Nr. 64. flbonneiiKntS'ßcdlngtiiuitfl: MonnemcnIS> Preis vränumcrando! Aicrlcljährl. 3L0 Ml, mvnall. I.lü Ml, wöchentlich 2S Psg. frei WZ Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonnlags- nummer mit illuftricrler Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pia. Polt- '.lbonucniclU: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für D-.iltschland und Oesterreich< Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonncmcntS uebmen ani Belgien. Tänemarl, Holland. Italien. Luicmburg. Portugal, NuniSnien, Schweden und die Schmelz. Cridittot tZgllch auBtr monta». Vevlinev Dolllsblnkk. 29. Jahrg. Die Tnlertions- Gebühr BchSgt für die fcchsgespaltcne Kolonel» zeile oder deren Rauni 00 Psg, für politische und gewcrlschastliche BereinS- und Versaininliinas-Anzeigen 30 Psg. „kleine Snzcigm-', das settgedruckie Wort 20 Psg.(zulässig 2 seUgebrnilte Wort«), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schiafstellenan- zeigen daS cr'tc Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- ! laben zählen sür zwei Sorte. Jnserau- ür die nächste Nummer mühen bis » Uhr nachmittags in der Eiveditimi «tdgegeben werden. Die Exvc otioit ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SsÄsliltMZll», Rcrlia". Zcntvalorgan der rozialdcmokratifcben parte» Deutfcblands. Redaktion: 8RI. 68, Lindcnatraeac 69. Fernsprecher: Amt Moriijvla«, Nr.»383. Expedition: 8Al. 68» �.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr.»S8». AndirAibtitkHckDeiiHliiüds! Partei- und Gewerkschaflsmitgliederl Seit Jahren wartet die Reaktion auf den günstigen Augenblick, das koalitionsrecht der Arbeiter zu vernichten. Im Dergarbeiterstreik in ZNansfeld im Jahre»903 wurde die Wasfcnmacht requiriert, um mittelst Säbeln und Maschinen- gewehrcn den Widerstand der Bergleute im Blute zu ersticken. In Moabit wurde vor zwei Jahren anläßlich eines un- bedeutenden Streiks ein Massenaufgebot von Polizei vorge- nommen, um die angeblich gefährdete Ordnung wiederher- zustellen. Aber nur die Ausregung in der Bevölkerung wurde dadurch gesteigert. Friedliche Bürger hatten unter den Ausschreitungen mehrerer Polizeibeamtcn schwer zu leiden und ein vollkommen Anschuldiger fiel dem Polizeisäbel zum Opfer. Der Ausfall der Reichsiagswahl war für die Reaktion ein neues Signal zur Einleitung eines kcsselireibens gegen das koalitionsrecht der Arbeiter. Im sächsischen Landtag, in der Hamburger Bürgerschaft und vor einigen Tagen im preußischen herrcnhause wurde die Beschränkung des Koa- litionsrechts verlangt unter dem vorgeben, die Arbeitswilligen zu fchühen. So vergeht kein großer Streik der Arbeiter, der die Scharfmacher nicht veranlaßt, Angriffe auf das Streikrecht der Arbeiter zu richten. Die preußische Regierung, gestüht durch das Reichsamt des Innern, hat den den Bergarbeitern im Ruhrgcbiet aufge- zivungencn Streik zum willkommenen Ztnlaß genommen, den Wünschen der Reaktion nachzukommen. Sie hat zunä6)st Polizei und Gendarmerie in großer Zahl in das Ruhrgebiet geschickt und schließlich ein großes Militäraufgebol folgen lassen. Erst nach diesen Maßnahmen ist es hier und da zu den von den Arbeiterfeinden ersehnten Störungen der Ruhe gekommen. Die Bergleute hatten den Aufrufen der in Betracht kommenden Organisationen Folgp geleistet: Sie haben Ruhe und Ordnung bewahrt. Sie werden auch trotz der ausreizenden Wirkungen, die die Aeberflutung des Streik- gebiets durch Polizei und Militär haben muß. und trotz des provokatorischen Verhaltens der christlichen Gewerkschafts- führer bemüht sein, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Kommen trotzdem Störungen der Ordnung vor. dann fällt die Verantwortung denen zu, die das Verlangen friedlicher Arbeiter nach Brot beantwortet haben mit den Rufen nach Säbeln. Flinten und Maschinengewehren. Die Unterzeichneten als die Vertretungen der nach Mil- lionen zählenden organisierten Arbeiterschaft Deutschlands fordern die im Kampf stehenden Bergleute auf. sich nicht zu unüberlegten Handlungen provozieren zu lassen. Gerade jetzt müssen sie erst recht zeigen, wie gut sie diszipliniert sind. Die Unterzeichneten Erheben Protest gegen das Verhalten der Regierung, die gerade jetzt, in solcher kritischen Zeit, wieder einmal in so Narer weise gezeigt hat. wie sehr sie von dem willen getragen ist. den wünschen der Scharfmacher nachzukommen. An die Arbeiter im ganzen Reiche richten die Unterzeichneten, das Ersuchen, sich ihrem Prolest anzuschließen. Der Vorstand der rozialdemokrattfcben Partei Deutschlands. Die SeneralKommission der Gewerhfcbaften Deutschlands. Der Bergarheiterftreik und die BacHemiten. Tie Führer des Gewerkvereins christlicher Bergleute wissen sich mit«tstaunlichem Talent in die ihnen von den BacHemiten" zugeteilte Rolle des Judas Jschariot zu'chiaen. der seine Genossen um dreißig Silberlinge verrät. Turch ihre verside Taktik haben sie nicht nur den Berginagnaten das Rückgrat gestärkt und die Einheitlichkeit des Streikkampfes durchbrochen, sondern sie spjelen jetzt auch skrupellos den De- nunzianten, der durch verlogene Anschuldigungen die preußi- sche Regierung zum Niederschlagen der Streikbewegung dura) rücksichtslose Anwendung der militärischen Macht zu bewegen sucht. Wie wir schon mitteilten, hat die Leitung des Gewerk- Vereins christlickfer Bergarbeiter eine Erklärung veröffentlicht, in der sie von der massenhaften Belästigung der sogenannten Arbeitswilligen durch„fremdes, unbekanntes Ge- findet" spricht und einen ausreichenden Schutz der Nicht- streikenden durch die Behörden fordert, da der bis jetzt zur Verfügung stehende Bcamtenapparat offensichtlich nicht zur Wahrung der Sicherheit gegenüber dem„Pobel" genüge. „Gleichzeitig stellen ivir fest." heißt es in diesem, den heutigen Charakter der christlichen Gewertschaftsbewegung trefflich kennzeichnenden Schriftstück,„daß die Zunahme der Streiken- den nicht auf Streiklust, sondern auf Furcht vor U eberfällen und Belästigungen zurückzu- führen i st. Weiter müssen wir schon jetzt darauf aufmerk- sam machen, daß die Wut der zum Streik haltenden sozial- demokratischen und polnischen Menge steigt und damit auch die Gefahren für die arbeitenden Bergleute zunehmen. Wenn unsere Behörden nicht für einen ausreichenden Schutz sorgen, müssen wir sie für die kommenden ernsten Ereignisse verantwortlich mache n.". Wir sehen, die Führer der christlichen Bergarbeiter folgen nicht nur den Spuren der preußischen Herrenhäusler vom Schlage der Puttkamer, Zieten u. Co., sondern sie übertreffen diese noch in der Kunst der Regierungsaufhetzung. Sicherlich ein schöner Erfolg der ethisch-politischen Erziehungsarbeit der bachemitischen München-Gladbacher Zentrale. . Seit dem letzten großen Bergarbeiterstreik vom Jahre 1903, in dem damals der christliche Gewerkverein mit den anderen Verbänden zusammenging und in dem dessen Führer, der heute kaltgestellte Johann Effert, zeitweilig eine hervor- ragende Rolle spielte, eine bedeutsame Veränderung! Und doch vermag diese Schwenkung niemanden zu überraschen, der die schöne Entwickelung des rheinischen Zentrums kölnischer Richtung seit der Verbrüderung des Zentrums mit dem oft- elbischcn Agrariertum bei der letzten Reichsfinanzrcform im Jahre 1909 kennt. Die Leitung des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter folgt lediglich den Bahnen, die seither dasZentrum eingeschlagen hat, wie denn auch die ganze Taktik der christ- lichcn Bergarbeiterführer nicht gewerkschaftlichen Gründen entspringt, sondern ihnen durch die Strategen der Kölner oder, was in diesem Falle dasselbe ist, der München-Gladbacher Richtung diktiert ist, die in dem Bergarbeiterstreik eine vor- ziigliche Gelegenheit sehen, dem deutschen Episkopat wie der römischen Kurie zu beweisen, daß trotz aller Verleumdungen des„verseüWeii Westens" die interkonfessionelle christliche Gewerkschaftsbewegung g u t k a t h 0 l i s ch ist und die ethisch- sozialen Dogmen der katholischen Kirche als maßgebend an- erkennt für ihre Gewerkschaftspolitik. Der Gewerkverein christlicher Bergleute, die erste der christlichen Berufsorganisationen, ist bekanntlich im Jahre 1894 gegründet worden, uni die katholischen Bergarbeiter dem Einfluß der Sozialdemokratie zu entziehen und sie zu einer Kampfkolonne gegen diese zu drillen. In der zur Rechtferti- gung dieser Gründung im Verlag der„Westdeutschen Arbeiter- zeitung", M.-Gladbach, erschienenen Broschüre„C h r i st l i ch e Gewerkvereine, ihre Aufgaben und Tätig- k e i t" wird denn auch der Kampf gegen die sozialdemokratische Arbeiterbewegung als eine der wichtigsten Aufgaben der christlichen„unpolitischen" Gewerkschaften bezeichnet.„Christen- tum und Sozialdemokratie," heißt es darin,„sind voneinander getrennt durch zwei völlig verschiedene Weltanschauungen in ihren sozialen Bestrebungen... Esverstehtsichvon selbst, daß christliche Organisationen diesen verderblichen Wirkungen der Sozialdemo- kratie auf gewerkschaftlichem Gebiet mit aller Entschiedenheit entgegentreten müssen." Und der Leiter der„Kölnischen Volkszeitung", Herr Julius Bachem, erklärte 1899 auf der Generalversamm- lung des„Augustinervereins zur Pflege der katholischen Presse":„Für die Zentrumspartei ist es meines Erachtens die höchste Zeit, es in der Förderung der berufsgenossenschakt- lichen Organisation der Sozialdemokratie gleich zu tun. Die Beivcgung ist unaufhaltsam. Sie wird sich vollziehen mit uns — oder ohne uns und gegen uns. Ueber diejenigen, die bei- seite stehen zu können glauben, geht�die Entwickelung hinweg. Wir wollen und müssen dabei fein." Das sind die Gründe, die 1894 zur Gründung des Ge- Werkvereins christlicher Bergleute führten. Blieb noch die Frage, ob diese Organisation einen ausgesprochen katholischen Charakter haben sollte, wie von geistlicher Seite, besonders vom Pfarrer Drießen verlangt wui�e. oder ob man die ultra- montane Politik unter der Flagge der Jnterkonfessionalität und politischen Neutralität verbergen wolle. Aus Zweck- Mäßigkeitsgründen wählte man infolge des damaligen scharfen Gegensatzes zwischen den meist rechtsnationalliberalen Zechen- besitzern und der katholisch-sozialen Bewegung im Ruhrrevier die sogenannte interkonfessionelle Grundlage: eine Entichci- dung, die der Zentrumsabgeordnete Stößel auf der Dele- giertenversammlung der katholischen Arbeitervereine zu Essen im Oktober 1897 folgendermaßen begriindete:„Wenn der christliche Bergarbeiterverband konfessionell wäre, dann würde er von den Bergwerksbesitzern als ein zum Zentrum gehöriger parteipolitischer Verein bekämpft werden." Der neugegründete christliche Gcwcrkverein nahm jedoch nicht die Entwickelung. die man im ultramontanen Lager wünschte. Das Aufziehen der falschen Flagge nutzte nichts. Die einzelnen Zechenbesitzer wie ihre Vereinigung, der Verein für die bergbaulichen Interessen des Oberbergamtsbezirks Dortmund, behandelten den„in der Kutte des Jesuitismus einherschleichenden" christlichen Bergarbeiterverband nicht wesentlich anders als den sogenannten sozialdemokratischen Verband. Mochten die Führer des christlichen Gewei kvereins wollen oder nicht, sie sabcn sich gezwungen, radikal aufzutreten, das.Interesse der Arbeiter dem Interesse des Zechenkapitals scharf gegenüberzustellen und— Klassenkampf zu treiben. Bald sahen sich die christlichen Gewerkvereinler zur Durch- führung verschiedener Streiks gezwungen, und in den Ab- rechnungen der Gewerkvereinskasse erschienen ansehnliche Posten, die für Streiks und die Unterstützung gemaßrcgelter Vereinsmitglieder hatten ausgegeben werden müssen. Dem Klerus wie den konservativ-kapitalistischenl Elementen innerhalb der Zentrumspartei behagte diese Ent» Wickelung recht wenig. Sie wollten keinen Kampfverein gegen die Unternehmerschaft, sondern einen Kampf- verein gegen die Sozialdemokratie. So ei> schien denn im August 1900 der bekannte„Hirtenbrief" dm preußischen Bischöfe, in welchem sich diese gegen die inter- konfessionellen Gewerkvereine aussprachen und die Gründung von katholischen Fachvereinen befürworteten. Neben den interkonfessionellen Gewerkschaften entstanden, unterstützt von dem höheren Klerus, katholische Fachvereine und Fachabteilungen— und damit der Kampf zwischen der Berliner streng-katholischen und der Kölner modernistisch angekränkelten Richtung, der zu den schärfsten gegenseitigen Anschuldigungen führte, als der Gewerkverein christlicher Bergleute bei verschiedenen kleinen Lohnkämpfen mit dem alten, dem sogenannten sozialdemokratischen Bergarbeiter- verband, gemeinsam vorging und sich auch 1903 dem großen Bergarbeiterstreik anschloß. Welchen Höhepunkt die gegen- seitige Erbitterung erreicht hat, zeigte zur Genüge des Fürst- bischofs Kopp bekanntes Wort von dem verseuchten Westen, der bekannte Brief des Generalsekretärs der christlichen Ge- werkschaften, des Herrn Stegerwald, an Herrn F. X. Bachem. in welchem er den Bischof Korum von Trier und seine Ge- sinnungsgenossen als weltfremde, fanatische Einfaltspinsel hinstellt, sowie die jüngst von den„Süddeutschen Monats- heften" veröffentlichten Geheimberichte des römischen Spezialkorrespondenten der„Kölnischen Volkszeitung" an sein Blatt, in dem dieser selbst von der Stellung der römischen Kurie und des Papstes zur„Kölnischen Volkzeitung" sagt:! „Sie wissen auch, daß wir nicht nur keine Freunde haben, sondern im Gegenteil einflußreiche Faktoren direkt gegen dia „Kölnische Volkszeitung" eifrig tätig sind. Wenn wir z. B. im gegenwärtigen Falle mit der„Correspondance de Rome" offen den Mund auftun würden, so wären wir alsbald im Vatikan unmögli ch." Tatsächlich ist es nur konsequent, wenn die römische Kurie wie der deutsche Episkopat(mit Ausnahme des Erzbischofs Fischer von Köln) von der Organisation der christlichen Ge- werkschaften und ihrer Teilnahme am Streik nichts wissen wollen, denn jede den inneren Frieden irgenwie gefährdende Arbeitseinstellung widerspricht aufs schärfste der Staats- und Gesellschaftslehre des Thomas von Aquino, die noch heute der katholischen Kirche als verbindlich gilt, wie denn auch das auf jener Lehre beruhende Rundschreiben des Papstes Leo XIII. über die Arbeiterfrage vom 17. Mai 1891 nicht nur die ge- meinsame Arbeitseinstellung verurteilt, sondern auch dem Staate das Recht zuspricht, mit Gewalt einzugreifen, sobald sich infolge solcher Ar- b e i t s n i e d e r l e g u ng e n öffentliche Wirren „ankündigen". Also schon die bloße Aussicht auf irgend- welche Ruhestörungen rechtfertigt das gewaltsame Ein- greifen des Staates. Trotzdem der höhere Klerus entschieden die Organisation der christlichen Gewerkschaften und speziell des Gewerk- Vereins christlicher Bergleute verurteilt, hat er jedoch bisher davon Abstand genommen, die christlichen Gewerkschaften direkt als unkatholische oder modernistische Organisationen zu verfemen, um nicht eine Schwächung oder Spaltung des Zentrums hervorzurufen. Doch die Führer der Kölner Rick- tung wissen allzugut, daß das Damoklesschwert über ihrem Haupte schwebt und der geringste Anlaß genügt, die katholische Geistlichkeit zum offenen Kampfe gegen die christlichen Gewerkschaf» ten zu treiben. Deshalb gilt es öffentlich zu beweisen, daß die christlichen Gewerkschaften„gut katholisch" sind und die katholischen Moraldogmen als heilige Wegweiser auf der Bahn ihrer Betätigung betrachten. Die erste Ge- legenheit zu solchem Beweis bot sich bei den letzten Reichs- tagsstichwahlen, als die Macher der Kölner Richtung die katholischen Arbeiter des rheinisch-westfälischen Industrie- reviers dazu brachten, ihre Stimnie für die Nationalliberalen abzugeben: die zweite Gelegenheit bot sich, als der Berg- arbeiterstreik im Ruhrrevier auszubrechen drohte. II m die römische Kurie und den Episkopat günstiger zu stimmen und den Bachemiten die Fort- setzung ihrer bisherigen Machtpolitik zu er- möglichen, wurde skrupellos das Interesse der katholischen Bergarbeiter geopfert und diesen suggeriert, sich in keinem Fall am Streik zu beteiligen. Doch die Bachemiten haben falsch kalkuliert. Ein be- trächtlicher Teil der katholischen Bergarbeiter hat die dringen- den Mahnungen der Kölner Macher nicht befolgt und sich doch � deni Streik angeschlossen. Was nun? Will der Gewerk- ! verein christlicher Bergleute diese Mitglieder, weil sie ent- � gegen der Order streiken, ausschließen oder will er ihnen jede � Unterstützung versagen? Das könnte ihm einen großen Teil � seiner bisherigen Mitglieder kosten! WaS also? Der christ- liche Bergarbeiterverband hat sich durch die Befolgung der Kölner bezw. M.-Gladbacher Anweisungen selbst in eine recht heikle Lage gebracht— und es ist keineswegs ausgeschlossen, . daß er am meisten geschwächt aus dem Kampfe hervorgeht! Der Streikdebatte zweiter Cag. Drüben im Westen tobt der Kampf erbitterter denn je, der Säbel findet blutige Arbeit, Opfer fallen, die Zähne werden fester aufeinander gebissen— und hier im Reichstag wird über d>en Kampf geredet, geredet den zweiten Tag, und morgen konunt der dritte daran. Freilich ist, was hier geredet wird, nicht minder bezeichnend wie drüben der Kampf selbst, denn in den Reden spiegeln sich nur die großen Gegensätze, die im rhei nisch-westfälischen Kohlenrevier mit Leidenschaft zum Austraz! gebracht werden. Wieder traten die Elemente auf,� die dem emporstrebenden Niesen des Proletariats am liebsten die Fr. ßsehnen durchschneiden möchten. Herr M u m m kam zuerst, ma chte Burn, bum, und verschwand. Später ließ Herrd! Mertr n von der Iieichspartei der Ruf seines politi- schett Halbbruder!° Rogallav. Bieber st ein nicht schlafen und er etfvrte uniter der schallenden Heiterkeit der Linken gegen den„frivolen" Streik und äußerte seine Genugtuung, daß die Regierung endlich einmal energische Töne gefunden habe. Herr B e h r c n s von der Wirtschaftlichen Vereinigung, nicht ein Knappe der Bergknappen, sondern ihrer Profit- wütigen Bedrücker, spie oll seine ohnmächtige Wut gegen die freien Gewerkschaften und erging sich in einer konnschen Fünfzigpfennigentrüßung gegen die Sozialdemokratie, und schließlich tauchte aus irgendeiner antisemitischen Versenkung noch ein gewisser Herr TS e r n e r aus Gießen auf, räusperte sich, spuckte in ungeschickte, m Bogen nach der Sozialdemokratie im allgemeinen und nacki dem„Vorwärts" im besonderen, räusperte sich noch einmal und tauchte wieder unter. Unter den ernst zu nel /Menden Rednern fand sich als erster der Fortschrittler G o t h ein ein. In längerer trefflicher Rede, die fundiert war vo n einer Betrachtung über allgemein wirtsck/aftspolitische Verhä ltnisse, zerpflückte er die Einwände, die gestern der Agent der«Christlichen und der Grubenherren, Schiffer, gegen den Streik gemacht, wies an Zahlen- tabellen die jämmerliche Lww der Bergarbeiter nach und warf der Regierung vor, daß sie einen allzu schwachen oder gar keinen Druck auf die Bergher ren zur Bewahrung des Friedens ausgeübt habe— schon bc.deutend schlimmere Streitfragen zwischen Unternehmern und Arbeitern seien schiedlich-fried- lich beigelegt worden. Der Pole S o s i n s k i, über dessen Rüffelei durch den Vizeprästdenten P aas che an anderer Stelle des Blattes berichtet Wird, führte namentlich Belege für den ausschweifenden Terrorismus der Polizei im Ruhr- gebiet an. Den Höhepunkt der Debatte bildete die Rede des Genossen Dr. E r d m a n n. dessen wohldurchdachte und wirkungsvolle Ausführungen den Zentrumsmannen so un- bequem wurden, daß sie sacht nach und nach den Saal ver- ließen. Er erschien mit einen, Köcher von„hetzerischen" Zentrumszitaten gegen das Ausbentertum der Gruben- Magnaten, legte Pfeil um Pfeil auf die Sehne und Pfeil um Pfeil traf. Nicht minder glücklich war seine Beweisführung, inwiefern der Streik wirklich politische Ursachen habe— nicht nur die Wirkungen der Reichsfinanzrcform sprächen da mit, sondern auch der mangelhaste Schutz der Bergarbeiter in der preußischen Gesetzgebung als Folge des Dreiklassenwahl- systcms. Auch der Regierung, die mit Militär anrückt, um die, ach! so empfindliche Ehre der Streikbrecher zu schlitzen, wurden scharfe Hiebe zuteil, und in der Ankündigung klang E r d m a nn s Rede aus, daß, sollte dieser Streik ver- loren gehen, ein vierter keine sieben Jahre auf sich warten lassen werde! Der Minister Sydow äußerte zwischendurch einiges Unerhebliche. Inzwischen wird im Ruhrrevier weiter gehauen und geschossen und im Reichstag heute 11 Uhr weiter darüber geredet. O'otz musterhafter Ruhe neue Codesopfer. Der Streik steht unverändert. Im Ruhrrevier alles vuhig. Das Militär ist völlig überflüssig. Die Hoffnungen der Scharfmacher werden an der bewundernswerten Disziplin und Kaltblütigkeit der Streikenden zuschanden. Und wie gänzlich ungerechtfertigt der gefährliche Beschluß der Re- gierung, Militär ins Ruhrgebiet zu senden, gewesen ist, beweist an, besten die Tatsache, daß der Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Dr. Eickhoff, gegen das der Stadt aufgedrängte Militär protestiert. Die Dort- munder Polizeiverwaltung hat diesen Protest durch die Erklärung unterstützt, sie fühle sich st a r k genug, die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit auch ohne militärische Hilfe aufrecht zu erhalten. Das In- fanterieregiment Nr. 15 hat deshalb noch keine Posten in der Stadt Dortmund bezogen; es beschräänkt sich auf den Auf- enthalt in seinen Quartieren. In Dortmund ist man ge- spannt, wie sich dieser Konflikt lösen wird, denn das Militär» aufgebot kostet die Stadt Dortmund schweres Geld. Die Arbeiter sind ruhig. Von den behördlichen Organen kann nicht dasselbe gesagt werden. In Watten- scheid hat ein Gendarm Freitag früh zwei Arbeits- willige erschossen. Wie es da'zu kam, schildert folgendes Privattelegramm: Die Gendarmerie ritt von der Zeche„Fröhliche Morgen- sonne" bei Wattenscheid auS. Unterwegs sind einige Schüsir ge. fallen, die de» Gendarm ktlement verletzten. Der verletzte Gendarm will dann zwei Arbeiter gesehe» haben, von denen er glaubte, dast sie geschossen hätten. Darauf erschoß er die beiden. Rachher stellte sich heraus, daß die beiden Erschossenen Areits willige gewesen waren. Ein Teil der Zentrunis- presse verbreitet natürlich die Nachricht, daß die Erschossenen Strei- tende sein sollen. Ein anderer Teil der Zentrumspresse muß zu- geben, daß es sich um Arbeitswillige handelt. Diese Schüsse werden führwahr lauten Widerhall finden. Zum Schutz der Arbeitswilligen haben die christlichen Gewerk- schaftsführer nach den fremden Polizisten und Gendarmen verlangt und nun fallen Arbeitswillige unter ihren Kugeln. Meinen sie wirklich noch widersprechen zu dürfen, wenn gegen sie die schwere Anklage erhoben wird, daß sie mit- schuldig sind an dem Blute, das da vergossen worden ist? Mie die Polizei vorgebt. Bochum, 14. März. sEig. BerT In Erle bei Buer, bei Zeche Rad b od, sowie in Sodingen bei Herne ist es zu blutigen Exzessen gekommen. Wer die Schuldigen sind, das mögen die Leser selbst entscheiden, wenn sie die Schilde- rungen eines Mitgliedes des Bergardeitervorstandes, der Augen- zeuge der Vorgänge in Sodingen war, lesen. «Für Mittwoch, den 13. März, war für Schacht Mont-EeniS auf 4 Uhr eine Belegschaftsversammluny angesetzt. Zu dieser Beleg- schaftSversammlung war ich als Referent bestimmt. Als ich unge- fähr Ist Minuten vor 4 Uhr in Sodingen auf dem Marktplatz ankam, sah ich aus dem Trottoir und auf dem Marktplatz selbst mehrere Trupps Kameraden zusammenstehen, die sich unterhielten. Ich ging sofort an die einzelnen Trupps heran und forderte sie auf, 0 U& j die TroltoirS und die Straße zu verlassen und ins VersammlungZ- lokal zu gehen, denn um 4 Uhr war die Versammlung angesetzt. Die Kameraden meinten jedoch, sie hätten noch etwas Zeit, es wäre noch nicht ganz 4 Uhr, uicki hatten die Wsicht, die Streikbrecher, die um 4 Uhr vom Schachte kamen, in Augenschein zu nehmen. Auf einmal kam Gendarmerie in Sicht, 4 bis 6 berittene Schutzleute und hinterher ebensoviel Kommunalschutzleute. Der Wachtmeister ritt sofort auf die Menge zu, stellte sich am Kriegerdenkmal auf und forderte die Leute auf, den Platz zu räumen-. In dem Moment sprang ich vor die Gendarmerie uird richtete an die Kameraden mit lauter Stimme eine Ansprache, doch sofort den Marktplatz zu verlassen und sich in das etwa 4 0 M e t e r entfernt liegende Versammlungslokal zu begeben« Die Polizeimannschaft dürfe die Ansammlungen nicht dulden auf den Straßen und den freien Plätzen. In der Versammlung würde über die augenblickliche Si- tuation von mir Bericht erstattet werden. Der Wachtmeister sagte hierauf:„Ich kann Ihnen nur raten, folgen Sie den Anordnungen dieses Mannes und gehen Sie ruhig in das Versammlungslokal hinein." Die Menge drehte sich um, setzte sich sofort in Bewegung und leistete meinen Anordnungen Folge. Ich ging nun etwas eiligen Schrittes voraus, damit das Lokal so schnell wie möglich gefüllt werden sollte, immer unterwegs die Kameraden aufsordernd, sich möglichst rasch in das Versammlungslokal zu begeben. Am Lokal ange- kommen, ging der Einmarsch in den Saal etwas langsam, weil ein längerer Flur passiert werden mußte, der von einer doppelten Flügeltür ungefähr 5 Meter vom Eingang versehen war, und von oieser Flügeltür war nur ein Flügel geöffnet. Ich rief deshalb: „Oefsnet doch auch den anderen Flügel, damit die Menge rascher in den Saal hineinkommen kann," und noch in demselben Moment zog die Schutzmannschaft zu Fuß. blank uiid hieb ohne jede Veran- lassung auf die Menge mit der blanken Waffe ein! Ein Bergmann an meiner linken Seite wurde mit einem Säbelhieb niedergestreckt, so daß mein Ueberzieher mit Blut durchtränkt war. Es entstand nun förmlich eine Panik, und ich habe wohl 4 bis 5 Meter keinen Fuß an den Erdboden bekommen, denn der Druck von hinten war nunmehr ungeheuer. Ich habe dann sofort den Wirt gefragt, ob ich die Versammlung abhalten könnte, damit ich wenigstens etwas die Menge beruhigte. Das hat der Wirt verweigert in Anbetracht des kolossalen Schadens, den er gehabt hatte, denn Fenster und alles in dem Kor- ridor waren eingedrückt worden, die zweite Flügeltür war ge- brochen. Er gestattete mir schließlich dennoch, eine Ansprache zu halten, aber nur sehr kurz. Ich habe dann ungefähr IS bis 20 Mi- nuten auf die Leute eingeredet, sie aufgefordert, sich vor allen Dingen ruhig nach Hause zu begeben und keine Stratzenansamm- lungen mehr vorzunehmen/ denn nach meiner Auffassung habe sich die Polizei die Aufgabe gestellt, die jetzige Bewegung im Blute zu ertränken. Wie ich nachher aus dem Versammlungslokal heraus- kam, fragte ich einen Metzgermeister, der gegenüber dem Lokal wohnte, ob er die Massakrierung mitangesehen habe. Der Mann sagte mir:„Herrgott nochmal, haben doch die Leute Schläge gekriegt, die doch eigentlich nichts ver» brochen haben. Ich konnte es nicht mehr mitan- sehen," Als ich ihn darauf fragte, ob er nicht ungefähr sagen könnte, wieviel Mann denn verletzt seien und niedergemetzelt worden wären, sagte er zu mir:„Mein Herr, ich bin GefchäftSmanw und möchte nichts gesagt haben," Ich ging dann wieder nach dem Marktplatz zurück und sah, wie sich die Polizei noch fortwährend in Aufregung befand und i n d i e Häuser eindrang. WaS sie dort machte, kann ich allerdings nicht mitteilen Vom Streikbureau aus wurde beobachtet, so teilte mir unser Knappschaftsältester mit, daß ein junger Mann hinterrücks von einem Polizeibeamten nieder- geschlagen worden sei. Vor dem Lokal sah ich bei meinem Weggang mehrere Blutlachen auf der Straße." Verwundete in Massen und Tote! Das sind die Bergleute ge- wohnt; früher, vor dem Streik, fraß der Bergbau massenhaft die Opfer, jetzt sorgen andere dafür, daß das Blutfließen mcht zum Stillstand kommt. j�eue polizeitaten. Dortmund, 15. März.(Privattelegramm des„Vorwärts.") In Erle bei Buer tagten heute früh wieder zwei Ver- sammlungen. Die erste der Versammlungen ging ruhig vor-, über. In der zweiten Versammlung erschien jedoch plötzlich ein Kommissar und ein stärkeres Militärauf- gebot. Der Kommissar l ö st e, ohne Gründe anzugeben und ohne Ursache dazu zu haben, die Versammlung a u f und forderte die Leute auf, hinauszugehen. Die Leute standen auf und wendeten sich dem Ausgang zu. Ter Kom- missar drängte sich nunmehr nach hinten und fing plötzlich an, mit demSäbel auf dieHin ausgehenden ein- zuschlagen. Selbstverständlich flüchtete alles. In R e ck l i n g h a u s e n- S ü d sind ebenfalls, wie an vielen anderen Orten, die Straßen gesperrt. Es dürfen durch die gesperrten Straßen keine Leute gehen, die nicht eine Legitimation haben. Plötzlich taucht ein Offizier auf der Bildfläche auf, der dem Polizeier erklärte: Lassen Sie die Leute gehen, die Leute waren doch in Bewegung, wie können Sie die Straße versperren? Ebenso hat derselbe Offizier einem Polizeibeamten, der die Leute belästigte, ge- sagt, er solle die L e u t e i n R u h e l a s s e n. Es scheint also, als ob die Offiziere vernünftiger sind als die Polizeibeamten und Gendarinen. Welche Erbitterung das Vorgehen der Polizei auslöst, beweisen auch die Proteste, die bürgerliche Zeitungen erheben. So erklärt der„Duisburger Generalanzeiger", er werde dem- nächst keineBeden kenmehr tragen, diejenigen öffentlich zu nennen, die sich zu Ausfchreitun- gen als Sicherheitsorgane hinreißen lassen und das, wozu sie von Berufs wegen bestimmt sind, in das Gegenteil verkehren. Wenn die Regierung schwere Zu- sammenstöße vermeiden wolle, sollte sie auch Schutzmann- schaften zur Verwendung kommen lassen, die sich der u n- geheuren Verantwortung ihrer augenblicklich er- weiterten Befugnisse bewußt sind. Das Vorgeben der Bechen, Essen, 15. März.(Privattelegr. des.Vorw.'.) Die Zechen haben auf Beranlassung des Zechenverbandes an die streikenden Bergarbeiter eine Postkarte verschickt, die folgenden Wortlaut hat: Wir teilen Ihnen hierdurch mit. daß Sie a u S d e r B e l e g- schuft gestrichen werden, falls Sie nicht bis spätesten» Sonn- abend, den 16, März dieses Fahre«, wieder angefahren sein sollten, Ferner werden wir in diesem Falle von dem uns nach§ 6 der Arbeitsordnung zustehenden Rechte Gebrauch machen und vo» Ihren Lohnforderungen den Betrag von sechs Schichten zurückhalten. Ferner ist den Inhabern von Koloniewohn uugen die Kündigungsfrist bis zum glcichenZeitpunkt verlängert worden. Bielleicht werden durch diese Gewalt- Maßregel der Grubengewaltigen manche Hasenfüße unter den christlichen Streikenden unifallen und wieder in die Gruben.zurückkehren. Ueber die Zahl der Streikenden ist selbst die„Rheinisch-West- fälische Zeitung" nicht im klaren und auch der Bergbauliche Verein kann eine übersichtliche Statistik nicht geben. Die Zahl der Beleg« schaft ist um mehr als 30 000 weniger angegeben al» sie in Wirklich- keit ist. Diese Zahl besteht aber zum größten Teil aus Krank- feiernden, zum Teil aus Streikenden. Christliche Arbeiter verschmähen die Streikbrecher- Prämien. In Werden a. Ruhr fand gestern eine Versammlung deZ Gewerkvereins der christlichen Bergarbeiter statt. In dieser Ver- sainmlung erklärten die Mitglieder des Gewerkvereins, die noch in Arbeit sind, sie würden den Judaslohn der Zechenherren nicht annehmen. Der christliche Sekretär, der als Referent an- wesend war, meinte, sie sollten das Geld ruhig nehmen, denn das hätten sie ja den Unternehmern abgeknöpft. Wenn sie das Geld nicht für sich verwenden wollten, sollten sie es an die Gewerkvereins- lasse absühren. Streikwirkungen. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" schreibt: „Die Förderung an Ruhrkohlen, die bisher im Durchschnitk 260 000 Tonnen pro Arbeitstag betrug, ist am ersten Streiktag auf ca. 160 000 Tonnen und am zweiten auf ca. 120 000 Tonnen ge- funken. Diese Mengen müssen ausschließlich zur Verfügung des Syndikats bleiben, damit es den dringendsten Bedarf befriedigen kann, der in dem ausschließlich auf die Ruhrkohle angewiesenen engeren Verbrauchsbezirk auftritt.... Aus der Fördermenge in den beiden verflossen-en Streiktagen läßt sich auch ein Schluß auf die Zahl der Streikenden ziehen. Das Ausbringen per Mann und Schicht beträgt nicht ganz eine Tonn«, edwa 0,90. Zur För- derung von 100 000 Tonnen wären demnach 108 000 Arbeiter und desgleichen von 120 000 Tonnen etwa 133 000 Arbeiter erforder- lich. Da die Gesamtbelegschaft im Durchschnitt 360 000 Mann beträgt, so hätten demnach am Montag 182 000 und am Dienstag 227 000 Mann gestreikt: das sind 50,5 bzw. 63,1 Proz. der Beleg- schaft. Der Förderausfall an diesen beiden Tagen beträgt etwa 280 000 Tonnen im Werte von 2,8 Millionen Mark. Nimmt man an, daß der Streik nicht weiter um sich greift und daß weiter durchschnittlich 100 000 bis 120 000 Tonnen pro Tag gefördert werden, so dürfte der Förderausfall pro Woche etwa 960000 Tonnen im Werte von 9,6 Millionen Mark betragen." Unterdessen steigt die Zahl der Streikenden und die Förderung mindert sich derartig, daß eine große Anzahl Werke nur noch daran denken kann, ihren eigenen Bedarf an Kohlen zutage zu schaffen. Es gibt sogar viele Gruben, wo der Ausstand so allgemein ist, daß sie an die eigene Deckung des Selbstverbrauches gar nicht mehr denken können. Kringt der Streik den decken Schaden? Das rheinisch-wcstfälische Kohlensyndikat hat den Streik bs- nutzt, um sofort einen Preisauffchlag auf Koks zu erheben. Zwar verwahrt es sich dagegen, daß der Aufschlag gerade 30 M. pro Doppclwagen beträgt, gibt aber gleichzeitig zu. daß ein tatsächlicher. von ihm allerdings anders motivierter, Zuschlag berechnet wird, der kaum viel geringer sein dürfte. Auch aus Belgien wird gemeldet, daß dort die Tonn« Kohle um 1,50 Frank erhöht worden ist. Das Kokssyndikat kündigte eine Preiserhöhung von ebenfalls 1,50 Frank an. Die deutschen Zechen räumen jetzt während de? Streiks ihre Habden mit länger lagernden Kohlen und Koks, deren Wert zum größten Teil in den Büchern vollständig abgeschrieben(gestrichen)! worden ist. Auch dadurch erwächst den Kohlenherren ein großer Gewint«. Das-Kohlensyndikat will weiter die Förderungsein- schränkung für seine Mitglieder ganz aufheben. Das Kohlen- syndikat schachert inzwischen mit den Hochofen- und Hüttenbcsitzern, um seine in Krefeld, Dortmund,' Düsseldorf und anderen Orten befinkssichen Lager an Kohlen und Koks zu möglichst Hochgetriebenen Preisen loszuschlagen. Ferner wird gemeldet, daß auch die Königliche Eisenbahn- direktion, also die preußische Regierung, durch eine neue Maßnahme den Unternehmern zu Hilfe kommen will. Für.den Versand von Kohlen, Koks und Briketts (mit Ausnahme von Gaskoks) aus den Lagern des Syndikats wird ein billigerer AuSnahmetarif(gültig vom 30. März bis 30. April) eingeführt. Der Zeitpunkt für den Beginn des Aus- nahmetarifS ist so spät festgesetzt worden, weil man glaubt, das; bis zum 1. April der Streik beendet sein wird. Die stark ein- setzende Förderung und Versendung soll dann erleichtert und ver- billigt werden, Nimit der„Verlust" der Grubenbesitzer ausgeglichen wird und sie in Erwartung dessen bis dahin aushalten können. Die preußische Regierung ergreift also offei» Partei für die Unternehmerl Bei dieser Sachlage ist es natürlich kein Wunder, daß die Kohlenpapiere an der Börse seit Ausbruch des Streiks täglich steigen. Borläufig wenigstens hat die Börse mit ihrer Witterung recht; den bestreikten Unternehmern geht es noch nicht schlecht. Die Solidarität und Beharrlichkeit der Arbeiter werden aber hoffent- lich da? Bild sehr bald ändern. Der Streik in Merlenbach auf Saar und �ofel. Saarbrücken, 14. März.(Eig. Der.) Wenn je ein Streik berechtigt war. so ist es der auf der Stinnes-Grube in Merlenbach. Trotz der steigenden Lebens- mittelpreise ging der Lohn von Jahr zu Jahr zurück. Während der Durchschnittslohn der Hauer und Schlepper in Rheinland-Westfalen im 4. Quartal 1907 6,14 M. betrug, war derselbe im Saargcmündcr Revier 5,12 M. Natürlich konnte man den so niedrig entlohnten Kumpeln von 1907 ab nicht so viel abhalten oder das Gedinge nach unten regeln, wie im Ruhrgebiet, wo der Lohn von 6»14 M. im Jahre 1907 auf 5.63 M. im Jahre 1911 fiel. Hätte man den Lothringer Kohlengräbcrn solch hohen Abzug mvchen wollen, hätten sie am Lohntag noch etwas auf die Grube bringen müssen. Doch nach dem Bericht des Bergmeisters von Saargemünd vom Jabre 1919— der Bericht erscheint immer erst im Monat Juli oder August— betrug der Lohn für Hauer und Schlepper 5.06 M. Seit 1910 wurde das Gedinge immer mehr nach unten reguliert und das nackte Elend ist es. da« die Bergarbeiter in Merlenbach zum Streik trieb. Auch sonst herrschen mancherlei Klagen, so beträgt die Schichtzeit 9V* Stunden mit Ein- und Ausfahrt. Dabei ein Ve- nehmen mancher Beamten den Bergarbeitern gegenüber, wo Au?