Nr. 63. Abonnements'Bedingungen; JtBonncmcnti- Preis vränmnerando: � Bterteljährl. 330 MI. mono«. 1,10 MI,. wöchentlich 28 Psg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nullimcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Tie Neue Well" 10 Psg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posi-Zeitunas- Prctsliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemarl. Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 39. Jahrg. üscheii» täglich aoStr Clsatags. Zevltnev VolltSblnkk. Die TnrertionS'GebQiir beträgt für die fechsgespallene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfq., für politische und gewcrlichastliche Vereins- und Versammlungs-Anzcigeu M Pig, „kleine Sn--igen", das settgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 settgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über löBuch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer inüsfcn bis i» Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SoÄälllewoliM Berlia", Zcntmiorgnn der rozialdcniohratifcbcn parte! Dcutfchlands. Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 6g. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1983. Freitag, den 13. März 1913. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1981. er Klassenstaat gegen das Kergardeiterheer. Minden IWestfaleni, 14. März. Tas In- fanterieregiment Prinz Friedrich der Nieder- lande(2. Westfälisches) Nr. 15 ist mit einer Maschs- nengewehrkompagnie mittels Sonderzügcn nach Dortmund abgegangen. Münster, 14. März. Heute vormittag gehen zwei Bataillone Infanterie und zwei Schwa- dronen Kürassiere in den Kreis R c ck l i n g- hausen, ferner ein Regiment Infanterie und zwei Schwadronen Husaren in den Kreis Dort- m u n d ab. Dortmund, 14. März. Heute nachmittag sind Ein Bataillon des Jnsanterieregiments Nr. 15 mit Maschinengewehrabteilung und zwei Schwadronen Husaren auf dem hiesigen Haupt- bahnhof eingetroffen. Tie Truppen sind für die Umgegend der Stadt Tortmund bestimmt. In der Stadt selbst hofft man mit den Polizeimannschaften aus- zukommen. Im Streikrevier ist alles ruhig. Auch in Hamborn ist kein neuer Zwischenfall vorgekommen. Die Bergarbeiter haben Disziplin gehalten, ruhiges Blut bewahrt unter den schwierigsten Umständen. Und trotzdem! Mittwoch abend noch hat die Regierung die Meldungen, sie wolle Militär ins Ruhrgebiet schicken, dementieren lassen. Ueber Nacht hat sie dem Druck der Scharfmacher nachgegeben. Tie haben kommandiert und die Regierungsleute sind ein geschwenkt wie die Unteroffiziere. Und als Unteroffiziere, die nur zum Schießen kommandieren können, stehen diese Minister dem gewaltigeil Kulturkampf der ausgebeuteten Bergsklaven gegenüber, die Minister des Reiches, in dem die Herrschenden unaufhörlich mit ihrer Almosen-Sozialpolitik prunken und in dem map die Maschinengewehrabteilungen mobilisiert, wenn arme Arbeiter von der reichsten Ausbeuterschicht eine be- scheidene Besserung ihrer Lage fordern. Als„roix des gueux", als die Könige der Armen haben wir so oft in preisenden Festreden die Hohenzollern rühmen hören. Ohne die Zustimmung des obersten Kriegsherrn hätten die Truppen nicht gegen die Armen marschieren können. Im Herrenhause hatte ja kürzlich Herr v. Puttkamer geklagt, daß in Moabit nicht energisch genug vorgegangen,„zweck- mäßige" Anordnungen auf höheren Befehl zurückgenommen worden seien. Der Herrenhäusler hat heute keinen Grund zur Klage mehr. Mittwoch hat die Zechenbesitzerversammlung über den ungenügenden Schutz der Arbeitswilligen Klage geführt und Militär verlangt. Und nach Militär haben im Verein mit den Scharfmachern die christlichen Arbeiterführer, die Ver- räter, gerufen. Jetzt ist ihr Wunsch erfüllt. Daß die Bergherren das Militär herbeisehnen, daß sie mit allen Mitteln den Streik niederringen möchten, das nimmt bei diesen Leuten niemanden Wunder. Aber daß auch die christlichen Arbeiterführer das Militär herbeirufen, daßsie nur noch die eine Hoffnung haben, den Streik gewaltsam zu brechen, nachdem dies ihr elender Verrat nicht vermocht hat, das beweist, daß das Zentrum jeden Wunsch aufgibt, noch länger auch nur den Schein einer arbeiterfreundlichen Politik zu wahren. Der Streik soll durch Blut erstickt oder doch wenigstens durch Ein- schüchterung gebrochen werden, damit die verhaßte Organisation geschädigt, ihr Einfluß geschwächt und der christliche Streik- brecherverein bei den Verzweifelnden neue Mitglieder werben kann. Es ist eine Verruchlheit, was die Zentrumsführer da planen, aber gerade das beweist, daß es auch mit dem Zentrumstrug und Zentrumslug zu Ende geht. Es ist eine sehr ernste Situation, in die sich die Berg- arbeitet, die ganze deutsche Arbeiterklasse befindet. Alle Ge- walten sind gegen sie vereint. Die Konservativen wittern Morgenluft. Das Militär ist an Ort und Stelle, und Ge- legeuheit zur gründlichen Verwendung-ist- ja so leicht ge- geben. Und liegen erst die Opfer, dann steigen die Raben des Ausnahmezustandes nieder, dann ist die Stunde für die Staatsretter und Portemonnaiebeschützer gekommen. Und Herr v. Bethmann. der jetzt-so nahe dem Sturze ist, kann sich als Mann der Ordnung unentbehrlich erweisen. Das Zentrum aber, den Konservativen aus Gedeih und Ver- derben verbündet, setzt alles daran, die Arbeiter ihren schlimmsten Feinden in die Hände zu spielen. Doch was sind die Pläne der Arbeiterfeinde! Der Hauch der weltgeschichtlichen Bewegung des Proletariats berührt sie und sie sind nicht mehr! Einschüchtern läßt sich das deutsche Proletariat so wenig, wie sich die Bergarbeiter provozieren lassen. Der Streik steht fest, die Zahl der Ausständigen nimmt zu und die christlichen Arbeiter durchschauen immer mehr das schändliche Treiben der Führer. Mit Neugierde, aber in unerschütterlicher Ruhe haben die Arbeiter die Ankunft des Militärs beobachtet. Zu tun hat es nichts be- kommen und wenn Herr v. Bethmann etwas anderes wäre, als das nachgeordnete Exekutivorgan der Zechenherren und der anderen Arbeiterfeinde, er müßte heute noch den Befehl zum Abmarsch erwirken. Er wird's nicht tun und schwere, gefahrvolle Tage stehen den Bergarbeitern bevor. Sie müssen sie tragen, die Arme verschränkt, die Zähne zusammengebissen. Ausharren, geduldig ausharren, wenn auch solche Geduld schier übermenschlich ist! Dann muß ihre gute Sache siegreich sein. Oer MderKaU im Reichstag. Im Ruhrrevier gewittert's und im Deutschen Reichs- tag gab's darum gestern elektrische Entladungen. Die Sticklust, die gerade über den letzten Sitzungen dieses gewiß nicht stürmischen Parlaments zu lagern pflegte, zerriß, und wo gar zu oft aus den öden Fensterhöhlen das Grauen gähnt, schlugen lichterloh die Flammen aus dem Hause heraus, ein Widerschein jenes gewaltigen Brandes, der den Horizont Westdeutschlands blutigrot färbt. Um die Sache der Berg- sklaven geht es, jener unterirdischen Titanen der modernen Industrie, die wieder einmal an ihren Ketten rütteln und damit die Erde zum Zittern bringen, und da verfliegt auch in diesem Parlament, das noch gestern bei der Beratung der Maul- und Klauenseuche nicht mit Unrecht eine„Halle der Wiederholungen" genannt wurde, alle Langeweile,, aller Stumpfsinn wird erstickt und heftig platzen die Meinungen, die Leidenschaften, die Interessen aufeinander. Ein!welt- geschichtlicher Luftzug streicht durch den Sitzungssaal und trägt einen Widerhall von den wirklich wichtigen Kämpfen da draußen, hinein, denn wie erbleicht in der Tat all das Ge- zänk um den Präsidentensitz vor dieser großen knirschenden Auflehnung der Grubenleibeigenen gegen die Macht der Grubenherren und ihrer Hintermänner! Freilich, wenn die kämpfenden Bergknappen sich mehr auf das Wohlwollen der Regierung und des Parlaments als auf die eigene Kraft verließen, der gestrige Donnerstag wäre kein tröstlicher Tag für sie. Dem Flantmenzeichen ihres Kampfes gab nur das Fanal Antwort, das leuchtend die Sozialdemokratie aufsteckte: Wir sind da, um mit Euch zu kämpfen: wir vertreten, Mann für Mann, Eure Interessen: wir wollen Euch Helfer und Fürsprecher sein! Die Regierung aber, die bürgerlichen Parteien aber— eisige Gleichgültigkeit, unverschleierter Hohn, billiges Wohlwollen, brutale Scharf- macherei, das hat man hier für jene Proletarierheere bereit, die um ein bißchen mehr Licht und Leben ringen. Der breite Riß, der die Arbeiterklasse von der ganzen übrigen Welt trennt, klaffte unüberbrückbar durch die ganze gestrige Sitzung. Der zur Führung dieser Debatte unter den hundertzehn Sozialdemokraten der Berufenste war, Genosse Sachse, tat in seiner breit angelegten Rede gewiß nichts, um künstlich diesen Riß zu verbreitern— er betonte die Bereitschaft der Bergknappen, unter halbwegs günstigen Bedingungen Frieden zu schließen— aber er wies doch mit aller Klarheit und Deutlichkeit auf diesen Riß hin. Er erfaßte seine Aufgabe im Sinne der unpolemifchen Taktik: durch- wuchtiges Ar tilleriefeuer, durch unwiderlegbare Tatsachen und unanfecht bares Material schmetterte er die Gegner nieder, um den folgenden Rednern unserer Partei die Jnfanterieangriffe auf einzelne Positionen zu überlassen. Sachse mußte dabei manchmal weit ausholen und sich in manche Einzelheiten ver- lieren. aber alle seine Ausführungen waren doch von dem Hauptwillen und-bewußsein der Hundertausende, als deren Sprecher er auf dieser Tribüne stand, wie von einem eisernen Reif umspannt, und immer wieder lohte aus seinen Worten das Feuör der Empörung gegen die falschen Versprechungen der Grubenherren, gegen den Ausbeuterstandpunkt der fiska- lischen Zechen, gegen die Schurkerei des Zentrums und der christlichen Auch-Arbeiterführer und gegen den Terrorismus der Gendarmerie iwd Polizei im Streikgebiet. Es wies die Behauptung, der Streik sei aus politischen Gründen frivol angezettelt worden, ebenso treffend als Lüge zurück wie die Tatarennachrichten von den Ausschreitungen Streikender— und zwar hauptsächlich an der Hand bürgerlicher Blätter, was, von dem Redner in einer persönlichen Schluß- bemerkung noch einmal unterstrichen, selbst die Herren mit den eisernen Stirnen auf der Rechten und im Zentrum be- treten schweigen ließ. Dafür brachte Genosse Sachse reich- haltiges Material über eine lange traurige Reihe von Polizeiuntaten, die in Anlage und Ausführung eine erstaun- liche Aehnlichkeit mit dem Vorgehen von Jagows wilder verwegener Jagd in Moabit zeigen. Das ist nicht weiter wunderbar, wenn Mst weiß, daß unter den Polizeitruppen im Ruhrrevier sich ein ganzes Kontignent jener glorreichen Berliner Beamtenschaft befindet, die sich, auch aus Anlaß eines Kohlenarbeiterstreiks, auf den Straßen von Moabit so blutige Lorbeeren pflückte, und der an Gerichtsstelle eine „Fülle unmotivierter Beleidigungen und Mißhandlungen" nachgewiesen wurde. Das Zentrum, das die Interpellation eingebracht hatte, befand sich in der peinlichsten Situation. Bei dem großen Streik von 190a hatte es sich der Sache der kämpfenden Grubenproletarier angenommen— diesmal hatte es die Ab- ficht, mit feinen christlichen Gewerkschaften beiseite zu stehen und so dent Interesse der Grubenkapitalisten zu dienen,, wie auch einen Schlag gegen die verhaßten freien Gewerkschaften zu führen. Aber siche da! die christlichen Bergarbeiter ließen sich nicht als die„stummen Hunde" behandeln, sondern hielten, .wie Genosse Sachse rühmend hervorhob, treue Kamerad- schaft und traten über den Willen ihrer Führer hinweg in den Streik. Line illue lacrimae— daher die Zentrumsinterpellation. Zu ihrer Begründung hatte die Partei einen ihrer un- sympathischsten Leute herausgestellt, den ehemaligen„Ar- beiter" Schiffer: Mit seinem zusammengedrückten Kopf und seinen emporgesträubten Schnurrbarrenden war er zu Beginn seiner Rede wie ein betrübter Kater anzuschauen, und wie zum Kater die Manschetten, so paßten zu diesem Mann die Redensarten von christlichen und fleißigen Bergknappen und Rechten des Arbeiters. Er faselte von dem.Sym- pathiestreik für England und dem sozialdemokratischen Mob und dergleichen mehr und trat schließlich, von Minuten- langen Entrüstungskundgebungen der Sozialdemokratie be- gleitet, ab. Außer Herrn Dr. B ö t t g e r, der sich als echten Nationalliberalen erwies, Mampe Halb und Halb, produzierte sich von den bürgerlichen Parteien noch der Konservative Rogalla von Bieberstein. Was bei dem„Arbeiter" Schiffer anwiderte, die gehässigen Anwürfe gegen die ganze moderne Arbetterbewegung, das wirkte bei diesem Don Quixote aus der uckermärkischen La Manche nur ungemein erheiternd. Zoll für Zoll ein Prachtexeinplar des ostelbischen Junkertums, so stand der Herr v. B i e b e r sl e i n da und in den unverfälschten Schnarrlauten des preußischen Kasernen- Hofs stieß er seine Behauptungen hervor: Höchst, frivoler Streik— äh, äh— erfreulich, daß— äh— Militär herangezogen— äh, hoffen, daß Staatsregierung mit— äh— aller Macht einschreiten wird— und es war schließlich nur ein Widerhall aus den Herrenhausdebatten vom Dienstag, wo seinesgleichen nach Blut und Straßenschlachten schrie. Wichtiger als das Gestammel dieses ostelbischen Granden, dem kein Maximum von Intelligenz die Zubilligung mildern- der Umstände erschwert, waren die Erklärungen, der.Regie- rung. Sowohl der Staatssekretär Dr. Delbrück wie auch der preußische Handelsminister Dr. S y d 0 w betonten ge- flissentlich ihre„Objektivität", aber ihre Reden atmeten ledig- lich jene seltsame Spielart von„Objektivität", wie sie ein kühl rechnender, leidenschaftsloser Sachwalter des Gruben- kapitals aufzubringen vermag. In Delbrücks Rede ging das nicht nünder aus dem Umstand hervor, daß er an der Hand langer Ziffernreihen den Ausstand für nicht notwendig erklärte, wie aus dem Lob, das er auf den Schutz der Arbeits- willigen durch Polizei und Gendarmerie sang— daß er die „starke Faust" zeigte, wurde von der Rechten mit Beifall be- grüßt und später von Herrn v. Bieber st ein noch mit einer lobenden Randbemerkung bedacht. Aber wenigstens war Herr Dr. Delbrück nicht auch so„objektiv", den Ausstand als Sympathiestreik für die englischen Arbeiter anzusehen, sondern wies darauf hin, daß schon seit vorigem Herbst eine Bewegung ini Ruhrrevier iin Gange sei. Dafür schoß denn auch sein preußischer Kollege Dr. S y d 0 w den Vogel ab, indem er sich einen Bericht des Regierungspräsidenten von Münster zu eigen niachte, der angeblich das scharfe Vorgehen der Polizei und die Heranziehung des Militärs rechtfertigen sollte. Und er las und las— aber selbst auf der Rechten niachte man enttäuschte Gesichter. Im Stil eines unteren Polizei- beamten gehalten, enthielt der Bericht, selbst durch die preußischste Ordnungsbrille angeschaut, nicht das aller- geringste, was auch nur einen einzigen Polizisten hätte veranlassen können, die Hand an den Säbelgriff zu legen. Pfuirufe— Spießrufenlaufen mit hämischen Bemerkungen! Das sind die furchtbaren Schandtaten, die den Streikenden in diesem offiziellen Bericht nachgesagt wurden, und auch gute alte Be- kannte aus den Moabiter Spitzelberichten tauchten auf, wie die Kinderwagen, die als Streitwagen von rüstigen Frauen in den Kampf vorangeschoben wurden.... Und deshalb, Herr. Minister, zieht man blank und deshalb schießt man scharf, und deshalb schallt jetzt der Marschtritt gefechts- bereiter Bataillone durch die Bergarbeiterdörfer und des- halb rasseln Maschinengewehre über das Pflaster der In- dustriestädte? Deshalb, Herr Minister? Das ist so kennzeichnend wie die Szene, mit der die Sitzung eröffnet wurde. Irgendein verwilderter Blödian hat in Rom sein Pistol in der Richtung des Wagens abgedrückt, in dem Viktor Emanuel und Frau spazieren fuhren. Das benutzte Herr Kaempf zu einer höfischen Ovation, und ehr- furchtsvoll vernahm die von den Plätzen geschnellte bürgerliche Mehrheit des Hauses die Kunde von den zwei danebenge- ?angenen Schüssen. Aber im Ruhrrevier sind in den letzten rei Tagen zwei Schüsse nicht danebengegangen. Nur allzu gut haben sie getroffen und zwei blühende Menschenleben der- nichtet. Dieser beiden Proletarier, grundlos niedergeknallt von den Kugeln der Polizei und Gendarmerie, gedachte gestern kein Minister, kein Präsident und kein bürgerlicher Abgeordneter. Und auch das war ein Sinnbild! Protest gegen clie Cntfenclung cles JMiUtärs. Bochum, 14. März. fPrivattelegramm deS.Vorwärts'.) Die Zahl der Streikenden hat zugenommen. Die wirkliche genaue Zahl läßt sich nicht leicht feststellen, weil ein großer Teil der christlichen Bergarbeiter, etwa 10 bis 15 000, mitstreike«. Außerdem sollen etwa 20 bis 25 000 Krankenscheine genommen haben. Dann liegt eine Schwierigkeit darin, daß ja die verschiedenen Ver« bände ihre Streikbureaus eingerichtet haben und die Kontrolle noch nicht richtig durchgeführt ist. Immerhin dürfte die Zahl der Streikenden 230000 betragen. Heute ist es im Ruhrrevier etwas ruhiger gewesen als an den vergangenen Tagen. In das Rubrbecken ist heute Militär eingerückt. Die Konferenz der VerbandSvorstände hat gegen die Entsendung von Militär ins Streikgebiet protestiert und folgende Resolution angenommen und veröffentlicht: Die heutige Nachmittagssitzung der Verbandsvorstände der drei Bergarbeiterverbände erblickt in der Entsendung von Militär in das Streikgebiet die Folge einer übertriebenen Be« unruhigung der Bevölkerung durch falsche Nach» richten eines Teiles der Preffe. Die VerbandSvorstände richten an die streikenden Kameraden und die ganze Bevölkerung wieder« holt die dringende Bitte, für die Aufrechterhaltung der Ordnung mitzuforgen, damit den Sicherheitsorganen und dem Militär kein Vorwand zum blutigen Eingreifen gegeben wird. Die Konferenz spricht aber auch die Erwartung aus, daß die Sicherheitsorgane und das Militär besonnen bleibt. Unser Kampf ist ein ehrlicher, den wir glücklich durch- führen wollen. Darum darf sich kein streikender Kamerad hin- reißen lassen, etwas zu tun, was zu einer Störung der Ordnung führen könnte. Vor ollem, Kameraden, bleibt den Zechenwegen fern, bleibt zu Haus! Nach den uns zugehenden Nachrichten treten immer neue Scharen in den Streik ein, der daher siegreich sein muß I Ruhe im Revier. Bochum, 14. März. Die Einfahrt und Ausfahrt der Beleg- fchaften im Polizeidirektionsbezirk Bochum ist ohne Störung verlaufen. Die gestrigen Ausschreitungen in H e r u e haben stch heute nicht wiederholt. Die Straßen waren stark besetzt, so daß jeder Versuch zu Ausschreitungen im Keime erstickt worden wäre. Nur auf der Sckimechtingstrahe in Bochum muhten die Schutzleute noch- mal« zur Schußwaffe greisen, weil eine Horde jungerBurschen Schüsse gegen sie abgab. Es wurde niemand verletzt. In Hamborn war heute alles ruhig. Das Verhalt«« der ChnftUche«. Dortmund, 14. März.(Privattelegramm des.Vorwärts'.) Hier fand heute eine Konferenz christlicher Vertrauens« I e u t e statt, die aber tumultuarisch verlief, weil einzelne Vertrauens� leute gegen die Strrikbrechertaktik Stellung nahmen. Der abgesägte Generalsekretär Effert ist nun plötzlich wieder ins Revier gekommen. Cr hielt auf der Konferenz das Referat. Mit der«treib brechertaktik der Führer des christlichen Gewerkverein« erklärte er sich einverstanden. Er freue sich, dem.Rechte' zum Siege verhelfen zu können. Die Streikenden, die die Straße überwachen, erklärte er für Mob und verlangte selbstverständlich mehr Schutz von der Regierung. Eine diesbezügliche Resolution, die nach mehr Schutz schreit, ist denn auch angenommen worden. Im übrigen gewähren die Christlichen den StreikendenUnter« st ü tz u n g. Die Leitung verlangt aber die schriftliche Erklärung von ihnen, daß sie nur au» Angst vor den Streikenden nicht zur Zeche gehen. Die Antwort der christlichen Bergarbeiter ist meist der Uebertritt in die übrigen Organisationen. Sie geben ihre Bücher ab oder erklären, zuerst ihre Streikunterstützung herauszuholen und dann aus dem Streikbrecher-Gewerkverein auszutreten. Aus allen Rachrichten der Zentrumspresse, die die Frage der christlichen Streikbrechertaktik berühren, geht die Angst hervor, daß es dem christlichen Gewerkverein um Kopf und Kragen geht. „�loabiterelen." In Werne bei Langendreer ritten gestern mittag die Polizisten in eine friedliche Menschenmenge hinein. Diese bewegte sich auf einer Straße, die auch in ruhigen Zeiten einen starken Verkehr aufweist. Besonders bei schönem Wetter sind daselbst Ansammlungen üblich. Ohne daß irgendwelche Gefahren vorlagen und ohne daß Aufforderungen gehört wurden, ritten die Beamten eine Attacke. Einzelne Passanten wurden bis in die Felder hinaus verfolgt, Geschäftsleute, die an den Haustüren standen, in die Wohnungen gewiesen. In die Wirtschaft Jungermann drängten Gendarmen hinein und trieben gewaltsam die Gäste hinaus. Bei der Attacke lind Mädchen und Frauen geschlagen worden. In Rotthausen wurde eine 56 Jahre alte polnische Witwe ins Bein geschossen. Als der Schuß auf die alte Frau fiel, befahl die Polizei: Hände hoch! Die Streikenden, über- Haupt die Männer, wurden nach Waffen untersucht, aber es wurde nichts gefunden. Glaubt die Polizei, daß Streikende auf alte Frauen schießen? Aehnliche Meldungen über polizeiliche Taten kommen auch aus anderen Orten. Der Bergarbeiterverband hat feststellen können, daß Polizisten in Bergmannskleidung umher- laufen und stch unter die Menge der Streikenden mischen, ivodurch der Verdacht begründet erscheint, daß �.Aent xro- vocateurs ihre Hand im Spiele haben. Daß die Ordnung durch die Streikenden selbst am besten auftechterhalten werden kann, beweist das Vorgehen des Bürgermeisters einer Stadt im Ruhrgebiet, der sich vom Bergarbeiterverband 20 Streikende zuerteilen ließ. Dort ist alles in bester Ordnung. ZiisrchreitunAe«. Am Dienstag morgen wurde« auf dem Bürgersteig der Kaiser- straße i« Gladbeck ruhiggehende Bergleute von den aufsichts führenden Beamten von hinten aufs Gefäß getreten mit der Aufforderung, sie sollten schneller gehen. In Erle bei Zeche Bismarck Schacht III und V wurde» die Streikenden von Arbeitswilligen belästigt und ange- griffen. Streikende Bergleute erhielten don de« dort stehenden Schutzmann Schläge mit dem Gewehrkolben. In Bottrop beschimpften Polizeibeamte streikende Bergleute als Rotzjungen und Bande. In Gladbeck wurden bis jetzt 40 Lerhaftunge» vorgenommen. Jeder Arbeiter, der sich auf der Straße oder in HauSeingängen sehen läßt und auf die Aufforderung der Beamten nicht schnell verschwindet, hat die Verhaftung zu befürchten. Versammlungsverbote. Dortmund, 14. März.(Privattelegramm deS„Vorwärts'.) Für die zu Radbod gehörenden Ortschaften Bockum und Hövel ist ein Versammlungsverbot ergangen, daS folgenden Wortlaut hat: Die Polizeiverwaltung. Hörde, 12. März 1S12. Zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung wird hiermit gemäß Teil ll Titel 17§ 10 des Allgemeinen Land- rechts vom 6. Februar 1894 die Abhaltung öffentlicher Versamm- lungen in den Gemeinden Bockum und Hövel bis auf weiteres verboten. Der Ehreu-Amtmaim. gez. Freiherr von Zwickel. Das Verbot widerspricht dem ReichSvereinSgesetze. Will man denn die Anstrengungen der Organisationen vereiteln, die sie für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung un ablässig machen? Die Bergleute protestieren. Bochum, 13. März. Am gestrigen Tage kam es cm der- schiedenen Orten zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Streikenden bezw. zwischen Polizei und Frauen und Kindern. In Herne schoß ein Polizist auf der Straße, obwohl der Feind" hier nicht zu sehen war. Ein Streikender, der sich den Vorfall notierte, wurde sistiert.