Ur. 66. Bbenncmcnts-Bcdingungen: WonnementS• Preis BtänmnnonbO! LierteljShrl. S.30 Ml., monotL 1,10 Ml. wöchenUich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nununer S Pfg. EonntngZ- »umnier mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue SBelt* 10 Pfg. Post- Abonnernenu 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband ifir Deutschland und Oesterreich- Ungarn 3 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnementS nebmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Ponugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. Die Insertion!-Lebilhe beträgt für die sechSgespaltene Kolonel« »eile oder deren Raum 60 Pfg.. für Wort 20 Pfg.(zulässig 2 settgcdruchte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort s Pfg. Worte über lö Vuch- ( laben zählen für zwei Worte. Inserate iir die nächste Nummer müssen bis > Uhr nachmittags in der Erpcdltton abgegeben werden. Die Expedition tjt bis 7 Uhr abends geöffnet, Stchilitt lZgstch aaßer in 00 tagt. Verlinev Volksbletkt. Delegramm-Adressei „Sstialtltwollrat Nekllii-, Tentralorgan der rozialdonokratifchcn parte! DeutfchlandQ. Redahtion: 8ÄI. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz- Nr. 1S8Z. Dienstag, den 19. März 19ltÄ. Expedition: 8M. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 19S4. Das Miniwallohngelet? in Cnglanck London, 16. März.(Eig. Set.) Ter Premierminister selbst hat also der Verhandlungs- komödie ein Ende gemacht und sich nunmehr entschlossen, den Minimallohngesetzentmurf am Dienstag im Parlament ein- zubringen. Aus der Erklärung, die die Regierung gestern abend veröffentlichte, ist aber zu entnehmen, daß sowohl auf Arbeitgeber wie Arbeitnehmer ein Zwang ausgeübt werden soll, die festgesetzten Minimallohnsätze anzuerkennen. Mit dieser Absicht wird die Regierung jedoch in eine höchst schwierige Position geraten. Der Ernst der Lage wird am besten dadurch gekennzeichnet, daß der König Georg be- schlössen hat, in diesem Frühjahr die beabsichtigten euro- päischen Besuche nicht abzustatten und im Lande zu bleiben. In der offiziellen Erklärung heißt es, daß die Regierung alles getan habe, was in ihrer Macht stehe, um einen Per- gleich herbeizuführen: sie bedauere, daß alle ihre Versuche fehlgeschlagen und daß ein Vergleich unmöglich sei. Andere Mittel niiißten daher zur Anwendung kommen. Die Er- klärung fährt dann fort: „Ter Premierminister erklärte dann(den Vertretern der Arbeiter und Arbeitgeber), daß die Negierung vom Parlament eine Gesetzeserklärung verlangen werde, daß ein a n g e- mcssener Minimallohn, verbunden mit hinreichenden Bestimmungen zum Schutz der Arbeitgeber, eine gesetzlich not. wendige Bestimmung in Arbeitsverträgen von Leuten sein muß, die unterirdisch im Kohlenbergbau beschäftigt werden. Was die wichtige Frage anlange, wie ein derartiger Minimallohn für irgendeinen Bezirk ermittelt werden sollte, deutete der Premier- minister an, ohne jedoch die Regierung zur Annahme irgend- einer bestimmten Form von Einrichtungen zu verpflichten, daß die Distriktsmindestlöhne in jedem Distrikt festgesetzt werden sollten von einem gemeinschaft- lichcn Komitee, das sich aus Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammensetzt mit einem unparteiischen und und unabhängigen Vorsitzenden, der von den Parteien selbst, oder, wenn notwendig, von der Regierung gewählt werden würde. Eine derartige Körperschaft würde nach der Ansicht der Re- gierung das bieten, was sie stets als das Allerwichtigste angesehen habe, nämlich ein Mittel, um Endgültigkeit zu erzielen." Gleich nachdem der Premierminister seine Erklärung ab- gegeben hatte, versanimelte sich die nationale Konferenz der Bergarbeiter, um die neue Lage zu diskutieren. Tie Konferenz beschloß, dem Vorstand die Vollmacht zu geben, über die Vorlage zu beraten, um die Interessen der Arbeiter zu wahren. Sie bestand aber energisch darauf, daß d i e A r- beit nicht eher wieder aufgenommen werden könnte, bis die Minimallohnvorlage Gesetzeskraft erlangt habe und bis man genau wisse, was die endgültige Gestalt des Gesetzes sei. Ter Kernpunkt der ganzen Frage ist nun, wie es die Re- gierung anstellen wird, um den Beschlüssen des vorge- schlagenen Tistriktskomitees Endgültigkeit zu verschaffen, ohne ihre eigene Existenz zu gefährden. Auf die Arbeiter ließe sich nur ein Zwang ausüben, wenn die Gelder der Gewerkschaften mft Beschlag belegt werden und die Beamten der Arbeiter und die Arbeiter wegen Gesetzesübertretung belangt werden könnten. Wenn die Regierung derartiges beabsichtigt, so muß sie von vornherein mit dem Widerstand der Arbeiter- Vertreter im Parlament rechnen. Noch zu Anfang der Woche erklärte Macdonald in einer Rede, daß die Arbeiterpartei alle Versuche, die Bewegungsfreiheit der Gewerkschaften ge- setzlich zu hemmen, aufs äußerste bekämpfen werde. Und die Arbeitgeber könnten nur zur Anerkennung der festegesetzten Minimallöhne gezwungen werden, wenn sich die Regierung das Recht einräumte, die Gruben nötigenfalls selbst zu be- treiben. Eine solche Bestimmung würde aber bei allen Ar- beitgebern im Parlament— konservativen wie libxralen— auf den heftigsten Widerstand stoßen. Denn man täusche sich nicht— der Minimallohnkampf der Bergarbeiter ist nur das Vorspiel ähnlicher Kämpfe in anderen In- d u st r i e n. Die Eisenbahner sind seit dem letzten Streik nicht zur Ruhe gekommen: jeden Augenblick kann der Kampf auf den Eisenbahnen wieder entbrennen. Das wissen die Unternehmer des Landes sehr genau, und sie werden sich hüten, einen Präzedenzfall zu schaffen, der über kurz oder lang die Herrschaft über die Industrie ihren Händen ent- reißen wird. Tie Regierung� befindet sich somit in einer äußerst schwierigen Lage. Sie hat ein Gesetz zu schaffen, das die Ar- beiter befriedigen und sie bewegen wird, die Arbeit wieder aufzunehmen, und das zu gleicher Zeit Bestimmungen ent- halten muß. die die Bewegungsfreiheit der streitenden Par- teien_ oder wenigstens einer der Parteien— hemmen werden. Wahrscheinlich werden die politischen Interessen der liberalen Partei die Regierung bestimmen, zu versuchen, auf � zwei Stühlen zu sitzen. In dem Falle kann den englischen � Liberalismus nur das Säiicksal erreichen, das allen Mittel- � Parteien in diesem Zeitalter gewaltiger Klassenkämpfe be- schieden ist. Tie Zeichen seines Niederganges treten mit � jedem Tage deutlicher hervor und es wird immer klarer, daß die kommenden politischen Kämpfe in Großbrftannien zwischen der emporstrebenden Arbeiterklasse mit den Vertretern des'< Kapitalismus, denen nach der Knebelung der organisierten Arbeiterschaft gelüstet, ausgefochten werden. Regierungserklärungen. London, 18. März. Unterhaus. Im weiteren Verlauf der Sitzung ergriff Premierminister A s q u i t H das Wort. Er teilte mit, daß er morgen einen Gesetzentwurf über die Gewährung eines Mindestlohnes an Bergarbeiter, die in Kohlenberg- werken unter Tage beschäftigt sind, und über andere damit zu- sammenhängende Fragen einbringen werde. Er werde über die Verhandlungen und die Gründe zu dem Gesetzentwurf erst in der morgen stattfindenden Sitzung eine Erklärung abgeben. Nach Ansicht der Regierung sei die Erledigung der Gesetzesvorlagen durch da? Unterhaus so schnell als möglich, nämlich bis zum nächsten Donnerstag, geboten. In diesem Falle würde sie am Freitag vom Oberhaus beraten werden und am Sonnabend die Zustimmung des Königs erhalten. Der Premierminister bemerkte weiter, die für die Debatte über den Gesetzentwurf zur Verfügung gestellte Zeit würde durch den Schlußantrag beschränkt werden, und es sei nötig, die Debatte über den Flottenetat, von dem ein Teil bis zu einem gewissen Termin angenommen werden müßte, zu verkürzen. Die Regierung würde jedoch weitere Gelegenheit geben, die Beratung des Etats bald fortzusetzen. Bonar Law erklärte sein Einverständnis damit, daß die Vorlage, wenn si« zur Abstimmung gebracht werden soll, ohne unnötige Verzögerung zu erledigen sei, äußerte aber Bedenken, ob die Erledigung bis zum Donnerstag Zeit zu angemessener Dis- kussion lassen werde. Sodann gab A s q u i t h der Hoffnung Ausdruck, daß es möglich sein werde, über di« die verschiedenen Be- ratungsstadien der Vorlagen widmende Zeit zu einem Einver- nehmen zu gelangen. Darauf brachte der Erste Lord der Admiralität Churchill den Marineetat ein. Die Zahl der Feiernden. London, 18. März.(W. T. B.) Die Angaben über die Zahl der beschäftigungslos gewordenen Arbeiter gehen weit auseinander. Die.Morning Post" schätzt sie, einschließlich der Bergleute, auf fast 1 800 000, die„TimeS" auf etwas über 1 340 000. Die Gewerkschaften, deren Mitglieder gegen Arbeitslosigkeit ver- sichert sind, werden bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach einer Berechnung der„Morning Post" hatten diese Gewerkschaften, abgesehen von den Organisationen der Bergleute, am letzten Sonn- abend über zwei Millionen Mark an Ilnterstützungsgcldern zu zahlen._ Das Junkerparlament gegen die Berg- arbeiter. Das Dreiklassenhaus hat sich des Herrenhauses würdig erwiesen. Die„Erwählten" des Dreiklassenwahlrechts sind eben ihrer überwiegenden Majorität nach dasselbe wie die vom„befestigten Grundbesitz" präsentierten und vom König ernannten Herrenhäusler. Und so war eS dieselbe Scharf- macherei hüben wie drüben und dieselbe arbeiterfeindliche Hetze. Nur das unterschied die beiden Debatten, daß die Dreiklassenmänner schon ihrer Genugtuung Ausdruck geben konnten über die rasche Erfüllung, die der Schrei nach Ma- schinengewehren bereits gefunden und daß die Hetzreden der Strosser und Konsorten bisweilen gestört wurden durch den empörten Auffchrei des halben Dutzend, die die Interessen der Bergarbeiter in diesem Hause vertreten. Von den Reden, die da gehalten wurden, verdient die des nationalliberalen Führers besondere Heraus- Hebung, nicht weil Herr Dr. Friedberg anders, sondern weil er gerade so gesprochen hat wie die Berufsscharfmacher Strosser und v. Zedlitz. Wir sind die letzten, die die National- liberalen im Reichstage überschätzen: wir wissen, ein großer, vielleicht der größte Teil der Reichstagsfraktion ist im inner- sten Herzen mit Herrn Dr. Friedberg derselben Meinung. Aber die Herren, die das Reichstagswahlrecht ent- sendet, die müssen denn doch mehr Rücksicht üben als die vom Geldsackswahlrecht Gekürten. Und wenn die heutige Debatte im Dreiklassenhause überhaupt eine Wirkung haben wird, so kann es nur die sein, die Arbeiterklasse Deutschlands aufzurufen zu neuem Kampf für die Eroberung der gleichen politischen Rechte in Preußen. Ueber den Verlauf der Sitzung wird uns aus dem Ab- geordnetenhause geschrieben: Welches Interesse die Bevölkerung der Bewegung der Bergarbeiter im Ruhrrevier entgegenbringt, bewiesen die überfüllten Tribünen des Abgeordnetenhauses, auf dessen Tagesordnung vom Montag die in ihrem Wortlaut bereits ftüher mitgeteilten fünf Interpellationen über den Berg- arbeiterstreik standen. Geringer als das Interesse des Volkes ist freilich das der sogenannten Volksvertreter, von denen gut drei Viertel durch Abwesenheit glänzen. Vollzählig hat sich. wie fast immer, nur die kleine sozialdemokratische Fraktion eingefunden. Alst Ministertisch sitzt neben dem Handels- minister S y d 0 w und dem Oberberghauptmann Velsen auch der— preußische Polizeiminister. Herr v. Dallwitz, gewissermaßen als Symbol dessen, daß die Regierung auch heute noch, wie zu Zeiten des seligen Puttkamer, in jedem Streik die Hydra der Revolution erblickt und daß der Säbel, der haut und die Flinte, die schießt, für sie das Mittel ist, mit dem sie sozialen Bewegungen Einhalt gebieten zu können glaubt. Bezeichnenderweise ist es das erstemal seit seiner Er- krankung, daß Herr Dallwitz das Haus mit seinem Besuch beehrt. Schon der Wortlaut der Interpellationen, abgesehen von der der Fortschrittlichen Volkspartei, ließ darauf schließen, worauf es die Scharfmacher der verschiedenen Richtungen ab- gesehen haben. An einer ruhigen, sachlichen Besprechung des Streils, an einer Untersuchung seiner Ursachen, liegt dieser Ge- sellschaft nichts. Worauf es ihr ankommt, ist einzig und allein, Stimmung gegen die Streikenden zu machen, sich als Sach- walter des Grubenkapitals aufzuspielen, die Regierung zu immer weiteren Scharfmachereien anzufeuern und durch Auf- znhlung unkontrollierbarer Behauptungen über angeblichen sozialdemokratischen Terrorismus und über sozialdemokratische Gewalttätigkeiten Material für eine neue Zuchthausvorlage zu- sammenzutragen. Ganz besonders bemühten sich um dieses Ziel die Herren S t r 0 s s e r und Frhr. V. Z e d l i tz. Einen ungeschickteren Redner als den für die Prügelstrafe schwärmenden Strosser konnten die Konservativen nicht vorschicken. Vielleicht fiel die Wahl deshalb auf ihn, weil er von der Sache, über die er sprach, keine Ahnung hatte und seine Freunde infolgedessen die Ver- antwortung für das Unheil, das er etwa angerichtet hat, getrost ablehnen können. Schon manche heitere Stunde ver- dankt das Haus dieser komischen Possenfigur: und in der Tat muß man sich fragen, wie es möglich ist, daß jemand einen Abgeordneten ernst nimmt, der von der Tribüne des Paria- ments herab wahre Schauermärchen erzählt, von denen das von dem mit Sprengstoff gefüllten Eimer noch nicht das schlimmste war. Irgend ein Witzbold hat sich den Spaß gemacht, Herrn Straffer zu schreiben, daß vor der Haustür eines Arbeitswilligen ein ganzer Eimer mit Sprengstoff gestanden und nur aus Zufall keinen Schaden verursacht hat. War vielleicht Chokoladenpulver oder der- gleichen in dem Eimer? Diese und andere Märchen tischte Herr Strosser dem Hause auf, um im Anschluß daran über sozial- demokratischen Terrorismus zu jammern und strengere Gesetze zum Schutze der Arbeitswilligen zu fordern. Uebertroffen— nicht in bezug auf Komik, wohl aber in bezug auf Scharfmacherei— wurde der konservative Redner durch seinen freikonservativen Freund V. Z e d l i tz, der von einer vermittelnden Tättgkeit der Regierung nichts wissen will, sondern nach Militär und nochmals nach Militär schreit. Auch in Schlesien, verlangt er, soll Militär einrücken, natürlich nur zum Schutze der Arbeitslvilligen, besonders der christlichen Gewerkschaften, auf die dieser Totfeind jeder Gewerkschafts- bewegung Plötzlich ein langes Loblied sang. Für ihre Ver- räterei im Ruhrrevier haben die Christen etwas besseres auch nicht verdient. Von diesem heuchlerischen Scharfmacher ge- priesen zu werden, ist für sie eine harte, aber gerechte Strafe. In der Tat sind die christlichen Arbeitervertreter im Parlament einzig und allein darauf bedacht, daß sie es mit den herrschenden Klassen nicht verderben. Die Wahrnehmung der Interessen der Arbeiter ist den Giesberts und Behrens im Reichstage genau so gleichgültig, wie den I m b u s ch und Konsorten im preußischen Abgeordnetenhause. Wer nicht wußte, daß Herr Jmbusch auf der Tribüne stand, der konnte ebenso gut glauben, daß irgendein Kuli der Grubenbarone sprach. Vielleicht nimmt sich der Verein zur Wahrung der bergbaulichen Interessen zu gegebener Zeit dieses Mannes au, der in einem Augenblick, wo ausgebeutete Proletarier um ihren Anteil an der Kultur kämpfen, nichts anderes zu tun weiß, als auf seine Arbeitsbrüder, weil sie nicht christlich organisiert sind, zu schimpfen und die Regierung tvegen Requirierung des Militärs zu loben. Der Mann ist es wert, daß die Unternehmer sich beizeiten seine für sie unbezahlbare Kraft sichern. Zwischen den Rednern der schwarzblauen Parteien be- gründeten die Nationalliberalen und Fortschrittler ihre Interpellationen. Was Herr Dr. Friedberg(natl.) sagte, unterschied sich nur in der Form, nicht aber in der Sache von den Ausführungen der Strosser und Zedlitz. Herr Dr. Fried- berg ist nicht so dumm wie Herr Strosser und nicht so brutal wie Herr Frhr. v. Zedlitz, aber im Grunde genommen ist er ein genau so eingefleischter Sachwalter kapitalistischer Jnter- essen. Für ihn steht es sogar fest, daß die Bergarbeiterlöhne so hoch sind, daß sie eine Aufbesserung nicht nötig haben. Was er über den Schutz der Arbeitswilligen und über die Zu- sammenziehung des Militärs sagte, läuft im Gründe ge- nommen genau auf das gleiche hinaus, was seine konservativen Freunde verlangen. Der einzige Interpellant, der den Ursachen der Bewegung nachzuforschen sich bemühte, war Abg. Dr. P a ch n i ck e von der Fortschrittlichen Volkspartei. Natürlich stellte er sich nicht unumwunden auf die Seite der Arbeiter, aber er versuchte wenigstens, Licht und Schatten gleichmäßig zu verteilen, so daß seine Rede trotz manches Angriffspunktes, den sie uns bietet, doch vorteilhaft von den übrigen abstach. Auch daß er unumwunden anerkannte, daß die vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen ausreichten, unterscheidet ihn von den Scharf- machern und ebenso dürsten seine Schilderungen über k 0 n- s e r v a t i v e n Terrorismus dazu angetan sein, so manchem Schreier auf der Rechten den Mund zu stopfen. Namens der preußischen Staatsregierung beantworteten zwei Minister die Interpellationen, der Handelsminister Sybow, der im wesentlichen daS gleiche Material wie im Reichstage vortrug, nur daß er sich dem Niveau des Drei- klassenparlaments anpaßte und dreister und herausfordernder auftrat, sowie der Polizeiminister v. D a 1 1 w i tz, der die interessante Enthüllung machte, daß für die Industriegebiete ein bis ins Detail ausgearbeiteter Verteilungsplan über die Polizeimannschaften schon lange vorbereitet und daß auch die Requierirung von Militär schon längst in Aussicht genommen war. Im übrigen trug Herr v. Dallwitz eine Unmenge Märchen ä lo Moabit vor, Berichte von Polizisten, die sich bei näherer Prüfung als stark übertrieben, wenn nicht als völlig aus der Luft gegriffen erweisen dürften. Ucber den Ton, in dem sich Herr v. Dallwitz gefiel, mit ihm zu rechten, müssen wir ablehnen. Offenbar wollte er den Junkern zeigen, auf ein wie tiefes Niveau der Dis- kussion ein preußischer Polizeiminister hinabzusteigen imstande ist. Schreckte er doch selbst vor Beschimpfungen des Reichs- tagsabgeordneten Sachse nicht zurück, Beschimpfungen, die unser Genosse Hirsch sofort festnagelte. Der Verlauf der Sitzung war ein recht stürmischer, die Sozialdemokraten gaben wiederholt durch lebhafte Zwischenrufe ihrer gerechten Entrüstung über das Benehmen der Scharfmacher Ausdruck. Die Besprechung der Interpellation, zu der von unserer Seite L e i n e r t rmd Liebknecht gemeldet sind, wurde aus Dienstag vertagt. Der Streik im Rubmvier. Auf den Montag hatten die Bergherren große Hoffnungen gesetzt. Diese haben sich aber nur zu einem kleinen Teil erfüllt. Immerhin hat die Zahl der Streikenden eine Ab- nähme erfahren. Ihre Zahl beträgt heute etwa 180 000. Die Ziffer der Streikenden weist überhaupt starke Schwankungen auf. Während auf einer Grube die Zahl der Streikenden geringer wird, kommen auf anderen Gruben noch eine Anzahl Ausständiger zu den bereits im Ausstand befindlichen hinzu. Wir erhalten über die Situation folgendes Privattele- gramm: Bochum, IS. März. sPrivattelegrmnm des„Vorwärts".) Die Strcitlage im Nuhrbecken hat sich seit Sonnabend zuungunsten der streikenden Bergarbeiter verändert. Infolge der von den Gruben verschickten Karten sind eine ganze Anzahl Arbeiter wieder ange- fahren. Eine Konferenz, die am Dienstag stattfindet, wird über die jetzige Situation beraten und Beschluß über die weiteren . Schritt« fassen. Jedenfalls wird aber ein Abbruch des Streiks nicht erfolgen, sondern dieser unentwegt fort- gesetzt werden. Es steht nämlich zu hoffen, daß ein großer Teil der seit Sonnabend Angefahrenen wieder in den Ausstand treten werden. Ein Teil der durch Postkarten benachrichtigten Bergleute wollten sich von der Zeche die Papiere geben lassen, da sie im Streik verharren wollten und die Postkarte die Kündigung ent- hielt. Sie hatten also«in Recht auf Herausgabe ihrer Papiere. Als sie jedoch auf dem Zechenbureau ihr Anliegen vorbrachten, wurde ihnen nur geantwortet, sie sollten wieder anfahren, die Pa. Piere gäbe es nicht. Am Sonntag, wie am Montag herrschte überall Ruhe im �.Streikrevier; nur der christliche Gewerkverein und die Zentrums- presse wüten weiter. Ein Zentrumsblatt brachte jetzt schon die Nachricht, daß der Streik abgebrochen worden sei. Ein anderes - ultramontanes Organ trieb die Niedertracht so weit, seinen Lesern mitzuteilen, daß der Verbairdsbeamte Löffler mit 117 000 Mk. durchgebrannt sei� was aber der reine Schwindel ist. In Castrop beteiligen sich jetzt auch die Geistlichen am Streik, indem sie in echt christlicher Weise die Bäckermeister auf. fordern, kein Brotan die Streikenden zu liefern. Oer Lembt über die Kergarbeiterinterpellation vor den Boebumer Bergarbeitern. Bochum» 17. März.(Eig. Ber.) Am Sonntag fanden im gan» zen Revier Streikversammlungen statt, die massenhaft besucht waren. Im Schützenhof zu Bochum nahm die Bochumer Bergarbeiter. schast den Bericht über die parlamentarischen Auseinandersetzungen zum Bergarbeiterstreik im Reichstag entgegen. Tausende von Bergknappen rückten nach dem Schützenhofe, dem historischen Ver- sammlungslokale der Bergarbeiter, schon am frühen Morgen aus. Der Anmarsch vollzog sich absolut ruhig und ungestört— Polizei war auf den Straßen nicht zu sehen. Stürmischen Beifall erweckte Reichstagsabgeordneter Sachse mit seinen Feststellungen der heuchlerischen Taktik der Zentrums. christlichen Arbeitervertreter im Deutschen Reichstage. Jubelrufe unterbrachen seine Mitteilungen über die neuerlichen Neinfälle der Zechenherren. Diese hatten geglaubt, die Bergarbeiter schon nach drei Tagen mit der Androhung des Abzuges von sechs Schicht- Verdiensten ins Bockshorn jagen zu können, als das nicht gelang, wurde die Frist auf sechs Tage, bis zum vergangenen Sonimbend. verlängert, jetzt sind sie schon wieder bis zum Montag gegangen. Aber auch das wird dem Streik nichts anhaben.(Stürmische Zu- stimmung.) Für die polnischen Bergarbeiter sprach dann N a s p i e. r a l l a, einer der polnischen Bergarbeiterführer. In seinen Aus- führungen wurde er besonders oft durch Beifallskundgebungen und Zustimmungen unterbrochen, als er feststellte, wie für sie, die gläu. bsgen polnischen Grubenarbeiter, über dem trennenden Glauben die einigende wirtschaftliche Klassen läge stehe. Er verlangte, daß die illegitimen christlichen Gcwerkschaftssekrctäre, die katholischen Geistlichen, die jetzt eifrig Hausagitation betreiben, um den Streik brechen zu helfen, überall, wo sie in die Wohnungen der polnischen Grubenknappen kommen, hinausgewiesen werden sollen. Die Kirche ist ihr Arbeitsgebiet, da gehören sie hin, aber nicht in die Grubenarbeiterwohnungen, wenn gestreikt wird. Landtagsabgeordneter L e i n e r t, der, wie er mitteilte, im Auftrage der sozialdemokratischen Landtagsfraktion des preußischen Dreiklassenhauscs zur Information ins Ruhrgebiet gekommen ist, überbrachte Grüße und gute Wünsche der kleinen sozialdemokrati- schen Fraktion für die streikenden Bergarbeiter. Die Versammlung schloß, nachdem sie einstimmig ihre Billigung zu den Ausführungen der Redner erklärt hatte, mit einem drei- fachen Hoch auf die Organisation der Bergarbeiter. Der Abmarsch vollzog sich in vollster Ruhe und Ordnung— Polizei war nicht auf den Straßen. Versammlungen der christlichen Bergarbeiter fanden ebenfalls am Sonntag im Ruhrrevier statt. In Bottrop sprach S t e g e r w a l d und in Steele der Redakteur des„Berg- knappen", Abg. Jmbusch. Sie erklärten den Streik für ver. loren und prophezeiten ihren Zuhörern, daß der Gcwerkverein ge- kräftigt aus dieser Bewegung hervorgehen werde. Zum Schluß forderten di« Redner zum Ka mpf gegen den sozialdemo- kratijchen Druck auf, der den Bergarbeitern hoffentlich Be» freiung vom sozialdemokratischen Joch dringen werde. Dies«„christlichen Arbeiterfreunde" könnten sich wirklich etwas darauf einbilden, wenn sie mit Hilfe der Polizei, des Militärs, der reaktionärsten Scharfmacher und ihre? eigenen Arbeiterverrats die um ihr Recht kämpfenden Bergarbeiter niedergerungen hätten. Streikjustiz. In Dortmund fanden ebenfalls die ersten Aburteilungen statt. Eine Anzahl Bergarbeiter, die in der Nähe der Schächte Kaiserstuhl I und II mit Steinen nach den Gendarmen geworfen haben sollen, wurden mit 14 Tagen bis zu 3 Wochen Haft bestraft. In der Redaktion der„Essener Arbeiterzeitung" erschienen am Sonnabend drei Kriminalbeamte, um das Manuskript einer am Montag vorher bereits veröffentlichten Notiz über die Entsendung von Berliner Polizisten zu suchen. Gefunden wurde natürlich nichts. In der Notiz wurde angedeutet, daß nun in Berlin noch weniger Verbrecher gefaßt würden, da die„ausgesuchten" Leute nach dem Ruhrgebiet gezogen würden. Schwere Strafe». Bochum, 18. März.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Das Bochumer Landgericht hat eigens eine Straf- kamnier eingerichtet, die über Streikvergehen urteilt. Es wurden heute schon zwei Bergleute, die einen Streikbrecher überfallen und mißhandelt hatten, zu 1 Jahr bezw. neun Monaten Gefängnis verurteilt. Ein dritter wurde ebenfalls mit nenn Monaten Gefängnis bestraft, weil er auf Arbeits- willige geschossen haben sollte. Das Schöffengericht in C a st r o p erkannte heute gegen eine Anzahl Personen, die„Pfui" und„Streikbrecher" ge- rufen hatten, auf Gefängnisstrafen von IbisLMonaten. In den Klanen der Scharfmacher. Das erste Blatt der deutschen Presse, das den N u f n a ch Entsendung von Militär ins Ruhrkohlen- gebiet ausstieß, war ein Zentrumsblatt, die„Essener Volkszeitun g", das im Wahlkreise des Herrn Giesberts erscheint. Die Scharfmacherpresse im Jndustriebezirk hat sich entgegen ihreni sonstigen Verhalten auffallend ruhig benom- men. Die„Rheinisch-Westfälische Z t g." ist wieder- holt den Alarinnachrichten, die diesmal üppiger als je in die Halme schössen, entgegengetreten und hat entschieden die Teil- nähme an solchem Treiben abgelehnt. Jetzt bringt das Blatt einen Artikel zum Bergarbeiterausstand, worin eö feine Meinung dahin kundgibt, daß der Hauptgrund des Aus- standes ein Kampf um die Organisation, ein Kampf des alten Verbandes und des christlichen Gewerkvereins um die Herrschaft über die Bergleute im Ruhrgebiet sei. Weiter weist das Blatt darauf hin, daß, wenn bei früheren Aus- ständen, so 1903, die Unternehmer nach Militär verlangt hätten, dies Verlangen stets auf Widerstand der Behörden, andererseits auf ein leidenschaftliches Geschrei der ultra montanen Presse gestoßen sei, die dann den„frivolen"' Vorwurf erhoben habe, der Zweck des Militärs bestehe in solchem Falle darin, die Arbeiter zu erstechen und zu erschießen. Tann heißt es: Und da ist es nun eine wirkliche Festfreude, zu sehen, wie die Sache ander» wird, wenn die ultramontane Partei andere Interessen hat. Jetzt, wo diesmal die ultramontanen Bergarbeiter von ihrer Organisation bearbeitet wurden, nicht mitzuftreiken, wo der Kampf in erster Linie nicht ein Kampf d«S alten Verbandes gegen die Zechen ist, sondern ein Kampf zwischen den beiden Organisa- tionen, wo also die ultramontanen Bergarbeiter nicht mithelfen, andere zu bedrängen, sondern selbst vergewaltigt werden, da geht in der ganzen ultramontanen Presse und Partei die Klage über die Sperrung von Straßen, Beschwerden über dav Anschreien von Arbeitswilligen, Entrüstung über das An- spucken der zur Arbeit Gehenden, und ein Not- schrei der Mißhandlungen, und alles klingt dann aus in den Ruf: Militär mutz kommen. Militär, Militär! dasselbe Militär, daß nach der bis- h e r i g e n Behauptung der ultramontanen Presse nur dazu da sein soll,„um die für bessere Lohnverhältnisse kämpfenden Berg- arbeiter zu erschießen und zu erstechen". Bei früheren Ausständen, so schreibt das Blatt weiter, habe sich die Regierung dem Verlangen der Unternehmer nach Militär gegenüber ablehnend verholtem Diesmal aber hätten drei Tage genügt und auf ein d r e i T a g e l a n g e s Rufen der christlichen Gewerkvereinler nach Militär habe Berlin nachgegeben. Das Blatt schließt: Sicher ist aber, wenn jetzt Militär notwen- dig war. dann war eS bei den meisten Streiks zu verlangen. Damit sind für alle Zeiten die Christlich-So- zialcn fcstgeblockt. Sie find festgeblockt auf der Grundanfchau- »ng, die wir bisher vertreten habe», daß zwar Streik und Boykott erlaubte Kampfmittel sind, daß aber kein Dritter durch Beleidigungen und Tätlichkeiten abgehalten werden«�rrf. zur Arbeit zu gehen, und daß der Staat die Pflicht hat, z>» sorgen, daß er gehen kann. Das Material, welches in der letzten Woche die Ultramontanen gegeben haben, lvird bei uns sehr sorgfältig aufbewahrt werden. Wir gehen nicht ein auf die verkehrte Ansicht des Blattes, daß der Ausstand der Ruhrbergleute ein Kampf des alten Verbandes gegen den christlichen Gewerkverein sei. Im übrigen aber hat das Blatt recht. Die Entsendung von Militär in das Ruhrrevier ist dem Terrorismusgeschrei der ultramontanen Presse und der christlichen Gewerkschafts- führer zu danken, und wie diese bisher schon den Scharf. machern in die Hände gearbeitet haben, so haben sie durch ihr jetziges Verhalten für alle Zukunft den Arbeiterfeinden und Gewaltmenschen die Rechtfertigung dafür gegeben, daß bei Ausständen die bewaffnete Macht mit Maschinengewehren, Browiftngpistolen und Polizeisäbeln in Tätigkeit tritt. Tie Christlichen sind, wie das Unternehmerblatt richtig bemerkt, „fest geblockt" auf die blutige Nieder schla- g u u g k u n f t i g e r A u s st ä n d e. Die Scharfmacher ini Westen sind Leute, die wissen, was sie wollen und was sie tun, und sie werden die Giesberts, Schiffer und Genossen nicht mehr aus den Klauen lassen. Kroaten und„Christen". Dortmund, 17. März.(Eig. Ber.) Auf Zeche„Scharnhorst" kam dieser Tage ein Transport von 1 7 0 K r o a t e n an. Die Leute wußten von dem Streik noch nichts. Als sie über di« Sach- läge von Bergleuten aufgeklärt wurden, machten sie Kehrt und zogen ab, um anderswo Brot zu suchen. Die Kroaten gelten im Industriegebiet nicht als angenehme Gesellen; es sind vielfach ungezügelte Leute, denen man die Nei- gung zu Gewalttätigkeiten nachsagt. Nach dem oben geschilderten Verhalten muß man ihnen manches abbitten; jedenfalls verdienen sie viel weniger die geringe Werffchätzung a» di« Chilstenfalttet, die unter Führung der Giesberts, Schiffer und Genossen den«ruS- ständigen Bergleuten in den Rücken fallen. Bei den Kroaten Soli-, darität, bei den Christen Arbeiterverrat I Oer Streik in Hacksen. Soweit bis jetzt die Lage übersehen werden kann, ist die Beteiligung am Streik stärker als jemals bei anderen Lohnbewegungen im dortigen Revier. Auf dem Brückenbergschacht sind gleich Montag 85 Proz. der Beleg- schast nicht angefahren. Besonders stark sind auch die Un- orgailisierten am Streik beteiligt. Auf dem Tiefbau- wie auf dem Vertrauensschachte beträgt die Streikbeteiligung zwei Drittel der Belegschaft, auf den; Altgemeindeschacht 70 Proz. Auf den Vercinsglückswerken streikt die ganze Bc- legschaft, auf dem Kästnerschacht sind bis auf 10 Mann alle Arbeiter ausgeblieben. Auf dem 3. Morgensternschacht sind nicht einmal 100 Mann von 800 angefahren, sogar die Tage- arbeiter streiken. Auf dem 2. Wilhelmschacht streiken 90 Proz. Im Streikrevier ist alles ruhig. Polizei und Gen- darmerie sind in nicht gerade großer Zahl im Streikrevier konzentriert. Die Streikenden lassen sich in der Nähe der Zechen nicht sehen, um jeden Anlaß zum polizeilichen Ein- schreiten zu vermeiden. Gegnerische Organisationen kommen in diesem Streik nicht in Betracht, auch der christliche Bergarbeiterverband hat im Streikrevier keine Anhänger. Von den in den Gruben beschäftigten 13 000 Bergarbeitern sind 5000 im alten Verband organisiert, die übrigen sind unorganisiert, beteiligen sich aber zu einem großen Teil am Ausstand. Tie Bewegung in Lothringen. Saarbrücken, 17. März.(Eig. Ber.) Obwohl in der Streik- gegend von der Geistlichkeit, unterstützt von dem christlichen Arbeitz- willigensekretär Karins, alles aufgeboten wird, die Streikenden zu zersplittern, sind sie einiger wie je. Geschlossene Belegschafts- Versammlungen, einberufen von Karins, besucht von Kaplänen und Beamten, wie in Merlenbach, Spittel und an anderen Orten, sollen dazu dienen, die Einigkeit der Bergarbeiter zu zerstören. Doch alles vergebens, immer weniger fahren auf Saar und Mosel an. So auf Schacht ö 43 Mann, auf Schacht 2 30 Mann, auf Schacht 0 2 Mann. Und Zeit ist es, daß es hier anders wird. Zum Himmel schreiende Zustände sind eS, die auf diesen Schächten herrschen. Von den bis zum Donnerstag angefahrenen Arbeitswilligen sind zwei verunglückt, einem anderen wurde im Schacht der K o p f a b g e r i f f e n. Da ist es kein Wunder, wenn keine Lust zum Einfahren besteht. Besonders der schlecht« Verdienst erbitterte die Kumpels. So liegt uns ein Lohnbuch vor, wo ein Kamerod in 11 Schichten 47,52 M. verdiente, Davon gingen ab: 20 M. Abschlag. 16 M. Miete, 5,28 M. Steuern, das andere für Geleuchte und Gefälle, so daß der„Glückliche" noch einen ganzen Pfennig er- hielt. Für verlorene Markennummern wurden den Leuten pro Stück I M. abgezogen, obwohl deren Wert höchstens 5 Pf. ist. Am 16. soll wieder eine Verhandlung zwischen Direktion und Arbeiter- auSschuß stattfinden. Im Senftenberger Braunkohlengebiet fanden am Sonntag neun öffentliche Bergarbeiter- Versammlungen statt, die sich mit dem vom Herrenhaus ver- langten Ausnahmegesetz gegen die Gewerkschaftsbewegung und mit dem Ausstand der Bergarbeiter im Ruhrrevier beschäftigten. Alle Versammlungen, in denen zumeist sozialdemokratische Reichstags- abgeordnete redeten, erfteuten sich eines starken Besuches, und daS Interesse an der Lohnbewegung der westfälischen Bergknappen zeigte sich in den temperamentvollen Aeußcrungen der Versamm- lungSbesucher. An eine Lohnbewegung der Bergarbeiter deS N i e de r la u fi tze r B r a u n ko h l e n g e b i e t e S ist zurzeit nicht gedacht, wenn aber der Ruf au die Knappen dieses Gebietes ergeht, mit ihren Kameraden in Westfalen gemeinsam« Sache zu machen, so werden sie ihm folgen. Die Lohn- und ArbeitSverhält» nisse im Niederlausitzer Kohlenrevier sind bekanntlich miserabel, während die Aktionäre hohe Gewinne einstreichen. Wie wird ci im Waldenburger Revier werden? Breslau, 17. März.(Eig. Ber.) Die für die Grubenmagnaten durch das entschlossene Vorgehen der Bergarbeiter in Niederschlesien entstanden« gefahrvolle Situation hat nun doch zur Folge gehabt, daß die Grubenmagnaten im letzten Augenblick zu VerHand- lungen mit den Arbeiterausschüssen bereit sind. In sehr höflichen Einladungsschreiben werden die ArbeiterauSschüsse zu Verhandlungen über die eingereichten Forderungen aufgefordert, die am nächsten Donnerstag stattfinden sollen. Ob die Grubenver- waltungen die ehrliche Absicht haben, ernsthaft auf die be r ech t i g te n F o r d e r u n g en d er B e r gar b ei t er ein- zugehen, oder ob sie damit eine Verschleppung derLohn- bewegung herbeiführen wollen, mutz der Donnerstag beweisen. Wie dem aber auch sei, dieBergleute im ganzen n i c d e r s ch l e s i s ch e n Kohlenrevier sind auf alle? gerüstet. Sie lassen sich auch dadurch nicht beeinflussen, daß schon jetzt alle Grubenbcamte als Polizeibeamte verpflichtet fein sollen und daß sofort nach Ausbruch eines Streiks mehrere Regimenter Soldaten in das Streik- gebiet abkommandiert werden. Das beweisen die zahl- reichen, von Tausenden besuchten Versammlungen der Bergarbeiter deS niederfchlefischen Reviers. Ueberall herrscht frohe Kampfes- stimmung. Nur mit Rücksicht darauf, den Weg zu einer fried- lichen Verständigung nicht abzulehnen, wurde in allen Versamm- lungen daS Einverständnis erklärt, die Arbeiter- ausschüffe mit der Vertretung der Forderungen zu betrauen. Damit haben die Bergarbeiter klar und deutlich bewiesen, daß sie jederzeit für friedliche Verhandlungen zu haben find. Sie haben den Grubenmagnaten eine Brücke gebaut, auf der sich ein folgen» schwerer Kampf vermeiden läßt. Kommt eS zu keiner Verständigung, dann tragen die Grubemnagnaten die Schuld. Im oberschlefischen Kohlenrevier. nahmen am Sonntag die Industriearbeiter in etwa 7 0 Ver- sammlungen Stellung zu der ablehne'''en Antwort der Grubenbesitzer auf die Forderungen der Bergarbeiter. In allen Versammlungen wurde die in der Sonntagnummer abgedruckte Resolution einstimmig angenommen. Gegen die Christ» lichen und Fachabteiler, deren Arbeiterverrat im Ruhr» gebiet allgemein verurteilt wurde, herrschte ein« große Ver» b i t t e r u n g. Von den zahlreichen Neuanmeldungen zur Organs- sation haben die Christen und Fachabteiler absolut nichts pro- f i t i e r t. In Oberschlesicn wird, wie un» ein Privattelegramm au» Kattowitz meldet, auf vier Gruben gestreikt; auf einer bet Kattowitz und dreien bei Nikolai. Auf dreien der Gruben soll die Arbeitsniederlegung eine vollständige sein. Kattowitz, 18. März. Wie die„Oberschlefischen Neuesten Nach- richten" melden, haben die fünf Bergarbeiterverbände folgende« Aufruf erlassen: Die Vertreter ver oberschlefischen Organisationen haben In einer unter dem AI. Februar an den oberschlefischen Berg- und hüttenmännischen Verein gerichteten Eingabe um Aufbesserung der Löhne um 15 Proz. ersucht. Nachdem sich der Verein unter dem 6. März für unzuständig erklärt hat, sind dieselben Forderungen an die einzelnen Grubenverwaltungen gerichtet worden. Diese haben die Organisationen nicht als Vertreter der Belegschaften anerkannt, sind aber bereit, mit den Arbeiterausschüssen zu verhandeln. Die Belegschaften der einzelnen Gruben werden daher von den fünf Organisationen ausgefordert, erneut Lohnforderungen zu stellen und über daS Ergebnis bis spätestens zum 27. März Mitteilung zu machen, damit die Organisationen noch bis zum 1. April weitere Beschlüsse fassen können. Die Situation hat sich inzwischen v e r- schärft, so daß bei mehreren Gruben heute einzelne Arbeiter in den A u s st a n d getreten sind. Tie Organisationen richten daher au die Arbeiter das dringende Ersuäien, strengste Disziplin zu bewahren und den Anordnungen der Organisationen Folge zu leisten. Von dem Verhalten der Bergverwaltungen wird es ab- hangen, ob der Friede in Oberschlesien erhalten werden kann. Weitere Streiknachrichten. Hannoder, 18. März.