- drücke wie A.... löchrr den alten Bergarbeitern gegenüber fallen. daß es ein Hohn und Spott auf die Geistesbildung dieser Herren ist. Doch nicht genug mit Schimpfwortcn, auch Hiebe und R i p P e n st ö ß e s e tz t e S a b. So am 12. dieses Monats, wo Herr Inspektor Krach, der Name trifft zu, den Ricsclmcister Englcr so gegen einen Stempel schubste, daß er die Strcikvcrsammlung mit blauen Augen aufsuchte. Alle Lust, weiter anzufahren, war ihm vergangen. Ein alter Kamerad erzählte mit Tränen in den Augen, daß er als Verbau« erst einen Lohn von 4,80 M. pro Schicht ver- diente unh Bav ihm dann seinen Lohn auf 4,30 W. reduzierte. Da er als Familienvater mit 7 Kinbern nicht mit diesem Lohn anZ- kommen konnte, ging er vor die Kohle. Doch wenn er glaubte, als Kohlenhauer für seine Familie besser sorgen zu können, so hatte er sich getäuscht. Sein Verdienst stellte sich nun auf die „Rtesensumnie" von 3,40 M. pro Schicht. Ein anderer Familien- Vater klagte, dass er wohl 5 M. pro Schicht habe, aber mit Frau und 0 Kindern kaum wisse, sein Leben bei dieser teuren Zeit zu fristen. So die Elenldsklagen der Bergarbeiter, während die Kohlenbarone von Jahr zu Jahr ihre Millionenigewinne steigern. Die Beleg- schastsversammlung stellte nun folgende Forderungen: 1. Die Löhne aller Arbeiter sind um IS Proz. zu erhöhen. 2. Einführung der Achtstundenschicht mit Ein- und Ausfahrt. 3. Auszahlung und Abschlag am 25. und 10. eines jeden Monats. Ferner wurde die Direktion ersucht, ihren Einfluß beim 5kvr- linger Knappschaftsvercin geltend zu machen, daß über 14 Tage Krankfeiernde vom ersten Tage ab Krankengeld erhalten sowie auch »die Unfallverlehten vom ersten Tage ab. Die gewählte Kommission wurde abgewiesen und betont, der A r b e it e r a u s schu ß solle vorsprechen, mit dem werde in Verhandlung eingetreten. Die Direktion erklärte, daß auf die Forderung der Achtswndenschicht nicht eingegangen werden könne, da diese noch auf keiner Zeche ein- geführt sei. Eine lOprozentige Lohnerhöhung sei man bereit im Verlaufe mehrerer(I) Monate eintreten zu lassen. Lohn und Ab- schlag�ahlung solle, wenn man genügend Bureaubeamte zur Be- wältigung der Mehrarbeit habe, am 1. und 3. Samstag im Monat stattfinden. Die Belegfchaftsversammlung, etwa 3000 Mann, be- schloß darauf einstimmig, im Streik zu verharren, bis die ISprozentige Lohnerhöhung bewilligt ist. In den- nächsten Tagen werden wohl noch benachbarte Schächte zum Stilliegen kommen, da die dort beschäftigten Kameraden dieselben Wünsche haben und unter derselben Misere leiden wie ihre Brüder auf Schacht V. Auch in Klein-Rosseln auf den De Wendel-Schächten sowie auf der- schieden«« königlichen Gruben gärt es bedenkliche Die Mitglieder des M.-Gladbachcr ArbeitSwilligenvereins sagen ihren Führern auch hier Valet, und alte Mitglieder treten dem Verbände bei. Die Bergarbeiter erwachen! Germinalzeit ist esl Die Leevegung im dlirnnreviei'. Aachen, 14. März.(Eig. Der.) In dem im Regierungsbezirk Aachen gelegenen Wurmrevier haben die christlichen Gewerkvereinler ihre ureigenste Domäne und ihren festesten Sitz. Und doch beginnt es in diesem sicheren Lande der Schwarzen zu rumoren. Ter Verrat der Christlichen im Ruhr- kohlewrevier hat auch hier starke Erregung unter den, eigenen Leuten der Christen hervorgerufen. Zur Dämpfung dieser Er- regung, die dem Gewerkverein anfing, Mitglieder zu kosten, hatte der Bczirksleitcr der Christen- für Mittwoch abend in den Berg- arbeiterdörfcrn Alsdorf und Höngen Versammlungen ein- berufen, in denen er die Leute mit der Taktik der Schwarzen im! Ruhrgebiet versöhnen wollte. Vom Deutschen Bergarbeiterverband war Genosse Stupp erschienen, der zunächst in Alsdorf nicht zu Worte kam. Da» schlechte Gewissen verbot den Machern des Gewerkvereins, den Vertreter der kämpfenden Kameraden reden zu lassen. Stupp begab sich nun nach Höngen, wo die christliche Versammlung von 800 Mann besucht war. Hier wollten die Christen das Manöver von Alsdorf wiederholen, aber die eigenen Mit- _g!ieder des christlichen Gewerkvereins erzwan- gen dem Vertreter des freien Verbandes das Wort. Stupp ging unter lebhaftem Beifall der Gewerkvereinler mit deui Verrat im Ruhrrevier scharf inS Gericht. Der Erfolg des Auftretens des Vertreters des freien Ber- bandes war, daß die Vertrauensresolution für den Gewerkverein gegen 26 von den 800 Stimmen abgelehnt wurde. Der Streik in Großbritannien. London, 14. März.(Eig. Ber.) Nach der Ansicht der Bergarbeitervertreter, die äugen- blicklich in London weilen, sind die Aussichten auf eine frühe Beendigung des Kampfes heute noch geringer als zu Anfang der Woche. Eine Konferenz folgt der anderen. Ein Ergebnis ist nicht erreicht worden. Keine der beiden Par- teien hat feit dem Anfang des Kampfes ihre Position ver- ändert, obwohl man hier und da eine Modifizierung der Forderungen der Bergarbeiter entdecken will. Die Regierung hält nur an den genreinschaftlchen Konferenzen fest, weil sie sich sonst keinen Rat weiß. Falls diese Verhandlungen end- gültig fehlschlagen, muß die Regierung die ganze Streikfrage im Parlament zur Sprache bringen und dort wird man sie jedenfalls zwingen, Schritte zu tun, um dem Kampf, der in den Industrien des Landes immer größere Verheerungen anrichtet, auf dem Wege der Gesetzgebung ein Ziel zu setzen. Wird dies die liberale Regierung tun können, ohne die Unter- stützung der Arbeiterpartei auf der einen Seite und die der liberalen Unternehmer auf der anderen Seite zu verlieren? Die augenblickliche Situation schließt nicht nur die Möglichkeit einer wirtschaftlichen, sondern auch einer politischen Krise in sich. Daher ist auch heute alles Interesse für andere politische Fragen verschwunden. In den Jndustriebezirken ist die N o t unter den arbeits- los gewordenen unorganisierten Arbeitern schon sehr groß. In vielen Städten sainmelt man Unterstntzungsfonds. Auch schickt nian sich an. Notstandsarbeiten in Angriff zu nehmen. Es ist zu befürchten, daß es bei der Menge notleidender arbeitsloser Unorganisierter zu Ruhestöningen kommen wird.___ Die neue» Blehrforderungen und ihre Deckung. TaS offiziöse Depeschenbureau meldet: JnderBesprechung.diederReichskanzler gestern mit den leitenden Ministern der Ein', eist aaten hatte, wurde einstimmig das grundsätzlicheEinverständnismitderWehr- Vorlage ausgesprochen und die Notwendigkeit ihrer baldigen Durchführung betont. Ferner herrschte Einmütigkeit darüber daß die geltenden Grundsätze für die Finanzgebarung des Reiches aufrecht zu erhalten seien und daß daher die Deckung der neuen Kosten auch neue Ein- nahmen erforderten. Endlich war man sich allerseits darüber einig, daß neue Steuern auf den Ver- brauch und Verkehr nicht vorgeschlagen w e r d e n f o l l e n. Tie danach sich ergebenden Möglich- k e i t e n wurden eingehend durchgesprochen und ein Plan einstimmig gutgeheißen, der auf Grund der bereits vorbereiteten Unterlagen nunmehr seine endgültige Gestalt erhalten kann.'' Soviel steht also fest, daß die neuen Wehrforderungen die Zustimmung der Bundesregierungen gesunden haben. Da nian gleichfalls darüber einmütig war, daß die neuen For- derungen nicht ohne die Schaffung neuer Einnahmen durchgeführt werden könnten, läßt sich annehmen, daß die Ansprüche des Militarismus zu Land, zu Wasser und in der Luft höchst beträchtliche sein werden, und die Lesart, daß sie sich innerhalb der nächsten sechs Jahre aus mindestens eine Milliarde belaufen werden, eine annähernd richtige sein wird. Das wären für das Jahr 170 bis 180 Millionen, ein Betrag, der allerdings ohne neue Einnahmen nicht ge- deckt zu werden vermag. Fraglich nur bleibt es, w e l ch e s der„Plan" ist, der von den Ministern einstimmig gutgeheißen worden ist. Hat man sich für irgendeine Form der Erbschaftssteuer ausgesprochen? Die Frcikonservativen wären für eine solche ja zu haben und sicherlich auch ein Teil des Zentrums, wie ja die kürzlich von uns erwähnte Auslassung des Abgeordneten Giesberts bewiesen hat. Da neue Steuern aus den Verbrauch und den Verkehr nicht vorgeschlagen werden sollen, könnte es sich nur um eine Besteuerung des Besitzes handeln, so- fern inan überhaupt an eine neue Steuer denkt. Oder sollten sich die Absichten der verbündeten Regierungen etwa auf die Schaffung ein es Monopols richten, um den Agrariern, auch denen des Zentrums, die unangenehme Erb- schaftssteuer zu ersparen? ' Jedenfalls wird es höchste Zeit, mit den entsprechen- Vorlagen an den Reichstag heranzutreten, wenn die Regierung sie nicht bis zum Herbst zurückzustellen beabsichtigt. � Da aber in dem offiziösen Telegramm auch die Notwendigkeit der baldigen Turchführnug der Wehrvorlage betont wird, ist ja eine Verschiebung bis zum Herbst kaum anzunehmen. Da die Vorlagen dem Reichstag aber bestenfalls nach Ostern zugehen könnten und dann bis zu den Pfingstferien nur noch etwa-dreißig Arbeitstage zur Verfügung ständen, so müßte die Tagung bis tief in den Sommer hinein ausgedehnt werden, da so bedeutsame Militär-, Marine- und Steuervor- lagen doch nicht einfach durchgepeitscht werden können! Die„National-Zeitung" zieht aus der offiziösen Mel- dung die Folgerung, daß Herr Mermuth Sieger ge- blieben ist und seine blauschwarzen Gegner die Unterlegenen. Denn obwohl nicht ausdrücklich gesagt werde, welche Steuern geplant seien, lasse doch die negative Form den Schluß zu, daß nur eine Besitzsteuer, in erster Linie die E r b- anfällst euer, in Frage kommen könne. Dem Verlaute nach würden die Wchrvorlagen dem Reichstage nach Ostern zugehen.•, Auch die„Freisinnige Zeitung" ist gleich dem national- ! liberalen Blatte der Ansicht, daß als Deckungsmittel lediglich eine Erbschafts st euer in Betracht kommen könne. Das sei nach den Erklärungen des Reichsschatzsekretärs so gut wie zweifellos, habe Herr Mermuth doch am 17. Februar im Reichstag wörtlich ausgeführt: „Wir dürfen wohl mit einiger Sicherheit voraussetzen, daß eine große Begeisterung in diesem Moment für die Bewilligung neuer indirekter Steuern in diesem hohen Hause nicht vorhanden ist.(Lebhafte Zustimmung 'im Zentrum und linls.s Auf der anderen Seite steht es un- zweifelhaft fest— und der Herr Abg. Gröber hat es wiederholt betont—. daß die sämtlichen Bundesregierungen sich einhellig und mit Recht gegen eine Inanspruchnahme der Einkommens- und- der Vermögenssteuer durch das Reich wenden. Wenn wir nun aber das Gebiet beschreiten wollen, was in der Mitte liegt, und bevor wir überhaupt unseren Fuß auf dieses Gebiet gesetzt haben, wird am Eingänge die Warnungstafel ausgestellt:„Betreten strengstens untersagt I" (Sehr gut! und Heilerkeit links.) Soll denn wirklich die Erb- schaftssteuer für immer und ewig als tiefer Schatten über unserem ganzen politischen Leben liegen? (Sehr richtig! rechts.) Soll die Kluft, die dieses Wort eröffnet hat, fernerhin erweitert und vertieft werden? und sollen ihret- wegen auch die Grundsätze aufgegeben werden, die Sie selbst, meine Herren, haben bauen und festlegen helfen? Soll denn nun— und das kann gar nicht anders kommen, darauf verlassen Sie sich auf das Wort eines, der jetzt schon seit einiger Zeit da? Wohl der Reichsfinanzen auf besorgtem Herzen getragen hat—. soll denn nun das ganze An- leihewesen aus diesem Anlaß neu eröffnet werden? Meine Herren, es ist früher hier gesagt worden, daß eine Nation alles an ihre Ehre zu setzen hat. Ich bin fest überzeugt, daß Sie nicht hinter dieses Wort„alles" ein Frage- zeichen setzen lassen wollen, indem Sie die Bereitschaft zum Opfer von der gesetzlichen Form abhängig machen, in welche sich diese Opfer zu kleiden haben." Die„Freisinnige Zeitung" erklärt schließlich,' daß die Fortschrittliche Volkspartei, sofern ihr der Beweis für die Notwendigkeit einer neuen Steuer einwandfrei erbracht werde, f ü r eine solche Erbschaftssteuer stimmen werde. Die Notwendigkeit der Heeres- und Marineforde- r u n g e n setzt das Blatt also ohne weiteres als s e l b st v e r- ständlich vora u s! Den Kampf gegen den Rüstungswahnsinn, gegen die ge- meingefährliche weltpolitische Rivalität und gegen die ver- brecheriiche Völkerverhetzung mit ihren furchtbaren Gefahren führt eben einzig noch die Sozialdemokratie! Politiscke Gebcrticht. Berlin, den 15. März 1912. Kultusetat. Auch wenn man mit seinen Anforderungen an das Drei- klassenparlamen-t noch so bescheiden ist, wird nian doch durch den bisherigen Verlauf der Generaldebatte zum Kultusctat, dessen zweite Lesung am Freitag begann, schwer enttäuscht worden sein. Keine Rede, die sich über das Maß dcS Alltäg- lichen hinaushob! Olle Kamellen, die schon hundertmal vor- getragen sind, in neuer, aber nicht verbesserter Auflage! Das war das Zeichen, unter dem die Beratung vor sich ging, das war die„geistige" Höhe, auf der die Debatte sich bewegte. Gleich der erste Redner, Abg. D i t t r i ch vom Zentrum, wiegte das Haus durch sein Klagelied über die zu geringe Rücksicht auf die Kirche, womit er natürlich nur die katholische meinte, in einen sanften Schlummer hinüber. Wer heute noch zu behaupten wagt, daß die Kirche in Preußen keine volle Freiheit genießt, oder wem heute die Volksschule noch nicht konfessionell gestaltet ist. weil die geistliche Schulaufsicht nicht voll durchgeführt ist, dem ist beim besten Willen nicht zu helfen. Gegen einen solchen— Fanatismus kämpfen Götter selbst vergebens. Man kann es daher dem Abg. v. Campe (natl.), der sich iin übrigen für die Uebernahme der Schule auf die Kirche aussprach, nicht verdeukeu, daß er diese klerikalen Uebertreibungen auf das richtige Maß zurückführte. Auch was Abg. Freiherr v. Zedlitz über das wissen- schastliche Proletariat, aus dem seiner Ansicht nach die Sozial- demokratie istre besten Kräfte nimmt, und wa? er über oeu Zweck der Volksschule in hurrapatriotischem Eiser vorbrachte, haben wir aus seinem Munde schon des öfteren vernommen. Ja selbst die Ausführungen des Fortschrittlers Kopsch boten, obwohl er eine Reihe von Einzelheiten anfuhrt, die da zeigen, wie das Kultusministerium und wie die Konser- vativen über die Gewissensfreiheit denken, doch im großen ganzen nicht viel Neues. Nicht einmal die Art und Weise, wie er die Lehrer gegen die„Verdächtigung", daß 10 Proz. von ihnen Sozialdemokraten seien, in Schutz nahm, war neu. Höchstens könnte man die mehr als ungeschickte Act seines Auftretens als etwas Ungewohntes bezeichnen, wenn wir nicht gerade bei Herrn Kopsch schon ganz andere Seiten- sprllnge gewohnt wären. Vor Beratung des Kultusetats führte das HauS die am! Donnerstag abgebrochene Besprechung des Etats der Zentral- genossenschaftskasse zu Ende, wobei es zu heftigen Aus- oinandersetzungen über die Preußenkasse und die Landwirt- schaftliche Zentraldarlehnskasse kam. Am Sonnabend stehen zunächst kleinere Vorlagen, dar- unter die betr. Erweiterung des Stadtkreises Lichtenberg, auf der Tagesordnung. Tann soll der Kultusetat weiter be- raten werden. Die Interpellationen über den Bergarbeiterstreir kommen voraussichtlich am Montag zur Besprechung. Aus dem Senioreukonvent des Reichstages. Die Reichspartei hat erneut das Ersuchen um Vertretung im Seniorenkonvent und in den Kommissionen an den Senioren- konvent gerichtet. Sie teilte mit, daß die Abgg. W a r m u t h und Graf P o s a d o w s k y sich den 13 Mitgliedern der Reichspartei haben zuzählen lassen. Aus den Akten des Reichstages versuchten sie nach- zuweisen, daß auch frühere Fraktionen, die weniger als 16 Mitglieder besaßen, nach Zuzählung einiger anderer Abgeordneter zum Senioren- konvent und zu den Kommissionen zugelassen worden sind. Der Seniorenkonvent kam überein, daß dies nach den Akten nachgeprüft und den Fraktionen mitgeteilt werden soll, die dann noch einmal darüber Rücksprache nehmen können. Dann wurde über die Ein» teilung der GesSäfte verhandelt. Bis zu den Osterferien sind noch 11 Sitzungstage zur Verfügung. Bis dahin soll das Reichsamt des Innern, das ReichSamt der Post und der Etat der Reichsdruckerei erledigt werden. Früher snllen die Oster» ferien nach Vorschlag des Abg. Geyer nicht beginnen. Zwischen Ostern und Pfingsten stehen dem Reichstag noch 28 Tage zur Beratung zur Verfügung. Für diese Zeit ist vorgesehen die erste Beratung der Militärvorlage, der Flottenvor- läge, der Steuergesetze und Unvorhergesehenes, für welches vorläufig sechs Tage in Ansatz gebracht wurden. Für die zweite Lesung des Etats sind 19 Tage, für die dritte Lesung des Etats drei Tage in Ansatz gebracht, obgleich früher im Durchschnitt auf die Erledigung 26'/2 Tage gekommen sind. Es würden also zwischen Ostern und Pfingsten nur die vorher bezeichneten Vorlagen und der Etat fertiggestellt werden können. Herrn Paasches Geschäftsführung. Als vorgestern der Genosse Sachse unter PaascheS Geschäftsführung im Reichstag die Sache der Bergarbeiter verfocht, sah man Herrn Dr. Oerie l unmutig die Brauen runzeln der nationalliberale Zeus auf dem Präsidenten» stuhl ging ihm mit den Donnerkeilen des Ordnungsrufes zu sparsam um, und richtig! im Morgenblatt der„Deutschen T a g e s z e it u n g" vom 15. März wurde Herr Paaschs Wegeft angeblich lendenlahmer Geschäftsführung zur Ord- nung gerufen und von denn prneesptor gerrnaniae, als den sich der Dicke mit der Weißen Weste so gern aufspielt, an den Ohrwascheln genommen. Die Züchtigung hatte gewirkt. Denn als heute wieder der nationalliberale Zeuskopf Paasches über dem Reichstag leuchtete, kam alsbald die Gelegenheit, wo er die nationalen Farben herausstecken konnte. Als der Pole S o s i n s k i mt Recht das Verbot der polnischen Versamm» lungssprache im Ruhrrevier rügte, das geradezu den Anschein habe, als wolle die Regierung Blut vergießen, fuhr nicht nur ein Ordnungsruf auf das Haupt des Redners nieder, sondern Herr Paaschs fügte aus eigenem hinzu:„Deutsche Bürger können doch überall Deutsch sprechen!" Das war Wohl halb als Plaidoyer für den Sprachenparagraphen ein spontaner Ausbruch seines ehrlich hakatistischen Herzens, halb aber auch eine„nationale" Ver- beiigung vor der Rechten, auf jeden Fall aber eine ganz grob- liche lleberschreitung der Präsidialbefugnis. Wenn Herr P a a s ch e so weiter amtiert, wird er auf der Linken des Hauses bald recht beliebt sein. Der Streit im Zentrum. Die Angriffe der Richtung Roeren-OppcrSborf auf die„Bache- miien" und M.-Gladbachcr werden täglich intensiver. Es erscheinen jetzt Blätter der ersteren Richtung in Köln, Berlin, Breslau und Trier. Die Herausgabe eines fünften Wochenblattes in Mainz ist beabsichtigt. Die von einem Herrn Albert Jansen herausgegebene antibnchemsche„Kölner Korrespondenz" präzisiert den Kern de? Streites der beiden Richtigungen wie folgt: Müssen die Weltanschauungsorganisationen der deutschen Katholiken im grundsätzlichen Einklang mit der katholischen Weltanschauung stehen? Die Osterkonferenz antwortet: Ja, die Richtung Bachem: Nein. Wer sich vor Augen hält, daß diese Frage allein den archimedischen Punkt aller Streitigkeiten bildet, der muß sagen: RomkanngarnichtanderSalSderOster- konferenz recht�ebenl Die Zentralregierung der katho- lifchen Gesamtkirchc könnte erklären, daß es nicht opportun oder nötig sei, die hier genau präzisierte Streitftagc zu erörtern, sie könnte ferner den Vertretern der beiden Lager Verweise erteilen, weil sie taktlos vorgegangen seien oder die Nächstenliebe verletzt bättcn. Nimmt aber die Kirche zu der Frage selbst prinzipiell Stellung, so muß und wird sie erklären, daß die Osterkonserenz Recht und die Richtung Bachem Unrecht hat. daß also die Weltanschauungsorganisationen der Katholiken im grundsätz- lichen Einklang mit der katholischen Weltanschauung bleiben müssen. Dies ist so sonnenklar, daß man sich baß wundern muß, wie die Position der Osterkonserenz von Katholiken überhaupt bekämpft werden kann. Man sieht, daß die OstcrdienKtagZleute sich der„Zentral- regierung" in Rom völlig sicher sind; und in der Tat ist nicht daran zu zweifeln, daß die Kurie auf feiten der durch Bischof Korum, Rocren, Dr. Kauffmann, Oppersdorf usw. repräsentierten Gruppe steht. Wenn das nicht stets mit der von der letzteren gewünschten Klarheit in die Erscheinung tritt, so deutet das eben wicdergegebene Zitat den Grund zutreffend an: eS ist zurzeit„n i ch t o p p o r t u n". Und dann, so schreibt die„Kölner Korrespondenz" an anderer Stelle:„Die Kirche versucht alles� ehe sie sich zum äußersten entschließt". Die Frage, ob sie noch weitergehe, beantwortet die„Kölner Korrespondenz" dahin:„Gewiß, denn die Verhältnisse. die sich bedenklich zuspitzen, drängen zur Entscheidung" Außerordentlich interessant ist ein Artikel der„Köln. Korr" der sich mit den christlichen Gewerkjchaften besaßt. Ter Vewerkschastssekretär der Zentrumsgetverlschaften, Herr Adam S t e g e r w a l d, hat sich kürzlich in Köln in einer Rede über daS Verhältnis der christlichen Gewerkschaften zur katholischen Glau- bens- und Sittenlehre geäußert. Auf die Ausführungen Steger- Ivalds schreibt die„Köln. Korr.": Die kirchliche Autorität hat die interkonfessionellen christ- lichcn Gewerkschaften als solche nicht verworfen, und in infor- mierten katholischen Kreisen weiß man auch warum. Aber die christlichen Gewerkschaften sollten sich hüten, daraus eine prin- zipicllc Billigung des interkonfessionellen Standpunktes herzu- leiten. Sie sollten sich überhaupt mit der praktischen Arbeit be- gnügen und das Philosophieren lassen. Besonders sollte Adam Stegerwald bei seinen Leisten bleiben und nicht versuchen, eine Position theoretisch zu verteidigen, die nicht baltbar ist! Warum nehmen sich die christlichen Gewerkschaften kein Beispiel an den Bachcmiten auf dem Gebiete des Zentrums- streits? Die Bachemiten wissen, daß ihre Idee eines Reform- zentrums zusammenbricht, sobald man sie näher betrachtet. Darum lassen sie sich auf prinzipielle Erörterungen wohlweislich nicht ein. Wir raten den Gewerkschaftlern der M.-Gladbacher Schule, es ebenso zu machen. Sie mögen froh sein, daß sie das Leben haben! Das ist deutlich! Die christlichen Gewerkschaften werden nur geduldet, weil man sie gegen die moderne Arbeiterbewegung gebraucht, zu deren Abwehr sie ausgesprochenermaßen von den Zen- trumsführcrn(Bachem, Trimborn, Pieper, Giesberts usw.) gc- schaffen worden sind.„Sie mögen froh sein, daß sie das Leben haben!" Eine solche Sprache redet die„Köln. Korr." nicht von ungefähr. Sie weiß, daß die Kirche hinter ihr steht. Sie weiß, daß die Zentrumsgewerkschaften nur von Roms Gnaden existieren. Und die Herren Brust, Stegerwald usw. wissen das auch. Klerikalismus und Zcntrumsinteresse haben ihnen stets höher ge- standen als die Sache des arbeitenden Volkes; und wenn die christlichen Gewerkschaftsführer jetzt im Ruhrgebiet wieder einmal Klugheit und Selbsterhaltungstrieb außer acht lassend, die Ar- beitersache verraten, so zeigt das, wie sehr sie von anderen Mächten abhängig sind. Preuhen ist ein ganz besonderer Staat. Preußen ckmraklerisiert sich in der Praxis durch einen browning- bewehrten ScLutzmann, der nach dem Dreiklassenwahlrecht wählt, in der Tbeorie ist es eine Jdealmonarchie. Die in der preußi« schen Verfassung garantierten Rechte der Preußen— Titel H, Art. 3 bis 42— haben als Vorbild die von der französischen Revolution proklamierten droits de rhomrae et de citoyen und die Grundrechte, welche die Frankfurter Nationalversammlung vom 21. Dezember 1848 beschloß. Die Väter der preußischen Verfassung, waS die Rechte der Preußen betrifft, find also durchaus ehrenwert und geschichtlich bedeutend. Dem entspricht auch die Formulierung jedes Preußenrechles. Das ist u. a.: „Alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich. Standes Vorrechte finden nicht statt. Die öffentlichen Aemter find, unter Ein« Haltung der von den Gesetzen festgestellten Bedingungen, für alle dazu Befähigten gleich zugänglich." „Die„Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der Vereinigung zu Religionsgesellschaften und der gemeinsamen häuslichen und öffentlichen Religionsübung wird gewähr- l e i st e t. Den bürgerlichen und staaisbürgerliwen Pflichten darf durch die Ausübung der ReligionSfteiheit kein Abbruch geschehen." „Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei." „Für die Bildung der Jugend soll durch öffentliche Schulen genügend gesorgt werden." „Jeder Preuße hat daS Recht, durch Schrift, Druck und bildliche Darstellung seine Meinung frei zu äußern." „Das Petitionsrecht steht allen Preußen zu." Eine schöne Auswahl vernünftiger Staatsartikel! Nur möchten wir fragen: Sind heute alle Preußen vor dem Gesetze gleich? Finden heute in Preußen Standesvorrechte nicht statt? Ist heute die Freiheit des Religionsbekenntnisses in Preußen gewährleistet? Stehen heute die öffentlichen Aemter in Preußen jedem Be- fähigten gleich offen? Ist heute in Preußen die Wissenschaft und ihre Lehre frei? Ist heute in Preußen für die Jugendbildung durch öffentliche Schulen genügend gesorgt? Darf heute jeder Preuße seine Meinung in jeder Form frei äußern? Wird heute das Petitionsrecht allen Preußen— auch den Beamten— zugebilligt? Die Fragen sind in der Staatsverfassung Preußen? theoretisch mit„Ja" beantwortet, die Praxis beantwortet sie mit Nein! In einem Klassenstaate kann es keine Gleichberechtigung geben, sie ist so lange Verfassungstheorie als sie nicht durch das Voll zur Praxis gemacht worden ist! Landräilicher Wahlzwang. Wie die„Preuß. Lehrcrztg." meldet, ist verschiedenen Lehrern des Wahlkreises Kalau-Luckau folgendes Schreiben aus dem Landratsamte zugegangen:„Kalau, den 1. März 1912. Durch Rundverfügung vom 22. Dezember v.J.— 2 A 5025— an die Kreis- und Ortsschulinspektoren hat die königl. Regierung sämtlicbe Lehrer darauf hingewiesen und zwar ausdrückliw, daß es patriotische Pflicht aller staatstrcuen Bürger, insbesondere aber aller wahlberechtigten Beamten und Lehrer sei, von ihrem Wahl- recht bei den Neuwahlen zum Reichstag Gebrauch zu machen. Zu- gleich hatte die königl. Regierung angeordnet, daß den Beamten die nötige dienstfreie Zeit an den Tagen der Haupt-, Stich- und Nachwahlen gewährt und ihnen die Kontrolle der Wählerlisten er- leichtert werde. Trotzdem haben Sie bei der Stich- wähl Ihre St i m m e nicht abgegeben. Im Namen der königlichen Regierung. Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, veranlasse ich Sie, sich darüber binnen fünf Tagen zu äußern, warum Sie der ausdrücklichen Weisung der königlichen Regierung nicht nach- gekommen sind. I. V.: Heinze, Kreissekretär." Allem Anschein nach will das Landratsamt dafür Rache nehmen, daß im Wahlkreis Kalau-Luckau bei der letzten Reichstagswohl zum ersten Male der sozialdemokratische Kandidat, der Genosse Wels- Berlin, gesiegt hat, und da man an jene Wähler, die wirtschaftlich von der Regierungsverwaltung unabhängig sind, schwer heran kann, geht man zunächst gegen die Bolksschullehrer vor. Was man von ihnen will, bleibt freilich rätselhaft, denn bisher besteht noch keine Wahlpflicht zum Reichstag. Wem keiner der aufgestellten Kandidaten zusagt, darf zu Hause bleiben, auch wenn er Staats- oder Kommunal- beamter ist. Hoffentlich lassen sich aber die Lehrer den widerrecht- lichen Versuch des Landratsamles, sie zum Wählen zu zwingen, zur Lehre dienen und stimmen das nächste Mol mit ab, und zwar in richtiger Erkenntnis ihrer Stellung im heutigen preußischen Junker- staat— sozialdemokratisch. Lieber Zuchthaus als Festungsgefängnis. Daß sich jemand der Wahrheit zuwider selbst einer strafbaren Handlung bezichtigt, um ins Zuchthaus zu kommen, dürfte wohl zu den Seltenheiten gehören. Mit einem solchen eigenartigen Fall hatte sich dieser Tage daS Kriegsgericht in Dresden zu beschäftigen. Der 24 Jahre alte Maler, jetzige Militärgefan�ene Karl Alfred Schurz wurde im Herbst 1909 beim Jnfanterie-Regiment Nr. 179 eingestellt. In der Absicht, sich dauernd der Dienstpflicht zu ent- ziehen, entfernte er sich aber bald von seiner Truppe, weil es ihm nach seiner Angabe nicht gut gegangen sei. Nach sieben Monaten wurde er wieder aufgegriffen und wegen Fahnenflucht und Diebstahls zu ein Jahr sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Zur Strafverbüßung brachte man ihn in daS Dresdener F e st u n g s g e f ä n g n i s, wo die Militär- gefangenen bekanntlich unter den Militärgesetzen stehen. Hier will Schurz mehrfach schikaniert und zu Unrecht bestraft worden sein. Der Aufenthalt wurde ihm deshalb unerträglich; an manchen Tagen war er so erregt, daß er am ganzen Körper zitterte. Schurz war deshalb bestrebt, aus dem Festungsgefängnis herauszu- kommen; er wollte in eine Zivilanstalt oder ins Zuchthaus. Er hat darüber mehrfach mit einem Leidensgenossen gesprochen und dieser soll Schurz den Rat gegeben haben, elwas zu begehen oder sich einer Straftat zu bezichtigen, dann käme er raus. Ansang Oktober v. I. erhielt Schurz auf Meldung eines Unteroffiziers wieder— nach seiner Ansicht zu Unrecht— eine dreitägige strenge Arreststrafe. Als er aus dem Arrest kam, ist er von einem Unteroffizier schwer„heran- genommen" worden. Das brachte Schurz in eine derartige Er- regung, daß er sich gleich darauf zu einer mit schwerer Strafe bedachten Handlung hinreißen ließ; er warf einen Gegen- st a n d n a ch d e m U n t e r o f f i z i e r und der tätliche Angriff war fertig..Zusatzstrafe von 2 Jahren und einem Monat Gefängnis" lautete der Richterspruch der Militärjustiz. Schon damals hatte Schurz den Richtern zugerufen:„Ich will ins Zuchthaus, im Festungs- gefängnis mache ich mich immer Unglück- l i ch e r I" Das Gericht tat ihm jedoch nicht den Gefallen, auf Zucht- haus zu erkennen. Er sann deshalb(ein Ende der Strafzeit im Festungsgeiängnis war nicht abzusehen) darüber nach, wie er diesen Weg am besten erreichen könne. Schließlich kam er zur Selbst- bezichtigung. Am 21. November ließ sich Schurz vorführen und gab der Wahrheit zuwider an, er habe auf seiner Fahnen- flucht in Berlin auf der Jnvalidenstraße aus einem Schuh- warenladen ein Paar Schuhe entwendet. Schurz war der Annahme, daß er nun— er ist zweimal wegen Diebstahls bestraft— wegen Rückfalldiebstahls mit efängnis und mehrjährigem Ehrverlust oder Zuchthaus bestraft werden würde. Die Uiitersuchungsbehörde stand dieser Selbstbezichtigung an- fangS sehr mißtrauisch gegenüber, Schurz blieb aber immer wieder dabei, den Diebstahl begangen zu haben. Durch die angestellten Erörterungen wurden die Angaben des Schurz zum Teil bestätigt, worauf eine Anklage wegen einfachen Diebstahls erfolgte. Rückfall kam nicht in Frage, weil der angebliche Diebstahl vor der Aburteilung des zweiten Diebstahls liegt. Darauf wurde Schurz in der jetzigen Verhandlung ausdrücklich hingewiesen und ermahnt, der Wahrheit die Ehre zu geben. Und nun ereignete sich etwas Merkwürdiges: Schurz erklärte auf einmal, daß er den Dieb st ahl nicht be- gangen habe; es sei ihm lediglich darauf angekommen, eine recht harte Strafe zu erhallen— am lieb st en Zuchthaus! Da aber nur einfacher Diebstahl in Frage komme, habe es keinen Zweck, die Selb st bezichtigung noch aufrecht zu erhalten!! Auf eine weitere Frage erklärte Schurz:„Ich wollte weg aus dem Festungsgekängnts, weil ich glaube, dort nie wieder herauszukommen, ich mache mich immer wieder unglücklich, denn das Personal ist zu jung und alles wird bestraft!"(Was liegt nicht alles in diesen Worten— eine gellende Anklage gegen das System.) Auch als ihm vorgehalten wurde, daß er sich durch eine falsche Selb st bezichtigung einer schweren AchtungSver- letzung schuldig gemacht haben würde, blieb Schurz dabei, den Diebstahl nicht begangen zu haben. Trotz des Widerrufs bean- tragte der Anklagevertreter wegen einfachen Diebstahls mehrere Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf Freisprechung. Die Angelegenheit wird aber für Schurz noch ein trauriges Nachspiel haben._ Zwei Kriegsgerichtsurteile. Wegen einer grenzenlosen Roheit hatte sich der S e r g e a n t P e tz o l d vom Infanterieregiment Nr. 177 vor dem Dresdener Kriegsgericht zu verantworten. Dem Angeklagten war im Herbst vorigen Jahres eine Rekrntenkorporalschaft zur Ausbildung übergeben worden, in der sich auch ein schwerhöriger! und schief ge- bautcr! Soldat namens Richter befand. Eines Tages während des Dienstes soll Richter wieder eine ganz unmiliiärische Stellung ein« genommen haben; dafür wurde er mit rohen Mißhandlungen gestraft. Der als„brauchbarer" und.strammer" Vorgesetzter geschilderte An- geklagte schlug den Soldaten mit der Faust auf den Helm, versetzte ihm einen Fußtritt gegen den Arm und schließlich noch einige Schläge mit dem Seitengewehr auf den Hinter« köpf!! Die Mißhandlungen waren so erbeblich, daß sich Richter in ärztliche Behandlung begeben mußte, wobei Verletzungen deS Nasenbeins, eine Geschwulst a m Arm und Beulen und blutunterlaufene Stellen am Hinterkopf fest- gestellt wurden!! Vor Gericht entschuldigte sich der Sergeant da- mit. daß er nur Korrekturen habe vornehmen wollen, die aber härter ausgefallen seien, als er beabsichtigt habe! DaS Gericht verfuhr mit dem.Soldatenerzieher' sehr mild; es verurteilte ihn wegen Mißhandlung eines Untergebenen in Tateinheit mit vorschriftswidriger Behandlung begangen während der Ausübung de» Dienstes und unter Mißbrauch der Waffe zu— 3 Wochen mittleren Arrest I l Ein Gegenstück! Wie schwer dagegen oft ein Soldat wegen einer Lappalie be- straft wird, zeigt folgender Fall. Der Soldat Pätschke halte eines Tages sein Gewehr gereinigt, aber nicht in die Stütze gestellt, weil diese mit seinem neuen Gewehr besetzt war. Er erhielt aber vom Sergeanten den Befehl, daS Gewehr auch in die Stütze zu stellen. Das konnte P. nicht, weshalb er sagte:„Ich bitte melden zu dürfen, daß meine Gewehrstütze besetzt ist?" Trotzdem wiederholte der Sergeant den Beiehl, worauf P. dieselbe Aeußerung tat. Darin wurde Albtungsvcrletzung, Gehorsamsverweigerung und Beharren im Un- gehorsam erblickt. Vom Gericht erhielt P. die exorbitante Strafe von 22 Tagen strengen Arrest!! Auf die eingewendete Be- rufung hob das Dresdener Kriegsgericht das Urteil auf, weil dem Standgerich', bei Bildung der Gesamtstrafe ein Irrtum unterlaufen war. Es hielt die Anklage für gedeckt und warf 21 Tage strengen Arrest aus! franhmcb. Tie Marokkopolitik. Paris, IL. März. Die Kammer setzte die Interpellation über die auswärtige Politik fort. Ministerpräsident Poincare führte aus, die Regierung sei bereit, die volle Verantwortung für ihre Politik zu übernehmen und Erklärungen abzugeben. Doch dürfe man die auswärtige Politik nicht schwächen, indem man Mißver- ständnisse fortbestehen lasse zwischen Männern, die mit verschiedenen Mitteln, aber mit demselben Ideal ihre Pflicht als gute Franzosen getan hätten. Poincare bat seine Freunde Caillaux, Cruppi, Messimy und Briand, dem höheren Interesse ihren Wunsch, sich auszuspred)en, zu opfern. Uebrigens könne kein ehemaliger Minister Depeschen und Telegramme, die cr erhalten habe, ohne Zustimmung der fremden Mächte veröffentlichen, noch Einzelheiten der Vcrhanb langen enthüllen.(Lärm.) Poincare fügte hinzu, in der marokka nischen Frage fühle die Regierung sich solidarisch mit den früheren Kabinetten; das Protektorat über Marokko sei das rechtmäßige Er- gebnis ihrer Bemühungen. Am Schluß der Sitzung beharrte I a u r e s dabei, von den ehemaligen Ministern Rechenschaft zu fordern. Er sagte:„Es gibt keine Republik mehr, wenn wir nicht das Recht haben, die Wahr- heit zu erfahren. Er griff dann P i ch o n und Caillaux an und warf Cruppi vor, daß er mit Fondere und dem Reichstags- abgeordneten Semler verhandelt habe. � Er versicherte auf sein Ehrenwort, Cruppi habe ihm im wesentlichen erklärt:„Ihn braudst End» wegen des Marsches auf Fes nicht zu beunruhigen. Von Deutschland ist nichts zu befürchten. Wir bereiten etwas großes vor." Die äußerste Linke verlangte von Caillaux eine Erklärung.