sammluny findet im GeschäitSlolale, am 25. März, nachmittags 5'/, Uhr statt. Tagesordnung: 1. Jahresberrcht. 2. Statutenänderung(Erhöhung deS GeschästSanteils und der Haftsumme). 3. Neuwahlen. 4. GeschästlicheS. 42/13 Der Voratnnd. Kranzspenden sowie alle Blumenarrangements liesert schnell, geschmackvoll, billig* Panl Groß, Liudenstrasie 69. DIS- Amt Moritzplotz 7263. Verwaltung Berlin. Lade»- und Kontonnädetdranche. Sonntag, den 17. März, vormittags 10 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27o: Krauchen-Versammlung. Tagesordnung: t. Vortrag. und Ausgabe der Delegiertenkarten. Bekanntgabe deS Wahlresultats 80/8 Ortsgruppe OroS-Serlia. Achtung! Bersicheruugsangeftellte! Morgen Freitag, den 15. März 1012, abends 8'/, Uhr, in den Mufikersälen, Kaiser-Wilhelmstraste 18m- Öffentliche Versammlung. Staatshilfe � Selbsthilfe und die Ver- ficheruttgsangeftellten. Referent: Rcichstagsabgeordneter Genosse Karl Giebel. ireie Diskussion. 47/3 ahlreiche» Besuch erwartet in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung Die Drtiwerwnltnng. Deutscher Tahakarbeiter-Yerband Zahlstelle Berlin. Freitag, den 15. März 1012, abends S'/j Uhr, in Träsels Festsälen(gr. Saal), Neue Friedrichstr. 55 l: Mitglieder-Versammlnng Tagesordnung: 1.„Die Ausgaben der Generalversammlung." Reserent: Alwin Schulze. 2. Wahl der Delegierten. 3. Bericht über die Taris- resp. Lohnbewegung. 4. Verschiedenes. 187/7» Angesichts der hochwichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Mit- glieder Pflicht. Mitgliedsbuch legitimiert._ Die OrtSverwaltung. Allgemeine Orts-Krankentaffe zu Berlin Neue Friedrichstrasse 9—10. DaS Kassenlokal befindet sich vom 18. Mari 1912 ab im eigenen Hause Ropemelter Str. 80-82. Wegen Umzug bleibt daS Kassen- lokal am IS. Marz geschloffen. 271/13 Der Borstand. Vogen Lepnrierunx tSfiniliciigr Musperlmiif des übernommenen ScfauSwarenlagers Rosenthalerstr. 40-41 (Hackescher Markt) Kinderstiefel, schwarz kräftig in Oberleder u. Sohle iS-26 37-30 31-M 2.25 2.95 3.751 Kinderstiefel, braun mit Lack- 1 kappe 27-30 Zl-M 3.75 4.25 Damenstiefel in Chevreau mit Lackkappe I breite u. halbbreite Fassons i 36-42 paar 4.95 echt Chevreau mit Lackk. I schicke Form, 36-42 5,75 1 echt Chevreau mit Lackk., Qoody.-Weit, araer. Formen| 36-42 Paar 7.95 Herrenstiefel Rindbox, Zug-, Schnür- u. Schnallen stiefei, kräftig. 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Hlises, Dorotbeenstr. 42 Koppel, M., Kronenftr. 66/67 Ko'icl, Charlottenburg, Sophie-Char- lvttcn-Straste 22 KoSlowsky, Kanonierstr. 3 Koste u. Boldt, Mauerstr. 77 Köst. Französischestr. 52 Krause, Charlottenstr. 1 lieber die genannten die 163/4 Krieter, Mauerstr. 8 Kriewitz u. Borgward, Kanonierstr. 10 Kröhan, Lyarlottrnburg, Wallstr. 30 Kruse, M., Oranienburger Str. 4 Kühne, Ed., Friedrichstraste Kunz u. Korizek, Reustädtische Kirch- straste 3 Kurta, Friedrichstr. 153a Lassahn, Julius, Charlottcnburg, Schillerftr. 9 Levh, Unter den Linden 61 Lewitbal, Mauerstr. 2 Lewke, Sehdelslr. 31 Lewkowitz, Alexanderstr. 14a Liebenchäi, Hugo, Unter d. Linden 54/55 Lindcmann, B. u. Westcndors, Jnh. Zibbel. Dresdener Str. 56 Lingott, Gebr., Alexandrinenste 67 Lippmauu, Benno. Leipziger Str. 30 Lubahn vorm Stein, Schadowstr. 4/5 Lucht, Jägcrstr. 69, 2 Tr. Lukas jr., Mohrenslraste Magnus, Unter den Linden 69 (Krakow) Mathias u. Schade, Bcsselstr. 11 Matz. Brüdcrstr. 13 Maurer, Rud., Friedrichstr. 65a Mayer, Freitag Aachs., Friedrich- straste 36a Mehl, Chausseestr. 124 Meyer, Mohrenstr. 9 Meyhöser, Friedrichstr. 187/188 Möller Söhne, Friedrichstr. 85 Müller, Arnold, Leipziger Str. 95 Müller, Fritz, Gr. Franksurler Str. 95 Müller, Otto, Orauienstr. 30 Musa, Friedrichstr. 72 Nachmann, Alte Schützenstr. 1 Nielsen u. Thulin, Cbarlottcnstr. 34 Noe u. Schulze, Unter den Linden 21 Peel u. Cloppenburg, Gertraudten- str. 25/27 Pix, Alois, Markgrafenstr. 80 Plusliewitz, Markgrasenstr. 22 Pockornh u. Görke, Friedrichstr. 213 Prnhst u. Lemke, Friedrichstr. 44 Pricbe, Luisenstr. 27 Prince os Wales, Friedrichstr. 188 Ramb, Waldemarstr. 39 Rcinfc, Charlottcnburg, Tauroggcner Str. U Richter, Franz, Kanonierstr. 6, I Rieihmüller, Molkenmarkt 5 Romann, Krausenstr. 4/5 Rönsch, Charlottenstr. 86 Rückert, Emil, Mohrenstr. 53 Rüdiger u. Suhr, Rosenlhaler Str. 45 Rudolf, Gertrnudtcnstr. 10/12 Rund u. Co., Alexanderstr. 37a Salzwcdcl, Mohrenstr. 53 Samter u. Happeck, Charlottenstr. Schachtel, Alexanderstr. 50 Schasus, Krausenstr. 12 Schalt», Unter den Linden 52 Schimmler, Königarätzer Str. 4 Schöiidube, Friedrichstr. 167/68 Schöning u. Lindner, Krausenstr. 35/36 Schramm, Koch str. 18 Schulmeister, Dresdener sir. 4 Schulte, Jnh.Brodcrsen, Krausenstr.71 Schulz, Gebr., Markgrasenstr. 46 Schwarz, Lud., Friedrichstr. 158 Sebastian u. Storck, Mittelstr. 18 Segall, Leipziger Str. 30 Setig. Arnold. Unter den Linden Sendie, Dorotbeenstr. 30 Sigger u. Lorenz, Jägcrstr. 8 Sitzli, Schützenstr. 60 Skala, Unter den Linden 10 Slobtnsly u. Grünmayer, Kochftr. 11 Sonnenschein, Jcrusatemer Str. 59 Spicher, Karl, Nicdcrwallstr. 26/27 Steinberg, Joh., Jnh. Minak u. Stein- berg, Neustadt. Kirch str. 15 Stelzner, Charloltenstl. 48 Siephan, Französischestr. 19 Steuer, R., Kommandankenstr. 43 Stier, Karl, Oranienslr. 166 Stolzenberg, Orauienstr. 72 Tackmann, Jerusalem« Str. 9 Thiel, Unter den Linden 51 Toiksdors(Englisch Cornpagnie), Unter den Linden 66 l Torkler u. Sohn, Französischestr. 13 Treitel, werderilr. 6 Tributh, Mauerstr. 2 Truntz u. Sßojj,«ebrenstr. 28 TschirbS. Friedrichstr. 54 Bandsburger, Friedrichstr. 7 Vortrefflich, Friedrichstr. 143 Wagner, Chausseestr. 8 Warenbau» sür Sinnet und Marine Wellhausen, Rene Wilheimstr. 2 Wendt u. Redlich, Unier den Linden 29 Werner, An Ion, Chartottcnburg.Kncse- beckstratze 88 Wolff u. Keller, Tharlottenstr. 28 Wölfs, M., Leipziger Sir. 105 Wölfs u. Schulz, Friedrichstr. 49a Woormann, D., Französtsche Str. 46 11 Zobel, Karl, Köpenicker Str. 124 Zuttermann, M., u. Haff, Behren- straffe 24 rmen wird hiermit sperre verhängt. 59 Luekkantlluax Vorwärts Berlin SW-, I-indenatr. C9. Soeben erschien: Taschenbuch der Reichstagswahlen. BV Preis 30 Pf.'•8 Das m handlichem Taschenformat hergestellte Buch enthält n. a. die neuesten Porträts und Biographien der HO sozialdemokratischen Abgeordneten sowie die genauen Ergebnisse der Reichstsgswahlen 1912 aus allen deutschen Kreisen mit Angabe der Namen der gewählten Abgeordneten, des Berufes und der Parteistellung. Stoffe Reste z. Anzug, Paletot Mir. 3,— M. Loden(ür Pelerinen Mir. 1,50, 2,50. Tuchlager Koch& Seeland 6. m. b. H. Gtrtraitelr. 20/21 Zm'£ Die reellsten und billigsten Möbel nnd Polaterwarcn erhält man zu Kassapreisen in der seit 33 Jahren bestehenden Möbelfabrik von A. Sctaula, Reichenbergcr Strafe 5. Größte Auswahl in allen Holz- und Stilarten mit zehnjähriger Garantie.(5 Proz. Kassaskonto.) Ev. auf Eatenzahlung. Chic und elegant kleidet man sieh nach den Favorit- Schnittmustern, deren Auswahl aus dem soeben erschieneneu Fatorit- Modenalbum getroffen wird: ca. 800 neueste Modelle bieten eine reiche Modenschau. 