„Wir werden Ihnen helfen die Polizei zu kritisieren!" Dieser Verhaftungsgrund ist gleichwertig mit der Polizei- lichen Schießerei. Einzelne Streikende wurden in dieser Stadt bis in die Höfe gejagt und dort mißhandelt. Kein Wunder, daß auch gewisse Zentrumsleute ihre Zeit ge- kommen sehen, und sich mit Revolvern bewaffnen, um Streikende zu bedrohen. Es ist schon bekannt, wie in Hamm einem christlichen Vertrauensmann, der Passanten mit der Waffe bedrohte, der Revolver abgenommen werden mußte. Dasselbe geschah mit dem ehemaligen christlichen Vertrauens- mann Berhard K ö st e r, heute Hausierer in Herne. Köster bedrohte Streikende, so daß schließlich auf Veranlassung von diesen ihm durch die Polizei der Revolver abgenommen wurde. Das Vorgehen der Polizeibeamten hat große Beunruhigung in der Bevölkerung hervorgerufen, einer Massenversamm- lung am Dienstagabend wurden die Polizeiausschreitungen scharf kritisiert und am Schluß folgende Resolution ange- nommen: „Die heute in Herne tagende Versammlung der Streikenden protestiert gegen das Vorgehen der Behörden, der Polizei und Gendarmen während des AuSstandeS. Wenn wir auch aner- kennen wollen, daß viele Sicherheitsorgane mit Takt den Strei« kenden gegenübertreten, so muß doch gesagt werden, daß andere Beamte wieder in einer solchen provokatorischen Weise den Streikenden begegnen, daß man.sich.wundern..muß, wenn es nicht schon zu größerem Bluwergießen gekommen ist. Die Versammelten fordern die Regierung auf, die Behörden im Ruhr- decken zu veranlassen, daß die Beamten nicht, nur mit Vernunft und Takt die Streikenden behandeln, fondern daß sie den be- stehenden, auch den Bergleuten garantierten Gesetzen Rech- n u n g tragen. Die streikenden Bergleute verlangen nicht nach Krawallen, wie es gewisse im Ruhrbecken bekannte Kreise wün» schen. Die Streikenden haben in Ruhe ihren Streik begonnen und wollen inRuhe den Streik beenden." Eine Streikvcrsammluug. Bochum, 14. März. Heute morgen fand auf dem Schloßhofe eine von 10 bis 12 000 Personen besuchte Streikversammlung statt, worin von einem Redner mitgeteilt wurde, daß nach den Angaben der Streikbureaus der Streik auch heut« wieder i m Wachsen begriffen sei. Die Zahl der mitstreikenden ch r i st- lichen Bergleute, die in den Kampf hineingezogen wurden, schätzte er auf 60 Proz. ihrer gewerkschaftlichen Organisation. Der Streik werde weiter geführt, bjs die Führer daS Signal zur Wiederaufnahme der Arbeit geben. Es wurde p r o t e st i e rt gegen das scharfe Vorgehen der fremden Ordnungsmannschaften und auf einen Fall in Solingen hingewiesen, auf Grund dessen man sich beim Minister beschwerte. Ferner wurde Einspruch er- hoben gegen die Herbeiholung des Militärs, zu der gar keine Veranlassung vorgelegen habe. Redner teilte mit, die Ver- Handlungen mit den ArbeiterauSschüssen hätten a b l e h- nende Antworten gezeitigt mit Ausnahme einer Zeche, die mehrere Zugeständnisse machte. Die Streikenden wurden im Sinne des gestrigen Flugblattes zur Ruhe und Ordnung aufgefordert. Ein Beschlnh der Bergherre«. Essen(Ruhr), 14. März. In der gestrigen außerordent- lichen Hauptversammlung des Zechenverbandes wurde be- schlössen, von dem Rechte der Arbeitsordnung, die Kontrakt- brüchigen bereits nach dreitägigem Feiern aus derBeleg- schaftsliste zu st reichen und ihnen den Lohn von sechs Schichten einzubehalten, erst dann Gebrauch zu machen, wenn sie nicht bis spätestens Sonnabend, den 16. d. Mts., die Arbeit w ie d e r aufnehmen. Es sei zu erwarten, daß durch den erweiterten Schutz auch die Ar- heiter, die jetzt noch wegen Bedrohungen und Belästigungen durch die Ausständigen von der Arbeit fern geblieben sind, ebenso wie die bisherigen Arbeitswilligen wieder zur Arbeit erscheinen werden. Den Leuten, die spätestens am Sonn- abend die Arbeit wieder aufnehmen, werden daher keine sechs Schichten einbehalten werden. Von dem Beschluß wird heute von sämtlichen Zechen jedem Ausständigen einzeln durch Postkarte Mitteilung gemacht werden. StreiKbriichprZmle 1 Ein Beweis für die skrupellose Haltung der uftramon- tanen Presse ist die Veröffentlichung einer für Streikbrecher bestimmten Belohnungsanzeige über welche die»Köln. Volks- zeitung' mitteitt: .... Auf Zeche Adler, deren Belegschaft über« wiegend in demchristlichenGewerkverein organi« s i e r t i st. hat die Direklion heute bekannt gegeben, daß jeder Mann der Belegschaft, sofern er während ver ganzen Dauer de« Streiks bei der Arbeit bleibt, eine Gratifikation von 80 M. erhalte!' DaS also glaubt man den christlichen Gewerkschaftlern schon bieten zu dürfen? Ganz offenkundig gibt man ihrer Arbestswilligentatigkeit den Beigeschmack einer Judastat. die vom Kapftal extra belohnt wird. Die Christen sollen sich wohl noch gar fteuen darüber, anstatt, daß man sie schützt gegen den Verdacht, sie verlangten einen JudaSsold für einen Verrat an ihren ArbeitSbrüdern. Vielleicht entschließt stch das Zentrum zur Anferffgung eines DiploinS, baS jeder«ff einer Judashonorierung beglückte Streikbrecher am Bande mn den Hals tragen kann. Mie die dinglichen Hn ti-8tr eih-ßerchlO ITe zustande kamen. Essen, 14. März.(Privattelegramm des„Vorwärts�.? An« Sonntag fand im„Kriegerheim' zu Essen eine Kundgebung christlicher Arbeiter statt, die sich gegen den Streik richtete. Zu dieser Versammlung waren alle Berufe eingeladen worden. Charakteristisch für die Art, wie der Oeffentlichkeit Sand in die Augen gestreut wird von den christlichen Streikbrecherorganisationen ist das Zirkular, das als Einladung zu der Versammlung versendet wurde. Es hat folgenden Wortlaut: Zentralverband christlicher Holzarbeiter. OrtSverwalt»n> Essen. Im Vordergrund des öffentlichen Interesses steht äugen- blicklich die Frage, was bringen die nächsten Wochen n» Ruhr- bergbau? Die Taktik deS alten sozialdemokratischen Berg- arbeiterverbandes und seiner Mitläufer läßt noch nicht mit aller Deutlichkeit erkennen, wie die Parole für die nächsten Tage lauten wird. Alle, die offenen AugeS die Dinge in der letzten Woche verfolgt haben, werden kaum im Zweifel sein, wohin der Weg gehen soll. Auch die Stellungnahme des GewerkvervnS christlicher Bergarbeiter ist klar und für jeden wahren Fd der Bergarbeiter einwandsfrei. Die augenblickliche Lag Ruhrlohlenbergbau soll nun am kommenden Sonntag in SKler großen öffentlichen Versammlung des Gewerkschaftskartell» ein- gehend behandelt werden. Diese Versammlung findet statt Sonntag, den 10. März, morgens 11 Uhr, im großen Saale des Kriegerheim, Bahnhofftr. 46(Rheinisch- westfälische« Volk»- Theater). Kollegen! Die Sache der christlichen Bergarbeiter interessiert auch uns als Holzarbeiter in weitgehendem Matze; weshalb ich alle unsere Kollegen dringend ersuche, unter allen Umständen die öffentliche Versammlung zu besuchen; nm- somehr, da es sich auch darum handelt, die Versamm- lung zu einer eindrucksvollen Kundgebung zu gestalten. Mit kollegialem Gruß gez. Franz Brüste Lohnerhöhung und Verteuerung der Lebensmittel im Ruhrrevier. Die von vornherein überaus maßvoll aufgestellten Forderungen der Bergarbeiter an die Zechenverwaltungen sucht die bürgerliche Presse als unerfüllbar hinzustellen. Nun kennt man ja die.Be» gründung" der Ablehnung aller, auch der berechtigst«» Ansprüche der Arbeiter: es geht den Arbeitern bereits sehr gut; anderSwo haben sie'S noch schlechter, und der Unternehmer hält überhaupt auch daS geringste Zugeständnis nicht mehr aus. So argumentiert auch die.Kölnische Zeitung" in einer Zuschrift aus bevgbautichea Kreisen. Was zunächst die Lohnfrage anbetrifft, so sann die „Kölnische Zeitung" nicht leugnen, daß die Löhne gegen 1907 noch stark zurückstehen. Stellte sich doch der durchschnittliche Jahresverdienst eines Arbeiter» im Oberbergamtsbezirk Do et- mund im' Jahre 1907 auf 1562 M., während er 1911 nur 1448 M.. also 116 M. weniger betrug. Ganz falsch und irreführend ist eS dagegen, nur die Lohnhöhe des letztem Vierteljahres von 1911 zu berücksichtigen. Was bedeuten aber die wenigen Pfennige gegenüber dem gewaltigen LohaauS- fall, den die Bergarbciterschaft seit 190? erlitten hat! Wenn die Ruhrbergarbeiter in den Jahren 1908, 1909, 1910 und 1911 den Lohn erhalten hätten, der im letzten Vierteljahr 1907 gezahlt wurde, so hätten ihnen 145 828 947 M. mehr zufallen müssen. Die Ruhrbergarbciter haben also in diesen vier Jahren eine» Lohnverlust von 145,8 Millionen Mark erlitten. Der christlich« Ar» beiterführer Herr J mbusch rechnet im„Christlichen Zen Walblatt' sogar einen Lohnverlust von 152 872 048 M. heraus. Wenn darauf hingewiesen wird, daß in andere» Bergbau« bezirken niedriger« Löhne gezahlt werden, so ist da» leider richtig. In Schlesien schuften Steinkohlenarbeiter tatsächlich für de» kläglichen Verdienst von 980 bis 998' M. Wir glauben es auch gern, daß die Zechenherren Westdeutschlands ihre Hörigen auf diese Lohn- stufe herabdrücken möchten. Aber auch dort ist dieser Zustand nur möglich, weil ausländische Proletarier mit vorläufig geringere» Kulturbedürfnissen die Ware Arbeitskraft verkaufe» müsse». Ein Vergleich der Löhne in Deutschland und außerdeutschen Staaten nach der absoluten Lohnhöhe hat überhaupt keinen Sinn. Deutschland zeichnet sich durch so hohe Preise der Massenbedarf»« artikel aus, daß selbst bei geringerem Nominallohn doch die au»- ländischen Arbeiter sich besser steh«»». Setzt man z. B die Wochen» ausgaben eines englischen Arbeiter» für notlvendig« Lebensmittel gleich 100, so stellen sich nach einer Berechnung de» amerikanischen Arbeitsamtes die Ausgaben für das Wochenbudget eine» deut- schen Arbeiters auf 117, des belgischen und französischen Ar- beiterS dagegen nur auf 99. Was nun aber über die geringe Verteuerung der Lebensmittel gesagt wird, ist gröbste Irreführung. Zunächst einmal muß es auffällig erscheinen, daß hier die Durchschnittspreise de» ganzen Jahres gewählt werden, während bei der Lohnhöhe»rur daS letzte Vierteliahr 1911 berücksichtigt wurde. Die Steigerung der Lebensmittelpreise, die in voller Stärke erst im Juli eintrat, wird durch die Durchschnittszahlen des ganzen Jahres abgeschioächt. Hier liegen die neuesten Zahlen für den Januar und Februar bereits vor. Da für diese Zeit die Lohnerhöhung— nnd keine Nachzahlung für daS Jahr 1911— gefordert wird, müssen diese Zahlen als Beweis für die Notlage herangezogen werden. Welche Lende- rungen dadurch eintreten, zeigt sich in folgender Tabelle: Preis für 1 Kilogramm in Essen: War« Rindfleisch.. Hammelfleisch. Butler... Schmalz... Kartoffeln.. Kaffee... Weizenmehl. Bobnen... Linsen... Schon bei den Durchschnitt 1911 (Preise der Konsum- anstol» Krupp) 1.50 M. 1.80, 2,86» .. 1,22, .. 0,07. .. 2,45» .. 0.31. .. 0,37, 0,37. in der»Kölnische» Februar 191A (amtlich« Notierungen) 1,70—1.80 M- 1,70—1,00, 8,10, 1,70, 0,11» 8,00. 0,34, 0,42, 0,46, Zeitung' angegeben«» Zahlen macht die Verteuerung gegen 1907 8,4 Pro», au». Ver- rechnet man aber unsere amtlichen Nachweis« entnommenen Zahlen für den gesamten Lebentmittelaufwand rnnerhald eine» Jahres, so ergibt sich die vom Bergarbeiterverband behauptete Höhe der Verteuerung gegen 1907. Aber selbst wenn man die Berechnung der.Kölnische» Zeitung' mit den Durchschnittspreisen für 1911 zugrunde legt, so ergibt sich, daß der NahrungSmittelaufwond von 1907 auf 1911 von 786,88 M. auf 861,93 M, also um 66 M. gestkege» ist, während der Jahre», arvettslohn In der gleichen Zeil don 15S2 M. mif 1446 M-, also um 116 M. gefallen ist. Nun kommt. noch eine andere Frage hinzu. W i e lebt der deutsche Bergarbeiter mit seiner Familie? Wird einer deutschen Normalfamilie der Nahrungsmittelaufwand deS Warinesoldaten zugrunde gelegt, so ergibt sich für 1S00 als jährliche Ausgabesumme für Ernährung 1154,40 M.I Nun mutz beachtet werden, datz nur 50 bis 60 Proz. des Lohnes für Nahrungsmittel draufgehen dürfen, wenn die Arbeiterfamilie nicht bankrott machen soll. Milte 1S11 betrug der errechnete Jahresaufwand 157 7, 6 8 M. Wenn der deutsche Bergarbeiter sich und sein« Familie so ernähren wollte, wie es der Staat mit den Marinesoldaten hält— und er hält eS sicher nicht zu fett— dann hätte 1911 noch nicht einmal der ganze Lohn gereicht, um die not- wendigen Nahrungsmittel zu bezahlen! So lebt der Bergarbeiter, und darum streikt er! Die Bcwegnng lm übrigen Deutfcbtand. Streik im Saarrevier. St. Avold, 14. März. Gestern abend fand in M e r I e n- Bach eine von mehr als 2000 Personen besuchte Bergarbeiter- versamlung statt, in der auch der Streik für die beiden anderen Schächte der Saar- und Moselbergwerksgesellschaft beschlossen wurde. Am Nachmittag hatte der Berg- arbeiterausschuß eine längere Besprechung mit der Direktion der Gesellschaft, in der von der Direktion bis z u m I u l i(!) eine zehnprozentige Lohnerhöhung in Aussicht gestellt wurde. Tie Bergarbeiter verlangten aber sofort 15 Proz., und da dies nicht bewilligt wurde, beschlossen sie weiter zu st r e i k e n. Die beschlossene Ausdehnung des Streiks auf die beiden anderen Schächte der Gesellschaft ist noch nicht in Ärast getreten. Heute morgen ist auf den beiden Schächten noch alles ruhig, dagegen streiken auf der Grube Merlenbach von 2300 Bergleuten 2000. Lohnbewegung der niederschlesischen Bergleute. Auch im Waldenburger Revier rüsten sich die Berg- knappen zum Kampf. Eine am Montag stattgefundene Konferenz der Vertrauensleute des alten BergarbeiterverbanbeS und des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins beschloh folgende Forderungen einzureichen: 1. Erhöhung der Durchschnittslöhne fstr alle Ar- beiter um 15 Proz. und Beseitigung der grohen Lohnunterschiede für gleichartige Arbeiter. 2. Erhöhung des Abschlages für alle Arbeiter um 1,50 M. pro Woche bezw. 25 Pf. pro Schicht. 3. Achtstündige Schichtzeit inklusive Ein» und Aus- fuhr für alle llntertagsarbeiter, desgleichen für die in der Förde- rung und der Kokerei beschäftigten Arbeiter über Tage. Ber- kürzung der Arbeitszeit für alle übrigen Arbeiter von 12 auf 10 Stunden ohne Verkürzung des Lohnes. Beseitigung der bei verschiedenen Werken in der Kokerei üblichen 24stündigen Sonn- tagSschichten. 4. Ueber- und Nebenschichten dürfen nur bei Unfällen, Be- triebSstörungen oder bei Rettung von' Menschenleben und Pferden verfahren werden. 5. In den Werkswohnungen ist die sonst übliche monatliche Kündigung einzuführen, auch ist den Mietern volle Bewegungs- Freiheit w bezug auf ihre Organisationszugehörigkeit, Warenem- kauf usw. zu belaffen. a j. 6, Aufhebung des noch für Nachbarzechen bestehenden Sperr. systemS. 7. Einschränkung des StrafwesenS, Strafen von über 1 M. bedürfen der Zustimmung de» Arbeiterausschusies. 8. Errichtung eines paritätisch zusammengesetzten GchiedSge- rtcht« mit einem unparteiischen Vorsitzenden zur Schlichtung von Streitigkeiten. 9. Verbot jeder Art von Matzregelung und Respektierung des Sesetzlichen KoalitionSrecht» aller auf den Werken beschäftigten lrbeiter. Am TienStag sind die Forderungen den Grubenbesitzern über- reicht worden und bis Sonnabend ist die Antwort erbeten worden. Das, was die Waldenburger Bergleute fordern, ist gering mit Rückficht auf die Tatsache, datz die Waldrnburger Bergleute zu den schlechtbezahlte st en gehören. Die Bergarbeiter hoffen auf eine friedliche Lösung. Kommt eS anders, dann tragen die Unternehmer die Schuld. Am Sonntag soll in Massenversammlun- gen im Waldenburger Revier die Entscheidung fallen. Die Berg- leute sind rege und brennen auf die Entscheidung. Die Bewegung in 8 ach Ten. Die Bergarbeiterbewegung nimmt nun auch in Sachsen ernsteren Charakter an. Im Dresdener Bezirk haben die Zechenbesitzer die Forderungen der Arbeiter ebenfalls ab- gelehnt. Im Zwickauer Revier ist die Epregung aufs höchste gesteigert; die Bergleute sind von den Führern nicht mehr zurückzuhalten, seitdem bekannt ge- worden ist, daß die Grubenbesitzer mit den Arbeiteraus- schüssen tellweise gar nicht verhandelt haben, teilweise gleich im Beginn der Zusammenkunft glatt heraus erklärt haben. wir bewilligen nichts. Die Enttäuschung über diese Antwort hat dem Faß den Boden ausgeschlagen. Beim Bergamt. in Freiberg sind telegraphisch Permittelungsver- suche beantragt worden. Wenn diese, die im Laufe des heutigen Tages erwartet werden, fehlschlagen oder gar unter- bleiben, dann ist der Streik unvermeidlich. Am Sonntagvormittag werden die Grubenvertrauensleute definitiven Beschluß fassen. AuS den Aeußerungen einzelner Bergherren bei den Unterhandlungen ist zu entnehmen, daß die Bergherren gemeinsam sich im Bergbau- lichen Verein verständigt haben, überhaupt nichts zu bewilligen. Früher wurden die Bergleute, wenn sie an den Verein ihre Anträge richteten, immer an die Einzelwerke verwiesen: gingen sie aber an die einzelnen Werke, dann schickte man sie zum Verein. Jetzt haben sie gleichzeittg an die Werke und an den Verein ihre Forde- rvngen gerichtet, und eS wird von beiden Seiten erklärt: Wir bewilligen nichts. Im Zwickauer Revier kommen zirka 15000 Bergleute in Frage. Der BergarbeiterttreiK in Großbritannien. London, 13. März 1912.(Eig. Ber.) Der heutige Tag wird als der kritische angesehen, an dem sich entscheiden soll, ob der Kampf durch Verhandlungen oder auf dem Wege der Gesetzgebung entschieden werden soll. Die erste Sitzung unter dem Vorsitz des Premierministers fand gestern statt und hatte keinErgebniS. Die Bergarbeiter- Vertreter haben an der gemeinschaftlichen Sitzung nur teil- genommen unter der Bedingung, daß der Mmimallohn als Prinzip nicht zur Sprache komme; aber die Arbeitgeber fanden Mittel und Wege, darüber zu reden, indem sie das alte Lied von dem Kontraktbruch der Arbeiter sangen. Die Stimmung auf beiden Seiten war alle? andere als friedlich. Der Premierminister richtete an die Bergarbeiter die Frage, ob sie bereit seien, die Arbeit wieder aufzunehmen, falls man sich über die Minimallöhne der Hauer und das Prinzip, daß kein anderer erwachsener Untertagsarbeiter weniger als 5 Schilling und kein Knabe einen geringeren Anfangslohn als 2 Schilling den Tag erhalte, einige. In dem Falle sollten die Minimallöhne der anderen im Gedinge arbeitenden Untertagsarbeiter, die nicht Hauer sind, und die der im Tage- lohn stehenden Untertagsarbeiter nach Wiederaufnahme der Arbeit festgesetzt werden. Der Vorstand der Bergarbeiter- föderation berichtete über diese Vorschläge der heute morgen tagenden Konferenz der Bergarbeiter und schlug folgende Resolution vor, die einstimmig angenommen wurde: „Wir bedauern, datz die Kohlenbesitzer noch keine Neigung gezeigt haben, die von den Arbeitern geforderten Lohnsätze anzu- nehmen und diese Konferenz kann den Arbeitern nicht eher die Wiederaufnahme der Arbeit empfehlen, bis den verschiedenen Kategorien der Unter- tagsarbeiter der Minimallohn gewährt wor- d e n i st. Wir sind jedoch bereit, sofort mit den Kohlenbesitzern in den verschiedenen Revieren in Verhandlungen einzutreten, um zu dem möglichst frühesten Zeitpunkt ein Abkommen über alle strittigen Punkte zu erzielen." Die Presse tut wieder sehr opttmisttsch, obwohl wenig Ursache für diese Gemütsstimmung vorhanden ist. Der nächste Schritt wird wohl der sein, daß die Regierung eine gesetzliche Regelung der Minimallohnfrage versuchen wird. Fortdauer des Streiks. London, 14. März. Die Zeitungen äutzern sich heute weniger optimistisch über ditz Aussichten einer baldigen Beilegung des Kohlenstreiks. Man glaubt, datz lokale Ver- ständigungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern in den einzelnen Revieren die sicherste Grundlage für einen späteren Ausgleich ab- geben werden. Die Verluste in den Bruttoeinnahmen, die die Eisenbahngesellschaften durch die Einschränkung ihres Dienstes seit dem Beginn des Streiks erlitten haben, werden auf eine Million Pfund angegeben. Diese Summe übersteigt die Verluste der Gesellschaften in dem Eisenbahnerstrei! im letzten Sommer. In St. Helens in Lancaster kam e» zu einem Zu- sammenstotz zwischen den Bergarbeitern und der Polizei, wobei drei Schutzleute verletzt wurden. Tie Konferenz ergebnislos. London, 14. März.(Privattelegramm des.Vorwärts'.) Die gemeinschaftliche Konferenz ist zu keinem Resultat gelangt. Man erwartet, datz morgen die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen werden. Die Bewegung in Oesterreich. Prag, 14. März. Die Bergwerksbesitzer im nördlichen Braunkohlenrevier verhalten sich den bekannten Forde- rungen der Bergarbeiter gegenüber ablehnend, doch dauern die Verhandlungen fort. Vertrauensmänner der Bergarbeiterschaft sollen am 17. d. Mts. über das weitere Verhalten der Ar- beiter entscheiden. Graz, 14. März. Am nächsten SamStag und Sonntag werden in Leoben und anderen Orten Steiermark? Versammlungen der Bergleute stattfinden, in' denen diese beschlietzen werden, sich der Lohnbewegung des Südwestböhmischen BergrevierS anzu- schließen. Sei' Krieg. Ein nichtssagendes Dementi. Rom, 3. März. Die Agenzia Stefani teilt mit. datz die Zei- tungSmeldungen. italienische Kriegsschiffe befänden sich im Aegäi- schen Meer, vollkommen falsch seien. Kein italienisches Kriegsschiff befinde sich in diesem Meer. Die Sperrung der Dardanellen. Konstantinopel, 13. März. DaS Kriegsministerium macht be- kannt, datz nach einer Mitteilung deS Kommandanten der Dar- danellcn Dampfer und Segelschiffe von heute nach Sonnenauf- gang die Meerenge, auch die für die Durchfahrt freie Linie, nur dann passieren dürfen, wenn sie von Lotsen geführt werden. Segelschiffe müsien geschleppt werden, sonst ist die Durchfahrt wegen drohender Gefahr untersagt. Der Kampf bei Tobruk in türkischer Darstellung. Konstantin»?«!, 18. März. DaS Kriegsministerium veröffent- licht ein Telegramm deS Kommandanten von To- b r u k, wonach am 11. März ein Kampf mit drei feindlichen In- fanterie-Bataillonen und zwei GebirgSbatterien, die auf Nazura marschierten, stattgefunden hat. Die Italiener wurden zuerst zer- sprengt, nahmen jedoch, nachdem sie Verstärkungen erhalten hatten, die Offensive wieder auf. Der Kampf dauerte 11 Stunden. Kriegsschiffe und Maschinengewehre unterstützten den Feind, der jedoch geschlagen und gezwungen wurde, sich in die BcfestigungS- werke und auf die Schiffe zu flüchten. Die italienischen Verluste tvaren beträchtlich. Ein Italiener wurde gefangen genommen. Auf türkischer Seite wurden zwei Soldaten getötet und zwei ver- wundet, sowie sechzehn Freiwillige getötet und 65 verwundet. Die Türken und Araber machten zahlreiche Beute. Beschränkung der Italiener auf daS tripolftanische Küstengebiet? Der italienisch« Oberkommandierende, General Eaneva, hat bekanntlich schon vor mehreren Wochen erklärt, datz an eine Eroberung des Binnenlande» in absehbarer Zeit gar nicht gedacht werden könne. Und jetzt erinnert die der Regierung nahestehende Zeitung„P o p o l o R o m a n o" an ein Wort de» hervorragenden deutschen AftikaforßherS Gerhard Rohlf», der den Italienern geraten hat, wenn sie einmal dort erobernd vorgehen wollten, sich dann mit dem Küstenstrich zu begnügen und da» Innere dem Scheik der Senussi zu überlassen. Danach ist wohl anzunehmen, datz Italien, datz seinen Triumph schon vor- weggenommen hat, seinen Raubzug auf ein wesentlich bescheide- nereS Matz beschränken dürfte. Tatsächlich haben nur die Küsten- striche einen erheblicheren Wert. Und ebenso wird Italien, ohne für Generationen ungeheure Machtmittel aufzubieten, mehr als diese den Angriffen der Eingeborenen gegenüber nicht behaupten können. Da nun vor kurzem bereit» von italienischer Seite er- klärt wurde, datz man bereit sei, die religiösen Rechte des Sultan» den Gläubigen gegenüber anzuerkennen, auch für die türkischen Staatsgüter im Land« Vergütung zu zahlen und schließlich noch einen entsprechenden Teil der türkischen Staatsschuld zu über- nehmen, so darf wohl damit gerechnet werden, datz etwa auf dieser Grundlage bald oder später der Fried« Zustandekommen wird. Die Türkei ist auf keinen Fall imstande, au» eigener Macht das Land zu behaupten. Wohl aber wird sie Mittel finden, e» so dar- zustellen, al» ob sie mit der Behauptung der religiösen Obergewalt tatsächlich da» Land behalte und e» nur gegen ein« angemessene Entschädigung zu einem kleinen Teil pachtweise den Italienern überlasse. Ob die eifrigen Mohammedaner de« Binnenlande» sich mit dieser Lösung abfinden würden, ist freilich eine andere Frage. Für die Türkei würde ihr Abfall materiell nicht» bedeuten, da sie schon heute tatsächlich dort keine Herrschast ausübt. Mehr wohl ideell im Ansehen der Gläubigen. Aber da der Krieg schon mit Rücksicht auf die Balkanstaaten nicht ewig dauern kann, wird wohl ein Auslveg solcher Art gesucht werden müssen.