(Lärm.) Caillaux rührte sich nicht. J<>--e§ rief: Wenn Caillaux schweigt, muß cr vom Parlament disqual:- fiziert werden.(Beifall auf der äußersten Linken.) Er forderte dann das Gelbbuch. Poincare erwiderte, das Gelbbuch befinde sich in der Staatsdruckerei. Zum Schluß.wies Jaures auf die Gefahr von Gcheimverträgen hin. Wahlkuvcrts und Wahlkabinen. Paris, IL. März. Die T c p u t i c r t e n k a m m c r hat mit 524 gegen zwei Stimmen eine Bestimmung zum Wahlgesetz an- genommen� durch welche kuvertierte Stimmzettel und besondere Wahlkabinen eingeführt werden. Italien. Giolitti über Reaktion und Sozialismus. Rom, 11. März.(Eig. Ber.) Ter Abgeordnete Genosse B e n- kini hat bei der Diskussion des Budgets des Innern im�Auftrag der Parteifraktion dem Minister die stetig wachsende Schärfe vor- gehalten, mit der Gerickstc und Polizei seil Beginn des Krieges gegen Sozialisten und Gewerkschaftler vorgehen. Er hat darauf hingewiesen, daß in den letzten Monaten wegen politischer Vcr- gehen 245 Jahre Gefängnis verteilt worden sind� und hat hervorgehoben, daß man heute, wie zur Zeit der schwärzesten Reaktion, den Paragraphen über die Bildung verbrecherisdier Vereinigungen auf Sozialisten und Gewerkschaftler anwendet. Als Bentini sagte. daß die Gerichte dabei vielleicht einer von oben ausgegebenen Parole gehorchten, unterbrach ihn Giolitti sehr lebhaft, um dies mit der größten Energie in Abrede zu stellen. In seinm Schluß- wort hat dann Giolitti zugegeben, daß von der Polizei Irrtümer begangen sein könnten. Er habe nichts dagegen, einen Teil der Prozesse einer Durchsicht zu unterziehen und eine mögliche Amnestie ins Auge zu fassen. Der Ministerpräsident hat sich dann noch über den Sozialismus ausgelassen und hat gemeint, daß die Sozialisten einen Teil ihres Einflusses aus die Massen verloren hätten. Nach seiner Anficht liegt das daran, weil früher die Regierung ein Werk- zeug in der Hand chner Klasse war, um die andere zu unterdrücken. während sie heute die Pflicht fühlt, für die Besserstellung der be- herrschten Klassen zu sorgen, um somit einen Teil des sozialistischen Programms zu verwirklichem Natürlich könnte diese Politik wegen ihrer politischen Resultate die sozialistische Partei nicht zufrieden- stellen: ste hätte aber dazu geführt, die Sozialiften vernünftiger zu machen. Man könne nicht sagen, daß der Sozialismus tot sei, sondern müsse nur anerkennen, daß er weniger heftig ist als früher. Im übrigen bliebe den Sozialisten immer die Aufgabe, die Vorhut für alle Forderungen der Arbeiterschaft zu bilden, welch« Forchc- rungen die Regierung, die die Verantwortlichkeit der Macht hat, je nach der sozialen Lage allmählich verwirkliche. Wir wissen also jetzt aus dem Munde GiolittiS, daß die Re- gierung heute eine Art Konkurrenzunternehmen für die sozialistisd)« Partei darstellt. Hoffentlich merken die Massen bald etwaS davon. Bis jetzt bilden nur die 245 Jahr Gefängnis den ersten Vor- geschmack._ Letzte Nachrichten. Ter Leutnant mit ßO Mann. Bochum, 15. März.(Eig. Tel. d.„Vorwärts".) In der heute nachmittag in Massen bei Unna stattgefundenen Berg- arbeiterversammlung erschien, als das Referat beendet und die Versammlung bald zu Ende war, ein sehr junger Leutnant mit etwa 6l) Soldaten des 16. Infanterieregiments und for- derte im Namen Sr. Majestät auf, das Lokal zu verlassen, andernfalls er von der Waffe Gebrauch machen laste. Der Leutnant hatte in der rechten Hand einen Revolver und in der linken den blanken Säbel. Es entstand eine Panik. Der Referent und der Versammlungsleiter forderten die Versammelten auf ruhig zu bleiben und sich langsam zu ent- fernen, damit an den Ausgängen kein Gedränge entstehe, was auch befolgt wurde. Dafür wurden die Personalien der beiden Auffordernden von dem Leutnant festgestellt. So- wohl dem Wirt wie den Versammlungsleitern wurde vom Leutnant erklärt, sie dürften unter keinen Umständen mehr eine Versammlung abhalten. Weitere Polizeitaten. Bochum, 15. März.(W. T. B.) Die gestrigen Vorgänge an den Präsidentenschächten gaben der Polizei Veranlassung zu einer sehr stärkeren Besetzung der Straßen und zu schärferem Vorgehen. In verschiedenen Straßen, wo junge Burschen schössen, wurden starke Ansammlungen mit Kolbenstößen, mit blanker Waffe und Schußwaffen zerstreut. Eine Person erhielt einen Schuh in? Bein. Die Verhandlungen in England gescheitert. London, 15. März.(P. C.) Die mit Spannung erwartete heutige Konferenz zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern, in der die Entscheidung fallen sollte, ist ergebnislos verlaufen. Die Verhandlungen wurden abgebrochen, und es ist noch nicht zu ersehen, ob sie wieder aufgenommen werden. Die Regierung beab- sichtigt nunmehr, wie angekündigt, die Frage des Mindestlohnes auf gesetzlichem Wege zu regeln._ Ein Ketzerprozeß. Breslau, 15. März.(W. T. B.) In dem Disziplinarverfahren gegen den Pfarrer lic. T r a u b» Dortmund wurde heute abend nach viertägiger Perhandlung das Urteil verkündet. Es lautet auf Strafversetzung. Echt russisch. Warschau, 15. März.(P. C.) Die Gerüchte über die Flucht des verurteilten Paulanermöncbs Damazy Maczoch scheinen sich zu bewahrheiten. Die Pölizei gibt sich alle Mühe, die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen, da eine Anzahl höherer Polizeibeamtm in der Angelegenheit aufs schwerste komprvmittiert sein sollen. Ferner heißt es. die russischen Behörden hatten Maczoch in das Kloster hineingeschmuggelt, um durch ihn die Verwaltung der Klvsterschätze in die Hand Z« bekomme». Wer meldet, siegt. Konstantinoprl, 15. März.(W. T. B.) Der Kommandant der türkischen Streitkräfte bei B e n g h a s i meldet dem Kriegs- Ministerium, daß am 15. März eine türkische Abteilung aus den Befestigungen von Fojat ausrückte und die Italiener angriff, welche ihr Lager verließen. Tie Italiener Hatte» ziemlich erhebliche V e r l u st e. Auf türkischer Seite waren zwei Verwundete. Die Türken erbeuteten viele Pferde und Kamele. Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Glvcke.Beri'n. Druck». Verlag-Vorwärts Buchdr-u, Veriagsanstalt PaulSiitger'ä:Co.,BerlinLVV. Hierzu 5 Beilagen«.UnterhaltungSbl. Nr. 64. 39. Jahrgang. 1. SeilM des Jonirtö" lerliner Poltelilött. Reichstacf» 27. Sitzung. Freitag, den 15. März. nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStische: Dr. D e l b r ü ck. Präs. Kaempf verliest daS Danlestelegramm deS Präsidenten der i t a l i e n i s ch e n Kammer für die gestrige Depesche des Reichstags aus Anlast des Attentats. Ferner gelangt zur Verlesung ein Schreiben des Kriegs Ministers, worin er feststellt, dast nach seinen Ermittelungen die neulich von dem Abg. S ü d e k u m Eine Verkürzung der Schichtzeit, gegen die auch Rentabilitätsgründe sprechen sollen, bedeutet noch lange nicht auch eine Verkürzung der Arbeitsleistung. Der Bergarbeiter kann 8 Stunden nicht hintereinander arbeiten, sondern muß Ruhe« pausen einlegen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen im Gegen- teil bei verkürzter Schichtzeit eine Erhöhung der Förderung. Die Zechenherren sagen, wir könnten bei Erfüllung der Bergarbeiter- forderungen auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrieren. Nur nicht solche Schauermärchen! So gefährlich ist die Sache wirklich nicht. Die Abschaffung der Ueberschichten halten wir für durchaus gerechtfertigt, da- durch wird die allgemeine Leistungsfähigkeit herabgedrückt. Der Mensch ist eben keine Maschine und kann nicht dauernd tälig sein. Bei den Arbeiterwohnungen verlangt man eine ein- monatige Kündigung, damit der Arbeiter nicht ohne weiteres mit Familie aus die Straste gesetzt werden kann. Das ist e i n e sehr berechtigte Forderung, die der Reichstag schon früher mit großer Mehrheit erhoben hat. Auch das Verlangen, dast die Arbeiter in den Zechenwohnungen Kolporteure ihrer Zeitung, Abgesandte ihrer Organisation empfangen dürfen, ist ganz selb st- verständlich. Ihnen das zu verbieten, bedeutet eine ganz unwürdige Bevormundung erwachsener Mensche« die dem Grubenbesitzer doch nichts als ihre Arbeitskraft ver« kauft haben.(Sehr gut! links.) Eine unbedingt notwendige Forde> rung ist weiter die Umwandlung deS einseitigen Arbeitsnachweises der Zechenbesitzer in einen paritäti» schen Nachweis. Wie ein einseitiger Nachweis ausgenutzt wird zur Herbeiführung eines modernen Sklaventums hat Herr Sachse uns ja gestern wieder an krassen Beispielen gezeigt. Diese Forde> rung sollte recht bald erfüllt werden, ebenso wie die B e s e i t i g u n g des jetzigen Strasunwesens. Verständig ist auch die Forderung nach einem paritätischen Schiedsgericht. All daS sind Sachen, über die sich verhandeln lassen müßte und die auch den Zechen so gut wie keine Kosten auferlegen. Aber eS sind eben lauter Eingriffe in das Herrenrecht der Unternehmer, aus das sie bedauerlicherweise bestehen. Ich komme nun darauf, daß man diese Forderung durch den Streik zu erzwingen sucht. Den Kontraklbruch, unter dem der Streik de« gönnen ist, werden wir sicher alle bedauern. Freilich ist eine Kündigung durch den einzelnen Arbeiter nicht leicht durch« führbar; es müßte eine Instanz geben, die berechtigt ist, eine gemeinsame Kündigung vorzunehmen. Im Auslände ist das, z. B. in England, Sache der Organisation. Man sollte bei uns eine Kollcktivküiidigung durch Beauftragte gesetzlich einsühren. Für Einzel heilen ist der A r b e i t e r a u s s ch u st zuständig, in großen, all- gemeinen Fragen aber die Organisation.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich halte den Tarifvertrag auch im Bergbau für die meisten Arbeiter für durchaus möglich. Die Einführung eines Minimallohnes im Bergbau ist gar nicht so etwas Utopisches. Im Bau« gewerbe, im Buchdruckgewerbe ist der Mindestlohn ein« geführt und die Konservativen verlangen ja selbst im Z 100 q für die Handwerker etwas ganz AehnlicheS.(Sehr richtig! links.) Auch im Bergbau werden, wie gesagt. Tarifverträge möglich sein, wenn nur der gute Wille zum Verhandeln da wäre. Aber daran feblt es ja eben; die Grubenbesitzer fühlen sich als Herren, die nicht verhandeln, sondern dekretieren.(Sehr wahr! bei den Sozialdem.) Auch die von ihnen schließlich gegebenen Versprechungen genügten bei der jetzigen Situation nicht mehr. Versprechen kann jeder, hier mutzte eine greif- bare, bestimmte Zusage gegeben werden.(Sehr richtig! links.) Der Staatssekretär meinte, die Zeit zur Vermittelung sei noch nicht reif gewesen. Ich finde, eS war eher schon zu spät. (Sehr richtig I) Die richtige Zeit zur Vermittelung wäre der Moment gewefen, als die Forderungen abgelehnt wurden. Aber man hat bei uns kein Berständnis für die Bolkspsyche.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Hätte man beizeiten eingegriffen, ehe die Erregung unter den Bergarbeitern soweit gestiegen war, hätte der Streik sicher vermieden werden können. Wenn der Nachahmung: erst als England Versuche größeren UmfangS gemacht hatte, wurde das Interesse in Deutschland allgemein. Durch den Großherzog Karl August angeregt, befaßte sich auch Goethe damit. Im Jahre 1815 entstand auch die erste Gasanstalt in Deutschland. Eine alte Amalgamierwerkstatt wurde, so erzählt„Die Welt der Technik", in eine Gasanstalt umgewandelt. Zu dieser Zeit wurden in London die Hauptstraßen bereits durch Gas erleuchtet. Dort hatte schon in den Jahren 1804— 1809 Mr. Friedrich Albert Windsor, der eigentlich Winzer hieß und Deutsch- Oesterreicher war, Patente für die Erzeugung und Verwendung von Leuchtgas erworben und mit Erfolg den Versuch gemacht, die eine Seite der Pall Mall,«ine der elegantesten Londoner Straßen, mit Gas zu beleuchten. Damit war die Geschichte der Gasbeleuch- tung aus dem Stadium der Spielerei in das der industriellen Ver- Wertung getreten. Natürlich konnte man sich im Publikum nicht fo ohne weiteres denken, wie ein Licht ohne Docht brennen könne und wie Luft entzündet werden kann. Der berühmte Romanschriftsteller Walter Scott behandelte mit der schärfsten Satire diese„lächerliche Neuerung", aber selbst der große englische Physiker Davy erwis sich als entschiedener Gegner der neuen Beleuchtung. Ihre rasche Ent- Wicklung war auch durch den geradezu unleidlichen Geruch verzögert worden, der zunächst damit verbunden war und der sie für Zimmer- beleuchtung anfangs fast unverwendbar machte: es war das Ver- dienst Cleggs und Windsors, eine rationelle Gasreinigung zuerst eingeführt zu haben. Auch in Deutschland war der Widerstand der öffentlichen Meinung zuerst recht groß. Die„Kölnische Zeitung" führte sieben Gründe gegen die Neuerung an, darunter einen theolo- gischen, juristischen und medizinischen. Aber diese„Gründe" konnten doch nicht hindern, daß die Gas- beleuchtung. wie überall in der Welt, auch in Deutschland immer mehr an Boden gewann. Die Stadt Freiberg richtete sich Gasbe- leuchtung ein, hierauf Hannover, dann folgte Berlin.„Unter den Linden" war die erste Straße in der Stadt mit Gasbe- leuchtung, wie sie Jahrzehnte später die erste Straße mit elektrischer Beleuchtung war. Und dann begann der Siegeslauf der Gasbeleuch- tung in Deutschland. Die Ethik des Selbstmordes. Der Präsident der Kyuschu-Uni- versität Dr. Damakawa hat, wie aus Tokio berichtet wird, sein Amt niedergelegt, und zwar steht sein Zurücktreten mit einem merk- würdigen Borfall in Zusamemnhang. Als der Mikado im ver- gangenen November die großen Manöver besuchte, erlitt der Hofzug während des Rangierens darch einen unvorhergesehenen Zwischen- fall einen Aufenthalt von 40 Minuten auf der Station Moji. Der Stationsvorsteher, der für diesen Vorfall gar nichts konnte, beging' daraufhin Selbstmord, indem er sich vor die Schienen des Hofzuges warf. Der Kaiser, der von dem tragischen Vorfall bewegt war, stiftete eine Geldsumme zur Beerdigung des Unglücklichen. Aus dem Volke heraus, das in diesem Selbstmord ein Opfer treuer Pflichterfüllung sieht, entstand nun der Gedanke, dem bis zum Tode Getreuen eine Statue zu errichten, um auf diese Weise sein An- denken zu erhalten. Tagegen wandte sich nun Dr. Damakawa in einem offenen Schreiben an die Zeitungen. Er wies dabei darauf hin, daß häufig bei Schulhausbränden die Lehrer den Flammentod erleiden, weil sie, nachdem alle Kinder gerettet sind, stets noch dev Staatssekretär den nötigen ernsten Druck ausgeübt hätte, wären die Bergherren und ihre Organisationen sehr wohl zu Verhandlungen zu veranlassen gewesen.(Sehr richtig! links.) Hier zeigt sich der Mangel an einer gesetzlichen Vertretung der Arberter in Arbeitskammern. Im übrigen ist es niemals zu spät solche Verhandlungen herbeizuführm. Gewiß, man kcnm sich ja auf den Standpunkt stellen, daß der Streik ohnehin zusammen- brechen wird. Aber das ist kein staatsmännischer Sta n d- Punkt, sondern entspringt mehr dem Druck der Scharfmacher im Herrenhaus.(Sehr richtig! links.) Auch die berühmte Geheim- konferenz im Palast-Hotel hat an das Herrenhaus appelliert. (Hört! hört! links.) Gewiß haben wir auch sozial denkende Männer als preußische Handelsminister gehabt. Aber das waren ephimäre Erscheinungen. Der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht ist die Bergwerksabteilung im Handelsministerium, die als größte Arbeitgeberin möglichst viel aus den fiskalischen Werken herauswirtschaften will. Herr Delbrück konnte gestern die Eierschalen des früheren preußischen Handelsministers nicht ab- streifen. Besonders der Schluß seiner Rede mußte bei den Arbei- tern Mißtrauen hervorrufen.(Seh'- richtig! links.) Aber die preußischen Handelsminister waren noch immer besser als das Ab- geordnetenhaus oder gar das Herrenhaus. Selbst nach der beschei- denen Vorlage von 1909 wurde von den Z e ch e n h e r r e n dem damaligen Handelsminister vorgeworfen, daß er Arm in Arm mit der Sozialdemokratie nlarschiere.(Hört! hört! links.) Handelsminister war damals Herr Delbrück.(Heiterkeit.) Es wurde ihm im Palasb-Hotel nachgesagt, daß er ein scharfer Gegner des damaligen Staats. sekretärs v. Bethmann Hollweg war.(Große Heiterkett.) Der Vorsitzende aber stellte fest, daß Herr Delbrück der beste Mann sri, den die Herren seit Bismarck gehabt hätten.(Hört! hört! links.) Obwohl wir kein Faible für die Arbeitswilligen haben« wollen wir, daß sie geschützt werden. Aber die Beamten, vor allem die Vorgesetzten, dürfen nicht nervös werden. Man glaube doch nicht alle Ta ta r e n na ch r i ch t e n. Man überlasse den Organisationen, durch Ordnungsmänner für Ordnung zu sorgen. Das hat sich vielfach bewährt. Aber durch Schneidigkeit erweckt man den Eindruck der Parteilichkeit, der noch verstärkt wird durch Reden, wie sie im Herrenhaus und gestern hier durch Herrn v. B i e b e r st ein gehalten worden sind.(Sehr richtig! links.) Es stehen große Interessen auf dem Spiel. Die Regierung muß die Initiative ergreifen, denn unser ganzes Erwerbsleben wird von diesem Streik betroffen. ES liegt aber auch im Interesse des sozialen Friedens, daß der H e r r e n sta nh p u n k t bald beseitigt wird. Ueber dem gegenwärtigen Streik steht uns das Ziel der Gleichberechtigung deS Arbeiters im Arbeitsverhältnis. Daran müssen alle mitarbeiten, auch die Regierung.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Sosinski(Pole): Es handelt sichnichtumeinenSym- p a t h i e st r e i k für die englischen Bergarbeiter, sondern um eine seit langem vorbereitete Bewegung. Die Unzufrie- denheit unter den Bergarbeitern war immer größer geworden. Statt der geforderen Grubenkontrolleure hat man ihnen 1909 die weihe Salbe der Sicherheitsmänner gegeben. Dazu kam, daß die Löhne immer mehr sänke it, die Gewinne der Zechen stiegen. Der jetzige Zeitpunkt ist für die Bergarbeiter zweifellos der günstigste, da nicht zu befürch- ten ist, daß der deutsche Markt mit englischer Kohle überschüttet wird. Zuerst machten auch die Christlichen mit, sie zogen sich erst zurück, als sie glaubten, daß die Bcrgherren ihre Versprechungen auf Lohnerhöhungen erfüllen würden. Davon ist aber offenbar keine Rede. Die geringen inzwischen erfolgten Lohnerhöhungen machen wenig aus gegenüber den gestiegenen Lebensmittel- und Kleidungspreisen. Hätten die Christlichen weiter mitgemacht, hätten es die Bergherren kaum auf den Streik ankommen lassen.(Sehr richtig! links.) Ich will mich nicht in den Streit zwischen dem Gewerkverein und dem alten Verband einmischen, jedenfalls haben den Nutzen von dieser gegenseitigen Bekämpfung der deutschen Verbände nur die Arbeitgeber.(Sehr wahr! links.) Die Beteiligung am Streik beweist, daß die große Mehr- zahl der Bergarbeiter die Forderungen als berechtigt ansieht und den Streik als einziges Mittel zur Erreichung der Forderun- gen betrachtet.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Zu den Zusammenrottungen hat nach meinen Ermittelungen die Polizei vielfach selbst Anlaß ge- Versuch unternehmen, das im Schulzimmer hängende Bild des Mikado dem Feuer zu entreißen. Dr. Damakawa wandte sich gegen diese zwecklosen Auswüchse einer falsch verstandenen Vaterlands- liebe und wies darauf hin, daß selbst das Bild des Kaisers nur ein toter Gegenstand sej und kein Menschenleben wert wäre. Die Er- klärung des verdienten Gelehrten entfachte in der Presse einen Sturm der Entrüstung und man verlangte stürmisch den Rücktritt dieses Universitätspräsidenten, der den ethischen Wert des Selbst- morde? zu bezweifeln wagte. Dr. Damakawa hat nun sein Ab- schiedsgesuch eingereicht, aber die Frage von der Ethik des Harakiri beschäftigt nun von neuem Japan. Notizea. Einen öffentlichen Wettbewerb für das Opernhaus verlangt die.Vereinigung Berliner Architekten", die in einer autzerordentlichen Mitglieder- Versammlung zu dem in jedem Sinne beschränkten Opernhaus- Wettbewerb Stellung nahm. In dem bisher erzielten Ergebnis der Wettbewerbe wird nicht ein Resultat erblickt, das der Größe der Aufgabe entspricht. Es wird vielmehr ein Entwurf verlangt, der der lebendige Ausdruck der künstlerischen Kultur unserer Zeit ist. Diesen erwartet die Vereinigung von einen, freien Wettbewerb der gesamten deutschen Künstlerschast. Das von der Regierung beliebte Verfahren erfährt so von sachverständiger Seite eine unzweideutige Ablehnung. — DaS alte Spiel von.Jedermann" gelangt am Freitag, den 22. d. M. mit Alexander Moissi im ZirkuS Schumann zum letzten Male in dieser Spielzeit zur Aufführung. — D i e Freie Hochschule Berlin begeht Sonnabend im Kaisersaal des Zoologiichen Gartens abends 8'/» Uhr ihr zehn« jähriges Stiftungsfest. Karten sind in den bekannten Verkaufsstellen und abends erhältlich. "" Meteorologischer Unterricht in den Volks- s � e Der preustlsche Kultusminister hat in einem Runderlast die Einführung des wetterkundlichen Unterrichts an Volksschulen an- geordnet. Wegen der Bedeutung der Wetterkunde für die landwirt- schaftliche Bevölkerung sollen die Schüler möglichst mit der Einrich- tung und Verwertung der Wetterkarte bekannt gemacht werden. -et"7.aui0,m,ati' arbeiter gewirkt, weil es auf sie den Eindruck machte, als wolle die Regierung den Streik mit Gewalt verhindern. Wir sind aufs äußerste bemüht, die Ruhe im Ruhrrevier aufrecht zu erhalten. Aber die Behörden verbieten in Streikversamm- lungen den G« brauch der polnischen Sprache, sogar geschlossene Mitgliederversammlungen des polnischen Berufsvereins werden auseinandergejagt.(Hört! hört« b. d. Soz.) Ich frage den Staatssekretär: wie sollen wir uns denn mit unseren Arbeitern bei dieser Lohnbewegung verständigen? Billigt der Staatssekretär dies frivole Vorgehen der Polizei, das dem Reichsvereinsgcsetz widerspricht, und wie gedenkt er solche Ilebergriffe für die Zukunft zu verhindern? Man hat uns sogar die Streikbureaus auseinandergejagt. Wie sollen wir da unsere Leute aufklären? Das will die Regierung offenbar nicht, sie will das Blutvergießen. Vizepräsident Dr. Paasche: Das dürfen Sie nicht sagen, ich rufe Sie deshalb zur Ordnung. Abg. Sosinski(fortfahrend): Daß die Arbeitgeber wünschen, daß Militär kommt, ist klar, sie erwarten, daß damit ein schnelleres Ende des Streiks herbeigeführt werden wird. Der preußische Bergfiskus in Oberschlesien behandelt die Arbeiter ebenso wie die Grubenprotzen im Ruhrrevier, auch er hat auf eine Eingabe der Bergarbeiterorganisationen nicht geantwortet. Dabei find in Oberschlesien die Löhne besonders niedrig, sie sind noch um 1 M. bis l,5l> M. niedriger als die Löhne im Ruhrrevier. Bei den Hungerlöhnen müssen die Arbeiter noch dazu 1l), 12, ja 16 Stunden arbeiten.(Hört! hört! bei den Polen.) Man behauptet, daß die Arbeiter dort so viel feiern und deshalb weniger verdienen. Aber was ist der Grund? Wenn ein Arbeiter in Ober- schlesien auch nur einen Tag krank wird und er meldet sich beim Aerzt, so muß er sofort ins Krankenhaus. Um nun nicht immer gleich ins Lazarett zu müssen, bleiben die Leute lieber 3 bis 4 Schichten zu Hause. Die Ueberschüsse der Gruben- besitzer in Oberschlefien sind in den letzten Jahren ungeheuer g c st i e g e n. Der Fiskus ist in Oberschlesien der größte Arbeit- geber, er sollte mit gutem Beispiel vorangehen.— Möge der preußische Handelsminister, der ja hier ist, die Erklärung abgeben, daß die Löhne der Arbeiter auf den fiskalischen Zechen erhöht werden sollen, dann haben wir wenigstens in O b e r s ch l e's i e n Ruhe. Und wenn die Regierung auch im Ruhrrevier mit gutem Beispiel vorangeht, so werden wir den Frieden in Deutschland haben.—(Beifall bei den Polen und Sozialdemokraten.) Abg. Mertin(Rp.Z: Die Antwort des Staatssekretärs hat uns befriedigt, besonders die Entschiedenheit seines Tones. Den haben wir in letzt e'r Zeit wiederholt ver- mißt.(Beifall rechts.) Regieren heißt vor allem: Ordnung schaffen, die Ordnung aufrecht erhalten.(Bravo l rechts.— Zuruf links: Ein echter Junker!) Ich war nie ein Junker und ich weiß nicht, ob ich es je werden werde.(Heiterkeit rechts.) Herr Sachse hat es gestern als eine freche Lüge bezeichnet, daß der Streik andere als rein sachliche Gründe habe.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie haben nicht das Recht, sich als Rich- ter darüber aufzuspielen, was wahr ist und was nicht.(Abg. Dr. A r e'n d t: Sehr richtig!— Lachen bei den Sozialdemokraten.) ES bleibt dabei, daß der Streik politische Ursachen hatte.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Behandeln Sie doch diese ernste Frage auch ernst.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wir lachen ja über Sie!) Dann sind Ihre Ansprüche auf Heiter- keit und Komik sehr bescheiden.(Stürmische Heiterkeit.) Sie wollen eben die Bergarbeiter wiedergewinnen, die sich von Ihnen abgewendet haben.(Abg. Sachse: Beweisen Sie es doch!) Ich kann hier nur meine Behauptungen vertreten und nichts beweisen.(Heiterkeit links.) Wir bestreiten nicht die Bcrech- tigung jeder Arbeiterforderung. Aber die Forderung von 15 Proz. Lohnerhöhung geht zu weit. Herr Sachse hat gestern gesagt, die Arbeiter würden sich auch mit weniger zufrieden geben. Wes- halb hat er das nicht vor dem Streik gesagt?(Lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten: Ist längst geschehen!) Das weiß ich nicht, da ich bei den geheimen Verhandlungen nicht dabei war. Jedenfalls ist der Streik frisch vom Zaun gebrochen. (Beifall rechts.) Die Anregung, die Regierung möge vermitteln. ist leicht ausgesprochen. Aber eine solche Vermittelung ist gefähr- Xich. In England schlug die Vermittelung fehl und die Folge war der gesetzliche Minimallohn. Will Herr Gothein diese Konse- quenz ziehen? Was die Regierung aber tün kann und soll, ist die Arbeitswilligen zu schützen.(Aha-Rufe bei den Sozialdemokraten.) Meinen Sie denn, daß ich das nicht sagen würde? Nach Herrn Sachse haben die Streikenden jetzt nichts anderes zu tun. als Arbeitswilligen den Revolver abzunehmen. (Heiterkeit rechts.) Wir sind den Christlichen dankbar für ihr besonnenes Verhalten. Wenn eine große Organisation aus wohlerwogenen Gründen einen Streik nicht mitmacht, so sind ihre Mitglieder deshalb doch nicht Streikbrecher. Bedauerlich sind die scharfen Worte des Abg. Schiffer gegen die sogenannten gelben Gewerkschaften. Diese 34 606 vaterländischen Arbeiter, die ohne Speichelleckerei ihre patriotischen Pflich. ten erfüllen, müssen gegen diese Angriffe in Schutz genommen werden.(Beifall rechts.) Der Streik dehnt sich aus, aber nur weil der Terrorismus zunimmt.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Augenzeugen bewundern die Ruhe und Kalt- blütigkeit der Behörden.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemo- kraten.) Gesetzgeberische Maßnahmen jetzt während des Streiks können ja nicht mehr getroffen werden. Aber der Streik wird ein Beispiel dafür sein, ob die Behörden mit den jetzigen Mitteln auskommen können.(Beifall rechts.) Wenn A u s s ch r e i t u n- gen wirklich vorgekommen sind, dann sind Sie(zu den Sozial- Demokraten) daran schuld, die Sie diese maßlose Erregung ins Volk hineingetragen haben, lllnruhe bei den So,ialt>emo- kraten.) Auch wir wünschen eine schnelle und unparteiische Justiz. Es liegt uns gar nichts daran, daß ein paar Leute mehr ein- gesperrt werden.(Sehr richtig! rechts). Herr Sachse hat den Grafen W e st a r p ausgefordert, sich in die Lage eines Bergarbei- ters zu versetzen, der mit 5 W. täglich 16 Kinder ernähren muß. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber versetzen Sie sich dann auch in die Lage eines Schutzmanns, der von einer Menschen. menge umringt und bedroht wird und nun zur Waffe greift. Dann schreien Sie hier: Bluthunde und draußen spielen Sie sich als die Vertreter der Unterbeamten auf.(Sehr gut! rechts.) Also wir sind gegen eine Einmischung der Regierung in den Streik.(Beifall rechts.) Abg. Behrens(Wirtsch. Vgg.): Ueber die Berechtigung der Lohnforderungen der Bergarbeiter gibt es keine Differenzen. und die Mehrheit des Reichstages hat sick ja auch dafür au»- gesprochen. Aber Herr Sachse hat maßlos übertrieben. Er kämpfte für eine verlorene Sache, ja für eine die Arbeiterbewegung schädigende Sache.(Sehr richtig! rechts.) Nur den Streik halten wir jetzt nicht für richtig. Für uns kommt nur das Wohl der Bergarbeiter in Frage. Politische Fragen spielen im Gewerkverein christlicher Bergarbeiter keine Rolle, eS ist eine un�hryeu, wenn die soAialdemokratischen und liberalen Blatter das behaupten. iZu- rufe im Zentrum: Das Berliner Tageblatt.) Das„Ber- findet Tageblatt" wollen wir nicht zu oft erwähnen, sonst bekommen die Herren in der Jerusalemer Straße den Größenwahn.(Heiter- keit recht».)— Redner schildert die Entwicklung de» Streiks. Wir zähen uns an der Lohneingabe nicht beteiligt, weil sie un- beding! zum Streik führen mußte und ein Streik in der jetzigen Situation für die Bergarbeiter aussichtslos war. Da die englischen Bergleute auch streiken, sind die deutschen wie die englischen Berg- Herren die Sorge um ihre Absatzmärkte los, sie haben kein Privat- interesse mehr daran, ob der Streik andauert oder nicht. Sie können ruhig zusehen, was die Regierung gegen die schweren Schädigungen de-' ganzen Erwerbslebens die der Streik zur Folge haben muß, tut. Nach unserer Ansicht hat der Streik politische Motive, er ist die Revanche für Bochum.(Abg. Sachse(Soz.): Lüge! Vizepräsident D o V e ruft den Zwischenrufer zur Ordnung.� Und zum zweiten kommt es dem alten Verband auf die Ver- nichtung des christlichen Gewerkvereins an. Der Hiesch-Dunckersche und der polnische Gewerkverein, die er jetzt als bürgerliches Schild gern mitnimmt, werden dann natür- lich auch an die Reihe kommen.(Sehr richtig! rechts.) Daß es dem sozialdemokratischen Verband nicht um den Frieden zu tun war, bewies die Aufstellung von 16 neuen Forderungen, nachdem die Antwort auf die ersten sehr zahmen Forderungen eingelaufen war. Den Minister ersuche ich um eine klare, bestimmte Auskunft, ob nach dem Gesetz von 1967 die Arbciterausschüsse im Bergbau be- fugt sind, in Lohnfragen zu verhandeln. Nach meiner Ansicht ist das der Fall. Das ganze Vorgehen des alten Verbandes in diesem Falle widersprach aller gewerkschaftlichen Taktik.(Abg. Sachse: Ach quasseln Sie doch nicht, Sie haben es 1965 ja ebenso gemacht! — Vizepräsident Dove: Ich ersuche Sie, sich hier in den Formen zu bewegen, die gesellschaftlich üblich sind.) Der sozialdemokratische Verband trägt infolge dieser verfehlten Taktik die Verant» Wartung für die Not und das Elend, für die Verwundeten und die Toten.(Sehr richtig! rechts.) Der Streik hat erst an Ausbrei- tung gewonnen, als der Terror einsetzte.(Lachen bei den Soz.) Ich schätze die Zahl derer, die aus Furcht vor dem Terror in den Streik eingetreten sind, auf 36 666 bis 46 066. Daß sich die Christlichen schließlich bewaffnen, kann man verstehen!, wenn auch nicht gerade billigen; man kann schließlich nicht von ihnen verlangen, daß sie sich die Knochen kaputschlagen lassen.(Sehr wahr! rechts.) Wo Herr Effert gesteckt hat. ist ja nun auf- geklärt. Er war krank und ist. sobald er wieder gesund war, sofort ins Ruhrrevier gefahren, wo er ganz den Standpunkt des christlichen GewerkvcreinS vertritt. Wie die Stimmung im Ruhr- revier gegen uns ist, kann man aus der Halhrng und dem Ton schließen, den Herr Sachse gestern hier zur Schau trug. Wie der Herr, so'? Gescherr. Wenn man hier von christlichen Halunken und Judassen spricht— hier sitzt doch die Elite der sozialdemokra- tischen Partei(Große Heiterkeit rechts) und wenn die sich so wenig im Zügel halten kann, was wollen Sie dann von den Leuten im Lande verlangen.(Sehr gut! rechts.) Ob Hue zu der Kon- ferenz bei Dr. Delbrück eingeladen ober uneingeladen gekommen ist, das ist ganz gleichgültig. Wir wollen uns nur dagegen wenden, daß es im..Bochumer Vvlksblatt" so hingestellt worden ist, als ob der Staatssekretär ihn als Vertreter des Wahl- kreises Bochum eingeladen hätte und mit dem Unternehmerknecht H e ck m a n n nichts zu tun haben wollte. So wird ein ehrlicher Bergmann, der in seinem Beruf verunglückt ist, von den Sozial- demokraten besudelt.(Pfuirufe im Zentrum.) Wir wünschen gewiß nicht, daß das Militär zu Polizeizwecken gebraucht wird, aber das ist Sache des Staates, zu entscheiden� ob der Schutz der Polizei aus- reicht oder nicht. Hoffentlich braucht das Militär nicht einzugreifen. Als Maschinengewehrfutter sind mir auch meine ozialdemokratischen Kameraden zu schade. Es arbeiten- mehr Sozialdemokraten, als Christliche streiken. Ich schließe mit dem Wunsche, daß dieberechtigtenWünscheder Bergarbeiter bald erfüllt werdrn(Beifall rechts und im Zentrum.) Handelsminister Sydow: Auf die Anfrage des Vorredner» er» widere ich, daß die preußische Bergverwaltun� auf dem Stand- Punkt steht, daß die Lohn frage der Zuständigkeit der Ar- beiterauSschüsse gehört. Sie ist auf den fiskalischen Werken bisher auch stets auf diese Weise verfahren. Abg. Dr. Erdmann(Sog.): Vor 7 Jahren hat auS Anlaß des Bergarbeiterausstandes von 1965 in diesem Hause eine ähnliche Debatte stattgefunden. Damals konnte der zweite sozialdemokratische Redner feststellen, daß das ganze Haus mit Ausnahme der Konservativen, des Herrn B e u m e r und einiger anderer Herren von den Nationalliberalen, darin einig sei, daß es sich bei diesem Streik um eine Volksbewegung handelte, die nicht von einzelnen Personen oder einer Partei ge- macht war, sondern aus den Verhältnissen heraus ge- wachsen war. Und der zweite Zentrumsredner Dr. Spahn bezeichnete es als die Ueberzeugung der großen Mehrheit des Hauses, daß die Sympathien des deutschen Volkes auf der Seite der Streikenden ständen.(Hört! hört! links.) Ich be- daure, heute eine ebenso günstige Feststellung machen zu können. Und doch liegen die Dinge jetzt nicht anders als 1965. Die Bergarbeiterbewegung von 1965 bildet ein Ehrenblatt in der Ge- schichte der deutschen Arbeiterbewegung.(Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Heute hat sich Herr Behrens bemüht, dieses Ehrenblatt herabzureitzen und mit Füßen zu treten. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Was er gegen den jetzigen Bergarbeiterausstand angeführt hat, trifft in gleicher Weise auf den Ausstand von 1965 zu. Er hat gerügt, daß die Ar- beiter die Arbeit unter Kontraktbruch niedergelegt haben. War das 1965 nicht der Fall? Er hat die geringe Zahl der Organisierten beklagt. War 1965 die Zahl der Organ, sierten nicht noch viel geringer? Er hat die Not und das Elend eines Bergarbeiterausstandes geschildert. War denn 1965 die Not nicht in demselben Maße vorhanden? Alles, was Herr Behrens gegen den jetzigen Ausstand gesagt hat, hat er auch gesagt gegen den Ausstand von 1965, an dem die C h r i st l i ch e n mit so großer Entschiedenheit teilgenommen haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Was die Stimme im Hause anlangt, so liegen die Dinge zweifellos ungünstiger als 1965. Aber doch nur deshalb, weil das Zentrum, das im Hause räumlich nach rechts gerückt ist, auch in der Beurteilung sozialer Angelegenheiten sich auf die rechte Seite geschlagen und einen Bund ge» schlössen hat mit den Konservativen und dem scharfmacherisch ge- sinnten Flügel der Nationalliberalen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Die christlichen Gewerkschaften haben verschiedene Gründe für ihre Nichtbeteiligung am Streik angegeben. Der Streik soll zurück- zuführen sein auf die Verhetzung der Bergarbeiter durch die Sozialdemokraten und Anarchosozialisten. Man fügt dieses Wort aus ganz bestimmten Gründen hinzu, um der Bcwc- gung einen anrüchigen Charakter zu geben. In einem Artikel der ..Kölnischen Volkszeitung" wird gesagt, daß viele Tausende von Anarchosozialisten im sozialdemokratischen Verbände säßen, die der Verhandlungsleitung über den Kopf gewachsen seien.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wer die Verhältnisse kennt, weiß, daß daS ein ausgemachter Schwindel ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemoiraten.) Gewiß gibt eS eine Anzahl von Anarchosozialisten im'Industriegebiet. Aber sie zeichnen sich höchsten? durch ihren großen Mund aus. Die Führer des Berg- arbeiterverbandes lassen sich von ein paar Schreihälsen wirklich nicht an der Nase herumführen. Aber es-liegt System in der Ver- breitung des anarchosozialistischen Märchens. Man will der Berg- arbeitcrbewcgung einen möglichst gefährlichen und umstürzlerischcn Anstrich geben. Herr Behrens hat gemeint, der Streik sei die Revanche für unsere Niederlage in Bochum. Mit demselben Recht könnte ich sagen, daß das Verhalten der Christlichen eine Re- vanche für ihren Reinfall in Köln ist.