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Der Beklagte Adolf Hommel jun. wird verurteilt, zu unterlassen, sich der Firma„Adolf Hommel jun." zu bedienen, soweit er unter dieser Firma Haematogen oder andere Produkte vertreibt, in deren Bezeichnung das Wort Haematogen vorkommt Im übrigen wird der Klageantrag zu 1. für erledigt erklärt 2. Die Widerklage des Adolf Hommel jun. wird, insoweit der Widerkläger die Feststellung begehrt, er sei berechtigt zum Zwecke des Vertriebes von Haematogen oder anderer Produkte, in deren Bezeichnung das Wort Haematogen vorkommt, die Bezeichnung „Adolf Hommel jun." in dieser oder in abgekürzter Gestalt anf Waren, auf deren Verpackung oder Umhüllungen anzubringen und sonst im Geschäftsverkehr zu gebrauchen, abgewiesen. Dieses Urteil ist gegen Sicherheitsleistung von 10000 MaHf vorläufig vollstreckbar. Eingetragen in das am 22. Januar 1912 ausgehängte Verzeichnis der verkündeten und unterschriebenen Urteile. gez. Grau. gez. Boehm. gez. Philips, Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Lnseralenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.«erlagsanstalt Paul Singer Berlin LW, lt. 63. A. ZihrMz. Die Gemelndewablbeweguns. Krirdrichshagen. Die Ergänzungslvahlen für die 3. Abteilung finden am Sonntag, den 17. März, vormittags 11'/z Uhr bis nachmittags 3Vz Uhr statt. Die 3. Abteilung wählt in zwei Be- zirken. Das Wahllokal für den 1. Bezirk ist„itiestaurant Eiskeller", Friedrickstr. i«/97, und für den 2. Bezirk Restaurant Conrad, Friedrichstr. 137. Unsere Kandidaten sind für den 1. Bezirk: Genosse Hermann Grau und für den 2. Bezirk: Genosse Fritz T a r n o w. Für die 2. Abteilung findet die Wahl über den ganzen Ort am Montag, den 18. März, von nachmittags S Uhr bis abends 8 Uhr im Restaurant Scholz, Friedrichstr. 81, statt und sind zwei Vertreter zu wählen. Unsere Kandidaten find die Genossen Otto Schaale und Wilhelm Korsing. Da wir uns das erste Mal an der Wahl für die 2. Abteilung beteiligen, ist es Pflicht eines jeden Genossen, alle für uns in Betracht kommenden Wähler der 2. Klasse an die Wahlurne zu bringen.' Heute abend Kuvertierung der Flugblätter im Jugendheim, Friedrichstr. 60. Morgen Freitag abend von den Zahlabendlokalen aus: Flugblattverbreitung. In Rahnsdorf finden die Wahlen am Sonntag, den 17. d. Mts., statt. Die Genoflen wollen dafür Sorge tragen, daß mit dem in der drittel» Abteilung aufgestellten Kandidaten, Genosse» B o d d i n, der erste Sozialdemokrat ins Geineindcparlament einzieht. Rudow. Am Sonnabend, de» 16. März, vormittags 16 Uhr, findet die Gemeindewahl für die dritte Abteilung statt. Kandidat der Sozialdemokratie ist Genosse Otto Schulz. Genoflen! Sorgt dafür, dab unser Kandidat als Sieger aus der Wahl hervorgeht. Wahlergebniffe. Groß-Lichterfelde. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl konnten unsere Genossen einen Sieg nicht erringen, doch steht im 2. Bezirk unser Genosse Wenzel in ziemlich aussichtsreicher Stichwahl. Im 1. Bezirk erhielt der sozialdemokratische Kandidat Genosse Neumann 344. der bürgerliche Kandidat 473 Stimmen. Letzterer ist somit gewählt. Im 2. Bezirk entfielen auf unseren Genossen Wenzel 43S, den Bürgerlichen Wagner 329 und den Bürgerlichen Schulz 112 Stimmen. Es hat also Stichwahl zwischen dem sozialdemokratischen Kandidaten und dem Bürgerlichen statt- zufinden. Im 3. Bezirk siegte der Bürgerliche Fischer mit 2S3 Stimmen über unseren Genossen Osburg, der 167 Stimmen auf sich vereinigte. Tempelhof. Bei der gestern stattgefundenen Gemeindevertreter- l. Abteilung wurde im 1. Bezirk Genosse Wanzlick mit 3.§n\m des Joniiärts" Kerlim VcksM."---l-w't W.l lR3 Mit ihm zieht der vierte Ge� tl' Wahl der 3. 14 Stimmen Majorität gewählt. nasse in die Gemeindevertretung. Zeuthen. Bei der am Dienstag stattgefundenen Gemeinde- vertreterwahl erhielt unier Kandidat, der Genosse Kaltes, 74, der Kandidat de« Grundbesiyervereins S4 Stimmen, hiervon waren 14 Forensen. Die bürgerliche Wahlverelnigling brachte für ihren Kandidaten 28 Stimme» aui, wovon b Forenien waren. Es findet mithin Stichwahl zwischen unierem Genossen Kalies und Herrn Kneisei statt. Dieselbe ist aus Donnerstag, den 21. d. M., abends von Ö'/a bis 8 Uhr. festgesetzt. Da eS sich nur um einige Stimmen handelt, die noch ausgebracht werden müssen, ist es Aui- gäbe unserer Genossen, am Stichwahltage ihre Pflicht zu tun. Am Freitag, den 1d„ abends 8'/� Uhr. findet hierzu ein Extrazahlabend für den Bezirk bei Lindemann statt. Schöncichc. Bei der Wahl am Montag gelang es leider nicht, unserem Genossen Rühl zum Siege zu verhelfen. Vorläufig sind die bürgerlichen Herren noch unter sich geblieben; es wird unsere Aufgabe sein müssen, nach zwei Jahren ihre beschauliche Ruhe zu stören. In Klein-Schönebeck-Fichtenau wurde Genosse Tobias in der dritten Abteilung mit großer Majorität wiedergewählt. Partei-)ZngdegenKeiteii. Oter-Ichöneweide. Sonntag, den 17. März, von morgens 8 Uhr ab: Handzetlelverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Die Bezirksleitung. Alt-Glicniike. Sonnabend, den 16. März, abends 8lli Uhr: Zahlabend für den Bezirk Ortsteil Falkenberg beim Genosse» Schäfer. Der Borsland. Tegel. Am Sonnabend, den 16. März, findet ein Jobaiin- Strauß-Abend in Trapps Festsälen statt. Vom Freitag ab sind BillettS nur noch in der Zigarrenhandlung von I Lauer zu haben. Die Bezirksleitung. Rudow. Am Sonntag, den 17. März, nachmittags 4 Uhr. im Lokal von A. Palm: Mitgliederversamntlung. Es ist eine wichtige Tagesordnung zu erledigen. JBerliner JVacbricbten. Alles durch das Telephon. Bellamy hat in seinem Buche:„Im Jahre 2000" ein Zukunftsbild entivorfen, wie sich seiner Meinung nach niit Hilfe der Erfindungen und der Entwickelung der Technik die Zukunft entwickeln werde. An dieses Phantasiebild wird man erinnert, wenn man hört, daß der Unternehiiiiingsgeist eine Gesellschaft veranlaßt hat, schon heute zu verwirklichen, was Bellamy dem Jahre 2000 vorbehalten wollte. Eine Gesell- schaft hat folgenden Plan: Sie will alles Wissensiverte per Telephon den ihr angeschlossenen Teilnehmern stündlich übermitteln. Früh acht Uhr beginnt die Ueberinitteluiig und dauert bis abends. Die telephonischen Nachrichten sollen sich beziehen auf Vorgänge an der Börse, im Parlament, auf solche aus dem Auslande, aus dem Reiche und am Orte. Auch Konzerte. Theater. Belletristik, kurz alles wird telephoniert. Es ivird sogar beabsichtigt, die Vorgänge im Theater und in der Oper telephonisch abzuhören. Nach diesem Plane könnte man in Zukunft in der Wohnung Caruso im Opernhause singen hören. Ob der letztere Plan gelingt, muß abgewartet werden. In einigen Städten Amerikas sind schon ähnliche Einrichtungen geschaffen. Die Gesellschaft nennt sich„Telephonische Nachrichten". Sie ist an die Tiesbaudeputation als Wegepflichtige herangetreten, um die Erli"bnis der Benutzung der amtlichen Fernsprech- kabel der Reichspost. Diese Erlaubnis soll der Gesellschaft gegen eine vorläufige jährliche Anerkennungsgebühr von 500 M. erteilt werden.»