(Privattelegramm des„Vorwärts"'.) Auch auf den fiskalischen Gruben ini D e i st e r Kohlen- r e v i c r in Hannover ist jetzt der Streik ausgebrochen. Tort haben von 2590 Mann Belegschaft etwa 2999 die Arbeit niedergelegt. Bückeburg, 18. März. kW. T. B.) In den gestern in mehreren Dörfern des Fürstentums Schaumburg- Lippe abgehaltenen Bergarbeiterversammlungen des Berg- amtes Obernkirchen wurde beschlossen, am Dienstag, den 19. d. Mts., früh nicht einzufahren, auch wenn das Bergamt die von den Arbeitern gestellten Forderungen be- willigen sollte. Heute nachmittag findet eine Konferenz statt zwischen dem Arbeiterausschuß und den Vertretern des Bergaintes. Die Bewegung in Böhmen. Prag, 18. März. Gestern haben im böhmischen Braun- kohlenrevier Versammlungen der Bergarbeiter stattgefunden. In den Versammlungen der sozialistischen Union wurde beschlossen, dag, falls die Forderungen der Union nicht erfüllt werden sollten, die Bergleute der einzelnen Schächte nochmals ihre Forde- rungen überreichen sollen. Man glaubt annehmen zu können, daß ein allgemeiner Streik im Braunkohlenrevier nicht oder wenigstens nicht unmittelbar bevorsteht. Im B r ü x e r Gebiet sind von 608 Bergleuten 143 nicht eingefahren. Teplitz, 13. März. Die Delegiertenversammlung der sozial- demokratischen Bergarbeiter-Union in Turn hat beschlossen, den Zechen bi» zum 20. März ihre neuen Forderungen zu über- reichen. Wenn diese nicht spätestens bis zum 28. März beantwortet sein sollten, werden am 31. März die Forderungen abermals über- reicht und gleichzeitig die Arbeit niedergelegt werden. Die deutsch- nationalen Bergardeiter haben gestern in Brüx ein solidarisches Vorgehen mit den So- zialdemokraten beschlossen, und die tschechisch-nationalen so- wie tschcchisch-anarchistischen Bergarbeiter dürften sich in demselben Sinne entscheiden. Streikbeginn. Teplitz, 17. März. Eine Versammlung der tschechisch-anarchisti- schen und der tschechisch-nationalen Bergarbeiter in Bruch beschloß heute, morgen früh nicht einzufahren. Streiks in Frankreich. ni, Paris, 18. März. Unter den Bergleuten im Pas- d e- C a l a i s, wo einzelne Gruppen sich für einen a l l- einen Streik aussprechen, herrscht eine gewisse Bewegung. Die Bergleute im Denainrevier haben trotz des Beschlusses des Syndikats den Streik erklärt. Ihre Delegierten werden sich daher morgen nach Lens begeben, um den Exekutivausschuß zu veranlassen, eine Aufforderung zur sofortigen Erklärung des General st reiks zu erlassen. Im Loire- und Nordbccken, mit Ausnahme von Denain, ist die Anfahrt der Schichten normal. Vit fllchalftcrung Aermuthz. Am zufriedensten über die Wendung in der DeckungSfrage ist die ultramontane Presse. Naturlich: erfolgte diese Wendung doch nicht zum geringen Teile durch Hertlings Fügung. Jedenfalls bekennt die„Germania":„Die Parteien der Rechten und das Zentrum andererseits haben keine Ursache, unzufrieden zu sein." Natürlich will das Zentrum, wie auch die konservativ agrarische Presse, erst die„konkreten" Vorschläge der Regierung abwarten. Aber, so sagt die „Germania":„Vorläufig kann man sich damit zufrieden erklären, daß die Witwen- und Waisensteuer, die als„Erb- schaftSsteuer" empfohlen wurde, beiseite g e- schoben worden ist." Während so die Zentrumspresse von Zufriedenheit über- strömt, ist die nationalliberale Presse begreiflicherweise minder zufrieden. Die„Köln. Ztg." zwar ist derartig offiziös mystifiziert, daß sie am Sonnabend noch die Ankündigung der Aufhebung der Liebesgabe an Stelle der Erbschaftssteuer als„Kompromiß zwischen den Ansichten der Rechten und der Linken" charakterisierte. Mermuths Sturz war um diese Zeit der rheinischen Wetterfahne wohl noch nicht bekannt geworden. Des- halb bestand denn auch das einzige Wörtchen der Kritik für das nationalliberale Blatt darin, daß es gelinde Zweifel äußerte, ob die 59(?) Millionen der Liebesgabe genügen würden, die Mehrausgaben für die Wehrvorlagen zu decken. Von einer Korrektur der Finanzresorm des SchnapS- b l o ck s war vollends mit keiner Silbe die Rede! Davon spricht bezeichnenderweise auch der J£eil der nationalliberalen Presse nicht, der mit Mermuths Sturz und der Preisgabe der Erbschaftssteuer keineswegs einverstanden ist. An die Pflicht, das schnöde, gerade von der Hansabundagitation so tausendfältig gebrandmarkte Steuerverbrechen des Schnapsblocks durch Aufhebung wenigstens der empörendsten Schnapsblocksteuer zu mildern, mahnt nicht ein einziges der nationalliberalen Blätterl Ihre einzige Sorge ist vielmehr, ob Bethmann Hollweg denn auch Mittel genug bereit stellen wird, um die famosen Rüstungsvorlagen zu Wasser, zu Lande und in der Luft auch ohne jegliche Abstriche durchdrücken zu können. Nicht um die Milderung der Steuerausplünderung der Volksmassen sorgen sich die Herren Nationalliberalen, sondern um die lückenlose Durchführung der Rüswngsvorlagen, um die un- beschnittene Sicherung deS Profits der Panzerplatten-, K a n o ne n pa t r i o t e n und anderer„patiiotischer" Kun, Panel Tie Brüskierung. die Herr v. Bethmann Hollweg durch Preisgabe Mermuths und seiner Erbschastssteuerprojektc den gleichfalls aus die Erbschaftssteuer eingeschworenen National- liberalen zugefügt hat, wird weniger von den National- liberalen selbst, als dem„B e r l. T a g e b l a t t" empfunden, das da schreibt: „Mit einer so vollendeten Nichtachtung hat noch kein Reichskanzler die Nationalliberalen behandelt, wie dieser, der ihnen seine Rettung aus einer höchst unangenehmen Lage verdankt. Herr Bassermann erklärt, wo immer er in letzter Zeit auch gesprochen hat, nur eine allgemeine Be- s i tz st e u e r könne als Deckung für die Wehrvorlagen in Be- tracht kommen. Nationalliberale Vereine, wo immer sie in letzter Zeit Resolutionen fassen, sprechen ihm ihr Vertrauen aus und pflichten dem bei. Derweilen verrät der gerettete Bethmann seinen standhaften Schatzsekretär an das Zentrum, nicht ohne bei den Konservativen sondiert zu haben, ob sie gegen den Pakt auch nichts einzuwenden hätten. Um die Nationallibe- r a l e n, die ihn aus Oer Patsche höfischer Verlegenheiten ge- zogen haben, kümmert er sich überhaupt nicht. Im Gegenteil, der Herr Schulmeister schlägt ihnen ihre Forderung einer Besitzsteuer rechts und links um die Ohren, geht hin, macht seinen Frieden mit den Schwarzblauen und zweifelt keinen Augenblick daran, daß die artigen Kinder ihm nach dieser harten Lektion noch pünktlicher folgen werden, als sie ihm bei der Präsidentenwahl folgten. Worin er sich, von einigem papierenen Lärm m ihrer Presse und ihren Versammlungen ab- gesehen, wohl nicht getäuscht haben wird." In der Tat: wenn die Nationalliberalen identisch wären mit Herrn Bassermann, oder besser: mit Herrn Bassermanns Redeübungen, so müßten sie sich auss tiefste indigniert fühlen durch Herrn Bethmann Hollwegs wegwerfende Be- Handlung. Aber die Nationalliberalen fordern nicht nur die Erbschaftssteuer, sondern sie fordern vor allen Dingen pro- fitable Panzerschiffbauten, sie fordern weiter Schutz des Gruben- und Industriekapitals gegenüber den Ansprüchen der Arbeiterklasse. Und wenn ihnen die blauschwarze Reaktion, wie das ja geschehen, hier hinlänglich entgegenkommt, so sind sie auch in den strittigen Steuerfragen keine unversöhnlichen Unmenschen! Ausbeutcr-Pack schlägt sich und verträgt sich! Der Krieg. Tie Türkei lehnt die italienischen Friedensbedingungen ab. Konstantinopel, 17. März. Die Pforte ist bereits durch Per- Mittelung zweier Botschafter von der Antwort Italiens be» züglich der Friedensbedingungen in Kenntnis gesetzt worden. Die Hauptbedingungen sind Zurückziehung der türkischen Truppen und Anerkennung der Annexion Libyens, wogegen Italien sich bereit erklärt, der Türkei gewisse Vorteile zu gewähren, inS- besondere eine Geldentschädigung, die Zustimmung zur Aufhebung der Kapitulationen für den Fall, daß auch die anderen Mächte ihre Zustimmung dazu erteilen, und die Anerkennung der religiösen Autorität des Kalifen. AuS informierter Quelle verlautet, daß die Pforte nach dem heutigen Ministerrate die türkischen Bot- schafter angewiesen hat, den Mächten zu erklären, daß sie diese Friedensbedingungen für unannehmbar halte. Italienische Verstärkungen für Tripolis. Rom, 18. März. Die italienische Regierung bereitet einen neuen großen Kampf für diese Woche in Tripolis vor. Wie der „Osservatore Romano" meldet, soll heute nachmittag 1 Uhr das 00. Infanterieregiment, welches durch 600 Mann des Jahrganges 1389 verstärkt worden ist und sich zurzeit in Rom befindet, von Terni nach Tripolis abgehen. In Kürze soll sich daS zweite Dra- gonerregiment gleichfalls nach dem tripolitanischen Kriegsschau- platz begeben. Diese Truppen sollen nicht etwa als Ersatztruppen, sondern als Verstärkung an den kriegerischen Operationen, die in dieser Woche bevorstehen, teilnehmen. Kreta und Griechenland. Athea, 17. März.(Meldung der Agence HavaS.) Die Neue revolutionäre Regierung auf Kreta hat an den König von Griechenland ein Telegramm gerichtet, in welchem sie dem König ihre Konstituierung mitteilt und ihrer ehrfurchtsvollen Er- gebenheit an den griechischen Thron Ausdruck gibt. Die revolutio- näre Regierung wird heute ihre Konstituierung den Konsuln der Schutzmächte mitteilen. Es wurde beschlossen, daß künftighin alle Dekrete im Namen des Königs von Griechenland unterzeichnet werden sollen. Die Einberufung der Reserve und der Miliz wurde rückgängig gemacht. Es herrscht vollständige Ruhe in Kreta. Protest der Türkei gegen die Borgänge auf Kreta. Konstantinopel, 18. März. Die Pforte ist wegen der neuen Wendung der Kretafrage lebhaft besorgt. Sie pro- testierte bei den Schutzmächten gegen die Abschaffung de? Exe- kutivkomiteeS, die eine Verletzung des gewährleisteten StatuS quo bilde, und erklärte den Mächten und Griechenland, daß eine Eni- sendung der kretischen Deputierten nach Athen die türkisch-griechi- schen Beziehungen ernstlich gefährden würde. Gerüchtweise der- lautet, daß eine Schutzmacht den übrigen vorgeschlagen habe, die Verwaltung der Insel einer neutralen Regierung zu übergeben. Ein Journalist, der sich als Opfer eines Attentats ausgibt. Rom, den 16. März.(Eig. Ber.) Den Kriegstorrespondenten Federico De Maria vom.Resto del Carlino" haben die Lor- beeren seine? Kollegen Carrore vom„TempS" nicht schlafen lassen. Er sagte sich offenbar, daß ein Attentat eines Arabers heute den schnellsten Anschluß an die Unsterblichkeit vermittelt und hat deshalb in der Oase von Tripolis ein solches Attentat simuliert. Der Erfolg war anfangs ganz der Erwartung entsprechend. Die Zeitungen füllten ganze Seiten mit dem Anschlag und schrieben gar den armen Jungtürken die Absicht zu, alle Journalisten auszumerzen. Ehe der Enthusiasmus sich voll ausreifen konnte, kam aber leider die Nachricht, daß Herr De Maria den Anschlag nur simuliert hatte, weshalb er der Staatsanwaltschaft angezeigt worden ist. Für seine Zeitung ist die durch den Erfindungsgeist ihres Korrespondenten geschaffene Situation nicht eben angenehm. Sie Revolution in China. Die ausländischen Geldgeber machen Schwierigkeiten. London, 17. März. DaS Neutcrsche Bureau meldet auS Peking: Infolge der am 15. d. M. von englischen, ftanzösischen und belgischen Bankiers mit dem Waiwupu abgeschlossenen Anleihe hat die Gruppe der sechs Mächte den gewöhnlichen Bor- schuß von einer Million Tael gestern nicht geleistet. Sie hat den ganzen Finanzplan für China bis Ende Juni der» schoben, um inzwischen den Rat der Regierungen einzuholen. Soldatenprotest gegen den neuen Kriegsminister. London, 18. März. Die„Morning Post" meldet aus Shanghai vom 17. März: In Nanking und Shanghai haben die Truppen in Versammlungen gegen die Ernennung des kaiserlichen Generals Tuan Tschijui zum Kriegsminister protestiert, obwohl sie im Einvernehmen mit den Revolutionären beschlossen worden war. Politilcbe CUberHcbt. Berlin, den 18. März 1912. Schule, Zigeuner, Kaligesetz. Aus dem Reichstag 18. März. Die Debatte über den Bergarbeiterstreik hielt den Reichstag drei Tage in Atem. Dafür wurden gestern an einem Tage drei Dinge verhandelt und zwar Dinge, die einigermaßen auseinanderklaffen: das Schulwesen, die Zigcunerplage und die Ausführungsbestim- mungen zum Kaligesetz. Zu dem sozialdemokratischen Antrag, der den Ausbau der Reichsschulkommission zu einem Reichs- schulamt verlangt und neulich in wirkungsvollster Weise vom Genossen Schulz begründet worden war, sprach zuerst im ablehnenden Sinne Herr Dr. P r e u ß. Dieftr Zentrums- mann brachte es fertig, den heftigen Kampf, den seine Partei für Volksverdummung und Gehtrnverkleisterung kämpft, einen heiligen Krieg zu nennen. Nacy ihm brach Oer Nationalliberale Keinath eine Lanze für das Einjährigen- Institut und gegen die Zentralisation des Schulwesens, Müller- Meiningen vom Fortschritt legte sich für die körperliche Erziehung der Schuljugend ins Zeug und sein Fraktionskollege B r u ck h o f f errang sich mit seineni Eintreten für den Religionsunterricht in der Schule den Beifall der Rechten und im besonderen die Anerkennung des Lizentiaten Mumm. In klaren, wohldurchdachten Worten fertigte Ge- nosse Schulz noch einmal alle Einwände gegen das Schul- Programm der Sozialdemokratie ab, aber außer den Hundert- zehn erhob sich auch nicht ein Mann für den sozialdemo- kratischcn Antrag. Die Zigeunerfrage wurde durch eine Ankündigung des Staatssekretär Dr. Delbrück erledigt, daß auf An- regung Bayerns unter den bundesstaatlichen Regierungen eine Einigung über die Bekämpfung der Zigeunerplage angebahnt worden sei. Dann begann die Debatte über die Ausführ ungS- best im mungen zum Kaligesetz, die im wesent- lichen an eine an der Budgctkommission angeknüpfte sozialdemokratische Resolution anknüpfte. Genosse Hoch stach in einer unterrichteten und unterrichtenden Rede an die Wurzeln des ganzen Problems, mit einer guten Parallele zwischen dem Verhalten der bürgerlichen Parteien zum Kalisyndikat und zum Berg�rbeiterstreik beginnend, ging auf die Frage der Rabatte ein und beschäftigte sich besonders eingehend mit den Propagandageldern. Er forderte Auf- klärung über mehrfache mißbräuchliche Verwendung dieser Gelder und verlangte, daß die nicht verwandten Gelder der Reichskasse zufließen und verbleiben sollten. Allen Mängeln abzuhelfen sei nur die Verstaatlichung imstande, aber für das Monopol trete die Sozialdemokratie nicht etwa ein, um dem Zentrum seine Drückebergerei in der Erbschaftssteucrftage zu erleichtern, sondern nur, wenn die Anträge zur Beseitigung von Verbrauchsabgaben und zu sozialen Zwecken bestimmt würden. Der Nationalliberale B ä r w i n k e l ritt unter großer Interesselosigkeit selbst seiner Parteifreunde gegen den Beschluß der Budgetkommission an und Herr Behrens— Arbeiter ohne Gänsefüßchen— von der Wirtschaftlichen Ver- einigung verbreitete sich über die Lohnfrage in den Kali- betrieben. Schluß der Sitzung 7'/z Uhr. Heute 1 Uhr Fortsetzung der Debatte.'_ Die Fortschrittliche Volkspartei und das sozialdemo- kratisch-fortschrittliche Stichwahlabkommen. Am Sormabeird und Sonntag fand im ReichStagSgebäude eine Sitzung des Zentralausschnsses der Fortschrittlichen Volkspartei statt, in der Abgeordneter F i s ch b c ck den Geschäftsbericht er- stattete und darauf das mit dem Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie abgeschlossene Stichwahlabkommen darlegte. Nach dem„Verl. Tagebl." erklärte er, daß die von sozialdemokratischer Seite verbreitete Behauptung, die Leitung der Fortschrittlichen Volkspartei sei an die Parteileitung der Sozialdemokratie mit dem Ersuchen herangetreten, jenes Abkommen zu schließen, unrichtig sei. In Wirklichkeit habe die sozialdemokratische Par- teileitung derjenigen der Fortschrittlichen Volkspartei zuerst Vorschläge für ein Stich- wahlabkommcn gemacht. Im übrigen bezeichnete Abg. Fischbeck den Abschluß des Abkommens als notwendigen Ausfluß des Ergebnisses der Hauptwahl und als Konsequenz der politischen Haltung der Partei, die auf die Beseitigung der schwarzblaucn Mehrheit gerichtet war. In der Debchte fand das Stichwahlabkommen die Zustimmung aller Redner, da es der gegebenen politischen Situation entsprochen und die Selbständigkeit der Fortschrittlichen Volkspartei in keiner Weise beeinträchtigt habe. Es wurde denn auch schließlich mit allen gegen sechs Stimmen folgende Resolution angenommen: „Der Zentralausschuß spricht dem geschäftsführenden AuS- schuß der Fortschrittlichen Volkspartei für seine erfolgreiche Wirk- samkeit bei ocn letzten Reichstagswahlen Dank und Anerkennung auS. Der Zentralausschuß billigt die von der Parteileitung ge- troffenen taktischen Maßnahmen, die unter Wahrung der vollen Selbständigkeit der Partei zur Beseitigung der bisherigen rcak- tionären Mehrheit des Reichstags geführt haben." Aus dem Parteivorstand wird uns zu dieser Erklärung des Herrn Fischteck geschrieben: Der Zentralausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei hat am Sonntag eine Sitzung in Berlin abgehalten, in der auch das Stichwahlabkommen mit der Sozialdemokratischen Partei behandelt worden ist. Ueber die Sitzung sind Berichte in bürgerlichen Blättern veröffentlicht worden, die als irreführend bezeichnet tv erden müssen. Da heißt es z. B.: .Abgeordneter Fischbeck... konstatierte... daß die von so- zialdemokratischer Seite verbreitete Behauptung, die Leitung der Fortschrittlichen Vollspartei sei an die Parteileitung der Sozial- demokratie mit dem Ersuchen herangetreten, jenes Abkommen zu schließen, unrichtig sei. In Wirklichkeit habe die sozialdemo- kratische Parteileitung derjenigen der Fortschrittlichen Volkspartei zuerst Vorschläge für ein Stichwahlabkommen gemacht.... In der lebhaften Debatte wurde festgestellt, daß die Geheim- Haltung des Abkommens auf Wunsch der Sozialdemokrarie be- schlössen worden sei." Jedem aufmerksamen Leser werden die diplomatischen Wendungen dieses Berichts aufgefallen sein, die den Anschein erwecken müssen, als sei der Vorstand der Sozialdemokratischen Pariei zuerst an den der Fortschrittspartei„herangetreten". Es sei deshalb festgestellt, daß zuerst ein Mitglied des Geschästsfiihrenden Ausschusses der Fortschrittlichen Volkspartei an den Vor- st and der Sozialdemokratischen Partei „h e r a n g e t r e t e n" i st, um Rücksprache zu nehmen wegen der Form, in der die auf dem Parteitag in Jena beschlossenen Stichwahlbedingungen von den fortschrittlichen Kandidaten anerkannt werden könnten. Im Laufe dieser Besprechung Bat dann der Parteivorstand betont, daß es angesichts der politischen Situation mit der Anerkennung der Jenaer Bedingungen allein nicht getan sei. Vielmehr müßte die Fortschrittliche Volkspartei, wenn sie unsere Stichwahlhilfe wünsche, bestimmte Bedingung e n akzeptieren, die gegenseitige Hilfe gewährleisteten. Gleichfalls unrichtig ist, was in den Berichten über den Wunsch betreffend die Geheimhaltung des Abkommens gesagt worden ist. Ein solcher Wunsch ist vom sozialdemokratischen Parteivorstand nicht geäußert worden. Nach der Veröffent- lichung der Wahlausrufe beider Parteien ain Tage nach der erfolgten Verständigung konnte auch niemand im Zweifel sein, daß ein Abkommen zwischen den beiden Parteien ge- troffen worden war. � Tie Einzelheiten des Abkommens sollten allerdings auf Wunsch der Fortschrittlichen Volkspartci vor dem Abschluß der Stichwahlen nicht veröffentlicht werden. Zentrumschristlicher Terrorismus und Landfriedensbruch. Just zur selben Stunde, wo die Zentrumsgewerkschaftler und ihre Presse-über den„S t r e i k t e r r o r i s m u s der sozial d e m o k�r a t i s ch e n Bergarbeiter" schreien, hat die Kölner Strafkammer acht Mitglieder des christlichen Bauarbeiterverbaiides neben vier Mitgliedern der freien Ge- wcrkschast wegen eines angeblichen Streikexzesses zu Gefängnisstrafen voii 3— 4 Monaten verurteilt. Unter den Verurteilten befindet sich auch der ch r i st I i ch e G e w e r k s ch a f t s- beamte Becker-Köln, der 4 Monate erhielt. Die Ver- urteilten hatten sich Ende Mai, gelegentlich eines Streits in Eckdorf(Landtreis Köln) zu der Baustelle des Bauunter- nehmers Wieland begeben. Sie gerieten dort niit diesem und den Arbeitswilligen aneinander, wobei der Beamte nüt einem Ziegelstein in die Seite geworfen wurde. Als nachher etwa 2t) Streikende wieder an die Baustelle kamen, gab der Unternehmer zwei Schreckschüsse ab. Darauf warfen die Ar- beitswilligen mit Ziegelsteinen und vertrieben die Streiten- den mit langen Stangen. Als diese nochmals an der Bau- stelle erschienen, wurden sie von Torfbewohnern mit Knüppeln und Dreschflegeln weggejagt. Tie Anklage lautete auf Zusammenrottung, um mit ver- einten Kräften gegen Personen und Sachen Gewalttätigkeiten zu begehen. Becker soll seine Kollegen zu dem Vorgehen ver- anlaßt haben. Er befand sich unter der„Zusammenrottung". Das Gericht erkannte an, daß von den Arbeits- w i lligcn zuerst geworfen worden sei. Becker er- klärte, erst nach einem Ziegelstein gegriffen zu haben, als der Unternehmer Miene inachte, ihn zu schlagen. Ferner sollen die Streikenden den Unternehmer und die Arbeitswilligen beschimpft und bedroht haben. Den Fiihrern der Zentrumschristen sollte diese Bestrafung zu Gemüte führen, wie infam das Terrorismusgeschrei und der Ruf nach bewaffneter Macht jetzt im Kohlengebiet ist. Aber, anfgehetzt von der M.-Gladbachjw Zentrale haben sie alle Besinnung verloren uild lassen sich willig von den Bache- miten für deren politische Zwecke mißbrauchen. Tie Marzerinnerungcn der„Kreuz-Zeitung". Das Junterblatt schreibt: „Der kleine Soldatenfriedhos im Invalidenpark um die Jnvaltdensäule, wo die am 18. März 1848 getöteten Soldaten bestattet sind, ist nach der vor einiger Zeit ausgeführten Er- Neuerung der Säule gut imstande. Zwar sind die Grabhügel etwas eingefallen, aber sie sind so dicht von Efeu umsponnen, daß von ihnen nichts mehr zu seyen ist; man sieht nur eine große jjrünende Hecke. Bei den Straßenkämpfen sind 21 Offiziere und Soldaten gefallen; drei Soldaten sind später an ihren Wunden gestorben. Die Namen der Getöteten sind auf einer großen Marmortafel links von der Säuje angebracht. Die ge- töteten Offiziere sind Premierleutnant v. Wulfsen vom Alexander- Regiment, Sekondeleutnant Tüpke vom 37. Regiment und Sekondeleutnant v. Zastrow vom 2. Garde-Ulanenregiment. Die getöteten Grenadiere und Füseliere gehörten dem 1. und 2. Garde-Regiment, den Regimentern Alexander und Franz, dem 2. und 12. Jnfanterie-Regiment an; auch vom 3. Husaren- Regiment ist ein Husar gefallen. 17 Soldaten und der Leutnant v. Zastrow haben ihre letzte Ruhestätte im Jnvalidenpark ge- funden, die beiden anderen Offiziere und vier Grenadiere, dar- unter die an ihren Wunden später gestorbenen, sind an anderer Stelle beerdigt. Neben dem Leutnant v. Zastrow ruht der Grenadier Theysen vom Franz-Regiment, der am Nachmittage ' des 18. März vor dem Gebäude der heutigen Rcichsbank in der Jägerstraße auf Posten stand. Er hat eine besondere Gedenk- tafel erhalten, die sich noch heute am Bankgebäude befindet und deren schon etwas verwischte Inschrift folgendermaßen lautet: „Grenadier Theysen vom Äaiser-Franz-Grenadier-Regiment aus dem Kreise Kochem, fiel hier durch Meuchelmord als erstes Opfer der Revolution in Berlin, den 18. März 1843, in Er- füllung seiner Pflicht als treuer Soldat. Sein Andenken ehrt König Friedrich Wilhelm IV." Dazu ist zu bemerken: Am 24. Marz 1848 wurden in Berlin die im Straßenkampfe gefallenen Soldaten begraben, und zwar zwei Unteroffiziere und dreizehn Soldaten. Niemand wollte glauben, daß dies der ganze Verlust der Armee sei; später erst gab das Kriegsministerium 3 Offiziere und 17 Mann als tot, 14 Offiziere, 14 Unteroffiziere und 226 Mann als verwundet an. Auch diese Angaben wurden be- zweifelt, wie später auch die Angaben der preußischen Verluste im badischen Feldzug. Die„Vossische Zeitung" meldete einige Zeit nach dem 18. März, daß Spreeschiffer des Nachts auf Anrufen geantwortet hätten, sie führten„Militärleichen", und der Tiefgang der Schiffe hätte auf 1266 bis 2666 schließen lassen. Diese Angabe ist ohne Wert.— Der Leutnant Tüpke, der im Kanipfe auf dem Aleranderplatz schwer verwundet wurde und seinen Wunden nach einigen Tagen erlag, be- dauerte vor seinem Tode, daß er sein Leben im Kampfe für ein veraltetes und ungerechtes System habe opfern müssen. — Der Grenadier Theysen, an den heute noch die Tafel am Bankgebäude in der Jägerftraße erinnert, wurde am 18. März von einigen Leuten aus dem Volke angegriffen, die ihm sein Gewehr entreißen wollten. Im Ringen um die Waffe entlud sich diese und die Kugel tötete den Soldaten, indem sie ihm durch den Leib ging. Er war das erste Opfer des 18. März. Die Kamarilla im Schlosse log dem König nachher vor, dieser Grenadier sei durch„Meuchelmord" ge- fallen und so kam diese Lüge auf die Gedenktafel. Es ist dieses eine der kleineren Lügen der Kamarilla, die be- kanntlich dem König eingeredet hat, es seien zum 18. März 36666 Mapn„gräßlichen Gesindels, namentlich Mann- heimer", nach Berlin spediert worden. Die„Kreuzzeitung", die mit dem Gelde dieser Kamarilla gegründet worden ist, stellt sich natürlich, als glaube sie an den„Meuchelmord" in der Jägerstraße. Welch kindische nachträgliche Gehässigkeit! Der Landtag für Sachsen-Weimar ist nach dreijähriger Tagungszeit geschlossen worden. Nach der neuen Wahlrechtsreform, die mit Hilfe der Liberalen zustande kam. ist die Amtsdauer der Abgeordneten von drei auf sechs Jahre ver- verantw. Redakteur! Albert Wachs» Berlin. Inseratenteil tjerantlbstT längert worden, so daß diesmal nicht wie sonst gewöhnlich nach dem Schluß deS Landtages in die Wahlbewegung eingetreten wird. Die Liberalen sind sehr glücklich über diese„Reform", die eine erheb- liche Verschlechterung für die Wähler, für die Liberalen freilich den Vorteil bedeutet, daß sie seltener zur Verantwortung gezogen und dem Urteil der Wähler unterstellt werden. Italien. Tie Komplottschnüffelei. Rom, 16. März.(Eig. Ber.) Wie vorauszusehen war, schnüffeln Polizei und bürgerliche Presse mit größtem Eifer nach einem Komplott, das die Hand des Attentäters gegen den König bewaffnet haben soll. Ein Beamter des „Banco di Roma" will gehört haben, wie zwei Individuen wenige Augenblicke nach dem Knall der Revolverschüsse gesagt hätten:„Es ist nicht geglückt, aber darum ist nicht gesagt, daß es nicht ein andermal besser geht." Ein norditalienisches Blatt, die„Cronica Prealpina" von Varese, will von einer anarchistischen Verschwörung wissen, die von den Jungtürken in der Schweiz angezettelt worden sei. Außerdem ist dieser Tage, was wahrscheinlich schon recht oft vorgekommen ist, ein russischer Nihilist von Venedig nach Süditalien gereist, und schließlich soll ein deutscher Ingenieur vor dem Attentat die italienische Botschaft in Berlin benachrichtigt haben, daß er drei Jndividuey belauscht hätte, die am 4. oder 5. März nach Italien reisen wollten, um ein Attentat zu vollbringen, für das jeder 566 666 Lire als Lohn erhalten sollte. Beson- ders die letzte Geschichte klingt außerordentlich glaubwürdig. Vernünftigerweise kann niemand die Komplottlegenden ernst nehmen. DÄ l b a lebte als Einsiedler, sprach und verkehrte mit niemandem und ist fast Analphabet. Es ist also aus- geschlossen, daß er brieflichen Verkehr über die geplante Tat gepflogen hat. Den Revolver hat er schon vor mehreren Monaten gekauft und sich seitdem im Schießen geübt, wie das Resultat zeigt, ohne großen Erfolg. Es berührt recht eigentümlich, daß die Zeitungen ganz schamlos nielden, wie dem Verbrecher von den Polizeibeamten immer wieder die Freiheit in Aussicht gestellt wird, falls er seine Mitschuldigen nennt! Auf die Art kann man bei einem Schwachkopf even- tuell nachträglich ein Komplott zustande bringen! Die Parlamentsfraktion für die Sozialisten der Duma. Rom, 16. März.(Eig. Ber.) In ihrer Sitzung vom 15. März Hai die Parlamentsfraktion ein Votum für die sozialistischen Abgc- ordneten der Duma und gegen den an ihnen begangenen Justiz- m o r d angenommen. Sie hat weiter beschlossen, dem Präsidenten der Duma ein Schreiben zu übersenden, das den gefangenen rufst- schen Kollegen die Sympathie der italienischen Sozialisten aus- spricht und den Sachverhalt der russischen Gewalttat klarlegt. Die Sache wird auch im italienischen Parlament zur Sprache gebracht werden. Lelgien. Die sozialistische Fraktion der Kammern schloß sich in ihrer letzten Sitzung dem P r o t e st gegen den an den Sozialdemokraten der russischen Duma verübten Justiz- m o r d an und beschloß die Abhaltung einer großen Protest- Versammlung, in der auch ein Vertreter der Liga für Menschenrechte und wahrscheinlich einer der Verurteilten reden werden.— Ein Protest wurde Weiler gegen das vom Ministerpräsidenten angekündigle Schulgesetz beschlossen. Da seine Gründzüge dieselben wie die des unerledigten Schollaerischen Entwurfs sind, wird ihm derselbe Widerstand entgegengesetzt werden, sofern nicht, wie die Fraktion erwartet, der Wahlausgang alle Projekte dieser Sorte dauernd be- graben wird.— Hinsichtlich der Vermehrung der Abgeord« n e t e n soll Stimmenthaltung erfolgen, da auch hier eine Be- günstigung der Klerikalen geplant sei.— Bei Beratung des unzu- länglichen Hilfskassen- Unter st ützungsgesetzeS wird obligatorische Krankenversicherung gefordert werden. Snglanck. Ter Flottenctat im Unterhause. London, 18. März. Bei der Einbringung des Flotten- ctats führte Churchill folgendes aus: Die Grundlage der Flottenpolitik ist die Finanzwirtschaft. Das finanzielle Aussehen des Flottenetats ist nicht erfreulich. Alle Welt baut Flotten. Alles, was mit der Flotte in Verbindung steht, wächst beständig an Größe, Kompliziertheit und Kosten. Der neue Etat ist fast völlig bestimmt durch die Etats der letzten beiden Jahre. Ich werde vielleicht im nächsten Jahre den Flottenetat im Unterhause nicht für ein Jahr, sondern für eine Reihe von Jahren vorlegen können. Aber für den Augenblick mutz ich mich im Nahmen gewisser allgemeiner Andeutungen halten. Hauptsächlich infolge der Arbciterausstände haben in diesem Jahre Verzögerungen in den Schiffsbau- und anderen Ausgaben stattgefunden. Dadurch wird die nominelle Reduktion von 366 666 zu einer wirklichen Reduktion von 666 666 Pfund Sterling. Dabei ist natürlich irgendwelche Vermehrung des deutschen Flottenetats nicht berücksichtigt. Ich will dem Hause die Flottenfrage mit vollkommener Offenheit darlegen. Es wird dies namentlich mit Bezug auf eine Macht notwendig sein. Durch eine indirekte Ausdrucksiveise kann jetzt nichts gewonnen werden. Im Gegenteil, die Deutschen sind ein Volk mit derbem Verstand, deren starker männlicher Sinn und Mut vor einer offenen und ungeschminkten Feststellung von Tatsachen nicht zurückweicht und nicht verletzt wird, wenn sie höflich und ehrlich ausgesprochen werden. Jedenfalls mutz ich meine Pflicht gegen das Haus und das Land erfüllen. Die Zeit ist gekommen, wo beide Nationen ohne Ver- stellung und Verstimmung die Bedingungen verstehen sollten, unter denen sich der Wettbewerb zur See in den nächsten Jahren ge- stalten wird. Wir berechnen im Frieden unseren Schiffbau relativ nach Prozentsätzen. Dagegen werden Flotten im Seekrieg nicht durch Vergleich, sondern durch Subtraktion berechnet. Wir müssen er- warten, daß in einem Kampf zwischen guten und ebenbürtigen Flotten auf beiden Seiten ungeheurer Schaden angerichtet wird. Das ist sehr vorteilhaft für die stärker« Seemacht. Es wird sich stets für uns lohnen, Schiff gegen Schiff jeder Klasse zu verlieren. Der Prozeß des Ausmerzens würde uns, wenn auch auf einem fürchterlichen Wege, zu einem sicheren Siege führen, zu einem Zu- stand nicht relativer, sondern absoluter Ueberlegenheit. Mit der gegenseitigen Vernichtung der neuesten Schiffe steigen die älteren Schiffe schnell im Wert. Wir besitzen mehr Dreadnoughts als irgend zwei andere Mächte zusammen. Aber wenn alle Dreadnoughts der Welt morgen versenkt wären, so würde unsere Ueberlegenheit zur See weit grötzer sein als heute. Es ist sehr leicht, die Neu- bauten schnell zu vermehren, so lange man nicht durch die Kosten für die Erhaltung eines großen Bestandes belastet ist. Unsere deutschen Nachbarn haben noch nicht angefangen, die jährlich wieder- kehrende Last der Erhaltung einer riesenhaften Flotte zu empfinden. Diese Aufwendungen wachsen langsam, aber unerbittlich. Daher kann im Laufe der Zeit das rapide Tempo der Neubauten in ge- wissem Grade durch den Hemmschuh der wachsenden Unterhaltungs- kosten aufgehalten werden. Churchill erklärte es für falsch und verschwenderisch, ein Schiff für die britische Flotte einen Tag eher zu bauen, als es nötig sei. weil die Konstruktionspläne so schnell veralteten, und fuhr fort: Ich bin nicht bereit, gegenwärtig dem Hause die Annahme eines Standards: zwei Kiele gegen einen, mit Bezug auf Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts Buchdr. a Verlagsanstalt Deutschland zu empfehlen. Die Zeit mag kommen wo eS notwendig wird. Es ist jetzt nicht notwendig. Ich wünsch«, voll- kommen klar zu machen, daß infolge der Maßregeln Mac Kennas nicht der geringste Grund zu Alarm und Verzagtheit vorliegt. Die Admiralität ist imstande, Tag für Tag die nächsten Jahre hindurch die Sicherheit des Landes und des Reiches absolut zu garantteren. und wenn das Haus künftig unsere Forderungen bewilligt, kann diese Aussicht unendlich ausgedehnt werden. 2)ic_ Standards für die Flottenstärke müssen zeitweise nach den Ilmständen varrieren. Als Frankreich und Rußland die beiden nächststärksten Seemachte waren und ihre Kombination möglich erschien, war der Zweimächte- standard ein zweckmäßiger Grundsatz. Das Emporsteigen der Flotte einer einzelnen Macht zum ersten Rang auf dem Kontinent hat dies verändert. Wir baben nicht mehr als die größtmögliche Gefahr das Bündnis zweier etwa gleichstarker Seemächte zu be- trachten, sondern die Entwickelung einer sehr starken bomogenen Flotte, die einer einzelnen Regierung untersteht. Daher rst der Zwcimächtestandard nicht mehr anwendbar. Schweden. Gegen den Justizmord an den sozialdemokratischen Duma- abgeordneten. Die sozialdemokratische Dumafraktion erhielt vom Genossen Branting folgendes Telegramm: „63 Abgeordnete und 12 Senatoren der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion Schwedens schließen sich einmütig dem Pro- test der deutschen Abgeordneten an, und wünschen Ihnen herz- lich Erfolg bei den Bemühungen, die Revision des Prozesses vom Jahre 1967 gegen ihre unglücklichen Genossen im Sinne des Rechts und der Gerechtigkeit durchzusetzen." Mexiko. Barbareien eines Jnsurgenteuführers. Washington, 18. März. Nach Berichten aus Mexiko hat der Jnsurgentenführer Zapata weiße Frauen ange- griffen und gefangen genommen, wobei mehrere Frauen getötet wurden. Vor kurzem habe Zapata eine arme deutsche Frau gefangen genommen, sie beraubt und in grausamer Weise getötet. Bus der partcL Es wird immer toller. Rom, den 16. März.(Eig. Ber.) Die Sympathie der drei Rechtsreformisten, Bissolati, Bonomi und Cabrini, für alles, was mit dem Hofe im Ouirinal zusanimenhängt, wird immer schranken- loser. Nicht genug damit, daß die drei Abgeordneten sich nach dem Attentat zum König begeben haben, um ihn zu beglückwünschen, hat Bissolati schon vorher dem König ein Glückwunschtelegramm gesandt. Außerdem hat er der„Tribuna" zufolge im Gespräch mit Viktor Emanuel den Ausspruch getan, daß man das Attentat mit Genugtuung begrüßen müßte, wegen der Kundgebung, zu der es Anlaß gegeben hat, wenn es nicht das Leben des Majors Lang gefährdet hätte. Diese Worte bedeuten doch- etwas mehr, als den bloßen Protest gegen ein Verbrechen; in ihnen liegt ganz offen eine Genugtuung über die monarchischen Demonstrationen, die sich an das Attentat angeschlossen haben. Man bedenke auch, daß diese vordringliche Huldigung dreier sozialistischer Abgeordneter, die anderen, die sich nicht als quirinalsromm erweisen, in den Schein setzt, als ob sie den Anschlag billigten. Wir müssen unseren vorigen Bericht(siehe unter Italien in der Sonntagnummer. D. R.) auf Grund nachträglicher Erklärungen der betreffenden Genossen dahin richtig stellen, daß sich bei der Protestkundgebung gegen das Attentat alle anwesend«, sozialisti- schen Abgeordneten von den Sitzen erhoben haben. Richtig zu stellen ist auch, daß der wilde Sozialist Ciccotti sich nicht in den Ouirinal begeben hat._ Gcmeindcwahlsicge in Schlesien. Bei den Gemeindevertreter» Wahlen in M i t t e l- G u t s ch d o r f würde je ein Genosse in der zweiten und dritten Abteilung gewählt. In R a u s ch a erhielt Genosse Blum 168, die Gegner 18 Stimmen. Damit ist die ganze dritte Abteilung in unseren Händen. In Neu» S ä r i ch e n wurde in der dritten Abteilung Genosse K u h n t wieder- lind in der zweiten Abteilung Genosse H e n s e l neugewäblt. In Langenbielau wurden unsere bisherigen drei Mandate glänzend behauptet. In H a r t l i e b bei Breslau wurde Genosse H ä u g l wiedergewählt; die Gegner beteiligten sich überhaupt nicht an der Wahl. In Protfch-Weida wurde nock ein zweites Mandat erobert und in zahlreichen Orten des Landkreises Breslau stehen unsere Genossen in zum Teil aussichtsreichen Stichwahlen. Eine korrigierte Behörde. Vor einigen Wochen wurde in AltenploS bei Bayreuth Ge» nosse H ü b n e r zum zweiten Bürgermeister gewählt, vom Bezirks» amt aber nicht bestätigt. Als Grund der Nichlbestättgung wurde lurioserweise auch der Austritt Hübners aus dem Veteranen» V e r e'i n angegeben. Bei der Ersatzwahl bekam daS Bezirksamt von der Bürgerfchaft einen nachdrücklichen Nasenstüber: Genosse Hübner wurde abermals zum zweiten Bürger- m ei st e r gewählt._ poUzetUchee» GerickitUcbes ukw. Preßpr-zeß. Der verantwortliche Redakteur des Bielefelder Parteiorgans wurde von der Strafkammer des Landgerichts Bielefeld zu 16 M. Geldstrafe verurteilt, weil er einen Gemeindevorsteher be- leidigt haben sollte. Das Schöffengericht hatte wegen derselben Sache aus Freisprechung erkannt. Letzte Nacbnchtcn. Aufteilung der Türkei? Paris, 18. März.