(Sehr richtig! links.) Sie wollen die Gunst der Nationalliberalen wieder gewinnen. Aber ich sage daS nicht. Die„Kölnische Volkszeitung" geht noch weiter und bat es fertig bekommen, den Ausstand in Zusammenhang zu bringen mit dem gestrigen Attentat in Rom.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Sie schreibt:»Eine Kundgebung gegen da» sierabscheüungswürdlge Attenkat auf d'en König von Italien leltele die heutige Sitzung des Reichstags ein, die passende Ouvertüre für die Jnterpellarion über den sozialdemokratischen Streik im Ruhrrevier. Hier gelten die Kugeln den Köpfen der Polizisten, den Hütern der Ordnung und den Arbeitswilligen, dort dem Haupte des Königs. Aber die sie abschössen, sind hier wie dort dieselbe» Elemente: gewissenlose Hetzer'und revolutionäre Fanatiker." (Lautes Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Wenn man die Attentäter auf ihre Heimat untersucht, wird man stets auf urkatho- lische Gegenden stoßen.(Sehr, richtig! links.) Auch der gestrige Attentäter soll sehr religiös gewesen sein. Doch liegt es mir fern, sein Attentat mit seinem Glauben in Zusammenhang zu bringen. Mit um so größerer Entschiedenheit weisen wir es zurück, daß irgend ein Zusammenhang mit dem Attentat in Rom konstruiert wird. Wer die Verhältnisse im Ruhrrevier kennt, weiß, baß Kik dort nicht zu Hetzen brauchen. Die Verhältnisse Hetzen für uns. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten,) Wenn im Industrie» gebiet eine einzelne Person, und noch dazu eine Dame, über ein« Kapitalmacht von 186 Millionen verfügt und über ein Heer von 166 666 Angestellten gebietet, dann muß das auch den rückständigsten Arbeiter zu einer gewissen Erbitterung über derarttge Zustände trcibem(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Bergarbeiter sehen, daß 366 Personen in Deutschland das gesamte Wirtschaftsleben beherrschen, dann muß ihnen ein Verständnis für den Sozialismus, für die Unhalt- barkeit der kapitalistischen Gesellschaftsordnung aufgehen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Diese Erbitterung über das elende Dasein der Arbeiterschaft im allgemeinen macht sich bei den Berg. arbeitern im besonderen Matze geltend. Die Arbeitsweise des Bergmanns ist mühsamer und härter als die eines jeden anderen Berufes, die Unfallgefahr im Bergbau größer. Fast jeder 7. Bergarbeiter verunglückt einmal im Jahr. Die Zahl der Schwerverletzten ist doppelt so groß wie durch» schnittlich in anderen Berufen. Ein ganzes Heer von Berusskranl- heilen tragen die Bergarbeiter mit sich. All dieses Elend und die Rechtlosigkeit der Bergarbeiter muß notgedrungen von Zeit zu Zeit zu einer Entladung durch einen Ausstand führen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dazu kommt, daß das Ver- hältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter nirgends so unerträglich für den Arbeiter ist als gerade im Bergbau. Der Ausdruck meines Freundes Sachse: die Bergunternehmer behandeln die Arbeiter wie Hunde, war gewiß hart, aber dem Sinne nach trifft er vollständig zu. Herr von B i e b e r st e i n, der sich so darüber aufregte, sollte nur die Bergarbeiter selbst fragen, sie würden ihm wahrscheinlich antworten: Wir werden nicht behandelt wie die Hunde, wir werden schlechter behandelt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Mancher wird sagen, daß er froh wäre, wenn er behandelt würde wie die Hunde und Pferde der großen Millionäre dort.(Sehr richtig! bei'den Sozialdemokraten,) Dazu kommen die Lohnrückgänge und die Teuerung. Der preußische Handelsminister meinte zwar, 6,36 Mark sei doch kein Hungerlohn. Ich glaube, er würde anders denken, wenn er selbst darauf angewiesen wäre, eins zahlreiche Familie mit einem solchen Tagelohn zu ernähren.(Sehr gut! bei den Sozialdemokrateri.) Nun soll der Streik politischen Untergrund haben. Gewiß, es kommen politische Momente dabei in Betracht. Nament- lich die P o l i t i k de s schwarzblauen Blocks hat zweifellos die Erbitterung der Bergarbeiter gesteigert und ebenso die Bchand» lung der preußischen Wahlreform. Wissen doch die Bergarbeiter, daß die Berggesetzgebung Landessache ist und daß sie bei dem Heu» tigen Wahlgesetz keinerlei Einfluß auf ihre Gestaltung haben. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gewundert habe ich mich, daß gerade das Zentrum den Vorwurf des HetzenS gegen die So» zialdemokratie erhebt. Es gab eine Zeit, da wurde von Klerikalen eine Kritik an dem Kapitalismus geübt, wie sie schärfer von keinem Sozialdemokraten geübt werden kann. Ich erinnere an die Schriften des Bischofs Ketteler und des Kaplans Hitze, der die Unternehmer auf dieselbe Stufe stellte mit römischen Sklavenhaltern, die ihre Sklaven den Fischen zur Speise hinwarfen. Seinerzeit sprachen Zentrumsblätter von dem nationalliberalen Mastbürgcr mit wohlgefülltem Geldbeutel und steinhartem Herzen, der der erste sein sollte, dem man die Gurgel abschneidet. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) An einer anderen Stelle hieß eS: an den Bettelstab müßten solche Unternehmer ge- bracht werden, die von dem Schweiß der Arbeiter ihren faulen Körper ernähren,(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sind das keine Hetzereien? Die Rede des Herrn Schiffer war mir nicht neu. Ich hatte sie schon in Form eines Artikels des Generalsekretär? Stegerwald in der.kölnischen Volkszeitung" gelesen.(Heiter- keit bei den Sozialdemokraten.) Ich weiß nicht, weshalb er mit so großem Eifer jede Gemeinschaft mit den.Gelben" ablehnte, da doch die Christlichen so enge Beziehungen zu den Organisationen halten, die sich selber vor kurzem noch als„Gelbe" bezeichnet haben, näm» lich zu den katholischen Fachvereinen. Auf bischöfliche Anweisung von 1967 müssen sie ja mit diesen ein Herz und eine Seele sein und erhalten gemeinsame Anweisungen für die Taktik.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten,) Wie kommt Herr Schiffer dazu, die christlichen Arbeiter als die allein ver» nünftigen zu bezeichnen? Von 8 Arbeitern, die das Bedürfnis haben, sich zu organisieren, gehen 7 zu den Roten und 1 zu den Christlichen. Wie kann man da die 7 als rückständige und gerade den einen als Edelmenschen hinstellen. DaS ist eine B e l e i d i- ung der deutschen Arbeiterschaft.(Sehr wahr! bei tn Sc�ialdemokraten.) Auf die TerroriSmuSklagen ist mein Freund Sachse schon genügend eingegangen. Ich hatte einmal Gelegenheit, mich mit einem Unternehmer im Münsterland« zu unterhalten. Er war Zentrumsmann und 'chimpste sehr auf die Sozialdemokraten und die freien Gewerk- chaften. Er zitierte das bekannte Wort:„Und willst Du nicht mcin örudcr sein, dann hau ich Dir den Schädel ein." Er meinte aller- dings, die christlichen Gewerkschaften trieben e S picht viel besser, nur sagten sie:„Und willst Du nicht mein Bruder sein. dann schlag ich Dir den Schädel ein, in Gottes Namen— A m e n."(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten,) Sie täten also dasselbe mit ein wenig frommer Verbrämung. Beweise dafür stehen uns in Fülle zur Verfügung. Herr Schiffer meinte dann weiter, 1965 sei alles anders gewesen, da sei niemand mit Ge- walt von der Arbeit abgehalten. O nein, in der Scharfmacherpresse konnte man damals ebensoviel Klagen über sozialdemokratischen TerrorismuS finden wie jetzt in der Zentrumspresse. Und damals wurde genau so nach Militär gerufen wie beute. Herr GieSbertS machte neulich den Arbeitern einen Vor- wurf daraus, daß sie den Ausstand in eine Zeit verlegen, die ihnen als die günstigste erscheint. Sie sollten auf die Schädigungen des wirtschaftlichen Lebens Rücksicht nehmen. Soweit sollte aber auch Herr GieSberts mit der Technik der Arbciterbewc- auna vertraut sein., daß die Arbeiter selbstverständlich immer de» günstigsten Zeitpunkt zum Streik aussuchen müssen. Und wenn wirk- lich das Wirtschaftsleben durch den Streik geschädigt wird und man anerkennt, daß die Forderungen der Arbeiter berechtigt sind. was liegt da näher als den Vorwurf, die Industrie zu schädigen. gegen die Unternehmer zu richten, die die berechtigten Forderungen der Arbeiter nicht erfüllen.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Die politischen Motive liegen vielmehr auf feiten der Christlichen. Bereits 1963 war das Zentrum darauf aus, um seine Sitze in Rheinla nd-Westfalen zu retten, Anschluß bei den N a t r o n a l l i b e r a l e n zu suchen. Inzwischen sind aus dem Zentrumsturm gewaltige Steine herauSgebrockelt. In diesem Jahre ist sogar feie Krone Köln gesgllea, Diese Sifudiott ist das Motiö, welches das Zentrum veranlagt, jetzt nicht mehr wie 1898 und INOo auf die Seite der Arbeiter zu treten. Die christlichen Gewerkschaften dürfen überhaupt nicht mehr an großen gewerkschaftlichen Aktionen teilnehmen. Ich erinnere an die Zwistigkeiten innerhalb des Katholizismus, an die An- sprüche, die von Rom aus in bezug auf das Verhalten der katholischen Arbeiter gestellt werden. Mit Rücksicht auf die Kirche dürfen die christlichen Arbeiter nicht streiken. Sie dürfen es aber auch nicht aus Rücksicht auf die Regierung. Die christlichen Ge- werkschaften wissen, daß sie beim verständigen Teil der Arbeiter- schaft nichts mehr zu gewinnen haben. Dieser Teil hat eingesehen, daß die dem Zentrum untergeordneten Organisationen die Jnter- essen der Arbeiter nicht vertreten, und er schließt sich den freien Gewerkschaften an. Als Ersatz haben die Christlichen ihre Augen auf die abhängigen E x i st e n z e n, auf die S t a a t s a r b e i- t e r gerichtet. Dafür brauchen sie aber die Gunst der Re- g i e r u n g und deshalb dürfen sie sich an einem solchen Streik nicht beteiligen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ein dreifacher Zwang ist ihnen auferlegt, ein dreifaches Bleigewicht schleppen sie mit sich herum.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daher diese Scheingründe und das Geschrei von der Verhetzung durch die Sozialdemokratie, deshalb der Ruf nach Militär. Es ist bezeichnend, daß der erste Ruf nach Militär nicht aus- ging von einem nationalliberalen oder freikonservativen Scharf- macherorgan, sondern von dem Zentrumsblatt, das ,m Wahlkreise des Herrn Giesberts erscheint. sHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es ist das bedauerliche an diesem Schauspiel,, daß es Arbeiter sind, die gegen ihre kämpfenden Klassengenossen den Säbel und die Flinte mobil machen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn die christlichen Führer noch etwas an Kredit hätten ver- lieren können, dann haben sie ihn jetzt verloren.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch von unserer Seite wird zugegeben, daß bei der jetzigen Bewegung einzelne Ungehörig leiten vorgekommen sind. Derartige Ungehörigkeiten kommen im In- dustriegebiet aber alle T a jj e vor. Wenn man abzieht, was direkt erlogen ist und was ubertrieben ist. dann bleibt wirklich nicht viel übrig.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) D i e Bergarbeiter sind keine Salonmenschen und haben andere Manieren als die Monokelträger. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wer den Bergarbeiter kennt, wird ihm ein derbes Wort nicht übelnehmen, auch nicht, wenn ihn. der Ellbogen einmal ausrutscht. Dann muß man auch bedenken, daß viele Arbeiter aus dem O st e n bei uns wohnen. Diese Elemente sind noch ungezügelt. Sie haben ihre Er- ziehung genossen unter dem Regime unserer Junker und der Klerisei. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir werden sie aber auch zur Ordnung bringen, trotzdem es eigentlich die tun müßten, die diese Leute nach dem Westen gebracht haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) 1995 haben sich die Ordnungsmann- schaften der Arbeiter sehr gut bewährt. Aber das gefiel den Scharfmachern nicht. Die Herren B u r ck und Leidig haben das offen ausgesprochen. Denen lag nichts an der Aufrechterhal- tung der Ordnung, als vielmehr daran, daß die Arbeiter den Be- weis nicht erbrachten, daß sie selbst Ordnung halten könnten. Wäre es zu Zusammenstößen gekommen, so hätten sie der Oeffentlichkeit gesagt: seht, so betragen sich die Arbeiter.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nun zu den Sch auermärchen, nament- lich des preußischen H a n d e l S m i n i st e r s. Mit dem ernstesten Gesicht von der Welt hat er uns geschildert, daß Ausstän- dige vor Arbeitswilligen„Pfui!" gerufen haben und daß Arbeiter- wciber— um in seinem Stil zu reden— zu Arbeitswilligen gesagt haben: wenn Ihr nichts mehr zu essen habt, werden wir Euch schon versorgen, kommt nur zu uns! Deshalb mußte Militär nach dem Ruhrrevier! Als ich das hörte, habe ich mich gefragt: wo stammt denn! der Hanbelsminister eigentlich her? Ist er jemals mit Bergarbeitern in Berührung gekommen? Wer den westfälischen Bergmanr kennt, weiß, daß er äußerst ruhig, bedächtig, sogar schwerfällig ist. Und als der Handelsminister sprach, ließ ich meine Blicke über diese Bänke(auf die RegierungS- bänke zeigend) streifen und. sah eine Anzahl von Gesichtern, auf denen in Keilschrift die Zeichen einer sehr temperamentvoll verlebten Universitätszeit eingetragen waren.(Heiterkeit links.) Da sagte ich mir: solange die preußische Regierung es nicht für nötig halt, die Universitätsstädte unter den Belagerungs- z u st a n d zu stellen und Gendarmerie und Militär dort hinzu- schicken, um zu verhüten, daß die Jugend der zahlungsfähigen Bourgeoisie gegenseitig aus ihren Gesichtern Hackfleisch macht(Große Heiterkeit links), so lange hat die Regierung auch kein Recht, Militär in das Streikrevier zu schicken.(Sehr wahr! links.) Herr Giesberts hat einmal gesagt, manchmal müsse man sich schämen, ein Preuße zu sein. Diese» Gefühl hatte ich auch während der Rede des Handels- Ministers. Mit welcher Hasenherzigkeit wird in Preußen regiert! Da hat Graf Posadowsky während des Streiks von 1905 einen viel vernünftigeren Standpunkt eingenommen. Was getan werden kann, um die Ordnung aufrecht zu erhalten, tun die Arbeiterorganisationen selbst, denn sie haben das größte Interesse daran. Die Antwort der Regierung auf diese Frage der Jnter- pellanten muß als durchaus einseitig bezeichnet werden. Diese Einseitigkeit wird so lange bleiben, solange sich die Regierung stützt lediglich auf die Informationen der Unternehmer und der Polizei.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Aber zum beut- schen Bergbau gehört doch schließlich auch der Bergarbeiter. Auch ihn muß man hören. Es ist in letzter Zeit Mode geworden. zu sagen, man müsse die Seele der Arbeiter gewinnen. Wer dies? Seele gewinnen will, muß sie zunächst einmal kennen lernen. Man lernt sie aber nicht kennen aus Polizeiakten und einem statistischen Zahlenmaterial, das in einer Amtsstube ige- schäftSmäßig zusammengestellt wird. iSehr richtig! links.) Eine Regierung, die nur die Tagungen der Unternehmer besucht, die Or- gani'ationen der Arbeiter mißachtet, die sich für zu gut hält, mit den Arbeitern in persönliche Fühlung zu treten, kann nur zu verkehrten und einseitigen Anschauungen über die Bedürfnisse der Arbeiter kommen. Zur Erfüllung der Forderungen der Arbeiter hat die Regierung nichts getan. Sie hat nur Polizei und Militär ins Streikcevier geschickt, um mit Maschinengewehren. Brownings und geschwungenen Säbeln zu ver- hüten, daß Streikende spazieren gehen, und daß Strcitbrechcr in ihrer empfindlichen Ehre gekränkt werden, oder daß durch ein Scherzwort von„Arbeiterweibern" der Bestand de» Reiches gefähv- det wird.(Sehr gut! b. d. Soz.) ES handelt sich bei dem Streik um eine Volksbewegung, um einen KamPffürdieheiligstenGüterdes Menschen, um einen Kampf der für unser Wirtschaftsleben wichtigsten Arbei- tcri'chickt um Luft und Licht, um Gesundheit und Glück, um Teilnahme an Bildung und Kultur. Dreimal sind die deutschen Bergarbeiter in diesen Kampf eingetreten, und die dritten die zwischen den Bewegungen liegen, sind immer kürzer aeworden Werden auch jetzt di? Bergarbeiter mit leeren Ver- sprcchung'en abgespeist, sollte der Belagerungszustand das einzige Ergebnis des jetzigen Kampfes sein, es wird keine sieben Jahre wieder dauern bis die Bergarbeiterschaft sich zum viertenmal erhebt. Die Schäden, die dadurch unserm Wirtschaftsleben geMagen werden, möacn sich diejenigen auf ihr Konto schreiben, die vom übertriebenen Herren standpunit oder aus sozialer Einsicktslosigkeit die Forderungen der Bergarbeiter beharrlich miß. achtet haben Die Forderungen sind vernünftig und recht beschei- den. aber auch dringlich, und sie werden durchgeführt werden. mag es biegen-der brechen.(Lebhafter Be.fall b. d. Soz.) Abg. Weener-SerSfeld(Ant.): Die Hetzer, die weit hinten stehen und mst ihrer Person.n S.cherh-it blesten sind schuld «m ivergarbeitcrstreik. der der Industrie schwere Wunden schlagt. (Sehr richtig? rechts.) Der Regierungspräsident von Münster hätte allerdings höflicher sein und nicht von Arbeiter., Weibern" sprechen sollen. Aber die Sozialdemokraten sind auch nicht höflich, das zeigt das Resüme des„Vorwärts" über die gestrige Sitzung. Die Arbeitswilligen müssen gegen die sozialdemokratische „Freiheit" geschützt werden. Selbst Nordamerika hat scharfe Bestimmungen gegen das Streikpostenstehen. Die Reichsgerichtsent- scheidung, die das Streikpostenstehen als zum Koalitionsrecht gehörig betrachtet, hat geradezu Rechtsunsicherheit geschaf- f e n. Hier mutz für Wandel gesorgt werden. Redner schließt sich den Danksagungen der Rechten an die„Christlichen" an. Wie sagt unser Dichterfürst Schiller:„Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da kann sich kein Gebild gestalten!"(Bravo! rechts.) Die Weiterberatung wird auf Sonnabend 11 Uhr vertagt. Schluß 6% Uhr._ Hbgeordrntenbaud« 87, Sitzung. Freitag, den 15. März, vormittags 11 Uhr. Am Minisiertisch: Unterstaatssekretär Michaelis, Präsi- dent der Genossenschaftskasse Heiligen st ad t. Der zunächst auf der Tagesordnung stehende Etat der Zentralgenossenschaftskasse wird genehmigt, nachdem in der Debatte mehrere Reoner ihre agrarischen Wünsche nach Erleichterung der Kreditgewährung zum Ausdrucke gebracht hatten. Ter Kultusetat. Abg. Dr. Tittrich(Z.): Unser christlicher Staat hat neben der Kirche die religiöse Grundlage des Staatslebens zu pflegen, er muß also vor allem der Kirche volle Freiheit lassen. Die Erziehung muß auf der altbewährten Grundlage der christlichen Lehre vor sich gehen. Der Redner be- klagt den unmäßigen Zudrang zu den höheren Schulen und Hoch- schulen; nur wer Talent hat. sollte studieren. Die Verwaltungs- behörden kommen nicht immer dem Gesetz von 1906, wodurch der konfessionelle Charakter der Volksschule festgelegt wurde, genügend nach. Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche fand bisher seinen prägnantesten Ausdruck in der geistlichen Schulaufsicht, die aber immer mehr abgeschwächt wird.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. v. Campe(natl.): Der katholischen Kirche und ihren berechtigten Ansprüchen geschieht in Preußen völlig Genüge.(Leb- hafter Beifall links, Oho! im Zentrum.) Aber die Klagen der katholischen Kirche sind s o a l t w i e s i e s e l b st. Papst Leo XIII. hat im Gespräch mit dem General Los ausdrücklich zugegeben, daß es der katholischen Kirche gerade im protestantischen Preußen gut gehe.(Sehr wahr!) Die Schule ist nach der Verfassung eine staatliche Veranstaltung. In den Unterrichtsgegen- ständen äußer oer Religion hat die Kirche nichts dreinzureden. 90 Prozent der katholischen Kinder werden in konfessionellen Schulen unterrichtet. Ist das noch nicht genug? Aber das Zentrum scheint einen größeren Vorstoß gegen die Staatsschule zu planen. Wird nach dem vom Ministerpräsidenten im vorigen Jahre verkündeten Grundsatz verfahren, daß Geistliche, die den Antimodernisteneid geleistet haben, nicht Deutsch und Geschichte unterrichten sollen?(Unruhe im Zentrum.) Der Staat und die Gemeinden leisten' fü'- die Volksschulen jährlich 450 bis 500 Mil- lionen Mark. Durch die hohen Staatsbeiträge können die Anrechte der Gemeinde verkümmert werden. Gleichwohl sind viele Ge- meinden durch die Volksschullasten sehr belastet. Dabei sind die Gemeinden bei der Steuergebarung der letzten Jahre schlecht weg- gekommen; man denke nur an die Erörterung des Kinderprivilegs. So scheint die Entwickelung auf die Staatsschule zu drängen und diese Entwickelung kann ich nur bedauern. Ich erinnere des- halb an den Vorschlag des Freiherrn v. Zedlitz und des Ober- bürgermeisterS Struckmann, die Schule auf den Kreis zu berechnen.(Beifall links.) Abg. Freiherr, v. Zedlitz(fk.): Der Besuch der Universität geht weit über das Bedürfnis hinaus. So entsteht ein Missen- s ch a st l i ches P r o.let a r tat. das dem Staate gefährlich ist, Aus diesen Gescheiterten und den gebildeten Existenzen entnimmt die Sozialdemokratie ihre besten Kräfte. Die Ueberfüllung der Universitäten kommt zum Teil von dem Uebermaß an humanistu schen Gymnasien. Wir brauchen eine mehr realistisch-praktische Vor bildung. Im Kultusministerium scheint ein frischerer Zug zu herrschen. Die Ausgestaltung des Lehrerbil- dungS wesenS begrüße ich. Die Schulverwaltung greift viel fach in die Rechte der Gemeinden ein, das mutz reformiert wer- den. Dazu gehört aber auch eine Reform der Schulaufsicht. Eine geistliche Schulaufsicht kennt der preußische Staat nicht, sondern nur die Bekleidung eines Geistlichen, weil er dazu geeignet ist, mit der staatlichen Schulinspektion.(Lebhafte Zustimmung bei den Freikonservativen und bei den Liberalen.) Der Zustand, daß Kinder in Nachbargemeinden zur Schule gehen müssen, ist dringend verbesserungsbedürftig. Der Redner bespricht dann Gehaltsfragen der Lehrer und der Rektoren. Unsere Schule soll die Kinder zu guten Christen, guten Bürgern, guten Patrioten erziehen.(Lebhaftes Bravol bei den Frei konservativen.) Abg. Kopsch(Vp.): Wir beantragen die Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht, die Einführung der fach männischen Kreis sich ulinspektion. die Zulassung der Lehrer zum Universitätsstudium und die B e s e i t i- g u n g der heutigen Vorschule. Wir befürworten auch den nationalliberalen Antrag auf Festlegung der gesetzlichen acht jährigen Schulpflicht. Andere Bundesstaaten haben das alles schon. DaS Schulwesen leidet unter der Verquickung der geist l'chen mit den Schulangelegenheiten.(Beifall links.) In 40 000 Schulen sind heute in 120 000 Klassen 6M Millionen Schüler untergebracht; dazu die höheren und Hochschulen— reichlich Arbeit für ein eigenes Ministerium. Die Kirche darf nicht über die Schule herrschen. Wenn die Schule wirklich die Tochter der Kirche wäre— so ist diese Tochter längst selbständig ge. worden und läßt sich nicht mehr kommandieren.(Sehr gut! links.) Die heutige Volksschulaufsicht ist längst nicht mehr zeit- gemäß, auch immer mehr katholische Lehrer wenden sich gegen die geistliche Schulaufsicht. Der Schulpflichtantrag Gott- schal!(natl.) ist fünfmal hier beraten und fünfmal in die Kam- Mission verwiesen worden— aber immer noch kein Schritt vor- wärt«, weil in die Frage der Schulversäumnisse die der Dissidenten- linder hineinspielt.(Hört! hört! und Ava! links.) Wann be- kommen wir endlich das Unterrichtsministerium, das in allen Parteien Freunde hat. Trotz der an die Glanzleistungen des Zirkus Busch erinnernden, stürmisch applaudierten B e- schimpfu�gen der liberalen Lehrer auf der Generalversammlung des Bundes der Landwirte ist nicht daran zu Renken, daß, wie dort behauptet wurde. 20 Proz. der Lehrer konservativ sind.(Bravo! links.) Es sind aber auch nicht 10 Proz. Sozialdemokraten.(Abg. Hoffmann(Soz.): V i e l mehr! Heiterkeit.) Nein, die Lehrer stehen treu zu Kaiser und Reich und wollen keinen Umsturz. Man will sie ja durch jene Statistik nur denunzieren!(Sehr wahr! links.) Warum nimmt der Minister die Lehrer nicht in Schutz? Statt dessen hat man Lehrer in Kalau-Luckau, die in der Stichwahl nicht gewählt haben, vernommen und gemahregclt(Hört! hört! links) sogar einen 3 0jährigen Lehrer, der zu Unrecht in öie Wählerliste eingetragen war.(Sehr gut! links.) Hat man auch Beamte ge- maßregelt, die sich bei Stichwahlen zwischen Linksparteien ent- halten haben? Jetzt nach den Wahlen geht man nicht nur gegen die Lehrer vor, sondern auch gegen Mitglieder der Schul- vorstände, weil sie an Stichwahlparolen für die Sozialdemo. kratcn beteiligt waren. Für die Stichwahlen sind doch taktische E r w ä g u n g e n maßgebend. Ein Freisinniger wird doch nicht zum Sozialdemokraten, wenn er in der Stichwahl sozialdemokratisch wählt. Auch Konservative und Zentrum haben direkt ober indirekt Sozialdemokraten unterstützt, aber von Maßregelungen, konservativer oder ultramontaner Schulvorstände hat man nichts gehört. Redner Seriangt weiter, daß die Ketzergerichte in der evangelischen Kirche ü la Jatho und T r a u b auf- hören. Im Staate Friedrichs des Großen wirken solche Ketzer- gerichte sehr unangenehm.(Sehr richtig! links.) Man wird ein- wenden, der Kultusminister habe auf diese Dinge keinen Einfluß. (Sehr richtig! rechts.) Wenn das richtig ist, dann ist aber der Beweis erbracht, daß die Trennung von geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten absolut notwendig ist. (Lebhafter Beifall links.) Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr.(Kleinere Borlagen und Anträge; dann Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß iü Uhr._ parlamentarifcbcs* Aus der Budgetkommissio« des Reichstags. Bei der Weiterberatung des Etats der Reichseisenbahnen trat Abg. Fuchs für die allgemeine Durchführung der neun- stündigen Arbeitszeit in den Betriebswerkstätten ein; ferner auch dafür, daß keinem bei den Reichseisenbahnen beschäftigten Arbeiter ein täglicher Lohn unter 3,50 M. bezahlt werden soll. Die Abgg. E m m e l und W e i I l schlössen sich diesen Ausführungen an und forderten, unter Darlegung der einschlägigen Ver» Hältnisse speziell eine Erhöhung der niedrigsten Löhne. Abg. Fuchs wieS noch darauf hin. daß manche Arbeiter jährlich Ueberstunden bis zur Gesamtdauer von 65 Arbeits« tagen machen mußten. Minister Breite nbach verhielt sich jedoch allen diesen Wünschen gegenüber recht zugeknöpft und ent« schuldigte die Ueberstunden mit dem famosen Hinweis, daß sie ja bezahlt werden, wohlgeme�kt, aber ohne Auf sch l a g. Die sozialdemokratische Forderung, die Altersgrenze für die Wahlen zu den Arbeiterausschüssen von 30 bezw. 25 Jahren auf das 20. Lebens« jähr herabzusetzen, bekämpfte der Minister durch die Bemerkung, daß die„körperlich und geistig noch nicht aus- gewachsenen Heißsporne" noch nicht in die Ausschüsse hinein- gehören. Die Abgeordneten W e i l l. Fuchs und E m m e l führten auch lebhafte Klage über die mangelhafte Beschaffenheit der Wagen vierter Klasse in den Reichslandcn. Die Kommission nahm eine Resolution an, die für die Unter« beamten und das sonstige Personal der Reichseisenbahnen dieselben Verbesserungen fordert, wie sie beim P o st e t a t für die Postbeamten von der Kommission gewünscht und angeregt worden sind. Nach einer längeren Debatte über die Uebertragbarkeit der einzelnen Baufonds, wobei ein einschränkender Beschluß gefaßt wurde, förderte Abg. E m m e l darüber Auskunft, ob eine zweite Hauptbahn von Straßburg nach Basel bald in Angriff genommen werde, und welche Stellung die Verwaltung zu dem Verlangen, den reichs« ländischen Landtagsabgeordneten Freifahrt zu gewähren, einnehme. Minister Breitenbach glaubt nicht an die baldige Erbauung einer zweiten Hauptbahn. Die Frage der Freifahrkarten müsse von anderen Nessorts entschieden werden. Damit ist der Etat der Reichs- eifenbahnen erledigt._ Die Geschäftsordnungskommisfion des Reichstags verhandelte am Freitag über den Antrag Gröber betreffend die Einschränkung der Interpellationen. Abg. Gröber führte zur Be- gründung dcS Anlrages Beispiele aus Oesterreich, Frankreich usw. an, wie dort durch Mißbrauch des Jnterpellationsrechts Obstruktion geirieben worden sei. Es müsse einer Störung der ordnungs- mäßigen Fortführung der Geschäfte des Reichstags vorgebeugt werden. Abg. Geyer entkräftete diese Begründung mit dem Hinweis, daß im Deutschen Reichstage noch nie eine Obstruktion unter Mißbrauch des JnterpellationsrechteS vorgekommen sei, vielmehr sei im Senioren- konvent mehrfach gegen die Verkümmerung des JnterpellationS- rechtes remonstriert worden. Auch die Abgg. L e d e b o ur und Frank wandten sich gegen den Antrag Gröber, während Abg. Kreth für ihn eintrat. Abg. v. P a y e r(Vp.) hatte nur gegen die Fassung deS Antrages Bedenken, stimmte ihm aber im Prinzip zu, während der Abg. Roland(natl.) treffende Ausführungen gegen ihn machte. Die Minderheit werde einen solchen Akt stets als Ver« gewaltigung betrachten. Bei der Abstimmung stimmte der Fortschrittler v. Payer nach unwesentlichen Abänderungen für den Antrag Gröber, den wir gestern mitgeteilt haben, der also durch die Stimme PayerS mit 11 gegen 10 Stimmen angenommen wurde. Da der Reichskanzler zu den Beschlüssen der ersten Lesung Stellung nehmen will, so wird es dem Vorsitzenden überlassen, für welchen Tag er die erste Sitzung zur zweiten Lesung ein» berufen will._ Aus den Kommisfione« des preußischen DreiklassenhauseS. Die Geschäftsordnungskommission de» preußischen AbgeordnelenbauseS bat bei Beratung des Antrages Branden- stein zunächst festgestellt, daß jede Fraktion zu ihrer Anerkennung ihr Programm und ihre Vorstandsliste einreicht(daS Zentrum hat doch gar kein Programm und die Nationalliberalen haben für jeden Fall cinS). Als Mindeststärke einer Fraktion wurde 15 bestimmt. Die B u d g e t k o m m i s s i o n erledigte den Kulturetat. Sozial» demokraten gehören ihr ja nicht an, also wurde fast nur über d i e Schulen gesprochen, die fast nur von den Kinder» der Besitzenden besucht werden können. Die Agrarko m Mission beschloß, dem Hause die Annahme eines nationalliberalen Antrages zu empfehlen, daß im nächsten Jahre 100 000 M. mehr zur Förderung des inländischen Obst- und Gemüsebaues aufgewendet werden sollen. SewerKscbaftlicbes. Berlin und Umgegend. Die Klempner in den Gasmrsserfabriken hatten durch ihre Ver« treter Unterhandlungen mit den Fabrikanten angebahnt, weil die Vereinbarung vom 22. Mai 1911 in verschiedenen! Punkten nicht eingehalten wurde.(In der Nummer des„Vorwärts" vom 7. Fe- bruar ist darüber berichtet wordem) Am Donnerstagabend kamen die Klempner in Mörners Lokal, Koppenstraße, wieder zusammen, um die Antwort der Unternehmer auf die eingereichte Beschwerde zu hören. Dietrich vom Deutschen Metallarbciterverband rese« rierte und legte den Schriftwechsel in der Angelegenheit den Ver- sammelten vor. Er bedauerte, daß es nicht möglich war, zu münd- lichen Verhandlungen zu kommen. Die Unternehmer zogen- es vor, unter sich die Fragen zu beraten, und dos Resultat den Arbeiter- Vertretern mitzuteilen. In der Beschwerde der Arbeiter wurde zuerst über die Firma Bessin geklagt, daß dort niedrigere Stun- denlöhne als die vereinbarten gezahlt würdem Klempner, die 13 Wochen lang mindestens 70 Pf. pro Stunde im Akkord ver- dient haben, sollten 70 Pf. verdienen, wenn sie auf Lohn be- schäftigt werdeng dagegen erhalten sie nur 65 Pf. Auf die Verein- barung über die Revision der alten Preise wird dann nachdrücklich aufmerksam gemacht und eine Reihe von Artikeln angeführt, die einer Preiserhöhung bedürfen. Ferner wird geklagt, daß der Satz der Vereinbarung, nach dem bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen, wo dieselben bestehen, unverändert bleiben sollen, nicht eingehalten wird.— lieber die Firmen Jahn und E l st e r wird Beschwerde er- hoben, daß sie Klempner zu 60 Pf. anstatt zu 65 Pf. Stundenlohn einstellen. Von der Firma Kiesewctter werden für verschie- dene Artikel höhere Preise gefordert sowie die Lieferung des Ma- terialS zum Arbeitsplatz. Die Antwort auf diese Beschwerde war insoweit günstig, als versichert wurde, daß es sich bei den geringeren Stundenlöhnen bei Bessin um Irrtümer handelte und vaß eventuell Nachzahlung erfolgen soll. Auch bei Jahn und Elster seien Irrtümer vor- gekommen und würde man sich von jetzt ab streng nach der Ver- einbarung richten. In bezug auf die Revision der alten Preise sollen noch Erwägungen angestellt und Erkundigungen eingezogen werden; einzelne Preiserhöhungen wurden zugesagt. Die Versammelten diskutierten über die erhaltene Antwort und waren sich einig darüber, daß ein fester Zusammenhalt unter den Arbeitern notwendig ist, wenn die Vereinbarung stets eingehalten und eine Akkordregulie- rung in dem gewünschten Sinne erfolgen soll. Der feste Zusammen- halt, wie ihn allein die Organisation bietet, läßt aber noch manches zu wünschen übrig, lieber die Verhältnisse bei der Firma P i n t s ch, die nicht zu der Vereinigung der Unternehmer gehört, wurde be- sonders diskutiert. Die Firma hat sich mit der Vereinbarung, auch den anderen Unternehmern gegenüber, einverstanden erklärt, zahlt aber imht die vereinbarten Löhne und läßt den größten Teil der GasmHer in Fürstenwalde herstellen, wo ganz schlechte Löhne be- zahlt werden. Eine Lohnliste wurde den Versammelten vorgelegt. Danach erhielten in Fürstenwalde 2 Klempner 29 bis 30 Pf. Stundenlohn, 5 Klempner 31 bis 32 Pf., 34 Klempner 33 bis 38 Pf. 40 Klempner 39 bis 42 Pf., 10 Klempner 43 bis SO Pf., 7 Klempner 51 bis 60 Pf. Im Akkord wird von SO bis 6S Pf. per Stunde ver» dient. Nun soll aber Fürstenwalde zum Lohngebiet Perlin gehören, wie auf eine Beschwerde der Vertreter der Klempner bei der Di- rektion der städtischen Gaswerke geantwortet worden ist, als die Arbeiter sich beklagten, daß die Arbeit nach auswärts gesandt werde. Die Klempner werden diese Angelegenheit noch weiter verfolgen. Ter Lohnkampf der Herrenmahschneider verläuft fortdauernd zugunsten der Arbeiterschaft. Die Zahl der Berliner Geschäfte, die den neuen Tarifvertrag unterschristlich an- erkannt haben, ist nun auf 272 gestiegen. Die Führer der Arbeit- geber merken denn auch, jedenfalls in Berlin und offenbar auch im Reiche, daß ihnen der Boden unter den Füßen entzogen wird, und daß ihre Organisation den Kampf nicht mehr zu führen vermag. Sie hatte zu gestern abend eine gemeinsame Versammlung der organisierten und unorganisierten Arbeitgeber einberufen und sogar die Firmen dazu eingeladen, die bewilligt haben. Das ist offenbar auch ein Zeichen dafür, daß man auf feiten des ArbeitgeberverbandeS erkannt hat, daß der Kampf nicht weiter geführt werden kann. Die„Generalaussperrung", die ja für Berlin ganz und gar nichts zu bedeuten hatte, ist auch im Reiche wirkungslos geblieben. In einer Reihe von großen Städten ist von der Aussperrung nichts zu spüren, und die Damengeschäfte haben sich noch viel mehr als die der Herrenmaßbranche gehütet, dem Aussperrungsbefehl ihres Verbandes Folge zu leisten. In einzelnen Orten, wo die AuS- sperrung vorgenommen ist, bat man den Arbeitern gleich von vorn- herein gesagt, die Sache würde höchstens acht Tage dauern. Der Streik in der Kartonindustrie dauert unverändert fort. In einer am Freitagvormittag abgehaltenen Versammlung der Streikenden gab Würzberger den Situationsbericht. Es haben im Laufe der letzten Tage verschiedene unverbindliche Aussprachen stattgefunden, die das Resultat zeitigten, daß vier Fünftel der im Scbutzverband organisierten Unternehmer dem Antrag auf Anrufen des Einigungs- amles zustimmten. Der Versuch des Magistratsrates v. Schulz, ohne Schiedsspruch zu einer Verständigung zu kommen, ist an dem Widerstande der Unternehmer gegen weitere Zugeständnisse ge- scheitert, so daß nunmehr das Einigungsamt zur Entscheidung in Tätigkeit tritt.