_ 100 Priz. Gemeindeeinkomn�ensteucr. Der Etatsausschuß hat gestern seine Arbeiten beendet und be- schlössen, die Gemeindeeinkommensteuer im kommenden Etatsjahr auf 100 Proz. festzusetzen. Dieser Beschlutz wurde ermöglicht durch den Umstand, daß 4 Millionen Mark von den 23 Millionen Mark «u« dem Vergleich der Großen Berliner Straßenbahn mit der Stadt Berlin als Einnahme in den Etat eingestellt wurden. Die übrigen vom Magistrat vorgeschlagenen Realsteuern bleiben bestehen. Gegen die Mitwirkung der Lehrer beim Berkauf vo» Lern- mittel» uud Heften wendet sich eine ausführliche Verfügung des Unterrichtsministers. Auch den Lehrervereinen, Lehrer- unterstützungskassen und ähnlichen Stiftungen ist es nicht mehr gestattet, Verträge mit einzelnen Firmen über den Vertrieb bestimmter Lehrmittel abzuschließen. Sie dürfen auch nicht mehr in freiem Wettbeiverb den Vertrieb selbst übernehmen. Soweit Lehrervereinigungen derartige Geschäfte noch betreiben, soll dies aufhören. Die Verträge müssen aufgelöst werden. Nötigenfalls sollen die Satzungen geändert werden. Unter dieses neue Verbot fällt aber nicht der Abschluß von Verlagsverträgen über Lernbücher, wie Lesefibeln, Schullesebücher, Schülerhefte für den Rechenunterricht, Liederhefte und andere Bücher. Auch der Selbstverlag und der Vertrieb dieser Bücher ist nach wie vor zulässig. Die An- fertiguiig von Schreib- oder Zeichenheften ist aber auch dann untersagt, wenn sie unter dem Namen des Verlagsvertrags geschieht. Unzulässig ist es ferner, auf Schüler oder Eltern einzuwirken, Lernmittel einer bessimmten Firma zu kaufen oder zu bevorzugen. Auch dürfen die Lehrer nicht an dem Einzelvertrieb persönlich mitwirken, außer wenn Kinder wirklich nicht die Lernmittel bekommen können. Es sollen deshalb ein- heitliche Nonnalbestimmiingen über die Lernmittel den Firmen, namentlich den Kleinhändlern und sonst allgemein bekannt gegeben werden. Es iverden mitunter Verträge zwischen Lehrervereinigungen und Firmen über den Vertrieb von Lern- Mitteln abgeschlossen. Auch diese sind unzulässig. In Erinnerung an die MilitSrzeit wird mancher, der das Soldatenleben gründlich kennen gelernt hat, noch nach Jahren und Jahrzehnten vom Grimm gepackt. Andere, denen es beim Militär nicht minder schlimm ergangen ist, vergessen sehr bald, was sie dort durchgemacht haben. Aus ihren Reihen re- krutieren sich dann die Mitglieder der Kricgervereine, deren Zweck es ist, das beim Militär begonnene„Erziehungswerk" fortzusetzen und zu vollenden. Arbeiter freilich halten sich diesen Vereinen zumeist fern, zum großen Verdruß derjenigen, die in den Krieger- vereinen gerade die Arbeiter zu geduldigen Untertanen„erziehen" möchten. Aber auch an diejenigen ehemaligen Militärangehörigen, die sich hierzu nicht hergeben und die Kriegervcreinler unter sich lassen, sucht man noch heranzukommen. Bei irgendeiner sich bietenden Ge- lcgenheit wird auch ihnen gegenüber der Versuch gemacht, ein Band zu knüpfen, an dem sie gehalten und geleitet werden können. Zu diesen Gelegenheiten gehören z. B. die Regimentsjubiläen, deren Feier man immer mehr durch allerlei Drum und Dran recht eindrucksvoll zu gestalten sich bemüht, um nicht nur bei den ehe- maligen Angehörigen des Regiments, sondern überhaupt im Volk die Begeisterung für das Militär zu fördern. Unter Betonung der „Kameradschaftlichkeit" wird da um manchen Ehemaligen geworben, der solche Ehre sich wirklich nicht vermutet hätte. Im Jahre 1913 werden es 109 Jahre, daß das 2. Garde- Regiment zu Fuß besteht, und auch da soll sellsstverständlich wieder jubiliert wcvden. Geplant wird unter anderem eine „Jubiläumsstistüng", deren Zinsen— wie ein Aufruf sagt—„zu- gunsten der Mannschaften, insbesondere der am wenigst bemittelten, zu verwenden gedacht ist". Gegen eine solche Stiftung könnte man nichts sagen, wenn ihr Zweck nur der wäre, Bedrängten zu helfen. Aber die geplante„Jubiläumsstiftung" des 2. Garde- Regiments zu Fuß soll, so steht's im Aufruf, auch zum Ausdruck bringen, daß die Spender„sich für alle Zeiten in treuer Liebe und Anhänglichkeit mit dem Regiment verbunden fühlen". Unmöglich kann das bei allen ehemaligen Angehörigen des Regiments vorausgesetzt werden. ES scheint aber, daß der Aus- schuß, der zur Beschaffung der Mittel zusammengetreten ist, sich unterschiedslos an alle wendet. Daß er bei„allen ohne Ausnahme" den Wunsch annimmt, ihre„Liebe und Anhäng- lichkeit" zu bekunden, das wird ja auch in dem Aufruf ausdrücklich gesagt. Wer etwa glaubt, daß Sozialdemokraten von der Beitrags- ipendnng ausgeschlossen werden sollen, der sucht in dem Aufruf vergeblich einen diesbezüglichen Hinweis. Das wird freilich alle die wundern, die da wissen, wie diese Kreise sich sonst zur Sozialdemokratie stellen, und was einem etwa doch in einen Kriegervercin hincingeratcnen Sozialdemokraten blüht. Bei einem unserer Genossen, der gleichfalls in diesem Regiment gedient hat, ist durch das auch an ihn gerichtete Ersuchen, seine „Liebe und Anhänglichkeit" darzutun und möglichst auch Mitglied des„Vereins cbcnialiger Kameraden des 2. Garde-Regiments zu Fuß" zu iverden, die ganze Erinnerung an seine Militärzeit wieder geweckt worden. In einer Zuschrift an uns sagt er mit recht bitteren Worten, wie er darüber denkt, daß auch bei ihm erwartet wird, er werde„mit freudig bewegtem Herzen" der Jubelfeier entgegensehen. Er meint, daß jedenfalls noch andere Genossen durch dieselbe Aufforderung belästigt worden sind, und hierin dürfte er recht haben. Unter anderem schreibt er: „Dafür, das; man zwei Jahre gedrillt worden ist, soll man jetzt obendrein noch seinen Geldbeutel auftun. Die Herren vom Vorstand sollten sich doch lieber an die schwerreichen Panzerplattenpatrioten ä la Krupp usw. wenden. Sind es doch diese Leute, die bei jeder sich bietenden Gelegenhit das alte Märchen auftischen: Dem Arbeiter werden seine sauer verdienten Groschen von der Partei und Gewerkschaft abgenommen. Sehr schön steht im Statut dieses Vereins, daß Königstreue und Vater- landslicbe gepflegt wird. Aber der Militarismus mit seinem ganzen System sorgt ja dafür, daß gerade das Gegenteil von dem erreicht wird. Und bei vielen, sebr vielen ist die Militär- zeit nickt spurlos vorübergegangen. Sie stehen beute in den Reihen des organisierten kämpfenden Proletariats.'«' Der Ausschuß sagt in seinem Aufruf:„Einen besonderen Wert legen wir darauf, daß die Beteiligung an der Fubiläumsstiftung eine ganz allgemeine ist." Er wird eine arge Enttäuschung er- leben, wnen viele ehemalige Angehörige des Regiments— in Erinnerung an ihre Militärzeit— ebenso denken wie der Verfasser des hier mitgeteilten Briefes. In de» Tot sollte jeder auf- geklärte Arbeiter— bei aller Sympathie für manchen seiner ehemaligen Kameraden und Leidensgefährten— eS weit von s i ch weisen, an solchen Feierlichkeiten sich irgendwie zu beteiligen._ Die Stadtverordneten und Oberbürgermeister Kirschner. Aus dem Rathause wird berichtet: In den- Fraktionen, der Linken, der Freien Fraktion und' den neuen Linken der Stadivcr- ordneten-Versammlung wurden am Dienstagabend die Nachrichten über den Rücktritt des Oberbürgermeisters Kirschner eingehend be- sprächen. Es wurde einmütig mit Freude und Befriedigung auf-. genommen, daß es gelungen ist, Oberbürgermeister Kirschncr zu bewegen, sein Rücktrittsgesuch zunächst zurückzuziehen und daß be- sonders die Leitung dev Zweckverbandsversammlung und des Vcr- bandsausschusses gerade in den so wichtigen Anfaiigsstadicn in seinen bewährten Händen verbleibt. Auch bei der ganzen Lage der zeitigen Verhältnisse in der Stadtgemeinde Berlin wurde das Verbleiben des Oberbürgermeisters Kirschner in seinem Amte als von großer Bedeutung erachtet. Man gab sich überall der Hoffnung hin, daß Oberbürgermeister Kirschner in seinem so oft schon be- währten Pflichtgefühl noch recht lange sein verantwortungsvolles Amt bekleiden werde. Diese Erwartung wurde um so mehr gehegt, als auf die bereits in der vergangenen Woche von den beiden Stadtverordnetenvorstehern' erfolgten Schritte ihn zum Vevbleiben in seinem Amte zu bewegen. Oberbürgermeister Kirschner erklärt hatte, daß er, wie seine einstimmige Wiederwahl schon dartnt, sich von dem Vertrauen der Stadtverordneten-ÄZersammlung getragen weiß.