(P. C.) Die Telegrapheuagentur„In- formation" verzeichnet heute eine Nachricht aus Petersburg, die geeignet ist, außerordentliches Aussehen herbeizuführen. Dieses Telegramm gibt als den wahren Grund der heutigen Deroute an der Petersburger Börse Gerüchte von einem schweren Konflikt zwischen Teutschland und Rußland in der Orientpolitil an. Die russische Regierung beabsichtige, die orientalische Frage in ihrem ganzen Umfang aufzurollen und habe den Großmächten nichts weniger als eine Aufteilung der Türkei vorgeschlagen. Deutschland habe sich diesem Ansinnen auf das entschiedenste wider- setzt._ r Die Bergarbciterbewegung in Böhmen. Wien, 18. März. Die„Neue Freie Presse" meldet aus B r ü x: Die hiesigen tfchechifch-nationalen und anarchistischen Bergarbeiter, welche die Majorität bilden, haben entgegen ihrer Zusage, bis zun» 31. März zu warten, heute den Streik begonnen. Zwei Drittel der Belegschaft streikte bei der Tagesfchicht. Grubcnexploston. Sosnowi«, den 18. März.(P. C.) Auf der hiesigen Zeche „Kasimir" bat sich heute ein schweres Unglück ereignet. AuS bisher »och unbekannter Ursacke erfolgte eine Explosion, durch die zwei Arbeiter auf der Stelle getötet und eine große Anzahl anderer ver- letzt wurden. Die Verwundeten wurden nach dem Krankenhaus gebracht, mehrere von ihnen liegen hoffnungslos danieder. PaulTinger& Co., Berlin SW. Hierzu 4 Brilagrn u.UnterhaltungSbl. Ar. 66. 29. Zahrgavz. 1. Seilage des.Awürls" Serl« Ualksdlall Nmtag, l9. Wrzl9tZ. Keickstag. S9. Sitzung. Montag, den 13. März 1912, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. Delbrück. Die zweite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern Wird fortgesetzt beim Kapitel: Reichsschulkommission. Hierzu beantragen die Abgg. A l b r e ch t und Genossen(Soz.), die Regierung um Vorlegung eine« Gesetzentwurfs zu ersuchen, der die Reichsschulkominission zu einem selbständigen Reichsamt für das Schul- und Bildungswesen des Deutschen Reiches ausbaut. Abg. Dr. Preuß(Z.): Wir bekämpfen den Antrag Albrecht schon deswegen, weil er eine Verfassungsänderung nötig machen würde. Ucberhaupt wünschen wir k e i n e Einheitsschule, wie sie der Abg. Schulz hier verlangte. Unser Schulwesen steht auf der Höhe und hat den Vergleich mit dem Schulwesen keine? anderen Itandcs zu scheuen. Auch die Schulgeldfreiheit, welche die Sozial- demokratie auch für die höheren Schulen wünscht, ist unmöglich durchzuführen; es würde das neue Steuern in großem Umfange nötig machen. �Redner polemisiert, im Zusammenhang auf der Tribüne unverständlich, gegen die neulichen Ausführungen des Abg. Schulz zur Begründung des Antrages Albrecht und konstatiert mit Genugtuung, daß die Schulpolitik des Zentrums sich in keinem Punkte mit der der Sozialdemokratie berührt, die eine verzweifelte Aehnlichkeit mit der französischen Schulpolitik zur Zeit der französischen Revolution habe, wo der Konvent die Religion ab- schaffte/ was zu ungeheurer Demoralisation führte. Präs. Kaempf bittet den Redner, nicht zu weit von dem Thema Schulkommission abzuweichen. Abg. Dr. Preuß sZ., fortfahrend): Wenn Sie die Religion aus der Schule verbannen,>0 demoralisieren Sie unser Volk. Aber wir werden den heiligen Krieg führen für unsere heiligsten Güter, um unsere Kinder vor dem Umsturz zu bewahren. (Bravo I im Zentrum.) Abg. Kcinath snatl.): Die Industriellen machen vielfach den An- gestellten Schwierigkeiten, wenn sie sich zu den Offiziersübungen melden; das ist sehr bedauerlich. Selbst die Regierungen einiger Kleinstaaten verfahren ihren Beamten gegenüber in derfelben Weise. DaS widerspricht sicherlich dem Geist der Verfassung.(Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Der Abg. Schulz bedauerte die Ber- bindnng der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst mit einem Schulzeugnis, weil dadurch ungeeignete Elemente sich auf die höheren Schulen drängen. Aber das ist nicht zutreffend; die Eltern find leider nicht immer vernünftig genug, Kinder, die sich für höhere Schulen nicht eignen, auch nicht auf solche Schulen zu fchicken. Daß das Reich fich� um das Schulwesen mehr kümmert, wünschen wir ebenso wie die Sozialdemokratie; aber einer Ueber- nähme des Schulwesens auf das Reich können wir nicht zustimmen. Wir wollen auf diesem Gebiete keine Zentralisation.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. Miillcr-Meiningen(Bp.): Es ist eine Fiktion, daß die Einjähng-Freiwilligen durch ihre wissenschaftliche Ausbildung zur schnelleren militärilchen Ausbildung befähigt werden. Die Militär« Verwaltung macht die entgegengesetzte Erfahrung. Man sollte daher die Berechtigung zum Einjährigendienst auch an eine Prüfung über die körperliche Tüchtigkeit binden. Das würde einen starken Anstoß zur stärkeren körperlichen und turnerischen Ausbildung auf unseren Schulen geben. Auf den englischen Schulen wird neunmal soviel Zeit auf körperliche Hebungen verwendet wie auf unseren Schulen. Nur 30 Prozent der zum einjährigen Dienst Berechtigten erweisen sich als militärtauglich. Das ist die stärkste Verurteilung der körperlichen Erziehung auf unseren Schulen. Auf diesem Gebiete sollten alle unsere Schulverwaltungen vorgehen.(Zustimmung bei der Bolkspartei.) Abg. Bruckhoff(Vp.): Unter den Forderungen, die neulich Herr Schulz vertrat, find einige, die auch uns sehr shmpathrsch sind. Aber das sind nach unserer Meinung nicht Ausgaben der NeichSschulkommission, sondern Aufgaben der Einzel« staaten. Den jungen Leuten, die sich zum VolkSschullehrerberuf vorbereiten, sollte das Einjährigenzcugnis nicht erst beim Berlasien .des Seminars, sondern beim Eintritt in dasselbe gewährt werden. Ein Bildungsminimum ist durch die Gesetzgebung nicht durchführbar, denn Bildungsfragen sind Persönlichkeitssragen. Den Religionsunterricht braucht die Volksschule(Hört I hört I rechts), das wage ich auch als fortschrittlicher Lehrer zu sagen, denn eS hat mit fortschrittlicher Politik nichts zu tun. Die Hauptsache ist das gute Zusammenwirken von Schule und Haus. (Bravo I bei der Volkspartei und den Konservativen.) Abg. Schulz(Soz.): Meinen Erörterungen trat grundsätzlich der Mg. Dr. Preuß entgegen. Er steht zwar 33 Jahre im höheren Schulwesen, wie er sagte, aber trotzdem kennt er die Nöte des höheren Schulwesens sehr wenig, sondern hat sich in eine gewisse Fachverbohrt- h e i t verrannt. Ich verweise für die Nöte des höheren Schulwesens nur auf die S ch ü l e r s e l b st m o r d e. Ich habe übrigens über das höhere Schulwesen nur so weit gesprochen, als es in seinem Auf- bau und in seiner EntWickelung durch das Einjährig-Freiwilligen- 'Wesen gehemmt wird. Herr Dr. Preuß und die anderen Redner fürchten von einem Reichsschulgesetz eine Schablonisierung. Wäre das richtig, so müßte das auch von einem Landesschulgesetz gelten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es handelt sich in einem Reichsschulgesetz nur um grundsätzliche Bestimmungen, durch die keineswegs die selbständige Tätigkeit der kleineren Bezirke und Verbände unter- banden werden soll. Daß wir die Schule ohneReligion wollen, daraus haben wir nie ein Hehl gemacht; aber selbstverständlich wollen wir damit nicht die Religion und Gott abschaffen. Wir wollen keinem seine Religion rauben, wir wollen auch keine Ver gewaltigung unserer religiösen Anschauungen. Daß eine Einheitsschule� wie wir sie wünschen) bei Unentgeltlichkeit des Besuches erhebliche Kosten verursachen würde, bezweifeln wir nicht. Aber diese Ausgaben halten wir für nützlich. Wenn Sie Millionen und Milliarden Jahr für Jahr für m i l i- tärische Rüstungen anlegen, so sagen wir, die Millionen und Milliarden, die ein gut organisiertes Schulwesen verschlingt, würden nicht schlecht angewendet sein, sondern es würde dadurch auch die W e h r h a f t i g k e i t des Volkes wesentlich gestärkt werden. Die Anschauungen des Abg. Bruck hoff haben mich sehr überrascht. Mit den Beschlüssen des deutschenLehrer- Vereins scheint er nicht vertraut zu sein. Unser Antrag auf Erlaß eines Reichsschulgesetzes steht jetzt nicht zur Debatte, sondern unsere Resolution auf Errichtung eines Schul- 'amtes, welches auch diejenigen Aufgaben erfüllen soll, die Herr Bruckhoff von der Reichsschulkommission verlangt, die aber leider gar kein« Befugnis hat. Wir haben in unserer Resolution ab- sichtlich keine speziellen Aufgaben genannt, damit der Reichstag dem Prinzip der Errichtung eines Schulamtes zustimmen kann. Wvnn das nicht geschieht, werden die Lehrer erkennen, wer hier im Reichstag mit den Forderungen der Lehrerschaft am entschieden- sten ernst machen will.(Bravo! b. d. Soz.) Abg. Mumm(Wirtsch. Vg.): Die Resolution verlangt die Ein- richtung eines selbständigen Reichsschulamts. Damit werden die Sozialdemokraten ebenso allein stehen wie in den letzten Tagen. Ueber die Schulfragen ließe sich sehr viel sagen, aber mit Rücksicht auf die Fertigstellung des Etats können wir darauf nicht 'eingehen. An den Ausführungen des Herrn Bruckhoff hätte sich nicht viel zu kritisieren.(Hört! hört! v. d. Soz.) 'Das eine muß aber festgestellt werden: die Sozialdemokraten wollen nach ihrem Programm alle Eltern zwingen, ihre Kinder in religions- 'lose Schulen zu schicken.(Abg. Pfannkuch: Sie wissen ja gar nicht, was im Erfurter Programm steht!) Ich kenne es halb auswendig.(Heiterkeit.) Damit schließt die Debatte. Das Kapitel wird angenommen. 'Die Resolution A l b r e ch t(Soz.) wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Zum Kapitel Bundesamt für das Heimatwesen befürwortet Abg. Dietz-Constanz(Z.) eine Resolution, welche die Regierung ersucht, wirksame Maßnahmen gegen die durch das bandenweise Herumziehen der Zigeuner entstehenden Belästi- gungen der Landbevölkerung zu ergreifen. Staatssekretär Dr. Delbrück teilt mit, daß die Grundlagen für gleichmäßig zu erlassende Anordnungen über die Behandlung der Zigeuner geschaffen seien. Wir hoffen, damit dem Ziele des An- träges näher zu kommen. Abg. Rupp(Wirtsch. Vg.) wünscht bcschonders scharfes Vor- gehen gegen ausländische Hausierer. Die Resolution Dietz wird angenommen. Es folgt das Kapitel kleines feuilleton. Ein vorsintflutliches Raubtier. In der Erforschung sser prähistorischen Fauna und der Sammlung von Fossilien� stehen, die Amerikaner unbedingt an der Spitze. Fossilieujäger rüsten ganze Expeditionen aus, deren Funde von ersten Forschern bearbeitet und von Künstlern wie Knight rekonstruiert werden. Eine der Glanz- leistungen der Sauriersarschung ist die Zusamnieissetzung und Auf- stcllung des Skeletts eines riesigen vorsintflutlichen Raubtieres, des Allosaurus, über die Hans Becker in einem Aufsatz der „Umschau" berichtet. Von den vier Hauptgruppen der Dinosaurier waren drei harmlose Pflanzenfresser, während die vierte, die Theropoda, unseren Raubtieren entspricht. Diese Giganten der Tierwelt übertrafen alle anderen Riesen der Vorzeit an Massigkeit und Größe ihres Knochenbaues. Der Allosaurus war ein Ungeheuer, das mit einer seiner Klauen bequem den Kopf eines Menschen umspannen, und mit einem einzigen Druck zerquetschen konnte. Diesem Untier würde es keine Mühe bereitet haben, ein auSge- wachsenes Pferd im Maule fortzuschleppen, wozu es auch durch den starken Bau seines Halses besähigt war. Dem riesigen Rachen dieses Tieres, dessen Zähne die Form von scharfen Dolchen hatten, wird lein Dinosaurier-Pslanzenfresser haben widerstehen können. Es finden sich nun in der Tat Reste von anderen Sauriern, die deutliche Benagungsspuren durch die Theropoda aufweisen. Doch hat man neuerdings behauptet, diese Nagefpuren seien erst nach dem Tode beigebracht worden�, so daß diese Urwaldriesen kein taten- reiches Leben in Raub und Kampf geführt haben würden, wie etwa heute der Tiger, sondern die Reste von Kadavern als Nahrung benutzt hätten, wie heute der Schakal. Dann aber wäre es un- erklärlich, wozu diese Tiere mit dem gewaltigen Kopf, den langen Zähnen und dem dicken Hals ausgerüstet waren. Man wird des- halb den Allosaurus und seine Artgenossen, wie den Tyrannosaurus, Laelaps u. a. doch wohl als echte Raubtiere ansehen müssen. Die von diesen Niesen angegriffenen Pflanzenfresser waren übrigens keineswegs tvehrlos. Der Triceratops konnte mit seinen drei Hörnern einem Raubsaurier sehr wohl gefährlich werden, dem Stcgosaurus dienfe sein schwerer Plattcnpaiizer als Schutze und auch die scheinbar webrlosen Sauropoden, wie Diplodocus. Bronto- saurus, hatten in ihrem peitschenartigen Schwanz eine gute Ver- teidigungswasfe. Aus der Sklavenzeit der englischen Bergarbeiter. Gestützt durch eine mäckitige Organisation, unterhandeln die englischen Bergarbeiter mit der Regicning ihres Landes als Gleichberechtigte und weisen die VertrogSvorschläge der Grubenbesitzer, wenn sie ihnen nicht genehin sind, voll Stolz zurück. Und diese selben Grubcnbarbeiter— so schreibt ein Mitarbeiter der.Glasgow NcwS"— waren noch vor einem Jahrhundert Sklaven der Scholle, die durch eine Jahrhunderte alte Knechtschaft vollständig niedergedrückt waren und wie die Tiere be- handelt wurden. Das Gesetz, das die Bergarbeiter Schottlands von dem Sklavenjoch befreite, trat erst am 13. Juni 1799 in Kraft; eS sollten aber noch weitere 21 Jahre vergehen, che die Emanzipation auch den Berg- arbeitern von Wales und England zugute kam. Ein Gewährsmann der.Glasgow News"', der 25 Jahre nach der Verkündigung der Emanzipation die Ortschaft Niddry besuchte, fand, daß die Frauen der Bergarbeiter, die damals gleichfalls in den Gruben arbeiteten, noch all' die charakteristischen Merkmale der unterjochten Rassen auf- wiesen:«ihr Mund war trichterartig geformt, und die Lippen waren dick und geschwollen; sie sprachen mit gedämpfter Stimme und schauten sich dabei scheu und furchtsam um, wie wenn sie die Peitsche des Aufsehers fürchteten; ihr angeborenes Sklaventum zeigte sich auch darin, daß sie, ohne zu zöger», jeden Befehl ausführten, selbst wenn er ihnen von einem Unbekannten gegeben wurde...* Theater. Schiller-Theater Charlottenburg.„Die Jüdin von Toledo" gehört in die Reihe Grillparzer- scher Nachlaßdramen, und ist erst nach des Dichters Ableben auf die Bühne gAommen. Hauptsächlich hat ihr Joseph Kainz als König Alfons zu nachhaltigen Erfolgen vcrholfen. Es steckt auch wirkliches Theaterblut in dieser einem Drama Lope de Vegas frei nochgestalteten Tragödie, weswegen sie sich bis heute zu be- haupten vermoclsie. Das— hinter der Szene sich abspielende— Geschick der Jüoin ist freilich nicht zu tragischer Bedeutung er- hoben. Ja, der Umstand, daß Grillparzer sämtliche in die Hand- lung verstrickte Hauptpersonen vollkommen im Geist« der alt- griechischen Schicksalstragödie nur mit dem Bekenntnis ihres Mit- Verschuldens vom Schauplatz gehen heißt, wirkt eher gezwungen, daher ziemlich befremdend auf den modernen Zuschauer. Man mag es für eine Schwäche des Dramas ansehen, die allerdings wieder wettgemacht ist durch eine vorzügliche Charakterzeichnung der Heldin mit ihren Gelüsten und der Königin mit ihrer gleichfalls altgriechisch empfundenen priesterlichen Heiligkeit, die wirksam kontrastiert sind. Die Aufführung bewies, daß mit schuldigem Re- spekt vor dem Dichter verfahren wurde, wenn auch namentlich für die schöne Diktion keiner der Mitwirkenden das volle Rüstzeug eines nachschäpferischen Sprechers erbrachte. Als König hätten wir Georg Pacschke doch lieber gesehen. Immerhin bot Hans F Gerhard eine annehmbare Leistung, obwohl mehr Wärme, niehr innerliche Reife zu wünschen gewesen wäre. Lia Rosen gelang das Leichtfertige, Kokette, Buhlerische, oft Kindische der Rahel im Sinne des Dichters überraschend gut. Zu großzügiger dramatischer Höhe verstand Hedwig P a u l y als Esther sich zu erheben. Paul B i l d t(Isaak) und Nickard W i r t h(Manrique) gaben vorzüglich umrissene Charakterchargcn. e. lc. Mufit. Da? Neue Theater bietet jetzt dem, der sich in halvber- gangene Harmlosigkeit zurückversetzen will, eine günstige Gelegenheit zu seinen bäuerlichen Untertanen ergeben, mit ihren Salontirolereien, mit ihren Paaren, die sich gerührt in die Arme fallen, mit ihrer be- rühmten Rolle der resoluten Bricfchristel u. dergl. m. ein noch immer wirksames Zugstück. Am Sonntag wurde sie uns dort neneinstudiert vorgeführt, nachmittags— d. h. anspruchsloser als abends. Die Ausführung des Kaligesetzes. Dazu beantragt die Kommission: 1. Den Reichskanzler zu er- 'suchen, gemäß Z 22 des Kaligesetzes als vierte Ausgangsstation für ' die Berechnung der Frachten Mülhausen(Elf.) festzusetzen.(Ein Antrag R ö s e r(Vp.) will statt Mülhausen, Straßburg setzen.) 2. Den Reichskanzler zu ersuchen, möglichst bald einen Entwurf vorzulegen, der a) dem§ 13 des Gesetzes über den Absatz von Kalisalzen zu- fügt, daß die Durchschnittslöhne der in jedem Betriebe be- schäftigten Arbeitergruppen sofort nach der Feststellung durch öffent- ' lichen Anschlag in dem Betriebe bekanntgegeben werden; b) dem§ 19 zufügt, daß alle Omotenübertragungen sofort nach "der Vereinbarung der Bergbehörde angezeigt und vier Wochen durch öffentlichen Anschlag auf dem übertragenden Werke bekannt gemacht werden; c) den Z 27 dahin abändert, daß ein Teil der in die Reichs- lasse fließenden Abgabe der Reichskasse verbleibt. 3. Den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstag alsbald eine Denkschrift über die nach 8 13 des Kaligesetzcs festgesetzten Durch- fchnittslöhne, 1907—1909, und regelmäßige Arbeitszeit '1909 der Kaliwerke, sowie den Wortlaut der nach 8 �6 des Kaligesetzes abgeschlossenen Tarifverträge vorzulegen. Ein Antrag Bebrens(Wirtsch. Vg.) ersucht den Reichs- kanzlcr, anzuordnen, daß die alljährlich von der Verteilungsstelle nach 8 13 des Kaligesetzes festgestellten Durchschnittslöhne und die regelmäßige Arbesiszeit der in jedem Kaliwerk beschäftigten Ar- beitergruppen sofort nach der Feststellung und die im Berichtsjahr neuabgeschlossenen oder abgeänderten Tarifverträge.(tunlichst im „Reichsarbeitsblatt") veröffentlicht werden. Abg. Hoch(Soz.): Die Absatzverhältnisse in der Kaliindustrie waren unhaltbar geworden. Ein Teil der Industriellen schloß sich dem Syndikat nicht an und zwischen ihnen und dem Syndikat kam es zu heftigen Zusammenstößen. Die Verhältnisse waren ähnlich wie zwischen den drei kämpfenden Bergarbeiterorgani- sationen und den christlichen und gelben, die ihren Brüdern ,n den Rücken fielen. Aber hier handelt es sich nicht um Arbeiter, die um menschenwürdige Lebensverhältnisse kämpfen, sondern um den Profit der Arbeitgeber, und daher nahmen die Regierung und die Vertreter der bürgerlichen Parteien eine ganz andere Stellung ein. Von der Begeisterung der Freiheit der Streikbrecher, von der moralischen Entrüstung über den Terrorismus der Streikenden war keine Rede, niemand dachte daran, gegen den Terrorismus des KalisyndikateS etwa die Polizei anzurufen. Im Gegenteil, die Herren von der Rechten, vom Zentrum und die Nationalliberalen schlugen sich auf die Seite des Syndikats und beeilten sich, ein Gesetz zustande zu bringen, das den Terrorismus des Syndikats st ä r k t e und die Industriellen, die sich dem Syndikat nicht angeschlossen hatten, zu diesem Anschluß zwang, und so hat das Syndikat eine Herr- schaft errungen, jedoch nicht aus eigener Kraft, vielmehr beruht sein stolzes Gebäude auf der durch das Kaligesetz geschaffenen Grundlage. Deshalb können wir auch nicht sagen, das Reich soll sich um diese Verhältnisse möglichst wenig kümmern und alles dem Syndikat überlassen. Wir haben vielmehr die Pflicht, dar- über zu wachen, daß das Kalisyndikat den Gebrauch von dem Gesetz macht, den der Gesetzgeber beabsichtigt hat. Von diesem Ge- sichtspunkt aus nehmen wir zu den vorgeschlagenen Resolutionen Stellung. Die unter 2 ist von uns in der Kommission eingebracht und von der Mehrheit angenommen. Unter a und b wird eine Acnde- rung des Kaligesetzcs in bezug auf die 8:» 13 und 19 verlangt, die einen Schutz der Arbeiter darstellen. Die beantragte Acnderung ist nur die notwendige Voraussetzung für die wirkliche Durchführung der 88 1� und 19. Deshalb ist sie auch in der Kam» Mission von der Mehrheit angenommen. In der Kommission ist auch erwähnt, daß der Bundesrat sein Versprechen, Ausführ ungSbe st im mungen über die Rabatte zu geben, nicht gehalten hat. Der Unterstaatssekretär hat angegeben, das sei deshalb geschehen, weil sonst die Rabatte den Konsumenten zugute gekommen wären, und das hätte Be- denken, weil der Handel dann ausgeschaltet würde. Ich gebe zu, daß das einen berechtigten Kern hat. Weiter ist aber mitgeteilt worden, die landwirtschaftlichen Organisationen, speziell der Bund der Landwirte, haben die Rabatte gar nicht haben Musik, nicht bedeutend, aber mit ihrer melodischen Anmut nachhaltig genug, könnte doch noch ungestörter zur Geltung gebracht werden. Es ist immer wieder interessant, zu sehen, wie die weiblichen Bühnen- kiinstler noch eher als die männlichen, ein Stück über dem Possen- Niveau �u halten verstehen. Wer sich das Ding anhört, wird uns wohl recht geben, wenn er Sang und Spiel der drei Haupt» darstelleriimen aufmerksam verfolgt. sz. Humor und Satire« N a ti o n al ö k on omis ch eS Praktikum. Wie ausgestorben Stadt und Hafen: Kein Kettenrasseln und kein Pfiff. Kein Schornstein qualmt, die Krane schlafen» Gelähmr am Anker döst das Schiff; Und unbeiveglich auf den Schienen Steht wie verzaubert Zug und Zuij. Denn unten aus den schwarzen Mmm Erscholl der Ruf:»ES ist genug l" Es ist genug. Wenn wir nicht wollen, Dreht sich kein Rad und raucht kein Schlot. Erklingt lein Pickel mehr im Stollen, So seid ihr übermorgen tot. Zwei Millionen Männerfänste— O fürchtet nichts I— voll Kohlenstaub Faulenzen und— das ist das Neuste— Ihr zittert schon wie Espenlaub. Doch nein I In Preußen und in Bayern, Wo man die Gräser wachsen hört, Wird, auch wenn alle Braven feiern, Die heil'ge Ordnung nicht gestört. Dort gilt die Marke„schlecht und billig", Die anderswo schon abgenützt; Nur heißt sie heute„arbeitswillig" Und wird gesetzlich noch geschützt. Im Kriege zwar, den Fürsten führen, Erschießt man jeden Deserteur, llnd keiner fühlt ein menschlich Rühren Und gibt dem Lumpenhund Gehör. Doch wer im Kamps ums Brot dm Brüdem Heimtückisch in den Rücken fällt, Gilt bei den Frommen und den Biedern Als Staatserrctter und als Held. O Eldorado der Philister, Wie bist du schwer doch von Begriff! Schick deine beiden Staatsminister Nach London mit dem nächsten Schiff I Dort wird ein Praktikum gelesen In Nationalökonomie— O Gott, eS ist so schön gewesen, Wenn auch nicht inaiio in Gennany! (E. Steiger im»SimplicissimuS'� trollen, sondern hätten diese 170 000 M. am liebsten den Kon sumentcn überlassen wollen. Das glaube ich nicht. Ich bin viel» mehr überzeugt, daß der Bund der Landwirte das Geld sehr gern in seine Hand bekommen will.(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Anders liegt es mit den sogenannten Propaganda� g e l d e r n. Nach Z 27 des Kaligesetzes muß jeder Kaliwerks� bcsitzer für jeden Doppelzentner, den er absetzt, eine Abgabe von 60 Pf. an die Reichskasse entrichten, und diese Einkünfte sind für Propaganda zur Hebung des Kaliabsatzes zu verwenden. Der Reichs.tag hat die Kali-Jndustriellen zu dieser Abgabe für den Zweck der Propaganda zur Hebung des Kaliabsatzes gezivungen. und deshalb hat er auch die Verpflichtung, darüber zu wachen, ob .die Gelber für diesen Zweck verwendet werden. Im vorigen Jahre fand vi eile Klagen darüber vorgebracht, daß das nicht geschehen i\t Daraufhin hat die Regierung unterm 28. Juli 1911 eine Be- 7anutma.chung erlassen, worin ausgeführt wird, daß für wissen schaftliche Untersuchungen und Versuche sowie für Veranstaltungen, durch welche die landwirtschaftliche Bevölkerung in anschaulicher Weise mit solchen Untersuchungen bekannt gemacht wird, Ver- gütungen gewährt werden. Weiter heißt es. Vergütungen werden nur für solche Maßnahmen gewährt, die geeignet sind die Kenntnis �er Wirkung des Kalidüngers auf die Landwirtschaft zu fördern, ukW die Landwirte über die Anwendbarkeit und Notwendigkeit der Kalidüngung zu unterrichten. Für Maßnahmen dagegen, die ledig/ich eine Anpreisung der Kalisalze darstellen, werden Ver> gütungen nicht bezahlt. Diese Bekanntmachung hat nach meiner Meinung das Richtige getroffen. Nach der Menge des von land. wirtschaftlichen Korporationen bezogenen freien Kalis werden die Rabatte berechnet; die Propagandagelder, die ja anderen Zwecken dienen, dürfen keineswegs ebenso berechnet werden. Eine Ge- nossenschaft, die.einen Kalibetrieb gar nicht hat. aber Pro- p a ga n da treibt, hat Anspruch auf die Propagandagelder: eine Genossenschaft dagegen mit einem großen Kalibetrieb, die gar keine Propaganda treibt, hat einen solchen Anspruch nicht. Ich hebe das ausdrücklich hervor, weil der Deutsche Landwirtschaftsrat im Februar dieses Jahres den entgegengesetzten Standpunkt ver- treten hat. Aber andere Vorwürfe in bezug auf die Verteilung der Propa. gandagelder scheinen mir berechtigt. So hat der deutsche Fischereiverein 30090 M. bekommen und eine Erklärung hat die Regierung hierfür nicht gegeben. 13 000 M. hat das I n st i t u t jfür das Gärungsgew erb« erhalten und 1000 M. der deutsche Hopfenbauverein. Die hohe Summe, die das Institut für das GärumgSgewerbe bekommen hat, ist recht auf- fallend. Ich habe mich bei den Herren, die etwas davon ver- stehen, erknndigt, diese haben die Sache nur mit Verständnis- vollem Lächeln aufgenommen. Ich frage die Regierung, ob diese 13 000 M. wirtklich so verwendet sind, wie sie nach dem Gesetz verwendet werden sollen. Die Oeffentlichkeit mutz um so mehr darüber Aufklärung erhalten, als das Institut für das Gärungs- gewerbe in enger Beziehung zu dem Brauer- und Brennergvwerbe steht, da? doch wirklich keinen Anspruch auf eins Extraunterstützaing vom Staat hat.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Ich gebe ja zu, daß die Verteilung dieser Gelder keine angenehme und dankbare Aufgabe ist. Der Unterstaatssekretär hat angeregt, hierfür einen aus Suchverständigen zusammengesetzten Weirat einzuberufen. Auch ich halte das für zweckmäßig. Aber es genügt nicht. Die Parteien haben ein Interesse daran, s i ch selbst von der Verteilung der Gelder zu über- zeugen und deshalb wäre es zweckmäßig, daß auch die verschie- denen Fraktionen einen Vertreter in diesem Beirat ent- senden. Dann würde eS zweckmäßig sein, über den Arbeitsplan, der sowieso veröffentlicht wird, und darüber, wie die einzelnen Gesellschaften, die die Gelder bekommen haben, den Arbeitsplan ausgeführt haben, dem Reichstag alljährlich eine Denkschrift zu unterbreiten, damit wir genau verfolgen können, ob die Gelder nutzbringend verteilt werden. Wir müssen um so mehr Wert legen auf eine genaue Kontrolle, weil die V e r f ü h r u n g für die Herren von der Regierung sehr groß ist, mehr auszugeben als ist. Infolge des über Erwarten steigenden Absatzes fließen so viele Gelder in die ReichSkassc, wie zur Propaganda gar nicht verwandt werden können. DaS wissen die beteiligten Kreise. Die Regierung wird bestürmt mit allen möglichen und unmög- tichen Anträgen auf Bewilligung von Geldern, und da liegt die Gefahr nahe, daß sie auch Gelder bewilligt, die nicht lediglich für Propagandazwccko ausgegeben würden. Um diese VersiMeude- r u n g von Reichsgeldern zu verhindern, brauchen wir eben «ine genaue Kontroll«. Die Gelder, welche nicht zu Propaganda- zwecken gebraucht werden, könnten z. B. benutzt werden, um den kleinen Abnehmern, den kleinen Bauern, den Bezug von Kali zu erleichtern, und solche Arbeiter zu unterstützen, die durch den Rückgang der Produktion in einzelnen Kalibctrieben geschädigt werden. Ich gebe zu, daß diese Regelung nur ein Notbehelf ist. Wir würden die ganze Propagandafrage anders lösen, wenn wir in der Lage wären, das Gesetz zu ändern. Wir haben für das Kaligesetz gestimmt, weil wir nichts Besseres erre ichen konnten, haben aber zunächst ,>ie Ver. staatlichung in unserem Sinne verlangt, die aber leider abgelehnt wurde. In bezug auf das Monopol hat sich ein bezeichnender Umschwung in der öffentlichen Meinung vollzogen. Weite Kreise, die sich sehr ablehnend verhalten haben, denken heute ganz anders. Der Staatssekretär hat auf die Frage, wann wir das Monopol bekommen werden, geantwortet: Wenn wir dazu reif sein.werden. Nun hoffentlich geht dem Staats- stkretär bald die Erkenntnis auf, daß mir für die Sache doch schon reif sind.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) DaS Geschick des Herrn Mermuth sollt« ihn warnen. Wenn eines schönen Zentrum für daS Kalimonopol eintreten, Staatssekretär die mögliche Reife gehen.(Heilerkeit.) Staatssekretär zugibt, daß Fehler Aber eS ist geradezu unerhört, daß nichts tut, um diese Fehler auszumerzen. längeren Reihe von Jahren erreicht ist."(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Reckt hat die„Kuxenzeitung", wenn sie sagt, daß der Staat unrentabler arbeite. Wir denken auch nicht daran, unsere heutige Bureaukratie, die nur nützlich ist in kleinen und kleinlichen Verhältnissen, zu Herren der Betriebe zu machen. Das deutsche Volk ist reif genug zur Wer- st a a t l i ch u n g; die Vorgänge im Ruhrrevier werden auch ge- waltig dazu beitragen, daß nach einer Veränderung der Verhält- nisse gerufen wird. Aber die können nicht durchgeführt werden von der deutschen Bureaukratie, die nach Militär ruft, die den Scharfmachern in die Hände arbeitet und der gewaltigen Kulturbewcgung verständnislos gegenübersteht.— nein, je mehr sich die Staatsbetriebe ausdehnen, um so mehr muß der Einfluß der Bureaukratie zurückgedrängt und der großen Masse des Volkes Einfluß eingeräumt werden. Wir erstreben die Monopole auch nicht etwa als reine Finanzguclle. Wir denken nicht daran, sie Ihnen(zum Zentrum) darzubringen, damit Sie von der Erbschaftssteuer Loskommen.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Wir tvürden nur dann für ein Monopol eintreten, wenn die Neberschrissr zur Verminderung der Verbrauchs- abgaben und der Zölle anf Rahrungsmittel und Gebranchsgegen stände oder für soziale Zwecke verwandt würden. Ich habe in einigen Sätzen festgelegt, wie ich mir die Verstaatlrchung denke. Sie lauten: 1. Das Reich erwirbt die bestehenden Betriebe im Wege der Enteignung, soweit sie nicht auf der Grundlage der tatsachlichen Anlagekosten freihändig erworben werden können. 2. Die Leitung der Kaliwerke sowie der Absatz ,hrer Pro dukte geschieht durch das Reich unter entscheidender Mitwirkung eines Beirates. m.< Der Beirat setzt sich zusammen aus vom Bundesrat und vom Reichstag ernannten, sowie von den Arbeitern und den Betriebsbeamten der Werke in gleicher, geheimer und direkter Wahl gelvählten Mitgliedern. 3 Den Arbeitern und den Betriebsbeamten darf die Koalr tionsfreiheit in keiner Weise geschmälert werden. Für die Be- triebe gelten entsprechend alle Bestimmungen zum schütze der Arbeiter und Betriebsbeamten, insbesondere die der Gewerbe- ordnung und des Handelsgesetzbuchs. Die Arbeitszeit ,st auf 8 Stunden, an gesundheitsgefährlichen Betriebsorten noch werter zu beschränken. �___. Für jedes Werk ist zur Festsetzung der Lobne, Gehälter und Arbeitsbedingungen sowie zur Erledigung von Beschwerden durch die Belegschaften und Betriebsbeamten in geheimer, gleicher un- direkter Wahl ein Arbeiterausschuß zu wählen, der gegen die das Arbeitsverhältnis berührenden Anordnungen und Entschel- düngen der Betriebsleitung das Recht der Berufung an den Bei- rat(Ziffer 2) hat. 4. Die Löhne und Gehälter sind zwischen der Betriebsleitung und dem ArbeiterauSschuß auf der Grundlage von Minimalsätzcn zu vereinbaren. Die Minimalsätze bedürfen der Genehmigung Reichstags. � 5. Die Verkaufspreise sind im Gesetze unter Berücksichtigung einheimischen Landwirtschaft gesondert für das Inland und Ausland festzulegen.._. 6. Die Uebcrschüsse der Kaliwerke sind zur Verminderung der Verbrauchsabgaben und Zölle auf Nahrungsmittel und Ge- brauchsgegenstände oder für soziale Zwecke zu verwenden. Wenn nach diesen Grundsätzen die Verstaatlichung der des der das Tages die Herren vom dann tritt vielleicht auch beim auf, s o n st m u ß e r Interessant war, daß der beim Kaligesetz gemacht seien. die Regierung trotzdem Die im Kaligesetz vorgesehene Regelung des Absatzes in der Pra duktion ist sehr unvollkommen und geradezu unsinnig. Die Pro- duktion muß verteilt werden nach einem einheitlichen Plan, einzig und allein nach der Zweckmäßigkeit. Der jetzige Zustand hat zur Folge, daß immer neue ProduktionSstättcn eröffnet und neue Schächte von den Betrieben gebaut werden, um sich ihren Anteil zu erhalten. Wir müssen die ganze Kali Produktion planmäßig regeln, dann würden die Selbstkosten bedeutend vermindert werden, die Arbeiter brauchten nicht gescksädigt werden, und die Abnehmer könnten das Produkt zu einem billigen Preise bekommen. Bei der heutigen Wirtschaft machen die gut gestellten Werke ein gutes Geschäft, und vor allem blüht die Spekulation. Zum Schaden der Gesamtheit werden einzelnen Leuten Riesen Profite zu- geführt. Auch andere wichtige Fragen, wie die Regulierung der Abfälle, können heute nicht erledigt werden. Durch die jetzt betriebene Raubwirtfchaft gehen ungeheure Schätze verloren. Nun ist in der„Kuxcnzeitung" ein Artikel erschienen, der sich sehr eingehend gegen die Verstaatlichung wendet. Es wird dort darauf hingewiesen, daß große Kapitalien in der Kaliindustrie festgelegt seien, der Staat müßte über 3 Milliarden Entschädi- g u n g zahlen und würde dann nicht zu dem erwarteten Verdienst kommen. Die Leute haben sich unnoiijjcrweise den Kopf zerbrochen. Wir denken natürlich nicht daran, Spekulationsgewinne zu ent- schädigen. Für uns sind Monopole nicht Selbstzweck, sondern wir erstreben sie im Interesse der Arbeiter und der Ge« s a m t h e i t. Die Leute, die heute Papiere kaufen von den Riesen- Unternehmungen, wie Kaliwerken, Kvhlen- und Hüttenwerken, clek- irischen Werken, mögen sich vergegenwärtigen, daß die Verstaat- lichung solcher Betriebe nur eine Frage der Zeit ist. Schrieb doch auch ein Fachblatt ersten Ranges,„Der deutsche Oekonomist", schon 1897:„Das Endziel der heutigen Kumulation aller Betriebe im Bank-, Verkehrswesen und der Industrie ist die Verstaatlichung, gleichviel, ob dies unvermeidliche letzte Ziel in einer kürzeren oder Kali- betriebe durchgeführt wird, dann bin ich überzeugt, würden wir wirklich etwas im Interesse des arbeitenden Volkes erreichen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Unterstaatssekretär Richter: Wir müssen erst die Wirkungen des Gesetzes abwarten, ehe wir eine Denkschrift darüber vorlegen. Der Vorredner erklärte es für einen Skandal, daß eine Aenderung des Gesetzes nicht beantragt wird, obwohl der Staatssekretär selbst zugibt, daß es Mängel hat. Aber wir können eben nicht jetzt chon an einem Gesetz herumdoktern, das erst 1910 erlassen ist; w»r notwendig i müssen eben auch hierzu erst die Wirkungen des Gesetzes von Kali abwarten.— Die unter 2 a beantragte Zufügung zu§ 13 wird — 1---- den beabsichtigten Zweck nicht erreichen; denn die Durchschnitts- löhne, die sehr schwer festzustellen sind, ermöglichen nicht einen Ver- gleich Oer Löhne der einzelnen. Auch gegen die Resolution Behrens habe ich Bedenken, denn wir können den einzelnen Werken nicht zumuten, ihre Lohnlisten zu veröffentlichen. Eher ginge eS mit den Tarifverträgen, sie sollen veröffentlicht werden, wenn die Werke zustimmen. Auch der Resolution unter 2 b und unter 3 können wir zustimmen.. Redner verbreitet sich dann, im Zusammenhang auf der Tri- büne unverständlich, über die Frage der Rabatte, die den land- wirtschaftlichen Organisationen nicht genommen werden dürften. Bei der Verteilung der Propaganoagelder haben wir Sachver» ständige gehört. Wir sind gern bereit, neue Anregungen zu prüfen, wir glauben aber, mit unseren Bestimmungen daS Richtige getroffen zu haben. Die 30 000 M.. die der Fifcherciverein bekam» men hat, dienen wissenschaftlichen V e r s u ch« n. DaS gleiche gilt von der Summe, die das Institut für GärungSgewerbe bekommen hat. Selbstverständlich kümmern wir uns darum, daß diese Gelder auch gesetzmäßig verwendet werden. Abg. Bärwinkel(natl.): DaS Kaligesetz sollt« nicht dem Profit der Unternehmer dienen, wie Abg. Hoch sagte. sondern der Verschleuderung der Kalisalze entgegentreten. DaS Zlvangssyndikat war zwar eine Folge, aber nicht die Absicht des Gesetzes.