— Große Heiterkeit löste die Mitteilung aus, daß bei einzelnen Unternehmern das Bestreben vorherrscht, die Ausständigen einfach aushungern zu lassen. Ob die Herren aus ihrer eigenen niateriellen Abhängigkeit Schlüsse ziehen auf die Mittel- losigkeit der Arbeiterorganisation, des Buchbinderverbandes? Im Gegensatz zu diesen einzelnen hat sich eine ganze Reibe Fabrikanten zur Unterschrift bereit erklärt; sie sind ober von einzelnen„Mächtigen" bisher daran gehindert worden. Allgemein wird auch von den Unternehmern das tapfer« Aushalten der feit mehr denn zwanzig Jahren zum ersten Mal« im Kampfe stehenden Arbeiterinnen anerkannt. Daß die Unternehmer zu den verzweifeltsten Mitteln greifen, wenn sie durch den Eingang der Gewerkschaft in ihren Buden ihren Profit bedroht glauben, wird an verschiedenen Beispielen bekannt gegeben. So hat der Kartonfabrikant Bernhard Jahn, Köpenicker Straße 32, die Verbandsfunktionäre verhasten lassen wollen, die zur Abhaltung einer Werkstubensitzung erschienen waren. Andererseits werden auch selbst die größten Kosten nicht gescheut, um durch wenige Arbeitswillige den Betrieb einigermaßen aufrechtzuerhalten. Die Firma G r u n o w, Grünerweg 104, stellt täglich ein halbes Dutzend Autos zum TranS- Port nach und von dem Betriebe zur Verfügung. Die Versammlung spendete den Diskussionsrednern, die dem Willen der Ausständigen auf weiteres Ausharren im Kampfe AuS- druck gaben, lebhaften Beifall und bekundete diesen ihren unver- brüchlichen Willen durch Annahme folgender Resolution: Die am Freitagnachmittag im Gewerkschaftshause versammelten Streikenden der Kartonindustrie nehmen Kenntnis von dem Stande bei Streiks und versichern, nicht nur den von der Streikleitung ausgegebenen Richtlinien und Direktiven folgen zu wollen, sondern auch nach wie vor fest im Kampfe zusammenzustehen, bis eine den Forderungen gerechte Verständigung erzielt ist. Der arbeiterfreundliche Brauereidirektor. Anfang Dezember des Jahres 1911 erwarb die Malzbierbrauerei „Bergbrauerei" die im Konkurse befindliche Brauerei G. E n d e r s in Weißensee, um dieselbe unter der Firma Bergbrauerei fort- zuführen und neben dem Malzbier auch Lagerbier zu produzieren. Alle im ehemaligen Betrieb Enders beschäftigten Leute wurden übernommen und man glaubte, daß im Punkte Sicherung des Arbeitsverhältnisses für die Arbeiter alles in Ordnung sei, zumal der Herr Direktor Rächer bei jedem dritten Wort, bei jeder Unter- Handlung vor Arbeilerfreundlichkeit überfließt. Infolge von Witterungs- und anderen Einflüssen erkrankten vor etwa drei Wochen drei der ältesten Flaschenkellerarbeiter. Flugs wurde allen Dreien per Einschreibebrief in dürren Worten mitgeteilt, daß für sie keine Arbeit mehr vorhanden wäre, sie also entlassen seien.— Diese Einschreibebriefe werden recht beruhigend und heilend auf die Erkrankten gewirkt haben. Eine Verhandlung von Ver- tretern des Brauerei- und Mühlenarbeiter-VerbandeS mit dem arbeiterfrenndlichen Direktor hatte keinen Erfolg. Die Vertrauens- leute beschlossen daher, der Verwaltung aufzugeben, geeignete Maß- nahmen zu ergreifen, um solche oder ähnliche Vorkommnisse zu ver- hindern. Tie Lohnbewegung der Fleischergesellen in Neukölln. In einer am Donnerstag abgehaltenen, sehr stark besuchten Versammlung der Neuköllner Fleischergesellen machte Berg- mann über die Lohnbewegung unter anderem folgende Angaben: Obgleich bald nach der Einreichung der Forderungen eine von der Innung veranstaltete Meisterversammlung beschlossen hat, die For- derungen abzulehnen, und obgleich sich die Meister verpflichtet haben, eine Vertragsstrafe von 1000 M. an die Innung zu zahlen, falls sie die Forderungen anerkennen, haben doch schon 25 Fleischer- meister die Forderungen unterschrieben. Das ist für den Anfang immerhin ein befriedigendes Resultat, namentlich wenn man be- rücksichtigt, daß die Jnnungsführer mit allen Mitteln aus die Neu- köllner Fleischermeister einwirken, um sie zum Widerstande gegen die Forderungen, besonders gegen die Anerkennung des kostenlosen Verbands-Arbeitsnachweiscs scharf zu machen. Wenn sich die Meister der Hoffnung hingeben, die Lohnbewegung sei bereits er- ledigt und sie hätten nichts mehr zu fürchten, so irren sie sich. Der Verband ist auf eine längere Dauer des Kampfes gefaßt. Im Klein- krieg wird er die Meister zwingen, seine Forderungen anzuerkennen. Näheres über die Taktik des Kampfes kann natürlich nicht mitgeteilt werden, um nicht den Gegnern Informationen zu geben. Von den Beschlüssen der Innung wird es zum großen Teil abhängen, welche Taktik einzuschlagen ist. Darauf müssen die Meister rechnen, daß der Verband alles daransetzen wird, um die Lohnbewegung zu einem siegreichen Abschluß zu bringen.— Wie immer, wenn klaffen- bewußte Arbeiter um die Verbesserung ihrer Lage kämpfen, so haben auch in diesem Falle die Gelben beschlossen, Streikbrecherdienste zu leisten. ES heißt, die Messter hätten die Absicht, mit dem gelben Vereinchen einen Tarifvertrag abzuschließen, um dadurch die Be- wegung des Verbandes zu hintertreiben. Wenn auch die Gelben zu diesem Verräterstück den besten Willen haben, so sind sie wegen ihrer unbedeutenden Zahl doch nicht in der Lage, die Lohnbewegung ernstlich zu schädigen. Die Neuköllner Fleischergesellen sind fest- entschlossen, sich bessere Löhne und eine geregelte Arbeitszeit von 12 Stunden täglich zu erringen. Sie bleiben, wenn diese Forde- rungen erfüllt sind, immer noch weit zurück hinter den Lohn- und Arbeitsverhältnissen, die in anderen Berufen längst üblich sind. Das Bestreben, diese berechtigten Forderungen durchzusetzen, ist von der Sympathie der Bevölkerung getragen und muß deshalb Erfolg haben._ Deutkches Reich. Die Tarifbewegung der Holzarbeiter. Die Vorberatungen der beiderseitigen Organisationen über die demnächst aufzunehmenden Tarifverhandlungen im rheinisch- west. fälischen Industriegebiet sind jetzt soweit abgeschlossen, daß am 13. März in Essen unter dem Vorsitz des Herrn Beigeordneten Rath die erste Sitzung der Organisationsvertreter stattfindet. In dieser Sitzung soll verabredungsgemäß zunächst nur verhandelt werden über die allgemeinen Fragen des Vertragsverhältnisses, wie Vertrags- muster, Dauer der Verträge und sonstige allgemeine Vertrags- bestimmungen. Wenn diese Verbandlungen zu einem Ergebnis geführt haben, soll nach Rücksprache der Parteien über den materiellen Teil der Lohn- und Arbeitsverhältnisse kür die neuen Verträge ebenfalls in Essen gemeinsam verhandelt werden, jedoch nehmen an diesen Verhandlungen die Vertreter der Ortsparteien teil. Diese werden in der entsprechenden Zahl nach Essen berufen, um ihrerseits bei dem Zustandekommen der Verträge, sowie der Ver- tretung ihrer Forderungen und Wünsche mitwirken zu können. Ein Lohnkampf von besonderer Bedeutung tobt gegenwärtig im Tischlergewerbe zu Wiesbaden. Die Unternehmer dieses Ortes gehören mit zu der Kategorie, die im Jahre 1903 an den gemein- samen Tarifverhandlungen der beiderseitigen Zentralverbände unter dem Vorsitz des Freiherrn v. Berlepsch teilnahmen, und dann, als ihnen der gefällte Schiedsspruch nicht in den Kram patzte, diesem gegenüber sich einfach ablehnend verhielten ohne Rücksicht darauf, daß beide Parteien durch vorherige Vereinbarungen sich auf die Schiedssprüche verpflichtet hatten, also nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich an diese gebunden waren. Sie befanden sich mit dieser Haltung damals allerdings in Uebereinstimmung mit ihren Kollegen aus Darmstadt, Essen. Frankfurt a. M., Luckenwalde, Magdeburg und Zoppot. Die Unternehmerorganisation war nicht imstande, ihre eingegangene Verpflichtung auf Durchführung der Schiedssprüche einzulösen. Es kam zu Wochen- und monatelangen Kämpfen an den einzelnen Orten, wobei die Unternehmer für ihre unverantwortliche Disziplinlosigkeit gehörig zurechtgesetzt wurden und teilweise höhere Zugeständnisse machen mutzten, als die Schiedssprüche vorgesehen hatten. Leider war bislang in Wies- baden infolge ungünstiger Konjunktur keine Möglichkeit, ein gleiches unternehmen zu können, bis sich jetzt vor einigen Wochen die lange gewünschte Gelegenheit hierzu bot. Der Schiedsspruch des Jahres 1908 sah neben der S4stündigen Arbeitszeit einen Durchschnittslohn von 52 Pf. für Arbeiter über 20 Jahre und 42 Pf. für Arbeiter unter 20 Jahren vor. Ob die Unternehmer diesmal, da eS durch ihre Schuld zum Streik ge- kommen ist, so billig davonkommen werden, dürfte zum mindesten sehr fraglich sein. In B r i e g und Schönlanke geht der Kampf um Durch- führung der Schiedssprüche unbeirrt weiter. Der Zuzug von Holz- arbeitern nach diesen Orten ist fernzuhalten. Erfolgreiche Beendigung des Tischlerstreiks in Wiesbaden. Wie vorauszusehen war, ließen es die Unternehmer nach erfolgter Arbeitseinstellung nicht zur AuSlragung der Mackitfrage kommen, sie versuchlen vielmehr unler Anerkennung der berechtigten Forderungen der Arbeiter zu einem baldigen Friedenssckiluß zu ge- langen. Zu diesem Zweck wurden örtliche Verhandlungen in die Wege geleitet, die jedoch ergebnislos verliefen, worauf in beider- seitigem Einverständnis die Zentralvorstände der Organisationen zur Vermittelung angerufen wurden. In deren Beisein fanden sodann am 11. und 12. März Verhandlungen stall, die zu einem Frieden auf folgender Grundlage führten: Die Arbeitszeit wird vom 1. Juli 1912 von 54 auf 53 Stunden pro Woche verkürzt. Der Durchschnittslohn wird erhöht sofort aus 54 Pf. und steigt bis zum 15. Februar 1914 auf 58 Pf. Alle be- stehenden Löhne werden bis zum 15. Februar 1914 um S Pf. er- höht. Der Lohn der Maichinenarbeiter ist um 3 Pf. höher. Ueber- stunden werden mit 15 Pf., Nacht- und SonntagSarbeit mit 28 Pf. Aufschlag bezahlt. Für Montagearbeiten am Orte werden 5 Pf. pro Stunde, für auswärtige Montagearbeiten 3 M. bis 3,50 M. pro Tag bezahlt. Die allgemeinen Vertragsbestimmungen über die Vereinbarung von lieberstunden, Lohnsicherung beim Arbeitswechsel, Lohnbü.r er, zivilrechtliche Klagen. Schlichtungskommission uiw. sind nach den Vorschlägen der Arbeiter akzeptiert worden. Die Vertragsdauer soll bis zum 15. Februar 1916 gellen. Die Vereinbarungen bedürfen zwar noch der Zustimmung der beiderseitigen Versammlungen, es dürfte aber kein Zweifel sein, daß diese erfolgen wird, wonach als- dann der Streik nach zweiwöchiger Dauer mit vollem Erfolg für die Arbeiter sein Ende erreicht hätte. Der neue Vertrag bedeutet in seinem Gesamtinhalt einen wesentlichen Fortschritt gegenüber den bisherigen Verhältnissen.__ Zentraltarif im deutschen Lithographie- und Steindruck- gewerbe t Eine im Berliner Gewerkschaflshause abgehaltene Gauleiter- konferenz des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und ver- wandten Berufe beschäftigte sich eingehend mit der Anregung des Schutzverbandes deutscher Steindruckereibesitzer, auf der Grundlage der nach dem großen Kampf abgeschlossenen losen„Vereinbarungen" einen festen Tarifvertrag für das gesamte deutsche Lithographie- und Steindruckgewerbe zu schaffen. Fußend auf die Beschlüsse früherer Verbandsgeneralversammlungen auf Abschluß von Tarif- Verträgen, hat die Konferenz der Anregung zugestimmt.— In der Aussprache über die gegenwärtige Situation nach der Beilegung des großen Kampfes wurde jedoch durch eine Anzahl von Beispielen'fest- gestellt, daß von vielen Prinzipalen die abgeschlossenen„Verein- barungen' durchbrochen oder ganz willkürlich ausgelegt werden. Daher sab sich die Gauleiterkonferenz veranlaßt, ihre Zustimmung zum Abschluß eines festen Tarifvertrages an die Erfüllung von Vor- aussetzungen zu knüpfen, die solche llebergriffe der Prinzipale für die Folge ausschalten. Der Standpunkt der Gauvertreterkonferenz wurde durch folgenden Beschluß zum Ausdruck gebracht: „Die in Berlin tagende Gauleiterkonferenz des Verbandes der Lithographen, Steindruckcr und verwandten Berufe, beschließt nach reiflicher Aussprache den Hauptvorstand zu beauftragen, auf die Anfrage des Schutzverbandes deutscher Sreindruckereibesitzer zwecks Herbeiführung einer Tarisgemeinschast für das Lithographie- und Steindruckgewerbe näher einzugehen und diesbezügliche Bor- Verhandlungen anzubahnen. Voraussetzung hierzu ist. daß 1. der Schutzverband in der Lage ist, seine Mitglieder zur vollen Einhaltung der abgeschlossenen Vereinbarungen anzuhalten; 2. der Schutzverband bezw. seine Mitglieder alle organisationS- feindlichen, gegen die Mitgliedschaft im Verband der Litho- graphen, Steindrucker und verwandten Beruf« gerichtete» Handlungen unterlassen und 3. daß eventl. die Allgemeinheit der Unter»hmer und Gehilfen die Träger der Tarisgemeinschast sind. Der Hauptvorstand wird beauftragt, wenn der Schutzverband den vorstehenden Punkten nachkommt, diesen um Vorlegung einer entsprechenden Vorlage zu ersuchen, die in einer späteren Gau- leiterkonferenz näher besprochen werden muß, bevor entscheidende Schritte unternommen werden." Nach dem Streik auf der Schichauwerft« Die Organe des Gewerkvereins der Hirsch-Dunckerschen Richtung, der„Regulator" und der„Gewerkverein", regen sich darüber auf, daß in den Berichten über den Abbruch des Sweiks bei der Firma S ch i ch a u, Danzig und Elbing, die Mitteilung enthalten war, daß die Gewerkvereinler den weitaus größten Teil der Streikbrecher gestellt haben. Der„Vorwärts" wird deswegen besonders angegriffen. Es sei nur schlechte Gewerkschaftserziehungsarbeit die Ursache des Streik- Bruch«. Das letztere trifft zu. Man muß aber doch, wenn man das in der Oeffentlichkeit betont, auch sogen, wo diese schlechte ErziehungS« arbeit geleistet worden ist. Zugegeben werden vom Metallarbeiter- verband von 720 Beteiligten 40 Streikbrecher; andere steie GeWerk- schaften 1042 Beteiligte 213 Streikbrecher, Hirsch-Duncker 927 Be- teiligte 392 Streikbrecher, Christliche 251 Beteiligte 9 Streikbrecher.— Da bei der Schlußabstimmung nur Streikende Zutritt hatten, von den Hirsch- Dunckerschen aber 200 fehlten— sie hatten mangels Streikkarteu keinen Zutritt— so erhöbt sich die Zahl der Streik« brecher für den Gewerlverein auf mindestens 600. Ob man nicht berchligt ist, das die weitaus größte Zahl der Streikbrecher zu nennen, überlassen wir dem Urteil der Leier. Kekanntmachnng. Es wird empfohlen zu kochen: Marz 17. . 18. . 19. . 20. . 21. . 22. foiori" pUzfuppe „ Comatenruppe Knotr Linfen fuppc „ RausmacherrUppe Knoir üdelbertreuftippe „ 7 Schwaben fuppe(Bier- ___ figurtn) Jeden Tag eine andere Suppe mit HinoiT Suppenwürfel jeden Tag für 10 Pfennig 3 Teller feine Suppe --- mit Knorr Suppenwürfel. Greift zu! jock. 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Wie die Abendblätter melden, wurden auf die Nachricht, dag ein Bombardement von Saloniki durch die italienisch« Flotte unmittelbar bevorstehe, mehrere Abgeordnete der Alpenländer aus dem Kreise ihrer Wähler aufgefordert, sich über die Richtigkeit dieser Nachrichten zu in» formieren, da grössere Warentransporle nach Saloniki unterwegs seien. Die Abgeordneten Härten sich an den Mini st erPräsidenten um Auskunft über diese Nachricht gewandt. Der Ministerpräsident habe folgende Auskunft erteilt: In den Zeitungen sind allerdings sehr vage Rachrichten über ein beabsichtigtes Bombardement von Saloniki aufgetaucht, das Ministerium de» Aeußereir hat jedoch keinerlei Anhaltspunkte dafür, dag ein solcher Schritt geplant ist. Auch sonst sind keine Anzeichen dafür vorhanden, dag diese sehr vagen Nach- richten richtig sind. Die Kevolulio» in China. Ein Bankett z» Ehren der Republik. Paris, 14. März. Zur Feier der Proklamierung der chinesischen Republik fand heute unter dem Borfitz des Vertreters Chinas Liu ein Bankett statt, dem auch der frühere Ministerpräsident Monis beiwohnte. Der Deputierte Painlevö und der Akademiker Anatole France brachten Trinksprüche auf die chinesische Republik aus. Abschluß einer Anleihe. Peking, 15. März. Eine Gruppe von englischen, französischen und belgischen Bankiers hat gestern einen Vertrag mit dem W a i w u p u unterzeichnet über eine fünfprozentige Anleihe von einer Million Pfund Sterling auf ein Jahr zum Kurse von 97. Di: Anleihe wird sichergestellt durch die Erträgnisse der Kalganbahn und mutz noch der Nationalversammlung in Nairling zur Gc- nehmigung vorgelegt und von den europäischen Leitern der in Ve- wacht kommenden Banken gut geheißen werden. Die Genehmigung erscheint gesichert. Leneralveriatnntinng des Verbandes sozialdemokratischer Wahlvercine Berlins und Nmgcgcnd am Sonntag, den 17. März 1912, mittags 12 Uhr, in den „Concordia-Festsälen", Andreasstraße 61. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Tr. Hugo Heinemann über„Neue Fesseln für das Proletariat durch die Strafgesetzgcbung". ?. Vorstands-, Kassen- und Nevisionsberichte. 3. Erledigung der von den Kreisen gestellten Anträge. Anträge der Kreise: Vorschläge für den Sckretärpostc». A» Stelle des verstorbeneu Genossen Leopold Liepmann sind vorgeschlagen: l. Kreis: Genosse Hugo Wolderskp. 5. Kreis: Gc- nosse Hunslcisa,. 6. Kreis: Genosse Theodor Fikcher. Teltow- Beeskow: Genosse Alfred Scholz-Neukölln. Kartrllverdältui» zwischen Grost-Berlin»nd der Provinz Brandenburg. Nieder- Barnim und li. Kreis: 1. Die Verbands- gcneralvcrsamminng möge bcschlietzcn. das jetzige Kartellverhältnis zwischen Grotz-Berlin und der Provinz Brandenburg aufzuheben Die Durchführung dieses Beschlusses wird den beiderseitigen Partciiiistanzen übertragen unter Zuziehung des Partcivorstandcs. 2. K r c i s: 2. Tic Beschlutzfassung über den Antrag Nieder. Barnim auf Auflösung des KartcllverhältnisseS der Provinz Brau- dcnburg und Berlin bis zur nächsten Generalversammlung von Grotz-Berlin zu vertagen. 4. Kreis: it. Im Hinblick auf den im.Mtteilungsblatt" vom 14. Februar 1912 veröffentlichten Antrag Nieder-Barnim an die Generalversammlung von Grotz-Berlin, wonach dieselbe aus- gefordert wird, zu I-eschlictzen, eine Lösung des bis jetzt bestehenden Verhältnisses zwischen Grotz-Berlin und dem Bczirksverband Brandenburg herbeizuführen, ersucht die Generalversammlung des vierten Kreises die betreffenden Parteiinstanzcn, nur dann eine Aenderurig dcS jetzigen Verhältnisses anzubahnen, wenn greifbare und bessere Erfolge für die Agitation als bisher zu erwarten sind. Tie(ssencralversammlung ist aber auch serner der Meinung, dah eS Pflicht jedes Parteigenossen ist, soviel in feinen Kräften steht agitatorisch zu wirken, zum Beispiel in Bekanntenkreisen durch Agitation von Mund zu Mund, durch Beteiligung an der Bcr- breitung von Flugblättern, wie überhaupt durch jede die Partei fördernde Tätigkeit. Stichwahlabkommrn. Riede r-�B a r n i m: Tic Parteigevossen Grotz-BcrlinS bc- dauern das Sticbwahlabkommcu des Parteivorstandes mit der Fortschrittlichen Bolkspartei insofern, als dadurch unsere Genossen in 16 Kreisen, wo wir mit dem Freisinn in Stichwahl standen, verpflichtet wurden, die Wahl des fortschrittlichen Kandidaten durch Dämpfung des Wahlkampfcs zu sichern. Lieferung des„Vorwärts" an Arbeitslose resp. Streikende oder Ausgesperrte. 2. K r c i§: 1. Parteigenossen, welche zwei Jahre politisch und gewerkschaftlich organisiert sind, wird nach einmonatiger?lrbcits- losigkeit oder Krankheit auf Antrag der„Vorwärts" gratis ge- liefert. Der Antragsteller� muh aber mindestens zwei Jabrc Abonnent des„Vorwärts" sein und Mutz sich zweimal im Monat bei seinem Spediteur legitimieren. 4. Kreis: 2. Denjenigen Genossen, die zwei Monate im Streik stehen oder ausgesperrt sind, den„Vorwärts" gratis zu liefern. 5. K r e i S: 3. Der Beschlütz betreffend Gratislieferung des „Vorwärts" an arbeitslose Abonnenten, ist dahin abzuändern, datz diese den„Vorwärts" auf ihren Antrag frei erhalten, wenn sie vier Wochen arhcitslos, zwei Jahre politisch und gewerkschaftlich organisiert und zwei Jahre Abonnent des„Vorwärts" sind. 6. Kreis: 4. Die Generalversammlung möge bestblietzcn: Streikenden und ausgesperrten Genossen ist der„Vonvärts" unter denselben Bedingungen zu liefern, wie arbeitslosen und kranken Genossen.., �. Teltow-BeeSkow: 5. Deniemgen Parteigenossen, welche mehr als zwei Jahre politisch und gewerkschaftlich organisiert sind. ist bei Erkrankungen oder Arbeitslosigkeit, wenn diese länger als vicr Wochen dauert, während dieser Zeit der„Vorwärts" gratis zu liefern. Nieder-Barnim: ü. Der Beschluh betreffend Gratis- lickerung des„Vorwärts" an arbeitslose Abonnenten ist dahin ab- zuändern, datz diese den„Vorwärts" aus ihren Antrag frei er- halten, wenn sie vier Wochen arbeitslos, zwei Jahre politisch«nd gewerkschaftlich organisiert und zwei Jahre Abonnent des„Bor. värtS" sind. 7. Die Verbandsgeneralversammlung tvolle lvschlictzen, dem Antrag betreffend GratiSlicferung dcS.Vorwärts" den Nachsatz hinzuzufügen:„Streikende und Ausgesperrte find den Arbeits- losen gleich zu achten." Parteibons. 5. K r e i s: 1. In Anbetracht der Erstarkung der Partei- crganisationen Grotz-Berlins den Vertrieb der Parteibons ein- zustellen. Teltow-Beeskow: 2. Tie Verbandsgeneralversammlung möge bcschlietzen, die Bons abzuschaffen. Jugendbewegung. 4. K r e is: In Anbetracht dessen, datz die preußische Schul- Verwaltung zur Bekämpfung der Arbeiter-Jugendbewegung eine Broschüre ausgearbcitet hat und in dieser die Mahnung an die schulentlassene Jugend richtet, keiner„sozialdemokratischen Jugend- organisation", sondern einer aus dem Boden„vaterländischer Ge- sinnung" stehenden Jugendvereinigung beizutreten; des serncren, datz diese Broschüre zum erstenmal im April d. I. gratis an die Schüler verteilt wird, soll der Zentralvorstand von Grotz-Berlin geeignete Schritte unternehmen, um dieser Broschüre in Form eines Flugblattes oder eventuell ebenfalls einer Broschüre ent- gegenzutreten. Genossenschaftswesen. 2. K r e i S: Im„Vorwärts" eine ständige Rubrik für da? Genossenschaftswesen einzurichten, ebenso wie sie der Frauen- und Gewerkschaftsbewegung eingeräumt worden ist. Zum Leiter des genossenschaftlichen Teiles wolle man eine geeignete Persönlichkeit, die in der Genossenschaftsbewegung erfahren ist, bestellen. Mitteilungsblatt. Teltow-Beeskow: Diejenigen Mitteilungen im„Mit- teilungSblatt", wclcke der„Vorwärts" bereits veröffentlicht hat. sollen künstig im„Mitteilungsblatt" nicht mehr veröffentlicht wer- den. Ter hierdurch freigewordene Raum ist für leicht verständliche Zlrtikel zu benutzen, die auf den Zahlabenden vorgelesen und zur Diskussion gestellt werden können. Jahresbericht. Teltow-Beeskow: Ten gedruckten Jahresberichten des Verbandes der Wahlvercine Grotz-Berlins find die wichtigsten Be- schlüffe der Organisation anzufügen. Delegierte zur Verbandsgraeralversammlung. Teltow-Beeskow: Die Verbandsgeneralversammlung Grotz-Berlins möge bcschlietzen. die Zahl der Delegierten zu dieser so zu reduzieren, datz aus 2öv Mitglieder ein Delegierter entfällt. Ten kleineren Wahlkreisen ist eine Mindestdelegation von 19 Tele- gierten zu gelvähren. Gehaltserhöhungen der Augestellten. 2. Kreis: 1. Gehaltserhöhungen der Angestellten der Berliner Parteiorganisation bedürfen ebenso wie einmalige Extrazuwendun- gen an dieselben der Zustimmung der Verbandsgeneralversammlung. 2. Dem Zentralvorstaud von Grotz-Berlin soll die Kompetenz abgesprochen werden, den Verbandssekrctären Teuerungszulagen zu verabfolgen ohne vorherige Zustimmung der Parteigenossen. N i e d c r- B a r n i m: 3. In Zukunft sollen bei Teucrungs- Zulagen an die Parteiangestelltcn erst die Parteigenossen gefragt werden._ GewerMchaften und Partei. Wie die Zeutrumsorgcme gegen die Sozialdemokratie, so Hetzen die christlichen Gewerkschaftsblätter gegen die freien Verbände. Ter Kaulpf gilt der modernen Arbeiterbewegung als Trägerin einer neuen Geselljchastsordnung. Ter gemeinsame Nährboden der Hätz ist die ultramoutaue Weltanschauung. Ihre Repräsentantcil verbüudeu sich mit den Vertretern der kapitalistischen und alltokratischen Herrschastsordnung zu einem Schutz- und Trutzbündnis. Und dessen Spottgeburt ist die christliche Gewerkschaftsbewegung. Seit den letzten Reichstagswablen tritt das unverhüllter denn je in die Erscheinung. Tie Hätz gegen die freien Ge- werkschafteu erscheint als die dringendste und wichtigste Ans- gäbe der christlichen Gewerkschaftspresse. Sie sucht dabei den Anschein zu erwecken, als ob die freien Gewerkschaften zum Nachteile der Arbeiter der sozialdemokratischen Partei dienst- bar wären. In diesem Sinne reden sie von sozialdenwkra- tischen Gewerkschaften. Tie �Westdeutsche Arbeiter-Zeitung", das Organ des Herrn Giesberts, der zum Tank für seine Wahl zum Reichstage den Großindustriellen versprach. nationalliberale Politik zu unterstützen, nannte die freien Gewerkschaften gar—„Parteiknechte". Obwohl wir voraussehen, datz die Christen eine sachliche Diskussion über die Frage, welche Gewerkschaften in Wirk- lichkeit als„Parteiknechte" fungieren und dabei die Interessen der Arbeiter schädigen, ausweichen werden, sei doch einmal näher darauf eingegangen. Es kann die Erörterung den freien Gewerkschaften nur zum Vorteile gereichen! Gewitz: eine Abhängigkeit zwischen Partei und Gewerk- werkschafteu besteht! Von der Personalgemeinschast sehen wir dabei gänzlich ab. Unbestritten sind bekannte und hervorragende Gewerkschaftler auch in der Sozialdemokratie an leitenden Stellen tätig, fungieren sogar als Abgeordnete in gesetzgebenden und Vcrwaltungskörperschaften. Genau so sehen wir christliche Gewerkschaftler als� Zentrumsparlamentarier und nltramontane Agitatoren in Tätigkeit. In dieser Hin- ficht finden wir hier wie dort die gleichen Verhältnisse. Daraus ist doch noch keine Abhängigkeit pach der einen oder anderen Seite zu konstatieren. j Nun verpftichtet aber die Sozialdemokratie ihre Mit- glieder, soweit das nur möglich, irgendeiner Gewerkschafts- organisation als Mitglied anzngehöretz. Jeder Partei- funktionär soll gewerkschaftlich organisiert fein! Tie Gewerk- schaftcn hingegen suchen zwar aus eigenem Interesse ihre Mitglieder der Sozialdemokratie zuzuführen, aber— und das ist wesentlich— sie machen die Parteizugehörigkeit nicht zur Bedingung für die Aufnahme in die gewerkschaftliche Lrga- nisation! Ebensowenig üben sie in religiöser Beziehung einen Zwang ans.' Tie Gewerkschaften verlangen von ihren ivHt- gliedern weiter nichts als die Anerkennung der gewcrkschaft- licbcn Grundsätze und Erfüllung der statutarisch festgelegten Pflichten. Wer wegen Verletzung gewerkschaftlicher Jnter- cften aus dem Verbände ansgestotzen wird, mutz auch mit dem Ausschluß aus der Partei reckmen. Dagegen kann jemand Mitglied einer freien Gewerkschaft sein und bleiben, wenn er das Programm der Sozialdemokratie ablehnt oder gar nachträglich zu einer anderen Partei übertritt. Geht man von den erörterten Bedingungen aus, die von den beiden Zweigen der modernen Arbeiterbewegung für die Erwerbung und Erhaltung der Mitgliedschaft erhoben wer- den, dann wäre höchstens ein Abhängigkeitsverhältnis der Partei von den Gewerkschaften zu konstatieren. Auf keinen Fall aber kann man von einer Abhängikeit der Gewerkschaften reden. In dem von den Christen unterschobenen Sinne be- steht eine solche überhaupt nicht. Zur Sozialdemokratie kann selbstverständlich nur gehören, wer sich zu ihrer Ausfassung und zu ihren Bestrebungen bekennt. Dazu rechnet auch die wirtschaftliche Wahrnehmung der Arbeiterinteressen, die speziell von den Gewerkschaften verteten werden. Wer diese verletzt, kann kein Parteimitglied sein. Aber es kann jemand Gewerkschaftler sein, ohne sich deshalb schon zum Sozialismus durchgerungen zu haben, ohne sich zu den Zielen der Sozial- demokratie zu bekennen. Tagegen kann kein Sozialdemokrat ein Gegner der gewerkschaftlichen Bestrebungen sein. Daher ist es logisch, daß die Sozialdemokratie von ihren Mitgliedern die Zugehörigkeit zu einer Gewcrkschaft verlangt, die Ge- werkschaften indessen wohl wünschen und erwarten, datz ihre Mitglieder Sozialdemokraten seien oder werden, aber die Parteimitgliedschaft nicht zu einer Bedingung der Aufnahme oder des Verbleibens in ihrer Organisation machen. Und wie steht es mit den sachlicksen Forderungen? Wiederum ist hier die Gewerkschaft unzweifelhaft die am meisten Unabhängige! Sie macht nicht das Programm der Sozialdemokratie zu ihrem eigenen. Sie tritt dafür niemals in Aktion. Uebcr die Grenzen der von ihr im Statut umgrenzten wirtschaftlichen und sozialen Forderungen, die jeder Liberale, jeder Zentrumsmann unterschreiben kann, ohne gegen die Grundsätze seines Parteiprogramms zu verstoßen, engagiert sich die Gewerkschaft nicht. Anders steht es mit der Sozialdemokratie! Es gibt keine von den Gewerksckiaften ver- tretcne Forderung, deren Unterstützung sie ablehnt oder ab- lehnen könnte, ohne mit ihren Grundsätzen in Widerspruch zu geraten. Dabei ist es sogar ganz gleichgültig, ob freie oder andere Organisationen eine wirtschaftliche oder soziale Forderung erheben. Tie Sozialdemokratie verficht die Wirt- schaftlichen und sozialen Ansprüche der christlichen oder Hirsch- Tunckerschen Gewerkvereine ebenso warm wie die der freien Perbände. Als die christlichen Bergarbeiter am Piesberge für die Ertsaltung der christlichen Feiertage gegen das Kapital känipsten, unterstützte auch der„sozialdemokratische" Berg- arbeiterverband diese Forderung aus sozialen Erwägungen. Daß jemals eine Gewerkschaft auf die Wahrnehmung einer ihrer Forderungen aus Rücksichten auf die Partei hätte verzichten müssen, kann niemand nachweisen. Tie Partei unterstützt und fördert die Gewerkschaften, macht sich jede der von ihnen erhobenen wirtschastlicksen und sozial- politischen Forderungen zu eigen, die immer dahinzielen, die Lage der Berufsgenossen auf der Grundlage der bestehenden Staats- und Wirtschaftsordnung zu verbessern. In der Frage der Arbeitszcitregelung, der Gewerbeordnung, der sozialpolitischen Gesetzgebung, der Löhne, kurzum in dem ganzen Komplex der Gewerkschaftspraxis gibt es keinen Punkt, in dem die Partei und Gewerkschaften sachlich aus- einandergehen könnten. Höchstens mögen Meinungsvcr- schiedenheiten über die einzuschlagende Taktik oder die größere Dringlichkeit der einen oder anderen Forderung ob- walten. In den Parlamenten gehen Gewerkschaftsführer und„Rurpolitiker" in allen Forderungen konform, die crsteren können niemals in die Gefahr geraten, als Partei- Mitglieder gegen die Forderungen stimmen zu müssen, die sie als Gewerkschaftler zu befürworten verpflichtet wären. Durch die energische Unterstützung der wirtschaftlichen Forderungen der Arbeiter, durch die Bestrebungen, ihre soziale Lage im Rahmen der bestehenden Gesellschaftsordnung zu verbessern, gerät die Sozialdemokratie auch nicht mit sich selbst in Wider- spruch, denn erstens ist die Hebung der Arbeiterschaft aus ein höheres Kulturniveau ja überhaupt ihr Ziel, zweitens sind die wirtschaftlich und sozial am besten gestellten Arbeiter ge- wohnlich auch die besten Kämpfer gegen den kapitalistischen Klasscnstaat und für die sozialistische Gesellschaftsordnung. Tie zurückgebliebenen Arbeiter lassen sich dagegen er- fahrungsgemätz leicht für die bürgerlichen Parteien ein- fangen. Eine Förderung der Gewerkschaften bedingt dccher stets auch eine Förderung der Sozialdemokratie. Das schließt natürlich einen Widerspruch zwischen Partei- und Gewerk- schaftsinteressen von vornherein aus. Das gerade ist der Schmerz aller Gegner der modernen Arbeiterbewegung. Ihre Klasseninteressen kollidieren häufig mit den Arbeiterforderungen, was bei der Sozialdemokratie niemals der Fall sein kann. Das sind unwiderlegliche Tatsachen l Sie widerlegen aber die Unterstellung der Gegner, als ob die Sozialdemokratie eine Feindin des sozialen Aufstieges der Ar- beitcr sei. weil mit dem Aufstieg die Zufriedenheit wachse. und damit die Möglichkeit schwinde, durch Erregung der Un- Zufriedenheit die Massen in den Heerbann der Sozialdemo- kratie zu locken. Nicht dort, wo die Arbeitsverhältnisse am schlechtesten sind, gedeiht die Saat der Sozialdemokratie am besten, sondern da, wo mit der Hebung des sozialen Niveaus die Arbeiter Zeit und materielle Gelegenheit finden, sich über die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu orientieren. Sie be- greifen dann sehr bald den Sozialismus als eine Kultur- bewegung, die nicht der Befriedigung des persönlichen Egoismusses des einzelnen, sondern der Gesamtheit dient. Ohne daß sich die(Gewerkschaften auf das fozialdemokra- tische Programm festzulegen hätten, verpflichtet dieses die Partei zur Unterstützung jeder sozialen Forderung der Ar- heiter. In diesem Sinne, aus dieser Logik heraus ist das viclzitierte Wort Bömclburgs zu verstehen: Partei und Ge- werkschaften sind ein! Aus dieser Einheit kann nur böser Wille ein KncchtschaftSverhältnis der Gewerkschaften zur Partei konstruieren! Wie man auch die Beziehungen zwisdwn Partei und Gewerkschaften beleuchten mag, niemals läßt sich erweisen,"! daß dabei die Arbeitcrinteressen Schaden erlitten. Tagegen kann festgestellt werden, datz erst das Eintreten der Sozialdemokratie die Anerkennung mancher Gewerkschafts- fordernng gesichert hat! �ie Unterstellung der Ultramontancn und der christ- lichen Gewerkschaften von den freigewerkschaftlichon Partei- knechten ist nichts anderes als eine freie Erfindung! Hus der Partei. Gemeindewakilerfolg. Bei den am Mittwoch stattgelunbenen Gemeindevcrtrcterwahlen der 2. und 3. Klaffe in Saarmund(Kreis Zauch-Belzig) wurd, der Genosse Adolf Mertzsch in der zweiten Klasse uüi 19 gegen 9 Stimmen wiedergewählt. In der dritten Klasse wurde Genosse Leopold Wille mit 39 gegen 3 Stimmen neu. gewählt. Somit haben wir die dritte Klasse Hanz ume Ulli m der zweiten Klasse«inen Eitz. polizeiliches, Gerichtliches ufw». , Ein Prozeß gegen das vierte und fünfte Gebot. »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren", beginnt das vierte Gebot, und das sünstct sagt kurz und bündig:„Du sollst nicht töten". Gelegentlich einer Rekrutenabschiedsfeier in Göppingen (Württemberg) hatte Landtagsabgeordneter Genosse Kinkel diese beiden Gebote den angehenden Vaterlandsvcrtcidigcrn besonders warm ans Herz gelegt und in seiner Rede u. a. ausgeführt: „Sie sollten auch nicht vergessen, loas ihnen von Staats wegen in der Schule, insbesondere iibdr das vierte und fünfte Gebot gelehrt wurde. Wenn Sie das vierte Gebot achten, werden Tie niemals aus Vater und Mutter schießen, und wenn Sie des fünften Gebots eingedenk sind, werden Sie ihre Konsequenzen auf den Krieg ziehen können. Beachtet besonders diese beiden Gebote, und Ihr könnt Euch niemals gegen das Volk, gegen Euer eigenes Fleisch und Blut vergehen." Merkwürdigerweise— oder auch nicht merkwürdigerweise— geriet die christliche Presse beider Konfessionen in Stuttgart, das ultramontanc„Deutsche Volksblatt" und die orthodox-konscrvative »Deutsche Reichspost", ganz aus dem Häuschen ob dieser Er- Mahnung des Genossen Kinkel an die Rekruten. Beide schrien unisono, was unser Genosse ausgeführt habe, sei„Hochverrat" und noch viel Schlimmeres. Und dann forderten sie in holder Gemein- schaft den Herrn Staatsanwalt auf, dem„Hochverräter" den Prozeß zu machen und ihm mit Hilfe des Strafgesetzbuches bei Wasser und Brot das„richtige" Christentum beizubringen, wie es die Blätter dieser Sorte verstehen. Ter Herr Staatsanwalt erhörte auch das Flehen der„Frommen". Gegen Genossen Kinkel wurde ein Strafverfahren eröffnet. Eine vom Herrn Staatsanwalt vor- genommene sorgsame Vcrgleichung der Rede des Genossen Kinkel mit dem vierten und fünften Gebot ergab aber zur größten Ucber- raschung des Herrn Staatsanwalts, daß der Sozialdemokrat die Gc- böte ganz richtig zitiert und ausgelegt hatte, hingegen die Schrift- gelehrten der frommen Blätter unrecht hatten, denn es heißt wirk- lief, und wahrhastig:„Du sollst Vater und Mutier ehren" und„Du sollst nicht töten!" Auch die Herren Richter überzeugten sich, daß kein Druckfehler in der Gcrichtsbibel vorlag. So mußte das Ver- fahren eingestellt werden. Nun aber schimpfen die beiden Blätter, Staatsanwalt und Nichter verstäiiien auch nichts vom.richtigen" Christentum... Die politische Polizei im Ruhrrevier im Dienste des Zechen- kapitals. Vor der Strafkammer in Bochum hatte sich der verantwort- liche Redakteur des Bochumer„Volksblatt", Genosse Pieren« k ä m p e r, wegen eines Artikels„Bespitzelung des Steigerverbandes mit polizeilicher Hilfe" zu verantworten. Es wurde durch Ver- nchmung des Bergassessors Kraft vom Bergbaulichen Verein fest- gestellt, daß der Bergbauliche Verein an die politischePolizei zwecks Erlangung der Mitgliederliste des Steiger- Verbandes herangetreten ist. Die politische Polizei hat diese Liste beschafft. Der Polizeiassessor H a n s ch in Essen mußte ein- gestehen, daß er dafür einige hundert Mark bekommen habe. Der Angeklagte wurde freigesprochen. Soziaks* Siemens n. Halske vor dem Gewerbegericht. Die Verschleppung des Gewerbegerichtsprozesses durch den Vertreter der Firma Siemens u. Halske, Dr. jur. B u r- y e n n e, geht weiter. Gestern sollte bekanntlich über den Ablchnungsantrag der beklagten Firma entschieden werden. An dem Entscheid sollten ordnungsmäßig der Metalldrückcr Behrendt und der Former Z e r n i ck e als Arbeitnehmer- beisitzer mitwirken. Da lehnte Dr. jur. Burhenne auch diese Beisitzer wegen„Besorgnis der Befangenheit" ab. Zur Begründung dieser angeblichen Stattonm Wetter Elutionen Swwcmde.u(57SO ZMlkig 2 Haparanda! 