— Auch die sozialdemokratische Fraktion hat sich mit der An- gelegenheit beschäftigt und ihre Befriedigung darüber ausgesprochen, daß"der Oberbürgermeister sich entschlossen hat, unter den gegen-- wärtigcn Verhältnissen sein Amt weiterzuführen. Die Deputation der städtischen Gaswerke beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung n. a. mit der Erweiterung der Preßgas- beleuchtung in den Straßen Berlins. Definitive Festsetzungen konnten, da die Bewilligung der durch den Etat beantragten Mittel noch nicht stattgefunden hat, nicht erfolgen. Da infolge des nie- drigen Wasserstandes der Elbe im Jahre 1911, der schwierigen Eis- Verhältnisse auf der Ostsee im Januar und Februar dieses Jahres und des Ausbruchs des englischen Riesenstreiks die Zufuhr der Gaskohlen nicht planmäßig erfolgen konnte, beschloß die Deputation eine nach der augenblicklichen Lag« des Marktes günstige Offerte auf sofort lieferbare oberschlesische Gaskohlen anzunehmen. Ist ein Preisschießrn eine Lustbarkeit? Um diese Frage handelte es sich bei einem Steuerstreit zwischen dem Gemeinde- vorstand von Kaulsdorf und dem Berliner Schützenbund, welcher aus 75 Vereinen besteht. Der Sctzützenbund hat in Kaulsdorf ein großes Grundstück mit großem Restaurant und vielen Schieß- ständen. Nachdem er dort ein Preisschießen veranstaltet hatte, wurde er zur Lustbarkeitssteuer auf Grund der für Kaulsdorf gel- tcnden Lustbarkeitssteucrordnung herangezogen. Der Gemeinde- vorstand sah das Preisschießen als eine Lustbarkeit an. Der Schützcnbund klagte, hatte damit aber in den ersten Instanzen keinen Erfolg. Der Vezirksausschutz als Berufungsinstcmz wies den Freistellungsantrag des Bundes mit der Begründung ab, daß ein Preisschicßen dadurch zur Lustbarkeit werde, daß um Preise geschossen werde. Das Oberverwaltungsgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache in die Vorinstanz zurück..Begründend wurde ausgeführt: Wenn der Bezirksausschuß sag«, ein Preis- schießen sei eine Lustbarkeit, weil um Preise geschossen werde, dann sei das nicht zutreffend. An sich sei ein Preisschjptzcn keine Lustbarkeit. Indessen könne auch ein Preisschießen zu einer Lust- barkeit werden, wenn die begleitenden Umstände, unter denen es vor sich gehe, ihm den Charakter einer Lustbarkeit verliehen. Der Bezirksausschuß, der fälschlicherweise generell jedes Preisschießen für eine Lustbarkeit erklärt habe, müsse nunmehr nachprüfen, ob etwa die begleitenden Umstände dieses Preisschießen zu einer Lust- barkeit gcmackt hätten, d. h. zu einer Veranstaltung, die den Ztveck hatte, die Teilnehmer zu ergötzen. Zusammenstoß zweier Fingmaschinen in der Luft. Auf dem Flugfeld Johannisthal ereignete sich gestern morgen ein schwerer, nicht alltäglicher Unfall, der leicht verhängnisvolle Folgen hätte nach sich ziehen können. Morgens gegen 7th Uhr war Schwandt auf einem Grade-Eindecker mit seinem Schüler Badowsky aufgestiegen, um einige Runden zu fliegen. Etwas später kam auch der Flugschüler Rettinger aus einem Tvinks-Eindecker heraus, um selbständig zu üben. Beide Maschinen umkreisten während einiger Runden die Bahn in gehörigem Abstand voneinander. Bei der Kurve vor der neuen Tribüne flog Trinis scharf innen, während Schwandt weiter herausging, m wahrscheinlich den anderen Ein» decker zu überholen. In der Nähe der Parsevalhalle, unweit der Stelle, an der Engelhard und Pietschker ihren Tod fanden, wollte Schwandt wieder in die Kurve gehen, bemerkte jedoch offenbar nicht, daß Trinks ebenfalls zur �irve ansetzte und seitlich hinaus- getragen wurde. Da beide Flugzeuge sich in voller Fahrt befanden, und der Abstand zwischen ihnen nur noch ein ganz geringer war, wurde ein Zusammenstoß unvermeidlich. Beide versuchten zwar schleunigst niederzugehen, doch stießen sie noch in der Luft, 6 Meter über dem Boden, zusammen. Der Schwandtsche Eindecker fuhr gegen das Hintergestell der Trinkschen Maschine und beide Flug- zeuge kamen fast senkrecht zu Beden, wo sie beim Aufprall voll- ständig zertrümmert wurden. Während Sckrwandt und Rettinger außer einigen Hautabschürfungen im Gesicht mit dem Schrecken davonkamen, zog Badowsky sich eine lange Fleischwunde am Kopf, sowie eine Verletzung des rechten Armes und Beines zu. Der Vcr- unglückte fand in der Johannisthalcr Unfallstation die erste Hilfe und wurde dann nach seiner in der Nähe des Flugfeldes belegenen Wohnung geschafft. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. . Der Vorfall ist ein recht eigenartiger. Man sollte meinen, daß man sich in der Luft viel besser ausweichen kann als auf der Straße._ Eine erschütternde Familientragödie hat sich in der Fichiestr. 20 abgespielt. Dort wohnte seit 21 Jahren der 72 Jahre alte frühere Tischler Friedrich Bibler mit seiner Frau, seiner 37 Jahre alten Tochter Johanna und zwei Söhnen von 43 und 45 Jahren, die beide Kauflcute sind. Die Familie lebte sehr glücklich und war im Hause und in der Nachbarschaft allgemein geachtet und beliebt. Bor vier Wochen starb Frau Bibler an den Folgen eines Schlag- anfalls, den sie sechs Woche» vorher erlitten hatte. Die Tochter, die ihr in der Wirtschaft zur Hand gegangen war, versah jetzt das Hauswesen allein, obwohl sie etwas nervenschwach war. Sie konnte den Verlust der Mutter, an der sie mit aller Liebe gehangen hatte, nicht verwinden. Der Gram verschlimmerte ihr Leiden, und so kam sie zu dem Entschluß, der Mutter in den Tod zu folgen. Als der greise Bibler, der seit IV2 Jahren im Ruhestand lebte und Invalidenrente erhielt, vorgestern nachmittag um Uhr nach Hause kam, fand er seine Tochter in der Schlafstube erhängt und tot auf. Vor Schmerz über diesen schweren Schlag griff auch er zum Strick und erhängte sich in der Küche. Kurz nach 8 Uhr kehrten die beiden Söhne, die sich unterwegs getroffen hatten, vom Geschäft nach Hause zurück. Zu ihrem Entsetzen fanden sie Vater und Scklvester tot wieder. Ein Arzt, der gleich zur Stelle war, konnte nicht mehr helfen. Er stellte fest, daß die Tochter schon einige Stunden tot und der Vater erst kurz vorher gestorben war. Die beiden Leichen wurden beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein Roheitsakt. Nach einem Streite hinterrücks erstochen wurde vorgestern abend der 22 Jahre alte Schncidergeselle Heinrich Barschen aus der Falckensteinstr. 