— Die Revolution in China. Mißtrauen gegen Japan und Rußland. Mulden. 14. März. T s ch a n s i l u a n ist nach Peking abgereist, um Juanschikai über die Lage der Dinge in Mulden Bericht zu erstatten. Chinesischen Meldungen zufolge war ihm von Juan- schikai aufgetragen worden, die Absichten Rußlands und Japans aus die Mandschurei festzustellen. In seinem Berichte wird anerkannt, die Mandschurei sei seitens beider Mächte bedroht, da sie sich über ihre Annexion verständigt hätten. Tschanfiluan betont, es be- stehe die dringende Notwendigkeit, ohne Zögern Vorsichtsmatz- regeln zu ergreifen. Japanische Truppenbewegungen, London, 14.März. Nach einem Telegramm der„TimeS" aus Tokio sollen weitere dreitausend Mann japani» scher Truppen nach Port Arthur abgehen teil», um die kürzlich nach Tienffin abgeschickten tausend Mann zu ersetzen, teils um nötigenfalls nach dem Norden Chinas vorzurücken. Die chinesische Anleihe vor dem englischen Parlament. London, 14. März. Unterhaus. Auf eine Anfrage de» Konservativen Fell, ob die im Namen einiger Großmächte der chinesischen Regierung durch die Banken geleisteten Vorschüsse die Billigung der britischen Regierung gefunden hätten, und ob die Regierung in dieser Hinsicht irgendwelche Verpflichtungen über- nommen habe, antwortete Sir Edward Grey. Indem er den ersten Teil der Anfrage bejahte, erklärte er, datz die Regierung keine Haft- barkeit für diese Vorschüsse übernommen, aber die daran beteiligten englischen Finanzgruppen verständigt habe, daß, fall» Schwierig- leiten über die Rückzahlung entstehen sollten, sie sich der Unter- stützung der englischen Regierung versichert halten könnten, politische deberlickt. Berlin, den 14. März 1312. Preußischer Polizeigeist. Am Donnerstag feierte der preußische Polizeigeist im TreiKassenparlament wieder einmal Orgien. Zur Beratung stand der bereits vom Herrenhause erledigte Gesetzentwurf über die Abänderung und Ergänzung des Ausführungs- gesetzes zum Reichsgesetz über den Unterstützungswohnsitz— ein echtes Polizeigesetz, das wir bereits früher eingehend ge- würdigt haben. Der Entwurf richtet sich gegen säumige Nährpslichtige. So wenig Mitleid wir auch mit Vätern haben, die sich um die Ernährung und Erziehung ihrer Kinder absichtlich nicht kümmern, so schars müssen wir uns auf der anderen Seite dagegen wenden, daß solche Personen nach russischem Muster ohne gerichtliches Urteil einfach auf dem Verwaltungswege ins Arbeitshaus gesperrt werden können. Um so mehr, da die große Gefahr besteht, daß das Gesetz in der Praxis auch gegen Staatsbürger angewendet wird, die wohl den besten Willen haben, für ihre Angehörigen zu sorgen, aber aus Gründen, an denen sie keine Schuld tragen, gar nicht dazu imstande sind. Dazu kommt ferner das Moment, daß zur Verabschiedung solcher Gesetze nur der Reichstag, nicht aber der Landtag zuständig ist, ein Stand- punkt, den in früheren Jahren auch die gesetzgebenden Körperschaften des Reichs eingenommen haben. Ueber dieses Bedenken setzten sich freilich mit der Re- gierung die sanatischen Vorkämpfer preußisch-russiicher Polizciwillkür, die Herren v. K a r d o r f f(fk.), S ch m e d- ding(Z.) und B r a e m e r(k.) leichten Herzens hinweg. Mit einer Spitzfindigkeit, die ihresgleichen sucht, bemühten sie sich, den Anschein zu erwecken, daß die Unterbringung in eine Arbeitsanstalt gar keine Strafe sei, und eS hätte nicht viel gefehlt, dann hätten sie eine derartige Maßnahme womöglich sogar als Wohltat für den davon Bettoffenen hingestellt. Eine scharfe Kritik an der Vorlage übte der national- liberale Landgerichtsdirektor B o i s l y, der in längeren juristischen Ausführungen die Kompetenz deS Landtages be- stritt und die berechtigte Frage auswarf, warum denn das Reichsgesetz nicht einfach im Reichstage geändert wird. Auf einen ähnlichen Standpunkt stellte sich Abg. Flesch(Vp.), der Dezernent des Frankfurter ArmenwesenS, dem eine lang- jährige praktische Erfahrung zur Seite steht, so datz man sich über sein Urteil nicht so leicht hinwegsetzen kann. Wohl am gründlichsten ging Genosse Borchardt namens der Sozialdemokraten mit dieser Art GesetzeSmacherei ins Gericht. Schlagend wies er nach, datz der Landtag kein Recht habe, ein solches Gesetz überhaupt nur zu beraten. Ebenso überzeugend zog er aus der Statistik den Schluh, datz derartige Matznahmen völlig wirkungslos sind, und mit allem Nachdruck vertrat er die Anschauung, datz man soziale Krank- heiten nicht durch Feuer und Schwert heilen könne, sondern nur durch Beseitigung ihrer Ursachen, die in der kapitalisti- schen Wirtschaftsordnung wurzeln. Das hinderte die Mehrheit, die fest entschlossen ist, BaS Gesetz zustandezubringen, natürlich nicht, eS einer Kommission zu überweisen, um auf diese Weise ihre Mißachtung vor der Verfassung zu dokumentieren. Hierauf beriet das Haus in zweiter Lesung den Etat der preußischen Zentralgenossenschaftskasse. Die Debatten darüber boten nichts Neues. Erwähnenswert ist nur ein Zwischen- fall, der deutlich zeigt, wie verschieden der Präsident die Ab- geordneten behandelt. Während der Rede des fortschrittlichen Abgeordneten Dr. C r ü g e r machte sich der Konservative v. P a p p e n h e i m. der sich sonst immer als Hüter des guten Tones aufspielt, durch minutenlang anhaltende Zwischenrufe unangenehm beinerkbar, ohne datz der Prä- sident einschritt. Als aber Genosse Ho ff mann einen anderen Redner durch einen Zwischenruf unterbrach, verbot ihm der Präsident das und rief ihm. als er Gleichberechtigung mit Herrn v. Pappenheim verlangte, kurzerhand zur Ord- nung. Am Freitag beginnt die Beratung de» Kultusetat». Lehrergesetz und Volksschulwesen imbayerische» Landtage. Im bayerischen Landtage wurde am Mittwoch der liberale An- trag auf Vorlegung eine? Lehrergesetzes noch in dieser Session, und der Zentrumsantrag auf allgemeine Regelung d«S Volköschul- Wesen» verhandelt. Sofort stellte sich heran», datz der Zentrums- antrag bezweckte, den liberalen Anttag zu vereiteln. Durch die Verkoppelung der Lehrerbesoldungen tnft der allgemeinen recht, lichen Regelung des Vollsschulwesens sollte die dringend notwcn- dige materielle Aufbesserung der Lehrer verhindert werden. Ganz im Sinne des Zentrums sprach sich auch der neue Kultusminister aus. Afle Schulfragen müßten auf einmal und einheitlich geregelt werden. Eine Aufbesserung der Lchrcrgehälter gestatte zurzeit die Finanzlage nicht. Selbst die von den Liberalen und den Sozial- demokraten geforderte sofortige Notstandsaltion für die am elen- besten bezahlten Land- und Kleinsiadtlehrcr findet bei der Regie- rung kein Entgegenkommen, die im übrigen an den bewährten Grund- lagen der heutigen Volksschule nicht rütteln will und ein Volks- schulgesctz überhaupt für überflüssig erklärt. Ter liberale Antrag wird schließlich mit den Ientrnmsstimmen abgelehnt, der Zentrumsantrag gegen eine Stimme eines Landwirtebündlcrs ange- nommen. Die Konferenz über die Wchrvorlage. Die„Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht an der Spitze ihrer Nummer vom Donnerstag folgende Notiz: „Heute vormittag um IV Uhr begannen unter dem Vorsitz des Reichskanzlers im BundeSratSsaale deS Reichsamts des Innern die vertraulichen Besprechungen über die Wehrvorlagen und ihre finanzielle Deckung, zu denen der Reichskanzler und die leitenden Minister der Einzelstaaten eingeladen halte. An den Besprechungen nahmen die Chefs der beteiligten ReichsressortS und die Finanz- minister der größeren Bundesstaaten teil. Tie Konferenz wurde um 1 Uhr abgebrochen und wird am nachmittag fortgesetzt." Die neue Wehrvorlage wirft bereits ihre Schatten voraus. Nach der.Allgem. Armee-Korresp." stehen in Ostpreußen größere Dislokationsveränderungen bevor. So soll unter anderen»ach Osterode ein Artillerieregiment, nach OrtelSburg ein Infanterie- rsgiment in Garnison kommen. DaS erste Jägerbataillon. daS jetzt in OrtelSburg steht, soll nach Braunschwcig verlegt werden. In Sensburg toll ein ganzes Jnfamerieregiment zusammengezogen werden. Die neuen Kasernen für diese Truppenteile find bereits im Bau begriffen.— Weiter hat die Heeresverwaltung bei Berliner Aeroplanwerken 40 Flugapparate in Auftrag gegeben. Die Lieferung in Berlin soll im Mai erfolgen. Auch die bekannte große Säge zur Verjüngung deS Offizierkorps ist wieder im Betrieb. Das„Militär-Wochenblatt" vom Donnerstag meldet die am 9. d. Mts. erfolgte Pensionierung von vier General- leutnantS und drei Generalmajoren. Neue Steuern für den Militärmoloch. Der„Leipziger Volkszeitung" ist ein Schreiben auf den Redaktionstisch geflogen, das, wenn es auch vom 2. Februar datiert und sich auf die damaligen im Reichsschatzamt zur „Erwägung" gestellten Steuerpläne bezieht, auch heute noch ein gewisses Interesse besitzt, da es zeigt, zu welchen sonder- baren Steuern die Regierung zu greifen bereit ist, um dem Moloch Militarismus das Riesenmaul zu stopfen: Ter Deutsch« Brauer-Bund. E. V. Geschäftsstelle: Berlin-Charlottenburg. Fasanenstraße 20/21. Streng vertraulichk den 3. Februar 1312. Sehr geehrter Herrl Im Auftrage deS Präsidiums teile ich Ihnen hierdurch mit, daß die nächste Sitzung des geschäftsführenden Vorstandes am Sonnabend, den 17. Februar 1912, in München stattfinden soll. Tagesordnung. Ort und Zeit der Sitzung wer- den noch mitgeteilt locrden. Gleichzeitig bin ich in der Lage, Ihnen auf Grund münd- lichen Berichts mit einem bestunterrichtctcn Herrn, der seine Informationen persönlich gestern von einer Reihe Parlamen- tariern und scyrstigen zuverlässigen Quellen erhalten hat, folgende interessante, aber streng vertrauliche Mitteilung zu machen: Es ist richtig, daß das Projekt einer Bier-Fabrikatsteuer im Reichsschatzamte erwogen wurde, aber ebenso richtig, daß vor Ein- bringung einer solchen Vorlage erst noch eingehende Erörterungen durch die Handel-Attaches bei den Gesandtschaften in Washing- ton, London und Paris und durch speziell hierzu beauftragte Sachverständige im Auslande selbst beabsichtigt sind, welche das Wesen und die Wirkung einer Fabrikatsteuer betreffen. Vor Abschluß dieser Ermittlungen wird an eine Brausteuer oder Liersteuer nicht gedacht, so daß vor dem Jahre 1914 die letztere nicht zu erwarten ist. Diese Mitteilung ist meinem Gewährs- mann übereinstimmend von einer ganzen Anzahl von Parlamen- tariern gemacht worden, die ihm außerdem noch mitteilten, daß die Führer der bürgerlichen Parteien im jetzigen Reichstage für die nächste Woche zu Konferenzen in-das Reichskanzleramt ge- laden sind. Letztere Besprechungen werden eine Militärvorlage betreffen, die nichts weniger als die Ncuaufftellung von zwei Armeekorps und weitere, sehr bedeutende Erhöhungen des Prä- senzstandes zum Gegenstande haben sollen und zirka 170 Mil- lioncn beanspruchen. Zur Deckung dieses Bedarfs ist aber, wie erwähnt, keine Bier- oder Brausteuer, wohl aber eine Flaschenwein st euer und eine Reihe anderer neuer Steuern in Aussicht genommen, unter denen sich auch eine ReichSsteuer auf den Umsatz in Gastwirtschaften befinden soll. Für alle diese Deckungsvorlagen nimmt man mit Bestimmtheit eine Mehrheit an, die sich aus allen Parteien, mit Ausnahme der sozialdemokratischen, zusammensetzen wird. Mit der Arbeits- Unfähigkeit des neuen Reichstages und der Auflösung desselben wird durchaus nicht gerechnet. Hoffentlich bestätigt der in zirka einer Woche zu erwartende Etat die oben wiedergegebenen, für die deutsche Brauindustrie günstigen Nachrichten. Jntereffant war, zu erfahren, daß den unmittelbaren Anstoß zur Erwägung einer Bierfabrikatsteuer im Reichsschatzamte eine Denkschrift gegeben haben soll, welche von einem Brauer in Holzminden, dessen Name mir nicht genannt werden konnte, eingereicht ist, und die im speziellen darlegt, wie er sein Bier noch mit zirka 11 Prozen Balling herstelle und ver- kaufe, im Verhältnis zu seinen Konkurrenten benachteiligt werde. die den Extraktgchalt ihrer Biere auf nur 8 Prozent herabgesetzt hätten und dadurch nicht nur jede Belastung vermieden hätten, sondern gegen früher noch ein gutes Geschäft machten. Mit vorzüglicher Hochachtung R.-A. Bruno Peltasohn. Direktor. Reichsverbandsgelder für die Sozialdemokratie. Ter Angestellte des Reichsverbandes in Königsberg, General- sckretär Taube, versuchte �in letzter Zeit die Sozialdemokratie mit „Berichtigungen" zu„bckämpten". Brachte unser dortiges Partei- blatt irgendetwas über den Reichsverband, so sandte Herr Taube auf Grund deS§ 11 des Preßgesetzes eine„Berichtigung". DaS Gesetz zwingt bekanntlich den Redakteur, die Berichtigung auch dann aufzunehmen, wenn die Angaben des Einsenders unzu- treffend ober ungewöhnlich lang sind. Im letzteren Falle besagt aber daS Gesetz, daß, wenn die Entgegnung den Raum her zu berichtenden Mitteilung überschreitet, für die über dieses Maß hinausgehenden Zeilen die üblichen Einrückungsgebührcn zu zahlen seien. Die Länge des Artikels spricht hierbei nicht mit; maßgebend ist nur die zu berichtigende Mitteilung. Die Berichti- gungen des Herrn Taube waren nun alle beträchtlich länger, und der Verlag des Königsberger Parteiblattes hat deshalb die Ein- rückungsgebühren, oie der Herr Taube zu zahlen hatte, von ihm ein- kassieren lassen. Für dre» Berichtigungen muhte er n�t d) J_ w e n ig er als 36 Mark entrich t e n. Die Zeile Verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: wurde als Reklame mit 50 Pf. berechnet. Herr Taube hat die Summe prompt bezahlt. Das Geld�des Reichsverbandes wird selbstverständlich im Interesse der Sozialdemokratie, zur Auf- klärung der Arbeiter verwandt werden. Der Verlag des Königs- berger Parteiblattes gedenkt— kulant wie er ist— in Zukunft Herrn Taube Rabatt zu gewähren, falls er auch fernerhin so rege txls Königsberger Partciblatt in Anspruch nehmen sollte. Ersatz Hertling. Im Wahlkreis Münster-Cocsseld ist für die bevorstehende Reichstagsnachwahl der Geh. Sanitätsrat Gerlach als Kandidat des Zentrums aufgestellt worden. Bisheriger Vertreter des Kreises war der jetzige bayrische Ministerpräsident Freiherr v. Hertling._ Im hessischen Landtag herrschen setzt die Reaktionäre unumschränkt; das zeigt sich in den sich häufenden Zusammenstößen mit der Linken und auch in den Bc- schliisscn. Am Mittwoch wurde mit allen gegen die Stimmen der Fortschrittler und Sozialdemokraten die von der Regierung bean- tragte Verstaatlichung der Offen bacher Polizei ge- nehmigt. Der Nachweis, daß es sich hier lediglich um eine durch keinerlei Tatsachen gerechtfertigte schikanöse Verkürzung der Selbst- Verwaltung Offenbachs handelt, wurde klipp und klar von den sozialdemokratischen Rednern erbracht, doch verursachte das dem reaktionären Klüngel nicht die geringsten Bedenken. Wie sehr die hessische Regierung v e r p r e u tz t ist. das offen- bart auch die beim Eisenbahnctat von sozialdemokratischer Seite veranlaßte Besprechung der von der Eisenbahndirektion Mainz er- lassenen Verfügung an ihre Arbeiter. Laut dieser Verfügung haben die Eiscnbahnarbeiter Entlassung zu gewärtigen, wenn sie sich gc- werkschaftlich organisieren, sozialdemokratische Versammlungen bc- suchen oocr sozialdemokratische Blätter lesen. Der Finanzminister mußte zugeben, daß die hessische Regierung vom preußischen Eisen- bahnministcr nicht um den Erlaß gefragt worden sei, ja von ihm vor seiner Bekanntgabe gar nichts gewußt habe. Trotzdem aber billigte er diesen unerhörten Eingriff in die wichtigsten Staats- bürgerrechte der Eisenbahner durchaus und bestritt mit beneidens- wertem Mut, daß der Erlaß das Vereins- und Versammlungsrecht der Eisenbahner verkürze. Bei der Etatsberatung kündigten die Zentrumsredner auch den bestehenden Simultanvolksschulen gelegentlich der kommenden Volksschulgesetzreform energische Bekämpfung an. Angesichts der Abhängigkeit der Regierung von den Schwarzblauen hat das Ver- sprechen, die Simultanschulen zu erhalten, gar leine Bedeutung. Sabotage. In der Wahlzeit wurden mehrfach Bubenstreiche gegen die Geschäftsräume des„Bochumer Volksblattcs" verübt. Wiederholt wurden die Schaukästen demoliert, die Scheiben zertrümmert oder überklebt. Auch sonst waren die Gebäude des Blattes dem Fana- tismus ausgesetzt; wurde doch einmal mit einem Tesching in den Setzersaal hineingeschosscn. Der Polizei ist es nun gelungen, die Täter zu ermitteln— und siehe, es waren erwachsene Söhne gutkatholischer„besserer" Familien. Was würde wohl in der bürgerlichen Presse ein Geschrei über sozialdemokratische Sabotage losgelassen werden, wenn es sich um Sozialdemokraten handelte? Italien. Ein Revolveranschlag auf den König. Eine Wahnsinnstat, wie sie nur ans den sozialen Zu- ständen Italiens und als Gegenstück zu der gegenwärtigen chauvinistischen Ueberspannung zu erklären ist, gibt der bürgerlichen Presse wieder einmal Anlaß zu sensationellen Berichten und zu wortreichen Deklamationen voll mon- archistischen Ueberschwanges. Ein junger, unreifer Mensch hat Tonnerstag früh auf den italienischen König geschossen, ohne- ihn zu treffen. Wenngleich von vornherein festgestellt werden muß, daß diese zweck- und sinnlose Tat eines Wirr- kopfes keiner politischen Partei zur Last gelegt werden kann, werden die Arbeiterfeinde in ihr sehr bald einen willkommenen Anlaß zu einer Hetze gegen die sozialistische Bewegung finden. Einige deutsche Bourgeoisblätter haben damit schon den An- fang gemacht. Zunächst wird dem biederen Spießer mit allerlei Anarchistengeschichten gruselig gemacht. Das Attentat hat heute in Rom und in anderen Städten Italiens zu großen nationalen und dynastischen Kundgebungen Anlaß gegeben. Aus den wortreichen Mel- düngen des offiziösen Telegraphenbureaus geben wir in nachstehendem das Wichtigste wieder: Rom, 14. März. Als sich der König heute früh zu einer Seelenmesse für König Humbert nach dem Pantheon begab, feuerte ein Unbekannter mehrere Revolverschüsse auf ihn ab. Der König blieb unverletzt. Der Täter wurde verhaftet. In Begleitung des Königs auf der Fahrt nach dem Pantheon befand sich auch die Königin. Während die hohen Herrschaften unverletzt blieben, wurde der Kommandeur der den Wagen des Königs begleitenden Kürassiereskorte, Major Lang, durch einen der auf den König abgefeuerten zwei Schüsse verwundet. Rom, 14. März. Der Anschlag auf den König, bei dem, wie jetzt gemeldet wird, drei Schüsse abgegeben wurden, erfolgte in der Nähe der Kirche Santa Maria in Via Lata bei dem Corso Umberto und dem Palazzo Doria. Die Majestäten setzten ihre Fahrt nach dem Pantheon fort, wo der König dem Unterrichts- minister eine Schilderung des Attentats gab. Major Lang, der vom Pferde gesunken war, wurde in einem Krankenwagen nach dem Sankt Jakobskrankenhaus gebracht. Der verhaftete Verbrecher gab auf den: Polizeikommissariat an, er heiße Antonio Talba, sei 21 Jahre alt und sei Maurer in Rom. Als der König und die Königin nach der Messe daS Pantheon verließen, wurden sie von der Menge, die sich inzwischen auf dem Platz vor dem Pantheon angesammelt hatte, begeistert begrüßt. Die Volksmenge begleitete den königlichen Wagen, der auf dem» selben Wege nach dem Ouirinal zurückfuhr, und rief immer wieder: Es lebe der König, eS lebe die Königin, e» leb« Savoyen! Kurze Zeit darauf begab sich der König im offenen Automobil nach dem Krankenhaus, um dem Major Lang einen Besuch abzustatten. Aus der Hin- und Rückfahrt war der König wieder Gegenstand leb« haster Ovationen. Rom, 14. März. Der Urheber des Attentats auf den König ist ein junger, bartloser, verhältnismäßig gut gekleideter Mann von dem charakteristischen Aussehen eines Apachen. Wie sich bei dem Verhör herausstellte, ist der Täter mehrfach vorbestraft, darunter dreimal wegen Diebstahls. In den letzten Jahren ist er Anarchist geworden und zwar indididua- l i st i s ch e r A n a r ch i st. Zuerst behauptete er, den Revolver gefunden zu haben, doch räumte er später ein, daß er ihn seit einiger Zeit besitze. Während des Verhörs wechselte er mehrmals seine Taktik. Er protestierte dagegen, daß er von der Menge, die ihn lynchen wollte, mißhandelt worden sei. Tann legte er ein halbes Geständnis ab über die Absichten, die er bei seinem Atten- tat gehabt, sagte aber nur wenig. Später begann er von seiner Vergangenheit und seinem gegemvärtigen Leben zu sprechen. Er stellte in Abrede, daß ein Komplott bestände; daS Verbrechen Zh.GlickclBeriin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdr. li Verlagsanstals habe er allein ersonnen und es auch allein ausgeführt. Er habe Vater, Mutter und auch einen Bruder. Dalba wurden einige Papiere abgenommen. Er hatte einige Schrammen im Gesicht, die ihm von der Menge im Augenblick seiner Verhastung zugefügt waren. Talba hatte sich hinter einer Säule des Palais Salviati verborgen. Als der Wagen, in dem sich der König, die Königin und der Gcneraladjutant Brusati be- fanden, an dem Palais vorübersuhr, jener! e er seinen ersten Schuß ab. Er verletzte deiDKommandanten der Eskorte, Major Lang, der zur Linken des Wagens dicht neben dem König ritt. Das Pferd machte einen Sprung, doch blieb der Rkajor im Sattel und näherte sich dem Wagen noch mehr, während die Kürassiereskorte sich dicht um den Wagen drängte. Taraus gab Dalba noch zwei Schüsse ab und traf den Major Lang am Kopfe, so daß er vom Pferde stürzte. Dalba wurde von einem Polizisten festgenommen. Tie Menge suchte ihn zu lynchen und verletzte ihn unbedeutend. Dalba schrie: Schlagt m i ch n u r. i ch b i n A n a r ch ist! Er wurde dann nach dem Polizeikommissariat gekrackt. Tie Verwundung des.Majors Laug scheint nicht sehr schwer zu sein. Rom, 14. März. Gleich nach dem Attentat wurde bei Dalba eine Haussuchung vorgenommen; es wurde sein Arbeitsbuch beschlagnahmt und daraus festgestellt, daß er bis gestern abend als Maurer auf einem Bau gearbeitet, dann seine Arbeit nieder- gelegt und sein Handwerkszeug mit sich genommen hatte unter der Angabe, daß er sich nicht wohl fühle..Heute morgen verließ er zu sehr früher Stunde seine Wohnstättc, nachdem er sich seine beste Kleidung angezogen hatte. Die Mutter Talbas zeigte sich sehr niedergeschlagen, als sie das Attentat erfuhr. Rom, 14. März. lP r i v a t t e l e g r a m m des„Vor- wärt s".) Ter Attentäter gehört' keiner politischen Partei an und ist ein geistig zurückgebliebener Mensch. K ei neZeitnng führt die Tat auf politische Motive zurück. Die Läden der Stadt sind als Protest gegen das Attentat geschlossen. Der sinnlose Anschlag erregt Erstaunen und Ent- rllstung. Soeben erwlgten große Kundgebungen vor dein Quirinal._ JVIarohho. Unruhen und Gefechte. Pari?, 13. März, lieber die Unruhen in Marrakesch wird gemeldet: Am 9. März, einem marokkanischen Festtage, wur- den mehrere Franzosen, die in einem Wagen außerhalb der Stadt eine Spazierfahrt unternommen und dabei die Volksmenge behin- dert hatten, von Eingeborenen beworfen. Soldaten brachten die Franzosen in Sicherheit. In der Stadt kam es zu neuen Kra- wallen, wobei der deutsche Ingenieur Bertram und ein Schweizer Kaufmann Kunz durch Stein- würfe verletzt wurden. Die Truppen schritten ein und feuerten auf die Menge. Es heißt, daß mehrere Ma- rokkaner getötet worden seien. Gegenwärtig herrscht wieder Ruhe.