770 SW KSchnee—5 Hamburg 7ö4OSO ÄNebct S Petersburg 772 NO Z Schnee—3 Berlin 706 a t 2 bald bd. 2 Scillh 757 SNSS 0 wolkig 6 lirankßa M. 702 SW! l Nebel 9 Aberdcen 75SSSN t wolkig 0 München ,765SSW erlegen G Paris 761,330 Äedeckt 7 Wien;76ö|£tiII,, bedeckt; 6 III Wetterprognose für Sonnabend, den 16. iJJlätj 1912. Vielfach beitcr und am Tage mild, aber veränderlich mit etwas Regen und mäßigen südlichen Winden. Moden Neueste Anzug: Mhr Blau gerippter Kammgarn-Chev. Hose gam getütt, FOr 2— 3 jährige Knaben 6.50 H. Jedes ältere Jahr 60 Pf. mehr. Anzug: wealtrland Olle, grau braun und grünlicher Cheviot, Hose gana gefüttert. Für lOiähr Knaben lO M. Jede« ältere Jahr 75 Fl. mehr, Anzog: Leo Anzog: Borkum Echt Kieler Anzug, Brsun. grau oder dunkelblau Cheviot grünl Cheviot,aul- mit kurzer oder gesetzte Taschen. langer Hose. Für 2— 3 jährige FOr 2-3jähr. Knaben Knaben l» M. II M. 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Da m der letzten Zeit die Verhandlungen zwecks Abschlutz des neuen Tarifs statt- gesunden haben, soll in dieser Versammlung darüber Bericht erstattet werden. ES ist deshalb notwendig, für einen guten und zahlreichen VersammlungSbesuch zu sorgen, damit jeder Kollege von dem bisherigen Ver- Handlungsresultat unterrichtet ist. - Mitgliedsbuch legitimiert!——— 113/20 IMe Optsverwaltnnjj. Konsumgenostenschaft Herlin und Umgegend. E. G. m. b. H.— Zentrale: Lichtenberg, Rittergntstr. 22/26. Wir verlegen am 18. März 191A unsere 42. Verkaufsstelle von Torfstr. 28a nach Nord-Nfer 4 Eingang voin Pekingplatz. Mitglieder werden in der Verkaufsstelle aufgenommen.— Veitritt 50 Pf. 103/12 Auch Teilzahlung! � Nur OlUh. JVIobd-JVlifcN Gr. Frankfurter Str. 4S/4S r MM Verwaltung Berlin. Laden- und Ksntsmädrldranlhe. Sonntag, den 17. März, vormittags 19 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. Ä7o: Krancheu-Nersammlltng. Tagesordnung: 1. Vortrag. und Ausgabe der Delegiertenlarten. Bekanntgabe des Wahlrcsultats 80/8 s 2I»ve!firverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Sonntag, den 17. März 1912, vormittags 19 Uhr, in den Jnduftrie-Festsälcn, Beuthstr. 19—20: Creneral- Versammlung Tagesordnung: 1. Jahresbericht des SeltionsvorstandeS. 2. Neuwahl dcS SektionS- leiters und des jlrbeitSvcrmittlers. 3. Verschiedenes»md Branchen- angclcgenhcitcn. —.Tlltglicdabach legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Ter Tektionsvorstand. Bezirk Snd-Lst. Sonntag, den 17. März 1912, abends» Uhr, in den Ilaunyn-Festsäleu, Naunynstr. 6: «ilgUeder-VersammIung mit krauen. Vortrag deS Genossen Wermuth:.Die Revolution von 1848'. Im Anschlutz: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Zahlreichen Besuch aller Äitglieder und deren Frauen erwartet _____ Die Bezirksleitung. Gruppe der Aulirstnlilarbeiter. Sonntag, den 17. März 19ri, vormittags 19 Uhr, bei Wilke» Sebaslianstr. 39: M Mitglieder-Versammlung � Tagesordnung: 1. Beratung und Beschlutzsassung über die auszustellenden Forderungen. 2. Berussfragcn. Gruppe der Staker. Sonntag, den 17. März 1912, vormittags 19 Uhr, _ im Englischen Garte», Alexanderstr. 27c: Mitglieder-Versammlung � Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Tic Gruppcnleitung. Verband der Brauerei- und Müldenarbeiter und verwandter Berufsgenossen. ®c(ihäftäftcQe Berlin C. 54, Rtulackstr, 10, I.— Fernsprecher Amt in, 4518 Sonntag, den 17. März 1912, nachmittags 2 Uhr, im Gewrrkschaftshaiis, Engelufcr Nr. 15 fgroßer Saal): M! itglied er-Versammlung TaaeSord nung: Jahresbericht von 1911. t. Diskussion über den VerbandStage. 3. Ausstellung der 4. VcrbandSangelcgenheiten. Gs ist Pflicht unserer Mitglieder, erscheinen. 2. Anträge zum Kandidaten zur Dclegiertenwahl. 42/11« in dieser Bersammlung zu Tie LrtSverwaltung. In dieser Versammlung werden Plakate und ltinlatzkarlen zu dem an« 30. März er. in der.Neuen Welt" slattsindcndcn Frühlingsfest anS. gegeben. T. C. 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Mark Konto Ban dcS Gesamt-Bahnkörpcrs......... 66 23(i 033,14 „ Bau sämtlicher Bahnhöfe und Werkstätten.... 21 255 553,30 Wagen-Konto................. 33 804 692,16 Konzcssioiis-Konto, nach Abschreibung von 530 000,— M. 20 016 300,— Maschinen-Konto,., 19 877,25, 178 895,19 Mobilicn-Konto„., 13 320,70, 1,- Utensilien-Konto................ 1,— Pserdc-Kouto, nach Abschreibung von.... 14 069,— M. 1,— Geschirre-Konto................ 1,— Bekleidmigen-Ronto nach Abschreibung von. 466 781,86 M. 1,— Inventuren-Konto, Bestände an Materialien und Futter. 2 t56 224,54 Kontokorrcnt-Konto, verschiedene Guthaben...... 9 105 815,04 Kassa-Konto................. 10 384,14 Konto Kautionen bei Behörden, bei diesen hinterlegt... 508 331,72 Effekten- u. Dorumenlc-Kvnto, Esselten-ll. Hypotheken- bestände alS Anlage dcS Reservefonds.... 3 900 000,— und deS Bahnkörper-Amortijationssonds..... 21 507 080,50 Effekten des Beamten-Kautionsfonds...... 531 950,15 182 222 364,88 Passiva, Aktienkapital-Konto.»......... Ii. 100 082 400,— Hypothelen-Konto................ 1 826 000,— 1 Dividenden-Konto, noch unbchobcne Dividenden..... 8 364,23 : 31/j 0/o Lbligationen-Auslosungs-Konto, noch unbehobeiie gclündigte Obligationen und Zinsen...... 5 315,75 ReservesoudS-Koiito............... 11003 407,26 Bahnkörper-AmorlisatiolisfondS-Konto........ 23 005 354,26 ' Talonstcuer-Rückstellungs-Konto........... 325 000,— S Beamtcnkailtioiicil-Konto............. 531 723,10 Eastpslicht-VersichcrungSsonds-Konto......... 1 000 403,90 ontokorrent-Konto— Entschädigung an die Stadt Bcrliir einschl. Zinsen.............. 23 313 222,20 Verschiedene Gläubiger u. Bar-Kautioncn..... 2 004 935,63 ErneuerungssondS-Konto I............ 5 444 858,78 .„.. II............ 1 677 995,01 | Konto Lästige BetriebSverpfiichtimgen......... 455 000,— | Schuldverschreibungen-, Uiilosten- und Disagio-Konto, Nück- stellung................. 500 000,— 1 Gewinn- und Verlust-Konto............ 11 038 384,74 132 222 364,88 Gewinn' und VerlusMvonto. Soll. fchpotbeten-Zinsen-Konto............. 'h°lo Obligationen-Zinsen-Konto.......... j t 0/0 m„„.......... 1 Bahnkörper-Amortisationssoiids, Zuweisung ans 1911., ! kSesamlabschrelbunAen.............. 1 Konto Lertragsmäyigc Abgaben an die Gemeinden... ! Reserve- Konto, Rückstellung für Taloiistcucr...... Hastpflicht-Versicheruilgs-Kolito........... Schuldverschreibungen-, Unkosten- und DiSagio-Konto.. Erneucrungsfonds-Konto I, Zuschuff aus den BetriebS-Ein- nahmen nach§ 39 des Statuts ... II, Zuweisung aus 1911.... Saldo, Reingewinn............... 30-1 31-1 32-1 33-1 34-= Rimenaaswahl. Tlasson verkauf. £r.stkl. 9Ionatogarderoben. Getragene Jackott-, Rock-Anzüge, Ulster 10, 12. 20. Getragene Gchroc.k-, Smoking-, l'rack-Anzüge 18, 20, 24. Getragene allerhand Beinkleider von 1,50 an. Arboiterborufskleider— Militärhosen. Volks- nonatHgartlerobcn- ilatiM, Kottbuser Damm 92. Ilaben. Gewinn- und Verlust-Konto, Gcwinnvorlrag aus 1910.. Jntcrcssen-tkonto, Eingenommene Zinsen....... Betricbs-Konto sämtlicher Linien Die Einnahmen betragen.. 43 484 055,22 M. , Ausgaben ,... 23 912 378,93 74 441,75 23 861,25 3 720,— 500 000,— 1 403 925,81 2 967 906,23 125 000,— 200 CUO,— 500 000,— 2 500 000,— 550 000,— 11 038 3'-!4.74 19 890 239,58 29 290,08 289 273,21 Bleibt Ueberschllsj...... 19 57t 676,29 19 8'JO 239,58 Berlin, den 8. Februar 1911. Die Direktion. Dr. Micke. Meyer. Dr. V/ussow. Dr. W. Micke. Nach vorgenonimencr Prüfung der Belege und Bücher der Gesellschaft bescheinigen wir hiermit die ordnungsmäszige Führung der Bücher lind die Ucbereiils.immung der vorstehenden Bilanz, sowie des Gewinn- und Verlust« Kontos mit denselben. Berlin, den 8. Februar 19U. 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Fonfara(Wurstjabrik), Berliner Straße 27 h. Reifland, Berliner Str. 23 C. Bolte, Hermannstr. 232 B. Riedel, Hermannstr. 46 H. Jochinann, Zietenstr. 41 P. Wonneberger, Wciscstr. 24 K. Gerlach, Warthestr. 70 G, Salt. Warthestr. 53 Th. Pohnke, Warthestr. 73 F. Schild,«eisestr. 51 M. Riese, Falkftr. 20 G. Seidel, Jögerstr. 7 M. Meier(Wwe.). Weserstr. 168 W. Karger, Hcrtzbergstr. 21 0. Schönbrunn, Richardstr. 61 H. Burck, Wcichsclplatz 4 P. Jünger, Bürknerstr. 5 W. Rademacher, Hobrcchtstr. 19 F. Klein, Kottbuser Damm 12 Jos. Orth, Emser Str. 26 P. Lukaschek. Berliner Straße' Rachstehende Fleischermeister, die zurzeit keine Gesellen beschästigen, haben ebensallS ihre Zustimmung erklärt: 288/4 23 1 M. Falkner, Donaustr. 7 II a A r n n! rS Dresdenerstr. 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Kavalieren nur ganz kurze Zeit getragen «'urde, zu versehen, Dass solche Garderoben im Sit* weit besser und im Tragen viel vorteilhafter wie billige Konfektion sind, braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden. Ein Versuch wird zu dauernder Kundschaft führen. Anzüge und Paletots 850 1250 18C0 Mark Monatsgarderoben Verkaufs-Geselischaft BERLIN SO, Dresdener Str. 11, am Kottbuser Tor. Garderoben sür Herren verkaufe wegen Gcfchäsis« ausgäbe zu jed. nur annehmbar. Preise. Anzüge von 11,5c an. Paletots. Ulfter, Hosen w groß. AnZwabl. Auch Monatogarderube» spottbillig Omitnßr. f« 99 Beflioer SctaeMera-Ceiosseiistlialt(LtmlBJ gegründet von organisierten Schneidergehilfen Berlin Bi. Brnoiieiislr. 1B5 jam Boseialfl1 Tori Großes Lager fertiger Anzüge und Sommerpaletots. Einsegnungsanzüge in allen Größen. Neuheiten der Saison erSTen. Lieferant der Konsumgenossenschaft und des Arbeiterradfahrerbundes. Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei». Verlagsanjtalt Paul Singer u. Äo., Berlin SW. Nr. 64. 29. Jahrgang. 3. Mm des Jomiürtf Kerliner WIMM, �us aUer Melt. Eifenbaknkataftropke auf äem Lakndof Mttenberge. Ein schweres Eisenbahnunglück hat sich in der der- gangenen Nacht auf dem Bahnhof Wittenberge bei der Einfahrt des Hamburger Postzuges ereignet. In folge Uebersahrens des Einfahrtssignals stieß der nachts 2 Uhr 20 Minuten eintreffende Zug gegen einen nach Lüneburg ausfahrenden Kohlenzug. Den zur Hilfeleistung herbeigeeilten Stationsbeamten bot sich ein furchtbares Schauspiel. Ein Packwagen des Ham- burger Zuges war durch Explosion der Gas- behälter in Brand geraten, die Flammen schlugen auf zwei Postwagen über und alle drei Wagen verbrannten vollständig. Der Oberschaffner Delfs aus Hamburg, der sich in einem der Wagen aufhielt, i st v e r- b r a n n t. Durch den Zusammenstoß der Züge erlitt der Hilfswagenwärter I d e aus Altona so schwere Per- I e tz u n g e n, daß er wenige Minuten darauf v e r st a r b. Der Aushilfsheizer P r ä tz aus Husum und der Beizer P a n t e l e i t aus Jnsterburg wurden schwer verletzt. Ersterer hat einen doppelten Schädelbruch davon- getragen, der zweite, der zwischen Lokomotive und Tender ge- riet, wurde an den Beinen und am Unterkörper schwer ver- letzt. Der Lokomotivführer Ernst Knaak aus Wittenberge und der Lokomotivführer des ausfahrenden Zuges Springer aus Wittenberge wurden leicht verletzt. Letzterer hat sich � beim Abspringen von der Maschine den Fuß verstaucht. Wie verlautet, ist der Aushilssheizer Prätz seinen Verletzungen inzwischen erlegen._ Einen tragischen Ausgang nahm in Mainz eine gegen unser dortiges Parteiorgan gerichtete Klage wegen„Beannenbeleidigung". Der Ingenieur D ra u t h war am ö. Dezember Zeuge einer Verhaftung. Er machte von seiner Wahrnehmung dem Genossen Redakteur S ch i l d b a ch von der„Vollszeitung" Mitteilung und verlangte in dem Artikel Untersuchung gegen den Schutzmann. Die Polizeibehörde drehte den Spieh um und stellte gegen D r a u t h und Schildbach Strafantrag wegen Beanrtenbeleidigung. Bei der Verhandlung am Dienstag vor dem Schöffengericht nahm die Polizeibehörde den Strafantrag und Schildbach die formellen Beleidigungen zurück. Ingenieur D r a u t h, ein verheirateter Mann von 89 Jahren und Vater von vier Kindern, hatte durch das ein- geleitete Strafverfahren so sehr den Kopf verloren, daß er sich durch Einatmen von Leuchtgas vergiftete. Kleine Notizen. Einsturz eine? Gerüstes. Beim Einsturz eines SchutzgerüsteS an einem Reubau in Frankfurt a. M. wurde ein Arbeiter auf der Stelle getötet und ein anderer erlitt schwere Verletzungen. Schiffsunfall im Hamburger Hafen. Im Hamburger Ost- Hafen wurde Freitag morgen das Motorboot„Käthe IL' von dem Schlepper„Annie" übe. rrannt. Das Motorboot kenterte. Ein Insasse des Motorboots ertrank. Von einem tollwütige» Hunde gebissen wurden in der Nähe von L y o nzehn Kinder einer Gemeiudeschule, die sich auf dem Heimwege de- fanden. Das Tier wurde verfolgt und es gelang, den Hnnd durch einen Revolverschuß zu töten. Wasierftands-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krassen , Frauksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lciimeritz m Dresden „ Berbh , Magdeburg -ff bedeutet Versetzung.— 4) eisfrei. am 14. 3. cm S92-) 142«) 372 210 183 193 146 160 39 62 —54 243 seit 13. 3. cm1) —6 —39 +22 —24 —10 —7 —20 —2 —9 —11 —7 —19 —12 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Svandan«) , Rathenow11) Spree, Spreinberg«) , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiliansau „ Kaub . Köln Neckar, Heilbronn Main, Werth eim Mosel, Trier — Fall.—*) Unterpegel. ung.—«) cissrci. Die Memel ist seit gestern morgen bei Schmalleningken nm 19 om weiter gefallen: bei Tilsit ist der Wasserstand unverändert geblieben. -onnabend, 16. März 1912. Ansang 3 Uhr. ZirkuS Sarrasaui. Große Vorstellung. Anfang 3'f4 Uhr. □ □□ ]DD □□□ Theater und Vergnügungen Neues Schauspielhaus. Bcrnauer. Agnes Ansang 3'/, Uhr. Bclle-Alliance. Torquato Tasso. Anfang 4 Uhr. Urania. Taube, istrahe 48/49. Von Mccran zum Ortler. Luise». Robinson Crusoe. Rose. Dornröschen. Ansang 71/, Uhr. Sgl. Opernhaus. Der Rosen« kavalier. Sgl. Tchauspielhaus. Der große König. Deutiches. Viel Läam um nicht«. Zirkus Busch. Gala-Vorstellung. Zirkno Schnmanl«. Gala-Bor- sicllung. Zirtus Sarrasani. Gala-Vor. T stollUIIg. Haverland. Spezialitäten. Ansang 8 Ubr. Urania.' Taiibeuftrafte 48/49. Der Großglockner, Gastein und die Salzburger Alpen. Saiiimerspiele. Eine glückliche Ehe. Lessing. Glaube und Heimai. .Oleines. Tanzmäuse. Königgräher Ztratze. Die süns Franlsurier. Neues Schau, Pielbans. Familien- find. Neues. Der liebe Augustin. Resibeu,. Alles für die Finna. So»,, che Over. Die Zauberflöte. Surflirsienoper. Der Schmuck der Madonna. Weste». Wiener Blstt. L» sispiclhaus. Die Damen des Regiments. Berliner. Große Rosinen. Neues Ouerelle». Eva. Schiller 4». Gräfin Lea. Scu.Gbarlvlteudurg. Khritz- Pyritz. Frtevr.> Willi. Schauspielhaus. All-Heidelberg. Luise». Der Verschwender. Rose. Bonaparte und seine Frauen. Wcimvo Die Nacht von Berlin. Trinnon. Das kleine Casä. Thalia. Auloliebchen. Wintergarten. Spezialitäten. Gajiu». Der Kamps ums Dasein. Apoll«. S v ezialiiäi en. Van, ige. Sveziaiitäten. Hcrrnfeld. Wie mau Männer bessert. Der Hausleusel. Könlgstadt- Kastna. Ein fideler Rechtsanwalt. Bruder Julius. Spezialitäten. Rcichsialleu. Steitlner Sänger. Ansang 8'/. Ubr. Fol! es Eapriee. Der Polizeihund. Das Broadwah-Girl. Sem letzter Wille. Walhalla. Menschenrechte. Boigt. Gänseliesel. Ansang 8'/, Ubr. Neues Bolksrheater. Nathan der Weise. Bclle-Alliance. Die Dollarprin- »essin. � � Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Sctiiller-TtieaierO.», Sonnabend, abends 8 Uhr: 4*riifin I.cn. Sonnlag. nachm. 3 Ubr: Der Pi-obckundldat. Sonntag, abends 8 Uhr: Kln Idenler Gatte. Montag, abends 8 Übt: Der Weg,*ur llolle._ SehTlleMliealer c�r Sonnabend, abends 8 Uhr: Kyrltas-PyrltB. Sonnlag, nachm. 3 Uhr! Don CnrloH. Sonnlag. abends 8 Uhr: Dle Jüdin von Toledo. Montag, abends 8 Uhr: Der ProbepTell. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Große Rosinen. Mlij'iviierWgMei'AnIi Abends b Ubr: Die 5 Frankfurter. Neues Theater. Abends 8 Ubr: Der liebe Angustin. Sonnt. 31/, Uhr zum erstenmal: vor VogelbSnäsee.__ Theater des Westens. Abends 8 Uhr: W i c>» c r Blut. Sonntag 3'/, UHn Ein Walzertrauw. Refidenz-Theoter. Direktion Richard Alexander. ZibendS 8 Ubr: ANcs für die Firma. Schwank in 3 Akten von M. Hennequw und G. Mitchell. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Bollen-BaeckerS. Morgen u. folg. T age: SIIs» l. s. 5irm». sonntaa, 24. März, 3 Uhr: vor stejnrgemäbl.___ Luisen-Theater. ' Sonnabend 4 Uhr: Robinson Crusoe. 8 Uhr: Der Verschwender. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Grille. Abends: Die Rose von Japan. Montag: Ter Berschwender. Uelle- �Illsileo-'riRStZter. 8'/, Uhr; Die Dollarprinzcsstn. Sonnlag nachm. 3'/, Uhr: Die Chre. 8 Uhr: Frühltngsluft. !OSE=THEATE Kroge Frankiurter Sir.>32. Nachmittags 4 Uhr: OornrüHcheii. Abend« 8 Uhr: Napoleon Bonaparte und feine Frauen. Sonntag 3 Ubr: Der Hütten. bcsther. 8 Uhr: Napoleon Bona. pa rie und seine Frauen. Metropol-Theater. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Iliö Nacht von Berlin! Große Jahrcsrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik von B. Holländer. In Szene gesetzt vom Dir it. Schultz. Morgen nachm. 3 Ubr: lloroisies. Uie kloinsn Lämmer. Theater Ein neuer Sensationserfolg ----- Nie man— Männer bessert. 2 Akte von Anton u. Donal Herrnseld mit den Autoren in den Hauptrollen. Hierzu die Novität: ver Ißaustcufel. Ansang 8 Ubr. Billett» orverkaus U— 2(Theaterkasse) Königsiadl-Kasino. EckeHoizmarki. u. A exandersttaße Täglich: Ein fideler Rechtsanwalt und Bruder Julius. Außerdem 6 erstkl. Glanznummern Ans. 8 Uhr. Sonntags>/,6 Uhr. Mitiw., Sonnab.. Sonnt.: Tanz. An die Arbkiter-Illgelid! Heute Sonnabend, den 16. März 1912, findet ei» �Heiterer Abende in der Vteuen Philharmonie, Köpeuicker Straße 96—97 statt. DaS Programm trägt einen leichten heiteren Charakter: Herr Koppel, der bekannte Rezitator und Sänger, wirb in seiner munteren und viclseiiigen Weise den HmipileU bestreiten. Zum Schluß wird er seine Frau oeranlassen, einige reizende Biedermeiertänze mit ihm zusammen zu fingen und zu lanzen. Ferner wixd die Konzert- säugerin Frau ätion einige heitere Lieder singen. 288/9 WfT' Nachher: Ball. NlA Ans. Z'/g Uhr. Garberobe 1b Pf. Programm 20 Pf, Herren 39 Pf. ist nur bei den Ordnern am 16. März 1912 zu haben. Regen Besuch der Eltern und Kollegen erwartet Das Komitee. Turnverein Fichte M.d.A..T..B. Sonntag, 17. März, im neuen Saale der„Renen Welt": I. Stiftungsfest der v. Frauen-Abteilung und 18. Stiftungsfest d. III. Manner-Abteilung Mitwirkende: Gesangverein„Kreuzberger Harmonie". Rezitation v.Herrn Viktor Hartberg V.Neuen Scbauspiolhaua and Turnerische Auffürungen. Anfang 4 Uhr. 180/2 Eintritt 80 Pf. Nach der Vorstollnng: TflllZ. Herren zahlen 50 Pf. nach. Billette sind bei 0. Pech, Urbanstr. 51, zu haben. ik „CLOU" Berliner Konzert«Haus. Mauerstr. 62 Zimmerstr. 90/91 Grolles Konzert!!!"WA Husiko. d. 1. Grde.-Drag.-Regts. Oborm. Baarz. und II! ZUIertbaler and Tegeroseer Sänger, Plattler und Jodler ttt Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen nachm.: Promenaden-Konzert bei freiem Eintritt Luna=Park. Ausschank von „Triumph ator" aus dem Münohener Bürger- Bräu. „Wintersportfest" Orlg.« Oberlandler« Kapelle, Orig.-Üarhauer Bauern-Kapelle, Orig.- Tiroler Tänzer und Sänger, Humoristische Szenen, Voikskomiker Volksbv>oätigungea, sensat. Attraktionen. Ab 8 Uhr. Aas ar. komische Programm mit Oskar uaä 8u?ette moderne Tänzer Los No. 33 usw. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Novität l Aer veue posseuschlager Die lustige Strohmiwe. Posse von Misch und Jacob». Sonnt. 3>/,: vio loelitee d. Strillting». Das Trianon-Theater. Täglich abend» 8 Uhr: Das kleine Caf£. «er. Geisterfenster. Das weiße Geheimnis. 1 VI oli a d. SChSnste Tänze- jiil6ila rin Rußlands. Schneider-Duncker und das große Msirz-Pro gramm! Zirkus A. Schumann Heute Sonnabend 71/. Uhr; Grande Soiree Hlghlifc Die besten Kndkilnstlcr 5 Herren Aurora 5 mit ihrem lebenden Roulette sowie Dir. Albert Schumann in seinen neuesten Kreationen und die.übrigen Spezialitäten. Um 9 Uhr; Beginn dos bis jetzt unübertroffenen, einzig dastehenden Ausstattungsstückes Das Motorpferd in 5 Akten Sonntags: 2 Vorstellungen 8'/. und?•/, Uhr. In beiden Vorstellungen: Dan Sfotorpterd. arrasaml Seböiteer Allee. Telephon: Nord 4100.| Sonnabend und Sonntag | Nachm. 3 Uhr u. 7'/, Uhr; 2 Vorstellungen 2. | In beid. Vorstellungen, nachmittags genau so wie abends die Hauptattrakfion des Novitäten-Prograoiffles iöfflr Wild-West-SWG |»lachmittogs zahlen Kinder auf allen Plätzen halbe Preise. Galerie 40 Pf., III. Platz 70 Pf., II. Platz 1,80 M., I. Platz 2 M., Parkott 8 M., Logensitz 4 M. Vorverkauf a. d. Cirous- kasse und an sämtlichen | Billett Verkaufsstellen von I A. Wertheim. Folios Caprice. Anfang 81/, Uhr: Der Polizeihund. Das Broadway Girl. Sein letzter Wille. Lebend! liebend! Hede das | Ein atavistisches Wunder. Das Mädchen mit dem ntthnenkopf. | Halb Mansch— halb Anlmal. Da« blaue Weib, ein Opfer wilder Barbaren. Die Frau in der Kanne, Befreiung a. d. Wassergrab. Ohne Extra-Entree! Voigt-Theater. (Btlimbbrmmen Badstraße 68. Morgen Sonntag, den 17. März, nachmittags 3 Uhr: Die Kreuzelschreiber. Abends 7 Uhr: Gänseliesel. Schauspiel in 6 Alien nach Nathalh von Eschswuth. Kagenerögn. 10 Uhr. Snf. 3 n. 7 Uhr. Urania. WißsenBchaftliches Theater. 4 Uhr: Ton Heran zum Ortler. 8 Uhr: Der Großglockner, Gastein und die Salzburger Alpen. Zirkus Busch) Sonnabend, den 16. März 1912: OroBer Sport-Abend. 7'/, Uhr Die Vor- 7*1, Uhr Stellung beginnt m. d. großen V olks-Manege-Sohanspiol ,,lMe Hexe", daranschließend das zirzen- sisch.Progr. Frl. Hartha Mohnke, Schulreiterin.— Die Orpingtons. 9'/«Uhr Eilte- 9'/, Uhr liing kämpfe«. Jeder Abend bringt nur erstklassige, hochinteressante Zusammenstellungen I Kein Kampf wird wiederholt 1 Näheres im Abend-Programm. Sonntag, den 17. März 1912: £ Gr. Gala-VorstelluDgen 2 Nachm. 3'/« Uhr u. ab. 7'/, Uhr. Nachm. 3'/, Uhr zahlen Kinder unter 1 0 Jahren a. all. Sitzplätzen halbe Preise(Galerie volle Pr.) Nachmittags 31/« Uhr gelangt von morgen ab, infolge.zahlreich einlaufender Gesuche aus dem Publikum u. Kinderkreisen, das gr. Volks-Manege- Schauspiel «Die XexeM zur Aufführung, genau wie in der Abendvorstellung. = Ohne Ktirzung.----- Reiehshallen-Theater. Stettincr tSUngcr Zum Schluß: Eine Hochzeit in der Müllrrstraste. BurleAke von Meysel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Admiiälspalaät /Im batuibcd IticdTkiiiübtoA! c ü Allabendlich: Tänze auf d. Eise. |Die kleine Charlotte. Weltmeister Bror Meyer. Das prächtige Eisballett Alpenzauber. Nachmittags: Kunstlauf- Produktionen. Bis 6 Uhr und von ,0'/, Uhr abends halbe Kassenpreise. Fitt beu Inhalt der J»ier».e äberniinun die Redaftioa de», Publikum gegenüber keinerlei vrrantwortnng. iöCWWI**�7iy99Zf&VA Unserem Freunde Adolf Berndt und Frau die herz« lichsten A l ü ck lv ü n s ch e zur P Silberhochzeit. S8lb ». 0.»i. X. VI. L F. Z �KEEßHH««»«SSSsAS! Die herzlichsten Glück, und Segenswünsche zur Silber- Hochzeit dem Jubelpaar GottM Kluge "*% 9 5| wünschen 5945 g G die Mitarbeiter im inneren Ä 5� Betriebe der K M Berliner Stadtbrauerei. � 9.» Todes-Anzeigen SßzialiiGinokratiseliJalilvereiD für den 2. Berl. Heielistagswaiilia'sis. Am 13. März 1912 verstarb unser Mitglied, der Maler Molk Weimer Grotzgärschenslr. 22 im 30. Lebensjahre. 207/11 Ehre seinem Zlndenken l Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 10. d. MtS., in LeiSnig(Sachsen) statt. Bei» Voi-nt-Mid Deutseber Holzarbeiter- ferband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Polierer /Ukred Plograd Lindower Str. 14, im Alter von 34 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10. März, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Nazareth.Zrirchhoss in Reinickcn- dorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 80/10 Hie Oelivenraltung. Nabel Ganze Einrichtungen CrBssles Onternehmen der Kreillt-Brainhe im Osten Berlinsl 154 1 Frankfurter Allee 154' Habel Ganze Bnrlchfiuisen auf auf SozialitemokratiseiieFWatiiyereii] für den i Berl. fieielislags-Mirä. Stralauer Biertel. Bez. 328 IV. Den Mitglieder» zur Nachricht, dag unsere Genossin, Frau Wilbelminö Henscheler Bödickerstr. 5, gestorben ist. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 18.März,nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhausc aus, nach dem Zentralsriedhoj in Friedrichs. selbe statt. 214/8 Um rege Beteiligung ersucht I»«-,« Voratand. Allen Bekannten, Freunden und Verwandten die traurige Nachricht, dag am Mittwoch, den 13. d. M., nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, der Restaurateur Karl Gorsenskx im 42. Lebensjahre verschied. Dies zeigen tiesbetrübt an lobsnna Gorsensky geb. Schaar, nebst Sohn. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 10. d. M., nach« mittags 4,ii Uhr, von der Kapelle des PhilippuS-Apostel-FriedhoseS. Müllerstr., Ecke Seestr., aus statt. UiIeinMzctier Wablvsreiii des S. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Am 13. März verstarb unser Genosse, der Gastwirt Karl Gorsensky Müllerstr. 133. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 10. März, nach- mittags 4'/. Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhoses, Seestraße, Ecke Müllersttaße, aus statt Um rege Beteiligung ersucht 220/17 Der Borftand. yeM der Bueh- Ei Steindruekerei-Hilfsarbeiter n. irbeitemnen Deutsebiandi ---- OrtSverwaltung Berlin.-- Am 10. März starb plötzlich in- solge UebersahrenS unser Kollege Hermann Schmidt im Alter von 34 Jahren. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. März, nach- mittags 2'/, Uhr, aus dem Luisen- Kirchhos am neuen Fürsten- brunner Weg in Eharlottcnburg statt. 27/0 _ Die Ortsvenaastung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Beriin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Droschken- sührer Gustav Dickel am 14. d. Mts. im Alter von 03 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10. d. M., nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Dankcs-KirchhoseS in Reinickendors-West auS statt 02/13 Die Bezirk sverwaltung Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- und Slumenspenden bei der Beerdi- gung meines lieben Mannes AU«x Hinz sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Kollegen der Firnia A. E.-G.« dem Metallarbeiter- verband und insbesondere Herrn Pastor Wachsmann sür die troftteichen Worte am Grabe des Entschlascncn meinen innigsten Dank. 5396 Frau Ottilie Hinz Zun. F r a n s e ck y st r. 17. Orts- Krankenkasse der SurtllnangrMkv illSerlin. Das Kassenlokal befindet fich vom Dienstag,!!i». März d. I. ab Dircksenstr. 41 (Ecke Schicklerftrage.) Am Montag, den 25. M ärz b. I. bleibt das Kassenlokal geschlossen. 271/10 Der Aorstand. l£rimz8z»en«ten sowie alle Blumenarrangements liefert schnell, geschmackvoll, billig* Paul Groß, Liudeustrahe Iii». Amt Moritzvlatz 7203. Fertige Betten Inlette Bezüge KREDIT 'A4 Herren Garderobe ilOll- IL JäÜlüll-lDlülS KREDIT Mit Mit Mit 20 M.i 30 M.i 40 m. Komplette' Schlaf- Zimmer Anzahlung 1 Schrank 2 Bettstellen 1 Tisch 3 Stühle 1 Spiegel 1 Spiegelspind 1 Küchenspind 1 Kücheetlsch IKQchenrahm. SKOchenstOhl wöchentlich 2 00 Ja Massersatz wöchentlich j v|00 Mark Anzahlung Anzahlung 1 Schrank 1 Vertiko 1 Tisch 4 Stühle 2 Bettstellen 2 Matratzen tgescbl.Spieg. 1 Spiegelspind 1 Küchenspind 1 Küchentisch iKüehenrahm. 2K0cbenst0hl. j wöchentlich{ 3«o 1 Neiden« hrink 1 Veriike I Betteten« eHt Metretze «der 2 Matritz«« u. Keilkleeen 1 KOcbeiup nd Spiegel und Spiegelapled I Anzahlung 1 Schrank 1 Vertiko 1 sieg Tisch 4 Rohrlehnst. 2 Muschel- bettstellen mit Mairatz.| 1 Trumeau 1 Sofa 1 Küchenspind| 1 Küchentisch IKüehenrahm 2K0chenstDhl. I 1 Kohlenkasten 1 Handtochblt| wöchentlich �00 «lf8. 4 � iSrheHer-Bekleidunp � FB7*« 1 n r v Zontterstr. 32 •* BergaiMuUS HamborKer Laden, Charl�W>llst69 Ja? scf n Aaa K�Tkl�ntT. S a a a bin e■"B.wimiM.st Boter�denjSchöne�HHjutrjM fBlcfcar�jeiür' Konditor.) j �gShinwcr'| Bezugsquellen«Ifepzelchnis.| Untenttehends Geschäft« «tnofahten«Ich bei Elnkbofen Kuranstalt n. Schulzi Elsasserstr. 7s langjähr. I. Assistent d. ehemal weltberühmt. Jakobi-Heilanstalt DBf Pflauzenheilverfahren"D Atteste von Geheilten. nsi Boxbagen-Rumbg., flu— Sonntagstr. 4.— Silesia s�tj'sis" sT VIRtor-la- Kud—— Kottbuser Damm 75 FHedrichWiihelmsbad Chausseestr. 87. c Blottner's GroBbäckerei Oeachfifte In Berlin, Chartottenburfl, SchSnabers, Wilmeradorf. Adlershofer Bficfcerel, 1. Zagaint. 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Pollmann, Lethringerstr. 60. Wende, A., T�r3i' pAirliA A Seydelstraße 15. I\CiLIICv H. Lief. allerKassen Fritz Reibe, SekiBeberg, Dauptstr. 18 Fr.Schalte, Adlershof, BismarckstS Zaremba A�SinH��örndoiTe��trTSaT� HPirrhnp Rizd., Hohenzollernpl.il .mm Backowa. Kiid. RraakeuaBS. Oppelners tr. 1 Frankfurt er- Allee 170 Hiekel, Fr., Gr. Hamburgerat. 37 G. Lehmann, Pasewalkerttr. 1 E. Ger ich tstr. Moldt, Fritz, Rixd., Reuterplatz. Gast. Nobert, Potsdamerstr. il5a H. Petermeier, Strelitzerstr. 8. Peter-Schle�WIlh�ZoM� ( Belouchtl-ßegoni�� MaxFodis lischer, Görlitzerstr. 55. FalkengteiBstr. 20, Käpenickentr. 172. W. Gerlach, Schönebf. Sedanitr. 6/7. Cafö und Hon I Conditorel nBUl Pankow rnamBmatmmBBmm Beriinont.48. Altred Graf. Beusselstr. 24. Karl Giesmann, Wittstockstr. 7. H. Glödc,Wilhelmshavener8tr. 61. August Hübner, Sehwedterstr.52. August Hauck, Cöpeniek, arüaDke's Bretbäderel TS Geschäft© | in allen Stadtteilen Berlins| und in Rixdorf. GejründetiÄjÄ« Aafraat Kummol, Pankstr. 46. L. 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Bad Pankow, Wollankstr. 26. -Passage- Bad RefanB-Bad, Wiener Str.«S. Blarbrauereien.Blerh. W.HGgiOsftiiiai Akt.-Brauer.Potsdam.Eij.lile4erl. Berlin SW, Tempelhofcr Ufer. 15 Bnaitibtrj». E,WllkBlBu4srfsnl.lI0 Spez. Potad. Stangenbier ( Cacao, Chocolsd«) Althant>Kniler-KiDk.,Lis44verllllB4«lr.l0, Kofitirsa, CyliaXpG.,' ersiwaptfeiFS�calSer1 WM E feinste Qualitätsbiere,| rauereü'fefi'erberg Vorsaud- nnd PilseuerBier. Braoerei Tivoli Fruchtstr. 87 Caramel-W eifsbier fast»Ikoktlfrel, erfriitknä, btköaialkk, Bcrl inerWclBb.-Brauerei E.Willner. Gpotcrjans Haltbier.Sckiik. Allee|3e,T.m,M6S. C. Habels Brauerei bell— Habelbpftu— dunkel. F. W. Hilsebein A.-G Hempej, E-, Mailerstr DI« Fabrikate dar „Sarotti" Chokoladrn- u.Cacao-lndottiie- Aktlengescllschatt sind fiberall erhältlieh. Neu; Slmpll-Schokolade Bonbonhaus Fr. Schröder Spandau, Filialen i. all. Stadttl. 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Groh-Lichterfelde. Die Parteigenossen, welche am Sonntag, den 17. März, an der Konsumbcsichtigung teilnehmen, treffen sich vormittags 9 Uhr für den Osten: Bahnhos Lichterfelde-Ost: für den Westen: Händelplatz. Steglitz. Zu einer wichtigen Flugblattverbreitung treffen sich die Genossen und Genossinnen am Sonntagmorgen um 8 Uhr in den Bezirkslokalen. Am Dienstag, den 19. März, abends 8M> Uhr, findet im „Kaiser-Wilhelmsgartcn" in Friedenau, Rheinstr. 65, eine öffent- liebe Versammlung statt, die sich mit der„Bedeutung der Jugendbewegung für die Arbeiterschaft" beschäftigen wird. Eine zablreirf>e Beteiligung der Genossen und Genossinnen ist dringend erforderlich. Der Vorstand. Zehlcndorf. Heute, Sonnabend, den 16. März, abends 8� Uhr, bei Wilhelm Miek, Karlstr. 12: Protestversammlung gegen das neue Einkommensteuergesetz. Arbeiter und Arbeiterfrauen! Erscheint in Massen in der Versammlung. Nach der Versammlung gesellige Unterhaltung. Friedenau. Die für heute abend 7 Uhr angesetzte Flugblatt- Verbreitung findet nicht, wie gestern irrtümlich angegeben, vom Restaurant Stein aus, sondern von den Bczirkslokalen aus statt. Der Vorstand. Britz-Bnckow. Sonntag, den 17. März: Besichtigung der Kon- sumgenossenschaft. Treffpunkt: 9 Uhr früh bei Hoffmann, Rudower Straße 85. Der Vorstand. Nieder-Schöncwride. Morgen. Sonntagvormittag, von 8 Uhr ab: Wichtige Flugblattverbreitung in Kuverts zur Ge- meindewahl von den Bezirkslokalen aus. Der Vorstand. Mariendorf. Sonntag früh 8 Uhr von den bekannten Bezirks- lokalen aus: Wichtige Flugblattverbreitung. Am Montag, den 18. März, abends 8 Uhr, findet im Lokale von Stcchert,„Sportshaus Karlshöhe", Tcmpelhofer Straße, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung:„Die Bedeutung des 18. Mlirz." Referent: Genosse E. Unger.— Freie Aussprache. Die Genossen werden ersucht, für diese Versammlung eine rege Propaganda zu entfalten. Der Vorstand. Reinickcndorf-West und Ost. In Reinickendorf- W e st findet am Sonntag früh 3 Uhr eine Flugblattverbreitung statt, die für Reinickendorf-Ost angesetzte fällt aus. Die Bezirksleitungen. Adlcrshof. Tie Partei- und Gewerkschaftsgenossen werden er- sucht, zu einer morgen, Sonntagvormittag 8 Uhr, stattfindenden Flugblattverbreitung im„Jugendheim". Bismarckstr. 11, zu er- scheinen. Köpenick. Heute, Sonnabend, von den bekannten Stellen aus: Flugblattvertcilung. Der Vorstand. Ricderschönhausen-Nordcnd. Am Sonntag früh 8 Uhr von den bekannten Stellen aus: Flugblattverbreitung. Der Frauen-Lcse- abend fällt am Dienstag wegen der öffentlichen Jugendversamm- lung aus. Die Bezirksleitung. Pankow. Am Sonntag, den 17. März, vormittags 8 Uhr, von den bekannten Stellen aus: Flugblattverbreitung. _ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbrichten. Tie Stcuermisrre in den Gemeinden von Groß-Berlin geht weiter. Der in diesem Jahre gemachte Versuch, unter den maßgebenden größeren Geineindcn von Groß-Verlin einen einheitlichen Steuerzuschlag zu vereinbaren, ist gescheitert. Zunächst erklärte Wilmersdorf, nicht mitmachen zu wollen und tvie bisher 1V0 Prozent Gemeindesteuer zu erheben; ihin folgte Charlottenburg. Dann schickten sich die übrigen Ge- meinden an. sich auf IM Prozent zurückzuziehen, wenn Berlin gleichfalls zu diesein Entschlüsse komme. Der Stadt Berlin iam der Umstand zu statten, daß die Aufsichtsbehörden der Stadt 4 Millionen zur freien Verfügung überließen von den 23 Millionen, die Berlin aus dem Vergleich mir der Großen Berliner Straßenbahn erhalten hatte. Hätten diese 4 Millio- nen nicht zur Verfügung gestanden, so wäre nicht abzusehen gewesen, zu welchen gewagten Finanzoperatianen die kom- munal-freisinnige Mehrheit im Rathaus sich an dem äußerst mageren Etat hätte hinreißen lassen. Eins mutz aber hierbei festgestellt werden: Früher erklärte die freisinnige Mehrheit ini Rathause, die 100 Prozent Gemeindesteuerzuschlag aus Gründen der Selbstverwaltung nicht überschreiten zu sollen. Heute ist der Etat sa gestaltet, daß der Zuschlag zwar auf 100 Prozent festgesetzt ist, daß aber die Realsteuern über die Prozentziffer 150 hinausgehen— sie sind auf 165 Prozent festgesetzt— und daß dadurch das Verhältnis von 2 zu 3 nicht mehr besteht. Das bedingt aber die Einreichung des Etats an die Aufsichtsbehörde, die den Realsteuersatz zu ge- nehmigen hat. Damit ist aber der von den Freisinnigen erhobene Einwand vollständig hinfällig geworden. Wir haben diesen Einwand nie für ernst genommen. In Wirklichkeit ist an der Steuermisere in Groß-Berlin die kommunale Zer- rissenheit schuld, die zu recht unangenehmer Konkurrenz unter den Gemeinden um Steuerzahler führt... So sehr wir es begrüßen, daß der Steuersatz ein möglichst niedriger ist, zumal im Interesse der kleinen Steuerzahler, so ist doch.0cht zu verkennen, daß die heutige Wirtschaft der durch das Dreiklassenwahlrecht in den Gemeinden ausschlag- „pbenden Privilegiertenklasse zu recht ungesunden Finanz- Verbältnissen geführt hat. die in der Folge zum vollständigen Ruin der Gemeinden führen müssen. Dann haben aber die Gemeindemitglieder noch mehr zu leiden. E? ist gar kein Zweifel, daß die einzelnen Gemeinden infolge der jeöigen Steuervolitik immer mehr»ur Schulden- und Änleihcwirtschalt ubergehen. Einrichtungen, wie Schul- bauten die selbst nach Ansicht der Regierung aus laufenden Mitteln bestritten werden müssen, werden aus Anleihen be- stritten Und ie schlechter die Finanzen werden, desto mehr wird zu Anleihen geschritten. Dadurch wächst aber nicht nur die Schuldenlast, sondern vor allem dre Zinsen und Amorti- sationsPioten zur Tilgung der Anleihen. Selbst der Regierung wird es schon bange vor der �ckmlden- und Anleihe- Wirtschaft der Gemeinden. Sie verwendet neuerdings größere Aufmerksamkeit bei Genehmigung von Anleihen und schreibt höhere Tilgungssätze vor wie früher. Warum sie aber ent- gegen ihrer wiederholt geäußerten Ansicht, Schulen aus 'lausenden Mitteln zu bauen, Anleihen zu Schulbauten zu- stimmt, ist unverständlich. Alles in allem ist die Steuermisere in Groß-Berlin vor- Händen. Darunter leidet die Bevölkerung und die Gemeinden kommen nicht vorwärts. Eine freiwillige Vereinbarung unter den Gemeinden, um zu einer Gesundung der finanziellen Ver- Hältnisse zu kommen, ist gescheitert. Hier kann nur eine großzügige Eingemeindung helfen. Sie würde imstande sein, mit einem Schlage diesen unerfreulichen Zuständen ein Ende zu machen._ Aus der Geschichte der Alten Jakobstraße. Fünfzig Jahre sind jetzt verstrichen, seitdem die Alte Jakobstratze über die Hollmannstraße hinaus bis zu den Kürassierställen durch- gelegt worden ist, wovon bekanntlich die eigenartige Nu- merierung herrührt, die mit Nr. 1 nicht am Ende, sondern inmitten des Straßenzuges beginnt. In kurzem wird sich das Bild infolge der Weiterführung über den Landwehr- kanal und der Anlage der neuen Verbindungsstraße zur Lindenstraße noch weiter verändern.