— Von den Propagandagcldern muß jede Organisation, heiße sie Bauernbund. Hansabund. Bund der Landwirte oder sonst» wie, etwas erhalten, wenn sie die dafür vorgeschriebenen Bedin» gungen erfüllt. Bon Kalischmiergeldern tarm jetzt, nach» dem das ReichSamt des Innern die Verwaltung der Gelder hat. keine Rede mehr sein. Erfreulich ist eS, daß für die Auslands- Propaganda mehr in den Etat eingestellt ist.— Mit der Rcfolu» tion 2 c. der auch die Sozialdemokraten zustimmen, verlangen sie eine VerbrauehSabgabe auf das Kali; damit verteuern Sie da» Kali und damit die landwirtschaftlichen Produktionskosten, und so» mit auch die notwendigsten Lebensmittel.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Lassen Sie doch die Verbrauchsabgabe, dann wird daS Kali billiger, und das ist auch die beste Propaganda. (Zustimmung bei den Nationalliberalen.)— Die Resolution 3 ver- langt die Vorlegung der auf Grund des KvligesetzeS abgeschlossenen Tarifverträge. Richtige Tarifverträg« sind sicherlich noch nicht auf emem einzigen Werk abgeschlossen. ES ist nicht gut, jetzt schon an dem Gesetz herumzumäkcln. der Industrie Monopole an- zudrohen usw. DaS beste ist jetzt, der Industrie Ruhe zu lassen.(Bravo! bei den Nationalltberalen.) Abg. Dr. Bell(Z.): DaS Kalisyndikat verlangt von den an der holländischen Grenze wohnenden Landwirten, daß sie ihre in olland gelegenen Grund st ücke nicht mit den» -Iben Kalisalzen düngen, wie die in Preußen elegenen. Das Syndikat beruft sich hierfür auf einige Para- graphen des KaligesetzcS. Aber durch dieses kann der Vertrag mit Holland nicht geändert werden, und das Verlangen dcS Kali- syndikats ist daher ungerechtfertigt; seine Auslegung verstößt übrigens auch gegen den Sinn des Kaligcsetze« selbst. Abg. Röser(Vp.) befürwortet seinen Antrag, statt Mülhausen (Elsaß! Straßburg als vierte Ausgangsstation für die Berechnung der Frachten festzusetzen. Zlbg. Behrens(Wirtsch. Vg.) befürwortet seine Resolution. Für verständige Vorschläge zur Verstaatlichung der Kaliwerke werden wir stets zu haben sein, aber bei Verwirklichung der Vorschläge des Herrn Hoch würde der Einfluß der Bureaukratie noch viel stärker werden. Die Weiterberatung wird beb tagt auf Dienstag 1 Uhr. Schluß 7# Uhr. Hbgcordmtenbaue. 39. Sitzung. Montag, den 18. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Sydow, v. Dallwitz, v. Velsen. Die Rubrrtmk-XntcrpeUationen. In den Interpellationen der Konservativen. Freikonfervativen, des Zentrums und der Nationalliberalen wird Auskunst über den Stand des Streiks, über die angeblichen Aus- s ch r e i t u n g e n verlangt und S ch u tz der Arbeitswilligen gefordert. Die fortschrittliche Volkspartei ftagt, was die Regierung zur Vorbeugung des Streiks getan hat und zu feiner Be- endigung beiiragen will. Abg. Strosscr(k.) begründete die Interpellation der Konservativen. Der Streik soll die christlichen Gewerkschaften zertrümmern. � Die öffentliche Meinung steht auf feiten der Arbeits- willigen. Hunderte von Ausschreiiungen werden gemeldet.(Zu- ruf bei den Sozialnemokraten: Unbewiesene Angaben!) Schlagen denn die Polizisten, die doch Familienväter sind, ibr Leben mnt- willig in die Schanzen? Eine Sprache wie die Sachses im Reichstag peitscht die Leute auf. DaS Slrcikpostcnftchcn ist Terror. Vor zwei Jahren haben das auch die F o r t s ch r i t t l e r gesagt. Aber s e i t d e n W a h l e n i st d a s vergessen. Wir begrüßen die Ankündigung einer Einschränkung des Waffenhandels und über- hanpt das schneidige Eingreifen der Regierung.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.): Nach der Taktik.Haltet den Dieb l" suchen die sozialdemokratischen Arbeiterführer die Aufmerksamkeil von den politischen Motiven des Streiks abzulenken. Der alte Verband will im Ruhrgebiet allein herrschen. Verbrecherisch wird gegen die Arbeitswilligen vorgegangen.(Beifall rechts. Widerspruch bei den Sozialdemokralen.) Bei dieser Macht- probe der Sozialdemokraten hat die Regierung nicht zu ver- Mitteln, wenn sie nicht den sozialdemokratischen Bestrebungen Nahrung zuführen will. iZurufe der Soziakvemokralen: Scharf- macheret!) Ich wollte, ich könnte die Spitzen der Regierung etwas schärfer inachen.(Heiterkeit rechts.) Wir begrüßen das rasche Vorgehen der Regierung und daS Militäraufgebot. Bei nach- drücklicher Anwendung der staatlichen Machtmittel wird die sozial- demokratische Machtprobe mit einer vollen Niederlage ende». (Stürmischer Beifall bei der Mehrheit. Lärm und Gelächter bei den Sozialdemokraten. Abg. Dr. Liebknecht ruft dem Abgeordneteit v. Zedlitz zu: Infame Heuchelei!— Großer Lärm rechts.) Präsident Dr. Frhr. v. Erffa ruft den Abg. Liebknecht zur Ordnung, der, als dem Abg. Friedberg das Wort erteilt wird, noch- mal« laut ausruft: Infame Heucheleil Stürmische Rnfe rechts: Raus mit dem Kerll rausl rauS! Präsident Dr. Frhr. v. Erffa ruft den Abg. Dr. Liebknecht nochmals zur Ordnung und warnt ihn vor dem dritten Ordnungsruf. Nötigen Sie mich nicht, von meinen Machtmitteln Gebrauch zu machen I iBeifall rechts!) Abg. Fncdberg(natl.): Obgleich der Ruhrbcrgmann der best- bezahlte Arbeiter ist, waren die Zechenbesitzer zu weiteren Verhandlungen bereit, freilich nicht mit dem allen Bergarbeiterverband. dieser Kampsorganisation, Auf Zecke Achenbach haben die Altverbändler dem Arbeiterausschuß vorgeschueben, daß er über die Lohnfrajje nicht verhandeln darf, da sie durchgekämpft werden soll. Eine Lohnstelgerung von IS Prozent würde den Bergbau unrentabel machen. Wenn wegen der Teuerung gestreikt würde, müßte man doch beiden schlechlest bezahlten Arbeitern anfangen, statt bei den bestbezahlten. Der Redner lobt die C h r i st l i ch e n. daß sie nicht mitmachen bei diesem politischen Machtlamps der Sozialdemokratie. Wir erkemien an. daß die Regierung ihre Schuldigkeit getan hat, M i l i t ä r a u f- gebot war notwendig und hat beruhigend ge- wirkt. Der Ingrimm der Sozialdemokraten über da« Militär» ausgebot ist verständlich. Die Polizei ging sehr ge- mäßigt vor. Die begreifliche Erregung der Streikenden ist nicht entschuldbar. Es darf nicht jeder seine eigenen Interessen vertreten ohne Rücksicht auf die Freiheit der andern. (Lebhafte Unterbrechungen bei den Sozialdemokralen.) Präsident Dr. Frhr. v. Erffa: Wenn der Reichstag mst 110 Sozialdemokraten die Verhandlungen ermöglicht, muß eS doch auch hier mit S möglich sein.(Heiterkeit rcchlS, erregte Rufe der Sozialdemokraten, die auf die Provolationen der Rechten aufmerksam machen und sich den Ton des Präsidenten verbitten, der erklärte, daß von der rechten Seite überhaupt kein Ton gesagt wird.— Andauernder Lärm.) Abg. Dr. Fricdberg(natl., fortfahrend) verurteilt den Kontrakt» bruch der Arbeiter und erklärt, daß eine unerbetene Vermiltelung der Regierung nur schaden kann. Der Staat muß bei solchen Jnteresieiikänipfen Gewehr bei Fuß stehen und nur dafür sorgen, daß nickt die Allgemeinheit geickädigt wird. Ganz besonders hier, wo es sich um einen politischen Machlstreik handelt. Ein arbeiterfreundlicher Mann nur wünschen kann, daß die Schädigung der von unfähigen Führern hingerissenen Arbeiter nicht gar zu groß werden möge.(Stürmischer Beifall bei den Rationalliberalen und rechts.) Abg. Dr. Pach'.iicke(Vp.): Bei den HerrenhauSverhandlungen, nach denen man glauben müßte, daß wir erst durch Ströme Blutes hindurchwaten müßten, scheinen die Hauptvertreter der Intelligenz nicht dagewesen zu sein. Die Bergarbeiter wären auck mit 10 Proz. Lohnerhöhung oder weniger zufrieden zewesen.(Abg. Dr. Hoffmann: DaS weiß Herr Friedberg auch.) Ob der Streik ausbrechen und namentlich, ob er mtt Komrailbruch inszeniert werden mußte, ist mir allerdings unklar.(HörtI hört! recktS.) Die Arbeiter haben loSgescklagen, ehe alle friedlichen Mittel erprobt waren.(Zustimmung rechts.) Aus der anderen Seite wurde einzelnen AuSichüssen die Zuständigkeit in der Lohnfrage rundweg bestritten. W>r verurteilen aufs schärfste den Terrorismus, aber die jetzigen Gesetze reichen au». Da»« n» rücken von Maschinengewehren kann aufreizend wirken und den Verdacht erwecken, als stehe der Staat mit feinen Macht- mittel,, auf seilen der Arbeitgeber. lSebr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Nicht neue Strafrechtsparagraphen und Ausnahme» gesetze sind notwendig, sondern v e r m i t t e l u n g« i n st a n ze n. DaS Kailerwort, daß Staatsbetriebe Musterbetriebe lein sollen, wäre Wahrheit geworden, wenn der HandelSminister uns erklären könnte. auf den staatlichen Gruben ist alles so geordnet, daß nicht gestreikt zu werden braucht.(Abg. Harm ann snatl.j: Graue Theorie! Unmöglich I) An die Gewer begerichte müsien ÄrbeitSlammcrn, ein ReichSeiiitgungSamt. die RechlSsähigkett der Beruisvcreine und Tarif- Verträge angclchlossen werden. Wir hoffen, daß bald ein für beide Teile ehrenvoller Friede kommen möge.(Beifall bei der BolkSpartei.) Abg. Jmbusch(g.): Die Sozialdemokratie plante s» etwa? wie einen internationalen Generalstreik. Gegenwärtig war der Streik eine Riesendummheit. Alle Vorbedingungen zum Erfolg. Geld und Einigkeit, fehlen. Der Arbeitswilliger, lchuy reicht aus. aber die Arbeitswilligen werden in unversckSiirtcster Weife belästigt. DaS muß selbst die„Frankfurter Zeitung" zugeben, die mtt dem.Berliner Tageblatt' und dem.vorwärts' auck einen Dreibund bildet. Eine tolle Heye gegen die ckrist» lichen Führer hat eingesetzt. An der Spitz- ficht der„vorwärts". das infame rote Lügenblatt! Im Reickstoge haben die Sozialdemokraten unserem Redner„JudaS" ziigernfcn: da» ist Ihr Anstand. Die Sieger in diesem Streik werden wir sein.(Beifall im Zentrum.) Handelsminisier Dr. Sydow betont, daß wenn er sich auch an der dreitägigen ReichStagSdcbatte beteiligt hat, für dieie preußische Angelegenheit der preußische Landtag zuständig sei. Ich lege Wert darauf, der Meinung entgegenzutreten, als könne eS die Absicht der preußischen Regierung oder des Parlaments sein, den preußischen Bergbau unter die Kontrolle deS Reichstags zu stellen.(Lebhafter Beifall bei den Konservativen.) Der Minister schildert eingehend die Entwickelung der Bergmanns- löhne. Absatzschwierigkeit«» hätte» die Lohnsenmng seit 1907 be» gründet. Die sKarfen Kämpfe bei den Sicherheitsmännerwciljlen verursachen das scharfe Zerwürfnis zwischen dem alten Verband und dem christlichen. Während der Dreibund seinerzeit eine Lohnbewegung nicht für angezeigt erachtete, wurden auf einer internationalen Berg- arbeiterzusammenkunft in Dover am 27. Januar 1912 gewissermahen die Jnstruklionen für sein Verhalten aufgestellt. sHörl! hört I Abg. Leinert sSoz.f: Das ist unwahr!) Die Resolution, die in Dover angenommen worden ist, lautet folgendermaßen: Die Versammlung des Internationalen Komitees der Bergarbeiter bedauert die Hand- lungsweise des deutscheu christlichen Gewerkvereins während der Be- wegung über eine Lohnerhöhung. Es ist unsere Ansicht, daß die Er- höhung der Bergarbeiterlöhnc erzielt werden wird, wenn alle Berg- arbeiterorganisationen Deutschlands einig und geschlossen handeln. Wir schlagen deshalb den hier vertretenen Bergarbeiterverbändcn— es waren vertreten Franzosen, Belgier, Engländer und deutsche Vertreter vom alten Verbände— vor, ihre Agitation zugunsten der Lohn- erhöhung fortzusetzen, und wenn die deutschen Bergarbeiter, nachdem alle Mittel gütlicher Vereinbarung mit den Unternehmern erschöpft sind, sich genötigt sehen sollten, zum Streik zu greifen, wird das internationale Komitee auf ihr Verlangen aufs neue zusammentreten, um über die prakiischen Mittel zu beraien, mit denen man sie in ihrem Kampfe gegen das Unter- nehmertum unterstützen kann."(Hört! hört!) Allerdings haben die englischen Bergarbeiter abgelehnt, ihrerseits zugunsten der Deutschen zu streiken(Hört I hört!), weil sie erklärten, vertragsmäßig an gewisse Kiindigungsfnsten gebunden zu fein.(Hört! hört!) In einer späteren internationalen Besprechung in London, an der wohl Herr Hue teilgenommen hat, wurde über den englischen Streikbeschlossen. Bei den Verhandlungen zwischen Fiskus und Syndikat hat in der Tat die Frage eine große Rolle gespielt, daß im Falle der Erhöhung der Kohlenpreise auch ein Weg gefunden werden müßte, die wünschenswerte Erhöhung der Bergarbeiterlöhne eintreten zu lassen.(Lebh. Hört! hört!) Die christliche Organisation hat den Streik abgelehnt, weil eine Lohnerhöhung auch ohne Streik zu erwarten sei, und weil sie nicht gewillt seien, die deutschen Interessen zurückzustellen, um die der Eilgläuder zu fördern.(Lebhafter Beifall.) Auf da? Schreiben der Bergarbeiter von Anfang Februar hoben. die Zechen hervor, daß eine Erhöhung der Löhne bereits erfolgt respektive mit Sicherheit zu er- warten sei. Dann kamen die bekannten Bergarbeitcrforderungen und der Zusanimentriu des Internationalen Komitees in London, an dem der Abg. Sachse teilnahm. Damals schwebten die Verhand- langen in England noch und es wurde noch keine Streikparole für Deutschland ausgegeben. Trotzdem die Zecken die Arbeiter- auSichüsse zu Verhandlungen über die Lohnerhöhungen beriefen, chrack der alte Verband die Verhandlungen ab. Eine s ch e m a- tische L o h n st e i g e r u n g ist bei der unterschiedliche» Arbeit nicht angebracht. Deshalb haben die fiskalischen Zechen ab- gelehnt, mehr zu tun, als eine allgemeine Zulage zu gewähren. Man hatte keinen Grund zu zweifeln, daß wir dieses Versprechen auch erfüllen würden. Die Löhne haben Ende Februar d. I. den Höchststand von 1907 erreicht, teilweise sogar überschritten. Zum Ziveifel an der Ehrlichkeit der Lohnversprechungen lag nicht die ge- ringste Berechtigung vor. Der Hauptgrund zum Streik war nicht die Lohnfrage, sondern man wollte die durch den englischen Streik geschaffene günstige Lage ausnutzen. Man wollte die Zechenbesitzer durch den allgemeinen Kohlenmangel zwingen.(Abg. Dr. Liebknecht: Sie sind ein Z e ch e n a n w a l t!) Ich vertrete auch die fiskalischen Zechen und habe ihre Interessen zu schützen. Es ist das letzte Mal. daß ich Ihnen antworte. Es wäre eine Verletzung der Würde des Hanse«, wenn ich mich in Privatgespräche mit Ihnen einlassen würde.(Lebhafter Beifall.— Abg. Dr. Liebknecht ruft: Das ist ja hier eine Kinderschule.— Tobender Lärin rechts. Rufe: Werft ihn raus!) ' Präsident Dr. Frhr. v. Erffa ruft den Abg. Dr. Liebknecht «»r Ordnung. Minister Dr. Sydow: Ich will nicht von Sympathiestreik sprechen, aber unzweifelhaft ist die deutsche Bergarbeiterbcwegung ein Glied in der Kette der internationalen Bergarbeiterbewegung.(Zu- stimmung.) Der Streik ist von 32 Prozent der Belegschaft am DiettSlag auf 67,»7, am Mittwoch auf b9,48 Prozent gestiegen. Mi» dem Einrücken des Militärs beginnt die rückläufige Bewegung. Es streikten am 14. noch öS Proz., am 1ö. noch bö'/g Proz. und am 16. März noch öS Proz. 24 000 Mann feiern wegen Krankheit. Am Sonnabend war ein Rückgang der Aus- ständigen um 6 Proz. zu bemerken. Bei der Frühschicht am Sonn- abend waren noch 164 MI, heute nur noch 153 066 Mann aus- (länbiß, Wenn der Abg. Pachnicke gemeint hat. wie schön eS wäre. wenn die fiskalischen Zechen streskfrei wären, so könnte man ja grundsätzlich alle Mitglieder des alten Verbandes ausschließen, aber das Geschrei möchte ich hören. Der FiSkuS beschäftigt 13 066 Arbeiter, die übrigen Zechen über 366 060 Arbeiter. Wie sollen da die Bergwerksbesitzer dazu komnien, dem Fiskus in der Gewährung höherer Löhne nachzufolgen? Zur Beendigung der Streiks können wir nur das eine tun. daß wir alles vermeiden, was den Streik verlängern müßte und dazu gehört, daß die Freiheit der Arbeitswilligen geschützt wird. Wir müssen uns aber auch einer vorzeitigen Vermittelung enthalten. (Lebhafte Zustimmung.) Die BergwerkSbesitzcr wünschen keine Bermittelung. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) E'.ne solche unerbetene Vermittelung hat keine Aussicht auf Eriolg. sie würde aufgefaßt werden als eine Parteinahme gegen den, der die Verinittelung nicht gewünscht hat. Der nächste Schritt aber wäre das Rufen nach dem Einschreilen der Gesetzgebung. Es ist wohl nicht der letzte Streik, oen wir erleben. Aber die irregeführten Arbeiter werden dadurch sehen, daß durch den Streik nicht mehr erreicht wird, als ohne ihn erreicht worden wäre. Hoffentlich nimmt der Streik bald ein Ende. Seine Verlängerung wird gerade die Bergarbeiter am meisten schädigen.(Beifall.) Minister des Innern v. Dallwitz erklärt eS als eine der vor- nehm st en Pflichten des Staates, jeden Arbeits- willigen zu schützen. Um rechtzeitig den notwendigen Polizei- schütz bereitzustellen, ist im Ministerium des Innern ein alle großen Industriezentren umfassender, bis in die klein ften Details ausgearbeiteter Verteilungsplan aufgestellt, (Hört! hört l) der ständig aus dem Laufenden erhalten wird und auck alle Gendarmen und Schutzleute genau be- zeichnet, die für die Entsendung nach diesen Bezirken in Betracht kommen.(Hört! hört!) Es war also möglich, schon am 11. März. auf welchen Tag der Streikausbruch festgesetzt war, 5666 Mann Polizeitriippen im Streikgcbirt zu haben.(Hört! hört! bei den Soziatdemokiaten.) Das hielten ivir für ausreichend. lg6ö war tS möglich, mit nur 3266 Maiin P o l i z e i t r tt p p e n die Ordnung oufrechlznerhalten. Auf Grund der damaligen Erfahrungen sind auch pic Zecke» ivehren außerordentlich vermehrt worden, wodurch der Polizei die Bewachung der Zechenanlagen erbeblich erleichtert wurde. Selbstverständlich habe ich von vornherein erforderlichenfalls militärische Hilfe ms Auge gefaßt iPftnruse bei den Sozialdemokraten. Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.) Den Behörden wurde die rechtzeige Heranziehung de« MiiitärS nahe- aeleat Der Minister liest dann eine Schilderung von Uebersällen der Streikenden auf Arbeitswillige und Polizisten vor«nd fährt Wz■£a« ist nur ein Teil der festgestellten Exzesse.(Dr. Lieb- kn e'ch t"(Soz.j: Festgestellt?— Gelächter rechts.) Die in Dortmund, Recklinghausen und Hamm immer deutlicher hervortretende Neigung zu Gewalttätigkeiten, Roh- beilen Widersetzlichkeiten und die übergroße Anspannung der Polizei machten dte Entsendung von Militär notwendig. Dadurch scheint eine wesentliche Beruhigung eingetreten zu sein. Tie«rbeiiswilligen werden mit Gewalt und Ehrverletznng bedroht. Streikende machen aus den Werken Stretkpropaganda.(Abg. Leinert(So,.): Ist ja nicht wahr!— Abg. Dr. A r e n d t jsk.j t Der ganze Streik ist nicht wahr! Gelächter.) Die Kleider der Arbeitswilligen sind lviederholt beschmutzt und unbrauchbar gemacht worden. Der Minister erklärt dann, daß er das Haus nicht mit den Expektorationen der sozialdemokratischen Presse behelligen wolle und verliest unter dem Gelächter der Mehrheit«nd den den Inhalt bestätigenden Rufen der Sozialdemokraten Berichte des „Berliner� Tageblatts" über die Unnötigkeit der des Militäraufgebots. Da eine Verstärkung der Polizei- Mannschaften nötig, aber nicht möglich war, mußte natürlich Militär herangezogen werden. Der Minister verliest weiter einen Artikel des„V o r w ä r t s". Da die Rechte hierbei fortwährend lacht, ruft Abg. Hoffmann(Soz.): Am vielen Lachen erkennt man den Narren!(Unruhe rechts.) Der Minister nennt die Behaup- tung, daß die Polizeimaßnahme überflüssig und die Beamten an den Exzessen schuld seien, grotesk und absurd.(Beifall bei der Mehrheit.) Er spricht weiter von üblicher Verdrehung und E n t st e l l n n g, die durch die von ihm vorgetragenen Tatsachen(Rufe der Sozialdemokraten t Die Ihnen aufgebundenen Märchen!) völlig widerlegt werden. Die sozialdemokratische Streikleitung hätte doch nicht am 13. schon zur Ruhe dringend gemahnt, wenn dazu kein Anlaß gewesen wäre! Der Rückgang des Streiks nach dem Einrücken des Militärs läßt erkennen, wie groß der Terrorismus der Streikenden vorher war. Woraus leitet der sozialdemokratische Arbeilerverband das Recht her, seinen Willen den Angehörigen eines selbständigen, ihm gleichberechtigten Verbandes aufzuzwingen und dessen Mitglieder als Streikbrecher den Streikenden zur entsprechenden weiteren Ver- anlassung zu denunzieren?(Heiterkeit und Beifall bei der Mehrheit.) Darf der sozialdemokratische Verband es wagen, den 183 666 übrigen Arbeitern seinen Willen attszuzwingen? Wenn die Streikleitung ge- glaubt haben sollte, die Staalsregierung werde ruhig zusehen, wie die Mehrheit der Arbeiter im Ruhrrevier' in brutalster Weise ver- gewaltigt wird, wie sie durch Ehrverletzung, Mißhandlung und Boiubenatteutate (Entrüstete Rufe bei den Sozialdemokraten: Bombenattentate? Wo war denn das? � Rufe rechts und im Zentrum: Ruhe! Ruhe I— Stürmische Rufe bei den Sozialdemokraten: Unerhörte Verdächtigung! — Erneute stürmische Rufe rechts, im Zentrum und bei den National- liberalen: Ruhe! Ruhe!— Ptäsiden: Dr. Frhr. v. Erffa bittet dringend um Ruhe)... dann hat sie sich gewaltig getäuscht und auf die ungeheuerlichen Beschimpfungen, die der Reichstags- abgeordnete Sachse unter Mißbrauch der parlamen- tarischen Immunität(Stürmischer Widerspruch bei den Sozial- demokraten, die diese Redewendung des Ministers als unerhört be- zeichnen; laute Zustimmung rechts und im Zentrum) den unter Ein- setzung von Leben und Gesundbeit, unter Anspannung aller Kräfte ihres Amtes waltenden staatlichen Sicherheitsorganen nachzusagen den traurigen Mut gefunden hat.(Erneute stürmische Protestrufe der Sozialdemokraten, der Präsident ermahnt zur Ruhe. Zuruf der Sozialdemokraten: Er hat eine Beschimpfung ausgesprochen! Abg. Borchardt: Un Verschämtheit!— Präs. Dr. Freiherr v. Erffa ruft den Abg. Borchardt zur Ordnung.) Auch diese Dinge können unsere Haltung nicht ändern. Die staatlichen Behörden und Beamten werden sich nicht abhalten lassen, nach wie vor ihre Pflicht zum Schutze des Lebens, der Gesundheit und der Ehre der Arbeitswilligen zu tun.(Abg. Hoffmann: Geschäftsführer der Konservativen!) Daß die bestehenden Machtmittel mit aller Energie einzusetzen sind, ist der unabänderliche Wille der StaatSregicrung. Die Verantwortung fällt auf diejenigen, die zu Gewalttätigkeiten gegen die Arbeitswilligen und Beamten anreizen. (Stürmischer, anhaltender Beifall rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen.) Das Haus beschließt die Besprechung der Interpellation. Abg. Hirsch(Soz., zur Geschäftsordnung): Ich stelle fest, daß der Minister deS Innern die Ausführungen eines Mitgliedes des Reichstages als Beschimpfungen bezeichnet hat.(Zuruf rechts: Das waren sie auch I> Ich erlaube mir dieAnfrage, obauch wir in Zukunft das Recht haben, Ausführungen von Mitgliedern anderer parlamentarischer Körperschaften oder Ausführungen vom Regiernngstisch als Be- fchimpfungen zu bezeichnen.(Lachen rechts.) Durch Ihr Lachen ist meine Anfrage ja eigentlich beantwortet. Wir werden uns also nächstens das Recht dazu nehmen.(Sehr gur I bei den Sozialdemokraten.) Das Haus vertagt sich. Abg. Dr. Pachnicke(Vp.) verwahrt sich in persönlicher Be- merkung gegen die Polemik des Ministers Sydow, die sich gegen Ausführungen richteten, die Dr. Pachnicke gar nicht ge- macht hatte. Dienstag 11 Uhr: Antrag über den Religionsunterricht der Disstdentenkutder, Besprechung der Ruhrstreikinterpellation � Schluß 4 Vi Uhr._ Gcricbtö-Zeitung. Eine völlig haltlose Anklage gegen eine Jngendorganisation. Gegen 22 Mitglieder der Iugendorgant- s a t i o n richtete sich ein Strafverfahren wegen Uebertretung deS Reichsvercinsgefetzes, welches gestern unter Vorsitz des LandgerichtsdircktorS E h r e ck e die vierte Straf- kammer des Landgerichts III beschäftigte. Angeklagt waren 22, darunter 8 weibliche, jugendliche Personen, denen zur Last gelegt wurde, sich dadurch gegen die§§ 3 Absatz 2—4 und 17 des Reichsvereinsgesctzes vom 19. April 1993 vergangen zu haben, daß sie eS unterlassen hatten, die Satzungen und daS Mitgliederverzeichnis des politischen Vereins„Freie Jugendorganisation W e i st e n s e e" bei der Polizei- bchörde einzureichen und ferner als Personen unter 18 Jahren an den Sitzungen eines politischen Vereins teilgenommen zu haben. Dieser Anklage liegen folgende Einzelheiten zugrunde: Nachdem durch rechtskräftiges Urteil des Oberverwaltungs- gerichts vom 14. Oktvber 1919 der Verein„Freie Jngendorgani- sation für Berlin und Umgegend" für politisch erklärt worden ivar, erhielten die Polizeiorgane der einzelnen Vororte von Berlin die Anweisung, auf die einzelnen Zweigvereine der Jugendorganisatian besonders achtzugeben und festzustellen, ob diese politischen Charakters sind. Der Gendarm Müller VI in Weißensce beobachtete deshalb den in einem dortigen Restaurant tagenden Verein und stellte hierbei einmal fest, daß der jetzige Mitangeklagte, Schriftsetzer Paul Schulz, an einem Tische stand und anscheinend einen Vortrag hielt. Obwohl weiteres Belastungsmaterial nicht vorlag, wurde eine Anklage erhoben, dte dann, wie unseren Lesern erinnerlich, vor dem Schöffengericht mit einer Freisprechung der sämtlichen Angeklagteir endete. Das Schöffengericht erkannte an, daß jeder Beweis dafür, daß der Verein einen politischen Charakter habe, fehle. Der Verdacht, daß eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezweckt werde, sei bei einem nicht konfessionellen und nicht lediglich dem Vergnügen dienenden Arbeiterverein stets vor- Händen und auch erklärlich, weil er ein Verein von Arbeitern ist, die alle einer politischen Partei angehören. Die Angaben der Angeklagten, daß der Verein lediglich der Bildung und der Ausklärung unter der jugendlichen Arbeiterschaft dienen solle, sei deshalb nicht widerlegt. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. In der gestrigen Verhandlung erklärte der Verteidiger Rechts- anwalt Dr. Kurt RosenfeJld, daß von den An- geklagten keinerlei Erklärungen über ihre Mitgliedschaft oder über sonstige den Verein betreffende Tinge abgegeben würden, so daß es Sache der Staatsanwaltschaft sei, den Belveis zn führen, ob die Angeklagten überhaupt Mitglieder waren be- ziehungswcise daß in den Versammlungen über politische Dinge gesprochen worden sei. In der Beweis» ausnähme wurden mehrere Polizeibeamte auch über dte Angaben vernommen, die ihnen die Angeklagten über ihre Beteiligung an dem Verein selbst gemacht hatten. Die Zeugenvernehmung ergab absolut nichts dafür, daß man sich in dem Verein oder in der erwähnten Versamnilung mit politischen Angelegenheiten befaßt habe. Nunmehr beantragte der Staatsanwalt die Verlesung von Liedern aus dem Jugendliederbuch und ferner die Verlesung einiger Leitartikel aus der„Arbeiterjugend". Der Verteidiger, ersuchte, den Antrag als unerheblich abzulehnen. Es sei gar nicht nachzuweisen, daß die weniger politischen Lieder des Buches von den jungen Leuten gesungen wurden, und wenn wirklich einmal ein solches Lied gesungen worden sein sollte, so wäre das noch keineswegs ein Beweis dafür, daß die Organisation im Sinne des Gesetzes politisch sei. Wenn aber der Staatsanwalt bestiiimte Artikel aus der„Arbeiterjugend" verlesen wissen wolle, so müsse er als Verteidiger beantragen, einen ganzen Jahrgang des Blattes herzunehmen, damit man ein richtiges Bild von dessen Charakter erhalte. Uebrigens sei der Antrag des Staatsanwalts auch deshalb unerheblich, iveil das Blatt doch nicht Vereinsorgan war, sondern nur Abonnenten unter den Mitgliedern hatte.— Das Gericht lehnte den Antrag des Staatsanwalts aus den vom Verteidiger angeführten Gründen a b. Der Staatsanwalt führte darauf aus, der Beweis für den politis chen Charakter des Vereins hätte nur noch durch die vom Gericht abgelehnte Verlesung der erwähnten Schrift- stücke erbracht werden können. Andere Beweise habe die An- klagebehörde nicht. Er müsse die Entscheidimg dem Gerichtshof überlassen, könne aber die Berufung nicht zurückziehen. Der Verteidiger beantragte Freisprechung sämtlicher Angeklagten und Uebernahme auch der den An- geklagten erwachsenen notwendigen Auslagen einschließlich der Verteidigungskosten auf die Staatskasse. Trotz des Aufgebots eines gewaltigen Apparats von Zeugen und angeblichen Be- Weismitteln und wiewohl Haussuchungen über Haussuchungen veranstaltet waren, seien als ganzes Beweismaterial nur übrig geblieben die roten Buchstaben, die aus einer in den Verkehrs- lokalen ausgehängten Tafel sich befanden und die die Anklage- behörde als„Veiveismaterial" herbeigeschafft hatte. Das Gericht sprach die Angeklagten frei. Es sei zweifellos, daß dieselben Personen, die in der Abteilung Weißensee der aufgelösten Jugendorganisation von Berlin und Umgegend eine maßgebende Rolle spielten, auch jetzt wieder an der Spitze des Vereins standen. Aber wenn dieser Verein auch berufen gewesen sei, sozialdemokratische Gesinnung zu pflegen, so genüge das nicht zur Feststellung seines politischen Charakters. Hierzu sei eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten als Vereinstätigkeit notwendig, und dafür sei der Beweis nicht erbracht. Die Kosten des Verfahrens müsse die Staatskasse übernehmen. Die notwendigen Auslagen, ein- schließlich der Verteidigungskosten, seien der Staatskasse jedoch nicht auferlegt. Denn so hätten die Dinge nach Auffassung des Gerichts nicht gelegen, daß die Anklage von vorn- herein als unbegründet anzusehen gewesen wäre. Die Freisprechung ist erfolgt. Eine Unsumme von ver- meidbaren Kosten ist dem Staat, das heißt den Steuerzahlern durch die Erhebung der Anklage auferlegt. Und wiewohl die Angeklagten als völlig schuldlos befunden sind, hat man ihre Auslagen der Staatskasse nicht auferlegt! Weshalb nicht? Die Begründung des erstinstanzlichen Urteils weist daraufhin: der Verdacht der Strafbarkeit liege bei einem Ar- beiterverein stets vor. Der Verdacht, das heißt aus dem Strafdeutsch ins Bürgerliche übersetzt: der Wunsch, daß der Arbeiterverein strafbar sei. Haufen von Haussuchungen werden vorgenommen, die Angeklagten polizeilich inquiriert. ein großes Polizeiaufgebot und rote Buchstaben mar- schieren auf, ohne daß auch nur ein Funken Be- weis erbracht wurde. Der„Verdacht" löst sich in blauen Dunst auf. Trotz der Hinfälligkeit des Bewetsmatertals be- antragt der Staatsanwalt nnd beschließt ein Gericht aber, die Angeklagten seien„hinreichend verdächtig", gegen das Vereinsgesetz gefrevelt zu haben. Das Schöffengericht spricht frei. Das genügt dem Staatsanwalt nicht: Berufung wird eingelegt. Abermalige Freisprechung erfolgt. Und dennoch macht das Gericht von der ihm gegebenen Befugnis keinen Gebrauch, die Auslagen der freigesprochenen Angeklagten der Staatskasse aufzulegen. Und das mit der salomonischen Be- gründung, daß die Anklage„nicht von vornherein als un- begründet anzusehen gewesen wäre". Potztausend: wer kann dafür? Doch die Angeklagten nicht. Kann es denn eine un- begründetere Anklage geben, als eine gegen schuldlose Angeklagte angestrengte? Ist etwa jede haltlose Anklage„nicht un- begründet", wenn der Anklagebehörde nicht die Schuldlosigkeit klar ist? Das heißt ja, die Beweislast völlig umdrehen und„von vornherein", Wenns der Staatsanwalt- schaft behagt, jeden Menschen für alle möglichen und nicht begangenen Verbrechen„dringend verdächtig" zu erachten. Gesundes Rechtsempfinden nimmt an: nur wenn eine straf- bare Tat begangen ist, kann jemand als der Täterschaft verdächtig erachtet werden. Hier ist's umgekehrt: weil überhaupt keine strafbare Handlung begangen ist und ins» besondere die Angeklagten sich straflos gehalten haben, aber der„Verdacht"— lies:„der Wunsch"— einer strafbaren Handlung vorliegt, weil's sich um Arbeiter handelt— ist die hinfällige Anklage nicht„von vornherein" hinfällig. Je un- bewußter, desto klarer hat das Gericht in diesem Fall gezeigt, daß es sich bei seiner fehlsamen Entscheidung über die den Angeklagten erwachsenen notwendigen Auslagen von dem Klassenvornrteil gegen Arbeiter hat irreleiten lassen. Die Angeklagten sind freigesprochen, durch eine haltlose Anklage sind ihnen Auslagen aufgebürdet, weil sie unschuldig sind, aber nach Annahme der Anklage schuldig hätten sein sollen. Bei solcher Justiz ist Justiz und Gerechtigkeit klar zweierlei._ Wegen Aufforderung zum militSrischen Landesverrat hatte gestern die 5. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Gockel gegen den aus der Untersuchungs- hast vorgeführte Kaufmann Ludwig Aimmerniann zu verhandeln. In der Verhandlung wurde vor Verlesung des Eröffnungsbe- schluffes wegen Gcfährdiing der StaatSsichetheit die Ocsfcntlichkeit ausgeschlossen. Wie aus den össenilich verkündeten Urteilsgründen hervorging, handelt c5 sich um folgendes: Der Angeklagte befand sich vor einiger Zeit in schwierigen materiellen Verhältnissen. Um sich aus diesen herauszuhelfen, kam er eines Tages, als er eine Zeitungsnotiz über eine Spionageaffäre las, auf den Gedankem sich ebenfalls als Spion zu betätigen. Er richtete an das„Nach-, richtenbureau" des französischen Kriegsministeritims ein Schreiben, in Welchem er seine Dienste als Spion anbot. Er erhielt auch nach einigen Tagen den Bescheid, daß rnrnt dort sein Angebot akzeptiere, wenn er nÄchwcisen könne, daß er mit deutschen Offizieren in Ver� bindung stehe und Verbindung mit Militärs Hobe, die in den Grenz. orten garpisonierew Diesen Bescheid sandte erärts"artikcl wollen uns nachweisen, daß die Dämpfung des Wahl- kampfes uns gar keinen Schaden zugefügt hat in den Kreisen, wo wir mit den Fortschrittlern in der Stichwahl standen, sondern daß im Gegenteil wir in einem großen Teil dieser Kreise einen Stim- menzuwachs gehabt haben. Das ist allerdings mehr, als was wir bisher gewohnt waren.(Sehr richtig!) Es war doch der Wunsch und Wille der Parteileitung, daß, wenn ein solches Abkommen ge- troffen wird, wir nicht mehr Stimmen erhalten, als am Tage der Hauptwahl. Wenn wir trotzdem an Stimmen zugenommen haben, so ist das ein Beweis dafür, daß die Parteigenossen ohne Rücksicht auf das Abkommen in den Stichwahlkampf gegangen sind. Das ist das Allerschlimmste, was wir bisher in der Partei erlebt haben. (Lebhafte Zustimmung.) Und es wird dazu führen, daß sämtlich Beschlüsse des Parteivorstandes, bevor sie ausgeführt werden, d«>r Nachprüfung in allen einzelnen Kreisen unterworfen werden. Wenn wir bisher stolz waren auf unsere Erfolge, so war das zu danken unserem geschlossenen Vorgehen. Nachher wurde eventuell Kritik geübt; aber im Kampfe wurde stets ohne weiteres den Parolen des Parteivorstandes nachgekommen. Hier aber geschah das nicht, weil das Abkommen die Genossen vor den Kopf gestoßen hatte. Der Standpunkt des Parteivorstandes ist ja sogar von denjenigen ver- urteilt worden, die sonst bereit sind, durch Dick und Dünn mit den Freisinnigen zu gehen. Di«„Schwäbisch Tagwacht", die sich doch besonders nach dieser Richtung hervorgetan hat, verurteilt im Leit- artikel vom 14. März das Stichwahlabkommen des Parteivorstandes ganz entschieden und sagt: „Eines mutz mit allem Nachdruck betont werden: hätte der Parteivorstand nicht völlig aus Eigenem, ohne irgendeine der be- teiligten Organisationen darüber zu hören, abgeschlossen, dann tväre das Abkommen mit der Dämpfung in 16 Kreisen nicht zustande gekommen."(Hört! hört!) Selbst die sonst in Opportunismus nicht zu übertreffenden süd- deutschn Genossen kommen zu diesem Schluß. Aber weiter... (aus der Versammlung ertönen Schlutzrufe). Ich mutz das Not- wendige vorbringen! ES ist bedauerlich, daß es nicht möglich sein soll, in der heutigen Generalversammlung eingehend die Sache zu besprechen.(Zurufe: Das verbietet keiner! Aber kürzer!!) Dafür ist die Resolution kurz und deswegen werden Sie zweifellos mit mir einverstanden sein. Sie enthält durchaus nichts Verletzendes und will lediglich aussprechen, daß wir das Stichwahlabkommen für verfehlt halten, in Zukunft derartiges nicht wünschen. AuS diesem Grunde appellieren wir an Sie, unseren Antrag möglichst ein- stimmig anzunehmen, damit ewe solche Stichwahlparole nie wieder kommt!!(Lebhafter Beifall bei einem großen Teil der Versamm- lung.) PartcivorstandSmitglied Genosse Otto Bronn(die Versamm- lung bricht in lebhaste Heiterkeit aus, als der Redner mit umfang- reichem Maerial auf der Tribüne erscheint): Parteigenossen und»Genossinnen! Erschrecken Sie nicht über den Umfang meines Materials. Die Sack« ist allerdings wichtig, und der Umstand, daß zum erstenmal der Parteivorstand öffentlich zu dieser Frage Stellung nimmt, ist wohl Veranlassung genug, daß ich die Sache etwas eingehender behandele, als es sonst im Rahmen einer Diskussionsrede üblich ist. Der Parteivorstand war sich, als er an den Ahschluß dieses Abkommens herantrat, der schweren Ver- antwortung wohl bewußt, die er damit auf sich nahm. Die Situation, in der wir uns befanden, war eine schwierige. Wir waren jedoch einmütig der Ueberzeugung, daß wir im Interesse der Gesamt- Partei so handeln muhten, wie wir gehandelt haben. Der Wahlkampf, den unsere Genossen im ganzen Lande mit prächtigem Elan geführt haben, war in erster Linie darauf ein- gestellt, den f-ihivarzblauen Block zu zertrümmern und die Reichs- tagsmehrheit, die dem Volke so viel Ungemach zugefügt hat, zu be- seitigen. Alle die Wähler, die für die Sozialdemokraten und für die Liberalen gegen Konservative und Zentrum eintraten, waren in erster Linie von dem Bestreben geleitet, die Mehrheit der Junker und Heiligen zu brechen. Bei der Hauptwahl haben wir dieses Ziel nicht erreicht. Die Sozialdemokratie brachte es auf 4% Millionen Stimmen, die Fort- schrittliche Volkspartei auf 1)4 Millionen. In der Debatte über das Stichwahlabkommen ist nun von der Genossin Rosa Luxem- b u r g, auf deren Artikel in der„Leipziger Volkszeitung" ich mehr- fach zurückkommen mutz, behauptet worden, die Fortschrittliche Volks- Partei sei durch die Hauptwahl vollständig vernichtet worden; sie habe null Mandate erhalten. Wenn man eine Partei, die hei Millionen Stimmen infolge der schändlichen ungerechten Wahl- kreiseinteilung kein einziges Mandat in der Hauptwahl erhält, für vernichtet betrachtet und daraufhin politische Rechenexempcl gründet, so kann man zu ganz merkwürdigen Resultaten kommen. Eine Partei, die um 300 000 Stimmen zugenommen hat, die prozentual fast dieselbe Zunahme wie die Sozialdemokratie zu verzeichnen hat, kann man nicht als politisch gleich null betrachten, sonst ge- langt man zu ganz gefährlichen Trugschlüssen.