(?) Tanger, 13. März. Nach Casablanca gelangten in den letzten Tagen Privatnachrichtcn aus Mazagan, denen zufolge der deutsche Ingenieur Bertram und ein Schweizer namens Kuntz bei einer Ruhestörung in Marrakesch verwundet sein sollen. Die hiesige deutsche Gesandtschaft ersuchte den Vertreter deS SulDns, die nötigen Schritte zu tun. Gleichzeitig wurde der hiesige französische Gesandte benachrichtigt. Casablanca, 12. März. Die Kolonne Brulard wurde am 9. d. M. 20 Kilometer südlich von Manziz von aufrührerischen Zemmurs angegriffen, die den Marsch der Kolonne von 10 Uhr morgens bis nachmittags um 5 Uhr durch verschiedene An. griffe aufzuhalten versuchten. Ter Feind wandte sich schließlich mit erheblichen Verlusten zur Flucht. Auf französischer Seile wur. den zwei. Mann getötet und 19 verwundet, unter ihnen drei Offiziere.— General Bailloud hat sich heute morgen ausgeschifst, nachdem er 24 Stunden wegen Sturme? an Bord seines Schiffes auf Reede hatte bleiben müssen. Casablanca, 13. März. Nachrichten aus der Gegend, welche von der Kolonne Brulard durchzogen wurde, bestätigen, daß die aufrührerischen Beni Hakcm ins Gebirge geflohen sind und nicht ge» neigt zu sein scheinen, um Verzeihung zu bitten. Sie sind mit dem Stamm der Zaian in Verbindung getreten und bitten ihn um Unterstützung, damit sie die französischen Truppen zurücktreiben könnten. Sie erklären, der Zugang zu dieser Gegend sei den Fran- zosen unmöglich. Je nach dem Gang der Ereignisse wird Brulard sich nach Tizza im Osten oder nach Tcddcrs im Westen begeben. Afrika. Tie panislamitischc Bewegung in Tunis� Tunis, 13. März. Tie eingeborene Bevölkerung boykottiert seit einem Monat die Straßenbahnen, um gegen die Vergünstigungen zu protestieren, die dem italienischen Personal gewährt werden. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden. Das panislamitische Komitee leitet die Bewegung, um die Glaubensgenossen durch Einschüchterungen zu verhindern, ihre nor- malen LcbenSgcwohnheiten wieder aufzunehmen. 6 Hauptmitglieder des Komitees sind heute früh verhaftet worden, vier sind auSge- wiesen, die beiden anderen werden im Süden der Regentschast ein- gesperrt werden. , Durch solche Gewaltmaßnahmen wird die stanzöfische Regierung die Erregung unter den Eingeborenen nur noch mehr schüren- £ctxtc Nachrichten. Keine Äaffcnausfuhr nach Mexiko. Washington, 14. März.(W. T. B.) Das Repräsentan- t« n h a u S hat den von dem Scnatsausschuß für die Auswärtigen Angelegenheiten entworfenen Antrag angenommen, der den Präsidenten ermächtigt, die Ausfuhr von Waffen nach Mexiko zu verbieten._ Ende des Bürgerkrieges in Paraguay? Buenos Aires. 14. März. Nach Blättermeldungen aus Asuncion haben die Revolutionäre ein Abkommen unterzeichnet, das dem Bürgerkrieg ein Ende macht. Unerhörte Bluttaten im Gerichtssaal. Köln. 14. März. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus New Jork: Das Grafschaftsgericht von Hillsville in Virginia war heute der Schauplatz einer einzigartigen Gesetzlosigkeit. Ter Richter Massie verurteilte einen gewissen Floydallen zu einem Jnhre Ge- fängnis. worauf dessen Bruder und Freunde aus ihren Revolvern einen wahren Kugelregen eröffneten. Der Richter, ein Staats- anwalt, ein Geschworener und der Scherif wurden von mehreren Kugeln getroffen und getötet, andere Geschworen« wurden ver- letzt. Die Täter entkamen. PauISingerLCo.,BerlinL>V. Hierzu 4 Beilagen u. Unterlfältüngsbl. »"■ 1. Üfilflif bts Jotlüärls" Sttlintt f olllüllldlt. tm-n-mm Der Kampf der Reichstag 26. Sitzung. Donnerstag, den 14. März, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratSliiche: Delbrück. Sydow. Velsen. Präsident Kaempf gibt der Genugtuung darüber Ausdruck, daß die auf den König und die Königin von Italien abgegebenen der- brecherischen Schüsse ihr Ziel verfehlt haben, und teilt mit, daß er in einem Telegramm dem Präsidenten der italienischen Deputiertenkammer die Gefühle des Reichstages über- Mitteln wird. sLebhaster Beifall.— Das Haus hat sich von den Plätzen erhoben.) Ein schleuniger Antrag der Sozialdemokraten auf Ein- stellung eines gegen den Abg. Wendel(Soz.) schwebenden Straf- Verfahrens während der Dauer der Session wird debattelos an- genommen. Der Bergarbctterftreih. Die Interpellation des Zentrums lautet: »Ist der Herr Rei�»kanzler bereit, über den Stand des Streiks im rhernisch-westfälischen Kohlen» r e v i e r Auskunst zu geben? Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um unter Berücksichtigung der berechtigten Wünsche der Bergarbeiter ein rasches Ende des die deutsche Volkswirtschaft schwer schädigenden Ausstandes herbeizuführen?" Abg. Schiffer-Borken(Z.) begründet die Interpellation. Es steht außer allem Zweifel, daß die Bergarbeiter berechtigte Wünsche auch hinsichtlich ihrer Löhne haben. Die Löhne haben den Stand von 1967 noch nicht wieder erreicht. Ferner ist zwelfellos, daß die Rentabilität der Zechen eine gute, teilweise sogar eine glänzendeist. Im Vergleich dazu muß die Lage der Arbeiter eine durchaus ungünstige genannt werden. Auch der christliche Bergarbeiterverband, der sich an dem jetzligen Lohnkampf nicht beteiligt, hat seit Jahren mit Entschieden- heil eine Lohnerhöhu» g verlangt und wir verwahren uns dagegen, zu den sogenannten gelben Verbänden gerechnet zu werden. lLachen bei den Sozialdemokraten.) Im Namen aller christlich-nationalen Arbeiter des Ruhrreviers lehnen wir jede Verbindung mit den Gelben ab. sBravo I im Zentrum.) Die gelben Organisationen, dieses aus Frankreich herübergekommene Gewächs, sind wahrlich keine Z i e r d e für die deutsche Industrie und noch weniger für die deutsche Arbeiterschaft. lZustimmung.) Die gelben Gewerkschaften erziehen ihre Mitglieder zur Unselbständigkeit, zum Scharfmachertum und. drastisch ausgedrückt, zur Speichelleckerei.(Lebhafte Zu- stimmung.) Unsere ausstrebende deutsche Industrie braucht tüchtige charaktervolle Männer, braucht pflichttreue und ihrer Pflichten sich bewußte Arbeiter.(Bravo! im Zentrum.) Auch die staatlichen Organe sollten von diesen gelben Gewerkschaften möglich st weit abrücken, denn die Gelben schädigen und vergiften die deutsche Arbeiterbewegung.(Lebhafte Zustimmung.) Im nationalen Interesse liegen diese Organisationen gleichfalls nicht. Im Ernstsall braucht das Vaterland opferfreudige Helden. Dasselbe Vaterland kann im Wirtschaftsleben keine Feiglinge gebrauchen. Wir Chrsttlichen sind gegen den Streik aus rein sachlichen Gründen. Unsere gewerkschaftliche Methode ist eben vielfalb eine andere, als die der Sozialdemo- kralen. Wir sehen darauf, daß der Streik auch aussichtsvoll ist und daß erst alle stiedlichen Mittel erschöpft sein müssen.(Sehr richtig I im Zentrum.) Wir nehmen auch Rücksicht auf die deutsche Industrie. Die Zechenbesitzer hatten eine Lohnerhöhung zugesagt. Da hätte man doch erst einmal abwarten sollen.(Zuruf bei den Sozial» demokraten: Bis zum St. Nimmerleinstag!> 1965 beim letzten Streik hat England unS mit seiner Kohle wichtige Gebiete abge- nommen. Jetzt war Gelegenheit geboten, diese Gebiete wieder zu gewinnen.(Sehr richtig! im Zentrum.) Ehe durch einen Bergarbeiterausstand das deutsche Wirtschaftsleben«richüttert, ja stillegelegt wird, müssen alle, aber auch alle Mittel erschöpft sein. Wir waren aber auch aus taktischen Rücksichten gegen den Streik. Die Bergarbeiter sind bei ihren Kämpfen weit mehr auf die Gunst der öffentlichen Meinung«»gewiesen als andere Arbeitergruppen. Und was soll die öffentliche Meinung sagen, wenn die Bergarbeiter fast blindlings den radikalen Schreiern nachlaufen. wenn sie ohne Rücksicht auf da« gesamte Erwerbsleben einen solchen Kamps heraufbeschwören und wenn eS sich bei diesem Kampf in der Hauptsache um einen Sympathiestreik im Interesse der Engländer handelt. (Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Zweifellos ist, daß den englischen Grubenbesitzern diefer Streik sehr angenehm ist. sie brauchen nicht zu befürchten, ihre Absatzmärkte zu verlieren. Die sozialdemokratische.Bergarbeiterzeitung" schrieb in Nr. 6 vom w. Februar:.Die Nachricht, daß der alte Bergarbeiterverband seine Mitglieder auffordert, Ueberstunden und Ueberschichien zu meiden und den englischen Kameraden den Kampf nicht zu erschweren, hat allgemein Genugtuung hervorgerufen. Wir hoffen, daß die deutschen Bergarbeiter die i n t e r- national« Solidarität durch die Tat beweisen werden." Auch folgendes spricht dafür. daß es sich mehr oder weniger um einen Sympathiestreik handelt. Am 2.'Februar kündigte der Zechenverband eine Lohnerhöhung an. Am S. Februar fand eine gemeinsame Konferenz der Vertreter der vier Bergarbeiter- verbände.— Der christliche Gelverlverein war hier noch dabei statt. Am folgenden Tage reichten die drei übrigen Verbände eine recht maßvoll gehaltene Eingabe den Zechenverband ein. die nur Lohnforderungen enthielt. Wenige Tage später. ich glaube am 11. v. Mls. lief beieils die Antwort der Zechenherren ein. Wieder eine Woche später, vom 19. bis 22. Februar tagte in London eine inter- nationale Konferenz der Bergarbeitersührer, an der auch Herr Sachse und zwei weitere Führer seines Verbandes reilnahinen. Am Schluß dieser Konferenz lies beim Zccheiioerband eine neue, aber erheblich weiter gehende zehn Forderungen enthaltende Eingabe der drei zusammengehende» Verbände ein. Sie war aller- dings vom 19. datiert, lief aber erst am 22. Februar ein. Es ist doch recht auffallend, daß gerade in der Zeit, wo der maßgebende Führer sich in London aushielt, ein so radikaler Umschwung in der Taktik der drei Verbände eingetreten ist.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Unsinn I> Ich würde es mir al» Führer sehr ver- bitten, wenn ein so wichtiger Umschwung in meiner Abwesenheit er« folgen würde.(Zurus bei den Sozialdemokraten: S a ch i e hat die Eingabe ja ueranloßt. bvvor er abreiste I) Dann wundere ich mich nur. daß die vom 19. datierte Eingabe nicht gleich abgeschickt wurde, sondern liegen blieb, bis vielleicht von London telegraphische Anweisung kam Also der Eindruck besteht in weiten Kreisen der Oeffentlichkeit, daß eS sich um einen Sympathie st reik für die englischen Bergarbeiter handelt.(Sehr richtig I im Zentrum und rechts.) Weiter kommt in Betracht, daß seit Jahr und Tag systematisch von den Führern deS alten Verbandes auf den Otreik hingedrängt wurde, sowohl in der Preffe, wie besonders im Bergarbeiter vor< stillen unter der Grubenbelegschaft. Auch auS diesem Grunde konnte der christliche Verband schließlich nicht mehr mit den anderen Verbänden zusammengehen, denn es war eben zu klar, daß die ganze Tätigkeit des alten Verbandes zum Kampf drängte. Gewiß scheuen auch die christlichen Gewerkschaften den Kampf nicht, das haben sie oft genug bewiesen. Für den alten Verband scheint auch der Umstand maßgebend gewesen zu sein, daß die Gelegenheit günstig schien, die christlichen Gewerkschaften empfind- lich zu schädigen, wie daS noch immer die Absicht aller dieser Be- wegungen war. Ich erinnere an daS Wort vom schmerzstillende» Halsband, daS man 1905 dem christlichen Gewerkverein hätte umlegen sollen. Damals wurde der BerschmelzungSrummel propagiert, man Meinte wozu die Zersplitterung, man sollte einen Verband gründen I(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Nein, die prinzipiellen Gegensätze zwischen Ihnen und uns wollen wir nicht verwischen lassen durch eine recht dunkle Taktik.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Dieser Verschmelzungsrummel ist nicht gelungen und jetzt scheint das Halsbandrezept ivieder versucht zu werden. Aber auch das wird nicht zum Ziel führen. Wir Christlichen haben einen großen Weitblick bewiesen, als wir erkannten, daß die Sozialdemokraten den Kampf nur des Kampfes wegen wollten.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir wissen die Bedeutung einer g u t prosperierenden Industrie zu schätzen, und die Grubenbesitzer sollten sich daher auf Verhandlungen mit den nationalen Arbeitern einlaffen und ihnen Zugeständniffe machen. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Da können Sie lange warten. Die weiteste Oeffentlichkeit hat das Recht zu einem Appell an die Grubenherren, sie mögen mit den A r b e itera u s sch ü s se n auch in der Lohn- frage verhandeln.(Beifall im Zentrum.) Aber das muß schnell geschehen, sonst werden auch die nationalen Arbeiter fchwankend. (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge, in bezug aus die s o z i a l e und g e i st i g e Hebung der Arbeiter im Ruhrrevier ist seitens der Zechen- Herren bisher nur wenig, teilweise fast gar nichts geschehen. (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie sehen, wir beschönigen die Mißstände absolut nicht. Aber wir be- trachten die Medaille von beiden Seiten. Trotz aller gegenteiligen Behauptungen kann ich mitteilen, daß bisher kein einziges Mitglied des christlichen Gewerk- verein? sick freiwillig am Streik beteiligt.(Leb- hafteS Hört! hört! im Zentrum und rechts. Stürmisches Gelächter links.) Vielleicht legen Sie uns einige dieser Exemplare aus den Tisch nieder. Einige Mitglieder des christlichen Gewerk- Vereins streiken allerdings, eben nur infolge des schlimm st en Terrorismus der Sozialdemokraten. (Hört! hört! rechtS.) Der Weg zur Arbeitsstätte wurde ihnen ver- sperrt, sie wurden verhöhnt, verspottet, beschimpft, ja tätlich an- gegriffen.(Erneutes Hört! hört!'rechts und im Zentrum.) Infolge deS mangelhaften Schutzes hat der Terrorismus im Ruhrrevier in den letzten Tagen geradezu Triumphe gefeiert.(Stürmisches Hört I hört! rechts und im Zentrum, lebhaste Unterbrechung links.) Es ist mir berichtet worden..,(Lebhafte Zurufe bei den Sozial- demokraten.) ich selbstwarja garnicht da... aber von zuverlässigen Leuten ist mir berichtet worden, daß dort, wo die Sozialdemokraten die Mehrheit haben, der Mob die Straße beherrscht hat.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Zuerst streikte nur der d r i t t e T e i l der Belegschaften, jetzt infolge des mangelhasten Schutzes und des erhöhten TerroriSmns dle Hälfte. Viele Sozialdemokraten arbeiten weiter, allerdings da, wo der christliche Gewerkverein im Revier die Majorität hat.(Zuruf bei den Sozialdemo- traten: Märchen l) Ueberhaupt ,st die ansässige Bergarbeiter- schaft gegen den Streik.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Unsinn!) Ich rufe nicht nach Militär, aber ich höre heute mittag, daß Militär ichondort sein soll.(Zuruf rechts: auch not- wendig!) Wir überlassen die Maßnahmen vollkommen der Regierung. Wir verlangen nur, daß die volle Schutzsreiheit auch für den Arbeiter im Ruhrrevier unter allen Umständen gewahrt wird.(Beifall rechts und im Zenttum.) Die A n s a m m- lungen auf den Straßen müssen aufhören. Gegen eine friedliche Einwirkung auf Arbeitswillige durch ruhige Streik- Posten haben wir nichts einzuwenden. Aber wir sind gegen jede gewaltsame Beeinfluflung.(Zunife bei den Sozialdemokraten. Zuruf im Zentrum: Maul halten!) Noch schlimmer als in Moabit(Hu I hu I Rufe bei den Sozialdemokraten.) wurden Frauen und Kinder in die ersten Reihenge st ellt, und halbwüchsige Burschen geben den Ton an. Die Ausschreitungen sind regelrecht organisiert, planmäßig inszeniert und werden von oben herab dirigiert.(Hört! hört I rechts.) Ohne eine regelrechte Organisation wäre dieser umfassende Terrorismus nicht gut möglich. Da war«S 1906 anders, und niemand wurde belästigt. Trotz alledem möchte ich zum Schluß dem Wunsche Ausdruck geben, daß der Kampf für unsere wackeren Bergarbeiter, die zum Segen der Allgemeinheit ihrem gefahrvollen Berufe nachgehen, zu einem guten Ende geführt«erden möchte.(Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum. stürmische Zurufe bei den Sozialdemokraten: I u d a S I Verräter! Wiederholter Beifall rechts, erneute Pfuirufe bei den Sozialdemokraten.) Präsident Kaempf: Pfuirufe widersprechen der Ordnung des Hauses. Staatssekretär Dr. Delbrück:(Ä handelt sich um die Arbeits- einstellung eines Teiles der Bergarbeiter im Ruhrrevier. ES handelt sich also um eine Angelegenheit, die, streng genommen, vor den Preußischen Landtag gehört, insofern die Berggesetz- gebung einschließlich der Regelung der Rechtsverhältnisse der Berg- arbeiter zum Ressort der Einzelnaaten gehört.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Leider I> und guch die Exekutive bei den Einzelstaaten liegt. Damit ist auch für den Reichskanzler und für die Verbündeten Regierungen eine gewisse Schranke für ein unmittelbares Eingreifen in die Entwickelung der Dinge gegeben. Auf der anderen Seite ist ja unbestreitbar, daß die Gesetzgebung des Reiches, insbesondere zahlreiche Bestimmungen der Gewerbeordnung und andere die Rechtsverhältnisse der Arbeiter betreffende gesetzliche Bestiminungen. in die Verhältnisse der Bergarbeiter eingreifen, und�eS kann keinem Zweifel unierliegen, daß eine Arbeiiseinstellunjj im' Ruhrrevier ein Ereignis ist. das in seinen Wirkungen weit hrnausreicht über den Kreis der unmittelbar beteiligten Arbeitgeber und Arbeitnehmer. weit hinausreicht über die Grenzen des Ruhrreviers und des preußischen Staates, eingreift in die Verhältnisse weiter Kreise der Bevölkerung im ganzen deutschen Vaterlande und geeignet ist, die ruhige Entwicklung in unserer Industrie zu bedrohen und uns vor die Gefahr einer ernstlichen Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung zu stellen. Unter diesen Umständen Hai der Reichskanzler wie in ähnlichen Fällen es für seine selbst- verständliche Pflicht erachtet, die an ihn gestellte Anftage zu beant- Worten und mit Ihnen die Lage zu erörtern. Der Reichskanzler würde der Bedeutung der Sache und dem Ernst der Situation ent- sprechend selbst jetzt an dieser Stelle stehen, um die Interpellation lern Reichztage. zu beantworten, wenn er nicht durch eine dringliche Sitzung abgehalten wäre. Er behält sich aber vor, zu einem späteren Zer.« punkt in die Debatte einzugreifen. Wenn Sie fragen, was die Reichsregierung zu tun gedenkt, um den Streik zu einem befriedigenden Ende zu bringen, so bin ich genötigt, zunächst noch einmal kurz dw Frage zu erörtern: Wie ist dieser Streik entstanden und was sind seine Ursachen? Denn ohne Kenntnis der Ursachen wird es schwer sein,-Mittel zu finden und Vorschläge, um ihn zu beseitigen. Sie wissen alle, daß bereits im vorigen Herbst eine Lohnbewegung unter den Berg- arbeitern einsetzte, die zu einem festen Abschluß nicht gelangte. Die Bewegung ist dann im Anfang dieses Jahres wieder lebendiger ge- worden, und am 6. Februar dieses Jahres wandten stch die drei vereinigten Bergarbeiterverbände, der sozialdemokratische, der Hirsch- Dunckersche und der polnische, in einer gemeinsamen Eingabe an den Zechenverband in Essen und den bergbaulichen Verein. In dieser Eingabe wurden 10 Forderungen gestellt. An erster und wichtigster Stelle stand die Forderung nach einer all« gemeinen löprozentigen Lohnerhöhung Z da« neben wurden Wünsche auf Verkürzung der Arbeitszeit, Beseitigung des Zechenarbeitsnachweises und eine Reihe anderer bekannter Forderungen der Bergarbeiter erhoben bezw. wieder laut. Der christliche Gewerkoerein und der evangelische Bergarbeiterverband haben sich diesem Schritt nicht angeschlossen, sondern sind selbständig vorgegangen. Der Zechenverband antwortete alsbald, zugleich namens des bergbaulichen Vereins unter dem 12. Februar, daß die beiden Verbände aus wiederholt dargelegten Gründen in Lohnfragen nicht zuständig seien. Die Antwort fuhr fort: �Wir unterlassen aber nicht, darauf hin« zuweisen, daß, abgesehen von der seit Anfang 1910 bereits ein« getretenen allgemeinen Steigerung und infolge der vom Kohlen« syndikat zum 1. April beschlossenen Preiserhöhung eine Erhöhung der Schichtlöhne im niederrheinisch-westfälischen Bergbau teils erfolgt ist, teils unmittelbar bevorsteht. Eine Erhöhung auch der übrigen Löhne muß angesichts der starken Beschäftigung der Industrie mit Sicherheit erwartet werden, vorausgesetzt, daß daS Wirtschaftsleben von Störungen verschont bleibt." Auf diese in der Form ablehnende, in der Hauptfrage— der Lohnfrage— entgegenkommende Antwort richteten die drei Bergarbeiterverbände dieselbe Eingabe am 20. Februar an die einzelnen Zechenverwaltungen, ich glaube, es sind 165. Am Schluß der Eingabe war der Wunsch ausgesprochen, innerhalb 14 Tagen, also bis zum 5. März, eine Antwort zu erhalten, weil die drei Verbände dann über die weiteren Schritte beraten wollten. Bis zum 6. März sind 80 Antworten von 155 echen eingelaufen. 10 Zechen haben nicht geantwortet. Ein eil der Antworten hatte folgenden Wortlaut:„Wir müssen es ah- lehnen, uns zu den von Ihnen gestellten Forderungen zu äußern, da lediglich die nach gesetzlicher Vorschrift gebildeten Arbeiter« a u S s ch ü s s e berufen sind, Anträge und Wünsche, sowie Be- schwerden der Arbeiter zur Kenntnis der Zechenverwaltungen zu bringen." Die übrigen Antworten lauteten ähnlich, mit dem Aus- druck deS Bedauerns, daß man zu Verhandlungen nicht in der Lage sei und mit dem Hinweis aus die Arbeiterausschüsse als die berufenen Vertreter der Arbeiter. Am 6. März fand eine Vorsteher- konferenz der beteiligten Organisationen statt. Sie verhielt sich im Prinzip ablehnend gegen ein Verhandeln mit den Arbeiter- ausschüsien, mit der Begründung: es stehe schon fest, daß die Arbeiter- ausfchüfse wegen der schlechten Erfahrungen von 1911 sich weigern würden, nochmals über die Lohnftage mit den Zechen- Verwaltungen in Besprechungen einzutreten. Ich entnehme diese Kenntnis aus dem„Vorwärts" vom S. März. Bis zum 6. März war nach meiner Ansicht ein Anlaß zu einer Beunruhigung nicht vorhanden, sofern eS sich tatsächlich nur darum handelte, eine Steige« rung der Löhne in angemessenem� Umfange herbeizuführen. Die Situation war nach meiner Ansicht günstiger als in vielen ähnlich liegenden Fällen. Die Konjunktur stieg, eine Er- höhung der Kohlenpreise war in Aussicht gestellt, d i e Löhne st i e g e n, die Zechenverwaltungen waren bereit, weitere Steigerungen eintreten zu lassen. Sie waren, was früher nicht immer der Fall war, wenigstens in ihrer Mehrzahl auch bereit, mit den Arbeiterausschüssen über die Lage der Löhne und dMn zukünftige Gestaltung zu verhandeln. Inzwischen wurde die Situation etwas unruhiger. In der Presse tauchten Hinweise auf den großen Bergarbeiterausstand in England auf. Gleichzeitig wurde von verschiedenen Rednern verschiedener Parteien dieses hohen Hauses meine Aufmerksamkeit auf die Berg- arbeiterbewegung gelenkt. Ich hielt es nunmehr für angezeigt, mit den betreffenden Abgeordneten aus diesem Hause in Erörte» r u n g e n einzutreten, um aus ihren Aeußerungen ein Urteil darüber zu gewinnen, ob ich meinerseits die Sache richtig oder falsch beurteilt hatte. Auf Grund einer mündlichen Besprechung wurden zu mir folgende Abgeordnete geladen: Behrens, GiesbertS, Sachse, Schmidt und S o s i n S k h. Am anderen Tage erschien auch— ungeladen— der frühere Abgeordnete H u e. (Lebhaftes Hört! hört! rechts und im Zentrum. Zuruf bei den Soz.: Der ist Ihnen wohl besonders unbequem?) In dieser Be- sprechung wurde festgestellt, daß es wesentlich zur Beruhigung bei- tragen würde, wenn dieZechenverwaltungen Auskunft über den derzeitigen Stand der Lohnfrage geben würden. Es ist richtig, daß von feiten der Vertreter deS alten Verbandes betont wurde, daß die Verhandlungen darüber noch im Laufe der vorigen Woche stattfinden müßten, wenn sie Erfolg haben sollten. DaS wichtigste war, daß ich meinerseits die Ueberzeugung gewann, daß mein Urteil insoweit richtig gewesen war, daß, wenn es sich um eine Erhöhung der Löhne handelte, ein Streik nicht gc- boten war. und daß die Möglichkeit gegeben war, zu einem fried- lichrn Ende zu kommen.