— In ihrer ältesten An- läge geht die Straße bis auf die ersten Jahrhunderte der Stadt zurück. Allerdings war sie ursprünglich nur�in Land- iveg, der von der Lindenstraße über das Feld nach Schöne- berg führte und die Verbindung zwischen dem Rirdorfer Damm und den nach Tempelhof und Schöneberg führenden Landstraßen bildete. Unter dem Großen Kurfürsten wurde aber der Lauf der Straße durch die Bauten in der Linden- straße unterbrochen und bei der Befestigung Berlins die Straße wesentlich verändert, dadurch, daß der Graben ge- zogen und die Wälle aufgeworfen wurden. Es verschwand dabei ein Ausfluß der Spree, der vom Spittelmarkt bis zur Jakobstraße und Stallschreiberstraße reichte, und ein Ver- bindungsweg von der Jakobstraße zuin Getraudtentore. An dessen Stelle entstand die an den Wällen entlangführende, jetzige Kommandantenstraße. Ende des 17. Jahrhunderts war der Teil der Straße zwischen Dresdener und Kürassier- straße, fast völlig bebaut; er hieß„am Kirchhofe", während die Häuser von der Neuen Roß- bis zur Kommandantenstraße „gegen der Kirche" hießen. Der übrige Teil bestand aus Gärten, die erst im 18. Jahrhundert teilweise parzelliert wurden. Um 1740 führte der Straßenteil von der Roßstraße bis zur Kürassierstraße und die heutige Neue Jakobstraße den Namen„an der Contrescarpe", und erst seit 1780 unter- schied man offiziell eine„Neue" und eine„Alte" Jakobstraße, welche letztere jedoch nur bis zur Husarenstraße, der heutigen Hollinannstraße, reichte. Im Jahre 1862 wurde die Straße bis zu den Kürassierställen verlängert, blieb aber Sackgasse, bis vor etwa zehn Jahren der Durchbruch zur Gitschiner Straße erfolgt ist. Nunmehr wird die Straße eine abermalige Verlängerung über die neue Brücke erhalten, die einen Straßenzug über die Blücherstraße hinweg eröffnen soll. Der Leiter des Berliner städtischen Bureaus sür das Bestattungs» wcscn, Mayislratssekretär Piel ein Sohn des Bureauvorstehers der städtische» Tiefbaudeputation. ist»ach kurzer Krankheit an Lungen- entzündung und Herzschwäche gestorben. Längere Zeit hat der Ver- storbene dos Bureau der städtischen Armendirektion geleitet. 50 Prozent Fahrpreisermäßigung nach München. Der bayerische Verkehrsminister hat auf den Antrag des Internationalen Verkehrsbundes. Abteilung Boyern, für die Fahrt zur Münchener Gelverbeschau 1912 eine Fahrpreisermäßigung von 50 Prozent für alle Personen gewährt, die Mitglied einer Krankenkasse sind. Alle, die von dieser Vergünstigung Gebrauch machen wollen, erhalten von der öffentlichen Ausknnftsstelle des Ver- kehrSbnndes in Berlin W. 8, Behrenstr. 48 sKerkau-Palast), nähere Auskunft. Die Tränkbecken an den öffentlichen Straßenbrunnen sollen in Zukunft von Pferden nicht mehr benutzt werden. Hierzu sollen lediglich Eimer zur Verwendung kommen, die die Droschkenkutscher ohnehin bei sich führen und auch jetzt schon meistens in Gebrauch haben. Die Becken sollen in Zukunft so flach gehalten werden, daß sie nur noch von Hunden und Vögeln benutzt werden können. Diese Anordnung hat seinen Grund darin, daß die Tränk- hecken wiederholt zum Tränken von Pferden benutzt worden sind, was zur Verbreitung der unter den Pferden grassierenden Rotz- krankheit leicht beitragen kann. Zur Enteignung des JnsclsveicherS. Der Magistrat hat be- schlössen, die Dringlichkeit der Enteignung des Jnselspeichcrgrund- stücks bei dem Polizeipräsidenten zu beantragen, außerdem sollen die Gebäude des JnselspcicherS niedergelegt werden. Es ist dies erforderlich, um für den dringend notwendigen Neubau der Insel- brücke einen geeigneten Bauplatz zu schaffen. Ucber die weitere Verwendung des Grundstücks ist noch kein Beschluß gefaßt. Den Antrag hotte die Tiefbau-Kommission wiederholt gestellt, jetzt endlich ist der Magistrat ihm beigetreten, nachdem er sich über- mußte, daß im anderen Falle erhebliche Kosten aufgewendet werden müssen, um nur die notwendigsten Reparaturen an dem Ufer zu erledigen._ Todessturz dcS WrightfliegerS Witte. Gestern vormiltag 11 Uhr 30 Minulen stürzte auf dem Flugplatz Teltow der bekannte Wrighiflieger Gustav Witte, nachdem er zwei Runden bei böigem Winde geflogen war, beim Schluß der zweiten Runde auS einer Höhe vvn 30—50 Meter ab. Er wurde unter den Trümmern deS Apparats tot hervorgezogen. Die Ursache seines Sturzes ist noch unbekannt: Witte hatte für die nächste Zeit Passagier- flöge angekündigt, zu denen schon viele Meldungen vorlagen. Er selber trug sich mit großen Plänen für die Zukunft: er wollte an einer größeren Zahl diesjähriger Konkurrenzen teilnehmen und beschäftigte sich auch mit der Konslruklion eines Eindeckers eigener Erfindung. Die Flugmaschine-Wright-Gesellschaft gibt folgende offizielle Schilderung des Unfalls: Gustav Witte, der sich durch seine tollkühnen Flüge einen Namen erworben hat, unternahm auf dem Flugplatz Teltow einen Aufstieg mit seinem Doppcl- decker, obwohl er wegen des sehr stürmischen und böigen Windes Bedenken halte. Eine Windmessung war leider nicht vorgenommen, so daß Witte über die tatsächlichen Verhältnisse in der Luft an- scheinend nicht unterrichtet gewesen ist. Nach einer Flugzeit von kaum 5 Minuten flog er mit 120 Kilometer Stundengeschwindigkeit in zirka 100 Meter Höbe und schickte sich anscheinend zum Abstieg an. Hierbei scheint er dem Apparat etwas zu viel Neigung gegeben zu haben, so daß eine plötzlich einsetzende Boe den Schwanz des Apparate« senkrecht aufrichtete, worauf der Apparat jäh zu Boden schoß. Der N. A. G.-Motor ist, wie die Untersuchung ergab, bis zum letzten Augenblick gelaufen. Die Untersuchung durch den Chefpiloten der Wright-Geiellschaft Herrn Abramowitch und Herrn Direktor FröbuS, die sofort nach dem Flugplatz Teltow geeilt waren, ergab, daß sämtliche Steuerungsorgane, VerWindungen, Propeller und Kette» i» Ordnung waren. Der Apparat hatte sich mit dem Kopf tief in den Boden eingewühlt und Wittes Körper hatte selbst eine Vertiefung von etwa 80 Zentimeter in dem Boden verursacht. Auf dem harten Boden muß der Tod sofort eingetreten sein. Der Gesichtsausdruck des Toten ist friedlich. Die Untersuchung durch den Arzt ergab, daß Witte sich anscheinend schwere innere Verletzungen zugezogen und sämtliche Gliedmaßen gebrochen hat. Beim Aufprall aus den Boden icherschlug sich das Flugzeug und ging vollständig in Trümmer. Witte scheint sich an den oberen Trag- flächen festgehalten zu haben, um den Stoß zu mildern. Dieser Unfall ist der erste mit tödlichem Ausgang auf dem Flugplatz Teltow. Witte war noch vor einigen Tagen wegen seiner steilen Gleiiflüge gewarnt worden, hatte aber alle Bedenken in den Wind geschlagen. Ein Räubcrhäuptling, der längere Zeit Berlin mit seiner Um- gebung und auch andere Städte unsicher machte, ist auf Veranlassung der hiesigen Kriminalpolizei jetzt in Krakau hinter Schloß und Riegel gebracht worden. Es ksl ein wiederholt bestrafter Mensch namens Johann Leniak. der in der Berliner Verbrecherwell unter dem Spitznamen„der lange Joseph" bekannt war. Leniak hatte es mit seinen Spießgesellen besonders auf die polnisch-galizischcn Arbeiter abgesehen, die auf ihren Durchreiien Berlin berühren, und lebte von deren Ausplünderung. Am 24. Oktober v. I. machte er sich an den Schnitter Toniczyk heran, der nach seiner Heimat zurückkehren wollte. Er spiegelte ihm vor. daß er als Maurerpolier auf einer Ziegelei und auf Bauten bei Fürsienwalde lohnende Arbeit für ihn habe und stellte ihm seinen Spießgesellen, einen gewissen Kuscha niil dem Spitznamen„Boulettenfranz", der sich unter dem falschen Namen Bernhard in Berlin umhertrieb, als einen Mann vor, den er ebenfalls sür seine Arbeiten schon an- genommen habe. Tomczyk ließ sich durch die Aussicht auf guten Verdienst verleiten, die Heimreise abzubrechen und mit dem vermeintlichen Polier und dessen Begleiter nach Fürstenwalde zu fahren. Dort in der Forst fielen die beiden plötzlich über ihn her, verletzten ihn durch einen Messerstich in den Kopf so schwer, daß er zusammenbrach, raubten ihm die Uhr mit Kette und die Barschaft und ließen ihn liegen. Der Uebersallene wurde hilflos aufgefunden, nach dein Krankenhaus zu Fürstenwalde gebracht und dort wiederhergestellt. Die Räuber kehrten mit der Beule nacb Berlin zurück. Hier wurde Kuickia von der Kriminalpolizei ergriffen, bevor noch sein letzter Raub gemeldet worden war. Als Lesniak von seiner Verhaftung erfuhr, verschwand er aus Berlin, um in anderen Gegenden seine Räubereien fortzusetzen. So trat er u. a. mit neuen Spießgesellen in Breslau und Umgegend auf. Auch dort gelang es nicht, seiner ielbst habhaft zu werden, als man seine Helfershelfer ermittelte und festnahm Durch langwierige Nachforschungen erfuhr die hiesige Kriminalpolizei endlich, daß er sich nach Neubrunn begeben harte. Sie versah sofort alle Behörden, die in Betracht kommen konnten, mit dem Bild des gefährlichen Verbrechers, und so gelang es jetzt. ihn in Krakau zu ermitteln und dingfest zu machen. Lesniak, der von verschiedenen Staatsanwaltschaften gesucht wurde, ist deutscher Reichsangehöriger und wird hierher ausgeliefert werden. Zu dem Raubüberfall auf den Kraftwagcnführer Grundmann wird uns mitgeteilt, daß es der Kriminalpolizei nunmehr gelungen ist, einen Mann ausfindig zu machen, dem die beiden Räuber nach dem Mordanschlag begegnet sind. Es ist dies ein Kaufmann aus Spandau, der gesehen hat, wie die beiden jungen Aiännec eiligen Schrittes nach dem Bahnhof„Heerstraße" zu gingen. Es war dies gegen 8'/- Uhr abends. Wahrscheinlich sind die Täter mit dem Zuge 8,45 Uhr ab Station„Heerstrahe" mit der Bahn nach BerliR zurückgefahren. Die Kriminalpolizei ersucht nun dringend, unter Hinweisung auf die Belohnung von 1000 M., alle Personen, die zwei verdächtige Männer auf dem Bahnhof oder im Zuge gesehen haben, hiervon sofort Mitteilung zu machen. Da der neue Zeuge jedoch nicht gesehen hat, daß die beiden in das Bahnhofsgebäude hineingegangen, sind, so ist es auch möglich, daß die Burschen den Weg zu Fuß nach Charlottenburg zurückgelegt oder den Zug erst auf einer benachbarten Station bestiegen haben. Die Nachforschun- gen nach den Tätern werden von Beamten der Kriminalpolizei ununterbrochen fortgeführt. In allen einschlägigen Lokalen und sonstigen Aufenthaltsorten sind jetzt Bekanntmachungen folgenden Inhalts angeschlagen worden: Bekanntmachung. 1000 Merk B-lohnung! Am 7. März 1912, abends etwa 8% Uhr, wurde der Chauffeur Grundmann auf der Döberitzer Heerstraße von zwei jungen Männern aus dem Wagen heraus in räuberischer Absicht durch zwei Schüsse lebensgefährlich verletzt. Die Männer hatten den Chauffeur abends gegen 7% Uhr an der Haltestelle Ecke der Reinickendorfer- und Fennstraße zu einer Fahrt nach Pichelsbergc engagiert. Die Täter werden wie folgt beschrieben: Der kleinere ist etwa 1,62 Meter groß, schmächtig, etwa 20 Jahre alt, hat ein auf- fallend bleiches, bartloses Gesicht, blondes Haar und trug einen grauen, tellerförmigen Filzhut, grauen Ulster, schwarze, schmutzige, vorn spitz zulaufende, ausgetretene Schnürschuhe. Der größere ist etwa 1,68 Meter groß, von schlanker Figur. Anfang der zwanziger Jahre alt, hat ein blasses Gesicht, schwarzes, bis in die Stirn reichendes Haar und trug einen Ucbevziehcr, der etwas dunkler als der seines Komplizen war, und schmutzige Schuhe. Einige Zeugen behaupten, daß die Schuhe Lackspitzcn und Tucbeinsätze gehabt haben. Der größere wurde von dem anderen mit„Richard" angeredet. Er machte den Eindruck eines Kauf- mannes, der jüngere den eines Handwerkers oder gelernten Ar- beiters. Die Täter sind von der Reinickendorfer Straße abgefahren, und da an dem Abend sehr regnerisches Wetter war, haben sie möglicherweise in der dortigen Gegend vorher ein Lokal besucht; vielleicht wohnen sie auch aus dem Wcdding. Welchen Weg die Täter nach der.Berübung des Verbrechens eingeschlagen haben, ist noch nicht festgestellt worden. Sie können erst-gegen Morgen nach.Hause zurückgelangt sein und müssen ihre Kleider auf der Flucht sehr beschmutzt, vielleicht auch am Gebüsch zerrissen haben, was ZimmervermMern aufgefallen sein könnte. Es wird gebeten, aufklärende Mitteilung an die unterzeichnete Behörde zu richten; Anzeigen werden auch von jedem Polizeirevier entgegengenommen. Auf die Ergreifung der Täter ist obige Belohnung ausgesetzt worden. Berschwundcner Polizeiwachimeistcr. Seit dem 13. d. M. ist der 47 jäbrige Polizeiwachlmeister A. Herboch, Belle-Alliencestraße 4 wobnbaft, spurlos verschwunden. Der Vermißte war seit fast fünf- zehn Jahren iin Dienst und zuletzt auf dem 73. Polizeirevier in der Gneiienaustraße stationiert. Ein Bauunfall ereignete sich am Freitagnachmittag auf einem Neubau der Charlottenburger Baugenossenschaft am Nonnendamm, die dort einen großen Häuserblock aufführen läßt. An einem der Häuser, dcffen Vorderfassade mit Dachsteinen behängen wird, waren mehrere Dachdecker beschäftigt. Da der Bau schon abgerüstet ist, war auf einem der Balkons im dritten Stockwerk zwecks Ausführung der Arbeiten ein Gerüst errichtet. Während der Arbeit trat der Dachdecker August Lange fehl und stürzte aus der schwindelnden Höhe auf die Straße herab, wo er mit schweren inneren Verletzungen besinnungslos liegen blieb. In bewußtlosem Znstande schaffte man den Verunglückten mittels Krankenwagens nach dein Krankenhause Westend. Selbstmordversuch des Pastor« n. D. v. Hennings. Im Hause Waldstraße 23 hat Donnerstaanachmitt« der«aüor a. D. v. Hennings. gcttcn den, wie berichtet, ein Strafverfabren- wegen SiitlichkeitZber- gebcns gegen einen Knaben schwebt, einen Selbstmordversuch unternommen, Er jagte sich in seineir Wohnung eine Vievoilverkugel in den Kopf und wurde schwerverletzt nach dein Krankenhause Moabit gebracht. Sein Zustand gibt zu ernsten Bedenken Anlas;, Pastor v, Hennings war seil Dezember probeweise in der Geschäftsstelle des Deulsch-ebangelischcn Vereins zur Förderung der Sittlichkeit be- schnsligt. In der gegen ihn schwebenden Strafanzeige werden ihm tätliche Beleidigungen vorgeworfen. Wie berichtet, soll sich Pastor a.Ä. v. Henning« iviederbolt in Moabit an halbwüchsige Schulknaben herangedrängt und ihnen unter Geldversprechungen unzüchtige Am erbielungen gemacht haben. Wer sind die Tote»? Seit einigen Tagen kam in eine Schanb Wirtschaft in der Neuen Kvnigstrasie iviederholt ein Mann, der etwas heruntergekommen aussah, jedesmal ein Glas Bier oder einen Schnaps trank, und wieder wegging, ohne mit dem Wirt oder mit einem anderen Gaste ein Wort zu wechseln. Gestern abend erschien er wieder um lO3/« Uhr. Er trank einen Schnaps, bezahlte ihn, setzte sich dann aber wieder an den Tisch und rauchte noch eine Zigarette, Dann ging er nach dem Hof, als ob er hätte austreten wollen, Bald darauf fand man ihn im Klosettraum erhängt und� schon tot wieder. Die Leiche wurde beschlagnahmt und uach dem Schauhause gebracht. In den Taschen des Toten fand nian Papiere auf den Rainen eines 30 Jahre alten Kellners Ernst Pöger:, Ob das aber der Name des Selbstmörders ist, steht noch nicht fest.— Der Arbeiter Stanislaus Werner aus der Schiilstrasie, der seit 6 Wochen keine Beschäftigung hatte, lcrnle vor einigen Tagen auf de� Arbeitsuche einen Leidensgenosscn kennen, der seitdem mit ihm gemeinsam die Arbeitsnachweise aufzusuchen pflegte. Weil der Mann keine Wohnung hatte, so nahm er ihn östec abends init nach Hause und lieg ihn bei sich übernachten. Nach dem Namen fragte er ihn weiter nicht, er begnügte sich damit, das; sich der Unbekannte ihm gegenüber Emil nannte. Vorgestern abend kam der Mann um 7 Uhr allein nach der Wohnung Werners, alö dieser nicht zu Hause war. Auf Frau Werner machte er den Eindruck, das; er getrunken hatte und auch leidend war. Sie erlaubte ihm deshalb aus Mitleid, sich auf das Feldbett zu legen. Als Werner abends um Uhr heimkehrte, fand er seinen Gast in den letzten Zügen daliegen. Er holte schleunigst einen Arzt von der Rettungswache in der Lindower Straße. Als dieser jedoch kam, war der Mann schon tot. Tie Todesursache konnte der Arzt nicht feststellen. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Der Mann ist etwa 55 Jahre alt und trug eine grau- gestreifte Hose, ein dunkelblaues Jackett und ein weißes Hemd, das ?. IL gezeichnet ist. Hinter dem Grundstück Holzmarktstr. 21 wurde gestern wiederum eine Leiche aus der Spree gelandet. Dos Grundstück stößt an einen Stadtbahnbogen, von dem ein Pfeiler etwas tveit ins Wasser vorspringt. Alle Gegenstände, die im Wasser treiben. stoßen an diesen Pfeiler an und bleiben im Bogen liegen. So auch die Leichen von Personen, die vielleicht schon lange Zeit vorher an einer anderen Stelle ins Wasser gegangen sind. Sie sind daher auch meistenteils in Verwesung übergegangen und können ihre Persönlichkeiten nicht mehr festgestellt werden. Auch die gestern gelandete Leiche ist stark verwest. Der Tote ist ein ungefähr 30 bis 35 Jahre aller Mann, der einen dunklen Jackettanzug, einen schwarzen Ueberzieher, ein weißleinenes Oberhemd und ein graues Normalhemd, grauwollene Strümpfe und Schnürschuhe trug. Die Leiche wurde nach dem Schauhausc gebracht. Unter dem Verdacht der Brandstiftung sind im Dezember die Gebrüder Hoffmann in der Prinzenstratze verhaftet worden. Heute senden uns die Gebrüder Hoffmann folgendes Schreiben: »In der Nr. 2V5 des.Vorwärts" vom 17. Dezember 1911 haben Sie mitgeteilt, daß bei einem Brande in unserer Fabrik um einen Pfeiler herum Bretter kunstgerecht hohl aufgestapelt und dann mir Packpapier und wertlosen Etiketten dicht bedeckt waren, daß unter den Treibriemen ein größerer Posten Holzwolle gelegen habe, daß wir völlig mittellos dastanden und vom Wirt exmittiert werden sollten. Diese Mitteilung entspricht nicht den. Tatsachen. Die Auf- stapelung der Bretter war lediglich eine Folge der llmzugsatb.uten.' welche schon vor mehreren Tagen begonnen war: sie war in keiner Weile kunstgerecht hohl, wir sind auch nicht mittellos, vielniebr durch- aus wohlhabend und sind auch nicht darum exmittiert worden. Wir waren nur verurteilt, zu räumen, weil das Berufungsgericht in Abweichung von der Entscheidung des Vordcrrichters der Ansicht war. daß wir als Nacherben zum Besitz der Mielsräume nicht berechtigt gewesen sind. Die Verhaftung ist ohne KantionSleistung aufgehoben worden. Ein zweites Berliner Sechs-Tagerennen 1913 findet vprn 21. bis 27. März im Sportpalast. Potsdamer Str. 71/72, statt.. Tie„Deutsche Gesellschaft für Mutter- und Kindesrccht", Eharlottenburg, Tahlmannstraßc 25, unterhält in allen Stadtteilen Groß-Berlins 7 Auskunftsstellen, in denen Müttern und Schwan- feren in allen Angelegenheiten unentgeltlich Rat erteilt wird. Die mskunftsstellen befinden sich: Im Norden: Schönhauser Allee 181, Mittwochs 7— 8, Sonnabends 10— 11. Koloniestr. 1, Donnerstags 1— 2, Dienstags 8— 7. Im Süden: Dresdenerstr. 31, Dienstags i�lO— HU. Im Westen: Steinmetzstr. 11, Montags l— 2. In Pankow: Rathaus Armcnamt. Sonntags 11— 12. In Nixdorf: Steinmetzstr. 113, Mittw. 10— 11, Sonnab. 7— 8. In Eharlottenburg: Spandauerstr. 34, Donnerstags 11—12, 8—9 nachmittags. Tahlmannstr. 25, täglich H2— 3. Feuerwehrbericht. In der ietzlen Nacht kam um 2 Uhr ui einer Bleirohrsabrii in der Barnimsir. 2. Ecke der Landsberger Straße, ans noch nicht ermittelter Ursache Feuer aus, das an Kisten und Holzwolle schnell reiche Ziahrung fand. Als die Feuerwehr an der Brandstelle erschien, waren die Räume schon total verqualmt. Mit mehreren Schlauchleitungen mußte kräftig längere Zeit Wasser ge- geben werden, um die Flammen auf die Fabrikräume zu beschränken. — Der 8. Zng halte in der Wiener Str. 39 zu tun, wo ans dem Boden des Vorderhauses und Seilenflügels Feuer ausgekommen war und bei Ankunft der Wehr Bodenverschläge und Teile der Dachkonstrullion brannten.' so daß die Feuerwehr dort längere Zeit zu luu halte.— Die Berliner und Neuköllner Feuerwehren ivurden in der letzten Nacht gegen 1 Uhr nach dem Maybachuser 35, Ecke der Nansenstraße alarmiert, w» ein sehr gefährlicher Brand auf dem Holz- und Kohlenlagerplatz von P.mly Nachfolger ausgekommen war. Zivci alle ausrangierte Euenbahnwaggons. die man zu Kontor- räumen eingerichtet hatte. standen dort in hellen Flammen. Diese gefährdeten die großen Holzvorräte und die Pferdeslallungen. Es gelang, die Pferde in Sicherbeil zu bringen und die Vorräte an Holz und Kohlen zu schützen. Die Neuköllner Wehr konnte um 3 Uhr wieder abrücken. Vergiftet hat sich gestern der Fischereibesitzer Harry Stey, Romintener Straße, diirch Zyankali. Das Motiv wird auf den kürzlich eingelrelene» Konkurs und den' vor kurzem erfolgten Tod seiner Ehefrau zurückgeführt. Zeugengesuch. Diejenigen Personen, welche am 25. November vorigen Jahres Ecke Pappelallcc und Bnchholzer Siraße das Rencontre eines Handelsmannes nrit angesehen haben, iverden ge- beten, ihre Adresse an Frau Marie Former bei Schulzig, Wichen- strage. 134, II rechts, abzugeben. Vororr- l�admedren. Wilmersdorf. Aus dem rückständigen Wilmersdorf. Die Bevölkerung von Wilmersdorf mutz bekanntlich aus eine ganze Anzahl Einrichtun, en verzichten, die in andererl weit kleineren sotädten selbstocrsiänd- sind. Oder genauer ausgedrückt haben Magistrat und Stadt- vcrordnetcnmehrheit sich bisher darauf verlassen; daß der Wilmers- dorfer schon in den Nachbarorten Umschau halten wird, wenn er nach einer Badeanstalt, einem Krankenhause, einer bessere» Fortbildungsschule und etlichen anderen notwen- Ligen Einrichtungen Bedarf haben sollte. Dies Vertrauen in die Gastfreundschaft der anderen Grotz-Berliner Gemeinden nimmt sich besonders gemütvoll aus, wenn man in Betracht zieht, daß die Wil- mersdorfer Stadtverortmetenmehrheit in allen finanziellen Fragen nicht das geringste von einem Anschluß an die Nachbarorte wissen will, daß sie die Hauptschuld daran trägt, wenn es z. B. in der Frage des Einkommen st cuerzuschlages noch nicht zu einem gemeinsamen Vorgehen gekommen ist. Immerhin ficht es zuweilen so aus; als ob selbst in Wilmers- darf die soziale Entwickelung nicht still stehe. Wie die Stadt in absehbarer Zeit zu einem Krankenhause kommen wird, so soll von ihr an der Schrammstraße auch eine B a d e a n st a l t errichtet werden, deren Kosten aus 782.000 M. bemessen sind. In den neuen Etat hat man 450 000 M. für diesen Zweck eingestellt, was vom Standpunkt der Mehrheit aus etwas bedeuten will, da es hier zur- zeit keine größere Sorge gibt als die, auch im kommenden Jahre noch einmal mit 100 Proz. Steuerzuschlag zurecht zu kommen. Da nun aber eine öffentliche Badeanstalt nicht so sehr für die Besitzen- den als für die Unbemittelten in Betracht kommt, ist es eine wahre Freude, daß jetzt vor endgültiger Festsetzung des Etats noch ein Retter in der Not auftaucht. Dieser Heilbringer ist aus dem Ge- schlecht derer von Arnim entsprossen, und er steht an der Spitze einer Gesellschaft, die den Plan hegt, den bis jetzt noch unbebauten Fehrbclliner Platz, dein künftigen Rathause gegenüber, ein „mondänes Bad" zu errichten. Der Wahlspruch des Unter- nehmens lautet:„Um Mitternacht beginnt hier das Leben", und das Mondäne liegt darin, daß man hauptsächlich aus gütige Unter- stützung der halben Welt rechnet. Das wäre insoweit ein Wende- punkt in �Wilmersdorfs Geschichte, als bisher einer der wenigen Vorzüge des Ortes in der konsequenten Verweigerung der Kon- Zession für Animierkneipen und ähnliche Institutionen bestand. Aber bekanntlich nimmt selbst die längste und sektreichste Nachr ein- mal ein Ende; und da das mondäne Bad auch tagsüber einiges ein- bringen soll, will die Leitung dieses Unternehmens so freundlich sein, bis 8 Uhr abends einen„allgemeinen Badebetrieb" offen zu halten, der dem Wilmersdorfer Bürger gegen ein„ermäßigtes Ein- trittSgeld" zugänglich sein soll. Es ist ja Sache der Gründer, zu beurteilen, ob der Plan gelingt und die fünf Millionen Mark, die der Bau kosten wird, sich verzinsen werden. Die Einwobncrschait im ganzen ist aber insoweit an der Angelegenheit interessiert, als die Gründer kühn genug sind, auf eine finanzielle Beihilfe der Stadt zu rechnen und maßgebende Kommunalpolitiker allen Ernstes glauben, daß der phantasievolle Plan eine günstige Ge- legenheit bietet, die für den Bau einer städtischen BadeaK- st a l t in den Etat eingestellten 450 000 M. wieder zu strei- ch e n. Es wird dafür zu sorgen sein, daß dies saubere Vorhaben mißlingt Neukölln.(Rixdorf) Selbstmord einer Greisin. An der Schwelle des Todes hat gestern nachmittag die 85 Jahre alte HandwerkSmeistcrsrau Münz- bcrg aus der Kaiscr-Friedrichstraße 30 Hand an sich gelegt. Vor vier Jabren starb der Mann und seit dieser Zeit war die alle Frau, die sonst körperlich noch verhältnismäßig rüstig war. schwermütig. Gestern erhängte sie sich in ihrer Wohnung an der Türangel. Neber den Unglücksfall, der sich am Mittwoch in der Wohnung des im Hause Pflügerstr. 17 wohnhaften Hunschlagschcn Ehepaares abspielte, wird uns von der Mutter des verunglückten kleinen Knaben' mitgeteilt, daß das Kind beim Spielen in einen mit Seifenwasser gefüllten Wassertops gefallen ist. Von einem Ver- brühen könne keine Rede sein. Lebensgefahr besteht bei dem Kinde nicht. Martendorf. In der leliten(tzemeindcvertretersihung spickte sich vor Eintritt in die Tagesordnung eine längere GeschäftsordnungSdebatte ab, in der unsere Genossen die Zurückstellung der Etatberatung verlangten, weil den Vertretern der Etat erst 24 Stunden vor der Beratung zugestellt und es ihnen daher unmöglich sei, ohne genügende Vor- bereitung denselben zu beraten. Mit 7 gegen ö Stimmen wurde der Vertagungsantrag unserer Genossen angenommen. Des weiteren verlangten unsere Genossen, daß zwei Punkte von der Tagesord- nung der geheimen Sitzung in der öffentlichen Sitzung beraten werden sollten. Es handelte sich insbesondere um die Verlegung des SitzungsbeginnS von 4 auf 5 Uhr. Dieser Punkt wurde dann auch öffentlich behandelt. Um nun dem Antragsteller— der Gemeindevorsteher selbst— nicht entgegentreten zu müssen, auf der anderen Seite aber den Anregern des Gedankens, unseren Ge- nossen, nicht zu sehr zu zeigen, daß sie stets dem Wunsche der jeweiligen Gemeindevorsteher nachkommen, beschloß die bürgerlich: Mehrheit, es dem Ermessen des Gemeindevorstehexs zu überlassen. je nach Umfang der Tagesordnung die Sitzungen auf 4 oder 5 Uhr festzusetzen.— Ein Stuck der Ringstraße zwischen Dorf- und Rat- Hausstraße wurde nach Beschluß als historische Straße anerkannt. Diese Anerkennung hat lediglich den Zweck, daß hier die Regelung der Anliegerkosten in einer anderen als sonst üblichen Form er- hoben werden. Der Etat für 1912/13 balanziert mit 2 224 426 M. Unter dem Titel 1:„Lrdentlickc Verwaltung", sind für die Gemeindcver- waltung 24 204 M.(16 360 M.) an Einnahmen vorgesehen, bei einer Ausgabe von 158 287 M.(89 758 M.) Tie Amtsverwaltung bringt keine Einnahme und erfordert eine Ausgabe von 53 450 M. (48 927 3)1.)— Die Verwaltung der Liegenschaften erfordert die Ausgabe von 4299 M. Die Kapital- und Tchuldenverwaltung ver- zeichnet an Einnahmen 50 026 M.(26 425 M.), an Ausgaben 333 683 Mark.— Die Armenverwaltung hat eine Einnahme von 36 600 M., gegen daS Vorjahr ein Mehr von 10 500 M.; die Ausgaben sind um 22 320 M. auf. 71 000 M. gestiegen.— Die Schulvcrwaltung soll 31 439 M. bringen, das sind 8041 M. mehr als 1911, dagegen sind die Ausgaben auf 273 270 M. veranschlagt, das bedeutet ein Mehr gegenüber 1911 von 55 573 M.— Bei. der Straßenverwaltung be- tragen die Einnahmen 71720 M., die Ausgaben 117 181 M.— Die Stcnerverwaltung soll 944 552 M. bringen, d. i. gegen das Vor- jähr ein Mebr von 206 130 M.; die Ausgaben belaufen sich auf 146 621 M. Die Mehrcinnahme soll in der Hauptsache aus dem Kommunalzuschlag von 110 Proz. erzielt werden. Das Feuerlösch- Wesen bat bei 90 M. Einnahme eine Ausgabe von 4965 M. gegen 4490 M. im Vorjahr.— Für Insgemein sind 2951 M. an Ein- nahmen veranschlagt bei einer Ausgabe von 6388 M. Die gesamte „ordentliche Verwaltung" hat 1 170 044 M Einnahmen und AuS- gaben.— Für die außerordentliche Verwaltung sind an Einnahmen und Ausgaben je 1 000 000 M. vorgesehen.— Für den 3. Teil des Etats unter Position Sondcretat hat die SchmutzwasscrkanalisationS- Verwaltung eine Einnahme von 2 244 426 M. und eine Ausgabe von 74 382 M. Der Gesamtejat ist gegen 1911 um 1112193 M. ge- stiegen. Olicr-Tchöneweide. Kaufmanns- und Gewcrbegericht. Aus dem soeben erschienenen Verwaltungsbericht für 1912 ist folgendes zu entnehmen(die i» Klammern angegebenen Ziffern bezichen sich auf das Kaufmanns- geeicht): ES wurden 151(14) Klagen anhängig gemacht, von denen 2(—) ohne Termin und die Mehrzahl 95(6) in einem Termin erledigt wurden. Von Arbeitgebern gegen Arbeiter wurde in 3(—) Fällen geklagt. An den Klagen vor dem Gcwerbrgericht waren in der Hauptsache beteiligt: das Baugewerbe mit 48, Fabriken und Großindustrie mit 32, Gastwirtsgewcrbe mit 19 und Fuhrgewerbe mit 12 Fällen, In den weitaus meisten Fällen betrafen die Klagen Leistungen aus dem Arbeitsverhältnis. Nowawcs. Im Wahlvcrein hielt am Mittwoch Genosse Dr. Breitscheid einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über das Thema:»Ter Reichstag und das Präsidium". Redner gab über den ' Verlauf»der Wahlen wie über die. Vorgänge bei der Präsidenten- Wahl eine eingehende Darstellung und unterzog die jüngste Revo- lutionsdebatte im preußischen Herrenhause sowie die.Stellung der Regierung zu dem gegenwärtigen Kampfe der Bergarbeiter einer treffenden Kritik.— Im geschäftlichen Teil der Tagesordnung gab der Vorsitzende zunächst die Termine der Gemcindewahlen bekannt. Sodann teilte er mit, daß sich die Lokalkommission neu konstituiert und den Genossen Jütterer zu ihrem Obmann gewählt habe. Des weiteren gab er bekannt, daß am Sonntag, den 31. März, dir feier- liche Enthüllung des vom Wahlverein, dem Gcwerkschaftskartell und der Fraktion der sozialdemokratischen Gemeindevertreter dem im vorigen Jahre verstorbenen Genossen Gruhl gewidmeten Denkmals erfolgen' werde. Er bat um zahlreiche Beteiligung der Arbeiter- schaft.— Zur Aufnahme gelangten 12 männliche und 8 weibliche Mitglieder.— Der Bericht von der Kreisgeneralversammlung soll in den nächsten kombinierten Bezieissitzungen erstattet werden.— In das Komitee zur Vorbereitung dcr»Maifeier wurden drei Mit- glieder gewählt.— Genosse Schulz wies auf das am Sonnabend, den 16. März, im Singerschen Saale stattfindende 3. Stiftungsfest der Freien Jugendorganisation hin und bat um zahlreichen Besuch. Genosse Güth forderte die Anwesenden auf, ihre Solidarität den im Kampfe befindlichen Bergarbeitern gegenüber auch dadurch zu be- zeugen, daß sie sich an der eventuell vorzunehmenden Sammlung zur Ausbringung der materiellen Mittel rege beteiligen. Genosse Bilkenroth stellte die Anfrage, ob nicht gegen die Hallung des Fort- bildungsschulrektors Schenk, der nicht nur seine freie Zeit, sondern auch die Unterrichtsstunden zur Agitation für den von bürgerlicher Seite kürzlich gegründeten Wchrkrastvercin benutze, Protest erhoben werden könne. Genosse Ncumann bezeichnete dies für zwecklos, da die Regierung, die zur Bekämpfung der freien Jugendorganisationen eine Million ausgeworfen habe, eine solche Betätigung der Lehrer- schaft geradezu fordere. Das wirksamste Mittel in diesem Falle sei die Selbsthilfe. Die Arbcitrreltern müßten ihre fortbildungs- schulpflichtigen Söhne über den Zweck des Wehrkraftvereins auf- klären und ihnen einprägen, wie sie sich den Lockungen der Lehrer gegenüber zu verhalten haben. Zum'Schluß teilte der Vorsitzende mit, daß im Laufe der nächsten Woche eine öffentliche Versammlung stattfinden werde... Potsdam. Tie Kommunalsteuern für 1912 untz ihre voraussichtlichen Er- trägnisse sollen wie folgt festgesetzt werden: 110 Proz. Gemeinde- einkommensteuer mh 925 000 M.; Abgaben der aktiven Militärpersonen 72 000 M.; 184 Proz. der staatlich veran- lagden Grund- und Gcbäudestcucr als Grundwert st euer mit 540 000 M.. was einer Veranlagung des Grundwerts von 3 pro Mille entspricht. Die Warenhaus st euer wird auf 45 000 M. festgesetzt, wird aber von der Gewerbesteuer, 135 Proz. der staatlich veranlagten Gewerbesteuer mit 122 000 M., für die vierte steuerfreie Gewerbestcuerklasse abgezogen. Schließ- lich soll 135 Proz. Betriebs st euer mit 8000 M. erhoben werden.— Dazu kommen die M ü l la b f u h r g c b ü h r e n mit zirka 60 000 M. und die LlanalisationSgcbühren mit 200 000 M. Erhöhungen der Steuersätze gegen das Vorjahr haben nicht stattgefunden, dagegen haben sich die Erträge einzelner Steucrarten erhöht. .■*——- Jusiendveranstaltuuge». Charlotteuburg. Für die Arbeiterjuqend des Ortes morgen Tormtaa: AuSflng nach Köpenick-Wublbeide. zun; Restaurant.Pferdezucht". Treffpunkt 8 Uhr Wilhelmsplatz(Bant). Die Liederbücher sind mitzubringen. Versammlungen. Verband der Sattler und Portefeuiller. Die Ortsverwaltung Berlin hielt am Donnerstag eine außerordentliche Generalver- sammlung ab, in der die Anträge zum kommenden Verbandskongreß zur Pxxatuipg standen. In der Hauptsache handelte es sich um die Frage der Erböbung der Beiträge um 10 Pf. pro Woche und Mit- glicd.(Für weibliche um 5 Pf.) Nach längerer Debatte, an der sich sowohl Gegner i wie aum Befürworter einer Erhöhung beteiligten, wurde der Antrag des Zentralvorstandcs, den Beitrag für männ- liebe Mitglieder auf 60 Ps„ für weibliche auf 30 Pf. festzusetzen, mit 212 gegen 138 Stimmen angenommen, nachdem auch der Zcntralvorsitzende Blum aus die unbedingte Notwendigkeit dieser Maßnahme hingewiesen hatte. Die weitere Beratung betraf An- träge, die auf Abänderung einer Anzahl von Paragraphen des Statuts hinauslausen. Die Delegierten werden durch Urabstimmung gewählt. Mit dem Ausschluß aus der Organisation des Mitgliedes Breuer endete die Versammlung._ Fre, religiöse««emeinde. Sonntag, best 17. März, vonntttnqS 9 Nhr, Pappclnllec 15—17. und Neukölln, Jdealpassaqe: Freireligiöse Vor- leliing. Vormittags 11 Uhr, Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Frl. I. Allmann:.Nnatol« France und Frankreich» Nalionalhcilige."— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbeknge der Metallarbeiter (EinzeschAeSene HilsSkasse 29, Haniburg). Filiale Berlin I. Sonntag, 17. März, vorm. 10 Uhr, in Habels Brauerei. Bergmannslr. 5—7: Versammlung.— Filiale B erlin II. Sonntag, 17. März, vorm. 109, Uhr, im Märlilchen Hof. Admiralstr. 18o: Veisammlung.— Filiale Berlin III. Sonnabend. 16. März, abends 8'/. Uhr. bei Kapier, Reichenberger Str. 154: Versammlung.— Filiale Berlin VI. Sonnabend. 16. März, abends 9 Ubr. bei Märiens, Bernancr Stratzc 82: Verlanimlniig.— Filiale Berlin IX. Sonntag, 17. März, vorm. 10 Uhr, bei Piotrowsky. Berlichingcnstr. 14: Versammlung.— Filiale Berlin X, Sonnabend, 16 März, abends S'/s Ubr. bei Faber, Slephanstr. 11: Versammlung.— Filiale Eharlottenburg. Sonnabend, 16. März, abend» 89, Ubr, im Vollshause: Versammlung.— Filiale Neukölln Sonnabend, 16. März, abends 89, Uhr, bci Tabberl, Steinmetzstr. 114: Versammlung.— Filiale Rummcl-burg: Sonnabend, 16. März, abend« 69, Uhr, bei Blume, All-Boxhcigen 5?: Versammlung. eingegangene Druck fehnfren. Von der»Neuen Zeit« ist«oeben das 28. Hest des 80. Jahrganges erschienen. AuS dem Fnbalt des Heftes heben wir hervor: Präsidial» und andere Fragen.— Gold, Papier und War« Von K. KanISkq.— Der Lyoner Kongreß Von Chr. Ziappoport(Paris).— Der zebrne Kongreß der sozialistischen Partei AlgenlinienS Von Cornelio Thictzen.— Die Aussperrungen in Deutschland. Von Richard Seidel tBerli:,) Die»Neue Zeit« erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungen, Postanstaiien und Kolponeure zum Preise von lt.ÄK M. p'o Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest lostet SS Pf. Dmfkatten der Redaktion. R. 1907/08 1905/06 1906/07 1 Mark 1 |665803| Mark 1696 5901 Die Eigenproduktion hat sich im letzten Halbjahr folgendermaßen entwickelt: Bäckerei: Juli 1911 Oktober 1911 Dezember 1911 Januar 1912 Februar 1912 Umsatz 72 764 Mark 115 032.. 135 660„ 147 508.. 151 087 99 99 99 99 Kaffeerösterei: Juli/ Dezember 191 1 wurden geröstet 224733 Pfund. Januar/Februar 191 2 »» 83500 Selterf abrikation: Juli/Dezember 1911 wurden hergestellt 153 605 Flaschen und zwar: 46832 Flaschen Seiter, 106 773 Brausen. Januar 1912 wurden hergestellt 13484 Flaschen und zwar: 3562 Flaschen Seiter, 9922 Flaschen Brausen. Februar 1912: 5816„.. 11650 Spareinlagen 15SOOOO Mark. Geschäftsanteile 500000 Mark. Hausanteile 750000 Mark. Unsere Waren werden zurzeit in 83 Verkaufsstellen, die über Qroß-Berlin verteilt sind, an unsere Mitglieder abgegeben. - Die Eröffnung weiterer Verkaufsstellen steht bevor.■ e. G. m. b. H. Zentrale: Lichtenberg, RittergutsstraRe 22/26. Verantwortlicher Redaktett; Wach?. Verlin. Für de« L">elaten:eltveranuv.: T<».Gl»i»e,Vertm. DruS«.Vertag! Vorworts Vuchdrucleret«. Vertagsaiiilat» VautSlnger u.�0, VertindW. Nr. 64. 29. Zahrgavg. 5. KkilM des„floranrls" Ktllim Dolliolilitl Sounabend. 16. Marz 1912. Brkfharten der Rcdahtfon. | Spielsragen werden im Briefkasten nicht entschieden.— A. S. ISIS. DaS kämpfung der Säuglingsfterblichteit, Bo> sitzende: Frl. Betty v. Ravenstein, Geschäst ist uns nicht bekannt.— M. H. 5. Zu erfragen bei der städti- Frobenftr. 26, Dienstags und Freitags 11—12'/,.— P. K. BL. Zu diesem 1 tchen Stiflungsdepulation. Poststr. 16.— 8. D. 6. Privatangelegenheiten> Zwecke liegen Kataloge aus in den Annoncenexpeditionen, deren Adressen ! werden im Brieskasten nicht erörtert.— I. B. IVO. Unserer.großen' im Berliner Adreßbuch zu finden sind.— G. S. 108. Diese Artikel sind E. S IS Wetten entscheiden wir nicht.— Oerschöuewcide. Den Stadt.— W. R. 100. Gegen 20 Millionen.— R. M. 100. Ja. die enthalten in den Nummern 1dl und 198 unseres Blattes und können Sie Fachmann in diesem Falle also den Stubenmaler, fragen.— P. F. 1äS8.' hamitische Urbevölkeruug Nordasrikas.— C. B. SO. G-sellschast zur Be-' dieselben in unserer Expedition, Lindenstraße 69(Laden), einsehen.— Wir beweisen die strenge und gewissenhafte Durchführung unseres Verkaufs-Systems: Selbstkostenpreis+ 10% Provision durch folgendes Attest des vereidigten, gerichtlichen Bücher-Revisors: Im Auftrage der Herren-KIeidex-Vertr.-Ges. m. b. H., Neue Sohönbauser Straße 1, habe ich eine Prüfung des Warenlagers an der Hand der Einkaufsreohnungep vorgenommen; iob habe hiemach einwandfrei festgestellt, daß die zum Verkauf angebotenen Waren dem Verkautssystem entsprechend Selbstkostenpreis-f 10°U Provision berechnet und ausgezeichnet sind. Berlin, den 28. Februar 1912. gez. Ford. Gran, Ware zum Verkauf zu bringen. I(Siegel.) Gerichüioh vereidigter Bücherrevisor. 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Gestern hat das Obervettvaltungsgericht wieder ennnal das Reichsvereinsgesetz mißhandelt: es hat den Berliner und den Lichtenbcrgcr Verein„Arbeiter-Jugcndheim" zu einem politischen Verein gestempelt. Ueber die Verhandlungen und die vorangegangenen be- hördlichen Maßnahmen geht uns der nachfolgende Bericht zu: Ter Berliner Polizeipräsident hatte durch Verfügung vom LI. März 1911 den Verein.Arbeiterjugcndheim" zu Berlin für einen Verein im Sinne des§ 3 des Vereinsgesetzcs, das heißt für einen Verein, der eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten erstrebe, erklärt. Ter Vorsitzende des Vorstandes, R.-Ä. Tr. Kurt Rosenfeld, wurde demgemäß durch jene Verfügung des Polizei- Präsidenten aufgefordert, nach den Vorschriften des Z 3 des Ver einsgesetzes der Behörde die Satzung des Vereins und das Vcr zcichnis der Mitglieder des Vorstandes des Vereins einzureichen. Genosse Ziosenseld erhob vergeblich beim Lbcrpräsidentcn Be- schwcrde und klagte nun gegen den Lbcrpräsidentcn beim Ober- Verwaltungsgcricht. Tie„Gründe" des Polizeipräsidenten und des Oberpräsidenten ergeben sich aus den im gestrigen Termin vorgetragenen Schrift- sägen des Lbcrpräfidenten. Ta wird behauptet, die Arbeiter Iugendheim-Vcrcinc verfolgten im engsten Zusammenhange mit den sozialdemokratischen Parteiorganisationen den Zweck, die Ju- aend in Verfolgung der Beschlüsse des Leipziger und Nürnberger Parteitags im sozialdemokratischen Sinne zu beeinflussen. Es wird dazu allerlei ausgeführt über die Behandlung der Jugendfrage durch die Sozialdemokratie. Schließlich hätte, so wurde ausgeführt, sich der Mangel an eigenen, für die Jugend bestimmten geeigneten Räumen herausgestellt. So seien die Vereine„Arbeiter-Jugend-� heim" in Berlin und anderwärts entstanden, um die Räume zu beschaffen und vor allem die Geldmittel aus Partei» und Gewcrk- schaftskreisen zusammenzubringen. Die Vereine verdan-kten meist ihre Entstehung der Anregung sozialdemokratischer Instanzen, ins- besondere der Jugendausschüssc, die wieder auf Grund von Be- scklüssen des Nürnberger Parteitags entstanden seien. Ter leitende Gedanke fei der, der Partei eine Ergänzung der für die Sammlung der Jugend notwendigen Einrichtungen zu schaffen. Und die Ju- gendlichen, welche in die Jugendheime gingen, hätten auch keine Zweifel, daß die Heime, mögen sie nach außen auch nur Stätten der Unterhaltung, der Geselligkeit, der Bildung scheinen, tatsächlich Räume seien, um eine Aufgabe in dem von der Sozialdemokratie gegen die bürgerliche Gesellschaft geführten Kampfe zu erfüllen. Ter Verein, der sie schaffe, sei als politischer anzusehen. . In der mündlichen Verhandlung vor dem 1. Senat des Ober Verwaltungsgerichts war neben dem Kläger R.-A. Roscnfcld als dessen� Vertreter R.-A. Wolfsiung Heine erschienen. Wolsgang Heine trat in längeren Ausführungen in tatsächlicher und rechtlicher Beziehung eingehend dem Obcrpräsidenten entgegen. Unter anderem führte er aus: Hier handle es sich um eine wirklich sehr grundsübliche Frage, die nicht nur von Bedeutung sei für die Existenz der Arbeiterjugcndheime. Denn ivcun man die Kon- scqucnzen ziehen wollte aus dem Standpunkt des Oberpräsidenten auch für andere Kreise der Bevölkerung, dann würde das von ver- nichtender Wirkung sein für alles intellektuelle Leben in allen Kreisen. Alles, was irgendwie im öffentlichen Interesse geschehe, sei es nun auf dem Gebiete der Bildung, der Hdgiene oder auf einem sonstigen Gebiete, würde für politisch erklärt werden und der Aufsicht der politischen Polizei unterstellt werden müssen. Ter Grundfehler liege darin, daß der Oberpräsident glaube, wenn eine Sache im Zusammenhange mit einer politischen Partei stehe, wäre sie ein politischer Gegenstand, und ein Berein, der dieser Sache diene, verfolge einen politischen Zweck. Ter Standpunkt des Oberpräsidenten lasse sich an Beispielen ack absurdiun führen: Es gebe eine politische Partei auf dem Boden der Weltanschauung der katholischen Kirche, zu deren ersten Grundsätzen die Forderung der katholischen W e l t a n- s ch a u u n g gehöre. Es gebe zugleich unzählige Bestrebungen— Gesellcnvcrcine, Lchrlingsvereine, Marine- vereine, Jungfrauen vereine usw.—. welche ebenfalls die Forderung der katholischen Weltanschauung erstreben, und die Personen, die an der Spitze ständen, seien genau dieselben Kapläne, welche in den Zeiilrumöwahlvercinen die Leitung in den Händen hätten. Es sei kein Zweifel, daß dieselben Personen auch ein- griffen in d'ic politische Agitation. Wolle man nun den Oberpräsi- deuten auf dem Wege folgen, den er in der Sache des Vereins Arbeiter- Jugendheim eingeschlagen habe, dann müßten alle die Vereine, ivelck, c die katholische Weltanschau- ung vertreten, und die'rgcndwie Fühlung hätten mit der Zentrumspartci. als politische erklärt und unter die Auf- ficht der politischen Polizei gestellt werden.— Weiter: Es gebe keine politische Partei, die nicht auf Kongressen oder durch ihre Vertreter im Reichstage und in den Landtagen sich für die Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs ausgesprochen bätte. Tiesclben Leute, die dafür einträten, seien zum großen Teil politische Führer. � Wolle man aber deshalb sagen, daß alle antialkoholischcn Veranstaltungen, alle Vereine zur Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs, sowie die alkoholfreien Lokale politisch seien? Tos müßte man aber, wenn man dem Oderpräsidentcn folgen wollte.— lind dieselbe Konsequenz ergäbe sich für viele andere Bestrebungen und für die, ihrer Förderung dieiwnden Vereine. So Schul reformbe st rcbungen, hygienische Bestrebungen, f o n st i g e B i l d u n g S b e st r e b u n g e n. Bei allen lasse sich irgendein Zusammenhang mit einer Partei oder mit einer, von einer Partei vertretenen W e l t a u f f a s s u n g feststellen. Ten Standpunkt des Obepräsidcnten so»ck absurdum zu führen, hieße, ihn widerlegen. Auf jeden Fall müsse, wolle man einen Verein für politisch er- klären, festgestellt werden, daß der Verein durch seine Handlungen einwirke auf politische Angelegenheiten, nämlich auf den Staat oder seine Verwaltung oder seine auswärtigen Beziehungen. Tavon könne man t-'K nicht reden, wo nur ein Zusammenhang mit einer politischen P�tci behauptet werde. Wenn der Nürnberger Parteitag in den erwähnten VerHand. lungcu und Beschlüsscn�sich ausgesprochen habe für eine Einwirkung auf die Jugend im Sinne der sozialistischen Weltanschauungen, so sei das auch keine politische Bestrebung. Tic sozialistische Welt- anschauung stehe im Gegensatz zur individualistischen Weltanschau- ung Das seien an sich nur Anschauungen, aus denen sich politische Bestrebungen cntwickcln könnte«; deshalb sei doch aber nicht alles,' was eine Weltanschauung verbreite, eine politische Bestrebung. Und so sei auch nicht alles, was die sozialistische Weltanschauung verbreite, eine politische Bestrebung. Der Parteitag in Nürnberg wollte nur die Jugend mit der Summe von intellektuellen und mo- ralischcn Anschauungen erfüllen, welche man die sozialistische Welt- anschauung nennt. Man habe sogar ausdrücklich in Nürnberg be- tont, daß alles, was pslitisch im engeren Sinne sei, dabei aus- geschlossen seil? sollte. Tie Arbeiterjugend solle lediglich geistig gehoben und vor Gefahren bewahrt werden, die der Jugend drohen in Form von Alkohol und Prostitution, �in Form von Schund- literatur usw. Das solle allerdings im Sinn« der sozialistischen Weltanschauung und nickt im Sinne der individualistischen Welt- anschauung geschehen. Wenn nun die Arbeiterjugend später eher geneigt sein würde, sich der sozialdemokratischen Partei anzu- schließen, so würde das doch erst die Folge»o» Folge« von Folge« sein; nicht aber könnte als mittelbare Beeinflussung de» Staates und. seint" Verwaltung angesehen werden die Tätigkeit von Jnsti tutionen, welche eine Erziehung im Sinne der sozialistischen Welt- anschauung förderten. Wenn man alles, was durch irgendeine noch so lange Kansalreihe zusammenhinge, z. B. mit einem Jugendheim. unter den Begriff der mittelbaren Einwirkung auf den Staat und seine Verwaltung bringen wollte, dann würde, wie schon gesagt, dasselbe zutreffen auf alle Bestrebungen der verschiedensten Art, die mit der Politik an sich nichts zu tun hätten, wo aber irgendein Zusammenhang mit Stellungnahmen einer Partei vorliege. TaS aber fei absolut verfehlt. Wolle man aber jene Konsequenz nur ziehen mit Bezug auf die Sozialdemokratie, dann würde das zwar der Auffassung ausgesprochener politischer Fanatiker unter den Gegnern der Sozialdemokratie entsprechen, nicht aber mit Recht und Gesetz vereinbar sein. Würde dagegen die Konsequenz aus alle anderen auch gezogen, dann unterstände alles intellektuelle Leben der Kontrolle der politischen Polizei. Und dann läge eine Bcrschnr- fung des Vercinsrechts vor gegenüber den früheren landesgesetz- lichen Vereinsrechten. Das gerade Gegenteil habe aber das Reichs- vcreinsrecht wollen. Der Zusammenhang der Jugendheime und der Jugendheimvereine mit der Partei sei überhaupt kein so enger, wie behauptet werde. Dafür wird Beweis angetreten. Der Zweck des Vereins..Arbeiterjugendheim" sei nur. Mittel aufzubringen, •"n der Arbeiterjugend in angenehmen Räumen unter Aufsicht älterer Personen einen angenehmen Aufenthalt zu verschaffe». Das entspreche den Wünschen der Sozialdemokratie. Damit sei aber der Zweck noch kein politischer. In der Nürnberger Res»- lution sei von Jugendheimen gar nicht die Rede. Tie Jugendheime seien später entstanden als rein humanitäre Einrichtungen privater Art. Sie würden, wie auch andere humanitäre Einrichtungen, zum Beispiel wie der Asylvcrein für Obdachlose, von Sozialdemokraten unterstützt. Das ganze Vorgehe« des Polizeipräsidenten und Oberpräsi- dcnten kennzeichne sich nach allem ausschließlich als ei» politisches; der Zweck sei, Anhängern einer bestimmten Partei etlvas unmöglich zu machen und zu vernichten, was Leute geschaffen hätten, denen man nicht wohl wolle. Das Vorgehen der Behörden in diesem Falle sei ein Unternehmen mit der in der Sache liegenden Folge, daß dieselben Grundsätze anf andere nicht angeivendet werden könnten, daß anderen gestattet werde, was man der Sozialdemokratie verbie- tcn wolle. Das sei ein Zweck, von dem zweifelhast sei, ob die Ver- lixtltungsbehördcn sich dazu hergeben dürften, den aber zu bekämpfen Aufgabe des höchsten Vcrlvaltungsgerichtshofcs sei. Der Kläger, R.-A. Dr. Kurt Roscnfeld, verwies darauf, daß man von Leuten der verschiedensten Parteirichtüngen überall darauf aus- gehe, ähnliche Einrichtungen(Gcgeneinrichtungcni zu unterstützen. Ja, man stiebe Jugendheime zu schaffen zum Teil nach nuserm Muster. Denn als mnstergültig würden die Einrichtungen des Ber- eins„Arbeiter-Jugendhcim" allgemein anerkannt. Jene Gegen- cinrichtungen würden selbst von der Polizei unterstützt. Hier aber bekämpfe man dasselbe, indem man sage, es gehe von Sozialdemo- kraten aus. Jugendheime entständen, die mit Zentrumsmitteln, mit dcutfch-sozialen Mitteln, mit liberalen Mitteln unterstützt wür- den und die nicht das geringste von der Polizei zu befürchten hätten. Auf dem Nürnberger Parteitage seien übrigens Jugendheime nur gelegentlich in einer Rede erwähnt worden. Es sei, wie schon Heine auch betont habe, davon auszugehen, wie sich der Verein betätigt habe. Ein großes Vereinsleben habe er überhaupt nicht geführt. Er habe tatsächlich nur den Zweck, Geld zu sammeln, recht viel Geld zu sammeln, um schöne Jugendräume herzurichten. Es werde auf künstlerische Ausgestaltung Wert gelegt. So würden die beiden Jugendheime des Vereins als Muster anerkannt von Personen aus den verschiedensten Schichten, die sich dafür interessierten, namentlich auch von Behörden. Es bestehe allgemeine Begeisterung darüber, wie sie cingenchtet feien. Sie leisteten den Anforderungen der mo- dcrnen Kunst Genüge. Mitglied des Vereins könne jeder werden, auch der nicht politisch und nicht gewerkschaftlich Organisierte. Man habe auch solch« Mitglieder, wenn auch vereinzelt, namentlich eine Reihe interessierter Literaten. Der Verein mit seinen selbständi- gen Einrichtungen könne auch nicht organisatorisch mit der Sozial» demofratie in Beziehung gebracht werden. Weder die tatsächliche Wirksamkeit, noch die Satzungen ergäben etwas für einen politischen Zweck. Bei Bekämpfung der Schundliteratur gehe der Verein Hand in Hand mit der Lchrersckxist. In den Jugendheimen finde, wie wo anders, ein Austausch schlechter Bücher gegen gute Literatur statt. So habe man sich allgemein in den Dienst der Bekämpfung der Schundliteratur gestellt. Der Berein wolle die Jugendlichen hüten und schützen vor den Gefahren des Wirtshauses und der Straße. Es würde tief zu bedauern sein, wenn hier ein Stück Kulturarbeit unmöglich gemacht werden würde. Urteil. Das Oberverwaltungsgericht wies die Klage mit folgender Be gründung ab: R.-A. Heine alz Vertreter des Klägers sei in seinen Deduk- tionen zu dem Schluß gekommen, daß, wenn man dem Oberpräsi- dcnten folge, jede moralische und jede intellektuelle Bestrebung, die auf eine Weltansebauung hinauslaufe, politisch sein würde. Es möge nun dahingestellt bleiben, wie es sich im Einzelfalle gestalte Vorliegend sei kein Zweifel, daß es sich nicht um die Absicht han- dcle, allgemeine Weltanschauung zu verbreiten, sondern daß die Jugendheime Instrumente und Organe der sozialdeniokratischen Partei sein sollten. Es sei zu verweisen aus die Siede des jetzigen Abgeordneten Haase auf dem Nürnberger Parteitag, worin aus- gesührt sei, daß besondere Kommissionen lJugcndausschüsse) ihr Augenmerk besonders auch darauf zu richten hätten, daß überall Jugendheim« errichtet werden, die einen Sammelplatz für die Jugend bildeten. Danach seien tatsächlich die Jugendheime Veran- staltuiigen der Partei. Und wenn auch ihre Statuten dem nicht Ausdruck gäben, so sei dennoch kein Zweisel. daß sie Bestandteile der Organisation einer politischen Partei, der Sozialdemokratie, dar- stellten. Das gehe auch aus einer Resolution hervor, die im April 1919 auf einer Konferenz der Jugendausschüsse gesaßt sei. Es heiße da:«Tcn politischen und gewerkschaftlichen Organisationen wird empfohlen, Mittel zur Errichtung von Jugendheimen zur Ver- sügung zu stellen." Also die politische Partei und die Gcwerk- schaften, die auch Zweige der politischen Bewegung darstellten, sollten die Jugendheime ermöglichen. Es sei aus der Konferenz auch darauf verwiesen worden, daß man in Berlin einen anderen Weg gegangen sei, indem man besondere Vereine gegründet habe. Das ändere ober nichts daran, daß auch die von solchem Verein geschaffenen Jugendheime, die neben den von den Gewerkschaften und von der politischen Partei alimentierten beständen, nichts an- dcrcs seien, als Organe der Partri, also mit politischen Zwecken. Vereine aber, die dazu dienten, den Zweck materiell zu fördern. müßten als politische angesehen werden. Es sei ja ohne weiteres zuzugeben, daß in den Jugendheimen manches Nützliche, manches Gute erreicht werden könne und auch erreicht werde. Es bleibe aber dock, bestehen, daß es Organisationen im Zusammenhange mit der politischen Partei seien. Taraus ergeben sich die Ab- Weisung der Klage nach den schon in Sachen der Berliner Jugend- organisation ausgesprochenen Grundsätzen. •.' Gs kam dann die Sache des Lichtenberger Vereins„Jugend- heim" zur Verhandlung, dessen Vorsitzender mit einer gleichen Ver- sügung bedacht worden war. Ihn vertrat Rechtsanwalt Dr. Kurt Rssenseld. Dieser nahm Bezug auf die Vorentscheidung und er- klärte u. a., daß er das Urieil nicht als maßgebend anerkennen könne, weil gar nicht der Gesichtspunkt gewürdigt sei, daß selbst ein Verein, der als Instrument der Partei angesehen werde, durchaus nicht politisch zu wirken brauche. Wenn nun die Partei beschlösse, Krankenhäuser für ihre Redakteure zu errichten und ciuen Verein zu gründen, der die Mittel aufbringe, so würde doch niemand sagen 'können, das sei ein politischer Verein. Weil so wesentliche Gc- sichtspunkte nicht gestreift seien, sehe sich er— der Anwalt— nicht veranlaßt, überhaupt noch ein Wort zur weiteren Begründung dieser Klage anzuführen. Das Oberverwaltuiigszericht wies auch diese Klage ab und be- merkte, schon aus der Begründung des ersten Urteils gehe hervor. daß nach Annahme des Senats die Jugendheime als Instrumente der Partei beitragen sollten, die Jugend im Sinne der Sozialdemo- kratie zu beeinflussen und daß sie somit als politisch anzuseheu seien. Verein«, die den Zweck materiell förderten, seien politische Vereine. Daniit hat das Oberverwaltungsgericht sich in der Tat auf den ungeheuerlichen Standpunkt gestellt, daß alles intellektuelle Leben in Preußen unter Polizeiaufsicht steht. Wird die Polizei den nicht-sozialdemokratischen Pereinen gegenüber hieraus die Konsequenzen ziehen? Das möchten wir bezweifeln, wiewohl in Preußen nach der Verfassung vor dem Gesetz jeder gleich sein soll. Die von der Polizei und dem Lberverwaltungsgericht gesponnenen Zwirnfäden zur Er- drosselung der Arbeiter-Jugendheime werden ihren Zweck nicht erfüllen. Die Jugendheime werden nun erst recht gedeihen und blühen. Die Forin kann Polizei und Gericht zerschlagen, nicht den Inhalt. Den sördern sie durch solche Prozesse wider ihren Willen. Der polizelich-juristische Totengräber wird bald fühlen, daß die Bewegung, die er eingesargt zu haben glaubte, den Sargdeckel sprengt. Möge er sich zeitig beifeite stellen, damit der Deckel nicht seinen Schädel un- sanft berührt._ Die Gernelndewahlbewegung. Friedrichsseldc. Die Gemeindewahlbewegung am Orte ist im vollen Gange und doch ist nach außen hin wenig mehr zu spüren, als hin und wieder der Auffchrei eines gequälten Herzens aus der 2. Abteilung, wo zwischen den Bürgerlichen eine amüsante Katz- balgerei entbrannt ist. Für die 3. Abteilung scheint man auf der gegnerischen Seite alle Hoffnung aufgegeben zu haben, den Sieg über uns zu erringen. Trotzdem wollen wir nicht müßig sein, sondern alle Kräfte aufbieten, um mit imposanter Stimmen- zahl auswarten zu können. Die Zeit ist nur noch kurz._9t m Sonntag, den 24. d. W., wird die 3. Abteilung wählen und zwar von m i t t a gs 12 Uhr bis 6 llh r nachmittags im Schloßrestaurant, Wilhelmftr. 17a. Reinickendorf. Die Ergänzungswahlen find nunmehr amtlich ausgeschrieben. Aus der Gemeindevertretung scheiden aus infolge Ablaufs ihrer Wahlzeit: aus der 3. Klasse der für den 3. Bezirk gewählte Genosse Schiller, aus der 2. Klaffe der Bauernguts- befitzer Müller und der Bankbeamte Nikolaus, aus der 1. Klasse die Fabrikbesitzer Becker u. Schwartzkopfs, und durch Auslosung der von der 1. Klaffe vor vier Jahren gewählte Eiswerksbesitzer Thater. Unsere Genossen sind bereits in die Agitation eingetreten. Ein am Sonntag verbreitetes Flugblatt agitiert für den vom Wahlverein für die 3. Klasse präsentierten Genossen Schönberg. Lebhafter als früher dürften sich diesmal die Wechlen in der 2. und 1. Klasse gestalten. In der 1. Klasse wollen die Großgrundbesitzer den ausscheidenden Fabrikbesitzern zwei engagierte Vorkämpfer des Grundbesitzes, den Direktor Busch von der Grundstücksgesellschaft „Berlin-Nord" und den am Orte ansässigen Notar Pinkus, ent- gegenstellen. Da von den 53 Wählern dieser Klasse nur 12 am Orte wohnen, werden hier die Papierslimmen den Sieg entscheiden. In der 2. Klasse machen unsere Genoffen den Ausscheidenden das Mandat strittig. Für uns kandidieren die Genossen Gastwirt Heinrich Schiller und der Zigarrenhändler Franz Bahr. Die Wahl der 3. Klasse findet am Sonntag, den. 2 4, M ä r z, nachmittags von 1—3 Uhr in der T u r n h a l l e d e r' 4. G e m e i n d e s ch u I e am Hausottcrplatz statt; die 1. und 2. Klasse wählt am Montag, den 2 5. März, im Restaurant Kuhrmann, Hauptstraße 32, und zwar die 2. Klasse von 1 bis 5 Uhr nachmittags, während von den 12„Erstklassigen" erwartet wird, daß sie die Ernennung ihrer Auserkorenen zwischen 5 und öVj Uhr vollziehen. Vvhnsdorf. Die Gemcindcvertreterwahl findet für die dritte Abteilung Montag, den 18. März, nachmittags von 5— 7>ch Uhr, im Lokale des Herrn Max Schulze statt. Kandidat der Sozialdemo- kratie ist der Lagerhalter Genosse Reinhold Schulz. Genossen, welche mit Bohnsdorfer Arbeitern zusammen arbeiten, werden er- sucht, dieselben aus ihre Wahlpflicht aufmerksam zu machen. Auch wollen die Genossen sich am Wahltage zur Verfügung stellen. Da die Wahlhandlung pünktlich geschlossen wird, werden die Genossen ersucht, rechtzeitig ihre Stimme abzugeben. Ricberlchmc. Am 19. März, nachmittags von 4�— ß'A Uhr, finden im Lokal von Schmidt die Gemcindcwahlen statt. Für die 3. Klasse kandidiert Genosse Max W i n k l e r und für die 2. Klasse Genosse Max Mörschel. Es wird gebeten, daß jeder Wähler rechtzeitig erscheint. Sonntag, den 17. März, nachmittags 3 Uhr, im Lokal von Gerisch: Volksversammlung. Genosse Klütz. Neukölln wird über„Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Gemeindever- tretung" sprechen. Unsere Genossen werden ersucht, für zahlreichen Versammlungsbesuch Sorge zu tragen. Sonntag früh 8 Uhr: Flug- blattverbreitung von Gustav Koch„Jägersruh" und Emil Gerisch (Dorf) aus. Nowawcs. Die Termine für die Gemeindewahlen sind nun- mehr bekanntgegeben. Die Wahlen zur dritten Abteilung, in der die Sozialdcmokartie an Stelle des verstorbenen Genossen Gruhl den Genossen Gastwirt Hermann Ebel als Kandidaten aufgestellt hat, sollen an drei aufeinanderfolgenden Tagen in der Zeit von VA bis 7 A Uhr nachmittags in folgender Ordnung stattfinden: die Wahlberechtigten mit den Anfangsbuchstaben A bis H wählen am Montag, den 23. März; diejenigen mit den Buchstaben � bis Q am Dienstag, den 26. März, und diejenigen mit den Buchstaben U bis Z am Mittwoch, den 27. März. Wahllokal ist der Saal der Gemcindeschulc IV in der Scharnhorststraße. Zu wählen ist an allen drei Tagen ein Gemeindevcrtreter als Ersatz auf drei Jahre, der Angesessener sein muß.— Die zweite Abteilung wählt am Doiiiierstag, den 28. März, nachmittags von 5 bis 7 Uhr im gleichen Wahllokal. Zu wäblcn ist ein Gemeindevertreter als Ersatz auf fünf Jahre, der Nichtangesessener sein kann.— Die Wahl zur ersten Abteilung, in der gleichfalls ein Gemeindevertrcter. der Nichtangesessener sein kann, auf drei Jahre gewählt wird, findet am Freitag, den 29. März, nachmittags von 12� bis 1 Uhr im Wahlburcau, Zietcnstr. 1. statt.— Jedem Wahlberechtigten wird vor dem Wahltermiu eine Legitimationskarte zugestellt, die zur Wahl mitzubringen und dem Wahlvorstand auszuhändigen ist. Ohne eine solche Legitimation Erscheinende müssen ev. mit ihrer Stimmabgabe bis zum Schluß des Wahlgeschästs warten. Sollten daher Wahlberechtigte bis zum Tage der Wahl noch nicht im Besitz einer Legitimation sein, so haben sie sich eine solche im Wabl- bureau, Zictenstr. 1, Part, rechts, ausstellen zu lassen. Wahlergebnisse. Mahlsdorf(Ostbahn). Bei der Gemeindevertreterwahl in der 3. Abteilung siegte unser Genosse Karl L e h n i g mit 213 Stimmen über die beiden gegnerischen Kandidaten, auf die 56 und 46 Stirn. wen entfielen. Bei der Wahl in der 2. Abteilung erhielten von 131 abgegebenen Stimmen die Kandidaten des Hausbesitzervereins 65 und 51,�btc Kandidaten des kommunalpolitischen Verbandes 44 und 41 Stimmen. Unser Genosse Ludwig erhielt 37 und Ge nosse Wicdemann 21 Stimmen. Es findet also eine Stichwahl statt, bei der unsere Parteigenossen den Ausschlag geben werden. Die Bezirksleitung wird den Genossen in den nächsten Tagen ge- eignete Vorschläge machen. Zchlendor-) sWannscebahns. Bei der Gcmeindewahl der 3. Ab- tcilung ist es auch diesmal nicht gelungen, unsere Kandidaten durch- zubringen. Im 1. Bezirk(Süden) erhielt Genosse Gohre_147, der bürgerliche Kandidat 159 und der Beamtenkandidat 359 Stim- men. Im 2. Bezirk(Norden) erhielt Genosse K u t t a 167, vc: Bcamtcnkandidat 391 Stimmen. In Hohen-Ncuendorf(Nordb.) kam es bei der gestrigen Er- gänzungs- und Neuwahl je eines Vertreters in der 3. Klasse zu keinem endgültigen Resultat. Unsere Genossen H o f f in a n n und K n ö t s ch erhielten 85 und 33 Stimme», die Kandidaten des Orts- Vereins, Rostock und Rossow. 83 und 99 Stimmen. Außerdem ent- fielen noch 8 und 2 Stimmen auf zwei andere Kandidaten. In der dadurch notwendig gewordenen Stichwahl muß alles aufgeboten werden, den Erfolg auf unsere Seite zu bringen. Borsigwalde. Bei der Gemeindcvcrtretcr-Ergänzungswahl, die gestern stattfand, siegte der sozialdemokratische Kandidat, Genosse Trapp, mit 466 Stimmen über den bürgerlichen Kandidaten Treß- mann, der nur 74 Stimmen auf sich vereinigen konnte. Eus Induftne und Kandel. Deutsche Kohlen. Bei einer von Jahr zu Jahr steigenden Kohlengewinnung Deutschlands nimmt es nicht wunder, daß sich auch der Absatz für deutsche Kohlen am Weltmarkte vergrößert hat. Wie die Förde- rung deutscher Kohlen innerhalb der letzten 5 Jahre ge- stiegen ist, das ergibt sich für die wichtigsten Kohlenarten innerhalb der Jahre 1997 bis 1911 aus- folgender Zusammenstellung in Mil- lioncn Tonnen: Eilihcimischc Gewinnung 1997 1998 1999 1919 1911 Steinkohle.... 143.22 148,62 148,97 152,88 169,74 Braunkohle.... 62,31 66,45 63,36 69,11 73,52 Koks....... 21,93 21,17 21,41 23,69 25,41 Preßkohle..... 16,41 18,22 18,75 19,57 21,83 Vergleicht man mit diesen Ziffern die jeweilige Ausfuhr, so kommt man zu dem Resultat, daß diese in der gleichen Weise ge- stiegen und mit der heimischen Gewinnung Schritt gehalten hat. Die Kohlenproduktion Deutschlands hat eine Steigerung von 143,22 Millionen Tonnen im Jahre 1997 auf 169.74 Millionen Tonnen Steinkohle im Jahre 1911 erfahren. Das Jahr 1997 hatte einen Steinkohlenexport von 29,92 Millionen Tonnen gebracht. Nach stetiger Steigerung der Ausfuhrziffern ergab sich im Jahre 1911 ein Steinkohlenexport von 27,41 Millionen Tonnen gebracht. heimische Förderung von Braunkohle stieg seit 1997, in welchem Jahre sie 62,31 Millionen Tonnen betragen hatte, auf 73,52 Mil- lionen Tonnen im letzten Jahre. Dieser Mehrproduktion steht auch eine Zunahme des Exports von Braunkohle gegenüber. Zwar sind die Ziffern dieser Braunkohlcnausfuhr im Vergleich zu denen der Steinkohle nur bescheiden zu nennen. Im Jahre 1997 bc- trug der Export nur 9,22 Millionen Tonnen. Mit dem Jahre 1911 hat er sich um mehr als das Doppelte vergrößert. In diesem Jahre wurden 9,58 Millionen Tonnen deutscher Braunkohlen auf dem Weltmarkte abgesetzt. Die einheimische Gewinnung von Koks ist von den beiden anderen genannten Kohlenarten zu trennen, denn das Jahr 1998 brachte gegen sein Vorjahr eine von 21,93 auf 21,17 Millionen Tonnen verringerte Förderung. Seit dem Jahre 1998 zeigt sich jedoch eine jährliche Zunahme. Bis zum Jahre 1911 ist die Gewinnung des Koks auf 25,41 Millionen Tonnen gestiegen. In gleicher Weise ist bis zum Jahre 1998 der Exporr von deutschem Koks größer als im Jahre 1999 gewesen. Die dann aber schnell zunehmende Steigerung der Ausfuhr brachte bereits für das Jahr 1911 eine größere Beteiligung des deutschen Koks aus dem Welt- markte als 1997. Den Export der Preßkohle sowie die gesamte deutsche Kohlenausfuhr seit 1997 spiegelt folgende Tabelle in Mil- lionen Tonnen: Im Januar 1912 wurden nicht weniger als 2,45 Millionen Tonnen Steinkohlen und Anthrazit ausgeführt. Davon entfiel auf Oesterreich-Ungarn der größte Teil. Die Ausfuhr von Braunkohle ergab für den Januar 1912 insgesamt 5246 Tonnen, während der Export von Koks 9,43 Millionen Tonnen ergeben hatte. Die 9,22 Millionen Tonnen Preßkohlen, welche im Januar 1912 exportiert wurden, hatten einen Wert von 3,85 Millionen Mark. Die Bedeutung vou Industrie und Bergbau der Welt. Der Kohle und Erz schürfende Knappe und der Eisen und Stahl herstellende Arbeiter ist für die Welt von heute das Rückgrat ihrer Existenz. In welchem Maße dies zutrifft, wird erst richtig erkennt- lich, wenn für die wichtigsten Länder der Erde zusammengestellt wird, wieviele unter 199 Erwerbstätigen in Bergbau und Industrie schaffen. Im nachfolgenden geben wir eine kleine Zusammenstellung der entsprechenden Art. Unter 199 Erwerbstätigen waren in Bergbau und Industrie tätig: wenn er auf das so vergrößerte Aktienkapital entfällt, wodurch der Staat um die für höhere Dividenden bestehende Zusatzstcuer gebracht wird. Trotz all dem hat man in verdächtiger Eile die Ausgabe der Gratisaktien genehmigt. Freilich ist der Gouverneur der die Waffen- fabriksakticngesellschaft kontrollierenden Bodenkreditgesellschast der verbindungsreiche Herr Rudolf S i e g h a r t, früher ein kleiner Journalist, dann der Präsidialist— sozusagen: der Wahnschasfc— des Ministerpräsidenten Körber, alsbald Sektionschef, Geheimer Rat und so fort. Das erklärt manches, hielt aber das Abgeordnetenhaus ' nicht ab, seiner Mißbilligung über die harmlos tuende Jnterpella- tionsbeantwortung des Finanzschlachzizen v. Zaleski in der darüber eigens eröffneten Debatte Ausdruck zu geben. Besonders kräftig tat das Genosse Dr. Ellenbogen, der— um das Bild abzurunden — erzählte, daß die Fabrik 1999, als sie an den Landwehrlieferungen (die Landwehr ist in Oesterreich eine aktive Truppe von 69 999 Mann) 499 999 Kronen verdiente, den Minimallohn von— 3 Kronen täglich abschaffte und die Stasfcllöhnc herabsetzte. Bei einer Fabri- kationsgewinnsteigerung um 288 999 Kronen und einer Tantiemen- erhöhung um 17 999 Kronen wurden 1299 Arbeiter entlasten: für Schule, Armen- und Sanitätswesen gibt die Gesellschaft nichts her. Und die Gratisaktien der Waffenfabrik fanden bei all dem die wärmste Verteidigung, außer beim Finanzminister— bei den Christlich„sozialen", die ihre kapitalistischen Jntcresten plötzlich, aber gründlich entdeckt haben. Die Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen Berlin zablt für das Jahr 1911 eine Dividende von 53/4 Proz. (1919: b'/z Proz.). iinseSiiunss-Kleiiler' in Großbritannien.. 46 in der Schweiz.... 45 in Belgien...... 42 in Deutschland.. 40 in den Niederlanden.. 34 in Frankreich.... 32 in Norwegen.... 23 Die Ziffern zeigen recht deutlich, wie sehr gerade Deutschland für die Berg- und die Industriearbeiter zu sorgen hat, denn sie bilden einen Riesenteil der arbeitenden Bevölkerung. in Dänemark.... 25 in Amerika..... 24 in Italien..... 24 in Oesterreich.... 23 in Rußland..... 18 in Ungarn..... 14 schwarz und weiss aus prima Satintuch, reinwollen Popeline, Wollbatist und Voile, kleidsame Fassons 15. 13.-° 21. 24. 23.-° 33. m. Prüfunss-Klelder in al,en Farben aus allerbesten 4 C 50 Stoffen..... Iü* bell und dunkel 27. 36. m. Gratisaktien, Börsenspicl und Arbciterlöhne. Die österreichische Waffenfabriksaktiengesellschaft Stcyr hat in � den letzten beiden Jahren 16 Proz. Dividende verteilt, also ihren Aktionären ein hohes arbeitsloses Einkommen gebracht. Der mili- taristische Zug in Oesterreich, dessen Stärkung mit dem Altern des Kaisers und der wachsenden Macht des Thronfolgers unverkennbar ist, legt nun den Spekulanten— und es wird jetzt in Wien bis in die Kreise der Kellner und Hotelportiers spekuliert!— gerade das Spiel in„Waffen", den Waffenfabrikaktien, nahe. Diese Spekula- tion hat nun durch die Regierung eine gewaltige Anregung erfahren, indem diese der Wasfensabriksgesellschaft gestattete, durch Ausgabe von Gratisaktien an die Aktionäre ihr Kapital von 84 auf 95 Millionen zu bringen. Dadurch wird übrigens auch der Staat selbst geschädigt, da der gleiche Gewinn natürlich kleiner erscheint, VI tm Ij1* II ISfl 21. BacKfiscli-Pfllelots 12. 15. 18. m. Backnsch-JDCkßnklßiiUr 13. 27. m. Kosfiüm-Röcke 7.-° 9. 12. 15. 13. M. aus regenechten Stoffen englischer Art 3. 5. 8.5° 11. 13.-° 16.-° m. 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