(Zustimmung.) Uebrigens, wenn man die Fortschrittliche Volkspartei als Null be- trachtet, was wären dann die Konservativen? Diese haben nur 9,3 Proz. der abgegebenen Stimmen auf ihre Kandidaten ver- einigt, sie wären also eine noch viel größere Null!(Heiterkeit.) Es ist ein ganz irresührendes Vorgehen, wenn man in dieser Weise das politische Stärkeverhältnis wertet. Die schwarzblaue Mehrheit war in der Hauptwahl nicht be- seitigt; ahcr das Stichwahltableau zeigte, daß die Möglichkeit wohl vorlag, dieses Ziel zu erreichen, wenn die Parteien, die gegen Schwarzblau standen, gemeinsam operierten. Unser Jenaer Parteitag hat über unsere Stellung bei den Stichwahlen Beschlüsse gefaßt und die Bedingungen formuliert, deren Anerkennung von den gegnerischen Kandidaten verlangt werden mußte, die auf unsere Hilfe rechnen wollten. In den Erörterungen der Berliner Kreis- gencralversammlungen ist mehrfach, so auch von Stadthagen in Niederharnim, erklärt worden, die Verpflichtung auf unsere Stichwahlbcdingungcn hätte genügen sollen, unsere Unterstützung zu gewähren, ob nun Gegenleistung gegeben würde oder nicht; soviel politische Reife müsse man beim Gegner erwarten, daß er entsprechend handele. �> Wir vom Parteivorstand hatten nicht soviel Vertrauen zu der politischen Reife der Fortschrittler nach all den Vorgängen früherer Jahre.(Sehr gut!) Wir sagten uns, damit kann die Sache nicht abgetan fein. Die Parteigenossen im Lande sind es satt, bei jeder Wahl den Fortschritt herauszuhauen gegen die Konservativen und einfach zuzusehen, wie die Fortschrittler gegen uns den Konserva- tiven zum Siege verhelfen.(Zustimmung.— Zuruf: Trotzdem wir uns dämpfen?) Dämpfen Sie doch vorerst nur Ihre Ungeduld! (Heiterkeit.)' In 24 Kreisen standen die Fortschrittler in Stichwahl mit den Konservativen und waren mehr oder weniger auf unsere Stichwahlhilfe angewiesen. In anderen 39 Kreisen standen wir mit einem Reaktionär in Stichwahl und waren auf die Hilfe der Fortschrittler angewiesen. So standen die Dinge, als die Ver- Handlungen begannen, die von den Fortschrittlern in der Absicht aufgenommen und vorerst geführt wurden, sich mit uns über die Form, in der die Verpflichtung auf unsere Stichwahlbedingungen durch die fortschrittlichen Kandidaten erfolgen sollte, zu verständigen. Nun ist in der Presse auch diese Form als nicht genügend hin- gestellt worden. Genossin Rosa Luxemburg erklärt in der „Leipziger Volkszeitung", daß der Parteivorstand sich mit nichts- sagenden Phrasen vom fortschrittlichen Programm habe abfinden lassen. Wir haben aus Gründen, die uns stichhaltig erschienen und die nicht in der Richtung einer Abschwächung der Bindung der fortschrittlichen Stichwahlkandidatcn lagen, eingewilligt, daß die Verpflichtung in der Form abgegeben wurde, wie das geschehen ist. Denn wir waren der Meinung: Wenn die fortschrittlichen Kandi- daten erklären, die von uns gestellten Bedingungen entsprächen dem Programm der Fortschrittlichen Volkspartei und das sei für sie verbindlich, dann haben sich die Kandidaten für jeden, der lesen kann, auf unsere Bedingungen, deren Identität mit ihrem Pro- gramm sie ausdrücklich anerkennen, festgelegt. Eine weitere Fest- legung wäre es auch nicht gewesen, wenn die Kandidaten erklärt hätten, sie seien bereit, die Jenaer Bedingungen zu erfüllen. Durch die zentrale Abmachung wurde nicht nur der einzelne Kandidat festgelegt, sondern die ganze Fortschrittliche Volkspartei. Als darüber die Verständigung erzielt war, waren die Fort» schrittler der Meinung, daß nunmehr eigentlich alles erledigt ser CHört! hört!), daß sie sich damit unsere Hilfe gesichert hätten. Darauf erklärten wir: Damit ist es nicht abgetan, sondern wir müssen beanspruchen, soll das gesteckte Ziel der Zertrümmerung des schwarzblauen Blocks erreicht werden, daß Sie unsere Kandi- daten in allen Kreisen, wo wir mit Reaktionären in Stichwahl stehen, unterstützen.(Zuruf: Ist das geschehen?) Dagegen wurde eingewendet, eine zentrale Parole könnten sie gar nicht ausgeben, weil in dem fortschrittlichen Parteistatut stehe, daß die einzelnen Wahlkreise über die Stichwahlparole zu entscheiden hätten. Gleich- wohl haben wir erklärt: Ohne zentrale Stichwahlparole für unsere Kandidaten gehen wir auf die ganze Sache nicht ein!!(Zustim- mung.) Aus den Verhandlungen gewannen wir den Eindruck, daß die Fortschrittler geneigt waren, es wieder so zu machen, wie Lei früheren Wahlen; daß sie nämlich von links und rechts Stichwahl- Hilfe nehmen wollten. Sie glaubten, unsere Stichwahlhilfe durch die Anerkennung der Jenaer Bedingungen zu erhalten, gedachten aber im übrigen die Sache ohne Parole gehen zu lassen, wie früher. Nachdem wir klipp und klar erklärt hatten, so geht das nicht, wie bisher(Sehr gut!) machten sie den Einwand, daß sie doch in etwa 30 Kreisen mit uns in Stichwahl ständen und daß sie sich durch die Ausgabe einer zentralen Parole� die Stichwahlhilfe der Konservativen, die sie bisher gehabt hätten und auf die sie auch diesmal rechneten, verscherzen würden. Darauf erklärten wir: entweder links oder rechts; dieses Hilfe- nehmen von rechts und links, wie bisher, machen wir nicht weiter mit! Dann haben sie das Verlangen gestellt, wir sollten aus der Verärgerung der Schwarzblauen über ihr Eintreten für uns kein Kapital schlagen und unsere Kandidaten in einzelnen Kreisen zurückziehen. Wir erklärten, daß davon keine Rede sein könne. sLebhafte Zustimmung.) Darauf verlangten die Fortschrittlcr, daß wenigstens von unserer Seite der Wahlkampf derartig ab- geschwächt würde, daß es den Fortschrittlern möglich bleibe, trotz der konservativen Verärgerung sich diese Kreise zu sichern.(Zuruf: Feine Diplomaten! Heiterkeit.) Ja, beim Verhandeln zwischen Parteien wird eben diplomatisch verfahren, sonst kommt nichts zu- stände.(Heiterkeit.) Es ist allerdings in der„Leipziger Volks« zeitung" gesagt worden, auf diese Zumutung hin hätte der Partei- vorstand die fortschrittlichen Kuhhändler mit besonderer Beschleuni« gung die Treppe hinunterwerfen sollen.(Sehr richtig! und Ge« mr lächter.) Nun, Parteigenossen, so kann wohl eine unverantwortliche, kapriziöse Primadonna handeln, aber nicht die Führer einer großen Partei, wenn sie vor Entscheidungen von großer politischer Trag--' weite stehen.(Lebhaftes Sehr richtig!) Wir waren uns wohl be- wüßt, daß die Fortschrittler eine starke Zumutung an uns stellten und daß wir an die Disziplin unserer Parteigenossen im Lande hohe Anforderungen stellen mußten, wenn wir darauf eingingen. Wir haben daher im Vorstande eingehend beraten und zu unseren Beratungen auch den Genossen Kautskh und die politische Ne- daktion des„Vorwärts" hinzugezogen. Auch diese waren mit uns der Meinung, daß vom prinzipiellen Standpunkt sich gegen ein derartiges taktisches Vorgehen nichts einwenden lasse.(Hört! hört!) Nun hieß es abet, schnell handeln, der Mittwoch war herangerückt und Sonnabend war der erste Stichwahltag. Aus dem Reiche wurde stündlich bei uns angefragt, was zu tun sei, die merkwürdigsten Geschäfte waren draußen im Gange. Da mußten wir zu einer Entscheidung koiymen, um ein Tohuwabohu zu verhüten. Wir entschlossen uns, die Bedingungen der Fortschrittler zu akzeptieren und über die einzelnen Kreise zu verhandeln. Von vornherein war für uns ausgemacht, daß die Kreise, die wir aus eigener Kraft holen konnten, unter keinen Umständen zugestanden würden. ES wurde auch eine Reihe von Kreisen nicht zugestanden, bei denen wir von vornherein wußten, daß sie gar nicht zu holen waren und später auch tatsächlich nicht geholt worden sind. Von den 16 Kressen, die wir ihnen zugestanden haben— einer scheidet noch aus, der später freigegeben wurde—, waren in 9 Kreisen die Fortschrittler uns an Stimmenzahl voraus. Dort war ihnen sonach schon der Sieg sicher, wenn die Konservativen Gewehr bei Fuß standen. Wir wissen aber ganz genau, daß das Klassenintereffe der Leute, die dort in der Hauptwahl konservativ gestimmt haben, so groß ist, daß sie selbst gegen ihre Parteiparole in nicht unerheblicher Zahl für den Freisinnigen eintreten.'(Sehr richtig!) Die Kreise Hagen und Nordhausen scheiden insofern aus, als wir sie ja erobert haben.(Un. ruhe.) Hagen war nur irrtümlich zugestanden, weil die Vertreter dieses Wahlkreises uns erklärt hatten, die Stichwahl sei aussichtS- los.(Hört! hört!) Sobald uns erklärt wurde, das sei ein Irrtum, haben wir Hagen freigegeben. Die Folge war auch, daß das Mandat geholt wurde. Aber es hat sich gezeigt, daß wir gerade das Hagener Mandat nicht geholt hätten/ wenn das Abkommen nicht geschlossen worden wäre.(Sehr richtig!) In der Haupt- wähl erhielten in Hagen die Gegner 26 968 Stimmen, der Sozial. demotrat 23 184. In der Stichwahl verlor der Gegner 3000 Stimmen, zweifellos Reaktionäre, die zu Hause blieben; er ging auf 23 840 Stimmen zurück, während wir 1000 Stimmen heraus- holten, eine Stimmcnzunahme, die wir stets in solchen Kreisen bei der Stichwahl aus eigener Krait herausholen können. Wären Freisinnige und Konservative zusammengegangen, wie die Regie- rung dies angestrebt hat, dann wäre der Kreis uns rettungslos verloren gewesen.(Zustimmung.) Genau so war es in Nordhausen. Tort erhielten die Gegner in der Hauptwahl 9019 Stimmen, wir 7400. Wenn man-nicht gerade damit rechnete, daß die Antisemiten den Genossen Cohn, der dort kandidierte, wählen oder durch strikte Stimmenthaltung unterstützen würden, was bei einem Zusammen- gehen aller bürgerlichen Parteien ausgeschlossen war, dann war der Kreis nicht zu holen. Da der Freisinn aber den Antisemiten in Eschwege-Schmalkaldcn Stichwahlhilfe versagte, sind ungefähr 1000 Antisemiten in Nordhausen nicht etwa zu Hause geblieben, sondern zur Wahl gegangen und haben den Genossen Cohn gewählt.(Stür- mische, iangandauernde Heiterkeit.) Nun wird dem Parteivorstand auch zum Vorwurf gemacht, daß er. nachdem am ersten Stichwahltage die Freisinnigen so schmäh- lich versagt hatten, sich noch weiter an das Abkommen gehalten und nicht die 16 Kreise freigegeben habe.(Sehr richtig!) Das wäre sehr falsch gewesen. Wir legen Gewicht darauf, daß die Leffcnt- lichkcit weiß, daß wir ein Abkommen, das mit uns geschlossen wird, konsequent durchhalten.(Lebhafte Zustimmung.) Wären wir auf den ersten Eindruck hin abtrünnig geworden, dann hätten wir die besseren Erfolge der beiden weiteren Stichwahltage schwer gefährdet, und in Zukunft hätten wir uns sagen lassen müssen: Mit Euch kann man kein Abkommen schließen, Ihr haltet es doch nicht.(Zurus; worden .. Parteigenossen, ich komme zum Schluß. Wir haben nach einem mit Begeisterung und Opferfreudigkeit geführten Wahlkampfe einen prächtigen Erfolg errungen. Millionen Proletarierherzen schlugen höher, als die 110 Vertreter der Niedergerittenen von 1907 in den stolzen Bau am Königsplatz einzogen. Sollten wir jetzt ebenso wie 1903 wieder nichts besseres zu tun wissen, als uns zum Gaudium unserer Gegner gegenseitig zu zerfleischen und uns die Sieges freude zu vergällen? Gewiß, Kritik muß sein und der Parteivorstand hat selbst dazu aufgefordert. Aber sie schadet der Partei mehr, als sie ihr nüßt, wenn sie in der herabseßenden vergiftenden Art geübt wird, wie es jekt wieder in den Barteiblättern in Leipzig und Bremen geschieht. Es ist dieses um so mehr zu bedauern, als wir schweren Zeiten entgegengehen. Im Westen stehen Hunderttausende tlaffenbewußte Grubenproletarier in einem schweren Kampf mit ihren Peinigern. Die Junker und Scharfmacher aller Schattierungen schreien sich heiser nach Ausnahmegesetzen, Staatsanwälten, Militär, Polizei, Säbeln und Maschinengewehren. Da sollten wir, nachdem wir einen so herrlichen Erfolg erzielt haben, die Phalang schließen und zusammenstehen, um den kommenden Stürmen gegenüber gewappnet zu sein. Nicht gruppieren sollten Sie sich für oder gegen den Parteivorstand, sondern für jeden Parteigenossen muß es jetzt heißen, mit dem Parteivorstand vorwärts, neuen Kämpfen, neuen Siegen entgegen.( Lebhafter Beifall.) Aus der Versammlung, die nun, weil das Lokal geräumt werden muß, vertagt werden muß, wird lebhaft der Wunsch geäußert, die Artikel der Leipziger Volkszeitung" und der Bremer BürgerBeitung" über das Stichwahlabkommen den Delegierten zugänglich Genosse Weber vom Vorwärts" erklärt, daß der gewaltige Stoffandrang in diesen Tagen den Abdruck wohl unmöglich mache. Die Versammlung beschließt, daß der Ausschuß diese Artikel den Delegierten in Form eines Separatabbrudes bekanntzugeben hat. Der Zeitpunkt für die Fortsetzung der Generalversammlung wird dem Ausschuß zu bestimmen überlassen. Schluß 25 Uhr nachmittags. Die Balten es ja auch nicht!") Die Bentrale Ser Fortschrittlichen| daß wir in all diesen Streifen mit Hilfe der Fortschrittler zum Siege| Beranlassung, auf mildernde Umstände zu plädieren. Wir sind Wolfspartei hat sich alle Mühe gegeben, das Abkommen durchzu gelangen würden. Solche Kinder sind wir nicht, dazu fennen wir uns bewußt, in der schwierigen Situation, vor der wir standen, so halten.( Buruf: Dithmarschen!) In der Presse ist nun noch be- unsere Fortschrittler zu gut. hauptet worden, statt der Dämpfung wäre die Zurüaziehung unserer schrittler, die jahrzehntelang gegen uns entschieden haben, sofort der Partei zu handeln notwendig war. Wir beanspruchen dafür Der Illusion, daß die Fort- gehandelt zu haben, wie es die Stunde gebot und es im Interesse Kandidaten beffer gewefen. Das bestreiten wir.( Bustimmung.) auf die Barole ihres Parteivorstandes das Gegenteil tun und rest- feinen besonderen Dank, aber wir sind uns bewußt, ebenso wie Denn in all den Kreisen wo die Dämpfung der Anweisung des los für uns eintreten würden, haben wir uns nicht hingegeben. alle Funktionäre der Partei bis zum einfachsten Flugblattverbreiter, Parteivorstandes gemäß durchgeführt wurde, und das ist in allen in Freilich Genossin Luxemburg setzt diese wahrhaft tindische Einfalt auf der Stelle, auf die uns das Vertrauen der Parteigenossen ge Betracht kommenden Kreisen, mit Ausnahme von einem, geschehen, beim Parteivorstand voraus, wie sie ja überhaupt gewöhnt ist, die stellt hat, das getan zu haben, was wir im Interesse der Gesamtist zu verzeichnen, daß wir bei der Stichwahl mehr Stimmen auf ganze Partei für eine Kinderstube anzusehen, in der sie von Beit partei tun mußten. Es liegt keine Veranlassung vor, uns ans gebracht haben, als bei der Hauptwahl( hört! hört!), nur in zwei zu Zeit als fluge Tante Ordnung schaffen muß.( Heiterteit.) Kreisen nicht: Dithmarschen, wo die Parteigenoffen entgegen dem zuklagen und feine für uns, mildernde Umstände zu verlangen. Abkommen und entgegen unseren Anweisungen einfach die Kandi- schmählich versagt.( Stürmische Zustimmung.) Ein Teil dieser der Parteivorstand nicht mit bureaukratischer Hochmäßigkeit geantAm ersten Stichwahltag haben die Fortschrittler in 13 Kreisen In dem bereits erwähnten Artikel wird noch hervorgehoben, daiz datur zurückgezogen und Wahlenthaltung geübt haben( 3u- Kreise hätte leicht geholt werden können; aber die Fortschrittler wortet hätte. Nun, über bureaukratische Hochnäfigkeit des Parteiruf: Das war ja logisch richtig! Heiterkeit), und Lauenburg. in haben da die alte lebung fortgesetzt. Aber wenn gesagt wird, daß vorstandes hat sich die Partei wohl noch nie zu beklagen gehabt. Ueberall sonst haben unsere Stimmen zuge- die Fortschrittler fast überall versagt und uns im Stich gelassen Aber in weiten Kreisen der Partei wird Anstoß genommen an der nommen, während die Gegner überall weniger Stimmen, zum bätten, so entspricht das nicht den Tatsachen. Am Montag tamen hochnäßigen Anmaßung und Besserwisserei, die von einzelnen Parteis Teil sogar erheblich weniger, in der Stichwahl als in der Hauptwahl 17 Kreise zur Entscheidung, und nur in 2 Kreisen haben sie versagt, genossen und-genofsinnen an den Tag gelegt wird, wenn sie über erhielten. Daß sich in dem einen Kreise, wo unsere Kandidatur 14 wurden mit Hilfe der Fortschrittler gewonnen.( hört! hört!) die Maßnahmen des Parteivorstandes oder anderer Parteifunt zurückgezogen wurde, die gegnerische Stimmenzahl vergrößert hat, Am Donnerstag haben die Fortschrittler nur in einem von sieben tionäre herziehen.( Sehr richtig!) In der„ Bremer Bürgerzeitung" läßt die Vermutung zu, daß dort sich solche Wähler, die in der Kreisen versagt, 6 sind uns zugefallen. Gewiß haben sie nicht wurde sogar auf das Alter der Parteivorstandsmitglieder angespielt Hauptwahl sozialdemokratisch gewählt haben, in der Stichwahl für überall geschlossen für uns gestimmt, aber es hat zu unserem Sieg als Grund für die Mangelhaftigkeit des Abkommens. Ich kenne den Gegner stimmten. Das sollte verhindert werden; denn bei der genügt. So mancher Wahlkreis mehr wäre sicher geholt worden, das Alter der temperamentvollen Kritiker in Bremen und Leipzig Zurückziehung einer Kandidatur entsteht immer die Gefahr, daß die wenn er, statt am ersten Tage, am Donnerstag zur Entscheidung nicht, aber nach dem Ton, den sie in ihren Veröffentlichungen in der Hauptwahl für uns neugewonnenen Wähler in die Ver- gekommen wäre. So lag z. B. die Stichwahl in Kalau- Luckau, in anschlagen, muß ich annehmen, daß sie sich in einem sehr gefähr fuchung fommen, bei der Stichwahl doch zur Wahl zu gehen und der wir schließlich gesiegt haben, viel weniger günstig, als die in lichen Alter befinden. wieder den Gegner zu wählen. Bauch Belzig, wo wir unterlagen. Es ist eben unmöglich, in großen Es ist nun weiter in der Leipziger Volkszeitung" erklärt ländlichen Streifen bei furzer Zeit eine noch dazu ungewohnte Wahl( Buruf: Warum druckt das der Vorwärts" nicht ab?) parole zu verbreiten. Auch in den Wahlkreisen, die wir aus eigener Ich kann Ihnen das nicht sagen, ich bin nicht Redakteur des Vor- Kraft eroberten, hat das Abkommen insofern zweifellos gewirkt, als wärts", erkundigen Sie sich doch bei der Preßkommission! Also die Reaktionäre in vielen dieser Kreise durch ihre teilweise Wahlin der Leipziger Volkszeitung" wird erklärt, der Schade wäre enthaltung uns den Erfolg gesichert haben. bielleicht geringer gewesen, wenn der Parteivorstand den Mut der( Die schon längere Zeit bemerkbare Ungeduld der VersammKonsequenz und Aufrichtigkeit gehabt hätte, um die Kandidaturen lung äußert sich hier in größerer Unruhe und Schlußrufen. in den betreffenden Wahlkreisen zurückzuziehen". Ueber den Mut Der Vorsitzende Eugen Ernst erklärt, man müsse dem Parteivorzur Konsequenz und Aufrichtigkeit wollen wir mit der Genossin stand, auf dem doch genügend herumgeklopft worden sei, doch GeRosa Luxemburg, die in ihren früheren Polemiken oft schon eigen- legenheit geben, hier zum ersten Male seine Meinung über diese artige Konsequenz und Aufrichtigkeit gezeigt hat, nicht streiten. Sache uneingeschränkt auszusprechen. Zustimmung.) ( Sehr richtig!) Ich kann demgegenüber erklären: Hätten die Ge- Der Chemnißer Parteitag wird sich ja mit der Sache weiter nossen, und zu ihnen gehört auch Genossin Luxemburg, die kürzlich beschäftigen müssen. Dort wird sich Gelegenheit bieten, die Angein Bremen die Resolution begründeten, nach der nicht im Parla- legenheit eingehender zu besprechen. In der Kritik des Abment, sondern nur durch Massenaktion die Demokratisierung des tommens wird auch erklärt, daß die politischen Ziele, die der ParteiStaatslebens durchzuführen sei, den Mut zur Konsequenz und Auf- vorstand mit dem Abkommen erreichen wollte, nicht erreicht worden richtigkeit, den sie dem Parteivorstand absprechen, dann müßten sie seien. Da über diese politischen Ziele nichts bekannt geworden ist, längst beim Antiparlamentarismus, beim Anarchosyndikalismus ge- konstruiert sich Genossin Luxemburg aus den Artikeln des Vorlandet sein.( Zustimmung. Zuruf: Das wurde ja richtig ge- wärts" diese Biele selbst und erklärt sie dahin: 1. werde sich eine stellt!) Wortklauberei wurde getrieben, aber nichts richtiggestellt! bürgerliche Linke mit Ausschluß der Rechten bilden, 2. werde der ( Heiterkeit und Sehr gut!) Aber nicht nur Mangel an Konsequenz bürgerliche Liberalismus aufs tiefste verfeindet werden mit der Reund Aufrichtigkeit, sondern auch Prinzipienverrat hat man uns aftion, 3. werde die bürgerliche Linke der Reichstagsmehrheit einen bergeworfen, und das bei einem Vorgehen, demgegenüber selbst entschiedenen Zug nach links geben und 4. werde innerhalb dieser Kautsky und Bernstein einmal einig darüber sind, daß uns ein Mehrheit die Sozialdemokratie eine einflußreiche Gruppe bilden. folcher Vorwurf nicht gemacht werden könne. Wenn die beiden Das sind die Ziele, die Genoffin Luremburg behauptet; aber einig sind, muß die Sache doch wirklich klar sein!( Lebhafte Heiter der Parteivorstand hat sie nicht gehabt. Dieser ließ sich beim Abteit.) Bernstein hat zu allem Ueberfluß noch Engels herangezogen, schluß des Abkommens von folgenden Gesichtspunkten leiten: 1. Bezum Beweis dafür, daß wir gar nicht weit genug gegangen sind. feitigung des schwarzblauen Blocks; 2. Eroberung möglichst vieler Allerdings geht der Parteivorstand nicht so weit wie Engels, der Mandate für uns, wie wir sie auf Grund unserer hohen Stimmenin dem angeführten Brief wünscht, daß man in einzelnen Kreiſen zahl zu beanspruchen haben, und 3. Verschärfung des Gegenjakes schon bei der Hauptwahl nicht erst Kandidaten aufstellen soll. Da zwischen der bürgerlichen Linken und der Reaktion. Der Ausfall muß nach unserer Meinung der bisherige Grundsay unserer Taktik der Wahlen hat uns nicht ins Unrecht gesetzt. Die Beseitigung des aufrecht bleiben, daß gemäß unserem Klaſſenkampfstandpunkt bei schwarzblauen Blocks ist nicht so gründlich gelungen, wie wir allen Wahlen für eigene Kandidaten mit aller Energie eingetreten wollten, aber sie ist gelungen. Mandate haben wir ja auch erund bei allen Aktionen für unsere eigenen Grundfäße und Ideen langt( Heiterkeit), und der Gegensatz zwischen der Linken und der mit aller Kraft Propaganda gemacht werden muß. Aber auch Reaktion, den Konservativen und dem Zentrum, ist bis zu einem gegen diesen Grundsatz sollen wir verstoßen haben durch die Grade verschärft, der bisher nicht zu verzeichnen war. Der ParteiDämpfung. Die Leipziger Volkszeitung" und die" Bremer vorstand hat in feinem Stadium der Verhandlungen über das AbBürgerzeitung", die sich in etwas plumperer Weise mit dem Ab- kommen daran gedacht, daß er dadurch einen Block der Linken kommen beschäftigt hat, als Rosa Luxemburg( Heiterkeit), jagen, schaffen werde, selbst von einer zeitweiligen Arbeitsgemeinschaft ist daß zu jeder Zeit und zu jeder Stunde bis zum letzten Augen- bei den Verhandlungen mit keinem Worte gesprochen worden.( Bu blick für unsere Grundsäße Propaganda gemacht werden muß. Die ruf: Darf auch nicht! Heiterkeit.) Allerdings waren wir der Sache liegt für jeden Parteigenossen, der praktische Erfahrungen Ansicht, wenn es gelang, durch das Abkommen den schwarzblauen im Wahlkampfe gemacht hat, flat: wie immer ist auch diesmal alles Bloc zu zertrümmern, uns eine möglichst hohe Mandatzahl zu geschehen, um im Wahlkampfe für unsere Grundsäke Propaganda fichern und die Fortschrittler von der Rechten vollständig loszuzu machen und für unsere Organisation Anhänger zu gewinnen. reißen, jo würde das auf die politische Konstellation im Reiche nicht Aber, wenn der Hauptwahltag vorüber ist und das Kräfteverhältnis ohne Einfluß bleiben.( Sehr wahr!) Die Tatsachen haben uns aller Barteien klar zutage liegt, dann ist das Hauptaugenmerk darauf auch in dieser Hinsicht recht gegeben. Es ist Tatsache, daß die So gerichtet, wie es möglich sein wird, möglichst viele Mandate heraus zialdemokratie mit ihren 110 Mandaten in der Reichspolitik jetzt zuholen und in den Stichwahlen zu fiegen. Daß in dem Stich eine einflußreiche Rolle spielt( Lachen), jedenfalls eine ganz andere, wahlkampfe nicht mehr sehr viel oder fast gar nicht von der Propa- als sie leider in den letzten 5 Jahren spielen konnte. Die" Post" gierung unserer Grundsätze in den Flugblättern und Versamm- schrieb nach der Wahl: lungsreden die Rede ist, sondern jene Gefichtspunkte in den Vordergrund geschoben werden, die dazu angetan sind, diejenigen bürgerlichen Wähler, auf deren Stichwahlhilfe wir rechnen, für unseren Kandidaten zu gewinnen das wird jeder im Wahlkampf erfahrene Genosse wissen. Daß wir uns zu jeder Zeit auch an ausfichtslosen Stämpfen mit aller Energie zu beteiligen haben, ist kein Grundsatz unserer Partei. Wie oft haben wir dort, wo in der Stichwahl Erfolge ganz ausgeschlossen waren, um Geld und Kräfte zu sparen, den Wahlkampf abgeschwächt, den Dingen ihren Lauf ge= laffen. Nun wird in der Kritik unseres Vorgehens weiter gesagt:„ Es tommt nicht auf die Mandate, sondern auf die Propaganda an." Jahrzehntelang haben wir uns an den preußischen Landtagswahlen aber nicht beteiligt; nicht, weil wir dort nicht hätten Propaganda für unsere Grundfäße treiben können, im Gegenteil, dazu war ja gerade bei den preußischen Landtagswahlen die prächtigste Gelegenheit( Sehr wahr!), sondern weil wir keine Aussichten hatten, Mandate zu erringen, haben wir diese überaus prächtige Gelegenheit zur Propaganda lange Jahre vorübergehen lassen, ohne sie auszunuzen.( Sört, hört!) zu machen. " Gewerkschaftliches. An die Arbeiterfchaft Groß- Berlins! Genossen und Genoffinnen! Der Riefenkampf der Bergarbeiter, an dem über 200 000 Personen beteiligt sind, um den von Jahr zu Jahr rüdwärts gegangenen Lohn wieder aufzubessern, kann auf längere Zeit feiner Größe wegen materiell nicht allein von dem Verband der Bergarbeiter durchgehalten werden; es muß deshalb Sache aller organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen sein, so schnell und kräftig wie möglich mit einzugreifen. Geradezu verhängnisvoll kann die Zusammensetzung des 200 000 Menschen wollen erhalten sein, wollen leben. Reichstages auf unsere Sozialpolitik einwirken. Das unserer Um den Kampf nicht an Geldmitteln verloren gehen zu lassen, Industrie und unserem Gewerbe notwendige, von der Regierung muß die gesamte Arbeiterschaft schnell und kräftig eingreifen. früher in Aussicht gestellte Gesetz zum Schuße der Arbeitswilligen fann von vornherein als abgetan Für Groß- Berlin haben wir die Sammlung zu organigelten. Gegen rund 110 Stimmen der Sozialdemokratie, 60 des Liberalismus und sieren. Wir richten deshalb an die organisierte Arbeiterschaft etwa 30 aus dem Zentrum würde jede derartige Vorlage und auch Groß- Berlins die dringende Aufforderung, umgehend die nur ihr Versuch glatt erledigt sein." Sammlung vorzunehmen. Listen sind in unserem Bureau, Bimmer 23, täglich von 9-1 und 4-8 Uhr zu haben. Alle Geldsendungen für Groß- Berlin sind an A. Körsten, SO. 16, Engelufer 15, Die Eingänge werden im Vorwärts" öffentlich quittiert. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Also, der Wahlausfall hat ganz wesentlich auf die politische Entwidelung zugunsten einer freiheitlicheren Richtung eingewirft. Die 110 Genossen, die in den Reichstag eingezogen sind und über die sich die flassenbewußten Arbeiter der ganzen Welt gefreut haben, haben das Prestige der Partei nach außen hin derartig gehoben, daß dadurch sicherlich eine viel größere propagandistische zu richten. Wirkung für die Partei erzielt wird, als wenn in den 15 ge= dämpften Wahlkreisen( Heiterkeit) noch je ein Flugblatt mehr verteilt worden wäre. Jm selben Artikel der 2. V." schreibt Genossin Luxemburg dann noch: Wollte der Parteivorstand den großartigen Sieg vom 12. Januar voll ausnutzen und man hätte allen Grund sich darüber zu freuen, so hatte das nicht durch Techtelmechteln mit dem Liberalismus zu geschehen, sondern durch Massenaktionen der im Jahre 1907 abgeschlossen wurde, erreicht mit dem 30. Juni großen Stils, die im ganzen Lande für das preußische Wahlrecht, laufenden Jahres sein Ende, und das gleiche gilt von den Verfür den Achtstundentag, für das Milizsystem zu unternehmen trägen der Dachdeckerhilfsarbeiter, die mit 37 Unternehmern abgegewesen wären." Berlin und Umgegend. Der Tarifvertrag der Dachdecker, Nach dem Antrag von Nieder- Barnim soll das Bedauern über bas Stichwahlabkommen insofern, als darin eine Dämpfung des Wahlkampfes abgemacht wurde, ausgesprochen werden. Dazu fann ich namens des Parteivorstandes erklären, daß wir da ja eigentlich einig sind. Auch wir bedauern das( Hört, hört! und große Heiterfeit. Buruf: Das hätten Sie gleich sagen sollen!), wir bedauern, daß wir diese Konzession den Fortschrittlern machen mußten, um das Abkommen zu sichern. Aber mit dem Bedauern ist nichts gemacht. Sie müssen Ihr Urteil abgeben über das Abkommen im ganzen, denn die Dämpfung in den 16 Kreisen ist lediglich ein Teil des Abkommens, das ohne diesen Teil undenkbar ist, denn das war die Bedingung, unter der die Fortschrittler das Abkommen abschlossen. Da darf man nicht das Abkommen, soweit es sich auf die gegenseitige Unterstützung bezicht, billigen, aber einen Tei! davon mißbilligen. Sie müssen entweder das ganze Abkommen Als schlimmste Seite des Wahlabkommens ist nun von unseren 60 Pf. erhöht. Ein regelrechter Tarifvertrag war bis dahin jedoch mißbilligen oder sagen: Wir geben zu, daß der Parteivorstand nicht tritikern seine Geheimhaltung bezeichnet worden, und Ge- nicht zustande gekommen; ein solcher wurde erst 1903 abgeschlossen, anders handeln konnte. nosse Mehring schreibt in der Neuen Zeit", es sei das Verdienst und zwar mit 65 f. Stundenlohn. Der nächste Tarifvertrag, der Nun wird auch noch ins Feld geführt, der Wahlausfall habe der Genossin Luxemburg, die Dinge an die Oeffentlichkeit gezogen 1905 bis 1907 galt, brachte den Lohn auf 75 Pf. Im Jahre 1907 doch erwiesen, daß die Spekulation des Parteivorstandes falsch war. zu haben.( Sehr richtig!) Na, ich muß schon den Weihrauch weg- wurde durch den jetzt vor dem Ablauf stehenden Tarifvertrag die Diejenigen, die jetzt den Wahlausfall gegen den Parteivorstand ins blasen.( Heiterfeit.) Das Abkommen ist sofort, nachdem es ab- Arbeitszeit auf 8% Stunden verkürzt und der Lohn zunächst auf Feld führen, vergessen gar zu sehr, daß dieser Wahlausfall noch geschlossen war, an jenem Mittwochabend an alle diejenigen Stellen 80 Pf., dann auf 85 Pf. erhöht. Den Hilfsarbeitern ist es bisher nicht da war, als wir über das Abkommen zu entscheiden hatten. versandt, die den Wahlkampf zu leiten hatten, an die Bezirks- noch nicht gelungen, einen allgemeinen Tarifvertrag abzu( Sehr gut!) Es ist aber auch nicht richtig, wenn es in der Leipziger vorstände und an sämtliche Parteiredaktionen. Wir haben aller- schließen, sondern nur die schon erwähnten Einzelverträge, und Volkszeitung" jezt so hingestellt wird, als habe das Abkommen auf dings davon abgesehen, es sofort in die Oeffentlichkeit zu bringen. zwar 31 Verträge mit 60 Pf., die übrigen 6 mit etwas geringerem der ganzen Linie versagt und uns höchstens etwa 4 Mandate ge- Es wird behauptet, daß die Geheimhaltung eine unerläßliche Stundenlohn. Vorstand und Vertrauensmänner hatten sich mit bracht. Genoffe Mehring bestätigt in der Neuen Zeit" der Ge- Bedingung der Fortschrittler war. Das ist nicht richtig. Gewiß der Frage befaßt, was nun zu tun ist, und waren zu dem Vorschlag noffin Luzemburg ja allerdings, daß fie in ihren glänzend geschrie- unterblieb die Veröffentlichung des Abkommens auf Wunsch der gekommen, den Tarifvertrag der Dachdecker wie auch die Verträge benen, bortrefflich durchdachten und maßvollen Artikeln, wie er sich Fortschrittler; aber auch wir verschlossen uns nicht der Einsicht, der Hilfsarbeiter zu fündigen sowie Vorstand und Tariffommiffion ausdrüdt, fchlüssig nachgewiesen habe, daß bei diesem Abkommen daß es der Durchführung des Abkommens schwerlich genügt hätte, zu beauftragen, Verhandlungen anzubahnen, jedoch weitergehende nicht mehr herausgekommen sei, als ohne es herausgekommen wäre. wenn man es vor dem Stichwahltage der Oeffentlichkeit übergeben Forderungen vorerst nicht zu stellen. Bei Stellung des neuen ( Sehr richtig!) Wenn die mit den Tatsachen nicht im Einklange und damit in allen Einzelheiten den schwarzblauen Gegnern auf Tarifvertrages soll auch vor allem Wert darauf gelegt werden, daß stehenden Behauptungen für Genossen Mehring schlüssige Beweise die Nase gebunden hätte.( Sehr richtig!) Sofort nach den Stich die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Hilfsarbeiter ebenfalls allfind, dann ist er in dieser Hinsicht sehr bescheiden. Von 24 Kreisen, wahlen haben wir Konferenzen jämtlicher Bezirksvorstände und gemein tariflich festgelegt werden. in denen wir die Fortschrittler zu unterstützen hatten, haben wie Redakteure nach Berlin einberufen, in denen der Parteivorstand schließenden Tarifvertrages betrifft, so wird man sich nicht darauf fie in 21 Kreisen durchgebracht. Wir haben überall Disziplin ge- die Vorgänge und die Gründe, die zu demi Abkommen geführt haben, einlassen, den Endtermin etwa auf den 31. März 1913 festzulegen, halten und bis auf den letzten Mann dem Abkommen entsprochen. eingehend darlegte und die Teilnehmer aufforderte, Kritik zu üben. wie es Wunsch des Unternehmertums ist. Nach reger Diskussion, Aber in den Kreisen, wo die Fortschrittler für uns eintreten sollten, Das ist in großen Strichen der Hergang. Noch eins: In der in der unter anderem auf die Notwendigkeit eines allgemein anist das nicht in dem Maße geschehen." Allerdings liegt die Sache Neuen Zeit" wird auch behauptet, die Artikel im Vorwärts" erkannten Arbeitsnachweises für das Dachdeckergewerbe hingewiesen doch so, daß man den Parteivorstand für sehr weltfremd halten rühren vom Parteivorstand her. Das ist nicht richtig. Der Partei- wurde, erteilte die Versammlung dem Vorstand und der Tarifmuß, und Genossin Luremburg unterſtellt ihm ja auch einen wahr vorstand hat sie weder geschrieben, noch sind sie auf seine Veran- fommission Auftrag zur Kündigung des Tarifvertrages wie auch haft kindlichen Glauben, wenn man annimmt, er hätte geglaubt, lassung geschrieben worden. Der Parteivorstand hat auch gar keine zur Einleitung neuer Tarifverhandlungen, schlossen wurden. Am Sonntag fand im Gewerkschaftshaus" eine Nachdem das Resultat der Hauptwahl vorlag, fragten die Ge- zahlreich besuchte Versammlung der Dachdecker und Hilfsarbeiter noffen im ganzen Lande bei uns an: Was tun wir? Wenn wir statt, um zum Tarifabschluß Stellung zu nehmen. Der Vorsitzende da nichts weiter geban hätten als losgefreischt: Massenaktionen! Görnit gab in seinem Referat eine Uebersicht über die EntwideAchtstundentag! Wahlrecht! Milizsystem!-da hätten wir zweifel- lung des Tarifvertrages im Dachdeckergewerbe. Nach zwei erfolglos Anfragen aus dem ganzen Lande bekommen, ob wir nicht ganz losen Bewegungen in den Jahren 1889 und 1896 gelang es endlich richtig seien.( Heiterfeit.). Und ich bin sicher, einer ganzen Anzahl 1899 Abmachungen zu treffen, durch die die neunstündige Arbeitsdieser Briefe hätten Prospekte von Kaltwasserheilanstalten beige- seit eingeführt und der Stundenlohn auf 55 Pf. gebracht wurde; Tegen.( Lebhafte Heiterkeit.) 1900 tam eine allgemeine Aussperrung, und der Lohn wurde auf " Da die würdigste Form der Maifeier die allgemeine Arbeitsruhe ist, beschließt die Versammlung, den 1. Mai zu feiern. Hierzu ist jedes Mitglied verpflichtet." Jugendbewegung. Man beschäftigte sich hierauf mit der bevorstehenden Mai| Arno Fuchs Berlin, Badstr. 