(Hört! hört!) Ich habe mich zu diesem Zweck an den preußischen Hand elsm in ister gewandt, der mir seine Unterstützung zu- sagte, aber gleichzeltig mitteilte, daß er bereits in demselben Sinne eingewirkt habe und kein Zweifel darüber bestehe, daß man in den Kreisen der Zechenverwaltung bereit sein würde, den von uns vor- geichlagenen Weg zu betreten, eine Auffassung, die auch mir von führenden Leuten aus dem Ruhrrevier bestätigt wurde.'(Hörtl hört! rechts.) Der. V o r w ä r t s" vom 9. März enthielt einen Artikel, aus dem ich den Eindruck gewann, daß es sich doch empfehlen dürste, noch einmal darauf hinzuweisen, wie nötig und nützlich ein ruhiges Abwarten und ein Verhandeln mit den Zechenverbänden sein würde. Das gab Veranlassung zu dem Artikel der»Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", der nochmals den Zechenverwaltungen Verhandlungen ans Herz legte und noch einmal den Arbeitern das Gewissen schärfen sollte für die Verantwortung, die sie übernehmen würden, wenn sie diese Verhandlungen ablehnen sollten untz gerade unter den obwaltenden Verhältnissen unter Kontraklbruch in den Streik eintreten würden. Am 10. März waren die bekannHn Ver- Handlungen, die zum Streik führten. Diese Verhandlungen wurden bekanntgegeben in der Resolution der Herner Revierkonferenz, in der ein einheitliches Vorgehen der Verbände und eine Fortsetzung des Streiks, bis die Revierkonferenz darüber entschieden habe, empfohlen wurde. Um ganz gewissenhaft zu sein, mutz ich feststellen, daß in den vorangegangenen Tagen ein Teil der Zechen und(zwar ein ganz kleiner Teil allerdings Brrhandlunge» ' mit ihre» ArbeiterauSschüssk» abgelehnt hatte».(Hört l hört l bei den Sozialdemokraten.) Nun begann am 11. März der Streik. Wie sich die christlichen Gewerkschaften dazu gestellt haben, hat Herr Schiffer eingehend dargelegt; ich habe seinen Ausführungen nichts hinzu« gu fügen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Sie bestätigen rn dem für mich im Augenblick allein wichtigen Punkte die Richtigkeit der Anschauung, daß der Zeitpunkt für einen Streik noch nicht ge« kommen war, auch wenn man auf dem Standpunkt der christ« lichen Bergarbeiter stand, die eine Reihe erheblicher For« derungen an die Zechenverwaltungen stellen zu müssen glaubten. Eine ähnliche Stellung haben die evangelischen Berg» a r b e i t e r eingenommen. Ich bin auch heute noch der Meinung, dag, wenn eS sich nur darum handelte, eine angemessene Erhöhung der Löhne herbeizuführen, der Streik nichr notwendig war, und daß er jedenfalls begann, ehe alle friedlichen Mittel erschöpft waren.(Sehr richtig I im Zentrum und rechts.) Ich will hier in keine Untersuchung eintreten, was zuletzt die Ursache dieses Streiks gewesen ist, welche Erwägungen der Führer den Streik schließlich ausgelöst haben. Es ist richtig, daß die sozial« demokratische Presse auf England hingewiesen hat, obwohl sie ausdrücklich verneint hat, daß ein Sympathiestreik be absichtigt wäre, andererseits hat diese Presse darauf hin gewiesen, daß am 11. März— das war der Tag, an dem in einer Reihe anderer Länder Sympathiedemonstrationen für die englu scheu Bergarbeiter beabsichtigt waren, alle diese Länder ihre Augen auf das Verhalten der deutschen Bergleute richten würden.(Hört I hört! rechts.) Ich möchte feststellen, daß mir eine ganze Reihe von Protokollen über Ausschußverhandlungen vorliegen, in denen die Ausschußmitglieder des alten Verbandes erklären, die Lohnverhältnisse ihrer Zechen seien so, daß man zweifeln könne, ob ein Streik notwendig ist(Hört I hört I); es handelt sich aber nicht um die Löhne, sondern um einen von der Organisation befohlenen Streik.(Hört I hört! rechts. Abg. Ledebour: Das stand in den Protokollen?)— Ja, das steht in den Protokollen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Run, ich erkläre hiermit ausdrücklich: die Frage, was den Streit veranlaßt hat, will ich heute und hier nicht entscheiden, es hat nämlich auch kein Interesse. WaS ich nun noch weiter darzulegen habe, ist die zweifellose Richtigkeit der Auffassung, daß der Streik, wenn er eine Lohnver- besser» ng erstrebt, in diesem Augenblick nicht notwendig ist.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: DaS ist Ihre Auffassung!) Gewiß, ich werde sie gleich des Näheren darlegen. Der SlaatSsckretär gibt nunmehr Zahlentabellen für die Bewegung der Kohlenpreise auf der einen und der Bergarbeiterlöhne auf der anderen Seile für die Jahre ISOb— 1911 bezw. 1912. Die Preise seien bei der F e t t k o h l e im Jahre 1911 gegen das Jahr 1907 um 6,6 Proz., bei dem Hochofenkoks um 19 Proz. zurückgegangen; dagegen seien die Löhne— wenn man die Ber- Minderung der Zahl der Schichten mit in Rechnung stellt— im Jahre 1911 gegen die des Jahres 1907 nur um 4 Prozent zurückgegangen, für alle Bergarbeiter berechnet, bei deir Häuern um 7 Prozent. Um diese Zahlen richtig zu würdigen, muß man sich auch vor Augen halten, wie die Berhälwiffe sich voraussichtlich 1913 gestalten werden. Hierfür habe ich vor mir eine Reihe von Zahlen der fiskalischen Zeche. Aus diesen Zahlen ergibt sich, daß die Löhne in diesen Werken jetzt schon den Höchststand des Jahres 1S08 überschritten haben.(Hört! hört» Nun wird man mir vielleicht sagen, daß das fiskalische Zechen seien, und daß die fiskalischen Zechen in den Löhnen immer etwas voranzugehen pflegen. DaS ist an sich richtig, ändert aber nicht das Geringste daran, daß die hohen Löhne in den fiskalischen Zechen des RuhrrevierS zu einem Teil zurückzuführen find auf die Lage in anderen Revieren. Ich habe hier auch eine Anzahl Lohnangaben von Privat- zechen, die eine ganz ähnliche Entwickelung zeigen. Auch sie er« geben durchweg seit 1911 bis in das Jahr 1912 hinein eine zum Teil erhebliche Steigerung der Löhne über das Musterjahr IVOS hinaus. Nun wird man einwenden, daß, selbst wenn der FiskuS und eine Reihe von Privatzecheu dieses günstige Bild zeigen!, daS kein Beweis dafür sei, daß nun die anderen Zechen daS auch machen werden. Jeder, der die Verhältnisse kennt, weiß, daß das aus« geschlossen ist, daß die Löhne auf den einzelnen Zechen zwar aus verschiedenen Gründen schwanken, daß aber, wenn der FiSkuS und große Zechen eme Lohnsteigerung vornehmen, die anderen Zechen unter allen Umständen folgen müssen.(Lebhafte Zustimmung iin Zentrum.) Die EntWickelung der Dinge ist also nicht so gewesen, daß ein Streik notwendig gewesen wäre.(Hört I hört I rechts und im Zentrum.) Run kommt noch hinzu, daß auf die Anregung der Zechenverwaltungen hin fast ausnahmslos noch im Laufe dieser Woche mit den Arbeiter« ausschüssen verhandelt worden ist und zwar auch auf den Zechen, die grundsätzlich die ArbeiterauSschüsse für die Lohnfrage nicht als zu- ständig betrachten. Allerdings ist, daS will ich ausdrücklich feststellen, eine 16 prozentigc Lohnerhöhung als nicht durchführbar bezeichnet worden, und zwar schon anS technischen Gründm, die jeder mit den Ber- Hältnissen Vertraute kennt. Den ArbeiterauSschüsse» find die Ber« Hältnisse in den einzelnen Fällen eingehend dargelegt worden. Die Zechen haben die tatsächliche Lage den Ausschußmitgliedern ge- schildert, wonach schon jetzt die Löhne seit Monaten im Aufsteigen begriffen find, und sie haben ihnen zugesichert, daß bei an- ein weiteres Ansteigen eintreten die Zechen ein weites Ent« Aber die Zechen find noch weiter Lage geweien, sämtliche Arbeiter, die Arbeit nieder- entlassen an zu« haltender Konjunktur wird. DaS alles beweist, daß gegenkommen geübt haben. gegangen. Sie wären in der die am Montag unter Konträktbruch gelegt haben, nach dreitägigem Fehlen a l S sehen und sie mit einem sechstägigen Schichtlohn zu bestrafen. Die Zechen haben daS nicht getan, sondern sie haben den Termin aus den nächsten Sonnabend verschoben. Sie wollen damit den Belegschaften die Möglichkeit geben, noch einmal die Verhältnisse zu prüfen, und sie wollen denjenigen Arbeitswilligen, die in der Unruhe der ersten Tage infolge mangelhaften Schutzes auf dem Wege zur Arbeit zurückgehalten wurden(Hört I hört! recht«), ermöglichen, ohne Verluste zu erleiden, unter stärkerem Schutze wieder zur Arbeit zu gehen.(Beifall recht» und im Zentrum, Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Ich schließe diesen Teil meiner Ausführungen mit der noch« maligen Betonung, daß angesichts de» Verhaltens der Zechen- Verwaltungen, des Standes der Löhne, kein hinreichender Anlaß zu einem Streik vorlag.(Sehr richtig I rechts.— Zuruf bei den Sozialdemokraten:.Anwalt des ZechcnverbandeS!') Hier wird mir vorgeworfen, ich sei ein Anwalt der Zeche«. (Lachen im Zentrum.) So lange ich ein öffentliches Amt bekleide, bin ich bemüht gewesen, die Ding« objektiv und ruhig darzulegen. Was ich hier gesagt habe, sind kerne Meinungen, sondern feststehende Zahlen, und ich halte mich für verpflichlet, dieses Material vor dem Lande bekanntzugeben, damit man draußen in der Lage ist, sich über die Notwendigkeit der jetzigen Lohnbewegungen ein unbefangenes Urteil zu bilden.(Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum. Zu- rufe bei den Sozialdemokraten: Lebensmittelpreise» Man hat mich nun gefragt, was ich unter den obwaltenden Umständen zur Beilegung oeS Streikes tun könne. Selbst wenn ich geneigt wäre, jetzt einzugreifen, würden dazu die eigentlichen Voraussetzungen fehlen.(Sehr richtig!) Sie(zu den Sozialdemokraten) sind in den Streik getreten. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wir?) Ich meine natürlich Ihre Leute.(Heilerkeit.) Also trotz der Bereitwilligkeit der Zechen zu Verhandlungen ist der Streik begonneir wordeu. Wir werden zu- nächst einmal abwarten müssen, zu welchem Ergebnis das Verhalten der Zechenverwaltungen in dieser Woche führen wird. Geht der Strerk weiter, so können Sie mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß di« Zechenverwaltungen dann zu nicht« mehr bereit sein werden.(Sehr richtig I recht« und im Zentrum. Erneuter Zuruf bei den Sozialdemokraten: Zechenauwalt I) Ich b i n kein Anwalt der Zechen, sondern ich prüfe jetzt die Chancen de« Streiks. Eine Bermittelung smw phrase würde den Streit nicht beendigen, sondern nur verlängern. Eine Bermittelung kann nur dann mit Erfolg aufgenommen werden, wenn die Zeit dafür reis ist, und wenn beide Teile für die Bermittelung bereit find. Ein vorzeitiges Eingreifen in eine derartige Bewegung würde ein direkter Fehler sein und würde das Ende nur hinaus schieben.(Sehr richtig! rechts.) Wenn in dieser ganzen Entwickelung der Streik des Jahres 1912«in ganz anderes Bild bietet, wie der Streik von 1906, so hat er auch auf der anderen Seite ein neues Bild gezeigt, das auch für die Behörden, in erster Linie allerdings für die Landes behörden, eine Reihe neuer schwieriger Aufgaben gebracht hat. Die Arbeitseinstellung war nur eine teilweise. Nicht nur große Mengen unorganisierter, sondern auch der größte Teil der christlichen Gewerkschaften beteiligt sich aus wohlerwogenen und zu- treffenden Gründen am Streik nicht. Diese große Menge organü sierter Arbeitswilliger stellt selbstverständlich an die Behörden d t e Anforderung eines absoluten und sicheren Schutzes.(Beifall rechts und im Zentrum, Unruhe bei den Sozial demokraten.) Tie Arbeitswilligen können beanspruchen, daß die Wege zu den Zechen frei sind, daß sie ohne Schädigung ihres Körpers und ihrer Ehre den Weg zur Arbeit zurücklegen können. Die Behörde» in Preußen find sich der Bedeutung ihrer Aufgabe keinen Augenblick nicht bewußt gewesen. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das wußten wir I) Der Schutz der Arbeitswilligen ist im weitesten Umfange durchgeführt. ES find «000 Polizeimaunschasten im Ruhrrevier vereinigt worden, und wir haben die Hoffnung, daß eS uns gelingen wird, mit diesem Material den Arbeitswilligen Schutz zu ge- währen.(Beifall rechts und im Zentrum.) Diese Maßnahmen sind notwendig gewesen, auch nach meiner persönlichen Ueberzeugung not- wendig gewesen, weil wir Ihre(zu den Sozialdemraten) Disziplin bisher überschätzt haben.(Sehr richtig I im Zentrum.) Wir bleiben dabei, was der preußische Minister wiederholt erklärt hat: ES ist in Preußen nicht üblich, zur Unterstützung der Polizei Militär heran- zuholen, sofern es nicht absolut notwendig ist. Wenn im Streik- gebiet das Polizeipersonal, nachdem es nun genügend ein- gewöhnt ist, nicht genügt, um die Arbeitswilligen zu schützen, so wird die Regierung nicht zögern, Militär heranzuholen. (Stürmische Unterbrechung bei den Sozialdemokraten: Schießen! Schießen» Wer zuerst geschossen hat, das wird flcb noch heraus- stellen.'(Zurufe bei den Sozialdemokralen: Auf Bater und Mutter schießenl Anhaltende Unruhe.) Auf Vater und Mutier wird nicht geschossen, sondern eS werden die Arbeitswilligen geffbützt gegen Angriffe auf ihre Gesundheit, auf ihre Ehre.(Stürmischer Beifall rechts und im Zentrum.) Die öffentliche Arbeit zu schützen, daS ist die Aufgabe des Staates. (Lebhafter Beifall rechts und im Zenlrum. Stürmische Unter- brechung bei den Sozialdemokralen.) DaS mag Ihnen u n a n- genehm sein, aber daran sind diejenigen schuld...(Der Rachsatz wird vom Lärm verschlungen.) Wir werden unnachsichtlich gegen die einschreiten, die dir Freiheit anderer unwürdig beschränken. (Stürmischer Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Sachse(Soz.): LlS diese Interpellation eingebracht wurde, stand e« im Ruhr- revier ungefähr wie im Jahre 1889. Damal» depeschierte der kommandierende Offizier an seine Behörde, als Militär zugezogen war:»ES ist hier alles ruhig bis auf die Zivil- behördenl"(HörtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) Lehnlich könnte man diesmal sagen: „ES ist hier alles ruhig bis auf daS Zentrum und feine Helfershelfer.� Lebhaste Zusttmmung bei den Sozialdemokraten. Lachen recht» und im Zentrum.) Wenn alles so gegangen wäre, wie die Führer des christlichen GewerkvereinS sich den Plan gedacht haben, wenn in Ihren Reihen die Disziplin so gewesen wäre, wie man ge- glaubt hat. oder wenn eS wahr gewesen wäre, daß wgar Massen von Verbändlern nicht einmal mit dem Streik einverstanden waren, daß sieben Achtel der Un- organisierten nichts vom Streik wissen wollten, bann wäre die Un> ruhe bei den Zentrumsanhängern nicht eingetreten und wahrschein> lieh auch diese Interpellation nicht so fix eingebracht worden. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Jedenfalls ist auffallend, daß am Tage, wo in der.Kölnischen Volkszeitung' zu lesen war, daß die chri st lichen Arbeiter sich dem Streik an- schließen, hier diese Interpellation eingebracht wurde.(Hör: I hört I bei den Sozialdemokraten.) Am Mttwoch schrieb die.Kölnische Volkszeitung' aus Essen: ,AuS einer Reihe von Zechen namentlich im Duisburger Revier, ist ein. wenn auch nicht gerade bedeutender, Prozentsatz christlicher Bergarbeiter, die gestern noch anfuhren, heute der Atbeil ferngeblieben'.(Zuruf rechts: Die werden Sie sckiön behandelt haben!) Daraus komme ick noch, wa» daran wahr ist. Gestern bestätigt die.Kölnische VolkSzta.'. daß auch im Recklinghauser Revier, das Herr Schiffer der- tritt, eine größere Zahl christlicher Arbeiter sich dem Streik an- schließen. Vorgestern war ich in B o ch u m. Dort ist kein Zusammenstoß gewesen, bis heute nicht. Trotzdem haben am Mit! woch nachmittag christlichorganisicrleLeute angefragt, ob sie in demselben Lokal, wo unser Streikbureau ist auch ihr Streikbureau eröffnen können. (HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese christlichen Arbeiter haben eben noch dasselbe kameradschaftlicheGefühlwie 1906. (Sehr gut I b. d. Soz.) 1906 haben sie mit den sozialdemokratischen Berbändlern, wie Sie fie meinetwegen nennen, in demselben Zimmer ihre Streikbureaus errichtet, kameradschaftlich haben fie das getan, und fie wären heute noch bereit dazu, wenn nicht eine Anzahl Leute aus der Müncken-Gladbacher Schule fie vollständig verhetzt und irregeführt Hilten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auf der Zeche Viktoria streikte» schon Mittwoch früh ein paar hundert Ehristliche.(Zuruf im Zentrum. Wenn sie gezwungen worden wären von den Verbändlern, dann hätten fie sich bei dieser verdammten Bande nicht als Mitglieder angemeldet.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Der chr»stliche Bezirksleit er hat sie sofort inständigst geVeten, doch nickt dem Verbände beizutreten, er würde auch rin Streik- burcau für sie errichten.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Eine große Anzahl von ihnen haben sich aber nicht halten lassen vnd sind doch übergetreten. Nun Hai Herr Schiffer heute gegen die Gelben gesprochen. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Er hat den Leuten wirklich ungerecht getan. Das Organ der Gelben von Essen hat, als die Generalversammlung des christlichen GewerkvereinS beschloß, sich nicht an der Lohnbewegung zu beteiligen, und die Gründe dafür angab, geschrieben: Da» find gesunde gelte Ansicht«»! Diese Gründe der Christlicken können wir un» zu eigen machen.(LebbafteS Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Der .Bergknappe' schrieb darauf hin, daß die Gelben auf diese Weise nur den Sozialdemokraten in die Hände arbeiten. Herr Schiffer sagte vorhin weiter, er werde den Eindruck nicht lo». daß e» sich um einen internationalen Sympathiestreik handle. Er meinte, am 2. Februar sei die Lohnbewegung loSgegange». Da war der Herr Staatssekretär ehrlicher. Er hat der Wahrheit die Ehre gegeben und hat anerkannt, daß die Lohnbewegung schon über ein Jahr alt ist. Ich habe schon am 4. März ausgeführt, daß die Lohn- bewegung schon auS dem Spätherbst 19l0 stammt und habe gesagt, und wenn in E n g l a n d gar nichts vor sich gegangen wäre, dann hätten wir in Deuffchland nach der Wahlvewegung die Lohn« bewegung bekommen, weil fie unbedingt notwendig war, da die Berg- Herren nicht nachgeben. Sehnlich wie Herr Schiffer heute, schrieb auch die.Kölnische Bolkszeitung', es scheine, als ob die Um- sornmlierung der Forderungen am 19. internationale Macke|ci. Nein, meine Herren, daS ist vollständig unwahr. Ich will Ihnen, wenn Sie gar so unwissend sind, Herr Schiffer, wie sich solche Sachen abspielen, sagen, wie«S sich ver- halten hat: Am 19. Februar war Sitzung des sogenannten. Dreibundes— auf den Namen sind wir srolz � wo biete spezialifierten Forderungen aufgestellt wurden und natürlich von demselben Tage datiert wurden. Dann wurden zwei Kollegen von jedem Verband beauftragt, die Begründung zu diesen Forde- rungen zu schreiben, die Eingabe dann sofort in Druck zu geben und an die Bergverwallungen abzuschicken. Am 19. abends fuhren wir nach London. Dan» haben die Kameraden die Begründung geschrieben, am 20. in die Druckerei gegeben, am 21. abgeschickt und am 22. ist fie in die Hände der Bergherren gekoimnen. Damit ist die ganze Verdächtigung und die in der.Köln. Ztg.' ausgesprochene Verleumdunng zurück» gewiesen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Herr Schiffer hat es dann so hingestellt, als wären wir Ver» bändler nach dem Streik von 1906 darauf ausgegangen, den christ» lichen Verband daS schmerzstillende HälSbanb umzulegen. Ja, Kollege Schiffer, Sie wissen doch, dach wir mit unserem Genossen H a e n i s ch gerade dieser Sache wegen schwere Auseinandersetzungen gehabt haben, Sie und Herr GieSbertS müssen wissen, daß diese Angelegenheit von unS nicht gutgeheißen worden ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.! Deshalb wundert es mich, wie Sie heute noch den traurigen Mut baden können, mit dieser Behauptung zu kommen. Ich weise eS aus daS entschiedenste zurück, daß man die Aeußerung eines einzelnen heraus- greift und dem ganzen Verband als Absicht unterschiebt.(Bravo! bei den Sozialdemokraren.) Kollege Schiffer hat gefordert und der Staatssekretär hat zugesagt: volle Freiheit den Arbeitern, die arbeilen wollen. Wir fordern auch volle Freiheit für die, die nicht arbeiten»ölen. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Schamlos wäre es von einem Arbeiter, wenn er das Gegenteil verlangen wollte. Der Oberbürgermeister von Essen hat das begriffen, ihm find jedenfalls Vorgänge gemeldet worden, die daraus hindeuteten, daß er auch die Streikenden schützen müsse. Daher hat er bekannt gemacht, daß er der Meinung sei, daß beide Seiten geschützt werden müssen, auch die Streikenden gec.en Ueber- fälle und Unterdrückungsversuche der anderen Seite.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Ich werde Ihnen noch Beispiele dafür anführen, welche Terrorismusversuche, ja Schießversuche im Lager des christlichen Gewerk- Vereins gemacht worden sind.(Hört! hört I bei den Sozial- demokraten. Unruhe im Zentrum.) Am 28. Februar 1910 ist Kollege GieSbertS hier sehr energisch seinem FraklionSgenosien Fleischer entgegengetreten und hat es aufs schärfste verurteilt, baß beim Mansfelder Streik Maschinengewehre und ei» kolossales Auf- gebot von Militär herangeholt wuide. Heute aber ist im christlichen Lager eine vollständige Schwenkung vor sich gegangen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich erwarte von dem Herrn Staatssekretär, daß er. wenn Streikende belästigt werden, dafür eintritt, daß auch ihnen genügender Schutz zuteil wird. Die Christlichen tun jetzt auf einmal so. als ob fie auf ver- sprechungen der Bergherren sehr viel geben. AI« wir aber die Sitzung hatten im Oktober, zu der der Hirsch-Dunckersche Gewerkverein geladen hatte, da war auch Herr I m b u s ch von de» Christlichen anwesend und erklärle damals der Wahrheit gemäß, daß allerdings die Bergherren»och nie freiwillig etwas gegebe» hätte». (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der christliche Gewerk- schaftsführer Effert hat nach dem Streik von 1906 Broschüre herausgegeben.Zur Geschichte der Bergarbeilerbewegustg im Ruhrrevirr'. Da kommt er auch auf die Versprechungen von 1889, wobei u. a. protokollarisch die Vermeidung aller Ueberschichten versprochen wurde und schreibt:.Zeige man in der Gegenwart einmal eine Zechenverwaltung, welche die» ver- sprechen gehalten hat.' IHört l hört! bei den Sozialdemo- ftaten.) In bezug auf die Bemerkungen auf den Lbkehrfchcinen, die dann als UriaSbriefe benutzt werden, worauf ein Ver« sprechen gegeben war, daS abzustellen, schreibt er:.Ist dies Versprechen etwa durch die brutale Sperre gehalteu worden?' (Hört! hört! bei den Soz.) Er schreibt weiter: Wir fragen nochmal: WaS ist von diesen feierlichen Versprechungen gehalten worden? Wären die Herren ihren Versprechungen nachgekommen, so hätten wir 1906 kesnen Streik gehabt'.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten). Wer solche feierlichen Versprechungen nicht hält, begeht ebenso gut Konträktbruch. wie die Arbeiter beim letzten Streik. So hat ohne Widerspruch Herr Effert vor� 7 Jahren geschrieben. Nun behauptet man, von den Engländern könnten uns Absatzgebiete abgenommen werden. Ich halte schon am 4. Januar festgestellt, daß die Einfuhr englischer Kohle von 1907 bis 1910 um 2'/« MillionenTonnen abgenommen hat, während die deutsche KohlenauSfuhr um 4>/, Millionen g e- stiegen ist. Also mit dieser Susrede ist e« auch nicht». Ich habe gestern ein Flugblatt der Christlichen zugeschickt bekommen. Darin heißt eS:.Dl« Zechenverwaltungen müssen die berechtigten Forderungen der Arbeiter erfüllen.' Nun, auf Ihre (zum Zentrum) Bettelbriefe hin tun fie das nicht. Ehe unsere hartgesottenen Bergherren nach« geben, da muß mit ihnen A r a l t u r geredel werden, da muh ihnen etwa» abgetrotzt werden, da müssen ihnen die Zähne gezeigt werden. da heißt es talsächlich: Nur dem Mutigen gehört die Zu- kunft.«Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdcmokraien.) Bei den Christlichen find eS jetzt fast nur die Führer, die den Streik nicht wollen. Geben Sie den christlichen Arbeitern Unterstützung, dann treten fie mit Mann und Maus in den Streik. Den Versprechungen der Unternehm« gegenüber hat der.Bergknappe', das Organ der Christlichen, früh« ein» ganz andere Hallung eingenommen und auch Herr G i e« b« r t» hat in der Konferenz beim Staatssekretär Delbrück ausdrücklich erklärt. daß er unsere Forderungen sämtlich guiheißt. (Lebhaftes Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten. Widerspruch im Zentrum.) Das kann nicht abgeleugnet werden, dafür ist der Staatssekretär f e l b st Zeuge. Aber die Zeit soll für den Streik nicht geeignet sein. Nun, wenn diy jetzige Zeit nicht ge- eignet ist. für den Bergmann etwas durchzusetzen, dann gibt«S überhaupt keine Zeit dafür.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traten.) Sogar bürgerliche Blätter haben da» gesagt.(Abg. Graf Westarp: Wohl das.Berliner Tageblatt'?) Wenn da».Berliner Tageblatt' da» auch geschrieben hat. dann ist das nur-in Beweis dafür, daß es vernünftiger ist. als Sie Herr Graf. (Sehr richtig I link».) Um uns inS Bockshorn zu jage«, habe« die christlichen Führer erklärt, daß fie diesmal nicht mitmachte» und wenn e« uni Kopf und Kragen ginge. Aber Ihre Mitglieder teile« diese Anficht nicht. ES liegt hier eine von langer Ha»d v»r« bereitete Schwenkung i« christliche» Gcwerkvrrei» vor. Man wirft un, politische Motive vor. Ich erkläre mtt aller Bestimmtheit, daß eine freche Unwahrheit ausgesprochen wird. wenn man behauptet, dieser Lohnbewegung lägen irgendwelche poli- tische Motive zugrunde.(Sehr richtig! be, den Sozialdemokraten.) Früher lagen sich die Herren I m b u s ch und Brust in den Haaren. jetzt aber gehen sie Arm in Arm und haben sich in emcr Bersanim- lung so weit verstiegen, die christlichen Arbeiter aufzufordern, sie mögen bewaffnet zur Arbeit gehen.(Hört! hört! bei den Sozialdeinotraten. Zuruf im Zentrum: Rotwehr!— Lachen bei den Sozialdemokraten.) Herr Brust bat seineu Anhängern auch gesagt, wa» st« mitnehmen möchte», nämlich«iglichß feffc(Rfes- stZSe mit eiserneu Ringen.(Sehr gut! im Zentrum.) Und schließ- lich haben diese christlichen Führer von Anfang an nach der Polizei, nach dem Militär und nach Maschinen- gewehren gerufen. Ter Ratschlag der Herren Brust und Jmbusch ist von den christlichen Mitgliedern ausgeführt worden. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) So hat man in Herne einem christlichen Vertrauensmann den Revolver abnehmen müssen, weil er Streikende damit bedrohte. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In Hamm hat ein christlicher Vertrauensmann mit dem Revolver in der Hand auf der Straße herumgefuchtelt, und in Essen hat ein christliches Mit- glied sogar die Frauen der Streikende» mit dem Revolver bedroht. (Lebhaftes Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) In H e r n e ist ja ein Christ auch schon verhaftet worden! Unter dem Schutz der Polizei haben sich christliche Bergarbeiter die schwersten Bedrohungen Streikenden gegenüber erlauben können. Aber da hat man nichts davon gehört, daß die Streik- brecher arretiert worden sind. Meine Herren von der Regierung und der Polizei, fahren Sie nur fort, in dieser echt parteiischen Weise zu handeln. Das letzte Vertrauen im Volke wird verschwinden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Verantwortung dafür, daß jedes Vertrauen des Volkes zu einer unparteiischen Regierung, Rechtsprechung und Polizei vollends zum Teufel geht, tragen dann wahrlich nicht wir. Richt nur die drei Verbände sehen in den Streikbrechern ein Uebel, sondern auch die Zentrumsblätter haben das bis in die neueste Zeit hinein.ausgesprochen. Natürlich handelte es sich dann um Streiks, an denen die christlichen Arbeiter beteiligt waren. In Saarbrücken ist es vor vier Jahren gelegentlich eines Streiks christlicher Arbeiter zu großen Ruhestörungen gekommen, das Militär wurde requiriert und es kam zu Schießereien, Tumulten, Exzessen und Zusammenstößen. Also solche Zusammenstöße, die wir an sich sehr bedauern, kommen zu unserem Tröste auch anderswo vor. Beim Streik im Siegerland, wo eS gar keine Sozialdemokraten gab, kanr eS auch zu K r a w a l l e n und damals schrieb die»Köln. VolkSztg.'':.Die Erfahrungen haben gezeigt, daß sich die Arbeitswilligen in der Regel aus den zweifelhaftesten Elc menten zusammenscticn. Anständige und geschulte Arbeiter werden sich niemals zur Verrichtung von Ttrcikarbeit herdcUassen."(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Unser Kollege Dr. Hitze war schon 1888 so verseucht.wie wir Roten und hat in seinem Buche.Kapital und Arbeit' gesagt: .ES ist eine Schande, wenn ein Arbeiter die Gelegenheit, daß in einem Streik vakante Stellen vorhanden sind, benutzt, um sich da hineinzudrängen. Das ist ein Verrat der Standesehre.'(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo� kraten.) Erfreulicherweise gibt es auch heute noch christliche Gewerb schaftler, die mit uns den vernünftigen Standpunkt einnehmen, daß die Arbeitswilligen ebenso behandelt werden wüffen, wie Landes Verräter.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokralen.) Noch in diesem Jahre hat das Organ der christlichen Bauarbeiter geschrieben:.Bei der Arbeiterbewegung handelt eS sich um eine Standes- b e w e h u n g. Die Erfolge des Kampfes kommen allen Arbeitern zugute."(Sehr richtig! im Zentrum.) Nun, dann machen Sie doch jetzt auch mit!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Da« christliche Bauarbeiterblatt fährt fort:.So wenig den Vaterlandsverrätern Lorbeerkränze gewunden werden» so wenig darf der Streikbrecher gelobt werden, denn ein Unterschied zwischen Streikbrecher rtzld Landesverräter besteht nicht! Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Allerdings muß man zugeben, daß unter den Arbeitswilligen sich auch Leute befinden, die zu einfältig sind, um einzusehen, zu welchen Zwecken sie voiV'den Unternehmern gebraucht werden. Diese verdienen unser Mitleid, denn.gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens". (Heiterkeit und Beifall bei den Sozialdemokraten.) Leider ist die Leitung des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter jetzt so tief gesunken, daß sie diese Grundsätze preisgegeben hat. Es sitzen ja auch schöne Exemplare in dieser Leitung drin. Da ist der Herr H u e S k e S, der frühere A n a r ch o- sozialist, ein Anarchist und Christ!(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Bor Jahren hat er Flugblätter herausgegeben, in denen es hieß, die Bergarbeiter, die vom preußischen Land- tag« etwaS erwarteten, wären unheilbar verrückt. Weiter hat er gepredigt, der Verband müßte drei Mark Beitrag monatlich einziehen, einen Streikfonds von 20 Millionen ansammeln und damit den hartgesottenen Bergherren einen Kampf an- bieten, selbst wenn die deutsche Industrie dabei zugrunde ginge. Jetzt spielt dieser Herr den Sireikbrechergeneral und tele- graphiert an den Sieichskanzler um militärische Hilfe.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist ein wahre? Musterexemplar, offenbar ein Erfolg der so viel gerühmten christsichen Erziehung. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) vorhin wurde der Zwischenruf.Effert" gemacht. DaS Zentrum bestreitet, daß Herr Effert abgesägt ist. Nun, vielleicht haben die Herren Schiffer und Behrens die Güte, darüber Auskunft zu geben, warum Effert kurz vor dem Streik versetzt worden ist.(Abg. Behrens: Er ist ja gar nicht versetzt!) Na, wo steckt er denn?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Im Oktober 1S11, alt die vier Verbände noch zusammengingen, war Herr Effert dabei und bat gesagt: jetzt machen wir allerdings nicht mit; ober wenn es nach den ReichStagswahlen in England zum Klappen kommen sollte, dann werden auch wir mittun.(Stürmisches Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Da» hat Effert erklärt und deshalb ist er jetzt in den Winkel gestellt worden. Sie seben, baß auch in Ihren Kreisen keine Einigkeit über die Taktik herrscht. Welch eigenartige Ansichten ein christlicher Ar- beitersekretär haben kann, beweist ein Herr Thiel, der am vorigen Sonntag in Borbeck in einer Versammlung öffentlich erklärte: .WaS ist denn dabei, wenn mir Herr StinneS hnndert Talep gibt. Ich würde sie gern nehme», denn ich kann sie gut gebrauchen." Tiefer gehts doch eigentlich nicht.-(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Aufforderungen der christ- lichen Flugblätter und der.Kölnischen VolkSzeiwng" haben ge- Holsen und Militär ist in Dortmund eingerütft. (Stürmisches Hört! hört! bei den Sozialdemokraten. Sehr gut! rechts.) Außerdem sind Polizisten und Gendarmen zu Tausenden zusammengezogen worden.(Zuruf im Zentr.: Sie sind schuld daran.) Nein, Sie mit Ihren Provokationen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die armen Gemeinden, die den Schaden zu tragen haben werden, sollten sich die Unkosten vom christ» lichen Gewertverein bezahlen lassen. Der Kampf gegen die Zechenhe�en wird von einem Dreibund der Bergarbeiter geführt. Die ÄrbMer sind stol, darauf, daß sie diesen Kampi führen dürfen. Ein anderer Dreibund steht uns gegenüber- Polizei. Scharsmacher und der christliche Ge« wer'kverein. Ich überlaste das Uneil der Oeffcntlichkeit. auf welcher Seite das Recht zu suchen ist.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) �....,_ In der bürgerlichen Preste ist behauptet worden, mem Freund Eue wäre uncingeladen zu der �Konferenz bcini Staats, ekretär elbrück erschienen, und eigentlich hatte ihm die Tür gewiesen werden müssen.(Abg. Behren«: Sehr richtig!) Sehr unrichtig! Herr Behrens, bleiben Sie doch bei der Wahrheit.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: DaS kann er ja gar nicht. Heilere Zu- stimmung.) Hue hatte an diesem Tage in Berlin an einer Sitzung teilzunehmen, und al« ich zur Konferenz ging, war Staatssekretär Delbrück noch nicht anwesend, sondern nur Untcrstaatssekretär R i ch t e r und Oberberghauptmann v. B e h l s e n. Ich habe diese Herren gefragt, ob etwas dagegen ein- zuwende« wäre, wenn Kollege Hue der Äonserenz beiwohnt. tlnterstaatssekretär Richter erwiderte:.Aber bitte, er mag nur kommen", und der Oberberghauptmann sagte:.Holen Sie ihn nur gleich, er ist ja mein Landsmann!"(Heiterkeit und Hört! hört I bei den Sozial- dcmolraten.) So steht es in Wahrheit mit diesen Mätzchen. Der Staatssekretär hat gemeint, wegen der Löhne sei der Streik nicht notwendig gewesen. Wenn wirklich die Löhne erhöht werden sollten, warum sind denn dann die fiskalischen Zechen nicht vorangegangen?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Aber die fiskalischen Zechen haben die Arbeitcrausschüste genau so behandelt wie die Privotzechen. Nun zu den Schaiicrnachrichtcn der ZentrumSpresse, des„Berliner Lokal- Anzeigers" und von Wolfis telegraphischem Bureau". Am 12. März, als die Zentrumsinterpellation bereits einge- bracht war, schrieb die.Rheiiiisch-Westfälische Zeitung", daß von kleinen Reibungen abgesehen alles ruhig sei. In der Abendausgabe desselben Tages schreibt das Blatt wiederum, daß es nirgends zu Ausschreitungen von Belang gekommen. Die Arbeitswilligen könnten ruhig und unbelästigt zur Arbeit gehen. Aus Hamborn wird diesem Zechen besitzerorgan gemeldet, daß man die dorsigen Aus schreitungen nur zum klein st en Teil auf das Konto des Streiks setzen dürfe.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Soz Aber die.Essener Volkszeitung" und die.Kölnische BolkSzeitung" meldeten einen Triumph des sozial« demokratischen Terrorismus und ersuchten um militärische Hilfe.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein Schulbeispiel, wie solche Schauernachrichten entstehen. Ein Streikbrecher war anderthalb Stunden zu spät in die Grube gekommen und log der Zechenverwaltung vor, die Streikenden hätten ihn in d i e E m s ch e r geworfen. In Wirklichkeit hat er sich in einer Wirtschast eins angetrunken.(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Nach den aufgebauschten Vorfällen in Hamborn hat sich ein Vertreter der.B. Z. am Mitlag" bei der Hamborner Polizei erkundigt und die Hamborner Polizei selbst hat die Vorfälle als ganz harmlos bezeichnet. Eine Schwindelnachricht ist es auch, daß das evangelische BereinShaus in Bochum zu einem Reservelazarett für verwundete Arbeitswillige umgewandelt worden sei. Nnruhig ist nur die Polizei, die ähnlich wie in Moabit in der brutalsten Weise auch gegen Frauen und Kinder vorgeht. (Lachen rechts.) So wollen Sie eswobl haben?(Zuruf rechts: Jawohl!) Streikende werden bis auf ihre Höfe von den Polizisten verfolgt. Soll ein Blutvergießen vermieden werden, dann ist es höchste Zeit, daß die Polizei zurückgezogen wird. (Sebr wahr I bei den Sozialdemokraten.) In Herne ist gestern ein junger Mann von einem Schutzmann erschossen worden. Er soll vorbestraft sein. Aber am Auflauf hat er sich nicht beteiligt. Er wollte Kohlen aus dem Schuppen holen und wurde dabei niedergeschossen. (Hört I hört I bei den Sozialdem.) Kaum war der Teilausstand auf Zeche K a i s e r st u h l ausgebrochen, da meldete die Zentrums- presse auch schon Revolverschüsse der Streikenden. DiePolizei selb st mußte erklären, daß das nicht wahr sei. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie skandalös die Polizei vorgeht, beweist ein Entschluß der Bergarbeiter in Watten- scheid, ihre Kinder nicht mehr zur Schule z u schicken, weil sie sonst den lebensgefährlichen Polizeiattacken ausgesetzt find. (Hört I hört! bei den Sozialdemokralen.) Einem Berichterstatter der .Kölnischen Zeitung" hat ein höherer Polizeibeamter nach einer Rundfahrt durch das Revier erklärt, es herrsche überall die Ruhe des gewöhnlichen Alltags, und wenn einzelne Bergleute behauptelen, sie fürchten sich vor dem Wege zur Arbeit, so sei daS nur eine Ausrede.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kva�en.) Besonders skandalös ist der gestrige Vorfall in Sodingen, wo die Polizei von hinten auf Bergleute eingeschlagen hat, die wegen des zu engen Eingangs nicht schnell genug in den Per- sammlungsraum gelangen konnten.(Stürmische Pfui' Rufe bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dave: Ich mache wiederholt darauf aufmerksam. daß Pfui-Rufe nicht parlamentarisch sind.(Zurufe bei den Sozial demokraten: I» diesem Falle aber zutreffen.— Erneute Pfui Rufe.) Ich bitte, meine Anordnungen zu befolgen, sonst müßte ich jeden Rufer ermitteln und zur Ordnung rufe». Abg. Sachse(Sog.): ES ist einfach skandalös, wenn die Polizei auf ruhige Ber. sammlungöbesuchcr in dieser Weise einhaut.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wir haben uns beschwerdeführend an den Ministerpräsidenten gewandt, weil man uns in un- zulässiger Weise auch die Versammlungen verboten und einzelne unserer StreikbureauS geschlossen hat. Die Antwort war die Entsendung von Militär nach dem Rshmvier. (Bewegung bei den Sozialdemokraten.) Das Verhalten der Christ. lichen wird immer dreister. Gestern hat ein christlicher Bergarbeiter. führer zu den Arbeitswilligen gesagt: Wenn Euch ein Streikender schief ansieht, schießt nur drauf los.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) So geht es in Deutschland zu, dem Lande, von dem Graf Posaöowsky behauptet hat, daß in ihm alle nur denkbaren RechtSgarantien gegeben sind.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ganz besonder? werden auch unsere polnischen Käme- roden schikaniert. Es ist schwer, ruhig Blut zu bewahren und wir mahnen fortgesetzt zur Ruhe und zur Ent» haltsamkeit vom Alkohol. Wenn der Staatssekretär meint, daß unsere Leute kein« Diszi- plin hielten, ja, mein lieber Herr Staatssekretär(Heiterkeit), ich wollte Sie mal sehen und Ihre Kollegen, wenn Sie in der Weise von den Polizeimannschaften gereizt würden, wen« Sie es mit einer solchen P-lizeimißwirtschaft,«it solchen Bluthunden zu tun hätten! (Stürmische Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dove: Die Bezeichnung von Beamten als Blut- Hunde ist unzulässig. Abg. Sachse(Soz.): Als die Polizeimannschaften von aus- warte eintrafen und manch« von ihnen so rigoros vorgingen, da find wir aufgefordert worden, es solle doch nachgeforscht werden, ob das dieselben Leute wären von Moabit, ob vielleicht der Mörder de« Herrmann darunter wäre.(Hört! hört! und Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Also, wer ist schuld an dieser Erregung?(Abg. Graf Westarp: Der frivole Streik ist daran schuld!) Bei Ihnen Graf Westarp ist natürlich jeder Streik frivol, aber wenn Sie mit einem Jammerlohn von S Mark eine zehnköpfige Familie ernähren sollten, so würden auch Sie streiken, ich habe Sic sogar im Verdacht, daß Sie dann den Strcikführer und den Streikhetzer spielen würden.(Sehr gut! und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Es wird immer gesagt und auch gestern im Herrenhaus« wieder, wir hätten den Streik auS politischen Motiven eingeleitet. Eine solche Behauptung ist absolut uinvahr. Gestern im Herren« hause(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Irrenhaus«! Vizepräsident: Sie dürfen eine Institution de» preußiscben Staates nicht als Irrenhaus bezeichnen. Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Im Herrenhause hat Herr v. Putt kamer eine Rede gehalten, die geradezu nach Blut gedürstet hat. Er sagte, wenn die Sozialdemokraten da» Recht auf die Straße erobern wollen, so müssen sie mit blutigen Ltövfen nach Hause geschickt werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Worauf eS den Scharfmachern ankommt, hat ja Herr B u c ck ini Herbst 1S10 offen ausgesprochen, indem er sagte, den Gewcrk- schaftcn muß der Garaus gemacht werden. Das meinen die Herren, wenn sie den Schutz der Arbeitswilligen for- dern. Denn sie wissen genau, daß, wen« da» Streikpostensteheck vmnögttch gemacht, verm die Streikbrecher jn«wer Weise geschützt werden, baß sie nicht einmal aufgeklärt werden können darüber, daß Streik ist, daß dann das K o a l i t io nS r e ch t so gut wieillusorischgemacht wird.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.)\ Zu dem scharfmacherischen Antrag im Herrenhaufe hat auch der Vorsitzende des Bochumer KnappfchaftsverrinS, Dr. W e i d t- mann, feine Zustimmung ausgesprochen. Dieser Dr. WeidtmanN ist einer der Hauptschuldigen, daß die Erregung der' Bergleute im Ruhrrevier einen solchen Umfang angenommen hat. Jn der Bochumer Knappschaftskasse haben die Berg. arbeitcr am meisten über rigoros eHandhadungdeS Statuts zu klagen; das wird selbst Herr Behrens bestätigen nmifien. Die Durchschnittsrente der Kasse beträgt 242 M. Aber als eine zehn- prozeniige Erhöhung verlangt wurde, hat das Dr. Weidimann mir einem gewissen Zynismus abgelehnt. Der Etat der Kasse wird in einer Weise zur Abstimmung gestellt, daß die Bergarbefterver- lreter nicht die geringste Möglichkeit haben, irgend etwas zu ändern. Wenn die Bergherren dafür stimmen, ist er angenommen (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Handhabung er- folgt unter Billigung des Oberbergamts. Der bekannte Herr StinneS hat eine Familienkranke nkass« errichtet, zu der er aber keine Beiträge zahlt, die werden auS den� Straf- lassen der Arbeiter genommen. Bergrat Schäfer aus Essen hat selbst zugegeben, daß das ein ganz unzulässiges Verfahren ist; trotzdem hat das Oberbergamt in Dortmund die Sachegutgeheitzen.(Hört! hört! bei den Sl�ialdemokraten.) DaS Strafgeldernnwesen nimmt immer mehr überhand. Jn einem Jahre find in einzelnen Belegschaften 8000 bis 2S 000 M. Strafgelder auferlegt wovden. Fragen Sie die christlichen Arbeiter selbst, ob sie nicht häufig genug über das Strafwesen aufgeregt sind, genau so wie früher über das sogenannte Wagennullen. Auch die schwarzen L i st e n sind z. B. im Braunkohlcnrevier noch in ständiger Hebung. Arbener, die regelrecht gekündigt haben, also keinen Äontraktbruch begehen, werden durch diese schwarzen Listen ver- folgt, nur weil sie von ihrem Recht, bessere Löhne zu ver- langen, Gebrauch machen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wo bleibt da der Schutz der Arbeitswilligen?!) Die Maß- regelungcn in Nicdcrschlesicn nehmen kein Ende, dabei sind dort die Löhne am traurigsten. Schuld daran sind die Gelben, die dort die Hauptrolle spielen. Der.Hannoversch« Courier" hat ein- mal sehr richtig geschrieben: So wie der Kaufmann die gute Konjunktur ausnutzt, mutz das-auch der Arbeiter tun können. ES freut mich, daß Herr Pauli auch nickt. Warum werden wir dann aber Slrcikhetzer genannt, wenn wir jetzt im Interesse der Bergarbeiter die gute Konjunktur ausnutzen wollen. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.), Der Staatssekretär hat die Lohnsätzt vorgetragen. Seine Zahlen bestätigen aber ebenfall», daß die Löhne von 1907 bis 1999 um mehr als 299 M. gesunken sind. Ja, eS geht aus ihnen hervor, daß die Hauer» JahreSlöhne in Westfalen 1999 315 M. geringer waren als 1997.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Jn einer ganzen Reihe Zechen ist 1911 die Arbeitsleistung bedeutend höher gewesen als 1998 und 1999, so daß schon aus diesem Grunde die Arbeiter mehr verdienen mußten. Die Teuerung hat der Staatssekretär unberücksichtigt gelassen. Dabei beweisen Listen, die vom Konsumverein der Kruppschen Werke herausgegeben sind, daß die Lebensmittel 1919 um 14,2 Proz. teurer waren als 1997. Die Bergarbeit?rlShne sind dabei in derselben Zeit um IS bi» 18 Proz. gesunken. Also auf der einen Seite Lohn» k ü r z u n g e n, auf der anderen LebenSmittelderteu«. r u n g e n, und dazu kommen dann die ungeheuren Ueberschüsse der Zechen. Der Gesamtüberschutz der 24 grStzte« Zeche« betrug ISIS 163� Millionen, 1911 182H Millionen. DaS war bei denselben Kohlenpreisen möglich und trotz g e r t u g< u Ansteigens der Löhne.(Hört! hört! bei den Sozialdem»- traten.) Am 1. April steigen die Kohlenpreise von neuem, daher können die 15 Proz. Lohnerhöhung ganz gut gewäbrt werden, wenn die Herren nur wollen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Zurückweisen muß ich die Behauptung de» Wolssschen Tele» graphenbureau», wir hätten verhindert, daß die Arbeiterausschüsse vorgeschickt würden zu Verhandlungen. Mein Freund Hu« und ich haben in der Konferenz— ich berufe mich da auf Herrn Ober- berghauptmann v. Velsen— sofort zugesagt, daß wir nicht dagegen wären, daß die Arbeiterausschüssc zur Verhandlung gehen, aber es mutzten ihnen feste, bestimmte Ver- sprechungen gemacht werden, dann würde e» nicht zum Streik kommen.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Dieselbe Forderung hat übrigens die.Germania" aufgestellt..Wtzttn eine einigermaßen feste Zusage dahin gegeben würde, schrieb sie, daß die Löhne möglichst bis zu einer bestimmten Höhe aufgebessert werden sollen, so würde das ungeheuer de» r u h i g e n d wirken und würde vor allem den imverantwortlichen Hetzern im anarcho-sozialistischen Lager die Waffen au» der Hand schlagen."