21 von dem Kutscher Paul Bender aus der Rcichenbcrger Str. 124. Barschen besuchte gestern abend mit zlvei Freunden einen Rummel an der Köpenicker Brücke. Dort traf er zwei ihm bekannte Mädchen, die sich bei ihm darüber be- klagten, daß sie von Bender und dessen Freund belästigt würden. Barschen stellte darauf Bender zur Rede und erklärte ihm, wenn er die Mädchen nicht in Ruhe lasse, so gebe eS eine„Wucht". Nach einigen Auseinandersetzungen verließen Barschen und seine Freunde mit Seit Mädchen den Rummelplatz und gingen die Köpe- nicke� Strohe hinunter. Bender folgte ihnen unbemerkt und fiel plötzlich an der Ecke der Manteuffelstrahc über Barschen her. In dein Handgemenge zog er ein Messer aus der To säte und stich es seinem Gegner in das Herz, so daß er blutüberströmt zu Boden sank. Seine Freunde brachten den Schwcrverwunideten nach dem Krankenhaus Bethanien, wo er bald nach der Aufnahme unter den Händen des Arztes verschied. Bender ergriff die Flucht, wurde aber eingeholt, fcstgeiwmmcn und nach der Rcvicrwache in der Köpenickcr Strohe gebracht. Ein furchtbares Bild bot sich gestern dem Arbeiter Markstein ou-s der Lortzingstr. 34, als er in der Mittagspause von der Arbeits- stelle nach Hause tam. Markstein war mit seiner 4l> Jahre alten Frau Ottilie seit fünf Jahren verheiratet und Vater von drei Kin- Sern von 1 bis 3 Jahren. Seit dem l. November v. I. hatte M. Stellung bei den Allgemeinen Elektrizitätswerken in der Acker- strahe. In einem nervösen Anfalle legte gestern vormittag die Frau des M. vor den Augen ihrer 5linder Hand an sick. Nachdem sie die Kleinen in der Stube nebeneinander auf das Sofa gesetzt hatte, knüpfte sie sich an dem Spiegelhaken auf. Nachdem der Tod bereits eingetreten war, rih der Strick und der leblose Körper der Frau fiel auf die Kommode herab. Hier fand Markstein seine Frau liegen, als er zum Mittagessen nach Hause kam und ahnungs- los die'Stube betrat. Die Kinder sahen weinend vor der Leiche der Mutter auf dem Sofa. Ein Arzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen. Durch ci» Automobil wurden am gestrigen Mittwoch am Halle- schen Tor zwei Personen umgestohen und verletzt. Das Privat- automobil IE 4687, das von seinem Inhaber selbst gesteuert wurde, kam in langsamer Fahrt über das Hallesche Tor gefahren. Der Führer wollte nach der Friedrichstrahe zu fahren, vermochte seinen Wagen jedoch nickt zu lenken, da die Steuerung plötzlich versagte. Der Kraftwagen fuhr einen Dreiradfahrer an, der bei dem Anprall zu Boden stürzte und sich Onetschwunden zuzog. Dann rih das Automobil den Radfahrer Erick Ehlert, der um den Belle-Älliance- Platz iahren wollte, um, so dah der junge Mann gegen die Bord- sckwelle geschleudert wurde und einen Bruch des rechten Ober- schenkels davontrug. Der Kraftwagen rannte sckliehlich gegen einen Siraheubahmnast, wobei das Vorderteil des Wagens zertrümmert wurde. Die Insassen des Automobils blieben unverletzt. Die Konsumgenossenschaft Verlin und llmgegend hat im Mvnat Februar in ihren 83 Verkaufsstellen einen Gesanrtumsatz von 937 439,87 M. gehabt.— Der Umsatz im gleichen Monat des Vor- jahres betrug 549 784,95 M.— Es wurde somit eine Steigerung von 71 Proz. erreicht. Diese Umsatzsteigerung ist der beste Beweis dafür, dah die Ber- liner Arbeiterschaft den Beschluh des Jenaer Parteitages, wonach die Massen des Volkes zum konsumgenossenschaftltchen Zusammen- sckluh aufgefordert wurden, Rechnung trägt und ihre Pflichten als Mitglieder der Genossenschaft immer mehr und mehr erfüllt. Die Eigenproduktion der Konsumgenossenschast er- fährt gleichfalls eine fortwährende Steigerung, So wurden in der Bäckerei im Monat Februar für 151987 Mark Backwaren hergestellt.— Der Umsatz in der Bäckerei würde ein noch gröhercr sein, wenn für alle Verkaufsstellen das Brot ge- liefert werden könnte. Der Anbau der Bäckerei wird in den nächsten Tagen betriebsfertig sein und dann werden die Verkaufs- stellen der früheren„Adlershofer Genossenschaft" ebenfalls mit Brot aus der eigenen Bäckerei versorgt werden. Da auherdem auf eine Steigerung in den Berliner Verkaufsstellen zu rechnen ist, wird sich dann«ine bedeutende Erhöhung bemerkbar machen. In der Kaffeerösterei wurden 39 H99 Pfund Kaffee ge- röstet.- Weiter wurden 17 466 Flaschen Selterwasser und Brauselimonade» fabriziert. Auch hierbei ist die Steige- rung gegen den Vormonat eine recht erfreuliche zu nennen, was zum Teil darauf zurückzuführen sein dürfte, dah die Selterwasser- fabrikanten von Berlin seit einigen Wochen ihre Verkaufspreise erhöht haben. Tie Konsulngenossenschaft, die scA Eröffnug ihres Betriebet, den Abnehmern ihres Fabrikats quantitativ und quali- tativ mehr gab wie die privaten Geschäftsinhaber, erhöht ihre Ver- kaufspreise nicht. Ein erneuter Beweis dafür, daß da, wo Handels- und ProduktionSgewinne ausgeschaltet werden, die Konsumenten den Vorteil haben. DaS Vertrauen der Mitglieder der Konsumgenossenschaft zu ihrem Ilnternchmcn kommt auch dadurch zum Ausdruck, dah die Sparkasseneinrichtung imnier mehr benutzt wird, zur- zeit find 155999 9 M. Spargelder in der Konsumgenossenschaft hinterlegt. Die Konsumgenossenschaft wird bald ihre Betriebsanlagen wieder vergröhern müssen wozu Baugelder gebraucht werden, und wird es eine der bornchnisten Aufgaben der organisierten Konsu- menten mit sein, durch Erwerbung von Hausanteilscheinen der Geschäftsleitung Baugelder zur Verfügung zu stellen. Zurzeit haben die Mitglieder für 759 999 M. Hausanteilschcine erworben. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania bringt der mit prächttgen farbigen Bildern und Wandelpanoramen ausgestattete Vortrag„Der Grohglockner, Gastein und die Salzbnrger Alpen" Landsckaflen von stimmungsvoller Anmut abwechselnd mit Gebirgg- szenerien aus den schönsten Partien des österreichischen Alpenlandes. Im Hörsaal findet am Freilag der dritte Vortrag über Natur- dcnkmalpflege statt und zwar wird Herr Dr. H. Klose sprechen über »Schutz der geologischen Naturdenkmäler". Vermißt wird seib Donnerstag, dew 15. Februar 1912, der 16 Jahre alte Tapezicrlchrling Hermann Paetz. Derselbe ist 1,66 Meter groh, schlank gewachsen, hat rotblondes Haar, graue Augen. Er ist bekleidet mit schwarzen Hose, grauer Weste, dunkel- braunem Jackett, dunkelgestrcistem Ucbcrzicher, blauweihcm Vor- Hemd, schwarzen Schnürstiefeln und blauer Sportmütze. Nach. richten über denselben nehmen K. Paetz, Ebevsstr. L9z, Qucrgeb. 8 Tr. in Schöneberg und sämtliche Polizeireviere entgegen. Frucr auf dem Ostbahiihof. Durch mehrfachen Alarm wurden gestern abend 6'/� Uhr drei Löschzüge der Berliner Feuerwehr nach dem O st b a h n h o f in der F r n ch t st r a h e gerufen. Dort waren aui bisher nickt ermittelte Weise an einer Verladestelle drei grosse Leiterwagen mit Heu in Brand geraten. Da in der Nähe der brennenden Wagen uock zahlreiche andere Ladungen standen, so war die Situation anfangs lehr bedrohlich. Die Feuerwehr griff das Feuer mit zwei Schlauchleitungen an und zog die gefährdeten anderen Heuladungen beiseite. Durch kräftiges Wassergeben konnte daö Feuer auf die drei Wagen beschränkt werden. Der Eisenbahn- verkehr erlitt durch den Brand keinerlei Störungen. In der näheren Umgebung des Ostbahnhofs sammelten sich während des FeuerS große Menschenmengen an. Vorort- Nacfmcbtern Neukölln(Rixdorf). Laut Beschluß der Geueralkommissio» der Gewerkschaften Deutsch- lands sollen für die ausgesperrten Porzellanarbeiter Sammlungen veranstaltet werden. Zn diesem Zweck sind Sammellisten heraus- gegeben und bei den Delegierten der biesigen Unterkommiision sowie beim Obmann, Genossen Hendrischke, Thomaöstr. 26, zu haben. Es wird an daS SolidaritätSgefühl der klassenbewussren Arbeiter- schaft appelliert und erwartet, daß die ArbcitSgenossen sich an den Sammlungen zahlreich beteilige». Berliner Gewerkschaftskommission, Bezirk Neukölln. Em bedauerlicher Unfall hat sich am Dienstagabend in dem Hause Pflügerstr. 