15, versprach die Silfe des neu-| tägliche Arbeitszeit sowie Sonntagsarbeit, schlechte Löhne, Roft feier, und nach reger Debatte wurde folgender Antrag des Vor- gegründeten Arbeitgeberschutzverbandes, wenn die Meister Neuköllns und Logiszwang unter den ungünstigsten Verhältnissen. Vielfach fbandes und der Vertrauensmänner angenommen: nicht wankelmütig werden. Db jedoch der Schußverband den ein- berbieten die Unternehmer den Arbeitern die Zugehörigkeit zur gezelnen die verlorene Existenz wiedergeben kann, bleibt abzuwarten. werkschaftlichen Organisation und die Uebertretung dieses Verbotes Weiter wurde wieder die Behauptung aufgestellt, daß die Forde eines frechen Unternehmerterrorismus wird mit Maßregelung berungen betreffs Lohn- und Arbeitszeit überall schon anerkannt seien, straft. Das alles lassen sich aber manche Arbeiter gefallen, weil es ja sogar noch viel mehr gewährt würde, was jedoch nicht zutrifft. fich für sie nur darum handelt, während des Sommers in diesen Der große Stellenwechsel beweist das Gegenteil; es gibt eine er schönen Gegenden mit der ärgsten sozialen Rückständigkeit, fich Die Lohnbewegung der Landschaftsgärtner hebliche Anzahl, wo die Gefellen feine Woche bleiben, weil Lohn aufhalten zu können. Darunter müssen aber die seßhaften da fie allein, ohne die Mitarbeit wird jedenfalls, wenn die Arbeitgeber nicht noch rechtzeitig ein- und Arbeitszeit ihnen nicht zusagen. Wenn es wahr wäre, daß in Arbeiter schwer leiden, nichts lenten, zum Streit führen, wenn auch von feiten der Arbeitnehmer Neukölln alles, was der Verband fordert, schon gewährt wird, so der Saisonarbeiter während der besten Geschäftszeit, Der vermögen. Stand alles getan wird, um die Forderungen auf friedlichem Wege zur tönnten die Meister doch erst recht den Tarif unterschreiben. Renne auszurichten der Arbeiterbewegung Geltung zu bringen. Am Freitag fand eine außerordentlich zahl zeichnend für die Fleischermeister ist, daß einer unter starkem Beifall an den meisten Fremdenorten ist ein unbefriedigender und in der Arbeiterpresse darüber, daß reich besuchte öffentliche Versammlung der Landschaftsgärtner statt, erklären fonnte: Er würde sich noch nach zehn Jahren die Genossen flagen ihrer freien Zeit nur dem in der Kwasnick über den Abbruch der Verhandlungen schämen, in Neukölln eine Schlächterei betrieben sich die Saisonarbeiter während durch die Arbeitgeber berichtete und die Frage erörterte, zu haben, wenn die Forderungen des Zentral- Bergsport widmen, um die Arbeiterbewegung und die Verbesserung was nun zu tun ist. Die Sache steht so, daß die bei den Verhand- verbandes erfüllt werden sollten." Das wagen die der Arbeitsverhältnisse jedoch sich gar nicht oder nicht viel fümmern. langen von den Arbeitgebern gemachten Angebote so gering waren, Herren zu sagen, deren Eristenz zum größten Teil von der organi- Da gilt es, das eine zu tun und das ander nicht zu lassen, d. h. baß sie von den Gehilfen als unzureichend abgelehnt wurden. Die fierten Arbeiterschaft abhängt. Es find würdige Anhänger der den Bergsport zu pflegen und die Pflichten des Arbeiters gegenüber Resolution, in der dies zum Ausdruck kam, ist dann den Arbeit- Wahlrechtsräuber. Weiter brachten es die Herren, die sich der Kund- den ansässigen Arbeitern und der Arbeiterbewegung zu erfüllen. gebern zugestellt worden, und zwar zugleich mit dem Ersuchen um fchaft gegenüber stets als Genosse" aufspielen, fertig, die Führer Nur wenn einer für alle, alle für einen einstehen, fann in diesen neue Verhandlungen. Aber der Vorstand des Verbandes der ge- der Gesellen auf die gemeinste Art zu verleumden. rückständigen Gegenden Besserung geschaffen und ein rückständiges, werbetreibenden Landschaftsgärtner samt der Kommission der Ar- Die Meister werden einsehen müssen, daß man damit die terroristisches und raffgierig ausbeuterisches Unternehmertum zu beitgeber gingen nicht darauf ein und hielten es auch nicht einmal Bewegung nicht aufhalten kann. Wenn alle friedlichen modernen Anschauungen erzogen werden. Dann wird auch für die andere Mittel für notwendig oder nicht für zweckmäßig, den Mitgliedern durch Versuche der Gesellen scheiterten und an- betreffenden Saisonarbeiter selbst der Aufenthalt in den an NaturEinberufung einer Versammlung Gelegenheit zur Aussprache über gewandt werden müssen, haben sich die Meister die Schuld schönheiten reichsten Gegenden der Schweiz erträglicher, angenehmer die Lage zu geben. Statt dessen veranstaltete man eine Umfrage felbst zuzuschreiben; sie mögen sich dann bei denen Unterstügung werden. auf seiten der Unternehmer mittels Fragebogen und teilte dann holen, die sie ins Unglüd stürzten. Ferner versucht die Innung auf den Arbeitern mit, daß auf Grund des Ergebnisses der Umfrage diejenigen Meister, die den Tarif anerkennen, einzuwirken, damit dies in weitere Verhandlungen nicht eingetreten und weitere Zugeständ- felben die Unterschrift wieder zurückziehen sollen. Mancher möchte niffe nicht gemacht werden könnten. Inzwischen hatte die Ver den Tarif anerkennen, fürchtet aber den Terrorismus der Innung. trauenstommission der Gehilfen über die Situation beraten und Die Fleischermeister Kühling, Bergstr. 149, empe, Hermannmachte nun der Versammlung den Vorschlag, zunächst den einzelnen straße 48 und Beierfuß, Reuterstraße, glauben die Bewegung Arbeitgebern die Forderungen, in einzelnen Punkten abgeändert, badurch aufhalten zu können, daß sie ihre Gesellen entlassen, soweit in Form eines Tarifvertrags zuzustellen, und zwar mit dem Er- fie dem Verband angehören oder in die Versammlungen des Versuchen nach unterschriftlicher Anerkennung bis zum Donners bandes gehen. tag, den 21. März. Soweit die Forderungen bei den Berhand. lungen mit der Arbeitgeberorganisation schon bewilligt waren, werden sie selbstverständlich in der ursprünglichen Form aufrecht erhalten. Die Bestimmung über die Arbeitszeit soll jedoch so aufgefekt werden, daß die tägliche Arbeitszeit möglichst nicht mehr als 9 Stunden betragen darf und daß sie bei entfernter liegenden Arbeitsstätten 10 Stunden nicht überschreiten darf, und zwar mit Einrechnung der Fahrzeit, die als Arbeitszeit au bezahlen ist. Die Bestimmung über die Löhne soll so abgefaßt werden, daß der niedrigste Stundenlohn 60 Pf. beträgt, daß er jedoch für die GeHilfen, die noch nicht ein Jahr in der Landschaftsgärtnerei tätig find, 55 Pf. betragen darf. Für Ueberzeitarbeit sind die Stunde In Brieg in Schlesien gelang es der Organisation erstmalig, 10 Pf., für Sonntagsarbeit 20 Pf. Aufschlag zu zahlen. Die Ver- mit der Faßfabrik von Karl Teuerling einen Tarifvertrag abtrauenstommission hatte sich zu diesen Ermäßigungen der For- zuschließen. Der Tarif gilt auf drei Jahre und bringt nebst vers berungen entschlossen, um soviel wie möglich alle hindernisse aus fchiedenen anderen Verbesserungen eine Lohnerhöhung von drei Mart dem Wege zu räumen, die einer wirklich allgemeinen und auch für jeden Beteiligten. dauernden, nicht nur für das Frühjahr geltenden Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse entgegenstehen. Uebrigens liegt, wie namentlich in der Diskussion erwähnt wurde, die Sache auch so, daß die Vertreter der Arbeitgeber wohl bei den Verhandlungen gewiffe Schwierigkeiten hatten, den geforderten Stundenlohn zu bewilligen, ohne bei ihren Mitgliedern auf allzu großen Widerstand zu stoßen, da den Gärtnergehilfen in der Branche gegenwärtig hier und da noch Löhne von 45 Pf. geboten werden. Aber das brauchte natürlich kein Grund zu sein, die Verhandlungen abzubrechen, und das mußten die Herren wohl auch einsehen, daß der geforderte Lohn bei der herrschenden Teuerung als recht bescheiden gelten muß. Nach reger Aussprache, in der es sich zeigte, daß die Gehilfenschaft kampfbereit ist, erklärte die Versammlung sich mit den Vorschlägen ihrer Kommission einverstanden. Die Forderungen werden in der jett beschlossenen Form den Unternehmern fofort zugestellt, und zwar nicht nur den 26 organisierten, sondern auch der größeren Zahl, die nicht dem Verbande der gewerbetreibenden Landschaftsgärtner angehört. Wo fie nicht anerkannt werden, ist mit der Arbeitsnieberlegung au rechnen, für bie ber Beitpunkt jedoch noch nicht festgelegt ist. Achtung, Töpfer! Die Firma Alfred Fischer, NummelsBurg, Simplonstr. 21, hat sich nunmehr bereit erklärt, jest wieder auf den neu anzufangenden Bauten nur mobern organisierte Kollegen zu beschäftigen. Unsere Kollegen fönnen also bei der Firma wieder in Arbeit treten, haben jedoch den Bau Bechliner Straße, der von Wilden fertiggestellt wird, nach wie vor zu meiden. Die Verbandsleitimg. Achtung, Tapezierer! Wegen Tarifbruchs ist die Firma Ww e. Glaß, Lottumstr. 18, für Polsterer gesperrt. Die Schlichtungskommission. Deutfches Reich. Lohnbewegungen im Böttchergewerbe. Polizei und Justiz gegen die Arbeiterjugend. Eine Haupt- und Staatsaktion gegen die freie Jugendbewegung des rheinisch- westfälischen Industriegebietes ist in diesen Tagen vor dem Amtsgericht in Buer in Szene gegangen. Vor einigen Wochen, gerade am Tage vor der Wahl, wurde bei dem Kolporteur der Arbeiterjugend", dem Genossen Kraffaid in Buer und einigen jugendlichen Abonnenten gehaussucht. Dem Genossen Straffzid wurde alles Schriftliche aus dem Hause geholt. Dann Schon seit längerer Zeit stehen die Böttcher und Zimmerleute folgten umfangreiche, hochnotpeinliche Bernehmungen und als bei der Firma C. 3. Degner u. Söhne, Fischkonserven und Ein- Krönung des Ganzen eine furchtbare Anflage gegen die beiden Gelegegefchäft, in Kauerndorf bei Altenburg in Tarifbewegung. Bei noffen raffzid und Schulte. Der erstere wurde beschuldigt, dieser Firma, die auch Lieferant verschiedener Konsumvereine ist, als Vorstandsmitglied eines politischen Vereins es unterlassen herrschen geradezu altertümliche Arbeitszustände. Auf wiederholtes zu haben, die Sagungen dieses Vereins, sowie das Verzeichnis des Drängen der Böttcherorganisation schickte die Firma einen Gegen- Borstandes einzureichen. Ferner soll er Personen unter 18 Jahren tarif ein, der anstatt Verbesserungen eher Verschlechterungen enthielt. in dem Verein geduldet haben. Schulte sollte sich gegen das ReichsDie Arbeiter reichten darauf die Kündigung ein. bereinsgesetz vergangen haben, weil er, der noch nicht 18 Jahre alt ist, an einer Veranstaltung des genannten Vereins teilgenommen batte. Obwohl nach den Aussagen sämtlicher Zeugen niemals politische Angelegenheiten in den Sigungen erörtert wurden, obwohl, wie Straffzid glaubhaft einwendete, die in der Anflage herangezogenen Liederbücher schon seit Jahren nicht mehr verwendet und die vom Gerichtsvorsitzenden als politisch bezeichneten Lieder gar nicht gesungen wurden und trotzdem der Vorsigende in der Urteilsbegründung selbst eingestehen mußte, daß die Verhandlung nicht ergeben habe, daß politische Angelegenheiten erörtert worden seien, wurde vom Gericht die gistenz eines Vereins bejaht und die Beschäftigung mit politischen Angelegenheiten als erwiefen erachtet, weil das Abonnement der Arbeiterjugend" und die Abonnementsfarte auf einen Verein schließen ließen! Das Gericht ging fogar noch fiber den Antrag des Amtsanwalts hinaus und erkannte gegen Straffzid auf 100 Mart Geldstrafe. Schulte erhielt einen Verweis. Gegen das Urteil ist sofort Berufung eingelegt worden. Streit der Fensterreiniger in Effen a. Ruhr. Die im Transportarbeiterverband organisierten Fensterputzer in eifen befinden sich seit Freitag bezw. Sonnabend im Ausstande. Die Arbeiter stellten zunächst in einem Betriebe die Forderung, den Lohn um zirka 10 Prozent zu erhöhen. Nach der augenblicklichen guten Konjunktur konnten die Arbeiter um so cher auf ein Entgegen lommen der Firma rechnen, als der bisher gezahlte Lohn sich nur zwischen 18 und 25 W. betwegte. Der Unternehmer gab jedoch vor, als Mitglied der Arbeitgebervereinigung sich zu einer Stonventionalstrafe von 500 2. verpflichtet zu haben, falls er mit dem Transport arbeiterverbande einen Tarif abschließt. Er reagierte auf die Forde rungen der Arbeiter nicht. So sahen sich denn die Arbeiter gezwungen, den Stampf aufzunehmen. Da das andere Essener HauptGlasreinigungsinstitut gleich am ersten Tage den Versuch unternahm, feine Angestellten zur Streifbrecherarbeit zu veranlassen, legten auch diese Arbeiter einmütig die Arbeit nieder. Um Fernhaltung des Buzuges wird gebeten. Ausland. Die Saisonarbeiter in der Schweiz und die Gewerkschaftsbewegung. Arbeiter Jugend. Aus dem Jnhalt der soeben erschienenen Nr. 6 des vierten Jahrganges heben wir hervor: Der Kampf um die Schulentlassenen. Mißbrauch der Fortbildungsschule. Wie ich vom Antisemitismus furiert wurde. Von Emil Unger. Das Eisen. Von Felig Kautsky. ( Jalustriert.) Aus der Jugendbewegung. Die Gegner an der Arbeit. Bur wirtschaftlichen Lage der Arbeiterjugend usw. Beilage: Kapitän Karpfe Abenteuer in Haiti. Erzählung von Johannes Wilda.( Schluß.- Leopold Jacoby. Bon Konrad Haenisch. Vom Die Indianer. Von Hugo Schulz- Wien.( Illustriert.) Nordlandsvoll in alter, grauer Zeit. Von Otto Koenig. Bücher für die Jugend( Sörensen, Der Hai; Lessen, Aus Tag und Tiefe; Hannah Lewin- Dresch, Die Technit der Urzeit; Adelheid Popp, Mädchenbuch). Der Stier. Erzählung von A. H. C. In der nächsten Zeit werden wieder viele Tausende von Arbeitern und zwar von gelernten Berufsarbeitern in die Schweiz reisen, um da an den zahlreichen Fremdenorten, wie Luzern und in der übrigen Innenschweiz, im Berner Oberland, am Genfer See, im Engadin( Kanton Graubünden), in den beiden Kantonen Appenell, im Toggenburg usw., während der Sommersaison zu arbeiten. Es kommen hierfür hauptsächlich in Betracht Schneider, Schuh- Marktbericht von Berlin am 16. März 1912, nach Ermittelung macher, Tischler, Zimmerer, Tapezierer, Maler, Gipser, Maurer, des tönigl. Polizeipräsidiums. Warftballenpreise.( Sleinhandel) Schlosser, Klempner usw. Viele dieser Arbeiter in Deutsch- 100 Stilogramm Erbsen, gelbe, zum Stochen 34,00-50,00. Speisebohnen, wenden Desterreich fich birekt mit land schrift- weiße, 35,00-56,00. Linfen 40,00-80,00. Startoffeln 9,00-13,00. 1 Stilo lichen Anfragen ant bie Unternehmer, so daß sich häufig gramm Rindfleisch, bon der Steule 1,60-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30 Bis 1,80. Schweinefleild 1,20-1,80. Stalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch Massenangebot bon ein Arbeitskräften ergibt, daß jene 1,30-2,20. Butter 2,60-3,20. 60 Stüd Gier 3,60-6,00. I stilogramm und ihnen die sehr übermütig macht Aufrechterhaltung Starpfen 1,20-2,40. 2ale 1,80-3,20. Bander 1,60-3,60. echte 1,40-2,60. schlechter Arbeitsverhältnisse ermöglicht. In diesen Fremden Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,40. 60 Stud Streble besteht häufig noch eine und ungeregelte Die Lohnbewegung der Fleischergesellen in Neukölln macht ber Fleischerinnung viel Kopfzerbrechen. In der legten Versammlung hatte man sich die Scharfmacher der Berliner Innung geholt, die die Meister, unter denen viele wankelmütig werden, weil die Kund schaft für ihre Hartnäckigkeit kein Verständnis hat und wegbleibt, bearbeiteten, den Tarif nicht anzuerkennen. Der Fleischermeister orten Ravon Seife. Kavon Seife. und enclose 4,00-30,00. Das ist eben der ungeheure Vorzug der Kavon- Seife, daß alles, was im Hause überhaupt zu waschen ist, mit dieser Seife ohne jedes weitere Waschmittel gewaschen werden kann. Die einfachsten Wäschestücke, wie Hemden, Taschentücher, Bett- und Tischwäsche, Schürzen usw. selbstverständlich, aber was erstaunlich ist, das ist, daß man auch alle empfindlicheren Sachen, wie Wollsachen, feinere Spitzen und Gewebe, Gardinen usw. mit der Kavon- Seife waschen kann, ohne daß das sonst immer so ärgerliche Farbeverlieren, Einlaufen, Verfilzen oder Verbleichen eintritt. Es ist einfach eine Pracht. Es ist jeder Hausfrau aufs dringendste anzuempfehlen, unbedingt einmal den Versuch zu machen, und sie soll zu diesem Waschversuch empfindlichere oder besonders verschmutzte Sachen nehmen. Man wird die Wäsche nicht wiedererkennen, so schön ist sie geworden. Ein Stück Kavon- Seife( Preis 20 Pfennig) genügt zu diesem Versuch vollständig. Mit einem Stück Kavon- Seife kann man einen ganzen Haufen Wäsche und andere Sachen waschen.( Achtung! Die Kavon- Seife gibt sofort Schaum. Starkes Aufdrücken wie bei anderen Seifen ist anderen Seifen ist unnötige Verschwendung! Bei richtiger Behandlung muß man mit halb so viel Seife wie sonst auskommen.) Wer mit Kavon- Seife einmal gewaschen hat, nimmt keine andere Seife wieder. Berantwortlicher Rebatteur; Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdruderei n. Berlagsanstalt Paul Singer. Co., Berlin SW Kr. 66. U.Zllhrgavg. 3. Knlage des.Jmiüitto" fftliiw Bollislilnlt. Dienstltg. 19. Marz 1912. vom Kohlenbergbau im Kubrrevler. Die Bedeutung des Ruhrgebietes liegt in seinem Kohlen»- rcichtum. Erst nach etiva KKW Jahren wird der Kohlenvorrat des Ruhrbeckens, der auf 30 ODO Millionen Tonnen geschätzt wird, trotz stetig steigender Produktion erschöpft sein. Seine Größe sichert ihm eine bevorzugte Stellung in der Kohlenprodnktion der Erde überhaupt. Im Jahre 1910 wurden auf der ganzen Erde 1 100 300 000 Tonnen Kohle gefördert. Auf Deutschland sielen davon 19 Proz., auf Großbritannien 23 Proz. und auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika 39 Proz. Das Ruhrkohlengebiet war an der Weltproduktion allein mit 7,7 Proz. beteiligt. Von der Jahresproduktion Deutschlands(100 742 000 Tonnen im Jahre 1911) lieferten der Oberbergamtsbezirk Dortmund, der das Ruhrkohlengebiet umfaßt, mehr als die Hälfte(91 200 000 Tonnen im Jahre 1911) mit einem Wert von etwa 875 Millionen Mark. An der Steinkohlenförderung Preußens ist das Dortmunder Gebiet mit über 00 Proz. beteiligt. Die Arbeiterschaft(Belegschaft) belief sich 1911 auf 349 900 Köpfe. Die Jahresleistung des einzelnen Arbeiters betrug 1911 200,82 geförderte Tonnen. Sie zeigt für die früheren Jahre Schwankungen, die durch Streiks, Aussperrungen, Willkür- liche Betriebseinschränkungen usw. hervorgerufen werden. Die Leistung auf eine Schicht ist nicht etwa von dem guten oder bösen Willen der Arbeiter abhängig. Das Akkordshstem treibt den Ar» beiter nach Belieben des Unternehmers an. In Zeiten schlechter Konjunktur und billiger Kohlenpreise sinkt die Leistung pro Schicht (i. I. 1908); in solchen günstiger Konjunktur und hoher Preise steigt sie dagegen(z. B. im Jahre 1900). Es betrug: Leistung pro Schicht u. Arbeiter Schichtlohn 1903.... 0.839 Tonnen 3.88 M. 1904.... 0,848„ 3,98„ 1905.... 0,853, 4,03. 1906.... 0,883. 4,37„ 1907.... 0,849. 4,87„ 1908.... 0.820„ 4,82„ 1909.... 0.838„ 4,49. 1910.... 0,854„ 4,54. 1911....-„ 4,69. Lohn und Leistung entsprechen sich durchaus nicht immer. Im Jahre 1906 stand die Leistung(0,885 Tonnenf am höchsten; der Lohn hielt sich aber niedriger als in den folgenden, Jahren. Erst 1907 und 1908 steigt der Lohn etwas, 1909 ist die Leistung größer als 1908, dennoch fiel der Lohn um 33 Pf. pro Schicht. Die Arbeits- kraft unterscheidet sich von keiner anderen Ware; auch ihr Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Nicht Wert und Leistung werden vom Kapitalisten bezahlt, sondern Konjunkturverhältnisse bestimmen den Preis. Die oft gerügten Bctriebsverhältnisse riefen eine entsprechende Anzahl von Unglücksfällen hervor. Der Knappschafts- bcrufsgenossenschaft wurden im Jahre 1890 18 150 Unfälle, im Jahre 1910 aber 53 054 Unfälle gemeldet. Die Zahl der Beleg- schaft hat sich in dieser Zeit nur verdoppelt; die Zahl der Unfälle fast verdreifacht. Von den im Jahre 1910 angemeldeten Unfällen waren 4017 schwerer Art und 777 verliefen tödlich. Schlimmer aber fast als unter den geringen Löhnen und den gefährlichen Betriebseinrichtungen leidet die Bergarbeiterschaft unter dem Druck der im„Zechen verband" koalierten Unter- nchmer. Der Zcchenberband bildete sich 1908 aus dem bereits 1890 gegründeten„Ausstands-Versicherungsverband". Der Verband beabsichtigt satzungsgemäß die„Wahrung gemeinsamer Interessen in Arbeiterfragen". Arbeitsnachweis» schwarze Listen und ein Aus- standsfondS sind die Zuchtmittcl zur Unterdrückung der Arbeiter. Der Aus standsfondS wird durch einen nach der Größe des ncucinzutretenden Werkes bemessenen Eintrittsbeitrag sowie durch regelmäßige Beiträge der Mitglieder gefüllt. Die Höhe d«S Jahres- beitrags stellt sich auf mindestens 1 M. pro Kopf der im Vorjahre durchschnittlich beschäftigten Arbeiter. Er kann aber jederzeit durch Beschluß erhöht werden. Durch den A r b e i t s n a ch w e i s ist ein Legitimationszwang für alle Arbeitenden eingeführt worden. Wider den Willen des Zechenverbandes erhält niemand Arbeit im Bezirke Tortmund. Ausständige erhalten für mindestens zwei Wochen nach dem.„Kontraktbruch" keine Arbeit nachgewiesen. Arbeitsuchende werden an ein bestimmtes Werk gewiesen; schlagen sie die Annahme von Arbeit an dieser Stelle aus, so verfallen auch sie dem zwei- wöchigen Fluch der Arbeitslosigkeit. Im Ruhrgebiet ist eben der Unternehmer unbeschränkter Herrscher, der nach Belieben maß- regelt und aushungert. Die dortigen Verhältnisse wirken wie ein Hohn auf die Phrase vom freien Arbeitsvertrag. Auch der preußische Staat, der angeblich die Freiheit des Individuums schützt. lat trotz des Protestes von unserer Seite nichts gegen die Errichtung des Nachweises im Jahre 1908. Beschränkt sich der Zechenverband auf die Knebelung der Ar- beiter, so hat sich das Rheinisch-Westfälische Kohlen- s y n d i k a t die Schröpfung der Konsumenten als Wirkungskreis ausersehen. Das Syndikat schloß sich 1893 in Form einer Aktien- gcscllschaft zur„Beseitigung des ungesunden Wettbewerbes auf dem Kohlcnmarkte" zusammen. Seine Tätigkeit sieht es in der Beschränkung der Förderung und dem Verkauf der geförderten Kohle. Je nach der Größe der Anlage und der Höhe der Förderung erhalten die angeschlossenen Werke eine Beteiligungsziffer an der Gesamtproduktion zugewiesen. Um höhere Quoten zu erhalten� kaufen die großen Unternehmungen die kleinen auf. Aber nur die Bcteiligungsziffcr ist das Erwünschte; die Betriebe der kleinen Zechen selbst werden stillgelegt. So verschwanden innerhalb einiger Jahre 18 Proz. aller Betriebe. Die gesamte Produktion an Kohlen. Koks und Briketts müssen die Zechen an das Syndikat verkaufen, das den Weiterbetrieb übernimmt. Ausgeschlossen von dem Verkauf durch das Syndikat sind die von den Werken, insbesondere den Hüttenzechen(Bergwerken mit Hüttenbetrieb), selbstverbrauchten Mengen. Dieses Vorrecht der Hüttenzechen hätte fast zur Spren- gung des Syndikats geführt. Die Hüttenzechen kauften reine Zechen u...7-d forderten auch für sie eine SelbstvcrbrauchSquote. 1908 wurde deshalb"'.ich der Selbstverbrauch der Hüttenzechen beschränkt' (kontingentiert)*) und der Vertrag auf dieser Grundlage bis zum � 31. Dezember 1915 verlängert. Die außenstehenden Zechen, deren 1 Förderung sich prozentual schneller entwickelte als die der syndizierten Zechen, machten aber dem Syndikat so große Konkurrenz, daß sein Bestand dauernd gefährdet war. Erst in diesem Jahre ist eS gelungen, den größten Außenseiter. den preußischen Bergfiskus, zum Anschluß zu zwingen. Das Syndikat ist dadurch im Kampfe Sieger geblieben. und auch die übrigen nicht syndizierten Werke mußten ihren Widerstand aufgeben. Zur Deckung der Syndikatskosten wird ein gleichmäßiger prozentualer Abzug von den Monatsrechnungen *) Geht der Selbstverbrauch der Zeche über die bewilligte vienxe hinaus, so muß es Kohlen, usw. vom Syndikat zurücklausen. vorgenommen,, dessen Höhe nach Bedarf jedesmal festgestellt wird. (Er betrug 1911 für Kohlen 12 Proz., für Koks 7 Proz., für Briketts 11 Proz.) Zurzeit gehören dem Syndikat 04 Zechen, an. Die Beteiligungs- ziffer für Kohlen ist von 1893 bis 1912 von 35,4 Millionen Tonnen auf 79,5 Millionen Tonnen gestiegen. Für den Hüttenselbswer- brauch wurden zum 1. Januar 1912 insgesamt 17 Millionen Tonnen freigegeben. Die Beteiligungsziffer für Koks und Briketts wurde auf 158 bezw. 4,8 Millionen Tonnen festgesetzt. Den Kohlenvertrieb des Syndikats übernehmen 10 vom Syndikat abhängige Vereint- gungen von Händlern, denen das Alleinverkaufsrecht zusteht. Daß das Syndikat sich maßgebenden Einfluß auf den Kohlen- markt sichern kann, geht allein daraus hervor, daß es seit 1897 mehr als die Hälfte der Kohlenproduktion Preußens fördert(1910: 58,09 Proz.). Die Wirkungen des 5kohlensyndikats auf die PreiSent- Wickelung liegen natürlich nur im Interesse der Unternehmer. Greifen wir das Jahr 1888, das Jahr der Gründung des Syndi- kats(1893) und das letzte Jahr heraus, so zeigt ein Vergleich der Durchschnittsjahrespreise der Essener Börse folgende Steigerungen: Gegen 1888 sind die Preise fast aller Kohlensorten um rund lOOProz. erhöht worden. Für das Jahr 1912 ist eine weitere Erhöhung der Preise von durchschnittlich 0,80 bis 1,00 Mk. be schlössen worden, so daß dem Unternehmertum ein neuer Profit zufällt. Wohl wird von den Verteidigern des Syndikats darauf hingewiesen— und der preußische Staat machte sich diese Begrün dung zu eigen—, daß die Preise seit Bestehen des Syndikats nicht mehr so große Schwankungen zeigen wie vorher. Die Tatsache ist richtig, aber der Vorteil wird durch eine dauernde Preistreiberei wieder zunichte gemacht. Ausfuhrvergütungcn und eine die Aus- landausfuhr begünstigende Eisenbahntarifpolitik des Staates sichern neben der Kontingentierung der Produktion den Syndikatszechen ein„befriedigendes Resultat". Bei einer tatsächlichen Förderung von 80,828 Millionen Tonnen im Jahre 1909 stellte sich der Ver° fand des Syndikats nach dem Ausland auf 15,234 Millionen Tonnen. Die Machtmittel der Monopole— Produktionseinschränkungen durch Stillegung von Betrioben und Kontingentierung, geringere Preise im Ausland oder direkte Ausfuhrprämien— sind von dem Rheinisch-Wesffälischen Kohlensyndikat zur Dienstbarmachung des Zwischenhandels und zur Ausbeutung der Konsumenten in voller Schärfe angewandt worden. Eine Aenderung der Syndikatspolitik wird natürlich auch nicht durch den Beitritt des preußischen Fiskus eintreten, obgleich der Fiskus seinen Einfluß angeblich zur Wah- rung des Konsumenteninteresses benutzen will. Die Sozialdemo- kratie hat stets gegen die Beteiligung des Staates an privaten Jnteressenvcrbänden protestiert und schlägt dafür die Verstaat- lichung des Bergbaus als einzigen Weg zur Vertretung der Ar- beiter- und Konsumenteninteressen vor. Hu9 Induftm und Handet Die Ausnahmetarife für Kohlen vom Ruhrgebiet treten nicht, wie wir meldeten, erst von Anfang April ein, sondern gelten be- reits vom 13. März. Der preußisch-hessische Eisenbahnfiskus er- greift also sofort offen Partei für die Unternehmer gegen die streikenden Arbeiter._ Verlängerung d«r Brüsseler Zuckerkonvention. Am Sonntag, den 17. d. M., hat die ständige Kommission der Internationalen Zuckerkonferenz zwei Sitzungen abgehalten. Das Resultat war die Verlängerung der Brüsseler Kon- vention auf weitere fünf Jahre bis zum 1. Sep- tember 1918 auf folgender Grundlage: Rußland erhält weiter das Recht, jährlich 200 000 Tonnen(durch Ausfuhrprämien be- günstigten) Zucker in die Konventionsländer einzuführen. Ferner ist Rußland ein darüber hinausgehendes Ausfuhrkontingent von 250 000 Tonnen zugestanden worden. 150 000 Tonnen müssen davon noch in diesem Jahr(bis zum 1. September) ausgeführt werden. Die übrigen 100 000 Tonnen können je zur Hälfte in den Jahren 1913 und 1914 exportiert werden. Eine weitere Mehrausfuhr soll Rußland nur dann erlaubt sein, wenn wie im oergangenen und in diesem Jahr infolge der Rübcnmißernte ein Zuckermangel ein- tritt. Da der neue Vertrag vor dem 1. April von den Mächten unterzeichnet werden soll und für Deutschland dazu die Genehmi- gung des Reick�tages erforderlich ist. wird die Angelegenheit wahr- schcinlich noch in dieser Woche den Reichstag beschäftigen.— Diese Lösung der Zuckerfrage ist im Interesse der Konsumenten nur zu begrüßen. Infolge der Mehrausfuhr Rußlands wird der außer- ordentlich hohe Zuckerpreis fallen. Niedrige Löhne— hohe Gewinne! In der Kunst niedrige Löhne zu zahlen, aber hohe Gewinne einzustreichen, haben es die Braunkohlenunternehmcr zu einer ganz besonderen Fertigkeit gebracht. Kaum hatte daS Kohlensyndikat kürzlich die Preise erhöht, überraschten auch sie ihre Ilbnchmer mit der Mitteilung, daß die höheren Winterpreise für den Sommer in Geltung blieben. Angeblich machten auch hier die hohen Löhne die Belastung der Konsumenten notwendig. Unter- nehmerfedern in geschäftiger Tätigkeit unterrichten nun auch die Presse davon, daß z. B. im Bezirk Halle der Lohn im Jahre 1911 höher gewesen sei als 1907 und zwar um 10 Pf. pro Schicht. Das Jahreseinkommen habe sich in der Vergleichszeil von 1094 M. auf 1122 M. gehoben, also um 28 M. Sofort muß das tiefe Niveau der Löhne auffallen. Selbst die„hohen Löhne" im Jahre 1911 erlauben nur eine Tagesausgabe von 3,07 M. Hiervon kann keine Familie leben, ohne direkt zu darben. Der Lohn ist fast eine Mark pro Tag niedriger als im Ruhrbecken. Dafür stehen aber auch die Braunkohlendividenden obenan. Das zeigen die Ergebnisse der großen, nicht mehr im Ausbau begriffenen Werke. So erhöhte die Jlse-Bergbau-A.-G. für 1911 ihren Rohgewinn auf 7 462 277 M. gegen 6 677 925 M. im Vorjahre. Bei größeren Abschreibungen verblieb ein Reingewinn von 305190 6 M., gegen 2 538 287 M. im Jahre vorher. Die Aktionäre erhalten wiederum 24 Proz. Und für das laufende Jahr hat das Nieder- lausitzer Braunkohlensyndikat schon die ganze Produktion verkauft. Temnacb sind trotz der„hohen" Löhne mindestens wieder 2 4 Pro- z e n t sicher. Die Eintracht-Braunkohlenwcrke in Neu-Wctzow buchten infolge einer Produktionseinschränkung einen etlvas kleineren Reingewinn, 2225849 M. gegen 2 334 371 M. im Jahre 1910. Die Aktionäre erhalten dennoch wieder 27 Proz. Für das laufende Jahr stellt die Verwaltung verbesserte Ergeb- nisse in Aussicht. Und da empören sich die Herrschaften noch, wenn die Arbeiter nicht vor Zufriedenheit janchzent Hus der frauenbcwegung. Frauenbewegung in Oesterreich. In Oesterreich finden gegenwärtig zahlreiche Versammlungen für die politische Gleichberechtigung der Frauen statt. In Wien versammelten sich am 13. und 14. März in allen Bezirken die Frauen und in der Provinz fanden zahlreiche Versammlungen am Sonntag, den 17. März, statt. In allen Wiener Versammlungen sprach außer der Referentin ein Reichsratsabgeordneter. Die Tagesordnung lautete überall:„Fort mit dem§ 30— heraus die politische Gleichberechtigung der Frauen." Wie erinnerlich hat der Rcichsrat vor der Auflösung im Frühjahr 1911 beschlossen, den Z 30 aus dem Vereinsgesetz zu eliminieren. Damit sollte endlich den Frauen das Recht gegeben werden, politischen Vereinen als Mitglieder anzugehören. Das Parlament wurde aber aufgelöst, ehe noch das Herrenhaus zugestimmt hatte und so blieb alles beim alten, d. h.„Frauenspersonen" dürfen(gleich Minderjährigen) nicht Mitglieder politischer Vereine sein. Dem neuen Parlament ging eine Regierungsvorlage zu, die den Frauenausschließungsparagraphen nicht mehr enthält, aber die Vorlage schlummert im Verfassungsausschutz. Die Genossinnen empfinden immer drückender, daß sie von den politischen Ver- einen ausgeschlossen sind. Ihr Ideal ist die gemeinsame Organisa- tion mit den Genossen, die ihnen jetzt verwehrt ist. Das System der Frauenorganisation ist auch zeitraubender und kost- spieliger. Es müssen zu allen Mitgliederzusammenkünften auf Namen lautende Einladungen geschrieben werden, die der polizeilichen Kontrolle unterliegen. Nun ist es ja richtig, die Ge- nossinnen haben, sich trotz dieser Schwierigkeiten eine große, fast 20 000 Frauen umfassende Organisation geschaffen. Bei dem 20jährigen Jubiläumsfest der Arbeiterrinnen- Zeitung, das am 3. März stattfand, hat Genosse Viktor Adler darauf hingewiesen, daß der§ 30 nicht imstande war, die Genossinnen in ihrer Organisationsarbeit aufzuhalten, was wohl richtig ist, dennoch wird das Unrecht empfunden. Außerdem kommt es vor, daß die Organisationsarbeit den Genossinnen durch behördliche Schikanen erschwert wird. So wurde erst jüngst die Genossin A l t m a n n in Böhmen verurteilt, weil sie die Ein»- ladungcn zur§ 2 Versammlung angeblich erst im Versammlungs- lokal geschrieben hatte. Der§ 2 ist jener Paragraph des Vereins- gesetzcS, auf Grund dessen die Genossinnen ihre nichtöffentlichen Versammlungen abhalten. Zu diesen kurzweg Z 2-Vcrsammlung genannten Zusammenkünften, müssen alle Teilnehmer eine auf ihren Namen lautende Einladung erhalten. Die Einberuferin muß eine Liste aller Eingeladenen fuhren. Wenn es nun einem be- hördlichem Organ einfällt zu kontrollieren, so mutz alles stimmen. Man verlangt sogar, daß die Einberuferin jede Anwesende kennt und ihren Namen genau zu sagen weiß. Da hat nun kürzlich ein Polizeiwachtmeister ausgeschnüffelt, daß eine Versammlungsteil- nehmerin erst in der Versammlung die Einladung erhielt, ja, daß diese erst dort geschrieben wurde. Die Genossin Altmann wurde deshalb wegen„Rückfälligkeit" verurteilt. Und doch mutz sie es, solange der§ 30 besteht, wieder so machen und wieder rück- fällig werden. Das Frauenreichskomitee hat nun eine Aktion eingeleitet, die sich gegen diese reaktionäre Bestimmung richtet. Die bisher abge» haltenen Versammlungen waren großartig besucht. In allen Ver- sammlungen wurde folgende Resolution angenommen: „Die am 13. März tagende Frauenversammlung erhebt neuer- lich'entschieden Protest gegen jene Bestimmung des Vereinsgesetzes (§ 30), welche Frauen von der Mitgliedschaft in politischen Per- einen ausschftetzt. Die Frauen erwarteten, daß das neugewählte Parlament es als eine seiner ersten Aufgaben betrachten würde, jene reaktionäre Bestimmung zu beseitigen. Dies um so mehr, da die Mehrheit des früheren Parlaments schon beschlossen hatte, den Z 30 zu eliminieren. Die Frauen empfinden es als be- schämend, daß man sie, die als Mütter und Arbeiterinnen schwere Pflichten erfüllen, und auch als Staatsbürgerinnen alle direkten und indirekten Steuerlasten zu tragen haben, für unwürdig und unreif befindet, selbst jene primitiven politischen Rechte zu besitzen, welche die Frauen jedes anderen Landes schon haben. Den Frauen fehlt leider das Recht, mit dem Stimmzettel ihre Interessen selbst zu vertreten, aber sie erwarten, daß es im österreichischen Parlament genug einsichtige Männer gibt, die bereit sind, diese bescheidene und berechtigte Forderung, die von vielen Tausenden Frauen in ganz Oesterreich erhoben wird, zu erfüllen. Die heute tagende Frauenversammlung fordert die sozialdemo- kratischen Abgeordneten guf, für die Reform des Vereinsgesetzes entschiedenst einzutreten; die Frauen geloben, nicht zu ruhen, bis sie im Besitz der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung sind." Frauenstimmrechtstag in Oesterreich. Am 17. März fand in Wien der erste österreichische Frauen- stimmrechtstag statt, der von den Komitees der verschiedenen Kron- länder Oesterreichs einberufen worden war. Die von mehreren hundert Frauen besuchte Versammlung beschloß eine Resolution, in der die Einführung des Stimmrechts für Frauen zum Parla- mente gefordert wird. WitterungSübersicht vom 18. März ISIS. Gtatlonen Swinemde Hamburg «erlitt ftratiffa M. München Wien 753 IO 749 OSO 753SO 747! SO 751SO 7S4jSO SiN-bel bdedeckt 3, wolkig YNegen 2'wolkig tzNebel Haparanda «eleiSburg Scilly Aberdeen Paris SW 768 SO 729 WSW 739 743 SO Schnee wolkenl 4,wolktg belegen 4bedeckt Wetterprognose für Dienstag, de« IS. Mär» ISIS. Vorherrschend wolkig bei ziemlich starken südlichen Winde».«twaS wärmerer Nacht- und wenig veränderter Tagestemperatur; wlederyolenilich Regen. Berliner Wetterbureau. WasserstandS-Nachrichte» her LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Verllner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Krossen , Frankiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leibneritz . Dresden , Berby , Magdeburg am 17. 3. cm 470") 45 386«) 176 178 178 106 136 34 39 —82 201 160 seit 18 3. cm1) —134 —21 —26 —8 —2 -1 —10 -14 0 -2 —8 -8 -10 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau1) , Rathenow') Spree. Sprembirg>) , BeeSko» Weser, Münde« , Minden Rhein, Marimillankau , Kaub . Köln Neckar, Heilbron» Main, Wertheim Mosel, Trier ai» 17. 3 ctn 118 82 118 70 104 186 263 379 218 90 127 seit 16. 3. cm1) 0 —3 +6 0 +2 +5 +3 -10 -6 -8 — 8 »)+ bedeutet Wuchs.— Fall.— Uuterpegel.— � Schollentreibe». - 4) Am 1? stich 3bö cm. SANGER: REDNER: RAUCHER: Metall- Bettstelle Nr. 1001 WYBERT TABLETTEN Erhältlich in allen Apotheken und Drogerien. Preis Mk 1Im Grossen Spezial- Geschäft Mit Zugfeder- Matratze. schwarz, 190 x 80 cm 1350 weisslackiert 50 Pf. mehr. grosse Auswahl, billige Preise! Fertige Betten ( Oberbett, Unterbett, 2 Kissen) von grau- rot Waterstout, reichlicher ge füllt mit grauen Federn, Stand 12M. füllt. Stand 15M. . von grau- rot oder rot- rosa Köper- 2450 280 32M. stout, gefüllt m Enteniedern, Stand M. 50 50 M. von echt türkisch- rotem Inlett( Unterbett Drell). 39. gefüllt mit Halbdaunen und Federn... Stand Bessere Betten M. 46, 55-, 63.- bis 105.Theater. Dienstag, 19. März 1912. 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Schumann Heute Dienstag 7, Uhr: Gala- Fest- Vorstellung zugunsten des Zentralkomitees der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz Gr.Gala- Festprogramm U. a. Auftreten von Dir. Albert Schumann in seinen neuesten Kreationen Die besten Radkünstler 5 Herren Aurora 5 mit ihrem lebenden Roulette. Um 9 Uhr: Zirkus Busch Dienstag, den 19. März 1912: 7% Uhr 7 Uhr ausElite- Sport- Abend. Wegen Beendigung eines besonders wich igen Ringkampfes muß die Pantomime heute fallen. Wir verweisen auf mündliche Auskunft im Zirkus ( Telephon Amt Nord. 840). Um 9 Uhr: Beginn des zirzensischen Programms. 9% Uhr 9% Uhr Internationale Ring kämpfe. Das Motorpferdrianon- Theater. in 5 Akten arrasani S Schönhauser Allee. Telephon: Nord 4100 Dienstag, 19. März, 7, Uhr: Das berühmte, echte, pantomimenlose Cireus- Programm mit den Aufsehen erregenden Novitäten. Mittwoch, den 20. März: Nachm. 3 Uhr u. 7 Uhr: 2 Vorstellungen 2. Nachmittags zahlen Kinder auf allen Plätzen halbe Preise. Vorverkauf a. d. Circuskasse und an sämtlichen Billettverkaufsstellen von A. Wertheim. A Admiralspalast Am Bahnhof Friedrichftrasse Allabendlich: Tänze auf d. Eise. Die kleine Charlotte. Weltmeister Bror Meyer, Das prächtige Eisballett Alpenzauber. Nachmittags: Kunstlauf- Produktionen. Bis 6 Uhr und von 10%, Uhr abends halbe Kassenpreise. Das kleine Café. Folies Caprice. Täglich 8, Uhr: Die Saifon- Schlager er Polizeihund. Das Broadway- Girl. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzeit in der Müllerstraße. Burleste bon Meyfel. Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Novität! Täglich 8 Uhr. Der neue Poffenfchlager Die luftige Strohwitwe. Posse von Misch und Jacoby. Gonnt. 3, Die Tochter d. Sträflings. Königstadt- Kasino. Ede Holzmarkt- u. Alexanderstraße Täglich: Ein fideler Rechtsanwalt und Bruder Julius. Außerdem 6 erftfl. Glanznummern Anj. 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Mittw., Sonnab., Gonnt.: Tanz. Mentes Volksgarten Inh. Walter Schröter Telephon: Amt Lichtenberg Nr. 164. Lichtenberg, Roederstr. 28/29 Berlängerte Landsberger Allec. Bom Aleranderplay 15 Minuten. Linie 64, 67, 71, Linie Kurzeftraße- Hohenschönhausen. Vom 1. April jeden Dienstag, Donnerstag === Frei- Tanz.= Sonntags: Großer Ball Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Sektion I. Handelsarbeiter. Für die nachbenannten Branchen der Sektion I finden an den dabei vermerkten Tagen statt. Die Branchen- Versammlungen Tagesordnung in allen diesen Bersammlungen lautet: 1. Bericht der Delegierten von der örtlichen Generalversammlung sowie Neuwahl der Delegierten für das Gefchäftsjahr 1912. 2. Der bevorstehende Verbandstag in Breslau und seine Tagesordnung. 3. Borschläge von Kandidaten zur Wahl der Delegierten zum Verbandstage. 4. Branchenangelegenheiten. Buchhandlungen, Papier-, Beitungsbranche. Markthelfer, Boten aus den Buchhandlungen und Journal- Lesezirkeln, Hausdiener, Packer, Kutscher aus den Papier- und Pappen- Engrosfirmen, Buchdruckereien, Buchbindereien und der Papierverarbeitungsindustrie am Montag, den 25. März 1912, abends 8 Uhr, in den " Rittersälen", Inh. N. Bercht, Ritterstr. 75. Chemikalien- Branche. Rutscher, Lagerarbeiter, Packer, Paderinnen, Chauffeure, Hausdiener, Radfahrer usw. Groß- Berlins aus der Chemikalien-, Apotheken- und pharmazeutischen Branche am Donnerstag, den 21. März, abends 8, Uhr, im„ Fürstenhof", Köpenicker Straße 137. Branche der Einkasserer u. Kassenboten am Donnerstag, den 21. März, abends 8%, Uhr, bei Haberland, Linienstraße 73. Glas-, Beleuchtungs-, Kurzwarenbranche. Kollegen Hausdiener, Bader und Baderinnen, Lagerarbeiter, Transport- Arbeiter, Arbeiterinnen, Kutscher nsw. aus den Glas-, Kurz-, Spielwaren-, Uhren-, Beleuchtungs-, Galanterie-, Lederwaren-, Sprech maschinen-, Export, Alabaster, Emaille- usw. Betrieben am Donnerstag, den 21. März, abends 8%, Uhr, im Lokale Mitterfäle". Ritterstr. 75. Holzindustrie. goldereien und Möbelgeschäften Berlins und Umgegend 23 VolksBerlammlungen Dienstag, den 19. März, abends 8%, Uhr, in folgenden Lokalen: 1. Kreis: Corona- Säle, Kommandantenstr. 72. 2. Kreis: 3. Kreis: 4. Kreis: 5. Kreis: 6. Kreis: Dofjäger- Palaft, Hasenheide 52/53. Arminballen, Kommandantenstr. 58/59. Graumann, Naunynstr. 27. Boeker, Weberstr. 17. Comenius- Säle, Memeler Str. 67. Elyfium, Landsberger Allee 40. Unionsfäle, Greifswalder Str. 221-223. Publmanns Cheater, Schönhauser Allee 147. frankes feftfäle, Badstr. 19. Pharus- Säle, Müllerstr. 142. Stadttheater Moabit, Alt- Moabit 247-249. Berliner Bockbrauerei, Chausseestr. 64. Niederbarnim: Kollegen Backer, Hausdiener, Kutscher uſw. aus Tischlereien, Ber- Friedrichshagen: Lerches feftfäle, Friedrichstr. 112. am Donnerstag, den 21. März, abends 8 Uhr, im Gewertschafts- Lichtenberg: Schwarzer Adler( Arnold), Frankfurter Chaussee 5. Pankow- Schönhausen: Pankgraf, Schloßstr. 6. hause, Engelufer 15, Hof links 3 Tr., Arbeitsnachweis II. Branche der Kauf- und Warenhäuser. Hausdiener, Backer, Radfahrer, Schaffner, Bortiers, Fahrstuhlführer, Rummelsburg: Café Bellevue, Hauptstr. 2. Jugendliche, Chauffeure usw. aus den Kauf- und Warenhäusern Berlins Tegel- Borsigwalde: Trapps feftfäle, Bahnhofstr. 1. am Montag, den 25. März, abends 9 Uhr, in den " Corona- Prachtiälen", Kommandantenftr. 72. Lebens- und Genußmittel- Branche. Hausdiener, Backer und Radfahrer aus den Bäckereien, Konditoreien, Schlächtereien, Kolonialwaren-, Delikates, Fisch, Witd., Geflügel, Obst, Gemüse, Schokoladen, Zigarrengeschäften usw. 19ptain Montag, den 1. April, abends 9 1hr, bei Julius Meyer, Dranienstraße 103. otre Lederbrauche am Donnerstag, den 21. März, abends 8 Uhr, bei Nichter, Klosterstraße 62. Schneider-, Uniformen- usw. Branche. Kollegen aus der Herren-, Damen- und Uniformbranche sowie alle in Ladengeschäften tätigen Hausdiener, Packer, Radfahrer usw. am Mittwoch, den 20. März, abends S½, 1hr, im Arbeitsnachweis. faale, Alte Leipziger Straße 1. Textilbranche. Hausbiener, Backer, Radfahrer aus der Stoff, Leiuen, Tuch, Woll, Baumwoll, Teppich, Manusaftur., Weißwaren-, Wäsche- und Defatur Branche am Donnerstag, den 21. März, abends 8%, Uhr, in den " Musiker Sälen", Kaiser- Wilhelm- Str. 18m. Wir bitten die Kollegen, genau auf die angegebenen Tage zu achten, au welchen die Versammlung für ihre Brauche stattfindet, und für den Besuch derselben Sorge zu tragen. Das Verbandsbuch ist mitzubringen und am Eingang des Saales vorzuzeigen. 62/15 Die Sektionsleitung. 3..: Fritz Wappler. Teltow- Beeskow: Charlottenburg: Volkshaus, Rosinenstr. 3. Köpenick: Wilhelmsgarten( Inh. Scheer). Neukölln: Hoppes feftfäle( Inh. Bartfch), Hermannstr. 49. Schöneberg: Neue Rathausfäle, Meininger Str. 8. Steglitz- Friedenau: Kaifer- Wilhelmsgarten, Rheinstr. 65( oberer Saal). Cagesordnung: S teppdecken Spezialhaus Emil Lefèvre Berlin Oranienstr. 158. S. in voller Steppdecken Bettgröße Similiseide in den 525 bis 2100 Farben ( Seidenerstz.) bord., Wollatlas blau, 00 bis 2700 oliv Similiseide( doppel- 25 bis 2500 seitig) Daunendecken 2500 bis 12500 Schlafdecken 250 bis 4800 Spezial- Katalog 650 Abbildungen gratis u. franko.. Dauerwäsche jetzt natürlich wie Plättwäsche, blättert nicht ab, stets sauber und sparsam, beste Ware, jetzt für Alle und vollkommen Jedermann. Umsonst als Ladenvergütung bei Kauf von 4 Mk. 1 Mk, bei 7 Mk. 2 Mk. billiger, 20 Pf. Fabrgeld, außerdem ein Taschenfeuerzeug od. Rasierapparat gratis. Kein Lad., kein Reisend. a. d. Kochstraße. H.Streubel Friedrichstr. 216, Kein Waren- Kredithaus Elegante Herren- Moden fertig u. nach Mass von 1 Mark wöchentliche Teilzahlung. 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Harn-+ leiden, Ehrlich- Hata, Schäden d. Quecksilb. Konsultation frei! Blutuntersuch., Fäden im Harn, etc. Teilzahlung gestattet!! & Co.( konz.Spez.Lab.) Dr. Homeyer Friedrichstr. 189 a.d.Hochb. Spr. 9-2,4-8, Sonnt.11-12. Ausstellung Deutscher Bauarbeiter- Verband. Die Frau in Haus und Berufa Zweigverein Berlin. Sektion der Kunststeinversetzer. Branchen- Versammlung mittwoch, den 20. März 1912, abends 8% Uhr, der Fahrstuhlmonteure, Helfer und in diesen Betrieben beschäftigten Kollegen in den Borussia- Sälen, Ackerftr. 6/7. Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen udolf Wifjell über: Das deutsche Genossenschaftswelen". 2. Branchenangelegenheiten. 8. Berschiedenes. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Mittwoch, den 20. März, abends 6 Uhr: Versammlung= aller in Gas-, Waffer- und Dampfarmaturen sowie Kronen Betrieben beschäftigten Eisen-, Metall- und Revolverdreher in den Musiker- Festsälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 18m. Tagesordnung: 1. Bortreg des Genoffen Max Schütte über Friedrich den Großen". 2. Distuffion. 3. Berbands- und Panchenangelegenseiten. 114/2 Mitgliedsbuch legitimiert! Die Ortsverwaltung. Berlin SO. 16, H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. Tabak- Großhandlung und Tabakfabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. Sämtliche bezu Originalpreisen. annten Marken Zigaretten Amt 4, 3014. heiten. im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Entwicklung der Kunststeinbranche. 2. BranchenangelegenDie Kollegen der Firma Gebr. Friesecke werden dringend ersucht, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Die Sektionsleitung. Moebel Boebel Gegründet 1879 Berkin Name ges gesch. Oranienstr.( Moritzplatz) 58 Kein Laden, Verkauf im Fabrikgebäude. Specialität: Ein u.Zwei- Zimmer Einrichtungen Ausstellungshalle am Zoologischen Garten. 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Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Friedrich Kleemann am 15. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. März, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Friedhofes in der Müllerstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 114/3 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Spandan. Am Sonnabend, den 16. März, verschieb unser langjähriges Mitglied Ernst Doogs. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle in den Kisseln aus ftatf. Um rege Beteiligung ersucht 62/16 Der Vorstand. Am Donnerstag, den 14. März, verstarb klich infolge eines Unfalles unse Reservefahrer Wilhelm John. Der Verstorbene hat während seiner mehrjährigen Tätigkeit in unserem Betricbe durch treue Bflichterfüllung sich in hohem Maße unser Vertrauen zu er werben gewußt. Sein Andenken wird bei uns stets in Ehren gehalten werden. Viktoria- Brauerei Akt.- Ges. 217/17 Berlin- Stralan. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Andreas- Markus- Kirchhofes, Wilhelmsberg, aus statt. Am 17. d. M., abends 10%, Uhr, verschied sanft infolge Herzschlags unser herzensguter Vater, Bruder und Bräutigam, Herr Reinhold Kutzner im 48. Lebensjahre. Baumschulenweg, Kiefholzftr. 187. 6745 Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. März, nach mittags 4, Uhr, von der Leichenhalle des Treptower Friedhofes, Neue Krugallee 32, aus statt. Am 17. d. M., borm. 10%, Uhr, verschied nach langem schweren Leiden mein lieber Mann Hermann Stolzenwald im 54. Lebensjahre. 6885 Dies zeigt im Namen der Hinter bliebenen tiefbetrübt an Witwe Minna Stolzenwald geb. Tempel. Die Beerdigung findet Mitt moch, den 20. b. M., nachmittags 3, Uhr, auf dem Dorotheenstadt Kirchhofe, Berlin- ReinidendorfWest, Scharnweberstr. 1/2, ftaft. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz Dr. Simmel spenden bei der Beerdigung meines Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41. dicht am Moritzplatz 10-2.5-7. Sonntags 10-12. 2-4. lieben Mannes Otto Brunn fage ich allen Bekannten, besonders der Firma Schade nebst Bersonal und Restaurateur Junler u. Hinge nebst Freunden meinen herzlichsten Dant. Witwe Elise Brunn. Wenn der Frühling tommt empfehlen große Mosten gebrauchter Maßanzüge, Baletots und Ulster, jog. Monaisqarderobe für jede Figur( auch für stärkere Herren) passend auf Zager. Diese Sachen sind teils in feinsten Wertstätten( einzeln auf Seibe) gearbeitet. Früherer Anschaffungsprets bis 120 M., jegt zu folgenden ertra billigen Preisen: auch neue Herrenanzüge 9.- 12.- 16.- 20.- m. c.| Gehrockanzüge 18.- 21.- 24.- 28. m. 2c, Baletots u. Ulster 8.- 12.- 16.- 18.-. 2c. 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Man achte aber darauf, dass man beim Kaufmann auch die richtige Milka exquisit mit der Schutzmarke erhält, denn die Beliebtheit derselben ist Ursache, dass andere minderwertige Margarinesorten unter ähnlich klingenden Namen angeboten werden. Sämtliche Verkaufsstellen sind durch die bekannten Milka Plakate gekennzeichnet. Also Vorsicht beim Einkauf! Berantwortlicher Vievattent! Albert wargs, Berlin. Fur ber njeratenteil berantw.: Zh. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchbruderes u. Berlagsanjali Baul Singer u. Co., Berlin SW. yr. 66. 29. Jahrgang. 4. WU i>es Jütipiirlf Kerl« WldsdlM. Simtnü, 19. Miir, 1912. Dlt Ehrung der lüärzgefallenen. Der rauhe Nachtfrost hatte einen dichten Schleier, aus Reif gewebt, über die Heldengräber am Friedrichshain ge> breitet.— Schwellende Knospen drängen mit Macht durch die eisige Decke empor und Frühlingsblumen in leuchtenden Farben recken die Köpfe kühn empor in den grauen Morgen. Die Jugendkraft der erwachenden Natur trotzt sieghaft den letzten Vorstößen des abziehenden Winters.— Die Märzsonne steigt herc"s-, leuchtend und klar. Mit goldig warmer Flut übergießt sie den stillen Ruheplatz der Freiheitshelden, zerstreut die grauen Nebelschleier und tilgt die letzten Spuren, welche der sterbende Winter über Nacht auf der lebenspenden Erde ausgebreitet hatte. Wie der Frühling über den Winter, wie der Tag über die Nacht, so siegt das nach Freiheit dürstende Volk über die finsteren Mächte der Reaktion. Das sagtuns dieser Frühlings morgen nicht nur durch die Vorgänge in der Natur. Vor unseren Augen entrollt sich sogleich ein anderes Bild. Mit der emporsteigenden Märzsonne kommen die Männer und Frauen aus dem Volke, um den Helden, welche im Kampfe für die Freiheit starben, ihren Gruß zu entbieten. Anfangs vereinzelt, dann in fortwährend wachsender Zahl, schließlich in fast ununterbrochenem Zuge streben sie dem Friedhof zu, die Arbeiter und Arbeiterinnen mit Kränzen, deren brennend rote Bänder weithin im Strahl der Morgen sonne leuchten. Festen Schrittes und erhobenen Hauptes gehen diese Männer und Frauen ihrem Ziele entgegen. Frohe Siegeshoffnung spricht aus. den in Arbeit und Not ge. härteten Gesichtern. Ein kühler Blick streift die behelmten und bewaffneten Hüter des Polizeistaates. Wenn sie auch an diesem Märztage wieder angerückt sind an der Stätte, wo das Volk seine Helden ehrt, so können sie doch den Sieg der Fret heit und des Rechts nicht aufhalten. Reglementieren und zensieren. Das ist das Werk, welches die Polizei hier der- richtet. Man lacht innerlich über diese kleinlichen Maßregeln, man spottet ihrer und geht ruhig seinen Weg. Auf dem Friedhofe reiht sich in kurzer Zeit Kranz an Kranz. Die Sträucher, die Einfriedigung zu beiden Seiten des Rundganges sind dicht bedeckt mit den Zeichen der Ehrung unserer Helden. Das satte Grün der Kränze verschwindet fast unter dem leuchtenden Rot der wehenden Schleifen. In dichtem Zuge, Schritt um Schritt, schiebt sich die wachsende Menge der Besucher den Kiesweg um die Grabstätten entlang. Auftnerksam liest man, was da in Goldbuchstaben auf rotem Grunde den Toten zur Ehre und den Lebenden zur Lehre verkündet wird. Verse bekannter Freiheitsdichter sind es zu meist, und sie finden hier ein Echo in den Herzen der Prole tarier und Proletarierinnen, die gekommen sind, um der Empfindung Ausdruck zu geben, die sich auf einer Kranzschleife in die Worte kleidet: Wir feiern Tote, die im harten Kampf Für Recht und Freiheit Weib und Kind verließen, Die festen Muts in Blut und Pulverdampf Dem kalten Blei die Stirne wiesen. Doch nicht nur eine Feier der Toten ist, welche die Massen nach den Gräbern der Märzkämpfer führt. Ihnen nachzueifern und ihr Werk zu vollenden geloben die Proletarier an der historischen Stätte im Friedrichshain, wie eS denn auch auf einem Kranz der Arbeiter von Stock u. Co. in Marien dorf heißt: Der Frühling kommt, der März kehrt wieder, Es schwellt das Herz zu stischer Tat. Getrost, ihr lang gequälten Brüder, Auch unser Völkerfrühling naht. Der Erwartung, daß das reakttonäre Regiment durch den Sieg der Freiheit überwunden werde, gibt auch die„Sozial. demokratische Fraktion im Junkerparlament" Ausdruck durch Freiligraths Worte: Drum sollen eure Leichen nicht Den Strom der Freiheit stauen, Den Strom, der seine Fesseln bricht In diesem Märzestauen. Drum sollen sie die Stufen sein, Die Stufen, grün von Zweigen, Auf denen wir zum Dach hinein Der steien Zukunft steigen. Jenen Leuten, die zum Zweck der Stimmungsmache gegen den„inneren Feind" immer noch das Märchen ver- breiten, die Sozialdemokratie wolle ihre Ziele im Wege blutiger Revolution erreichen, rufen die zielbewußten Arbeiter der Anilinfabrik in Rummelsburg zu: Wir schreiten still, wir schreiten stumm, Wir laden keine Flinten. Wir wissen ohne Straßenkampf Den Weg zum Ziel zu finden. Ja, das Proletariat verfolgt seinen Weg, unbekümmert um seine Feinde, die darauf sinnen, es mit brutaler Gewalt niederzuknütteln. So heißt es auf einer Kranzschleife des Personals der Patzenhofer-Brauerei: Verlaßt euch nur auf eure blanken Waffen Und führt der Welt ein neue« Blutbad auf. Wir spotten eurer Uebermacht und Tüch» Und gehen ruhig unfern Siegeslauf. Doch nicht mit jener Ruhe, die sich duckend auf Schleich- wegen ans Ziel zu kommen sucht, gehen wir unseren Weg, sondern mit der trotzigen Entschlossenheit, welche die Widmung am Kranze des Verbandes sozialdemokratischer Wahlvereine der Provinz Brandenburg so ausdrückt: Not bricht El*„l.— Feige Brut Kriecht und duckt sich, gähnt und ruht. Mit dem Sprüchlein: Not bricht Eisen Würzt sie der Bedienten Brot. Männer singen andre Weisen: Eisen, Eisen bricht die Not. Den entschlossenen Kampf ums Recht predigt auch die Widmung der Berliner GewerkschaftSkommission in den Worten: Hängt das Recht am Himmelszelt, Reißt den Himmel nieder! Wieder muß es auf die Welt Zu den Menschen nieder. Was jedes tatenlustigen, kampffreudigen Genossen Herz bewegt, das rufen uns die Dichterworte zu, welche der Ver- band sozialdemokratischer Wahlvereine von Groß-Berlin auf seinen Kranz gesetzt hat: Der Sommer reist de? Frühlings Saaten, Es folgt der Juni auf den März. O Juni komm und bring uns Taten. Nach frischen Taten lechzt das Herz. Laß deine Wolken schwarz sich ballen, Bring unS Gewitter Schlag auf Schlag, Daß in die ungesühnte Schmach Der Rache Donnerkeile fallen. Die neue Rebellion, die ganze Rebellion. Von der allgemeinen Frcihcitsvegeisterung, die am Gedenktage der Märzkämpfe unsere Herzen schwellt, fiihren uns einzelne Kranzwidmungcn hinüber in die Ereignisse der Gegenwart. Unser Reichstagswahlsieg ist es, der hier und da zu Versen angeregt hat, bei denen die gute Absicht besser ist wie die Form. Die Bauarbeiter am MuseumSneubau geben einem ihrer Kollegen das Wort zu dieser Strophe: Unser Banner, da? einst in der Wahlschlacht sank, Von„Niedergerittenen" umgeben, ES weht jetzl steghaften Reitern voran, Dem Morgen der Freiheit entgegen. Die frohe Siegeszuversicht, das feste Vertrauen in den Erfolg unserer großen Sache, welches uns an Hunderten roter Bänder in Goldschrift entgegenleuchtet, schwellt die Herzen der Massen, welche die Ruhestätte der Märzkämpfer besuchen und eint sie in dem Gefühl: Kein Himmel kann das Heil euch senden, Es fällt auS keines GotteS Schoß. Die Menschheit muß mit eig'nen Händen Erkämpfen sich ein bess'reS Los. • Dem klassenbewußten Proletariat fällt die Aufgabe zu, den Kampf, der für die Forderungen des Bürgertums im Jahre 1848 durchgefochten wurde, weiter zu führen, um auch die weiter gesteckten Ziele des proletarischen Klassenkampfes zu erreichen. Unsere Parteigenossen sind es deshalb, die zu- meist die Kämpfer der bürgerlichen Revolution ehren. Die erdrückende Fülle von Hunderten rot drapierter Kränze zeigt es. Da ist die sozialdemokratische Partei vertreten durch ihren Parteivorstand, durch die Bezirksverbände von Groß-Berlin und der Provinz Brandenburg sowie durch die sozialdemo- kratische Fraktion im preußischen Abgeordnetenhause und die Redaktion des„Vorwärts". Für die steien Gewerkschaften hat die Berliner Gewerkschaftskommission einen Kranz nieder- gelegt. Außerdem haben noch einige gewerkschaftliche Organi- sationen Kränze gestiftet. Nach Hunderten zählen die Kränze von Arbeitern und Arbeiterinnen einzelner Betriebe. Auch andere Organisationen klassenbewußter Arbeiter sind vertreten. Die sozialdemokratisch gesinnten Taubstummen haben ebenfalls einen Kranz gesandt. Parteigenossen, die in Heilstätten weilen, haben es sich nicht nehmen lassen, die Freiheitskämpfer zu ehren. Wie in stüheren Jahren, so sind auch jetzt wieder Kränze mit schwarzen Schleifen, von Anarchistengruppen herrührend, vereinzelt zu sehen. Kranzschleifen in Schwarz-Rot-Gold sieht man von einzelnen Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereinen und einigen kleinen fortschrittlichen Vereinen. In größerer Zahl tritt jetzt die Demokratische Vereinigung nnt schwarz-rot-gold gezierten Kränzen an den Gräbern der Märzkämpfer in Erscheinung. Etwa 25 solcher Kränze aus Berlin, den Vororten und mehreren deutschen Großstädten wurden diesmal von einer Deputation der Demokraten niedergelegt.. So besinnt sich neuerdings doch noch ein kleiner Teil deS Bürgertums der Vorkämpfer seiner Forderungen. Die Zensur, welche die Polizei am Eingange des Fried- Hofes über die Kranzinscbriften übt, hat seit je Verwunderung erregt. Daß sich die Polizei hier überhaupt ein Zensurrecht anmaßt, ist in Preußen nicht verwunderlich. Aber nach welchem System die Kranzschleifenzensur ausgeübt wird, das ist und bleibt ein dunkles Rätsel. ES scheint, daß nicht destimmte Grundsätze, sondern nur Laune und Stimmung die Zensurschere führen. Ist der Träger der Polizeischere bei schlechter Stimmung, dann fordert die Zensur reiche Opfer. So war es seither stets: Nicht der Gesamtinhalt einer In- schrift war entscheidend für ihre Staatsgcfährlichkeit, sondern bestimmte Worte wie Blut, Tod, Schwert, Revolution usw. setzten die Schere in Bewegung. Heute scheint der Beamte, welcher die Zensur auszuüben hatte, guter Laune gewesen zu sein. Nur selten wurde die Schere angewandt. So manche Strophe, die in stüheren Jahren ohne Umstände der Polizei- lichen Konfiskation verfiel, konnte jetzt anstandslos passieren und die heilige Ordnung im Polizeistaat ist darob nicht ins Wanken geraten. Doch wir glauben nicht an einen Systemwechsel in der Jnschriftenzensur, sondern nur an eine vorübergehende Stimmung, die nach einem Jahre wieder umgeschlagen sein kann. Soweit der polizeiliche Zensor heute Konfiskationen vornahm, sind sie nicht minder verwunderlich wie früher. Es ist schlechterdings nicht einzusehen, warum den Bctonarbeitern der Vaugenossen- schaft„Ideal" diese Verse abgeschnitten wurden: Weh euch, wenn der Frühling stürmt und saust, Bis die berstenden Schollen brechen, Bis der Bach und der Fluß und der Strom erbraust, Die gefesselten Geister sich rächen, Und das rote Meer, das vergossene Blut Den Pharao frißt samt seiner Brut. Wenn schon das Schicksal des Pharaos, der bekanntlich nach Angabe der Bibel durch höchstpersönliches Eingreifen des Herrgotts im Roten Meere ersäuft worden ist samt seinem Heer, in Preußex nicht mehr öffentlich erwähnt werden darf, dann wird man es der Gesinnungstüchtigkeit deS Zensors zugute halten müssen, wenn er der Redaktion des anarchistischen Blattes„Der steie Arbeiter" folgende Worte konfiszierte: O, achtzehnter März, in diesen Tagen, Wo unsere Herzen höher schlagen, Wo über den Gräbern der Sonnenschein spielt Und alles in heiligem Feuer glüht, Da wollen wir es heilig geloben: Nieder mit den Tyrannen von oben. Wenn cs schon polizeiwidrig sein soll, zu geloben, daß man Tyrannen niederzwingen will, dann mag man sich denken, was in der Seele eines preußischen Polizeibeamten vorgeht, wenn er den Vers liest, der von einem Kranze der Arbeiter der Firma Schulz u. Holdcfleiß abgeschnitten wurde:, An euren Bajonetten llebt aller Zeiten Fluch. Wir trügen keine Ketten, trügt ihr nicht blaue? Tuch. Durch euch sind wir verraten, durch euch verkauft allein� Wann stellet ihr Soldaten die Arbeit endlich ein. Die Naivität des Verfassers der vorstehenden Strophe scheint allerdings polizeiwidrig zu sein, aber daß diese Worte eine Gefahr heraufbeschwören könnten, ist nicht einzusehen, Doch die Gedankengänge des Zensors sind wunderbar. Hat er doch sogar von einem Kranze das Band abgeschnitten. welches die Worte trug: „GewidniSt von der Reichssektion der Eisenbahner, Mitgliedschaft Groß-Berlin". Im vorigen Jahre ist die Widmung:„Von Arbeitern der Staatswerkstätten in Spandau" konfisziert und der Ueber- bringer des Kranzes später angeklagt worden. Heute gelangte der Kranz aus den Staatswerkstätten unbeschädigt und seine Träger unbehelligt auf den Friedhof. So wechselt die Stimmung, so wechselt daL Schicksal von Kranzinschriften und Kranzträgern. WaS heute gestattet ist, wird morgen verboten. Kleinliche Nadelstiche, durch die man eine gewaltige Kulturbewegung zu hemmen glaubt. Törichter Glaube. Die Weltgeschichte in ihrem Lauf hält auch die Polizei nicht auf. Der Nachmittag brachte schon von Anfang an einen der- stärften Zusttom von Friedhofsbesuchern. Die lachende Frühlingssonne lockte sie in Scharen herbei, den gefallenen Freiheitskämpfern den alljährlichen Gruß zu entbieten. Männer und Frauen und Kinder, bis zu den Kleinsten herunter, pilgern die Wege entlang durch den Park, der im ersten, zarten Lenzesschmuck prangt und in dessen Bäumen und Büschen neues Leben kraftvoll quillt und treibt. Zur Vcsperzeit rücken allmählich die Arbeiter und Arbeite- rinnen mit kurzer Arbeitsschicht an. Die Sonne sinkt hinter das Häusermeer hinab. Die Schutzleute stehen gelangweitt umher und die Offiziere unterhalten sich eifrig,— Gott mag wissen, von was sich preußische Polizeioffiziere am 13. März unterhalten. Zu tun haben sie ja weiter nichts, die Demonsttanten stehen ruhig und geordnet in der Reihe, wie es guterzogenen preußischen Staatsbürgern geziemt. Als die Schatten deS Abend? d«n Hain umhüllten, traf noch ein Trupp Schutzleute ein. Kurz vor 6 Uhr mußten die Außenstehenden den Rückzug ansteten, während jene, die den Friedhof schon besteten hatten, sich nacb erfolgter Besichtigung nach und nach entfernten. Dann wuroe der Revoluttonsherd abgesperrt und ein Schutzmann mit Browning stand, wie weiland der Chcrubin vor dem Paradies, an der Pforte und hielt Wache an den Gräbern der Rebellenleichen l *•* Märzfeier der Taubstumme«. Die Sektion der Taubstummen hatte zum Sonntag in dm „Sophien-Sälen" eine Märzfeier veranstaltet. Nach einer eingehenden Würdigung der Verhältnisse in der Revolutionszeit so- wie der späteren und heutigen Zustände in Preuhen-Deuffchland war die schlichte Feier beendet und die anwesenden Männer und Frauen verbrachten noch in fröhlichster Stimmung ein paar gemüt- liche Stunden, bis die vorgeschrittene Zeit zum Aufbruch mahnte. PreuKische Jugendpflege in den Fortbildungsschulen. UnS wird geschrieben: Der Jugendpflegeerlaß deS preußischen KukwSministerS von Trott zu Solz vom 18. Januar 1911 wies hauptsächlich den Fort- bildungS schulen die Aufgabe zu, geeignet« Organisationen zum Zwecke der„Fugendpflege" zu schaffen. Von der ersten Klasse der Gemeindeschule an bis zum Eintritt inS Militär sollte der jugendliche Proletarier von dem festen Ring königlich preußischer Bevormundung umschlossen werden. Die Herren VolkSschullehrer und FortbilduNgSschullehrer machten sich bald an das neue Arbeitsgebiet, auf dem die geschorene und gescheitelte Geistlichkeit, und die Militärs a. D. und z. D. bereits einen gewissen Vorsprung vor ihnen besaßen. Welchen Er- folg die durch die Schule betriebene Jugendfürsorge hatte, wird be» kannt durch die vor kurzem dem preußischen Landtage übergeben« „Denkschrift über Jugendpflege in Preußen im Etatsjahr 1911", aus der der„Vorwärts" bereits einen Auszug gebracht hat. In der Denkschrift wird vergessen mitzuteilen, w i e die jugend- lichen Mitglieder für Fortbildungsschulvereine gewonnen werden. Uns wird berichtet, daß in verschiedenen Fortbildungsschule« die Lehrer klassenweise während des Unterrichts entweder zur Gründung eines Vereins oder, wo solche schon bestehen, zur Be» teiligung an denselben auffordern. Diejenigen Schüler, die eine Beteiligung ablehnen, werden sehr eingehend nach ihren Gründen befragt: wiederholt haben Lehrer die betreffenden Schüler mit einem schlechten Abgangszeugnis bedroht, wenn sie nicht Mitglied werden wollten. In. einer anderen Fortbildungsschule erhielten die Schüler billige Theater- billets. Nach der Vorstellung forderte der Lehrer zu einem„gemüt- lichen Zusammensein" auf, an dem sich die meisten ahnungslos beteiligten. Wenn die Stimmung infolge reichlichen BiergenusseO unter Anführung des Herrn Lehrers eine recht„gemütliche" war. dann forderte der Lehrer auf, einen„Verein" zu gründen. DaS geschah sofort und sämtliche Anwesenden mußten Mitglied werden. Fast übereinstimmend kommt aus allen Fortbildungsschulen die Klage, daß, weil in der Unterrichtszeit für die Vereine agitiert wird, die Schüler nachher gehetzt werden, um die verlorene Zeit wieder einzuholen. Außer für die Fortbildungsschulvcreine machen die Lehrer Propaganda für„Jungdeutschlandbund",„Pfadfinder- bund", für Kriegsspiele unter Führung von Offizieren, Besichti- gungen verschiedener Truppenübungsplätze mit anschließendem Kricgsspiel für die Teilnehmer. Die Militärverwaltung stellt un- entgeltlich Militärzüge zur Verfügung bis Jüterbog; bei Kriegs. spielen, die in der Umgebung Berlins stattfinden, wird von der Eisenbahnverwaltung Fahrpreisermäßigung bis zu b Pf. gewährt. Der Offizier als Erzieher in der Gemeinde- und FortbildungS. schule ist eine völlig neue Erscheinung, von der man nur wünschen kann, daß sie recht bald wieder daraus verschwindet. Damit aber auch das geistige Band nicht fehle, wrrd in den Fortbildungsschulen eine Jugendzeitung verbreitet:„Feierabend", Wege zur Freude an Werk, Wissen und Welt. Herausgegeben vom Deutschen Verein für das Fortbildungsschulwesen. Trotz dringen- der Aufforderung und häufig unentgeltlicher Zustellung lehnen die meisten Fortbildungsschülcr das Abonnement auf dieses minder- wcrtige Blättchen ab. Ja, ein Lehrer mußte erlehen, Laß seine Klasse, nachdem er sie für das Abonnement auf den„Feierabend".gewonnen hatte, dieses wieder kündigte mit der Begründung, die„Arbeiter-Jugend" sei weit besser, sie hätten dieses Blatt abonniert. Vergeblich durchblättert man Nummer um Nummer des „Feierabend", um etwas zu finden, was die Fugend aufklären und begeistern könnte. Sport- und Luftschiffahrtsberichte sind aller- dings reichlich vorhanden. Und zum Vorlesen dieser Artikel werden oftmals Unterrichtsstunden geopfert I Erfährt man noch, daß Schulkinder häufig für den Rektor Einladungen zu Vereinsgrüudungen und Sitzungen an Schulent- lassene schreiben und diesen in die Wohnung tragen müssen, so scheint es wirklich an der Zeit, dieser preußischen Jugendpflege durch die Fortbildungsschulen gründlichere Beachtung zu schenken wie bisher, und dafür zu sorgen, daß jede Art von Propaganda aus den Unterrichtsstunden ausgeschaltet wird. Nach der soeben erschienenen„Uebersicht über das Fach- und Fortbildungsschulwesen der Stadt Berlin" betrug die Zahl der Schüler an allen der Fortbildung dienenden Einrichtungen in Berlin im Winterhalbjahr 1910/11 88 967, darunter waren 33 889 Lehrlinge, und die Gesamtzahl der Schülerinnen betrug in städtischen und privaten Fortbildungsschulen 19 274. Von diesen Proletarierkindern gehören nach der Denkschrift ungefähr 4999 den Schulvereinen an. Eine immerhin schon ganz beträchtliche Zahlt Und wenn auch in der Stadtverordnetenversammlung vom 14. März, als Genosse Tr. Rosenfeld diese Vorgänge zur Sprache brachte, Stadtschulrat Michaelis erwiderte, daß diese Bestrebungen der Offiziere usw. absolut neutral gehalten seien, so besagt das nichts anderes, als daß der Herr Stadtschulrat den patriotischen Drill der Jugend für etwas Selbstverständliches und Neutrales hält. Die Arbeiter sind anderer Meinung, und sie haben das Recht, zu verlangen, daß die städtischen Schulen vor solch„neutraler" Jugenderziehung durch Offiziere und dergleichen Leute verschont bleiben. Während unsere Agitationsarbeit unter der Arbeiterjugend nach allen Richtungen erschwert und verboten wird, werden hier unter Benutzung städtischer Einrichtungen die Fugendlichen politi- scheu Zwecken dienstbar gemacht, die den Interessen der Arbeiter- klasse zuwiderlaufen. Doch unsere Zustände sorgen dafür, daß unsere Merbekraft ständig wächst. Beweis dafür ist die Zunahme in der freien Jugendbewegung und die große Zahl der Abonnenten der„Arbeiter-Jugend". Und das trotz oder vielleicht gerade wegen der vielen polizeilichen Verfolgungen! Zwechverbands-Husklmß und Aohmmgsfiii'loi'ge. Wie wir schon berichteten, fand am Sonnabend im Berliner Rathaus die erste Sitzung des Zweckverbandsausschusses statt. Da zu Beginn der Sitzung der Vorsitzende dem bisherigen Berliner Kämmerer Dr. Steiniger die königliche Bestallung als Verbands- direktor aushändigen konnte, und der neue Direktor darauf dem Verbandsausschuß seine Vorschläge für die Erledigung der zunächst dringendsten Geschäfte unterbreitete, sind nunmehr alle drei Or- gane des neuen Kommunalgebildes Groß-Berlin in Funktion ge- treten. Der Verbandsausschuß besteht bekanntlich aus dem Ober- Bürgermeister der Stadt Berlin als Vorsitzenden, einem von diesem zu bezeichnenden MagistratSmitgliede dieser Stadt, den Ober- bürgermeiftern von Eharlottenburg, Saneberg. Rixdorf, Wilmers- dorf, Lichtenberg, Spandau, den Landräten der beiden zum Ver- bände gehörigen Kreise und acht von der Verbandsversammlung zu wählenden Mitgliedern. Außerdem ist der Verbandsdirektor von Amts wegen Mitglied deS VerbandsauSschusseS. Zu den gewählten Mitgliedern gehören von Berlinern Bürgermeister Reicke, die beiden Stadtverordnetenvorsteher Michelet und Cassel und, als einziger Sozialdemokrat, der Genosse Hugo Heimann. Die gewählten Mitglieder des Verbandsausschusses müssen vom Vorsitzenden ver- eidigt werden. Es wurde aber nur Herr Michelet vereidigt, da die übrigen Mitglieder schon bei Uebernahme ihrer Aemter, Genosse Heimann seinerzeit bei Eintritt in das preußische Abgeordneten- haus, die vorgeschriebene Eidesformel geleistet hatten. War diese erste Sitzung des VerbandsauSschusseS, dessen Funk- tionen ungefähr denen der Magistrate entsprechen, auch nur vor- bereitender Natur, so warf sie doch schon ein helle? Licht auf die im Klusschuß herrschenden Anschauungen. Zu den wichtigsten Aufgaben des Verbandes gehören neben der Regelung des Verkehrswesens die Bestimmungen des Z 8 des Ge- setzeS. Nach diesen kann der Verband für Teile des Verbands- gebieteS Fluchtlinien festsetzen, insoweit die? für die Schaffung oder Ausgestaltung von Durchgangs- oder Ausfallsstraßen, für die Her- stellung von Bahnen oder für die Ausgestaltung der Umgebung von Freiflächen erforderlich erscheint. Für letzteren Zweck können auch Bebauungspläne festgesetzt werden. Auch über den vor- stehend bestimmten Umfang hinaus kann der Verband aus wichtigen Gründen des Verkehrs, der GesundheitS« und der Wohnungs- fürsorge in den nock? nicht bebauten Teilen deS Verbands- gebieteS Fluchtlinien und Bebauungspläne festsehen. Auf dieser letzteren Bestimmung ruhen die Hoffnungen aller der Kreise, die vom Verband eine Initiative zur Besserung der so überaus traurigen Wohnungsverhältnisse und zur Bekämpfung des MietkaserncnsystemS erwarten. Solche Besserung des Woh- nungselendz kann, wenigstens innerhalb gewisser Grenzen, erreicht werden mittels einer durchgreifenden Wohnungsinspektion � und durch Festsetzung weiträumiger Bebauungspläne für gesunde Kleinwohnungen mit Scheidung'von Wohnstraßen und Verkehrs- straßen. Nur von den Interessenten wird ja heut noch die Richtig- keit der Thesen angefochten, daß die Preise des Grund und Bodens und damit die Mietpreise der Wohnungen um so mehr in die Höhe schnellen, je größer die Ausnutzungsfähigkeit des Grund und Bodens und die Möglichkeit einer Ucbcrfüllung der Wohnungen ist. Bei seinen eng umgrenzten Aufgaben hat der Verband nicht die Bc- fugniS, für da« Gebiet von Groß-Berlin ein" Wohnungsinspektion zu errichten. Die Einführung solcher segensreicher Institutionen bleibt wie bisher den Einzelgemeinden überlassen, und unsere Ge- Nossen speziell in der Berliner Gemeindeverwaltung haben es ja seit mehr als einem Jahrzehnt an Bemühungen und immer wieder- holten Anträgen nach dieser Richtung nicht fehlen lassen. Will der Verband also auf dem Gebiet deS Wohnungswesens überhaupt bessernd eingreifen und reformierend vorgehen, so hat er nur die eine Möglichkeit, der Mßetkaserne in den Gebieten, in denen sie ihren Einzug noch nicht gehalten hat, den Weg zu versperren und Bebauungspläne nach den Grundsätzen deS mo- dernen Städtebaues aufzustellen. Verschiedene Versuche, die nach dieser Richtung neuerdings unternommen sind— cS sei hier nur au die neuen Siedlungen der Baugenossenschaft Ideal in Neukölln erinnert— haben das erfreuliche und zunächst überraschende Er- gebniS gehabt, daß die Rentabilität des Grund und-Bodens bei Scheidung von Wohn- und VcrkehrSstraßen und Schaffung großer Bauquacttere mit hoher Randbebauung und kleinen Reihenhäusern im Innern der Bauquartiere, kaum geringer wird, als bei oer bisherigen Ausnutzung mit nur breiten Verkehrsstraßen und Er- richtung von Mietkasernen mit ihren Seitenflügeln und Quer- gebäuden. Es besteht somit immerhin eine Hoffnung, daß, wenn eine tatkräftige Initiative erfolgt, die Einzelgemeinden der Fest- setzung lolchcr modernen Bebauungspläne nicht allzu großen Widerstand entgegensetzen werden. Denn selbstverständlich gibt das ZwcckverbandSgesetz den Grundbesitzermajoritäten in den Einzelgemeinden die Möglichkeit solchen Widerspruchs. Darüber nämlich, ob die vorangegebenen Voraussetzungen zur Festsetzung von Flucht- liuien und„Bebauungsplänen durch den Verband vorhanden sind, beschließt im Streitfälle die Beschlutzbehörde für Groß-Berlin". Diese Beschlutzbehörde besteht aus dem Oberpräsidenten oder seinem Stellvertreter als Vorsitzenden, aus den Verwaltungsgerichts- direktoren der Bezirksausschüsse für Berlin und Potsdam, sowie aus vier gewählten Mitgliedern. Gegen den Beschluß diefer Be- Hörde steht den Verbandsgliedern dann noch die Beschwerde an den Minister der öffentlichen Arbeiten offen. Soll also irgend etwas geschehen, so ist es klar, daß es schleu- nigst und planmäßig geschehen mutz, denn wenn der Verband, gestützt auf die mitgeteilten Bestimmungen, nicht den energischen Versuch unternimmt, die Festsetzung neuer Bebauungspläne zu seiner eigenen Sache zu machen, wenn die Stadterweiterung von Groß-Berlin wie bisher den Einzelgemeinden überlassen bleibt, die natürlich ihre Bebauungspläne nur in ihrem Interesse und ohne Rücksicht auf die Nachbargemeinden aufstellen werden, so ist mit Sicherheit zu erwarten, daß alles beim alten bleiben und das noch unbebaute Terrain in der gleichen Weise durch Mietkasernen ver- schandelt werden wird, wie das leider bisher fast stets der Fall gewesen ist. Es mag dahingestellt bleiben, ob der Verbandsdirektor aus diesen oder welchen Erwägungen sonst die sofortige Anstellung eines akademisch gebildeten, für Städtebau geeigneten Baubeamten ins Auge gefaßt hat. Jedenfalls war in den von ihm dem Verbands- ausschuß unterbreiteten Vorschlägen die alsbaldige Anstellung eine» solchen Beamten vorgesehen. Um so betrübender und unglaublicher ist die Tatsache, daß der Verbandsausschuß als erste Tat mit neun gegen neun Stimmen den Beschluß gefaßt hat. die Stelle zunächst nicht zu besetzen, sondern die Bearbeitung der einschlägigen Fragen dem anzustellenden höheren Ingenieur für die Verkehrs- aufgaben im Nebenamte zu übertragen und bei Auf- teilung größerer Terrains, eventuell von Fall zu Fall, eine Aus- schreibung zu veranlassen! Wird dieser Beschluß durch die VerbandSversammkung nicht aufgehoben, so wird dadurch, noch bevor der Verband Gesetzeskraft erlangt hat, die Behauptung erhärtet, die von Beginn an von sozialdemokratischer Seite aufgestellt worden ist, daß nämlich der Verband nach seiner ganzen künstlich und widernatürlich gefügten Zusammensetzung gar nicht in der Lage ist, selbst auch nur den engen Kreis der ihm zugewiesenen Aufgaben zu erfüllen, sondern einzig und allein der Aufgabe nachkommen wird, für welche die Regierung ihn ins Leben gerufen hat, ihr zu Wucherpreisen die fiskalischen Wälder abzunehmen, da man gegetriiber dem Ansturm der öffentlichen Meinung doch nicht mehr wagt, all diese Wälder abzuholzen und sie als Bauland zu verkaufen. Sie(iemeindwahlbewegung. Wannsee. Morgen Mittwoch, abends von 6—8 Uhr. findet tu der„Deutschen Eiche" eine Ersatzwahl in der dritten Klasse zur Gemeindevertretung statt. Unser Kandidat ist der Genosse Wilhelm Jungermann. Parteigenossen, tue jeder seine Pflicht. agitiert noch in letzter Stunde, dann ist uns der Sieg sicher. Schmargendorf. Die Parteigenossen beschlossen in der letzten Versammlung sich an der am D o n n e r S t a g, den 21. März, stattfindenden Gemeindevertreterwahl der dritten Klasse nicht zu beteiligen. Bekanntlich find zwei HauS« besitz« zu wählen; eS ist bisher nicht gelungen, geeignete Kandidaten ausfindig zu machen. Die Wähler werden deshalb aufgefordert, sich der Wahl zu enthalten. Wahlergebnisse. AdlerShof. Bei der Gemeindevertreterwahl in der d'ritken Ab- teilung. die am Sonntag stattfand, wurden die sozialdemokratischen Kandidaten Genossen Petrich und Büttner mit je 697 Stimmen ge- wählt. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt. Bei der Wahl in der zweiten Abteilung, die am Montag stattfand, siegte der Kandidat des Grundbesitzervereins mit 188 Stimmen über seine beiden Geg- ner, den Kandidaten des Bürgervereins, der 67, und den Kandidaten der Sozialdemokratie, Genossen Baschin, der 82 Stimmen auf sich vereinigte. Friedrichshageo. Bei den am Sonntag, den 17. März, stattgefundenen Gemeindewahlen für die dritte Abteilung wurden unsere Genossen Hermann Grau im 1. Bezirk mit 366 Stimmen und Fritz Tornow im 2. Bezirk mit 443 Stimmen gewählt. Gegner waren nicht aufgestellt. Die Wahlen für die zweite Abteilung hatten folgendes Ergebnis: Es«dielten die Genossen Schaale 12 und K o r s i n g 11 Stimmen. Die bürgerlichen Kandidaten Geselbracht und Wolter wurden mit 147 resp. 187 Stimmen wiedergewählt. In Brrgfelde siegte Genosse Buch holz mit 21 gegen 17 gegnerische Stimmen. In Stolpe(Nordbahn) wurde Genosse Bergmann in der Stichwahl mit 11 gegen 9 Stimmen gewählt. Partei- EtogelegenKeiten. 23 Volksversammlungen finden heute abend statt, in denen die Bedeutung der Jugendbewegung für die Arbeiterschaft behandelt wird. Bei der Wichtigkeit der Sache ist zahlreicher Besuch erwünscht. Zur Lokalliste? Littt« Kreis. Da? Lokal ,L u i s e n st ä d t i s ch e S Kasino", Oranienstr. 189, steht der Partei und Gewerkschaslen zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung._ Die Lokallomnnsston. Friedenau. Die Wahlvereinsversammlung fällt heute Dienstag, den 19. M"rz. aus-, dieielbe findet am DienSloa, den 2S. März, abends 8 Uhr, bei Mechelte, Handjerhstr. 69—61, statt. Der Vorstand. Schmargendorf. Mittwoch, 29. März, abend» 7 Uhr: Flugblatt- Verbreitung vom Lokal S. Pötscher, Spandau« Straße, aus. Der Lorstand. Hoherlehme- Wildau. Am Mittwoch, den 29. März, abends 7>/z Uhr. im Lokale von Otto Schumann: Ocffeiulichc Wähler« verianunlung. Tagesordnung: 1.„Die Tätigkeit der Sozialdemo- kraue in den Gemeindeparlamenten". 2. Bertchtirswttung der sozialdemokraiiichcn Gemeindevertreier. 3. Ausstellung des Kandi» baten in der dritten Klasse. Zu dieser Versammlung heute Dienstag, abends 7 Uhr: Flugblattverbreiumg vom BezirkSloknl aus. Der Vorstand. Tempclhof. Die für heute DienStag angesetzte Flugblattver« brcilung fällt umständehalber aus. Zruthcn. Morgen abend von 0 Uhr an: Flugdlattverbreitung von Barnack aus. Biesdorf. Der für Mittwoch, den 29. d. MtS., fällige Zahl- abend fällt au«: der neue Termin vom Stattfinden desselben wird noch bekanntgegeben. Die Bezirksleitung. Lorfigwaldc-Wittena«. Die regelmäßige Mitgliedcrbersammlung fällt heute Dienstag, den 19. März, umständehalber aus. Die Bezirksleitung. Spandau. Am Mittwoch, den 29. März, abends 8>/z Uhr. findet bei Madetzki, Bismarckstraße 3, der 8. Vortragsabend des Genossen W. Pieck- Berlin über:„Deutsche Geschichte deS 19� Jahrhunderts" statt Behandelt wird der Verlauf und Ausgang der Märzreoolution. BeteiligungS karten find im Bortragslokal zu haben, _ Der Bildungsausschutz. Berliner JVadrnchten. Für die Räumung von Wohuunge« bei Quartalsumzügcn gelten folgende Bestimmungen: Der abziehende Mieter muß kleine, d. h. höchstens aus 2 Wohnzimmern niit Zubehör bestehende Wohnungen am ersten Bicrteljahrstage; mittlere, d. h. aus 3 bis 4 Wohn- zimmern und Zubehör bestehende Wohnungen am zweiten Vierteljahrstage um 12 Uhr mittags; große, d. h. mehr wie 4 Wohnzimmer umfassende Wohnungen am dritten Viertel- jnhrstage 12 Uhr mittags geräumt haben. Bei Wohnungen von 3 Wohnzimmern und Zubehör muß ein Wohnzimmer, bei Wohnungen von mehr als 3 Wohn- zimmern und Zubehör müssen zwei Wohnzimmer dem ein- ziehenden Mieter für die Unterbringung seiner Sachen zur Verfügung gestellt tverden. Läden. Verkaufs- und Arbeitsräume müssen ausnahmslos am ersten Ouartalstage geräumt tverden. Die Räumung, die am ersten Ouartalstage zu erfolgen hat, ist an keine bestimmte Stunde gebunden und kann des- halb im Laufe des ganzen TageS belvirkt werden. Nochmals: Das„KinderhauS" in der Blumcnftraße. In der„Medizinischen Reform, Halbmonats- schrift für soziale Hygiene und praktische Medi- z i n", die von Prof. Dr. Rud. Lcnnhofs und Dr. Benno Latz her- ausgegeben wird, ereifert R. L. sich nochmals gegen die Artikel des ..Vorwärts" über Prof. Hugo Neumanns„Kinder- h a u s". Worauf es unS angekommen Ivar, hat R. L. noch immer nicht begriffen, obwohl es in beiden Artikeln deutlich genug gesagt worden ist. Unsere Pflicht war, öffentlich darauf hinzuweisen» daß in Reumanns Poliklinik ein Vorfall, wie der von uns berichtete, den übrigens bisher weder Neumann noch R. L. zu bestreiten ver- sucht hat, sich ereignet hatte. In ReumannS Poliklinik wurde im Januar— das sei noch einmal hervorgehoben— ein Maurer, der dort sein Kind hatte untersuchen lassen und einen ihm angeratenen operativen Eingriff nicht bezahlen zu können meinte, von dem un- tersuchenden Arzt gefragt:„Maurer? Unddann suchen Sie eine Poliklinik auf?!" und sein Hinweis auf seine Ar- beitslosigkeit wurde beantwortet:„Na, d a mußten Sie doch im Sommer soviel verdienen!" Wir hatten nicht das Rech� dem Prof. Neumann als dem Leiter einer nicht öffent- lichen, sondern privaten und— wie wir betonten— auf eigene Rechnung betriebenen Anstalt, irgendwelche Ratschläge darüber zu geben, wie weit in seiner Poliklinik der Begriff„Unlcmittellheit" gefaßt werden solle. Wohl aber hatten wir die Pflicht, unsere Leser davon in Kenntnis zu setzen, daß in NeumannS Poliklinik ihnen ein Erlebnis, wie das geschilderte, passieren könne. Von jenem Maurer war uns die Angelegenheit vorgetragen worden mit der auSdriick- lichen Bitte, andere zu warnen, damit ihnen peinliche Beleh- rungen und unnütze Wege erspart blieben. DaS hielten auch wir für nötig, und wir handelten daziach. Wir würden in jedem ähn- lichen Fall wieder so handeln, unbekümmert um das Geschrei des wichtigtuenden R. L., der nach toie vor aus unserem Siinweis, daß Neumann„Gewinn oder Verlust sein-'n eigenen Ko»---, zu buch:» hat", etwa» andere? herauslesen will als die Absicht, unsere Leser über die finanziellen Grundlagen dieser aus Privatmitteln unter- haltenen Poliklinik zu belehren. Die Frage der Uneigennützigkeit NeumannS hat hiermit gar nichts zu tun. ebensowenig die Frage seiner�wissenschaftlichn Bedeutung, und beides ist von uns nicht mit einer Silbe angezweifelt worden. Sein übereifriger Freund R. L.— vielleicht tmrd Ncu- mann im stillen um Schutz vor ihm bitten— glaubt, jetzt noch einen besonderen Trumpf ausspielen zu können, indem er uns einen im „Vorwärts" selber veröffentlichten VersammlunaSbericht über den Vortrag einer Genossin vorhält, die den Prof. Neumann gerühmt hat. Inzwischen wird R. L. gleichfalls aus dem„Vorwärts" erseben haben, daß in der letzten Stadtverordnctensitzung einer unserer Ge- nassen, der Arzt ist, über ein paar private Kindcrheilstätten gesagt hat, die Kinder seien dort schlechter aufgehoben als in Anstalten der Stadt, die Beköstigung sei unzulänglich usw. Da der Redner diesen Vorwurf auch gegen die K i n de r b e i l st ä t t e Borgs- dorf richtete, so wird mancher„Vorwärts"-?«« hierbei an den Prof. Hugo Neumann gedacht haben, weil die Kinoerheilstätte Borgs- dorf eine Gründung des von Ncumann geleiteten„Vereins Ver- liner Kinderheilstätte" ist. Vielleicht wird R. L. nunmehr auch den betreffenden Genossen abkanzeln, weil er Prof. Neumann in einen schlimmen Verdacht gebracht habe. Oder will N. L. auch dieses Urteil unseres Genossen uns zur Beachtung empfehlen? Dir Kehrseite deS Protektorats zeigte sich am Sonntag in der Damenausstellung am Zoo, die auf Wunsch, da» heißt Befehl der Kaiserin statt um 19 Uhr erst um 12 Uhr geöffnet wurde. Wie landesmütterlich! In der Zwischenzeit von 19 bis 12 Uhr ist ja wohl Gottesdienst? Dem Ausstellungspersonal war die Ruhepause sicher sehr willkommen. Oder kam es nur auf das Seelenheil an? Das Zcllcrhans, Berlin« Rettungshcim für Trinkerkinder. wird demnächst nach Buckow in der„märkischen Schweiz" verlegt Jahrelang hat dieses bisher in einer Berliner Mietskaserne unter- gebrachte Heim, das einen an sich sehr schönen Gedanken verkörpert. mit seiner Lebensfähigkeit bettelnd hausieren gehen müssen, bis sich zur Führung hochstehende Personen fanden. Der Besitzer von Schloß Buckow. Herr von Flemming. ein Reffe des Reichskanzlers und vermutlich ein großer Pädagoge, hat das Schloß, da« zweck- entsprechend umgebaut werden soll, zur Verfügung gestellt und auch schon die Leitung der Geschäfte übernommen. Der bisherige Leiter, ein Berliner Magistratssckretär, ist zurückgetreten. Tie Kinfcerschntzkoinmisflon— Kontrolleurinnen und Helferinnen— war am 14. d. M. in den„Andreas-Festsälen" ver- sammelt. Genosse Freier hielt einen Vortrag über verschiedene Fragen des Kmdcsrcchls. Er behandelte daS Ktnoerschutz- gesetz und die in dasselbe Gebiet fallenden Vorschriften der Ge- Werbeordnung. Ferner erläuterte er die Bestimmungen des B ü r- gerlichen Gesetzbuchs über die elterliche Gewalt, die Unterhaltspflicht der Eltern, die Unterschiede in der rechtlichen Stellung der ehelichen und Unehelichen Kinder und daS dadurch den unehelichen Kindern angetane Unrecht Die Bestimmungen über Legitimation unehelicher Kinder wurden von dem Referenten ebenfalls erläutert, ebenso die Gründe, auS denen das Vormund- schaftsgericht einschreiten kann. Auch das S t r a f r e ch t, soweit es für Kinder in Frage kommt, zog Redner in den KrclS seiner Erörterungen, außerdem die Bestimmungen über Armenpflege. Zum Schluß bc- handelte Genosse Freier da§ Fürsorgeerziehungsgesetz, im Zusammenband mit einzelnen AuSführungsbcstimmnngen und Ministerialerlassen. Das Fürsorgeerziehungsgesetz sei in seinen Wirkungen ein schlimmes Ausnahmegesetz gegen die Arbeiterschaft, dazu angetan, um für die Landwirtschast recht- und schutzlose Aus- beutungsobjekte zu schaffen, die nach jahrelanger schwerer Arbeit nicht einmal ihren Loh» bekommen. Die Anstaltsetziehung, die im Prinzip vorzuziehen sei, stehe statt unter du Leitung tüchtiger sehr beliebt. Babagogen unter folchen von Geistlichen; der muderische Geist Bismardstraße ist nur bescheiden. Er ist auf die schiefe Bahn ge- verhältniffe der städtischen Arbeiter ist, berpflichten sich die Ver herrsche in der Regel bor. Wenn auch die öffentliche Behandlung drängt worden durch hohe Zinsen, die er für entliehene Kapitalien sammelten, nicht eher raften und ruhen zu wollen, bis auch der von Fällen a la Mieltschin etwas abschreckend gewirkt habe, so sei zahlen mußte und durch Verlust an Freunde, für die er gutgesagt lekte städtische Arbeiter der Organisation angehört. der Knüppel doch immer noch das hauptsächlichste Erziehungsmittel, hatte. Allein in einem Falle hat er auf diese Weise 9000 m. verjede freie Regung oder Betätigung der Zöglinge werde brutal foren. Mundel war als Mensch und Anwalt auch bei seinen Wilmersdorf- Halenfee. unterdrückt. Die jungen Leute kommen in der Regel als physisch Angestellten Der wirtschaftliche Kampf eine notwendige Ergänzung des politi und geistig gebrochene Menschen aus dieser Art Fürsorge", sie Das bisher verpachtete städtische Gut Diedersdorf bei Groß- fchen Kampfes, so lautete das Thema, das in einer am Freitag im feien in der Regel für den Klassenkampf der Arbeiterschaft beeren wird jezt von der städtischen Güterverwaltung selbst bewirt- Bittoriagarten" stattgefundenen öffentlichen Versammlung Reichsschaftet. Zu diesem Zweck mußte für 30 000 m. totes Inventar tagsabgeordneter Beus behandelte. Mit großer Aufmerksamkeit Das Verfahren bei der Behandlung von Anträgen auf neu beschafft werden. Ferner ist die Herstellung einer Feldbahn- folgten die Erschienenen den interessanten und instruktiven AusFürsorgeerziehung sei äußerst mangelhaft, es sei eine Art Geheim- verbindung von dem Vorwerk Birkholz bei Lichtenrade nach den führungen des Redners. Am Schlusse wurde dem Referenten lebverfahren. Diedersdorfer Wiesen vorgesehen. Die abgebrannte Scheune in hafter Beifall gespendet. Hierauf nahm die Versammlung eine Bei der heutigen Gesezgebung und bei der Art der Ausfüh- Birkholz soll wieder aufgebaut werden. Die Koften mit 31 400 M. Resolution einstimmig an, in der sie sich entschieden gegen die im rung des Gefeßes, betonte Redner, haben wir gar keinen An- sind vom Statsausschuß bewilligt worden. Auch die Feldbahnanlagen Entwurf des preußischen Einkommensteuergesetzes vorgesehene neue lab, für eine Ausdehnung des Gesezes, die feine in Blankenfelde, die fich ausgezeichnet bewährt haben, sollen mit steuerliche Belastung der Konsumvereine wendet. häufigere Anwendung bezwede, einzutreten, im Gegen- einem Kostenaufwande von 53 000 m. erweitert werden. Außerdem teil wir müssen zu verhindern zu versuchen, die Arbeiterkinder sollen zwei Bierfamilienhäuser nebst Stallungen im Administrations- Ober- Schöneweide. verloren. den Organen des Klassenstaates auszuliefern. In dieser Beziehung, führt Redner unter Zustimmung der Versammlung an, tönne er mit der vom Genossen Hirsch im preußischen Landtage vorgetragenen Auffassung nicht einverstanden sein. Die Schaffung anderer Verfassungszustände in Preußen sei die Voraussetzung, der wir zustimmen fönnten, fofern es nicht gelinge, die Materie der Reichsgesezgebung zu überweisen. Dem mit Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine rege Stommiffion für vorbildliche Arbeitermöbel. Der für Dienstag geplante Lichtbildervortrag ist wegen der an diesem Tage statt findenden Volksversammlungen verschoben worden und findet am Sonnabend dieser Woche im großen Saale des Gewerkschaftshauses statt. Beginn des Vortrages punkt 9 Uhr. Der Eintritt ist uns Beginn der Arbeiten an der Nord- Süd- Bahn. Diskussion. entgeltlich. Beſtern ist mit der Verlegung der Leitungen, die für den Bau der Nord- Süd- Bahn notwendig ist, an der Ecke der Müllerstraße und Gerichtstraße begonnen worden. Es müssen dort zunächst die Ranalleitungen, die im Zuge der Nord- Süd- Bahn laufen, verlegt werden. Heute, Dienstag, werden die Gaswerte mit der Verlegung eines großen, 525 Millimeter weiten Rohres an der Ecke der Müllerund Lynarstraße beginnen. Das Rohr wird von der Mitte der Müllerstraße nach dem südlichen Bürgersteig verlegt, um dem Tunnel ber Nord- Süd- Bahn Platz zu machen. Gine überraschende Entbedung machten am Sonntagmorgen bezirk Ruch und ein Beamtenwohnhaus für, zwei Familien in Die von der Gemeindevertretung zur Vorberatung des Etats für Schmeßdorf für zusammen 95 000 M. neu errichtet werden. Auf- 1912 eingefegte Etatskommission hat sich eingehend mit Gehaltsfallenderweise sind die Ueberschüsse auf den einzelnen Gütern sehr regulierungsanträgen für die Beamten, Lehrer und Gemeindearbeiter verschieden. So hat z. B. Faltenberg einen jährlichen Ueberschuß von beschäftigt; zur Zeit der Aufstellung des Voranschlages Tagen 162 151 M., Buch von 181 000 m., dagegen Osdorf nur von 14 000 die Anträge nicht zugrunde. Bei Berücksichtigung dieser Forde Mart, Schmezdorf von 27 600 M. usw. rungen durch das Plenum der Vertretung dürfte es darum wenig mehr. Diesen Eindruck erhielten wir von der funkelnagel- wie bisher zu balanzieren; dabei kann im Hinblick auf die Teuerung Thalia- Theater. Eine Niete- ein Nichts; bestenfalls ein fraglich erscheinen, den Etat mit demselben Einkommensteuerzuschlage neuen Gesangspoffe Autoliebchen", die am legten Sonn- nicht behauptet werden, daß die Wünsche der Antragsteller unabend aus der Taufe gehoben wurde. So banal der Titel, so bescheidene seien. nichtssagend der Inhalt und so lebern- langweilig die Handlung". In der letzten Sigung des Gewerkschaftskartells für OberAber die Mujit? Nun, für sie zeichnet Kapellmeister Jean Gilbert. Es ist wahr: er ist ein Komponist, ber über hübsche Ideen Schöneweide und Umgegend wurden die Neuwahlen zum Kartell borgenommen. Der bisherige Obmann Genosse Behrenbed gebietet; und man hätte hoffen dürfen, daß er uns doch einmal Unter Kartellangelegenheiten wurde einstimmig wiedergewählt. eine Operette beschert hätte, die über den heutigen öden Singsang wurde vom Delegierten der Tabalarbeiter, dem Genoffen Hoffmann, wieder hinausführte. Ganz hat er auch jest solche Hoffnungen lage geführt, daß am Drte die Genossen, soweit fie Geschäftsleute noch nicht zuschanden gemacht; einige reizende Ensemblesätze, au- find, recht mangelhaft den Aufforderungen des Tabatarbeitermal die Eingangsmusif, einige hübsche Walzermotive und Couplets, hauptsächlich das komische Polizistentrio, zeugen davon. Die wer- verbandes, ihre Ware nur von tariftreuen Firmen zu beziehen, nachden, deß sind wir sicher, riesig popular" werden. Aber ist das fommen. Es ist nun, um eine schärfere Kontrolle auszuüben und alles? Es wäre traurig, wenn sich Jean Gilberts musikschöpferi- die Genossen auf ihre Pflicht aufmerksam zu machen, eine dreiiches Talent mit so billiger Popularitätshascherei genügen wollte. gliedrige Kommission eingefeßt, die im Laufe der nächsten Tage und um ein paar hübsche Tanzbilder zu sehen und ein paar einmal bei den Geschäftsinhabern vorsprechen wird. An die organisierte Arbeiterschaft wird aber das Ersuchen ge vier Stunden lange Geduldprobe zugemutet? Das ist Melodienchen zu hören, die Interesse erregen, wird einem eine obzwar auch ein bißchen" start"- doch kläglich wenig. Tut aber nicht benn die dentfaule Masse, so sich rekrutiert aus dem„ besseren" und„ besten" Publikum, sie wird hinlaufen und mitsingen und wie verrückt sich gebärden, wie am Premièrenabend. Vorort- Nachrichten. die Bewohner des Hauses Lüßomstraße 118. Neben dem Treppen podest, nicht weit von der Haustür entfernt, stand eine mit Bindfaden verschnürte herrenlose Pappschachtel. Als man sie öffnete, tam aur allgemeinen Ueberraschung ein lebender Säugling zum Neukölln( Nirdorf). Vorschein. Es war ein fräftig entwidelter Knabe, den die herzund in au richtet, ihren Bedarf nur dort zu decken, wo das grüne Plakat des Tabalarbeiterverbandes aushängt. Des weiteren wurde darauf hin, gewiesen, daß die Genossen und Kollegen nur solche Billetts zu Bergnügen kaufen, die den Stempel des Vergnügungsausschusses tragen, alle anderen seien streng zurückzuweisen. Waidmannsluft. Von der Gemeinde sind weitere 200 8entner Rartoffeln angekauft worden. Dieselben werden zum Preise von 55 f. für 15 Pfd., 1,85 M. für 50 Pfd. und 3,70 M. per Zentner an Minderbemittelte abgegeben. Der Verkauf findet jeden Montag und 11-18, statt. lose Mutter an dieser Stelle ausgefebt hatte. Die Nachforschungen reiche Tätigkeit fonnte im vergangenen Jahre am 21. August der Donnerstag, vormittags von 9-12 Uhr, auf dem Schulgrundstück nach der Ulebeltäterin waren bisher erfolglos. Die benachrichtigte Rigdorfer Spar- und Baubere in" zurückblicken. Aus Revierpolizei ließ den Knaben nach dem städtischen Waisenhaus bem jest herausgegebenen Geschäftsbericht ist ersichtlich, wie dieser Weißensee. bringen. Die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde am Die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde am Spar- und Bauverein neben der bekannten Nigdorfer BaugenossenSonntag vormittag von dem Toilettenwärter des Bahnhofs Börse shaft beat" bisher bestrebt gewesen ist, minderbemittelten Familien Gigungen der Etatskommission durch beraten worden. Bei äußer Der Voranschlag des Haushaltsplanes für 1912/13 ist in sechs gefunden. Er fand das Abflugrohr eines Klosetts verstopft, und als er nachfah, entdeďte er in diesem ein in Beitungspapier ein- und Einzelpersonen gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen ster Sparsamteit in allen Berivaltungszweigen war es nicht mög getideltes neugeborenes Kind. Die Art des Auffundes läßt auf in ſelbſterbauten oder angekauften Häusern zu billigen Preisen zu lich, bei den bestehenden Steuersäßen den Etat zur Balanzierung einen Kindesmord schließen. Auch hier fehlt von der Mutter bis Wohnungsmisere gegründet. Noch in demselben Jahre wurden die zeichnen bei der Luftbarkeitssteuer sowie bei der Wertzuwachssteuer. verschaffen. Der Verein wurde in der Zeit der Großberliner zu bringen. Mindereinnahmen in bedeutender Höhe find zu verjetzt jebe Spur. Vorarbeiten für den Bau des ersten Hauses in Brig, Bürger- Der Kommunalzuschlag müßte mindestens 140 Proz. betragen, da straße 84/85, begonnen. Am 1. Oftober 1902 wurde bas Haus man aber befürchtet, daß dadurch eine Abwanderung der Einwoh fertiggestellt und bezogen. Ein Jahr später batte der Bauberein ner stattfinden würde, will man den Kommunalzuschlag auf der bereits einen zweiten Bau in Rigdorf, Staiser- Friedrichstr. 202/208, alten Höhe von 115 Broz. bestehen lassen und dafür die GrundwertGde Elbestraße 1/2, fertiggestellt. Inzwischen war schon mit einem steuer erhöhen. Die bebauten Grundstücke bleiben unbehelligt, dritten Bau in der Elbestraße 88, Ede Weserstraße 49/50 begonnen jedoch sollen die unbebauten Grundstüde um das Doppelte erhöht worden, der bereits am 1. April 1904 bezogen wurde. nebenliegende Grundstüd, Elbestraße 15/16, Ede Schandauer Steuersäge sollen demnach betragen für bebaute Grundstüde 3,6 Auch das werden, ausgenommen sind hiervon die Gärtnerei- Grundstüde. Die Straße 15/17, wurde angetauft und darauf ein Haus errichtet, das pro Tausend, unbebaute Grundstücke 7,2 pro Tausend. Auch die 103 Wohnungen, bestehend aus 28immern mit Badeeinrichtung, enthält. Ranalisationsgebühren erfahren eine bedeutende Erhöhung und Im Jahre 1908 wurde der Bau des Hauses Fuldastraße 14/15 be amar statt 4% Proz. jest 6,3 Proz. des Nußertrages. Diese Er gonnen. Das stattliche Gebäude enthält zwei Läden und 61 Woh- höhung ist eine Folge davon, daß ein Teil Hausbesizer, aufgeftachelt nungen mit zwei und 5 Wohnungen mit einem Zimmer und Zubehör. burch einige Terrainspetulanten, sich weigert, Kanalisations. Mit dem Beziehen dieses Hauses am 1. Oftober 1909 war die Bau- beiträge in Höhe von 50 mt. pro laufenden Meter zu zahlen. Sotätigkeit des Vereins borläufig beendet. Die Mietspreise der lange die Einsprüche nicht erledigt sind, müssen die erhöhten Ge Wohnungen find, an dem allgemeinen Wohnungsmarkt gemessen, bühren auch diejenigen zahlen, welche bereits Beiträge im Betrage verhältnismäßig niedrig. So toftet eine Dreigimmerwohnung im von 50 M. gezahlt haben. Hoffentlich werden jest so manche HausBorderhaus des Hauses Kaiser- Friedrich- Str. 202/203 mit Bad und befizer erkennen, daß sie lediglich die Leidtragenden sind, während Balkon 46-52 M., eine solche ohne Bad, aber mit Balkon 34-37 M. Die Terrainbefizer die zu zahlenden Beiträge in der Tasche behalEine Zweisimmerwohnung mit Bad und Balkon kostet 32-36 M. ten, denn solange diese an die Kanalisation nicht angeschlossen Im Borderhaus Elbestr. 84 erhält man bereits eine Dreizimmer- find, fönnen sie zu den Gebühren nicht herangezogen werden. Fast wohnung mit Bad und Balkon für 88-44 M., eine Wohnung von sämtliche Gesuche verschiedener Angestellten auf Gehaltsaufbesse zwei Zimmern inkl. Bad und Balton für 81-84 M. Die Bahl rungen und sonstige Vergünstigungen wurden leider nicht berücber den Verein angehörenden Mitglieder betrug am Schlusse des fichtigt und auf das nächste Jahr zur wohlwollenden Erwägung sei noch, daß der Verein bei der Anlage feiner Grundstücke für Spiel Jahres bis zum April dieses Jahres eine wöchentliche TeuerungsGeichäftsjahres 513. Die Haftiumme betrug 104 000 M. Bemerkt vertagt. Ebenso ergeht es den Arbeitern, die vom Oktober vorigen und Turngelegenheit der Kinder Sorge getragen hat. zulage von zwei Mart erhielten; diese Teuerungszulage soll vom die nette Summe von 133 483 Mt. zu zahlen und für ben me 1. April ab in Fortfall kommen. An den Kreis hat unser„ Dorf" verband find einstweilen 1000 m. in den Etat eingesetzt. In aller nächster Zeit werden die Statsberatungen im Plenum beginnen. Eine aufregende Ssene spielte fich am Sonntag früh fura bor 8 Uhr im Hause Triftstraße 54 ab. Aus bisher unbekannter Urfache stürzte sich dort ein junges, achtzehn Jahre altes Mädchen Anna Schulz, dessen Eltern in Steglik wohnen, aus einem Fenster des dritten Stodmerts auf den Hof hinab, wo es schwer berlebt liegenblieb. Hausbewohner schafften die Unglückliche sofort nach dem Virchowkrankenhaus, wo fie Aufnahme fand. Ihr Zustand gibt zu Bedenken Anlaß. Im Köllnischen Park wurde in der Nacht zum Sonntag ein älterer Mann aufgefunden, der sich mit einem Taschenmesser die Bulsader am linken Handgelent geöffnet hatte. Arbeitslosigkeit hatte den Unglücklichen zu der Tat getrieben. Zwei schwere Straßenunfälle ereigneten sich am Sonnabend. abend in der Siemensstraße und am Bionsfirchplatz. An der ersten Stelle wurde ein fünfjähriger Knabe Werner 3issel, dessen Eltern in der Waldstraße 28 wohnen, von einem Müllwagen überfahren. Das Kind erlitt einen komplizierten Bruch des rechten Oberschenkels und wurde nach dem Krankenhaus Moabit geschafft, wo das rechte Bein amputiert werden mußte. Am Bionskirchplatz geriet eine ältere Frau, deren Personalien noch nicht feststehen, unter die Räder eines Geschäftswagens. Die Berunglüdte trug schwere Beinquetschungen und andere Verlegungen dabon, so daß fie nach dem Lazarustrantenhaus transportiert werden mußte. Der Naubmordanschlag auf den Chauffeur Grundmann auf ber Döberizer Heerstraße gab, wie wir mitteilten, Veranlassung zur Berhaftung von zwei jungen Männern. Im Laufe des gestrigen Tages wurde aber einer wieder entlassen, da eine Gegenüber stellung der Leute, die die Räuber gesehen hatten, mit den Festgenommenen ergab, daß fie für den Raubanfall nicht in Frage fommen. Einer der beiden, ein Kellner Mag Herrnfeld, wurde jeboch dem Untersuchungsrichter zugeführt, weil er, wie wir gleich falls berichteten, einen Startoffelhändler mit einem Komplicen überfallen hat und ihn berauben wollte. mung mitgenommen. vorigen Jahres aus Anlaß des Braudes auf dem Hermannplay fich Zeugen gesucht. Diejenigen Perfonen, welche am 18. November in der Nähe der Apotheke aufgehalten haben, werden gebeten, ihre breffe bei Otto Kluczyniti, Emjer Str. 78, abzugeben. Lichtenberg. der folgen. Briefkaften der Redaktion. Die städtischen Arbeiter waren am 15. März im Kronprinzengarten versammelt, um zur Behandlung ihrer Anträge Stellung Einen schweren Berlust hat ein Arbeiter Brömberg in der zu nehmen. Die Arbeiter hatten im Herbst davon Abstand ge Die furistische Sprechstunde findet Stubenstraße 69, born bier Treppen Wiesenstraße 3 erlitten. Er hatte sich am Sonnabend nach 8 Uhr Die eingereichten Anträge sollten nur die bisherige Ungleichheit von 4% bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefagen efter furt nommen, allgemeine Anträge auf Neuregelung der Löhne zu stellen. Fahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7% Uhr abends, Sonnabends, mit seiner Frau auf kurse Beit aus der Wohnung entfernt, um in den Löhnen, der Ueberstundenbezahlung und Ar- ist ein Buchstabe und eine Sahl als Merkzetchen beizufügen. Briefliche Antwort Einkäufe zu machen. In der Zwischenzeit hat ein Spizbube die beitszeit beseitigen. Außerdem war die Differenzzahlung im wird nicht erteilt. Anfragen, benen teine trage man in bet pregime but Gelegenheit beruht, fast sämtliche Kleider, darunter einen dunklen Winterpaletot, einen Sommerpaletot, einen schwarzen Gehrod Krankheitsfalle, die Errichtung eines Arbeiterausschusses für die Bewerben nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. anzug und zwei andere Jackettanzüge zu stehlen. Für einen Ar- Allgemeinen Arbeitsordnung und die Erweiterung des Sommer- schwerde bei der Schulbehörde erscheint angebracht. Drewin 100. Beleidigung halten wir nicht für vorliegend. Eine Bebeiter ist ein solcher Verlust unersetzlich. Der Pursche wird wie G. 2. 1000. folgt beschrieben: Ungefähr 1,70 Meter groß, kräftig, volles Gesicht, berichtete über die Behandlung der Anträge in der Petitionsfom 18. Junt d. 3. erfolgt. 2. Läßt sich nur nach Einsichtnahme in den Miets urlaubes gefordert worden. Stadtverordneter Genosse Seitel Wenn die Krankheit länger als 14 Tage andauert, tann Entlassung er5. S. 78. 1. Die Rechte bleiben erhalten, falls Umtausch bis ohne Schmurrbart und ungefähr 25 Jahre alt. Er trug einen grau- mission und im Plenum der Stadtverordnetenberfammlung. In vertrag beantworten. gestreiften Ulster und steifen, schwarzen Gut. In ganz kurzer Zeit, der Petitionskommission sind die Anträge mit einigen geringen wärts". 3. Wenden Sie sich an die Buchhandlung„ Vornachdem er ins Haus trat, tam er wieder, mit einem Reiseforb auf Streichungen zur Annahme gelangt. Allein die generelle Regelung Schaden erfekt verlangen. c) Beschwerde bei dem aufsichtführenden Richter .. 1000. a) Ja. b) Sie können den etwa entstehenden der Schulter, heraus; diesen Korb hat er ebenfalls aus der Woh- der Differenzzahlung war nicht zu erreichen. Hier soll es bein des Amtsgerichts, in dessen Bezirk Ihre Wohnung liegt Matternftr. bisherigen Modus, der Entscheidung von Fall zu Fall durch die Nr. 7. Die Erben also auch die Witwe haften für die Miete bis Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am gestrigen betreffende Deputation, bleiben. Das Plenum der Stadtverordneten einschließlich September b. 8. Stündigung muß stattfinden. Erbonkel. Montag nachmittag gegen 8 Uhr an der Ede der Ader- und Inva- versammlung hat die Anträge trop Befürwortung durch unsere dem Wirt gegenüber wirkungslos, da dessen gesetzliches Pfandrecht älter iſt. 1875. W. 2. 1874. 1. Nein. 2. Ja. 3. Anfechtbar, übrigens fidenstraße. Dort wollte der 50jährige Kesselflider Konrad Stali- Genossen bis zur Bereinigung mit Rummelsburg zurüdgestellt. Die ganze Rechtslage erscheint leider für Sie ungünstig. G. 8. 1. czemsty. Stegliger Straße 71 wohnhaft, das Gleis überschreiten, Nach der Auffassung des Redners dürfte die endgültige Regelung 1. bis 3. Die Eltern find nicht haftbar. Eine Klage erscheint aussichtslos. als er einen Motorwagen der Linie 57 herannahen sah. Um dem dieser Frage in Kürze erfolgen. Kollege Polenste wies in der Dis 5. 2. 8. Beschweren Sie sich bei dem Vorstand der Anwaltskammer. Waggon auszuweichen, trat er auf das soeben überschrittene Gleis fussion darauf hin, daß bei einigermaßen gutem Willen die Sache&. St. 32. 1. Das sind Fragen, über die der Nichter nach eigenem zurück und wurde nunmehr von dem inzwischen herangekommenen zum 1. April hätte erledigt werden können. Nach der erfolgten Ermessen befindet. 2. Wir halten die Kaffe für verantwortlich.$.100. Motorwagen der Linie 61 erfaßt und so unglücklich zu Boden Gingemeindung wäre es dann nur notwendig gewesen, die nach an das Landratsamt 5. R. 1000. 1. Ja. 2. Kann berücksichtigt M. 6. 81. 1. Sofort nach Eingang des Urteils. 2. Ja. geriffen, bat er zwischen die beiden Wagen geriet. St., ber eine dieser Regelung etwas höheren Anfangslahnfage auch ben hinzu. werben. M. 6. 81. Das Entlassungsgrund. 8. 100. Darüber ſhmere Gehirnerschiffering unb laffenbe Stopfunden erlitten tommenden Rummelsburger Gemeindearbeitern guzubilligen. Im bat ber Bormund zu beſtimmen. B. 4. 1. Das mussen wir aber schwere hatte, wurde dem Lazarus- Krankenhaus übergeführt. Auftrage der Vertrauensleute unterbreitete er der Versammlung lich ablehnen. 2. Sie sind zur Lieferung gemäß dem unterschriebenen Abden Borschlag, die Eingemeindung abzuwarten. Sollte dann die kommen verpflichtet, A. B. 100 und andere. Ueber Steuerfragen, Ein Rechtsanwalt wegen Unterschlagung verhaftet. Angelegenheit nicht baldigst ihre Erledigung finden, würden weitere auch über die Frage, welche Abzüge zulässig sind, erscheint dieser Tage ein Schritte unternommen werden. Nach unwesentlicher Debatte Artikel, auf den die vielen Fragesteller verwiesen werden. D. G. 100. Der Rechtsanwalt und Notar Justizrat Dr. Friedrich Munckel, stimmte die Versammlung einstimmig einer Resolution zu, worin 1. Nein. 2. Benben Sie sich an die Offenbacher Frauenkaffe, With. Hinz, bessen Bureauräumei fich Kronenstraße 61-63 befinden, ist gestern sie bedauert, daß die Anträge bis auf weiteres zurüdgestellt wurden. Bringenſtr. 66. P. O. 2. 29. 1. und 2. Anmeldung beim Magiftrat vormittag auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in seiner Woh Die Versammlung gab der Meinung Ausbruck, daß die Neuregelung Anmeldung beim Batentamt. und bei der Polizeibehörde. Soften entstehen nicht. 3. Gtwa 50 M. nung in Charlottenburg, Bismardßraße 69, berhafte worden. Es ohne Rücksicht auf die bevorstehende Gingemeindung erfolgen fonnte. Die Sprechstunde; Shre Angaben reichen nicht aus. 4. Steine. wird ihm zur Lft gelegt, Gelder, die bei ihm für Reichsstempel- Die Versammelten sprachen die Erwartung aus, daß die im Pe G. K. Niederléhme. Der Anspruch erscheint begründet. gebühren eingegangen waren, in Höhe von etwa 30 000. unter- titionsausschuß angenommenen Anträge sobald wie möglich und Die vorherige Anmeldung bet der Steuerbehörde ist givemäßig. fchlagen und nicht an die Reichsstempeltasse. abgeführt zu haben. awar mit Geltung ab 1. April zur Annahme gelangen. Mandanten fowie Mündelgelder find völlig unberührt. Juſtigrat Lebhaft bebauern die Versammelten, daß der Antrag auf Mundel steht im 49. Lebensjahre und ist der Sohn des im Jahre generelle Regelung der Differenzzahlung im Krankheitsfalle nicht 1903 veriorbenen freifinnigen Abgeordneten Mundel. Er war berücksichtigt wurde; sie erklären, nicht eher ruhen zu wollen, bis ftets ein ftrebjamer und bescheidener Mann, der für gefellschaftliche diefe wichtige Frage eine befriedigende Lösung gefunden hat. Bergnügungen und Theater nur wenig Zeit und Gelb übrig hatte. Auch seine Wohnung im vierten Stodivert des Gartenhauses in der In der Erkenntnis aber, daß eine starte Organisation die Borbedingung für eine günstige Regelung der Sohn- und Arbeits. B. 8. Kommen Sie in 23. 23. 99. Rein. 8. B. 26. 23. M. 48. Nein. D. G. 100. Nein. Reklamieren Ste. O. P. 54. 1. und 2. Ja. 8. Nein. 23. R. 99. 4. Wochenlohn unter Anrechnung des Krankengelbes. 2. 14 Tage. Abiweichende mand iche Bereinbarung wäre ebenfalls gültig. 3. Sie haben Anspruch auf Bahlung des höheren Krankengeldes an die Krankenkasse; diese hält sich an den Unternehmer. 2. 2. 2. Nein. 3. Etwa 300 m. 4. Richtet sich nach ben Bormeldungen; es Schöneberg. 1. Bis zum 80. Jahre. tönnen mehrere Jahre vergehen. Anstellung durch das Polizeipräsidium. Verkäufe. Zehn Prozent Rabatt Bortvårts. lefern. Möbel: Lechner, Brunnenstr. 7,1 Arbeiter- Mufterwohnungen. Für p am Rosenthaler Tor, Spezial- Möbel- jedermann leicht erwerbbar, sehr billig, Teppiche, Farbenfehler, jekt fabelhaus. 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