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Kollege S o s i n» k y hat den Oberberghauptmann aufgefordert, er solle wenigstens für die fiskalischen Zechen eine bestimmte Zu- sage machen. Dieser ist aber um die Sache herumgegangen wie die Katze«m den heißen Brei. Er hat nicht einmal zugesagt, daß die Lohnperioden geändert werden, wonach heute die Bergarbeiter sechs Wochen auf den Lohn warten müsse«. (Hört! hört! b. d. Soz.) Die fiskalisch« Verwaltung hätte wenig- stens den Vorschlag machen können, zunächst ein« durchschnittliche Erhöhung von 19 Proz. und vielleicht vom 1. April ab weitere 5 Proz. zu gewähren. Dann, versichere ich Ihnen, wäre e» nicht zum Streik gekommen. Aber nichts davon, die ArbeiterauS- s ch ü s s e hat man brüskiert, zum Teil direkt verhöhnt. Der EtoatSsekretär hat gesagt, was er tun könne, würde er tun, um den Frieden herbeizuführen, aber die Voraussetzung fehlt ihm dazu, er müsse abwarten, zu welchem Resultat die VerHand- lungen mit den Arbciterausschüssen fiihrten. Run. welches Resuß- tat soll denn herauskommen? Sind denn irgendwelche bestimmten Versprechungen gemacht worden? Daß bei steigender Konjunktur die Löhne steigen sollen, hat man schon vor vier Jahren gesagt. Wenn Sie den guten Willen haben, etivas zu tun. machen Sie e» wie 1880, geben Sie b e st i m m t e Versprechungen den Behörden, den Arbciterausschüssen zu Protokoll. �Bravol b. d. Soz.) Wenn Sie den Frieden haben wolle», de» könne« Sie morgen haben. (Hört! hört! b. d. Soz.) Wenn die Arbeitgeber nur bepiwmte Versprechungen machen. Nur daran liegt e». Wir haben gezeigt, daß wir Verhandlungen haben wollen, aber unsere Kohlen» baron« in Westfalen, in Niederschlesien in der Braunkohlenindustrie verhandeln nicht mit den A r b e i t« r o r ga n i s a t i o- n e n, sie kehren den Herren st andpunkt heraus, sie behan» dein die Arbeiter als Rechtlose. Nehmen die Arbeitgeber Vernunft an und erkennen die Organisationen als gleichberechtigten Faktor an, dann wird der Friede zustande kommen. Noch ein Wort an die Herren Scharfmacher. Ans ihr Vertan- gen rücken jetzt Jnfanterieregimenter mit Maschinengewehre«, Ulanen und Kürassiere in da« Rnhrrevier ein.(Lebhafte» Hört! hört! b. d. Soz.) Glauben Sie damit die KirchhofSruhe zu erreichen, glauben Sie damit durchzusetzen, daß die Arbeiter zu Kreuze kriechen? Nein und abermals nein. Das haben Sie in M a„ s f e l d gesehen. Wir hätten dort ohne Mili- tär Ordnung gehalten, wenn man unsere Ordnungsmänner nicht verhaftet, ihnen die weiße Binde zerschnitten und heruntergerissen hätte.(Hört! hört! b. d. Soz.) Durch ein solch rigoroses Vorgehen der Polizei allein wird die Masse aufge» regt. Aber trotz de» Militär» werden vi? alle» austnet«, damit im Ruhrrevier der Streik ordnungsgemäß durchgeführt wird. Wenn die Herren Scharfmacher geglaubt haben, die Regie- rung braucht nur Militär zu schicken, dann ist alles beigelegt, dann werden sie sich irren. Arbeiter sind keine Sklaven mehr (Sehr wahr! b. d. Soz.) und lassen sich nicht mehr wie Hunde behandeln.(Stürmische Zustimmung b. d. Soz.) Sie fordern ihr Recht(Erneuter lebhafter Beifall b. d. Soz.) und dazu gehört auch ein menschenwürdiger Lohn. Sie, meine Herren von der Rech- ten, vom Zentrum und von der Regierung, Sie haben dem Arbeits Volk die Lebensmittel künstlich verteuert.(Sehr wahr! b. d. Soz lebhafter Widerspruch im Zentrum und rechts.) Selbst ein ch r i st l icher Arbeitersekretär bestreitet diese nackte Tatsache? Ist da? auch christlich, die Wahrheit so zu verleugnen? (Unruhe im Zentrum.) Mit Redensarten allein kann man die Arbeiter nicht mehr abspeisen. Ich bitte Sie alle, mit uns dahin zu wirken, daß unsere hartgesottenen Bergherren den Arbeitern entgegenkommen, ihnen das Organisationsrecht garantieren und mit den Maßregelungen aufhören Dann wird Ruhe und Frieden eintreten, dann werden die Ver Handlungen Erfolg haben. Ich schließe meine Ausführungen mit den Worten, die unser leider verstorbener Dichter Kämpchen gedichtet Hirt: „Wir sind keine rohe verwilderte Schaar, Wir wollen nur menschliche Rechte; Wir krümmen keinem Kinde ein Haar, Doch sind wir auch klar zum Gefechte, Zum Kampfe für unser gutes Recht, Ein Freier zu sein, doch kein höriger Knecht! (Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Rogalla». Bieberstein(k.): Wenn Herr Sachse friedliche Zustände will, so war seine Rede keine Friedensrede. Wenn er gesagt hat, daß die Arbeiter behandelt werden wie Hunde und daß ihnen die Lebensmittel künstlich verteuert werden.(Stürnrische Zurufe: Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Darüber haben wir so oft gesprochen, daß ich auf diese Zurufe nicht einzugehen brauche. Wir begrüßen es mit Freude, daß Militär gerufen ist! (Hört! hört! und große Unruhe bei den Sozialdemokraten. Pfui- Rufe.) Denn es hat sich, wie es scheint, herausgestellt, daß die Polizei allein nicht in der Lage ist, die Sicherheit des ruhigen Bürgers zu gewährleisten.(Lachen bei den Sozaldemokraten.) Gegen die Verunglimpfungen der Polizei durch Herrn Sachse lege ich entschiedensten Protest ein.(Rufe bei den Sozialdemokraten: Hurra! Hurra!) Der Streik ist nach unserer Ansicht ein un- berechtigter, er ist vom Zaune gebrochen und wie ich und meine Freund« behaupten, aus politischen Gründen.((Große Un- ruhe bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Lüge!— Präsident K a e m p f ruft den Abg. Sachse wegen diese« Zurufs zur Ord- nung.) Der sozialdemcckratische Verband hat eine Machtprobe veranstalten wollen und trägt allein die Verantwortung.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Beweisen Sie das doch!) Zum mindesten ist der Streik eine große Dummheit, denn er nützt allein den englischen Grubenherren, denen ihre Absatzgebiete erhalten werden. Den Schaden haben ebenso die englischen Ar- beiter wie die deutschen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Deshalb .Sympathiestreik"! Heiterkeit.) Und endlich ist der Streik in Szene gesetzt aus Hatzgegendiechristli chen Gewerkschaften. (Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Ein sachlicher Grund für den Streik liegt nicht vor. Nach dem 1. Jan«ar haben die Zechen- b e s i tz e r in loyalster Weise von selbst Lohnerhöhungen vorgenom m«n und im Februar neue Lohnerhöhungen angekündigt. Jetzt mögen die Dinge laufen wie sie wollen, die sozialdemokratischen Ver bände tragen die Schuld an diesem frivolen Streik.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Und die Christlichen sind die Engel!) In dksem Falle sind sie Engel gegen Sie.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wir sind ihnen dankbar, daß sie sich von dem Streik fernhalten. Soweit sind wir Gott sei Dank noch nicht, daß nur die sozialdemokratischen Gewerkschaften bestimmen, wie hoch die Löhne sein sollen. Wenn eS erst soweit kommen sollte, daß g e- setzlich festgelegt wird, was jeder verdienen muß. dann wird es bald keine Arbeitgeber mehr geben.(Stürmische Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Nur der brutale Terro- r i S m u S hat den Streik veranlaßt. Diesmal handelt«S sich nicht nur um einen Schutz von unorganisierten Arbeitswilligen, sondern um den Schutz der christlichen Arbeiter. Das sollten auch die Ar beitgcber bedenken. Air werden die Frage auch im preußischen L a n d t a g zur Sprache bringen. Militär ist ja jetzt eingerückt, aber erst aus Wunsch von allen möglichen Seiten. Selbst einfache Ar beiter haben um militärischen Schutz gebeten.(Lachen bei den So zialdemokraten.) Obwohl es sich bei allen diesen Maßnahmen um rein preußisch« Angelegenheiten handelt, richten wir von dieser Stelle aus einmütig an die preußische Regierung den Wunsch und die dringende Erwartung(Zurufe beiden Sozialdemokraten: Säbel!), daß sie mit aller Energie und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln(Zurufe bei den Sozialdemokraten: M a schi nr nge w e h r«!) die Ruhe und Ordnung im Streikgebjet her- stellen und aufrechterhalten.(Beifall rechts. Zuruf bei den So- zialdemokraten: Schießen!) Wir verlangen, daß die preußische Staatsregierung ihre ganzen Machtmittel entfaltet, um die Arbeitswilligen und ihre Angehörigen zu schützen gegen die brutale Vergewaltigung der volksverhetzenden Sozialdemokratie.(Lauter Beifall rechts und im Zentrum. Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Handelsminister Sydow: Gegenüber den Angriffen des Abg. Sachse bemerke ich, daß in Preußen vor dem Gesetz alle gleich sind, die sich nicht in Widerspruch setzen zu den Gesetzen.(Zuruf bei den Soz.: Ist nicht wahr!) Es ist doch wahr.(Bravo! rechts.) Dem ruhigen Streikenden wird kein Polizeibeamter etwas tun, ja er wird ihm schützen gegen alle Angriffe auf seine persönliche Frei- heit. Ihre Depeschen sind einseitige Darstellungen und auch ich will die Depeschen, die wir erhalten haben, nicht vor- tragen. Aber wenn Herr Sachse recht hätte, dann geht es im Ruhrrevier jetzt so zu: Die Polizisten gehen auf die Straße, suchen einen Streikenden und erschießen ihn nach Möglichkeit.(Heiterkeit rechts.) Und die Arbeitswilligen gehen bewaffnet zur Arbeit und suchen auf diesem Wege die Streikenden aus ihren Verstecken hervor. Vor mir liegt ein objektiver Bericht des Regierungs- Präsidenten in Münster. Auch dieser Bericht klagt über den Terrorismus der Streikenden.(Hört! hört! rechjs und im Zen- trum. Zuruie bei den Soz.: Schöne Objektivität! Bestellte Arbeit!) Es wird gesac�, daß der jetzige Schutz nicht ausreicht. So hätten im Revier bei Münster 200 Streikende vor Arbeitswilligen Pfui gerufen. Gegen die Rufer wurde mit Waffengewalt vorgegangen. (Zuruse bei den Soz.: Unerhört! Sie bestätigen ja alles, was wir sagen!) Die Täter sind gefaßt worden. Auf.Radbod" haben Weiber(Große Utzruhe bei den Soz.) die Arbeiterradler angefallen und haben ferner den Kindern, die ihren arbeitenden Vätern das Essen bringen wollten, den Henkeltopf fortgenommen.(Lachen bei den Soz.— Zuruse bei den Soz.: Schrecklich!) Bei den Zusammen- stoßen wurden vielfach Frauen mit Kinderwagen in die ersten Reihen gestellt.(Hört! hört! rechts und im Zentrum.— Abg. Ledebour: Das glauben Sie?) Jawohl, ich bin sogar fest davon überzeugt.(Lachen bei den Soz.) Durch Ihr Lachen schaffen Sie meine Tatsachen nicht aus der Welt.(Abg. Ledebour: Ist da? alles, was Sie haben?— Sehr gut! bei den Soz.) Der Abg. Sachse hat den fiskalischen Zechen vorgeworfen, daß sie zu niedrige Löhne zahlen. Wer. in den siskalischen Zechen nicht nur Wohlfahrtseinrichtungen für die Arbeiter sieht. sondern wirtschaftliche Unternehmungen, der muß zugeben, daß sie eine löprozentige allgemeine Lohnerhöhung gegenwärtig nicht zahlen können. Und dann kann man Schichtlöhne von 6,30 bis 6,50 Mk. wirklich nicht als Hungcrlöhne bezeichnen.(Bravo l rechts und ftn Zentrum.) Abg. Dr. Böttger(nakk.): Dem Streik liegen politische Motive zugrunde, deShal? ist die öffentliche Meinung diesmal auch gegen ihn, auch die Presse.(Zuruf bei den Sozu Die Unternehmerpresse!) Nein, die Unternehmer sind in bezng auf die Presse am schlechtesten gestellt. Wir beglückwünschen die christ- lichen Arbeiter zu ihrer charaktervollen Haltung. Hoffentlich wird ihr Vertrauen zu den Zechenverwaltungen nicht getäuscht, so daß sie auf friedlichem Wege eine der Konjunktur entsprechende Lohnerhöhung erreichen. Ueberhaupt sollte bewilligt werden, was an den Bergarbeiterwünschen berechtigt ist. So sollte vor allem die Zuständigkeit der Arbeiterausschüsse für die Lohnfrage hergestellt werden. Der Redner schließt mit dem Wunsche auf eine baldige friedliche Verständigung im Ruhrr�vier und auf eine schnelle und gerechte Justcz gegen dre verhafteten Tumultnanten.(Beifall bei den Natl.) Das Haus vertagt sich. Abg. Sachse(persönlich): Der HandelSmknister hat meine Schilderung von der Lage im Ruhrrevier ironisiert. Das konnte er dadurch, daß er meine Darstellung ganz unrichtig wietzer- gab. Weiter hat der Handelsminister gesagt, ich hätte nur ein- seitige Darstellungen von dem Vorgehen der Polizei gegeben. Das ist wiederum nicht richtig. Ich habe mich wiederholt und aus- drücklich auf P o l i ze i b e r i cht e, die„R h e i n i sch- W e st- fälische Zeitung" und die„Kölnische Zeitung" bezogen. Nächste Sitzung: Freitag. 1 Uhr. Schleuniger Antrag Ablaß (Vp.) auf Einstellung eines Strafverfahrens gegen den Abgeord- ncten Graf Oppersdorf, Fortsetzung. Schluß Uhr._ Gcwcrhrcbaftllchca. Die gelben Cbriften fürchten die Kotihurretiz der gelben Knegervcreinkr! Der Deutsche Kriegerbund will eine„Krieger- Versicherungs- und Fürsorgekasse" gründen, um seine Mitglieder vom Eintritt in die Gewerkschaften ab- zuhalten. Der Plan richtet sich gegen die freien Gewerk- schaften, dedroht fühlen sich aber die„christlichen" und die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine. Besonders die Zentrumschristen fürchten die gelbe Konkurrenz. In einem Artikel des., Zentralblatts der christlichen Ge- werkschaften" heißt es u. a.: „Aus den schon früher angeführten Gründen, daß nämlich der angebliche Zweck der neuen Einrichtung, den sozialdemokratischen TcrrorismuS abzuwehren, nicht erreicht, wohl aber die christliche Arbeiterbewegung geschädigt wird, müssen die christlichen Gewerkschaften nach wie vor dem Plan deS deutschen Kriegerbundes den äußersten Widerstand entgegensetzen. Alle Mit- glieder und Freunde der christlichnationalen Arbeiterbewung, die in den Kriegervereinen ein Wort mitzureden haben, ersuchen wir hiermit, den neuen Plänen die schärstte Opposition zu machen. Wird dies ohne Erfolg bleiben und die gelbe Unter st ützungSkaffe dennoch zustande kommen, so würden alle auf unserem Standpunkt stehenden Mitglieder der Kriegervereine die weiteren Konsequenzen ziehen müssen. Hoffentlich wird eS so weit nicht zu kommen brauchen". Das„Fürchterliche" könnte ja nur der AuSmarsch der Zentrumschristen aus den Kriegervereinen sein. Es versteht sich, daß dies, wie die Dinge zurzeit liegen, ja nur eine leere Drohung sein soll. Der komische S tieft zwischen Zentrums- christen und Kriegerbund beweist also, was denn eigentlich die „Stärke" der Christen ist: die Z ü ch t u n g von G e l b yt I Das ist die Domäne der„Christen", da fürchten sie die neue Kriegerkasse I Vielleicht kommt aber eine Einigung zustande durch die Verschmelzung zu einem„christlich-gelben Kriegerbund". VerUn und dmgcgend. Die Fleischermeister Neuköllns erklärten, als der Verband der Fleischer die Forderung an sie stellte, ihren Gesellen eine zwölf- stündige Arbeitszeit und einen Minimallohn von!3 M. zu ge- währen, daß dies in allen Schlächtereien schon längst eingeführt sei, ja in den meisten sei die Arbeitszeit viel kürzer und der Lohn viel höher. Als der Verband dies als unwahr bezeichnete, waren die Herren sehr empört darüber, daß man eS wagte, an ihren Angaben zu zweifeln. In Neukölln beträgt die Arbeitszeit in den meisten Geschäften wöchentlich 90 Stunden, bei dem Fleischermeister Paul Dahms, Prinz-Handjery-Str. 44, sogar 95% Stunden. Der Erstgeselle erhält dafür ll M., der andere 10 M. pro Woche Lohn. In einigen Geschäften werden sogar für ältere Gesellen noch unter 10 M. Lohn gezahlt. Die Fleischermeister schimpfen über die Be- gchrlichkeit der Gesellen und erklären der Kundschaft, wie gut es dieselben haben, wenn sie nur nicht den �Hetzern" vom Verband folgen. Jetzt greift sogar die Berliner Fleischerinnung in diese Bewegung mit ein. Am Frcütag, den 15„ findet eine Versammlung der Neuköllner Innung statt, zu der der Vorstand der Berliner Innung ebenfalls erscheint und die Meister gegey die Organisation scharf machen will. Der Haupt scharfmacher ist der Fleischcrmeister Franz Gerigk, Berlin. Adalbertstr. 2. Mit ihm hatte die Or- ganisation schon manchen Strauß auSzufechten, weil die organi» sterten Gesellen in seinem Betriebe nicht alle? mitmachen wollten. Ferner wird behauptet, daß die Berliner Fleischerinnung be- schlössen habe, diejenigen Neuköllner Meister, die durch den Boy- kott(?) geschädigt werden, zu unterstützen. Auch die Berliner Innung wird durch ihr Eingreifen nicht verhindern können, daß die gerechten Forderungen der Gesellen mehr und mehr anerkannt werden. Die Fleischermeister werden einsehen müssen, daß die alten Lohn- und Arbeitsbedingungen auf die Dauer nicht aufrecht- zuerhalten sind. Deurleves Rrid». Tie Arbeitslosigkeit der Nattarbeiter war im Januar nach der vom Bauarbeiterverband vorgenommenen zweiten Zählung ganz erheblich größer als nach der ersten Zählung im Dezember 1911, was besonder? auf die große Käste im Januar zurückzuführen ist. An der Zählung beteiligten sick, diesmal 969 Zweigvereine mit 283 OÖÖ Mitgliedern, von denen 254 499 be- fragt wurden. Von ihnen standen nur 129 796 in Arbeit; 124 702, also nahezu die Hälfte, waren arbeitslos. Die Ursache der Arbeits- losigleit war bei 60 897 der Befragten direkter Lrbeilsmangel. 51 170 konnten der sckilechten Witterung wegen und 12 635 wegen Krankheit nicht arbeiten. In Prozenten ausgedrückt war da« Verhältnis folgendes: Insgesamt standen in Arbeit 51 Prozent. arbeitslos waren 49 Prozent und zwar 23,9 Prozent wegen ArbeilSmangels, 20.1 Prozent infolge ungünstiger Witterung und 5 Prozent wegen Krankheit. Von den einzelnen Be« rufen hatten die Maurer am stärksten unter der Arbeitslosigkeit zu leiden. Von ihnen waren 51,9 Proz. arbeitslos, während bei den Bauhilfsarbeitern und Erdarbeitern nur 44.2 Proz. und bei den Isolierern sogar nur 18,7 Proz. arbeitslos waren. Der Grund für diesen Unterschied ist darin zu suchen, daß ein Teil der BauhilfS- arbeiter und der Erdarbefter bei Frost noch arbeiten kann, wenn ür den Maurer die Arbeit im Freien völlig unmöglich ist. Die niedrige Zabl bei den Isolierern erklärt sich aus der Tatsache. daß die Arbeit der Isolierer zumeist im Innern der bereit« ertigen Gebäude ausgeführt wird.— Auch nach Landesteilen geordnet war die Arbeitslosigkeit sehr verschieden. Am größten war der Prozent- ätz der Ärbeitsloien wieder im agrarischen Norden und Nord- osten. Hier wurden in den Großherzogtümern Mecklenburg 79,1 Proz., in Pommern 76.8 Proz., in Ost- und Westpreußen mit Posen 75,2 Pro,, und m Schlesien 64 Pro�. Arbeitslose gezählt. Am niedrigsten war der Prozentsatz wieder in den industriellen Gebieten, so in der Rheinprovinz 17,8 Proz., in Westfalen 29.6 Proz. usw. 'Zu den Arbeitslosen sind auch 3345 Mitglieder gezählt worden, die vorübergehend Arbeit in einem fremden Beruf gesunden hatten. Da die Witterung am Zähltage ungefähr der vier Wochen lang(vom 7. Januar bis 6. Februar) herrschenden entsprach, so läßt sich mit einiger Sicherheit sagen, daß man durch die am 27. Januar vor- genommene Stichprobe ein ziemlich einwandsfreies Bild von der den ganzen Januar hindurch herrschenden Arbeitslosigkeit der Bauarbeiter bekommen hat._ Der Verband der Sattler und Portefeuiller im Jahee ISIl. Auch im verflossenen Geschäftsjahre hat diese Organisation gut« Fortschritte gemacht. Die Mitgliederzunahme betrug 1219. Der Verband zählt 13 819 Mitglieder, darunter 1168 weibliche. Die männlichen Mitglieder haben um 992 und die weiblichen um 227 zugenommen. Der durchschnittliche Mitgliederstand betrug 13 206. Die große Steigerung der Mitgliederzahl vom Jahre 1910 ließ für 1911 zahlreiche Bewegungen erwarten. Insgesamt wurden 83 Bewegungen in 729 Betrieben mit 12 454 Beschäftigten durch« geftihrt; daran waren beteiligt 19 818 Personen. 62 Bewegungen mit 10 329 Personen wurden ohne Kampf beendet. An Lohn» kämpfen waren 489 Personen beteiligt; darunter befanden sich 131 Ausgesperrte. Die Gesamtdauer der Kämpfe betrug 623 Tage. In 16 Fällen endeten die Bewegungen mit vollem Erfolg; 4 Streiks gingen verloren. Die Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung waren in 53 Fällen vollständig erfolgreich, und 9 hatten einen teilweisen Erfolg. Außerdem waren 4 Abwehr« bewegungen ohne Kampf zu verzeichnen, die gleichfalls mit Erfolg beendet werden konnten. Die Hauptresultate ließen sich dahin resümieren, daß 7195 Personen eine wöchentliche Arbeitszeit« Verkürzung von 15 217 Stunden erreichten und 10 868 Beteiligte eine durchschnittliche Lohnerhöhung pro Woche um 22493 M. er« zielten. Außerdem wurden für 1400 Personen Zuschläge für Ueberstunden und dergleichen erzielt. 32 Tarifverträge wurden abgeschlossen. Die Resultate auf dem Gebiete der Streiks und der Lohnbewegungen sind also als bestiedigend zu be« zeichnen; sie haben der Organisation nur 81582 M. an Kosten verursacht.— Der Kassenbericht zeigt eine Einnahme an Beiträgen von 294 872 M.. oder pro Kopf 22,33 M. Unter den HauptauSgabe« Posten steht die Erwerbslosenunterstützung mit 99 548 M. obenan. Die Ausgaben für Unterstützungen stehen mit 87,8 Prozent in der Ausgahesumme an erster Stelle. An Unterstützungen jeglicher Art wurden pro Kopf 10,92 M. wieder an die Mitglieder zurückgezahlt. Da die Zunahme des Vermögens eine mäßige zu nennen ist, wird zurzeit dte Beitragsfrage eifrig erörtert und steht zu erwarten, daß die im Mai in München stattfindende Generalversammlung den weiteren Ausbau der sich bisher gut entwickelnden Organisation vollenden wird._ Ausstand der Kupferschmiede in Görlitz« Seit drei Wochen stehen die Kupferschmiede von Görlitz im AuS» stand. Sie hatten einen Lohntarif eingereicht, der eine Erhöhung de» Stundenlohnes und Festsetzung eines MinimallohneS vorsteht. Die bei den Meistern außerhalb deS Streiks Arbeitenden haben sich mit den Streikenden solidarisch erklärt Den Tarif anerkannt haben zwei Unternehmer.— Die Firma Edmund Friedrich, Görlitz, Jüdenring 5, sucht nun in einer Anzahl Parteiblätter tüchtige Kupferschmiede für Rohrarbeiten zum sofortigen Antritt In den ~nseraten findet sich onch der Vermerk: Lohntarif bewilligt >os trifft nicht z»! Aber Herr Friedrich hätte durchaus nicht nötig, in die Ferne zu schweifen und von auswärts Kupferschmiede heranzuholen. Am Orte selbst find noch genügend Arbeitskräfte, die jederzeit in Arbeit treten würden. Wie sich aber jetzt herausgestellt, hat die Firma bei Anerkennung deS Tarifs sich den übrigen Unter» nehmern gegenüber verpflichtet, keinen von den noch aus- ständigen und am Orte befindlichen Kupfer- schmieden einzustellen. Unter diesen Umständen wird ge« beten, den Zuzug von Kupferschmieden, Klempnern und Installateuren fernzuhalten. Die TZpferei-HUfSarbeiter in SrrSlatt haben, da die Unternehmer auf eine Neuregelung des Tarifs nicht eingehen wollen und auf Anfrage deS SektionSleiterS erklärten, daß fie nicht gewillt find, weder dir Organisation noch deren Tarif anzuerkennen, in einer vollzählig besuchten Versammlung den Generalstreik be« schlössen, der am Donnerstag früh begann. Zur SchneiderauSsperrung in Breslau. Wie in einer Mit- gliederversammlung deS Breslauer Schneiderverbandes mitgeteilt wurde, hat die Aussperrung bei weitem nicht den Umfang angenommen, als die Unternehmer vorher großspurig cm» gekündigt haben. Bis jetzt sind nur 185 Verbandsmitglieder, 53 Chrfttlich« und 12 Hirsch-Dunckersche Gewerkvereinler auS- gesperrt. Da? ist die knappe Hälfte aller im Berufe Be- schäftigten. Von der Breslauer Schneiderinnung, die sich auch voll- zählig an der Aussperrung beteiligen wollte, haben nur ganze zwei Mitglieder ausgesperrt. Die übrigen macheu sich die gute Konjunktur zunutze. Die städtischen Arbeiter Stuttgarts find über die Ablehnung de? Antrags auf Gewährung einer Teuerungszulage durch den Gemeinderat aufs äußerste erbittert. Der Anfangslohn deS stt&ti- schen Arbeiters ist 3,80 M. pro Tag, der Durchschnittslohn 4,10 M.; bei den außerordentlich Hohen Miet- und Lebensmittelpreisen Stuttgarts eine kaum zur Fristung de» nackten Leben» ausreichende Entlohnung. Der Antrag der gemeindlichen Kommission ging da- hin. jedem Arbeiter eine einmalige Teuerungszulage von 25 M. und für jedes Kind 5 M. zu gewähren. Die bürgerlichen Parteien auf dem Stuttgarter Rathaus, Konservative, Freisinnige und Nationalliberale, lehnten diesen Antrag jedoch geschlossen ab. Eine papierne Resolution, im nächsten Jahre die Löhne der Arbeiter einer Prüfung zu unterziehen, war alles, was sie den Arbeitern reichten. Die fast vollzählig organisierten Arbeiter haben als Ant- wort ein neues Gesuch an die Stadtverwaltung gerichtet und als äußersten Termin der Entscheidung den 1. April festgesetzt. Achtung, Metallarbeiter l In der Maschinenfabrik von V o k t h in Heidenheim(Württemberg) find Differenzen ausgebrochen. Zuzug von Formern und Gießereiarbeitern ist fernzuhalten. Uu stand. Streik beim Bau des Hauenstcintunnels. AuS Bern wird gemeldet: Die in den letzten Monaten be- gonnenen Tunnelarbeiten beim Baue de« HauensteintunnelS find bereits unterbrochen worden, weil die Arbeiter in eine Lohnbewegung eingetreten find. Sie klagen im allgemeinen über niedrige Lohne und fordern einen neuen Tarifvertrag mit der Firma Julius B e r g e r- Berlin. Die Verhandlungen sind bereits im Gange. Ein Generalstreik det�Parifer Transportarbeiter. Am Mittwoch iand in der Manege St. Paul zu Paris eine Ver« fammlung von Mitgliedern des Transportarbeiterverbandes, den An« gestellten der Omnibus-, Straßenbahn» und Untergrundbahngesellschaften usw. statt. Auf der Tagesordnung der starkbesuchten Ver» sammlung stand die Debatte über einen 24standigen Generalstreik der Angestellten aller Verkehrs-»nd Transportgesellschaften al» Sympathie« kundgebung für die streikenden Chauffeure. In der etnstnnmig zur Annahme gelangten Resolution wird auf daS schärfste gegen die ungesetzlichen Handlungen zugunsten der Arbeitgeber während de» Chauffeurstreiks protestiert, insbesondere wird dte Haltung der Regierung getadelt, die Polizei und Armee in den Dienst der Arbeit- geber gestellt habe, um die Arbeiter zur Annahme eines Schieds« gertchtS zu zwingen. Die skandalöse Haltung der Regierung zwinge dazu, den streikenden Chauffeuren mit allen Mitteln beizuspringen und gleichfalls nicht vor ungesetzlichen Handlungen hierbei zurück« zuschrecken. Vercrntwortlicher Redakteut: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th-Glocke, Berlin. Druck N. Verlag: Vorwart« Buchtruck rei n. Verlagsanstalt Paul Singer u. Eo� Berlin LW. Kr. 63. 