17 abgespielt. Dort war die 25jährige Frau Hunschlag in der Küche ihrer Wohnung mit Waschen beschäftigt und hatte einen grossen Zober mit heissem Wasser auf die Erde ge- letzt. Als sie sich für einige Minute» aus dem Räume entfernte» kam ihr anderthalbjähriges Söhnchen Erich in die Küche und stürzte kopfüber in das heisse Wasser hinein. Das Kind erlitt furchtbare Brandwunden und wurde nach der Unfallstation in der Steinmetz- strasse gebracht, wo es einen Notverband erhielt. In hoffnungs- losem Zustande wurde der kleine E. nach den, Kranlcnhause Neukölln überführt. Schwer verletzt wurde am gestrigen Mittlvochiiachmittag gegen 6 Uhr das 2'/zjährige Mädchen Martha Suppg, dessen Eltern in der Hermannstr. 23 wohnen. DaS Kind spielte vor dem Hause und lief Plötz- lich unmittelbar vor einem in schneller Fahrt herankommenden Flaschen- bierwagcn auf den Damm. Obwohl der Kutscher das Gefährt fast augenblicklich zum Stehen brachte, geriet das Kind unter die Hufe der Pferde und erlitt schwere Brustguetschungen. Die Kleine erhielt auf der Unfallstation in der Steiiimetzstrasse die erste Hilfe und wurde dann nach dem Neuköllner Krankenhaus übergeführt. Charlottenburg. Eltrr,»verein für freie Erziehung. Sonntag, den 17. dieses Mo- nats, findet um 19� Uhr unter fachmännischer Leitung eine Be- sichtigung des Märkischen Museums statt. Treffpunkt 9}4 Uhr pünktlich vor dem Charlottenburger Bahnhof. Für Nachzügler 19',4 Uhr vormittags vor dem Museum am Märkischen Platz. Jedes Kind ohne Begleitung Erwachsener hat 49 Pf. Fahrgeld mit- zubringen, auch Nichtmitglieder und deren Kinder können an der Besichtigung teilnehmen, Kinder unter 19 Jahren sind davon aus- geschlossen. Der Vorstand. Köpenick. Der letzten Stadtverordnetenversammlung lag ein Antrag des Magistrats wegen Verkauf von 2,59 Hektar Forstland an der Mahlsdorfer Strasse zum Preise von 2,65 M. pro Quadratmeter an die Berliner Baugenossenschaft zur Beschlussfassung vor. Nach längerer Debatte über Zweck und Ziele der Baugenossenschaft wurde beschlossen, die Sache zu vertagen und erst eine örtliche Besichtigung vorzunehmen. Desgleichen soll über den Wert des auf dem fraglichen Gelände befindlichen Baumbestandes eine Taxe aufgenommen tverden. Ein weiterer Antrag des Magistrats, die Zahl der Stadtverordneten von 36 auf 42 und die Zahl der unbesoldeten Stadträte von 7 auf 9 zu srhöhen, wurde anaenom- men. Zum Schluß wurden noch die Genossen N i e k e und M ö s e r zu Waisenräten und der Genosse Gustav Scholz als Bürger- deputierter in die Gewerbedeputation gewählt. Die Agitation zur Gewinnung von Mitgliedern für die Berliner Konsumgenossenschaft macht gute Fortschritte. Es ist bestimmt da- mit zu rechnen, dass die Eröffnung der ersten Verkaufsstelle in nächster Zeit erfolgen wird. Am Sonntag, den 17. März, findet eine Besichtigung der Anlagen der Genossenschaft in Lichtenberg statt. Die Teilnehmer von Köpenick treffen sich am Bahnhof SpindlerSfeld. Abfahrt um 9 Uhr 19 Minuten. Weihensee. Aus der Gemeindevertretung. Vor Eintritt in die Berhand- lungen rügte der Vorsitzende nachträglich die vom Gemeindrver- lreter Könitz gegen den Beigeordneten Dr. Klamroth gebrauchte Aeutzerung:„Bulldogge l" Der Pferdemarkt wurde auf die Dauer von fünf Jahren neu verpachtet: der Pachterlös beträgt pro Jahr 19 599 M. Tie weiteren zehn Punkte der Tagesordnung wurden sehr schnell erledigt. In der Hauptsache handelte eS sich diesmal um zwei Schöffenwahlen. Die AmtSperiode der Schäften Rothe und Severin ist abgelaufen. Die Wahl fiel wieder auf den Schöffen Rothe im ersten Wahlgange mit 18 Stimmen. Genosse Taubmann erhielt 8 Stimmen. Rothe ist inztvischen der Fortschrittlichen Fraktion beigetreten; er wäre sonst wohl nie gewählt worden. Die zweite Wahl gestaltete sich folgendermaßen: Haupt- wähl Severin 14, Taubmann 8, Ebeling 6 Stimmen; in der Stich- wähl erhielt Severin 15. Tanbmann 19 Stimmen. 3 Stimmen waren ungültig. Für unseren Genossen einzutreten fehlte den Herren doch der Miut; so liehen sie ihren gehatzten bürgerlichen Kollegen wieder auf seinem alten Platz. Brih-Buckow. Sein 29. Stiftungsfest feiert am Sonnabend, den 16. März, der Arveitergesangverein Britz. Da genannter Verein sich bei allen Parteiveranstaltungen beteiligt, so werden die Genossen ersucht, das Vergnügen rege zu unterstützen. Tegel. AuS der Gemeiitdeverkreterfitzititg. Vor Eintrist in die Ber- Handlungen verlangte Genosse Lichtenberg volle Klarheit in der Reickeltschen Hypoihekenangelegenheit, der die Sitzung an- stelle des iuspendierten Bürgermeisters leitende Schöffe Herr Reichel! erwiderte jedoch, dass mit seiner Mitteilung der Suspension Ge- nüge geschehen„und eS nickt richtig fei, hier heute über diese An- gelegenhcit zu reden". Von bürgerlicher Seite wurde beantragt, vom Landrat einen RegierunaSkonimissar zur Leitung der Gemeinde- geichäfte zu verlangen, zumal gerade jetzt über so verschiedene Ge- meindcangelegenhetten mit anderen Körperschaften verhandelt und Verträge geschlossen werden sollen. Zum mindesten sei e« unver- ständlich, wie man in einer solchen Situation ohne Bürgermeister auszukommen glaube. Auch Herr Reichelt in seiner doppelten Amts- eigenschaft als Tegeler Scköffe und Berliner Magistratssekretär hätte gegen sich selbst ein Verfahren beantragen sollen. Auch mache daS Fehlen verschiedener Gemeindevertreler den Eindruck, dass man einer Erörterung auS dem Weg« gehen wollte. Herr Reichelt wehrte diesen Antrag kurz ab mtt der Bemerkung,„dass der Geineindevorstand noch immer in der Lage sei, seine Geschäfte selbst zu besorgen". Ihm sprang auch noch Herr G u t st e i n bei. der da meinte, wenn die Affäre wirk- lich gefährlich wäre, würde' die Behörde schon eingeschritten sein, seiner Meinung nach sei keine Gefahr vorhanden. Nochmals wurde von unseren Genossen öffentliche Verhaiidlung und Kniwort verlangt. Herr Reichelt bedauert abermals. Herr Eckäser sprach für eventuelle oertranliche Behandlung und damit war innerhalb weniger Minute» diese die Gemeinde in Aufregung haltende Sache für den Tag erledigt. Sodann wurde über einen freiwilligen Beitrag von 3999� Mark an die katholische K i r ch e n g c m e i n d e be- raten. Unsere Genossen traten für Ablehiinng ein und befürworteten, diese Mittel lieber für Armenzwecke oder Badeanstalt zu gewähren; mit acht gegen zwei Stimmen wurden diese 3999 Mark auS Anleihenntteln jedoch bewilligt. Der evangelischen Kirche gegenüber sei man zur Beihilfe verpflichtet gewesen, hier wolle man in Rücksicht auf die katholischen Mitbürger freiwillig beisteuern zu dem Bau, der netto 37 909 Mark erfordere.— In der folgenden Beratung der neuen Begräbnis- platz-Ordnung und des GebührentarifS wurde auf Antrag unserer Genossen u. a. auch eine beabsichtigte Beschränkung der So nn tagsbeerdig ungeti ivieder ausgemerzt. Auch von bürgerlicher Seite betonte man den Arbeitercharaktcr Tegels. der es schwer niache, nur wochentags unter LohnauSfall und sonstigen Umständen an Leichenbegängnisse» teilziinehmen.— Gegen die Einführung deS bezahlten katholischen Religionsunterrichts qn den beiden höheren Schulen(auf zirka 720 Knaben und 489 Mädchen kommen 25 refp. 19 Kinder katholischen Glaub.mS) stimmten nur unsere beiden Genossen, neun bürgerliche Vertreter waren dafür. Die bisher gezahlten 499 M. find der katholischen Geistlichkeit zu wenig, deshalb ist die Gemeinde von der Regierung aufgefordert worden, hinfort diesen Unterricht obligatorisch zu machen und also auch mehr zu bezahlen.— Um einige Mark zu iparen, hat man au der höheren Mädchenschule an Stelle des bisherigen Oberlehrers eine Oberlehrerin und«ine techniiche Lehrerin angegellt.— Ueber die O b e r- R e a l s ch u l e. au der ein paar neue Lehrerstellen in- folge Erweiterung der Schule geschaffen werden sollen, entwickelte sich eine regere Debatte, in der hauptsächlich die Unzulänglichkeit der heusizen Einrichtung betont wurde.— Im OrtSftatut für die gewerbliche Fortbildungsschule wird jetzt bestimmt, dass Schulgeld von auswärtigen Schülern nicht mehr erhoben wird, und daß nicht der Sohnsrt, sondern der SeschSstigangSort des Schülers massgebend fein soll. Gegen die im Statut vorgesehen« Arreststrafe wandte sich Genosse Lichtenberg; ihm wurde jedoch erwidert, dass diese vom Schulleiter, nicht vom Lehrer zu ver- hängende Disziplinarstrafe durch Verfügung des Ministers des Innern an Stelle einer eventuellen Geldstrafe zuläsfig sei. Die Arreststrafe wurde denn auch gegen unsere beiden Genossen, der freie Unterricht einstimmig angenommen.— Nachdem noch schliesslich ein Einspruch gegen den Bebauungsplan der Gemeinde zurück- gewiesen und dem Entwurf zu einem Vertrage mit»er Gemeinde H e i l i g e n s e e betreffs Bau einer elektrischen Etrassen- bahn zugestimmt worden war, trat man in die vertrauliche Sitzung ein. Spandau. Die Stadtverordneten waren zum 9. März d. I. zu einet ge- beimen Sitzung zusammenberufen. Hierüber wird uns berichtet: Auf der Tagesordnung standen die Vorlagen, nämlich 1. Angebot des Architekten Heinel zu Schöneberg betr. den Kauf eines 297.Hektar grossen Teiles der Stadtforst: 2. Verkauf von 2 Hektar des Stadtforstcs an das Städtische und KreiSkrastwerk und 3. An- kauf der Rustwiesen. Der Waldverkauf wurde kurzer Hand ver- tagt. Dagegen beschloh die Versammlung nach etwa dreistündiger Debatte mit 32 gegen 19 Stimmen den Ankauf der Rustwiesen unter folgenden Bedingungen: Es werden für den Quadratmeter der etwa 182 999 Quadratmeter grossen, der Holzhandlungsfirma Meyer Söhne gehörigen Rustwiesen 5 M. gezahlt. Die Kaufsumme würde danach 919 999 M. betragen. Ausserdem wird der Firma Meher Söhne ein Darlehen von 2 M. pro Quadratmeter Fläche der Rustwiesen— 364 999 Mk. gewährt, welches hypothekarisch auf das der Firma gehörende Grundstück in der Parkstratze eingetragen wird. Wie die hiesigen Lokalblätter zu berichten wissen, bringt man de» Ankauf der Rustwiesen mit dem Bankkrach des Bankiers Bäthge, der sich kürzlich erschossen, in Verbindung. Dieser Bank- krach hatte auch zur Folge, dass sich kürzlich der Maurermeister und Stadtrat Emil Müller erschoß. Es wird nun befürchtet, dass auch die Firma Meyer Söhne durch diesen Bankkrach fallieren werde und dah dadurch eine ganze Anzahl kleinerer und grösserer Gewerbetreibender in Mitleidenschaft gezogen und viele Arbeiter brotlos würden. Tiefer Umstand bat wohl die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung unter denen sich auch unsere Ge- nassen befinden sollen, für den Ankauf geneigt gemacht. Vom Re- fcrenten wurde mitgeteilt, dass der Architekt Heinel sich bereit er- klärt hat, die Rustwiesen zum Preise von 7 M. pro Quadratnteter mit in seinem mit der Stadt abzuschließenden Kaufverträge des 2 299 990 Quadratmeter umfassenden Forstgcländes hineinzunehmcn und dass er sich verpflichten müsse, die der Stadt durch den Ankauf der Rustwiesen entstandenen Kosten und Zinsen bis zum Tage der Auflassung des 8 Millionenprojekts zurückzuerstatten. Sobald die Auflassung von der Stadt an Heinel erfolgt ist, wird die auf dem Mcyarschen Grundstück eingetragene Hypothek gelöscht. ES entzieht sich der Beurteilung, welche Gründe sonst noch bei der Mehrheit für den Ankauf der Rustwiesen ausschlaggebend gewirkt haben, da die Sitzung geheim war; so viel steht aber fest, dah sich die Stadt- verordneten mit dem Beschluh für den Ankauf der Rustwiesen, den man vorher schon drei- oder viermal abgelehnt hatte, auch für den Verkauf des Forstgeländes an Heinel festgelegt haben. Zerschlägt sich dieser Verkauf, dann sind die ganzen Berechnungen falsch und man hat der Stadt eine grosse Ausgabe gemacht ledig- lich zu dem Zwecke, einigen am seidenen Faden hängenden Ge- werbetreibenden aus der Patsche zu Helsen. Zweifellos werden die hiesigen Parteigenossen in einer demnächst einzuberufenden öffent- lichen Kommunalwählerversammluna sich mit dieser Frage beschäf- tigen und die Gründe hören, welche unsere Genossen im Stadt- Hause veranlasst haben, für den Ankauf der Rustwiesen zu stimmen und wie sich dieselben zu dem Verkauf des Forstgeländes stellen. Bis dahin soll über die Sache weiter nichts bemerkt werden. Eingegangene Druck febriften. Die Jahre der Geschlechtsreife. Von Dr. Povitz. Heft A he- Arbeiter-GefundheitS-Bibliothek. Zu beziehen zum Preise von 29 Pt— in guter Ausgab« L9 Pf.— durch alle Parle, buch Handlungen und Speditionen sowie direlt vom Verlag Buchhandlung Vor- wärt-! Paul Singer G. m. b. H., Berlin 31V. 68. Bist du eine der Nusrige»? Ein Mahn wort an die Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes von Luise Zieh. Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H., Berlin 8 V. 68. Preis 19 Pf. Diese populär geschriebene Broschüre wird bei der Agitation unter den Frauen gute Dienste leisten. Zu beziehen durch alle Buchhanolungen. SSitterungSüdcriicht vom lS. Mörz ISIS. Stationen LS k- II � i c 3 Wetter »S! 3% f* «Js Stationen « 3 £ C sß Wetter NfK C"* t" £? Swinemde. 772 SO ltbedeckt 9 Haparanda 77l!NO Lwoltenl— 18 Hamburg 779jSD-heiter—1 Petersburg 776 NO 2 Schnee Berlin 772.S Ibeiter—9 scillq 7SeÄSW 4bedeckt ilranls.aN 77l|Ztill Nebel 4 Aberdeeu 753jSSW Idalb bd. 6 Münchc» 772W Swolkig 5 Paris 772 3 2 bedeckt 4 Wien 772!« tbedcckt 2 Wetterprognose für Donnerstag, den 14. März ISl«. Zunächst vorwiegend trübe, nachts wieder sehr kühl, am Tage wärmer bei lcbhasten südlichen Winden; später zunehmende Bewölkung öhnc erheb- liche Niederschläge. _ Berliner Wetterburea«. WasserstandS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Wasserstand M-mel, Tilsit P r e g e l. Jnfterburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Krossen , Frankmrt Warth«. Schrimm , LandSberg Rehe, Vordamm Elbe, Leitmcritz » Dresden » Berby , Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlltz Havel, Spandaus » Rathenow>) Spree, Spremberg') . LeeSkow Weser, Münden Mmden Rhein, MaximUiansau » Kaub . Köln Neckar. Hcilbronn Main, Werthetm Mosel, Trier am 12. 3 vm 149 88 198 89 199 L98 298 422 288 389 196 213 173 seit 11. om0 — 9 0 9 —7 —16 —23 —29 —32 —14 —13 -11 -)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») Untcrpegcl.—*) Eis- stopsung. Die M e m« I ist seit gestern morgen bei Schmallenlngken um S, bei Tilsit um 7 cm, an den Mütidungsarmen«iwaS stärker g e s a l l e a. Lriefkatten der Redaktion. Tie lueifltflie Sprechdunde findet Llndenslroße VS, dorn»1er recppen — Sa»»»u»i—. ios«kntSgIiai von Ith dt» Hi Uhr oben»», Sonuodend», von»r» di»« Udr Oden»» gor«. Jeder fkt den« rieftos, en»rliiulmien Anfroge rn et» BuchktOde und eine So!» Ol» Mertieiaien deijufiige». vricfllche Antwort wir» nidn erteilt,«nsrogc». denen keine«donnemen,»onIimus drtgrftig» ift, werde» nicht deonNvorttt. tkUtgr Frozen iroge man in»er eprcchftnude vor. HanS Deubler II. l. Nein. 2. Erkundigen Sie sich beim Sinwohiicr- Meldeamt nach der Adresse. Ist diele zu ermiUeln. so machen Sie dem Gericht Mitteilung. 