29. Iahrgans. (üijf i»tg.Fmüls- Sttliiiet Bdllislilstf. ftritnj, 15. US»! ISIS. Hbgcordnctenbaus. 36. Sitzung. Donnerstag, den 14. März, vormittags 11 Uhr, Am Ministertisch: Dr. Sydolo. Es sind vier Interpellationen über den Bergarbeiterstrcjk im Ruhrrevier und den Schutz der Arbeitswilligen eingegangen, und zwar von den Konservativen, Freikonservativen, dem Zentrum und den Nationalliberalen. Das AuSführnngsgesetz zur Maß- und GewichtSordnung geht nach kurzer Diskussion an die Gemeindekonunission. Das Gesetz über den Arbeitszwang gegen Arbeitsscheue und säumige Nährpflichtige ist vom Herrenhause bekanntlich schon angenommen und als„Gesetz über die Abänderung und Ergänzung der Ausführungsgesetze zum Reichsgesetz über den Unterstützungswohnsitz" bezeichnet worden. Abg. jiardorsf(fk.): Das Gesetz soll schweren sozialen Schäden abhelfen, lieber die juristischen Zwirnsfäden des Ein- wandcs der Zuständigkeit des Reiches dürfen wir nicht stolpern. Eingehende Beratung ist nötig, denn es handelt sich um Frei- heitsentziehung bis zu mehr als eine in Jahr. Wir beantragen Verweisung an eine besondere Kommission. Unterstaatssekretär Holtz: Es muh gegen die frivole Aus- Nutzung der Armenpflege durch Arbeitsscheue vorgegangen werden. Die Armenpflege ist Sache der Bundes- staatcn, also besteht keine Kollision zwischen Reichs- und Landes- recht. Das Gesetz ist eine soziale Vorbcugungsmahregel; es wird hoffentlich das Gefühl der moralischen Verpflichtungen gegen die nächsten Angehörigen gestärkt werden.(Bravol bei der Mehrheit.) Abg. Schmedding(Z.) empfiehlt eine Kommission von 21 Mit- gliedern. Der Vorlage stehen wir freundlich gegenüber. Im Jahre 1903 wurde festgestellt, dah in 33 Städten mit 6 Millionen Einwohnern 5931 Personen unterstützt werden muhten, weil die Nährpflichtigen ihre Pflicht versäumten. Der Arbeitszwang darf aber nicht den Charakter einer Strafe annehmen. Einige von uns wünschen gröheren Schutz gegen die Freiheitsbeschränkung; ich wünsche Bestimmungen gegen die Stromer und Vagabunden. Abg. Borchardt(Soz.— Zur Geschäftsordnung): Nach§ 47 der Geschäftsordnung sollen nach Möglichkeit bei Vorlagen Redner für und wider sprechen. Das wäre sehr nützlich und sachlich ge- rechtfertigt: eS würde die Verhandlung abkürzen. Abg. Winkler sk.): Das geht nicht, denn oft haben Redner, die sich für gemeldet haben, gegen gesprochen. Abg. Boisly(natl.): Ich werde gegen daS Gesetz sprechen; dadurch wind die Abwechselung eintreten. Abg. Dr. Schröcke Bezirksverwaltung, Allen Belannten, Freunden und Verwandten die traurige Nachricht, dass am Mittwoch, den 13. d. M,, mein innigst gcliebler Mann, der Buchdrucker Otto Krutm nach langer schwerer Krankheit im 42, Lebensjahre plötzlich ver- starben ist Tics zeigt tiesbeirübt an Die Ehcsrau jlliine Kraun geb. Kisslcr. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. d, M, nach- mittags 3 Uhr, von der Kapelle des Pbiiipftus-Apostel-Friedhoses auS nach dem Städtischen Fried- Hofe, Müllerstrasse Ecke Seestrasse statt. 5746 Ztrrband drr IHalrr, ffldiifrrr,Anßrfiitjfrufiü. Ten Mitgliedern zur Nachricht. daß am 13. März der Kollege Adolf Wehner Bezirk Westen gestorben ist 128/12 Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet in Icincr Heimai(Leisuig-Sachs-n) statt Die Ortsverwaltung. Nach kurzen Leiden verschied Dienstag, den 12.. 3'/, Uhr. mein vielgeliebter Mann, unser guter Vaicr, Schwicgeroalcr, Bruder und Schwager, der Hauscigen- tümer blöb Robert Elsner im 62. Lebensjahre. Tics zeigen ttesdelfiibt an Katbilde Eisner geh. BShm. Otto Elsner. Klara Nitz gel». Elsner. Schwester. Fr. Schulz geb. Elsner. Hermann Nitz. Die Beerdigung findet Ssnn- lag, den 17., 4'/, Uhr, aus dem allen Jakob i-Kirchhase am Roll- trug statt. Am 13. Mutz starb Plötzlich unser lieber Kollege, der Buch- druckmaschinenmeisler oolD Otto Brunn. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. März, nach- mittag» Z>/, Uhr. aus dem Charitö- Kirchhof, Müllerstrasse, statt. Oes Personal 8er Buchdruckerei A. W. Schade. Am 11. März, abends 10 Uhr. verichied nach langem schweren Leiden meine innigst geliebte Frau, unsere herzensgute Tanle, Schwester und Schwägerin tmma Auguste Heinrich geb. Kumelat im 54. Lebensjahre. 573b Im Namen der kauernden Hmitibliebenen Hermann Heinrich Waidmlmnsiust, Waidmannslr. 2. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. März, nach- mittags 4 Ubr, von der Holle des FricdhoseS der Freireligiösen(Sc- meindc, Berlin, Pappclaliec 15—17, aus statt. Kranzspenden sowie alle Blumenarrangements liesert schnell, geschmackvoll, billig* Panl Groß, Liiidenstrahr 69. BV Amt Raritzpiatz 7283.-W» Tttnksagung. Allen Freunden und Bekannten, die uns aus Anlass des Dahin- IcheidenS unseres lieben Gatten und Vaters Hohert Fiatow ihre herzliche Teilnahme erwiesen haben und besonders H-errn Stadlv. ZSaldcck Manasse für seine sicundschasllichen Worte sagen wir hiermit innigen Dank. 5o4B Minna Flatow geb. Waldberg. Georg Flatow, Rescrendar. Danksagung. Für die vielen Ehrungen und Bc- weise der TeUnahme bei der Becrdi- gung meines lieben Mannes 2372L Bans Wilk sage ich allen Freunden und Bekannten hierdurch meinen besten Dank. Auguste Wilk geb. Hardt. Bekanntmachung. Die 1' Aenderung des CtatuiS § 39 der Orlslranlenkasse der Dach- decker Berlins ist genehmigt durch Beschluss vom 30. Januar 1912. Der BczirkSauSschuss zu Berlin. Ablcilimg II. Krüger. Exemplare der Statutenänderung liegen im Kassenlokal zur Empsang- nähme. 271/15 & Hornemann. 1. Vorsitzender� Auch Teilzahlung! Mur caub. Mödsl-Misch Gr. Frankfurter Str. 45/46 Nestanrant.Paradiesgarten-, Birkruwerder. Untrrmüstle, cmp- fehle allen wert. Lercincn als Ichönfien FrühIingSausslugSort. Für g. Speisen und Gciränkc sorgt der Wirt. ö87b Für Grotz- Berlin! Freitag. 13. März, 1I29 Uhr, „Neue Philharmonie«. Köpenicker Strasse 95:--' � Geffentliehe Versammlung. „Was erwarten wir vom Zweckverband?"-> Gas Wacvsen Berlins in Lichtbildern. Diskussion. 288/7» Redner: Albert Kehn, Ort?» Krantenkasse sür den Gewerbebetrieb der Kailsleute usw. Hr. Kuczynski. Dir. d. Statist. Amtes der Stadt Schöncbcrg. Ncg.-Baumcistcr Gnst. Langen. Karl I.a***'4 Lcipzigcrstr.132-3? Koitigstrasscsi-sz Versand-Abteilun�i Berlin W. 66, Leipziger Str. 132/37 Die Firma A. WertKeim hat zu ähnlich lautenden Firmen keinerlei Beziehungen Roscntbalcrstr.28-3i Oramenslmssesz A Soweit Vorhanden: Backobst Gem. Backobstpfd.33, 43. 53 pt Türk. Pflaumcnpfd.32, 36, 40 pt Pflaumen ohn« stein, Pkck. 43, 58 Pt. Kalif. Pflaumen 55, 62. 72 n. Kalif. Birnen pm. 58, 68, 75 pr. Kalif. Aprikosen p». 85 pr, 1.00 Kaliforn. Pfirsiche p/d. 58, 68 n. Ringäpfel..... p/nnd 48, 65 p«. Bohräpfel........ pfnnd 65 Pf. Hagebuttenschalen. Pfand 60 n Teigwaren Globus- Makkaroni rerarbt •tark und fein. 1 Pfund-Paket � Senta-Makkaronl fSi-Ä 40 pi. Olympia-, MakKaroni itsrk nnd fein. 1 Pfund-Paket rt Feine Schnitt- u. Faden- Nudeln........ Pfund 34 Pf. Senta-Schnitt-, Faden- und Band-Nudeln i pfond-paket 40 pt. Olympia-Schnitt-, Faden- u. Band-Nudeln i pfond-paet 52 pt. Fasson-Nudeln SÄ'ra 30«• Lebensmittel Frisches Fleisch u. Fische Fleischwaren Instrlertes Obst, Oemtiat und Fisch« kSnntn nicht jugesandt Werden. Pa. Schmorfleisch..?k. 90 pr. Roastbeef Pfd. 1.00 Knochen 1.40 Fehlrippe u. Brust.. Pfd. 75 pt, Kamm u. Querrippe pm. 70 p? Gulasch pfd70, Gehacktes pm. 60 pr. Tal§ roh.. PM. 45, ausgelassen 55 Pf. Pökelzunge........ pm. 1.30 Pökelbrust........ pm. 1.00 Eisbein(Dlckbpifnund 65, spÄn 55 pr. Frischer Schinken lm'm 75 pr. Schweinekamm 80». 85?t. Rückenfett..... pm. 60 u. 65 pt Liesen............. pm. 65pf. Kalbskamm 0 75, geteilt 80 pf. Kalbsbrust. Pfund 75, spitze 90 pf Hammelkeule und Röcken im 80 Hammel dicke Rippe 65, oannung 55 pf. Kass. Rippespeer 80 bi. 95 pr. Schinkenhaxen____ prund 40 pr Reimtierfleisch qa ge" en on"' Pfund OU OD DU ZU Pf. Schellfische.. Pfund 14 bis 20 pr. Kabeljau Äe��r�nd 10P, Seelachs in ganzen Fischen. Pfund 1 0 Pf. Rotzungen..... pfund 15, 25 pr Grosse Schollen... Pfund 23 pr Seeaale!Un.Jlfl.#c.h!).,n.8:nr.n Ä3 1 2 Pf. Tafelzander....... pfund63pf. Pfund 48 Pf. Pfund 95 Pf. Stockfisch in FiletstQcken Seezungen...... Lebende Schleie sro,p'und 92 pf. Lebende Hechte SwÄ 90pr. SV, bis 10 Pfd. schwer. Pfund 70, 10V, bis 15 Pfd. CQ schwer. Pfund OOPf. H.Weltmann Nachf. Stefan Esders BERLIN C Kaiser-Wilhelm- Strasse 41-42 Spandauer Str« 70-71 Ulster •In- und zweireihig »26-37-45-52- 60-70-80- Poms »22-26-30-36- 42-50-60-70- Das Haus hat keine Zweig- Niedeplassung In Berlin Lebende Schuppen-Karpfen 58, 66 pr Lebende Spiegel-Karpfen pm. 70, 85 pr. Teppiche Rotwurst..... Pfund 45, 70 pf. Landleberwurst... pfund 85 pt. Feine Leberwurst.. Phmd 95 pf. Jagdwurst....... Pfund 90 pf. Bauern rncttwurstj�oPm. l.00 Teewurst......... Pfund 1.10 Salamiwurst...... Pfund 1.20 Zervelatwurst In Rlnddap?und 1-20 Braunschw. Zervelatwurst, in Fettdarm....... Pfd. Mausschinken 1.15 Schinkenspeck MZMAT 95 pt Tischwein 1910 Westhofener 66 pf 1 91 0 Rosenweiler �7» � 76 pf. 1909 Saint Mathieu Xn 66 pt 1909 Saint Marie n. 70 pl 1 909 Almando rot.. y, n 80 pt Obermoseler...... v. n 75 pt 1 91 0 Wormeldinger v, fl 85 pf. 1908 Enkircher...v,pl1.15 180X200: 5 bi8 19 X 105X230: 10,50 bi» 40 M 8C0X300: L2 bis 61 M 250X350; 52 fai8 120 X SOOXlOO: 67 bi» 186 M GarvinenftauS Bernhard Lchwartz Wallst». IL ordnet; woher kommt es, daß die Stellen gleichwohl nicht besetzt werden? Es ist in der Zwischenzeit eine Verfügung ergangen, wo- nach die jungen Aerzte ein Jahr nach dem Studium als Medizinal- Praktikanten tätig sein müssen. Dann gehen sie meistens sofort in die Praxis. Ferner sind jüngst zahlreiche Krankenhäuser um Berlin herum neu entstanden, die den Assistenzärzten höhere Ge- hälter zahlen als Berlin. Alles das muß von der Berliner Kran- kenhausverlualtutTg in ernste Erwägung gezogen werden; man muß den Assistenzärzten den Aufenthalt in unseren Krankenhäusern an- genehmer gestalten.— Die Krankenscbwe stein erklären den Aufenthalt im Schwestern-Wohn- und Speisehaus für geradezu unerträglich; er reicht für 50 aus, während 100 dort zusammen- gepfercht ihre Mahlzeiten einnehmen müssen. Von dem Neubau des Hauses hört man nichts; Geheimrat Hoffmann soll dagegen sein, weil er sich sein Krankenhaus nicht verschandeln lassen will. Tie ästhetischen Bedenken in Ehren aber die Zweckmäßig- keit darf nickt zu kurz kommen; der geniale Baumeister sollte im- stände lein, beide Zwecke zu bereinigen. Geheimrat Ttraßmnnn: Der Mangel an Assistenzarztbewer- bungen ist nickt bloß in Berlin, sondern in ganz Deutschland zu konstatieren. Den leitenden Aerzten haben wir die Praxis bei den besser situierten Bürgern niemals unterbinden können und wollen. Bürgermeister Dr. Reicke: Vor einigen Tagen sind die Pläne in meine Hand gekommen, welcke die Unterbringung her Schwestern auf einem anderen und erheblich billigeren Wege ennöglicken. DaS Projekt, das die Deputation entworfen hatte, hätte 260000 M. er- fordert, wir kommen eventuell mit 40 000 M. aus. Stadtv. Dr. Wetzl: Ich hoffe, daß es auck auf diesem Wege möglich wird, eine würdige Unterkunft der Schwestern zu be- schaffen. Daß nichts weiter übrig bleibt als eine höhere Normie- rung der Gehälter der Assistenzärzte hat Herr Straßmann leider nicht erklärt Gegen die Auffassung, daß die großen Zelcbritäten durchaus auch noch den Verdienst an unseren wohlhabenden Mit- bürgern genießen müssen, kann ich nur entschieden Verwahrung einlegen. Bei den Etats der Irrenanstalten tritt Stadtv. Leid(Soz.) für die Gewährung der Teuerungszulage von 40 M. auch an das Jrrenhausversonal ein.. Die Verwaltung lehne ab. weil dieses Personal Beköstigung in den Anstalten er- halte. Dieser Standpunkt sei nicht haltbar. Die Familienange- hörigen der Jrrenwärter befänden sich außerhalb und würden von der Teuerung erheblich betroffen.. Es wäre also nur billig, den Gcmeindebeschluß auch auf die verheirateten Jrrcnhauswärter an- zuwenden; der Magistrat sollte die Frage nochmals prüfen und die zutage getretenen Härten abstellen. Bürgermeister 5)r. Reicke: Die Prüfung wollen wir nochmals vornehmen. Tatsache ist aber doch wenigstens für die Jrrenwärter selbst, die den freien Tisch bekommen, daß sie die Teuerung nicht empfinden. Das Referat über die Offene Armenpflege, Hospi- täler, Waisenpflege, Fürsorgeerziehung. Ar. beitShaus, Obdach, Hilfsstation für Geschlechts» kranke. Gewerbe- nnd Kaufmannsgericht, Stan- desämter, Gemeindefriedhöfe hat der Etatsausschuß dem Stadtv. Barth iA. L.) übertragen. Stadtv. Dr. Ritter(Fr. Fr.) fragt nach dem Stande der beim Obdach geplanten Neubauten und nach dem Stande des Projekts des Cleschlcchtskrankentzauses. Stadtrat Jacobv: Tie drei neuen Baracken sind nur als Not- behelf gedacht, ein Neubau ist notwendig. Ob der Beschluß der Deputation, inzwischen noch sieben weitere Baracken zu bauen, die Zustimmung des Magistrats finden wird, tann ich nicht sagen. Bürgermeister Dr. Reicke: Das Geschlechtskrankenhaus wird sich in vorhandenen städtischen Baulichkeiten mit geringen Opfern einrichten lassen, die Pläne werden in wenigen Wochen vorliegen. Damit schließt für heute die Etatsberatung. Es folgen Be» richte des Petitionsausschusses. Ueber die wiederholt eingereichte Petition des Gärffrcrs Wilhelm Käpler um Abhilfe gegen die polizeiliche Belästigung seines Straßenhandels mit Blumen ist der Ausschuß zur Tages- ordnung übergegangen, da der Versammlung gegen gerichtliche Strafen Einwendungen nicht zustehen. Stadtv. Manassc(Soz.): Ich möchte bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit daraus lenken, daß wir aus unseren eigenen Straßen ohnmächtig sind und nichts zu sagen haben. Die Strafen der Händler sind jetzt in das Belieben des Polizeileutnants gestellt; der eine Leutnant kann für dasselbe Delikt 3 Mk., der andere 30 M. verhängen. Eine Händlerin hat in einem Jahr 1000 M. Strafe bekommen; die Hälfte hat sie bezahlt, die andere Hälfte— bei schlechtem Wetter, wo sie doch kein Geschäft machen konnte— abgesessen. Nach 8 Tagen schon kommt die Porladung, die Strafe abzusitzen; damit ist die Existenz der Leute direkt bedroht, die�„Sitz- zettel" sind das Tagesgespräch und die Nachtunruhe der Händler. Wenige können nach gerichtlicher Entscheidung Ausschau halten; nur 1000 von diesen 23 000 Händlern sind organisiert. Die Recht. sprechung hat sich allerdings meistens auf die Seite der Händler gestellt. Der Strafen und Drangsalierungen ist kein Ende, es wird ein unglaubliches Unglück über die Leute gebracht, und diese haben kein Organ und können an niemand heran. Da müssen wir doch wenigstens unser Bedauern darüber aussprechen, daß wir machtlos sind.(Fortgesetzte große Unruhe.) Wenn Sie das nickt anhören wollen, mutz ich mich ja fügen, aber ich nehme doch auch das Ohr der Versammlung nicht zu oft in Anspruch. Wir sind machtlos sogar gegen Verfügungen der einzelnen Reviere. Darum müssen wir fortdauernd unser Bemühen darauf richten, diesen Zweig der Polizeiverwaltnng in unsere Hände zu bekommen. Die Versammlung geht gemäß dem Antrag deS Ausschusses zur Tagesordnung über. Ueber die Petition der Möbelfirma Heß u. Rom um Rück- nähme der Veranlagung zur Warenhaussteuer wird entgegen eineur Antrag Bruns(Soz.) auf Zurückverweisung in den Ausschuß und entgegen dem Ausschußantrage auf Ueberweisung zur Berück. sichtigung zur Tagesordnung übergegangen. Die Petition des Vereins„Akademische Unterrichtskurse für Arbeiter,40—2,40. Hammelfleisch 1,30—2,20. Butter 2,60—3,20. 60 Stück Eier 3.80—6,00. 1 Kilogramm Karpien 1,20—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,40—2,60. Barsche 1,00—2,00, Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,40. 60 Stück Krebie 4,00—30,00. Vierter Wahlkreis. Sonntag» de« 17. März» abends 7 Uhr: Oeffentliche Versammlung im Lokal von Möruer(früher Keller). Koppenstr. 29. Tagesordnung: Vortrag des Landtagsabgeordneten 55. �>offnt(ltUt über: Der Krieg ist ein Hohn°ui Gott,-u, m Khnsteutum,--»1»«« Mtuschlichkeil >> DiSkussi0N. Nachdem: Gemütliches Beisammensein und Tanz. 214/7*_ Der Einberufer- H.«ischoff, Andreasstr. 17. Leckstsr Wahlkreis. Sonntag, den lt. März 1919, abends Ol/s Uhr, im„Moabiter Gesellschaftshaus", Wiclefstraste S4: Oeffentliche politische Versammlung für Ilünuer und Frauen. Vortrag des Genossen Dr. Julius Moses: „Ein Denkmal für die Märzgefallenen.". DM- Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein und Tanz.-MG 226/16*__ Der Giabernfer; Karl Mayn», Ouitzowstratze 136. Taubstumme! Taubstumme! Sonntag, den 17. März, mittags IS'/, Uhr, in den Sophien- Sälen, Sophienstr. 17/18: Seffentliche Volks-Versammlung ----- aller taubstummen i« Srek-Nerlin= i.„Der 18. Mar, und seiue Sedeutung für das Proletariat".«oÄaÄm 2. Dtskusflou.— Zahlreichen Besuch aller Taubstummen erwartet 204/8*. Der Einberufer. Karl vraotimann, Neukölln, Tellstratze 5. lve?sam«"»g Gemütliches Beisammensein und Tanz. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Haraleiden. Prinzenstr. 41, |0—'9, 6—7» Sonntags 10—12. 2—4» stlöbcl-Hngcbot. SolideS Möbelgeschäft liefert bürgerliche Wohnungseinrichtungen sowie ein- zelne Möbel gegen mäßige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung u. geringen monatlichen Teilzahlungen. Anfragen unter Postlagerkarte 35, Postamt 103. Kdn Bbzablungögefchäft«sv* Hausfrauen! Die Zeiten sind schlecht und teuer— da heißt es rechnen und sparen. 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Hauptbureau: Hof m. Amt Norden, Nr. 1087. icbiuna i SmaiUierer. tel"l"|B! Sountag, den den 17. März. vorm. 10 Uhr, im GewerkfchaftShanfe, Engeluser IS: Versammlung der Emaillierer Berlins und Umgegend. 1. Dke Lohn. Tagesordnung: und Arbeitsverhältnisse in den Emaillier>Serken. JJ/IC j«.».»----- 2. DiSkusston. 3. Branchenangclegenheiten. 4. Verschiedenes. SM- Mitgliedsbuch legitimiert. 113/Ig Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Die Ortuverwaltnng._ Terkauf nnr Im FabrlkcebäHdeTlHiB�g Wenn■ Sie __. �* direkt in der |H. Walter..Willi MaaB, �»1 ■ kaufen. Verkauf nnr im Fabrikgebftnde— eigene! Tischlerei nnd Polsterel.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35■■Permanente Musterzimmer-Ausstellung.■■ 35 ru Sie sparen Geld! i Ivl Ö bei sti Möbelfabrik a Zentner 4,50 M* frei Haus exkl. Sack liefert Interessengemeinschaft Märkischer Milchproduzenten Berlla 0. 27, Schllllngstr. 12. Telephon: Königstadt 4687. 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Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Boiten-Bacckers. Mvrgen u. soia.Tage: Ailoak.ö. Firma. Sonniag 3 Uhr: Kiimm Dich um Amelle Belle-Ältoce-Tliealer. '1,9 Uhr: Die Ehre. Sonnabend: DieDollarPrlnzesstn. Luisen-Theater. t:eitag: Soiiliuerspuk. onnabend 4 Uhr: Robinson Crusoe. 8Uhr: Der Berschwender. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Grille. Abends: Die Rose von Japan. Montag: Der Verschwender. Metrpl-Tlieater. Zwends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Die Nacht von Berlin! Große JahreSrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Mufil von V. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ab 8 Uhr. Das gr. komische Programm mit Oskar und Ln�ette moderne Tänzer Eos No. 33 usw._ Uffl« Ein nener Ssnsalionserfolg Nie man Männer bessert. 2'Akte von Anton u. Donat Herrnseld mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: ver lhälliteulel. Ansang 8 Uhr. Lillelioorverkaus l 1—2(Xhe atertasse) Folies Caprice. Heilte: Premiere. Der Polizeihund. Schwank von Glingcr und Taussig. Oas Broadway Qirl. Posse mit Gesang von Theo Halton. Milsit von Hugo Hirschen. Sein letzter Wille. Schwant von Glinger und Taussig. .Arbeiter- Bildun�sschule. Sonntag, den 17. März 1912, abends 7 Uhr, im grofian Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15: ••• Bunter Hbend••• Mitwirkende; Herr Hans Scbmid-Kayser: Eledor zur Laute, 6/7* Frau Herta Schmid-Kayser: Itczitationen. Nachdem: GemOtllches Beisammensein nnd Tanz. == Eintritt 40 Pf. Garderobe frei.------ M-MH der Maseilsleo und Beizer sowie Berufsgenossen Deutschlands.— Verwaltungsstelle Berlin. Die Verwaltungsstelle Berlin begeht am Sonnabend, den 16. März, im grossen Saale der Brauerei Friedrtchshain die Feier des 145/8 35Jahrigen Stiftungsfestes unter Rtitwirluna des Arbeiter-gkadfahrerblindes»Solidarität». Die Festrede wird vom Reichstagsabgeordneten Hr. Georees Welll gehalten. Während der Kaffeepause: Verträge der Gesellechatt Gherardy. Um zahlreiches Ersweinen ersucht Die OrtSverwalmug. berliner Konzert- fSaus. Maueretr. 82 Zimmerstr. 90/91. 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Mügllchkeiten d. Ringerauslosung seien u.a. genannt: Kein Kampf wird wiederholt! Näheres im Abend- Programm! ''-c;. �., j'. V, Zirkus ❖ A. Schuuiann Freitag, 16. März, abends 8 Uhr: Keine Zirkusvorstellung sondern Gastspiel d. Deutsch. Theaters König Oedipus von Sophokles übertragen von Hugo v. Hofi- mannutnal. Regie M. Reinhardt Morgen Sonnabend 7'l, Uhr; Grande Solrde Hlghllfe u. a.: Die besten Radkttnstler 5 Herren Aurora 5 Um ft Uhr: Das Melorpferd in 5 Akten Sonntags: 2 Vorstellungen 3'/, nnd VI, Uhr. Voigt-Theater. Gesundbrunnen Badstraße 58. Freitag, den 15. März 1912: Gänseliesel. Schauspiel in 5 Akten nach Nathalst von Eschstruth. Kasseneröffnung 7. Anfang S'l, Uhr. Voranzeige l Mvtltag, 1» Slpril: Benesiz sür Lina u. Sari Moeller. WW-sdM. ! Keule: Premiere!I Das lZelcksKmw. Das wsiLe Geheimnis. I Mali«, 6. sohOnste Tänze- I HlClia rln Rußlands. Schneider-Duncker und das grolle Marz-Programm! arrasanli Sebijoiiaiiser Allee. Telephon: Nord 4100 1 | Freitag, 15. 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