3 Ja—«. Z. Der Belresfestde ist wahlberechtigt. losern er in der Wählerliste verzeichnet steht. Gegen deren RichNgkcit konnte»ur in der Zeit d»r östcnllichen Ansregiinz bei dem G-meindeoo.. steher Einspruch erhoben werden.— W. K.»6. 1. Für die am Ort ans- bälllichen ja. 2. Entsprechende Mitlctlung an die Bersicherunasanitalt.— A. W. Strücken. Ihre Bnsrag- ift im Briefkasten vom 9. März bcant» wartet.— Kt. 41. 1. Nochmals erinnern. Eine Beschwerde— von der wir zunächst noch abraten— ist an den ausfichtsährenden Richter des Amt«- gerichts Charlottenburg zu richten. 2. Räch Ihrer Darstellung find Sie versicherungspflichtig.— H. 50. Beschweren Sie sich bel der Steuer- Befi6rbe.— W. Ruft. 5Iciir. B-lchwerde beim VollstreFimgZgcrichk.— M. O. 1876. Ja.— Wohrvoft. Die Postbehörde ist nur zur Er- stattung der 25 Ps. verpslichtct(Z K des Postaclctzes).— D. England. Richten Sie ein Gesuch an die Ersatzkommisflon Ihres Bezirks. — D. 3. Wenn der Zuschlag erteilt ist: nein.— A. L. LS. Notar oder Gericht.— F. H. 361. Dem Verlangen Ihres Ehcfs brauchen Sic nicht nachloinmen.— Hans Hildevraudt. 1. Wenn Beweis möglich: ja. 2. und 3. Lästt sich nur nach Einsicht in den Mietsvertrag beantworten.— A. D. SS. Ja. Erinnern Sie.— P. 3. 2Ä. 1. Ersuchen Sie das Gewcrbegerichl um Erteilung einer uollstreckbareii Urteilsaussertigung. Diese ist dann der Vcrieilungsstelle beim Amisgericht Berlin-Mitle zur Zwangsovbstrcckuiig zu übermit-lu. 2. Nicht mehr zuläisig. 3. Nein.— Ellch i8S. Ja.— Z. 110. 1. Ja, soweit die Sachen entbehrlich sind. 2. und 3. Es kann aus Geiängnisstrase crlannt werden.— R. I. 213. Für die Josten der Polizei und sür die Prämien sür cm Jahr sind Sie dastbar.— P. W. 51. Die Armcnvcrtvaltung hat in Höhe der geleisteten Untcrftülumg einen Erstaitungsanssruch an den Nachlast.— M. H. 28. Sobald Befreiung von dein gesetzlichen Eheverbot durch den Justizmiuister bewilligt ist.— Kiel 20. Wir hatten Sie sür zahlungspjtichtig.— B. S. B.8Z. Ja, soscr» der Arzt Invalidität im Sinne des Gesetzes sür vorliegend erachtet.— Marktbericht von Berlin am»2. Mär» 1912. nach Erniiitelung dcS lonigl. Polizeipräsidium«. M a r t t h a l l e n p r e i s e.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 31,00—50,00. Speiscbohncit, meiste, 35,00—66,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln 9,00—13,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Vauchsleisch 1,30 bis 1,80. Schweinefleisch ILO— 1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Kiammelflcisch 1,30— 2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3,80—6,00. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Rechte 1,40—2,60. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80-1,40."60 Slück Krebse 4,00—30,00. Theater und Vergnügungen Donnerstag, 14, März 1912. Ansang 7'/, II Hr. Kgl. Opernhaus. Joseph in Aegypten. Kgl. Schauspielhaus. Der große König. DeutichcS. Viel Lärm um Nichts. Zirlus Busch. Gala-Vorstell»ng. Zirkus Schumann. Gala> Vor- stcllung. Lirkns Sarrasaut. Gala- Bor- stellung. Havcrland. Spezialitäten. Aniang 8 Ubr. Urania. Tanprusiraste 48/19. Der Grostglockner, Gaslein und die Salzburger Alpen. Knutmerspirle. Eine glückliche Ehe. Ldjing. Gudrun. UlciueS. Loitchen« Geburtstag. Gentz und Fanny Eistier. Hocken- jo«. Königgräticr Strafte. Tie süns granlsurtcr. Rriies 2c>,uuipie5dans. Familien- lind. Rcues. Der liebe Auguftin. virsidc»». Zllles sür dm Firma. »»mi-che Oper. Ter Troubador. Kürsürftenoper.Ic IVtldentc. Freitag, abends 8 Ubr: Ein idealer Gatte. Sommbend. abev.dS 8 Uhr: __ Grttfln IjI'O. Sehlller-Tliealer cli5r Don»rr«tag, abends 8 Uhr: Kyrttz-Pyrits. Freitag, abends 8 Uhr: Zum eostemnal: VI« 3tidln v»i> Veled«. Sonnabend, abends 8 Uhr: Kyrltz-Pyrlta. Berliner Theater. Abends 8 Ubr: Große Rosine». Abend« b Ubr: Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der liebe Attgustitt. Sonnt. 31/. Uhr zum erstenmal: vor VogesiihmHor. Urania. V�isseiisckakiUcsrss Itromlor. 8 Mrr: Der GroOqiockner, Gastein: und die Salzburger Alpen, Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Wiener Blut. Sonntag 3'/, Uhr: Ein Walzertraum Residenz Theater. Direktion Richard Alezander. Abends 8 Uhr: SMes für die Firma. Schwank in 3 tuten von M Hennequin und G. Mitchell. Für die driltsche Bühne bearbeitet von Boltcn-Baeckers. Morgen u. folg Tage:«llv»t. ä. Firma, sonnfagjl Uhr: Kümm Dich um Amalie Belle- IHlance-Thealer. Donnerstag und Freitag 8 st, Uhr: Die Ehre. /t Uhr: Waffenübnng. fHiT' Freitag, den 15. März: � Premlere. DonnersUg, den 14. März, abends Ist, Uhr: Das echte, pantomimen- loso, berühmte CirCUS-Propnini mit allen h'ovi täten. Vorverkauf a. d. Oircus- 1 hasse und an sämtlichen | BiUettvorkaufsstfiUon von| A. Wertheim. Oulorie 40 Pf., III. Platz 70 Pf., II. Platz 1,29 M.,! I. Platz 2 M., Parkett 1 8 M., Logeusitz 4 M. Der Vorverkauf b. Sonn- 1 | tag einschl. beginnt heute. I Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Das kleine Cafd. liebend! I,cbend! Bede das | Ein atavistisches Wunder, Das Mädchen mit dem Mähnenkopf. Halb Mensch— halb Anlmal. I>a» blare Wetb, ein Opfer wilder Barbaren. Die Fran in der Kanne, Jefreiung o. d.Wassergrab] Ohne Extra-Entrce! Zirkus Busch Donnerstag, den 14 März 1812,; abends 7'/, Uhr: l>le Hexe 9 Uhr oa. Beginn des zirzensischen Programms.— Herr Georg Burkhardt-Foottit, Schulreiter. Die 3 phänomenalen Orpingtons und das große Sp ort-Pro gramm. Ost, Uhr: Hiu�kämpfe. M Kornatz wird jetzt mit ausgelost I Jeder Abend bringt nur erstklassige, hochinteressante Zusammenstellungen! Keine Wiederholungen! Casiiio-The&ies« Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch bis 14. März: Der Kampf ums Dasein. Ab Freitag, den 15. März 1912: Der Possen-Schiager Die Inatigc Üitrohivltwe. Sonnt. 31/,: Die Tochter d. Sträflings. Königstadt-Kasino. EckeHolzmartt- u. A cxanderstrastc Täglich abeiibs 8 Uhr. SountagS'/.ß Uhr: Theater and Variete. Vom 1.— 16. März 8 Spezialitäten und„Kinder der Wiinte't Operetten-BurleSle v. O. Richter. Keieiiskaüen'Ikeatei'. Ktetti» tr Sänger Zum Schluß: Eine Hochzeit i» der Müllerstrafte. Burleske von Meysel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonnlag 7 Uhr. Nüles Fest-Säle Dennewltzstraße 13. Jeden Donnerstng: Canzkränzcften Uttd Bockbrertrubel b-i freiem Entree. C. Xlßle. Voigt-Theater. Donnerstag, den 14. März 1912: Gastspiel in FoblBiaiuis fbeater, ÄÄ* Gänseliefel. Schauspiel in S Alten nach Nathaly von Eschstrulh. Kassenerössimng 7, Ansang 8st, Uhr. Donnerstag, 2t. März, zum Benefiz lür 7»ni 0u8; Maria Stuart, ßflelia Concordia- Feslsäle. Inh.: M. Wandt Ä A. Schütze, Oi AndrcaMteSraUc 64. Jeden Donnerstag: Große Soiree d. allgemein beliebten und bekannten tio!t«aiiiis Säßger. ' Direktion Fr. Fanther Houte: „Eine Verlobung zur Biedermeierzeit" Schwank in 1 Akt Anfang 8 Uhr. so":?rei-Tanz. Vorzugskarten haben GQttigkeit. die schönste und gefeiertste russische TanzkUnstlerin. 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